Decision ID: 1d7937c6-e632-5c63-9d58-9620889b7783
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer gelangte am 2. November 2015 in die Schweiz, wo
er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 23. November 2015 wurde er an-
lässlich der Befragung zur Person (BzP) summarisch befragt und am
7. November 2017 sowie am 20. Dezember 2017 vertieft zu seinen Asyl-
gründen angehört.
Dabei machte er im Wesentlichen geltend, dass er Afghanistan im Kindes-
alter zusammen mit seiner Familie verlassen und fortan im Iran gelebt
habe. Weil seine spätere Frau ihrem (...) zur Ehe versprochen gewesen
sei, hätten sein (...) und sein (...) ihm mit dem Tod gedroht, worauf er sich
mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter so rasch wie möglich ausser
Landes begeben habe und in die Schweiz gereist sei.
B.
In Zusammenhang mit Übergriffen auf die Kindsmutter ist der Beschwer-
deführer am (...) in der Schweiz polizeilich in Erscheinung getreten und am
(...) wegen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 StGB (SR 311.0) verurteilt wor-
den (vgl. act. A37). Seither lebt er von seiner Frau und der gemeinsamen
Tochter getrennt, weshalb in der Folge auch die Asylverfahren getrennt ge-
führt wurden. Die Kindsmutter und die gemeinsame Tochter (beide [...])
wurden mit Entscheid des SEM vom 26. November 2018 wegen Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen.
C.
Mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Mittel-
land Nord vom 4. Mai 2018 wurde für die Tochter vorsorglich eine Beistand-
schaft angeordnet mit dem Ziel, die Kindseltern zu unterstützen und für den
Kindsvater ein begleitetes Besuchsrecht einzurichten. Mit der Umsetzung
des KESB-Entscheids wurde der Sozialdienst der Gemeinde B._
beauftragt (vgl. act. A34).
D.
Mit Verfügung vom 26. November 2018 – eröffnet am 28. November 2018
– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete ihren Vollzug an.
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E.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 28. Dezember 2018 liess der Be-
schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, seine Flücht-
lingseigenschaft sei festzustellen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventua-
liter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die vorläufige Auf-
nahme anzuordnen. Subeventualiter sei die angefochtene Verfügung auf-
zuheben und zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung und zur Neubeur-
teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG unter Verzicht auf das Erheben
eines Kostenvorschusses sowie um Gewährung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde und um Anweisung an die Vollzugsbehörden, bis
zum Beschwerdeentscheid von jeglichen Vollzugsmassnahmen abzuse-
hen, ersucht. Der Eingabe lagen zahlreiche Beweismittel bei (vgl. S. 22 f.
derselben).
F.
Mit Schreiben vom 7. Januar 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.
G.
Mit Eingabe vom 8. Januar 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Für-
sorgebestätigung und weitere Beweismittel ein.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 29. April 2019 hiess der Instruktionsrichter das
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses, ordnete Rechtsanwältin Melanie Aebli als
amtlichen Rechtsbeistand bei und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer
Vernehmlassung ein.
I.
In seiner Vernehmlassung vom 17. Mai 2019 beantragte das SEM die Ab-
weisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerde-
führer am 23. Mai 2019 zur Stellungnahme unterbreitet.
J.
Mit Eingabe vom 21. Juni 2019 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehm-
lassung des SEM Stellung und hielt vollumfänglich an den Begehren und
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Gegenargumenten in der Beschwerde fest. Gleichzeitig reichte er weitere
Beweismittel ein.
K.
Mit Eingabe vom 26. Juni 2019 gab der Beschwerdeführer eine Ergänzung
und weitere Beweismittel zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist
als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG).
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.3 Am 1. Januar 2019 wurde zudem das Ausländergesetz vom 16. De-
zember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Auslän-
der- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwen-
dende Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG
übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Geset-
zesbezeichnung verwenden wird.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung in
Asylsachen auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige oder unvoll-
ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106
Abs. 1 AsylG). Im Zusammenhang mit dem Wegweisungsvollzug kann zu-
dem die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49
VwVG; vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
3.1 In der Beschwerde wird eine formelle Rüge erhoben, welche vorab zu
beurteilen ist, da sie gegebenenfalls geeignet ist, eine Kassation der vor-
instanzlichen Verfügung zu bewirken.
3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei in der Anhörung zu «Kom-
munikations-, Verständnis- und Verständigungsschwierigkeiten» gekom-
men. Er reichte dazu einen ärztlichen Bericht von Dr. med. C._,
(...), vom 27. Dezember 2018, zu den Akten, aus welchem hervorgeht,
dass er an verschiedenen Symptomen leide ([...]). Angesichts dieser
Symptomatik sei die Anhörung zu kurz ausgefallen. Es hätte in der Anhö-
rung einen für seine Bedürfnisse angepassten Rahmen geschaffen werden
müssen, indem er sich freier und ausführlicher zu seinen Asylgründen hätte
äussern können.
3.3 Den beiden Befragungsprotokollen sind keine Hinweise zu entnehmen,
welche an ihren Verwertbarkeit Zweifel aufkommen liessen. Zunächst ist
festzustellen, dass sich keine konkreten Anhaltspunkte für Verständigungs-
schwierigkeiten ergeben, gab der Beschwerdeführer doch zu Protokoll, die
Dolmetscherin gut zu verstehen. Im Weiteren bestätigte er am Schluss der
Anhörung nach Rückübersetzung unterschriftlich die Korrektheit und Voll-
ständigkeit seiner protokollierten Aussagen und auch die Hilfswerkvertre-
tung hat nichts Entsprechendes vermerkt. Weder der Verlauf noch die
Dauer der Anhörung lassen – auch unter Berücksichtigung der damaligen
gesundheitlichen Verfassung des Beschwerdeführers – den Schluss zu,
die Vorinstanz habe der Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts
nicht ausreichend Rechnung getragen. Die Rüge ist unbegründet.
3.4 Bei dieser Sachlage besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben, weshalb der Rückwei-
sungsantrag abzuweisen ist.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz zweifelt in ihrer Verfügung an der Identität des Be-
schwerdeführers. Er habe zu seinem Familiennamen, zu seinem Geburts-
ort und zu seinem Alter widersprüchliche, mithin unglaubhafte Angaben ge-
macht und keine Identitätsdokumente eingereicht. Seine genaue Identität
stehe somit nicht fest. Im Weiteren habe er zu seiner Kindheit in Afghanis-
tan und zu den Umständen des späteren Umzugs seiner Familie von Af-
ghanistan in den Iran praktisch keine Auskunft geben können. Solch ein-
schneidende Erlebnisse hinterliessen in der Regel jedoch gewisse Erinne-
rungen, weshalb zu erwarten gewesen wäre, dass er dazu differenziertere
und detailliertere Angaben hätte machen können. Die Schilderungen des
Beschwerdeführers zu den geltend gemachten Todesdrohungen durch sei-
nen (...) und seinen (...) seien substanzlos ausgefallen, enthielten keinerlei
Realkennzeichen und seien daher ebenfalls unglaubhaft.
Die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs sei zwar grundsätzlich von
Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersuchungspflicht finde aber ihre Gren-
zen an der Mitwirkungspflicht des Gesuchstellers, welcher auch die Sub-
stanziierungslast zu tragen habe. Es sei nach der Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts nicht Sache der Asylbehörde, bei fehlenden
Hinweisen seitens des Gesuchstellers nach Wegweisungsvollzughinder-
nissen in hypothetischen Herkunftsländern zu suchen. Dennoch sei betref-
fend die Diabeteserkrankung des Beschwerdeführers anzumerken, dass
gemäss gesicherten Erkenntnissen des SEM, Medikamente mit dem Wirk-
stoff (...) sowie (...) in Apotheken in Kabul erhältlich seien. Weil die (Ex-
)Frau des Beschwerdeführers und die gemeinsame Tochter wegen Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz lediglich vorläufig
aufgenommen worden seien und somit über kein gefestigtes Anwesen-
heitsrecht verfügten, gelange Art. 8 EMRK vorliegend nicht zur Anwen-
dung. Indes sei das Verhältnis des Beschwerdeführers zu seiner Tochter
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unter dem Aspekt von Art. 44 AsylG (Einheit der Familie) zu beurteilen.
Der Beschwerdeführer sei deshalb vom SEM schriftlich aufgefordert wor-
den, sich zu der Beziehung zu seiner Tochter zu äussern. Aus seinen dies-
bezüglichen Antwortschreiben vom 1. respektive 8. November 2018 (Ein-
gang beim SEM) habe sich kein besonderes Interesse an einer Beziehung
zu seiner Tochter ergeben. Zwar habe der mit der Umsetzung des KESB-
Entscheids vom 4. Mai 2018 beauftragte Sozialdienst der Gemeinde
B._ wegen «Ressourcenmangel» noch kein begleitetes Besuchs-
recht für die Tochter einrichten können. Trotz dieser Verzögerungen habe
sich der Beschwerdeführer insgesamt zu wenig um einen Kontakt zu seiner
Tochter bemüht. Er sei anwaltlich vertreten gewesen und hätte das mit
KESB-Entscheid vom 4. Mai 2018 verfügte Besuchsrecht auch einklagen
können. Insgesamt liege somit keine tatsächlich gelebte und intakte Bezie-
hung zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Tochter vor. Der Grund-
satz der Einheit der Familie stehe dem Wegweisungsvollzug somit nicht
entgegen.
5.2 Hiergegen bringt der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeeingabe
im Wesentlichen vor, dass sich die ihm von der Vorinstanz angelasteten
Widersprüche in den Aussagen zu seiner Identität allesamt erklären lies-
sen. Er habe zudem gar nie über Identitätspapiere verfügt, weshalb ihm die
Vorinstanz dies nicht zum Vorwurf machen könne. Im Weiteren habe er
zwar mehrfach zu Protokoll gegeben, dass er sich nicht an die genauen
Gründe für die Flucht seiner Familie von Afghanistan in den Iran erinnern
könne. Indes habe er in den Befragungen immer wieder angedeutet, dass
die Flucht seiner Familie mit den Taliban in Verbindung gestanden habe,
die sich zu jener Zeit über fast alle Landesteile Afghanistans hinweg aus-
zubreiten begonnen hätten. Für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner
Aussagen könne sich die Vorinstanz zudem nicht einzig auf Realkennzei-
chen abstützen. Aussagepsychologisch seien eine Reihe weiterer Glaub-
haftigkeitskriterien zu berücksichtigen. Namentlich habe er zu seinen Kern-
vorbingen durchwegs konsistente und weitestgehend widerspruchsfreie
Aussagen gemacht. Seine Aussagen seien zudem in sich schlüssig und
liessen sich durch öffentlich zugängliche Quellen untermauern. Den ein-
schlägigen Länderberichten des UNHCR sowie der SFH sei zu entnehmen,
dass in Afghanistan eine Eheschliessung ohne das Einverständnis der je-
weiligen Familien zu Vergeltungshandlungen bis hin zu Blutrache führen
könne. Weder Afghanistan noch der Iran könnten ihm ausreichend Schutz
vor solchen Vergeltungshandlungen bieten.
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Entgegen der Vorinstanz habe er seine Mitwirkungspflicht im Asylverfahren
nicht verletzt. Es sei hinreichend belegt, dass er über fünfzehn Jahre im
Iran gelebt habe und sich seine Kernfamilie noch immer im Iran aufhalte.
In Afghanistan verfüge er weder über ein verwandtschaftliches Bezie-
hungsnetz noch über eine gesicherte Wohnsituation. Es lägen mithin keine
besonders begünstigenden Umstände im Sinne der bundesverwaltungs-
gerichtlichen Rechtsprechung vor. Besonders zu berücksichtigen sei in die-
sem Zusammenhang seine (...). Gemäss dem ärztlichen Bericht von Dr.
med. D._ vom 30. Oktober 2018 könne nicht von der Behandelbar-
keit der (...) in Afghanistan ausgegangen werden. Zudem habe Dr. med.
C._ in ihrem ärztlichen Bericht vom 27. Dezember 2018 festgehal-
ten, dass weitere psychische Belastungen zu einer Fehlernährung mit dem
Risiko eines «(...)» führen könne. Entgegen der Auffassung des SEM
könne er sich betreffend die Beziehung zu seiner Tochter auf Art. 8 EMRK
beziehungsweise auf Art. 44 AsylG berufen. Es treffe zu, dass er seine
Tochter ein Jahr lang nicht gesehen habe. Daran treffe ihn allerdings kein
Verschulden. Vielmehr sei die mit der Umsetzung des KESB-Entscheids
vom 4. Mai 2018 beauftragte Behörde (Sozialdienst der Gemeinde
B._) wegen «Ressourcenmangel» lange untätig geblieben. Es sei
dem Beistand nunmehr gelungen, zwischen Januar und Mai 2019 ein Be-
suchsrecht an je zwei Nachmittagen pro Monat zu organisieren. Demnach
sei ein Wegweisungsvollzug bereits unter dem Aspekt der Achtung des Pri-
vat- und Familienlebens weder zulässig noch zumutbar. Die Wegweisung
würde im Übrigen gegen Art. 3 Abs. 1 der Kinderrechtskonvention [nach-
folgend: KRK, SR 0.107] verstossen, welche die vorrangige Berücksichti-
gung des Kindeswohls vorschreibe.
5.3 In seiner Vernehmlassung führte das SEM aus, die Beschwerdeschrift
enthalte weder erhebliche neue Tatsachen noch neue Beweismittel, wel-
che eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. Dennoch
gebe sie zu einigen Bemerkungen Anlass. Der Vollzug der Wegweisung sei
nur dann unzulässig, wenn er auf einer Bestimmung des schweizerischen
Rechts oder einer Behördenpraxis beruhe, die mit der KRK nicht vereinbar
sei. Die Behörden seien gehalten, die Tragweite der Verpflichtungen, wel-
che die KRK mit sich bringe, im innerstaatlichen Recht zu konkretisieren.
Diese Verpflichtungen seien gegenwärtig im Rahmen gewisser gesetzli-
cher und reglementarischer Normen im Ausländer- und Asylrecht präzisiert
(Art. 83 AuG; Art. 46 AsylG; Art. 17 Abs. 2bis AsylG; Weisung SEM III/1.3).
Im ZGB sei der Schutz der ausländischen Minderjährigen während ihres
Aufenthalts in der Schweiz geregelt. Diese Bestimmungen genügten den
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internationalen Verpflichtungen der Schweiz. Der Vollzug erweise sich ge-
stützt auf diese Ausführungen als zulässig. Das Kindeswohl stehe auch der
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht entgegen. Die Tochter des
Beschwerdeführers lebe seit 2017 bei der Kindsmutter und werde von die-
ser betreut, womit sie die Hauptbezugsperson sei. Aufgrund des noch jun-
gen Alters der Tochter und der Tatsache, dass die Beziehung zwischen
dem Beschwerdeführer und seiner Tochter über eineinhalb Jahre nicht tat-
sächlich gelebt worden sei, ergebe sich keine Gefährdung des Kindswohls.
Dass von Januar bis Mai 2019 nunmehr ein begleitetes Besuchsrecht statt-
finde, ändere an dieser Einschätzung des SEM nichts. Denn obwohl der
Beschwerdeführer anwaltlich vertreten gewesen sei, habe er sich nicht hin-
reichend bemüht, den KESB-Entscheid vom 4. Mai 2018 «zu seinen Guns-
ten» rechtlich durchzusetzen. Somit sei der Wegweisungsvollzug auch un-
ter dem Aspekt des Kindswohls zumutbar.
5.4 In seiner Replik räumt der Beschwerdeführer ein, dass er in Überein-
stimmung mit der Vorinstanz aus der KRK keinen direkten Anspruch auf
den Erhalt einer Bewilligung ableiten könne. Indes sei das Kindswohl im
Sinne der KRK und der dazu ergangenen bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung besonders zu berücksichtigen. Das Abklärungsverfahren bei der
KESB sei bis heute nicht abgeschlossen. Zwischenzeitlich habe sich das
Verhältnis zu seiner Tochter aber weiter festigen können. Gemäss der am
9. April 2019 getroffenen Vereinbarung zwischen dem Beistand und den
Kindseltern könne er seine Tochter nunmehr jeden Mittwochnachmittag un-
begleitet besuchen. Dem wiederholt geltend gemachten Vorwurf der Vor-
instanz, dass er sich zu wenig um einen Kontakt zu seiner Tochter bemüht
habe, sei erneut zu widersprechen. Der einstweilige Kontaktabbruch zu
seiner Tochter, sei allein den Behörden anzulasten, was durch die Akten
bestätigt werde.
5.5 In seiner ergänzenden Replik bringt der Beschwerdeführer vor, dass
die Umsetzung der Vereinbarung vom 9. April 2019 zwischen dem Beistand
und den Kindseltern soweit gut verlaufe. Insgesamt zeige sich das Bild ei-
nes sich rasch wieder stabilisierenden Familiensystems mit einer tragfähi-
gen und tatsächlich gelebten Eltern-Kind-Beziehung. Aufgrund des Vorlie-
gens einer tatsächlich gelebten Beziehung zu seiner Tochter verstiesse ein
Wegweisungsvollzug gegen Art. 44 AsylG.
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Seite 10
6.
6.1 Die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den Fluchtgründen sowie
seiner Herkunft und den persönlichen Verhältnissen vermögen nicht zu
überzeugen. Die Entgegnungen in der Rechtsmitteleingabe und die einge-
reichten Beweismittel sind nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung
zu führen.
6.2
6.2.1 Der in Art. 12 VwVG statuierte Untersuchungsgrundsatz, wonach die
Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen feststellt, findet seine Grenze
an der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (Art. 8 AsylG), der auch die
Substanziierungspflicht trägt (Art. 7 AsylG). Zur Mitwirkungspflicht gehört,
die Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere abzugeben,
an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken und die Asylgründe dar-
zulegen sowie Beweismittel vollständig zu bezeichnen und unverzüglich
einzureichen (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4).
6.2.2 Die Identität des Beschwerdeführers steht nicht fest. Während des
Asylverfahrens reichte er keine rechtsgenüglichen Identitätsdokumente
ein und seine Aussagen zur Herkunft erscheinen fraglich. Vielmehr besteht
Grund zur Annahme, er versuche seine wahre Herkunft und seine persön-
lichen Verhältnisse zu verschleiern. Bezeichnenderweise hat er auch die
im vorinstanzlichen Verfahren in Aussicht gestellte iranische Aufenthalts-
bewilligung bis heute nicht eingereicht. Die stattdessen im Beschwerdever-
fahren eingereichten Aufenthaltsbewilligungen seiner Eltern und seines
Bruders reichte er lediglich in Form von leicht manipulierbaren Fotokopien
ein, weshalb diesen kein rechtserheblicher Beweiswert beigemessen wer-
den kann. Er vermag demnach nicht nachzuweisen, dass er überhaupt af-
ghanischer Abstammung ist und als kleines Kind zusammen mit seiner Fa-
milie in den Iran übersiedelte. Eine solche Verlegung des Wohnsitzes ver-
mag er zudem auch nicht glaubhaft zu machen, da er diesbezüglich wider-
sprüchliche Angaben vorbrachte. So führte er in der Erstbefragung an, er
sei als kleines Kind – ungefähr vier Jahre alt – mit seiner Familie in den
Iran übersiedelt, um demgegenüber in der vertieften Anhörung anzugeben,
er sei sechs oder sieben Jahre alt gewesen, als seine Familie mit ihm in
den Iran gereist sei, um dort zu leben. Dieser Widerspruch ist derart offen-
sichtlich, dass er – entgegen der anderslautenden Beschwerdevorbringen
(vgl. daselbst, S. 9) – nicht mit dem «damaligen Alter» und den «traumati-
schen Umständen der Flucht» des Beschwerdeführers allein erklärbar ist,
sondern gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht. Gleichermas-
sen widersprüchlich äusserte sich der Beschwerdeführer zur Frage nach
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Seite 11
seinem Geburtsort in Afghanistan. In der BzP gab er zu Protokoll, dass er
«nur» wisse, in der Provinz E._ geboren worden zu sein, wogegen
er in der ergänzenden Anhörung im Unterschied hierzu erklärte, aus dem
Dorf F._, dem Distrikt G._ in der Provinz E._ zu
stammen. Die Behauptung in der Beschwerde (vgl. daselbst, S. 8), dass
die divergierenden Aussagen auf die Art der Fragestellung zurückzuführen
seien, findet keine Stütze in den Akten. Schliesslich fielen auch seine An-
gaben zu seinem Familiennamen widersprüchlich aus. Hierzu gab er an
der BzP zu Protokoll, den Familiennamen H._ freiwillig von seiner
Frau angenommen zu haben, wohingegen er in der vertieften Anhörung
aussagte, seit Geburt den Namen H._ zu tragen. Das Beschwerde-
argument (vgl. daselbst, S. 8), dass sich der Beschwerdeführer erst bei der
Einreise in die Schweiz entschlossen habe, den Namen seiner Frau anzu-
nehmen, findet ebenfalls keine Stütze in den Akten und erscheint als nach-
trägliche Sachverhaltsanpassung. Das Aussageverhalten des Beschwer-
deführers im Verlaufe des Asylverfahrens verstärkt somit den Eindruck, er
sei nicht gewillt, seine Herkunft und die persönlichen Verhältnisse offenzu-
legen.
6.3 Insofern der Beschwerdeführer geltend macht, er werde wegen seiner
Heirat von seinem (...) und seinem (...) im Iran mit dem Tod bedroht, kann
vorweg auf die zu bestätigende Argumentation in der angefochtenen Ver-
fügung verwiesen werden (vgl. act. A30, Ziff. II/1.). Das SEM erwägt zu-
recht, dass die diesbezüglichen Ausführungen des Beschwerdeführers
vage, pauschal und ohne persönlichen Bezug ausgefallen sind. Der Um-
stand, dass der Beschwerdeführer in seiner freien Erzählung zahlreiche
Angaben zu den Geschehnissen gemacht habe, wie in der Beschwerde
vorgebracht wird (vgl. daselbst, S. 6 f.), ist für sich alleine noch kein Indiz
für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen, zumal sie die notwendige Substanz
vermissen lassen. Hinsichtlich der von ihm geltend gemachten Flucht aus
Afghanistan im Kindesalter wegen der damals angeblich zunehmenden
Gefährdung durch die Taliban (vgl. Beschwerde, S. 11 f.), ist darauf hinzu-
weisen, dass für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3
AsylG die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheids massgeblich ist. Un-
abhängig von der Frage der Glaubhaftigkeit der Schilderungen der dama-
ligen Umstände seiner Ausreise aus Afghanistan, vermag der Beschwer-
deführer vorliegend keine begründete Furcht vor einer gezielten Verfolgung
seiner Person darzulegen. Aus den Akten ergeben sich keine konkreten
Hinweise für die Annahme, dass er im heutigen Zeitpunkt, nach über fünf-
zehnjähriger Landesabwesenheit, persönlich im Visier der Taliban oder ei-
ner anderen gewaltsamen Gruppierung stehen und ihm eine asylrechtlich
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Seite 12
relevante (Reflex-)Verfolgung drohen würde, sofern er denn überhaupt aus
Afghanistan stammt. Das SEM hat im Ergebnis somit hinreichend und
nachvollziehbar begründet, dass sich aufgrund des gesamten Aussagever-
haltens der Beschwerdeführenden ein stark konstruiertes Bild einer Verfol-
gungssituation ergibt. Stichhaltige Beschwerdeargumente für eine andere
Sichtweise fehlen. Im Ergebnis ist somit nicht glaubhaft, dass sich seine
Situation wegen der Eheschliessung in der geltend gemachten Form zuge-
spitzt hätte. Dem Beschwerdeführer ist es demnach nicht gelungen, nach-
zuweisen oder glaubhaft zu machen, dass er in Afghanistan aktuell begrün-
dete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG
haben müsste. Auch die Verfolgungslage im Iran ist in der geltend gemach-
ten Intensität nicht glaubhaft. Es erübrigt sich, auf weitere Beschwerdevor-
bringen detaillierter einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts ändern kön-
nen. Das SEM hat die Asylgesuche zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
9.
9.1 Der Beschwerdeführer moniert, gemäss Art. 44 AsylG sei bei der Weg-
weisung und deren Vollzug der Grundsatz der Einheit der Familie zu be-
rücksichtigen. Diese Bestimmung gehe zudem über die Tragweite von
Art. 8 EMRK hinaus und beinhalte, dass die vorläufige Aufnahme des einen
Familienmitglieds grundsätzlich auch zur vorläufigen Aufnahme von des-
sen Familie führe. Seine (Ex-)Frau und ihr gemeinsames Kind seien auf-
grund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der
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Seite 13
Schweiz aufgenommen worden. Zwar habe er sich von seiner Frau ge-
trennt, es bestehe jedoch zu seiner Tochter eine intakte und tatsächlich
gelebte Beziehung.
9.2 Seitens des Beschwerdeführers wird zu Recht keine Verletzung von
Art. 8 EMRK gerügt. Die Ex-Frau und das gemeinsame Kind wurden ledig-
lich infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenom-
men und verfügen damit nicht über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in
der Schweiz (vgl. dazu BGE 139 I 330 E. 2.1).
9.3 Gemäss Art. 44 AsylG hat die Vorinstanz bei der Anordnung des Weg-
weisungsvollzugs den Grundsatz der Einheit der Familie zu beachten. Un-
ter dem Begriff ist zu verstehen, dass Familienmitglieder nicht voneinander
getrennt werden, sondern tatsächlich zusammenleben können, und dass
der Familie nach Möglichkeit ein einheitlicher Rechtsstatus eingeräumt
wird. Diese Bestimmung geht, wie bereits in Entscheidungen und Mitteilun-
gen der Schweizerischen Asylrekurskommission (EMARK) 1995 Nr. 24
festgestellt wurde, über die Tragweite von Art. 8 EMRK hinaus, indem die
vorläufige Aufnahme des einen Familienmitglieds «in der Regel» auch zur
vorläufigen Aufnahme der anderen Familienmitglieder führt (vgl. hierzu
EMARK 1998 Nr. 31 E. 8c S. 258 f. und EMARK 1995 Nr. 24 E. 9 S. 229,
die sich hierfür freilich noch auf Art. 17 Abs. 1 AsylG in der Fassung gemäss
Ziff. I des BB vom 22. Juni 1990 über das Asylverfahren [AS 1990 938],
welcher inhaltlich indessen Art. 44 AsylG entspricht, beziehen). In perso-
neller Hinsicht umfasst der Begriff der Familie dabei den Ehepartner und
die minderjährigen Kinder, wobei der in dauerhaft eheähnlicher Gemein-
schaft lebende Partner dem Ehepartner gleichzustellen ist (EMARK 1995
Nr. 24 E. 7 S. 227).
9.3.1 Vorliegend verfügen die vom Beschwerdeführer getrennt lebende
Kindsmutter und das gemeinsame Kind über eine vorläufige Aufnahme,
weshalb zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer in dieses einbezogen wer-
den kann. Aufgrund der erfolgten Trennung der Eheleute ist lediglich das
Elternverhältnis zu seiner Tochter zu prüfen.
9.3.2 Der Beschwerdeführer ist in Zusammenhang mit Übergriffen auf die
Kindsmutter am (...) polizeilich in Erscheinung getreten und am (...) wegen
Tätlichkeiten gemäss Art. 126 StGB verurteilt worden. Seither lebt er von
seiner Frau und der gemeinsamen Tochter getrennt. Mit Entscheid der
KESB vom 4. Mai 2018 wurde für die Tochter vorsorglich eine Beistand-
schaft angeordnet mit dem Ziel, die Kindseltern zu unterstützen und für den
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Kindsvater ein begleitetes Besuchsrecht einzurichten. Auf die vom SEM mit
Schreiben vom 29. Oktober 2018 zwecks Ermittlung einer hinreichend en-
gen, tatsächlich gelebten und intakten Beziehung zu seiner Tochter gestell-
ten Fragen führte der Beschwerdeführer in seinen Eingaben vom 1. und 8.
November 2018 aus, dass er seine Tochter seit über einem Jahr nicht mehr
gesehen habe und auch keine Besuche geplant seien. Des Weiteren liess
er verlauten, dass keine gemeinsamen Unternehmungen stattfänden und
er mangels finanzieller Mittel auch nicht in der Lage sei, seine Tochter fi-
nanziell zu unterstützen. Grundsätzlich würde er seine Tochter aber sehr
gerne sehen. Aus den Ausführungen in der Beschwerde und der zusam-
men mit der Replik eingereichten Vereinbarung zwischen den Kindseltern
und der Beiständin vom 9. April 2019 ergibt sich sodann, dass dem Be-
schwerdeführer zwischen Januar und April 2019 ein begleitetes Besuchs-
recht an je zwei Nachmittagen pro Monat und ab April 2019 ein wöchentli-
ches und unbegleitetes Besuchsrecht genehmigt wurde.
9.3.3 Aufgrund dieser Aktenlage ergibt sich, dass zwischen dem Beschwer-
deführer und seiner Tochter entgegen der Beschwerde im heutigen Zeit-
punkt keine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung vor-
liegt. Es ist davon auszugehen, dass die Vater-Kind-Beziehung während
einer längeren Zeit nicht im Sinne einer effektiven Familiengemeinschaft
gelebt wurde beziehungsweise aufgrund der Tätlichkeiten des Beschwer-
deführers nicht aufrechterhalten werden konnte. Zwar hat sich der Be-
schwerdeführer in der Folge um einen Kontakt zu seiner Tochter bemüht,
worauf ihm von Seiten der Behörden fixe Besuchsnachmittage für seine
Tochter genehmigt wurden. Den Akten zufolge ist es bei der Umsetzung
des Besuchsrechts durch seitens der Behörden verursachten Verzögerun-
gen gekommen. Dies allein ändert indes nichts an der vorgenommenen
Würdigung der vorliegend zu beurteilenden Beziehung. So vermag das in
geringem Umfang eingeräumte Besuchsrecht nicht zur Annahme zu füh-
ren, dass zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Tochter eine nahe,
echte und tatsächlich gelebte Beziehung im Sinne von Art. 44 AslyG vor-
liegt, selbst wenn bis heute sämtliche geplanten Besuchsnachmittage hät-
ten stattfinden können. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht besteht keine Be-
ziehung des Beschwerdeführers zu seiner Tochter, zumal er mangels fi-
nanzieller Leistungsfähigkeit keinen Kindesunterhaltsbeitrag an seine
Tochter ausrichten kann. Aufgrund der Akten und in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz ist vorliegend davon auszugehen, dass die Tochter seit der
Trennung bei der Kindsmutter gewohnt hat und diese die Hauptbezugsper-
son des Kindes ist, weshalb sich auch unter dem Aspekt des Kindswohls
keine andere Beurteilung ergibt.
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9.4 Die Wegweisung und der Vollzug der Wegweisung wurden unter der
Berücksichtigung des Aspekts der Familieneinheit daher von der
Vorinstanz zurecht und mit der zutreffenden Begründung angeordnet.
10.
10.1 Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvoll-
zugs sind zwar grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen, jedoch findet
diese Abklärungspflicht der Asylbehörden – wie bereits zuvor ausgeführt –
ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8
AsylG), die auch die Substanziierungspflicht trägt (Art. 7 AsylG). Es ist nicht
Sache der Behörden, bei fehlenden, womöglich gezielt vorenthaltenen Hin-
weisen nach allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypotheti-
schen Herkunftsländern zu forschen (vgl. statt vieler: Urteile des BVGer E-
1410/2018 vom 23. März 2018 E. 8.2 und E-6294/2015 vom 22. März 2018
E. 8.2). Entzieht der Asylsuchende mit seinem Verhalten dem Gericht die
für genauere Abklärungen erforderliche Grundlage, ist es nicht Sache der
Beschwerdeinstanz, sich in Mutmassungen und Spekulationen zu erge-
hen.
10.2 Der Beschwerdeführer reichte keine rechtsgenüglichen Identitätspa-
piere ein und seine Angaben zur Herkunft sind weitestgehend unglaubhaft
ausgefallen. Seine Identität und Staatsangehörigkeit, seine Herkunft sowie
seine persönlichen Verhältnisse stehen – wie oben ausgeführt (vgl. E. 6.2.2
vorstehend) – bis heute nicht abschliessend fest. Durch die Verletzung sei-
ner Mitwirkungspflicht respektive die Verheimlichung seiner wahren Identi-
tät und Herkunft verunmöglicht er auch die Prüfung, welche Staatsangehö-
rigkeit er besitzt, und welchen Status er an seinem bisherigen Aufenthalts-
ort hatte. Der Beschwerdeführer hat die Folgen seiner fehlenden Mitwir-
kung insofern zu tragen, als vermutungsweise davon auszugehen ist, dass
einer Wegweisung in den tatsächlichen Heimatstaat respektive an den bis-
herigen Aufenthaltsort keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne
entgegenstehen (Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2–4 AIG). Es ist somit
auch von der grundsätzlichen Behandelbarkeit seiner (...) auszugehen.
Soweit in der Beschwerde ausgeführt wird, es würden bei einer Wegwei-
sung nach Afghanistan Vollzugshindernisse vorliegen, ist darauf nicht wei-
ter einzugehen, da – wie bereits vorstehend dargelegt – die geltend ge-
machte Herkunft des Beschwerdeführers aus Afghanistan fraglich ist. Das
SEM hat den Vollzug der Wegweisung somit zu Recht als durchführbar
erachtet. Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement steht
dem Vollzug der Wegweisung ebenso wenig entgegen, da dieses nur Per-
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sonen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen, was beim Be-
schwerdeführer nicht der Fall ist. Somit kann auch der in Art. 5 AsylG ver-
ankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung vorliegend keine Anwendung
finden.
10.3 Der verfügte Wegweisungsvollzug ist damit zu bestätigen und die An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers fällt ausser Be-
tracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Er stellte in seiner
Rechtsmitteleingabe jedoch ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG, welches das Gericht mit Zwischenver-
fügung vom 29. April 2019 guthiess. Da sich seine finanzielle Situation seit
der Gutheissung des Gesuchs nicht wesentlich verändert hat, ist auf die
Erhebung von Kosten zu verzichten.
12.2 Ebenfalls mit Zwischenverfügung vom 29. April 2019 wurde dem Be-
schwerdeführer die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von
Art. 110a Abs. 1 Bst a AsylG zugesprochen und seine Rechtsvertreterin als
Rechtsbeistand eingesetzt. Der amtliche Rechtsbeistand hat am 26. Juni
2019 eine Kostennote zu den Akten gereicht. Der darin geltend gemachte
zeitliche Aufwand (17.83 Stunden) erscheint angemessen. Indes ist der
verlangte Stundenansatz von Fr. 250.– zu reduzieren; für die Festsetzung
des Honorars als amtlicher Rechtsbeistand ist der Stundenansatz praxis-
gemäss auf Fr. 220.– zu begrenzen (vgl. Verfügung vom 29. April 2019).
Insgesamt beläuft sich das Honorar des amtlichen Rechtsbeistands zu
Lasten der Gerichtskasse auf Fr. 4'430.90 (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steueranteil).
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