Decision ID: ac5d555c-1a9a-5996-a91f-f2c1967fc440
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 11. Januar 2022 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass das SEM mit Verfügung vom 1. März 2022 – eröffnet am 2. März 2022
– in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-
gesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Spanien an-
ordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens
am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-
deführer verfügte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 9. März 2022 gegen diesen
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob,
dass er in seiner Formularbeschwerde beantragte, der Entscheid des SEM
sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung
unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei, und es sei die vorläufige Auf-
nahme anzuordnen,
dass er ferner in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei die un-
entgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses zu verzichten und ein amtlicher Rechtsbeistand einzusetzen;
eventuell sei die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
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dass der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 9. März 2022 zwar nicht
formell, jedoch sinngemäss beantragt, es sei auf sein Asylgesuch einzutre-
ten und dieses in der Schweiz zu prüfen,
dass somit auf die fristgerecht und als formgerecht zu betrachtende Be-
schwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass die Beschwerde in französischer Sprache verfasst ist, der angefoch-
tene Entscheid jedoch in Deutsch redigiert wurde, weshalb das Beschwer-
deverfahren ebenfalls in deutscher Sprache geführt wird (vgl. Art. 33a
Abs. 2 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
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(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass gestützt auf das Ergebnis des Abgleichs der Fingerabdrücke (Euro-
dac-Datenbank) feststeht, dass der Beschwerdeführer am 2. Januar 2022
in Spanien in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten einreiste,
dass das SEM am 18. Januar 2022 die spanischen Behörden um Über-
nahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO
ersuchte, und diese das Ersuchen am 20. Januar 2022 guthiessen,
dass die grundsätzliche Zuständigkeit Spaniens somit gegeben ist,
dass das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung davon
ausgeht, das spanische Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Asylsuchende würden keine systemischen Mängel aufweisen, die die Ge-
fahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des
Artikels 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C
326/02, EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen würden (vgl. bspw. die Ur-
teile des BVGer F-588/2022 vom 10. Februar 2022 E. 4.3 und E-397/2022
vom 31. Januar 2022 E. 6.2),
dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dub-
lin-III-VO nicht gerechtfertigt ist,
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder
Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch
wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die
Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 9. März 2022 geltend
macht, er habe Algerien verlassen, weil es dort viele Probleme gebe, aber
auch in Spanien gebe es viele Probleme, die Mafia sei dort aktiv, es gebe
Drogenprobleme und die Respektierung der Menschenrechte sei nicht ga-
rantiert,
http://links.weblaw.ch/ http://links.weblaw.ch/
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dass er weiter ausführt, er habe einen Freund, der im Gefängnis sei, dieser
sowie dessen Bruder würden glauben, er sei dafür verantwortlich, und weil
sich der Bruder des Freundes in Spanien aufhalte, sei es für ihn gefährlich,
nach Spanien zurückkehren zu müssen,
dass er auch gesundheitliche Probleme ("problèmes médicaux") habe und
nicht sicher sei, dass er in Spanien den Zugang zur erforderlichen medizi-
nischen Versorgung erhalte,
dass aus diesen Gründen eine Überstellung nach Spanien unzulässig sei,
dass das SEM in der angefochtenen Verfügung diese vom Beschwerde-
führer im Wesentlichen bereits im Rahmen des ihm am 10. Februar 2022
gewährten rechtlichen Gehörs zur allfälligen Überstellung nach Spanien
geltend gemachten Einwände zutreffend als für die Frage der Zuständigkeit
für das Asyl- und Wegweisungsverfahren unerheblich beurteilt hat,
dass das SEM den Beschwerdeführer insbesondere zu Recht darauf hin-
gewiesen hat, Spanien sei ein Rechtsstaat, welcher über eine funktionie-
rende Polizeibehörde verfüge, die sowohl schutzwillig wie auch schutzfähig
sei, und er sich, sollte er sich in Spanien vor Übergriffen durch Privatper-
sonen fürchten oder sogar solche erleiden, an die zuständigen staatlichen
Stellen wenden könne,
dass es ferner zutreffend festgehalten hat, es würden keine Anhaltspunkte
vorliegen, dass man sich nicht auch in Spanien um seine gesundheitlichen
Probleme (insbesondere Diabetes) kümmern werde,
dass Spanien über eine intakte medizinische Infrastruktur verfügt und – wie
schon das SEM festgehalten hat – in der Tat nicht ersichtlich ist, weshalb
Spanien ihm allenfalls nötige medizinische Dienstleistungen verweigern
würde, zumal die Mitgliedstaaten den Antragstellern gemäss Art. 19 Abs. 1
der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates Nr. 2013/33/EU
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-
sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) die
erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung
und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schwe-
ren psychischen Störungen umfasst, zugänglich machen müssen, und den
Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen die erforderliche medizinische
oder sonstige Hilfe (einschliesslich erforderlichenfalls einer geeigneten
psychologischen Betreuung) zu gewähren haben (Art. 19 Abs. 2 Aufnah-
merichtlinie),
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dass sich der Beschwerdeführer somit an die zuständigen Behörden vor
Ort wenden und die ihm zustehenden Dienstleistungen notfalls auf dem
Rechtsweg einfordern könnte (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie),
dass im Übrigen zwecks Vermeidung von Wiederholungen auf die zutref-
fenden Erwägungen des SEM in der angefochtenen Verfügung zu verwei-
sen ist,
dass sich zusammenfassend ergibt, dass der Beschwerdeführer kein kon-
kretes und ernsthaftes Risiko dargetan hat, die spanischen Behörden wür-
den sich weigern, ihn aufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen
Schutz unter Einhaltung der Regeln der erwähnten Richtlinien zu prüfen,
und auch nichts darauf hindeutet, das Land werde in seinem Fall den
Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein
Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen
würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden,
dass er auch nicht dargetan hat, die ihn bei einer Rückführung erwartenden
Bedingungen in Spanien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verlet-
zung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK
führen könnten,
dass die Schweiz daher völkerrechtlich nicht verpflichtet ist, gestützt auf
Art. 17 Dublin-III-VO auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers einzutre-
ten, und auch keine Anhaltspunkte vorliegen, die darauf hindeuten, dass
das SEM vom Selbsteintrittsrecht aus humanitären Gründen gemäss
Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 infolge einer gesetzeswidrigen Ermessensaus-
übung zu Unrecht keinen Gebrauch gemacht hat, weshalb diesbezüglich
auf weitere Erörterungen verzichtet werden kann (vgl. BVGE 2015/9
E. 7 f.),
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
– weil er nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungs-
bewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach
Spanien angeordnet hat (Art. 32 Abs. 1 Bst. a AsylV 1),
dass die Beschwerde daher abzuweisen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung und
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das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als
gegenstandslos erweisen,
dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
amtlicher Verbeiständung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-
ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG nicht
erfüllt sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten desselben von
Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1
VwVG).
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