Decision ID: bea6c2ff-5c2e-4f53-aeff-058466628d34
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, war von 1984 bis 2005 als Pflegehelferin tätig gewesen (Urk. 7/14). Unter Hinweis auf Rückenbeschwerden meldete sich die Ver
sicherte am 13. November 2016 bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 7/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
. Am
1. August 2007 trat die Versicherte eine befristete Arbeitsstelle als Betreuerin an (Urk. 7/31), weshalb die IV-Stelle mit Mitteilung vom 17. September 2007 (Urk. 7/33) den Anspruch auf berufliche Massnahmen ablehnte.
Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (Urk. 7/36-39)
verneinte
die
IV-Stelle
mit Verfügung vom 13. November 2007
einen Rentenanspruch (Urk.
7/40).
1.2
Am 27. August 2017 meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/44)
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte d
ie medizinische
(Urk. 7/45, Urk. 7/
65, Urk. 7/74, Urk.
7/78, Urk.
7/81, Urk.
7/
91, Urk.
7/
95)
und erwerbliche Situation ab
(Urk.
7/51, Urk.
7/88, Urk.
7/97) und verneinte nach durchgeführtem Vorbescheid
verfahren
(Urk. 7/99
) mit Verfügung vom 30. Oktober 2019 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 7/104 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 29. November 2019
Beschwerde (Ur
k. 1) gegen die Ver
fügung vom 30. Oktober 2019
(Urk. 2) und beantragte
, diese sei aufzuheben
und
die vorliegende Streitsache sei zu weiteren Abklärungen (insbesondere einer poly
disziplinären Begutachtung) an die IV-Stelle zurückzuweisen (S. 2 Ziff. 1).
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom 20. Januar 2020 (Urk. 6
) die Abweisung der Beschwe
rde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 22. Janu
ar 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8
).
Mit Replik vom 5. März 2020 (Urk. 10) hielt die Beschwerdeführerin an ihrem Antrag fest
. Mit Eingabe vom 26. März 2020 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Duplik (U
rk.
12). D
ies wurde der Beschwerdeführerin am 31. März 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Meldet sich jemand bei der IV an und findet eine Stelle, bei der er renten
aus
schliessend eingegliedert ist, und meldet er sich nach Verlust dieser Stelle wieder an, so ist dies nicht
wie
eine Neuanmeldung im Sinne von Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV), sondern gleich wie eine erst
malige Anmeldung zu behandeln (Urteil des Bundesgerichts 8C_876/2017 vom 15. Mai 2018 E. 4.1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nen
falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen davon aus, dass bei der Be
schwerdeführerin keine Diagnose vorhanden sei, die ihre Arbeitsfähigkeit auf lange Sicht ein
schränke. Die Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion sei grund
sätzlich unter einer leitliniengerechten, adäquaten Therapie gut behandelbar und könne somit keinen Anspruch auf IV-Rentenleistungen auslösen (S. 1).
2.2
Demgegenüber vertrat die Beschwerdeführerin den Standpunkt (Urk. 1), dass sie aus näher genannten Gründen an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden leide und aufgrund dieser Krankheit in der bisherigen Tätigkeit zu 80-100 % arbeitsunfähig sei. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei ihr zu maximal 40 % zumutbar. Obwohl wöchentliche Behandlungen stattfänden, habe der psychische Zustand bisher nicht verbessert werden können und es sei nicht mit einer rele
vanten Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen (S. 3).
Aufgrund der genann
ten
medizinischen Berichte sei davon auszugehen, dass entgegen der Beschwerde
gegnerin von einem relevanten Gesundheitsschaden auszugehen sei. Die Be
schwerdegegnerin stütze sich bei ihrer Ablehnung lediglich auf die psychischen Beschwerden, dabei wirke sich sie somatische Problematik zumindest leistungs
minimierend aus. Zusammengefasst habe die Beschwerdegegnerin den Gesund
heits
zustand zu wenig abgeklärt (S. 4).
In der Replik machte die Beschwerdeführerin geltend, vorliegend habe der Regio
nale Ärztliche Dienst (RAD) nicht nur die psychiatrischen Berichte und vor allem ihr
en
Gesundheitszustand nicht korrekt und schlüssig beurteilt, sondern auch die mitwirkende somatische Problematik ausser Acht gelassen (Urk. 10 S. 4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit einem allfälligen Rentenanspruch ver
hält. Nachdem die Beschwerdeführerin ab
August 2007
wieder in einem renten
ausschliessenden
Umfang eingegliedert
war (vgl. Urk.
7/31, Urk. 7/51), ist die
erneu
te Anmeldung im Sinne einer Erstanmeldung (vgl. vorstehend E. 1.3) zu prüfen.
3.
3.1
Dr. med. Y._
, Facharzt für Orthopädie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD
) der Beschwerdegegnerin, nannte
in seinem Untersuchungsbericht vom
25. April 2007 (Urk. 7/21) folgende Diagnosen (S. 3 Ziff. 8):
-
lumbales Schmerzsyndrom bei fortgeschrittener Segmentdegeneration L5/S1 und L4/5
-
chronisch rezidivierende Ischialgie links
Er führte aus, bei der Beschwerdeführerin sei anhand der vorliegenden medizi
nischen Berichterstattung und der heutigen körperlichen Untersuchung ein soma
tischer IV-relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen. Aus versicherungsmedi
zinischer Sicht sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Hilfspflegerin auszugehen. Für körperlich leichte, wechselbelastende angepasste Tätigkeiten bestehe eine 100%ige Restarbeitsfähigkeit (S. 3 Ziff. 10).
3.2
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete sein Gutachten am 15. März 2018 (Urk. 7/65/6-25) zuhanden der Taggeldversicherung und nannte folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 16 Ziff. 4.1):
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21)
-
akzentuierte Persönlichkeit mit histrionischen Zügen (ICD-10 Z73.1)
-
posttraumatische Verbitterungsstörung
Er führte aus,
dass schwere Einschränkungen in der Durchhaltefähigkeit sowie in der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit bestünden. Mittelgradig sei die Be
schwerdeführerin in ihrer Selbstbehauptungsfähigkeit eingeschränkt (S. 17 Ziff. 4). Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bestehe keine verwertbare Arbeitsfähigkeit (S. 17 Ziff. 5). Für wenig zeit- und leistungskritische Tätigkeiten mit der Möglich
keit, häufige Pausen einzulegen, sollte für die Beschwerdeführerin in spätestens drei Monaten eine 50%ige Tätigkeit möglich sein (S. 18 Ziff. 6a).
3.3
Dr. med.
A._
, praktische Ärztin, sowie lic. phil.
B._
,
C._
, berichteten am 23. August 2018 (Urk. 7/74/7-9)
zuhanden der Taggeldversicherung und nannten folgende Diagnosen (S.
1 Ziff. 2):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Probleme in Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
(ICD-10 Z73)
Sie führten aus, die Beschwerdeführerin sei 100 % arbeitsunfähig aufgrund der mittelgradigen depressiven Episode und der anhaltenden schwierigen Lebenslage. Es bestünden ein Gefühl von Niedergeschlagenheit, Überforderung, Hoffnungs
losigkeit mit Zukunftsängsten, Gedächtnisstörungen und Schlafstörungen (S. 2 Ziff. 4). Es
würden
einmal wöchentlich psychotherapeutische Gespräche im Ein
zel
setting mit Planung der Tagesstruktur, Verbesserung von Stressbewältigung und Beziehungsgestaltung
stattfinden
(S. 2 Ziff. 5). Zudem
erfolge
eine medi
kamentöse Behandlung (S. 3 Ziff. 5).
3.4
Dr.
Z._
berichtete am 27. September 2018 (Urk. 7/87/14-16) und nahm zum Bericht der
C._
Stellung. Er führte aus, der Bericht liefere keinen Aufschluss darüber, wie die Krankheitsentwicklung von März bis Sommer 2018 verlaufen sei. Er halte an seiner Einschätzung fest
, wonach zu dem
Zeitpunkt
die Erlangung einer Teilarbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit binnen dreier Monate realis
tisch erschienen sei. Es scheine nun aber plausibel, dass es durch den Suizid
ver
such des Sohnes zu einer Verschlechterung ab Sommer 2018 gekommen sei, so dass heute keine verwertbare Arbeitsfähigkeit weder in der angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit möglich sein dürfte. Auch die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode könne aufgrund der dargelegten Psycho
pa
thologie nachvollzogen werden (S. 2).
3.5
Dr. med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und
lic.
phil.
B._
,
C._
, berichteten am 21. November 2018 (Urk. 7/74/1-6)
und führten aus, es finde gegenwärtig eine wöchentliche Behandlung statt (S.
2 Ziff.
1.2). Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten (S. 2 Ziff. 1.3). Als Ressourcen habe die Beschwerdeführerin ihre Familie, Aquafit sowie Interesse an Naturheilpraktik (S. 4 Ziff. 3.5). Die Prognose sei schwierig (S.
5 Ziff.
4.3). Bei der Eingliederung stünden psychische und körperliche Beein
trächtigungen und Ängste im Wege (S. 5 Ziff. 4.4).
Es bestehe eine akute Ver
schlechterung bei der Bewältigung des Alltags. Aktuell sei die Beschwerde
füh
rerin für einen Klinikaufenthalt angemeldet (S. 5 Ziff. 4.5).
3.6
Die Ärzte des
E._
berichteten am 18. Februar 2019 (Urk.
7/81) über den Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 22. November 2018 bis 4. Januar 2019 und
nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
depressive Episode, aktuell mittelgradige Depression
-
Erschöpfungszustand
-
Traumafolgestörung anamnestisch
-
bei Status nach körperlicher Gewalt in der Kindheit und am Arbeits
platz
-
anamnestisch Bandscheibenvorfälle lumbal mehrmals
-
chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) GOLD I
Sie führten aus,
die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Lebensgeschichte eine sensible Person, die ihr
en
Selbstwert durch grosse Hilfsbereitschaft zu kompen
sieren scheine. Dadurch sei sie auch vor Übervorteilung durch andere schlecht geschützt. Sie habe in der Rehabilitation etwas zur Ruhe kommen und Kraft tanken können und könne den anstehenden Herausforderungen besser entgegen
sehen (S. 4). Zur weiteren Stabilisierung und Rückfallprophylaxe werde die Fort
führung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung im ambulanten Setting wie zuvor empfohlen. Von einem Wiedereinstieg in den Pflegeberuf sei von ihrer Persönlichkeitsstruktur und dem Erlebten dringend abzuraten (S. 5).
3.7
Eine bildgebende Untersuchung vom 26. April 2019 (Urk. 7/91/8) ergab im Ver
lauf zu 2006 progrediente degenerative Veränderungen, deutliche Osteochon
drosen L4/L5 und L5/S1, leichte Foramenstenosen L4/L5 und L5/S1 beidseitig, jedoch keine Kompressionen neurogener Strukturen.
3.8
Dr. med.
F._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 13. Mai 2019 (Urk. 7/91/1-7)
und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2 Ziff. 2.5):
-
depressive Störung (ICD-10 F33)
-
chronisches belastungsabhängiges Lumbospondylogensyndrom (LSS) mit zugenommenen degenerativen Veränderungen, jedoch ohne Kompression neurogener Strukturen, leichte Foraminalstenosen L4/5 und L5/S1 beid
seits
Sie führte aus, der Beschwerdeführerin seien keine körperlichen Arbeiten mit Gewichten über 10 kg zumutbar. Ein Wiedereinstieg ins Berufsleben sei aufgrund der durch Mobbing und ungerechtfertigter Kündigung immer noch psychisch stark belasteten Beschwerdeführerin unwahrscheinlich (S. 2 Ziff. 2.7).
3.
9
Dr. med.
G._
, praktische Ärztin,
C._
, berichtete am 19.
Juli
2019 (Urk.
7/95) und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 1 Ziff. 1.2):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
histrionische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.4)
Sie führte aus, die histrionische Persönlichkeitsstörung zeige sich in im thea
tralischen Auftreten und grossen Schwierigkeiten in sozialen Kontakten. Es be
stünden viele Konflikte mit ehemaligen Arbeitskollegen und auch privat (S. 1 Ziff.
1.3). Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin nicht mehr möglich.
In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine 40%ige Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 2.
1).
3.
10
Dr. med.
H._
, Facharzt für Chirurgie, RAD der Beschwerdegegnerin, nahm am 25. Juli 2019 (Urk. 7/98/6-7) Stellung und führte aus,
die zitierten Arzt
berichte seien schlüssig, die angeführten medizinischen Fakten seien nachvoll
ziehbar und es könne auf diese abgestellt werden. Da alle Arztberichte der psychiatrisch behandelnden
C._
von keinem Psychiater unterschrieben worden seien, sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einer nicht adä
quaten, nicht leitliniengerechten psychiatrischen Behandlung auszugehen. Schon im Gutachten von Dr.
Z._
vom März 2018 werde von einer mindestens 50%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ausgegangen.
Diese Einschätzung sei nach Eingang neuer medizinischer Informationen jedoch revidiert worden. Gemäss dem Arztbericht der Ärzte des
E._
sei der Sohn der Beschwerdeführerin jetzt in Behandlung, aktuell in einer Klinik. Daher könne aus versicherungsmedizinisch theoretischer Sicht davon ausgegangen werden, dass keine psychiatrischen Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden und für die geklagten psychischen Einschränkungen bei leitliniengerechter, adäquater Therapie innerhalb der nächsten sechs Monate eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit erreicht werden könne.
4.
4.1
Aus den aufliegenden Akten ergibt sich, dass sich der aktuelle Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin sowie die verbliebene Arbeitsfähigkeit nur unge
nügend feststellen lassen und eine abschliessende Beurteilung des strittigen Ren
tenanspruchs mithin nicht möglich ist.
4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der me
dizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die
für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sach
entscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV be
urteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kom
petenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersu
chen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
fol
gerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni
2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anfor
de
rungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit be
stehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Ok
tober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.
3
Die Stellungnahme
des RA
D-Arztes (vgl. vorstehend E. 3.
10
), worauf sich die Besch
werdegegnerin abstützte, vermag
vorlie
gend nicht zu überzeugen
; es be
stehen nicht nur geringe, sondern erhebliche Zweifel ihrer Schlüssigkeit und Zu
ver
lässigkeit
. So sind
die Bemerkung
en zu den
Bericht
en der
die Beschwerde
führerin psychiatrisch behandelnden
C._
, wonach diese von keinem Psychiater unterschrieben seien und demnach keine adäquate, leitliniengerechte psychia
trische Behandlung vorliege
und somit in den nächsten sechs Monaten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne
,
nicht haltbar. Der Einschätzung des RAD-Arztes Dr.
H._
stehen insbeson
dere die Angaben der Fachleute der
C._
- wo mit Dr.
D._
eine Fachärztin für Psychiatrie vertreten ist (vgl. vorsteh
end E. 3.5) -
entgegen, wonach die
Beschwerdeführerin seit Jahren an einer depressiven Störung
sowie weitere
n
psychiatrische
n
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit leide
. Die Stellungnahme von Dr.
H._
beruht
nicht auf eine
r per
sönlichen Untersuchung der
Beschwerdeführer
in
. Nachdem zur Hauptsache psy
chische Beschwerden zu beurteilen sind, erweist es sich zudem als Nachteil, dass der RAD-Arzt kein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist. Seine Ein
schätzung
erscheint daher nicht nachvollziehbar und
vermag nicht zu überzeugen
. Der Stellungnah
me
des RAD – und somit auch der Begründung der Beschwerdegegnerin - kann unter diesen Umständen nicht gefolgt werden.
4.
4
Sowohl der psychiatrische Gutachter Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.2, E. 3.4) wie auch die behandelnden Ärzte der
C._
(vorstehend E. 3.3, E. 3.5, E. 3.
9
)
gingen von psychischen Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
füh
rerin aus. Nachdem Dr.
Z._
im März 2018 noch von einer während dreier Monate zu erreichenden Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer angepassten Tätigkeit ausging (E. 3.2), erachtete er es in seiner Stellungnahme von Ende September 2018 als plausibel, dass es durch den Suizidversuch des Sohnes zu einer Ver
schlechterung ab Sommer 2018 gekommen sei, so dass heute gemäss den be
handelnden Ärzten der
C._
(E. 3.3) von keiner verwertbaren Arbeitsfähigkeit weder in der angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit auszugehen sei. Er erachtete auch die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode auf
grund der dargelegten Psychopathologie als nachvollziehbar (E. 3.4).
Zum Zustande
kommen der attestierten Arbeits
un
fähigkeit
fehlen in den Berichten jedoch
diffe
renzierte
Angaben und auch die genauen Aus
wirkungen der ge
stel
lten Diagnosen
werden
nicht
beziffert
, weshalb auf die
vorliegenden
Beurtei
lung
e
n nicht
allein
abgestellt werden kann. Zudem
bleibt
vorliegend
gestützt auf die medizini
schen Akten unbeantwortet beziehungsweise ungenügend begründet, ob und inwiefern bei der Beschwerdeführerin – neben den
psychiatrischen
Ein
schränkungen - auch eine relevante Beeinträchtigung aus
somatischer
Sicht vorliegt.
So ging RAD-Arzt Dr.
Y._
bereits im Jahre 2007 davon aus, a
nhand der vorliegenden medizinischen Berichterstattung und der körperlichen Untersu
chung
sei
ein somatischer IV-relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen
und a
us versicherungsmedizinischer Sicht von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in
der bisherigen Tätigkeit als Hilfspflegerin auszugehen
,
wobei
f
ür körperlich le
ichte, wechselbelastende angepasste Tätigkeiten eine 100%ige Restarbeitsfähigkeit
be
stehe (E. 3.1).
Eine bildgebende Untersuchung ergab im Vergleich zu 2006 pro
g
rediente degenerative Veränderungen
(vgl. vorstehend E. 3.7).
Weiter führte
Dr.
F._
im Mai 2019 aus, der Beschwerdeführerin seien keine körperlichen Arbeiten mit Gewichten über 10 kg zumutbar (vorstehend E. 3.
8
).
Eine konsis
tente versicherungsmedizinische Wür
digung liegt
jedoch
nicht vor.
4.
5
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7. März 2018 E.
4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüss
ig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.
6
Den angeführten Akten
lassen sich nicht genügend Angaben entnehmen bezieh
ungsweise diese erweisen sich vor dem Hintergrund der geänderten Recht
spre
chung
als zu wenig aussage
kräftig, um die Auswirkungen der diagnostizierten Leiden auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin anhand der Standard
indikatoren festlegen und die Zu
verlässigkeit der von ärztlicher Seite attestierten Arbeitsunfähigkeit bezie
hungs
weise den Schwere
grad und die Konsistenz der funktionellen Auswirkun
gen der psychischen Problematik aus rechtlicher Sicht beurteilen zu kön
nen. Es fehlt vorliegend an einer ver
lässlichen medizinischen Grundlage. Eine gerichtliche Überprüfung der an
wend
baren Standardindikatoren ist nicht mög
lich. Auch insoweit hat die Beschwerde
gegnerin ergänzende Abklä
rungen vorzu
nehmen.
4.
7
Zusammenfassend erlaubt d
ie genannte, nicht schlüssige medizinische Aktenlage keine verlässliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in
der angestammten und
einer leidensangepassten Tätigkeit.
Erforderlich ist somit eine
medizi
nische Gesamtbetrachtung unter Beachtung der Standardindikatoren, welche
die aktuellen
psychischen und somatischen
Einschränkungen der Be
schwerdeführerin gesamtheitlich berücksichtigt.
Erst wenn
diese Einschätzung vorliegt, kann beurteilt werden, ob eine
anspruchs
relevante Gesundheitsschä
di
gung vorliegt.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Ent
scheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festge
stellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rück
weisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versiche
rungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne ma
terielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der entscheidrelevante Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Nach dem Gesagten wurde der
Sachverhalt zu wenig abgeklärt.
Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese
rechtsgenügliche
medizinische Ab
klärungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeits
fähigkeit der Beschwerdefüh
rerin vornehme.
Anschliessend wird die Beschwerdegegnerin über den Anspruch der Beschwer
deführerin auf Leistungen der Invalidenversi
cherung neu zu verfü
gen haben.
In diesem Sinne ist die Beschwer
de gutzuheissen.
6
.
6
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
6
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
,
die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertst
euer) ermessensweise auf Fr. 2’0
00.-- (inklusive Barausla
gen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin auf
zuerlegen ist.