Decision ID: a05d68de-f6ab-52ef-a2fc-32ab8fd67fb6
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war bei der B._ GmbH tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als sie am 7. März 2016 einen Autounfall erlitt (Suva-act. 2). Die
Versicherte befand sich vom 7. bis 21. März 2016 stationär im Universitätsspital C._.
Die dort zuständigen Ärzte diagnostizieren insbesondere ein Polytrauma, ein schweres
Schädelhirntrauma mit retrobulär Hämatom rechts, eine instabile Berstungsfraktur des
Brustwirbelkörpers (BWK) 4 mit intraspinalen Fragmenten, ein Hämato-/Pneumothorax
beidseits, eine Claviculafraktur rechts, eine Tracheobronchitis (Erstdiagnose am 10.
März 2016), eine Hypothermie Grad II sowie eine Expositionskeratopathie Auge links
mehr als rechts. Während der Hospitalisation wurde die Versicherte mehrfach operiert
(Suva-act. 36, vgl. Suva-act. 35). Vom 21. März bis 20. September 2016 befand sie
sich stationär im Schweizer Paraplegiker Zentrum in D._. Die dort behandelnden
Ärzte berichteten am 19. September 2016 unter anderem über eine sensomotorisch
komplette Paraplegie sub Th3 und attestierten der Versicherten vom 7. März bis 18.
Dezember 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Suva-act. 72). Die Suva kam für die
Folgen des Unfalls auf (Suva-act. 5).
A.a.
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B.
Mit Verfügung vom 16. September 2016 kürzte die Suva die Taggeldleistungen um
10 % infolge eines groben Verschuldens der Versicherten (Nichttragen des
Sicherheitsgurts; Suva-act. 70). Am 19. September 2016 erteilte die Suva
Kostengutsprache für einen Rollstuhl sowie weitere Hilfsmittel (Suva-act. 71, vgl. auch
die weiteren Kostengutsprachen in Suva-act. 80, 86, 156). Mit Verfügung vom 6.
Dezember 2016 sprach die Suva der Versicherten mit Wirkung ab 21. September 2016
eine Hilfslosenentschädigung bei einer Hilflosigkeit leichten Grades zu (Suva-act. 121).
A.b.
Die Suva teilte der Versicherten am 10. Januar 2019 mit, da von weiteren
Behandlungen keine namhafte Besserung zu erwarten sei, schliesse sie den
Schadenfall per 31. Januar 2019 ab und stelle die Taggeldleistungen auf diesen
Zeitpunkt hin ein (Suva-act. 286). Mit Verfügung vom 23. Januar 2019 sprach die Suva
der Versicherten mit Wirkung ab 1. Februar 2019 eine Invalidenrente bei einer
Erwerbsunfähigkeit von 100 % und eine Integritätsentschädigung basierend auf einer
Integritätseinbusse von 100 % zu (Suva-act. 292).
A.c.
Am 15. Juni 2020 sprach die IV-Stelle E._ der Versicherten mit Wirkung ab 1.
März 2017 eine ganze Rente zu (Suva-act. 330).
A.d.
Mit Verfügung vom 10. Juli 2020 hielt die Suva fest, die Rente der IV-Stelle führe
zusammen mit den Taggeld- bzw. Rentenzahlungen der Suva zu einer
Überentschädigung von insgesamt Fr. 24'485.80. Sie fordere diesen Betrag zurück,
verrechne ihr Guthaben aber mit der Nachzahlung der IV-Stelle (Suva-act. 339). In ihrer
Verfügung vom 16. Juli 2020 berechnete die IV-Stelle E._ unter Verrechnung der
genannten Rückforderung der Suva eine Nachzahlung von Fr. 23'978.20 (Suva-act.
344-22 ff.).
A.e.
Gegen die Verfügung der Suva vom 10. Juli 2020 (vgl. Suva-act. 339) erhob die
Versicherte am 27. Juli 2020 Einsprache (Suva-act. 345).
B.a.
Am 31. August 2020 berechnete die IV-Stelle E._ die Invalidenrente der
Versicherten unter Berücksichtigung von Erziehungsgutschriften und den geschuldeten
Kinderrenten neu (Suva-act. 349 f.).
B.b.
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C.

Erwägungen
1.
Dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 10. November 2020 liegen die
Mit Verfügung vom 25. September 2020 forderte die Suva aufgrund dieser Neu
berechnung einen Betrag von insgesamt Fr. 77'882.80 (zu viel bezahltes Taggeld und
Rente) zurück und verrechnete dieses Guthaben mit der (neuen) Nachzahlung der
Invalidenversicherung. Sie hielt ausserdem fest, da die Rentenleistungen der IV grösser
seien als 90 % des Jahresverdienstes, richte die Suva bis auf Weiteres keine Rente
mehr aus (Suva-act. 363).
B.c.
Dagegen erhob die Versicherte am 26. Oktober 2020 Einsprache (Suva-act. 367).B.d.
Mit Entscheid vom 10. November 2020 wies die Suva die beiden Einsprachen vom
27. Juli und 26. Oktober 2020 ab (Suva-act. 370).
B.e.
Dagegen erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 14.
Dezember 2020 Beschwerde. Sie beantragte darin, der Einspracheentscheid vom 10.
November 2020 sei aufzuheben und auf die Rückforderung sowie Verrechnung sei zu
verzichten. Eventualiter sei der genannte Einspracheentscheid aufzuheben und die
Streitsache zwecks Neubeurteilung an die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen. Weiter sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1).
C.a.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 19. Januar 2021 auf die Einreichung einer
umfassenden Beschwerdeantwort und beantragte die vollumfängliche Abweisung der
Beschwerde (act. G4).
C.b.
Am 9. Februar 2021 entsprach die Verfahrensleitung dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (act.
G6).
C.c.
Nach Einsicht in die Vorakten (vgl. act. G9) verzichtete die Beschwerdeführerin am
20. April 2020 auf die Einreichung einer weiteren Stellungnahme (act. G14 f.).
C.d.
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Verfügungen vom 10. Juli und 25. September 2020 zugrunde, wobei letztere die erstere
zumindest implizit ersetzte. In den beiden Verfügungen berechnete die
Beschwerdegegnerin einerseits die aufgrund der Nachzahlung der IV-Stelle E._
resultierende Überentschädigung (Taggelder) für den Zeitraum vom 10. März 2016 bis
31. Januar 2019. Andererseits hielt sie fest, die von ihr mit Wirkung ab 1. Februar 2019
zugesprochene Invalidenrente müsse neu als Komplementärrente berechnet und der
folglich zu viel ausgerichtete Betrag ebenfalls zurückgefordert werden. Beide Guthaben
(Taggelder und Rente) verrechne sie mit der Nachzahlung der IV-Stelle E._
(rückwirkende Rentenzusprache; Suva-act. 339, 363, 370). In der Verfügung vom 25.
September 2020 hielt die Beschwerdegegnerin zudem fest, da die Rentenleistungen
der IV-Stelle grösser seien als 90 % des Jahresverdienstes, könne sie bis auf weiteres
keine Rente mehr ausrichten (Suva-act. 363). Die Beschwerdeführerin beantragte in
ihren Einsprachen vom 27. Juli und 26. Oktober 2020 die Aufhebung der Verfügungen
sowie den Verzicht auf die Rückforderungen und die Verrechnung (Suva-act. 345, 367).
Dies war dementsprechend Streitgegenstand des angefochtenen
Einspracheentscheids und ist auch vorliegend zu prüfen. Unbestritten blieben die von
der Beschwerdegegnerin berechneten Beträge der Überentschädigung und der
Komplementärrente sowie der daraus resultierenden Rückforderungen bzw.
Verrechnungen. Da sich auch aus den Akten keine Hinweise auf eine fehlerhafte
Berechnung derselben ergeben und die Beschwerdegegnerin die diesbezüglichen
Rechtsgrundlagen im angefochtenen Einspracheentscheid korrekt widergegeben hat
(vgl. Suva-act. 370), erübrigen sich weitere Ausführungen dazu. Ebenso ist die von der
Beschwerdegegnerin am 25. September 2020 verfügte (rückwirkende) Einstellung der
Rentenzahlungen nicht Streitgegenstand.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (vgl.
Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Der Anspruch auf Taggeld
erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer
Rente oder mit dem Tod der versicherten Person (Art. 16 Abs. 2 UVG). Ist die
versicherte Person infolge eines Unfalls mindestens zu 10% invalid, so hat sie
Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist dabei die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidenrente beträgt bei
Vollinvalidität 80 Prozent des versicherten Verdienstes; bei Teilinvalidität wird sie
entsprechend gekürzt (Art. 20 Abs. 1 UVG). Hat die versicherte Person Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung (IV) oder auf eine Rente der Alters- und
1.1.
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Hinterlassenenversicherung (AHV), so wird ihr eine Komplementärrente gewährt; diese
entspricht [...] der Differenz zwischen 90 Prozent des versicherten Verdienstes und der
Rente der IV oder der AHV, höchstens aber dem für Voll- oder Teilinvalidität
vorgesehenen Betrag. Die Komplementärrente wird beim erstmaligen Zusammentreffen
der erwähnten Renten festgesetzt und lediglich späteren Änderungen der für
Familienangehörige bestimmten Teile der Rente der IV oder der AHV angepasst (Art. 20
Abs. 2 UVG).
Das Zusammentreffen von Leistungen verschiedener Sozialversicherungen darf
nicht zu einer Überentschädigung der berechtigten Person führen. Bei der Berechnung
der Überentschädigung werden nur Leistungen gleicher Art und Zweckbestimmung
berücksichtigt, die der anspruchsberechtigten Person auf Grund des schädigenden
Ereignisses gewährt werden (Art. 69 Abs. 1 ATSG). Eine Überentschädigung liegt in
dem Masse vor, als die gesetzlichen Sozialversicherungsleistungen den wegen des
Versicherungsfalls mutmasslich entgangenen Verdienst zuzüglich der durch den
Versicherungsfall verursachten Mehrkosten und allfälliger Einkommenseinbussen von
Angehörigen übersteigen (Art. 69 Abs. 2 ATSG). Die Leistungen werden um den Betrag
der Überentschädigung gekürzt. Von einer Kürzung ausgeschlossen sind die Renten
der AHV und der IV sowie alle Hilflosen- und Integritätsentschädigungen (Art. 69 Abs. 3
ATSG). Renten und Abfindungen verschiedener Sozialversicherungen werden unter
Vorbehalt der Überentschädigung kumulativ gewährt (Art. 66 Abs. 1 ATSG). Renten
und Abfindungen werden nach den Bestimmungen des jeweiligen Einzelgesetzes und
in der von Art. 66 Abs. 2 ATSG festgelegten Reihenfolge (unter anderem Renten der
Invalidenversicherung vor solchen der Unfallversicherung) gewährt. Taggelder werden
unter Vorbehalt der Überentschädigung kumulativ zu Renten anderer
Sozialversicherungen gewährt (Art. 68 ATSG).
1.2.
Gemäss Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen
zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht
zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG; vgl. auch
Art. 4 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSV;
SR 830.11]). Die Rückerstattung unrechtmässig gewährter Leistungen, die in gutem
Glauben empfangen wurden, wird bei Vorliegen einer grossen Härte ganz oder
teilweise erlassen (Art. 4 Abs. 1 ATSV).
1.3.
Mit fälligen Leistungen der Invalidenversicherung können unter anderem
Rückforderungen von Renten und Taggeldern der obligatorischen Unfallversicherung
verrechnet werden (Art. 50 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20] i.V.m. Art. 20 Abs. 2 lit. c des Bundesgesetzes über die Alters- und
1.4.
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2.
Im Folgenden ist die Rechtmässigkeit der Rückforderung sowie der Verrechnung zu
prüfen.
Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10]). Der Versicherer hat bei der
Verrechnung grundsätzlich darauf zu achten, dass dem Versicherten oder dessen
Hinterlassenen die zum Leben notwendigen Mittel verbleiben (Art. 64 der Verordnung
über die Unfallversicherung [UVV; SR 832.202]). Diese Verrechnungsschranke besteht
jedoch nur bei Leistungen, die den Zweck haben, den Existenzbedarf einer
versicherten Person zu decken (vgl. Kaspar Gehring, N 5 zu Art. 50, in: Marc Hürzeler/
Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum
schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018, [im Kontext zu Art. 20 ATSG]). Das
Bundesgericht führte in BGE 138 V 402 E. 4.3 f., zudem aus, die Frage der
Verrechnung könne sich gegenüber Beitragsforderungen, Leistungen und
Leistungsrückforderungen stellen. Im Hinblick auf die Verrechnung von Nachzahlungen
sei von Bedeutung, ob diese mit offenen Beitragsforderungen oder mit
Leistungsrückforderungen erfolgen solle. Die Frage der Wahrung des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums könne sich nur in ersterem Fall stellen.
Die Beschwerdegegnerin entrichtete der Beschwerdeführerin vom 10. März 2016
bis 31. Januar 2019 Taggelder für eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (vgl. Suva-act.
286, 339; vgl. die Kürzung infolge groben Verschuldens; Suva-act. 70). Durch die
nachträglich mit Wirkung ab 1. März 2017 von der IV-Stelle E._ zugesprochene
ganze Rente (vgl. Suva-act. 330, 349) ergibt sich die von der Beschwerdegegnerin
berechnete Überentschädigung (vgl. Suva-act. 363). Es ist unumstritten, dass eine
solche Überentschädigung im Sinne von Art. 25 Abs. 1 ATSG grundsätzlich als eine
unrechtmässig bezogene Leistung zu qualifizieren ist, welche zurückerstattet werden
muss.
2.1.
Ab 1. Februar 2019 erhielt die Beschwerdeführerin von der Beschwerdegegnerin
eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100 % (vgl. Suva-act. 292). Wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht verfügte (vgl. Suva-act. 339, 363), war diese Rente nach
Bekanntwerden der Rentenzusprache durch die IV-Stelle E._ als Komplementärrente
zu berechnen und dementsprechend zu kürzen bzw. ganz einzustellen. Die von der
Beschwerdegegnerin (zu viel) ausgerichtete Rente erwies sich damit im Nachhinein
ebenfalls als eine unrechtmässige und damit rückerstattungspflichtige Leistung.
2.2.
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Die Verrechnung der vorliegenden Rückforderung von Taggeldleistungen sowie
Rentenzahlungen der Beschwerdegegnerin mit der Nachzahlung der IV-Stelle E._ ist
gestützt auf Art. 50 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 20 Abs. 2 lit. c AHVG zulässig (vgl. auch Art. 2
Abs. 3 ATSV). Die Verrechnungsschranke von Art. 64 UVV ist insofern unbeachtlich, als
die Nachzahlung der IV-Stelle E._ mit einer Leistungsrückforderung verrechnet
werden soll. Die Frage der Beeinträchtigung des Existenzminimums stellt sich damit
rechtsprechungsgemäss nicht (vgl. E. 1.4).
2.3.
Die Beschwerdeführerin bringt gegen die geforderte Rückerstattung und die
Verrechnung derselben mit der Nachzahlung der IV-Stelle E._ insbesondere vor, sie
habe die Leistungen in gutem Glauben empfangen und es liege eine grosse Härte vor
(act. G1). Sie beantragt damit - wie bereits mit ihren Einsprachen vom 27. Juli und 26.
Oktober 2020 (vgl. Suva-act. 345, 367) einen Erlass im Sinne von Art. 4 Abs. 1 ATSV.
Bei einer Rückforderungsverfügung ist der Versicherungsträger grundsätzlich dazu
verpflichtet, auf die Möglichkeit des Erlasses hinzuweisen (Art. 3 Abs. 2 ATSV) und hat
auf schriftliches Gesuch, welches spätestens 30 Tage nach Eintritt der Rechtskraft der
Rückforderungsverfügung einzureichen ist, über den Erlass mittels Verfügung zu
entscheiden (Art. 4 Abs. 4 f. ATSV). Vorliegend unterblieb der Hinweis auf die
Möglichkeit eines Erlasses. Dies ist jedoch nicht zu beanstanden, da - wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht vorbringt (Suva-act. 370) - in der vorliegenden Situation
ein Erlass rechtsprechungsgemäss ausgeschlossen ist. Laut bundesgerichtlicher
Rechtsprechung fällt bei einer Verrechnung ein Erlass nur in Betracht, wenn sie mit
laufenden oder künftig fällig werdenden Leistungen erfolgt. Anderes gilt jedoch, wenn
es darum geht, der versicherten Person bereits ausbezahlte Leistungen durch gleich
hohe, unter anderem Titel geschuldete zu ersetzen und die beiden Betreffnisse
miteinander zu verrechnen. Hier besteht lediglich ein anderer Rechtsgrund für die
geschuldeten Leistungen; das Vermögen der rückerstattungspflichtigen Person erfährt
keine Veränderung, die zu einem Härtefall führen kann. Die Frage des Erlasses ist
deshalb nicht zu prüfen. Die Rückerstattung im Falle rückwirkend ausgerichteter
Rentennachzahlungen kann insoweit keine grosse Härte darstellen, als die aus den
entsprechenden Nachzahlungen stammenden Mittel im Zeitpunkt, in dem die
Rückerstattung erfolgen sollte, noch vorhanden sind (BGE 122 V 221 E. 5.c; Urteil des
Bundesgerichts vom 17. März 2009, 9C_93/2009, E. 2). Vorliegend ist die Verrechnung
einer Rückforderung zu viel bezahlter Taggelder und Renten der Beschwerdegegnerin
mit einer Nachzahlung der IV-Stelle E._ von Renten für den Zeitraum vom 1. März
2017 bis 30. September 2020 (vgl. Suva-act. 349) strittig. Es findet keine Verrechnung
mit laufenden oder später fälligen Rentenzahlungen statt. Rechtsprechungsgemäss fällt
damit ein Erlass ausser Betracht. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass die
2.4.
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3.
Beschwerdeführerin trotz der Verrechnung noch einen Teil der Nachzahlung der IV-
Stelle E._ erhalten hat bzw. wird (vgl. Suva-act. 349, 363), womit - trotz der geltend
gemachten Ausgaben, welche die monatlichen Rentenzahlungen der IV-Stelle klar
übersteigen und offenbar zu einer Verschuldung der Beschwerdeführerin geführt haben
(vgl. act. G1) - eine grosse Härte ohnehin nicht zur Diskussion stehen würde. Das
Vermögen der Beschwerdeführerin erfährt durch die Rückerstattungspflicht keine
negative Veränderung, die zu einem Härtefall führen könnte. Daran ändert auch nichts,
dass die Beschwerdeführerin geltend macht, wenn die IV-Stelle E._ nicht derart
lange (rund vier Jahre) für ihren Entscheid gebraucht hätte, hätte sich nicht ein derart
hoher Betrag zur Rückzahlung kumuliert (act. G1).
Insgesamt ist damit die Rückforderung der unrechtmässig entrichteten Taggelder
und Rentenzahlungen sowie die Verrechnung derselben mit der Nachzahlung der IV-
Stelle E._ nicht zu beanstanden.
2.5.
Im Sinne der Erwägungen ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen.3.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember
2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch
anwendbaren Fassung).
3.2.
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75; in der vorliegend
anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe Art. 30 HonO) pauschal
Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte am 1.
Februar 2021 eine Kostennote ein und machte bei einem Aufwand von 5.25 Stunden
eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'630.70 geltend (act. G5.2). Dieser Betrag
erscheint mit Blick auf die bei einem durchschnittlichen Fall im Bereich der
Unfallversicherung vom Versicherungsgericht praxisgemäss zugesprochene
Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) sowie
unter Berücksichtigung des notwendigen deutlich unterdurchschnittlichen Aufwands,
des eingeschränkten Streitgegenstands (lediglich Rechtmässigkeit der Rückforderung
und Verrechnung) sowie der sich stellenden nicht übermässig anspruchsvollen
Rechtsfragen als angemessen. Von einer Herabsetzung dieser Entschädigung um
3.3.
bis
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4.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid für diese stellvertretend
von einer mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art. 39 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).