Decision ID: 67ccb9a8-6c36-5b84-a552-76b0c49152a5
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- XY, geb. 25. August 1926, ist seit dem 23. März 1995 verwitwet und wohnt allein in
Z.
Am 25. Juli 2006 ersuchte die Koordinatorin der Spitex Dienste Z und Umgebung beim
Sekretariat der Vormundschaftsbehörde Z telefonisch um Errichtung einer
Beistandschaft für XY. Diese sei aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage,
sich um ihre persönlichen, administrativen und insbesondere finanziellen Belange in
genügender Weise selbst zu kümmern. In der Folge holte die stellvertretende
Vormundschaftssekretärin bei AB, dem Wohnungsnachbar von XY, sowie bei deren
Hausarzt Erkundigungen ein.
Am 15. August 2006 gewährte die Vizepräsidentin der Vormundschaftsbehörde Z XY
im Hinblick auf die Errichtung einer Beistandschaft das rechtliche Gehör. Anwesend
waren auch die stellvertretende Vormundschaftssekretärin sowie die künftige
Beiständin.
B.- Mit Beschluss vom 17. August 2006 (Versand: 23. August 2006) errichtete die
Vormundschaftsbehörde Z für XY eine Vertretungs- und Verwaltungsbeistandschaft im
Sinn von Art. 392 Ziff. 1 und Art. 393 Ziff. 2 ZGB und ernannte EP, Amtsvormundin von
Z, zur Beiständin. Diese wurde beauftragt, XY beizustehen und sie in allen
Angelegenheiten zu vertreten, die sie nicht mehr selber wahrnehmen könne, ihr die
administrativen und finanziellen Angelegenheiten zu besorgen sowie die Buchhaltung
zu führen; innert 30 Tagen ein Inventar über das Vermögen aufzunehmen und der
Vormundschaftsbehörde zur Genehmigung zu unterbreiten; so oft als notwendig,
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ordentlicherweise alle zwei Jahre, der Vormundschaftsbehörde den ordentlichen
Bericht und die Rechnung samt Belegen zur Prüfung einzureichen.
C.- Gegen den Beschluss der Vormundschaftsbehörde Z vom 17./23. August 2006
erhob XY mit Eingabe ihres Vertreters AB vom 30. August 2006 (Datum Poststempel:
31. August 2006) öffentlich-rechtliche Klage bei der Verwaltungsrekurskommission und
beantragte die Aufhebung des angefochtenen Beschlusses.
In ihrer Vernehmlassung vom 12. Oktober 2006 beantragt die Vorinstanz sinngemäss
die Abweisung der Klage.
Auf die von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten
Ausführungen und die Akten wird, soweit notwendig, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Verfügungen der
Vormundschaftsbehörde betreffend Bevormundung, Verbeiratung und Verbeiständung
von Erwachsenen können innert zehn Tagen mit öffentlich-rechtlicher Klage bei der
Verwaltungsrekurskommission angefochten werden (Art. 397 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 373 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, abgekürzt: ZGB; Art.
64 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, sGS 911.1,
abgekürzt: EG zum ZGB, Art. 71a lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Die Zuständigkeit der Verwaltungsrekurskommission zur
Beurteilung der Streitsache ist gegeben. Als direkt von der vormundschaftlichen
Massnahme Betroffene ist die Klägerin, unabhängig davon, ob sie urteilsfähig ist oder
nicht, zur Klage legitimiert (Schnyder/Murer, Berner Kommentar, Band II/3/1, Bern
1984, N 113 zu Art. 373 ZGB). Die Klage vom 30. August 2006 (Datum Poststempel:
31. August 2006) ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 71d in Verbindung mit Art. 48
VRP). Auf die Klage ist einzutreten.
2.- Der angefochtene Beschluss und das vorinstanzliche Verfahren sind von Amtes
wegen auf ihre formelle Rechtmässigkeit hin zu überprüfen.
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a) Die Vormundschaftsbehörde Z ist sowohl örtlich als auch sachlich zuständig
(Art. 396, Art. 392 und Art. 393 ZGB, Art. 4 und 64 EG zum ZGB).
b) Das Verbeiständungsverfahren liegt – unter Vorbehalt der bundesrechtlichen
Schranken – in der Zuständigkeit der Kantone. Ein allgemeiner Anspruch auf
persönliche Anhörung und mündliche Äusserung der betroffenen Person vor Erlass
einer Verfügung ergibt sich weder aus dem kantonalen Recht noch aus Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung (SR 101; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 77 ff.; Rhinow/Krähenmann, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel und Frankfurt a.M. 1990, S. 264).
Bei der Errichtung einer kombinierten Beistandschaft gemäss Art. 392 Ziff. 1 und 393
Ziff. 2 ZGB sind jedoch die für die Bevormundung geltenden Verfahrensvorschriften
(Art. 373 und 379 ff. ZGB) sinngemäss anzuwenden; die Anhörungspflicht im Sinne von
Art. 374 Abs. 1 ZGB gilt somit grundsätzlich auch für jede Verbeiständung (vgl. Art. 397
Abs. 1 ZGB). Die in Art. 397f Abs. 3 ZGB vorgeschriebene mündliche Anhörung
verlangt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei fürsorgerischer
Freiheitsentziehung in erster Instanz die Einvernahme durch das gesamte erkennende
Gericht (BGE 115 II 129 und GVP 1992 Nr. 27). Demgegenüber erfordert die in Art. 374
ZGB vorgeschriebene Anhörung bei Entmündigung nicht die Einvernahme durch die
gesamte entscheidende Behörde. Mit Blick auf die grosse Bedeutung, welche der
Beurteilung der Persönlichkeit und der unmittelbaren Wahrnehmung des Betroffenen
von Bundesrechts wegen zukommt, ist eine persönliche Anhörung des Betroffenen
durch einen einzelnen Beamten aber nur dann mit Art. 374 Abs. 1 ZGB vereinbar, wenn
dieser auch in der Sache selbst entscheidungsbefugt ist (BGE 117 II 132 ff.).
Die zuverlässige Ermittlung des massgeblichen Sachverhaltes erfordert zudem, dass
von der Anhörung ein schriftliches Protokoll erstellt wird. Dadurch wird insbesondere
gewährleistet, dass alle entscheidbefugten Behördenmitglieder umfassend und
verlässlich orientiert sind über die Ausführungen der betroffenen Person zu den
massgeblichen Tatsachen, über allfällige Beweisanträge und über deren Haltung zur
konkret in Aussicht gestellten Massnahme (zur Protokollerstellungspflicht vgl.
Schnyder/Murer, a.a.O., NN 8 und 57 zu Art. 374 ZGB; vgl. auch Konferenz der
kantonalen Vormundschaftsbehörden, Mustersammlung
Erwachsenenvormundschaftsrecht, Basel 1996, S. 6, 11 und 71).
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Vorliegend erfolgte die Anhörung der Klägerin am 15. August 2006 durch die
Vizepräsidentin der Vormundschaftsbehörde Z und die stellvertretende Sekretärin der
Vormundschaftsbehörde. Letztere ist soweit aus den Akten ersichtlich nicht Mitglied
der entscheidenden Behörde. Gemäss den eingangs gemachten Erwägungen genügt
es jedoch, wenn die Klägerin durch ein entscheidbefugtes Mitglied der
Vormundschaftsbehörde angehört wurde. Die Vizepräsidentin war bei der Anhörung
vom 15. August 2006 anwesend und folglich Mitglied der Vormundschaftsbehörde.
Damit ist den bundesrechtlichen Anforderungen an die Durchführung der Anhörung
Genüge getan, soweit die Vizepräsidentin, was anzunehmen ist, beim angefochtenen
Beschluss mitwirkte.
In den Akten befindet sich zwar ein so genanntes Anhörungsprotokoll. Darin wurden
jedoch die von der Klägerin zur in Aussicht gestellten Massnahme gemachte Aussage
nicht festgehalten. Die Vorinstanz führt dazu aus, dass angesichts der sehr
eingeschränkten Sehfähigkeit der Klägerin auf die Protokollierung verzichtet worden
sei. Die Klägerin habe der Errichtung einer kombinierten Beistandschaft jedoch
zugestimmt. Da die Klägerin die Protokollierung ihre Aussage aufgrund der stark
eingeschränkten Sehkraft ohnehin nicht hätte lesen können, hat die Vorinstanz ihr diese
aus verständlichen Gründen nicht zur Unterschrift vorgelegt. Als Dokumentation
zuhanden der übrigen Behördenmitglieder sowie als bessere Erinnerungshilfe wäre
jedoch eine entsprechende Festhaltung der gemachten Aussage in einer Aktennotiz
angebracht gewesen.
c) In formeller Hinsicht erweist sich der angefochtene Beschluss somit als rechtmässig.
3.- Umstritten ist vorliegend, ob die Vorinstanz am 17./23. August 2006 zu Recht eine
Vertretungs- und Verwaltungsbeistandschaft nach Art. 392 Ziff. 1 und Art. 393 Ziff. 2
ZGB über die Klägerin errichtet hat, wobei sie die Beiständin im Wesentlichen damit
beauftragte, der Klägerin beizustehen und sie in Angelegenheiten zu vertreten, die
diese nicht mehr selber wahrnehmen kann, sowie deren administrativen und
finanziellen Angelegenheiten zu erledigen.
a) Nach Art. 392 Ziff. 1 ZGB ernennt die Vormundschaftsbehörde auf Ansuchen eines
Beteiligten oder von Amtes wegen einen Beistand, wenn eine mündige Person in einer
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dringenden Angelegenheit infolge von Krankheit, Abwesenheit oder dergleichen weder
selbst zu handeln, noch einen Vertreter zu bezeichnen vermag. Dieser Bestimmung
liegt der Tatbestand zugrunde, dass die handlungsfähige Person faktisch am Handeln
verhindert ist oder aufgrund einer Überforderung die Angelegenheiten nicht in einer
ihren wohlverstandenen Interessen dienenden Art und Weise wahrzunehmen vermag.
Darin eingeschlossen ist das Unvermögen, einen gewillkürten Stellvertreter im Sinne
der Art. 32 ff. des Obligationenrechtes (SR 220, abgekürzt: OR) zu ernennen oder
denselben zu überwachen. Ist die verhinderte Person in der Lage, durch einen bereits
bestellten oder noch bestellbaren privaten Stellvertreter zu handeln, muss bzw. darf sie
nicht verbeiständet werden (Schnyder/Murer, a.a.O., NN 39 und 46 ff. zu Art. 392 ZGB).
Als von Art. 392 Ziff. 1 ZGB erfasste Verhinderungsfälle fallen insbesondere
Krankheiten in Betracht. Neben Krankheiten und Gebrechen physischer Natur können
insbesondere auch psychische Störungen zu einer Verbeiständung Anlass geben, und
zwar unabhängig davon, ob die juristische Schwelle der Geisteskrankheit oder -
schwäche erreicht wird. Im Hinblick auf einen möglichst weiten Anwendungsbereich
der mildesten vormundschaftlichen Massnahme und damit auch der Wahrung des
Verhältnismässigkeitsprinzips darf unter dem Begriff der Angelegenheit im Sinne von
Art. 392 Ziff. 1 ZGB nicht allzu eng nur eine einzige oder strikt nur eine vorübergehende
Angelegenheit verstanden werden (Schnyder/Murer, a.a.O., N 62 zu Art. 392 ZGB).
Fehlt einem Vermögen die nötige Verwaltung, so hat die Vormundschaftsbehörde
gemäss Art. 393 Ziff. 2 ZGB zudem das Erforderliche anzuordnen und bei Unfähigkeit
einer Person, die Verwaltung ihres Vermögens selbst zu besorgen oder einen Vertreter
zu bestellen, einen Beistand zu ernennen. Dieser Bestimmung liegt der Tatbestand
zugrunde, dass sich ein Vermögen nicht unter der nötigen, d.h. unter einer
ungenügenden oder gar keiner Verwaltung befindet. Das Einkommen gehört nicht zum
Begriff des "Vermögens" im Sinne von Art. 393 ZGB; der Verwaltungsbeistand ist also
nicht zur (gesetzlichen) Lohnverwaltung berechtigt (Schnyder/Murer, a.a.O., N 19 zu
Art. 393 ZGB). Unter Fehlen der Verwaltung ist zunächst die physische Verhinderung
des an sich bekannten und fähigen am Vermögen Berechtigten zu verstehen; hierunter
fallen beispielsweise Personen, die mit bekanntem Aufenthalt abwesend sind. Darüber
hinaus erfasst die genannte Bestimmung auch Fälle, wo der am Vermögen Berechtigte
zwar faktisch zu handeln vermag, zur gehörigen Verwaltung des Vermögens aber nicht
in der Lage ist. Die Verwaltungsbeistandschaft wird in der Praxis insbesondere
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angeordnet, wenn der Vermögensträger wegen geistiger und/oder körperlicher
Gebrechen eine sachgerechte Verwaltung nicht zu gewährleisten vermag (Schnyder/
Murer, a.a.O., NN 5, 18, 21 f. und 37 zu Art. 393 ZGB; H.M. Riemer, Grundriss des
Vormundschaftsrechts, 2. Aufl. 1997, S. 135). Ist ein privater Beauftragter vorhanden,
fällt die Verwaltungsbeistandschaft gemäss Art. 393 Ziff. 2 ZGB nur in Betracht, wenn
dieser nicht genügt für eine sachgemässe Betreuung. Die Anordnung der
Verwaltungsbeistandschaft setzt neben der Unfähigkeit zur Vermögensverwaltung auch
die Unfähigkeit zur Ernennung eines privaten Vertreters voraus. Zur Fähigkeit der
Bestellung eines Vertreters gehört dabei auch die Fähigkeit zu dessen Überwachung.
An die Unfähigkeit, einen Vertreter zu bestellen, dürfen nicht zu hohe Anforderungen
gestellt werden; sie ist schon gegeben, wenn eine starke Beeinflussbarkeit besteht
(Schnyder/Murer, a.a.O., N 41 zu Art. 393 ZGB).
Bei einer Beistandschaft bleibt dem Betroffenen die Fähigkeit, durch eigene
Handlungen Rechtswirkungen zu erzeugen, vollkommen erhalten, auch wenn daneben
noch eine andere Person für ihn handeln und durch ihre Handlungen Rechtswirkungen
erzeugen kann (Art. 417 Abs. 1 ZGB; H.M. Riemer, a.a.O., S. 128). Da also sowohl der
Beistand als auch der Verbeiständete in den gleichen Angelegenheiten handlungsfähig
sind, hängt die Wirksamkeit einer Verbeiständung nach Art. 392 Ziff. 1 und/oder Art.
393 Ziff. 2 ZGB vom guten Willen des urteilsfähigen Verbeiständeten ab, denn soweit er
imstande und gewillt ist, selber zu handeln, kann er die Handlungen des Beistandes
durchkreuzen oder ihnen zuvorkommen. Nicht geeignet ist die Beistandschaft deshalb
zum Schutze von Personen, die nicht nur die tatsächliche Möglichkeit, sondern auch
den Willen haben, ihre eigenen Angelegenheiten selber wahrzunehmen und ihr
Vermögen selber zu verwalten oder durch einen selbst gewählten Vertreter verwalten
zu lassen, dies aber nicht in vernünftiger Weise tun können (E. Langenegger, in:
Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht,
Zivilgesetzbuch I, Art. 1-456 ZGB, Basel 2002, N 4 zu Art. 392 ZGB). Bei fehlender
Kooperationsbereitschaft mit dem Beistand ist die Beistandschaft eine ungeeignete
Massnahme. Für die Beendigung der Beistandschaften nach Art. 392 Ziff. 1 und Art.
393 Ziff. 2 ZGB gilt deshalb, dass sie auf Begehren des urteilsfähigen Verbeiständeten
ohne weiteres und jederzeit aufzuheben sind (vgl. dazu BGE 71 II 20 und BGE 85 II
235; Schnyder/Murer, a.a.O., NN 19, 73 zu Art. 392 ZGB, N 26 zu Art. 393 ZGB). Sie
können nicht gegen dessen Willen aufrecht erhalten werden, unabhängig davon, ob der
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Betroffene weiterhin des Beistandes bedarf (Deschenaux/Steinauer, Personnes
physiques et tutelle, 3. Aufl. 1995, Rz. 1129). Im Bereich der Beendigung der
Beistandschaft gilt somit bei urteilsfähigen Verbeiständeten die Dispositionsmaxime.
Jedoch können die genannten Beistandschaften trotzdem angeordnet werden, wenn
sich die betroffene Person (vordergründig) gegen die Massnahme ausspricht, aber zu
erwarten ist, dass sie sich schliesslich mit der Vertretung durch den Beistand abfinden
und mit diesem, soweit erforderlich, kooperieren wird. Bei ernsthaftem Widerstand der
betroffenen Person gegen die Beistandschaft ist eine solche nicht anzuordnen
(Langenegger, a.a.O., N 8 zu Art. 392 ZGB).
b) Mit ihrer Klage gegen den Beschluss der Vorinstanz vom 17./23. August 2006
betreffend die angeordnete kombinierte Beistandschaft bringt die Klägerin zum
Ausdruck, dass es ihr im heutigen Zeitpunkt an einer Kooperationsbereitschaft mit
minimaler Einsicht in die Notwendigkeit einer vormundschaftlichen Massnahme
mangelt. Sie hat ihren Nachbarn, AB, zum Vertreter in diesem Verfahren bestimmt.
Dieser macht geltend, er besorge sämtliche Angelegenheiten für die Klägerin. Dies sei
für ihn kein Problem. Er besitze die entsprechende Vollmacht und mache das schon
seit Jahren. In den Monaten Juni und Juli 2006 sei er im Spital gewesen und habe
daher die Post der Klägerin nicht erledigen können. Er habe geglaubt, dass dies von
einer Freundin der Klägerin gemacht werde, was dann aber nicht der Fall gewesen sei.
aa) Die Beistandschaft wurde nicht auf eigenes Begehren der Klägerin errichtet. Das
Verfahren wurde aufgrund einer Mitteilung der Koordinatorin der Spitex-Dienste Z und
Umgebung eingeleitet, wonach die Klägerin aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr
in der Lage sei, sich um ihre persönlichen, administrativen und insbesondere
finanziellen Belange in genügender Weise selbst zu kümmern. Von dieser am 25. Juli
2006 offenbar mündlich gemachten Mitteilung wurde keine Aktennotiz erstellt. Die
gesundheitlichen Beschwerden wurden zudem nicht näher spezifiziert. Im Sachverhalt
der angefochtenen Verfügung wird sodann ein Telefongespräch mit dem Nachbar AB
erwähnt, worin dieser den Sachverhalt bestätigt und mitgeteilt habe, dass vieles
unerledigt geblieben sei, er keine Bankvollmacht besitze und die Klägerin nur
beschränkt unterstützen könne. Auch dazu existiert keine Aktennotiz.
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In der angefochtenen Verfügung wird ausgeführt, dass die Klägerin aufgrund ihrer
persönlichen und gesundheitlichen Situation in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt
sei und ihre administrativen Angelegenheiten sowie Verhandlungen mit Banken,
Versicherungen, Krankenkasse, Amtsstellen sowie der Sozialversicherungsanstalt nicht
mehr in gehöriger Weise erledigen könne. Ferner sei sie nicht mehr in der Lage, ihre
finanziellen Angelegenheiten in gehöriger Weise zu besorgen. Sie sei bei der
Einkommens- und Vermögensverwaltung auf kompetente Hilfe angewiesen.
Weder aus den Vorabklärungen noch aus der angefochtenen Verfügung geht hervor,
welche dringenden Angelegenheiten die Klägerin konkret nicht selbst besorgen kann
bzw. nicht ihr Nachbar AB für sie besorgen könnte. Auch weshalb sie dazu nicht mehr
in der Lage sein soll, wird letztlich nur angedeutet, indem von gesundheitlichen
Beschwerden die Rede ist und auf ihre persönliche Situation verwiesen wird.
Aktenmässig sind diese Behauptungen nicht belegt. Offenbar blieb die Post und damit
einige Rechnungen im Sommer 2006 zwar liegen. Da der Vertreter der Klägerin damals
jedoch im Krankenhaus weilte und es ein Missverständnis bei der Absprache gab, ist
dies nachvollziehbar. Was die angeordnete Verwaltungsbeistandschaft angeht, ist gar
nicht bekannt, ob überhaupt entsprechendes Vermögen vorhanden ist. Die
Einkommensverwaltung fällt jedenfalls nicht unter die Verwaltungsbeistandschaft.
Nirgends in den Akten wird ferner erwähnt, dass die Klägerin stark sehbehindert und
daher bei der Erledigung administrativer Angelegenheiten eingeschränkt ist. Der
gesamte Sachverhalt erweist sich somit als zu wenig abgeklärt.
bb) Auch die Urteilsfähigkeit der Klägerin wurde nur ungenügend untersucht. Die
Vorinstanz holte beim Hausarzt der Klägerin einen kurzen Bericht betreffend Urteils-
und Handlungsfähigkeit ein. Darin führt der Hausarzt aus, dass die Klägerin bei ihm seit
Jahren wegen einer Herzkrankheit in Behandlung sei. In den letzten Monaten habe er
die Klägerin wiederholt in Aufregung angetroffen, ihr sei Schmuck oder Geld gestohlen
worden. Da die Medikamenteneinnahme nicht gesichert sei, werde die Spitex
eingesetzt. Daher sei eine Betreuung zuhause momentan noch möglich. Wegen der
wechselnden mässigen Verwirrtheitszustände halte er eine weitere externe
Unterstützung für notwendig. Dieser ärztliche Bericht macht keine detaillierten Angaben
zu den gesundheitlichen Beschwerden der Klägerin und äussert sich insbesondere
nicht umfassend zu deren Urteilsfähigkeit. Die erwähnten wechselnden mässigen
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Verwirrtheitszustände werden weder näher quantifiziert noch im Sinn eines
Krankheitsbildes qualifiziert.
Im Hinblick auf die Wahl der geeigneten vormundschaftlichen Massnahme wie auch die
Aufhebung der Beistandschaft ist die Frage nach der Urteilsfähigkeit der Klägerin
zentral. In jenen Bereichen, in denen die Klägerin urteilsfähig ist, kann eine
Beistandschaft nicht gegen ihren Willen aufrechterhalten werden. Sie selbst oder der
von ihr ernannte urteilsfähige Vertreter können die Handlungen des Beistandes
jederzeit durchkreuzen, weshalb die Massnahme dann keinen Sinn macht. Der kurze
Bericht des Hausarztes enthält aber keine detaillierten Feststellungen zur
Urteilsfähigkeit der Klägerin. Er hat die Klägerin für diesen Bericht auch nicht speziell
untersucht. Die Vorinstanz ersuchte den Hausarzt mit Schreiben vom 4. August 2006
um einen kurzen Bericht bezüglich Urteils- und Handlungsfähigkeit der Klägerin. Der
Arzt antwortete darauf postwendend (Schreiben vom 5. August 2006). Es muss
deshalb davon ausgegangen werden, dass er sich bei seiner Auskunft ausschliesslich
auf Erkenntnisse, die er als Hausarzt der Klägerin aus früheren Untersuchungen
gewonnen hatte, stützte. Da es sich gemäss Auftrag an die Beiständin um eine weit
reichende kombinierte Beistandschaft handelt, könnte nur eine beinahe vollständige
Urteilsunfähigkeit dazu führen, dass die Klägerin weder imstande noch willens wäre,
die Handlungen der Beiständin zu durchkreuzen oder diesen zuvorzukommen. Eine
solche schwer wiegende Urteilsunfähigkeit ist indessen aufgrund des äusserst knapp
gehaltenen ärztlichen Berichts vom 5. August 2006 nicht nachgewiesen. Es ist deshalb
ungeklärt, ob die Urteilsfähigkeit der Klägerin in Bezug auf die Erledigung der
Angelegenheiten, für welche die kombinierte Beistandschaft errichtet worden ist, bejaht
werden kann. Soweit sie gegeben ist, kommt eine kombinierte Beistandschaft aufgrund
des ernsthaften Widerstandes der Klägerin nicht in Frage und es ist allenfalls eine
andere vormundschaftliche Massnahme erforderlich. Angesichts der nicht leicht zu
beantwortenden Frage, inwieweit diese Urteilsfähigkeit – welche bei der Klägerin
umstritten ist – noch vorhanden ist, erscheint es angezeigt, unter Einhaltung der
formellen Bedingungen erneut einen ärztlichen Bericht (entweder des Hausarztes nach
ordnungsgemässer Entbindung vom Arztgeheimnis, vgl. dazu nachstehend, oder eines
unabhängigen ärztlichen Sachverständigen) einzuholen, in dem diese Frage – im
Gegensatz zum ärztlichen Bericht vom 5. August 2006 – nach aktueller Untersuchung
der Klägerin klar und ausführlich beantwortet wird. Im Fall einer sehr schwer wiegenden
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Einschränkung der Urteilsfähigkeit im Sinn einer Geistesschwäche oder
Geisteskrankheit wäre dann allenfalls auch eine Entmündigung zu prüfen. Interessant
wären auch Angaben zur verbleibenden Sehkraft der Klägerin.
cc) Lediglich der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass bei der Einholung von
Arztzeugnissen und -berichten das Arztgeheimnis zu beachten ist. Für einzelne Berufe
regelt das Strafgesetzbuch die Geheimhaltungspflicht insofern, als deren Verletzung
mit Strafe bedroht ist. Dies gilt unter anderen für Ärzte, welche ein Geheimnis
offenbaren, das ihnen infolge ihres Berufes anvertraut worden ist, oder das sie in
dessen Ausübung wahrgenommen haben (Art. 321 Ziff. 1 des Strafgesetzbuches, SR
311.0, abgekürzt: StGB). Nicht strafbar macht sich der Arzt, wenn er das Geheimnis
aufgrund einer Einwilligung des Berechtigten oder einer auf sein Gesuch erteilten
schriftlichen Bewilligung der vorgesetzten Behörde oder Aufsichtsbehörde offenbart
hat (Art. 321 Ziff. 2 StGB). Zweck dieser strafrechtlichen Regelung ist nicht nur der
Schutz der Privatsphäre des Patienten, sondern auch der Schutz des
Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient. Die Entbindung des Arztes vom
Arztgeheimnis durch den Patienten selber ist nur gültig, soweit der Patient
diesbezüglich urteilsfähig ist. Im Kanton St. Gallen kann ein Ausschuss des
Gesundheitsrates den Ärzten die Bewilligung zur Offenlegung des Arztgeheimnisses
erteilen (Art. 6 Abs. 1 lit. a des Gesundheitsgesetzes, sGS 311.1).
Die ärztliche Schweigepflicht gilt grundsätzlich auch gegenüber vormundschaftlichen
Behörden. Dabei sind zwei Fälle zu unterscheiden. Einerseits kann ein Arzt als
Gutachter im Rahmen einer vormundschaftlichen Abklärung bestellt werden. Der Arzt
untersteht dann nicht dem Berufs-, sondern dem Amtsgeheimnis (Art. 320 StGB). Er
untersucht die zu beurteilende Person entsprechend dem erteilten Auftrag und ist der
Behörde gegenüber zur Auskunft verpflichtet. Falls zum fraglichen Arzt bereits zuvor
ein Vertragsverhältnis bestand, gilt für Informationen aus jener Zeit das
Berufsgeheimnis nach Art. 321 StGB. Unterzieht sich ein Betroffener einer solchen
Begutachtung durch den behandelnden Arzt vorbehaltlos, muss von einer
konkludenten Entbindung vom Arztgeheimnis ausgegangen werden (vgl. auch BGE 106
IV 132 f.).
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Andrerseits kann ein Arzt im Rahmen einer vormundschaftlichen Abklärung als
Auskunftsperson beigezogen werden. Es geht dabei um Auskünfte aus einem bereits
bestehenden Arzt-Patientenverhältnis. Der Arzt untersteht daher der beruflichen
Schweigepflicht nach Art. 321 StGB. Ohne Entbindung durch den urteilsfähigen
Klienten oder die Aufsichtsbehörde darf er keine Auskunft erteilen, es sei denn, er sei
aufgrund einer gesetzlichen Grundlage von der Schweigepflicht befreit (z.B. in
Kindesschutzangelegenheiten, vgl. Art. 50 EG zum ZGB; vgl. zum Ganzen Ph. Meier,
La confidentialité des informations
médicales dans le cadre des activités tutélaires, in: ZVW 51/1996, S. 205 ff.). Ist die
betreffende Person nicht mehr urteilsfähig, so hat der Arzt eine Interessenabwägung im
Sinne des hypothetischen Patientenwillens vorzunehmen und entsprechend danach zu
handeln.
In der Streitsache wurde der Hausarzt der Klägerin nicht als Sachverständiger mit der
Erstellung eines Gutachtens betraut, sondern im Rahmen der Abklärungen im Hinblick
auf die Errichtung vormundschaftlicher Massnahmen als Auskunftsperson beigezogen.
Nachdem der Hausarzt bei der Auskunftserteilung dem Berufsgeheimnis unterstand,
benötigte er zur Auskunftserteilung die Einwilligung der Klägerin – soweit sie
diesbezüglich urteilsfähig ist – oder eine Bewilligung des Gesundheitsrates. Aufgrund
der schnellen Antwort ist unwahrscheinlich, dass eine solche Einwilligung vorlag.
dd) Aufgrund der Akten bestehen allerdings schon Anhaltspunkte dafür, dass die
Klägerin einer vormundschaftlichen Massnahme bedarf. Einerseits leidet sie offenbar
zeitweise unter Verwirrtheitszuständen. Hinzu kommt ihre stark eingeschränkte
Sehkraft. Andrerseits ist ihr Handeln zuweilen nur schwer nachvollziehbar. Obschon sie
sich anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs mit der Errichtung einer
Beistandschaft einverstanden erklärt hat, klagt sie nun gegen diese Massnahme.
Ferner setzt sie AB als ihren Vertreter ein, sowohl in diesem Verfahren als auch bei der
Erledigung ihrer administrativen und finanziellen Angelegenheiten. Gleichzeitig hat sie
sich bei der Stadtverwaltung Z aber schon mehrfach über dessen Handlungen
beschwert und wünschte die Unterstützung durch eine Frau. Das Verhältnis zu AB
erscheint somit nicht unbelastet zu sein. Es besteht auch die Gefahr einer
Beeinflussung. AB verhält sich zudem selbst widersprüchlich. Er macht zwar nach wie
vor geltend, er könne alles für die Klägerin erledigen und habe deren Finanzen im Griff.
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Anlässlich eines Gesprächs mit der stellvertretenden Vormundschaftssekretärin vom
11. September 2006 gab er jedoch an, er wäre froh, wenn die Post an eine andere
Person ginge. Es komme häufig zu Problemen mit Geld, da er keine Bankvollmacht
habe und dann mit seinem eigenen Geld für die Klägerin einkaufen gehe oder
Rechnungen begleiche.
ee) Zusammenfassend ergibt sich, dass zusätzliche Sachverhaltsabklärungen,
namentlich die Einholung eines ärztlichen Berichtes über den geistigen
Gesundheitszustand der Klägerin sowie nähere Abklärungen in Bezug auf das
Vertretungsverhältnis durch AB unumgänglich sind. Diese können nicht im
Rechtsmittelverfahren nachgeholt werden. Deshalb ist der angefochtene Beschluss der
Vorinstanz vom 17./23. August 2006 aufzuheben. Die Streitsache ist in Anwendung von
Art. 71d in Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP zur weiteren Sachverhaltsabklärung und
Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen Im
heutigen Zeitpunkt kann daher nicht von einer ersatzlosen Aufhebung der
angefochtenen Massnahme gesprochen werden. Verfahrensmässig ist deshalb von
einem teilweisen Obsiegen der Klägerin auszugehen.
4.- Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen,
dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt der Grundsatz der
Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens. Angesichts des
Verfahrensausgangs sind die amtlichen Kosten von Fr. 1'000.-- (Ziff. 362
Gerichtskostentarif, sGS 941.12) den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen. Bei der
Klägerin ist in Anwendung von Art. 97 VRP und bei der Politischen Gemeinde Z
gestützt auf Art. 95 Abs. 3 VRP auf die Erhebung der Kosten zu verzichten. Die
Finanzverwaltung ist anzuweisen, der Klägerin sowie dem Vertreter der Klägerin den
geleisteten Kostenvorschuss von je Fr. 300.-- zurückzuerstatten.