Decision ID: e355f680-0a68-40c0-9f71-8297164898c1
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Y._
, geboren 2013, wurde am 13. Dezember 2016 durch ihre Mutter unter Hinweis auf
eine
Osteogenesis
imperfecta
bei der Invalidenver
sicherung zum Leistu
ngsbezug angemeldet (Urk. 7/1; vgl. Urk. 7/6). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach der Versicherten mit Mitteilungen vom 5. April 2017 medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 126 (
Osteogenesis
imperfecta
) gemäss Anhang der Ver
ordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
-Anhang)
und die ärztlich verordneten Be
handlungsgeräte in einfacher und zweckmässiger Ausführung
bis zur Vollendung des 2
0.
Altersjahres
zu
und übernahm die Kosten für die ambulante Physiothera
pie
(Urk. 7/9 = Urk. 3/4; Urk. 7/10)
.
Ferner sprach die IV-Stelle der Versicherten
- nach entsprechender Anmeldung (
vgl.
Urk. 7/17; vgl. Urk. 7/18)
-
ab dem 1. Juni 2016 eine
Hilflosenentschädigung
wegen leichter Hilflosigkeit und ab dem 1. Oktober 2016 eine
Hilflosenentschädigung
wegen mittlerer Hilflosigkeit zu (vgl. Verfügung vom 26. September 2017, Urk. 7/31).
1.2
Die
Z._
AG ersuchte am 22. November 2017 um Übernahme der Kosten für
ein Paar
propriozeptive Fussorthesen in der Höhe von Fr. 1’186.60 gemäss Kostenvoranschlag vom 20. November 2017 (Urk. 7/39
= Urk. 3/5
). Mit Vorbescheid vom 24. November 2017 (Urk. 7/40
= Urk. 3/6
) stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Verneinung
der Kostengutsprache
in Aussicht.
Mit Mitteilung vom 1. Dezember 2017 (Urk. 7/44) übernahm die IV-Stelle die Kosten für eine ambulante Wasserphysiotherapie.
Am 23. Januar 2018 erhob die obligatorische Krankenversicherung der Versicher
ten, die SWICA Krankenversicherung AG (nachfolgend SWICA), Einsprache ge
gen den Vorbescheid vom 24. November 2017 (Urk. 7/48/1-2
= Urk. 3/7
). Mit Verfügung vom 30. Januar 2018 (Urk. 7/51 = Urk. 2
/1
) hielt die IV-Stelle an ih
rem Vorbescheid fest
und verneinte
die Kostengutsprache für propriozeptive Fus
sort
hesen
.
2.
Die SWICA erhob am 23. Februar 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 30. Januar 2018 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben
und die IV-Stelle sei zu verpflichten, die Kostengutsprache für propriozeptive Fussorthesen zu er
teilen (Urk. 1 S. 2 Ziff. I). Mit Beschwerdeantwort vom 30. April 2018 (Urk. 6) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Be
schwerdeführerin am 6. August 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
-
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) bedrohte Versicherte haben ge
mäss Art. 8
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit (Abs. 1):
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige be
rufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung
, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.3
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Be
handlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG) notwendigen medizini
schen Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1 IVG). Der Bundesrat bezeichnet die Gebre
chen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung aus
schliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeit
punkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (
Art.
1
Abs.
1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufge
führt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann die Liste jährlich anpas
sen, sofern die Mehrausgaben einer solchen Anpassung für die Versicherung ins
gesamt drei Millionen Franken pro Jahr nicht übersteigen (
Art.
1
Abs.
2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
1.4
Gemäss
Art.
21 IVG hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf (Abs. 1). Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kon
taktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, ha
ben im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel (Abs. 2). Die Versicherung gibt die Hilfsmittel zu Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Ausführung ab. Ersetzt ein Hilfsmittel Gegenstände, die der Versicherte auch ohne Invalidität anschaffen müsste, so hat er sich an den Kosten zu beteiligen (Abs. 3). Der Bundesrat kann vorsehen, dass der Versicherte ein leihweise abgegebenes Hilfsmittel nach Wegfall der Anspruchsvoraussetzungen
weiter verwenden
darf (Abs. 4).
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vor
schriften im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 IVG hat der Bundesrat in
Art.
14
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
an das Eidgenössische Departe
ment des Innern übertragen, welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfs
mitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangsweise aufgeführter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut
Art.
2 HVI besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge notwendig sind (
Abs.
1). Anspruch auf die in dieser Liste mit * bezeichneten Hilfsmittel be
steht nur, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit
im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Ange
wöhnung oder für die in der zutreffenden Ziffer des Anhangs ausdrücklich ge
nannte Tätigkeit notwendig sind (
Abs.
2; BGE 122 V 212 E. 2a).
1.
5
Für die Abgabe von Behandlungsgeräten, die einen notwendigen Bestandteil ei
ner medizinischen Eingliederungsmassnahme im Sinne der Artikel 12 und 13 IVG bilden und die nicht in der im Anhang enthaltenen Liste aufgeführt sind, gelten die Artikel 3-9 HVI sinngemäss (
Art.
1
Abs.
2 HVI). Nach ständiger Rechtspre
chung des Bundesgerichts besteht Anspruch auf Abgabe von Gegenständen unter diesem Titel nur, wenn sie notwendigerweise Bestandteil einer medizinischen Ein
gliederungsmassnahme nach
Art.
12 oder 13 IVG bilden. Dafür ist entscheidend, ob sie in engem, unmittelbarem Zusammenhang mit der von der Invalidenversi
cherung übernommenen medizinischen Vorkehr stehen (nicht veröffentlichte Ur
teile des Bundesgerichts I 190/95 vom 1. Mai 1996 und I 182/96 vom 17. Februar 1997).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rück
weisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungs
träger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, o
der wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Ur
teil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte
in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2
/1
)
aus
, dass p
ropriozeptive Fussorthesen nicht in der Liste der
HVI
aufgeführt
sei
e
n und daher
keiner der Hilfsmittelkategorien zugeordnet werden
könnten. Proprio
zep
tive Fussorthesen gälten grundsätzlich als Behandlungsgeräte. Es gebe keine Nac
hweise der Wirksamkeit im Zusam
menhang
mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 126
(
Osteogen
es
is
imperfecta
)
, an welchem die Versicherte leide.
Proprio
zeptive Fussorthesen sei
en
den
n
auch zur Behandlung der Spastik bei
Cerebral
parese
entwickelt worden. Ihre Recherche habe ergeben, dass wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit von propriozeptiven Einlagen oder Fussorthesen bei
der
Osteogenesis
imperfecta
bislang fehlten.
Insbesonder
e sei ein sturzvermin
dernder Ef
fekt wissenschaftlich bislang nicht nachgewiesen worden
(S. 1 un
ten f.)
.
Daran hielt die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 6) grund
sätzlich fest und führte ergänzend aus, dass
offenbleiben
könne
, ob es sich bei der beantragten Leistu
ng überhaupt um Orthesen handle, da Orthesen den Knö
chel umschliessen würden, was bei propriozeptiven Orthesen nicht der Fall sei, es handle sich vielmehr um eine Art Einlagen.
Im Rahmen einer Behandlung (medi
zinische Massnahme
n) könnten Schuheinlagen als Be
handlungsgerät abgegeben werden, ansonsten fielen sie nicht in den Leistungsbere
ich der Invalidenversiche
rung
(S.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber beschwerdeweise
(Urk. 1) auf den Standpunkt, die Versicherte
leide unbestrittenermassen an einem IV-pflichtigen Geburtsgebrechen (
Osteogenesis
imperfecta
). Ebenso unbestritten sei, dass sie die Fussorthesen benötige und dass diese medizinisch indiziert und ärzt
lich verordnet worden seien
(S. 4 Ziff. IV.2)
. Die n
eue Praxis der Beschwerdegeg
nerin
, Fussorthesen nur noch im Zusammenhang mit
dem Geburtsgebrechen
Ziff.
390
(a
ngeborene
cerebrale
Lähmungen
) zu übernehmen, sei bun
desrechts
widrig, da die einzige Voraussetzung die Notw
endigkeit der Behandlung bilde (S. 4 Ziff. IV.3).
Zusammenfassend
l
eide die Versicherte
an
ein
em
behandlun
gs
bedürftigen
Geburtsgebrechen
, zu dessen charakteristischen Symptomen ein ext
rem auffälliges und instabiles Gangbild mit erhöhter Sturzgefahr gehöre. Um die
ses zu behandeln und die Gehfähigkeit zu gewährleisten, seien Fussorthesen not
wendig. Dabei handle es sich um Vorkehrungen, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt seien und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreb
ten. Insofern habe die Beschwer
degegnerin
die entsprechende Behandlung zu
übernehmen (S. 5 Ziff. IV.5).
3.
3.1
PD
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und für Medizinische Genetik,
Kinderspital
B._
, führte in ihrem Bericht vom 17.
Februar 2017 (Urk. 7/7/5-7
= Urk. 3/3
) aus, dass die
Versicherte
am Geburts
gebrechen Ziff. 126 (
Osteogenesis
imperfecta
) leide
(Ziff. 1.1, Ziff. 1.3).
3.2
In ihrem Bericht vom 29. September 2017
(Urk.
7/33)
legte PD
Dr.
A._
dar, dass die Versicherte an einer
Osteogenesis
imperfecta
leide und bisher folgende Frakturen
erlitten habe
:
Tibiafraktur
rechts Juni 2015,
Tibiaschaftfraktur
links Februar 2016,
Tibiaschaftfraktur
und proximale
Fibulafraktur
links Juli 2016,
Tibiaspiralfraktur
links Oktober 2016,
Femorschaftfraktur
November 2016,
Femorschaftfraktur
Mai 2017 und aktuell
Tibiaschaftfraktur
links. Trotz intensi
ver Physiotherapie sei die Mobilität teilweise deutlich eingeschränkt und die Kno
chendichte entspreche dem Bild einer Osteoporose. Insgesamt sei eine Regression der motorischen Entwicklung der Versicherten zu beobachten.
3.3
Dr.
med.
C._
,
Oberärztin,
B._
,
stellte
der Versicherten am 15. November 2017
ein Rezept für
ein Paar
propiozeptive
Fussorthesen nach Abdruck
aufgrund
der Diagnose
eines Zustandes
nach mehrfacher Fraktur bei
Osteogenesis
imper
fecta
mit Knick-Senkfüsse
n
bei Instabilität des oberen Sprunggelenkes und Me
tatarsus, extrem auffälliges und instabiles Gangbild mit erhöhter Sturzgefahr, aus (Urk. 7/38 = Urk. 7/49
/1
=
Urk. 3/8
).
3.
4
Der internen Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin mit
m
ed.
pract
.
D._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gungsapparates
,
des Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 30. Januar 2018 (Urk. 7/50) ist zu entnehmen,
dass gemäss Rücksprache mit med.
pract
.
D._
die propriozeptive
n
Fussorthesen abgelehnt würden, da es keine wissenschaftli
che
n
Nachweise der Wirksamkeit im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 126 gebe.
4.
4.1
Vorliegend ist unbestritten, dass die
Versicherte
am Geburtsgebrechen Ziff. 126 (
Osteogenesis
imperfecta
) leidet und
daher
grundsätzlich Anspruch auf die zu de
ren Behandlung notwendigen medizinischen Massnahmen nach Art. 13 Abs. 1 IV
G
hat
(vorstehend E. 2.1, E. 2.2)
.
Zudem ist unbestritten, dass es sich bei den propriozeptiven Fussorthesen um ein Behandlungsgerät handelt (vorstehend E. 2.1;
vgl.
Urk. 1). Streitig ist hingegen,
ob
betreffend
das Behandlungsgerät
die Voraussetzungen
zur Gewährung von
medizinische
n
Massnahmen, insbesondere die
medizinische Wissenschaftlichkeit (vgl. vorstehend 1.
3
)
,
erfüllt sind
.
4.2
Die Leistungspflicht der Invalidenversicherung bei medizinischen Massnahmen setzt unter anderem voraus, dass die Massnahmen nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind
(
Art.
2
Abs.
3
GgV
). Nach der Recht
sprechung gilt eine Behandlungsart dann als bewährter Erkenntnis der medizini
schen Wissenschaft entsprechend, wenn sie von Forschern und Praktikern der medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis anerkannt ist. Die für den Bereich der Krankenpflege entwickelte Definition der Wissenschaftlichkeit findet prinzi
piell auch auf die medizinischen Massnahmen der Invalidenversicherung Anwen
dung (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_590/2011 vom 13. Juni 2012 E. 2.4 mit Hinweisen
).
Die Beschwerdegegnerin begründete den von ihr postulierten fehlenden wissen
schaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit von propriozeptiven Einlagen oder Fussorthesen bei der
Osteogenesis
imperfecta
einerseits mit ihrer Recherche in der medizinischen Datenbank
PubMed
unter Verwendung
von verschiedenen Such
begriffen
(Urk. 2/1 S. 1), und andererseits
gestützt auf
eine Telefonnotiz mit
der RAD-Ärztin med.
pract
.
D._
, wonach auch die RAD-Ärztin die gleiche Auf
fassung vertrete (vorstehend E. 3.
4
).
Weitere Abklärungen tätigte die Beschwer
degegnerin
hingegen
nicht.
Dr.
C._
vo
m
B._
äusserte sich in ihrer ärztlichen Verordnung für ein Paar
propi
ozeptive
Fussorthesen nach Abdruck
nicht zur
Frage der
medizinischen Wissen
schaftlichkeit (vorstehend E. 3.3).
4.3
Nach dem Gesagten
kann aufgrund der vorliegenden sehr spärlichen Aktenlage nicht beurteilt werden, ob die Wirksamkeit von
propiozeptiven
Fussorthesen bei der
Osteogenesis
imperfecta
wissenschaftlich belegt ist.
Die Beschwerdegegnerin hätte zumindest bei Dr.
C._
vom
B._
oder sonst bei einem medizinischen Spe
zialisten nachfragen
müssen
, wie es sich diesbezüglich verhält.
Mithin ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach Vornahme weiterer Abklärungen neu über den Anspruch auf die Abgabe des beantragten Behandlungsgeräts verfügt.
4.4
Bei dieser Ausgangslage
kann offengelassen
werden
, ob die
übrigen
Vorausset
zungen zur Gewährung von medizinischen Massnahmen
(vgl. vorstehend E. 1.
3
)
erfüllt sind.
Zudem kann
ebenfalls
offengelassen werden,
ob es sich bei den beantragten propriozeptiven Fussorthesen überhaupt um Orthesen
handelt
oder
ob
es sich
da
bei
vielmehr um orthopädische Schuheinlagen handelt und ob
diese
ausserdem
als Hilfsmittel zu qualifizieren
wären
.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 500.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.