Decision ID: f21e13bc-ff32-4c43-864a-2f51b7011098
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 04.12.2012 Art. 25 Abs. 1 ATSG. Erlass einer EL-Rückforderung. Meldung einer Anpassung einer Rente der Invalidenversicherung, unterbliebene Meldung und Kontrolle bezüglich der damit einhergehenden Anpassung der Rente aus beruflicher Vorsorge; unterbliebene Meldung und Kontrolle betreffend Erhöhung der Teuerungszulagen zu einer Rente der obligatorischen Unfallversicherung. Guter Glaube gesamthaft verneint (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. Dezember 2012, EL 2012/20).Versicherungsrichter Martin Rutishauser (Vorsitz), Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug, a.o. Versicherungsrichterin Gertrud Condamin-Voney; Gerichtsschreiber Tobias BoltEntscheid vom 4. Dezember 2012in SachenA._,Beschwerdeführer,gegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,betreffendErgänzungsleistung zur IV (Erlass Rückforderung)Sachverhalt:
A.
A.a A._ hatte seit Jahren Ergänzungsleistungen zu einer halben Rente der
Invalidenversicherung bezogen. Mit Verfügung vom 25. November 2009 wurde ihm per
1. November 2009 revisionsweise eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung
zugesprochen (EL-act. 42). Auf die Anpassung der Rente hatte der damalige Rechts
vertreter des Versicherten die Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen als EL-Durch
führungsstelle bereits mit Schreiben vom 8. Oktober 2009 aufmerksam gemacht (EL-
act. 44); auf entsprechende Aufforderung hin (vgl. EL-act. 43) liess er der EL-Durch
führungsstelle mit Schreiben vom 30. November 2009 eine Kopie der IV-Verfügung zu
gehen (EL-act. 39).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.b Mit Verfügung vom 28. Dezember 2009 sprach die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherten mit Wirkung ab dem 1. Januar 2010 eine Ergänzungsleistung von
Fr. 813.-- pro Monat zu, wobei sie unter anderem die erhöhte Rente der Invalidenver
sicherung als Einnahme anrechnete (EL-act. 37).
A.c Am 4. Januar 2010 ersuchte das zuständige Sozialamt die EL-
Durchführungsstelle, den EL-Anspruch ab November 2009 infolge des veränderten IV-
Grads neu zu berechnen (EL-act. 36).
A.d Mit Verfügung vom 7. Januar 2010 setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistung für die Monate November und Dezember 2009 auf je Fr. 784.-- fest
(EL-act. 35).
A.e Am 28. April 2010 teilte der Rechtsvertreter der EL-Durchführungsstelle mit, dass
er den Versicherten nicht mehr vertrete (EL-act. 32).
A.f Mit Verfügung vom 29. Dezember 2010 erhöhte die EL-Durchführungsstelle den
EL-Anspruch mit Wirkung ab dem 1. Januar 2011 auf Fr. 837.-- pro Monat (EL-act. 28).
B.
B.a Am 7. April 2011 forderte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten auf, ein
Formular zwecks Überprüfung des EL-Anspruchs auszufüllen und unterschrieben samt
den notwendigen Unterlagen zu retournieren (EL-act. 25).
B.b Am 19. April 2011 retournierte der Versicherte das ausgefüllte und unterzeichnete
Formular samt Unterlagen (EL-act. 20 ff.), unter anderem einem Schreiben der Ein
richtung der beruflichen Vorsorge vom 7. Dezember 2009 betreffend Erhöhung der
Invalidenrente auf eine Dreiviertelsrente per 1. November 2009 (EL-act. 21–6).
B.c Auf entsprechende Nachfrage der EL-Durchführungsstelle hin (vgl. EL-act. 15)
liess die AHV-Zweigstelle dieser am 21. November 2011 ergänzende Unterlagen
zugehen, insbesondere Rentenbescheinigungen der Suva für die Jahre 2007, 2009 und
2010 (EL-act. 18).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.d Mit Verfügung vom 28. November 2011 setzte die EL-Durchführungsstelle den
EL-Anspruch neu fest, und zwar auf je Fr. 277.-- für die Monate November und
Dezember 2009, auf monatlich Fr. 651.-- für das Jahr 2010 und auf monatlich Fr. 675.--
für das Jahr 2011. Dementsprechend forderte sie vom Versicherten zuviel bezahlte Er
gänzungsleistungen von Fr. 3’762.-- zurück. Als Grund für die rückwirkende Herab
setzung der Ergänzungsleistung führte die EL-Durchführungsstelle die erst im Rahmen
der periodischen Überprüfung des Anspruchs festgestellten erhöhten Renten aus
beruflicher Vorsorge und der Suva an (EL-act. 14 ff.).
C.
C.a Am 9. Dezember 2011 erhob der Versicherte Einsprache gegen die Verfügung
vom 28. November 2011. Er beantragte den Verzicht auf die Rückerstattung und
eventualiter den Erlass der Rückforderung und führte zur Begründung im Wesentlichen
aus, er habe rechtzeitig gemeldet, dass sich die Renten der Invalidenversicherung und
aus beruflicher Vorsorge erhöht hätten, weshalb keine Meldepflichtverletzung vorliege,
er die zuviel ausgerichteten Ergänzungsleistungen mithin gutgläubig bezogen habe und
die Rückforderung daher zu erlassen sei, zumal eine grosse Härte vorliege (EL-act. 11).
C.b Die EL-Durchführungsstelle interpretierte die Einsprache vom 9. Dezember 2011
als Erlassgesuch und wies dieses mit Verfügung vom 14. Februar 2012 ab. Der Ver
sicherte habe nur die Erhöhung der Rente der Invalidenversicherung gemeldet, nicht
aber die Erhöhung der Rente aus beruflicher Vorsorge. Von der Erhöhung der Renten
aus beruflicher Vorsorge und der Suva habe sie erst im Rahmen der periodischen
Überprüfung des EL-Anspruchs erfahren. Es liege daher eine Meldepflichtverletzung
vor. Auch habe der Versicherte seine Kontrollpflicht verletzt. Die Voraussetzung des
guten Glaubens sei daher nicht erfüllt (EL-act. 6).
D.
D.a Am 5. März 2012 erhob der Versicherte Einsprache gegen die Verfügung vom
14. Februar 2012. Er machte geltend, die EL-Durchführungsstelle hätte erkennen
müssen, dass sich die Renten der Suva und aus beruflicher Vorsorge erhöht hätten,
weshalb keine Meldepflichtverletzung vorliege. Bezüglich Kontrollpflicht werde von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ihm in einer komplizierten Materie Wissen verlangt, über welches anscheinend selbst
die EL-Durchführungsstelle nicht verfüge. Um Einsprache gegen die Verfügung vom
14. Februar 2012 erheben zu können, habe er eine teure Beratung durch ein Anwalts
büro in Anspruch nehmen müssen; die Kosten seien ihm zu ersetzen (EL-act. 3–1 ff.).
D.b Am 6. März 2012 reichte der Versicherte ein Schreiben eines Mitarbeiters eines
Anwaltsbüros vom 29. Februar 2012 nach, in welchem anhand der Akten ausgeführt
worden war, der EL-Durchführungsstelle hätte bewusst sein müssen, dass mit der
Erhöhung der Rente der Invalidenversicherung auch eine Erhöhung der Renten aus
beruflicher Vorsorge und der Suva einhergehen könnte, weshalb sie entsprechende
Abklärungen hätte tätigen müssen (EL-act. 3–4 und 5–1 ff.).
D.c Mit Entscheid vom 16. April 2012 wurde die Einsprache abgewiesen. Selbst bei
oberflächlicher Durchsicht der Berechnungsblätter sei augenfällig, dass die erhöhten
Renten nicht berücksichtigt worden seien, weshalb der Versicherte seine Kontrollpflicht
verletzt habe; es liege diesbezüglich eine grobe Nachlässigkeit seitens des
Versicherten vor. Für das Einspracheverfahren würden in der Regel keine
Parteientschädigungen ausgerichtet; der Versicherte unterliege aber ohnehin, weshalb
die Ausrichtung einer Parteientschädigung nicht in Betracht falle (act. G 1.1).
E.
E.a Dagegen richtet sich die am 7. Mai 2012 erhobene Beschwerde, mit der unter
Kosten- und Entschädigungsfolge – insbesondere der Kosten für die Aktenauswertung
– der Erlass der Rückforderung beantragt und zur Begründung im Wesentlichen aus
geführt wird, es könne ihm keine grobe Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen werden
(act. G 1).
E.b Die Beschwerdegegnerin schliesst gemäss Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2012

unter Hinweis auf die Erwägungen des angefochtenen Einspracheentscheides auf Ab
weisung der Beschwerde (act. G 3).
Erwägungen:
1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Rückforderung gemäss Verfügung vom
28. November 2011 zu erlassen ist. Zwar hat der Beschwerdeführer formal Einsprache
gegen besagte Verfügung erhoben, doch ist das Vorgehen der Beschwerdegegnerin,
diese „Einsprache“ als Erlassgesuch zu interpretieren, grundsätzlich nicht zu be
anstanden, stellt sich die „Einsprache“ doch inhaltlich – sowohl bezüglich Antrag als
auch bezüglich Begründung – als Erlassgesuch dar; der Beschwerdeführer anerkannte
gar explizit die Rechtmässigkeit der Rückforderung. In der Folge wehrte sich der Be
schwerdeführer denn auch nicht gegen dieses Vorgehen. Allerdings ist zu
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer über ihr Vorgehen
erst im Rahmen der Verfügung vom 14. Februar 2012 betreffend Abweisung des
Erlassgesuchs informierte. Sie hätte ihn bereits früher darauf hinweisen und auffordern
müssen, klar zu stellen, ob seine Eingabe als Einsprache gegen die
Rückforderungsverfügung oder als Erlassgesuch zu verstehen sei. Nachdem der
Beschwerdeführer aber an einer materiellen Erledigung des Erlassgesuchs interessiert
ist, kann der Verfahrensmangel unbeachtet bleiben. Allenfalls wäre ihm bei der
Festlegung der Kosten- und Entschädigungsfolgen Rechnung zu tragen, was aber
vorliegend zufolge Kostenlosigkeit des Verfahrens und fehlender Rechtsvertretung
ohnehin nicht in Betracht fällt.
1.2 Ebenfalls zu bemängeln ist, dass der Rückforderungsverfügung vom
28. November 2011 kein Rückkommenstitel zugrunde liegt. Gemäss langjähriger
Rechtsprechung interpretiert das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die von
der Beschwerdegegnerin auch im vorliegenden Fall gewählte Vorgehensweise aber als
konkludent verfahrensrechtlich korrekt, indem es der Beschwerdegegnerin unterstellt,
sie habe die ursprünglichen, falschen Leistungsverfügungen zuerst korrigiert und erst
dann die unrechtmässig bezogenen Ergänzungsleistungen zurückgefordert (vgl. etwa
den Entscheid EL 2010/25 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
9. Juni 2011, E. 1).
1.3 Grund und Betrag bzw. die Rechtmässigkeit der Rückforderung sind im vor
liegenden Verfahren demnach nicht weiter zu prüfen. Für die Beantwortung der Frage,
ob der gemäss Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) für einen Erlass neben der grossen Härte
vorausgesetzte gute Glauben bezüglich Leistungsempfangs zu bejahen ist, ist
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
allerdings unter anderem auch zu berücksichtigen, was der Grund für die
Rückforderung ist.
2.
2.1 Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten. Wer die unrecht
mässigen Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht
zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 ATSG; Art. 4 f. der
Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSV; SR
830.11]). Die Rückerstattung kann somit nur erlassen werden, wenn die beiden
Voraussetzungen der gutgläubigen Entgegennahme der Leistung und der grossen
Härte der Rückerstattung kumulativ erfüllt sind (vgl. etwa Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 25 N 19). Diese Kriterien sind in einer
reichhaltigen Rechtsprechung konkretisiert worden. Hinsichtlich des guten Glaubens
sind die Voraussetzungen nicht schon mit der Unkenntnis des Rechtsmangels
gegeben. Die Rechtsprechung unterscheidet zwischen dem guten Glauben als
fehlendem Unrechtsbewusstsein und der Frage, ob sich jemand unter den gegebenen
Umständen auf den guten Glauben berufen kann, beziehungsweise ob er bei
zumutbarer Aufmerksamkeit den bestehenden Rechtsmangel hätte erkennen sollen
(vgl. AHI 1994, 122; BGE 102 V 245 mit Hinweisen). Der Bezüger unrechtmässiger
Leistungen darf sich nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben
Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Der Erlass der Rückforderung ist daher zu
verweigern, wenn der Leistungsbezüger die nach den Umständen gebotene zumutbare
Aufmerksamkeit nicht beachtet oder seine Meldepflicht hinsichtlich Änderungen in den
massgebenden Verhältnissen in grober Weise verletzt hat (BGE 102 V 245 mit
Hinweisen). Der Versicherte, der sich auf den guten Glauben beruft, darf seine Melde-
und Auskunftspflicht nicht in grober Weise verletzt haben; eine bloss leichte Verletzung
der Sorgfalts- und Aufmerksamkeitspflicht schliesst hingegen den Begriff des guten
Glaubens nicht aus (BGE 110 V 176; ZAK 1985, 63; Urteils des Bundesgerichts
I 622/05 vom 14. August 2006, E. 3.1). Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn jemand das
ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter
gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen (BGE 110 V 176).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2 Die Verletzung der Melde- oder Auskunftspflicht ist eine zwar häufige, aber nicht
die einzige Form eines schuldhaften Verhaltens, das die Berufung auf den guten
Glauben ausschliesst. In Betracht fällt z.B. auch die Unterlassung, sich bei der
Verwaltung (nach der Rechtmässigkeit der Auszahlung) zu erkundigen (vgl. ARV 1998
Nr. 41, 234). Zwar kann von einem Bezugsberechtigten in der Regel nicht erwartet
werden, dass er die EL-Berechnung vollständig nachzuvollziehen vermag. Um sich
nicht dem Vorwurf einer Sorgfaltspflichtverletzung auszusetzen, muss es grundsätzlich
genügen, dass er die Berechnungsblätter, die den EL-Verfügungen beigelegt sind, im
Rahmen seiner individuellen Möglichkeiten auf offensichtliche Fehler hin kontrolliert. In
diesem Umfang besteht aber eine Prüfungspflicht. Bei dieser Pflicht handelt es sich um
einen Anwendungsfall von Art. 3 Abs. 2 ZGB i.V.m. Art. 64 OR: Wer beim Empfang der
Zahlung um deren Grundlosigkeit weiss bzw. hätte wissen müssen, unterliegt einer
uneingeschränkten Rückerstattungspflicht, weil die Gutglaubensvermutung zerstört ist
(vgl. dazu Entscheid EL 2003/26 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 12. Februar 2004). Als Beispiel eines ohne weiteres zu erkennenden Fehlers,
dessen Nichtmeldung einen gutgläubigen Leistungsbezug ausschliesst, ist etwa die
Anrechnung von zu hohen Krankenkassenprämien zu nennen. So hat das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen beispielsweise die Tatsache, dass EL-
Bezüger nicht bemerkt hatten, dass eine um Fr. 21.-- pro Tag zu hohe Tagestaxe
angerechnet oder eine IV-Zusatzrente oder eine Lebensversicherungs- oder Leibrente
nicht berücksichtigt worden war, als groben Verstoss gegen die Sorgfaltspflicht
gewertet (Urteile EL 1998/28 vom 22. Mai 2001; EL 2003/26 vom 12. Februar 2004; EL
2005/22 vom 13. März 2006; EL 2008/1 vom 12. März 2008; EL 2008/16 vom
4. September 2008).
3.
3.1 Dem Beschwerdeführer wurde mit Wirkung ab dem 1. November 2009 eine
Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung zugesprochen, welche die bis dahin ausge
richtete halbe Rente ablöste. Diesbezüglich ist der Beschwerdeführer seiner Melde
pflicht klarerweise nachgekommen; der Rückforderungsverfügung vom 28. November
2011 liegt denn auch keine Korrektur der Rente der Invalidenversicherung zugrunde.
Dass mit der Anpassung der Rente der Invalidenversicherung auch eine Anpassung
der Rente aus beruflicher Vorsorge einher gehen würde, war zu erwarten. Ob die Be
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
schwerdegegnerin angesichts dessen verpflichtet war, entsprechende Abklärungen zu
tätigen, kann aber offenbleiben. Fehlerhaftes Verhalten der Verwaltung vermag nämlich
eine Meldepflichtverletzung nicht zu kompensieren (vgl. AHI 1994, 125). Da der Be
schwerdeführer verpflichtet war, die Anpassung der Rente aus beruflicher Vorsorge zu
melden, er dies aber unterlassen hat, ist eine Meldepflichtverletzung diesbezüglich zu
bejahen, wenn auch – was allerdings nicht entscheidrelevant ist – das Verschulden an
gesichts der zu erwartenden Anpassung als leicht zu qualifizieren ist.
3.2 Der Beschwerdeführer war sodann verpflichtet, die Rechtmässigkeit der
leistungszusprechenden Verfügungen im Rahmen seiner Möglichkeiten zu kontrollieren
und allfällige Ungereimtheiten zu melden. Dass nach erfolgter Meldung der
Rentenanpassung bei der Berechnung des EL-Anspruchs zwar eine deutlich höhere
Rente der Invalidenversicherung, aber gleichzeitig lediglich die bisherige Rente aus
beruflicher Vorsorge angerechnet wurde, hätte dem Beschwerdeführer bei ihm
zumutbarer Prüfung der Berechnungsblätter auffallen müssen. Ihm hätte auch auffallen
müssen, dass die angerechneten Rentenbeträge nicht mit den ihm von der Einrichtung
der beruflichen Vorsorge mitgeteilten Rentenbeträgen übereinstimmten. Der
Beschwerdeführer hat demnach entweder die Berechnungsblätter nicht mit
genügender Sorgfalt geprüft oder aber eine entsprechende Meldung an die
Beschwerdegegnerin unterlassen. So oder anders hat er die ihm obliegenden
Sorgfaltspflichten rechtsprechungsgemäss verletzt, weshalb der gute Glaube
diesbezüglich zu verneinen ist.
3.3 Die Rente der Suva erfuhr augenscheinlich keine Anpassung per 1. November
2009. Vielmehr scheint die Differenz der ausgerichteten Rentenleistungen zwischen
den Jahren 2007 und 2009 (die Rentenbescheinigung für das Jahr 2008 liegt nicht bei
den Akten) einzig auf die Erhöhung der Teuerungszulage zurückzuführen sein. Die
Argumentation des Beschwerdeführers, mit der Meldung der Anpassung der Rente der
Invalidenversicherung habe er auch seine Meldepflicht bezüglich der Erhöhung der
Rente der Suva erfüllt, geht daher fehl, zumal die Erhöhung der Teuerungszulagen per
1. Januar 2009 erfolgte und nicht erst per 1. November 2009. Zwar ist notorisch, dass
die Teuerungszulagen der Renten der obligatorischen Unfallversicherung in der Regel
alle zwei Jahre erhöht bzw. dem aktuellen Stand der Teuerung angepasst werden. Dies
entbindet die Versicherten allerdings nicht von ihrer diesbezüglichen Meldepflicht. Es
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ist denn auch nicht Sache der Versicherten, darüber zu mutmassen, welche
Änderungen allenfalls relevant sein oder der EL-Durchführungsstelle ohne Meldung
ihrerseits zugehen könnten. Vielmehr sind sie verpflichtet, jede Änderung der
tatsächlichen Verhältnisse, die einen Einfluss auf den EL-Anspruch haben könnte, zu
melden. Dazu werden sie auch in jeder Verfügung betreffend Ergänzungsleistungen
aufgefordert, wobei unter anderem Erhöhungen von Pensionen explizit erwähnt
werden. Indem der Beschwerdeführer die Erhöhung der Teuerungszulagen per
1. Januar 2009 nicht gemeldet hat, hat er seine Meldepflicht verletzt, weshalb der gute
Glaube auch diesbezüglich zu verneinen ist.
4.
Mangels guten Glaubens bezüglich der beiden relevanten Punkte, die zur Rück
forderung geführt haben, ist ein Erlass ausgeschlossen. Die Beschwerde ist ent
sprechend diesbezüglich abzuweisen.
5.
Was die im Rahmen der Einsprache geltend gemachten Auslagen für die Prüfung der
Angelegenheit durch einen Mitarbeiter eines Anwaltsbüros betrifft, so können diese
nicht im Rahmen einer Parteientschädigung ersetzt werden, da der Beschwerdeführer
im Einspracheverfahren unterlag. Selbst wenn sein entsprechender Antrag als Antrag
um unentgeltliche Rechtsverbeiständung aufzufassen wäre – was zweifelhaft ist –, fiele
eine Vergütung nicht in Betracht, weil als unentgeltliche Rechtsbeistände nur
patentierte Rechtsanwälte zugelassen sind, welche die Voraussetzungen für einen
Eintrag ins Register im Sinn des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der
Anwältinnen und Anwälte (BGFA; SR 935.61) erfüllen (BGE 132 V 200), die fraglichen
Abklärungen vorliegend aber von einem Mitarbeiter eines Anwaltsbüros vorgenommen
wurden, der diese Voraussetzungen nicht erfüllt. Auch diesbezüglich ist die
Beschwerde mithin abzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP