Decision ID: bac52187-ef9b-5a63-9078-30116b55087a
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Poststrasse 6, Postfach 239,
9443 Widnau,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach
4358, 6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war bei der B._ AG tätig und dadurch bei der Suva unter anderem für die
Folgen von Berufskrankheiten versichert, als Dr. med. C._, FMH Innere Medizin &
Pneumologie, bei ihm am 6. Juli 2000 ein instabiles Asthma bronchiale feststellte (UV-
act. 5). Nach Vornahme von Abklärungen, unter anderem einer Begutachtung durch die
Thurgauer Schaffhauser Höhenklinik Davos (UV-act. 16, 24), anerkannte die Suva den
Gesundheitsschaden als Berufskrankheit und erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
Mit Nichteignungsverfügung vom 5. Dezember 2000 wurde der Versicherte für alle
Arbeiten mit Exposition zu organischen Lösungsmitteln, Styrol, Polyester und
Epoxidharzen als nicht geeignet erklärt (UV-act. 20). Für die Zeit vom 1. Januar bis
30. April 2001 erhielt er ein Übergangstaggeld und vom 1. Mai 2001 bis 30. April 2005
eine Übergangsentschädigung (UV-act. 46, 61, 81, 97, 113, 120). Im Sommer 2005
verschlimmerte sich das Asthma bronchiale, nachdem der Versicherte aufgrund seiner
Tätigkeit bei der D._ AG vom 13. Juni bis 2. September 2005 - entgegen der
Nichteignungsverfügung - gegenüber Lösungsmitteln exponiert gewesen war (UV-act.
121, 122, 124, 127). Die Suva anerkannte diese Exazerbation als Rückfall
(richtunggebende Verschlimmerung) und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (UV-
act. 129). Ende Dezember 2005 war der Status quo sine wieder erreicht (UV-act. 137,
157).
A.b Der Versicherte war seit April 2007 bei der E._ AG, tätig und dadurch wiederum
bei der Suva gegen Unfälle und Berufskrankheiten versichert, als ihn Dr. C._ ab
10. März 2010 wegen Augen-, Haut- und Atemproblemen arbeitsunfähig schrieb und
berufliche Substanzen als Ursache hierfür in Betracht zog (UV-act. 161, 172). Nachdem
trotz entsprechender Vorkehren am Arbeitsplatz die gesundheitlichen Probleme nicht
besserten, kündigte die E._ AG das Arbeitsverhältnis auf Ende September 2010 (UV-
act. 177, 179, 181, 187). Nach Durchführung von umfangreichen Abklärungen unter
anderem durch Suva-Arzt Dr. med. F._, Facharzt FMH für Dermatologie und
Venerologie, eröffnete die Suva dem Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsanwalt
lic. iur. A. Fiechter, Widnau, mit Verfügung vom 3. August 2012, es lägen keine neuen
Befunde oder Argumentationen vor, welche eine Anerkennung der während der
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Tätigkeit bei der E._ AG aufgetretenen Beschwerden als Berufskrankheit begründen
würden (UV-act. 274). Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (UV-act. 282,
293) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 1. Februar 2013 ab (UV-act. 297). Die
vom Krankenversicherer erhobene Einsprache (UV-act. 276) war wieder zurückgezogen
worden (UV-act. 281).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 1. Februar 2013 erhob Rechtsanwalt
Fiechter für den Versicherten am 6. März 2013 Beschwerde mit den Anträgen, der
Entscheid und die Verfügung vom 3. August 2012 seien vollumfänglich aufzuheben.
Dem Beschwerdeführer seien spätestens ab 9. März 2010 die gesetzlichen UVG-
Leistungen in Form von Heilungskosten und vollen Taggeldern zuzusprechen bis zum
2. September 2012. Ausgenommen davon sei der Arbeitsversuch vom 17. bis
22. August 2010, für welchen ein halbes Taggeld beantragt werde. Ab dem
3. September 2012 sei dem Beschwerdeführer eine Rente von mindestens 50%
zuzusprechen. Eventualiter sei ein unabhängiges pneumologisches und
ophthalmologisches Gutachten zu erstellen. Dem Beschwerdeführer sei die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren. Zur Begründung führte der
Rechtsvertreter unter anderem aus, gemäss Bericht von Dr. C._ an die
Arbeitslosenversicherung werde der Beschwerdeführer voraussichtlich dauernd zu
50% arbeitsunfähig erklärt (act. G 1.9). Die Ursache für diese Arbeitsunfähigkeit müsse
offensichtlich in der jahrelangen Exposition zu gesundheitsschädigenden
Lösungsmitteln und chemischen Substanzen gesehen werden, und zwar einerseits im
Jahr 2005 bei der D._ AG und anderseits bei der E._ AG, wo der Beschwerdeführer
dem äusserst gefährlichen Material "Wacker Härter T47" ausgesetzt gewesen sei. Bei
Vorliegen von Zweifeln daran, dass die Berufsarbeit bei der E._ AG und der D._ AG
unter Berücksichtigung der vorhergehenden Tätigkeiten mit einem
Wahrscheinlichkeitsgrad von mindestens 75% zu einer Lungen- und Augenerkrankung
mit einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% geführt habe, sei ein neutrales
Gutachten bei einem Lungen- und Augenarzt zu erstellen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 22. April 2013 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die
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Darlegungen im angefochtenen Entscheid und führte unter anderem aus, die
Augenbeschwerden des Beschwerdeführers würden durch vorbestandene,
berufsunabhängige Erkrankungen hervorgerufen. Während der Arbeit bei der E._ AG
seien keine akut reizenden Atemnotepisoden aufgetreten. Weder in der Einsprache
noch in der Beschwerde würden Hautprobleme als Berufskrankheit geltend gemacht.
Das Fehlen einer berufsbedingten Hauterkrankung sei also unbestritten. Ein Rückfall im
Hinblick auf die gesundheitlichen Beschwerden im Jahr 2000 sei ebenfalls
ausgeschlossen.
B.c Mit Replik vom 21. Mai 2013 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers an
seinen Anträgen und Ausführungen fest. Dr. F._, auf dessen Berichte sich die
Beschwerdegegnerin stütze, sei nicht Facharzt der Augenheilkunde. Sein Bericht vom
4. Mai 2011 sei subjektiv. Seine Ausführungen würden Parteilichkeit und fehlende
Objektivität belegen. Der Einschätzung, dass sich das Augenleiden des
Beschwerdeführers auch nach längerer Arbeitskadenz nicht verbessert habe, könne
nicht gefolgt werden, zumal sie nicht von einem Facharzt stamme. Insgesamt sei der
Sachverhalt vor allem hinsichtlich der Augenproblematik nicht genügend abgeklärt
worden. Im Weiteren sei auf die fachärztliche Einschätzung von Dr. C._ vom 11. Juni
2011 (act. G 1.5) abzustellen, wonach sich beim Beschwerdeführer das
Bronchialsystem nicht stabilisieren lasse, was eine Berufskrankheit indiziere. Das
Fehlen der berufsbedingten Hauterkrankung sei keineswegs unbestritten. Die
Hautprobleme stünden aufgrund der massiven gesundheitlichen Einschränkung durch
die Augenerkrankung und das Lungenleiden lediglich nicht im Vordergrund. Auf die
ärztlichen Einschätzungen von Dr. F._ könne nicht abgestellt werden (act. G 8).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik.
B.e Am 3. Juli 2013 bewilligte das Versicherungsgericht die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung des Beschwerdeführers für das vorliegende Verfahren (act. G
10).

Erwägungen:
1.
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1.1 Suva-Arzt Dr. med. G._ kam im Bericht vom 7. Dezember 2001 unter anderem
zum Schluss, beim Beschwerdeführer hätten ein Asthma bronchiale und eine
Rhinoconjunctivitis vorbestanden, die durch berufliche Einwirkung richtunggebend
verschlimmert worden seien, weshalb eine Nichteignungsverfügung erlassen worden
sei. Der Vorzustand als Folge der Sensibilisierung auf saisonale und perenniale
Antigene sei inzwischen erreicht. Die weitere Behandlung gehe deshalb nicht mehr
zulasten des Berufsleidens. Die aktuelle Tätigkeit des Beschwerdeführers sei mit einer
gewissen Staubentwicklung verbunden. Eine Staubbelastung entspreche einem
unspezifischen Reiz; dieser könne jedoch obstruktive Beschwerden auslösen. Diese
unspezifische Einwirkung entspreche aber keiner Berufskrankheit; sie verletze die
Nichteignungsverfügung nicht (UV-act. 52). Am 1. September 2004 berichtete Dr. G._
unter anderem, die vom Beschwerdeführer ausgeübte Tätigkeit in einer
Restaurantküche habe die vor dreieinhalb Jahren erlassene Nichteignungsverfügung
zwar nicht verletzt. Wegen der erhöhten Irritierbarkeit sei aber grundsätzlich eine
trockene, saubere Arbeit ohne inhalative Noxen zu empfehlen (UV-act. 107). Dr. C._
hielt im Bericht vom 30. Dezember 2005 unter anderem fest, die aktuell unbefriedigend
instabile Situation scheine mehrere Ursachen zu vereinigen: eine richtunggebende
Verschlimmerung des Berufsasthmas infolge Exposition gegenüber Lösungsmitteln im
August/September 2005, eine chronische Entzündung in den oberen Luftwegen, eine
Refluxkrankheit, eine Lungenkrankheit ungeklärter Ätiologie, eine ethnisch bedingte
Therapieresistenz gegenüber inhalativen Antiasthmatika und eine mögliche dauerhafte
Allergenexposition im häuslichen Milieu (UV-act. 136). Suva-Arzt Dr. med. H._ hielt im
Bericht vom 12. Mai 2006 fest, dass Untersuchungen und Therapien nicht im Rahmen
der beruflichen Verschlimmerung des vorbestehenden Asthmas zu sehen seien und
aus arbeitsmedizinischer Sicht der Fall abzuschliessen sei (UV-act. 153).
1.2 Dr. med. I._, Facharzt FMH für Ophthalmologie, berichtete am 4. Januar 2010,
dass der Beschwerdeführer unter einer Sicca-Problematik leide. Als Ursache kämen
neben den allgemeinen Umweltfaktoren berufsbedingte Reizungen sowie eine
beginnende endokrine Orbitopathie in Betracht (UV-act. 164). Der Dermatologe
Dr. med. J._ diagnostizierte im Bericht vom 1. März 2010 ein Atopiesyndrom mit
Asthma bronchiale, atopischer Dermatitis und Nahrungsmittelallergie sowie einen
Verdacht auf Kontaktdermatitis (auf atopische Dermatitis) (UV-act. 170). In der
ärztlichen Beurteilung vom 25. August 2010 führte Suva-Arzt Dr. F._ unter anderem
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aus, aufgrund der Befunde von Dr. C._ könne lediglich eine geringe bis grenzwertige
Obstruktion festgestellt werden. Eine explizite lungenärztliche Diagnose werde von Dr.
C._ nicht genannt. Aufgrund der umfangreichen Befunde sei lediglich eine leichte
asthmatische Situation nachweisbar, die allein schon aufgrund der Vorgeschichte
vorhanden sei bzw. durch die multiplen Sensibilisierungen ohne Weiteres auch durch
eine vermehrte Pollen-Exposition bedingt sein könne. Es seien weitere Abklärungen
vorzunehmen (UV-act. 194). Im Bericht vom 24. November 2010 bestätigte Dr. I._,
dass der Beschwerdeführer ihn erstmalig im Dezember 2008 aufgrund von Sicca-
Beschwerden bei bekannter Hyperthyreose aufgesucht habe. Seit 2008 habe sich
keine Veränderung bzw. Progredienz des Exophthalmus ergeben (UV-act. 205). Im
Bericht der Augenklinik des Kantonsspitals St. Gallen vom 19. Oktober 2010 wurden
als Diagnose eine leichte inaktive endokrine Orbitopathie mit Exophthalmus sowie eine
Sicca-Symptomatik angeführt (UV-act. 211). Am 29. April 2011 berichtete Dr. C._
dem Krankenversicherer, der Gesundheitszustand sei stabil schlecht, hauptsächlich
bezüglich der Augenprobleme. Bezüglich der Atemwege bestehe nach wie vor eine
asthmatische Komponente trotz konsequent eingehaltener Therapie; dies spreche für
eine Chronifizierung der seitens der Beschwerdegegnerin anerkannten Berufskrankheit
(UV-act. 240). In der ärztlichen Beurteilung vom 4. Mai 2011 kam Dr. F._ zum
Schluss, die vom Kantonsspital im Bericht vom 19. Oktober 2010 bestätigten
Diagnosen seien nicht als berufsbedingt anzusehen. Es liege kein Rückfall und auch
kein neuer Berufskrankheiten-Fall bezüglich der Schadenmeldung vom 12. April 2010
vor (UV-act. 224). Dr. C._ hielt hierzu am 28. Juni 2011 fest, gegen die
Feststelllungen von Dr. F._ könne höchstens eingewendet werden, dass das
Sicherheitsdatenblatt auf mögliche Erkrankungen der Augen hinweise. Als
Lungenspezialist sei es für ihn schwierig, die Beurteilung diverser Ophthalmologen,
dass kein Zusammenhang zwischen Arbeitsplatz-Substanzen und der
Augenproblematik bestehe, infrage zu stellen. Ein ungünstiger Einfluss der
Arbeitsplatzsubstanzen in der E._ AG auf Haut und Lungen könne sicher weiterhin
postuliert werden. Er könne nicht dazu Stellung nehmen, inwiefern die allergische
Situation (polyvalente Sensibilisierung) das Bronchialsystem ungünstig beeinflusse. Der
Patient sei sicher im Alltag durch das instabile Asthma bronchiale eingeschränkt (UV-
act. 240 Beilage).
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1.3 Am 8. Februar 2012 bestätigte Dr. F._ seinen Standpunkt. Die von mehreren
Augenärzten gestellte Diagnose einer Orbitopathie werde nicht dadurch in Frage
gestellt, dass sich Schilddrüsenhormonwerte verändern würden. Es sei vielmehr davon
auszugehen, dass die Augenproblematik ein primäres Krankheitsproblem darstelle und
dass aufgrund der täglich mehrfach notwendigen Befeuchtung das Tragen einer
Schutzbrille schwierig sei und daher die Arbeitsausführung problematisch geworden
sei. Es seien nicht primär die Arbeitsstoffe, welche die Augenprobleme hervorgerufen
hätten, was auch dadurch dokumentiert sei, dass sich die Beschwerden "nach längerer
Zeit der Arbeitskarenz" nicht entscheidend gebessert hätten (vgl. Aussendienstbericht
vom 20. Oktober 2010; UV-act 198). Sodann sei eine Pollenproblematik nachweislich
auch während der Arbeit ein Problem gewesen. Ferner seien während der gesamten
Tätigkeit bei der E._ AG in Bezug auf die Lunge keine akut reizenden
Atemnotepisoden aufgetreten (UV-act. 254). Dr. med. K._, Facharzt FMH für
Pneumologie und Innere Medizin, Lungenzentrum Hirslanden, Zürich, kam im Bericht
vom 26. Juni 2012 zum Schluss, beim Beschwerdeführer bestehe anamnestisch ein
vornehmlich extrensisches Asthma bronchiale. Die Prüfung der Lungenfunktion
(insbesondere Messung der Diffusionskapazität) sei bei ausgeprägter
Verständigungsproblematik nicht ganz einfach gewesen. Vollkommen unklar bleibe, ob
die Asthmabeschwerden vor der beruflichen Tätigkeit in einer Lackiererei mit
Exposition zu verschiedenen Lösungsmitteln stabil gewesen seien. Ihm lägen keinerlei
Lungenfunktionsbefunde im Verlauf vor. Aktuell sei das Asthma klinisch und
lungenfunktionell trotz Therapie bei guter Compliance als instabil einzustufen. Die
Tätigkeit in der Lackiererei sei bereits vor einem Jahr sistiert worden, so dass
berufsbedingte Noxen in der jetzigen Situation für eine Asthma-Instabilität wohl keine
Rolle mehr spielen würden (UV-act. 270). Am 23. Juli 2012 hielt Dr. F._ fest, aus dem
Bericht vom 26. Juni 2012 ergäben sich keine Argumente, welche als Beweis für das
Vorliegen einer Berufskrankheit in der E._ AG zu bewerten seien. Trotz
Arbeitsaufgabe vor einem Jahr seien die Lungenmesswerte vermindert, was gegen eine
Arbeitsabhängigkeit spreche (UV-act. 272).
2. Streitig ist vorliegend die Frage, ob die von Dr. C._ im März 2010 bestätigten
Augen-, Haut- und Atemprobleme (UV-act. 172) einen Rückfall bzw. eine Spätfolge des
im Jahr 2000 als Berufskrankheit im Sinn von Art. 9 Abs. 2 des Bundesgesetzes über
die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) anerkannten Asthma bronchiale wegen
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Lösungsmittelunverträglichkeit oder allenfalls eine eigenständige (neue) Berufskrankheit
darstellen. Nicht zu prüfen sind demgegenüber die anlässlich der Tätigkeit des
Beschwerdeführers bei der D._ AG im Jahr 2005 aufgetretenen gesundheitlichen
Probleme, da die Beschwerdegegnerin diesbezüglich einen Rückfall zu der im Jahr
2000 festgestellten Berufskrankheit anerkannte (vgl. Sachverhalt A.a). Die
Beschwerdegegnerin legte die rechtlichen Voraussetzungen der natürlichen und
adäquaten Kausalität von gesundheitlichen Beschwerden, der Rückfall- und
Spätfolgenkausalität und des Vorliegens einer Berufskrankheit im Sinn von Art. 9 Abs. 1
und Abs. 2 UVG im angefochtenen Entscheid (E. 1-3) zutreffend dar. Darauf ist zu
verweisen.
3.
3.1 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist
grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen). Auch
eine ärztliche Beurteilung auf Grund der Akten ist nicht an sich unzuverlässig. Für die
Beweistauglichkeit entscheidend ist, dass genügend Unterlagen von persönlichen
Untersuchungen vorliegen (RKUV 1988 Nr. U 56 S. 371). Auch Berichten und
Gutachten versicherungsinterner Ärzte, wie vorliegend den Berichten von Dr. F._,
kann Beweiswert zugemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchfrei sind und keine Indizien gegen
ihre Zuverlässigkeit bestehen (RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 E. 1a).
3.2 In dem von der E._ AG zur Verfügung gestellten Sicherheitsdatenblatt betreffend
dem Stoff, mit welchem der Beschwerdeführer am Arbeitsplatz zu tun hatte (Wacker
Härter), ist eine Gesundheitsschädlichkeit beim Einatmen sowie eine Reizung der
Augen und Atmungsorgane vermerkt. Deshalb wird das Tragen von geeigneten
Schutzhandschuhen und von Schutzbekleidung vorgeschrieben (UV-act. 306 S. 22).
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Gestützt auf diesen Umstand allein kann noch nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf eine Berufskrankheit oder eine berufliche Verursachung/
Verschlimmerung der beim Beschwerdeführer vorliegenden gesundheitlichen
Beschwerden geschlossen werden. Nach den Feststellungen von Dr. F._ besteht das
Potential des im Wacker Härter enthaltenen Wirkstoffs Tetraethylsilicat vorwiegend in
einer Reizwirkung auf Augen und Atmungsorgane, ohne dass eine (längerfristige)
sensibilisierende Wirkung bekannt wäre. Dagegen sei der Ausgangsstoff bei der
Formenherstellung Elastosil RT 480 weitgehend inert und habe entsprechend dem
Sicherheitsdatenblatt auch kein Sensibilisierungspotential. Bei den Werkstoffen grün-
rot und grün, deren Identität gemäss Arztbrief von Dr. J._ vom 1. März 2010 unklar
gewesen sei, handle es sich um verschiedene Konzentrationen des Ausgangsstoffes
Elastosil, so dass bei nicht bekanntem sensibilisierendem Potential entsprechend den
Sicherheitsdatenblättern die beim Beschwerdeführer aufgetretenen Reaktionen als die
(bekannten) irritativen Wirkungen dieser Substanzen angesehen werden müssten. Die
Hauptbeschwerden hätten nach Angabe des Vorgesetzten im Betrieb in den
Augenreizungen bestanden. Diesbezüglich könne der Arztbrief von Dr. I._ vom
24. November 2010 eine recht gute Erklärung liefern, indem dort Sicca-Beschwerden
festgestellt und der Verdacht auf eine endokrine Orbitopathie geäussert werde (UV-act.
208 S. 2). Dazu ist festzuhalten, dass die vorerst noch als Verdachtsdiagnose erhobene
endokrine Orbitopathie (Bericht der Augenklinik des Kantonsspitals vom 27. April 2009;
UV-act. 205 Beilage) - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 1 S. 3)
- später als Diagnose (leichte inaktive endokrine Orbitopathie mit Exophthalmus)
explizit bestätigt worden war (UV-act. 211). Sowohl bei der endokrinen Orbitopathie
(bzw. endokrinen Ophthalmopathie, einer Autoimmunkrankheit der Augenmuskeln und
des orbitalen Bindegewebes; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 264. Aufl. 2013,
S. 1515 bzw. S. 1519) als auch bei der Sicca-Problematik handelt es sich unbestritten
um berufsunabhängige, vorbestandene Erkrankungen. Soweit die aufgrund der Sicca-
Symptomatik erforderliche Befeuchtungstherapie eine Arbeitsbehinderung bewirkte,
kann die Tätigkeit als solche hierfür nicht verantwortlich gemacht werden (UV-act. 224
S. 1). Dr. F._ ist zwar nicht Augenarzt, sondern Dermatologe und Venerologe. Seine
Darlegungen beruhen jedoch auf den erwähnten augenärztlichen Abklärungen des
Kantonsspitals und von Dr. I._ und stehen mit diesen in Einklang. Sie erscheinen
schlüssig und nachvollziehbar begründet. Widersprüche oder Indizien, welche gegen
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ihre Zuverlässigkeit sprechen würden, sind aus den Akten nicht ersichtlich. Die
Feststellung von Dr. F._, dass das Verhalten des Beschwerdeführers die Arbeitgeber-
Kündigung nachvollziehbar erscheinen lasse (UV-act. 224 S. 2), belegt insofern keine
Parteilichkeit und fehlende Objektivität (vgl. act. G 1 S. 4), als der Arzt die Umstände,
welche zur Kündigung führten, in einem früheren Bericht gestützt auf Angaben des
damaligen Vorgesetzen des Beschwerdeführers ausführlich dargelegt hatte (vgl. UV-
act. 208); die erwähnte Feststellung erscheint auf dieser Grundlage als gerechtfertigt.
3.3 Andere Einwendungen als der Hinweis auf das erwähnte Gefahrenpotential laut
Sicherheitsdatenblatt ergeben sich auch aus dem Bericht von Dr. C._ vom 28. Juni
2011 (UV-act. 240 Beilage) nicht. Der Beschwerdeführer war bei der E._ AG stets mit
Schutzbrille, Maske und Handschuhen tätig (UV-act. 202), so dass eine berufliche
Einwirkung mit Dauercharakter bereits aus diesem Grund nicht sehr plausibel
erscheint. Der Dermatologe Dr. J._ war am 1. März 2010 denn auch von einer
fraglichen, schwachen Reaktion auf die Werkstoffe grün-rot und grün ausgegangen
(UV-act. 170). Hinsichtlich des Hinweises im Arztbericht von Dr. J._ vom 1. März
2010 auf eine nachgewiesene Sensibilisierung auf Black Rubber-Mix hielt Dr. F._
fest, dass beim Beschwerdeführer keine arbeitsabhängigen und prominent lokalisierten
Ekzembeschwerden an den Händen dokumentiert seien (UV-act. 208 S. 2). Die beim
Beschwerdeführer vorliegende Sebostase und die multiplen Typ I-Sensibilisierungen
(Milbe, Küchenschabe, Pollen, Schalentiere; Nahrungsmittel, Latex; UV-act. 170) haben
offensichtlich keinen beruflichen Hintergrund (vgl. auch UV-act. 207 S. 3, 208). Weitere
ärztliche Berichte bestätigten - bei vorbestehendem (krankheitsbedingten) Asthma
bronchiale und Rhinoconjunctivitis (vgl. UV-act. 52) - eine im Wesentlichen
berufsunabhängige Ursachenvielfalt der gesundheitlichen Probleme (vgl. UV-act. 136,
164, 194 S. 2, 205, 207 S. 3, 254 S. 2) in dem Sinn, dass eine berufliche Ursache
höchstens als möglich erscheint. Zu beachten ist hier auch der Umstand, dass
während der ganzen Zeit der Tätigkeit bei der E._ AG (bis 30. September 2010) keine
akuten Atemnotepisoden aufgetreten waren und sich überdies die gesundheitlichen
Beschwerden auch nach längerer Abwesenheit vom Arbeitsplatz nicht entscheidend
besserten (vgl. UV-act. 194 S. 2, 198, 205 S. 1, 208, 216, 217, 254 S. 2, 270, 272).
Auch deshalb erscheint eine berufliche Verursachung bzw. Verschlimmerung der
Beschwerden als nicht sehr wahrscheinlich.
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3.4 Eine überwiegend berufliche Verursachung (75%-Anteil im Sinn von Art. 9 Abs. 2
UVG) kann bei diesem Sachverhalt nicht als belegt gelten. Ein überwiegend
wahrscheinliches berufsbedingtes Wiederauftreten der im Jahr 2000 anerkannten
Berufskrankheit (Rückfall) fällt zum einen deshalb ausser Betracht, weil damals Augen-
und Hautprobleme nicht zur Diskussion standen. Zum anderen war der
Beschwerdeführer den Stoffen, welche Gegenstand der Nichteignungsverfügung vom
5. Dezember 2000 gebildet hatten (organische Lösungsmittel, Styrol, Polyester,
Expoidharze; UV-act. 20), einzig anlässlich der Tätigkeit bei der D._ AG im Jahr 2005
direkt ausgesetzt, wo die Beschwerdegegnerin einen Rückfall mit Bezug auf die im
Jahr 2000 festgestellte Berufskrankheit anerkannt hatte (vgl. Sachverhalt A.a. am
Schluss). Die Beschwerdegegnerin hat im Übrigen nicht den Beweis für berufsfremde
Ursachen der Augenprobleme des Beschwerdeführers zu erbringen, um eine
Leistungspflicht verneinen zu können. Ebenso wenig hat sie den negativen Beweis zu
erbringen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 17. Juni 2008, 8C_17/2007, E. 2.2 am Schluss). Der von Dr. C._ im Bericht vom
28. Juni 2011 bestätigte Umstand, dass nicht eine Schilddrüsen-Fehlfunktion Ursache
für das Augenleiden bilde (UV-act. 240 Beilage), hat nicht zur Folge, dass die
Beschwerdegegnerin nach weiteren berufsfremden Ursachen zu forschen hat.
4.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Zufolge Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung hat der Rechtsbeistand Anspruch auf
Entschädigung. Ausgehend von einer mittleren Entschädigung von Fr. 4'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) hat der Staat hierfür im Umfang von
80% (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes [AnwG; sGS 963.70]), d.h. mit einem Betrag
von Fr. 3'200.-- aufzukommen. Der Beschwerdeführer kann indessen, wenn es seine
wirtschaftlichen Verhältnisse gestatten, zur Nachzahlung der Auslagen für die
Vertretung verpflichtet werden (Art. 117 ff. der Schweizerischen Zivilprozessordnung
[ZPO; SR 272] in Verbindung mit Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, [VRP; sGS 951.1]).
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
3. Der Staat entschädigt den Rechtsbeistand des Beschwerdeführers mit Fr. 3'200.--.
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