Decision ID: 8c592f43-bf6d-5353-addd-46908f9a0d2e
Year: 2019
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1958 geborene A_ meldete sich am 8. Juni 2008 wegen Herz-, Knie-
(Arthrose) und Schulterproblemen sowie am 17. September 2008 wegen Arthrose in beiden
Knien und wegen des Herzens bei der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden an und
beanspruchte Leistungen der Invalidenversicherung (IV-act. 1 und IV-act. 10). Die IV-Stelle
klärte in der Folge den medizinischen und erwerblichen Sachverhalt ab und zog die Akten
des Krankenversicherers bei. Mit Schreiben des Krankenversicherers vom 1. März 2010
ging bei der IV-Stelle eine erneute Anmeldung von A_ ein. Als gesundheitliche
Beeinträchtigung wurden generalisierte Angststörung, Herzinfarkt, Fibromyalgie,
Depressionen, Schlafstörungen, Panikattacken, Müdigkeit, Nervosität, Atemproblemen und
Kniearthrosen beidseits angegeben (IV-act. 31-1ff/36). Die IV-Stelle nahm wiederum
Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht vor. Mit Verfügung vom 1. März
2011 sprach die IV-Stelle A_ ab 1. November 2010 eine halbe Invalidenrente zu (IV-act.
74).
B. Am 1. September 2011 meldete sich der Hausarzt von A_, Dr. med. B_, Facharzt FMH
Allgemeine Innere Medizin, Heiden, bei der IV-Stelle und ersuchte um erneute Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 75). Die IV-Stelle klärte wiederum den medizinischen und
erwerblichen Sachverhalt ab und wies mit Verfügung vom 22. Juli 2014 das
Rentenerhöhungsgesuch ab (IV-act. 103).
Seite 3
C. Am 6. März 2016 ersuchte A_ um Erhöhung der Rentenleistungen wegen
Beeinträchtigung des Herzens, der Nerven, des Rückens sowie Arthrose in den Knochen
beziehungsweise Gelenken (IV-act. 104). Die IV-Stelle nahm erneut Abklärungen in
medizinischer Hinsicht vor – unter anderem holte sie ein Gutachten bei der Medizinischen
Abklärungsstelle Bern, ZVMB GmbH (fortan: MEDAS Bern), ein – und holte die Akten des
Krankenversicherers ein (IV-act. 116, IV-act. 117 und IV-act. 134). Am 12. Dezember 2017
teilte die IV-Stelle A_ mit, dass aufgrund seiner subjektiven Krankheitsüberzeugung
keine beruflichen Wiedereingliederungsmassnahmen durchgeführt würden (IV-act. 140).
Mit Vorbescheid vom 30. Januar 2018 kündigte die IV-Stelle an, aufgrund einer veränderten
gesundheitlichen Situation die Rente nach Zustellung der Verfügung auf Ende des
folgenden Monats aufzuheben (IV-act. 51). Dagegen liess A_ mit Schreiben vom
28. Februar 2018 und 16. März 2018 Einwand erheben (IV-act. 144 und IV-act. 148). Mit
Verfügung vom 2. Mai 2018 bestätigte die IV-Stelle ihren Entscheid und stellte die
Invalidenrente ein (IV-act. 154).
D. Gegen die Verfügung vom 2. Mai 2018 liess A_ am 18. Mai 2018 mit den eingangs
erwähnten Anträgen Beschwerde beim Obergericht des Kantons Appenzell Ausserrhoden
erheben (act. 1). Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 21. Juni 2018 die
Abweisung der Beschwerde (act. 6).
E. Am 24. Juli 2018 liess A_ die Replik einreichen (act. 9). Die IV-Stelle verzichtete
stillschweigend auf eine Duplik.

Erwägungen
1. 1.1
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als kantonales
Versicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Die
örtliche Zuständigkeit ist nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959
über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) gegeben.
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und
Seite 4
Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September 2002
über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1)).
Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten.
1.2
Der Beschwerdeführer beanstandet in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs, da sich die Vorinstanz nicht zum begründeten Einwand vom 16. März 2018
geäussert habe.
Nach Art. 42 ATSG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, wobei sie vor
Erlass von Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind – was auf Verfügungen über
Leistungen der Invalidenversicherung nicht zutrifft –, nicht angehört werden müssen. Der
Gehörsanspruch verpflichtet die Behörde, die Vorbringen der betroffenen Person auch
tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen, weshalb
sie ihren Entscheid zu begründen hat. Dabei ist nicht erforderlich, dass die Behörde sich
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der Betroffene
über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der
Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz
die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf
die sich ihr Entscheid stützt (BGE 134 I 83 E. 4.1; BGE 133 III 439 E. 3.3; BGE 124 V 180
E. 1a).
Der Beschwerdeführer brachte im erwähnten Einwand im Wesentlichen vor, wegen der
beidseitigen Knieproblematik sei eine somatische Verschlimmerung aufgetreten, seitens
der IV-Stelle sei aber eine Neueinschätzung des verschlimmerten medizinischen
Sachverhalts vorgenommen worden, was unzulässig sei. Die von der IV-Stelle als
erfolgsversprechend angesehenen beruflichen Massnahmen seien zu bezeichnen und im
Übrigen existiere für Personen in seinem Alter mit einem Handicap kein ausgeglichener
Arbeitsmarkt mehr (IV-act. 148). Die Vorinstanz äusserte sich in der angefochtenen
Verfügung dahingehend, dass sämtliche gesundheitlichen Beschwerden im Gutachten
berücksichtigt worden seien und im Ergebnis dem Beschwerdeführer eine
leidensangepasste Tätigkeit zumutbar sei. Das Alter des Beschwerdeführers sei ein
invaliditätsfremder Faktor und dürfe daher nicht berücksichtigt werden. Sodann seien
berufliche Massnahmen geprüft und abgeschlossen worden, da sich der Beschwerdeführer
nicht arbeitsfähig fühle (act. 2.1).
Seite 5
Die IV-Stelle hat sich somit entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers in der
angefochtenen Verfügung zu den von ihm im Einwand vom 16. März 2018 vorgebrachten
Aspekten – gesundheitliche Beschwerden, Alter und berufliche Massnahmen – geäussert
und kurz ihre Überlegungen genannt, weshalb sie dessen Ansicht nicht teilt. Eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt damit nicht vor.
2. 2.1
Invalidität ist gemäss Art. 4 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit als Folge
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall. Erwerbsunfähigkeit ist nach Art. 7 Abs. 1
ATSG der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit
sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn
sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist.
Nach Art. 28 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu
mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe
Rente, wenn sie zu mindestens 50 %, und auf eine Viertelrente, wenn sie zu mindestens
40 % invalid sind.
2.2
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
2.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind
Seite 6
die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit
Hinweisen).
Das Sozialversicherungsgericht hat die Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess
nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht die andere medizinische These abstellt (BGE
143 V 124 E. 2.2.2; BGE 125 V 351 E. 3a). Der Beweiswerts eines Arztberichts hängt
davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; BGE 125 V 351
E. 3a).
2.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von
Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben (Art. 17 ATSG; vgl. auch Art. 87, Art. 88a und Art. 88bis der Verordnung vom
17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201)). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit
Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist nicht nur bei einer wesentlichen
Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar, sondern auch bei veränderten
Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich bei an sich gleich gebliebenem
Gesundheitszustand (BGE 141 V 9 E. 2.3; BGE 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im
revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich. Liegt ein Revisionsgrund vor, ist der
Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend („allseitig“) zu prüfen,
wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die
letzte der versicherten Person eröffnete rechtskräftige Verfügung, welche auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für
Seite 7
eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE
133 V 108 E. 5.4).
Ist eine anspruchserhebliche Änderung des Sachverhaltes nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit erstellt, bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim
bisherigen Rechtszustand (Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013
E. 3.1.3).
3. 3.1
Die IV-Stelle vertritt gestützt auf das Gutachten der MEDAS Bern vom 20. November 2017
die Ansicht, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich unter anderem
aufgrund der remittierten Depression verbessert, so dass ihm eine leidensangepasste
Tätigkeit von 100% zumutbar sei. Der Einkommensvergleich (Valideneinkommen
Fr. 74‘415.--; Invalideneinkommen Fr. 66‘453.--; Erwerbseinbusse Fr. 7‘962.--) ergebe
einen Invaliditätsgrad von 11 %, weshalb die Invalidenrente einzustellen sei. Es seien
sämtliche gesundheitlichen Beschwerden berücksichtigt worden und neue Tatsachen seien
nicht geltend gemacht worden. Invaliditätsfremde Faktoren, mithin das Alter des
Beschwerdeführers, seien nicht zu berücksichtigen und berufliche Massnahmen seien
geprüft und abgeschlossen worden.
Der Beschwerdeführer lässt hierzu im Wesentlichen vorbringen, es sei lediglich eine
Neueinschätzung des verschlimmerten medizinischen Zustandes beziehungsweise eine
andere Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes vorgenommen worden, was nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht angängig sei. Auch der angeblich ausgeglichene
Arbeitsmarkt sei für über 60-jährige seit langem nicht mehr vorhanden. Nebst der
generellen Mühe, sich als über 60-jähriger auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten, läge eine
persistierende medizinische Problematik vor, die das Erzielen eines
rentenausschliessenden Einkommens verunmögliche. Das MEDAS-Gutachten sei teilweise
widersprüchlich, weil die ersten Kindheitsjahre nicht thematisiert und weil behauptet werde,
es bestehe keine Wechselwirkung zwischen den psychischen und somatischen
Krankheiten. Zudem sei die Rentenaufhebung vorgenommen worden, ohne dass geeignete
berufliche Massnahmen initialisiert worden seien.
3.2
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in einer
sich auf die Invalidenrente auswirkenden Weise verbessert beziehungsweise ob der
Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat. Referenzzeitpunkt
für die Beurteilung der Frage einer anspruchserheblichen Änderung im Sinne von Art. 17
Seite 8
Abs. 1 ATSG ist die (ursprüngliche) Verfügung vom 1. März 2011, mit welcher dem
Beschwerdeführer eine halbe Invalidenrente zugesprochen worden war (IV-act. 74; BGE
133 V 108 E. 4.1). Dies, weil die Verfügung der IV-Stelle vom 22. Juli 2014, mit welcher das
Gesuch um Rentenerhöhung abgewiesen wurde, keine anspruchsändernde Verfügung ist
und daher vorliegend insoweit unbeachtlich für die relevante Fragestellung (IV-act. 103;
BGE 133 V 108 E. 4.1 und E. 5.3.3).
3.3
Die Verfügung vom 1. März 2011, mit welcher die IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit
Wirkung ab 1. November 2010 eine halbe Invalidenrente zugesprochen hatte, stützte sich
im Wesentlichen auf folgende Berichte (IV-act. 74):
Dr. med. C_, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Basel, stellte im
psychiatrischen Gutachten vom 30. Juni 2010 zuhanden des Krankenversicherers des
Beschwerdeführers die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelschwere Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11) und als
Differentialdiagnose eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1) (IV-act. 55-24/27). Er
attestierte dem Beschwerdeführer eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50%, ging
grundsätzlich aber – unter Berücksichtigung eines langwierigen Heilungsverlaufs – von
einer weiteren Verbesserung des Gesundheitszustands aus (IV-act. 55-26f/27).
Dr. med. D_, Facharzt FMH Innere Medizin und Kardiologie, Liestal, stellte als
Vertrauensarzt des Krankenversicherers im Bericht vom 12. Juli 2010 folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Depression und Panikstörung bei/mit
undifferenzierter Somatisierungsstörung (ICD-10: F33.0) bei A. Koronarer – 2 –
Gefässerkrankung (ICD-10: I.25) mit infero-posteriorem Infarkt, Reanimation bei
Kammerflimmern und Stent RCA und RIVA (4.11. und 24.11.2009) (ICD-10: I25.29) B.
Arthralgien beider Knie- und Schultergelenke (vorbestehend, ICD-10: M17.9, M75.4) (IV-
act. 55-4/27). Sowohl die angestammte Tätigkeit als Anlageführer im Bereich Veredelung
als auch eine diesem Jobprofil analoge Tätigkeit sei jederzeit zumutbar. Nicht die verlangte
physische Belastbarkeit, sondern das Selbstvertrauen-Defizit und/oder bei offensichtlich
inadäquater Psychotherapie sei ursächlich limitierend für die angestrebte Steigerung der
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 55-4/27). Solange die psychosomatische Situation nicht relevant
optimiert sei, bleibe die bislang erreichte Arbeitsfähigkeit bestehen (IV-act. 55-5/27).
Dr. med. E_, Fachärztin FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher
Dienst (RAD) Ostschweiz, hielt am 5. August 2010 fest, dass eine abschliessende
Beurteilung noch nicht möglich sei (IV-act. 58-2/3). In der Beurteilung vom 30. September
Seite 9
2010 erachtete sie den Fall als medizinisch ausreichend dokumentiert und führte als
relevanten Gesundheitsschaden/Diagnosen die psychischen Störungen auf dem
Hintergrund des stattgehabten Herzinfarktes bei komorbiden Beeinträchtigungen des
Bewegungsapparates auf. Als wesentliche Funktionseinschränkungen erachtete sie:
Konzentrationsschwierigkeiten, verlangsamte Auffassung, verminderte psychische
Belastbarkeit besonders in Bezug auf Zeit- und Leistungsdruck, bei höherer körperlicher
Belastung Ängste vor Herzinfarkt nach stattgehabtem Infarkt sowie Unruhe. In der
angestammten Tätigkeit als Anlageführer sei er 50% arbeitsfähig. Auch in einer
angepassten Tätigkeit sei er 50% arbeitsfähig, wobei es sich hierbei um Tätigkeiten ohne
besondere Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit, ohne selbst- und
fremdgefährdende Tätigkeiten beziehungsweise mit erhöhter Unfallgefahr beispielsweise
an Maschinen, ohne besondere Beanspruchung der Schultergelenke durch häufiges
Arbeiten in der Horizontalen oder Überkopf, empfehlenswert seien wechselbelastende,
körperlich leichte Tätigkeiten (IV-act. 62-2/3).
3.4
Der angefochtenen rentenaufhebenden Verfügung vom 2. Mai 2018 legte die IV-Stelle im
Wesentlichen folgende Berichte zugrunde:
Das Rentenerhöhungsgesuch des Beschwerdeführers beziehungsweise dessen
Hausarztes vom 1. September 2012 wurde mit Verfügung vom 22. Juli 2014 mit der
Begründung abgewiesen, dass nach der erfolgten Knie-TP keine lang dauernde
Erwerbsunfähigkeit entstanden sei und er in seinem bisherigen Arbeitspensum in der
bisherigen Tätigkeit arbeiten könne (IV-act. 103).
Der RAD-Arzt Dr. med. F_, Facharzt Arbeitsmedizin, beurteilte am 27. April 2016 das
Erhöhungsgesuch des Beschwerdeführers vom 6. März 2016 dahingehend, dass aufgrund
der Berichte des Hausarztes Dr. med. B_, des Orthopäden Dr. med. G_, des
Angiologen Dr. med. H_ eine Veränderung der gesundheitlichen Situation im Raum
stehe, welche allerdings nicht dauerhaft vorliege, da die therapeutischen Behandlungen
begännen (IV-act. 108).
Im Verlaufsbericht vom 30. August 2016 berichtete der behandelnde Psychiater des
Beschwerdeführers, Dr. med. J_, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Teufen,
über einen verschlechterten Gesundheitszustand. Als (geänderte) Diagnose gab er eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische
Symptome (ICD-10: F33.2) sowie eine vorbestehende und in der Zwischenzeit
chronifizierte schwere generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1) an. Es bestehe seit
Seite 10
einem Jahr eine massive Zunahme der depressiven Symptomatik und eine generalisierte
Ängstlichkeit, ein sozialer Rückzug, anhaltende innere Anspannungen, eine anhaltende
Freud- und Lustlosigkeit sowie Gedankengrübeln (IV-act. 111).
Im allgemein-internistischen Teilgutachten der MEDAS Bern vom 20. November 2017
wurde keine allgemein-internistische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt (IV-act. 134-69/209). Die Arbeitsfähigkeit sei mindestens für körperlich leichte
Tätigkeiten ohne Einschränkung der quantitativen Arbeitsfähigkeit medizinisch zumutbar,
wobei bei langem Stehen das Tragen von Stützstrümpfen erforderlich sei. Sowohl für die
angestammte Tätigkeit als Anlageführer Veredelung als auch für eine leidensadaptierte
Tätigkeit bestehe eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 134-70/209). Gemäss dem
psychiatrischen Teilgutachten ist der Beschwerdeführer aus rein psychiatrischer Sicht
sowohl in der angestammten als auch einer angepassten Tätigkeit nicht eingeschränkt und
somit zu 100% arbeitsfähig (IV-act. 134-78/209). Eine Aussage zur Arbeitsfähigkeit
retrospektiv könne nicht mit dem hinreichenden Grad der Wahrscheinlichkeit vorgenommen
werden. Mindestens aber könne bei dem aktuellen Status und der Neigung des
Beschwerdeführers zur Verdeutlichung und Aggravation, jedoch auch aufgrund der
ausführlichen und strukturierten anamnestischen Angaben, gegenwärtig keine
versicherungspsychiatrisch arbeitsrelevante Störung mehr begründet werden. Formal
müsse eine Besserung damit konstatiert werden sowohl medizinisch wie auch in der
versicherungsmedizinischen Bewertung, wobei dies ab aktuellem Untersuchungsdatum
gelte (IV-act. 134-85/209). Aus dem kardiologischen Teilgutachten ergibt sich, dass keine
kardiale Einschränkung besteht und der Beschwerdeführer aus rein kardialer Sicht normal
arbeitsfähig ist (IV-act. 134-87/209). Im orthopädischen Teil-Gutachten wurden folgende
Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit gestellt:
wiederkehrende Gonalgien beidseits, bei Status nach Knie-TEP-Implantation rechts im
März 2013 und Knie-TEP-Implantation links im August 2016 sowie wegen fortgeschrittener
Varusgonarthrose beidseits (IV-act. 134-43/209). Weiter wurde ausgeführt, dass von
versicherungsmedizinisch relevanten Funktionseinschränkungen nur die Kniegelenke des
Beschwerdeführers betroffen seien. Keine bedeutsamen Funktionseinschränkungen
resultierten aus den bestehenden Befunden an der Wirbelsäule, der rechten Schulter und
der Fussfehlstatik (IV-act. 134-39/209). Der Beschwerdeführer könne leichte und
gelegentliche mittelschwere körperliche Tätigkeiten im Wechselrhythmus zwischen Stehen,
Gehen und Sitzen mit einem Überwiegen des im Sitzen zu erbringenden Anteils der Arbeit
vollschichtig erbringen. Ausschliesslich im Stehen und Gehen zu arbeiten sei dem
Beschwerdeführer aufgrund seiner Kniegelenksbefunde nicht mehr vollschichtig zumutbar
und regelmässig mittelschwere wie alle schweren körperlichen Arbeiten seien in diesem
Zusammenhang auch nicht mehr möglich. Stoss- und Stauchungsbelastungen an den
Seite 11
Kniegelenken, wie sie beim Joggen und Springen aufträten, seien ungünstig und zu
vermeiden. Das Gehen und Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sowie in unebenem Gelände
sei ebenfalls ungünstig und zu vermeiden. Vermieden werden solle auch die Exposition des
Beschwerdeführers gegenüber Nässe, Kälte und Zugluft bei der Arbeit (IV-act. 134-43/209).
In der angestammten Tätigkeit bestehe ab dem 1. Juli 2017 eine Leistung von 80%,
Zeitpensum 8.5 Stunden pro Tag und in einer Verweistätigkeit spätestens mit dem
19. Februar 2017 eine Leistung von 100%, Zeitpensum 8.5 Stunden pro Tag (IV-act. 134-
44/209).
Der behandelnde Psychiater Dr. med. J_ bestätigte im Bericht vom 13. April 2018
zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers seine Diagnose einer
rezidivierenden depressiven Störung sowie einer vorbestehenden und mittlerweile schwer
chronifizierten generalisierten Angststörung. Es könne von weitgehend ausgeschöpften
therapeutischen Massnahmen ausgegangen werden. In der Längsschnittbeurteilung sei
von einer höchstens 50%-igen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten (Tätigkeiten ohne
sehr hohe Anforderungen an die Konzentration, geistige Flexibilität und soziale
Fertigkeiten) auszugehen. Die 50%-ige Arbeitsunfähigkeit sei auf eine störungsbedingte
anhaltende reduzierte allgemeine psychische Belastbarkeit, mit rascher körperlicher und
geistiger Ermüdung und vermehrtem Erholungsbedarf, eingeschränkte
Konzentrationsdauer, eingeschränkte geistige Flexibilität, Antriebsstörungen und Störungen
der Psychomotorik zurückzuführen (IV-act. 152-2/3).
3.5
Das MEDAS-Gutachten vom 20. November 2017 erfüllt die von der Rechtsprechung an
den Beweiswert eines medizinischen Berichts gestellten Anforderungen (vgl. E. 2.1) und
genügt auch den revisionsrechtlichen Ansprüchen (Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2012
vom 25. Juli 2013 E. 6.1.2), weshalb diesem volle Beweiskraft zukommt. Es beruht auf den
erforderlichen allseitigen Untersuchungen, wurde in Kenntnis der und in
Auseinandersetzung mit den Vorakten erstattet, berücksichtigt die geklagten Beschwerden,
setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander, legt die –
vorliegend revisionsrechtlich relevanten – medizinischen Zustände und Zusammenhänge
einleuchtend dar und begründet die gezogenen Schlussfolgerungen nachvollziehbar.
3.5.1
Der psychiatrische Gutachter der MEDAS Bern legte im (psychiatrischen) Teilgutachten
schlüssig und nachvollziehbar dar, dass keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit vorliegt und sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers somit
seit dem massgebenden Vergleichszeitpunkt verbessert hat (IV-act. 134-84/209). An dieser
Seite 12
Einschätzung vermag der vom Beschwerdeführer eingereichte Bericht von Dr. med. J_
vom 13. April 2018 nichts zu ändern (IV-act. 152-2/3). Im Bericht findet keine
Auseinandersetzung mit dem MEDAS-Gutachten beziehungsweise der darin vertretenen
psychiatrischen Sicht statt. Vielmehr verweist Dr. med. J_ auf seine im Verlaufsbericht
vom 30. August 2016 gestellte Diagnose und auf eine höchstens 50%-ige Arbeitsfähigkeit
für adaptierte Tätigkeiten, die auf eine störungsbedingte anhaltende reduzierte allgemeine
psychische Belastbarkeit, mit rascher körperlicher und geistiger Ermüdung und vermehrtem
Erholungsbedarf, eingeschränkte Konzentrationsdauer, eingeschränkte geistige Flexibilität,
Antriebsstörungen und Störungen der Psychomotorik zurückzuführen sei (IV-act. 152-2/3).
In der medizinischen und versicherungsmedizinischen Beurteilung im psychiatrischen
Teilgutachten erörterte der Gutachter hingegen – unter Darlegung der Ausgangslage und
der subjektiv vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden und Funktionseinbussen –
ausführlich und überzeugend, weshalb sich gegenwärtig aus rein psychiatrischer Sicht
weder Hinweise auf versicherungspsychiatrisch bedeutsame kognitive, affektive oder
Angstsymptome noch auf stärkere Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit ergäben. Aus rein
psychiatrischer Sicht beständen beim Beschwerdeführer weder gegenwärtig noch
retrospektiv Einschränkungen der Partizipation, er sei sowohl in der angestammten als
auch einer angepassten Tätigkeit nicht eingeschränkt und somit in vollem Umfang
arbeitsfähig (IV-act. 134-78/209). Zur Befundkonsistenz erwog der Teilgutachter, dass
Diskrepanzen beständen zwischen dem Verhalten des Beschwerdeführers in der
psychiatrischen Untersuchung und dem Ergebnis des deutlich pathologischen Rey-
Memory-Tests (Symptomvalidierung), auch bei den Angaben zur Medikamenteneinnahme,
speziell zu Analgetika und der membran-stabilisierenden Substanzen. Auch ständen die
Klagen über Beschwerden mit dem Eindruck in der aktuellen psychiatrischen Untersuchung
nicht im Einklang (IV-act. 134-78/209). In der versicherungsmedizinischen Beurteilung der
Funktionen, Arbeitsfähigkeit und Ressourcen wurde festgehalten, dass beim
Beschwerdeführer normale mentale Funktionen beständen ohne relevante
psychopathologische Auffälligkeiten bis auf subjektive Gedächtniseinschränkungen seit der
Kindheit, ferner Ängste im Zusammenhang mit seinem somatischen Leiden. Seine
Fähigkeiten zur Anpassung an Regeln und Routinen, Strukturierung von Aufgaben seien
gut trotz Angaben über eine seit seiner Kindheit bestehende auffällige Aggressivität. Wegen
der auch sonst guten Ressourcenlage wäre ihm eine Tätigkeit weiterhin zumutbar. Es
beständen gegenwärtig keine bedeutsamen Störungen der emotionalen Funktionen, der
Affektkontrolle oder der Spannweite von Emotionen (IV-act. 134-78f/209). In der
fachspezifischen versicherungsmedizinischen Aktendiskussion nahm der Teilgutachter
Stellung zu den vorhandenen psychiatrischen (und zum Teil auch sonstigen) Berichten und
wies unter anderem darauf hin, dass dem Beschwerdeführer die spätere Aufnahme der
Springertätigkeit im Umfang von 50% nicht möglich gewesen wäre, hätte er tatsächlich, wie
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im Gutachten von Dr. med. C_ vom 30. Juni 2010 als Differentialdiagnose gestellt, an
einer schweren exazerbierten generalisierten Angststörung gelitten. Dies gelte auch für die
sonstigen psychiatrisch postulierten Diagnosen. Insgesamt schienen beim
Beschwerdeführer erhebliche Diskrepanzen in seinen Angaben auch schon in der
Vergangenheit bestanden zu haben, welche in der Kombination mit den somatischen
Leiden und den psychosozialen Problemen offensichtlich zu der diagnostischen
Einschätzung der behandelnden und beurteilenden Psychiater geführt habe. Diese somit
vorwiegend auf den Angaben des Beschwerdeführers basierend, seien soweit erkennbar
nicht einer Validitätsprüfung unterzogen worden. Aufgrund der unklaren Aktenlage, bei aber
auch fehlender Validitätsprüfung in der Vergangenheit, könne eine Aussage zur
Arbeitsfähigkeit retrospektiv nicht mit dem hinreichenden Grad der Wahrscheinlichkeit
vorgenommen werden. Mindestens aber könne bei dem aktuellen Status und der Neigung
des Beschwerdeführers zur Verdeutlichung und Aggravation, jedoch auch aufgrund der
ausführlichen und strukturierten anamnestischen Angaben, gegenwärtig keine
versicherungspsychiatrisch arbeitsrelevante Störung mehr begründet werden. Damit müsse
formal eine Besserung konstatiert werden sowohl medizinisch wie auch in der
versicherungsmedizinischen Bewertung. Dieses gelte ab aktuellem Untersuchungsdatum
(IV-act. 134-84/209). Diese Beurteilung des psychiatrischen Gutachters der MEDAS Bern
überzeugt und es ergibt sich somit, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist,
dass es im massgebenden Vergleichszeitraum zu einer revisionsrechtlich relevanten
Verbesserung des psychischen Zustandsbilds gekommen ist.
3.5.2
Im kardiologischer Hinsicht befand der Teilgutachter Dr. med. K_, Facharzt FMH
Kardiologie und Allgemeine Innere Medizin, Spital Tiefenau, Bern, es liege keine kardiale
Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers vor (IV-act. 134-
86f/209).
3.5.3
In allgemein-internistischer Hinsicht erachtete der Teilgutachter die Arbeitsfähigkeit
mindestens für körperlich leichte Tätigkeiten ohne Einschränkung der quantitativen
Arbeitsfähigkeit medizinisch zumutbar (IV-act. 134-70/29).
3.5.4
Aus dem orthopädischen Teil-Gutachten ergibt sich, dass in der angestammten Tätigkeit ab
dem 1. Juli 2017 eine Leistung von 80% besteht, Zeitpensum 8.5 Stunden pro Tag und in
einer Verweistätigkeit spätestens mit dem 19. Februar 2017 eine Leistung von 100%,
Zeitpensum 8.5 Stunden pro Tag (IV-act. 134-44/209).
Seite 14
3.5.5
Die Rüge des Beschwerdeführers, das MEDAS-Gutachten sei teilweise widersprüchlich,
weil es die ersten Kindheitsjahre nicht berücksichtige beziehungsweise nicht thematisiere,
ist nicht korrekt. Im Gutachten wurde im Rahmen der sorgfältig erhobenen Anamnese auch
die Kindheit abgefragt (IV-act. 134-58/209 und IV-act. 134-71/209). In der Folge flossen die
subjektiven Angaben des Beschwerdeführers in die Beurteilung mit ein (IV-act. 134-48/209;
IV-act. 134-77ff/209).
Der Beschwerdeführer rügt sodann als weiteren Widerspruch im Gutachten, dass zwar
seine Ängste wegen der somatischen Erkrankung festgehalten worden seien und dennoch
behauptet werde, dass keine Wechselwirkung zwischen den Krankheiten bestehe. Es trifft
zu, dass im Gutachten im Rahmen der interdisziplinären versicherungsmedizinischen
Beurteilung der Funktionen und Arbeitsfähigkeit festgestellt wurde, dass der
Beschwerdeführer Ängste im Zusammenhang mit seinem somatischen Leiden habe (IV-
act. 134-48/209). Dass keine Wechselwirkungen zwischen den erhobenen Diagnosen
festgehalten wurden, erklärt sich im vorliegenden Fall bereits aus der Fragestellung, wurde
doch nach Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen erhobenen Diagnosen in
Bezug auf die funktionellen Auswirkungen gefragt (IV-act. 134-55/209). Vorliegend wurden
aber weder in kardiologischer, allgemein-internistischer noch in psychiatrischer Hinsicht
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Insofern ist kein Widerspruch im
Gutachten ersichtlich. Im Übrigen wurde im Gutachten auch festgehalten, dass der
Beschwerdeführer die als phobisch berichteten Ängste trotz ähnlicher/gleicher Exposition
willentlich beeinflussen und auch vermeiden könne (IV-act. 134-49/209).
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die MEDAS habe lediglich eine andere
Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes vorgenommen, kann ihm nicht gefolgt
werden. Das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten basiert zwar auch auf den zur Verfügung
gestellten Unterlagen, insbesondere aber auf der persönlichen Befragung und klinischen
Untersuchung in den Fachbereichen Orthopädie vom 23. Juni 2017, Psychiatrie vom
28. Juni 2017, Allgemeine Innere Medizin vom 28. Juni 2017 sowie Kardiologie vom
29. Juni 2017 (IV-act. 134-1/209). Diese neuen Untersuchungen ergaben im Vergleich zum
medizinischen Sachverhalt von früher, dass sich der psychische Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers verbessert hat, hingegen Knieprobleme auftraten, welche im 2013 eine
Operation notwendig machten.
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3.5.6
Nach dem Gesagten ist auf das Gutachten der MEDAS Bern abzustellen und es ist damit
erstellt, dass aus kardiologischer, internistischer und psychiatrischer Sicht keine
Einschränkungen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bestehen.
Gewisse Einschränkungen bestehen aus orthopädischer Sicht (vgl. E. 3.4). Hingegen lagen
zur Zeit der Zusprache der halben Invalidenrente psychische Störungen auf dem
Hintergrund des stattgehabten Herzinfarktes bei komorbiden Beeinträchtigungen des
Bewegungsapparates vor (vgl. E. 3.4). Somit kam es im massgebenden Vergleichszeitraum
zu einer revisionsrechtlich relevanten Veränderung beziehungsweise erheblichen
Verbesserung des psychischen Zustandsbildes, womit eine erhebliche Verbesserung des
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers ausgewiesen ist (BGE 141 V 9 E. 5.2).
Auch die Dauer des Revisionsgrundes ist vorliegend gegeben (Art. 88a Abs. 1 IVV).
Demnach liegt ein Revisionsgrund vor, so dass der Rentenanspruch allseitig zu prüfen ist
(vgl. E. 2.4).
3.6
Der Beschwerdeführer wurde im Rahmen der MEDAS-Begutachtung umfassend
untersucht. Es ist nicht ersichtlich und wurde auch nicht geltend gemacht, dass relevante
medizinische Vorakten unberücksichtigt blieben. Sämtliche Beschwerden wurden
berücksichtigt und fachärztlich abgeklärt. Der gemäss Beurteilung des RAD-Arztes Dr.
med. F_ komplexen gesundheitlichen Situation wurde durch die Einholung eines
interdisziplinären Gutachtens Genüge getan, besteht doch der Zweck eines
interdisziplinären Gutachtens darin, bei komplexen gesundheitlichen Beeinträchtigungen
die Einschätzung der Leistungsfähigkeit auf umfassender, die Teilergebnisse verschiedener
medizinischer Disziplinen integrierender Grundlage vorzunehmen (IV-act. 188-2/2; BGE
137 V 210 E. 1.2.4). Im MEDAS-Gutachten erfolgte unter Berücksichtigung der
verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in der Schlussfolgerung aus polydisziplinärer Sicht (IV-
act. 134-51f/209). Es besteht keine Veranlassung, von dieser schlüssigen medizinischen
Beurteilung des Leistungsvermögens abzuweichen, zumal auch der Beschwerdeführer
hierzu nichts vorbringt.
3.7
Umstritten ist im Weiteren die Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers.
Er macht geltend, er sei 60-jährig und daher dürfe nicht auf den sogenannt ausgeglichenen
Arbeitsmarkt abgestellt werden.
Seite 16
3.7.1
Für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgebend, ob eine invalide Person unter den
konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr
verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht von
Angebot und Nachfrage nach Arbeitsplätzen bestünde (BGE 134 V 64 E. 4.2.1; Urteil des
Bundesgerichts 8C_29/2018 vom 6. Juli 2018 E. 5.2.2).
Der ausgeglichene Arbeitsmarkt, welcher der Ermittlung des Invalideneinkommens
zugrunde zu legen ist, ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen
Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedenster
Tätigkeiten auf. Das gilt sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und
intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Dabei ist
nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren
verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven
Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung von
Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind jedoch keine übermässigen
Anforderungen zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 9C_304/2018 vom 5. November 2018
E. 5.1.1 mit Hinweis auf BGE 110 V 273 E. 4b und auf Urteil des Bundesgerichts
8C_94/2018 vom 2. August 2018 E. 6.1 mit Hinweisen).
Von einer Arbeitsgelegenheit kann dann nicht mehr gesprochen werden, wenn die
zumutbare Tätigkeit nurmehr in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der
ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des
Bundesgerichts 9C_304/2018 vom 5. November 2018 E. 5.1.1 mit Hinweis auf Urteil des
Bundesgerichts 9C_941/2012 vom 20. März 2013 E. 4.1.1).
Die Rechtsprechung anerkennt, dass das (vorgerückte) Alter – obgleich an sich ein
invaliditätsfremder Faktor – zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen
Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene
Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr
nachgefragt wird. Massgebend sind die Umstände des konkreten Falles, etwa die Art und
Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs-
und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur,
vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder
Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich (Urteil des
Seite 17
Bundesgerichts 9C_304/2018 vom 5. November 2018 E. 5.1.2 mit Hinweis auf BGE 138 V
457 E. 3.1).
Das Bundesgericht hat in der Regel die Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit
nur bei über 60-jährigen versicherten Personen, welchen lediglich noch eine Aktivitätsdauer
von weniger als fünf Jahren verblieb, verneint (Urteil des Bundesgerichts 8C_113/2016 vom
6. Juli 2016 E. 4.3 mit zahlreichen Hinweisen). Für den Zeitpunkt, in welchem die Frage
nach der Verwertbarkeit der (Rest-) Arbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet
wird, ist auf das Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit
abzustellen (Urteil des Bundesgerichts 9C_304/2018 vom 5. November 2018 E. 5.1.2 mit
Hinweis auf BGE 138 V 457 E. 3.3).
Diese Grundsätze sind auch im Kontext von Art. 17 Abs. 1 ATSG zu beachten. Ist ein
Revisionsgrund gegeben, ist der Invaliditätsgrad auf der Grundlage eines richtig und
vollständig festgestellten Sachverhalts neu zu ermitteln. Dabei ist vor einer Änderung des
Rentenanspruchs grundsätzlich der Eingliederungsbedarf abzuklären (Urteil des
Bundesgerichts 9C_304/2018 vom 5. November 2018 E. 5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 9
E. 2.3 und Urteil des Bundesgerichts 9C_163/2009 vom 10. September 2010 E. 4.1.2).
3.7.2
Dass dem Beschwerdeführer die Verwertbarkeit seiner (Rest-) Arbeitsfähigkeit in seiner
angestammten oder einer angepassten Tätigkeit in einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
nicht möglich wäre, ergibt sich nicht aus dem MEDAS-Gutachten vom 17. November 2017.
Vielmehr ist der Beschwerdeführer gemäss dem Gutachten in der angestammten Tätigkeit
als Anlageführer zu 80% leistungsfähig bei einem vollen Pensum und in einer
Verweistätigkeit zu 100% leistungsfähig bei einem vollen Pensum (IV-act. 134-44/209).
Vorliegend nahm die IV-Stelle nach Eingang des polydisziplinären Gutachtens eine
Beurteilung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten des Beschwerdeführers vor (IV-
act. 139). In der Mitteilung vom 12. Dezember 2017 kam sie zum Ergebnis, dass aufgrund
der subjektiven Krankheitsüberzeugung keine Massnahmen zur beruflichen
Wiedereingliederung durchgeführt werden (IV-act. 140-1/5). Dem Beschwerdeführer wurde
vom Arbeitgeber per 30. November 2016 gekündigt (IV-act. 134-191/209), das Gutachten
der MEDAS Bern datiert vom 20. November 2017 (IV-act. 134-2/209) und die Einstellung
der Invalidenrente wurde am 2. Mai 2018 verfügt (IV-act. 154-1/5). Somit stand im
November 2017 – mithin 1 Jahr nach der Kündigung – fest, dass der (damals noch) 59-
jährige Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht zu 80% beziehungsweise in einer
Verweistätigkeit zu 100% leistungsfähig ist. Schon deshalb ist noch von einer
Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit auszugehen (Vgl. E. 3.6.1). Kommt hinzu,
Seite 18
dass gemäss Rechtsprechung Hilfsarbeiten auf dem hypothetisch ausgeglichenen
Arbeitsmarkt altersunabhängig nachgefragt werden (Urteil des Bundesgerichts
9C_200/2017 vom 14. November 2017 E. 4.5; Urteil des Bundesgerichts 8C_227/2018 vom
14. Juni 2018 E. 4.2.3.4). Ferner gilt auch die allenfalls altersbedingt erschwerte
Stellensuche als invaliditätsfremder Faktor (Urteil des Bundesgerichts 8C_699/2017 vom
26. April 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Nach den Akten war der Beschwerdeführer etwa seit
Frühling 2016 nicht mehr erwerbstätig (IV-act. 134-5/209). Aufgrund dieser eher kurzen
Abwesenheit vom Erwerbsleben ist dem Beschwerdeführer die Selbsteingliederung
zumutbar. Zumal nach Einschätzung der Gutachter genügend Ressourcen vorhanden sind
für die Wiederaufnahme einer für ihn geeigneten Erwerbstätigkeit (IV-act. 134-47ff/209 und
IV-act. 134-51f/209).
3.8
Zusammenfassend ist somit die Beschwerde abzuweisen.
4. 4.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren um die Bewilligung oder
Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Dem
Beschwerdeführer sind daher – unter Verrechnung mit dem von ihm in gleicher Höhe
einbezahlten Kostenvorschuss – ausgangsgemäss die Kosten des Verfahrens in Höhe von
Fr. 800.-- aufzuerlegen.
4.2
Der obsiegenden IV-Stelle wird keine Parteientschädigung ausgerichtet (BGE 126 V 143
E. 4).
Seite 19