Decision ID: 1eb8754a-c4f7-49f1-9f9b-4084573b79b8
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
Mit Urteil 8C_332/2022 vom 19. Oktober 2022 hiess das Bundesgericht
die von A._ am 25. Mai 2022 gegen das Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 22 9 vom 9. März 2022
erhobene Beschwerde gut. Das Bundesgericht hob das Urteil des
Verwaltungsgerichts vom 9. März 2022 und die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) vom 28. Dezember
2021 auf. Es stellte fest, dass die IV-Stelle A._ vom 1. Januar 2020
bis 30. Juni 2021 eine ganze Invalidenrente und ab dem 1. Juli 2021 eine
halbe Invalidenrente auszurichten habe (Dispositivziffer 1). Die
Gerichtskosten des bundesgerichtlichen Verfahrens von CHF 800.--
wurden der IV-Stelle auferlegt (Dispositivziffer 2). Ausserdem hat die IV-
Stelle A._ für das bundesgerichtliche Verfahren mit CHF 2'800.-- zu
entschädigen (Dispositivziffer 3). Schliesslich wies das Bundesgericht die
Sache zur Neuverlegung der Kosten und der Parteientschädigung im
vorangegangenen verwaltungsgerichtlichen Verfahren an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden zurück (Dispositivziffer 4).

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten ganz oder teilweise gut, kann es reformatorisch
entscheiden, also in der Sache selbst Anordnungen treffen, oder aber
kassatorisch, mithin den angefochtenen Entscheid bloss aufheben oder
die Angelegenheit an die Vorinstanz oder an die erstinstanzlich
verfügende Behörde zur Neubeurteilung zurückweisen (Art. 107 Abs. 2
des Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110]; vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013,
Rz. 1640; DORMANN, in: NIGGLI/UEBERSAX/ WIPRÄCHTIGER/KNEUBÜHLER
[Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl., Basel
2018, Art. 107 Rz. 12 ff.). Dabei kann das Bundesgericht nach Art. 67 und
- 3 -
Art. 68 Abs. 5 BGG auch die Kosten und/oder die Entschädigungen des
vorangegangenen Verfahrens anders verteilen. Es weist die
Angelegenheit dabei entweder an die Vorinstanz zurück, damit diese über
die (Kosten-)Verteilung entscheidet oder entscheidet selbst
(KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1658; GEISER, in:
NIGGLI/UEBERSAX/WIPRÄCHTIGER/KNEUBÜHLER [Hrsg.], Basler Kommentar
zum Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl., Basel 2018, Art. 67 Rz. 5 und Art. 68
Rz. 24 f.). Bei einer Rückweisung sind die Vorgaben – insbesondere die
entscheidwesentlichen Erwägungen – des Bundesgerichts für die Vor-
instanz verbindlich bzw. die mit der Neubeurteilung befasste (kantonale)
Instanz hat die rechtliche Beurteilung, mit der die Zurückweisung
begründet wird, ihrer Entscheidung zugrunde zu legen (siehe
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1643; DORMANN, in:
Niggli/Uebersax/Wiprächtiger/Kneubühler, a.a.O., Art. 107 Rz. 18; vgl.
auch BGE 143 IV 214 E.5.3.3 m.H.a. 135 III 334 E.2.1; Urteile des
Bundesgerichts 8C_620/2021 vom 14. Januar 2022 E.4.1, 4A_197/2020
vom 10. Dezember 2020 E.3.2.1 f., 8C_824/2017 vom 27. März 2018
E.2.2, 2C_389/2013 vom 26. Oktober 2013 E.2.2.1, 2C_304/2013,
2C_305/2013 vom 22. Oktober 2013 E.2.1 und 2C_1071/2012 vom 7. Mai
2013 E.2).
2. Über den Rentenanspruch von A._ (ab dem 1. Juli 2021) entschied
das Bundesgericht reformatorisch. Hinsichtlich der Neuverlegung der
Kosten sowie der Regelung der Parteientschädigung vor
Verwaltungsgericht hielt das Bundesgericht in seinem Urteil 8C_332/2022
vom 19. Oktober 2022 unter Hinweis auf Art. 67 und Art. 68 Abs. 5 BGG
fest, dass anstelle der von A._ im bundesgerichtlichen Verfahren
beantragten Zusprache einer Parteientschädigung für das vorinstanzliche
Verfahren die Sache praxisgemäss zur Neuverlegung der Kosten und
Parteientschädigung des vorangegangenen Verfahrens an das kantonale
Gericht zurückgewiesen werde (vgl. dortige E.7). Es bleibt also über die
- 4 -
Verlegung der im Verfahren S 22 9 gemäss Art. 69 Abs. 1bis des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) i.V.m.
Art. 61 lit. fbis des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) angefallenen
Gerichtskosten von CHF 700.-- sowie eine allfällige Parteientschädigung
gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG zugunsten von A._ zu befinden.
3. Die Verlegung der Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1bis letzter Satz IVG
vor dem kantonalen Versicherungsgericht richtet sich mangels
gegenteiliger Regelungen im Bundesrecht und in Nachachtung von Art. 61
Ingress ATSG nach dem massgebenden kantonalen (Verfahrens‐)Recht
und somit nach Art. 72 ff. des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100; vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_176/2020 vom 9. April 2021 E.3, 9C_254/2018 vom
6. Dezember 2018 E.2.1, 8C_304/2018 vom 6. Juli 2018 E.4.2 und
8C_568/2010 vom 3. Dezember 2010 E.4.2; siehe PVG 2020 Nr. 7 E.9
sowie Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU]
S 20 27 vom 23. Februar 2021 E.12 und S 16 77 vom 18. Dezember 2018
E.11.1; siehe aber immerhin BGE 137 V 57 E.2.2 betreffend
Rückweisungen zu ergänzenden Abklärungen). Betreffend die Verlegung
der Gerichtskosten ist zu berücksichtigen, dass A._ im Verfahren
S 22 9 in der Beschwerde vom 26. Januar 2022 für den Zeitraum ab dem
1. Juli 2021 – wie auch vor Bundesgericht – die Zusprache einer
unbefristeten halben Invalidenrente (anstatt der mit Verfügung vom
28. Dezember 2021 zugesprochenen Viertelsrente) beantragt hatte und
damit vor Bundesgericht vollständig durchgedrungen ist. Er ist also so zu
stellen, wie wenn er bereits im Verfahren S 22 9 (vollständig) obsiegt hätte
(vgl. dazu etwa VGU R 22 60 vom 13. September 2022 E.2, R 22 61 vom
13. September 2022 E.2, U 22 37 vom 31. Mai 2022 E.2 und S 21 33 vom
13. April 2021 E.1). Dementsprechend sind die Kosten des Verfahrens
S 22 9 im Betrag von CHF 700.-- der IV-Stelle aufzuerlegen.
- 5 -
4. A._ hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG auch Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu Lasten der IV-Stelle. Die Bemessung der Entschädigung
erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, wobei der zeitliche
Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig durch die Schwierigkeit des
Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird die Bemessung der
Parteientschädigung gemäss Art. 61 Ingress ATSG nach dem kantonalen
Recht bestimmt (siehe Urteile des Bundesgerichts 9C_519/2020 vom
6. Mai 2021 E.2.2, 9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 E.9.2, nicht
publ. in BGE 144 V 380, 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.1 und
9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG
i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV;
BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts
festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der Honorarnote geltend
gemachten (und als angemessen zu betrachtenden) Aufwand sowie
(üblichen) Stundenansatz ausgeht. Der Rechtsvertreter von A._
machte in seiner Honorarnote vom 18. Februar 2022 für den Zeitraum vom
10. Januar bis zum 18. Februar 2022 einen Aufwand von insgesamt
CHF 2'571.85 geltend (9.66 Stunden à CHF 240.-- zuzgl. 3 %
Kleinspesenpauschale [CHF 69.55] und 7.7 % MWST [CHF 183.90]). Der
in der Honorarnote geltend gemachte Stundenansatz von CHF 240.--
entspricht dem bei fehlender Honorarvereinbarung praxisgemäss
anzuwendenden Stundenansatz (siehe VGU S 21 89 vom 7. September
2022 E.8.2, S 22 17 vom 31. Mai 2022 E.7.2, S 20 52 vom 24. März 2022
E.11.3 und S 18 72 vom 5. Oktober 2021 E.8.2.1). Insofern kann darauf
abgestellt werden. Der zeitliche Aufwand von 9.66 Stunden erscheint
angesichts des Umfanges der Beschwerde vom 26. Januar 2022 und der
sich stellenden Fragen als angemessen, ebenso die geltend gemachte
Kleinspesenpauschale von 3 % auf das Honorar (siehe dazu VGU S 20 52
vom 24. März 2022 E.11.3). Damit hat die IV-Stelle A._ im Betrag von
- 6 -
CHF 2'571.85 (inkl. Spesen und MWST; 9.66 Stunden à CHF 240.-- zzgl.
3 % Kleinspesenpauschale [CHF 69.55] und 7.7 % MWST [CHF 183.90])
aussergerichtlich zu entschädigen.