Decision ID: 83a2feb8-5417-5a1f-b886-cb61393da19d
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 27.05.2015 Art. 6 UVG, Art. 4 ATSG, Art. 9 Abs. 2 UVV: Unfalltatbestandsmerkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors sowie unfallähnliche Körperschädigung gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. f und lit. g UVV verneint (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. Mai 2015, UV 2014/29).Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider (Vorsitz), VersicherungsrichterJoachim Huber, Versicherungsrichterin Marie Löhrer; Gerichtsschreiber Philipp GeertsenEntscheid vom 27. Mai 2015in SachenA._Beschwerdeführerin,vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Stephanie Bialas, Oberer Graben 44, Postfach, 9001 St. Gallen,gegenHelsana Unfall AG, Recht, Postfach, 8081 Zürich Helsana,Beschwerdegegnerin,betreffendVersicherungsleistungen (Heilungskosten und Taggeld)Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war aufgrund ihrer Anstellung als
Krankenpflegerin bei der B._ bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana)
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie laut Angaben einer der
Helsana am 21. November 2013 zugestellten undatierten Unfallmeldung am 15.
November 2013 beim Mobilisieren eines Klienten, der einen ruckartigen Widerstand/
Gegendruck leistete, einen Zwick in der rechten Schulter verspürte (act. G 3.1/K1 f.).
A.b Dr. med. C._, FMH Allgemeine Medizin, stellte im Arztzeugnis vom 21.
Dezember 2013 die Diagnose Distorsion Schulter rechts (traumatisch bedingtes
Impingement-Syndrom; act. G 3.2/M1).
A.c Gestützt auf die Unfallmeldung sowie die Angaben der Versicherten im "Frage
bogen: Verhebetrauma" (nachfolgend: Fragebogen) der Helsana vom 20. Dezember
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2013 (act. G 3.1/K6) lehnte die Helsana mit Verfügung vom 14. Januar 2014 den
Anspruch der Versicherten auf Versicherungsleistungen aus der obligatorischen
Unfallversicherung mit der Begründung ab, beim Ereignis vom 15. November 2013
handle es sich nicht um einen Unfall im Rechtssinn und es sei auch keine unfallähnliche
Körperschädigung diagnostiziert worden (act. G 3.1/K10).
B.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 25. Januar 2014 Einsprache (act. G
3.1/K14), welche die Helsana mit Entscheid vom 14. März 2014 abwies (act. G 3.1/
K17). Am 4. Februar 2014 hatte auch die ÖKK als Krankenversicherer der Versicherten
gegen die ablehnende Verfügung der Helsana vorsorglich Einsprache erhoben (act. G
3.1/K15).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 14. März 2014 erhob die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. S. Bialas,
St. Gallen, am 1. Mai 2014 Beschwerde mit den folgenden Anträgen: Der
Einspracheentscheid der Helsana (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 14. März
2014 sei aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin sämtliche aus dem Unfallereignis vom 15. November 2013
resultierenden und von ihr selbst getragenen Kosten der Heilbehandlung im Betrag von
derzeit Fr. 308.-- zu bezahlen. Die Beschwerdegegnerin sei weiter zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin Unfall-Taggelder für die Dauer der auf das Unfallereignis vom 15.
November 2013 zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit in Höhe von Fr. 2'921.--
auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur vollständigen
Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 9. Mai 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 3. Juli 2014 liess die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin an
ihren Anträgen festhalten (act. G 7).
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C.d Mit Duplik vom 7. Juli 2014 erneuerte auch die Beschwerdegegnerin ihren Antrag
auf Beschwerdeabweisung, soweit auf die Beschwerde einzutreten sei (act. G 9).
C.e Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin für die Folgen des Ereignisses
vom 15. November 2013 leistungspflichtig ist.
2.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden die Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt.
2.2 Als Unfall gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge
hat (Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
2.3 Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202)
enthält eine abschliessende Aufzählung von Körperschädigungen, welche auch ohne
ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen im Sinn von Art. 4 ATSG gleichgestellt
sind, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration
zurückzuführen sind. Dazu zählen unter anderem Verrenkungen von Gelenken (lit. b),
Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen (lit. e), Sehnenrisse (lit. f) sowie Bandläsionen (lit.
g).
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2.4 Die weiteren Voraussetzungen für eine Leistungspflicht der Unfallversicherung,
wie u.a. die Anspruchsvoraussetzungen für die konkreten Versicherungsleistungen
(Heilbehandlung, Taggeld), müssen erst geprüft werden, wenn eine versicherte Person
einen Unfall oder eine unfallähnliche Körperschädigung im Rechtssinn erlitten hat.
3.
Der Hergang des Ereignisses vom 15. November 2013 an sich ist unbestritten und hat
als überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen zu gelten (vgl. dazu RKUV 1990 Nr. U
86 S. 50; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung [UVG], 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 29; Thomas Locher,
Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451 f.; BGE 117 V 360
E. 4a mit Hinweisen). In der Unfallmeldung wurde angegeben, dass die
Beschwerdeführerin einen Zwick in der rechten Schulter verspürt habe, als sie einen
Klienten mobilisiert und dieser dabei ruckartigen Widerstand/Gegendruck geleistet
habe (act. G 3.1/K1). Laut Angaben der Beschwerdeführerin vom 20. Dezember 2013
im Fragebogen der Beschwerdegegnerin erfolgte der Gegendruck des Patienten bei
dessen Aufsetzen an den Bettrand. Der Patient sei ungefähr 85-90 kg schwer gewesen
(act. G 3.1/K6). Um einen Patienten aufzusetzen, umgreift eine Pflegerin diesen laut der
nachvollziehbaren Beschreibung der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin in der
Replik vom 3. Juli 2014 mit dem Arm und hilft mit (act. G 7).
4.
4.1 Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob hinsichtlich des Ereignisses vom 15.
November 2013 von einem Unfall im Rechtssinn auszugehen ist. Die
Beschwerdegegnerin sieht beim vorliegenden Sachverhalt das Unfallbegriffsmerkmal
des ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht als erfüllt an. Demgegenüber erachtet die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin den ungewöhnlichen äusseren Faktor darin
gegeben, dass der Patient plötzlich und nicht voraussehbar Gegenwehr leistete, als
ihm die Beschwerdeführerin beim Aufsitzen half.
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4.2 Nach der Definition des Unfalls bezieht sich das Unfallbegriffsmerkmal des
ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors,
sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist
somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende Folgen nach sich zieht. Der
äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich
im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (SVR
2001 KV Nr. 50 S. 145 E. 3a, BGE 122 V 233 E. 1 = Pra 1997 Nr. 823 S. 415 f.). Nach
Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors
auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Der ungewöhnliche äussere Faktor
liegt in solchen Fällen darin, dass die körperliche Bewegung durch etwas
"Programmwidriges", "Sinnfälliges" gestört wird, sodass Muskeln, Knochen, Gelenke
usw. des Körpers übermässig oder in unphysiologischer Weise beansprucht werden
(RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b; Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 176 f.). Dies trifft
beispielsweise dann zu, wenn die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einen
Gegenstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige
Abwehrbewegung ausführt oder auszuführen versucht. Die Rechtsprechung bejaht das
Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors ausserdem dann, wenn beim Heben
oder Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt und es
so zu einer Schädigung kommt (RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4a, RKUV 1994 Nr. U
180 S. 38 E. 2; BGE 116 V 136 E. 3b; A. Rumo-Jungo/A.P. Holzer, a.a.O., S. 40 f.).
4.3
4.3.1 Aus dem geschilderten Hergang des Ereignisses vom 15. November 2013
(vgl. Erwägung 3) ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin bei der Mobilisation bzw.
beim Aufsetzen des Patienten an den Bettrand diesen mit dem Arm umgreifen musste.
Somit ist die geltend gemachte Verletzung der rechten Schulter nicht auf die
unmittelbare kraftmässige Einwirkung des Körpers des Gegendruck leistenden
Patienten auf den Körper der Beschwerdeführerin zurückzuführen. Zu prüfen ist damit,
ob die Beschwerdeführerin auf den unbestrittenermassen äusseren Faktor des
Gegendrucks durch den Patienten mittels einer unkoordinierten Bewegung - welche
allenfalls ihrerseits als ungewöhnlicher äusserer Faktor zu bewerten wäre - reagiert
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oder ihre rechte Schulter durch eine Reaktion auf den Gegendruck überanstrengt hat
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 11. Januar 2010, 8C_444/2009, E. 4.1 f., und vom
22. September 2008, 8C_827/2007, E. 4).
4.3.2 Der Vorgang, einem Patienten beim Aufsitzen zu helfen, stellt im Rahmen der
beruflichen Tätigkeit der Beschwerdeführerin unbestrittenermassen eine alltägliche und
übliche Verrichtung dar. Dem Bewegungsablauf haftet nichts Ungewöhnliches an.
Entgegen der Argumentation der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin kann in der
im konkreten Fall zusätzlich erfolgten, überraschenden Gegenwehr des Patienten keine
programmwidrige Störung gesehen werden. Es ist eine Erfahrungstatsache, dass eine
Schulter geschaffen ist, im alltäglichen Bewegungsablauf verschiedenste Bewegungen
und Kraftaufwendungen zu tolerieren bzw. auszuhalten, ohne dass sie Schaden nimmt.
Dies ist auch für den ruckartigen Gegendruck durch die Gegenwehr des Patienten
anzunehmen. Der Argumentation der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, mit der
Anmerkung im Fragebogen - es habe sich um eine gewohnte, unter normalen äusseren
Bedingungen verlaufende Tätigkeit gehandelt (act. G 3.1/K6) - sei gemeint gewesen,
dass sich der Vorfall bei der gewohnten Berufstätigkeit der Beschwerdeführerin als
Fachfrau Gesundheit ereignet habe und die äusseren Bedingungen ansonsten, d.h.
abgesehen von der plötzlichen und ruckartigen Gegenwehr des Patienten beim
Aufsitzen, normal gewesen seien (act. G 1, S. 7), kann zwar gefolgt werden. Gleichwohl
stellt die fragliche Gegenwehr für sich keinen programmwidrigen Bewegungsablauf in
der Wirkungsstärke eines Unfalls dar (vgl. dazu A. Rumo-Jungo/A.P. Holzer, a.a.O., S.
40). Damit die durch die Gegenwehr des Patienten beeinflusste körpereigene
Schulterbewegung das gemäss Art. 4 ATSG erforderliche Tatbestandselement der
Ungewöhnlichkeit erfüllt, muss sie zusätzlich aus einer eindeutig programmwidrigen
Bewegung im Sinn der Erwägung 4.2 hervorgegangen sein. Ein nicht ganz
reibungsloser Verlauf genügt für sich allein nicht für die Annahme einer
Programmwidrigkeit (Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2014, 8C_783/2013, E.
6.2). Inwiefern die Schulter durch die Gegenwehr des Patienten eine klar abgegrenzte,
unkoordinierte Bewegung ausgeführt hätte, die nicht im Rahmen des üblichen
Bewegungsablaufs passiert ist, wird aber nicht bestimmbar ausgeführt. Die Erklärung
der Beschwerdeführerin im Fragebogen vom 20. Dezember 2013, der Patient habe
mehrmalig Gegendruck geleistet (act. G 3.1/K6), stützt diese Beurteilung, indem damit
gerade keine Zuordnung zu einer einzelnen unnatürlichen bzw. unkoordinierten
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Bewegung der Schulter erfolgt, sondern vielmehr eine wiederholte, normale Bewegung
derselben beschrieben wird. Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass eine
Programmwidrigkeit in der Körperbewegung nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht
zur Anwendung gelangenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE
120 V 37 E. 3c; Th. Locher, a.a.O., S. 451 f.) nachgewiesen ist.
4.4 Ob ein Unfallereignis aufgrund einer aussergewöhnlichen Anstrengung gegeben
ist, muss rechtsprechungsgemäss in Würdigung der gesamten Umstände des
Einzelfalls entschieden werden. Dabei spielt etwa die von der versicherten Person
eingenommene Körperstellung eine Rolle (Urteil des Bundesgerichts vom 3. September
2012, 8C_611/2011, E. 5.2). Zu prüfen ist insbesondere auch, ob die Anstrengung im
Hinblick auf Konstitution und berufliche oder ausserberufliche Gewöhnung der
betreffenden Person ausserordentlich war (RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2; BGE 116 V
139 E. 3b; A. Rumo-Jungo/ A.P. Holzer, a.a.O., S. 41 f.). Im Hinblick auf die berufliche
Gewöhnung und die körperliche Konstitution wurde eine Überanstrengung und damit
ein Unfallereignis verneint, als eine 39-jährige, 62 Kilogramm schwere
Krankenschwester, unversehens das Gewicht einer 66 Kilogramm schweren Patientin
auffangen musste (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1.
Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 15. Januar 2003,
U 421/01, E. 3). Ebenfalls verneint wurde eine Überanstrengung in einem Fall, bei dem
eine Schwesternhilfe zusammen mit einer Praktikantin eine ca. 90 Kilogramm schwere,
kollabierende Patientin aufgefangen hatte (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Januar
2010, C_444/2009, E. 4.3 mit einer Zusammenfassung der Kasuistik). In einem ähnlich
gelagerten Fall, bei dem ein Krankenpfleger einen rund 120 Kilogramm schweren
Patienten mittels eines Bettlakens vom Operationstisch auf ein Krankenbett umlagern
musste, wurde eine Überanstrengung verneint, weil diese Betätigung zur täglichen
Arbeit des Krankenpflegers gehörte, dieser über eine gesunde körperliche Verfassung
verfügte und zu keinem Zeitpunkt das gesamte Körpergewicht des Patienten heben
musste (BGE 116 V 139 E. 3c). Die Beschwerdeführerin beschrieb im Fragebogen vom
20. Dezember 2013, wie bereits erwähnt, einen vom Patienten mehrmalig geleisteten
Gegendruck; stufte den von ihr eingesetzten Kraftaufwand zwischen normal und gross
(also weder uneingeschränkt gross und schon gar nicht ausserordentlich) ein; erklärte,
diesen Kraftaufwand täglich bei einzelnen Patienten anzuwenden; beschrieb den
Patienten als ca. 85 bis 90 kg schwer; schilderte, sie sei bei der Mobilisation neben
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dem Patienten gesessen, wobei es sich um die gewohnte Körperhaltung gehandelt
habe; und sagte aus, der Patient habe sich ein wenig gewehrt (act. G 3.1/K6). Unter
den dargelegten Umständen und mit Blick auf die diesbezügliche Rechtsprechung
kann das Ereignis vom 15. November 2013 nicht als Überanstrengung gewertet
werden. Die Beschwerdeführerin drückt nämlich mit keiner ihrer Angaben aus, dass auf
ihre rechte Schulter eine einmalige, ungewöhnliche bzw. ausserordentliche Kraft
gewirkt hätte, welche den Rahmen des in ihrer Tätigkeit als Fachangestellte
Gesundheit Alltäglichen oder Üblichen überschritten hätte. Der Patient befand sich im
Übrigen bei der Hilfestellung durch die Beschwerdeführerin auf dem Bett, wodurch zu
keinem Zeitpunkt sein gesamtes Gewicht auf die Beschwerdeführerin wirken konnte.
Das konkrete Gewicht und damit die Wirkung bei der Gegenwehr des Patienten war bei
gegebener Sachlage derart reduziert, dass die Annahme eines Unfalls wegen eines
ausserordentlichen Kraftaufwands nicht gerechtfertigt wäre. Es kann auch nicht
argumentiert werden, die Aussagen der Beschwerdeführerin seien allesamt nicht auf
den konkreten Fall mit Gegenwehr, sondern in Bezug auf die normale Verrichtung des
Helfens beim Aufsitzen eines Patienten erfolgt. Die Beschwerdeführerin erwähnt die
Gegenwehr explizit zu Beginn des Fragebogens und beschreibt diese später, wie
gesagt, als "ein wenig". Ausserdem stimmen auch die verschiedenen, weiteren
Angaben der Beschwerdeführerin insgesamt ohne weiteres überein. Die Schilderung
eines mehrmaligen Gegendrucks ist sodann - gleich wie im Rahmen der
unkoordinierten Bewegung - als Hinweis gegen einen einmalig erfolgten,
ausserordentlichen Kraftaufwand zu werten. Zusammenfassend ist mithin festzuhalten,
dass die Beschwerdegegnerin das Ereignis vom 15. November 2013 zu Recht nicht als
Unfall qualifiziert hat.
5.
5.1 Nachdem ein Unfall im Sinn von Art. 4 ATSG zu verneinen ist, bleibt zu prüfen, ob
das bei der Beschwerdeführerin festgestellte Beschwerdebild allenfalls eine
unfallähnliche Körperschädigung darstellt, welche die Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin zu begründen vermag.
5.2 Als unfallähnliche Körperschädigung kommt eine Bandverletzung im Sinn von Art.
9 Abs. 2 lit. g UVV in Frage, welche auch im Bereich der Schulter vorkommen kann. Bei
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einer nach einer Gelenksverrenkung auftretenden Distorsion handelt es sich
definitionsgemäss um eine solche(vgl. A. Maurer, a.a.O., S. 205; Urteil des EVG vom
30. August 2001, U 277/99, Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 21. März 2007, UV 2006/74; LGVE 2004 II Nr. 43, S. 367). Dr. C._ stellte in
seinem Arztzeugnis vom 21. Dezember 2013 nur die Diagnose einer Distorsion der
rechten Schulter (act. G 3.2/M1). Dass diese aus einer Gelenksverrenkung resultierte,
erscheint im konkreten Fall als fraglich und kann damit nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als nachgewiesen gelten. Der von der
Beschwerdeführerin beschriebene Unfallmechanismus mit Gegenwehr des Patienten
lässt vielmehr eine Zugwirkung bzw. Axialbelastung auf die Schulter annehmen. Dr.
C._ dokumentierte sodann keine solchen für eine Distorsion typischen Befunde einer
Schwellung oder eines Ergusses (vgl. dazu Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. München
2003, S. 441). Die von ihm erhobenen Befunde - Kribbeln bis Finger, positiver Jobe-
und Neer-Test, passive Elevation bis 100° möglich - betreffen das von ihm ausserdem
diagnostizierte Impingement-Syndrom, welches eine häufige degenerative Erkrankung
im Bereich des Schultergelenks darstellt. Ein Impingement-Syndrom als sekundäre
Folge einer primären traumatischen Verletzung kommt zwar vor, doch ist hierbei von
einer vorausgegangenen strukturellen Verletzung und nicht "nur" von einer Distorsion
auszugehen (vgl. dazu A. Debrunner, a.a.O., S. 727 f.; Pschyrembel, Klinisches
Wörterbuch, 2013, 264. Aufl., S. 992; Roche Lexikon, a.a.O., S. 915). Der von Dr. C._
der Diagnose zugefügte Ausdruck "traumatisch bedingt" vermag angesichts der
dargelegten Sachlage nicht zu überzeugen. Es ist nicht auszuschliessen, dass besagter
Umstand einfach auf der subjektiven Ereignisschilderung der Beschwerdeführerin
basiert. Im Übrigen ergeben sich aus dem Arztzeugnis von Dr. C._ auch keine
Anhaltspunkte für das Vorliegen einer anderen der in Art. 9 Abs. 2 UVV abschliessend
(BGE 116 V 140 E. 4a, 145 E. 2b, S. 147, je mit Hinweisen) aufgezählten unfallähnlichen
Körperschädigungen; insbesondere auch keine solchen für einen Sehnenriss.
Abgesehen davon, dass die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin einen solchen
ebenfalls nur als möglich und damit nicht als überwiegend wahrscheinlich bestehend
betrachtet, kennt das Bundesgericht betreffend die Sehnenpathologie eine restriktive
Praxis. Entsprechend lassen sich blosse Sehnenzerrungen nicht unter den Begriff
"Sehnenrisse" im Sinn von Art. 9 Abs. 2 lit. fUVV subsumieren (BGE 114 V 302 E. 3d).
Bei Sehnenteilrissen fällt eine Qualifikation als unfallähnliche Körperschädigung nur in
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Betracht, wenn die Teilruptur als solche medizinisch eindeutig festgestellt ist, sei dies
intraoperativ oder durch Kontrastmitteldarstellung. Kann dieser Nachweis nicht
erbracht werden, so hat der Leistungsansprecher die Folgen zu tragen (BGE 114 V 306
E. 5c). Das Arztzeugnis von Dr. C._ enthält keinerlei Hinweise auf das Vorliegen eines
Sehnenrisses. Aufgrund der obigen Darlegungen muss damit in Bezug auf die rechte
Schulter der Beschwerdeführerin das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung
aus der Liste von Art. 9 Abs. 2 UVV verneint werden.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 14. März 2014 (act. G 3.1/K17) abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP