Decision ID: 9144ab6d-0890-47aa-89e4-33154539d807
Year: 2006
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 01.03.2006 Art. 16c Abs. 1 lit. a und Abs. 2 lit. a SVG. Das Missachten des Rotlichts mit Unfallfolge stellt in aller Regel eine schwere Widerhandlung dar, die zu einem Führerausweisentzug von mindestens drei Monaten führt. Die Vorinstanz hat bei strittigem Sachverhalt regelmässig die strafrechtliche Erledigung des Vorfalls abzuwarten, bis eine Entzugsverfügung ergehen kann (Verwaltungsrekurskommission, 1. März 2006, IV-2005/124).
In Sachen
X.Y.
Rekurrent,
vertreten durch,
gegen
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt, Abteilung Personenzulassung,
Oberer Graben 32, 9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Führerausweisentzug für die Dauer von drei Monaten
Sachverhalt:
A.- X.Y. lenkte am Samstag, 13. August 2005, um 17.40 Uhr, den Personenwagen
"Skoda Octavia Combi 4x4" in F. auf der Oberen Bahnhofstrasse in Richtung A.. Beim
Stadthofplatz, wo die A-strasse auf die Alte B-strasse und die Z-strasse trifft, fuhr er
auf der mittleren, in die Z-strasse führenden Spur in die Kreuzung ein. Dabei kam es zu
einer Kollision mit einem von rechts auf der Alten B-strasse her fahrenden
Personenwagen, der nach links auf die A-strasse abbog. Die Befragung eines Zeugen
ergab, dass das Lichtsignal für die Fahrtrichtung von X.Y. im Zeitpunkt, als er in die
Kreuzung einfuhr, auf Rot gestanden war. An beiden beteiligten Fahrzeugen entstand
erheblicher Sachschaden. Eine - nicht angegurtete - Mitfahrerin des von rechts
kommenden Fahrzeugs erlitt leichte Verletzungen.
B.- Wegen Missachtens des Rotlichts, Missachtens der Pflicht zur Abgaswartung und
Nichtmitführens des Abgaswartungsdokuments wurde X.Y. vom Untersuchungsamt mit
Bussenverfügung vom 16. November 2005 unter anderem in Anwendung von Art. 90
Ziff. 1 SVG mit Fr. 500.-- gebüsst. Die Strafverfügung wurde unangefochten
rechtskräftig.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung
Personenzulassung, entzog X.Y. mit Verfügung vom 17. November 2005 den
Führerausweis gestützt auf Art. 16c Abs. 1 lit. a und Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG für die
Dauer von drei Monaten.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X.Y. durch seinen Vertreter mit Eingabe vom 1.
Dezember 2005 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, der
Führerausweis sei lediglich nach den Bestimmungen gemäss Art. 16a oder Art. 16b
SVG zu entziehen, mithin maximal für einen Monat (Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG). - Auf die
Ausführungen zur Begründung des Antrags wird, soweit notwendig, in den

Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz verzichtete mit Vermerk vom 12. Januar 2006 auf eine Vernehmlassung.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 1. Dezember 2005 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 24 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt:
SVG; Art. 41 lit. e, 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Hinsichtlich des vorinstanzlichen Verfahrens wird geltend gemacht, die Vorinstanz
habe vor ihrem Entscheid nicht die strafrechtliche Erledigung des Vorfalls vom 13.
August 2005 abgewartet.
a) Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat die Verwaltungsbehörde - sofern
eine Anzeige an den Strafrichter bereits erfolgt oder mit einer solchen zu rechnen ist -
grundsätzlich mit ihrem Entscheid zuzuwarten, bis ein rechtskräftiges Strafurteil
vorliegt, soweit der Sachverhalt oder die rechtliche Qualifikation des in Frage
stehenden Verhaltens für das Verwaltungsverfahren von Bedeutung sind; dies ist etwa
dann nicht der Fall, wenn nur die Frage des bedingten Strafvollzuges streitig ist oder
wenn klar ist, dass ein Rückfall im Sinn des SVG gegeben ist. Ausnahmen sind
indessen nur dann zuzulassen, wenn in Bezug auf den Schuldpunkt der in Frage
stehenden SVG-Widerhandlung keinerlei Zweifel bestehen (z.B. Beweis des Fahrens in
angetrunkenem Zustand aufgrund einer Blutprobe, deren Ergebnis anerkannt ist; vgl.
BGE 119 Ib 158 E. 2c/bb).
b) Die Kopie des Polizeirapportes vom 7. September 2005 ging am 13. September
2005 bei der Vorinstanz ein. Sie eröffnete gegenüber dem Rekurrenten das
Administrativverfahren mit eingeschriebenem Brief vom 17. Oktober 2005. Darin stellte
sie fest, der Rekurrent habe am 13. August 2005 mit dem Personenwagen in F. das
Rotlicht einer Lichtsignalanlage missachtet und einen Verkehrsunfall verursacht. Dabei
handle es sich um eine schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, die einen Entzug des Führerausweis nach sich ziehe.
Aus der auf der Rückseite des Schreibens wiedergegebenen Gesetzesbestimmung war
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ersichtlich, dass die Entzugsdauer in diesen Fällen mindestens drei Monate beträgt.
Die Vorinstanz räumte dem Rekurrenten eine Frist von zehn Tagen ein, um zum
Verfahren schriftlich Stellung zu nehmen. Nachdem weder der Brief vom 17. Oktober
2005 an die Vorinstanz zurückging noch innert Frist eine Stellungnahme einging, erliess
die Vorinstanz am 17. November 2005 die angefochtene Verfügung.
c) Fraglich ist, ob die Vorinstanz unter Berücksichtigung aller Umständen davon
ausgehen durfte, es bestünden insbesondere hinsichtlich des Schuldpunktes keinerlei
Zweifel an der dem Rekurrenten vorgehaltenen Verkehrsregelverletzung.
Aus dem Polizeirapport selbst war ersichtlich, dass beide an der Kollision beteiligten
Fahrzeuglenker geltend machten, die Lichtsignalanlage habe für ihre Fahrtrichtung
Grün angezeigt. Ihre Auffassung, der Rekurrent habe das Rotlicht missachtet, stützte
die Vorinstanz damit einzig auf eine im Rapport wiedergegebene Aussage einer Person,
die sich nachträglich auf eine in der Presse publizierte Aufforderung hin am bei der
Polizei gemeldet hatte und angab, sie sei unmittelbar hinter dem Rekurrenten gefahren
und habe gesehen, dass dieser bei Rot in die Kreuzung hineingefahren sei.
Indem die Vorinstanz selbst davon ausging, der Rekurrent habe eine schwere
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften, in strafrechtlicher Hinsicht also
ein schwere Verkehrsgefährdung im Sinn von Art. 90 Ziff. 2 SVG und damit angesichts
der Strafdrohung mit Gefängnis ein Vergehen begangen, wäre es angezeigt gewesen,
die strafrechtliche Erledigung des Vorfalls abzuwarten. Nach Abschluss der
polizeilichen Ermittlungen war insbesondere noch nicht klar, ob der Rekurrent an seiner
Auffassung, er habe Grün gehabt, festhalte. Es wäre also durchaus möglich gewesen,
dass im Rahmen eines ordentlichen Strafverfahrens eine Befragung der betreffenden
Person als Zeuge unter Ermahnung zur Wahrheit erfolgt wäre, umso mehr als die
polizeiliche Befragung zu Protokoll lediglich bei Übertretungen und zur Abklärung von
Nebenumständen eines Verbrechens oder Vergehens, nicht aber bei einer Aussage
zum Schuldpunkt im Zusammenhang mit einem Vergehen, an die Stelle der
Zeugeneinvernahme treten kann (vgl. Art. 82 Abs. 2 und Art. 89 Abs. 3 des
Strafprozessgesetzes; sGS 962.1, abgekürzt: StP).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Unter diesen Umständen und angesichts der bundesgerichtlichen Rechtsprechung,
wonach die strafrechtliche Erledigung nur ausnahmsweise, wenn über den
Schuldpunkt keinerlei Zweifel bestehen, nicht abzuwarten ist, hätte die Vorinstanz nicht
vor Vorliegen des rechtskräftigen Strafurteils verfügen dürfen, selbst wenn der
Rekurrent von der Möglichkeit des rechtlichen Gehörs keinen Gebrauch machte. In
Anbetracht der restriktiven Formulierung der Ausnahmen durch das Bundesgericht
(z.B. Beweis des Fahrens in angetrunkenem Zustand aufgrund einer Blutprobe, deren
Ergebnis anerkannt ist) darf in der Regel allein daraus, dass ein Betroffener keine
Stellung zum Verfahren nimmt, nicht geschlossen werden, er akzeptiere den ihm
gegenüber von der Verwaltungsbehörde erhobenen Schuldvorwurf.
d) Insoweit im Rekurs beanstandet wird, die Vorinstanz habe die strafrechtliche
Erledigung des Vorfalls zu Unrecht nicht abgewartet, erweist er sich dementsprechend
als begründet. Dies ist bei der Verlegung der amtlichen Kosten zu berücksichtigen (vgl.
E. 9).
3.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
4.- Im Rekurs ist angesichts der mittlerweile vorliegenden und rechtskräftigen
strafrechtlichen Verurteilung zu Recht unbestritten, dass der Rekurrent mit dem
Personenwagen "Skoda Oktavia Combi 4x4 im August 2005 auf der A-strasse in F.
beim Stadthofplatz auf der Verzweigung der A-strasse mit der Alten B-strasse und der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Z-strasse das Rotlicht missachtet und dadurch einen Verkehrsunfall verursacht und
damit Art. 27 Abs. 1 SVG, wonach Signale und Markierungen zu befolgen sind, verletzt
hat.
5.- Im Strafverfahren wurde nicht das vereinfachte Verfahren gemäss dem
Bundesgesetz über Ordnungsbussen im Strassenverkehr (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
angewandt, sondern die Strafe nach den allgemeinen Regeln des Strafgesetzbuches
zugemessen. Gemäss Art. 1 Abs. 1 und 2 OBG können Übertretungen der
Strassenverkehrsvorschriften des Bundes in einem vereinfachten Verfahren mit
Ordnungsbussen mit einer Höchstgrenze von Fr. 300.-- geahndet werden.
Entsprechend Ziff. 309.1 des Anhangs 1 (Bussenliste) zur Ordnungsbussenverordnung
(SR 741.031, abgekürzt: OBV) beträgt die Ordnungsbusse bei Nichtbeachten eines
Lichtsignals Fr. 250.--. Das Ordnungsbussenverfahren ist nach Art. 2 lit. a OBG bei
Widerhandlungen ausgeschlossen, durch die der Täter Personen gefährdet oder
verletzt oder Sachschaden verursacht hat. Da der Rekurrent aufgrund des
Nichtbeachtens eines Lichtsignals einen Verkehrsunfall verursacht hat, ist
dementsprechend gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG zu prüfen, welche
Administrativmassnahme ihm gegenüber auszufällen ist.
6.- Umstritten ist, ob die Vorinstanz dem Rekurrenten den Führerausweis zu Recht
gestützt auf Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG entzogen hat.
a) Die Vorinstanz hielt in tatsächlicher Hinsicht fest, der Rekurrent habe das Rotlicht
einer Lichtsignalanlage missachtet und einen Verkehrsunfall verursacht. Dabei handle
es sich gemäss Bundesgerichtspraxis um eine schwere Widerhandlung. Dem wird im
Rekurs entgegen gehalten, strafrechtlich sei der Rekurrent in Anwendung von Art. 90
Ziff. 1 SVG (einfache Verkehrsregelverletzung) verurteilt worden. Indem die
Verwaltungsbehörde von einer schweren Widerhandlung ausgegangen sei, habe sie
gegen übergeordnetes Recht verstossen. Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung habe sie sich der rechtlichen Qualifikation durch den Strafrichter
anzuschliessen. Die Voraussetzungen, um von diesem Grundsatz abzuweichen, seien
vorliegend nicht erfüllt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
b) aa) Im Interesse von Rechtseinheit und Rechtssicherheit darf die
Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil nur dann
abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem
Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat, wenn sie zusätzliche
Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen Entscheid führt, oder wenn die
Beweiswürdigung durch den Strafrichter den feststehenden Tatsachen klar
widerspricht (hat sie hingegen keine zusätzlichen Beweise erhoben, hat sie sich
grundsätzlich an die Würdigung des Strafrichters zu halten) oder schliesslich wenn der
Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche
Rechtsfragen abgeklärt, insbesondere die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln
übersehen hat. Die Verwaltungsbehörde hat insbesondere dann auf die Tatsachen im
Strafurteil abzustellen, wenn dieses im ordentlichen Verfahren mit öffentlicher
Verhandlung unter Anhörung der Parteien und Einvernahme von Zeugen ergangen ist,
es sei denn, es bestünden klare Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit dieser
Tatsachenfeststellung; in diesem Fall hat die Verwaltungsbehörde nötigenfalls
selbständige Beweiserhebungen durchzuführen (vgl. BGE 119 Ib 158 E. 3c/aa).
In tatsächlicher Hinsicht ist festzuhalten, dass beide an der Kollision beteiligten
Unfalllenker überzeugt waren, die Lichtsignalanlage habe für sie im Zeitpunkt, als sie in
die Kreuzung eingefahren seien, Grün angezeigt. Dass dies tatsächlich der Fall war,
kann einerseits aus technischen Gründen und anderseits aufgrund des ungehinderten
Verkehrsflusses auf der Verzweigung unabhängig von genauen Angaben zu den von
den beiden Beteiligten innegehabten Geschwindigkeiten ausgeschlossen werden. Aus
den vom Rekurrenten nicht bestrittenen Aussagen am Unfall nicht beteiligter Personen
und seinen eigenen Aussagen ist zu schliessen, dass der Rekurrent in die Kreuzung
einfuhr, als die Lichtsignalanlage für seinen Fahrstreifen Rot anzeigte.
Zunächst schilderte der Rekurrent selbst, als er in den Kreuzungsbereich eingefahren
sei, habe er links beim Café einen Kollegen gesehen, diesem zugerufen und zweimal
gehupt. Die Schilderung stimmt mit jener der Ehefrau dieses Kollegen überein. Ein
weiterer Zeuge, der mit dem Velo auf der Z-strasse in Richtung F. unterwegs war,
sagte aus, er habe beobachtet, wie der Rekurrent in Richtung des Restaurants
geschaut, dorthin Handzeichen durchs offene Fenster gegeben und zwei-, dreimal
gehupt habe. Er habe sofort gedacht, der Lenker schenke dem Verkehr zu wenig
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Aufmerksamkeit. Eine weitere von der Polizei befragte Person schliesslich lenkte ihr
Fahrzeug unmittelbar hinter dem Personenwagen des Rekurrenten und stellte fest,
dass dessen Fahrzeug bei Rot in die Kreuzung einfuhr. Unter diesen Umständen und
angesichts der Tatsache, dass der Rekurrent die Bussenverfügung unangefochten
rechtskräftig werden liess und auch im vorliegenden Rekursverfahren nicht mehr
geltend macht, die Lichtsignalanlage habe für seinen Fahrstreifen Grün angezeigt, ist in
tatsächlicher Hinsicht davon auszugehen, dass er das Rotlicht und damit eine wichtige
Verkehrsvorschrift missachtet hat.
bb) Die Verwaltungsbehörde ist auch in Bezug auf die Rechtsanwendung an die
rechtliche Qualifikation des Sachverhalts durch das Strafurteil gebunden, wenn die
rechtliche Würdigung sehr stark von der Würdigung von Tatsachen abhängt, die der
Strafrichter besser kennt als die Verwaltungsbehörde (was etwa dann der Fall ist, wenn
er den Beschuldigten persönlich einvernommen hat; vgl. BGE 119 Ib 158 E. 3c/bb).
Im Strafverfahren wurde der Rekurrent durch den Strafrichter nicht persönlich
einvernommen. Dieser stützte sich allein auf die polizeilichen Einvernahmen des
Rekurrenten, des weiteren an der Kollision beteiligten Fahrzeuglenkers sowie dreier
Personen, die den Unfall aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrgenommen haben.
Unter diesen Umständen hängt im vorliegenden Fall die rechtliche Würdigung nicht von
Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt als die Verwaltungsbehörde.
Dementsprechend ist zu prüfen, ob das Verhalten des Rekurrenten hinsichtlich der
Gefährdung eine die Anwendung von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG rechtfertigende
konkrete oder erhöhte abstrakte Gefährdung geschaffen hatte .
c) Der am 1. Januar 2005 in Kraft getretene Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG übernimmt den
Wortlaut von Art. 90 Ziff. 2 SVG und stimmt wie bereits Art. 16 Abs. 3 lit. a in der
früheren Fassung des SVG inhaltlich mit der strafrechtlichen Bestimmung überein (vgl.
BGE 123 II 37 E. 1b, 120 Ib 285; Botschaft, in: BBl 1999 S. 4462 ff.). Art. 90 Ziff. 2 SVG
ist nach der Rechtsprechung objektiv erfüllt, wenn der Täter eine wichtige
Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit
abstrakt oder konkret gefährdet hat. Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer
im Sinn von Art. 90 Ziff. 2 SVG ist bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung
gegeben. Die erhöhte abstrakte Gefahr setzt die naheliegende Möglichkeit einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
konkreten Gefährdung oder Verletzung voraus (BGE 123 II 37 E. 1b, 122 II 228 E. 3b
mit Hinweis). Subjektiv erfordert der Tatbestand, dass dem Täter aufgrund eines
rücksichtslosen oder sonstwie schwerwiegend regelwidrigen Verhaltens zumindest
eine grobe Fahrlässigkeit vorzuwerfen ist (BGE 123 II 106 E. 2a). Dies ist immer dann zu
bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner krass
verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kann aber auch
vorliegen, wenn er die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in
Betracht zieht, also unbewusst fahrlässig handelt. In solchen Fällen bedarf jedoch die
Annahme grober Fahrlässigkeit einer sorgfältigen Prüfung. Sie wird nur zu bejahen sein,
wenn das Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ebenfalls auf
Rücksichtslosigkeit beruht und daher besonders vorwerfbar ist (BGE 118 IV 285 E. 4).
aa) Eine konkrete Gefahr liegt bei Missachtung eines Lichtsignals immer dann vor,
wenn ein bei Grünlicht in die Verzweigung einfahrendes Fahrzeug bremsen oder
ausweichen muss, um die Gefahr einer Kollision mit dem das Rotlicht missachtenden
Verkehrsteilnehmer abzuwenden. Die konkrete Gefahr ist selbstverständlich dann zu
bejahen, wenn es zu einem Unfall zwischen dem Rot- und dem Grünfahrer gekommen
ist, sich die Gefahr also realisiert hat (vgl. J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung,
Davos 1999, S. 71/72).
Im vorliegenden Fall hat sich die konkrete Gefährdung des bei Grün in die Kreuzung
einfahrenden Lenkers realisiert, indem es zur Kollision seines Fahrzeugs mit jenem des
Rekurrenten gekommen ist. An beiden Fahrzeugen entstand erheblicher Sachschaden.
Zudem wurde eine Person leicht verletzt. Unter diesen Umständen ist in objektiver
Hinsicht von einer Verletzung von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG auszugehen. Die
Möglichkeit, den Rekurrenten gestützt auf Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zu verwarnen,
entfällt, weil die Gefahr, die der Rekurrent mit seinem Verhalten bewirkte, offensichtlich
nicht mehr als leicht eingestuft werden kann.
bb) In subjektiver Hinsicht ist das Verschulden des Rekurrenten zu prüfen. Der
Strafrichter ist, indem er Art. 90 Ziff. 1 SVG angewendet hat, nicht von einem schweren
Verschulden des Rekurrenten ausgegangen. Eine Begründung dazu fehlt. Die
Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung Bezug genommen, nach der es sich bei der Missachtung des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rotlichts einer Lichtsignalanlage um eine schwere Widerhandlung handle. Damit ging
sie in subjektiver Hinsicht stillschweigend von einem schweren Verschulden des
Rekurrenten aus. Auch hier wurde das Verschulden nicht ausdrücklich gewürdigt.
Bei der unbewussten Missachtung von Lichtsignalen wertet das Bundesgericht das
Übersehen eines Rotlichts bei übersichtlichen Verzweigungen nicht als grobfahrlässig,
sofern das Verkehrsaufkommen gering ist und die Verhältnisse es dem Rotfahrer
erlauben, allfällige Grünfahrer rechtzeitig zu erkennen, sodass er auf sie Rücksicht
nehmen kann (vgl. BGE 118 IV 285 E. 4). Bei unübersichtlichen Verzweigungen
qualifiziert das Bundesgericht das Missachten eines Lichtsignals subjektiv als grobe
Verkehrsregelverletzung, sofern keine "in der Person der handelnden Person liegenden
besondere Umstände hinzukommen, die den Grund des momentanen Versagens
erkennen und in einem milderen Licht erscheinen" lassen (BGE 123 IV 88 E. 4c; vgl.
dazu Boll, a.a.O., S. 75/76).
Das Bundesgericht verlangt von einem Fahrzeuglenker, dass er mit einem
Mindestmass an Konzentration auf eine Kreuzung zufährt, um Verkehrssignale
wahrzunehmen und bei einem Phasenwechsel einer Ampel rechtzeitig und
angemessen reagieren zu können (vgl. BGE 123 IV 88 E. 4c). Wer das Lichtsignal zwar
erkannt hat, aber den Blick trotz der gebotenen besonderen Aufmerksamkeit derart
lange von der vor ihm liegenden Fahrbahn abwendet, um beispielsweise eine
Hausnummer zu suchen, insbesondere in der kritischen Entfernung von der Ampel,
welche darüber entscheidet, ob bei einem Wechsel auf Gelblicht noch angehalten
werden kann, dass er ein Rotlicht missachtet, muss sich Grobfahrlässigkeit vorhalten
lassen. Die Praxis zeigt, dass es auch an sich besonnenen Fahrzeuglenkern einmal
passieren kann, schlicht und einfach ein seit mehreren Sekunden auf Rotlicht
stehendes Lichtsignal zu übersehen. Sie können sich eine solch krasse
Unaufmerksamkeit oft selbst nicht erklären und führen dies auf eine momentane
Gedankenabwesenheit, eine Unterhaltung mit der Mitfahrerin, Bedienung des Radios
und dergleichen zurück. Das Obergericht Zürich führte in einem nicht publizierten Urteil
vom 6. April 1999 aus, dies seien keine "in der Person der handelnden Person liegende
besondere Umstände, die den Grund des momentanen Versagens erkennen und in
einem milderen Licht erscheinen" lassen (vgl. Boll, a.a.O., S. 76).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Im Zusammenhang mit dem Übersehen eines Rotlichts führte das Bundesgericht in
einem auch elektronisch nicht publizierten Urteil vom 14. März 2003 (2A.466/2002;
referiert bei Ph. Weissenberger, Die strafrechtliche Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Strassenverkehrsrecht im Jahr 2003 und im 129. Band, in:
Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2004, S. 230 ff.) aus, mit dem Begriff der
Rücksichtslosigkeit werde eine besondere Gleichgültigkeit bzw. ein bedenken- oder
gewissenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern umschrieben, das nicht nur
im bewussten "Sich-Hinwegsetzen", sondern auch im blossen (momentanen)
Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen liegen könne. Es sei aufgrund der
gesamten Umstände zu ermitteln, ob das Übersehen eines Signals oder einer
Gefahrensituation auf Rücksichtslosigkeit beruhe oder nicht. Je schwerer dabei die
Verkehrsregelverletzung objektiv wiege, desto eher werde Rücksichtslosigkeit zu
bejahen sein, sofern keine besonderen Gegenindizien vorlägen. Im konkreten Fall
bejahte das Bundesgericht die Rücksichtslosigkeit des Lenkers, weil er unaufmerksam
gewesen sei, obschon er angesichts der verhältnismässig unübersichtlichen Kreuzung,
der Fussgängerstreifen, des regen Verkehrs sowie der nicht synchronen Lichtsignale
für die parallelen Fahrspuren in besonderem Masse aufmerksam hätte sein müssen. Ihn
treffe deshalb schwere Schuld. Sein Verhalten sei grob fahrlässig.
In der Literatur wird zu diesem Entscheid angemerkt, die allgemeinen Erwägungen des
Bundesgerichts zu den Grundsätzen grober Fahrlässigkeit bei unbewusster
Pflichtverletzung deckten sich nicht mit den Erwägungen bzw. Schlüssen im konkreten
Fall. Bei momentanem Versagen könne nämlich in der Regel gerade nicht davon
gesprochen werden, der Betroffene habe subjektiv rücksichtslos gehandelt, also
gegenüber fremden Rechtsgütern eine besondere Gleichgültigkeit oder eine besondere
bedenken- oder gewissenlose Einstellung gezeigt. Das ergebe sich auch aus dem
allgemeinen Sprachgebrauch, wonach Rücksichtslosigkeit gleichbedeutend sei mit
Gewissenlosigkeit, Bedenkenlosigkeit oder Skrupellosigkeit. Das Bundesgericht trete
nicht nur in diesem Urteil nur noch verbal für eine klare Beschränkung der Strafbarkeit
nach Art. 90 Ziff. 2 SVG bei unbewusster Fahrlässigkeit ein, entscheide jeweils aber
gegenläufig. Das Erfordernis der Rücksichtslosigkeit verkomme damit zunehmend zur
Leerformel. Überzeugender wäre es, unbewusste grobe Fahrlässigkeit schon bei einem
erhöhten Grad an Leichtsinn, Leichtfertigkeit oder Achtlosigkeit anzunehmen. Zu
fordern sei mit anderen Worten sowohl objektiv als auch subjektiv mindestens grobe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nachlässigkeit, nicht mehr aber auch nicht weniger. Dabei sollte es für grobe
Fahrlässigkeit subjektiv genügen, dass der Täter die objektive Notwendigkeit
gesteigerter Aufmerksamkeit bzw. Vorsicht aus besonderer Nachlässigkeit verkannt
und sein Verhalten in vorwerfbarer Weise nicht entsprechend angepasst habe. Auch
eine unerklärliche Gedankenlosigkeit oder Unaufmerksamkeit könne nach dieser
Definition unter Umständen zur Annahme einer groben Verkehrsregelverletzung führen
(vgl. Weissenberger, a.a.O., S. 231/232).
Aus der polizeilichen Befragung wird ersichtlich, dass der - ortsansässige - Rekurrent
die Lichtsignalanlage wahrgenommen hat. Insbesondere ist davon auszugehen, dass
ihm in seiner Fahrrichtung ein auf Grün stehendes Signal bewusst war, er dieses Signal
jedoch fälschlicherweise auf den von ihm befahrenen Fahrstreifen statt auf die parallel
verlaufende, in die Alte B-strasse nach rechts abzweigende Fahrspur bezogen hat.
Dieser Fehler unterlief dem Rekurrenten offenkundig deshalb, weil er seine
Aufmerksamkeit nicht bloss auf das Verkehrsgeschehen, sondern vorab auf einen
Bekannten richtete, der sich auf der linken Seite der Strasse befand und dem er
zuwinkte und -hupte. Damit fragt sich, ob das Verhalten des Rekurrenten eine grobe
Fahrlässigkeit im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG bzw. Art. 90 Ziff. 2 SVG darstellte.
Dem Rekurrenten ist zugute zu halten, dass er zwar die Lichtsignalanlage und wohl
auch ein grünes Licht wahrnahm, das jedoch für den parallel verlaufenden Fahrstreifen
galt. Dass er sich durch einen Kollegen ablenken liess und dem Verkehr nicht mehr die
erforderliche Aufmerksamkeit zuwandte, deutet jedoch auf eine erhebliche
Nachlässigkeit hin. Auch wenn das unverhoffte Erscheinen einer bekannten Person im
Blickfeld eines Lenkers eine unwillkürliche Reduktion der auf den Verkehr gerichteten
Aufmerksamkeit nach sich zieht, hat sich der Rekurrent in der vorliegenden Situation in
einem Mass ablenken lassen, das auf eine erhebliche Achtlosigkeit gegenüber den
anderen Verkehrsteilnehmern schliessen lässt. Nach der eigenen Beurteilung des
Rekurrenten war das Verkehrsaufkommen im fraglichen Zeitpunkt gross. Zudem ist die
Verkehrsführung bei der fraglichen Verzweigung komplex, indem sich einerseits die
Fahrbahn, auf welcher der Rekurrent unterwegs war, vor der Kreuzung in drei Spuren
aufteilt, und anderseits jede der drei aufeinandertreffenden Strassen unmittelbar vor
der Kreuzung von einem Fussgängerstreifen gequert wird. Auch die auf die Aufteilung
der Fahrspuren ausgerichtete Lichtsignalanlage erfordert eine hohe Aufmerksamkeit.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Obwohl die dargestellte Verkehrssituation eine deutlich erhöhte Aufmerksamkeit
erforderte, hat sich der Rekurrent dazu hinreissen lassen, den Kollegen am linken
Fahrbahnrand nicht nur wahrzunehmen, sondern ihm mehrfach zuzuwinken und
zuzuhupen. Damit nahm er eine Ablenkung seiner auf den Verkehr gerichteten
Aufmerksamkeit in Kauf, die über einen blossen Augenblick hinausging. Das hat dazu
geführt, dass er sein Bewusstsein zu wenig auf die Lichtsignalanlage gerichtet hat,
obwohl ihm als ortskundigem Lenker geläufig sein musste, dass an der fraglichen
Kreuzung für die verschiedenen Fahrspuren auch verschiedene Ampeln bestehen.
Diese Ablenkbarkeit zeigt eine wenn auch unbewusste Bedenkenlosigkeit im Verhalten
gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern, die als schweres Verschulden zu werten ist.
Damit sind auch die subjektiven Voraussetzungen für den Entzug des Führerausweises
gestützt auf Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG erfüllt.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass der Führerausweis dem Rekurrenten gestützt
auf Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG zu entziehen ist.
7.- Abschliessend ist die Dauer des Entzugs des Führerausweises zu überprüfen. Die
Vorinstanz hat dem Rekurrenten den Führerausweis für die Dauer von drei Monaten
entzogen.
Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind gemäss
Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Gemäss Art. 16c
Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer schweren
Widerhandlung mindestens für drei Monate entzogen.
Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten in der angefochtenen Verfügung den
Führerausweis für die gesetzlich vorgeschriebene minimale Entzugsdauer von drei
Monaten entzogen. Diese Entzugsdauer trägt der vom Rekurrenten verursachten
schweren Verkehrsgefährdung und seinem schweren Verschulden, die zur Anwendung
von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG geführt haben, ausreichend Rechnung. Da das Gesetz
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eine Unterschreitung der Mindestentzugsdauer ausschliesst (Art. 16 Abs. 3 SVG),
erübrigt es sich, massnahmemindernde Umstände wie insbesondere eine berufliche
Angewiesenheit des Rekurrenten auf das Führen eines Motorfahrzeugs zu prüfen (vgl.
zum früheren Recht SJZ 97/2001 S. 524 f.). Das gilt ebenso für den ungetrübten
automobilistischen Leumund des Rekurrenten. Angesichts der zwingenden Natur der
gesetzlichen Mindestentzugsdauer verbleibt der rechtsanwendenden Behörde auch
kein Ermessensspielraum, innerhalb dessen sie Überlegungen zur Verhältnismässigkeit
der Massnahme im Sinn der Erforderlichkeit zur Besserung des Betroffenen anstellen
könnte (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4486 ff., wo auf die mit BGE 120 Ib 504
eingeführte, die Unterschreitung der Mindestentzugsdauer wegen überlanger
Verfahrensdauer betreffende Rechtsprechung hingewiesen wird). Daraus folgt, dass die
Mindestentzugsdauer selbst in Ausnahmesituationen im Sinn der bisherigen
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 120 Ib 504 ff., 115 Ib 159 ff., 118 Ib 233
f.) nicht unterschritten werden kann, abgesehen davon, dass eine solche hier nicht
vorliegt. Die verfügte Entzugsdauer von drei Monaten ist damit nicht zu beanstanden.
8.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist.
9.- Dem Verfahrensausgang und dem Verursacherprinzip (vgl. E. 2) entsprechend sind
die amtlichen Kosten zu drei Vierteln dem Rekurrenten aufzuerlegen; einen Viertel der
Kosten trägt der Staat (Art. 95 Abs. 1 und 2 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr.
1'000.-- ist angemessen (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu verrechnen. Die Finanzverwaltung ist
anzuweisen, dem Rekurrenten Fr. 250.-- zurückzuerstatten.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens und mangels einem entsprechenden Antrag kann
dem Rekurrenten keine Entschädigung seiner ausseramtlichen Kosten zugesprochen
werden (vgl. Art. 98bis und 98ter VRP in Verbindung mit Art. 263 Abs. 3 des
Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 820).