Decision ID: fadf7695-d4e1-4588-ace8-d46763d26b1c
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Die 1967 geborene Beschwerdeführerin meldete sich am 19. Dezem-
ber 2015 wegen Nacken-, Schulter- und Rückenbeschwerden bei der Be-
schwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Inva-
lidenversicherung (IV) an. In der Folge tätigte die Beschwerdegegnerin di-
verse Abklärungen; unter anderem wurde die Beschwerdeführerin polydis-
ziplinär begutachtet (Gutachten der Polydisziplinäre Medizinische Abklä-
rungen AG, Zürich [PMEDA], vom 30. November 2017; neurologisches
Verlaufsgutachten der PMEDA vom 6. Dezember 2018). Schliesslich wies
die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin mit
Verfügung vom 15. März 2019 ab. Diese Verfügung wurde mit Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons Aargau VBE.2019.302 vom 24. Okto-
ber 2019 aufgehoben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen
an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
1.2.
Die Beschwerdegegnerin zog daraufhin medizinische Berichte bei, nahm
Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) und holte eine
ergänzende gutachterliche Stellungnahme (PMEDA Stellungnahme vom
8. Februar 2021) ein. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens ver-
neinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 27. August 2021 einen
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
2.
2.1.
Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 24. Septem-
ber 2021 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge:
"1. Die angefochtene Verfügung vom 27.08.2021 sei vollumfänglich  und der Beschwerdeführerin seien die gesetzlich geschuldeten , insbesondere eine zeitlich befristete, ganze Rente der  zuzusprechen.
2. Eventualiter seien weitere Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ."
- 3 -
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 15. Oktober 2021 beantragte die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit Verfügung vom 19. Oktober 2021 lud die Instruktionsrichterin die aus
den Akten erkennbare berufliche Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdefüh-
rerin im Verfahren bei; diese verzichtete mit Schreiben vom 25. Okto-
ber 2021 auf eine Stellungnahme.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren
der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 27. August 2021 (Vernehmlas-
sungsbeilage [VB] 159) zu Recht abgewiesen hat.
2.
2.1.
Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen und sinngemäss geltend,
sie habe im berechtigten Vertrauen auf das Gutachten vom 30. Novem-
ber 2017, gemäss welchem aus neurologischer Sicht eine Arbeitsunfähig-
keit zu 100 % bestanden habe, keine Anmeldung bei der Arbeitslosenver-
sicherung vorgenommen, woraus ihr nun nach Ablehnung des IV-Renten-
begehrens ein finanzieller Schaden entstanden sei. Gestützt auf den Ver-
trauensschutz sei ihr für den Zeitraum, während dessen ihr der neurologi-
sche Gutachter eine Arbeitsunfähigkeit zu 100 % attestiert habe, eine
ganze Rente zuzusprechen (Beschwerde S. 5 ff.).
2.2.
Der in Art. 9 BV verankerte Grundsatz von Treu und Glauben statuiert ein
Verbot widersprüchlichen Verhaltens und verleiht einer Person Anspruch
auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherungen oder
sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden.
Die Voraussetzungen für eine Berufung auf Vertrauensschutz, die unter
bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen Recht abweichende
Behandlung der Rechtsuchenden gebieten kann, ist rechtsprechungsge-
mäss erfüllt: 1. wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug
auf bestimmte Personen gehandelt hat; 2. wenn sie für die Erteilung der
betreffenden Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende Person
die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte;
3. wenn die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres er-
kennen konnte; 4. wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft
Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht
- 4 -
werden können, und 5. wenn die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftser-
teilung keine Änderung erfahren hat (BGE 143 V 341 E. 5.2.1 S. 346 mit
Hinweisen; vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,
8. Aufl. 2020, N. 624 ff.).
2.3.
2.3.1.
Der Versicherungsträger nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes
wegen vor (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG). Gemäss Art. 59 Abs. 3 IVG können
die IV-Stellen unter anderem medizinische Abklärungsstellen beiziehen.
Die MEDAS werden in ständiger Rechtsprechung als verwaltungsunabhän-
gige, weisungsfreie Gutachterstellen betrachtet (MEYER/REICHMUTH,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bun-
desgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl. 2014, N. 10 zu
Art. 59 IVG, mit Hinweisen). Im Nachgang zu BGE 137 V 210 (s. insbeson-
dere dortige E. 1.3 f.) wurde Art. 72bis IVV erlassen. Durch die zufallsba-
sierte Vergabe bei MEDAS-Gutachteraufträgen soll dem potentiellen Risiko
für sachfremde Einflüsse auf die gutachterliche Unabhängigkeit vorgebeugt
werden. Die Auftragsvergabe nach dem Zufallsprinzip (zusammen mit wei-
teren Vorgaben) neutralisiert generelle, aus den Rahmenbedingungen des
Gutachterwesens fliessende Abhängigkeits- und Befangenheitsbefürchtun-
gen; die Unabhängigkeit und Unbefangenheit der bestimmten Gutachter-
stelle gilt diesfalls generell (vgl. BGE 147 79 E. 7.4.3.1 und E. 7.4.4).
2.3.2.
Bei der PMEDA handelt es sich um eine medizinische Abklärungsstelle
(MEDAS) nach Art. 72bis Abs. 1 IVV, welche die Beschwerdegegnerin im
Rahmen der Erfüllung ihrer Aufgaben mit der Erstellung eines medizini-
schen Gutachtens (unter Berücksichtigung des Zufallsprinzips gemäss
Art. 72bis Abs. 2 IVV) beauftragte (VB 57).
Gutachterstellen sind weder eine Behörde noch (entgegen den Vorbringen
der Beschwerdeführerin) eine "Hilfsperson" der Beschwerdegegnerin (vgl.
Beschwerde S. 7), weil insbesondere keine Weisungsbefugnis seitens der
Beschwerdegegnerin gegenüber der unabhängigen, externen Gutachter-
stelle besteht. Auch die Beschwerdegegnerin selbst gab gegenüber der
Beschwerdeführerin gestützt auf das Gutachten von 2017 – dem ohnehin
nur vorläufige Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit zu entnehmen waren
(VB 62.2 S. 17) – keinerlei Zusicherungen betreffend Rentenanspruch ab,
sondern brachte deutlich zum Ausdruck, dass noch kein Entscheid gefällt
werden könne (vgl. etwa VB 74). In der Folge wurde mit Mitteilung vom
18. Juli 2018 denn auch eine neurologische Verlaufsbegutachtung ange-
ordnet (VB 85).
- 5 -
2.4.
Zusammenfassend fehlt es bereits an einer Vertrauensgrundlage, da keine
behördliche Zusicherung (vgl. E. 2.2. hiervor) vorliegt. Auf eine Prüfung der
weiteren Voraussetzungen des Vertrauensschutzes kann unter diesen Um-
ständen verzichtet werden. Ein Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
gestützt auf den Vertrauensschutz ist ohne Weiteres zu verneinen. Es
bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin den rechtserheblichen Sach-
verhalt ausreichend abgeklärt hat (vgl. Eventualstandpunkt, Beschwerde
S. 8 f.).
3.
3.1.
Im Urteil VBE.2019.302 vom 24. Oktober 2019 hielt das Versicherungsge-
richt unter anderem fest, dass die Beschwerdegegnerin im Hinblick auf die
Untersuchungsmaxime verpflichtet gewesen wäre, die Ergebnisse der da-
mals geplanten Lumbalpunktion und allfälliger weiterer Abklärungen in die-
sem Zusammenhang abzuwarten und diese sowie den Bericht von
Dr. med. C. vom 16. Januar 2019 erneut dem neurologischen Gutachter
zur medizinischen Beurteilung vorzulegen (vgl. E. 4.1. des erwähnten Ur-
teils [VB 127 S. 6]).
3.2.
Dem Bericht des behandelnden Neurologen vom 10. Januar 2019 ist zu
entnehmen, dass dieser nochmals eine Kernspintomographie von Neuro-
cranium sowie Hals- und Brustwirbelsäule im Hinblick auf allfällige weitere
entzündliche Strukturveränderungen vorgesehen habe. Sollten sich keine
"Zeichen der bildmorphologischen Progredienz ergeben", scheine ihm eine
lumbale Liquordiagnostik verzichtbar zu sein, "zumal bei einer klinischen
und neurophysiologischen Besserung eine unmittelbare, therapeutische
Konsequenz hieraus nicht erwachsen würde" (VB 133 S. 8). Am 18. Feb-
ruar 2019 berichtete der Neurologe zuhanden des Hausarztes der Be-
schwerdeführerin, dass eine lumbale Liquorentnahme erfolgt sei. Daraus
ergebe sich ein Hinweis für eine entzündliche ZNS-Erkrankung mit dem
Nachweis oligoklonaler Banden. Er sei mit der Beschwerdeführerin dahin-
gehend verblieben, angesichts fehlender klinischer Beschwerdesymptoma-
tik und allgemein guter Leistungsfähigkeit auf eine krankheitsbeeinflus-
sende Therapie zu verzichten (VB 133 S. 2). Die von der Beschwerdefüh-
rerin für eine Zweitmeinung aufgesuchte Neurologin hielt in ihrem Bericht
vom 6. Dezember 2019 unter anderem fest, die bei der Liquoruntersuchung
nachgewiesenen positiven oligoklonalen Banden würden die Verdachtsdi-
agnose einer Multiplen Sklerose deutlich unterstützen; sie schlug eine im-
munmodulierende Behandlung vor (VB 141 S. 3).
- 6 -
3.3.
Nach Rücksprachen mit dem RAD (VB 137 S. 2 f., VB 144) holte die Be-
schwerdegegnerin bei der PMEDA AG eine ergänzende Stellungnahme ein
(VB 146).
Der neurologische PMEDA-Gutachter verwies in seiner Stellungnahme
vom 8. Februar 2021 auf seine Beurteilung im neurologischen Verlaufsgut-
achten vom 6. Dezember 2018, worin eine schlüssige retrospektive Bewer-
tung enthalten sei. Zuvor, im Gutachten von 2017, habe aufgrund der da-
mals notwendigen klärenden Diagnostik lediglich "eine 'vorerst' und für we-
nige Wochen limitierte nicht gegebene Arbeitsfähigkeit" empfohlen werden
können. Neurologische Bewertungen der Arbeitsfähigkeit seien nun nicht
vorgelegt worden. Aus den vorliegenden, nach der 2018 erfolgten neurolo-
gischen Verlaufsbegutachtung erstellten neurologischen Verlaufsberichten
lasse sich keine klinische Verschlechterung entnehmen, wobei die Anhalts-
punkte für eine entzündliche ZNS-Erkrankung darin bestätigt worden seien
(VB 151 S. 20 f.).
3.4.
Letztlich ist für die Beurteilung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf
eine Rente nicht die diagnostische Einordnung eines Gesundheitsscha-
dens entscheidend, sondern dessen konkrete Auswirkungen auf die Ar-
beits- und Leistungsfähigkeit (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2013
vom 26. Juni 2013 E. 4.1.4 mit Hinweis auf BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281).
Vorliegend bestehen zwischen der gutachterlichen Beurteilung und jener
der behandelnden Fachärzte keine massgeblichen Abweichungen, wes-
halb grundsätzlich auf die gutachterliche Beurteilung abgestellt werden
kann. Wie vom Versicherungsgericht im Rückweisungsurteil VBE.2019.302
vom 24. Oktober 2019 aufgetragen, holte die Beschwerdegegnerin die er-
gänzenden Abklärungen nach. Insbesondere wurden die Ergebnisse der
Lumbalpunktion sowie weiterer Abklärungen abgewartet und diese wurden
dem neurologischen PMEDA-Gutachter erneut zur medizinischen Beurtei-
lung vorgelegt. Diese Abklärungen erweisen sich entgegen der Auffassung
der Beschwerdeführerin (Beschwerde S. 9) als ausreichend (antizipierte
Beweiswürdigung; BGE 144 V 361 E. 6.5).
4.
4.1.
Die Beschwerdeführerin macht im Weiteren geltend, die Beurteilung der
PMEDA vermöge nicht zu überzeugen, und rügt insbesondere die gut-
achterliche Begründung der Arbeitsfähigkeitseinschätzung in retrospektiver
Hinsicht (Beschwerde S. 8).
- 7 -
4.2.
4.2.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-
ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
4.2.2.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-
nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-
tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353).
4.3.
Das PMEDA-Gutachten vom 30. November 2017, unter Berücksichtigung
des neurologischen Verlaufsgutachtens vom 6. Dezember 2018 und der
ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom 8. Februar 2021, wird
den von der Rechtsprechung formulierten Anforderungen an eine beweis-
kräftige medizinische Stellungnahme gerecht. Die Beurteilung erfolgte in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) (vgl. VB 62.2 S. 2 ff.; 91.1 S. 3 ff.; 151
S. 1 ff.), gibt die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin ausführlich
wieder (vgl. VB 62.2 S. 5 f.; 62.2 S. 10 ff.; 62.2 S. 17 f.; 62.2 S. 25; 91.1
S. 22 ff.), beruht auf allseitigen Untersuchungen der beteiligten Fachdiszip-
linen (vgl. VB 62.2 S. 8 f.; 62.2. S. 13 ff.; 62.2 S. 19 ff., 62.2 S. 27 ff.; 91.1
S. 25 f.) und die Gutachter setzten sich im Anschluss an die Herleitung der
Diagnosen eingehend mit den subjektiven Beschwerdeangaben bzw. den
medizinischen Akten auseinander (vgl. VB 62.2 S. 30 ff.; 91.1 S. 28 ff.;
VB 151 S. 20 f.). Das Gutachten ist in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation nachvollziehbar und da-
mit geeignet, den Beweis für den anspruchserheblichen medizinischen
Sachverhalt zu erbringen.
4.4.
Soweit die Beschwerdeführerin pauschal eine fehlende Begründung für die
geänderte Arbeitsfähigkeitsbeurteilung sowie eine ungenügende Ausei-
nandersetzung mit der Frage der Liquorentnahme rügt (vgl. Beschwerde
S. 8 f.), ist Folgendes auszuführen:
- 8 -
Der neurologische Gutachter hatte die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit be-
reits in seiner Expertise vom 6. Dezember 2018 begründet (VB 91.1
S. 31 ff.). Seit der letzten polydisziplinären Begutachtung (2017) hätten sich
die Beschwerden gemäss Angaben der Beschwerdeführerin eher zurück-
gebildet, neue Beschwerden seien nicht hinzugetreten. Rückblickend fän-
den sich keine neurologischerseits als Schübe zu bezeichnende Ereignisse
in der Vorgeschichte. In der "aktuellen" Untersuchung habe eine leichte
Hypästhesie und Hyperpathie der Finger I und II an der rechten Hand und
radialseitig am rechten Unterarm bestanden. In der "diffizilen Handuntersu-
chung" hätten sich keine Feinmotorikstörungen gefunden, wobei jedoch im
Finger-Nase-Versuch rechts eine leichte Dysmetrie repetitiv aufgefallen
sei. Der übrige neurologische Untersuchungsbefund habe sich nicht "nam-
haft auffällig" gezeigt. Unter Berücksichtigung der Aktendokumente fänden
sich persistent zwei kleine isolierte demyelinisierend anmutende Läsionen
im Zervikalmark auf Höhe HWK 4. Diese zeigten sich im bildmorphologi-
schen Verlauf unverändert. Weitere Läsionen seien spinal nicht detektiert
worden. Aus der MRI-Untersuchung des Schädels hätten sich einzelne un-
spezifische Marklagergliosen ergeben. Das EEG sei zwar unauffällig aus-
gefallen, wobei sich aus der elektrophysiologischen Diagnostik eine Affe-
renzstörung bei Reizung des Nervus medianus am rechten Arm ergeben
habe, vereinbar mit einer demyelinisierenden Läsion (VB 91.1 S. 34).
"Im Gegensatz" zu der von der Beschwerdeführerin geschilderten
Schmerzintensität von bis zu 8/10 in den Dig. I-II in der rechten Hand unter
Belastung habe sie in der "hiesigen Begutachtung" nicht namhaft schmerz-
geplagt gewirkt und sie habe in der "gerichteten" Untersuchung nicht von
einschiessenden schmerzhaften Empfindungen in der rechten Hand be-
richtet. Eine konsistente Schmerzsituation sei – so der Gutachter sinnge-
mäss und zusammengefasst – auch aufgrund der nicht implementierten
Medikation nicht hinreichend plausibel. Der objektive Befund einer eher
leichten sensiblen und koordinativen Störung der dominanten rechten
Hand rechtfertige aus gutachterlicher Sicht eine leichte qualitative Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer anzunehmenden reduzier-
ten Geschicklichkeit: In der zuletzt durchgeführten Tätigkeit als Büroange-
stellte und für vergleichbare berufliche Tätigkeiten sei das Rendement als
dauerhaft auf 80 % reduziert anzusehen (Arbeitsfähigkeit 80 %; Pensum
100 %, Rendement 80 %). Die funktionellen Einschränkungen seien eher
gering, rege Haushalts- und Freizeitaktivitäten würden ausgeführt (VB 91.1
S. 38). In einer angepassten Tätigkeit "ohne höheren händischen Einsatz
mit der rechten Hand" sei keine Minderung der Arbeitsfähigkeit anzuneh-
men, da sich die leichte sensible und koordinative Störung der rechten
Hand z.B. in Telefon- oder Wachdiensten nicht namhaft auswirken könne
(Arbeitsfähigkeit 100 % [VB 91.1 S. 40 f.]). Bezüglich des zeitlichen Ver-
laufs gab der Gutachter an, die Arbeitsfähigkeitseinschätzung gelte seit Be-
- 9 -
ginn der Erkrankung (Jahreswechsel 2014/2015); für angepasste Tätigkei-
ten sei auch rückblickend keine invalidisierende Einschränkung zu erken-
nen (VB 91.1 S. 39 f.).
Dem neurologischen Gutachter lagen im Rahmen seiner ergänzenden gut-
achterlichen Stellungnahme vom 8. Februar 2021 sämtliche Arztberichte
vor (VB 151 S. 1 ff.), insbesondere auch der Arztbericht von Dr. med. C.
vom 16. Januar 2019 (VB 151 S. 17 f.) und der Bericht des behandelnden
Neurologen vom 18. Februar 2019 betreffend die am 7. Februar 2019 er-
folgte lumbale Liquorentnahme (VB 151 S. 18; 133 S. 2). Der Gutachter
nahm Bezug auf die ihm neu vorgelegten Arztberichte und erläuterte
schlüssig, weshalb er an seiner Arbeitsfähigkeitseinschätzung gemäss
Gutachten von 2018 festhielt (vgl. VB 151 S. 20). Ebenfalls nachvollziehbar
erscheinen seine Ausführungen betreffend die Liquorentnahme. Recht-
sprechungsgemäss entscheidend ist in diesem Zusammenhang, dass der
Gutachter – wie hier – über das vollständige medizinische Dossier verfügt
und seine Beurteilung in Kenntnis der Unterlagen abgegeben hat (vgl. Ur-
teile des Bundesgerichts 9C_651/2017 vom 19. Juni 2018 E. 4.4;
9C_212/2015 vom 9. Juni 2015 E. 4).
5.
5.1.
Zusammenfassend kann sich die Beschwerdeführerin nicht auf den Ver-
trauensschutz als Grundlage für eine Leistungszusprache berufen. Sodann
erweist sich der medizinische Sachverhalt als rechtsgenüglich abgeklärt
und der gutachterlichen Beurteilung kann gefolgt werden. Die Ablehnung
des Rentenanspruches durch die Beschwerdegegnerin erfolgte angesichts
des bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit unter An-
wendung der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs resultie-
renden rentenausschliessenden Invaliditätsgrades zu Recht, weshalb die
Beschwerde abzuweisen ist.
5.2.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-
gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
5.3.
Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens
(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung
als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-
spruch auf Parteientschädigung zu.
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