Decision ID: d4391c73-8177-50ad-a4ea-ed90186f397f
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ schloss am 22. Oktober 2007 bei der Helvetia Schweizerische
Lebensversicherungsgesellschaft AG (Helvetia) gestützt auf einen Antrag vom 3.
Oktober 2007 (vgl. act. G 2.8) eine Police für eine Lebensversicherung (Gebundene
Vorsorge Säule 3a) sowie eine Police für eine Erwerbsunfähigkeitsrente (Gebundene
Vorsorge Säule 3a) mit Versicherungsbeginn per 1. November 2007 ab (act. G 2.3, G
2.4).
A.b Vom 29. Juli bis 16. Dezember 2014 war die Versicherte in der Psychiatrischen
Klinik B._ in stationärer Behandlung. Die Ärzte diagnostizierten im Wesentlichen eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), eine komplexe posttraumatische
Belastungsstörung (F43.1), eine nicht näher bezeichnete dissoziative Störung (F44.9),
Probleme durch sexuellen Missbrauch in der Kindheit durch eine Person innerhalb der
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engeren Familie (Z61.4) sowie Probleme durch physische Misshandlung in der Kindheit
durch eine Person innerhalb der engeren Familie (Z61.6). Angesichts der komplexen
psychischen Erkrankung sei eine mehrjährige ambulante Psychotherapie, alternierend
mit stationären, störungsspezifischen und ätiologieorientierten
Traumatherapieintervallen, als äusserst indiziert zu erachten (vgl. den Austrittsbericht
vom 3. Februar 2015, act. G 2.15).
A.c Mit E-Mail vom 29. September 2014 meldete die C._ AG, der Helvetia, dass die
Versicherte seit dem 16. Juli 2014 zu 100% arbeitsunfähig sei (act. G 2.5).
A.d Am 3. Februar 2015 hielten die Ärzte der B._ auf Anfrage der Helvetia im
Wesentlichen fest, dass im Kindes- und Jugendalter Hospitalisationen stattgefunden
hätten und damals eine emotionale Entwicklungsstörung diagnostiziert worden sei. Seit
über 20 Jahren sei weder eine medikamentöse noch eine therapeutische Behandlung
erfolgt. Depressive Episoden würden von der Versicherten verneint. Die ersten
Symptome seien im Februar 2014 aufgetreten. Die Hospitalisation vom Juli bis
Dezember 2014 sei der erste stationäre Aufenthalt in dieser Klinik gewesen. Die
Versicherte sei seit dem Eintritt in die Klinik am 29. Juli 2014 zu 100% arbeitsunfähig
(act. G 4.3).
A.e Mit Schreiben vom 4. März 2015 kündigte die Helvetia die beiden
Versicherungsverträge wegen einer Anzeigepflichtverletzung. Sie führte aus, dass die
Versicherte mehrere Fragen im Antrag vom 3. Oktober 2007 nicht korrekt beantwortet
habe. Sie habe insbesondere nicht angegeben, dass sie im Kindes- und Jugendalter
wegen psychischer Probleme mehrmals hospitalisiert gewesen sei. Aufgrund der nicht
wahrheitsgetreuen Beantwortung der Fragen habe der Gesundheitszustand zum
Zeitpunkt der Annahme der Anträge nicht korrekt beurteilt werden können (act. G 2.6,
G 2.8).
A.f Dr. med. D._, Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, teilte der Helvetia am
12. März 2015 im Wesentlichen mit, dass die Versicherte erstmals im September 2002
wegen einer Handverletzung bei ihm in Behandlung gewesen sei. Er führte aus, dass er
in der Anamnese von 2003 den Eintrag „1998 Psychotherapie erfolgreich“ erfasst habe,
er jedoch keine Unterlagen darüber habe. Ausser diesem Eintrag seien ihm keine
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psychischen oder psychologischen Beschwerden der Versicherten vor dem 1.
November 2007 bekannt. Er habe auch keine Kenntnis von Hospitalisationen im
Kindes- und Jugendalter (act. G 4.4).
A.g Mit Schreiben vom 4. Juni 2015 reichte die Versicherte der Helvetia einen
Arztbericht von Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Krankenhaus F._, vom 11. Mai 2015 ein (act. 4.7). Darin hielt dieser fest, dass die
Versicherte zwischen dem 30. April 1988 und 2. November 1994 mit kürzeren
Unterbrechungen durch Aufenthalte in anderen Kliniken und therapeutischen
Einrichtungen unter der Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.31) in der psychiatrischen Abteilung des genannten Kreiskrankenhauses stationär
behandelt worden sei (bei act. G 4.7).
A.h Dr. med. G._, Facharzt für Innere Medizin und Gesellschaftsarzt der Helvetia,
hielt in einem Aktengutachten vom 17. August 2015 fest, dass im Bericht der B._
vom 3. Februar 2015 Hospitalisationen im Kindes- und Jugendalter mit der Diagnose
einer emotionalen Entwicklungsstörung erwähnt würden. Dr. D._ habe im Bericht
vom 12. März 2015 eine Psychotherapie im Jahr 1998 festgehalten und untermauere
somit den Tatbestand der Anzeigepflichtverletzung. Dabei sei zu erwähnen, dass in den
Antragsfragen bei Versicherungsabschluss nicht nach einer spezifischen
psychiatrischen Diagnose, sondern nach einer erfolgten Psychotherapie gefragt
worden sei. Dass ein solches Leiden vorgelegen habe, sei gemäss den Informationen
aus den erwähnten Berichten offensichtlich. Auf die psychiatrischen Behandlungen
habe die Versicherte bei den Gesundheitsfragen mit keinem Wort hingewiesen, obwohl
sich diese bis in das frühe Erwachsenenalter hineingezogen hätten. Auch könne nicht
davon ausgegangen werden, dass die Versicherte eine sechseinhalb Jahre
andauernde, ununterbrochene psychiatrische Hospitalisation und Behandlung im Alter
von 19 bis 25 Jahren vergessen bzw. verdrängt habe. Der Tatbestand der
Anzeigepflichtverletzung sei somit eindeutig erfüllt. Dies betreffe insbesondere die
Frage 14, bei welcher die langjährigen psychiatrischen Hospitalisationen verschwiegen
und lediglich auf einen vereiterten Zahn mit Extraktion verwiesen worden sei (act. G
2.16).
B.
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B.a Am 8. Februar 2017 ersuchte die Rechtsvertreterin der Versicherten die Helvetia
um Zustellung einer Verjährungsverzichtserklärung bis 31. Dezember 2017 (act. G
4.18). Mit Schreiben vom 20. Februar 2017 teilte die Helvetia der Rechtsvertreterin mit,
dass sie auf die Einrede der Verjährung bis 30. Juni 2017 verzichte (act. G 2.2).
B.b Die B._ nahm im Schreiben vom 22. März 2017 auf Anfrage der
Rechtsvertreterin der Versicherten dahingehend Stellung, dass es sich bei der erneuten
Erkrankung im Jahr 2014 am ehesten um eine Reaktivierung des alten Traumas
gehandelt habe. Es habe eine mehr als 10-jährige unauffällige Phase im Leben der
Versicherten gegeben. Die Reaktivierung des Traumas sei nicht vorhersehbar gewesen
und somit nicht wissentlich von der Versicherten geheim gehalten worden. Nach mehr
als 10-jähriger Beschwerdefreiheit und entsprechender Beratung durch den
Versicherungsberater der Helvetia könne der Versicherten nicht vorgeworfen werden,
dass sie absichtlich etwas unterschlagen habe. Es müsse davon ausgegangen werden,
dass sie die Fragen zum Zeitpunkt des Versicherungsabschlusses nach bestem Wissen
und Gewissen beantwortet habe. Sie sei davon ausgegangen, dass die mehr als zehn
Jahre zurückliegende Erkrankung für den Versicherungsabschluss nicht mehr von
Belang sei (act. G 2.16).
C.
C.a Mit Klage vom 29. Juni 2017 liess die Klägerin beantragen, es sei festzustellen,
dass die Beklagte die zwei Versicherungsverträge am 4. März 2015 zu Unrecht
gekündigt habe. Im Weiteren sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin die
vertraglichen Leistungen aus der Erwerbsunfähigkeitsversicherung basierend auf einer
Erwerbsunfähigkeit von 100% für die Zeit ab dem 16. Juli 2016 bis 30. Juni 2017 zu
bezahlen, also CHF 9‘400.00 zuzüglich 5% Zins ab Klageeinleitung, und ihr seien die
vollen Prämienbefreiungen zu gewähren. Ausserdem sei vom Nachklagerecht Vormerk
zu nehmen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten. In
prozessualer Hinsicht liess die Klägerin um Durchführung einer mündlichen
Verhandlung ersuchen (act. G 1).
C.b Mit Klageantwort vom 13. September 2017 beantragte die Beklagte, auf die Klage
sei nicht einzutreten; eventualiter sei sie abzuweisen; alles unter Kostenfolge zu Lasten
der Klägerin (act. G 4).
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C.c Mit Replik vom 20. November 2017 ergänzte die Klägerin ihre Klage dahingehend,
dass sie Prämienbefreiungen von jährlich CHF 5‘063.05 und CHF 1‘041.35 beantragte
(act. G 8).
C.d Mit Duplik vom 30. Januar 2018 hielt die Beklagte an ihren Rechtsbegehren fest
und bestätigte ihre Standpunkte (act. G 12).
C.e Am 28. November 2018 teilte die Rechtsvertreterin der Klägerin mit, dass an der
beantragten Durchführung einer mündlichen Verhandlung nicht festgehalten werde
(act. G 14).

Erwägungen
1.
1.1 Streitig ist die Leistungspflicht der Beklagten aus einer gebundenen
Vorsorgeversicherung der Säule 3a nach Art. 82 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40). Die
sachliche und örtliche Zuständigkeit des angerufenen Versicherungsgerichts blieb
zwischen den Parteien zu Recht unbestritten (Art. 73 Abs. 1 lit. b BVG; Art. 73 Abs. 3
BVG; jeweils Ziff. 5.3 der allgemeinen Versicherungsbedingungen [AVB] zur Helvetia
Erwerbsunfähigkeitsrente bzw. zur Lebensversicherung, Gebundene Vorsorge, Säule
3a; act. G 2.1).
1.2 Die Klägerin beantragt einerseits die Feststellung, dass die Beklagte die beiden
Versicherungsverträge am 4. März 2015 zu Unrecht gekündigt habe (Rechtsbegehren
1). Andererseits stellt sie das Leistungsbegehren, dass die Beklagte zu verpflichten sei,
ihr die vertraglichen Leistungen aus der Erwerbsunfähigkeitsversicherung basierend auf
einer Erwerbsunfähigkeit von 100% für die Zeit ab dem 16. Juli 2016 bis 30. Juni 2017
zu bezahlen, also CHF 9‘400.00 zuzüglich 5% Zins ab Klageeinleitung, und ihr die
vollen Prämienbefreiungen zu gewähren seien (Rechtsbegehren 2, act. G 1 S. 2). Beim
Rechtsbegehren 1 handelt es sich um eine Feststellungsklage, die ein schutzwürdiges
Interesse rechtlicher oder tatsächlicher Natur voraussetzt. An einem solchen
schutzwürdigen Interesse am Erlass eines Feststellungsentscheides fehlt es
insbesondere dann, wenn das Rechtsschutzinteresse der klagenden Person durch ein
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rechtsgestaltendes Urteil gewahrt werden kann (BGE 120 V 302 E. 2a). Dies ist
vorliegend der Fall, weshalb auf das Feststellungsbegehren der Klägerin
(Rechtsbegehren 1) nicht einzutreten ist. Im Übrigen ist auf die Klage einzutreten.
2.
2.1
Die Beklagte verneint ihre Leistungspflicht mit der Begründung, dass die Klägerin ihre
Anzeigepflicht verletzt habe, indem sie im Gesundheitsfragebogen vom 8. Oktober
2007 bewusst falsche Angaben gemacht habe (act. G 4 S. 4 ff.).
2.2 Nach der Rechtsprechung beurteilen sich die Verletzung der Anzeigepflicht und
deren Folgen nach den statutarischen und den reglementarischen Bestimmungen der
Vorsorgeeinrichtung, bei Fehlen entsprechender Normen analogieweise nach Art. 4 ff.
des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1; vgl. BGE 130
V 11 E. 2.1). Hat eine versicherte Person beim Abschluss oder bei der
Wiederinkraftsetzung der Versicherung eine schriftlich gestellte Frage unvollständig
oder falsch beantwortet, so ist die Beklagte berechtigt, innert vier Wochen seit
Kenntnis der Anzeigepflichtverletzung den Vertrag per sofort zu kündigen. Wird der
Vertrag durch eine solche Kündigung aufgelöst, so erlischt auch die Leistungspflicht für
bereits eingetretene Schäden, deren Eintritt oder Umfang durch die unvollständig oder
falsch mitgeteilte Tatsache beeinflusst worden ist. Sind für solche Schäden bereits
Leistungen erbracht worden, können diese von der Beklagten zurückgefordert werden
(vgl. Art. 6 VVG, vgl. auch Ziff. 5.4 Abs. 1 AVB zur Erwerbsunfähigkeitsrente, Ziff. 5.5
AVB zur Lebensversicherung; act. G 2.1). In den Policen vom 22. Oktober 2007 wird
bezüglich der Anzeigepflicht bzw. der Folgen im Verletzungsfall zudem auf die
Regelung von Art. 12 VVG verwiesen (vgl. act. G 2.3, G 2.4). Gemäss dieser
Bestimmung hat der Versicherungsnehmer binnen vier Wochen nach Empfang der
Urkunde deren Berichtigung zu verlangen, sollte der Inhalt der Police oder der
Nachträge zu derselben mit den getroffenen Vereinbarungen nicht übereinstimmen,
widrigenfalls ihr Inhalt als von ihm genehmigt gilt.
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2.3 Wann die Anzeigepflicht verletzt ist, beurteilt sich verschuldensunabhängig nach
subjektiven und objektiven Kriterien. Nicht erforderlich ist, dass die antragstellende
Person vorsätzlich gehandelt hat. Die antragstellende Person hat dem Versicherer in
Beantwortung entsprechender Fragen nicht nur die ihr tatsächlich bekannten (von
ihrem positiven Wissen erfassten) erheblichen Gefahrstatsachen mitzuteilen, sondern
auch diejenigen, die ihr bekannt sein müssen. Sie kommt ihrer Anzeigepflicht nur dann
genügend nach, wenn sie ausser den ihr ohne Weiteres bekannten Tatsachen auch
diejenigen angibt, deren Vorhandensein ihr nicht entgehen kann, wenn sie über die
Fragen des Versicherers ernsthaft nachdenkt (vgl. BGE 134 III 511 E. 3.3.3 mit
Hinweisen). Wird der Tatbestand von Art. 6 VVG erfüllt, kann sich der Versicherer nicht
auf die allgemeinen Regeln der Art. 23 ff. OR berufen (vgl. das Urteil des
Bundesgerichtes vom 20. August 2013, 4A_112/2013, E. 3.5.1 mit Hinweisen).
2.3.1 Die Klägerin hat im Antragsfragebogen vom 8. Oktober 2007 (act. G 2.8) die
Frage, ob sie in den letzten fünf Jahren durch einen Arzt, Psychiater oder Psychologen
untersucht oder behandelt worden oder eine Untersuchung, Nachkontrolle oder
Operation vorgesehen sei, mit "Ja" beantwortet und eine Zahnbehandlung vom 31.
Januar 2006 angegeben (Frage 1, S. 6 des Fragebogens). Die Frage nach in den letzten
zehn Jahren erlittenen bzw. durchgemachten Krankheiten, Beschwerden,
Gesundheitsstörungen oder Verletzungen beantwortete die Klägerin in allen
Unterpunkten mit "Nein" (Frage 13). Die Frage 14, ob sie jemals in einem Spital,
Sanatorium oder einer Kuranstalt behandelt worden sei, beantwortete die Klägerin mit
"Ja" und verwies auf die bei Frage 1 angegebene Zahnbehandlung. Schliesslich
beantwortete die Klägerin die Frage 15, ob sie in den letzten fünf Jahren jemals länger
als vier Wochen ohne Unterbruch ganz oder teilweise arbeitsunfähig gewesen sei, mit
"Nein" (S. 8 des Fragebogens).
2.3.2 Die im Hinblick auf den Abschluss eines Versicherungsvertrags aus dem
Bereich der beruflichen Vorsorge gestellten Fragen beziehen sich unbestrittenermassen
auf Tatsachen, die geeignet sind, den Entschluss der Beklagten zum Abschluss des
Vertrags an sich oder aber zu den vereinbarten Bedingungen wesentlich zu
beeinflussen. Entgegen der Argumentation der Klägerin (vgl. act. G 1 S. 9 f.) sind die
vorliegend relevanten Fragen eindeutig und präzise formuliert. Insbesondere sind die
vorliegend massgeblichen Zeiträume durch die jeweiligen Zeitangaben (Frage 13: "10
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Jahre", Frage 14: "jemals", Frage 15: "5 Jahre") klar definiert. Insbesondere ist auch die
Frage, ob ein bestimmtes medizinisches Ereignis "jemals" aufgetreten sei, objektiv klar
und allgemein verständlich. Die genannten Fragen sind deshalb als zulässig zu
erachten und die Klägerin war gehalten, sie wahrheitsgetreu und vollständig zu
beantworten.
2.3.3 Nach Lage der Akten war die Klägerin zwischen Ende April 1988 und Anfang
November 1994 bei der Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in stationärer
psychiatrischer Behandlung gewesen (vgl. insb. den Bericht von Dr. E._ vom 11. Mai
2015, bei act. G 4.7). Dass in der Jugendzeit der Klägerin langjährige psychiatrische
Behandlungen stattgefunden hatten, wird sowohl in den Berichten der B._ vom 3.
Februar 2015 (act. G 2.15, G 4.3) als auch von der Klägerin selbst bestätigt (vgl. insb.
act. G 1 S. 4, S. 5 f., act. G 8 S. 6 ff.) und ist zwischen den Parteien denn auch nicht
umstritten. Indem die Klägerin diese Behandlungen nicht angegeben hat, hat sie die
Frage 14 (Wurden Sie jemals in einem Spital, Sanatorium oder einer Kuranstalt
behandelt?) somit nicht wahrheitsgetreu bzw. nur unvollständig beantwortet.
2.4
2.4.1 Die Klägerin macht hinsichtlich der unvollständigen bzw. nicht
wahrheitsgetreuen Beantwortung der Frage 14 geltend, dass sie einen
Versicherungsberater der Beklagten zu Rate gezogen und dieser ihr eine falsche
Auskunft erteilt habe (vgl. act. G 1 S. 10). Sie beruft sich insbesondere darauf, der
Versicherungsberater habe ihre Frage, ob tatsächlich alle Aufenthalte in einem Spital,
einem Sanatorium oder einer Kuranstalt seit Geburt angegeben werden müssten,
dahingehend beantwortet, dass die Beklagte nur die letzten fünf Jahre vor dem
Versicherungsabschluss interessieren würden. Die offenbar falsche Aussage des
Versicherungsberaters könne ihr nicht zugerechnet werden (act. G 1 S. 10 f.).
2.4.2 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Verantwortlichkeit hat
der Versicherer für eine unrichtige Auskunft seines Vermittlers nicht einzustehen, wenn
sich diese auf eine derart klar gefasste Frage bezieht, dass eine Erklärung dazu gar
nicht nötig war, bzw. die antragstellende Person die Frage nicht missverstehen konnte.
Die antragstellende Person kann sich unter solchen Umständen nicht auf ihren guten
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Glauben berufen, mithin den Versicherer für eine solche Auskunft seines Beraters nicht
verantwortlich machen. Gegen den klaren Wortlaut des vom Versicherer aufgestellten
Fragebogens können allenfalls abweichende Angaben des Vermittlers keine Bedeutung
haben. Wenn die antragstellende Person eine solche eindeutige Frage unrichtig
beantwortet, handelt sie also auf eigene Gefahr. Der Versicherer muss sich somit eine
unrichtige Angabe seines Vermittlers zu einer klaren, einfachen Frage, die eine
antragstellende Person ohne Weiteres verstehen kann, nicht entgegenhalten lassen.
Mit anderen Worten vermöchten allfällige unrichtige Erläuterungen des Vermittlers bei
einer unmissverständlichen Frage das Rücktrittsrecht des Versicherers wegen einer
Anzeigepflichtverletzung gemäss Art. 6 VVG nicht zu beeinträchtigen (vgl. zum Ganzen
das Urteil des Bundesgerichtes vom 21. August 2011, 5C.104/2001 E. 2cc mit Verweis
auf BGE 96 II 204 E. 6, BGE 68 II 328 S. 335).
2.4.3 An dieser Praxis ist auch nach der seit 1. Januar 2006 gültigen Neufassung
der Bestimmung über die Verantwortlichkeit des Versicherers für seine Vermittler (Art.
34 VVG), wonach der Versicherer gegenüber dem Versicherungsnehmer für das
Verhalten seines Vermittlers wie für sein eigenes einzustehen hat, festzuhalten (vgl.
auch das Urteil des Bundesgerichtes vom 29. April 2011, 9C_1092/2009, E. 3.3 mit
Hinweisen; offen gelassen im Entscheid des Sozialversicherungsgerichtes des Kantons
Zürich vom 9. August 2013, BV.2012.00055, E. 4.3.3 mit Hinweisen; vgl. auch U. NEF/
C. VON ZEDTWITZ: in Honsell/Vogt/Schnyder/Grolimund,
Versicherungsvertragsgesetz, Nachführungsband, Basel 2012, S. 70). Auch unter der
neuen Regelung der Verantwortlichkeit des Versicherers für seine Vermittler läuft es
dem Grundsatz von Treu und Glauben zuwider, wenn eine antragstellende Person
einen (medizinischen) Tatbestand, der unzweifelhaft von einer unmissverständlichen
Frage erfasst wird, im Antragsformular unter Berufung auf die Erklärung des Vermittlers
nicht oder nur unvollständig aufführt. Auch den Materialien zum neurechtlichen Art. 34
VVG (vgl. BBl 2003 3789, 3857) sind keine Anhaltspunkte zu entnehmen, die eine
Praxisänderung hinsichtlich klaren, einfachen und leicht verständlichen Fragen
begünstigen würden. Der Grundgedanke, dass die antragstellende Person klare und
einfache Fragen nicht in (blindem) Vertrauen auf die Erklärungen des Vermittlers
unrichtig beantworten kann, muss somit weiterhin Bestand haben. Zweifelt die
antragstellende Person daran, ob sie eine medizinische Tatsache oder ein Ereignis im
Fragebogen anzugeben hat, so ist es ihr ohne Weiteres zumutbar, diesbezüglich beim
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Versicherer nachzufragen oder zumindest ihre Unsicherheit bezüglich der
Beantwortung der entsprechenden Frage schriftlich offenzulegen.
2.4.4 Wie in der vorstehenden E. 2.3.2 dargelegt, war der zeitliche
Anwendungsbereich der umstrittenen Fragen im vorliegenden Fall klar und
verständlich. Die Klägerin wäre also gehalten gewesen, die langjährigen
psychiatrischen Behandlungen bei Frage 14 trotz einer allfälligen fehlerhaften Auskunft
des Beraters der Beklagten anzugeben. Das hätte die Klägerin – allenfalls mit einem
Vermerk über die Auskunft des Beraters – im Anschluss an die Ergänzung zu der mit
"Ja" beantworteten Frage 14 unter der Rubrik "Bemerkungen" ohne Weiteres tun
können.
2.5 Vor diesem Hintergrund erübrigen sich Beweisabnahmen zur Frage, welche
Auskünfte der Versicherungsberater der Klägerin genau erteilt hat. Es ist jedenfalls von
einer relevanten Anzeigepflichtverletzung auszugehen, womit die Beklagte berechtigt
war, innert vier Wochen rückwirkend auf den Abschlusszeitpunkt von den
Versicherungsverträgen zurückzutreten (vgl. E. 2.2).
3.
Nach dem Gesagten ist die Klage abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Eine anwaltlich vertretene
Vorsorgeeinrichtung hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, soweit – wie
vorliegend – die Prozessführung der Gegenpartei nicht als mutwillig oder leichtsinnig zu
bezeichnen ist (BGE 126 V 143 E. 4b, BGE 128 V 323 E. 1a mit weiteren Hinweisen).
Der in der Duplik vom 30. Januar 2018 gestellte Antrag auf Ausrichtung einer
Parteientschädigung (act. G 12 S. 3) ist deshalb abzuweisen.