Decision ID: df182565-1db4-40c3-9fff-da18bca53e3b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
war seit der Eintragung
im Handelsregister
(früher
:
Y._
AG) Verwaltungsrat
bzw. Verwaltungsratspräsident
der
Z._
AG
.
Die
Z._
AG war der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen.
Mit
Urteil vom 1
0.
Mai 2013 eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts
A._
über
die
Z._
AG
den Konkurs. Das Konkursverfahren wurde mit Urteil des Konkursrichters vom 2
6.
Juli 2013 mangels Aktiven eingestellt
(vgl. Handelsregister)
.
Mit Verfügung vom 2
3.
Juni 2014 verpflichtete die
Aus
gleichskasse
X._
als
Einzelhafter
zum Schadenersatz für entgan
gene Lohnbeiträge in Höhe von Fr. 52‘555.80 (
Urk.
5/261)
. Die von
X._
am 1
5.
August 2014 erhobene Einsprache (
Urk.
5/266) wies die
Aus
gleichskasse
mit
Einspracheentscheid
vom 3
0.
September 2014 ab (
Urk.
2).
2.
Mit Schreiben vom 2
9.
Oktober 2014 erhob
X._
dagegen
bei der
Ausgleichskasse
Beschwerde und beantragte, es sei der von ihm zu leistende Schadenersatz auf Fr. 32‘758.40 herabzusetzen (
Urk.
1). Die
Beschwerdegegne
rin
überwies die Beschwerde ans hiesige Gericht und beantragte mit
Beschwer
deantwort
vom
1.
Dezember 2014 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4), was dem Beschwerdeführer am
3.
Dezember 2014 mitgeteilt wurde (
Urk.
6).
Am
5.
März 2015 reichte der Beschwerdeführer eine
Stellungnahme ein und hielt
dabei an
seinem Antrag fest (
Urk.
7).
Die Beschwerdegegnerin liess sich hierzu am
8.
April 2015 vernehmen (
Urk.
11). Der Beschwerdeführer reichte daraufhin am 2
6.
Mai 2015 erneut eine Stel
lungnahme ein (
Urk.
14), welche
der Beschwerdegegnerin am 2
7.
Mai 2015 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (
Urk.
16).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenver
sicherung
(AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder
grobfahr
läs
si
ge
Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person,
so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäfts
führung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Personen für den
gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solida
risc
h (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener
Bestim
mungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenver
sicherungs- (Art. 66
des Bundesgesetzes über die Invalidenver
sicherung
,
IVG
), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2
des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft
, EOG
) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desge
setzes
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolven
zentschä
di
gung
, AVIG
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bun
des
gesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c).
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
de
ter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse
zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189
E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und
Ab
rechnungs
pflicht
des Arbeitgebers gehören auch die
Arbeitge
berbeiträge
zum mass
ge
blichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.
2
Der Beschwerdeführer wendet
gegen den von der Beschwerdegegnerin eingeforderten Schadenersatz in Höhe von 52‘555.80
im Wesentlichen ein, es seien für das Jahr 2013 nicht wie von der Beschwerdegegnerin angenommen Lohnbeiträge
inkl. Verwaltungskosten
in Höhe von Fr. 24‘839.60 zu entrichten gewesen, sondern lediglich Fr. 13‘021.4
4.
Von den deklarierten Löhne
n
in Höhe von Fr. 178‘815.-- seien nur Fr. 93‘738.60 von der
Z._
AG
aus
bezahlt worden (
vgl. auch Urk.
3/4). Im übrigen Umfang von Fr. 85‘076.40 seien si
e
nicht ausgerichtet worden bzw. durch Insolvenzentschädigung
der Arbeitslo
senversicherung
abgegolten worden. Die Schadenersatzforderung sei um die auf diesen Fr. 85‘076.40 zu entrichtenden Beiträge
n
, das heisse
um
F
r.
11‘818.16
,
zu reduzieren
(
Urk.
1,
Urk.
3/2,
Urk.
3/4,
Urk.
7 und
Urk.
14
).
Im Mai 2012 habe per Ende 2011 ein Ausstand von Fr. 24‘307.65 bestanden. Für das Jahr 2012 habe die Beschwerdegegnerin zusätzlich Beiträge von Fr. 78‘784.60 eingefordert. Für das Jahr 2012 seien zudem Beiträge in Höhe von Fr. 13‘021.44 (Fr. 24‘839.60 – Fr. 11‘818.16) zu bezahlen. Unter Berücksichti
gung diverser Gebühren, Verzugszinsen und Betreibungskosten von Fr. 5‘459.81 (Fr. 1‘139.10 + Fr. 4‘320.71) habe
insgesamt
eine Forderung von Fr. 121‘5732.50 bestanden.
In Abzug
seiner Zahlungen von Fr. 88‘815.10 resul
tiere so ein Ausstand von Fr. 32‘758.40 (
Urk.
1
).
2.3
2.3.1
Die Beitragspflicht besteht nur auf realisierten Löhnen, und nur solche Löhne dürfen demnach in die Schadensberech
n
ung einbezogen werden
(
Reichmuth
, Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach
Art.
52 AHVG,
Rz
. 428)
.
Hat ein Arbeitnehmer vor Konkurseröffnung noch Arbeit geleistet, für welche er jedoch keinen Lohn mehr realisiert, besteht unter gewissen Voraussetzungen ein Anspr
uch auf Insolvenzentschädigung
gemäss
Art.
51
ff.
AVIG.
Betrifft die Entschädigung Löhne, die vom Arbeitgeber gegenüber der Ausgleichskasse bereits bescheinigt und damit in der Schadenersatzforderung berücksichtigt wurden, sind die von der Arbeitslosenkasse überwiesenen Beiträge davon in Abzug zu bringen. Die Ausgleichskasse hat dafür besorgt zu sein, dass die Bei
träge für die gleichen Löhne nicht doppelt erhoben werden (Urteil des Bundes
gerichts 9C_647/2009
vom 1
5.
April 2010
E. 5.2.2
mit Hinweis auf das
Urteil des
damaligen Eidgenössischen
Versicherungsgerichts
[EVG]
H 394/01
vom 19.
November 2003 E. 5.2).
Steht dem Arbeitnehmer kein Anspruch auf Insol
venzentschädigung zu, kann er die Lohnausstände als Konkursforderung einge
ben. Wird die Konkursdividende
ausgerichtet, so überweist die
Konkursverwal
tung
den Arbeitnehmeranteil an die Ausgleichskasse, während der
Arbeitgeber
beitrag
samt den Verwaltungskostenbeiträgen bei de
r
Konkursforderung der Ausgleichskasse aufger
echnet wird. Im Rahmen von Art.
52 AHVG steht der Ausgleichskasse in beiden Fällen, das heisst sowohl wenn der Arbeitnehmer für nicht realisierte Löhne Insolvenzentschädigung erhält als auch wenn er keine Insolvenzentschädigung vergütet bekomm
t
, keine Schadenersatzforderung zu, da eine solche
– wie ausgeführt -
nur für realisierte Löhne geltend gemacht werden kann (
Reichmuth
, a.a.O.,
Rz
. 435 ff.).
2.3.
2
Die
Z._
AG
bescheinigte am 2
9.
April 2013 gegenüber der Beschwer
-
d
e
geg
nerin
Löhne für die Monate Januar bis März 2013 in Höhe von Fr. 178‘815.
--
(
Urk.
5/237/2
-3
). Die auf diesen Löhnen zu entrichtenden Bei
träge
(inkl. Verwaltungskosten) in Höhe von
Fr. 24‘839.60
(AHV-Lohnbeiträge Fr. 18‘417.95, ALV-Lohnbeiträge 1 Fr. 3‘716.60, FAK-Lohnbeiträge Fr. 2‘145.80, Verwaltungskosten Fr. 460.45 und ALV-Lohnbeiträge 2 Fr. 98.80; vgl.
Beitrags
übersicht
,
Urk.
3/6 S. 5)
wurden von der Beschwerdegegnerin entsprechend ver
bucht
.
Aus den vom Beschwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichten Abrechnungen der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich geht hervor, dass
die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
ehemaligen Angestellten der
Z._
AG Insolvenzentschädigung in Höhe von brutto Fr. 55‘385.60 (Fr. 13‘388.85 + 11‘966.65
+ Fr. 10‘500.-- + Fr. 11‘108.-- + Fr. 8‘422.10) aus
richtete. Nachdem der Beschwerdeführer erstmals im vorliegenden
Beschwerde
verfahren
konkret vorbringt, es seien nicht sämtliche für das Jahr 2013 bescheinigten Löhne von der
Z._
AG ausgerichtet worden (vgl.
demge
genüber Einsprache vom 15.
August 2014,
Urk.
5/266), nahm die
Beschwerde
gegnerin
hierzu keine Abklärungen vor
(
vgl.
Stellungnahme der
Beschwerde
gegnerin
vom
8.
April 2015,
Urk.
11). Entsprechend
gehen aus den Akten keine Angaben darüber hervor, in welchem Umfang die
Z._
AG die
für das Jahr 2013
bescheinigten
Löhne tatsächlich ausrichtete.
Im vom Beschwerde
führer geltend gemachten Umfang von Fr. 85‘076.40 (
Urk.
3/4) ist daher nicht
belegt
, dass die bescheinigten Löhne tatsächlich ausgerichtet wurden. Entspre
chend ist der Schadenersatzanspruch der Beschwerdegegnerin für die darauf zu entrichtenden Beiträge (inkl. Verwaltungskosten) nicht ausgewiesen.
Hierzu hat die Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen vorzunehmen.
2.
4
2.4.1
Zu prüfen bleibt, ob im Übrigen die Schadenersatzforderung korrekt berechnet wurde. Im M
ai 2012
bescheinigte die Beschwer
degegnerin für die Zeit bis 31.
Dezember 2011 einen Ausstand von
Fr. 24‘307.65
(
Urk.
3/1). Dieser Betrag wird vom Beschwerdeführer zu Recht nicht in Frage gestellt. In dieser Abrech
nung noch keine Berücksichtigung fand
en
eine Nachforderung
für
Beiträge des Jahres 2011
in Höhe von Fr. 12‘092.
9
0 (Fr. 63‘190.2 + Fr. 13‘180.15 + Fr. 7‘361.95
+ Fr. 947.85 + Fr.
1.45 – Fr. 72‘588.70;
Urk.
3/7 S. 50;
Urk.
5/109) und eine Gutschrift aufgrund zu hoher verrechneter Beiträge in Höhe von Fr.
4‘750.85
(
Urk.
3/7 S. 52 und
Urk.
5/149).
Aus der Beitragsübersicht der Beschwerdegegnerin geht hervor, dass die
Beschwer
degegnerin
für das Jahr 2012 Beiträge (inkl. Verwaltungskosten) von Fr. 78‘784.60 (Fr. 58‘639.55
+ Fr. 12‘208.15 + Fr. 6‘831.80 + Fr. 961.10 + Fr. 144.
--
;
Urk.
3/6 S. 5)
erhob
. Dieser Wert wird vom Beschwerdeführer eben
falls zu Recht nicht in Frage gestellt (vgl.
Urk.
3/2).
Betreffend die Beiträge
für das Jahr
2012 besteht die dargelegte Unsicherh
eit über die ausbezahlte Lohnsumme im Fr. 93‘738.60 übersteigenden Betrag
(vgl. E. 2.3)
.
Ebenfalls aus Ausstand zu berücksichtigen sind
Mahnkosten
in Höhe
von F
r
. 2
8
0.
--
(
1
4
x Fr. 20
.--
;
Urk.
3/6 S. 7
; vgl. auch
Urk.
3/6 S. 50 ff.: 2012 0001-0007, 2012 0010, 2012 0013, 2012 0015,
2012 0018, 2013 0001, 2013 0004 und
2013 0005
),
Verzugszinsen in Höhe von Fr.
4‘269.35
(Fr. 84.
--
[vgl.
Urk.
3/7 S. 50] + Fr. 162.10 + Fr. 125.80
+ Fr. 184.10 + Fr. 177.70 +
Fr. 631.50 + Fr. 193.85 + Fr. 3
10.15 + Fr. 306.85
+ Fr. 301.75 + Fr. 366.85 + Fr. 341.70 + Fr. 341.10 + Fr. 85
.--
+ Fr. 286.80 + Fr.
248.90 + Fr. 45.20 + Fr. 76.--
;
Urk.
3/6 S. 9 f.
), Erhebung
s
kosten von Fr. 150.
--
(3 x Fr. 50.--;
Urk.
3/6 S. 10),
Betrei
bungskosten
von Fr. 1‘125.-- (14 x Fr. 73
.--
+ Fr. 103.--;
Urk.
3/6 S. 10-11) und Beiträge BBF von Fr. 1‘147.45 (
Urk.
3/6 S. 11)
.
Unter Berücksichtigung auch der auf dem nicht ausgewiesenen Lohn von Fr. 85‘076.40 zu bezahlenden Beiträgen (inkl. Verwaltungskosten) resultiert eine Forderung der Beschwerdegegnerin
in Höhe
von
Fr.
142‘245.70
(
Fr. 24‘307.65 + Fr. 12‘092.90 - Fr. 4‘750.85
+ Fr. 78‘784.60 +
24‘839.60
+ Fr. 2
8
0.-- + Fr. 4‘269.35 +
Fr. 150.-- + Fr. 1‘125.-- + Fr. 1‘147.45)
.
2.4.2
In der Abrechnung der Beschwerdegegnerin vom
2.
Mai 2012 waren
sämtliche Zahlungen der
Z._
AG
bis und mit den Zahlungen vom
2.
April 2012
berücksichtigt (vgl.
Urk.
3/1 S. 5).
Die
Z._
AG leistete
ab Mai 2012
Zah
lungen in Höhe von Fr. 88‘357.20 (Fr. 104.60 + 4 x Fr. 8‘983.50 + Fr. 578.15 + Fr. 162.10 + Fr. 6‘660.85 + Fr. 44‘917.50;
Urk.
3/6 S. 20). Zusätzlich als Zah
lungen zu berücksichtigen sind
Verrechnungen hinsichtlich CO2-Rückvergütun
gen und EO-Entschädigung in Höhe Fr. 1‘332.70 (Fr. 270.15 + Fr. 799.40 + Fr. 152.15 + Fr. 111.--;
Urk.
3/6 S.
11-
12). Insgesamt sind
somit Zahlungen der
Z._
AG
in Höhe von Fr. 89‘689.90
(Fr. 88‘357.20 + Fr. 1‘332.70)
anzu
rechnen
.
2.
4.3
Bei Forderungen
von
Fr. 142‘245.70 und
Zahlungen in Höhe von Fr.
89‘689.90
resultiert
ein Ausstand in dem von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten Umfang
von Fr.
52‘555.80 (Fr. 142‘245.70 – Fr. 89‘689.90). Die Berechnung des
Schadens
durch die Beschw
erdegegnerin ist somit
mit Ausnahme der Beiträge
(inkl. Verwaltungskosten) für
die nicht ausgew
i
e
senen L
ohnzahlungen
in Höhe von
Fr. 85‘076.40
nicht zu beanstanden
.
3.
3.1
Art.
14
Abs.
1 AHVG und die
Art.
34 ff.
der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenversicherung
(
AHVV
)
schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entspre
chenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die
Bei
tragszahlungs
- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vor
geschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlich
rechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118
V
193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
Konkursitin
den ihr als Arbeitgeberin obliegenden Zahlungsverpflichtungen nicht vollumfänglich nachkam. Die Beschwerdegegnerin sah sich deshalb veranlasst, die Gesellschaft wiederholt zu mahnen und zahlreiche Schuldbetreibungsverfahren einzuleiten
(Zahlungsbe
fehle,
Urk.
5/134-140
,
Urk.
5/146-147,
Urk.
5/162-163
, Urk. 5/189 und
Urk.
5/236
).
Es blieben geschuldete Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe
von
jedenfalls mehr
als
Fr. 40‘
000.--
(
Fr. 52‘555.80 - Fr. 85‘076.
4
0 x
0,137 [10,3
%
+ 1,2
%
+ 2,2%] – Verwaltungskosten)
unbezahlt
. Es bedarf keiner weiteren Ausführungen, dass die
Konkursitin
Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG verletzt hat, weshalb der von ihr verursachte Schaden grundsätzlich voll zu decken ist.
Zu prüfen bleibt, inwieweit diese Missachtung
öffentlichrechtlicher
Arbeitgeber
pflichten
auf grobfahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten des Beschwerdefüh
rers zurückzuführen ist
4.
4.1
4.1.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des
Art.
52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens.
Art.
52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.1.2
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeitgebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6 S. 529).
4.2
Der Beschwerdeführer war seit der Gründung
Konkursitin
als
deren
Verwaltungs
rat bzw. Verwaltungsratspräsident im Handelsregister eingetragen.
Ihm kommt somit formelle Organeigenschaft zu.
Dass
er
für einen korrekten Abrechnungs- und Zahlungsverkehr mit der Beschwerdegegnerin (mit-)verant
wortlich war, blieb unbestritten.
Ein Betrieb darf nur so viel Lohn auszahlen, als auch die darauf entfallenden Sozialversicherungsbeiträge noch gedeckt sind
.
Gegenteiliges Verhalten ist den verantwortlichen Organen grundsätzlich als qualifiziertes Verschulden zuzu
rechnen, was die volle Schadenersatzpflicht nach sich zieht
(Urteil
des Bundes
gerichts 9C_311/2015 vom 9. Juli 2015 E. 4.2.2 mit Hinweis
en)
. Die verant
wortlichen Organe haben gerade in wirtschaftlich schwierigen Verhältnis
sen darauf zu achten, dass die
von Gesetzes wegen geschuldeten Beiträge entrichtet werden können (
Urteil des
EVG
H 364/01 vom 2
9.
April 2002 E. 3c
). Dem ist der Beschwerdeführer nicht nachgekommen und nahm damit ein
en
Schadens
eintritt in Kauf.
Entlastungsgründe hierfür liegen nicht vor.
Der Beschwerde
führer
– der eine grundsätzliche Schadenersatzpflicht anerkennt – stellt sein Verschulden denn auch nicht in Frage.
5.
5.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52
Abs.
1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinwei
sen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
5.2
Zwischen dem
dem
Beschwerdeführer vorzuwerfenden widerrechtlichen Verhal
ten und dem eingetretenen Schaden ist der Kausalzusammenhang ohne Weite
res zu bejahen. Denn es ist anzunehmen, dass ein pflichtgemässes Verhalten den Schaden hätte verhindern können.
6.
Nach dem Gesagten
steht fest, dass der Beschwerdeführer Schadenersatz zu leis
ten hat.
Die Höhe des zu leistenden Schadenersatzes ist jedoch unklar, da nicht ausgewiesen ist, in welchem Umfang die für das Jahr 2013 deklarierten Löhne von Fr. 178‘815.-- im Fr. 93‘738.60 übersteigenden Betrag tatsächlich realisiert wurden. D
ie Sache
ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
damit sie die genaue Schadenshöhe bestimmt
und hernach über die Höhe des zu leistenden Schadenersatzes neu entscheide
t
. In dem Sinne ist die Beschwerde teilweise gut
zuheissen.