Decision ID: ccadd2e7-1d88-4a38-8a51-91319f9a914c
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1968, ist deutsche Staatsangehörige (vgl. Urk. 5/1). Am 12. Februar 2016 zog sie zusammen mit ihrem Ehemann aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in die Schweiz nach Zürich und stellte am 15. April 2016 den Antrag auf Befreiung von der Krankenver
siche
rungspflicht, da sie bei der UNIQA Österreich Versicherungen AG (nach
fol
gen
d: UNIQA) krankenversichert sei (Urk. 5/1, Urk. 5/2).
Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich forderte am 4. Mai 2016 die Versicherte auf, diverse Unterlagen für die Befreiung von der Versicherungs
pflicht einzureichen (Urk. 5/3). Die Versicherte reichte in der Folge ein ärzt
liches Attest über eine bestehende Vorerkrankung sowie die Versicherungs
bestätigung der UNIQA ein (Urk. 5/4). Nach letztmaliger Aufforderung, das Bestätigungsformular H unterzeichnet einzureichen (vgl. Urk. 5/5), liess die Versicherte der Gesundheitsdirektion ein Schreiben der UNIQA vom 15. Juni 2016 zukommen, in welchem diese die Ablehnung der Unterzeichnung des Formulars H kundtat, jedoch auf den bestehenden Versicherungsschutz im Rahmen der tariflichen Bestimmungen in der Schweiz hinwies (Urk. 5/6).
Mit Verfügung vom 21. Juni 2016 verneinte die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich die Voraussetzungen für die Befreiung von der Versiche
rungspflicht (Urk. 5/7). Die dagegen von der Versicherten am 11. Juli 2016 erhobene Einsprache (Urk. 5/8) wies die Gesundheitsdirektion mit Verfügung (richtig: Einspracheentscheid) vom 10. August 2016 ab (Urk. 5/10 = Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 10. August 2016 (Urk. 2) erhob die Ver
sicherte mit Eingabe vom 6. September 2016 Beschwerde und beantragte die Befreiung von der Versicherungspflicht in der Schweiz (Urk. 1).
Die Gesundheitsdirektion beantragte in der Beschwerdeantwort vom 28. Septe
m
ber 2016 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 4), was der Be
schwerdeführerin am 29. September 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 6).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid zutref
fend dargelegt, dass im vorliegenden Fall schweizerisches Recht zur Anwen
dung gelangt (Urk. 2 S. 2 Ziff. 1). Auf diese unbestritten gebliebenen und korrekten Ausführungen wird verwiesen.
2.
Die gesetzlichen Bestimmungen über das Versicherungsobligatorium und die verschiedenen Tatbestände der Befreiung hiervon gemäss dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) und der Verordnung über die Kranken
versicherung (KVV) sowie die in diesem Zusammenhang geltende Praxis hat die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid zutre
ffend wiedergegeben (Urk. 2 S. 2
f
f
. Ziff. 2 f
f
.). Darauf wird ebenfalls verwiesen.
3.
3.1
Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin dem schweizerischen Versi
che
rungsobligatorium grundsätzlich untersteht. Strittig ist, ob gestützt auf
Art. 2 Abs. 8 der Verordnung über die Krankenversicherung ein Befreiungsgrund gegeben ist.
Die Beschwerdegegnerin führte dazu aus,
aus den von der Be
schwerdeführerin eingereichten Unterlagen ergebe sich, dass die Kranken
versicherung der Beschwerdeführerin bei der österreichischen Versicherungs
gesellschaft UNIQA einerseits hinsichtlich der Deckung allgemein und ande
rerseits bezüglich einzelner Leistungen eine jährliche Maximalgrenze vorsehe.
Die obligatorische Grundversicherung nach KVG kenne für Pflichtleistungen keine Höchstgrenzen. Es liege somit nicht einmal eine Gleichwertigkeit des Versicherungsschutzes durch die ausländische Krankenversicherung vor. Hin
zu komme, dass die
1968
geborene Beschwerdeführerin das Alter, von dem an in der Schweiz keine oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen eine Ver
sicherung im bisherigem Umfang abgeschlossen werden könnte, noch nicht erreicht habe. Dieses Alter liege praxisgemäss bei 55 Jahren. Die Voraus
setzungen für eine Befreiung von der Versicherungspflicht gemäss Art. 2 Abs. 8 KVG seien
somit nicht erfüllt (Urk. 2 S. 4
f.
, Urk. 4 S. 3
).
3.2
Die Beschwerdeführerin macht geltend, im März 2015 sei bei ihr Brustkrebs diagnostiziert und sie sei bei einem ihr vertrauten Ärzteteam in Deutschland operiert und behandelt worden, wobei die Therapie bis 2018 daure. Es sei sinnvoll und für die Heilung förderlich, die Behandlungen und Kontrollen beim gleichen Team und im gleichen Umfang fortzusetzen. Gleiches gelte für die Behandlung des Morbus Bechterew, an welchem sie vor vielen Jahren erkrankt sei. Die UNIQA decke alle erforderlichen und von ihr gewünschten Massnahmen weltweit und damit auch in der Schweiz ab. Hinzu komme, dass die im KVG bestehenden Deckungslücken genau den von ihr benötigten diagnoserelevanten Leistungsbereich beträfen (Urk. 1 S. 1 f.).
4.
4.1
Am 31. Mai 2016
bestätigte
die UNIQA eine ab 1.
Mai 2012
gültige Police lautend auf die Beschwerdeführerin. In der
Bestätigung
ist festgehalten
, der Versicherungsschutz gelte mit Ausnahme der USA und Kanada weltweit
(Urk. 5/4). Die angefügten Geschäftsbedingungen für Auslandaufenthalte ent
halten eine detaillierte Aufstellung medizinischer Leistungen, für die ein Ver
sicherungsschutz gewährt wird (
namentlich stationäre und ambulante Be
hand
lung, zahnärztliche Behandlung, Rehabilitation, Transport und Rettung). Für alle L
eistungen gilt
eine jährliche Höch
stdeckung im Betrag von Euro
2‘759‘000.-- (S. 1). Zusätzlich gelten gemäss diesen Versicherungs
beding
ungen
(Ausgabe 4 2015) auch für verschiedene Leistungsarten Höchstbeträge, so ist zum Beispiel für ambulante Leistungen ein Maximalbetrag von Euro 9‘810.-- vorgesehen.
Allein aufgrund der Höchstdeckung pro Jahr und der limitierten Kosten
über
nahme für ambulante Leistungen liegt kein mit dem Deckungsumfang der schweizerischen Krankenpflegeversicherung vergleichbarer Schutz vor. Für Pflichtleistungen kennt das KVG keine Höchstbeträge. Dass zum Beispiel die UNIQA bei onkologischen Erkrankungen, Immun- oder Autoimmunerkran
kung
en beziehungsweise bei Störungen der Blutgerinnung auch nach Über
schreitung des Höchstsatzes die Kosten weiterhin zur Gänze übernimmt, ändert daran ebenso wenig, wie dass nach dem KVG eine Franchise und ein Selbstbehalt vorgesehen sind (vgl. Art. 64 KVG). Im Übrigen ist gemäss der Police der UNIQA ebenfalls für verschiedene Leistungen ein Selbstbehalt vor
gesehen, falls nicht der UNIQA-SOS-Service in Anspruch genommen wird (S. 1 der Geschäftsbedingungen).
Richtigerweise ging die Beschwerdegegnerin daher davon aus (Urk. 2 S. 4 f., Urk. 4 S. 3) dass die bestehende Versicherung der Beschwerdeführerin keinen gleich
wertigen Versicherungsschutz bietet. Eine Befreiung der Beschwerde
führerin von der Versicherungspflicht gestützt auf Art. 2 Abs. 8 KVV kommt deshalb – unabhängig vom Gesundheitszustand – nicht in Betracht.
4.2
Die Beschwerdeführerin legte ein ärztliches Attest von Dr. med. Y._, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Freiburg (D), vom 17. Mai 2016 (Urk. 5/4) ins Recht, welches die im März 2015 gestellte Diagnose Mamma
karzinom aus- und auf regelmässige notwendige onkologische Nach
sorgen hinweist. Die Kosten einer Krebsnachbehandlung wären grundsätzlich aber auch durch eine schweizerische Krankenkasse gemäss den obligato
ri
schen Pflegepflichtleistungen ebenso gedeckt wie für den allenfalls je nach
Ausprägung einschränkenden – vorliegend mangels Belege unbewiesen ge
blie
benen - Morbus Bechterew, an welchem die Beschwerdeführer gemäss eige
nen Angaben vor vielen Jahren erkrankte (vgl. Urk. 1 S. 1). Dass die Nach
behandlung der Krebserkrankung nur durch das vertraute Ärzteteam in Deut
schland zu erfolgen habe, stellt lediglich einen Wunsch der Beschwerde
führerin dar. Unabhängig davon sind die Voraussetzungen für eine Befreiung vom schweizerischen Versicherungsobligatorium aufgrund einer Gesamtbe
trachtung zu prüfen und nicht bezogen auf einzelne konkrete Leistungen. Da wie ausgeführt, die bestehende Versicherung im Vergleich zu einer schweize
rischen Krankenpflegeversicherung nicht deutlich höherwertig, sondern nicht einmal gleichwertig ist, kann der Abschluss einer schweizerischen Versiche
rung nicht als klare Verschlechterung im Sinne von Art. 2 Abs. 8 KVV gelten (BGE 134 V 34 E. 7).
4.3
Schliesslich bringt die Beschwerdeführerin nicht vor, einer der übrigen Personengruppen anzugehören, die nach Art. 2 Abs. 2 und 4 sowie Abs. 6-7 KVV vom Versicherungsobligatorium ausgenommen sind oder davon befreit werden können. Aus den Akten ergeben sich auch keine solchen Hinweise, weshalb sich diesbezügliche Weiterungen erübrigen.
Auch Art. 2 Abs. 5 KVV, gemäss welcher Bestimmung in die Schweiz ent
sandte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, welche gestützt auf eine zwischen
staatliche Vereinbarung über soziale Sicherheit von der Beitrags
pflicht in der schweizerischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenver
siche
rung befreit sind, auf Gesuch von der Versicherungspflicht ausge
nommen sind, sowie die sie begleitenden Familienangehörigen, wenn der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin sich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass während der gesamten Geltungsdauer der Befreiung für Behandlungen in der Schweiz mindestens die Leistungen nach KVG versichert sind, ist vorliegend nicht einschlägig. Denn den Akten ist zu entnehmen, dass der Ehegatte der Beschwerdeführerin wohl von den Vereinigten Arabischen Emiraten in die Schweiz entsandt worden ist (vgl. Urk. 5/2), hingegen aber kein zwischen
staatliches Abkommen über die soziale Sicherheit mit den Vereinigten Arabi
schen Emirate besteht, weshalb Art. 2 Abs. 5 KVV vorliegend nicht an
wend
bar ist.
5.
Zusammengefasst steht fest, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht die Vor
aussetzungen für eine Befreiung von der Versicherungspflicht gestützt auf Art. 2 Abs. 8 KVV verneint und deswegen das Gesuch der Beschwerde
füh
rerin abgewiesen hat. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.