Decision ID: 5439a697-858b-4157-b41b-f96441f30e8a
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975 und Mutter eines 1998 geborenen Sohnes, war von Juli 2006 bis Ende September 2008 als Hilfsar
beiterin in einem Pensum von 80
% bei der
Firma Y._
tätig und sei
ther arbeitslos (
Urk.
9/1 Ziff. 3.1, Ziff. 5.4, Ziff. 5.7; Urk. 9/6 Ziff. 2.1, Ziff.
2.3). Unter Hinweis auf ein
durch ein
en
Verkehrsunfall am 7.
August 2009 erlittene
s Schleudertrauma
und
Band
scheibenbeschwerden
mel
dete sich die Versicherte am 1.
Februar 2010 bei der Invalidenversicher
ung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/1 Ziff. 6.2, Ziff.
12). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizini
sche und erwerbliche Situation ab, zog die Akt
en der Unfallversicherung (Urk.
9/7
, Urk. 9/11
) bei und teilte der Versicherten am 1
8.
November 2010 mit, dass keine berufliche
n
Eingliederungsmassnahmen möglich seien und der Ren
tenanspruch geprüft werde (Urk. 9
/26).
Nach durchgefüh
rtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
9/27
,
Urk.
9/31,
Urk.
9/36,
Urk.
9/70
) verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 18.
Oktober
2012 einen Rentenanspruch (Urk. 9/77 = Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 12. November 2012 Beschwerde gegen die Verfügung vom 18.
Okt
ober 2012 (Urk.
2) und beantragte unter Hinweis auf n
eu ergangene Arztberichte (Urk. 3/1-3, Urk. 5, Urk.
7) sinngemäss
die Zusprechung einer Rente (Urk. 1
S.
1).
Die IV-Stelle beantrag
te mit Beschwerdeantwort vom 3. Januar 2013 (Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 7.
Januar 2
013 zur Kenntnis gebracht (Urk.
10).
Mit Eingabe vom 13.
Juni 2013 beantragte die Beschwerdeführerin die
Rück
weisung
der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Einholung eines
polydiszip
linären
Gutachtens
(Urk.
15), was der Beschwerdegegnerin am 18.
Juni 2013 (Urk.
16) zur Kenntnis gebracht wurde
. Mit Gerichtsverfügung vom 27.
August 2013
wurde antragsgemäss (vgl. Urk.
15) die unentgeltliche
Prozessführung bewilligt (Urk.
20).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die massgebenden rechtlichen Grundlagen betreffend den Rentenanspruch (Art.
28 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG)
und
die
Inva
liditätsbemessung
(Art.
16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des So
zialversicherungsrechts, ATSG)
sind in den angefochtenen Verfügungen zu
treffend angeführt (
Urk. 2 S. 1).
Darauf kann, mit den nachstehenden Ergän
zungen, verwiesen werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Er
werbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung vom 18. Oktober 2012 (Urk. 2) davon aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem Unfall im August 2009 in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
und ihre angestammte Tätigkeit
sei
nicht mehr zumutbar
.
Seit Februar 2010 sei die Ausübung einer adaptierten Tätigkeit wie zum Beispiel Hauspost, Abfüllaufgaben oder Kontrollaufgaben zu 100 % zu
mutbar (S. 1 f.).
2.2
Die
Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, die
Diag
nosestellung
und die ärztliche Beurteilung würden nicht stimmen. Sie habe Schmerzen und sei weiterhin in ärztliche
r
Behandlung
(Urk. 1
S. 1).
In der Eingabe vom 13. Januar 2013 (Urk. 15) vertrat sie schliesslich den Stand
punkt, der medizinische Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt, weshalb die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei, damit diese mittels
eines
Gutachten
s
ihre Arbeitsfähigkeit in angestammter sowie in einer
leidensange
passten
Tätigkeit unter Berücksichtigung sämtlicher Beschwerden feststelle (S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist,
wie es sich mit den gesundheitlichen Beeinträchti
gungen der Beschwerdeführerin und damit den allfälligen Ansprüchen auf eine Rente verhält.
3.
3.1
Am 7. August 2009 zog sich die Beschwerdeführerin bei einem Autounfall
in der Türkei
(vgl. Urk. 9/
7/44
)
ein zervikales Beschleunigungstrauma zu (vgl. Urk. 9/7/40).
Dr. med.
Z._
, Fachärztin FMH für Neurologie, untersuchte die Be
schwerdeführerin am 18. November 2009 und
diagnostizierte
mit Bericht vom 19. November 2009 (Urk. 9/7/24-25) ein Halswirbe
lsäulen (HWS)-
Distorsions
trauma
mit belastungsabhängigem rechtsbetontem zervikalem und
zervikobra
chialem
Schmerzsyndrom (S. 1 oben) und führte aus, seit dem Unfall seien die Schmerzen unverändert stark vorhanden, die bei geringster Belastung zunäh
men und häufig zur rechten Schulter in den rechten Arm ausstrahlten (S. 1 unten). Es fänden sich keine sicheren neurologischen Ausfälle, insbesondere keine sichere
Radikulopathie
. Die Hypästhesie im rechten Schulterbereich sei
pseudoradikulärer
Natur (S. 2 Mitte).
3.2
Das in der Folge veranlasste ambulante Assessment in der Rehaklinik
A._
vom 27. November 2009 (Bericht vom 1. Dezember 2009; Urk. 9/7/13-21) ergab bei bekannter Diagnose
HWS-Distorsionstrauma, Schulterkontusion rech
ts sowie Adipositas Grad II (S.
1 oben), dass keine
ossären
Läsionen vorlägen und sich bei der Lendenwirbelsäule (LWS) eine deutliche
Osteochondrose
L5/S1 mit aufgehobenem Bandscheibenzwischenraum und vermehrter
Sklerosierung
zeige. Die Ärzte erachteten
aufgrund
der Abklärungsresultate eine multimodale statio
nä
re Reha
bilitation für angezeigt, welche der erheblichen
Symptomaus
wei
tung
und der Selbstlimiti
erung entgegenwirken sollte (S.
3 Mitte).
3.3
Ein am 1
1.
Februar 201
0 durchgeführte Magnetresonanztomographie (MR)
Arthro
Schulter rechts ergab eine leichte
Tendinose
an der Oberfläche der Supra-, weniger der
Infraspinatussehne
, eine etwas schmale
Subscapularissehne
kranial bei intakten
Rotatoren
sowie eine
leichtgradige
nach kranial hypertro
phe AC-Arthrose m
it deutlichen Zeichen der
retrakt
ilen
Kapsulitis
(Urk.
9
/11/15
).
3.4
Vom 13. Januar bis 17.
Februar 2010 weilte die Beschwerdeführerin in der Rehaklinik
A._
, worüber
am 19.
Februar
2010 berichtet wurde (Urk. 9/11/7-14 = Urk. 9/18/5-12 = Urk. 9/20
). Die Ärzte diagnostizierten eine HWS-Distorsion, eine Schulterkontusion rechts sowie ein panvertebrales Schmerzsyndrom und ein Schulterschmerzsyndrom rechts bei
retraktiler
Kapsu
litis
. Zudem diagnostizierten sie lumbale degenerative L
äsionen und eine Adi
positas (S.
1). Als aktuelle Probleme nannten sie Schmerzen und eine ein
geschränkte Beweglichkeit der Schulter rechts, intermittierende unspezifische
Kribbelparästhesien
an der rechten Hand, bewegungsverstärkte diffuse
panver
tebrale
Schmerzen, zeitweise vom
Rücken ins rechte Bein dorsal bis zur Ferse ausstrahlend, belastungsabhängige Schmerzen im Bereich der rechten Hüfte, intermittierend Schwindelepisoden
und Konzentrationsstörungen (S.
1 unten). Die Ärzte führten aus, insgesamt könne diese Beschwerdeproblematik mit den Befunden und Diagnosen zum Teil erklärt werden. Die Beschwerdeführerin habe sowohl bei Eintritt als auch bei Austritt eine erhebliche Symptomausweitung gezeigt und die Beschreibung von Schmerz und Einschränkungen seien st
ets undifferenziert gewesen (S.
4). Im Schmerzverhalten habe sie sich
bei stetig schlechtem Leistungsverhalten
von mässig adäquat
zu nicht adäquat ver
schlechtert
. Eine Zumutbarkeit für eine den Einschränkungen der Beschwerde
führerin angepasste berufliche Tätigkeit sei festgelegt und sie werde sich beim
Regionales Arbeitsvermittlungs
zentrum
(
RAV
)
melden und eine Arbeit suchen müssen, obwohl sie sich sel
bst nicht arbeitsfähig sehe (S.
5).
3.5
Demgegenüber berichtete Dr. med.
B._
, Facharzt für Allgemein
medizin FMH, am 2
9.
März 2010 (Urk. 9/11/6)
von einer guten Compliance und Willen zur Mitarbeit. Trotzdem habe die Beschwerdeführerin offensichtlich äusserst starke Schmerzen und entsprechend sei aktuell eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit gerechtfertigt (Ziff.
5).
Im Verlaufsbericht vom 8. Juli 2010 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 9/17/1-5 = Urk. 9/19)
führte
Dr.
B._
zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin aus, diese leide nicht an geistigen und psychischen Ein
schränkungen, jedoch bestünden seit dem Unfall
muskulus-skelet
t
ale
Probleme, welche Schwierigkeiten für Armbewegungen brächten, vor allem rechts und bei
Tätigkeiten wie Sitzen und Stehen nach etwa 5-10 Minuten (Ziff. 1.7).
Die Be
schwerdeführerin sei
zurzeit
in ihrer angestammten Tätigkeit als
Produkti
ons
mitarbeiterin
vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 1.6).
3.6
Zur Operation eines
Adnextumors
rechts
war
die Beschwerdeführerin vom 11. bis 19. Januar 2011 im
Spital C._
, Klinik für Gynäko
logie, hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 18. Januar 2011 (Urk. 9/38/1-3)
wurden
folgende Diagnosen
genannt
(S. 1):
m
uzinöser
Borderline
-Tumor mit fokalen Übergängen in ein gut diffe
renziertes
muzinöses
Zystadenokarzinom
vom intestinalen Typ mit
ex
pansilem
Wachstumsmuster und Anteilen eines reifen Teratoms
Status nach Sectio 2
8.
Schwangerschaftswoche (
SSW
)
bei Präeklampsie 1998
Status nach HWS-Distorsion mit chronischem Schmerzsyndrom der HWS seit 2009
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts, aktuell
Frozen
shoulder
– anam
nestisch dokumentierte
Tendinopathie
Rotatorenmanschette
rechts
d
epressive Erkrankung
Adipositas
p
ositiver Kinderwunsch
3.7
Dr.
med.
D._
hielt in seinem Bericht vom 15.
Februar 2011 zuhanden d
er Beschwerdeführerin (Urk. 9/38/4-5
) bei bekannter Diagnose fest, aus medi
zinischer Sicht habe eine Kontusion der Schulter rechts durch die
Auffahrkolli
sion
vorgelegen. Die Reizungen und Verletzungsmuster der Sehnenstrukturen der
Rotatorenmanschette
halte er für Unfallfolgen, die beschriebene AC-Arth
rose dürfte mit aller Wahrscheinlichkeit vor dem U
nfall schon bestanden haben (S.
2 oben).
Es bestehe die Möglichkeit, dass die vorbestehende Arthrose durch die Kontusion vom 7. August 2009 aktiviert und somit ein entzündliches Ge
sche
hen im rechten Schultergelenk durch die Autokollision mit konsekutiver Kontusion ausgelöst
worden sei. Als
zusätzliche Diagnosen nannte er eine de
generative Läsion der Lendenwirbelsäule und
eine depressive Erkrankung (S. 1 Ziff.
2).
3.8
Mit Bericht vom 1. März 2011 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 9/41/1-3)
diagnostizierten die Ärzte des
Spitals C._
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit einen
muzinösen
Borderline
-Tumor mit Übergang in ein gut differenziertes
muzi
nöses
Zystadenokarzinom
, einen Status nach HWS-Distorsion mit chroni
schem Schmerzsyndrom der HWS, eine
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts und eine
Frozen
Shoulder
sowie eine Adipositas (Ziff. 1.1).
3.9
Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnostizierte mit Bericht vom 21. April 2011 (Urk. 9/46/6-10) eine mittelgra
dige depressive Episode (
ICD-10
F32.1). Er führte aus, die Beschwerdeführerin habe nach einem Autounfall mit HWS-Distorsion ein generalisiertes
Schulter
schmerzsyndrom
sowie ein
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom entwickelt. Im Verlaufe habe sie dann vermehrt depressive Beschwerden entwickelt, vor allem lägen ein Stimmungstief, eine Antriebsschwäche, verminderte Aktivität,
Ko
n
zentrations
- und Merkfähigkeitsstörung, eine leichte formale Denkstörung und Schlafstörungen sowie massive Schmerzsymptome vor. Seit September 2010 stehe sie bei ihm in Behandlung.
Vor allem scheine die subjektive
Schmerz
symptomatik
seitens der Orthopädie im Vordergrund zu stehen, wes
halb
diffe
rentialdiagnostisch
bei keiner objektivierbaren Symptomatik auch eine soma
toforme Schmerzstörung in Betracht käme. Zudem würde das diagnosti
zierte
Zystenoadenokarzinom
die depressive Symptomatik zusätzlich ver
schlechtern (
Ziff.
1.4).
In der angestammten Tätigkeit bei der
Firma Y._
bestehe aus rein psychiat
rischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von zirka 30 bis 40 % seit dem Behandlungsbeginn. Anamnestisch liege die Arbeitsunfähigkeit aus rein psychi
atrischer Sicht seit Anfang 2010 vor (
Ziff.
1.6). In einer angepassten Tätigkeit
bestünden aufgrund von Antriebsstörungen, welche eine verminderte
Durch
haltefähigkeit
beding
t
en, wahrscheinlich eine eingeschränkte
Selbstbehaup
tungsfähigkeit
sowie eine verminderte Gruppenfähigkeit. Dies zeige sich eben
falls im sozialen Umfeld der Beschwerdeführerin, wo ein deutlicher Rückzug über die Zeit stattgefunden habe. Aufgrund ihrer eingeschränkten mentalen Funktion
attestiere er
eine 30 bis 40%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.7).
3.10
Die am 2. Mai und 30. Juni 2011 (Urk. 9/52/7-10) i
n der
Rheumaklinik und Insti
tut für Physikalische Medizin
,
Spital C._
, durchgeführt
en ambulanten Konsultati
onen erg
aben folgende Diagnosen (S. 1):
generalisiertes Schmerzsyndrom
chronisches
z
erviko
- und
thorakospondylogenes
Syndrom
lumbospondylogenes
Syndrom
Adipositas
d
epressive Erkrankung
Die Ärzte führten aus,
in der
Zusammenschau der Befunde leide die Beschwer
deführerin an einem generalisierten Schulterschmerzsyndrom sowie an einem chronischen
Panvertebralsyndrom
.
Es sei eine Physiotherapie durchgeführt wor
den mit
Abbruch der therapeutischen Bemühungen bei fehlender Beein
flussung der Schmerzen und Verdacht auf eine zentrale
Schmerzverarbeitungs
störung
,
allgemeine
Dekonditionierung
und bei einem
Schmerzvermeidungs
verhalten
.
Als sekundäre Folge der Schultergelenksproblematik
sähen sie muskuläre Befunde im B
ereich der gesamten Wirbelsäule. Ergänzend bleibe zu erwähnen, dass bildgebend und klinisch aus rein rheumatologisch-somatischer Sicht zwar
muskuloskelettale
Probleme feststellbar seien, diese alleine den aktuellen Grad der Schmerzen sowie den Grad der Leistungs- und Arbeitsfähigkeitseinbusse nicht erklären könnten.
Die Beschwerdeführerin habe sowohl anlässlich der ärztlichen klinischen Untersuchung wie auch in der ambulanten Physiotherapie ein ausgeprägtes Schmerz- und Schonverhalten mit nicht konsistenten Befun
den aufgewiesen. Aufgrund dieses Verhaltens, einer das klinische Bild nicht vollumfänglich erklärenden Diagnostik und aufgrund des gänzlich fehlenden Ansprechens auf die bisherigen therapeutischen Bemühungen
,
liege allenfalls eine psychische Erkrankung vor, welche die Beschwerdeproblematik beeinflus
sen oder unterhalten könnte (S. 3).
Aus rein rheumatologischer Sicht sollte es der Beschwerdeführerin eigentlich zumutbar sein, eine leichte angepasste Arbeit mit Wechselbelastungen und regel
mässigen Pausen durchführen zu können. Es lägen wie bereits erwähnt an
derweitige möglicherweise psychische oder psychosoziale Faktoren vor, welche erklären könnten, dass eine weitere Einschränkung der Leistungs- und Arbeits
fähigkeit bestehe (S. 4).
3.11
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.7)
verwies in seinem am 25. Juli 2011 bei der
Be
schwerdegegnerin
eingegangenen Bericht (Urk. 9/52/1-5) auf den Bericht der Rheumaklinik des
Spitals C._
vom 30. Juni 2011 (vgl. vorstehend E. 3.11) und führte aus,
anlässlich
der letzten Verlaufskontrolle am 17. Februar 2011 sei der Be
schwerdeführerin mitgeteilt worden, dass im Rahmen der ambulanten Behand
lung durch seine Praxis keinerlei Möglichkeiten mehr bestünden, therapeutisch ihr Krankheitsbild zu beeinflussen, weshalb sie an die Rheumaklinik verwiesen worden sei (Ziff. 1.5). Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht auf
grund mittlerer bis schwerer körperlicher Arbeit nicht zumutbar. Eine
behinde
rungsangepasste
Tätigkeit wäre grundsätzlich denkbar, hierbei würden jedoch die psychiatrischen Diagnosen als auch die gynäkologischen Diagnosen einen erheblichen Einfluss spielen. Er halte es für möglich, im Rahmen leichter ange
passter Tätigkeiten ein Pensum zwischen 15-25 % zu absolvieren. Dies bein
halte angemessene Pausenzeiten zwischen 20-30 Minuten und Arbeitszeiten zwischen 60-65 Minuten bei leichter körperlicher Arbeit ohne Heben von Ge
genständen (Ziff. 1.7).
3.12
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.5)
sc
hrieb in seinem Bericht vom 12.
November 2011 zuhanden der Beschwerdeführerin (Urk. 9/55), dass diese am 29. Mai 2009
wegen Rückenbeschwerden bei ihm in Behandlung gewesen sei und dass
ihm
zu diesem Zeitpunkt keinerlei Beschwerden bezüglich de
r
Schultern bekannt ge
wesen seien.
Im Bericht vom 2. Dezember 2011 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 9/56) erklärte er, es bestehe aufgrund der starken Schmerzen in Schulter und Rücken und
der
daraus resultierende
n
psychologische
n
Schmerzverar
beitungsschwierigkeiten
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit 7. August 200
9.
Wegen unerträglicher Schmerzen sei die Beschwerdeführerin auch in einer adaptierten Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 1.6 f.).
Dr.
D._
berichtete am 8. Dezember 2011 der Beschwerdegegnerin (Urk. 9/60 = Urk. 9/61/6-7) von einem gleichbleibenden medizinischen Status hinsichtlich des rechten Schultergelenks,
der
HWS und
der
LWS.
Dr. med.
F._
, Oberärztin Gynäkologie,
Spital C._
,
hielt
in ihrem Bericht vom 28. Januar 2012 (Urk. 9/62)
fest, dass
die gynäkologischen Diagnosen nicht zu einer Arbeitsunfähigkeit führen
würden
und verwies zur konkreten Be
urteilung der posttraumatischen Schmerzen/Läsionen der HWS/LWS/Schulter und deren Auswirkung auf die behandelnden Ärzte
(Ziff. 1.11).
Mit Bericht vom 18. August 2012 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 9/70) führte Dr.
B._
aus,
seine Befunde des generalisierten Schmerzsyndroms würden sich auch mit dem Bericht der Rheumatologischen Klinik des
Spitals C._
vom 30. Juni 2011 (vgl. vorstehend E. 3.11) decken. Eine
Magnetresonanztomogra
phie-Untersuchung
der rechten Schulter vom 11. Februar 2010 beschreibe, dass deutliche Zeichen einer
retraktilen
Kapsulitis
vorlägen, welche offensichtlich dazu beitrage
n würden
, dass eine stark eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe (S. 1).
3.1
3
Vom 25. Oktober bis 3. November 2012 wurde die Beschwerdeführerin aufgrund zunehmender Rücken- und Schulterschmerzen auf eigenen Wunsch hin
not
fallmässig
hospitalisiert. Im Kurzaustrittsbericht des Spitals
G._
vom 2. November 2012 (Urk. 3/2)
nannten die Ärzte folgende Diagnosen (S. 1):
l
umbovertebrales
Schmerzsyndrom
a
ktuell immobilisierende Rückenschmerzen mit
pseudoradikulärer
Symptomatik
Periarthropathia
Schulter rechts
Vitamin D-Mangel
l
eichte Transaminasen-Erhöhung
Depression
Teratom Ovar links
Adipositas
Kontrastmittelallergie
Die Ärzte führten aus, es sei bei bereits langj
ährig bekanntem
lumbovertebralem
Schmerzsyndrom sowie chronischen Schulterschmerzen und aktuell fehlender
radikulärer
Symptomatik und insbesondere
ohne
Hinweise auf eine
Cauda
equina
Symptomatik auf eine Bildgebung verzichtet worden.
Hinweise auf eine entzündliche Komponente hätten sich nicht gefunden. Aufgrund der atypischen Schmerz- und
pseudoradikuläre
n
Symptomatik sowie fehlendem Ansprechen auf Analgetika würden sie von einer Schmerzverarbeitungsstörung ausgehen (S. 1 unten).
3.1
4
Dr.
B._
erachtete in seinem als Beschwerde gegen die
Beschwerdegegne
rin
bezeichneten Schreiben vom 10. November 2012 (Urk. 3/3)
eine vollständige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
als
nicht gegeben.
3.1
5
Auf Zuweisung des Spitals
G._
wurde die Beschwerdeführerin vom 3. bis 23. November 2
012 in der Klinik H._
hospitalisiert. Im
Aus
trittsbericht
vom 13. Dezember 2012
(Urk. 7)
diagnostizierten die Ärzte chroni
sche Schmerzen mit somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41) eine rezidivierende depressive Störung, ein Teratom Ovar links, einen Vitamin D-Mangel sowie Adipositas.
Bei somatisch fixiertem Krankheitskonzept
und
ausgeprägtem
S
chmerzverhalten seien auf körperlicher Ebene nur geringfügige Fortschritte erzielt worden, je
doch habe sich der psychische Zustand der Beschwerdeführerin stabilisiert (S. 2 Mitte).
Es bestehe ein chronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psy
chischen Faktoren, das aktuell
exazerbierte
und neu in die rechte Extremität ausstrahlen würde ohne deutliche
radikuläre
Symptomatik. Klinisch würden sich ausserdem auch Hinweise für ein posttraumatisches Belastungssyndrom (PTBS) zeigen, welche in der ambulanten Anschlussbehandlung weiter zu explorieren sei. Erschwerend kämen bei der Beschwerdeführerin psychosoziale
Belastungs
faktoren
hinzu, welche Insuffizienzgefühle verstärken würden (S. 3 oben).
Während des Aufenthalts und im Anschluss für zwei Wochen bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 4 oben).
4.
4.1
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass die Ärzte von denselben Krankheitsbildern ausgehen, und es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführe
rin
in der angestammten Tätigkeit als Mitarbeiterin Produktion seit dem Unfall im August 2009 nicht mehr arbeitsfähig ist (Urk. 2
S. 2 oben).
Uneinigkeit be
steht hingegen bei der Beurteilung
der Auswirkungen der gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin auf die Arbeitsfähigkeit.
Überdies ist strittig, ob die Beschwerdeführerin an einem psychischen Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit leidet.
4.2
Vorliegend ist in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin auf die Ausfüh
rungen
der Ärzte der Rehaklinik
A._
vom 19. Februar 2010 (vgl. vorstehend E. 3.4) und denjenigen der Rheumaklinik des
Spitals C._
vom 30. Juni 2011 (vgl. vorstehen E. 3.
10
)
abzustellen.
Ihre Ausführungen sind für die streitigen Belange umfassend. Sie berücksichti
gen die vo
n der
Beschwerdeführer
in
geklagten Beschwerden, sind in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben worden und leuchten in der Darlegung der medizini
schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein; die Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar. D
ie
Arztbericht
e
erfüllen
daher die praxisgemässen Anforderungen
(vgl. BGE 125 V 351 E. 3a)
vollumfänglich, so dass den darin enthaltenen Ausführungen voller Beweiswert zukommt.
Dem
nach steht fest, dass
die Beschwerdeführerin
aus rheumatologischer Sicht
ab Februar 2010 für eine angepasste berufliche Tätigkeit vollständig arbeitsfähig ist.
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, der medizinische Sachverhalt sei
angesichts
unterschiedliche
r
Diagnosen und Beurteilung
en
ihrer Arbeitsfähig
keit ungenügend abgeklärt und es seien deshalb weitere Abklärungen zu treffen (Urk. 15
S. 2
), vermag dies nicht zu überzeugen. Die Berichte von Dr.
D._
vom Mai
und
Juli
2011
vermögen an der Einschätzung der Ärzte der Rehaklinik
A._
und der Rheumaklinik des
Spitals C._
nichts zu
ändern, da Dr.
D._
im M
ai 2011 keine Angaben zu einer
interessierenden
Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit machte (vgl. vorstehend E. 3.
7
) und in seinem Bericht vom 25. Juli 2011
(vgl. vorstehend E. 3.1
1
)
selbst
auf die erhobenen Befunde der Ärzte der Rheumaklinik
am
Spital C._
verwies
und im Bericht vom 8. Dezember 2011 von einem gleichbleibenden medizinischen Status aus
ging (vgl. vorstehend E. 3.1
2
)
. Soweit
er der Beschwerdeführerin mit Hinweis auf die einschränkende Wirkung der psychiatrischen und gynäkologischen Diag
nosen eine behinderungsangepasste Tätigkeit im Umfang von lediglich 15-25
%
zumutete, ist ihm entgegenzuhalten, dass die gestellten gynäkologischen Diagnosen zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen (vgl. vorstehend E. 3.1
2
) und überdies in der Tat nicht ohne weiteres einleu
chtet, dass die psy
chischen
Beschwerden und das generalisierte Schmerzsyndrom die Arbeitsfä
higkeit derart erheblich einschränken, wie
er
dies in seinem Bericht
vom 25. Juli 2011 (vgl. vorstehend E. 3.1
1
)
festhielt, zumal
die hier massgebenden
ärztliche
n
Einschätzungen von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführe
rin
in einer adaptierten Tätigkeit ausgingen (vgl. vorstehen
d E. 3.4, E. 3.1
0
) und er über keinen Facharzttitel auf dem Gebiet der Psychiatrie und Psychotherapie verfügt.
Dass
überdies die
ärztlichen Feststellungen hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit ins
besondere mit derjenigen des behandelnden Dr
.
B._
(vgl. vorstehend E. 3.5, E. 3.1
2
, E. 3.1
4
) dermassen divergieren, ist angesichts
der Erfahrungs
tatsache, dass Hausärzte und Hausärztinnen mitunter im Hinblick auf ihre
auf
tragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Pati
enten aussagen, weshalb ihre Aussagen mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 353 E. 3b7cc, BGE 122 V 160 E. 1c, je mit Hinwei
sen), nicht weiter erstaunlich
. Dies
zeigt sich auch an seinem Schreiben vom 10. November 2012 an die Beschwerdegegnerin (Urk. 3/3) exemplarisch.
Ausserdem machte er auch keine Angaben
zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer
leidensan
gepassten
Tätigkeit (vgl. vorstehend E. 1.3)
und stellte
darüber hinaus
auf sub
jektive Angaben der Beschwerdeführerin ab (vgl. vorstehend E. 3.1
2
)
.
Schliesslich vermag auch die Rüge, der inzwischen festgestellte deutliche
Entzün
dungsstand
in der rechten Schulter sei unberücksichtigt geblieben (Urk. 15 S
. 2 unten), nicht zu überzeugen, da bei der unmittelbar nach
Verfü
gungserlass
und
von der Beschwerdeführerin selbst veranlasste
n
Hospitalisie
rung die Ärzte diesbezüglich weder eine
radikuläre
Symptomatik noch Hinweise auf eine entzündliche Komponente
fanden
(vgl. vorstehend E. 3.1
3
).
Ebenso verneinten auch die Ärzte der
Klinik H._
eine
radikuläre
Symptomatik (vgl. vorstehend E. 3.1
5
).
4.4
Somit ist ausgewiesen, dass aus somatischer, insbesondere rheumatologischer Sicht, keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit
für den hier zu beurteilenden Zeitraum
bis zum Verfügungserlass am 18. Oktober 2012, welcher praxisgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis darstellt (BGE 121 V 362 E. 1b mit Hinweisen),
besteht.
4.5
Zu prüfen bleibt, ob aus psychiatrischer Sicht eine weitergehende Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit gegeben ist.
Erstmals machte Dr.
D._
in seinem Bericht vom 15. Februar 2011 (vgl. vor
stehend E. 3.7) eine depressive Erkrankung geltend. Bis dahin wurden in den aktenkundigen Berichten keine psychiatrischen Diagnosen gestellt respektive Hinweise auf eine psychische Störung formuliert. Dr.
E._
stellte sodann eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) als psychische
Gesund
heitsbeeinträchtigung
auf der Grundlage eines generalisierten Schulterschmerz- sowie
zervikovertebralen
Schmerzsyndroms fest und erachtete die Beschwerde
führerin als zu 30 bis 40 % arbeitsunfähig (vgl. vorstehend E. 3.9). Die Ärzte des
Spitals C._
diagnostizierten ein generalisiertes Schulterschmerzsyndrom sowie ein chronisches
Panvertebralsyndrom
und hielten ergänzend fest, aufgrund des Verhaltens der Beschwerdeführerin, einer das klinische Bild nicht vollumfäng
lich erklärenden Diagnostik und aufgrund des gänzlich fehlenden Ansprechens auf die bisherigen therapeutischen Bemühungen liege eine psychische Erkran
kung vor (vgl. vorstehend E. 3.10).
Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin seit dem 10. Mai 2011 nicht mehr bei Dr.
E._
in Behandlung steht (vgl. Schreiben vom 11. Mai 2012, Urk. 9/65). Gemäss der Angabe des Ehemannes der Beschwerdeführerin vom 2. April 2012, sie habe seither auch keine psychiatrische Behandlung auf
gesucht (Urk. 9/63), kann nicht davon ausgegangen werden, dass die zuletzt im Jahre 2011 diagnostizierte depressive Episode im Verfügungszeitpunkt am 18. Oktober 2012 so ausgeprägt war, dass ein Behandlungsbedarf bestanden hätte, zumal auch im nach Verfügungserlass erstellten Spitalbericht vom 13. Dezember 2012 festgehalten wurde, der psychische Zustand der Beschwer
deführerin habe sich stabilisiert (vgl. vorstehend E. 3.15). Daraus ist zu schlies
sen, dass die psychische Beeinträchtigung keinen invalidisierenden Charakter aufweist, zumal die Beschwerdeführerin ihr psychisches Leiden selber offenbar nicht als besonders schwer erlebt, andernfalls sie sich einer konsequenten Depressionsbehandlung unterzöge. Im Übrigen erwähnten sowohl Dr.
E._
(vgl. vorstehend E. 3.9) als auch die Ärzte der
Klinik H._
(vgl. vorstehend E. 3.15) psychosoziale Belastungsfaktoren, welche dem
Krankheits
wert
der psychischen Gesundheitsschädigung entgegenstehen (BGE 127 V 294 E. 5a). Im Übrigen sind leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis therapierbar (Urteil des Bundesgerichts 9C_696/2012 vom 19. Juni 2013 E. 4.3.2.1). Es ist nicht ersichtlich, weshalb es sich im Falle der Beschwerdeführerin anders verhalten sollte.
Dies führt zusammenfassend zur Feststellung, dass im Verfügungszeitpunkt keine depressive Problematik in einer die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Intensität ausgewiesen ist.
4.6
Auch die Würdigung des im Juni 2011 diagnostizierten generalisierten Schmerzsyndroms (vorstehend E. 3.10) führt zu keinem anderen Ergebnis. Die
ses gehört zu den
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwer
debildern
ohne nachweisbare organische Grundlage (BGE 136 V 279 E. 3.2.3)
,
denen praxisgemäss
nur ausnahmsweise invalidisierender, das heisst einen Rentenanspruch begründender Charakter zu
kommt
(BGE 130 V 352). Entschei
dend ist, ob und inwiefern die versicherte Person über psychische Ressourcen verfügt, die es ihr erlauben, trotz den subjektiv erlebten Schmerzen einer Arbeit nachzugehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.4). Umstände, die bei Vorliegen eines sol
chen Krankheitsbildes die Verwertung der verbliebenen Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt als unzumutbar erscheinen lassen können, sind: Eine Komorbidität im Sinne eines vom Schmerzgeschehen losgelösten eigenständigen psychischen Leidens von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber chronische körperliche Begleiterkrankungen mit mehrjährigem
Krankheitsver
lauf
bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remis
sion, sozialer Rückzug, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr
angeh
barer
innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlas
tenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn), unbefriedigende Ergeb
nisse von konsequent durchgeführten Behandlungen (auch mit unter
schiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte
Rehabilitationsmass
nahmen
bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versicherten Person (BGE 132 V 65 E. 4.2.2; 130 V 352 E. 2.2.3). Umgekehrt sprechen unter anderem eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezielten Verhalten oder der Anamnese, die Angabe intensiver in der Um
schreibung vager Schmerzen oder behauptete schwere Einschränkungen im Alltag bei weitgehend intaktem psychosozialen Umfeld gegen das Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens (BGE 131 V 49 E. 2.1).
Bei der zuletzt im April 2011 diagnostizierten mittelgradigen depressiven Epi
sode handelt es sich insgesamt nicht um ein selbständiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden im Sinne einer psychischen Komorbidität; ohnehin wäre die praxisgemäss notwendige Erheblichkeit der Schwere, Ausprägung und Dauer der Komorbidität (BGE 137 V 64 E. 4.1) nicht dargetan.
Das Vorhandensein anderer qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien ist aufgrund der Aktenlage nicht erstellt und von der Be
schwerdeführerin auch nicht geltend gemacht worden. Weder schränken die körperlichen Begleiterkrankungen (chronisches
zerviko
- und
thorakospondylo
genes
und
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom, Adipositas, Teratom Ovar links) die Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Arbeit nach den me
dizinischen Einschätzungen der Ärzte des
Spitals C._
(vgl. vorstehend E. 3.10) und der Rehaklinik
A._
(vgl. vorstehend E. 3.4) ein, noch bestehen Anhaltspunkte dafür, dass sie eine ausgeprägte, die zumutbare Willensanstrengung negativ be
einflussende psychische Belastungssituation
verursachen. Wie dargelegt, wurde von den Ärzten des
Spitals C._
explizit festgehalten, dass die Diskrepanz zwischen dem Ausmass der subjektiven Beschwerden und der klinischen und
radiomor
phologischen
Befunde den aktuellen Grad der Schmerzen sowie den Grad der Leistungs- und Arbeitsfähigkeitseinbusse nicht erklärbar sei und allenfalls eine psychische Erkrankung die Beschwerdeproblematik beeinflussen könnte. Weiter erwähnte Dr.
E._
lediglich einen Rückzug im sozialen Umfeld der Be
schwerdeführerin (vgl. vorstehend E. 3.9). Damit ist aber nicht gesagt, dass der soziale Rückzug sämtliche Lebensbereiche beschlägt. Ein primärer
Krankheits
gewinn
(„Flucht in die Krankheit“) ist nicht ausgewiesen und wurde auch nicht geltend gemacht. Schliesslich sind die therapeutischen Möglichkeiten nicht aus
geschöpft, indem seitens der Ärzte des
Spitals C._
eine entsprechende psychiatrische Therapie und bei psychischer Stabilisierung physiotherapeutische Massnahmen empfohlen wurde (Urk. 9/52/9). Das Kriterium des Scheiterns einer konsequent durchgeführten Behandlung ist demzufolge ebenfalls nicht erfüllt. Auch wenn von einem mittlerweile
chronifizierten
Leiden auszugehen ist und die bislang erfolgten Behandlungen nicht den gewünschten Erfolg bewirkten, bleibt unter den gegebenen Umständen in rechtlicher Hinsicht – entgegen der Einschätzung von Dr.
E._
– kein Raum für die Annahme einer mit psychischen Leiden begründeten (30-40%igen) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer
leidens
angepassten
Tätigkeit. Daraus ist auf das Fehlen eines invalidisierenden psy
chischen Gesundheitsschadens zu schliessen.
4.7
Der medizinische Sachverhalt ist mithin dahingehend erstellt, dass
die Beschwer
deführerin aus medizinischer Sicht
für eine angepasste Tätigkeit keine Einschränkung e
rfährt
und kein invalidisierender Gesundheitsschaden ersicht
lich ist
.
Auf weitere Abklärungen, wie von der Beschwerdeführerin beantragt (Urk. 15), ist deshalb zu verzichten. Sofern sich der Gesundheitszustand der Be
schwerdeführerin seit dem Erlass der Verfügung im Oktober 2012 dennoch ver
schlechtert haben sollte, ist es ihr unbenommen, bei der Beschwerdegegnerin eine Neuanmeldung einzureichen.
4.8
Nachdem die
Invaliditätsbemessung im engeren Sinn von der Beschwerdeführe
rin nicht in Frage gestellt
wurde
und
auch
aufgrund der Akten
(vgl.
Urk.
9/23)
zu keinen Beanstandungen Anlass
gibt
, so dass sich weit
ere Ausführungen dazu erübrigen, bleibt es dabei, dass die Beschwerdeführerin aufgrund eines
Invali
ditätsgrades
von (gerundet) 17 % keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
Die angefochtene Verfügung
vom 18. Oktober 2012
ist demnach nicht zu bean
standen, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig v
om Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.