Decision ID: cb6acdc4-bf49-5066-9eaf-1567680f1a54
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o procap, Frohburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt
A.
A.a A._ reichte sein erstes IV-Gesuch im Jahre 1990 infolge eines Rückenleidens ein
(IV-act. 1). Nach Einholung diverser ärztlicher Gutachten und einer Arbeitsabklärung
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 14. Juni 1993 einen Rentenanspruch (IV-
act. 28). Am 23. April 2002 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug (IV-act. 33). Nach einer bidisziplinären Begutachtung im Mai 2003 (IV-
act. 48), verfügte die IV-Stelle am 31. Oktober 2003 erneut die Ablehnung des
Rentenanspruchs (IV-act. 56). Am 16. September 2005 (Eingangsdatum SVA:
10. Oktober 2005) meldete ihn das Sozialamt erneut zur Prüfung eines allfälligen
Rentenanspruches an (IV-act. 70, 71). Mit Verfügung vom 15. Februar 2006 trat die IV-
Stelle nicht auf das Gesuch ein, da der Versicherte keine Veränderung seines
Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen vermochte (IV-act. 89).
A.b Ab 2007 war der Versicherte wiederholt in der Psychiatrischen Klinik B._
hospitalisiert (IV-act. 103). Im April 2010 begann der Versicherte schliesslich einen
sechs Monate dauernden stationären Aufenthalt in der Kurzzeittherapiestation des
Psychiatrischen Zentrums C._ (IV-act. 113). Während dieser Zeit, am 6. Mai 2010,
meldete das Sozialamt den Versicherten erneut bei der IV-Stelle zur Rentenprüfung an.
Im Vordergrund standen bei dieser neuen Anmeldung die psychischen
Beeinträchtigungen des Versicherten (IV-act. 98).
A.c Am 9. Juli 2010 nahmen die Ärzte des Psychiatrischen Zentrums C._ Stellung
(IV-act. 103). Sie hielten fest, der Versicherte habe im Laufe der letzten Jahre deutliche
kognitive Einbussen erlitten. Der Verlauf des schweren depressiven Zustandsbildes
deute auf eine Chronifizierung hin. Hinzu komme die körperliche Beeinträchtigung
durch einen länger bestehenden Bandscheibenprolaps, der zu einem chronischen
Schmerzsyndrom mit nachfolgendem Medikamentenabusus geführt habe. Die
Rückerlangung der Arbeits-/Erwerbsfähigkeit schätzten sie prognostisch als ungünstig
ein.
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A.d Im Bericht vom 28. Januar 2011 stellten die Ärzte des Psychiatrischen Zentrums
C._ folgende Diagnose:
"- Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
psychotische
Symptome (ICD-10: F33.2)
- Störung durch Sedativa oder Hypnotika: Benzodiazepine-Abhängigkeitssyndrom
(ICD-10: F13.25)
- Probleme in Bezug auf die soziale Umgebung (ICD-10: Z60)
- akzentuierte Persönlichkeitszüge (narzisstisch, paranoid) (ICD-10: Z73.1)
- chronisches Schmerz-Syndrom nach Bandscheibenvorfall 2002".
Nach Austritt aus der stationären Behandlung wurde die psychiatrische Behandlung
des Versicherten im Ambulatorium des Psychiatrischen Zentrums weiter geführt (IV-
act. 113).
A.e Mit Bericht vom 16. März 2011 hielt Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Oberarzt und Leiter des Ambulatoriums des Psychiatrischen
Zentrums C._ fest, der Versicherte leide auch nach Beendigung der stationären
Therapie weiterhin an Schlafproblemen. Überdies bestünden Schwierigkeiten, eine
Tagesstruktur aufrecht zu erhalten. Der Versicherte zeige sich auffällig im formalen
Denken verlangsamt, Auffassung und Konzentration seien beeinträchtigt. Der
behandelnde Psychiater ging von einer schweren psychischen Störung aus, wobei
zusätzlich durch die narzisstische und paranoide Verarbeitung des Erlebens des
Versicherten – mit aufdrängenden Suizidgedanken und fremdgefährlichen Ideen –
aktuell von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (IV-act. 115-2).
A.f Am 6. Mai 2011 empfahl der Regionale Ärztliche Dienst Ostschweiz (RAD) eine
medizinische Vergleichsbegutachtung (gegenüber jener von 2003, IV-act. 119), welche
am 11. und 13. Juli 2011 durch die MEDAS-Ostschweiz durchgeführt wurde (IV-
act. 126). Das Gutachten wurde am 29. September 2011 erstattet (IV-act. 127).
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A.g Der Psychiatrische Gutachter, Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, stellte folgende Diagnose mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 126-6):
" Rezidivierende depressive Störung, beginnend chronifiziert in leicht- bis mittel-
gradiger depressiver Ausprägung (ICD-10: F33.8)"
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien:
"- Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4)
- Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen, emotional instabilen und
narzisstischen Anteilen (ICD-10: Z73.1)
- Status nach schädlichem Gebrauch von Benzodiazepinen (ICD-10: F13.1)
- Störungen durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (ICD-10: F10.1)"
Der Gutachter berichtete, bei einigermassen ausreichenden Deutschkenntnissen des
Versicherten sei die Exploration ohne Dolmetscher durchgeführt worden. Er hielt fest,
es lägen deutliche Hinweise auf einen sekundären Krankheitsgewinn und ausgeprägte
Verdeutlichungstendenzen vor. In Bezug auf die anhaltende somatoforme
Schmerzstörung liege nur ein Foerster-Kriterium vor. Aus psychiatrischer Sicht sei es
dem Versicherten daher bei Aufwendung der zumutbaren Willensanstrengung möglich,
die Schmerzen zu überwinden und zumindest teilweise wieder in den Arbeitsprozess
einzusteigen (IV-act. 126-5). Aus rein psychiatrischer Sicht sei retrospektiv von einer
andauernden Arbeitsunfähigkeit von ca. 30% ab April 2010 auszugehen. Vorher habe
ab 2003 (gestützt auf die MEDAS-Begutachtung) eine Arbeitsunfähigkeit von 20%
bestanden. Als adaptierte Tätigkeiten seien einfache, angelernte Tätigkeiten zu nennen,
die keine speziell erhöhten Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz, die
emotionale Belastbarkeit, die Konzentrationsfähigkeit oder die sozialen Kompetenzen
stellten. Eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit aus medizin-theoretischer Sicht sei in
der freien Wirtschaft realisierbar, eine Tätigkeit in geschütztem Rahmen sei nicht
erforderlich. Die Prognose sei als nur vorsichtig günstig einzustufen. In der Regel
würden Suchtprobleme die Prognose ungünstig beeinflussen. Die subjektive
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Einschätzung des Versicherten – der sich selbst als nicht mehr arbeitsfähig sehe – sei
aus objektiv-gutachterlicher Sicht nicht nachvollziehbar. Es finde sich eine ausgeprägte
Verdeutlichungstendenz, wenn nicht sogar Aggravation. Zudem liessen sich ein
deutlicher sekundärer Krankheitsgewinn und eine Reihe von psychosozialen
Belastungsfaktoren, die als IV-fremd eingestuft werden müssten, eruieren. Der
Gutachter setzte sich mit den Diagnosen der behandelnden Psychiater auseinander
und hielt fest, es bestehe keine Übereinstimmung in Bezug auf den Ausprägungsgrad
der depressiven Störung. Er habe aktuell keine schwere depressive Episode feststellen
können und auch für eine mittelgradige depressive Episode hätten sich keine
ausreichenden Hinweise gefunden. Eine beginnende Chronifizierung der depressiven
Symptomatik in leicht- bis mittelgradiger Ausprägung sowie die akzentuierten
Persönlichkeitszüge seien zu bestätigen. Seine abweichende Beurteilung begründete
er damit, dass die behandelnden Psychiater in der Regel von einem bio-
psychosozialen Krankheitsmodell ausgingen und daher psychosoziale
Belastungsfaktoren in die Beurteilung mit einfliessen würden. Ein Gutachter sei
aufgrund IV-rechtlicher Kriterien gehalten, psychosoziale Belastungsfaktoren als IV-
fremd zu markieren und nicht miteinzubeziehen. Zudem übernähmen die behandelnden
Psychiater in aller Regel die subjektiven Aussagen der Patienten und machten dann
aufgrund ihrer Vertrauensstellung Aussagen zu Gunsten ihrer Patienten. Aus diesen
Gründen ergebe sich aus gutachterlicher Sicht eine geringere Arbeitsunfähigkeit von
20-30% (im Vergleich zum behandelnden Psychiater, der den Versicherten als 100%ig
arbeitsunfähig einschätzte).
A.h Der rheumatologische Gutachter, Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeine Innere
Medizin und Rheumatologie FMH, stellte fest, die somatischen Befunde seien gering.
Die Wirbelsäule werde unter Angabe von mässigen lokalen Druckempfindlichkeiten
praktisch normal bewegt. Radiologisch zeigten sich mässige degenerative
Veränderungen der unteren Lendenwirbelsäule. Somatischerseits werde dadurch die
Arbeitsfähigkeit kaum eingeschränkt. Von wesentlicher Bedeutung erachtete er
psychische und soziale Faktoren (IV-act. 127-12).
A.i Mit Vorbescheid vom 1. Dezember 2011 zeigte die Beschwerdegegnerin an, dass
sie bei einem Invaliditätsgrad von 16% das Leistungsbegehren abweisen werde (IV-
act. 131). Am 20. Januar 2012 liess der Versicherte Einwand erheben (IV-act. 135).
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Seine Vertreterin monierte, die vierwöchige berufliche Arbeitsabklärung im Juli 1991
habe ein anderes Bild des Versicherten gezeigt. Dort sei er stets kooperativ und
freundlich gewesen und habe bei guter Arbeitshaltung einen guten Einsatz gezeigt. Es
sei damals darauf hingewiesen worden, dass sprachliche Barrieren bestünden, die
manchmal zu Missverständnissen führten. Bereits damals habe sich nur noch eine
Leistungsfähigkeit von 70% in einer adaptierten Tätigkeit ergeben. Die MEDAS-
Abklärung von 2003 habe keine Verdeutlichungstendenzen ergeben; insbesondere
habe damals aber die psychiatrische Abklärung mit einem Dolmetscher stattgefunden.
Der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit der letzten IV-Anmeldung
massiv verschlechtert, was zu einem mehrmonatigen Aufenthalt im Psychiatrischen
Zentrum C._ geführt habe.
A.j Der behandelnde Psychiater berichtete am 24. Februar 2012 auf Nachfrage der
Vertreterin des Versicherten hin, es seien keine Aggravationstendenzen feststellbar.
Inwiefern ein Krankheitsgewinn bestehe, sei aus seiner Sicht schwer beurteilbar. Der
Versicherte erhalte sicher aufgrund der aktuellen Beschwerden besonders von seinen
Söhnen vermehrt Zuwendung (IV-act. 138-4).
A.k Abschliessend hielt die Vertreterin des Versicherten fest, es sei davon auszugehen,
dass der Versicherte zu wenigstens 30% in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei.
Bei einem Leidensabzug von 20% habe er somit mindestens Anspruch auf eine
Viertelsrente (IV-act. 138-1).
A.l Mit Verfügung vom 14. März 2012 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem ab
lehnenden Entscheid fest (IV-act. 140).
B.
B.a Dagegen richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 30. April 2012 (act. G 1).
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin C. Kessi, behauptet, der
Beschwerdeführer sei durch die rezidivierende depressive Störung mehr als nur in
geringem Masse – wie von der Beschwerdegegnerin behauptet – beeinträchtigt. So
gehe auch der behandelnde Psychiater davon aus, dass die ICD-Kriterien für eine
rezidivierende depressive Störung, mit gegenwärtig schwerer Episode, erfüllt seien.
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B.b Gegen das MEDAS-Gutachten vom 29. September 2011 wendet sie ein, es sei
ohne Beizug eines Dolmetschers erstellt worden. Eine Übersetzung wäre indes
unbedingt notwendig gewesen, da der Beschwerdeführer sich nur knapp befriedigend
in Hochdeutsch ausdrücken könne und auch der Bericht des Psychiatrischen Zentrums
C._ mehrfach auf die erhebliche Sprachbarriere hingewiesen habe. Eine genaue
Abklärung und diagnostische Kategorisierung gemäss ICD sei daher gar nicht möglich
gewesen. Unter diesen Umständen könne dem MEDAS-Gutachten kein Beweiswert
zukommen. Es müsse daher auf die Einschätzung des behandelnden Psychiaters
Dr. D._ abgestellt werden. Gemäss dieser Einschätzung sei beim Beschwerdeführer
von einer 100%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seit spätestens April 2010
(Beginn des stationären Aufenthaltes im Psychiatrischen Zentrum C._) auszugehen.
Damit habe der Beschwerdeführer ab 1. April 2011 Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente.
B.c Ergänzend liess der Beschwerdeführer dem Gericht am 9. Mai 2012 einen Bericht
von Dr. D._ vom 27. April 2012 einreichen. Darin gab dieser folgende Diagnose an:
"rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische
Symptome (ICD-10: F33.2)". Der Beschwerdeführer habe eine schwere chronische
psychiatrische Erkrankung und erfülle alle Haupt- und Nebenkriterien einer Depression.
Daher beurteile er den Beschwerdeführer als für alle Tätigkeiten zu 100%
arbeitsunfähig (act. G 4.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin beantragt, die Beschwerde abzuweisen. Gemäss
MEDAS-Gutachten (vom 29. September 2011) sei die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers aus psychiatrischen Gründen lediglich zu 20-30% eingeschränkt.
Auf dieses Gutachten könne ohne weiteres abgestellt werden. Es sei davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich nach 32 Jahren in der Schweiz
ausreichend auf Deutsch verständigen könne. Andernfalls wäre diese Weigerung, sich
zu integrieren, als invaliditätsfremder Umstand ohnehin nicht zu berücksichtigen.
Überdies sei eine Dolmetscherin organisiert, diese aber vom Beschwerdeführer
abgelehnt worden. Die Behandlung bei Dr. D._ würde offensichtlich auch nicht in
türkischer Sprache erfolgen, daher sei es nicht nachvollziehbar, wieso die MEDAS-
Begutachtung in deutscher Sprache nicht massgeblich sein sollte (act. G 6).
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B.e Nachdem dem Beschwerdeführer am 3. Juli 2012 die unentgeltliche Rechtspflege
und Rechtsverbeiständung gewährt wurde (act. G 7) und die Frist für eine Replik
unbenützt verstrichen war, wurde der Schriftenwechsel abgeschlossen (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Mit Verfügung vom 14. März 2012 lehnte die Beschwerdegegnerin das
Leistungsgesuch des Beschwerdeführers ab. Der Beschwerdeführer lässt beantragen,
die Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm mit Wirkung ab April 2011 eine ganze
Invalidenrente zuzusprechen.
1.2 Streitig und zu prüfen ist im Folgenden der Anspruch des Beschwerdeführers auf
eine Rente der Invalidenversicherung.
2.
2.1 Gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG,
SR 831.20) haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, Anspruch auf eine Rente (lit. a),
wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine
Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze
Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.2 Für die Bemessung des Invaliditätsgrades sind die zuständige Behörde und später
das Gericht auf von den Ärzten zur Verfügung zu stellende Unterlagen angewiesen.
Aufgabe des Arztes ist es denn auch, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten der
Versicherte arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261, E. 4 mit weiteren Hinweisen). Im
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Rahmen der freien Beweiswürdigung dürfen sich Verwaltung und Gericht weder über
die medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen, noch sind die ärztlichen
Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer sozialversicherungsrechtlichen
Tragweite zu übernehmen. Die rechtsanwendende Behörde hat sorgfältig zu prüfen, ob
die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt,
welche vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus, unbeachtlich sind
(BGE 130 V 356, E. 2.2.5).
2.3 Hinsichtlich des Beweiswertes eine Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation und deren
Zusammenhängen einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 125 V 352, E. 3a). So weicht denn auch das Gericht nach der Praxis nicht
ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen
Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um
einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen (BGE 125 V 352, E. 3b/aa).
2.4 Die Beschwerdegegnerin stellt ihre Bemessung des Invaliditätsgrades des
Beschwerdeführers auf das MEDAS-Gutachten vom 29. September 2011 ab. Dagegen
wendet die Rechtsvertreterin des Versicherten ein, da die psychiatrische Untersuchung
ohne Hilfe eines Dolmetschers vorgenommen worden sei, könne dem Gutachten kein
Beiweiswert zukommen. Dies war allerdings im Rahmen der Begutachtung vom
Beschwerdeführer nicht bemängelt worden, im Gegenteil muss dem entgegen gehalten
werden, dass der Gutachter festhielt, die Begutachtung sei auf Wunsch des
Beschwerdeführers und bei einigermassen ausreichenden Deutschkenntnissen ohne
Dolmetscher durchgeführt worden (IV-act. 126-3). Der Beschwerdeführer war bereits
mit dem Terminaufgebot der MEDAS darauf hingewiesen worden, dass er bei allfälligen
Schwierigkeiten sich zu verständigen, einen Dolmetscher mitbringen solle (IV-act. 46).
Daher leuchtet es nicht ein, wieso dem Gutachten kein Beweiswert zukommen sollte,
nur weil die Untersuchung in deutscher Sprache erfolgte. Die psychiatrische
Behandlung bei Dr. D._ erfolgt ebenfalls in Deutsch und seinem Bericht will der
Beschwerdeführer vollen Beweiswert zumessen. Es besteht kein Grund zur Annahme,
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dass der Gutachter die Beurteilung des Beschwerdeführers ohne Dolmetscher nicht
sachgerecht durchführen konnte. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung hat
grundsätzlich der Gutachter im Rahmen sorgfältiger Auftragserfüllung die Frage zu
beantworten, ob für eine medizinische Abklärung der Beizug eines Dolmetschers im
Einzelfall geboten ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 506/05 vom
1. März 2006, E. 4.3). In diesem Rahmen befanden die Gutachter der MEDAS den
Beizug eines Dolmetschers nicht für nötig. Es bestehen auch keine Anhaltspunkte
dafür, dass aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten zwischen Arzt und Patient die
Begutachtung nicht umfassend und vollständig hätte erfolgen können.
2.5 Die Gutachter schätzten die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
adaptierten Tätigkeit auf ca. 20-30%, bezogen auf ein Vollzeitpensum. Die
Arbeitsfähigkeit werde somatischerseits kaum eingeschränkt durch ein unspezifisches
lumbales Schmerzsyndrom bei mässigen degenerativen Veränderungen der unteren
LWS. Von wesentlicher Bedeutung seien psychische und soziale Faktoren, wobei die
Foerster-Kriterien zum Teil erfüllt seien und das Leiden an Komorbidität gewonnen
habe (IV-act. 127-12). Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wird aus psychiatrischer
Sicht begründet mit der beginnenden chronifizierten depressiven Störung mit leicht bis
mittelgradigen Einschränkungen der Aufmerksamkeit, der Ausdauer und der
Konzentrationsfähigkeit. Bei festgestellten akzentuierten Persönlichkeitszügen lägen
zudem eingeschränkte soziale Kompetenzen, insbesondere eine eingeschränkte
Interaktionsfähigkeit und eine erhöhte Kränkbarkeit vor. Auch bestehe eine leicht
eingeschränkte Stress- und Frustrationstoleranz sowie eine leicht verminderte
emotionale Belastbarkeit und eine leichte Einschränkung des Umstellungs- und
Anpassungsvermögens. Als adaptierte Tätigkeiten nannten die Gutachter einfache,
angelernte Tätigkeiten ohne speziell erhöhte Anforderungen an die Stress- und
Frustrationstoleranz, die emotionale Belastbarkeit, die Konzentrationsfähigkeit und die
sozialen Kompetenzen. Unter diesen Voraussetzungen hielten sie die geschätzte
Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der freien Wirtschaft für realisierbar. Als
therapeutische Option sei die Fortführung der ambulanten psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung inklusive weitere Optimierung der
Psychopharmakotherapie zu empfehlen. Der psychiatrische Gutachter riet auch zu
verhaltenstherapeutischem Vorgehen mit klaren Zielvereinbarungen, dem weiteren
Aufbau von Strategien zur Stressbewältigung und Förderung der
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Entspannungsfähigkeit, zur Reduktion des schädlichen Gebrauchs von Alkohol, dem
Aufbau eines für den Beschwerdeführer nachvollziehbaren psychosomatischen
Krankheitsmodells, Besprechung von belastenden Lebensereignissen und Übungen
zur Verbesserung der sozialen Kompetenzen. Die Prognose wurde als vorsichtig
günstig eingestuft (IV-act. 127-8 f.). – Zusammenfassend basiert das Gutachten auf
umfassenden Kenntnissen des Sachverhalts (einschliesslich der Vorakten) und die
Experten, namentlich der psychiatrische Gutachter, haben die erhobenen Befunde und
Beobachtungen ausführlich und nachvollziehbar beschrieben. Die Schlussfolgerungen
leuchten ein, und die Beurteilung der zumutbaren Arbeitsleistung ist überzeugend
begründet. Das MEDAS-Gutachten entspricht damit den Anforderungen der
Rechtsprechung und es kann darauf abgestellt werden.
2.6 Die Einwendungen des Beschwerdeführers genügen nicht um die Schlüssigkeit
des Gutachtens in Frage zu stellen. Es sprechen keine konkreten Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise. Der psychiatrische Gutachter begründet überdies seine
von den vorbeurteilenden und behandelnden Psychiatern und Therapeuten
abweichende Meinung klar und nachvollziehbar. Insbesondere hat er auch zum
Ausdruck gebracht, dass beim Beschwerdeführer neben der depressiven Störung noch
viele psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren gegeben seien. Solche,
ebenso wie die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers, seien beim bio-
psychosozialen Krankheitsmodell, von welchem die behandelnden Ärzte ausgehen
würden, in deren Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit eingeflossen. Demgegenüber habe
er als Gutachter diese Faktoren als IV-fremd zu markieren. Konsekutiv ergebe sich aus
den genannten Gründen aus gutachterlicher Sicht eine geringere Arbeitsunfähigkeit
von ca. 20-30% (IV-act. 127-10). Diesen Ausführungen kann gefolgt werden.
Zusammenfassend hat das Gutachten damit vollen Beweiswert und dessen
Einschätzungen betreffend die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ist zu folgen.
3.
Nachdem auf die Einschätzung der MEDAS-Gutachter abzustellen ist, bleibt nach
folgend der Invaliditätsgrad zu bestimmen.
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3.1 Die Gutachter schätzen die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
adaptierten Tätigkeit auf 20-30%. Wenn seitens der Ärzte eine Bandbreite angegeben
wird, ist für die Invaliditätsgradbemessung der Mittelwert zugrunde zu legen, vorliegend
demzufolge 25% (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 20. August 2009, 9C_193/2009,
E. 1.3.1, und vom 28. Dezember 2007, 9C_626/2007, E. 3.2).
3.2 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gestützt auf einen Ein
kommensvergleich zu bestimmen. Dazu wird gemäss Art. 16 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Massgebend ist dabei die
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Die Gutachter schätzen den Beschwerdeführer – wie oben
gezeigt – in seiner bisherigen Tätigkeit als 75% arbeitsfähig ein. Vorliegend kann
mangels repräsentativer Grundlage das Valideneinkommen des Beschwerdeführers
nicht verlässlich ermittelt werden. Er war nur äusserst unregelmässig arbeitstätig,
verdiente dabei unterdurchschnittlich wenig und ist nun schon seit längerer Zeit gar
nicht mehr arbeitstätig (vgl. Auszug aus dem individuellen Konto, IV-act. 36). Daher
rechtfertigt es sich vorliegend, sowohl für das Valideneinkommen als auch für das
Invalideneinkommen auf Tabellenlöhne abzustützen (Tabellenlohn gemäss
Schweizerischer Lohnstrukturerhebung 2010, TA1, Anforderungsniveau 4, Männer).
3.3 Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu
berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung und der Invaliditätsgrad entspricht
dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzuges vom
Tabellenlohn (BGE 126 V 75, SVR 2008 IV Nr. 2, I 697/05 E. 5.4). Beim
Invalideneinkommen ist in Form eines entsprechenden Abzugs der Tatsache Rechnung
zu tragen, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der
Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 323,
E. 3b/aa) und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene
Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit
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unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 80, E. 5b/aa).
Dabei ist der Abzug unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei er 25% nicht übersteigen
darf (BGE 134 V 327 E. 5.2).
3.4 Der Situation angemessen erscheint es vorliegend, einen Abzug von 10% vom
Tabellenlohn vorzunehmen. Unter Berücksichtigung der 75%igen Restarbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers ergibt sich daraus ein Invaliditätsgrad von 32.5% (1- [0.75 x
0.9] x 100).
3.5 Wie unter Erw. 2.1 dargelegt besteht ab einem Invaliditätsgrad von 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente. Damit hat der Beschwerdeführer, beim festgestellten
Invaliditätsgrad von 32.5% keinen Anspruch auf eine Rente. Auch wenn sich vorliegend
ein höherer Invaliditätsgrad als von der Beschwerdegegnerin errechnet, ergibt, ändert
sich im Ergebnis nichts.
3.6 Die Beschwerde ist damit abzuweisen und die angefochtene Verfügung vom
14. März 2012 ist zu bestätigen.
4.
4.1 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) am
3. Juli 2012 bewilligt (act. G 7). Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse des
Beschwerdeführers es gestatten, kann er jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten
und der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden (Art. 123 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/
SG).
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- er
scheint in der vorliegend beurteilten Angelegenheit als angemessen. Dem
unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
bis
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aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu
befreien.
4.3 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers aufzukommen. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis
Fr. 12'000.--. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit
erscheint mit Blick auf die Anforderungen und Komplexität der Streitsache eine
pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- angemessen. Diese ist um einen
Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 Anwaltsgesetz [AnwG; sGS 963.70]). Somit hat der
Staat die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers pauschal (BGE 125 V 201) mit
Fr. 2'400.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP