Decision ID: 9e82f781-d29a-4d16-b218-48567fe1fb4e
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Testamentseröffnung
im Nachlass von B._, geboren am tt. Januar 1927, von C._,  am tt.mm.2014, wohnhaft gewesen ... [Adresse], C._,
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes s.V. des Bezirksgerichtes Pfäffikon vom 22. September 2014 (EL140097)
- 2 -
Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon vom 22. September 2014:
1. Die erfolgte Testamentseröffnung wird am Protokoll vorgemerkt und den an
der Erbschaft Beteiligten durch Zustellung einer Ausfertigung dieses Urteils
mit Fotokopie des Testaments vom Inhalt desselben Kenntnis gegeben. Das
Original der letztwilligen Verfügung wird im Gerichtsarchiv aufbewahrt.
2. D._, E._ und F._ wird auf schriftliches Verlangen ein  ausgestellt, sofern ihre Berechtigung nicht innert eines Monats ab
Zustellung dieses Urteils von einem gesetzlichen Erben oder einem aus ei-
ner früheren Verfügung Bedachten durch schriftliche Eingabe an den Einzel-
richter ausdrücklich bestritten wird.
Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO).
3. Die Durchführung der Erbteilung ist Sache der Erben.
4.-10. Kosten / Mitteilung / Rechtsmittel
Berufungsanträge: (act. 25 S. 1 f.)
"1. Ziff. 2 des vorinstanzlichen Entscheids sei dahingehend abzuändern, dass mir, A._, ebenfalls auf schriftliches Verlangen hin ein Erbschein  wird.
2. Im Sinne der aufschiebenden Wirkung der Berufung sei den weiteren Erben, D._, E._, F._, kein Erbschein auszustellen, bis zum Entscheid darüber, ob A._ ebenfalls ein Erbschein ausgestellt wird.
3. Es seien Nachforschungen betreffend eines weiteren Testaments, welches nach Angaben der Verstorbenen bei einer Bank in Deutschland hinterlegt sein soll, anzustellen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
- 3 -

Erwägungen:
1. Am tt.mm.2014 verstarb die in C._ wohnhaft gewesene B._. Als
gesetzliche Erben wurden ihr Ehemann und drei Nachkommen (ein Sohn und
zwei Töchter) ermittelt, wobei der Nachkomme A._ (Berufungskläger) mit
Erbverzichtsvertrag vom 15. März 1996 für sich und seine Nachkommen auf das
gesetzliche Erbrecht verzichtet habe. Mit Urteil vom 22. September 2014 ordnete
das Einzelgericht am Bezirksgericht Pfäffikon an, dass den an der Erbschaft Be-
teiligten eine Fotokopie des in ihrer Abwesenheit eröffneten Testaments zugestellt
würde. Sodann stellte es dem Ehemann und den beiden Töchtern der Erblasserin
in Aussicht, dass ihnen auf Verlangen ein Erbschein ausgestellt werde, sofern ih-
re Berechtigung nicht innert Monatsfrist ab Zustellung des Urteils durch schriftli-
che Eingabe ans Einzelgericht ausdrücklich bestritten werde (act. 24 = act. 26 =
act. 19 Dispositivziffern 1 und 2).
2. Gegen dieses Urteil erhob der Berufungskläger mit Eingabe vom 6. Oktober
2014 rechtzeitig Berufung (act. 25, act. 20/3). Er macht geltend, dass er im Jahre
1996 von seinem Vater zur Unterzeichnung des Erbverzichtsvertrags gedrängt
und von ihm getäuscht worden sei. Eine Gegenleistung für den Verzicht habe er
nicht erhalten, weshalb er massiv benachteiligt worden sei. Seine Eltern hätten
ihn glauben lassen, dass seine Miterben zu Schaden kommen könnten, falls er
den Vertrag nicht unterzeichne, weil er damals viele Schulden gehabt habe. All
dies habe er bei der Vorinstanz aufgrund der nur internen Eröffnung des Testa-
ments nicht vorbringen können (act. 25 S. 2 ff.). Sodann beantrage er weitere Ab-
klärungen hinsichtlich eines bei einer Bank in Deutschland hinterlegten Testa-
ments, welches seine Mutter ihm gegenüber vor 15 Jahren erwähnt habe (act. 25
S. 4).
3.1 Der Berufungskläger bestreitet im Wesentlichen die Gültigkeit des Erbver-
zichtsvertrags und macht in diesem Zusammenhang seine Erbenqualität geltend.
Im Rahmen der Testamentseröffnung nimmt das Einzelgericht jedoch lediglich ei-
ne vorläufige Prüfung und Auslegung der letztwilligen Verfügungen vor, soweit
dies für die ihm obliegenden Anordnungen zur Sicherung des Erbganges erforder-
- 4 -
lich ist. So ist im Hinblick auf die nach Art. 559 ZGB auszustellende Erbbescheini-
gung insbesondere zu bestimmen, wer nach dem Wortlaut der Testamente als
Erbe zu gelten hat. Diese Auslegung hat aber immer nur provisorischen Charak-
ter, d.h. sie ist für das materielle Recht unpräjudiziell. Über die formelle und mate-
rielle Gültigkeit der letztwilligen Verfügungen und die definitive Ordnung der mate-
riellen Rechtsverhältnisse befindet der Eröffnungsrichter nicht; dies bleibt im
Streitfall dem anzurufenden ordentlichen Richter vorbehalten (BSK ZGB II-
KARRER/VOGT/LEU, 4. Aufl., Art. 557 N 11). Auch bei der provisorischen Eröffnung
muss der Eröffnungsrichter aber nach billigem Ermessen, soweit erkennbar, auf
den wahren Willen des Erblassers abstellen (ZR 82 Nr. 66).
Die Berufungsinstanz prüft ebenfalls nur, ob der Eröffnungsrichter in diesem
beschränkten Rahmen zutreffend verfahren sei. Dies gilt auch bezüglich der
Überprüfung von Auslegungs- und Wertungsfragen. Immerhin ist sie nicht auf ei-
ne Willkürprüfung beschränkt, da trotz fehlender materieller Rechtskraft dem Ent-
scheid insofern Tragweite zukommt, als die mit der Ausstellung der Erbbescheini-
gung getroffene provisorische Ordnung der Erbfolge – unterbleibt die Einsprache
oder die Anfechtung – definitiv wird oder jedenfalls bei Anfechtung die prozessua-
le Rollenverteilung beeinflusst (OGer ZH LF120030 vom 19. Juni 2012 E. 4).
3.2 Der Erbverzichtsvertrag vom 15. März 1996 (act. 17) wurde formgültig abge-
schlossen (vgl. Art. 512 i.V.m. Art. 499 ff. ZGB). Im Gegensatz zu einem Erbaus-
kaufsvertrag liegt sein Wesen genau darin begründet, dass ein Abschluss unent-
geltlich, d.h. ohne Gegenleistung erfolgt. Der Verzichtende fällt beim Erbgang
gemäss ausdrücklicher gesetzlicher Anordnung ausser Betracht, wobei der Ver-
zicht vermutungsweise auch für seine Nachkommen gilt (Art. 495 Abs. 2 und 3
ZGB). Das Einzelgericht durfte daher im Rahmen der vorläufigen Prüfung den
Erbschein lediglich dem Ehemann der Verstorbenen sowie ihren beiden Töchtern
als Nachkommen in Aussicht stellen. Die provisorische Auslegung der Testamen-
te sowie des Erbvertrags durch das Einzelgericht ist nicht zu beanstanden und
dem Berufungskläger einstweilen kein Erbschein auszustellen.
3.3 Ob der Erbvertrag tatsächlich an einem Ungültigkeitsgrund leidet, wie es der
Berufungskläger vorbringt, ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens.
- 5 -
Wie erwähnt kommt dem Eröffnungsrichter diesbezüglich gar keine Überprü-
fungskompetenz zu. Über die Gültigkeit des Erbverzichtvertrags hat vielmehr der
ordentliche Richter auf entsprechende Klage hin zu entscheiden, worauf in der
Rechtsmittelbelehrung des vorinstanzlichen Entscheids ausdrücklich hingewiesen
wird (act. 24 Dispositivziffer 10; vgl. auch BGer 5C.91/2000 vom 25. Mai 2000
E. 2.a)).
3.4 Die Berufung erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist.
4. Um die Ausstellung eines Erbscheines einstweilen zu verhindern, kann der
Berufungskläger innert Monatsfrist dagegen Einsprache erheben (Art. 559 ZGB,
vgl. auch act. 24 Dispositivziffer 2). Zur Prüfung, ob die Berufungsschrift als Ein-
sprache im Sinne von Art. 559 ZGB zu werten sei, ist das Doppel an die Vorin-
stanz zu überweisen.
5. In Bezug auf den Antrag des Berufungsklägers, es seien weitere Nachfor-
schungen betreffend eines vermutungsweise bei einer Bank in Deutschland hin-
terlegten Testaments anzustellen, ist ihm entgegenzuhalten, dass die Ermittlungs-
tätigkeit der Erbschaftsbehörden in erster Linie das Auffinden von Erben betrifft
(sog. Erbenruf, Art. 555 ZGB). In Bezug auf letztwillige Verfügungen ist eine Ein-
lieferungspflicht betroffener Personen gesetzlich vorgesehen (Art. 556 ZGB).
Dass die Vorinstanz wie beantragt bei sämtlichen Banken in Deutschland Nach-
forschungen hinsichtlich eines weiteren Testaments der Erblasserin anzustellen
hätte, scheitert überdies von vornherein am Kriterium der Angemessenheit.
6. Mit dem vorliegenden Entscheid wird das Gesuch des Berufungsklägers um
Erteilung der aufschiebenden Wirkung gegenstandslos, wobei zu bemerken ist,
dass dem Rechtsmittel der Berufung – auch im summarischen Verfahren – bereits
von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung im Umfang der Anträge zukommt
(Art. 315 Abs. 1 ZPO).
- 6 -
7. Ausgangsgemäss wird der Berufungskläger für das Berufungsverfahren kos-
tenpflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die nicht streitige Testamentseröffnung vor ers-
ter Instanz wandelt sich in zweiter Instanz in eine vermögensrechtliche streitige
Angelegenheit. In Anwendung von § 4 Abs. 1 und Abs. 2, § 8 Abs. 1 und § 12
GebV ist die Entscheidgebühr unter Berücksichtigung des bescheidenen Auf-
wands im Berufungsverfahren auf Fr. 500.– festzusetzen.