Decision ID: d19495a1-9e68-44a7-a5eb-37ff423925bd
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden suchten am 23. August 2018 respektive am
11. September 2018 in der Schweiz um Asyl nach. Am 4. respektive
18. September 2018 fanden die Befragungen zur Person (BzP) und am
20. Mai 2019 respektive 20. Juni 2019 die Anhörungen statt, an welchen
sie im Wesentlichen ausführten, sie seien afghanische Staatsbürger und
würden der Ethnie Hazara angehören.
Der Beschwerdeführer 1 führte aus, er habe von 1985 bis am (...) 2015 im
Iran gelebt. Im (...) 2015 sei er mit seiner Familie aus dem Iran ausgereist
und habe im (...) 2015 in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt. Seine
Schwiegermutter habe aufgrund ihrer angeschlagenen Gesundheit ge-
trennt vom Rest der Familie reisen müssen und sei an einer Grenze auf-
gegriffen und nach Afghanistan zurückgeschafft worden. Die Familie habe
daraufhin ihre Asylgesuche in der Schweiz zurückgezogen, um nach
E._ zu reisen und die Schwiegermutter unterstützen zu können.
Noch vor der Abreise aus der Schweiz habe er sich mit einer Person na-
mens F._, einer einflussreichen Person in E._, in Verbin-
dung gesetzt, welche er vor vielen Jahre gekannt habe. Nach ihrer Ankunft
in E._ habe die Familie von F._ ein Haus mieten können.
Mit F._ sei er in ständigem Austausch gestanden. Nach zirka zwei
Monaten sei F._ mit seiner Frau, seinen zwei Söhnen und weiteren
Personen zu Besuch bei ihnen, den Beschwerdeführenden, erschienen
und habe um die Hand der Tochter G._ für seinen anwesenden
Sohn H._ angehalten. Dieser sei zwanzig Jahre älter als
G._, sei bereits verheiratet und habe (...) Kinder. Er habe den An-
trag abgelehnt, was auch im Interesse von G._ gewesen sei, da
diese eine Abneigung gegenüber H._ verspürt habe. F._
und sein Sohn seien mehrere Male bei ihnen, den Beschwerdeführenden,
vorbeigekommen und hätten Druck auf diese aufbauen wollen. Eines Ta-
ges sei H._ alleine vorbeigekommen, worauf es wegen G._
zu einer lautstarken verbalen Auseinandersetzung gekommen sei und er,
der Beschwerdeführer 1, diesen aus dem Haus gewiesen habe.
H._ habe daraufhin eine Waffe gezückt, sie zuerst gegen ihn ge-
richtet und mehrere Male in die Luft und in den Boden geschossen und
gesagt, dass ab sofort niemand an die Türe dieses Hauses kommen dürfe.
Nachdem er weggefahren sei, hätten herbeigeeilte Nachbaren der Familie
verdeutlicht, in welcher Gefahr sie sich befunden habe. Er sei daraufhin mit
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seinen beiden Töchtern zu einer Tante gefahren und habe dort übernach-
tet. Am darauffolgenden Morgen habe er einen Telefonanruf von seiner
Frau erhalten, welche ihm mitgeteilt habe, dass F._ in der Nacht bei
ihr gewesen sei und ihn gesucht habe. Gemeinsam seien sie, die Be-
schwerdeführenden, zu einem Bekannten der Tante gefahren und hätten
sich versteckt gehalten. Einige Tage später habe er per WhatsApp von ei-
nem früheren Bekannten, welcher im Innenministerium gearbeitet habe,
das Foto eines Urteils erhalten, gemäss welchem er der Missionierung zum
Christentum beschuldigt und zur Verhaftung ausgeschrieben sowie eine
Ausreisesperre gegen ihn verfügt worden sei. Er sei daraufhin mit seiner
Familie und seiner Schwiegermutter in Richtung Iran aufgebrochen, wo sie
sich zirka sechs Monate illegal aufgehalten hätten. Die Polizei habe sie
aufgegriffen und die Familie nach Afghanistan deportiert, wobei die
Schwiegermutter im Iran geblieben sei. Kurz darauf sei die Familie über
den Iran und die Türkei nach Griechenland gelangt, wobei sie die Schwie-
germutter aufgrund ihrer Gebrechlichkeit im Iran zurückgelassen hätten.
Am 10. September 2018 sei er illegal in die Schweiz eingereist.
Die Beschwerdeführerin 2 führte aus, sie habe ab dem zweiten Lebensjahr
im Iran gelebt, wo sie in Teheran zwölf Jahre die Schule besucht, später
ihren Mann geheiratet und eine Familie gegründet habe. Neben den Ge-
suchsgründen ihres Ehemannes machte sie geltend, sie sei in der Nacht
nach dem Schiessvorfall von F._ in ihrem Haus besucht und nach
einer verbalen Auseinandersetzung, bei der sie diesem ins Gesicht ge-
spuckt habe, von ihm vergewaltigt worden. Die Beschwerdeführerin 3 be-
stätigte im Wesentlichen die Angaben ihrer Eltern.
A.b Vorinstanzlich reichten die Beschwerdeführenden eine Kopie eines
Haftbefehls zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 1. April 2020 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh-
renden erfüllen die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche
ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug der
Wegweisung schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufi-
gen Aufnahme auf. Im Weiteren beauftragte es den Kanton I._ mit
der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme.
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C.
C.a Mit Eingabe vom 4. Mai 2020 erhoben die Beschwerdeführenden beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragen, die angefoch-
tene Verfügung sei in den Ziffern 1–3 aufzuheben, es sei die Flüchtlingsei-
genschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und sie als Folge davon von Amtes
wegen vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Sache zur Ergän-
zung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer
Hinsicht beantragen sie, es sei ihnen die unentgeltliche Prozessführung zu
gewähren und der Unterzeichnende als unentgeltlicher Rechtsvertreter
beizuordnen.
Der Beschwerde legten die Beschwerdeführenden die angefochtene Ver-
fügung, eine gültige Vollmacht vom 2. Mai 2020, eine Sendungsnachver-
folgung, eine Liste der bisherigen Aufwendungen des Rechtsvertreters,
den Auftrag betreffend Mandat und eine Honorarvereinbarung vom 1. April
2019, eine Anzeige betreffend Mandatsübergabe vom 18. November 2019
sowie eine Bescheinigung von Sozialhilfebezug der Gemeinde I._
vom 30. April 2020 bei.
C.b Mit Zwischenverfügung vom 11. Mai 2020 wies die Instruktionsrichterin
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um
Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands ab und forderte die Be-
schwerdeführenden auf, einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu leisten.
Der Kostenvorschuss wurde innert Frist geleistet.
D.
Das Beschwerdeverfahren der volljährigen Tochter der Beschwerdeführen-
den 1 und 2 beziehungsweise der Schwester der Beschwerdeführenden 3
und 4 wird unter der Geschäftsnummer E-2342/2020 geführt. Diese Akten
werden für das vorliegende Verfahren beigezogen.
E.
Mit Eingaben vom 11. Mai 2020, 28. Mai 2020, 4. Juni 2020, 6. Juni 2020,
10. Juni 2020, 20. Juni 2020, 6. Juli 2020, 25. Juli 2020, 29. September
2020, 5. Oktober 2020, 16. November 2020, 17. November 2020, 27. No-
vember 2020, 17. November (recte: Dezember) 2020, 3. Februar 2021,
10. Februar 2021, 12. Februar 2021, 6. April 2021, 21. April 2021 und
17. November 2021 liessen die Beschwerdeführenden eine Vielzahl von
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Beweismitteln sowie einen Datenträger bezüglich des vorliegenden Verfah-
rens und des Verfahrens E-2342/2020 zu den Akten reichen. Auf diese Be-
weismittel wird, soweit nötig, in den Erwägungen eingegangen.
F.
Mit Eingabe vom 28. Juni 2021 informierte der Rechtsvertreter Rechtsan-
walt lic. iur. Michael Adamczyk das Gericht über die Beendigung seines
Mandats und die Mandatsübergabe an MLaw Natalie Marrer. Eine gültige
Vollmacht für die neue Rechtsvertreterin wurde am 5. Juli 2021 nachge-
reicht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
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und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde gestützt auf Art. 111a
Abs. 1 AsylG verzichtet.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
4.
4.1 In der Beschwerde wird eine formelle Rüge erhoben, welche vorab zu
beurteilen ist, da diese bei berechtigtem Vorbringen zur Kassation der an-
gefochtenen Verfügung führen kann.
4.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen
des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach stellt
die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nöti-
genfalls der unter Art. 12 Bst. a–e VwVG aufgelisteten Beweismittel. Dieser
Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt; er findet seine Grenzen an der
Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). Dazu gehört un-
ter anderem, die Identität offenzulegen, vorhandene Identitätspapiere ab-
zugeben und an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken.
4.3 Die Rüge der Verletzung der Untersuchungspflicht ist unbegründet. Die
Beschwerdeführenden bringen vor, die Beschwerdeführerin 2 habe in ihrer
Anhörung insbesondere ausgeführt: «Meine Seele ist so beschädigt, dass
ich mich wie eine Leiche fühle – eine Leiche, die sich nur bewegt, aber
nicht lebt.» (vgl. Akten der Vorinstanz [nachfolgend: SEM-act.] B58/21
F68). Da davon ausgegangen werden müsse, dass diese Bemerkung in
Verbindung mit dem zuvor erwähnten sexuellen Übergriff stehe, wäre die
Vorinstanz gehalten gewesen, weitere Abklärungen und Untersuchungen
in die Wege zu leiten.
Diesbezüglich ist entgegenzuhalten, dass die Vorinstanz der Beschwerde-
führerin 2 hinsichtlich des «Angriffs» von F._ die Möglichkeit eröff-
nete, darüber frei zu sprechen, worauf sie weitere Ausführungen betreffend
die Vergewaltigung gemacht hat (vgl. SEM-act. B58/21 F65). Welche wei-
teren Abklärungen und Untersuchungen die Vorinstanz hätte durchführen
sollen, wird auf Beschwerdeebene nicht erwähnt und ist auch dem Gericht
– unter Hinweis auf die Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführenden –
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nicht ersichtlich. Nach dem Gesagten ist die Vorinstanz ihrer Pflicht, den
rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (vgl. Art. 6
AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG), in rechtsgenüglicher Weise nachgekommen.
Der Untersuchungsgrundsatz wurde folglich nicht verletzt, weswegen eine
Rückweisung an die Vorinstanz ausser Betracht fällt.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der
Beschwerdeführenden. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Rich-
tigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführenden sprechen,
überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Ver-
folgungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanti-
ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der
dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tat-
sächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Origi-
nalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft
wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, wi-
dersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der
Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung al-
ler Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhal-
tes, Substantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwür-
digkeit usw.), die für oder gegen die Beschwerdeführenden sprechen.
Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente
überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn
der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesam-
ten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-
brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1).
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6.
6.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung aus, das Vor-
bringen, F._ und sein Sohn H._ hätten grossen Druck auf
den Beschwerdeführer 1 ausgeübt, um dessen Tochter gegen ihren Willen
zur Heirat freizugeben, sei unglaubhaft. Die Familie F._ verfüge
über offensichtlich konservative und den afghanischen Traditionen ver-
pflichtete Werte. Dies sei dadurch erkennbar, dass die Töchter des Be-
schwerdeführers 1 von der Frau von F._ während eines Abendes-
sens wegen der Art des Kopftuchtragens zurechtgewiesen worden seien.
Der Beschwerdeführer 1 brachte diesbezüglich vor, seine Töchter hätten
sich zu jener Zeit stark an den westlichen Lebensstil und die westlichen
Werte gewöhnt, sodass ihnen F._ Einstellung völlig fremd erschie-
nen sei. Es könne deshalb nicht nachvollzogen werden, weshalb die Fami-
lie von F._ darin keinen Hinderungsgrund für eine Ehe zwischen der
Tochter des Beschwerdeführers 1 und ihrem Sohn gesehen habe, zumal
es für einen konservativen Muslim wie F._ nicht statthaft sei, seinen
Sohn mit einer «Ungläubigen» zu verheiraten. Zudem sei erstaunlich, dass
der Beschwerdeführer 1 fünf bis sechs Monate im Haus von F._
gelebt habe, während er einem immer grösser werdenden Druck ausge-
setzt gewesen sei.
Im Weiteren habe der Beschwerdeführer 1 nicht erhellen können, weshalb
er gerade F._ kontaktiert habe, um ihm und seiner Familie in
E._ zu helfen. Diesbezüglich habe er sein Verhältnis zu F._
als «kalt» beschrieben. Zudem habe der Beschwerdeführer 1 auch ge-
wusst, dass F._ Spenden und somit auch sein anvertrautes Geld
veruntreut habe. Aufgrund dieser unvereinbaren Angaben sei es nicht
nachvollziehbar, warum er sich hinsichtlich seiner Rückkehr nach
E._ diesem Mann nochmals habe anvertrauen und ihn kontaktieren
sollen, selbst wenn er ein einflussreicher Mann gewesen sein solle.
Das Vorbringen des Beschwerdeführers 1, er sei der Missionierung für das
Christentum beschuldigt und zur Verhaftung ausgeschrieben worden, sei
als Schutzbehauptung einzustufen. Zudem handle es sich beim abgege-
benen Beweismittel, dem Haftbefehl, um eine Fotokopie, welche keine Be-
weiskraft entfalte. Im Weiteren hätten ihm angesichts des guten Bildungs-
standes seiner Familienangehörigen und der Lebenserfahrungen im Iran
und im Westen die Konsequenzen bekannt gewesen sein dürfen, wenn in
einem streng muslimischen Land wie Afghanistan der christliche Glaube
oder christliche Symbole sichtbar gemacht würden. Die vorgegebene Nai-
vität, nicht gedacht zu haben, dass F._ diesbezüglich suggestive
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Fragen zum Leben in der Schweiz stelle und dies negative Folgen haben
könne, sei unglaubhaft.
Die von der Beschwerdeführerin 2 vorgebrachte Vergewaltigung sei eben-
falls nicht glaubhaft, da die Schilderungen dazu vage und kaum nachvoll-
ziehbar seien. Eine Vergewaltigung stelle ein unerträglicher Eingriff in die
persönliche Integrität dar und werde allgemein als ekelhafte Beschmut-
zung erlebt. Es überrasche daher, dass aus ihren Schilderungen nicht ent-
nommen werden könne, dass sie sich danach gewaschen habe. Überdies
habe sie mit keinem Wort erklärt, weshalb sie bis zum Morgengrauen ge-
wartet habe, um ihren Mann zu benachrichtigen.
Die Vorinstanz hegt im Weiteren Zweifel hinsichtlich der Begründung der
Beschwerdeführenden für den Rückzug des Asylgesuchs im Jahr 2016. So
hätten sie angegeben, von der Schwiegermutter aufgrund ihrer Gebrech-
lichkeit bei der Ausreise am (...) 2015 aus dem Iran getrennt worden zu
sein, wobei diese nach Afghanistan deportiert worden sei. Bei der BzP im
August 2015, also fast (...) Monate nach ihrer Ausreise, hätten die Be-
schwerdeführenden respektive ihre Familienmitglieder aber mit keinem
Wort erwähnt, dass die Schwiegermutter auf der Reise verlorengegangen
sei. Sie hätten angegeben, diese würde sich im Iran und nicht etwa in Af-
ghanistan aufhalten. Im Weiteren sei erstaunlich, dass sich die Beschwer-
deführenden trotz der grossen Gewissensnot, da sich die Schwiegermutter
ganz allein in Afghanistan aufgehalten habe, erst nach weiteren sechs Mo-
naten zum Asylrückzug entschlossen hätten. Die Beschwerdeführerin 2
habe jedoch anlässlich der BzP vom 24. September 2018 angegeben, die
Schwiegermutter sei in Teheran wohnhaft und im Besitze eines Aufent-
haltspasses. Im Lichte dieser Ungereimtheiten komme die Vermutung auf,
dass die Schwiegermutter den Iran gar nie verlassen habe, wobei der
wahre Grund des Asylrückzuges offengelassen werden könne.
6.2 Dem halten die Beschwerdeführenden im Wesentlichen entgegen, ihre
Ausführungen seien sehr detailliert und umfangreich ausgefallen und mit
Realkennzeichen versehen.
Zu den einzelnen Vorhalten der Vorinstanz führte der Beschwerdeführer 1
aus, F._ habe einmal erwähnt, dass sein Sohn jetzt mächtiger und
gebildeter sei, seine Frau hingegen ungebildet. Sein Sohn wolle sich nun
auf ein höheres Niveau begeben und wolle dafür ebenfalls eine Frau mit
höherem Niveau heiraten. Das Interesse des Sohnes von F._ an
seiner Tochter hange offensichtlich mit sozialen Überlegungen, aber auch
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mit echter Sympathie für sie zusammen. F._ habe auch ein grosses
Interesse an den Verhältnissen in Europa gezeigt, welche die Familie durch
ihren Aufenthalt in der Schweiz erlebt habe. Auch hätten die Töchter des
Beschwerdeführers 1 Sprachlehrbücher und andere Bücher aus der
Schweiz mitgebracht; F._ habe sogar ein Buch über die Einführung
des Christentums mit nach Hause genommen, auch wenn er bereits Kritik
an der religiösen Einstellung der Familie geübt habe. Zudem sei F._
bis zum «Nein» des Beschwerdeführers 1 nicht bedrohlich aufgetreten.
Der Beschwerdeführer 1 habe F._ kontaktiert, da er von ihm mate-
rielle Hilfe bei einer Rückkehr nach Afghanistan habe erhalten können. Die
sichere materielle Einbettung habe für ihn ein hohes Gewicht gehabt. Im
Weiteren seien die Schilderungen der Beschwerdeführerin 2 hinsichtlich
der Vergewaltigung plausibel und glaubhaft.
Betreffend den Vorhalt der Vorinstanz zum Rückzug des Asylgesuches im
Jahr 2016 führten die Beschwerdeführenden aus, die Beschwerdeführe-
rin 2 habe im Zeitpunkt der BzP noch keine sichere Kenntnis von den Ge-
schehnissen betreffend ihre Mutter gehabt und es habe, aufgrund der sum-
marischen Form der BzP, nicht erwartet werden dürfen, dass diese das
Verlorengehen der Mutter hätte erwähnen müssen. Die Familie habe mit
der Rückreise noch zugewartet, da sie habe abwarten wollen, ob die Mutter
aufgrund der offenen Grenzen in Griechenland es ohne die Hilfe der Fami-
lie nach Europa schaffen würde.
7.
7.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen der Beschwerdeführenden in
Bezug auf ihre Asylgründe im Ergebnis zu Recht als unglaubhaft qualifiziert
hat.
7.2 Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz haben die Beschwerde-
führenden eine Vielzahl von Vorbringen sehr detailliert und ausführlich vor-
gebracht. So legte der Beschwerdeführer 1 die geltend gemachten Flucht-
gründe anlässlich seiner Anhörung ausführlich und in freier Rede über zwei
Seiten dar (vgl. SEM-act. B59/27 F56). Die Beschwerdeführerin 2 äusserte
sich an ihrer Anhörung auf die Frage, was alles passiert sei, als sie nach
E._ zurückgekehrt seien, über vier Seiten in freier Rede (vgl. SEM-
act. B58/21 F62). Auch auf Nachfrage hinsichtlich ihres Anrufs an ihren
Mann nach der vorgebrachten Vergewaltigung vermochte sie es, von die-
sem detailliert zu berichten (vgl. SEM-act. B58/21 F75).
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7.3 Das Gericht kommt weiter zum Schluss, dass auf der einen Seite der
Vorinstanz in einigen Punkten nicht zu folgen ist. So kann die Beziehung
des Beschwerdeführers 1 zu F._ nicht als derart schlecht angese-
hen werden respektive kann nicht davon ausgegangen werden, dass er
diesen in einem Ausmass gefürchtet haben dürfte, dass eine Kontaktauf-
nahme mit diesem von vornhinein als unrealistisch anzusehen ist. Die Be-
schwerdeführenden waren zwar nicht wirtschaftlich von F._ abhän-
gig, da ihnen im Rahmen der materiellen Rückkehrhilfe, welche für die Er-
leichterung der Reintegration im Herkunftsland bestimmt und nur einmal
gewährt wird, bei ihrer Ausreise aus der Schweiz im Jahr 2016 durch das
SEM Fr. 4’000.– ausbezahlt wurde (vgl. SEM-act. V9/17 und V10; Doku-
ment «Rückerstattung der ausbezahlten Rückkehrhilfe» vom 18. März
2019, adressiert an den Beschwerdeführer 1). Es erscheint aber plausibel,
dass sie F._ kontaktierten, um in Afghanistan eine Unterkunft zu er-
halten. Auch greift das Vorbringen in der angefochtenen Verfügung nicht,
wonach es nicht nachvollziehbar sei, dass F._ und sein Sohn
H._ ein derart grosses Interesse an der Tochter G._ gehabt
haben sollten. Diesbezüglich ist festzustellen, dass aus der Tatsache, nach
welcher die Beschwerdeführenden und somit auch G._ einer
«westlicheren» Bewegung angehörten, nicht zu schliessen ist, dass der
Sohn von F._, welcher aus einer konservativeren Familie stammt,
sich für sie nicht hätte interessieren sollen. Die Ausführung der Vorinstanz,
es überrasche, dass sich die Beschwerdeführerin 2 nach ihrer Vergewalti-
gung nicht gewaschen habe, erstaunt ebenfalls und ist in diesem Kontext
als unangemessen zu qualifizieren.
7.4 Auf der anderen Seite sind die Vorbringen der Beschwerdeführenden
über weite Strecken nicht plausibel. Es erscheint unlogisch, dass
F._ derart hartnäckig bestrebt gewesen sein soll, seinen Sohn mit
G._ verheiraten zu wollen. Eher wäre in diesem Zusammenhang zu
erwarten gewesen, dass er aufgrund deren Weigerung die Beschwerde-
führenden unmittelbar aus dem Haus geworfen hätte. Ebenfalls nicht über-
zeugend sind die Vorbringen hinsichtlich des Haftbefehls und der damit
verbundenen Missionierung für das Christentum, da F._ gemäss
den Beschwerdeführenden eine derart starke Machtposition besessen
habe, dass er sich solchen Mitteln nicht hätte bedienen müssen, um seine
Ziele zu erreichen. Auch gelang es der Beschwerdeführerin 2 nicht, die
vorgebrachte Vergewaltigung, welche lediglich behauptet und nicht weiter
beispielsweise durch ein Arztzeugnis oder einen Polizeibericht erhärtet
wurde, glaubhaft zu machen. Zum Zeitpunkt des Besuches ging F._
vom Zustandekommen der arrangierten Ehe aus. Weshalb er sich in dieser
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Seite 12
Situation zur Vergewaltigung der Mutter der designierten Ehefrau seines
Sohnes hätte entscheiden sollen, ist nicht plausibel. Zudem und entgegen
den Vorbringen der Beschwerdeführenden bestätigt der mit Eingabe vom
21. April 2021 eingereichte Verlaufs- und Schlussbericht vom 4. März 2021
die geltend gemachten Übergriffe der «Brautwerber» gegen die Beschwer-
deführerin 2 nicht. Der besagte Arztbericht gibt zur angeblichen Vergewal-
tigung lediglich die anlässlich der Anamnese aufgenommene Aussage der
Beschwerdeführerin 2 wieder. Die diesbezügliche Äusserung beschränkt
sich auf einen kurzen Satz und findet sich anschliessend nicht mehr im
Arztbericht. Im Weiteren ist den Ausführungen der Vorinstanz zu folgen, in
welchen sie die entsprechenden Schilderungen als flach, erlebnisfern und
nicht nachvollziehbar qualifiziert (vgl. SEM-act. B58/21 F65 f. und F81).
Ebenfalls wenig plausibel erscheint, dass die Mutter nach der Abreise der
Beschwerdeführenden wie behauptet in der Wohnung zurückgeblieben
sei, nur um den Eindruck zu erwecken, die Beschwerdeführenden seien
nicht abgereist. Es erscheint nicht nachvollziehbar, dass die Sorge um die
Beschwerdeführenden das Risiko, welche die Mutter damit eingegangen
wäre, überstiegen haben soll; dies insbesondere im Kontext, dass der
Sohn von F._ bereits einmal mit seinem Gewehr beim Haus er-
schienen ist und Schüsse abgegeben habe.
Betreffend die Begründung für den Rückzug des Asylgesuches im Jahr
2016 ist auf die angefochtene Verfügung zu verweisen. Die Ausführungen
in der Beschwerde, die Beschwerdeführerin 2 habe zum Zeitpunkt der BzP
noch keine sichere Kenntnis davon gehabt, dass ihre Mutter nach Afgha-
nistan deportiert worden sei, weswegen dies nicht erwähnt worden sei, mu-
tet seltsam an. Es würde erwartet werden, dass ein solch einschneidendes
Erlebnis, hätte es sich tatsächlich so zugetragen, den Beschwerdeführen-
den an der BzP im August 2015 bekannt gewesen und entsprechend er-
wähnt worden wäre. Somit sind die Umstände des Rückzugs des Asylge-
suches und der Ausreise aus der Schweiz im Jahr 2016 nicht glaubhaft
gemacht worden.
7.5 Im Übrigen ist festzuhalten, dass die Macht von F._, von wel-
chem die Beschwerdeführenden behaupten, dieser sei der damaligen Re-
gierung nahegestanden und habe dadurch eine politische Macht innege-
habt, nach der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 erheblich zu re-
lativieren sein dürfte und daher nicht davon auszugehen ist, dass dieser
den Beschwerdeführenden bei ihrer (derzeit hypothetischen) Rückkehr
(weiterhin) nachstellen würde.
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Seite 13
7.6 Die auf Beschwerdeebene am 6. Juni 2020 und am 27. November
2020 eingereichten Fotos sind mangels Datierung und rechtsgenüglicher
Identifizierung der darauf ersichtlichen Personen zur Beweisführung unge-
eignet. Aus dem am 20. Juni 2020 eingereichten Auszug aus Facebook
können die Beschwerdeführenden ebenfalls nichts für sich ableiten, da
auch die darauf ersichtlichen Personen nicht rechtsgenüglich identifizierbar
sind und die Beschwerdeführenden dazu lediglich erklären, das Foto be-
weise, dass F._ eine wichtige Person sei. Weitere Ausführungen
dazu, unter anderem warum dieses Foto die Wichtigkeit der Person
F._ beweisen soll, fehlen gänzlich, weshalb auch diesem Beweis-
mittel der Beweiswert abzusprechen ist. Der am 17. November 2020 auf
einem Datenträger eingereichte, nicht in eine Amtssprache übersetzte
Fernsehbericht von 2 Minuten und 8 Sekunden Länge eignet sich ebenfalls
nicht, um eine Verfolgung glaubhaft zu machen, da die «summarische»
Übersetzung durch die Beschwerdeführenden selber beigebracht wurde
und der Bericht keinen Bezug zu den Beschwerdeführenden herzustellen
vermag. Mangels Beweiswerts wird auf die Beweismittel daher nicht weiter
eingegangen.
7.7 Zusammenfassend folgt, dass in Würdigung der gesamten Aspekte
wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sach-
verhaltsdarstellung sprechen. Das SEM hat das Asylgesuch nach dem Ge-
sagten zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung vom 1. April 2020 die
vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz angeord-
net. Demnach erübrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit,
Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
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10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Begleichung der
Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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