Decision ID: 223ed57f-642e-5ad9-ad8c-5c65a6f6c4c0
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Am 6. Juli 2016 ersuchte der Verein X._ die Stadt Y._ um Bewilligung einer
Tierschutz-Kleinkundgebung am 17. Juli 2016, von 09.30 bis 10.00 Uhr, auf dem
Gehsteig gegenüber der B._-strasse 00_ unter Mitwirkung von rund 10-15 Personen;
der Verkehr sowie Personen würden nicht behindert, und die Teilnehmer würden
Schilder und Transparente halten und Flugblätter an Passanten verteilen. Die Stadt
Y._ überwies das Gesuch der Kantonspolizei St. Gallen, Abteilung Verkehrstechnik,
die es zuständigkeitshalber an das Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St.
Gallen (SJD) weiterleitete. Mit Verfügung vom 8. Juli 2016 bewilligte das Departement
die Durchführung der Kundgebung und legte die Bewilligungsgebühr auf CHF 500
fest. Dagegen erhob der Verein X._ Beschwerde beim Verwaltungsgericht des
Kantons St. Gallen mit dem Rechtsbegehren, die Verfügung im Kostenentscheid
aufzuheben und das Departement anzuweisen, die Gebühr nach dem tatsächlichen
Verwaltungsaufwand, jedoch nicht höher als CHF 80, zu bemessen. Am 16. November
2017 wies das Verwaltungsgericht die Beschwerde ab.
B. Mit Beschwerde an das Bundesgericht beantragte der Verein X._, den Entscheid
des Verwaltungsgerichts vom 16. November 2017 aufzuheben und die
Bewilligungsgebühr auf maximal CHF 80 festzulegen; eventuell sei die Sache an das
Verwaltungsgericht zurückzuweisen. Mit Urteil vom 17. Juli 2018 hiess das
Bundesgericht die Beschwerde gut und hob den Entscheid des Verwaltungsgerichts
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auf. Es wies die Streitsache an das Verwaltungsgericht zurück zu neuem Entscheid im
Sinn der Erwägungen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Bundesgericht begründete seinen Rückweisungsentscheid damit, dass der
Umstand, wonach sich drei Verwaltungsstellen mit dem Bewilligungsgesuch zu
befassen gehabt hätten, mit Blick auf die betroffenen Grundrechte nicht integral dem
Beschwerdeführer angelastet werden könne. Genauso wenig liessen sich ihm vor
Durchführung der Versammlung theoretisch mögliche negative Reaktionen von anderer
Seite zurechnen. Eine solche Möglichkeit bestehe immer, und es gehöre zu den
staatlichen Schutzpfichten, Kundgebungsteilnehmer bei der Ausübung ihrer ideellen
Grundrechte vor allfälligen Störungen durch Dritte zu schützen; dadurch anfallende
Kosten dürfen dem Veranstalter einer derartigen Kundgebung daher im Normalfall nicht
auferlegt werden. Der Einsatz eines Polizeibeamten lediglich zur Beobachtung ohne
besonderen Anlass oder allenfalls zur Verkehrsregelung dürfe dem Veranstalter
ebenfalls nicht angerechnet werden. Bei der in Frage stehenden Kleinkundgebung von
10-15 Personen auf einem Gehsteig mit Plakaten und Flugblättern habe es keinen
konkreten Anlass für zu erwartende Probleme gegeben. Störungen, nicht einmal des
Verkehrs, würden jedenfalls von keiner Seite geltend gemacht. Das Gesuch vom 6. Juli
2016 sei kurz und verständlich gewesen. Diesem habe denn auch speditiv bereits am
8. Juli 2016 stattgegeben werden können. Weshalb die Erstellung der
Bewilligungsverfügung, die weitgehend Standardformulierungen enthalte, aufwendig
gewesen sein sollte, sei nicht ersichtlich. Insgesamt seien keine Gründe für einen im
vorliegenden Fall angefallenen besonderen Aufwand erkennbar. Mit Blick auf die
Meinungs- und Versammlungsfreiheit und zur Vermeidung von "chilling effects"
rechtfertige sich damit lediglich eine bescheidene Kanzleigebühr, die sich insbesondere
am gesetzlichen Mindestbetrag für entsprechende Gebühren von hier noch CHF 50
auszurichten habe und einen Höchstbetrag von CHF 100 nicht übersteigen dürfe.
2. Angesichts der dargelegten Verhältnisse erscheint es sachgerecht, die streitige
Bewilligungsgebühr auf CHF 100 festzusetzen. Dem Verfahrensausgang entsprechend
(Gutheissung der Beschwerde) sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens
dem Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Auf die Erhebung wird verzichtet (Art. 95
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Abs. 3 VRP). Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss von CHF 1‘500
zurückzuerstatten.
3. Nach Art. 98 Abs. 1 VRP besteht im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht
Anspruch auf Ersatz der ausseramtlichen Kosten, welche den am Verfahren Beteiligten
gemäss Art. 98bis VRP nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt werden. Die
Vorschriften der Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272, ZPO) über die
Parteientschädigung finden sachgemäss Anwendung (Art. 98ter VRP).
Der Beschwerdeführer hat im verwaltungsgerichtlichen Verfahren vollumfänglich
obsiegt. Eine Partei, die sich nicht vertreten lässt, hat - mangels eines besonderen
Aufwandes - grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art.
98 VRP in Verbindung mit Art. 95 Abs. 3 lit. c ZPO). Dass ihr gleichwohl Kosten für
Umtriebe erwachsen, bedarf einer besonderen Begründung. Konkret macht der
Beschwerdeführer für das Beschwerdeverfahren keine Angaben über getätigte
(erhebliche) Aufwände. Auch sind die übrigen Voraussetzungen für eine
Umtriebsentschädigung nicht erfüllt (vgl. VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014 E.
4.4, www.gerichte.sg.ch). Trotz seines Obsiegens kann dem Beschwerdeführer daher
keine Entschädigung zugesprochen werden, zumal er auch keinen
Entschädigungsantrag stellte.
4. Für diesen Entscheid werden weder amtliche Kosten erhoben (Art. 97 VRP) noch
ausseramtliche Kosten entschädigt.