Decision ID: 88a27e5e-05da-5ccd-8098-9bde25620964
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Der österreichische Staatsangehörige J.S. lenkte am 27. Januar 2009 um 06.01 Uhr
den Personenwagen Nissan 100 NX, Kennzeichen FK-424CH, auf der
Hohenemserstrasse in Diepoldsau in Richtung Strassenzollamt Widnau. Dabei
überschritt er im Bereich der Liegenschaft Hohenemserstrasse 29 die signalisierte
Innerorts-Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 29 km/h (nach Abzug der
Messtoleranz). Da ihm der Führerausweis vom 19. Januar bis 18. April 2007 wegen
einer schweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer
von drei Monaten aberkannt worden war, aberkannte das Strassenverkehrsamt des
Kantons St. Gallen mit Verfügung vom 8. Juni 2009 den österreichischen
Führerausweis wegen schwerer Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von zwölf Monaten.
B./ Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts erhob J.S. durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 22. Juni 2009 Rekurs, der von der
Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid vom 17. Dezember 2009 abgewiesen
wurde.
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C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 14. Januar 2010 erhob J.S. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die Aberkennungsdauer sei auf weniger als
zwölf Monate festzusetzen. Ausserdem beantragte er die Durchführung einer
mündlichen öffentlichen Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht.
Die zur Begründung vorgebrachten Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 26. Januar 2010 unter Hinweis
auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der Beschwerde.
Das Strassenverkehrsamt verzichtete auf eine Vernehmlassung.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (BGE 1C_346/2009
vom 6. November 2009). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels
legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die Beschwerdeeingabe vom
14. Januar 2010 wurde rechtzeitig eingereicht und entspricht formal und inhaltlich den
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Der Beschwerdeführer beantragt die Durchführung einer mündlichen öffentlichen
Verhandlung.
Grundsätzlich besteht im Rechtsmittelverfahren gegen Führerausweisentzüge zu
Warnungszwecken ein Anspruch auf Durchführung einer mündlichen öffentlichen
Verhandlung (BGE 121 II 22 ff.). Auf eine solche kann aber ausdrücklich oder
stillschweigend verzichtet werden (BGE 121 II 28). Indem der Beschwerdeführer im
Rekursverfahren keinen Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung
gestellt hat, verzichtete er auf eine solche (BGE 134 I 229 E. 4 betr. das Verfahren im
Kanton St. Gallen). Daher kann er im Beschwerdeverfahren vor der zweiten kantonalen
Rechtsmittelinstanz keine öffentliche Verhandlung mehr verlangen. Dem Begehren um
Durchführung einer öffentlichen Verhandlung ist daher nicht stattzugeben.
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3. Nach Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt SVG) wird
nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03) ausgeschlossen ist, der
Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet in Art. 16a bis 16c SVG zwischen leichten, mittelschweren und
schweren Widerhandlungen. Eine schwere Widerhandlung begeht, wer durch grobe
Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
2.1. Nach einer schweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens zwölf
Monate entzogen, wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis einmal
wegen einer schweren Widerhandlung oder zweimal wegen mittelschweren
Widerhandlungen entzogen war (Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG).
Nach Art. 45 Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen
zum Strassenverkehr (SR 741.51) können ausländische Führerausweise nach den
gleichen Bestimmungen aberkannt werden, die für den Entzug des schweizerischen
Führerausweises gelten.
2.2. Fest steht, dass dem Beschwerdeführer der Führerausweis wegen schwerer
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften vom 19. Januar bis 18. April
2007 aberkannt war. Weiter steht fest, dass die Überschreitung der Innerorts-
Höchstgeschwindigkeit um 29 km/h als schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c
Abs. 1 lit. a SVG gilt (BGE 132 II 234 E. 3.2). Die Mindestaberkennungsdauer beträgt
daher im vorliegenden Fall zwölf Monate.
Diese Mindestaberkennungsdauer kann nicht unterschritten werden. Soweit sich der
Beschwerdeführer auf das Urteil des Bundesgerichts BGE 127 II 297 beruft, übersieht
er, dass dieses zu den früheren Bestimmungen über den Entzug des Führerausweises
erging. Die verschärften Vorschriften über den Warnungsentzug traten am 1. Januar
2005 in Kraft (AS 2004, 2849). In diesen Bestimmungen wurden die
Mindestentzugsdauern als untere Grenzen festgelegt, welche nicht unterschritten
werden dürfen (vgl. Botschaft des Bundesrates, in: BBl 1999, S. 4486, wonach
ausdrücklich von der bisherigen bundesgerichtlichen Praxis Abstand genommen
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werden sollte). Da vorliegend die Dauer des Warnungsentzugs bzw. der Aberkennung
zu Warnungszwecken auf das gesetzliche Minimum festgelegt wurde, wurden die zu
Gunsten des Betroffenen sprechenden Umstände vollumfänglich und soweit möglich
berücksichtigt. Die Erhebung weiterer Beweise erübrigt sich damit. Die Beschwerde ist
als offensichtlich unbegründet abzuweisen.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu Lasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht