Decision ID: 366a9620-9f7e-53ec-be82-172d82938de9
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2017 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu einer
halben Rente der Invalidenversicherung an (act. G 3.1.66). Ein Sachbearbeiter der EL-
Durchführungsstelle notierte (act. G 3.1.45), dem EL-Ansprecher sei mit einer
Verfügung vom 30. Juni 2017 rückwirkend per 1. August 2013 eine Rente der
Invalidenversicherung zugesprochen worden, weshalb ein EL-Anspruch rückwirkend
ab dem 1. August 2013 zu prüfen sei. Für die Zeit vom 1. August 2013 bis zum 31. Mai
2016 habe ein Anspruch auf eine ganze Rente bestanden; ab dem 1. Juni 2016
bestehe ein Anspruch auf eine halbe Rente. Für die Zeit ab Juni 2016 müsse folglich
die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens geprüft werden. Mit einer
Verfügung vom 22. September 2017 sprach die EL-Durchführungsstelle dem EL-
Ansprecher rückwirkend ab dem 1. August 2013 eine Ergänzungsleistung zu (act. G
3.1.43). Bei der Anspruchsberechnung hatte sie für die Zeit ab dem 1. Juni 2016
gestützt auf den Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV ein hypothetisches Erwerbseinkommen von
19’290 Franken pro Jahr angerechnet (vgl. act. G 3.1.34, G 3.1.37 und G 3.1.41). Diese
Verfügung erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
A.a.
Mit einer Verfügung vom 18. Dezember 2017 erhöhte die EL-Durchführungsstelle
die laufende Ergänzungsleistung per 1. Januar 2018 (act. G 3.1.31). Bei der
Anspruchsberechnung hatte sie weiterhin ein hypothetisches Erwerbseinkommen von
19’290 Franken berücksichtigt (act. G 3.1.29). Am 4. Januar 2018 beantragte der EL-
Bezüger (act. G 3.1.28), dass die Ergänzungsleistung rückwirkend ab dem 1.
September 2017 ohne die Berücksichtigung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
neu berechnet und entsprechend erhöht werde. Zur Begründung führte er aus, dass er
sich ab September 2017 „sehr bemüht“ habe, eine Arbeitsstelle zu finden. Seine
Bemühungen seien aber erfolglos gewesen. Der Eingabe lagen ein Lebenslauf und
Nachweise der Stellenbemühungen in den Monaten September bis Dezember 2017
A.b.
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bei. Der EL-Bezüger hatte in seinem Lebenslauf unter anderem erwähnt, dass er über
„sehr gute“ mündliche und schriftliche Kenntnisse der deutschen Sprache verfüge. Er
hatte sich mit dem immer gleichen, zahlreiche Orthographie- und Grammatikfehler
enthaltenden Schreiben jeweils um eine „ausgeschriebene Stelle als Mitarbeiter“
beworben, obwohl es sich bei einigen der Bewerbungen um sogenannte
„Blindbewerbungen“, die sich gerade nicht auf eine ausgeschriebene Stelle bezogen
hatten, gehandelt hatte. Jeden Monat hatte der EL-Bezüger acht solche Bewerbungen
versandt. Eines der angeschriebenen Unternehmen hatte den EL-Bezüger am 19.
Dezember 2017 darauf hingewiesen, dass es nur noch elektronisch eingereichte
Bewerbungen entgegen nehme (act. G 3.1.28–8); der EL-Bezüger hatte auf dem
Übersichtsblatt für den Monat Dezember 2017 vermerkt, dass dieses Unternehmen
keine freie Stelle zu besetzen habe (act. G 3.1.28–5). Mit einer Verfügung vom 26.
Februar 2018 wies die EL-Durchführungsstelle das „Gesuch um Ausscheidung des
hypothetischen Einkommens“ ab (act. G 3.1.27). Zur Begründung führte sie an, gemäss
den ihr zur Verfügung stehenden Unterlagen (womit wohl die IV-Akten gemeint
gewesen sein dürften) halte sich der EL-Bezüger für nicht arbeitsfähig. Er habe keine
beruflichen Massnahmen der Invalidenversicherung in Anspruch genommen und er
habe in sämtlichen Verfahren geltend gemacht, er sei vollständig arbeitsunfähig. Erst
nachdem er einen abweisenden Vorbescheid der IV-Stelle erhalten habe, habe er
begonnen, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen. An seiner subjektiven Überzeugung,
dass er gar nicht arbeitsfähig sei, dürfte sich aber wohl nichts geändert haben. Die
eingereichten Arbeitsbemühungen belegten deshalb keine ausreichend ernsthafte
Stellensuche.
Am 26. März 2018 erhob der EL-Bezüger eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 26. Februar 2018 (act. G 3.1.2). Er beantragte die Zusprache einer ohne ein
hypothetisches Erwerbseinkommen berechneten Ergänzungsleistung. Zur Begründung
führte er aus, die EL-Durchführungsstelle habe die eingereichten Unterlagen gar nicht
gewürdigt. Sie habe sich darauf beschränkt, dem EL-Bezüger ein früheres Verhalten
zum Vorwurf zu machen. Massgebend müsse aber doch das aktuelle Verhalten sein.
Am 6. April 2018 machte er ergänzend geltend (act. G 3.2.14), die EL-
Durchführungsstelle habe ihre Beratungs- und Aufklärungspflicht verletzt, weil sie ihn
nicht auf die konkreten Mängel seiner Suchbemühungen hingewiesen habe. Am 20.
A.c.
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B.
Juni 2018 teilte die EL-Durchführungsstelle dem EL-Bezüger mit (act. G 3.2.12), er
habe noch am 14. September 2017 gegenüber der IV-Stelle geltend gemacht, dass er
sich weiterhin als vollständig arbeitsunfähig erachte. Dieser Einwand sei erst am 1.
Dezember 2017 „zurückgezogen“ worden. Die EL-Durchführungsstelle forderte den EL-
Bezüger auf, die Stellenbemühungen für die Monate Januar bis und mit Juni 2018
einzureichen und schriftlich zu bestätigen, seit wann er sich wieder arbeitsfähig fühle
und welches Stellenprofil er derzeit als für sich angepasst erachte. Sie wies ihn darauf
hin, dass sie von ihm mindestens drei Bewerbungen um ausgeschriebene und
zusätzlich vier Spontanbewerbungen pro Monat erwarte. Bezüglich der Qualität gälten
die von den Durchführungsorganen der Arbeitslosenversicherung formulierten
Anforderungen. Der EL-Bezüger teilte der EL-Durchführungsstelle am 25. Juni 2018
telefonisch mit (act. G 3.2.11), dass er die Bewerbungen ab September 2017 auf eine
Anweisung des regionalen Arbeitsvermittlungszentrums hin getätigt habe. Er sehe sich
selbst erst seit dem 1. Dezember 2017 wieder als arbeitsfähig an. Das sei die Wahrheit.
In der Folge gingen der EL-Durchführungsstelle weitere Stellenbemühungsnachweise
zu (act. G 3.2.9). Gemäss den eingereichten Unterlagen hatte sich der EL-Bezüger
auch in den Monaten Januar bis Juni 2018 weiterhin mit dem bisherigen Schreiben um
acht Stellen pro Monat beworben, wobei er wiederum vorwiegend sogenannte
Blindbewerbungen getätigt, sich im jeweiligen Motivationsschreiben aber auf eine
„ausgeschriebene Stelle als Mitarbeiter“ bezogen hatte. Mit einem Entscheid vom 12.
Oktober 2018 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache gegen die Verfügung
vom 26. Februar 2018 ab (act. G 3.2.4). Zur Begründung führte sie an, der EL-Bezüger
habe sich nach eigenen Angaben erst ab Dezember 2017 arbeitsfähig gefühlt. Die ab
Dezember 2017 getätigten Arbeitsbemühungen seien aber durchgehend qualitativ
ungenügend, weshalb sie nicht geeignet seien, die Vermutung umzustossen, dass der
EL-Bezüger selbstverschuldet arbeitslos gewesen sei.
Am 31. Oktober 2018 erhob der EL-Bezüger (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 12. Oktober 2018 (act. G 1). Er
beantragte sinngemäss die Zusprache einer höheren Ergänzungsleistung. Zur
Begründung führte er aus, er bemühe sich wirklich um eine Arbeitsstelle, aber bislang
habe er keinen Erfolg gehabt. Bereits seit März 2017 sei er bei der Arbeitslosenkasse
B.a.
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Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer hat am 4. Januar 2018 ein Revisionsgesuch gestellt, mit dem er
eine (rückwirkende) Erhöhung der laufenden Ergänzungsleistung per 1. September
2017 beantragt hat. Das in der Folge eröffnete Verwaltungsverfahren hat sich deshalb
auf die Beantwortung der Frage beschränkt, ob sich der für die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens massgebende Sachverhalt in einer
angemeldet. Er habe die Nachweise seiner Stellenbemühungen immer pünktlich an das
regionale Arbeitsvermittlungszentrum und an die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend:
die Beschwerdegegnerin) gesendet. Das regionale Arbeitsvermittlungszentrum habe
seine Stellenbemühungen stets als ausreichend qualifiziert. Er verstehe nicht, weshalb
die Beschwerdegegnerin die Stellenbemühungen nicht akzeptiert habe.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. November 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen
Einspracheentscheid. Ergänzend hielt sie fest, dass sie die Stellenbemühungen
eigenständig bewerten müsse. Das sei besonders wichtig, wenn eine versicherte
Person – wie hier – keine Arbeitslosenentschädigung mehr beziehe, weil das Interesse
eines Beraters des regionalen Arbeitsvermittlungszentrums erfahrungsgemäss stark
abnehme, sobald kein Taggeld mehr ausbezahlt werden müsse.
B.b.
Der Beschwerdeführer hielt am 27. Dezember 2018 an seinem Antrag fest (act. G
5). Er machte geltend, dass er von seiner Beraterin des regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums Hinweise auf eine allfällige Verbesserungsmöglichkeit
bezüglich des Motivationsschreibens erwartet habe. Er frage sich, ob es glaubwürdiger
gewesen wäre, wenn er sich jeweils telefonisch beworben hätte. Er habe sich viel Mühe
gegeben. Ausser einem vom Vater bezahlten Sprachkurs habe er nie eine Schweizer
Schule besucht.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 7).B.d.
Am 30. Dezember 2019 reichte der Beschwerdeführer Nachweise über seine
Stellenbemühungen im Jahr 2019 ein (act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete
auf eine Stellungnahme (vgl. act. G 10).
B.e.
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anspruchsrelevanten Weise verändert hatte (vgl. Art. 17 Abs. 2 ATSG). Auch das sich
auf die Verfügung vom 26. Februar 2018 beziehende anschliessende
Einspracheverfahren hat sich auf die Beantwortung dieser Frage beschränken müssen,
weil sein Zweck darin bestanden hat, die Verfügung vom 26. Februar 2018 auf deren
Rechtmässigkeit zu prüfen. Entgegen der vom Bundesgericht vertretenen Auffassung
ist dafür in zeitlicher Hinsicht nur der Sachverhalt bis zur Eröffnung der angefochtenen
Verfügung vom 26. Februar 2018 massgebend gewesen, denn hätte die
Beschwerdegegnerin auch den Sachverhalt nach dem 26. Februar 2018 (bis zum
Erlass des Einspracheentscheides) berücksichtigt, hätte sie im Einspracheverfahren
eine originäre Sachverhaltswürdigung und Sachverhaltsbeurteilung vorgenommen.
Diesbezüglich hätte sich der Einspracheentscheid nicht als ein „echter“
Rechtsmittelentscheid, sondern als eine als Einspracheentscheid „verkleidete“
Verfügung erwiesen, die vom Beschwerdeführer aber nicht mit einer Einsprache hätte
angefochten werden können. Im Ergebnis hätte die Beschwerdegegnerin damit den
Rechtsmittelweg in einer unzulässigen Weise – ohne eine gesetzliche Grundlage und
ohne jede Notwendigkeit – bloss aus (vorgeblichen) verfahrensökonomischen Gründen
verkürzt. Die Verfahrensökonomie hätte diese Missachtung eines elementaren
Grundsatzes jedes Rechtsmittelverfahrens aber nicht rechtfertigen können (vgl. dazu
etwa den Entscheid EL 2016/34 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 21.
November 2017, E. 1.1, mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat sich also im
angefochtenen Einspracheentscheid zu Recht darauf beschränkt, den Sachverhalt bis
zum Erlass der Verfügung vom 26. Februar 2018 zu prüfen. Weil dieses
Beschwerdeverfahren die Überprüfung des angefochtenen Einspracheentscheides auf
dessen Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des mit dem
angefochtenen Entscheid abgeschlossenen Einspracheverfahrens entsprechen. Das
bedeutet, dass nur zu prüfen ist, ob bezüglich des für die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens massgebenden Sachverhaltes in der Zeit
zwischen der ursprünglichen Leistungszusprache am 30. Juni 2017 und dem
verfügungsweisen Abschluss des Revisionsverfahrens am 26. Februar 2018 eine
relevante Sachverhaltsveränderung eingetreten ist.
2.
Weil die Ergänzungsleistung den jeweils aktuellen, effektiven finanziellen Bedarf
eines EL-Bezügers abdecken soll, müssen bei der Anspruchsberechnung grundsätzlich
die tatsächlichen anerkannten Ausgaben den tatsächlich erzielten anrechenbaren
Einnahmen gegenübergestellt werden. Der Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG sieht jedoch als
Ausnahme von diesem Grundsatz die Möglichkeit vor, bei der Anspruchsberechnung
2.1.
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eine Einnahme anzurechnen, die real gar nicht erzielt wird, nämlich eine Einnahme, auf
die verzichtet worden ist. Damit soll verhindert werden, dass ein EL-Bezüger seinen
finanziellen Bedarf mit einer Ergänzungsleistung decken kann, den er bei Ausnutzung
der ihm zumutbaren Möglichkeiten aus eigener Kraft respektive aus eigenen Mitteln
hätte decken können. Der Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG regelt also das Vorgehen bei einer
Verletzung der EL-spezifischen Schadenminderungspflicht. Es besteht darin, dass der
Zufluss der real nicht erzielten Einnahme fingiert wird. Geht beispielsweise ein EL-
Bezüger keiner Erwerbstätigkeit nach, obwohl ihm dies möglich und zumutbar wäre,
wird bei der EL-Anspruchsberechnung jenes fiktive beziehungsweise hypothetische
Erwerbseinkommen angerechnet, das er erzielen könnte, wenn er der ihm möglichen
und zumutbaren Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Die Beantwortung der Frage nach
der Möglichkeit und Zumutbarkeit der Erzielung eines Erwerbseinkommens hängt von
der Arbeitsfähigkeit des EL-Bezügers, von allfälligen Betreuungspflichten und vom
Angebot an Arbeitsstellen auf dem massgebenden realen und aktuellen Arbeitsmarkt
ab.
Bei der ursprünglichen Zusprache einer Ergänzungsleistung am 30. Juni 2017 ist
der Beschwerdeführer teilinvalid gewesen; er hat eine halbe Rente der
Invalidenversicherung bei einem Invaliditätsgrad von 55 Prozent bezogen. Er hat keine
Betreuungspflichten erfüllen müssen, die ihn an der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
gehindert hätten. Weil sich der Beschwerdeführer nicht um eine Arbeitsstelle bemüht
und weil er sich auch gar nicht arbeitsfähig gefühlt hatte, ist die Beschwerdegegnerin
davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer eine Arbeitsstelle hätte finden
können, wenn er sich ausreichend darum bemüht hätte. Sie hat also angenommen,
dass der massgebende tatsächliche Arbeitsmarkt eine passende Arbeitsstelle für den
Beschwerdeführer bereitgehalten habe und dass es dem Beschwerdeführer folglich
zusammenfassend möglich und zumutbar gewesen wäre, ein Erwerbseinkommen zu
erzielen. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer aber nicht jenes
(hypothetische) Erwerbseinkommen angerechnet, das dieser unter Berücksichtigung
sämtlicher Umstände des konkreten Einzelfalls mutmasslich hätte erzielen können,
sondern sie hat in Anwendung des Art. 14a Abs. 2 ELV lediglich den Pauschalbetrag
für den allgemeinen Lebensbedarf als hypothetisches Erwerbseinkommen
berücksichtigt. Das dürfte falsch gewesen sein, weil keine gesetzliche Grundlage
existiert, die es erlauben würde, statt auf den konkreten Betrag auf eine Pauschale
abzustellen, und weil der im Art. 14a Abs. 2 ELV vorgesehene Pauschalbetrag in aller
Regel deutlich tiefer als jenes (hypothetische) Erwerbseinkommen ist, das ein EL-
Bezüger unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände des Einzelfalls erzielen könnte.
Die Anwendung des Art. 14a Abs. 2 ELV führt deshalb regelmässig zur Ausrichtung
2.2.
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einer an sich zu hohen Ergänzungsleistung. Die entsprechende Verfügung ist hier
allerdings nicht auf ihre Rechtmässigkeit zu überprüfen, weil sie längst in formelle
Rechtskraft erwachsen und damit verbindlich geworden ist.
Der Beschwerdeführer hat im Revisionsverfahren weder eine Veränderung seines
Gesundheitszustandes und damit seines Arbeitsfähigkeitsgrades noch neu
entstandene Betreuungspflichten behauptet. In den Akten deutet nichts auf eine
entsprechende Veränderung hin. Die einzige Veränderung besteht darin, dass der
Beschwerdeführer ab September 2017 begonnen hat, sich um eine Arbeitsstelle zu
bemühen. Damit hat er zwar nicht seine eigentliche EL-spezifische
Schadenminderungspflicht – die Erzielung eines Erwerbseinkommens – erfüllt, aber
dazu ist er ja ohne eine Arbeitsstelle auch gar nicht in der Lage gewesen. Mit seinen
Bemühungen um eine Arbeitsstelle könnte der Beschwerdeführer jedoch versucht
haben, die Voraussetzungen zur Erzielung eines Erwerbseinkommens zu schaffen.
Damit hätte er die der eigentlichen Schadenminderungspflicht (Erzielung eines
Erwerbseinkommens) „vorgelagerte“ Schadenminderungspflicht in der Form der
Stellensuche erfüllt. Wäre dies der Fall gewesen, müsste die fortdauernde
Arbeitslosigkeit nicht mehr als selbstverschuldet, sondern als unverschuldet qualifiziert
werden beziehungsweise es könnte nicht mehr länger davon ausgegangen werden,
dass der Beschwerdeführer auf dem massgebenden tatsächlichen Arbeitsmarkt eine
Arbeitsstelle hätte finden können. Das würde bedeuten, dass dem Beschwerdeführer
kein hypothetisches Erwerbseinkommen mehr angerechnet werden dürfte. Dazu
müssten die Arbeitsbemühungen aber als in Qualität und Anzahl ausreichend zu
qualifizieren sein. Das ist jedoch nicht der Fall. Der Beschwerdeführer hat sich
mehrheitlich um nicht ausgeschriebene Stellen beworben. Nach der allgemeinen
Lebenserfahrung sind solche „Blindbewerbungen“ kaum geeignet, eine realistische
Chance auf eine Anstellung zu verschaffen. Um seine Erfolgsaussichten zu erhöhen,
hätte sich der Beschwerdeführer um für ihn geeignete ausgeschriebene Stellen
bewerben müssen. Bei insgesamt lediglich acht Bewerbungen pro Monat mit jeweils
bloss einer oder zwei Bewerbungen um ausgeschriebene Stellen hat realistischerweise
keine Erfolgsaussicht bestanden, zumal das vom Beschwerdeführer verwendete
Motivationsschreiben ungeeignet gewesen ist, ein ausreichendes Interesse bei einem
potentiellen Arbeitgeber zu wecken. Obwohl sich der Beschwerdeführer mehrheitlich
um nicht ausgeschriebene Stellen beworben hat, hat sich sein Motivationsschreiben
dem Wortlaut nach stets auf eine „ausgeschriebene Stelle als Mitarbeiter“ bezogen. Für
jeden Adressaten dieses Schreibens ist also auf den ersten Blick erkennbar gewesen,
dass es sich um einen Standardtext gehandelt hat, dass der Beschwerdeführer folglich
nur einen minimalen Aufwand für die Stellenbewerbung getätigt hat, sodass er wohl
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
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3.
auch nur ein geringes Interesse an einer Anstellung gehabt hat. Das immer wieder
verwendete Motivationsschreiben enthält zahlreiche Orthographie- und
Grammatikfehler, die die im Lebenslauf enthaltene Behauptung, dass der
Beschwerdeführer über sehr gute Deutschkenntnisse verfüge, als wahrheitswidrig
entlarven. Der Beschwerdeführer hat sich nicht die Mühe gemacht, die gewünschte
Tätigkeit zu bezeichnen, sondern er hat sich einfach immer wieder als „Mitarbeiter“
beworben. Sein Motivationsschreiben hat keinerlei Bezug zur angeschriebenen
Unternehmung oder zur gewünschten Tätigkeit aufgewiesen. Der Beschwerdeführer
hat zwar behauptet, das regionale Arbeitsvermittlungszentrum habe seine
Bemühungen als ausreichend qualifiziert, aber angesichts der soeben beschriebenen
gravierenden Mängel der Bewerbungsunterlagen erscheint es als ausgeschlossen,
dass ein Personalberater die Bewerbungsunterlagen aufmerksam kontrolliert hat.
Möglicherweise ist eine allfällige Kontrolle weniger sorgfältig erfolgt, weil der
Beschwerdeführer keine Arbeitslosenentschädigung bezogen hat und weil das
regionale Arbeitsvermittlungszentrum deshalb kein finanzielles Interesse an einer
möglichst raschen Vermittlung einer Arbeitsstelle gehabt hat. Der Beschwerdeführer
dürfte wohl auch nicht mit Nachdruck auf eine sorgfältige Prüfung der Unterlagen und
auf eine eingehende Beratung bestanden haben. Das mangelnde Interesse des
Beschwerdeführers an einer Anstellung zeigt sich auch darin, dass er den Hinweis
eines potentiellen Arbeitgebers, er müsse seine Bewerbung elektronisch einreichen,
nicht als eine Aufforderung zu einem erneuten Versuch verstanden, sondern ohne
Weiteres als eine Absage verbucht hat. In einem Telefonat mit einem
Rechtsdienstmitarbeiter der Beschwerdegegnerin hat er später angegeben, er habe
sich ohnehin bis Ende November 2017 gar nicht arbeitsfähig gefühlt. Bezüglich dieses
vom Beschwerdeführer angegebenen Zeitpunktes fällt auf, dass die
Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer vorab darauf hingewiesen hatte, er habe
gegenüber der IV-Stelle erst am 1. Dezember 2017 nicht mehr geltend gemacht, dass
er vollständig arbeitsunfähig sei. Es bestehen deshalb Zweifel daran, dass sich der
Beschwerdeführer tatsächlich ab dem 1. Dezember 2017 wieder arbeitsfähig gefühlt
hat. Zusammenfassend können seine Arbeitsbemühungen aus den oben genannten
Gründen nicht als qualitativ ausreichend qualifiziert werden. Damit hat der
Beschwerdeführer seine „vorgelagerte“ Schadenminderungspflicht in der Form der
Stellensuche nicht erfüllt. Es steht auch nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer im fraglichen
Zeitraum unverschuldet arbeitslos gewesen wäre. Somit fehlt es an einer relevanten
Sachverhaltsveränderung im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG, weshalb die
Beschwerdegegnerin das Revisionsbegehren zu Recht abgewiesen hat.
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Die Beschwerde ist abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a
ATSG).