Decision ID: 952c64d5-416e-48bf-a147-c7d53d605901
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1953,
war zuletzt Inhaber einer als Aktiengesell
schaft betriebenen Pizzeria, in der er als
Wirt,
Gerant
und Koch tätig war (Urk. 9/10/1). Aufgrund eines Armleidens meldete er sich am 18. Mai 2003 (Urk. 9/2) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 8. September 2004 sprach ihm die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, eine befristete Rente für den Zeitraum vom 1. Mai bis 30. September 2003
zu (Urk. 9/19).
1.
2
Am 10. Februar 2009 (Urk. 9/25) meldete sich der Versicherte wegen drei Herzinfarkten und psychischen Problemen erneut bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle zog die Akten des Krankentaggeldversicherers
(SWICA Gesundheitsorganisation, nachfol
gend SWICA)
(Urk. 9/31) bei und tätigte medizinische (Urk. 9/32, 9/33
und 9/40
)
sowie
erwerbliche (Urk. 9/30, 9/
36 und
9/37
) Abklärungen. Mit Verfü
gung vom 8. September 2010 (Urk. 9/52) sprach die IV-Stelle dem Ver
sicherten nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
auf der Grundlage eines Invaliditätsgrades von 68 % eine
Dreiviertelsrente
ab dem 1. August 2009 zu
und erklärte in Bezug auf den Nachzahlungsanspruch in Höhe von Fr. 17‘953.-- vollumfänglich
die Verrechnung
mit Beitragsschulden gegen
über der Ausgleichskasse
.
Die vom
Versicherte
n
am 1. Oktober 2010 (Urk. 9/53/3)
erhobene
Beschwerde gegen die Verrechnung der Rentennach
zahlungen
hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 27. April 2012 (Urk. 9/81) in dem Sinne gut,
dass
es die angefochtene Verfügung, soweit sie die Ver
rechnung im Umfang von Fr. 17‘953.-- betraf, aufhob und die Sache zu Abklärungen betreffend das Existenzminimum des Versicherten und neuer
lichem Entscheid an die IV-Stelle zurückwies. Nachdem das Bundesgericht mit Urteil vom 25. Juni 2012
(Urk. 9/85) nicht auf die Beschwerde des Ver
sicherten eingetreten war und sie die gerichtlich angeordneten
Abklärungen
durchgeführt hatte,
ersetzte die IV-Stelle ihre Verfügung vom 8. September
2010
hinsichtlich der Verrechnung
durch die Verfügung vom 5. Dezember 2012 (Urk. 9/89).
1.
3
Mit Gesuch vom 24. Juni 2014 (Urk. 9/94) beantragte der Versicherte eine Rentenerhöhung, da seine Arbeitsfähigkeit aufgrund einer schweren korona
ren Dreigefässerkrankung mit
schwergradig
eingeschränkter LV-Funktion (linker Ventrikel
=
linke Herzkammer) weiter abgenommen habe. Die IV-Stelle tätigte erneut medizinische (Urk. 9/96, 9/97, 9/102) und erwerbliche
(Urk. 9/101)
Abklärungen
. Zudem gab sie
bei den Fachärzten der
Y._
ein polydisziplinäres Gutachten der Fachdisziplinen Allge
meine Innere Medizin, Orthopädie, Kardiologie und Psychiatrie in Auftrag
.
Nach
persönlichen Untersuchungen des
Versicherten am 26. Mai 2015,
wurde dieses
Gutachten
am 1. Juni 2015 (Urk. 9/110)
erstattet
. Mit Vorbe
scheid vom 1. September 2015 (Urk. 9/114) stellte die IV-Stelle
dem Ver
sicherten
die Abweisung des Erhöhungsbegehrens in Aussicht. Dagegen erhob der Versicherte am 25. September 2009 (Urk. 9/116)
durch Vorsprache bei der IV-Stelle
Einwand. Im Rahmen des
Vorbescheid
verfahrens
wurde
n
vom
Versicherte
n
zusätzliche
medizinische Akten
(Urk. 9/122
/1-9
) einge
reicht und die IV-Stelle
holte
weitere
ärztliche Berichte
(Urk. 9/130, 9/133, 9/134)
ein
.
Wie angekündigt, wies die IV-Stelle
das Rentenerhöhungsgesuch
mit Verfügung vom 12. Juli 2016 (Urk. 2) ab.
2
.
Mit Beschwerde vom 15. August 2016 (Urk. 1/1) beantragte der Beschwerde
führer sinngemäss eine
Erhöhung der bisher ausgerichteten
Dreiviertelsrente
auf eine ganze Rente. Mit Beschwerdeantwort vom 30. November 2016 (Urk. 8) beantragte die Beschwerdegegnerin die teilweise Gutheissung der Beschwerde
im Sinne einer
Rückweisung
der Sache
zu weiteren Abklärungen.
Mit Replik vom 2. Januar 2017 (Urk. 12) hielt der Beschwerdeführer
sinnge
mäss
an seinem Antrag fest
und reichte einen neuen medizinischen Bericht des
Z._
vom 30. Dezember 2016 in
s
Recht (
Urk.
13)
. Mit Schreiben vom 17. Januar 2017 (Urk. 15) verzichtete die
Beschwerdegeg
nerin
auf die Erstattung einer Duplik, was dem Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom 23. Januar 2017 (Urk. 16) mitgeteilt wurde.
Auf die
Ausführungen
der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Nach
Art.
17 ATSG sind laufende Renten für die Zukunft zu erhöhen, herabzu
setzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen
.
2.
2.1
D
er Beschwerdeführer
beantragt
e
sinngemäss
eine
Erhöhung der bisherigen
Dreiviertelsrente
auf eine ganze Rente
. Er sei seit Juni 2014 krankgeschrieben und stehe
unter kardiologischer Kontrolle
seit
er den
sechsten Herzinfarkt
erlitten habe
. Im November 2015 habe ihm ein Herzschrittmacher eingesetzt werden müssen. Am 8. und am 18. Februar 2016 habe er zwei weitere Herz
infarkte erlitten. Die Ärzte hätten ihm gesagt, dass er ein sehr schwaches Herz habe und es ein Wunder sei, dass er noch lebe.
Wenn er fünf Minuten gehe werde es ihm schwindlig und
übel
, so dass er eine Pause machen müsse. Er habe grosse Probleme mit
dem
Cholesterin und der Zuckerkrankheit. Er könne keine leichte Arbeit machen, da er sechzig Jahre alt sei und nur über eine Ausbildung als Koch verfüge
(Urk. 1/1)
.
Mit Replik vom 2. Januar 2017 informierte er unter Beilage des entsprechenden Austrittsberichts vom 30. Dezember 2016 (Urk. 13) über eine weitere
Hospitalisation
in der Klinik für Kardiologie des
Z._.
Zudem werde er wegen Beinproblemen in der
A._
behandelt (Urk. 12).
2.2
Die Beschwerdegegnerin
machte
in der Beschwerdeantwort
geltend
, gestützt auf die aktuelle medizinische Aktenlage
könne
nicht schlüssig beurteilt wer
den, ob sich die Verschlechterung des Gesundheitszustandes in
rententan
gierender
Weise auswirke. Zur Klärung des Rentenanspruchs seien weitere medizinische Abklärungen notwendig, wobei eine Untersuchung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst vorgesehen sei. Im Sinne einer teilweisen Gut
heissung der Beschwerde werde eine Rückweisung
der Sache
zu weiteren medizinischen Abklärungen
beantragt
(Urk. 8 S. 2)
.
3.
Nachdem die Beschwerdegegnerin auf das Rentenerhöhungsgesuch eingetre
ten ist, beschränkt sich die gerichtliche Überprüfungsbefugnis darauf, zu prüfen, ob eine anspruchserhebliche
Änderung in den tatsächlichen Verhält
nissen
vorliegt
(
BGE 109 V 108 E. 2b
)
.
Die
se
Frage beurteilt sich durch Ver
gleich des
jenigen
Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprüng
lichen
Ren
tenverfügung
bestand
, mit demjenigen zur Zeit der streitigen
Revisionsverfü
gung
.
Im Hinblick auf eine weitere Revision gilt eine rechtskräftige
Revisi
onsverfügung
ihrerseits als (neue) Vergleichsbasis,
wenn sie auf einer mate
riellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsab
klärung
, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (
Urteil des Bundesgerichts 8C_646/2011, 8C/699_2011 vom 17. November 2011, E. 4.1 mit Hinweisen auf
BGE 133 V 108 E. 5.4
und
130 V 343 E. 3.5
)
.
Damit ist der Sachverhalt bei Erlass der angefochtenen Verfügung
grundsätz
lich
mit demjenigen Sachverhalt zu vergl
eichen, welcher der
Zusprache
d
er unbefristeten
Dreiviertelsrente
mit Verfügung vom
8.
September 2010
(Urk. 9/
89
)
zugrunde lag
(
vgl. BGE 131 V 242 E.
2.1
)
.
4.
Die Grundlagen für die
mit
Verfügung vom 8. September 2010 (Urk. 9/52)
erfolgte
Zusprache
einer
Dreiviertelsrente
ab dem 1. August 2008
sind
dem Feststellungsblatt für
den Beschluss vom 9. April 2010 (Urk. 9/42/5)
zu ent
nehmen:
In medizinischer Hinsicht stellte die Beschwerdegegnerin
auf den Austrittsbericht
des
Z._
vom 29. August 2007 (Urk. 9/31/18-22), die Berichte von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
vom 9. April 2009 (Urk. 9/32) un
d 8. September 2009 (Urk. 9/40),
den Bericht von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. Mai 2009 (Urk. 9/33)
sowie auf das von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, im Auftrag der SWICA erstattete psychiat
rische Gutachten vom 14. Juli 2008 (Urk. 9/31/2-11)
ab.
I
n somatischer Hin
sicht
wurde
von
eine
r
koronare
n
Herzerkrankung mit Status nach mehreren
Myokardinfarkten und
Stentimplantationen
(zuletzt im August 2007), Dys
pnoe beim Treppensteigen entsprechend NYHA III
und eine
r
leichte
n
körper
liche
n
Leistungsminderung
ausgegangen
. Echokardiographisch hätte sich im Mai 2009 eine leichte Abnahme der LV-Funktion (Ejektionsfr
aktion
(EF)
: 35 %) bei einem grossen
apikolateralen
Aneurysma
gezeigt
.
In psychischer Hinsicht
wurde
das Bestehen
einer
Anpassungsstörung mit längerer leicht- bis mittelgradiger depressiver Episode
angenommen
(Urk. 9/42/4)
. Seit 20. August 2007
sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % in sämtlichen Tätigkeiten auszugehen
.
Ab dem 1. Mai 2008 sei in
einer körperlich leichten, überwiegend im Sitzen ausgeübten Tätigkeit
eine
50%ige Arbeitsfähigkeit
ausgewiesen
(Urk. 9/42/5).
5
.
5
.1
Am
19. Juni 2014
(Urk. 9/97)
informierte
das
E._
(
Z._
) den Hausarzt
über
ein
en stationären Aufenthalt des Beschwer
deführers
im
Z._
zwischen dem
10.
und dem
18. Juni 201
4.
Die Zuweisung des Patienten sei durch die
Notfallabteilung
bei anhaltender
Anstrengungs
dyspnoe
(
NYHA III
)
zur
Koronarangiographie
erfolgt
(Urk. 9/97/3)
. In der
Herzkatheteruntersuchung
hätten offene Stents im RIVA
(rechter Ast der lin
ken
Koronarartherie
)
, dem RIM
(mittlerer Ast der linken
Koronarartherie
)
und der RCA
(rechte
Koronarartherie
)
gesehen werden können. Die
bei einer im
März 2014 in Tunesien
vorgenommenen Koronarangiographie
dargestellte signifikante Stenose des MA1/RCX
(linker Ast der linken
Koronarartherie
)
sei
erfolgreich mit einem medikamentös beschichteten Stent
(DES)
behandelt
worden
. Eine am 17. Juni 2014 durchgeführte Echokardiographie
habe
unter etablierter Therapie
bei weiterhin schwer dilatiertem,
assymmetrisch
hyper
trophem linkem Ventrikel
eine Verbesserung der
persistierend reduzierten
Auswurffraktion (
EF
34 %) bei Akinesie des Apex,
inferoseptal
,
anteroseptal
und
anterior
gezeigt
(Urk. 9/97/3).
Am 16. Januar 2015 (Urk. 9/102
/1-6
) berichtete das
E._
der Beschwerdegegnerin über die Behandlung des Beschwerdeführer
s
im
Z._
.
Der Patient
klage
über
starke Einschränkung
en
im Alltag
:
Beim Gehen in leichter Steigung oder Treppensteigen
beschreibe
er
eine
Enge beziehungs
weise ein Druckgefühl auf der Brust und ein Stechen im Bereich der linken Schulter, das ihn sofort zum
A
nhalten zwinge. Weiter
klage
er
über
Schweissausbrüche und eine psychische Belastung durch die
vergangenen
Ereignisse.
Betreffend die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als selbständiger Wirt
attestierten sie
eine fortbestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit
seit März 2014
(Urk. 9/102/1 f.)
. Die Zumutbarkeit einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei zu einem späteren Zeitpunkt zu beurteilen. Es zeige sich eine tendenziell negative Entwicklung, wobei unter optimaler
Herzinsuffi
zienztherapie
eine Leistungsverbesserung möglich sei
(Urk. 9/102/3
)
.
Im bei
gelegten Bericht vom 14. Januar 2015 (Urk. 9/102/7-9) wird über die glei
chentags stattgehabte Sprechstunde berichtet.
Subjektiv gehe es dem Beschwerdeführer besser. Er könne mit kleinen Pausen drei Mal zehn Trep
penstufen steigen. Bei Steigungen müsse er aufgrund von Dyspnoe und gehäuftem Enge-/Druckgefühl schnell pausieren (Urk. 9/102/8). In der
Echo
kardiographie
habe
sich
ein
schwer dilatierter
linker
Ventrikel mit
reduzierter Auswurffraktion (EF
30 %
biplan
) bei apikalem Aneurysma
verum
(erweiter
ter Querschnitt eines Blutgefässes)
und
Hypokinesien
der restlichen
Wand
abschnitte
gezeigt
.
Bei fortschreitender reduzierter kardialer Funktion sei die Herzinsuffizienztherapie mittels Steigerung des ACE-Hemmers ausgebaut worden
(Urk. 9/102/9)
.
Prof.
Dr.
med.
F._
und
Dr.
G._
vom
E._
berichte
ten
Dr.
B._
a
m 28. September 2015 (Urk. 9/122/2-9) über die gleichentags im
Z._
stattgehabte Sprechstunde.
Ein Herz-MRI vom 9. März 2015 (vgl. Urk. 9/133/21) habe eine Auswurffraktion des linken Ventrikels von 21 % ergeben (Urk. 9/122/1).
Der Beschwerdeführer habe
erklärt
, dass
ihm
Sitzen und Liegen keine Probleme bereiteten. Beim Gehen gerate er nach 100 Metern ausser Atem und müsse eine Pause machen
(Urk. 9/122/3)
. Es bestehe weiterhin eine Indikation zur Implantation eines
CRT-D (
Herz
schrittmac
her
mit Defibrillationsfunktion
)
(Urk. 9/122/4)
.
In
s
einem
kardiologische
n
Verlaufsbericht vom 22. Februar 2016 attestierte Dr.
med.
H._
vom
Z._
dem Beschwerdeführer
in der angestammten Tätigkeit
unverändert
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
.
Betreffend d
i
e Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit hielt er
wiederum
fest, dass diese zu einem späteren Zeitpunkt zu beurteilen sei (Urk. 9/130/2).
Weiter
verwies
er
auf den beigelegten
provisorischen
Austrittsbericht
vom 19. Februar 2016
(Urk. 9/130/5-9)
über
eine weitere,
zwischen dem 1
8.
und dem 22. Februar 2016 erfolgte stationäre Behandlung
des Beschwerdeführers
im
Z._
.
Anlässlich einer Hospitalisierung vom
8. bis
am
11. Februar 2016
sei
in Tunesien
eine Koronarangiographie mit dreifachem
Stenting
durchgeführt worden
.
Nach der Rückkehr aus Tunesien sei am
18. Februar 2016
wegen eines NSTEMI (
non-ST-segment
elevation
myocardial
infarction
, Myokard
infarkt ohne typische Infarktzeichen im EKG)
eine
notfallmässig
e
Zuweisung
durch den Rettungsdienst
erfolgt
.
Bei einer
gleichentags durchgeführten
Koronarangiographie
habe
sich eine Unterexpansion der Stents gezeigt.
Aus diesem Grund
seien mehrere Hochdruck-PTCA (
Herzkranzgefässerweiterun
g
en
)
im RIM-Stent
durchgeführt worden.
In Bezug auf das Ereignis vom 8. Februar 2016 in Tunesien habe eine CRT-D-Abfrage ergeben, dass eine anhaltende und symptomatische ventrikuläre Tachykardie (von den Herz
kammern ausgehende Herzrhythmusstörung) mit einer
Herzf
requenz von bis zu 200
Schlägen
/Minute nach 70 Minuten durch eine externe Defibrillation terminiert worden sei
(Urk. 9/130/6).
Dr.
med.
I._
vom
Z._
erstatte
te
der IV-Stelle am 27. April 2016 (Urk. 9/133) einen weiteren
kardiologischen
Verlaufsbericht
.
Eine am 22. Februar 2016 durchgeführte Echokardiographie habe namentlich eine
Auswurffraktion
des linken Ventrikels von 23 % ergeben (Urk. 9/133/1). Im Vergleich zum Vorbericht vom 22. Februar 2016 (Urk. 9/130)
seien
die Befunde unverändert
.
In der angestammten Tätigkeit
bestehe
aus kardiolo
gischer Sicht
weiterhin
eine
100%
ige
A
rbeitsunfähig
keit
(Urk. 9/133/2
)
.
Dr.
G._
erklärte am 16. Juni 2016 gegenüber der Beschwerdegegnerin, dass der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers se
it Februar 2016 unver
ändert sei.
Er verneinte die von der Beschwerdegegnerin gestellte Frage nach der
Zumutbarkeit
eine
r
angepasste
n
, körperlich leichte
n
und überwiegend sitzend ausgeübte
n
Erwerbst
ätigkeit in einem Pensum von 50 %
(Urk. 9/134/1)
.
5
.2
Der Beschwerdeführer wurde am 26. Mai 2015 im Auftrag der Beschwerde
-
geg
nerin
durch Fachärzte der Disziplinen Allgemeine Innere Medizin (Dr. med.
J._
), Kardiologie (Dr. med.
K._
), Orthopädische Chirur
gie und Traumatologie des Bewegungsapparates (Dr.
med
L._
) sowie Psychiatrie und Psychotherapie (Dr. med.
M._
) untersucht
. Gestützt darauf
und die zur Verfügung gestellten
Vorakten
wurde
am 1. Juni 2015 ein
polydiszipli
näre
s
Gutachten
erstattet (Urk. 9/110).
Dr.
J._
diagnostizierte auf dem Gebiet der Allgemeinen Inneren Medizin ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Adipositas, einen Diabetes mellitus sowie gestützt auf die medizinischen
Vorakten
eine
Hyperurikämie
. In Bezug auf die Herzbeschwerden verwies er auf die Einschätzung des kar
diologischen Gutachters (Urk. 9/110/10).
Der orthopädische Gutachter, PD
Dr.
L._
, führte aus, dass a
us orthopä
discher Sicht aufgrund einer
Epicondylitis
humeri
radialis
(Tennisellbogen) zwischen dem 1.
Mai und 1. September 2003 in der angestammten Tätigkeit
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden
habe (Urk. 9/110/36)
.
Ab 1. Oktober 2003 verneinte
er
auf seinem Fachgebiet eine
Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
(Urk. 9/110/
37)
.
Dr.
M._
stellte
aus psychiatrischer Sicht keine Diagnosen mit
Auswir
kung
auf die Arbeitsfähigkeit.
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
diag
nostizierte
er
eine
Dysthymia
(ICD-10: F34.1) und äusserte den Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und emotional instabilen Faktoren (ICD-10: F61) (Urk. 9/110/44).
Gegenüber
dem kardiologischen Gutachter,
Dr.
K._
,
klagte der Beschwerde
-
füh
rer
über eine bereits bei geringer Belastung einsetzende Atemnot.
B
ereits nach zehn bis maximal fünfzehn Treppenstufen
müsse er
eine kurze Pause einlegen.
Häufig werde d
ie Atemnot von Schweissaus
brüchen sowie einem Enge- und Druckgefühl über der Brust begleitet. Er fühle sich generell abgeschlagen und müde. Die Kurzatmigkeit habe sich in den letzten zwei Jahren verschlechtert und das Gefühl
der Abgeschlagenheit zugenommen (Urk. 9/110/15).
Dr.
K._
führte aus, i
nfolge mehrfacher
myo
kardialer
Ischämien und Infarkte
habe sich
beim Beschwerdeführer auf dem Boden einer schweren koronaren Dreigefässerkrankung eine ausgeprägte ischämische
Kardiomyopathie
mit den klinischen Zeichen einer
Belastungs
herzinsuffizienz
und dem führenden Symptom einer Belastungsdyspnoe aus
gebildet
(NYHA II-III, Urk. 9/110/17)
. Die Zeichen der Or
g
anschädigung (
Remodeling
mit exzentrischer Hypertrophie bei Ausbildung eines
Vorder
wandspitzenaneurysmas
, Zunahme des LV-Volumens und Abna
hme der Auswurffraktion) hätten im zeitlichen Verlauf seit 2007 erkennbar zuge
nommen. Bei den kardiologischen Untersuchungen im
Z._
im Juni 2014 und Januar 2015
sei
eine stark reduzierte, sich im Verlauf verschlechternde
links
ventrikuläre
Funktion (Juni 2014: EF 34 %, Januar 2015: EF 30 %, eine Zunahme der linksventrikulären Dilatation (August 2007: 116 ml/m
2
, Juni 2014: 126 ml/m
2
, Januar 2015: 141 ml/m
2
) mit exzentrischer Hypertrophie (Dickenzunahme der Herzkammer nach aussen) als Zeichen eines fortgesetz
ten
Remodelings
beschrieben
worden
. Weiterhin sei im Bericht vom Juni 2014 erstmals ein kompletter Linksschenkelblock beschrieben worden, was
ein
zusätzliches Indiz für eine weitere strukturelle
Schädigung sei.
Der Beschwerdeführer sei
zur Implantation eines ICD
-Aggregates
aufgeboten worden
.
Zwar
sei
er
in Ruhe kardiopulmonal kompensiert
,
aufgrund der Schwere der ischämischen
Kardiomyopathie
seien jedoch
die physische und mentale Belastbarkeit deutlich limitiert
(Urk. 9/110/19)
. Auch leichte körper
liche Anstrengungen seien nur während weniger Minuten möglich.
Aus kar
diologischer Sicht habe i
n der angestammten
Tätigkeit als Leiter eines Res
taurationsbetriebes
zwischen Juni 2006 und Juni 2014 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestanden. S
eit dem 18. Juni 2014
bestehe hierfür
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Für körperlich nicht belastende, weit überwiegend im Sitzen auszuführende Tätigkeiten ohne permanenten Zeitdruck habe zwischen Juni 2006 und Juni 2014 eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestanden. S
eit dem 18. Juni 2014 bestehe
in solchen Tätigkeiten
e
ine 50%ige Arbeitsfähigkeit
(Urk. 9/110/20).
Im Rahmen der
polydisziplinäre
n
Konsensbeurteilung
wurde
darauf hin
-
gewie
sen
, dass
die Optimierung der Behandlung der Herzinsuffizienz
zwar
zu einer gewissen Verbesserung geführt
habe
,
und wahrscheinlich auch wei
terhin zu einer gewissen funktionellen Verbesserung und Stabilisierung
,
sowie im besten Fall auch zu einer Verbesserung der Überlebensprognose führen
werde.
Dies
ändere
aber nichts am Fortschreiten der
Herzmuskel
krankheit
beziehungsweise der Verschlechterung des Gesundheitszustandes
(Urk. 9/110/49)
.
6
.
6.1
Mit der angefochtenen Verfügung vom Juli 2016 (Urk. 2) wies
die IV-Stelle
das Rentenerhöhungsgesuch gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten der
Y._
vom
1.
Juni 2015 (Urk. 9/110) ab
. Zwar hätten sich die objektiven Befunde in der Echokardiographie leicht verschlechtert, dies sei jedoch ohne zusätzliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit, weshalb weiterhin von einer solchen von 50 % in einer körperlich leichten Tätigkeit ausgegangen werde
(Urk. 2 S. 2)
.
Zur
Beurteilung der Frage, ob
seit der
Zusprache
einer
Dreiviertelsrente
im September 2010
eine anspruchserhebliche Verschlechterung des Gesundheits
zustandes eingetreten ist, kann nur dann
auf das
polydisziplinäre Gutachten vom 1. Juni 2015 (Urk. 9/110)
abgestellt werden
,
wenn
bis zum Erlass der streitigen Verfügung (
12. Juli 2016
,
vgl.
BGE 131 V 242 E.
2.1
) k
eine Ver
schlechterung des
Gesundheitszustand
es
eingetreten ist.
6.2
Zwischen
der Begutachtung im Mai 2015
und dem Verfügungserlass im
Juli 2016
erfolgten
drei weitere kardiologische Eingriffe
: Am 26. November 2015 wurde
dem Beschwerdeführer
ein CRT-D
implantiert
, nach einer am 8. Februar 2016
in Tunesien erlittenen Kammertachykardie
erfolgte ein drei
faches
Stenting
im Rahmen einer Koronarangiographie
und
schliesslich
wurde eine Unterexpansion der Stents nach einem am 18. Februar 2016 erlittenen NSTEMI mittels
Angioplastie
beseitigt.
A
uf eine
weitere
Ver
schlechterung der Herz
gesundheit
nach der Begutachtung
weisen auch
die Messw
erte für die Auswurffraktion der linken Herzkammer (Referenzwert: >55 %)
hin
:
Der kardiologische Gutachter
berücksichtigte für
seine Beurtei
lung
einen
Wert von 30 % gemäss
einer
Echokardiographie im
Z._
im Januar 2015
(Urk. 9/110/17 f., 9/120/7).
Eine
am
22. Februar 2016 im
Z._
durchgeführte Echokardiographie
ergab
noch ein
en
Wert von 23 % (Urk. 9/133/1).
Während
ein
Wert von 30 %
noch knapp
einer
mittelgradige
n
Einschränkung
entspricht
,
stellt
ein Wert von 23 % eine
hochgradige
Ein
schränkung der Pumpfunktion
dar
(
Lang,
Bierig
, Devereux
et al.
,
Recom
-
men
dations
for
chamber
quantification
,
European Journal
of
Echo
-
cardiography
2006, Heft 7, Tabelle 6 S. 91, im Internet abrufbar unter:
https://academic.oup.com/ehjcimaging/article/7/2/79/2397881/Recommen
dations-for-chamber-quantification
, besucht am 1
0.
Februar 2017)
.
Dies entspricht einer weitere
Verschlechterung um rund 23 % (1-23 %/30 %).
D
as Ergebnis einer
am 24. März 2016 im
Z._
durchgeführten Spiroergo
metrie
deutet
ebenfalls
auf eine weitere
Reduktion
der kardiologischen Leis
tungsfähigkeit während der Dauer des Verwaltungsverfahrens hin:
D
er Beschwerdeführer
war nur noch zu
eine
r
Maximalleistung von 56 Watt (35 % des Sollwertes)
imstande.
I
m
Juni 2014
lag
diese
noch bei
75
Watt (45 % des Sollwertes)
und
rund
25 % höher (1 - 56
Watt
/75
Watt
,
Urk. 9/133/6
)
.
6.3
Der vom Beschwerdeführer in diesem Verfahren neu eingereichte
Austritts
bericht
des
Z._
vom 30. Dezember 2016 (Urk. 13) ist für die Prüfung einer zwischenzeitlich eingetretenen Verschlechterung des Gesundheitszustanden
nicht zu berücksichtigen, da er eine zwischen dem 29. Dezember 2016 und dem 1. Januar 2017 erfolgte stationäre Behandlung, und damit einen Sach
verhalt nach Erlass der streitigen Verfügung, betrifft.
6.4
Weiter
ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die bestehende
Dreiviertels
rente
aufgrund eines
ungerundeten
Invaliditätsgrades von 67,8 % (1- Fr. 31‘953.--
/ Fr. 99‘256.--
) zugesprochen wurde.
In Berücksichtigung
der Rundung des Invaliditätsgrades auf ganze Prozentzahlen (BGE
130 V 121 E.
3.2
) und
des
Anspruch
s
auf eine ganze Invalidenrente bei einem
Invalidi
tätsgrad
von
mindestens
70 %
(Art. 28 Abs. 2 IVG)
ergibt sich, dass
ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
ab einem
(
ungerundeten
)
Invalidi
tätsgrad
von 69,5 % besteht.
B
ereits
eine Erhöh
ung des Invaliditätsgrades um
1,
7 %
(
69,5 %
-67,8 %)
führte damit
zu einem
Anspruch auf eine ganze
Inva
lidenr
en
te
. Entsprechend wäre bereits eine sehr
geringe zusätzliche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
rentenrelevant
.
6.5
Im Ergebnis
bestehen genügend
e
Anhaltspunkte
da
für
, dass
zwischen der Begutachtung im Mai 2015 und dem Erlass der angefochtenen Verfügung im Juli
2016 eine anspruchserhebliche Verschlechterung des Gesundheitszus
tan
des eingetreten sein könnte
.
Eine
Beurteilung
des
Rentenerhöhungsgesuch
s
kann damit
nicht
gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten der
Y._
(Urk. 9/110)
erfolgen
.
Ebenso wenig ist e
ine Beurteilung des Rentenanspruchs auf der Grundlage der
Berichte des
Z._
möglich
.
Diesen fehlt es,
entgegen der
Stellungnahme
der RAD-Ärztin
Dr.
med.
N._
,
Fach
ärztin
für Allgemeine Innere Medizin,
vom 30. Juni 2016
(Urk.
9/135/3), an
eine
r
Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit in
einer
leidens
angepassten Tätig
keit
:
I
n
den an
Dr.
B._
adressierten
ärztlichen Berichte
n
vom
28. September 2015 (Urk. 9/122) und
22. Februar 2016 (Urk. 9/130)
wurde die
Arbeitsfähigkeit
nicht thematisiert
.
Im Bericht
an die Beschwerdegegnerin vom
22. Februar 2016 (Urk. 9/130
/2
)
wurde darauf hingewiesen, dass die
se Frage
zu einem späteren Zeitpunkt zu evaluieren sei.
Im
Verlaufsbericht vom 16. Juni 2016 (Urk. 9/134/1)
wurde
die Zumutbarkeit einer angepassten, kör
perlich leichten und überwiegend sitzend a
usz
uübenden Tätigkeit
in einem Pensum von 50 % ohne weitere Angaben verneint.
Zur Beurteilung des Rentenanspruchs sind
damit
weitere
, im Besonderen
kar
di
ologische Abklärungen notwendig.
Damit ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache, wie von der IV-Stelle beantragt, zur ergänzenden Abklärung des Beschwer
deführers
im Besonderen
durch einen Facharzt für Kardiologie an diese zurückzuweisen ist.
7
.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweist sic
h eine
Kostenpauschale von Fr. 5
00.-- als ange
messen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die
Rückwei
sung
der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung
als vollständiges Obsiegen (BGE
137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.