Decision ID: 7840b694-5f89-4984-8b23-b49d3a5f8ad4
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._, Vater des 19_ geborenen B._, wurde von der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen mit Verfügung vom 15. April 2014 eine halbe Invalidenrente ab März 2012
zugesprochen. Da sein Sohn am 2. August 2011 eine vierjährige Lehre zum
Elektroinstallateur EFZ begonnen hatte, wurde zusätzlich eine Kinderrente ab März
2012 in Höhe von monatlich Fr. 394.-- bzw. ab Januar 2013 in Höhe von monatlich Fr.
397.-- zugesprochen (AK-act. 23).
A.b Am 14. Juli 2016 notierte ein Sachbearbeiter der SVA aufgrund einer internen
Mitteilung der IV-Stelle, dass B._ die Ausbildung per August 2012 abgebrochen habe
(AK-act. 10). Nach Rückfrage beim Amt für Berufsbildung verfügte die IV-Stelle
daraufhin am 15. Juli 2016 die Rückerstattung der vom September 2012 bis August
2015 ausgerichteten Kinderrente im Gesamtbetrag von Fr. 14‘296.-- (AK-act. 7).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob A._, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Silvio
Riesen, mit Eingabe vom 11. August 2016 Beschwerde. Der Beschwerdeführer
beantragt, die Verfügung sei aufzuheben und die Sache zur Durchführung des
Vorbescheidverfahrens oder eventualiter zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die
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Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Verfügung aufzuheben,
und es sei von einer Rückforderung der IV-Rentenleistung abzusehen. Der
Beschwerdeführer macht geltend, die IV-Stelle habe es unterlassen, vor Erlass der
Verfügung das Vorbescheidverfahren durchzuführen. Er habe somit nie die Möglichkeit
gehabt, zum vorgesehenen Entscheid der IV-Stelle Stellung zu nehmen. Selbst wenn
kein Vorbescheidverfahren notwendig gewesen wäre, hätte ihm in jedem Fall das
rechtliche Gehör in angemessener Form gewährt werden müssen. Die Rückforderung
sei ohnehin verwirkt, da die IV-Stelle bereits im Rahmen der Invalidenrentenabklärung
am 24. September 2013 Kenntnis vom Lehrabbruch des Sohnes Julien erhalten habe
(act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 7. September 2016 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie macht geltend, dass nach
dem klaren Wortlaut des Gesetzes bei Rückforderungen von IV-Renten kein
Vorbescheidverfahren abzuwickeln sei. Da Verfügungen einer IV-Stelle direkt mit
Beschwerde anfechtbar seien, könne sie bezüglich der Rückforderungsverfügung auch
kein Einspracheverfahren durchführen. Es treffe zu, dass sie das rechtliche Gehör des
Beschwerdeführers verletzt habe. Weil der rechtserhebliche Sachverhalt allerdings
liquid sei, würde eine Rückweisung zur Gewährung des rechtlichen Gehörs zu einem
formalistischen Leerlauf führen, weil sie mit grosser Wahrscheinlichkeit eine inhaltlich
identische Verfügung erlassen würde. Bezüglich der geltend gemachten Verwirkung
des Rückforderungsanspruchs sei festzuhalten, dass die beiläufige Erwähnung des
Beschwerdeführers, wonach B._ die Lehre abgebrochen habe, nicht als
ausdrückliche Mitteilung verstanden werden könne. Diese Erwähnung sei während
einer IV-Abklärung zur Invalidität bzw. zum Rentenanspruch des Vaters, mehr als ein
Jahr nach dem Lehrabbruch, erfolgt und genüge nicht als Meldung. Die einjährige
Verwirkungsfrist sei erst durch die Mitteilung vom 14. Juli 2016 über die Abklärungen
zum Ausbildungsabbruch ausgelöst worden (act. G 3).
B.c Mit Replik vom 28. September 2016 führte der Beschwerdeführer ergänzend aus,
dass zum Zeitpunkt der Mitteilung durch den Beschwerdeführer am 24. September
2013 noch keine IV-Leistungen ausgerichtet worden seien. Es wäre deshalb Aufgabe
der Beschwerdegegnerin gewesen, ihre Leistungen umfassend zu prüfen und weitere
Abklärungen zu treffen, ob ein Anspruch auf eine Kinderrente bestehe. Wenn sie dies
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unterlasse und in der Folge dann trotzdem eine IV-Kinderrente verfüge, beginne die
Verwirkungsfrist mit der erstmaligen Ausrichtung und nicht erst dann, wenn die
Verwaltungsstelle angeblich mehrere Jahre später zum zweiten Mal erfahre, dass ein
Ausbildungsabbruch vorliege (act. G 7).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Rückforderung einer Kinderrente im Gesamtbetrag von Fr. 14‘296.--,
welche der Beschwerdeführer gemäss der angefochtenen Verfügung vom 15. Juli 2016
im Zeitraum vom 1. September 2012 bis 31. August 2015 zu Unrecht bezogen habe.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung,
weil vor Erlass derselben das Vorbescheidverfahren nicht durchgeführt bzw. das
rechtliche Gehör nicht gewährt worden sei.
2.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der IV-Stellen in Abweichung von Art. 52 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) direkt beim Versicherungsgericht anfechtbar. Da das rechtliche Gehör also nicht
nachträglich im Rahmen des Einspracheverfahrens gewährt werden kann, sieht Art.
57a Abs. 1 IVG vor, dass die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen
Endentscheid über das Leistungsbegehren mittels eines Vorbescheides mitzuteilen hat;
die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinn von Art. 42 ATSG.
2.3 Gegenstand eines Vorbescheids sind laut der vom Bundesgericht als
gesetzmässig erkannten Regelung von Art. 73bis Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) aber nur jene Fragen, die in den
Aufgabenbereich der IV-Stellen gemäss Art. 57 Abs. 1 lit. c bis f IVG fallen. Somit ist ein
Vorbescheid zu erlassen, wenn die vorgesehene Verfügung die Abklärung der
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versicherungsmässigen Voraussetzungen (lit. c), die Abklärung der
Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person, die Berufsberatung und die
Arbeitsvermittlung (lit. d), die Bestimmung und Überwachung der
Eingliederungsmassnahmen sowie die notwendige Begleitung der versicherten Person
während der Massnahmen (lit. e) oder die Bemessung der Invalidität, der Hilflosigkeit
und der von der versicherten Person benötigten Hilfeleistungen (lit. f) betrifft. Das
Vorbescheidverfahren ist mithin nicht anzuwenden auf Fragen, die in den
Zuständigkeitsbereich der Ausgleichskassen fallen (BGE 134 V 97). Die Überprüfung
der Voraussetzungen für eine Kinderrente als Zusatzleistung zu einer IV-Rente gehört
zu den Aufgaben der Ausgleichskasse. Bezüglich Rückforderung einer Kinderrente
hatte die IV-Stelle mithin kein Vorbescheidverfahren durchzuführen.
2.4 Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er unmittelbar in Art. 29 Abs.
2 der Bundesverfassung (BV) garantiert wird (vgl. BGE 124 V 181 E. 1a), ist das Recht
der betroffenen Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden
Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die
Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der
Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum
Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen
(vgl. BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2015, N 10 ff. zu Art. 42). Art. 42 ATSG hält den Anspruch auf
rechtliches Gehör im Sozialver¬sicherungsverfahren fest.
2.5 Die angefochtene Verfügung ist unter Missachtung des Anspruchs des
Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör ergangen, wie selbst die
Beschwerdegegnerin einräumt. Fraglich und zu prüfen ist somit, ob die
Gehörsverletzung im Beschwerdeverfahren Heilung erfahren kann.
2.6 Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtlichen
Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur
Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Rechtsprechungsgemäss kann allerdings
dann auf eine Rückweisung zur Heilung der Gehörsverletzung verzichtet werden, wenn
dies zu einem formalistischen Leerlauf und zu einer unnötigen Verzögerung des
Verfahrens führt. Sodann lässt die sozialversicherungsrechtliche Rechtsprechung eine
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Heilung einer nicht besonders schwer wiegenden Gehörsverletzung dort zu, wo die
betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern,
die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann; wobei
allerdings auch in diesen Fällen die Heilung der Gehörsverletzung die Ausnahme
bleiben soll (UELI KIESER, a.a.O., N 9 und 10 zu Art. 42; mit Hinweisen).
2.7 Der Beschwerdeführer beantragte mit der Beschwerde vom 11. August 2016 die
Rückweisung der Verfügung an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung des
Vorbescheidverfahrens bzw. zur Gewährung des rechtlichen Gehörs (act. G 1). Unter
Berücksichtigung des formellen Gehaltes des Gehörsanspruchs wäre die Verfügung
vom 15. Juli 2015 somit aufzuheben und die Sache zur Gewährung des rechtlichen
Gehörs an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Da im vorliegenden Fall jedoch
der Sachverhalt feststeht und die streitige Frage der Verwirkung der Rückforderung
aufgrund der vorliegenden Akten beurteilt werden kann, rechtfertigt es sich aus
prozessökonomischen Gründen, auf eine Rückweisung zu verzichten. Beide Parteien
haben denn auch zur Frage der Verwirkung in diesem Beschwerdeverfahren vor dem
mit voller Kognition ausgestatteten Versicherungsgericht eingehend Stellung
genommen. Es ist somit nicht ersichtlich, inwiefern sich die Rückweisung der Sache an
die Beschwerdegegnerin auf den Ausgang des Rechtstreits auswirken sollte, sodass
sich eine entsprechende Anweisung als formalistischer Leerlauf erweisen würde. Unter
diesen Umständen darf die Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt betrachtet
werden.
3.
3.1 Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 25 Abs. 1 Satz 1
ATSG). Bei der zurückgeforderten Rente handelt es sich um eine Kinderrente.
Personen, denen eine Invalidenrente zusteht, haben gemäss Art. 35 Abs. 1 IVG für
jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente der Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHV) beanspruchen könnte, Anspruch auf eine
Kinderrente. Anspruch auf eine Waisenrente haben nach Art. 25 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10)
Kinder, deren Vater oder Mutter gestorben ist. Der Anspruch auf die Waisenrente
erlischt gemäss Art. 25 Abs. 4 AHVG mit der Vollendung des 18. Altersjahres oder mit
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dem Tod der Waise. Für Kinder, die noch in Ausbildung sind, dauert der
Rentenanspruch nach Art. 25 Abs. 5 AHVG bis zu deren Abschluss, längstens aber bis
zum vollendeten 25. Altersjahr. Es ist im Beschwerdeverfahren unbestritten, dass der
Sohn des Beschwerdeführers im August 2012 die Lehre abgebrochen hat. Der
unrechtmässige Bezug der Kinderrente im Zeitraum September 2012 bis August 2015
wird daher vom Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt.
3.2 Der Beschwerdeführer bringt jedoch vor, dass der Rückforderungsanspruch im
Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG bereits verwirkt
gewesen sei. Nach dieser Bestimmung erlischt der Rückforderungsanspruch mit dem
Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten
hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der
einzelnen Leistung.
3.3 Rechtsprechungsgemäss ist für die Auslösung der relativen einjährigen
Verwirkungsfrist der Zeitpunkt massgeblich, in welchem die Verwaltung bei Beachtung
der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Voraussetzungen
für eine Rückerstattung bestehen (BGE 119 V 431 E. 3a S. 433; SVR 2011 BVG Nr. 25
S. 93, Urteil des Bundesgerichts vom 29. Oktober 2012, 9C_245/2012, E. 5.1.2).
3.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er bereits anlässlich einer Abklärung
zur Feststellung des Invaliditätsgrades bei sich zu Hause am 24. September 2013
ausdrücklich mitgeteilt habe, dass sein Sohn die Lehre abgebrochen habe. Auch habe
er die Probleme seines Sohnes anlässlich einer Besprechung am 23. Januar 2013 mit
der Eingliederungsverantworlichen erwähnt (IV-act. 64-2). Dabei sei irrelevant, wie die
Mitteilung zu qualifizieren sei, da ohnehin vor Erlass der Rentenverfügung vom 15. April
2014 keine Meldepflicht bestanden habe. Entscheidend sei einzig, dass der
Ausbildungsabbruch seit jener Abklärung bei der Beschwerdegegnerin aktenkundig
gewesen sei. Diese hätte bei der gegebenen Ausgangslage weitere Abklärungen treffen
müssen, bevor sie dem Beschwerdeführer eine Kinderrente zusprechen würde. Durch
das Unterlassen weiterer Abklärungen beginne die Verwirkungsfrist somit mit der
erstmaligen weiteren Ausrichtung der Rente trotz Kenntnis des Ausbildungsabbruchs.
Die Beschwerdegegnerin habe somit spätestens am 24. September 2013 Kenntnis
vom Lehrabbruch seines Sohnes gehabt. Aufgrund der Information hätte sie im
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Mindesten innert nützlicher Frist weitere Abklärungen durchführen müssen. Dies habe
sie unterlassen und dem Beschwerdeführer am 15. April 2014 auch eine IV-Kinderrente
zugesprochen (act. G1).
3.5 Die Beschwerdegegnerin führt diesbezüglich aus, dass es im damals hängigen IV-
Verfahren des Beschwerdeführers primär um die Feststellung einer allfälligen
invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse des Beschwerdeführers gegangen sei, wobei
auch „Nebenschauplätze“ wie die familiäre Situation überprüft worden seien. Dass zur
Erläuterung der Wohnsituation der Lehrabbruch erwähnt worden sei, könne nicht als
ausdrückliche Mitteilung gesehen bzw. verstanden werden. Die beiläufige Erwähnung
während einer IV-Abklärung bzw. mehr als ein Jahr nach dem Lehrabbruch genüge
dabei nicht als Meldung. Erst im Zusammenhang mit dem am 20. Juni 2016 gestellten
IV-Antrag des Sohnes sei der im August 2012 erfolgte Abbruch der Ausbildung bekannt
geworden. Selbst wenn man im Übrigen die erwähnte Mitteilung des
Beschwerdeführers als rechtsgenügliche Meldung taxiere, wäre somit frühestens ab
24. September 2013 von einem Fehler der Verwaltung auszugehen gewesen. Dies habe
jedoch noch nicht die einjährige Verwirkungsfrist ausgelöst, sondern erst die
Kenntnisnahme des Lehrabbruchs durch die Abklärungen der Beschwerdegegnerin am
14. Juli 2016 (IV-act. 64-2).
3.6 Tatsächlich war die Zusprache der Kinderrente am 15. April 2014, soweit sie den
Zeitraum ab September 2012 betraf, von Beginn an rechtsfehlerhaft, nachdem der
Sohn im August 2012 die Lehre abgebrochen hatte und in der Folgezeit nicht mehr in
Ausbildung stand. Dieser Fehler begründet die zweifellose Unrichtigkeit der
Kinderrentenzusprache ab September 2012 und damit deren Wiedererwägung. Die
anfängliche Unrichtigkeit der Leistungszusprache vermag jedoch nicht schon die
Rückforderungsfrist auszulösen. Hiefür bedarf es eines zweiten Anlasses, bei dem die
Verwaltung die fehlerhafte Leistungsausrichtung und damit den
Rückforderungssachverhalt zumutbarerweise hätte erkennen können (Urteil des
Bundesgerichtes 9C_482/2009 vom 19. Februar 2010 E. 3.3.2; UELI KIESER, a.a.O., N
58 zu Art. 25; mit weiteren Hinweisen). In den Akten sind keine weiteren Anhaltspunkte
vorhanden, welche auf eine anderweitige Meldung durch den Beschwerdeführer an die
Beschwerdegegnerin schliessen liessen. Diese erhielt folglich erst am 14. Juli 2016
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Kenntnis über den Ausbildungsabbruch und damit über den Rückforderungsanspruch.
Mit dem Erlass der Verfügung am 15. Juli 2016 hat sie die einjährige Frist gewahrt.
4.
Damit ist die Rückforderung in unbestrittener Höhe von Fr. 14‘296.-- gemäss
Verfügung vom 15. Juli 2016 nicht zu beanstanden. Die durch den Beschwerdeführer
im Beschwerdeverfahren vorgebrachte Begründung, dass ihm das Bewusstsein über
den unrechtmässigen Leistungsbezug fehle und es ihm aufgrund seiner finanziellen
Verhältnisse nicht möglich sein werde, der Rückforderung nachzukommen (finanzielle
Härte), wird die Beschwerdegegnerin bei der Beurteilung des bereits angekündigten
Erlassgesuchs zu prüfen haben.
5.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a ATSG), nachdem ein Anwendungsfall
der Kostenregelung von Art. 69 Abs. 1bis IVG - Bewilligung oder Verweigerung von IV-
Leistungen - nicht vorliegt. Indes ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem
Beschwerdeführer trotz materiellen Unterliegens eine Parteientschädigung zu bezahlen,
da er sich unter anderem durch die von der Beschwerdegegnerin unterlassene
Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Beschwerdeerhebung veranlasst gesehen hat.
Diese Entschädigung ist vorliegend ermessensweise auf Fr. 1'500.-- festzulegen (vgl.
dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_738/2014 vom 15. Januar 2015 und Entscheid des
Versicherungsgerichtes UV 2013/57 vom 2. September 2014).