Decision ID: 79673d14-fc7e-5b83-9a9e-bd20e786c078
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 13. Juni 2014 fest, dass die Beschwer-
deführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten, lehnte ihre Asylge-
suche vom 4. November 2013 ab und ordnete die Wegweisung an. Der
Wegweisungsvollzug wurde zugunsten einer vorläufigen Aufnahme wegen
Unzumutbarkeit aufgeschoben. Die gegen diesen Entscheid erhobene Be-
schwerde wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-3845/2014
vom 3. Februar 2017 abgewiesen.
B.
Am 27. Januar 2020 liessen die Beschwerdeführenden durch ihren
Rechtsvertreter eine als "Mehrfachgesuch" bezeichnete Eingabe bei der
Vorinstanz einreichen und beantragten, ihnen sei Asyl zu gewähren; even-
tualiter seien sie als Flüchtlinge anzuerkennen und es sei festzustellen,
dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig sei. Zur Begründung mach-
ten sie im Wesentlichen geltend, zum einen könnten sie nun nachweisen,
dass der Beschwerdeführer A._ von den syrischen Behörden we-
gen politischer Aktivitäten in Syrien verfolgt werde. Zum andern belege er
exilpolitische Aktivitäten in der Schweiz und sei deshalb gestützt auf Art. 54
AsylG als Flüchtling anzuerkennen. Seine Frau, die Beschwerdeführerin
B._, sei gestützt auf Art. 51 AsylG derivativ in seine Flüchtlingsei-
genschaft einzubeziehen. Der Beschwerdeführer sei seit seiner Einreise in
die Schweiz im Jahr 2013 regelmässig und intensiv für die kurdische Partei
(...) aktiv. Er habe in der Schweiz die Mitgliedschaft der (...) erworben und
sei in den Vorstand der Schweizer Parteisektion gewählt worden. Er nehme
regelmässig an Veranstaltungen der (...) in der ganzen Schweiz teil und
habe mehrere Delegationen, die sich an den von den Vereinten Nationen
vermittelten Syrien-Konferenzen beteiligt hätten, begleitet. Er beteilige sich
an der Vorbereitung von Demonstrationen gegen die syrische und die tür-
kische Regierung, beantrage polizeiliche Bewilligungen für Kundgebungen
und sei als Sicherheitsbeauftragter der (...) für eine reibungslose Abwick-
lung der Veranstaltungen zuständig. Im (...) 2019 sei er vor dem Hinter-
grund der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien von der TV-Sendung
"(...)" des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) interviewt worden. Auf-
grund seines exilpolitischen Engagements für eine multiethnisch verwal-
tete Region im Norden Syriens hätte er im Falle einer Rückkehr nach Sy-
rien flüchtlingsrelevante Verfolgung seitens der syrischen Regierung, der
türkischen Sicherheitskräfte und der islamistischen Rebellengruppen zu
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befürchten. Des Weiteren sei er in Syrien am 13. Februar 2013 wegen "Zu-
gehörigkeit zu einer Untergrundorganisation" zu einer (...)-jährigen Ge-
fängnisstrafe verurteilt worden. Zum Beleg seiner Vorbringen reichte er fol-
gende Beweismittel zu den Akten:
- Syrischer Strafregisterauszug vom (...) 2019
- Syrischer Haftbefehl vom (...) 2013
- Mitgliedschaftsbestätigung der (...) Schweiz
- USB-Stick mit Fotos und Videos von Anlässen in der Schweiz
- Fotos von Veranstaltungen in der Schweiz
C.
Mit Verfügung vom 2. März 2020 – eröffnet am 3. März 2020 – stellte die
Vorinstanz fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllten, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung
an. Gleichzeitig wurde festgehalten, dass die angeordnete vorläufige Auf-
nahme weiterhin bis zu deren Aufhebung oder Erlöschen bestehe.
D.
Die Beschwerdeführenden erhoben gegen diesen Entscheid mit Eingabe
vom 30. März 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Dabei
beantragten sie die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. In ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht beantragten sie die Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung.
Als Beweismittel wurden ein Referenzschreiben von C._ vom
(...) März 2020, ein weiteres von Verantwortlichen der (...) Schweiz vom
(...) März 2020 und ein USB-Stick mit Fotos und Videos von exilpolitischen
Aktivitäten eingereicht.
E.
Am 31. März 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde.
F.
Mit Verfügung vom 6. April 2020 teilte die damals zuständige Instruktions-
richterin den Beschwerdeführenden mit, sie dürften – ohnehin bereits vor-
läufig aufgenommen – den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar-
ten. Zudem hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung unter Vorbehalt der Nachreichung einer Sozialhilfebestäti-
gung sowie einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse
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der Beschwerdeführenden gut und verzichtete auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses. Schliesslich, hiess sie auch das Gesuch um amtliche
Rechtsverbeiständung gut, setzte den rubrizierten Rechtsvertreter als amt-
lichen Rechtsbeistand ein und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Ver-
nehmlassung ein. Am 17. April 2020 reichte der Rechtsvertreter eine Für-
sorgebestätigung und eine Kostennote zu den Akten.
G.
In seiner Vernehmlassung vom 21. April 2020 beantragte das SEM die Ab-
weisung der Beschwerde. Am 23. April 2020 gab die damals zuständige
Instruktionsrichterin den Beschwerdeführenden Gelegenheit, bis zum
8. Mai 2020 eine Replik und entsprechende Beweismittel einzureichen. Am
27. April 2020 replizierten die Beschwerdeführenden.
H.
Mit Eingaben vom 25. Juni 2020 und vom 1. September 2020 reichten die
Beschwerdeführenden erneut je eine Serie von Fotos betreffend die exil-
politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers zu den Akten.
I.
Am 25. Februar 2021, am 10. September 2021 und am 18. Januar 2022
fragten die Beschwerdeführenden nach dem Verfahrensstand. Diese An-
fragen wurden am 1. März 2021, am 20. September 2021 und am 21. Ja-
nuar 2022 beantwortet.
J.
Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Beschwerdever-
fahren per 1. Januar 2022 Richter Thomas Segessenmann (Instruktion und
Vorsitz) zur Behandlung unter der neuen Verfahrens-Nummer
D-1784/2020 übertragen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3
AsylG ist nicht allein die Situation zum Zeitpunkt der Ausreise, sondern ins-
besondere auch die Situation zum Zeitpunkt des Asylentscheides. So ist
gegebenenfalls auch eine asylsuchende Person als Flüchtling anzuerken-
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nen, die erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise – aufgrund ob-
jektiver oder subjektiver Nachfluchtgründe – im Falle einer Rückkehr in ih-
ren Heimat- oder Herkunftsstaat in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise
verfolgt würde.
3.3.1 Objektive Nachfluchtgründe sind dann gegeben, wenn äussere Um-
stände, auf welche die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen
konnte, zur drohenden Verfolgung führen; der von Verfolgung bedrohten
Person ist in diesen Fällen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und
Asyl zu gewähren.
3.4 Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen-
schaft im Sinn von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Asyl-
ausschluss. Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen
oder glaubhaft machen können, werden hingegen als Flüchtlinge vorläufig
aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.).
4.
4.1 Zur Begründung der ablehnenden Verfügung führte die Vorinstanz im
Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, in Syrien
im (...) 2013 zu einer (...)-jährigen Haftstrafe verurteilt worden zu sein. Be-
züglich des vorgebrachten Hafturteils habe er lediglich einen Strafregister-
auszug und einen Haftbefehl aus Syrien zu den Akten gereicht. An weiteren
konkreten Hinweisen, die auf eine gerichtliche Verurteilung hindeuten wür-
den, fehle es gänzlich. Den eingereichten Dokumenten komme im Kontext
von Syrien kaum Beweiswert zu, zumal nach Jahren des Bürgerkrieges
nahezu jedes amtliche Dokument gegen Bezahlung erhältlich gemacht
werden könne. Selbst einem formell echten amtlichen Dokument sei nur
dann eine relevante Beweiskraft beizumessen, wenn dieses im Kontext ei-
nes hinreichend schlüssigen Sachverhaltsvortrages eingereicht werde. Der
Aktenlage fehle es indes gänzlich an einem solchen. Vor diesem Hinter-
grund komme dem eingereichten Strafregisterauszug und dem Haftbefehl
keinerlei Beweiskraft zu. Das Entdecken der Beweismittel im Rahmen des
Mehrfachgesuchs erwecke vorliegend den Eindruck, dass er diese für die
Stellung eines zweiten Asylgesuchs unrechtmässig erstellt habe oder habe
erstellen lassen. Aufgrund der untauglichen Beweismittel und diesbezügli-
cher Unstimmigkeiten sei die geltend gemachte Verurteilung zu einer Haft-
strafe als unglaubhaft einzustufen, weshalb sich eine Prüfung der Asylre-
levanz dieses Vorbringens erübrige.
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Die übrigen Vorbringen – namentlich die exilpolitischen Aktivitäten – seien
auf ihre flüchtlingsrechtliche Relevanz zu prüfen. Diese stellten auch unter
Berücksichtigung der diesbezüglich eingereichten Beweismittel in Form
und Inhalt kein Engagement dar, aufgrund dessen davon auszugehen
wäre, dass die syrische Regierung den Beschwerdeführer als potentielle
Bedrohung wahrnehme und ihn im Falle einer Rückkehr in flüchtlingsrecht-
lich relevanter Weise verfolgen würde. Auch fehle es gänzlich an Hinwei-
sen, dass die türkische Regierung oder islamistische Rebellengruppen
dessen politischen Tätigkeiten in der Schweiz wahrgenommen hätten und
ihn deswegen in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgen würden.
Die geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten seien somit nicht geeig-
net, eine Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung zu begrün-
den. Demnach erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft
nicht und sei sein zweites Asylgesuch abzulehnen. Damit sei dem Gesuch
der Beschwerdeführerin um Einbezug gemäss Art. 51 AsylG die Grundlage
entzogen. Somit sei ihr Asylgesuch respektive Gesuch um Einbezug eben-
falls abzulehnen.
4.2 In der Rechtsmitteleingabe hielten die Beschwerdeführenden an ihren
Vorbringen im Mehrfachgesuch grundsätzlich fest. Sie führten im Wesent-
lichen aus, dass der Beschwerdeführer seine früheren politischen Aktivitä-
ten im ersten Asylverfahren dargelegt und in seinem Mehrfachgesuch da-
rauf hingewiesen habe. Demnach habe er schon damals sein politisches
Engagement für die (...) und seine Funktion als (...) der kurdischen Ver-
waltung in D._ (eine Art [...]) für die Vorinstanz und das Bundesver-
waltungsgericht glaubhaft geschildert. Deshalb sei hinsichtlich des mass-
gebenden Sachverhalts davon auszugehen, dass er sich noch in Syrien
wegen dieser Tätigkeiten gegenüber allen politischen Kräften, die das Pro-
jekt der multiethnisch verwalteten Region Rojava bekämpft hätten, deutlich
und sichtbar exponiert habe und damit zur Zielperson geworden sei. Dies
gelte bis heute ebenso für das Assad-Regime wie für die türkischen Sicher-
heitskräfte und noch verbliebene bewaffnete islamistische Rebellengrup-
pen und terroristische Gruppierungen. Diesbezüglich sei die Vorinstanz
zum Nachteil der Beschwerdeführenden von einem unvollständigen Sach-
verhalt ausgegangen. In materieller Hinsicht zeige das syrische Urteil, dass
der Beschwerdeführer den syrischen und türkischen Behörden sowie den
"bärtigen Milizionären" schon vor seiner Flucht als politischer Gegner be-
kannt gewesen sei. Die Vorinstanz habe ebenso wenig erwähnt, dass der
Beschwerdeführer die offizielle Mitgliedschaft der (...) in der Schweiz er-
worben habe und schliesslich in den Vorstand der Schweizer Parteisektion
gewählt worden sei, wo er bis heute zusammen mit E._ (N [...]) und
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C._ (N [...]) überaus aktiv sei, wobei E._ das SEM mit Ein-
gabe vom (...) 2019 um Anerkennung als Flüchtling ersucht habe und
C._ nach einem abgewiesenen Mehrfachgesuch vom Bundesver-
waltungsgericht mit Urteil D-2044/2019 vom 23. September 2019 als sol-
cher anerkannt worden sei. Die Beschwerdeführenden ersuchten um Bei-
zug dieser beiden Dossiers. Diese Vorbringen habe das SEM ebenfalls
nicht berücksichtigt und sich auch in dieser Hinsicht auf einen unvollständig
erhobenen Sachverhalt abgestützt. Es sei auf die eingereichten Doku-
mente abzustellen und von der Verurteilung des Beschwerdeführers we-
gen Mitgliedschaft bei einer illegalen sezessionistischen Organisation aus-
zugehen.
Im Zusammenhang mit den exilpolitischen Aktivitäten wurde vorab darauf
hingewiesen, dass das Bundesverwaltungsgericht in Erwägung 5.2.1 sei-
nes Urteils E-3845/2014 selber angenommen habe, dass der Beschwer-
deführer als (...) und (...) Autorität und Ansehen in der regionalen Bevölke-
rung genossen habe. Nachdem heute davon ausgegangen werden müsse,
dass die syrische Regierung in D._ nunmehr das Heft wieder in der
Hand habe, riskiere er eine asylrelevante Verfolgung, falls er nach Syrien
zurückkehren würde. Die allgemeine Lage in Syrien habe sich seit Sommer
2017 wesentlich und erheblich zu Gunsten des Assad-Regimes verändert.
Diese Umstände legten eine andere Einschätzung der potentiellen Über-
wachung der syrischen Exilopposition durch regimetreue Dienste und Frei-
willige durchaus nahe. Die im erstinstanzlichen Verfahren eingereichten
Dokumente machten deutlich, dass sich der Beschwerdeführer durch sein
jahrelanges und stetiges Engagement gegenüber den syrischen Sicher-
heitskräften, welche auch in der Schweiz aktiv seien, erheblich exponiert
habe. Angesichts des Umstands, dass die syrischen Dienste auch die In-
ternetseiten der oppositionellen Parteien überwachten, bestehe heute kein
Zweifel mehr, dass der Beschwerdeführer als regelmässiger und langjährig
aktiver Militanter registriert und mittlerweile auch namentlich identifiziert
und registriert worden sei. Abschliessend wurden die auf Beschwerde-
ebene bezüglich der exilpolitischen Aktivitäten eingereichten Beweismittel
kommentiert.
4.3 In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz im Zusammenhang mit
dem geforderten Beizug der Asyldossiers von E._ und C._
aus, E._ habe entgegen der Behauptung der Beschwerdeführen-
den kein Mehrfachgesuch eingereicht und C._ verfüge zusätzlich
zu seinen exilpolitischen Aktivitäten über ein spezifisches Profil, weshalb
ihm im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. September 2019 die
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Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden sei. Beim Beschwerdeführer lä-
gen indes keine zusätzlichen Risikofaktoren vor. Im Übrigen vermöge allein
die Nähe zu exilpolitisch aktiven Personen nicht zum Schluss zu führen,
dass eine Person von der syrischen Regierung als Bedrohung wahrgenom-
men werde und deshalb im Falle einer Rückkehr ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen hätte. Die neu eingereichten Beweis-
mittel vermöchten die Einschätzung des SEM nicht umzustossen. Den Do-
kumenten seien keine exilpolitischen Aktivitäten zu entnehmen, mit denen
sich der Beschwerdeführer derart exponiert hätte, dass er von der syri-
schen Regierung im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungsge-
richts D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 als potentielle Bedrohung wahr-
genommen würde.
4.4 In der Replik vom 27. April 2020 wurde darauf hingewiesen, dass der
Beschwerdeführer – im Rahmen der wegen der Corona-Krise erforderli-
chen Schutzmassnahmen – nach wie vor exilpolitisch in gleicher Weise
aktiv sei, indem er Kontakte mit den Verantwortlichen der (...) in westeuro-
päischen Ländern und in Syrien aufrechterhalte, an den internen Parteidis-
kussionen teilnehme und die in der Schweiz lebenden Mitglieder und Sym-
pathisanten der Partei laufend informiere. Sodann behaupte das SEM zu
Unrecht, dass E._ kein Mehrfachgesuch eingereicht habe. Der
rubrizierte Rechtsvertreter habe am (...) 2020 (recte: 2019) ein solches ein-
gereicht, woraufhin E._ vom SEM ersucht worden sei, sich persön-
lich beim Bundesasylzentrum (...) in F._ zu melden. Dort sei er an
seinen Rechtsvertreter verwiesen worden, welcher in der Folge das SEM
per Telefax und am (...) nochmals per Einschreibebrief um Aufnahme des
Verfahrens ersucht habe. Des Weiteren sei nicht ersichtlich, weshalb der
als Flüchtling anerkannte C._ über ein spezifisches Profil verfügen
solle, welches sich von dem des Beschwerdeführers deutlich abhebe.
Beide seien, zusammen mit E._, wichtige Aktivisten der Schweizer
Sektion der (...) und deshalb zu Zielpersonen der syrischen Sicherheits-
kräfte geworden.
5.
5.1
5.1.1 In materieller Hinsicht ist zunächst zu prüfen, ob die Vorinstanz zu
Recht zum Ergebnis gelangte, dem Beschwerdeführer sei es mittels der
neu eingereichten Beweismittel nicht gelungen, eine bereits zum Zeitpunkt
der Ausreise erlittene Verfolgung oder bestehende Verfolgungsfurcht im
Sinne von Art. 3 AsylG zumindest glaubhaft zu machen. In der Beschwerde
wird diesbezüglich gerügt, die Vorinstanz sei bezüglich der Vorfluchtgründe
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von einem unvollständigen Sachverhalt ausgegangen, zumal sich der Be-
schwerdeführer bereits in Syrien aufgrund seiner im ersten Asylverfahren
glaubhaft geschilderten Vorbringen seines politischen Engagements deut-
lich und sichtbar exponiert habe und damit zur Zielperson geworden sei.
Der Vorwurf trifft in dieser Form nicht zu. So verwies die Vorinstanz bezüg-
lich der Beweiskraft des Strafregisterauszugs und des Haftbefehls auf das
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5750/2017 vom 13. Mai 2019
(E. 4.3), wonach solchen Dokumenten nur dann eine relevante Beweiskraft
beizumessen sei, wenn sie im Kontext eines hinreichend schlüssigen
Sachverhaltsvortrages eingereicht werden. Sodann verneinte sie einen
solchen aufgrund der Aktenlage und hielt weiter fest, es erstaune sehr,
dass der Beschwerdeführer erst jetzt von der Verurteilung im Februar 2013
erfahren haben wolle. Angesichts dessen, dass er Syrien im September
2013 und somit nach Erlass des geltend gemachten Hafturteils vom Feb-
ruar 2013 verlassen habe, wäre zu erwarten gewesen, dass er zum Zeit-
punkt seines ersten Asylverfahrens bereits Kenntnis davon gehabt und
dies vorgebracht hätte. Die Vorinstanz nahm mithin sehr wohl, wenn auch
nicht explizit, auf die entsprechenden, die Vorfluchtgründe betreffenden
Sachverhaltselemente (PYD-Sympathisant seit dem Jahr 2003, Teilnahme
an regierungskritischen Demonstrationen, Exponierung als Migrationszu-
ständiger und Streitschlichter im Volkshaus) Bezug, ohne diese in Zweifel
zu ziehen. Insofern ist sie nicht von einem unvollständigen Sachverhalt
ausgegangen. Sodann ist auch die übrige Beweiswürdigung durch die Vo-
rinstanz im Zusammenhang mit den beiden besagten Dokumenten nicht
zu beanstanden. Den diesbezüglichen Erwägungen des SEM in der ange-
fochtenen Verfügung (vgl. Ziff. II.1 S. 3) wird in der Beschwerde nichts
Stichhaltiges entgegengesetzt. Der Erklärungsversuch, der Beschwerde-
führer sei bis zum Zeitpunkt des Mehrfachgesuchs hinsichtlich einer allfäl-
ligen Verurteilung nicht völlig ahnungslos gewesen, habe aber eine solche
im ersten Asylverfahren aus Furcht, er würde seine Vorbringen eher kom-
promittieren als stützen, erst jetzt geltend gemacht, vermag nicht zu über-
zeugen. An dieser Einschätzung vermag auch die Schilderung im Mehr-
fachgesuch, wie die Unterlagen in die Schweiz und in den Besitz des Be-
schwerdeführers gelangt seien, nichts zu ändern. Somit ist es dem Be-
schwerdeführer entgegen den Ausführungen in der Beschwerde nicht ge-
lungen, eine asylbeachtliche Vorverfolgung durch die syrischen Behörden
glaubhaft zu machen. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer im ersten Asylverfahren keinerlei Befürchtungen hin-
sichtlich einer staatlichen Verfolgung vorbrachte, sondern mit den Ausrei-
sevorbereitungen begonnen habe, nachdem er erfahren habe, dass sein
Name auf einer Liste verfolgungswürdiger Personen der Al-Nusra figuriere.
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5.1.2 Zusammenfassend ist es den Beschwerdeführenden nicht gelungen,
die geltend gemachte Verurteilung des Beschwerdeführers vom (...) 2013
zu einer (...)-jährigen Gefängnisstrafe wegen Mitgliedschaft bei einer ille-
galen sezessionistischen Organisation und eine diesbezügliche Furcht vor
einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zum Zeitpunkt der Ausreise
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat
demzufolge in diesem Zusammenhang zu Recht die Flüchtlingseigen-
schaft der Beschwerdeführenden verneint und die Asylgesuche abgewie-
sen.
5.2
5.2.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exil-
aktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht
sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel-
tend. Begründeter Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung besteht dann,
wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit
von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei
einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde (vgl.
BVGE 2009/29 E. 5.1, 2009/28 E. 7.1, Entscheidungen und Mitteilungen
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 1 E. 6.1,
UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien zur Feststellung der
Flüchtlingseigenschaft, Neuaufl. Genf 2011, Ziff. 94 ff., MARTINA CA-
RONI/TOBIAS GRASDORF-MEYER/LISA OTT/NICOLE SCHEIBER, Migrations-
recht, 3. Aufl. 2014, S. 239 ff., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Ru-
din/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.] Ausländerrecht, Handbücher für die Anwalts-
praxis, Band VIII, 2. Aufl. 2009, S. 542, Rz. 11.55 ff.; MINH SON NGUYEN,
Droit public des étrangers, 2003, S. 448 ff.). Dabei muss hinreichend An-
lass zur Annahme bestehen, die Verfolgung werde sich mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen – eine bloss
entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht. Es müssen mithin
konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus
einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung
als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2, 2010/57
E. 2.5, 2010/44 E. 3.4). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss
Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss-
bräuchlich oder nicht gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, wel-
che subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön-
nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
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Seite 12
5.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Referenzurteil
D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 festgehalten, dass allein der Umstand,
dass syrische Geheimdienste im Ausland aktiv seien und gezielt Informati-
onen über regimekritische Personen und oppositionelle Organisationen
sammeln würden, die Annahme, aufgrund geheimdienstlicher Informatio-
nen über exilpolitische Tätigkeiten im Falle der Rückkehr nach Syrien in
asylrechtlich relevantem Ausmass zur Rechenschaft gezogen zu werden,
nicht zu rechtfertigen vermöge. Vielmehr müssten über die theoretische
Möglichkeit hinausgehende konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die den
Schluss zulassen würden, dass die asylsuchende Person tatsächlich das
Interesse der syrischen Behörden auf sich gezogen habe und als regime-
feindliches Element namentlich identifiziert und registriert worden sei, da-
mit die Furcht vor Verfolgung als begründet erscheine. Diesbezüglich sei
davon auszugehen, dass sich die syrischen Geheimdienste auf die Erfas-
sung von Personen konzentrieren würden, die über niedrigprofilierte Er-
scheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen wahrgenom-
men und/oder Aktivitäten entwickelt hätten, welche die betreffende Person
als Individuum aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen heraus-
heben und als ernsthaften und potentiell gefährlichen Regimegegner er-
scheinen lasse. Für die Annahme begründeter Furcht sei insofern nicht pri-
mär das Hervortreten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit und Indivi-
dualisierbarkeit massgebend. Ausschlaggebend sei vielmehr eine öffentli-
che Exponierung, die aufgrund der Persönlichkeit des Asylsuchenden, der
Form des Auftritts und aufgrund des Inhalts der in der Öffentlichkeit abge-
gebenen Erklärungen den Eindruck erwecke, dass der Asylsuchende aus
Sicht des syrischen Regimes als potentielle Bedrohung wahrgenommen
werde (vgl. E. 6.3.2 m.w.H.). Ferner sei es wenig wahrscheinlich, dass die
syrischen Geheimdienste über die logistischen Ressourcen und Möglich-
keiten verfügen würden, um sämtliche regimekritischen exilpolitischen Tä-
tigkeiten syrischer Staatsangehöriger oder staatenloser Kurden syrischer
Herkunft im Ausland systematisch zu überwachen. Zudem könne davon
ausgegangen werden, dass durch den Überlebenskampf des Regimes die
syrischen Geheimdienste ohnehin primär auf die Situation im Heimatland
konzentriert seien (vgl. E. 6.3.5). Es sei deshalb davon auszugehen, dass
der Schwerpunkt der Aktivitäten der syrischen Geheimdienste im Ausland
nicht bei einer grossflächigen, sondern bei einer selektiven und gezielten
Überwachung der im Ausland lebenden Opposition liege. Folglich rechtfer-
tige sich die Annahme, die betroffene Person habe die Aufmerksamkeit der
syrischen Geheimdienste in einer Weise auf sich gezogen, welche auf eine
begründete Furcht vor Verfolgung wegen exilpolitischer Tätigkeiten
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Seite 13
schliessen lasse, nur, wenn sich diese in besonderem Mass exponiere (vgl.
E. 6.3.6).
5.2.3 Vorweg ist auf den Vorwurf einzugehen, die Vorinstanz habe sich im
Zusammenhang mit der Rolle des Beschwerdeführers im Vorstand der
(...)-Parteiorganisation auf einen unvollständigen Sachverhalt abgestützt,
weil sie die potentiell ausschlaggebenden Vorbringen der zusammen mit
dem Beschwerdeführer im Vorstand aktiven E._ und C._
nicht berücksichtigt habe. Der auf Beschwerdestufe beantragte Beizug die-
ser beiden Asyldossiers ergibt, dass seitens des als Flüchtling anerkannten
C._ keine gemeinschaftlichen Vorstandstätigkeiten geltend ge-
macht wurden. In den Akten des Beschwerdeführers befinden sich lediglich
einzelne Fotos, auf denen dieser im Kontext exilpolitischer Aktivitäten
(auch) zusammen mit C._ abgebildet ist. Allein diese Beweismittel
sind aber für den Ausgang des vorliegenden Verfahren nicht ausschlagge-
bend. Der Beizug der Akten von E._ ergibt sodann, dass die Aus-
führungen in der Replik bezüglich dessen Asylverfahren zwar zutreffen
(vgl. E. 4.4), dieses aber vom SEM am (...) 2020 mit einem Nichteintreten-
sentscheid abgeschlossen wurde, welcher unangefochten in Rechtkraft er-
wachsen ist. Da mithin die materiellen Vorbringen von E._ keiner
Prüfung unterzogen wurden, vermag der Beschwerdeführer auch daraus
nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Somit erweist sich der Sachverhalt
nach dem Gesagten auch in dieser Hinsicht als vollständig erstellt und ver-
mag der Beschwerdeführer aus dem Beizug der besagten Asyldossiers
nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
5.2.4 Die Frage, ob der Beschwerdeführer durch seine exilpolitischen Akti-
vitäten subjektive Nachfluchtgründe gesetzt hat, aus denen er einen An-
spruch auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft ableiten könnte, ist
demgegenüber zu bejahen. Zwar verfügt der Beschwerdeführer in der Tat
nicht wie C._ zusätzlich zu seinen exilpolitischen Aktivitäten über
ein mit diesem identisches Profil. Dennoch erscheinen die geltend gemach-
ten und mit Beweismitteln dokumentierten exilpolitischen Aktivitäten hin-
sichtlich Qualifiziertheit und Exponiertheit des Beschwerdeführers zwi-
schenzeitlich in einem anderen Licht als im Zeitpunkt des Urteils E-
3845/2014 vom 3. Februar 2017.
5.2.5 Zunächst ist hinsichtlich des Teils des Profils, der auf den Aktivitäten
des Beschwerdeführers vor dessen Ausreise aus Syrien gründet, wie oben
ausgeführt (vgl. E. 5.1.1), nicht davon auszugehen, dass dieser im Zusam-
menhang mit den geltend gemachten Aktivitäten für die (...) zum Zeitpunkt
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der Ausreise ins Visier der heimatlichen Behörden geraten war. Indessen
ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer in seiner Funktion als (...) der
kurdischen Verwaltung in D._ tätig war. Es ist davon auszugehen,
dass er den syrischen Behörden zumindest in dieser Hinsicht bereits da-
mals bekannt war.
5.2.6 Soweit der Beschwerdeführer vorbrachte, er sei schliesslich in den
Vorstand der Schweizer Parteisektion der (...) gewählt worden, fehlt es in
den Akten an einem konkreten Beleg. Diesbezüglich erwog die Vorinstanz
zutreffend, dass die mit dem Mehrfachgesuch eingereichte Mitgliedschafts-
bestätigung bestenfalls die Parteimitgliedschaft zu belegen vermöge. In-
dessen ist dem auf Beschwerdeebene eingereichten, von zwei Verantwort-
lichen der (...) Schweiz unterzeichneten Referenzschreiben vom (...) im
Jahr 2003 für die Partei in Syrien aktiv geworden sei und in der Schweiz
als Leiter der (...) (der [...] in F._ und in der G._) gewählt
sei. Aufgrund des früheren Engagements des Beschwerdeführers im (...)
sowie seiner aktenkundigen exilpolitischen Aktivitäten sind diese Bestäti-
gungen vorliegend nicht als blosse Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren.
Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass er in der (...)
Schweiz tatsächlich eine gewisse Führungsfunktion ausübt.
5.2.7 Aufgrund der Aktenlage ist des Weiteren davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer seit seiner Einreise ununterbrochen an der Durch-
führung und Organisation von zahlreichen Kundgebungen und Veranstal-
tungen der (...) beteiligt war und nach wie vor exilpolitisch aktiv ist, indem
er Kontakte mit Verantwortlichen der (...) in westeuropäischen Ländern und
in Syrien aufrechterhält, an den internen Parteidiskussionen teilnimmt und
die in der Schweiz lebenden Mitglieder und Sympathisanten der Partei lau-
fend informiert.
5.2.8 Die syrischen Geheimdienste sind auch im Ausland aktiv und sam-
meln gezielt Informationen über regimekritische Personen und oppositio-
nelle Organisationen. Gleichwohl ist anzunehmen, dass die Überwachung
nicht flächendeckend, sondern gezielt vorgenommen wird. Wie das SEM
zutreffend ausführte, ist zudem bekannt, dass die syrischen Behörden das
Mittel der Infiltration anwenden. Aufgrund des langjährigen politischen En-
gagements, insbesondere für die kurdische Sache im Heimatstaat, ist es
daher naheliegend, dass die Flucht des Beschwerdeführers in die Schweiz
sowie sein hier fortgesetztes politisches Engagement den syrischen Be-
hörden nicht verborgen blieb. Im Gegenteil ist nach Prüfung der Akten da-
von auszugehen, dass der Beschwerdeführer der Kategorie von Personen
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zuzurechnen ist, die wegen ihrer Tätigkeit oder Funktionen im Exil als po-
tentiell gefährliche Regimegegner die Aufmerksamkeit der syrischen Ge-
heimdienste auf sich gezogen haben.
Zwar führte die Vorinstanz zutreffend aus, dass allein die Teilnahme an
Veranstaltungen keine Exponierung im Sinne der erwähnten Rechtspre-
chung darstelle, auch wenn der Beschwerdeführer an der Vorbereitung und
Organisation von Anlässen mitbeteiligt oder als Sicherheitsbeauftragter um
eine reibungslose Abwicklung der Veranstaltungen besorgt gewesen sei.
So würden sich Aufgaben im Vorfeld einer Veranstaltung oder am Rande
einer Kundgebung weder in Form noch Inhalt von der Masse abheben.
Diesbezüglich ging die Vorinstanz zu Recht nicht davon aus, dass die syri-
schen Behörden dieses Engagement als Bedrohung empfinden würden.
Sodann kann dem diesbezüglich eingereichten Bildmaterial nicht entnom-
men werden, dass der Beschwerdeführer für einen Beitrag zum Thema der
Situation in Rojava in der TV-Sendung "(...)" interviewt worden ist. Vielmehr
ist seine Anwesenheit bei einer Tischrunde von mutmasslich exilpolitischen
Personen aus Syrien sichtbar, von denen einzelne unter Einblendung ihres
Namens kurze Stellungahmen abgeben. Dazu führte die Vorinstanz weiter
zutreffend aus, dass sich allein aus der Präsenz des Beschwerdeführers in
der TV-Sendung keine exponierte oppositionspolitische Stellung ableiten
lasse. Indessen ist dessen Erwiderung beizupflichten, dass das Schweizer
Fernsehen die Teilnahme des Beschwerdeführers an einem Hintergrund-
gespräch über den türkischen Einmarsch in Syrien und dessen Bedeutung
für die kurdische Bewegung ausgewählt habe, einmal mehr dessen Be-
kanntheit und Ansehen innerhalb der Szene dokumentiere. Das einge-
reichte Video- und Fotomaterial weist ferner nach, dass der Beschwerde-
führer an zahlreichen Kundgebungen in verschiedenen Städten in der
Schweiz anwesend war. Dabei war er teilweise auch mit einer gelben
Leuchtweste, Flaggen und Transparenten ausgestattet. Im Weiteren war
er in H._ mit weiteren Personen Teil eines (...) und hob sich durch
ein (...) von der Masse der Protestierenden ab. Die verschiedenen Fotos,
welche auch die Teilnahme an Parteiveranstaltungen belegen, lassen
überdies darauf schliessen, dass er mit international bekannten kurdischen
Politikern persönlich bekannt ist. Mithin ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer heute aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeiten aus
der Sicht des syrischen Regimes als potentielle Bedrohung und nicht als
blosser "Mitläufer" wahrgenommen wird.
5.2.9 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass mit dem langjährigen,
auch politischen Engagement des Beschwerdeführers für die kurdische
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Bevölkerung im Heimatstaat unbestritten ein Anknüpfungspunkt besteht.
Aus diesem Engagement resultierte keine flüchtlingsrechtlich relevante
Verfolgungsgefahr. Durch seine exilpolitischen Aktivitäten wurde jedoch
das persönliche Profil des Beschwerdeführers in einer Weise akzentuiert,
dass zum heutigen Zeitpunkt das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe
zu bejahen ist. Bei einer Rückkehr in den Heimatstaat ist deshalb eine
flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung gemäss Art. 3 AsylG überwie-
gend wahrscheinlich. Damit erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingsei-
genschaft; ihm ist jedoch gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl zu gewähren.
5.3 Die Beschwerdeführerin machte im Rahmen des Mehrfachgesuchs
keine eigenen Asylgründe geltend. Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden
Ehegatten von Flüchtlingen jedoch ebenfalls als Flüchtlinge anerkannt,
wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen, wobei diese Be-
stimmung auch mit Blick auf den Einbezug von in der Schweiz anwesenden
Familienmitgliedern von vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen Anwen-
dung findet (vgl. BVGE 2017 VI/4 E. 4.4.1, 2019 VI/8 E. 4.1). Daraus folgt,
dass die Beschwerdeführerin derivativ als Flüchtling anzuerkennen ist.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Zuer-
kennung der Flüchtlingseigenschaft beantragt wurde. Die Dispositivziffer 1
der angefochtenen Verfügung des SEM vom 2. März 2020 ist aufzuheben
und die Beschwerdeführenden sind als Flüchtlinge anzuerkennen.
Angesichts des Verfahrensausgangs erübrigt es sich, auf die weiteren Vor-
bringen und Beweismittel näher einzugehen.
7.
7.1 Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens – der praxisgemäss als
hälftiges Obsiegen und hälftiges Unterliegen einzustufen ist – wären den
Beschwerdeführenden reduzierte Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63
VwVG). Nachdem das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung mit Instruktionsverfügung vom 6. April 2020 gutgeheissen
wurde und keine Veränderung der finanziellen Verhältnisse der Beschwer-
deführenden eingetreten ist, sind diesen keine Verfahrenskosten aufzuer-
legen.
7.2 Soweit die Beschwerdeführenden obsiegen, haben sie Anspruch auf
eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten,
die vom SEM auszurichten ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 und 4
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des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Ange-
sichts des hälftigen Obsiegens ist die Parteientschädigung indessen zu re-
duzieren.
Soweit die Beschwerdeführenden – ebenfalls hälftig – unterliegen, ist dem
unentgeltlichen Rechtsbeistand ein Honorar zu Lasten der Gerichtskasse
auszurichten, wobei diesbezüglich, wie in der Instruktionsverfügung vom
6. April 2020 festgehalten, ein reduzierter Stundenansatz von Fr. 220.– an-
zuwenden ist.
Die bei den Akten liegende Kostennote vom 17. April 2020 erscheint als
den Verfahrensumständen angemessen, wobei der Aufwand für den Ab-
schluss des Mandats zwar nicht zu entschädigen, indessen derjenige für
die Replik vom 27. April 2020 (30 Minuten sowie Auslagen von Fr. 13.50;
vgl. ebd.) sowie für die Eingaben vom 25. Juni 2020, 1. September 2020,
25. Februar 2021 und 18. Januar 2022 zu berücksichtigen ist. Damit ergibt
sich ein Zeitaufwand von 470 Minuten bei Auslagen von insgesamt
Fr. 91.50. Der aufgeführte Stundenansatz von Fr. 240.– ist im Rahmen der
Parteientschädigung nicht zu beanstanden (vgl. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die
von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung ist demnach auf
insgesamt Fr. 1'063.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im
Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen.
Das Honorar für den unentgeltlichen Rechtsbeistand zu Lasten der Ge-
richtskasse ist demgegenüber auf Fr. 979.– (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steuerzuschlag) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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