Decision ID: bc903cee-7c6b-43b1-96c1-68eb729634c1
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
a) A._ ist Eigentümer von Grundstück Nr. 001, Grundbuch
X._, an der Y._strasse westlich oberhalb des Ortsteils Z._ in
der Gemeinde X._. Das Grundstück liegt gemäss geltendem Zonen-
plan der Gemeinde X._ vom 4. Dezember 1998 in der Landwirt-
schaftszone sowie in der Grünzone Naturschutz und ist teilweise mit
Wald bedeckt. Es ist mit einer Scheune (Vers.-Nr. 002) überbaut. Ge-
mäss Schutzverordnung der Gemeinde X._ vom 10. Dezember
1999 liegt der nördliche Grundstücksteil zudem in einem Naturschutz-
gebiet und ist als Trockenstandort (T.F1) bezeichnet. Schliesslich ist
das Grundstück mit einem Schongebiet – Lebensraum bedrohter Ar-
ten gemäss kantonalem Richtplan (Koordinationsblatt V31 – Vorrang-
gebiet Natur und Landschaft) überlagert.
b) Am 11. Juni 2015 reichte A._ – damals noch als Pächter des
Grundstücks Nr. 001 – ein Gesuch für die Umnutzung bzw. den ge-
ringfügigen Umbau des Weidstalls in ein Bienenhaus ein, welches be-
willigt wurde. Ein zuvor eingereichtes Baugesuch mit massiven Eingrif-
fen in die Bausubstanz sowie dem Einbau einer Küche und einer Toi-
lette wurde demgegenüber nicht bewilligt. Am 25. Februar 2016 er-
suchte A._ im Namen des früheren Eigentümers von Grundstück
Nr. 001 um die Bewilligung diverser Projektänderungen, die einer Aus-
dehnung des bewilligten Bauvorhabens auf den Inhalt des ursprüngli-
chen, nicht bewilligten Gesuchs nahekamen. An einem Augenschein
vom 4. Juli 2016 stellte das Amt für Raumentwicklung und Geoinfor-
mation (AREG) Abweichungen von den bewilligten Plänen fest. Dabei
wurden tragende Wände komplett ersetzt, eine Steinmauer entlang
der Baute erstellt, das Gelände abgegraben und ein Zufahrtsweg mit
Parkplatz erstellt. Nachdem A._ am 22. Juli 2016 angepasste Pläne
eingereicht und den freiwilligen Rückbau des Grillplatzes sowie der
Parkplätze angekündigt hatte, verweigerte das AREG die Zustimmung
zum Bauvorhaben, worauf der Gemeinderat X._ mit Beschluss vom
3. Oktober 2016 das Gesuch abwies.
c) Den dagegen erhobenen Rekurs (Verfahren Nr. 16-6226) wies
das Baudepartement mit Entscheid vom 23. August 2017 ab und trat
in Bezug auf den Abstellplatz und die Feuerstelle nicht darauf ein. Es
wurde unter anderem festgestellt, dass die Scheune zum Zeitpunkt der
Vornahme der ohne Bewilligung ausgeführten Bauarbeiten nicht mehr
bestimmungsgemäss nutzbar war. Zur Wiederherstellung des recht-
mässigen Zustands wurde der Abbruch des Weidstalls sowie der
Steinmauer mit einer Frist von drei Monaten ab Rechtskraft angeord-
net. Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht
mit Entscheid B 2017/189 am 28. Februar 2019 ab, soweit es darauf
eintrat. Auch das Bundesgericht wies die Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten mit Entscheid 1C_204/2019 vom 8. April
2020 vollumfänglich ab und stellte fest, dass die fragliche Scheune als
im massgeblichen Zeitpunkt nicht mehr bestimmungsgemäss nutzbar
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 3/20
zu beurteilen sei. Eine Bewilligung für die Steinmauer sei unabhängig
davon zu verweigern, ob sie als zonenkonform oder als zonenwidrig
betrachtet werde. Schliesslich sei der vollständige Rückbau des Weid-
stalls sowie der Steinmauer verhältnismässig.
B.
a) Mit nachträglichem Baugesuch vom 3. Januar 2020 ersuchte
A._ beim Gemeinderat X._ um Bewilligung der während des vor-
genannten Verfahrens erstellten Rebbau- und Beerenanlagen auf
Grundstück Nr. 001. Gemäss den Baugesuchsunterlagen wurden da-
bei 430 m2 Johannisbeeren und 1'000 m2 Heidelbeeren in Kisten aus
Fichtenholz teilweise im Waldabstand sowie im Übergangsbereich des
Naturschutzgebiets angepflanzt. Zudem wurde eine 400 m2 grosse
Rebenanlage mit Fusswegen angelegt, welche mit einem Holzlatten-
zaun umzäunt ist. Mit Beschluss vom 25. Mai 2020 verweigerte der
Gemeinderat X._ gestützt auf die raumplanungsrechtliche Teilver-
fügung des AREG vom 13. Mai 2020 die nachträgliche Baubewilligung
und verfügte den Rückbau und die Renaturierung der Rebbau-Anla-
gen sowie Beerenkisten auf Grundstück Nr. 001 bis 31. August 2020.
Zudem wurde unter anderem die Ersatzvornahme angedroht. Der
Bauabschlag wurde insbesondere damit begründet, dass das Bauvor-
haben weder als zonenkonform noch zonenfremd bewilligt werden
könne und überdies wichtige Anliegen der Raumplanung entgegen-
stünden. Der Beschluss vom 25. Mai 2020 erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
b) Mit Schreiben vom 24. August 2020 erinnerte das Bauamt X._
A._ an die Frist zum freiwilligen Rückbau der illegal auf Grundstück
Nr. 001 erstellten Bauten und Anlagen bis 31. August 2020, andern-
falls die Gemeinde die Ersatzvornahme sowie die Strafmassnahmen
einzuleiten habe.
c) Gestützt auf das Urteil des Bundesgerichtes 1C_204/2019 vom
8. April 2020 sowie der ungenutzt verstrichenen Frist bezüglich dem
Rückbau der Rebbau-Anlagen und Beerenkisten drohte der Gemein-
derat X._ mit Beschluss vom 31. August 2020 (erneut) die Ersatz-
vornahme hinsichtlich sämtlicher Bauten und Anlagen auf Grundstück
Nr. 001 sowie die Straffolgen von Art. 292 des Schweizerischen Straf-
gesetzbuches (SR 311.0; abgekürzt StGB) an und verfügte die ent-
sprechenden Modalitäten. Erneut wurde eine Frist zur selbständigen
Beseitigung der illegal erstellen Bauten und Anlagen sowie Renaturie-
rung bis 18. September 2020 angesetzt. Auch dieser Beschluss er-
wuchs in Rechtskraft.
d) Mit Schreiben vom 18. September 2020 (Eingang Gemeinde:
21. September 2020) reichte A._, vertreten durch Dr.iur. Werner
Ritter, Rechtsanwalt, Widnau, ein weiteres Baugesuch betreffend In-
standstellung Weidstall (Vers.-Nr. 002) mit Hirtenstube, Anpassung
Tierschutz, Dach, Photovoltaik, Wasserspeicher und Abwassertank,
Einbau Bienenstand mit Lager- und Bearbeitungsraum, auf Grund-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 4/20
stück Nr. 001 ein. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorge-
bracht, das Grundstück werde an Frau C._ verpachtet, welche einen
landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb mit Schafhaltung führe. Die
Scheune (Vers.-Nr. 002), die Wasserversorgung und übrigen Bauten
und Anlagen gemäss Baugesuch würden für die landwirtschaftliche
Nutzung benötigt, weshalb das Baugesuch als zonenkonformes Vor-
haben zu bewilligen sei.
e) Mit Beschluss vom 21. September 2020 ordnete der Gemeinde-
rat X._ die Ersatzvornahme zur Beseitigung der rechtswidrigen Bau-
ten und Anlagen auf Grundstück Nr. 001 durch die D._ an, sofern
der Abbruch und die Renaturierung bis 9. Oktober 2020, 16.00 Uhr,
nicht selbst vorgenommen würden. Für den Fall der Zuwiderhandlung
wurde die Straffolge von Art. 292 StGB angedroht. Die effektiven Kos-
ten (Voranschlag +/- allfällige Zusatz-/Minderarbeit) würden mittels se-
parater Verfügung auferlegt. Daneben wurde der Umgang mit allfällig
vor Ort vorhandenen Gegenständen sowie der Bienenvölker geregelt.
Das neu eingereichte Baugesuch bezüglich Weidstall (Vers.-Nr. 002)
werde in einem eparaten Verfahren behandelt. Die Gebühr betrage
insgesamt Fr. 3'030.–.
Die Anordnung der Ersatzvornahme begründete der Gemeinderat
X._ damit, dass aufgrund der ungenutzt abgelaufenen Frist für den
Abbruch des Stalls und der umliegenden Anlagen nun die Ersatzvor-
nahme durchzuführen sei. Von den vier eingegebenen Offerten er-
weise sich diejenige der D._ über einen voraussichtlichen Betrag
von Fr. 28'000.– als wirtschaftlich am verträglichsten. Die Verwal-
tungsgebühren für die Durchsetzung der Massnahme würden voraus-
sichtlich Fr. 3'000.– betragen. Das am letzten Tag der Frist einge-
reichte Baugesuch werde in einem separaten Verfahren behandelt
und tangiere das vorliegende Vollstreckungsverfahren nicht. Auch
wenn der Stall noch vorhanden sei, müsse dabei von einem Neubau
ausgegangen werden, da der rechtmässige Abbruch des Weidstalls
vom Bundesgericht bestätigt wurde. Die Durchsetzung des Abbruch-
befehls sei verhältnismässig, da das mehrheitlich den früheren, nicht
bewilligten Baugesuchen entsprechende neue Gesuch nach Rück-
sprache mit dem AREG voraussichtlich ohnehin nicht bewilligt werden
könne.
C.
Gegen diesen Beschluss erhob A._ durch seinen Rechtsvertreter
mit Schreiben vom 29. September 2020 Rekurs beim Baudeparte-
ment. Mit Rekursergänzung vom 15. Oktober 2020 werden folgende
Anträge gestellt:
1. Die Vollstreckungsverfügung der Politischen Ge-
meinde X._, Gemeinderat, vom 21. September 2020 sei vollumfänglich aufzuheben.
2. Von einem Abbruch der rechtswidrigen Bauten und Anlagen auf dem Grundstück Nr. 001 sei abzusehen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 5/20
3. Von allen weiteren dem Rekurrenten von der Vorinstanz in Ziffer 1 – 12 des Dispositivs der  Verfügung auferlegten Verpflichtungen und angedrohten Massnahmen sei abzusehen.
4. Von einer Kostenauflage an den Rekurrenten sei .
5. Eventualiter seien die dem Rekurrenten auferlegten Kosten auf das gesetzliche Mass zu reduzieren.
6. Es sei vorerst das Baugesuch des Rekurrenten für die Instandstellung Weidstall Assekuranz Nr. 002 mit , Anpassung Tierschutz, Dach, Photovoltaik, Wasserspeicher und Abwassertank, Einbau  mit Lager- und Bearbeitungsraum, Grundstück Nr. 001 gemäss den von ihm eingereichten  zu bearbeiten.

7. Subeventualiter sei die Angelegenheit zur  im Sinne der Erwägungen des Baudepartements des Kantons St.Gallen an die Vorinstanz .
8. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Politischen Gemeinde X._.
Zur Begründung wird geltend gemacht, die Sachlage habe sich auf-
grund der Einreichung eines Baugesuchs für eine landwirtschaftliche
Nutzung der Bauten und Anlagen auf Grundstück Nr. 001 grundlegend
geändert, weshalb ein Anspruch auf Wiedererwägung des ursprüng-
lich abgelehnten Baugesuchs bestehe. Die Pächterin, welche einen
landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb mit Schafhaltung führe, be-
nötige die Scheune, die Wasserversorgung und die übrigen Bauten
und Anlagen gemäss Baugesuch für die landwirtschaftliche Nutzung
des Grundstücks Nr. 001. Die Voraussetzungen für die Erteilung der
Baubewilligung für eine zonenkonforme Nutzung seien erfüllt. Die Voll-
streckung der Wiederherstellungsverfügung erweise sich daher als un-
verhältnismässig. Im Übrigen stütze sich einzig die Entscheidgebühr
auf eine gesetzliche Grundlage, weshalb die übrigen Gebühren aufzu-
heben seien.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 30. Oktober 2020 beantragt die
Vorinstanz, den Rekurs abzuweisen. Zur Begründung wird geltend ge-
macht, das Baugesuch der in letzter Sekunde vorgeschobenen Päch-
terin diene einzig der Verzögerung der Ersatzvornahme, zumal eine
Bewilligung ausgeschlossen erscheine. Das Vorgehen des bösgläubig
handelnden Rekurrenten sei zudem rechtsmissbräuchlich. Da die
Rebbau-, Blumenkistenanlagen, Abstellplätze und Feuerstelle im Re-
kurs nicht erwähnt würden, sei von einer Anerkennung der Rechtswid-
rigkeit auszugehen. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens könn-
ten sodann einzig die Modalitäten der Ersatzvornahme sein. Über das
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 6/20
als Neubau anzusehende Bauvorhaben sei unabhängig davon zu ent-
scheiden. Es bestehe vorliegend ein öffentliches Interesse am soforti-
gen Vollzug des verfügten Rückbaus.
b) Mit Schreiben vom 15. Dezember 2020 nimmt der Rekurrent zu
einem allfälligen Nutzungsverbot sowie der Vernehmlassung der
Vorinstanz Stellung. Zur Begründung wird insbesondere vorgebracht,
im Unterschied zu den früheren Bauvorhaben werde nun eine zonen-
konforme Nutzung der Bauten und Anlagen geltend gemacht. Von ei-
ner Umgehung könne keine Rede sein. Der Rekurrent habe einen An-
spruch darauf, dass die Ablehnung seines Baugesuchs in Wiederer-
wägung gezogen und von einem Abbruch der damit rechtmässig ge-
wordenen Bauten und Anlagen abgesehen werde. Die Vernehmlas-
sung der Vorinstanz zeige, dass diese in dieser Sache nicht objektiv
sei. Das in Erwägung gezogene Nutzungsverbot sei zudem unverhält-
nismässig und öffentliche Interessen seien nicht ersichtlich. Es sei ins-
besondere nicht geeignet, die widerrechtliche Nutzung der Anlagen zu
verhindern und zudem auch nicht notwendig, weil das Grundstück von
der neuen Pächterin zonenkonform genutzt werde. Dasselbe gelte für
die Bienenhaltung des Rekurrenten. Schliesslich würden die Bienen
und Schafe unter dieser Massnahme leiden.
E.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-
genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Zu prüfen bleibt, inwieweit auf den Rekurs eingetreten werden kann.
1.3 Der Rekurrent wendet sich sinngemäss auch gegen den Erlass
der Wiederherstellungsverfügungen in Bezug auf verschiedene Bau-
ten und Anlagen auf Grundstück Nr. 001.
1.4 Eine Verfügung oder ein Entscheid als Anfechtungsgegenstand
sind Prozessvoraussetzung, ohne die auf die Rechtsmittel der nach-
träglichen Verwaltungsrechtspflege nicht eingetreten werden kann.
Sie bilden somit zugleich den Anlass und die Begrenzung des Wir-
kungsbereichs der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege. Aus-
serhalb des in der Verfügung oder im Entscheid geregelten Rechts-
verhältnisses liegende Rechtsbegehren sind grundsätzlich unzulässig
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 7/20
(M. BERTSCHI, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich 2014, Vorbemer-
kungen zu §§ 19-28a N 45 f.; F. GYGI, Bundesverwaltungsrechts-
pflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 44 f.). Gegenstand des Verfahrens kann
mithin nur sein, was vom erstinstanzlichen Entscheid erfasst wurde
(GVP 1978 Nr. 4). Sprengt die mit dem Rekursantrag aufgestellte
Rechtsbehauptung den durch die erstinstanzliche Verfügung gesteck-
ten Rahmen, ist darauf nicht einzutreten. Nur die Verfügung ist Gegen-
stand des Anfechtungsverfahrens. Sie bildet den Ausgangspunkt der
nachträglichen Verwaltungsrechtspflege. Begrifflich ist die Verfügung
des materiellen Verwaltungsrechts als eine behördliche Anordnung im
Einzelfall zu verstehen, durch die ein konkretes und individuelles
Rechtsverhältnis in verbindlicher Weise rechtsgestaltend oder feststel-
lend geregelt wird. Wenn sich die Rekursanträge oder die Vorbringen
in der Rekursbegründung nicht auf den Anfechtungsgegenstand bzw.
dessen Motive beziehen, genügt die Begründung den Anforderungen
nicht (CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.Gal-
len, St.Gallen 2003, Rz. 921 f. mit Hinweisen; BDE Nr. 95/2020 vom
12. Oktober 2020 Erw. 2.1; BDE Nr. 53/2020 vom 9. Juni 2020
Erw. 1.3 mit Hinweisen).
1.5 Gegenstand des angefochtenen Beschlusses bildet die Anord-
nung der Ersatzvornahme zur Beseitigung der rechtswidrigen Bauten
und Anlagen auf Grundstück Nr. 001 durch den beauftragten Unter-
nehmer. Ebenfalls Gegenstand ist die Verpflichtung zur Duldung der
Ersatzvornahme sowie die Strafandrohnung nach Art. 292 StGB sowie
weitere Modalitäten der Ersatzvornahme. Schliesslich bildet auch die
Gebührenerhebung Teil des Anfechtungsobjekts. Nicht Gegenstand
des angefochtenen Beschlusses ist demgegenüber die Ablehnung der
nachträglichen Baugesuche sowie die Verhältnismässigkeit der dies-
bezüglich verfügten Wiederherstellungsmassnahmen. Diesbezüglich
verfügte die Vorinstanz wie dargelegt bereits am 3. Oktober 2016 so-
wie 13. Mai 2020 nebst der Abweisung der nachträglichen Baubewilli-
gungen auch die entsprechende Wiederherstellung. Ein gegen die
Verfügung vom 3. Oktober 2016 erhobener Rekurs wurde ebenso ab-
gewiesen wie eine gegen den Rekursentscheid gerichtete Be-
schwerde an das Verwaltungsgericht sowie eine dagegen gerichtete
Beschwerde an das Bundesgericht. Mit dem Urteil des Bundesgerich-
tes 1C_204/2019 vom 8. April 2020 wurde somit rechtskräftig über die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands und damit den Ab-
bruch des Weidstalls (Vers.-Nr. 002) sowie der daneben erstellten
Steinmauer entschieden. Ebenso in Rechtskraft erwuchsen die Ver-
weigerung der nachträglichen Baubewilligung mit Wiederherstellungs-
verfügung in Bezug auf die Rebbau- und Beerenanlagen sowie die
verfügte Androhung der vorliegenden Ersatzvornahme. Nachdem die
Rechtmässigkeit und insbesondere die Verhältnismässigkeit der Wie-
derherstellungsbefehle feststehen, ist auf den Rekurs insoweit nicht
einzutreten, als damit eine angebliche Unverhältnismässigkeit der
Wiederherstellung geltend gemacht wird (vgl. Baudepartement SG,
Juristische Mitteilungen 2007/IV/38). Nichts anderes ergibt sich aus
dem sinngemässen Einwand des Rekurrenten, gewisse Umstände
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 8/20
und Beweisanträge seien im vorausgegangenen Verfahren von sämt-
lichen Verwaltungs- und Gerichtsinstanzen nicht gebührend berück-
sichtigt worden.
1.6 Gegenstand dieses Rekursverfahrens bildet allein die Ersatz-
vornahmeverfügung vom 21. September 2020. Der Rekurrent setzt
sich in der Rekursbegründung damit jedoch nicht auseinander und
bringt – abgesehen von der verfügten Gebühr – nicht vor, welche
rechtlichen Mängel die Anordnung der Ersatzvornahme aufweisen
könnte. Auch insofern ist aufgrund einer Verletzung der Begründungs-
pflicht (Art. 48 Abs. 1 VRP) auf den Rekurs nicht einzutreten. Soweit
der Rekurrent in der Rekursbegründung jedoch rügt, die Anordnung
der Ersatzvornahme vom 21. September 2020 sei in dieser Form un-
verhältnismässig bzw. es bestehe aufgrund des eingereichten Bauge-
suchs ein Anspruch auf Wiedererwägung, ist auf den Rekurs einzutre-
ten. Ebenso ist auf den Rekurs in Bezug auf die gerügte Gebühr ein-
zutreten.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1;
abgekürzt PBG) in Kraft getreten und das Baugesetz vom 6. Juni 1972
(nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden (Art. 172 Bst. a
PBG). Der erstinstanzliche Entscheid erging am 21. September 2020.
Mithin sind vorliegend grundsätzlich die Bestimmungen des PBG an-
wendbar, sofern sie gemäss Anhang zum Kreisschreiben „Übergangs-
rechtliche Bestimmungen im PBG“ vom 8. März 2017 (Baudeparte-
ment SG, Juristische Mitteilungen 2017/I/1) als unmittelbar anwendbar
erklärt werden. Im Übrigen gelangen weiterhin das Baugesetz und das
entsprechende Baureglement zur Anwendung.
3.
Der Rekurrent beantragt die Durchführung eines Augenscheins.
3.1 Nach Art. 12 Abs. 1 VRP ermittelt die Behörde oder das von ihr
beauftragte Verwaltungsorgan den Sachverhalt und erhebt die Be-
weise von Amtes wegen durch Befragen von Beteiligten, Auskunfts-
personen und Zeugen, durch Beizug von Urkunden, Amtsberichten
und Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere geeig-
nete Weise. Sind zur Wahrung des öffentlichen Interesses keine be-
sonderen Erhebungen nötig, so sind nur die von den Beteiligten ange-
botenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche Tatsa-
chen aufzunehmen (Art. 12 Abs. 2 VRP). Der Augenschein ist die un-
mittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die entschei-
dende Instanz. Er dient der unmittelbaren Wahrnehmung von (in der
Regel streitigen) Tatsachen und/oder dem besseren Verständnis des
Sachverhalts. Ob ein Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflicht-
gemässen Ermessen der urteilenden Instanz. Nur wo sich eine Tatsa-
che nicht anders abklären lässt, wird eine Verpflichtung zur Durchfüh-
rung eines Augenscheins bejaht. Ergibt sich eine Tatsache dagegen
zweifelsfrei aus den Akten, so braucht sie nicht durch einen Augen-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 9/20
schein überprüft zu werden. Dies gilt auch für unbestrittene Behaup-
tungen, sofern eine Nachprüfung nicht durch öffentliche Interessen ge-
boten erscheint. Tatsachen aber, vor allem umstrittene, deren umfas-
sende Feststellung und Würdigung eine eigene Wahrnehmung erhei-
schen, sind in Augenschein zu nehmen (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O.,
Rz. 966; B. MÄRKLI, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Praxiskommen-
tar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege (VRP), Zü-
rich/St.Gallen 2020, Art. 12 N 50 ff.).
3.2 Die entscheidenden tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich
vorliegend vollständig aus den Vorakten, den übrigen Verfahrensakten
sowie dem öffentlich zugänglichen Geoportal (www.geoportal.ch). Zu-
dem sind der Rekursinstanz sowie den übrigen Verfahrensbeteiligten
die örtlichen Verhältnisse aufgrund mehrerer Augenscheine, insbe-
sondere denjenigen vom 30. März 2017 sowie 28. Februar 2019, be-
kannt. Der Antrag auf Durchführung eines Augenscheins ist deshalb
abzulehnen. Ebenso abzulehnen sind die Anträge auf Parteibefra-
gung, Befragung von C._, Begutachtung sowie Auskunft durch das
Landwirtschaftsamt. Die diesbezüglich notwendigen Angaben erge-
ben sich genügend aus den Verfahrensakten und zudem hatte der Re-
kurrent im vorliegenden Verfahren genügend Gelegenheit, sich zu
äussern. Die entsprechenden Anträge sind ebenfalls abzulehnen.
4.
Der Rekurrent macht geltend, im vorliegenden Fall habe sich die Sach-
lage aufgrund des eingereichten Baugesuchs für eine zonenkonforme
Nutzung der von der Ersatzvornahme betroffenen Bauten und Anlagen
erheblich geändert. Es bestehe deshalb ein Anspruch auf Wiederer-
wägung der Abbruch- bzw. Wiederherstellungsverfügungen.
4.1 Vorauszuschicken ist, dass der Rekurrent den vorliegend um-
strittenen Weidstall sowie die verschiedenen weiteren Anlagen alle-
samt ohne entsprechende Baubewilligung – mehrheitlich während lau-
fender Rechtsmittelverfahren – über die letzten Jahre erstellt bzw. in
grossen Teilen neu aufgebaut hat. Die nachträglich eingereichten Bau-
gesuche wurden allesamt verweigert und die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands angeordnet, wobei in Bezug auf den Weid-
stall sowie die Steinmauer zuletzt das Bundesgericht die Verhältnis-
mässigkeit des vollständigen Abbruchs bestätigt hat (Urteil des Bun-
desgerichtes 1C_204/2019 vom 8. April 2020 Erw. 4.3). Zuvor hatte
bereits das Verwaltungsgericht festgestellt, dass der Abbruch des Ge-
bäudes geeignet und erforderlich ist, um das im öffentlichen Interesse
liegende Ziel zu erreichen. Auch die Verhältnismässigkeit im engeren
Sinn sei gegeben. Inwiefern die Bewirtschaftung des Grundstücks
durch den Abbruch gefährdet sein soll, erschliesse sich nicht. Es sei
gegebenenfalls Sache der Vorinstanz, den Wiederherstellungsent-
scheid (auch gegen den Willen des Rekurrenten) zu vollziehen
(VerwGE B 2017/189 vom 28. Februar 2019 Erw. 6.3.3). Hinzu kommt,
dass die unrechtmässig im Naturschutzgebiet erstellten Anlagen (Ab-
stellplätze und Sitzplatz mit Grillstelle und Holzunterstand) entgegen
der ursprünglichen Ankündigung des Rekurrenten nicht zurückgebaut
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 10/20
wurden (vgl. VerwGE B 2017/189 vom 28. Februar 2019 Erw. 2). Da
die entsprechenden Wiederherstellungsentscheide in Rechtskraft er-
wachsen sind, wären diese grundsätzlich von der hierfür zuständigen
Behörde zu vollziehen. Wie vorstehend erwähnt, stellt sich im Rahmen
des Vollzugs von rechtskräftigen Wiederherstellungsverfügungen die
Frage der Verhältnismässigkeit der getroffenen Anordnung eigentlich
nicht mehr. Inwiefern vorliegend allenfalls mittels Wiedererwägungs-
gesuch doch noch eine ausnahmsweise Überprüfung dieser Anord-
nung möglich ist, bleibt nachfolgend zu prüfen.
4.2 Der direkt anwendbare Art. 159 Abs. 1 Ingress und Bst. c PBG
ermöglicht es einer Bauherrschaft, welche Bauten und Anlagen ohne
Bewilligung (urteilsähnliche Verfügung) errichtet hat, vor der Anord-
nung der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands (Dauerver-
fügung) ein nachträgliches Baugesuch einzureichen. Ein solch nach-
trägliches Baugesuch kommt allerdings nur dann in Frage, wenn das
neue Projekt ernsthafte Aussichten auf eine Bewilligung hätte. Dem-
gegenüber vermögen bloss auf Zeitgewinn ausgerichtete materiell
aussichtslose Eingaben einer Vollstreckung von Wiederherstellungs-
massnahmen nicht entgegenzustehen (vgl. Urteil des Bundesgerich-
tes 1A.234/2006 vom 8. Mai 2007 Erw. 4.1 mit Hinweisen). Ausge-
schlossen ist ein nachträgliches Baugesuch also dann, wenn über das
Bauvorhaben bzw. die massgebende Frage bereits rechtskräftig ent-
schieden worden ist. Dieser Ausschluss setzt aber Identität des ent-
schiedenen Punkts mit dem nachträglichen Begehen voraus, wobei
rechtlich unmassgebliche Abweichungen nicht in Betracht fallen.
Keine Identität besteht und ein nachträgliches Baugesuch ist zuzulas-
sen, wenn das neue Projekt Änderungen aufweist, mit welchem die im
vorangegangenen Verfahren festgestellte Baurechtswidrigkeit beho-
ben werden soll. Ebenso, wenn der Gesuchsteller sich auf einen bis-
her nicht geltend gemachten Ausnahmegrund beruft; oder wenn sich
die massgeblichen tatsächlichen Verhältnisse seit dem Bauentscheid
geändert haben. Im letzten Fall läuft das nachträgliche Baugesuch im
Grunde genommen darauf hinaus, gestützt auf Art. 29 der Bundesver-
fassung (SR 101; abgekürzt BV) und Art. 27 VRP eine Wiedererwä-
gung einer in formelle Rechtskraft erwachsenen Bewilligungsverwei-
gerung (mit oder ohne Wiederherstellung des rechtmässigen Zu-
stands) zu erwirken (vgl. dazu VerwGE B 2020/102 vom 10. Dezember
2020 Erw. 5.1 mit Hinweisen). Gemäss Art. 27 VRP sind Wiedererwä-
gungsgesuche zulässig, begründen aber keinen Anspruch auf eine
Stellungnahme der Behörde in der Sache und hemmen den Fristenlauf
nicht. Ein Anspruch auf materielle Wiedererwägung besteht, wenn sich
die Verhältnisse (Sach- oder Rechtslage) seit dem Erlass der
ursprünglichen Verfügung erheblich geändert haben oder wenn vom
Gesuchsteller wichtige Tatsachen oder Beweise geltend gemacht wer-
den, die ihm zur Zeit der ersten Entscheidung nicht bekannt waren
oder von ihm nicht geltend gemacht werden konnten (CAVELIT/VÖGELI,
a.a.O., Rz. 575 mit Hinweisen; GVP 2007 Nr. 67; VerwGE B 218/228
vom 10. Mai 2019 Erw. 2.1 mit Hinweisen). Ausnahmsweise kann un-
richtige Rechtsanwendung ein Rückkommen auf urteilsähnliche Ver-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 11/20
fügungen rechtfertigen, sofern der Verfügung schwerwiegende mate-
rielle Fehler anhaften und die unveränderte Weitergeltung der Verfü-
gung zu einem stossenden und dem Gerechtigkeitsgefühl zuwiderlau-
fenden Ergebnis führen würde. Die st.gallische Praxis geht somit da-
von aus, dass ein Rechtsanspruch auf Wiedererwägung dann besteht,
wenn ein klassischer Revisionsgrund vorliegt. Insofern handelt es sich
um einen aus Art. 29 BV abgeleiteten Minimalanspruch auf Eintreten
auf ein Wiedererwägungsgesuch, mit dem die ursprüngliche Fehler-
haftigkeit der Verfügung geltend gemacht wird, was bedeutet, dass die
Verfügung schon zum Zeitpunkt ihres Erlasses fehlerhaft gewesen ist
(zu den Revisionsgründen siehe Art. 81 Abs. 1 VRP). Daneben be-
steht ausnahmsweise auch dann Anspruch auf Wiedererwägung,
wenn seit dem Erlass der aufzuhebenden oder der zu ändernden Ver-
fügung Änderungen des entscheidrelevanten Sachverhalts oder der
massgeblichen Rechtslage eingetreten sind, die dazu führen, dass der
ursprüngliche Entscheid mit der aktuellen Sach- oder Rechtslage nicht
mehr im Einklang steht. Dieser Anspruch auf Wiedererwägung geht
über die klassischen Revisionsgründe hinaus, da ein Rückkommens-
grund im Gegensatz zu diesen in einer erst nachträglich eingetretenen
Fehlerhaftigkeit der Verfügung liegt (T. TSCHUMI, in: Rizvi/Schind-
ler/Cavelti [Hrsg.], Praxiskommentar zum Gesetz über die Verwal-
tungsrechtspflege, Zürich/St.Gallen 2020, Art. 27 N 11 ff.).
4.3 Vorliegend ist dem Rekurrenten zwar darin zuzustimmen, dass
insbesondere der Abbruch des Weidstalls (Vers.-Nr. 002) wohl unver-
hältnismässig wäre, wenn dieser für eine zonenkonforme Nutzung be-
willigt werden könnte. Allerdings verwundert vorliegend, dass die Idee,
die Weidscheune und die übrigen Anlagen zonenkonform zu nutzen,
offensichtlich erst aufkeimte, als es galt den Abbruch der unrechtmäs-
sigen Bauten und Anlagen auf Grundstück Nr. 001 zu verhindern.
Dass der Rekurrent am letzten Tag der Frist zum freiwilligen Rückbau
der Bauten und Anlagen eine zonenkonforme Bewirtschaftung durch
eine Pächterin geltend macht, erscheint insbesondere mit Blick auf die
Vorgeschichte als vorgeschoben und unglaubwürdig. Darauf deutet im
Übrigen auch das bisherige – vorgängig geschilderte – Verhalten des
Rekurrenten hin. Auch das in weiten Teilen praktisch identische Bau-
gesuch zeigt, dass es sich dabei eindeutig um einen weiteren Versuch
des Rekurrenten handelt, den seit Anfang an geplanten umfassenden
Ausbau der Scheune (Vers.-Nr. 002) zu verwirklichen, obwohl letztin-
stanzlich entschieden wurde, dass dies rechtlich nicht zulässig ist.
Auch bei den unrechtmässig erstellten Rebbau- und Beerenanlagen
handelt es sich eindeutig um ein zonenfremdes Vorhaben des Rekur-
renten, welches durch das "Vorschieben" der Pächterin nachträglich
legalisiert werden soll. Gemäss Pachtvertrag befindet sich der land-
wirtschaftliche Nebenerwerbsbetrieb der Pächterin sodann in rund
11,5 km Entfernung in L._, was ebenfalls Zweifel an der Ernsthaf-
tigkeit der dauerhaften Verpachtung und umfassenden Bewirtschaf-
tung weckt. Ebenso bezeichnend ist, dass die Pächterin als angebli-
che Bewirtschafterin und Gesuchstellerin das Baugesuch nicht einmal
unterzeichnet hat, sondern dieses einzig vom Rekurrenten als Grund-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 12/20
eigentümer unterzeichnet ist. Es erscheint daher absehbar, dass un-
abhängig von einer allfälligen Bewilligung die hauptsächliche Nutzung
des Grundstücks Nr. 001 weiterhin durch den nicht landwirtschaftlich
tätigen Rekurrenten erfolgen würde und es vorliegend einzig darum
geht, den Abbruch der illegalen Bauten und Anlagen auf Grundstück
Nr. 001 zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Dieses Vorgehen
– das "Nachschieben" landwirtschaftlicher Betriebsnotwendigkeit –
scheint aufgrund der derzeit gehäuften Fälle im Übrigen auch dem
Verwaltungsgericht aufgefallen zu sein (vgl. VerwGE B 2019/158 vom
20. März 2020 Erw. 3.3.2 mit Hinweis u.a. auf VerwGE B 2017/189
vom 28. Februar 2019 in gleicher Sache). Das Vorgehen des Rekur-
renten verdient deshalb keinen Rechtsschutz und das in letzter Minute
eingereichte Baugesuch für eine zonenkonforme Nutzung der unrecht-
mässig erstellten Bauten und Anlagen auf Grundstück Nr. 001 er-
scheint bloss als untaugliches Mittel, den Vollzug der rechtskräftigen
Wiederherstellungsverfügungen zu verhindern bzw. verzögern. Ein
ausnahmsweiser Anspruch auf Wiedererwägung besteht folglich nicht.
Bei dieser Ausgangslage erübrigt sich zudem ein Abwarten der Be-
handlung des vorerwähnten Baugesuchs. Der entsprechende Antrag
ist abzulehnen.
4.4 Im Übrigen wäre das Bauvorhaben ohnehin – selbst wenn die
Pächterin keine Freizeitlandwirtschaft betreiben würde – auch zonen-
konform nicht bewilligungsfähig. Eine Notwendigkeit an diesem Stand-
ort für einen Weidstall in diesen Dimensionen besteht für die Sömme-
rung von einigen Schafen sowie die Wald- und Wiesenbewirtschaftung
offensichtlich nicht. Zudem erscheint es auch aus wirtschaftlicher Sicht
als unverhältnismässig, dafür nochmals rund Fr. 50'000.– in den be-
reits eigenmächtig für mehrere zehntausend Franken ausgebauten
Weidstalls (Vers.-Nr. 002) zu investieren (vgl. BDE 39/2019 vom
27. Juni 2019 Erw. 3.4.4 f., bestätigt in VerwGE B 2019/158 vom
20. März 2020). Hinzu kommt, dass dem abzubrechenden Weidstall
mangels bestimmungsgemässer Nutzbarkeit keine Bestandesgarantie
mehr zukommt, weshalb er im Rahmen eines Bewilligungsverfahrens
als Neu- und nicht als Wiederaufbau zu betrachten wäre. Lediglich der
Vollständigkeit zu erwähnen ist, dass ein Grossteil der Anlagen im
Waldabstand sowie im Naturschutzgebiet liegt und deshalb mangels
Ausnahmesituation und aufgrund überwiegender entgegenstehender
öffentlicher Interessen nicht bewilligt werden könnten, worauf das Amt
für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) bereits in seiner naturschutz-
rechtlichen Verfügung vom 12. September 2016 (vi act. 1F) hingewie-
sen hat. Die Erteilung einer nachträglichen Baubewilligung ist damit
nicht möglich, womit sich auch vor diesem Hintergrund eine Sistierung
oder Rückweisung der Streitsache an die Vorinstanz zur Neubeurtei-
lung erübrigt. Nachdem der in der angefochtenen Verfügung genannte
Termin für den freiwilligen Abbruch bereits verstrichen ist, wird die
Vorinstanz dem Rekurrenten den genauen Termin für die Ersatzvor-
nahme nochmals bekannt zu geben haben. Diese Bekanntmachung
hat indessen nur noch informellen Charakter und stellt keine anfecht-
bare Verfügung mehr dar (siehe hierzu Baudepartement SG, Juristi-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 13/20
sche Mitteilungen 2007/IV/38). Es steht dem Rekurrenten selbstver-
ständlich frei, die Massnahmen gemäss angefochtener Verfügung bis
dahin freiwillig umzusetzen.
5.
Weiter rügt der Rekurrent, für die zusätzlich zur Entscheidgebühr auf-
erlegten Gebühren bestehe keine gesetzliche Grundlage und diese
seien völlig überrissen und lägen ausserhalb des Gebührenrahmens.
Die Vorinstanz begründet ihre Kosten mit einem allgemeinen Verweis
auf den Gebührentarif für die Kantons- und Gemeindeverwaltung
(sGS 821.5; abgekürzt GebT). Eine weitergehende Begründung fehlt.
5.1 Nach Art. 94 Abs. 1 VRP hat derjenige die vorgeschriebene Ge-
bühr zu entrichten, wer eine Amtshandlung zum eigenen Vorteil oder
durch sein Verhalten veranlasst. Er kann überdies zum Ersatz der Bar-
auslagen verpflichtet werden. Gebühren sollen den dem Gemeinwe-
sen dadurch entstandenen Aufwand decken. Sie umfassen in der Re-
gel die Aufwendungen der Behörden, die aus deren zeitlicher Bean-
spruchung resultieren, sowie die Personal- und Infrastrukturkosten.
Für bestimmte Amtshandlungen ist meist ein Gebührenrahmen vorge-
sehen (K. PLÜSS, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar VRG, 3. Auflage,
Zürich 2014, N 9 zu § 13 VRG/ZH). Gestützt auf die in Art. 100 VRP
erteilte Regelungskompetenz hat die Regierung hierzu in der Verwal-
tungsgebührenverordnung (sGS 821.1; abgekürzt VGV) ergänzende
Vorschriften erlassen und im GebT die Gebührenansätze geregelt. So
sieht Ziff. 50.24.08 GebT beispielsweise für Verfügungen auf Behe-
bung des rechtswidrigen Zustands (Art. 159 PBG) einen Rahmen zwi-
schen Fr. 100.– bis Fr. 10‘000.– vor. In Anwendung von Art. 3 Abs. 1
des Gemeindegesetzes (sGS 151.2; abgekürzt GG) hat der Gemein-
derat X._ sodann einen Gebührentarif Bauwesen vom 4. Oktober
2006 erlassen. Besteht für die Gebühr ein Mindest- und ein Höchstan-
satz, so ist sie innerhalb dieses Rahmens nach dem Wert und der Be-
deutung der Amtshandlung, dem Zeit- und Arbeitsaufwand und der er-
forderlichen Sachkenntnis zu bemessen (Art. 11 VGV). Der Vorinstanz
kommt bei der Bemessung der Gebühr ein weites Ermessen zu (BGE
135 II 172 Erw. 3.2; VerwGE B 2019/195 vom 18. Januar 2020).
5.2 Die vorliegende Entscheidgebühr, welche im unteren Bereich
des Gebührenrahmens (Ziff. 50.24.08 GebT) liegt, wird unbestrittener-
massen nicht in Frage gestellt und erweist sich ohne Weiteres als
rechtmässig. Dasselbe gilt grundsätzlich für die im Zusammenhang
mit der angefochtenen Verfügung entstandenen Kosten des Offertwe-
sens sowie der Abbruch- und Umsetzungskontrolle (Ziff. 10.17 und
Ziff. 50.24.08 GebT), zumal der Rekurrent auch nicht begründet, in-
wiefern diesbezüglich keine gesetzliche Grundlage oder eine unrich-
tige Ermessensausübung vorliegend sollte. Aufgrund des im kommu-
nalen Gebührentarif Bauwesen geregelten Stundenansatzes von
Fr. 100.– (Ziff. 16) sind diese Gebühren allerdings entsprechend zu
reduzieren. So wurden für das Offertwesen eine Gebühr von drei Stun-
den zu Fr. 150.–, insgesamt Fr. 450.–, erhoben. Der Betrag ist ent-
sprechend auf Fr. 300.– (drei Stunden zu Fr. 100.–) zu reduzieren.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 14/20
Gleich verhält es sich mit den Kosten der Abbruch- und Umsetzungs-
kontrolle, welche je mit einer Stunde zu Fr. 150.– berechnet wurden.
Diese Gebühren sind entsprechend mit je Fr. 100.– festzusetzen.
Ebenfalls auf das zulässige Mass zu reduzieren sind die Gebühren für
Fotokopien, welche mit Fr. 480.– (48 Stück zu Fr. 10.–) festgesetzt
wurden. Gemäss Ziff. 10.12 GebT betragen die Gebühren bis fünf Ko-
pien je Fr. 1.– und für jede weitere Kopie Fr. 0.50, d.h. bei 48 Kopien
insgesamt Fr. 26.50. Ebenfalls zu reduzieren ist die Mahngebühr (zwei
Mahnungen zu Fr. 150.–, d.h. insgesamt Fr. 300.–). Vorliegend ist ein-
zig das Schreiben des Bauamts X._ vom 24. August 2020 als Mah-
nung ausgewiesen und gemäss Ziff. 24 des Gebührentarifs Bauwesen
beträgt die Gebühr für die erste Mahnung Fr. 100.–. Folglich ist die
Mahngebühr mit Fr. 100.– festzusetzen. In diesem Verfahren nicht er-
hoben werden können zudem die Kosten für Abklärungen im Baube-
willigungsverfahren BG 121-2020. Es ergibt sich folglich, dass für die
von der Vorinstanz festgelegte Gebühr zumindest teilweise eine ge-
setzliche Grundlage fehlt bzw. die Ansätze teilweise zu reduzieren
sind. Der Rekurs erweist sich folglich als teilweise begründet und
Ziff. 14 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung vom 21. Sep-
tember 2020 ist entsprechend anzupassen.
6.
Aus den Akten und Eingaben des Rekurrenten ergibt sich, dass insbe-
sondere der nicht bewilligte und abzubrechende Schopf (Vers.-
Nr. 002) vom Rekurrenten weiterhin genutzt wird. Nachdem seit län-
gerem feststeht, dass der Schopf einer zonenfremden Nutzung durch
den Rekurrenten nicht zugänglich ist und auf den Vollzug der Wieder-
herstellung des rechtmässigen Zustands aus rechtsstaatlichen Über-
legungen nicht verzichtet werden kann, ist zu prüfen, ob für die Dauer
des Verfahrens ein Nutzungsverbot in Bezug auf den Weidstall (Vers.-
Nr. 002) zu erlassen ist.
6.1 Auch im verwaltungsinternen Beschwerdeverfahren gilt zum Teil
das Dispositionsprinzip. Dieser Grundsatz wird aber durch das Offizi-
alprinzip eingeschränkt: Die Rechtsmittelinstanz ist nicht oder nur be-
schränkt an die Parteibegehren gebunden (HÄFELIN/MÜLLER/UHL-
MANN, a.a.O., N 987; T. KAMBER, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.],
Praxiskommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Zü-
rich/St.Gallen 2020, Art. 56 N 3 f.; vgl. Art. 56 VRP). Eine Änderung zu
Ungunsten des Rekurrenten darf aber nur erfolgen, sofern dem Be-
troffenen Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben wurde (Art. 15
Abs. 2 VRP). Die Rekursinstanz hat den Rekurrenten ausdrücklich auf
diese Möglichkeit hingewiesen und ihm Gelegenheit gegeben, sich
dazu vernehmen zu lassen.
6.2 Die Vorinstanz hat zum in Erwägung gezogenen Nutzungsver-
bot nicht Stellung genommen. Der Rekurrent sieht keine Notwendig-
keit für ein aufsichtsrechtlich verfügtes Nutzungsverbot. Mit einem Nut-
zungsverbot würde insbesondere eine zonenkonforme Nutzung durch
die Pächterin verhindert. Darüber hinaus hätten die von der Mass-
nahme betroffenen Schafe und Bienen zu leiden. Insgesamt sei ein
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 15/20
Nutzungsverbot deshalb unverhältnismässig und es seien keine öf-
fentlichen Interessen dafür ersichtlich.
6.3 Die Behörde kann zur Erhaltung des Zustands oder zur Siche-
rung bedrohter rechtlicher Interessen vorsorgliche Massnahmen tref-
fen (Art. 18 Abs. 1 VRP). Vorsorgliche Massnahmen sind dazu be-
stimmt, einen tatsächlichen oder rechtlichen Zustand einstweilen un-
verändert zu erhalten oder bedrohte rechtliche Interessen einstweilen
sicherzustellen. Der Hauptzweck des einstweiligen Rechtsschutzes ist
seine Sicherungsfunktion im Hinblick auf das Ergebnis des Hauptsa-
chenverfahrens (MÄRKLI, a.a.O., Art. 18 N 12; GYGI, a.a.O., S. 246;
CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 1107). Für den Entscheid über vorsorgli-
che Massnahmen sind die Interessen des Gesuchstellers sowie die
der übrigen Beteiligten und der Öffentlichkeit gegeneinander abzuwä-
gen. In diese Abwägung können – mit Zurückhaltung – auch die Aus-
sichten des Ausgangs des Verfahrens einbezogen werden, sofern
diese eindeutig sind. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Grund-
satz der Verhältnismässigkeit zu (VerwGE B 2019/160 vom 23. Januar
2020 Erw. 2.1; VerwGE B 2012/171 vom 10. Oktober 2012 Erw. 4.1;
MÄRKLI, a.a.O., Art. 18 N 28; CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 1111). Einst-
weiliger Rechtsschutz ist in allen Verfahrensarten und in allen Verfah-
rensstadien und durch alle Instanzen hindurch möglich und gefordert,
da jedes Verfahren auch tatsächlich effektiv sein soll. Das VRP kon-
zentriert die Bestimmungen dazu auf der erstmals möglichen Stufe,
also für die vorsorglichen Massnahmen auf der Stufe der Verwaltungs-
behörden. Es können aber auch die höheren Instanzen gestützt auf
Art. 18 VRP ursprüngliche vorsorgliche Massnahmen erlassen (vgl.
MÄRKLI, a.a.O., Art. 18 N 3 und N 14, BDE Nr. 75/2020 vom 14. August
2020 Erw. 4.1). Nach der Praxis ist es insbesondere zulässig, ein Ver-
bot der Nutzung einer formell nicht bewilligten Baute als vorsorgliche
Massnahme anzuordnen (vgl. GVP 2009 Nr. 66, bestätigt vom Bun-
desgericht im Entscheid 1C_123/2009 vom 17. Juli 2009). Entspre-
chend sieht auch Art. 159 Abs. 1 Bst. b PBG vor, dass ein Benüt-
zungsverbot verfügt wird, wenn durch die Errichtung von Bauten und
Anlagen ohne Bewilligung oder auf andere Weise ein unrechtmässiger
Zustand geschaffen wird.
6.4 An der Einhaltung und Durchsetzung der Rechtsordnung be-
steht grundsätzlich ein gewichtiges öffentliches Interesse (vgl. Urteil
des Bundesgerichtes 1P.708/2006 und 1P.710/2006 vom 13. April
2007 Erw. 5.4 und 5.5.1; VerwGE B 2006/42, B 2006/43, B 2006/44
vom 14. September 2006 Erw. 3.c). Eigenmächtiges Vorgehen und
das Schaffen von baurechtswidrigen Zuständen stellen eine Störung
der öffentlichen Ordnung dar, die möglichst frühzeitig unterbunden
werden soll; ein erhebliches öffentliches Interesse besteht zudem in
Bezug auf die grundsätzliche Gleichbehandlung aller Bürger sowie auf
die Glaubwürdigkeit der Verwaltung (RUOSS FIERZ, Massnahmen ge-
gen illegales Bauen, Zürich 1999, S. 100). Ein vorsorgliches Nut-
zungsverbot im Besonderen bezweckt die möglichst frühzeitige Unter-
bindung von formell widerrechtlichen Nutzungen und soll verhindern,
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 16/20
dass der sich eigenmächtig über Vorschriften hinwegsetzende Bau-
herr aus seinem widerrechtlichen Vorgehen Vorteile zieht (RUOSS
FIERZ, a.a.O., S. 94). Bei Feststellung der formellen Baurechtswidrig-
keit ist der Erlass eines Nutzungsverbots daher grundsätzlich geboten
und erforderlich; ein solches rechtfertigt sich umso mehr, wenn fest-
steht oder zu vermuten ist, dass zusätzlich eine materielle Rechtswid-
rigkeit vorliegt (RUOSS FIERZ, a.a.O., S. 99; BDE Nr. 75/2020 vom
14. August 2020 Erw. 4.1 f.). Nach der Rechtsprechung des Verwal-
tungsgerichtes ist allein schon mit Blick auf die (unbestrittene) Bewilli-
gungspflicht einer Baute, Anlage oder Nutzung – die ohne Bewilligung
ausgeführt wurde – in der Regel ein vorsorgliches Nutzungsverbot ge-
rechtfertigt. Es besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse daran,
dass der Bauherrschaft verboten wird, Bauten und Anlagen zu nutzen,
solange die erforderliche Bewilligung noch nicht vorhanden ist. An-
dernfalls würde derjenige, der eigenmächtig oder gar wider besseres
Wissen bauliche Veränderungen oder Zweckänderungen vornimmt,
bessergestellt als all jene, die ordnungsgemäss zuerst eine Baubewil-
ligung dafür einholen (VerwGE B 2013/127 vom 12. Juli 2013 Erw. 4
mit Hinweisen; BDE Nr. 107/2020 vom 6. November 2020 Erw. 3.2).
6.5 Zu den vorerwähnten öffentlichen Interessen hinzu kommt vor-
liegend, dass es sich beim fraglichen Weidstall (Vers.-Nr. 002) nicht
nur um eine formell und materiell wiederrechtliche Baute handelt, son-
dern diesbezüglich bereits ein rechtskräftiger Abbruchbefehl vorliegt.
Nichtsdestotrotz nutzte der Rekurrent vorliegend den Schopf während
des gesamten Verfahrens nach Belieben und lagert gemäss eigenen
Angaben darin noch heute Gerätschaften für die Bewirtschaftung und
nutzt die Räumlichkeiten für die Bienenhaltung. Ebenso wurden darin
mutmasslich Material und Gerätschaften untergestellt, um die auf dem
Grundstück ohne Bewilligung erstellten Anlagen (Fusswege, Rebbau-
und Beerenanlagen, Steinmauern usw.) zu errichten. Jedenfalls ge-
bietet auch der in der Raumplanung elementare Trennungsgrundsatz
von Bau- und Nichtbaugebiet, dass vorliegend die rechtswidrige Baute
nicht weiterhin zu Aufenthalts-, Unterhalts- und Bauzwecken in dieser
empfindlichen und teilweise geschützten Landschaft genutzt wird.
6.6 Den dargestellten, für ein Nutzungsverbot sprechenden öffentli-
chen Interessen, stehen die privaten Interessen des Rekurrenten so-
wie der Pächterin an einer Nutzung der illegalen Baute entgegen. In-
wiefern diesen privaten Interessen ein relevantes Gewicht zukommen
soll, ist nicht erkennbar und wird vom Rekurrenten auch nicht konkret
dargelegt. Die derzeit im Stall befindlichen Geräte sowie Bienenstöcke
können ohne Weiteres vom Rekurrenten andernorts gelagert werden.
Im Übrigen ist dem Rekurrenten seit längerem bekannt, dass der
Schopf abgebrochen werden muss. Hinsichtlich der in der Stellung-
nahme vom 15. Dezember 2020 geltend gemachten Nachteile eines
Nutzungsverbots für die Schafe der Pächterin ist darauf hinzuweisen,
dass gemäss Pachtvertrag das Pachtverhältnis erst ab dem 1. Januar
2021 beginnt und nicht geltend gemacht wird, dass die Schafe ohne
Nutzung der Scheune (Vers.-Nr. 002) nicht hinreichend untergebracht
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 17/20
wären. Für eine zonenkonforme Nutzung besteht sodann keine Bewil-
ligung. Schliesslich wäre während den Wintermonaten ohnehin nicht
mit einer Unterbringung der Schafe zu rechnen. Sofern sich in den im
Schopf eingestellten Bienenkisten überhaupt Bienenvölker befinden
sollten, erscheint ein sorgfältiger Transport dieser Tiere möglich zu
sein. Gemäss der angefochtenen Verfügung vom 21. September 2020
sollen die Tiere bei Bedarf der Landwirtschaftlichen Schule Salez, wel-
che auf eine Gebühr verzichte, übergeben werden. Dies deutet darauf
hin, dass die Vorinstanz einen allfälligen Transport sowie die Unter-
bringung vorgängig mit dieser Fachinstitution abgeklärt hat. Wären
diesbezüglich Bedenken vorhanden gewesen, wäre diesem Vorgehen
kaum zugestimmt worden. Dass der Schopf entgegen der Ansicht des
Rekurrenten für eine Bewirtschaftung des Grundstücks Nr. 001 nicht
notwendig ist, wurde sodann bereits rechtskräftig entschieden (vgl.
VerwGE B 2017/189 vom 28. Februar 2019 Erw. 6.3.3). Inwiefern die
Bewirtschaftung des Grundstücks ohne Scheune gefährdet wäre, ist
folglich nicht ersichtlich und stellt eine reine Schutzbehauptung dar.
6.7 Im Gegensatz zur Ansicht des Rekurrenten bestehen vorliegend
folglich – wie aufgezeigt – gewichtige öffentliche Interessen am Erlass
eines Nutzungsverbots in Bezug auf den Weidstall (Vers.-Nr. 002). Der
Erlass eines Nutzungsverbots während der Dauer des vorliegenden
Verfahrens bzw. bis zum Abbruch des Weidstalls erweist sich als an-
gezeigt und verhältnismässig. Die Politische Gemeinde X._ über-
wacht die Einhaltung des Nutzungsverbots. Auf den Erlass eines Nut-
zungsverbots für die fraglichen Anlagen kann verzichtet werden.
7.
Nach Art. 106 Abs. 1 VRP kann die Behörde die für den Fall des Un-
gehorsams gesetzlich vorgesehene Strafe androhen. Enthält der Er-
lass keine Strafbestimmung, so kann die in Art. 292 StGB vorgese-
hene Strafe angedroht werden (Art. 106 Abs. 2 VRP). Allerdings
kommt Art. 292 StGB nur subsidiär dort zur Anwendung, wo keine an-
dere Bestimmung des (Neben-)Strafrechts oder des kantonalen Straf-
rechts den entsprechenden Ungehorsam als solchen mit Strafe be-
droht (RIEDO/BOHNER, Basler Kommentar II zum Strafrecht, StGB II,
Art. 111-392, 2. Aufl., Basel 2007, N 28a zu Art. 292). Der im Raum
stehende Ungehorsam gegen ein von der Rechtsmittelinstanz verfüg-
tes Nutzungsverbot wird durch keine andere strafrechtliche Bestim-
mung mit Strafe bedroht. Die Anwendung von Art. 292 StGB ist dem-
nach zulässig und dem Rekurrenten eine entsprechende Strafe bei
Missachtung des Nutzungsverbots anzudrohen.
8.
Gemäss Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 VRP hat die Be-
schwerde grundsätzlich aufschiebende Wirkung. Während nach der
früheren Fassung von Art. 51 Abs. 1 VRP für den Entzug der aufschie-
benden Wirkung Gefahr im Verzug erforderlich war, was nach der Pra-
xis eine unmittelbare und schwere Gefährdung wichtiger öffentlicher
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 18/20
Interessen, die sich mit erheblicher Überzeugungskraft zeigt, voraus-
setzte (GVP 1997 Nr. 74), genügt nach geltendem Recht ein wichtiger
Grund. Als wichtiger Grund gilt insbesondere ein öffentliches Inte-
resse, das den sofortigen Vollzug einer Verfügung erfordert. Der Ent-
scheid über die aufschiebende Wirkung erfordert im Rahmen der Ver-
hältnismässigkeitsprüfung eine Interessenabwägung (Botschaft der
Regierung vom 28. Februar 2006 zum V. Nachtrag zum Gesetz über
die Verwaltungsrechtspflege, ABl 2006, 837; vgl. auch BDE
Nr. 75/2020 vom 14. August 2020 Erw. 6 mit Hinweis).
An der Einhaltung und Durchsetzung der Rechtsordnung besteht wie
dargelegt ein gewichtiges öffentliches Interesse. Bei einem Weiterzug
dieses Entscheids würden ausserdem weitere Monate vergehen, bis
eine rechtskräftige Beurteilung des Nutzungsverbots vorliegt. Weiter
liegt wie ausgeführt keine rechtskräftige Baubewilligung vor, auf die
sich die Weiternutzung des Weidstalls (Vers.-Nr. 002) stützen könnte.
Im Gegenteil nutzt der Rekurrent diesen offenbar trotz des entgegen-
stehenden Urteils des Bundesgerichtes weiter für die Bienenhaltung
und Lagerung von Gerätschaften. Im Interesse der Einhaltung des kor-
rekten Verfahrensablaufs, der Rechtssicherheit und der Gleichbe-
handlung aller Baugesuchsteller ist es deshalb gerechtfertigt, einer all-
fälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen. Die
diesbezüglichen privaten Interessen des Rekurrenten vermögen daran
nichts zu ändern und verdienen keinen Schutz.
9.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Anordnung der Ersatzvor-
nahme verhältnismässig ist und der Rekurs diesbezüglich abzuweisen
ist. Zudem ist der Erlass eines Nutzungsverbots für den Weidstall
(Vers.-Nr. 002) angezeigt. Der Rekurs erweist sich hingegen insoweit
als begründet, als die vom Gemeinderat X._ verfügte Gebühr zu re-
duzieren ist. Der Rekurs ist folglich im Sinn der Erwägungen gutzu-
heissen, im Übrigen aber abzuweisen.
10.
10.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Soweit die Verfügung der Vorinstanz im Kostenpunkt auf-
gehoben bzw. angepasst wird, erscheint das teilweise Obsiegen des
Rekurrenten als untergeordnet. Es erscheint folglich gerechtfertigt, die
amtlichen Kosten zu vier Fünftel dem Rekurrenten und zu einem Fünf-
tel der Politischen Gemeinde X._ aufzuerlegen. Der Rekurrent be-
zahlt somit eine Entscheidgebühr von Fr. 2'400.–. Auf die Erhebung
des Anteils der Politischen Gemeinde X._ ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP).
10.2 Der vom Rekurrenten am 5. Oktober 2020 geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 1'800.– ist anzurechnen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 3/2021), Seite 19/20
11.
Der Rekurrent stellt ein Begehren um Ersatz der ausseramtlichen Kos-
ten.
11.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
11.2 Der Rekurrent obsiegt teilweise mit seinen Anträgen. Da das
Verfahren zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierig-
keiten bot, die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, be-
steht grundsätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung
(Art. 98bis VRP). Weil keine Kostennote vorliegt, ist die ausseramtliche
Entschädigung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 der
Honorarordnung (sGS 963.75; abgekürzt HonO) ermessensweise auf
Fr. 2'750.– festzulegen. Entsprechend der Verteilung der amtlichen
Kosten ist der Rekurrent folglich zu einem Fünftel bzw. im Umfang von
550.– von der Politischen Gemeinde X._ zu entschädigen.
Da kein begründeter Antrag um Zusprechung der Mehrwertsteuer ge-
stellt wurde, wird diese aufgrund des per 1. Januar 2019 geänderten
Art. 29 HonO nicht zum Honorar hinzugerechnet.