Decision ID: 4a712d37-c7b6-46fa-bbc7-1b5e234bb2fb
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Bundesanwaltschaft unter der Verfahrensnummer SV.16.0330 gegen B.
ein nationales Strafverfahren führte;
- dieses von Brasilien im Sinne von Art. 88 ff. IRSG übernommen wurde;
- die Generalstaatsanwaltschaft von Paraná in der Folge mit Rechtshilfeersu-
chen vom 7. Juni 2018 an die Schweiz gelangte und um Aufrechterhaltung
der im nationalen Strafverfahren SV.16.0330 angeordneten Sperre des Kon-
tos Nr. 1, lautend auf die A. SA, bei der C. SA ersuchte;
- die Bundesanwaltschaft am 28. Januar 2019 unter der Verfahrensnummer
RH.19.0169 auf das Rechtshilfeersuchen eintrat und mit Verfügung vom
30. Januar 2019 die Kontosperre des genannten Kontos anordnete;
- die Bundesanwaltschaft am 3. Mai 2019 die Aufrechterhaltung der Konto-
sperre des betroffenen Kontos der A. SA verfügte;
- diese als Schlussverfügung bezeichnete Verfügung der Bundesanwaltschaft
vom 3. Mai 2019 mangels Zustelldomizil der Kontoinhaberin in der Schweiz
der C. SA zugestellt wurde (vgl. zum Ganzen Beschwerdeantwort der Bun-
desanwaltschaft vom 1. Oktober 2020, Ziff. II 1);
- mit Schreiben vom 15. Januar 2020 Rechtsanwalt Christophe Wilhelm (nach-
folgend «RA Wilhelm») als Vertreter von B. an die Bundesanwaltschaft ge-
langte und um Auskunft zu einer allfälligen Kontosperre des Kontos Nr. 1 der
A. SA bei der C. SA, an welchem B. wirtschaftlich Berechtigter sei, sowie um
Einsicht in allfällige Akten, insbesondere die Verfügung, mit welcher die Kon-
tosperre angeordnet worden sei, ersuchte (act. 1.3);
- die Bundesanwaltschaft am 22. Januar 2020 RA Wilhelm aufforderte eine
rechtsgenügende Vollmacht für die Vertretung der A. SA einzureichen
(act. 1.5);
- RA Wilhelm mit Schreiben vom 18. März 2020 nunmehr namens der A. SA
bei der Bundesanwaltschaft um Zustellung der betreffend das gesperrte
Konto der A. SA ergangenen Verfügungen der Bundesanwaltschaft und um
Akteneinsicht in das Dossier RH.19.0169 ersuchte (act. 1.8);
- die Bundesanwaltschaft mit Schreiben vom 1. Mai 2020 das Akteneinsichts-
gesuch abwies (act. 1.9);
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- mit Eingaben vom 5. Mai, 29. Juni und 20. August 2020 die A. SA wiederholt
ihr Gesuch um Zustellung der Verfügungen der Bundesanwaltschaft betref-
fend das gesperrte Konto Nr. 1 und um Akteneinsicht stellte (act. 1.10, 1.12
und 1.14);
- diese Gesuche von der Bundesanwaltschaft allesamt mit Schreiben jeweils
vom 7. Mai, 7. Juli und 26. Augst 2020 abgewiesen wurden (act. 1.11, 1.13
und 1.1);
- RA Wilhelm namens der A. SA mit Datum vom 7. September 2020 gegen
das ablehnende Schreiben der Bundesanwaltschaft vom 26. August 2020
bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde erhoben
hat und die Feststellung der Rechtsverweigerung beantragt sowie den An-
trag stellt, die Sache sei an die Bundesanwaltschaft zurückzuweisen, damit
diese der A. SA die Schlussverfügung vom 5. Mai 2019 im Verfahren
RH.19.0224 sowie die vorgehenden Zwischenverfügungen zustelle und der
A. AG Akteneinsicht gewähre (act. 1 S. 8);
- RA Wilhelm zusammen mit der Beschwerde dem Gericht eine von B. am
17. März 2020 unterzeichnete Vollmacht einreichte (act.1.4)
- die Beschwerdekammer die A. SA mit Schreiben vom 22. September 2020
dazu aufforderte, ein aktuelles, datiertes Dokument einzureichen, das nach-
weise, dass der Vollmachtunterzeichner berechtigt sei, die A. SA zu vertre-
ten (act. 9);
- diese Aufforderung mit Hinweis verbunden worden ist, dass auf die Be-
schwerde nicht eingetreten werde, wenn das genannte Dokument nicht in-
nert Frist eingereicht werde;
- RA Wilhelm der Beschwerdekammer mit Schreiben vom 1. Oktober 2020
fristgerecht folgende Unterlagen einreichte: eine von B. unterzeichnete Voll-
macht vom 24. September 2020 sowie ein Dokument, bei dem es sich um
einen Registerauszug des obersten Gerichts der Republik Uruguay vom
9. September 2013 handeln soll, das die Berechtigung von B. zur Vertretung
der A. SA beweise (act. 11);
- am 2. und 5. Oktober 2020 bei der Beschwerdekammer die Beschwerde-
antworten des Bundesamtes für Justiz und der Bundesanwaltschaft einge-
gangen sind (act. 10 und 12);
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- diese der A. SA mit dem heutigen Entscheid lediglich zur Kenntnis und nicht
zur weiteren Vernehmlassung zugestellt werden, da auf die Beschwerde
mangels Vorliegen der Eintretensvoraussetzungen - wie nachfolgend zu zei-
gen sein wird - nicht einzutreten ist.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten die
Bestimmungen des VwVG anwendbar sind (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37
Abs. 2 lit. a Ziff. 4 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (Art. 12
Abs. 1 IRSG);
- die Beschwerdeschrift die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Be-
weismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertre-
ters zu enthalten hat (Art. 52 Abs. 1 VwVG);
- die Beschwerdeinstanz dem Beschwerdeführer eine kurze Nachfrist zur Ver-
besserung einräumt, wenn die Beschwerde diesen Anforderungen nicht ge-
nügt und sich die Beschwerde nicht als offensichtlich unzulässig herausstellt
(Art. 52 Abs. 2 VwVG), wobei sie diese Nachfrist mit der Androhung verbin-
det, nach unbenutztem Fristablauf auf Grund der Akten zu entscheiden oder,
wenn Begehren, Begründung oder Unterschrift fehlen, auf die Beschwerde
nicht einzutreten (Art. 52 Abs. 3 VwVG);
- sich die von Rechtshilfemassnahmen betroffene Person im Beschwerdever-
fahren vor der Beschwerdekammer durch einen Rechtsbeistand vertreten
lassen kann (vgl. Art. 21 Abs. 2 IRSG);
- in Verfahren nach VwVG grundsätzlich auch eine mündliche oder konkludent
erteilte Vollmacht genügt (BGE 99 V 177 E. 3 S. 181);
- Prozesshandlungen, die ohne gültige Vollmacht oder von einer handlungs-
unfähigen Person vorgenommen werden, ungültig sind, weshalb auf ein Ge-
such oder auf ein Rechtsmittel, das von einer nicht vertretungsbefugten Per-
son eingereicht worden ist, nicht eingetreten wird (KIENER/RÜTSCHE/KUHN,
Öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl. 2015, N. 621; MARANTELLI/HUBER, in:
Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfah-
rensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 11 VwVG N. 28);
- juristische Personen durch ihre Organe handeln (Art. 55 Abs. 2 ZGB);
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- der für die juristische Person handelnde Rechtsvertreter eine von einem
zeichnungsberechtigten Organ unterschriebene Vollmacht vorweisen muss;
- vorliegend die Vollmacht vom 24. September 2020 von B. unterzeichnet wor-
den ist;
- der von der Beschwerdeführerin eingereichten notariellen Urkunde der Re-
publik Uruguay zu entnehmen ist, dass B. seit dem 27. März 2000 Präsident
der Beschwerdeführerin und einziges Verwaltungsratsmitglied sei;
- dieses Dokument vom 13. September 2013 datiert und mithin eine Rechts-
situation wiedergibt, die sieben Jahre zurückliegt;
- daher der Nachweis, dass B. zum Zeitpunkt der Vollmachtsunterzeichnung
zeichnungsberechtigtes Organ der Beschwerdeführerin und somit zur Unter-
zeichnung der Vollmacht der Beschwerdeführerin berechtigt war, nicht er-
bracht worden ist;
- weshalb androhungsgemäss auf die Beschwerde nicht einzutreten ist;
- die Verfahrenskosten bei diesem Ausgang des Verfahrens dem vollmachtlo-
sen Vertreter aufzuerlegen sind (Entscheid des Bundesstrafgerichts
RR.2015.110 vom 10. September 2015 E. 2.2);
- die Gerichtsgebühr auf Fr. 500.– festzusetzen ist (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m.
Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a BStKR), unter Anrechnung des
entsprechenden Betrags am geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 4'000.--;
- die Bundesstrafgerichtskasse anzuweisen ist, Rechtsanwalt Christophe Wil-
helm Fr. 3'500.-- zurückzuerstatten.
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