Decision ID: 9dd83283-cc96-4bf4-b144-87b89c98f31f
Year: 2021
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erlangte den Führerausweis der Fahrzeugkategorie B am 5. März 1981. Im
Informationssystem über die Verkehrszulassung (IVZ; früher:
Administrativmassnahmen-Register) ist er wegen einer schweren Widerhandlung mit
einem dreimonatigen Führerausweisentzug vom 6. Januar bis 5. April 2012 verzeichnet.
Er hatte am 6. Januar 2012 ein Motorfahrzeug mit einer Blutalkoholkonzentration von
mindestens 1,19 Gewichtspromille gelenkt.
B.- Am 24. Oktober 2016 führte die Polizei in Buchs auf der Haagerstrasse eine
Geschwindigkeitskontrolle im Ausserortsbereich durch; dort galt die allgemeine
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. X war an der Messstelle mit einer
Geschwindigkeit von 124 km/h unterwegs (nach Abzug einer Messtoleranz von 4 km/
h). Aufgrund der Geschwindigkeitsüberschreitung von 44 km/h, welche er vor Ort
anerkannte, nahm die Polizei den Führerausweis vorläufig ab. Das
Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen weigerte sich zunächst, den
Führerausweis wieder herauszugeben. Dies änderte sich erst, als X dagegen Rekurs
erhob. Bevor ein Entscheid erging, erhielt er den Führerausweis am 15. Dezember 2016
vom Strassenverkehrsamt wieder zurück. Dieses wies zudem darauf hin, dass das
Administrativmassnahmeverfahren sistiert und der Ausgang des Strafverfahrens
abgewartet werde.
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C.- Im Strafverfahren wurde X am 28. April 2017 wegen grober Verkehrsregelverletzung
zur gerichtlichen Beurteilung überwiesen. Ein Sachbearbeiter mit
staatsanwaltschaftlichen Befugnissen hatte die Untersuchung geführt und die Anklage
erhoben, was der Verteidiger als unzulässig rügte. Nach einer ersten mündlichen
Parteiverhandlung vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland vom 21.
September 2017, der anschliessenden Abnahme weiterer Beweise und einer vom
Verteidiger beantragten Sistierung des Strafverfahrens wies die Einzelrichtern die
Angelegenheit am 23. Juli 2019 zur Ergänzung der Anklage an die Staatsanwaltschaft
zurück. Zuvor hatte das Bundesgericht in einem anderen Fall die Frage offengelassen,
ob die frühere, vom 25. Februar 2011 bis 29. Januar 2018 geltende Bestimmung,
wonach ein Sachbearbeiter mit staatsanwaltschaftlichen Befugnissen auf Anordnung
und unter Verantwortung des Staatsanwalts Untersuchungen führt, die
Nichtanhandnahme verfügt, das Verfahren sistiert oder einstellt, einen Strafbefehl
erlässt oder Anklage erhebt, wenn als Sanktion voraussichtlich eine Busse, eine
Geldstrafe von höchstens 180 Tagessätzen, gemeinnützige Arbeit von höchstens 720
Stunden oder eine Freiheitsstrafe von höchstens sechs Monaten in Betracht kommt
(vgl. aArt. 13 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Straf- und
Jugendstrafprozessordnung, sGS 962.1, abgekürzt: EG-StPO), gegen übergeordnetes
Recht verstösst (Urteil 6B_98/2018 vom 18. April 2019 E. 1.2 und 1.3).
Nach einer nochmaligen Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft wurde X mit
Strafbefehl vom 24. Oktober 2019 im Zusammenhang mit der
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 24. Oktober 2016 erneut wegen grober
Verkehrsregelverletzung schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von
70 Tagessätzen zu je Fr. 680.– und einer Busse von Fr. 11'500.– verurteilt. Auf
Einsprache hin bestätigte die Einzelrichterin am Kreisgericht Werdenberg-
Sarganserland mit Entscheid vom 25. Mai 2020 den Schuldspruch wegen grober
Verkehrsregelverletzung. Die Sanktion änderte sie insofern ab, als sie die Geldstrafe auf
56 Tagessätze zu je Fr. 680.– und die Busse auf Fr. 9'500.– reduzierte. Auf eine
dagegen angemeldete Berufung trat das Kantonsgericht St. Gallen am 2. September
2020 mangels Eingangs einer Berufungserklärung nicht ein.
D.- Am 6. November 2020 setzte das Strassenverkehrsamt das
Administrativmassnahmeverfahren fort und verfügte am 14. Dezember 2020 einen
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zwölfmonatigen Führerausweisentzug, unter Anrechnung der Dauer der polizeilichen
vorläufigen Abnahme bis zur Wiederaushändigung. Zuvor hatte der Rechtsvertreter am
16. November 2020 einen Führerausweisentzug von maximal sechs Monaten
beantragt. X liess am 13. Januar 2021 bei der Verwaltungsrekurskommission des
Kantons St. Gallen (VRK) Rekurs gegen den Warnungsentzug vom 14. Dezember 2020
erheben. Er beantragte, die Entzugsdauer auf sechs Monate zu beschränken und dem
Rekurs für die sechs Monate übersteigende Warnungsentzugsdauer die aufschiebende
Wirkung zuzuerkennen. Diesem prozessualen Antrag wurde am 14. Januar 2021
entsprochen, und zwar mit dem Hinweis, dass dem Rekurs wieder aufschiebende
Wirkung zukomme, sofern das Rekursverfahren über den 19. Mai 2021 hinaus dauere.
Das Strassenverkehrsamt verfügte daraufhin am 19. Januar 2021, dass auf die
Vollstreckungsanordnung vom 14. Januar 2021 nicht eingetreten werde. Auf
Intervention des Verfahrensleiters hin nahm es diese Verfügung zurück und den Führer
ausweis des X entgegen. In der Sache verzichtete das Strassenverkehrsamt am 28.
Januar 2021 auf eine Vernehmlassung. Der Rechtsvertreter hielt am Antrag auf
Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 25. Februar 2021 nicht mehr fest.

Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 13. Januar 2021 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen
das Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen
ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen.
Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b
SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung
bis
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begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden Bestandteile einer schweren
Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
b) Signale und Markierungen sind zu befolgen und gehen den allgemeinen Regeln vor
(Art. 27 Abs. 1 SVG). Nach Art. 4a Abs. 1 lit. b der Verkehrsregelnverordnung (SR
741.11, abgekürzt: VRV) beträgt die allgemeine Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge
unter günstigen Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen ausserhalb von
Ortschaften, ausgenommen auf Autostrassen und Autobahnen, 80 km/h. Zur
Sanktionierung von Geschwindigkeitsüberschreitungen hat die Rechtsprechung im
Interesse der rechtsgleichen Behandlung Grenzwerte festgelegt. Danach liegt nach
bundesgerichtlicher Praxis ungeachtet der konkreten Umstände objektiv eine schwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG vor, wenn die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit innerorts um 25 km/h oder mehr, ausserorts um 30 km/h oder
mehr und auf Autobahnen um 35 km/h oder mehr überschritten wird (BGE 132 II 234 E.
3.1; Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 16c SVG N 6).
Im Rekursverfahren ist unbestritten, dass der Rekurrent die zulässige
Höchstgeschwindigkeit ausserorts am 24. Oktober 2016 um 44 km/h überschritten hat.
Er macht zu Recht auch nicht geltend, dass der Tatbestand der schweren
Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG aus subjektiven Gründen nicht erfüllt
sei. Der Rekurs richtet sich denn auch ausschliesslich gegen die Entzugsdauer; darauf
ist im Folgenden einzugehen.
3.- Gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG sind bei der Festsetzung der Dauer des
Führerausweisentzugs die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
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Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Diese Zumessungsfaktoren sind gesamthaft zu würdigen und die Entzugsdauer ist im
Einzelfall so festzusetzen, dass die mit der Massnahme beabsichtigte erzieherische und
präventive Wirkung am besten erreicht wird. Bei der Bemessung der Entzugsdauer
kommt der Behörde ein weiter Ermessensspielraum zu (Weissenberger, a.a.O., Art. 16
SVG N 27).
a) Nach einer schweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens zwölf
Monate entzogen, wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis einmal
wegen einer schweren Widerhandlung oder zweimal wegen mittelschweren
Widerhandlungen entzogen war (Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG). Nach konstanter
bundesgerichtlicher Rechtsprechung beginnt die fünfjährige Bewährungsfrist mit dem
Ablauf der Dauer des vorangegangenen Warnungsentzugs (Urteil des Bundesgerichts
[BGer] 1C_537/2020 vom 16. Februar 2021 E. 6.3). Der Führerausweis war dem
Rekurrenten wegen einer schweren Widerhandlung für drei Monate bis am 5. April
2012 entzogen. Die Geschwindigkeitsüberschreitung vom 24. Oktober 2016 ereignete
sich demnach während der fünfjährigen Bewährungsfrist; folglich beträgt die
Mindestentzugsdauer zwölf Monate. Daran ändert auch die Kritik des Rekurrenten
nichts, wonach die Regelung, dass die Rückfallfrist einerseits beim Entzugsende der
Vortat und andererseits beim neuen Deliktsdatum anknüpfe, in seinem Fall deshalb als
unhaltbar erscheine, weil er sich nach der Geschwindigkeitsüberschreitung vom
24. Oktober 2016 über einen langen Zeitraum automobilistisch bewährt habe und die
Verfahrensdauer sich vor allem daraus ergebe, dass der Staat durch unzuständige
Personen gesetzwidrig Strafverfahren habe führen lassen (act. 1 Ziff. 19).
b) Gemäss Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG darf die Mindestentzugsdauer nicht
unterschritten werden. Der Rekurrent hält dafür, dass die Mindestentzugsdauer
"aufgrund einer krass menschenrechtsverletzenden Verfahrensdauer" zu unterschreiten
sei. Das Administrativmassnahmeverfahren habe sich von der
Geschwindigkeitsüberschreitung bis zur angefochtenen Verfügung über vier Jahre und
zwei Monate erstreckt. Aufgrund dieses Zeitablaufs könne der Sinn und Zweck der
Administrativmassnahme nur noch sehr bedingt erfüllt werden. Die abschreckende
Wirkung des Warnungsentzugs nehme mit fortschreitender zeitlicher Distanz zum
Vorfall erheblich ab; dasselbe gelte für das staatliche Ahndungsbedürfnis.
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c) aa) Der Warnungsentzug ist – im Gegensatz zum Sicherungsentzug wegen fehlender
Fahreignung (vgl. Art. 16d SVG) – eine der Strafe ähnliche Sanktion mit präventivem
Charakter (Weissenberger, a.a.O., Vorbemerkungen zu Art. 16 ff. SVG N 5) und als
solcher Teil des Administrativmassnahmenrechts, das per 1. Januar 2005 verschärft
wurde. Ziel der Revision war, schwere und wiederholte Widerhandlungen gegen
Strassenverkehrsvorschriften strenger und vor allem auch einheitlicher zu ahnden, um
die Strassenverkehrsteilnehmer zu rücksichtsvollem und sicherem Fahren zu bewegen.
Eine einschneidende Änderung betraf die Mindestentzugsdauer, die nur noch in klar
definierten Ausnahmefällen (Dienstfahrten von Blaulichtorganisationen) unterschritten
werden darf (Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG). Die besonderen Umstände des Einzelfalls,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie insbesondere auch die berufliche Notwendigkeit, ein
Motorfahrzeug zu führen, dürfen seither nur bis zur gesetzlich vorgeschriebenen
Mindestentzugsdauer berücksichtigt werden, weil sonst die mit der Revision
angestrebte einheitliche Handhabung vereitelt würde. Nach dem ausdrücklichen Willen
des Gesetzgebers und entgegen der früheren bundesgerichtlichen Rechtsprechung
(vgl. BGE 120 Ib 504) kommt die Unterschreitung der Mindestentzugsdauer auch bei
einer Verletzung des Anspruchs auf Beurteilung innert angemessener Frist (Art. 29 Abs.
1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK), was zu den bei der Festsetzung des Führerausweisentzugs
zu berücksichtigenden Umständen zählt, nicht mehr in Frage, wobei dies den
gänzlichen Verzicht auf eine Massnahme in schwerwiegenden Fällen nicht ausschliesst.
Das Grundrechtsinteresse ist dann höher zu gewichten als das
Vereinheitlichungsinteresse, zumal es sich um Ausnahmen handelt und das
Sanktionsinteresse aufgrund der sehr langen Verfahrensdauer stark an Bedeutung
verliert (vgl. BGE 135 II 334 E. 2.2; Botschaft vom 31. März 1999 zur Änderung des
SVG, BBl 1999 4485 f.; BSK SVG-B. Rütsche, Art. 16 N 94). Ein solcher Fall liegt hier,
wo bis zur Verfügung der Vorinstanz etwas mehr als vier Jahre vergangen sind (vgl.
BGE 135 II 334 E. 2.3), jedoch nicht vor. Abgesehen davon hatte das Bundesgericht,
soweit überblickbar, noch keinen Fall zu beurteilen, in welchem aufgrund einer
schwerwiegenden Verletzung des Beschleunigungsgebots auf einen Warnungsentzug
verzichtet wurde. Vielmehr kann ein erzieherischer Effekt selbst bei einer Zeitspanne
von mehr als neun Jahren seit der Verkehrsregelverletzung weiterhin nicht
ausgeschlossen werden (BGer 1C_190/2018 vom 21. August 2018 E. 5.1 f.).
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bb) Eine andere Frage ist, ob das Beschleunigungsgebot tatsächlich verletzt wurde
und, falls ja, welche Folgen dies hat.
Die Administrativbehörde hat, sofern eine Anzeige an den Strafrichter bereits erfolgt
oder mit einer solchen zu rechnen ist, mit ihrer Verfügung über eine
Warnungsmassnahme grundsätzlich zuzuwarten, bis ein rechtskräftiges Strafurteil
vorliegt (Weissenberger, a.a.O., Vorbemerkungen zu Art. 16 ff. SVG N 13).
Dementsprechend ist sie regelmässig an die Feststellungen des Sachverhalts durch
den Strafrichter gebunden (BGE 139 II 95 E. 3.2 S. 101). Aufgrund dieser Parallelität
des Straf- und Administrativmassnahmeverfahrens kann sich das Verfahren in die
Länge ziehen, und zwar vor allem dann, wenn im Strafverfahren verschiedene
Instanzen durchlaufen werden. Eine erste Verzögerung von wenigen Monaten gab es
im Strafverfahren, weil die Angelegenheit nach Eingang der Anklage beim Kreisgericht
zur Durchführung einer Einvernahme mit dem Rekurrenten zurückgewiesen wurde (act.
13/113). An der ersten Parteiverhandlung vom 21. September 2017 machte der
Rechtsvertreter des Rekurrenten geltend, dass ein Sachbearbeiter mit
staatsanwaltschaftlichen Befugnissen die Untersuchung geführt und die Anklage
erhoben habe, was gemäss kantonsgerichtlicher Rechtsprechung nicht zulässig sei
(act. 13/42). Am 18. Juni 2018 beantragte der Rechtsvertreter des Rekurrenten die
Sistierung des Strafverfahrens, weil das Bundesgericht in einem Fall, in welchem er
Verteidiger sei, einen Entscheid zur Problematik der Zuständigkeit von Sachbearbeitern
mit staatsanwaltschaftlichen Befugnissen fällen werde. Das Bundesgericht entschied in
jenem Fall am 18. April 2019 (Urteil 6B_98/2018), liess die Frage aber offen, ob die
frühere Fassung von aArt. 13 Abs. 1 EG-StPO gegen übergeordnetes Recht verstösst,
weil die Beschwerde in diesem Punkt nicht den Begründungsanforderungen entsprach.
Zufolge Abwartens des höchstrichterlichen Entscheids verstrichen rund ein Jahr und
sieben Monate. Obwohl offen war, ob die Rüge des Rechtsvertreters hinsichtlich der
Verfahrensführung durch einen Sachbearbeiter mit staatsanwaltschaftlichen
Befugnissen zu Recht erhoben wurde, entschloss sich die Einzelrichterin am 23. Juli
2019, die Angelegenheit aus prozessökonomischen Gründen an die Staatsanwaltschaft
zur Ergänzung zurückzuweisen. Sie zweifelte, dass ein anderes Vorgehen vom
Kantonsgericht geschützt würde, und wies zudem darauf hin, dass der Rekurrent und
sein Rechtsvertreter am 13. Mai 2019 auf die Wiederholung der von einem
Sachbearbeiter mit staatsanwaltschaftlichen Befugnissen getätigten
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Untersuchungshandlungen nicht verzichten würden (act. 13/118). Es ist nicht zu
beanstanden, dass der Rechtsvertreter im Strafverfahren einen Sistierungsantrag
stellte. Damit akzeptierte er jedoch die sich daraus ergebende Verfahrensverzögerung,
welche sich auf rund ein Jahr und sieben Monate belief. Diese Zeit des Zuwartens ist
von der Gesamtdauer von der Widerhandlung bis zur angefochtenen Verfügung von
vier Jahren und knapp 2 Monaten abzuzählen. In der restlichen Zeit von etwas mehr als
zweieinhalb Jahren wurden im Strafverfahren zwei Strafbefehle erlassen, zwei
Parteiverhandlungen vor dem Kreisgericht durchgeführt und ein Berufungsverfahren
vor dem Kantonsgericht eingeleitet. Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots ist
darin nicht zu erkennen. Der Vorinstanz ist ohnehin keine Verfahrensverzögerung
vorzuwerfen; namentlich trieb sie das Administrativmassnahmeverfahren zügig voran.
Zu Beginn war sie bis zur Sistierung des Warnungsentzugsverfahrens einen Monat am
Zug. Am 28. Oktober 2020 ging der rechtskräftige Strafentscheid, der abgewartet
werden musste, bei ihr ein. Bereits am 14. Dezember 2020 erliess sie die angefochtene
Verfügung.
d) Da keine Verletzung des Beschleunigungsgebots vorliegt, ist eine solche nicht im
Rechtsspruch festzuhalten (vgl. BGer 1C_190/2018 vom 21. August 2018 E. 5.3). Die
Mindestentzugsdauer darf auch nicht wegen einer beruflichen Angewiesenheit des
Betroffenen oder anderer persönlicher Umstände unterschritten werden (Art. 16 Abs. 3
SVG). Der Rekurrent ist kein Berufschauffeur, der sein Einkommen mit Fahrdiensten
erzielt. Er hat die zulässige Höchstgeschwindigkeit ausserorts um 44 km/h und damit
deutlich über der Grenze zur schweren Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a
SVG von 30 km/h überschritten. Dieser Umstand hat eine Erhöhung der
Mindestentzugsdauer von zwei bis drei Monaten zur Folge. Die Vorinstanz hat die
berufliche Angewiesenheit auf den Führerausweis im selben, aufgrund der
Mindestentzugsdauer höchstmöglichen Umfang massnahmemindernd anerkannt. Die
Entzugsdauer von zwölf Monaten ist demnach zu bestätigen. Davon sind bis zum
heutigen Entscheiddatum 125 Tage vollzogen (24. Oktober bis 15. Dezember 2016 [53
Tage] und 13. Januar bis 25. März 2021 [72 Tage]).
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend wären die amtlichen Kosten, eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12), dem Rekurrenten aufzuerlegen, denn er unterliegt mit seinem Begehren
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(Art. 95 Abs. 1 VRP). Zu berücksichtigen ist indessen, dass sich die Vorinstanz
zunächst ohne Berufung auf eine gesetzliche Grundlage und ohne zu prüfen, ob
allenfalls ein Rechtsmittel gegeben ist, geweigert hat, eine richterliche
verfahrensleitende Verfügung umzusetzen. Ein solches Verhalten ist rechtsstaatlich
problematisch und rechtfertigt, der Vorinstanz einen Teil der amtlichen Kosten, und
zwar die Hälfte, aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 2 VRP). Die doppelt bezahlten
Kostenvorschüsse von insgesamt Fr. 2'400.– sind mit dem Kostenanteil des
Rekurrenten von Fr. 600.– zu verrechnen und im Restbetrag von Fr. 1'800.–
zurückzuerstatten.
Aus denselben Gründen ist die Vorinstanz auch zu verpflichten, den Aufwand, der dem
Rechtsvertreter im Zusammenhang mit der Ablehnung des Vollzugs der
verfahrensleitenden Verfügung entstanden ist, zu bezahlen; angemessen erscheint
hierfür ein Betrag von Fr. 560.05 (Honorar Fr. 500.–, Barauslagen Fr. 20.–,
Mehrwertsteuer Fr. 40.05; Art. 19, Art. 22 Abs. 1 lit. b, Art. 28 Abs. 1, Art. 29 der
Honorarordnung, sGS 963.75).