Decision ID: 4113d688-d87e-489b-ba7a-941d3eb9eda0
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 26. April 2002 wegen Hüftschmerzen zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung, namentlich einer Rente, an. Sie gab an, 1994 in
die Schweiz gekommen zu sein und keinen Beruf erlernt zu haben (IV-act. 3). Gemäss
dem Fragebogen für den Arbeitgeber (IV-act. 7) war sie seit Juni 1999 als temporäre
Reinigungsaushilfe nach Bedarf und auf Abruf mit einem Pensum von ca. 50 %
angestellt, hatte bis Juni 2001 gearbeitet und war ab dem 20. Juli 2001 arbeitsunfähig
gewesen. Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete am 12. Juli 2002 (IV-
act. 26), er behandle die Versicherte seit August 2001. Sie sei 1989 in der Schweiz
operiert worden (Hüftsubluxation mit Triple-Becken-Osteotomie). Seither habe sie das
linke Bein immer etwas nachgezogen, aber keine Schmerzen mehr gehabt. Seit Juli
2001 bestünden starke Schmerzen. Die Versicherte sei vom 20. Juli 2001 bis
27. September 2001 zu 100 % und anschliessend bis 2. November 2001 zu 50 %
arbeitsunfähig gewesen. Seither bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Eine
Tätigkeit im Sitzen sei der Versicherten vorläufig ohne zusätzliche Einschränkung
während vier Stunden pro Tag zumutbar. - Im Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom
14. Juli 2005 (IV-act. 63) wurden als Hauptdiagnosen erwähnt: (erstens) ein
chronifiziertes lumbovertebrales und Hüftgelenks-Schmerzsyndrom links bei Triple
Osteotomie wegen kongenitaler Hüftgelenksdysplasie mit Subluxation des
Femurkopfes 08/89, Drahtentfernung Hüfte links 11/89, muskulärer Dysbalance und
sekundärer Coxarthrose links sowie (zweitens) eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung. In körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten unter
Vermeidung des Hebens von Lasten über 15 kg sei die Versicherte zu 70 %
arbeitsfähig. Die psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 30 % betreffe sämtliche
beruflichen Tätigkeiten. - Einen Einspracheentscheid der Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle des Kantons St. Gallen vom 5. Mai 2006 (IV-act. 94), wonach von einer vollen
Arbeitsfähigkeit der Versicherten in einer angepassten Tätigkeit und im Haushalt
A.a.
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auszugehen, eine hälftige Aufteilung in Erwerbs- und Haushaltsarbeit anzunehmen und
ein Rentenanspruch abzulehnen sei, hob das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen mit Entscheid vom 7. August 2007 (IV-act. 101) auf und sprach der Versicherten
anhand der Methode des (reinen) Einkommensvergleichs eine Viertelsrente zu, wobei
die Sache zur Festsetzung unter anderem des Rentenbeginns zurückgewiesen wurde.
Die Arbeitsfähigkeit der Versicherten betrage in einer körperlich leichten,
wechselbelastenden Tätigkeit ohne Heben von Lasten über 15 kg 70 %. Ausgehend
vom gleichen Durchschnittswert der Tabellenlöhne für Frauen bei einfachen und
repetitiven Arbeiten (Anforderungsniveau 4) der LSE 2000 für beide
Vergleichseinkommen ergebe sich bei der Arbeitsfähigkeit von 70 %
(Jahreseinkommen bei einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von
41.7 Stunden Fr. 32'033.10 [12 x Fr. 3'658.-- x 41.7/40 x 70 %]) und einem
gerechtfertigten Abzug von 15 % ein Invaliditätsgrad von 40.5 %. Ungenügende
Sprachkenntnisse oder die ausländische Nationalität gäben keinen Anlass zu einem
Abzug. Die für die Versicherte in Frage kommenden Hilfsarbeiten setzten keine
besonderen Verständigungsfähigkeiten voraus und würden regelmässig auch von
sprachunkundigen Personen ausgeführt. Hingegen sei zu berücksichtigen, dass die
Versicherte nur noch leichte Tätigkeiten mit begrenzter Hebebelastung ausüben könne
und in allen körperlich geeigneten Tätigkeiten auf Grund ihrer psychischen
Einschränkung nur zu 70% einsatzfähig sei. Sie bedürfe damit einer besonderen
Rücksichtnahme an einem Arbeitsplatz, was mit einer zusätzlichen Lohneinbusse
verbunden sein könne. - Mit Urteil vom 19. Mai 2008 (IV-act. 107) hob das
Bundesgericht diesen Entscheid des kantonalen Versicherungsgerichts auf und wies
die Sache an dieses zurück. Das hiesige Gericht werde noch eigene Feststellungen
über die rechtserhebliche Qualifikation der Versicherten als Vollerwerbstätige/
Teilerwerbstätige zu treffen haben. Im Fall der Teilerwerbstätigkeit der Versicherten
werde der Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode neu zu ermitteln sein. Hierzu
werde unter Umständen eine Haushaltabklärung anzuordnen sein. Der gewährte Abzug
bedürfe keiner letztinstanzlichen Korrektur. - Gemäss dem nachfolgenden neuen
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. Juli 2008 (IV-
act. 119) über den betreffenden Einspracheentscheid der Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle vom 5. Mai 2006 stand der Versicherten schliesslich ab 1. Juli 2002 eine
Viertelsrente bei einer Arbeitsunfähigkeit von 30 % in angepassten Tätigkeiten und
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einem Invaliditätsgrad von 40.5 %, bemessen nach der allgemeinen Methode des
Einkommensvergleichs, zu.
Das kantonale Versicherungsgericht wies die Sache mit dem erwähnten Entscheid
(vom 17. Juli 2008 unter anderem) ausserdem zur ergänzenden Abklärung der
Statusfrage zurück, weil die Versicherte im _ 20_ ein (krankes) Kind geboren hatte,
und sich der Rentenanspruch dadurch allenfalls ändern (bzw. aufgehoben werden)
könnte. Die Versicherte hatte inzwischen in einem Abklärungsformular vom 23. Juni
2008 (IV-act. 114-2) angegeben, sie würde nun ohne Behinderung zu 50 % einer
Erwerbstätigkeit nachgehen.
A.b.
Im _ 2009 gebar die Versicherte Zwillinge (IV-act. 130). In einem Bericht vom
26. Oktober 2009 (IV-act. 139) über eine Abklärung an Ort und Stelle wurde unter
anderem festgehalten, zurzeit käme für die Versicherte eine Erwerbstätigkeit auch bei
guter Gesundheit nicht mehr in Frage. Die Arbeit mit den _ Monate alten Zwillingen
sei sehr intensiv, das Umfeld für eine familiäre Unterstützung sei nicht gegeben und
eine Fremdplatzierung wäre so teuer, dass von ihrem Verdienst nichts mehr übrig
bliebe. Die finanzielle Situation sei angespannt. Die Abklärungsperson erhob eine
Einschränkung der Versicherten im Haushalt von rund 51 %.
A.c.
Die MEDAS Ostschweiz gab in ihrem (Verlaufs-) Gutachten vom 10. Februar 2012
(IV-act. 171) an, als Hauptdiagnosen liege (im Wesentlichen) eine Minderbelastbarkeit
des linken > rechten Hüftgelenkes vor. Nebendiagnosen seien (erstens) ein chronisches
lumbales Schmerzsyndrom, (zweitens) chronisch rezidivierende Gonarthralgien links,
(drittens) chronische Schmerzstörungen mit körperlichen und psychischen Faktoren
sowie (viertens) eine leichte bis mittelgradige depressive Störung ohne somatisches
Syndrom. Für die Tätigkeit als Reinigungskraft sei die Versicherte nicht mehr
arbeitsfähig, und zwar seit mindestens dem 14. März 2002. In einer zahlreichen
Einschränkungen unterliegenden sehr leichten bis leichten Tätigkeit betrage die
Arbeitsfähigkeit 100 %. Eine zusätzliche Einschränkung aus psychiatrischer Sicht
bestehe nicht. Eine willentliche Schmerzüberwindung und der Wiedereinstieg in den
Arbeitsprozess seien nicht unzumutbar. Ab Mitte 2008 (Juni) sei es indessen (bis
spätestens 24. November 2010) zu einer Verschlechterung gekommen. Für die
Tätigkeit als Hausfrau (mit frei einteilbarem Arbeitsplan) bestehe aus interdisziplinärer
A.d.
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medizinisch-theoretischer Sicht keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit,
nämlich nur eine solche für Tätigkeiten mit Einsatz von Leitern. Solche Tätigkeiten (z.B.
Auf-/Abhängen von Gardinen, Putzen von Fenstern) fielen im Jahresdurchschnitt nur zu
einem sehr geringen Prozentsatz an und ausserdem sei dafür eine Mithilfe des
Ehemannes möglich. Eine Arbeitsunfähigkeit als Hausfrau von 51 % sei medizinisch
nicht plausibel. Sie basiere nicht auf einer objektiven Abklärung der Arbeitsfähigkeit. Es
könne nicht allein auf die subjektiven Angaben der Versicherten abgestellt werden, da
sowohl während der Hospitalisation in der Klinik H._ als auch bei der aktuellen und bei
der Begutachtung im Jahr 2005 eine deutliche Diskrepanz zwischen gerichtetem und
ungerichtetem Untersuchungsgang bzw. zwischen den subjektiven Beschwerden und
den objektivierbaren klinischen Befunden festzustellen gewesen sei. Psychiatrisch
gesehen sei die Versicherte in ihrer Tätigkeit als Hausfrau weder vor dem
22. September 2009 (etwa bei der Begutachtung vom März 2005) arbeitsunfähig
gewesen noch sei sie es seither.
Mit Verfügung vom 25. Januar 2013 (in drei Teilen; IV-act. 194 bis 196) sprach die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten - in Nachachtung des kantonalen
Versicherungsgerichtsentscheids vom 17. Juli 2008 - für die Zeit ab 1. Juli 2002 eine
Viertelsrente zu. Des Weiteren stellte sie die Rente auf den 31. Juli 2004 ein und sprach
der Versicherten (nach einer entsprechenden Lücke) für die Zeit vom 1. Juni 2008 bis
_ 2009 erneut einen Rentenanspruch in Form einer ganzen Rente und schliesslich
vom _ [Foglemonat] 2009 bis 28. Februar 2011 in Form einer halben Rente zu (vgl.
auch Beschluss vom 7. Januar 2013, IV-act. 190). - Auf Beschwerde hin, den
Sachverhalt bis 25. Januar 2013 beurteilend, sprach das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen der Versicherten mit Entscheid vom 4. Juli 2016 (IV-act. 268; ab
1. Juli 2002) durchgehend bis 30. September 2008 eine Viertelsrente, vom 1. Oktober
2008 bis 31. Mai 2009 eine ganze Rente und vom 1. Juni 2009 bis 28. Februar 2011
eine halbe Rente zu. Ab Juli 2004 war der Invaliditätsgrad für die Rente (insgesamt
rund 43 %, Rente unverändert) bei ansonsten unveränderten Verhältnissen in
Anwendung der gemischten Methode mit einer hälftigen Aufteilung der Arbeitsbereiche
Erwerbstätigkeit und Haushalt bemessen worden. Ab Juni 2008 war die
gesundheitliche Verschlechterung (mit Erhöhung auf eine ganze Rente drei Monate
später) berücksichtigt worden (volle Arbeitsunfähigkeit im Erwerb, 46.4 % im Haushalt).
A.e.
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Ab _ 2009 war infolge des ohne Gesundheitsschaden überwiegend wahrscheinlichen
Aufgebens der Erwerbstätigkeit nach der Geburt der Zwillinge erneut die Methode
gewechselt und fortan die Invalidität nach der spezifischen Methode bemessen
worden, womit sich (drei Monate später) ab 1. Juni 2009 die halbe Rente ergab.
Spätestens ab 24. November 2010 war gemäss dem MEDAS-Gutachten nach einer
Totalendoprothese des linken Hüftgelenks eine deutliche Verbesserung mit einer
Arbeitsfähigkeit im Haushalt ohne wesentliche Einschränkung zu verzeichnen, nach
gerichtlicher Würdigung lag jedenfalls keine rentenrelevante, 40 % oder mehr
ausmachende Arbeitsunfähigkeit mehr vor (nach Ablauf von drei Monaten
Rentenaufhebung Ende Februar 2011).
Inzwischen hatte sich die Versicherte am 19. November/9. Dezember 2013 (IV-
act. 206) zum Bezug einer IV-Hilflosenentschädigung angemeldet. Sie sei beim An-/
Auskleiden, bei der Körperpflege und bei der Fortbewegung im Freien auf Hilfe
angewiesen. Hilfeleistungen, die das selbständige Wohnen ermöglichten, seien nicht
erforderlich. Die Pro Infirmis hatte am 31. März 2014 (IV-act. 217) berichtet, nach der
Operation von 2010 sei bis Ende 2013 die Spitex im Einsatz gewesen. Das Gesuch um
Hilflosenentschädigung war am 27. Mai 2014 (IV-act. 221) abgelehnt worden. Am
20. Januar 2015 (IV-act. 235) war ein Überwachungsauftrag erteilt worden. Eine Ärztin
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der IV-Stelle hatte daraufhin am 10. Februar
2015 (IV-act. 247) festgehalten, die Versicherte sei demgemäss auch längere Zeit
gegangen, teilweise auch auf vereisten rutschigen Gehwegen, und habe teilweise
grosse Einkaufstaschen getragen. Das linksseitige leichte Hinken sei durch die
medizinischen Diagnosen und Befunde erklärt. Die gutachterlichen Einschätzungen der
MEDAS von 2012 würden weiter untermauert. - Die Klinik für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates am Kantonsspital St. Gallen hatte am
4. Juni 2015 (IV-act. 254) festgehalten, es werde bei unveränderter Symptomatik am
linken Hüftgelenk weiterhin eine Revision mit Abtragung des störenden ventralen
Osteophyten empfohlen. Trotz positiver Zeichen einer Meniskusläsion im rechten
Kniegelenk sei die Versicherte zurzeit diesbezüglich klinisch asymptomatisch.
A.f.
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B.
Am 3. Juni 2016 (IV-act. 257) hatte der Rechtsvertreter der Versicherten der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen (angesichts des damals
noch laufenden Verfahrens vor Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen) im Sinn
eines anzunehmenden Anpassungsgesuchs - gemäss Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 4. Juli 2016 infolge der angeordneten Einstellung der Rente
nunmehr im Sinn einer Neuanmeldung zu interpretieren (vgl. IV-act. 268-18) - einen
Arztbericht der Klinik für Rheumatologie am Kantonsspital St. Gallen vom 3. Mai 2016
(IV-act. 258) eingereicht. Die Versicherte könne nur noch leichte Tätigkeiten zu 20 bis
30 % ausüben. Im entsprechenden Bericht war dargelegt worden, eine Tätigkeit als
Reinigungskraft könne die Versicherte nicht mehr ausüben. Leichte Tätigkeiten im
Wechsel zwischen Sitzen (zeitweise) und Stehen (zeitweise) bei ergonomischer
Arbeitsplatzgestaltung seien zu maximal 20 bis 30 % möglich. - Am 14./20. Juni 2016
(IV-act. 262) war eine IV-Anmeldung gemacht worden. Der Rechtsvertreter der
Versicherten hatte am 17. Juni 2016 (IV-act. 263) auch noch einen Arztbericht von
Dr. med. C._, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, vom 1. Juni 2016 (IV-
act. 265) eingereicht. Danach bestehe eine Endometriose mit nach einer Operation vom
März 2016 weiterhin anhaltenden chronischen Unterbauchschmerzen.
B.a.
Am 19. September 2016 (IV-act. 270) reichte der Rechtsvertreter der Versicherten
einen Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates am Kantonsspital St. Gallen vom 24. August 2016 (IV-act. 271)
und einen Bericht von Dr. med. D._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 22. August 2016 (IV-act. 272) ein. Es sei eine polydisziplinäre
Begutachtung zu veranlassen. - Im orthopädischen Bericht vom 24. August 2016 war
festgehalten worden, es bestehe unter anderem ein Status nach Hüft-Totalprothesen-
Wechsel links am 18. August 2015. Es zeige sich eine komplexe Schmerzsymptomatik,
radiologisch aber kein Korrelat, weshalb die linksseitigen Hüftschmerzen nicht ganz
erklärlich seien. Es bestünden ebenso diffuse Schmerzen in beiden Knien und im
Rücken. Bei vermehrten Abklärungen des Bewegungsapparates einschliesslich
rheumatologischen Abklärungen seien keine schlüssigen Befunde erhoben worden.
Eine Rückkehr in die Arbeitswelt sei bei aktueller Beschwerdesymptomatik und
psychosomatischen Komponenten nicht vorstellbar. Eine reguläre Verlaufskontrolle
B.b.
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werde fünf Jahre postoperativ erfolgen. - Im psychiatrischen Bericht vom 22. August
2016 waren eine Somatisierungsstörung und eine mittelgradige depressive Episode
(auf dem Hintergrund einer chronischen Schmerzstörung in beiden Hüften und einer
psychosozialen Überlastungssituation) diagnostiziert worden. Wünschenswert wäre
das Aufgleisen einer Tagesstruktur, z.B. mit einer Psychiatrie-Spitex. Am 19. Dezember
2016 (IV-act. 277) reichte der Rechtsvertreter der Versicherten einen Bericht der Klinik
für Rheumatologie am Kantonsspital St. Gallen vom 8. Dezember 2016 (IV-act. 278)
ein. Danach blieb die Leistungsfähigkeitsschätzung im Vergleich zu jener vom 3. Mai
2016 unverändert. - Dr. C._ gab im Verlaufsbericht vom 10. Januar 2017
(Eingangsdatum, IV-act. 279) an, es lägen vor ein St. n. lap. Hysterektomie am
22.09.2016 wegen Unterbauchschmerzen, [...] bei bekannter Endometriose (St. n.
diagn. Laparoskopie 2015). Aus gynäkologischer Sicht sei die Versicherte arbeitsfähig.
Das Hauptproblem liege wohl bei der psychischen Komponente und der
Schmerzsituation infolge des Hüftleidens. - Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der
Invalidenversicherung hielt am 25. Januar 2017 (IV-act. 283) fest, der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich im Vergleich zu einer
Referenzsachlage bei der Begutachtung vom Februar 2012 (MEDAS) verändert. -
Nachdem die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle am 25. Januar 2017 (IV-act. 284)
dafürgehalten hatte, es sei daher auf das neue Gesuch der Versicherten einzutreten,
wurde eine Abklärung an Ort und Stelle vorgesehen (IV-act. 285).
Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen setzte mit
"Verfügung" vom 6. April 2017 (IV-act. 287 bis 289) die Anordnung des Entscheids des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. Juli 2016 um.
B.c.
Am 9. März 2017 hatte die Abklärung im Haushalt stattgefunden. Im Bericht vom
6. Juni 2017 (IV-act. 290) wurde festgehalten, die Versicherte habe nach längerem
Überlegen erklärt, bei voller Gesundheit wäre sie sicherlich (wie andere Frauen in ihrer
Verwandtschaft) zu 100 % erwerbstätig. Spätestens ab der Arbeitslosigkeit ihres
Ehemannes 2012 hätte sie sich aber nach Arbeit umsehen müssen, was sie nicht getan
habe. Daher sei sie weiterhin als Hausfrau zu qualifizierten. Die Versicherte habe des
Weiteren eine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit der Operation vom
August 2015 und in praktisch allen Bereichen eine volle Arbeitsunfähigkeit geltend
gemacht. Diese erscheine viel zu hoch. Es wurde eine Einschränkung der
B.d.
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Arbeitstätigkeit im Haushalt von 50.61 % festgestellt. Eine medizinische Abklärung sei
unbedingt notwendig.
Die mit der bidisziplinären Begutachtung beauftragten Dres. med. E._, Facharzt
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, und F._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, bezeichneten in ihrem Gutachten vom
7. Oktober 2017 (IV-act. 299) als (Haupt-) Diagnosen der Versicherten Hüftschmerzen
beidseits, linksbetont, unklarer Ätiologie bei Hüftdysplasie beidseits, linksbetont, und
Zustandsbild nach diversen operativen Eingriffen am linken Hüftgelenk (1989, 2010,
2015), ein Impingement-Syndrom des rechten Schultergelenks, ein chronisches
Lumbovertebralsyndrom, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte
Episode, und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien Kniegelenksbeschwerden
beidseits, rechtsbetont, unklarer Ätiologie, ein Verdacht auf Fibromyalgie (DD:
generalisiertes myofasziales Schmerzsyndrom), Adipositas, akzentuierte
Persönlichkeitsmerkmale mit abhängigen/dependenten Anteilen, Probleme in der
Beziehung zum Ehepartner und Probleme in Verbindung mit Ausbildung und Bildung
(Analphabetismus). In der angestammten Tätigkeit als Reinigungsangestellte sei ab
20. Juli 2001 von einer orthopädisch begründeten vollen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen. In einer den verschiedenen umschriebenen Anforderungen angepassten
leichten Tätigkeit in wohlwollendem Arbeitsumfeld sei die Versicherte aus
psychiatrischen Gründen (Schmerzverarbeitungsstörung, rezidivierende depressive
Störung) zu 30 % arbeitsunfähig (IV-act. 299-74 f.). Im Haushalt sei die Versicherte
sowohl aus somatischer wie aus psychiatrischer Sicht in ihrer Arbeitsfähigkeit zu 30 %
eingeschränkt (IV-act. 299-76 f.). Im Vergleich zur Sachlage bei der Begutachtung von
2012 sei die Beweglichkeit des linken Hüftgelenks und der rechten Schulter klinisch
stärker eingeschränkt. Wegen des medizinisch nicht nachvollziehbaren
Stockgebrauchs durch die Versicherte seien die Befunde an der LWS nur beschränkt
verwertbar. Die klinische Veränderung ziehe jedoch lediglich qualitative
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit nach sich. Konventionell-radiologisch habe sich
die Situation im Vergleich eher verbessert, da nun die störenden Ossifikationen und
Knochensporne entfernt seien. Psychiatrisch betrachtet ergab sich keine wesentliche
Veränderung. Einerseits habe sich die depressive Problematik etwas verbessert,
B.e.
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anderseits habe die Schmerzproblematik zugenommen (IV-act. 299-76). Rückblickend
wurde festgehalten, nach dem Eingriff von Mitte August 2015 sei bis Mitte Februar
2016 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Innert zweier Monate habe in der
Folge eine angepasste Tätigkeit wieder aufgenommen werden können (IV-act. 299-76).
Mit Vorbescheid vom 4. Dezember 2017 (IV-act. 302) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem Rechtsvertreter der
Versicherten in Aussicht, ein Rentenanspruch bestehe angesichts der
Arbeitsunfähigkeit im Haushaltsbereich von 30 % nicht.
B.f.
Der Rechtsvertreter der Versicherten wandte am 23. Januar 2018 (IV-act. 303) ein,
diese sei als zumindest zeitweise (zumindest zu 60 % bzw. zu 60 bis 70 %)
Erwerbstätige einzustufen und ihr Invaliditätsgrad sei anhand der neuen
Berechnungsmethode gemäss Art. 27 IVV bzw. Art. 28a IVG zu bemessen, und zwar
auf mindestens 40 %. Realistischerweise würde die Versicherte, deren Ehemann sich
ebenfalls bei der Invalidenversicherung angemeldet habe und deren Familie seit
längerem von der Sozialhilfe lebe, ein vollschichtiges Pensum ausüben. Die
prozentuale Erwerbseinbusse werde (gemäss BGE 117 V 194) anhand des
Beschäftigungsgrads gewichtet, den die versicherte Person hätte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre. Im Erwerbsteil werde die Versicherte mit einem
unterdurchschnittlichen Lohn rechnen müssen, weshalb ein sogenannter Leidensabzug
von 25 % vorzunehmen sei und der Invaliditätsgrad sich auf 47.5 % belaufe. Selbst bei
einer Aufteilung in nur 60 % Erwerb und 40 % Haushalt ergebe sich Anspruch auf eine
Viertelsrente (dann bei 40.5 %).
B.g.
Mit Verfügung vom 13. März 2018 (IV-act. 306) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen einen Rentenanspruch der
Versicherten ab. Wie die Sozialhilfebehörde mitgeteilt habe, habe sich die Versicherte
in den vergangenen drei Jahren nicht um die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bemüht,
obwohl sie in dieser Zeit nicht voll arbeitsunfähig gewesen sei. Die im Gutachten vom
7. Oktober 2017 attestierte Arbeitsfähigkeit von 70 % könne rein theoretisch zudem
auch auf leidensangepasste Erwerbstätigkeiten bezogen werden. Es sei aber daran
festzuhalten, dass die Versicherte immer noch als Hausfrau einzustufen sei.
B.h.
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C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann
für die Betroffene am 25. April 2018 erhobene Beschwerde. Ihr Rechtsvertreter
beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Beschwerdeführerin sei als
Vollerwerbstätige, zumindest aber als Teilerwerbstätige, einzustufen und es sei ihr,
ausgehend von einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % zumindest eine
Viertelsrente auszurichten. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Seit dem früheren Verfahren
habe sich die massgebliche (hypothetische) Sachlage wesentlich geändert. Die
Beschwerdeführerin habe angegeben, derzeit bei voller Gesundheit sicherlich voll
erwerbstätig zu sein. Das älteste Kind sei mittlerweile knapp _ Jahre alt. Es besuche
die _ Schule und komme mittags nicht nach Hause. Seine Geburtsgebrechen seien
weitestgehend remittiert und es könne im Haushalt helfen. Die Zwillinge seien _-jährig
und besuchten die _ Primarschulklasse. Sie würden ebenfalls bereits teilweise im
Haushalt helfen. Neu sei auch, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin aus
gesundheitlichen Gründen keiner Arbeitstätigkeit mehr nachgehen könne. Er könne die
Kinder somit mitbetreuen. Die Familie sei seit längerem von der Sozialhilfe abhängig
und wäre dringend auf ein Erwerbseinkommen der Beschwerdeführerin angewiesen.
Auch wenn sich die Bestimmung der Statusfrage nicht auf statistische Erhebungen und
Erfahrungswerte beschränken dürfe, könne nicht unberücksichtigt bleiben, dass die
Erwerbsquote von Müttern, deren jüngstes Kind neun bis elf Jahre alt sei, gemäss
aktuellen Erhebungen des Bundesamtes für Statistik (Factsheet BFS, Schweizerische
Arbeitskräfteerhebung, Mütter auf dem Arbeitsmarkt, BFS 2016, S. 7) über 80 %
betrage, wobei das durchschnittliche Pensum der Mütter in dieser Altersgruppe des
jüngsten Kindes statistisch betrachtet 55 % betrage. Höhere Pensen würden Mütter
verrichten, deren Partner kein Erwerbseinkommen habe. Der Entscheid des kantonalen
Versicherungsgerichts vom 4. Juli 2016 habe den Sachverhalt bis zum 25. Januar 2013
beschlagen. Auch wenn die Beschwerdegegnerin den Entscheid, eine reine
Haushalttätigkeit bei der Beschwerdeführerin anzunehmen, darauf stütze, dass diese
sich nicht um Arbeit bemüht habe, könne ihr nicht gefolgt werden. Die
gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin zeigten, dass die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit auf dem effektiven Arbeitsmarkt völlig unrealistisch
sei. Das Attest einer Arbeitsfähigkeit von 70 % in optimal leidensadaptierter Tätigkeit
bedeute nicht, dass eine solche Aufnahme zumutbar sei. Der ausgeglichene
Arbeitsmarkt sei eine Fiktion, die nichts über die einzelfallbezogene Zumutbarkeit sage.
Zudem richte sich die Statusfrage danach, welchen Verlauf die Validenkarriere ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung genommen hätte. Der Invaliditätsgrad sei nach dem
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reinen Einkommensvergleich zu ermitteln. Im Jahr 2014 habe der Zentralwert des
Einkommens von Frauen für einfache Tätigkeiten des Kompetenzniveaus 1 im privaten
Sektor gemäss Tabelle TA1 der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik
2014 Fr. 4'300.-- ausgemacht. Das statistisch berechnete Einkommen 2016 betrage -
ausgehend von entsprechend umgerechneten Fr. 4'543.30 - bei einer
Arbeitsunfähigkeit von 30 % also Fr. 3'180.30 pro Monat. Ausserdem sei ein
Tabellenlohnabzug von 25 % vorzunehmen, weil eine Arbeitsfähigkeit von 80 % rein
orthopädisch betrachtet nur in einer massgeschneiderten, optimal leidensangepassten
Tätigkeit vorliege. Ausserdem habe es sich psychiatrisch gesehen um einfache
Möglichkeiten in einem wohlwollenden Arbeitsumfeld zu handeln. Das monatliche
Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin 2016 belaufe sich somit auf Fr. 2'385.20.
Ihre körperlichen Einschränkungen seien indessen so massiv, dass die Frage der
Verwertbarkeit der Resterwerbsfähigkeit zu stellen sei. Die Beschwerdeführerin verfüge
über so gut wie keine Schulbildung, könne sich auf Deutsch kaum verständigen und
könne weder lesen noch schreiben. In Frage kämen für sie daher insbesondere
Reinigungsarbeiten, wie sie sie vor der Erkrankung ausgeübt habe. In dem ihr nun
medizinisch-theoretisch noch möglichen Tätigkeitsbereich seien solche Arbeitsplätze
dagegen realistischerweise nicht vorhanden. Die Beschwerdegegnerin zeige solche
auch nicht auf. Die Verwertbarkeit sei deshalb - auch in Bezug auf sogenannte
Nischenarbeitsplätze - nicht vorhanden. Sollte das Gericht die Beschwerdeführerin
nicht als Vollerwerbstätige einstufen, wäre derzeit - gestützt auf ihre aktuellen Angaben
und den Verlauf der familiären, wirtschaftlichen und sozialen Situation seit 2001 - die
gemischte Methode anzuwenden, und zwar mit einem Erwerbspensum von mindestens
60 bis 70 %. Seit 1. Januar 2018 gelte dabei neu, dass das Einkommen für das
Valideneinkommen auf eine hypothetische Vollerwerbstätigkeit aufgerechnet werde.
Bei einem Invaliditätsgrad aus dem Erwerbsteil von 47.5 % und einer Einschränkung in
den Haushalttätigkeiten von 30 % ergebe sich bei der Annahme einer (sc. im
Gesundheitsfall ausgeübten) Erwerbstätigkeit von lediglich 70 % eine Gesamtinvalidität
von 42.25 % und selbst bei einem nur 60 % ausmachenden Erwerbsteil ein solcher von
40.5 %. Es bestehe zumindest Anspruch auf eine Viertelsrente.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 31. Mai 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Es könne offen bleiben, ob der Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin zu Recht anhand ihrer Tätigkeit als Hausfrau festgesetzt worden
sei. Selbst bei einem reinen Einkommensvergleich ergäbe sich kein Anspruch auf eine
Rente. Als Basis für das Valideneinkommen könne das von der Beschwerdeführerin im
Jahr 2000 erzielte Einkommen verwendet werden, das bei einem Pensum von 50 %
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/26
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Fr. 21'848.-- betragen habe, bei vorausgesetztem vollem Arbeitspensum also
Fr. 43'696.--. Da die Beschwerdeführerin nicht mehr arbeite, könne ihr
Invalideneinkommen anhand der Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für
Statistik (Tabellenlöhne) berechnet werden. Hilfsarbeiterinnen stünden eine Vielzahl von
Stellen im Produktions- und Dienstleistungssektor offen. Körperlich anstrengende
Arbeiten, welche die Beschwerdeführerin invaliditätsbedingt nicht mehr ausüben
könne, würden in Industrie und Gewerbe zudem zunehmend durch Maschinen
verrichtet, während - wie das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht schon
1991 festgestellt habe - den Überwachungsfunktionen grosse und wachsende
Bedeutung zukomme. Für die Beschwerdeführerin kämen etwa leichtere
Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- und Verpackungsarbeiten, leichtere
Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung oder eine Beschäftigung an
einem Empfang oder als Telefonistin in Frage. Es treffe nicht zu, dass es auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt für sie keine Arbeitsstellen mehr gebe. Weil der
zutreffende Tabellenlohn 2000 von Fr. 45'871.-- nicht mehr als 5 % höher sei als das
Valideneinkommen, müsse er nicht gekürzt werden. Da die Beschwerdeführerin nur
noch leichte Hilfstätigkeiten ausüben könne, sei ein sogenannter Leidensabzug von
10 % vorzunehmen; ein höherer Abzug sei nicht gerechtfertigt, zumal die
gesundheitlichen Einschränkungen mit der attestierten Arbeitsfähigkeit von 70 % in
adaptierten Tätigkeiten bereits grosszügig berücksichtigt worden seien.
Analphabetismus und lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt seien invaliditätsfremd und
begründeten keinen zusätzlichen Abzug. Diese Gesichtspunkte seien insofern bereits
berücksichtigt worden, als das Invalideneinkommen nach der niedrigsten
Qualifikationsstufe der Tabellenlöhne berechnet worden sei. Schliesslich ergäben sich
auch keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten
Tätigkeit eine im Vergleich zu Gesunden erhöhte Krankheitsneigung aufweise. Das
Invalideneinkommen mache somit Fr. 28'899.-- und der Invaliditätsgrad mache 34 %
aus.
E.
Am 13. Juni 2018 ist dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen worden.
F.
Mit Replik vom 10. September 2018 bringt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
vor, gemäss dem Gutachten seien dieser quasi nur noch massgeschneiderte, optimal
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/26
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leidensangepasste Tätigkeiten möglich. Das verlange von einem potenziellen
Arbeitsgeber höchstes Verständnis und Flexibilität. Es sei klar, dass die
Beschwerdeführerin kein Einkommen erzielen könnte, das nur schon in die Nähe der
eingesetzten Durchschnittslöhne zu liegen käme. Selbst bei einer Erwerbstätigkeit im
Umfang von 70 % werde sie nicht in der Lage sein, eine durchschnittliche
Arbeitsleistung zu erbringen. Vielmehr seien weitere Pausen usw. zu gewähren. Die
Beschwerdeführerin bedürfte einer besonderen Rücksichtnahme und Toleranz von
Seiten eines Arbeitgebers und könnte nur noch sehr leichte bis leichte Tätigkeiten
ausüben. Insgesamt sei ein Abzug von 25 % angebracht. Das Versicherungsgericht sei
im Entscheid vom 7. August 2007 bereits von einem Leidensabzug von damals 15 %
ausgegangen, ausserdem von einem Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 45'761.--.
G.
Die Beschwerdegegnerin hat von der ihr am 14. September 2018 eingeräumten
Möglichkeit, sich zur Replik vernehmen zu lassen, keinen Gebrauch gemacht.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 13. März 2018, mit welcher die Beschwerdegegnerin
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin abgewiesen hat. Sie hatte mit dieser
Verfügung eine Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom Juni 2016 zu beurteilen,
nachdem eine früher ausgerichtete Rente durch rechtskräftigen Gerichtsentscheid vom
4. Juli 2016 (betreffend die zu beurteilende Zeit bis 25. Januar 2013) auf den
28. Februar 2011 eingestellt worden war. - Tritt die Verwaltung auf eine Neuanmeldung
- wie hier zu Recht - ein, so hat sie das neue Leistungsgesuch in tatsächlicher und
rechtlicher Hinsicht allseitig zu prüfen.
2.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 %
Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/26
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Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG, vgl. auch BGE 102 V 165). - Sämtliche
psychischen Erkrankungen sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl.
BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem jeweiligen
Beweisbedarf) einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu
unterziehen. Für die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens sind gemäss
BGE 141 V 281 (vom 3. Juni 2015) also in der Regel diverse Standardindikatoren
beachtlich, die in zwei Kategorien systematisiert werden, nämlich einerseits in der
Kategorie des funktionellen Schweregrads und anderseits in jener der Konsistenz.
Schon der Arzt bzw. die medizinisch sachverständige Person hat bei der Einschätzung
des Leistungsvermögens den in der Judikatur umschriebenen einschlägigen
Indikatoren zu folgen (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2.2). Zum funktionellen Schweregrad
sind die Komplexe "Gesundheitsschädigung" (mit den Aspekten der Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde, des Behandlungs- und Eingliederungserfolgs oder der
entsprechenden Resistenz und der Komorbiditäten), "Persönlichkeit" (mit
Persönlichkeitsdiagnostik und persönlichen Ressourcen) und "Sozialer Kontext" zu
berücksichtigen. In der Kategorie der Konsistenz geht es um Gesichtspunkte des
Verhaltens, namentlich um eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in
allen vergleichbaren Lebensbereichen und um behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281
E. 4.1.3). Soweit die festgestellte Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer
ähnlichen Erscheinung beruht oder unter dem Einfluss der Folgen der Erzielung eines
sekundären Krankheitsgewinns steht (der rechtlich grundsätzlich unbeachtlich zu
bleiben hat, vgl. BGE 130 V 352), liegt nach der Rechtsprechung regelmässig keine
versicherte Gesundheitsschädigung vor. Hinweise darauf ergeben sich (im
Zusammenhang mit einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung entwickelt)
namentlich, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen
und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen
angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische
Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene
Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im
Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE
141 V 281 E. 2.2).
2.2.
Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Der Arzt sagt, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/26
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3.
bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist (BGE 107 V 17 = ZAK
1982 S. 34). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind im
Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V
99 f. E. 4, vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin wurden
im Lauf des Verwaltungsverfahrens betreffend ihre Neuanmeldung vom Juni 2016 am
8. September 2017 bidisziplinär begutachtet. In ihrem Gutachten vom 7. Oktober 2017
stellten die Gutachter, Dr. E._ und Dr. F._, bei ihr dabei im Wesentlichen
beidseitige Hüftbeschwerden, ein Impingement-Syndrom des rechten Schultergelenks,
ein chronisches Lumbovertebralsyndrom, eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leichte Episode, und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren fest. Daneben bestanden unter anderem auch beidseitige
Kniegelenksbeschwerden und akzentuierte Persönlichkeitsmerkmale mit abhängigen
Anteilen, die aber gemäss den Gutachtern allesamt ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit sind. Im Ergebnis gelangten die Gutachter zur Einschätzung, die
Beschwerdeführerin sei als Reinigungsangestellte (seit 20. Juli 2001) aus
orthopädischen Gründen nicht mehr arbeitsfähig. In einer angepassten leichten
Tätigkeit sei sie aus psychiatrischen Gründen und im Haushalt sei sie aus somatischer
wie aus psychiatrischer Sicht zu 30 % arbeitsunfähig.
3.1.
Bei der orthopädischen Begutachtung wurden die Vorakten und die geklagten
Beschwerden zur Kenntnis genommen. Die Beschwerdeführerin gab bei der
Begutachtung unter anderem an, der Einsatz der Totalendoprothese im Mai 2010 (mit
nachfolgender Rehabilitation) habe zu keiner Besserung geführt. Die Schmerzen seien
im Verlauf sicherlich nicht weniger geworden. Die Beschwerden an der linken Hüfte
stünden vom Bewegungsapparat her im Vordergrund. Nach dem Eingriff vom August
2015 sei es nur noch schlimmer geworden. Sie sei ständig auf zwei Gehstöcke
angewiesen (ohne Hilfsmittel könne sie nur wenige Schritte gehen) und es sei
vermutlich durch das veränderte Gangbild zu verstärkten Schmerzen an der LWS, der
rechten Hüfte und beiden Kniegelenken und wahrscheinlich wegen des
Stockgebrauchs zu Schmerzen im rechten Schultergelenk gekommen. Ein normales
Fortbewegen sei nicht möglich und sie sei ans Haus gebunden (vgl. IV-act. 229-39 und
3.1.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/26
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-44). Sie könne die Wohnung nur verlassen, wenn sie Arzttermine oder etwas Ähnliches
habe (vgl. IV-act. 299-42). - Der Gutachter der Orthopädie erhob die klinischen Befunde
und beschrieb sie detailliert (vgl. IV-act. 229-44 ff.). Es standen ihm ausserdem diverse
(Röntgen-, MRI- und CT-) Bilder zur Beurteilung zur Verfügung. Er hielt dabei unter
anderem fest, im Vordergrund habe klinisch die schmerzhaft eineschränkte
Beweglichkeit vor allem des linken Hüftgelenks, aber auch der Wirbelsäule und des
rechten Schultergelenks gestanden (vgl. IV-act. 229-52). Dass am linken Oberschenkel
eine Umfangdifferenz von minus 2 cm gegenüber rechts und am linken Unterschenkel
eine solche von minus 1 cm gegenüber rechts bestehe, weise auf eine gewisse
Schonung der linken unteren Extremität hin. Die demonstrierte muskuläre Schwäche
könne dadurch jedoch nicht erklärt werden (vgl. IV-act. 229-57). Radiologisch hätten
sich ein Beckentiefstand links, am rechten Hüftgelenk eine verminderte Überdachung
des Femurkopfes und eine verstärkte Sklerosierung am Acetabulum lateral, an der
LWS und am rechten Knie diskrete degenerative Veränderungen und an der rechten
Schulter eine eine Impingement-Symptomatik begünstigende Konfiguration des
Acromions gezeigt (vgl. IV-act. 229-52 f.). Die muskuläre Kraft im Bereich des linken
Hüftgelenks sei vermindert, was teilweise auf das Zustandsbild nach drei
ausgedehnten Hüfteingriffen zurückgeführt werden könne (vgl. IV-act. 229-52), nicht
jedoch im demonstrierten Ausmass (vgl. IV-act. 229-57). Mit den Gehstöcken habe sich
ein nur diskretes linksseitiges Hinken gezeigt. Die Sensibilitätsausfälle an den oberen
und unteren Extremitäten könnten keinem Dermatom zugeordnet werden und seien
bezüglich der Leistungsfähigkeit nicht von Relevanz. Schwerwiegende motorische
Ausfälle hätten nicht nachgewiesen werden können. Der Gesundheitsschaden im
Bereich der Hüftgelenke, namentlich links, sei mittelschwer, im Übrigen (LWS, Schulter,
Knie) bestünden leichte Veränderungen (vgl. IV-act. 229-52 f.). Alle beschriebenen
Funktionseinschränkungen seien auf die Gesundheitsschädigungen zurückzuführen;
das Ausmass der Beschwerden der Beschwerdeführerin und die Notwendigkeit des
Stockgebrauchs hingegen könnten nicht nachvollzogen werden (vgl. IV-act. 229-53,
vgl. auch 54). Trotz der vorhandenen Inkonsistenzen bzw. der Nicht-
Nachvollziehbarkeit gewisser Angaben hätten die vorgebrachten Beschwerden der
Beschwerdeführerin mit ihrem Benehmen korreliert. In den Aussagen und im
Benehmen sei sie während der Befragung und der Untersuchung sowie ausserhalb der
eigentlichen Untersuchungssituation konsistent gewesen (vgl. IV-act. 229-54).
Allerdings sei sie während der Befragung in einem Sessel gesessen, der die Flexion
beider Hüftgelenke über 90° bedingt habe. Bei der klinischen Untersuchung habe sie
jedoch bei der Flexion des linken Hüftgelenks bei 60° aktiv gegengespannt und über
starke Schmerzen geklagt. Ähnliches habe sich bei der Untersuchung der Kniegelenke
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/26
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gezeigt (vgl. IV-act. 229-57). - Der Gutachter der Orthopädie hielt fest, in der
Begutachtungssituation sei es nicht möglich, konkret zu beurteilen, inwiefern die
(subjektive) Angabe der Beschwerdeführerin, wonach es ihr nicht möglich sei, ohne
Benützung von zwei Gehstöcken zu gehen, in ihrem alltäglichen Leben ihren
Niederschlag finde (vgl. IV-act. 229-58, oben und unten). - Die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer optimal leidensangepassten Tätigkeit mit diversen
Voraussetzungen legte der Gutachter auf 80 % fest. Stelle man auf die oben erwähnte
subjektive Behauptung (der Hilfsmittelbedürftigkeit) ab, müsste es sich um Tätigkeiten
rein im Sitzen handeln, ansonsten wären auch Tätigkeiten im Wechsel von Sitzen,
Gehen und Stehen möglich (vgl. IV-act. 229-58).
Dieser Arbeitsfähigkeitsschätzung kann angesichts der detaillierten Grundlagen
der Abklärung und der überzeugenden Begründung durch die vorgefundenen Befunde
gefolgt werden. Da die Notwendigkeit des Stockgebrauchs gemäss dem Gutachten
orthopädisch gesehen nicht nachvollzogen werden kann, rechtfertigt es sich
anzunehmen, dass nicht allein sitzende Tätigkeiten zumutbar sind.
3.1.2.
Bei der psychiatrischen Begutachtung wurden ebenfalls die geklagten
Beschwerden erfragt. Die Beschwerdeführerin gab unter anderem an, die Schmerzen -
mehr oder weniger ihr ganzes Leben lang bestehend - seien zermürbend. Sie habe
mehr Schmerzen, wenn sie zum Beispiel öfters auswertige Termine habe. Inzwischen
habe sie auch Kopfschmerzen. Ausserdem habe sie oft Angst. Zuhause habe sie eine
schwierige Situation. - Die Gutachterin der Psychiatrie erhob den Befund und
beschrieb, die Stimmungslage der Beschwerdeführerin sei leicht niedergeschlagen,
ratlos, ängstlich und innerlich unruhig gewesen. Das formale Denken sei auf die
Schmerzproblematik eingeengt (vgl. IV-act. 299-65). Beurteilend hielt sie fest, es liege
eine depressive Episode vor. Diese sei leicht, denn die Beschwerdeführerin sei im
Kontakt bzw. im Gesprächsverlauf auslenkbar und schwingungsfähig gewesen.
Ausserdem bestehe eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren. Psychischen Faktoren werde eine wichtige Rolle für den
Schweregrad, die Exazerbation oder die Aufrechterhaltung der Schmerzen
beigemessen, sie hätten jedoch nicht die ursächliche Rolle für deren Beginn gespielt.
Diese liege vielmehr in einem physiologischen Prozess oder einer körperlichen Störung.
Ferner gebe es von Seiten der Persönlichkeit Hinweise auf abhängige (dependente)
Anteile im Sinn von akzentuierten Persönlichkeitszügen. Charakterisiert seien diese
durch ein Gefühl der Unfähigkeit, das eigene Leben selbständig zu führen, und ein
Leiden an ständiger Trennungsangst (vgl. IV-act. 299-67). - Die Gutachterin der
Psychiatrie setzte sich mit den von der Rechtsprechung entwickelten
3.1.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/26
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Standardindikatoren auseinander und legte dar, die Ausprägung der Schwere der
Befunde sei leicht bis mittelgradig, und zwar weitgehend unverändert zum Befund bei
der Begutachtung 2012 (vgl. IV-act. 299-67). Aus rein psychiatrischer Sicht habe es
keinen Hinweis auf Diskrepanzen oder Widersprüche gegeben; weder seien eine
Übertreibung der Beschwerdeschilderung noch histrionische Persönlichkeitsmerkmale
festzustellen gewesen (vgl. IV-act. 299-68). Zu den Beeinträchtigungen und
Ressourcen hielt die Gutachterin fest, die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie
die Fähigkeit zu Spontanaktivitäten sei leicht bis mittelgradig eingeschränkt, die
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit leicht, weil sich die Beschwerdeführerin von
äusseren Faktoren beeinflussen lasse. Das Durchhaltevermögen sei mässig
beeinträchtigt, ebenso die Selbstbehauptungsfähigkeit (vgl. IV-act. 299-68 f.). Es
bestünden soziale Belastungen wie finanzielle Probleme, Schwierigkeiten in der
Beziehung zu vertrauten Menschen, insbesondere zum Ehemann, eine Überlastung mit
drei Kindern, Analphabetismus, geringe Deutschkenntnisse und fehlende
Berufsausbildung (vgl. IV-act. 299-68 f.). Die Kommunikationsfähigkeit sei infolge
geringer Deutschkenntnisse eingeschränkt (vgl. IV-act. 299-69). Nicht (wesentlich)
beeinträchtigt seien die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, die Fähigkeit
zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, die Fähigkeit zur Anwendung fachlicher
Kompetenzen und die Kontaktfähigkeit zu Dritten und die Gruppenfähigkeit (vgl. IV-
act. 299-68 f.). Eine Ressource sei die Unterstützung durch das vorhandene soziale
Netzwerk. Sowohl von ihrer Familie wie von der G._ und von Nachbarn werde die
Explorandin (samt ihrer Familie) unterstützt. Die Beschwerdeführerin allerdings
berichte, sie habe trotzdem das Gefühl, nicht gehört und zu wenig unterstützt zu
werden, was sich durch die abhängige Persönlichkeitsstruktur erklären lasse (vgl. IV-
act. 299-69). Die Motivation der Beschwerdeführerin sei unterschiedlich (vgl. IV-
act. 299-69). Einen Hinweis auf Diskrepanzen oder Widersprüche habe es im Rahmen
der psychiatrischen Untersuchung nicht gegeben. Die Beschwerdeführerin habe
authentisch gewirkt; sie sei vielfältigen Belastungen ausgesetzt (vgl. IV-act. 299-70).
Der Schmerzverarbeitungsstörung und der depressiven Störung mass die Gutachterin
der Psychiatrie schliesslich eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von 30 % zu (vgl.
IV-act. 299-71). Die im Haushaltsbericht geltend gemachten Einschränkungen seien
nicht vollumfänglich nachvollziehbar. Zu begründen sei höchstens eine Einschränkung
von 30 % (vgl. IV-act. 299-72).
Bei diesen Gegebenheiten lässt sich festhalten, dass auch das Ergebnis der
psychiatrischen Begutachtung als ausreichend begründet und demnach stichhaltig
betrachtet werden kann. Zusatzuntersuchungen wie etwa Blutserumspiegelmessungen
3.1.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/26
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für einzelne oder mehrere der zahlreichen angegebenen Medikamente (vgl.
psychiatrische Medikation IV-act. 299-64; vgl. längere Liste insgesamt bei IV-
act. 299-43) wurden allerdings nicht veranlasst, obwohl sie möglicherweise zusätzlich
aufschlussreich gewesen wären.
Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin zum
Zeitpunkt der betreffenden bidisziplinären Begutachtung in einer angepassten Tätigkeit
(einschliesslich der Haushaltarbeit) medizinisch zu 30 % (vorwiegend psychiatrisch, zu
20 % auch orthopädisch bedingt) arbeitsunfähig ist.
3.2.
Was die rückblickende medizinische Beurteilung betrifft, ergab sich psychiatrisch
betrachtet keine wesentliche Veränderung. Einerseits habe sich die depressive
Problematik etwas verbessert, anderseits habe die Schmerzproblematik zugenommen
(IV-act. 299-76). - Orthopädisch gesehen wurde festgehalten, im Vergleich zur
Sachlage bei der Begutachtung von 2012 sei die Beweglichkeit des linken Hüftgelenks
und der rechten Schulter der Beschwerdeführerin klinisch stärker eingeschränkt.
Wegen des medizinisch nicht nachvollziehbaren Stockgebrauchs seien die Befunde an
der LWS nur beschränkt verwertbar. Die klinische Veränderung ziehe jedoch lediglich
qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit nach sich. Konventionell-radiologisch
habe sich die Situation im Vergleich eher verbessert, da nun die störenden
Ossifikationen und Knochensporne entfernt seien. - Zudem ergab sich hinsichtlich der
medizinischen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, dass nach dem Eingriff von
Mitte August 2015 (Hüft-Totalprothesen-Wechsel links) bis Mitte Februar 2016 von
einer vollen Arbeitsunfähigkeit (also auch in adaptierter Tätigkeit) auszugehen sei.
Innert zweier Monate habe in der Folge eine angepasste Tätigkeit wieder
aufgenommen werden können (IV-act. 299-76). Daneben kann demnach von der
gutachterlichen Arbeitsunfähigkeitsschätzung von 30 % ausgegangen werden. - Da
seit der Einstellung der Rente im Februar 2011 (Verbesserung ab November 2010)
mehr als drei Jahre vergangen sind, kann sich die Beschwerdeführerin im
Zusammenhang mit dieser vorübergehenden Verschlechterung des Zustands nicht
mehr auf eine früher bestandene Wartezeit berufen (vgl. Art. 29 IVV; keine neue
Wartezeit ist nur bei Wiederaufleben des gleichen Leidens innerhalb von drei Jahren
nötig, vgl. ZAK 1977, 18, BGE 108 V 70). Selbst wenn ein allfälliger vorübergehender
Rentenanspruch als ausgewiesen zu betrachten wäre, wäre die Rente drei Monate (vgl.
Art. 88a Abs. 1 IVV) nach der Verbesserung (Wiedererreichen der Arbeitsfähigkeit von
70 % spätestens im April 2016) - also spätestens auf 31. Juli 2016 - einzustellen
gewesen. Zur Auszahlung gelangen kann ein Rentenanspruch aber gemäss Art. 29
Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des
3.3.
bis
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4.
Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG (vgl. BGE 142 V 547), vorliegend
demnach frühestens ab 1. Dezember 2016.
In erwerblicher Hinsicht ist zunächst festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin als
Jugendliche in die Schweiz gekommen ist und keinen Beruf erlernt hat. Einzig während
der Zeit vom Juni 1999 bis Juni 2001 war sie als temporäre Reinigungsaushilfe nach
Bedarf und auf Abruf mit einem Pensum von ca. 50 % angestellt gewesen. Seither war
sie nach der Aktenlage nicht mehr erwerbstätig. Nachdem sie im Verlauf der IV-
Verfahren für den hypothetischen Fall ohne Gesundheitsschaden bis Juni 2004 mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit als Vollerwerbstätige betrachtet worden war, wurde
daraufhin bis _ [Monat vor Geburt] 2009 eine hypothetische Erwerbstätigkeit von
50 % (nebst einer Haushalttätigkeit von ebenfalls 50 %) für mit dem erforderlichen
Beweisgrad erstellt angenommen, danach eine vollzeitliche Tätigkeit im Haushalt. Bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung am 13. März 2018 sind seither - bzw. seit
dem Zeitpunkt der Geburt der Zwillinge - weitere neun Jahre vergangen. Die
Beschwerdeführerin hat dargelegt, sie wäre neuerdings im Fall der Gesundheit voll
erwerbstätig und hat dies begründet.
4.1.
Für diesen (Gesundheits-) Fall erachtet die Beschwerdeführerin selber eine
ausserhäusliche Tätigkeit für sich demnach als zumutbar.
4.2.
Welcher Tätigkeit sie dabei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachginge,
lässt sich nicht feststellen, so dass ihr Valideneinkommen, sollte ein
Einkommensvergleich zu machen sein (vgl. unten E. 4.3), anhand der statistischen
Durchschnittseinkommen zu bestimmen wäre.
4.2.1.
Das Invalideneinkommen wäre diesfalls nach der Rechtsprechung ebenfalls unter
Beizug der Tabellenlöhne festzulegen (vgl. BGE 129 V 472 E. 4.2.1, vgl. etwa auch
Bundesgerichtsentscheid vom 26. Januar 2016, 9C_762/2015), übt die
Beschwerdeführerin doch keine Erwerbstätigkeit mehr aus. Auszugehen wäre - falls
ausserdem von einer Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auszugehen ist (vgl. unten
E. 4.2.3) - vom selben Wert wie das Valideneinkommen ihn ausmacht.
4.2.2.
Bei einer für die Beschwerdeführerin zumutbaren Erwerbstätigkeit hat es sich
nach dem Dargelegten aus orthopädischer Sicht um eine sehr leichte bis leichte,
wechselbelastende, aber primär im Sitzen auszuübende Tätigkeit ohne längeres Gehen
und Stehen zu handeln, ohne repetitive stereotype Bewegungsabläufe im Bereich der
4.2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/26
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unteren Extremitäten, ohne Einnehmen von Stellungen im Knien und in der Hocke,
ohne Arbeiten mit Absturzgefahr, ohne Gehen auf unebenen/glatten Oberflächen, ohne
Überwinden von Höhendifferenzen wie auf Treppen, Leitern oder Gerüsten, ohne
Arbeiten oberhalb der Horizontalebene und ohne Arbeiten auf/mit vibrierenden
Geräten/Fahrzeugen (vgl. IV-act. 299-75). Psychiatrisch wurde vorausgesetzt, dass es
sich um ein wohlwollendes Arbeitsumfeld handle (vgl. IV-act. 299-75). Eine adaptierte
Tätigkeit erfordert demnach diverse Kriterien. Diese sind jedoch nicht so
einschränkend, dass angenommen werden müsste, die Arbeitsfähigkeit sei nicht mehr
verwertbar. Zu bedenken ist nämlich, dass für die Invaliditätsbemessung nicht der
tatsächliche, sondern ein ausgeglichener Arbeitsmarkt relevant ist. Dieser theoretische
und abstrakte Markt (vgl. BGE 134 V 64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2) hat rein
hypothetischen Charakter und dient dazu, die Risiken von Arbeitslosigkeit und
Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl. Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Schweizerisches Bundesgericht] vom
10. Juli 2006, I 186/05 E. 2.3, Bundesgerichtsurteil vom 23. September 2014,
9C_192/2014 E. 3.1; BGE 110 V 276 E. 4b). Es kommt nicht darauf an, ob eine invalide
Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich vermittelt werden
kann, sondern einzig darauf, ob und in welchem Rahmen sie die ihr verbliebene
Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem
Angebot an Arbeitskräften entsprächen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 4. Mai 2018,
9C_294/2017 E. 5.4.2., AHI 1998 S. 287 E. 3b). Ein ausgeglichener Arbeitsmarkt weist,
was die verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch den
körperlichen Einsatz angeht, einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf (vgl.
Bundesgerichtsentscheide vom 9. Januar 2015, 8C_652/2014, und vom 10. April 2019,
8C_811/2018 E. 4.4.1). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts umfasst er
selbst sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei
welchen gesundheitlich Beeinträchtigte mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers rechnen können (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 18. Dezember
2019, 9C_693/2019 E. 5.1.3, und vom 28. November 2014, 9C_485/2014).
Realitätsfremde Einsatzmöglichkeiten dürfen bei der Invaliditätsbemessung aber nicht
berücksichtigt werden. Von einer zumutbaren Tätigkeit im Sinn von Art. 16 ATSG kann
insbesondere dort nicht gesprochen werden, wo sie nur in so eingeschränkter Form
möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder dass sie
nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers
möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015,
8C_582/2015, und vom 25. September 2018, 8C_290/2018 E. 5.4, ZAK 1991 S. 318
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E. 3b). - Vorliegend ist nach den dargelegten Kriterien anzunehmen, ein ausgeglichener
Arbeitsmarkt enthalte noch eine genügende Zahl an Arbeitsplätzen, die den
Anforderungen entsprächen, welche für die Beschwerdeführerin umschrieben worden
sind. Zwar hat sie bisher noch keine umfangreiche Erwerbstätigkeit ausgeübt, doch ist
sie noch in jüngerem Alter und es kann ihr noch eine lange Aktivitätsdauer
bevorstehen. Die Verwertbarkeit ist zudem an den Arbeitsmöglichkeiten auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt für Tätigkeiten auf der Stufe des untersten
Kompetenzniveaus (1, einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art) aller
Wirtschaftszweige zu messen. Als Arbeitsmöglichkeiten können (sehr) leichte Kontroll-
bzw. Überwachungs-, Sortier-, Verpackungs- oder Montagetätigkeiten in Betracht
fallen. Die Beschwerdeführerin weist ausserdem mit 70 % noch eine Arbeitsfähigkeit
weitreichenden Umfangs auf. Den erschwerenden Umständen kann mit einem Abzug
vom Tabellenlohn Rechnung getragen werden (vgl. unten E. 4.2.5).
Sind demnach für den Fall des Einkommensvergleichs sowohl Validen- wie
Invalideneinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu bestimmen, so entspricht
der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines
allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn gemäss BGE 126 V 75 (vgl.
Bundesgerichtsentscheide vom 9. Mai 2016, 8C_934/2015, und vom 20. April 2010,
9C_215/2010 E. 5.2).
4.2.4.
Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich zumutbare verbleibende (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist
ein Abzug von den Tabellenlöhnen zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des
Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das
Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu
schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl.
BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). - Zunächst ist festzuhalten, dass die bereits
erwähnten gesundheitlich bedingten Einschränkungen der Beschwerdeführerin in der
medizinisch begründeten Arbeitsunfähigkeitsschätzung ihren Niederschlag gefunden
haben. Namentlich wurde die orthopädisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 20 % mit
ihrem Bedarf an längeren und betriebsunüblichen Pausen begründet (vgl. IV-
act. 299-74). - Mangelhafte Sprachkenntnisse sind bezüglich der Einsatzmöglichkeiten
für einfache und repetitive Tätigkeiten rechtsprechungsgemäss nicht abzugsrelevant
(für Analphabetismus Bundesgerichtsurteil vom 7. Dezember 2011, 8C_328/2011
E. 10.2). Die fehlende berufliche Ausbildung der Beschwerdeführerin vermag, da in
solchen Tätigkeiten auch keine Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt sind, einen
4.2.5.
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Abzug ebenfalls nicht zu rechtfertigen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 18. August 2014,
9C_426/2014 E. 4.2). Zudem sind diese (invaliditätsfremden, schon vor der Invalidität
vorhanden gewesenen) Faktoren mit der Parallelisierung der Vergleichseinkommen
bereits berücksichtigt worden; eine doppelte Berücksichtigung fällt ausser Betracht
(vgl. dazu BGE 134 V 322 E. 5.2 und 6.2). Die Beschwerdeführerin ist des Weiteren in
der Lage, (bei wie erwähnt vermehrtem Pausenbedarf) ganztägig zu arbeiten (vgl. IV-
act. 299-74). Daher entfällt ein Teilzeitabzug (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 12.
November 2019, 9C_542/2019 E. 3.1, vom 16. Mai 2019, 8C_705/2018 E. 4.3, vom 13.
Februar 2017, 9C_762/2016 E. 5, und vom 8. Mai 2018, 8C_211/2018 E. 4.4). Auch
mangelnde Flexibilität und ein erhöhter Bedarf an Rücksichtnahme durch den
Arbeitgeber rechtfertigen rechtsprechungsgemäss keinen Leidensabzug. Zusätzliche
krankheitsbedingte Absenzen vom Arbeitsplatz bei Erwerbstätigen mit aus
gesundheitlichen Gründen eingeschränkter Arbeitsfähigkeit sind statistisch nicht
belegt, weshalb auch dies keinen Grund darstellt, ohne weiteres einen Abzug zu
gewähren (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 28. November 2017, 9C_629/2017 E. 2, vom
4. August 2010, 8C_144/2010 E. 5.3, vom 19. November 2009, 9C_708/2009 E. 2.3.2,
vom 3. Juli 2017, 8C_166/2017 E. 6, vom 11. September 2019, 9C_225/2019 E. 4.4.2).
Dasselbe gilt (mit Blick auf die Art der zumutbaren Tätigkeiten) für eine lange
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 11. September 2019,
9C_225/2019 E. 4.4.2). Ein Abzug wegen nicht mehr zumutbarer körperlich
belastenderer Arbeit fällt, da der genannte Tabellenlohn (des Kompetenzniveaus 1)
bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst, nicht ohne
weiteres in Betracht (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 20. April 2018, 9C_833/2017
E. 5.1, und vom 24. Mai 2018, 8C_884/2017 E. 4.2). - Die Beschwerdegegnerin hat in
der angefochtenen Verfügung vom Tabellenlohn einen Abzug von 10 % vorgenommen,
weil die Beschwerdeführerin nur noch leichte Hilfstätigkeiten ausüben könne. Gemäss
der medizinischen Beurteilung kommen für sie denn auch nur noch sehr leichte
Arbeiten mit Einschränkungen in Frage. Zusammen mit der Berücksichtigung des
Umstands, dass die Beschwerdeführerin bis anhin vergleichsweise erst sehr kurz im
Arbeitsprozess gewesen ist, rechtfertigt sich dieser Abzug von 10 %. Ein grösserer
Abzug fällt indessen nach der oben dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung
nicht in Betracht, auch wenn ein solcher in einem früheren Entscheid des hiesigen
Versicherungsgerichts einmal vorgenommen und die damalige Ermessensausübung
vom Bundesgericht nicht beanstandet worden war.
Mit diesem Abzug ergibt sich für den Fall eines Einkommensvergleichs bei einer
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 70 % ein Invaliditätsgrad von 37 % (1-
[0.7 x 0.9]), der nicht rentenrelevant ist.
4.2.6.
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5.
Was eine allfällige Haushaltstätigkeit der Beschwerdeführerin betrifft, hat der
Gutachter der Orthopädie sich im Einzelnen mit den Fähigkeiten der
Beschwerdeführerin in den diversen Teilbereichen gemäss dem Abklärungsbericht
auseinandergesetzt (vgl. IV-act. 299-76 f.). Es erscheint plausibel, dass die
orthopädische Arbeitsunfähigkeit dort vereinzelt als höher eingeschätzt wurde als in
einer sehr leichten angepassten Tätigkeit (dort orthopädisch 20 %). Selbst wenn bei
der Wohnungspflege noch statt 40 % 60 % Beeinträchtigung, bei der Wäsche statt
30 % 50 % und bei der Kinderbetreuung statt 20 % 40 % Einschränkung einzusetzen
wäre, ergäbe sich noch eine Summe von insgesamt erst 34.3 %. Angesichts der
medizinischen Feststellungen im bidisziplinären Gutachten vom 7. Oktober 2017,
wonach in beiden möglichen Tätigkeitsbereichen (Erwerbstätigkeit in adaptierter Arbeit
und Haushalt) im Ergebnis (d.h. orthopädisch und psychiatrisch gemeinsam betrachtet)
dieselbe medizinische Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin von 30 % vorliegt,
und in Anbetracht der oben dargelegten Erwägungen zu einem Einkommensvergleich
erweist sich der Standpunkt der Beschwerdegegnerin, dass die Methode der
Bemessung ihrer Invalidität nicht ausschlaggebend sei, als zutreffend.
4.3.
Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
demnach zu Recht abgelehnt.
4.4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.5.1.
Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Die
Beschwerdeführerin ist im Verfahren unterlegen, weshalb ihr die Gerichtskosten in der
Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen sind. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten, daneben auch Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung, s. unten) am 13. Juni 2018 ist sie jedoch von
deren Bezahlung zu befreien.
5.2. bis
Der Staat ist aufgrund der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu verpflichten,
für die Kosten ihrer Rechtsvertretung aufzukommen. Der Bedeutung der Streitsache
und dem Aufwand angemessen erscheint eine (dem Durchschnitt entsprechende)
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Diese ist in Anwendung von Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen
Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) um einen Fünftel auf Fr. 2'800.-- zu reduzieren.
5.3.
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