Decision ID: 4b432bce-289e-4bcb-b9ce-99660bc07b1c
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960, verfügte über seine Arbeitgeberin, die
Y._
AG, bei der
AXA Versicherungen AG
(nachfolgend: AXA) über eine
Tagg
eldversicherung. Versichert war
im
Fall
e
einer Erkrankung mit Arbeitsun
fähig
keit für die Dauer von 730 Tagen, abzüglich eine
r
Wartefrist von 30 Tagen, ein Taggeld in der Höhe von 80 % des versicherten Lohnes (
Police Nr.
...
;
Urk.
13/1
3
).
Am 26. Juni 2019 kündigte die Arbeitgeberin das
seit
dem
1. Septem
ber 1996 bestehende
Arbeitsverhältnis
als Hauswart
mit dem Versicherten per
Ende September 2019
und stell
t
e
ihn
gleichzeitig frei
(
Urk. 2/5,
Urk. 7/2
, Urk. 13/
1
). Mit Schadenmeldung vom 1. Oktober 2019 setzte die Arbeitgeberin die AXA da
rüber in Kenntnis, dass
der Versicherte
am 16. September 2019 erkrankt sei (Urk.
7/1
= Urk. 13/1).
Die behandelnde Ärztin,
Dr. med. Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, attestierte
ab 30. September 2019
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/3 ff.) und am 8. Oktober 2019 infor
mierte sie die AXA mit einem Kurzbericht über die Diagnose und
die
voraus
sichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit (Urk. 2/2
= Urk. 13/2
).
Für die attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit richtete d
ie AXA
, nach Ablauf
der Wartezeit von 30 Tagen
,
ab dem 16. bis zum 31.
Oktober 2019 T
aggelder im Gesamtbetrag von Fr. 3'101.75 aus (Urk. 2/9).
Die AXA veranlasste am 30. Oktober 2019
eine
Untersuchung des Versicherten durch
die
Vertrauensärztin Dr. A._
, Fachärztin für Psychia
trie und Psychotherapie. Diese ging
im Untersuchungsbericht vom 8.
November 2019 von einer vollständige
n Arbeitsunfähigkeit ab dem 16.
September 2019 und
von der Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit ab dem 1. Januar 2020 aus (Urk. 2/
3
= Urk. 13/3
). Mit Schreiben vom 11. November 2019 teilte
die
AXA dem Ver
sicherten mit, aufgrund der erfolgten Abklärungen sei von einer rein arbeits
platzbezogenen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen, weswegen keine Leistungspflicht ihrerseits bestehe. Bis Ende Oktober 2019 seien Taggelder ausgerichtet worden, womit indessen keine Anerkennung einer Rechtspflicht verbunden sei (Urk. 2/4).
An der Verneinung einer Leistungspflicht hielt die AXA auch in der Folge fest (Urk. 2/8).
Dr.
Z._
erstattete am 10. Dezember 2019 einen weiteren Bericht zu
Handen
der AXA, worin sie zusammenfas
s
end festhielt, dem Versicherten sei auch wei
terhin keine Erwerbstätigkeit zumutbar (Urk. 2/6
= Urk. 13/6
). Gestützt auf eine erneute Stellungnahme von Dr.
A._
(Urk. 2/7
= Urk. 13/
7
) hielt die AXA mit Schreiben vom 6. Januar 2020 an der Leistungseinstellung per Ende Oktober 2019 fest (Urk. 2/8
= Urk. 13/8
).
Im weiteren Verlauf
attestierte Dr.
Z._
in verschiedenen Attesten
-
abgesehen von einer zeitweisen 15%igen Arbeitsfähigkeit für einen Arbeitsversuch
-
weiter
hin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit des Versicherten (Urk.
23/1 ff.
; vgl.
auch Bericht vom 20. Dezember 2020
,
Urk. 23/9).
Zuvor hatte die AXA eine
weitere
vertrauensärztliche
Stellungn
ahme von Dr. med. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. A
ugust 2020 eingeholt (Urk. 13/11). Zur
Einschätzung von Dr.
B._
nahm
Dr.
Z._
am 1.
August
2021
Stellung (Urk.
33/2).
2.
Am 11. Februar 2020 erhob der Versicherte gegen die AXA Klage mit dem Rechts
begehren, es sei die
AXA
zu verpflichten, ihm Fr. 17'835.12 zuzüglich Zins in der Höhe von 5 % seit dem 11. Februar 2020 zu bezahlen (Urk. 1
S. 2
). Die Begrün
dung der Klage erfolgte mit Eingabe vom 5. März 2020 (Urk. 6).
Die
Beklagte
beantragte in der Klageantwort vom 17. August 2020 die Abweisung der Klage (Urk. 12). In der Replik vom 26. Januar 2021
änderte
der
Kläger
sein Rechts
begehren dahingehend, dass die
Beklagte
zu verpflichten sei, ihm Fr. 84'288.80
zuzüglich Zins in der Höhe von 5 % seit dem 16. Juni 2020
zu bezahlen. In prozessualer Hinsicht beantragte er sodann die Einholung eines gerichtlichen Gutachtens
, das
Aufschluss über
seine
Arbeits
unfähigkeit für die Zeit vom 1.
November 2019 bis mindestens 31. Januar 2021
zu geben
habe (Urk. 22). Die
Beklagte
hielt in der Duplik
vom 16. Juni 2021
an ihrem Antrag auf Abweisung der Klage fest (Urk. 28). Mit der Duplik reichte die
Beklagte
zudem
die Stel
lungnahme von Dr.
B._
vom 9. Juni 2021 ein (Urk. 29). Hierzu nahm der
Kläger
am 13. August 2021 Stellung und legte
die ergänzenden Darlegungen
von Dr.
Z._
vom 1. August 2021 vor (Urk. 32,
Urk. 33/2). Zu diesen
äusserte sich die
Beklagte
mit
Eingabe v
om 5. November 2021 (Urk. 38). Dav
on wurde dem
Kläger
am 10. Novem
ber 2021 Kenntnis gegeben (Urk.
40).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zu beurteilen ist der Anspruch auf Taggeldleistungen aus einer Zusatzver
siche
rung zur sozialen Krankenversicherung nach dem Bundesgesetz über die Kran
kenversicherung (KVG). Ansprüche aus der Zusatzversicherung unterstehen nach Art. 2 Abs. 2 Satz 2 des Bundesgesetzes über die Aufsicht über die Krankenkassen (KVAG) dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG). Art. 87 VVG
gewährt demjenigen, zu dessen Gunsten die kollektive Unfall- oder Kranken
ver
sic
herung abgeschlossen worden ist
mit dem Eint
ritt des Unfalls oder der Krank
heit ein selbständiges Forderungsrecht gegen den Versicherer (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5C.41/2001 vom 3. Juli 2001 E. 2c; Peter Stein, Basler Kommentar VVG, Basel 2001, Art. 87 VVG N 15; Willy
Koenig
, Der Versicherungsvertrag, in: Schweizerisches Privatrecht, VII/2, Basel 1979, S. 729). Die Kantone können gestützt auf Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozessor
dnung (ZPO) ein Gericht bezeich
nen, welches als einzige kantonale Instanz für Streitigkeiten über den Anspruch aus einer Zusatzversicherung sachlich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt die
se
Zuständigkeit beim Sozialversicherungsgericht (§ 2 Abs. 2
lit
. b des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).
1.2
Die für das Sozialversicherungsgericht verbind
liche Regelung der örtlichen Zu
ständigkeit im Bereich der Zusatzversicher
ungen zur sozialen Krankenversiche
rung findet sich in Art. 32 ZPO. Demnach ist bei Streitigkeiten aus Konsu
men
ten
verträgen das Gericht am Wohnsitz oder Sitz einer der Parteien zuständig (Art. 32
Abs. 1
lit
. a ZPO; vgl. Urs Feller/Jürg Bloch, in: Sutter
-
Somm
/
Hasen
böhler
/Leuen
berger, ZPO-Kommentar, Art. 32 N 45 ff
.).
Die Beklagte hat ihren Sitz
im Kanton Zürich; damit ist die örtliche Zu
ständigkeit des Sozialversiche
rungsg
erichts des Kantons Zürich gege
ben.
1.3
Klagen aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung werden ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren beurteilt (Art. 243 Abs.
2
lit
. f ZPO). Dabei gelten die Bestimmungen über das ordentliche Verfahren sinn
gemäss auch für das vereinfachte Verfahren (Art. 219 ZPO). Das Gericht darf einer Partei nicht mehr und nichts Ander
es zusprechen, als sie verlangt
und nicht weniger, als die Gegenpartei anerkannt hat (Art. 58 ZPO). Es bildet seine Überzeu
gung nach freier Würdigung der Beweise (Art. 157 ZPO).
1.4
Gemäss Art. 8 des Zivilgesetzbuches (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, d
ie einen Anspruch geltend macht
die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, während die Beweislast für die rechtsaufhebenden beziehungsweise rechtsvernichtenden oder rechtshin
dernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs be
hauptet oder dessen Entstehung o
der Durchsetzbarkeit bestreitet
.
1.5
Nach Art. 247 Abs. 2
lit
. a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO untersteht die Streitigkeit der sogenannten sozialen Untersuchungsmaxime. Bei der sozial
politisch begründeten Untersuchungsmaxime geht es darum, die wirtschaftlich schwächere Partei zu schützen, die Gleichheit zwischen den Parteien herzustellen
sowie das Verfahren zu beschleunigen. Die Parteien sind jedoch nicht davon befreit, bei der Feststellung des
entscheidwesentlichen
Sachverhalts aktiv mitzu
wirken und die allenfalls zu erhebenden Beweise zu bezeichnen. Sie tragen auch im Bereich der sozialen Untersuchungsmaxime die Verantwortung für die Sach
verhaltsermittlung. Das Gericht hat lediglich seine Fragepflicht auszuüben, die Parteien auf ihre Mitwirkungspflicht sowie das Beibringen von Beweisen hinzu
weisen. Zudem hat es sich über die Vollständigkeit der Behauptungen und Be
weise zu versichern, wenn diesbezüglich ernsthafte Zweifel bestehen. Aber es führt nicht von sich aus eigene Untersuchungen durch. Ist eine Partei
anwaltlich
vertreten, kann und muss sich das Gericht ihr gegenüber wie bei Geltung der
Verhandlungsmaxime zurückhalten (Urteile des Bundesgerichts 4A_702/2016 vom
23. März 2017 E. 3.1 und 4A_592/2015 vom 18. März 2016 E. 3 mit Hinweis auf BGE 141 III 569).
2.
2.1
In der Klageeingabe vom 11. Februar 2020 hatt
e der Kläger seine Forderung mit
Fr. 17'835.12, zuzüglich 5 % Zins seit 11. Februar 2020, beziffert (Urk. 1 S. 2). In der
Replikschrift
vom 26. Januar 2021 erhöhte der
Kläger seine Forderung auf Fr.
84'288.80, zuzüglich 5 % Zins seit 16. Juni 2020 (Urk. 22 S. 2).
2.2
Eine Klageänderung ist im Hauptverfahren zulässig, sofern der geänderte An
spruch nach der gleichen Verfahrensart zu beurteilen ist und mit dem bisherigen Anspruch in einem sachlichen Zusammenhang steht (Art. 227 Abs. 1
lit
. a ZPO). Diese Voraussetzung ist hier
erfüllt, was unbestritten geblieben ist (Urk. 28 S. 2 Ziff. 5).
2.3
Da die
Forderung gemäss Klageschrift vom 11. Februar 2020
unter Fr. 20'000.-- lag, begründete dies
nach Massgabe von
§ 11 Abs. 1
GSVGer
(
in der bis 31. Mai 2020 gültigen Fassung)
die funktionelle
Z
uständigkeit
des
Einzelrichter
s.
Indem
der Kläger mit der
Replik vom 26. Januar 2021
seine Forderung über die einzel
richterliche Zuständigkeit hinaus erhöhte, hat nunmehr
das Kollegialgericht über die K
lage zu entscheiden (§ 9 Abs. 1
GSVGer
).
3.
3.1
Strittig ist der Anspruch auf Taggelder aufgrund der am 1. Oktober 2019 ge
mel
deten krankheitsbedingten Arbeitsunf
ähigkeit des Klägers ab dem 16.
Septem
ber 2019 (vgl. Urk. 13/1). Der Kläger vertritt
in der Klagebegründung (Ur
k. 6
S. 2 ff.
), in der Replik (Urk. 22
S. 4 ff.
) sowie
in der Stellung
nahme vom 13. August 2021
(Urk.
32
S. 2 f.
) zusammengefasst
den Standpunkt, aufgrund der Vorkommnisse
im Rahmen des Arbeitsverhältnisses mit der
Y._
AG sei er er
kran
kt
. Seine behandelnde Ärztin, Dr.
Z._
, habe eine schwere depressive Epi
sode dia
gnostiziert.
S
ie sei von einer in der Folge vollständigen Arbeitsun
fähig
keit aus
gegangen, wobei der Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Arbeit nicht vor
aus
sehbar gewesen sei.
In verschiedenen Berichten habe Dr
.
Z._
zum wei
teren Verlauf der Erkrankung
ausführlich und begründet Stellung
genommen und in verschiedenen Attesten das Andauern der damit verbundenen Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Auf die Einsch
ätzung
von
Dr.
A._
,
der Vertrauensärztin
der Beklag
ten,
könne nicht abgestellt werden.
Ihre Darlegungen seien
medizinisch nicht
fundiert
und d
ie Ärztin erhalte von der
Beklagten regelmässig Aufträge, wes
we
gen
davon auszugehen
sei
, dass ihre Aufgabe darin bestehe, die versicherten Personen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt jeweils gesund zu schreiben.
Tat
säch
lich sei der Gesundheitszustand seit dem Beginn der Erkrankung instabil geblieben, bei insgesamt ungünstiger Prognose.
Bei Wiederaufnahme der beruf
lichen
Tätigkeit
hätte sich der gesundheitliche Zustand verschlechtert.
Auch die Einschätzung von Dr.
B._
, der von der Wiedererlangung der Arbeits
fähigkeit ab Februar 2020 ausgegangen sei,
überzeuge nicht.
Selbst
Dr.
A._
habe
über eine gedrückte und gereizte Stimmung, über einen labilen Affekt, fehlende Modulationsfähigkeit, Weinerlichkeit, Antriebsarmut, psycho
motorische Unruhe,
Grübelneigung
sowie über Ein- und Dur
ch
schlafstörungen berichtet.
Es liege insgesamt eine krankheitsbedingte und ärztlich ausgewiesene Arbeits
unfähigkeit vor, für
welche
die Beklagte leistungspflichtig sei.
Auch die jüngste ärztliche Stellungahme von Dr.
Z._
vom 7. Juli 2021 belege, dass die Kriterien für eine depressive Episode erfüllt gewesen seien.
Die
Persönlichkeits
akzen
tu
ierung mit
narzisstischen Zügen habe unter den gegebenen Belastungen die Ent
stehung des initial schweren depressiven Syndroms begünstigt. Erst im Juni 2020 sei es zu einer Stimmungsaufh
ellung und der Wiedererlangung
einer Teilarbeits
fähigkeit gekommen
. Der Erwerbsausfall sei im Übrigen ausgewiesen. Bei der nachträglichen Zahlung der Arbeitgeberin habe es sich um eine
pönale
Entschädi
gung im Rahmen des arbeitsrechtlichen Prozesses gehandelt
.
3.2
Die Beklagte
führte
in der Klageantwort (Urk. 12
S. 5 ff.
), in der Duplik (Urk.
28
S. 2 ff.
) und in der Stellungnahme vom 5. November 2021 (Urk. 38
S. 2 ff.
) zu
sammengefasst
aus
,
Ursache
der
Arbeitsunfähigkeit
des Klägers sei
der Arbeits
platzkonflikt gewesen, der in der Folge auch zum Verlust der Stelle geführt habe. Gegenüber
ihr
er Vertrauensärztin Dr.
A._
habe der Kläger denn auch
angegeben,
dass er wieder bei seiner früheren Arbeitgeberin tätig sein könnte, wenn nic
ht drei bestimmte
Personen dort
arbeiten würden.
Es sei nicht Sache einer Taggeldversicherung
,
für Arbeitsausfälle aufzukommen, die Folge eines Arbeitsplatzkonflikts seien. E
in solcher
sei kein versichertes Ereignis.
Aufgrund der erfolgten Abklärungen sei davon auszugehen, dass der Kläger aus gesundheitlicher Sicht ab November 2019 wieder an seinen Arbeitsplatz hätte zurückkehren können.
Es fehl
e am Nachweis, bei der geltend gemachten Arbeits
unfähigkeit handle es sich um die Folgen einer Erkrankung.
Sowohl Dr.
A._
als auch Dr.
B._
hätten darauf hingewiesen, dass die vom Kläger angegebene Symptomatik nicht für die von Dr.
Z._
attestierte Schwere der Erkrankung mit der Folge einer anhaltenden Arbeit
sunfähigkeit spreche.
Insbe
son
dere
deute
das geschilderte Aktivitätsniveau nicht auf die geltend gemachte Schwere des Leidens hin.
Gegen ein
durch den Arbeitskonflikt verursachtes
,
schwergradiges
depressives Leiden spreche auch der Umstand, dass die hausärztliche Behandlung erst ein
einhalb Monate nach der Kündigung und die fachärztliche Behandlung gar erst drei Monate danach aufgenommen worden seien.
Zu berücksichtigen sei ferner, dass Dr.
Z._
in der Stellungnahme vom 20. Dezember 2020 neu eine saisonal
bedingte depressive
Störung
als Diagnose genannt habe
.
Dies stehe im Wider
spr
uch zur diagnostischen Einordnung zuvor. Eine saisonale Depression sei bedingt durch den Lichtmangel in den Wintermonaten. Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit falle indessen nicht in diese Jahreszeit.
Hinzu komme, dass der Kläger für die Monate November und Dezember 2019 sowie für Januar 2020 von seiner Arbeitgeberin - als Ergebnis des arbeitsrecht
lichen Prozesses - nachträglich Lohn ausbezahlt erhalten habe. Selbst wenn somit für die fragliche Zeit von einer Arbeitsunfähigkeit ausgegangen würde, wäre der Anspruch auf Taggelder mangels eines E
rwerbsausfalles zu verneinen
.
Die Ein
holung eines weiteren Gutachtens sei
in antizipierter Beweiswürdigung
entbehr
lich.
Erkenntnisse, die über die bereits bekannten hinausgingen, liessen sich absehbar nicht gewinnen
.
4.
4.1
4.1.1
Die Psychiaterin
und behandelnde Ärztin Dr.
Z._
führte
im Kurzbericht zu
Handen
der Beklagten vom 8. Oktober 2019
aus
, die psychiatrische Behandlung des an einer schweren depressiven Episode
erkrankten
Klägers
sei
durch
sie am
30.
September 2019 aufgenommen worden.
Einmal wöchentlich finde eine Ein
zel
sitzung statt
. Zusätzlich
hab sie eine medikamentöse Therapie mit
Cita
l
opram (20 mg) und
Trittico
(50 mg) respektive
Tritti
c
o
retard
(150 mg) verordnet. Der Kläger sei vollständig arbeitsunfähig und die Dauer der Arbeitsunfähigkeit sei noch nicht absehbar (Urk. 2/2).
4.1.2
Im Bericht
vom
10. Dezember 2019
zu
Handen
der
Beklagte
n
beschrieb
Dr.
Z._
unter Bezugnahme
auf
die
Krankheitsentwicklung,
die
aktuelle Symptomatik
und
die
durchgeführten
Testungen (Beck-Depressions-Inventar II und strukturiertes Interview für die Hamilton Depression Rating
Scale
; SIRH-D)
ein mittelgradig depressives
Zustandsbild
.
Zur Arbeitsfähigkeit hielt sie fest, auch angesichts der mittelgradigen Ausprägung der depressiven Episode sei eine Erwerbstätigkeit nicht zumutbar und es bestehe
weiterhin
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die Prognose sei aber günstig. Es sei davon auszugehen, dass innerhalb der kom
menden vier bis sechs Monate mindestens eine Teilarbeitsfähigkeit erreicht werden
könne
(Urk. 2/6 S. 1-3).
4.1.3
Am
20. Dezember 2020
hielt Dr.
Z._
fest, der Kläger leide unter einer saiso
nalen depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradig ausgeprägt (IDC-10 F33.1). Im Lauf der im Oktober 2019 begonnenen Behandlung habe sich das aufgrund der Konflikte am Arbeitsplatz schwer ausgeprägte depressive Zustandsbild ge
bessert, insbesondere aufgrund der Pharmakotherapie und der Unterstützung bei der Verarbeitung des erlebten Mobbings. Seit Juli 2020 erfolge die Psychotherapie niederfrequent im Rhythmus von Sitzung
en
alle drei Wochen. Im Verlauf sei deutlich geworden, dass der Kläger bereits seit zehn Jahren
an einer saisonalen
depressiven Störung
leide
. Deren Ausprägung sei stark von der Lichtexposition abhängig. Bereits im Sommer, insbesondere bei schlechtem Wetter, sei es zu aus
geprägten Stimmungsschwankungen mit deutlicher Zunahme der depressiven Symptomatik gekommen (Nervosität, Reizbarkeit, aggressive Spannung, Ängste, Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, Energie- und Antriebslosigkeit sowie psychosomatische Beschwerden in der Form von Druck im Brustkorb, Kopf
druck und Magenschmerzen). Die Behandlung sei daher durch eine Lichttherapie und die medikamentöse Behandlung mit
Wellbutrin
ergänzt worden. Erschwert worden sei der Genesungsprozess durch die Erkrankung der gesamten Familie an Corona und
durch
ein Schmerzsyndrom an der linken Schulter und des linken Arms, bestehend seit 2019. Die saisonale Depression werde sich auch in den kom
menden Jahren bemerkbar mache
n. Günstig beeinflussen
lasse sich
der Krank
heitsverlauf durch eine erfolgreiche
Behandlung des Schmerzsyndroms,
und wenn der Kläger im Rahmen einer erneuten Berufstätigkeit wieder Bestätigung,
Erfüllung und sozialen Austausch erleben könne. Derzeit betrage die Arbeits
fähigkeit als Hauswart oder auch in einer anderen Tätigkeit 15 %. Bis März oder April 2021 sei mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % zu rechnen. Am geeignetsten sei der Wiedereinstieg in den angestammten Beruf als Hauswart. In dieser Hinsicht verfüge
der Kläger
über jahrelange Ressourcen. In einer anderen Tätigkeit wäre die Angst vor Fehlern und vor Versagen höher
(Urk. 23/9
S. 1 f.
).
4.1.4
Am
1. August 2021
äusserte sich Dr.
Z._
auf Veranlassung des Klägers zur vertrauensärztlichen Stellung
nahme
von Dr.
B._
vom 9. Juni 2021. Sie führte aus, in der Zeit von November 2019 bis Ende Januar 2020 habe der Kläger unter einer mittelgradigen depressiven Episode gelitten. Die seinerzeit durchgeführte Testung (BDI II, Hamilton Depression Rating
Scale
) habe dies nahegelegt. Bereits bei geringfügigen Belastungen im privaten Rahmen sei der Kläger in dieser Zeit überfordert gewesen und habe mit Schlafstörungen, emotionaler Überflutung, Angst, Wut oder mit einer Zunahme psychosomatischer Beschwerden reagiert. Das geringe Energieniveau mit rascher Erschöpfung und mit stark ausgeprägten depressionsbedingten kognitiven Beeinträchtigungen habe die Ausübung einer Erwerbstätigkeit verunmöglicht. Die typischen Depressionssymptome hätten vor
ge
legen.
Das Krankheitsbild sei zwar durch die Belastungen am früheren Arbeits
platz ausgelöst worden, die Arbeitsunfähigkeit habe aber für jegliche Erwerbs
tä
tigkeit bestanden.
Bereits in den früheren Berichten sei auf die exogene Kom
po
nente hingewiesen worden. Die Konflikte und Missstände am Arbeitsplatz hätten über die Jahre kontinuierlich zugenommen und beim Kläger zu einem immer höheren Mass an Angst und Wut geführt. Es sei richtig, dass beim Kläger eine Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen Zügen vorliege, was unter den exogenen Belastungen die Entstehung des initial schweren depressiven Syndroms begünstigt habe. Das Ziel der Behandlung habe in der Wiederherstellung einer Teilarbeitsfähigkeit ab Juli 2020 bestanden, was auch erreicht worden sei. Weitere Fortschritte seien jedoch nicht wie geplant möglich gewesen.
Diesbezügliche Fak
toren seien die Angst vor respektive die Erkrankung an Corona,
die
mehrfac
h verschobene Schulteroperation und die
saisonal bedingte Zuna
h
me der Depres
sion in den Wintermonaten. Bezüglich letzterem sei zu berücksichtigen, dass die depressiven Stimmungseinbrüche in den Wintermonaten
der Jahre
der Berufs
tätigkeit stets nur leicht gewesen seien und nie zu einer Arbeitsunfähigkeit ge
führt hätten. Der Kläger habe das Leiden daher nicht als psychische Erkrankung bewertet
(Urk. 33/2
S. 1-3
).
4.1.5
Neben den Berichten und S
tellungn
a
h
men reichte Dr.
Z._
kontinuierlich Arbeitsunfähigkeitsatteste ein (Urk. 7/3-5, Urk. 23/1-9). Für die Zeit ab Ende September 2019 attestierte die Ärztin durchgehend eine Arbeitsunfähigkeit von
100 %, ab J
uli 2020 eine Arbeitsunfähigkeit von 85 % und ab Februar 2020 wiederum eine vollständige Arbeitsunfähigkeit.
4.2
4.2.1
Am 30. Oktober 2019 untersuchte die Psychiaterin Dr.
A._
den Kläge
r
im Auftrag der Beklagten
. Ihre Erkenntnisse legte sie im am 8. November 2019 erstellten Bericht dar
.
Sie hielt fest, der Kläger habe über
die Umstände des Ver
lustes der Stelle bei der
Y._
AG
Angaben gemacht
.
Insbesondere habe der Kläger erwähnt, er habe aufgrund von bestehenden Konfli
kten schon seit 2013 Angst davor
gehabt, er könnte die Stelle v
erlier
en. Gru
ndsätzlich handle es sich aber u
m ein gutes Unternehmen und er würde auch gerne dorthin zurückkehren, wären da nicht insgesamt drei andere Mitarbeiter.
Sodann hielt die Ärztin fest, im Kontakt sei der Kläger dominant und laut
und d
ie Stimmung
sei
gereizt gewesen, jedoch
habe
d
er
Kläger
auch gedrückt gewirkt und ebenso affektlabil, nicht modulationsfähig, weinerlich, antriebsarm und psychomotorisch unruhig. Der formale Gedankengang sei kohärent und stringent gewesen. Es habe eine
Grübelneigung
bestanden, nicht aber eine Fremd- oder Eigengefährdung. Als Diagnose nannte Dr.
A._
eine Anpassungsstörung
mit
Angst und depressive
r
Reaktion gemischt bei beruflicher Belastungssituation und sie kam zum Schluss, das Leiden habe sich als Reaktion auf den Arbeitsplatzkonflikt und die folgende Kündigung entwickelt. Ab dem 16. September bis zum 31. Dezember
2019 sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Ab dem 1. Januar
2020 sodann habe wieder
eine vollständige
Arbeitsfähigkeit bestanden
(Urk. 2/3 S. 2 ff.).
4.
2.
2
In der am 6. Januar 2020 erstellten Stellungnahme ergänzte Dr.
A._
, sie gehe weiterhin von einer Anpassungsstörung mit Angst und Depression ge
mischt bei beruflicher Belastungssituation aus und dies aus
den
folgenden Grün
den
:
Es gebe einen Auslöser für die Symptomatik, das heisst die Kündigung der Stelle nach 23 Jahren. Ohne diesen Auslöser wäre es nicht zur Erkrankung ge
kom
men. Der Kläger habe selber ausgeführt, er könnte dort wieder arbeiten, wären dort nicht drei bestimmte Personen tätig.
Erst eineinhalb Monate nach der Kündigung habe sich der
Kläger
zunächst in die hausärztliche und drei Monate danach in psychiatrische Behandlung begeben. Die Symptomatik sei zu keinem Zeitpunkt so ausgeprägt gewesen, dass der Alltag beeinträchtigt gewesen sei, so wie dies bei einer schweren depressiven Episode der Fall sei. Die Arbeitsun
fähig
keit sei demnach arbeitsplatzbezogen
(Urk. 2/7 S. 1 f.).
4.3
4.3.1
Am
5. August 2020
nahm
Dr.
B._
zu
den Darlegungen
von Dr.
Z._
Stel
lung. Unter Hinweis auf deren anamnestische Angaben und die Ausführung
en
zur Diagnose und zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hielt er fest, um von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit ausgehen zu können, müsste dargelegt werden, dass der Kläger in sämtlichen Lebensbereichen in seinen Akti
vi
täten massiv eingeschränkt sei.
Allein aufgrund der von Dr.
Z._
geschil
der
ten Symptomatik, die wesentlich auf die subjektiven Einschätzungen des Klägers abstelle, sei dies nicht nachvollziehbar begründet worden. Die medika
mentöse Behandlung mit Citalopram und
Trittico
schliesse eine
Arbeits
t
ätigkeit nicht aus. Es handle sich um eine häufige antidepressive Kombinationsbehandlung. In der Regel würden diese Medikamente über Monate oder zum Teil über mehrere Jahre verabreicht,
auch nachdem bereits
eine
vollständige
Remission eingetreten sei. Hier spiele die
Rezidivprophylaxe
eine Rolle.
Es falle sodann auf, dass Dr.
Z._
die stark reaktive Komponente d
er Erkrankung nicht betont habe. Ferner
habe
Dr.
Z._
nicht auf die offensichtlich narzisstische Persönlichkeitskomponente des Klägers hingewiesen. Im Verlauf habe sich gezeigt, dass Dr.
A._
mit ihrer Beurteilung, es liege eine arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit vor, recht behalten habe. Der Wegfall der Arbeitstätigkeit und die Aussicht auf eine mög
licherweise erfolgreiche rechtliche Auseinandersetzung mit der Arbeitsgeberin hätten beim Kläger zu einer Besserung geführt, so dass ab Februar 2020 wieder eine vollständige Arbeitsfähigkeit
bestanden habe
(Urk. 13/11
S. 1-2
).
4.3.2
Am
9. Juni 2021
nahm Dr.
B._
erneut Stellung. Er hielt fest,
im Bericht vom
20. Dezember 2020 habe
Dr.
Z._
als Diagnose eine saisonale depressive Störung
genannt und darauf hingewiesen, das Zustandsbild habe sich unter der Pharma
kotherapie und aufgrund der Aufarbeitung der Mobbingerfahrungen gebessert, weswegen die Behandlung sei
t
Juli 2020 niederfrequent, das heisst im Rahmen von dreiwöchentlichen Sitzungen, erfolge. Auch im neuen Bericht sei nicht dar
gelegt worden, dass das Aktivitätsniveau des Klägers in allen Lebensbereichen massiv eingeschränkt gewesen sei. Die festgehaltene Arbeitsunfähigkeit beziehe sich auf
die
angestammte Tätigkeit und sei mithin arbeitsplatzbezogen. Dass es sich nun um eine saisonal bedingte Depression handle
,
sei nicht nachvollziehbar. Die depressive Symptomatik, die zur Arbeitsunfähigkeit geführt habe, sei bedingt durch den Konflikt am Arbeitsplatz. Einen die Arbeitsunfähigkeit mitverur
sa
chen
den Faktor stelle möglicherweise die Schmerzsymptomatik im Rahmen des Schulterleidens dar, wobei diese nicht psychiatrisch begründet werden könne. Die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit sei nicht mit überwiegender Wahrschein
lichkeit ausgewiesen
(Urk. 29
S. 4 f.).
5.
5.1
Zu prüfen ist, ob die vom Kläger g
eltend gemachte und
durch Dr.
Z._
atte
stierte Arbeitsunfähigkeit
ab
dem 16. September 2019
rechtsgenüglich
nachge
wiesen ist.
Zunächst hatte die Beklagte die mit Schadenmeldung vom 1. Oktober 2019 (Urk. 13/1) gemeldete Arbeitsunfähigkeit zum Anlass genommen, unter Be
rück
sichtigung der vertraglichen Wartezeit von 30 Tagen ab dem 16. bis zum 31.
Oktober 2019 Taggelder basierend auf einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszubezahlen (
Urk. 2
/9). Im weiteren Verlauf indessen stellte sich die Beklagte mit Schreiben an den Kläger vom 11. November 2019 auf den Standpunkt, auf
grund der Beurteilung von Dr.
A._
bestehe keine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit. Zwar habe sich ergeben, dass die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar gewesen sei, wobei die Ursache die Konflikte am bisherigen Arbeitsplatz
seien und nicht eine Krankheit
. Somit bestehe grundsätzlich kein Anspruch auf Taggelder (Urk. 13/4).
5.2
Der Konflikt am Arbeitsplatz des Klägers ist gemäss der Beurteilung von
Dr.
A._
ursächlich für die ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit und die Vertrauensärztin hielt fest, dass deswegen
für diese Tätigkeit ab dem 16.
September bis zum 31. Dezember 2019 eine vollumfängliche Arbeitsun
fähig
keit bestanden habe
(Urk.
13
/3 S. 4, U
rk. 13
/7 S. 2)
.
Aufgrund des ursächlichen Zusammenhangs von Arbeitsplatzkonflikt, psychischer Krise und Arbeitsunfähig
keit schloss
Dr.
A._
diagnostisch auf eine Anpassungsstörung
mit
Angst und Störung gemischt
(Urk. 13/3 S. 3)
. Bei
dieser
D
iagnose
handelt es sich um
eine
solche, die in der i
nternationale
n
statistische
n
Klassifikation der Krank
heiten und verwandter Gesundheitsprobleme
(ICD-10) im V. Kapitel gelistet
ist
(F
43.22;
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl., Bern 2015, S. 209 f.).
Aufgrund der diagnostizierten Anpassungsstörung attestierte
Dr.
A._
besagte vollständige Arbeitsunfähigkeit ab dem 16. S
eptem
ber bis zum 31.
Dezember 2019.
F
ü
r die Zeit ab Januar 2020 hingegen ging sie wieder von einer vollen Arbeitsfähigkeit
aus
(Urk.
13
/3 S. 4).
Dr.
B._
schloss sich dieser Beurteilung an, erachtete aber eine Arbeitsunfähigkeit bis Ende Januar 2020 als gegeben
(Urk. 13/11 S. 2).
5.3
Auch gemäss Dr.
Z._
stehen der Arbeitsplatzkonflikt und das von ihr in der Folge diagnostizierte Leiden depressiver Natur in einem ursächlichen Zusammen
hang
. Sie schilderte die Angaben des Klägers zu dem sich über einen längeren Zeitraum konkret zuspitzenden Arbeitsplatzkonflikt, der schliesslich in der Kün
di
gung des langjährigen Arbeitsverhältnisses durch die Arbeitgeberin mündete und in der Folge zu einer deutlichen Verstärkung bereits vorhandener psychischer
Symptome führte
(Urk. 13/6 S. 1 f., Urk. 23/9 S. 1 f.)
. Anders als Dr.
A._
ging Dr.
Z._
im Bericht vom 10. Dezember 2019
nicht nur für die Tätigkeit als Hauswart
,
sondern für eine erwerbliche Tätigkeit überhaupt von einer Arbeitsunfähigkeit
aus, bei grundsätzlich günstiger Prognose mit Wiederer
langung einer Teilarbeitsfähigkeit im Laufe der kommenden vier bis sechs Monate (Urk. 13/6 S. 1-3).
Eine Teilarbeitsfähigkeit von 15 % - insbesondere auch
für die Tätigkeit als Hauswart -
erachtete sie ab August 2020 für gegeben
und für März oder April 2021
hielt
sie
wiederum eine Teilarbeitsfähigkeit von 50
%
für möglich
(Urk. 23/
6 f.
, Urk. 23/
9 S. 2). Tatsächlich attestierte sie
am 31. Januar 2020
ab dem 1. Februar 2021
aber wieder
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 23/8
) und erwähnte in der Stellungnahme vom 1. August 2021
,
der Belastbarkeitsauf
bau sei nicht wie geplant möglich gewesen (Urk. 33/2 S. 2 f.).
5.4
Die hier massgebende Definition des Begriffs der Arbeitsunfähigkeit findet sich in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) für die Krankentaggeld
versicherung. Gemäss Versicherungspolice Nr.
...
vom 21. November 2018 sind nebst den individuellen vertraglichen Abmachungen insbesondere die AVB Vertragsbestandteil
(Urk. 13/13 S. 5)
. Die Bestimmung A4 der AVB definiert in deren Absatz 2 Arbeitsunfähigkeit als die durch eine Krankheit bedingte volle oder teilweise Unfähigkeit
,
im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Urk.
13
/12 S. 6). Laut Be
stimmung B8 Abs. 1 bezahlt die Beklagte das Taggeld nach Ablauf der ver
ein
barten Wartefrist, längstens während der in der Police aufgeführten Leistungs
dauer, wenn die versicherte Person nach ärztlicher Feststellung arbeitsunfähig ist (Urk. 13/12 S. 8).
5.5
5.5.1
Nachdem Dr.
Z._
an
gegeben hatte
,
ab dem 16. September 2019
sei
aufgrund der psychischen Symptomatik als Folge des Konflikts am Arbeitsplatz bei der
Y._
AG von einer Arbeitsunfähigkeit auszugehen, richtete
die Beklagte
- unter Berücksichtigung der Wartefrist von 30 Tagen (Urk. 13/13 S. 3) - ab dem 16. bis zum 31. Oktober 2019
zunächst
Taggelder aus, basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Urk. 2/9).
Hernach stellte die Beklagte die Leistungen mit der Begründung ein,
Dr.
A._
habe eine Arbeitsun
fähigkeit allein für die konkrete Anstellung bei der
Y._
AG und damit ausschliesslich arbeitsplatz
bezogen attestiert (vgl.
Urk. 12 S. 6 Ziff.
2.3, Urk. 28 S. 3 u. S. 9
Ziff. 21
).
5.5.2
Tatsächlich vermerkte die Vertrauensärztin, ihre Beurteilung bezüglich Arbeits
unfähigkeit beziehe sich auf den individuellen Arbeitsplatz. In einer Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, auch als Hauswart, sei die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt (Urk. 13/3 S. 4).
Wie erwähnt ist gemäss AVB für den Taggeld
anspruch zunächst die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit (
Bestim
mung
A4 Abs. 2) entscheidend. In dieser, das heisst bezüglich der im Zeitpunkt der Erkrankung
am 16. September 2019
bestehende
n
Anstellung als Hauswart bei der
Y._
AG,
war
nach Einschätzung von Dr.
Z._
(Urk.
2/2, Urk. 7/3 ff., Urk. 13/6 S. 3
), aber auch nach Einschätzung von Dr.
A._
(Urk.
13/3 S. 4
)
und somit ärztlich festgestellt,
von
eine
r
vollständige
n
Arbeitsun
fähigkeit
auszugehen
.
Damit bestand auch über die bis zum 31. Oktober 2019 geleisteten Taggelder hinaus ein Leistungsanspruch.
Daran ändert der Umstand nichts, dass die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis mit dem Kläger am 26.
Juni
2019 per 30.
Septe
mber
2019 gekündigt hatte (Urk.
7/2). Mit der Erkrankung ab dem 16. September 2019 verlängerte sich die Kündigungsfrist und damit auch die Dauer des Arbeitsverhältnisses
angesichts
des über sechsjährigen Arbeitsverhältnisses von Gesetzes wegen um 180 Tage (Art. 336c Abs. 1
lit
. b i
n Verbindung mit
Abs. 2 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligatio
nenrecht]; OR).
Im Übrigen ist zu beachten, dass der Versicherungsschutz gemäss Bestimmung B4 Abs. 2 AVB grundsätzlich
mit dem Ausscheiden aus dem Kreis der Versi
cherten
erlischt
(Urk. 13/12 S. 7),
die versicherte Person allerdings
für laufende Krankheiten
bis zum Ablauf der vereinbarten Versicherungsleistung weiterhin
Anspruch auf
die vertraglichen Leistungen hat (sog.
N
achdeckung; Bestimmung B8 Abs. 7 A
V
B; Urk. 13/12 S. 9).
5.5.3
Die Beklagte verneint einen Leistungsanspruch auch mit der Begründung,
der Kläger habe für die betreffende Zeit keinen Arbeitsausfall erlitten. Aufgrund der im arbeitsrechtlichen Prozess zwischen dem Kläger und der
Y._
AG geschlossenen Vereinbarung habe die Arbeitgeberin
für den hier massge
ben
den Zeitraum ab November 2019 insgesamt drei Monatssaläre nachträglich aus
bezahlt (Urk. 12 S. 8 f. Ziff. 2.9).
Der Kläger wandte dagegen ein, es handle sich hier nicht um eine Lohnzahlung, sondern um eine
pönale
Entschädigung im Zu
sammenhang mit der Kündigung des Arbeitsverhältnisses (Urk.
22 S. 14 f.
Rz
36
).
Dieser Auffassung ist beizupflichten. Im arbeitsrechtlichen Verfahren verpflich
tete sich
die
Y._
AG, dem Kläger eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 19'950.-- entsprechend drei Monatslöhnen zu bezahlen (Urk. 13/10 S. 3). Eine solche Entschädigung ist gemäss Art. 336a OR im Falle einer miss
bräuch
lichen Kündigung vorgesehen. Hierbei handelt es sich nicht um einen Lohnan
spruch
. Die Zahlung enthält Elemente einer Sanktion
ierung der missbräuchlich
kündigenden Partei und Elemente einer Genugtuung für den Arbeitnehmer
(Rehbinder
/Stöckli, Berner Kommentar,
Obligationenrecht, Bern 2010, Art. 336a OR N 2
).
Von einem fehlenden Erwerbsausfall kann somit
unter diesem Gesichts
punkt
nicht gesprochen werden.
5.6
5.6.1
Dr.
A._
ging bis Ende Dezember 2019 von einer vollständigen Arbe
its
unfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit
und hernach wiederum von einer un
eingeschränkten Arbeitsfähigkeit aus (Urk. 13/3 S. 4).
Gemäss Dr.
B._
dauerte die Arbeitsunfähigkeit bis Ende Januar 2020 (Urk. 13/11 S. 2). Dr.
Z._
hin
ge
gen attestierte auch ab Januar 2020 zunächst weiterhin eine vollständige Arbeits
unfähigkeit, ab Juli 2020 eine Arbeitsunfähigkeit von 85 % und ab Februar 2021 wiederum eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Urk. 7/3-5, Urk. 23/1-8)
.
5.6.2
Konkretisiert werden die Atteste von Dr.
Z._
durch
die
Darlegungen in
ihren
Berichte
n und Stellungnahmen
.
I
m Kurzbericht vom 8. Oktober 2019
nannte die Ärztin
, namentlich
unter Bezugnahme auf den
Arbeitsplatzkonflikt, zunächst
die Diagnose einer
schweren depressiven Episode ohne psychotisches Syndrom
(ICD-10 F32.2;
Urk. 13/2).
Im Bericht vom 10. Dezember 2019 ging sie mit der Begründung, das Zustands
bild sei gebessert
,
noch vom Vorliegen einer mittelgradigen Ausprägung des depressiven Leidens aus (Urk. 13/6 S. 3).
Zur
aktuellen Symptomatik
vermerkte Dr.
Z._
, das aktuelle Zustandsbild sei geprägt von einer bedrückten Stimmung mit beständiger Traurigkeit und ausge
prägter Angst, insbesondere in der Form von h
ypochondrischen Angstfantasien
und der Angst vor erneuten V
erleumdungen. Der Kläger habe sich als affektlabil mit häufigem Weinen, mit ängstlicher Unruhe und Nervo
s
ität, mit panikartigen Angstzuständen und mit hoher Reizbarkeit beschrieben. Die geklagten somati
schen Symptome in Form von Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Völlege
fühl und
Libidoverlust
hätten etwas gebessert. Sodann habe der Kläger über eine Verminderung der Konzentration und der Aufmerksamkeit geklagt. Das Ereignis
niveau sei weiterhin reduziert. Im privaten Rahmen seien an einigen Tagen wieder kurzzeitig Aktivitäten möglich, wobei das Zustandsbild noch nicht stabil sei. Bei
Gesprächen über die Vorkommnisse am Arbeitsplatz steige die emotionale An
spannung und der Kläger könne sich dan
n kaum mehr beruhigen und leide
unter Kopfschmerzen. Daher vermeide er den Kontakt mit Personen, die ihn an die Zeit der Anstellung erinnern könnten
(Urk. 13/6 S. 2)
.
Weiter hielt Dr.
Z._
mit dem Vermerk «Psychopathologischer Befund (am
09.12.2019)»
fest, der Kläger sei bewusstseinsklar und zu allen Qualitäten orien
tiert. Im Kontakt sei er zugewandt. Es bestehe kein Anhalt für Störungen der Intelligenz oder des Gedächtnisses. Es bestünden auch keine Wahrnehmungs
störungen, inhaltliche Denkstörungen oder Zwänge. Die Grundstimmung sei ge
senkt. Der Kläger sei affektiv angespannt und innerlich unruhig. Ein affektiver Rapport sei aber möglich. Traurigkeit, Angst und Wut würden deutlich ausge
drückt und ebenso Scham bezüglich der erlittenen Kränkungen. Themenabhä
ngig komme es zu emotionaler Erregung und Anspannung, begleitet von motorischer Unruhe und Kopfschmerzen. Die Auffassung sei regelrecht, die Konzentrations
fähigkeit sei hingegen reduziert (Urk. 13/6 S. 3).
Ein Jahr später, im Bericht vom 20. D
ezember 2020 nannte Dr.
Z._
als Dia
gnose
neu
eine saisonale depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1)
,
und führte dazu aus, es habe sich gezeigt, dass der Kläger bereits seit etwa zehn Jahren an
der
saisonalen depressiven Störung leide
.
Die Ausprägung des Leidens sei
stark
von der Lichtexposition abhängig.
Bereits
im Somme
r
komme es bei schlechtem Wetter zu Stimmungsschwankungen und zu einer Zunahme der depressiven Symptomatik (Urk. 23/9 S. 1).
5.6.3
Es fällt auf, dass Dr.
Z._
nach Stellung der Erstdiagnose einer schweren de
pressiven Episode im Oktober 2019
bereits
im Dezember 2019 eine Besserung vermerkte
und sich dazu veranlasst sah,
das depressive Geschehen nunmehr
nur
noch als mittelgradig ausgeprägt zu qualifizieren.
Auf Details, insbesondere auf die diagnoserelevanten Befunde, war Dr.
Z._
im Kurzbericht vom 8. Oktober 2019 nicht eingegangen (Urk. 13/2). Im ausführlichen Bericht vom 10. Dezember 2019 äusserte sie sich zur Befundlage von Oktober 2019 nicht mehr, sondern nur zur damals aktuellen. Sie gab die vom
Kläger
geklagten Symptome wieder (Urk.
13/6 S. 2) und
insbesondere
den von ihr selber am 9. Dezember 2019 erho
benen psychopathologischen
Status
(Urk. 13/6 S. 3)
.
Auffälligkeiten, die
bei Stel
lung der
Diagnose einer depressiven Störung mit
schweren beziehungsweise
mittel
gradig ausgeprägten Episoden
im Sinne der ICD-10 (vgl. Urk. 13/2, Urk. 13/6 S. 3)
vorauszusetzen sind
(vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt, a.a.O., S.
169-172
)
,
beschrieb
Dr.
Z._
allerdings
nur teilweise
im psychopathologischen Befund. Ferner ä
usserte sie sich nicht zum Grad der Ausprägung der Symptome, was zur Nach
vollziehbarkeit der Diagnose einer mittel
-
oder
schwergradigen
depressiven Epi
sode erforderlich wäre (
Dilling
/
Mombour
/Schmidt, a.a.O., S. 173 f.).
Nicht nach
vollziehbar ist auch, dass die im Dezember
2019
festgestellte Besserung keinen Niederschlag beim Ausmass der
bescheinigten
Arbeitsunfähigkeit
gefunden hat
. Dr.
Z._
attestierte
ohne Erklärung
weiterhin eine
vollständige Arbeit
sun
fähig
keit (Urk. 13/6 S
. 3).
Vollends unklar wird die Situation mit der im Dezember 2020 gestellten neuen Diagnose und dem Hinweis, der Kläger leide bereits seit Jahren un
ter einer saiso
nalen Depression
(Urk.
23/9 S. 1-2). I
st davon auszugehen, dass der Kläger seit etlichen Jahren und somit bereits vor den hier in Frage stehenden
Konflikte
n
am Arbeitsplatz an einer saisonal bedingt
en depressiven Erkrankung litt, wobei
diese zuvor
zu
keiner Arbeitsunfähigkeit geführt hatte, hätte es einer näheren Begrün
dung bedurft, weswe
gen nunmehr
trotz zeitlicher Distanz zu den belasten
den Ereignissen am Arbeitsplatz
weiterhin
eine volle Arbeitsunfähigkeit oder eine solche von zumindest 85 % (Urk.
23/1 ff.
)
best
ehen sollte
. Unerwähnt liess Dr.
Z._
insbesondere auch, welche Rolle dieser Aspekt im Herbst/Winter des Jahres 2019 spielte, was angesichts der Erwähnung, das depressive Geschehen sei jeweils sehr stark abhängig von der Lichtexposition (Urk. 23/9 S. 1)
,
erforderlich
gewesen wäre.
5.6.4
Deutlich wird aus den Darlegungen von Dr.
Z._
, dass der Kläger in erster Linie im Rahmen der Beschäftigung mit den für ihn kränkenden Ereignissen am Arbeitsplatz emotionale und Verhaltensauffälligkeiten zeigt
e
. D
ies passt zur Beurteilung von Dr.
A._
, für die das Moment der Schwierigkei
ten bei der Anpassung hinsichtlich des Arbeitsplatzkonflikts
und insbesondere an die diesem Zusammenhang erfolgte Kündigung der langjährigen Stellung im Vorder
grund stand. Dazu passen auch die diagnostischen Leitlinien gemäss ICD-10 F43.2,
denen gemäss
die Symptome
der Störung zeitverzögert, in der Regel ein Monat nach dem belastenden Erei
gnis oder der Lebensveränderung,
auftreten (
Dilling
/
Mo
mbour
/Schmidt, a.a.O., S. 209
)
. Der Kläger suchte denn auch nicht sofort
nach der Kündigung des Arbeitsverhältnisses
ärztliche Hilfe, sondern erst mit einer zeitlichen Verzögerung
(vgl. Urk. 13/7 S. 2).
In der Stellungnahme vom
1. August
20
21
verteidigte
Dr.
Z._
die
von ihr gestellte
Diagnose
und
verwarf
gleich
zeitig
diejenige
von Dr.
A._
mit
dem Hinweis
, bei der Anpassungsstörung seien Angst und depressive Episode nur leicht
ausgeprägt.
Dies trifft mit Blick auf
die Leitlinien der ICD-10 zur betreffenden Diagnose zu (
Dilling
/
Mom
bour
/
Schmidt
, a.a.O., S. 210
i.V.m
. S. 199 f.). Das V
orhandensein ausgeprägter
Symptome, w
elche die Diagnose einer schweren oder mittelgradigen depressiven Episode effektiv rechtfertig
en
(vgl. Urk. 13/2, Urk. 13/6 S. 2 u. 3),
lässt sich
-
bezogen auf
die
Leitlinien der ICD-10 zu den depressiven Episoden
(
Dilling
/
Mombour
/
Schmidt
, a.a.O., S. 169 ff.) - aus
der
Darstellung von Dr.
Z._
indessen
nicht
hinreichend ableiten.
5.6.5
Im Detail und unter Bezugnahme auf die gemäss ICD-10 für eine Depression erforderlichen Symptome
äusserte sich
Dr.
Z._
erstmals in ihrer Stellung
nah
me vom 1. August 2021
,
w
obei sie die Symptome als hinreichend
gegeben erach
tete
(Urk. 33/2 S. 1 f.)
. Zuvor hatte sie auf eine nachvollziehbar
e
diagnostische Herleitung verzichtet.
Die
se
Darlegungen erfolgten
mittelbar
, das heisst
als Folge
kritische
r
Anmerkung
en
durch Dr.
B._
(Urk. 13/11
S. 2,
Urk.
29 S. 3)
.
Zu Überlegungen differentialdiagnostischer Art im Zusammenhang mit der
reaktiven Komponente
des geklagten Leidens
äusserte sich Dr.
Z._
ebenfalls
erstmals am 1. August 2021, wiederum nachdem Dr.
B._
dies zuvor kritisch angemerkt hatte
(Urk. 13/11 S. 2, Urk
.
29 S. 3, Urk. 33/2 S. 2
)
.
Richtig ist, dass die
behan
delnde Ä
rztin
nicht erst
in der Stellungnahme vom 1
. August 2021 (Urk.
33/2
S.
3
),
sondern
bereits in ihren früheren Darlegungen auf psychosoziale Belastungs
fak
to
ren mit ungünstigem Einfluss auf die Psycho
dynamik hingewiesen hatte (
Urk. 23/9 S. 2)
. Dieser
Umstand ändert jedoch nichts daran
, dass die
wesentlichen Überlegungen
für die Nachvollziehbarkeit der gestellten Diagnose und der sich daran knüpfenden langdauernden Arbeitsunfähigkeit initial fehlten
.
Dies relati
viert die Aussagekraft der Darlegungen von Dr.
Z._
insgesamt
entscheidend.
Es
ist
i
n
diesem Zusammenhang
anzumerken
, dass in
Bezug auf Berichte
von behandelnden Arztpersonen
und
Therapiekräften
die Erfahrungstatsache
nicht ausser
A
cht
zu
lassen
ist
,
dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
recht
liche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten
Angaben machen
(BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Zu erwähnen ist
schliesslich
auch
, dass Dr.
Z._
in der Stellungnahme vom 1.
August 2021 auf den Umstand der unvermittelt geändert
en Diagnose im Dezember 2020
, die
auch
die
weiter zurückliegende Vergangenheit
betrifft
und das bisherige Diagnosekonzept in Frage stellt
, nicht
mehr
Bezug
genommen hat, obschon sich dies aufgedrängt hätte
.
Offen bleibt
,
ausgehend von den vom Kläger
vorgelegten
Beweismittel
n
auch, inwiefern das von Dr.
Z._
erstmals im Dezember 2020
erwähnte Schulterleiden
, das
seit 2019 bestehe und
eine operative Versorgung erforderlich
gemacht habe
(vgl.
Urk. 23/9 S. 2, Urk. 33/2 S. 3)
,
zu einer Arbei
tsunfähigkeit geführt hat
, wobei auch ungeklärt ist, ob diesbezüglich von einem versicherten Ereignis auszugehen wäre
.
Hinzu kommt, dass Dr.
Z._
darauf hinwies, der Krankheitsverlauf lasse sich namentlich durch eine Wieder
aufnahme der beruflichen Tätigkeit günstig beeinflussen, indem der Kläger wieder Bestätigung, Erfüllung und sozialen A
ustausch erfahre
(Urk. 23/9 S. 2). Auch
unter diesem Gesichtspunkt
ergeben sich Zweifel an der attestierten Arbeitsun
fähigkeit.
5.7
Zusammenfassend ergibt sich, dass
Dr.
Z._
in ihren Berichten und Stel
lung
nahme
n
die von ihr attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht
ausreichend
nachvoll
zieh
bar begründet
hat
. In welchem Ausmass sowie
zu
welchem Zeitpunkt
eine solche bestand
und welches Leiden diese verursachte
,
ist nicht mit dem erfor
der
lichen Beweismass dargetan. E
s gilt hier
nicht
allein
das Beweismass der über
wiegenden Wahrschein
lichkeit, sondern dasjenige der vollen Überzeugung (Urteil des Bundesgerichts 4A_117/20
21 vom 31. August 2021 E. 3.3.1
). Hinsichtlich der vom Kläger geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit, auf die sich seine Taggeld
for
derung stützt, ist damit von Beweislosigkeit auszugehen.
Die Folgen der Beweis
losigkeit der die Forderung begründenden Umstände hat der Kläger zu tragen.
5.8
Der Kläger beantragte weitere Beweismassnahmen, insbesondere die Einholung eines ärztlichen Gutachtens durch das Gericht (
vgl. insb.
Urk.
22 S. 2
).
Ein zum jetzigen Zeitpunkt angeordnetes und einige Monate später erstattetes Gutachten
könnte in erster Linie zum
aktuellen Gesundheitszustan
d des
Klägers
Auskunft geben, der hier aber
von untergeordneter Bedeutung
ist. Vielmehr wären die Ver
hältnisse in der massgebenden Zeitspanne
ab dem 16. September 2019
zu beur
teilen. Dafür könnte zwangsläufig nur auf die
seinerzeitigen
Berichte und allenfalls
auf
Angaben von damals involvierten Personen abgestellt werden.
Angesichts der unterdessen ver
strichenen Zeit könnte eine Begutachtung abseh
bar keine über die vorliegenden hinausgehende
n Erkenntnisse ver
mitteln. In anti
zipierter Beweiswürdigung
ist deshalb davon abzusehen
(BGE 141
I 60 E. 3.3, 140
I 285 E. 6.3.1;
Urteile des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 23. März 2017 E. 4.1
f.
und
4A_445/2
016 vom 16. Februar 2017 E. 4.3
).
Auch
von der
Einholung weiterer Berichte von Dr.
Z._
oder auch
der
Befragu
ng der behandelnden Ärztin können keine relevanten neuen Erkenntnisse erwartet werde. Die Mängel der vorliegenden B
erichte
lassen sich
nicht
durch eine
nachträglich
andere Dar
stellung
beheben.
6.
6.1
Der
Beurteilung von Dr.
Z._
stehen
die
Einschätzungen
von D
r.
A._
und Dr.
B._
gegenüber. Auf diese stützt sich die Beklagte.
Dies
bezüglich gilt es die für Parteigutachten geltende Beweisbeschränkung zu beach
ten (BGE
141 III 4
33). Soweit sich
diese und insbesondere die sich daraus er
g
e
bende Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit mit dem Standpunkt des Klägers und damit auch mit der von Dr.
Z._
attestierten Arbeitsunfähigkeit deckt, kann indessen ohne Weiteres
darauf abgestellt werden. F
ür die Zeit a
b dem 16. September bis zum 31.
Januar 2020
ist demnach
von einer vollständig
en Arbeitsunfähigkeit betreffend die
Tätig
keit des Klägers für die
Y._
AG
auszugehen. Somit
rechtf
ertigt es sich, bis Ende Januar 2020
einen Taggeldanspruch
basierend auf einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
zu bejahen.
6.2
Auf die genannte Zeitspanne (1. November 2019 bis und mit 31. Januar 2020) entfallen 92 Tage, wobei für diese Periode von einer vollständigen Arbeitsun
fähigkeit auszugehen ist.
Für die Zeit ab dem 16. bis zum 31. Oktober 2019 hatte die Beklagte dem Kläger 16 Taggelder im Betrag von total Fr. 3'101.75 basierend auf einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgerichtet (Urk. 2/9). Ein Taggeld beträgt somit Fr. 193.86 (Fr. 3'101.
75 :
16).
Der ergänzende Taggeldanspruch beläuft sich somit auf Fr. 17'835.--. Die Klage ist nach dem Gesagten teilweise gutzuheissen.
6.3
Der Kläger beantragt eine Verzinsung seiner Forderung mit 5 %
seit dem 16. Juni 2020 (
Urk. 9 S. 2). Die Beklagte äusserte sich i
hrerseits nicht hierzu.
Gemäss
Art. 41 Abs. 1 VVG wird die Forderung aus dem Versicherungsvertrag mit dem Ablauf von vier Wochen (sogenannte Deliberationsfrist) von dem Zeit
punkt an gerechnet fällig, in dem der Versicherer Angaben erhalten hat, aus denen er sich von der Richtigkeit des Anspruchs überzeugen kann. Auch im Bereich des Versicherungsrechts gerät der Versicherer nach herrschender Lehre erst mit der Mahnung in Verzug (Art. 102 Abs. 1 OR). Lehnt der Versicherer jedoch zu Unrecht seine Leistungspflicht definitiv ab, werden die Ansprüche des Versicherungsnehmers auf diesen Zeitpunkt hin ohne Weiteres fällig und es tritt der Verzug ein (Art. 108 Ziff. 1 OR;
Grolimund
/Villard, in: Basler Kommentar zum VVG, Nachführungsband, 2012, Art. 41 ad N20
)
.
D
ie Beklagte
hat
mit Schreiben vom 11. November 2019
ihre Leistungspflicht
über den 31. Oktober 2019
hinaus
zu Unrecht gänzlich abgelehnt
(Urk. 13/4)
.
Auch in der Folge blieb sie bei diesem Standpunkt (Urk. 13/8). Angesichts dessen
ist der Verzugszins ab dem
11. November 2019
geschuldet, wobei er sich wie beantragt auf 5 %
beläuft (Art. 100 VVG in Verbin
dung mit Art. 104 Abs. 1 OR).
7.
7.1
Der anwaltlich vertretene Kläger beantragt die Zusprechung einer Parteient
schädigung (Urk. 1 S. 2, Urk. 22 S. 2).
Die
se
umfasst den Ersatz der notwendigen
Auslagen, die Kosten einer berufsmässigen Vertretung sowie in begründeten Fällen
eine angemessene
Umtriebsentschädigung
, wenn eine Partei nicht berufsmässig
vertreten ist (Art. 95 Abs. 3 ZPO). Die Kantone sind zuständig, die Tarife für die Prozesskosten festzusetzen (Art. 96 ZPO). Das zürcherische Ausführungsgesetz zur ZPO, das Gesetz über die Gerichts- und Behördenorganisation im Zivil- und Strafprozess (GOG), enthält keine für das Sozialversicherungsgericht anwendbare Tarifbestimmung. Dasselbe gilt für die Verordnung über die Anwaltsgebühren. Diese regelt ausdrücklich nur die Parteientschädigungen vor den Schlichtungsbe
hörden, den Zivilgerichten und den Strafbehörden. Die Bemessung der Parteient
schädigung richtet sich somit nach § 34
GSVGer
sowie den §§ 1,
5 und 7 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialver
sicherungsgericht (
GebV
SVGer
). Gemäss § 34 Abs. 3
GSVGer
ist die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rück
sicht auf den Streitwert festzusetzen.
7.2
Der Kläger obsiegt gemessen am eingeklagten Betrag von zuletzt Fr. 84’288.80 (Urk. 22 S. 2) im Umfang v
on gut einem Fünftel
. Mangels Honorarnote ist die Entschädigung ermessensweise festzulegen. Unter Berücksichtigung der dargele
gten Kriterien rechtfertigt es sich, dem Kläger eine reduzierte Prozessent
schä
digung von Fr.
700
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
7.
3
Die mehrheitlich obsiegende Beklagte wurde nicht durch einen externen Anwalt vertreten. Sie hat somit praxisgemäss
mangels eines besonderen Aufwands (vgl. BGE 110 V 72 E. 7)
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_355/2013 vom 22. Oktober 2013 E. 4.2).