Decision ID: bf992663-ac2b-4c1b-860f-f89616a5a03d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1975,
(geschiedene) Mutter zweier Kinder und
ohne erlernten Beruf, war
zuletzt als
Mitarbeiterin/Betreuerin im
Y._
tätig,
welches Arbeitsverhältnis sie per Ende März 2012 selber kündigte. Im
Juni 2012
meldete sie sich
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf eine mittelschwere bis schwere depressive Episode zum Leistungsbe
zug an (Urk.
7/1
3
). Nach getätigten Abklärungen in
erwerblicher wie
medizini
scher Hinsicht
, namentlich nach Einholung von zwei psychiatrischen Gutachten,
sprach die IV
-Stelle der Ver
sicherten mit Verfügung vom 15. Oktober 2015 mit Wirkung ab 1.
Mai 2013 eine ganze Rente der Inval
idenversicherung zu (
Urk.
7/103). Eine dagegen erhobene Beschwerde
vom 16. November 2015
, mit welcher die Versicherte die
Zuspra
che
der
ganzen
Rente bereits ab dem 1.
Feb
ruar 2013 beantragt hatte (Urk.
7/114)
,
hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom
28.
September 2017
gut (
Urk.
7/142), worauf der Versicherten in Umsetzung des Urteils
mit Verfügung
vom 12.
Juni 2018 die ga
nze Rente neu mit Wirkung ab 1.
Februar 2013 zugesprochen wurde (vgl.
Urk.
7/165).
1.2
Bereits
a
m
2
7.
Januar 2017 hatte die IV-Stelle aufgrund einer anonymen Mel
dung
(vom 2
3.
Januar 20
1
7
;
Urk.
7/193) ein Revisionsverf
ahren
in die Wege
ge
leitet (Urk.
7/132)
und
erste Abklärungen
(u
.
a
.
Facebook-
Recherche
und
Einho
lung von
Auskünfte
n
bei den Krankenkasse
n
)
getätigt
,
welche sie –
nach
dem
sie
das Verfahren
daraufhin
bis zum Urteil des hiesigen Gerichts
vom
28.
September 2017
pendent gehalten
hatte
–
am 5.
Febr
uar 2018 wieder
aufnahm
(Urk.
7/145).
Die IV-Stelle
ergänzte ihre
Abklärungen
(
holte
namentlich
Auskünfte
bei den
be
handeln
d
e
n
Ä
r
zte
n bzw.
der
Therapeut
i
n
ein
sowie tätigte
weitere
Facebook
-
R
e
cherchen
)
, zu deren Ergebnissen die
fall
zuständige
Psychiat
e
rin
des Regionalen Ärztlichen Dienstes der IV-Stelle (
RAD
)
am
2. Juli 2018
Stellung nahm
(
Urk.
7/175
).
Am 20.
August 2018 ging eine zw
e
ite
anonyme
Meldung
ein
(
Urk.
7/194).
Am 5.
Oktober 2018 fand
in der IV-Stelle
ein
persönliches
Gespr
ä
ch mit der Versicherten statt, im Rahmen dessen diese zu den getätigten Abklärun
gen
und zur vorgesehenen Rentensistierung
Stellung nehmen konnte
(Urk.
7/186). N
ach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(Vorbesche
id vom 5. Oktober 2018 [
Urk.
7/174
]
sowie Einwand vom 12. November 2018
[
Urk.
7/199
]
)
verfügte die IV-Stelle a
m 21.
Januar 2019
die Sistierung der Inva
lidenrente
, wobei sie einer allfälligen Beschwerde die auf
schiebende Wirkung ent
zog (Urk.
2).
2.
Dagegen liess die Versicherte am 21.
Februa
r 2019 Beschwerde erheben mit dem Antrag, die Verfügung vom 2
1.
Januar 2019 sei ersatzlos aufzuheben, unter all
fälligen Kosten- und Entschädigungsfolgen zulast
en der Beschwerdegegnerin (Urk.
1
S. 2
). Die IV-Stelle stellte mit Vernehmlassung
vom 18.
März 2019
Antrag auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
6), was der Versicherten mit Verfügung vom
1.
April 2019 zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird in Anwendung von Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herab
gesetzt oder aufgehoben (sogenannte Rentenrevision). Formell rechtskräftige Ver
fügungen und
Einspracheentscheide
müssen gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG in (pro
zessuale) Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versi
cherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Be
weismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Zudem kann der Versicherungsträger nach Art. 53 Abs. 2 ATSG auf
formell rechts
kräftige Ver
fügungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zweifellos un
richtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die Her
absetzung oder Aufhebung der Renten erfolgt jedoch nur für die Zukunft, es sei denn, der unrichtigen Ausrichtung liege eine Verletzung der gemäss Art. 77
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
zumutbaren Meldepflicht oder eine unrechtmässige Erwirkung zugrunde;
diesfalls
erfolgt die Herabsetzung oder Aufhebung der Renten rückwirkend vom Eintritt der für den Anspruch erhebli
chen Änderung (Art. 88
bis
Abs. 2 IVV).
1
.2
Nach Art. 77 IVV hat der Anspruchsberechtigte jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung, unter anderem namentlich eine solche seiner Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit sowie seiner persönlichen und gegebenenfalls seiner wirt
schaftlichen Verhältnisse, unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen (vgl. auch Art. 31 Abs. 1 ATSG).
1
.3
Die Verwaltung kann gestützt auf Art. 55 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 56 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
) ihre Leistungen im Rahmen vorsorglicher Massnahmen einstweilen einstellen (vgl. dazu Urs Müller, Das Verwaltungsverfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010,
Rz
2329; Franz
Schlauri
, Die Einstellung von Dauerleistungen in der Sozialversicherung,
in: Schaffhauser/
Schlauri
, Hrsg., Die Revision von Dauerleistungen, St. Gallen 1999, S. 191 ff., 216 ff.; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_45/2010 vom 12. April 2010 E. 2 mit Hinweisen). Dabei hat sie in gleicher Weise wie bei der Beurteilung der Frage, ob einem Entscheid suspensive Wirkung zukommt (vgl. Art. 11 der Verordnung über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSV, in Verbindu
ng mit Art. 55
VwVG
), eine Inte
ressenabwägung vorzunehmen und somit zu prüfen, ob die Gründe, die für die Wirksamkeit der vorsorglichen Anordnung sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung angeführt werden können.
1
.4
Bei der Abwägung der Gründe für und gegen eine einstweilige Sistierung von Rentenleistungen steht dem Interesse der Versicherung, eine Rückforderung we
gen der damit verbundenen administrativen Erschwernisse und der Gefahr der
Uneinbringlichkeit
nach Möglichkeit zu vermeiden, das Interesse der versicherten Person gegenüber, während der Dauer des Verfahrens den Lebensunterhalt ohne entsprechende Versicherungsleistungen bestreiten zu müssen. Für den Fall, dass die Erfolgsaussichten der versicherten Person im Hauptverfahren nicht eindeutig positiv sind, wird das Interesse der Verwaltung beziehungsweise der Versicherung an der Vermeidung administrativer Umtriebe und Verhinderung von Rückforde
rungsausfällen regelmässig höher gewichtet als dasjenige der versicherten Person, nicht in eine Notlage zu geraten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_110/2008 vom 7. Mai 2008 E. 2.3 und I 426/05 vom 8. August 2005 E. 2.3 mit Hinweisen).
1
.5
Der Entscheid über vorsorgliche Massnahmen fusst auf einer summarischen Prü
fung und stützt sich auf den Sachverhalt, der sich aus den vorhandenen Akten ohne zeitraubende weitere Erhebungen ergibt (vgl. Urteile des Bundesgerichts I 426/05 vom 8. August 2005 E. 2.2, I 57/03 vom 3. April 2003 E. 4.1 und U 21/02 vom 11. Dezember 2002 E. 7.2 und E. 8.2, je mit Hinweisen). Auch im Rechtsmit
telverfahren ist die Sache daher nicht eingehend abzuklären und wird der Ent
scheid in der Hauptsache nicht vorweggenommen. Vielmehr ist aufgrund der vor
handenen Akten zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine vorsorgliche Mass
nahme vorliegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_463/2009 vom
8.
Juli 2009 E. 3.2.2 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die eins
t
weilige Rentensistierung – zusammengefasst – damit, dass aufgrund der Ergebnisse der getätigten Abklärungen
, der Stellung
nahme des RAD sowie auch
der
Angaben der Versicherten
anlässlich des Ge
sprächs vom 5.
Oktober 2018 von
diversen Freizeitaktivitäten und daher auf
grund des Aktivitätsniveaus von
einer Verbesserung des Gesundheitszustandes auszugehen sei.
Sei jedoch
aufgrund der
summarischen Prüfung der
vorhandenen Akten eine ungemeldete Verbesserung anzunehmen
,
sei
en
die Voraussetzung
en
für eine Sistierung gegeben (Urk. 2).
2.2
Dagegen lässt die Versicherte zur Hauptsache geltend machen, dass
es sowohl an hinreichenden Verdachtsmomenten als auch an der für den Erlass vorsorglicher Massnahmen erforderlichen Dringlichkeit fehle, nachdem die IV-Stelle es wäh
rend 1.5 Jahren unterlassen habe, die ange
blichen Verdachtsmomente zu ver
ifi
zieren. Das Interesse der Beschwerdeführerin am Weiterbezug
der Rente sei bei dieser Sachlage höher zu gewichten als das mögliche Ausfallrisiko der Beschwer
degegnerin
(Urk.
1).
3.
3.1
Der ursprünglich rentenzusprechenden Verfügung wie auch dem
Urteil
des hiesi
gen Gerichts vom 28.
September 2017
(Urk. 7/142)
lag
in medizini
s
cher Hinsicht
im W
esentlichen das Gutachten von
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für
Psychia
trie und Psychotherapie, vom 9.
Januar 2015 (Urk.
7/72)
zugrunde
, welches sich als beweiswertig erwiesen hatte (vgl. E.4.2.1 des Urteils des hiesigen Gerichts
vom 2
8.
September 2017
).
Dr.
Z._
stellte
damals
unter anderem
fest
,
bei der Versicherten
bestehe extreme Freudlosigkeit und emotionale Teilnahmslosigkeit sowie Vermeidungsverhalten
, das sich in Rückzug äussere. Auch
bestehe durchgehend eine depressive Stim
mung, derzeit schweren Ausmasses, Interessen- und Freudeverlust an so gut wie allen Aktivitäten. Obwohl
die Versicherte
mit ihrem 18-jährigen Sohn die Woh
nung teile
, müsse objektiv ein sozialer Rückzug im Sinne von fehlenden inhalt
lichen sozialen Kontakten festg
e
stellt werden (
Urk.
7/72 S.
8
).
Aufgrund der sub
jektiven Angaben und objektiven Befunde (vgl.
Urk.
7/72 S. 7) diagnostizierte
Dr.
Z._
eine
– infolge sexueller Gewalt in der Kindheit wie auch Gewalt durch den (geschiedenen) Ehemann -
entwickelte
komplexe posttraumatische Belas
tungsstörung sowie eine rezidivie
rende depressive Störung,
ggw
. s
chwere Epi
s
ode
,
und erachtete die Versicherte als für alle Tätigkeiten als vollständig
arbeits
unfähig (S. 9).
In Beantwortung der Fragen
der IV-S
t
elle
gab sie unter anderem an,
d
as Aktivitätsniveau der Versicherten sei extrem niedrig. Sie gehe so gut wie keiner Tätigkeit nach, sei auch im Haushalt kaum aktiv und auf dauernde Anre
gung bzw. Initiative von aussen angewiesen.
Th
eoretisch
könne
die Versicherte
von einer
trauma
spezifischen
Ther
ap
ie profitieren
.
J
edoch
könne
selbst eine ge
lungene Traumatherapie die Leistungsfähigkeit nicht wesentlich verbessern
,
s
on
dern höchstens das Aktivitätsniveau im A
lltag günstig beeinflussen
, weswegen die Auferlegung einer
Schadenminderungspflicht
nicht sinnvoll sei (S.
10)
.
3.2
Die im Rahmen des durch die anonyme Meldung ausgelösten Revisionsverfahrens getätigten Abklärungen ergaben was folgt:
3.2.1
Hausar
zt
Dr.
med.
A._
, Facharzt
für
A
llg
emeine
I
nnere Medizin FMH, diagnos
tizierte
in seinem am 8.
März 2018 bei der IV-Stelle eingegangen
en
Bericht
eine m
ittelschwere bis schwere d
e
pressive Episode sowie ein metabolisches Syndrom seit 201
2.
Er gab an, die Versicherte befinde sich in der Türkei. Bei der letzten Kontrolle am
5.
Januar 2018 habe sie angegeben, die ehemalige Therapeutin (
B._
) behandle sie nicht mehr, sie suche eine neue Therapeutin.
Er attes
tierte der Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit
dem
23.
Februar
2012, weitere Angaben zur Arbeits
fähigkeit machte er nicht (Urk.
7/150).
3.2.2
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, sowie
lic
. phil
.
B._
,
Fachpsychologin für Psychotherapie, diagnostizierten
in ihrem am 16.
März 2018 bei der
IV-Stelle
eingegangenen Bericht
eine posttrau
matische Belast
ungsstörung sowie eine rezidivierende depressive St
örung
.
Sie
hielten im Wesentlichen fest, die Versicherte suche die Praxis nur noch sporadisch auf, weshalb eine aktuelle Einschätzung schwierig sei. Im Jahr 2013 sei die Ver
sicherte nach einer Abklärung in der
Traumasprechstunde
in der
D._
von diesem
zu einer ambulanten Behandlung überwiesen worden, da eine zunehmende Verschlech
t
e
rung des Zustandes beobachtet worden sei.
Nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit und in der Ehe habe sich eine schwer belastete Patientin mit depressivem Syndrom und ausgeprägter posttraumatischer Belastungsstörung gezeigt. Die Patientin sei anfänglich
regelmässig wöchentlich bis 14-
täglich zur Psychothera
pie erschienen, wobei der Zustand anhaltend instabil gewesen sei. Im Jahr 2016 hätten monatliche Sitzungen stattgefunden, im
Jahr
2017 Sitzungen alle vier Mo
n
a
te,
wobei die letzte Sitzung am 22.
Dezember
2018
(wohl:
2017
)
erfolgt sei
. Die Antid
e
pressiva würden durch den Hausarzt verschrieben
. Durch die unregelmäs
sigen Therapiestunden sei eine Beurteilung schwierig, trotz mehrfacher Therapie
versuche hab
e
sich bei dieser Patientin keine Besse
rung einstellen können, wes
halb
die Rente weiterhin gesprochen werden sollte
(Urk.
7/151).
3.2.
3
Die von der Verwaltung
am 2
6.
Januar 2017 und 1
1.
Juni 2018
durchgeführten
Recherchen
auf den zwei Facebook Profilen der Beschwerdeführerin
ergaben
– zusammengefasst -
verschieden
e
aus
den
Jahren 2012 bis 2017
dati
e
re
n
de
Ein
tragungen
. Auf den
-
soweit feststellbar
-
mehrheitlich in der Türkei
entstandene
n
Bilder
n
ist
die Versicherte
unter and
e
rem in den Jahren ab 2016
zusammen mit anderen Personen
bei
gesellschaftlichen Anlässen und
A
ktivi
t
äten
zu sehen
(u.a. am 1
1.
Mai 2016
in einem Park
[Urk. 7/177 S.
10]
,
am 12.
Mai
2016 in einer Arena
in der Nähe von Mersin [
Urk.
7/177 S. 8]
, an einer
1.
Mai-
Demonstration
[Urk.
7/
177 S.
11]
,
auf einem touristischen Ausflug
am 1
2.
Juli 2017
[Urk. 7/179 S.
4]
bzw
.
zusammen mit
Familienmitgliedern
oder
ihrem Partner
[
vgl. dazu Kom
mentie
rungen der Versicherten in Urk.
7/
186 S.];
vgl.
insbes.
Urk.
7/177 und Urk. 7/179
)
.
3.2.
4
Weiter ergaben die
im Jahr 2017 und 2018
bei den zuständigen
Krankenka
ssen
Kolping bzw.
Mutuel
eingeholten Akten eine deutliche Abnahme der abgerech
neten
Gesundheitskosten und insbesondere
der
Frequenz
der
in Anspruch genom
menen
Psychot
her
a
pien
seit 2015 und 2016
(vgl. zum Ganzen zusammenfassend Urk. 7/175 S. 3
; betr. Gesundheitskosten: 2012:
Fr.
35'759.70, 2013:
Fr.
24'241.35, 2014:
Fr.
22'051.55, 2015:
Fr.
9'163.30, 2016: nur wenige Behand
lungen in den Monaten Januar bis April, Juli und August, ebenso im Jahr 2017
).
3.
2.
5
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
vom
RAD
,
hielt mit Blick auf diese Unterlagen
zur Hauptsache
fest,
dass aufgrund der ein
geholten Angabe
n der Behandler (
Dr.
C._
/
lic
.
phil
.
B._
), wonach die Behandlungsfre
quenz seit 2016 auf ca
.
einmal monatlich und ab 2017 nur noch ca
.
alle 4 Monate abgenommen habe,
vermutet werden müsse
, dass es der Versicherten sicher ab ca. M
itte 201
6
bes
s
er
gegangen
sei
, da der Leidensdruck offensichtlich stark abgenommen habe
.
Auch aufgrund der Facebook-
Aktivitäten könne sicherlich keine mittel
-
oder gar
schwergradige
depr
e
ssive Symptomatik erkannt werden,
es
falle
zudem
auf,
dass die Versicherte auf den Fotos keinen depressiven Eindruck mache. Aufgrund dieser Bemerkungen müssten die Diag
nosen revidiert werden; insgesamt sei fraglich
,
ob überhaupt je eine mittel- bis
schwergradige
de
p
ressive Störung vorgelegen habe. Ebenfalls fraglich sei die Diagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, da hier doch einig
e Ungereimtheiten bestünden. Gru
ndsätzlich könne mindestens
eine
Teil-
Arbeitsfähigkeit angenommen werden, dies müsste jedoch mittel
s eines erneuten Gutachtens ver
ifiziert
oder falsifiziert
werden (
Urk.
7/175 S. 4 f.).
3.2.
6
Anlässlich des Gesprächs
vom 5.
Oktober
2018
bei der IV-Stelle
gab die Versi
cherte
z
u ihrem normalen Tagesablauf
befragt
an, sie stehe
zwischen
10.30
Uhr
und
11 Uhr auf, trinke Kaffee und rauche. Danach nehme sie die Medikamente.
Anschliessend sch
aue
sie
Nachrichten im Fernseher
und
frühstücke
danach
. Um 12.00
oder 13.00
Uhr
– je nach dem w
a
nn sie Hunger habe -
nehme sie das Mittagessen ein
.
Sie räume ein bisschen auf, mache
d
ie Küche, räume den Ge
schirrspüler aus, dann lege sie sich wieder hin;
tagsüber
müsse sie mindestens 2 Stunden schlafen. Sie bereit
e
dann das Abendessen vor,
welches sie
um ca
.
19.00 Uhr
einnehme.
Ihr Sohn komme jeweils
um
21.00
Uhr
von der Arbeit; wenn er früh komme, dann würden sie zusammen zu Abend essen; manchmal esse sie mit ihren beiden Schwestern. Nach dem Abendessen spiele sie jeden Abend eine halbe bis ganze Stunde
für sich
das kurdische Instrument
Baglama
; d
as tue ihr gut
(Urk. 7/186 S. 3).
Nach dem Musizieren schaue sie vielleicht einen Film, mit an
deren Leuten in den Ausgang gehe sie nicht. Vor dem Schlafen lese sie gerne. Gegen 22
.00
Uhr nehme sie Schlaftabletten, danach gehe sie schlafen (
Urk.
7/186 S. 4)
.
Sie habe aber auch ganz schlechte Tage
,
an denen sie
Krisen
habe und
weinen
müsse
. Denn sie schlucke alles und dann plötzlich explodiere sie, diese schlechten Tage habe sie ein
-
bis zw
eimal pro Woche
(
Urk.
7/186 S. 3).
Weiter gab
die Versicherte
unter anderem
an,
sie
sei im Sommer
zwei Wochen in der Türkei gewesen
,
wohin
sie alleine gereist sei
. Sie sei dort schwimmen gegan
gen, habe sich gesonnt und gelesen, sie habe auch bis 22.00 oder 24.00 Uhr
Musik gespielt.
In der Türkei habe sie einen Partner, jedoch dürfe sie nicht heiraten. Er sei pensioniert und sie habe IV, es gebe Probleme
,
wenn er hierherkomme, sie möchte keinen Ärger. Wenn er herkomme und sie heiraten würde
n,
würde sie arm, sie möchte jedoch nicht
mehr
vom Sozialamt leben
(Urk.
7/186 S. 5
)
.
4.
4.1
Zwar lassen sich zu
m gegenwärtigen Zeitpunkt
keine
zuverlässigen und
ab
schliessenden
Aussagen
über den
(
weiteren
)
Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf eine ganze Rente
machen
. Allerdings
bestehen
ernsthafte Zweifel
am Anspruch
, ergibt doch eine summarische
(vgl. E. 1.5
hievor
)
Prüfung der
Akten
,
dass
die
zur Begründung der Rentensistierung angeführte
vermutete
Verbesse
rung de
s Gesundheitszustandes
nachvollzogen werden k
önnte
. H
atte
Dr.
Z._
gestützt auf ihre Untersuchung im
Januar
2015
unter Hinweis darauf, dass die Versicherte so gut wie keiner Tätigkeit mehr nachgehe
,
ausgeführt,
dass
das Ak
tivitätsniveau der Versicherten extrem niedrig
sei und
der Beschwerdeführerin
eine
«
Freudlo
sigkeit an so gut wie allen Akt
ivi
t
äten
»
und (trotz Wohngemein
schaft mit ihrem Sohn)
eine
n
objektive
n
sozialen Rückzug und fehlende Kontakte
att
e
stie
rt
(E.
3.1
hiev
o
r
)
, ist schon allein
aufgrund der
Schilderungen
der
Versi
cherte
n anl
ässlich der Besp
re
chung vom 5.
Oktober 2018
ersichtlich, dass
beides
nicht (mehr) zutrifft
.
Denn
die Ve
r
sicherte
gab
dort
an
,
teilweise Haushalttätig
keiten zu verrichten (vgl.
auch
Urk. 7/186 S.
4
:
zuhause zu arbeiten
) und
H
obbies zu
haben
(Lesen,
Musizieren, Kochen
; vgl.
Urk.
7/186 S. 4
)
,
wobei namentlich das Sp
iel
mit der
Baglama
ihr
guttue
.
Damit ist - a
uch wenn sie te
ilweise schlechte Tage schildert -
im Vergleich
zu den Verhältnissen, welche bei der Begutachtung
durch
Dr.
Z._
angegeben wurden
,
von einem gesteigerten
Aktivitätsniveau auszugehen. Weiter
geht aus den
Angaben
der Beschwerdeführerin a
nlässlich der Besprechung
v
o
m
5.
Oktober 2018
hervor, dass sie
(wieder)
soziale Kontakte
pflegt
. So hat
sie
guten
Kontakt zu ihren
in der Schweiz
lebenden
Schwestern
und
deren
Kindern
(
Urk.
7/186 S. 4)
und
auch
zu ihrer
in der Türkei
lebenden
Familie
, wobei sie
dort
seit eineinhalb Jahren
auch
in
eine
r
Beziehung
mit einem Mann
lebt
(Urk.
7/186 S.
7)
.
Mithin
bestehen
gewichtige
Anhaltspunkte
darauf
, dass
jedenfalls
kein
erheblicher
soziale
r
Rückzug
mehr
besteht
, wie
er
noch
durch
Dr.
Z._
beschrieben wurde
und
bei einem schweren
,
zu gänzlicher Arbeitsun
fähigkeit führenden psychischen (v
.
a
.
auch depr
e
ssiven) Leiden zu erwarten wäre
. Dies
wird
denn
(auch)
durch die
in den Jahren
2016 bis 2017
von der Versicherten
getätigten Einträgen
auf
Facebook
best
ä
t
i
gt
. Auch wenn psychische Funktionen
anhand
von
Bildaufnahmen
allein
nur schwer
einschätzbar
sein dürften, ist die Versicherte
darauf jedenfalls
– obwohl sie
anlässlich des Gesprächs vom 5. Okto
ber 2018
auch angab, dass andere Leute
(
selbst ihre Kinder
)
«
zu viel
für sie
»
seien (Urk. 7/186 S.
3) -
überwiegend
in Gesellschaft und teilweise auch unter grösse
ren Menschenmengen bei verschiedenen
Anlässen
zu sehen
, was ebenfalls gegen einen erheblichen sozialen Rückzug spricht
(vgl. Urk.
7/177
).
Auf e
ine Verbesse
rung des Gesundheitszustandes
deutet
–
wiederum
bei summarischer Prüfung – die Aktenlage auch insoweit hin, als
dass seit 2016 eine Abnahme der Gesund
heitskosten sowie der
Frequenz der psychotherapeutischen Sitzungen
zu ver
zeichnen ist.
4.2
Aufgrund einer
Ge
samtschau
dieser Erkenntnisse
kann
nicht ausgeschlossen wer
den
und bestehen erhebliche Hinweise darauf
, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht (mehr) so darstellt, wie
er
der
Rentenzusprache
zu
grunde lag
, sondern vielmehr
-
zumindest
-
eine von der Beschwerdeführe
r
in
(
trotz entsprechendem
Hinweis in de
r rentenzusprechenden Verfügung; vgl.
Urk.
7/165 S. 3)
nicht gemeldete
gesundheitliche
Verbesserung eingetreten
sein könnte
.
Dass der Beschwerdeführerin aufgrund eines schweren psychischen Lei
dens
seit 2012 unverändert
keinerlei Erwerbs
t
ätigkeit mehr zumutbar
ist und sie daher
(weiterhin)
Anspruch auf eine ganze Rente hat
, wovon
das hiesige Gericht
mit Urteil vo
m
28. September 2017
noch
gestützt auf die Angaben von
Dr.
Z._
ausge
gangen war
,
erscheint
daher
jedenfalls
f
raglich
, was umso mehr gilt
, als im
Rahmen des laufenden Revisionsverfahrens
die
funktionelle
n Auswirkungen einer allfälligen Störung auf das
Leistungsvermögen
nun auch anhand
eines strukturier
ten
Beweisverfahrens zu prüfen sein
werden
.
Daran ändert nichts, dass
die behande
l
nde
n
Fachpersonen
Dr.
C._
sowie
lic
. phil
.
B._
in ihrem am 1
6.
März 2018 bei der IV-Stelle eingegangenen Bericht
dafür hielten
, dass
weiterhin
eine IV-Rente zu sprechen sei
; dies gilt schon daher, als
sie
sel
b
er ang
ege
b
en hatten
,
dass die Versicher
t
e die Praxis nur noch sporadisch auf
ge
such
t
habe
, und daher eine aktuelle Einschätzung schwierig sei
(Urk.
7/151)
.
A
ber a
uch das a
m 21.
Dezember 2018
im Rahmen einer Notfallkonsultation
in der Türkei ausgestellte, in der Beschwerde
inhaltlich
im Wesentlichen
wiedergege
b
e
ne (
Urk.
1 S. 6 f.)
ärztliche Zeugnis von
Dr.
F._
(Urk. 3/6) ändert nichts
,
denn
nach konstanter Rechtsprechung
ist
bei
behandelnden
Arztpersonen stets der Er
fahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter mit Blick auf ihre Ver
trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patien
ten aussagen
(vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin
geltend macht,
dass
die IV-Stelle
in der Lage ge
wesen wäre, bereits
aufgrund des ersten anonymen Hinweises
im Jahr 2017
im Rahmen des eingeleite
te
n Revisionsverfahrens
die Verdachtsmomente zu verifi
zieren
,
und
daraus folgert, dass
die
für den
E
rlas
s einer vorsorglichen Massnahme
notwendige Dringlichkeit
(vgl. dazu etwa BGE 127 II 137 E. 3)
nicht
(
mehr
)
ge
geben sei
(vgl.
Urk.
1 S. 7),
verfängt dies nicht
. Sie
übersieht,
dass
jedenfalls
in Bezug auf
künftige
,
bis zum
o
rdent
l
ichen Abschluss des
Revision
sverfahrens
allenfalls
weiterhin
zu
Unrecht
ausgeric
ht
ete
Renten
betreffnisse
die Dringlichkeit
nach wie
vor
besteht
. Auch s
oweit die
Beschwerdeführerin
einwenden lässt
,
dass die
von der
IV-Stelle
zusammengetragenen Verdachtsmomente
nicht im Wider
spruch zu den
der
Rentenzusprache
zugrunde
liegenden gutachterlichen Ausfüh
rungen von
Dr.
Z._
stünden
,
da
Dr.
Z._
eine Verbesserung
der Allta
gsfunk
tion bei weiterhin besteh
e
n
der Erwerbsunfähigkeit
ger
a
de
angenommen
habe
(vgl. wiederum
Urk.
1 S. 7)
, ändert
dies nichts. So
stellen
die
diesbezüglichen
Ver
lautb
a
rungen von
Dr.
Z._
zur Arbeitsfähigkeit
(wonach selbst eine gelun
gene Traumatherapie die Leistungsfähigkeit nicht «wesentlich» verbessern könne; vgl. E. 3.1
hievor
)
letztlich
lediglich
eine
- naturgemäss mit Unsicherheiten be
haftete -
Progno
s
e dar
.
4.4
Aus dem Gesagten folgt, dass nicht nur die offensichtlichen und überdies schüt
zenswerten finanziellen Interessen der Beschwerdegegnerin (Gefahr der
Unein
bringlichkeit
einer allfälligen Rückforderung
: E.
1.4
hievor
) für eine Rentensistie
rung spre
chen,
woran
i
m Übrigen
auch
nichts ändert,
dass
die
zwischenzeitlich beim Sozialamt vorstellig gewordene
Versicherte –
bevor sie wirtschaftliche Hilfe
beziehen
kann
–
das von ihr in der Türkei
kürzlich
erworbene
und
von ihrem Partner benutzte Auto
wieder
verkaufen
musste
(
Urk.
1 S. 6
; vgl. auch Schreiben der Gemeinde
G._
vom
2.
November 2018, Urk. 7/198)
;
so
ist
der Beschwerde
führerin ohne Weiteres
zuzumuten
, ihr in der Türkei gelegenes Vermögen zwecks Bestreitung ihres Lebensunterhalts zu veräussern, bevor sie Unterstützungsleis
tungen beansprucht
, auch wenn aus dem Wiederverkauf ein
gewisser
Minder
erlös
resultiert
. A
ber a
uch
d
ie Erfolgsaussichten in der Hauptsache (Hauptsachenprog
nose)
sprechen
für die Zulässigkeit
der Rentensistierung
.
Denn b
ezüglich Haupt
sachenprognose
kann
angesichts der
derzeitigen Aktenlage
nicht g
e
sagt werd
en
, die Erfolgsaussichten
der Beschwerdeführerin
seien
«eindeutig positiv». Vielmehr ist der Ausgang des Hauptverfahrens als offen zu bezeichnen.
4.5
Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen unter Hinweis darauf, dass die IV-Stelle das auf die Überprüfung des Leistungsanspruches gerichtete Revisionsverfahren selbstredend mit der gebotenen
Beförderlichkeit
voranzutreiben haben wird
(vgl. Ausführungen im angefochtenen Entscheid, wonach eine psychiatrische
Begut
achtung geplant sei; Urk.
2 S. 4).
5.
Das
vorliegende
Verfahren ist
kostenlos
, weil es nicht die Bewilligung oder Ver
weigerung von IV-Leistungen zum Gegenstand hat,
sondern lediglich die vorläu
fig unterbleibende Auszahlung
(e
contrario
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).