Decision ID: e891b38b-a1c1-5ab0-9a89-1d67f5dbd236
Year: 2015
Language: de
Court: FR_TC
Chamber: FR_TC_001
Canton: FR
Region: Espace_Mittelland
Law Area: civil_law

Sachverhalt
A. C._ und A._ waren Gesamteigentümerinnen der Art. eee, fff und ggg des Grundbuches der Gemeinde H._ bis A._ am 12. Mai 2015 infolge der Erbteilung als Alleineigentümerin dieser Grundstücke ins Grundbuch eingetragen wurde. Mit Bewilligung der Behörde für Grundstückverkehr des Kantons Freiburg wurde das landwirtschaftliche Gewerbe, bestehend aus Art. eee, fff und ggg Grundbuch der Gemeinde H._, vor über 20 Jahren an die zwei Pächter I._ und J._ verpachtet. Die Pachtverhältnisse liefen bis Februar 2013. Infolge vorzeitiger Kündigung von I._ auf Februar 2012, pachtete D._ mit Bewilligung der Behörde für Grundstückverkehr die bis dahin an I._ verpachteten knapp 19 ha Land (Art. eee und ggg Grundbuch der Gemeinde H._) für das verbleibende Jahr, d.h. bis am 29. Februar 2013 (act. 2/6-8). J._ war an einer Fortführung des Pachtverhältnisses nicht interessiert, so dass D._ auch das von ihm gepachtete Land ab Februar 2013 übernahm. Folglich bewirtschaftet D._ das ganze Heimwesen (Art. eee, fff und ggg Grundbuch der Gemeinde H._) seit Februar 2013 und bezahlt dafür den von der Behörde für Grundstückverkehr festgesetzten Pachtzins.
Am 30. April 2013 schloss A._ mit B._ einen Pachtvertrag für das landwirtschaftliche Gewerbe K._ enthaltend die Art. eee, fff und ggg des Grundbuches der Gemeinde H._, unter dem Vorbehalt, dass sie Alleineigentümerin des Pachtobjekts werde.
B. Mit Feststellungsklage vom 10. März 2014 beantragte D._, es sei festzustellen, dass zwischen ihm und der Erbengemeinschaft des L._, bestehend aus C._ und A._, bezüglich deren landwirtschaftlichen Gewerbes in K._ (Art. eee, fff und ggg Grundbuch der Gemeinde H._) ein Pachtvertrag mit Wirkung ab dem 1. März 2013 bestehe.
In ihrer Klageantwort vom 28. Mai 2014 erklärte C._ Streitabstand.
Die Beklagte A._ sowie der Streitberufene B._ beantragten in ihren Klageantworten vom 18. August 2014, die Klage sei abzuweisen, und es sei festzustellen, dass zwischen D._ und der Erbengemeinschaft des L._, bestehend aus C._ und A._, bezüglich deren landwirtschaftlichen Gewerbes in K._ (Art. eee, fff und ggg Grundbuch der Gemeinde H._) kein Pachtvertrag für das landwirtschaftliche Gewerbe als Ganzes bestehe.
C. Mit Urteil vom 31. März 2015 kam das Zivilgericht der Sense zum Schluss, dass zwischen D._ und den Erben des L._, nämlich C._ und A._, bezüglich deren landwirtschaftlichen Gewerbes in K._ (Art. eee, fff und ggg Grundbuch der Gemeinde H._) ein Pachtvertrag mit Wirkung ab dem 1. März 2013 abgeschlossen wurde und dass A._ mit Wirkung ab dem 1. April 2014 Alleineigentümerin des Pachtgegenstandes wurde. Die Klage gegen C._ wurde abgewiesen und die Prozesskosten wurden A._ zu 4/5 und B._ zu 1/5 auferlegt.
D. Mit Eingaben vom 1. Juni 2015 erhoben sowohl A._ (nachfolgend: die Berufungsklägerin) als auch B._ (nachfolgend: der Streitberufene) gegen dieses Urteil Berufung. Sie beantragen, die Berufung sei gutzuheissen und das Urteil vom 31. März 2015 sei aufzuheben. Es sei festzustellen, dass zwischen D._ und der ehemaligen Erbengemeinschaft des L._, bestehend aus C._ und A._, bezüglich deren landwirtschaftlichen Gewerbes in K._ (Art. eee, fff und ggg Grundbuch der
Kantonsgericht KG Seite 3 von 18
Gemeinde H._) kein Pachtvertrag für das landwirtschaftliche Gewerbe als Ganzes bestehe. Sämtliche Begehren von D._ seien zu verweigern. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten von D._.
In ihrer Berufungsantwort vom 7. September 2015 beantragt C._, die Berufung sei abzuweisen. Die Gerichtskosten vor dem Kantonsgericht seien den Berufungsklägern aufzuerlegen und ihr sei eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen.
Mit Berufungsantwort vom 11. September 2015 beantragt D._ (nachfolgend: der Berufungsbeklagte), die Berufung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen abzuweisen.
Am 30. Oktober 2015 reichte der Streitberufene eine Stellungnahme ein, zu welcher der Berufungsbeklagte mit Eingabe vom 10. November 2015 Stellung bezog.
Auf die Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird nachfolgend, soweit erforderlich, ausführlich eingegangen. Im Übrigen wird auf die Akten verwiesen.

Erwägungen
1. Die von der Berufungsklägerin (102 2015 134) und dem Streitberufenen (102 2015 135) eingereichten selbständigen Berufungen betreffen dasselbe Hauptverfahren und sind daher zu vereinigen (Art. 125 lit. c ZPO). Sie werden unter der Dossiernummer 102 2015 135 weitergeführt.
2. a) Erstinstanzliche End- und Zwischenentscheide in vermögensrechtlichen Streitigkeiten sind mit Berufung anfechtbar, wenn der Streitwert mindestens CHF 10'000.- beträgt (Art. 308 ZPO). Zur Berechnung des erforderlichen Streitwertes wird auf die zuletzt aufrechterhaltenen, d.h. die in den Schlussvorträgen (Art. 232 ZPO) streitig gebliebenen Rechtsbegehren abgestellt. Massgebend sind damit die bis zur Eröffnung des erstinstanzlichen Entscheids vorgebrachten Erklärungen der Parteien und nicht der erstinstanzliche Entscheid selbst, die Rechtsmittelanträge oder die Parteierklärungen im Rechtsmittelverfahren (REETZ/THEILER in SUTTER-SOMM/HASENBÖHLER/ LEUENBERGER, Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2010, Art. 308 N 39; STERCHI, in HAUSHEER/WALTER, Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Band II, Art. 308 N 29 ff.).
Streitgegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens ist die Feststellung eines landwirtschaftlichen Pachtverhältnisses. Der Streitwert im Berufungsverfahren beträgt CHF 306‘000.- (9 x den jährlichen Pachtzins von CHF 34‘000.-), folglich übersteigt er CHF 10‘000.-, so dass die Voraussetzungen von Art. 308 Abs. 2 ZPO erfüllt sind.