Decision ID: 427bf354-8ae5-47f0-91fd-0ed561e39fc4
Year: 2004
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. A. A, 1975 geborener Türke, reiste Ende Juni 2001 illegal in die Schweiz ein; durch Strafbefehl vom 7. März 2003 ahndete das die Bezirksanwaltschaft X mit drei Wochen Gefängnis bedingt.
Am 6. Mai 2002 hatte A die zehn Jahre ältere, in Y wohnhafte und hier niedergelassene Liechtensteinerin C geheiratet. Er ersuchte deshalb folgenden Tags darum, ihm eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Alsbald durfte er die Stelle als Pizzaiolo eines Restaurants in Z antreten. Wegen Verdachts auf Scheinehe wurden Untersuchungen angestellt; im Verlauf derselben erreichten Polizei sowie Direktion für Soziales und Sicherheit (Migrationsamt) des Kantons Zürich A anno 2002 über die Adresse von dessen Arbeitgeber und erhärteten Aussagen der Gattin anfangs 2003 vor Bezirksanwaltschaft X den Verdacht.
Das Migrationsamt schrieb A mit der Absicht, ihm eine Aufenthaltsbewilligung zu verweigern sowie zuvor rechtliches Gehör zu gewähren, unterm 4. Juni 2003 an die L-Strasse in Y. Dort zusammen mit der Ehefrau zu wohnen hatte A schon am 9. Januar 2003 bei der Bezirksanwaltschaft X erklärt. Sein Antwortbrief vom 11. Juni 2003 an das Amt gab als Absender die durch dieses gebrauchte Adresse an.
B. Die Direktion für Soziales und Sicherheit wies mit Verfügung vom 10. September 2003 das Gesuch um Aufenthaltsbewilligung ab; zugleich setzte sie A Frist bis 30. November 2003, um die Erwerbstätigkeit zu beenden sowie sich aus dem Kanton zu entfernen. Die Begründung lautete, sollte der Petent nicht schon geheiratet haben, um die ausländerrechtlichen Bestimmungen zu umgehen, berufe er sich zumindest jetzt rechtsmissbräuchlich auf eine Ehe ohne Lebens- und Wohngemeinschaft; ausserdem habe er zu Klagen Anlass gegeben.
Eine erste Chargé-Sendung dieser Verfügung für A an die L-Strasse in Y kam am 25. September 2003 mit dem postalischen Vermerk "[n]icht abgeholt" an das Migrationsamt zurück. Ein zweiter, am 29. September 2003 in gleicher Weise begonnener Zustellungsversuch an nämlicher Adresse endete so, dass das Amt den Umschlag am 6. Oktober 2003 wieder erhielt mit dem Post-Kleber "Adresse und Briefkasten-/Postfach-Anschrift stimmen nicht überein".
Ende Oktober 2003 forderte A's Vertreter beim Migrationsamt die Akten an, welche ihm dieses unterm 3. November 2003 zustellte. Das Amt trat am 8. Dezember 2003 auf das neue Gesuch von A vom 17. November 2003 für eine Aufenthaltsbewilligung nicht ein.
II.
A hatte am 5. Dezember 2003 gegen die Verfügung vom 10. September 2003 rekurrieren lassen.
Mit Beschluss vom 28. Januar 2004 – dem Vertreter des Rekurrenten am 4. des folgenden Monats ausgehändigt – trat der Regierungsrat wegen Verspätung auf das Rechtsmittel nicht ein; er beauftragte die Direktion für Soziales und Sicherheit gleichzeitig, dem Rekurrenten eine neue Frist zur Aufgabe der Erwerbstätigkeit sowie zum Verlassen des Kantons zu setzen.
Unterm 3. Februar 2004 schrieb das Migrationsamt A's Vertreter, dessen Mandant müsse sich bis Ende März 2004 aus dem Kanton entfernen; es begründete diese Fristansetzung damit, die Verfügung vom 10. September 2003 sei mit dem regierungsrätlichen Entscheid in Rechtskraft erwachsen.
III.
A liess beim Verwaltungsgericht am 5. März 2004 Beschwerde führen mit dem Antrag, (1) den Regierungsrat in Aufhebung des Beschlusses vom 28. Januar 2004 anzuweisen, auf den Rekurs einzutreten, (2) der Beschwerde die aufschiebende Wirkung nicht zu entziehen sowie dem Beschwerdeführer zu erlauben, während des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens im Kanton zu bleiben und zu arbeiten, unter Entschädigungsfolge.
Kurz darauf schrieb C dem Verwaltungsgericht, was sie schon unterm 19. Dezember 2003 bzw. 9. Februar 2004 Migrationsamt und Regierungsrat mitgeteilt hatte: "Die Aussage die ich damals bei der Polizei, sowie bei der Staatsanwaltschaft Zürich hinterlegt habe betreffend meinem Mann, widerrufe ich hiermit. Ich möchte, dass mein Mann schnellstmöglich seine Aufenthaltsbewilligung, sowie die Arbeitsbewilligung wieder erlangt. Die Umstände die mich zu dieser Aussage veranlasst haben, wurden zwischen mir und meinem Mann bereits geklärt und wir wohnen ganz normal zusammen." Die Staatskanzlei erhielt am 15. März 2003 eine Kopie dieses jüngsten Briefes zur Kenntnis.
Mit Vernehmlassung vom 2. April 2004 schloss die Staatskanzlei für den Regierungsrat auf Abweisung des Rechtsmittels. Die Direktion für Soziales und Sicherheit verzichtete demgegenüber stillschweigend darauf, die Beschwerde zu beantworten.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. Der Regierungsrat hat als Vorinstanz gewaltet (oben II Abs. 2, III Abs. 1). Schon darum gilt es die Beschwerde in Dreierbesetzung zu erledigen (§ 38 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG, LS 175.2]).
1. Der Regierungsrat hat als Vorinstanz gewaltet (oben II Abs. 2, III Abs. 1). Schon darum gilt es die Beschwerde in Dreierbesetzung zu erledigen (§ 38 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG, LS 175.2]).
2. 2.1 § 43 Abs. 1 lit. h in Verbindung mit Abs. 2 VRG gestattet die Beschwerde beim Verwaltungsgericht auf dem hier gegebenen Gebiet der Fremdenpolizei nur, soweit die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht offen steht. Das trifft zu für Entscheide über Aufenthalts- und Niederlassungsbewilligungen, welche ausländische Personen bundes- oder völkerrechtlich beanspruchen dürfen (Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 des Bundesrechtspflegegesetzes vom 16. Dezember 1943 [SR 173.110], e contrario; BGE 128 II 145 E. 1.1.1). Von einem solchen Anspruch geht wohl die Vorinstanz aus, nennt sie doch als Rechtsmittel die Beschwerde.
2.1.1 Die Frau des Beschwerdeführers besitzt die Niederlassungsbewilligung (oben I.A Abs. 2, auch zum Folgenden). Ihm verleiht das kraft Art. 17 Abs. 2 Satz 1 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (SR 142.20) Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung, wenn die Ehegatten zusammen wohnen. Diese Eintretensbedingung erscheint gegenwärtig als strittig, kann aber unberücksichtigt bleiben (vorn I.B Abs. 1 f., III Abs. 2). Denn wie sich alsbald zeigt, gilt es das Rechtsmittel jedenfalls abzuweisen.
Nicht anders verhält es sich betreffend Achtung des Privat- und Familienlebens nach Art. 8 Abs. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101) sowie dem Gleiches bedeutenden Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV, SR 101): Anwesenheitsansprüche aus dem Schutz des Familienlebens setzen eine gelebte Beziehung – hier in der Ehe des Beschwerdeführers – voraus (BGE 127 II 60 E. 1d/aa, 126 II 377 E. 7). Auch das wirkt vorliegend unklar (vgl. die Verweisungen im vorigen Absatz). Und Erfolg verheissende Ansatzpunkte für einen Anspruch aus der Garantie des Privatlebens lassen sich überhaupt nicht erkennen (dazu BGE 126 II 377 E. 2c; oben I.A Abs. 1 f.).
Weitere Anspruchsgrundlagen ausser einer sogleich zu behandelnden dürften nicht in Frage kommen.
2.1.2 Die Gemahlin des Beschwerdeführers ist hier geboren worden sowie aufgewachsen, hörte als Mündige irgendwann zu arbeiten auf und lebt heute von der öffentlichen Fürsorge. Da sie Liechtensteinerin ist – immerhin mit einheimischer Mutter –, fragt sich, ob ihr Mann einen Nachzugsanspruch ableiten könne aus Art. 3 Abs. 1 sowie Abs. 2 lit. a Anhang I des Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681) bzw. dem Gleiches enthaltenden Anhang K Anlage 1 des EFTA-Übereinkommens vom 4. Januar 1960 in der Fassung vom 21. Juni 2001 (SR 0.632.31).
Insofern müssen die Eheleute zwar vorab nicht zusammen wohnen (VGr, 24. März 2004, VB.2004.00017, E. 2.1, www.vgrzh.ch, mit Hinweisen). Dahin stehen mag zudem, ob die erwähnten völkerrechtlichen Bestimmungen grundsätzlich auf die Frau des Beschwerdeführers Anwendung fänden. Für ihn lässt sich jedenfalls nicht hierauf berufen, weil er als Drittstaatsangehöriger nicht bereits rechtmässig in einem Vertragsstaat weilt (oben I.A Abs. 1 f.; BGE 130 II 1 E. 3.6).
Es bleibt also beim schon vorher Festgehaltenen (oben 2.1.1).
2.2 Die übrigen Voraussetzungen, um die Beschwerde an die Hand nehmen zu können, wären ohne weiteres erfüllt.
2.2 Die übrigen Voraussetzungen, um die Beschwerde an die Hand nehmen zu können, wären ohne weiteres erfüllt.