Decision ID: 72b3d7dd-792d-5a33-892b-485ec3735db4
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 30. Oktober 2015 erneut bei der Invalidenversicherung (IV)
zum Leistungsbezug an (IV-act. 175 f.). Vorangegangene Leistungsgesuche hatte die
IV-Stelle abgewiesen (IV-act. 2, 29) beziehungsweise war darauf nicht eingetreten (IV-
act. 41, 60). Ein weiteres Leistungsgesuch vom 25. Oktober 2007 hatte die IV-Stelle mit
Verfügung vom 16. Juni 2011 nach Einholung eines Gutachtens bei der MEDAS
Ostschweiz abgewiesen, da es dem Versicherten zumutbar sei, die verbleibende
Arbeitsfähigkeit von 70% rentenausschliessend zu verwerten (IV-act. 152). Mit
Entscheid vom 9. Juli 2013 hatte das Versicherungsgericht eine dagegen gerichtete
Beschwerde abgewiesen (IV-act. 164;Verfahren IV 2011/237).
A.b Der Anmeldung waren drei Berichte beigelegt. Dr.med. B._, Oberarzt
Psychiatrie-Zentrum C._, berichtete am 28. Mai 2015 (zuhanden der damaligen
Rechtsvertreterin des Versicherten; IV-act. 177) und am 2. Juli 2015 (an den ambulant
behandelnden med.prakt. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH; IV-
act. 188) über die während einer teilstationären Behandlung vom 24. Februar bis 3.
Juni 2015 gestellten Diagnosen einer mittelgradig depressiven Episode (ICD-10: F32.1),
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.40) sowie über
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10: Z73). Im
erstgenannten Bericht hatte er festgehalten, aktuell bestehe eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit mit eher ungünstiger Prognose in Bezug auf eine Erhöhung der
Arbeitsfähigkeit. Dr.med. E._, Facharzt Anästhesiologie, Schmerzklinik F._,
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äusserte einen Verdacht auf ISG-Reiz sowie differenzialdiagnostisch
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, einen Anulus-fibrosus-Einriss L5/S1 und eine
myofasziale Dysfunktion. Er hatte ausgeführt, zweifelsfrei zeige der Versicherte ein sehr
demonstratives Verhalten, sowohl grundsätzlich wie auch bei der Explikation der
Schmerzen. Dennoch seien ein möglicherweise sekundärer, spondylogener oder ISG-
vermittelter Schmerz zu evaluieren und eine Meralgie rechts auszuschliessen (Bericht
vom 24. September 2015 an Dr.med. G._, Allgemeine und Innere Medizin FMH, IV-
act. 189).
A.c RAD-Arzt Dr.med. H._, Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie,
Physikalische Medizin und Rehabilitation, nahm am 22. Februar 2016 Stellung, eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands im Vergleich zum Gutachten der MEDAS
St. Gallen vom März 2011 sei aus den neu eingereichten Berichten nicht zu erkennen.
Es bestehe kein medizinischer Revisionsgrund (IV-act. 191). Mit Vorbescheid vom 24.
Februar 2016 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten das rechtliche Gehör zur
beabsichtigten Abweisung des Leistungsbegehrens (IV-act. 194).
A.d Der Versicherte liess dagegen mit Eingaben vom 9. April 2016 (IV-act. 195-1 ff.)
bzw. vom 19. Mai 2016 (IV-act. 198) Einwand erheben. Aus einem nachgereichten
Bericht von med.prakt. D._ vom 8. April 2016 (IV-act. 198-5 f.) sei ganz klar
erkennbar, dass sich der psychische Zustand des Versicherten seit der Begutachtung
am 15. Dezember 2010 wesentlich verschlechtert habe. Es seien weitere medizinische
Abklärungen, insbesondere eine neue psychiatrische Begutachtung, notwendig.
A.e Nachdem der RAD am 20. Juni 2016 ausführte, auf seine Stellungnahme vom 22.
Februar 2016 könne weiterhin abgestellt werden (IV-act. 199), wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren mit Verfügung vom 20. Juni 2016 (IV-act. 200) ab. Der
Gesundheitszustand habe sich im Vergleich zum medizinischen Referenzzeitpunkt
(Gutachten MEDAS Ostschweiz vom 24. März 2011) nicht anhaltend und relevant
verändert. Ein medizinischer Revisionsgrund liege nicht vor. Aus den neu eingereichten
Unterlagen gingen keine neuen relevanten Befunde, Diagnosen oder Erkenntnisse
hervor, welche nicht bereits zum Zeitpunkt des Vorbescheids bekannt gewesen seien.
Unter Berücksichtigung des Urteils des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 9. Juli
2013 resultiere kein rentenbegründender Invaliditätsgrad (37%).
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B.
B.a Gegen die Verfügung vom 20. Juni 2016 lässt A._, vertreten durch Rechtsanwalt
lic.iur.HSG S. Näscher am 8. August 2016 Beschwerde erheben. Er beantragt, die
angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben. Es
sei ihm spätestens ab dem 1. November 2015 mindestens eine halbe Invalidenrente
auszurichten. Eventualiter sei mindestens ein psychiatrisches und rheumatologisches
Gutachten einzuholen. Weiter seien ihm die unentgeltliche Prozessführung sowie die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren. Diagnose und Befunde in den
Berichten des Psychiatrie-Zentrums C._ sowie von med.prakt. D._ seien mehr oder
weniger identisch. Somit könne aus psychiatrischer Sicht darauf abgestellt werden. Der
Vergleich von Diagnosen und Befunden mit dem Teilgutachten von med.prakt. I._
vom 28. Dezember 2010 zeige, dass in der Zwischenzeit eine wesentliche
Verschlechterung seines Gesundheitszustandes eingetreten sei. Die gegenteiligen
RAD-Stellungnahmen vom 22. Februar und 20. Juni 2016 seien nicht durch einen
psychiatrischen Facharzt verfasst worden, weshalb ihnen kein Beweiswert zukomme.
Es müsse nochmals fachpsychiatrisch überprüft werden, ob aus psychiatrischer Sicht
eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten sei. Aus
rheumatologischer (bzw. somatischer) Sicht habe Dr. E._ weitere Abklärungen für
notwendig gehalten. Erst diese erlaubten zu beurteilen, ob aus rheumatologischer Sicht
eine Verschlechterung eingetreten sei bzw. wie sich diese auf die Arbeitsfähigkeit
auswirke. Der Gesundheitszustand habe sich somit mindestens aus psychiatrischer
und möglicherweise auch aus rheumatologischer Sicht wesentlich verschlechtert. Es
sei ein rheumatologisches und psychiatrisches Gutachten einzuholen. Es seien ihm nur
noch körperlich leichte und wechselbelastende Arbeiten zumutbar. Wegen den
Rückenbeschwerden seien ihm nur Tätigkeiten ohne Heben/Tragen von Lasten über 10
kg, ohne Wirbelsäulenzwangshaltung und ohne repetitive Wirbelsäulenflexionen/-
extensionen zumutbar. Aufgrund dessen sei ein Tabellenlohnabzug von mindestens
15% zu berücksichtigen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin holt Stellungnahmen von RAD-Arzt Dr. H._ und RAD-
Ärztin Dr.med. J._, Fachärztin für Psychiatrie FMH, vom 20. und 21. September 2016
ein (act. G 3.1), und beantragt gestützt darauf mit Beschwerdeantwort vom 26.
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September 2016 die Abweisung der Beschwerde. Weitere Abklärungen seien nicht
angezeigt (act. G 3).
B.c Die Abteilungspräsidentin heisst am 27. September 2016 das Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den
Gerichtskosten, unentgeltliche Rechtsverbeiständung) gut (act. G 4).
B.d Mit Replik vom 18. November 2016 macht der Beschwerdeführer geltend, die
Ansicht von RAD-Ärztin Dr. J._ könne nicht geteilt werden. Beim Vorliegen einer
somatoformen Schmerzstörung und vergleichbarer psychosomatischer Leiden müsse
das tatsächliche Leistungsvermögen der betreffenden Person in einem strukturierten
Beweisverfahren ergebnisoffen und einzelfallgerecht bewertet werden. In den Berichten
des Psychiatriezentrums C._ vom 28. Mai und vom 2. Juli 2015 fänden sich keine
Ausführungen darüber, ob dem Beschwerdeführer die Willensanstrengung zur
Überwindung seiner Beschwerden zumutbar sei. Spätestens im Zeitpunkt des Erlasses
der Verfügung vom 20. Juni 2016 hätte geprüft werden müssen, ob die zur Diskussion
stehende Zumutbarkeit gegeben sei. Aufgrund der Darlegungen in den Berichten des
Psychiatrie-Zentrums C._ vom 28. Mai und 2. Juli 2015 könne davon ausgegangen
werden, dass die Willensanstrengung zur Überwindung seiner Beschwerden nicht
zumutbar sei (act. G 8).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 14. Dezember 2016 auf eine Duplik (act. G
10).

Erwägungen
1.
1.1 Mit vorliegend angefochtener Verfügung vom 20. Juni 2016 wird ein Gesuch vom
2. November 2015 abgewiesen, nachdem vorgängige Leistungsbegehren durch
Abweisung oder Nichteintreten entschieden worden waren (abweisende Verfügung
vom 19. November 2003, IV-act. 29; Nichteintretensverfügung vom 19. Oktober 2005,
IV-act. 60; abweisende Verfügung vom 16. Juni 2011, IV-act. 152, bestätigt durch
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 9. Juli 2013, IV-act. 164).
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1.2 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad
der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat (vgl. Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Art. 87 Abs. 2 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201). Ist eine anspruchserhebliche Änderung
glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren
einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend materiell zu
prüfen; andernfalls tritt sie auf das Gesuch nicht ein (Urteil des Bundesgerichts vom 3.
August 2018, 8C_177/2018, E. 3.3). Eine anspruchserhebliche Änderung der
tatsächlichen Verhältnisse kann entweder in einer objektiven Verschlechterung des
Gesundheitszustandes mit entsprechend verminderter Arbeitsfähigkeit oder in
geänderten erwerblichen Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich gebliebenen
Gesundheitsbeeinträchtigung liegen. Demgegenüber stellt eine bloss abweichende
Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes keine relevante
Änderung dar (Urteil des Bundesgerichts vom 3. August 2018, 8C_177/2018, E. 3.4).
Auch die Einführung des strukturierten Beweisverfahren für syndromale und
psychische Leiden bildet für sich alleine – ohne wesentliche Änderung der
tatsächlichen Verhältnisse – keinen Neuanmeldungs- oder Revisionsgrund (Urteil vom
14. Mai 2018, 8C_587/2017, E. 5.3, mit Verweis auf BGE 141 V 588 E. 5.3).
1.3 Die Beschwerdegegnerin legte die mit der Wiederanmeldung am 30. Oktober 2015
eingereichten medizinischen Unterlagen (IV-act. 176, 177, 188 und 189) dem RAD vor.
RAD-Arzt Dr. H._ nahm am 22. Februar 2016 Stellung, eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes sei im Vergleich zum Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom
März 2011 nicht zu erkennen (IV-act. 191). Zwar tätigte die Beschwerdegegnerin vor
Erlass der angefochtenen Verfügung keine weiteren eigenen Abklärungen;
insbesondere wurde der Beschwerdeführer nicht durch den RAD untersucht. Auch mit
Blick auf den Inhalt der RAD-Stellungnahme (keine Verschlechterung "erkennbar") fragt
es sich, ob die angefochtene Verfügung trotz ihres auf Abweisung lautenden
Dispositivs nach ihrem tatsächlichen Gehalt als Nichteintretensverfügung zu
qualifizieren wäre (vgl. Urteil vom 6. Juni 2018, 8C_79/2018, E. 4.1). Allerdings wird zur
Begründung ausgeführt, ein medizinischer Revisionsgrund liege nicht vor. Auf einen
materiellen Entscheidcharakter deutet auch hin, dass die Beschwerdegegnerin im
Beschwerdeverfahren nicht etwa geltend machte, die Verschlechterung des
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Gesundheitsschadens sei nicht glaubhaft oder auf das Gesuch wäre nicht einzutreten
gewesen. Vielmehr veranlasste sie weitere Abklärungen in Form von zusätzlichen RAD-
Stellungnahmen (vgl. dazu nachfolgend E. 3.2). Schliesslich erfolgte die eingangs
erwähnte RAD-Stellungnahme vom 22. Februar 2016 auf die sinngemässe Frage nach
der Glaubhaftigkeit und, falls diese gegeben sei, nach der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit einer sich massgeblich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden
Verschlechterung des Gesundheitszustandes (vgl. IV-act. 191-3). Somit ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung auf das
Gesuch eintreten und dieses abweisen wollte. Gegenstand der Beschwerde bildet
daher die materielle Beurteilung des Rentenanspruchs und namentlich die Frage, ob
eine sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkende dauerhafte Verschlechterung des
Gesundheitszustandes seit der abweisenden Verfügung vom 16. Juni 2011
überwiegend wahrscheinlich ist.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50%, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40% invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
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Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1).
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in ihrer Beschwerdeantwort auf zwei während
hängigem Beschwerdeverfahren eingeholte Stellungnahmen von RAD-Arzt Dr. H._
vom 20. September 2016 sowie von RAD-Ärztin Dr.med. J._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. September 2016 (act. G 3.1).
3.2 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerde als ordentlichem Rechtsmittel nach
Art. 56 ff. ATSG der Devolutiveffekt zukommt. Die Behandlung der Angelegenheit geht
mit Einreichung der Beschwerde auf die Beschwerdeinstanz über. Insoweit ist es dem
Versicherungsträger grundsätzlich verwehrt, nach Einreichung der Beschwerde weitere
Abklärungen vorzunehmen. Nach der Rechtsprechung sind lediglich punktuelle
Abklärungen (wie z.B. Einholung von Bestätigungen oder Rückfragen) zugelassen (U.
KIESER, ATSG-Kommentar, Zürich 2003, Rz 65 zu Art. 61 ATSG mit Hinweisen). Eine
Ausnahme vom Prinzip des Devolutiveffekts gilt im vorliegenden Beschwerdeverfahren
insofern, als der Versicherungsträger die angefochtene Verfügung bis zu seiner
Vernehmlassung in Wiedererwägung ziehen kann (Art. 53 Abs. 3 ATSG; KIESER, a.a.O.,
Rz 66 zu Art. 61 ATSG). Die Beschwerdegegnerin war vorliegend befugt, eine der
Entscheidfindung dienende interne Stellungnahme beim RAD (act. G 3.1) einzuholen,
denn es handelte sich um eine "Beweiswürdigungshilfe" bereits vorhandener
medizinischer Akten und nicht um eine zusätzliche gutachterliche Würdigung neuer
medizinischer Unterlagen.
3.3 Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens bzw.
aufgrund versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen - zu denen die RAD-Berichte
gehören - entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit
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und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen mittels unabhängiger Begutachtung vorzunehmen (BGE 139
V 229 E. 5.2; BGE 135 V 469 ff. E. 4.4 und E. 4.7; Urteil des Bundesgerichts vom 12.
April 2017, 8C_839/2016, E. 3.2).
4.
4.1 Die vom Versicherungsgericht mit Urteil vom 9. Juli 2013 bestätigte Abweisung
des Leistungsbegehrens vom 16. Juni 2011 stützte sich auf eine gutachterlich
ermittelte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30% für adaptierte Tätigkeiten bei
den Diagnosen chronisches Schmerzsyndrom sowie leicht bis mittelgradige depressive
Störung (Gutachten MEDAS vom 24. März 2011, IV-act. 145-14). Gemäss
vorstehenden Erwägungen ist nachfolgend zu prüfen, ob eine seitherige Veränderung
des Gesundheitszustandes sowie der Arbeitsfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist.
4.2 Dr. E._, Schmerzklinik F._, diagnostizierte gemäss Bericht vom 24. September
2015 einen Anulus-fibrosus-Einriss und eine myofasziale Dysfunktion und erhob den
Verdacht auf einen ISG-Reiz, differenzialdiagnostisch ein lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom und zum Ausschluss eine Meralgie rechts. Er kam zum Schluss, eine
eingeschränkte Schmerzmodulation sei anzunehmen. Der Beschwerdeführer zeige
sowohl grundsätzlich als auch bei der Explikation der Schmerzen ein sehr
demonstratives Verhalten. Allerdings bestehe bei Patienten mit psychiatrischen
Komorbiditäten und insbesondere Akzentuierungen immer das Risiko, dass co-
indizierte somatische Ursachen, gegebenenfalls auch neu aufgetretene somatische
Ursachen, übersehen würden. Er gehe nicht davon aus, dass die genannten
Verdachtsdiagnosen die seit nun 15 Jahren bestehende Schmerzsymptomatik komplett
bestimmen und erklären könnten, jedoch erachte er diesbezügliche weitere
Abklärungen (Bildgebung, diagnostische Infiltrationen u.a.) für notwendig (IV-act. 189).
RAD-Arzt Dr. H._ äusserte sich hierzu am 20. September 2016, der von Dr. E._
erwähnte Anulus-fibrosus-Einriss L5/S1 sei bereits in MRI-Berichten vom 15. Februar
2001 und vom 10. Juli 2007 beschrieben und sei Voraussetzung für das Entstehen
einer Diskushernie. Beim äusserst demonstrativen Schmerzpatienten sei eine ISG-
Reizung – selbst wenn sie gesichert wäre – irrelevant. ISG-Reizungen seien nicht
invalidisierend. Ähnlich verhalte es sich mit dem Verdacht auf eine Meralgia rechts.
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Dieser entbehre beim Beschwerdeführer einer rationalen Grundlage. Weitere
medizinische Abklärungen seien kontraindiziert, weil sie dem Beschwerdeführer
signalisieren würden, eine somatische Ursache sei verantwortlich für seine
Beschwerden. Das Problem sei jedoch eine Störung der Schmerzwahrnehmung im
Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sowie ein sehr demonstratives
Verhalten (act. G 3.1). Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass die von Dr. E._
vorgeschlagenen weiteren Abklärungen erfolgt sind, und der Beschwerdeführer reichte
auch keine weiteren medizinischen Akten ein. Es bestehen somit keine Anhaltspunkte
dafür, dass sich der Beschwerdeführer anders oder zusätzlich behandeln lässt.
Zusammen mit der von Dr. E._ bestätigten sehr demonstrativen Haltung sowie den
Aussagen des RAD-Arztes kann nicht davon ausgegangen werden, dass in
somatischer Hinsicht eine Verschlechterung eingetreten ist.
4.3
4.3.1 Dr. B._ behandelte den Beschwerdeführer im Psychiatrie-Zentrum C._ vom
24. Februar bis 3. Juni 2015 teilstationär und diagnostizierte dabei eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.40), Probleme mit Bezug auf
Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10: Z73) sowie eine mittelgradig
depressive Episode (ICD-10: F32.1; IV-act. 188-1; vgl. auch IV-act. 177-1). Er
attestierte eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit mit ungünstiger Prognose hinsichtlich
einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 177-1). Nach Abschluss der Therapie hielt
er fest, der Beschwerdeführer sei bemüht gewesen, an den verschiedenen
Gruppentherapien mitzumachen, soweit ihm dies möglich gewesen sei. Die
depressiven Symptome (Unfähigkeit, Freude zu empfinden, Hoffnungslosigkeit,
Niedergestimmtheit, Grübeln) stünden im Zusammenhang mit der seit Jahren
bestehenden Schmerzproblematik und hätten nicht namhaft verringert werden können.
Von der Tagesstruktur und den sozialen Kontakten sowie der "Verpflichtung", aus dem
Haus zu gehen, habe der Beschwerdeführer dennoch profitieren können. In den
Gesprächen sei Resignation über die seit Jahren bestehende, veränderte
Lebenssituation im Vergleich zur Vergangenheit spürbar gewesen und ausserhalb der
Tagesklinik sei kaum eine Aktivierung in Bezug auf zu entdeckende Ressourcen
möglich gewesen. Der Beschwerdeführer besuche nach dem Austritt aus der
Tagesklinik zweimal wöchentlich die ambulante Gruppentherapie im Psychiatrie-
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Zentrum und wolle die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung bei med.prakt.
D._ weiterführen (IV-act. 188). Dieser schätzte den Beschwerdeführer aufgrund einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) und einer mittelgradigen
depressiven Episode (ICD-10: F32.1) aus psychiatrischer Sicht weiterhin vollständig
arbeitsunfähig. Der Beschwerdeführer zeige ein ausgeprägtes Schmerzverhalten. Er
klage über ständige, vor allem lumbale Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die
Beine, starke Konzentrations¬störungen, schmerzbedingte Schlafstörungen,
Insuffizienzgefühle, Zukunftsängste und häufigen Lebensüberdruss. Er wirke gedrückt
und sei inhaltlich eingeengt auf das ausgeprägte Schmerzerleben (Bericht vom 8. April
2016, IV-act. 198-5 f.). Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit begründete er mit dem in
den Konsultationen beobachtbaren ausgeprägten Schmerzverhalten sowie den
Angaben des Beschwerdeführers über die Einschränkungen, welche sich in seiner
Alltagsbewältigung durch die Beschwerden ergäben. Sie stelle eine Einschätzung aus
der Sichtweise als Behandler dar (Bericht zuhanden der Rechtsvertreterin vom 30. Juni
2016, IV-act. 206). Der psychiatrische Gutachter der MEDAS Ostschweiz hatte
festgehalten, die Schmerzproblematik sei auch im Untersuchungsgespräch
inkonsistent erschienen. Manchmal sei der Beschwerdeführer mit geradem Rücken
dagesessen, habe sich kaum bewegen können. Beim Gespräch habe er abgelenkt
gewirkt und sei zwischendurch auch entspannt in seinem Stuhl gesessen. Das gezeigte
Zustandsbild entspreche den bereits in den Akten vermerkten
Verdeutlichungstendenzen und der Selbstlimitierung. Im Widerspruch zur gezeigten
Krankheit stünden auch die Aktivitäten; der Beschwerdeführer könne bis zu 40 Minuten
Auto fahren und besuche regelmässig Clubs in Bad Ragaz und Buchs. Daneben hätten
auch zwei durchgeführte Selbstbeurteilungstests eine deutliche Tendenz zur
Aggravation gezeigt (IV-act. 146-26 f.).
4.3.2 RAD-Ärztin Dr. J._ nahm dazu Stellung, die von med.prakt. I._ (im Gutachten
von 24. März 2011) beschriebene Symptomatik weiche nicht wesentlich von der
während der tagesklinischen Behandlung im Frühjahr 2015 gezeigten Symptomatik ab.
Bei der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode sei der Affekt für den
behandelnden Psychiater im Normalfall erhebbar und es werde berichtet, ohne auf die
subjektiven Angaben des Patienten abzustellen. Auch der Befund von subjektiv starken
Konzentrationsstörungen entspreche nicht einer üblichen psychopathologischen
Befunderhebung, bei der wo immer möglich eine Objektivierung der Symptome
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angestrebt werde. Starke Konzentrationsstörungen liessen sich in einer psychiatrischen
Konsultation gut beobachten und auch testen. Hätte med.prakt. D._ solche
beobachtet, würde er nicht lediglich von subjektiven Konzentrationsstörungen
berichten. Die wiederholte Angabe der Subjektivität der von med.prakt. D._
geschilderten Symptomatik, die er überdies bereits 2007 und 2008 erwähnt habe,
sowie auch das weiterhin beschriebene ausgeprägte Schmerzverhalten bei unverändert
diagnostizierter somatoformer Schmerzstörung lasse es aus psychiatrischer Sicht nicht
plausibel erscheinen, dass sich der Gesundheitszustand seit dem Referenzzeitpunkt
(Verfügung vom 16. Juni 2011, IV-act. 152, bzw. Gutachten MEDAS Ostschweiz vom
24. März 2011, IV-act. 146) wesentlich und anhaltend verändert habe. Med.prakt. D._
begründe die Arbeitsunfähigkeit mit dem beobachtbaren ausgeprägten
Schmerzverhalten, das aus der somatoformen Schmerzstörung resultiere. Bei dieser
Diagnose werde gegenüber dem Referenzzeitpunkt keine Veränderung angegeben.
Aus der Depressions-Diagnose werde sowohl von med.prakt. D._ als auch von Dr.
B._ nicht direkt ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beschrieben. Aus der Aktenlage
gehe weiterhin hervor, dass der Beschwerdeführer seine hauptsächlichen
Einschränkungen nach wie vor im somatischen Bereich sehe. Da diese
Schmerzsymptomatik von allen beteiligten Psychiatern als im Vordergrund stehend
beurteilt werde, sei bei unverändert beschriebenem ausgeprägtem Schmerzverhalten
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
nicht plausibel nachvollziehbar (act. G 3.1). Der überzeugend begründeten
Einschätzung der RAD-Psychiaterin ist nichts beizufügen. Demnach ist auch in
psychiatrischer Hinsicht keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
ausgewiesen.
4.4 Den aktuellen Berichten lässt sich nicht entnehmen, dass die vom
Beschwerdeführer geklagten Beschwerden in höherem Masse konsistent objektivierbar
sind als gemäss dem Gutachten vom 24. März 2011. Mit dem RAD ist darauf
hinzuweisen, dass im Bericht der Schmerzklinik F._ vom 24. September 2015 nach
wie vor ein sehr demonstratives Verhalten beschrieben wird (Stellungnahme vom 22.
Februar 2016, IV-act. 191-3; vgl. IV-act. 189). Die RAD-Stellungnahmen vom 20./21.
September 2016 werfen keine begründeten Zweifel auf. Insbesondere liegen keine
Berichte behandelnder Ärzte oder Ärztinnen vor, welche die RAD-Einschätzungen in
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Frage stellen. Die Beschwerdegegnerin hat gestützt darauf einen Rentenanspruch zu
Recht verneint.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem unterliegenden
Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
5.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. Der
Bedeutung der Streitsache und dem notwendigen Aufwand angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Die Entschädigung ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2'800.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
5.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).