Decision ID: b9b21b0b-d99a-467b-a28e-7ae90b7164fe
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1977 geborene X._, ohne Berufsausbildung, war seit Oktober 2000 als Gebäudereiniger bei der Y._ AG tätig (6/9). Am 19. Oktober 2004 fiel dem Versicherten gemäss eigenen Angaben bei der Arbeit eine Autotür auf den Kopf (Urk. 6/17/62-63), worauf er sich unter Hin
weis auf eine mnestische Störung nach contusio cerebri am 9. Dezember 2005 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 6/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach dem Versi
cherten mit Verfügung vom 29. Oktober 2009 (Urk. 6/80-81) mit Wirkung ab 1. Oktober 2005 eine halbe Rente der Invalidenversicherung zu.
Im Juni 2012 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein (Urk. 6/136 S. 1), klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und veranlasste un
ter anderem eine polydisziplinäre Begutachtung durch die Medizinische Abklä
rungsstelle Z._ (Medas; Expertise vom 17. November 2014, Urk. 6/133/1-49). Mit Vorbescheid vom 16. April 2015 (Urk. 6/137) stellte die IV-Stelle unter Hinweis auf eine Verbesserung des Gesundheitszustands die Aufhebung der Rente in Aussicht. Dagegen erhob der Versicherte unter Beilage der Emails von Dr. med. A._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 6. Juli und 11. Oktober 2015 (Urk. 6/145 und Urk. 6/160) sowie der Berichte von Dr. med. B._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3. Juli 2015 (Urk. 6/146) und von Dr. med. C._, FMH Neurologie, und Dr. phil. D._, Neuropsychologin, vom 1. Oktober 2015 (Urk. 6/158) Einwand (Urk. 6/161). Mit Verfügung vom 13. Januar 2016 (Urk. 2) hob die IV-Stelle die Rente mit Wirkung ab 1. März 2016 auf.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 15. Februar 2016 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es seien ihm die gesetzlichen Leistungen gemäss IVG auszurichten und ihm insbesondere eine seiner tatsächlichen Erwerbsunfähigkeit entspre
chende IVG-Rente zuzusprechen. Eventuell seien weitere medizinische Abklä
rungen zu tätigen und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück
zuweisen. Subeventuell sei er persönlich vorzuladen (S. 2). Mit Beschwerdeant
wort vom 15. März 2016 (Urk. 5) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abwei
sung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 17. März 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7). Am 15. August 2017 verzichtete der Rechts
vertreter des Beschwerdeführers auf dessen persönliche Anhörung durch das Gericht (Urk. 8).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Nach Art. 17 ATSG sind laufende Renten für die Zukunft zu erhöhen, herabzuset
zen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede we
sentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den In
validitätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Ob eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit demje
nigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 105 V 29).
Fehlen die in Art. 17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die Rentenverfü
gung lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger Verwaltungsverfügungen geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Verwaltung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Ge
genstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von er
heblicher Bedeutung ist (Art. 53 A
bs. 2 ATSG; BGE 110 V 176 E. 2a
mit Hin
weisen). Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung gege
benenfalls mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüngliche Rentenverfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Be
deutung ist (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/bb; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom 3. September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 24. Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre rentenaufhebende Verfügung (Urk. 2) damit, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verbessert habe und ihm seit der Begutachtung im September 2014 angepasste Tätigkeiten unter Vermeidung von körperlichen Arbeiten mit Kraftanforderung für manuelle Ar
beiten rechts zu 100 % zumutbar seien. Im Rahmen des Einkommensvergleichs resultiere unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 10 % wegen der Unmöglichkeit der Ausführung von Schwerarbeiten ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 3 %. Die Beschwerdegegnerin führte weiter aus, dass die zusammen mit dem Einwand eingereichten Arztberichte keine neuen medizini
schen Tatsachen enthielten, sondern lediglich eine andere Sichtweise des glei
chen Sachverhalts beschrieben. Das Ganser-Syndrom könne nicht genau defi
niert und die einzelnen Symptome beim Beschwerdeführer nicht klar aufgezeigt werden. Letzterer arbeite zudem halbtags, weise ein hohes Aktivitätsniveau auf und habe soziale Kontakte, weshalb eine schwere Beeinträchtigung des funktio
nellen Leistungsvermögens nicht ausreichend nachvollziehbar sei (S. 2 f.). In der Beschwerdeantwort (Urk. 5) wies die Beschwerdegegnerin sodann auf das ver
kehrsmedizinische Gutachten vom 6. Oktober 2011 hin, gemäss welchem ins
besondere objektiv keine relevanten kognitiven Störungen festgestellt worden seien, was in einem Spannungsverhältnis zu den anlässlich der Medas-Begut
achtung festgestellten Erinnerungslücken stehe.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber in seiner Beschwerde (Urk. 1) auf den Standpunkt, es bestünden Widersprüche betreffend die Diagnose zwi
schen dem psychiatrischen Medas-Gutachter und den Dres. B._, C._ und D._. Der Einschätzung des Arztes des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin könne zudem nicht gefolgt werden, da dieser den Beschwerdeführer nicht persönlich begutachtet habe, was bei der in Frage stehenden Diagnose indessen unerlässlich sei. Entsprechend seien weitere medizinische Abklärungen zu treffen und es könne nicht auf das Medas-Gut
achten abgestellt werden (S. 4 ff. Ziff. 3-7). Im Weiteren sei in der Medas-Ex
pertise keine Verbesserung des Gesundheitszustands postuliert, sondern ledig
lich eine andere Einschätzung des Sachverhalts vorgenommen worden, weshalb kein Revisionsgrund gegeben sei (S. 6 Ziff. 8). Ferner sei die neue Rechtspre
chung zu den psychosomatischen Krankheitsbildern nicht berücksichtigt wor
den, so dass weitere medizinische Abklärungen (bei einem anderen Sachver
ständigen) zu tätigen seien (S. 7 Ziff. 9 f.). Im Übrigen sei beim Beschwerde
führer gemäss den Auffassungen des psychiatrischen Medas-Gutachters sowie der Dres. B._, C._, D._ und A._ keine verwertbare Arbeitsfähig
keit auf dem ersten Arbeitsmarkt vorhanden (S. 8 f. Ziff. 12 ff.).
3.
3.1
Grundlage für die ursprüngliche Rentenverfügung vom 29. Oktober 2009 (Urk. 6/80-81) bildete der Untersuchungsbericht des RAD-Arztes Prof. Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17. Februar 2009 (Urk. 6/56 und Urk. 6/79 S. 3 f.).
3.2
3.2.1
Der RAD-Arzt stellte im besagten Bericht folgende Diagnosen (Urk. 6/56 S. 3):
-
rezidivierende depressive Störung in gegenwärtig schwerer Episode mit psy
chotischen Zeichen (ICD-10 F33.3)
-
Differentialdiagnose: posttraumatisches Psychosyndrom nach Schädel-Hirn-Trauma (ICD-10 F07.2)
-
Anpassungsprobleme bei Veränderungen der Lebensumstände (ICD-10 Z60.0)
Dr. E._ führte aus, der Beschwerdeführer berichte von ständigem Schwin
del und rasenden Kopfschmerzen. Hinsichtlich Ort, Zeit und Person sei er voll orientiert, wobei ihm die Daten seiner Lebensgeschichte nicht erinnerbar seien. Bei der Prüfung der Merkfähigkeit ergäben sich deutliche Schwächen. Der Be
schwerdeführer wirke introvertiert und sein gesamtes Verhalten zeige sich zu
rückgenommen und eingeengt. Formale Denk- und Sprachstörungen seien nicht erkennbar und der Denk- und Redefluss erschienen inhaltlich zusammenhän
gend. Der Beschwerdeführer berichte von „wirren Gedanken im Kopf“ tagsüber, vor allem, wenn er an seine aktuelle Situation im Hinblick auf seine Arbeitslo
sigkeit denke. Affektiv und emotional wirke er differenziert, aber durch die Nie
dergeschlagenheit deutlich eingeengt. Psychomotorisch und hinsichtlich seiner Bewegungen mache er einen „von aussen gesteuerten Eindruck“, fast wie eine Marionette. Mit den wiederholten Darstellungen der inneren Verzweiflung und Unzufriedenheit mit der momentanen Lebenssituation erscheine er in seinem Verhalten aktuell stark eigengefährdend (S. 3).
Im Weiteren hielt der RAD-Arzt fest, der Beschwerdeführer leide an einem chro
nischen psychischen Gesundheitsschaden mit erheblichem Krankheitswert, der sich im Nachgang an zwei Unfälle mit einem Schädel-Hirn-Trauma (1999 und 2004) bislang und trotz lege artis durchgeführter Therapie als weitgehend the
rapieresistent gezeigt habe. Durch eine gezielte psychiatrisch-psychotherapeu
tische Behandlung, welche die spezifischen Lebensumstände des Beschwerde
führers miteinbeziehe, sei zunächst eine Stabilisierung von dessen Verhalten und Persönlichkeit anzustreben (S. 4).
Der Beschwerdeführer sei aufgrund des psychischen Gesundheitsschadens mit Krankheitswert in seiner angestammten Tätigkeit vollständig eingeschränkt. Aus Sicherheitsgründen sei es aufgrund der auftretenden Schwindelanfälle nicht zu verantworten, dass er weiterhin bei einer Reinigungsfirma tätig sei, bei welcher er auf Leitern zu steigen habe. Medizintheoretisch sei er in einer angepassten Tätigkeit etwa hälftig (= vier Stunden) arbeitsfähig, sofern mit der Arbeitsauf
nahme geeignete Eingliederungsmassnahmen (Arbeitsplatzgestaltung und flan
kierende therapeutische Massnahmen) ergriffen würden (S. 4; vgl. auch Urk. 6/79 S. 3 f.).
3.2.2
Am 20. Februar 2009 präzisierte der RAD-Arzt seinen Untersuchungsbericht (vgl. E. 3.2) dahingehend, dass die medizintheoretisch begründete Arbeitsfähig
keit primär an einem geeigneten Arbeitsplatz auf dem freien Arbeitsmarkt aus
serhalb eines geschützten Rahmens umgesetzt werden sollte (Urk. 6/79 S. 4).
4.
4.1
Bei Erlass der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) präsentierte sich die medizini
sche Aktenlage im Wesentlichen wie folgt:
4.2
4.2.1
In der von der Beschwerdegegnerin eingeholten interdisziplinären Medas-Exper
tise vom 17. November 2014 (Urk. 6/133/1-49) nannten die Gutachter Prof. Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie FMH und Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie FMH, Dr. med. G._, Fachärztin Allgemeine In
nere Medizin FMH, Dr. med. H._, Facharzt für Neurologie, Dr. med. I._, Assistenzärztin Neurologie, Dr. med. J._, Facharzt Allgemeine Innere Medi
zin und Rheumatologie FMH, und med. prakt. K._, Eidg. Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen (S. 39):
-
mit Einschränkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
chronische Arthralgie MCP V rechts nach aktenanamnestischem Kontu
sionstrauma der Vorderhand rechts am 29.10.08
-
MRI 22.09.09 unauffällig
-
3-Phasen-Skelett-Szintigrafie 23.09.09: keine fokale Mehranreicherung im MCP V rechts, diskrete diffuse Aktivitätsanreicherung der ganzen rechten Hand. Differenzialdiagnose: leichte Algodystrophie
-
Untersuchung unter BV 16.03.09: erhaltene Gelenkskongruenz MCP V rechts bei vermehrter Beweglichkeit dorsopalmar im Seitenvergleich
-
konventionell radiologisch leicht erhöhte Weichteildichte MCP V rechts ulnar, aktuell fehlender Nachweis ossärer Pathologien
-
keine serologische Entzündungsaktivität
-
ohne Einschränkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Verdacht auf medikamenteninduzierten Kopfschmerz
-
Verdacht auf chronischen Spannungskopfschmerz
-
Ganser-Syndrom (ICD-10 F44.80)
-
chronisches thorakolumbovertebrales Schmerzsyndrom
-
arterielle Hypertonie
4.2.2
Der psychiatrische Gutachter med. prakt. K._ wies darauf hin, dass sich im Explorationsgespräch Inkonsistenzen zeigten, wie sie in den Akten wiederholt beschrieben worden seien. Der Beschwerdeführer könne zu vielen früheren und aktuellen Lebensereignissen keine Auskunft geben, berichte von schweren Kon
zentrations- und Gedächtnisstörungen, habe aber angegeben, dass Autofahren für ihn kein Problem sei. Seine Äusserungen wirkten einerseits debil und kind
lich-naiv, andererseits sei er vor der Handverletzung in der Lage gewesen, sei
ner Arbeit an verschiedenen Orten nachzugehen, wobei bezüglich des Aufsu
chens dieser Orte keine Probleme bestanden hätten. Ein weiteres schwer nach
vollziehbares Merkmal sei der Umstand, dass der Beschwerdeführer trotz seiner geäusserten schweren mnestischen Defizite seit etwa fünf Jahren in einer Bezie
hung lebe und dabei keine Auffälligkeiten bestünden (S. 21).
Med. prakt. K._ hielt weiter fest, dass aufgrund der neuropsychologischen Testuntersuchungen am ehesten von einem Ganser-Syndrom ausgegangen wer
den könne, obwohl eine strukturelle hirnorganische Störung nicht habe nach
gewiesen werden können. Beim Beschwerdeführer zeige sich zudem eine sehr einfache Schulbildung, was erklären könne, dass er schnell überfordert sei und „an den Anschlag“ komme. Entsprechend sei davon auszugehen, dass der Be
schwerdeführer mit grösster Wahrscheinlichkeit an einem Ganser-Syndrom leide, das von einer einfachen Schulbildung begleitet werde. Im Weiteren wies der psychiatrische Gutachter darauf hin, dass in Fachkreisen umstritten sei, ob es sich beim Ganser-Syndrom um eine psychische Störung, eine Täuschung oder eine „Schlitzohrigkeit“ handle. Aufgrund der aktuellen Begutachtung gehe er nicht davon aus, dass eine Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis vorhanden sei (S. 21).
Was die Prüfung der Försterkriterien betreffe, so bestehe aktuell weder eine chro
nische körperliche Begleiterscheinung noch ein ausgewiesener Rückzug in allen Belangen des Lebens. Der Beschwerdeführer lebe in einer Beziehung und gehe regelmässig zu seinem Arbeitgeber Kaffee trinken. Ebenso wenig bestün
den ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Ver
lauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewälti
gung oder unbefriedigende Behandlungsergebnisse, da sich der Beschwerde
führer nur zum Teil auf eine Behandlung eingelassen habe (S. 22).
Zusammenfassend sei von einem Zustandsbild auszugehen, welches schwierig einzuordnen sei. Am ehesten handle es sich um eine dissoziative Störung im Sinne eines Ganser-Syndroms bei einfacher Schulbildung (S. 22).
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit hielt med. prakt. K._ fest, dass er aus rein psychiatrischer Hinsicht unter Berücksichtigung der Försterkriterien nicht davon ausgehe, dass im IV-rechtlichen Sinne eine Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen oder in einer adaptierten Tätigkeit bestehe (S. 22). Im Weiteren verneinte er eine Veränderung des Gesundheitszustands oder der funktionellen Leistungsfähigkeit seit 2005 und wies darauf hin, dass nicht von einer bewussten Selbstlimitierung des Beschwerdeführers auszugehen sei (S. 24).
4.2.3
Der rheumatologische Gutachter Dr. J._ führte aus, dass es sich bei der loka
len Druckdolenz des dorsalen MCP V rechts mit Weichteilschwellung der dor
salen Gelenkskapsel MCP V rechts um eine chronisch persistierende Arthralgie des MCP V rechts unklarer Ätiologie nach aktenanamnestischem Kontusions
trauma der rechten Vorderhand am 29. Oktober 2008 handle. Für die vom Be
schwerdeführer geschilderten Hemikranien, die Schmerzen im thorakolumbalen Übergangsbereich und distal lumbal sowie die Knie- und Fussschmerzen rechts fände sich weder ein adäquates klinisches, radiologisches noch laborchemisches Korrelat (S. 29).
Im Weiteren wies Dr. J._ darauf hin, dass eine Arbeitsunfähigkeit in Tätigkei
ten ohne kraftanfordernde manuelle Arbeiten rechts aus rheumatologi
scher Sicht nicht attestiert werden könne. Insbesondere liege in der vom Be
schwerdeführer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Raumpfleger in rheumatologi
scher Hinsicht keine Arbeitsunfähigkeit vor. Körperlich adaptierte Tätigkeiten ohne kraftanfordernde manuelle Arbeiten rechts könne der Beschwerdeführer vollschichtig und auf dem ersten Arbeitsmarkt ausführen (S. 30). Schliesslich habe keine Veränderung des Gesundheitszustands oder der funktionellen Leis
tungsfähigkeit seit 2005 stattgefunden (S. 31).
4.2.4
Die neurologischen Gutachter Dres. H._ und I._ hielten fest, es bestehe ein Verdacht auf einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz beziehungsweise auf einen schmerzmittelinduzierten Kopfschmerz laut IHS Klassifikation II, da noch kein Schmerzmittelentzug stattgefunden habe und damit die Kriterien noch nicht erfüllt seien. Der Beschwerdeführer könne ausserdem keine Angaben zur Dauer der Schmerzmitteleinnahme machen, wobei erst ab einer Einnahme von mehr als drei Monaten das entsprechende Kriterium erfüllt sei. Eventuell liege auch ein chronischer Spannungskopfschmerz vor. Aufgrund der täglichen Schmerzmitteleinnahme sei dieser jedoch aktuell nicht zu differenzieren und müsste nach einem Entzug neu evaluiert werden (S. 36).
Die Dres. H._ und I._ führten weiter aus, in der Untersuchung sei auffal
lend, dass der Beschwerdeführer betreffend alle weiter in der Vergangenheit zurückliegenden Ereignisse angebe, keine Erinnerung zu haben. Eine neurolo
gische Erklärung für diese Amnesie gebe es nicht, insbesondere seien organische Abklärungen inklusive cMRT, Lumbalpunktion und EEG 10/2004 unauffällig gewesen, weshalb diesbezüglich auf das psychiatrische Gutachten verwiesen werde (S. 36).
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit wiesen die Gutachter darauf hin, dass die zu
letzt ausgeübte Tätigkeit in der Arbeit als Reinigungskraft mit einem Pensum von 4 Stunden pro Tag an 5 Tagen pro Woche bestanden habe. Aus neurologi
scher Sicht sei der Beschwerdeführer zu 100 % für diese Tätigkeit arbeitsfähig (S. 37).
4.2.5
Im Rahmen der hauptgutachterlichen Beurteilung und der polydisziplinären Zusammenfassung wurde festgehalten, dass sich aufgrund der vorhandenen Be
richte ein sehr widersprüchliches und schwer einordbares phänomenologisches Zustandsbild zeige. Aus den Akten gehe nicht hervor, dass ein schwerwiegender Unfall passiert sei, bei welchem der Beschwerdeführer strukturelle Verletzungen erlitten habe. Es scheine sich eher um zwei Bagatelltraumata zu handeln, welche aber weder beobachtet noch dokumentiert worden seien. In sämtlichen Akten werde darauf hingewiesen, dass es immer wieder zu widersprüchlichen Angaben und Verhalten gekommen sei. Phänomenologisch gehe man von einer dissozia
tiven Störung mit einer antero- und retrograden Amnesie aus, wobei diese nicht wirklich erfasst werden könne und auch in den neuropsychologischen Gutach
ten nicht bestätigt werde. In den Beurteilungen werde von keiner nennenswer
ten psychiatrischen Erkrankung, von einer Simulation, einem Ganser-Syndrom sowie von einer schwerwiegenden dissoziativen Störung unklarer Genese aus
gegangen. Neu sei in den letzten zwei Berichten eine depressive Erkrankung hinzugekommen, die als remittiert betrachtet respektive als mittelgradige de
pressive Episode interpretiert worden sei (S. 42).
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, dass sich aus allgemein-inter
nistischer Sicht keine Einschränkungen des Leistungsbilds ergäben, welche die berufliche Leistungsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit limitierten. Eine Ar
beitsunfähigkeit in Tätigkeiten ohne kraftanfordernde manuelle Arbeiten rechts respektive in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit könne aus rheumatologischer Sicht nicht attestiert werden. In neurologischer Hinsicht sei der Beschwerde
führer in seiner angestammten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Aus psychiatri
scher Sicht sei unter Berücksichtigung der Försterkriterien davon auszugehen, dass im IV-rechtlichen Sinne keine Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen und in einer adaptierten Tätigkeit bestehe. In polydisziplinärer Hinsicht liege somit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vor (S. 45), wobei die Prognose als insgesamt gut zu beurteilen sei (S. 46).
Betreffend das Vorliegen psychosozialer Faktoren wiesen die Gutachter darauf hin, dass der Beschwerdeführer über eine rudimentäre Schulbildung verfüge und die deutsche Sprache nicht beherrsche. Dies könne dazu führen, dass er schnell überfordert sei, vieles nicht verstehe und an den „Anschlag“ komme, und dadurch auch Angstsymptome habe. Schliesslich sei nicht davon auszuge
hen, dass sich der Beschwerdeführer bewusst selbst limitiere (S. 47).
4.2.6
Dr. phil. L._, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, hielt in ihrem Teilgutachten vom 9. Oktober 2014 (Urk. 6/133/50-58) fest, beim Be
schwerdeführer stünden deutliche autobiographische und semantische Gedächt
nisstörungen im Vordergrund. Auffallend seien sodann Schwierigkeiten in der Schriftsprache, Zahlenverarbeitung und in der Rechenfähigkeit, verminderte Kurzzeit- und Langzeitgedächtnisleistungen sowie eine deutlich verminderte psychische Belastbarkeit (S. 5). Die objektivierten Befunde respektive beobach
teten Beeinträchtigungen stimmten sodann weitgehend mit den subjektiven Klagen überein und erklärten die vom Beschwerdeführer angegebenen Schwie
rigkeiten im Alltag (S. 6).
Die neuropsychologische Gutachterin wies weiter darauf hin, dass, obwohl ein genauer Vergleich der aktuellen Befunde mit den neuropsychologischen Vor
befunden aufgrund teilweise unterschiedlicher beziehungsweise nicht standar
disierter Verfahren/Aufgaben erschwert sei, die aktuell objektivierten Befunde und Beobachtungen mit der neuropsychologischen Voruntersuchung vom 9. November 2005 vergleichbar seien und es seither zu keiner signifikanten Veränderung gekommen sei (S. 6).
Unter Berücksichtigung der Aktenlage sei die objektivierte und beobachtete teil
weise deutliche Beeinträchtigung nicht mit einer hirnorganischen Ursache (Läsi
onen) vereinbar. Als Diagnose könne in neuropsychologischer Hinsicht ein Ganser-Syndrom in Betracht gezogen werden, wobei die Diagnosestellung aus medizinischer Sicht im Rahmen der Gesamtbegutachtung vorgenommen werden sollte (S. 6).
Die Gutachterin wies weiter darauf hin, dass aufgrund der deutlichen kognitiven Minderleistungen in mehreren Bereichen (unter anderem visuelle Wahrneh
mung, Gedächtnis, Schriftsprache), der dadurch geringen Ressourcen respektive Kompensationsmöglichkeiten und der geringen psychischen Belastbarkeit aus neuropsychologischer Sicht seit Oktober 2004 keine Arbeitsfähigkeit in der zu
letzt ausgeübten Tätigkeit bestehe. Arbeiten mit geringen kognitiven Anforde
rungen, mithin mit einfachen, dem Beschwerdeführer bekannten Tätigkeiten und Abläufe (Tätigkeiten mit äusserst geringen Anforderungen an Altgedächt
nis/Wissen, Schriftsprache, Zahlenverarbeitung, Rechenfähigkeit) seien rein the
oretisch denkbar. Aufgrund der Beeinträchtigungen, der geringen Ressourcen und Kompensationsmöglichkeiten, der Schwierigkeiten und des Leidensdrucks im Alltag sowie der geringen psychischen Belastbarkeit sei eine Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten indessen fraglich (S. 7). Dabei sei nicht davon auszu
gehen, dass spezifische neuropsychologische Therapiemassnahmen zu einer sig
nifikanten Verbesserung führten. Aufgrund des mehrjährig unveränderten Zu
standsbilds sei von keiner wesentlichen Veränderung auszugehen (S. 8).
4.3
Dr. B._ nannte in seinem Bericht vom 3. Juli 2015 (Urk. 6/146) fol
gende Diagnose (S. 4):
-
Schizophrenia simplex (ICD-10 F20.6)
Der Arzt führte aus, es bestünden infantile, schizoide, zwanghafte, abhängige, selbstschädigende und passiv-aggressive Persönlichkeitszüge, wobei die Intelli
genz in der unteren Norm liege. Diese Persönlichkeitszüge träten hinter der übergeordneten Diagnose einer Schizophrenie zurück respektive seien Teil der genannten Symptomatik. Anlässlich einer psychosozialen Überforderung bilde
ten zwei Bagatell-Unfälle Anlass, einen klassischen, für Schizophrenien oft ty
pischen „Knick in der Lebenslinie“ auszulösen. Das von anderen Ärzten festge
stellte auffällige Dissoziieren sei teilweise als „dissoziative Störung“ und/oder „Ganser-Syndrom“ benannt worden, wobei die zugrundeliegende schizophrene Entwicklung verkannt und die prämorbide Persönlichkeitsauffälligkeit nicht beschrieben worden sei. Die übrige Symptomatik sei diagnostisch nicht berück
sichtigt worden, es sei nur das auffälligste Symptom – die Vergesslichkeit – di
agnostiziert worden (S. 4).
Im Verlauf habe sich die Symptomatik chronifiziert. Bei der Dissoziation (forcier
tes Vergessen; möglicherweise unbewusst, teilbewusst oder gar sehr be
wusstseinsnah) handle es sich nur um ein Teil-Symptom der Schizophrenia simplex. Andere Symptome seien unter anderem die Auffälligkeiten der Persön
lichkeit, das Bagatellisieren des Schweregrads der psychischen Erkrankung, das starke Misstrauen gegenüber Personen ausserhalb der Familie, die soziale Ab
schottung, das Angewiesensein auf einen geschützten Arbeitsplatz innerhalb der Familie und auf eine Freundin, welche selber offensichtliche Probleme habe und auf einen eigenen Lebensvollzug verzichte, der Willens- und Motivationsman
gel, die verstärkte Ermüdbarkeit und geringe Durchhaltefähigkeit, das unlogi
sche, kreisende, ausweichende, blockierende und gekränkte Denken, die Ver
schlossenheit, der fehlende affektive Rapport, das infantile Appellieren an Hilfe, das Verschieben der seelischen Problematik auf den Körper und die Einnahme einer Opferhaltung. Vor diesem Hintergrund treffe die Beschreibung der bei der Schizophrenia simplex vorherrschenden Symptome auf den Beschwerdeführer ziemlich präzise zu. Differentialdiagnostisch seien keine Anzeichen für eine Si
mulation, eine isolierte Depression und Angststörung oder eine Organizität (beispielsweise Demenz) zu erheben (S. 4 f.).
Dr. B._ hielt schliesslich fest, dass aufgrund der Hauptdiagnose keine verwertbare Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt bestehe. Mit täglich zwei bis vier Stunden Arbeit unter der direkten Aufsicht des Bruders (dabei fragliche Leistungsfähigkeit) sei der Beschwerdeführer vollständig integriert und seine Arbeitsfähigkeit (an einem sozusagen vom Bruder bereitgestellten ge
schützten Arbeitsplatz) vollständig ausgeschöpft (S. 5).
4.4
Dr. A._ ging in seinen Emails vom 6. Juli und 11. Oktober 2015 (Urk. 6/145 und Urk. 6/160) von einer schweren Form einer dissoziativen Störung respek
tive einer dissoziativen Amnesie (ICD-10 F44) aus. Das in der Medas-Expertise erwähnte Ganser-Syndrom gehöre ebenfalls in diesen Formenkreis, wobei der Gutachter zwar fast die richtige Diagnose gestellt, diese aber nicht adäquat ge
wichtet habe. Der Experte glaube, eine dissoziative Störung sei bewusst steuer
bar und mit Willensfunktionen überwindbar, was indessen falsch sei. Die disso
ziativen Phänomene gehörten zu den schwer behandelbaren und häufig invali
disierenden Störungen. Der Beschwerdeführer leide deshalb an einer schweren, invalidisierenden Krankheit, welche die aktuelle Arbeitsunfähigkeit hinreichend begründe.
4.5
In ihrem Bericht vom 1. Oktober 2015 (Urk. 6/158) hielten die Dres. C._ und D._ fest, dass beim nur reduziert belastbaren sowie autobiographisch- und zeitlich-kalendarisch unvollständig orientierten Beschwerdeführer im Rah
men der verhaltensneurologisch-neuropsychologischen Untersuchung Minder
leistungen betreffend die Frontalhirnfunktion, die Sprache und das Altgedächt
nis im Vordergrund stünden. Auf Verhaltensebene seien leichte Schwankungen der allgemeinen Aufmerksamkeit und leichte Schwierigkeiten beim Lernen von neuen verbalen episodischen Informationen bei erhaltener kurzfristiger Erinne
rungsleistung erkennbar. Ein simulatives/bewusstseinsnahes Verhalten könne aufgrund der Phänomenologie der Befunde ausgeschlossen werden (S. 2 f.).
Im Weiteren wurde ausgeführt, dass die festgestellten Defizite gut mit einer disso
ziativen amnestischen Störung erklärbar seien, möglicherweise begünstigt durch das tiefe prämorbide Leistungsniveau, differentialdiagnostisch auf der Basis einer frühkindlichen cerebralen Entwicklungsstörung mit dadurch einge
schränkten kognitiven Ressourcen und verminderten Kompensationsmöglich
keiten. Die Defizite seien nicht überwindbar und wiesen einen hohen Krank
heitswert auf, weshalb der Beschwerdeführer auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht vermittelbar sei und künftig geschützte Arbeitsbedingungen benötige (S. 5).
5.
5.1
Vorwegzuschicken ist, dass das Medas-Gutachten (vgl. E. 4.2) den praxisgemäs
sen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise entspricht. So ist es für die streitigen Belange umfassend, gibt es doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und der verbleibenden Arbeitsfähig
keit. Es beruht sodann auf den
notwendigen Untersuchungen in
psychiatrischer, rheumatologischer, neurologischer und neuropsychologischer
Fach
richtung. Die Gutachter berücksichtigen detailliert die geklagten Beschwerden und setzen sich damit auseinander (Urk. 6/133/1-49 S. 11, S. 15, S. 21, S. 25, S. 28 f., S. 32, S. 34 und S. 43 f. sowie Urk. 6/133/50-58 S. 2 und S. 5 ff.). Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben, wobei sich die Gutach
ter zur Krankheitsentwicklung
äusserten und Bezug auf di
e medizinischen Vorakten nahmen
(Urk. 6/133/1-49 S. 2-8 und S. 40 ff. sowie Urk. 6/133/50-58 S. 6). Sie setzten sich insbesondere mit abweichenden Diagnosen in anderen Arztberichten auseinander und würdigten diese in nachvollziehbarer Weise (Urk. 6/133/1-49 S. 19 ff., S. 35 f. und S. 39 ff.). Schliesslich leuchtet das Gut
achten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beur
teilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen in der Ex
pertise sind begründet.
In diesem Sinne ging der psychiatrische Gutachter med. prakt. K._ nachvoll
ziehbar von einem Ganser-Syndrom aus, wobei beim Beschwerdeführer sowohl in der bisherigen wie auch in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit besteht. Med. prakt. K._ verneinte zudem eine Verände
rung des Gesundheitszustands seit 2005 (Urk. 6/133/1-49 S. 21 f. und S. 24). In rheumatologischer Hinsicht beschrieb Dr. J._ einleuchtend, dass beim dor
salen MCP V rechts eine chronisch persistierende Arthralgie unklarer Ätiologie vorliegt und der Beschwerdeführer in Tätigkeiten ohne kraftanfordernde manu
elle Arbeiten rechts inklusive in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Raumpfle
ger zu 100 % arbeitsfähig ist, wobei seit 2005 keine Veränderung des Gesund
heitszustands stattgefunden hat (S. 29 ff.). Die neurologischen Gutachter Dres. H._ und I._ legten schlüssig dar, dass es für die beklagte Amnesie keine neurologische Erklärung gibt und beim Beschwerdeführer in der zuletzt ausge
übten Tätigkeit als Reinigungskraft eine 100%ige Arbeitsfähigkeit besteht (S. 36 f.). Die Expertise erfüllt demnach die praxisgemässen Kriterien an den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens (BGE 125 V 351 E. 31; 122 V 157 E 1c), weshalb für die Entscheidfindung darauf abzustellen ist.
5.2
Nachdem die Medas-Gutachter eine Veränderung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers seit 2005 (Urk. 6/80-81) übereinstimmend verneinten (vgl. E. 5.1), ist – entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin und des RAD (vgl. Urk. 2 S. 2 und Urk. 6/136 S. 4) - weder in psychischer noch organischer Hinsicht eine massgebliche Veränderung des Gesundheitszustands (vgl. E. 1.3) seit Erlass der ursprünglichen Rentenverfügung vom 29. Oktober 2009 (Urk. 6/80-81) ausgewiesen. Ebenso wenig machte der Beschwerdeführer eine entsprechende Veränderung geltend (vgl. Urk. 1 S. 6 f. Ziff. 8) und wurde eine solche auch nicht in den Berichten der Dres. B._, A._, C._ und D._ erwähnt (vgl. Urk. 6/145-146, Urk. 6/158 und Urk. 6/160).
Damit fehlt der erforderliche Revisionsgrund und es kann keine revisionsweise Rentenaufhebung erfolgen. Demzufolge ist zu prüfen, ob die angefochtene Rentenaufhebung mit der substituierten Begründung der anfänglichen Unrich
tigkeit der Rentenzusprache zu schützen ist (vgl. E. 1.3).
6.
6.1
Die Einschätzung des RAD-Arztes Prof. Dr. E._, auf welche sich die Be
schwerdegegnerin bei der ursprünglichen Rentenzusprache abstützte (vgl. E. 3), wurde angesichts der höchstgradigen Diskrepanz in der Diagnostik und der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zwischen dem Gutachten von Dr. med. O._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. Februar 2008 (vgl. Urk. 6/41/1-32) und dem Bericht von med. pract. M._, Oberarzt des Psychiat
rie-Zentrums N._, vom 22. Oktober 2008 (vgl. Urk. 6/50/2-6) zwecks entspre
chender Plausibilisierung eingeholt (Urk. 6/79 S. 3). Eine Anamnese und eine Auseinandersetzung mit dem erwähnten Gutachten und Arztbericht sowie mit den übrigen Vorakten (vgl. unter anderem Urk. 6/5/5-6, Urk. 6/5/9-26, Urk. 6/5/33-37, Urk. 6/5/40-41, Urk. 6/6/11-28, Urk. 6/16/5-10 und Urk. 6/29/2-5) erfolgte nicht respektive wurde vom RAD-Arzt in seinem Unter
suchungsbericht vom 17. Februar 2009 (Urk. 6/56) nicht dokumentiert. Wenn schon die RAD-Beurteilung zur Plausibilisierung der Einschätzungen von Dr. O._ und med. pract. M._ hätte massgebend sein sollen, so wäre eine fundierte Auseinandersetzung mit deren teilweise abweichenden Diagnosen, Befunden und Bewertungen der Arbeitsfähigkeit unabdingbar gewesen. Abgese
hen davon wies der RAD-Arzt auf auffallende kognitive Schwächen hin, wobei sich der Beschwerdeführer nicht an die Daten seiner Lebensgeschichte erinnern könne respektive er deutliche Schwächen bei der Merkfähigkeit zeige (Urk. 6/56 S. 3). Darüber, wie sich diese kognitiven Defizite bei der Ausübung beruflicher Tätigkeiten konkret auswirken, machte der RAD-Arzt keine Angaben, sondern hielt lediglich in pauschaler Weise fest, dass der Beschwerdeführer aufgrund des psychischen Gesundheitsschadens mit Krankheitswert in seiner angestammten Tätigkeit vollständig eingeschränkt sei (S. 4). Im Weiteren ging der RAD-Arzt davon aus, dass der Beschwerdeführer in einer leidensangepassten Tätigkeit mit einem Arbeitspensum von vier Stunden pro Tag arbeitsfähig sei, wobei er das von ihm postulierte Pensum nicht näher begründete. Ebenso wenig äusserte er sich - mit der Ausnahme betreffend das Besteigen von Leitern (S. 4) - zum kon
kreten Belastungsprofil der behinderungsangepassten Arbeiten. Die Schlussfol
gerungen bezüglich der dem Beschwerdeführer verbleibenden Arbeitsfähigkeit sind damit nicht nachvollziehbar. Gleiches gilt für den Hinweis, wonach sich der Gesundheitsschaden trotz lege artis durchgeführter Therapie als weitgehend therapieresistent gezeigt habe (S. 4), nachdem sich der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der RAD-Untersuchung in keiner psychiatrischen Behandlung befand und lediglich Medikamente gegen Bluthochdruck sowie Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel einnahm (S. 2) und der RAD-Arzt zudem eine „gezielte psy
chiatrisch-psychotherapeutische Behandlung“ empfahl (S. 4).
Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die drei von der Beschwerdegegnerin respektive vom Krankentaggeldversicherer beauftragten unabhängigen Gutach
ter Dr. med. P._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Dr. med. dipl.-psych. Q._ und Dr. O._ allesamt eine versicherungsrelevante psychische Stö
rung verneinten und von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgingen (Urk. 6/6/11-28 S. 17, Urk. 6/16/5-10 S. 5 sowie Urk. 6/41/1-32 S. 27 und S. 29). Abgesehen vom RAD-Arzt Prof. Dr. E._ postulierten einzig die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums N._ eine Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/50/2-6 S. 4), wobei in diesem Zusammenhang
die Erfahrungstatsache zu berücksichti
gen
ist
, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
6.2
Nach dem Gesagten erfüllt der RAD-Untersuchungsbericht die Beweisan- forderun
gen an eine rechtsgenügende medizinische Entscheidgrund
lage, auf deren Basis eine Leistungszusprache erfolgen kann, nicht (BGE 125 V 351 E. 3a), weshalb sich die ursprüngliche Rentenzusprache vom 29. Oktober 2009 (Urk. 6/80-81) als zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne erweist (vgl. E. 1.3). Ausser Frage steht, dass ihre Berichtigung von er
heblicher Bedeutung ist (BGE 119 V 475 E. 1c und Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hinweisen)
.
7.
7.1
Steht die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung fest, so
ist wie bei einer materiel
len Revision nach
Art.
17
Abs. 1
ATSG auf der Grund
lage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts der Invaliditäts
grad im Zeitpunkt der Verfügung zu ermitteln (in diesem Sinne auch Urteil
des Bundesgerichts 9C_11/2016 vom 22. Februar 2016 E. 5 mit Hinwei
sen
), woraus sich die Anspruchsberechtigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs erge
ben (
Art.
28
Abs.
1 IVG; Urteil
des Bundesgerichts
9C_11/2008 vom 2
9.
April 2008 E. 4.2.1).
7.2
7.2.1
Gestützt auf das Medas-Gutachten ist aus somatischer und psychiatrischer Sicht von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in Tätigkeiten ohne kraftanfordernde ma
nuelle Arbeiten rechts respektive in der angestammten Tätigkeit als Raumpfle
ger auszugehen (vgl. E. 5.1).
7.2.2
Die gutachterliche Beurteilung der Medas steht im Einklang mit den Expertisen der Dres. P._, Q._ und O._ (vgl. E. 6.1) sowie der verkehrsmedizini
schen Begutachtung von med. pract. R._, Assistenzarzt, und Dr. med. S._, Fachärztin für Rechtsmedizin des Instituts für Rechtsmedizin der T._, vom 6. Oktober 2011 (Urk. 6/119),
welche objektiv keine relevan
ten kognitiven Störungen
feststellten und die Fahreignung des Be
schwerdeführers unter Hinweis auf regelmässige ärztliche Kontrollen und die Einnahme allfälliger Medikamente bestätigten (S. 3 und S. 5). Die Dres. R._ und S._ führten aus, dass der Beschwerdeführer über die Gesamt
dauer der fast 45minütigen Exploration in der Lage gewesen sei, aktiv an der Untersuchung teilzunehmen, adäquate Angaben gemacht habe und insbeson
dere seinen Berufsalltag adäquat habe schildern können (S. 4). Der Beschwer
deführer habe unter anderem darauf hingewiesen, dass er aufgrund seiner Tä
tigkeit im Bereich Reinigung einen Führerausweis benötige, da er zu verschie
denen Objekten gelangen müsse und er meistens alleine arbeite (S. 2). Des Wei
teren vermochte er unter anderem das Datum seiner Einreise in die Schweiz und der Ehetrennung sowie das Alter seines Sohnes zu nennen (S. 1 f.). Im ver
kehrsmedizinischen Gutachten wurde sodann auf die Berichte der Hausärztin des Beschwerdeführers, Dr. med. U._, Allgemeine Medizin, vom 14. März sowie 4. Oktober 2011 hingewiesen
,
wonach sich
die retrograde Amnesie soweit erholt habe und der Beschwerdeführer für kurze Strecken innerhalb des Kantons Zürich fahrtauglich sei. Die Hausärztin hielt weiter fest, dass der Beschwerde
führer immer korrekt sei und zudem wisse, wie er sich zu verhalten habe res
pektive er ein Kurzzeitgedächtnis habe und das Langzeitgedächtnis besser werde und er sich, was die Fahreignung betreffe, konzentrieren könne (S. 3). Im Übri
gen ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer im Jahre 2007 mit sei
nem Bruder die V._ GmbH gründete (Urk. 6/114 S. 4).
7.2.3
Die nach dem Erlass des Vorbescheids (Urk. 6/137) vom Rechtsvertreter des Be
schwerdeführers eingeholten Emails respektive Berichte der Dres. A._, B._, C._ und D._ (Urk. 6/145-146, Urk. 6/158 und Urk. 6/160) vermö
gen an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Diesbezüglich
ist
einmal mehr die auftragsrechtliche Vertrauensstellung der behandelnde Ärzte zu ihren
Patientin
nen und Patienten
zu berücksichtigen
(BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc).
Im Weiteren stellte Dr. A._ in seiner Email vom 6. Juli 2015 (Urk. 6/145) weder eine konkrete Diagnose noch äusserte er sich zu den psychischen Defiziten des Beschwerdeführers und deren allfällige Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, sondern beschränkte sich im Wesentlichen auf allgemeine Hinweise betreffend dissoziative Störungen. In der Email vom 11. Oktober 2015 (Urk. 6/160) nannte Dr. A._ zwar die Diagnose einer dissoziativen Amnesie (ICD-10 F44.0) und wies darauf hin, dass die aktuelle Arbeitsunfähigkeit hinreichend fundiert sei, eine Begründung für diese Diagnose sowie Angaben darüber, wie sich die psychische Störung konkret auf die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkt, fehlen indessen.
Ähnlich verhält es sich betreffend die von Dr. B._ in seinem Bericht vom 3. Juli 2015 (Urk. 6/146) postulierte Unverwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt (S. 5), zumal der Arzt nicht darlegte, inwiefern die psychischen Beeinträchtigungen den Beschwerdeführer bei der Ausübung be
ruflicher Tätigkeiten konkret einschränkten. Es ist ferner darauf hinzuweisen, dass die Schizophrenia simplex einzig von Dr. B._ diagnostiziert wurde und es sich dabei um ein ungewöhnliches und seltenes Zustandsbild respektive um eine nur sehr schwer sicher zu diagnostizierende Störung handelt, weshalb die Stellung einer solchen Diagnose gemäss den
diagnostischen Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation
nicht empfohlen wird (
Dilling
H.
/
Mombour
W.
/Schmidt
M.H.
[Hrsg.]
,
Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V, Klinisch-diagnostische Leitlinien,
10
. Aufl., Bern 201
5
,
S. 138
)
.
Die Dres. C._ und D._ begründeten die von ihnen am 1. Oktober 2015 erwähnte Unvermittelbarkeit des Beschwerdeführers auf dem ersten Arbeits
markt mit unüberwindbaren Defiziten in den Frontalhirnfunktionen (verbale und frontale Ideenproduktion, Handlungsplanung, Konzeptdenken, inhibitori
sche Kontrolle), der Sprache (Lesen, Schreiben und Rechnen) sowie im Altge
dächtnis. Wie sich diese Defizite auf die Ausübung der bisherigen Tätigkeit als Raumpfleger im Einzelnen auswirken, ist nicht ersichtlich, zumal der Beschwer
deführer bei dieser Arbeit nur in geringem Masse auf Lese-, Schreib- und Re
chenfähigkeiten sowie sein Altgedächtnis angewiesen ist. Die Dres. C._ und D._ erwähnten zudem nur leichte Schwankungen der allgemeinen Aufmerk
samkeit, geringe Schwierigkeiten beim Lernen neuer verbaler episodischer In
formationen bei erhaltener kurzfristiger Erinnerungsleistungen respektive un
auffällige Leistungen in den Bereichen der Visuokonstruktion, der visuellen Wahrnehmung sowie im kurzfristigen Erinnern nonverbaler episodischer Infor
mationen (Urk. 6/158 S. 2 und S. 3).
7.2.4
Was den vom Beschwerdeführer erhobenen Einwand betrifft, es bestünden Wi
dersprüche betreffend die Diagnose, weshalb weitere Abklärungen zu treffen seien und nicht auf das Medas-Gutachten abgestellt werden könne (Urk. 1 S. 6 Ziff. 7), ist Folgendes zu bemerken:
Rechtsprechungsgemäss kommt es im Rah
men der Invaliditätsbemessung grundsätzlich nicht auf die Diagnose, sondern einzig darauf an, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähig
keit hat. Massgebend ist der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik (Urteil des Bundesgerichts 9C_361/2016 vom 22. August 2016 E. 4.2.1).
7.2.5
Im Übrigen ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer ab März 2010 mit einem täglichen Pensum von vier Stunden als Raumpfleger arbeitete. Im ent
sprechenden Arbeitgeberbericht wurde darauf hingewiesen, dass der Beschwer
deführer sämtliche Reinigungsarbeiten ausführe, hauptsächlich bei den Kunden sei und deren Häuser sauber mache sowie eine Bereicherung für das Team sei (Urk. 6/102 Ziff. 2.9 und Ziff. 5). Davon, dass der Beschwerdeführer in der Aus
übung seiner Tätigkeit in irgendeiner Weise – insbesondere in psychischer Hin
sicht – eingeschränkt war oder besonderer Beaufsichtigung bedurfte, ist im Be
richt keine Rede. Gegenüber der Unfallversicherung gab der Beschwerdeführer ferner am 25. Juni 2009 an, dass die Arbeitsfähigkeit vor September 2008 we
gen „Problemen mit dem Kopf, welche auf einen Schlag im Jahre 2004“ zurück
zuführen seien, eingeschränkt gewesen sei, dass er mittlerweile deswegen aber wieder voll arbeiten könne (Urk. 6/75/17-19 S. 1, siehe dazu auch Urk. 6/116 S. 5).
8.
8.1
Die Medas-Gutachter sind in Anwendung der bisherigen Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen und
den sogenannten
pathogenetisch-ätiolo
gisch unklare
n
syndromale
n
Beschwerdebilder
n ohne nachweisbare organische Grundlage
zum Ergebnis gelangt, dass das psychische Leiden des Beschwerde
führers als überwindbar zu gelten habe und er zu 100 % arbeitsfähig sei (Urk. 6/133/1-49 S. 22). Der Beschwerdeführer machte diesbezüglich geltend, die neue Rechtsprechung zu den psychosomatischen Krankheitsbildern sei nicht berücksichtigt worden und es seien gestützt darauf weitere medizinische Ab
klärungen zu tätigen (Urk. 1 S. 7 Ziff. 9 f.). In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass bereits vor der mit BGE 141 V 281 erfolgten Rechtspre
chungsänderung (vgl. nachfolgend E. 8.2) eingeholte Gutachten gemäss Bun
desgericht nicht per se ihren Beweiswert verlieren.
Vielmehr ist im Rahmen ei
ner gesamthaften Prüfung des Einzelfalls entscheidend, ob eine schlüssige Be
urteilung im Lichte
der
vom Bundesgericht genannten
Indikatoren möglich ist o
der
nicht
(BGE 141 V 281 E. 8). Es stellt sich sodann die Frage, ob das Ganser-Syndrom unter die erwähnten unklaren syndromalen Beschwerdebilder fällt. Diese vom Bundesgericht bisher noch nicht beurteilte Frage
kann letztlich of
fenbleiben, da die Prüfung der Standardindikatoren keinen invalidenversiche
rungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden ergibt.
8.2
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd an
schliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versi
cherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturier
tes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Re
gelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die Präponderanz der psychiatri
schen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der Standardindikato
ren wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zu
sammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Aner
kennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomati
schen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bun
desgericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
8.3
8.3.1
Was den Komplex „Gesundheitsschädigung“ respektive den Indikator der „Ausprä
gung der diagnoserelevanten Befunde“ betrifft, klagte der Beschwerde
führer über unter Belastung auftretende rechtsseitige Körperschmerzen respek
tive tägliche, morgens akzentuierte, dauerhafte und pulsierende Kopfschmerzen (Hemikranien). Der Beschwerdeführer gab die Intensität der Kopfschmerzen mit aktuell und minimal 3, maximal 7-8 auf der Schmerzskala (Minimum 0, Maxi
mum 10) an (Urk. 6/133/1-49 S. 11, S. 25, S. 32 und S. 36). Der psychiatrische Gutachter ging von einer dissoziativen Störung im Sinne eines Ganser-Syn
droms aus, welcher er jedoch keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu
mass (S. 22). In rheumatologischer Hinsicht diagnostizierte Dr. J._ eine chronische persistierende Arthralgie des MCP V rechts unklarer Ätiologie und schloss Tätigkeiten mit kraftanfordernden manuellen Arbeiten rechts aus. Im Übrigen wies er darauf hin, dass sich für die beklagten Hemikranien und die rechtsseitigen Körperschmerzen kein adäquates klinisches, radiologisches oder laborchemisches Korrelat finde (S. 29 und S. 30). Gleichermassen verneinten die Dres. H._ und I._ eine neurologische respektive organische Erklärung für die beklagten Beschwerden und nannten lediglich einen Verdacht auf einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz, einen schmerzmittelinduzierten Kopf
schmerz laut IHS Klassifikation II respektive auf einen chronischen Spannungs
kopfschmerz (S. 36). Vor diesem Hintergrund ist nicht von ausgeprägten diag
noserelevanten Befunden auszugehen.
8.3.2
Bezüglich des Indikators „Behandlungs- und Eingliederungserfolg“ ist zu berück
sichtigen, dass der Beschwerdeführer bisher einmal (vom 24. Oktober bis 15. November 2005) im Psychiatrie-Zentrum N._ stationär behandelt worden ist (Urk. 6/133/1-49 S. 19) und sich danach keiner ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung unterzog. Im Weiteren nahm er Schmerz
mittel und Antidepressiva ein (S. 11) und begab sich aufgrund der Beschwerden in der rechten Hand in Physiotherapie (S. 25). In psychiatrischer und neurolo
gischer Hinsicht empfahlen die Gutachter eine psychiatrisch-psychotherapeuti
sche Behandlung, einen ambulanten oder stationären Schmerzmittelentzug, die Einnahme eines schmerzdistanzierenden Medikaments, Ausdauersport sowie Ni
kotinkarenz (S. 23 und S. 37). Dies deutet auf eine nicht besonders ausgeprägte Behandlungsresistenz hin.
8.3.3
Was den Indikator „Komorbiditäten“ betrifft, so besteht kein gravierendes körperli
ches Leiden. Objektivierbar ist lediglich eine lokale Druckdolenz des dorsalen MCP V rechts mit Weichteilschwellung der dorsalen Gelenkskapsel MCP V, welche lediglich die Ausübung kraftanfordernder manueller Tätigkeiten rechts limitiert (Urk. 6/133/1-49 S. 29). Der dissoziativen Störung wurde sodann keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit beigemessen (S. 22) und der Be
schwerdeführer befindet sich seit mehreren Jahren nicht in psychiatrisch-psy
chotherapeutischer Behandlung.
8.3.4
Beim Komplex „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ ergibt sich Folgendes: Der Beschwerdeführer lebt seit mehreren Jahren mit seiner Freundin zusammen und sieht seinen aus erster Ehe stammenden Sohn (geboren 2002, Urk. 6/82/1-3 S. 1) jedes zweite Wochenende (Urk. 6/133/1-49 S. 9). Zu seinen Brüdern, deren Ehefrauen und seinen Eltern hat er regelmässigen Kontakt, wobei ihn sein älte
rer Bruder jeden Morgen anruft (S. 14). Der Tagesablauf des Beschwerdeführers gestaltet sich wie folgt: Nach dem Frühstück chauffiert die Freundin den Be
schwerdeführer zu ihrer Arbeitsstelle, von wo letzterer allein per Auto zu sei
nem Arbeitsort weiterfährt. Nach der Arbeit fährt er nach Hause, wo er zu Mit
tag isst und schläft. Danach holt er seine Freundin von der Arbeit ab und kehrt wieder nach Hause zurück, wo sie gemeinsam den Tag besprechen, kochen, es
sen, die Küche aufräumen und Radio hören respektive fernsehen (S. 9). Seit drei Wochen vor der gutachterlichen Untersuchung
geht der Beschwerdeführer um
9 Uhr in die Firma seines Bruders, wo er mit den anderen
Angestellten Kaffee trinkt. Danach kehrt er nach Hause zurück, schläft und bereitet sich danach ei
nen Salat zu oder stellt das vorgekochte Mittagessen in die Mikrowelle, wäscht ab und legt sich wieder hin. Wenn die Freundin um 16 Uhr nach Hause kommt, reden sie und bereiten gemeinsam das Nachtessen vor (S. 14). Damit verfügt der Beschwerdeführer über intakte persönliche und soziale Ressourcen.
8.3.5
In der Kategorie „Konsistenz“ (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezü
gen zu den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ eingehend Mi
chael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016, S. 28 ff.). zielt
d
er Indikator „gleichmässige Einschränkung des Aktivi
tätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen“ auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Frei
zeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist
, wobei das
Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähig
keit zu sehen
ist
(BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1)
.
Der Beschwerdeführer sieht sich nicht mehr in der Lage, einer verwertbaren Ar
beit nachzugehen (vgl. Urk. 1 S. 9 Ziff. 16). Seine Tagesaktivitäten (vgl. E. 8.3.4) entsprechen indessen nicht der von ihm geltend gemachten 100%igen Arbeits
unfähigkeit. Des Weiteren verbrachte der Beschwerdeführer im August 2014 drei Wochen Ferien in Portugal
(Urk. 6/133/1-49 S. 16). Damit zeigen sich in der Alltagsgestaltung inklusive Freizeit keine ausgeprägten Einschränkungen.
8.3.6
Im Rahmen des
Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausge
wiesener Leidensdruck“
(zur Abgrenzung vom Indikator „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ vgl. Michael E. Meier, aa.O, S. 25 Rz 60)
weist d
ie Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex „Gesundheitsschädigung") auf
den tatsächli
chen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. In
konsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte
Ein
schränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeein
trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Der Beschwerdeführer nimmt wie dargelegt Schmerzmittel sowie ein Anti- depressi
vum ein. Seit dem stationären Aufenthalt im Psychiatrie-Zentrum N._ im Herbst 2005 befindet sich der Beschwerdeführer in keiner psychiatri
schen Behandlung (vgl. E. 8.3.2). Dies deutet auf einen nicht besonders ausge
prägten beziehungsweise ausgewiesenen Leidensdruck hin.
8.4
Die Prüfung der verschiedenen Indikatoren ergibt, dass diese nicht als in ausge
prägtem Umfang gegeben erachtet werden können. Demzufolge ist eine Unüber
windbarkeit der Auswirkungen des psychosomatischen Leidens zu verneinen und im Einklang mit dem Medas-Gutachten von einer 100%igen Arbeitsfähig
keit in der angestammten Tätigkeit auszugehen.
Damit erweist sich die Verfügung vom 13. Januar 2016 (Urk. 2) als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
9.
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens de
m
unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.