Decision ID: 5649e3ec-40de-465b-95be-7cefb886cf54
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Urkundenfälschung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht, vom
24. Mai 2016 (GG150035)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 4. Dezember
2015 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 28).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 79 S. 67 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,
− der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB,
− der Anstiftung zur Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung
mit Art. 24 Abs. 1 StGB,
− der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu
Fr. 30.– sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit wird auf 5 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Der bedingte Vollzug der mit Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 25. November
2008 ausgefällten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– wird widerrufen.
6. Die Privatklägerin wird mit ihrem Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivil-
prozesses verwiesen.
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'650.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 254.70 Auslagen des Vorverfahrens.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-
schuldigten auferlegt.
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9. Rechtsanwalt lic. iur. B._ wird für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger
des Beschuldigten mit Fr. 17'624.30 (inkl. Barauslagen und 8 % Mehrwertsteuer)
aus der Gerichtskasse entschädigt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen,
eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
10. Rechtsanwalt MLaw C._ wird für seine Bemühungen als unentgeltlicher
Rechtsbeistand der Privatklägerin mit Fr. 6'755.55 (inkl. Barauslagen und
8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Die Kosten des unentgeltlichen Rechtsbeistands werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen.
11. Es wird vorgemerkt, dass die ehemalige unentgeltliche Rechtsbeiständin der Pri-
vatklägerin, Rechtsanwältin MLaw D._, für ihre Bemühungen vom 5. April
2013 bis 21. November 2013 bereits mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland vom 28. November 2013 im Betrag von Fr. 3'525.25
(inkl. Barauslagen und 8 % Mehrwertsteuer) entschädigt wurde.
Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsbeiständin werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen.
12. (Mitteilungen)
13. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4 ff.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 98 S. 1 f.)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 24. Mai 2016 (GG250035-I) sei be-
treffend die folgenden Ziffern aufzuheben:
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- Ziffer 1, mit Ausnahme des Hausfriedensbruchs
- Ziffer 2 bis 8
- Ziffer 9 zweiter Abschnitt (nur Nachforderungsvorbehalt)
2. A._ sei von den Vorwürfen der mehrfachen Beschimpfung, der Anstif-
tung zur Drohung sowie der mehrfachen Urkundenfälschung freizusprechen.
3. Für den Hausfriedensbruch sei A._ mit einer bedingten Geldstrafe von
10 Tagessätzen zu CHF 30.00 zu bestrafen.
4. Der Vollzug der Geldstrafe sei in jedem Fall – auch im Fall von weiteren
Schuldsprüchen – aufzuschieben und die Probezeit auf höchstens 3 Jahre
festzusetzen.
5. Auf den Widerruf des bedingten Vollzugs der Geldstrafe gemäss Urteil des
Bezirksgerichts Uster vom 25. November 2008 sei zu verzichten. Im Falle
von Schuldsprüchen sei stattdessen die Probezeit angemessen zu verlän-
gern.
6. Auf das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin sei nicht einzutreten. Im
Falle von Schuldsprüchen seien sie auf den Zivilweg zu verweisen.
7. Die Kosten der Untersuchung, des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens
seien – mit Ausnahme eines geringen Anteils aufgrund des Schuldspruchs
betreffend Hausfriedensbruch – auf die Staatskasse zu nehmen.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu neh-
men. Weiter sei festzustellen, dass hinsichtlich der mit Ziffer 9 dem vor-
maligen amtlichen Verteidiger zugesprochenen Entschädigung keine Nach-
forderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO besteht.
9. A._ sei eine angemessene Entschädigung zuzusprechen.
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b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 85)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Vertretung der Privatklägerschaft:
(Urk. 99 S. 2)
1. Es sei die Berufung des Beschuldigten und Berufungsklägers vollumfänglich
abzuweisen.
2. Dem Beschuldigten und Berufungskläger seien sämtliche Kosten des Beru-
fungsverfahrens, inklusive der Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung
der Privatklägerin im Berufungsverfahren, aufzuerlegen.
3. Es sei für die Aufwendungen der unentgeltlichen Rechtsvertretung im be-
rufungsverfahren eine Entschädigung (inkl. MwSt.) gemäss eingereichter
Honorarnote aus der Gerichtskasse zu entrichten.

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 24. Mai 2016 wurde den Partei-
en in Abwesenheit des Beschuldigten gleichentags mündlich eröffnet (Prot. I
S. 19). Am 31. Mai 2016 liess der Beschuldigte seinen (damaligen) amtlichen Ver-
teidiger fristgerecht Berufung anmelden. Gleichzeitig liess er um eine neue Beur-
teilung im Sinne von Art. 368 StPO ersuchen, da er sich nicht mehr gehörig ver-
treten fühle, weshalb er nicht an der Verhandlung erschienen sei. Gestützt darauf
bat die Verteidigung um Entlassung aus dem Mandat, da eine Verteidigung nach
den üblichen Regeln der Kunst kaum mehr möglich sei (Urk. 69). Mit Verfügung
vom 13. Juni 2016 wurde sowohl das Gesuch um Wechsel der Verteidigung als
auch das Gesuch um eine neue Beurteilung abgewiesen (Urk. 71), wogegen der
Beschuldigte Beschwerde beim Obergericht erheben liess (Urk. 73). Diese wurde
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teilweise gutgeheissen, Rechtsanwalt lic. iur. B._ als amtlicher Verteidiger
entlassen und neu Rechtsanwalt Dr. iur. X._ als amtlicher Verteidiger be-
stellt. Im Übrigen wurde die Beschwerde abgewiesen (Urk. 76 S. 12). Nach erfolg-
tem Verteidigerwechsel (Urk. 76) und nach Zustellung des begründeten Urteils
(Urk. 78) liess der Beschuldigte am 2. Dezember 2016 - fristgerecht - dem Ober-
gericht die Berufungserklärung einreichen (Urk. 81). Mit Präsidialverfügung vom
6. Dezember 2016 wurde die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400
Abs. 2 und 3 StPO der Staatsanwaltschaft sowie der Privatklägerin
E._ zugestellt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein
Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde dem Beschul-
digten Frist angesetzt, um zu seinen finanziellen Verhältnissen verschiedene
Auskünfte zu erteilen und zu belegen (Urk. 83). Am 14. Dezember 2016 teilte die
Staatsanwaltschaft mit, die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils zu beantra-
gen und auf weitere Anträge zu verzichten (Urk. 85). Die Privatklägerin liess sich
nicht vernehmen. Angaben zu den finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten
gingen bis heute keine ein. Mit Eingabe vom 29. März 2017 teilte die Verteidigung
des Beschuldigten mit, dass er die Berufung bezüglich des Schuldspruchs wegen
Hausfriedensbruchs zurückziehe (Urk. 95).
1.2. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen sind der Beschuldigte in
Begleitung seines Verteidigers sowie der Rechtsvertreter der Privatklägerin
E._ (Prot. II S. 4). Das Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhand-
lung (Prot. II S. 11 ff.).
2. Umfang der Berufung
Gemäss seiner Berufungserklärung ficht der Verteidiger die Dispositivziffern 1 bis
8 sowie den zweiten Abschnitt der Dispositivziffer 9 des vorinstanzlichen Urteils
an (Urk. 81). Wie gesehen liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 29. März 2017
sodann die Berufung bezüglich des Schuldspruchs wegen Hausfriedensbruchs
(HD) zurückziehen (Urk. 95, vgl. auch Urk. 98 S. 3.). Nicht angefochten ist damit
der Schuldspruch wegen Hausfriedensbruchs (Dispositivziffer 1, 1. Absatz), die
Festsetzung der Kosten der amtlichen Verteidigung (Dispositivziffer 9, 1. Absatz)
sowie die Entschädigungen für die unentgeltlichen Rechtsvertretungen der Privat-
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klägerin und deren Übernahme auf die Gerichtskasse (Dispositivziffern 10 und
11). Anlässlich der Berufungsverhandlung präzisierte der Verteidiger, dass auch
die übrige Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 7) nicht angefochten sei (Prot. II
S. 6 f.). Es ist deshalb vorab vorzumerken, dass das vorinstanzliche Urteil in den
Dispositivziffern 1 Abs. 1, 7, 9 Abs. 1, 10 und 11 in Rechtskraft erwachsen ist.
3. Prozessuales
3.1. Verjährung
3.1.1. Im Nebendossier 1 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, am 20. Januar
2012, am 21. März 2012 sowie am 4. April 2012 von seiner E-Mail-Adresse
A.'_@gmx.net je ein E-Mail an die von der Privatklägerin allein genützte
E-Mail-Adresse info@F._.com versandt zu haben, wobei er sich aufgrund
der Inhalte der E-Mails der Beschimpfung schuldig gemacht habe (Urk 28 S. 2 f.).
3.1.2. Mit Urteil vom 24. Mai 2016 wurde der Beschuldigte betreffend das Neben-
dossier 1 anklagegemäss schuldig gesprochen (Urk. 79 S. 1, 67).
3.1.3. Gemäss Art. 178 Abs. 1 StGB verjährt die Verfolgung der Vergehen gegen
die Ehre in vier Jahren. Ist vor Ablauf der Verjährungsfrist ein erstinstanzliches
Urteil ergangen, so tritt die Verjährung nicht mehr ein (Art. 97 Abs. 3 StGB).
3.1.4. Die dem Beschuldigten betreffend Nebendossier 1 vorgeworfenen Be-
schimpfungen sind am 20. Januar, am 21. März bzw. am 4. April 2016 verjährt, da
bis zu diesen Zeitpunkten kein die Verjährung hinderndes erstinstanzliches Urteil
ergangen war.
3.1.5. Hinsichtlich des Nebendossiers 1 ist das Verfahren gegen den Beschuldig-
ten demnach zufolge Verjährung einzustellen (Art. 329 Abs. 4 StPO).
3.2. Strafanträge
Die dem Beschuldigten zur Last gelegte Anstiftung zur Drohung ist ein Antragsde-
likt. Die Gültigkeit des Strafantrags wurde seitens der Verteidigung zu Recht nicht
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in Frage gestellt. Der Strafantrag wurde von der Privatklägerin E._ innert
Frist und in gültiger Form gestellt (Urk. 79 S. 5 mit Verweis auf Urk. ND2/2).
4. Sachverhalt
4.1. Anstiftung zur Drohung (ND2)
4.1.1. Im Nebendossier 2 wird dem Beschuldigten kurz zusammengefasst vorge-
worfen, zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt, jedenfalls vor dem 4. Oktober
2012, eine unbekannte männliche Person aufgefordert zu haben, zur Privatkläge-
rin E._ zu gehen, um ihr gegenüber bestimmte, nachfolgend dargestellte
Äusserungen zu machen. Dieser Aufforderung nachkommend, habe diese unbe-
kannte männliche Person am 4. Oktober 2012, ca. 18:10 Uhr, bei der Privatkläge-
rin an der Haustüre geläutet und ihr, nachdem diese die Wohnungstüre geöffnet
habe, mitgeteilt, dass er im Namen der Person komme, welcher die Privatklägerin
Geld schulde. Diese Person habe ihm Geld bezahlt, damit er die Privatklägerin
sowie deren Tochter umbringe bzw. ihr Geschäft kaputt mache, wodurch die Pri-
vatklägerin - welche nur vom Beschuldigten Geld geliehen habe - massiv in
Schrecken versetzt worden sei und sich um ihr und das Leben ihrer Tochter ge-
fürchtet habe, was der Beschuldigte gewusst und gebilligt oder zumindest in Kauf
genommen habe (Urk. 28 S. 3).
4.1.2. Der Beschuldigte bestreitet, jemanden im Sinne der Anklageschrift beauf-
tragt zu haben (Urk. ND2 3/3 S. 3, Urk. HD 19/5 S. 2, Urk. 97 S. 6), obwohl er ein-
räumt, vielleicht schon Gründe dafür gehabt zu haben. Überdies treffe nicht zu,
dass die Privatklägerin nur von ihm Geld geliehen habe (Urk. ND2 3/3 S. 3). Er
erstatte deshalb Anzeige gegen E._ wegen falscher Anschuldigung
(Urk. ND2 3/3 S. 4).
4.1.3. Die Anklage basiert auf den Aussagen der Privatklägerin. Weitere Beweis-
mittel zur Erstellung des Sachverhaltes existieren - abgesehen von einer Quittung
(vgl. nachstehende Erw. 4.1.6) - nicht.
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4.1.4. Die Vorinstanz hat richtig umrissen, nach welchen Massgaben bei einer
solchen beweismässigen Ausgangslage der relevante Sachverhalt zu erstellen ist
und wie sich widersprechende Aussagen zu würdigen sind (Urk. 79 S. 8 ff.).
4.1.5. Ebenso verwiesen werden kann auf die Zusammenfassungen der Aus-
sagen der Privatklägerin (Urk. 79 S. 23 ff. mit Verweis auf Urk. ND2 3/1 S. 1 f.,
4 und Urk. ND1 3/6 S. 11) und des Beschuldigten (Urk. 79 S. 25 mit Verweis auf
Urk. ND2 3/3 S. 3 und Urk. 19/5 S. 2).
4.1.6. Mit der Vorinstanz ist bei der Würdigung der Aussagen mitzuberück-
sichtigen, dass sich die Privatklägerin sowie der Beschuldigte bereits vor der Tat
kannten und das Verhältnis im Tatzeitpunkt offenbar konfliktbehaftet war (Urk. 79
S. 11). Aufgrund der von der Privatklägerin unterzeichneten und bei den Akten
liegenden Quittung steht fest, dass E._ am 16. Januar 2012 vom Beschuldig-
ten als Darlehen Fr. 30'000.– in bar erhalten hatte, gegen Rückzahlung per Ende
Jahr 2012 (Urk. ND1 3/2).
Gemäss der Privatklägerin habe sie eine kurze Beziehung mit dem Beschuldigten
geführt. Sie glaube, ihn im November 2010 kennengelernt zu haben (Urk. ND1
3/6 S. 1 f.). Ca. November, Dezember 2011 hätten sie eine kurze Beziehung ge-
führt. In dieser Zeit habe er ihr ein Darlehen in Höhe von Fr. 30'000.– gegeben,
welches sie ihm innert Jahresfrist hätte zurückbezahlen sollen (Urk. ND2 3/1
S. 3). Im Februar 2012 habe sie ihm eröffnet, nicht mehr mit ihm zusammen sein
zu wollen (Urk. ND1 3/6 S. 1 f., 5). Seither verlange er die vorzeitige Rückzahlung
des Geldes. Er terrorisiere sie die ganze Zeit (Urk. ND2 3/1 S. 3). Die Gewährung
des Darlehens wird auch von der Vertretung der Privatklägerin nicht bestritten
(Prot. II S. 9).
Der Beschuldigte bezeichnet die Privatklägerin als Lügnerin. Was sie mit ihm ge-
macht habe, habe sie bereits mit anderen gemacht. Dass er und die Privatkläge-
rin eine Beziehung gehabt hätten, stellte er auf entsprechende Frage in Abrede.
Das sei doch keine Beziehung gewesen. Dies sei ein Konstrukt der Staatsanwalt-
schaft und der Privatklägerin. Er habe ihr gegen Verzinsung ein Darlehen gewährt
und für zwei Monate zweimal Fr. 2'300.– für die Untermiete. Es sei geplant gewe-
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sen, zusammenzuziehen (Urk. ND2 3/3 S. 2 f.). Er erstatte Anzeige gegen die
Privatklägerin wegen falscher Anschuldigung (Urk. ND2 3/3 S. 4). Der Privat-
klägerin gehe es nur darum, ihm Geld abzuknüpfen und ihn auf kriminelle Art in
Angst und Schrecken zu versetzen, so dass er nicht mehr zu seinem Geld kom-
me. Sie wolle ihn dazu bringen, dass er keine weiteren Anzeigen gegen sie er-
statte und sie nicht betreibe (Urk. 19/5 S. 2). Der Vorwurf, wonach er jemanden
angestiftet habe, die Privatklägerin zu bedrohen, sei erstunken und erlogen
(Urk. 97 S. 6).
Das konfliktbehaftete Verhältnis zwischen dem Beschuldigten und der Privat-
klägerin ist bei der Beweiswürdigung mit der Vorinstanz mitzuberücksichtigen
(Urk. 79 S. 11). Diese Umstände sind aber für sich allein noch kein Grund, den
Aussagen der Privatklägerin oder aber jenen des Beschuldigten zu misstrauen.
4.1.7. Die Vorinstanz erachtete den Anklagesachverhalt aufgrund der glaubhaften
Aussagen der Privatklägerin als erstellt, während sie in den Aussagen des Be-
schuldigten mehrere Indizien für wahrheitswidrige Aussagen sah. Das Aussage-
verhalten des Beschuldigten mache deutlich, dass es ihm lediglich darum gehe,
dass ihm die Privatklägerin das Darlehen so schnell wie möglich zurückzahle.
Seine Aussagen hätten sich daher primär auf die Rückzahlungsschuld bezogen
und seien allein auf die Verunglimpfung der Privatklägerin ausgerichtet. An-
sonsten seien die Aussagen nicht konkret sachverhaltsbezogen. Vielmehr habe er
darauf verzichtet, direkte Antworten zu geben und sei den gestellten Fragen aus-
gewichen (Urk. 79 S. 27 f.).
4.1.8. Die Verteidigung kritisierte die von der Vorinstanz vorgenommene Beweis-
würdigung und brachte anlässlich der Berufungsverhandlung vor, dass wenn die
Vorinstanz das Aussageverhalten der Privatklägerin als glaubhaft und realitätsnah
bezeichne, daraus vielleicht geschlossen werden könne, dass tatsächlich ein un-
bekannter Mann bei ihr vorbeigekommen sein und sie bedroht haben könnte. Da-
raus könne aber nicht geschlossen werden, dass dieser Mann vom Beschuldigten
angestiftet wurde. Die Privatklägerin könne gar nicht wissen und habe auch nicht
ausgesagt, dass eine Anstiftung durch den Beschuldigten stattgefunden habe.
Der Anklagesachverhalt stütze sich nicht nur auf Aussagen der Privatklägerin,
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sondern zu einem sehr wesentlichen Teil auch auf Mutmassungen. Es gebe keine
Beweise dafür, dass der Beschuldigte einen unbekannten Mann dazu bestimmt
hätte, die Privatklägerin aufzusuchen und gegenüber dieser die angeklagten
Äusserungen zu tätigen (Urk. 98 S. 6 f.).
4.1.9. Bekanntlich bestehen in einem Strafverfahren zugunsten der jeweils be-
schuldigten Person hohe Anforderungen an den Beweis: Insbesondere obliegt die
Beweislast immer - einseitig - der Staatsanwaltschaft und legt zusätzlich der
Grundsatz "in dubio pro reo" die Latte des erforderlichen Beweismasses hoch. So
hat ein Freispruch zu ergehen, wenn bei objektiver Würdigung des Beweisergeb-
nisses erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an der
Schuld des Beschuldigten fortbestehen (so zuletzt BGE 138 V 74 E. 7 mit Hin-
weisen).
4.1.10. Solche Zweifel sind auch vorliegend angezeigt. Es kann dem Beschuldig-
ten nicht in strafprozessual genügender Art und Weise nachgewiesen werden,
dass er einem unbekannten Dritten den Auftrag erteilt hatte, gegenüber der Pri-
vatklägerin Todesdrohungen auszusprechen bzw. ihr anzudrohen, ihr Geschäft
kaputt zu machen:
4.1.10.1. Auch wenn die Aussagen der Privatklägerin nicht per se als unglaubhaft
erscheinen und selbst der Beschuldigte darauf hingewiesen hat, dass er vielleicht
schon Gründe für einen solchen Auftrag gehabt hätte (Urk. 79 S. 25 f. mit Verweis
auf Urk. ND2 3/3 S. 3), kann nicht ausgeschlossen werden, dass jemand anderes
die bis heute unbekannte männliche Person hätte anstiften können. Dem Be-
schuldigten kann eine Anstiftung aufgrund der Aktenlage jedenfalls nicht positiv
nachgewiesen werden. Es liegen keinerlei Beweise vor, dass der Beschuldigte ei-
nen nach wie vor unbekannten Dritten dazu motiviert hatte, die Privatklägerin zu
bedrohen. Auch die Privatklägerin kann nur Mutmassungen über die angebliche
Anstiftung anstellen, da sie selbst nicht dabei gewesen war.
4.1.10.2. Zwar hätte der Beschuldigte ein Motiv gehabt, die Privatklägerin einzu-
schüchtern und sie so allenfalls dazu zu bringen, ihm das Geld (frühzeitig) zurück
zu bezahlen. Andererseits wäre auch auf Seiten der Privatklägerin nicht undenk-
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bar, dass sie sich - aufgrund der diversen gegen sie erhobenen Strafanzeigen
wegen Betrugs, Beschimpfung, Nötigung, Missbrauchs einer Fernmeldeanlage,
Drohung (vgl. die Einstellungsverfügung vom 12. Mai 2016, Urk. 61) - am Be-
schuldigten mit einer Strafanzeige hätte rächen wollen. Jedenfalls wäre es ein
Leichtes gewesen, ihn zu Unrecht zu belasten und bedürfte es keiner besonderen
kognitiven Leistung, den zur Anklage erhobenen Sachverhalt auch ohne realen
Erlebnishintergrund zu schildern.
4.1.10.3. Mit der Vorinstanz fällt zwar auf, dass in den Aussagen des Beschuldig-
ten eine gewisse Belastungstendenz zulasten der Privatklägerin zu erkennen ist.
Ebenso trifft zu, dass sich die Aussagen des Beschuldigten auf die Rückzah-
lungsschuld der Privatklägerin konzentrierten (Urk. 79 S. 27). Daraus kann indes-
sen nicht auf die Wahrheitswidrigkeit seiner Aussagen geschlossen wer-
den. Angenommen, der Beschuldigte wäre zu Unrecht der Anstiftung zur Drohung
beschuldigt, bliebe ihm nichts weiter übrig, als den Vorwurf in Abrede zu stellen.
Detailaussagen zur Sache wären unter diesen Umständen gar nicht möglich. So-
dann sind die Aussagen des Beschuldigten vor dem Hintergrund zu sehen, dass
er sich von der Privatklägerin offenbar "arglistig getäuscht" und "beschissen" fühl-
te (Urk. 19/5 S. 2).
4.1.10.4. Auch wenn die Schilderungen der Privatklägerin insgesamt nicht un-
glaubhaft erscheinen, bestehen zu viele Unklarheiten für eine Verurteilung des
Beschuldigten. Es ist zwar durchaus möglich, dass sich der vorliegend zu beur-
teilende äussere Sachverhalt tatsächlich so abgespielt hat, wie von der Privatklä-
gerin beschrieben, gleichzeitig sind aber auch andere Abläufe denkbar und kann
insbesondere dem Beschuldigten die Rolle als Anstifter nicht mit hinreichender
Sicherheit nachgewiesen werden. Damit ist der Beschuldigte in Anwendung des
Grundsatzes "in dubio pro reo" vom Vorwurf der Anstiftung zur Drohung freizu-
sprechen.
4.2. Mehrfache Urkundenfälschung (ND7)
4.2.1. Im Nebendossier 7 wird dem Beschuldigten kurz zusammengefasst vorge-
worfen, zu nicht genau bestimmten Zeitpunkten, jedenfalls vor dem 14. März
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2014, von seinem damaligen Wohnort an der ... [Adresse] vier E-Mails datiert
vom 13., 14., 17. April 2012 sowie 7. Mai 2012 mit der Absenderadresse
E.'_@web.de an A.'_@gmx.net erstellt zu haben, um derart den Ein-
druck zu erwecken, die Privatklägerin hätte diese E-Mails an den Beschuldigten
verfasst. Daraufhin habe er die E-Mails im Rahmen eines Beschwerdeverfahrens
gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 14. Ja-
nuar 2014 im Verfahren gegen die Privatklägerin wegen Betrugs etc. dem Ober-
gericht Zürich als Beweismittel eingereicht, damit auf seine Beschwerde eingetre-
ten und das Verfahren gegen die Privatklägerin wieder aufgenommen werde, was
auch passiert sei (Urk. 28 S. 4).
4.2.2. Unbestritten ist, dass der Beschuldigte die E-Mails beim Obergericht einge-
reicht und auf seinem Mailaccount empfangen hat (Urk. 64 S. 5, Urk. 97 S. 6). Be-
treffend den Inhalt der vier bei den Akten liegenden E-Mails kann vollumfänglich
auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen werden (Urk. 79 S. 30 ff. mit Verweis auf
Urk. ND7 2/3/1-4). Aufgrund der rechtshilfeweise getätigten Abklärungen der
Staatsanwaltschaft steht sodann fest, dass die E-Mail-Adresse E.'_@web.de
am 13. April 2012 angelegt wurde und der letzte Logon am 7. Mai 2012 statt-
gefunden hatte (Urk. 79 S. 32, 34 mit Verweis auf Urk. ND7 7 und 8). Demnach
wurde die E-Mail-Adresse E.'_@web.de nur gerade in jenem Zeitpunkt ge-
nutzt, indem auch die vier bei den Akten liegenden E-Mails versandt worden wa-
ren (Urk. 79 S. 34). Soweit die Verteidigung vorbringt, dass die staatsanwalt-
schaftlichen Nachforschungen nach der tatsächlichen Urheberschaft der E-Mails
ergebnislos geblieben seien (Urk. 64 S. 6 f., Urk. 98 S. 8), trifft dies zwar insofern
zu, als dass die Verkehrsdaten gemäss Auskunft der G._ AG nur 7 Tage
rückwirkend gespeichert werden (Urk. ND7 7). Entgegen der Auffassung der Ver-
teidigung muss gestützt auf die Ergebnisse dieser Abklärungen indessen nicht
geschlossen werden, dass der Beschuldigte die E-Mails nicht gefälscht habe.
Vielmehr ist der Umstand, dass die E-Mail-Adresse E.'_@web.de nur gerade
in jenem Zeitraum genutzt wurde, in dem auch die bei den Akten liegenden vier
E-Mails versandt worden waren, als entscheidendes Indiz dafür zu werten, dass
die E-Mail-Adresse eigens zum Verfassen dieser vier E-Mails erstellt worden war,
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was klar gegen eine Urheberschaft der Privatklägerin spricht. Wie auch die Ver-
tretung der Privatklägerin vorbringt (Urk. 99 S. 3), ist nicht einzusehen, weshalb
die Privatklägerin extra eine auf ihre Person zurückzuführende E-Mail-Adresse
- gemäss ihrer Aussage ist E.''_ ihr zweiter Vorname (Urk. ND1/7 S. 4) - hät-
te einrichten sollen, nur um sich beim Beschuldigten zu entschuldigen und sich
damit gleichzeitig zu belasten (vgl. etwa folgende Passagen in den E-Mails: "ich weis
habe grosse fehler gemachtt, du hast recht meine angaben waren am anfang schon nicht
richtig, ja falsch ich habe schon lange zuwenig geld sorry ich habe dich angelogen und
du hast mir trotzm geld und darlehen gegeben [...] auch das mit polizeii sorry war nicht
korrekt von mir [...] ich weis ich habe gelohgen [...] ich weiss das mit der Polizei war nicht
richtig von mir [...] und meine viele schlechte telefone an dich [...] schreibe mir auf diese
email, nicht die andere weil andere lesen vielleicht auch [...] nochmals meine Angaben
wegen Geld im Dez 2011 wegen meiner private und geschäft situaation war falsch ge-
genüber dir, ich musste das so machen, sonst gibst du kein geld mir [...] Nochmals,
kannst dDu mir jetzt sofort fr 5000 geben, wenn nicht, gehe ich wider zu polizei, du hast
abmachung nicht eingehalten, ich nehme ANZEIGE zurüch wenn du geld zahlst, wie ab-
gesprochen. [...] die hälft vom Betrag wir hatten sex, ich will bezahlt haben, wenn du kein
geld gibst ist alles vorbei [...] ich zahle die fr. 30000 und 35000 fr. nicht zurüch ich werde
Verwaltung und nachbaren sagen, schreiben du bist ein lügner, schweinehund, alter sack
[...] das mit abfallsak war schlecht sorry, auch letzte woche 2mal mit sack hate ich bei dir
gestellt [...]", Urk. 79 S. 30 ff.). Demgegenüber wäre beim Beschuldigten durchaus
ein Motiv zu sehen, diese E-Mails zu verfassen und damit den Eindruck zu er-
wecken, dass sie von der Privatklägerin stammten. Es fällt nämlich auf, dass die
in den E-Mails gemachten Eingeständnisse mit den Vorwürfen im Rahmen des
vom Beschuldigten gegen die Privatklägerin angestrengten Strafverfahrens in
Einklang zu bringen sind (vgl. rechtskräftige Einstellungsverfügung der Staats-
anwaltschaft Zürich-Sihl vom 12. Februar 2016 [Urk. 61]). Wie gesehen reichte er
die E-Mails denn - wenn auch erst im Rahmen des Beschwerdeverfahrens gegen
die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 14. Januar
2014 - ein, um aufzuzeigen, dass es sich bei der Privatklägerin um eine Betrüge-
rin handle (vgl. Verfügung und Beschluss des Obergerichts, III. Strafkammer vom
24. Juli 2014 [Urk. 22/45 S. 7]). Auch im vorliegenden Verfahren betont er, dass
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die Privatklägerin ihm auf betrügerische Art und Weise Fr. 35'000.– abgenommen
habe (Prot. II S. 10, Urk. HD 19/7 S. 2, ND/1 3/1 S. 5).
4.2.3. Die Privatklägerin hat durchwegs glaubhaft versichert, dass sie nie
über eine E-Mail-Adresse E.'_@web.de verfügt habe. Wenn sie mit dem Be-
schuldigten via E-Mail kommuniziert habe, dann stets nur über die E-Mail-Adresse
info@F._.com, ansonsten aber mehrheitlich per SMS (Urk. 79 S. 29,
Urk. ND1 3/7 S. 3 ff.). Dass die Privatklägerin und der Beschuldigte im anklage-
relevanten Zeitraum über die E-Mail-Adressen info@F._.com (E-Mail-
Adresse der Privatklägerin) sowie A.'_@gmx.net (E-Mail-Adresse des Be-
schuldigten) kommunizierten, ist durch die von der Privatklägerin eingereichten
diversen E-Mails belegt (Urk. 79 S. 34 mit Verweis auf Urk. ND1 4/1, 11, 13=14,
16, 17=18) und wird auch vom Beschuldigten nicht in Abrede gestellt (Urk. 97
S. 6 f.). Mit einer Ausnahme stammen sämtliche E-Mails vom Beschuldigten, und
nur eines wurde von der E-Mail-Adresse info@F._.com an jene des Be-
schuldigten gesendet (Urk. ND1 4/16). Aufgrund des nüchtern verfassten Textes
sowie des Schreibstils wäre denkbar, dass dieses E-Mail von einer Drittperson
vorformuliert wurde. Jedenfalls weist dieses E-Mail keinerlei Ähnlichkeit auf mit
den vier E-Mails, welche angeblich von der Privatklägerin stammen sollten und
wofür der Beschuldigte der Urkundenfälschung angeklagt wurde. Vielmehr fällt mit
der Vorinstanz auf, dass die vier E-Mails hinsichtlich der Formatierung, der Inter-
punktion sowie der Gross-/Kleinschreibung Ähnlichkeiten mit den - unbestritte-
nermassen - vom Beschuldigten verfassten E-Mails aufweisen (Urk. 79 S. 33 mit
Verweis auf Urk. ND1 4/11, vgl. auch ND1 4/1, 4/13=4/14).
Daran ändert auch nichts, dass die E-Mails - wie von der Verteidigung vor-
gebracht - nicht dem gepflegten schriftlichen und mündlichen Ausdruck des Be-
schuldigten, sondern viel mehr dem gebrochenen Deutsch der Privatklägerin ent-
sprächen, weshalb sie viel eher als Urheberin in Betracht käme (Urk. 64 S. 5,
Urk. 98 S. 8). Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin gemäss
den Ausführungen ihres Rechtsbeistandes an der Hauptverhandlung in der
Schweiz aufgewachsen sei und einwandfreies Schweizerdeutsch spreche (Prot. I
S. 15). Sodann erstaunt nicht, wenn man das Sprachniveau dem angeblichen
- 16 -
Verfasser anpasst, wenn man glauben machen will, dass der Text von dieser
Person stamme. Alles andere wäre geradezu verräterisch. Sodann trifft auch nicht
zu, wenn die Verteidigung darauf verweist, dass das Obergericht die Echtheit der
E-Mails als so glaubwürdig taxiert habe, dass es die Einstellungsverfügung auf-
gehoben habe (Urk. 62 S. 5 mit Verweis auf Urk. HD 22/45). Zwar trifft es zu,
wenn die Verteidigung vorbringt, dass die erste Einstellungsverfügung betreffend
das Strafverfahren gegen die Privatklägerin durch die III. Strafkammer des Ober-
gerichts mit der Begründung aufgehoben wurde, dass die eingereichten E-Mails
ein ungünstiges Licht auf die Glaubwürdigkeit bzw. Glaubhaftigkeit der Beschul-
digten werfe bzw. aufgrund der nunmehr vorliegenden Belege sich die Auf-
fassung, wonach die Beschuldigte die Vorwürfe glaubhaft abgestritten habe, nicht
mehr aufrecht erhalten lasse (Urk. 98 S. 8, Urk. 22/45). Dies erfolgte indessen un-
ter der Prämisse, dass die E-Mails echt waren und unter dem Hinweis, dass im
Rahmen der Fortsetzung der Strafuntersuchung zu klären sein werde, ob die E-Mails gefälscht seien oder nicht (Urk. 22/45 S. 13). Diese durch die vom Be-
schuldigten eingereichten vier E-Mails hervorgerufenen Zweifel an der Glaub-
haftigkeit der Aussagen der Privatklägerin liessen sich dann in dem gegen die
Privatklägerin fortgesetzten Strafverfahren wegen Betrugs etc. nicht aufrecht-
erhalten, da die Staatsanwaltschaft zum Schluss gekommen war, dass an der
Echtheit der E-Mails grosse Zweifel bestünden, weshalb das Strafverfahren mit
Verfügung vom 12. Februar 2016 wiederum eingestellt wurde (Urk. 61 S. 4).
Schliesslich verfängt nicht, wenn die Verteidigung vorbringt, dass der Beschuldig-
te gar nicht wisse, wie man eine E-Mail-Adresse anonym einrichte, so dass selbst
mit den Mitteln der Strafuntersuchungsbehörden keinerlei Rückschlüsse auf den
Inhaber bzw. Urheber der E-Mails möglich sei (Urk. 98 S. 8). Unbestritten ist, dass
der Beschuldigte über eine eigene E-Mail-Adresse verfügt. Demnach ist er in der
Lage, ein E-Mail-Konto einzurichten bzw. von jemandem einrichten zu lassen.
Mehr brauchte es nicht, um die angeblich auf die Privatklägerin lautende E-Mail-
Adresse E.'_@web.de zu erstellen, da bei einer sogenannten "FreeMail" kei-
ne Verifizierung der Nutzerdaten erfolgt (Urk. ND7/8). Dass die G._ AG keine
Angaben zur Urheberschaft der versandten E-Mails machen konnte, ist nicht auf
besondere Vorkehrungen bei der Erstellung des E-Mail-Kontos zurückzuführen,
- 17 -
sondern ist darin begründet, dass die Verkehrsdaten lediglich 7 Tage gespeichert
werden (vgl. vorstehende Erw. 4.2.2 mit Verweis auf Urk. ND7/7).
4.2.4. Insgesamt muss vorliegend aufgrund der beweismässigen Ausgangslage
mit der Vorinstanz davon ausgegangen werden, dass es tatsächlich nicht die Pri-
vatklägerin war, welche die vier E-Mails verfasst hatte. Auf ihre diesbezüglich
konstanten und glaubhaften Ausführungen ist ohne weiteres abzustellen, zumal
- wie vorstehend aufgezeigt - sowohl die Motivlage als auch die sonstigen Um-
stände klar gegen eine Urheberschaft der Privatklägerin sprechen. Ebenso aus-
geschlossen werden kann eine Dritttäterschaft. Zum einen wäre hierfür kein Motiv
ersichtlich und zum anderen bestehen für eine solche keinerlei Anhaltspunkte.
Schliesslich behauptet auch der Beschuldigte nicht, dass die E-Mails möglicher-
weise von einer Drittperson hätten gefälscht werden können. Vielmehr gestand er
ein, die E-Mails zu kennen, wollte sich dazu jedoch nicht weiter äussern (Urk. 79
S. 30 mit Verweis auf Urk. HD 19/7 S. 2, Urk. 97 S. 6). Auf den Hinweis, dass es
auffallend sei, dass bei allen Dokumenten jeder Satz auf einer neuen Zeile begin-
ne und grundsätzlich nur Kleinbuchstaben verwendet worden seien, womit offen-
sichtlich auf die Ähnlichkeit zu seinem Schreibstil hingewiesen wurde, reagierte er
ausweichend. Die von ihm abgegebene Erklärung, es sei denkbar, dass der
Rechtsbeistand der Privatklägerin die E-Mails verfasste (Urk. HD 19/8 S. 4), er-
weist sich als unbeholfene Schutzbehauptung.
4.2.5. Damit spricht alles dafür, dass es der Beschuldigte war, der - wie in der An-
klageschrift umschrieben - die E-Mails verfasst hatte, um derart den Eindruck zu
erwecken, dass es die Privatklägerin war. Der in Anklageziffer 4 umschriebene
Anklagesachverhalt betreffend das Nebendossier 7 ist damit erstellt.
5. Rechtliche Würdigung
Urkundenfälschung (ND7)
5.1. Die rechtliche Würdigung, wie sie die Staatsanwaltschaft und die Vor-
instanz betreffend das Nebendossier 7 übereinstimmend vorgenommen haben, ist
in allen Teilen zutreffend (Urk. 28 S. 4, Urk. 79 S. 45 f.). Auf die vorinstanzlichen
- 18 -
Erwägungen kann vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die
rechtliche Würdigung wird von der Verteidigung denn auch nicht in Frage gestellt
(Urk. 64).
5.2. Mit der Vorinstanz hervorzuheben ist insbesondere, dass einem E-Mail
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung jedenfalls dann Urkundencharakter
zukommt, wenn es - wie vorliegend - ausgedruckt wurde und der Aussteller er-
kennbar ist (Urk. 79 S. 45 f. mit Verweis auf BGE 138 IV 209 E. 5.4). Entspre-
chend handelt es sich bei den vom Beschuldigten erstellten und hernach im
Rahmen des Beschwerdeverfahrens gegen die Einstellungsverfügung der Staats-
anwaltschaft Zürich-Sihl vom 14. Januar 2014 eingereichten E-Mails um taugliche
Tatobjekte.
5.3. Ebenso richtig sind die Ausführungen der Vorinstanz, wonach der Be-
schuldigte durch sein Vorgehen mehrfach unechte Urkunden hergestellt und sich
durch das Einreichen der E-Mails im Rahmen des Beschwerdeverfahrens seine
Täuschungsabsicht manifestiert habe (Urk. 79 S. 46).
5.4. Der Beschuldigte ist daher der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne
von Art. 251 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
6. Strafzumessung
6.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit 150 Tagessätzen Geldstrafe zu
Fr. 30.– sowie mit einer Busse von Fr. 500.– bestraft (Urk. 79 S. 67). Die Verteidi-
gung äusserte sich zufolge des beantragten Freispruchs vor Vorinstanz nicht zur
Sanktion (Urk. 64). Nach dem Teilrückzug der Berufung bezüglich des Schuld-
spruchs wegen Hausfriedensbruchs beantragte die Verteidigung anlässlich
der Berufungsverhandlung für den Hausfriedensbruch eine Geldstrafe von
10 Tagessätzen zu Fr. 30.– (Urk. 98 S. 3). Auf weitere Ausführungen zur Sanktion
betreffend allfällige weitere Schuldsprüche verzichtete die Verteidigung.
6.2. Da einzig der Beschuldigte Berufung erhoben hat, steht vorliegend auf-
grund des Verschlechterungsverbotes lediglich eine Bestätigung oder Reduktion
der von der Vorinstanz verhängten Strafe zur Diskussion (Art. 391 Abs.2 StPO).
- 19 -
6.3. Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Strafzumessung unter Verweis auf
die bundesgerichtliche Rechtsprechung korrekt dargestellt (Urk. 79 S. 47 f., 49 f.).
Darauf kann vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
6.4. Aufgrund der abstrakten Strafdrohung erweist sich mit der Vorinstanz die
(mehrfache) Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB als schwerste Straf-
tat im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB (Urk. 79 S. 48). Wie gesehen hat der Be-
schuldigte den Tatbestand der Urkundenfälschung viermal erfüllt. Allerdings stan-
den die einzelnen Taten in engem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang und
unterscheiden sich vom Unrechtsgehalt nicht wesentlich, da sämtliche vier unech-
ten E-Mails zum gleichen Zweck im Rahmen des Beschwerdeverfahrens gegen
die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 14. Januar
2014 eingereicht wurden. Mithin rechtfertigt sich, für sämtliche vier Urkunden-
fälschungen eine Einsatzstrafe festzusetzen.
6.4.1. In objektiver Hinsicht ist zu sehen, dass der Beschuldigte mit der Einrei-
chung der vier gefälschten, angeblich von der Privatklägerin stammenden E-Mails
im Rahmen des Beschwerdeverfahrens ein erhebliches Schädigungspotential
heraufbeschworen hat, bezweckte er doch damit, die Glaubhaftigkeit der Aussa-
gen der Privatklägerin im Rahmen des Strafverfahrens zu zerstören, um sie unter
Vorspiegelung falscher Tatsachen des Betruges zu überführen (vgl. vorstehende
Erw. 4.2). Die Tatschwere wird dann allerdings etwas gemindert durch den Um-
stand, dass sich das drohende Schädigungspotential nicht verwirklichte und das
Strafverfahren gegen die Beschuldigte auch nach erfolgter Rückweisung erneut
eingestellt wurde (Urk. 61). Sodann zeugt das Vorgehen des Beschuldigten nicht
von einer besonderen Raffinesse und hielt sich der vom Beschuldigten getätigte
Täuschungsaufwand in Grenzen.
6.4.2. In subjektiver Hinsicht fällt das rücksichtslose Vorgehen auf. Enttäuscht
darüber, dass die Privatklägerin nach erfolgter Darlehensgewährung - für ihn un-
erwartet - nichts mehr von einer Partnerschaft/Wohngemeinschaft habe wissen
wollen (vgl. dazu Urk. 22/45 S. 5), wollte der Beschuldigte der Privatklägerin
durch sein Vorgehen ganz offensichtlich schaden und scheute nicht davor zurück,
zu diesem Zwecke die Strafbehörden zu täuschen. Relativierend festzuhalten ist,
- 20 -
dass der Beschuldigte nicht in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht handelte.
Der Beschuldigte wollte mit seinem Vorhaben letztlich erreichen, dass die Privat-
klägerin das von ihm gewährte Darlehen zurückbezahlt und forderte insofern
zurück, was ihm - unbestrittenermassen (vgl. vorstehende Erw. 4.1.6) - zustand.
Allerdings bediente er sich hierzu unzulässiger Mittel.
6.4.3. Wenn die Vorinstanz nach Würdigung der Tatkomponente und unter Be-
rücksichtigung einer leicht verminderten Steuerungsfähigkeit (vgl. dazu Urk. 79
S. 53 mit Verweis auf Beizugsakten GG050091, Urk. 10/3 S. 66, 70) von einem
leichten Tatverschulden ausgeht, erscheint dies angemessen und kann so über-
nommen werden.
6.4.4. Die von der Vorinstanz nach Würdigung der Täterkomponente festgesetzte
Einsatzstrafe von 110 Tagessätzen entspricht einem guten Fünfzehntel der Maxi-
malstrafe von 5 Jahren und erscheint auch vor Berücksichtigung der aufgrund der
einschlägigen Vorstrafen angezeigten Straferhöhung sicher nicht als zu hoch.
6.5. Diese Einsatzstrafe ist in Anwendung des Asperationsprinzips wegen des
zusätzlich begangenen Hausfriedensbruchs angemessen zu erhöhen. Mit der
Vorinstanz wiegt das Tatverschulden hinsichtlich des in der Coop Filiale H._
begangenen Hausfriedensbruchs leicht. Gleichwohl erscheint die von der Vor-
instanz vorgenommene Erhöhung um lediglich 10 Tagessätze - gerade mal einem
Hundertstel der gemäss Art. 186 StGB maximal möglichen Strafe - als etwas zu
tief, zumal damit auch bereits eine leichte Straferhöhung aufgrund der teilweise
einschlägigen Vorstrafen mitberücksichtigt wurde (Urk. 79 S. 55).
6.6. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ist
wenig bekannt, da der Beschuldigte hierzu - abgesehen davon, dass er verheira-
tet sei (Urk. HD 19/8 S. 7) - während des Untersuchungsverfahrens und auch vor
Vorinstanz keine Angaben machte (Urk. 79 S. 53 mit Verweis auf Urk. HD 19/8
S. 7, Urk. HD 25/7). Fest steht, dass der Beschuldigte 69 Jahre alt ist und vor Ein-
tritt in das AHV-Rentenalter eine IV-Rente bezogen hat (Urk. 25/6). Anlässlich der
Berufungsverhandlung führte er auf entsprechende Frage aus, in einer guten Fa-
milie aufgewachsen zu sein. Zu seinen Geschwistern habe er noch Kontakt, seine
- 21 -
Mutter sei vor einigen Jahren verstorben. Nach Abschluss der obligatorischen
Schulzeit habe er eine handwerkliche Ausbildung gemacht und dann eine Fach-
hochschule in I._ besucht. Danach habe er eine Zeit lang an der
ETH studiert, dieses Studium dann aber aufgrund einer Arbeitsstelle abgebro-
chen. Danach habe er an diversen Orten als Elektroingenieur gearbeitet. Ab April
2001 habe er eine volle IV-Rente erhalten. An den Grund für die IV-Rente wollte
oder konnte sich der Beschuldigte nicht mehr erinnern. Aktuell erhalte er eine
AHV-Rente in Höhe von Fr. 2'400.–. Weitere Unterstützungsleistungen erhalte er
nicht, weshalb er jeweils die Krankenkasse nicht bezahle, da das Geld hierfür
nicht reiche. Er habe keine Kinder und sei niemandem gegenüber unterstütz-
ungspflichtig. Er sei geschieden, lebe aber in einer Beziehung (Urk. 97 S. 2 f.).
Aus seiner Biographie ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren.
Ein Geständnis liegt - zumindest hinsichtlich der mehrfachen Urkundenfälschung -
nicht vor, weshalb der Beschuldigte weder Reue noch Einsicht für sich reklamie-
ren kann. Den ihm zur Last gelegte Hausfriedensbruch hat der Beschuldigte zwar
mittlerweile anerkannt, dies jedoch erst kurz vor der Berufungsverhandlung. Dies
kann sich - auch angesichts der klaren Beweislage - nur ganz marginal zugunsten
des Beschuldigten auswirken.
Mit der Vorinstanz weist der Beschuldigte zwei Vorstrafen auf, unter anderem we-
gen Urkundenfälschung und Hausfriedensbruchs (Urk. 79 S. 53, Urk. 80). Auch
wenn die Vorstrafen aus dem Jahr 2007 und 2008 weit zurückliegen, hat sich der
Umstand, dass der Beschuldigte einschlägig vorbestraft ist, mit der Vorinstanz
leicht straferhöhend auszuwirken, zumal der Hausfriedensbruch zudem noch in
der gemäss Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 25. November 2008 laufenden
Probezeit von 5 Jahren begangen wurde.
6.7. Angesichts der gesamten Tatschwere sowie der zu berücksichtigenden
Vorstrafen erweist sich die von der Vorinstanz festgesetzte Geldstrafe von
150 Tagessätzen - trotz der Einstellung hinsichtlich der Beschimpfung sowie des
Freispruchs vom Vorwurf der Anstiftung zur Drohung - als sicher nicht zu hoch.
Insgesamt besteht damit keinerlei Veranlassung, die von der Vorinstanz festge-
setzte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu reduzieren.
- 22 -
6.8. Ebenso keine Veranlassung besteht, die von der Vorinstanz festgesetzte
Tagessatzhöhe von Fr. 30.– zu senken (Urk. 79 S. 59), zumal diese im Einklang
mit dem Antrag der Verteidigung steht (Urk. 98 S. 1).
7. Widerruf, Vollzug und Verbindungsbusse
7.1. Die Vorinstanz hat den Vollzug der neu ausgesprochenen Geldstrafe auf-
geschoben, die Probezeit auf 5 Jahre festgesetzt und den mit Urteil des Be-
zirksgerichts Uster vom 25. November 2008 gewährten bedingten Vollzug der
Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– widerrufen. Um der Warnwirkung der
bedingt ausgesprochenen Strafe Nachdruck zu verleihen, hat sie ferner eine Ver-
bindungsbusse nach Art. 42 Abs. 4 StGB in Höhe von Fr. 500.– ausgesprochen
und die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung auf
5 Tage festgesetzt (Urk. 79 S. 59 ff., 67).
7.2. Nur schon aus prozessualen Gründen kann hinsichtlich der Gewährung
des bedingten Vollzuges der neu auszusprechenden Geldstrafe nicht anders ent-
schieden werden, als die Geldstrafe bedingt aufzuschieben (Art. 391 Abs. 2 StPO,
Verschlechterungsverbot).
7.3. Nicht mehr angeordnet werden kann hingegen der Widerruf des mit Urteil
des Bezirksgerichts Uster vom 25. November 2008 gewährten bedingten Vollzugs
der Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.–, da seit Ablauf der Probezeit am
25. November 2013 bis heute mehr als 3 Jahre verstrichen sind (Urk. 80, Art. 46
Abs. 5 StGB, Urteil des Bundesgerichts 6B_114/2013 vom 1. Juli 2013 E. 7).
7.4. Die Vorinstanz hat den bedingten Vollzug der neu ausgesprochenen Geld-
strafe unter Berücksichtigung des nachträglichen Vollzugs der mit Urteil
des Bezirksgerichts Uster vom 25. November 2008 ausgesprochenen Geldstrafe
gewährt (Urk. 79 S. 59 f.). Dieser nachträgliche Vollzug entfällt mit heutigem Urteil
aufgrund der Regelung von Art. 46 Abs. 5 StGB. Umso mehr erscheint es ange-
zeigt, wie bereits vor Vorinstanz (Urk. 79 S. 5), die Probezeit für die neu auszu-
sprechende bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen auf fünf Jahre festzusetzen
- 23 -
(Art. 44 Abs. 1 StGB). An der günstigen Legalprognose des Beschuldigten sind
nämlich ganz erhebliche Zweifel angezeigt.
7.5. Den Hausfriedensbruch, wofür er heute unter anderem zu bestrafen ist, hat
der Beschuldigte am 25. Juli 2011, und damit weniger als 5 Jahre nach der Verur-
teilung vom 16. Mai 2007 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten
begangen. Vor diesem Hintergrund hätten für die Gewährung des bedingten Voll-
zugs der neu auszusprechenden Geldstrafe - entgegen der Vorinstanz (Urk. 79
S. 60) - besonders günstige Umstände vorliegen müssen (Art. 42 Abs. 2 StGB).
Der früheren Verurteilung kommt die Bedeutung eines Indizes für die Befürchtung
zu, dass der Täter weitere Straftaten begehen könnte (BSK StGB I-Schneider/
Garré, 3. Auflage 2013, Art. 42 N 97 mit Hinweisen). Eine deutlich positive Wand-
lung der Lebensumstände des Beschuldigten ist nicht ersichtlich. Vielmehr delin-
quierte der Beschuldigte mit den heute zu beurteilenden Vorfällen auch nach den
Verurteilungen vom 16. Mai 2007 sowie 25. November 2008 weiter (Urk. 80) und
blieben seine persönlichen Verhältnisse soweit ersichtlich unverändert. Damit er-
weist sich der vorinstanzliche Entscheid, dem Beschuldigten unter der Warn-
wirkung des Widerrufs in Kombination mit einer Verbindungsbusse den bedingten
Vollzug zu gewähren, als ausgesprochen wohlwollend.
7.6. Auf den Entscheid betreffend die Gewährung des bedingten Vollzugs kann
aufgrund des Verschlechterungsverbotes allerdings nicht zurückgekommen wer-
den. Damit erscheint aber zumindest ein "Denkzettel" bzw. eine Verbindungs-
busse geradezu als angezeigt, um dem spezialpräventiven Effekt der bedingten
Geldstrafe Nachdruck zu verleihen, zumal aufgrund des Zeitablaufs nunmehr die
Möglichkeit des Widerrufs und die damit verbundene Warnwirkung entfällt.
7.6.1. Die Verbindungsstrafe gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB dient in erster Linie da-
zu, die sogenannte Schnittstellenproblematik zwischen der Busse (für Übertretun-
gen) und der bedingten Geldstrafe (für Vergehen) zu entschärfen (BGE 134 IV 60;
Bundesgerichtsentscheid 6B_1042/2008 vom 30.04.2009 E. 2.1). Auf Massen-
delikte, die im untersten Bereich bloss mit Bussen geahndet werden, soll auch mit
einer unbedingten Sanktion reagiert werden können, wenn sie die Schwelle zum
Vergehen überschreiten (BSK StGB I-Schneider/Garré, a.a.O., Art. 42 N 103).
https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/5c582b49-9e2d-4955-bc5d-7db2d3d1a992?source=document-link&SP=3|x1tmob https://swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/d9b30f67-3a27-45aa-86f8-d8e4d59df06e?citationId=fd153a0b-0216-4415-9d53-d2337c0b0cd1&source=document-link&SP=3|x1tmob https://swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/8a4ab047-a4e3-4817-aaa5-b01eb4a9eb80?citationId=be955464-213e-4b32-ad15-e69cc7799072&source=document-link&SP=3|x1tmob https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/00000000-0000-0000-0000-000000000000?source=document-link&SP=3|x1tmob
- 24 -
Zum anderen trägt die unbedingte Verbindungsgeldstrafe bzw. Busse dazu bei,
das unter spezial- und generalpräventiven Gesichtspunkten eher geringe Droh-
potenzial der bedingten Geldstrafe zu erhöhen. Sie kommt gemäss Bundesgericht
insbesondere in Betracht, wenn dem Täter zusätzlich zur bedingten Grundstrafe
ein sofort spürbarer "Denkzettel" verpasst werden soll; die Verbindungsstrafe ha-
be damit – ähnlich wie der teilbedingte Vollzug bei Strafen bis zu zwei Jahren –
auch eine spezialpräventive Bedeutung. Sie kommt in Betracht, wenn man dem
Täter den bedingten Vollzug der Freiheitsstrafe gewähren möchte, ihm aber den-
noch in gewissen Fällen mit der Auferlegung einer zu bezahlenden Geldstrafe
oder Busse einen spürbaren Denkzettel verabreichen möchte (Urteil des Bundes-
gerichtes 6B_1042/2008 vom 30. April 2009 E. 2.2; BGE 135 IV 188 E. 3.3;
BGE 134 IV 82 E. 8; BGE 134 IV 60 E. 7.3; BGE 134 IV 1 E. 4.5, E. 5.5.2).
7.6.2. Wie die Vorinstanz an sich richtig ausgeführt hat, haben bei der Verhän-
gung einer zusätzlichen Busse im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB die Geldstrafe
und die Busse in ihrer Summe angemessen zu sein und darf die zusätzlich aus-
zusprechende Busse nicht zu einer Straferhöhung führen bzw. eine zusätzliche
Strafe ermöglichen, weshalb die festgesetzte bedingte Geldstrafe anzupassen ist
(Urk. 79 S. 60 mit Verweis auf BGE 134 IV 53 E. 5.2). Das Verschulden bezieht
sich auf beide Strafen, und die Geldstrafe muss unter Einschluss der akzessori-
schen Busse schuldangemessen sein (BGE 134 IV 60 E. 7.3.3.). Methodisch ist
bei der Berechnung der Anzahl Tagessätze der Umstand einzubeziehen, dass
neben der bedingten Geldstrafe noch eine Busse ausgefällt wird (BSK StGB
I-Heimgartner, a.a.O, Art. 106 N 42, Urteil des Bundesgerichts 6B_760/2007 vom
18. März 2008 E. 4).
7.6.3. Nachdem die Vorinstanz nach Würdigung der Tat- und Täterkomponente
insgesamt eine Gesamtstrafe von 150 Tagessätzen dem Verschulden angemes-
sen (Urk. 79 S. 59) und eine Strafenkombination als sachgerecht erachtete, hätte
sie bei der Verhängung einer Busse von Fr. 500.– eine bedingte Geldstrafe von
weniger als 150 Tagessätzen aussprechen müssen. Indem die Vorinstanz eine
Geldstrafe von 150 Tagessätzen als schuldangemessen erachtete, führte die
Verhängung einer Verbindungsbusse zu einer zusätzlichen Strafe, was wie gese-
- 25 -
hen unzulässig ist. Daran ändert der im Kontext der ganzen vorinstanzlichen Er-
wägungen widersprüchliche "Nachsatz" nichts, wonach die Busse zusammen mit
der Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 30.– einer schuldangemessenen Stra-
fe entspreche (Urk. 79 S. 61).
7.6.4. Wie gesehen steht einer Straferhöhung das Verschlechterungsverbot ent-
gegen. Unter Berücksichtigung der auszusprechenden Verbindungsbusse ist da-
mit im Ergebnis eine Geldstrafe von 130 Tagessätzen festzusetzen. Hinsichtlich
der Bussenhöhe besteht hingegen kein Anlass, in das Ermessen der Vorinstanz
einzugreifen. Sie trägt dem akzessorischen Charakter der Verbindungsbusse
Rechnung (vgl. Urk. 79 S. 61 mit Verweis auf BGE 135 IV 188 E. 3.3 und 3.4.4).
Einer Erhöhung stünde ohnehin das Verschlechterungsverbot entgegen und eine
Reduktion erscheint nicht angezeigt. Aufgrund des Verschuldens sowie der per-
sönlichen Verhältnisse des Beschuldigten rechtfertigt sich die von der Vorinstanz
festgesetzte Verbindungsbusse in der Höhe von Fr. 500.– durchaus, weshalb sie
zu bestätigen ist.
7.6.5. Zu bestätigten ist auch die von der Vorinstanz festgelegte Ersatzfreiheits-
strafe von 5 Tagen im Falle der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse (Urk. 79
S. 61).
7.6.6. Gesamthaft ist deshalb der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von
130 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer Busse von Fr. 500.– zu bestrafen.
8. Zivilforderungen
8.1. Die Vorinstanz hat die Privatklägerin mit ihrem Genugtuungsbegehren auf-
grund mangelnder Substantiierung auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen
(Urk. 79 S. 63 ff.). Die Verteidigung beantragt, auf das Genugtuungsbegehren
nicht einzutreten bzw. im Fall eines Schuldspruchs dieses auf den Zivilweg zu
verweisen (Urk. 98 S. 2, 10).
8.2. Wie gesehen ist das Verfahren wegen mehrfacher Beschimpfung zufolge
Verjährung einzustellen (vgl. vorstehende Erw. 3.1.5) und der Beschuldigte vom
Vorwurf der Anstiftung zur Drohung in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro
- 26 -
reo" freizusprechen (vgl. vorstehende Erw. 4.1.10.4). Soweit die Privatklägerin be-
treffend, erfolgt damit lediglich hinsichtlich der mehrfachen Urkundenfälschung ein
Schuldspruch (vgl. vorstehende Erw. 4.2.5, 5.4).
8.3. Wird die beschuldigte Person freigesprochen und ist hinsichtlich der adhä-
sionsweise anhängig gemachten Zivilklage der Sachverhalt nicht spruchreif, ist
diese auf den Zivilweg zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO). Das ist insbe-
sondere etwa dann der Fall, wenn ein Freispruch mangels Beweisen erfolgt
(ZHK StPO-Lieber, 2. Auflage 2014, Art. 126 N. 7). Eine solche Sachlage ist hin-
sichtlich der Anstiftung zur Drohung gegeben. Die Genugtuungsforderung der Pri-
vatklägerin, soweit sie das Nebendossier 2 betrifft, ist deshalb schon aufgrund
des Freispruchs des Beschuldigten auf den Zivilweg zu verweisen.
8.4. Ein Verweis auf den Zivilweg ist mit der Vorinstanz in Anwendung von
Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO aber auch angezeigt, da seitens der Privatklägerin nicht
substantiiert dargelegt wurde, aufgrund welcher Tatsachen der Privatklägerin die
Fr. 600.– als Genugtuung zugesprochen werden sollten und welches Delikt die
widerrechtliche Persönlichkeitsverletzung und die erlittene seelische Unbill ausge-
löst haben soll (Urk. 79 S. 63 ff. mit Verweis auf Urk. 62 S. 2, 5). Nachdem aber
die Privatklägerin weder selbständig Berufung noch Anschlussberufung erhoben
hat, käme im Berufungsverfahren eine Verpflichtung des Beschuldigten zur Leis-
tung einer Genugtuung ohnehin nicht in Betracht (Art. 391 Abs. 2 StPO).
9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1. Erstinstanzliches Verfahren
9.1.1. Die Vorinstanz auferlegte die Kosten der Untersuchung und des gericht-
lichen Verfahrens, ausgenommen der Kosten der amtlichen Verteidigung, dem
Beschuldigten. Die Kosten der amtlichen Verteidigung nahm sie unter Vorbehalt
von Art. 135 Abs. 4 StPO einstweilen auf die Gerichtskasse (Urk. 79 S. 67 f.).
9.1.2. Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfah-
renskosten, wenn sie verurteilt wird. Ausgenommen sind - unter Vorbehalt von
Art. 135 Abs. 4 StPO (dazu später) - die Kosten für die amtliche Verteidigung.
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9.1.3. Der Beschuldigte ist heute von einem Vorwurf freizusprechen, für welchen
er vor Vorinstanz noch verurteilt worden war (Vorwurf der Anstiftung zur Drohung,
ND 2). Ferner ist das Verfahren betreffend Beschimpfung zufolge Verjährung ein-
zustellen (ND 1). Hinsichtlich des Hausfriedensbruchs sowie der mehrfachen
Urkundenfälschung bleibt es bei der Verurteilung der Vorinstanz.
9.1.4. Vor diesem Hintergrund ist die vorinstanzliche Kostenverlegung neu vor-
zunehmen (Art. 428 Abs. 3 StPO). Ausgangsgemäss sind die Kosten der Unter-
suchung und des Gerichtsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen
Verteidigung, zur Hälfte dem Beschuldigten aufzuerlegen und zur Hälfte auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
9.1.5. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind entsprechend der Kostenver-
legung zur Hälfte definitiv und zur Hälfte einstweilen auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Im Umfang der Hälfte bleibt die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten
vorbehalten (Art. 135 Abs. 4 StPO).
9.1.6. Eine Entschädigung ist dem Beschuldigten mangels anspruchsbegründen-
der Tatsachen nicht auszurichten (Art. 429 Abs. 1 lit. a-c StPO und Art. 431
StPO).
9.2. Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahrens
9.2.1. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens. Als unterliegend gilt auch diejenige Partei, die
ihr Rechtsmittel zurückzieht (Art. 428 Abs. 1 StPO).
9.2.2. Der Beschuldigte obsiegt bzw. unterliegt mit seinem Antrag um vollumfäng-
lichen Freispruch zur Hälfte. Aufzuerlegen sind dem Beschuldigten sodann die
Kosten betreffend den Teilrückzug der Berufung hinsichtlich des Hausfriedens-
bruchs. Betreffend die Strafhöhe sowie den Widerruf erwirkte der Beschuldigte ei-
nen für ihn günstigeren Entscheid. Im Übrigen bleibt es beim vorinstanzlichen Ur-
teil. In Gewichtung der Berufungsthemen rechtfertigt es sich, die Kosten des Be-
rufungsverfahrens, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung und der
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unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, zu drei Fünfteln dem Beschuldigten
aufzuerlegen und zu zwei Fünfteln auf die Gerichtskasse zu nehmen.
9.2.3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind zu drei Fünfteln einstweilen und
zu zwei Fünfteln definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Im Umfang von drei
Fünfteln bleibt die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO vorbehalten. Die Kosten für die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin
sind vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen (vgl. Art. 426 Abs. 4 StPO).
9.2.4. Ausgangsgemäss fällt auch in Bezug auf das Berufungsverfahren eine Ent-
schädigung zugunsten des Beschuldigten ausser Betracht.