Decision ID: 7e526673-805e-5698-87a8-d183d34987e3
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte zusammen mit ihrem C._ und den
gemeinsamen Kindern (Beschwerdeverfahren D-37/2020) am 8. Novem-
ber 2015 im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM
in D._ um Asyl nach. Am 14. Dezember 2015 wurde sie zur Person,
zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befra-
gung zur Person, BzP). Am 24. August 2016 wurde ihr jüngstes Kind
E._ (ebenfalls Beschwerdeverfahren D-37/2020) geboren und in
das Verfahren miteinbezogen. Am 18. August 2017 hörte das SEM die Be-
schwerdeführerin einlässlich zu den Asylgründen an (Anhörung). Weil die
Beschwerdeführerin vor der Rückübersetzung des Anhörungsprotokolls
bewusstlos wurde und mit der Ambulanz ins Krankenhaus gebracht wer-
den musste, wurde für die Rückübersetzung des Protokolls ein neuer Ter-
min am 25. August 2017 angesetzt. Da die Beschwerdeführerin anlässlich
der Rückübersetzung erstmals vorbrachte, sie sei als Minderjährige gegen
ihren Willen verheiratet und von ihrem Ehemann beziehungsweise dessen
Familie schlecht behandelt worden (vgl. nachfolgend Sachverhalt B),
wurde sie zu diesen Umständen am 5. Oktober 2018 ergänzend angehört
(ergänzende Anhörung).
B.
Anlässlich ihrer Befragungen machte die Beschwerdeführerin im Wesent-
lichen geltend, dass sie afghanische Staatsangehörige tadschikischer Eth-
nie und im Dorf F._ (Bezirk G._, Provinz H._) aufge-
wachsen sei. Sie habe dort mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und zwei Brü-
dern gewohnt. Man habe ihr nicht erlaubt, zur Schule zu gehen. Im Alter
von neun oder zehn Jahren habe sie ihren Vater verloren. Nach dessen
Tod seien die Lebensbedingungen für sie und ihre Familie sehr schwierig
geworden. Im Alter von 14 Jahren sei sie gegen ihren Willen mit ihrem jet-
zigen Ehemann verheiratet worden. Sie sei nach der religiösen Trauung
mit ihrem Ehemann zu dessen Familie gezogen, wo sie kritisiert und tyran-
nisiert worden sei. Ihr Ehemann habe sie geschlagen und misshandelt.
Wegen eines Überfalls und der schlechten Sicherheitslage in Afghanistan
sei sie im September 2015 zusammen mit ihrem Ehemann und den Kin-
dern erst nach I._ und dann über Pakistan nach Europa gereist.
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C.
Am 12. Oktober 2018 meldete die Vorinstanz die von der Beschwerdefüh-
rerin geltend gemachte Minderjährigen- und Zwangsheirat der Staatsan-
waltschaft des Kantons J._, welche am 24. Juni 2019 verfügte,
dass kein strafrechtliches Verfahren an die Hand genommen und keine E-
heungültigkeitsklage erhoben werde.
D.
Am 2. Juli 2019 mandatierte die Beschwerdeführerin eine Rechtsvertrete-
rin der (...).
E.
Am 27. August 2019 wurde die Beschwerdeführerin anlässlich einer weite-
ren Befragung im Beisein ihrer Rechtsvertreterin über die Möglichkeit in-
formiert, die von ihr zuvor geltend gemachte Minderjährigen- und Zwangs-
heirat als Asylgrund geltend zu machen. Die Vorinstanz gewährte der Be-
schwerdeführerin eine Frist von drei Monaten, um über das weitere Vorge-
hen zu entscheiden.
F.
Mit Schreiben vom 17. Oktober 2019 legte die Rechtsvertreterin der Be-
schwerdeführerin das Mandat nieder.
G.
Mit Schreiben vom 23. November 2019 teilte die Beschwerdeführerin der
Vorinstanz mit, sie könne sich nicht von ihrem Ehemann trennen.
H.
Mit Verfügung vom 28. November 2019 – eröffnet am 2. Dezember 2019 –
stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab und wies sie aus der Schweiz weg.
Den Vollzug der Wegweisung erachtete es dagegen als unzumutbar, wes-
halb es eine vorläufige Aufnahme verfügte.
I.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 3. Januar 2020 erhob die Be-
schwerdeführerin gegen die vorinstanzliche Verfügung Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht. In materieller Hinsicht beantragte sie, die vo-
rinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft
festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte
sie um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsver-
beiständung in der Person ihres Rechtsvertreters.
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Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin die Verfügung der Staats-
anwaltschaft des Kantons J._ vom 24. Juni 2019, einen Strafbefehl
betreffend ihren Ehemann vom 28. Juni 2019, ein Schreiben der Invaliden-
versicherung betreffend ihr jüngstes Kind vom 27. November 2017, ihr
Schreiben an die Vorinstanz vom 23. November 2019 sowie das ausge-
füllte Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" des Bundesver-
waltungsgerichts inklusive Beilagen zu den Akten.
J.
Mit Schreiben vom 9. Januar 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die Beschwerdeführerin ist
als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin rügt einen unvollständig und ungenügend ge-
würdigten Sachverhalt und bringt vor, die Vorinstanz habe den Aspekt der
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frauenspezifischen Fluchtgründe nicht berücksichtigt. Diese Rügen sind
vorab zu prüfen, da deren Gutheissung geeignet wäre, eine Kassation der
angefochtenen Verfügung zu bewirken.
3.2 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-
scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
falsch gewürdigt worden sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegen-
über unvollständig, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen
Sachumstände berücksichtigt werden (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz
1043).
3.3 Zunächst ist festzuhalten, dass die Vorinstanz sowohl die schwierigen
Lebensumstände der Beschwerdeführerin in der Familie ihres Ehemannes
als auch die von ihr geltend gemachte Minderjährigen- und Zwangsheirat
im Sachverhalt der angefochtenen Verfügung berücksichtigt hat ([...]). Die
Beschwerdeführerin hat bis anhin nie geltend gemacht, sie sei wegen der
Probleme mit der Familie ihres Ehemannes ausgereist beziehungsweise
dieses Vorbringen als Asylgrund genannt, weshalb die Vorinstanz dies in
den Erwägungen zu Recht nicht thematisiert hat. Mit dem Vorbringen der
Minderjährigen- und Zwangsheirat hat sich die Vorinstanz in den Erwägun-
gen vertieft auseinandergesetzt und ist zum Schluss gekommen, dass die-
ses nicht asylrelevant sei. Das Vorbringen, die frauenspezifischen Flucht-
gründe seien nicht berücksichtigt worden, erweist sich mithin als nicht
stichhaltig. Sodann ist insgesamt festzustellen, dass die Vorinstanz im an-
gefochtenen Entscheid die Asylgründe der Beschwerdeführerin einlässlich
würdigte. Angesichts der gesamten Aktenlage konnte darauf verzichtet
werden, weitere Abklärungen vorzunehmen. Ferner kam die Vorinstanz
nach Würdigung der Parteivorbringen zu einem anderen Schluss als die
Beschwerdeführerin, was keine unvollständige oder unrichtige Sachver-
haltsfeststellung darstellt.
3.4 Zusammenfassend erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-
det. Es besteht deshalb keine Veranlassung, die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz aus, dass die
Vorbringen der Beschwerdeführerin weder den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch den Anforderungen an
die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG standhalten würden. Wer in der
Schweiz ein Asylgesuch einreiche, habe Anspruch darauf, dass die Asyl-
gründe individuell geprüft würden. In ihrem Fall bedeute dies, dass sie ihre
Situation als Person, die als Minderjährige zwangsverheiratet worden sei,
als Asylgrund geltend machen könne. In der zusätzlichen Befragung vom
27. August 2019 sei sie im Beisein ihrer damaligen Rechtsvertretung über
ihre Rechte informiert worden. Mit Schreiben vom 23. November 2019
habe sie dem SEM mitgeteilt, dass sie keine zivilrechtlichen Schritte unter-
nehmen werde, um ihre Ehe für ungültig erklären zu lassen. Mithin habe
sie explizit darauf verzichtet, das Vorbringen ihrer Minderjährigen- und
Zwangsheirat im Rahmen ihres Asylgesuches prüfen zu lassen. Dement-
sprechend werde dieses Vorbringen auf ihren Wunsch hin nicht berück-
sichtigt. Des Weiteren habe sie erklärt, Afghanistan wegen der anhaltend
schlechten Sicherheitslage verlassen zu haben. Damit mache sie Um-
stände geltend, die den allgemeinen Lebensbedingungen und dem statt-
findenden Bürgerkrieg in Afghanistan geschuldet seien. Da diesem Ausrei-
segrund keine unmittelbare persönliche Verfolgung zu Grunde liege, sei er
gemäss Art. 3 AsylG asylrechtlich unbeachtlich. Sodann habe sie an der
Anhörung geschildert, es seien vermummte Leute zur ihr nach Hause ge-
kommen und, um sie zu schützen habe ihr Ehemann sie in einem Zimmer
eingesperrt. Sie habe Schüsse gehört und sei bewusstlos geworden. Bei
der Erstbefragung habe sie dieses Ereignis überhaupt nicht erwähnt. Auf
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Vorhalt habe sie erklärt, dass die Bootsreise sehr beängstigend gewesen
sei und sie deswegen an der Erstbefragung vergessen habe, den Vorfall
zu erwähnen. Es sei indessen nicht nachvollziehbar, dass sie ein solches
Erlebnis erst zu einem späteren Zeitpunkt nachschiebe, zumal es sich da-
bei nicht um eine unbedeutende Nebensächlichkeit handle, sondern um
einen essentiellen Teil ihrer Fluchtgründe. Ihre Darstellungen zur Schies-
serei seien sodann sehr oberflächlich und vage ausgefallen. Es handle sich
bei ihren Schilderungen um einen kurzen Allgemeinbeschrieb, der kein be-
sonderes Erlebnis in den Vordergrund rücke, keine inneren Zustände be-
schreibe oder sonst den Eindruck vermittle, sie habe diese konkreten Vor-
fall tatsächlich erlebt. Sie sei den Fragen auch ausgewichen, indem sie
erklärt habe, sie sei im Zimmer eingesperrt gewesen und habe deswegen
nichts mitbekommen. Auch habe sie ihren Mann nicht gefragt, was passiert
sei, weil er immer verärgert gewesen sei. Zudem sei sie bewusstlos gewor-
den und wisse nicht, was sie in dieser Zeit gemacht habe. In Anbetracht
der Tragweite und der Erschütterung, die solch ein Erlebnis nach sich zie-
hen würden, sei eine detailliertere Schilderung des prägenden Moments
erwarten. Auch aufgrund der Oberflächlichkeit ihrer diesbezüglichen Aus-
führungen sei ihr Vorbringen als unglaubhaft zu werten.
5.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe bringt die Beschwerdeführerin dagegen
vor, dass sie gegen ihren Willen im Alter von 14 Jahren verheiratet worden
sei und unter schwierigen Umständen in der Familie ihres Ehemannes ge-
lebt habe. Ihr Ehemann habe von ihr bedingungslosen Gehorsam verlangt.
Sie habe die ganze Zeit im Haushalt arbeiten müssen. Lesen und Schrei-
ben habe sie nicht gelernt und zur Schule habe sie nicht gehen dürfen.
Ihren schwierigen Lebensumständen sei bei der Würdigung ihrer Aussa-
gen Rechnung zu tragen. Sodann komme aus den Befragungsprotokollen
auch zum Ausdruck, wie sehr sie durch die Vorfälle in Afghanistan und die
gefährliche Flucht traumatisiert gewesen sei. Hinzu komme, dass die Be-
fragungen durch die Asylbehörden nach den traumatischen Erlebnissen
auf der Flucht für sie sehr belastend gewesen seien. So sei sie während
der Anhörung zusammengebrochen. Auch habe sie ein rasches Ende der
Anhörung herbeigesehnt, weshalb mehr als verständlich sei, dass sie auf
viele Fragen nur kurze Antworten gegeben und oft nur mit "nein" geantwor-
tet habe. Ferner sei die Übersetzung schwierig gewesen. So gehe aus
zahlreichen Antworten hervor, dass sie die Fragen nicht richtig verstanden
habe. Insofern die Vorinstanz ihr vorwerfe, die nächtliche Auseinanderset-
zung, in die ihr Ehemann verwickelt gewesen sei, erst im späteren Verlauf
des Verfahrens geltend gemacht zu haben, erwarte sie von ihr, dass sie
bereits bei der Ankunft in der Schweiz hätte wissen müssen, welche
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Gründe für die Gewährung des Asyls berücksichtigt werden und welche
nicht. Indem die Vorinstanz ihr unterstelle den Vorfall oberflächlich und
vage geschildert zu haben, erwarte diese von ihr, dass sie hätte wissen
müssen, welche Aussagen im weiteren Verlauf des Asylverfahrens hätten
von Bedeutung sein können. Dass sie bei einer derart heiklen Situation von
ihrem Mann aufgefordert worden sei, mit den Kindern im Haus zu bleiben
und die Ereignisse nur bruchstückhaft mitbekommen habe, sei angesichts
ihrer Stellung in der Familie der Schwiegereltern durchaus nachvollziehbar.
Sodann habe die Vorinstanz, als diese sie über die Möglichkeit ihre Min-
derjährigen- und Zwangsheirat als Asylgrund geltend zu machen, informiert
habe, ihr im Fall einer Trennung von ihrem Ehemann eine Anerkennung als
Flüchtling nicht nur für sie, sondern auch für ihre Kinder in Aussicht gestellt.
Die Vorinstanz habe sie damit vor eine schier unlösbare Gewissensfrage
gestellt, mit der sie wochenlang gerungen habe. Einerseits habe sie das
lang ersehnte Ziel der Anerkennung als Flüchtling erreichen wollen. Auf der
anderen Seite habe sie sich nicht vorstellen können, wie sie als alleinste-
hende Mutter in einem ihr immer noch fremden Land fünf Kinder aufziehen
solle. Ihr jüngstes Kind leide zudem an einem genetischen Geburtsgebre-
chen und sie bedürfe deshalb der Unterstützung der ganzen Familie, ins-
besondere auch des Vaters, um für dieses Kind zu sorgen. Angesichts die-
ser Umstände sei sie deshalb nach reiflicher Überlegung zur Erkenntnis
gekommen, dass sie sich nicht von ihrem Ehemann trennen könne.
Schliesslich habe sie in den Befragungen eindrücklich dargestellt, unter
welchen Umständen sie in die Familie ihres Ehemannes "verheiratet" und
wie sie dort behandelt worden sei. Falls ihr das Asyl verweigert werde und
sie – zu welchem Zeitpunkt auch immer – zu einer Rückkehr nach Afgha-
nistan gezwungen werde, hätte sie keine andere Wahl, als wieder zu der
Familie ihres Ehemannes zurückzukehren. Die Situation würde durch die
Behinderung ihres jüngsten Kindes zusätzlich erschwert. Eine Rückkehr
nach Afghanistan würde sie, wenn nicht an Leib und Leben so doch mit
Sicherheit weitgehend ihrer Freiheit berauben.
6.
6.1 Die Vorinstanz hat den Massstab des Glaubhaftmachens und der Asyl-
relevanz nicht verkannt, auf den vorliegenden Fall korrekt angewandt und
in der angefochtenen Verfügung einlässlich begründet, welche Vorbringen
unglaubhaft und welche nicht asylrelevant sind. Das Bundesverwaltungs-
gericht gelangt nach Prüfung der Akten in Übereinstimmung mit der Vor-
instanz zum Schluss, dass es der Beschwerdeführerin entgegen ihren Vor-
bringen in der Beschwerde nicht gelungen ist, eine asylbeachtliche Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 und Art. 7 AsylG glaubhaft zu machen.
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Die Rechtsmitteleingabe stellt dem nichts Stichhaltiges entgegen und er-
schöpft sich vielmehr in Erklärungsversuchen und Wiederholungen des be-
reits bekannten Sachverhalts, womit sie nicht aufzeigt, inwiefern die vor-
instanzliche Beweiswürdigung Bundesrecht verletzen oder zu einer rechts-
fehlerhaften Sachverhaltsfeststellung führen sollen. Solches ist auch nicht
ersichtlich.
Der Einwand der Beschwerdeführerin, man habe von ihr nicht erwarten
können, dass sie bereits bei Ankunft in der Schweiz wisse, welche Gründe
für die Asylgewährung berücksichtigt würden, weshalb nachvollziehbar sei,
dass sie die nächtliche Auseinandersetzung erst im späteren Verlauf des
Verfahrens erwähnt habe, vermag nicht zu überzeugen. So haben Gesuch-
steller zwar nicht die Pflicht, sämtliche Gründe ihres Asylgesuchs ab-
schliessend in der Erstbefragung darzulegen, aber doch die Obliegenheit,
alle wesentlichen Fluchtgründe wenigstens ansatzweise zu nennen. Klare
asylrelevante Aussagen, die in der Erstbefragung von späteren Aussagen
diametral abweichen oder bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, die
nicht ansatzweise erwähnt werden, lassen sich nicht mit dem summari-
schen Charakter der Erstbefragung erklären (so bereits Entscheidungen
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK]
1993/3 E. 3 S. 13; Urteil des BVGer E-812/2020 vom 26. Februar 2020
E. 6.1).
Die Argumentation der Beschwerdeführerin, die mangelhafte Substanz ih-
rer Aussagen sei auf soziokulturelle und psychologische Faktoren zurück-
zuführen, vermag ebenfalls nicht zu überzeugen. Vielmehr durfte die Vor-
instanz von ihr erwarten, dass sie ihre Asylgründe im Kern kohärent und in
zentralen Bereichen hinreichend ausführlich und nachvollziehbar schildert.
Es bestanden auch keinerlei Hinweise auf eine mangelnde Fähigkeit der
Beschwerdeführerin, sich auszudrücken und Erlebnisse zusammenhän-
gend zu schildern. Eine besondere Eloquenz oder Geschicklichkeit dürfte
für das Wiedergeben von tatsächlich erlebten Begebenheiten nicht nötig
sein respektive wird bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Asylvor-
bringen nicht vorausgesetzt.
Auch der Hinweis in der Beschwerde auf die angebliche Traumatisierung
der Beschwerdeführerin vermag die von der Vorinstanz zutreffend aufge-
führten Unglaubhaftigkeitselemente in ihren Vorbringen nicht plausibel zu
erklären, zumal sich aus den Befragungsprotokollen keine konkreten Hin-
weise darauf ergeben, dass die Urteilsfähigkeit der Beschwerdeführerin
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anlässlich der Befragungen eingeschränkt gewesen wäre. Die Beschwer-
deführerin konnte ihre Asylgründe im Rahmen der BzP summarisch und
anlässlich der Anhörung umfassend schildern und bestätigte beide Male,
dass sie alle Asylgründe habe nennen und darlegen können ([...]).
Schliesslich vermag auch der Einwand, die Übersetzung anlässlich der Be-
fragungen sei schwierig gewesen, vorliegend nicht zu überzeugen. Anläss-
lich der BzP gab die Beschwerdeführerin an, die Dolmetscherin gut zu ver-
stehen ([...]). Auch im Anhörungsprotokoll vom 18. August 2017 bezie-
hungsweise 25. August 2017 (Rückübersetzung des Protokolls) finden
sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, es bei der Anhörung zu Ver-
ständigungsschwierigkeiten gekommen, und auch dort hat die Beschwer-
deführerin die Dolmetscherin gemäss eigenen Angaben sehr gut verstan-
den ([...]). Nach der Rückübersetzung hat sie die Richtigkeit respektive
Vollständigkeit ihrer Aussagen unterschriftlich bestätigt und auch die Be-
merkungen der zur Beobachtung eines korrekten Verfahrens anwesenden
Hilfswerksvertretung deuten nicht auf Verständigungsschwierigkeiten hin
([...]).
6.2 Insofern die Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren vorge-
bracht hat, sie sei als Minderjährige zwangsverheiratet worden, ist Folgen-
des festzuhalten: Gemäss Art. 51 Abs. 1bis AsylG hat die Vorinstanz, wenn
sich während des Asylverfahrens Anhaltspunkte für das Vorliegen eines
Eheungültigkeitsgrundes nach Art. 105 Ziff. 5 oder 6 ZGB (Zwangsheirat,
Minderjährigenheirat) ergeben, eine Meldung an die nach Art. 106 ZGB zu-
ständige Behörde zu machen, wobei das Verfahren bis zur Entscheidung
dieser Behörde sistiert wird. Die Beurteilung der Frage, ob eine Zwangs-
beziehungsweise Minderjährigenheirat vorliegt, wird mithin durch die zu-
ständige Behörde beziehungsweise im Falle der Erhebung einer Eheun-
gültigkeitsklage durch das dort zuständige Gericht und nicht durch die
Asylbehörden vorgenommen. Grund dafür ist, dass die Ungültigkeits-
gründe von Art. 105 Ziff. 5 und 6 ZGB eine vertiefte Prüfung des Falles
erfordern (vgl. auch Botschaft zum Bundesgesetz über Massnahmen ge-
gen Zwangsheiraten [BBI 2011 2185 Ziff. 1.3.4.1]). Nachdem die Vo-
rinstanz nach entsprechenden Vorbringen der Beschwerdeführerin anläss-
lich der Rückübersetzung des Protokolls der ersten Anhörung und während
der ergänzenden Anhörung eine Meldung an die Staatsanwaltschaft des
Kantons J._, die nach Art. 106 ZGB zuständige Behörde ([...]), ge-
macht und letztere mit Verfügung vom 24. Juni 2019 entschieden hatte,
dass auf die Erhebung einer Eheungültigkeitsklage verzichtet werde, wies
sie deshalb die Beschwerdeführerin in der zusätzlichen Befragung vom 27.
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August 2019 richtigerweise darauf hin, dass sie selbst zivilrechtliche
Schritte (Erhebung der Eheungültigkeitsklage gestützt auf Art. 105 Ziff. 5
und/oder 6 ZGB) einleiten müsse, wenn sie die von ihr geltend gemachte
Minderjährigen- beziehungsweise Zwangsheirat als Asylgrund geltend ma-
chen beziehungsweise diesen Umstand im Rahmen ihres Asylgesuchs
vorbringen wolle. Nachdem die Beschwerdeführerin jedoch mit Schreiben
vom 23. November 2019 mitgeteilt hat, sie könne sich nicht von ihrem Ehe-
mann trennen, und mithin darauf verzichtet hat, zivilrechtliche Schritte ein-
zuleiten, hat die Vorinstanz das Vorbringen zu Recht als nicht asylrelevant
beurteilt.
6.3 Insoweit die Beschwerdeführerin sich in ihrer Rechtsmitteleingabe
schliesslich darauf beruft, sie habe in Afghanistan unter der schlechten Be-
handlung durch die Familie ihres Ehemannes gelitten, ist festzuhalten,
dass die entsprechenden Schilderungen zwar nicht unglaubhaft erschei-
nen. Es erweisen sich die geltend gemachten Probleme – soweit aus den
Schilderungen ersichtlich – aber aufgrund ihrer Intensität asylrechtlich un-
beachtlich, sofern sie überhaupt aus einem asylbeachtlichen Motiv herrüh-
ren. Ohnehin hat die Beschwerdeführerin die Probleme mit der Familie des
Ehemannes auch nie als Ausreise- beziehungsweise Asylgrund angege-
ben.
6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und ihr Asylge-
such abgewiesen hat.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
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gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
8.2 Die Vorinstanz hat infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin angeordnet. Da die Weg-
weisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl. Urteil des BVGer
D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 8.4 [als Referenzurteil publiziert];
BVGE 2009/51 E. 5.4), erübrigen sich weitere Ausführungen zur Frage der
Durchführbarkeit des Vollzugs.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-
weisen.
10.
10.1 Die Beschwerdeführerin ersuchte um die Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und um die Einsetzung eines
amtlichen Rechtsbeistandes (aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Aus den vorstehen-
den Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten
haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht
gegeben, weshalb die Gesuche ungeachtet der ausgewiesenen Mittello-
sigkeit abzuweisen sind.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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