Decision ID: e4836781-7933-4ff2-9cf8-50b69ed67bb0
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Vergewaltigung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 8. März 2021 (DG200229)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. Oktober 2020
(Urk. D1/23) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 115 S. 105 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB,
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB,
− des mehrfachen Fahrens im fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91
Abs. 1 lit. b SVG,
− des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweigerung, Entzug
oder Aberkennung des erforderlichen Ausweises im Sinne von Art. 95 Abs. 1
lit. b SVG,
− des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne dessen Art. 33 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a, Art. 7 Abs. 1, Art. 8 und Art. 27 sowie
Art. 15 WV, Art. 48 WV und Art. 12 Abs. 1 lit. j WV,
− der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne dessen
Art. 19a Ziff. 1,
− der vorsätzlichen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1
SVG.
2. Vom Vorwurf der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB wird der
Beschuldigte A._ freigesprochen.
3. Die mit Verfügung des Amtes für Justizvollzug des Kantons Zürich vom 11. Juli
2017 ausgesprochene bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug wird widerrufen.
4. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der durch den Widerruf vollziehbar geworde-
nen Reststrafe von 164 Tagen Freiheitsstrafe gemäss Strafbefehl der Staatsan-
waltschaft Zürich-Limmat vom 25. November 2012 und gemäss Urteil des Ge-
richtspräsidiums Baden vom 3. März 2016 sowie gemäss Strafbefehl der Staatsan-
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waltschaft Zürich-Limmat vom 9. Juni 2016 bestraft mit einer Gesamtstrafe von 26 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute 249 Tage durch Haft erstanden
sind, sowie mit einer Busse von Fr. 600.–.
5. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen. Die Busse ist zu bezahlen.
6. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen.
7. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 60 StGB
(Suchtbehandlung illegale Drogen) angeordnet.
8. Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen.
9. Die nachfolgend aufgelisteten und mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 27. Februar 2020 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen
und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen:
− 1 Kneifzange (Asservat-Nr. A012'552'500),
− 1 Pullover (Asservat-Nr. A012'552'511),
− 1 Gewehr ohne Magazin, mit aufgesetztem Schalldämpfer (Waffen-Nr. ...;
Asservat-Nr. A012'784'440),
− 1 Schalldämpfer (Asservat-Nr. A012'784'462),
− 1 Verpackung (Migros-Einkaufstasche, Leinentuch;
Asservat-Nr. A012'784'473).
10. Die nachfolgend aufgelisteten und sichergestellten Gegenstände werden der Pri-
vatklägerin B._ nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen
von der Lagerbehörde herausgegeben. Werden die Gegenstände nicht innert einer
Frist von 90 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils abgeholt, werden sie
vernichtet, wobei die Lagerbehörde angewiesen wird, diese Anordnung innert 90
Tagen zu vollziehen und zu dokumentieren:
− 1 Damenbekleidung (Asservat-Nr. A012'411'664),
− 1 Damenhose (Asservat-Nr. A012'411'700),
− 1 Damenunterwäsche (Asservat-Nr. A012'411'711),
− 1 Damenunterwäsche (Asservat-Nr. A012'411'722),
− 1 Damentasche (Asservat-Nr. A012'411'744),
− 1 Portemonnaie (Asservat-Nr. A012'411'813).
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11. Die Privatklägerin B._ wird mit ihrem Schadenersatz- und Genugtuungsbe-
gehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
12. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin C._ AG wird abgewiesen.
13. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin D._ AG wird abgewiesen.
14. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.00 Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 30'794.65 Gutachten/Expertisen etc.
Fr. 145.00 Zeugenentschädigung
Fr. 1'389.25 Auslagen Untersuchung
Fr. 33'778.60 ehemalige amtliche Verteidigung (RAin Dr. iur. X1._)
Fr. 17'510.35 unentgeltliche Rechtsvertretung (RA Dr. iur. Y._)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie diejenigen der unentgeltlichen Rechts-
vertretung der Privatklägerin B._, werden dem Beschuldigten zur Hälfte aufer-
legt. Im Übrigen werden die Kosten der Untersuchung auf die Staatskasse genom-
men bzw. diejenigen des gerichtlichen Verfahrens fallen ausser Ansatz.
16. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 5'000.–
(inkl. Mehrwertsteuer) für die anwaltliche Verteidigung durch Dr. iur. X._ aus
der Gerichtskasse zugesprochen.
17. Über die Honorarnote von Rechtsanwältin Dr. iur. X1._ wird mit separatem
Beschluss entschieden. Vorbehalten bleibt eine hälftige Nachforderung.
18. Über die Honorarnote von Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ wird mit separatem Be-
schluss entschieden. Von einer Nachforderung wird abgesehen.
19. (Mitteilungen)
20. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 181 S. 1 f.)
1. Der Beschuldigte sei des vollendeten Diebstahls in Bezug auf die
Fr. 3'000.– (Dossier-Nr. 2) freizusprechen.
2. Der Beschuldigte sei des versuchten Diebstahls in Bezug auf die
Fr. 3'000.– (Dossier-Nr. 2) schuldig zu sprechen.
3. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung frei-
zusprechen.
4. Im Übrigen seien die Schuld- und Freisprüche der Vorinstanz zu bestä-
tigen.
5. Es seien dem Beschuldigten die Kneifzange (Asservat-Nr.
A012'552'500) und der Pullover (Asservat-Nr. A012'552'511) heraus-
zugeben.
6. Die übrigen der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
vom 27. Februar 2020 beschlagnahmten Gegenstände seien einzuzie-
hen und zu vernichten.
7. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe in Höhe der bisher er-
standenen Haft zu bestrafen.
8. Es seien die bedingten Strafen gemäss Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft Zürich-Limmat vom 25. November 2012, gemäss Urteil des
Gerichtspräsidiums Baden vom 3. März 2016 sowie gemäss Strafbe-
fehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 9. Juni 2016 nicht zu
widerrufen; eventualiter sei bei einem Widerruf eine Freiheitsstrafe als
Gesamtstrafe in der Höhe der bisher erstandenen Haft auszusprechen.
9. Von der Anordnung einer Massnahme sei abzusehen.
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10. Alles unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsfolgen
gemäss eingereichter Honorarnote zzgl. einer Entschädigung für die
längere Dauer der Berufungsverhandlung (zzgl. MwSt.)
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 184 S. 1 f.)
1. Es sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen und der Beschuldigte
demzufolge wie folgt schuldig zu sprechen:
a) des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB
b) der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB
c) des mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von
Art. 91 Abs. 1 lit. b SVG
d) des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweige-
rung, Entzug oder Aberkennung des erforderlichen Ausweises im
Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG
e) des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33
Abs. 1 Waffengesetz i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. b, Art. 7 Abs. 1, Art. 8
und Art. 27 WG sowie Art. 15 WV, Art. 48 WV und Art. 12 lit. j WV
f) der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im
Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG
g) der vorsätzlichen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 1 SVG.
2. Der Beschuldigte sei mit einer Gesamtstrafe von 26 Monaten Freiheits-
strafe und mit einer Busse von Fr. 600.– zu bestrafen, unter Anrech-
nung der erstandenen Haft und Massnahme.
3. Die Freiheitsstrafe sei zu vollziehen.
4. Es sei eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 60 Abs. 1 StGB
anzuordnen.
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5. Der Beschuldigte sei eventualiter für die Dauer von 10 Jahren des
Landes zu verweisen und die Landesverweisung sei im Schengener
Informationssystem auszuschreiben.
6. Die mit Verfügungen vom 18. Dezember 2019 (Fall 7) und 27. Februar
2020 (Fall 4) beschlagnahmten Gegenstände seien definitiv einzu-
ziehen.
7. Die polizeilich sichergestellten Kleider und Gegenstände der Privat-
klägerin B._ seien dieser nach Eintritt der Rechtskraft zurückzu-
geben.
8. Die Kosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.
c) Der Privatklägerin B._:
(Urk. 183 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei angemessen wegen Vergewaltigung zu bestrafen
sowie des Landes zu verweisen bei gleichzeitiger Ausschreibung der
Landesverweisung im Schengener Informationssystem;
2. Adhäsionsweise sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin
B._ eine Genugtuung von Fr. 20'000.– zu bezahlen;
3. alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschul-
digten, eventualiter der Staatskasse, unter Berücksichtigung der der
Privatklägerin B._ gewährten unentgeltlichen Rechtspflege.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Prozessverlauf
1.1. Am 8. März 2021 fällte das Bezirksgericht Zürich, 3. Abteilung, das oben
erwähnte Urteil. Gegen dieses Urteil meldeten sowohl der Beschuldigte, I. Beru-
fungskläger sowie Anschlussberufungskläger (fortan Beschuldigter), als auch die
Privatklägerin 1, II. Berufungsklägerin sowie Anschlussberufungsklägerin (fortan
Privatklägerin), rechtzeitig Berufung an (Urk. 95 und 96). Das begründete Urteil
wurde dem Beschuldigten und der Privatklägerin je am 14. Mai 2021 zugestellt
(Urk. 114/2 - 3). Die Berufungserklärung der Privatklägerin datiert vom 20. Mai
2021 und erfolgte fristgerecht (Urk. 117). Der Beschuldigte erklärte mit Eingabe
vom 31. Mai 2021 die Berufung. Gleichzeitig liess er das Gesuch um Bestellung
von Rechtsanwalt Dr. iur. X._ als amtlicher Verteidiger stellen (Urk. 125). Mit
Präsidialverfügung vom 9. Juni 2021 wurde die Sicherheitshaft bis zum Entscheid
der Berufungsinstanz verlängert (Urk. 130). Mit Präsidialverfügung vom 11. Juni
2021 wurde dem Beschuldigten Rechtsanwalt Dr. iur. X._ als amtlicher Ver-
teidiger bestellt. Gleichzeitig wurde den Parteien Frist angesetzt, um Anschluss-
berufung zu erheben oder einen begründeten Nichteintretensantrag zu stellen
(Urk. 132). Mit Eingabe vom 15. Juni 2021 erklärte die Staatsanwaltschaft Ver-
zicht auf Anschlussberufung und dass sie sich am weiteren Verfahren nicht aktiv
beteiligen werde (Urk. 134). Der Beschuldigte erklärte mit Eingabe vom 28. Juni
2021 hinsichtlich der Zivilansprüche Anschlussberufung (Urk. 135). Dies tat die
Privatklägerin mit Eingabe vom 2. Juli 2021, wobei sie gleichzeitig erklären liess,
dass sie auf die Möglichkeit verzichte, bei der Auswahl der Mitglieder des Ge-
richts sowie bei der Auswahl der übersetzenden Person eine Person gleichen
Geschlechts zu verlangen (Urk. 139).
1.2. Mit Eingabe vom 28. Oktober 2021 liess der Beschuldigte die Einvernahme
von Frau E._ als Zeugin beantragen (Urk. 163). Nachdem die Staatsanwalt-
schaft mit Eingabe vom 8. November 2021 erklärt hatte, keine Einwendungen ge-
gen diese Beweisabnahme zu haben (Urk. 168; Urk. 170), wurde Frau E._
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am 10. November 2021 als Zeugin zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk.
173). Am 1. November 2021 wurde überdies Frau F._ ehem. F1._ als
Zeugin vorgeladen (Urk. 166). Am 8. November 2021 ging eine E-Mail Nachricht
mit dem Privatkläger 3, G._, als Absender ein, worin dieser seine Sachver-
haltsschilderung zum Anklagevorwurf 1.11-3 abgab (Urk. 172a). Mit Schreiben
vom 9. November 2021 wurde G._ auf die Formvorschriften von Eingaben
aufmerksam gemacht und es wurde ihm die Möglichkeit aufgezeigt, seine E-Mail
Nachricht auszudrucken, zu unterschreiben und diese der erkennenden Kammer
per Post zukommen zu lassen (Urk. 172). Eine Reaktion von G._ auf dieses
Schreiben blieb aus.
1.3. Am 2. Dezember 2021 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher der
Beschuldigte in Begleitung seines Verteidigers, die Privatklägerin in Begleitung
ihres unentgeltlichen Rechtsvertreters sowie Staatsanwalt Dr. T. Brändli in Be-
gleitung von Staatsanwalt lic. iur. L. Wehrli als Vertreter der Anklagebehörde
erschienen sind (Prot. II S. 2a ff.). Vor der Befragung des Beschuldigten wurden
die Privatklägerin als Auskunftsperson und Frau F._ ehem. F1._ als
Zeugin einvernommen (Prot. II S. 6a ff.). Die ebenfalls als Zeugin vorgeladene
Frau E._ ist nicht erschienen (Prot. II S. 8). Eine erneute Vorladung von Frau
E._ zur Einvernahme als Zeugin wurde seitens des Beschuldigten nicht
beantragt. Wie sich aus den nachstehenden Erwägungen ergibt, erweist sich eine
erneute Vorladung von Frau E._ auch aus Sicht des Gerichts nicht als not-
wendig (vgl. Erw. II.4.2.3.). Anlässlich der Berufungsverhandlung wies die Verfah-
rensleitung ferner auf den Eingang der E-Mail-Nachricht vom 8. November 2021
mit G._ als Absender hin und gab bekannt, dass diese Nachricht ohne Be-
deutung sei, da eine Unterschrift fehle und es sich nicht um ein zertifiziertes Inca-
Mail handle (Prot. II S. 10). Weiter liess die Privatklägerin im Rahmen der
Begründung ihrer Berufung ihr Schadenersatzbegehren zurückziehen (Urk. 183
S. 1). Davon ist vorab mittels Beschluss Vormerk zu nehmen. Das Urteil wurde
am 16. und am 17. Dezember 2021 beraten und den Parteien in der Folge schrift-
lich im Dispositiv mitgeteilt (Prot. II S. 38 ff.).
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2. Berufungs- und Anschlussberufungserklärungen
2.1. In der Berufungsschrift ist anzugeben, welche Abänderungen des erstin-
stanzlichen Urteils verlangt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Gemäss Art. 402
StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung.
2.2. Die Privatklägerin ficht den Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung
sowie die Verweisung ihres Genugtuungsbegehrens auf den Weg des Zivilpro-
zesses gemäss den Urteilsdispositivziffern 2 und 11 an (Urk. 117; Urk. 183 S. 1).
2.3. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die Verurteilung wegen
Diebstahls zum Nachteil von H._ gemäss Urteilsdispositivziffer 1, nicht je-
doch gegen die ebenfalls in Urteilsdispositivziffer 1 enthaltenen Verurteilungen
wegen Diebstahls zum Nachteil der D1._ AG und der C._ AG. Was den
Vorwurf der einfachen Körperverletzung betrifft, verlangt der Beschuldigte eine
Strafbefreiung wegen rechtfertigender Notwehr. Sodann ficht er die gesamten
Sanktionen gemäss den Urteilsdispositivziffern 3 - 6, die Anordnung einer Mass-
nahme gemäss Urteilsdispositivziffer 7, die Einziehung der beschlagnahmten
Kneifzange und eines Pullovers gemäss Urteilsdispositivziffer 9 sowie die Kosten-
verteilung gemäss Urteilsdispositivziffer 15 an (Urk. 125; Urk. 182 S. 1 f.).
2.4.1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Die Beru-
fung der Privatklägerin richtet sich grundsätzlich nur gegen den Freispruch vom
Vorwurf der Vergewaltigung und die Verweisung ihrer Zivilansprüche auf den Weg
des Zivilprozesses. Die Sanktion und die Landesverweisung werden von ihr zu
Recht nicht angefochten, zumal ihr dies nicht zusteht (Art. 382 Abs. 2 StPO).
Gleichwohl hat auf Grund ihres Antrags auf Verurteilung des Beschuldigten we-
gen des Vorwurfs der Vergewaltigung neben der Sanktion insbesondere auch der
Verzicht auf die Anordnung einer Landesverweisung (Urteilsdispositivziffer 8) als
mitangefochten zu gelten, da es sich beim Tatbestand der Vergewaltigung im
Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB um eine Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1
lit. h StGB handelt. Den Parteien wurde hierzu das rechtliche Gehör gewährt (vgl.
Urk. 165).
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2.4.2. Art. 399 Abs. 4 StPO enthält eine Liste von Urteilspunkten, auf welche der
Berufungskläger seine Berufung beschränken kann. Dazu gehören unter anderem
die Bemessung der Strafe und die Anordnung von Massnahmen. Damit sind
sämtliche Anordnungen im Zusammenhang mit einer Sanktion und einer Mass-
nahme gemeint (Art. 399 Abs. 4 lit. b, c StPO). Ganz allgemein gilt, dass bei der
Beschränkung der Berufung auf die Schuld- oder Freisprüche eine Gutheissung
automatisch dazu führen muss, dass die mit dem Schuldpunkt eng verknüpften
Teile des Urteils neu überprüft werden müssen, selbst wenn diesbezüglich keine
ausdrücklichen Anträge vorliegen (Zimmerlin, in: Do-
natsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], StPO Kommentar, 3. Aufl. 2020, Art. 399
N 19). Dies gilt insbesondere für die Landesverweisung bei Verurteilungen wegen
Katalogtaten, bei welchen die Anordnung einer Landesverweisung obligatorisch
ist. Es gilt aber auch für die dem Beschuldigten zufolge Freispruchs im Haupt-
punkt ausgerichtete Prozessentschädigung von Fr. 5'000.– gemäss Urteilsdispo-
sitivziffer 16 (Urk. 115 S. 107). Lediglich der Abrundung halber sei erwähnt, dass
im Falle der Abweisung des Berufungsantrages die Sanktion und die Kosten- und
Entschädigungsregelung ohne gesonderte Teilanfechtung nicht neu festgelegt
werden dürfen.
2.5. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 8. März 2021 ist
somit betreffend die Dispositivziffern 1 teilweise (Schuldsprüche betr. mehrfacher
Diebstahl [Dossier 4 und Dossier 11-5], Vergehen und Übertretung des Strassen-
verkehrsgesetzes, Vergehen gegen das Waffengesetz und Übertretung des Be-
täubungsmittelgesetzes), 9 teilweise (Beschlagnahmung Gewehr, Schalldämpfer
und Migrosverpackung), 10 (Beschlagnahmungen betr. die Privatklägerin), 12 und
13 (Abweisung Genugtuungsbegehren der Privatklägerinnen C._ AG und
D._ AG), 14 (Kostenfestsetzung), sowie 17 und 18 (Entschädigungen der
vormaligen amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Privatklägerver-
tretung) in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschlusses festzustellen ist
(Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.6. Somit stehen – unter teilweiser Berücksichtigung des Verschlechterungs-
verbots – die Verurteilung wegen Diebstahls zum Nachteil von H._, die Ver-
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urteilung wegen einfacher Körperverletzung (Ziffer 1), der Freispruch vom Vorwurf
der Vergewaltigung (Ziffer 2), die Rückversetzung in den bedingt aufgeschobenen
Strafrest aus drei früheren Verurteilungen (Ziffer 3), die Sanktion (Ziffern 4 - 6),
die Massnahme (Ziffer 7), die Landesverweisung (Ziffer 8), die Einziehung von
Kneifzange und Pullover (Ziffer 9), die Genugtuungsforderung der Privatklägerin
(Ziffer 11), die Kostenauflage (Ziffer 15) und die Prozessentschädigung des Be-
schuldigten (Ziffer 16) zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
3. Antrag auf unentgeltliche Prozessführung Privatklägerin
Die Privatklägerin liess mit ihrer Berufungsbegründung die unentgeltliche Pro-
zessführung samt Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes beantragen
(Urk. 117). Mit Verfügung vom 5. Dezember 2019 wurde der Privatklägerin die
unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ als un-
entgeltlicher Rechtsbeistand bestellt (Urk. D1/10/17). Anders als im Zivilverfahren
dauert auch die unentgeltliche Rechtspflege im Rechtsmittelverfahren an, sofern
kein Grund zum Widerruf vorliegt (BSK StPO-Mazzucchelli/ Postizzi, Art. 136 N
10). Da ein solcher nicht vorliegt und die unentgeltliche Rechtspflege und Rechts-
verbeiständung fortdauert, ist auf das entsprechende Gesuch nicht weiter einzu-
gehen.
4. Im Übrigen haben die prozessualen Feststellungen und Ausführungen der
Vorinstanz zum Prozessualen nach wie vor ihre Gültigkeit, weshalb vollumfänglich
auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden kann (Urk. 115 S. 7).
II. Sachverhalt
1. Vorbemerkungen
Die Tatvorwürfe ergeben sich aus der Anklageschrift vom 23. Oktober 2020
(Urk. D1/23). Den vom Beschuldigten vor Vorinstanz noch bestrittenen Vorhalt
bezüglich der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes anerkennt
er nunmehr (vgl. Urk. 182 S. 1 f.).
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Der Beschuldigte bestreitet jedoch nach wie vor, sich der Vergewaltigung, des
Diebstahls zum Nachteil von H._ sowie der einfachen Körperverletzung
schuldig gemacht zu haben (Urk. 180 S. 28 ff.; Urk. 182 S. 1).
Auf diese Sachverhalte wird nachfolgend einzugehen sein und es wird anhand
der vorliegenden Beweismittel zu prüfen sein, ob die dem Beschuldigten vorge-
haltenen Sachverhalte anklagegemäss erstellt werden können.
Die Vorinstanz hat sich ausführlich und zutreffend mit den Grundsätzen der
Beweiswürdigung auseinandergesetzt. Es kann auf diese zutreffenden Ausführ-
ungen (Urk. 115 S. 8 ff.) verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Sachverhalt Dossier 1: Vergewaltigung
2.1. Die Vorinstanz schloss nach eingehender Würdigung der Aussagen der
Privatklägerin, dass diese nicht auf der ganzen Linie überzeugen würden. Sodann
könne die Sachverhaltsvariante des Beschuldigten nicht mit hinreichender Si-
cherheit ausgeschlossen werden. Da erhebliche Zweifel bestehen würden, auf de-
ren Grundlage sich der Sachverhalt nicht erstellen lasse, sprach die Vorinstanz
den Beschuldigten letztlich vom Vorwurf der Vergewaltigung frei (Urk. 115 S. 37).
Unstrittig ist, dass es zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten am
9. März 2019 im Verlauf des späteren Morgens in der Waschküche der Liegen-
schaft J._-Strasse ... zum Geschlechtsverkehr kam. Während der Beschul-
digte geltend macht, dass dieser auf freiwilliger Basis erfolgt sei, gibt die Privat-
klägerin an, dass alles gegen ihren Willen geschehen sei.
Im Folgenden ist zu überprüfen, ob sich der Sachverhalt im Sinne der Anklage
erstellen lässt.
2.2. Aussagen der Privatklägerin
2.2.1. Da der in der Anklage umschriebene Sachverhalt der Schilderung der
Privatklägerin entspricht, kommt ihren Aussagen – neben denjenigen des Be-
schuldigten und der Zeugin F._ – entscheidende Bedeutung zu.
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2.2.2. Was die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin betrifft, ist zu berücksichtigen,
dass es sich bei ihr als direkt Geschädigte nicht um eine gänzlich neutrale Tat-
zeugin handelt. Zwar verlangt die Privatklägerin im Rahmen des Berufungsverfah-
rens die Zusprechung einer Genugtuung in der Höhe von Fr. 20'000.– (Urk. 183
S. 1). Ihre zeitlich erste Bezifferung eines Genugtuungsbegehrens vom 4. De-
zember 2019 lautete jedoch noch auf lediglich Fr. 1'000.– (Urk. D1/10/14). Hin-
weise darauf, dass für die Anzeigeerstattung und die gegen den Beschuldigten
erhobenen Anschuldigungen finanzielle Motive im Vordergrund gestanden haben
könnten, liegen damit nicht vor. Bereits die Vorinstanz wies darauf hin, dass die
Privatklägerin gemäss dem pharmakologisch-toxikologischen Gutachten des IRM
vom 17. Dezember 2019 und dem ärztlichen Bericht zur Blutalkoholanalyse des
IRM vom 3. Dezember 2019 entsprechend einer Rückrechnung zum Tatzeitpunkt
eine Blutalkoholkonzentration von 1,84 bis zu 2,92 Gewichtspromillen aufgewie-
sen habe (Urk. D1/10/23 S. 2 f.; Urk. D1/10/24; Urk. 115 S. 34 f.). Weiter ist dem
pharmakologisch-toxikologischen Gutachten des IRM zu entnehmen, dass die
Alkoholwirkungen ab einem Wert von 1,5 Gewichtspromillen als "deutlich betrun-
ken", ab einem Wert von 2 Gewichtspromillen als "Rausch" und ab 2,5 Gewichts-
promillen als "Schwerer Rausch" beschrieben werden könnten, wobei zu berück-
sichtigen sei, dass die damit einhergehenden Symptome je nach Alkoholge-
wöhnung auch bei niedrigeren oder erst bei höheren Gehalten auftreten könnten
(Urk. D1/10/23 S. 3). Überdies gelangte das IRM aufgrund der bei der Privatklä-
gerin vorgenommenen Blut- und Urinuntersuchung zum Schluss, dass ihres Er-
achtens im Zeitpunkt des Ereignisses auch eine Wirkung von Kokain vorgelegen
habe (Urk. D1/10/23 S. 4). Diese hohe Blutalkoholkonzentration und die Wirkung
von Kokain gehen in diesem Fall nicht von vornherein mit einer Beeinträchtigung
der Glaubwürdigkeit der Privatklägerin einher, da die Privatklägerin damals alko-
holgewöhnt war. Entsprechend dem Hinweis des IRM ist vor diesem Hintergrund
denkbar, dass insbesondere die Auswirkungen des Alkoholkonsums bei der Pri-
vatklägerin weniger gravierend waren als bei einem Durchschnittstrinker. Die Pri-
vatklägerin macht denn auch keine Erinnerungslücken geltend. Solche sind in ih-
ren Schilderungen auch nicht auszumachen, da sie die Vorgänge innerhalb des in
Frage stehenden Zeitraums grundsätzlich zusammenhängend und gleichbleibend
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darlegte. Ob sich ihre Aussagen auch als schlüssig, wahrheitsgetreu und letztlich
als glaubhaft erweisen, ist nachfolgend zu prüfen. Auch wenn die Glaubwürdigkeit
der Privatklägerin entsprechend nicht von vornherein als zweifelhaft zu gelten hat,
sind ihre Aussagen angesichts ihres starken Alkoholisierungsgrads und der
Wirkung von Kokain zum Tatzeitpunkt sowie aufgrund ihrer Stellung als direkt
Geschädigte gleichwohl mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen.
2.2.3.1. Nach dem Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten am 9. März 2019
begab sich die Privatklägerin zur Polizei, erstattete Anzeige und schilderte den
Vorfall. Diese Schilderungen wurden im Polizeirapport vom 19. März 2019 zu-
sammengefasst wiedergegeben. Eine förmliche Einvernahme fand nicht statt
(Urk. D1/1). Zwar sind Polizeirapporte gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung zulässige Beweismittel (vgl. Urk. 109 E. III.3.6.5.1-3.6.5.7.; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_998/2020 vom 5. Januar 2021 E. 5.2.). Es gilt jedoch zu berück-
sichtigen, dass es sich dabei nicht um die wortgetreue Wiedergabe der Aussagen
der befragten Person handelt, sondern in der Regel um eine mehr oder weniger
vollständige Wiedergabe des Ausgesagten durch die einvernehmende Person,
meist nach Ablauf von mehreren Tagen, vorliegend rund 10 Tage später. Dass es
dabei zu Ungenauigkeiten, Verkürzungen und Missverständnissen kommen kann,
liegt in der Natur der Sache. Entsprechend sind Ausführungen aus Polizeirappor-
ten mit grösster Zurückhaltung zu würdigen. Immerhin lässt sich diesem aber ent-
nehmen, dass die Privatklägerin bereits damals, also nur wenige Stunden nach
der Tat, darüber berichtete, wie es zum Geschlechtsverkehr gekommen sei,
nachdem der Beschuldigte ihr die Kleider vom Leib gerissen, sie mit einer Pistole
bedroht und daraufhin Geschlechtsverkehr an ihr vollzogen habe. Ebenso geht
aus dem Rapport hervor, dass sie angab, sich schmutzig und "gestresst" zu füh-
len und in grosser Angst vor dem "Kolumbianer" (gemeint der Beschuldigte) zu
sein (Urk. D1/1 S. 5).
2.2.3.2. Tags darauf gab sie im Rahmen der ersten polizeilichen Einvernahme ei-
ne detailliertere Schilderung der Geschehnisse ab. Das Kerngeschehen schilderte
sie wie folgt: Sie habe den Beschuldigten kurz vor der Tat in der "K._" Bar
kennengelernt. Sie habe dann irgendwann gesagt, dass sie nach Hause gehen
- 16 -
wolle und der Beschuldigte habe sie begleitet. Unterwegs habe der Beschuldigte
sie dann gefragt, ob sie ihm noch helfen könne, seine Wäsche aus dem Tumbler
zu nehmen, weil später jemand anderes waschen müsse. Nach der Ankunft in der
Waschküche an der J._-Strasse ... habe der Beschuldigte dann eine Pistole
aus Metall mit blumengeschmücktem Griff aus seiner Bauchtasche genommen,
habe sie gepackt, ihr die Hose, den Pullover und den BH heruntergerissen, und
sie bäuchlings auf die Waschmaschine geschmissen. Er habe es fest und schnell
gemacht, einen Orgasmus gehabt, was sie gemerkt habe, weil "es" an ihren Bei-
nen heruntergelaufen sei. Er habe sie weggestossen, worauf sie versucht habe,
sich zu reinigen und unter Schock weggerannt sei und ihre Tasche gesucht habe,
da sie diese nicht mehr gefunden habe. Sie habe laut um Hilfe geschrien, worauf
eine Frau gekommen sei und sie dieser das Vorgefallene erzählt habe. Diese ha-
be ihr dann gesagt, dass sie zur Polizei gehen müsse (Urk. D1/6).
2.2.3.3. Den in jener ersten polizeilichen Einvernahme geschilderten groben Ab-
lauf der in Frage stehenden Geschehnisse wiederholte die Privatklägerin sowohl
anlässlich ihrer zweiten polizeilichen Einvernahme vom 8. Mai 2019, ihrer staats-
anwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Dezember 2019 als auch im Rahmen ih-
rer Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung vom 2. Dezember 2021
(Urk. D1/8 S. 2 ff.; Urk. D1/20/6 S. 5 ff.; Urk. 178 S. 5 ff.). Wie bereits die Vo-
rinstanz festhielt, wirken ihre Schilderungen dieser Ereignisse grundsätzlich klar,
widerspruchsfrei und lebensnah. Auch merkte die Vorinstanz zutreffend an, dass
die Angaben der Privatklägerin einen hohen Detaillierungsgrad aufweisen und sie
insbesondere auch ihre Reaktionen auf das Handeln des Beschuldigten verständ-
lich in Worte fassen konnte (Urk. 115 S. 11 - 16). Grundsätzlich zu Recht wies die
Vorinstanz sodann darauf hin, dass die Aussagen der Privatklägerin zu gewissen
Vorgängen aber auch Ungereimtheiten aufweisen. Entgegen der Würdigung die-
ser Ungereimtheiten in den Aussagen der Privatklägerin durch die Vorinstanz
(Urk. 115 S. 16 ff.) vermögen diese die grundsätzliche Glaubhaftigkeit ihrer Anga-
ben und insbesondere ihrer Schilderung des Kerngeschehens jedoch – wie zu
zeigen sein wird – nicht zu beeinträchtigen.
- 17 -
2.2.4.1. Differenzen in untergeordneten Details sind ohne Weiteres durch Miss-
verständnisse oder den Zeitablauf und die damit verblassende Erinnerung zu er-
klären. So hatte die Privatklägerin im Rahmen der ersten polizeilichen Einver-
nahme ausgesagt, dass der Beschuldigte ihr in der "K._" Bar einen Kuss auf
die eine und einen auf die andere Wange gegeben habe (Urk. D1/6 S. 3). In der
zweiten polizeilichen Einvernahme verneinte sie die Frage nach Körperkontakt
vorerst und gab erst auf Vorhalt ihrer früheren Aussage an, dass dies zur Begrüs-
sung gewesen sei, ansonsten aber kein Körperkontakt in Form von Umarmungen,
Händehalten oder einem Kuss auf den Mund stattgefunden habe (Urk. D1/8 S. 5).
Dies tut der Glaubhaftigkeit ihrer Aussage keinen Abbruch: In diesem Kontext
werden unter "Körperkontakt" Berührungen mit Körperteilen als Form der beson-
deren Zuneigung verstanden, währenddem die "Küsschen rechts/links" eine reine
Begrüssungsformel darstellen und im alltäglichen Sprachgebrauch nicht unter die
Kategorie "Körperkontakte" fallen.
2.2.4.2. Ihrer Glaubwürdigkeit keinen Abbruch tut sodann auch ihre ambivalente
Haltung gegenüber dem Beschuldigten und seiner Einladung, sie nach Hause zu
begleiten. Es gilt, sich die generelle Lage der Privatklägerin und die besondere
Situation in jener Nacht vor Augen zu halten: Sie litt bei bestehender Suchtprob-
lematik an erheblichen psychischen Problemen, was dazu führte, dass sie damals
in der PUK stationär behandelt wurde. Einer Arbeit ging sie nicht nach, sie lebte
von der Fürsorge und hielt sich sehr oft nächtelang in Millieulokalen auf, wo sie
verschiedenste Kontakte auch sexueller Natur unterhielt (Urk. D1/8 S. 12 f.). Ins-
gesamt entsteht der Eindruck einer wenig gefestigten, labilen und fragilen Persön-
lichkeit. Dieser Eindruck ergibt sich auch aus der Videoaufnahme ihrer Einver-
nahme sowie aus ihrer Befragung als Auskunftsperson anlässlich der Berufungs-
verhandlung. Zurückhaltend, scheu und durchs Band traurig und hilflos (Urk. 6a;
Urk. 178). Das war sie am betreffenden Abend offenbar in besonderem Masse:
Der Beschuldigte sprach die betrunkene Privatklägerin in der "K._" Bar an,
als sie beim Anblick des Fotos ihrer Tochter, welches sie in der Hand hielt, am
Weinen war. Dass sie, buchstäblich im heulenden Elend, in diesem Moment für
die Aufmerksamkeit eines vermeintlichen Fast-Landsmannes besonders emp-
fänglich war, ist wenig erstaunlich. Gleichzeitig war sie sich aber auch gewahr,
- 18 -
dass der Beschuldigte als Besucher des notorischen Millieulokals "K._" Bar
zu dieser Stunde auch auf sexuelle Kontakte aus sein konnte (Urk. D1/6 S. 3 ff.).
Mit dieser Ausgangslage ist ihre ambivalente Haltung gegenüber der Einladung
des Beschuldigten ohne Weiteres erklärbar. Nachdem sich dieser bislang aber
durchaus charmant verhalten hatte, mag das anfängliche Vertrauen der Privatklä-
gerin in den Beschuldigten im Nachhinein zwar naiv wirken, als Einverständnis zu
sexuellen Handlungen ist dies jedoch keinesfalls zu werten. Der Ausdruck von
verbleibenden Restzweifeln lässt ihre Aussage vielmehr als authentisch erschei-
nen. Die Hoffnung, es werde schon gut kommen, war unter diesen Umständen
nicht unangebracht. Und selbst wenn sie im Zeitpunkt des Aufbruchs mit einem
Sexualkontakt gerechnet hätte, liesse sich daraus mit Bezug auf eine spätere
konkrete Situation nichts ableiten. Dies würde selbst für den Fall gelten, dass sie
mit der Absicht des gemeinsamen Drogenkonsums oder für vereinbarte sexuelle
Dienstleistungen gegen Bezahlung aufgebrochen wäre. Mit Geschlechtsverkehr
gegen ihren Willen musste sie zu keinem Zeitpunkt rechnen.
2.2.4.3. Auch nicht überbewertet werden darf der Umstand, dass die Privatkläge-
rin die Fragen nach dem Aufbewahrungsort der Pistole in Teilen unterschiedlich
beantwortete: In der ersten Einvernahme gab sie an, dass der Beschuldigte die
Pistole aus der Bauchtasche gezogen habe (Urk. D1/6 S. 2), währenddem sie in
der zweiten Einvernahme angab, dass sie glaube, dass er die Pistole aus der
Hosentasche gezogen habe, er sich jedenfalls irgendwie an das Bein gelangt und
die Pistole plötzlich in der Hand gehalten habe. Es sei halt alles schnell gegangen
(Urk. D1/8 S. 10). In der staatsanwaltschaftlichen dritten Einvernahme gab sie
schliesslich an, dass sie nicht mehr wisse, ob er sie aus der Hosen- oder Jacken-
tasche geholt habe, da alles sehr schnell gegangen sei (Urk. D1/20/6 S. 15 f.). Im
Rahmen ihrer Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte sie, dass
der Beschuldigte um die Hüfte so etwas wie eine Tasche getragen habe und sie
glaube, dass er die Pistole aus jener Tasche genommen habe (Urk. 178 S. 7).
Hierin sind keine unüberbrückbaren Differenzen zu erblicken. So brachte sie so-
wohl in der zweiten und dritten Einvernahme als auch in der Berufungsverhand-
lung ja ausdrücklich den Vorbehalt an, dass sie sich nicht mehr daran erinnern
könne, aus welcher Tasche genau er die Pistole gezückt habe. Allen Schilderun-
- 19 -
gen gemein ist jedenfalls, dass die Pistole aus der Hüftgegend gezückt wurde.
Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass dem Pistolenzücken ein Überraschungs-
moment inne wohnt und das eindrückliche, prägende Erlebnis im Anblick der Pis-
tole als solcher besteht und der vorgängige Aufbewahrungsort sekundärer Natur
ist, weshalb es nicht weiter erstaunt, dass die vorgängige Phase, falls diese über-
haupt wahrgenommen wird, sich nicht gleichermassen in die Erinnerung einprägt
wie der eigentliche Anblick der Pistole. Ihre Schilderungen sind somit auch in die-
sem Punkt sehr glaubhaft, da sie eine stets gleichbleibende Schilderung von der
Machart und des Einsatzes der Pistole abgab.
2.2.4.4. Was den Einsatz der Pistole betrifft, ist zwischen ihrer ersten und der
zweiten polizeilichen Einvernahme eine gewisse Aggravierung ihrer Schilderun-
gen auszumachen. So erklärte sie noch im Rahmen ihrer ersten polizeilichen Ein-
vernahme lediglich, dass er die Pistole gegen sie gezeigt habe (Urk. D1/6 S. 4). In
der zweiten polizeilichen Einvernahme – mithin rund zwei Monate nach dem Vor-
fall – gab die Privatklägerin dann an, dass der Beschuldigte ihr die Pistole zwi-
schenzeitlich an den Kopf gehalten habe (Urk. D1/8 S. 3, 10). Gleichwohl ergeben
sich aus den verschiedenen Aussagen der Privatklägerin zum Einsatz der Pistole
– entgegen der Würdigung der Vorinstanz (Urk. 115 S. 17 f.) – keine erheblichen
Widersprüche. So bestätigte sie durch das Band weg, dass der Beschuldigte vor
dem Geschlechtsverkehr die Pistole gegen sie richtete, sie hiess die Hose zu öff-
nen und ihr danach die Hose, den BH und die Bluse herunterzog, wobei er die
Pistole stets in der Hand gehalten habe (Urk. D1/6 S. 4, Urk. D1/8 S. 3, 10,
Urk. D1/20/6 S. 6, 15 f.; Urk. 178 S. 8). Nachdem er seine Hand nicht dauernd an
derselben Körperstelle der Privatklägerin hielt, sondern mit dieser die Kleider aus-
zog und sie damit fixierte, erklärt sich auch ohne Weiteres ihre Aussage, wonach
er die Pistole an den Rücken, den Kopf und auch auf die Seite gehalten habe.
Dies sind keine Widersprüche, sondern genaue Schilderungen der wechselnden
Position seiner Hand. Da es sich gemäss konstanter Schilderung um eine kleine
Pistole gehandelt hat, ist es auch alles andere als lebensfremd, dass er diese die
ganze Zeit über in der Hand hielt. Überdies ist wiederum zu beachten, dass – vo-
rausgesetzt die Schilderungen der Privatklägerin entsprechen tatsächlich Erleb-
tem – nachvollziehbar ist, dass der Anblick der auf sie gerichteten Pistole die Pri-
- 20 -
vatklägerin in einen Schockzustand versetzte und sie daher weder in der Lage
war, die genauen Positionen der Pistole einzeln wahrzunehmen noch diese sich
einzuprägen. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass es sich um ein dynami-
sches Geschehen handelt, welches die Privatklägerin beschreibt und die nach-
trägliche Umschreibung solcher Vorgänge per se mit Schwierigkeiten verbunden
ist.
2.2.4.5. Wie auch die Verteidigung grundsätzlich zu Recht anmerkte (Prot. II
S. 14), machte die Privatklägerin weiter nicht gänzlich gleichbleibende Angaben
dazu, was der Beschuldigte zu ihr gesagt habe, als er die Pistole gezogen habe.
So erklärte sie in ihrer ersten polizeilichen Einvernahme, dass er ihr gesagt habe,
sie solle ruhig sein, wobei sie anfügte, dass er noch mehr gesagt habe, sie aber
unter Schock gewesen sei (Urk. D1/6 S. 4). Im Rahmen ihrer staatsanwaltschaftli-
chen Einvernahme gab sie dann an, dass er ihr gesagt habe, sie solle die Kleider
ausziehen, als er ihr die Pistole vorgehalten habe (Urk. D1/20/6 S. 15). In ihrer
Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung berichtete sie dann davon, dass
er ihr gesagt habe, sie solle das machen, was er ihr sage (Urk. 178 S. 8 f.). Zwar
legte die Privatklägerin somit den Wortlaut der ihr erteilten Aufforderungen unter-
schiedlich dar. Die einzelnen von ihr geschilderten Anweisungen des Beschuldig-
ten schliessen sich gegenseitig jedoch nicht aus. Es ist daher grundsätzlich so-
wohl denkbar, dass die Privatklägerin das Handeln des Beschuldigten konkludent
im Sinne aller dieser von ihr geschilderten Aufforderungen verstanden hatte als
auch, dass der Beschuldigte sämtliche dieser Äusserungen zu unterschiedlichen
Zeitpunkten während des Vorhalts der Waffe getätigt hatte. So gab die Privatklä-
gerin beispielsweise auch unabhängig von der Frage, was er ihr beim Ziehen der
Waffe gesagt hatte, mehrfach an, dass der Beschuldigte sie geheissen habe, ihre
Kleider auszuziehen. Weiter ist zu berücksichtigen, dass die Tat bereits einige
Zeit zurückliegt und daher Ungenauigkeiten beim Versuch der genauen Wieder-
gabe eines Wortlauts auch dem Zeitablauf geschuldet sein können. Unabhängig
davon ist wiederum zu berücksichtigen, dass aus Sicht der Privatklägerin der von
ihr geltend gemachte Vorhalt der Waffe an sich zentral war und dieser bei ihr ge-
mäss ihren Angaben zu einem gewissen Schockzustand geführt hatte. Vor die-
sem Hintergrund erweist es sich als angezeigt, keinen allzu hohen Massstab be-
- 21 -
treffend die Genauigkeit der Wiedergabe eines zu jenem Zeitpunkt gehörten Wort-
lauts anzusetzen. Auch aufgrund der diesbezüglichen Ungereimtheiten ist die
grundsätzliche Glaubhaftigkeit der Angaben der Privatklägerin daher nicht in Fra-
ge zu stellen.
2.2.4.6. Eben so wenig widerspricht sie sich – entgegen der Auffassung der Ver-
teidigung (Urk. 182 S. 20) – in der Schilderung des Ausziehens ihrer Hose. Sie
unterscheidet lediglich zwischen dem Öffnen der Hose (Urk. D1/20/6 S. 16) und
dem Ausziehen (Urk. D1/6 S. 2; Urk. D1/8 S. 9; Urk. 178 S. 8). Dies sind offen-
kundig zwei unterschiedliche Vorgänge und sie hat diesbezüglich konstant aus-
gesagt, dass er sie geheissen habe, die Hose zu öffnen, was sie getan habe, und
er ihr die Hose heruntergezogen habe. Dementsprechend gab sie auch im Rah-
men der Berufungsverhandlung an, dass sie es ein bisschen versucht habe,
grösstenteils aber er ihr die Kleider aus- oder runtergezogen habe (Urk. 178 S. 9).
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass es zwar auf den ersten
Blick fraglich erscheinen mag, wie es für den Beschuldigten überhaupt möglich
gewesen sein soll, der Privatklägerin die Hose auszuziehen und gleichzeitig die
Bedrohung mit der Waffe aufrecht zu halten. Da die Privatklägerin aber erklärte,
dass sie in jenem Moment gegen die Waschmaschine gedrückt worden und damit
dort arretiert gewesen sei (Urk. D1/6 S. 2; Urk. D1/20/6 S. 7), erweist sich das ge-
schilderte Vorgehen als möglich. Auch dieser Umstand tut der Plausibilität der
Schilderungen der Privatklägerin damit keinen Abbruch.
2.2.4.7. Auch wirken die Schilderungen ihrer Gegenwehr, beziehungsweise deren
weitgehendes Unterbleiben entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht lebens-
fremd (Urk. 115 S. 18 f.). In ihrer aus eigenen Stücken abgegebenen Schilderun-
gen anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme war von Gegenwehr nicht die
Rede (Urk. D1/6 S. 2). Erst auf die Nachfrage, wie sie sich verhalten habe, gab
sie an, dass sie das nicht gewollt habe und ihm dies auch so gesagt habe. Dabei
fügte sie zwar an, dass sie sich mit den Händen gewehrt habe, um aber auf weite-
re Nachfrage zu sagen, dass sie keine Ahnung habe, was sie mit den Händen
gemacht habe (Urk. D1/6 S. 3). Von einer eigenständigen Schilderung von
Abwehrhandlungen kann somit auch in der ersten Einvernahme nicht die Rede
- 22 -
sein, womit sich die erste Aussage mit den folgenden auch in diesem Punkt deckt
(Urk. D1/8 S. 3; Urk. D1/20/6 S. 6, 16; Urk. 178 S. 9).
2.2.4.8. Schliesslich wendet die Verteidigung ein, dass die Privatklägerin erst im
Rahmen der Berufungsverhandlung neu davon berichtet habe, dass sie während
des Vorfalls an ihre Kinder gedacht habe, womit sie wohl habe geltend machen
wollen, dass sie Todesangst gehabt habe. Die Verteidigung ist diesbezüglich der
Ansicht, dass sie dies bereits sehr früh gesagt hätte, wenn dem wirklich so gewe-
sen wäre (Prot. II S. 14). Diesem Vorbringen ist jedoch zu entgegnen, dass die
Privatklägerin schon im Vorverfahren gesagt hatte, dass ihr in jenem Moment viel
durch den Kopf gegangen sei (Urk. D1/20/6 S. 15). Auch in diesem Punkt sind
daher – entgegen der Auffassung der Verteidigung – keine Widersprüche in ihren
Angaben zu erkennen, welche die grundsätzliche Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen
in Frage zu stellen vermöchten.
2.2.5. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass ihre Aussagen zum
Kerngeschehen insgesamt glaubhaft sind. Die Ungereimtheiten, welche der Be-
schuldigte und die Vorinstanz in ihren Aussagen ausgemacht haben, lassen sich
wie oben ausgeführt ohne Weiteres erklären. Sie sind im Übrigen weitgehend
auch dem unterschiedlichen Umfang und Detaillierungsgrad der Befragungen ei-
nerseits und den teilweise wenig strukturierten und mitunter etwas sprunghaften
Befragungstechniken der Einvernehmenden andererseits geschuldet.
2.2.6.1. Zu erwähnen ist weiter, dass der hohe Alkoholisierungsgrad der Privat-
klägerin zum Tatzeitpunkt auch nach einer konkreten Würdigung ihrer Aussagen
zum Tatgeschehen nicht zu einer Schmälerung der Glaubhaftigkeit ihrer Angaben
führt. Da sich die Privatklägerin und der Beschuldigte erst wenige Stunden vor
dem zur Anklage gebrachten Vorfall kennengelernt hatten, kann ausgeschlossen
werden, dass die Privatklägerin sich die gegen den Beschuldigten erhobenen
Belastungen im Voraus ausgedacht und auswendig gelernt hätte. Angesichts ih-
res damals stark alkoholisierten Zustands erscheint es sodann unwahrscheinlich,
dass sie sich die von der Darstellung des Beschuldigten abweichenden Schilde-
rungen unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr und noch vor der Anzeige bei
der Polizei am 9. März 2019 spontan zurechtgelegt hatte, zumal sie anschlies-
- 23 -
send in der Lage war, diese Begebenheiten in der Folge über Jahre grundsätzlich
gleichbleibend zu schildern. Gerade dieser Umstand, dass die Privatklägerin trotz
der damals starken Alkoholisierung die in Frage stehenden Ereignisse über einen
Zeitraum von mehreren Jahren konstant und schlüssig geschildert hat, spricht da-
für, dass es sich dabei um tatsächlich Erlebtes gehandelt hat. Dass sie in der La-
ge war, klare Erinnerungen an den Tattag zu behalten, zeigt sich sodann auch da-
ran, dass sie den Beschuldigten, welchen sie vor dem Vorfall nicht gekannt hatte,
im Rahmen einer Wahlbildkonfrontation am 8. Mai 2019 und damit rund zwei Mo-
nate nach dem Vorfall auf Anhieb wiedererkannt hatte (Urk. D1/7 S. 5; Urk. D1/8
S. 12; Urk.D1/9).
2.2.6.2. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass bei der Privatklägerin kein Motiv dafür
erkennbar ist, den Beschuldigten fälschlicherweise einer Vergewaltigung zu
beschuldigen. Hätte die Privatklägerin tatsächlich aus anderen Gründen nach
dem Zusammentreffen mit dem Beschuldigten einen gewissen Unmut gegen die-
sen gehegt, ist nicht ersichtlich, weshalb sie es nicht beispielsweise bei der An-
zeige wegen Diebstahls von Bargeld aus ihrer Tasche belassen hätte (Urk. D1/1),
zumal sie sich auf diese Weise auch unangenehme Fragen über ihre Intimsphäre
hätte ersparen können. In diesem Zusammenhang ist weiter darauf hinzuweisen,
dass insbesondere auch die Umschreibung der Waffe durch die Privatklägerin
dagegen spricht, dass es sich beim Waffengebrauch des Beschuldigten lediglich
um eine erfundene Geschichte ihrerseits handelte. So beschrieb sie diese kon-
stant als kleine Pistole, welche mit einer Verzierung versehen gewesen sei, die
wie eine Blume ausgesehen habe. Hätte sich die Privatklägerin die Anschuldi-
gungen gegen den Beschuldigten ausgedacht, wäre eher zu erwarten gewesen,
dass sie eine grössere und bedrohlichere Waffe beschrieben hätte, um entspre-
chend auch den Beschuldigten umso bedrohlicher erscheinen zu lassen.
2.2.6.3. Letztlich wird die Glaubhaftigkeit der Angaben der Privatklägerin insbe-
sondere dadurch verstärkt, dass diese mit den Zeugenaussagen von F._ in
Einklang stehen. Diese gab im Rahmen ihrer polizeilichen Einvernahme vom
11. März 2019 an, dass sie die aufgelöste, weinende, deprimierte und halbwegs
schreiende Privatklägerin am 9. März 2019 im Treppenhaus angetroffen habe und
- 24 -
diese angesichts ihres Zustands und ihrer Angaben, wonach sie von einem jun-
gen Kolumbianer mit einer kleinen Pistole bedroht worden sei und ihr die Kleider
sowie die Tasche weggekommen seien, auf den Polizeiposten begleitet habe
(Urk. D1/5 S. 1 ff.). Damit bestätigte sie nicht nur den von der Privatklägerin spä-
ter gegenüber den Strafverfolgungsbehörden geltend gemachten Gemütszustand,
sondern insbesondere auch den von ihr behaupteten Waffeneinsatz des Beschul-
digten. Wiederum konnte die Privatklägerin nicht mit dem Zusammentreffen mit
F._ unmittelbar nach dem Vorfall im Treppenhaus rechnen. Dass sie dieser
daher grundsätzlich unvorbereitet von der Bedrohung mit der Waffe berichtete
und sich so verhalten hatte, dass sie bei F._ einen aufgelösten Eindruck hin-
terlassen hatte, spricht entsprechend stark dafür, dass die Schilderungen der Pri-
vatklägerin tatsächlich Erlebtem entsprechen. Zwar zeigte sich F._ im
Rahmen ihrer polizeilichen Einvernahme überrascht, dass die Privatklägerin auch
ein Sexualdelikt zur Anzeige gebracht hatte (Urk. D1/5 S. 1). In Anbetracht des-
sen, dass die Privatklägerin die Vergewaltigung im Rahmen ihres Aufsuchens der
Polizeiwache am 9. März 2019 und damit unmittelbar nach den in Frage stehen-
den Ereignissen – und nicht erst nachträglich – zur Anzeige gebracht hatte (Urk.
D1/1 S. 3), hat der Umstand, dass F._ nichts von einem Sexualdelikt ge-
wusst hatte, keinen Einfluss auf die Glaubhaftigkeit der Angaben der Privatkläge-
rin. Falls die Privatklägerin diesen Umstand gegenüber F._ tatsächlich uner-
wähnt liess, liesse sich dies nicht nur damit erklären, dass es der Privatklägerin
unangenehm gewesen sein könnte, der ihr unbekannten Frau über dieses Ereig-
nis zu berichten. Denkbar wäre aber auch, dass für die Privatklägerin in jenem
Moment schlicht die aufgrund der Bedrohung mit einer Pistole verspürte Angst
und die Ungewissheit darüber, ob der Beschuldigte noch einmal zurückkommen
oder der von diesem verübte Übergriff tatsächlich beendet sein würde, noch im
Vordergrund stand. In diesem Zusammenhang bleibt darauf hinzuweisen, dass
F._ im Rahmen ihrer Zeugeneinvernahme anlässlich der Berufungsverhand-
lung nicht mehr in der Lage war, detaillierte Angaben zu ihrem Zusammentreffen
mit der Privatklägerin am 9. März 2019 zu machen, da sie erklärte, sich nicht
mehr genau daran erinnern zu können (Urk. 179 S. 4 ff.). Auf entsprechende Vor-
halte vermochte sie ihre anlässlich der polizeilichen Einvernahme getätigten An-
- 25 -
gaben aber zu bestätigen. Diese Bestätigungen erweisen sich angesichts der ihr
auf die jeweiligen Vorhalte gezeigten Reaktionen auch als glaubhaft, weshalb oh-
ne Weiteres auf ihre im Rahmen der Untersuchung getätigten Aussagen abge-
stellt werden kann.
2.3. Aussagen des Beschuldigten
2.3.1. Was die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten betrifft, ist darauf hinzuweisen,
dass er als direkt vom vorliegenden Verfahren Betroffener ein zwar legitimes,
aber dennoch erhebliches Interesse daran haben dürfte, die Geschehnisse in ei-
nem für ihn günstigen Licht darzustellen. Entscheidend für den Ausgang des Ver-
fahrens ist allerdings nicht seine Stellung im Verfahren und die daraus folgenden
(theoretischen) Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit, sondern der materielle Gehalt
seiner Aussagen. Hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit ist weiter beispielhaft diese
Begebenheit zu berücksichtigen: Der Beschuldigte gab in Übereinstimmung mit
der Privatklägerin an, Spanisch mit kolumbianischem Akzent zu sprechen. Offen-
bar derart gut, dass die aus dem benachbarten Venezuela stammende Privatklä-
gerin ihn für einen Kolumbianer hielt. Dass er diese Sprachkenntnisse einzig
durch den Konsum der Telenovela "dulce maria und Salome" am albanischen
Fernsehen erlernt haben will, ist völlig unglaubhaft. Abgesehen davon, dass eine
google Suche nach "Dulce Maria y Salome" lediglich 7 Treffer ergab, von denen
keiner einen Bezug zu einer Telenovela aufwies (letzte Suche getätigt am 7. März
2022), existiert tatsächlich eine weltweit ausgestrahlte Telenovela Namens "Sa-
lome", welche jedoch aus Mexico stammt
(https://de.wikipedia.org/wiki/Salom%C3%A9_(Telenovela); zuletzt aufgerufen am
7. März 2022). Obwohl damit nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Be-
schuldigte in Albanien früher eine kolumbianische Telenovela mit dem Titel "Dulce
Marya y Salome" konsumiert hat, ist es nachgerade abwegig, dass er alleine des-
halb kolumbianisches Spanisch wie ein Einheimischer spricht. Offensichtlich ver-
schweigt er den wahren Grund für seine perfekten kolumbianisch Spanisch
Kenntnisse, was im Lichte der übrigen zweifelhaften Aussagen zu seiner Biogra-
fie, auf welche zu einem späteren Zeitpunkt einzugehen sein wird, nicht weiter er-
- 26 -
staunt. Zwar hat seine Glaubwürdigkeit aus diesem Grund sowie aufgrund seiner
Stellung im Verfahren nicht von vornherein als eingeschränkt zu gelten, gleich-
wohl erweist es sich als angezeigt, seine Aussagen mit einer gewissen Vorsicht
zu würdigen.
2.3.2.1. Der Beschuldigte konnte nach erfolgter Fahndung erstmals am 21. No-
vember 2019, mithin gut 8 Monate nach dem in Frage stehenden Vorfall erstmals
zur Sache einvernommen werden (Urk. D1/20/2). Er schilderte aus freien Stü-
cken, wie er die Privatklägerin in der "K._" Bar kennengelernt und sie den
Wunsch geäussert habe, woanders hinzugehen. Daraufhin sei er mit ihr zum Tat-
ort gefahren und sei, nachdem ihm keiner der ihm bekannten Bewohner Einlass in
deren Wohnungen gewährt habe, mit ihr in die Waschküche gegangen. Er habe
Kokain konsumiert. Nachdem sie keinen Alkohol zum Konsumieren gehabt habe,
habe sie sich ausgezogen. Sie sei "richtig heiss darauf" gewesen, viel mehr als
er. Sie hätten einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt. Danach sei er nach
oben gegangen und habe sie alleine zurückgelassen (Urk. D1/20/2 S. 2 f.). Bei
der Würdigung dieser Sachverhaltsschilderung fällt auf, dass er zwar die Abläufe
bis zum Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs ausführlich und detailliert schilderte,
zum eigentlichen Kerngeschehen jedoch keine Ausführungen machte, keinerlei
Details schilderte und diesen Teil regelrecht aus seinen Schilderungen ausklam-
merte. Nicht in Einklang zu bringen sind sodann seine Behauptungen, wonach er
nach dem Kokainkonsum nie eine Frau vergewaltigen könnte, weil er jeweils Ru-
he brauche einerseits und dass er mit der Privatklägerin Geschlechtsverkehr ge-
habt habe, wobei er auf Grund der beschriebenen Position der Privatklägerin, wo-
nach diese mit dem Oberkörper bäuchlings auf der Waschmaschine gelegen sei,
den aktiven Part innegehabt hat (Urk. D1/20/2 S. 8). Völlig lebensfremd erscheint
in diesem Zusammenhang auf Vorhalt der von der Privatklägern geschilderten
Gegenwehr die Antwort des Beschuldigten, wonach sich diese gedreht und "sel-
ber weitergemacht" habe (Urk. D1/20/2 S. 8). Auf Grund der behaupteten gegen-
überstehenden Positionen der beiden ist schlicht nicht vorstellbar, wie unter die-
sen Umständen überhaupt Geschlechtsverkehr hätte vollzogen werden können.
- 27 -
2.3.2.2. Jegliche Glaubhaftigkeit geht den Aussagen des Beschuldigten indes ab,
wenn man die Aussagen aus der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme mit den
an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung deponierten in Bezug bringt. Bereits
die Versionen der Vorgeschichte unterscheiden sich wesentlich. So gab er in der
ersten Einvernahme an, dass die Privatklägerin keine Drogen konsumiert habe
(Urk. D1/20/2 S. 1, 8). In der folgenden Einvernahme ist dann aber von gemein-
samem Kokainkonsum die Rede (Prot. I S. 22). Besonders auffällig wiederum ist
an dieser zweiten Einvernahme, dass er die Begebenheiten vor und nach dem
Geschlechtsverkehr ausführlichst schildert, währenddem er den Geschlechtsver-
kehr einzig mit den Worten "Wir hatten normalen Sex gehabt" umschreibt (Prot. I
S. 23). Dieses erneute Ausklammern des Geschlechtsverkehrs passt überhaupt
nicht in das übrige, teilweise ausschweifende Aussageverhalten des Beschuldig-
ten. Wohl verbietet es sich, aus diesem partiellen Schweigen etwas zu seinen
Ungunsten abzuleiten. Letztlich ist dies eine Form der Aussageverweigerung.
Immerhin lässt sich aber festhalten, dass der Beschuldigte keine eigene, glaub-
hafte Sachverhaltsschilderung abgibt, auf welche bei der Entscheidfindung abge-
stützt werden könnte. Im Lichte seiner reduzierten Glaubwürdigkeit und der stark
herabgesetzten Glaubhaftigkeit seiner Aussagen ist jedoch auch seine pauschale
Qualifikation des nicht näher umschriebenen Geschlechtsverkehrs als einver-
nehmlich wenig glaubhaft.
2.3.2.3. Im Rahmen der Berufungsverhandlung wurde der Beschuldigte erneut zur
Sache befragt, wobei er dabei blieb, die Darstellung der Privatklägerin zu bestrei-
ten und nach wie vor geltend machte, dass es sich um einvernehmlichen Ge-
schlechtsverkehr gehandelt habe (Urk. 180 S. 28 ff.). Er machte dabei insbeson-
dere geltend, dass es ihnen beiden darum gegangen sei, gemeinsam Party zu
feiern, was abgesehen vom Konsum von Alkohol und Kokain auch Geschlechts-
verkehr beinhalte (Urk. 180 S. 30 ff.). Was den Drogenkonsum der Privatklägerin
betrifft, gab er in dieser Einvernahme an, dass sie sowohl in der "K._" Bar als
auch später in der Waschküche Kokain konsumiert habe (Urk. 180 S. 32 ff.). Was
sein Aussageverhalten betrifft, fällt sodann auf, dass er immer wieder darum be-
müht war, mögliche Gründe dafür zu nennen, weshalb die Privatklägerin nach ih-
rem Zusammentreffen wütend auf ihn hätte gewesen sein können. So erklärte er
- 28 -
einerseits, dass es ein Fehler gewesen sei, dass er sich nach dem Geschlechts-
verkehr einfach entfernt und sie alleine gelassen habe. Deshalb sei sie wütend
auf ihn gewesen (Urk. 180 S. 39). Weiter gab er an, dass sie in der Waschküche
stets nach Alkohol gefragt habe, er ihr aber keinen habe anbieten können. Dies-
bezüglich merkte er auch an, dass sie nicht ohne Alkohol habe sein können
(Urk. 180 S. 34 ff.). Schliesslich erklärte er, dass sie letztlich Geld von ihm ver-
langt habe, weil er ihr keinen Alkohol und kein Kokain habe anbieten können
(Urk. 180 S. 39 ff.). Was diese Vorbringen betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass
wie bereits erwogen (vgl. Erw. II.2.2.6.2.), nicht naheliegend erscheint, dass die
Privatklägerin, wäre sie tatsächlich "nur" aus einem dieser Gründe wütend auf
den Beschuldigten gewesen, neben dem Diebstahl ohne Not auch noch eine Ver-
gewaltigung unter Vorhalt einer Waffe zur Anzeige gebracht hätte. Insbesondere
das Vorbringen des Beschuldigten, wonach die Privatklägerin nach dem Ge-
schlechtsverkehr Geld von ihm verlangt habe, vermag deshalb nicht überzeugen,
weil er von diesem Umstand nicht von Anfang an, sondern erst ab der vorinstanz-
lichen Hauptverhandlung berichtet hat (Prot. I S. 23; Urk. 180 S. 39 ff.). Darauf
angesprochen erklärte er sowohl vor Vorinstanz als auch im Rahmen der Beru-
fungsverhandlung, dass er während der staatsanwaltschaftlichen Befragungen
vom einvernehmenden Staatsanwalt immer wieder gestoppt worden sei. So habe
dieser beispielsweise immer wieder gesagt, dass es reiche, wenn er habe weiter-
fahren wollen. Auf den Vorhalt, dass ihm der Staatsanwalt mehrmals die Gele-
genheit gegeben habe, etwas zu ergänzen, gab der Beschuldigte sodann an,
dass die Sache für ihn jeweils abgeschlossen gewesen sei, wenn der Staatsan-
walt ihn unterbrochen und gesagt habe, es reiche (Urk. 180 S. 41 ff.). Da es sich
bei dieser geltend gemachten Geldforderung um ein sehr zentrales Element für
die Motivlage der Privatklägerin handelt, welches die Darstellung des Beschuldig-
ten, wonach die Privatklägerin ihn zu Unrecht beschuldigt, zu stützen vermöchte,
wäre zu erwarten gewesen, dass er diesen Umstand – würde er zutreffen – von
Beginn an kundgetan hätte. In der Untersuchung erwähnte er jedoch weder in
seinen freien Schilderungen noch im Rahmen der ihm seitens der Staatsanwalt-
schaft gebotenen Gelegenheiten zu Ergänzungen, dass die Privatklägerin von
ihm Geld gefordert hätte (Urk. D1/20/2 S. 9; Urk. D1/20/7 S. 10). Der Beschuldigte
- 29 -
führte im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 21. November
2019 gar aus, dass sie noch in der "K._" Bar darüber gesprochen hätten,
dass die Privatklägerin keine Prostituierte sei (Urk. D1/20/2 S. 5). Auch in jenem
Zusammenhang hätte sich ihm mithin die Gelegenheit geboten, anzumerken,
dass sie dann nach dem gemeinsamen Geschlechtsverkehr doch noch Geld ge-
fordert hätte. Auch gegenüber dem Gutachter liess er diesen Umstand unerwähnt
(Urk. D1/19/19 S. 32). Zu berücksichtigen ist schliesslich, dass der Beschuldigte
in sämtlichen Einvernahmen verteidigt war. Vor dem Hintergrund, dass er trotz
der ihm gebotenen Gelegenheiten und des Umstands, dass seine Verteidigung
zugegen war, noch in der Untersuchung unerwähnt liess, dass die Privatklägerin
Geld von ihm verlangt habe, erweist sich dieses Vorbringen als nachgeschobene
Schutzbehauptung.
2.3.2.4. Letztlich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte mit seinen an-
lässlich der Berufungsverhandlung getätigten Angaben in den Raum stellte, die
Privatklägerin könnte angesichts der von ihm mitgeführten Freebase-Pfeife einem
Irrtum unterlegen sein und diese mit einer Waffe verwechselt haben. So gab der
Beschuldigte einerseits an, dass er nach der Ankunft in der Waschküche als Ers-
tes eine von ihm mitgeführte Pfeife für den späteren Kokainkonsum hervorge-
nommen habe (Urk. 180 S. 33). Im weiteren Verlauf der Einvernahme erklärte er
dann auf eine Ergänzungsfrage seiner Verteidigung, dass diese Pfeife, wenn man
sie drehe, wie eine Waffe aussehe (Urk. 180 S. 47). Auch wenn der vom Be-
schuldigten genannte Zeitpunkt der Hervornahme der Pfeife und deren äusseres
Erscheinungsbild grundsätzlich mit den Schilderungen der Privatklägerin in Ein-
klang zu bringen wären, so ist ein Irrtum ihrerseits auszuschliessen. Einerseits
macht der Beschuldigte nicht geltend, dass die Privatklägerin ob des Anblicks der
Pfeife erschrocken wäre oder ab jenem Augenblick geängstigt gewirkt hätte. An-
dererseits geht aus dem Polizeirapport vom 23. Mai 2019 hervor, dass die Privat-
klägerin bei Dritten bekannt dafür gewesen sei, dass auch sie selbst Kokain
schon als Freebase geraucht hatte (Urk. D1/7 S. 4). Auch vor diesem Hintergrund
steht ausser Frage, dass die Privatklägerin einem derartigen Missverständnis hät-
te unterliegen können.
- 30 -
2.4. Abschliessend bleibt somit festzuhalten, dass sich die Schilderungen der
Privatklägerin als insgesamt authentisch und glaubhaft erweisen, während die
übrigen Beweismittel, insbesondere die in mehrfacher Hinsicht wenig plausiblen
Aussagen des Beschuldigten, keine ernsthaften Zweifel daran zu begründen ver-
mögen. Der Sachverhalt ist im Sinne der Anklage erstellt.
3. Sachverhalt 2: Diebstahl zum Nachteil von H._
3.1. Der Beschuldigte bestreitet den äusseren Ablauf der Geschehnisse nicht,
macht aber geltend, davon ausgegangen zu sein, dass es sich dabei um sein
Geld gehandelt habe (Urk. D1/20/7 S. 4). So anerkannte er ausdrücklich, das
Geld genommen, aber in dem Moment nicht viel dabei überlegt zu haben
(Urk. D2/11/2 S. 5; Prot. I S. 29). Dazu sei es gekommen, weil er Fr. 200.– in der
Wohnung von L._ auf den Tisch gelegt habe, um H._ Kokain abzukau-
fen. Daraufhin habe dieser 11 Minigrip auf den Tisch gelegt. Daraufhin habe
L._ die Fr. 200.– und M._ die Minigrip an sich genommen. Es sei ein
Gerangel entstanden und er habe H._ aufgefordert, ihm sein Geld zurückzu-
geben, da er fälschlicherweise davon ausgegangen sei, dass dieser und nicht
L._ das Geld an sich genommen habe. Daraufhin habe H._ Fr. 3'000.–
auf den Tisch gelegt, welche er sofort an sich genommen habe, was ein Fehler
gewesen sei. In der Folge habe ihm M._ vom behändigten Geld umgehend
Fr. 800.– wieder abgenommen. Mit dem ihm verbleibenden Geld habe er dann
fluchtartig die Wohnung verlassen, worauf H._ ihn im Treppenhaus zunächst
mit einem Messer auf den Hinterkopf geschlagen und ihm dann das restliche Geld
abgenommen habe (Urk. D2/11/2, S. 6 f.). Dass er damals vom Tisch Fr. 3'000.–
genommen, M._ ihm dann sogleich – noch beim Tisch – Fr. 800.– wieder
abgenommen und ihm schliesslich H._ im Treppenhaus nach einem Schlag
mit dem Messergriff auch noch die restlichen Fr. 2'200.– wieder weggenommen
habe, bestätigte der Beschuldigte auch im Rahmen der Berufungsverhandlung
(Urk. 180 S. 53 f.).
3.2. Auf diesen Zugaben ist der Beschuldigte zu behaften. Demnach hat er
gewusst, dass es sich bei den Fr. 3'000.– nicht um sein Geld gehandelt hat. Ein
anderer Schluss, als dass er dies in der Absicht tat, dieses Geld für andere Zwe-
- 31 -
cke zu verwenden, lässt sich nicht ziehen. Dass er davon ausging, dass darunter
auch seine Fr. 200.– waren, auf welche er Anspruch hatte, ändert nichts daran.
H._ wäre in jenem Moment ohnehin Eigentümer der gesamten Fr. 3'000.–
gewesen, selbst wenn sich die Fr. 200.– des Beschuldigten darunter befunden
hätten.
4. Sachverhalt 11-3: Einfache Körperverletzung zum Nachteil von G._
4.1. Der Beschuldigte anerkennt, G._ entsprechend dem Anklagesachver-
halt zwei Faustschläge verpasst zu haben, worauf Letzterer unter anderem einen
doppelten Kieferbruch erlitt, macht aber geltend, dass G._ und eine weitere
Person auf ihn zugekommen seien und ihn hätten schlagen wollen, wobei auch
ein Baseballschläger mit im Spiel gewesen sei, und er deshalb in Notwehr gehan-
delt habe (Urk. D11/3/3/1 S. 2; Urk. D11/3/3/2 S. 4; Urk. D11/3/5/1 S. 5; Prot. I
S. 32; Urk. 180 S. 50 ff.). Konkret brachte der Beschuldigte im Rahmen der Beru-
fungsverhandlung dazu vor, dass G._ einen Baseballschläger geholt habe,
als dieser gesehen habe, wie er dabei gewesen sei, auf den Balkon der Wohnung
von N._ zu steigen. G._ habe ihm dann Schläge auf die linke Schulter
und den linken Oberarm verpasst. Der letzte Schlag habe sodann seinen Hinter-
kopf getroffen, weshalb er vier Meter in die Tiefe gestürzt sei. Als er unten im Hin-
terhof gewesen sei, seien auch die anderen (G._ und O._) wieder auf
ihn zugekommen. Sie hätten wieder einen Baseballschläger dabei gehabt. Der
Beschuldigte erklärte weiter, dass er zu G._ gesagt habe, dass er das nicht
noch einmal machen solle. Anschliessend habe er, der Beschuldigte, sich zurück-
ziehen wollen, was aber bald nicht mehr möglich gewesen sei, weil es dort eine
Wand gehabt habe. Als G._ ihn dann weiter geschlagen habe, habe er sich
natürlich wehren müssen (Urk. 180 S. 50).
4.2.1. Was diesen Vorwurf betrifft, gelangte die Vorinstanz zum Schluss, dass
sich der Sachverhalt wie in der Anklage umschrieben als erstellt erweise und dem
Vorbringen des Beschuldigten, wonach er von G._ mit einem Baseballschlä-
ger geschlagen worden sei, nicht gefolgt werden könne. Auf diese ausführlichen,
sorgfältigen und zutreffenden Erwägungen kann vorab verwiesen werden (Urk.
115 S. 42 ff.).
- 32 -
4.2.2. Wie dementsprechend bereits die Vorinstanz richtigerweise erwog, lässt
sich nicht nachweisen, dass im Rahmen der Vorgänge vom 27. Mai 2018 auf dem
Balkon der Wohnung von N._ und im dazugehörigen Hinterhof ein Baseball-
schläger im Spiel war. Selbst wenn G._ damals – wie vom Beschuldigten
geltend gemacht – aus der Wohnung von N._ einen Baseballschläger be-
händigt gehabt hätte, könnte entsprechend den zutreffenden Erwägungen der Vo-
rinstanz hierzu nicht als erstellt erachtet werden, dass er diesen tatsächlich gegen
den Beschuldigten zum Einsatz gebracht habe, zumal keine der übrigen anwe-
senden Personen davon berichtete und der Nachweis eines entsprechenden Ver-
letzungsbildes beim Beschuldigten fehlt (Urk. 115 S. 51 f.). Für die Beurteilung
der Frage, ob sich der Beschuldigte mit den von ihm eingeräumten Faustschlägen
gegen einen gegenwärtigen Angriff zur Wehr gesetzt hatte, ist sodann ohnehin al-
leine die zweite Phase des Geschehens im Hinterhof von Bedeutung. Gerade was
jenen Sachverhaltsabschnitt betrifft, sind die Angaben des Beschuldigten hinsicht-
lich der Frage des Einsatzes eines Baseballschlägers nicht einheitlich. So gab der
Beschuldigte noch in seiner ersten polizeilichen Einvernahme vom 17. Juli 2018
an, dass G._ ihn unten im Hof wieder habe schlagen wollen, er den Base-
ballschläger jedoch nicht in der Hand gehabt habe (Urk. D11/3/3/1 S. 2). Im weite-
ren Verlauf des Verfahrens machte der Beschuldigte dann jeweils geltend, dass
nicht nur während des Vorgangs auf bzw. am Balkon, sondern auch im Hinterhof
ein Baseballschläger zugegen gewesen sei (Urk. D11/3/3/2 S. 4; Urk. D11/3/5/1
S. 5; Prot. I S. 32; Urk. 180 S. 50), wobei G._ probiert habe, ihn mit diesem
Baseballschläger zu schlagen (Prot. I S. 32). Darauf angesprochen, dass er noch
in seiner ersten Einvernahme gesagt habe, dass G._ den Baseballschläger
im Hinterhof nicht mehr dabei gehabt habe, verwies der Beschuldigte anlässlich
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. Mai 2019 darauf, dass damals
nicht übersetzt worden sei (Urk. D11/3/3/2 S. 4). Dass die unterschiedliche Dar-
stellung der Geschehnisse durch den Beschuldigten lediglich auf ein Verständi-
gungsproblem zurückzuführen ist, wie dies der Beschuldigte in den Raum stellte,
ist jedoch auszuschliessen. So wurde im in Frage stehenden Protokoll nicht nur
festgehalten, dass der Beschuldigte gesagt habe, G._ habe den Baseball-
schläger im Hinterhof nicht in der Hand gehabt (Urk. D11/3/3/1 S. 2), sondern
- 33 -
auch, dass der Beschuldigte in der Folge davon berichtet habe, dass G._ zu
jenem Zeitpunkt auf ihn zugekommen sei und ihm die Faust gezeigt habe
(Urk. D11/3/3/1 S. 3). Hätte G._ im Hinterhof einen Baseballschläger auf sich
getragen und versucht, den Beschuldigten damit zu schlagen, wie Letzterer dies
in der Folge geltend gemacht hat, so wäre zu erwarten gewesen, dass der Be-
schuldigte in jener ersten polizeilichen Einvernahme vom 17. Juli 2018 auch da-
von statt bloss von einer gezeigten Faust berichtet hätte. Es hat daher dabei zu
bleiben, dass zwar als erstellt erachtet werden kann, dass G._ und O._
wie in der Anklageschrift umschrieben im Hinterhof auf den Beschuldigten zuge-
gangen waren, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen, sich jedoch nicht als erstellt
erweist, dass sie dabei einen Baseballschläger auf sich getragen hatten.
4.2.3. Wie bereits erwogen ist die von der Verteidigung im Hinblick auf die Klä-
rung dieses Anklagesachverhalts angerufene Zeugin N._ an der Berufungs-
verhandlung unentschuldigt nicht erschienen und ein erneuter Antrag auf
Abnahme des Beweises wurde nicht gestellt (vgl. Erw. I.1.3.). Bei der Staatsan-
waltschaft brachte sie als Zeugin noch vor, sie habe während des Vorfalls ge-
schlafen und habe daher nichts mitbekommen (Urk. D11/3/5/2 S. 3). Hätte sie im
Berufungsverfahren als Zeugin nunmehr das Gegenteil behauptet und eigene
Wahrnehmungen geschildert, müsste ihr jegliche Glaubwürdigkeit abgestritten
werden, denn dann hätte sie sich entweder früher oder heute des (strafbaren) fal-
schen Zeugnisses schuldig gemacht. Auf eine erneute Einvernahme von N._
kann daher ohne Weiteres verzichtet werden.
III. Rechtliche Würdigung
1. Vergewaltigung
1.1.1. Der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB macht sich strafbar,
wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, na-
mentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck
setzt oder zum Widerstand unfähig macht. Eine vollständige Widerstandsunfähig-
keit des Opfers wird nicht verlangt. Stets ist jedoch eine erhebliche Einwirkung
des Täters erforderlich, wobei minderjährigen Personen in der Regel eine gerin-
- 34 -
gere Gegenwehr zuzumuten ist als Erwachsenen. Es genügt der ausdrückliche
Wille, den Geschlechtsverkehr bzw. die sexuellen Handlungen nicht zu wollen
(vgl. BGE 122 IV 97 E. 2b; BGE 119 IV 309 E. 7b). Der entgegenstehende Wille
muss unzweideutig manifestiert werden. Die von der Rechtsprechung geforderte
Gegenwehr des Opfers ist nichts anderes als eine tatkräftige und manifeste Wil-
lensbezeugung, mit welcher dem Täter unmissverständlich klargemacht wird, mit
Geschlechtsverkehr oder sexuellen Handlungen nicht einverstanden zu sein. Un-
ter dem Nötigungsmittel der Gewalt ist nicht mehr verlangt als das Mass an kör-
perlicher Kraftentfaltung, das notwendig ist, um sich über die entgegenstehende
Willensbetätigung des Opfers hinwegzusetzen (BGer 6B_385/2012, Urteil vom
21. Dezember 2012 E. 3.3). Eine Vergewaltigung ist auch anzunehmen, wenn die
Frau unter dem Druck des ausgeübten Zwangs oder Drohung zum Voraus auf
Widerstand verzichtet oder ihn nach anfänglicher Abwehr aufgibt (BGE 126 IV
124 E. 3c S. 130). Unter dem Beischlaf wird der (abgenötigte) Geschlechtsver-
kehr mit einer Frau verstanden (Vaginalverkehr). Ein geringfügiges Eindringen mit
dem Glied in die Scheide des Opfers genügt. Eine Ejakulation ist nicht erforderlich
(Weder, in: Donatsch/Heimgartner/ Isenring/Weder [Hrsg.], StGB Kommentar,
21. Aufl. 2022, Art. 190 N 5).
1.1.2. Vorliegend leitet die Staatsanwaltschaft die Drohung der Privatklägerin da-
raus ab, dass der Beschuldigte sich der Privatklägerin von hinten mit einer Pistole
näherte und sie hiess, ruhig zu sein. Wegen der vorgehaltenen Pistole traute sich
die Privatklägerin nicht, Widerstand zu leisten und liess den Beschuldigten ge-
währen und ihn von hinten in ihre Vagina eindringen. Die Vorgehensweise des
Beschuldigten, mit der Privatklägerin in den Kellerbereich zu gehen und sie mit
der Pistole zu bedrohen, um gegen ihren ausdrücklich manifestierten Willen den
Beischlaf vorzunehmen, erfüllt das Nötigungsmittel der Drohung. Der Beschuldig-
te ignorierte ihren geäusserten Willen, keinen Geschlechtsverkehr zu wollen, so-
wie ihre Abwehrhaltung und erzwang damit den Beischlaf. Die Kausalität zwi-
schen Nötigungsmittel und Beischlaf ist zu bejahen, da es der Privatklägerin nicht
möglich war, sich zu befreien.
- 35 -
1.2. In subjektiver Hinsicht ist ein vorsätzliches Handeln des Beschuldigten er-
forderlich (Art. 12 Abs. 1 und Abs. 2 StGB). Das Vorgehen des Beschuldigten, mit
der Privatklägerin in den Kellerbereich zu gehen und schliesslich unter vorgehal-
tener Waffe unter Missachtung ihrer Abwehr mit seinem Glied von hinten in ihre
Vagina einzudringen, zeugt von einem eindeutigen Willen, den Geschlechtsver-
kehr auch gegen ihren Willen zu vollziehen. Der Beschuldigte wollte den Beischlaf
und setzte sich über den für ihn erkennbar entgegenstehenden Willen der Privat-
klägerin hinweg.
1.3. Der Tatbestand der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB ist
demnach zu bejahen. Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe liegen keine
vor und werden auch nicht geltend gemacht, weshalb der Beschuldigte anklage-
gemäss schuldig zu sprechen ist.
2. Diebstahl zum Nachteil von H._
2.1. Was die Tatbestandsvoraussetzungen des Diebstahls betrifft, kann vorab
auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 115
S. 54; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.2. Wie bereits vor Vorinstanz lässt der Beschuldigte auch im Berufungsver-
fahren vorbringen, er habe sich in Bezug auf diesen Tatvorwurf lediglich des ver-
suchten Diebstahls schuldig gemacht (Urk. D1/84 S. 8; Urk. 182 S. 4 ff.). Da
H._ das Bargeld im Treppenhaus Sekunden nach der Auseinandersetzung
wieder habe zurückerlangen können und das Geld somit zu keinem Zeitpunkt aus
den Örtlichkeiten der P._-Gasse ... verbracht worden sei, habe H._ die
Herrschaftsmöglichkeit über das Bargeld nie verloren. Entsprechend sei auch
dessen Gewahrsam über das Bargeld zu keinem Zeitpunkt gebrochen gewesen
(Urk. 182 S. 5).
2.3. Vorliegend hat der Beschuldige gemäss seiner Darstellung die Fr. 3'000.–,
welche H._ kurz zuvor auf den Tisch gelegt hatte, ergriffen, woraufhin ihm
unmittelbar danach von M._ Fr. 800.– wieder weggenommen wurden. Da
das blosse Ergreifen der Sache nicht zwingend bereits den Gewahrsam des Be-
- 36 -
rechtigten aufhebt (BSK StGB-Niggli/Riedo, Art. 139 N 64), ist zwischen den
Fr. 800.– und den zu jenem Zeitpunkt beim Beschuldigten verbliebenen
Fr. 2'200.– zu unterscheiden. Das Bargeld im Betrag von Fr. 2'200.– hatte der
Beschuldigte in der Folge an sich genommen und verliess damit fluchtartig die
Wohnung. Als sich der Beschuldigte im Treppenhaus befand, weil er ja gehen
wollte, folgte ihm der wütende H._ und nahm unter Gewaltanwendung das
Geld aus der rechten vorderen Hosentasche des Beschuldigten (Urk. D2/11/2
S. 6 f.). Der Beschuldigte hat diesen Betrag mithin ergriffen mit der Möglichkeit
der Wegschaffung, da er das Geld an sich genommen, d.h. in seiner rechten Ho-
sentasche verstaut und damit versteckt hat. Er hat das Diebesgut in seinen Klei-
dern getragen und dadurch nach seinem Willen neuen, eigenen Gewahrsam ge-
schaffen. Der Diebstahl in Bezug auf diese Fr. 2'200.– war damit vollendet (Urteile
des Bundesgerichts 6B_1386/2019 vom 19. August 2020 E. 9, 6S.327/2006 vom
2. November 2006 E. 3.2 f.). Daran ändert nichts, dass sich der Beschuldigte
noch im Treppenhaus des Wohngebäudes von H._ aufhielt, als letzterer das
Geld zurückholte (BSK StGB-Niggli/Riedo, Art. 139 N 64 f.). Selbst wenn der Be-
schuldigte die Fr. 2'200.– nicht in der Hosentasche versorgt hätte, hätte er hin-
sichtlich dieses Betrags neuen, eigenen Gewahrsam begründet, da er die Woh-
nung von H._ mit ihm nicht gehörendem Geld verlassen hatte (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_1386/2019 vom 19. August 2020 E. 9.2. mit Hinweisen). In
Bezug auf die Fr. 800.–, welche ihm zuvor von M._ weggenommen worden
waren, gelang es ihm hingegen nicht, diese aus der Wohnung zu bringen. Ent-
sprechend reduziert sich die Deliktssumme um diesen Betrag auf Fr. 2'200.–.
Hinsichtlich dieser Fr. 2'200.– ist der Beschuldigte des Diebstahls im Sinne von
Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
3. Einfache Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 3
3.1.1. Einer einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
macht sich strafbar, wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper
oder Gesundheit schädigt. In anderer Weise schädigt der Täter jemanden an
Körper oder Gesundheit, wenn die Verletzung weder die Voraussetzungen einer
schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB noch diejenigen einer
- 37 -
Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 StGB erfüllt (Donatsch, in: Do-
natsch/Heimgartner/ Isenring/ Weder [Hrsg.], Kommentar zum StGB, 21. Aufl.
2022, Art. 123 N 1).
3.1.2. Dass die Einwirkung des Beschuldigten auf G._, welche für Letzteren
unter anderem eine doppelte Unterkieferfraktur zur Folge hatte, die Tatbestands-
voraussetzungen einer einfachen Körperverletzung erfüllt, ist entsprechend der
staatsanwaltschaftlichen und der vorinstanzlichen rechtlichen Würdigung zutref-
fend (Urk. D1/23 S. 7; Urk. 115 S. 55). Etwas anderes wurde vom Beschuldigten
und seiner Verteidigung auch nicht behauptet. Der Beschuldigte macht jedoch wie
bereits vor Vorinstanz das Vorliegen eines Rechtfertigungsgrunds geltend. So ha-
be er in Notwehr gehandelt, da G._ und O._ auf ihn zugekommen seien
und G._ zum Schlag mit einem Baseballschläger ausgeholt habe (Urk. 84
S. 9 ff.; Urk. 182 S. 7 ff.).
3.2.1. Was die theoretischen Voraussetzungen zur Annahme einer Notwehrsitua-
tion betrifft, kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 115 S. 55 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2.2. Dass G._ – wie vom Beschuldigten behauptet – einen Baseballschlä-
ger mit sich geführt hat, als er im Hinterhof auf den Beschuldigten zugegangen
war, erwies sich nicht als erstellt. Gleichwohl wurde als erstellt erachtet, dass
G._ und O._ damals auf den Beschuldigten zugegangen waren, um ihn
zur Rechenschaft zu ziehen (vgl. Erw. 4.2.2.). Da der Beschuldigte in jener
Situation davon ausgehen musste, dass insbesondere G._ auf eine
Konfrontation mit ihm aus war, gelangte die Vorinstanz zu Recht zum Schluss,
dass sich der Beschuldigte bereits aufgrund des erstellten Sachverhalts in einer
Notwehrsituation befand (Urk. 115 S. 55 f.). Zu beurteilen bleibt jedoch, ob die
von ihm ergriffenen Abwehrhandlungen im Sinne von Art. 15 StGB als in einer
den Umständen angemessenen Weise erfolgt erachtet werden können.
3.3.1. Auch hinsichtlich der Kriterien zur Beurteilung der Angemessenheit der
Abwehrhandlungen des Beschuldigten kann auf die ausführlichen und zutreffen-
- 38 -
den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 115 S. 56; Art. 82 Abs. 4
StPO).
3.3.2. In diesem Fall ist zu berücksichtigen, dass es sich zwar um zwei Personen
handelte, die auf den Beschuldigten zugekommen waren, diese jedoch zumindest
keine sichtbaren Waffen auf sich getragen hatten. Aufgrund des Verletzungsbilds
von G._ zeig sich, dass der Beschuldigte zwei massive Faustschläge gegen
Letzteren ausführte und diese beide Gesichtshälften, mithin sehr empfindliche
Körperstellen, trafen. Insbesondere in Anbetracht dessen, dass sich der Beschul-
digte nicht gegen einen bereits begonnen Angriff zu wehren hatte, sondern ihm
dieser erst drohte, sowie vor dem Hintergrund, dass seine Angreifer nicht bewaff-
net waren, erweist sich diese massive Gewaltanwendung nicht mehr als den da-
maligen Umständen angemessen. Vielmehr hätte ein einzelner Schlag gegen
G._ ausgereicht, um den bevorstehenden Angriff abzuwenden. Da auch dem
Beschuldigten bekannt ist, dass sich im Kopf lebenswichtige Strukturen befinden,
hätte es dem Beschuldigten überdies gerade aufgrund seiner Kampfsporterfah-
rung möglich sein müssen, zu seiner Verteidigung gezielt einen Schlag gegen ei-
ne weniger empfindliche Körperstelle auszuführen. Der Beschuldigte hat somit die
Grenzen der rechtfertigenden Notwehr überschritten und es liegt ein Notwehrex-
zess vor. Zu prüfen bleibt nun, ob es sich um einen entschuldbaren Notwehrex-
zess handelt und damit ein nicht schuldhaftes Verhalten vorliegt (Art. 16 Abs. 2
StGB) oder ob der Notwehrexzess einzig im Rahmen der Strafzumessung zu be-
rücksichtigen sein wird (Art. 16 Abs. 1 StGB).
3.4.1. Schliesslich kann auch, was die Voraussetzungen eines entschuldbaren
Notwehrexzesses im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB betrifft, auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 115 S. 59; Art. 82 Abs. 4
StPO).
3.4.2. Wie bereits die Vorinstanz zu Recht darauf hinwies, setzt eine Straflosigkeit
insbesondere voraus, dass der rechtswidrige Angriff es war, der allein oder doch
vorwiegend die Aufregung oder die Bestürzung des Täters verursacht hat
(Urk. 115 S. 59; Urteil des Bundesgerichts 6B_810/2011 vom 30. August 2012
E. 5.3.2). In diesem Fall war es jedoch der Beschuldigte, welcher den Konflikt
- 39 -
zwischen G._ und ihm dadurch, dass er auf den Balkon von N._ zu klet-
tern versuchte, gewissermassen initiiert hatte. Zwar führt dieser Umstand nicht
dazu, dass für den Beschuldigten das Vorliegen einer Notwehrsituation hätte ver-
neint werden müssen. Gleichwohl konnte der drohende Angriff von G._ für
den Beschuldigten vor diesem Hintergrund nicht derart überraschend gewesen
sein, dass ihn dieser in eine Aufregung oder Bestürzung versetzt hätte, welche
die Annahme eines entschuldbaren Notwehrexzesses zu rechtfertigen vermöchte.
3.5. Demnach ist der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung im Sinne
von Art. 123 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen. Die Notwehrsituation und der
Notwehrexzess sind im Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen.
IV. Strafzumessung
1. Vorbemerkungen
1.1. Die Vorinstanz hat ihre Sanktion unter Voraussetzung des Freispruchs vom
Vorwurf der Vergewaltigung gefällt. Die Staatsanwaltschaft hat im Berufungsver-
fahren den Antrag auf Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils gestellt (Urk. 134;
Urk. 184 S. 1). Der Privatklägerin, welche nunmehr alleine die Bestrafung wegen
Vergewaltigung verlangt, ist es verwehrt einen Antrag zur Sanktion zu stellen
(Art. 382 Abs. 2 StPO). Da der Beschuldigte nunmehr auch wegen Vergewalti-
gung schuldig gesprochen wird, ist er auch dafür zu bestrafen. Das Verschlechte-
rungsverbot gegenüber der vorinstanzlichen Sanktion gilt deshalb, obwohl diese
nicht explizit angefochten wurde, nicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_434/2012 vom 11. Oktober 2011 = Pra 102 (2013) Nr. 59 E. 1.2.).
2. Allgemeines und Grundsätze zur Strafzumessung
2.1. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Prinzipien der Strafzumessung in ihrem
Entscheid grundsätzlich korrekt dargelegt. Darauf kann vorab verwiesen werden
- 40 -
(Urk. 115 S. 61 ff.). Ergänzt sei einzig, dass lediglich die erste Strafe eine Ein-
satzstrafe darstellt und es sich bei den weiteren zu asperierenden Strafen um so-
genannte Einzelstrafen handelt. Ausgangspunkt für die Strafzumessung bildet
nunmehr die Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB. Die Vergewalti-
gung stellt ein Verbrechen dar und ist auf Grund des abstrakten Strafrahmens
ausschliesslich mit einer Freiheitsstrafe zu ahnden, wobei der Strafrahmen von
mindestens einem Jahr bis 10 Jahre Freiheitsstrafe geht. Ausserordentliche
Umstände, die ein Verlassen des ordentlichen Strafrahmens aufdrängen, liegen
nicht vor.
2.2.1. Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB bei einer
Mehrzahl von Delikten, wie es vorliegend der Fall ist, ist nur bei gleichartigen
Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen. Das Aspe-
rationsprinzip kommt demnach zur Anwendung, wenn das Gericht im konkreten
Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt. Dass die an-
zuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt
nicht (BGE 142 IV 265 E. 2.3.2 S. 267 f.; 138 IV 120 E. 5.2 S. 122).
2.2.2. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässig-
keit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein sozia-
les Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen. Nach dem Prinzip
der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen
im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Frei-
heit der Betroffenen eingreift bzw. die sie am wenigsten hart trifft (BGE 138 IV 120
E. 5.2; BGE 134 IV 97 E. 4.2.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1). In Bezug auf Vergehen
und Verbrechen im unteren Bereich, die grundsätzlich mit Geldstrafen bis zu 180
Tagessätzen zu ahnden sind, regelt Art. 41 StGB, unter welchen Voraussetzun-
gen (bedingte und unbedingte) Freiheitsstrafen in Betracht kommen (Heimgartner,
in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder [Hrsg.], StGB Kommentar, 21. Aufl.
2022, Art. 41 N 1). Entsprechend dem Verhältnismässigkeitsprinzip ist auch in Art.
41 Abs. 1 StGB vorgesehen, dass das Gericht dann auf eine Freiheitsstrafe statt
auf eine Geldstrafe erkennen kann, wenn eine solche geboten erscheint, um den
- 41 -
Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten oder ei-
ne Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann.
2.2.3. Auf Grund seiner zahlreichen Vorstrafen und der über die Jahre hinweg an
den Tag gelegten Unbelehrbarkeit, welche sich auch in der heute zu prüfenden
Rückversetzung in den bedingt aufgeschobenen Strafrest aus drei früheren Verur-
teilungen manifestiert, erweist es sich in diesem Fall auch hinsichtlich jener Delik-
te, deren Verschuldensbewertung eine Geldstrafe als Sanktion grundsätzlich noch
zulassen würde, nicht als zweckmässig, ihn mit einer Geldstrafe zu bestrafen.
Auch für jene Delikte kommen entsprechend nur Freiheitsstrafen in Betracht.
2.3 Nachfolgend ist in einem ersten Schritt die Einsatzstrafe für die Vergewal-
tigung festzulegen und diese sodann in Anwendung des Asperationsprinzips für
die übrigen Delikte mit Ausnahme der mehrfachen Übertretung des Betäubungs-
mittelgesetzes, für welche eine separate Busse auszufällen ist, angemessen zu
erhöhen. Anzumerken bleibt, dass die Vorinstanz die Täterkomponenten bereits
bei der Bestimmung der Einzelstrafen für jedes separate Delikt miteinbezogen hat
(Urk. 115 S. 63 ff.). Dieses Vorgehen entspricht nicht der gemäss bundesgericht-
licher Rechtsprechung vorgesehenen Methode, wonach die Täterkomponenten
erst nach der Festlegung der (hypothetischen) Gesamtstrafe für sämtliche Delikte
zu berücksichtigen wären (Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli
2013 Erw. 2.3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_865/2009 vom 25. März 2010
E. 1.6.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_924/2021 vom 15. November 2021 E. 3.3).
In diesem Fall unterscheiden sich die einzelnen im Rahmen der Täterkomponen-
ten zu berücksichtigenden Aspekte in Bezug auf die einzelnen zu beurteilenden
Delikte stark. So zeigte sich der Beschuldigte beispielswiese hinsichtlich einzelner
Delikte geständig. Ausserdem handelt es sich bei seinen bisher erwirkten Verur-
teilungen lediglich in Bezug auf einzelne neu zu beurteilende Delikte um einschlä-
gige Vorstrafen. Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es sich, die Methode der Vo-
rinstanz beizubehalten und die Täterkomponenten ausnahmsweise bereits bei der
Bestimmung der Einzelstrafen miteinzubeziehen.
3. Konkrete Strafzumessung
- 42 -
3.1. Vergewaltigung
3.1.1. Das Vorgehen des Beschuldigten, die buchstäblich im heulenden Elend
liegende und offensichtlich stark angetrunkene Privatklägerin unter dem Vorwand
des Besorgens der Wäsche in die Waschküche zu locken, sie dort mit einer Waffe
zu bedrohen und unter vorgehaltener Waffe den Geschlechtsverkehr an ihr zu
vollziehen zeugt von einer erheblichen kriminellen Energie. Die Situation für die in
jeder Hinsicht unterlegene und zusätzlich durch Alkohol geschwächte Privatkläge-
rin war aussichtslos und löste bei ihr grosse Angst aus. Wohl dauerte der Vorgang
nicht allzu lange und bediente er sich nicht zusätzlicher unnötiger körperlicher
Gewalt oder besonderer Grausamkeiten. Trotzdem gilt es zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte sich mit seiner Vorgehensweise an der Grenze zum quali-
fizierten Tatbestand von Art.190 Abs. 3 StGB bewegte, welcher eine Mindeststra-
fe von 3 Jahren Freiheitsstrafe vorsieht. Zudem kam es bei ihm zu einer Ejakula-
tion in die Vagina der Privatklägerin, was für das Opfer einen zusätzlichen Ekel-
faktor darstellt. So berichtete sie denn auch davon, wie sie sich nachher schmut-
zig gefühlt und versucht habe, sich zu reinigen. Überdies fällt vor allem ins Ge-
wicht, dass der Beschuldigte den Geschlechtsverkehr ungeschützt vollzogen hat
und die Tat somit für die Privatklägerin auch noch mit der Gefahr einer möglichen
Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit sowie mit dem Risiko einer möglichen
Schwangerschaft verbunden war. Angesichts der Schilderungen der Privatkläge-
rin zeigt sich weiter, dass das Handeln des Beschuldigten sie in Angst versetzte
und sie traumatisierte. Nichts an der Verschuldensbewertung ändert der Um-
stand, dass die Privatklägerin sich regelmässig im Millieu bewegt hat und sie ein
promiskuitives Sexualverhalten pflegte. Das sexuelle Selbstbestimmungsrecht gilt
uneingeschränkt. Daran würde sich selbst dann nichts ändern, wenn sie dies je-
weils im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit getan hätte.
Insgesamt wiegt die objektive Tatschwere somit bereits erheblich.
3.1.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere gilt es zu berücksichtigten, dass
der Beschuldigte nicht geständig ist und es deshalb in der Natur der Sache liegt,
dass die inneren Vorgänge und Motive weitgehend im Dunkeln bleiben. Dement-
sprechend wenig kann hierzu ausgeführt werden, zumal Spekulationen in diesem
- 43 -
Zusammenhang zu unterbleiben haben. Einzig auf äusserlich wahrnehmbare
Vorgänge, welche geradezu zwingend auf innere Vorgänge schliessen lassen,
darf abgestützt werden. So muss auf Grund der zielgerichteten und entschlosse-
nen Vorgehensweise auf direkten Vorsatz geschlossen werden. Die Vorgehens-
weise lässt auf besondere Skrupellosigkeit schliessen. Andere Motive als die Be-
friedigung seines Sexualtriebs sind nicht erkennbar. Zudem ist darauf hinzuwei-
sen, dass gemäss dem psychiatrischen Gutachter, Dr. med. Q._, beim Be-
schuldigten hinsichtlich des Vorwurfs der Vergewaltigung keine Verminderung der
Schuldfähigkeit vorlag (Urk. D1/19/19 S. 79). Insgesamt wirken sich die subjekti-
ven Momente in Anbetracht der bereits erheblichen Tatschwere neutral aus.
3.1.3. Insgesamt ist von einem bereits erheblichen Tatverschulden auszugehen
und die Einsatzstrafe für die Vergewaltigung auf 48 Monate Freiheitsstrafe festzu-
setzen. Die von der Staatsanwaltschaft vor Vorinstanz erwogene Freiheitsstrafe
von 18 Monaten erscheint unter Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungs-
gründe als viel zu tief (Urk. 83 S. 9).
3.1.4. Täterkomponenten
3.1.4.1. Vorleben und persönliche Verhältnisse
Die aktenkundigen Angaben zur Biografie des Beschuldigten sind überwiegend
Eigenangaben des Beschuldigten, welche teilweise in einem erheblichen Wider-
spruch zueinander stehen.
Demnach stammt der Beschuldigte ursprünglich aus Albanien. Im Rahmen der
Schlusseinvernahme gab er an, in R._ [Stadt in Albanien] eine Zahntechni-
kerschule absolviert zu haben und mit 22 Jahren in die Schweiz gezogen zu sein,
um hier eine weiterführende Zahntechnikerschule zu besuchen, welche er indes
nach einem Jahr abgebrochen habe. Im Jahre 2015 habe er geheiratet. Er habe 3
Kinder, denen er keinen Unterhalt bezahle. Zu seiner Frau habe er keinen Kon-
takt, jedoch habe er viele Freundinnen. Zu seiner Arbeitssituation und seinen wirt-
schaftlichen Verhältnissen gab er keine detaillierte Auskunft (Urk. D1/20/7 S. 9).
Ergänzend führte er in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung dazu aus, dass er
- 44 -
seine Kinder seit geraumer Zeit nicht gesehen habe, er diesen gegenüber jedoch
unterhaltspflichtig sei, ohne dies genauer spezifizieren zu können. Offenbar wurde
ihm nur ein begleitetes Besuchsrecht eingeräumt. Vor und nach der Geburt seiner
ersten Tochter, also im Jahre 2015, habe er 2 Jahre in Israel eine Schule für
"Krav Maga" besucht. Dies, weil er beabsichtigt habe, nach Albanien zurück zu
kehren und dort für Interpol zu arbeiten (Prot. I S. 17 ff.).
In den übrigen Akten sowie in den Beizugsakten finden sich sodann die folgenden
weiteren biografischen Angaben des Beschuldigten:
Verfahren AM11.014610 des Ministère Public de l'arrondissement de Lausanne
Im Rahmen seiner Einvernahme vom 25. August 2011 im Verfahren wegen illega-
len Aufenthalts gab er an, in einer 3-jährigen Ausbildung zum Zahntechniker zu
stehen, zu Ferienzwecken in die Schweiz gereist zu sein und von seinen Erspar-
nissen zu leben (Urk. 4).
Verfahren 2012/8277 der Staatsanwaltschaft Zürich
Aus der polizeilichen Einvernahme vom 24. November 2012 geht hervor, dass der
Beschuldigte am 1. August 2012 zum ersten Mal in die Schweiz gereist sei, er
nach einem 2-monatigen Aufenthalt zur Familie seines Mannes nach Kroatien ge-
reist und hernach erneut in die Schweiz eingereist sei. Er lebe von der Unterstüt-
zung seiner italienischen Tante (Urk. 2 S. 3). Bei den Akten findet sich ein Auszug
aus dem zentralen Migrationssystem, welches die eingetragene Partnerschaft des
Beschuldigten bestätigt (Urk. 12/3).
Verfahren ST.2014.4366 der Staatsanwaltschaft Baden
Im Rahmen seiner polizeilichen Einvernahme zur Person vom 30. Juni 2014 be-
stätigte er, seit dem 28. Oktober 2012 mit Herrn S._ in einer eingetragenen
Partnerschaft zu leben, wobei diese in Auflösung sei. Einer Arbeit ging er nicht
nach, sondern lebte von seinen Eltern, wobei er bestätigte, früher Gelegenheits-
arbeiten ausgeführt zu haben (Urk. 1/9). Der Lernfahrausweis war zum damaligen
- 45 -
Zeitpunkt wegen Drogensucht entzogen (Urk. 1/6). Weiter gab er an, dass seine
Familie in Belgien lebe und er die dortige Niederlassungsbewilligung besitze
(Urk. 2/24).
Verfahren ST.2015.7327 des Bezirksgerichts Baden
Aus der dortigen Befragung resultiert, dass er, Stand 27. September 2015, noch
immer mit S._ in einer eingetragenen Partnerschaft lebte, stellte jedoch in
Aussicht, demnächst T._ zu heiraten, mit welcher er bereits ein Kind hatte.
Erwerbstätig war er damals nicht und er konsumierte Drogen (Urk. 1/9). Im Rah-
men der Hauptverhandlung vom 3. März 2016 gab er an, dass er nicht arbeite
und von seiner Familie unterstützt werde (Prot. S. 4).
Verlaufsbericht des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich
Über den weiteren Lebensverlauf lassen sich einzig dem Verlaufsbericht des
Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich verlässliche Anga-
ben entnehmen. Dort sprach er erstmals am 3. November 2016 vor und berichtete
von Ehe- und Drogenproblemen. Bis Anfangs 2020 folgten verschiedene Aufent-
halte in psychiatrischen Kliniken und Drogenentzugsprogrammen. Auf ein familiä-
res Zusammenleben und Arbeitstätigkeit ergeben sich keine Hinweise
(Urk. D1/19/10).
Psychiatrisches Gutachten Dr. med. Q._ vom 5. September 2020
Gegenüber dem Gutachter gab er an, dass er im Jahr 2012/13 ein Jahr in der
Schweiz studiert habe. Er sei von seiner Familie unterstützt worden. Er habe in
der Schweiz eine Kosovarin geheiratet und sich im Jahre 2014 von dieser schei-
den lassen. Mit seiner aktuellen Frau habe er drei Kinder. Hinweise wonach er mit
der Familie zusammen gelebt hat, gibt es nicht. Vielmehr bestanden im Jahre
2019 Rayon- und Kontaktverbote, nachdem gegen ihn ein Strafverfahren wegen
Drohung eingeleitet worden sei. Die Familie lebe von Fürsorgegeldern, er lebe
von Leistungen seiner Angehörigen (Urk. D1/19/19).
- 46 -
Im Rahmen der Berufungsverhandlung erklärte der Beschuldigte, dass er seit
dem 10. Januar 2021 von T._ geschieden sei. Für seine drei Kinder
U._, geboren am tt.mm.2015, V._, geboren am tt.mm.2017 und
W._, geboren am tt.mm.2018, welche aus jener Ehe hervorgegangen sind,
stehe ihm gemäss dem Scheidungsurteil ein Besuchsrecht zu. Sobald er aus der
Haft komme, sei eine Regelung vorgesehen, wonach er zunächst während sechs
Wochen ein begleitetes Besuchsrecht habe, bevor er die Kinder anschliessend
jedes zweite Wochenende alleine zu sich nach Hause nehmen könne. Ausserdem
sei vorgesehen, dass er in den ersten sechs Monaten Urinproben abgeben wer-
de. Was die aktuelle Situation anbelangt, erklärte der Beschuldigte jedoch, dass
er seine Kinder nun seit über zwei Jahren nicht mehr gesehen habe. Dazu fügte
er an, dass er nun aber auch nicht mehr wolle, dass sie ihn nach zwei Jahren im
Gefängnis wiedersehen müssten. Besuch erhalte er dafür regelmässig von seiner
Freundin AA._. Auch von der Mutter seiner Freundin und der Kollegin seiner
Freundin habe er schon Besuch bekommen. In diesem Zusammenhang wies der
Beschuldigte auch darauf hin, dass er mit seiner Freundin sehr glücklich sei und
er inzwischen auch ihre Familie sehr gut kenne. Zu seinem Lebenslauf befragt,
verneinte der Beschuldigte, dass er vor T._ bereits einmal verheiratet gewe-
sen sei, wie dies aus dem psychiatrischen Gutachten hervorgeht. Er erklärte,
dass es zwar zutreffe, dass er zuvor schon eine Liebesbeziehung gehabt habe,
sie aber nicht verheiratet gewesen seien. Weiter gab er an, dass seine B-
Aufenthaltsbewilligung im Januar 2020 abgelaufen sei und er derzeit in der
Schweiz über keinen Aufenthaltstitel mehr verfüge. Auch was seinen Drogen-
konsum betrifft, machte er geltend, dass es nicht zutreffe, dass er bereits 2012
oder 2013 begonnen habe, Kokain zu konsumieren, wie dies aus dem psychiatri-
schen Gutachten hervorgeht. Vielmehr habe er lediglich gesagt, dass er es da-
mals probiert habe. Erst 2017 nach der Entlassung aus der ersten Strafe habe er
dann angefangen, regelmässig zu konsumieren. Weiter berichtete der Beschul-
digte im Laufe der Einvernahme zur Person davon, dass er am Anfang in der
Schweiz mit einem Kollegen zusammengelebt habe. Auf die Frage, wie jener Kol-
lege geheissen habe, erklärte er dann aber, dass er sich daran nicht mehr erin-
nern könne. Erst als er im weiteren Verlauf der Einvernahme gefragt wurde, wer
- 47 -
S._ sei, gab er an, dass es sich dabei um jenen Kollegen handle, bei dem er
damals gewohnt habe. Die Frage danach, ob er mit diesem in einer eingetrage-
nen Partnerschaft gelebt habe, beantwortete er dann aber damit, dass er über
dieses Thema noch nie gesprochen habe und er auch weiterhin nicht darüber re-
den möchte. Zu seinen finanziellen Verhältnissen erklärte der Beschuldigte, dass
seine Familie zuletzt von Geld, das er von seiner Familie und seinen Verwandten
erhalten habe, und von der Sozialhilfe seiner Ex-Ehefrau gelebt habe. Schliesslich
gab er an, weder Vermögen noch Schulden zu haben (Urk. 180 S. 2 ff.).
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich seit seiner Ankunft in der
Schweiz seine Drogensucht und zahlreiche Strafverfahren wie ein roter Faden
durch sein Leben ziehen. Verlässliche Hinweise auf eine regelmässige Erwerbs-
tätigkeit und ein familiäres Zusammenleben ergeben sich nach dem Jahre 2015
keine mehr. Abgesehen davon, dass dieses widersprüchliche Aussageverhalten
seine Glaubwürdigkeit erheblich einschränkt, lässt sich aus seinen biografischen
Angaben jedoch weder etwas zu seinen Gunsten noch zu seinen Ungunsten ab-
leiten.
3.1.4.2. Vorstrafen/Handeln während laufender Probezeit
Der Beschuldigte ist mit insgesamt fünf Vorstrafen im Schweizerischen Strafregis-
ter verzeichnet (Urk. 162). Diese Vorstrafen wurden bereits im vorinstanzlichen
Urteil aufgeführt (Urk. 115 S. 66 ff.). Zu berücksichtigen ist jedoch, dass der
Beschuldigte zum Zeitpunkt der vorinstanzlichen Verurteilung noch eine zusätz-
liche Vorstrafe gemäss Strafbefehl des Ministère public de l'arrondissement
Lausanne vom 29. September 2011 aufwies und diese aber in der Zwischenzeit
gelöscht wurde (Urk. D1/77). Bereits die Vorinstanz erwog zutreffend, dass die
Vorstrafen des Beschuldigten zwar regelmässig und in kurzen Abständen anfie-
len, sie jedoch in Bezug auf die Vergewaltigung nicht einschlägig sind (Urk. 115
S. 68). Entsprechend erweist es sich als angemessen, diese lediglich leicht straf-
erhöhend zu berücksichtigen. Ebenfalls lediglich leicht straferhöhend ist zu ge-
wichten, dass der Beschuldigte diese Tat während laufender Strafuntersuchung
wegen der Vorwürfe der einfachen Körperverletzung und des Diebstahls zum
Nachteil der C._ AG (Dossier 11) beging.
- 48 -
3.1.4.3. Geständnis
Der Beschuldigte ist nicht geständig, weshalb unter diesem Titel keine Reduktion
erfolgt.
3.1.4.4. Strafempfindlichkeit
Anhaltspunkte für eine erhöhte Strafempfindlichkeit sind weiter nicht ersichtlich.
Daran ändert nichts, dass der Beschuldigte drei noch minderjährige Kinder hat.
Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, dass jedes Strafverfahren neben
dem Schuldspruch und der Sanktion zusätzliche Belastungen mit sich bringt. Ein-
schränkungen im sozialen und beruflichen Umfeld sind eine gesetzmässige Folge
jeder freiheitsbeschränkenden Sanktion (Urteil 6B_301/2019 vom 17. September
2019 E. 1.4.1 mit Hinweisen). Aussergewöhnliche Umstände, die das durch-
schnittliche Mass übersteigen, sind beim Beschuldigten nicht gegeben (vgl. zur
Strafempfindlichkeit von Tätern als Eltern kleiner Kinder: Urteile 6B_364/2014
vom 30. Juni 2014 E. 2.4; 6B_243/2016 vom 8. September 2016 E. 3.4.2;
6B_681/2013 vom 26. Mai 2014 E. 1.3.4).
3.1.4.5. Fazit
Nach dem Gesagten wirken sich die Täterkomponenten aufgrund der Vorstrafen
und der Delinquenz während laufender Strafuntersuchung insgesamt straferhö-
hend auf die Einsatzstrafe aus. Es rechtfertigt sich daher, diese um 6 Monate auf
54 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.
3.2. Diebstahl zum Nachteil von H._
Was die Beurteilung der objektiven und subjektiven Tatkomponenten betrifft, kann
vorab auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 115 S. 63 f.). Zu beachten ist jedoch, dass die Vorinstanz noch von einem
Deliktsbetrag von Fr. 3'000.– ausging, dieser jedoch lediglich Fr. 2'200.– beträgt.
- 49 -
Hervorzuheben ist weiter, dass die Schuldfähigkeit des Beschuldigten bei der
Begehung dieses Delikts gemäss dem psychiatrischen Gutachter leicht vermin-
dert gewesen sei (Urk. D1/19/19 S. 79). Überdies ist darauf hinzuweisen, dass
der Beschuldigte bei seiner Tat nicht besonders raffiniert vorging, zumal er diese
bei Tageslicht und in Anwesenheit anderer Personen beging. Hinsichtlich der Tä-
terkomponenten ist auf die vorstehenden Erwägungen zu verweisen (vgl. Erw.
IV.3.1.4. ff.), wobei dem Beschuldigten in Bezug auf dieses Delikt ein teilweises
Geständnis leicht strafmindernd zugutegehalten werden kann. Für dieses Delikt
würde sich isoliert betrachtet eine Einzelstrafe von 3 Monaten Freiheitsstrafe als
angemessen erweisen. Unter Berücksichtigung der vorzunehmenden Asperation
ist die Einsatzstrafe für die Vergewaltigung für dieses Delikt um 2 Monate Frei-
heitsstrafe zu erhöhen.
3.3. Einfache Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 3
In Bezug auf die objektiven und subjektiven Tatkomponenten zu diesem Delikt
kann auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 115 S. 71 f.).
Hinsichtlich der objektiven Tatkomponente ist hervorzuheben, dass es sich zwar
um massive Verletzungen handelt, welche der Beschuldigte dem Privatkläger 3
zugefügt hat, das Tatverschulden aber dadurch relativiert wird, dass das Handeln
des Beschuldigten nur knapp nicht mehr als erlaubte Notwehr erachtet werden
konnte. Bei der subjektiven Tatkomponente ist entsprechend den zutreffenden vo-
rinstanzlichen Erwägungen zu berücksichtigen, dass dem Beschuldigten bezüg-
lich dieses Delikts eine leichtgradige Verminderung der Schuldfähigkeit attestiert
wurde (Urk. D1/19/19 S. 79; Urk. 115 S. 72). Was die Täterkomponenten betrifft,
ist auf das bereits Dargelegte zu verweisen (vgl. Erw. IV.3.1.4. ff.), wobei wiede-
rum zu berücksichtigen ist, dass sich der Beschuldigte auch in Bezug auf dieses
Delikt in objektiver Hinsicht geständig zeigte und sich dieses teilweise Geständnis
leicht strafmindernd auszuwirken hat. Überdies ist zu beachten, dass der Be-
schuldigte diese Tat nicht während einer laufenden Strafuntersuchung beging und
entsprechend unter diesem Titel auch keine Straferhöhung vorzunehmen ist. So-
mit würde es sich rechtfertigen, für diese Tat isoliert betrachtet eine Einzelstrafe
von 7 Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen. Unter Berücksichtigung der vorzu-
- 50 -
nehmenden Asperation erweist es sich als angemessen, die hypothetische Ge-
samtstrafe für die vorstehend beurteilten Delikte für die einfache Körperverletzung
um 5 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.
3.4. Diebstahl zum Nachteil der D._ AG
Was die Beurteilung der objektiven und subjektiven Tatkomponenten dieses De-
likts betrifft, kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 115 S. 69). Hinsichtlich der Täterkomponenten ist
auf die vorstehenden Erwägungen zu den Täterkomponenten im Zusammenhang
mit der Vergewaltigung zu verweisen (vgl. Erw. IV.3.1.4. ff.), wobei zu berücksich-
tigen ist, dass sich der Beschuldigte in Bezug auf dieses Delikt geständig zeigte.
Wie bereits die Vorinstanz zu Recht darauf hinwies, blieb für den Beschuldigten
angesichts der Beweislage aber auch kaum Raum für Bestreitungen. Die von der
Vorinstanz für diese Tat unter Berücksichtigung der Täterkomponenten festge-
setzte Einzelstrafe von 50 Tagen erweist sich indes in Anbetracht dessen, dass
sich der Deliktsbetrag nahe an der Schwelle für einen geringfügigen Diebstahl von
Fr. 300.– (Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB; BGE 121 IV 261 E.
2d) bewegt, als zu hoch. Isoliert betrachtet erscheint für diese Tat demgegenüber
eine Einzelstrafe von einem halben Monat Freiheitsstrafe als angemessen. Im
Rahmen der vorzunehmenden Asperation erweist sich eine Erhöhung der hypo-
thetischen Gesamtstrafe um 10 Tage Freiheitsstrafe für dieses Delikt als ange-
messen.
3.5. Diebstahl zum Nachteil der C._ AG
Auch was dieses Delikt angeht, kann hinsichtlich der objektiven und subjektiven
Tatkomponenten vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 115 S. 70 f.). In Bezug auf die Täterkomponenten kann
ebenfalls wiederum grundsätzlich auf das bereits Dargelegte verwiesen werden
(vgl. Erw. IV.3.1.4. ff.), dies jedoch mit der Einschränkung, dass hinsichtlich dieser
Tat keine Delinquenz während laufender Strafuntersuchung vorliegt und dem
Beschuldigten ein Geständnis zugute zu halten ist. Auch was dieses Geständnis
betrifft, ist jedoch zu berücksichtigen, dass dem Beschuldigten angesichts der
- 51 -
Beweislage kaum Raum für Bestreitungen blieb. Weiter erweist sich auch die von
der Vorinstanz unter Berücksichtigung der Täterkomponenten in Bezug auf diesen
Diebstahl festgesetzte Einzelstrafe als zu hoch, zumal der Deliktsbetrag die
Schwelle des geringfügigen Diebstahls nur knapp überschreitet. Isoliert betrachtet
würde für diesen Diebstahl eine Einzelstrafe von einem halben Monat Freiheits-
strafe angemessen erscheinen. Asperiert ist dieses Delikt sodann mit einer
Freiheitsstrafe von 10 Tagen zu gewichten.
3.6. Strassenverkehrsdelikte vom 29. Juni 2019
Bezüglich der am 29. Juni 2019 begangenen beiden Delikte kann hinsichtlich der
objektiven und subjektiven Tatkomponenten vollumfänglich auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 115 S. 73 f.). Was die Tä-
terkomponenten betrifft, ist grundsätzlich auf das unter diesem Titel zur Vergewal-
tigung Erwogene zu verweisen (vgl. Erw. IV.3.1.4. f.). Zu beachten ist dabei je-
doch, dass es sich bei den Vorstrafen in Bezug auf diese Delikte teilweise um
einschlägige handelt (Urk. 162) und der Beschuldigte sich hinsichtlich dieser De-
likte geständig zeigte. Da dem Beschuldigten angesichts des pharmakologisch-
toxikologischen Gutachtens und der Anhaltung durch die Polizei kaum Raum für
Bestreitungen blieb, sind diese Geständnisse lediglich marginal strafmindernd zu
berücksichtigen. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz wären für das Fahren in
fahrunfähigem Zustand und das Führen eines Motorfahrzeugs trotz Verweige-
rung, Entzug oder Aberkennung des Ausweises isoliert betrachtet Einzelstrafen
von 6 Monaten Freiheitsstrafe bzw. von 45 Tagen Freiheitsstrafe festzusetzen.
Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips wäre die hypothetische Gesamt-
strafe für die vorstehenden Delikte für diese beiden Taten um 135 Tage und um
15 Tage Freiheitsstrafe zu erhöhen (Urk. 115 S. 75).
3.7. Strassenverkehrsdelikte vom 24. September 2019
Auch was die beiden am 24. September 2019 begangenen Strassenverkehrs-
delikte betrifft, kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz zu den objektiven und subjektiven Tatkomponenten verwiesen werden
(Urk. 115 S. 76 f.). Hinsichtlich der Täterkomponenten ist wiederum grundsätzlich
- 52 -
auf das bereits Dargelegte zu verweisen (vgl. Erw. IV.3.1.4. f.). Von diesen Erwä-
gungen abweichend ist vorliegend aber zu beachten, dass erneut zwei Strassen-
verkehrsdelikte zu beurteilen sind und der Beschuldigte daher teilweise mit
einschlägigen Vorstrafen verzeichnet ist (Urk. 162). Überdies ist wiederum zu
berücksichtigen, dass sich der Beschuldigte hinsichtlich dieser Delikte zwar ge-
ständig zeigte, aufgrund der Beweislage aber auch kaum Raum für Bestreitungen
bestand. Entsprechend den Schlussfolgerungen der Vorinstanz rechtfertigt es
sich, für diese Delikte isoliert betrachtet Einsatzstrafen von 7 Monaten Freiheits-
strafe (Fahren in fahrunfähigem Zustand) und von 45 Tagen Freiheitsstrafe (Fah-
ren trotz Verweigerung, Entzug oder Aberkennung des Ausweises) festzusetzen
(Urk. 115 S. 77). Asperiert sind diese beiden Taten sodann mit 135 Tagen und mit
15 Tagen Freiheitsstrafe zu gewichten.
3.8. Widerhandlung gegen das Waffengesetz1
Hinsichtlich dieses Delikts kann betreffend die objektiven und subjektiven Tat-
komponenten ebenfalls auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwie-
sen werden (Urk. 115 S. 78). Was die Täterkomponenten betrifft, ist mit der Ein-
schränkung, dass sich der Beschuldigte in Bezug auf dieses Delikt geständig
zeigte, wiederum auf die vorstehenden Erwägungen zu den Täterkomponenten in
Bezug auf die Vergewaltigung zu verweisen (vgl. Erw. IV.3.1.4. f.). Auch die
strafmindernde Wirkung dieses Geständnisses wird jedoch dadurch relativiert,
dass dem Beschuldigten angesichts der Beweislage kaum Raum für Bestreitun-
gen blieb. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz würde es sich schliesslich als
angemessen erweisen, für dieses Delikt isoliert betrachtet eine Einzelstrafe von
45 Tagen Freiheitsstrafe auszufällen (Urk. 115 S. 78). Unter Berücksichtigung des
Asperationsprinzips ist die hypothetische Gesamtstrafe für die bereits beurteilten
Delikte für diese Tat um einen Monat Freiheitsstrafe zu erhöhen.
3.9. Busse für die Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes und des Stras-
senverkehrsgesetzes
Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 115 S. 79 f.). Es ist eine Busse von Fr. 600.–
- 53 -
auszusprechen, wobei für den Fall des schuldhaften Nichtbezahlens eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 6 Tagen festzusetzen ist.
3.10. Strafe/Strafart
Für die heute zu beurteilenden Delikte resultiert somit eine hypothetische Ge-
samtfreiheitsstrafe von 72 Monaten und 20 Tagen sowie eine Busse von Fr. 600.–
.
3.11. Rückversetzung nach Art. 89 StGB
Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwie-
sen werden (Urk. 115 S. 81 f.). Unter Einbezug der aufgrund der Rückversetzung
vollziehbar gewordenen Reststrafe von 164 Tagen Freiheitsstrafe, erweist es sich
in Anwendung des Asperationsprinzips als angemessen, insgesamt eine Gesamt-
freiheitsstrafe von 6 Jahren und 4 Monaten sowie Fr. 600.– Busse auszufällen.
3.12. Anrechnung der Untersuchungshaft
Gemäss Art. 51 StGB rechnet das Gericht die Untersuchungshaft, die der Täter
ausgestanden hat, auf die Strafe an (Art. 51 StGB). Dabei ist der Begriff der Un-
tersuchungshaft mit Bezug auf die Anrechnung weit zu fassen. Es fällt grundsätz-
lich jede Form der Freiheitsentziehung darunter, die aus Anlass eines Strafverfah-
rens bis zum Eintritt der Vollstreckbarkeit des Urteils verfügt wurde (BSK StGB-
Mettler/ Spichtin Art. 51 N 13). Darunter fallen also sowohl die Untersuchungs-
und Sicherheitshaft sowie der vorzeitige Massnahmevollzug, nachdem – wie zu
zeigen sein wird – heute keine Massnahme ausgesprochen wird. Vorliegend sind
die 806 Tage, welche der Beschuldigte bis und mit heute durch Untersuchungs-
und Sicherheitshaft sowie vorzeitigen Massnahmenvollzug erstanden hat, an die
heute auszufällende Strafe anzurechnen.
V. Vollzug
Auf Grund der Dauer der Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 4 Monaten ist diese zu
vollziehen.
- 54 -
VI. Massnahme
1. Die Vorinstanz sprach eine Massnahme in Form der Suchtbehandlung im
Sinne von Art. 60 StGB aus, weil der Beschuldigte drogenabhängig sei und dies
für ihn als einzige Möglichkeit erscheine, um den Anschluss an die rechtschaffene
Gesellschaft zu schaffen (Urk. 115 S. 95, 106). Der Beschuldigte beantragt mit
seiner Berufung, auf eine solche zu verzichten, weil er nicht willig sei, eine solche
zu absolvieren und es demnach an einer wichtigen Voraussetzung fehle. Er
macht in diesem Zusammenhang geltend, dass er zwar eine hohe intrinisische
Motivation zur Aufrechterhaltung der Abstinenz habe, dass sein Abstinenzwille
aber nicht mit einem Therapiewunsch gleichzusetzen sei. Dazu beigetragen, dass
seine intrinisische Motivation, konstruktive Wege für seine Zukunft einzugehen
und die Verhaltensänderung längerfristig aufrecht zu halten, stetig gestiegen sei,
habe insbesondere die intensive Auseinandersetzung mit seinen Schwierigkeiten
während seiner Zeit im Gefängnis. Diese vielfältigen persönlichen Fortschritte und
insbesondere der gefestigte Abstinenzwille würden aus Sicht des Beschuldigten
durch die Anordnung einer Massnahme aber gefährdet, da ihm dadurch verun-
möglicht würde, sich neue Zukunftsperspektiven aufzubauen und den Weg zurück
in die Gesellschaft zu gehen (Urk. 125; Urk. 182 S. 2, 14 ff.).
2.1. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, besteht beim Beschuldigten grund-
sätzlich eine Behandlungsbedürftigkeit (Urk. 115 S. 86 ff.). So gelangte der Gut-
achter, Dr. med. Q._ in seinem am 5. September 2020 erstatteten Gutachten
zum Schluss, dass zwischen der beim Beschuldigten diagnostizierten
behandlungsbedürftigen Abhängigkeit von Kokain und den ihm zur Last gelegten
Taten ein Zusammenhang bestehe. Überdies wies er darauf hin, dass diese Ab-
hängigkeitserkrankung ohne entsprechende Therapie vermutlich fortbestehen
werde (Urk. D1/19/19 S. 81).
2.2. Demgegenüber fehlt es vorliegend an der Behandlungswilligkeit des
Beschuldigten. Dieser wehrt sich, nachdem er bereits während rund 5 Jahren
mehrere erfolglose Therapieversuche unternommen hat, dezidiert gegen die
Anordnung einer Massnahme. Im Rahmen seiner Befragung anlässlich der
Berufungsverhandlung erklärte er in diesem Zusammenhang, dass er den letzten
- 55 -
Versuch einer (vorzeitig angetretenen) stationären Massnahme in der "AB._"
habe beenden wollen, weil es ihn traurig gemacht habe, dass er zwar auf eine Art
"draussen" gewesen sei, er aber seine Kinder trotzdem nicht habe sehen können
(Urk. 180 S. 14 f.). Wohl trifft es zu, dass der Gesetzgeber dem Gericht lediglich
aufträgt, der Behandlungsbereitschaft der betroffenen Person besondere Rech-
nung zu tragen (Art. 60 Abs. 2 StGB). Und so wäre es verfehlt, einem anfängli-
chen Fehlen der Motivation vorschnell nachzugeben, zumal diese Haltung oft
Ausdruck der Erkrankung ist (BSK StGB-Heer/Habermeyer, Art. 60 N 44). Auch
der Gutachter beantwortete die Frage danach, ob die Behandlung trotz des Wi-
derwillens des Beschuldigten gegen die Behandlungsrealitäten erfolgverspre-
chend durchgeführt werden könnte, damit, dass nicht per se der Schluss gezogen
werden könne, dass Behandlungsmassnahmen langfristig nicht durchgeführt wer-
den könnten (Urk. D1/19/19 S. 81). Was den Beschuldigten betrifft, ist aber zu
beachten, dass er nicht in der Anfangsphase einer Massnahme steht, sondern
seit Jahren immer wieder ambulante und stationäre Therapieversuche unternom-
men hat. Ihnen gemein ist, dass sie allesamt scheiterten und zwar in erster Linie
auf Grund von Faktoren aus dem Einflussbereich des Beschuldigten (Urk.
D1/19/19 S. 80). So musste beispielsweise der Vollzug der vorzeitigen stationären
Massnahme in der "AB._" mit Verfügung der Bewährungs- und Vollzugs-
dienste vom 5. November 2020 abgebrochen und der Beschuldigte in Sicher-
heitshaft versetzt werden, weil es zu einer aggressiven Auseinandersetzung zwi-
schen ihm und einem Bewohner gekommen sei (Urk. 38C). Auch der Abschluss-
bericht der "AB._" stellt dem Beschuldigten ein denkbar schlechtes Zeugnis
aus. Bereitschaft und Einsicht zur persönlichen Veränderungsnotwendigkeit seien
eher oberflächlich vorhanden gewesen bzw. seien ihm mangels Introspektionsfä-
higkeit nicht möglich. Auch sei es zu zwei Entweichungen gekommen, anlässlich
welchen er Alkohol und Kokain konsumiert habe. Zudem sei er durch Masslosig-
keit und ständige Grenzüberschreitungen aufgefallen (Urk. 39A). Zu berücksichti-
gen ist weiter, dass der Gutachter darauf hinwies, dass das Scheitern des Be-
schuldigten in bisherigen Suchtbehandlungen nicht nur auf seine schwere
Suchterkrankung zurückzuführen sei, sondern auch seinen zusätzlich bestehen-
den akzentuierten Persönlichkeitszügen geschuldet sei, wenngleich diesen kein
- 56 -
eigener Krankheitswert beigemessen werden könne. Diesbezüglich werde der
Beschuldigte aber akzeptieren müssen, dass seine Persönlichkeitsakzentuierung
einen bedeutsamen Anteil am Erhalt seiner Suchterkrankung habe und dass sei-
ne Verhaltensweisen dysfunktional seien, was es im Sinne einer Nachreifung zu
überwinden gelte (Urk. D1/19/19 S. 76, 80). Gerade vor dem Hintergrund, dass
dem Beschuldigten im Abschlussbericht der "AB._" attestiert wurde, dass
ihm mangels Introspektionsfähigkeit Bereitschaft und Einsicht zur persönlichen
Veränderungsnotwendigkeit nicht möglich sei, erscheint fraglich, ob der Beschul-
digte in der Lage sein würde, zu akzeptieren, dass seine Persönlichkeitsakzentu-
ierung einen bedeutsamen Anteil am Erhalt seiner Suchterkrankung hat und dass
seine Verhaltensweisen dysfunktional sind. Entsprechend erweist sich auch der
Therapieerfolg einer gegen den Willen des Beschuldigten angeordneten erneuten
stationären Massnahme als zweifelhaft. Zusammenfassend lässt sich festhalten,
dass die Massnahmeunwilligkeit des Beschuldigten nicht eine krankheitsimma-
nente im Anfangsstadium der Therapieversuche ist, sondern vielmehr eine lang-
jährige und gefestigte.
2.3. Auf Grund der fehlenden Massnahmewilligkeit des Beschuldigten fehlt es
mithin an den Voraussetzungen für die Anordnung einer Massnahme im Sinne
von Art. 60 StGB. Unter diesen Umständen kommt auch eine ambulante Behand-
lung nicht in Frage. Der Gutachter hält diese für nicht indiziert und zwar auch nicht
während des Strafvollzugs (Urk. D1/19/19 S. 83). Angesichts der in Art. 60 Abs. 4
StGB für stationäre Suchtbehandlungen vorgesehenen Höchstdauer von 3 Jahren
und der auszusprechenden Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 4 Monaten hätte sich
ohnehin die Frage gestellt, ob nicht das Untermassverbot der Anordnung einer
entsprechenden Massnahme entgegen gestanden wäre. Von der Anordnung ei-
ner Massnahme ist daher abzusehen. Es ist jedoch zu betonen, dass es dem Be-
schuldigten unbenommen bleibt, freiwillig ein Therapieangebot in Anspruch zu
nehmen. Diesbezüglich ist zu ergänzen, dass auch der Gutachter empfiehlt, dass
der PPD dem Beschuldigten während des Strafvollzugs die Möglichkeit eröffnet,
an den therapeutischen Programmen der Justizvollzugsanstalten teilzunehmen,
ohne dass diese den Charakter einer Massnahme haben sollten (Urk. D1/19/19
- 57 -
S. 83). Da diese Empfehlung den Strafvollzug betrifft, ist an dieser Stelle nicht
weiter darauf einzugehen.
VII. Landesverweisung
1. Ausgangslage
1.1 Die Vorinstanz sah von einer Landesverweisung ab, weil keine Verurteilung
wegen einer Katalogtat erfolgte und sie auf Grund der angeordneten stationären
Massnahme annahm, dass ihn dies von der Begehung weiterer Straftaten abhal-
ten werde und dem öffentlichen Sicherungsinteresse damit genügend Rechnung
getragen werde (Urk. 115 S. 98).
1.2. Für den Fall, dass entgegen seiner Anträge eine Verurteilung wegen einer
Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB ergehen würde, liess der
Beschuldigte geltend machen, dass selbst dann von einer Landesverweisung
abzusehen sei, da in dieser Konstellation von einem Aufenthaltsrecht im Sinne
von Art. 8 EMRK und einem schweren persönlichen Härtefall im Sinne von
Art. 66a Abs. 2 StGB auszugehen sei (Urk. 182 S. 23). Konkret liess er vorbrin-
gen, dass ihm die Beziehung zu seinen drei Kindern sehr am Herzen liege. Da
seine Kinder aber in der Schweiz geboren worden seien und auch hier aufwach-
sen würden, sei es ihnen nicht zuzumuten, im Falle einer Landesverweisung ge-
meinsam mit ihrer Mutter ebenfalls nach Albanien auszuwandern, weshalb eine
Landesverweisung nicht nur ihn persönlich, sondern auch seine Kinder schwer
treffen würde (Urk. 182 S. 26). Weiter habe er eine Schweizer Freundin, zu der er
eine stabile und feste Beziehung aufgebaut habe. Überdies liess er darauf hin-
weisen, dass er während der Zeit in Haft eine positive Entwicklung durchlaufen
und eingesehen habe, dass er so wie bisher nicht weitermachen könne und wolle.
Aus diesen Gründen erachtet der Beschuldigte nicht nur die Voraussetzung des
Vorliegens eines persönlichen schweren Härtefalls als gegeben, sondern er ist
daher auch der Auffassung, dass sein persönliches Interesse an einem Verbleib
in der Schweiz höher zu gewichten sei als die öffentlichen Interessen an einer
Landesverweisung (Urk. 182 S. 23 ff.).
- 58 -
1.3. Zwar beantragte die Staatsanwaltschaft in ihrem Hauptpunkt eine Bestäti-
gung des vorinstanzlichen Freispruchs vom Vorwurf der Vergewaltigung im Sinne
von Art. 190 Abs. 1 StGB. Für den Fall eines entsprechenden Schuldspruchs
stellte sie jedoch den Eventualantrag, den Beschuldigten für 10 Jahre des Landes
zu verweisen, da das private Interesse des Beschuldigten, die Beziehung zu sei-
nen Kindern weiter pflegen zu können, das öffentliche Interesse, den Beschuldig-
ten aus der Schweiz zu weisen, nicht zu überwiegen vermöge (Urk. 184 S. 1 f.;
Prot. II S. 32).
2. Rechtliche Grundlagen
2.1. Das Gericht verweist den Ausländer, der – wie der Beschuldigte – wegen
Straftaten im Sinne von Art. 190 StGB (Vergewaltigung), verurteilt wird, unab-
hängig von der Höhe der Strafe für 5 - 15 Jahre aus der Schweiz (Art. 66a Abs. 1
lit. h StGB). Die obligatorische Landesverweisung wegen einer Katalogtat im Sin-
ne von Art. 66a Abs. 1 StGB greift grundsätzlich unabhängig von der konkreten
Tatschwere (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1).
2.2. Gemäss Art. 66a Abs. 2 Satz 1 StGB kann das Gericht von einer
Landesverweisung "ausnahmsweise" und unter den kumulativen Voraussetzun-
gen absehen, dass diese (1) für den Ausländer einen schweren persönlichen Här-
tefall bewirken würde und (2) die öffentlichen Interessen an der Landesverwei-
sung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib in der
Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation von Ausländern
Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind
(Art. 66a Abs. 2 Satz 2 StGB). Die Härtefallklausel ist restriktiv anzuwenden. Das
Gericht hat dabei die öffentlichen und privaten Interessen gegeneinander abzu-
wägen. Dies kann kriteriengeleitet nach der Bestimmung über den "schwerwie-
genden persönlichen Härtefall" in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Oktober
2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE; SR 142.201) erfol-
gen. Art. 31 Abs. 1 VZAE ist indes nicht abschliessend. Da die Landesverweisung
strafrechtlicher Natur ist, sind auch strafrechtliche Elemente wie die Aussichten
auf soziale Wiedereingliederung des Täters in die Interessenabwägung
miteinzubeziehen (BGE 146 IV 105 E. 3.4.2 S. 108 mit Hinweisen). Zu berück-
- 59 -
sichtigen sind namentlich der Grad der (persönlichen und wirtschaftlichen) In-
tegration, einschliesslich familiäre Bindungen des Ausländers in der Schweiz bzw.
in der Heimat, Aufenthaltsdauer und Resozialisierungschancen. Ebenso ist der
Rückfallgefahr und wiederholten Delinquenz Rechnung zu tragen. Dabei darf das
Gericht auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB begangene Straftaten be-
rücksichtigen (Urteil 6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.2.2).
2.3. Von einem schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2
StGB ist in der Regel bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den
Anspruch des Ausländers auf das in Art. 13 BV und Art. 8 EMRK verankerte
Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens auszugehen (Urteil
6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.3.1 mit Hinweisen). Zum durch Art. 8
EMRK geschützten Familienkreis gehört in erster Linie die Kernfamilie, das heisst
die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern. Andere familiä-
re Verhältnisse fallen in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK, sofern eine genü-
gend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung besteht. Hinweise für solche
Beziehungen sind das Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt, eine
finanzielle Abhängigkeit, speziell enge familiäre Bindungen, regelmässige Kontak-
te oder die Übernahme von Verantwortung für eine andere Person. Bei hinrei-
chender Intensität sind auch Beziehungen zwischen nahen Verwandten wie Ge-
schwistern oder Tanten und Nichten von Bedeutung, doch muss in diesem Fall
zwischen der über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügenden Person und
dem um die Bewilligung nachsuchenden Ausländer ein über die üblichen familiä-
ren Beziehungen bzw. emotionalen Bindungen hinausgehendes, besonderes Ab-
hängigkeitsverhältnis bestehen (BGE 144 II 1 E. 6.1 S. 12 f. mit Hinweisen).
2.4. Der Anspruch auf Achtung des Familienlebens gilt nicht absolut. Die Staa-
ten sind auch nach dieser Rechtsprechung berechtigt, Delinquenten auszuwei-
sen; berührt die Ausweisung indes Gewährleistungen von Art. 8 Ziff. 1 EMRK, ist
der Eingriff nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu rechtfertigen. Auch hier ist eine Würdi-
gung der gesamten Umstände im Einzelfall erforderlich (zum Ganzen: Urteil
6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.3.3 und 6.3.4; je mit Hinweisen).
3. Härtefallprüfung
- 60 -
3.1. Es ist erstellt, dass der Beschuldigte eine Katalogtat nach Art. 66a Abs. 1
lit. h StGB begangen hat, die grundsätzlich eine Landesverweisung nach sich zie-
hen muss. Davon kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn beim Beschul-
digten ein schwerer persönlicher Härtefall vorliegt und das private Interesse ge-
genüber dem öffentlichen Interesse an einer Landesverweisung überwiegt.
3.2. Wie oben unter Erw. IV.3.1.4.1. ausgeführt, sind die biografischen Angaben
des Beschuldigten wenig zuverlässig. Erwiesenermassen kam der Beschuldigte
im Jahre 2011 oder 2012 ohne gültigen Aufenthaltstitel in die Schweiz. Er ist
demnach weder hier geboren noch aufgewachsen, sondern kam erst mit rund 23
Jahren in die Schweiz und wurde in seinem Heimatland sozialisiert. Dort hat er
die prägenden Kinder- und Jugendjahre verbracht. Er hat demnach die meiste
Zeit seines Lebens ausserhalb der Schweiz verbracht, weshalb grundsätzlich ein
strenger Massstab anzuwenden ist. Weiter gilt es zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte schon seit rund 5 Jahren nicht mehr mit seiner Kernfamilie zusam-
men lebt. Zu seiner Ehefrau hat er gar keinen und zu seinen Kindern kaum Kon-
takt. So gab der Beschuldigte im Rahmen der Berufungsverhandlung an, dass er
seine Kinder seit über zwei Jahren nicht mehr gesehen habe und auch seine Ex-
Ehefrau ihn nie im Gefängnis besuchen gekommen sei (Urk. 180 S.18 f.). Aus
dem Führungsbericht des Flughafengefängnisses vom 2. März 2021 geht jedoch
hervor, dass der Beschuldigte im Rahmen seiner Inhaftierung die Möglichkeit
nutzt, den Kontakt zu seinen Kindern mittels Videotelefonie aufrecht zu erhalten
(Urk. 149 S. 2). Seine Angehörigen leben in Albanien, zu welchen er gemäss dem
Abschlussbericht der stationären Therapie in der "AB._" vom 23. November
2020 intensive telefonische Kontakte pflegt (Urk. 39A S. 2). Seine Kontakte in der
Schweiz beschränken sich auf Beziehungen zu seiner Freundin, zur Familie sei-
ner Freundin, zu seinem Schwager und in das Millieu. Einer geregelten Arbeit
ging er seit dem Jahre 2013 nicht mehr nach. Er liess sich stattdessen von seiner
Herkunftsfamilie und der Sozialhilfe, die seine Ex-Ehefrau bezog, aushalten (Urk.
180 S. 12). Sodann ist er bereits seit mehreren Jahren drogensüchtig und seit
seiner Einreise im Jahre 2011 wiederholt kriminell in Erscheinung getreten. Unter
anderem hat er rund 10 Monate an Freiheitsstrafen verbüsst (Urk. 162). Seine
Deutschkenntnisse sind rudimentär, für die Verhandlung benötigt er nach wie vor
- 61 -
die Dienste eines Albanischdolmetschers (Prot. II S. 2a). Von einer erfolgreichen
Integration in der Schweiz kann somit noch nicht einmal im Ansatz die Rede sein.
Sein Verteidiger umschreibt ihn denn auch als Kleinkriminellen mit Tendenzen zur
Megalomanie, welcher bereits einiges auf dem Kerbholz hat (Urk. 84 S. 4).
3.3.1. Von seiner Ehefrau, T._, ist der Beschuldigte inzwischen geschieden.
Aus diesem Grund zielt denn auch die Argumentation des Beschuldigten, wonach
es seinen Kindern nicht zuzumuten sei, gemeinsam mit ihrer Mutter ebenfalls
nach Albanien auszuwandern (Urk. 182 S. 26), entsprechend den Ausführungen
der unentgeltlichen Privatklägervertretung (Prot. II S. 30) – zumindest in Bezug
auf die Kindsmutter – an der Sache vorbei. Was seine drei Kinder betrifft, will der
Beschuldigte sein Besuchsrecht nicht im Gefängnis ausüben, sondern pflegt den
Kontakt mit seinen Kindern per Videotelefonie. Nachdem er noch geraume Zeit in
Haft verbleiben muss, wird dies mutmasslich weiterhin so stattfinden. Auch bereits
vor seiner Inhaftierung lebte der Beschuldigte aber nicht mehr mit seiner Familie
zusammen. Er gab gegenüber dem psychiatrischen Gutachter an, die Familie
wegen seines Drogenkonsums verlassen zu haben (Urk. D1/19/19 S. 30). Im Jah-
re 2019 wurde der Beschuldigte gar mit Kontakt- und Rayonverboten in Bezug auf
seine Familie belegt (Urk. D1/19/19 S. 30; Prot. II S. 12 f.). Von einer nahen, ech-
ten und tatsächlich gelebten familiären Beziehung zu seinen Kindern, welche un-
ter den Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK fallen würde und die grundsätzlich
ein erhebliches privates Interesse an einem weiteren Verbleib am Ort der nieder-
gelassenen Familienmitglieder zu begründen vermöchte, kann daher nicht die
Rede sein (BGer-Urteil 6B_1178/2019 vom 10. März 2021 Erw. 3.4.1., nicht publi-
ziert in BGE 147 IV 340). Dass dem Beschuldigten im Scheidungsurteil ein Be-
suchsrecht eingeräumt wurde, vermag daran nichts zu ändern. Ein telefonischer
resp. Video-Kontakt kann der Beschuldigte sodann auch von seinem Heimatland
aus pflegen. Überdies ist auch denkbar, dass die Kinder den Beschuldigten in Al-
banien – allenfalls mit einem Verwandten des Beschuldigten oder seiner Ex-
Ehefrau, die aus dem Kosovo stammt – besuchen könnten. Dass der Kontakt zu
den Kindern im Rahmen von Kurzaufenthalten oder über die modernen Kommu-
nikationsmittel wahrgenommen werden kann, wird auch nach dem Wegweisungs-
recht unter Umständen als für den Anspruch auf Familienleben genügend erach-
- 62 -
tet (BGer-Urteil 6B_1314/2019 vom 9. März 2020 E. 2.3.7; BGer-Urteil
2C_609/2020 vom 1. Februar 2021 E. 5.5). Zwar ist erfreulich, dass der Beschul-
digte die Beziehung zu seiner Freundin AA._ während seiner Inhaftierung
aufrecht erhalten konnte. In Anbetracht dessen, dass die Beziehung zu ihr aber
erst ein paar Monate vor seiner aktuellen Inhaftierung begonnen hatte (Urk. 180
S. 23), kann diese Beziehung noch nicht als derart gefestigt erachtet werden, als
dass sie unter den Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK fallen würde.
3.3.2. Weiter ist zu berücksichtigen, dass es der Beschuldigte trotz seiner relativ
guten Ausbildung und sprachlichen Fähigkeiten in rund 10 Jahren nicht geschafft
hat, beruflich hier Fuss zu fassen. Er lebte stattdessen mehrheitlich von seiner
Herkunftsfamilie resp. der Sozialhilfe seiner Ex-Ehefrau. Wenn die Verteidigung
festhält, der Beschuldigte habe sich "ausserordentlich gut in der Schweiz einge-
lebt" (Urk. 182 S. 28), kann dem offenkundig nicht zugestimmt werden. Der Be-
schuldigte ist vielmehr in keiner massgeblichen Weise hier integriert. Die blosse
Beteuerung des Beschuldigten, er könne hier bei seiner Freundin wohnen und sie
habe eine 100 %-Arbeitsstelle für ihn organisiert (Prot. I S. 14 und 19), erscheint
bei der Ausgangslage des Beschuldigten mit der beträchtlichen kriminellen Vorbe-
lastung, dem mehrjährigen Suchtverhalten und dem unsteten Lebenswandel in
keiner Weise ein Garant für einen (erstmals) nachhaltigen Start ins Erwerbsleben
in der Schweiz. Das gilt umso mehr, als er den Namen der Firma, die der besten
Kollegin der Mutter seiner Freundin gehören soll, nicht einmal kennt (Prot. I S.
19).
3.3.3. Demgegenüber hat der Beschuldigte die ersten 23 Jahre seines Lebens in
einer unversehrten und wirtschaftlich gut gestellten Familie in Albanien verbracht
("Ich bin in einer gesunden Familie aufgewachsen"; Prot. I S. 14), welche nach
wie vor dort ansässig ist. Er ist mit der dortigen Sprache und Kultur bestens ver-
traut. Es deutet nichts darauf hin, dass einem Wiedereinstieg bzw. Neubeginn in
seiner Heimat etwas im Wege stehen sollte, zumal der Beschuldigte seither in der
Schweiz und in Israel Weiterbildungen genossen hat sowie in Anbetracht dessen,
dass er gemäss seinen Angaben sechs oder sieben Sprachen sprechen kann, er
mithin ziemlich weltgewandt sowie auch arbeitswillig ist (Prot. I S. 13 f.). Eine be-
- 63 -
rufliche Wiedereingliederung in Albanien erweist sich daher ohne Weiteres als
möglich, dies umso mehr, als der Beschuldigte ohnehin vorhatte, bei Interpol
R._ als Polizeibeamter zu arbeiten und auch schon entsprechende Vorberei-
tungen dafür getroffen hatte (Prot. I S. 34). Schliesslich würde der Beschuldigte
bei einer Rückkehr nach Albanien auf seine Herkunftsfamilie stossen, welche ihn
während Jahren finanziell unterstützte (Urk. 180 S. 12), zu der er auch nach sei-
ner Verhaftung in Kontakt stand (Urk. 39A S. 2), und von welcher auch zu erwar-
ten ist, dass sie ihm bei der Wiedereingliederung in Albanien nach Kräften behilf-
lich sein würde.
3.4. Insbesondere in Anbetracht dessen, dass der Beschuldigte bei einer Rück-
kehr nach Albanien auf ein ihm vertrautes familiäres Umfeld treffen würde und
auch eine berufliche Wiedereingliederung möglich erscheint, kann ihm zugemutet
werden, die Schweiz zu verlassen. Dass es für den Beschuldigten sehr ein-
schneidend sein wird, dass er seine Kinder bei einer Landesverweisung nur unter
erheblich erschwerten Bedingungen wird sehen können, ist nicht in Abrede zu
stellen. Gleichwohl ist diese Belastung, die ihn beim Verlassen der Schweiz tref-
fen würde, in Anbetracht dessen, dass sowohl gegenwärtig als auch bereits vor
der Inhaftierung keine tatsächlich gelebte familiäre Beziehung bestand, indem er
trotz bereits gegründeter Familie 2016/17 in die Drogen abglitt (Urk. 180 S. 7-10 f.
und 17) nicht derart gravierend, als dass sie bei ihm ein schwerer persönlicher
Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB bewirken würde.
4. Öffentliches Interesse
4.1. Liegt kein schwerer persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2
StGB vor, so besteht grundsätzlich auch keine Veranlassung, eine Abwägung
zwischen den privaten Interessen des Beschuldigten an einem Verbleib in der
Schweiz und den öffentlichen Interessen an der Fernhaltung der beschuldigten
Person vorzunehmen, denn die Härtefallklausel kommt nach dem klaren Wortlaut
von Art. 66a Abs. 2 StGB nur in Ausnahmefällen unter den kumulativen Voraus-
setzungen zur Anwendung. Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass auch wenn
beim Beschuldigten von einem schweren persönlichen Härtefall ausgegangen
- 64 -
worden wäre, eine Interessenabwägung nicht zu seinen Gunsten hätte ausfallen
können.
4.2. Nach der gesetzlichen Systematik ist die obligatorische Landesverweisung
zwingend anzuordnen, wenn die Katalogtaten einen derartigen Schweregrad er-
reichen, dass die Landesverweisung zur Wahrung der inneren Sicherheit notwen-
dig erscheint (Urteil 6B_627/2018 vom 22. März 2019, Erw. 1.6.2. m.H.). Oder mit
anderen Worten: Je schwerer die infrage stehenden Delikte bzw. die ausgespro-
chenen Strafen sind, desto höher hat das persönliche Interesse an einem Ver-
bleib zu sein, damit ein ausnahmsweiser Verzicht auf die Landesverweisung
überhaupt erst in Frage kommen kann (Heimgartner, in: Do-
natsch/Heimgartner/Isenring/ Weder [Hrsg.], StGB Kommentar, 21. Aufl. 2022,
Art. 66a N 6). Wird auf ein überwiegendes öffentliches Interesse erkannt, ist das
konkrete Ausmass der persönlichen Härte nicht mehr ausschlaggebend.
4.3. Die Beurteilung des Fernhalteinteresses lässt sich strafrechtlich nur in der
Weise vornehmen, dass auf die verschuldensmässige Natur und Schwere der
Tatbegehung, die sich darin manifestierende Gefährlichkeit des Täters für die
öffentliche Sicherheit und auf die Legalprognose abgestellt wird (Urteil 6B_627/
2018 vom 22. März 2019, Erw. 1.6.2. m.H.). Da hierbei eine Gesamtbetrachtung
des deliktischen Verhaltens bis im Urteilszeitpunkt ausschlaggebend ist, können
auch Delikte Berücksichtigung finden, welche keine Katalogtaten darstellen oder
aus anderen Gründen für sich allein keine Landesverweisung rechtfertigen wür-
den (Urteil 6B_1044/2019 vom 17. Februar 2020 E. 2.4.1. m.H.). Ausgangspunkt
und Massstab für die ausländerrechtliche Interessenabwägung ist die Schwere
des Verschuldens, die sich in der Dauer der verfahrensauslösenden Freiheitsstra-
fe niederschlägt; auch eine einmalige Straftat kann eine aufenthaltsbeendende
Massnahme rechtfertigen, wenn die Rechtsgutverletzung schwer wiegt (BGE 145
IV 364 E. 3.5.2).
4.4. Was den Beschuldigten betrifft, ist im Rahmen dieser Interessenabwägung
zu berücksichtigen, dass seine B Aufenthaltsbewilligung im Januar 2020 abge-
laufen ist (Urk. 180 S. 3) und er mithin bereits zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr
über ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz verfügt. Auch wenn eine Landesver-
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weisung für den Beschuldigten somit nicht mehr mit dem Verlust eines Aufent-
haltstitels einhergehen würde, so hätte diese zur Folge, dass ihm während deren
Dauer weder eine neue Aufenthaltsbewilligung ausgestellt werden könnte noch
Besuchsreisen zu seinen Kindern in die Schweiz möglich sein würden.
4.5. Der Beschuldigte ist mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe zu belegen.
Hierbei ist klar zu statuieren, dass das öffentliche Interesse der Schweiz, einen
Sexualstraftäter wegzuweisen, welcher wenige Jahre nach seiner Einreise hin-
sichtlich der Deliktsschwere klar eskalierend gegen elementare Grundregeln wie
das Recht von Frauen auf sexuelle Selbstbestimmung verstossen hat, als sehr
hoch einzuschätzen ist. Art. 121 Abs. 3 BV hält namentlich fest, dass Auslände-
rinnen und Ausländer unabhängig von ihrem ausländerrechtlichen Status ihr Auf-
enthaltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz verlieren,
wenn sie (u.a.) wegen einer Vergewaltigung oder eines anderen schweren Sexu-
aldelikts wie der sexuellen Handlungen mit Kindern verurteilt werden. Beim Be-
schuldigten besteht gemäss dem psychiatrischen Gutachten ein leichtgradig er-
höhtes Risiko für die Begehung eines erneuten Sexualdelikts. Das Rückfallrisiko
in Bezug auf Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und auf Stras-
senverkehrsdelikte wurde gar als hoch eingeschätzt. Überdies besteht gemäss
dem psychiatrischen Gutachten auch hinsichtlich Eigentums- und Körperverlet-
zungsdelikten eine mittelgradig erhöhte Rückfallgefahr (Urk. D1/19/19 S. 75, 79).
Angesichts dieser bestehenden Rückfallgefahr wird das öffentliche Interesse an
einer Verweisung des Beschuldigten des Landes entsprechend verstärkt. Die
blosse Tatsache, dass ein Beschuldigter Kinder in der Schweiz hat, vermag so-
dann nicht zu verunmöglichen, dass eine Interessenabwägung zugunsten des öf-
fentlichen Interesses ausfällt. Was den Beschuldigten betrifft, ist diesbezüglich zu
berücksichtigen, dass er seit der Geburt seines ersten von drei Kindern beständig
delinquiert hat. Das Wissen darum, dass er möglicherweise in den Strafvollzug
kommen oder gar des Landes verwiesen werden könnte, vermochte ihn nicht von
seinen Straftaten abhalten, sodass nicht davon ausgegangen werden kann, dies
wäre künftig der Fall. Dass der Beschuldigte – seit kurz vor seiner Verhaftung –
eine neue Freundin und einige neue Bekannte hat (vgl. Urk. 180 S. 23), vermag
die Bedenken hinsichtlich seiner Bewährung aufgrund seiner vergangenen Le-
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bensführung in keiner Weise aufzuwiegen. Aufgrund der bereits vorgenannten
Unsicherheiten sind auch seine Beteuerungen, beruflich in der Schweiz neu Fuss
fassen zu wollen (vgl. Erw. VII.3.3.2.), ebenso wenig ausreichend, um von einer
guten Prognose auszugehen. Vor dem Hintergrund dieser Erwägungen hätte das
öffentliche Interesse an einer Landesverweisung daher ohnehin stärker gewichtet
werden müssen als das persönliche Interesse des Beschuldigten an einem Ver-
bleib in der Schweiz.
5. Dauer der Landesverweisung
Da der Beschuldigte sowohl der Vergewaltigung als auch wegen mehreren
anderen, keinesfalls zu verharmlosenden Delikten schuldig zu sprechen ist und
mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe zu belegen ist, ist er dem Verschulden ent-
sprechend für 10 Jahre des Landes zu verweisen.
6. Ausschreibung im Schengener Informationssystem
6.1. Landesverweisungen gegenüber Ausländern aus Staaten, die nicht zum
Schengen-Raum gehören, werden dann im Schengen-Informationssystem aus-
geschrieben, wenn davon auszugehen ist, dass die Anwesenheit der betreffenden
Person im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates die öffentliche Sicherheit und
Ordnung gefährdet. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Drittstaatsangehöri-
ge wegen einer Straftat verurteilt worden ist, die mit mindestens einem Jahr Frei-
heitsstrafe bedroht ist (Art. 24 Abs. 2 SIS-II-VO, vgl. Art. 96 Abs. 2 lit. a Schenge-
ner Durchführungsübereinkommen [SDÜ]). Gemäss Entscheid des Bundesge-
richts 6B_1178/2019 vom 10. März 2021 (mittlerweile publiziert, vgl. BGE 147 IV
340) setzt die Ausschreibung eines Einreiseverbots im SIS indes weder eine straf-
rechtliche Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr noch
eine Verurteilung zu einer Tat mit einer abstrakten Mindeststrafandrohung von ei-
nem Jahr Freiheitsstrafe voraus (Erw. 4.6 und 4.8). Es komme vielmehr darauf
an, ob die Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung zu bejahen sei, wo-
bei für deren Annahme – gerade bei Nichtunionsbürgern – keine allzu hohen
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Anforderungen gestellt würden (Erw. 4.7.2.). Gemäss Art. 24 Abs. 1 SIS-II-VO
(EG Nr. 1987/2006) darf eine Ausschreibung nur auf der Grundlage einer indivi-
duellen Bewertung ergehen und es muss eine Verhältnismässigkeitsprüfung vor-
genommen werden (so auch ausdrücklich das Bundesgericht in BGE 146 IV 172,
Erw. 3.2.2.).
6.2. Der Beschuldigte ist Drittstaatangehöriger und verfügt in keinem anderen
Schengener-Mitgliedstaat über ein Aufenthaltsrecht. Da vom Beschuldigten nach
wie vor eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht und sich
sein Verschulden hinsichtlich der Vergewaltigung als erheblich erweist, ist zwin-
gend die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-
tem anzuordnen. Anzufügen ist, dass sich eine Ausschreibung des Einreisever-
bots (in die Schweiz) im SIS auch deshalb verhältnismässig erweist, als es den
übrigen Schengen-Staaten freisteht, die Einreise in ihr Hoheitsgebiet im Einzelfall
dennoch zu bewilligen. Die Souveränität der übrigen Schengen-Staaten wird  durch die in der Schweiz ausgesprochene Landesverweisung, welche aus-
schliesslich für das Hoheitsgebiet der Schweiz gilt, nicht berührt (vgl. BGE 146 IV
172 E. 3.2.3; BGE 147 IV 130 E. 4.9; je mit Hinweisen).
VIII. Beschlagnahmungen
1. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen der Beschlagnahme zutreffend
dargestellt, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 115 S. 98 f.).
2.1. Hatte der Beschuldigte vor Vorinstanz noch die anklagegemässe Einzie-
hung und Vernichtung sämtlicher beschlagnahmter Gegenstände beantragt
(Urk. 84 S. 3), verlangt er nunmehr die Herausgabe der Kneifzange (Asservat-Nr.
A012'552'500) und des Pullovers (Asservat-Nr. A012'552'511; Urk. 125; Urk 182
S. 2). Zur Begründung dieser beantragten Herausgabe wurde vorgebracht, dass
diese Gegenstände nicht für die Begehung eines Delikts verwendet worden seien
und auch sonst keine Gründe dafür bestehen würden, diese Gegenstände dem
Beschuldigten nicht herauszugeben (Prot. II S. 15).
- 68 -
2.2. Was den mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
27. Februar 2020 beschlagnahmten Pullover (Asservat-Nr. A012'552'511) betrifft
(Urk. D4/6), trifft zu, dass keine Hinweise darauf bestehen, dass dieser bei der
Begehung eines Delikts verwendet oder erlangt worden wäre. Entsprechend
rechtfertigt es sich, diesen dem Beschuldigten nach Eintritt der Vollstreckbarkeit
des Urteils auf erstes Verlangen herauszugeben. Wird innert 3 Monaten ab
Vollstreckbarkeit kein entsprechendes Begehren gestellt, ist der Pullover der
Lagerbehörde zur Vernichtung bzw. gutscheinenden Verwendung überlassen.
2.3. Demgegenüber hatte der Beschuldigte die ebenfalls mit obgenannter
Verfügung vom 27. Februar 2020 beschlagnahmte Kneifzange (Asservat-Nr.
A012'552'500) mitgeführt, als er am 7. März 2019 den Diebstahl im ... [Abteilung]
D1._ beging (Urk. D4/1 S. 3; Urk. D4/5). Es liegt daher nahe, dass er jene
Kneifzange verwendet hatte, um die Diebstahlssicherungen der entwendeten
Kleidungsstücke zu entfernen (Urk. D4/1 S. 2 f.). Angesichts dieses Deliktzusam-
menhangs ist die Kneifzange einzuziehen und der Lagerbehörde zur Vernichtung
zu überlassen.
IX. Zivilforderungen
1.1. Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche, die mit der Straftat
konnex sind, entweder selbständig auf dem Wege des Zivilprozesses oder adhä-
sionsweise durch schriftliches oder mündliches Begehren an das für den Ent-
scheid über die Anklage zuständige Strafgericht geltend machen (Art. 119 i.V.m.
Art. 122 Abs. 1 StPO). Sie wird dadurch zur Privatklägerschaft (Art. 119 Abs. 2
lit. b StPO). Die in der Zivilklage geltend gemachte Forderung ist zu beziffern und,
unter Angabe der angerufenen Beweismittel, kurz schriftlich zu begründen
(Art. 123 Abs. 1 StPO). Zufolge der im Zivilprozess geltenden Dispositions- und
Verhandlungsmaxime ist das Gericht sowohl an die Parteianträge als auch an die
entsprechenden Parteivorbringen gebunden. Sofern sich der für die Zivilansprü-
che massgebliche Sachverhalt hingegen aus den Akten der Strafuntersuchung
ergibt, ist dieser ohne weitere Parteibehauptung dem Urteil im Zivilpunkt zugrunde
zu legen (BSK StPO-Dolge, a.a.O., Art. 122 N 23).
- 69 -
1.2. Über eine anhängig gemachte Zivilklage entscheidet das Strafgericht,
wenn es die beschuldigte Person schuldig spricht oder wenn ein Freispruch er-
folgt und der Sachverhalt spruchreif ist (Art. 126 Abs. 1 lit. a und b StPO). In den
übrigen Fällen wird die Klage auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 StPO).
Erweist sich die vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs als unverhältnismäs-
sig aufwendig, so kann das Gericht die Zivilklage auch nur dem Grundsatz nach
entscheiden und diese im Übrigen auf den Zivilweg verweisen (Art. 126 Abs. 3
und Abs. 4 StPO).
2. Zivilforderungen der Privatklägerin
2.1. Wie bereits erwogen liess die Privatklägerin ihr Schadenersatzbegehren
anlässlich der Berufungsverhandlung zurückziehen (vgl. Erw. I.1.3; Urk. 183 S. 1).
Demgegenüber beantragt sie weiterhin die Verpflichtung des Beschuldigten zur
Zahlung einer Genugtuung in der Höhe von Fr. 20'000.– (Urk. 183 S. 1). Der
Beschuldigte verlangt die Abweisung dieses Genugtuungsbegehrens (Prot. II
S. 33).
2.2.1. Seinen Antrag auf Abweisung des Genugtuungsbegehrens der Privatkläge-
rin liess der Beschuldigte in erster Linie damit begründen, dass in Bezug auf sie
kein widerrechtliches Verhalten vorliege (Prot. II S. 33). Bereits angesichts des mit
diesem Urteil ergehenden Schuldspruchs wegen Vergewaltigung im Sinne von
Art. 190 Abs. 1 StGB zum Nachteil der Privatklägerin kann diesem Vorbringen
nicht gefolgt werden. Der Beschuldigte machte aber weiter geltend, dass das Ge-
nugtuungsbegehren auch deshalb abzuweisen sei, weil auch hinsichtlich der ad-
häsionsweisen Geltendmachung von Genugtuungsansprüchen eine gewisse Be-
gründungspflicht gelte und das vorliegende Begehren in keiner Art und Weise
substantiiert worden sei (Prot. II S. 33).
2.2.2. Der Beschuldigte wies zu Recht darauf hin, dass Zivilklagen gemäss
Art. 123 Abs. 1 StPO auch im Rahmen des Adhäsionsverfahrens zu beziffern und
unter Angabe der angerufenen Beweismittel kurz zu begründen sind. Auch trifft
entsprechend seinem Vorbringen zu, dass sich der unentgeltliche Rechtsvertreter
der Privatklägerin im Rahmen der Berufungsverhandlung nicht zum
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Genugtuungsbegehren der Privatklägerin geäussert hat (vgl. Urk. 183; Prot. II
S. 16 ff.). Eine Begründung dieses Anspruchs erfolgte jedoch im Rahmen seines
Plädoyers vor Vorinstanz (Urk. 81 S. 11 f.; Prot. I S. 7). Die Verhältnisse haben
sich seither nicht geändert, weshalb den damaligen Ausführungen des unentgelt-
lichen Rechtsvertreters der Privatklägerin nach wie vor Geltung zukommt. Über-
dies hat die Privatklägerin im Rahmen ihrer Befragung als Auskunftsperson an-
lässlich der Berufungsverhandlung Aussagen zu ihrer derzeitigen physischen und
psychischen Verfassung gemacht (Urk. 178 S. 4 ff.). Auch diese Angaben bilden
Grundlage für den Entscheid betreffend das Genugtuungsbegehren der Privatklä-
gerin. Das in Art. 123 Abs. 1 StPO festgehaltene Begründungserfordernis ist da-
mit in Bezug auf das vorliegende Genugtuungsbegehren als erfüllt zu erachten.
2.3.1. Inhaltlich wird dieser Antrag auf eine Genugtuung in der Höhe von
Fr. 20'000.– damit begründet, dass durch die Tat nicht nur die sexuelle Selbstbe-
stimmung der Privatklägerin aufs Gröbste verletzt worden sei, sondern sie auf
Grund des Vorhalts der Pistole auch in Angst um Leib und Leben versetzt worden
sei, was einen schweren Eingriff in die Persönlichkeit darstelle (Urk. 81 S. 11 f.).
Zur Höhe der geforderten Genugtuung führte der unentgeltliche Rechtsvertreter
der Privatklägerin vor Vorinstanz aus, dass Fr. 18'000.– Genugtuung mittlerweile
für Vergewaltigungen üblich seien. Da die Privatklägerin zusätzlich mit einer Pis-
tole bedroht worden sei und deshalb zusätzlich um ihr Leben habe fürchten müs-
sen, sei die geforderte Summe von Fr. 20'000.– gerechtfertigt (Urk. 81 S. 11).
2.3.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte die Privatklägerin, dass nur
schon die Vorladung zur Berufungsverhandlung bei ihr zu grossem Stress geführt
habe, dass sie nicht mehr schlafen könne und sie seither auch noch mehr Medi-
kamente nehmen müsse (Urk. 178 S. 4, 13). Auch gab sie an, dass sie schon
lange versuche, das Erlebte zu verdrängen und sie aus diesem Grund schon
mehrere Therapien gemacht habe. Auch aktuell sei sie noch in einer Traumathe-
rapie. Zudem berichtete sie über Albträume, in welchen der Beschuldigte bei ihr
zu Hause gewesen sei oder ihre Tür beobachtet habe (Urk. 178 S. 12).
2.3.3. Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, hat Anspruch auf
Leistung einer Geldsumme als Genugtuung, sofern die Schwere der Verletzung
- 71 -
es rechtfertigt und diese nicht anders wieder gutgemacht worden ist. Genugtu-
ungssummen bestehen darin, dass durch eine schadenersatzunabhängige Geld-
leistung ein gewisser Ausgleich geschaffen wird für den erlittenen physischen
und/oder seelischen Schmerz (BGE 123 III 10). Im Unterschied zum Schadener-
satz orientiert sich die Genugtuung weder an der Einkommens- noch an der Ver-
mögenssituation des Betroffenen. Die Genugtuung setzt beim subjektiven Emp-
finden des Berechtigten an (HÜTTE/DUCKSCH, Die Genugtuung, 3. Auflage, Zürich
1999, S. 10). Zur Bemessung der Genugtuung sind die von den Zivilgerichten
entwickelten Bemessungsgrundsätze zu Art. 47 und 49 OR sinngemäss heranzu-
ziehen (BGE 132 II 117 E. 2.2.1 mit Hinweis). Demnach ist das Gericht für die
Festsetzung der Genugtuungssumme angehalten, eine Summe unter Würdigung
der besonderen Umstände des konkreten Falls gemäss Art. 4 ZGB nach Recht
und Billigkeit zu bestimmen (BGE 90 II 190). Die Rechtsprechung hat bezüglich
der Höhe dieser Leistungen verschiedene Bemessungskriterien entwickelt, so
sind insbesondere die Art und Schwere der Verletzung der physischen und psy-
chischen Integrität des Opfers, die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die
Persönlichkeit des Opfers sowie der Grad des Verschuldens des Schädigers
massgebend (BGE 116 II 733 mit Hinweisen).
2.3.4. Dass die haftungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Genugtuung durch
die erfolgte Vergewaltigung nach Art. 49 OR vorliegen (immaterielle Unbill, Wider-
rechtlichkeit, Kausalität und Verschulden) steht ausser Frage. Nach Lehre und
Rechtsprechung beträgt die haftpflichtrechtliche Genugtuung nach einer Verge-
waltigung in der Regel Fr. 10'000.– bis Fr. 20'000.– (vgl. Leitfaden zur Bemes-
sung der Genugtuung nach Opferhilfegesetz, S. 10): Der Beschuldigte verletzte
widerrechtlich und schuldhaft die sexuelle Integrität der Privatklägerin und gefähr-
dete insbesondere auch ihre sexuelle und seelische Entwicklung, was ohne Wei-
teres einer Persönlichkeitsverletzung gleichkommt, welche die Zusprechung einer
Genugtuung rechtfertigt. Der Privatklägerin setzte die Tat des Beschuldigten er-
heblich zu. Wie bei der Strafzumessung dargelegt, wiegt das diesbezügliche Tat-
verschulden des Beschuldigten bereits erheblich. Zwar ist zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte keine über die sexuellen Handlungen hinausgehende Ge-
walt einsetzte. Nicht ausser Acht zu lassen ist jedoch, dass der Geschlechtsver-
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-II-117%3Ade&number_of_ranks=0#page117
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kehr ungeschützt erfolgte und dieser daher für die Privatklägerin zusätzlich mit
gesundheitlichen Risiken und einer möglichen Schwangerschaft als Folge der Tat
verbunden war. Überdies ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass der Be-
schuldigte ihr mit einer Pistole drohte.
2.3.5. In Anbetracht der gesamten Umstände, insbesondere des Einsatzes der
Waffe als Drohmittel und der Tatsache, dass der Geschlechtsverkehr ungeschützt
vollzogen wurde, erscheint eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 18'000.– als der
Intensität der erlittenen Unbill und dem Verschulden des Beschuldigten angemes-
sen. Im Mehrbetrag ist die Genugtuungsforderung der Privatklägerin abzuweisen.
X. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren und Untersuchung
1.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschuldigte die Kosten der
Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, mit Ausnahme der-
jenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der
Privatklägerin, vollumfänglich zu tragen und es ist ihm keine Entschädigung für
die erbetene anwaltliche Verteidigung durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._ auszu-
richten.
1.2. Die Frage der Kostenauflage wurde im angefochtenen Urteil in Dispositiv-
ziffer 15 geregelt. In jener Dispositivziffer wurde auf das Anbringen eines Nach-
forderungsvorbehalts im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO für den Beschuldigten
trotz hälftiger Auflage der Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen
Gerichtsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung und der
unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin, verzichtet (Urk. 115
S. 101 f.). Dass die Vorinstanz in Dispositivziffer 17, mit welcher festgesetzt wur-
de, dass über die Honorarnote der vormaligen amtlichen Verteidigung mit separa-
tem Beschluss entschieden werde – was im Übrigen nicht dem von der bundes-
gerichtlichen Rechtsprechung vorgesehenen Vorgehen entspricht (BGE 139 IV
199 E. 5) – einen hälftigen Nachforderungsvorbehalt für jene Kosten angebracht
hatte (Urk. 115 S. 108), wurde seitens des Gerichts zum Zeitpunkt der Urteilsbe-
- 73 -
ratung übersehen. Als Folge davon wurde diese Dispositivziffer 17 als Ganzes für
rechtskräftig befunden (vgl. Erw. I.2.5). Davon ausgehend, dass gemäss dem vo-
rinstanzlichen Entscheid sowohl die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung
der Privatklägerin als auch diejenigen der amtlichen Verteidigung vollumfänglich
auf die Gerichtskasse genommen worden waren, gelangte die erkennende Kam-
mer zum Schluss, dass in dieser Hinsicht das Verschlechterungsverbot im Sinne
von Art. 391 Abs. 2 StPO zu Anwendung gelangt und es entsprechend dabei zu
bleiben hat, dass die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Rechtsvertretung der Privatklägerin trotz Auflage der übrigen Kosten an den Be-
schuldigten auf die Gerichtskasse zu nehmen sind. Auch wenn der von der Vo-
rinstanz angebrachte hälftige Nachforderungsvorbehalt übersehen und daher
grundsätzlich fälschlicherweise als in Rechtskraft erwachsen erachtet wurde, hat
der Entscheid, wonach sowohl die Kosten der amtlichen Verteidigung als auch
diejenigen der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin aus der Unter-
suchung und dem erstinstanzlichen Verfahren auf die Gerichtskasse zu nehmen
sind, im Hinblick auf die Vollstreckung dieses Urteils vorzugehen.
2. Berufungsverfahren
2.1. Der Beschuldigte obsiegt im Berufungsverfahren einzig in Bezug auf den
beantragten Verzicht auf die Anordnung einer Massnahme sowie betreffend die
beantragte Herausgabe eines Pullovers. Die Privatklägerin obsiegt hingegen mit
ihrer Berufung im Hauptpunkt betreffend Verurteilung wegen Vergewaltigung.
Zwar wird ihr nicht der gesamte von ihr als Genugtuung verlangte Betrag zuge-
sprochen und sie unterliegt hinsichtlich des Rückzugs ihres Schadenersatzbegeh-
rens. Dieses marginale Unterliegen der Privatklägerin und das geringfügige Ob-
siegen des Beschuldigten fallen im Hinblick auf die Frage der Kostenauflage aber
kaum ins Gewicht. Es rechtfertigt sich daher, dem Beschuldigten die Kosten des
Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung und
der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, gänzlich aufzuerlegen. Die
Kosten der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen Rechtsvertreters der
Privatklägerin sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Vorbehalten
- 74 -
bleibt eine Nachforderung nach Art. 135 Abs. 4 StPO. Die Gerichtsgebühr ist auf
Fr. 4'000.– anzusetzen.
2.2. Für seine Bemühungen im Berufungsverfahren ist der amtliche Verteidiger,
Rechtsanwalt Dr. iur. X._, mit Fr. 9'360.– (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse
zu entschädigen (Urk. 185).
2.3.1. Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Privatklägerin legte anlässlich der
Berufungsverhandlung eine Honorarnote ins Recht, mit welcher er für das
Berufungsverfahren ein Honorar von Fr. 5'238.20 (inkl. MwSt.) geltend macht
(Urk. 181). Da der Aufwand für die Teilnahme an der Berufungsverhandlung,
welche letztlich knapp neun Stunden gedauert hat (Prot. II S. 2a ff.), lediglich auf
sechs Stunden geschätzt worden war (Urk. 181 S. 3), ist dem geltend gemachten
Honorar der Aufwand für weitere knapp drei Stunden hinzuzurechnen. Es ist mit-
hin von einem geltend gemachten Honorar für das Berufungsverfahren in der Hö-
he von Fr. 5'925.– (inkl. MwSt.) auszugehen. Für seine Bemühungen im Vorver-
fahren und im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren wurde der unentgeltliche
Rechtsvertreter der Privatklägerin im Nachgang zum angefochtenen Urteil mit
Verfügung der Vorinstanz vom 1. April 2021 gemäss seiner damaligen Honorar-
note vom 4. März 2021 mit Fr. 17'510.35 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse ent-
schädigt (Urk. 79; Urk. 102). Insgesamt wurde seitens des unentgeltlichen
Rechtsvertreters der Privatklägerin demnach für das gesamte Strafverfahren ein
Aufwand von Fr. 23'435.35 geltend gemacht, was zu hoch erscheint.
2.3.2. Mit seiner Honorarnote vom 4. März 2021 stellte der unentgeltliche Rechts-
vertreter der Privatklägerin vor Vorinstanz unter anderem eine Aufwandposition
von 30 Stunden vom 4. März 2021 mit der Bezeichnung "Ba BGZ (Rechtskrafts-
bescheinigung)" in Rechnung (Urk. 79 S. 3). Abgesehen davon, dass das erstin-
stanzliche Urteil angesichts der seitens des Beschuldigten und der Privatklägerin
angemeldeten Berufungen noch gar nicht rechtskräftig war, ist auch nicht ersicht-
lich, wofür im Zusammenhang mit einer Rechtskraftbescheinigung ein Aufwand
von 30 Stunden entstanden sein könnte. Auf diese Unstimmigkeit in seiner Hono-
rarnote vom 4. März 2021 angesprochen, erklärte Rechtsanwalt Dr. iur. Y._
im Rahmen der Berufungsverhandlung, dass er nicht aus dem Stegreif sagen
- 75 -
könne, was mit jener Aufwandposition umschrieben sei, es sich aber sicher nicht
um das Bezeichnete gehandelt habe. Weiter gab er an, dass diesbezüglich auf
den ersten Blick etwas nicht stimme und er dies überprüfen müsse (Prot. II S. 33).
Im Nachgang zur Berufungsverhandlung legte Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ in
einer Eingabe vom 3. Dezember 2021 dar, dass er bei Kontrollen seiner Aufwen-
dungen durch Gerichte festgestellt habe, dass nicht nur einzelne Positionen sei-
ner Bemühungen begutachtet würden, sondern vielmehr eine Gesamtwürdigung
der Angemessenheit stattfinde. Auch wenn offensichtlich die konkrete Bemühung
nicht passend zum Fall sei, so ergebe doch der Umstand, dass die Staatsanwalt-
schaft wie auch das Bezirksgericht Zürich seine Honorarnote gebilligt hätten, dass
die Entschädigung gesamthaft für angemessen gehalten worden sei (Urk. 186
S. 1 f.).
2.3.3. Die Vorinstanz setzte die Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsver-
treters der Privatklägerin für die Untersuchung und das erstinstanzliche Gerichts-
verfahren nachträglich zum Urteil in einer separaten Verfügung vom 1. April 2021
fest (Urk. 102). Dass über die Höhe der Entschädigung nicht wie gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung vorgesehen (BGE 139 IV 199 E. 5), im Sachur-
teil entschieden wurde, sondern nachträglich in einer separaten Verfügung, be-
gründete die Vorinstanz mit dem grossen Umfang der zu beurteilenden Honorar-
note (Urk. 115 S. 104). Trotz dieses gewählten Vorgehens, sprach die Vorinstanz
Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ dann aber genau jenen Betrag zu, welchen er mit
seiner Honorarnote vom 4. März 2021 geltend gemacht hatte (Urk. 79 S. 1;
Urk. 101). Eine eingehende Prüfung der Honorarnote blieb demnach aus. Andern-
falls hätte bereits der Vorinstanz auffallen müssen, dass sich in Bezug auf die
oberwähnte Position ein Fehler eingeschlichen haben musste. Unabhängig davon
blieb die vorinstanzliche Festsetzung des Honorars von Rechtsanwalt Dr. iur.
Y._ unangefochten und ist damit in Rechtskraft erwachsen (vgl. Erw. II.2.5.).
2.3.4. Wie Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ in seiner Eingabe vom 3. Dezember
2021 zu Recht darauf hinwies, verbietet es die Rechtskraft, auf ein Dispositiv zu-
rückzukommen (Urk. 186 S. 1). Gleichwohl räumte Rechtsanwalt Dr. iur. Y._
sowohl in jener Eingabe als auch anlässlich der Berufungsverhandlung ein, dass
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hinsichtlich des im Zusammenhang mit einer Rechtskraftbescheinigung vor Vo-
rinstanz geltend gemachten Aufwands von 30 Stunden etwas nicht stimmen kön-
ne und die konkrete Bemühung entsprechend nicht passend zum Fall sei (Urk.
186 S. 2; Prot. II S. 33). Aus der Verfügung der Vorinstanz vom 1. April 2021 geht
sodann auch hervor, dass es sich bei der vorgenommenen Entschädigung nicht
um eine pauschale Festsetzung eines im Rahmen einer Gesamtwürdigung als
angemessen erachteten Honorars handelt, wie Rechtsanwalt Dr. iur. Y._
dies in seiner Eingabe vom 3. Dezember 2021 geltend macht. Vielmehr wurde die
Entschädigung genau in jener Höhe festgesetzt, in welcher Rechtsanwalt Dr. iur.
Y._ diese beantragt hatte (Urk. 79; Urk. 101). Der Betrag von Fr. 6'600.–
zzgl. 7,7 % MwSt., mithin Fr. 7'108.20, wurde Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ dem-
nach zugesprochen, obwohl in diesem Umfang vorliegend keine Gegenleistung
erbracht worden war. Als Entschädigung für seine Bemühungen als unentgeltli-
cher Rechtsvertreter in diesem Strafverfahren erweist sich entsprechend und bei
einer Gesamtbetrachtung höchstens ein Betrag von insgesamt Fr. 16'327.15 als
angemessen. Da Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ bereits mit Verfügung der Vo-
rinstanz vom 1. April 2021 eine diesen Betrag übersteigende Entschädigung zu-
gesprochen wurde, ist ihm für das Berufungsverfahren keine zusätzliche Ent-
schädigung zuzusprechen.