Decision ID: e21ab3c7-d806-4ffa-bbed-eb959b13e15b
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Michael Nonn, SwissLegal asg.advocati,
Kreuzackerstrasse 9, 9000 St. Gallen,
gegen
Ausgleichskasse Gewerbe St. Gallen, Lindenstrasse 137, Postfach 245, 9016 St.
Gallen,
Beschwerdegegnerin,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
betreffend
persönliche Beiträge 2011
Sachverhalt:
A.
A._ ist als selbstständig Erwerbender der Ausgleichskasse Gewerbe St. Gallen
angeschlossen. Mit Beitragsverfügung vom 27. Dezember 2012 setzte diese die
persönlichen Beiträge des Versicherten für die Beitragsperiode 2011 auf Fr. 16'185.--
(inkl. Verwaltungskosten) fest. Dabei ging sie von einem beitragspflichtigen Einkommen
von Fr. 165'200.-- aus (act. G 5.1/2). Die dagegen erhobene Einsprache des
Versicherten - er habe mit seinen Angestellten eine "Nettolohnvereinbarung", weshalb
auch seine persönlichen Beiträge an die berufliche Vorsorge im vollen Umfang von
Fr. 18'092.-- und nicht nur zur Hälfte abzugsfähig seien (act. G 5.1/3) - wies die
Ausgleichskasse mit Entscheid vom 6. März 2013 ab. Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung könnten nur 50 % der BVG-Beiträge wie auch der Einkäufe vom
Einkommen in Abzug gebracht werden (act. G 1.1).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
17. April 2013 mit den Anträgen, der angefochtene Einspracheentscheid sei
aufzuheben und das beitragspflichtige Einkommen sei um 9'046.-- auf Fr. 156'154.--
zu reduzieren. Der Beschwerdeführer habe im Steuerjahr 2011 zusätzlich zu den
ordentlichen BVG-Beiträgen von Fr. 18'092.-- einen Einkauf in fehlende Beitragsjahre
von Fr. 30'000.-- vorgenommen. Er übernehme auch die gesamten
Sozialversicherungsbeiträge seiner Angestellten, mithin sowohl Arbeitgeber- als auch
Arbeitnehmerbeiträge. Gemäss gesetzlicher Regelung und bundesgerichtlicher
Rechtsprechung seien selbstständig Erwerbende befugt, den "üblichen
Arbeitgeberanteil" bei der Ermittlung des ahv-pflichtigen Einkommens in Abzug zu
bringen. Dies entspreche nicht dem, was der Durchschnitt der Arbeitgeber an
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beitragsanteilen für das Personal übernehme, sondern dem Beitragsanteil, den der
betreffende selbstständig Erwerbende auch für seine Arbeitnehmer übernehme. Somit
seien seine persönlichen ordentlichen Beiträge weiterhin vollumfänglich vom
beitragspflichtigen Einkommen zum Abzug zuzulassen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 24. Juni 2013 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Gemäss BGE 136 V 16 könnten selbstständig Erwerbende maximal
50 % der persönlichen Einlagen vom rohen Einkommen nach Art. 9 Abs. 2 lit. e AHVG
abziehen, ohne dass es darauf ankäme, ob sie auf Grund statutarischer oder
reglementarischer Verpflichtung mehr als 50 % der gesamten Beiträge der
Arbeitnehmer übernähmen und/oder sich am Einkauf von Beitragsjahren beteiligten
(act. G 5).
B.c Mit Replik vom 29. November 2013 macht der Beschwerdeführer geltend, gemäss
Lehre und langjähriger Rechtsprechung sei der "übliche Arbeitgeberanteil" im
jeweiligen Einzelfall zu ermitteln. Dies entspreche dem Beitragsteil, den der betreffende
selbstständig Erwerbende auch für seine Arbeitnehmer übernehme. Entgegen der
widersprüchlichen Wortwahl in BGE 136 V 16 beziehe sich dieser Entscheid auf die
Abzugsfähigkeit von Beiträgen für fehlende Beitragsjahre. Die ordentlichen Beiträge
seien dagegen nicht tangiert. Nachdem der Beschwerdeführer 100 % der
Arbeitnehmerbeiträge übernehme, sei dieser befugt, 100 % seiner ordentlichen
Beiträge vom Roheinkommen abzuziehen (act. G 13). Die Beschwerdegegnerin hält
unter Verzicht auf eine materielle Duplik an ihren Anträgen fest (act. G 15).

Erwägungen:
1.
Als massgebender Lohn gilt jedes Entgelt für in unselbstständiger Stellung auf
bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit (Art. 5 Abs. 2 erster Satz AHVG).
Nicht zum massgebenden Lohn gehören unter anderem reglementarische Beiträge des
Arbeitgebers an Vorsorgeeinrichtungen, welche die Voraussetzungen der
Steuerbefreiung nach dem DBG erfüllen (Art. 8 lit. a AHVV in Verbindung mit Art. 5 Abs.
4 AHVG). Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit ist jedes
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Erwerbseinkommen, das nicht Entgelt für in unselbstständiger Stellung geleistete
Arbeit darstellt (Art. 9 Abs. 1 AHVG). Es wird ermittelt, indem vom hierdurch erzielten
rohen Einkommen unter anderem die persönlichen Einlagen in Einrichtungen der
beruflichen Vorsorge abgezogen werden, soweit sie dem üblichen Arbeitgeberanteil
entsprechen (Art. 9 Abs. 2 lit. e AHVG). Für die Ausscheidung und das Ausmass der
nach Art. 9 Abs. 2 lit. a-e AHVG zulässigen Abzüge vom rohen Einkommen sind die
Vorschriften über die direkte Bundessteuer massgebend (Art. 18 Abs. 1 AHVV).
Gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. d DBG werden die gemäss Gesetz, Statuten oder Reglement
geleisteten Einlagen, Prämien und Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung und an die Einrichtungen der beruflichen Vorsorge von den
Einkünften abgezogen.
2.
2.1 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2011 laufende
BVG-Beiträge in Höhe von Fr. 18'092.-- sowie eine Einkaufssumme von Fr. 30'000.--
an die Pensionskasse des Schweizerischen Anwaltsverbandes geleistet hat
(Bescheinigung über Vorsorgebeiträge vom 13. Februar 2012 [act. G 5.1/5]). Im
Weiteren ist unbestritten, dass die Einkaufssumme nur im Umfang von 50 %
abzugsfähig ist. Umstritten ist demgegenüber, ob die ordentlichen Beiträge zu 100 %
abzugsfähig sind. Der Beschwerdeführer beantragt demgemäss, das beitragspflichtige
Einkommen um Fr. 9'046.-- von Fr. 165'200.-- auf Fr. 156'154.-- zu reduzieren. Er
beruft sich dabei im Wesentlichen auf BGE 132 V 209 E. 2.3 und 4.2, weil daraus
hervorgehe, dass der "übliche Arbeitgeberanteil" nicht davon abhänge, was der
Durchschnitt der Arbeitgeber für ihr Personal an Beitragsanteilen übernehme, sondern
einzig davon, was im konkreten Fall der jeweilige Arbeitgeber für sein Personal bezahle.
Daran ändere auch BGE 136 V 16 nichts, stelle dieses Urteil doch keine
Praxisänderung sondern lediglich eine "Verdeutlichung" dar. Zudem betreffe dieses
Urteil nur die Abzugsfähigkeit von Beiträgen fehlender Beitragsjahre (Einkäufe), nicht
aber jene der ordentlichen Beiträge.
2.2 Dem ist zunächst entgegen zu halten, dass BGE 132 V 209 vorliegend nicht
einschlägig ist, hat doch das Bundesgericht in diesem Urteil entschieden, dass Rz
1104 (heute: 1114) WSN, wonach selbstständig Erwerbende ohne Arbeitnehmer analog
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zu Art. 66 Abs. 1 BVG maximal 50 % der Beiträge abziehen können, gesetzeskonform
ist (E. 5 und 6). Bei der vom Rechtsvertreter zitierten Erwägung 2.3 (Beschwerde, S. 4)
handelt es sich lediglich um den damals zu beurteilenden Wortlaut von Rz 1103 und
1104 WSN (E. 2.3). In Erwägung 4.2 stellte das Bundesgericht im Wesentlichen fest,
dass bei selbstständig Erwerbenden ohne Arbeitnehmenden ein Vergleich mit letzteren
nicht möglich sei, weshalb es sich rechtfertige, von einem 50 %-igen Abzug
auszugehen. Das Bundesgericht stellte zwar in BGE 136 V 16 fest, dass eine
regelbildende Quantifizierung des - einen 50 % übersteigenden Abzug
ausschliessenden - Missverhältnisses zwischen den Leistungen eines Selbstständigen
für die berufliche Vorsorge seiner Angestellten und seinen persönlichen Beiträgen
angesichts der Vielfalt möglicher Lebenssachverhalte kaum möglich sei. Zudem
erachtete es das Bundesgericht als problematisch, die Abzugsberechtigung über den
hälftigen Abzug hinaus direkt von der Höhe des Beitragssubstrats abhängig zu machen
(E. 5.2.2.2). Damit nahm es Bezug auf die von der Vorinstanz (d.h. vom hiesigen
Gericht) im Urteil vom 7. Mai 2009 (AHV 2008/10) vertretenen Auffassung, bei einem
Verhältnis von rund 100 : 1 zwischen den BVG-Beiträgen des selbstständig
Erwerbenden und jenen seiner Angestellten sei von fiskalischen Überlegungen und
damit von einer Beitragsumgehung auszugehen. In Erwägung 5.2.3.2 stellte das
Bundesgericht dann aber fest, es bestehe kein ersichtlicher Grund für die
Ungleichbehandlung von selbstständig Erwerbenden mit und ohne Arbeitnehmer, da
(auch) erstere die zur Erzielung des rohen Einkommens erforderlichen
Gewinnungskosten (unter anderem den Personalaufwand) nach Art. 9 Abs. 2 lit. a
AHVG abziehen könnten. Letztere könnten durch die Statuten oder das Reglement der
Vorsorgeeinrichtung ermöglichte Einlagen in die eigene berufliche Vorsorge (definiert
als laufende ordentliche Beiträge und Einkauf von Beitragsjahren) höchstens zur Hälfte
abziehen. Dasselbe müsse auch für selbstständig Erwerbende mit Arbeitnehmenden
gelten, ohne dass es darauf ankäme, ob sie auf Grund statutarischer oder
reglementarischer Verpflichtung mehr als 50 % der gesamten Beiträge der
Arbeitnehmer übernehmen und/oder sich am Einkauf von Beitragsjahren beteiligen
(E. 5.3). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers bezieht sich dieses Urteil auch
auf die laufenden Beiträge, wurde doch (mindestens) für die Einkäufe bereits in BGE
133 V 563 E. 1.1 und 2.4.4 ein Abzug nur zur Hälfte postuliert. Ausserdem bezog sich
die dem Urteil BGE 136 V 16 zu Grunde liegende vorinstanzliche Argumentation im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wesentlichen auf die laufenden Beiträge. Im kurz darauf ergangenen Urteil
9C_583/2009 vom 14. Januar 2010, E. 4, hat das Bundesgericht schliesslich seine
Rechtsprechung von 136 V 16 (= 9C_572/2009) nochmals bekräftigt und auch
nochmals festgehalten, dass diese Rechtsprechung sowohl laufende Beiträge als auch
Einkäufe betreffe.
2.3 Nach dem Gesagten ist vorliegend nur die Hälfte der laufenden Beiträge vom
rohen Einkommen abziehbar. Diese Hälfte wurde bei der Berechnung des Gewinns
(bzw. bei der Berechnung der Berufsausgaben; vgl. Formular 17 der Steuererklärung
für die Steuerperiode 2011 [act. G 5.1/5]) bereits berücksichtigt und ist deshalb bei der
Berechnung des massgebenden Einkommens nicht nochmals abzuziehen. Davon geht
offenbar auch der Beschwerdeführer aus, verlangt er doch lediglich die Reduktion des
massgebenden Einkommens um (die andere Hälfte von) Fr. 9'046.--. Mit der
Beschwerdegegnerin ist deshalb nur die Hälfte der Einkaufssumme von Fr. 30'000.--,
also Fr. 15'000.--, vom steuerrechtlich massgebenden Einkommen (Einkünfte aus
selbstständigem Haupterwerb) abzuziehen. Dieses beträgt nach Aufrechnung der nicht
geschäftsmässig begründeten Aufwendungen (Privatanteil Auto, Hälfte BVG-Beiträge,
ganze Einkaufssumme) unbestrittenermassen Fr. 168'234.--
(Steuerveranlagungsprotokoll vom 24. Oktober 2012 [act. G 5.1/6]). Nachdem die
weiteren Berechnungsfaktoren des ahv-beitragsrechtlich massgebenden Einkommens
(Aufrechnung persönliche AHV-Beiträge von Fr. 16'460.35, Zinsabzug auf Eigenkapital
von Fr. 4'420.--) unbestritten und nicht offensichtlich falsch sind, ist mit der
Beschwerdegegnerin von einem massgebenden Einkommen von Fr. 165'200.--
(abgerundet) auszugehen (Fr. 168'234.-- - Fr. 15'000.-- + Fr. 16'460.35 - Fr. 4'420.--).
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP