Decision ID: 934413fb-f296-4658-bb5a-db0d215a94a3
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1970 geborene
X._
war
seit dem 20. April 1987 bei der
Y._
AG
zunächst als Maurerlehrling und danach als Maurer
angestellt, als er am 16. Juni 1991 beim Fussballspielen ausrutschte und sich dabei eine
Bimalleolar
luxationsfraktur
Typ C mit Volkmannabriss links zuzog (
vgl. UV.2019.00240 Urk. 9/1 und Urk. 9/3
). Seit dem 11. März 1996 war der Versicherte als Polier bei der
Z._
AG tätig und erlitt am 2. Mai 1996 auf einer Baustelle einen Arbeits
unfall (Urk. 6/
43/61
). Im Austrittsbericht der Klinik für Unfallchirurgie des Uni
versitätsspitals
A._
vom 30. Mai 1996 betreffend die Hospitalisation vom 2. bis 7. Mai 1996 wurden die Diagnosen einer Commotio cerebri, einer Riss
quetschwunde occipital rechts, einer Kontusion der Halswirbelsäule, einer Kontu
sion des Ellbogens und eines akuten
lumbo-spondylogenen
Syndroms genannt (Urk.
6
/
3/3
).
1.2
Die Suva
als z
uständiger Unfallversicherer
erbrachte f
ür beide Unfälle
die ge
setzlichen Leistungen.
Mit Verfügung vom 3. Dezember 1999 sprach
die Suva
dem Versicherten für die aus dem Unfall vom 2. Mai 1996 verbliebene Beein
trächtigung eine auf einer Integritätseinbusse von 30 % beruhende Integri
täts
entschädigung zu (
vgl. UV.2019.240
Urk. 8/92). Nachdem der Versicherte den Vergleichsvorschlag der Suva vom 22. Mai 200
7 am 25. Februar 2008 anerkannt hatte
(Urk.
6/192/898
f.
), sprach diese dem Versicherten mit Verfügung vom 14. März 2008 für beide Unfälle eine Invalidenrente basierend auf einem Inva
liditätsgrad von 55 % ab 1. November 2006 sowie für die verbliebene Beein
trächtigung aus dem Unfall vom 16. Juni 1991 eine auf einer Integritätseinbusse von 10 % beruhende Integritätsentschädigung zu (Urk. 6/
192/889-892
).
1.3
Am 27.
August 1997 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der Inva
lidenversicherung
für berufliche Massnahmen an (Urk.
6/2).
Mit Verfügung vom 21.
September 1998 (Urk. 6/14) schrieb
die Sozialversicherungsanstalt des
Kan
tons Zürich, IV-Stelle,
das Gesuch um berufliche Massnahmen ab, nachdem der Versicherte eine neue Stelle angetreten hatte.
Am 11.
Jul
i 2000 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 6/15).
Die IV-Stelle
tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und
veranlasste eine medizinische
B
eguta
chtung
beim Zentrum
B._
. Das
interdisziplinäre
Gutachten wurde am 15. Juni 2001 erstattet (Ur
k. 6/37). Mit Vorbescheid vom 13
.
Juli 2001
stellte
die IV-Stelle
dem Versicherten die Abweisung seines Leist
ungsbegehrens in Aussicht (Urk.
6/42).
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
wurde eine berufliche Abklärung in der Abklärungsstelle
C._
(BEFAS) durchgeführt
(
Schlu
ssbericht vom 4. Oktober 2002,
Urk. 6/
64).
Nach Durchführung
berufliche
r
Massnahmen
vom 1.
Februar bis 31.
Juli 2003 (Urk.
6/66
-
74) wurde dem Versicherten
m
it Verfü
gung vom 30. Oktober 2003 rückwirkend ab 1. Juli 1999 eine halbe Rente der Invalidenversicherung zugesprochen (Urk. 6/85).
Die dagegen erhobene Einspra
che wurde mit Entscheid vom
16.
April 2004 abgewiesen (Urk. 6/97).
Die im September 2006 und Oktober 2010 eingeleiteten Revisionsverfahren ergaben keine Änderung des Rentenanspruchs (Urk. 6/131 und Urk. 6/14
7).
1.4
Im Zeitraum von März
20
10 bis April
2011 wurde der Versicherte im Auftrag des Haftpflichtversicherers observiert
Urk. 6/192/323
ff.
und
353
ff.
). Der Haft
pflichtversicherer veranlasste sodann eine interdisziplinäre Begutachtung bei der
D._
(Gu
t
achten vom 3. Juni 2011, Urk. 6/
192/450 ff.
).
1.5
Am 17. Dezember 2015 wurde das von der Suva in Auftrag gegebene i
nter
dis
ziplinäre Gutachten
der
MEDAS
E._
(Neurologie/
Neuro
-
psycholo
gie/Psy
chia
trie/Orthopädie)
erstattet
(Urk. 6/192/75-180
).
Am 9. Februar 2018 erfolgte eine k
reisärztliche Untersuchung
(Urk.
6/
195/4-13
).
Die Suva hob die Rente
der Un
fallversicherung
m
it Verfügung vom 11. Juni
2018
per 1.
Juli
2018 auf (Urk. 6/
199
)
.
Die
gegen den
Einsprache
entscheid
von 27.
August 2019
erhobene Beschwerde
,
welche Gegenstand des Verfahrens UV.2019.00240 bildet,
wurde mit Urteil des Sozialversicherungsgericht
s
des Kantons Zürich
heutigen Datums
abgewiesen.
1.6
Im
Rahmen des im
Juni 2016
einge
leitete
n Revisionsverfahrens
(Urk. 6/172 ff.)
tätigte
die IV-Stelle
medizinische und erwerbliche Abklärungen
und zog die Akten der Suva bei
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
stellte sie die Rente
der Invalidenversicherung
mit Verfügung vom 6. Januar 2020
per
Ende des der Zustellung
der Verfügung
folgenden Monats ein (Urk. 6/249 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob d
er Versicherte mit Eingabe vom 6. Februar 2020
Beschwerde und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm die bis
herige Rente weiterhin auszurichten (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 18. März 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwer
de (Urk. 5), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 23. März 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für
die Entscheidfindung erforderlich, in den n
achfolgenden Erwägungen einzuge
hen
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zu
spre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder
Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fer
ner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Ände
rung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sach
verhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle des
wegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.5
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Einglie
derungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der diesfalls grund
sätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbstein
gliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeits
markt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die ver
si
cherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben inte
griert ist oder wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufser
fah
rungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die ver
sicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1).
1
.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
die Abklärungen hätten ergeben, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ver
bessert habe
. Ab Februar 2018 sei er in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Bei einem Invaliditätsgrad von 27 % bestehe kein Anspruch auf eine Rente. Aus diesem Grund werde die Rente aufgehoben (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend,
die Beschwerdegegnerin stütze sich im Wesentlichen auf die Akten der obligatorischen Unfallver
siche
rung. Das
MEDAS
-Gutachten vom 17. Dezember 2015 sei für
die
Zwecke der Unfallversicherung erstellt worden und sei für IV-Zwecke nicht brauchbar. Diag
nostisch sei
en
die
Grundlage
n
der
Rentenzusprache
ein chroni
fiziertes Schmerz
syn
drom, eine Somatisierungsstörung sowie anamnestisch neuropsychologische Einschränkungen
gewesen. Es handle sich dabei um Diagnosen, die nach aktueller juristischer und medizinischer Auffassung nicht mehr invalidisierend seien. Dies berechtige aber nicht zur Rentenaufhebung. Die Altrente sei in ihrem Bestand geschützt und könne grundsätzlich nicht aufgehoben werden
. Nach implizi
ter Auffassung im
MEDAS
-Gutachten hätten bere
its im Zeitpunkt der
Rentenzu
sp
rache
keine unfallkausalen Einschränkungen vorgelegen. Es handle sich beim
MEDAS
-Gutachten um eine widersprüchliche revisionsrechtlich unbeachtliche
Neubeurteilung. Die aus der Verfügung ersichtlichen Vergleichseinkommen träfen
nicht zu. Der Beschwerdeführer könnte aktuell im Gesundheitsfall aufgrund von Dienstalter und langjähriger Berufserfahrung mehr als Fr. 100'000.-- pro Jahr
erzielen. Andererseits müsse angesichts qualitativer Einschränkungen ein Leidens
abzug von mindestens 20 % berücksichtigt werden. Die Rente sei seit 20 Jahren ausgerichtet worden. Dies schliesse die Selbsteingliederung aus. Die Beschwerde
gegnerin hätte vor Renteneinstellung Eingliederungsmassnahmen
prüfen müssen (Urk. 1 S. 4 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob eine revisionsrechtlich bedeutsame Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, welche eine Rentenaufhebung recht
fertigt. Insbesondere ist zu prüfen, ob seit der Verfügung der Beschwerdegegnerin
vom
30. Oktober 2003
, mit welcher dem Beschwerdeführer
mit Wirkung ab
1
.
Juli 1999
eine
halbe
Rente zugesprochen worden war
(
Urk. 6/85
)
, eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes und der sich daraus ergebenden Arbeits
- und Erwerbs
fähigkeit stattgefunden hat. Weiter gehört
bei der Rentenaufhebung auch die Frage der Zumutbarkeit der Selbsteingliederung
z
um Streitgegenstand
(
Urteile des Bundesgerichts
8C_84/2019 vom 2
9.
August
2019
E. 2.2 und 8C_494/2018 vom 6.
Juni 2019
E. 2.2).
3.
3.1
Die ursprüngliche
Rentenzusprache
vom
30. Oktober 2003
(
Urk. 6/
85
) beruhte im Wesentlichen auf
dem
B._
-Gutachten vom 15.
Juni 2001
(Urk.
6/
37) und
der Ergänzung vom 10.
Dezember 2001 (Urk.
6/50)
sowie dem Schlussber
icht der BEFAS
C._
vom 4.
Oktober 2002 (Urk.
6/64
; vgl. Feststellungsblatt Urk. 6/38 und Urk. 6/73
)
.
3.1.1
Dr.
med.
F._
, FMH Allgemeine Medizin,
Dr.
med.
G._
, FMH Radiologie
,
und
Dr.
med.
H._
, Psychiatrie, nannten
in ihrem Gut
achten vom 15. Juni 2001
die folgenden
strukturellen
Diagnosen:
-
Achsenskelett (Lendenwirbelsäule) mit Skoliose und Hyperlordose und leicht überdurchschnittlichen degenerativen Veränderungen
-
Zustand nach Kontusionstrauma (Kopf, Rücken) bei Sturz am 02.05.1996
sowie die folgenden klinischen und funktionellen Diagnosen:
-
Zustand nach Commotio cerebri und Sturz
-
c
hronische und chronifizierte Schmerzen
-
k
omplexes neuropsychisches Funktionsdefizit, vor allem Konzentration, Gedächtnis, schnelle Ermüdung betreffend
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
Es wurde ausgeführt, strukturell vor allem an der Halswirbelsäule habe auch in der Magnetresonanz-Untersuchung keine vom Unfall herrührende Pathologie eruiert werden können. Klinisch zeige der Bewegungsapparat keine Befunde, die
auf dessen vermehrte Beanspruchung unter beruflicher Tätigkeit hinweisen würden
, abgesehen vom linken oberen Sprunggelenk, welches bei längerer Be
anspruchung schmerze und ermüde. Das Ergebnisprofil der neuropsycholo
gischen Untersuchung decke sich mit demjenigen, welches 1998 in der Rehaklinik
I._
erhoben worden sei. In der Intensität hätten die Aufmerksam
keits
störungen, die Gedächtnisstörungen sowie die reduzierte psychophysische Belast
barkeit noch zugenommen. Die Ursache der Störung sei beim Beschwerdeführer auch nach dieser Untersuchung nicht erklärt. Die Testergebnisse könnten zu
mindest partiell auf Folgen einer traumatischen Hirnverletzung schliessen lassen. Die Tatsache, dass der Unfall fast fünf Jahre unbefriedigend gelöst zurückliege und der Beschwerdeführer subjektiv immer über den Grenzen seiner Belastbarkeit gearbeitet habe, dürfte die quantitative Verschlechterung teilweise erklären. Eine weitere Erklärung könne auch darin liegen, dass die geltend gemachten Defizite therapeutisch nie wirklich angegangen worden seien.
Aufgrund
d
er Akten, des aktuellen Behandlungsstandes und der
Untersuchungen könnten heute über die gesundheitliche Störung nur Arbeitshypothesen formuliert werden. Es liege im Vergleich zur Voruntersuchung ein vergleichbares neuropsychisches Versager
profil vor, das auf eine hirntraumatische Schädigung hinweisen könne. Zusätzlich und in Übereinstimmung mit früheren Vermutungen sei die mögliche strukturelle Schädigung von einer Konversionsstörung überlagert, d.h. dass die Misserfolge in der Berufslaufbahn alle dem Unfallereignis aufgebürdet würden. Aus inter
disziplinärer Sicht könne heut
e
lediglich festgehalten werden, dass die gesund
heitliche Störung nicht austherapiert sei. Die langfristige Restarbeitsfähigkeit in der urspr
ünglichen und letzten Tätigkeit
unter der aktuellen medizinischen Be
handlung werde auf 70 % eingeschätzt
(Urk.
6/37).
3.1.2
Im Schreiben vom 10. Dezember 2001 zuhanden der IV-Stelle hielt
Dr.
F._
ergänzend fest, das Leiden, wie es sich heute präsentiere müsse als in ein chro
nisches Stadium eingetreten betrachtet werden und eine mögliche Restleistung aufgrund der heutigen Voraussetzungen beurteilt werden. Der Beschwerdeführer sei in seinem bisherigen Beruf als Maurer und Polier im Hochbau medizinisch nicht mehr tauglich. Die Restleistung betreffend müsse zusammen mit dem Be
schwerdeführer anhand des erstellten neuropsychischen Profils versucht werden, ein Berufsbild zu zeichnen, für welches er in Frage komme. Dies sei aber nur aufgrund einer weiteren eingehenden
berufsberaterischen
Abklärung, ev. ergänzt mit Belastungsversuchen, möglich. Man müsse dabei in Betracht ziehen, dass der Beschwerdeführer in den Grundfunktionen Aufmerksamkeit, Gedächtnis sowie eben psychophysisch durch die Schmerzen erheblich beeinträchtigt sei
. Im ange
stammten Beruf (Hochbaupolier) bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Der Gesundheitszustand sei verbesserungsfähig (Urk.
6/50).
3.1.3
Im Schlussbericht der BEFAS
C._
vom 4. Oktober 2002 wurde ausgeführt, unter Beachtung der medizinischen Situation mit der reduzierten psycho-phy
sischen Belastbarkeit eigne sich der Beschwerdeführer nicht mehr für körperliche Schwerstarbeit sowie Tätigkeiten verbunden mit hohen Anforderungen an die psychische Belastbarkeit. Zumutbar seien körperlich leicht bis mittelschwer be
lastende Tätigkeiten, wie sie der Beschwerdeführer vor dem
C._
-Aufenthalt in einem Gartenbaugeschäft verrichtet habe. Dabei sollten repetitiv und länger
dauernd grössere Gewichtsbelastungen vermieden werden, wobei sich der Be
schwerdeführer nur kurzzeitig und gelegentlich maximale Gew
ichtsbelastungen bis ca. 25
kg zutraue. Einschränkungen bestünden mit Auflagen bei Tätigkeiten mit potentiell erhöhter Unfallgefahr (z.B. Arbeitseinsätze auf hohen Leitern/
Ge
rüsten)
. Nachdem davon auszugehen sei, dass die beobachtete Arbeitsfähigkeit von 50 % verteilt auf bis zu acht Stunden täglich weiter stabilisiert und aufgebaut werden
könne, seien grundsätzlich berufliche Massnahmen wie ein Arbeitstrai
ning oder eine Einarbeitung angezeigt (Urk. 6/64 S. 6 f.).
Das Arbeitstraining wurde per Ende Juli 2003 abgeschossen, wobei der Be
schwer
deführer bei einer Präsenz von 100 % eine Leistungsfähigkeit von 50 – 60 % erreichte (Urk. 6/73/1).
3.1.4
Im Rahmen der im September 2006 eingeleiteten Rentenrevision stützte sich die Beschwerdegegnerin a
uf die RAD-Stellungnahme vom 5.
Juli 2007. Darin wurde ausgeführt, elf Jahre nach dem Arbeitsunfall leide der 37-jährige ehemalige Maurerpolier immer noch an einer somatoformen Schmerzstörung und einer depressiven Störung. Dies aufgrund eines nicht mehr ganz aktuellen Berichts der
K
linik
J._
vom September 2005. Somit habe sich der Ge
sundheitsschaden seit der letzten Invaliditätsbemessung aus medizinischer Sicht wohl nicht verändert
.
Fraglich sei eine Einkommensverbesserung
(Urk. 6/130
/3
).
3.1.5
Bei der im Oktober 2010 eingeleiteten Rentenrevision stützte sich die Beschwer
degegnerin au
f die RAD-Stellungnahme vom 20.
Januar 2011, wonach der Be
schwerdeführer gemäss dem aktuellen Bericht des Hausarztes und den aktua
li
sierten Akten der Suva in unverändertem Ausmass an einer chronifizierten somatoformen Schmerzstörung und an einer depressiven Erkrankung leide
. Es sei somit ohne weitere medizinische Abklärungen trotz gelegentlichen Schwan
kun
gen leistungsmässig von einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit bei vollschich
ti
gem Pensum in der aktuellen leidensangepassten Tätigkeit als Gärtner auszu
gehen (Urk. 6/146/4).
3.2
Dem angefochtenen Entscheid liegt
in medizinischer Hinsicht
insbesondere das
von der Suva in A
uftrag gegebene interdiszi
plinäre Gutachten
der MEDAS
E._
vom 17. Dezember 2015 (
Urk. 6/192/75-180
) sowie die kreisärztlic
he Beurteilung der Suva vom 12. Februar 2018 (
Urk. 6/195/4-13
) zugrunde.
3.2.1
Im orthopädischen Teilgutachten betreffend die Untersuchung von 17. August 2015 nannte
Dr.
med.
K._
, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Trau
ma
tologie des Bewegungsapparates FMH, keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (selbständig erwerbend in Gartenbau, Maurer). Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
nannte
er die folgenden (Urk. 6
/
192/122
):
-
chronisch wiederkehrende
Zervikalgien
bei degenerativen HWS-Verän
derungen
-
chronisch wiederkehrende Lumbalgien mit wiederkehrenden pseudo
radi
kulären Ausstrahlungen bei degenerativen LWS-Veränderungen
-
leichte Funktionseinschränkung des linken OSG bei beginnender OSG-Arthrose links mit leichter Bewegungseinschränkung bei Status nach
b
imalleolärer
Fraktur Typ C im Juni 1991
-
Senk-Spreizfuss
bds
Er führte aus, Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule des Be
schwerdeführers seien in ihrer Beweglichkeit frei. Eine bedeutsame Wirbel
säulenfehlstatik liege nicht vor. Eine Blockierung im
chirodiagnostischen
Sinne oder eine anderweitige akute Pathologie bestehe an der gesamten Wirbelsäule nicht. Die paravertebrale Muskulatur sei nicht verspannt. Schmerzen in der Wirbelsäule seien auch bei komplexen Bewegungsabläufen nicht erkennbar. Bei der Palpation der Dornfortsätze der Wirbelsäule ertrage der Beschwerdeführer über dem Lendenwirbel 5 nur die blosse Berührung der Haut ohne laute Schmerz
äusserung. Schon der
Versuch
,
den Dornfortsatz des 5.
Lendenwirbels mit nur ganz geringem Druck zu betasten, werde vom Beschwerdeführer mit lauter Schmerzäusserung quittiert. Dieser Befund sei inkonsistent zum gesamten übri
gen Untersuchungsbefund an der Wirbelsäule und zu den Beobachtungen im Rahmen der Begutachtung. Im Weiteren gebe der Beschwerdeführer über der ge
samten Wirbelsäule passend zu allen übrigen Untersuchungsergebnissen keinerlei
Druckdolenz
an. Bei der Anamneseerhebung habe der Beschwerdeführer die Schmerzen im Kopf als stärker als die im Nacken und diese stärker als die in der Lendenwirbelsäule geschildert. Bei der Untersuchung beklage er jedoch keinerlei Schmerzen an der Halswirbelsäule. Der objektive körperliche Untersuchungs
befund sei somit betreffend die ganze Wirbelsäule völlig unauffällig. Die vom Beschwerdeführer geklagte Schmerzausstrahlung von der Wirbelsäule in den linken Arm
und die Beine passe
zu pseudoradikulären, nicht aber zu radikulären Schmerzen. Hinweise auf das Vorliegen einer vertebragenen Nervenwurzel
rei
zung fänden sich weder in den Akten noch bei der aktuellen klinisch-ortho
pädischen Untersuchung. Wenn auch eine akute Pathologie an der Wirbelsäule nicht nachweisbar sei und hinreichende Hinweise auf das Vorliegen einer radi
kulären Irritation aus keinem Betrachtungswinkel festgestellt werden könnten, so seien doch funktionelle Irritationen an der Wirbelsäule aufgrund der bestehenden degenerativen Lendenwirbelsäulenveränderungen, nachgewiesen bei der MRI-Untersuchung der LWS vom 27. Februar 2014 und den aktuell angefertigten nativ-radiologischen Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule und der Lenden
wirbelsäule, möglich, nachvollziehbar und verständlich. Nachvollziehbar seien in diesem Zusammenhang belastungsabhänge Schmerzen in der Wirbelsäule, von welchen der Beschwerdeführer berichte. Bei der bestehenden Befundkonstellation seien Schmerzen bei langen statischen Belastungen der Wirbelsäule, bei langen Belastungen der Wirbelsäule ausserhalb
der
Körperachse und bei langanhaltender
körperlicher Arbeit
zu erwarten
. Eine dauerhafte leichte Bewegungsein
schrän
kung finde sich beim Beschwerdeführer an dessen linkem Sprunggelenk. Hier seien dorsale Extension und
Plantarflexion
im Vergleich zur rechten Seite um jeweils 10° eingeschränkt. Langanhaltendes Arbeit im Stehen und Gehen im unebenen Gelände sei ihm nicht mehr zumutbar, insbesondere wenn es sich um schwere körperliche Tätigkeiten handle. Das vom Beschwerdeführer anamnestisch als im Vordergrund stehend beschriebene Kopfweh rechtsparietal betont mit Druck im rechten Auge mit Empfindlichkeit gegenüber Kunstlicht und Wetter
umschlag könne seitens des orthopädischen Fachgebietes nicht erklärt werden. Insbesondere lasse sich kein Bezug zu dem
orthopädischerseits
zu erhebenden Befund an der Halswirbelsäule herstellen. Betreffend die Hals- und Brust
wirbel
säule seien keine Funktionseins
chränkungen feststellbar (Urk. 6/192/115
f.). Idealer
weise arbeite der Beschwerdeführer in einer körperlich leichten oder mittelschweren und nur gelegentlich schweren wechselbelastenden Tätigkeit. Nicht mehr zumutbar seien Tätigkeiten verbunden mit häufigem Bücken und dem Heben von Lasten über 25 kg. In einer solch ideal angepassten Tätigkeit sei eine volle Arbeitsfähigkeit ohne Leistungseinschränkung aus orthopädischer Si
cht medizinisch zumutbar (Urk. 6/192/117
).
3.2.2
Im neurologischen Teilgutachten betreffend die Untersuchung vom 18. August 2015 nannte
Dr.
med.
L._
, Facharzt Neurologie FMH, die folgenden unfallkausalen neurologischen Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit:
-
Status nach milder traumatischer Hirnverletzung (MTBI) ohne strukturelle Hirnschädigung und ohne
plausibilisierbare
neurologische Folge
schädi
gungen
-
mit
Contusio
capitis mit Rissquetschwunde parietal rechts – ohne Fraktur
-
mit
Contusio
der HWS und der LWS ohne traumatische Schädi
gungs
zeichen der Wirbelsäule und ohne neurologische Defizite
Dr.
L._
hielt fest, aus aktueller versicherungsneurologischer Sicht könnten keine unfallkausalen Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit festgestellt werden. Auch sei keine über die orthopädische Bewertung
hinausgehende Ein
schränkung des
Fähigkeitsprofils aus neurolo
gischer Sicht begründbar (Urk. 6/192/170
).
Rückblickend diagnostisch könne angesichts der Echtzeitdaten nur von einem
sehr leichten Schädel-Hirntrauma mit initialer leichter Commotio-Symptomatik ausgegangen werden ohne Nachweis relevanter Hirnverletzungsfolgen
. Zudem sei ohne röntgenologische und MRI-diagnostische Schädigungszeichen allenfalls von einer
posttraumatischen leichten
Kontusionierung
der Halswirbelsäule aus
zugehen ohne Hinweis für neurologische Schädigungsfolgen, vorrangig von einer reaktiv-
myalgischen
zervikalen Schmerzsymptomatik. Auch
se
ien die ange
ge
be
nen
lumboischial
giformen
Schmerzen ebenfalls ohne MRI-diagnostische Zeichen einer Wirbelsäulenschädigung als unspezifische reaktiv-
myalgisc
he
Schmerzen zu bewerten (Urk. 6/192/162
).
Zusammenfassend liessen sich aus rein neurologischer Perspektive
keine primär neurologischen
Pathologika
erheben, welche die vom Beschwerdeführer angege
bene, mittlerweile ca. 19-jährige chronische Schmerzsymptomatik zervikal, lum
bal als auch bezüglich des Kopfes erkläre, insbesondere seien auch keine Ein
schränkungen zentral- oder peripher-neurologischer Art objektivierbar, welche die Gleichgewichtsfunktion, Hör- oder
Visusfunktionen
als auch kognitive Funk
tionen in hirnorganischer Hinsicht erklären könnten, erst recht nicht unfallkausal.
Auch bezüglich der bis dato geltend gemachten chronischen Kopfschmerzen gelte, dass solche längstens für ein Jahr posttraumatisch (bei fehlendem Beleg für relevante Gehirnschädigung) als sogenannte posttraumatische Kopfschmerzen zu begründen seien, darüberhinausgehend aber ebenfalls nicht mehr als unfallkausal
plausibilisierbar
seien. Es müsse aus neurologischer Sicht angesichts der geringen Ausprägung der ehemaligen somatischen Störungen respektive des nur allenfalls sehr leichten Schädelhirntraumas (ohne strukturellen Schädigungsnachweis), der unspezifischen Zervikal- und Lumbalsyndrome ohne Nachweis struktureller Unfallfolgen und ohne neurologische Reiz- oder Defizitsymptomatik, davon aus
gegangen werden, dass bei dem zum Unfallzeitpunkt erst 26-jährigen Versicher
ten in bestens trainierter körperlicher Verfassung und damit bei anzunehmendem sehr gutem Restitutionspotential faktisch auch eine weitestgehende Genesung von seinen unfallassoziierten Beschwerde
n eingetreten sei (Urk. 6/192/170
f.).
3.2.3
Im psychiatrischen Teilgutachten betreffend die Untersuchung vom 18. August 2015 nannte
Dr.
med.
M._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine Persönlichkeits
akzen
tuierung Z 73.1 und Symptome, die die Stimmung beeinflussen (Reizbarkeit, Wut, Ärger) R45.5 (Urk.
6/192/
104
)
.
Dr.
M._
führte aus, zusammenfassend ergäben sich in versicherungs
medi
zi
nischer Hinsicht keine relevanten Störungen der Aktivität und Partizipation in den wesentlichen Lebensbereichen. Anlässlich der psychiatrischen Untersuchung im Rahmen der aktuellen Begutachtung ergäben sich keine Hinweise für qua
litative oder quantitative Funktionseinschränkungen. Es bestehe ein
diffuses Beschwerdebild, welches vor allem durch psychosoziale und persönlichkeits
be
dingte Belastungsfaktoren geprägt sei.
Die Persönlichkeitsfaktoren und die Um
weltfaktoren spielten für die Entwicklung der vom Beschwerdeführer geschil
derten
subjektiven Beschwerden zwar eine gewisse Rolle, beeinträchtigten ihn jedoch nicht in seinen Fähigkeiten und führten daher nicht zu Auswirkungen bzw. deutlichen Beeinträchtigungen im Berufsleben. Die wesentlichen, für eine berufliche Tätigkeit erforderlichen Fähigkeiten seien nicht in massgeblicher Weise reduziert und somit nicht relevant. Die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der angestammten Tätigkeit sei nicht beeinträchtigt, dies gelte auch für eine ideal angepasste Verweistätigkeit. Dabei sollte der Beschwerdeführer nicht in einer un
ruhigen Umgebung mit permanentem Zeitdruck arbeiten müssen, was für ihn nur mit einem grösseren Aufwand zu bewältigen wäre. Ausserdem sei zu erwarten,
dass die persönlichkeitseigenen Verhaltensweisen stärker zu Tage treten und ra
sch zu Überforderung führen würden. Beim Beschwerdeführer scheine eine unan
gemessene Fixierung auf den Unfall im Jahr 1996 im Vordergrund zu stehen, basierend auf Erfahrungen bei bereits in der Kindheit und Jugend vorhandenen Verhaltensauffälligkeiten und Wünschen nach Entlastung, Versorgung und Sicherheit. Diese seien nicht immer als «neurotisch» und unbewusst aufzufassen, es handle sich dabei um «normalp
sychologische Phänomene» (Urk. 6/192/97
).
3.2.4
Im neuropsychologischen Teilgutachten führte
lic.
phil.
N._
, Fach
psychologe für Neuropsychologie FSP, aus, in der neuropsychologischen Teilbe
gutachtung vom 31. August 2015 hätten keine validen Resultate objektiviert werden können, denn es habe deutliche Hinweise darauf gegeben, dass die An
strengungsbereitschaft des Beschwerdeführers reduziert gewesen sei. Zwei gut standardisierte voneinander unabhängige Symptomvalidierungstests seien deut
lich auffällig gewesen. Sogenannte eingebettete Messwerte seien auffällig ge
wesen und verschiedene Testwerte seien untereinander in Widerspruch gestan
den. Das Testprofil sei mit der klinischen Beobachtung, den dokumentierten und den berichteten Fähigkeiten im Alltag im Widerspruch gestanden. Die Resultate seien mit dem neuropsychologischen Gutachten von 2011 vereinbar. Die Resul
tate seien weder mit einer psychischen Störung im Sinne einer Depression (weder die eingeschränkten Gebiete noch die Intensität der Defizite) noch mit den direkten Folgen der 1996 stattgehabten maximal leichten traumatischen Hirn
schädigung noch mit chronischen Schmerzen vereinbar. Ein Einfluss der Schmerzmedikation könne theoretisch nicht komplett ausgeschlossen werden, aber auch hier seien keine Einschränkungen einer derartigen Intensität oder einer derartigen Verteilung zu erwarten. Sie stünden auch im deutlichen Widerspruch zur eigenanamnestisch problemlosen regelmässigen Einnahme der Schmerzmedi
kation, der subjektiv grundsätzlich gegebenen Fahreignung und der professio
nellen Beschäftigung im eigenen Betrieb zu etwa 50 %.
Neuropsychologische Diagnosen könnten nicht gestellt werden
(Urk. 6/192/85 f.
).
3.2.5
In der interdisziplinären Zusammenfassung wurden keine Diagnosen mit Rele
vanz für die Arbeitsfähigkeit genannt. Als zum Unfallereignis vom 2. Mai 1996 unfallkausale Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit wurden die folgende genannt:
-
Status nach milder traumatischer Hirnverletzung (MTBI) ohne strukturelle Hirnschädigung und ohne
plausibilisierbare
neurologische Folgeschädi
gungen
-
mit
Contusio
capitis mit Rissquetschwunde parietal rechts ohne Fraktur
-
mit
Contusio
der HWS und LWS ohne traumatische Schädigungszeichen der Wirbelsäule und ohne neurologische Defizite
Als weitere Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit wurden die folgen
den erwähnt:
-
c
hronisch wiederkehrende
Zervikalgien
bei degenerativen HWS-Verän
derungen ohne radikuläre Reiz- oder Defizitsymptomatik
-
chronisch wiederkehrende Lumbalgien mit wiederkehrenden pseudoradi
kulären Ausstrahlungen bei degenerativen LWS-Veränderungen, ohne radikuläre Reiz- oder Defizitsymptomatik
-
leichte Funktionseinschränkung des linken OSG bei beginnender OSG-Arthrose links mit leichter Bewegungseinschränkung bei Status nach
bimalleolärer
Fraktur Typ C im Juni 1991
-
Senk-Spreizfuss
bds
-
Persönlichkeitsakzentuierung Z73.1
-
Symptome, die die Stimmung beeinflussen (Reizbarkeit, Wut, Ärger) R45.5
-
Neuropsychologische Diagnosen können nicht gestellt werden
-
Spannungskopfschmerz, möglicherweise mit
migränoiden
Anteilen (Krite
rien der Migräne nicht erfüllt)
-
St. n. Knalltrauma 2000 mit Tinnitus (nicht alltagsrelevant)
Der Beschwerdeführer arbeite idealerweise in einer körperlich leichten oder mittelschweren und nur gelegentlich schweren wechselbelastenden Tätigkeit zwischen Stehen, Gehen und Sitzen. Langanhaltende statische Belastungen der Wirbelsäule und langanhaltende Belastungen der Wirbelsäule ausserhalb der Kör
perachse sowie mehr als nur gelegentliches schweres körperliches Arbeiten soll
t
e
n
nicht mehr zugemutet werden. D
asselbe
gelte für langanhaltendes Arbei
ten im unebenen Gelände, insbesondere an Hängen oder Böschungen zur Berück
sich
tigung der bestehenden Funktionseinschränkung betreffend das linke Sprun
g
ge
lenk. Nicht mehr zugemutet werden sollten Tätigkeiten verbunden mit häu
figem Bück
en und Heben von Lasten über 25
kg. In Bezug auf das Fähigkeitsprofil aus psychiatrischer Sicht ergäben sich beim Beschwerdeführer in versiche
rungs
me
dizinischer Hinsicht
keine relevanten Störungen der Aktivität und Partizi
pation in den wesentlichen Lebensbereichen. Der Beschwerdeführer sei in seiner aktu
ellen Tätigkeit als Landschaftsgärtn
er zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 6/192/177
f.).
Die Frage, ob sich die Unfallfolgen seit 1. November 2006 verändert hätten,
wurde bejaht. Interdisziplinär sei zusammenfassend angesichts der aktuellen objek
tivierbaren medizinischen Sachverhalte, welche bei dem zum Unfall
zeit
punkt erst 26-jährigen, körperlich gut trainierten Beschwerdeführer schon initial allenfalls geringe somatische Beeinträchtigungen begründeten,
aus neurologischer und ortho
pädischer Sicht von einer vollen Restitution der unfallkausalen Gesund
heitsstörungen auszugehen.
Zwar seien nun degenerative Aspekte im Bereich der HWS und LWS feststellbar,
diese
begründeten
aber
nicht die geltend gemachte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Auch könne
keine versich
erungs-psychia
trisch relevante
Diagnose gestellt werden
, welche auch rückblickend die vom Beschwerdeführer beschriebenen Beschwerden und Einschränkungen plausibel erkläre. Es seien nur vorwiegend unspezifische Beschwerden und psychosoziale Belastungsfaktoren beschrieben worden. Es seien andererseits aber
Inkonsi
sten
zen feststellbar, speziell bei der neuropsychologischen Untersuchung i
m Jahr 2010, welche vergleichbar mit dem aktuellen neuropsychologischen Befund sei.
Interdisziplinär sei festzuhalten, dass keine versicherungsmedizinisch relevanten Gesundheitsstörungen mehr bestünden, welche Auswirkungen auf die aktuelle Tätigkeit (selbständig Erwerbender als Landschaftsgärtner) oder in einer leidens
angepassten Verweistätigkeit begründen könnten
(
Urk. 6/192/179
)
.
3.2.6
Kreisärztin
Dr.
med.
O._
, Fachärztin Chirurgie FMH, führte in ihrer Beurteilung 12. Februar 2018 gestützt auf die Untersuchung vom 9. Februar 2018 bezüglich des linken oberen Sprunggelenkes aus, vergleiche man die heute erho
benen Befunde mit der letzten kreisärztlichen Untersuchung von 2005, habe sich gesamthaft keine gravierende Veränderung ergeben. Die dokumentierte mässige OSG-Arthrose links mit Osteosynthese und Materialentfernung 1991 sei nach
vollziehbar und unfallkausal zum Unfall vom 16. Juni 199
1.
Aufgrund der mässigen posttraumatischen OSG-Arthrose bestehe bei einer wechselbelastenden Tätigkeit ohne Zwangsstörung für das linke obere Sprunggelenk eine ganztätige Arbeitsfähigkeit bei nur manchmal Treppensteigen, ohne Besteigen von Leitern und Gerüsten, ohne Gehen auf unebenem Gelände und ohne kniende und kau
ernde Tätigkeiten (Urk. 6/195/4-13).
3.2.7
RAD-Arzt
Dr.
P._
, Facharzt für Chirurgie, hielt in seiner Stel
lungnahme vom 10. September 2019 fest, es liege eine Änderung des Gesund
heitszustandes spätestens mit Erstellung des polydisziplinären Gutachtens der MEDAS
E._
vom
17. Dezember 2015 vor. Aus versicherungsmedizinischer Sicht bestehe spätestens ab Januar 2016 eine 100%
-
ige
Arbeitsfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit. Im Rahmen der kreisärztlichen Untersuchung vom 9. Februar 2018 sei die Arb
eitsfähigkeit hinsichtlich der O
SG-Arthrose in ange
passter Tätigkeit dokumentiert
(Urk. 6/237/9 f.)
.
4
.
4
.1
Das
interdisziplinäre Gutachten
der
MEDAS
E._
vom
17.
Dezember 2015
erfüllt
die von der Rechtsprechung verlangten Anforderungen an eine beweiskräftige Ent
scheidungsgrundlage
(vgl.
vorne
E.
1
.6
)
und vermag in seinen a
usführlich begrün
deten Schlussfolgerungen in allen Teilen zu überzeugen.
Überdies
sprechen sich die
Gutachter darüber aus, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesund
heits
zustandes stattgefunden hat.
Dasselbe gilt für die kreisärztliche Beurteilung vom 12.
Februar 2018.
Der Beschwerdeführer macht geltend,
d
as MEDAS
-Gutachten vom 17. Dezember 2015 sei für Zwecke der Unfallversicherung erstellt worden und sei für IV-Zwecke nicht brauchbar (Urk.
1 S.
5
).
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist es konstante Praxis, dass Inva
li
den- und Unfallversicherung auf die vom anderen Versicherer eingeholten medi
zinischen Berichte abstützen bzw. sich - wo notwendig - mit ergänzenden Fragen anschliessen und nur in jenen Fällen separate Abklärungen anordnen, in welchen spezifische Fragen des jeweiligen Versicherungsgebiets zu klären sind.
Auch
aus dem
Untersuchungsgrundsatz (Art.
43 Abs.
1 resp. Art.
61
lit
.
c ATSG) ergibt sich kein Anspruch auf separate Begutachtung; vielmehr ist der Versicherer infolge des Untersuchungsgrundsatzes gehalten, sämtliche vorhandenen medizinischen Berichte beizuziehen und nur dann zusätzliche Abklärungen anzuordnen, wenn sich aus den Akten der Sachverhalt für die zu prüfenden Fragen nicht hinreichend erstellen lässt (Urteil des Bun
desgerichts 8C_621/2013 vom 30.
Januar 2014 E.
5 in
fine
).
Demnach ist d
er
Sozialversicherungsträger befugt, ja sogar gehalten, auch nicht von ihm selber veranlasste ärztliche Berichte und Gutachten zu be
rücksichtigen, soweit diese zur Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhaltes beitragen können
(Urteil des Bundesgerichts 8C_15/
2015 vom 31.
März 2015 E.
6.4
).
Vorliegend
bestand
kein Anlass für die
IV-Stelle
, ein eigenes Gutachten anzu
ordnen, da sich in beiden Versicherungsb
ereichen in medizinischer Hinsicht
die
selben Fragen
stellten
(aktueller Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit sowie daraus
resultierende Invalidität
)
und sich die Gutachter auch zu den nicht unfall
kausalen Beeinträchtigungen und ihren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eingehend äusserten
.
Im Übrigen sind
von
weiteren medizinischen Abklärungen
auch
keine neuen Erkenntnisse zu erwarten,
weshalb
darauf verzichtet werden
kann
(antizipierte Beweiswürdigung: vgl. statt vieler BGE 124 V 90 E. 46)
.
4
.2
Aus dem Gutachten vom 17. Dezember 2015 geht hervor, dass sich der Ge
sund
heitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seit der
Renten
zu
sprache
wesentlich
verändert haben. Aus neurologischer und orthopädischer Sich
t
sei
von einer vollen Restitution der
zum Unfall vom 2. Mai 1996
unfall
kausalen Gesundheitsstörungen auszugehen
.
N
europsychologische Defizite, wie sie im Rah
men der
Rentenzusprache
angenommen worden waren, konnten nicht mehr festgestellt werden.
Es konnten auch keine relevanten psychiatri
schen Diag
nosen gestellt werden.
In psychiatrischer Hinsicht gelangte der Gutachter
unter Aus
klam
merung psychosozialer und
persönlichkeitsbedingte
r
Belastungsfaktoren zum Ergebnis, dass im Zeitpunkt der Begutachtung lediglich ein diffuses Be
schwer
debild bestand
, jedoch
k
ein
e
relevante Störung
– unabhängig zur Unfall
kausalität -
mit Krankheit
s
wert
festgestellt werden konnte und
die Arbeitsfähig
keit nicht beeinträchtigt war
.
Unter diesen Umständen kann von einer
Indika
torenprüfung
abgesehen
werden,
da im Rahmen der Begutachtung eine Arbeits
unfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wurde (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.3; BGE 143 V 418 E. 7.1, vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts 8C_825/2018 vom 6. März 2019 E. 8.3
).
Zudem wurden
im Rahmen der Begutachtung
diverse Inkon
sistenzen – insbesondere anlässlich der orthopädischen und der neuropsycho
lo
gischen Untersuchung - festgestellt. In der aktuellen Tätigkeit als Landschafts
gärt
ner attestierten die Gutachter dem Beschwerdeführer eine volle Arbeits
fähig
keit.
Gestützt auf das Gutachten ist somit davon auszugehen, dass sich die Be
schwerden spätestens im Zeitpunkt der Begutachtung wesentlich verbessert hab
en und insbesondere in ihrer Wirkung auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers an Bedeutung verloren haben. Wenn die Gutachter aufgrund der objektiven Befundlage nunmehr von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgehen, so liegt eine Verbesserung
des Gesundheitszustan
des
vor, welche revisions
recht
lich zu beachten ist. Daran ändert – entgegen der Auffassung des Be
schwer
deführers - nichts, dass das Gutachten auch neue Bewertungen enthält (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8
C
_248/2017 vom 24. Mai 2018 E. 4.2.3).
Demzufolge
ist von einer erheblichen Verbesserung des Gesundheitszustan
des und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
auszugehen. Entsprechend ist eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Da ein Revisionsgrund vorliegt, ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht
ex
nunc
et pro
futuro
umfassend zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen
; vgl. auch Urteil des Bun
desgerichts 9C_289/2018 vom 11.
Dezember 2018 E.
5
).
4.3
Aufgrund der medizinischen Aktenlage
ist mit dem Beweisgrad der überwie
gen
den Wahrscheinlichkeit erstellt, dass ab dem Zeitpunkt der Begutachtung
durch degenerative LWS- und HWS-Veränderungen eine leicht verminderte Rücken
belastbarkeit besteht
und das
Zumutba
r
keitsprofil
wie folgt lautet:
Idealerweise arbeitet der Beschwerdeführer in einer körperlich leichten oder mittelschweren und nur gelegentlich schweren wechselbelastenden Tätigkeit. Langanhaltende sta
tische Belastungen der Wirbelsäule und langanhaltende Belastungen der Wirbelsäule
ausserhalb
der Körperachse sowie mehr als nur gelegentliches schweres körperliches Arbeiten sind ihm nicht mehr
zumutbar.
Das gleiche
gilt
infolge bestehender Funktionseinschränkungen betreffend das linke
obere
Sprung
gelenk für langanhaltendes Arbeiten im unebenen Gelände, insbesondere an Hängen oder Böschungen.
Bei einer wechselbelastenden Tätigkeit ohne Zwangs
störung für das linke obere S
prunggelenk besteht eine ganztäg
ige Arbeitsfähig
keit bei nur manchmal Treppensteigen, ohne Besteigen von Leitern und Gerüsten, ohne Gehen auf unebenem Gelände und ohne kniende und kauernde Tätigkeiten.
Nicht mehr zumutbar sind
zudem
Tätigkeiten, welche mit häufigem Bücken und Heben von Lasten über 25 kg verbunden sind.
Im Ra
hmen
des Zumutbar
keits
profils besteht eine ganztägige Arbeitsfähigkeit ohne Leistungsminderung.
5.
5.1
Zu prüfen
ist weiter
, wie sich das verbesserte Leistungsvermögen des Be
schwer
deführers in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
5.2
Der Beschwerdeführer hat ursprünglich eine Lehre als Maurer abgeschlossen (1987-1990) und von 1993-1995 die Polierschule (ohne Abschluss) absolviert. Er war von 1990-1995 als Vorarbeiter/Polier bei der
Y._
AG und ab 1996 als Polier bei der
Z._
AG tätig. Ab 2003 arbeitete er als Landschaftsgärtner und war Mitinhaber von Firmen im Bereich Gartenbau. Gemäss seinen Angaben hat er diese Tätigkeit mit 100 % Präsenzzeit und 50 % Leistung ausgeübt. Er war ausserdem kantonaler Prüfungsexperte
im Bereich Garten-/Landschafts
garten
bau. Im Jahr 2015 hat er mit einem Kollegen eine neue Gartenbaufirma gegrün
det. Dort arbeitete er in einem
50%-Pensum. Bei dieser Arbeit führte er gemäss eigenen Angaben vorwiegend leichte Tätigkeiten aus (
Urk. 6/192/8
vgl.
auch
UV.2019.00240
Urk. 8/376).
5.3
Für die Ermittlung des Einkommens, das der Versicherte ohne Invalidität erzielen könnte (
Valideneinkommen
), ist entscheidend, was er im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunder tatsächlich verdient hätte.
Der Beschwerdeführer war ursprünglich als Maurer bzw. Polier
tätig. Aufgrund der Aktenlage ist anzu
neh
men, dass
seine
berufliche Neuorientierung (im Jahr 2003) im Bereich Gartenbau aus gesundheitlichen Gründen erfolgte. Somit ist davon auszugehen, dass er im Jahr 2018 ohne Unfall noch im Baugewerbe tätig wäre.
Da sich das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung realisierbare Einkommen
vor
liegend aufgrund
der tatsächlichen Verhältnisse nicht hinreichend genau bezif
fern lässt,
ist
dessen Bemessung anhand von Tabellenlöhnen nicht
zu bean
stan
den
. Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Ermittlung des
Validenein
kom
mens
somit zu Recht auf die Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE).
Die Durchschnittslöhne
gemäss
den Lohnerhebungen des Schwei
zerischen
Baumeisterverbandes sind – entgegen der Auffassung des Beschwer
deführers - nich
t
massgebend
, sondern es ist auf den Zentralwert (Median)
gemäss
LSE abzu
stellen.
Gemäss Tabelle TA1 (Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirt
schafts
zweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor), Ziffer 41-43 (Baugewerbe),
Kompetenzniveau 3
(komplexe praktische Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen), Männer,
der LSE 2016 (ver
öffentlicht am 16. Oktober 2018) beträgt das Einkommen
Fr.
7'356.-- pro Monat und Fr. 88'272.--. pro Jahr.
Angepasst an die im Jahr 201
6
betriebsübliche durch
schnittliche wöchentliche Arbeitszeit im
Hoch- und Tiefbau von 41.6
Stunden ergibt dies
Fr.
91'803.--
.
Unter Berücksichtigung der Entwicklung des Nominal
lohnindexes der Saläre für männliche Arbeitskräfte von 2239 Punkten im Jahr 2016 auf 2260 Punkte im Jahr 2018 resultiert ein
Valideneinkommen
von Fr.
92'664.-
-
.
5.4
Für die Ermittlung des Invalideneinkommens zog die Beschwerdegegnerin den
Lohn für Hilfsarbeiten (Tabelle TA1, Total, Kompetenzniveau 1)
heran, was ange
sichts des beruflichen Werdegangs des Beschwerdeführers nicht nachvollziehbar ist. So verfügt der Beschwerdeführer über eine abgeschlossene Berufsausbildung als Maurer und hat sich anschlie
ssend zum Polier weitergebildet
.
Zudem war er
im Gartenbau
unter anderem selbständig erwerbstätig
. Angesichts der abge
schlossenen Berufsausbildung, der Berufserfahrung in komplexen praktischen Tätigkeiten, der selbständigen Erwerbstätigkeit und der damit einhergehenden
Wahrnehmung von Führungsaufgaben sowie der ausgeübten Funktion als Prü
fungs
experte im Gartenbau erscheint
es angemessen,
Kompetenzniveau 3
heran
zuziehen
. Gemäss Tabelle TA1, Total, Kompetenzniveau 3, Männer der LSE 2016 beträgt das monatliche Einkommen Fr. 7'183.-- und das Jahreseinkommen Fr. 86’196.-
-. Angepasst an die im Jahr 2016
betriebsübliche durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden ergibt dies Fr. 89'859.--. Unter Be
rücksichtigung der Entwicklung des Nominallohnindexes der Saläre für männ
liche Arbeitskräfte von 2239 Punkten im Jahr 2016 auf 2260 Punkte im Jahr 2018 resultiert ein Bruttoeinkommen von Fr. 90'702.--. Es sind keine Anhalts
punkte ersichtlich, die einen leidensbedingten Abzug rechtfertigen würden, zumal das Kompetenzniveau 3 eine Vielzahl leichter Tätigkeiten enthält. Das Invali
den
einkommen beläuft sich somit auf Fr. 90'702.--.
5.5
Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr. 92'664.--
und einem Invalideneinkommen von Fr. 90’702.-- resultier
t eine Erwerbseinbusse von Fr. 1'962.--
,
was einem
ren
tenausschliessenden
Invaliditätsgrad von gerundet
2.1 %
entspricht.
Die Anpas
sung der Nominallöhne auf den Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (2020) führt infolge Parallelität zu keinem anderen Ergebnis.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer aufgrund
des langjährigen Renten
bezugs
seine Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung noch ver
werten kann.
6.2
Der Beschwerdeführer war
bei Erlass der rentenaufhebenden Verfügung
erst
49
Jahre alt, bezog aber seit
20
Jahren
und
rund
5
Monaten
(zur Anknüpfung an die Rentenberechtigung vgl.
BGE 139 V 442
E.
3 und 4)
eine halbe Invalidenrente. Damit fäll
t er
grundsätzlich
in die Kategorie jener versicherten Personen, die vor einer Rentenaufhebung Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen
haben
.
Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen ge
prüft, einen solchen aber verneint. Dies ist nicht zu beanstanden,
zumal
der Beschwerdeführer
über eine berufliche Ausbildung verfügt und
seit 2003
in angepasster Tätigkei
t
durchwegs
zu
50 % arbeits
tätig
war
. Somit
bestand
keine gänzliche
Absenz
vom
Erwerbsleben
.
D
er
Beschwerdeführer
war sogar in der Lage
, als
Mitinhaber von Firmen im Bereich Gartenbau
einer selbständigen Erwerbstätigkeit nachzugehen
.
Ausserdem
agierte
er
als
kantonaler Prüfungs
experte im Bereich Garten-/Landschaftsgartenbau
(vgl. vorne E.
5.2)
.
Damit
er
scheint er
hinreichend agil und gewandt
und im gesellschaftlichen Leben inte
griert
und er
kann
auf
eine
gefestigte berufliche Erfahrung zurückgreifen
(vgl. vorne
E.
1.5
)
,
was
für die
Integration
auf dem freien Arbeitsmarkt nutzbar ist
.
Unter diese
n Umständen
ist dem Beschwerdeführer trotz der während mehr als
20
Jahren ausge
richteten Rentenleistungen eine Selbsteingliederung zumutbar.
7.
Zusammenfassend erweist sich die angefochtene Verfügung im Ergebnis als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
8.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.