Decision ID: 3a0c1aa9-b809-576b-a67f-e15b98beefe8
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y., geboren 1973, wurde per 1. August 2009 von der Politischen Gemeinde X. als
Lehrer an der Oberstufe in einem Vollpensum angestellt (act. 8/28a/1). Von Mitte
Dezember 2014 bis 18. Februar 2015 verabreichte A.Y. einem Oberstufenschüler auf
dieselbe Weise insgesamt fünf- bis sechsmal ca. 20 bis 25 Schläge mit der flachen
Hand auf das Gesäss (act. 8/21 und 25). Am 22. Februar 2015 erstatteten die Eltern
des Schülers bei der Polizeistation Q. Strafanzeige (act. 8/11a/1). Mit Beschluss vom
28. Februar 2015 stellte der Schulrat X. A.Y. rückwirkend ab 27. Februar 2015 bis auf
Weiteres frei (act. 8/1). Mit Entscheid vom 10. März 2015 erteilte die Anklagekammer
die Ermächtigung zur Durchführung eines Strafverfahrens gegen A.Y. (act. 8/11a/8). Am
23. März 2015 verfasste der Schulpsychologische Dienst (SPD) einen Bericht über die
Begleitung von A.Y. durch die Kriseninterventionsgruppe (act. 8/2). Am 24. März 2015
kündigte A.Y. sein Arbeitsverhältnis ordentlich auf Ende Juni 2015. Am 25. März 2015
kündigte der Schulrat X. das Arbeitsverhältnis mit A.Y. fristlos (act. 8/3a/2 f.).
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B. Mit Zwischenverfügung vom 1. Mai 2015 eröffnete der Präsident des
Erziehungsrates ein Verfahren zur Prüfung des Ausschlusses der Wahlfähigkeit von
A.Y. Gleichzeitig suspendierte er A.Y. bis zum Abschluss des Verfahrens vorsorglich
von der Unterrichtstätigkeit an der St. Galler Volksschule (act. 8/10). Mit Strafbefehl des
Untersuchungsamtes Q. vom 6. Mai 2015 wurde A.Y. wegen Verletzung der Fürsorge-
oder Erziehungspflicht mit einer bedingten Geldstrafe und einer Busse bestraft (act.
8/12). Mit Zwischenverfügung vom 26. Juni 2015 sistierte das verfahrensleitende
Bildungsdepartement das Verfahren zur Prüfung der Wahlfähigkeit vor dem
Erziehungsrat (act. 8/16). Am 31. Juli 2015 wurde das Arbeitsverhältnis von A.Y. und
der Politischen Gemeinde X. einvernehmlich aufgelöst (act. 8/28a/1). Mit Entscheid des
Kreisgerichts B. vom 18. September 2015 wurde der Strafbefehl vom 6. Mai 2015
aufgehoben und der Fall zur Durchführung eines neuen Vorverfahrens an die
Staatsanwaltschaft zurückgewiesen (act. 8/20a/1).
C. Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes Q. vom 18. November 2015 wurde A.Y.
wegen mehrfachen Amtsmissbrauchs und mehrfacher Tätlichkeiten mit einer bedingten
Geldstrafe und einer Busse bestraft (act. 8/21). Mit Entscheid vom 23. März 2016
sprach das Kreisgericht B. A.Y. wegen mehrfacher Tätlichkeiten sowie mehrfachen
Amtsmissbrauchs schuldig und reduzierte die mit Strafbefehl vom 18. November 2015
ausgefällte bedingte Geldstrafe und Busse (act. 8/25). Am 10. Mai 2016 hob das
verfahrensleitende Bildungsdepartement die Sistierung des Verfahrens zur Prüfung des
Ausschlusses der Wahlfähigkeit resp. eines Berufsverbotes auf (act. 8/26). Mit E-Mail
vom 20. Mai 2016 forderte es den Rechtsvertreter von A.Y. auf, zum Stand der
psychologischen Betreuung von A.Y. Stellung zu nehmen und allfällige Berichte der
behandelnden Therapeuten einzureichen (act. 8/27). Mit Stellungnahme vom
25. Mai 2016 teilte A.Y. mit, dass er seit April 2015 bei dipl. psych. FH K. (recte: E.) R.,
S. AG, in psychologischer Beratung und seit Herbst 2015 als Berater beim F. tätig sei
und in nächster Zeit nicht wieder voll in den Lehrerberuf einsteigen werde. Er habe den
Ausschluss der Wahlfähigkeit als Sofortmassnahme akzeptiert, da seine Eignung für
die Lehrtätigkeit zumindest vorübergehend nicht mehr bestanden habe. In der
Zwischenzeit sei er in seiner Persönlichkeit soweit gestärkt und gefestigt, dass er als
wahlfähig bezeichnet werden könne (act. 8/28, www. ... .ch). Am 15. Juni 2016
verfügte der Erziehungsrat ein Berufsverbot gegen A.Y. Auch ordnete er an, das
Berufsverbot den Trägern der öffentlichen Volksschule des Kantons St. Gallen und dem
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Generalsekretariat der Schweizerischen Konferenz der kantonalen
Erziehungsdirektoren zu melden (act. 2).
D. Gegen die Verfügung des Erziehungsrates (Vorinstanz) vom 15. Juni 2016 (versandt
am 21. Juni 2016) erhob A.Y. (Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter am 6.
Juli 2016 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren (act. 1), es
sei die angefochtene Verfügung unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben
(Ziff. 1 und 3). Es sei seine Wahlfähigkeit festzustellen (Ziff. 2). Am 16. August 2016
ergänzte er die Beschwerde mit einer Begründung (act. 5). Mit Vernehmlassung vom
30. August 2016 beantragte die Vorinstanz, es sei die Beschwerde unter Kostenfolge
abzuweisen (act. 7).
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge
und die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 125 des
Volksschulgesetzes, sGS 213.1, VSG, in Verbindung mit Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Ob Art. 41 Ingress und lit. a
Ziff. 1 VRP (Fassung vom 31. Januar 2017, nGS 2017-032, seit 1. Juni 2017 in Kraft)
auf erstinstanzliche Verfügungen des Erziehungsrates, welcher dem
Bildungsdepartement übergeordnet ist (vgl. H. Plotke, Schweizerisches Schulrecht,
2. Aufl. 2003, S. 326 f. Kap. 14.142), anwendbar ist, kann vorliegend – die Beschwerde
wurde am 6. Juli 2016 (act. 1) und damit vor Inkrafttreten des neu eingefügten Art.
41 VRP eingereicht – offen bleiben, da diese Bestimmung übergangsrechtlich
nicht zu beachten ist (vgl. hierzu VerwGE K 2015/6 vom 15. August 2017 E. 1.1,
allerdings in Bezug auf eine personalrechtliche Klage, angefochten beim
Bundesgericht, Verfahren 8C_649/2017). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des
Rechtsmittels berechtigt (Art. 125 VSG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 45
Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 6. Juli 2016 (act. 1) erfolgte rechtzeitig und
erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 16. August 2016 (act. 5) formell und inhaltlich
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die gesetzlichen Anforderungen (Art. 125 VSG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 47
Abs. 1 sowie Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist somit grundsätzlich
einzutreten. Nicht einzutreten ist auf das Feststellungsbegehren des
Beschwerdeführers (Antrag Ziff. 2). Seine Interessen werden dadurch gewahrt, dass
nachfolgend – im Rahmen eines gestaltenden Verwaltungsgerichtsentscheides – der
angeordnete Ausschluss seiner Wahlfähigkeit resp. das angeordnete Berufsverbot
überprüft wird. Damit fehlt es ihm an dem für einen Feststellungsentscheid
notwendigen schutzwürdigen Interesse (vgl. zur Subsidiarität des
Feststellungsanspruchs VerwGE B 2015/37 vom 27. September 2016 E. 1 mit
Hinweisen auf VerwGE B 2014/41-45 vom 25. August 2015 E. 1.3 mit Hinweisen und
VerwGE B 2011/177 vom 29. August 2012 E. 2.5.1, www.gerichte.sg.ch).
2. Soweit sich der Ausschluss der Wahlfähigkeit bzw. das Berufsverbot mitsamt
entsprechender Meldung an die Schulträger auf die Tätigkeit des Beschwerdeführers
an staatlichen Schulen bezieht, kann er sich nicht auf die von Art. 27 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) geschützte
Wirtschaftsfreiheit, welche die freie Wahl des Berufs sowie den freien Zugang zu einer
privatwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit und deren freie Ausübung umfasst, berufen. Das
Grundrecht schützt ihn aber, weil sich das Verbot faktisch erschwerend auf die
Betätigung im privaten (Bildungs-)Sektor auswirken kann, wobei der Eingriff in die
Wirtschaftsfreiheit nicht als schwer zu werten ist (vgl. BGer 2C_165/2011 vom 24. Juni
2011 E. 3.4 mit Hinweis auf BGE 130 I 26 E. 4.1, siehe auch BGE 140 II 112 E. 3.1.1
und BGE 103 Ia 394 E. 2c je mit Hinweisen). Darüber hinaus ist er in seiner
persönlichen Freiheit gemäss Art. 10 Abs. 2 BV betroffen. Einschränkungen bedürfen
gemäss Art. 36 BV einer gesetzlichen Grundlage (Abs. 1, vgl. E. 3 hiernach), müssen
durch ein öffentliches Interesse oder den Schutz von Grundrechten Dritter
gerechtfertigt (Abs. 2, vgl. E. 4 hiernach) und verhältnismässig sein (Abs. 3, vgl. E. 5
hiernach).
3. Die vorliegend strittigen Administrativmassnahmen stützen sich auf Art. 61 VSG.
Diese Bestimmung wurde mit dem XVI. Nachtrag zum VSG vom 18. November 2014
auf Antrag der vorberatenden Kommission vom 13. August 2014 geändert (nGS
2015-057). Diese Änderung trat am 1. August 2015 und damit nach Einleitung des
vorinstanzlichen Verfahrens am 1. Mai 2015 in Kraft (vgl. 8/10). Art. 61 Abs. 1 VSG in
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der bis am 31. Juli 2015 geltenden Fassung vom 22. Juni 1995 (nGS 30-71) lautet: Der
Erziehungsrat kann die Wahlfähigkeit durch Vermerk im Lehrdiplom ausschliessen,
wenn die Eignung für die Lehrtätigkeit fehlt. Im Weiteren bestimmt Art. 61 Abs. 3 VSG
in der Fassung vom 18. Juni 1998 (nGS 33-57), dass die zuständige Stelle des Staats
Vermerk und Bereinigung den Schulräten des Kantons St. Gallen und den zuständigen
Stellen der Kantone, die das Lehrdiplom durch Vereinbarung anerkennen, melden
kann. Demgegenüber verfügt der Erziehungsrat nach Art. 61 VSG in der ab 1. August
2015 geltenden Fassung (nGS 2015-057) ein Berufsverbot, wenn die Eignung für die
Lehrtätigkeit fehlt (Abs. 1). Die zuständige Stelle des Staates meldet Verbot und
Aufhebung den Schulräten des Kantons St. Gallen und den zuständigen Stellen der
Kantone, die das Lehrdiplom durch Vereinbarung anerkennen (Abs. 3). Entgegen der
Darstellung in den parlamentarischen Beratungen (vgl. Protokoll der Sitzung der
vorberatenden Kommission vom 13. August 2014, S. 5 Votum Raschle, sowie Voten
Baumgartner an der Session des Kantonsrates vom 4. Juni 2014, 08:33 Uhr, und
15. September 2014, 14:52 Uhr, www.ratsinfo.sg.ch) handelt es sich danach nicht
ausschliesslich um redaktionelle Anpassungen. Vielmehr räumt Art. 61 Abs. 1 und 3
VSG in der ab 1. August 2015 geltenden Fassung dem Erziehungsrat keinen
Ermessensspielraum mehr ein (vgl. zur altrechtlichen „Kann-Bestimmung“ VerwGE
B 2005/37 vom 25. Oktober 2005 und VerwGE B 2004/37 vom 14. September 2004 je
E. 3a, www.gerichte.sg.ch). Damit stellt sich die Frage, welche Fassung von
Art. 61 VSG in intertemporalrechtlicher Hinsicht vorliegend Anwendung findet. Hierzu
lässt sich dem VSG und der zugehörigen Verordnung über den Volksschulunterricht
(sGS 213.12, VVU) nichts entnehmen. Auch aus Art. 125 VSG in Verbindung mit
Art. 19 VRP lässt sich diesbezüglich nichts ableiten (vgl. hierzu Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 637). Nach der
bundesgerichtlichen Praxis ist die Rechtmässigkeit von Verwaltungsakten (mangels
einer anderslautenden übergangsrechtlichen Regelung) grundsätzlich nach der
Rechtslage im Zeitpunkt ihres Ergehens zur beurteilen (vgl. BGE 139 II 243 E. 11.1 mit
Hinweisen). Inwiefern zwingende Gründe bestehen, welche gegen die Anwendung der
im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids am 15. Juni 2016 geltende Fassung von
Art. 61 VSG sprechen würden, ist nicht ersichtlich und wird von den Parteien auch
nicht dargetan. Demzufolge bestimmt sich vorliegend nach Art. 61 VSG in der ab 1.
August 2015 geltenden Fassung, ob gegen den Beschwerdeführer ein Berufsverbot zu
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verfügen ist und die Schulträger entsprechend darüber zu informieren sind (vgl. hierzu
auch Art. 12 der Interkantonalen Vereinbarung über die Anerkennung von
Ausbildungsabschlüssen, Diplomanerkennungsvereinbarung; sGS 230.31). Nicht
umstritten ist, dass diese Norm hinreichend und angemessen bestimmt ist (vgl. hierzu
BGer 2C_889/2013 vom 20. Oktober 2014 E. 6 mit Hinweisen). Ebenfalls unbestritten
ist die Vereinbarkeit von Art. 61 VSG mit dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der
Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 3 BV, vgl. hierzu den nicht
veröffentlichten Entscheid des Präsidenten des Verwaltungsgerichts B 2016/159 vom
26. September 2016 E. 2.4.5).
4. Aus dem verfassungsrechtlich gewährleisteten Schutz der Kinder und Jugendlichen
(Art. 11 Abs. 1 BV und Art. 2 Ingress und lit. e der Verfassung des Kantons St. Gallen,
sGS 111.1, KV) ergibt sich die Verpflichtung der an der Schule beteiligten Personen
(Lehrer, administratives und technisches Personal, Mitschüler), die Persönlichkeit jedes
einzelnen Schülers, insbesondere dessen körperliche, geistige und seelische Integrität,
zu respektieren. Der Heranwachsende hat das Recht, dass er seine Persönlichkeit frei
und in menschenwürdiger Weise entfalten kann und dass seine Privatsphäre gewahrt
bleibt (vgl. Plotke, a.a.O., S. 395 Kap. 15.325). Der Schutz der Grundrechte von
Schülerinnen und Schülernkann die Anordnung eines Berufsverbots und dessen
Mitteilung an die für eine Anstellung zuständigen Behörden rechtfertigen. Darüber
hinaus besteht ein öffentliches Interesse, die Vertrauenswürdigkeit der öffentlichen
Schule nicht zu untergraben, indem Lehrpersonen an der Volksschule unterrichten
dürfen, welche für die Lehrtätigkeit in körperlicher, seelischer und charakterlicher
Hinsicht nicht (mehr) geeignet sind (vgl. hierzu E. 5.2.1 hiernach).
5. Das Gebot der Verhältnismässigkeit gemäss Art. 36 Abs. 3 BV verlangt, dass eine
behördliche Massnahme für das Erreichen des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels
geeignet und erforderlich ist und sich für die Betroffenen in Anbetracht der Schwere
der Grundrechtseinschränkung als zumutbar erweist (vernünftige Zweck-Mittel-
Relation, vgl. BGE 143 I 147 E. 3.1). Eine Massnahme ist unverhältnismässig, wenn das
Ziel mit einem weniger schweren Grundrechtseingriff erreicht werden kann (vgl. BGE
132 I 49 E. 7.2 mit Hinweisen).
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5.1. Vorweg ist festzuhalten, dass der Umstand, dass die Strafbehörden kein
Tätigkeitsverbot (Art. 67 ff. des Schweizerischen Strafgesetzbuches, SR 311.0, StGB)
gegen den Beschwerdeführer verhängt haben, die Vorinstanz nicht daran hinderte, ihm
gegenüber als Administrativmassnahme ein Berufsverbot zu verfügen (vgl. BGE 101 Ia
172 E. 2). Überdies sind sich die Parteien vorliegend darin einig, dass ein Berufsverbot
und die entsprechende Meldung an die Schulträger grundsätzlich eine geeignete
Massnahme darstellt, die Grundrechte von Schülerinnen und Schülern sowiedie
Vertrauenswürdigkeit der öffentlichen Schule zu schützen. Der Beschwerdeführer
wurde wegen Straftaten verurteilt (act. 8/21 und 25), welche er in Ausübung seiner
Lehrtätigkeit begangen hat und welche sich gegen die körperliche, geistige und
seelische Integrität der Schülerinnen und Schülern richten. Er hat darauf verzichtet,
gegen den Strafentscheid vom 23. März 2016 ein Rechtsmittel einzulegen.
5.2. Der Beschwerdeführer rügt, ein Berufsverbot sei nicht erforderlich. Er habe sich in
der Zwischenzeit soweit in seiner Persönlichkeit gestärkt und gefestigt, dass er für die
Lehrtätigkeit geeignet sei. Als mildere Massnahme sei gemäss dem Bericht des SPD
vom 25. März 2015 eine Begleitung in Form eines Coachings, unter Umständen unter
Androhung eines Berufsverbotes, geeignet und ausreichend. Die Vorinstanz sei bei der
Beurteilung seiner Eignung zur Lehrtätigkeit resp. der Erforderlichkeit der Massnahmen
von falschen Tatsachen ausgegangen, habe den Untersuchungsgrundsatz verletzt und
die vorliegenden Beweise willkürlich gewürdigt (act. 1, S. 2 Ziff. III/2 f., act. 5, S. 2-9
Ziff. III/2 f., Rz. 2-25).
5.2.1. Das Gesetz umschreibt den Begriff der Eignung für die Lehrtätigkeit nicht weiter.
Die Eignung misst sich einerseits an der Lehr- und Erziehungspflicht gemäss Art. 76
Abs. 1 VSG, wonach die Lehrperson unter anderem durch ihre Tätigkeit und durch ihr
Vorbild die Erfüllung des Erziehungs- und Bildungsauftrags, wie er in Konkretisierung
von Art. 10 KV in Art. 3 VSG umschrieben ist, zu fördern hat (vgl. hierzu GVP 2005 Nr.
92) und anderseits am verfassungsmässigen Anspruch von Kindern und Jugendlichen
(vgl. Art. 11 Abs. 1 BV und Art. 2 Ingress und lit. e KV) auf besonderen Schutz ihrer
Unversehrtheit und auf Förderung ihrer Entwicklung (vgl. VerwGE B 2005/37 vom 25.
Oktober 2005 E. 3b mit Hinweisen, insbesondere auf VerwGE B 2004/37 vom 14.
September 2004 E. 3b und BGE 101 Ia 172 E. 5, a.a.O., siehe auch BVR 2015/11, S.
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491 ff. E. 5.2 mit Hinweis auf BVR 2011, S. 433 ff. E. 3.2 und 4.1, sowie BVR 1995, S.
96 ff. E. 3b und 5a).
Unrichtig ist ein Sachverhalt festgestellt, wenn aus den vorhandenen Beweismaterialien
unrichtige Schlüsse gezogen werden, insbesondere indem der Sachverhalt falsch oder
aktenwidrig festgestellt wird oder indem Beweise unrichtig gewürdigt werden.
Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn entscheidrelevante Umstände
nicht oder nicht ausreichend abgeklärt wurden (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 587 f.).
Bereits im erstinstanzlichen Verwaltungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz
(Art. 12 Abs. 1 VRP) lediglich beschränkt. Nach Art. 12 Abs. 2 VRP sind nur die von den
Beteiligten angebotenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche
Tatsachen aufzunehmen, wenn zur Wahrung des öffentlichen Interesses keine
besonderen Erhebungen nötig sind (vgl. VerwGE B 2015/309 vom 26. April 2017 E. 4.3
mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die
Mitwirkungspflicht der Parteien relativiert. Kann von den Privaten nach den Umständen
eine Handlung oder eine Äusserung erwartet werden und bleibt eine solche aus, so
haben die Behörden nicht nach Tatsachen zu forschen, die nicht aktenkundig sind.
Eine Mitwirkungspflicht besteht insbesondere für die Beschaffung von Unterlagen,
welche nur die Parteien liefern können, und für die Abklärung von Tatsachen, welche
eine Partei besser kennt als die Behörde (vgl. VerwGE B 2013/172 vom 19.
August 2014 E. 2.1 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
Sowohl das nicht streitige als auch das streitige Verwaltungsverfahren ist vom
Grundsatz der freien Beweiswürdigung beherrscht (Art. 21 Abs. 3 VRP), wonach die
Bewertung der einzelnen Beweise nicht starren Regeln folgt. Die Gewichtung der
einzelnen Beweismittel soll sich aus der inneren Qualität, d.h. aus der anzunehmenden
Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, ergeben und nicht durch äussere Eigenart. Mit
Bezug auf Gutachten bedeutet dies, dass die Behörde auch an deren Ergebnisse
grundsätzlich nicht gebunden ist. Allerdings muss sie praxisgemäss triftige Gründe im
Sinne von gewichtigen, zuverlässig begründeten Tatsachen oder Indizien anführen,
welche die Überzeugungskraft des Gutachtens ernsthaft erschüttern, um davon
abzuweichen. Darunter fallen etwa innere Widersprüche, offensichtliche
Lückenhaftigkeit oder irrtümliche tatsächliche Feststellungen. Widrigenfalls wäre die
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vorgenommene Beweiswürdigung willkürlich (vgl. VerwGE B 2016/7 vom 28. Juni 2016
E. 5.2 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
5.2.2. Der Beschwerdeführer hat die Zwischenverfügung der Vorinstanz vom 1. Mai
2015, mittels welcher er wegen seiner Tätlichkeiten vorsorglich von der
Unterrichtstätigkeit an der St. Galler Volksschule suspendiert wurde (act. 8/10), nicht
angefochten. Auch hat er in seiner Stellungnahme vom 25. Mai 2016 (act. 8/28, S. 2
Ziff. 4) eingestanden, dass seine Eignung für die Lehrtätigkeit zumindest
vorübergehend nicht mehr bestanden hat. Insofern hat er anerkannt, dass er mit
seinem Verhalten gegen seine Vorbildfunktion als Pädagoge verstossen und eine
persönliche Neigung zur Grenzüberschreitung offenbart hat, welche mit seiner
Lehrtätigkeit nicht vereinbar ist. Inwiefern die Vorinstanz in Erwägung 5 des
angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 7 ff.) insoweit von falschen Tatsachen
ausgegangen sein, den Untersuchungsgrundsatz verletzt und die vorliegenden
Beweise willkürlich gewürdigt haben soll, ist nicht erkennbar. Offen bleiben kann bei
dieser Ausgangslage, ob der Beschwerdeführer den Schüler, unbesehen der von ihm
geltend gemachten starken Überbelastung, nicht im Affekt systematisch über mehrere
Monate hinweg körperlich gezüchtigt hat (vgl. act. 5, S. 5 f. Rz. 11) und er bereits zuvor
Schüler geschlagen hat (vgl. act. 11a/6, S. 4 Frage 16). Zu prüfen ist, ob dem
Beschwerdeführer die Eignung für die Lehrtätigkeit nach wie vor abgeht.
Bejahendenfalls ist zu untersuchen, ob eine mildere Massnahme als ein Berufsverbot
zur Verfügung steht.
Im Bericht des SPD vom 23. März 2015 (act. 8/2) wird festgestellt, dass die Gespräche
mit dem Beschwerdeführer deutlich zeigten, dass er sich auf den Weg mache,
Hinweise und Anregungen offen annehme und ein Reflexionsprozess in Gang komme.
Auch wird ihm darin attestiert, dass er vollumfänglich zu seinem Fehlverhalten stehe
und sich auf einen konstruktiven Prozess eingelassen habe. Er sei gewillt, sich mit
seinem Verhalten auseinanderzusetzen, externe fachliche Hilfe anzunehmen und sich
mit seiner beruflichen Zukunft zu befassen. Es sei sich bewusst, „dass noch ein
ordentliches Stück Weg vor ihm liege.“ Aus diesen Feststellungen des SPD lässt sich
nicht schliessen, dass die Eignung für die Lehrtätigkeit des Beschwerdeführers
aufgrund der Begleitung durch den SPD wiederhergestellt worden wäre. Vielmehr muss
gestützt auf die Feststellungen im Bericht davon ausgegangen werden, dass der
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Beschwerdeführer dafür weiterer fachlicher Unterstützung bedarf. Der Bericht schliesst
mit folgender Einschätzung: „Aus unserer Sicht sind die Konsequenzen der
Strafanzeige und die fristlose Kündigung eine deutliche Reaktion auf sein
Fehlverhalten. Wir sind jedoch der Meinung, dass Herr A.Y. die Chance erhalten soll, in
seinem Beruf einen Neuanfang machen zu können. Eine entsprechende Begleitung in
Form eines Coachings, unabhängig der selbständig aufgegleisten psychologischen
Betreuung, wäre sicher angezeigt.“ Diese Einschätzung des SPD muss dahin
verstanden werden, dass dem Beschwerdeführer die Eignung der Lehrtätigkeit unter
Auflagen (Anordnung eines Coachings) wieder zuerkannt werden könnte. Der SPD lässt
dabei allerdings ausser Acht, dass die Eignung für die Lehrtätigkeit unteilbar ist und
sich nicht von Bedingungen abhängig machen oder durch Auflagen flankieren lässt. Sie
ist entweder zu bejahen oder zu verneinen (vgl. GVP 2005 Nr. 92 Erwägung 5b). Ohne
ein entsprechendes Coaching geht dem Beschwerdeführer somit auch nach Meinung
des SPD die Eignung zur Lehrtätigkeit ab, selbst wenn ihm ein positives
Nachtatverhalten sowie Einsicht und Reue zugutezuhalten ist und er sich freiwillig einer
psychologischen Behandlung unterzogen hat. Für die Vorinstanz bestand vor diesen
Hintergrund kein Anlass, ein Gutachten zu einer allfälligen Wiederholungsgefahr
einzuholen und die behandelnde Psychologin über die Eignung zur Lehrtätigkeit zu
befragen. Sodann tut bei diesem Ergebnis nichts zur Sache, ob die Beweiskraft des
Berichts des SPD dadurch gemindert wurde, dass er bereits ein Jahr vor dem
Strafurteil vom 23. März 2016 (act. 8/25) verfasst wurde. Im Weiteren hat es der
Beschwerdeführer – trotz entsprechender Aufforderung der Vorinstanz vom
20. Mai 2016 (act. 8/27) – im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht, auch im
Beschwerdeverfahren, unterlassen, einen Bericht seiner Psychologin einzureichen,
obgleich dies von ihm angesichts seiner Beteuerungen betreffend Wiederherstellung
der Eignung für die Lehrtätigkeit ohne Weiteres hätte erwartet werden können. Aus der
von ihm ins Feld geführten Geheimhaltungspflicht seiner Psychologin (act. 5, S. 15 Rz.
8) kann er nichts zu seinen Gunsten ableiten. Mit seiner Einwilligung wäre seine
Psychologin nicht an das Berufsgeheimnis gebunden gewesen (vgl. hierzu Art. 321 Ziff.
1 Satz 1 und Ziff. 2 StGB sowie Aebi-Müller/Fellmann/Gächter/Rütsche/Tag, Arztrecht,
Bern 2016, § 9 Rz. 82 f.). Unter diesen Umständen ist der Schluss der Vorinstanz in
Erwägung 5b des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 7 ff.) nicht zu beanstanden,
wonach die Eignung für die Lehrtätigkeit des Beschwerdeführers erst wiederhergestellt
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sein wird, wenn dessen psychologische Behandlung (erfolgreich) abgeschlossen
werden kann. Ihr kann weder eine unrichtige oder unvollständige Feststellung des
Sachverhalts, eine Verletzung der Untersuchungsmaxime noch eine willkürliche
Beweiswürdigung vorgeworfen werden. Zum Schutz der Grundrechte der Schülerinnen
und Schüler und im Interesse an der Vertrauenswürdigkeit der öffentlichen Schule
erscheint es weiterhin erforderlich, ein Berufsverbot anzuordnen und die Schulträger
entsprechend darüber zu informieren. Ohne psychologische Betreuung kann nach wie
vor nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer die Schüler und
Schülerinnen bei Überbelastung mittels Schlägen zurechtweist. Daran ändert nichts,
dass sich der Beschwerdeführer, seit er als Berater tätig ist, nach eigenen Angaben
nicht mehr in einer konstanten überlastungs- und überforderungssituation befindet und
sich an seinem neuen Arbeitsort in Z. offenbar keine neuen Tätlichkeiten gegenüber
Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat zuschulden kommen lassen. Eine mildere
Massnahme als ein Berufsverbot steht nach dem Gesagten nicht zur Verfügung.
5.3. Der Beschwerdeführer hält weiter dafür (act. 5, S. 8 f. Rz. 20-26), ein Berufsverbot
sei nicht zumutbar resp. verhältnismässig im engeren Sinn.
Dem Beschwerdeführer droht mit der Massnahme der Verlust der
Verdienstmöglichkeiten als Lehrer und der mit der Ausübung seines Berufs
verbundenen ideellen Werte (Anerkennung, soziale Kontakte in der Schule etc.). Diese
Interessen an der Ausübung seines angestammten Berufs werden indessen insoweit
relativiert, als der Beschwerdeführer seit Herbst 2015 eine Karriere als Berater
aufgenommen hat und eigenen Angaben zufolge in nächster Zeit nicht wieder voll in
den Lehrerberuf einsteigen möchte (vgl. act. 8/28, S. 2 Ziff. 3, act. 5, S. 8 Rz. 22). Auch
ist es ihm unbenommen, ein Gesuch um Aufhebung des – unbefristeten –
Berufsverbots einzureichen, sobald sich die Verhältnisse wesentlich geändert haben
(vgl. hierzu Art. 61 Abs. 2 VSG und E. 5b des angefochtenen Entscheids, act. 2, S. 7-9).
Unter diesen Umständen vermögen die privaten Interessen des Beschwerdeführers die
gewichtigen privaten Interessen am Schutz der Grundrechte der Schülerinnen und
Schülern sowie das öffentliche Interesse am Vertrauen in die öffentliche Schule nicht
aufzuwiegen, selbst wenn die Lehrtätigkeit des Beschwerdeführers bis Mitte
Dezember 2014 zu keinen Beanstandungen Anlass gegeben hat. Das Berufsverbot ist
verhältnismässig. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Beschwerdeführer die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2‘000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12, GKV). Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von CHF 1‘500 ist
anzurechnen. Der Beschwerdeführer hat für das Beschwerdeverfahren noch CHF 500
zu bezahlen.
Nachdem der Beschwerdeführer mit seinen Anträgen nicht durchgedrungen ist, hat er
keinen Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung (Art. 98 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 98 VRP). Der Vorinstanz steht kein Kostenersatz zu (vgl. VerwGE B 2015/162
vom 26. Oktober 2016 unter www.gerichte.sg.ch nicht veröffentlichte E. 4 sowie
VerwGE B 2014/165 vom 28. Mai 2015 unter www.gerichte.sg.ch nicht veröffentlichte
E. 5 mit Hinweis auf R. HIRT, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St. Gallen 2004, S. 176 ff., siehe auch VerwGE
B 2012/271 vom 12. Juni 2013 ebenfalls unveröffentlichte E. 7).