Decision ID: d2c3ef4f-060e-43b7-bebe-b79168382ba9
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch B._,
gegen
RAV Oberuzwil, Wiesentalstrasse 22, Postfach, 9242 Oberuzwil,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
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betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (zumutbare Arbeit)
Sachverhalt:
A.
H._ meldete sich am 13. Dezember 2007 / 4. Januar 2008 zum Bezug von
Arbeitslosenentschädigung an (act. G 4.1.C1, B1). In der Folge eröffnete ihm die
Kantonale Arbeitslosenkasse eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 13.
Dezember 2007 bis am 12. Dezember 2009 (act. G 4.1.B1). Am 19. Dezember 2007
wies ihm das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (nachfolgend: RAV) eine Stelle als
Automechaniker/Automonteur bei der A._ zu (act. G 4.1.A1). Am 2. Januar 2008 teilte
die A._ dem RAV mit, der Versicherte habe sich nicht bei ihr beworben (act. G
4.1.A2). Das RAV stellte dem Versicherten mit Schreiben vom 4. Februar 2008 eine
Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Umfang von 31 Tagen in Aussicht und
forderte ihn auf, dazu Stellung zu nehmen (act. G 4.1.A4). Am 9. Februar 2008 teilte der
Versicherte mit, er habe die Stellenzuweisung versehentlich in einem Ordner abgelegt
gehabt, wofür er sich entschuldige (act. G 4.1.A5). Mit Verfügung vom 28. Februar 2008
stellte ihn das RAV ab 24. Dezember 2007 für 22 Tage in der Anspruchsberechtigung
ein (act. G 4.1.A8).
B.
Am 4. März 2008 erhob B._ als Vertreter des Versicherten Einsprache gegen die
Einstellungsverfügung (act. G 4.1.A10). Diese wies das RAV mit Einspracheentscheid
vom 25. März 2008 ab (act. G 4.1.A14).
C.
C.a Mit Eingabe vom 17. April 2008 erhebt der Vertreter des Versicherten
Beschwerde. Er verlangt, der Einspracheentscheid sei aufzuheben; eventualiter seien
die Einstelltage im Rahmen eines leichten Verschuldens anzusiedeln. Gleichzeitig sei
die Höhe der Anspruchsberechtigung zu überprüfen. Zur Begründung bringt er im
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Wesentlichen vor, die Stellenzuweisung sei irrtümlich in den falschen Papierstapel
geraten. Den Beschwerdeführer treffe kein Verschulden, sondern lediglich eine kleine
Sorgfaltspflichtverletzung (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 23. Mai 2008 beantragt der Beschwerdegegner die
Abweisung der Beschwerde. Mit Blick auf die Schadenminderungspflicht habe vom
Beschwerdeführer, der bereits seit längerer Zeit arbeitslos gewesen sei, erwartet
werden dürfen, dass er der Bewerbung allergrösste Bedeutung beimessen würde. Bei
der Bemessung der Einstelltage sei berücksichtigt worden, dass er nicht vorsätzlich,
sondern nur grobfahrlässig gehandelt habe (act. G 4).
C.c Mit Replik vom 9. Juni 2008 hält der Vertreter des Beschwerdeführers an seinen
Anträgen fest. Dieser sei zu keiner Zeit in irgendeiner Form auf die
Schadenminderungspflicht aufmerksam gemacht worden. Auch sei zu beanstanden,
dass am 20. März 2008 bereits eine Forderung gestellt worden sei, obwohl die
Einsprache gegen die Einstellungsverfügung noch nicht behandelt gewesen sei (act. G
6).
C.d Der Beschwerdegegner verzichtet auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
Anfechtungsgegenstand und damit Grenze der Überprüfungsbefugnis im
Beschwerdeverfahren werden grundsätzlich durch die Verfügung bzw. den
Einspracheentscheid im Verwaltungsverfahren bestimmt (BGE 122 V 36 E. 2a).
Vorliegend hat der Beschwerdegegner den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 28.
Februar 2008 ab 24. Dezember 2007 für 22 Tage in der Anspruchsberechtigung
eingestellt und dies mit Einspracheentscheid vom 25. März 2008 bestätigt. Nur die
Einstellung bildet Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Entsprechend kann das
Gericht auf den Antrag des Beschwerdeführers um Überprüfung der Höhe der
Anspruchsberechtigung nicht eintreten. Ebensowenig bildet die durch die
Arbeitslosenkasse am 20. März 2008 verfügte Rückforderung (act. G 4.1.B5)
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens, deren Anordnung vor Eintritt der Rechtskraft
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der Einstellungsverfügung der Vertreter des Beschwerdeführers beanstandet. Immerhin
kann an dieser Stelle auf Art. 100 Abs. 4 des Bundesgesetzes über die
Arbeitslosenversicherung (AVIG; SR 837.0) hingewiesen werden, wonach Einsprachen,
Beschwerden oder Verwaltungsgerichtsbeschwerden gegen Einstellungsverfügungen
keine aufschiebende Wirkung haben. Der Ausschluss der aufschiebenden Wirkung
hängt mit der Regelung von Art. 30 Abs. 3 Satz 4 AVIG zusammen, wonach der
Anspruch auf Vollstreckung einer Einstellung nach Ablauf von sechs Monaten ab
Beginn der Einstellungsfrist untergeht (vgl. Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV,
Soziale Sicherheit, 2. A., S. 2439 Rz 864). Müssen für den Vollzug der Einstellung
bereits ausgerichtete Taggelder zurückerstattet werden, so ist die entsprechende
Rückforderung ebenfalls innerhalb der sechsmonatigen Vollstreckungsfrist zu verfügen,
andernfalls sie nicht mehr durchgesetzt werden kann (BGE 114 V 352 f. E. 2b).
2.
Die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, muss nach
Art. 17 Abs. 1 AVIG mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare
unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Sie muss zur
Schadenminderung grundsätzlich jede Arbeit unverzüglich annehmen (Art. 16
Abs. 1 AVIG). Nach Art. 30 Abs.1 lit. d AVIG ist eine versicherte Person in der
Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften oder die
Weisungen des Arbeitsamtes nicht befolgt, namentlich eine ihr zugewiesene zumutbare
Arbeit nicht annimmt. Dieser Einstellungstatbestand ist auch dann erfüllt, wenn
Versicherte die Arbeit zwar nicht ausdrücklich ablehnen, es aber durch ihr Verhalten in
Kauf nehmen, dass die Stelle anderweitig besetzt wird (BGE 122 V 38 E. 3b). Eine
Ablehnung einer zumutbaren Arbeit liegt auch dann vor, wenn Versicherte der
arbeitsamtlichen Aufforderung, sich bei einer bestimmten Firma um eine Stelle zu
bewerben, aus Nachlässigkeit nicht oder nicht rechtzeitig nachkommen (ARV 1986
Nr. 5 S. 22 f. E. 1a).
3.
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Es steht fest und ist unbestritten, dass sich der Beschwerdeführer nicht um die Stelle
als Automechaniker/Automonteur bei der A._ beworben hat. Es ist nicht ersichtlich
und wird vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht, dass ihm diese Stelle
nicht zumutbar gewesen wäre. Vielmehr räumt er offen ein, das Zuweisungsschreiben
falsch abgelegt zu haben. Damit hat er den Tatbestand von Art. 30 Abs.1 lit. d AVIG,
der auch bei fahrlässigem Verhalten gegeben sein kann (vgl. Jacqueline Chopard, Die
Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1997, S. 53), erfüllt und ist
daher in der Anspruchsberechtigung einzustellen. Mit einer solchen Konsequenz
musste der Beschwerdeführer rechnen, wurde er doch - entgegen seinen
Behauptungen - im Zuweisungsschreiben selbst ausdrücklich darauf hingewiesen,
dass jede versicherte Person sich zur Schadenminderung grundsätzlich sofort
bewerben bzw. jede zumutbare Arbeit unverzüglich annehmen müsse (vgl. act. G
4.1.A1).
4.
4.1 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei
mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 der
Verordnung über die Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV;
SR 837.02]). Ein schweres Verschulden liegt namentlich dann vor, wenn eine
versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne
Zusicherung einer neuen aufgegeben oder eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat (Art. 45
Abs. 3 AVIV).
4.2 Der Vertreter des Beschwerdeführers macht geltend, es könne vorliegend nicht
von Verschulden, sondern lediglich von einem kleinen Fehler oder einer kleinen
Sorgfaltspflichtverletzung die Rede sein. Diese Argumentation ist jedoch unbehelflich.
Das AVIG und die AVIV sprechen im Zusammenhang mit der Einstellung in der
Anspruchsberechtigung ausdrücklich von Verschulden, wobei zwischen leichtem,
mittlerem und schwerem Verschulden differenziert wird (vgl. Art. 30 AVIG und Art. 44 f.
AVIV). Der Begriff des Verschuldens ist dabei jedoch nicht in einem straf- oder
zivilrechtlichen Sinne zu verstehen. Ein Selbstverschulden im Sinne des AVIG liegt
dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit (bzw. deren Verlängerung)
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nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen
Umständen und Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt,
für das die Arbeitslosenversicherung die Haftung nicht übernimmt (vgl. Chopard,
a.a.O., S. 46 f.). Die verschiedenen Grade des Verschuldens (leichtes, mittleres und
schweres) lassen sich dabei nicht mit in anderen Rechtsgebieten gebräuchlichen
Verschuldensformen von Vorsatz, Grob- oder Leichtfahrlässigkeit gleichsetzen
(Chopard, a.a.O., S. 57). Entsprechend kann selbst ein leicht fahrlässiges Verhalten
eines Versicherten ein schweres Verschulden im arbeitslosenversicherungsrechtlichen
Sinne darstellen.
4.3 Gemäss Art. 45 Abs. 3 AVIV liegt ein schweres Verschulden vor, wenn eine
versicherte Person - wie vorliegend geschehen - eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat.
Die Nichtbewerbung auf eine Stelle ist nämlich der Ablehnung einer zumutbaren Arbeit
gleichzustellen (vgl. ARV 1986 Nr. 5 S. 22 f. E. 1a). Entsprechend wäre eine Einstellung
im Bereich des schweren Verschuldens, der einen Sanktionsrahmen von 31 bis 60
Tagen vorsieht, möglich gewesen. Die Ablehnung einer zumutbaren Arbeit stellt aus
Sicht der Arbeitslosenversicherung grundsätzlich eine schwerwiegende Verletzung der
Schadenminderungspflicht dar, weil die versicherte Person die Gelegenheit für eine
baldige Beendigung der Arbeitslosigkeit unbenutzt lässt. Hieran vermag der Umstand,
dass die Nichtbewerbung auf einer Sorgfaltspflichtverletzung beruht, nichts zu ändern.
Mit der Festsetzung von 22 Einstelltagen hat nun der Beschwerdegegner jedoch eine
Einstellung im Rahmen des mittelschweren Verschuldens verfügt und damit den
persönlichen Umständen des Beschwerdeführers, insbesondere der von ihm gezeigten
Einsicht, Rechnung getragen. Mit Blick auf die gesetzlichen Vorgaben und die Praxis in
gleichartigen Fällen lässt sich eine weitergehende Reduktion der Einstelldauer
jedenfalls nicht rechtfertigen.
5.
Im Sinne der obigen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
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