Decision ID: 04a8d69b-a070-5840-a1a7-81c62b468715
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin ersuchte am 8. Februar 2018 in der Schweiz um
Asyl. Anlässlich der Befragung vom 16. Februar 2018 und der Anhörung
vom 5. August 2019 führte sie im Wesentlichen aus, sie sei Tamilin und in
B._, (...), geboren. Sie habe sechs Jahre die Schule besucht. Im
Jahr 1970 habe sie geheiratet und bis ins Jahr 1983 in C._ in
D._ gelebt. Danach seien sie nach E._ und im Jahr 1995
nach F._ umgezogen. Ihre jüngste Tochter sei von 1995 bis 1996
bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen. Ihr ältester Sohn
sei ebenfalls bei den LTTE gewesen und im Jahr 1999 als Märtyrer gefal-
len. Im Jahr 2002 habe sie sich von ihrem Ehemann getrennt und sei mit
ihrer jüngsten Tochter zu ihrer ältesten Tochter und deren Ehemann gezo-
gen. Um ihren Lebensunterhalt nach der Trennung finanzieren zu können,
habe sie Lunchpakete an LTTE-Mitglieder verkauft. Im Jahr 2009 habe sie
sich mit ihren beiden Töchtern und einem Enkelkind sechs Monate im
Flüchtlingslager in G._ aufgehalten. Dort sei sie häufig von Mitglie-
der des Criminal Investigations Department (CID) einvernommen worden.
Danach sei sie mit ihren beiden Töchtern und dem Enkelkind zu ihrer Cou-
sine nach C._ in D._ gezogen. Ihre jüngste Tochter sei zu-
erst aus Sri Lanka ausgereist und wohne in der Schweiz. Der Ehemann
ihrer ältesten Tochter sei auch ein Mitglied der LTTE und zwei Jahre inhaf-
tiert gewesen. Er habe lange in einem Rehabilitationscamp verbracht.
Nach der legalen Ausreise ihres Schwiegersohnes nach Belgien im Jahr
2013 sei sie jeden Monat oder jeden zweiten Monat wegen der Aktivitäten
ihres ältesten Sohnes und ihres Schwiegersohnes von Mitgliedern des CID
aufgesucht worden. Ihre älteste Tochter sei im Jahr 2015 zu ihm nach Bel-
gien ausgereist. Danach sei sie oft auf der Strasse von CID-Angehörigen
angehalten und befragt und zwei Mal bei ihrer Cousine in D._ auf-
gesucht worden. Im Jahr 2015 sei sie legal aus Sri Lanka ausgereist und
habe sich wegen der Geburt ihres Enkelkindes drei Monate in der Schweiz
aufgehalten. Dort habe sie am Heldengedenktag für verstorbene LTTE-
Märtyrer teilgenommen. Nach ihrer Rückreise nach Sri Lanka habe sie wie-
der Probleme mit dem CID bekommen und habe bei ihrer Cousine in
D._ und bei ihrer Freundin in E._ gelebt. Als sie sich im Juli
2017 zu einer Bank in E._ begeben habe, um Geld für ihr Visum für
die Schweiz zu beschaffen, sei sie von Mitgliedern des CID angehalten
worden. Danach habe sie bei ihrem jüngsten Sohn in H._ gewohnt.
Am 24. November 2017 habe sie Sri Lanka legal mit ihrem Pass verlassen
und sei mit einem Schengenvisum zu ihrer jüngsten Tochter in die Schweiz
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gereist. Dort habe sie wieder am Heldengedenktag für verstorbene LTTE-
Märtyrer teilgenommen. Durch ihren jüngsten Sohn habe sie erfahren, CID-
Angehörige hätten sich, vermutlich während Dezember 2017 und Januar
2018, zwei respektive drei Mal bei ihm nach ihr erkundigt. Zudem sei sie
auch zwei Mal in D._ gesucht worden. Sie sei aus Sri Lanka aus-
gereist, weil sie vom CID gesucht werde und niemand bereit sei, ihr ein
Haus zu vermieten.
Die Beschwerdeführerin reichte ihren sri-lankischen Pass, ein Reintegra-
tion Certificate bezüglich ihres Schwiegersohnes vom 5. Juni 2011, eine
Registrierungskarte des International Commitee of the Red Cross Delega-
tion in Sri Lanka bezüglich ihres Schwiegersohnes vom 16. Mai 2011 (alles
in Kopie), drei Fotos betreffend ihre Teilnahme am Märtyrergedenktag, eine
House Holder's List vom 19. Dezember 2015 im Original inklusive Überset-
zung, einen Auszug aus dem Eheregister, ihren abgelaufenen sri-lanki-
schen Pass im Original, einen Auszug eine sie betreffende Alterseinschät-
zung vom 8. Juli 2015 inklusive Übersetzung und ein Foto ihres ältesten
Sohnes als LTTE-Märtyrer ein.
B.
Mit Verfügung vom 16. Januar 2020 (eröffnet am 20. Januar 2020) stellte
die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 11. Februar 2020 erhob die Beschwerdeführerin beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragt, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen
und es sei ihr Asyl zu gewähren. Es sei festzustellen, dass der Vollzug der
Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und die vorläufige
Aufnahme sei anzuordnen. Die unentgeltliche Prozessführung sei zu ge-
währen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten.
Es sei ein amtlicher Rechtsbeistand zu ernennen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins
AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Ge-
setzesbezeichnung verwendet.
2.
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet
des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsad-
ressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Ausländerrecht richtet
sich die Kognition nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG),
ohne Weiterungen und mit summarischer Urteilsbegründung zu behandeln
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, die Vorbringen der
Beschwerdeführerin betreffend die Verfolgung seitens des CID wegen ih-
res im Jahr 1999 als LTTE-Märtyrer verstorbenen ältesten Sohnes und ih-
res Schwiegersohnes, der ebenfalls bei der LTTE gewesen sei, seien un-
glaubhaft. Ihre Schilderungen zu den Besuchen des CID bei ihrem jüngs-
ten Sohn, nachdem sie bereits aus Sri Lanka ausgereist sei, seien vage.
In Bezug auf die Anzahl der Besuche widerspreche sie sich. Falls seitens
der sri-lankischen Behörden beziehungsweise des CID konkrete Verfol-
gungsabsichten bestanden hätten, wäre ihr im Jahr 2015 kaum ein Pass
ausgestellt worden. Zudem hätte sie nicht zwei Mal ungehindert und legal
aus Sri Lanka ausreisen und ein Mal in Sri Lanka einreisen können. Ihre
Aufenthalte in der Schweiz und Belgien von Oktober bis Dezember 2015,
ohne in diesen Staaten um Asyl zu ersuchen, liessen sich nicht mit einer
jahrelangen Verfolgung seitens des CID vereinbaren. Nach ihrer zweiten
legalen Einreise in die Schweiz am 24. November 2017 habe sie bis zum
8. Februar 2018 mit der Einreichung des Asylantrags gewartet. Dieses Ver-
halten passe nicht ins Bild einer in Sri Lanka in asylrechtlich relevanter
Weise gefährdeten Person. Daran würden auch die von ihr eingereichten
Beweismittel nichts ändern. Gegen ein aktuelles Verfolgungsinteresse der
Behörden in Sri Lanka spreche auch, dass mehrere Familienangehörige
ihres verstorbenen Sohnes und ihres in Belgien wohnenden Schwieger-
sohnes in Sri Lanka leben würden, ohne einer asylrechtlich relevanten Ver-
folgung durch die sri-lankischen Behörden ausgesetzt zu sein. Es bestehe
folglich kein Anlass zur Annahme, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri
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Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asyl-
relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde.
5.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie könne nicht genau sagen, wie
oft das CID bei ihrem jüngsten Sohn nach ihr gefragt habe, da sie selber
nicht anwesend gewesen sei. Bis Ende 2015 habe sie bei ihrer ältesten
Tochter gewohnt. Dort hätten die Beamten des CID nicht nach ihr, sondern
nach ihrem Schwiegersohn gesucht. Erst als ihre älteste Tochter aus Sri
Lanka ausgereist sei und sie im Dezember 2015 von ihrer Reise nach Eu-
ropa zurückgekehrt sei, habe das CID gezielt nach ihr gesucht. Bei ihrem
ersten Aufenthalt in Europa habe noch kein Grund bestanden, von einer
persönlichen Verfolgung auszugehen und einen Asylantrag zu stellen. Den
Asylantrag habe sie erst im Februar 2018 gestellt, weil ihr jüngster Sohn
sie erst Ende Januar oder Februar 2018 über die Besuche des CID infor-
miert habe. Der Umstand, dass die sri-lankischen Behörden ihr ein Visum
ausgestellt hätten würde nicht bedeuten, dass das CID kein Verfolgungs-
interesse an ihr habe. Insbesondere nach ihrer Rückkehr aus der Schweiz
würde sie wegen ihres Auslandaufenthaltes erneut ins Visier des CID ge-
raten. Es sei durchaus möglich, dass die Familie ihres Schwiegersohnes
Probleme mit dem CID habe, sie davon aber nichts erfahren habe. Es wür-
den Risikofaktoren bestehen, da mehrere Familienmitglieder aktiv für die
LTTE gekämpft hätten. Die sri-lankischen Behörden hätten Kenntnis von
ihrem Asylverfahren in der Schweiz und würden daraus schliessen, sie un-
terstütze aus dem Ausland den Wiederaufbau der LTTE. Somit würde sie
erneut ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten. Es drohe ihr eine
künftig asylrelevante Verfolgung, weshalb ihr Asyl zu gewähren sei und sie
als Flüchtling anzuerkennen sei.
6.
6.1 Die Beschwerdeführerin macht aufgrund ihrer Tätigkeit für die LTTE
sowie der LTTE-Zugehörigkeit ihres Schwiegersohnes und ihres ältesten
Sohnes, welcher im Jahr 1999 als Märtyrer gefallen sei, eine Verfolgung
durch das CID geltend.
Es ist nicht auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2002
Lebensmittel an LTTE-Mitglieder verkauft hat, ihr Schwiegersohn und ihr
ältester Sohn für die LTTE als bewaffnete Kämpfer tätig waren und ihr äl-
tester Sohn als Märtyrer im Jahr 1999 gestorben ist. Gemäss ihren eigenen
Aussagen wurde sie erst im Jahr 2013 behelligt, als ihr Schwiegersohn le-
gal nach Belgien ausgereist ist. Weshalb sie in all den Jahren nicht behel-
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ligt worden sein soll, ist unklar und nicht nachvollziehbar. Ein zeitlicher Kau-
salzusammenhang zwischen der Verfolgung durch das CID und ihrer Tä-
tigkeit für die LTTE sowie der Mitgliedschaft ihres verstorbenen Sohnes
und ihres Schwiegersohnes bei den LTTE ist somit nicht erkennbar. Es ist
nicht nachvollziehbar, weshalb das CID an ihr interessiert gewesen sein
soll, jedoch weder ihren jüngsten Sohn noch die direkten Angehörigen ih-
res Schwiegersohnes (Eltern und Geschwister) behelligt haben soll. Ihr Er-
klärungsversuch anlässlich der Beschwerde, es sei durchaus möglich,
dass sie von den Besuchen des CID bei den Angehörigen ihres Schwie-
gersohnes nichts erfahren habe, widerspricht ihren ausdrücklichen Anga-
ben anlässlich der Anhörung, das CID habe keinen Kontakt zu den Eltern
ihres Schwiegersohnes gehabt. Im Jahr 2015 konnte sie legal und unprob-
lematisch von Sri Lanka in die Schweiz reisen und in der Schweiz am Hel-
dengedenktag teilnehmen. Nach ihrem Aufenthalt in der Schweiz und in
Belgien konnte sie wieder problemlos legal in Sri Lanka einreisen. Es wäre
zu erwarten gewesen, dass das CID bei der Einreise in Sri Lanka auf sie
aufmerksam geworden wäre, wenn die sri-lankischen Behörden aufgrund
ihrer eigenen Tätigkeit sowie derjenigen ihres Sohnes und ihres Schwie-
gersohnes für die LTTE tatsächlich ein Interesse an ihr gehabt hätten. Wei-
ter hat sie während ihres Aufenthaltes in der Schweiz und in Belgien kein
Asylgesuch gestellt, was ebenfalls gegen ein Verfolgungsinteresse der sri-
lankischen Behörden spricht. Ihr Erklärungsversuch in der Beschwerde,
das CID sei erst nach ihrer Reise im Jahr 2015 auf sie aufmerksam gewor-
den, weshalb bei ihrem Aufenthalt in der Schweiz und in Belgien kein
Grund bestanden habe, einen Asylantrag zu stellen, widerspricht ihren An-
gaben in der Befragung und der Anhörung, wonach sie bereits seit dem
Jahr 2013 vom CID verfolgt worden sei und das CID von ihrer Teilnahme
am Heldentag im Jahr 2015 in der Schweiz Kenntnis gehabt und sie wäh-
rend ihrer Auslandabwesenheit zwei Mal bei ihrer Cousine in D._
gesucht habe. Anlässlich der Befragung erklärte sie weiter, im Juli 2017 sei
sie von CID-Angehörigen angehalten worden, als sie bei einer Bank Geld
habe abheben wollen. In der Anhörung war sie sich nicht mehr sicher, ob
es sich dabei um einen Zufall gehandelt habe oder sie gezielt gesucht wor-
den sei. Die weitere legale unproblematische Ausreise aus Sri Lanka am
24. November 2017 zeigt auf, dass seitens der sri-lankischen Behörden
nichts gegen sie vorliegt. Hätten die sri-lankischen Behörden tatsächlich
ein Interesse an ihr gehabt, hätte es genügend Gelegenheiten gegeben,
sie festzuhalten. Hinzu kommt, dass sie nach ihrer Einreise in der Schweiz
am 24. November 2017 bis zum 8. Februar 2018 wartete, bis sie ihr Asyl-
gesuch einreichte. Diese Vorgehensweise lässt sich nicht damit vereinba-
ren, dass sie aufgrund der LTTE-Vergangenheit ihres verstorbenen Sohnes
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und ihres Schwiegersohnes jahrelang von CID-Angehörigen verfolgt wor-
den sei. An dieser Einschätzung vermögen weder die eingereichten Be-
weismittel noch die beschwerdeweise vorgebrachten Erklärungen etwas
zu ändern.
6.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, in Sri Lanka habe sich die Lage
durch den Regierungswechsel im November 2019 und die Vorkommnisse
auf der Schweizerischen Botschaft vom Dezember 2019 verändert. Sie
macht damit objektive Nachfluchtgründe geltend.
Zum heutigen Zeitpunkt besteht kein Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Der Beschwerdeführerin gelingt es
nicht, eine Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden glaubhaft darzu-
legen. Zudem besteht kein persönlicher Bezug der Beschwerdeführerin zur
Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen.
Insgesamt ist somit nicht davon auszugehen, dass ihr aufgrund der aktuel-
len Lage in Sri Lanka bei einer Rückkehr asylrelevante Nachteile drohen
würden. Das Vorliegen eines objektiven Nachfluchtgrundes ist zu vernei-
nen.
6.3 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, sie habe in der Schweiz
an einer exilpolitischen Veranstaltung, einer Heldengedenkfeier, teilgenom-
men.
Subjektive Nachfluchtgründe sind dann anzunehmen, wenn eine asylsu-
chende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat
oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Wesentlich ist, ob die heimatlichen Be-
hörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und
dieser deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung befürchten muss.
Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, wer-
den jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (Art. 54 AsylG; vgl.
BVGE 2009/28 E. 7.1 sowie Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 16 E. 5a m.w.H.).
Zur Zusammenkunft zum Märtyrertag reichte die Beschwerdeführerin ei-
nige Fotos ein. Auf den Fotos ist sie als Teil einer grösseren Ansammlung
von Teilnehmern abgebildet; auf eine exponierte, intensive exilpolitische
Tätigkeit der Beschwerdeführerin kann daraus nicht geschlossen werden.
Vielmehr ist anzunehmen, dass die Behörden in Sri Lanka ihre geringen
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exilpolitischen Aktivitäten überhaupt nicht zur Kenntnis genommen haben.
Hinzu kommt, dass sie bei ihrem ersten Aufenthalt in der Schweiz im Jahr
2015 bereits beim Heldengedenktag teilgenommen hat. Trotzdem konnte
sie problemlos und legal wieder in Sri Lanka einreisen und auch im Jahr
2017 wieder ausreisen. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass sie wegen
der Teilnahme an einem weiteren Heldengedenktag im Jahr 2017 in den
Fokus der sri-lankischen Behörden gerückt sein soll. Die Flüchtlingseigen-
schaft der Beschwerdeführerin ist somit unter dem Aspekt der subjektiven
Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG zu verneinen.
6.4 Insgesamt konnte die Beschwerdeführerin eine Verfolgung durch die
sri-lankischen Behörden nicht glaubhaft darlegen. Es besteht somit kein
begründeter Anlass zur Annahme, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit oder in absehbarer Zukunft asyl-
relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein wird.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Beurtei-
lung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form
von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risikofaktoren
identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene
Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop List“ und die Teilnahme
an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als stark risikobe-
gründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dargelegten
Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün-
deten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen ordentli-
cher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine
gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risikobegrün-
dende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitreichenden
Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden be-
strebt sei, den tamilischen Separatismus wieder aufleben zu lassen und so
den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Ri-
sikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen
in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" vermerkt seien und
der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen Straf-
registereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten
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Verbindung zu. Entsprechendes gelte für sri-lankische Staatsangehörige,
die sich im Ausland regimekritisch betätigt hätten (vgl. a.a.O. E. 8).
7.2 In Bezug auf das Vorliegen solcher möglicher Risikofaktoren ist festzu-
halten, dass die Beschwerdeführerin zwar Helferdienste für die LTTE ge-
leistet hat, jedoch nie Mitglied der LTTE war. Ihr Sohn und ihr Schwieger-
sohn waren Mitglieder der LTTE, eine Verfolgung aufgrund dieser beiden
ist jedoch unglaubhaft. Ihre jüngste Tochter war ebenfalls bei den LTTE,
die Beschwerdeführerin gab allerdings nicht an, ihretwegen befragt worden
zu sein. Ihre exilpolitische Tätigkeit ist ausserdem als äusserst nieder-
schwellig einzustufen. Weiter war es ihr möglich zwei Mal problemlos und
legal aus Sri Lanka ausreisen. Zudem konnte sie ein weiteres Mal prob-
lemlos und legal in Sri Lanka einreisen, obwohl sie zuvor eine Zeit lang im
Ausland weilte. Sie wurde zu keinem Zeitpunkt einer Straftat bezichtigt.
Soweit aus den Akten ersichtlich ist, verfügt sie über keine Narben, solche
wurden auch nicht geltend gemacht. Allein aus der tamilischen Ethnie und
der mittlerweile über zweijährigen Landesabwesenheit kann keine Gefähr-
dung abgeleitet werden. Dass sie in einer „Stop List“ aufgeführt sein soll,
erscheint aufgrund des Gesagten als unwahrscheinlich. Unter Würdigung
aller Umstände ist somit anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin von
der sri-lankischen Regierung nicht zu jener kleinen Gruppe gezählt wird,
die bestrebt ist, den tamilischen Separatismus wieder aufleben zu lassen,
und so eine Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellt. Es ist nicht
davon auszugehen, dass ihr persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri
Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
7.3 Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin nichts vorgebracht,
was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumin-
dest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat ihr Asylgesuch zu Recht ab-
gelehnt.
8.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. Die
Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach
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den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
9.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Vorliegend kommt der Beschwerdeführerin keine Flücht-
lingseigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-
bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-
meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3
BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen weder
die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig er-
scheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 12.2 f.). An dieser Einschät-
zung ist auch unter Berücksichtigung der jüngsten politischen Entwicklun-
gen in Sri Lanka (vgl. unten E. 9.3) festzuhalten. Auch im Hinblick auf die
diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen der sri-lankischen und der
schweizerischen Regierung (nach der Entführung einer Angestellten der
schweizerischen Botschaft in Sri Lanka am 25. November 2019) besteht
kein konkreter Grund zur Annahme, die allgemeinen politischen Entwick-
lungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf die Beschwer-
deführerin auswirken (vgl. Entscheid D-1466/2020 vom 23. März 2020
E. 7.2.2). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat
zudem wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei,
zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behand-
lung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden
(vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013,
Nr. 10466/11; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen vom
11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten
Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu be-
fürchten hätte, die über einen so genannten „Background Check“ (Befra-
gung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen
würden, oder dass sie persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegwei-
sung ist zulässig.
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9.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den
LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka we-
der Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Das Bundesverwal-
tungsgericht hat zuletzt im länderspezifischen Referenzurteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 zur Frage der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs abgewiesener Asylsuchender aus Sri Lanka insbesondere
tamilischer Ethnie eine Lageanalyse vorgenommen (ebd., E. 13.2–13.4).
Hinsichtlich der Ostprovinz, aus welcher die Beschwerdeführerin stammt,
wurde dabei zusammenfassend festgestellt, dass der Wegweisungsvoll-
zug dorthin zumutbar ist, sofern das Vorliegen der individuellen Zumutbar-
keitskriterien – insbesondere die Existenz eines tragfähigen familiären oder
anderweitigen sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesi-
cherte Einkommens- und Wohnsituation – bejaht werden kann (ebd.,
E. 13.4). An dieser Einschätzung vermögen auch die aktuellen Ereignisse
in Sri Lanka nichts zu ändern. Am 16. November 2019 wurde Gotabaya
Rajapaksa zum neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher
Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück,
17.11.2019; <https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-
presidential-candidate-rajapaksa-premadas-count-continues>, abgerufen
am 02.04.2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder,
dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015
an der Macht war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche
Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten be-
gangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechts-
verletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet
die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri
Lanka, 14.01.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident sei-
nen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder,
Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma-
hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett
zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl.
<https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presi-
dents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-
state20191127174753/>, abgerufen am 02.04.2020). Beobachter und eth-
nische / religiöse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repression
und die vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -
https://www.the/
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aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regie-
rungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Re-
gierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang
März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kün-
digte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament
auf, 03.03.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016; HRW, Sri
Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt
es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-
gen besteht. An der Lageeinschätzung des Referenzurteils
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 ist weiterhin festzuhalten. Durch seine Aus-
führungen zur allgemeinen Situation in Sri Lanka vermag die Beschwerde-
führerin keine auf ihre Person bezogene konkrete Gefährdung darzulegen.
Zudem sind ihre Verfolgungsvorbringen unglaubhaft.
Die Beschwerdeführerin stammt aus B._, (...). Sie hat die Schule
bis zur sechsten Klasse besucht. Zwischen den Jahren 2015 und 2017 hat
sie in D._ und E._ bei Freunden und Verwandten gewohnt.
Vor ihrer Ausreise in die Schweiz lebte sie bei ihrem jüngsten Sohn in
H._. Sie wurde bis zur Ausreise von ihren Kindern finanziell unter-
stützt. Es ist davon auszugehen, dass ihre Kinder sie auch nach ihrer Rück-
kehr finanziell entlasten und ihr jüngster Sohn sowie weitere Verwandte sie
bei der Wiedereingliederung unterstützen. Der Vollzug erweist sich deshalb
auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
9.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es der Beschwerdeführerin obliegt, bei der zuständigen Vertretung ih-
res Heimatstaats die für ihre Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu
beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12).
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9.5 Die Vorinstanz hat somit den Wegweisungsvollzug zu Recht als zuläs-
sig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen
Aufnahme fällt daher ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.6 Die aktuellen Massnahmen im Zusammenhang mit der weltweiten Aus-
breitung der Coronavirus-Krankheit (Covid-19) sind aufgrund ihrer vorüber-
gehenden Natur nicht geeignet, die obigen Schlussfolgerungen in Frage zu
stellen. Würden diese im vorliegenden Fall den Vollzug der Wegweisung
vorübergehend verzögern, so würde dieser zwangsläufig zu einem späte-
ren, angemessenen Zeitpunkt erfolgen (vgl. Entscheide E-6856/2017 vom
6. April 2020 E. 9, D-5461/2019 vom 26. März 2020 E. 7 und D-1282/2020
vom 25. März 2020 E. 5.5).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung den
rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt, Bundes-
recht nicht verletzt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich über-
prüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Die gestellten Rechtsbegehren erweisen sich als aussichtslos, wes-
halb die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Verbei-
ständung ungeachtet einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuwei-
sen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem
Urteil gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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