Decision ID: c74e00fb-8bb8-585d-b898-c1a1fc05e172
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 8. März 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an (act. G 3.5).
Am 13. und 15. November 2006 wurde der Versicherte in der MEDAS Ostschweiz
polydisziplinär (internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch) begutachtet. Die
Experten diagnostizierten im Gutachten vom 5. Januar 2007 mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit ein chronisch progredientes und therapieresistentes
lumbospondylogenes Syndrom mit pseudoradikulären Ausstrahlungen beidseits
(ICD-10: M43) und rezidivierende kurze depressive Störungen (ICD-10: F38.10). Die
angestammte Tätigkeit als Fensteranschläger sei dem Versicherten nicht mehr
zumutbar. Für eine leidensangepasste Tätigkeit verfüge er über eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit (act. G 3.36). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren verfügte die
IV-Stelle am 24. November 2008 die Abweisung des Rentengesuchs (act. G 3.72). Die
dagegen gerichtete Beschwerde vom 12. Januar 2009 (act. G 3.80), worin der
Versicherte auf den vom 17. November bis 12. Dezember 2008 stattgefundenen
Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik B._ und die dort diagnostizierte mittelgradige
depressive Störung (ICD-10: F32.11) hinwies (vgl. hierzu Bericht vom 5. Januar 2009,
act. G 3.81), hiess das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen im Entscheid vom
15. September 2010, IV 2009/8, teilweise gut. Es wies die Sache mit Blick auf den
Bericht der Klinik B._ vom 5. Januar 2009 an die IV-Stelle zurück, damit diese
abkläre, ob sich der Sachverhalt seit der MEDAS-Begutachtung vom November 2006
verändert hat. Für die Zeit davor verneinte das Versicherungsgericht einen
Rentenanspruch (act. G 3.89).
A.b Am 2. und 4. Mai 2011 fand in der MEDAS Ostschweiz eine polydisziplinäre
(internistische, rheumatologische und psychiatrische) Verlaufsbegutachtung statt. Die
Gutachter diagnostizierten mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit ein
chronisches lumbospondylogenes Syndrom mit/bei lumbosacraler Spondylolisthesis/
Spondylolyse und eine leichte bis mittelgradige depressive Störung mit somatischem
Syndrom. Der psychische Gesundheitszustand habe sich leicht verschlechtert. Seit
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Beginn der teilstationären Behandlung in der Klinik B._ bestehe eine Arbeitsfähigkeit
von 70% für leidensangepasste Tätigkeiten (Verlaufsgutachten vom 23. Juni 2011, act.
G 3.98). Der Regionale Ärztliche Dienst Ostschweiz (RAD) hielt die
verlaufsgutachterliche Beurteilung für schlüssig (Stellungnahme vom 5. Juli 2011, act.
G 3.99). Er ergänzte am 11. Juli 2011 lediglich, dass die relevanten Diagnosen zu einer
Verlangsamung des Arbeitstempos führten. Die gutachterlich bescheinigte
Arbeitsfähigkeit könne demnach während eines Normarbeitstages verwertet werden
(act. G 3.100).
A.c Mit Vorbescheid vom 29. Juli 2011 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, das Rentengesuch bei dem von ihr ermittelten Invaliditätsgrad von 34%
abzuweisen (act. G 3.102). Dagegen erhob der Versicherte am 21. September 2011
Einwand. Er beantragte die Zusprache einer halben Rente ab November 2009 (act.
G 3.104). Am 27. September 2011 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des
Rentengesuchs (act. G 3.106).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 27. September 2011 richtet sich die Beschwerde vom
31. Oktober 2011. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung sowie die Zusprache einer Viertelsrente
spätestens ab November 2009. Im Wesentlichen macht er geltend, dass bei der
gutachterlich bescheinigten 30%igen Arbeitsunfähigkeit und einem Tabellenlohnabzug
von mindestens 10% ein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiere (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 15. Dezember
2011 die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass der gut
achterlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit keine invalidisierende Wirkung zukomme,
weshalb der Beschwerdeführer hinsichtlich leidensangepasster Tätigkeiten als voll
arbeitsfähig zu betrachten sei (act. G 3).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 3. Januar 2012 wird dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
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den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 4).
B.d Der Beschwerdeführer bringt in der Replik vom 29. Februar 2012 vor, dass die
gutachterlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit nicht auf der als Nebendiagnose
gestellten somatoformen Schmerzstörung, sondern auf der invalidisierenden
depressiven Erkrankung gründe, weshalb keine Veranlassung bestehe, von der
gutachterlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung abzuweichen (act. G 8).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (vgl. act. G 10).

Erwägungen:
1.
Nachdem das Versicherungsgericht einen Rentenanspruch bis zum Zeitpunkt der
Erstbegutachtung (13. und 15. November 2006, act. G 3.36) verneint hat (E. 3.3 des
Entscheids vom 15. September 2010, act. G 3.89-15 f.), bleibt ein allfälliger
Rentenanspruch ab 16. November 2006 zu prüfen.
1.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht ein Anspruch
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auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der medizinischen Fachpersonen ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet
sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
Von den Parteien blieb die Beweiskraft des Verlaufsgutachtens vom 23. Juni 2011
unbestritten (vgl. act. G 1 und G 3). Es erfüllt sämtliche Anforderungen für
beweiskräftige Expertisen, weshalb gestützt darauf davon auszugehen ist, dass sich
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Hospitalisation in
der Klinik B._ (17. November bis 12. Dezember 2008, act. G 3.81) verschlechtert
hatte und seit November 2008 eine 70%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeit besteht. Zu prüfen ist das Vorbringen der Beschwerdegegnerin, wonach nicht
auf die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeitsbeurteilung abgestellt werden könne,
weil den Leiden des Beschwerdeführers keine invalidisierende Wirkung zukomme (act.
G 3).
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2.1 Grundsätzlich bedarf es für die Annahme eines invalidisierenden
Gesundheitsschadens einer fachärztlichen, lege artis auf die Vorgaben eines
Klassifikationssystems abgestützten Diagnose. Im Rahmen der freien
Beweiswürdigung darf sich dabei die Verwaltung und im Streitfall das Gericht weder
über die den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden medizinischen
Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen Einschätzungen und
Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten
sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen. Die
rechtsanwendenden Behörden haben mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die
ärztliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt, die vom
sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich sind. Wo psychosoziale
Einflüsse das Bild prägen, ist bei der Annahme einer rentenbegründenden Invalidität
Zurückhaltung geboten (Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2011, 9C_1041/2010,
E. 5.1 mit Hinweisen). Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung kann auch die
Diagnose einer leichten bis mittelgradigen depressiven Erkrankung eine Invalidität
begründen (Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.2).
2.2 Zunächst ist mit Blick auf die Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts vom
12. Juli 2012, 9C_67/2012, wo Rückenbeschwerden mit Spondylolisthesis/
Spondylolyse die invalidisierende Wirkung der medizinisch bescheinigten
Arbeitsunfähigkeit nicht abgesprochen wurde; vgl. auch die Übersicht über die von der
Rechtsprechung zur anhaltenden somatoformen Schmerzstörung betroffenen
Krankheitsbilder, worin Beschwerden bei einer Spondylolisthesis/Spondylolyse nicht
enthalten sind, Vivian Winzenried, Die Überwindbarkeitspraxis, in: Ueli Kieser/Miriam
Lendfers, Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, S. 237 f.) die Frage zu
verneinen, ob die Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen (BGE 130
V 352) auf das somatischerseits diagnostizierte chronische lumbospondylogene
Syndrom mit/bei lumbosacraler Spondylolisthesis/Spondylolyse anwendbar ist. Dies
gilt umso mehr, als das vorliegende Syndrom hinsichtlich der lumbosacralen
Spondylolisthesis/Spondylolyse gerade eine nachweisbare organische Grundlage
besitzt und damit nicht pathogenetisch-ätiologisch unklar ist.
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2.3 Entscheidend für den Rentenanspruch ist jedoch, dass die quantitative
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten einzig mit der
leichten bis mittelgradigen depressiven Störung begründet wurde (act. G 3.98-22,
unten). Wie der Beschwerdeführer zutreffend darlegt, verneinte der psychiatrische
Gutachter die invalidisierende Wirkung der ebenfalls diagnostizierten somatoformen
Schmerzstörung (act. G 3.98-21) und berücksichtigte sie daher folgerichtig nicht bei
der Bemessung der Restarbeitsfähigkeit (act. G 8, S. 3). Dass die depressive
Erkrankung lediglich eine Komorbidität oder eine Begleiterscheinung zur somatoformen
Schmerzstörung darstellt, lässt sich der überzeugenden gutachterlichen Einschätzung
nicht entnehmen. Vielmehr sprach der psychiatrische Gutachter davon, dass - in Bezug
zum depressiven Leiden - "daneben" eine somatoforme Schmerzstörung bestehe. Bei
der Prüfung der Foerster-Kriterien legte er dar, dass im Verhältnis zur somatoformen
Schmerzstörung keine psychische Komorbidität bestehe (act. G 3.98-21). Er schloss
damit den Charakter einer Begleiterscheinung gerade aus. Daher und weil die
depressiven Beschwerden bereits im Erstgutachten vom 5. Januar 2007 (act.
G 3.36-14), die somatoforme Schmerzstörung erst später im Verlaufsgutachten vom
23. Juni 2011 als "Nebendiagnose" festgestellt wurde (act. G 3.98-10), ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich bei der leichten bis
mittelgradigen depressiven Störung um ein selbstständiges Krankheitsbild handelt.
2.4 Schliesslich bleibt zu beurteilen, ob es sich beim eigenständigen depressiven
Leiden um eine im Sinn der Rechtsprechung (vgl. vorstehende E. 2.1)
invalidenversicherungsrechtlich relevante Erkrankung handelt. Dies ist zu bejahen.
Zwar benannte der psychiatrische Gutachter auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(finanzielle Situation, Ausbildung und Wirtschaftslage, act. G 3.98-21). Dies schliesst
indessen für sich allein einen invalidisierenden Befund nicht aus. Gemäss
Rechtsprechung trifft dies nur dann zu, wenn die festgestellte psychische Krankheit
ihre hinreichende Erklärung in psychosozialen und soziokulturellen Umständen findet
und gleichsam in ihnen aufgeht (Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2011,
9C_1041/2010, E. 5.2 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Der
Beschwerdeführer hatte eine schwierige Kindheit (act. G 3.98-17; vgl. auch act. G 3.37-
2 f.) und leidet aufgrund seines Krebsleidens bzw. seit der in diesem Zusammenhang
vorgenommenen Schilddrüsenoperation (31. Januar 2011) an einer Angst, zu sterben
(act. G 3.98-20). Ergänzend ist zu bemerken, dass es ohne weiteres nachvollziehbar ist,
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wenn Personen, die bereits an depressiv bedingten Beeinträchtigungen ihrer
psychischen Ressourcen leiden und krankheitsbedingt die angestammte Stelle verloren
haben, durch einschneidende psychosoziale Umstände sich zusätzlich belastet fühlen.
Es erscheint daher der Sache nicht angemessen, jegliche invalidisierende Wirkung zu
verneinen, sobald auch psychosoziale oder soziokulturelle Belastungsfaktoren
vorhanden sind. Entscheidend ist schliesslich, dass der psychiatrische Gutachter
schlüssig unter Ausscheidung "IV-fremder" Faktoren allein aufgrund von "rein IV-
relevanten Gründen" eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
bescheinigte (act. G 3.98-22). Im Licht der genannten Umstände besteht kein Anlass,
von der plausiblen medizinischen Einschätzung im Verlaufsgutachten vom 23. Juni
2011 abzuweichen, zumal sie vom RAD versicherungsmedizinisch bestätigt worden ist
(Stellungnahme vom 5. Juli 2011, act. G 3.99).
3.
Ausgehend von einer für leidensangepasste Tätigkeiten seit November 2008
bestehenden 70%igen Arbeitsfähigkeit sind die erwerblichen Auswirkungen der
gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu beurteilen. Vorliegend besteht kein Anlass von
den vom Versicherungsgericht im Entscheid vom 15. September 2010 bemessenen
Einkommensgrundlagen abzuweichen (Valideneinkommen: Fr. 65'286.--; Tabellenlohn
für die Bestimmung des Invalideneinkommens Fr. 57'745.--; act. G 3.89-14 f.).
3.1 Betreffend die Frage nach der Höhe des Tabellenlohnabzugs zur Bestimmung
des Invalideneinkommens ist vorab zu bemerken, dass entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin (act. G 3) sehr wohl auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte zu
berücksichtigen sind (BGE 126 V 75; vgl. auch BGE 134 V 322 E. 5.2; so wurde die
Maximalhöhe des Wechselwirkungsabzugs von 15% in BGE 134 V 14 E. 7.3.6 gerade
damit begründet, dass beim Wechselwirkungsabzug anders als beim
Tabellenlohnabzug - mit einem Höchstrahmen von 25% -, invaliditätsfremde Gründe
keine Rolle spielten). Vorliegend fällt ins Gewicht, dass dem Beschwerdeführer nicht
bloss leichte, sondern auch mittelschwere leidensangepasste Tätigkeiten zumutbar
sind (act. G 3.98-11), er noch eine lange Aktivzeit bis zum Ruhestand vor sich hat
(Jahrgang 1976), weshalb sich die geltend gemachte lange Arbeitsabwesenheit im
Anforderungsniveau 4 vorliegend nicht abzugsrelevant auswirken dürfte (die lange
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Abwesenheit vom Arbeitsmarkt kann entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin einen Abzug rechtfertigen: Urteile des Bundesgerichts vom
10. Februar 2011, 9C_617/2010, E. 4.3, vom 15. Juli 2009, 9C_524/2008, E. 4 und 4.2,
vom 4. Mai 2012, 9C_22/2012, E. 3.2), und die gesundheitlichen Einschränkungen
bereits im Rahmen der Umschreibung der Verweistätigkeit hinreichend
Berücksichtigung finden. Vor diesem Hintergrund besteht kein Anlass, von dem von
der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung (act. G 3.106) verweigerten
Abzug abzuweichen. Dem steht das früher in dieser Sache ergangene Urteil des
Versicherungsgerichts vom 15. September 2010, IV 2009/8, nicht entgegen, worin ein
Abzug von "(höchstens)" 10% als gerechtfertigt angesehen wurde (E. 3.3, act.
G 3.89-16). Denn das Versicherungsgericht wies mit dem Zusatz "höchstens" gerade
auf die Zweifel bei der Rechtfertigung eines Abzugs hin. In der entsprechenden
Urteilserwägung ging es ferner einzig und allein um den Ausschluss eines
Rentenanspruchs.
3.2 Angepasst an die 70%ige Restarbeitsfähigkeit resultieren ein
Invalideneinkommen von Fr. 40'422.-- (Fr. 57'745 x 0.7), eine Erwerbseinbusse von
Fr. 24'864.-- (Fr. 65'286.-- - Fr. 40'422.--) und ein nicht rentenbegründender
Invalditätsgrad von 38% ([Fr. 24'864.-- / Fr. 65'286.--] x 100).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 3. Januar 2012
bewilligt (act. G 4). Wenn seine wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann er
jedoch zur Nachzahlung verpflichtet werden (Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1] i.V.m. Art. 123 Abs. 1 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO/CH; SR 272]).
4.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
bis
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unterliegenden Beschwerdeführer ist die Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu
befreien.
4.4 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis
Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit
erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. Diese ist
um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit entschädigt der Staat den
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal (BGE 125 V 201) mit Fr. 2'800.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP