Decision ID: 4dc90100-e174-5057-af64-cb49790eae7f
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ ist b._ Staatsangehöriger. Er wurde 1991 in C._ geboren und hielt sich während
seiner ersten Lebensjahre bei seinen Eltern in der Schweiz auf. Im März 1998 reisten er
und seine Geschwister D._ (geboren 1989) und E._ (1992) ohne Abmeldung in ihre
Heimat und lebten fortan bei den Grosseltern mütterlicherseits. Im August 2005
ersuchte der Vater für die drei Kinder vergeblich um Bewilligung des Familiennachzugs
(VerwGE B 2007/7 vom 9. Mai 2007; BGer 2C_289/2007 vom 9. Oktober 2007). Am
6. Dezember 2010 heiratete A._ in F._ seine in der Schweiz niedergelassene, 1979
geborene Landsfrau G._. Auf Gesuch seiner Ehefrau hin erhielt er im Rahmen des
Familiennachzugs am 17. Mai 2011 eine Aufenthaltsbewilligung, die letztmals bis
16. Mai 2016 verlängert wurde.
Das Kreisgericht St. Gallen stellte mit Urteil vom 1. Oktober 2015 das gegen A._
angehobene Strafverfahren wegen Täuschung der Behörden (Scheinehe) ein mit der
Begründung, aus dem Sachverhalt der Anklageschrift werde kein täuschendes
Verhalten des Angeschuldigten ersichtlich. Die Ehefrau wurde von der entsprechenden
Anklage freigesprochen. Das von der Staatsanwaltschaft dagegen beim Kantonsgericht
erhobene Rechtsmittel blieb erfolglos. Am 11. Dezember 2015 verliess die Ehefrau die
Schweiz und zog nach B._.
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B.
Das Migrationsamt verlängerte die Aufenthaltsbewilligung von A._ am 19. Oktober
2017 nicht mehr und wies ihn aus der Schweiz weg. Das Sicherheits- und
Justizdepartement wies den von A._ dagegen erhobenen Rekurs am 19. September
2019 ab. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, nachdem die Ehefrau im
Dezember 2015 die Schweiz verlassen habe und die Ehe gescheitert sei, liege keine
eheliche Gemeinschaft mehr vor. A._ habe mit ihr nach seinem offiziellen Zuzug in die
Schweiz am 17. Mai 2011 höchstens kurze Zeit, jedenfalls aber nicht während dreier
Jahre zusammengelebt. Wichtige persönliche Gründe, um ausnahmsweise die
Aufenthaltsbewilligung trotzdem zu verlängern, lägen nicht vor. Seine privaten
Interessen, in der Schweiz zu bleiben, vermöchten die entgegenstehenden öffentlichen
Interessen nicht zu überwiegen. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung sei
verhältnismässig.
C.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 27. September 2019
entgegengenommenen Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements
(Vorinstanz) durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 11. Oktober 2019 und
Ergänzung vom 25. November 2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den
Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen sei der angefochtene Entscheid
aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers zu verlängern.
Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 2. Dezember 2019 auf die
Erwägungen in ihrem Entscheid und beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
(...).
2.
Mit der am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Revision wurde das Bundesgesetz über
die Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20, AuG) in Bundesgesetz über die
Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG) umbenannt. Neu
formuliert wurden unter anderem auch die Regelungen zur Verlängerung der
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Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der Familiengemeinschaft in Art. 50 AIG. Die
Änderungen betreffen die Anforderungen an die Integration für die Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung bei Auflösung einer Ehegemeinschaft, die während mindestens
dreier Jahre bestanden hat (Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b AIG) und wirken sich auf
den Fall des Beschwerdeführers nicht aus, wenn die eheliche Gemeinschaft mit seiner
Ehefrau weniger als drei Jahre bestand.
3.
Zumal unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer nicht mehr in ehelicher
Gemeinschaft mit seiner jedenfalls im Zeitpunkt des Eheschlusses in der Schweiz
niederlassungsberechtigten Ehefrau lebt, stützt er seinen Anspruch zu Recht nicht auf
Art. 43 Abs. 1 AIG. Hingegen macht er geltend, die nach aussen wahrnehmbare
Wohngemeinschaft habe länger als drei Jahre gedauert und der Beschwerdeführer sei
erfolgreich integriert (dazu nachfolgend Erwägung 3.1). Ergänzend bringt er vor, die
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung führe zu einem schwerwiegenden
persönlichen Härtefall (dazu nachfolgend Erwägung 3.2) und sei nicht verhältnismässig
(dazu nachfolgend Erwägung 3.3).
3.1.
Nach Auflösung der Ehe besteht der Anspruch des Ehegatten auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nach Art. 43 AIG weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens
drei Jahre bestanden hat. Die Ehegemeinschaft muss in der Schweiz geführt worden
sein (BGE 137 II 345 E. 3.1.3). Eine (relevante) Ehegemeinschaft liegt vor, solange die
eheliche Gemeinschaft tatsächlich gelebt wird und ein gegenseitiger Ehewille besteht
(BGE 138 II 229 E. 2). Dabei ist im Wesentlichen auf die Dauer der nach aussen
wahrnehmbaren ehelichen Wohngemeinschaft abzustellen (BGE 137 II 345 E. 3.1.2).
Massgeblicher Zeitpunkt für die retrospektive Berechnung der Dauer der ehelichen
Gemeinschaft ist deshalb in der Regel die Aufgabe der Haushaltsgemeinschaft. Ab
diesem Moment kann sich die ausländische Person grundsätzlich nicht mehr auf ihre
Ansprüche aus Art. 43 AuG stützen. Nicht relevant ist demgegenüber, bis zu welchem
Zeitpunkt die Ehe nach Beendigung des ehelichen Zusammenlebens formell noch
weiterbestanden hat (BGE 136 II 113 E. 3.2). Mit Blick auf Art. 49 AuG, der den
Ehegatten bei weiterdauernder Familiengemeinschaft gestattet, aus "wichtigen
Gründen" getrennt zu leben, was auch bei vorübergehenden Schwierigkeiten in der
Ehe kurzfristig der Fall sein kann (vgl. Art. 76 der Verordnung vom 24. Oktober 2007
über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE; SR 142.201]), ist jeweils
3.1.1.
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aufgrund sämtlicher Umstände im Einzelfall zu bestimmen, ab welchem Zeitpunkt die
eheliche Gemeinschaft als definitiv aufgelöst zu gelten hat (BGE 138 II 229 E. 2). Eine
etwaige voreheliche Beziehung ist auf die Mindestdauer von drei Jahren nicht
anzurechnen (BGE 137 II 1 E. 3.1 mit Hinweis).
Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau heirateten am 6. Dezember 2010 in F._. Im
Rahmen des Familiennachzugs reiste der Beschwerdeführer offiziell am 17. Mai 2011 in
die Schweiz ein. Die Vorinstanz geht bei der Ermittlung der Dauer der Ehegemeinschaft
in tatsächlicher Hinsicht von Aussagen aus, welche die Ehefrau des Beschwerdeführers
im Juni 2014 machte. Sie seien ein Paar geworden, weil sie damals lange allein
gewesen sei. Danach sei die Beziehung schlecht gewesen. Nach zwei Monaten –
nachdem ihre Kollegin nach B._ zurückgegangen sei – sei auch der Beschwerdeführer
nicht mehr viel gekommen und sie habe ihn auch nicht oft angerufen. Auch wenn sie
"eigentlich nicht Recht Schluss gemacht" hätten, hätten wohl beide kapiert, dass das
nicht das Richtige gewesen sei. Der Ehemann sei schon lange nicht mehr bei ihr
gewesen und habe über keinen Wohnungsschlüssel verfügt. Sie sei seit Oktober 2011
mit H._ liiert gewesen. Die Ehefrau habe die Scheidung bereits in B._ regeln wollen.
Wichtig sei es aber nicht gewesen. Das hätte organisiert werden können, wenn einer
der Ehegatten hätte heiraten wollen. Mit H._ habe sie die Osterferien 2012 in Spanien
verbracht und im Januar 2014 das Disneyland in Paris besucht. Er habe sie beschützt,
gut auf ihre Tochter – aus erster Ehe – geschaut und auch ihren Eltern gesagt, dass er
jetzt da sei. Er sei bei ihr eingezogen und habe ihre Trennung vom Beschwerdeführer
organisiert. Anfang 2013 sei sie mit H._ an die I._strasse gezogen. Die Vorinstanz
hielt sodann fest, die Ehefrau habe ihrer fünfjährigen Tochter den Beschwerdeführer –
anders als H._ – weder als ihren Freund noch als ihren Ehemann vorgestellt, weil es ihr
"ein bisschen peinlich gewesen" wäre. Der Beschwerdeführer seinerseits habe am
2. Juli 2014 ausgesagt, wegen der Untreue der Ehefrau etwa im Juli 2013 ausgezogen
zu sein. Aus den SMS-Nachrichten zwischen ihm und seiner Ehefrau vom 1. Dezember
2013 und 6. Mai 2014 sei unschwer zu erkennen, dass sie nicht an derselben Adresse
gewohnt hätten. Auch das Kreisgericht St. Gallen und das Kantonsgericht seien davon
ausgegangen, die Fristen für den Beibehalt der Aufenthaltsbewilligung seien nicht
eingehalten worden. Der Staatsanwalt – er habe festgehalten, der Beschwerdeführer
sei schon vor der Bewilligung des Familiennachzugs visumfrei in die Schweiz eingereist
– habe aus diesen Schilderungen auf eine Trennung seit Februar oder März 2011
geschlossen.
3.1.2.
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Die Vorinstanz hat diese Aussagen dahingehend gewürdigt, dass die gelegentlichen
Aufenthalte des Beschwerdeführers bei der Ehefrau – insbesondere in Anbetracht der
deklarierten Beziehung derselben zu H._, der auch mit ihr wohnte – eine eheliche
Gemeinschaft hinsichtlich Fristfrage nicht aufrecht zu erhalten vermocht habe. Habe
die Tochter der Ehefrau nichts von der Beziehung gewusst, sei die Ehe mit dem
Beschwerdeführer offenbar nach aussen nicht wahrnehmbar gewesen. Die Aussagen
der Ehefrau und des Beschwerdeführers liessen den Schluss zu, dass schon bald nach
dem Familiennachzug – jedenfalls vor Ablauf von drei Jahren – keine eheliche
Gemeinschaft mit dem Beschwerdeführer mehr bestanden habe und eine solche auch
nicht wieder zustande gekommen sei.
Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers ist jedenfalls die Vorinstanz bei der
Beurteilung seines Anspruchs auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nicht von
einer Scheinehe zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau ausgegangen.
Insbesondere hat die Vorinstanz dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau die
anfängliche Ernsthaftigkeit ihrer Ehe nicht abgesprochen. Ebenso wenig ging die
Vorinstanz davon aus, die Ehe sei – auch anfänglich – nicht gelebt worden.
Der Beschwerdeführer beanstandet die vorinstanzliche Beweiswürdigung. Die nach
aussen wahrnehmbare Wohngemeinschaft habe während mehr als dreier Jahre
bestanden. Dass der Beschwerdeführer während – monatlich – dreier Wochenenden
bei der Ehefrau gelebt habe, sei eine normale Anzahl und müsse als Zusammenleben
gewertet werden, da er beruflich oft unterwegs gewesen sei. Seine Besuche beim Vater
und die Aussenbeziehung der Ehefrau änderten weder am Eheband noch am
Zusammenleben etwas. Wenn die Ehefrau der Ansicht gewesen sei, die Beziehung sei
schlecht gewesen und hätte schon lange beendet werden sollen, zeige dies, dass die
Beziehung nicht aufgehoben worden sei, sondern Bestand gehabt habe.
3.1.3.
Der Beschwerdeführer stellt die von der Vorinstanz festgestellten Tatsachen nicht in
Frage. Dass der Beschwerdeführer mit seiner Ehefrau auch nach Ablauf von drei
Jahren nach seinem Zuzug zur Ehefrau in die Schweiz möglicherweise Kontakt mit ihr
hatte und sich zuweilen auch in derselben Wohnung aufhielt, genügt allerdings nicht,
um von einer ehelichen Gemeinschaft im Sinn von Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. a AIG
auszugehen. Gleichermassen von Bedeutung ist, dass während der Dauer von drei
Jahren ein – gegenseitiger – Ehewille bestand. Die Aussagen der Ehefrau und auch
jene des Beschwerdeführers lassen einen solchen Schluss indessen nicht zu. Zwar
3.1.4.
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ging die Ehefrau trotz ihrer nachträglich, wohl im Hinblick auf ihre enttäuschten
Erwartungen geäusserten Skepsis – die Heirat sei wohl "mehr so eine Dummheit"
gewesen – zunächst davon aus, die Ehe könnte Bestand haben, zumal sie mit ihr
verschiedene Zwecke – bewusster Entscheid für einen jungen Mann, der für sie und
ihre Tochter da sei, nach einer drei Jahre dauernden Scheidung von ihrem sechs Jahre
älteren Ex-Mann, der sie "emotional und psychisch ziemlich ruiniert" und "terrorisiert"
habe, und den sie mit der neuen Ehe auch habe eifersüchtig machen wollen,
Vermittlung eines Jobs durch den Vater des Beschwerdeführers (vgl. act. 11/5, Dossier
Beschwerdeführer S. 369/370 mit Aktenverweisen) – verfolgte. Wenn die Ehefrau ihrer
damals fünfjährigen Tochter die Beziehung mit dem Beschwerdeführer nie offenbarte,
zeigt dies allerdings, dass sie bereits im Oktober 2011, als sie eine Beziehung mit H._
einging, von der sie auch ihre Tochter wissen liess, nicht mehr davon ausging, die Ehe
mit dem Beschwerdeführer würde Bestand haben. Sie hielt denn auch fest, die
Beziehung hätte schon lange beendet werden sollen. Dieser Umstand spricht dagegen,
dass die Beziehung mit dem Beschwerdeführer seitens seiner Ehefrau während mehr
als dreier Jahre auch durch ihren Ehewillen getragen war. Aus den Ausführungen der
Ehefrau ergibt sich, dass sie eine Zeitlang parallel mit beiden Männern
zusammengelebt beziehungsweise diese aneinander vorbeigeschleust und zum Teil
belogen hat (vgl. act. 11/5, Dossier Beschwerdeführer Seite 374 mit Aktenverweisen).
Der allfällige einseitige Ehewille des Beschwerdeführers reicht nicht aus, wobei selbst
der Beschwerdeführer angibt, etwa im Juli 2013 – also vor Ablauf dreier Jahre seit der
offiziellen Einreise in die Schweiz im Mai 2011 – wegen der Untreue seiner Ehefrau
ausgezogen zu sein. Auf Anhaltspunkte dafür, dass die Trennung mit der Absicht
erfolgte, eine Ehekrise zu überwinden, weist auch der Beschwerdeführer nicht hin. Aus
den Ausführungen des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau wird nicht ersichtlich, ob
diese nach dem Auszug des Beschuldigten wieder zusammenlebten. Diese
Betrachtungsweise schliesst – was der Beschwerdeführer geltend macht – nicht
grundsätzlich aus, dass eine eheliche Gemeinschaft im Sinn von Art. 50 Abs. 1 Ingress
und lit. a AIG selbst dann weiterbestehen kann, wenn ein Ehepartner auch noch eine
mehr oder weniger intensive Beziehung mit einer Drittperson eingegangen ist.
3.2.
Der Beschwerdeführer beruft sich auf einen nachehelichen Härtefall im Sinne von
Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b AIG: Danach besteht der Bewilligungsanspruch nach
einer gescheiterten Ehe beziehungsweise Familiengemeinschaft fort, falls wichtige
persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt der ausländischen Familienmitglieder in
3.2.1.
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der Schweiz erforderlich machen. Wichtige persönliche Gründe können gemäss Art. 50
Abs. 2 AIG namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher
Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint. Beim letzteren
Tatbestand ist entscheidend, ob die persönliche, berufliche und familiäre Eingliederung
der betroffenen ausländischen Person bei einer Rückkehr in ihre Heimat als stark
gefährdet zu gelten hätte, und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre und –
aus welchen Gründen auch immer – vorgezogen würde. Ein persönlicher,
nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der gesamten Umstände eine erhebliche
Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben voraus, die mit der
Lebenssituation nach dem Dahinfallen der abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung
verbunden sein muss (BGE 139 II 393 mit Hinweis auf 137 II 345).
Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, der 28-jährige Beschwerdeführer habe vom 7.
bis zum 20. Lebensjahr in seiner Heimat B._, wo er über Verwandte verfüge, gelebt,
dort die Schule besucht und eine Lehre als Plattenleger absolviert. Von einer starken
Gefährdung der Wiedereingliederung könne nicht gesprochen werden. Auch andere
wichtige persönliche Gründe, etwa gemeinsame Kinder, zu denen eine enge Beziehung
bestehe und die in der Schweiz gut integriert seien, der Tod des Ehegatten oder
ähnliche schwerwiegende, mit der Aufhebung der Ehegemeinschaft verbundene
Situationen, die einen Verbleib in der Schweiz geböten, seien nicht gegeben oder
ersichtlich.
3.2.2.
Die Ausführungen des Beschwerdeführers unter dem Titel "schwerer persönlicher
Härtefall" beschlagen in erster Linie die Interessenabwägung und damit die
Verhältnismässigkeit der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Im
Zusammenhang mit der Wiedereingliederung in B._ steht einzig der Hinweis, es werde
für ihn in B._ schwierig sein, überhaupt eine Stelle zu finden. Er werde für sich selbst
aufkommen müssen und könne vom Vater keine Unterstützung erwarten. Stossend sei,
wenn die Vorinstanz darauf hinweise, die Ehefrau des Beschwerdeführers halte sich
ebenfalls in B._ auf. Mittlerweile seien sie geschieden.
3.2.3.
Die Ausführungen in der Beschwerde lassen die vorinstanzliche Beurteilung, beim
Beschwerdeführer liege kein persönlicher nachehelicher Härtefall vor, nicht als
rechtswidrig erscheinen. Dass der kinderlose und – mittlerweile wieder – ledige
3.2.4.
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Beschwerdeführer die ersten Jahre seines Lebens in der Schweiz verbracht hat,
gefährdet seine Wiedereingliederung in seiner Heimat nicht in einem Ausmass, das
seinen weiteren Aufenthalt in der Schweiz "erforderlich" machen würde. Inwieweit sein
Aufenthalt in der Schweiz während der ersten sieben Lebensjahre die soziale
Wiedereingliederung in B._ erschweren sollte, ist nicht ersichtlich, zumal er sich –
worauf die Vorinstanz zu Recht hinweist – vom 7. bis zum 20. Lebensjahr in seiner
Heimat aufgehalten und dort die schulische und berufliche Ausbildung durchlaufen hat
und in dieser Zeit bei Verwandten – seinen Grosseltern – gelebt hat. Insoweit erscheint
seine Situation mit Blick auf die Anforderungen gemäss Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b
und Art. 50 Abs. 2 AuG nicht als ungünstiger, als jene von Personen, die erstmals im
Alter von zwanzig Jahren in die Schweiz einreisten und sich hier bis zum
28. Lebensjahr aufhielten. Der Beschwerdeführer kann sich dementsprechend nicht auf
einen gesetzlichen Anspruch auf Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung berufen.
3.3.
Die Vorinstanz ist bei der Beurteilung der Verhältnismässigkeit der Nichtverlängerung
der Aufenthaltsbewilligung in tatsächlicher Hinsicht davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer die ersten sieben Lebensjahre in der Schweiz verbracht hat und sich
seit 2011 wieder hier aufhält und relativ gut integriert sei. Er sei nur kurze Zeit arbeitslos
gewesen und habe in finanzieller Hinsicht zu keinen Klagen Anlass gegeben. Er habe
aber keine besonders qualifizierte Tätigkeit ausgeübt, die aus wirtschaftlicher Sicht
einen Aufenthalt in der Schweiz geböte. Wie es sich mit der ihm vom Migrationsamt am
19. Dezember 2017 ausgehändigten Bestätigung für das Regionale
Arbeitsvermittlungszentrum genau verhalte, könne offenbleiben. Strafrechtlich sei er
nicht nennenswert aufgefallen. Die prägenden Kinder- und Jugendjahre habe er in der
Heimat verbracht, habe dort die Schule besucht und eine Lehre absolviert. Sprache
und Kultur seien ihm vertraut. Er habe den Kontakt zur Heimat aufrechterhalten. Ein
wirtschaftliches Fortkommen scheine aufgrund seiner Ausbildung und seiner
beruflichen Auslanderfahrung realistisch. In B._ lebten nebst einer Schwester und
seiner (Ex-)Ehefrau wohl weitere Verwandte und Bekannte. Erforderlichenfalls könnten
ihn sein – gemäss Aussagen seiner (Ex-)Ehefrau des Beschwerdeführers vermögender
– Vater und sein Bruder aus der Schweiz finanziell unterstützen. Auch die finanzielle
Unterstützung der Mutter bliebe bei einer Erwerbstätigkeit, allenfalls mit Hilfe der
Geschwister, möglich. Die Beziehungen zu den Verwandten in der Schweiz könne auch
vom Ausland aus weiter gepflegt werden. In rechtlicher Hinsicht kam die Vorinstanz in
Würdigung dieser Tatsachen zum Schluss, das private Interessen des
3.3.1.
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Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz vermöge die entgegenstehenden
öffentlichen Interessen, bei denen grundsätzlich auch das Durchsetzen einer
restriktiven Einwanderungspolitik in Betracht falle, nicht zu überwiegen.
In tatsächlicher Hinsicht geht der Beschwerdeführer von einer starken Verwurzelung in
der Schweiz aus. Er sei sprachlich, beruflich und familiär bestens integriert. Mutter,
Vater, Bruder und Kollegen lebten hier. Er gehe einer geregelten Arbeitstätigkeit nach.
Sein Arbeitgeber beschreibe ihn als schwer zu ersetzen. Seine Mutter könne er nur mit
einem in der Schweiz erzielten Einkommen finanziell unterstützen. Mangels besonderer
Ausbildung oder Kenntnisse werde er in B._ kein überdurchschnittliches Einkommen
erzielen. Es werde vielmehr schwierig sein, überhaupt eine Stelle zu finden und ein
Einkommen zu erwirtschaften, mit dem er für sich selbst aufkommen könne. Sein Vater
sei nicht vermögend. Richtig sei, dass der Beschwerdeführer vom Vater keine
Unterstützung erwarten könne. Seine Mutter versuche, die vom Vater geschuldeten
Unterhaltsbeiträge im Betreibungsverfahren geltend zu machen. Dass die Vorinstanz
auf den Umstand abstelle, die (Ex-)Ehefrau des Beschwerdeführers lebe ebenfalls in
B._, sei stossend.
Bei der Interessenabwägung geht der Beschwerdeführer davon aus, es seien keine
gegen eine Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung sprechenden Interessen des
Staates ersichtlich. Dies sei insbesondere der Fall, da sich die strafrechtlichen Vorwürfe
als falsch erwiesen hätten. Das geltend gemachte öffentliche Interesse an einer
geordneten Einwanderungspolitik vermöge die entgegenstehenden vielen und
schützenswerten privaten Interessen des Beschwerdeführers, seiner Mutter, seines
Arbeitgebers etc. und das grundsätzliche Interesse des Staates, einen jungen,
tüchtigen, gut ausgebildeten Bürger im Land zu behalten, nicht zu überwiegen.
3.3.2.
In tatsächlicher Hinsicht ist davon auszugehen, dass der 1991 geborene
Beschwerdeführer mit der Schweiz insoweit überdurchschnittlich verwurzelt ist, als er
seine frühe Kindheit bis zum siebten Lebensjahr hier verbracht hat und sich mittlerweile
nach seiner Einreise im Jahr 2011 erneut seit acht Jahren hier aufhält. Er erscheint
wirtschaftlich integriert und ist strafrechtlich einzig mit einem hinsichtlich der
verursachten abstrakten Gefährdung schwerwiegenden Strassenverkehrsdelikt –
Einnicken am Steuer – aufgefallen (vgl. act. 11/5, Dossier Beschwerdeführer Seite 135).
Die soziale Integration in der Schweiz stützt sich vorab auf die Anwesenheit von
Familienmitgliedern – Mutter, Vater und Bruder – und – nicht weiter bezeichnete –
3.3.3.
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4.
(...).