Decision ID: e17171a5-c045-4ff1-a582-cf56fc4291c6
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Z._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Bruno Bauer, LL.M., Pestalozzistrasse 2,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Eingliederungsmassnahmen und Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a Z._ (Jahrgang 1965) meldete sich erstmals am 21. Januar 1998 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an. Er gab an, er habe nach der Primar- und
Sekundarschule die Lehre als Radio- und TV-Elektriker sowie Radio- und TV-
Elektroniker abgeschlossen. Seit 1995 arbeite er als Aussendienstmitarbeiter in der
Papierbranche (IV-act. 1). Gemäss Arztbericht der Klinik für Neurochirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen vom 29. Dezember 1997 hatte der Versicherte eine
Diskushernie L5/S1 mit Nervenkompression erlitten, die am 10. Dezember 1997
operativ behandelt worden war (IV-act. 2). Die IV-Stelle veranlasste in der Folge die
Umschulung des Versicherten zum Informatik-Techniker TS (IV-act. 28, 30, 35 und 37).
Ende 2000 schloss der Versicherte die Umschulung erfolgreich ab (IV-act. 41).
A.b Am 24. Januar 2005 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von
Invalidenversicherungsleistungen an. Seit 12. Januar 2004 leide er an den Folgen eines
Schleudertaumas und habe täglich starke Kopf- und Nackenschmerzen. Sodann
bestünden unter anderem Übelkeit, Vergesslichkeit und schnelle Ermüdung (IV-act. 63).
Am 6. April 2005 berichtete die Arbeitgeberin der IV-Stelle, der Versicherte sei als
Software Engineer / Projekt Manager bei ihr tätig gewesen und könne seit Eintritt des
Gesundheitsschadens diese Tätigkeit nicht mehr ausüben. Er habe im Monat Fr.
6'500.-- verdient. Die voraussichtliche Gratifikation für das Jahr 2004 betrage Fr.
20'000.--. Im Vorjahr sei Fr. 11'300.-- an Provision ausbezahlt worden (IV-act. 72). Aus
den Polizeiprotokollen vom 23. Februar 2004 ist ersichtlich, dass der Versicherte am
12. Januar 2004 einen Heckauffahrunfall erlitten hat (IV-act. 73). Die IV-Stelle setzte
sich in der Folge mit der Unfallversicherung, die gleichzeitig auch zuständige
Haftpflichtversicherung war, in Verbindung. Diese bat, den Fall zurückzustellen, da
"berufliche Massnahmen" geprüft würden. Es werde weiterhin ein volles Taggeld
ausgerichtet (IV-act. 75, 80 und 84).
A.c Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) Ostschweiz empfahl in seiner Stellungnahme
vom 31. Januar 2007 eine MEDAS-Begutachtung (IV-act. 90). Am 11. Juni 2007
beauftragte die IV-Stelle das Aerztliche Begutachtungsinstitut (ABI), Basel, mit der
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Begutachtung. Dagegen liess der Versicherte einwenden, gemäss den Berichten von
Medien und Fernsehen erwecke das ABI den Anschein der Befangenheit. Es werde
deshalb um eine andere Gutachterstelle gebeten (IV-act. 99). Mit Zwischenverfügung
vom 26. Juni 2007 wies die IV-Stelle das Ausstandsbegehren ab (IV-act. 102).
A.d Am 12. November 2007 teilte die Unfall-/Haftpflichtversicherung mit, sie bitte um
Verschiebung der Begutachtung. Der Versicherte stehe in einer erfolgreich laufenden
"Eingliederung" als Künstler im Bereich Computer-Grafik mit 3D-Objekten. Er habe
schon einige Bilder zu einem Preis von rund Fr. 7'000.-- verkaufen können. Demnächst
werde er seine erste Ausstellung haben. Überwacht werde dies vom Case-
Management. Es stehe zu befürchten, dass eine Begutachtung dem Versicherten nicht
gut tue (IV-act. 106). Der RAD lehnte in seiner Stellungnahme vom 13. November 2007
eine Aufschiebung ab, weil die medizinischen Unterlagen für eine Beurteilung nicht
ausreichten (IV-act. 107). Die IV-Stelle hielt daraufhin an der Begutachtung fest (IV-act.
108).
A.e Die Berufsberaterin der IV-Stelle führte am 21. Dezember 2007 ein Gespräch
zusammen mit dem Versicherten und dem von der Unfall-/Haftpflichtversicherung
beauftragten Berater der Firma A._. Der Versicherte gab an, er werde seit zwei
Jahren von der Firma A._ im Aufbau einer selbständigen Erwerbstätigkeit als Künstler
betreut. Er habe bereits einmal ausstellen können. Eine weitere Ausstellung stehe
bevor. Eingliederungsmassnahmen der IV seien deshalb nicht angezeigt (IV-act. 113
und 114).
A.f Am 21. Mai 2008 erstellte das ABI das polydisziplinäre Gutachten. Der Versicherte
war am 22. April 2008 internistisch, psychiatrisch und neurologisch untersucht worden.
Die Ärzte führten aus, der Versicherte habe als Hauptproblem eine seit dem HWS-
Distorsionstrauma bestehende reduzierte intellektuelle Fähigkeit genannt. Er habe
angegeben, an Störungen der Merkfähigkeit, Wortfindungsstörungen und häufigen
Fehlern im Alltag zu leiden. Deshalb könne er nicht mehr als Programmierer arbeiten.
Ein Arbeitsversuch sei gescheitert. Das zweite Hauptproblem bestehe in den täglichen
lumbalen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung sowie Kopf- und Nackenschmerzen. Seit
April 2007 arbeite er zu 20% als selbständiger Künstler. Den Haushalt erledige er
selbständig. Eine Putzfrau komme einmal pro Woche für zwei bis drei Stunden vorbei.
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Sie erledige neben der Reinigung auch die Wäsche für ihn. Er stehe früh auf, meditiere
mehrmals täglich und widme sich nachmittags seinen Therapien und seiner Kunst oder
dem Treffen mit Geschäftspartnern. Sein Schlaf sei gut und er nehme aktuell keine
Medikamente ein. Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
gab an, das Ausmass der Beschwerden und die subjektive Überzeugung, nicht mehr
arbeiten zu können, liessen sich durch die somatischen Befunde nicht hinreichend
objektivieren. Es müsse eine psychische Überlagerung der geklagten Beschwerden
angenommen werden. Diagnostisch handle es sich um eine
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54). Im Untersuchungsgespräch habe sich der
Versicherte gut konzentrieren können und auch keine Gedächtnisstörungen gezeigt.
Kürzere Strecken würden selbst mit dem Auto gefahren. Eine psychiatrische Diagnose
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit könne nicht gestellt werden. Es bestünden keine
Hinweise auf eine depressive Erkrankung. Eine Anpassungsstörung oder Hinweise auf
unbewusste Konflikte lägen nicht vor. Ein primärer Krankheitsgewinn oder schwere
psychosoziale Belastungsfaktoren seien nicht vorhanden, ebensowenig eine manifeste
psychoorganische Störung. Dem Versicherten könne deshalb aus psychiatrischer Sicht
zugemutet werden, ganztags einer seinen körperlichen Einschränkungen angepassten
Tätigkeit nachzugehen. Dr. med. C._, Facharzt für Neurologie, führte aus, auch wenn
der Unfall vom 12. Januar 2004 heftig gewesen sein müsse, habe sich der Versicherte
von den initialen Befunden her (er habe aussteigen können, keine knöchernen
Verletzungen erlitten, sei ambulant im Spital behandelt worden) ein als leicht
einzuordnendes Distorsionstrauma zugezogen. Bei nachvollziehbaren anhaltenden
Beschwerden habe er in der Folge mehrfach die Schulthess Klinik konsultiert. Den dort
erhobenen Befunden sei zu entnehmen, dass aus neurologischer Sicht hinsichtlich der
HWS gleichfalls keine Ausfälle vorgelegen hätten, wie auch ein MRI der HWS einen
Normalbefund ergeben hätte. Die erwähnten begleitenden neuropsychologischen
Funktionsstörungen würden sich allein auf die Angaben des Versicherten stützen, ein
Befund sei nicht erwähnt worden. Auf Grund der heutigen Untersuchung könnten
relevante neuropsychologische Defizite ausgeschlossen werden. Die
Anamneseerhebung, die Wiedergabe biographischer Daten und insbesondere die sehr
interessante und durchaus kritische Wiedergabe seiner Indienreise sprächen
ausdrücklich gegen ein kognitives Defizit. Sodann sei der dem Gutachter zur Verfügung
stehende Bericht der Schulthess Klinik vom 17. Mai 2004 bereits vier Jahre alt.
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Hingegen sei nach der lumbalen Diskushernien-Operation 1997 eine ASR-Minderung
links beschrieben worden, 2004 gar ein ASR-Verlust. Dieser Verlust zeige sich auch
aktuell. Ein 2004 veranlasstes MRI der LWS zeige auch eine Rezidivhernie L5/S1. Diese
habe jedoch nicht zu einer weiteren funktionellen Störung geführt. Aus neurologischer
Sicht bestehe für alle dem Ausbildungsstand des Versicherten und seinen
intellektuellen Fähigkeiten entsprechenden Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünde ein persistierender zervikozephaler
Symptomenkomplex (ICD-10: M54.2) nach HWS-Distorsionstrauma (ICD-10: S13.4),
ein Status nach Diskushernien-Operation LWK5/S1 1997 bei aktuell feststellbarer
leichter Wurzelläsion S1 bei Rezidivhernie (ICD-10: G54.4) sowie ein Nikotinabusus
(ICD-10: F17.2). Einzig körperlich vorwiegend mittelschwere bis schwere Tätigkeiten
sowie Tätigkeiten mit Zwangshaltungen des Kopfes oder wiederholte
Überkopftätigkeiten wären dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Die Ärzte gaben in
ihrer Zusammenfassung aus polydisziplinärer Sicht eine 100%ige Arbeits- und
Leistungsfähigkeit in der angestammten oder in einer anderen, dem Ausbildungsniveau
des Versicherten angepassten Tätigkeit an. Die deutliche Diskrepanz zur
Selbsteinschätzung des Versicherten, der sich als selbständiger Künstler ein Pensum
von maximal 20% vorstellen könne, liege in IV-fremden Ursachen. Nach einer durch
sehr häufige Stellenwechsel gekennzeichneten Laufbahn mit wiederholten Phasen
ohne offizielle Erwerbstätigkeit sei der Versicherte möglicherweise nicht genügend
motiviert und auch nicht gewöhnt, in einem Betrieb als Angestellter zu arbeiten. Eine
selbständige Tätigkeit als Künstler mit einem kleinen Arbeitspensum ohne finanzielles
Risiko könnte somit für ihn die attraktivere berufliche Zukunft darstellen (IV-act. 119).
A.g Der RAD schätzte das ABI-Gutachten als umfassend und nachvollziehbar ein. Aus
den Akten ergäbe sich, dass ab Juni 2004 von einer mindestens 60 bis 70%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen sei, die einen phasenweisen Verlauf aufweise, sich
insgesamt aber stetig über die letzten Jahre verbessert habe. Das subjektive
Empfinden habe sich diametral zur objektivierbaren Einschränkung entwickelt (IV-act.
122).
A.h Mit zwei separaten Vorbescheiden vom 6. November 2008 stellte die IV-Stelle dem
Versicherten den Abschluss der Arbeitsvermittlung sowie die Ablehnung seines
Rentengesuchs in Aussicht. Zu ersterem gab die IV-Stelle an, der Versicherte habe mit
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der Eingliederungsberaterin vereinbart, dass die Eingliederungsberatung
abgeschlossen werde (IV-act. 137). Zur Ablehnung der Rente führte die IV-Stelle aus,
gemäss ihren Abklärungen sei der Versicherte sowohl in der angestammten wie auch in
einer adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Das zumutbare Erwerbseinkommen
betrage pro Jahr mit und ohne Behinderung Fr. 88'541.--. Da keine Erwerbseinbusse
vorliege, resultiere ein Invaliditätsgrad von 0%. Da dieser unter 40% liege, habe er
keinen Anspruch auf eine Rente (IV-act. 139). Gegen diese Vorbescheide liess der
Versicherte am 18. November 2008 Einsprache (richtig: Einwand) erheben und unter
anderem eine neuropsychologische Untersuchung beantragen (IV-act. 141, 142). Die
Begründung des Einwandes ergänzte er am 2. und 20. März 2009 (IV-act. 150, 151 und
153).
A.i In seiner Stellungnahme vom 16. April 2009 zu den Einwänden des Versicherten
zum ABI-Gutachten gab der RAD an, es sei davon auszugehen, dass die Gutachter die
im Aktenauszug aufgelisteten Dokumente auch zur Kenntnis genommen hätten,
weshalb kein unvollständiges Gutachten vorliege. Sodann würden bei einer
psychiatrischen Exploration auch vegetative Zeichen überprüft. In Bezug auf
Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnisleistung liessen sich im normalen
Gespräch grosse Rückschlüsse ziehen, die anlässlich einer Testung, die immer von der
Compliance des Exploranden abhänge, nicht erhoben werden könnten. Sowohl der
Psychiater wie der Neurologe hätten sich klar zu den kognitiven Funktionen während
der Untersuchung geäussert. Unter diesen Umständen rechtfertige sich keine
neuropsychologische Untersuchung (IV-act. 156).
A.j Mit Verfügung vom 11. Juni 2009 schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung ab.
Zum Einwand des Versicherten führte sie aus, die Vermittlung werde abgeschlossen,
weil keine Arbeitsunfähigkeit bestehe (IV-act. 158). Einen Tag später, am 12. Juni 2009,
verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Anspruchs auf Invalidenleistung. Zu den
Einwänden des Versicherten gab sie an, aus medizinischer Sicht sei die Durchführung
einer neuropsychologischen Untersuchung nicht notwendig, da keine Hinweise auf
kognitive Defizite bestünden (IV-act. 157).
B.
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B.a Gegen diese Verfügungen lässt der Versicherte am 3. Juli 2009 zwei separate
Beschwerden erheben. Beantragt wird die Aufhebung der Verfügungen vom 11. und
12. Juni 2009 und die Gewährung von Eingliederungsmassnahmen beziehungsweise
einer vollen (richtig: ganzen) Invalidenrente. Sodann seien ergänzende Abklärungen
betreffend die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers vorzunehmen. Der
Beschwerdeführer lässt ausführen, die von der Beschwerdegegnerin eingeleiteten
Eingliederungsmassnahmen seien ungenügend. Von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
gemäss ABI-Gutachten könne keine Rede sein. Das Gutachten sei mangelhaft.
Insbesondere fehle eine eingehende neuropsychologische Abklärung des
Gedächtnisses und der Gedächtnisleistung. Der Einwand vom 18. November 2008 und
die Einwand-Ergänzungen vom 2. und 20. März 2009 würden als integrierter
Bestandteil der Beschwerdebegründung erklärt. In Zusammenarbeit mit der Unfall-/
Haftpflichtversicherung sei versucht worden, eine neue berufliche Basis auf
künstlerischem Gebiet zu schaffen. Damit könne kein genügendes Einkommen
generiert werden. Unter diesen Umständen erweise es sich als notwendig,
Eingliederungsmassnahmen zu veranlassen (G act. 1). In der Beschwerdeergänzung
vom 27. August 2009 gibt der Beschwerdeführer an, das ABI-Gutachten sei
mangelhaft, weil darin nicht sämtliche Akten aufgelistet würden. So fehle der Bericht
der Klinik Zihlschlacht vom 25. April 2005. Weiter sei der Aktenauszug lediglich auf
Berichte beschränkt, die mit der Einschätzung des ABI übereinstimmen würden.
Gegenteilige Dokumente seien weggelassen worden. Die Akten der Krankenkasse
seien dem ABI nie zugestellt worden, wie beiliegend bestätigt werde (G act. 6.1.2).
Sodann seien die Beschwerden unvollständig erhoben worden. Die im IV-Antrag
genannten Beschwerden seien nicht aufgeführt worden. Dass sich die
Rückenbeschwerden nach der Operation der lumbalen Diskushernie infolge des Unfalls
vom 12. Januar 2004 verschlimmert hätten, sei unterschlagen worden. Insbesondere
würden bildgebende Verfahren zur Wirbelsäule fehlen, was nachzuholen sei. Die
psychiatrische Untersuchung erscheine unvollständig, denn eine Messung vegetativer
Symptome sei nicht erfolgt und die Begründung fehlender vegetativer Beschwerden
erscheine spekulativ. Die neurologische Untersuchung erweise sich als aktenwidrig, da
die geklagten neuropsychologischen Beschwerden in der Klinik Zihlschlacht
objektiviert worden seien. Ein einzelner Test würde eine ordentliche Untersuchung nicht
ersetzen. Weiter sei das ABI nicht unterrichtet gewesen über die Anforderungen an
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einen Software-Ingenieur im Rahmen der Programmierarbeit, weshalb seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zutreffen könne. Aus diesen Gründen sei eine
ergänzende neuropsychologische Begutachtung durchzuführen. Schliesslich habe das
ABI die Folgen des Schleudertraumas nicht untersucht, obwohl eine rheumatologisch-
orthopädische Teilbegutachtung unumgänglich gewesen sei. Das Vorliegen einer
Schmerzverarbeitungsstörung werde bestritten. Es sei daher von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen (G act. 6).
B.b Am 1. September 2009 legt das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die
beiden Verfahren IV 2009/238 und IV 2009/239 zusammen (G act. 7).
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 28. Oktober
2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie gibt an, die Anträge des Beschwerdeführers
würden sich widersprechen. Entweder sei die Abklärung des Sachverhalts
beziehungsweise die Eingliederung noch nicht abgeschlossen oder es sei eine Rente
zu prüfen. Das ABI-Gutachten erfülle die Anforderungen an einen Arztbericht gemäss
Rechtsprechung. Der RAD habe bereits im Rahmen des Einwandverfahrens am
16. April 2009 zu sämtlichen Vorbringen des Beschwerdeführers dezidiert Stellung
genommen. Zur ergänzenden Rüge der fehlenden neurologischen Untersuchung habe
der RAD am 21. September 2009 Stellung genommen. Diese Stellungnahme werde
integral zum Bestandteil dieser Beschwerdeantwort erklärt. Gemäss RAD gebe es
keine Hinweise auf eine Unvollständigkeit des Gutachtens betreffend Akten oder
Untersuchung. Die Schlussfolgerungen seien korrekt. Demnach könne auf das ABI-
Gutachten abgestellt werden. Der Beschwerdeführer sei deshalb sowohl in der
bisherigen wie in einer leidensadaptierten Tätigkeit 100% arbeitsfähig, weshalb weder
Rentenleistungen noch Eingliederungsmassnahmen in Frage kämen (G act. 9).
B.d In der Replik vom 15. Dezember 2009 hält der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest und ersucht um Edition der Akten der Unfall-/Haftpflichtversicherung
inklusive Eingliederungsakten sowie Arbeitgeberberichte. Er ergänzt, dass er sich
unterdessen beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) als arbeitslos
gemeldet habe. Wie aus der Beilage hervorgehe, erachte das RAV die
Sachverhaltsabklärung nicht als ausreichend, weil Bereich und Umfang einer
Erwerbstätigkeit abgeklärt werden müssten. Ein mehrwöchiger Arbeitsversuch beim
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ehemaligen Arbeitgeber habe abgebrochen werden müssen. Nach sechsjähriger
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt benötige der Beschwerdeführer eine Ausbildung /
Weiterbildung, um im IT-Bereich eine Anstellung finden zu können. Dies könne nicht
von der Arbeitslosenversicherung geboten werden (G act. 13.1). Er halte deshalb unter
anderem an seinem Antrag zur neuen Begutachtung fest (G act. 13).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 11. Januar 2010 auf eine Duplik (G act.18).
B.f Auf Verlangen des Gerichts stellt die Unfall-/Haftpflichtversicherung des
Beschwerdeführers am 15. März 2010 die Unfallakten im Zusammenhang mit dem
Ereignis vom 12. Januar 2004 inklusive 'Eingliederungsakten' zu (G act. 25 und 26).
B.g Innert Frist nimmt der Beschwerdeführer am 30. April 2010 zu den nachträglich
eingeholten Akten Stellung. Aus diesen gehe nicht hervor, dass er mit Hilfe der Unfall-/
Haftpflichtversicherung beruflich eingegliedert worden sei. Auch sei eine Eingliederung
durch die Beschwerdegegnerin nicht aktenkundig. In der Beilage stelle er die
Zwischenberichte des zuständigen Sachbearbeiters der Firma A._ vom 12. Februar
2007 und vom 11. Dezember 2008 zu (G act. 30.1 und 30.2). Aus diesen Berichten
gehe mit aller Klarheit hervor, dass der Arbeitsversuch als Programmierer beim alten
Arbeitgeber gescheitert sei. Auch im Hinblick auf diese Unterlagen seien die
Schlussfolgerungen des ABI irritierend, wenn dort eine 100%ige Arbeitsfähigkeit als
Programmierer behauptet werde (G act. 30).
B.h Das Gericht stellt am 4. Mai 2010 die Stellungnahme des Beschwerdeführers der
Beschwerdegegnerin zur Kenntnis zu und schliesst den Schriftenwechsel ab.
B.i Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit entscheidungsrelevant, in

den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
Angefochten ist eine Verfügung, die nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar
2008 ergangen ist. Mangels einer übergangsrechtlichen Norm rechtfertigt es sich
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allerdings, für die vor diesem Zeitpunkt massgebenden Verhältnisse (Einleitung des
Rentenprüfungsverfahrens unter altem Recht) die im Folgenden zitierten, bis zum
31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen anzuwenden. Streitig und zu
prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer aufgrund des Sachverhalts, wie er sich bis zum
Erlass der Verfügungen vom 11. und 12. Juni 2009 entwickelt hat (BGE 129 V 167
neues Fenster E. 1), berufliche Massnahmen oder eine Invalidenrente zustehen.
2.
2.1 Nach aArt. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch
auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf
eine Viertelsrente. Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und
nach der Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre.
2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei
einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es
auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
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Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder
die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
3.
3.1 Die Höhe der behinderungsbedingten Erwerbseinbusse hängt vor allem von der
ärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung ab, d.h. davon, in welchem Umfang für die
versicherte Person noch eine Tätigkeit in Betracht fällt (BGE 125 V 261 E. 4). Die
Beschwerdegegnerin stützt sich dabei auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI im
Gutachten vom 21. Mai 2008, wonach dem Beschwerdeführer sowohl die
angestammte wie eine andere, dem Ausbildungsniveau des Beschwerdeführers
angepasste Tätigkeit, vollumfänglich zumutbar sei. Der Beschwerdeführer ist der
Ansicht, das ABI-Gutachten sei mangelhaft und unvollständig. Insbesondere fehle eine
neuropsychologische Untersuchung. Sodann habe das ABI den Bericht der Klinik
Zihlschlacht vom 25. April 2005 nicht berücksichtigt, wonach beim Beschwerdeführer
neuropsychologische Einschränkungen objektiv festgestellt worden seien, weshalb die
Beurteilung des ABI bereits aus diesem Grund nicht zutreffend sein könne.
3.2 Aus den Akten geht übereinstimmend hervor, dass die beim Beschwerdeführer
1997 entdeckte Diskushernie erfolgreich operiert worden war, womit die
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit wieder vollumfänglich hergestellt
werden konnte. Am 12. Januar 2004 hat er ein HWS-Distorsionstrauma erlitten und
seither leidet er gemäss seinen Angaben an Kopf- und Nackenbeschwerden,
Merkfähigkeits-, Konzentrations- und Wortfindungsstörungen sowie Rückenschmerzen
mit Ausstrahlung ins linke Bein. Eine Rezidivhernie konnte nachgewiesen werden. Die
Reintegration in den Arbeitsmarkt ist auch mit Hilfe der Unfall-/Haftpflichtversicherung
nicht geglückt. Seit April 2007 ist der Beschwerdeführer als selbständiger Künstler in
einem Pensum von etwa 20% tätig.
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3.3 Aus der Aktenauflistung im ABI-Gutachten vom 21. Mai 2008 folgt, dass das ABI
nicht über alle medizinischen Akten der Unfall-/Haftpflichtversicherung verfügt hat.
Allein dieser Umstand macht ein Gutachten noch nicht beweisuntauglich. Sollte sich
jedoch aus der Überprüfung des Gutachtens im Vergleich mit diesen Arztberichten
ergeben, dass die ABI-Gutachter objektiv feststellbare Gesichtspunkte nicht
berücksichtigt haben und diese geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu führen,
kann nicht auf die gutachterliche Beurteilung abgestellt werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 16. Mai 2008 i/S. L. [8C_809/2008] E. 4.1).
3.4 Der Beschwerdeführer rügt die kursorische Anamneseerhebung und Untersuchung
durch die Internistin des ABI. Wie aus dem ABI-Gutachten vom 21. Mai 2008
hervorgeht, ist der Beschwerdeführer durch eine Internistin im Allgemeinen sowie
durch einen Neurologen und einen Psychiater fachärztlich untersucht worden. Die
Anamneseerhebung in persönlicher, sozialer und medizinischer Sicht sowie die
entsprechenden Untersuchungen erfolgten somit dreifach je nach Fachgebiet.
Insgesamt sind dabei sämtliche vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden
aufgeführt und untersucht worden. Aus der kurzen medizinischen Anamnese der
Internistin kann daher kein Mangel des ABI-Gutachten erblickt werden. Weiter macht
der Beschwerdeführer die fehlende bildgebende Untersuchung betreffend die
Wirbelsäule geltend. Wie sich aus den Akten ergibt, ist der somatische
Gesundheitszustand seit 2005 in etwa gleich geblieben. Die behandelnden Neurologen
der Schulthess Klinik sowie der begutachtende Neurologe des ABI haben keine
Hinweise auf wesentliche pathologische Befunde betreffend die Wirbelsäule finden
können. Dass das ABI vor diesem Hintergrund bildgebende Untersuchungen
unterlassen hat, ist daher nicht zu beanstanden (vgl. UV-act. M19, M25 und M26 sowie
IV-act. 119-15/29). Diese Rügen erweisen sich somit als unbegründet.
3.5 Hauptsächlich macht der Beschwerdeführer geltend, seine neuropsychologischen
Beschwerden seien nicht abgeklärt worden. Diese würden eine vollumfängliche
Arbeitsfähigkeit verhindern. Der Beschwerdeführer ist durch einen Neurologen sowie
einen Psychiater begutachtet worden. Beide Fachärzte haben verneint, dass Hinweise
auf Konzentrationsbeschwerden beziehungsweise neuropsychologische
Einschränkungen vorhanden seien. Als Diagnosen haben sie einen andauernden
zervikozephalen Symptomenkomplex nach HWS-Distorisonstrauma, ein St. n.
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bei Rezidivhernie sowie eine Schmerzverarbeitungsstörung angegeben. Der Psychiater
Dr. B._ hat ausgeführt, die Schilderung der körperlichen Beschwerden sei diffus
gewesen. Der Beschwerdeführer habe vor allem über Vergesslichkeit und
Konzentrationsstörungen geklagt. Er habe über seine wenigen sozialen Kontakte und
seine ungewisse wirtschaftliche Zukunft gesprochen. Die Anamneseerhebung sei
problemlos gewesen. Der affektive Kontakt zum Untersucher sei gut, die Stimmung
ausgeglichen gewesen. Die affektive Modulationsfähigkeit sei nicht eingeschränkt
gewesen. Der Beschwerdeführer habe mit fester Stimme gesprochen, Mimik und
Gestik seien normal ausgeprägt gewesen. Er sei ruhig auf seinem Stuhl gesessen und
habe keine Zeichen akuter Schmerzwahrnehmung gezeigt. Vegetative Symptome seien
nicht erkennbar gewesen. Er sei bewusstseinsklar und allseits orientiert gewesen. Die
Aufmerksamkeit, die Auffassung und das Gedächtnis seien nicht beeinträchtigt
gewesen. Das Denken sei formal und inhaltlich unauffällig gewesen. Der Psychiater hat
keine deutlichen Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen feststellen können (IV-act.
119-11/29). Auch der Neurologe hat einen wachen, bewusstseinsklaren, allseits
orientierten Beschwerdeführer erlebt. Der Denkablauf sei formal geordnet gewesen und
es habe kein Hinweis auf inhaltliche Denkstörungen bestanden. Der Beschwerdeführer
habe sich flüssig ausgedrückt und in der Exploration seien keine
Wortfindungsstörungen oder Verwechslungen aufgetreten. Der Beschwerdeführer habe
zum Teil sehr interessante sowie durchaus kritische Darstellungen seiner kürzlich
durchgeführten Indien-Reise geboten. Das Abstraktionsvermögen und die
Kritikfähigkeit seien erhalten und es hätten keine Hinweise für mnestische Defizite zum
Beispiel bei der Wiedergabe geographischer Daten bestanden. In der orientierenden
psychometrischen Testung habe sich im Rey-Test ein grenzwertiges Ergebnis ergeben
(12 von 15 Figuren richtig wiedergegeben). Dieses Ergebnis sei im Sinn einer
Beschwerdeaggravation nicht sicher verwertbar. Zu den früheren Arztberichten hat der
Neurologe angegeben, im Bericht der Schulthess Klinik vom Mai 2004 würden
neuropsychologische Funktionsstörungen genannt, aber nicht weiter begründet. Bei
der aktuellen Untersuchung seien keine Funktionsstörungen nachweisbar (IV-act.
119-16/29). Die ABI-Gutachter haben auf weitergehende Untersuchungen verzichtet,
weil sie keine Hinweise auf das Vorliegen aktueller Gedächtnis- und
Konzentrationsstörungen feststellen konnten.
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3.6 Erstmals ist die Diagnose von neuropsychologischen Funktionsstörungen im
Bericht der Schulthess Klinik vom 17. Mai 2004 enthalten. Gemäss der Anamnese hatte
der Beschwerdeführer gegenüber den untersuchenden Ärzten rasche körperliche und
geistige Ermüdbarkeit / Konzentrationsstörungen, Störungen des
Kurzzeitgedächtnisses, Wortfindungsstörungen sowie ein intermittierendes
Einschlafgefühl der Finger III-V beider Hände angegeben. Aus der Beurteilung geht
hervor, dass die Ärzte auf Grund des zervikozephalen Schmerzsyndroms bei St. n.
HWS-Distorsionstrauma mit ausgeprägten neuropsychologischen Funktionsstörungen
die bisher attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit für mindestens zwei weitere Monate
als gegeben erachtet haben. Sodann beabsichtigten sie, den Beschwerdeführer auf
Grund dieser Beschwerden durch Prof. D._ neuropsychiatrisch beurteilen zu lassen
(UV-act. M16). In diesem Arztbericht fehlen entsprechende Beobachtungen der Ärzte
oder weiterführende Tests, welche die geklagten Konzentrationsbeschwerden
objektiviert hätten. Am 31. Januar 2005 teilten die Ärzte der Schulthess Klinik dem
Unfall-/Haftpflichtversicherer mit, dass der Beschwerdeführer zum wiederholten Mal
nicht zum vereinbarten Termin für eine neuropsychiatrische Untersuchung bei Prof.
D._ erschienen sei (IV-act. M16). Bereits anlässlich der Untersuchung vom 11. Mai
2005 sind die neuropsychologischen Beschwerden von den Ärzten der Schulthess
Klinik in der Diagnose nicht mehr aufgeführt worden, ebenso wenig im Bericht vom
31. Januar 2006 (UV-act. M19 und M25). Daraus folgt, dass die Ärzte der Schulthess
Klinik ihre Diagnose einer ausgeprägten neuropsychologischen Störung nicht durch
eine entsprechende Untersuchung objektivieren konnten und diese Diagnose im Jahr
2005 bereits nicht mehr aufgeführt haben. Auch haben sie die 100%ige
Arbeitsunfähigkeit auf Grund dieser Beschwerden lediglich für zwei Monate bestätigt.
Weil der weitere Verlauf nicht bekannt war, haben sie keine weitergehende
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung abgegeben (UV-act. M16). Die Annahme des ABI-
Neurologen, die Ärzte der Schulthess Klinik hätten ihre Diagnose auf die Angaben des
Beschwerdeführers gestützt, ist daher schlüssig. Aus den Berichten der Schulthess
Klinik kann somit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aus neuropsychiatrischer Sicht begründet werden.
3.7 Aus dem Austrittsbericht der Klinik Zihlschlacht vom 25. April 2005 geht hervor,
dass der Beschwerdeführer vom 13. März bis 8. April 2005 stationär behandelt worden
ist. Als Diagnosen wurde ein St. n. einem HWS-Distorsionstrauma nach
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Heckauffahrunfall am 12. Januar 2004 mit/bei hauptsächlich chronischem zephalem
Schmerzsyndrom im Sinn einer Somatisierungsstörung sowie (unter anderem)
kognitiven Einschränkungen angegeben. Als Störungsbild wurden holokranielle
Kopfschmerzen, ein "Knacksen im Genick", Schmerzen in der lumbalen Wirbelsäule
mit Ausstrahlung über den lateralen Ober- und Unterschenkel bis in die laterale
Fusskante links sowie Taubheitsgefühle in diesem Bereich, Übelkeit und
Gedächtnisstörungen aufgeführt. Als Ursache des subjektiven Störungsbildes mit
andauernden Zephalgien und subjektiv im Vordergrund stehenden kognitiven
Störungen, die sich in den neuropsychologischen Testung in deutlichen
Einschränkungen von Konzentration und Gedächtnis zeigten, würde bei einem St. n.
HWS-Distorsionstrauma und fehlenden Hinweisen auf eine organ-neurologische
Ursache ein sekundär chronifiziertes Schmerzsyndrom in Sinn der
Somatisierungsstörung angenommen. In diesem Rahmen seien auch die
beschriebenen kognitiven Beeinträchtigungen durchaus erklärbar. Kontrastierend zu
den testpsychologischen Befunden sei der Beschwerdeführer in Gesprächen stets in
der Lage gewesen, seine Situation oder Erklärungen für das aktuelle Zustandsbild
detailliert und geordnet zu schildern. Auch im Stationsalltag sei er nicht durch kognitive
Defizite aufgefallen, was bei dem dokumentierten Ausmass der Defizite in der
Untersuchungssituation zu erwarten gewesen wäre. Die während der Hospitalisation
berichtete Zunahme lumbo-radikulärer Schmerzen mit aktuell klinisch-neurologisch
sensiblem Reiz- und Ausfallsyndrom S1 links habe ebenfalls zu der
Verhaltensbeobachtung im Stationsalltag kontrastiert (schnelles Aufstehen mit
gebeugtem Rücken), so dass eine Symptomausweitung nicht sicher ausgeschlossen
werden könne (UV-act. M18 S. 2). Auch im Austrittsbericht der Berufstherapie vom
6. April 2005 ist auf den Kontrast zwischen beobachteten und gemessenen
Konzentrationsleistungen hingewiesen worden: Am Beispiel einiger Situationen
(Anknüpfen an Arbeiten, die am Tag vorher als nicht abgeschlossen abgelegt worden
waren) hätten sich die vom Beschwerdeführer im Alltag beschriebenen
Gedächtnisleistungen nicht als eingeschränkt erwiesen. Dies entspreche gemäss der
Erfahrung auch nicht dem Bild, das testpsychologisch erhoben worden sei (schwere
Beeinträchtigung des Gedächtnisses; UV-act. M18). Aus den Berichten der Klinik
Zihlschlacht folgt, dass zwar neuropsychologische Defizite in der Testung messbar
waren. Die Ärzte haben diese Ergebnisse jedoch in Frage gestellt. Die gemessenen
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Störungen waren im Klinikalltag nämlich nicht zu beobachten gewesen, obwohl eine
Auswirkung im Alltag beim Ausmass der Defizite hätte erkennbar sein müssen,
insbesondere da der Beschwerdeführer Gedächtnisstörungen im Alltag beklagt hatte.
Wie der RAD in seiner Stellungnahme vom 16. April 2009 angegeben hat, ist die
Verwertbarkeit von neuropsychologischen Testergebnisse von der Compliance der zu
untersuchenden Person abhängig (IV-act. 156). Bereits anlässlich der stationären
Behandlung in der Klinik Zihlschlacht ist auf die Somatisierungstendenz der
Beschwerden des Beschwerdeführers hingewiesen worden. Diese ist anlässlich der
ABI-Begutachtung bestätigt worden. Demnach liegt eine Schmerzverarbeitungsstörung
vor. Das Testergebnis des Rey-Tests ist wegen Verdeutlichungstendenz als nicht
sicher verwertbar bezeichnet worden (IV-act. 119). Auf die Testergebnisse der Klinik
Zihlschlacht kann daher nicht abgestellt werden, da nicht ausgeschlossen werden
kann, dass diese von der subjektiven Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers
beeinflusst sind, denn die Somatisierungstendenz war bereits erkennbar. Damit sind
die Verwertbarkeit dieser Testergebnisse und die daraus abgeleitete Diagnose einer
kognitiven Störung fraglich. Der Austrittsbericht der Klinik Zihlschlacht lag dem ABI
gemäss dem Aktenauszug des ABI-Gutachtens nicht vor. Dies stellt zwar einen Mangel
des Gutachtens dar. Hingegen kann auf die Einholung einer ergänzenden Beurteilung
nach Vorlage dieser Aktenstücke verzichtet werden. Auch die Ärzte der Klinik
Zihlschlacht haben verneint, beim Beschwerdeführer Gedächtnisstörungen im Alltag
beobachtet zu haben, und haben auf eine Somatisierungstendenz hingewiesen.
Ebenso haben die Gutachter des ABI keine Konzentrationsstörungen während der
Untersuchung feststellen können. Objektive feststellbare Gesichtspunkte, die im ABI-
Gutachten unberücksichtigt geblieben wären, sind aus dem Austrittsbericht der Klinik
Zihlschlacht nicht ersichtlich. Im Übrigen haben die ABI-Gutachter zur abweichenden
Diagnose von ausgeprägten neuropsychologischen Funktionsstörungen gemäss
Bericht der Schulthess Klinik vom 17. Mai 2004 bereits Stellung genommen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auf Grund fehlender objektiver Hinweise auf
wesentliche Gedächtnisleistungseinschränkungen der Verzicht auf eine
neuropsychologische Untersuchung nachvollziehbar und schlüssig ist.
3.8 Der Beschwerdeführer leidet gemäss ABI-Gutachten an einer
Schmerzverarbeitungsstörung. Nach den Angaben des Beschwerdeführers fühle er
sich nur noch in der Lage, mit weit eingeschränkter Leistung stundenweise zu arbeiten.
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Diese subjektive Leistungsminderung haben die Gutachter nicht durch somatische
Befunde objektivieren können. Allein auf Grund der Schmerzverarbeitungsstörung ist
keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (IV-act. 119-12/19). Der Arbeitsversuch ist
wohl mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bereits an der damals erkennbaren
Somatisierungstendenz bei subjektiv geringer Leistungsbeurteilung gescheitert. Daraus
kann somit keine Einschränkung der objektiv zumutbaren Arbeitsfähigkeit abgeleitet
werden. Wie das Bundesgericht in einem kürzlich ergangenen Urteil festgehalten hat,
handelt es sich bei der Schmerzverarbeitungsstörung um eine Verhaltensauffälligkeit
mit körperlichen Störungen und Faktoren. Die sich hierbei ergebenden psychischen
Störungen sind meist leicht, oft lang anhaltend (wie Sorgen, emotionale Konflikte,
ängstliche Erwartung) und rechtfertigen nicht die Zuordnung zu einer der anderen
Kategorien des Kapitels V der ICD-Klassifikation. Da beim Beschwerdeführer somit
eine Verhaltensauffälligkeit, nicht aber ein psychisches Leiden mit Krankheitswert
vorliegt, sind die Kriterien, die gemäss der Rechtsprechung zur somatoformen
Schmerzstörung ausnahmsweise die Annahme einer dadurch bedingten Invalidisierung
zu begründen vermöchten, nicht zu prüfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
17. September 2009 i/S. K. [8C_567/2009] E. 5). Ebenso wenig findet die vom
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zitierte Rechtsprechung zur Kausalität von
Beschwerden nach einem Schleudertrauma Anwendung. Objektive Hinweise, dass die
psychiatrische Diagnosestellung und die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht unzutreffend sind, ergeben sich aus den Akten nicht. Das ABI-
Gutachten erweist sich auch in dieser Hinsicht als nachvollziehbar. Auch wenn den
ABI-Gutachtern die konkreten Anforderungen an die Tätigkeit eines Programmierers
allenfalls nicht bekannt gewesen sein könnten, ist beim Fehlen von Hinweisen auf
kognitive Störungen schlüssig, dass dem Beschwerdeführer die vorher erfolgreiche
Ausübung dieses Berufs weiterhin zumutbar ist.
3.9 Insgesamt ist der Sachverhalt damit als ausreichend abgeklärt zu betrachten. Zur
Einholung eines Obergutachtens, wie dies beantragt wird, besteht kein Anlass.
Zusammenfassend ist in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin und auf Grund
des polydisziplinären ABI-Gutachtens vom 21. Mai 2008 von einer vollen
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen wie einer leidensadaptierten Tätigkeit auszugehen.
4.
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4.1 Die Gutachter haben sich nicht zum Beginn der 100%igen Arbeitsfähigkeit
geäussert. Wie der RAD in seiner Stellungnahme überzeugend dargelegt hat, ist eine
retrospektive Beurteilung auf Grund der Diskrepanz zwischen subjektiver Einschätzung
und objektivierbaren Befunden sowie der verschleppten medizinischen Abklärung
schwierig. Der RAD hat ausgeführt, eine subjektiv wesentliche Verbesserung des
Gesundheitszustands aus somatischer Sicht sei im Bericht Schulthess Klinik vom
22. Juni 2004 angegeben worden, wo ein Rückgang der Schmerzen um 70%
angegeben worden sei (UV-act. M16). Seit dem Bericht der Schulthess Klinik vom Juni
2004 seien objektiv keine wesentlichen Verbesserungen mehr dokumentiert worden,
sodass von einem grundsätzlich unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen
werden könne, wie er sich auch den Gutachtern des ABI präsentiert habe.
Zusammenfassend sei ab Juni 2004 von einer mindestens 60% bis 70%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen, die sich über einen phasenhaften Verlauf mit insgesamt
aber objektiv stetiger Verbesserung über die letzten Jahre entwickelt habe. Das
subjektive Empfinden habe sich diametral zur objektivierbaren Einschränkung
entwickelt (IV-act. 122). Auf diese retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung kann
abgestellt werden. Die gegenüber der Unfall-/Haftpflichtversicherung angegebenen
hausärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen von 100% seit Jahren sind dagegen nicht
nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer hat zuletzt als Software-Programmierer
gearbeitet. Diese Arbeit ist dem Beschwerdeführer auch weiterhin zumutbar, weshalb
kein Grund besteht, eine andere Invalidenkarriere zur Ermittlung des
Invalideneinkommens heranzuziehen.
4.2 Angesichts der auch in der angestammten Tätigkeit als Programmierer zumutbaren
Arbeitsfähigkeit von 100%, die vorübergehend zu Beginn um 30 bis 40%
eingeschränkt gewesen war, hat die Beschwerdegegnerin sowohl einen
Rentenanspruch als auch einen Anspruch auf berufliche Massnahmen zu Recht
abgelehnt. Dem Beschwerdeführer war und ist es zumutbar, aus eigener Kraft ein
rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. Die selbständige Tätigkeit als Künstler
ist offensichtlich nicht existenzsichernd. Selbst wenn eine Eingliederung in die
bisherige Tätigkeit als Programmierer nach so langer Abwesenheit schwierig sein
sollte, ist dies auf seinen eigenen Entscheid, sich als Künstler selbständig machen zu
wollen, zurückzuführen und nicht auf objektiv feststellbare gesundheitliche Gründe. Die
Verweigerung von beruflichen Massnahmen erfolgte daher zu Recht.
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5.
Im Sinn der vorstehenden Ausführungen sind die Beschwerden abzuweisen. Das
zusammengelegte Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach
dem Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Als unterliegende Partei hat der Beschwerdeführer die
Gerichtskosten zu bezahlen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP). Mit dem von ihm geleisteten
Kostenvorschuss in den Verfahren IV 2009/238 und IV 2009/239 in gleicher Höhe ist die
geschuldete Gerichtsgebühr getilgt. Ein Anspruch auf eine Parteientschädigung
besteht nicht.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG