Decision ID: 778bf886-70be-4ebf-a2cb-82817e0880aa
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern, Abteilung 3 Sursee, eine Straf-
untersuchung gegen B. wegen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrs-
gesetz (unvorsichtiges Rückwärtsfahren mit PW) führte (s. act. 1.1);
- mit Schreiben vom 4. Dezember 2020 die Staatsanwaltschaft des Kantons
Luzern die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau, Zofingen-Kulm, um Ver-
fahrensübernahme ersuchte (s. act. 1.1);
- am 10. Dezember 2020 die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm die Über-
nahme des im Kanton Luzern gegen B. geführten Strafverfahrens verfügte;
die Übernahmeverfügung A. zugestellt und als Rechtsmittel die Beschwerde
an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts angegeben wurde
(act. 1.1);
- gegen die Übernahmeverfügung A. mit Eingabe vom 13. Dezember 2020
unter Beilage diverser Unterlagen Beschwerde bei der Beschwerdekammer
des Bundesstrafgerichts erhebt (act. 1);
- A. im Wesentlichen «persönliche Gründe» gegen den Gerichtsstandswech-
sel vorbringt; er unter anderem auf seine bisherigen Erfahrungen mit der Zo-
finger Polizei sowie der Staatsanwaltschaft Zofingen verweist und einen
«neutralen» Gerichtsstand beantragt (act. 1);
- er sodann geltend macht, die Anzeige sei gegen C. erhoben worden und es
müsse diesbezüglich ein Fehler vorliegen (act. 1);
- in Anwendung von Art. 390 Abs. 2 StPO auf die Durchführung eines Schrif-
tenwechsels verzichtet wurde.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- eine Partei, welche die Zuständigkeit der mit dem Strafverfahren befassten
Behörde anfechten will, dieser unverzüglich die Überweisung des Falles an
die zuständige Strafbehörde zu beantragen hat (Art. 41 Abs. 1 StPO);
- die mit dem Antrag befasste Behörde – so dies nicht bereits geschehen ist –
einen Meinungsaustausch im Sinne von Art. 39 Abs. 2 StPO einzuleiten oder
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direkt durch Verfügung ihre eigene Zuständigkeit zu bestätigen hat
(TPF 2013 179 E. 1.1);
- sich diejenige Partei innert zehn Tagen bei der Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts beschweren kann (Art. 41 Abs. 2 Satz 1 StPO i.V.m.
Art. 40 Abs. 2 StPO und Art. 37 Abs. 1 StBOG), die vorbringt, ihr ordentlicher
Gerichtsstand (Art. 31–37 StPO i.V.m. Art. 38 Abs. 1 und Art. 41 Abs. 1
StPO) werde missachtet (Art. 41 Abs. 2 Satz 2 StPO), wenn eine Staatsan-
waltschaft verfügt, dass sie zuständig sei;
- vorliegend auf die Beschwerde an sich nicht einzutreten wäre, da kein Über-
weisungsverfahren durchgeführt wurde;
- der Beschwerdeführer indes der Rechtsmittelbelehrung der Übernahmever-
fügung vom 10. Dezember 2020 gemäss handelte, auf deren Richtigkeit er
hier vertrauen durfte (vgl. BGE 138 I 49 E. 8.3.2);
- in concreto auch die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind, soweit sich der
Beschwerdeführer als Privatkläger konstituiert hat (Art. 104 StPO), weshalb
auf seine Beschwerde einzutreten ist, wenngleich die Verfügung ergangen
ist, ohne den Beschwerdeführer anzuhören;
- gemäss Art. 31 Abs. 1 Satz 1 StPO für die Verfolgung und Beurteilung einer
Tat die Behörden des Ortes zuständig sind, an dem die Tat verübt worden
ist; der Gerichtsstand des Ortes, an dem die Tat verübt wurde (forum delicti
commissi), als primärer Gerichtsstand allen anderen möglichen Gerichts-
ständen vorgeht (s. auch Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2012.26
vom 25. September 2012, E. 2.1);
- die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm die Übernahme des Strafverfahrens
damit begründete, dass sich der Tatort in ihrem Zuständigkeitsbereich be-
finde (act. 1.1);
- gemäss der vom Beschwerdeführer selber eingereichten ersten Seite des
Verkehrsunfall-Berichts der Verkehrsunfall am 5. November 2020 in Z. (AG)
erfolgte und daran B. beteiligt war (act. 1.4);
- die Beschwerdekammer einen anderen als den in den Artikeln 31 – 37 StPO
vorgesehenen Gerichtsstand festlegen kann, wenn der Schwerpunkt der de-
liktischen Tätigkeit oder die persönlichen Verhältnisse der beschuldigten
Person es erfordern oder andere triftige Gründe vorliegen (Art. 40 Abs. 3
StPO);
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- der im Kanton Bern wohnhafte Beschwerdeführer nicht die beschuldigte Per-
son ist; er mit seinen Vorbehalten gegenüber den Aargauer Behörden nichts
Gerichtsstandsrelevantes vorbringt und die von ihm genannten Umstände
keinen triftigen Grund darstellen, welche ein Abweichen vom gesetzlichen
Gerichtsstand rechtfertigen würden;
- sich seine Beschwerde gegen die Übernahmeverfügung daher insgesamt
als unbegründet erweist und abzuweisen ist;
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (Art. 428 Abs. 1 StPO);
- die Gerichtsgebühr auf Fr. 200.-- festzusetzen ist (Art. 73 StBOG sowie Art. 5
und Art. 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August
2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafver-
fahren, BStKR; SR 173.713.162).
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