Decision ID: 616d71d4-c297-4877-848e-807aede5ab1f
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- vor dem Landgericht Athen gegen A., B. und weitere Personen wegen Ver-
brechen gegen den Staat, aktiver und passiver Bestechung zum Schaden
des Staates und Geldwäscherei ein Strafverfahren hängig ist; in diesem Zu-
sammenhang die griechischen Behörden die Schweiz mit Rechtshilfeersu-
chen vom 23. Februar 2018 unter anderem um Sperrung des auf B. lauten-
den Kontos Nr. 1 bei der Bank C. ersuchten (nicht bei den Akten; s.
RR.2018.314-315, act. 9.4);
- die Bundesanwaltschaft (nachfolgend „BA“) dem Rechtshilfeersuchen mit
Verfügung vom 6. November 2018 entsprach und die Sperrung des vorge-
nannten Kontos verfügte (RR.2018.314-315, act. 9.4);
- A. und B., vertreten durch Rechtsanwalt Urs Saal (nachfolgend „RA Saal“),
gegen die Verfügung vom 6. November 2018 bei der Beschwerdekammer
des Bundesstrafgerichts mit Eingabe vom 26. November 2018 Beschwerde
erhoben (RR.2018.314-315, act. 1);
- mit Schreiben vom 29. November 2018 die Beschwerdekammer RA Saal
und die Post CH AG aufforderte, dem Gericht den genauen Zeitpunkt der
Übergabe der Beschwerde vom 26. November 2018 zu Handen des Gerichts
zu nennen (RR.2018.314-315, act. 4, 5);
- RA Saal und die Post CH AG der Aufforderung des Gerichts mit Schreiben
vom 30. November und 4. Dezember 2018 nachkamen (RR.2018.314-315,
act. 6, 8);
- mit Eingabe vom 3. Dezember 2018 A. und B. gegen die Verfügung vom
6. November 2018 bei der Beschwerdekammer eine weitere Beschwerde er-
hoben (RR.2018.317-318, act. 1).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten die
Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren (VwVG; SR 172.021) anwendbar sind, wenn das Bundes-
gesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen
(IRSG; SR 351.1) nichts anderes bestimmt (Art. 12 Abs. 1 IRSG);
- 3 -
- die beiden Beschwerden vom 26. November und 3. Dezember 2018 mehr-
heitlich denselben Wortlaut aufweisen, sich gegen dieselbe Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 6. November 2018 richten, dieselben Anträge be-
inhalten, weshalb es sich rechtfertigt, die Verfahren RR.2018.314-315 und
RR.2018.317-318 zu vereinigen und mit einem einzigen Entscheid zu beur-
teilen;
- einer Schlussverfügung in Rechtshilfeangelegenheiten vorangehende Zwi-
schenverfügungen innert 10 Tagen ab der schriftlichen Mitteilung der Verfü-
gung selbständig angefochten werden können, sofern sie unter anderem
durch die Beschlagnahme von Vermögenswerten einen unmittelbaren und
nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken (Art. 80e Abs. 2 lit. a und
Art. 80k IRSG);
- diesfalls die beschwerdeführende Person mit konkreten Angaben glaubhaft
machen muss, inwiefern die rechtshilfeweise Beschlagnahme von Vermö-
genswerten zu einem nicht wieder gutzumachenden Nachteil führt, wobei
insbesondere drohende Verletzungen von konkreten vertraglichen Verpflich-
tungen, unmittelbar bevorstehende Betreibungsschritte oder das Entgehen
von konkreten Geschäften in Betracht kommen, und die blosse Behauptung
eines solchen Nachteils nicht genügt (vgl. zum Ganzen BGE 130 II 329 E. 2
S. 332; 128 II 353 E. 3 S. 354, m.w.H.; Urteile des Bundesgerichts
1B_285/2011 vom 18. November 2011 E. 2.3.2; 1A.183/2006 vom 1. Feb-
ruar 2007 E. 1.2; 1A.81/2006 vom 21. Juli 2006 E. 2; TPF 2008 7 E. 2.2);
zudem erforderlich ist, dass die beschwerdeführende Person über keine an-
deren, nicht gesperrten Konten verfügt (Urteile des Bundesgerichts
1A.31/2007 vom 16. August 2007 E. 2.2 und 1A.37/2006 vom 3. April 2006
E. 1.2);
- gemäss Art. 80m Abs. 1 IRSG die ausführende Behörde ihre Verfügungen
dem in der Schweiz wohnhaften Berechtigten (lit. a) sowie dem im Ausland
ansässigen Berechtigten mit Zustelldomizil in der Schweiz zustellt (lit. b); falls
eine Partei oder ihr Rechtsbeistand, die im Ausland wohnen, ein Zustellungs-
domizil in der Schweiz nicht bezeichnet, die Zustellung unterbleiben kann
(Art. 9 IRSV);
- nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Beschwerdefrist gemäss
Art. 80k IRSG grundsätzlich erst in dem Moment zu laufen beginnt, in dem
der Berechtigte von der ihn betreffenden Verfügung Kenntnis erlangt hat, d.h.
in der Regel im Zeitpunkt, in dem er von der Bank informiert wird (BGE 124
II 124 E. 2d/aa S. 127 f.; 120 Ib 183 E. 3a S. 186 f.; Urteil des Bundesgerichts
1A.108/2000 vom 12. September 2000 E. 2);
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- 4 -
- wenn der von der Verfügung betroffene Kontoinhaber mit seiner Bank eine
banklagernde Korrespondenz vereinbart und den Rechtshilfebehörden keine
Zustelladresse in der Schweiz notifiziert hat, die Rechtshilfeverfügung im
Zeitpunkt der Entgegennahme durch die Bank grundsätzlich als eröffnet gilt
(BGE 124 II 124 E. 2d/aa S. 128; Urteil des Bundesgerichts 1A.212/2003
vom 30. August 2004 E. 7.2; Entscheid des Bundesstrafgerichts
RR.2012.238 vom 14. März 2013 E. 2.1);
- schriftliche Eingaben spätestens am letzten Tage der Frist der Behörde ein-
gereicht oder zu deren Handen der schweizerischen Post oder einer schwei-
zerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung zu übergeben sind
(Art. 21 Abs. 1 VwVG);
- die angefochtene Verfügung vom 6. November 2018 der Bank C. am 8. No-
vember 2018 eröffnet wurde (RR.2018.314-315, act. 9.4);
- die Beschwerdeführer in der Beschwerde vom 26. November 2018 ausfüh-
ren, ihr Rechtsvertreter habe die Verfügung vom 6. November 2018 von der
Bank angefragt und eine Kopie der Verfügung am 15. November 2018 erhal-
ten (RR.2018.314-315, act. 1, S. 3);
- weder aus den Ausführungen der Beschwerdeführer noch den eingereichten
Unterlagen hervorgeht, ob die Beschwerdeführer mit der Bank die bankla-
gernde Korrespondenz vereinbart haben und die Beschwerdefrist diesfalls
bereits am 9. November 2018 zu laufen begann;
- selbst unter Annahme, dass die Rechtsmittelfrist erst mit der Kenntnis der
angefochtenen Verfügung durch den Rechtsvertreter der Beschwerdeführer,
mithin erst am 16. November 2018 zu laufen begann und am 26. November
2018 endete, sich die Beschwerde vom 3. Dezember 2018 gegen die Zwi-
schenverfügung vom 6. November 2018 als verspätet erweist und auf die
Beschwerde vom 3. Dezember 2018 bereits aus diesem Grund nicht einzu-
treten ist;
- laut den Nachforschungen der Post CH AG hinsichtlich der Beschwerde vom
26. November 2018 die Bedienung des Fachs des MyPost24-Automaten am
26. November 2018 um 23.56 Uhr begonnen habe; die Beschwerde indes
am 27. November 2018, um 00.00 Uhr, in das Fach des MyPost24-Automa-
ten deponiert worden sei (RR.2018.314-315, act. 6);
https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-124-II-124 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=30.08.2004_1A.212-2003 http://links.weblaw.ch/BSTGER-RR.2012.238
- 5 -
- RA Saal eine Quittung der Post ins Recht legte, wonach die Briefmarke am
26. November 2018, um 23.58 Uhr, erworben und die Beschwerde vom
26. November 2018, um 23.59 Uhr, deponiert worden sei (act. 8, 8.1);
- aufgrund unterschiedlicher Angaben nicht abschliessend festgestellt werden
kann, ob die Beschwerde vom 26. November 2018 der schweizerischen Post
zu Handen des Gerichts fristgerecht übergeben wurde;
- das allgemeine Vorbringen der Beschwerdeführer, wonach ihr gesamtes
Vermögen in Griechenland und Frankreich beschlagnahmt worden sei und
sie ihre Miete, Krankenkasse und Anwaltskosten nicht bezahlen könnten
(act. 1, S. 4), zur Glaubhaftmachung des nicht wieder gutzumachenden
Nachteils nicht ausreicht;
- auf die Beschwerde vom 26. November 2018 mangels eines wieder gutzu-
machenden Nachteils nicht einzutreten ist und die Frage der Fristwahrung
bei diesem Ergebnis offengelassen werden kann; auf die Beschwerde vom
3. Dezember 2018 im Übrigen auch mangels eines wieder gutzumachenden
Nachteils nicht einzutreten wäre;
- aufgrund des Ergebnisses ebenfalls offengelassen werden kann, ob der Be-
schwerdeführer 1 zur Erhebung der vorliegenden Beschwerden überhaupt
legitimiert wäre (vgl. Art. 9a lit. a IRSV), zumal das von der Rechtshilfemass-
nahme betroffene Konto lediglich auf die Beschwerdeführerin 2 lautet
(RR.2018.314-315, act. 9.4);
- sich die Beschwerden nach dem Gesagten als offensichtlich unzulässig er-
weisen, weshalb auf die Durchführung eines Schriftenwechsels und den Bei-
zug der betreffenden Akten der Beschwerdegegnerin und des BJ zu verzich-
ten ist (Art. 57 Abs. 1 VwVG e contrario i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG);
- die – im Übrigen nicht ausreichend begründeten – Gesuche um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung mit dem Entscheid in der Sache gegenstandslos
werden, weshalb die Verfahren RP.2018.57-58 und RP.2018.65-66 als erle-
digt abzuschreiben sind;
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gesuche um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege und Einsetzung von RA Saal als unentgeltlicher
Rechtsbeistand infolge Aussichtslosigkeit abzuweisen und die Gerichtskos-
ten den Beschwerdeführern aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG);
- 6 -
- die Gerichtsgebühr auf insgesamt Fr. 1‘000.-- festzusetzen und den Be-
schwerdeführern unter solidarischer Haftung aufzuerlegen ist (Art. 63 Abs. 5
VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements
des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren
und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).
- 7 -