Decision ID: ad39115b-5caa-45c2-9e12-37d89b04a1a7
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 15.11.2010 Art. 17 ATSG. Rentenrevision. Eintretensvoraussetzung: Glaubhaftmachung einer relevanten Veränderung des Sachverhalts. Materielle Revisionsvoraussetzungen: Verschlechterung des Gesundheitszustandes muss überwiegend wahrscheinlich sein. Den gleichen Sachverhalt im Zeitverlauf unterschiedlich zu beurteilen, begründet keinen Revisionsgrund (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. November 2010, IV 2009/209).
Abteilungspräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen Monika
Gehrer-Hug und Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiberin Philia Roth
Entscheid vom 15. November 2010
in Sachen
G._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Grämiger, LL.M., Bronschhoferstrasse 2,
9500 Wil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1955 geborene G._ meldete sich am 2. Oktober 2001 (Eingangsdatum) zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte unter anderem
eine Rente (IV-act. 26/1-11). Am 4. Oktober 2001 gab die Arbeitgeberin des
Versicherten an, dieser arbeite seit 1. Januar 2000 als Gipser. Er sei allerdings seit 8.
März 2001 zu 100% krank geschrieben (IV-act. 27/1-4).
A.b Das Amt für AHV und IV des Kantons Thurgau, IV-Stelle, nahm verschiedene
medizinische Berichte des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 28/30f.), der Thurgauer
Klinik St. Katharinental, Diessenhofen (IV-act. 28/27-29), des Herz- und Neurozentrums
Bodensee, Kreuzlingen (IV-act. 28/21-26), des Hausarztes Dr. med. A._, Innere
Medizin FMH (IV-act. 28/17-20; 1-4), und der Thurgauer Schaffhauser Höhenklinik,
Davos (IV-act. 28/13-16; 5-8) zu den Akten. Im Verlaufsbericht vom 8. Januar 2002
nannte Dr. med. A._ die Diagnose eines chronischen lumbospondylogenen
Syndroms bei Status nach Diskushernien-Operation L5/S1 rechts am 1. Juni 2001
wegen einer mediolateralen Diskushernie mit Irritation der Nervenwurzel S1 rechts,
lumbosakraler Übergangsanomalie und leichter Retrolisthesis LWK 5. In der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Gipser sei der Versicherte seit 8. März 2001 dauernd zu 100%
arbeitsunfähig. Angestrebt werden sollte die Ausübung einer angepassten (leichten
körperlichen) Tätigkeit mit einer Arbeitsleistung von 50%, wobei eine sitzende
Arbeitsposition (mit der Möglichkeit, diese zu wechseln) ohne Heben von Lasten
erforderlich sei (IV-act. 28/1-4).
A.c Im Hinblick auf die Abklärung der zumutbaren Arbeitsleistung in einer angepassten
Tätigkeit holte die IV-Stelle Thurgau bei der Thurgauer Klinik St. Katharinental ein
ärztliches Gutachten vom 13. Februar 2004 ein, das sich auf die Vorakten, eigene
Untersuchungen vom 27. Mai 2003 und 23. Januar 2004, eine EFL-Abklärung vom
10./11. Juni 2003 (IV-act. 59/11-23), die psychiatrische Zusatzbegutachtung durch das
Psychiatriezentrum B._ vom 15. Dezember 2003 (IV-act. 59/24-32) sowie auf die bei
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den Gutachtern und auswärts angefertigten bildgebenden Untersuchungen stützte.
Diagnostiziert wurden ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom rechts und eine
erhebliche Symptomausweitung. Aus psychiatrischer Sicht ergebe sich keine
eigenständige Morbidität oder Co-Morbidität und somit keine Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der Versicherte sei seit 8. März 2001 in der
angestammten Tätigkeit als Gipser zu 100% arbeitsunfähig. Zumutbar in einer dem
Leiden angepassten (leichten bis maximal mittelschweren) Tätigkeit sei eine
mindestens 50%ige bis zu einer 100%igen Arbeitsleistung (IV-act. 59/1-10).
A.d Vom 13. bis 29. September 2004 fand eine berufliche Abklärung der praktischen
Verwertbarkeit der vorhandenen Arbeitsfähigkeit statt. Aus dem Schlussbericht der
BEFAS Appisberg vom 6. Dezember 2004 und einer Präzisierung vom 20. Mai 2005
ging hervor, dass der Versicherte in einer körperlich leichten und rückenadaptierten
Tätigkeit bei einer Anwesenheit von 6.5 Stunden pro Tag voll leistungsfähig bzw.
insgesamt zu 75% arbeitsfähig sei (IV-act. 70/1-11 und IV-act. 87).
A.e Am 7. Juni 2005 beschloss die IV-Stelle des Kantons Thurgau, gestützt auf eine
Arbeitsfähigkeit von 75% und einen ermittelten Invaliditätsgrad von 46%, die
Ausrichtung einer Viertelsrente ab 1. März 2002 (IV-act. 88). Dies teilte sie am selben
Tag dem Versicherten mit. Dieser sollte das entsprechende Ergänzungsblatt und die
nötigen Belege an die zuständige Ausgleichkasse weiterleiten, damit die Invalidenente
berechnet bzw. das Vorliegen eines wirtschaftlichen Härtefalles geprüft werden könne
(IV-act. 90). Am 13. Juli 2006 ergingen die Rentenverfügungen: Mit Wirkung ab 1. März
2002 bis 31. Dezember 2003 erfolgte die Zusprache einer halben Rente und ab 1.
Januar 2004 diejenige einer Viertelsrente (IV-act. 105).
B.
B.a Am 17. März 2008 stellte Dr. med. A._ für den Versicherten unter Hinweis auf
eine akute Verschlechterung des Gesundheitszustandes ein Gesuch um Erhöhung der
Rentenleistungen (IV-act. 114). Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen machte den
Versicherten am 1. April 2008 darauf aufmerksam, dass der Arzt nicht
anmeldelegitimiert sei; im Übrigen habe er glaubhaft zu machen, dass sich der Grad
der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert habe (IV-act. 115).
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Mit Schreiben vom 7. April 2008 und Fragebogen für die Revision der Invalidenrente
vom 16. April 2008 bestätigte der Versicherte das Gesuch um Rentenrevision gestützt
auf die Angaben seines Hausarztes (IV-act. 116 und 118). Infolgedessen erteilte die IV-
Stelle St. Gallen am 26. August 2008 einen Auftrag für eine bidisziplinäre
(psychiatrische und rheumatologische) Begutachtung (IV-act. 125).
B.b In einem Bericht vom 17. November 2008 stellte der behandelnde Dr. med. C._,
Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, beim Versicherten die Diagnose einer
mittel- bis schwergradigen depressiven Störung (ICD-10: F32.11, F32.2) auf dem
Boden einer ängstlichen Persönlichkeit (ICD-10: F60.6) und schätzte gestützt darauf
eine Arbeitsunfähigkeit von 70% (IV-act. 130/20-22).
B.c Die in Auftrag gegebene bidisziplinäre Untersuchung und Begutachtung fand am
19. November 2008 statt. Frau med. pract. D._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, ordnete die Beschwerdeschilderungen des Versicherten den
Diagnosen Probleme mit Bezug auf Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10: Z56)
und Probleme mit Bezug auf die Wohnbedingungen und die wirtschaftlichen
Verhältnisse (ICD-10: Z59) zu. Es liege keine krankheitswertige psychische Störung
bzw. keine Arbeitsunfähigkeit vor (IV-act. 133). Dr. med. E._, Facharzt für
Rheumatologie und Innere Medizin FMH, stellte fest, dass die klinischen Befunde im
Bewegungsapparat keine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes
seit Juli 2006 aufzeigten. Weiterhin bestehe eine rheumatologisch begründete
Arbeitsfähigkeit von 75% in einer adaptierten Tätigkeit (IV-act. 130/1-17).
B.d Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (IV-act. 141-145) wies die IV-Stelle
des Kantons St. Gallen mit Verfügung vom 13. Mai 2009 das Begehren um Erhöhung
der Invalidenrente ab (IV-act. 148).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 13. Mai 2009 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 10. Juni 2009. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt darin – unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen – deren Aufhebung und die Zusprache einer
ganzen Invalidenrente. Er führt im Wesentlichen aus, der psychiatrischen Beurteilung
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von Dr. med. C._ vom 17. November 2008 sei gegenüber der Begutachtung durch
Frau med. pract. D._ vom 19. November 2008 der Vorzug zu geben, weil der
Psychiater den Beschwerdeführer seit Jahren kenne und behandle, und dessen
Einschätzung ohne weitere Begründung als nicht nachvollziehbar beiseite gewischt
werde. Auf der Basis einer verbliebenen 30%igen Arbeitsfähigkeit ergebe sich unter
Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 10% ein Invaliditätsgrad von 80% bzw.
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Eventualiter sei die Sache zur Einholung einer
unabhängigen spezialärztlichen Oberbegutachtung der psychischen Beschwerden und
Krankheit des Beschwerdeführers und zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, weil die Differenzen zwischen den Einschätzungen erheblich seien
und die Gutachterin, gestützt auf eine einzige Untersuchung, ohne einlässliche
Fachprüfung und Untersuchung des Betroffenen die Auffassung des behandelnden
Psychiaters unbeachtlich lasse (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt am 27. August 2009 die Abweisung der
Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass die divergierenden
Einschätzungen des Hausarztes und des behandelnden Psychiaters das bidisziplinäre
Gutachten in keiner Weise zu erschüttern vermöchten. Dass aus somatischer Sicht von
einem unverändert gebliebenen Gesundheitszustand auszugehen sei, werde vom
Beschwerdeführer auch nicht bestritten. Die psychiatrische Gutachterin attestiere
plausibel und schlüssig psychiatrischerseits eine 100%ige Arbeitsfähigkeit; sie setze
sich mit der divergierenden Meinung des behandelnden Psychiaters auseinander und
erkläre, weshalb keine der erforderlichen Symptome für die diskutierte psychiatrische
Diagnose feststellbar gewesen seien. Es sei gerichtsnotorisch, dass der behandelnde
Psychiater die Arbeitsfähigkeit seiner Patienten nicht nach objektiven Aspekten
einzuschätzen pflege. Im vorliegenden Fall habe er keine von den Gutachtern
unerkannte oder zu einer abweichenden Beurteilung führende Gesichtspunkte
vorgebracht (act. G 4).
C.c Die Frist zur Einreichung einer allfälligen Replik ist unbenützt abgelaufen, womit der
Schriftenwechsel abgeschlossen ist (act. G 6).

Erwägungen:
1.
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Angefochten ist eine Verfügung vom 13. Mai 2009, die das im April 2008 eingeleitete
Verfahren abgeschlossen hat. Zum anwendbaren Recht ist anzumerken, dass die
5. Revision der Invalidenversicherung am 1. Januar 2008 in Kraft getreten ist. Da in
zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der
Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467
E. 1), und da bei der Beurteilung eines Leistungsbegehrens ferner auf den bis zum
Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen
ist (BGE 121 V 366 E. 1b), sind vorliegend die revidierten Normen anzuwenden.
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin davon ausgehen durfte, dass
sich in medizinischer Hinsicht keine Verschlechterung ergeben habe, die
Arbeitsfähigkeit also nach wie vor 75% betrage.
2.1 Mit der Eingabe vom 7. April 2008 (IV-act. 116) im Zusammenhang mit dem
Schreiben seines Hausarztes vom 17. März 2008 (IV-act. 114) ersuchte der
Beschwerdeführer um die Einleitung eines Revisionsverfahrens im Sinn des Art. 17 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1). Demgemäss wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad einer
Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich ändert. Unter Invalidität ist die
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zu verstehen (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Der
Invaliditätsgrad drückt bei Erwerbstätigen die prozentuale Einkommenseinbusse aus,
die aus dem Vergleich möglicher Einkommen mit und ohne
Gesundheitsbeeinträchtigungen resultiert (Art. 16 ATSG). Er kann sich ändern, wenn
sich der Gesundheitszustand einer versicherten Person oder die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Eine bloss unterschiedliche Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes stellt dagegen praxisgemäss
keine revisionsbegründende Änderung dar (BGE 112 V 372 E. 2b). Ob eine solche
Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im
Zeitpunkt der letzten (der versicherten Person eröffneten) rechtskräftigen Verfügung
bestand, die auf einer umfassenden materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
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rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108), mit dem Sachverhalt zur Zeit der
streitigen Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 E. 2). Somit steht die vom
Beschwerdeführer vorgebrachte Verschlechterung des Gesundheitszustandes im
fraglichen Zeitraum von Juli 2006 bis Mai 2009 zur Diskussion.
2.2 Wenn ein Rentenrevisionsgesuch eingegangen ist, hat die IV-Stelle gemäss Art. 87
Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) zunächst zu
prüfen, ob darin glaubhaft gemacht worden ist, dass sich der Grad der Invalidität in
einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Zweck dieser Bestimmung ist
es, die Verwaltung davor zu bewahren, sich immer wieder mit gleich lautenden und
nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden
Gesuchen befassen zu müssen (BGE 133 V 112 E. 5.3.1; BGE 117 V 200 E. 4b).
Infolgedessen stellt die Glaubhaftmachung der leistungserheblichen
Sachverhaltsveränderung eine prozessuale Eintretensvoraussetzung dar, für deren
Vorliegen die versicherte Person beweisführungsbelastet ist (BGE 130 V 69 E. 5.2.5.).
Glaubhaft gemacht ist eine Tatsache schon dann, wenn für deren Vorhandensein
gewisse Elemente sprechen, selbst wenn noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, dass
sie sich nicht verwirklicht haben könnten (BGE 130 III 325 E. 3.3). Wird die
Sachverhaltsveränderung nicht glaubhaft gemacht, sind der aktuelle Sachverhalt und
der Invaliditätsgrad materiell nicht zu prüfen. Das Dispositiv der angefochtenen
Verfügung lautet zwar auf Abweisung des Erhöhungsgesuchs (IV-act. 148/2), was auf
eine materielle Prüfung der Angelegenheit hinweist. Es stellt sich allerdings die Frage,
ob die Beschwerdegegnerin mit ihren Abklärungshandlungen überhaupt auf das
Revisionsgesuch eingetreten ist. Beschränkt sich die IV-Stelle darauf, eine einfache,
eigentlich dem Versicherten obliegende Abklärungshandlung wie etwa die Einholung
eines Hausarztberichts vorzunehmen, bewegt sie sich damit immer noch auf der Stufe
der Prüfung der Eintretensvoraussetzung des Glaubhaftmachens einer
Verschlechterung des Gesundheitszustandes (Urteil des Bundesgerichtes I 781/04 vom
17. Februar 2005 E. 3). Anders verhält es sich hier allerdings mit dem Auftrag vom 26.
August 2008 im Hinblick auf eine bidisziplinäre Begutachtung (IV-act. 125). Damit ist
die Beschwerdegegnerin auf das Revisionsgesuch eingetreten bzw. hat sie ein
materielles Revisionsverfahren im Gang gesetzt.
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2.3 Da sich eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes bei den eingehenden
Abklärungen durch med. pract. D._ und Dr. med. E._ im materiellen
Revisionsverfahren nicht erstellen liess, ist zuerst zu prüfen, ob die entsprechenden
Gutachten die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an die Beweistauglichkeit
erfüllen. Für den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens ist auschlaggebend, ob
es für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a; BGE 122 V 160 E. 1c). Im psychiatrischen Teilgutachten vom 29.
Dezember 2008 geht med. pract. D._ detailliert auf die geklagten Beschwerden ein,
setzt sich mit den anderen Arztberichten und Gutachten auseinander und erklärt
ausführlich, weshalb eine - ohne Krankheitswert - normale psychologische Reaktion
des Beschwerdeführers auf das bestehende Schmerzempfinden und die
psychosozialen Schwierigkeiten im Vordergrund steht. Die Beurteilung der
psychiatrischen Gutachterin, wonach keine krankheitswertige psychische Störung bzw.
keine daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit vorliegt, entspricht den
versicherungsrechtlich relevanten Kriterien und wurde gemäss Krankheitsgeschichte
und erhobenen Befunden verständlich und nachvollziehbar begründet (vgl. IV-act. 133).
Das rheumatologische Teilgutachten des Dr. med. E._ vom 29. Dezember 2008
beruht auf einer sorgfältigen Darstellung der Vorgeschichte und der aktuellen Befunde.
Wenn auch - gemäss Expertise - die klinische Untersuchung aufgrund der
Symptomausweitung und eines von mit nicht organischen Zeichen geprägten
Zustandsbildes beschränkt war, nennt der Gutachter trotzdem sachlich die
Unsicherheiten und die Inkonsistenzen bei den geklagten Beschwerden. Er erklärt
zudem, welche Symptome sich zeigen müssten, damit die entsprechenden
Beeinträchtigungen als medizinisch nachgewiesen gelten könnten. Er legt
nachvollziehbar die Gedankengänge dar, aufgrund derer er zu seinen
Schlussfolgerungen kommt (vgl. IV-act. 130/1-17). Das Konsilium der Teilgutachter, bei
dem die Ergebnisse der psychiatrischen und der rheumatologischen Begutachtung
aufeinander abgestimmt worden sind, spricht für die Zuverlässigkeit der medizinischen
Beurteilung. Das bidisziplinäre Gutachten vom 29. Dezember 2008 erweist sich als
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nachvollziehbar, schlüssig und plausibel. Es erfüllt die Anforderungen der
Rechtsprechung an den Beweiswert von Gutachten.
2.4 Des Weiteren sind der ursprüngliche und der nachträgliche Gesundheitszustand
miteinander zu vergleichen. Die Beschwerdegegnerin hatte sich bei der ursprünglichen
Rentenzusprache in den Jahren 2005 und 2006 in medizinischer Hinsicht auf eine
ärztliche Begutachtung vom 13. Februar 2004 durch Fachärzte der Thurgauer Klinik St.
Katharinental abgestützt. Dr. med. F._ und Dr. med. H._ hatten ein chronisches
lumbospondylogenes Syndroms rechts und eine erhebliche Symptomausweitung
diagnostiziert (IV-act. 59). Dipl. Psych. I._ des Psychiatriezentrums B._ hatte die
vorgebrachte innere Gespanntheit und Unruhe einer normalpsychologischen Reaktion
auf bestehende Schmerzen zugeordnet und damit keine Morbidität oder Co-Morbidität
festgestellt (IV-act. 59/24-33). Die Ärzte der Thurgauer Klinik St. Katharinental hatten
unter Einbezug des Gutachtens des Psychiatriezentrums B._ berichtet, dass die
ambulante Begutachtung an ihre Grenzen stosse, weil eine starke Diskrepanz zwischen
den geklagten Beschwerden und den Untersuchungsbefunden vorliege. Der Grad der
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit könne daher nicht genau festgelegt
werden. Er betrage mindestens 50%, liege wahrscheinlich aber deutlich höher, etwa
gegen 100%. In dieser Frage sei eine Fremdbeobachtung angezeigt (IV-act. 59/1-10).
Im Rahmen einer BEFAS-Abklärung hatte sich eine Arbeitsfähigkeit von 75% ergeben
(IV-act. 70). In der im Revisionsverfahren veranlassten Sachverhaltsabklärung hat Dr.
med. E._ dieselbe rheumatologische Diagnose unter Hinweis auf eine persistierende
deutliche Symptomausweitung angeführt. Bei der angegebenen Empfindungsstörung
entspreche die Situation derjenigen, die bereits im rheumatologischen Vorgutachten
beschrieben worden sei, und auch die übrigen Befunde bis hin zu den nicht
organischen Zeichen würden vergleichbar wirken (IV-act. 130-17/22). Ebenso stimmt
die aktuelle psychiatrische Einschätzung weitgehend mit der früheren Begutachtung
überein, indem med. pract. D._ die Klagen des Beschwerdeführers als normale
psychologische Reaktion auf das bestehende Schmerzempfinden und auf die
psychosozialen Schwierigkeiten angesehen hat. Sie hat die Alltagslangeweile, den
Arbeitsplatzverlust mit mangelnder Tagesstruktur als Folge und die fehlenden
finanziellen Ressourcen sowie die engen Wohnverhältnisse als invaliditätsfremde
Faktoren festgestellt. Folgerichtig hat sie diese Belastungen nach dem ICD-10-System
in die sogenannten Z-Kodierungen eingeordnet (IV-act. 133-5/8). Es handelt sich dabei
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um Umstände, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme
des Gesundheitswesens führen, ohne unter den Begriff des rechtserheblichen
Gesundheitsschadens zu fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_570/2008 vom 4. Mai
2009 E. 4.2.5). Gemäss der aktuellen Gesamtbeurteilung bleibt die Arbeitsfähigkeit von
75% in einer adaptierten Tätigkeit weiter bestehen (IV-act. 130/16). Die
Gegenüberstellung der Sachverhalte lässt somit auf einen unveränderten
Gesundheitszustand schliessen.
2.5 Allerdings sind die behandelnden Ärzte von einer Verschlechterung des
Gesundheitszustandes ausgegangen. Die sogenannte Erfahrungstatsache, dass
behandelnde Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung dazu neigen,
ihre Beurteilung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten auszustellen, was den
Beweiswert ihrer Stellungnahmen mindert (BGE 125 V 353 E. 3a/cc), dispensiert das
Gericht nicht von einer Gesamtwürdigung der Beweismittel. Es darf bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne zu
begründen, warum eine bestimmte Einschätzung den Vorzug verdient (BGE 134 V 232
E. 5.1; BGE 125 V 352 E. 3a). Zu prüfen ist somit, ob anderslautende medizinische
Berichte im Gegensatz zu den Einschätzungen des bidisziplinären Gutachtens vom 29.
Dezember 2008 eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes als überwiegend
wahrscheinlich erscheinen lassen.
2.5.1 Der Hausarzt Dr. med. A._ hat am 17. März 2008 die Sachverhaltsveränderung
wie folgt begründet: Seit Sommer 2005 habe sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers akut verschlechtert. Es seien radikuläre Schmerzen dazu
gekommen. Im MRI werde eine Rezidivhernie L5/S1 mit Kompression der
Nervenwurzel S1 links beschrieben. Motorische Defizite seien nicht aufgetreten. Das
Laségue-Zeichen sei aber bei 15 Grad positiv. Wegen der seit Jahren bestehenden
lumbalen Schmerzen werde der Beschwerdeführer seit dem Jahre 2006 auch noch
vom Psychiater Dr. med. C._ behandelt. Es sei die festgelegte Arbeitsfähigkeit ab
August 2007 zu revidieren (IV-act. 114). Dem hat Dr. med. E._ entgegengehalten, es
seien keine sensomotorischen Defizite betreffend die abgebildete Rezidivhernie L5/S1
mit möglicher Wurzelkompression der Nervenwurzel S1 links festgestellt worden. Was
die beklagten massiven Nervendehnungszeichen im SLR angehe, bestünden deutliche
Inkonsistenzen, die den auch vom Hausarzt als positiv beschriebenen Laségue
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fragwürdig erscheinen liessen (IV-act. 130/1-17). Die Berichterstattung des Hausarztes
enthält keine genaue und nach den gängigen Regeln der gutachterlichen
Befunderhebung überprüfbare Stellungnahme. Zudem stützt sie sich auf keine im
Gutachten des Dr. med. E._ unerkannten oder ungewürdigt gebliebenen Tatsachen.
Letzterem ist deshalb der Vorzug zu geben.
2.5.2 Auch der Arztbericht von Dr. med. C._ vom 17. November 2008 vermag den
Beweiswert der psychiatrischen Teilbegutachtung von Frau med. pract. D._ nicht zu
entkräften. Der seit 11. Januar 2006 behandelnde Psychiater hat eine schwere
depressive Störung auf dem Boden einer ängstlichen Persönlichkeit diagnostiziert, die
schon lange dauere und mit grosser Wahrscheinlichkeit durch körperliche
Beschwerden ausgelöst worden sei. Der Beschwerdeführer habe von Anfang an
innerlich angespannt, sehr depressiv und ängstlich, psychomotorisch verlangsamt, im
Antrieb vermindert, im Gespräch wortkarg gewirkt. Er spreche mit wenig modulierter
Stimme mit häufigen Unterbrechungen und den Blick vermeidend. In der Therapie
klage er immer über intensive Schmerzen, betone die Hoffnungslosigkeit seiner
Situation, äussere auch Scham- und Schuldgefühle der Familie gegenüber. Die starke
Selbstwertproblematik stehe häufig im Vordergrund, sie dominiere – neben den Klagen
über die starken Schmerzen – am meisten das Krankheitsbild. Aus rein psychiatrischer
Sicht sei der Beschwerdeführer zu 70% arbeitsunfähig (IV-act. 130/20-22). Diese
Einschätzung des behandelnden Psychiaters widerlegt die beauftragte psychiatrische
Gutachterin überzeugend. Sie habe keinerlei depressive Symptome feststellen können,
weder Freudlosigkeit noch reduzierte Schwingungsfähigkeit, Konzentrationsstörungen
oder psychomotorische Verlangsamung; im Gegenteil sei ihr eine gewisse Sitzunruhe
aufgefallen. Bemerkenswert seien der sehr adäquate Affekt, die gute Konzentration und
Ausdauer sowie die humorvollen Bemerkungen gewesen. Von Wortkargheit habe keine
Rede sein können. Es handle sich um einen gut integrierten, sehr sympathischen
Exploranden, bei dem sich auch für eine Persönlichkeitsstörung keinerlei Hinweise
fänden. Eine solche müsste in der Jugendzeit begonnen und sich in starren
Verhaltensmustern in allen Lebensbereichen gezeigt haben. Der Beschwerdeführer
habe jedoch bis zur Bandscheibenoperation 2001 gearbeitet und sich psychisch
überhaupt nicht auffällig verhalten. Auch sei er vorher nie in psychiatrischer
Behandlung gewesen (IV-act. 133). Es fällt auf, dass der behandelnde Psychiater die
selbstlimitierende Symptomausweitung und die invaliditätsfremde Faktoren nicht von
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einer versicherungsrechtlich relevanten psychischen Erkrankung unterscheidet. Selbst
wenn die Diagnose einer depressiven Störung verlässlich wäre, fehlte es immer noch
an einer hinreichenden Basis für die Annahme einer invalidisierenden Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit. Damit eine psychische Störung als invalidisierend gilt, muss sie
eine derartige Schwere aufweisen, dass der versicherten Person die Verwertung ihrer
verbleibenden Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei objektiver Betrachtung – und unter
Ausschluss von Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, die auf aggravatorisches
Verhalten zurückzuführen sind – sozial-praktisch nicht mehr zumutbar ist (BGE 131 V
50 E. 1.2; BGE 130 V 353ff. E. 2.2.1-2.2.3). Für letzteres gibt es aktenmässig keinen
Anhaltspunkt. Nicht zuletzt ist festzuhalten, dass der behandelnde Psychiater keine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes beschrieben, sondern eine für die
Revision gemäss Art. 17 ATSG irrelevante neue Einschätzung des gleich gebliebenen
Sachverhalts vorgenommen hat.
2.6 Der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfordert, dass das Gericht
jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen hat, welche die wahrscheinlichste aller
Möglichkeiten darstellt (BGE 119 V 9 E. 3c/aa). Die überzeugenden Feststellungen und
Stellungnahmen des Gutachtens vom 29. Dezember 2008 sprechen eindeutig mehr für
einen unveränderten Sachverhalt als für eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes, wie sie gestützt auf die abweichenden Arztberichte geltend
gemacht wird. Deshalb ist auf die gutachterlichen Einschätzungen abzustellen. Mithin
ist die Beschwerdegegnerin zu Recht von einem unveränderten Sachverhalt
ausgegangen.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Als unterliegende Partei hat der Beschwerdeführer die Gerichtskosten
zu bezahlen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP). Mit dem von ihm geleisteten Kostenvorschuss in
diesem Verfahren in gleicher Höhe ist die geschuldete Gerichtsgebühr getilgt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG