Decision ID: fb429ee5-63c5-47de-9e42-3d5d2799007a
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist seit 2. März 1993 für die Kategorien A, B, C1, BE und C1E fahrberechtigt. Er ist
im Administrativmassnahmen-Register nicht eingetragen. Am 28. Mai 2017 war er mit
dem Auto auf dem Weg zu seiner Familie in Erfurt (Deutschland). Bei Rottendorf
(Landeskreis Würzburg/Bayern) wurde auf der A7 kurz vor einer Baustelle zur selben
Zeit eine Geschwindigkeitskontrolle durchgeführt. X wurde mit einer Geschwindigkeit
von 126 km/h gemessen. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit betrug an jener Stelle
80 km/h.
Mit Bussgeldbescheid des Bayerischen Polizeiverwaltungsamts vom 3. Juli 2017
wurde er wegen Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwindigkeit mit einer Busse
von € 188.50 und einem einmonatigen, bis und mit 31. August 2017 dauernden
Fahrverbot bestraft. Der Bussgeldbescheid wurde, soweit aus den Akten ersichtlich,
nicht angefochten.
B.- Das Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen erhielt am 14. August 2017
Kenntnis vom Bussgeldbescheid vom 3. Juli 2017. Es eröffnete am 21. August 2017 ein
Administrativmassnahmeverfahren und stellte einen Führerausweisentzug in der
Schweiz in Aussicht. X liess am 10. Oktober 2017 durch seinen Rechtsvertreter
schriftlich Stellung nehmen. Er beantragte, die Entzugsdauer auf zwei Wochen
festzulegen oder eine Verwarnung auszusprechen. Mit Verfügung vom 13. Oktober
2017 entzog das Strassenverkehrsamt den Führerausweis wegen der
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 28. Mai 2017 in Deutschland für einen Monat. Es
forderte X auf, den Führerausweis bis spätestens 13. Januar 2018 abzugeben und
auferlegte ihm die Verfahrenskosten von Fr. 350.–.
C.- X erhob am 2. November 2017 Rekurs gegen die Verfügung vom 13. Oktober 2017,
und zwar mit dem Antrag, eine Verwarnung, eventualiter einen Entzug des
Führerausweises für die Dauer von zwei Wochen zu verfügen. Das
Strassenverkehrsamt verzichtete am 23. November 2017 auf eine Vernehmlassung. Auf
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die Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 2. November 2017 wurde rechtzeitig
eingereicht. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass der Rekurrent vor einer Baustelle die
signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auf der Autobahn A7 bei Rottendorf
(Deutschland) nach Abzug der Messtoleranz um 46 km/h überschritt. Umstritten ist
einzig, welche Massnahme (Führerausweisentzug oder Verwarnung) auszusprechen
und – wenn ein Führerausweisentzug zur Diskussion steht – wie dessen Dauer zu
bemessen ist.
3.- a) Gemäss Art. 16c Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01; abgekürzt:
SVG) wird nach einer Widerhandlung im Ausland der Führerausweis in der Schweiz
entzogen, wenn im Ausland ein Fahrverbot verfügt wurde (lit. a) und die Widerhandlung
nach den Art. 16b und 16c SVG als mittelschwer oder schwer zu qualifizieren ist (lit. b).
Bei der Festlegung der Entzugsdauer sind die Auswirkungen des ausländischen
Fahrverbots auf die betroffene Person angemessen zu berücksichtigen. Die
Mindestentzugsdauer darf unterschritten werden. Die Entzugsdauer darf bei Personen,
die im Administrativmassnahmen-Register (Art. 104b SVG) nicht verzeichnet sind, die
am Begehungsort im Ausland verfügte Dauer des Fahrverbots nicht überschreiten
(Art. 16c Abs. 2 SVG). Aus dem gesetzlichen Verweis auf Art. 16b und Art. 16c SVG
sowie dem Hinweis, dass die gesetzlichen Mindest-entzugsdauern unterschritten
werden dürfen, ergibt sich, dass grundsätzlich die für Inlandtaten geltenden
Vorschriften anzuwenden sind, sofern sich aus Art. 16c SVG nichts anderes ergibt
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(vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_392/2013 vom 23. Januar 2014 E. 2.2 mit
Verweis auf 1C_47/2014 vom 17. April 2012 E. 2.2; ebenso Botschaft zur Änderung des
Strassenverkehrsgesetzes vom 28. September 2007, in: BBl 2007 S. 7622 f.).
b) Der Rekurrent wurde in Deutschland nach einer Geschwindigkeitsüberschreitung
vom 28. Mai 2017 mit einem einmonatigen Fahrverbot belegt; dieses dauerte bis und
mit 31. August 2017. Im Weiteren stellt eine Geschwindigkeitsüberschreitung von
46 km/h auf der Autobahn nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine
schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG dar (BGer 1C_87/2016 vom
13. Juni 2016 E. 2.1.2). Eine schwere Widerhandlung liegt nach dieser Bestimmung vor,
wenn durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen wird. Die Voraussetzungen
für einen Führerausweisentzug gemäss Art. 16c Abs. 1 SVG sind somit erfüllt. Eine
Verwarnung kommt demgegenüber nicht in Frage. Insbesondere liegt keine leichte
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften vor. Eine solche begeht, wer
durch die Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (vgl. Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG). Leichte Widerhandlungen im Ausland haben in der Schweiz keine
Administrativmassnahme zur Folge (vgl. Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG). Dass bei der
Festlegung der Dauer des Führerausweisentzugs die Mindestentzugsdauer
unterschritten werden darf, bedeutet nicht, dass auch die Massnahmeart geändert und
statt auf Führerausweisentzug auf Verwarnung erkannt werden darf. Eine solche
Möglichkeit der Milderung ist im Gesetz nicht vorgesehen. Der Rekurs ist demnach
abzuweisen, soweit damit eine Verwarnung beantragt wird.
c) Im Folgenden geht es um die Festsetzung der Dauer des Führerausweisentzugs.
Gemäss Art. 16c Abs. 2 SVG sind die Auswirkungen des ausländischen Fahrverbots
auf die betroffene Person angemessen zu berücksichtigen. Die Mindestentzugsdauer
darf unterschritten werden, was ansonsten nicht zulässig ist (vgl. Art. 16 Abs. 3 Satz 2
SVG). Als dritte Zumessungsregel sieht Art. 16c Abs. 2 Satz 3 SVG vor, dass die
Entzugsdauer bei Personen, die im Administrativmassnahmen-Register nicht
verzeichnet sind, die am Begehungsort im Ausland verfügte Dauer des Fahrverbots
nicht überschreiten dürfen. Zu berücksichtigen ist, dass diese Regelung im
Gesetzgebungsverfahren einen Kompromiss darstellte. Es ging um einen Antrag, womit
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nach einer Widerhandlung im Ausland die Nichtanwendung des Kaskadensystems von
Art. 16b Abs. 2 und Art. 16c Abs. 2 SVG gefordert wurde (z.B. Amtl. Bull. NR,
Frühjahrssession 2008, Dreizehnte Sitzung, 19.03.08, 08h20, 07.079 [Votum Müller]).
Der Gesetzgeber entschied indes, dass die Dauer des ausländischen Fahrverbots nur
bei Ersttätern, also bei Personen, die im Administrativmassnahmen-Register nicht
verzeichnet sind, die Obergrenze für die Entzugsdauer in der Schweiz bilde. So werde
verhindert, dass Wiederholungstäter wie Ersttäter behandelt werden und
Wiederholungstäter, die im Ausland zum Beispiel die Geschwindigkeitsvorschriften
krass missachten, gegenüber Wiederholungstätern in der Schweiz privilegiert
behandelt werden (Amtl. Bull. SR, Frühjahrssession 2008, Zehnte Sitzung, 18.03.08,
08h15, 07.079 [Votum Bieri]). Mit der Gesetz gewordenen Fassung wollte der
Gesetzgeber eine faktische Aushebelung des in der Schweiz geltenden
Kaskadensystems verhindern. Die Kaskaden gemäss Art. 16b Abs. 2 und Art. 16c
Abs. 2 SVG greifen nur dann, wenn eine mittelschwere oder schwere Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften begangen wurde und gleichzeitig eine
Rückfallfrist gemäss einer früheren mit einem Führerausweisentzug wegen
mittelschwerer oder schwerer Widerhandlung geahndeten Verfehlung noch nicht
abgelaufen ist. Demnach führt nur ein solcher Eintrag im Administrativmassnahmen-
Register dazu, dass der Betroffene wie ein Wiederholungstäter behandelt wird (vgl.
zum Ganzen Entscheid der Verwaltungsrekurskommission IV-2017/2 vom 29. Juni
2017 E. 4, im Internet abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
Welche Bedeutung Art. 16c Abs. 2 Satz 3 SVG in der konkreten Bemessung der
Entzugsdauer zukommt, ist nicht ohne Weiteres klar. Möglich wäre, dass die
Entzugsdauer so bestimmt würde, wie wenn die Auslandtat in der Schweiz begangen
worden wäre. Dies ergäbe eine Einstiegsdauer, die je nach den Auswirkungen des
ausländischen Fahrverbots auf den Betroffenen reduziert werden müsste. Falls das
Ergebnis eine im Vergleich zum ausländischen Fahrverbot längere Entzugsdauer
ergeben sollte und die Voraussetzungen von Art. 16c Abs. 2 Satz 3 SVG erfüllt sind,
müsste die Entzugsdauer nochmals, und zwar bis auf die Höhe des ausländischen
Fahrverbots gekürzt werden. Für diese Variante spricht die Reihenfolge der einzelnen
Bemessungsfaktoren in Art. 16c Abs. 2 SVG. Das Bundesgericht hat sich für einen
anderen Weg entschieden. Es hält dafür, dass die schweizerische Behörde bei einem
Ersttäter keine strengere Wertung vornehmen dürfe als die ausländische. Deshalb
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begrenze die Dauer des am Begehungsort ausgesprochenen Fahrverbots den
Ermessensspielraum der schweizerischen Behörde nach oben. Dass die
schweizerischen Behörden nach hiesigen Massstäben ein längeres Fahrverbot als
gerechtfertigt angesehen hätten, spielt keine Rolle (BGE 141 II 256 E. 2.4). Die Dauer
des ausländischen Fahrverbots ist danach als obere Grenze der Ausgangspunkt für die
Bemessung der Entzugsdauer. Unproblematisch und damit praktisch in den meisten
Fällen erscheint dies, solange das ausländische Fahrverbot kürzer ist, als die nach
schweizerischem Recht angemessene Massnahmedauer. Wie in den anderen Fällen,
d.h. wenn das Ausland ein längeres Fahrverbot ausspricht, als die schweizerischen
Behörden für angemessen halten würden, vorzugehen ist, muss hier nicht entschieden
werden.
d) Bei der Bemessung der Entzugsdauer ist somit davon auszugehen, dass die dem
Rekurrenten aufzuerlegende Sanktion einen Monat Führerausweisentzug nicht
übersteigen darf. Dieser führt verschiedene Umstände auf, welche die Vorinstanz zu
Unrecht nicht massnahmemindernd berücksichtigt habe: Er habe mit der
Geschwindigkeitsüberschreitung bloss eine abstrakte und wenig ausgeprägte
Verkehrsgefährdung geschaffen. Im Baustellenbereich habe er zu spät abgebremst,
wobei zu berücksichtigen sei, dass die Signalisationstafeln bei Autobahnbaustellen
erfahrungsgemäss vor dem eigentlichen Gefahrenbereich aufgestellt würden. Die
Sichtverhältnisse seien gut gewesen und das Fahrzeug in tadellosem Zustand. Hinzu
komme der tadellose automobilistische Leumund des Rekurrenten. Aus beruflichen
Gründen sei er dringend auf den Führerausweis angewiesen, weil er als Polier auf
verschiedenen Baustellen in der gesamten Ostschweiz eingesetzt werde, oftmals
alleine als Kundenmaurer.
Sämtliche Vorbringen, welche die Geschwindigkeitsüberschreitung in Deutschland
betreffen, können nicht massnahmemindernd berücksichtigt werden. Denn wenn mit
dem deutschen Fahrverbot von einem Monat der Unrechtsgehalt der begangenen
Widerhandlung abgegolten ist (BGE 141 II 256 E. 2.6), dann wurden auch die allenfalls
entlastenden Umstände der Geschwindigkeitsüberschreitung bereits berücksichtigt.
Soweit der Rekurrent eine berufliche Angewiesenheit geltend macht, bezieht sich dies
einzig auf das auszufällende schweizerische Fahrverbot und vermag keine Reduzierung
der Massnahmedauer herbeizuführen. Darüber hinaus ist der Rekurrent kein
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Berufschauffeur, der ohne Führerausweis keinen Lohn erzielen kann. Es sollte ohne
Weiteres möglich sein, dass er während der Dauer des Führerausweisentzugs nicht
alleine auf den Baustellen eingesetzt wird und deshalb Mitfahrgelegenheiten hat.
e) Zu prüfen bleibt, ob das deutsche Fahrverbot den Beschwerdeführer belastet hat.
Falls dies zutrifft, führte ein schweizerischer Führerausweisentzug von einem Monat
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dazu, dass er gesamthaft eine Sanktion
zu tragen hätte, die einen Monat übersteigt; das Übermassverbot wäre verletzt (BGE
141 II 256 E. 2.6). Indem die Auswirkungen des ausländischen Fahrverbots auf die
betroffene Person bei der Festlegung der Entzugsdauer angemessen zu
berücksichtigen sind, wird dem Umstand Rechnung getragen, dass das ausländische
Fahrverbot den Fehlbaren unterschiedlich stark oder gar nicht treffen kann. So gibt es
Fahrzeuglenker, die im Tatortstaat oft unterwegs sind, weshalb sie das dortige
Fahrverbot erheblich belastet. Umgekehrt gibt es Personen, die im Tatortstaat
praktisch nie ein Fahrzeug lenken, weshalb sie das ihnen dort auferlegte Fahrverbot
kaum oder überhaupt nicht spüren (BGE 141 II 256 E. 2.3). So trifft auch ein langes
ausländisches Fahrverbot Touristen nicht, die sich nur kurze Zeit im betreffenden Staat
aufhalten (Botschaft, a.a.O., BBl 2007 S. 7619 f.).
Der Rekurrent macht eine starke Belastung durch das ausländische Fahrverbot
geltend. Seit dem Stellenantritt in der Schweiz im Jahr 2004 habe er regelmässig jedes
Wochenende seine Familie (Ehefrau, zwei Kinder und Enkelkinder) in Erfurt besucht.
Der Anfahrtsweg mit dem Motorfahrzeug betrage 5 1⁄2 Stunden, mit dem öffentlichen
Verkehr mindestens 8 1⁄2 Stunden zuzüglich des 10 km langen Weges vom Bahnhof in
Erfurt zur Familie, zu welcher er deshalb während eines Monats nicht mehr habe fahren
können.
Das deutsche Fahrverbot hatte auf die berufliche Tätigkeit des Rekurrenten keinen
Einfluss, denn während dieser Zeit durfte er in der Schweiz Motorfahrzeuge lenken. Es
bleibt damit nur zu prüfen, wie stark ihn das deutsche Fahrverbot in seinen
persönlichen Angelegenheiten betraf. Die Vorinstanz ging offenbar, soweit ersichtlich
ohne weitere Abklärungen, davon aus, dass der Rekurrent seine Familie an den
Wochenenden regelmässig besucht. Zwar trifft zu, dass die Reisezeiten mit den
öffentlichen Verkehrsmitteln länger sind. Die Fahrzeit von Rorschach nach Erfurt
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beträgt mit dem Auto knapp 5 1⁄2 Stunden (vgl. Google Maps). Allerdings wäre es
durchaus möglich gewesen, die Familie während der Dauer des deutschen Fahrverbots
trotzdem zu besuchen. Wenn er am Samstagmorgen um 06.13 Uhr in Rorschach
abgefahren wäre, wäre er nach einer Fahrzeit von rund 6 1⁄4 Stunden um 12.24 Uhr in
Erfurt angekommen und hätte dort erst am Sonntag um 16.31 Uhr abfahren müssen,
um gegen 23.19 Uhr wieder in Rorschach zu sein (vgl. Online-Fahrplan unter
www.sbb.ch). Von einer starken Betroffenheit kann unter diesen Umständen nicht
gesprochen werden. Daran ändert auch nichts, dass der Wohnort der Familie vom
Bahnhof in einer Entfernung von ungefähr 20 Minuten Fahrzeit mit dem Auto liegt (vgl.
Google Maps). Zu berücksichtigen ist ebenfalls, dass das ausländische Fahrverbot nur
einen Monat dauerte. Er hätte mit der Familie an insgesamt vier Wochenenden im
August 2017 immerhin mehr als einen Tag pro Wochenende verbringen können. Wenn
er darauf verzichtete, war dies nicht, weil eine Rückkehr zur Familie verkehrstechnisch
unzumutbar gewesen wäre. Auf der anderen Seite war der Rekurrent während dem
ausländischen Fahrverbot eindeutig mehr betroffen, als jemand, der während des
Fahrverbots praktisch nie in Deutschland unterwegs gewesen wäre. Unter diesen
Umständen erscheint es angemessen, den schweizerischen Führerausweisentzug
wegen Belastung durch das deutsche Fahrverbot für den Rekurrenten um eine Woche
auf drei Wochen zu reduzieren.
f) Zusammenfassend ist die Führerausweisentzugsdauer auf drei Wochen festzulegen.
Eine Reduktion um eine Woche erscheint selbst dann angemessen, wenn das
Baugeschäft oder der Rekurrent während der Zeit des deutschen Fahrverbots (1. bis
31. August 2017) keine (Betriebs-)Ferien gehabt haben sollten. Entsprechend ist der
Rekurs im Eventualpunkt teilweise gutzuheissen.
4.- Die Vorinstanz ordnete in Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung an, dass der
Rekurrent den Führerausweis und allfällig vorhandene weitere Ausweise bis spätestens
am 13. Januar 2018 abzugeben habe. Hierbei handelt es sich um eine
vollstreckungsrechtliche Anordnung, die separat verfügt werden müsste. Darauf ist
indessen nicht weiter einzugehen, denn der Abgabetermin (13. Januar 2018) ist bereits
vorüber, weshalb besagte Anordnung zufolge Gegenstandslosigkeit aufzuheben ist. Die
Vorinstanz wird einen neuen Abgabetermin festlegen müssen. Allerdings hätte Ziffer 2
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der angefochtenen Verfügung aufgehoben werden müssen, wenn die Abgabefrist nicht
bereits abgelaufen wäre. Dies ist bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
5.- Zusammenfassend ist der Rekurs teilweise gutzuheissen. Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten und dem Staat je zur Hälfte
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Denn einerseits unterliegt der Rekurrent in der
Hauptsache und andererseits dringt er mit dem Eventualantrag teilweise durch. Zudem
hat die Vorinstanz die materielle Verfügung (Führerausweisentzug) in unzulässiger
Weise mit der Vollzugsanordnung (Abgabetermin des Führerausweises) kombiniert.
Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung [sGS 941.12]) erscheint angemessen. Der Kostenvorschuss
von Fr. 1'200.– ist mit dem Kostenanteil des Rekurrenten in der Höhe von Fr. 600.– zu
verrechnen. Der Rest des Kostenvorschusses von Fr. 600.– ist dem Rekurrenten
zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine ausseramtliche
Entschädigung.