Decision ID: d7d1c943-1704-4c17-9a45-e78f1be402b7
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
ist als Gesellschafterin und Geschäftsführerin der
Y._
GmbH im Handelsregister eingetragen (
Urk.
9/53). Am 1
3.
August 2020 (Eingangs
da
tum) meldete sie sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, für den Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung gestützt auf
die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit
dem
Coronavirus
(
Covid
-19;
Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall) an (Urk.
9/52
)
. Die Ausgleichskasse verneinte mit Verfügung vom 1
9.
August 2020 einen An
spruch
von
X._
auf Ausrichtu
ng einer Erwerbsausfallentschädigung (
Urk.
9/54).
Die dagegen von
X._
mit Eingabe vom 2
4.
Aug
ust 2020
erhobene
Einsprache (
Urk.
9/55)
wies die Ausgleichskasse mit
Einspracheent
scheid vom 2
6.
November 2020 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 1
5.
Dezember 2020 bei der Aus
gleichskasse Beschwerde (
Urk.
1). Die Ausg
l
eichskasse überwies die Beschwerde mit Schreiben vom 1
5.
Januar 2021 ans hiesige Gericht (
Urk.
4). In der Folge wurde
der Beschwerdegegnerin
Frist zur Beschwerdeantwort angesetzt (
Urk.
6
).
Diese beantragte m
it Beschwerdeantwort vom 1
7.
Februar 2021
die Abweisung d
er Beschwerde (
Urk.
8), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
8.
Febru
ar 2021 angezeigt wurde (
Urk.
10).
3.
Auf
die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der na
chfolgenden Erwägungen eingegang
en
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
185
Abs.
3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Verord
nungen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohenden schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf [maximal] sechs Monate, vgl.
Art.
7d
Abs.
2 lit. a des Regierungs- und Verwal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützen - am 2
0.
März 2020 die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall. Die Verordnung wurde rückwirkend per 1
7.
März 2020 in Kraft gesetzt und der Geltungszeitraum bis zum 1
6.
September 2020 befristet (
Art.
11
Abs.
2). Während dieses Geltungszeitraums erfuhr die Verordnung am 2
3.
April und
6.
Juli 2020 je eine Änderung, bevor der Geltungszeitraum zunächst bis am 3
1.
Dezember 2021 verlängert (
Art.
11
Abs.
4) und in der Folge auf den 3
0.
Juni 2021 befristet wurde (
Art.
11
Abs.
5). Mit dem Bundesgesetz über die gesetzlichen Grundlagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der
Covid-19-Epidemie vom 2
5.
September 2020 (Covid-19-Gesetz) wurde rückwir
kend
per 1
7.
September 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Ver
ord
nung Erwerbsausfall geschaffen (
Art.
15 in Verbindung mit
Art.
21
Abs.
3 Covid-19-Gesetz).
1.2
Nach Art. 2 Abs. 3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
in der bis am
16.
Septem
ber 2020 gü
ltig gewesenen
Fassung
waren
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG)
,
wenn sie nicht bereits gestützt auf
Abs.
3 desselben Artikels einen Anspruch auf eine Entschädigung ha
tt
en
,
anspruchsberechtigt, wenn sie aufgrund der
bundesrätlichen
Massnahmen
zur Bekämpfung des
Coronavirus
einen Erwerbsausfall
erlitten
und ihr für die Bemessung der Beiträge der
Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHV)
massgebendes
Einkommen für das Jahr 2019 zwischen Fr
. 10‘000.-- und Fr. 90‘000.-- lag
(sogenannte Härtefall
regelung)
.
Laut Art. 2 Abs. 3
ter
Covi
d-19-Verordnung Erwerbsausfall
in der bis
am
1
6.
September 2020 gültig
gewesenen
Fassung
waren
Personen nach
Art.
31 Abs.
3
Buchstaben b und c des Bundesgesetzes über
die obligatorische Arbeits
losen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG), die im Veranstal
tungs
bereich tätig sind, anspruchsberechtigt, sofern sie die Einkommens
voraus
set
z
ungen gemäss Absatz 3
bis
erfüll
t
en und in der
AHV
obligatorisch versichert
waren
.
1.3
1.3.1
Nach
Art.
2
Abs.
3
Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall
in
der am
4.
November 2020 rückwirkend per
1
7.
September 2020
in Kraft gesetzten
Fassung
sind
Selb
ständig
erwerbende
im Sinne von
Art.
12 ATSG und Personen nach
Art.
31
Abs.
3 Buchstaben b und c AVIG
, welche im Sinne des
Bundesgesetzes über die
AHV
(AHVG)
obligatorisch versichert sind,
anspruchsberechtigt,
wenn sie:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behö
rdlich angeordneten Massnah
men
zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie unterbrechen müssen; und
b.
einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden
.
1.3.2
Gemäss
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnun
g Erwerbsausfall
i
n der am 4.
Novem
ber 2020 rückwirkend per 1
7.
September 2020 in Kraft gesetzten Fassung
sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von
Art.
12 ATSG und Personen nach
Art.
31
Abs.
3 Buchstaben b und c
AVIG
,
welche im Sinne des AHVG obli
gatorisch versichert sind,
anspruchsberechtigt, wenn:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behö
rdlich angeordneten Mass
nahmen
zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b.
s
ie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; un
d
c.
sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AH
V-pflichtiges Erwerbsein
kommen
von mindestens
Fr. 10'000.--
erzielt haben; diese Voraussetzung
gilt sinngemäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurd
e; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen
Jahres ausgeübt, so gilt diese
Voraussetzung proportional zu deren D
auer
.
1.4
Unter Art. 31 Abs. 3
Buchstaben
b und c
AVIG
fallen mit
arbeitende Ehegatten des Arbeit
gebers und P
ersonen, die in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers bestimmen oder massgeblich beeinflussen können, sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten
.
2.
2.1
Die Beschwerdege
gnerin erklärte zur Begründung i
hres Entscheides im Wesent
lichen (
Urk.
2),
ein Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf eine Corona-Erwerbs
ersatzentschädigung setze voraus, dass das AHV-pflichtige Einkommen für das Jahr 2019 zwischen
Fr.
10'000.
--
und
Fr.
90'000.
--
gelegen habe.
Die Beschwer
deführerin habe für das Jahr 2019 ein Einkommen
von
Fr. 91’00
0.
--
deklariert. Sie
habe deshalb keinen Anspruch auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung
.
2.2
Die Beschwerdeführerin wendete dagegen ein
(
Urk.
1), ihr
ausbezahlter
Lohn habe sich im Jahr 2019 auf Fr. 60'000.
--
belaufen.
Sie habe zunächst einen Lohn von mehr als Fr. 90'000.-- deklariert,
da
das
Jahr 2019 ein sehr gutes Geschäftsjahr
gewesen sei
. Die definitiven Lohnauszahlungen seien
jedoch
immer nach Ab
schluss des Geschäftsjahres angepasst und ausbezahlt worden.
Da mit
der Corona-Pandemie von einem Tag auf den anderen ihr ganze
s
Einkommen weggebrochen
sei
und alle Veranstaltungen abgesagt worden sei
e
n, sei auch der Geschäftsab
schluss angepasst worden. Es sei bis heute nur das Minimum an Lohn ausbezahlt worden, damit sie ihren privaten Verpflichtungen nachkommen könne. E
s
könne also in keiner Weise von einer nachträglichen Anpassung nach März 2020 gesprochen werden, da das Geld zu keinem Zeitpunkt ausbezahlt worden sei.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin
hat
im angefochte
nen Einspracheentscheid vom 26.
November 2020 (
Urk.
2)
lediglich einen Anspruch der Beschwerdeführerin
auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung
für die Zeit
bis 1
6.
September 2020 geprüft. Dies
erweist sich als rechtens. Für einen
(erneut
en
) Leistungsbezug nach dem 1
7.
September 2020
war nämlich
eine neue Anmeldung
bei der Beschwer
degegnerin
erforderlich (vgl.
Art.
7
Abs.
1
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsaus
fall in der mit Wirkung ab 1
7.
September 2020 gültigen Fassung,
Kreisschreiben über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des
Cor
onavirus
- Corona-Erwerbsersatz,
KS
CE
,
in den ab 1
7.
September 2020 gültigen Fassungen Rz. 1001.
2 f.
).
Die
Beschwerdeführerin
hat sich
jedoch
erst nach Erlass des an
gefochtenen Einspracheentscheides zum Bezug von Leistungen für die Zeit a
b 1
7.
September 2020 angemeldet
(
Urk.
9/68;
Urk.
9/70,
Urk.
9/74
)
, weshalb die Beschwerdeführerin noch gar nicht
über einen Anspruch ab dem 17.
September 2020 entscheiden konnte.
3.2
Die Beschwerdeführerin ist Gesellschafterin und Geschäftsführerin der
Y._
GmbH (
Urk.
9/53) und somit eine Person im Sinne von
Art.
31
Abs.
3 Buchstabe c
AVIG.
Hinsichtlich
eines
Anspruchs der Beschwerdeführerin gestützt auf
Art.
2
Abs.
3
ter
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
in der bis 1
6.
September 2020 gültig gewesenen Fassung
ist zwischen den P
a
rteien strittig, ob
das
für die
Bemes
sung der Beiträge der AHV
massgebende Einkommen
der Beschwerdeführerin
für das Jahr 2019
zwischen Fr. 10'000.
--
und Fr. 90'000.
--
lag
(vgl. E. 2)
.
Die
Y._
GmbH hielt mit
Lohndeklaration vom
1.
Februar 2020
zu Händen der Beschwerdegegnerin
für
die Beschwerdeführerin für das Jahr 2019 einen
AHV-pflichtigen
Lohn von Fr. 91’000.
-- fest
(
Urk.
9
/47). Mit ihrer
Anmeldung zum Leistungsbezug (
Urk.
9/52)
reichte
die Beschwerdeführerin
der
Beschwerde
geg
nerin hingegen
einen mit 3
0.
Juli 2020 datierten Lohnausweis für das Jahr 2019 ein, gemäss welchem sie
lediglich
ein Einkommen von Fr. 89'600.
--
erzielt
e
(
Urk.
9/
53/2
).
Denselben Lohn meldete die
Y._
GmbH der Beschwerdegeg
nerin mit Formular vom 2
1.
August 2020
(
Urk.
9/56/2-3).
Die Beschwerde
geg
nerin hat
das mit Lohndeklaration vom 1.
Februar 2020 gemeldete Einkommen
von
Fr. 91'000.--
als massgebend erachtet. Dies erweist sich als rechtens,
was sich bereits
aus
Art.
36
Abs.
2
der Verordnung über die
AHV
(AHVV)
ergibt,
gemäss
welchem Arbeitgeber verpflichtet sind, die Löhne innert 30 Tagen nach Ablauf der Abrechnungsperiode abzurechnen.
Aus dem Lohnausweis
vom 3
0.
Juli 2020
(
Urk.
9/53/2
) u
nd der Korrektur der Lohndeklar
ation vom 21.
August
(Urk.
9/56/2-3) kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten
, legt sie doch
in keiner Weise dar, weshalb
durch
die
Y._
GmbH bzw.
sie
selber
kurz nach Inkrafttreten von
Art. 2 Abs. 3
ter
Covi
d-19-Verordnung Erwerbsausfall
in der bis
am
1
6. September 2020 gültig gewesenen Fassung
die
minimale Kor
rektur des Lohnes
2019
von Fr. 91‘000.-- auf Fr. 89‘600.
--
v
orgenommen wurde,
mit welcher
ein
Einhalten der Einkommensgrenze v
on Fr. 90‘000.--
ermöglich
t
worden wäre
(vgl.
Art. 2 Abs. 3
ter
Covi
d-19-Verordnung Erwerbsausfall
in der bis
am
1
6. September 2020 gültig gewesenen Fassung
in Verbindung
mit
Abs.
3
bis
der
selben Bestimmung)
. Aus
der
Beschwerde ergibt sich jedenfalls nic
hts, was diese Anpassung erklär
en könnte. Vielmehr stellte die Beschwerdeführerin
mit ihrer Beschwerde
den im Lohnausweis
und den Lohndeklarationen angegebenen Lohn infrage, machte
sie
beschwerdeweise
doch
geltend, dass sie für das Jahr 2019
lediglich einen Lohn von Fr. 60‘000.
-- bezogen
habe
(
Urk.
1,
Urk.
3/1).
Die von der Beschwerdeführerin gemachten Angaben erweisen sich
nach dem Gesagten
als
nicht nachvollziehbar bzw.
w
idersprüchlich
und
lassen
darauf
schliessen
,
dass die im Sommer 2020 vorgenommen
e
Lohnanpassung
von
Fr. 91'000.-- auf Fr. 89‘600.--
einzig bezweckte, maximale Leistungen der Beschwerdegegnerin zu erwirken.
Es
erweist sich
daher als
rechtens,
dass die Beschwerdegegnerin den innert der Frist
gemäss
Art.
36
Abs.
2 AHVV gemeldeten Lohn
von Fr. 91‘0000.--
als
massgebend
erachtete und
einen Anspruch der Beschwer
deführerin auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung für die Zeit bis 1
6.
September 2020 verneint hat.
Die Beschwerde
ist
demzufo
lge unbegründet und abzuweisen.
Anzufügen bleibt, dass die Beschwerdegegnerin noch über den Anspruch der Beschwerdeführerin
auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung für die Zeit
ab 1
7.
September 2020 zu entscheiden hat (vgl.
Urk.
9/68,
Urk.
9/70,
Urk.
9/74).