Decision ID: e2276ca3-1173-406c-b056-36341b4649ba
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im April 2005 wegen eines lumbovertebralen
Schmerzsyndroms mit Diskusprotrusion L2/L3 und L3/4 und degenerativen
Veränderungen erstmals bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 1). Er hatte nach der obligatorischen Schulzeit in einer Glasfabrik
in Z._ gearbeitet. In der Schweiz war er zuletzt als (ungelernter) Gipser tätig gewesen.
Laut dem Arbeitgeber hatte das Erwerbseinkommen in den Jahren 2004 und 2005 Fr.
4'580.-- pro Monat betragen (zzgl. 13. Monatslohn; IV-act. 6). Im IK-Auszug war für das
Jahr 2004 ein Erwerbseinkommen von Fr. 62'328.-- verbucht (IV-act. 154-2). Die IV-
Stelle wies das Leistungsgesuch am 13. September 2005 ab (IV-act. 25), da die
behandelnden Ärzte dem Versicherten für eine körperlich adaptierte, mittelschwere und
wechselbelastende Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bescheinigt hatten (IV-act. 12-5
und 16-2).
A.b Am 16. Januar 2008 meldete sich der Versicherte zum zweiten Mal zum Bezug von
IV-Leistungen an (IV-act. 35). Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, hatte dem Versicherten wegen einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung eine 20 %ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert und
berufliche Massnahmen empfohlen (IV-act. 38-4 ff.). Im Anschluss an eine berufliche
Abklärung und ein Arbeitstraining (IV-act. 76, 94) fand der Versicherte per 19. Oktober
2009 eine Vollzeitarbeitsstelle als Produktionsmitarbeiter bei der C._ AG. Der
Jahreslohn betrug Fr. 57'200.-- (IV-act. 102, 124). Am 27. Juli 2010 eröffnete die IV-
Stelle dem Versicherten, dass die beruflichen Massnahmen erfolgreich abgeschlossen
worden seien (IV-act. 120).
B.
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B.a Am 28. Juni 2012 stellte der Versicherte bei der IV-Stelle ein Gesuch um
Arbeitsvermittlung (IV-act. 121). Er gab an, dass er die vermittelte Arbeitsstelle nach
einem Jahr wieder verloren habe, da der Betrieb habe Konkurs anmelden müssen. Der
Hausarzt Dr. med. D._, Innere Medizin, erklärte am 27./31. August 2012 (IV-act. 130),
dass der Versicherte vor allem wegen einer zunehmenden psychischen
Dekompensation mindestens zu 20 % arbeitsunfähig sei. Es sei vorstellbar, dass er in
absehbarer Zeit in einer geeigneten Tätigkeit wieder eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit
erreichen werde. Am 12. November 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
er keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen habe, da er aus medizinischer Sicht zu
100 % arbeitsfähig sei (IV-act. 139). Aus demselben Grund wies sie das Rentengesuch
am 12. Februar 2013 ab (IV-act. 145).
B.b Dr. B._ teilte der IV-Stelle am 7. März 2013 mit (IV-act. 146), dass er gegen die
Verfügung vom 12. Februar 2013 aus medizinischen Gründen Einspruch erhebe. Der
Versicherte befinde sich seit dem 18. Dezember 2012 in seiner Behandlung. Er leide an
einer depressiven Störung, mittelgradige bis schwere Ausprägung mit somatischem
Syndrom, agitierten Charakters mit latenter Suizidalität (ICD-10 F. 32.11/F32.2) und an
einer Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (F62.80). Aus
psychiatrischer Sicht bestehe seit dem 18. Dezember 2012 und bis auf weiteres eine
100 %ige Arbeitsunfähigkeit.
B.c Die IV-Stelle klärte den Versicherten am 21. März 2013 darüber auf, dass Dr. B._
nicht anmeldelegitimiert sei (IV-act. 147). Sie forderte ihn auf, bis am 5. April 2013
Dokumente einzureichen, die eine relevante Änderung des rechtserheblichen
Sachverhalts seit der Verfügung vom 12. Februar 2013 belegten. Am 27. März 2013
reichte der Versicherte erneut ein Anmeldeformular ein (IV-act. 148).
B.d RAD-Ärztin Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, notierte
am 4. Juni 2013 (IV-act. 155), es müsse angenommen werden, dass sich der
psychische Gesundheitszustand verändert habe. Dr. D._ berichtete der IV-Stelle am
18. Juni 2013, dass der Versicherte aufgrund der psychiatrischen Beurteilung
mindestens seit August 2012 zu 100 % arbeitsunfähig sei (IV-act. 156). RAD-Ärztin
E._ hielt am 22. Juli 2013 fest (IV-act. 157), dass auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Dr. B._ nicht abgestellt werden könne, da von den Angehörigen und der
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Eingliederungsberatung IV-fremde Faktoren (Motivationsprobleme) erhoben worden
seien und die Beschreibung von Dr. B._ eine Anpassungsstörung nahelege, die keine
100 %ige Arbeitsunfähigkeit begründen könne. Eine gutachterliche Beurteilung
erscheine als angezeigt.
B.e Vom 3. bis 13. Dezember 2013 befand sich der Versicherte in einer stationären
konventionellen multimodalen Schmerztherapie inkl. psychotherapeutischen Verfahren
in der Rheumatologie/Rehabilitation des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG). Die
Klinikärzte gaben in ihrem Bericht vom 23. Dezember 2013 an (IV-act. 164), dass beim
Versicherten eine mindestens mittelgradige depressive Episode bei einem bekannten
Schmerzsyndrom vorliege.
B.f Am 16. April 2014 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle bidisziplinär
(orthopädisch und psychiatrisch) durch die Medas Ostschweiz begutachtet (Gutachten
vom 1. Mai 2014, IV-act. 170). Die Diagnosen mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
lauteten:
• Thorakolumbale Kyphoskoliose linkskonvex nach Morbus Scheuermann
• Spondylarthrose der LWS
• Diskushernie L2/3 ohne Nervenwurzelkompression.
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nannten die
Gutachter eine Anpassungsstörung mit einer depressiven Stimmung (DSM-IV: 309.0)
und eine depressive Episode, gegenwärtig remittiert (F32.4). Dr. med. F._, Facharzt
für Orthopädische Chirurgie, hielt fest, dass in der zuletzt ausgeübten, körperlich
schweren Tätigkeit als Gipser eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe, auch wenn die
nachgewiesenen degenerativen Veränderungen wenig ausgeprägt seien. Die körperlich
adaptierte Tätigkeit im Recycling (vorwiegend sitzend, zeitweise stehend,
Gewichtslimite wiederholt 10 kg, keine Arbeiten auf Leitern) sei dem Versicherten ab
Oktober 2007 noch zu sicher 70 % Präsenzzeit zumutbar. Die Leistung in dieser Zeit
müsste neu bestimmt werden, eine Steigerung der Präsenz sei nicht ausgeschlossen.
Der Einsatz müsste vermutlich anfangs in einem geschützten Rahmen erfolgen, um
dem Versicherten zu beweisen, dass eine höhere Leistungsfähigkeit möglich sei. Med.
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prakt. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärte, dass bei der
aktuellen Untersuchung nur wenige, nicht besonders stark ausgeprägte depressive
Symptome nachweisbar gewesen seien. Zudem seien diese eine Folge der Schmerzen
und vor allem der verschiedenen psychosozialen Belastungen. Deshalb stelle er die
Diagnose einer Anpassungsstörung mit einer depressiven Stimmung gemäss DSM-IV.
Die Schmerzen seien somatisch ausreichend erklärbar, weshalb er dem Versicherten
keine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostizieren könne. Zudem lägen
nicht genügend Kriterien vor, um die Diagnose einer andauernden
Persönlichkeitsveränderung zu stellen. Da die Anpassungsstörung alleine mittels einer
Willensanstrengung überwindbar sei, bestehe aus psychiatrischer Sicht eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Es bestünden auch keine Hinweise dafür, dass die
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht in den letzten Jahren jemals eingeschränkt
gewesen wäre. Bei der von Dr. B._ diagnostizierten mittel- bis schwergradigen
depressiven Episode im Jahr 2013 habe es sich um eine reaktive Depression
gehandelt, die durch die Schmerzen und die psychosozialen Belastungsfaktoren
verursacht worden sei. Da aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit resultierte, entsprach die interdisziplinäre Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit derjenigen aus orthopädischer Sicht. RAD-Ärztin Dr. E._ notierte am
5. Juni 2014 (IV-act. 171), dass sich im Gutachten Schwachstellen fänden, die
Schlussfolgerungen in Zusammenschau aller erhobenen Befunde aber plausibel seien.
B.g Mit Vorbescheid vom 17. Juni 2014 (IV-act. 174) kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten mit der Begründung, dass keine Diagnosen mit Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit hätten festgestellt werden können, die Abweisung des Rentengesuchs
an. Dagegen wendete die Rechtsvertreterin des Versicherten am 25. August 2014 ein
(IV-act. 180), dass insbesondere das psychiatrische Teilgutachten der Medas
Ostschweiz nicht verwertbar sei. Dr. B._ hatte der Rechtsvertreterin am 5. August
2014 berichtet (IV-act. 80-7 ff.), dass das psychiatrische Teilgutachten inhaltlich und in
seinen Schlussfolgerungen nicht nachvollziehbar sei. Wegen der Sprache hätten
Verständigungsschwierigkeiten bestanden. Der Versicherte sei zweifellos zu 100 %
arbeitsunfähig. RAD-Ärztin Dr. E._ notierte am 18. September 2014, dass Dr. B._
die bestehenden Lücken im psychiatrischen Gutachten informativ gefüllt und den
Sachverhalt in plausibler Weise dargelegt habe (IV-act. 182). Das Teilgutachten von
med. prakt. G._ sei nicht mehr haltbar. Von einem weiteren Gutachten seien keine
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zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten. Dieselbe Ärztin hielt am 23. Oktober 2014 fest,
dass der Versicherte seit dem 18. Dezember 2012 aus psychiatrischer Sicht für
sämtliche Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig sei (IV-act. 183).
B.h Nach Rücksprache mit der Gruppenleiterin (IV-act. 188) fragte die zuständige IV-
Sachbearbeiterin Dr. med. H._, Psychiatrie und Psychotherapie, am 2. Dezember
2014 per E-Mail an, ob er die psychiatrische Begutachtung des Versicherten
übernehmen wolle (IV-act. 184-2). Sie verwies auf eine Stellungnahme der
Sachbearbeitung (IV-act. 188) und bat darum, im speziellen den Punkt "Warum möchte
ich ein Gutachten in Auftrag geben" zu beachten. Dr. H._ antwortete am 10.
Dezember 2014, dass er diesen etwas heiklen Auftrag gerne übernehme (IV-act.
184-1).
B.i Die psychiatrische "Verlaufs-Abklärung" (vgl. IV-act. 185) fand am 29. April 2015
statt (Gutachten vom 21. Juni 2015, IV-act. 194). Dr. H._ gab als Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, in
mittelgradiger Ausprägung beginnend chronifiziert (F33.8), teilweise noch
besserungsfähig, an. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er
psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom und
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen, passiv-aggressiven und
abhängigen Zügen. Er führte aus, dass die psychischen Einschränkungen in einer leicht
verminderten Stress- und Frustrationstoleranz, einer leicht verminderten emotionalen
Belastbarkeit, einer leichten Einschränkung der Ausdauer, leichten
Konzentrationsstörungen und gewissen Defiziten der sozialen Kompetenzen
bestünden. Das Arbeitstempo sei etwas verlangsamt und es bestehe ein etwas
vermehrter Pausenbedarf. Die Leistungsfähigkeit sei wegen deutlicher
Versagensängste und Selbstzweifel beeinträchtigt. Nach dem Tod der Mutter im
November 2014 habe sich die depressive Symptomatik deutlich verstärkt. Die von
med. prakt. G._ gestellte Diagnose gemäss DSM IV sei retrospektiv nicht
nachvollziehbar. Eine Vergleichbarkeit der Diagnosen sei nur gewährleistet, wenn diese
nach ICD-10 gestellt würden. Gleichwohl sei es nachvollziehbar und plausibel, dass
zum Zeitpunkt der Vorbegutachtung im Frühjahr 2014 bei dem geschilderten blanden
psychischen Befund keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe. Die vom behandelnden Psychiater gestellte Diagnose
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einer andauernden Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom könne
anhand der aktuellen gutachterlichen Untersuchungsbefunde nicht bestätigt werden.
Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe seit November 2014 eine Arbeitsfähigkeit von
ca. 50 % mit voraussichtlich weiterer Besserungstendenz um ca. 10 % unter
konsequenter, optimierter psychopharmakologischer Behandlung innerhalb der
nächsten ein bis zwei Monate auf ca. 60 %. Für die Zeit vor November 2014 könne
retrospektiv keine andauernde Arbeitsunfähigkeit bestätigt werden. RAD-Ärztin Dr.
med. I._ notierte am 4. September 2015 (IV-act. 197), dass das Gutachten formal in
Ordnung sei. Es sei bereits am 30. Juni 2015 durchgesehen, aber nur in der PK-Notiz
dokumentiert worden.
B.j Am 9. Oktober 2015 reichte die Rechtsvertreterin des Versicherten eine
Stellungnahme von Dr. B._ vom 5. Oktober 2015 ein (IV-act. 198). Dr. B._ hatte
festgehalten, dass die von Dr. H._ gestellte Diagnose einer mittelgradigen
rezidivierenden depressiven Störung gestützt auf die erhobene Anamnese und den
psychopathologischen Befund nachvollziehbar sei. Obwohl die ambulante Behandlung
ab Mai 2015 intensiviert worden sei, sei keine Besserung des psychopathologischen
Zustandsbildes eingetreten. Die Persönlichkeitsveränderung sei deutlich ausgeprägt
und mit einem unflexiblen und fehlangepassten Verhalten verbunden. Zudem seien die
zu beurteilenden Fähigkeiten stärker beeinträchtigt als von Dr. H._ angegeben.
Abschliessend hatte Dr. B._ seine bisherige Einschätzung, dass der Versicherte aus
psychiatrischer Sicht zu 100 % arbeitsunfähig sei, bestätigt.
B.k Im internen Berechnungsblatt vom 2. November 2015 (IV-act. 201) setzte die
zuständige IV-Sachbearbeiterin das Valideneinkommen auf Fr. 58'910.-- fest (Lohn
C._ AG, angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2012). Grundlage des
Invalideneinkommens bildete der durchschnittliche Lohn eines Hilfsarbeiters im
privaten Sektor gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE)
des Jahres 2012 (Fr. 65'172.--). Die Sachbearbeiterin ermittelte einen
"Minderverdienst" von 10.63 % (Fr. 6'262.--), rechnete davon 5.63 % an und setzte
den "massgebenden Minderverdienst" auf Fr. 61'856.-- fest. Unter Berücksichtigung
einer Arbeitsfähigkeit von 60 % resultierte ein Invalideneinkommen von Fr. 37'113.--.
Der IV-Grad betrug folglich 37 %.
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B.l Mit Vorbescheid vom 2. November 2015 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten bei
einem IV-Grad von 0 % (richtig: 37 %) die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act.
202). Zur Begründung hielt sie fest, dass aus psychiatrischer Sicht eine
Restarbeitsfähigkeit von 60 % bestehe. Da der Versicherte in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Hilfsarbeiter Produktion bei der C._ AG einen Minderverdienst erzielt
habe, habe er keinen Anspruch auf Rentenleistungen. Dagegen wendete die
Rechtsvertreterin des Versicherten am 8. Dezember 2015 ein (IV-act. 203), dass ein
neues bidisziplinäres Gutachten eingeholt werden müsse, da auch das Gutachten von
Dr. H._ nicht überzeuge. Zudem sei die IV-Berechnung offensichtlich falsch.
B.m RAD-Ärztin Dr. E._ notierte am 12. Februar 2016 (IV-act. 204), dass die wenigen
divergenten Funktionseinschätzungen von Dr. B._ durch die ausführlichen Angaben
von Dr. H._ zur Anamnese und zum psychopathologischen Befund plausibel
widerlegt werden könnten. Allerdings sei die prognostizierte Besserungsfähigkeit nach
fast zehn Monaten entsprechender Therapie nicht eingetreten. Unter Zusammenschau
der Aktenlage könne gestützt auf das Gutachten von Dr. H._ von einer 50 %igen
Arbeitsfähigkeit adaptiert ausgegangen werden.
B.n Mit Verfügung vom 19. Februar 2016 (IV-act. 205) wies die IV-Stelle das
Rentengesuch wie angekündigt bei einem IV-Grad von 0 % (richtig: 37 %) ab. Die
Begründung zum Einwand entsprach der Stellungnahme des RAD vom 12. Februar
2016.
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
4. April 2016 Beschwerde erheben (act. G 1). Seine Rechtsvertreterin beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen. Eventualiter
sei ein bidisziplinäres Gutachten (Orthopädie und Psychiatrie) nach dem Zufallsprinzip
sowie gemäss der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung anzuordnen.
Subeventualiter sei eine BEFAS-Abklärung bzw. eine Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) durchzuführen. Zur Begründung machte die Rechtsvertreterin
geltend, die direkte Auftragserteilung an Dr. H._ sei rechtswidrig gewesen. Des
Weiteren habe die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) das rechtliche Gehör
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des Beschwerdeführers krass verletzt, indem sie ohne dessen Kenntnis einen E-Mail-
Verkehr mit Dr. H._ geführt und diesen auf einen dem Beschwerdeführer
unbekannten "speziellen Punkt" hingewiesen habe. Zudem habe Dr. H._ den Auftrag
als heikel bezeichnet. Ausserdem müsse die Beschwerdegegnerin mit Dr. H._ (ohne
Kenntnis des Beschwerdeführers) mündlich Kontakt gehabt haben. Schliesslich sei
gerichtsnotorisch, dass Dr. H._ zu jenen Gutachtern gehöre, die den Ruf hätten, der
Invalidenversicherung nahezustehen. Die Beschwerdegegnerin sei trotz der langen
Verfahrensdauer offensichtlich sehr daran interessiert gewesen, am Gutachtenauftrag
an Dr. H._ festzuhalten. Die in den Medien geäusserte Kritik, dass immer noch die IV-
Stellen selber bestimmen dürften, an wen monodisziplinäre (und bidisziplinäre)
Abklärungen vergeben würden, sei berechtigt. Da Dr. H._ voreingenommen und nicht
unabhängig gewesen sei, sei sein Gutachten nicht verwertbar. Sollte das Gericht das
Gutachten von Dr. H._ trotzdem als verwertbar beurteilen, sei zu beachten, dass die
von Dr. H._ vorausgesagte Verbesserung des psychopathologischen Zustandsbildes
trotz der Intensivierung der Behandlung nicht eingetreten sei. Aus diesem Grund müsse
von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Die Beschwerdegegnerin
habe es unterlassen, der grossen Diskrepanz zwischen der Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Dr. H._ und derjenigen von Dr. B._ nachzugehen. Daher werde eine BEFAS-
Abklärung bzw. eine EFL über einen Zeitraum von vier Wochen beantragt. Des
Weiteren sei Dr. H._ fälschlicherweise davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer unter Eheproblemen leide. Die Rechtsvertreterin kritisierte
ausserdem, dass sich die angefochtene Verfügung nicht zu den körperlichen
Einschränkungen geäussert habe. Dr. F._ habe die Präsenzzeit für körperlich
adaptierte Tätigkeiten auf 70 % festgelegt. Die Beschwerdegegnerin habe es versäumt,
die effektive Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers zu eruieren. Hinzu komme,
dass die Beschwerdegegnerin in der IV-Berechnung einen Tabellenlohnabzug von
mindestens 20 % hätte berücksichtigen müssen. Zudem habe es sich bei der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit um eine geschützte Arbeitsstelle gehandelt. Der Beschwerde lag
ein Beitrag des Tages-Anzeigers vom 26. November 2015 mit dem Titel "So wählt die
IV ihre Gutachter aus" bei (act. G 1.1.4).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 30. Mai 2016 (act. G 6), dem
Beschwerdeführer sei ab Februar 2015 eine halbe IV-Rente zuzusprechen. Im Übrigen
sei die Beschwerde abzuweisen. Zur Begründung hielt sie fest, dass die in der E-Mail
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vom 2. Dezember 2014 erwähnte Stellungnahme der Sachbearbeitung aktenkundig sei.
Von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs könne keine Rede sein. Dr. H._ habe die
Bemerkung, dass es sich um einen etwas heiklen Auftrag handle, offenbar gemacht,
weil der RAD eine weitere psychiatrische Begutachtung für nicht notwendig erachtet
habe. Der zeitliche Verlauf ab dem Auftrag zur Begutachtung sei transparent und lasse
nicht auf eine Befangenheit von Dr. H._ schliessen. Die formellen Einwände gegen
das Gutachten von Dr. H._ seien nicht stichhaltig. Dr. B._ habe dem
Beschwerdeführer zu Unrecht eine Persönlichkeitsänderung bei chronischem
Schmerzsyndrom diagnostiziert. Allein aus diesem Grund könne auf dessen
Beurteilung nicht abgestellt werden. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer bis zum
Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. H._ lediglich eine niederfrequentierte
psychotherapeutische Behandlung absolviert und unterdosierte Antidepressiva
eingenommen habe, spreche gegen einen hohen psychischen Leidensdruck. Zudem
verfüge der Beschwerdeführer über ein gewisses Aktivitätsniveau. Daher sei auch die
Diagnose einer mittel- bis schwerwiegenden Depression nicht ausgewiesen. Da die
Arbeitsfähigkeit ausschliesslich medizinisch-theoretisch zu bestimmen sei, sei kein
Arbeitsversuch oder eine EFL durchzuführen. Demnach sei gestützt auf das Gutachten
von Dr. H._ von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen. Das Validen- und das
Invalideneinkommen seien anhand von Tabellenlöhnen zu berechnen. Ein
Leidensabzug sei nicht gerechtfertigt, da die gesundheitlichen Einschränkungen bereits
in der Arbeitsfähigkeitsschätzung grosszügig berücksichtigt worden seien und der
Beschwerdeführer auch körperlich mittelschwere Tätigkeiten ausführen könne. Weil
sich weder dem Medas-Gutachten noch dem Gutachten von Dr. H._ entnehmen
lasse, dass der Beschwerdeführer lediglich noch Teilzeit arbeiten könne, habe er
keinen Anspruch auf einen Teilzeitabzug. Der IV-Grad betrage folglich 50 %. Der
Gesundheitszustand habe sich wegen des Todes der Mutter ab November 2014
verschlechtert. Für die Zeit davor gelte die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Medas
Ostschweiz von 70 % für eine angepasste Tätigkeit. Die Behauptung des
Beschwerdeführers, dass die Verständigung bei der ersten psychiatrischen
Begutachtung mangelhaft gewesen sei, treffe nicht zu. Zudem habe Dr. H._ die
Einschätzung von med. prakt. G._ als nachvollziehbar beurteilt. Folglich habe der
Beschwerdeführer nach Ablauf von drei Monaten, also ab Februar 2015, Anspruch auf
eine halbe IV-Rente.
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C.c Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hielt in ihrer Replik vom 1. Juli 2016
an den mit der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren fest (act. G 9).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).

Erwägungen
1.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss
Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30
Tagen nach der Eröffnung der Verfügung einzureichen. Die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers hat in der Beschwerdeschrift erklärt, dass die angefochtene
Verfügung vom 19. Februar 2016 am 24. Februar 2016 bei ihr eingegangen sei (act. G 1
S. 2). Die Beschwerdefrist hat somit tags darauf, am 25. Februar 2016, zu laufen
begonnen. Gesetzliche oder behördliche Fristen, die nach Tagen oder Monaten
bestimmt sind, stehen vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach
Ostern still (Art. 38 Abs. 4 lit. a ATSG). Der Ostersonntag ist im Jahr 2016 auf den 27.
März gefallen, d.h. die Frist hat vom Sonntag, 20. März bis Sonntag, 3. April 2016
stillgestanden. Der letzte Tag der Frist wäre somit auf den Samstag, 9. April 2016
gefallen. Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag, so endet sie am nächstfolgenden
Werktag (Art. 38 Abs. 3 Satz 1 ATSG). Die Frist hat also am Montag, 11. April 2016
geendet. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat bereits am 4. April 2016 und
somit rechtzeitig Beschwerde erhoben. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat das mit der Anmeldung vom Juni 2012 eingeleitete
Verwaltungsverfahren mit der Rentenabweisungsverfügung vom 12. Februar 2013
abgeschlossen. Bereits am 7. März 2013, d.h. als die Verfügung vom 12. Februar 2013
noch nicht rechtskräftig gewesen ist, hat Dr. B._ einen neuen Bericht eingereicht und
erklärt, dass der Beschwerdeführer seit dem 18. Dezember 2012 wegen einer
depressiven Störung, mittelgradige bis schwere Ausprägung mit somatischem
Syndrom, und einer Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom zu
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100 % arbeitsunfähig sei. Am 27. März 2013 hat der Beschwerdeführer dann eine
Neuanmeldung eingereicht. Gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
darin glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den
Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Die von Dr. B._ geltend gemachte
gesundheitliche Verschlechterung ist bereits vor Verfügungserlass, nämlich im
Dezember 2012, eingetreten. Der Beschwerdeführer hat also mit dem Bericht von Dr.
B._ vom 7. März 2013 keine erhebliche Verschlechterung seines
Gesundheitszustandes seit dem 12. Februar 2013 glaubhaft gemacht. Die
Beschwerdegegnerin hätte somit auf eine Neuanmeldung gar nicht eintreten dürfen.
Dass sie aufgrund des Berichts von Dr. B._ vom 7. März 2013 trotzdem weitere
Abklärungen vorgenommen hat, kann nur so interpretiert werden, dass sie die
Verfügung vom 12. Februar 2013 konkludent widerrufen und das mit der Anmeldung
vom Juni 2012 eingeleitete Verwaltungsverfahren wieder aufgenommen hat.
Demzufolge ist nachfolgend der Rentenanspruch des Beschwerdeführers ab dem
Zeitpunkt der Anmeldung im Juni 2012 zu prüfen. Damals war die Beschwerdegegnerin
zu Recht auf die Wiederanmeldung eingetreten, weil der Hausarzt des
Beschwerdeführers über eine psychische Dekompensation berichtet und damit eine
anspruchsrelevante Veränderung des IV-Grades glaubhaft gemacht hatte.
3.
3.1 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
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Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.2 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
4.
4.1 Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit bzw. die
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen.
4.2 In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere das orthopädisch-psychiatrische
Gutachten der Medas Ostschweiz vom 1. Mai 2014, das psychiatrische Gutachten von
Dr. H._ vom 21. Juni 2015 und die Berichte des behandelnden Psychiaters Dr. B._
vom 7. März 2013, 5. August 2014 und 5. Oktober 2015 im Recht.
4.3 In formeller Hinsicht hat die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers geltend
gemacht, dass Dr. H._ voreingenommen und nicht unabhängig gewesen sei,
weshalb sein Gutachten nicht verwertbar sei. Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung sind nur polydisziplinäre Gutachtensaufträge nach dem Zufallsprinzip
zu vergeben. Für mono- und bidisziplinäre Gutachten hat es das Bundesgericht als
sinnvoll erachtet, weiterhin eine flexible, direkte Auftragserteilung durch die IV-Stellen
an die Gutachter vorzusehen (BGE 137 V 210 E. 3.1.1). Die direkte Erteilung des
Gutachtenauftrags an Dr. H._ hat somit in Einklang mit der höchstrichterlichen
Rechtsprechung gestanden und ist nicht zu beanstanden. Die Verfahrensdauer
zwischen der Erteilung des Gutachtensauftrags (12. Dezember 2014) und der
Begutachtung selbst (29. April 2015) ist angesichts der allgemein bekannten
Kapazitätsprobleme mit fünf Monaten eindeutig nicht übermässig lang gewesen.
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Entgegen der Behauptung der Rechtsvertreterin hat die Beschwerdegegnerin im
Rahmen der Gutachtenserteilung auch nicht das rechtliche Gehör des
Beschwerdeführers verletzt. Die E-Mail-Anfrage der Beschwerdegegnerin an Dr. H._
liegt bei den Akten. Beim "speziellen Punkt", auf den die IV-Sachbearbeiterin Dr. H._
in der E-Mail vom 2. Dezember 2014 hingewiesen hat, hat es sich um einen Auszug aus
der Anfrage an die Gruppenleiterin vom 18. November 2014 gehandelt (IV-act. 188).
Die IV-Sachbearbeiterin hatte unter dem Titel "Warum möchte ich ein Gutachten in
Auftrag geben" folgendes festgehalten: "Die Försterkriterien werden jedoch verweisend
auf das Gutachten der Medas St. Gallen vom Mai 14 nicht in der Intensität erfüllt, als
dass sie invalidisierend wären. Die geltend gemachten Beschwerden und Diagnosen
gemäss Dr. B._ sind m.E. nicht in diesem Ausmass und Ausprägung vorhanden.
Mittels einer erneuten Begutachtung sind die geltend gemachten Diagnosen von Dr.
B._ zu analysieren". Die Sachbearbeiterin hat Dr. H._ also lediglich darauf
hinweisen wollen, dass das neue psychiatrische Gutachten eine detaillierte
Auseinandersetzung mit der Beurteilung des behandelnden Psychiaters enthalten
müsse. Dr. H._ hat den Auftrag in seiner E-Mail vom 10. Dezember 2014 als etwas
heikel bezeichnet. Diese Bezeichnung ist dadurch erklärbar, dass es sich beim
Gutachtensauftrag an Dr. H._ faktisch nicht um eine Verlaufsbegutachtung, sondern,
wie dies Dr. H._ richtig erkannt hat (IV-act. 194-21), um ein psychiatrisches
Obergutachten gehandelt hat. Zudem ergibt sich aus der Anfrage an die
Gruppenleiterin vom 18. November 2014, die Dr. H._ vorab zugestellt worden ist,
dass der RAD das Vorgutachten als unhaltbar bezeichnet und empfohlen hat, auf die
Beurteilung von Dr. B._ abzustellen. Dass Dr. H._ den Gutachtensauftrag als etwas
heikel bezeichnet hat, war vor diesem Hintergrund gerechtfertigt und vermag nicht den
Anschein einer Befangenheit zu wecken. Schliesslich hat die Rechtsvertreterin moniert,
dass sich aus den Akten nicht ergebe, worum es sich bei der von Dr. I._ in ihrer
Stellungnahme vom 4. September 2015 erwähnten "PK-Notiz" handle. Die RAD-Ärztin
hat in dieser Stellungnahme folgendes festgehalten: "Das Gutachten ist formal in
Ordnung. War bereits am 30.6.2015 durchgesehen, aber nur in der PK-Notiz
dokumentiert". Die RAD-Ärztin hat damit wohl ausdrücken wollen, dass sie die
Stellungnahme bereits am 30. Juni 2015 verfasst hatte, diese jedoch am falschen Ort,
d.h. nicht im Dossier des Beschwerdeführers, abgespeichert hatte. Es deutet also
nichts darauf hin, dass die Beschwerdegegnerin über zusätzliche IV-Akten über den
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Beschwerdeführer verfügen würde, die nicht im IV-Dossier enthalten wären. Die
formellen Einwände der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers gegen das
Gutachten von Dr. H._ sind somit nicht stichhaltig. Ebensowenig stichhaltig ist der
Einwand der Rechtsvertreterin, dass das psychiatrische Teilgutachten von med. prakt.
G._ schon deshalb nicht verwertbar sei, weil es zwischen dem Beschwerdeführer
und med. prakt. G._ Verständigungsprobleme gegeben habe. Med. prakt. G._ hat
festgehalten, dass das Gespräch auf Italienisch geführt worden sei und dass ihn der
Beschwerdeführer genügend gut verstanden habe (IV-act. 170-14).
4.4 In psychiatrischer Hinsicht sind die Diagnosen wie auch die daraus resultierende
Arbeitsunfähigkeit umstritten. Der behandelnde Psychiater Dr. B._ hat dem
Beschwerdeführer eine mittel- bis schwergradige depressive Störung mit somatischem
Syndrom und eine Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom
diagnostiziert. Med. prakt. G._ hat bei der gutachterlichen Untersuchung im April
2014 nur wenige und nicht besonders stark ausgeprägte depressive Symptome
festgestellt und deshalb eine Anpassungsstörung mit einer depressiven Stimmung
gemäss DSM-IV angenommen. Der psychiatrische Gutachter Dr. H._ hat dem
Beschwerdeführer in seinem Gutachten vom 21. Juni 2015 eine depressive Störung in
mittelgradiger Ausprägung attestiert. Weder med. prakt. G._ noch Dr. H._ haben
die Diagnose einer Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom
bestätigen können. Med. prakt. G._ hat erklärt, dass die von den somatischen Ärzten
beschriebenen lumbalen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in das rechte Bein keine
extreme oder übermässig anhaltende Belastung darstellten. Der Beschwerdeführer sei
durch seine Schmerzen nicht so stark eingeschränkt, dass er deswegen viele
Tätigkeiten im Alltag nicht mehr durchführen könnte (IV-act. 170-18). Auch Dr. H._
hat die Schmerzsymptomatik nicht als sehr ausgeprägt erachtet, weshalb er dem
Beschwerdeführer keine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert hat
(IV-act. 194-25). Angesichts der von Dr. B._ und den beiden psychiatrischen
Gutachtern umschriebenen Symptomatik überzeugt die Einschätzung von Dr. H._,
dass die beginnend chronifizierte depressive Symptomatik im Vordergrund der
geschilderten Beschwerden steht und die Ursache der psychischen Einschränkungen
ist. Die unterschiedliche Einschätzung der Schwere der Depression kann damit erklärt
werden, dass behandelnde Ärzte wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung
erfahrungsgemäss (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 5. April
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2004, I 814/03 E. 2.4.2) im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen
und weil sie erfahrungsgemäss dazu neigen, die pessimistischen oder sogar
aggravierenden Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu
qualifizieren. Die vom behandelnden Psychiater Dr. B._ angegebenen
psychiatrischen Diagnosen überzeugen somit nicht. Aus diesem Grund kann auch nicht
auf seine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgestellt werden. Die Beurteilung von Dr. H._,
wonach der Beschwerdeführer seit November 2014, als sich die beginnende
Chronifizierung der depressiven Symptomatik unter anderem durch eine protrahierte
Trauerreaktion (Tod der Mutter) entwickelt habe, zu 50 % arbeitsunfähig sei, überzeugt
angesichts des von ihm erhobenen psychopathologischen Befundes und der von ihm
gestellten Diagnosen. Die innert kurzer Zeit durch eine Intensivierung der Behandlung
erreichbare Verbesserung der Arbeitsfähigkeit um 10 % ist allerdings nicht eingetreten
(siehe Bericht von Dr. B._ vom 5. Oktober 2015, IV-act. 198). Der Stellungnahme der
RAD-Ärztin E._ vom 12. Februar 2016, wonach von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit
adaptiert auszugehen sei, ist daher zu folgen. Die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers hat die Beurteilung von Dr. H._ unter anderem deshalb in Frage
gestellt, weil dieser von der falschen Tatsache ausgegangen sei, dass der
Beschwerdeführer und seine Ehefrau Eheprobleme hätten. Der Beschwerdeführer hat
gegenüber med. prakt. G._ angegeben, dass er seit einigen Jahren immer wieder
Probleme mit seiner Ehefrau habe. Ausserdem belaste es ihn, dass er kein eigenes
Einkommen habe und deshalb finanziell vollständig von seiner Ehefrau abhängig sei
(IV-act. 170-15). Gegenüber Dr. H._ hat der Beschwerdeführer angegeben, dass es
im Moment mit der Ehefrau gut gehe, sie ihm aber auch sage, dass die aktuelle
Situation ermüdend und belastend sei. Die Liebe leide unter diesen Problemen (IV-act.
194-17). Des Weiteren hat Dr. B._ erklärt, dass der Beschwerdeführer in seinen
familiären und sozialen Beziehungen schwer und in seinen intimen Beziehungen
schwer bis vollständig beeinträchtigt sei (IV-act. 198). Entgegen der Behauptung der
Rechtsvertreterin sind gewisse Eheprobleme somit ausgewiesen. Dr. H._ ist also in
Bezug auf die familiäre Situation nicht von falschen Tatsachen ausgegangen. Demnach
ist der Beschwerdeführer gestützt auf das Gutachten von Dr. H._ seit November
2014 aus psychiatrischer Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 50 %
arbeitsunfähig. Dr. H._ hat die von med. prakt. G._ gestellte Diagnose einer
Anpassungsstörung gemäss DSM IV retrospektiv zwar nicht nachvollziehen können.
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Aufgrund des von med. prakt. G._ geschilderten blanden psychischen Befundes hat
er die Arbeitsfähigkeitsschätzung von med. pract. G._ jedoch als plausibel erachtet.
Demnach ist für die Zeit vor der Begutachtung durch Dr. H._ auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von med. pract. G._ abzustellen, wonach der
Beschwerde¬führer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Begutachtungszeitpunkt
(April 2014) wie auch in den Jahren davor aus psychiatrischer Sicht nicht in seiner
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist.
4.5 Unbestritten und aufgrund der Fehlstellung der Wirbelsäule und den degenerativen
Veränderungen an der LWS ausgewiesen ist, dass der Beschwerdeführer in seiner
angestammten Tätigkeit als Hilfsgipser aus somatischer Sicht nicht mehr arbeitsfähig
ist. Der orthopädische Gutachter der Medas Ostschweiz, Dr. F._, hat angegeben,
dass dem Beschwerdeführer eine körperlich adaptierte Tätigkeit noch zu sicher 70 %
Präsenzzeit zumutbar sei. Die Leistung in dieser Zeit müsste neu bestimmt werden,
eine Steigerung der Präsenz sei nicht ausgeschlossen. Dr. F._ hat also keine
abschliessende Arbeitsfähigkeitsschätzung aus orthopädischer Sicht abgegeben. Er
hat auch nicht dargelegt, wie die Leistungsfähigkeit innerhalb der Präsenzzeit von 70 %
bestimmt werden sollte. Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht darauf hingewiesen,
dass die Arbeitsfähigkeit ausschliesslich medizinisch-theoretisch und nicht anhand
eines Arbeitsversuchs oder einer EFL zu bestimmen ist. Ausschlaggebend ist nämlich,
welche Arbeitsleistung einer versicherten Person aus objektiver Sicht noch zumutbar
ist, und nicht, zu welcher Arbeitsleistung sich eine versicherte Person subjektiv noch in
der Lage fühlt. Gerade in Fällen wie dem vorliegenden, in denen die
Selbsteinschätzung einer versicherten Person mit den objektivierbaren medizinischen
Befunden nicht vereinbar ist, liefert ein Arbeitsversuch oder eine EFL kaum je objektive
Erkenntnisse bezüglich der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person. Dr. F._ hat die
degenerativen Veränderungen in der LWS als wenig ausgeprägt bezeichnet. Weshalb
dem Beschwerdeführer trotzdem lediglich eine Präsenzzeit von 70 % zumutbar sein
sollte und weshalb die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers während der
Präsenzzeit von 70 % allenfalls noch zusätzlich eingeschränkt sein sollte, hat er nicht
ausreichend begründet. Hinzu kommt, dass eine Konsensbeurteilung zwischen der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. F._ und derjenigen von Dr. H._ fehlt. Eine
solche wäre aber zwingend notwendig gewesen, da Dr. F._ aus somatischer Sicht
lediglich von einer zumutbaren Präsenzzeit von 70 % ausgegangen ist, während Dr.
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H._ die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht in einem 100 %-Pensum auf 50 %
(resp. 60 %) geschätzt hat und eine Wechselwirkung also möglich ist.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
für adaptierte Tätigkeiten aus somatischer Sicht nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht.
5.
5.1 Im Sinne eines obiter dictum ist bezüglich des von der Beschwerdegegnerin
vorgenommenen Einkommensvergleichs folgendes anzumerken: Die Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers hat zu Recht moniert, dass die Beschwerdegegnerin für die
Berechnung des Valideneinkommens auf das zuletzt erzielte Erwerbseinkommen bei
der C._ AG abgestellt habe. Der Beschwerdeführer hatte sich erstmals im April 2005
zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet. Bereits im damaligen Verwaltungsverfahren
hatten ihm die behandelnden Ärzte für die angestammte Tätigkeit als Hilfsgipser eine
volle Arbeitsunfähigkeit attestiert. Im Januar 2008 war die zweite Anmeldung erfolgt
und es waren berufliche Massnahmen durchgeführt worden. Im Anschluss an eine
berufliche Abklärung und ein Arbeitstraining hatte der Beschwerdeführer die adaptierte
Arbeitsstelle bei der C._ AG gefunden. Die Validenkarriere entspricht somit nicht der
Hilfsarbeit bei der C._ AG, sondern der Tätigkeit als Hilfsgipser, die der
Beschwerdeführer bis Anfang 2005 ausgeführt hat. Die ehemalige Arbeitgeberin des
Beschwerdeführers hat angegeben, dass der Monatslohn des Beschwerdeführers im
Jahr 2005, wie bereits im Jahr 2004, Fr. 4'580.-- betragen habe (zzgl. 13. Monatslohn).
Das Valideneinkommen im Jahr 2005 würde sich somit auf Fr. 59'540.-- belaufen. Zwar
hat der tatsächliche Lohn des Beschwerdeführers im Jahr 2004 mehr, nämlich Fr.
62'328.--, betragen (s. IK-Auszug). Der Grund dafür ist, dass er im Jahr 2004
Überstunden geleistet hat. Ob der Beschwerdeführer über längere Zeit hinaus
Überstunden im selben Umfang hätte leisten können, lässt sich nicht ermitteln, da
entsprechende Angaben der Arbeitgeber spekulativ wären. Daher ist für das
Valideneinkommen auf den Lohn abzustellen, den der Beschwerdeführer verdient
hätte, wenn die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit eingehalten worden wäre. Das
Invalideneinkommen hat die Beschwerdegegnerin hingegen zu Recht gestützt auf die
LSE-Tabellenlöhne ermittelt. Ein allfälliger Tabellenlohnabzug kann erst festgelegt
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werden, wenn die Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten aus somatischer Sicht
feststeht.
5.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Arbeitsfähigkeit aus somatischer
Sicht für adaptierte Tätigkeiten und damit der medizinische Sachverhalt nicht
rechtsgenüglich abgeklärt worden ist. Die Beschwerdegegnerin hat somit ihre
Untersuchungspflicht nach Art. 43 Abs. 1 ATSG verletzt. Die Beschwerde ist daher
teilweise gutzuheissen und die Sache ist zur weiteren medizinischen, insbesondere
somatischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Natürlich steht es
der Beschwerdegegnerin frei, zusätzlich eine psychiatrische Verlaufsabklärung
durchzuführen. Die Anmeldung zum Leistungsbezug ist im Juni 2012 erfolgt. Gestützt
auf Art. 29 Abs. 1 IVG entstünde ein allfälliger Rentenanspruch somit frühestens am 1.
Dezember 2012. Unter Beachtung des Warte¬jahres (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) ist also
die Arbeitsfähigkeit ab 1. Dezember 2011 relevant.
6.
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (BGE 132 V 215 E.
6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat keine Honorarnote eingereicht. Im hier zu
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beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.