Decision ID: ab4177ec-637e-59ea-813e-f146ab52155b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 3. Oktober 2020 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte und im Personalienblatt (SEM Akten 1077204-1/2) angab, er
sei minderjährig,
dass ein Abgleich der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (EURO-
DAC) vom 6. Oktober 2020 ergab, dass der Beschwerdeführer am 12. Au-
gust 2020 in Italien illegal in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten einge-
reist ist (vgl. Akte 6/1),
dass das SEM am 6. beziehungsweise 7. Oktober 2020 die italienischen
Dublin-Behörden um zusätzliche Informationen ersuchte (vgl. Akte A10/3
und A11/2),
dass die italienischen Behörden in ihrem Antwortschreiben vom 16. Okto-
ber 2020 (vgl. Akte A13/2) festhielten, der Beschwerdeführer sei in Italien
mit dem von diesem selbst angegebenen Geburtsdatum vom (...) 1990 re-
gistriert worden; in Italien habe sich der Beschwerdeführer nicht als Min-
derjähriger ausgegeben; in Italien habe er kein Asylgesuch eingereicht, er
sei illegal in Italien eingereist und es seien keine Familienmitglieder dort
bekannt,
dass am 30. Oktober 2020 im Bundesasylzentrum (BAZ) in B._
die Erstbefragung (EB) durchgeführt wurde,
dass der Beschwerdeführer im BAZ im Beisein seiner Rechtsvertretung
summarisch zu seinen Personalien befragt wurde und er dabei angab, er
sei minderjährig und am (...) 2003 (vgl. Akte 1077204-17/16, Ziffer 1.06, S.
3 oben) geboren; die Angabe im Personalienblatt (geboren am [...] 2004;
Akte A1/2) sei unrichtig,
dass dem Beschwerdeführer im Rahmen der EB das rechtliche Gehör zu
einem allfälligen Nichteintretensentscheid, zu der vom SEM angenomme-
nen Volljährigkeit sowie zur Möglichkeit einer Überstellung nach Italien ge-
währt wurde,
dass er dabei vortrug, er denke, dass er 17-jährig sei, nachdem seine Mut-
ter ihm sein Geburtsdatum mit «(...) 2003» mitgeteilt habe,
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dass das SEM im Rahmen der EB den Beschwerdeführer mit dem Um-
stand konfrontierte, wonach er gegenüber den italienischen Behörden of-
fenbar erklärt habe, am (...) 1990 geboren zu sein, weshalb er in Italien
entsprechend registriert worden sei,
dass der Beschwerdeführer im Weiteren darauf aufmerksam gemacht
wurde, dass er seinen Angaben auf dem selbst ausgefüllten Personalien-
blatt zufolge am (...) 2004 geboren sein wolle,
dass das SEM dem Beschwerdeführer mitteilte, er werde als volljährig, mit
Geburtsdatum «(...) 2002» registriert und behandelt (vgl. Akte 17, Ziffer
8.01),
dass das SEM die italienischen Behörden am 4. November 2020 um Über-
nahme des Beschwerdeführers (take charge) ersuchte und im Gesuch mit-
teilte, der Beschwerdeführer mache geltend, minderjährig zu sein, was
aber nicht glaubhaft geworden sei (SEM Akte A231/7),
dass die italienischen Behörden das Gesuch um Übernahme innert Frist
nicht beantworteten,
dass das SEM mit Verfügung vom 6. Januar 2021 – eröffnet am 7. Januar
2021 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien an-
ordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens
am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den
Beschwerdeführer verfügte,
dass das SEM im Weiteren das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im
Zentralen Migrationsinformationssystem ZEMIS auf den (...) 2002 mit Be-
streitungsvermerk setzte (Ziff. 6 des Verfügungsdispositivs),
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 14. Januar 2021 (Postauf-
gabe) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde erhob und dabei beantragte, die SEM-Verfügung vom 6. Januar
2021 sei aufzuheben; die Vorinstanz sei anzuweisen, das Geburtsdatum
des Beschwerdeführers im ZEMIS auf den (...) 2003 zu ändern und auf
das Asylgesuch einzutreten; eventualiter sei die angefochtene Verfügung
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aufzuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachver-
halts an das SEM zurückzuweisen,
dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht weiter beantragt wurde, die
Vorinstanz und die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, einstweilig von
Vollzugsmassnahmen abzusehen, der vorliegenden Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zu erteilen, dem Beschwerdeführer sei die unent-
geltliche Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses sei zu verzichten,
dass zur Begründung ausgeführt wurde, dem SEM obliege die Beweislast
dafür, dass die im ZEMIS eingetragenen Daten korrekt seien; die ein Be-
richtigungsbegehren stellende Person habe die Richtigkeit der von ihr ver-
langten Änderung der ZEMIS-Daten, die Bundesbehörde dagegen im Be-
streitungsfall die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personendaten zu be-
weisen,
dass gemäss geltender Rechtsprechung das Erscheinungsbild eines Ge-
suchstellers nur allgemeine Schätzungen (des Alters) zulasse, wobei vor-
liegend festzuhalten sei, dass aufgrund der aktuellen Pandemie die EB mit
Gesichtsmasken durchgeführt worden sei, weshalb das äussere Erschei-
nungsbild beim Beschwerdeführer keinen genauen Rückschluss auf des-
sen Voll- oder Minderjährigkeit zulasse,
dass die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem minderjährigen Alter
nachvollziehbar, detailreich und mit Realkennzeichnen versehen ausgefal-
len seien,
dass der Beschwerdeführer bei der EB schlüssige Angaben zu seiner
Schulzeit zu Protokoll gegeben habe, wonach er im Alter von sechs Jahren
eingeschult worden sei und zehn Jahre lang die Schule besucht habe, wes-
halb sich seine Angaben zum Zeitpunkt des Schulabbruchs mit seiner wei-
teren Angabe, im Zeitpunkt der EB 17-jährig zu sein, decken würden,
dass der Beschwerdeführer im Weiteren nie explizit zu Protokoll gegeben
habe, das Personalienblatt mit der Angabe des Geburtsdatums «(...)
2004» selbst handschriftlich ausgefüllt zu haben,
dass der Beschwerdeführer weiter nachvollziehbar erklärt habe, dass er in
Italien weder nach seinem Geburtsdatum noch nach seinem Alter gefragt
worden sei, das Geburtsdatum «(...) 1990» nie genannt habe und es of-
fensichtlich sei, dass er im Zeitpunkt der EB nicht 30-jährig gewesen sei,
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dass folglich der Beschwerdeführer als unbegleiteter Minderjähriger zu be-
trachten und die Schweiz gemäss Art. 8 Abs. 4 der Verordnung (EU)
Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen o-
der Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), sein Asylgesuch
zu prüfen habe, was zudem dem Kindeswohl entsprechen würde,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am 18. Ja-
nuar 2021 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG),
dass die Instruktionsrichterin mit Verfügung vom 18. Januar 2021 den Voll-
zug im Sinne einer superprovisorischen Massnahme einstweilen aus-
setzte,
dass die Instruktionsrichterin mit Verfügung vom 20. Januar 2021 das Be-
schwerdeverfahren betreffend Zemis-Berichtigung unter der neuen Verfah-
rensnummer E-254/2021 vom vorliegenden Verfahren betreffend Nichtein-
treten auf das Asylgesuch und Wegweisung nach Italien (Dublin-Verfahren)
abtrennte,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass das Verfahren betreffend Zemis-Berichtigung praxisgemäss vom vor-
liegenden Verfahren abgetrennt wurde und unter der neuen Verfahrens-
nummer E-254/2021 weitergeführt wird,
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dass sich das vorliegende Verfahren lediglich auf den Nichteintretensent-
scheid des SEM und die angeordnete Wegweisung nach Italien (Dublin-
Verfahren) bezieht,
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb der Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften-
wechsel verzichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird,
dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein-
geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt
wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge)
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden sind, und dabei von der Situ-
ation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen ist, in dem der Asylsuchende
erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat (Art. 7 Abs. 2 Dub-
lin-III-VO; vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2; FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verord-
nung, Wien 2014, K4 zu Art. 7),
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dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back)
demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach
Kapitel III stattfindet (vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2.1 m.w.H.),
dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig-
keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zu-
ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den
eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grund-
rechte der Europäischen Union (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfol-
gend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den Regeln der
Dublin-III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden
kann,
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht),
dass das SEM in der angefochtenen Verfügung überzeugend begründete,
weshalb die behauptete Minderjährigkeit nicht glaubhaft gemacht worden
sei, und dass die in der Rechtsmitteleingabe vorgetragenen diesbezügli-
chen Erklärungen nicht überzeugend ausfallen,
dass der Beschwerdeführer keine Identitätspapiere einreichte und seine
Erklärung, er habe seine Tazkira in Italien verloren, stereotyp erscheint,
dass der Beschwerdeführer unter anderem zu Protokoll gab, er kenne sein
Geburtsdatum vom (...) 2003 nur im europäischen, nicht aber im afghani-
schen Kalender, da seine Mutter ihm dieses auf der Flucht in einem Wald
in der Türkei in dieser Form mitgeteilt habe, kurz bevor sie vom Schlepper
getrennt und in verschiedene Fluchtgruppen eingeteilt worden seien; die
Mutter habe ihm gesagt, wo immer er hinkomme, werde er bestimmt nach
seinem Geburtsdatum gefragt, und habe ihm seine Tazkira mitgegeben;
diese habe er aber nicht gelesen; vor der Mitteilung durch seine Mutter
habe er nie Anlass gehabt, sein Alter zu kennen; respektive er wisse noch,
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dass er mit sechs Jahren in die Schule gekommen sei, weil sein Vater da-
mals den Schulbehörden gesagt habe, der Sohn sei sechs Jahre alt (vgl.
Akte 17/16, Ziff. 1.06, 4.03, 9.01),
dass das SEM diese Angaben zutreffend als unplausibel und teils wider-
sprüchlich eingeschätzt hat und das Gericht diese Einschätzung vollum-
fänglich teilt und sich insbesondere nicht den Ausführungen in der Be-
schwerde anzuschliessen vermag, diese Aussagen seien detailreich und
von Realkennzeichen geprägt,
dass das SEM ferner zutreffend auf die widersprüchlichen Angaben betref-
fend Geburtsdatum im Personalienblatt und in der EB hinwies und die Er-
klärung, andere afghanische Jugendliche hätten das Personalienblatt an-
stelle des Beschwerdeführers ausgefüllt, zumal angesichts von dessen an-
geblich zehnjähriger Schulbildung als nicht überzeugend würdigte,
dass in der Beschwerde ausgeführt wird, in den Personalienblättern werde
häufig die Rubrik "selbständig ausgefüllt" angekreuzt, auch wenn das nicht
zutreffe, und dass diesbezüglich Kopien aus einem anderen Asylverfahren
eingereicht werden (Beschwerdebeilagen 4 und 5), wo dies angeblich für
eine Analphabetin ebenfalls angekreuzt worden sei,
dass dies im vorliegenden Verfahren betreffend den Beschwerdeführer un-
behelflich bleibt,
dass das SEM ferner zutreffend darauf hinweist, der Beschwerdeführer
habe in Italien nicht geltend gemacht, er sei minderjährig, und aus den Aus-
künften der italienischen Behörden gehe hervor, er habe diesen gegenüber
als Geburtsdatum den (...) 1990 angegeben (vgl. Akte A13),
dass zwar ein angebliches Alter des Beschwerdeführers von 30 Jahren in
der Tat fraglich erscheint, dass aber die Behauptungen des Beschwerde-
führers, er sei in Italien nie nach seinem Alter oder Geburtsdatum gefragt
worden, ebenso habe niemand seine Tazkira sehen wollen, die er damals
noch in seinem Besitz gehabt habe (vgl. Akte 17/16, Ziff. 4.03, 5.02), nicht
zu überzeugen vermögen,
dass die Hinweise in der Beschwerde, aus dem Aussehen einer Person
lasse sich nicht zuverlässig auf deren Volljährigkeit oder Minderjährigkeit
schliessen, vorliegend unbehelflich bleiben, nachdem das SEM seine Ein-
schätzung, die behauptete Minderjährigkeit werde nicht glaubhaft, nicht mit
dem Aussehen des Beschwerdeführers begründet hat,
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dass im Übrigen auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung verwiesen werden kann und auch das Bundesverwaltungsge-
richt die behauptete Minderjährigkeit als nicht glaubhaft erachtet und von
der Volljährigkeit des Beschwerdeführers ausgeht,
dass das SEM diesbezüglich auf die Vornahme von medizinischen Alters-
abklärungen verzichten durfte und der Antrag, die Sache sei wegen nicht
genügender Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen
(Beschwerde Ziff. 5.1), abzuweisen ist,
dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 12. August 2020 illegal in Italien
einreiste,
dass das SEM die italienischen Behörden am 4. November 2020 um Über-
nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO er-
suchte,
dass die italienischen Behörden innerhalb der festgelegten Frist zum Über-
nahmeersuchen des SEM keine Stellung nahmen,
dass das SEM die italienischen Behörden mittels Verfristungsschreiben
vom 6. Januar 2021 über die Zuständigkeit Italiens für das Asyl- und Weg-
weisungsverfahren des Beschwerdeführers informierte (vgl. Akte 23),
dass der Beschwerdeführer nicht bestreitet, im August 2020 illegal in Italien
eingereist zu sein,
dass die illegale Einreise in Italien grundsätzlich die Zuständigkeit dieses
Staates für die Prüfung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens des Be-
schwerdeführers begründet (vgl. Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO), nachdem die
behauptete Minderjährigkeit nicht glaubhaft wird und Art. 8 Abs. 4 Dublin-
III-VO demnach keine Anwendung findet,
dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner EB zu Protokoll gab, er wolle
nicht nach Italien zurückkehren, da er dort «schlechte Erfahrungen» ge-
macht habe, nachdem er dort ohne Grund inhaftiert worden sei, wobei er
keine weiteren Ausführungen zu dieser Haft in Italien machte,
dass diese Einwände die Zuständigkeit Italiens nicht in Frage stellen und
Italien daher grundsätzlich für die Durchführung des Asylverfahrens zu-
ständig ist,
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dass es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfah-
ren und die Aufnahmebedingungen für Antragstellende in Italien würden
systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmensch-
lichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–
Grundrechtecharta mit sich bringen (vgl. hierzu auch die Referenzurteile
des BVGer E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 und D-2846/2020 vom
16. Juli 2020),
dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2
Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist,
dass der Beschwerdeführer auch keine individuellen völkerrechtlichen
Überstellungshindernisse aufzeigt,
dass Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen nachkommt,
dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), ergeben,
dass der Beschwerdeführer mit seinem Vorbringen, er wolle nicht nach Ita-
lien, weil er dort schlechte Erfahrungen gemacht und grundlos inhaftiert
worden sei, die Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dub-
lin-III-VO respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkre-
tisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom
11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) fordert, gemäss welcher das SEM
das Asylgesuch „aus humanitären Gründen“ auch dann behandeln kann,
wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge-
tan hat, die italienischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzunehmen
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und ein Ersuchen um internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln
der Verfahrensrichtlinie zu prüfen,
dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind,
Italien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missach-
ten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben
oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist
oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land ge-
zwungen zu werden,
dass auch nicht aufgezeigt wird, dem Beschwerdeführer drohe in Italien
eine völkerrechtswidrige Behandlung,
dass der Beschwerdeführer sodann keine konkreten Hinweise für die An-
nahme dargetan hat, Italien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnah-
merichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten,
und er sich im Übrigen nötigenfalls an die italienischen Behörden wenden
und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg ein-
fordern könnte (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie),
dass der Beschwerdeführer im Rahmen der EB angab, es gehe ihm ge-
sundheitlich gut (vgl. Akte 17 S. 2) beziehungsweise er könne nicht schla-
fen, es gehe ihm psychisch nicht gut, er nehme jedoch keine Medikamente
(vgl. Akte 17, Ziffer 8.02),
dass sich der Beschwerdeführer den Akten zufolge am Tag nach der EB,
am 31. Oktober 2020, bei der Gesundheitsbetreuung meldete, worauf ihm
das pflanzliche Medikament «Redormin» verschrieben wurde und für ihn
zwei weitere medizinische Sprechstundentermine angesetzt wurden (am
1. und 15. Dezember 2020), er jedoch sowohl für das Abholen des Medi-
kamentes als auch bei den beiden vereinbarten Sprechstunden nicht er-
schien (vgl. Akte A25/1),
dass der Hinweis in der Beschwerde, der Beschwerdeführer sei über diese
Arzttermine gar nicht informiert gewesen (Beschwerde Ziff. 5.2), nicht über-
zeugt, zumal der Beschwerdeführer während des gesamten vorinstanzli-
chen Verfahrens eine Rechtsvertretung hatte,
dass sich das Gericht bei dieser Sachlage der Einschätzung, der Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers sei im Hinblick auf eine Dublin-Über-
stellung nach Italien nicht genügend abgeklärt (Beschwerde Ziff. 5.2), nicht
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anschliesst und der Antrag, das Verfahren an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen, auch in diesem Zusammenhang abzuweisen ist,
dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen
Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK
darstellen kann,
dass dies insbesondere der Fall ist, wenn die betroffene Person sich in
einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in
Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rech-
nen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte
(vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Euro-
päischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]),
dass ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK gemäss neuerer Praxis des EGMR
aber auch vorliegen kann, wenn eine schwer kranke Person durch die Ab-
schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel-
staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen
und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands
ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen
Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR
Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10,
§§ 180–193 m.w.H.),
dass dies auf die Situation des Beschwerdeführers nicht zutrifft, und ihm
bei Bedarf auch in Italien eine medizinische Betreuung grundsätzlich zu-
gänglich wäre,
dass der Beschwerdeführer im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nicht
substanziiert dargetan hat, es würde ihm in Italien der Zugang zu einer
notwendigen Behandlung verweigert,
dass die Mitgliedstaaten den Antragstellern die erforderliche medizinische
Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforder-
liche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen
umfasst, zugänglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie),
und den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen die erforderliche me-
dizinische oder sonstige Hilfe zu gewähren haben (Art. 19 Abs. 2 Aufnah-
merichtlinie),
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dass die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochte-
nen Verfügung beauftragt sind, bei Bedarf die italienischen Behörden vor-
gängig in geeigneter Weise über die spezifischen medizinischen Umstände
informieren werden (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO; vgl. hierzu Akte 27/1),
dass das Gericht davon ausgeht, im Falle der Überstellung von schwer er-
krankten Asylsuchenden nach Italien, die nach ihrer Ankunft auf sofortige
medizinische Versorgung angewiesen sind, seien individuelle Zusicherun-
gen betreffend die Gewährung der nötigen medizinischen Versorgung und
Unterbringung in Italien einzuholen (vgl. die Referenzurteile E-962/2019
vom 17. Dezember 2019 und D-2846/2020 vom 16. Juli 2020),
dass dies indessen nicht der Situation des Beschwerdeführers entspricht,
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen
zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine
gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG)
durch die Vorinstanz zu entnehmen sind,
dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer
Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,
dass es nach dem Gesagten keinen Grund für eine Anwendung der Ermes-
sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO gibt und an dieser Stelle festzuhal-
ten bleibt, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3),
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-
oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die
Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss
Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das
Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nicht-
eintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE
2015/18 E. 5.2 m.w.H.),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen ist,
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dass der am 18. Januar 2021 angeordnete einstweilige Vollzugsstopp mit
vorliegendem Urteil dahinfällt und somit aufzuheben ist,
dass der in der Rechtsmitteleingabe gestellte Antrag auf Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen ist, nachdem die Beschwerde-
begehren, wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, als aus-
sichtslos zu bezeichnen sind, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65
Abs. 1 VwVG und Art. 102m AsylG vorliegend nicht erfüllt sind,
dass mit Ergehen des vorliegenden Urteils der Antrag, es sei auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses zu verzichten, gegenstandslos wird,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
(Dispositiv nächste Seite)
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