Decision ID: 815c68f5-6374-5db8-9aa7-a2feeb3ea1d7
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die eritreische Staatsangehörige A._ (Beschwerdeführerin) reiste
am 20. Juli 2014 in die Schweiz ein und stellte am selben Tag ein Asylge-
such (Akten der Vorinstanz [vi-act.] A1, A6 [BzP] Ziff. 1.08 f., 5.03). Mit Asyl-
entscheid vom 27. November 2015 anerkannte das Staatssekretariat für
Migration (SEM, Vorinstanz) die Beschwerdeführerin als Flüchtling und ge-
währte ihr Asyl (vi-act. A32).
B.
Am 26. Januar 2016 stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um Fami-
lienzusammenführung mit ihrem Ehemann B._ (geb. 1980), den
Zwillingstöchtern C._ und D._ (geb. [...] 2009) und dem
Sohn E._ (geb. [...] 2011) (vi-act. Z1).
C.
Am 24. Juni 2016 schrieb das SEM das Gesuch um Familiennachzug be-
züglich des Ehemannes als gegenstandslos geworden ab, da er gemäss
Angaben der Beschwerdeführerin als verschwunden gelte, nicht erreichbar
und sein Rechtsschutzinteresse auf Einreise in die Schweiz auf absehbare
Zeit rein abstrakter Art sei (vi-act. Z6). Bezüglich der Kinder wurde der Be-
schwerdeführerin am selben Tag auferlegt, ein DNA-Gutachten zum Nach-
weis der Verwandtschaft beizubringen (vi-act. Z5).
D.
Nach mehreren bewilligten Fristerstreckungsgesuchen stellte das SEM am
17. Januar 2018 fest, dass gemäss bisherigen Mitteilungen der Beschwer-
deführerin sich die Töchter noch in Eritrea aufhalten sollen – sie seien beim
Versuch der Ausreise aufgegriffen worden –, während der Sohn im Sudan
sein solle. Da unklar sei, weshalb der DNA-Test des Sohnes nicht vorliege
und wo sich die Töchter aufhielten, gleichzeitig keine Identitätspapiere vor-
lägen, beabsichtige das SEM, das Verfahren als gegenstandslos geworden
abzuschreiben. Die Beschwerdeführerin wurde zur Stellungnahme aufge-
fordert (vi-act. Z12).
E.
Die Beschwerdeführerin teilte am 25. Januar 2018 mit, sie sei mit ihrem
Ehemann im Scheidungsprozess. Die Töchter lebten aktuell bei der Fami-
lie des Ex-Mannes. Der Sohn habe bei ihren Eltern gelebt, sei für den DNA-
Test in den Sudan gereist. Die Schweizer Botschaft habe ihn dreimal weg-
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geschickt, er solle auf einen Anruf warten. Auch die H._ habe inter-
veniert. Nach zwei Monaten Wartezeit sei er von Verwandten des Ex-Man-
nes entführt worden, sein Aufenthaltsort sei unbekannt. Im Moment könne
sie nichts zur Sachverhaltsklärung beitragen, werde indes – sobald sie die
Möglichkeit habe – alle verlangten Dokumente besorgen und das Gesuch
neu einreichen (vi-act. Z13).
F.
Mit Verfügung vom 6. Februar 2018 hielt das SEM fest, dass das Verwandt-
schaftsverhältnis zu den Kindern, bezüglich welcher der Familiennachzug
beantragt worden sei, nicht belegt sei und schrieb das Verfahren als ge-
genstandslos geworden ab (vi-act. Z14).
G.
Mit Eingabe vom 21. Oktober 2018 beim SEM beantragte die Beschwer-
deführerin die Wiederaufnahme des Verfahrens. Während der Aufenthalts-
ort der Töchter – die beim Ex-Mann oder seiner Familie lebten – weiterhin
unbekannt sei, halte sich der Sohn inzwischen bei einer Bekannten in
F._/Äthiopien auf. Er sei damals (vgl. Bst. E) in G._/Sudan
bei Mitgliedern ihrer Familie gewesen, von dort durch Familienmitglieder
des Ex-Mannes entführt und bei einer Bekannten untergebracht worden.
Sie, die Beschwerdeführerin, habe diese zu überzeugen vermocht, das
Kind ihrer Familie zu übergeben.
H.
Das SEM nahm das Verfahren am 31. Oktober 2018 wieder auf. Es setzte
der Beschwerdeführerin Frist zur Einreichung eines DNA-Abstammungs-
tests, diverser Dokumente (darunter die Scheidungsurkunde und einen
Nachweis des Sorgerechts) und forderte sie auf, einen Fragenkatalog zu
beantworten, der sich schwergewichtig um die Entführung, Migrationsge-
schichte und den aktuellen Status ihres Sohnes drehte (vi-act. Z16).
I.
Die Beschwerdeführerin liess dem SEM am 14 Januar 2018 (recte: 2019)
Dokumente zur familienrechtlichen Situation und Antworten auf die gestell-
ten Fragen zukommen. Der DNA-Test sei ihrerseits durchgeführt, verzögert
aufgrund der Feiertage werde der Sohn den Test in den nächsten Tagen
machen (vi-act. Z17).
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J.
Gemäss Gutachten der I._ vom 4. März 2019 (vi-act. Z18, der Vo-
rinstanz zugegangen am 26. März 2019) liege eine biostatistisch errech-
nete Wahrscheinlichkeit von >99.9% für die Mutterschaft vor, womit diese
als mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erwiesen gelte.
K.
Am 14. Mai 2019 erteilte das SEM dem Sohn der Beschwerdeführerin eine
Einreisebewilligung zwecks Familienvereinigung, gültig vom 28. Mai 2019
bis 28. August 2019 (vi-act. Z20).
L.
Mit Eingabe an das SEM vom 5. Juni 2019 stellte die Beschwerdeführerin,
vertreten respektive begleitet durch den Flüchtlingssozialdienst der
H._ Bern, ein Gesuch um Übernahme der Einreisekosten für den
Familiennachzug (gemäss Offerte der International Organization for Migra-
tion IOM von mutmasslich Fr. 640.–; vi-act. Z21).
M.
Das SEM forderte die Beschwerdeführerin am 20. Juni 2019 auf, bis zum
10. Juli 2019 einen umfassenden Bericht über ihre persönliche finanzielle
Lage und die der nachzuziehenden Person samt Belegen einzureichen.
Sie habe Auskunft über die finanzielle Situation der Verwandtschaft abzu-
geben und Nachweise zu weiteren Finanzierungsbemühungen zu erbrin-
gen oder glaubhaft zu machen und darzulegen, weshalb sämtliche ande-
ren Möglichkeiten der Selbst- oder Fremdfinanzierung nicht in Frage kä-
men (vi-act. Z22).
N.
Mit Entscheid vom 9. August 2019 stellte das SEM fest, dass innert Frist
keine Antwort eingegangen sei, die verlangten Unterlagen nicht eingereicht
worden seien und wies das Gesuch um Übernahme der Einreisekosten ab
(vi-act. Z23, angefochtener Entscheid).
O.
Mit Eingabe vom 29. August 2019 erhob die Beschwerdeführerin Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht gegen diesen Entscheid. Sie
beantragte in der Sache, es seien ihr die Reisekosten ihres Sohnes von
F._ in der Schweiz zurückzuerstatten. In verfahrensrechtlicher Hin-
sicht beantragte sie die unentgeltliche Rechtspflege und die Möglichkeit
der Beschwerdeergänzung nach erfolgter Akteneinsicht.
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Seite 5
P.
Mit Zwischenverfügung vom 10. September 2019 verzichtete der Instrukti-
onsrichter vorerst darauf, einen Kostenvorschuss zu erheben und forderte
die Vorinstanz zur Vernehmlassung auf.
Q.
In ihrer Vernehmlassung vom 17. September 2019 schloss die Vorinstanz
sinngemäss auf Abweisung der Beschwerde.
R.
Mit Replik vom 9. Oktober 2019 bestätigte die Beschwerdeführerin sinnge-
mäss die Beschwerdebegehren.
S.
Die Vorinstanz schloss in der Duplik vom 23. Oktober 2019 wiederum auf
Abweisung der Beschwerde.
T.
Die Beschwerdeführerin triplizierte am 17. November 2019.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen
Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer in Art. 33 VGG aufge-
führten Behörde erlassen wurden. Das SEM gehört als Behörde nach
Art. 33 VGG zu den Vorinstanzen des Bundesverwaltungsgerichts. Eine
das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt
nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist somit zuständig für die Beur-
teilung der vorliegenden Beschwerde. Es entscheidet auf dem Gebiet des
Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG
[SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men, ist als Verfügungsadressatin und unterliegende Gesuchstellerin
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie
ist zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf
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die im Übrigen form- und fristgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten
(Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das Asylgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
AsylG).
2.
2.1 Mit der Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliess-
lich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-
rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht prüft Verfügungen des SEM im Anwen-
dungsbereich des Asylgesetzes nicht auf ihre Angemessenheit (Art. 106
Abs. 1 AsylG). Gemäss BVGE 2014/22 (E. 5.4 – 5.8) handelt es sich beim
Entscheid betreffend Übernahme der Einreisekosten um einen Ermes-
sensentscheid. Die Kognition beschränkt sich auf qualifizierte Fehler, d.h.
auf Missbrauch und Über- oder Unterschreitung des Ermessens (vgl. Urteil
des BVGer F-1534/2019 vom 11. September 2020 E. 4.3).
2.3 Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes
wegen an und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend
gemachten Gründen gutheissen oder abweisen (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
3.
3.1 Art. 92 Abs. 1 AsylG sieht vor, dass der Bund die Kosten der Ein- und
Ausreise von Flüchtlingen und Schutzbedürftigen übernehmen kann. Ge-
mäss Art. 92 Abs. 4 AsylG regelt der Bundesrat die Voraussetzungen und
das Verfahren zur Ausrichtung und Abrechnung der Beiträge. Der Bundes-
rat hat von der ihm übertragenen Rechtssetzungsbefugnis Gebrauch ge-
macht, indem er in Art. 53 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999
(AsylV 2, SR 142.312) den Kreis der Personen, für welche Einreisekosten
übernommen werden können, festgelegt hat. Dazu gehören gemäss
Art. 53 Bst. d AsylV 2 Personen, denen die Einreise im Rahmen der Fami-
lienzusammenführung mit anerkannten Flüchtlingen nach Art. 51 Abs. 4
AsylG oder nach Art. 85 Abs. 7 des Ausländer- und Integrationsgesetzes
(AIG, SR 142.20) bewilligt wird.
3.2 Aus den Materialien ergibt sich, dass die Übernahme von Einreisekos-
ten nach dem Willen des Bundesrates grundsätzlich restriktiv zu handha-
ben ist und dem SEM im Einzelfall ein Ermessensspielraum zukommt (vgl.
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Bericht vom Oktober 2007 zur Änderung der Asylverordnungen 1, 2 und 3
sowie der Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung von
ausländischen Personen [VVWA], S. 34). Im erwähnten Bericht wird auf
die Praxis des vormaligen BFM verwiesen, wonach die Einreisekosten in
Härtefällen übernommen werden, namentlich um zu verhindern, dass sich
durch eine Verzögerung der Ausreise bedürftiger Personen eine Gefahr für
diese ergeben könnte. Das BFM verlangte dabei grundsätzlich den Nach-
weis einer Mittellosigkeit und setzte voraus, dass weder die eingereisten
Personen selber noch Verwandtenunterstützungspflichtige nach Art. 328
ZGB und andere nahestehende Personen in der Lage sind, diese Kosten
zu übernehmen beziehungsweise vorzuschiessen. Nach bereits erfolgter
Einreise werden Gesuche um nachträgliche Übernahme beziehungsweise
Rückerstattung der Einreisekosten abgewiesen, da die notwendigen finan-
ziellen Mittel offensichtlich aufgebracht werden konnten (vgl. Ausführungs-
bestimmungen zur Teilrevision des Asylgesetzes vom 16. Dezember 2005,
Bericht zur Änderung der Asylverordnungen 1, 2 und 3 sowie der VVWA).
3.3 Diese Praxis ist vom Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich bestätigt
worden. Allerdings wurde – soweit nach erfolgter Einreise gestellte Gesu-
che um nachträgliche Übernahme beziehungsweise Rückerstattung der
Einreisekosten vom SEM gemäss der in den Materialien genannten Praxis
grundsätzlich abgewiesen werden – einschränkend festgestellt, dass ein
solcher Automatismus nicht sachgerecht erscheint. Es ist vielmehr im Ein-
zelfall zu prüfen, auf welche Weise die gesuchstellenden beziehungsweise
einreisenden Personen die Kosten der Einreise beglichen haben. Ferner
dürfte von Bedeutung sein, in welcher Situation sich die einreisewillige Per-
son in ihrem Heimatstaat befunden hat. Insbesondere in Fällen, bei denen
sich die betreffende Person wegen fehlender eigener Mittel und solcher
des familiären Umfeldes namentlich durch Aufnahme eines Darlehens bei
einem Kreditinstitut verschulden musste, beziehungsweise wenn die finan-
ziellen Mittel von dritter Seite vorgestreckt werden mussten, um einer akut
gefährdeten Person die Ausreise zu ermöglichen, kann eine Kostenüber-
nahme durch den Bund nicht von vornherein ausgeschlossen werden (vgl.
Urteile des BVGer F-7064/2018 vom 21. Juni 2019 S. 5 f., F-2973/2015
vom 10. Januar 2018 S. 5/6 und D-8299/2015 vom 18. Februar 2016 E. 3.3
m.H.).
4.
4.1 Im Laufe des Asylverfahrens gab die Beschwerdeführerin zu Protokoll,
ihre Eltern und drei – später zwei – Geschwister lebten in Eritrea, eine
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Schwester in den USA; später scheint der Bruder nach Australien ausge-
reist zu sein. Ansonsten hielten sich keine Angehörigen im Ausland auf,
namentlich nicht in der Schweiz (vi-act. A6, Befragung zur Person [BzP]
Ziff. 3.01-3.03; vi-act. 29, Anhörung, Q24 f.). Der Aufenthaltsort des Ehe-
mannes sei unbekannt; er sei im Juni 2013 aus dem Gefängnis geflohen
und seither sei sie ohne Nachricht von ihm; mutmasslich habe er die
Grenze zu Äthiopien überquert (BzP Ziff. 1.14, 3.03; Anhörung Q42 ff.). In
Eritrea sei sie keinem Erwerb nachgegangen, nach Abschluss des 12.
Schuljahres sei sie schwanger gewesen und folglich bis zur Ausreise «zu
Hause» geblieben (BzP Ziff. 1.17.04 f, Anhörung Q78 ff.). Im Verfahren be-
treffend den Familiennachzug galt der Ehemann vorerst als verschwunden,
was in Bezug auf diesen zur Abschreibung des Verfahrens führte (vorne,
Bst. C). Im Verlauf des Verfahrens kam es zur Scheidung (vi-act. Z17 mit
Beilagen).
4.2 Im Gesuch um Übernahme der Einreisekosten gab die Beschwerde-
führerin – respektive der Flüchtlingssozialdienst der H._ Bern – an,
die Angehörigen in Eritrea lebten in bescheidenen Verhältnissen; sie selber
sei im Rahmen einer Lehre teilerwerbstätig. Die öffentliche Sozialhilfe un-
terstütze sie mit dem Grundbedarf für eine Person und einer Integrations-
zulage von Fr. 100.–, zudem würden die Krankenversicherung und die
Wohnungsmiete finanziert (vi-act. Z21).
4.3 Die Vorinstanz hielt am 20. Juni 2019 fest, es seien die wirtschaftliche
Situation der einreisenden Person und des anerkannten Flüchtlings zu
überprüfen, aber auch die Möglichkeit der Kostenübernahme durch andere
nahe Verwandte. Eine Bestätigung einer Sozialhilfeorganisation über die
Unterstützung durch Sozialhilfe reiche nicht aus, um «von einer umfassen-
den Mittellosigkeit» auszugehen. Gesuchstellende müssten mit einem
«Bericht über ihre wirtschaftliche Situation» mit Belegen nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen, dass keine anderen Möglichkeiten der
Selbst- oder Fremdfinanzierung in Frage kämen. Entsprechend wurde die
Beschwerdeführerin aufgefordert, einen Bericht über ihre finanzielle Situa-
tion, jene der einreisenden Personen und anderer naher Verwandter ein-
zureichen, samt Belegen (Kontoauszüge, Vermögensbeträge, Auskünfte
und Belege zur finanziellen Situation des Ehepartners, seiner Familie, der
Verwandtschaft in der Heimat und in Drittstaaten, Auskünfte über die finan-
ziellen Verhältnisse der Verwandten wie Onkel und Tanten, sowie «Bemü-
hungen um weitere Finanzierungsmöglichkeiten in der eritreischen
Diaspora»). Es sei «insbesondere darzulegen, weshalb sämtliche anderen
Möglichkeiten der Selbst- oder Fremdfinanzierung nicht in Frage kommen
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würden, wie beispielsweise Übernahme oder Vorschiessen der Kosten
durch Verwandtenunterstützungspflichtige im Sinne von Art. 328 ZGB oder
andere nahestehende Personen in der Schweiz oder im Ausland».
4.4 Auf dieses Schreiben verwies die Vorinstanz im angefochtenen Ent-
scheid. Da die Beschwerdeführerin innert gesetzter Frist weder geantwor-
tet noch die geforderten Belege eingereicht habe, sei ein persönlicher Här-
tefall weder belegt noch glaubhaft gemacht.
4.5 In ihrer Beschwerdeschrift hielt die Beschwerdeführerin zur versäum-
ten Frist fest, sie verstehe nur wenig Deutsch, mache ihre Ausbildung in
Französisch und habe darum den Brief nicht verstanden. Sie habe ihn an
ihre Beraterin bei der H._ übergeben. Diese sei dann in den Ferien
gewesen und wegen des Wechsels in der Betreuung von der H._
(als Flüchtling) zum Sozialdienst ihrer Wohngemeinde sei die Zuständigkeit
nicht klar gewesen. Weiter habe sie Prüfungen gehabt und die – im Juli
2019 erfolgte – Einreise ihres Sohnes vorbereitet.
In der Sache führte sie aus, sie mache eine Ausbildung als Fachfrau Be-
treuung in einer Kita und erhalte ein Stipendium, das gerade die Lebens-
kosten für sie und ihren Sohn decke. Sie habe keine Verwandten in der
Schweiz, die ihr helfen könnten. Auch eine ratenweise Rückzahlung sei ihr
nicht möglich. Sie legte das aktuelle Budget gemäss den Sozialdiensten
ihrer Wohngemeinde vor. Diesem gemäss weist sie einen Bedarf von
Fr. 2'800.40 (Grundbedarf, Wohnkosten, KVG, auswärtige Verpflegung, In-
tegrationszulage) aus, bei Einkünften von Fr. 1'546.60 (Erwerbseinkom-
men, Stipendium) – mithin resultierte ein Fehlbetrag von Fr. 1'253.80.
4.6 Die Vorinstanz bemängelte in ihrer Vernehmlassung vom 17. Septem-
ber 2019, dass die Beschwerdeführerin zwar ein Gesuch um Einbezug des
Sohnes in ihrer Flüchtlingseigenschaft gestellt, aber das SEM nicht darüber
in Kenntnis gesetzt habe, dass dieser inzwischen eingereist sei. Es bestün-
den keine Anhaltspunkte, weshalb die Beschwerdeführerin den Entscheid
des SEM bezüglich der Einreisekosten nicht abgewartet und die verlangten
Unterlagen nicht eingereicht habe. Offensichtlich sei sie in der Lage gewe-
sen, die Einreise zu finanzieren Auch lege sie nicht dar, weshalb es ihr nicht
möglich sein soll, die Einreisekosten ratenweise abzuzahlen.
4.7 Die Beschwerdeführerin legte in ihrer Replik vom 9. Oktober 2019 dar,
mit welchen Schritten sie sich um die Anmeldung ihres Sohnes bemüht
habe und legte eine Anmeldebestätigung der Fremdenkontrolle ihrer
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Wohngemeinde vor. Die Einreise des Sohnes habe die H._ mit der
IOM abgesprochen und organisiert. Diese habe auch die Reisekosten vor-
geschossen; sie sehe kein Fehlverhalten darin, dass sie den Entscheid
nicht abgewartet habe, und habe der H._ vertraut. Zur Frage der
Rückzahlungsmöglichkeit mit Ratenzahlungen verwies sie auf das Budget,
welches durch auch nur geringe Ratenzahlungen belastet würde.
4.8 In ihrer Duplik vom 23. Oktober 2019 verwies die Vorinstanz auf die
grundsätzlich restriktive Praxis der Übernahme von Einreisekosten. Diese
würden praxisgemäss in Härtefällen übernommen, namentlich um zu ver-
hindern, dass sich durch eine Verzögerung der Ausreise bedürftiger Perso-
nen eine Gefahr für diese ergeben könnte. Das sei «vorliegend offensicht-
lich nicht der Fall gewesen». Gesuche um nachträgliche Übernahme der
Kosten würden abgewiesen, da die notwendigen finanziellen Mittel offen-
sichtlich hätten aufgebracht werden können; diese Praxis habe das Bun-
desverwaltungsgericht im Grundsatz bestätigt.
Nach wie vor, so die Vorinstanz weiter, habe die Beschwerdeführerin keine
Unterlagen zu ihrer finanziellen Situation eingereicht; die Prüfung der Vor-
aussetzungen eines Härtefalles sei damit nach wie vor nicht möglich. Zu-
dem sei den Akten zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin 2015
ein Reisedokument habe ausstellen lassen. Es stelle sich die Frage, wozu
sie bei angeblicher Mittellosigkeit eines solchen bedürfe respektive wie sie
sich die Reisen finanziere, für welche sie dessen bedurft habe. Abschlies-
send nahm die Vorinstanz zu Fragen der Anmeldung Stellung, die vorlie-
gend nicht weiter relevant sind.
4.9 Die Beschwerdeführerin nahm in ihrer abschliessenden Eingabe vom
17. November 2019 zur Frage der Einreise vor Entscheid über das Gesuch
Stellung: Es handle sich vorliegend um ein achtjähriges Kind, das mit der
Mutter zusammenleben wollte. Sie habe dieses nach Äthiopien schicken
müssen, um eine weitere Entführung zu verhindern. Dort sei der Knabe
auch nicht sicher gewesen, habe nicht in die Schule gehen können. Auch
sei er von den Ereignissen «angeschlagen, wenn nicht traumatisiert». Die
Einreise sei dringend gewesen. Die finanzielle Situation habe sie mit den
eingereichten Unterlagen der Sozialdienste nachgewiesen. Sie legte der
Triplik ein aktualisiertes Budget bei. Gemäss diesem stehen einem Bedarf
von Fr. 2'892.30 Einnahmen von Fr. 3'496.60 gegenüber (Überschuss
Fr. 604.30) die gegenüber dem früheren Budget deutlich höheren Stipen-
dien (Fr. 2'950.– statt Fr. 1'000.–) gehen gemäss Budget an die Sozial-
dienste, die ihrerseits Auszahlungen an die Beschwerdeführerin und an
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Dritte direkt vornehmen. Das Reisedokument, so die Beschwerdeführerin
weiter, habe sie seit 2016; sie sei an Weihnachten 2018 zu ihrem Sohn in
F._ gereist. Den sehr günstigen Flug habe ihr damaliger Freund fi-
nanziert, mit dem sie indessen nicht mehr zusammen sei. Schliesslich ver-
wies sie darauf, dass sich die Frage der Anmeldung inzwischen offenbar
geregelt habe.
5.
5.1 Die Vorinstanz argumentiert, wenn auch nicht in der angefochtenen
Verfügung, so doch auf Beschwerdeebene, dass die Einreise bereits er-
folgt sei, und somit die Finanzierung möglich gewesen sei. Folglich könne
eine Rückerstattung praxisgemäss nicht zugesprochen werden. Diese Pra-
xis habe das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich bestätigt (Duplik,
S. 2 oben).
Damit gibt die Vorinstanz die bundesverwaltungsgerichtliche Praxis ver-
kürzt wieder. Wie vorstehend (E. 3.3) ausgeführt, erachtet das Gericht ei-
nen solchen Automatismus als nicht sachgerecht und verlangt eine Einzel-
fallprüfung. Inwieweit die Vorinstanz eine Gefährdung der einreisewilligen
Person als offensichtlich nicht gegeben erachtet, führt sie nicht aus. Sofern
sie sich dabei darauf beziehen sollte, dass sich diese nicht mehr im Verfol-
gerstaat (ihrer Eltern) aufhielt (vgl. Urteil des BVGer F-1429/2020 vom
26. November 2020 E. 5.2), so ist ihr entgegenzuhalten, dass es sich vor-
liegend um ein achtjähriges, im damaligen Zeitpunkt gemäss unbestrittener
Darstellung der Beschwerdeführerin nicht durch einen Familienangehöri-
gen begleitetes, mit unklarem Aufenthaltsstatus sich ausserhalb des Hei-
matlandes befindliches, Kind handelte. In dieser Situation gebietet das Kin-
deswohl, im Rahmen eines Verfahrens um Familienzusammenführung das
Anliegen der Vereinigung mit einem Elternteil zugunsten der gesuchstel-
lenden Person zu gewichten (vgl. Art. 10 Abs. 1 des Übereinkommens vom
20. November 1989 über die Rechte des Kindes, SR 0.107). Es liegt vor-
liegend auf der Hand, dass das Gesuch nicht schematisch hätte abgewie-
sen werden dürfen, wäre der Vorinstanz im Entscheidzeitpunkt klar gewe-
sen, dass die Einreise bereits erfolgt war.
5.2 Die Anforderungen, welche die Vorinstanz an die Gesuchstellung stellt,
erscheinen übertrieben hoch. Dazu im Einzelnen:
5.2.1 Die Vorinstanz selber teilte der Beschwerdeführerin mit, sie habe das
Vorliegen eines Härtefalles nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu
machen. Diese Reduktion des Beweismasses erscheint geboten, da nicht
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Seite 12
nur positiv die eigene finanzielle Situation nachzuweisen, sondern letztlich
der negative Beweis der fehlenden alternativen Finanzierungsmöglichkeit
zu führen ist. Glaubhaftmachen bedeutet indes, dass es genügt, der Be-
hörde aufgrund objektiver Anhaltspunkte den Eindruck einer gewissen
Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins der in Frage stehenden Tatsache
zu vermitteln, ohne dass dabei die Möglichkeit ausgeschlossen sein muss,
dass die Verhältnisse sich auch anders gestalten könnten. Glaubhaft ge-
macht ist daher eine Tatsache schon dann, wenn für deren Vorhandensein
gewisse Elemente sprechen, selbst wenn die Behörde noch mit der Mög-
lichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht haben könnte (BGE 142 II
49 E. 6.2; Urteil des BGer 4A_527/2020 vom 22. April 2021 E. 3.2).
5.2.2 Vor diesem Hintergrund ist festzustellen, dass die Beschwerdeführe-
rin ihr Gesuch durch den (damals) betreuenden Flüchtlingssozialdienst
stellte, der zwar nur kursorische Angaben machte, aber doch klar festhielt,
dass sie durch die öffentliche Sozialhilfe (mit Grundbedarf, KVG-Prämie
und Wohnkosten) unterstützt werde. Eine solche Bestätigung ist mit Be-
stimmtheit detaillierter wünschbar und auch möglich. Gleichwohl spricht sie
für eine glaubhaft gemachte prekäre wirtschaftliche Lage; nicht zu verges-
sen ist, dass die Beschwerdeführerin als Asylsuchende mittellos einreiste
(BzP Ziff. 1.17.06 f.) und nicht erkennbar ist, dass sie seither eine Möglich-
keit zum Vermögensaufbau gehabt haben könnte.
5.2.3 Die Finanzierung der Einreisekosten durch den Bund soll subsidiär
sein; indessen muss sich der Kreis der Finanzierungsmöglichkeiten, den
man vorab auszuschöpfen hat, sinnvoll begrenzen lassen – andernfalls
wird die Gesuchsprüfung durch zu weit gezogene Anforderungen nicht nur
restriktiv, sondern eine Gutheissung von vorneherein illusorisch (womit
eine Ermessensunterschreitung [vorne, E. 2.2] vorläge). Primär orientiert
sich die Praxis deshalb an der Figur der Verwandtenunterstützungspflicht
gemäss Art. 328 f. ZGB, ergänzt um «andere nahestehende Personen»
(vorne, E. 3.2). Die zitierte Verwandtenunterstützungspflicht betrifft ab-
schliessend Verwandte in auf- und absteigender Linie und damit weder ent-
ferntere Verwandte noch Verschwägerte (vgl. KOLLER, in Geiser/Fountou-
lakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl., Rz. 6 zu
Art. 328/329 ZGB). Angesichts dieses sehr engen Anwendungsbereiches
der Verwandtenunterstützungspflicht muss der Kreis der «anderen nahe-
stehenden Personen» seinerseits begrenzt sein und dürfte den Kreis von
Personen mit – wenn nicht rechtlicher so doch – moralischer Unterstüt-
zungspflicht kaum überschreiten. Wenn die Vorinstanz von der Gesuch-
stellerin einen Bericht über die finanzielle Situation aller möglichen Tanten
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Seite 13
und Onkel und des (in casu ohnehin geschiedenen und nicht greifbaren)
Ehemannes samt seiner Familie verlangt, sprengt sie den Rahmen der
«nahestehenden Personen» offensichtlich respektive führt das mit der Ver-
wandtenunterstützungspflicht postulierte, enge Eingangskriterium ins Ab-
surde. Überdies stellt sich die Frage, ob eine Dokumentation der finanziel-
len Lage der gesamten, weitgehend in einem technisch weniger entwickel-
ten Land ansässigen, Verwandtschaft überhaupt mit sinnvollem Aufwand
zu bewältigen wäre – und ob dieses Erfordernis mit dem Beweismass des
Glaubhaftmachens vereinbar ist. Was den Ehemann angeht, scheint die
Vorinstanz den Nachweis der Scheidung und des Sorgerechts akzeptiert
zu haben; aus den Scheidungsunterlagen ergibt sich kein Anhaltspunkt für
eine Unterhaltspflicht. Unabhängig davon, ob die behaupteten Kindesent-
führungen in der von der Beschwerdeführerin geschilderten Form zutref-
fen, kann aufgrund der Akten jedenfalls als glaubhaft angenommen wer-
den, dass das eheliche Verhältnis zerrüttet ist und der Ex-Ehemann (oder
dessen Familie) sich kaum veranlasst sähe, die Beschwerdeführerin auf
Grundlage einer moralisch verstandenen Fürsorgepflicht zu unterstützen
oder auch nur die finanziellen Verhältnisse zu dokumentieren.
5.2.4 Jegliche Konturen verliert das Kriterium der alternativen Finanzie-
rungsmöglichkeiten mit Hilfe nahestehender Personen schliesslich dann,
wenn die Vorinstanz einen Nachweis erwartet, dass eine Finanzierung aus
einer diffusen Entität wie der «eritreischen Diaspora» nicht möglich sei –
ganz abgesehen davon, dass ein solcher negativer Nachweis nicht er-
bracht werden kann.
5.3 Gestützt auf die Akten ist – wie gesagt – festzuhalten, dass die Be-
schwerdeführerin als mittellos zu gelten hat (vorne, E. 4.2 und 5.2.2). Sie
hat keine Angehörigen in der Schweiz; die Verwandtschaft lebt mit Aus-
nahme zweier Geschwister in Eritrea. Die Ehe mit dem eritreischen, sich
möglicherweise in Äthiopien aufhaltenden, eventuell aber ohnehin nicht
greifbaren, Ehemann ist geschieden (vorne, E. 4.1). Eine Lebenspartner-
schaft ist nicht bekannt (vorne, E. 4.9).
5.4 Unklar ist die wirtschaftliche Situation der in den USA und Australien
wohnhaften Geschwister. Zumindest nach allgemeinem kontinentaleuropä-
ischen Verständnis gälten solche vermutungsgemäss als nahestehende
Personen und sollte eine nachvollziehbare Dokumentation der wirtschaftli-
chen Lage vor us-amerikanischem und australischem Hintergrund mit an-
gemessenem Aufwand zu bewältigen sein. Die Frage kann jedoch offen
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gelassen werden, da die Beschwerde aufgrund der folgenden Überlegung
abzuweisen ist.
5.5 Im Entscheidzeitpunkt war die Einreise des Sohnes der Beschwerde-
führerin bereits erfolgt; die Frage der Mittellosigkeit schliesst damit auch
die Umstände der Finanzierung und deren Amortisation mit ein.
5.5.1 Dazu ist vorauszuschicken, dass die Behörde den Sachverhalt zwar
gestützt auf Art. 12 VwVG von Amtes wegen feststellt (und sich nötigenfalls
der unter Buchstaben a–e aufgelisteten Beweismittel bedient). Dieser Un-
tersuchungspflicht der Vorinstanz stehen indes gesetzliche und aus Treu
und Glauben abgeleitete Mitwirkungspflichten der Parteien gegenüber und
es hat eine beschwerdeführende Partei auch in einem dem Untersu-
chungsgrundsatz unterstehenden Verfahren gewisse Substantiierungs-
und Beweislasten zu tragen (Art. 13 Abs. 1 VwVG und Art. 5 Abs. 3 BV; vgl.
BGE 142 II 433 E. 3.2.6 zur Geltung der allgemeinen Beweislastregel des
Art. 8 ZGB im öffentlichen Recht und Urteil des BGer 2C_177/2018 vom
22. August 2019 E. 3.3 f. zu den der beschwerdeführenden Partei oblie-
genden Behauptungs- und Substantiierungslasten, je m.w.H.).
5.5.2 Es hätte der fachkundig begleiteten Beschwerdeführerin aufgrund
von Treu und Glauben oblegen gehabt, den sich zeitnah nach der Gesuch-
stellung (und noch vor dem angefochtenen Entscheid) einstellenden Um-
stand der organisierten und vorfinanzierten Einreise gegenüber der Vorin-
stanz transparent zu machen. Es kann dieser somit kein Vorwurf gemacht
werden, dass sich der angefochtene Entscheid mit diesem Aspekt nicht
auseinandersetzte.
5.5.3 Gleichzeitig hatte die Beschwerdeführerin – spätestens auf Be-
schwerdeebene – die Umstände der Finanzierung und Amortisation der
Einreisekosten zu substantiieren und zu belegen.
5.5.3.1 Hierzu führt die Beschwerdeführerin einzig und ohne Beleg aus, die
H._ habe ihr die Kosten vorgeschossen und eine Rückzahlung –
auch in Raten – würde ihr Budget über Gebühr belasten.
5.5.3.2 Es ist nun zwar durchaus denkbar, dass ein knappes, von der öf-
fentlichen Sozialhilfe gestütztes, Budget durch eine Rückzahlungspflicht
von darlehensweise vorgeschossenen Reisekosten so erheblich belastet
sein kann, dass die nachträgliche Übernahme durch den Bund geboten
erscheint (vgl. Urteil des BVGer D-8299/2015 vom 18. Februar 2016
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E. 5.2). Voraussetzung zur Glaubhaftmachung ist indessen, dass die Um-
stände der Bevorschussung auch transparent gemacht werden.
5.5.3.3 Vorliegend ist festzustellen, dass die Einreisevorbereitungen paral-
lel zur Gesuchstellung erfolgten. Dabei wurde die Beschwerdeführerin
durch die H._ Bern betreut, welche gemäss ihren Aussagen damals
in ihrer Funktion als Flüchtlingssozialdienst wirkte. Die H._ soll von
der Beschwerdeführerin auch die Aufforderung der Vorinstanz zur Doku-
mentation ausgehändigt bekommen haben, bevor sich die Fürsorgezu-
ständigkeit (im Sinne der Übertragung an die Wohngemeinde) geändert
habe. Zumal die Beschwerdeführerin in der Beschwerde angibt, nicht ge-
nügend Deutsch für eine Stellungnahme zu beherrschen, mit dem Gericht
aber in fehlerfreiem Deutsch verkehrt, ist weiterhin von einer Unterstützung
im Hintergrund auszugehen – ob durch die H._ oder jemand ande-
res, ist zwar unklar, doch hatte diese nach Angaben der Beschwerdeführe-
rin zumindest bis und mit Instruktion durch die Vorinstanz die Federführung
inne. Gleichzeitig organisierte die H._ gemäss Vorbringen auf Be-
schwerdeebene die Einreise des Sohnes. Es liegt auf der Hand, dass auf
Seiten der Beschwerdeführerin oder der H._ (deren Handeln im
Verfahren jener zuzurechnen ist) das Bewusstsein vorhanden sein musste,
dass zur Gesuchsprüfung detaillierte Angaben und Dokumente erwartet
würden. Während die Dokumentation der finanziellen Verhältnisse der ge-
samten eritreischen Verwandtschaft als eher überzogene Erwartung er-
scheint (vorne, E. 5.2.3), ist die Umschreibung und Dokumentation einer
Vorschussfinanzierung durch eine schweizerische Sozialeinrichtung, die
auch als Sozialdienst agiert, ein erfüllbares Erfordernis.
5.5.3.4 Dessen ungeachtet legt die Beschwerdeführerin die Umstände der
Finanzierung nicht offen. Es ist damit nur behauptet, aber nicht belegt, dass
es sich überhaupt um einen (rückzahlbaren) Vorschuss handelte. Es wäre
sodann weiter unklar, ob dies beispielsweise in der Form eines Darlehens
erfolgte (und, bejahendenfalls, mit welchen Konditionen) oder ob der Vor-
schuss im Sozialhilfebudget (damals) der H._ berücksichtigt wor-
den und die Rückzahlung in irgendeiner Form mit dem aktuell offenbar vor
sich gehenden Schuldenabbau gegenüber den Sozialdiensten integriert
wäre und somit langfristig und auf Zusehen hin erfolgte.
5.5.4 Die Umstände der Finanzierung und damit deren Auswirkung auf die
wirtschaftliche Lage der Beschwerdeführerin bleiben damit weitgehend im
Dunkeln und müssen als nicht glaubhaft gemacht angesehen werden.
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5.6 Die Abweisung des Gesuchs um Übernahme der Einreisekosten stellt
damit auch unter Berücksichtigung der gegenüber der Gesuchstellung ver-
änderten Ausgangslage keine Bundesrechtsverletzung dar, auch nicht im
Sinne eines vorstehend (E. 2.2) skizzierten qualifizierten Fehlers in der
Ausübung des Ermessens.
5.7 Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
6.
6.1 Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf An-
trag von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren
nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Dabei verfügt nicht
über die erforderlichen Mittel, wer ohne Beeinträchtigung des notwendigen
Lebensunterhaltes die Prozesskosten nicht zu bestreiten vermag. Begeh-
ren sind dann als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaussichten be-
trächtlich geringer sind als die Verlustgefahren (BGE 139 III 396 E. 1.2
m.H.); Begehren, bei denen die Gewinnaussichten und die Verlustgefahren
sich ungefähr die Waage halten, werden nicht als aussichtlos angesehen,
wobei massgebend ist, ob eine Partei, die selbst über die notwendigen Mit-
tel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschlies-
sen würde (BGE 140 V 521 E. 9.1 m.H.).
6.2 Aufgrund der eingereichten Belege der sozialen Dienste der Wohnge-
meinde der Beschwerdeführerin kann von der andauernden Bedürftigkeit
der Beschwerdeführerin ausgegangen werden; zwar kann sie nach dem
letzten eingereichten Beleg Schulden bei der öffentlichen Fürsorge abtra-
gen, jedoch nicht aus eigener Kraft (sondern wegen höherer Stipendien).
Auch können die Begehren nicht als von vornherein – im vorstehend skiz-
zierten Sinn – aussichtslos angesehen werden. Das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege ist gutzuheissen.
6.3 Die Beschwerdeführerin ist folglich von der Bezahlung der Verfahrens-
kosten – die ihr grundsätzlich aufgrund ihres Unterliegens aufzuerlegen
wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG) – zu befreien.
(Dispositiv nächste Seite)
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Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG wird gutgeheissen.
und erkennt:
2.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
4.