Decision ID: 65e19c66-d2d8-4b42-a4f2-cbc742ee9af6
Year: 2007
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
hat sich ergeben:
I. A ist Eigentümer des Grundstücks Kat.-Nr. ... in X (Gemeinde Y). Das Grundstück, auf dem sich ein Pferdestall (Assekuranz-Nr. ...) befindet, liegt in der Landwirtschaftszone. Es gehört zum Beizugsgebiet der Drainage-Genossenschaft X-Y (im Folgenden: Genossenschaft). Es wird vom eingedolten öffentlichen Gewässer Nr. ... (Z-Bach) durchquert, zu dem Drainageleitungen hinführen.
Mit Schreiben vom 7. Dezember 2004 eröffnete der Genossenschaftsvorstand folgende Verfügung: Auf dem Grundstück As seien zur Befundanalyse sowie zum Unterhalt bzw. zur Sanierung des Drainagesystems an verschiedenen Stellen die Leitungen aufzugraben und zu spülen, gegebenenfalls zu reparieren. Entsprechend dem Leitungszustand müsse allenfalls eine Neuleitung unter Umgehung des Stalls erfolgen. Alle Bepflanzungen müssten vollständig entfernt werden. Die Arbeiten seien bis zum 31. März 2005 auf Kosten von A vorzunehmen. Die Verfügung wurde damit begründet, dass die Bepflanzungen den Genossenschaftsstatuten vom 28. November 1967 (im Folgenden: Statuten) widersprächen und dass die Drainageleitungen aufgrund einer nicht bewilligten Aufschüttung nicht oder unvollständig funktionierten, was einen Nässestau auf der angrenzenden Parzelle zur Folge habe. Mit Schreiben vom 27. Dezember 2004 teilte A dem Präsidenten der Genossenschaft mit, dass er mit den Darlegungen und der gewünschten Vorgehensweise nicht einverstanden sei, und kündete für später eine Stellungnahme an.
Mit Schreiben vom 9. Februar, 1. März und 14. März 2005 hielt die Genossenschaft an ihrer Verfügung fest. A begründete seinerseits in Schreiben an den Präsidenten der Genossenschaft vom 24. Februar, 25. Februar und 19. März 2005 seinen Standpunkt. Mit Schreiben vom 23. August 2005 setzte der Genossenschaftsvorstand A eine neue Frist zur Vornahme der verfügten Arbeiten und drohte die Ersatzvornahme an.
II.
Hiergegen erhob A mit Schreiben vom 23. September 2005 (eingegangen am 27. September 2005) Rekurs an den Bezirksrat G. Der Bezirksrat entschied über die Sache mit Beschluss vom 4. Juli 2006. Er erwog, dass nicht nur die Vollzugsanordnung vom 23. August 2005, sondern auch die Verfügung vom 7. Dezember 2004 Gegenstand des Verfahrens sei, da die Genossenschaft das Schreiben As vom 27. Dezember 2004 als Rekurs an den Bezirksrat hätte weiterleiten müssen. Er hiess den Rekurs teilweise gut und änderte die Verfügung vom 7. Dezember 2004 insofern ab, als er A verpflichtete, innerhalb einer Frist von drei Monaten ab Rechtskraft des Beschlusses auf eigene Kosten
"- die Drainageleitungen unmittelbar neben dem Pferdestall aufgraben resp. durchspülen zu lassen und bei nachweisbarer Beschädigung der Drainage durch den Stall eine Neuleitung unter Umgehung des Stalles zu erstellen; im Übrigen sind die Leitungen nicht aufzugraben;
- statutenwidrige Bepflanzungen im Sinne von Art. 15 der Statuten, d.h. Bäume in einem Abstand von weniger als 7 Meter von einer Drainageleitung sowie sonstige Bepflanzungen gemäss diesem Artikel gründlich auszuroden."
Sollte A diesen Anordnungen keine Folge leisten, dürfe die Genossenschaft die erwähnten Arbeiten ersatzweise auf Kosten von A vornehmen. Die Verfahrenskosten auferlegte der Bezirksrat zu zwei Dritteln A und zu einem Drittel der Genossenschaft.
III.
Gegen diesen Beschluss wandte sich A mit Beschwerde vom 28. Juli/4. August 2006 an das Verwaltungsgericht. Er verlangte sinngemäss Aufhebung des Bezirksratsbeschlusses und der Verfügungen der Genossenschaft. Sodann beantragte er, bei einer allfälligen Gesamtsanierung des Drainagesystems sei allenfalls eine neue Leitung am Südrand seines Grundstücks zu erstellen. Die Drainage-Genossenschaft X-Y beantragte in der Beschwerdeantwort vom 8./9. September 2006 sinngemäss Abweisung der Beschwerde und stellte verschiedene weitere Anträge. Am 17. Oktober 2006 reichte A unaufgefordert weitere Unterlagen ein.
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Das Verwaltungsgericht prüft seine Zuständigkeit von Amts wegen (§ 70 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG, LS 175.2]).
Bei der Beschwerdegegnerin handelt es sich um eine Unterhaltsorganisation im Sinn der §§ 100 ff. des Landwirtschaftsgesetzes vom 2. September 1979 (LG, LS 910.1) und damit um eine öffentlichrechtliche Genossenschaft im Sinn von § 49 Abs. 2 LG. Ihre Verfügungsbefugnis ergibt sich aus § 65 LG sowie § 104 Abs. 2 LG in Verbindung mit ihren Statuten. Gegen die hier streitigen Verfügungen ihres Vorstands war gemäss § 69 in Verbindung mit § 49 Abs. 1 LG der Rekurs an den Bezirksrat gegeben, da die Sache nach den §§ 70 und 75 LG nicht in die Zuständigkeit des Landwirtschaftsgerichts fiel. Gegen den Rekursentscheid des Bezirksrats sieht § 41 in Verbindung mit § 19c Abs. 2 VRG die Beschwerde an das Verwaltungsgericht vor. Das Verwaltungsgericht ist daher zur Prüfung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da der Angelegenheit kein Streitwert beigemessen werden kann, ist der Entscheid nach § 38 Abs. 1 und 2 VRG von der Kammer zu fällen.
1.2 Der Streitgegenstand wird im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht wie folgt begrenzt: Einerseits durch den Gegenstand des angefochtenen Entscheids, anderseits durch die Beschwerdeanträge (vgl. im Einzelnen Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, Vorbem. zu §§ 19–28 N. 86–88, § 54 N. 1). Das Verwaltungsgericht darf weder über die Beschwerdeanträge hinausgehen noch den angefochtenen Entscheid zum Nachteil des Beschwerdeführers abändern (§ 63 Abs. 2 VRG).
1.2.1 Auf den Antrag des Beschwerdeführers, bei einer allfälligen Gesamtsanierung des Drainagesystems solle gegebenenfalls eine neue Leitung am Südrand seines Grundstücks erstellt werden, ist somit nicht einzutreten, weil diese Frage nicht Gegenstand des Verfahrens vor dem Bezirksrat war oder hätte sein sollen.
1.2.2 Im Zürcher Verwaltungsprozess gibt es kein Anschlussrechtsmittel (Kölz/Bosshart/Röhl, Vorbem. zu §§ 19–28 N. 62, § 26 N. 20). Weil die Beschwerdegegnerin gegen den Entscheid des Bezirksrats nicht selber Beschwerde erhoben hat, kann sie vor Verwaltungsgericht nur noch Nichteintreten auf die Beschwerde sowie deren vollständige oder teilweise Abweisung (oder deren Gutheissung) beantragen. Sie darf jedoch keine Anträge vorbringen, die darauf abzielen, den Beschwerdeführer gegenüber dem Entscheid des Bezirksrats schlechter zu stellen. Soweit sie in ihrer Beschwerdeantwort derartige Anträge gestellt hat, ist darauf grundsätzlich nicht einzutreten.
1.2.3 Das Verwaltungsgericht kann jedoch unabhängig von den Anträgen des Beschwerdeführers den Entscheid der Vorinstanz aufheben, wenn diese in schwerwiegender Weise wesentliche Verfahrensgrundsätze verletzt hat, zum Beispiel indem sie zu Unrecht auf den Rekurs eingetreten ist (Kölz/Bosshart/Röhl, § 63 N. 17). In diesem Sinn ist die Rüge der Beschwerdegegnerin an die Hand zu nehmen, wonach der Bezirksrat nur noch die Vollzugsanordnung vom 23. August 2005, aber nicht mehr den Inhalt der Verfügung vom 7. Dezember 2004 hätte überprüfen dürfen.
1.3 Nach Ablauf der Beschwerdefrist kann die Beschwerdebegründung grundsätzlich nicht mehr erweitert werden. Eine Ausnahme ist zu machen, wenn die beschwerdeführende Person ihr Recht auf eine Stellungnahme zur Eingabe einer Gegenpartei oder Vorinstanz wahrnimmt (vgl. BGE 132 I 42 E. 3.3.2 mit Hinweisen) oder wenn sie nachträglich entdeckte erhebliche Tatsachen geltend macht, die sie auch mit der erforderlichen Umsicht nicht rechtzeitig hätte beibringen können (Kölz/Bosshart/Röhl, § 54 N. 8). Die Telefonnotiz und das Schreiben an das kantonale Amt für Landschaft und Natur, die der Beschwerdeführer dem Verwaltungsgericht nach Ablauf der Beschwerdefrist hat zukommen lassen, erfüllen diese Anforderungen nicht, weshalb sie im vorliegenden Verfahren nicht zu beachten sind.
1.3 Nach Ablauf der Beschwerdefrist kann die Beschwerdebegründung grundsätzlich nicht mehr erweitert werden. Eine Ausnahme ist zu machen, wenn die beschwerdeführende Person ihr Recht auf eine Stellungnahme zur Eingabe einer Gegenpartei oder Vorinstanz wahrnimmt (vgl. BGE 132 I 42 E. 3.3.2 mit Hinweisen) oder wenn sie nachträglich entdeckte erhebliche Tatsachen geltend macht, die sie auch mit der erforderlichen Umsicht nicht rechtzeitig hätte beibringen können (Kölz/Bosshart/Röhl, § 54 N. 8). Die Telefonnotiz und das Schreiben an das kantonale Amt für Landschaft und Natur, die der Beschwerdeführer dem Verwaltungsgericht nach Ablauf der Beschwerdefrist hat zukommen lassen, erfüllen diese Anforderungen nicht, weshalb sie im vorliegenden Verfahren nicht zu beachten sind.
2. Der Bezirksrat hat nicht nur die Vollzugsanordnung vom 23. August 2005, sondern auch die Verfügung vom 7. Dezember 2004 überprüft. Er begründet dies damit, dass die Beschwerdegegnerin ihm das Schreiben des Beschwerdeführers vom 27. Dezember 2004 aufgrund der Weiterleitungspflicht von § 5 Abs. 2 VRG hätte zustellen müssen, worauf er dem Beschwerdeführer nach § 23 Abs. 2 VRG eine Frist zur Behebung der formellen Mängel angesetzt hätte. Die Beschwerdegegnerin wendet sich gegen diese Auffassung. Sie führt an, dass das Schreiben des Beschwerdeführers vom 27. Dezember 2004 die Anforderungen an eine Rekursschrift nicht erfülle, weil es keine Begründung enthalte. Sie verweist in diesem Zusammenhang auch auf ihre späteren Kontakte mit dem Bezirksrat.
2.1 Unvollständige oder der unzuständigen Behörde eingereichte Rechtsmittel sind gemäss dem Grundsatz von Treu und Glauben zu behandeln (Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 [BV]; vgl. Kölz/Bosshart/Röhl, § 5 N. 34 f., § 10 N. 51 f.). Nach § 5 Abs. 2 VRG sind Eingaben, die an eine unzuständige Behörde gerichtet werden, von Amts wegen an die zuständige Behörde weiterzuleiten. Diese Verpflichtung entfällt nur, wenn die gesuchstellende Partei nicht irrtümlich, sondern bewusst an die unzuständige Behörde gelangt ist (Kölz/Bosshart/Röhl, § 5 N. 34 f.). Zwar muss aus einer Eingabe grundsätzlich zumindest der klare Wille, ein Rechtsmittel erheben zu wollen, hervorgehen. Eingaben von rechtsunkundigen Personen, bei denen ein solcher Wille nicht deutlich zum Ausdruck kommt, sollen jedoch nur mit Zurückhaltung durch Nichteintreten erledigt werden; im Zweifelsfall ist eine mündliche oder schriftliche Nachfrage angebracht (Kölz/Bosshart/Röhl, § 23 N. 5). Wenn vom Willen zur Rekurserhebung auszugehen ist, die Rekursschrift aber den formellen Anforderungen nicht genügt, hat die Behörde dem Rekurrenten eine kurze Frist zur Behebung des Mangels anzusetzen unter der Androhung, dass andernfalls auf das Rechtsmittel nicht eingetreten werde (§ 23 Abs. 2 VRG). Einer rechtsunkundigen und nicht rechtskundig vertretenen Person ist grundsätzlich auch Gelegenheit zur Verbesserung einzuräumen, wenn die Rekursbegründung fehlt; es ist allerdings darauf zu achten, dass sich die rekurrierende Partei nicht mittels einer bewusst mangelhaften Rekursschrift eine Erstreckung der Rekursfrist verschafft (Kölz/Bosshart/Röhl, § 23 N. 27).