Decision ID: 99ba41fa-fdf7-4936-a6b7-f26f099903bf
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 21. Dezember 2015 wegen
Folgen einer idiopathischen intrakraniellen Hypertension (IIH) bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 141).
A.a.
Ab 1. Juni 1984 waren dem Versicherten Leistungen im Zusammenhang mit einer
Sprachstörung, einem juvenilen psychoorganischen Syndrom (POS) sowie
Aequivalenten eines epileptischen Geschehens zugesprochen worden (IV-act. 2,
Bericht Abklärung Sprachgebrechen vom 12. April 1984, IV-act. 6; Verfügungen
21. Februar 1986, IV-act. 28, 30, vom 16. Juni 1986, IV-act. 34, Mitteilung vom
12. Oktober 1989, IV-act. 39). Ein Lehrverhältnis als Sanitärmonteur hatte wegen
physischer und psychischer Belastung per 31. Oktober 1995 aufgelöst werden müssen
(Angaben Ausbildungsbetrieb vom 22. Dezember 1997, IV-act. 48). Eine ab 1. Januar
1996 ausgeübte Tätigkeit als Wachmann hatte ebenfalls wegen Krankheit aufgegeben
werden müssen (Angaben Arbeitgeberin vom 28. Januar 1997, IV-act. 49). Am
26. November 1997 hatte sich der Versicherte wegen psychischer Probleme bei der IV
zum Leistungsbezug angemeldet (IV-act. 44). Eine medizinische Abklärung bei den
Kantonalen Psychiatrischen Diensten, Sozialpsychiatrische Beratungsstelle B._
(nachfolgend: SPD B._) hatte die Diagnosen von sozialen Phobien (ICD-10: F40.1),
einer abhängigen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.7) und eines Zustandes nach
Temporallappenepilepsie, differenzialdiagnostisch eines organischen Psychosyndroms,
ergeben (Bericht vom 25. Mai 1999, IV-act. 60). Auf Vorschlag des SPD B._ war dem
Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. November 1996 eine ganze Rente zugesprochen
worden (Bericht SPD B._ vom 24. September 1999, IV-act. 69; Verfügungen vom
A.b.
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6. April 2000, IV-act. 75). Diese war im Revisionsverfahren mit Mitteilung vom 16. Mai
2001 bestätigt worden (IV-act. 80). Die Sozialen Dienste C._ hatten am 21. Mai 2003
über eine Verbesserung und Stabilisierung des Gesundheitszustandes informiert und
die Anhandnahme einer Berufsberatung beantragt (IV-act. 81). Gestützt auf Berichte
des SPD B._ vom 30. Juli 2004 (IV-act. 94-4 ff.) und des Berufsberaters vom
15./16. November 2004 und vom 28. Februar 2005 (IV-act. 97; IV-act. 105) war dem
Versicherten zunächst eine berufliche Abklärung in der Institution D._ vom
1. Dezember 2004 bis 28. Februar 2005 (Mitteilung vom 22. November 2004, IV-
act. 100; Abklärungsbericht vom 28. Februar 2005, IV-act. 111), daran anschliessend
ein Arbeitstraining vom 1. März bis 31. August 2005 (Mitteilung vom 3. März 2005, IV-
act. 108; Zwischenbericht Berufsberatung vom 20./24. Juni 2005, IV-act. 117) und
schliesslich die Kostenübernahme für eine erstmalige berufliche Ausbildung in Form
einer Anlehre als Apparatemonteur, Fachrichtung Elektro, vom 8. August 2005 bis
7. August 2007, zugesprochen worden (Verfügung vom 30. August 2005, IV-act. 121).
Diese hatte der Versicherte mit hervorragenden schulischen Leistungen erfolgreich
abgeschlossen (Abschlussbericht Union vom 10. Juli 2007, IV-act. 133-1 f.; Zeugnis
Berufs- und Weiterbildungszentrum E._, IV-act. 133-5 f.; Anlehr-Ausweis vom
7. August 2007, IV-act. 133-3 f.). Die F._ AG als Praktikumsbetrieb hatte ihm die
Weiterbeschäftigung bis Ende Jahr zugesichert und die anschliessende
Weiterbeschäftigung in Aussicht gestellt (Abschlussbericht Ausbildung vom 10. Juli
2007, IV-act. 133-2), worauf die IV-Stelle die Mitteilung erlassen hatte, berufliche
Massnahmen seien ohne Rentenanspruch erfolgreich abgeschlossen worden (IV-
act. 137). Ab August 2008 war der Versicherte für die G._ bzw. H._ und für die I._
GmbH tätig gewesen (Auszug aus dem individuellen Konto [IK], IV-act. 148-1) und
hatte am 1. August 2014 eine Stelle als Küchenplaner bei der J._ AG angetreten
(Angaben Arbeitgeberin vom 18. Januar 2016, IV-act. 155-2 ff.). Diese war ihm auf den
31. August 2015 wegen Krankheit gekündigt worden (Angaben Arbeitgeberin vom
13. Juli 2018, IV-act. 267; Kündigung vom 23. Juli 2015, IV-act. 155-10).
Der Versicherte war ab 22. Mai 2015 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben
(Fremdakten, act. 1-31 ff.) und wegen Kopfschmerzen und Schwindel abgeklärt
worden (Bericht MRT Neurocranium vom 29. Mai 2015, Fremdakten, act. 1-27; Bericht
Dr. med. K._, Spezialarzt FMH für Hals- Nasen- Ohrenheilkunde, vom 1. Juni 2015,
A.c.
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Fremdakten, act. 1-26; Bericht Dr. med. L._, Neurologie FMH, vom 11. Juni 2015,
Fremdakten, act. 1-24 f.). Stationäre Konsilien der Klinik für Neurologie des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) hatten zum Schluss geführt, als Ursache der neu
aufgetretenen persistierenden Kopfschmerzen müsse ein im Liquor nachgewiesener
erhöhter Druck angenommen werden. Als Ursache für die intrakranielle Hypertension
kämen eine idiopathische Genese (Pseudotumor cerebri) sowie eine symptomatische
Genese in Frage (Berichte vom 14. Juli 2015, IV-act. 204, und vom 16. Juli 2015, IV-
act. 205). Die Krankentaggeldversicherung beauftragte die Polydisziplinäre
Medizinischen Abklärungen (PMEDA) mit einem neurologischen Gutachten (Gutachten
vom 14. September 2015; Dr. med. M._, Neurologie FMH; Fremdakten, act. 1-8 ff.).
Der Gutachter diagnostizierte einen Analgetika-Fehlgebrauch mit Analgetika-
Kopfschmerz, differenzialdiagnostisch Migräne, Spannungskopfschmerz, sowie eine
Adipositas Grad I. Er führte aus, der Versicherte nehme eine analgetische
Mischmedikation in hoher (toxischer) Dosierung ein, und legte dar, das Vorliegen eines
Pseudotumors cerebri sei keinesfalls gesichert und auch nicht überwiegend
wahrscheinlich, also allenfalls möglich (Fremdakten, act. 1-16 f.). Trotz der
angegebenen Schwere der Kopfschmerzsymptomatik erscheine der Versicherte nicht
namhaft beeinträchtigt. Der klinische Eindruck mit fehlenden Hinweisen auf eine
namhafte Gesundheitsstörung und die aktenkundigen Unschlüssigkeiten seien mit der
Attestierung einer die Arbeitsfähigkeit tangierenden, überwiegend wahrscheinlichen
Gesundheitsstörung nicht vereinbar (Fremdakten, act. 1-17).
Dr. med. N._, Oberarzt Klinik für Neurologie KSSG, berichtete am 11. November
2015, bei einem grenzwertig erhöhten Liquoreröffnungsdruck seien 60 ml Liquor
abgelassen worden, worauf sich die Symptomatik deutlich gebessert habe. Es wurde
eine idiopathische intrakranielle Hypertension mit/bei bifrontalen Dauerkopfschmerzen,
Schwankschwindel und zunehmender Sehstörung diagnostiziert (Austrittsbericht Klinik
für Neurologie KSSG vom 11. November 2015, IV-act. 143-6 f.). Im Arztbericht vom
3. März 2016 (Eingang) hielt Dr. N._ fest, im Gegensatz zum Vorgutachter halte er die
Diagnose einer idiopathisch intrakraniellen Hypertension für gegeben. Die daraus
resultierenden (chronischen) Kopfschmerzen seien plausibel und nachvollziehbar. Sie
schränkten die Konzentrationsfähigkeit ein und begründeten einen vermehrten
Pausenbedarf. Es könne ein 50 % bis 80 %-iges Gesamt-Pensum aufrecht erhalten
A.d.
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werden bei jedoch reduzierter Leistungsfähigkeit und vermehrtem Pausenbedarf, so
dass letztlich eine auf etwa 50 % reduzierte Arbeitsfähigkeit resultiere (IV-act. 158).
Die Eingliederungsverantwortliche schloss ihren Fall am 7. April 2016 ab, da sich
der Versicherte subjektiv nicht arbeitsfähig fühlte (Assessmentprotokoll, IV-act. 172),
worauf die IV-Stelle das Leistungsbegehren hinsichtlich beruflicher Massnahmen
abwies, da solche zurzeit nicht möglich seien (Mitteilung vom 28. April 2016, IV-
act. 174).
A.e.
Im Verlaufsbericht vom 21. Juni 2016 führte Dr. N._ aus, es bestehe derzeit eine
therapierefraktäre intrakranielle Hypertension. Diese führe zu starken, lageabhängigen
Kopfschmerzen sowie einer Einschränkung der psychophysischen Belastbarkeit. Dies
sei weiterhin nachvollziehbar. Derzeit sei aufgrund der nur mässigen Wirkung der
Therapie in einer optimal adaptierten Tätigkeit die Arbeitsfähigkeit auf maximal 50 % zu
schätzen (IV-act. 178).
A.f.
Im Auftrag des Krankentaggeldversicherers wurde der Versicherte durch Dr. med.
O._, Neurologie FMH, vertrauensärztlich untersucht (Bericht vom 23. September
2016, Fremdakten, act. 2-2 ff.). Sie kam zum Ergebnis, die Diagnose einer
idiopathischen intrakraniellen Hypertension bei klinisch präsentierten chronischen
Dauerkopfschmerzen, Schwindel, Gesichtsfeldeinschränkung und
neuropsychologischen Defiziten sei nach den Kriterien der International Headache
Society gegeben (Fremdakten, act. 2-8 f.). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Küchenplaner sei der Versicherte vor allem durch Störungen der Konzentration und
Aufmerksamkeit sowie durch eine Fatigue beeinträchtigt. Diese seien einerseits
sekundär im Rahmen der beklagten Dauerkopfschmerzen, andererseits vermutlich
primär im Rahmen der Grunderkrankung zu sehen. Die quantitative Beurteilung dieser
Einschränkungen in einer leidensangepassten Tätigkeit bedürfe einer qualifizierten
neuropsychologischen Untersuchung. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Küchenplaner sei der Versicherte derzeit nicht arbeitsfähig (Fremdakten, act. 2-9 f.).
Eine psychologische Abklärung durch die Klinik für Neurologie des KSSG ergab im
Wesentlichen schwere kognitive Minderleistungen in den räumlich-konstruktiven
Fähigkeiten und leichte bis mittelschwere kognitive Minderleistungen im mnestischen
Bereich sowie der geteilten Aufmerksamkeit. Insgesamt seien die objektivierten
A.g.
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Minderleistungen als leichte neuropsychologische Störung zu werten. Zudem
bestünden im klinischen Eindruck Schwierigkeiten in der Handlungsplanung, in der
selektiven Aufmerksamkeit und Hinweise auf Auffälligkeiten in der visuell-räumlichen
Aufmerksamkeit. Die objektivierten Befunde stimmten weitgehend mit den subjektiven
Klagen überein. Unter Berücksichtigung der objektivierten Befunde, der
Verhaltensbeobachtung, der visuellen Problematik, der Schmerzsymptomatik und der
verminderten Belastbarkeit sei von einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit
auszugehen (IV-act. 192).
Der Versicherte wurde an das Schmerzzentrum des KSSG überwiesen, wo ein
chronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Aspekten (ICD-10:
F45.41) bei idiopathischer intrakranieller Hypertension mit bifrontalen
Dauerkopfschmerzen, Schwankschwindel und zunehmender Sehstörung diagnostiziert
wurde. Es wurde berichtet, in Anbetracht der bereits erfolgten frustranen
Therapiemassnahmen mit Ausschöpfen der medikamentösen Therapie bleibe lediglich
ein multimodaler Ansatz, um Lebensqualität und Alltagsfunktion zu verbessern, sobald
die Alltagsperformance die Therapie zulasse. Aufgrund der Kopfschmerzsymptomatik
klage der Versicherte über massive Konzentrationsstörungen und könne sich
offensichtlich nur während zehn Minuten konzentrieren. Das Ausmass der
Arbeitsfähigkeit in einer leichten Tätigkeit in wechselnder Position sei schwierig bzw.
durch einen Arbeitsversuch zu definieren (Arztbericht Schmerzzentrum des KSSG vom
27. März 2017 [Eingang], IV-act. 209).
A.h.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte durch die medexperts AG
polydisziplinär begutachtet (Gutachten vom 7. Dezember 2017; Dr. med. P._,
Allgemeine Innere Medizin; Dr. med. Q._, und Dr. med. R._, Neurologie; Dr. med.
S._, Psychiatrie und Psychotherapie; Dipl. psych. T._, Neuropsychologie;
Untersuchungen 6., 9. und 29. November 2017; IV-act. 234 f.). Die neurologischen
Gutachter diagnostizierten ein chronisches Kopfschmerzsyndrom mit diffusen
Schwindelbeschwerden und visuellen Symptomen unklarer Ursache bei möglicher
idiopathischer intrakranieller Hypertension bei mehrfach dokumentiertem erhöhtem
Liquoreröffnungsdruck (IV-act. 235-57). Unter dessen Berücksichtigung sei die
Arbeitsfähigkeit seit Ende Mai 2015 aus rein neurologischer Sicht in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit sowie in jeglicher angepasster Tätigkeit durch erhöhten
A.i.
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Pausenbedarf um 20 % eingeschränkt (IV-act. 235-58). Aus psychiatrischer Sicht
wurde festgehalten, es liege eine Aggravation vor, die entsprechend in der
Gesamtbeurteilung berücksichtigt werde (IV-act. 235-47, 62). Die diagnostizierten
akzentuierten Persönlichkeitszüge mit abhängigen und demonstrativen Anteilen
(ICD-10:Z73.1), differenzialdiagnostisch: kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10:
F61.0), und die anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) hätten keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 235-48 f.). Die neuropsychologische
Gutachterin befand im Wesentlichen, die Testergebnisse seien nicht mit einer
authentischen Gedächtnisstörung zu vereinbaren und wiesen auf eine bewusste
Aggravation oder Simulation kognitiver Beeinträchtigungen hin (IV-act. 234-8 ff.).
RAD-Arzt U._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am
8. Dezember 2017 Stellung, aus versicherungsmedizinischer Sicht könne trotz der
Hinweise auf eine offensichtliche Aggravation vollumfänglich auf das polydisziplinäre
Gutachten abgestellt werden (IV-act. 236).
A.j.
Die IV-Stelle wies mit Mitteilung vom 8. Dezember 2017 das Gesuch um berufliche
Massnahmen ab. Gemäss dem polydisziplinären Gutachten bestehe eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 %. Weitere berufliche Massnahmen seien
nicht angezeigt (IV-act. 239). Mit Vorbescheid vom 4. Januar 2018 gewährte sie dem
Versicherten das rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung hinsichtlich Rente (IV-
act. 245). Mit Einwand vom 5. Januar 2018 machte dieser im Wesentlichen geltend, auf
das Gutachten der medexperts AG sei aus verschiedenen Gründen nicht abzustellen.
Es nehme Bezug auf das Vorgutachten der PMEDA. Eine Beschwerde (richtig wohl:
Einsprache) gegen die Einstellung der Taggeldzahlungen des
Krankentaggeldversicherers sei indes gutgeheissen worden. Er sei am 7. September
2016 im Auftrag des Krankentaggeldversicherers durch Dr. O._ neurologisch
begutachtet worden. Dieser Bericht sei nicht in den IV-Akten und durch die
medexperts-Gutachter nicht berücksichtigt worden. Sodann hätten sie seine
Beschwerden nicht ernst genommen und teilweise nicht angegeben (z. B. Schwindel;
IV-act. 248).
A.k.
Der Bericht von Dr. O._ sowie der Einwand wurden den Gutachtern zur
Stellungnahme vorgelegt, worauf sowohl Dipl. psych. T._ als auch der neurologische
A.l.
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Gutachter Dr. Q._ verneinten, dass diese an der gutachterlichen Beurteilung etwas
änderten bzw. dass sich daraus neue fallrelevante Aspekte ergäben (Stellungnahmen
Dipl. psych. T._ vom 20. Februar 2018, IV-act. 252-4 ff., und Dr. Q._ vom 13. März
2018, IV-act. 252-1 ff.). Zu diesen Stellungnahmen und zu einem Bericht der
Augenklinik des KSSG vom 6. März 2018, wonach (nach wie vor) keine Stauungspapille
vorliege (IV-act. 255), nahm RAD-Arzt U._ am 19. März 2018 im Wesentlichen
Stellung, die Gutachter erklärten plausibel und nachvollziehbar, warum der vom
Versicherten vorgebrachte Einwand und das nachträglich vorgelegte Gutachten von
Dr. O._ nichts an ihrer gutachterlichen Beurteilung änderten. Aus augenärztlicher
Sicht seien keine Befunde objektivierbar, welche eine verminderte Arbeitsfähigkeit
begründen würden. Das Fehlen einer Stauungspapille stelle die Diagnose einer
intrakraniellen Hypertension in Frage (IV-act. 256).
Der Versicherte nahm am 17. April 2018 im Wesentlichen Stellung, dass die
Diagnose einer idiopathischen intrakraniellen Hypertension bei ihm nicht vorliege, sei
aus medizinischer und juristischer Sicht falsch. Der Schluss auf Aggravation
widerspreche den Aussagen der Neuropsychologin des KSSG vom 14. November 2016
(vgl. IV-act. 192) und von Dr. O._ und sei unbegründet (IV-act. 261). Im beigelegten
Arztbericht von Dr. N._ vom 10. April 2018 führte dieser aus, üblicherweise würden
Kopfschmerzen mit einer Arbeitsunfähigkeit zwischen 20 % und 50 % bewertet. Als
behandelnder Arzt schätze er die Leistungsfähigkeit des Versicherten auf 50 % (IV-
act. 261-5 ff.). RAD-Arzt U._ nahm am 27. April 2018 Stellung, das Schreiben von
Dr. N._ enthalte keine neuen Befunde oder weise auf einen neuen Sachverhalt hin,
der den Gutachtern der medexperts AG nicht bekannt gewesen wäre. Die
Arbeitsunfähigkeitseinschätzung der Gutachter weiche nicht von der üblicherweise
attestierten Arbeitsunfähigkeit ab. Aus den aktuellen Unterlagen ergäben sich keine
neuen fallrelevanten Aspekte. Von einer weiteren medizinischen Abklärung seien keine
neuen Ergebnisse zu erwarten (IV-act. 262).
A.m.
Mit Verfügung vom 23. Juli 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab.
Gemäss Gutachten bestehe in der letzten Beschäftigung und in jeder anderen
geeigneten Tätigkeit eine rentenausschliessende Arbeitsfähigkeit von 80 %. Das
Gutachten von Dr. O._ sei einverlangt und durch den RAD überprüft worden. Auch
der in der zweiten Anhörung eingereichte Bericht von Dr. N._ sei durch den RAD
A.n.
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B.
gesichtet und ausgewertet worden. Demnach könne an der gutachterlich
ausgewiesenen Arbeitsfähigkeit von 80 % festgehalten werden (IV-act. 271).
Gegen die Verfügung vom 23. Juli 2018 erhebt A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. G. Calan, am 14. September
2018 Beschwerde (act. G 1), welche er am 4. Dezember 2018 ergänzend begründet
(act. G 9). Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen aufzuheben und die Angelegenheit sei zur Einholung eines
polydisziplinären Gutachtens und Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Weiter sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Die Beschwerdegegnerin habe sich mit den
Vorbringen seines Einwands gar nicht bzw. viel zuwenig auseinandergesetzt. Der
Verweis auf die RAD-Stellungnahme vom 27. April 2018 genüge der
Begründungspflicht nicht, zumal diese die Einschätzung der Beschwerdegegnerin nicht
ersetzen könne. Die angefochtene Verfügung sei allein schon deswegen aufzuheben.
Es sei schwer nachvollziehbar, wie die Beschwerdegegnerin beim vorliegenden
Beschwerdebild auf einen Invaliditätsgrad von bloss 20 % komme. Sie hätte ein
weiteres Gutachten bei einer MEDAS einholen müssen, denn nur diese gälten als
unabhängig. Die angefochtene Verfügung sei aufgrund einer ungenügenden
Sachverhaltsermittlung erlassen worden. Dr. N._ habe eine Arbeitsunfähigkeit von
50 % attestiert. Die Beschwerdegegnerin hätte sich mit dieser Einschätzung befassen
bzw. sie berücksichtigen müssen; es sei von dieser auszugehen. Vor dem Eintritt der
gesundheitlichen Beeinträchtigung habe er einen mit Abstand überdurchschnittlichen
Verdienst erzielt, so dass eine Parallelisierung der Vergleichseinkommen vorzunehmen
sei und ein Invaliditätsgrad von 41 % resultiere. Somit habe er Anspruch auf eine
Viertelsrente. Die Stellungnahme der Gutachter vom 13. März 2018 gehe nicht
eingehend auf den Bericht von Dr. O._ ein, vielmehr werde versucht, ihre Diagnose
mit Pauschalisierungen in Misskredit zu bringen. Die Beschwerdegegnerin berufe sich
zu Unrecht auf offenbar überholte Diagnosekriterien. Zudem unterstelle ihm das
MEDAS-Gutachten ohne jegliche Beweise Aggravation.
B.a.
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Mit Beschwerdeantwort vom 21. Januar 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Die angefochtene Verfügung erfülle die
Mindestanforderungen an die Begründungspflicht. Der Einschätzung der MEDAS als
spezialisierte Gutachterstelle komme grosses Gewicht zu. Der polydisziplinäre Ansatz
gewährleiste, dass eine Gesamtbetrachtung stattfinde. Das Gutachten der medexperts
AG sei ausführlich und dessen Schlussfolgerungen und Arbeitsfähigkeitsschätzung
seien in jeder Hinsicht nachvollziehbar. Zum Gutachten von Dr. O._ habe die
medexperts AG in den Schreiben vom 13. März und 20. Februar 2018 ausführlich und
schlüssig Stellung genommen. Auch habe Dr. O._ festgehalten, dass die
Arbeitsfähigkeit ohne neuropsychologische Untersuchung nicht festgelegt werden
könne. Im Gegensatz zu den behandelnden Ärzten habe die medexperts AG zu Recht
das inkongruente bzw. sogar aggravatorische Verhalten berücksichtigt und die
Arbeitsfähigkeitsschätzung ausschliesslich auf die objektivierbare Befundlage
abgestützt. Der RAD habe nachvollziehbar festgehalten, dass die Ausführungen von
Dr. N._ das Gutachten nicht zu erschüttern vermöchten. Dr. N._ habe keine eigene
Arbeitsfähigkeitsschätzung vorgenommen, weshalb sich der Beschwerdeführer von
Vornherein zu Unrecht auf seinen Bericht berufe. Im Weiteren sei der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Stellung überwiegend zugunsten ihrer Patienten aussagen würden.
Die Berichte der den Beschwerdeführer behandelnden Ärzte enthielten keine objektiv
feststellbaren Gesichtspunkte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben
und geeignet seien, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen, weshalb ohne
Abstriche auf das Gutachten der medexperts AG abzustellen sei. Diese habe die
geltend gemachten Einschränkungen des Beschwerdeführers ausführlich und
widerspruchsfrei abgeklärt. Weil der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit
als Küchenplaner zu 80 % arbeitsfähig sei, könne der Invaliditätsgrad mit einem so
genannten Prozentvergleich bestimmt werden; es seien nicht die Tabellenlöhne
heranzuziehen. Dieser betrage somit 20 %. Demnach habe der Beschwerdeführer
keinen Anspruch auf eine IV-Rente (act. G 12).
B.b.
Am 5. Februar 2019 bewilligt die Abteilungspräsidentin die unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, unentgeltliche Rechtsverbeiständung;
act. G 14).
B.c.
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Erwägungen
1.
2.
Streitgegenstand bildet der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine Duplik (act. G 16).B.d.
In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung der aus dem
Anspruch auf die Gewährung des rechtlichen Gehörs fliessenden Begründungspflicht.
Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(BV; SR 101), in Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sowie in Art. 49 Abs. 3 ATSG
festgeschriebene Anspruch auf rechtliches Gehör bzw. auf eine diesem genügende
Begründung der Verfügung ist gewahrt, wenn die Begründung eine sachgerechte
Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist, dass sich die Verwaltung vorgängig mit
jedem einzelnen Parteivorbringen einlässlich befasst (vgl. BGE 136 I 188 E. 2.2.1; Urteil
des Bundesgerichts vom 10. Februar 2017, 8C_785/2016, E. 5.2; U. Kieser,
Kommentar ATSG, 4. Aufl., Zürich 2020, Art. 42 Rz. 7, Art. 49 Rz 65 ff.).
1.1.
Die angefochtene Verfügung verweist auf die RAD-Stellungnahmen vom 19. März
2018 (IV-act. 256) und vom 27. April 2018 (IV-act. 262), welche sich auf die nach dem
ersten Einwand eingeholten Stellungnahmen der Gutachter (IV-act. 252), den Bericht
der Augenklinik des KSSG vom 6. März 2018 (IV-act. 255) und den Bericht von
Dr. N._ vom 10. April 2018 (IV-act. 261-5 ff.) beziehen. Sämtliche Stellungnahmen
lagen dem Beschwerdeführer vor, so dass ihm eine sachgerechte Anfechtung möglich
war, auch wenn deren Inhalt in der angefochtenen Verfügung nicht nochmals
wiedergegeben wurde. Mithin hat die Beschwerdegegnerin die Begründungspflicht
nicht verletzt.
1.2.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
2.1.
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ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und
vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch
unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte
Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der
Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE
141 V 281 und BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und
erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
2.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
2.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
2.4.
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3.
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b;
BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.5.
Zu erörtern ist zunächst, inwieweit beim Beschwerdeführer ein die
Erwerbsfähigkeit einschränkender Gesundheitsschaden objektivierbar ist.
3.1.
Beim Beschwerdeführer wurde zwischen dem 2. Juni 2015 und dem
16. September 2016 insgesamt sieben Mal eine Lumbalpunktion durchgeführt. Dabei
wurde (mit einer Ausnahme) jeweils ein Liquordruck zwischen 25 und 30 cm H O
gemessen, wobei Werte über 25 cm H O als pathologisch gelten (vgl. Bericht Dr. N._
3.2.
2
2
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vom 20. Dezember 2016, IV-act. 195; Abstractheft Symposium Idiopathische
intrakranielle Hypertension vom 7. Oktober 2017, S. 7 [IV-act. 261-15]). Der
Beschwerdeführer berichtete jeweils über deutliche, jedoch nur kurzfristige
Beschwerdebesserungen (Arztbericht Dr. N._ vom 3. März 2016 [Eingang], IV-
act. 158-3; Berichte Klinik/Tagesklinik für Neurologie KSSG vom 11. November 2015,
IV-act. 196-2, vom 11. Februar 2016, IV-act. 201-2, vom 15. April 2016, IV-act. 188-2,
vom 23. Juni 2016, IV-act. 178-7, und vom 23. September 2016, IV-act. 197). Der
Beschwerdeführer klagt über Verschwommensehen, und im augenärztlichen Befund
werden unter anderem konzentrische Gesichtsfeldeinschränkungen beschrieben, die
durch eine okuläre Pathologie bzw. durch die ophthalmologischen Befunde nicht
erklärbar seien. Eine Stauungspapille konnte ausgeschlossen werden (Berichte
Augenklinik KSSG vom 6. März 2018, IV-act. 255, und vom 5. Januar 2016, IV-
act. 254). Letztere bildet je nach angewandten Diagnosekriterien Voraussetzung der
Diagnose einer idiopathischen intrakraniellen Hypertension, wobei beim
Beschwerdeführer gemäss dem neurologischen Teilgutachten der medexperts AG die
Kriterien der internationalen Kopfschmerzgesellschaft erfüllt sind (IV-act. 235-56 f.; vgl.
auch damit übereinstimmend Bericht Dr. O._ vom 23. September 2016, Fremdakten,
act. 2-8 f.). Die geklagten Beschwerden sind mit einer idiopathischen intrakraniellen
Hypertension vereinbar und in ihrer Gesamtheit nicht einer anderen Diagnose
zuzuordnen. Dass die Gesichtsfeldausfälle aus augenärztlicher Sicht nicht erklärbar
seien, schliesst die Diagnose (gerade) nicht aus, da der erhöhte Liquordruck eine dem
neurologischen Fachgebiet zuzuordnende (mögliche) Ursache darstellt und eine andere
Ursache für die Sehbeschwerden nicht festgestellt werden konnte. Für die
Verursachung der geklagten Beschwerden durch den Liquorüberdruck spricht
insbesondere der Beschwerderückgang jeweils nach erfolgtem Liquorablass (IV-
act. 235-56). Die für einen invalidisierenden Gesundheitsschaden vorausgesetzte
fachärztliche Diagnose nach einem anerkannten Klassifikationssystem - jenem der
internationalen Kopfschmerzgesellschaft - liegt demnach trotz fehlender
Stauungspapille vor. Der neurologische Gutachter berücksichtigt sie und die daraus
abgeleiteten Beschwerden einschliesslich des Schwindels, auch wenn er als Diagnose
ein "chronisches Kopfschmerzsyndrom mit diffusen Schwindelbeschwerden und
visuellen Symptomen, unklarer Ursache bei möglicher idiopathischer intrakranieller
Hypertension bei mehrfach dokumentiertem, Liquoreröffnungsdruck" formuliert (IV-
act. 235-57; vgl. auch Stellungnahme vom 13. März 2018, IV-act. 252). Massgebend ist
nicht die Diagnose, sondern die durch den diagnostizierten Gesundheitsschaden
verursachten Beschwerden (Urteil des Bundesgerichts vom 27. März 2015,
8C_673/2014, E. 5.1.1). Insofern erweist sich die gutachterliche Diagnostik als
vollständig.
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4.
Eine andere Frage ist, inwieweit die Diagnosekriterien objektivierbar sind. Zu Recht
wird angeführt, bezüglich der Intensität der Kopfschmerzen bzw. deren Besserung
nach Liquorablass könne ausschliesslich auf die Aussagen des Beschwerdeführers
abgestellt werden (neurologisches Gutachten, IV-act. 235-56; Stellungnahme Dr. N._
vom 10. April 2018, IV-act. 261-5 ff.). RAD-Arzt U._ wies in seiner Stellungnahme
vom 19. März 2018 darauf hin, dass dies auch für die augenärztlichen Befunde gelte,
da sowohl die Testung des Visus als auch die Gesichtsfeldmessung auf subjektiven
Angaben des Patienten beruhten (IV-act. 256). Nicht durch einen Nystagmus
objektivierbar war sodann der beklagte Schwindel (vgl. Berichte von Dr. K._ vom
1. Juni 2015, Fremdakten, act. 1-26, und von Dr. L._, Fremdakten, act. 1-24 f.). Somit
kann festgehalten werden: Objektiviert ist beim Beschwerdeführer ein erhöhter
Liquordruck. Zudem beklagt er mit Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen
sowie kognitiven Problemen Beschwerden, die dadurch verursacht sein können. Zu
den Sehstörungen ist anzumerken, dass deren Feststellung zwar ausschliesslich auf
Aussagen des Beschwerdeführers beruhten; eine bildgebend darstellbare
Stauungspapille fehlt. Eine bewusste Verfälschung der augenärztlichen Befunde würde
aber wohl vertiefte Kenntnisse der medizinischen Zusammenhänge und
Untersuchungsmethoden erfordern.
3.3.
Zusammenfassend ist gestützt auf die Ergebnisse des neurologischen Gutachtens
von der Diagnose einer idiopathischen intrakraniellen Hypertension auszugehen. Da
sich jedoch die Schwere der Auswirkungen ausschliesslich durch Aussagen des
Beschwerdeführers beurteilen lassen, ist die Arbeitsfähigkeit auch nach Massgabe des
strukturierten Beweisverfahrens anhand der Standardindikatoren zu bestimmen.
3.4.
Der Beschwerdeführer beschreibt anhaltende starke, drückende Kopfschmerzen
mit einer Intensität von bis zu 9 von 10 Stufen auf der visuellen Analogskala (VAS).
Daneben leide er unter kommendem und gehendem Schwindel und unscharfem,
verschwommenem Sehen und etwas schräg versetzten Doppelbildern bei Anstrengung
der Augen (IV-act. 235-51). Sodann klagt er über Gangunsicherheiten, rasche
Ermüdbarkeit, Konzentrationsminderung und gelegentliche Gleichgewichtsstörungen
(IV-act. 235-40). Durch die Beschwerden sei er in allen Bereichen sehr eingeschränkt.
Er könne im Haushalt praktisch nichts machen und liege bis auf die Mahlzeiten und
kurze Spaziergänge den ganzen Tag (IV-act. 235-43). Ausflüge in den Wald seien nur
noch ab und zu möglich, danach müsse er den ganzen Tag liegen. Zweimal in der
Woche betreibe er Amateurfunk. Nach zehn Minuten müsse er allerdings eine Pause
einlegen. Autofahren sei zu anstrengend, bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel
4.1.
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habe er Probleme mit dem Fahrplanlesen (IV-act. 235-46). Fernsehen und Lesen sei
nicht möglich, er sehe nach fünf Minuten nichts mehr. Er treffe sich nur noch mit
wenigen Kollegen kurze Zeit, da er sich nicht konzentrieren könne und rasch ermüde
(IV-act. 235-38 f., 52). Die Stimmung sei in etwa immer gleich, ab und zu habe er Tiefs,
"verleide" es ihm wegen der dauernden Kopfschmerzen. Er sei weniger belastbar als
früher und neige dazu, reizbar zu werden, wenn die Kinder ihn anstrengten. Manchmal
benötige er länger, um zu erfassen, was seine Ehefrau ihm sage (IV-act. 235-42 f.).
Ähnlich starke Beschwerden schilderte der Beschwerdeführer auch anlässlich der
PMEDA-Begutachtung (vgl. Fremdakten, act. 1-9 ff.) und der vertrauensärztlichen
Untersuchung durch Dr. O._, wo Müdigkeit und kognitive Probleme stärker
hervorgehoben wurden (vgl. Fremdakten, act. 2-4 f., 8 f.). Dr. O._ stellte im Laufe
ihrer Untersuchung deutliche Ermüdungserscheinungen, insbesondere eine
psychomotorische Verlangsamung, fest (Bericht vom 23. September 2016,
Fremdakten, act. 2-8 f.). Die psychiatrische Gutachterin führte aus, der
Beschwerdeführer habe keine Beeinträchtigung bei der Anpassung an Regeln und
Routinen, der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Flexibilität
und Umstellungsfähigkeit, der Anwendung fachlicher Kompetenzen, der
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, des Durchhaltevermögens, der Kontaktfähigkeit zu
Dritten und Gruppenfähigkeit und der Fähigkeit zu Spontanaktivitäten. Die
Selbstbehauptungsfähigkeit sei leicht beeinträchtigt - der Beschwerdeführer sei
teilweise dysphorisch. Kaum Probleme beschreibe er in der Beziehung zu seiner
Ehefrau und den Kindern (IV-act. 235-48). Selbstpflege, Kleidung und Sauberkeit seien
angemessen. Die Verkehrsfähigkeit sei vorhanden - der Beschwerdeführer fahre selber
Auto (IV-act. 235-49). Letzteres widerspricht indes seiner Aussage (IV-act. 235-46,
siehe auch Bericht Dr. O._ vom 23. September 2016, Fremdakten, act. 2-5), die
aufgrund der Gesichtsfeldeinschränkung als plausibel erscheint. Von Seiten der
Persönlichkeit fanden sich in der psychiatrischen gutachterlichen Untersuchung
Hinweise auf abhängige und demonstrative Anteile im Sinne von akzentuierten
Persönlichkeitszügen, differenzialdiagnostisch sei auch an eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung zu denken (IV-act. 235-47). Eine abhängige
Persönlichkeitsstörung wurde bereits anlässlich der Abklärung durch die Kantonalen
Psychiatrischen Dienste diagnostiziert (Bericht vom 25. Mai 1999, IV-act. 60). Nachdem
sie den Beschwerdeführer jedoch nicht daran hinderten, die Ausbildung zum
Apparatemonteur erfolgreich zu bestehen, erscheint nachvollziehbar, dass sie die
Arbeitsfähigkeit nicht (mehr) massgeblich beeinträchtigt (vgl. IV-act. 235-47). Als
Komorbidität diagnostiziert die psychiatrische Gutachterin eine
Schmerzverarbeitungsstörung im Sinne einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung (IV-act. 235-47). Da der Beschwerdeführer gemäss eigener Aussage
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nach Liquorablass jeweils für kurze Zeit mehr oder weniger beschwerdefrei war, sind
die Schmerzen teilweise der idiopathischen intrakraniellen Hypertension zuzuschreiben.
Als Ressource verfügt der Beschwerdeführer über ein positives familiäres Umfeld. So
berichtet er, seine Ehefrau mache ihn gleich darauf aufmerksam, wenn er wütend
werde. Die Beziehung zu ihr sei nach wie vor recht gut. Für sie sei sehr anstrengend,
dass er extrem vergesslich sei (IV-act. 235-42 f.). Die sozialen Beziehungen sind nach
seinen Angaben eingeschränkt. Die aktuelle Behandlung umfasst die Medikamente
Diamox und Ibuprofen. Der Beschwerdeführer gibt an, unter Diamox habe sich der
Zustand leicht gebessert, sei aber immer noch einschränkend (IV-act. 235-40). Helfen
würden die Medikamente nicht wirklich (IV-act. 235-42). Die seit einem Jahr im
Schmerzzentrum durchgeführte Therapie zeitige bisher keinen nennenswerten Effekt.
Therapien mit einem Blutdrucksenker und mit Amitryptilin (Saroten;
www.compendium.ch) seien wegen Kreislaufbeschwerden bzw. fehlender Wirkung
wieder beendet worden (IV-act. 235-51). Dr. N._ führte im Bericht vom 21. Juni 2016
aus, sowohl medikamentöse Massnahmen als auch rezidivierende Liquorpunktionen
hätten nicht zu einer befriedigenden Symptomminderung geführt, so dass grössere
neurochirurgische Massnahmen zu evaluieren seien (ventriko-peritonealer oder
lumboperitonealer Shunt; IV-act. 178). Auch Dr. O._ sah eine klare Indikation für eine
neurochirurgische Behandlung (VP-Shunt). Sie vermerkte, der Beschwerdeführer sei
bisher gegenüber sämtlichen interventionellen Behandlungen (zum Teil sehr belastende
Lumbalpunktionen) aufgeschlossen und bezüglich einer potentiellen
neurochirurgischen Behandlung sehr motiviert (Bericht vom 23. September 2016,
Fremdakten, act. 2-10). Dr. N._ hielt am 20. Dezember 2016 dann aber fest, ein VP-
Shunt scheine aufgrund des in der Literatur eher mässigen Ansprechens auf die
Kopfschmerz-Symptomatik noch nicht gerechtfertigt. Allenfalls käme dieser Eingriff bei
einer drohenden Erblindung in Betracht (IV-act. 195). Im Bericht des Schmerzzentrums
des KSSG vom 27. März 2017 wurde ausgeführt, in Anbetracht der bereits erfolgten
frustranen Therapiemassnahmen mit Ausschöpfen der medikamentösen Therapie
bleibe lediglich ein multimodaler Ansatz, um Lebensqualität und Alltagsfunktion zu
verbessern, sobald die Alltagsperformance die Therapie zulasse (IV-act. 209).
Die neuropsychologische Gutachterin befand im Wesentlichen, die weit unter dem
Niveau hospitalisierter Demenzpatienten im fortgeschrittenen Stadium liegenden
Testergebnisse seien nicht mit einer authentischen Gedächtnisstörung zu vereinbaren
und wiesen auf eine bewusste Aggravation oder Simulation kognitiver
Beeinträchtigungen hin. Aufgrund der verminderten Kooperationsbereitschaft habe kein
gültiges Testprofil erhalten werden können (IV-act. 234-8 ff.). Es wurden zwei
Beschwerdevalidierungstests durchgeführt, die auf unzureichende Anstrengung bzw.
4.2.
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darauf hinwiesen, dass der Beschwerdeführer ungewöhnliche Beschwerden angebe,
die in dieser Ausprägung und Häufung nicht typisch seien für authentische Störungen.
Sämtliche Parameter der formalisierten Beschwerdevalidierung seien hoch auffällig, in
sich nicht konsistent und zum Teil im Zufallsbereich (IV-act. 234-8 f.). Die gezeigten
Minderleistungen seien als nicht-authentische neuropsychologische Störungen
einzuordnen. Ob authentische kognitive Störungen vorhanden seien, könne aufgrund
der eingeschränkten Mitwirkung des Beschwerdeführers nicht bestimmt werden (IV-
act. 234-10). Die psychiatrische Gutachterin führte hierzu aus, die neuropsychologische
Voruntersuchung vom 14. November 2016 sei versicherungsmedizinisch nicht
verwertbar, da damals keine Überprüfung der Anstrengungsbereitschaft mittels
erprobter Verfahren erfolgt sei und eine bewusste Selbstlimitierung bei angestrebtem
Krankheitsgewinn nicht ausgeschlossen werden könne. Es bestünden deutliche
Inkonsistenzen im Vergleich zu den Vorbefunden. So zeigten sich aktuell
Leistungsdefizite in Bereichen, welche in der Voruntersuchung als unauffällig
angegeben worden seien, und umgekehrt unauffällige Leistungen in Bereichen, welche
im Vorbericht als beeinträchtigt beschrieben worden seien. Diese Inkonsistenzen seien
am ehesten auf eine schwankende Leistungsbereitschaft in der Testung
zurückzuführen und bei nicht authentischen Störungen sehr häufig anzutreffen (IV-
act. 235-47).
Die Gutachter haben die geklagten Beschwerden, die vorhandenen Akten und die
massgeblichen Standardindikatoren angemessen berücksichtigt. Insbesondere aus
den nach Erstattung des Gutachtens eingegangenen medizinischen Berichten ergeben
sich keine objektiven Aspekte, welche die Gutachter nicht berücksichtigt haben. Im
neuropsychologischen Bericht vom 14. November 2016 werden keine
Beschwerdevalidierungstests oder Überlegungen zur Konsistenz der Testergebnisse
aufgeführt (vgl. IV-act. 192-3 ff.), so dass diese Beurteilung das neuropsychologische
medexperts-Gutachten nicht in Frage stellt. Der neurologische Gutachter führt aus,
insgesamt könne das Ausmass der beklagten Beschwerden (mit als "massiv"
beschriebenem Leidensdruck und unmittelbarer, deutlicher Beschwerdeprogression
bei bereits geringster körperlicher Aktivität und Lesen eines Buches) anhand der
vorliegenden, wenngleich auch objektivierbaren Befunde und auch hinsichtlich des
insgesamt nicht schmerzgeplagten Eindrucks über den Zeitraum der Exploration,
letztlich nicht gänzlich nachvollzogen werden. Diesbezüglich sei eine
Symptomausweitung und möglicherweise auch Chronifizierung durch eine gewisse
nicht-organische Krankheitskomponente mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen
(IV-act. 235-57). Damit sagt er zum einen aus, dass das Ausmass der geklagten
Beschwerden nicht durch den erhöhten Liquordruck erklärbar sei. Zum anderen
4.3.
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konstatierte auch er einen nicht zu den geschilderten Beschwerden passenden
Eindruck des Beschwerdeführers. Die psychiatrische Gutachterin erfasste die vom
neurologischen Experten erwähnte nicht-organische Krankheitskomponente
nachvollziehbar als Schmerzverarbeitungsstörung im Sinne einer anhaltenden
somatoformen Sachmerzstörung (ICD-10: F45.4; IV-act. 235-47 f.). Sie legte weiter dar,
die geschilderte Schmerzproblematik sei emotional nur wenig nachvollziehbar. Der
Leidensdruck sei subjektiv hoch. Insgesamt wirke der Beschwerdeführer etwas hilflos
und über Schmerzen klagend, ohne dass dies in der Gegenübertragung spürbar sei.
Konzentration und Aufmerksamkeit seien während des einstündigen Gesprächs
unauffällig gewesen (IV-act. 235-44). Sowohl klinisch als auch neuropsychologisch
gebe es eindeutige Hinweise auf Diskrepanzen und Widersprüche im Sinne einer
Aggravations- und Simulationsneigung. Daher habe die somatoforme Schmerzstörung
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 235-48). Zwar spricht für einen hohen
Leidensdruck, dass der Beschwerdeführer wegen lediglich einigen Tagen
Beschwerdereduktion die unangenehmen Lumbalpunktionen auf sich nimmt und einer
neurochirurgischen Operation gegenüber nicht abgeneigt wäre (vgl. Bericht Dr. O._
vom 23. September 2016, Fremdakten, act. 2-2 ff., und Stellungnahme RAD-Arzt U._
vom 8. Dezember 2017, IV-act. 236). Insgesamt liegen dennoch Inkonsistenzen vor, die
einem stimmigen Gesamtbild entgegenstehen und bei der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigen sind.
Dr. N._ führte am 10. April 2018 aus, üblicherweise würden Kopfschmerzen die
Arbeitsfähigkeit zwischen 20 % und 50 % einschränken. Strittig bleibe die Diskrepanz
zwischen der subjektiv angegebenen völligen Arbeitsunfähigkeit und den
objektivierbaren Befunden. Insbesondere zeige auch die neuropsychologische Testung
diverse Inkonsistenzen mit Ergebnissen auf Zufallsniveau. Seines Erachtens liege die
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers bei etwa 50 %. Als behandelnder Arzt
bewerte er die Arbeitsunfähigkeit am oberen Ende (IV-act. 261-6 f.). Im am 3. März
2016 bei der Beschwerdegegnerin eingetroffenen Arztbericht hatte er festgehalten,
aufgrund der chronischen Kopfschmerzen sei der Versicherte nicht voll leistungsfähig.
Es bestehe ein vermehrter Pausenbedarf. Die Konzentrationsfähigkeit sei
eingeschränkt durch die chronischen Kopfschmerzen. Es könne ein 50 % bis 80 %-
iges Gesamt-Pensum aufrecht erhalten werden bei jedoch reduzierter
Leistungsfähigkeit und vermehrtem Pausenbedarf, so dass letztlich eine auf etwa 50 %
reduzierte Arbeitsfähigkeit resultiere (IV-act. 158). Dr. N._ hat demnach - aus der
Warte eines behandelnden Arztes verständlich - die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht
angepasst, nachdem ihm die von den Gutachtern erhobenen Inkonsistenzen bekannt
4.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
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5.
Gemäss Gutachten ist der Beschwerdeführer in der Lage, die bisherige Tätigkeit mit
einer Arbeitsfähigkeit von 80 % weiterhin auszuüben. Daher ist der Invaliditätsgrad
nicht aufgrund eines statistischen Invalideneinkommens, sondern durch einen
Prozentvergleich zu ermitteln (Urteile des Bundesgerichts vom 13. Januar 2012,
9C_599/2011, E. 4.1, vom 13. Juni 2017, 9C_576/2016, E. 5, und vom 27. September
2017, 8C_295/2017, E. 6.5). Somit ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 80 %, der keinen
Rentenanspruch begründet.
6.
wurden. Somit ist für das Gericht die gutachterliche Attestierung einer 80 %-igen
Arbeitsfähigkeit gut nachvollziehbar und es ist darauf abzustellen.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten vollumfänglich aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
6.2.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'500.-- bis
Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Kostennote
eingereicht. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint mit Blick auf
vergleichbare Fälle eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3‘500.-- angemessen.
Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70).
Somit hat der Staat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal mit
Fr. 2‘800.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
6.3.
Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
6.4.
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