Decision ID: 08392d1c-3202-4d33-ae27-5d3f44d4c523
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1970 geborene
X._
war
seit dem
13. Oktober 2000
a
ls
Betriebsmitarbeiterin bei der
Y._
tätig.
Am 19. Juni 2006 meldete sie sich unter Hinweis auf ein chronisch
-
rezidivie
ren
des
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom erstmals bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/1 f.
, Urk. 8/11)
.
Mit Verfügung
en
vom
15. Mai
2008 (Urk. 8/
56
f.) sprach ihr die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Wirkung
ab 1. März 2006 eine auf einem Invaliditätsgrad von 60 % beruhende
Dreiviertelsrente
sowie mit Wirkung ab 1. Juni 2006 eine auf einem Invaliditätsgrad von 100 %
bzw. 70
%
(ab Juli 2007)
beruhende ganze Rente
samt akzessorischer Kinderrenten
zu.
Diese bestätigte
die IV-Stelle
im Rahmen
amt
licher
Revisionsverfahren mit Mitteilung
en
vom 25. Juni 2009 (Urk. 8/67)
und 14. Juli 2011 (Urk. 8/76). Einen Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
dagegen
verneinte die IV-Stelle mi
t
Verfügung vom 23. November 2011 (Urk. 8/80).
1.2
Nachdem die Versicherte ihren Wohnsitz zwischenzeitlich nach Portugal verlegt hatte, leitete die zuständige
IV
-Stelle für Versicherte im Ausland (IVSTA) ein erneutes Revisionsverfahren ein. Sie tätigte medizinische Abklärungen und liess die Versicherte insbesondere
von Dr. med.
Z._
, FMH Psychiatrie und Psy
chotherapie, und Dr. med.
A._
, FMH Innere Medizin und FMH Rheu
matologie, begutachten
(Expertise vom 11. September 2015;
Urk.
8/117/28-52)
. In der Folge
hob die IVSTA die Invalidenrente m
it Verfügung vom 18.
Okto
ber
2016
mit Wirkung ab 1.
Dezember
2016 auf.
Die dagegen erhobene Be
schwer
de vom
11.
November
2016
wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 21. November 2018 ab (Prozess-Nr.
C-6964/2016
).
1.3
Am 23. August 2019 (Urk. 8/87) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf
eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes erneut zum Leis
tun
gs
bezug an. Die nach dem Umzug der Versicherten in die Schweiz wiederum zu
ständige Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte medizi
nische Abklärungen und stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom 25. März
2020 (Urk. 8/121) die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nach Ein
wand vom 18. Mai 2020 (Urk. 8/129) verfügte die IV-Stelle am 29. Juni 2020 (Urk. 2) im angekündigten Sinne.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 26. August 2020 (Urk. 1) Beschwerde und be
antragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr eine angemessene IV-Rente zuzusprechen, eventuell seien die Akten an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese nach den notwendigen Massnahmen neu entscheide, ihr sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und
Dr.
iur
.,
Dr.
h. c.
rer
.
publ
. Marco Mona, Zürich, als unentgeltlichen Rechtsbeistand beizugeben; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerdegegnerin
(S. 2). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zog die Beschwerdeführerin mit Schrei
ben vom 26. August 2020 (Urk. 6) wieder zurück.
Die IV-Stelle schloss am 9. Oktober 2020 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde, was der
Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 12. Oktober 2020 (Urk. 9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung
[
IVV
]
), so ist im Beschwerde
ver
fahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Än
de
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fern
er kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 29. Juni
2020 (Urk. 2)
zur Hauptsache
, aus medizinischer Sicht lägen keine wesentlichen Veränderungen der gesundheitlichen Einschränkungen seit Januar 2016 vor. Der Beschwerdeführerin seien angepasste Tätigkeiten ohne bückende und kniende Tätigkeiten sowie ohne Tätigkeiten über den Schulterhorizontalen und ohne Rumpfdrehung weiterhin zumutbar (S. 2).
2.2
Dagegen wendet die Beschwerdeführerin (Urk. 1)
im Wesentlichen
ein, die Beur
teilung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) im Feststellung
s
blatt habe den Mangel, dass sie nicht nach einer Veränderung im Vergleich zur Beurteilung vom Jahre 2016 suche sondern sich damit begnüge, festzustellen, dass die 2018 beschriebenen B
a
n
d
scheibenveränderungen mehrjährig vorbestehend seien. Dass sie gemäss richterliche
r Feststellung damals keine Reiz
- oder Ausfallsymp
tomatik gezeigt hätten, heute aber sehr wohl in äusserst schmerzhafter Weise, übergehe der Vertrauensarzt der IV, ebenso die heute für alle Beteiligten, auch für medi
zinische Laien, sichtbare
schwere depressive Episode
(S. 6
, S. 4
).
2.3
Vergleichszeitpunkt bildet die mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
21. November 2018 geschützte rentenaufhebende Verfügung vom 18. Okto
ber
2016
, welcher umfassende erwerbliche und medizinische Abklärungen zugrunde lagen.
3.
3.1
3.1.1
Die rentenaufhebende Verfügung vom 18. Oktober 2016 basierte zur Hauptsache auf dem Gutachten der
Dres
.
Z._
und
A._
. Diese stellten in ihrer Expertise vom 11. September 2015 (Urk. 8/117/28-52) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 13):
-
Lumbovertebrales
und
spondylogenes
Schmerzsyndrom mit/bei
-
26. März 2009 Mikrodiskektomie L4/5 links sowie mikrochirurgische
S
equesterentfernung
L4/5 rechts
3. Dezember 2010
-
myostatische
Dysbalance
und Haltungsinsuffizienz (Motor Control/
Core
Stability
)
-
Wi
despread
Pain
-Syndrom/Fibromyalgi
e
-
Schmerzlokalisationen 11/19 Punkten (18/18 Fibromyalgie-Tender
points
)
-
Symptomschwere 9/9 Punkten (betone Schlafstörungen, Erschöpfungs
zustand und verminderte Leistungsfähigkeit)
-
Teil 2 b Symptomscore 3/3 Punkten (betone Darmunregelmässigkeiten,
Abdominalkrämpfe
, Muskelschwäche, Schwindel, Kopfschmerzsymp
to
matik, Taubheits- und Kribbelparästhes
ien, unruhige Beine, Depres
sion,
kalte Extremitäten, Muskelschmerzen, Lufthunger, Appetitverlust)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 13, 19):
-
CTS-Operation links Mai 2005
-
Hemistrumektomie
links Februar 2000
-
Secti
o
caesarea
2002
-
H
ysterektomie
-
Adipositas per magna (BMI 41)
-
Dyslipidämie
unter
Sta
ti
nen
-
Status nach
Periarthropathia
humeroscapularis
linksbetont
-
Anamnestisch rezidivierend depressive Episoden, zurzeit remittiert (ICD-10 F33.4)
-
Anamnestisch anhaltend somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
3.1.2
Aus rheumatologischer Sicht könn
t
e
n
ein
lumbovertebrales
und
lumbo
spondy
logenes
Schmerzsyndrom objek
tiviert
werden sowie ein Status nach
radikulärer
Reiz- und Ausfallsymptomatik der Nervenwurzel L4 links und L5 rechts bei Dis
kushernie L4/5, welche 2009 sowie 2010 operativ saniert worden seien. Die in den Vorgutachten aufgeführten
isch
i
algiformen
Beschwerden seien mit grosser Wahrscheinlichkeit bereits damals schon auf die intermittierende
n
und unter Belastung auftretende
n
Nervenkompressionen zurückzuführen. Aktuell könne
keine
radikuläre
Reizsymptomatik objektiviert werden. Neben der
lumbo
verte
bralen
Schmerzsymptomatik, welche begünstigt werde durch die muskuläre Hal
tungsinsuffizienz bei
Dekonditionierung
der autochthonen Rückenmuskulatur sowie der Rumpfmuskulatur, komme ein deutliches
Widespread
Pain
Syndrom/
Fibromyalgie hinzu, welches im Gutachten von 2007 noch nicht als solches erkannt worden sei. Es bestehe insbesondere eine deutliche Symptomschwere und Symptomscore mit funktionellen und au
ch
vegetativen Symptomen, wobei die Kriterien gemäss ACR 2010 allesamt erfüllt würden. Bei dominant ersichtlicher Symptomschwere mit Leistungsarmut, Erschöpfung und Schlafstörungen, sei eine Einflussnahme auf die körperliche Leistungsfähigkeit vorhanden.
Aus rein soma
tischer Sicht wäre eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer leichten, wechselbe
lastenden Tätigkeit ab Juni 2011 durchführbar gewesen. Die medizinischen Massnahmen aus rheumatologischer Sicht zielten auf
rekonditionierende
Mass
nahmen im Selbstmanagement (S. 24).
3.1.3
Aus psychiatrischer Sicht fänden sich heute keine Befunde, die eine psychia
tri
sche Diagnose gemäss ICD-10-Kriterien begründeten. Weder bestehe bei der
Be
schwerdeführer
in eine depressive Episode, noch eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung. Berücksichtige man die zumutbare Willensanstrengung, die funk
tionellen Einschränkungen, die Ressourcen und die
Indikatoren sowie die Kon
sistenz, so müsse festgestellt werden, dass bei der
Beschwerdeführerin
keine Be
einträchtigung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit begründet werden könne. Die
Beschwerdeführerin
sei vollschichtig arbeitsfähig. Die Prognose sei gut, die Behandlung sei nach wie vor indiziert, vor allem in Anbetracht gewisser psycho
sozialer Probleme. Diese seien invaliditätsfremd. Der Verlauf der Verbesserung der Symptomatik sei nicht dokumentiert. Die Aktenlage sei diesbezüglich nicht aussagekräftig. Es könne allerhöchstens als wahrscheinlich angenommen werden, dass der vorliegende Befund schon seit Anfang 2015 bestanden habe. Ob die
Beschwerdeführerin
die Medikamente einnehme oder nicht, also die Compliance schlecht wäre, habe auf die Bemessung der Beeinträchtigung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit keinen Einfluss (S. 24 f.).
3.1.4
Gesamtmedizinisch sei die rheumatologische Beurteilung bezüglich der Arbeits
fähigkeit massgebend und somit ab Juni 2011 eine adaptierte Verweistätigkeit
(näher ausgeführt auf S. 15: leichte, wechselbelastende Tätigkeit, sitzend, stehend und gehend zu 100
%
bei 20%iger Reduktion der Leistungsfähigkeit infolge der Schmerzsymptomatik, erhöhtem Pausenbedarf und verlangsamtem Arbeitstempo; vermieden werden sollten bückende, kniende Tätigkeiten sowie Tätigkeiten über der Schulterhorizontalen und in
Rumpfreklination
oder mit Rumpfdrehung)
i
n einem Pensum von 80 % zumutbar
. Da aus psychiatrischer Sicht keine gesicherte
Aktenlage vorliege, könne die psychiatrische Beurteilung zur Arbeitsfähigkeit ab Anfang 2015 als gesichert beurteilt werden. Somit werde gesamtmedizinisch ab Januar 2015 eine 80
% Arbeitsfähigkeit attestiert (S. 25).
3.2
Dem Gericht liegen zur Beurteilung dessen, wie sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bis zum 29. Juni 2020 (Verfügungserlass) entwickelte, unter anderem folgende medizinischen Unterlagen vor:
3.2.1
Die behandelnde Psychiaterin Dr. med.
B._
attestierte in ihrem Be
richt vom 23. April 2019 (Urk. 8/86) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und
stellte fest
, es handle sich um eine anhaltende Depression in verschiedenem Ausmass, sowie chronische invalidisierende Schmerzen in Verbindung mit sowohl psychi
schen Faktoren wie auch medizinischen Krankheitsfaktoren.
3.2.2
Gemäss den Ausführungen im
Bericht des Spitals
C._
vom 13. Juni 2019 (Urk. 8/
95
/20 f.) war die
Beschwerdeführerin
vom 7. bis 13. Juni 2019 im Rahmen einer notfallmässigen Selbstvorstellung bei akuten immobilisierenden lumbalen Rückenschmerzen hospitalisiert. Ein MRI habe links paramedian eine betonte Diskusextrusion
Lendenwirbelkörper (LWK) 3/4 mit Kompression der Wurzel L4 links
rezessal
gezeigt; zusätzlich LWK 4/5 mit
Osteochondrosis
intervertebralis
und leichter
foraminaler
Einengung links betont. Die
Beschwerdeführer
in
sei mit Analgesie und Physiotherapie behandelt worden und es sei im Segment L4 links eine CT-gesteuerte Infiltration am 13. Juni 2019 durchgeführt worden
, welche problemlos verlaufen sei. Daraufhin habe die
Beschwerdeführer
in deutlich weni
ger Schmerzen gehabt. Die
Beschwerdeführerin
habe schmerzkompensiert nach Hause entlassen werden können (S. 2).
3.2.3
Dr. med.
D._
, Innere
Medizin / Rheumatologie FMH, diagnostizierte mit Bericht vom 11. August 2019 (Urk. 8/85)
zur Hauptsache
eine mittelgradig bis schwere
de
pressive
Episode, eine chronische Schmerzstörung
mit somatischen und psychi
schen Faktoren, einen psychophysischen Erschöpfungszustand, eine rezidivie
rende Exazerbation eines chronischen
lumbospondylogenen
Syndroms beidseits, eine
Periathropathia
humeroscapularis
links
(ca. 2012)
, eine
Gonarthrose beidseits (Beschwerden ca. 10 Jahre),
eine Fibromyalgie (Erstdiagnose 2018)
,
eine Adi
positas präoperativ Grad III (BMI 45,49 kg/m2), einen Status nach
Teilthyreoi
dektomie
(2000) sowie einen Status nach Schussverletzung in der Kindheit (S. 4 f.)
.
Er hielt fest,
der chronologische Verlauf bei der Beschwerdeführerin, basierend auf sämtlichen Konsultationen in der rheumatologischen Praxis seit Januar 2016
,
zeige eindeutig, dass die Periode von Januar 2016 bis Dezember 2018 in Bezug auf den Bewegungsapparat (Rücken, Knie- und Schulter-Gelenke) sowie von der
Seite der psychischen Erkrankung gemäss den Informationen der Beschwerde
führerin ausgesprochen instabil gewesen sei. Trotz adäquater medikamentöser Therapie, sowie zusätzlichen Therapien, sei diese Periode von häufigen Schmerz
rückfällen geprägt gewesen, welche die Versorgung des Haushaltes nur mit grösster
Mühe erlaubt und wiederholt zu
Notfallkonsultationen/
Hospitalisationen
geführt hätten. Auch die bariatrische Operation vom Mai 2018, welche eine signifikante Gewichtsreduktion ermöglicht habe, habe in Bezug auf die rheumatologischen Beschwerden keine signifikante Besserung erzielt. Die Beschwerdeführerin sei in dieser Periode nicht in der Lage gewesen
, eine berufliche Tätigkeit aufzunehmen (S. 5).
Aus realistischen medizinischen Gründen sei eine Rückkehr in den freien Arbeits
markt für die Besch
werdeführerin illusorisch (S. 6
).
3.2.4
In Beurteilung der medizinischen Aktenlage gelangte RAD
-Arzt Dr. med.
E._
, Orthopädische Chirurgie (FMH),
am 20. März 2020 (Urk. 8/120) zum Schluss, rheumatologisch würden im Wesentlichen Diagnosen genannt, welche bereits seit mindestens 2016 bekannt gewesen seien. Im CT der Lendenwirbelsäule von 2018 seien degenerative Bandscheibenveränderungen genannt. Auch jene seien mehrjährig vorbestehend gewesen. Der jetzige klinische Verlauf weise auf keine dauerhaften neurologischen Ausfälle hin. Im akuten psychiatrischen
Arzt
be
richt
werde von einer mittelschweren bis schweren Depression ausgegangen. Eine diese stützende Psychopathologie sei nirgends erwähnt, mehrheitlich sei fachüberschreitend neben psychischen Faktoren von medizinischen Krankheits
faktoren die Rede. Gesamthaft könne rein objektiv keine namhafte Veränderung im Gesundheitszustand seit 2016 festgestellt werden (S. 4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre leistungsabweisende Verfügung vom 29. Juni 2020 (Urk. 2) unter anderem auf die Einschätzung ihres RAD
-Arzte
s
(E. 3.
2.4
)
.
Diese basiert ausschliesslich auf der Würdigung der bekannten medizi
nischen Aktenlage und stellt
praxisgemäss grundsätzlich eine hinreichende Beur
teilungsgrundlage dar. Indes kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärzt
licher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom
3.
Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
4.2
Dr.
E._
gelang
t
e nachvollziehbar zum Schluss, dass rein objektiv keine namhafte Veränderung des Gesundheitszustands seit 2016 festgestellt werden kann. Gegensätzliches lässt sich a
us der medizinischen Aktenlage
auch nicht folgern. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
lässt die medizinische
Aktenlage nicht auf eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes schliessen
. Zwar
nennt
Dr.
B._
in ihrem Bericht
(
E.
3.
2.1
)
eine anhaltende Depression in verschiedenem Ausmass sowie chronische invalidisierende Schmer
zen in Verbindung mit sowohl psychischen Faktoren wie auch m
edizinischen Krankheitsfaktoren.
Zum einen fehlt jedoch jegliche Befunderhebung, Herleitung dieser Diagnosen sowie Bezugnahme auf die daraus abzuleitenden
(neuen)
Funk
tionseinschränkungen. Zum anderen setzt sich Dr.
B._
nicht m
it der massgeblichen Frage der Entwicklung des Gesundheitszustandes der
Beschwerde
führerin
auseinander. Die postulierte anhaltende Depression sowie
die
chroni
schen, invalidisierenden Schmerzen
lassen
viel mehr eine
Chronifizierung
anneh
men und
zeigen
somit,
dass es sich um ein Andauern eines bereits besteh
enden Beschwerdebildes handelt. Dies ist nicht als Verschlechterung des Gesundheits
zustands zu werten (
Urteil des Bun
desgerichts 8C_217/2017 vom 30.
Mai
2017 E.
5.2
), umso mehr, als
Dr.
B._
bereits 2009
bei vergleichbaren
Diagnosen
eine
vollständige
Arbeitsunfähigkeit
attestierte
(vgl. Urk. 8/62/3).
4.3
Selbiges gilt für die Stellungnahme Dr.
D._
s
(E. 3
.2.3
)
.
I
n Bez
ug auf die psy
chische Situation
kann auf das vorher Gesagte verwiesen werden.
I
n rheuma
tologischer Hinsicht
listet
Dr.
D._
unter Verweis auf ein CT der Lenden
wirbel
säule vom Februar 2018
als
neu eine
rezessale
Diskusprotrusion
L3/4 links mit Kontakt zur Wurzel L4, eine bilaterale links-betonte degenerative
Neuroforamen
stenose
L4/5 (L4) sowie eine bilaterale rechts-betonte
Spondylarthrose
L5/S1 auf
, daraus folgende funktionelle Einschränkungen bringt er indes nicht vor.
Ab
gesehen davon, dass
Dr.
A._
seine Einschätzung
im Gutachten vom 1
1.
September 2015 in Kenntnis der degenerativen Veränderung, unter anderem der
Spondylarthrose
auf Höhe L5/S1 und eines
breitbasigen
Diskus-
Bulging
bis nach
intraforaminal
reichend L4/5 beidseits mit Kontakt zur Nervenwurzel L4/5
,
formulierte
(vgl.
Urk.
8/117 S. 40), ergibt sich eine gesundheitliche Veränderung nicht allein aus neuen Ergebnissen bildgebender Untersuchungen; für die Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit im Zusammenhang mit Degeneration der Wirbel
säule sind in erster Linie die klinischen Befunde massgeblich (Urteile 9C_126/2019 vom 1
9.
Juni 2019 E. 4.4.1; 9C_491/2017 vom 2
6.
September 2017 E. 4.1; 8C_45/2017 vom 2
6.
Juli 2017 E. 5.3).
Konkrete Hinweise darauf, dass
sich der somatische Gesundheitszustand seit dem Erlass der
rentenaufhebenden
Ver
fügung vom
18.
Oktober
2016
wesentlich verändert hätte, finden sich
jedoch
nicht.
So besteht
auch
zwischen ärztlich gestellter Diagnose und Arbeitsun
fähig
keit keine unmittelbare Korrelation. Massgebend sind vielmehr die konkreten Auswirkungen auf das Leistungsvermögen der betroffenen
Person (Urteil des Bundesgerichts 9C_851/2018 vom 2
3.
Mai 2019 E. 4.1.4 mit Hinweisen). Ent
sprechend stellt denn auch das Hinzutreten einer neuen Diagnose nicht per se einen Revisionsgrund dar, weil damit das quantitative Element der (erheblichen) Gesundheitsverschlechterung nicht zwingend ausgewiesen ist (BGE
141
V 9 E.
5.2 mit Hinweisen).
In diesem Sinne
belässt es Dr.
D._
bei der pauschalen Feststellung einer von Januar 2016 bis Dezember 2018 von häufigen Schmerz
rückfällen geprägten Periode
und stützt sich hierbei vornehmlich auf Angaben der Beschwerdeführerin
,
setzt
e
sich
im Weiteren dagegen
weder mit dem im Ver
gleichszeitpunkt gutachterlich
festgelegten
Tätigkeitsprofil der Beschwerdefüh
rerin
auseinander, noch leitete er nachvollziehbar und schlüssig aus den Be
fun
den resultierende und darüber hinaus gehende
, neue
Einschränkungen her. Auch
aus
dem gescheiterten Versuch der Aufnahme einer Tätigkeit in der Reini
gungs
branche vermag die
Beschwerdeführerin
nichts
zu ihren Gunsten
abzulei
ten, ent
spricht dies doch
gemeinhin
nicht einer
adaptierten, leichten, wechselbe
lastenden Tätigkeit
an einem ergonomisch eingerichteten Tisch mit Vermeidung von Arbei
ten über der Schulterhorizontalen und in
Rumpfreklination
oder mit Rumpf
drehun
g (vgl. Urk. 8/117/42).
Zudem ergib
t
sich aus dem Bericht
des
Spitals
C._
vom 13. Juni 2019
(E. 3
.2.2
)
, dass die Beschwerdeführerin nach Durch
führung einer CT-gesteuerten Infiltration im Segment L4 gleichentags schmerz
kompensiert nach Hause entlassen werden konnte. Demnach bedurfte die
Be
schwerdeführerin
zwar kurzzeitig einer Behandlung, indes ist nicht erkennbar, dass es sich dabei um langandauernde Verschlechterungen
im Sinne einer neuen Ausfallsymptomatik
handeln sollte, welche eine weitere
Einschränkung der Leis
tungsfähigkeit
nach sich zieht.
4.4
Gegen eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes sprich
t
schliesslich der Umstand, dass die B
eschwerdeführer
in
bereits im Vergleichszeit
punkt gegenüber den Gutachtern
Dres
.
Z._
und
A._
über durch
gehend starke Schmerzen (VAS 8 und 9) am ganzen Körper sowie viele Kopf
schmerzen klagte, eine starke Hilfsbedürftigkeit zur Bewältigung des Alltages
angab und sich selber als vollständig arbeitsunfähig einschätzte (Urk. 8/117/28-52
S. 9,
S.
11,
S.
16). Dennoch erachteten sie die Gutachter als in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig
(E. 3
.1.4
)
.
Nichts
anderes
ist
Dr.
D._
s Bericht zu entnehmen, wenn er
gestützt auf Informationen der Beschwerdeführerin
festhält, dass die Bes
chwerdeführerin von häufigen Schmerzrückfällen geplagt ist, welche
eine Versorgung des Haushalts nur mit grosser Mühe erlauben (vgl. Urk. 8/85 S. 5
f.).
Eine Zunahme der Schmerzintensität seit dem Vergleichszeitpunkt, welche
sich auf die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auswirken könnte, ist nicht
erkennbar.
4.5
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegneri
n
sich auf die
aktenbasierte
Einschätzung ihres RADs stützte und eine wesentliche Ver
änderung des Gesundheitszustandes verneinte.
Insgesamt ergeben sich in Berück
sichtigung des gutachterlichen Tätigkeitsprofils im Vergleichszeitpunkt keine Hinweise auf zusätzliche Einschränkungen der Leistungsfähigkeit.
Da sich
somit
keine Zweifel an der Einschätzung des RAD
-Arzte
s
ergeben
, kann in
antizipierter Beweiswürdigung
auf weitere Abklärungen
– wie eventualiter von der Beschwer
deführerin beantragt (Urk. 1 S. 2) –
hierzu verzichtet werden (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
) und auf Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.