Decision ID: e9a95f97-feb3-43dc-a377-2f9e88ce2349
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 29. März 2016 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 31. März 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) und am
22. November 2018 die Anhörung statt, an welchen er im Wesentlichen
ausführte, er sei Staatsangehöriger Sri Lankas, tamilischer Ethnie und
stamme ursprünglich aus B._. Er habe einen A-Level-Abschluss
und erst als Telefonverkäufer gearbeitet, bevor er ein (...). Sein jüngerer
Bruder sei 20(...) von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zwangs-
rekrutiert worden. Nach Ausbruch des Krieges im März 2008 sei auch er
zwangsrekrutiert worden, weil die LTTE zu wenig Kämpfer gehabt hätten.
Er sei abends zu Hause von den LTTE abgeholt und zuerst in C._
und danach in einem sehr grossen Bunker an einem unbekannten Ort im
Wald gebracht worden, wo er registriert worden sei. Anschliessend habe
er ein Training in D._ absolvierten müssen und sei danach an einen
anderen Ort in der Nähe von E._ gebracht worden, der mehrere
kleine Bunker umfasst habe. Dort habe er Essen ausliefern müssen, Ex-
plosionen gehört und mitbekommen, wie LTTE-Kämpfer gestorben seien.
Er habe einen ebenfalls zwangsrekrutierten Mann kennengelernt, mit wel-
chem er nach F._ geflohen sei und zirka vier Monate dort gelebt
habe. Ende 2008 sei er nach G._ geflüchtet, wo er nach ein paar
Wochen zwangsrekrutiert worden sei. Er habe erneut ein Training absol-
vieren müssen, von welchem er nach zirka einem Monat zu seiner Familie
habe flüchten können. Im (...) 2009 habe ihn die sri-lankische Armee in ihr
Gebiet gebracht, wo er bis Ende 2009 im H._-Camp der sri-lanki-
schen Armee gewesen sei. Ehemalige LTTE-Personen seien aufgefordert
worden, sich zu registrieren. Sein jüngerer Bruder habe dieser Aufforde-
rung Folge geleistet und sich registrieren lassen, woraufhin er einen Monat
später zur Rehabilitierung abgeführt worden sei. Er, der Beschwerdeführer,
habe aus Angst vor dem Criminal Investigation Department (CID), welches
im Camp sehr präsent gewesen sei, die Unterkunft nicht verlassen. Ge-
meinsam mit seiner Mutter habe er dann die Möglichkeit gehabt, sich in
I._ registrieren zu lassen und dafür das Camp 2009 verlassen dür-
fen. Ohne sich beim Dorfvorsteher zu registrieren, habe er von (...) bis (...)
in Jaffna Stadt gelebt, bevor er sich 2011 habe registrieren lassen und in
einem Laden gearbeitet habe. Im Mai 2012 sei er erstmalig vom CID be-
ziehungsweise vom Terrorist Investigation Department (TID) aufgesucht
und von diesem über die LTTE und über eine mögliche Rehabilitation be-
fragt worden. Anschliessend sei er mitgenommen, eingesperrt und gefragt
worden, wieso er nicht zur Rehabilitation gegangen sei. Dabei habe man
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seine Hand festgehalten und seine Finger mit einer Zange gekniffen. Nach
vier Stunden sei er wieder freigelassen worden. Ende (...) 2012 habe ihn
das TID aufgesucht und ihn am Wohnsitz seiner Schwester festgenom-
men, von wo er an einen anderen Ort gebracht und fünf bis sechs Stunden
festgehalten worden sei. Fünf Monate später sei das CID beziehungsweise
das TID wiedergekommen und habe ihn mitgenommen, verhört und wissen
wollen, weshalb er nicht rehabilitiert worden sei. Im (...) 2012 hätten vier
Armeeangehörige ihn in der Wohnung seiner Schwester, wo er noch immer
gewohnt habe, aufgesucht und hätten ihn festgenommen und in ein gros-
ses Camp gebracht, wo er wiederum geschlagen, bedroht und zu den
LTTE sowie seiner Rehabilitation befragt worden sei. Am Abend sei er wie-
der freigelassen worden. Anschliessend habe er den Wohnort gewechselt
und sei ins Vanni–Gebiet zurückgezogen, wo er bei Bekannten seiner Mut-
ter gewohnt habe. Während dieser Zeit sei er bei seiner Schwester gesucht
worden. Als er 2016 in Vanni gewesen sei, habe das TID ihn an einen Ort
namens J._ gebracht, wo er in ein Haus eingesperrt und geschla-
gen worden sei. Unter der Auflage, den Ort nicht zu verlassen, sei er frei-
gelassen worden. In der Folge habe er gemerkt, dass er auf Dauer nicht
im Vanni bleiben könne, weil es dort Personen gegeben habe, welche mit
ihm bei den LTTE gewesen und rehabilitiert worden seien. Da er, der Be-
schwerdeführer, nicht rehabilitiert worden sei, habe er Angst gehabt, von
diesen Personen verraten zu werden. So habe er am (...) 2016 Sri Lanka
verlassen und sei via Singapur am (...) 2016 illegal in die Schweiz einge-
reist.
A.b Im vorinstanzlichen Verfahren reichte der Beschwerdeführer eine sri-
lankische Identitätskarte sowie einen sri-lankischen Reisepass zu den Ak-
ten.
B.
Mit Verfügung vom 5. März 2020 verneinte die Vorinstanz die Flüchtlings-
eigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab.
Gleichzeitig verfügte sie seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete
den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 31. März 2020 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, die Verfügung der Vor-
instanz sei vollumfänglich aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers festzustellen und die Vorinstanz anzuweisen, ihm
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Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, die vorläu-
fige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Sache zur rechts-
genüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entscheidung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht beantragte er, es sei ihm die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren, auf die Erhebung des Kostenvorschusses sei
zu verzichten und die unterzeichnete Person sei als unentgeltliche Rechts-
beiständin beizuordnen. Im Weiteren seien die Kosten und die Entschädi-
gung zu Lasten der Vorinstanz zu verlegen.
Der Beschwerdeführer reichte mit der Beschwerde folgende Dokumente
ein:
– Vollmacht
– Angefochtene Verfügung vom 5. März 2020 in Kopie
– Fotos von Narben
– Verordnung zur Physiotherapie vom 18. September 2019
– Fürsorgebestätigung der Gemeinde K._ vom 9. März 2020
– Provisorische Honorarnote vom 31. März 2020
D.
Mit Instruktionsverfügung vom 8. April 2020 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut, verzichtete auf die Er-
hebung des Kostenvorschusses und hiess das Gesuch um amtliche
Rechtsverbeiständung gut, wobei Rechtsanwältin Aileen Kreyden als amt-
liche Rechtsbeiständin eingesetzt wurde. Zugleich lud sie die Vorinstanz
zur Einreichung einer Vernehmlassung ein – unter Hinweis darauf, dass in
der angefochtenen Verfügung keine Prüfung der Risikofaktoren im Sinne
der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung zu Sri Lanka (vgl. Ur-
teil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016) vorgenommen worden sei. Am 28. Ap-
ril 2020 reichte das SEM die Vernehmlassung ein. Mit Instruktionsverfü-
gung vom 30. April 2020 wurde der Rechtsvertreterin des Beschwerdefüh-
rers die Gelegenheit zur Replik eröffnet. Mit Eingabe vom 29. Mai 2020
wurde unter Beilage eines Schreibens eines Abgeordneten seines Dorfes
vom 12. Mai 2020 und einer aktualisierten Honorarnote vom 29. Mai 2020
eine Replik eingereicht.
E.
Am 10. August 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Kopie des
Rubrums des positiven Asylentscheids vom Verwaltungsgericht
L._, Deutschland für den Bruder des Beschwerdeführers zu den
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Akten. Ferner liess der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 7. Juni 2021
einen Verlaufsbericht seines Therapeuten und eine aktualisierte Honorar-
note vom 7. Juni 2021 zu den Akten reichen.
F.
Mit Schreiben vom 10. Januar 2022 ersuchte die Rechtsvertreterin des Be-
schwerdeführers das Gericht, sie aus dem Mandat als unentgeltliche
Rechtsbeiständin zu entlassen und Rechtsanwalt Bernhard Jüsi als sol-
chen einzusetzen, da sie die Kanzlei verlassen werde. Mit Zwischenverfü-
gung vom 12. Januar 2022 entliess die Instruktionsrichterin Rechtsanwältin
Aileen Kreyden mit sofortiger Wirkung aus ihrem Mandat als amtliche
Rechtsbeiständin und ordnete, ebenfalls mit sofortiger Wirkung, Rechtsan-
walt Bernhard Jüsi als neuen amtlichen Rechtsbeistand bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
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Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwendet.
1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer stellt in der Beschwerde vom 31. März 2020 un-
ter anderem folgendes Rechtsbegehren: «Subeventualiter sei die Sache
zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entschei-
dung an die Vorinstanz zurückzuweisen.». Diese verfahrensrechtliche
Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet ist, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
3.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), welches alle Befugnisse um-
fasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirk-
sam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35
E. 6.4.1). Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur
Sache zu äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erhebli-
chen Beweisanträgen gehört zu werden. Mit dem Gehörsanspruch korre-
liert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft
zu prüfen und in ihrer Entscheidung angemessen zu berücksichtigen. Die
Begründung muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person den Ent-
scheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (vgl. BGE 136 I 184
E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b).
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3.3 Mit Instruktionsverfügung vom 8. April 2020 stellte die Instruktionsrich-
terin fest, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung keine Prü-
fung der Risikofaktoren im Sinne der bundesverwaltungsgerichtlichen
Rechtsprechung zu Sri Lanka (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016) vorgenommen habe und lud diese ein, sich insbesondere
dazu vernehmen zu lassen. Im Rahmen des Schriftenwechsels hat die Vor-
instanz sich mit den Risikofaktoren auseinandergesetzt und begründet,
weshalb solche beim Beschwerdeführer nicht auszumachen seien. Nach-
dem der Beschwerdeführer diesbezüglich mittels Replik hat Stellung neh-
men können, kann der Verfahrensmangel somit nunmehr als geheilt gelten
(vgl. zur Heilung von Verfahrensmängeln im Asylbeschwerdeverfahren
BVGE 2014/22 E. 5.3). Ob die Einschätzung der Vorinstanz vom Bundes-
verwaltungsgerichts geteilt wird, ist eine materielle Frage der rechtlichen
Würdigung der Sache, welche in den materiellen Erwägungen zu prüfen
sein wird. Die formelle Rüge ist unbegründet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-
barer Zukunft Nachteile von bestimmter Intensität befürchten muss, die ihr
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt zu werden
drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen Schutz erwar-
ten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.). Ob
eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer
objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es müssen hinreichende
Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem
Menschen in der gleichen Lage Furcht vor Verfolgung hervorrufen würden.
Die objektive Betrachtungsweise ist durch das vom Betroffenen bereits Er-
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lebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu er-
gänzen (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, je
m.w.H).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer habe
sich auf die Fragen anlässlich der Anhörung widersprüchlich geäussert und
habe sich gegen Ende der Befragung in inkohärente Erklärungsversuche
verstrickt (unter Verweis auf die Akten der Vorinstanz [nachfolgend: SEM-
Akten] A30 S. 16 f.). Hinsichtlich seiner Festnahmen würden die sehr pau-
schalen und detailleeren Schilderungen die schon bestehenden Zweifel an
der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen weiter verstärken, zumal von einer
Person, die mehrmals festgenommen worden sei, zu erwarten wäre, dass
diese eine detaillierte Schilderung besagter Festnahmen wiedergeben
könne. Ferner würden seine Schilderungen zur Entlassung aus dem Ar-
mee-Camp ohne vorgängige Rehabilitation realitätsfremd erscheinen.
Auch die Vorbringen, er sei mehrmals vom CID beziehungsweise TID und
der sri-lankischen Armee mitgenommen und zu einer möglichen LTTE-Teil-
nahme und einer späteren Rehabilitation befragt worden, würden unrealis-
tisch erscheinen. Da die Vorbringen nicht geglaubt werden könnten, mithin
diese den Anforderungen an die Glaubwürdigkeit (recte: Glaubhaftigkeit)
gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten würden, sei die Asylrelevanz nicht
zu prüfen.
5.2 Der Beschwerdeführer hält dem in seiner Beschwerdeschrift entgegen,
seine Vorbringen habe er glaubhaft, das bedeute widerspruchsfrei, kohä-
rent, logisch, realitätsnah und detailreich darzulegen vermocht. Hinsichtlich
der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung (Referenzurteil des
BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.4.1) führt er aus, es lägen viele
der im genannten Urteil aufgeführten Risikofaktoren bei ihm vor. Er werde
von den sri-lankischen Behörden verdächtigt, Verbindungen zu den LTTE
zu haben, er habe sich nie rehabilitieren lassen, er sei insgesamt vier Mal
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vom TID und von der Armee gesucht, verhaftet, verhört und gefoltert wor-
den, werde auch heute noch in seinem Familienheim gesucht und habe
Narben am Körper. Ferner sei, aufgrund der Aussage der Behörden bei
seiner letzten Verhaftung, davon auszugehen, dass er auf die «Stop-List»
aufgenommen worden sei und somit bei seiner Ankunft mit Sicherheit so-
fort verhaftet, den sri-lankischen Behörden zugeführt, gefoltert und getötet
werden würde. Schliesslich stelle auch die Tatsache an sich, dass er aus
dem Ausland zurückkehren werde, ein Risikofaktor dar. Dies gelte beson-
ders für Personen, die ins Vanni-Gebiet zurückkehren würden. Hinzu
komme, dass auch sein Bruder, welcher sich zu seiner LTTE-Tätigkeit bei
den sri-lankischen Behörden bekannt habe, das Land verlassen habe. Er
erfülle daher praktisch alle Risikofaktoren gemäss der Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts. Sodann habe sich die Gefahr für den Be-
schwerdeführer – im Sinne von objektiven Nachfluchtgründen – von asyl-
relevanten Nachteilen mit dem Machtwechsel im November 2019 verstärkt.
So sei umso mehr davon auszugehen, dass er, der bereits den sri-lanki-
schen Behörden bekannt sei, im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ins
Visier der Behörden geraten werde.
5.3 Anlässlich der Vernehmlassung vom 28. April 2020 führte die Vor-
instanz zu den Risikofaktoren gemäss des Urteils E-1866/2015 insbeson-
dere aus, die blosse Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur tamilischen
Ethnie und die Landesabwesenheit würden gemäss herrschender Praxis
nicht ausreichen, um von Verfolgungsmassnahmen bei seiner Rückkehr
auszugehen. Der Beschwerdeführer habe einen sri-lankischen Reisepass
abgegeben, welcher ein gefälschtes Schengenvisum enthalte. Rückkehrer,
die illegal ausgereist seien, über keine gültigen Identitätsdokumente verfü-
gen würden, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten oder behörd-
lich gesucht würden, würden am Flughafen zu ihrem Hintergrund befragt.
Eine solche Befragung allein und das allfällige Eröffnen eines Strafverfah-
rens wegen illegaler Ausreise würden keine asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen darstellen. Regelmässig würden Rückkehrer auch am Her-
kunftsort zwecks Registrierung, Erfassung der Identität, bis hin zur Über-
wachung der Aktivitäten der Person befragt werden. Auch diese Kontroll-
massnahmen am Herkunftsort würden grundsätzlich kein asylrelevantes
Ausmass annehmen. Hingegen würden Personen, welche vormals beson-
ders enge Beziehungen zu den LTTE gehabt und kein sogenanntes Reha-
bilitierungsprogramm durchlaufen hätten, nach wie vor verhaftet. Im Wei-
teren mache er auch keine exilpolitischen Aktivitäten geltend, genauso we-
nig sei davon auszugehen, dass er auf einer «stop list» aufgeführt sei. Auch
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Seite 10
die geltend gemachten Narben, von welchen er auf Beschwerdeebene Fo-
tos eingereicht habe, würden daran nichts zu ändern vermögen. Andere
Risikofaktoren seien nicht auszumachen. Es bestehe deshalb auch keine
Kombination von Risikofaktoren, welche für eine Gefährdung sprächen und
darauf schliessen lassen würden, dass dem Beschwerdeführer bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine verbo-
tene Strafe oder Behandlung drohen würde.
5.4 Anlässlich der Replik vom 29. Mai 2020 äussert sich der Beschwerde-
führer zur Vernehmlassung der Vorinstanz, indem er festhält, dass der nur
sehr summarisch begründeten Risikofaktorenüberprüfung nicht gefolgt
werden könne. Diesbezüglich greife die Ausführung der Vorinstanz, wo-
nach die «blosse» Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und die Landesab-
wesenheit nicht ausreiche, um eine Verfolgungsgefahr zu begründen, viel
zu kurz und lasse zahlreiche weitere Risikofaktoren, die aktenkundig seien,
wiederum absolut unberücksichtigt. So erwähne die Vorinstanz erneut mit
keinem Wort, dass der Beschwerdeführer aus dem Vanni-Gebiet stamme
oder seine mehrfache Verhaftung. Des Weiteren sei im Kontext des im
Asylverfahren geltenden Beweismasses des Glaubhaftmachens erstellt,
dass die Narben im Rahmen seiner Folterungen entstanden seien. Hinzu
komme, dass unter dem Aspekt der Risikofaktoren die Ursache der Narben
gar keine Rolle spiele. Ebenfalls sei in der Beschwerdeschrift dargelegt
worden, dass dem Beschwerdeführer untersagt worden sei, die Gegend zu
verlassen, und folglich davon auszugehen sei, dass er auf einer «Stop List»
aufgenommen worden sei.
6.
6.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass sich
die geltend gemachte Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers, entgegen
seinen Ausführungen, als unbegründet erweist.
6.2
6.2.1 Hinsichtlich der Mitnahme von 2016 ist der Vorinstanz zuzustimmen,
dass die Aussagen des Beschwerdeführers widersprüchlich ausgefallen
sind. Anlässlich der BzP führte er in freier Rede aus, er sei am (...) 2016
vom CID aufgesucht und bedroht worden. Er sei von den CID Personen an
verschiedene Orte gebracht und geschlagen worden. Anlässlich der ersten
Anhörung führte er jedoch aus, er sei 2016 ein einziges Mal zu einem Haus
mitgenommen worden. Auf den Widerspruch angesprochen erwiderte er,
er sei in dieser Situation aufgeregt gewesen und es könne gut gewesen
sein, dass er sich getäuscht oder sich falsch ausgedrückt habe. Er sei nur
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an einen Ort, nämlich in ein Haus, gebracht worden. In der Beschwerde
führt er aus, es handle sich dabei nicht um einen Widerspruch, da er sich
an der BzP nicht auf die letzte Mitnahme im (...) 2016 bezogen habe, son-
dern auf alle Mitnahmen insgesamt. Dem ist entgegenzuhalten, dass der
Beschwerdeführer sich an der BzP in freier Rede zu den Gesuchsgründen
äussern konnte und diese auch in chronologischer Weise vorbrachte. Im
Rahmen dieses chronologischen Vortragens erklärte er nämlich unmiss-
verständlich, «Zuletzt vor meiner Ausreise kamen diese Leute am (...) 2016
und bedrohten mich. Sie meinten, dass sie mich in ein Gefängnis schicken
würden.». Unmittelbar danach, und aufgrund des chronologischen Vortra-
gens auf die vorherige Aussage bezogen, führte er aus, «Ich wurde von
den CID Leuten an verschiedene Orte gebracht und geschlagen.». Die
Ausführungen, die Vorbringen seien nicht widersprüchlich da sich die letzt-
zitierte Aussage auf alle Mitnahmen beziehen würde, überzeugen daher
nicht (SEM-Akten A15 Ziffer 7.01; A30 F113, F115, F116).
Im Weiteren konnte er den Widerspruch, dass er anlässlich der BzP aus-
geführt hatte, er sei von CID-Personen befragt worden, an der ersten An-
hörung aber von TID-Personen gesprochen habe, nicht ausräumen. Auf
Vorhalt dieses Widerspruches anlässlich der ersten Anhörung führte er
aus, er habe an der BZP aus Versehen anstatt TID CID gesagt, welches
die Terrorbefragungsabteilung der Regierung sei. In der Beschwerde führt
er im Weiteren aus, dieser Widerspruch sei lediglich der Aufregung ge-
schuldet gewesen. Der Beschwerdeführer konnte, angesprochen auf den
Widerspruch, erläutern, dass das TID die Terrorbefragungsabteilung der
Regierung sei, wusste mithin, dass es sich dabei nicht um das CID handelt.
Bei einer Mitnahme und Befragung wäre zu erwarten, dass der Beschwer-
deführer, insbesondere da ihm der Unterschied von CID und TID geläufig
gewesen ist, diese staatliche Organisation auch richtig, zumindest nicht
konstant falsch, benennen würde (SEM-Akten A15 Ziffer 7.01; A30 F111,
F116).
Der Beschwerdeführer führte anlässlich der ersten Anhörung aus, ihm sei
in den Monaten bis zu seiner Ausreise auferlegt worden, die Gegend nicht
mehr zu verlassen. Er habe dann «ein wenig gemerkt», dass, wenn diese
Leute ihn ein weiteres Mal festnähmen, sie ihn nicht mehr gehen lassen
würden. An der BzP erwähnte er diesen Sachverhalt allerdings nicht. Ent-
gegen den Ausführungen in der Beschwerde ist festzuhalten, dass es sich
bei der Auflage, das Gebiet nicht mehr zu verlassen, und die damit verbun-
dene Angst, dauerhaft inhaftiert zu werden, um einen zentralen Punkt der
Motivation seiner Ausreise handelt. Auch wenn es sich bei der BzP lediglich
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um eine summarische Befragung handelt, wie der Beschwerdeführer zu
Recht vorbringt, ist trotzdem zu erwarten, dass die relevanten Fluchtmotive
zumindest angesprochen werden (SEM-Akten A30 F117).
Der Vorinstanz ist weiter zuzustimmen, dass der Beschwerdeführer zu Fra-
gen betreffend seine Festnahmen pauschal und detailleer geantwortet hat.
Dass er auf «W-Fragen» lediglich kurze Antworten gegeben hat, erscheint
nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar sind hingegen die kurzen und
gleichlautenden Antworten hinsichtlich der Fragen zu den Geschehnissen
anlässlich der Festnahmen. Auf die Frage, was man an der zweiten Mit-
nahme von ihm habe wissen wollen, antwortete er, sie hätten «das Glei-
che» gefragt, deren Gedanke sei gewesen, dass er, der Beschwerdeführer,
nicht rehabilitiert worden sei. Auch die Frage, wie er während der Fest-
nahme behandelt worden sei, beantwortete er knapp mit: «Das Gleiche».
Dieses Aussageverhalten erweckt nicht den Eindruck von tatsächlich Er-
lebtem, insbesondere da er angibt, mehrere Stunden festgehalten worden
zu sein (SEM-Akten A30 F66, F78, F81, F85).
6.2.2 Demgegenüber ist dem Einwand zuzustimmen, dass es auch Ele-
mente gibt, die zu Gunsten der Sachdarstellung des Beschwerdeführers
sprechen. So hat er über weite Teile auch widerspruchsfrei berichtet und
das Argument, er sei in seinen Schilderungen immer wieder unterbrochen
worden, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Auch sind seine Darlegun-
gen und Erklärungen zur Entlassung aus dem Armee-Camp, nachdem er
sich mit seiner Mutter bei der Schwester habe registrieren können, nicht
realitätsfremd. Sodann sind die kurzfristigen Mitnahmen nicht wenig realis-
tisch. Vielmehr entsprechen diese einem bekannten Vorgehen der sri-lan-
kischen Behörden.
6.3 Unabhängig von der Frage der Glaubhaftigkeit der Schilderungen des
Beschwerdeführers ist allerdings festzustellen, dass die wiederholten Fest-
nahmen und dabei erlittenen Schläge die Anforderungen an Art. 3 AsylG
nicht erfüllen. Was die Ereignisse von 2012 betrifft, mangelt es dazu bereits
am erforderlichen sachlichen und zeitlichen Kausalzusammenhang zur
Ausreise. Dem Ereignis von 2016 – wie im Übrigen auch den früheren –
dürfte es auch an der hinreichenden Intensität mangeln, um als ernsthafte
Nachteile qualifiziert zu werden. Auch wenn eine subjektive Furcht des Be-
schwerdeführers aufgrund des Erlebten nachvollziehbar ist, sind die hohen
Anforderungen an eine auch objektiv begründete Furcht nicht erfüllt. Zu-
nächst ist bereits der Umstand, dass der Beschwerdeführer zusammen mit
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seiner Mutter nach einer Befragung zu seiner allfälligen LTTE-Vergangen-
heit aus dem Camp entlassen worden ist Zeichen dafür, dass die sri-lanki-
schen Behörden ihn nicht ernsthaft verdächtigten, besondere Beziehungen
– über das vom Beschwerdeführer Geschilderte hinaus – zu pflegen. Das-
selbe gilt hinsichtlich der Tatsache, dass er nach kurzfristigen Festnahmen
immer wieder freigelassen worden ist. Ein ernsthafter Verdacht der LTTE-
Mitgliedschaft hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit zur definitiven Verhaftung
geführt. Aus dem – nicht zu beschönigenden – Vorgehen der sri-lankischen
Behörden ist vielmehr abzuleiten, dass sie sich zwar unter Umständen In-
formationen erhofften vom Beschwerdeführer, ihn aber gerade nicht ver-
dächtigten, zumal ihnen durchaus bewusst ist, dass beinahe alle tamili-
schen Bewohner des Nordens Sri Lankas im Alter des Beschwerdeführers
in der einen oder anderen Form mit den LTTE gewollt oder ungewollt in
Verbindung waren. Bestätigt wird diese Annahme durch den unproblema-
tischen Erhalt eines authentischen Passes bereits 2010 oder 2011 (SEM-
Akten A15 Ziff. 5.01) und dann wieder 2014 (ebd. Ziff. 4.02). Mit letzterem
sei er dann über den Flughafen Colombo auch noch kontrolliert ausgereist
(ebd. Ziff. 5.01). Nach dem Gesagten vermag das mit der Replik nachge-
reichte Schreiben eines Abgeordneten, worin die Vorbringen des Be-
schwerdeführers bestätigt werden, unabhängig von seinem geringen Be-
weiswert, nichts zu bewirken.
7.
7.1 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer unter anderem wegen der
ehemaligen Zugehörigkeit seines Bruders zu den LTTE bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile drohen würden.
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hält im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die „Stop-List“,
Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risi-
kobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten
Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün-
deten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das Fehlen ordentli-
cher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respektive durch die Interna-
tionale Organisation für Migration begleitete Rückführung sowie gut sicht-
bare Narben schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies be-
deute, dass diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante
Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche
glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ih-
rer Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Um-
E-1825/2020
Seite 14
stände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu er-
wägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich re-
levante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. a.a.O. E. 8.5.5).
7.3 Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer bei
der Rückkehr nach Sri Lanka bei der Wiedereinreise einer Befragung und
Überprüfung durch die Grenzbehörden unterzogen wird. Ein solches Vor-
gehen kann aber nicht als relevante Verfolgung gewertet werden, und für
ein darüberhinausgehendes Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Be-
hörden sind keine massgeblichen Hinweise ersichtlich. Der Beschwerde-
führer erfüllt aufgrund der Verbindungen seines Bruders zu den LTTE zwar
einen stark risikobegründenden Faktor im Sinne des vorgenannten Refe-
renzurteils. Diese Tatsache für sich lässt aber noch nicht den Schluss zu,
dass er zu jener Gruppe zu zählen ist, die bei einer Rückkehr mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat (vgl. Urteil des BVGer D-
5759/2019 vom 27. November 2020 E. 7.2; D-2638/2019 vom 9. Oktober
2020 E. 7.2; E-1782/2018 vom 18. September 2020 E. 6.5.2). Diesbezüg-
lich ist nämlich festzustellen, dass der Bruder des Beschwerdeführers Sri
Lanka bereits (...) verlassen habe und der Beschwerdeführer drei Jahre
später trotzdem unbehelligt aus Sri Lanka ausreisen konnte. Der Umstand,
dass der Bruder inzwischen in Deutschland Asyl erhalten habe, ändert an
der Einschätzung nichts.
Wie vorstehend dargelegt, hat der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Aus-
reise keine objektiv begründete Furcht vor Verfolgung gehabt. Hinsichtlich
der Narben sind die auf Beschwerdeebene als Beweismittel eingereichten
Fotos offensichtlich zur Beweisführung untauglich, da sie lediglich einzelne
Körperteile zeigen, mithin der Beschwerdeführer darauf nicht identifizierbar
ist. Auch handelt es sich nicht um auffällige Narben und es ist ohne weite-
res möglich, sie mit der Kleidung zu bedecken. Ferner ist der Beschwerde-
führer mit einem gültigen Pass und einer gültigen Identitätskarte in die
Schweiz eingereist, womit es ihm möglich ist, selbstständig in Sri Lanka
einzureisen. Auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer aus dem
Vanni stamme respektive dorthin zurückreise, vermag die hohe Schwelle
der Verfolgungswahrscheinlichkeit nicht entscheidend zu erhöhen. Es ist
auch nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer sich nicht wieder in
die Grossstadt Jaffna begeben und dort leben könnte, sollte er nicht ins
Vanni zurückkehren wollen, nachdem er dort bereits mehrere Jahre gelebt
habe.
E-1825/2020
Seite 15
In Würdigung sämtlicher Umstände ist somit anzunehmen, dass der Be-
schwerdeführer von der sri-lankischen Regierung nicht zu jener kleinen
Gruppe gezählt wird, die bestrebt ist, den tamilischen Separatismus wieder
aufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat
darstellt. Es ist – auch unter Berücksichtigung der neusten Entwicklungen
in Sri Lanka – nicht davon auszugehen, dass ihm persönlich im Falle einer
Rückkehr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
7.4 Der Ausgang der Kommunalwahlen vom 10. Februar 2018 und der am
26. Oktober 2018 begonnene Machtkampf zwischen Sirisena, Rajapaksa
und Wickremesinghe sowie die Präsidentschaftswahlen von November
2019 vermögen an dieser Lageeinschätzung nichts zu ändern. Die aktuelle
Lage in Sri Lanka war nach den Terroranschlägen im April 2019 zwar als
volatil zu beurteilen, jedoch ist aufgrund dessen nicht auf eine generell er-
höhte Gefährdung von zurückkehrenden tamilischen Staatsangehörigen
zu schliessen. Insofern ist an der Lageeinschätzung im in E. 7.2 genannten
Referenzurteil weiterhin festzuhalten.
Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsiden-
ten Sri Lankas gewählt. Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren
Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005
bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt,
zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Akti-
visten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschen-
rechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er be-
streitet die Anschuldigungen. Kurz nach der Wahl ernannte der neue Prä-
sident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weite-
ren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein. Mahinda Rajapaksa
trat am 9. Mai 2022 inmitten einer Welle der Gewalt mit etlichen Toten und
Verletzten zurück. Am 12. Mai 2022 wurde Ranil Wickremesinghe als Pre-
mierminister vereidigt. Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Ver-
änderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen auf-
merksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist
beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuie-
rung der Gefährdungslage auszugehen, der Personen mit einem bestimm-
ten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausge-
setzt waren (vgl. das in E. 7.2 genannte Referenzurteil, HRW, Sri Lanka:
Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum
heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwech-
sel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungs-
E-1825/2020
Seite 16
gefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prü-
fen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsident-
schaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht.
Auch die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen führen
nicht zur Annahme, dass aufgrund dieser ganze Bevölkerungsgruppen kol-
lektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Ein persönlicher Bezug
zum Beschwerdeführer besteht auch hier nicht.
7.5 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vor-
instanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
E-1825/2020
Seite 17
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 FK).
9.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (nachfolgend: Folter Üb., SR 0.105)
und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschli-
cher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.2.4 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des
Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für
den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 Folter Üb. verbotenen
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi-
schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-
Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Ge-
fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl.
Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Zudem ergeben sich auch keine konkreten
Hinweise darauf, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen
sogenannten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätig-
keiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich
gefährdet wäre.
9.2.5 Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Weg-
weisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht unzulässig erschei-
nen (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2). Auch
E-1825/2020
Seite 18
der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine
EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-
ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst
(vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be-
schwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen
Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. ge-
gen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08;
Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom
11. Juli 2017, Beschwerde Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichts-
hof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehren-
den Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Daran vermögen
auch die neuesten Entwicklungen in Sri Lanka nichts zu ändern (vgl.
E. 7.4).
9.2.6 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinn
der flüchtlings- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteile des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2; D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). Da-
ran vermag auch die zur Zeit in weiten Teilen Sri Lankas herrschende an-
gespannte Lage beziehungsweise die heftigen Proteste gegen steigende
Preise für Verbrauchsgüter und gegen Engpässe vorab bei der Versorgung
mit Treibstoffen sowie die eingetretene Zahlungsunfähigkeit Sri Lankas
grundsätzlich nichts zu ändern, zumal die aktuelle Wirtschaftskrise – wie
auch der am 2. April 2022 von Präsident Gotabaya Rajapaksa ausgerufene
und nach fünf Tagen wieder aufgehobene Notstand sowie die zwischen-
zeitlich erneute Akzentuierung – die ganze sri-lankische Bevölkerung be-
trifft.
E-1825/2020
Seite 19
9.3.3 Der Beschwerdeführer stammt aus B._, Distrikt M._,
Nordprovinz, und habe – abgesehen der vier Jahre wo er in Jaffna gelebt
habe – überwiegend im Vanni-Gebiet gelebt (SEM-Akten A30 F6 bis F8).
Er verfügt über einen Schulabschluss (A-Level), ist ledig und hat keine fa-
miliären Verpflichtungen. Gemäss seinen Ausführungen an der Anhörung
habe er (...) Geschwister, welche in Sri Lanka leben würden (SEM-Akten
A30 F19). (...). Er habe Berufserfahrung als Verkäufer in einem Telefonla-
den und habe von Anfang 2015 bis zu seiner Ausreise am (...) 2016 ein
eigenes (...). Ferner sind weder aus den Eingaben des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Hinweise auf medizinische Probleme – ausgenommen
den im Arztbericht vom (...) erwähnten gelegentlichen (...)störungen – er-
kennbar. Ohnehin ist es dem Beschwerdeführer zumutbar, in der Gross-
stadt Jaffna zu leben, wo seine Schwester wohnt und wo er bereits gelebt,
gearbeitet und eine Weiterbildung besucht hat. Der Vollzug erweist sich
aufgrund dieser Ausführungen und in Berücksichtigung der obengenann-
ten Referenzurteile auch in individueller Hinsicht als zumutbar, die diesbe-
züglichen Vorbringen des Beschwerdeführers vermögen daran nichts än-
dern.
9.3.4 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertre-
tung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku-
mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Allfällig im Zusammenhang mit dem
Coronavirus verfügte Einreiseverbote und ähnliche Massnahmen durch die
sri-lankischen Behörden stehen dem Wegweisungsvollzug – angesichts ih-
res vorübergehenden Charakters – nicht entgegen (vgl. Urteile des BVGer
D-968/2020 vom 31. März 2020, E-1575/2020 vom 19. Mai 2020 E. 9.4.3).
9.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
E-1825/2020
Seite 20
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit
Instruktionsverfügung vom 8. April 2020 die unentgeltliche Prozessführung
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und keine massgeblichen Ver-
änderungen der finanziellen Verhältnisse ersichtlich sind, sind keine Ver-
fahrenskosten zu erheben.
11.2 Mit Instruktionsverfügung vom 8. April 2020 wurde die damalige
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers als amtliche Rechtsbeiständin
gemäss aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG i.V.m. Art. 31a aAbs. 4 und Art. 44
AsylG i.V.m. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015 beigeordnet. Mit Zwischenverfügung vom 12. Ja-
nuar 2022 wurde, wie ersucht, Aleen Kreyden aus ihrem Mandat als amtli-
che Rechtsbeiständin entlassen und Bernhard Jüsi als amtlicher Rechts-
beistand beigeordnet, weshalb diesem ein entsprechendes Honorar aus-
zurichten ist. Die letzte eingereichte Kostennote datiert vom 10. Januar
2022. Hierin wurde ein Vertretungsaufwand von insgesamt Fr. 5'738.80
geltend gemacht, ausgehend von einem zeitlichen Aufwand von 17.6 Stun-
den zu einem Stundenansatz von Fr. 300.–. Der geltend gemachte zeitli-
che Aufwand für die Redaktion der eingereichten Rechtsschriften erscheint
angesichts des Umfangs der Eingaben als zu hoch und ist entsprechend
auf 13 Stunden zu kürzen. Der Stundenansatz von Fr. 300.– für anwaltliche
Vertreterinnen und Vertreter ist ebenfalls zu hoch ausgewiesen und wird
praxisgemäss auf Fr. 220.– festgesetzt (vgl. Instruktionsverfügung vom
8. April 2020). Die Kosten für die ausgewiesenen Auslagen sind zu erset-
zen. Dem rubrizierten Rechtsvertreter ist somit zu Lasten der Gerichts-
kasse ein amtliches Honorar von Fr. 3’132.– (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 21