Decision ID: a4f8df69-3b73-43e6-b218-60194751fa5a
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A. S., türkischer Staatsangehöriger, geboren am 1. Januar 1971, reiste am 7.
August 1988 mit einem Touristenvisum zu Verwandten in die Schweiz. Nach Ablauf des
Visums beantragte er am 1. November 1988 Asyl. Seinen Reisepass liess er vorher
zerreissen.
Das Bundesamt für Flüchtlinge (heute: Bundesamt für Migration) wies das Asylgesuch
am 28. November 1990 ab und wies A. S. aus der Schweiz weg. Es setzte ihm eine
Ausreisefrist bis 15. März 1991. Am 25. Februar 1991 trat das Eidgenössische Justiz-
und Polizeidepartement auf eine Beschwerde von A. S. gegen den abschlägigen
Asylentscheid nicht ein. Auch ein Revisionsgesuch wurde am 7. November 1991 nicht
an die Hand genommen. Nachdem A. . die Ausreisefrist bis 30. November 1991
erstreckt worden war, verschwand er und war unbekannten Aufenthalts.
Am 15. Juni 1992 reichte die schweizerische Staatsangehörige M. O., geboren am 28.
Februar 1972, ein Gesuch um Erteilung einer Einreisebewilligung für A. S. zwecks
Vorbereitung der Heirat ein (act. 127/128). Nachdem die Fremdenpolizei (heute:
Migrationsamt) dem Gesuch entsprochen hatte, heirateten M. O. und A. S. am 5.
Oktober 1992. In der Folge wurde ihm eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. Am 2.
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Dezember 1992 kam das Kind X. zur Welt. Am 15. Dezember 1995 wurde die Ehe O./S.
geschieden und das Kind X., für das eine Erziehungsbeistandschaft angeordnet wurde,
wurde unter die alleinige elterliche Sorge der Mutter gestellt. A. S. wurde ein
Besuchsrecht eingeräumt, und er wurde zu Unterhaltszahlungen für das Kind
verpflichtet.
B./ Am 12. März 1997 wies die Fremdenpolizei das Gesuch von A. S. um Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung ab (act. 295Z.298). Gegen diese Verfügung erhob der
Gesuchsteller, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. J. J., St. Gallen, Rekurs beim
Justiz- und Polizeidepartement (heute: Sicherheits- und Justizdepartement). In der
Folge, am 24. April 1998, heiratete er die in der Schweiz niedergelassene Z. O.,
bosnisch-herzegowinische Staatsangehörige, geboren am 1. Januar 1964 (act. 394).
Am 4. Mai 1998 trat die Fremdenpolizei auf ein Wiedererwägungsgesuch A. S.s
betreffend Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nicht ein (act. 400Z.402). Auch
gegen diese Verfügung erhob A. S. Rekurs beim Justiz- und Polizeidepartement. Am
28. August 1998 erteilte ihm die Fremdenpolizei eine Aufenthaltsbewilligung zum
"Verbleib bei der Ehefrau" und als Betriebsangestellter der R. AG, Widnau (act. 435),
worauf die beiden Rekurse abgeschrieben wurden. Am 23. Juli 1999 wurden die
Zwillinge Y. und Z. S. geboren (act. 462). Wie die Mutter erhielten die Kinder die
Niederlassungsbewilligung.
Mit Strafbescheid vom 13. August 2001 erklärte das Untersuchungsamt Altstätten A. S.
der Fälschung von Ausweisen sowie des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern
schuldig und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von drei Wochen sowie zu einer
Busse von Fr. 500.Z.Z.. Für die ausgesprochene Gefängnisstrafe wurde der bedingte
Strafvollzug gewährt und die Probezeit wurde auf zwei Jahre festgesetzt. Der
sichergestellte türkische Führerausweis wurde eingezogen (act. 480/481). Am 30. April
2002 verwarnte das Ausländeramt A. S. wegen dieser Verurteilung und wegen seiner
Schulden (act. 500Z.502). Am 24. Oktober 2006 verlängerte das Ausländeramt die
Aufenthaltsbewilligung von A. S. "auf Zusehen und Wohlverhalten hin". Sie wurde an
die Bedingungen geknüpft, dass er seinen finanziellen Verpflichtungen nachkomme,
dass er keine neuen Schulden verursache, dass er sich um die Sanierung der
bestehenden Schulden bemühe und dass er einer geregelten Erwerbstätigkeit
nachgehe (act. 630).
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Am 28. Oktober 2006 erstattete das Bundespolizeiamt Weil am Rhein gegen A. S.
wegen illegaler Einreise und illegalem Aufenthalt Strafanzeige und wies ihn in die
Schweiz zurück (act. 634). Im Verlauf des Jahres 2008 ermittelte das Kantonale
Untersuchungsrichteramt gegen A. S. wegen qualifizierter Widerhandlungen gegen das
Betäubungsmittelgesetz (SR 812.121, abgekürzt BetmG, act. 643Z.645). Am 3. Juli
2009 erhob die Staatsanwaltschaft beim Kreisgericht Rheintal gegen A. S. Anklage
wegen einfacher und qualifizierter Widerhandlung gegen das BetmG und des
Inumlaufsetzens falschen Geldes. Am 5. August 2009 sprach das Kreisgericht Rheintal
A. S. des Verbrechens und des Vergehens gegen das BetmG, der mehrfachen
Übertretung des BetmG und des versuchten Inumlaufsetzens falschen Geldes schuldig
und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten und zu einer Busse von
Fr. 500.Z.Z.. Von der Freiheitsstrafe erklärte das Gericht 15 Monate als vollziehbar. Bei
21 Monaten schob es den Vollzug mit einer Probezeit von vier Jahren auf. Zudem
ordnete es eine stationäre Suchtbehandlung an. Den Vollzug des vollziehbaren Teils
der Freiheitsstrafe schob es zugunsten der Massnahme auf (act. 817-833).
Am 14. Januar 2010 wurde die Ehe von A. S. und Z. S. geschieden (act. 892). Die
beiden Kinder Y. und Z. wurden unter die alleinige elterliche Sorge der Mutter gestellt.
Am 1. März 2010 lehnte es das Ausländeramt ab, die Aufenthaltsbewilligung von A. S.
zu verlängern und ordnete an, er habe die Schweiz bis 9. Mai 2010 zu verlassen. Die
Verfügung wird im Wesentlichen damit begründet, A. S. habe zu schweren Klagen
Anlass gegeben und komme seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nach. Zudem
werde er mit Sozialhilfe unterstützt. Der offene Saldo betrage Fr. 27'091.90.
C./ Am 11. März 2010 erhob A. S. gegen diese Verfügung Rekurs beim Sicherheits-
und Justizdepartement. Er stellte die Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben, die Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern, eventuell unter Bedingungen
und Auflagen bzw. auf Zusehen hin und es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu
gewähren. Sodann sei das Verfahren zu sistieren, bis über sein Gesuch um Ausrichtung
einer Invalidenrente rechtskräftig entschieden worden sei. Am 27. Januar 2011 wies
das Sicherheits- und Justizdepartement den Rekurs von A. S. ab. Es lud das
Ausländeramt ein, ihm eine neue Frist zur Ausreise zu setzen.
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D./ Am 9. Februar 2011 erhob A. S., vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. A. F., St.
Gallen, gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements vom 27. Januar
2011 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er stellte die Rechtsbegehren, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung sei zu
verlängern. Im Verlauf des Beschwerdeverfahrens setzte das Migrationsamt das
Verwaltungsgericht von einem Informationsbericht der Stadtpolizei St. Gallen vom 14.
März 2011 in Kenntnis, sowie von einem Entscheid des Kantonsgerichts Appenzell AR
vom 16. März 2011 und einer Aktennotiz des Migrationsamtes vom 8. März 2011. A. S.
ergänzte die Beschwerde am 11. April 2011 und machte geltend, der angefochtene
Entscheid beruhe auf einem unvollständig festgestellten Sachverhalt und verletze Art. 8
der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK). Das
Sicherheits- und Justizdepartement verzichtete am 14. April 2011 auf eine
Stellungnahme und beantragte, der Beschwerde sei keine Folge zu geben. Am 13. Mai
2011 setzte das Migrationsamt das Verwaltungsgericht von einer Verfügung der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen vom 12. Mai 2011 in Kenntnis,
wonach A. S. keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Am 20. Mai 2011 wurde
dem Verwaltungsgericht ein Schlussbericht der Kantonspolizei AR vom 12. Mai 2011
zugestellt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Sodann ist
A. S. zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art.
45 Abs. 1 VRP). Im weiteren erfüllen die Beschwerdeeingabe vom 9. Februar 2011 und
ihre Ergänzung vom 11. April 2011 die gesetzlichen Anforderungen in zeitlicher,
sachlicher und inhaltlicher Hinsicht (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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2. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, die Vorinstanz habe den
Sachverhalt unrichtig und unvollständig abgeklärt. Er begründet dies damit, im
Gegensatz zur Auffassung der Vorinstanz könne ihm eine gute Prognose gestellt
werden. Er habe sämtliche Therapieziele erreicht und sei nicht rückfällig geworden.
Zufolge Drogen- und Spielsucht sei es zu einem einzigen Ausrutscher im Sinn von
Verstössen gegen das BetmG gekommen. Gemäss Therapieberichten habe er die
Drogen- und Spielsucht aber erfolgreich überwunden. Einzig die wirtschaftliche
Selbständigkeit habe er noch nicht erlangt. In diesem Zusammenhang spiele es eine
entscheidende Rolle wie das Verfahren betreffend Erlangung einer Invalidenrente ende.
Wenn eine Rente verfügt werde, sei sein finanzielles Auskommen gesichert und er wäre
in der Lage, einen Teil der aufgelaufenen Schulden zurückzubezahlen. Aus diesem
Grund wäre die Vorinstanz gehalten gewesen, das Rekursverfahren bis zum Abschluss
des Verfahrens zu sistieren. Auch das Beschwerdeverfahren sei bis zu diesem
Zeitpunkt auszusetzen.
2.1. Nach Art. 33 Abs. 3 des Ausländergesetzes (SR 142.20, abgekürzt AuG) ist die
Aufenthaltsbewilligung befristet und kann verlängert werden, wenn keine
Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Wenn an einen Tatbestand die Folge des
Widerrufs der Aufenthaltsbewilligung geknüpft werden kann, ist die Nichtverlängerung
der Aufenthaltsbewilligung, wie sie zur Diskussion steht, umso eher gerechtfertigt
(Kreisschreiben des Bundesamtes für Migration, Ausländerbereich, Entfernungs- und
Fernhaltemassnahmen, Version 1.7.09, Ziff. 8.2.1.5.3).
2.2. Nach Art. 62 lit. b AuG kann die zuständige Behörde die Aufenthaltsbewilligung
widerrufen, wenn der Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde
oder gegen ihn eine strafrechtliche Massnahme im Sinn von Artikel 64 oder Artikel 61
des Strafgesetzbuches (SR 311.0) angeordnet wurde. Eine längerfristige Freiheitsstrafe
liegt vor, wenn gegen eine ausländische Person eine Freiheitsstrafe von mehr als einem
Jahr ausgesprochen worden ist (BGE 135 II 377 ff.). Sodann liegt ein Widerrufsgrund
vor, wenn der Ausländer erheblich und wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und
Ordnung verstossen hat oder diese gefährdet (Art. 62 lit. c AuG), wenn er eine mit der
Verfügung verbundene Bedingung nicht einhält (Art. 62 lit. d AuG) oder wenn er oder
eine Person, für die er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist (Art. 62 lit. e AuG).
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Art. 62 AuG gewährt der zuständigen Behörde beim Entscheid über den Widerruf bzw.
über die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung einen Ermessenspielraum. Der
Tatbestand ist als "Kann-Bestimmung" formuliert. Nach Art. 96 Abs. 1 AuG
berücksichtigen die zuständigen Behörden bei der Ermessensausübung die
öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der
Integration des Ausländers. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung ist
anzuordnen, wenn sie bei sorgfältiger Abwägung der Interessen verhältnismässig
erscheint (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung, SR 101).
2.3. Der angefochtene Entscheid beruht auf folgenden unbestritten gebliebenen
Tatsachen: der Beschwerdeführer ist mit Urteil des Kreisgerichts Rheintal vom 5.
August 2009 zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt worden, er ist hoch
verschuldet (Betreibungen von insgesamt Fr. 179'821.85) und von Sozialhilfe abhängig
(Saldo per 4. November 2009: Fr. 27'091.90). Weiter hat er die Bedingungen nicht
erfüllt, unter denen ihm die Aufenthaltsbewilligung am 24. Oktober 2006 verlängert
worden ist. Die Vorinstanz hat erwogen, das Kreisgericht Rheintal werte das
Verschulden des Beschwerdeführers als schwer. Er habe mit insgesamt 700 Gramm
Kokain Handel betrieben, um seine Drogen-, Spiel- und Alkoholsucht zu finanzieren,
obschon er um die Gefährlichkeit und Schädlichkeit des Kokains gewusst habe.
Sodann habe sich straferhöhend ausgewirkt, dass der Beschwerdeführer Anstalten
getroffen habe, rund 660 Gramm Kokain zu erwerben, dass er rund 8'035 bis 10'045
Ecstasy-Tabletten erworben habe, dass er mindestens vier Ecstasy-Tabletten verkauft
habe und dass er versucht habe, falsches Geld in Umlauf zu setzen. Eine ausgeprägte
kriminelle Energie lasse insbesondere auch die Tatsache erkennen, dass sich der
Beschwerdeführer durch die am 28. Februar 2008 erfolgte Beschlagnahme von
Falschgeld um Umfang von Euro 11'000.Z.Z. durch die österreichische Polizei nicht
habe davon abschrecken lassen, am 4. März 2008 erneut zu versuchen, mit
gefälschtem Geld Kokain zu beziehen. In Anbetracht der Tatsache, dass nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei Betäubungsmitteldelikten ein strenger
Massstab anzulegen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2010
2C_578/2009) hat die Vorinstanz erwogen, es bestehe zufolge der Straftaten und des
Verschuldens des Beschwerdeführers ein erhebliches öffentliches Interesse an der
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Das Risiko eines Rückfalls und eines
erneuten Abgleitens in die Delinquenz könne nicht hingenommen werden, auch wenn
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der Beschwerdeführer mit all den durchgeführten und eingeleiteten Massnahmen
bestrebt sei, seine Spiel- und Drogensucht in den Griff zu bekommen und er sich
offenbar nach der Entlassung aus der stationären Massnahme positiv entwickelt habe.
2.4. In Anbetracht der Tatsache, dass der Beschwerdeführer mehrere Widerrufsgründe
gesetzt und insbesondere im Bereich Betäubungsmittel und Inumlaufsetzen falschen
Geldes in schwerwiegender Weise straffällig geworden ist, war die Vorinstanz nicht
gehalten, weitere Abklärungen zu treffen und das Verfahren insbesondere im Hinblick
darauf zu sistieren, dass sich seine finanzielle Situation verbessern könnte, wenn seiner
Anmeldung auf Rentenleistungen der Invalidenversicherung entsprochen würde. Hinzu
kommt, dass sowohl dem Sozialbericht des Amtes für Justizvollzug, Bewährungshilfe,
vom 18. März 2010, als auch demjenigen vom 3. März 2011 entnommen werden kann,
der gesamte Lebensunterhalt des Beschwerdeführers werde vom Sozialamt St. Gallen
finanziert. Der Vorwurf, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unvollständig festgestellt,
erweist sich somit als unbegründet. Sodann hat die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen im Verlauf des Beschwerdeverfahrens, am 12. Mai 2011, verfügt,
der Beschwerdeführer habe keinen Anspruch auf eine Invalidenrente. Ergänzende
medizinische Abklärungen hätten ergeben, dass er spätestens seit dem 4. Dezember
2009 zu 100 Prozent arbeitsfähig sei. Abgesehen davon, dass somit feststeht, dass
sich die finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers nicht durch Rentenleistungen
verbessern lassen, hätte auch kein Anlass bestanden, dem Gesuch um Sistierung des
Beschwerdeverfahrens zu entsprechen.
3. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, der angefochtene Entscheid verletze
Art. 8 EMRK. Abgesehen davon, dass er die Massnahme erfolgreich bestanden habe
und seine Lebenssituation nun stabil sei, pflege er eine äusserst gute Beziehung zu
seinen Kindern, die intensiver sei als in "vergleichbaren Fällen". Er verbringe jedes
Wochenende und auch unter der Woche Zeit mit ihnen, was durch eine Wegweisung
verunmöglicht würde. Der Beschwerdeführer beruft sich darauf, dadurch würden auch
die Interessen seiner Kinder beeinträchtigt, weshalb ein kinderpsychologisches
Gutachten zu erstellen sei. Hinzu komme, dass er auch zu seiner geschiedenen
Ehefrau einen guten Kontakt pflege.
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3.1. Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 der Schweizerischen Bundesverfassung (SR
101) garantieren den Schutz des Familienlebens nur, soweit die familiäre Beziehung
tatsächlich gelebt und intakt ist bzw. diese Garantien können verletzt sein, wenn einem
Ausländer, dessen Familienangehörige hier weilen, die Anwesenheit untersagt und das
Familienleben damit vereitelt wird (BGE 131 II 350 E. 5, 130 II 281 E. 3.1, vgl. auch M.
Spescha, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Migrationsrecht, Zürich 2009, N 12 in Nr. 18).
Dies trifft zu, wenn die verwandte Person das Schweizer Bürgerrecht oder eine
Niederlassungsbewilligung besitzt.
Der Anspruch auf Achtung des Familienlebens ist nicht absolut. Er verpflichtet die
Behörden nicht in jedem Fall, eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen (BGE 126 II 342 E.
3a). Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist ein Eingriff in das in Ziff. 1 geschützte Rechtsgut
zulässig, wenn er gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft
notwendig ist für die nationale oder öffentliche Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl
des Landes, zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zur Verhütung von Straftaten, zum
Schutz der Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten
anderer. Die EMRK verlangt somit ein Abwägen der sich gegenüberstehenden privaten
Interessen an der Erteilung der Bewilligung und den öffentlichen Interessen an deren
Verweigerung, wobei die öffentlichen Interessen in dem Sinn überwiegen müssen, dass
sich der Eingriff als notwendig erweist (BGE 122 II 6 mit Hinweis). Bei der
Interessenabwägung sind die gesamten persönlichen Verhältnisse des Ausländers zu
würdigen, namentlich die Dauer des Aufenthalts, die Integration in der Schweiz, die
verbleibende Beziehung zum Heimatstaat und straf- und fremdenpolizeilich verpöntes
Verhalten (Haefliger/Schürmann, Die Europäische Menschenrechtskonvention und die
Schweiz, 2. Aufl., Bern 1999, S. 263; vgl. auch VerwGE vom 30. November 2006 i.S.
U.K. mit Hinweisen in: www.gerichte.sg.ch).
Im Verhältnis zwischen Eltern und leiblichen Kindern ist ein eigentliches
Zusammenleben nicht unentbehrlich für das Bestehen eines Familienlebens im Sinn
von Art. 8 EMRK. Eine intakte und gelebte familiäre Beziehung wird schon dann
angenommen, wenn ein regelmässiger Kontakt besteht. Der nicht sorgeberechtigte
Ausländer kann die familiäre Beziehung zu seinem Kind indessen nur in beschränktem
Rahmen leben, nämlich durch Ausübung des ihm eingeräumten Besuchsrechts. Dies
begründet keine Notwendigkeit, dass er dauernd im gleichen Land wie das Kind lebt
http://www.gerichte.sg.ch/
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und dort über eine Anwesenheitsberechtigung verfügt. Selbst ein Besuchsrecht
gegenüber einem Kind mit Schweizer Bürgerrecht verschafft dem ausländischen
Elternteil daher im allgemeinen noch keinen Anspruch auf dauernde Anwesenheit; den
Anforderungen von Art. 8 EMRK ist Genüge getan, wenn das Besuchsrecht im Rahmen
von Kurzaufenthalten vom Ausland her ausgeübt werden kann, wobei allerdings
dessen Modalitäten entsprechend aus- bzw. umzugestalten sind. In
ausländerrechtlicher Hinsicht hat das Bundesgericht daraus die Konsequenz gezogen,
dass die Aufenthaltsbewilligung nur dann erteilt oder erneuert werden muss, wenn
einerseits zwischen dem Ausländer und dessen in der Schweiz ansässigem Kind in
wirtschaftlicher und affektiver Beziehung eine besonders enge Beziehung besteht, die
sich wegen der Distanz zwischen der Schweiz und dem Land, in das der Ausländer bei
Verweigerung der Bewilligung auszureisen hätte, praktisch nicht aufrechterhalten
liesse, und wenn andererseits das Verhalten des Ausländers weitgehend tadellos ist
(VerwGE vom 30. November 2006 i.S. U.K. mit Hinweis auf Urteil 2A.119/2004 vom 5.
März 2004, Urteil 2A.563/2002 vom 23. Mai 2003, BGE 120 Ib 4 ff. und 24 ff., in:
www.gerichte.sg.ch). Ausländische Staatsangehörige müssen sich somit unter
gewissen Umständen damit abfinden, dass sie das Recht zum Besuch ihrer Kinder nur
unter erheblichen Einschränkungen ausüben können. Das Verwaltungsgericht hat es
als zulässig qualifiziert, dass ein Vater aus Nigeria bzw. Mütter aus Brasilien den
Kontakt mit ihren in der Schweiz lebenden Kindern mittels Besuchen, schriftlicher und
telefonischer Kontakte oder anlässlich von Ferienaufenthalten ausüben (VerwGE B
2003/221 vom 16. März 2004 i.S. R.M.S., VerwGE B 2004/42 vom 18. Mai 2004 i.S.
A.D. und VerwGE B 2005/85 vom 13. September 2005 i.S. L.O., in:
www.gerichte.sg.ch, alle vom Bundesgericht bestätigt mit Urteilen 2A.231/2004, 2A.
371/2004 und 2A.626/2005).
3.2. Der Beschwerdeführer beruft sich auf die Beziehung zu seinen rund zwölf Jahre
alten Kindern aus zweiter geschiedener Ehe. Unbestritten geblieben ist, dass er zu
seiner Tochter aus erster Ehe keinen Kontakt hat. Y. und Z. wachsen bei ihrer Mutter in
H. auf. Sie trägt die alleinige elterliche Sorge für die Kinder. Der Beschwerdeführer lebt
somit von Y. und Z. getrennt. Er kann die Beziehung zu ihnen nur im Rahmen von
Besuchen pflegen. Unbestritten geblieben ist sodann, dass der Kontakt zwischen dem
Beschwerdeführer und seinen Kindern aufgrund der Untersuchungshaft und dem
anschliessenden Massnahmenvollzug seit dem 25. Juni 2008 nur eingeschränkt
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möglich war. Im Gegensatz zur Auffassung des Beschwerdeführers kann daraus aber
nicht gefolgert werden, die Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern, damit er im
familiären Bereich Versäumtes nachholen könne. Der Beschwerdeführer hat diese
Einschränkungen seiner Bewegungsfreiheit durch sein strafrechtliches Verhalten
verursacht und damit offensichtlich in Kauf genommen, dass der Kontakt zu seinen
Kindern eingeschränkt war. Abgesehen davon, dass der Beschwerdeführer, dessen
Verhalten in der Schweiz nicht als tadellos bezeichnet werden kann, nicht behauptet, er
trage zum finanziellen Lebensunterhalt von Y. und Z. bei, bestehen keine
Anhaltspunkte, wonach eine besonders enge Vater-Kind-Beziehung vorliegen könnte.
Auch die beiden Schreiben der Kinder, die der Beschwerdeführer im Rahmen des
Rekursverfahrens eingereicht hat, vermögen daran nichts zu ändern. Abgesehen
davon, dass die Texte inhaltlich sehr ähnlich sind und nicht davon auszugehen ist, es
handle sich um spontane Meinungsäusserungen von Y. und Z., die rund 12 Jahre alt
sind, ist es durchaus verständlich und nachvollziehbar, dass sich Kinder dafür
aussprechen, dass ihr Vater weiterhin in ihrer Nähe leben kann. Hinzu kommt, dass der
Beschwerdeführer den Kontakt zu Y. und Z. mittels Besuchen und Telefonaten
aufrechterhalten kann, auch wenn er in der Schweiz nicht mehr aufenthaltsberechtigt
ist und wieder in der Türkei lebt. Die Modalitäten bezüglich des Besuchs- und
Ferienrechts können dieser neuen Ausgangslage angepasst werden.
3.3. Es ergibt sich somit, dass auf die beantragte Einholung eines
kinderpsychologischen Gutachtens verzichtet werden kann. Das familiäre Verhältnis
des Beschwerdeführers zu seinen beiden Kindern mit Niederlassungsbewilligung ist
nicht derart eng, dass er gestützt auf Art. 8 EMRK Anspruch darauf hätte, aus diesem
Grund weiterhin dauernd in der Schweiz anwesend zu sein.
4. Der Beschwerdeführer hält weiter dafür, es sei unverhältnismässig, die
Aufenthaltsbewilligung nicht mehr zu verlängern. Er begründet dies damit, er habe mit
seiner kriminellen Vergangenheit abgeschlossen und seine Drogensucht überwunden,
weshalb seine Wegweisung unter dem Gesichtspunkt der Sicherung der öffentlichen
Ordnung nicht notwendig sei. Es bestehe keine Rückfallgefahr. Zudem würden drei
Nachbarn bestätigen, dass er sich in Heerbrugg gut integriert habe. Im weiteren habe
er Aussicht auf Leistungen der Invalidenversicherung.
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Der Beschwerdeführer lebte von November 1988 bis November 1991 vorerst als
Asylsuchender, im Anschluss daran als rechtskräftig abgewiesener Asylsuchender in
der Schweiz. Im Alter von rund 21 Jahren reiste er im Rahmen des Familiennachzugs
(erneut) in die Schweiz ein, wo er seither lebt. Aus den Akten ergibt sich, dass es ihm
nicht möglich war, hier beruflich Fuss zu fassen. Sodann bestehen keine
Anhaltspunkte, wonach er sich hier persönlich gut integriert haben könnte. Gemäss
Informationsbericht der Stadtpolizei St. Gallen vom 14. März 2011 wurde er am
Sonntag, 13. März 2011, zusammen mit einem irakischen Staatsangehörigen, der
wegen Überfalls und schwerer Körperverletzung zur Verhaftung ausgeschrieben war,
sowie mit einem türkischen Staatsangehörigen angehalten und festgenommen. Fest
steht weiter, dass der Beschwerdeführer trotz seines langen Aufenthalts in der Schweiz
nach wie vor Kontakte zu seinem Heimatland hat und mit den dort herrschenden
Verhältnissen vertraut ist. Am 10. Februar 2010 beantragte er beim Ausländeramt ein
Rückreisevisum, um beim türkischen Militär einen medizinischen Check zu absolvieren
(act. 898). Die Rückkehr in die Heimat ist dem Beschwerdeführer somit zumutbar, und
ein Härtefall im Sinn von Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG in Verbindung mit Art. 31 der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201) liegt nicht
vor.
Hinzu kommt, dass dem Beschwerdeführer nicht nur bezüglich seiner finanziellen
Verhältnisse, sondern auch bezüglich seines sonstigen Verhaltens keine gute Prognose
gestellt werden kann. Zum einen kann er nicht mit Rentenleistungen rechnen und zum
andern macht er nicht geltend, er werde (oder wolle) einer geregelten beruflichen
Tätigkeit nachgehen. Sein bisheriges Bestreben lag vielmehr darin, eine IV-Rente zu
erhalten.
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers auch unter dem Gesichtspunkt der
Verhältnismässigkeit nicht zu beanstanden ist.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass sich der angefochtene Entscheid als recht- und
verhältnismässig erweist. Folglich ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
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Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu Lasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.—Z. ist angemessen (Art. 7, Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie wird mit dem geleisteten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht