Decision ID: 928c9434-4a1e-4f79-9ed4-77416b7166b6
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961, erlitt am 6. Februar 2015 einen ischämischen Klein
hirninfarkt (Urk. 9/17/6+10). Am 30. Juni 2015 meldete
er
sich bei der Inva
liden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
Swica
Krankenversicherung AG (
Swica
)
als Krankentaggeld
versicherung bei
(Urk. 9/15
,
Urk.
9/
30
,
Urk.
9/
43
,
Urk.
9/71
) und holte bei der
Y._
, MEDAS
Z._
, ein interdisziplinäres Gutachten ein, welches am 9. Juli 2017 erstattet wurde (Urk. 9/88).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 9/108
,
Urk.
9/
116) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2. August 2018 einen Rentenanspruch (Urk. 2 = Urk. 9/119)
.
2.
Der
Versicherte erhob am 23. August 2018
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
2. August 2018 (Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm
ab Februar 2016 eine ganze Rente, eventu
ell
mindestens eine
Viertelsrente
zuzu
sprechen
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
18. Oktober 2018 (Urk. 8
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer
am 23. Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 10
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berü
cksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen davon aus, beim Beschwerdeführer sei unter Berücksichtigung seiner Ressourcen eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben. Aus neu
rologischer Sicht sei eine Einschränkung von 30
%
in der bisherigen Tätigkeit nachvollziehbar. Die bisherige Tätigkeit sei ihm zu 70
%
zumutbar. Er könne somit ein rentenausschliessendes Einkommen erwirtschaften. Der Beurteilung im psych
iatrischen Teilgutachten, in welchem
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bescheinigt werde, könne nicht gefolgt werden (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), es sei auf das MEDAS-Gutachten abzustellen. Die Psychiaterin sei nach sorgfältigen Abklärungen zum Schluss gekommen, dass er an einer organisch affektiven und kognitiven Störung nach Klein
hirn
infarkt leide und seine bisherige Tätigkeit als Baustellenleiter nicht mehr ausüben könne. In einer Verweistätigkeit könne er ohne Zeitdruck und ohne Anweisung überschaubare
und repetitive Tätigkeiten während zwei bis vier Stunden ausüben (S. 6
Ziff.
1.2
). Ihre Befunde deckten sich auch mit dem Gutachten des
A._
sowie mit den Berichten der Neuropsychologischen Abteilung
des
B._
(S. 6
Ziff.
1.3
).
Die Beschwerdegegnerin habe keine handfeste
n
Gründe, um vom von ihr in Auftrag gegebenen Gutachten abzurücken (S. 7
Ziff.
1.4
). Eine Res
sourcenprüfung sei nicht angezeigt, da ein objektiver organischer Befund vor
lie
ge, eine Prüfung der Standardindikatoren aber lediglich für psychiatrische Diag
nosen anzuwenden sei (S. 7 f.
Ziff.
1.5
). Selbst wenn die Ressourcen zu prü
fen wäre
n
, ergäbe sich ohne weiteres, dass diese ungenügend seien (S. 8
Ziff.
1.6
). Weil
ih
m lediglich Arbeit in einer Verweistätigkeit von 20 bis 30
%
möglich sei, sei ihm eine volle Rente auszurichten (S.
8
Ziff.
1.7
).
Den Eventualantrag auf
Zusprechung
eine
r
Viertel
s
rente
begründete der Be
schwer
deführer wie folgt: Er
könne seine bisherige Tätigkeit als Strassenbaupolier unter keinen Umständen wiederaufnehmen (S. 9
Ziff.
2.1
). Ein Polier müsse auf den Baustellen selber zupacken und Hand anlegen. Seine Arbeit bestehe zu einem grossen Teil auch aus Mitarbeit auf der Baustelle (S. 9
f.
Ziff.
1.2
unten). Wer an Gang- und Standunsicherheiten leide, könne nicht mehr auf der Baustelle präsent sein, weil dort immer Absturzgefahr bestehe oder die Arbeit auf stark unebenem Gelände verrichtet werden müsse, was
ihm
gemäss dem neurologischen Gutachter nicht mehr zugemutet werden könne. Aufgrund mangelnder Fertigkeiten in ande
ren Bereichen könne er nur einer einfachen handwerklichen Verweistätigkeit
nach
gehen (S. 10
Ziff.
1.3
). Ein Einkommensvergleich einschliesslich eines leide
ns
bedingten Abzugs von 10
%
ergebe einen Invaliditätsgrad von rund 47
%
(S. 11
Ziff.
1.4
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Im Kurzbericht vom 6. Februar 2015 (Urk. 9/18/
6-
7
, vgl.
Urk. 9/30/21
) stellten die Ärzte des
C._
Zürich folgende Diagnosen
(S. 1)
:
-
Neuritis
vestibularis
-
hypertensive
Entgleisung
Es sei aufgrund eines Präkollapses und Erbrechen zu einer notfallmässigen Selbsteinweisung mit der Ambulanz gekommen. Es sei dem Besc
hwerdeführer auf dem Weg ins Ba
d schwindelig geworden, er habe sich
an den Möbeln festge
hal
ten,
sei dann langsam zu Boden gegangen und habe mehrfach erbrochen. Es sei
bei
ihm bereits vor zirka zwei Monaten eine arterielle Hypertonie diagnos
tiziert worden
.
3.2
Dr. med.
D._
, Facharzt für Radiologie, hielt im Bericht vom 24. Februar 2015 fest, dass gemäss durchgeführter Magnetresonanztomographie (MRI) ein su
ba
kuter hämorrhagischer Kleinhirninfarkt im Vordergrund stehe (Urk. 9/18/20).
3.3
Vom 2
6.
Februar bis
5.
März 2015 weilte der Beschwerdeführer in der Klinik für Neurologie,
B._
, worüber mit
Austrittsbericht vom 6. März 2015 (Urk. 9/17/10-14
= Urk. 9/18/15-19
)
berichtet wurde. Darin wurden die
folgende
n, hier leicht verkürzt angeführten
Diagnosen
gestellt
(S. 1):
-
Ischämischer Kleinhirninfarkt am 6. Februar 2015
-
ätiologisch: noch unklar bei Differentialdiagnose (DD) zerebrale
Mikroangiopathie
-
kardiovaskuläre Risikofaktoren (
cVRF
)
: arterielle Hypertonie, Hyper
cholesterinämie, Status nach Nikotinabusus
-
klinisch: Unterberger Tretversuch nach rechts positiv, unsicheres Gang
bild mit Fallneigung nach rechts beim Strichgang
, a
nsonsten keine fokal neurologischen Defizite, bei Austritt 0 von 42 Punkten auf der National Institutes
of
Health
Stroke
Scale
(NIHSS)
-
diagnostisch:
-
Liquor: Zellzahl 8
μl
, Protein 489 mg/l
-
Neuroangiologie
vom 2. März 2015:
m
ässiggradige
Atheromatose
der
extrakraniellen
hirnversorgenden Gefässe, Verschluss der verte
bralen Arterie (VA) links ab dem Segment V1 distal bis Übergang V2
-
hypertensive
Blutdruckwerte bei 24 Stunden-Messung
-
cMRI
vom 24. Februar 2015: Kleinhirninfarkt dorsal im
Lobus
cerebelli
posterior
links mit moderater Luxusperfusion und negativer Diffusion (subakutes Stadium)
-
MRI der Halswirbelsäule (HWS
)
vom 3. März 2015:
s
ubakute Infar
zierung links
zerebellär
bei Verschluss der
Arteria
vertebralis links. MR-bildmorphologisch kein Nachweis eines Wandhämatoms be
zieh
ungsweise einer
Dissektion
Der
Patient
berichte
über eine Verbesserung der Symptomatik, jedoch sei
residuell
noch eine Gangunsicherheit da. Während der Behandlung im
C._
sei eine arterielle Hypertonie diagnostiziert und eine
antihypertensive
Therapie eingeleitet worden. Eine durch den Hausarzt veranlasste
cMRI
-Untersuchung habe nun je
doch einen Kleinhirninfarkt gezeigt (S. 3 oben). Der Nikotinabusus von 40 Ziga
retten pro Tag sei seit 15 Monaten sistiert (S. 3 Mitte). Betreffend Stand und Gang sei ein Schwanken im Rombergversuch festzustellen,
Einbeinstand
sei sicher möglich, Fersen- und Spitzenstand seien sicher. Das Gangbild sei etwas unsicher,
es zeige sich keine Verschlechterung bei Augenschluss, beim Seiltänzergang zeige sich eine Falltendenz nach links. Der Unterber
ger Tretversuch nach rechts falle
positiv
aus
(S. 3 unten).
Beim Austritt seien der Romberg- und Untertretversuch unauffällig, der
Einbein
stand
möglich und der Fersen-Sp
itzenstand sicher gewesen. Der S
eiltänzergang sei ohne Falltendenz sicher durchführbar und das Gangbild unauffällig gewesen (S. 4 Mitte).
3.
4
Die Ärzte des
B._
stellten im
Bericht
zur Kontrollkonsultation
vom 23. März 2015 (Urk. 9/17/
6-9
= Urk.
9/18/11-14
)
weitgehend
dieselben
Diagnosen
wie im Austrittsbericht vom 6. März 2015 (vorstehend
E.
3.
3
)
.
Anlässlich der Kontrollkonsultation habe der Beschwerdeführer von kurzen, wenige Sekunden dauernden «Angst- beziehungsweise Panikzuständen» seit dem Schlaganfall vom Februar 2015 berichtet. Er empfinde dann immer eine grosse Unsicherheit. Ansonsten habe er jedoch angegeben,
keine akut auftretenden neu
rologischen Ausfälle oder Beschwerden, insbesondere keine Sprech- oder Sprach
störungen, Lähmungen, Fühlstörungen, Seh- oder Hörstörungen mehr gehabt zu haben (S. 3).
3.
5
Im
Bericht zur
n
europsychologischen Untersuchung vom 17. August
2015 (Urk. 9/18/8-10
= Urk. 9/21
= Urk. 9/30/15-17
= Urk. 9/33/6-8 = Urk. 9/34/6-8
= Urk. 9/74/10-12 = Urk. 9/74/19-21
)
wurden
keine neuen Diagnosen
gestellt
(S. 1). Der Beschwerdeführer habe berichtet, dass er seit dem Infarkt seine Zeit zuhause verbringe und ein einmaliger Arbeitsversuch gescheitert sei. Ein weiterer Arbeitsversuch sei für Mitte September 2015 geplant. Er könne sich das Pensum anfänglich frei einteilen und wolle auch unbedingt wieder seine Arbeit aufneh
men, habe jedoch mit diversen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zurzeit übernehme er sehr viele Haushaltstätigkeiten. So koche er beispielsweise und gehe auch einkaufen, was er früher nie getan habe (S. 2 oben).
Die neuropsychologische Untersuchung habe leichte über mittelschwere bis schwere Minderleistungen im Bereich
attentionaler
, exekutiver und mnestischer Funktionen ergeben
(S. 3 Mitte).
Die erfassten Minderleistungen seien nur teilweise mit Funktionsstörungen
fronto-
zerebellärer
Regelkreise vereinbar. Die deutlichen S
chwierigkeiten, verbale und non
verbale Informationen zu speichern und über einen längeren Zeitraum zu erinnern und gar wiederzuerkennen, lieferten Hinweise auf mögliche primäre mnestische Störungen im Zusammenhang mit
mediotemporalen
Dysfunktionen. Darüber hinaus könne jedoch, auch angesichts des Schweregrads der Befunde, ein Zusammenhang mit einer depressiven Symptomatik nicht ausgeschlossen werden. Dies auch vor dem Hintergrund der anamnestischen Angaben, die auf eine pessimistische bis depressive Grundstimmung sowie häufiges Weinen hin
deuteten. Es sei davon auszugehen, dass sich die genannten Befunde aktuell auf die Arbeitsfähigkeit als Baustellenleiter auswirkten. Für eine genauere Einschät
zung und Prognose hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sei das psychiatrische
Konsil
abzuwarten (S. 3 unten)
.
3.6
Dr. med. E._
, Fachärztin für Allgemeine
I
nnere Medizin, stellte im
teils schwer lesbaren
Bericht vom 23. August 2015 zuhanden der Beschwerde
gegnerin (Urk. 9/18/1-5) folgende
,
hier
verkürzt wiedergegebenen Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Status nach
cerebrovaskulärem
Insult
am 6. Februar 2015
-
a
rterielle
Hypertonie
-
Depre
ssionen
-
Schlafstörung
Als ärztliche Befunde nannte sie unter anderem folgende Stichworte: Unauffällige Neurologie, lebhafte Reflexe, Schwindel (Strichgang unsicher), geht nur auf bekannten Wegen alleine, sonst immer in Begleitung, kann sich im Gespräch nur auf 1 Perso
n konzentrieren, wir
d müde
(
Ziff. 1.4). Die Arbeitsunfähigkeit al
s Bau-Vorarbeiter betrage 100 %
seit dem 6. Februar 2015 (Ziff. 1.6).
Im Verlauf sei Depression und Unsicherheit festzustellen. Ein Arbeitsversuch sei nach 4 Stunden abgebrochen worden, weil der Beschwerdeführer die Skizzen der Baustellen nicht verstanden habe. Er sei draussen unsicher und erleide Panikattacken (S. 4).
Im Bericht vom 31. August 2015 (Urk. 9/20) führte
Dr.
E._
aus, der Be
schwerdeführer sei depressiv. Er spreche klar, aber verlangsamt. Er verstehe und
reagiere auch verlangsamt (S. 3 Ziff. 4). Nach dem Unfall bestünden noch schwere
neuropsychologische Störungen, so dass der Beschwerdeführer noch für alle Arbeiten zu 100
%
arbeitsunfähig bleibe. Als schwerster Gesundheitsschaden sei die Hirnleistungsstörung zu sehen, mit welcher die Funktionseinschränkungen im Zusammenhang stünden (S. 8 Ziff. 8 f.)
. Eine Verbesserung des Gesundheits
zu
standes brauche viel Zeit und könne eventuell mit Ergo- und Psychotherapie sowie mit einem Verschluss des
Foramen
Ovale erzielt werden (S. 10 Ziff. 11.11).
3.
7
Die Ärzte der Klinik für Kardiologie
,
B._
,
nannten
mit
Bericht vom 21. September 2015 (Urk. 9/30/6-11)
als
Diagnosen
eine koronare 2-Asterkrankung, den erfolg
reichen Verschluss eines
Foramen
Ovale (PVO) und einen Status nach
cerebro
vas
kulärem
Insult (S. 1 Mitte)
:
B
eim kardiopulmonal kompensierten Beschwerdeführer habe am 16. September 2015 der Verschluss eines persistierenden
Foramen
ovale bei Status nach Klein
hirn
in
farkt durchgeführt werden können (S. 1 unten).
Neurologisch seien kein Schwindel und keine Kopfschmerzen vorhanden, die Gleichgewichtsstörungen seien mittlerweile remittiert (
Urk. 9/30/11 Mitte).
3.
8
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.
6
)
führte in ihrem Antwortschreiben an die
Swica
vom 9. Oktober 2015 (Urk. 9/26
= Urk. 9/30/2-3
) aus, sie habe den Beschwerde
führer letztmals vor dem Verschluss des
Foramen
ovale gesehen. Er habe über schnelle Erschöpfung und fehlende Konzentration geklagt. Der frühere Hobby
musiker vertrage zudem keinerlei Lärm, wenn viele Personen in einem Raum seien, müsse er weg. Er klage zudem über Kopfschmerzen und Schwindel (S. 1 Ziff. 2). Im
bisherigen Job sei er zu 100
%
arbeitsunfähig. Er habe vor dem Sommer
auf eigenen Wunsch
einen unglücklichen Arbeitsversuch gestartet, sei aber überhaupt nicht zurechtgekommen. Er habe die ihm sonst vertrauten Skizzen im Bau nicht verstanden. Er sei sich komplett deplatziert vorgekommen (S. 2 Ziff. 6). Er sei im Moment für alle Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 2 Ziff. 7).
3.
9
Dr. med. F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Be
richt vom 13. Dezember 2015 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 9/33/1-5
= Urk. 9/34/1-5
= Urk. 9/74/5-9
) aus, er behandle den Beschwerdeführer seit dem 2. Oktober 2015 (Ziff. 1.2). Er stellte folgende Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
organische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F07.0)
-
Status nach Kleinhirninfarkt am 6. Februar 2015
Bis zum Hirninfarkt sei
die Anamnese
bland
gewesen, seither progressiv wesens
geändert: Er verfüge über eine reduzierte Fähigkeit, zielgerichtete Aktivitäten aufrecht zu erhalten. Es bestünden eine Affektlabilität, platte, teils inadäquate Euphorie mit Selbstüberschät
zung, Reizbarkeit und Impulsivität. M
it Verweis auf den Bericht des Neuropsychologen
bestünden
deutliche kognitive Störungen, Perseveration, zähflüssiges Denken und umständliche Erklärungen (Ziff. 1.4). Die medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit betrage als Gruppenleiter/Vorarbeiter seit dem Hirninfarkt 50 bis 70
%
(Ziff. 1.6). Die Fra
ge nach dem Belastungsprofil könne
erst durch
einen Arbeitsversuch vor Ort eruiert werden
(Ziff. 1.7). Das Konzentrations- und Auffassungsvermögen, die Anpassungsfähigkeit und Belast
barkeit seien reduziert (Urk. 9/33/5 Mitte).
3.1
0
Am 4. April 2016 erstattete
n die Ärzte des
G._
ein
Gutachten im Auftrag der
Swica
(Urk. 9/43
/2-
53
).
Dr. med.
H._
, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im psychiatrischen
G
utachten
(Urk. 9/43/2-24)
als einzige Diagnose eine
Dysthymia
(ICD-10 F
34.1
)
,
welche
ohne wesentliche Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
sei
(
S.
22 Ziff. 1
).
Darüber hinaus zeige sich eine gewisse Beschwerdeverdeutlichung (S. 18 Ziff. 5). Es bestünden reaktive Aspekte
der depressiven Verstimmung, indem der Beschwerdeführer angegeben habe, nicht
mit dem Rollenverlust als «Mann» und Familienoberhaupt zurechtkommen zu können. Er habe zu verstehen gegeben, dass die Folgen des Kleinhirninfarktes für ihn so beeinträchtigend seien, dass er darauf mit einer depressiven Ver
stimmung reagiert habe. Diese sei nach dem klinisch
en Befund aber nicht gravierend
(S. 20
Ziff. 7). Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine krankheitswertige Störung, welc
he eine wesentliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen beruf
lichen Tätigkeit als Polier mit sich bringen würde (S. 20 Ziff. 9
lit
.
a
).
Auch be
treffend die Rahmenbedingungen des Arbeitsplatzes ergäben sich aus psychia
trischer Sicht keine
Einschränkungen (S. 21 Ziff. 9
lit
.
d).
Dr. med. I._
, Facharzt für Neurologie,
stellte
im neurologischen
G
ut
achten
(Urk. 9/43
/25-43) folgende Diagnosen
(S. 14)
:
-
subjektive Gangun
sicherheit im Anschluss an einen
im MRI gesicherten Kleinhirninfarkt links am 6. Februar 2015, in der neurologischen Unter
suchung ohne Hinweise für eine Ataxie (Gleichgewichtsstörung)
-
subjektive Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, ohne erklärendes organpathologisches Korrelat
-
koronare Herzerkrankung, nach Versorgung mit kardialem Stent (
Sten
ting
) derzeit ohne kardiologische Beschwerden
E
s hätten sich in der Begutachtung keine wesentlichen Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen gezeigt. Der Beschwerdeführer sei sehr gut in der Lage ge
wesen, seine Symptomatik detailliert zu schildern. Gedächtnislücken hätten sich in der über
1 1⁄2
Stunden dauernden Exploration nicht gezeigt. In der neuro
psy
chologischen Testung habe sich der hochgradige Verdacht auf Aggravation er
geben, so dass auch von daher keine kognitive Störung attestiert werden könne (S. 14 f.).
Der Beschwerdeführer habe vorgetragen, dass er sich bei längerem Gehen teilweise unsicher fühle, insbesondere
,
wenn er abgelenkt werde. Es sei allerdings in den letzten sechs Monaten zu keinem Sturz gekommen. Darüber hinaus habe er keine weiteren neurologischen Defizite gezeigt. Die neurologische Untersuchung sei komplett unauffällig gewesen. Es hätten sich insbesondere keine sensomotorischen Auffälligkeiten sowie keine Koordinations- oder Gang
störung gezeigt. Sämtliche Stand- und Gangversuche sowie Feinmotorik-Tests seien hier normal gewesen. Der Kleinhirninfarkt müsse somit als ausgeheilt be
trachtet werden. Die berichteten seelischen und subjektiven kognitiven Störungen könnten nicht kausal auf den Kleinhirninfarkt bezogen werden (S. 15 oben). Aus rein neurologischer Sicht sei der Beschwerdeführer sowohl in seiner ange
stam
m
ten als auch einer denkbaren Verweistätigkeit mit einer Leistung
v
on 100
%
und einem Pensum von 100
%
voll arbeitsfähig. Aufgrund der subjektiven Gangunsi
cherheit sollte er allerdings nicht an Arbeitsplätzen mit erhöhter Sturzgefahr ein
gesetzt werden, so sollte er zum Beispiel nicht häufig auf Leitern und Gerüsten arbeiten (S. 15 unten).
Aus rein neurologischer Sicht sei
nicht nachvollziehbar, weshalb
der Beschwerdeführer nicht bereits wieder in den Arbeitsprozess inte
griert worden sei. Die von Dr.
F._
gestellte Diagnose einer organischen Wesens
änderung sei in der hiesigen Begutachtung nicht nachvollziehbar. Es finde sich auch kein medizinischer Befund, der diese Diagnose erklären könnte. Das MRI des Schädels habe lediglich einen kleinen linksseitigen Kleinhirninfarkt ergeben. Dieser könne die vorgetragene seelische und geistige Einschränkung nicht erklä
ren (S. 40 Ziff. 5).
Die Neuropsychologin
Dr. phil. J._
führte
in ihrem Bericht zur
neuro
psychologische Untersuchung
(Urk. 9/43/43-53)
aus, in deren Rahmen seien divers
e Verfahren zur Symptomvalidierung durchgeführt worden. Diese habe be
züg
lich zwei der drei Verfahren hoch auffällige Ergebnisse ergeben, weshalb davon ausgegangen werden müsse, dass der Beschwerdeführer während der Durch
führung der kognitiven Tests k
eine maximale Leistung erbracht
und seine kog
nitiven Defizite be
wusst oder unbewusst
aggraviert
habe
. Die erwähnten Symp
tom
validierungstests seien derart gestaltet, dass sie sogar von Patienten mit fortgeschrittener Demenz mit durchaus genügenden Leistungen gelöst werden könnten
. Bei deutlichen Hinweisen auf eine Symptomverdeutlichung sei davon auszugehen, dass es sich nicht um authentische neuropsychologische Beein
träch
tigungen handle, weshalb keine auf den aktuellen Testresultaten basierende Diag
nosen vergeben würden. Das im Rahmen der neuropsychologischen Untersu
chung ermittelte kognitive Testprofil besitze hiermit keine Aussagekraft (S. 7 Mitte). Es fänden sich auch Diskrepanzen zwischen der Performanz in der neuropsy
cho
logischen Untersuchung und dem Verhalten des Beschwerdeführers im Alltag. Die mnestischen Leistungen seien während der Testung weit unterdurchschnittlich; der Versicherte sei jedoch vollständig orientiert und in der Lage gewesen, ein normales Gespräch zu führen. Er gehe im Alltag auch Einkaufen. Das unfallfreie Führen eines Personenwagens wäre bei erfassten weit unterdurchschnittlichen Reaktionszeiten in den Aufmerksamkeits- und Konzentrationsaufgaben ebenfalls nicht möglich. Zusammenfassend sei bei einem hochgradigen Verdacht auf eine Aggravation die Einschätzung des effektiven kognitiven Leistungsniveaus zum aktuellen Zeitpunkt nicht valide möglich (S. 7 f.).
3.1
1
Im
Bericht zur
n
europsychologischen Untersuchung
in der
B._
-Klinik für Neu
rologie
vom 24. Juni 2016 (Urk. 9/59
= Urk. 9/71/10-14
,
= Urk. 9/74/22-26
, vgl.
Urk. 9/72/8-11
)
wurde
aus
geführt
,
v
erglichen mit den Vorbefunden vom August 2015 sei eine deutliche Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit zu konstatieren, welche sich hauptsächlich in einer ausgeprägten Abnahme der kog
nitiven und psychomotorischen Verarbeitungsgeschwindigkeit äussere (S. 4 Mitte).
Aus rein neuropsychologischer Sicht sei die Ätiologie dieser progredienten Ver
langsamung unklar. Ein neurologisches Korrelat erscheine als unwahrscheinlich. Am ehesten sei von einem leistungsmindernden Effekt der psychosozialen Belas
tungssituation und der affektiven Verstimmung auszugehen. Eine Aggravation könne aus dem Verhalten in gezielt gegebenen Testaufgaben ausgeschlossen wer
den (S. 4).
Die genannten Befunde wirkten sich ohne Zweifel auf die Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit des Beschwerdeführers aus. Einerseits sei die Produktivität auf
grund der allgemeinen Verlangsamung eingeschränkt, andererseits brächten die exekutiven Dysfunktionen eine verminderte Handlungsplanung und unstruk
tu
rierte Vorgehensweisen mit sich. Eine weitere Problematik stelle die reduzierte Belastbarkeit dar. Insbesondere in der Tätigkeit als Baustellenleiter, wo plane
rische Fähigkeiten, Stressresistenz und «Multi
Tasking
» gefragt seien, stellten die objektivierten kognitiven Einschränkungen Leistungseinschränkungen dar, die ihn die angestammte Tätigkeit nicht mehr ausführen liessen (100
%
Arbeits
un
fähigkeit im angestammten Beruf). Empfohlen werde das Anstreben einer seinen Fähigkeiten angepasste Tätigkeit. Einfache vertraute Aufgaben mit klar struktu
rierten Arbeitsabläufen, die frei von Zeitdruck durchgef
ührt werden könnten, seien zurz
eit ideal, wobei die Arbeitsfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit ein
geschränkt sei. Eine Verbesserung der kognitiven Symptome sei bei einer Behand
lung möglicher psychiatrischer Symptome zu erwarten (S. 4 unten).
3.1
2
Dr.
I._
(vorstehend E. 3.1
0
)
führte in seiner Stellungnahme vom 20. Juli 2016 (Urk. 9/62/4-6
= Urk. 9/71/4-6 = Urk. 9/71/7-9
) zum Bericht der
B._
(vor
stehend E. 3.1
1
) aus, es werde dort im Vergleich zur Voruntersuchung vom August 2015 eine deutliche Verschlechterung festgestellt, ohne dass dafür eine medizinische Erklärung oder Erklärung vorgelegt werde. Der Kleinhirninfarkt sei als ausgeheilt zu betrachten; ausserdem könne er die kognitiven Störungen nicht erklären (S. 1 Ziff. 1-2).
Im
B._
sei keine Symptomvalidierung durchgeführt worden, man habe sich nur auf den optischen Eindruck verlassen, dass der Be
schwerdeführer sich anstrenge (S. 2 Ziff. 5).
Alleine die Tatsache, dass der Be
schwerdeführer noch Auto
fahren könne
, kontrastiere mit der im Bericht der
B._
gefundenen erheblichen psychomotorischen Verlangsamung (S. 2 Ziff. 7).
3.1
3
Prof. Dr. phil.
K._
, Leiter der Abteilung Neuropsychologie
der Klinik für Neurologie
am
B._
, nahm mit Schreiben vom 24. August 2016 (Urk. 9/68
= Urk. 9/71/2-3
= Urk. 9/72/16-17
) Stellu
ng zur Stellungnahme von Dr.
I._
(vorstehend
E. 3.1
2
). Er führte aus, mit «e
in neurologisches Korrelat erscheint uns unwahrscheinlich» sei seitens
B._
eine einfache «medizinische Erklärung» ange
zweifelt und eine psychiatrische Ursache für die Verschlechterung explizit vor
geschlagen worden. Offenbar seien die Folgen des Kleinhirninfarktes nicht ausge
heilt
; ausserdem seien kognitiv-affektive Störungsbilder nach Kleinhirnschädi
gung in der Verhaltensneurologie ausführlich beschrieben (S. 1 Ziff. 2). Symp
tom
validierungsverfahren würden am
B._
bei Begutachtungen regelmässig, bei diagnostischen Abklärungen wie im vorliegenden Fall aber nur in Einzelfällen durchgeführt. In der Einschätzung der Motivationshaltung habe man sich nicht auf den «optischen Eindruck» verlassen, sondern auf die Beobachtung des Ver
haltens, speziell auch des Verhaltens «in gezielt gegebenen Testaufgaben». Es sei ein Trugschluss, sich für die Entscheidung «Aggravation ja oder nein» auf Symp
tomvalidierungsverfahren verlassen zu müssen (S. 1 f. Ziff. 5). Tatsächlich müsse die Fahreignung wohl in einer praktischen Kontrollfahrt durch das Strassen
ver
kehrsamt überprüft werden (S. 2 Ziff. 7).
3.1
4
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.
6
)
führte im Verlaufsbericht
vom 26. Oktober 2016
zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 9/72/1-3) aus, der Beschwerdeführer zeige eine Euphorie, wechselnd
mit Depression. Er könne mental
Dinge
nicht ver
netzen (Ziff. 1.3). Deswegen bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in der bisherigen Tätigkeit. In angepasster Tätigkeit gelte ebenfalls eine Arbeits
unfähig
keit von 100
%
, weil der Beschwerdeführer nicht belastbar sei (Ziff. 2.1).
3.1
5
Dr.
F._
führ
t
e im Verlaufsbericht
vom 4. Dezember 2016
zuhanden der Be
schwer
degegnerin (Urk. 9/74/2-4) aus, die Diagnosen und das klinische Bild hätten
sich seit dem letzten Bericht im
Dezember 2015 (vorstehend E. 3.
9
) nicht verän
dert (S. 1 Mitte). Ein Sachverhalt führe typische
rweise zu Verwirrung: Als Folge
zustand des «Mild
Cognitive
Impairment
» entstehe nicht selten eine inadäquate Euphorie, die dann verbal als subjektives Wohlbefinden beschrieben werde, wes
halb die Laien glaubten, es gehe ihm doch exzellent (S.
1 unten).
4.
4.
1
Am 9.
Juli 2017 erstatteten Dr. med.
L._
, Facharzt für Allge
meine
I
nner
e Medizin, Prof. Dr. med. M._
, Facharzt für Neurologie,
lic
.
phil.
N._
,
MSc
O._ sowie med.
pract
. P._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe
rapie,
Y._
,
MEDAS
Z._
, ihr polydisziplinäres Gutachten (Urk. 9/88
).
4.2
Im internistischen Teilgutachten (
Urk. 9/88/
27-33) stellte
Dr.
L._
fol
gende Diag
nosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 32
Ziff.
2.4.1
)
:
-
Kleinhirninfarkt
Februar
201
5.
DD: bei
hypertensiver
Entgleisung. DD: bei Verschluss der
Arteria
vertebralis links.
Ferner nannte der die folgenden, hier verkürzt angeführten
Diagnosen ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 32
Ziff.
2.4.2)
:
-
a
rterielle Hypertonie
-
Status nach PFO-
Verschluss
September
20
15
bei offenem PFO und
Vor
hof
septumaneurysma
(ASA)
-
k
oronare Herzkrankheit, 2-Gefässerkrankung, Status nach
p
erkutaner
trans
luminaler
Koronarangioplastie
/
Stent
September
20
1
5, normale systo
lische Pumpfunktion
-
Hypercholesterinämie
-
Verdacht auf Diabetes mellitus Typ 2
-
Status nach Nikotinabusus
Die internistischen Diagnosen könnten zwar bei den Ursachen beziehungsweise bei der Genese des Hirninfarktes diskutiert werden, seien aber für sich genommen nicht die aktuelle Begründung der Arbeitsunfähigkeit und somit nicht IV-rele
vant. Somit ergebe sich auf allgemein-internistischem Fachgebiet keine Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit oder Verweistätigkeit (S. 32 unten).
4
.3
Prof.
M._
stellte im neurologischen Teilgutachten (Urk. 9/88/53-62) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8):
-
Status nach Klei
nhirninfarkt linkshemisphärisch
Februar
2015 bei
-
Verschluss der
Arteria
vertebralis links
-
Zustand nach offenem PFO (Verschluss
September
2015)
Die initiale Symptomatik von Seiten des Kleinhirninfarktes habe sich funktionell fast völlig zurückgebildet. Es bestünden aber noch
residuelle
Stand- und Gang
unsicherheiten, die als bleibend anzusehen seien, durch Gewöhnung und Übung jedoch auch in der Tätigkeit als Baustellenleiter durch vorsichtiges Bewegen auf der Baustelle, Festhalten und Vermeiden von Stellen, die erhöhte Trittsicherheit erfordern
würden
,
kompensierbar
seien (S. 8 f. Ziff. 2.4.1). Es bestünden nur noch minimale Unsicherheiten, zum Beispiel beim Stand und
Einbeinstand
mit ge
schlossenen Augen (S. 9 Ziff. 2.5.3). Hinweise für Aggravation oder Simulation fehlten (S. 9 Ziff. 2.5.5).
Aus rein neurologischer Sicht bestehe durch die latente Stand- und Gangunsicherheit eine Einschränkung von zirka 30
%
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Baustellenleiter. In einer angepassten Tätigkeit ohne Arbeiten mit Absturzgefahr oder auf stark unebenem Untergrund bestünden aus neurologischer Sicht keine Einschränkungen. Angepasste Tätigkeiten umfassten zum Beispiel Bürotätigkeit als Bauleiter, andere Bürotätigkeiten oder Tätigkeiten im erlernten Beruf eines Elektrotechnikers (S. 10 Ziff. 2.5.8 oben).
4
.4
Med.
pract
.
P._
nannte im psychiatrischen Teilgutachten (Urk. 9/88/63-78)
folgende
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 12
Ziff.
4.1):
organisch affektive und kognitive Störung nach Kleinhirninfarkt
Februar
2015
, ICD-10
F06.9
(
cerebelläres
kognitiv affektives Syndrom
)
.
Zum Psychostatus führte sie aus, Gestik und Mimik seien unbeeinträchtigt, die Gestik sei eher lebhaft. Die Orientierung sei zu allen Ebenen erhalten, die Kon
zentration leicht herabgesetzt. Die Rechenaufgabe werde nur mit Hilfestellung erfüllt, wobei er immer wieder das Ergebnis vergesse. Die Merkfähigkeit sei soweit überprüfbar im Gespräch herabgesetzt, gemäss Schilderungen mittelschwer be
troffen. Langzeitdaten würden problemlos beantwortet. Die Sprache sei Deutsch mit italienischem Akzent und eher geringem Wortschatz. Vieles werde um
schrie
ben und wirke umständlich, vieles werde nicht erinnert. Teilweise gebe es ein Vor
beireden, wobei nicht klar sei, ob die Frage verstanden worden sei. Die Erklä
rungen seien häufig umständlich, aber noch kohärent. Subjektiv empfinde er den formalen Gedankengang als verlangsamt. Während der Untersuchung falle nur eine unwesentliche Antwortlatenz auf, das ganze Ges
präch verlaufe eher schleppend
(S. 10 f.)
.
Im
Psychostatus nach AMDP
hielt sie eine leichte Auffassungsstörung, Konzen
trationsstörungen, Merkfä
higkeitsstörungen sowie leichte
formale Denkstö
rungen
fest
(S. 11
f.
)
.
Affektiv präsentiere
d
er
Beschwerdeführer
eine auf den ersten Blick
euthyme
Stimmungslage, aber merkwürdig vermengt mit einer subtilen Traurigkeit, wie eine Art Mischbild von
Euthymie
und depressivem Affekt
. Die eher lebhafte
Gestik, unbeeinträchtigte Psychomotorik, fehlende Antriebsstörung, der gute Schlaf
, Appetit und die sexuelle Appetenz liessen eher nicht an eine
majore
Depression denken. Es bestünden zwar weitere Hinweise für eine klassisch depressive Symp
tomatik wie Selbstinsuffizienzg
efühle und Verlust an Interesse und Hobbies. Bei näherer Exploration seien die Selbstinsuffizienzgefühle nicht depressiv unterlegt, sondern eine Folge diverser Ausfälle. Zum Beispiel scheine er nicht mehr in der Lage zu sein, komplexe Fähigkeiten wie Keyboardspielen oder die Vornahme technischer Reparaturen umzusetzen. Immerhin habe er sich neue Interessensfelder wie das Kochen oder Einkaufen gesucht. Er übe auch regel
mässig am Computer, er wolle eine Aufgabe. Dennoch führten bestimmte Ent
scheidungssituationen zu Überforderung. Innere Leere und Ratlosigkeit machten sich dann breit. Die gesamte Symptomatik wirke auch in
keinster
Weise «neu
rotisch», also als Ausdruck innerer Konflikte oder charakterlicher Mängel. Das Gesamtbild wirke insgesamt eher organisch, als dass man eine F3 Diagnose stellen könnte. Dazu passten auch plötzliche Stimmungsschwankungen und das zeit
gleiche Auftreten nach dem Kleinhirninfarkt. Insofern
sei
keine affektive Diag
nose
zu
stellen, sondern mehr davon aus
zugehen
, dass es sich um eine organische Problematik handle, welche in der Literatur als
cerebelläres
kognitiv affektives Syndrom beschrieben werde (S. 13 Mitte).
Eine Aggravation habe sie in der Unter
suchung nicht feststellen können. Der Beschwerdeführer habe sogar abgestritten, dass er unter Depressionen und Ängsten leide. Seine Schilderungen des Tagesab
laufs und der Symptomatik seien nachvollziehbar und in sich konsistent (S. 13 unten).
Von einer
Dysthymie
-Diagnose, wie sie 2015 gestellt worden sei
(vgl. vorstehend
E.
3.1
0
)
, sollte
aus näher dargelegten Gründen
Abstand genommen werden
(S. 13 f.).
Aus psychiatrischer Sicht sei eine Arbeit als Baustellenleiter aufgrund der kog
nitiven affektiven Defizite kurz-, mittel- und vermutlich auch langfristig nicht mehr möglich. Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sei ohne Expo
sition an einer angepassten Tätigkeit, welche zeitlich auf 2-4 Stunden limitiert sein sollte, ohne Zeitdruck und mit Anweisung, überschaubaren Aufgaben und vermutlich auch repetitiven, eher praktischen Handlungen (wie zum Beispiel Ver
packen, Briefe zusammenkleben) schwierig einschätzbar. Immerhin gelängen ihm Einkaufen nach einer Liste und auch da
s Kochen nach Kochrezept. Die Teilgu
t
achterin «würde eine Rest-Arbeitsfähigkeit in solch einem Rahmen 20-30
%
sehen». Man müsste dies aber vermutlich in einem geschützten Rahmen über
prüfen. Es handl
e sich eher mehr um einen geschü
tzten Rahmen als um den ersten Arbeitsmarkt. Deswegen gehe sie auch aktuell eher von keiner Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aus (S. 14 Mitte).
Da es sich mehr um eine organische Pathologie handle, liege der psychiatrisch-psychotherapeutische Fokus vermutlich mehr auf Begleitung und Unterstützung. Die antidepressive Medikation sei als Versuch zu sehen, die affektive Sympto
matik zu verbessern. Möglicherweise könnte der Beschwerdeführer durch ein Be
schäftigungsprogramm profitieren, in welchem man auch seine Arbeitsleistung besser beurteilen könnte
(S. 15 Ziff. 4.5).
Als Fazit bestehe in der bisherigen Tätigkeit als Bauleiter seit dem Klein
hirn
in
farkt vom Februar 2015 keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer angepassten Tätig
keit betrage die Arbeitsfähigkeit 20 bis 30
%
in einem geschützten Umfeld mit mehr repetitiven handlungsbetonten Aufgaben ohne Zeitdruck (S. 15 Ziff. 4.6).
4.5
I
m neuropsychologischen Teilgutachten (Urk. 9/88/79-86)
wurde
aus
geführt
, be
tref
fend die Beschwerdevalidierung sei gesamthaft mit allen verfügbaren Infor
mationen und den aktuell resultierenden Ergebnissen mit einer hohen Sicherheit
eine Verdeutlichungstendenz festzustellen. Im Rahmen der Beschwerde
validie
r
ung
zeigten sich über drei verschiedene Verfahren deutlich auffällige Ergebnisse
.
Neben
den Beschwerdevalidierungsverfahren seien noch wei
tere Testverfahren durch
ge
führt
worden, wobei der Verdacht auf eine Verdeutlichungstendenz zusätz
lich bestätigt worden sei (S. 6 f.). Aufgrund der ausgeprägten negativen Antwort
ver
zerrungen auf der Befundebene könne keine Aussage über das tatsächliche kogni
tive Funktionsniveau getroffen werden. Ob eine kognitive Störung dennoch vor
handen sei, entziehe sich aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung des Be
schwerdeführers den Erkenntnismöglichkeiten der Gutachterinnen (S. 8 Mitte).
4.6
Im Rahmen der interdisziplinären Beurteilung (Urk. 9/88/35-47) stellten die Gut
achter dieselben Diagnosen wie in den Teilgutachten (S. 36 Ziff. 4). In der aktu
ellen gutachterlich-neu
ropsychologischen Untersuchung sei
keine Angabe zu allfällig vorhandenen kognitiven Defiziten möglich. Hinsichtlich der neuro
psycho
logischen Funktionsstörung fänden sich mit Verweis auf den Bericht vom 9. Oktober 2015
(vgl. vorstehend E. 3.8)
aber auch Angaben, dass
diese schweren
Ausmasses
sei.
B
ezüglich der verhaltens- und kognitionsbedingten Defizite
be
stehe
keine Diskrepanz zwischen dem psychiatrischen und dem neuropsycho
lo
gischen Gutachten,
mithin
lägen Limitationen vor, welche über die neuro
psy
chologische Testung hinausgingen, vor allem affektive Komponenten und unzu
reichende Lösungsmuster, was Krisen/interaktionelles Verhalten/Umgang mit sich selbst und der Krankheit angehe (S. 37 Ziff. 4.5, S. 36
Fn
. 11, S. 43
Fn
. 14). Das Letztgenannte müsse eigentlich in der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung zu sehen sein, doch könne diese nicht gestellt werden, da sie wesentlich mehr Vorbefunde oder einen längeren Behandlungszeitraum bräuchte. Deswegen sei die Diagnose einer Akzentuierung der Persönlichkeit gewählt
worden.
Die Kombi
nation aus Sucht/affektiver und kognitiver Problematik sowie seine interak
tio
nellen Schwierigkeiten hinderten
den Beschwerdeführer
nun auch daran, ge
nü
gend belastbar zu sein und sich in einer Anstellung zu bewähren (S. 36 f.
Fn
. 11
=
S. 43
Fn
. 14).
Aus den durch die einzelnen Teilgutachter attestierten Arbeitsunfähigkeiten ergebe sich aus interdisziplinärer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit von 100
%
und in einer Verweistätigkeit von 70 bis 80 %. Dabei gelte das seitens der psychiatrischen Teilgutachterin geäusser
te Fähig
keitsprofil (S. 38 Ziff. 4.7, S. 46 Ziff. 5.7.1
). Diese Arbeitsunfähigkeit gelte ab Datum der Begutachtung (S. 38 unten). Die Graduierung von Befunden sei nicht ein
fach, da sie meistens nicht einer wissenschaftlichen Quantifizierung zugän
glich seien.
Vorliegend
könne jedoch festgehalten werden, dass die Befunde in ihrer Ausprägung mittelgradig seien (S. 39 Ziff. 5.1.2). Es bestünden ausreichende Ressourcen (S. 42 Ziff. 5.1.8).
Unter dem Titel «Detaillierte Diskussion
und kriti
sche Würdigung der Auswirkungen der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit in allen vergleichbaren Lebensbereichen (Beruf/Erwerb, Haushalt, Freizeit und soziale
Aktivitäten
)
»
h
iel
ten die Gutachter fest: «Die Beschwerden und Befunde wirken sich in allen obengenannten Bereichen aus.» (S. 45 Ziff. 5.6.2).
4.7
Dr. med.
Q._
,
Facharzt für Rechtsmedizin, führte im Bericht vom 6. März 2018 zur verkehrsmedizinischen Begutachtung (Urk. 9/101
= Urk. 9/103 = Urk. 9/105/2-7
) aus, der Beschwerdeführer fahre nach eigenen An
gaben nur sehr wenig. Er schätze, dass er zweimal monatlich und insgesamt 10
km im Monat fahre. Schwierigkeiten beim Fahren gebe es nur selten. Einmal aber habe er abbiegen wollen und habe dabei ein Auto zunächst nicht
kommen
sehen. Plötzlich sei es dann da gewesen. Er habe insgesamt mehrere kritische Situationen erlebt. Andere pressierten im Verkehr, dies mache ihn nervös, er sei langsamer. Was er früher automatisch gemacht habe, mache ihm jetzt Angst, so das Fahren bei Regen und Dunkelheit. Er fahre nur, wenn es wenig Verkehr habe. Er prüfe immer, ob und wann er fahre. Meist sei seine Frau dabei (S. 2 oben).
Bei der körperlichen Untersuchung hätten sich keine verkehrsmedizinisch rele
vanten Besonderheiten ergeben. Im Gespräch wirke der Beschwerdeführer ver
lang
samt, im Affekt vermindert schwingungsfähig und ernst. Bei den durch
ge
führten Tests habe er im Trail-Making-Test Teil A und B einen deutlich erhöhten Zeitbedarf benötigt, wobei ihm im Teil B mehrere Fehler unterlaufen seien (S. 5 unten). Bei der gesamthaften Bewertung stehe bezüglich der Fahreignung die kognitive Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Wie den vorliegenden Fremdbe
richten zu entnehmen sei, hätten sich auch im Rahmen der verkehrsmedizinischen Untersuchung deutliche kognitive Defizite gezeigt. Aufgrund des Ausmasses dieser Defizite mit im Wesentlichen psychomotorischer Verlangsamung, mit Be
einträchtigungen unter anderem im Bereich von Aufmerksamkeitsleistungen und exekutiven Funktionen sowie den vom Beschwerdeführer beschr
iebenen Schwie
rigkeiten beim Lenken eines Fahrzeugs sei aus verkehrsmedizinischer Sicht der
zeit eine Befürwortung der Fahreignung nicht möglich (S. 6 oben). Eine verkehrs
medizinische Neubeurteilung sei zusammen mit einer verkehrspsychologischen Leistungsdiagnostik erst dann sinnvoll, wenn sich im weiteren Verlauf, insbe
sondere im Rahmen der psychiatrischen Betreuung, eine deutliche Verbesserung der psychischen und kognitiven Verfassung eingestellt habe (S. 6 Mitte).
Mit Verfügung des Strassenverkehrsamtes des Kantons Zürich vom 17. April 2018
wurde dem Beschwerdeführer
der Führerausweis
auf unbestimmte Zeit entzogen
(Urk. 3/3 S. 1 Mitte).
4.
8
Dipl. med.
R._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 20. März 2018 (Urk. 9/107 S. 7 Mitte) aus, es könne aus neuropsychologischer Sicht nicht valide Stellung genommen werden. Nicht plausibel sei die neuropsychologische Verschlechterung zwischen 2015 und 201
6.
Zusätzlich nicht plausibel seien die gute Alltagsfunktionalität und die gezeigten neuropsychologischen Befunde. Eine organische affektive Störung möge vorliegen, die wissenschaftliche Evidenz bei Kleinhirninfarkten sei aber bisher sehr gering. Nicht nachzuvollziehen seien die hohen attestierten Arbeitsunfähigkeiten im psychiatrischen
Y._
-
Teilgut
ach
ten. Infolge der nicht-validen Beschwerdepräsentation könne aus Sicht des RAD nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zur Arbeitsunfähigkeit Stellung ge
nommen werden.
5
.
5
.
1
In rein neurologischer Hinsicht ist
mit der Beschwerdegegnerin (vorstehend E. 2
.1)
auf die überzeugenden Befunde des neurologischen
Y._
-
Teilgu
tachters (vor
stehend E.
4.
3
) abzustellen, wonach infolge des Kleinhirninfarktes eine
residuelle
Stand- und Gangunsicherheit besteht, die den Beschwerdeführer in seiner ange
stammten Tätigkeit als Polier beeinträchtigt.
Nicht abzustellen ist entsprechend auf
G._
-
Gutachter
Dr.
I._
, welcher als einziger Beurteilender davon ausging, der Kleinhirninfarkt sei als ausgeheilt zu betrachten (vorstehend E.
3.1
0
).
In neuropsychologischer Hinsicht
konnten
infolge des Aggravations
verdachts beziehungsweise
der Verdeutlichungstendenz in
keinem der
beiden MEDAS-Gutachten Aussagen über das tatsächliche kognitive Funktionsniveau getroffen werden (vorstehend
E. 3.1
0
und E. 4
.5
). Es ist daher unwahrscheinlich, dass eine erneute neuropsychologische Untersuchung neue, für die Beurteilung des vorliegenden Falles entscheidende Erkenntnisse liefern könnte. Auf weitere Abklärungen ist daher im Sinne der
antizipierten Beweiswürdigung zu verzichten (BGE 122 V 157 E. 1d).
Es ist im Folgenden auf die psychiatrische Beurteilung zu fokussieren.
5
.2
Im
Rahmen der
polydisziplinäre
n
Begutachtung vom Juli 2017 gelangte die psychiatrische Teilgutachterin zur Diagnose einer organisch affektiven und ko
g
ni
tiven Störung F06.9 nach
Kleinhirninfarkt im Februar 2015 (vorstehend E.
4.4
). Ihre Einschätzung beruhte auf eigenen Untersuchungen, berücksichtigte auch die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben. Gut nachvollziehbar und ausführlich
erklärte sie dabei, weshalb die vormals ge
nannten Diagnosen Depression,
Dysthymie
oder Persönlichkeitsveränderung zu verwerfen
seien. Entsprechend wurde die von ihr gestellte psychiatrische
Diag
nose auch in die polydisziplinäre
Gesamtbeurteilung (vorstehend E.
4.
6
) und von der Beschwerdegegnerin in die Ressourcenprüfung übernommen (Urk. 9/107
S.
8 Mitte). In der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurtei
lung der medizinischen Situation leuchtet das psychiatrische Teilgutachten also ein
Näher zu überprüfen sind jedoch
die gezogenen Schlussfolgerungen betref
fend die Arbeitsfähigkeit
.
5
.
3
Das Bundesgericht entschied mit BGE 143 V 418, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (vgl. vor
stehend E. 1.4
), so auch vorliegend. Es ist deshalb nachfolgend
anhand der Standardindikatoren
zu beurteilen, ob aufgrund der
organisch affektiven und kognitiven Störung nach Kleinhirninfarkt
eine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist.
Dem polydisziplinären
Y._
-
Gutachten
(Urk. 9/88)
lassen sich auf die explizit gestellten einschlägigen diesbezüglichen Fragen nur teilweise ergiebige Antworten entnehmen,
während es sich
an anderen Stellen mit aussergewöhnlich knappen Ausführungen begnügt
e
(vgl.
etwa S. 45 Ziff. 5.6.2 f.).
Aus den übrigen Akten ergeben sich jedoch hinreichende weitere Anhaltspunkte für die
Indika
to
renprüfung
.
Zum Komplex
Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
abgestellt auf die Befunde im
psychiatrischen
Y._
-Teilg
utachten
festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
in kognitiver Hin
sicht
eine leichte Auffassungsstörung, Konzentrationsstörungen, Merkfähigkeits
störungen, formale Denkstörungen
aufweist
.
In affektiver Hinsicht ist er leicht ratlos, leicht deprimiert und leicht bis mittelschwer affektlabil (vorstehend E.
4.4
).
Das Ausmass der kogni
tiven Beeinträchtigung konnte aus
neuropsychologis
cher
Warte
in den MEDAS-Gutachten wegen Aggravationsverdacht beziehungsweise
Verdeutlichungstendenz nicht exakt evaluiert werden
(vorstehend E. 3.1
0
und E. 4
.5
).
Nachdem
aus Sicht der
G._
-Gutachter
noch ein «hochgradiger Verdacht auf Aggravation» bestanden hatte,
konnte die psychiatrische
Y._
-
Teilgutachterin in der Untersuchung keine Aggravation feststellen, und auch die
Y._
-
Neuropsychologin sprach
lediglich
von einer Verdeutlichungstendenz, wobei diese in der interdisziplinären Beurteilung explizit von der Aggravation abge
grenzt wurde mit dem Hinweis, dass erstere der Begutachtungssituation an
ge
messen sei (Urk. 9/88 S. 41
Fn
. 13).
Gewicht
er
hält vor diesem Hintergrund die
Feststellung der Neurologen des
B._
, eine Aggravation anlässlich ihrer Unter
suchung
habe
durch das gezielte Geben von Testaufgaben ausgeschlossen werden
können
. Die dortigen Spezialisten dürften in keiner besonders nahen Beziehung zum Beschwerdeführer
stehen und ihre Berichte vom August 2015
und vom
Juni 2016 (vorstehend E. 3.5 und E. 3.1
1
) sind
sehr sorgfältig
und differenziert
ver
fasst.
Auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer regelmässige Ergotherapie und Psy
chotherapie in Anspruch nahm und seine Hobbies – insbesondere das Spielen in einer Band – aufgab, sind weitere Indizien dafür, dass effektiv nicht unwes
entliche kognitive Einschränkungen bestanden und bestehen.
Z
u diesem Schluss kam auch Dr.
Q._
im Rahmen der verkehrsmedizinischen Begutachtung
(vor
stehend E. 4.7)
, wobei anzumerken ist, dass Versicherte in der Regel nicht zu ihrem Nachteil
aggravieren
oder verdeutlichen
, wenn der Führerschein auf dem Spiel steht.
Mit dem Resultat der verkehrsmedizinischen Begutachtung verliert auch das Argument
der
G._
-Gutachter an Gewicht
, es widerspräche den geltend gemachten Einschränkungen, dass der Beschwerdeführer unfallfrei mit dem Auto fahre.
Die Annahme schwerwiegender Beeinträchtigung
en
beim beweisbelasteten Be
schwer
deführer
verbietet sich angesichts des zweimaligen Scheiterns einer gut
ach
terlichen Einschätzung i
n neuropsychologischer Hinsicht sowie unter Berück
sichtigung der Einstufung der kognitiven Störungen durch die
Y._
-Psychia
terin unter dem Titel Psychostatus nach AMDP als eher leicht bis mittelschwer (vorstehend E.
4.4
). In Kombination mit den erstellten affektiven Störungen ist m
it den
Y._
-Gutachtern
gesamthaft
davon auszugehen, dass die
Befunde in ihrer Ausprägung mittelgradig
sind
(
vgl.
vorstehend E.
4.
6
)
.
In Bezug auf den Indikator Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
resistenz
ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer
seit
Oktober 2015 in psy
chia
trisch-psychotherapeutischer Behandlung
befi
nd
et
, wobei teils
psychoedukative
, teils kognitiv-
behaviorale
Sitzungen
zeitweise
im Zweiwochen
-
und
zeitweise
im Monatstakt
stattfanden.
Weiter
absolvierte
er von Juli 2015 bis
zirka anfangs 2017
eine
Ergotherapie (Urk. 9/74/6 Ziff. 1.5, Urk. 9/74/3 Ziff. 4, Urk. 9/88 S. 69 Ziff. 2.1.2).
Weder der
behandeln
de Psychiater noch die Ergotherapeutin formu
lierten aus, ob und wie im kognitiv-affektiven Bereich beim Beschwerdeführer in Zukunft eine Verbesserung erzielt werden könnte. Die psychiatrische
Y._
-Gut
achterin äusserte sich dahingehe
n
d, dass aufgrund der organischen Patho
lo
gie der psychiatrisch-psychotherapeutische Fokus vermutlich mehr auf Beglei
tung und Unterstützung liege. Die antidepressive Medikation sei als Versuch zu sehen, die affektive Symptomatik zu verbessern. Möglicherweise könne der Be
schwerdeführer durch ein Beschäftigungsprogramm profitieren, auch das Absol
vieren des kognitiven Programms auf dem Computer sei für eine bessere Prognose
weiterhin zu unterstützen
(Urk. 9/88/77 Mitte).
Es ist somit von einer eher unge
wissen Prognose ohne erhebliche B
esserungsaussichten auszugehen.
Im Juni 2015 ersuchte der Beschwerdeführer um Eingliederungsberatung (Urk. 9/36
S. 1 oben).
Die Ärzte des
B._
berichtete
n
im August 2015, der Beschwerdeführer wolle unbedingt wieder arbeiten, wobei ein erster Arbeits
ver
such ge
scheitert sei (vorstehend E. 3.5
).
Die Hausärztin führte dazu aus, er habe bei diesem von ihm gewünschten Arbeitsversuch die ihm sonst vertrauten Skizzen im Bau nicht verstanden und sei sich komplett deplatziert vorgekommen (vor
stehend
E. 3.18
).
Im Oktober
beziehungsweise November
2015 teilte seine Arbeit
geberin mit, es gebe wahrscheinlich keine längerfristige Lösung
. Die angestammte Tätigkeit sei die selbständige Führung von hochkomplexen Bauprojekten mit entsprechendem Lohn. Die Situation des
Poliers habe sich entwickelt, sie
sei hek
tischer und komplexer geworden, es bestünden Bedenken für die Eigen- und Fremdsicherheit (Urk. 9/36 S. 4 unten, Urk. 9/36 S. 5 Mitte).
Für den Beschwer
deführer war es Ende November 2015 schwer zu akzeptieren, dass es noch zu früh sei für einen Arbeitsversuch (vorstehend E. 3.
8
).
Im
Dezember 2015
teilte der Beschwerdeführer
dann
gestützt auf ein ärztliches Zeugnis seiner Hausärztin mit, er sei derzeit nicht in der Lage, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen (Urk. 9/36 S.
6). Nachdem ein Arbeitsversuch nach 5 Tagen abgebrochen werden musste (Urk. 9/70 S. 2 unten), wurde dem Beschwerdeführer von seiner Arbeit
geberin
im Juni 2016
eine Stelle
in einer neuen Funktion
als Bauarbeiter angeboten (Urk. 9/70 S. 9 unten). Er nahm das Angebot nicht an
(Urk. 9/70 S. 12), bewarb sich aber
seither
gemäss eigenen Angaben
für verschiedene andere Stellen
etwa als Hauswart,
Betriebsabwart
und in der Reinigung
in einem Pensum von 100
%
(Urk.
9/88 S. 71 oben
).
Wie die angebotene Stelle als Bauarbeiter im Detail ausgestaltet gewesen wäre,
ergibt sich aus dem in den Akten liegenden Arbeits
vertrag (Urk. 9/61/2) nicht
.
Die T
ätigkeit als Bauarbeiter
ist
aber generell dyna
misch, zuweilen hektisch, es wird oft unter erhöhtem Zeitdruck gearbeitet, wobei unter Sicherheits- wie auch Qualitätsaspekten eine erhöhte Aufmerksamkeit des Einzelnen erforderlich ist. Sie entsprach somit kaum dem Belastungsprofil, nicht zuletzt auch wegen
d
er
res
iduellen
Gangun
sicherheit.
Es
spricht somit für und nicht gegen das Vorhandensein von relevanten Beeinträchtigungen,
wenn
d
er
Beschwerdeführer
das Angebot einer ungeeigneten Arbeitsstelle
bei
seiner
bishe
rigen
Arbeitgeberin
nicht
annahm und
sich stattdessen um eine
– notabene schlechter bezahlte -
andere
Anstellung in einer
adäquate
n
Tätigkeit bemüht
e
.
Eine psychiatrische Komorbidität liegt nicht vor.
Zum
Indikator
Persönlic
hkeit ist festzuhalten, dass die
Y._
-Gutachter
zwar eine
Akzentuierung der Persönlichkeit erwähnten, diese aber
nur
in der Fussnote umschrieben und nicht
etwa
als eigenständige Dia
gnose auflisteten (vorstehend E.
4.6
).
Die psychiatrische Teilgutachterin hatte hierzu überzeugend festgehalten, die Persönlichkeit des Beschwerdeführers habe sich entgegen dem behandelnden Psychiate
r nicht verändert (vorstehend E.
4.4
), worauf
abzustellen
ist
. Die Sprach
kenntnisse und das Bildungsniveau
des ausgebildeten Elektroinstallateurs
sind
ansprechend
,
zudem verfügt
er
über viel Arbeits
erfahrung, nachdem er zunächst etwa
8 bis 9
Jahre
in der
S._
_
unter anderem Raketen auf Militär
schiffen programmiert
hatte
und da
n
ach 27 Jahre in der Schweiz als Bauarbeiter, Vorarbeiter und zuletzt als Baustellenleiter
tätig war
(Urk. 9/9,
Urk. 9/63 S. 7 unten
, Urk. 9/88 S. 40
, S.
70
f.
). Der Beschwerdeführer verfügt demnach durchaus über persönliche Ressourcen.
Zum Komplex sozialer Kontext ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mit seiner Ehefrau und dem
jüngeren
Sohn (Jahrgang 1989
) zusammenlebt, wobei er auch vom älteren
Sohn
(Jahrgang 198
3
) unterstützt wird
, welcher nicht mehr zuhause lebt.
Das Verhältnis zu den Eltern ist gut, auch zu den
beiden jüngeren Geschwistern besteht Kontakt (Urk.
9/
43 S. 6 Mitte
, Urk. 9/86 oben
; vgl.
Urk. 9/2 Ziff. 3.1
).
Seit dem Kleinhirninfarkt hat der Beschwerdeführer das Keyboard
spielen in der Band aufgegeben (Urk. 9/88 S. 68 Mitte). Inwiefern derzeit noch soziale Kontakte ausserhalb der Familie stattfinden, lässt sich den Akten nicht
entnehmen. Jedenfalls verfügt der Beschwerdeführer über einen geregelten Tage
sablauf und
geht diversen Aktivitäten nach. Er steht um 6 Uhr auf. Nach dem Frühstück und den Verrichtungen im Badezimmer sowie dem Leeren des Ge
schirr
spülers führt er den Hund für eine Stunde aus. Anschliessend geht er zum Einkaufen. Nach Rückkehr und kleiner Zwischenmahlzeit bereitet er das Mittag
essen vor. Wenn die Ehefrau um 12.30 Uhr zurückkommt, essen sie gemeinsam. Um 14 Uhr führt er erneut den Hund aus. Ebenso geht er in einzelne Geschäfte, um nach Sonderaktionen beziehungsweise Rabattangeboten
Ausschau
zu
halten
. Nach
der
Rückkehr um etwa 16 Uhr bereitet er das Abendessen vor und isst mit der Ehefrau und dem Sohn etwa um 19 Uhr. Um 20 Uhr geht er mit der Ehefrau
s
pazieren und sie führen gemeinsam den Hund aus. Anschliessend spielt er etwas am Computer. Um 22 Uhr geht er ins Bett (Urk. 9/88 S. 42 Ziff. 5.2.2)
.
Damit ver
fügt der Beschwerdeführer durchaus über soziale Ressourcen und ist fähig, einen geregelten Tagesablauf einzuhalten, sich im Haushalt nützlich zu machen und – mindestens innerhalb der Familie - soziale Kontakte zu pflegen.
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz. Hinsichtlich des Gesichtspunkt des
Aktivi
tätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist festzuhalten, dass so
wohl im sozialen als auch im beruflichen Kontext nahezu gleichmässige Ein
schränkungen vorliegen.
Der Beschwerdeführer
muss
vieles
aufschreiben, sonst vergisst er es.
Für den Einkauf macht er mit der Ehefrau zusammen regelmässig Listen.
Er nimmt
diese
dann mit und muss sich stark konzentrieren, damit er alles findet. Er versucht auch andere Aktivitäten im Haushalt, aber verwechselt
zum Beispiel
die Fächer in der Waschmaschine. Er kocht regelmässig, allerdings sehr einfache Sachen. Obwohl er diese Rezepte regelmässig macht, muss er immer wieder im Kochbuch nachlesen, welche Temperatur und welche Garzeit die Speise braucht (Urk. 9/88 S. 68 Ziff. 2.1.1). Bei seinen zwei Arbeitsversuchen als Bau
führer habe er nur weinen können. Er verstehe nicht, wie er das alles früher habe bewältigen können, die ständigen Telefonate, Aufträge einholen, Aufträge vertei
len, koordinieren, die ganzen Aktenordner voll mit Geschäftspapieren (Urk. 9/88 S. 7 Mitte). Ähnliche Einschränkungen zeigen sich auch beim Autofahren, wo der Beschwerdeführer mehrere kritische Situationen erlebte und ihm
in
der verkehrs
medizinischen Untersuchung die Fahreignung a
bgesp
rochen wurde (vorstehend E.
4.7
).
Das Keyboardspielen und Singen in einer Band musste er ebenfalls auf
geben.
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungs
a
na
m
nes
tisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist schliesslich festzuhalten, dass
der Be
schwer
deführer von Juli
2015
bis zirka Dezember 2016 bei unklarem Sitzungs
rhythmus eine
Ergotherapie
absolvierte
und
sich
seit Oktober 2015 in psychia
trisch-psychotherapeutischer Behandlung befindet, wobei Sitzungen
teilweise im Zweiwochen- teilweise im Monatstakt stattfi
nden.
Besonders eng wird der Be
schwer
deführer demnach derzeit nicht betreut, was angesichts einer eher unge
wissen Prognose nach umfangreichen ärztlichen Abklärungen ohne erhebliche Besserungsaussichten jedoch auch nicht zwingend angezeigt wär
e. Auch
bei der Eingliederung
wäre
wohl
mehr Engagement des Beschwerdeführers möglich
, aber nicht unbedingt
zu erwarten
gewesen. Es ist daher von einem mittelschweren Leidensdruck auszugehen.
5
.4
Med.
pract
.
P._
kam
im psychiatrischen
Y._
-
Teilgutachten zum Schluss, eine
Tätigkeit
als Baustellenleiter sei aufgrund der kognitiven affektiven Defizite kurz-, mittel- und vermutlich auch langfristig nicht
mehr möglich (vorstehend E.
4.4
)
. Der behandelnde Psychiater Dr.
F._
schätzte die medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit als «Gruppenleiter/Vorarbeiter» mit 50 bi
s 70
%
tiefer ein (vorstehend E. 3.
9
). Dem in den Akten befindlichen Funktionsbeschrieb
(Urk. 9/27/8)
ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer als Polier Prozess
verantwortlicher und
als solcher
verantwortlich für die Einhaltung diverser Nor
men war, wobei er gleichzeitig bei der Ausführung der Aufträge praktisch mitar
beitete
(Ziff. 4.1)
. Er rapportierte und überwachte den Bauablauf, sammelte die täglich anfallenden Daten für die Bauabrechnung sowie die Kostenkontrolle und leitete diese weiter
(Ziff. 4.2)
. Er plante die ihm zugeteilten Ressourcen für einen reibungslosen Ablauf des Bauprojektes
(Ziff. 4.3)
.
Er war Baustellenchef und vertrat den Betrieb vor Ort, leitete, betreute und förderte die ihm zugeteilten Mit
arbeiter und Lehrlinge und konnte bei Personalentscheidungen beigezogen werden
(Ziff. 4.4
f.
). Entsprechend hielt die Arbeitgeberin gegenüber der Beschwerdegeg
nerin fest, die angestammte Tätigkeit sei die selbständige Führung von hoch
kom
plexen Bauprojekten. Sie sei hektischer und komplexer geworden, es bestünden Bedenken für die Eigen- und Fremdsicherheit (Urk. 9/36 S. 4 unten, Urk. 9/36 S. 5 Mitte). Angesichts der erstellten kognitiven und affektiven Einschränkungen
sowie der bleibenden Gangunsicherheit
ist offensichtlich, dass der Beschwerde
führer seine angestammte
Tätigkeit
nicht mehr a
usführen kann. Nicht einzu
leuchten verm
ag
angesichts des Aufgabenkatalogs, inw
iefern er diese bisherige Tätigkeit
– wie von Dr.
F._
sowie vom neurologischen Teilgutachter angegeben
–
mit einem Pensum von bis
zu 70
%
ausführen sollte, zumal ihn
insbesondere seine
kognitiven Defizite in sämtlichen
dort zu erledigen
den
Aufgaben bedeutend behindern.
Im regelmässig dynamischen und gefährlichen Umfeld einer Baustelle ist es zudem schwer vorstellbar, wie es dem Beschwerdeführer bei all den zu bewältigenden Aufgaben möglich sein sollte, noch besonders auf einen sicheren Gang zu achten.
Es ist daher mit der psychiatrischen Teilgutachterin von einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in der angestammten Tätigkeit auszugehen.
5
.5
Die
behinderungsangepasste
Tätigkeit
sollte
gemäss med.
pract
.
P._
ohne Zeitdruck ausgestaltet sein, unter Anweisung erfolgen, mit überschaubaren Auf
gaben und vermutlich auch repetitiven, eher praktischen Handlungen wie zum Bei
sp
iel Verpacken und
Briefe zusammenkleben (vorstehend E.
4.4
). Diesem Belas
tungsprofil kann mit Blick auf die erstellten Einschränkungen
grundsätzlich
ge
folgt werden und
es ist entsprechend stimmig, dass sich der Beschwerdeführer
um
Anstellungen
als Hauswart,
Betriebsabwart
und
in
der Reinigung
bemüht
(vorstehend E.
5
.3)
.
Die Arbeitsfähigkeit in einer derart angepassten Tätigkeit sei gemäss med.
pract
.
P._
au
f 2-4 Stunden täglich limitiert, wobei es sich «eher mehr um einen geschützten Rahmen» handle, sie also «aktuell eher von keiner Arbeits
fähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ausgehe».
Sie räumte aber ein, dass dies ohne Exposition schwierig einschätzbar sein
und ihre Unsicherheit widerspiegelt sich
denn
auch in der zitierten Wortwahl. Sie begründet
e
ihre Einschätzung auch nicht
näher
. Auf diese kann
vor dem Hintergrund
, dass sogar der behandelnde
Psychiater von einer Arbei
tsfähigkeit von 50-70
%
ausging, nicht abgestellt w
erden.
Die
Indikatorenprüfung
ergibt
, dass der Beschwerdeführer bei einer mittel
schwe
ren Gesundheitsbeeinträchtigung
überwiegend wahrscheinlich
genügend persön
liche und soziale Ressourcen hat, um sich in einer angepassten Verweistätigkeit in einem Pensum von 100
%
zu bewähren.
Diesbezüglich ist somit auf das neu
rologische
Y._
-Teilgutachten abzustellen, das deckungsgleich mit dem
G._
-Gutachten von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer Verweis
tätigkeit ausging (vorstehend E. 3.1
0
und E.
4.
3
).
Folglich ist nicht schlüssig, dass die Verweistätigkeit in einem geschützten Rahmen stattzufinden hat. Das
von med.
pract
.
P._
formulierte
Belastungsprofil ist insofern anzupassen, als dass die Verweistätigkeit nicht völlig frei,
aber
immerhin «weitgehend» frei von Zeitdruck zu sein hat.
Gestützt auf das neurologische
Y._
-Teilgutachten hat
sie
sodann frei zu sein von Arbeiten mit Absturzgefahr oder auf stark unebenem Untergrund.
Ab wann dies
e Verweistätigkeit
dem Beschwerdeführer möglich
und zumutbar
war, ist retrospektiv schwierig zu beurteilen,
was auch die
Y._
-Gutachter
festhielten
(Urk.
9/
88 S. 47 oben).
Zweifellos
war die volle Arbeitsfähigkeit in der Verweistätigkeit
nach Ablauf des Wartejahres
am 1.
Februar
2016
gegeben
.
5
.6
Im Ergebnis ist somit eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in der angestammten Tätigkeit seit dem
5. Februar 2015
bei einer
Arbeitsfähigkeit
von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit ab
spätestens 1.
Februar 2016
erstellt.
6
.
6.
1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er
werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE
130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.
2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
ge
passten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
6.
3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
be
nen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
6.
4
Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Brutto
löhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) aus
zugehen ist. Bei der Anwen
dung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzu
rech
nen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
6.
5
Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grund
sätzlich auf die Gegeben
heiten im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V 222). Ein Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspru
ches. Die IV-Anmeldung ging am 3
0.
Juni
2015
bei de
r Beschwerdegegnerin ein (Urk. 9/2
s
owie Aktenver
zeichnis zu
Urk.
9
). Ein allfälliger Rentenanspruch
best
ünde
somit frühestens ab dem 1.
Dezember
201
5.
Da aber die Wartezeit nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG vorliegend erst im Februar 2016 abläuft, entsteht ein allfälliger Renten
anspruch frühestens zu diesem Zeitpunkt.
6.
6
Voll erwerbstätig
war der Beschwerdeführer zuletzt im Jahr 201
4.
Dabei erzielte er
ein
Bruttojahreseinkommen von Fr. 114’330
.--
. Im Jahr 2012
hatte dieser Wert bei Fr. 113’134
.--
und im Jahr 2013 bei Fr. 114'076
.
--
gelegen
(Urk. 9/115/2)
.
Es
ist vom Durchschnitt
dieser drei Jahre, mithin Fr. 113’847
.-- auszugehen. Unter Berücksichtigung der allgemei
nen Lohnentwicklung im Jahr 2015
in der Höhe von 0.3
%
und im Jahr 2016 in der Höhe von 0.6
%
(
Bundesamt für Statistik, Ent
wicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Real
löhne, 1910-2018
, T 39) resultiert ein
Valideneinkommen
von rund Fr. 114
‘
87
4
.-- (Fr.
113'847.-- x 1.003
x 1.006
).
6.
7
In den Folgejahren bezog der
Beschwerdeführer
in erster Linie Entschädigungen der Arbeitslosenversicherung und übte keine angepasste
Erwerbt
ätigkeit aus, wes
halb
die Ermittlung des Invalideneinkommens nicht konkret erfolgen kann, sondern gestützt auf die statistischen Tabellenlöhne vorzunehmen ist.
Angesichts der Zumutbarkeit einer 100%igen behinderungs
angepassten Tätig
keit steht dem Beschwerdeführer
auch bei Beachtung dessen, dass
diese weitgehend ohne Zeitdruck und ohne Arbeiten mit Absturzgefahr oder auf stark unebenem Untergrund ausgestaltet sein sollte, unter Anweisung, mit überschaubaren Auf
gaben und vermutlich auch repetitiven, eher praktischen Handlungen
erfolgen sollte, eine breite Palette von Tätigkeiten offen. Es rechtfertigt sich daher, für die Bemessung des Invaliden
einkommens auf den standardisierten
Durch
schnittslohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Arbeit in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors abzu
stellen (LSE 201
6
, Tabellengruppe
TA1_tirage_skill_level
, Total, Niveau 1).
Das im Jahr 201
6
von
Männern
im Durchschnitt aller einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art erzielte Einkommen betrug pro Monat
Fr. 5‘3
40
.--, mit
hin Fr. 6
4
‘
080
.-- im Jahr (Fr. 5‘312
.-- x 12). Der durch
schnittlichen wöchen
tlichen Arbeitszeit im Jahr 2016
von 41.7 Stunden
(Bundesamt für
Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, T.
03.02.03.01.04
.01)
angepasst, ergibt dies den Betrag von rund Fr.
66
‘
80
3
.-- (Fr.
6
4
‘
080
.-- : 40
.0
x 41.7).
6.
8
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungs
grad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbe
dingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Ge
sichtspunkts führen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
6
.9
Der Beschwerdeführer machte geltend, es sei angesichts seines fortgeschrittenen Alters, seiner beschränkten Deutschkenntnisse sowie seiner Bewegungsein
schrän
kungen ein leidensbedingter Abzug von mindestens 10
%
vorzunehmen (Urk. 1 S. 10 unten).
Dass
das fortgeschrittene Alter des Beschwerdeführers
die Stellensuche faktisch negativ beeinflussen kann, muss als invaliditätsfremder Faktor unberücksichtigt bleiben (Urteil des Bundesgerichts 8C_312/2017 vom 22. November 2017 E. 3.3.2 unter Hinweis auf 8C_808/201
3 vom 14. Februar 2014 E. 7.3)
,
und seine Sprachkenntnisse
– Deutsch mit eher geringem Wort
schatz und italienischem Akzent (vgl. vorstehend E.
4.4
) - sind ausreichend
für
einfac
he
Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher
Art.
Zutreffend ist hinge
gen, dass die verbliebene Gangunsicherheit wie auch die Anforderung, dass die Tätigkeit weitgehend frei von Z
eitdruck zu sein hat, dazu führen
, dass der Be
schwerdeführer die verbliebene Arbeitsfähigkeit möglicherweise nur mit unter
durchschnittlichem erwerblichen Erfolg verwerten kann. Entsprechend erweist sich ein Abzug von 10
%
vom Tab
ellenlohn als angemessen, was zu
einem Inva
lideneinkommen von
rund
Fr.
60’
123
.--
(Fr.
66’803
.-- x 0.9)
führt
.
6.
10
Der Vergleich
des
Valideneinkommens
von Fr. 114‘
874
.-- mit de
m Invalidenein
kommen von Fr.
60’
123
.-- ergibt eine Einkommensbusse von Fr.
54‘
7
51
.
--
und
somit einen Invaliditätsgrad von 4
8
%
.
In teilweiser Gut
heissung der Beschwerde ist die
Verfügung vom 2. August 2018
daher aufzuheben
un
d festzustellen, dass der Beschwerdeführer ab dem 1.
Februar
201
6
Anspruch auf e
ine
Viertel
s
rente
hat.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 1‘0
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
7
.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat der obsiegende Beschwerdeführer
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien ist die Prozessentschädigung ermessensweise auf
Fr.
2'400.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss ist die Beschwer
de
gegnerin folglich zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Prozessent
schä
di
gung in der Höhe von Fr. 2’400.-- zu bezahlen.