Decision ID: 6c365a14-8abc-4149-b6ea-a0141111629a
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- Am Sonntagabend, 12. Januar 2014, lenkte X um 21.40 Uhr einen Personenwagen
(Mazda, Modell 121) auf der Walenseestrasse in Richtung Sargans. Aufgrund seiner
langsamen Fahrweise fiel er einer Polizeipatrouille auf, welche ihn daraufhin
kontrollierte. Im Verlauf der technischen Überprüfung des Fahrzeugs stellten die
Polizeibeamten fest, dass der Rekurrent mit vereisten und beschlagenen
Fensterscheiben und demzufolge mit eingeschränkter Sicht gefahren war.
B.- Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts Uznach vom 20. März 2014 wurde X im
Zusammenhang mit dem Ereignis vom 12. Januar 2014 wegen Führens eines nicht
betriebssicheren und vorschriftsgemässen Fahrzeugs zu einer Busse von Fr. 500.–
verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Am 2. April 2014 eröffnete das Strassenverkehrsamt gegen X ein
Administrativmassnahmeverfahren und teilte ihm mit, die Fahrt mit komplett vereister
Frontscheibe und teilweise vereisten Seitenscheiben sei als schwere
Verkehrsregelverletzung zu qualifizieren. Gleichzeitig stellte es ihm den Entzug des
Führerausweises für die Dauer von drei Monaten in Aussicht. Dazu nahm X am 9. April
2014 Stellung und brachte im Wesentlichen vor, dass er es einsehe, einen groben
Fehler begangen zu haben. Ihm sei ebenfalls klar, dass eine Bestrafung seines
pflichtwidrigen Verhaltens unumgänglich sei. Dennoch sei er auf den Führerausweis im
Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit angewiesen und ohne diesen bestehe die Gefahr,
die Anstellung zu verlieren. Zu berücksichtigen sei auch, dass er einen ungetrübten
automobilistischen Leumund habe.
D.- Mit Verfügung vom 6. Mai 2014 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis für zwei Monate. Es ging nicht – wie ursprünglich angedroht – von einer
schweren, sondern in Übereinstimmung mit der strafrichterlichen Beurteilung des
Vorfalls von einer mittelschweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften aus. Dagegen liess X durch seinen Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 21. Mai 2014 (Datum des Poststempels) Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung
sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und die
Führerausweisentzugsdauer auf einen Monat herabzusetzen. Die Vorinstanz verzichtete
mit Schreiben vom 13. Juni 2014 auf eine Vernehmlassung.
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Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 21. Mai 2014 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- In tatsächlicher Hinsicht bestreitet der Rekurrent nicht, dass er am 12. Januar 2014,
um 21.40 Uhr, einen Personenwagen mit vereisten und beschlagenen Scheiben auf der
Walenseestrasse in Richtung Sargans lenkte. Im Rekurs wird angesichts der zentralen
Bedeutung der freien Sicht des Fahrzeuglenkers für die Verkehrssicherheit deshalb zu
Recht auch nicht geltend gemacht, Gefährdung und Verschulden seien lediglich gering
gewesen und es hätte deshalb gestützt auf Art. 16a Abs. 1 lit. a des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) eine Verwarnung
ausgesprochen werden müssen. Vielmehr anerkennt der Rekurrent das Vorliegen einer
mittelschweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften. Eine solche
liegt gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG vor, wenn der Fahrzeuglenker durch Verletzung
von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt
und sowohl Gefährdung als auch Verschulden weder gering noch schwer sind (vgl.
Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487; vgl. Urteile des Bundesgerichts [BGer] 2A.16/2006
vom 6. April 2006, 2A.58/2006 vom 9. Oktober 2006 und 6B_672/2008 vom 16. Januar
2009).
3.- Die Verwaltungsbehörde darf von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil nur
abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem
Strafrichter unbekannt waren oder wenn sie zusätzliche Beweise erhebt sowie wenn
der Strafrichter im konkreten Fall nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat. Sie hat
insbesondere dann auf die Tatsachen im Strafurteil abzustellen, wenn dieses im
ordentlichen Verfahren mit öffentlicher Verhandlung unter Anhörung von Parteien und
Einvernahme von Zeugen ergangen ist, es sei denn, es bestünden klare Anhaltspunkte
für die Unrichtigkeit dieser Tatsachenfeststellung (BGE 124 II 103 E. 1c/aa; 119 Ib 158
E. 3c/aa). Die Verwaltungsbehörde ist aber unter bestimmten Voraussetzungen auch an
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einen Strafentscheid gebunden, der in einem Strafbefehlsverfahren gefällt wurde,
selbst wenn er ausschliesslich auf einem Polizeirapport beruht. Dies gilt insbesondere
dann, wenn der Beschuldigte wusste oder angesichts der Schwere der ihm
vorgeworfenen Delikte voraussehen musste, dass gegen ihn ein
Führerausweisentzugsverfahren eröffnet würde. Unter diesen Umständen darf der
Betroffene nicht das Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen vorzubringen
und Beweisanträge zu stellen, sondern ist nach Treu und Glauben verpflichtet, dies
bereits im Rahmen des (summarischen) Strafverfahrens zu tun, sowie allenfalls die
nötigen Rechtsmittel zu ergreifen (BGE 123 II 97 E. 3c/aa; 121 II 214 E. 3a).
In Bezug auf die Rechtsanwendung ist die Verwaltungsbehörde grundsätzlich nicht an
die rechtliche Qualifikation des Sachverhalts durch das Strafurteil gebunden. Anders
kann es sich verhalten, wenn die rechtliche Würdigung sehr stark von der Würdigung
von Tatsachen abhängt, die der Strafrichter besser kennt als die Verwaltungsbehörde,
was etwa der Fall sein kann, wenn der Strafrichter den Betroffenen persönlich
einvernommen hat (BGE 124 II 103 E. 1c/bb; 119 Ib 158 E. 3c/bb, 104 Ib 358 E. 3), was
vorliegend nicht der Fall war.
a) Der Rekurrent lenkte sein Fahrzeug am Abend des 12. Januar 2014 auf der
Walenseestrasse in Richtung Sargans. Bei Fahrtantritt waren die Scheiben vereist und
beschlagen. Als er realisierte, dass die Scheibenwischer und die Heizung des
Fahrzeugs nicht wie vorgesehen für eine freie Sicht sorgten, verlangsamte er seine
Geschwindigkeit und hielt sein Fahrzeug bei nächster Gelegenheit an. Aufgrund der
langsamen Fahrweise fiel er einer Polizeipatrouille auf, die ihn kontrollierte. Aus dem
Strafbefehl des Untersuchungsamts Uznach vom 20. März 2014, welcher sich auf die
Darstellung im Polizeirapport der Kantonspolizei St. Gallen vom 16. Januar 2014 und
die darin protokollierten Aussagen des Rekurrenten im Anschluss an die Kontrolle
durch die Polizei stützt, geht hervor, dass dem Rekurrenten in tatsächlicher Hinsicht
Fahren mit komplett vereister Frontscheibe und mit teilweise vereisten Seitenscheiben
vorgeworfen wird. Entgegen den Ausführungen im Rekurs steht in den Akten nirgends,
dass die Seitenscheiben eingefroren gewesen seien. An die tatsächlichen
Feststellungen im Strafverfahren ist die Verwaltungsbehörde gebunden (vgl. oben).
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b) Zwar beruht der erlassene Strafbefehl allein auf dem Polizeirapport. Der Rekurrent
musste angesichts der Umstände – er wurde durch die Polizei auf die Mitteilung an das
Strassenverkehrsamt St. Gallen und das Untersuchungsamt Uznach hingewiesen und
im Verteiler der Bussenverfügung war auch das Strassenverkehrsamt aufgeführt –
jedoch mit einem Führerausweisentzugsverfahren rechnen. Unter diesen Umständen
war der Rekurrent nach Treu und Glauben verpflichtet, allfällige Einwände bereits im
Rahmen des (summarischen) Strafverfahrens geltend zu machen und allenfalls die
nötigen Rechtsmittel zu ergreifen (vgl. dazu BGE 123 II 97 E. 3c/aa). Davon sah er
indessen ab und liess den Strafbefehl unangefochten rechtskräftig werden.
Zu eigenen Sachverhaltserhebungen sind die Entzugsbehörden nur verpflichtet, wenn
klare Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Sachverhaltsfeststellungen im Strafurteil
unrichtig sind (vgl. BGer 6A.35/2004 vom 1. September 2004 E. 3.3 und 6A.68/2002
vom 26. Mai 2003 E. 2.1 mit Hinweisen auf BGE Ib 158 E. 3c/aa und 103 Ib 101 E. 2b).
Solche Anhaltspunkte liegen nicht vor.
4.- Im Rekurs ist nur die Entzugsdauer von zwei Monaten umstritten. Der Rekurrent
erachtet einen Monat als angemessen.
a) Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, die geltend gemachte
Sanktionsempfindlichkeit sei lediglich mittelschwer. Die Erhöhung auf zwei Monate
liege in erster Linie darin begründet, dass die Seitenscheiben ebenfalls vereist gewesen
seien. Damit sei die Sicht stark eingeschränkt gewesen und es sei dem Rekurrenten
nicht möglich gewesen, das gesamte Verkehrsgeschehen zu überblicken. Im Rekurs
wird dagegen vorgebracht, nachdem der Rekurrent die beschlagenen Scheiben
bemerkt habe, sei dieser mit offenen Seitenscheiben weitergefahren. Somit sei es ihm
möglich gewesen, das Verkehrsgeschehen auf der insgesamt zurückgelegten, 300 bis
400 Meter langen Strecke bis zur nächsten Haltemöglichkeit zu überblicken. Die vom
Rekurrenten ausgegangene Gefahr sei nur klein gewesen. Namentlich sei die fragliche
Fahrt am Sonntagabend gewesen, als kein oder nur ein geringes Verkehrsaufkommen
geherrscht habe. Eine Gefahr habe nicht bestanden, da die Strasse auf der linken Seite
an die Bahngeleise und auf der rechten Seite an einen Wald angrenze. Überdies könne
er trotz einer jährlichen Fahrleistung von über 50'000 km einen ungetrübten
automobilistischen Leumund vorweisen. Er sei beruflich darauf angewiesen, da er rund
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80 % seiner Arbeitszeit mit dem Auto unterwegs sei und Kunden in der ganzen
Schweiz betreue. Es sei auch nicht möglich, die Aufgaben des Rekurrenten auf einen
anderen Mitarbeiter zu übertragen oder ihm einen Fahrer zur Seite zu stellen, da dafür
der Personalbestand des Unternehmens zu klein sei.
b) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Sie beträgt gemäss
Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG nach einer mittelschweren Widerhandlung einen Monat.
c) Aufgrund des Zustandes der Scheiben (komplett vereiste Frontscheibe, teilweise
vereiste Seitenscheiben) war die Sicht für den Fahrzeuglenker massiv eingeschränkt.
Entsprechend bestand eine hohe Unfallgefahr. Der Rekurrent hatte keine freie Sicht auf
die Strasse; daran würde nichts ändern, selbst wenn er mit offenem Seitenfenster
gefahren wäre. Dieses Vorbringen wurde erstmals im Rekurs vorgetragen. Im
Polizeirapport, im Strafbefehl und in der Stellungnahme des Rekurrenten vom 9. April
2014 fehlt ein Hinweis auf eine geöffnete Seitenscheibe während der Fahrt, weshalb es
sich hierbei ohnehin um eine Schutzbehauptung handelt. Die Gefahr eines Unfalls lag
umso näher, weil es dunkel war. Zwar trifft zu, dass die Fahrt am Sonntagabend um
21.40 Uhr erfolgte, als das Verkehrsaufkommen gering war. Zu berücksichtigen ist
auch, dass der Rekurrent die Geschwindigkeit reduziert hatte, was letztlich dazu führte,
dass er einer Polizeipatrouille auffiel und kontrolliert wurde (vgl. BGer 6A.16/2006 vom
6. April 2006 E. 2.2.1). Die Fahrstrecke mit massiver Sichteinschränkung war zudem
kurz und er hielt bei der ersten Gelegenheit. Trotzdem war die Gefährdung nicht mehr
gering. Auf der anderen Seite ging die Vorinstanz aufgrund der konkreten Umstände zu
Recht nicht von einer schweren Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG aus.
Eine solche begeht, wer durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt.
d) Bei der Beurteilung des Verschuldens ist von Art. 29 Abs. 1 Satz 1 SVG auszugehen,
wonach Fahrzeuge nur in betriebssicherem und vorschriftsgemässem Zustand
verkehren dürfen. Gemäss Art. 57 Abs. 1 Satz 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR
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741.11, abgekürzt: VRV) hat sich der Führer zu vergewissern, dass das Fahrzeug in
vorschriftsgemässem Zustand ist. Insbesondere müssen nach Art. 57 Abs. 2 Satz 1
VRV die Scheiben sauber gehalten werden. Gegen diese Bestimmung verstösst
beispielsweise, wer mit vereister oder beschlagener Windschutz- und schneebedeckter
Heckscheibe fährt (vgl. R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Band I: Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln,
2. Aufl. 2002, Rz. 474). Auf die für die Verkehrssicherheit zentrale Bedeutung der guten
Sicht weist auch Art. 71 Abs. 4 Satz 2 der Verordnung über die technischen
Anforderungen an Strassenfahrzeuge (SR 741.41, abgekürzt: VTS) hin, wonach
Scheiben, die für die Sicht des Führers oder der Führerin nötig sind, eine klare,
verzerrungsfreie Durchsicht gestatten müssen. Indem es der Rekurrent unterliess, die
Scheiben zu enteisen und zu säubern, hat er zumindest fahrlässig eine beträchtlich
erhöhte Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer in Kauf genommen und eine
elementare Verkehrsregel verletzt. Dem Einvernahmeprotokoll der Polizei ist zu
entnehmen, dass der Rekurrent davon ausging, die Scheiben mit Hilfe der
Scheibenwischer und der Lüftung innerhalb kurzer Zeit enteisen und säubern zu
können. Dies gelang ihm aber nicht. Diese Fehleinschätzung liegt deshalb an der
Grenze zum grobfahrlässigen und damit rücksichtslosen Verhalten, das als schweres
Verschulden einzustufen ist. Die Schwere von Gefährdung und Verschulden rechtfertigt
damit eine Erhöhung der Mindestentzugsdauer.
e) Verweigerungen, Entzüge und Aberkennungen von Lernfahr-, Führer- oder
Fahrlehrerausweisen sowie Fahrverbote werden nicht mehr bereits nach fünf, sondern
erst nach zehn Jahren nach ihrem Ablauf oder ihrer Aufhebung und lediglich andere
Massnahmen fünf Jahre nach Eintreten der Rechtskraft aus dem ADMAS entfernt
(vgl. Art. 104b Abs. 6 lit. b SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 1 der Verordnung über
das automatisierte Administrativmassnahmen-Register; ADMAS-Register-Verordnung,
SR 741.55). Diese Praxis und die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur
Strafzumessung, nach welcher die Vorstrafenlosigkeit als Normalfall gilt und neutral zu
behandeln, also nicht zwingend strafmindernd zu berücksichtigen ist (vgl. BGE 136 IV 1
E. 2.6.4), rechtfertigen es, einen automobilistischen Leumund, der noch nicht seit mehr
als zehn Jahren ungetrübt erscheint, grundsätzlich nicht massnahmemindernd zu
berücksichtigen.
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Der Rekurrent ist zwar im ADMAS nicht verzeichnet. Dies zieht allerdings keine
Reduktion der Entzugsdauer nach sich, da er den Führerausweis erst seit 2009 besitzt
und damit im Zeitpunkt der Widerhandlung noch nicht über einen seit zehn oder mehr
Jahren ungetrübten automobilistischen Leumund verfügte.
f) Bei der beruflichen Notwendigkeit, ein Fahrzeug zu führen, ist dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit Rechnung zu tragen und deshalb zu berücksichtigen, in welchem
Mass ein Fahrzeugführer stärker als der normale Fahrer vom Führerausweisentzug
betroffen ist. Im Einzelfall ist daher zu bestimmen, in welchem Grad der Betroffene auf
den Führerausweis angewiesen ist. Ob und wie weit eine berufliche Angewiesenheit
schliesslich für sich allein oder zusammen mit anderen Beurteilungsmerkmalen (z.B.
einem getrübten automobilistischen Leumund) zu einer Herabsetzung der
Entzugsdauer führt, ist erst im Rahmen einer Gesamtbeurteilung aller wesentlichen
Elemente zu prüfen (vgl. BGE 123 II 572 E. 2c). Eine berufliche Notwendigkeit, ein
Fahrzeug zu führen, wird nach der Praxis des Bundesgerichts grundsätzlich nur
angenommen, wenn die Ausübung des Berufs durch den Führerausweisentzug
materiell verboten wird, wie dies z.B. bei einem Berufschauffeur der Fall ist, der für die
Fahrdienste entschädigt wird. Dasselbe gilt, wenn die Unmöglichkeit, ein Fahrzeug zu
führen, einen solchen Einkommensverlust oder so beachtliche Kosten verursachen
würde, dass diese Massnahme offensichtlich als unverhältnismässig erscheint (Praxis
79/1990 Nr. 150).
Der Rekurrent wohnt in Walenstadt und ist als Servicetechniker bei einem
Unternehmen im Raum Werdenberg tätig. Die Arbeitgeberin bestätigt, dass er für seine
Tätigkeit auf ein Motorfahrzeug angewiesen sei; er lege jährlich für das Geschäft rund
50'000 km zurück. Zudem müsse er im Rahmen eines Pikettdienstes 24 Stunden
erreichbar und einsatzbereit sein. Auch wenn dem Rekurrenten mit einem
Führerausweisentzug die Ausübung seines Berufs nicht verboten wird und damit auch
nicht ein Einkommensverlust oder so beachtliche Kosten anfallen würden, dass diese
Massnahme offensichtlich als unverhältnismässig erscheint, ist von einer im Vergleich
zu anderen Automobilisten, die mit dem Fahrzeug zur Arbeit fahren, erhöhten
Sanktionsempfindlichkeit auszugehen. Dies bewirkt eine Minderung der Entzugsdauer.
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Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungskriterien, insbesondere der
Schwere von Gefährdung und Verschulden und der erhöhten Sanktionsempfindlichkeit
erscheint die von der Vorinstanz verfügte Entzugsdauer von zwei Monaten als
angemessen. Insbesondere erscheint verhältnismässig, nicht nur die
Mindestentzugsdauer von einem Monat zu verhängen.
5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– ist
angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen. Bei diesem Verfahrensausgang
besteht kein Anspruch auf Entschädigung der ausseramtlichen Kosten (vgl. Art. 98
und 98 VRP; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 182 ff.).