Decision ID: 6e083270-06e5-5165-8aeb-aaa6e15cef09
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 13. September 2021 ersuchte die Beschwerdeführerin im Bundesasyl-
zentrum Boudry (BAZ) um Asyl.
B.
Im Rahmen der Personalienaufnahme (PA) vom 20. September 2021 er-
klärte die Beschwerdeführerin, zur Einreichung von Identitätsdokumenten
aufgefordert, sie habe ihren kamerunischen Pass zusammen mit ihrer
Identitätskarte verloren, sei aber im Besitz eines griechischen Reisedoku-
mentes, welches sie dem BAZ Boudry übergeben habe.
C.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) vom 20. September 2021 ergab, dass die Beschwerdeführe-
rin am 23. Januar 2017 in Griechenland um Asyl nachgesucht hatte und ihr
am 25. Januar 2018 von den griechischen Behörden internationaler Schutz
gewährt worden war.
D.
Im persönlichen Gespräch vom 23. September 2021 orientierte das SEM
die Beschwerdeführerin über den ihr durch die griechischen Behörden ge-
währten internationalen Schutz. Auf Nachfrage zu Gründen, warum sie
Griechenland verlassen habe, erklärte die Beschwerdeführerin trotz Er-
halts der griechischen Aufenthaltsgenehmigung sowie der Ausländerbe-
scheinigung weder Unterkunft noch genügende finanzielle Unterstützung
erhalten zu haben und ihre Arbeit (Olivenpflücken) sei zu hart für sie gewe-
sen.
E.
Mit gleichentags eröffnetem Schreiben vom 24. September 2021 wurde der
Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zum beabsichtigten Nichteintre-
tensentscheid (Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG [SR 142.31]; Rückkehrmöglich-
keit in einen sicheren Drittstaat) und zur Wegweisung nach Griechenland
gewährt.
Ihre Rechtsvertreterin brachte mit gleichentags zugestelltem Schreiben
vom 29. September 2021 im Wesentlichen vor, die Beschwerdeführerin
habe nach Erhalt des internationalen Schutzes das Flüchtlingscamp ver-
lassen müssen und habe sich alsdann in Athen keine eigene Wohnung
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leisten können, sondern sich ein Zimmer bei der afrikanischen Gemein-
schaft gemietet. Sie habe mehrfach wegen Problemen mit den Mitbewoh-
nern (Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, Schläge, Aus-
schluss aus der bereits bezahlten Unterkunft) umziehen müssen und des-
halb auch wiederholt die Polizei zu ihrer Unterstützung hinzugezogen. So
habe ihr jene beispielsweise persönliche Gegenstände wiederbeschafft,
welche ihr von den Nachbarn vorenthalten worden seien. Die Beschwer-
deführerin begründete alsdann ihre Befürchtung vor weiterer Diskriminie-
rung und Gewalt bei einer Rückkehr nach Griechenland mit dem angeblich
fehlenden Schutz seitens der griechischen Behörden. Im Weiteren kriti-
sierte sie die Lebensbedingungen in Griechenland für international Schutz-
berechtigte, welche auch von öffentlich zugänglichen Berichten (Refugee
Support Aegean [RSA], Pro Asyl) bemängelt würden, wie beispielsweise
der erschwerte Zugang zu Wohnraum durch administrative Hürden (chro-
nischer Platzmangel bei beziehungsweise durch hohe Nachfrage an Un-
terkünften, fehlende finanzielle Unterstützung, Notwendigkeit einer Steue-
ridentifikations- und Sozialversicherungsnummer, drei Säulen Modell des
griechischen Sozialsystem, kein garantiertes Mindesteinkommen). Selbst
das Bundesverwaltungsgericht sei sich der Probleme in Griechenland be-
wusst (BVGer Urteil D-5780/2019 vom 9. Dezember 2019, E. 9.5) und ei-
nige europäische Staaten – darunter die Schweiz – hätten sich mit einem
Brief vom 1. Juni 2021 bei der Europäischen Kommission über die Rück-
führung von international Schutzberechtigten nach Griechenland be-
schwert. Die wirtschaftliche Situation habe sich aufgrund der Auswirkungen
der COVID-19-Pandemie noch verschärft. Betreffend Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs verwies die Beschwerdeführerin alsdann auf die
Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH Urteile C-540/17
und C-541/17 vom 13. November 2019) sowie auf Art. 3 EMRK. Ihre erlit-
tene körperliche Gewalt, die Diskriminierung und soziale Ausgrenzung auf-
grund ihrer sexuellen Orientierung würden ein Vollzugshindernis darstel-
len.
Im Weiteren machte die Beschwerdeführerin die Berücksichtigung ihres
seit Februar 2020 illegalen Aufenthaltes in der Schweiz (Genf) und ihre ak-
tive Mitgliedschaft der LGBTIQ (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, In-
tersexual and Queer) Gemeinschaft geltend. Zur Stützung ihrer Vorbrin-
gen, besonders verletzlich und auf Unterstützung angewiesen zu sein
(«della necessità di essere accompagnata in maniera adeguata»), wie
auch betreffend ihre Mitgliedschaft verwies sie auf ein Unterstützungs-
schreiben der LGBTIQ Gemeinschaft vom 20. Juli 2021 sowie auf Fotoko-
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pien einer diesbezüglichen Veranstaltung. Hinsichtlich ihrer gesundheitli-
chen Beschwerden legte sie ihren Ausführungen eine Kopie des bereits in
den vorinstanzlichen Akten enthaltenen ärztlichen Attests des Universitäts-
spitals Genf vom 22. September 2021 beziehungsweise ein Foto eines sol-
chen vom 5. August 2021 bei.
F.
Am 27. September 2021 ersuchte die Vorinstanz die griechischen Behör-
den gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und
Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Dritt-
staatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungs-Richtlinie) und auf das Ab-
kommen zwischen der Schweiz und Griechenland über die Rücküber-
nahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom 28. August 2006 (SR
0.142.113.729) schriftlich um Rückübernahme der Beschwerdeführerin.
G.
Die griechischen Behörden stimmten am 1. Oktober 2021 dem Rücküber-
nahmeersuchen der Vorinstanz vom 27. September 2021 zu. Sie teilten
mit, dass der Beschwerdeführerin am 25. Januar 2018 die Flüchtlingsei-
genschaft zuerkannt worden sei und sie über eine Aufenthaltsbewilligung
in Griechenland bis am 30. Januar 2021 verfüge.
H.
Im ärztlichen Bericht von Dr. med. B._, Allgemeine Innere Medizin
FMH, vom 13. Oktober 2021 wurde bei der Beschwerdeführerin hauptsäch-
lich eine depressive Verstimmung mit gelegentlichen Suizidgedanken fest-
gestellt und Escitalopram 20mg zur Behandlung verschrieben.
I.
Den Entscheidentwurf vom 18. Oktober 2021 stellte die Vorinstanz der Be-
schwerdeführerin am 21. Oktober 2021 zu und gewährte ihr das rechtliche
Gehör. Mit Eingabe vom 22. Oktober 2021 nahm die Rechtsvertretung zu
diesem Stellung. Sie machte insbesondere geltend, der Wegweisungsvoll-
zug würde die alleinstehende, mittellose, gesundheitlich angeschlagene
lesbische Frau mit Wohnungs- und Arbeitsmangel wie auch aufgrund ihrer
sexuellen Orientierung mit ernsthaften Nachteilen (Diskriminierung) kon-
frontieren. Die Schweiz müsse hierfür die Frauenrechtskonvention (CE-
DAW) wahren. Die Beschwerdeführerin habe in Athen aus Angst vor Ob-
dachlosigkeit, Angriffen und sexuellen Übergriffen von Wohnung zu Woh-
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nung ziehen müssen. Mit der herbeigerufenen Polizei habe es Verständi-
gungsprobleme gegeben und sie habe sich nach den seitens der Mitbe-
wohner erlittenen Schlägen aus Scham nicht in ärztliche Behandlung be-
geben, wobei das Rote Kreuz nur in Notfällen habe aufgesucht werden
können. Nebst ihren Leiden an Gastritis, Verstopfung und psychischen Be-
schwerden leide sie unter Erschöpfung und Müdigkeit sowie dem Umstand,
ihre sexuelle Orientierung nicht ausleben zu können. Weder die notwen-
dige medizinische Behandlung noch der Zugang zum griechischen Ge-
sundheitssystem noch ihre Situation in Griechenland aufgrund ihrer sexu-
ellen Orientierung seien von der Vorinstanz genügend abgeklärt bezie-
hungsweise gewürdigt worden. Den griechischen Behörden sei alsdann
verschwiegen worden, dass sich die Beschwerdeführerin bereits seit Feb-
ruar 2020 in der Schweiz befinde und hier im Gegensatz zu Griechenland
bestens sozial vernetzt sei. Zudem sei ihr griechischer Flüchtlingsausweis
nicht mehr gültig.
J.
Mit gleichentags eröffnetem Entscheid vom 26. Oktober 2021 trat die
Vorinstanz auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, wies sie
aus der Schweiz weg und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt
der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, andernfalls werde sie in Haft
genommen und unter Zwang nach Griechenland zurückgeführt. Gleichzei-
tig beauftragte die Vorinstanz den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der
Wegweisung und händigte der Beschwerdeführerin die editionspflichtigen
Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
K.
Im ärztlichen Bericht von Dr. med. C._, Facharzt Allgemeine Medi-
zin FMH, vom 27. Oktober 2021 wurde bei der Beschwerdeführerin haupt-
sächlich eine mittelschwere reaktive depressive Verstimmung, chronische
Obstipation und gelegentliche Suizidgedanken (ohne konkrete Vorstellung)
festgestellt sowie die Verschreibung von Escitalopram 20mg zur weiteren
Behandlung bestätigt.
L.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 2. November 2021 erhob die Be-
schwerdeführerin gegen den vorinstanzlichen Entscheid vom 26. Oktober
2021 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Es wurde die Aufhe-
bung der angefochtenen Verfügung, die Anweisung an das SEM zum Ein-
treten auf das Asylgesuch sowie dessen materielle Prüfung sowie eventu-
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aliter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständigen Ab-
klärung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung beantragt. In prozessu-
aler Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.
M.
Mit Schreiben vom 3. November 2021 bestätigte das Bundesverwaltungs-
gericht den Eingang der Beschwerde.
N.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Gericht am 18. September 2020 in
elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 und 4 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vor-
instanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2
m.w.H.). Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Vollzugs hat das
SEM eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Gericht diesbe-
züglich volle Kognition zukommt.
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4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend
aufgezeigt wird, handelt es sich um eine solche, weshalb der Beschwerde-
entscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Ge-
stützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften-
wechsel verzichtet.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin rügte in ihrer Beschwerde in formeller Hin-
sicht, die Vorinstanz habe das rechtliche Gehör und die Untersuchungsma-
xime verletzt, da sie insbesondere den Sachverhalt ungenügend festge-
stellt habe. Diese verfahrensrechtliche Rüge ist vorab zu prüfen, da sie ge-
gebenenfalls geeignet ist, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung
zu bewirken.
Die genannten Vorwürfe begründete sie im Wesentlichen damit, der Sach-
verhalt sei ohne Erfragung der Sachverhaltselemente zur individuellen Si-
tuation der Beschwerdeführerin (Unterbringung, berufliche Möglichkeiten,
Ausbildung) wie auch ohne Erkundigungen zur konkreten Lage in Grie-
chenland (Garantien betreffend Unterkunft und Betreuung, frauenspezifi-
sche Situation der besonders vulnerablen lesbischen Beschwerdeführerin)
und damit unvollständig festgestellt worden. Betreffend ihre gesundheitli-
che Situation sei insbesondere hinsichtlich Suizidalität das Ergebnis der
begonnenen Behandlung abzuwarten, bevor ein Wegweisungsvollzug ge-
prüft werden könne.
5.2 Das Asylverfahren wird vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht
(Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Behörde von Amtes wegen
für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachver-
haltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu be-
schaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsge-
mäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die
Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement
umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen
sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als
angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12). Die Un-
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10
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tersuchungspflicht der Behörden findet ihre Grenzen an der Mitwirkungs-
pflicht eines Gesuchstellers (vgl. Art. 8 AsylG), der auch die Substanziie-
rungslast trägt (vgl. Art. 7 AsylG).
Zunächst erweist sich die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststel-
lung vorliegend als unbegründet. Die Vorinstanz hat sich insgesamt hinrei-
chend differenziert mit den zentralen Vorbringen der Beschwerdeführerin,
ihren zitierten Berichten und der von ihr genannten Rechtsprechung aus-
einandergesetzt. Die Beschwerdeführerin erhielt Gelegenheit, sich anläss-
lich ihres rechtlichen Gehörs vom 29. September 2021 und ihrer Stellung-
nahme vom 22. Oktober 2021 zum beabsichtigten vorinstanzlichen Ent-
scheid umfassend in das Verfahren einzubringen. Es war ihr damit im Rah-
men ihrer Mitwirkungspflicht auch ohne Weiteres möglich, sich hinreichend
zum Wegweisungsvollzug und dessen Voraussetzungen beziehungsweise
zu den wesentlichen Sachverhaltselementen zu äussern. So schilderte sie
explizit, eine Arbeitstätigkeit in Griechenland ausgeübt und über Einkom-
men wie auch über eine Unterkunft verfügt zu haben (...). Die Vorinstanz
durfte zu Recht von zusätzlichem Erfragen des Sachverhaltes (insbeson-
dere hinsichtlich der geltend gemachten weitergehenden individuellen Si-
tuation) bei der rechtlich vertretenen Beschwerdeführerin absehen. Im Wei-
teren ist entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin die Beurteilung
der Gefährdung (Lageanalyse, Notwendigkeit von Garantien) eine Frage
der rechtlichen Würdigung, welche die materielle Entscheidung beschlägt
und nicht auf eine unrichtige oder unvollständige Abklärung des Sachver-
halts zurückzuführen ist. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt
ebenfalls nicht vor, weil die Vorinstanz die Ausführungen der Beschwerde-
führerin vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in Griechenland würdigte
und der blosse Umstand, deren Auffassung nicht zu teilen, für eine solche
nicht genügt, zumal dies wiederum eine Frage des materiellen Rechts ist.
Die Vorinstanz hat sich alsdann mit den geltend gemachten gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen, insbesondere mit den Arztberichten vom 5. Au-
gust 2021 und 22. September 2021 und den darin gestellten Diagnosen
und Therapien (...) auseinandergesetzt. Im Weiteren hat sie sich am 7.
Oktober 2021 bei Medic-Help nach möglichen suizidalen Gedanken der
Beschwerdeführerin sowie allfälligen weiteren medizinischen Abklärungen
und Therapien erkundigt (...). Nachdem keine weiteren Abklärungen ge-
plant sowie hinsichtlich Therapie samt medikamentöser Behandlung keine
neuen Sachverhaltselemente berichtet wurden, konnte die Vorinstanz zu
Recht von einem richtig und vollständig erstellten Sachverhalt ausgehen.
Der Arztbericht vom 13. Oktober 2021 bestätigte alsdann die vorbekannten
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gesundheitlichen Einschränkungen und damit auch die fehlende Notwen-
digkeit weiterführender Abklärungen beziehungsweise eines weiteren Zu-
wartens mit der Entscheidfindung (...). Aus dem nach dem vorinstanzlichen
Entscheid erfolgten medizinischen Bericht vom 27. Oktober 2021 (...)
ergab sich alsdann keine wesentliche Änderung ihres Gesundheitszustan-
des (leichte Verschlechterung infolge abschlägigen Asylentscheids), wes-
halb die Einschätzung der Vorinstanz einer ausreichend erstellten gesund-
heitlichen Situation der Beschwerdeführerin zutreffend war.
5.3 Bei dieser Sachlage ist das Begehren um Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz zwecks weitergehender Begründung beziehungsweise voll-
ständiger Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG ist auf ein Asylgesuch nicht ein-
zutreten, wenn die asylsuchende Person in einen sicheren Drittstaat nach
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher
aufgehalten hat.
6.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den
Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche
Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandels-
assoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
6.3 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland, als Mitglied der EU, um einen sicheren Dritt-
staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Den Akten ist zu
entnehmen, dass die griechischen Behörden die Beschwerdeführerin als
Flüchtling anerkannt, ihr eine Aufenthaltsbewilligung erteilt und ihrer Rück-
übernahme am 1. Oktober 2021 ausdrücklich zugestimmt haben. Das Land
ist unter anderem Signatarstaat der FK und es bestehen weder objektive
Anhaltspunkte noch substanzielle Hinweise für eine drohende Rückschie-
bung in ihren Heimatstaat unter Verletzung des Refoulement-Verbots.
Demnach sind die Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid
(Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG) erfüllt.
7.
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Seite 10
7.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird in der
Beschwerde nicht bestritten.
7.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.
8.1 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung darauf hin, dass der
Vollzug zulässig sei, weil die Beschwerdeführerin im Drittstaat Griechen-
land Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finde und
das Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates
nicht zu prüfen sei. Weder die in Griechenland herrschende Situation noch
andere Gründe würden ferner gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung in
diesen Staat sprechen.
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Im Weiteren führte das SEM aus, die Beschwerdeführerin habe Berichte
der RSA und Pro Asyl wie auch die deutsche Rechtsprechung zitiert, auf
ihre medizinische Situation (Depressionen, Suizidgedanken) hingewiesen
und ihre Befürchtungen betreffend fehlende Unterstützung, Unterbringung
und Zugang zum Arbeitsmarkt dargelegt. Angesichts dieser Ausgangslage
sowie ihrer sexuellen Orientierung mache die Beschwerdeführerin einen
Verstoss gegen Art. 3 EMRK geltend. Sie befürchte, als alleinstehende,
mittellose, gesundheitlich beeinträchtigte, lesbische Frau, welche sich auf-
grund fehlender Sprachkenntnisse kaum verständigen könne, obdachlos
zu werden und in ständiger Angst vor Übergriffen leben zu müssen. Hierzu
hielt das SEM fest, dass Griechenland die Qualifikationsrichtlinie
2011/95/EU, welche unter anderem die Ansprüche von Personen mit inter-
nationalem Schutzstatus hinsichtlich Sozialleistungen bestimme sowie den
Zugang zu Wohnraum, Beschäftigung und medizinischer Versorgung
regle, umgesetzt habe. Es sei Aufgabe der Beschwerdeführerin, die ihr zu-
stehenden Leistungen bei den griechischen Behörden geltend zu machen,
nötigenfalls auf dem Rechtsweg. Ebenso bestünden karitative Organisati-
onen, an die sie sich bei Unterstützungsbedarf wenden könne. Die von der
Beschwerdeführerin geltend gemachten Schwierigkeiten in wirtschaftlicher
Hinsicht würden die gesamte Bevölkerung Griechenlands betreffen und
seien kein Grund für die Annahme eines Vollzugshindernisses. Auch könne
sie weder aus den geltend gemachten Hinweisen auf Urteile des EGMR
noch auf das Schreiben einiger Staaten an die Europäische Kommission
vom 1. Juni 2021 noch auf die Rechtsprechung des BVGer (Urteil D-
5780/2019) noch auf die griechische Gesetzesrevision etwas zu ihren
Gunsten ableiten, da gar kein beziehungsweise nur ein geringer individuell
konkreter Zusammenhang mit ihr ersichtlich sei. Vollzugshindernisse wür-
den nur unter sehr strengen Auflagen anerkannt. Es reiche nicht aus, dass
der Lebensstandard in Griechenland im Vergleich zu anderen europäi-
schen Staaten niedriger sei. Bezüglich ihrer sexuellen Orientierung habe
Griechenland keine Gesetze erlassen, welche Personen der LGBTIQ Ge-
meinschaft diskriminierten oder verfolgten, im Gegenteil würden ihre
Rechte respektiert und im europäischen Ranking zur Achtung dieser liege
es auf Platz 18 (...). Sollte sie angemessenen Schutz vor Angriffen Dritter
benötigen, bei Angst oder Unsicherheiten, könne sie sich in Griechenland
als Rechtsstaat mit funktionierender Polizeibehörde an diese wenden. In
der Vergangenheit habe sie die Polizei bereits erfolgreich hinzugezogen
(beispielsweise Wiedererlangung persönlicher Gegenstände).
Die medizinische Versorgung der Beschwerdeführerin erachtete das SEM
betreffend ihre gesundheitlichen Einschränkungen (unter anderem leichte
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Depression, Verstopfung, Gewichtsverlust, Selbstmordgedanken) und die
medikamentöse Behandlung in Griechenland als sichergestellt und schloss
aufgrund ihrer Beschwerden und der vorhandenen medizinischen Unterla-
gen im Falle einer Rückschaffung nach Griechenland eine medizinische
Notlage aus. Es wies zudem darauf hin, dass einige Menschen Selbst-
mordgedanken bei Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Asylent-
scheid entwickeln könnten, es jedoch nicht richtig wäre, wenn die Erwäh-
nung eines Suizidrisikos die Behörden dazu zwingen würde, ihren Ent-
scheid zu überdenken. Zudem könne sie von ihrem Arzt bestmöglich auf
die Abreise vorbereitet und ihre medizinische Behandlung aufgrund der
vorhandenen Infrastruktur in Griechenland dort fortgesetzt werden. Es lä-
gen damit keine erhärteten Hinweise für die Annahme vor, Griechenland
hielte sich nicht an die völkerrechtlichen Verpflichtungen. Es sei ferner auch
nicht darauf zu schliessen, dass Griechenland sich künftig in einen Wider-
spruch zu seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen begeben werde.
Betreffend den abgelaufenen, griechischen Flüchtlingsausweis der Be-
schwerdeführerin hielt das SEM fest, der Flüchtlingsstatus erlösche nicht
mit dem Ablauf der Gültigkeitsdauer der Aufenthaltsbewilligung und letztere
könne regelmässig erneuert werden.
8.2 In der Beschwerde wurde unter Wiederholung des Sachverhaltsvortra-
ges wie bereits im Rahmen des rechtlichen Gehörs auf die allgemein
schwierige Situation von anerkannten Flüchtlingen in Griechenland hinge-
wiesen (vgl. vorstehend Sachverhalt E. und I.) und festgehalten, es liege
bei der Beschwerdeführerin ein «real risk» und damit eine Verletzung von
Art. 3 EMRK vor. Als lesbische Frau sei sie in Griechenland Nachteilen
ausgesetzt, welche in Kombination mit der schwierigen Situation für Per-
sonen mit einem Schutzstatus in Griechenland menschenunwürdig seien.
In diesem Zusammenhang verwies sie auf die Yogyakarta Prinzipien (Men-
schenrechte in Bezug auf die sexuelle Orientierung), auf Berichte der
Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH), RSA und Pro Asyl sowie auf die
deutsche Rechtsprechung. Ebenso wiederholte sie ihren Hinweis auf das
bisher unbeantwortete Schreiben einiger Länder an die Europäische Kom-
mission hinsichtlich der Lebensbedingungen in Griechenland vom 1. Juni
2021 und brachte in diesem Zusammenhang vor, die hiesige Rechtspre-
chung (namentlich BVGer Urteil D-559/2020 vom 19. Februar 2020) dürfe
unter Würdigung der aktuellen Umstände keine Gültigkeit mehr haben. Die
menschenunwürdige Situation vor Ort habe sich zudem durch die Covid-
19-Pandemie und infolge Naturgewalten verschärft. Anstatt das von der
Vorinstanz angeführte Ranking Griechenlands zur Achtung der sexuellen
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Orientierung seien vielmehr die konkreten Ausführungen zu den Lebens-
umständen zu würdigen gewesen, welche die lesbische afrikanisch-stäm-
mige Flüchtlingsfrau erwarte. Der Wegweisungsvollzug verlange nämlich
von der Beschwerdeführerin faktisch ein diskretes Verhalten bezüglich ih-
rer sexuellen Orientierung. Berichten zufolge würden Betroffene stark dis-
kriminiert, beleidigt und angegriffen. Die psychisch stark belastete und su-
izidgefährdete Beschwerdeführerin, welche in Griechenland nur mit Hilfe
des Roten Kreuzes teilweisen Zugang zu medizinischer Unterstützung er-
langt habe, habe bisher seitens Polizei trotz entsprechendem Ersuchen
keine Hilfe erhalten. Die Beschwerdeführerin sei insgesamt ausseror-
dentlich vulnerabel.
9.
9.1 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die Ver-
mutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhielten. Ge-
stützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Weg-
weisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar sei. Es ob-
liegt der betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzustos-
sen. Damit dies gelingt, hat sie ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzubrin-
gen, dass die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten Ein-
zelfall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewäh-
ren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden
respektive dass sie im in Frage stehenden Staat aufgrund von individuellen
Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine exis-
tenzielle Notlage geraten würde (vgl. statt vieler das Urteil des BVGer E-
2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4). Das Vorliegen eines Vollzugshinder-
nisses unter dem Aspekt der Zulässigkeit bei Personen, denen von den
griechischen Behörden ein Schutzstatus verliehen wurde, wird – wie von
der Vorinstanz zutreffend dargelegt – vom Bundesverwaltungsgericht pra-
xisgemäss nur unter sehr strengen Voraussetzungen bejaht. Das Gericht
geht grundsätzlich davon aus, dass Griechenland als Signatarstaat der
EMRK, der FoK und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31.
Januar 1967 (SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nachkommt. Zwar anerkennt das Gericht – auch aufgrund der
von der Beschwerdeführerin zitierten Berichte und der Rechtsprechung –,
dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind. Gemäss
Rechtsprechung ist aber diesbezüglich nicht von einer unmenschlichen
oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK respektive ei-
ner existenziellen Notlage auszugehen (vgl. Urteile des BVGer D-559/2020
vom 13. Februar 2020 E. 8.2 m.w.H. [als Referenzurteil publiziert]; E-
4866/2019 vom 2. Oktober 2019 E. 10.1; E-2360/2019 vom 22. Mai 2019
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E. 8.3.1 f.; D-5016/2017 vom 12. März 2018 E. 6.4 m.w.H.). Die Vorinstanz
hat zutreffend festgehalten, dass es bisher keine Hinweise darauf gibt,
dass Angehörige der LGBTIQ Gemeinschaft in Griechenland asylrechtlich
verfolgt oder systematisch diskriminiert würden (vgl. www.rainbow-eu-
rope.org). Eine Verletzung des CEDAW ist ebensowenig ersichtlich. Die
von der Beschwerdeführerin geschilderten Erlebnisse (Rückerhalt entwen-
deter Gegenstände durch Polizeiintervention; Streitigkeiten mit Mitmietern
beziehungsweise Nachbarn; vgl. auch Sachverhalt E.) bestätigen den –
ebenso für Angehörige der LGBTIQ Gemeinschaft – vorhandenen Polizei-
schutz (vgl. konkret nachstehend E. 9.3). Personen mit Schutzstatus sind
– und zwar unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung – griechischen
Bürgerinnen und Bürgern gleichgestellt in Bezug auf Fürsorge, den Zugang
zu Gerichten und den öffentlichen Schulunterricht respektive gleichgestellt
mit anderen Ausländern und Ausländerinnen beispielsweise in Bezug auf
Erwerbstätigkeit oder die Gewährung einer Unterkunft (vgl. Art. 16-24 FK).
So konnte die Beschwerdeführerin – gemäss eigenen Angaben – einer Ar-
beit nachgehen (Olivenpflücken), Einkommen generieren und sich mehr-
fach eine Unterkunft beziehungsweise ein Zimmer mieten. Damit war sie
bisher aus eigenen Kräften in der Lage, einer Obdachlosigkeit vorzubeu-
gen. Wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, können Unterstützungs-
leistungen und weitere Rechte – sofern die Beschwerdeführerin sie denn
brauchen würde – direkt bei den zuständigen Behörden eingefordert wer-
den, falls notwendig auf dem Rechtsweg. Nicht zuletzt können Schutzbe-
rechtigte sich auch auf die Garantien in der Qualifikationsrichtlinie berufen,
insbesondere die Regeln betreffend den Zugang von Personen mit Schutz-
status zu Beschäftigung (Art. 26), zu Bildung (Art. 27), zu Sozialhilfeleis-
tungen (Art. 29), zu Wohnraum (Art. 32) und zu medizinischer Versorgung
(Art. 30). Im Falle einer Verletzung der Garantien der EMRK steht gestützt
auf Art. 34 EMRK letztlich der Rechtsweg an den Europäischen Gerichts-
hof für Menschenrechte (EGMR) offen (vgl. Urteil D-559/2020 a.a.O.).
9.2 Aufgrund der Akten liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Be-
schwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Griechenland dort einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Hinsichtlich der gesundheitlichen Aspekte ist auf die zutreffen-
den Ausführungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu ver-
weisen (vgl. ...). Es handelt sich bei ihr nicht um eine schwerkranke Per-
son, bei der die ernsthafte Gefahr besteht, dass sie bei einer Rückschaf-
fung nach Griechenland einer schwerwiegenden, rapiden und irreversiblen
Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, verbunden mit übermässi-
gem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung der Lebenserwartung,
http://www.rainbow-europe.org/ http://www.rainbow-europe.org/
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ausgesetzt wäre. Die medizinische Versorgung in Griechenland (inkl. all-
fälliger psychologischer Behandlungsmöglichkeiten) ist – wie bereits von
der Vorinstanz zutreffend festgehalten – gewährleistet. Es ist der Be-
schwerdeführerin zuzumuten, jene in Anspruch zu nehmen, war es ihr doch
auch möglich, das Rote Kreuz im medizinischen Notfall aufzusuchen (vgl.
Sachverhalt I). Weiter lassen weder ihre Vorbringen noch die vorliegenden
medizinischen Dokumente darauf schliessen, dass die geltend gemachten
gesundheitlichen Probleme so gravierend wären, dass eine adäquate Be-
handelbarkeit im EU-Staat Griechenland nicht gegeben wäre. Den Akten
der Vorinstanz kann alsdann entnommen werden, dass sie die Beschwer-
deführerin beim für den Wegweisungsvollzug zuständigen Kanton als Spe-
zialfall angemeldet hat (...), um sicherzustellen, dass sie über ihre notwen-
digen Medikamente verfügt beziehungsweise ihr diese mitgegeben wer-
den. Sie ist weder aus den genannten noch aus anderen Gründen, wie sich
auch aus nachfolgenden Erwägungen ergibt, als besonders vulnerabel zu
bezeichnen. Das der Beschwerde beigelegte Unterstützungsschreiben der
LGBTIQ Gemeinschaft vom 20. Juli 2021 und die Fotokopien von LGBTIQ-
Veranstaltungen sind unbehelflich beziehungsweise führen nicht zu einer
anderen Einschätzung.
9.3 Schliesslich ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass Griechenland ein
Rechtsstaat ist, der über einen funktionierenden Polizei- und Justizapparat
verfügt (vgl. BVGer Urteil D-559/2020 vom 19. Februar 2020 E. 9.2 m.w.H.;
Urteil des BVGer E-4234/2018 vom 30. Juli 2018 E. 6.3.3, m.w.H.). Bei Un-
terstützungsbedarf oder allfälligen Problemen mit Drittpersonen kann sich
die Beschwerdeführerin an die griechischen Behörden wenden und die er-
forderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Urteil D-
559/2020 E. 8.2 und 9.1). Entgegen ihrer Behauptung auf Beschwerde-
ebene (vgl. Erwägung 8.2) und im Sinne ihrer Schilderungen zum rechtli-
chen Gehör (vgl. Sachverhalt E) kam ihr die Polizei in Griechenland wie-
derholt zu Hilfe. Die hiesige Rechtsprechung betreffend die allgemeinen
Lebensbedingungen in Griechenland ist alsdann – wiederum entgegen ih-
rer Behauptung – nicht überholt, nur weil die Schweiz sich am 1. Juni 2021
an einem schriftlichen Ersuchen von europäischen Staaten an die Europä-
ische Kommission zwecks Überprüfung der Situation im Land beteiligte.
Dies zeigt vielmehr auf, dass sich die Schweiz laufend mit der aktuellen
Situation vor Ort auseinandersetzt und die Einhaltung der völkerrechtlichen
Verpflichtungen verfolgt. Der Beschwerdeführerin steht zusätzlich die Mög-
lichkeit offen, sich für Hilfe ergänzend an eine der vor Ort tätigen karitativen
Hilfsorganisationen zu wenden, um beispielsweise eine dolmetschende
Person für die von ihr geltend gemachten Verständigungsschwierigkeiten
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mit der Polizei zu organisieren, sollten ihre bei der PA angegebenen zu-
sätzlich zur Muttersprache bestehenden Englisch- und Französischkennt-
nisse nicht ausreichen (...). Ebenso kann sie für ihren Antrag auf Verlän-
gerung ihrer Aufenthaltsbewilligung derartige Unterstützung vor Ort in An-
spruch nehmen, sofern überhaupt nötig.
Die in der Stellungnahme im Rahmen des rechtlichen Gehörs und auf Be-
schwerdeebene geltend gemachte Furcht vor möglichen Übergriffen durch
Drittpersonen ändert alsdann nichts an der Einschätzung der grundsätzli-
chen Schutzfähigkeit der griechischen Behörden, auch unter Berücksichti-
gung der sexuellen Orientierung.
9.4 Zusammenfassend bestehen keine Hinweise darauf, Griechenland
würde der Beschwerdeführerin dauerhaft die ihr gemäss der Richtlinie zu-
stehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten und sie einer exis-
tenziellen Notlage aussetzen. Es darf inskünftig – wiederum – von ihr er-
wartet werden, die genannte Unterstützung (nötigenfalls auf dem Rechts-
weg) einzufordern.
Der Verweis der Beschwerdeführerin auf die Rechtspraxis anderer europä-
ischer Länder hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs nach Griechenland ist
schliesslich unbehelflich, da die Urteile ausländischer Gerichte für die
Schweiz nicht bindend sind. Im Weiteren kann sie auch nichts zu ihren
Gunsten aus ihrem illegalen Aufenthalt in der Schweiz seit Februar 2020
bis zur Einreichung ihres Asylgesuchs am 13. September 2021 ableiten.
9.5 Nach dem Gesagten ist es ihr nicht gelungen, die Regelvermutung um-
zustossen, und erweist sich der Wegweisungsvollzug als zulässig und zu-
mutbar. Es besteht kein Anlass zur Einholung individueller Garantien be-
treffend adäquate Unterbringung, Betreuung und frauenspezifische Gewalt
(vgl. Urteil E-2169/2020 des BVGer vom 13. Mai 2020, E. 8.4).
9.6 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 84 Abs. 2 AIG
möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme der Be-
schwerdeführerin ausdrücklich zugestimmt haben, sie dort über subsidiä-
ren Schutz verfügt und eine Reiseunfähigkeit (auch in gesundheitlicher
Hinsicht) verneint wurde. Bei dieser Sachlage besteht entgegen der Be-
hauptung in der Beschwerde keine Rechtsunsicherheit. Die Beschwerde-
führerin ist zudem im Besitz ihrer griechischen Reisedokumente und die
Vorinstanz hat zu Recht auf die problemlose Verlängerung ihrer Aufent-
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haltsbewilligung bei geltendem internationalem Flüchtlingsstatus hingewie-
sen (vi-Entscheid, S. 7). Ihrer gesundheitlichen Situation, insbesondere all-
fälligen suizidalen Tendenzen, ist im Übrigen bei der Ausgestaltung der
Vollzugsmodalitäten angemessen Rechnung zu tragen.
9.7 Schliesslich stehen weder die Corona-Pandemie noch allfällige Natur-
katastrophen dem Wegweisungsvollzug entgegen. Die Anordnung einer
vorläufigen Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur
vorübergehender Natur ist, sondern voraussichtlich eine gewisse Dauer
bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hindernis bei
den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidungen und
Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995
Nr. 14 E. 8d und e).
Sowohl bei der Corona-Pandemie wie auch bei Naturkatastrophen handelt
es sich – wenn überhaupt – um blosse temporäre Vollzugshindernisse, wel-
chen im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden
Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situa-
tion im Herkunftsland angepasst wird.
10.
Zusammenfassend hat das SEM den Vollzug der Wegweisung nach Grie-
chenland zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Mit Ergehen des vorliegenden Urteils wird das Gesuch um Verzicht
auf das Erheben eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
12.2 Die Beschwerde erschien im Zeitpunkt der Einreichung als aussichts-
los, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung unabhängig vom allfälligen Vorliegen der prozessualen Bedürftigkeit
abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens
sind die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
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VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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