Decision ID: 2c33d6c3-8dff-5b24-96eb-e0ef6eff3857
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezog ab dem 1. Januar 2015 eine Waisenrente der AHV (EL-act. 42-10,
Dossier 1). Im März 2016 meldete sie ihr Vormund und Pflegevater zum Bezug von
Ergänzungsleistungen an (EL-act. 41-1 ff., D. 1). Laut dem Betreuungsvertrag zwischen
der KESB und den Pflegeeltern vom 11. Mai 2015 handelte es sich um eine
unentgeltliche Betreuung. Das Betreuungsverhältnis hatte am 1. Februar 2015
begonnen und sollte voraussichtlich bis zum 31. Dezember 2017 dauern (EL-act. 42-1
ff., D. 1).
A.a.
Mit Verfügung vom 21. April 2016 sprach die EL-Durchführungsstelle der
Versicherten ab dem 1. März 2016 eine monatliche EL von Fr. 4'118.-- (inkl.
Prämienpauschale für die Krankenversicherung) zu (EL-act. 39, D. 1). Die EL-
Durchführungsstelle hatte eine Heimberechnung vorgenommen und bei den Ausgaben
eine Tagestaxe von Fr. 145.-- pro Tag berücksichtigt (EL-act. 37, D. 1). Im
Begründungsteil hielt sie fest, dass bei einem Aufenthalt von Waisen in bewilligten
Pflegefamilien die anrechenbare Tagespauschale höchstens Fr. 145.-- pro Tag betrage.
A.b.
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In einer Telefonnotiz vom 6. Mai 2016 hielt eine EL-Sachbearbeiterin fest, dass die
Pflegemutter wegen der Verfügung vom 21. April 2016 angerufen habe (EL-act. 36, D.
1). Die Versicherte erhalte noch Ausbildungszulagen, die in der EL-Berechnung nicht
berücksichtigt worden seien. Die EL-Sachbearbeiterin leitete die Telefonnotiz der für
das Dossier zuständigen Sachbearbeiterin weiter und bat sie darum, dies zu prüfen.
Die zuständige Sachbearbeiterin notierte am 9. Mai 2016, dass ab Februar 2016
tatsächlich eine Ausbildungszulage von Fr. 250.-- pro Monat anzurechnen sei. In der
Folge wurde die EL mit Verfügung vom 12. Mai 2016 (EL-act. 35, D. 1) rückwirkend ab
1. März 2016 (Anspruchsbeginn) unter Berücksichtigung der Ausbildungszulage auf
Fr. 3'868.-- pro Monat (inkl. Prämienpauschale Krankenversicherung) reduziert;
gleichzeitig wurde von der Versicherten für den Zeitraum 1. März bis 31. Mai 2016 ein
Betrag für zu viel bezahlte Ergänzungsleistungen von Fr. 750.-- (3 x Fr. 250.--)
zurückgefordert.
A.c.
Per 1. Januar 2017 wurden die Ergänzungsleistungen wegen der Erhöhung der
anrechenbaren Prämienpauschale für die Krankenversicherung auf Fr. 3'874.-- pro
Monat erhöht (Verfügung vom 19. Dezember 2016, EL-act. 32, D. 1).
A.d.
Mit Verfügung vom 18. Juli 2017 (EL-act 27, D. 1) reduzierte die EL-
Durchführungsstelle die Ergänzungsleistungen per 1. August 2017 auf Fr. 3'376.-- pro
Monat (inkl. Prämienpauschale Krankenversicherung). Sie berücksichtigte neu den
Lehrlingslohn der Versicherten ab 1. August 2017 in der Anspruchsberechnung. Mit
Verfügung vom 4. Dezember 2017 (EL-act. 24, D. 1) erhöhte die EL-
Durchführungsstelle die monatliche EL auf Fr. 3'414.--. Neben der Prämienpauschale
für die Krankenversicherung hatten sich die auf dem Lehrlingslohn zu erhebenden
Sozialversicherungsbeiträge erhöht, da die Versicherte am 1. Januar 2018 das 18.
Altersjahr erreichen werde.
A.e.
Am 9. Januar 2018 teilte der Vormund der Versicherten der EL-Durchführungsstelle
mit (EL-act. 18, D. 1), er habe bei der Kontrolle des EL-Berechnungsblattes festgestellt,
dass das Vermögen nicht mehr stimme. Mit dem Lehrlingslohn, der Waisenrente und
einer kleinen Erbschaft habe sich das Vermögen per 31. Dezember 2017 auf
Fr. 82'533.10 erhöht. Am 23. Februar 2018 forderte die EL-Durchführungsstelle den
Vormund auf, weitere Angaben zum Vermögen und den Vermögenserträgen per 31.
A.f.
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Dezember 2016 und per 31. Dezember 2017 sowie zur Erbschaft zu machen resp. die
dazugehörigen Unterlagen einzureichen (EL-act. 17, D. 1).
Mit Verfügung vom 23. Februar 2018 (EL-act. 16, D. 1) berechnete die EL-
Durchführungsstelle die EL ab 1. März 2018 infolge der Vermögensänderung
vorsorglich (im Hinblick auf die mit der Verfügung vom 14. März 2018 erfolgende
rückwirkende Neuberechnung ab 1. März 2016) neu und rechnete bei den Einnahmen
ein Sparguthaben von Fr. 82'533.-- an. Sie setzte die monatliche EL im Sinne einer
vorsorglichen Massnahme neu auf Fr. 2'288.-- (inkl. Prämienpauschale für die
Krankenversicherung) fest.
A.g.
Am 28. Februar 2018 reichte der (ehemalige) Vormund die einverlangten
Unterlagen zur Vermögenssituation der Versicherten ein (EL-act. 14, D. 1). Aus den
Unterlagen ging hervor, dass die Vormundschaft von Gesetzes wegen mit Erreichung
der Volljährigkeit am 1. Januar 2018 geendet hatte und dass sich das Vermögen und
die Vermögenserträge der Versicherten per 31. Dezember 2016 auf Fr. 37'565.-- resp.
Fr. 64.-- und per 31. Dezember 2017 auf Fr. 81'703.-- resp. Fr. 223.-- belaufen hatten.
Der ehemalige Vormund wies zudem darauf hin, dass die Versicherte am 20. Oktober
2017 eine Zahlung über Fr. 8'795.-- ("Tuition Fee") von ihrer Stiefmutter aus B._
erhalten habe. Das restliche Vermögen setze sich aus der Waisenrente, dem
Lehrlingslohn und den Ergänzungsleistungen zusammen.
A.h.
Am 13. März 2018 fand ein telefonisches Gespräch zwischen der zuständigen EL-
Sachbearbeiterin und dem ehemaligen Vormund der Versicherten statt (EL-act. 13, D.
1). Der ehemalige Vormund erklärte, dass es nie einen anderen Betreuungsvertrag als
jenen vom 11. Mai 2015 gegeben habe. Es sei nie ein Pflegegeld vereinbart bzw.
eingefordert worden. Nachdem er die Verfügung vom 21. April 2016 erhalten habe,
habe er sich wegen der Tagestaxe bei der EL-Durchführungsstelle gemeldet. Damals
sei ihm versichert worden, dass die Anrechnung der Tagestaxe korrekt sei.
A.i.
Mit Verfügung vom 14. März 2018 berechnete die EL-Durchführungsstelle die EL
rückwirkend ab Anspruchsbeginn neu und forderte von der Versicherten für den
Zeitraum 1. März 2016 bis 31. März 2018 einen Betrag von Fr. 87'046.-- zurück (EL-
act. 11, D. 1). Zur Begründung hielt sie fest, dass keine Heimberechnung unter
A.j.
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Berücksichtigung einer Tagestaxe hätte erfolgen dürfen, da es sich um eine
unentgeltliche Betreuung gehandelt habe. Stattdessen müsse eine Mietzinsberechnung
unter Berücksichtigung des Mietzinsanteils der Versicherten vorgenommen werden.
Zudem seien die Vermögensveränderungen per 31. Dezember 2016 und per 31.
Dezember 2017 berücksichtigt worden. Dagegen erhob der ehemalige Vormund der
Versicherten am 11. April 2018 vorsorglich Einsprache (EL-act. 5, D. 1). Er machte
geltend, dass die EL-Durchführungsstelle von einem Vermögen ausgegangen sei,
welches die Versicherte nach der Rückzahlung der Ergänzungsleistungen gar nie
gehabt habe. Nachdem er die Verfügung vom 21. April 2016 erhalten habe, habe er die
damals zuständige EL-Sachbearbeiterin telefonisch kontaktiert, da er diesen Betrag für
sehr hoch gehalten habe. Diese habe ihm die Richtigkeit der Berechnung der
Ergänzungsleistungen bestätigt. Aufgrund seines Telefonates seien aber neu die
Kinderzulagen in der Berechnung berücksichtigt worden. Nachdem sich das Vermögen
der Versicherten durch die EL-Zahlungen in erheblichem Masse angehäuft habe, habe
er Anfang Januar 2018 die EL-Durchführungsstelle über die Vermögensentwicklung
informiert.
Die EL-Durchführungsstelle bestätigte dem ehemaligen Vormund der Versicherten
am 23. April 2018 die Rückzahlung von Fr. 63'030.-- (EL-act. 3, D. 1).
A.k.
In der Einspracheergänzung vom 22. Mai 2018 machte die Rechtsvertreterin der
Versicherten geltend (EL-act. 31, Dossier 2), dass eine Rückerstattung der
Ergänzungsleistungen von Vornherein nicht verlangt werden könne, da die Versicherte
keine Meldepflichtverletzung begangen habe. Selbst wenn eine Rückerstattung
grundsätzlich verlangt werden könnte, wäre die Frist für deren Geltendmachung lange
vor dem Erlass der Verfügung vom 14. März 2018 abgelaufen. Die EL-
Durchführungsstelle habe die EL-Verfügungen nämlich regelmässig überprüft, so z.B.
am 10. Mai 2016 (richtig: 12. Mai 2016) und 12. Dezember 2016 (richtig: 19. Dezember
2016). Es wäre ihr zumutbar gewesen, den Fehler in der EL-Berechnung anlässlich
einer solchen Überprüfung zu entdecken. Soweit sich die Rückforderung auf die
Unentgeltlichkeit des Pflegeverhältnisses stütze, sei also die einjährige Frist zur
Geltendmachung der Rückerstattung am 14. März 2018 längst abgelaufen gewesen.
Zutreffend sei, dass der Vormund die Zunahme des Vermögens der Versicherten per
31. Dezember 2016 versehentlich nicht gemeldet habe, was zu korrigieren sei. Der
A.l.
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Rückforderungsanspruch für die Zeit vom 1. März 2016 bis 31. März 2018 betrage
deshalb insgesamt Fr. 2'735.75. Schliesslich wies die Rechtsvertreterin noch darauf
hin, dass ab 1. April 2018 eine höhere Prämienpauschale für die Krankenversicherung
und ein höherer Lebensbedarf zu berücksichtigen seien, da die Versicherte am 1.
Januar 2018 volljährig geworden sei.
Mit Entscheid vom 2. November 2018 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (EL-act. 17, D. 2). Zur Begründung hielt sie fest, dass die
Voraussetzungen einer Wiedererwägung im vorliegenden Fall erfüllt seien. Die
Mangelhaftigkeit der Verfügung vom 21. April 2016 sei augenfällig. Aufgrund der
Angaben im Betreuungsvertrag könne klarerweise nicht von einem entgeltlichen
Betreuungsverhältnis ausgegangen werden, wie dies die Beschreibung des
Ausgabepostens "Tagestaxen" fälschlicherweise suggeriere. Betreffend das
behauptete telefonische Gespräch zwischen dem ehemaligen Vormund und der
damals zuständigen EL-Sachbearbeiterin sei vorab anzumerken, dass ein Beweismittel
fehle, wonach sich dieses Gespräch tatsächlich wie geschildert ereignet habe. Gemäss
der SVA-internen Praxis hätte von diesem Gespräch eine Telefonnotiz erstellt werden
müssen. Ein solcher Vermerk fehle jedoch in den Akten. Ungeachtet dessen hätte der
ehemalige Vormund einer allfälligen fehlerhaften Auskunft aufgrund des ihm
vorliegenden Betreuungsvertrages ohnehin keinen Glauben schenken dürfen. Denn auf
der Ausgabenseite der Berechnungen werde deutlich der Eindruck erweckt, dass die
Versicherte Kosten zu tragen habe, die auf ihre Unterbringungssituation zurückzuführen
seien. Bei den Ausgaben sei nämlich unter der Überschrift "Heimaufenthalt" eine
"Tagestaxe" in der Höhe von Fr. 145.-- aufgeführt worden. Des Weiteren sehe weder
das ATSG noch das spezifische EL-Recht das Erfordernis einer Kausalität zwischen
einer Meldepflichtverletzung und dem unrechtmässigen Bezug der
Ergänzungsleistungen vor. Schliesslich werde die einjährige relative Verwirkungsfrist
nicht mit dem erstmaligen unrichtigen Handeln ausgelöst. Vielmehr sei auf den Tag
abzustellen, an dem sich die Verwaltung später unter Anwendung der ihr gebotenen
Sorgfalt über ihren Fehler hätte Rechenschaft geben müssen. Die Frist habe deshalb
nicht bereits am 21. April 2016 zu laufen begonnen. Eine Nachforschung und allfällige
Berichtigung eines konkreten Sachverhalts sei erst ab dem Zeitpunkt angezeigt, ab
welchem greifbare Indizien für dessen Unrichtigkeit zutage träten. Die Anpassungen
A.m.
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B.
der Berechnungsblätter bis und mit dem 4. Dezember 2017 hätten nie eine Position
zum Thema gehabt, die sich auf der Ausgabenseite der EL-Berechnung befunden habe
oder in irgendeiner Weise mit dieser Position direkt verknüpft gewesen sei. Mit dem
Schreiben des ehemaligen Vormundes vom 9. Januar 2018, in welchem dieser von sich
aus auf das geänderte Vermögen hingewiesen habe, habe seitens der EL-
Durchführungsstelle erstmals seit dem 21. April 2016 ein hinlänglicher Anlass dafür
bestanden, die Vermögenssituation der Versicherten genauer zu analysieren. Die
relative Verjährungsfrist habe also frühestens am 9. Januar 2018 zu laufen begonnen
und sei somit eingehalten worden. Zum Vorbringen der Versicherten, wonach der
Lebensbedarf in den Berechnungsblättern ab April 2018 falsch ausgewiesen worden
und zu korrigieren sei, sei festzuhalten, dass auch bei volljährigen Waisen, die in
häuslicher Gemeinschaft lebten, ein Lebensbedarf in der Höhe von Fr. 10'080.-- zu
berücksichtigen sei. Des Weiteren bezahlten Versicherte im Jahr, in dem sie 18 Jahre
alt würden, die "Kinderprämie" der Krankenversicherung. Dies sei selbst dann der Fall,
wenn eine versicherte Person am 1. Januar des Jahres 18 Jahre alt werde. Ferner sei
darauf hinzuweisen, dass selbst dann ein Einnahmenüberschuss bestünde, wenn vom
gemeldeten Vermögen die offenen EL-Rückforderungen in Abzug gebracht würden.
Gegen diesen Entscheid liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 3. Dezember 2018 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin
beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheides; der Rückforderungsanspruch
für die Zeit vom 1. März 2016 bis 31. März 2018 sei auf Fr. 2'735.75 festzusetzen. Des
Weiteren habe die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) der
Beschwerdeführerin den Betrag von Fr. 60'294.25 zurückzubezahlen. Ausserdem sei
der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Zur
Begründung der Beschwerde machte die Rechtsvertreterin in der
Beschwerdeergänzung vom 6. Mai 2019 (act. G 12) geltend, die Beschwerdeführerin
sei nicht nur allen Meldepflichten nachgekommen, sondern ihr Vormund habe sich
zusätzlich mit einem Telefonat am 5. Mai 2016 bei der damals zuständigen EL-
Sachbearbeiterin erkundigt, ob die Leistungszusprache wirklich richtig sei. Die
Sachbearbeiterin habe dies damals bejaht. Da ein Betreuungsvertrag vorgelegen habe,
hätte die Beschwerdegegnerin den Berechnungsfehler bereits zu diesem Zeitpunkt
B.a.
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durch gezieltes Nachfragen eruieren können. Die Beschwerdeführerin sei ihrer
Mitwirkungspflicht somit mehr als notwendig nachgekommen. Bezüglich der
einjährigen relativen Verwirkungsfrist sei einerseits auf das Telefonat zwischen dem
Vormund und der damals zuständigen EL-Sachbearbeiterin vom 5. Mai 2016
hinzuweisen. Andererseits habe die Beschwerdegegnerin die EL-Verfügung
regelmässig überprüft, beispielsweise am 10. Mai 2016 (richtig: 12. Mai 2016) oder am
12. Dezember 2016 (richtig: 19. Dezember 2016). Die Verwirkungsfrist habe somit am
5. Mai 2017 respektive spätestens am 12. Dezember 2017 (richtig: 19. Dezember 2017)
geendet. Die Verfügung vom 14. März 2018 sei somit nach Ablauf der Verwirkungsfrist
erlassen worden, weshalb die Rückforderung, soweit sie sich auf die Unentgeltlichkeit
des Pflegeverhältnisses stütze, verwirkt sei. Der EL-Anspruch ab Januar 2017 sei
jedoch aufgrund der Vermögenszunahme zu korrigieren. Die Rückforderung belaufe
sich auf insgesamt Fr. 2'735.75. Der Vormund habe der Beschwerdegegnerin aus dem
Vermögen der Beschwerdeführerin Fr. 63'030.-- zurückbezahlt. Die Differenz von Fr.
60'294.25 sei der Beschwerdeführerin somit zurückzuzahlen. Ab April 2018 seien der
Beschwerdeführerin eine Prämienpauschale für die Krankenversicherung von Fr.
5'016.-- und ein Lebensbedarf von Fr. 19'290.-- anzurechnen, da sie am 1. Januar
2018 volljährig geworden sei.
Am 30. April 2019 reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin das
ausgefüllte Formular betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege samt
dazugehöriger Unterlagen ein (act. G 9). Die Beschwerdeführerin hatte im Formular
vom 4. Dezember 2018 angegeben, dass sie ihrer Rechtsvertreterin einen
Kostenvorschuss von Fr. 3'000.-- bezahlt habe.
B.b.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Beschwerdeantwort (act. G 14).B.c.
Das Gericht bewilligte am 21. Juni 2019 das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 15).
B.d.
Auf Anfrage hin teilte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin dem Gericht
am 4. September 2020 mit, dass der vom ehemaligen Vormund der
Beschwerdeführerin bezahlte Kostenvorschuss von Fr. 3'000.-- ausschliesslich für das
Einspracheverfahren bezahlt und verwendet worden sei (act. G 18).
B.e.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/18
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Erwägungen
1.
Strittig ist, ob die von der Beschwerdegegnerin mit der Verfügung vom 14. März
2018 vorgenommene − und mit dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 2.
November 2018 bestätigte − Korrektur der Verfügung vom 12. Mai 2016 und die daraus
für den Zeitraum 1. März 2016 bis 31. März 2018 resultierende Rückforderung von
insgesamt Fr. 87'046.-- rechtmässig ist.
1.1.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung, ELG, SR 831.30). Die anerkannten Ausgaben und die
anrechenbaren Einnahmen, worin in bestimmtem Umfang auch das Vermögen
einbezogen ist, werden nach den in Art. 10 und 11 ELG sowie in Art. 11 bis 18 der
Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELV, SR 831.301) festgelegten Bestimmungen ermittelt.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 25 Abs. 1 Satz 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR
830.1). Rückerstattungspflichtig ist laut Art. 2 der Verordnung über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV, SR 830.11) unter anderem die Person, die
unrechtmässig gewährte Leistungen bezogen hat, nicht jedoch ihr Vormund.
1.2.
Die Beschwerdegegnerin hat die EL rückwirkend ab Anspruchsbeginn (1. März
2016) mit der Begründung korrigiert, dass wegen des Aufenthalts der
Beschwerdeführerin in einer Pflegefamilie fälschlicherweise eine Tagestaxe von Fr.
145.-- pro Tag angerechnet worden sei, obwohl das Pflegeverhältnis unentgeltlich
gewesen sei. Die Beschwerdegegnerin hat also die Verfügung vom 12. Mai 2016 in
Wiedererwägung gezogen. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine
Wiedererwägung erfüllt gewesen sind, das heisst ob die Verfügung vom 12. Mai 2016
zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung gewesen ist
(Art. 53 Abs. 2 ATSG).
1.3.
Bei in Heimen lebenden Personen wird die Tagestaxe als Ausgabe anerkannt
(Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG). Bei einem Aufenthalt von Waisen in bewilligten Pflegefamilien
hat die anrechenbare Tagespauschale bis zum 31. Dezember 2019 höchstens
Fr. 145.-- betragen (aArt. 1b Abs. 1 der Verordnung über die nach
Ergänzungsleistungsgesetz anrechenbare Tagespauschale, sGS 351.52). Die
1.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/18
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2.
Beschwerdeführerin, deren Vater im Dezember 2014 verstorben war, hat gemäss dem
Betreuungsvertrag vom 11. Mai 2015 seit dem 1. Februar 2015 bei den Pflegeeltern
gewohnt (EL-act. 42-1 ff., D. 1). Im Betreuungsvertrag war festgehalten worden, dass
es sich um eine unentgeltliche Betreuung handle (EL-act. 42-3, D. 1). Die
Beschwerdeführerin hat den Pflegeeltern für ihren Aufenthalt also keine Tagestaxe
geschuldet. Dementsprechend hätte in der EL-Berechnung auch nie eine Tagestaxe als
Ausgabe angerechnet werden dürfen. Damit erweist sich die Verfügung vom 12. Mai
2016 als zweifellos unrichtig. Von einer erheblichen Bedeutung der Berichtigung im
Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG wird bereits dann ausgegangen, wenn die Änderung der
jährlichen EL mehr als Fr. 120.-- im Jahr ausmacht (Rz. 4760.02 i.V.m. Rz. 3641.03 der
Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, WEL, Stand 1. Januar
2018). Die Berichtigung ist im vorliegenden Fall also von erheblicher Bedeutung
gewesen. Entgegen der Meinung der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (Ziff.
17 ff. der Beschwerdebegründung) steht der Grundsatz des Vertrauensschutzes einer
Wiedererwägung gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht entgegen
(vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts vom 24. Oktober 2018, 9C_332/2018 E. 5 mit
Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat die Verfügung vom 12. Mai 2016 somit zu
Recht wiedererwägungsweise aufgehoben und durch eine korrekte
Leistungszusprache rückwirkend ab 1. März 2016 ersetzt. Damit sind auch alle
nachfolgenden Revisionsverfügungen weggefallen. Nachfolgend ist demnach der EL-
Anspruch ab Anspruchsbeginn (1. März 2016) umfassend zu überprüfen.
Da das Betreuungsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und den
Pflegeeltern unentgeltlich gewesen ist, ist neben der Prämienpauschale für die
Krankenversicherung und dem allgemeinen Lebensbedarf bei den Ausgaben lediglich
ein Mietzinsanteil der Beschwerdeführerin zu berücksichtigen. Als Ausgaben
anzurechnen sind nach Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG der Mietzins einer Wohnung und die
damit zusammenhängenden Nebenkosten; als jährlicher Höchstbetrag werden bei
alleinstehenden Personen Fr. 13'200.-- anerkannt (Ziff. 1). Werden Wohnungen oder
Einfamilienhäuser auch von Personen bewohnt, welche nicht in die EL-Berechnung
eingeschlossen sind, dann ist der Mietzins auf die einzelnen Personen aufzuteilen. Die
Mietzinsanteile der Personen, welche nicht in die EL-Berechnung eingeschlossen sind,
werden bei der Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung ausser Betracht
gelassen (Art. 16c Abs. 1 ELV). Die Aufteilung hat grundsätzlich zu gleichen Teilen zu
erfolgen (Art. 16c Abs. 2 ELV). Bei der Wohnung, in welcher die Beschwerdeführerin
mit ihren Pflegeeltern sowie einer Mitbewohnerin gelebt hat, handelt es sich um
2.1.
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Wohneigentum des Pflegevaters (EL-act. 44, D. 1). Wenn die EL-beziehende Person
eine Wohnung zusammen mit deren Eigentümer bewohnt und zwischen den Parteien
ein Mietvertrag besteht, ist dieser grundsätzlich zu beachten und der vereinbarte
Mietzins ist (bis zum zulässigen Maximum) als Ausgabe zu berücksichtigen.
Voraussetzung ist, dass der Mietzins tatsächlich bezahlt wird und nicht offensichtlich
übersetzt ist. Wenn kein Mietzins vereinbart wurde oder bezahlt wird oder wenn der
Mietzins offensichtlich übersetzt ist, ist vom Mietwert der Wohnung (zzgl.
Nebenkostenpauschale) auszugehen und dieser Betrag ist zu gleichen Teilen auf die
einzelnen Personen aufzuteilen (vgl. Rz. 3231.05 WEL). Soweit ersichtlich hat im hier
massgebenden Zeitraum (1. März 2016 bis 31. März 2018) kein Mietvertrag zwischen
dem Pflegevater und der Beschwerdeführerin bestanden. Der Mietzinsanteil der
Beschwerdeführerin ist folglich anhand des Mietwerts der Wohnung zzgl.
Nebenkostenpauschale zu ermitteln. Der Mietwert der Wohnung beträgt Fr. 23'500.--,
die Nebenkostenpauschale Fr. 1'680.-- (Art. 16a Abs. 3 ELV). Gründe, die gegen eine
gleiche Aufteilung des Mietzinses sprechen würden − beispielsweise, weil eine Person
den grössten Teil der Wohnung für sich in Anspruch nimmt − sind vorliegend keine
ersichtlich (vgl. Rz. 3231.04 WEL). Der Mietwert und die Nebenkostenpauschale sind
somit zu gleichen Teilen auf die Beschwerdeführerin und die in der selben Wohnung
lebenden Personen aufzuteilen. Im Zeitraum 1. März 2016 bis 31. März 2018 haben vier
Personen in der Wohnung gelebt: Die Beschwerdeführerin, der Pflegevater, die
Pflegemutter und eine Mitbewohnerin; die Mitbewohnerin ist erst im Juli 2018
ausgezogen (EL-act. 12, D. 2). Der der Beschwerdeführerin anrechenbare Mietzins
beträgt somit wie von der Beschwerdegegnerin festgelegt Fr. 6'295.-- pro Jahr
([Fr. 23'500.-- + Fr. 1'680.--] / 4).
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass der
Beschwerdeführerin ab 1. April 2018 die Prämienpauschale für die
Krankenversicherung für Erwachsene (Fr. 5'016.-- pro Jahr) und der Lebensbedarf für
alleinstehende Personen (Fr. 19'290.-- pro Jahr) anzurechnen sei, da die
Beschwerdeführerin am 1. Januar 2018 volljährig geworden sei. Bei allen Personen
wird ein jährlicher Pauschalbetrag für die obligatorische Krankenpflegeversicherung als
Ausgabe anerkannt; der Pauschalbetrag hat der kantonalen beziehungsweise
regionalen Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung (inkl.
Unfalldeckung) zu entsprechen (Art. 10 Abs. 3 lit. d ELG). Da Kinder und Jugendliche
tiefere Krankenkassenprämien bezahlen als Erwachsene (Art. 61 Abs. 3 KVG), wird
auch bei der regionalen Durchschnittsprämie zwischen Kindern, jungen Erwachsenen
und Erwachsenen unterschieden. Die Abstufung nach Altersgruppen erfolgt aufgrund
der Geburtsjahre (Art. 91 Abs. 3 KVV). 0-18-Jährige gelten als Kinder, 19-25-jährige als
2.2.
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junge Erwachsene (siehe z.B. BBl 2016 7213, S. 7218). Der Wechsel der Altersgruppe
erfolgt nach dem 18. Geburtstag auf den 1. Januar des nächsten Kalenderjahres (vgl.
Schweizerische Eidgenossenschaft > Prämien > Prämienübersichten:
www.priminfo.admin.ch/de/uebersicht#info, besucht am 7. August 2020; EL-act. 21-2,
D. 2). Die Beschwerdeführerin hat im Jahr 2018, in welchem sie 18 Jahre alt geworden
ist, somit noch die "Kinderprämie" und noch nicht die Prämie für junge Erwachsene
bezahlt. Die Beschwerdegegnerin hat also ab dem 1. Januar 2018 zu Recht weiterhin
die Durchschnittsprämie für Kinder von Fr. 1'164.-- pro Jahr als Ausgabe
berücksichtigt.
Bei zu Hause lebenden Personen wird als Ausgabe ein Betrag für den allgemeinen
Lebensbedarf als Ausgabe anerkannt (Art. 10 Abs. 1 lit. a ELG). Dieser hat ab dem
1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2018 für alleinstehende Personen Fr. 19'290.-- pro
Jahr und für rentenberechtigte Waisen und Kinder, die einen Anspruch auf eine
Kinderrente der AHV oder IV begründen, Fr. 10'080.-- betragen. Gemäss Rz. 3224.01
WEL gilt der Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf für Waisen und Kinder für die
minderjährigen und volljährigen Waisen und Kinder, die in häuslicher Gemeinschaft
leben und nicht verheiratet sind. Als in häuslicher Gemeinschaft lebend gelten Kinder,
die mit mindestens einem Eltern-, Pflegeeltern- oder Grosselternteil, einer Tante, einem
Onkel oder einem volljährigen Geschwister, das keine Kinderrente bezieht,
zusammenleben (Rz. 3143.03 WEL). Die ledige Beschwerdeführerin hat nach Erreichen
der Volljährigkeit im Januar 2018 weiterhin bei ihren Pflegeeltern gewohnt. Die
Beschwerdegegnerin hat daher zu Recht lediglich einen Betrag von Fr. 10'080.-- für
den allgemeinen Lebensbedarf als Ausgabe berücksichtigt.
2.3.
Die Ausgaben haben sich ab 1. März 2016 somit auf Fr. 17'431.-- pro Jahr
belaufen (Prämienpauschale Krankenversicherung von Fr. 1'056.--, Mietzins von Fr.
6'295.-- und Lebensbedarf von Fr. 10'080.--), ab 1. Januar 2017 auf Fr. 17'503.--
(Prämienpauschale Krankenversicherung von Fr. 1'128.--, Mietzins von Fr. 6'295.-- und
Lebensbedarf von Fr. 10'080.--) und ab 1. Januar 2018 auf Fr. 17'539.--
(Prämienpauschale Krankenversicherung von Fr. 1'164.--, Mietzins von Fr. 6'295.-- und
Lebensbedarf von Fr. 10'080.--).
2.4.
Als Einnahmen wird ein Fünfzehntel des Reinvermögens angerechnet, soweit es
bei rentenberechtigten Waisen, die einen Anspruch auf eine Kinderrente der AHV oder
IV begründen, Fr. 15'000.-- übersteigt (Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG). Zeitlich massgebend
für die Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung ist in der Regel das am 1. Januar
des Bezugsjahres vorhandene Vermögen (Art. 23 Abs. 1 ELV). Das Sparguthaben der
Beschwerdeführerin hat sich gemäss den Kontoauszügen am 31. Dezember 2015 auf
2.5.
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Fr. 6'184.-- (Fr. 6'007.35 + Fr. 177.12, EL-act. 45, D. 1), am 31. Dezember 2016 auf
Fr. 37'565.-- (Fr. 29'988.02 + Fr. 7'577.60, EL-act. 14-8/12, D. 1) und am 31. Dezember
2017 auf Fr. 81'703.-- belaufen (Fr. 23'748.30 + Fr. 57'955.--, EL-act. 14-10 f., D. 1).
Die Beschwerdegegnerin hat auf das in den Kontoauszügen ausgewiesene Vermögen
abgestellt. Der ehemalige Vormund der Beschwerdeführerin hat hiergegen vorgebracht,
dass die Beschwerdeführerin dieses Vermögen nach der Rückzahlung der
Ergänzungsleistungen gar nie gehabt habe. Die Rückforderungsschuld ist erst mit der
Eröffnung der Verfügung vom 14. März 2018 entstanden. Die Rückforderung kann
deshalb nicht bereits ab 1. März 2016 in der Anspruchsberechnung als Schuld
berücksichtigt werden. Die Beschwerdeführerin hätte also im hier massgebenden
Zeitraum (1. März 2016 bis 31. März 2018) das Vermögen, das sie wegen der zu viel
bezogenen Ergänzungsleistungen angehäuft hatte, zur Finanzierung ihres
Existenzbedarfs verzehren können. Die Rückforderungsschuld ist somit nicht
rückwirkend ab 1. März 2016 in der EL-Berechnung zu berücksichtigen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin ab dem 1. März
2016 zu Recht keinen Vermögensverzehr angerechnet hat, denn das Bruttovermögen
hat mit Fr. 6'184.-- unter dem Freibetrag von Fr. 15'000.-- gelegen. Ab dem 1. Januar
2017 hat der Vermögensverzehr Fr. 1'504.-- (Fr. 37'565.-- - Fr. 15'000.--, davon 1/15)
und ab dem 1. Januar 2018 Fr. 4'446.-- (Fr. 81'703.-- - Fr. 15'000.--, davon 1/15)
betragen.
Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG werden zwei Drittel der Erwerbseinkünfte, soweit
sie bei alleinstehenden Personen jährlich Fr. 1'000.-- übersteigen, als Einnahmen
angerechnet. Die Beschwerdeführerin hat am 1. August 2017 eine Lehre begonnen. Der
Lehrlingslohn hat im ersten Lehrjahr brutto Fr. 10'010.-- (13 x Fr. 770.--, EL-act. 30, D.
1) betragen. Bis und mit Dezember 2017 haben die Lohnabzüge lediglich Fr. 50.-- pro
Jahr betragen (UVG 0.2631 %, KTG 0.235 %; EL-act. 28, D. 1). Ab dem 1. Januar
2018, d.h. ab dem Zeitpunkt, als die Beschwerdeführerin volljährig geworden ist, hat
sie auch AHV/IV/EO und ALV-Beiträge bezahlen müssen. Die Abzüge haben sich bei
gleichbleibendem Lohn deshalb auf Fr. 673.-- pro Jahr erhöht (UVG 0.2631 %, KTG
0.235 %, AHV/IV/EO 5.125 %, ALV 1.1 %). Abzüglich des Freibetrags von Fr. 1'000.--
und der Privilegierung (2/3) hat sich das anrechenbare Einkommen ab 1. August 2017
somit auf Fr. 5'973.-- und ab 1. Januar 2018 auf Fr. 5'558.-- belaufen.
2.6.
Als Einnahmen werden auch Einkünfte aus beweglichem und unbeweglichem
Vermögen angerechnet (Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG). Die Beschwerdegegnerin hat
richtigerweise die in den Kontoauszügen ausgewiesenen Erträge aus dem
Sparguthaben angerechnet. Diese haben per 31. Dezember 2015 Fr. 0.-- (EL-act. 45,
2.7.
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D. 1), per 31. Dezember 2016 Fr. 64.-- (EL-act. 14-8/12, D. 1) und per 31. Dezember
2017 Fr. 223.-- (EL-act. 14-10 f., D. 1) betragen.
Schliesslich hat die Beschwerdegegnerin auch die Kinderzulagen von Fr. 3'000.--
pro Jahr (12 x Fr. 250.--; Art. 11 Abs. 1 lit. f ELG) und die Waisenrente der AHV von
Fr. 11'004.-- pro Jahr (12 x Fr. 917.--; Art. 11 Abs. 1 lit. d ELG) korrekt in der
Anspruchsberechnung berücksichtigt.
2.8.
Die Einnahmen haben sich ab 1. März 2016 somit wie von der
Beschwerdegegnerin errechnet auf Fr. 14'004.-- belaufen (anrechenbarer
Vermögensverzehr Fr. 0.--, Kinderzulagen Fr. 3'000.--, Waisenrente Fr. 11'004.--,
Vermögenserträge Fr. 0.--), ab 1. Januar 2017 auf Fr. 15'572.-- (anrechenbarer
Vermögensverzehr Fr. 1'504.--, Kinderzulagen Fr. 3'000.--, Waisenrente Fr. 11'004.--,
Vermögenserträge Fr. 64.--), ab 1. August 2017 auf Fr. 21'545.-- (anrechenbarer
Vermögensverzehr Fr. 1'504.--, anrechenbares Einkommen Fr. 5'973.--, Kinderzulagen
Fr. 3'000.--, Waisenrente Fr. 11'004.--, Vermögenserträge Fr. 64.--) und ab 1. Januar
2018 auf Fr. 24'231.-- (anrechenbarer Vermögensverzehr Fr. 4'446.--, Kinderzulagen
Fr. 3'000.--, Waisenrente Fr. 11'004.--, anrechenbares Einkommen Fr. 5'558.--,
Vermögenserträge Fr. 223.--).
2.9.
Wie von der Beschwerdegegnerin errechnet beträgt die monatliche EL ab 1. März
2016 ohne den Pauschalbetrag an die Krankenversicherung Fr. 198.-- und mit diesem
Betrag Fr. 286.-- (jährliche Ausgaben: Fr. 17'431.--; jährliche Einnahmen: Fr. 14'004.--).
Ab 1. Januar 2017 beträgt die monatliche EL ohne Prämienpauschale für die
Krankenversicherung Fr. 67.-- und mit der Pauschale Fr. 161.-- (jährliche Ausgaben:
Fr. 17'503.--; jährliche Einnahmen: Fr. 15'572.--). Ab dem 1. August 2017 hat die
Beschwerdeführerin wegen eines Einnahmenüberschusses von Fr. 4'042.-- pro Jahr
(jährliche Ausgaben: Fr. 17'503.--; jährliche Einnahmen: Fr. 21'545.--) keinen Anspruch
mehr auf Ergänzungsleistungen. Ab dem 1. Januar 2018 beträgt der
Einnahmenüberschuss Fr. 6'692.-- pro Jahr (jährliche Ausgaben: Fr. 17'539.--; jährliche
Einnahmen: Fr. 24'231.--).
2.10.
Die Beschwerdeführerin hat (ohne Berücksichtigung der Prämienpauschale für
die Krankenversicherung, welche gemäss der Verfügung vom 14. März 2018 direkt bei
der Krankenkasse zurückgefordert wird) im Zeitraum 1. März 2016 bis 31. März 2018
Ergänzungsleistungen im Umfang von Fr. 89'495.-- bezogen (10 x Fr. 3'780.-- + 7 x
Fr. 3'780.-- + 5 x Fr. 3'282.-- + 2 x Fr. 3'317.-- + 1 x Fr. 2'191.--). Im selben Zeitraum
hat sie jedoch (ohne Berücksichtigung der Prämienpauschale Krankenversicherung)
lediglich Anspruch auf Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr. 2'449.-- gehabt (10 x
2.11.
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3.
Fr. 198.-- + 7 x Fr. 67.--). Die EL-Rückforderung (unter Ausklammerung der
Prämienpauschale Krankenversicherung) beläuft sich somit wie von der
Beschwerdegegnerin errechnet auf insgesamt Fr. 87'046.--.
Gemäss Art. 25 Abs. 2 erster Satz ATSG erlischt der Rückforderungsanspruch mit
dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis
erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der
einzelnen Leistung. Bei den genannten Fristen handelt es sich um Verwirkungsfristen
(BGE 140 V 521 E. 2.1). Die Korrektur- und Rückforderungsverfügung datiert vom 14.
März 2018. Da die unrechtmässig bezogenen Leistungen erstmals im März 2016
ausgerichtet worden sind, ist die absolute Verwirkungsfrist von fünf Jahren
augenscheinlich gewahrt. Nach der Rechtsprechung des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen beginnt die einjährige, relative Verwirkungsfrist erst an dem Tag zu
laufen, an dem die der Rückforderung zugrundeliegende Korrekturverfügung formell
rechtskräftig geworden ist, da der Versicherungsträger erst an dem Tag definitiv
Kenntnis von allen Einzelheiten des Rückforderungsanspruchs hat (Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. November 2016, IV 2014/559 E.
2.2; Entscheid vom 26. Juni 2017, EL 2016/8 E. 5.2). Da die Rückforderungsverfügung
im vorliegenden Fall bereits in der Wiedererwägungsverfügung vom 14. März 2018
enthalten gewesen ist, ist auch die relative, einjährige Verwirkungsfrist gewahrt worden.
Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass die relative Verwirkungsfrist im
vorliegenden Fall auch nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gewahrt ist.
Nach der Auffassung des Bundesgerichts ist für den Beginn der relativen einjährigen
Verwirkungsfrist jener Tag massgebend, an dem die Verwaltung bei gebotener und
zumutbarer Aufmerksamkeit den Fehler hätte erkennen müssen. Dies ist dann der Fall,
wenn alle im konkreten Einzelfall erheblichen Umstände zugänglich sind, aus deren
Kenntnis sich der Rückforderungsanspruch dem Grundsatz nach und in seinem
Ausmass gegenüber einer bestimmten rückerstattungspflichtigen Person ergibt.
Fristauslösend ist allerdings nicht das erstmalige unrichtige Handeln des
Durchführungsorgans mit der daraus resultierenden unrechtmässigen
Leistungsausrichtung (sog. erster Anlass). Vielmehr ist auf jenen Tag abzustellen, an
dem die Verwaltung später − beispielsweise anlässlich einer Rechnungskontrolle oder
aufgrund eines zusätzlichen Indizes − bei Beachtung der gebotenen und ihr
zumutbaren Aufmerksamkeit sich hinsichtlich ihres Fehlers hätte Rechenschaft geben
und erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückforderung gegeben
sind (sog. zweiter Anlass; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2014,
3.1.
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4.
9C_37/2014 E. 4.2 mit Hinweisen). Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat
geltend gemacht, dass sich der ehemalige Vormund der Beschwerdeführerin am 5. Mai
2016 bei der damals zuständigen EL-Sachbearbeiterin erkundigt habe, ob die EL-
Berechnung korrekt sei. Die Sachbearbeiterin habe dies bejaht. Allerdings liegt von
einem entsprechenden Gespräch keine Telefonnotiz bei den Akten. In antizipierender
Beweiswürdigung ist davon auszugehen, dass von einer Nachfrage bei der damals
zuständigen EL-Sachbearbeiterin keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten sind, denn
die Sachbearbeiterin wird sich nicht mehr an den genauen Inhalt eines über vier Jahre
zurückliegenden Telefonates erinnern können, zumal EL-Sachbearbeiter
erfahrungsgemäss viele Dossiers betreuen und zahlreiche telefonische Auskünfte
geben. Damit fehlt ein Beweis dafür, dass der ehemalige Vormund der
Beschwerdeführerin die zuständige EL-Sachbearbeiterin im Mai 2016 telefonisch
darauf hingewiesen hätte, dass ihm der festgelegte Betrag sehr hoch erscheine. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat weiter geltend gemacht, dass die
Beschwerdegegnerin im Rahmen des Erlasses der Revisionsverfügungen,
beispielsweise am 12. Mai 2016 oder am 19. Dezember 2016, den Berechnungsfehler
(Anrechnung einer Tagestaxe) hätte bemerken müssen. Gegenstand der
Revisionsverfügung vom 12. Mai 2016 ist die rückwirkende Anrechnung der
Kinderzulagen gewesen, Gegenstand der Revisionsverfügung vom 19. Dezember 2016
die Erhöhung der Prämienpauschale für die Krankenversicherung. Die
Beschwerdegegnerin hat beim Erlass dieser Revisionsverfügungen somit keinen Anlass
gehabt, die Rechtmässigkeit der angerechneten Tagestaxe zu überprüfen. Demzufolge
ist die einjährige relative Verwirkungsfrist nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts frühestens am 10. Januar 2018 mit dem Erhalt der Meldung des
ehemaligen Vormundes über den erheblichen Vermögenszuwachs ausgelöst worden.
Da die Korrektur- und Rückforderungsverfügung bereits am 14. März 2018 erlassen
worden ist, ist die einjährige relative Verwirkungsfrist also auch nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung gewahrt.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.3.2.
Gerichtsgebühren werden in Beschwerdeverfahren in EL-Sachen gemäss Art. 61
lit. a ATSG keine erhoben.
4.1.
Der Staat bezahlt zufolge der Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung die Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin im
Beschwerdeverfahren. Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann die
4.2.
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