Decision ID: 19919725-1029-54b1-b96d-41db8bf6ba1c
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Der damals als selbständiger Landwirt und Mitarbeiter einer Käserei tätige A._
meldete sich am 22. Februar 2011 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Dr. med. B._, Innere Medizin FMH, hatte am 2.
Dezember 2010 berichtet, der Versicherte habe am 25. September 2010 einen
Myokardinfarkt erlitten und sei seither zu 100% arbeitsunfähig (Fremdakten 1-2). Die
behandelnden Ärzte des Spitals C._ hatten am 21. Januar 2011 über eine koronare
2-Gefässkrankheit mit unter anderem Status nach Dilatation und Stent-Einlage bei
thrombotischem Verschluss am 25. September 2010, einen Status nach Ulcus
ventriculi 2003 und einen Status nach Rücken-Operation 1990 berichtet. Sie hätten
dem Versicherten empfohlen, seine Tätigkeit auf dem eigenen Landwirtschaftsbetrieb
zu 100% wiederaufzunehmen (IV-act. 13-1 ff., vgl. Austrittsbericht des Spitals C._
vom 6. Oktober 2010, IV-act. 30). Am 5. April 2011 berichtete der Versicherte
gegenüber den behandelnden Ärzten des Spitals C._, er fühle sich deutlich besser
und leistungsfähig. Er habe wieder sämtliche Arbeiten zu Hause (auf seinem Hof)
übernommen und teilweise auch extern wieder gearbeitet (IV-act. 18). Die IV-Stelle
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verfügte am 2. September 2011, es bestehe kein Anspruch auf berufliche Massnahmen
und Rentenleistungen. Der Versicherte habe seine Arbeit im April 2011 wieder auf
Vorniveau aufnehmen können (IV-act. 32).
A.b Am 10. Juni 2014 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 36). Die IV-Stelle trat am 25. Juli 2014 auf das
Leistungsbegehren nicht ein, da der Versicherte nicht glaubhaft dargelegt habe, dass
sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung wesentlich verändert
hätten (IV-act. 42).
A.c Am 25. August 2014 meldete sich der Versicherte wieder zum Leistungsbezug bei
der Invalidenversicherung an (IV-act. 50). Dr. B._ hatte in seinem Bericht vom 4.
August 2014 als Diagnosen eine koronare Gefässerkrankung, einen Status nach
Vorderwandinfarkt, PTCA und Stent-Einlage im September 2010, eine Angina pectoris
bei stärkerer Belastung, eine mässig eingeschränkte linksventrikuläre Funktion, einen
Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom beidseits, Schulterschmerzen bei Verdacht auf
eine Impingement-Symptomatik beidseits, ein obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom,
Tagesmüdigkeit und einen chronischen Pruritus aufgelistet. Die Arbeitsfähigkeit als
Landwirt betrage ca. 50%. Der Versicherte habe seinen Hof verpachtet (per Mai 2013,
vgl. IV-act. 60-7) und arbeite darauf nun in Anstellung. Er sei nur im Bereich
Landwirtschaft oder in anderen manuellen Tätigkeiten als Hilfskraft einsetzbar (IV-at.
53-1).
A.d Dr. med. D._, Facharzt für Neurologie, berichtete am 4. September 2014 über
ein ausgeprägtes, sensomotorisches Karpaltunnelsyndrom (CTS) rechts sowie ein
leichtgradiges CTS links, einen Verdacht auf ein beginnendes extrapyramidales
Syndrom mit Akinese und Rigor, ein chronifiziertes, lumbovertebrales
Schmerzsyndrom, eine arterielle Hypertonie und eine Hyperlipidämie, einen Status
nach Vorderwandinfarkt 2010, ein obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom und einen
Status nach perforiertem Ulkus ventriculi 2003 (IV-act. 61). Der Versicherte unterzog
sich am 5. November 2014 zur Behandlung des CTS einer Dekompression des Nervus
medianus rechts, am 22. Dezember 2014 einer solchen links (IV-act. 66-10 f., 71-11 f.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.e Am 13. November 2014 hatte die IV-Stelle dem Versicherten mitgeteilt, aufgrund
seines Gesundheitszustandes seien zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich (IV-act. 65). Dr. B._ hatte am 18. November
2014 beurteilt, die bisherige Tätigkeit als Landwirt sei dem Versicherten seit 1. Mai
2013 zu 50% zumutbar. Geistig sei ein Berufswechsel vermutlich schwierig (IV-act. 66).
A.f Aufgrund einer antero-kranialen Rotatorenmanschetten-Ruptur rechts mit
Bicepssehnen-Läsion und symptomatischer AC-Gelenksarthrose unterzog sich der
Versicherte am 19. Januar 2015 im Spital E._ einer arthroskopischen transossären
Suturebridge-Rekonstruktion der Rotatorenmanschette, einer Bicepstenotomie, einer
ACG-Resektion und einer subacromialen Dekompression. Ärzte der Orthopädie des
Spitals E._ listeten im Austrittsbericht vom 21. Januar 2015 als Diagnosen zudem
eine irreparable antero-kraniale Rotatorenmanschetten-Massenruptur mit hochgradiger
muskulärer Degeneration und eine AC-Gelenksarthrose der Schulter links auf. Sie
attestierten ihm vom 19. Januar bis 2. März 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (IV-
act. 71-2 ff.).
A.g Am 1. April 2015 befand Dr. B._, die Tätigkeit als Landwirt sei vorerst nicht
möglich (IV-act. 77-1 ff.). Dr. med. F._, Stv. Leitender Arzt am Spital G._, attestierte
dem Versicherten bis zum 12. Juli 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% und rechnete
danach mit einer schrittweisen Teilaufnahme der Arbeit bis zur 100%igen
Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der problematischen linken Schulter bestehe auch
längerfristig keine volle Belastbarkeit für die Tätigkeit als Landwirt (IV-act. 99-8 f., vgl.
IV-act. 84). Dr. B._ ging ab 13. Juli 2015 von einer Arbeitsunfähigkeit von 30%, ab
21. September 2015 wegen eines lumboradikulären Schmerzsyndroms L5 ev. S1 links
und zunehmender Schulterschmerzen links jedoch wieder von 100% aus (Fremdakten
3-31, IV-act. 105).
A.h Am 10. Dezember 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, aufgrund seines
Gesundheitszustandes seien derzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich (IV-act. 107).
A.i Am 2. März 2016 wurde dem Versicherten eine inverse Schulterprothese links
implantiert (IV-act. 117-10 f.). Die behandelnden Ärzte hielten am 9. Juni 2016 fest, als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Landwirt sei er noch bis zum 10. Juli 2016 zu 100% arbeitsunfähig geschrieben.
Danach erfolge eine Neubeurteilung durch den Hausarzt (IV-act. 117-2 f.).
A.j Am 26. September 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie weise das
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen ab, da er sich keine Umorientierung in
einen anderen Bereich als die nicht adaptierte Tätigkeit als landwirtschaftlicher
Mitarbeiter vorstellen könne (IV-act. 126).
A.k Im Auftrag der IV-Stelle (vgl. IV-act. 139) wurde der Versicherte im Februar 2017
durch Ärzte der IME - Interdisziplinäre Medizinische Expertisen - bidisziplinär
(orthopädisch, neurologisch) abgeklärt. In ihrem Gutachten vom 28. Februar 2017
listeten diese als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit insbesondere
ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10: M54.10), eine
multidirektional endgradige Bewegungseinschränkung des linken Schultergelenks nach
2016 erfolgter Implantation einer inversen Schulterprothese (ICD-10: M57.4) und einen
Status nach CTS Operation rechts vom 5. November 2014 auf. In der angestammten
Tätigkeit als angestellter Landwirt erachteten sie den Versicherten seit 19. Januar 2015
als nicht mehr arbeitsfähig. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe seit dem
Jahreswechsel 2016/2017 eine Arbeitsfähigkeit von 70% (IV-act. 141).
A.l Mit Vorbescheid vom 13. März 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 145). Dagegen erhob dieser
Einwand (Posteingang IV-Stelle 5. Mai 2017; IV-act. 146). Am 15. Mai 2017 verfügte die
IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid (IV-act. 147).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 15. Mai 2017 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 16. Juni 2017. Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) beantragte darin
deren Aufhebung und die Zusprache mindestens einer Dreiviertelsrente mit Wirkung ab
1. Februar 2015. Eventualiter sei eine unabhängige Begutachtung in Auftrag zu geben
mit der Möglichkeit, danach konkrete Anträge zu bestehenden IV-Ansprüchen zu
stellen. Subeventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die
Vorinstanz zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Er brachte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vor, er sei als Landwirt nicht mehr arbeitsfähig und es sei ihm faktisch unmöglich, eine
manuelle Tätigkeit als Hilfskraft zu finden, welche er trotz seiner
Leistungseinschränkungen ausführen könnte. Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades
hätten Gutachten weiterer medizinischer Disziplinen, so insbesondere der Kardiologie
und Psychiatrie, eingeholt werden müssen (act. G1).
B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 11. September 2017 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Sie führte aus, es
bestehe kein Anlass für zusätzliche medizinische Abklärungen in den vom
Beschwerdeführer erwähnten Fachrichtungen. Die erwerbliche Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sei zu bejahen. Es resultiere ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 22% (act. G5).
B.c Der Beschwerdeführer liess die Frist zur Einreichung einer Replik unbenützt
ablaufen (act. G7).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Rente der Beschwerdegegnerin. Gemäss Art. 29 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) entsteht der
Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der
Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Nachdem sich der Beschwerdeführer
letztmals am 25. August 2014 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
angemeldet hat (vgl. IV-act. 50), ist vorliegend ein Rentenanspruch frühestens ab
Februar 2015 zu prüfen.
1.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.2 Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss, BGE 117 V 282 E. 4.a).
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
Vorab ist die Frage zu klären, ob die medizinische Situation und die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers rechtsgenüglich abgeklärt wurden. Die angefochtene
Verfügung stützt sich in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das IME-
Gutachten vom 28. Februar 2017 (IV-act. 141). Der Beschwerdeführer spricht diesem
die Beweiskraft nicht grundsätzlich ab, hält es jedoch nicht für vollständig (act. G1).
2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die bereits nach dem Vorderwandinfarkt im
Jahr 2010 aufgetretene Leistungsminderung sei - wie die Hypertonie - aktenkundig,
weshalb der Einfluss von kardiologischen Befunden auf seine Arbeitsfähigkeit nicht
ohne versierte Abklärung zu verneinen sei (act. G1). Dr. med. H._, Leitender Arzt
Kardiologie des Spitals C._, hatte den Beschwerdeführer am 27. April sowie 13. Mai
2016 untersucht. Am 19. Mai 2016 hatte er berichtet, es könne weiterhin von einem
klinisch stabilen Verlauf der koronaren Herzerkrankung ausgegangen werden. Die
Fahrrad-Ergometrie sei klinisch und elektrisch negativ gewesen und es habe sich eine
leicht überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit gezeigt. Echokardiographisch habe sich
erfreulicherweise eine normale linksventrikuläre systolische Funktion mit den bekannten
regionalen Unterschieden gezeigt, relevante Klappenvitien oder eine höhergradige
diastolische Dysfunktion lägen nicht vor. Bei der ergänzend durchgeführten
Echokardiographie unter Verwendung von Echokontrastmittel habe kein Thrombus im
Apexbereich nachgewiesen werden können. Wichtig für den weiteren Krankheitsverlauf
sei eine optimale Einstellung des kardiovaskulären Risikoprofils. Er verwies
diesbezüglich auf die gänzliche Sistierung des Nikotinkonsums und die Senkung des
LDL-Cholesterins (IV-act. 128-20 ff.). Dr. H._ äusserte sich nicht zu kardiologischen
Einschränkungen des Beschwerdeführers bei der Arbeit oder im Alltag. Angesichts der
von Dr. H._ festgehaltenen Befunde ist nachvollziehbar, dass RAD-Ärztin Dr. med.
I._ im Rahmen ihrer Aktenbeurteilung vom 20. Dezember 2016 nicht von einer
Verschlechterung der Herzerkrankung ausging (vgl. IV-act. 130-3) und nur ein
orthopädisch-neurologisches Gutachten für angezeigt hielt (vgl. IV-act. 136). Wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht vorbringt, erachteten auch die beauftragten Gutachter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
den Beizug weiterer medizinischer Disziplinen trotz umfassender Aktenkenntnis nicht
für notwendig, jedenfalls wiesen sie nicht darauf hin. Es ist damit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die kardiologische Erkrankung des
Beschwerdeführers keinen relevanten Einfluss auf seine Arbeitsfähigkeit hat, dies
jedenfalls nicht, solange es sich um diejenige in einer "leidensadaptierten" körperlich
nicht belastenden Tätigkeit handelt.
2.2 Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, die Vorakten enthielten an verschiedenen
Stellen Hinweise darauf, dass die zahlreichen physischen Beschwerden sich in
zunehmendem Masse auf seine psychische Gesundheit ausgewirkt haben müssten
(act. G1). Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers finden sich in den Akten
keine Anhaltspunkte für allfällige psychische Probleme des Beschwerdeführers. In der
Anamnese hielt der orthopädische Teilgutachter Dr. med. J._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, im
Gegenteil fest, der Beschwerdeführer sei bezüglich der Psyche beschwerdefrei (IV-act.
141-110). Der neurologische IME-Teilgutachter Prof. Dr. med. K._, FMH für
Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, führte aus, beim Beschwerdeführer handle
es sich um einen eher einfach strukturierten, introvertierten Menschen, der
zurückgezogen lebe. Die Zeit der Persönlichkeitsbildung sei ohne Traumatisierungen
verlaufen. Aus neurologisch gutachterlicher Sicht ergäben sich keine Hinweise auf
Störungen der Ich-Strukturen. An psychosozialen Belastungsfaktoren seien finanzielle
Probleme zu beschreiben (IV-act. 141-66). Es bestehen damit keine Anhaltspunkte für
eine relevante psychiatrische Problematik beim Beschwerdeführer. Zudem macht er
weder geltend, je in psychiatrischer Behandlung gewesen zu sein, noch ergibt sich dies
aus den Akten. Diesbezügliche medizinische Abklärungen erübrigen sich damit.
2.3 Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt weiter ins Gewicht, dass das
IME-Gutachten vom 28. Februar 2017 auf umfassender Aktenkenntnis sowie
bidisziplinären eigenen Untersuchungen beruht, das gesamte Leidensbild des
Beschwerdeführers berücksichtigt und die auf dieser Grundlage gezogenen Schlüsse
nachvollziehbar sind. Aus den vom Beschwerdeführer vorgebrachten medizinischen
Einschätzungen ergeben sich zudem keine objektiven Gesichtspunkte, welche im IME-
Gutachten ausser Acht gelassen worden wären. Schliesslich wurden auch keine
zwischen dem IME-Gutachten vom 28. Februar 2017 und der umstrittenen Verfügung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der IV-Stelle vom 15. Mai 2017 eingetretenen massgeblichen Veränderungen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit geltend gemacht und solche ergeben sich auch
nicht aus den Akten.
3.
Der Beschwerdeführer bringt weiter sinngemäss vor, die Verwertbarkeit der von den
Gutachtern attestierten Restarbeitsfähigkeit von 70% in einer adaptierten Tätigkeit sei
äusserst fraglich. Es dürfte ihm faktisch unmöglich sein, eine manuelle Tätigkeit als
Hilfskraft zu finden, welche er trotz seiner Leistungseinschränkungen ausführen könnte.
Aus pragmatischer Sicht sei davon auszugehen, dass es geradezu kontraproduktiv
wäre, die ihm zurzeit noch mögliche Arbeit als Hilfskraft in einem landwirtschaftlichen
Betrieb durch eine - ohnehin sehr schwierig zu findende - adaptierte Tätigkeit zu
ersetzen (act. G1).
3.1 Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf
nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere
kann von einer Arbeitsgelegenheit (vgl. sinngemäss Art. 16 ATSG) dort nicht
gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form
möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie
nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers
möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als
ausgeschlossen erscheint. Ferner beinhaltet der Begriff des ausgeglichenen
Arbeitsmarktes nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot an und
der Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet auch einen Arbeitsmarkt, der von
seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält, und zwar sowohl
bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen als
auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt
sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche
Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu
erzielen vermag oder nicht. Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch
im Rahmen der den versicherten Personen auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
offen stehenden Möglichkeiten zur Verwertung ihrer Resterwerbsfähigkeit dürfen von
ihnen Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalls nicht zumutbar sind (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen).
3.2 Das Bundesgericht verneint in der Regel die Verwertbarkeit der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit höchstens bei über 60-jährigen versicherten Personen, welchen im
massgeblichen Zeitpunkt lediglich noch eine Aktivitätsdauer von weniger als fünf
Jahren verbleibt (Urteil vom 6. Juli 2016, 8C_113/2016, E. 4.3). Der Beschwerdeführer
war im Zeitpunkt der Verfügung hingegen erst 56 Jahre alt. Sodann stehen ihm
sämtliche leichten körperlichen Tätigkeiten ohne beidhändiges Heben und Tragen von
Lasten körperfern über 5kg ohne bzw. 8kg mit technischen Hilfsmitteln; ohne repetitive
stereotype Bewegungsabläufe; ohne vermehrte Vibrationsbelastung; ohne Tätigkeiten
mit Pressen oder Stemmen, welche zu einer intraspinalen Druckerhöhung führten; ohne
mehr als gelegentliches Heben von Lasten über die Horizontale; ohne Tätigkeiten mit
repetitivem Bücken, Kauern und Hocken; ohne mehr als gelegentliche Arbeiten in
Zwangshaltungen; ohne Tätigkeiten über Brusthöhe; ohne repetitive kraftvolle
Drehbewegungen beider Arme auf Schulterhöhe; ohne Tätigkeiten, welche eine
körpersichernde Funktion der linken Hand bedingen; ohne Tätigkeiten im Freien ohne
Schutz vor Kälte, Zugluft, Nässe sowie auf regen- und eisglattem Untergrund sowie
ohne Tätigkeiten unter Zeitdruck und Akkordarbeit offen (IV-act. 141-5). Dem gelernten
Landwirt sind damit insbesondere noch Stellen als Hilfsarbeiter im Bereich von
Überwachungs-, Administrativ- und Kontrolltätigkeiten wie auch leichtere
Verpackungs-, Maschinenbedienungs- und Sortierarbeiten zumutbar.
3.3 Die gutachterlich attestierte Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von 70%
ist damit als auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwertbar zu betrachten. Dass der
Beschwerdeführer sich die Ausübung einer landwirtschaftsfremden Tätigkeit nicht
vorstellen kann (vgl. IV-act. 123), ist zwar insbesondere mit Blick auf seine Biographie
verständlich, ändert daran aber nichts.
4.
Die IME-Gutachter erachteten den Beschwerdeführer ab dem Jahreswechsel
2016/2017 als zu 70% arbeitsfähig (IV-act. 141-144). Zur Arbeitsfähigkeit in der Zeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
davor äusserten sie sich nicht. Aufgrund der Akten ist jedoch davon auszugehen, dass
das Wartejahr (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) im Zeitpunkt des frühestmöglichen
Rentenbeginns im Februar 2015 erfüllt war. Nachdem der Beschwerdeführer seine
schwere Tätigkeit in der Käserei bereits 2011 aufgegeben hatte, verpachtete er seinen
Hof gesundheitsbedingt Ende April 2013 (vgl. IV-act. 57, 60-7, 141-53). Es ist davon
auszugehen, dass bereits ab Frühjahr 2013 eine das Wartejahr auslösende
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% bestand und im Februar 2015
(frühestmöglicher Rentenbeginn) während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% vorlag. Dafür sprechen auch die
Arztzeugnisse von Dr. B._, welcher dem Beschwerdeführer ab 1. Mai 2013
Arbeitsunfähigkeiten von 50% bzw. 100% attestiert hatte (vgl. Fremdakten 3-36 ff.).
Nach der Schulteroperation rechts am 19. Januar 2015 bestand auch in einer
adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bis 13. Juli 2015 (vgl. IV-act.
71-2 ff., IV-act. 99-8 f., Fremdakten 3-32 ff.). RAD-Ärztin Dr. med. L._ ging ab Ende
Juni 2015 von einer Arbeitsfähigkeit von 50% in einer adaptierten Tätigkeit aus (IV-act.
86). Dr. F._ hielt den Beschwerdeführer ab 13. Juli 2015 für 60%, Dr. B._ für 30%
arbeitsunfähig (vgl. Fremdakten 3-31 f.). Diese Verbesserung war jedoch nicht
dauerhaft als im Sinne von drei Monate überdauernd (vgl. Art. 88a Abs. 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]), denn bereits ab 21.
September 2015 attestierte ihm Dr. B._ aufgrund des lumboradikulären
Schmerzsyndroms und zunehmenden Schulterschmerzen links wieder eine
Arbeitsunfähigkeit von 100%. Auch RAD-Ärztin Dr. L._ ging wiederum von einer
Arbeitsfähigkeit von 0% in einer adaptierten Tätigkeit aus (vgl. Stellungnahme vom 9.
Dezember 2015, IV-act. 105). Die Ischialgie war gemäss den behandelnden Ärzten des
Kantonsspitals St. Gallen etwa Mitte September 2015 aufgetreten (vgl. IV-act. 108-6).
Dr. B._ hielt den Beschwerdeführer auch am 24. November 2015 noch für voll
arbeitsunfähig (vgl. IV-act. 141-35). Bei zunehmenden Beschwerden der linken Schulter
entschied sich der Beschwerdeführer am 8. Dezember 2015 für den Einsatz einer
Schulterprothese (vgl. IV-act. 119-18 f.). Die entsprechende Operation wurde am 2.
März 2016 durchgeführt, worauf ihm die behandelnden Ärzte weiterhin eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% attestierten (vgl. IV-act. 117-2 ff.). Der orthopädische
Teilgutachter Dr. J._ hielt fest, er sehe den Beschwerdeführer nach erfolgter
Implantation einer linksseitigen inversen Schulterprothese im März 2016 und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entsprechender postoperativer Rekonvaleszenz ab dem Jahreswechsel 2016/2017 als
zu 70% arbeitsfähig (IV-act. 141-144). Es ist dementsprechend bis Ende 2016 von
einer im Sommer 2015 nur kurzzeitig und damit nicht relevant unterbrochenen
Arbeitsunfähigkeit von 100% und ab Januar 2017 von einer Verbesserung des
Gesundheitszustandes auszugehen. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100% für eine
adaptierte Tätigkeit war dem Beschwerdeführer die Erzielung eines
Invalideneinkommens nicht zumutbar, weshalb ein Invaliditätsgrad von 100% resultiert.
Die zum Jahreswechsel 2016/2017 eingetretene gesundheitliche Verbesserung führt
unter Berücksichtigung der bei der Rentenanpassung gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV
geltenden dreimonatigen Frist und mit Blick darauf, dass gemäss Art. 19 Abs. 3 ATSG
Renten für den ganzen Kalendermonat im Voraus ausbezahlt werden, für die Dauer ab
1. Februar 2015 bis 31. März 2017 zu einem befristeten Anspruch auf eine ganze
Rente.
5.
Basierend auf der seit dem Jahreswechsel 2016/2017 durchgehend bestehenden
Arbeitsfähigkeit von 70% in einer adaptierten Tätigkeit ist nachfolgend der
Invaliditätsgrad zu bestimmen.
5.1 Massgebend für das Valideneinkommen ist, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte. Für die Bestimmung des Valideneinkommens wird
grundsätzlich am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 139 V 28
E. 3.3.2, 125 V 58 E. 3.1; Urteile des Bundesgerichts vom 18. März 2015,
8C_590/2014, E. 5.1, und 21. August 2013, 8C_196/2013, E. 3.1). Der
Beschwerdeführer war vor Eintritt seiner gesundheitlichen Beschwerden im Jahr 2010
als selbständiger Landwirt und Mitarbeiter einer Käserei tätig. Letztere Tätigkeit gab er
2011 gesundheitsbedingt auf (vgl. IV-act. 57). Da folglich davon auszugehen ist, dass
der Beschwerdeführer im Validenfall noch die beiden langjährigen Tätigkeiten ausüben
würde, ist vom zuletzt erzielten Verdienst auszugehen. Aufgrund der erzielten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
schwankenden Einkommen rechtfertigt es sich - wie von der Beschwerdegegnerin in
der Verfügung sowie der Beschwerdeantwort vorgenommen (vgl. IV-act. 147, act. G5)
und vom Beschwerdeführer nicht substantiiert bestritten - dafür einen längeren
Zeitraum heranzuziehen. Angemessen erscheint, den Durchschnitt der letzten fünf
Jahre vor der Herzerkrankung, mithin von 2005 bis 2009, als massgeblich zu
betrachten. Die jährlichen Löhne beliefen sich auf Fr. 47'392.--, Fr. 59'061.--, Fr.
61'109.--, 58'928.-- und Fr. 50'915.-- (vgl. IV-act. 57). Angepasst an die
Nominallohnentwicklung bis 2015 bei den Männern (Index 2005: 1'992, 2006: 2'014,
2007: 2'047, 2008: 2'092, 2009: 2'136, 2015: 2'226) resultiert für den massgeblichen
Zeitpunkt 2015 ein Jahreseinkommen von Fr. 60'091.-- ([52'959.-- + 65'278.-- +
66'453.-- + 62'703.-- + 53'060.--] / 5).
5.2 Art. 16 ATSG umschreibt das Invalideneinkommen als hypothetisches Einkommen.
Nach der ständigen Verwaltungspraxis und Rechtsprechung steht der Beizug von
Tabellen und vergleichbaren Übersichten im Vordergrund. Nur unter besonderen
Voraussetzungen wird das Invalideneinkommen dem nach Eintritt der gesundheitlichen
Einbusse noch erzielten Einkommen gleichgesetzt. Dabei wird kumulativ vorausgesetzt,
dass ein besonders stabiles Arbeitsverhältnis den Bezug auf den allgemeinen
Arbeitsmarkt erübrigt, dass die verbleibende Arbeitsfähigkeit zumutbar voll
ausgeschöpft wird und dass nicht ein Soziallohn ausgerichtet wird (UELI KIESER,
ATSG-Kommentar, 3. Auflage, 2015, Art. 4 N 46 ff.). Diese Voraussetzungen sind
vorliegend nicht erfüllt, zumal der Beschwerdeführer im relevanten Zeitpunkt 2015 nur
zu einem Pensum von 50% als landwirtschaftlicher Mitarbeiter tätig war und damit
seine 70%ige Restarbeitsfähigkeit nicht voll ausschöpfte (vgl. IV-act. 123). Da dem
gelernten Landwirt nur noch Hilfsarbeitertätigkeiten zumutbar sind, rechtfertigt es sich,
das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE (vgl. BGE 139 V 592 E. 2.3, 129 V 475 E.
4.2.1), Total sämtlicher Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Männer, zu bestimmen.
Der entsprechende Lohn belief sich im Jahr 2014 auf Fr. 5'312.-- pro Monat bzw. Fr.
63'744.-- jährlich. Aufgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von
41.7 Stunden (2014, total) und angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2015
(Index 2014: 2'220, 2015: 2'226) ergibt sich ein massgebliches Jahreseinkommen von
Fr. 66‘633.--. Das Valideneinkommen von Fr. 60'091.-- ist damit um rund 10%
unterdurchschnittlich. Folglich ist praxisgemäss eine Parallelisierung von 5%
vorzunehmen und das Invalideneinkommen entsprechend zu kürzen (zum
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Erheblichkeitsgrenzwert von 5% vgl. BGE 135 V 297 E. 6.2). Damit resultiert ein
massgebliches Einkommen von Fr. 63'301.-- bzw. bei einem zumutbaren
Arbeitspensum von 70% ein solches von Fr. 44'311.--.
5.3 Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten (Hilfsarbeiter)Tätigkeiten behindert
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Wie die
Gutachter festhielten, hat der Beschwerdeführer zahlreiche qualitative
Einschränkungen (vgl. IV-act. 141-5, E. 3.2). Er ist im Vergleich zu voll leistungsfähigen
Arbeitnehmern damit lohnmässig benachteiligt und muss mit unterdurchschnittlichen
Lohnansätzen rechnen (vgl. zum Ganzen PHILIPP GEERTSEN, Der Tabellenlohnabzug,
in Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.]: Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, S.
139 ff.). Es rechtfertigt sich damit, den Tabellenlohnabzug auf 10% festzusetzen.
Folglich reduziert sich das massgebliche Invalideneinkommen auf Fr. 39'880.--.
5.4 Ausgehend von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
resultiert bei einem Valideneinkommen von Fr. 60'091.-- und einem
Invalideneinkommen von Fr. 39'880.-- ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad
von rund 34%. Der Beschwerdeführer hat somit ab 1. April 2017 keinen
Rentenanspruch mehr.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 15. Mai 2017 aufzuheben und dem
Beschwerdeführer mit Wirkung vom 1. Februar 2015 bis 31. März 2017 eine ganze
Invalidenrente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Leistung ist die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie den Parteien je hälftig (Fr. 300.--) aufzuerlegen. Der
geleistete Kostenorschuss von total Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer im Umfang
von je Fr. 300.-- anzurechnen bzw. zurückzuerstatten.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS
963.75; in der vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe
Art. 30bis HonO) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Im hier zu beurteilenden Fall
erschiene bei einem vollständigen Obsiegen eine pauschale Parteientschädigung von
Fr. 3‘500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Aufgrund des
nur teilweisen Obsiegens ist die Parteientschädigung auf pauschal Fr. 1'750.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu kürzen.