Decision ID: 5d88967f-480b-5571-98f1-830c0660c2af
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die X. AG ist Eigentümerin des Grundstücks Nr. 000 in St. Margrethen. Dieses ist
mit einem 1977 erstellten Wohn- und Geschäftshaus, in welchem die X. AG eine Filiale
betreibt, überbaut. Das Gebäude war am 7. Mai 1999 mit einem Neuwert von Fr.
7'000'000.-- und einem Zeitwert von Fr. 5'740'000.-- geschätzt worden. Die
Anlagekosten einer von der Bauverwaltung St. Margrethen am 7. September 2009
bewilligten Renovation des Gebäudes einschliesslich wärmetechnischer Sanierung
beliefen sich auf rund 8.65 Mio. Franken (act. G 8/16 Beilage 11). Mit amtlicher
Schätzung vom 19. Mai 2011 wurde der Neuwert des Gebäudes auf Fr. 9'166'000.--
und der Zeitwert auf 8'708'000.-- festgesetzt; die entsprechende Verfügung der
Gebäudeversicherungsanstalt vom 26. Mai 2011 (act. G 8/16 Beilage 12) erwuchs in
Rechtskraft. Am 15. August 2011 stellte das Grundbuchamt St. Margrethen der X. AG
eine Nachbelastung für den Kanalisationsanschlussbeitrag von Fr. 46'031.-- (0.03 x
[aktueller Neuwert von Fr. 9'166'000.-- abzüglich aufgewerteter früherer Neuwert von
Fr. 7'700'000.-- und Freibetrag von Fr. 40'000.--] + 7.6% Mehrwertsteuer) in Rechnung
(act. G 8/16 Beilage 15).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die dagegen erhobene Einsprache wies der Gemeinderat St. Margrethen mit Entscheid
vom 5. Dezember 2011 ab (act. G 8/16 Beilage 21). Den gegen diesen Entscheid von
der X. AG erhobenen Rekurs (act. G 8/1 und 8/8) wies die
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 6. Dezember
2012 ab (act. G 2).
B./ Gegen diesen Rekursentscheid lässt die X. AG mit Eingabe ihres Rechtsvertreters
vom 16. Januar 2013 Beschwerde erheben mit dem Rechtsbegehren, der
Rekursentscheid und mit ihm der Einspracheentscheid vom 5. Dezember 2011 und die
diesem zugrunde liegende Rechnung vom 15. August 2011 seien aufzuheben (act. G
1). Dieses Rechtsbegehren bestätigt der Rechtsvertreter in der Beschwerdeergänzung
vom 8. Februar 2013 (act. G 5).
Die Vorinstanz beantragt in der Vernehmlassung vom 21. Februar 2013 Abweisung der
Beschwerde und verweist zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids (act. G 7). Die Beschwerdegegnerin lässt in ihrer Vernehmlassung vom 16.
März 2013 ebenfalls Abweisung der Beschwerde beantragen (act. G 10). Von der ihr
mit Schreiben des Verwaltungsgerichts vom 19. März 2013 eingeräumten Möglichkeit,
sich zu den Vernehmlassungen allenfalls zu äussern, hat die Beschwerdeführerin
keinen Gebrauch gemacht (act. G 11).
Auf die Darlegungen der Parteien in den erwähnten Eingaben wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV) gewährt den Parteien
Anspruch auf rechtliches Gehör. Aus diesem Anspruch leitet das Bundesgericht in
ständiger Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen und
Entscheide zu begründen (vgl. statt vieler BGE 133 III 439 E. 3.3; BGE 133 I 270 E. 3.1;
BGE 129 I 236 E. 3.2; BGE 126 I 102 E. 2b; G. Steinmann, in: St. Galler Kommentar, 2.
Aufl., Zürich/St. Gallen 2008, N 27 zu Art. 29 BV). Die Begründung muss so abgefasst
sein, dass der Betroffene den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III 439 E. 3.3; BGE 129 I 232 E. 3.2). Dies ist nur
möglich, wenn sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die
Tragweite des Entscheids ein Bild machen können; in diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten
liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich
die Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem
rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1). Umfang
und Dichte der Begründung richten sich generell nach den Umständen (Steinmann,
a.a.O., N 27 zu Art. 29 BV). Ist die Sachlage klar und sind die anwendbaren Normen
bestimmt, kann ein Hinweis auf diese Rechtsnormen genügen, während ein weiter
Spielraum der Behörde - aufgrund von Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen -
und eine Vielzahl von in Betracht fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche
Begründung gebieten (BGE 112 Ia 110 E. 2b; BGE 104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O.,
N 27 zu Art. 29 BV). Die Begründungspflicht hat der st. gallische Gesetzgeber für
Verfügungen in Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP ausdrücklich festgehalten.
2.1. Wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren lässt die Beschwerdeführerin eine
Gehörsverletzung geltend machen in dem Sinn, dass sowohl die Rechnungstellung
vom 15. August 2011 als auch der Einspracheentscheid vom 5. Dezember 2011
ungenügend begründet worden seien (act. G 1 S. 5). Die Vorinstanz hatte im
angefochtenen Entscheid ausgeführt, die Rechnung vom 15. August 2011 verweise auf
das Abwasser-Reglement (act. G 8/15 Beilage 1) und lege die Berechnung des
Abwasserbeitrags offen. Art. 33 Abs. 2 des Abwasser-Reglements halte ausdrücklich
fest, dass der Neuwert nach dem Gesetz über die Gebäudeversicherung (GVG; sGS
873.1) bestimmt werde. Zudem ergebe sich aus Art. 34 Abs. 2 lit. a des
Abwasserreglements samt Anmerkung, dass sich die Aufwertung nach dem von der
Verwaltungskommission der Gebäudeversicherungsanstalt (GVA) des Kantons St.
Gallen beschlossenen Aufwertungsfaktor richte. Damit sei die Beschwerdeführerin,
welcher der Neuwert von Fr. 7'000'000.-- gemäss der früheren Schätzung habe
bekannt sein können, in der Lage gewesen, einen Aufwertungsfaktor von 10% zu
eruieren. Es treffe zwar zu, dass die Quellen für die Beschlüsse der
Verwaltungskommission der GVA über die Aufwertung der Versicherungswerte auch im
angefochtenen Entscheid nur teilweise – Jahresbericht GVA/AFS 2009 S. 9, nicht aber
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ABl 2006, 3432 [Anpassung der Versicherungswerte an die Bauteuerung um jeweils
5% per 1. Januar 2007 und 1. Januar 2009] – genannt würden. Der fehlende Hinweis
auf die Publikation im Amtsblatt habe indessen eine sachgerechte Anfechtung des
Entscheides bei der Verwaltungsrekurskommission nicht ausgeschlossen. Im Übrigen
habe der Beschwerdeführerin die Möglichkeit eines kostenfreien Einspracheverfahrens
vor dem Gemeinderat zur Verfügung gestanden. Selbst wenn dem Gemeinderat eine
Verletzung der Begründungspflicht anzulasten wäre, könnte der Mangel im
Rekursverfahren geheilt werden, da der Beschwerdeführerin kein Nachteil entstanden
sei und die Verwaltungsrekurskommission mit voller Kognition entscheide (act. G 2 E.
2).
2.2. Im vorliegenden Verfahren lässt die Beschwerdeführerin hierzu unter anderem
festhalten, es hätte mindestens erwartet werden dürfen, dass in den ursprünglich
angefochtenen Verfügungen der Beschwerdegegnerin (gemeint ist hier soweit
ersichtlich die Rechnung vom 15. August 2011) auf die Herkunft der zur Anwendung
gebrachten Berechnungsgrössen "bisheriger Gebäudeversicherungswert gemäss
Schätzung vom" und insbesondere des "Aufwertungsfaktors gemäss Jahresbericht
GVA 2009, S. 9" hingewiesen werde. Diesfalls hätte die Beschwerdegegnerin selbst
festgestellt, dass der von ihr zur Anwendung gebrachte Aufwertungssatz von 10%
nicht korrekt sei, wie die Vorinstanz feststelle (act. G 5 S. 5). - Diese Vorbringen
vermögen die nachvollziehbar begründeten Darlegungen der Vorinstanz nicht in Frage
zu stellen, zumal die aus der Rechnung vom 15. August 2011 ersichtlichen
Berechnungselemente zusammen mit den von der Beschwerdegegnerin zur Verfügung
gestellten Akten (act. G 8/16 Beilage 19) eine sachgerechte Einsprache-Begründung
erlaubten und der hierauf ergangene (kostenlose) Einspracheentscheid (act. G 8/16
Beilage 21) eine detaillierte Begründung enthielt. Zum weiteren Vorbringen der
Beschwerdeführerin, wonach es eines Rekursverfahrens bedurft habe, bis die
Beschwerdegegnerin etwas zuverlässigere und aktualisiertere Unterlagen bezüglich
ihrer Investitionsrechnung (vgl. act. G 8/16 Beilagen 22.1-22.5) eingereicht habe (act. G
5 S. 13f), ist festzuhalten, dass sich auch hieraus keine Gehörsverletzung ableiten lässt,
zumal der Beschwerdegegnerin die Nachreichung weiterer detaillierter Unterlagen im
Rahmen ihrer Stellungnahme zu den im Verlauf des Verfahrens vorgebrachten
Einwänden möglich sein muss, ohne sich dabei dem Vorwurf der Gehörsverletzung
bezogen auf ein früheres Verfahrensstadium auszusetzen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3. Das Abwasser-Reglement der Beschwerdegegnerin ist vorliegend unbestritten in der
Fassung vom 27. September 2010 (act. G 8/15 Beilage 1; vgl. dazu act. G 2 E. 4 und
act. G 5 S. 6) anwendbar; diese stand im Zeitpunkt des Erlasses der Veranlagung vom
15. August 2011 in Kraft. Das Reglement setzt unter anderem die Vorgaben von Art. 15
und 20f. des Vollzugsgesetzes zur eidgenössischen Gewässerschutzgesetzgebung
(sGS 752.2) um. Nach Art. 33 des Reglements ist für Bauten und Anlagen auf einem
Grundstück, das an die öffentliche Kanalisation angeschlossen ist, ein einmaliger
Beitrag von 30 / des Neuwertes, der sich grundsätzlich nach dem GVG bestimmt, zu
bezahlen. Erfahren Bauten oder Anlagen durch bauliche Aufwendungen eine
Wertvermehrung, so ist für den Mehrwert eine Beitragsnachzahlung zu leisten. Diese
beträgt 30 / des Mehrwertes (Art. 34 Abs. 1 Abwasser-Reglement). Die Höhe der
Nachzahlung bei Wertvermehrungen von Bauten und Anlagen durch bauliche
Aufwendungen richtet sich gemäss Art. 34 Abs. 2 des Abwasser-Reglements nach der
Neuwertdifferenz.
3.1. Nach dem Äquivalenzprinzip darf eine Gebühr nicht in einem offensichtlichen
Missverhältnis zum objektiven Wert einer Leistung stehen und muss sich in
vernünftigen Grenzen halten. Der Wert der Leistung bemisst sich nach dem Nutzen,
den sie dem Pflichtigen bringt, oder nach dem Kostenaufwand der konkreten
Inanspruchnahme im Verhältnis zum gesamten Aufwand des betreffenden
Verwaltungszweigs, wobei schematische, auf Wahrscheinlichkeit und
Durchschnittserfahrungen beruhende Massstäbe angelegt werden dürfen. Es ist nicht
notwendig, dass die Gebühren in jedem Fall genau dem Verwaltungsaufwand
entsprechen; sie sollen indessen nach sachlich vertretbaren Kriterien bemessen sein
und nicht Unterscheidungen treffen, für die keine vernünftigen Gründe ersichtlich sind
(BGE 126 I 180 E. 3a/bb mit Hinweisen). Die einmalige Anschlussgebühr für Wasser
und Abwasser bildet als Verwaltungsgebühr die Gegenleistung des Bauherrn für die
Gewährung des Anschlusses der Baute an die vom Gemeinwesen erstellten und
betriebenen Versorgungs- und Entsorgungsanlagen. Bei Wohnbauten bringt der
Gebäudeversicherungswert (oder ein anderer vergleichbarer Wert, wie der amtliche
Steuerwert) der angeschlossenen Liegenschaft den dem Pflichtigen erwachsenden
Vorteil bzw. Nutzen regelmässig zuverlässig zum Ausdruck, ohne dass zusätzlich auf
das Mass der mutmasslichen Inanspruchnahme (Mehrbelastung) der Versorgungsnetze
abgestellt werden müsste (BGer 2C_656/2008 vom 29. Mai 2009, E. 3.3 mit
0 00
0 00
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Hinweisen). Bei den einmaligen Anschlussgebühren hat das Bundesgericht in seinen
Entscheiden jeweils lediglich einen Vorbehalt angebracht für Gebäude, welche im
Verhältnis zu ihrem Versicherungswert einen extrem hohen oder extrem niedrigen
Wasserverbrauch bzw. Abwasseranfall aufweisen. Solche Situationen, für welche der
Gebäudeversicherungswert (oder amtliche Schatzungswert) kein taugliches
Bemessungskriterium darstellt, können vor allem bei Industriebauten gegeben sein. Bei
Wohnbauten hat das Bundesgericht die Verweigerung derartiger Ausnahmen, was die
Anschlussgebühren anbelangt, bisher als verfassungsrechtlich zulässig erachtet (BGer
2C_656/2008, a.a.O., E. 3.4 mit Hinweisen).
Die geschilderte Schematisierung führt regelmässig dazu, dass einzelne Faktoren, die
Mehrkosten und damit höhere Gebühren verursachen, ausser Acht bleiben, obwohl sie
nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf den Wasserverbrauch oder
Abwasseranfall haben. Das Gleiche gilt auch im umgekehrten Sinn, indem
kostenneutrale Umstände unberücksichtigt bleiben, obwohl sie sich auf die
Beanspruchung der Infrastrukturanlagen auswirken. Ein Abgehen von dieser
Schematisierung ist nach der Rechtsprechung nur geboten, wenn im konkreten Fall bei
den gegebenen Baukosten die Abweichung von der durchschnittlichen
Inanspruchnahme der Infrastrukturanlagen besonders gross ist, also ein eigentliches
Missverhältnis zwischen dem Gebäudeversicherungswert und dem Nutzungspotenzial
des Wasser- und Abwasseranschlusses besteht. Ebenso kann eine Ausnahme von der
schematischen Bemessung angezeigt sein, wenn ein Eigentümer besondere
Massnahmen trifft, um den Wasserverbrauch oder Abwasseranfall viel tiefer zu halten
als in durchschnittlichen Verhältnissen (BGer 2C_847/2008 vom 8. September 2009, E.
2.2).
3.2. Vorliegend ist streitig, ob die Sanierung des Wohn- und Geschäftshauses der
Beschwerdeführerin in St. Margrethen eine Nachzahlung für den Anschlussbeitrag an
die Kanalisation auslöst oder nicht. Die Beschwerdeführerin lässt in diesem Verfahren
bestätigen, dass es im Zusammenhang mit der Realisierung der Vorhaben in der
betroffenen Liegenschaft zu keinerlei Nutzungsausdehnungen, Anbauten oder
Ergänzungen in und an den bestehenden Gebäulicheiten gekommen sei, wohl aber zu
einer erforderlichen Renovation unter gleichzeitiger Verbesserung der energetischen
Verhältnisse. Hierzu sei auf die Baupläne zu verweisen; zugleich könnten die für das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Projekt zuständigen Architekten und der Bauleiter befragt werden. In der verkürzten
Schilderung der Vorinstanz untergegangen sei der Umstand, dass der
Beschwerdeführerin zur Verbesserung des Energiehaushaltes des Gebäudes Kosten
von Fr. 610'000.-- angefallen seien (act. G 5 S. 3). Es mache keinen Sinn, wenn
einerseits die Gebäudesanierung mit staatlichen Subventionen gefördert werde,
während auf der anderen Seite gerade auf den geförderten Investitionen erhöhte
Nachbelastungen der öffentlichen Hand für Anschlussgebühren erfolgen würden (act.
G 5 S. 8f). Wenn keine Nutzungsausdehnung stattgefunden habe, sei eine
Nachbelastung nicht gerechtfertigt, da kein zusätzlicher Sondervorteil abzugelten sei
und auch keine zusätzlichen Lasten verursacht würden. Es bleibe bei der bereits
erfolgten einmaligen Abgeltung (act. G 5 S. 11).
3.3. Eine einzelfallbezogene (nicht schematische) Bemessungsweise stellte das
Bundesgericht grundsätzlich für den Fall zur Diskussion, dass der abgabepflichtige
Mehrwert der Liegenschaft überwiegend auf Investitionen in Zusammenhang mit einer
energetischen Gebäudesanierung (z.B. Einbau von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer
Energien, Gebäudeisolation, Wärmerückgewinnung etc.) zurückzuführen ist (vgl. BGer
2C_656/2008, a.a.O., E. 3.5). Bei Minergie- und Passivhäusern sind (wegen der
höheren Kosten) die Anschlussgebühren bei einer Bemessung nach dem
Gebäudeversicherungswert höher als bei konventionellen Gebäuden, ohne dass ein
entsprechend grösserer Wasserverbrauch oder Abwasseranfall zu erwarten ist. In
einem konkreten Fall war nach den Darlegungen des Bundesgerichts unbestritten, dass
die Mehrkosten von Minergie- und Passivhäusern jedenfalls im Durchschnitt nicht mehr
als 10-15 % betragen. Die Mehrkosten würden sich damit in einem Rahmen bewegen,
in dem Bauherren häufig auch aus anderen Gründen ein Mehraufwand erwachse, der
keinen Einfluss auf den Wasserverbrauch und Abwasseranfall habe, so etwa bei
Verwendung besonderer Heizungssysteme (Sonnenenergie, Erdwärme usw.) oder für
einen behindertengerechten Ausbau. Die Gemeinden seien zwar bei der Erhebung von
Anschlussgebühren für Wohnbauten aus praktischen Gründen nicht verpflichtet,
Ausnahmen von der Bemessung nach dem Gebäudeversicherungswert vorzusehen.
Wenn eine Gemeinde indessen für einzelne Fälle von dieser schematischen
Bemessung abrücken wolle, müsse sie dabei konsequent vorgehen und das
Gleichbehandlungsgebot beachten. Das schliesse es aus, nur in einzelnen Fällen von
der schematischen Bemessung abzuweichen, in anderen dagegen nicht, obwohl dies
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sachlich ebenso sehr geboten wäre. Der Grundsatz der Rechtsgleichheit verlange
vielmehr, unter dem Gesichtspunkt des Wasserverbrauchs bzw. Abwasseranfalls
gleichgelagerte Fälle auch rechtlich gleich zu behandeln (BGer 2C_847/2008, a.a.O., E.
2.3). Wolle die Gemeinde besonders gelagerten Situationen aus Gründen der
Rechtsgleichheit Rechnung tragen, könne sie dafür eine allgemein gefasste
Ausnahmeklausel in ihr Reglement aufnehmen. Ausserdem stehe es ihr frei, die
Anschlussgebühren nach anderen Kriterien als dem Gebäudeversicherungswert zu
bemessen, die dem Verursacherprinzip und damit auch dem Grundsatz der
Rechtsgleichheit besser entsprechen würden (vgl. BGer 2C_847/2008, a.a.O., E. 2.5).
3.4. Das Abwasser-Reglement der Beschwerdegegnerin legt in Art. 33f. der
Bemessung des Beitrages und einer allfälligen Nachzahlung den Gebäude-Neuwert
zugrunde. Art. 37 des Abwasser-Reglements (Sonderfälle) sieht ausschliesslich eine
Differenzierung des Beitrags nach dem Ausmass der Beanspruchung der
Abwasseranlagen vor; eine Unterscheidung danach, ob die baulichen Aufwendungen
(etwa betreffend energetische Gebäudesanierung) Einfluss auf den Wasserverbrauch
und Abwasseranfall haben oder nicht, enthält das Abwasser-Reglement nicht. Somit ist
- mangels entsprechender reglementarischer Grundlage - davon auszugehen, dass
baukostenerhöhende Investitionen (insbesondere auch gebäudeenergetische
Massnahmen nach dem Minergie-Standard) grundsätzlich keinen Anlass für eine
Beitragsreduktion bilden. Dementsprechend durfte somit auch vorliegend der
Gebäude-Neuwert zulässigerweise, d.h. ohne Verletzung des Äquivalenzprinzips, als
alleinige Bemessungsgrundlage für die (ergänzenden) Anschlussgebühren
herangezogen werden. Ob und inwieweit die bauliche Umgestaltung der Liegenschaft
tatsächlich zu einer höheren Belastung der Versorgungs- und Entsorgungsanlagen im
Sinn eines zusätzlichen Sondervorteils führt oder nicht, ist nach dem vorstehend
Ausgeführten grundsätzlich unerheblich, da nicht besondere Eigenschaften der Baute
(z.B. extrem teure Bauweise mit geringer zusätzlicher Nutzungsmöglichkeit oder
gemessen am Bauaufwand extrem niedriger Wasserverbrauch bzw. Abwasseranfall)
einer solchen Betrachtungsweise entgegenstehen. Nach Fertigstellung des Umbaus,
welcher neben gebäudeenergetischen Massnahmen (Sanierung nach Minergie-
Standard) eine geänderte Raumaufteilung, neue sanitäre Anlagen und den Einbau eines
Liftes beinhaltete (vgl. act. G 8/15 Beilagen 2-5), ergaben sich mit Bezug auf die
Beanspruchung der Abwasseranlagen unbestrittenermassen keine grundsätzlich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
veränderten Verhältnisse. Vielmehr blieb die Nutzung des Gebäudes (als Wohn- und
Geschäftshaus mit Büros) unverändert (act. G 5 S. 10). Ebenfalls wurde nicht geltend
gemacht, dass der Umbau oder ein Teil davon aussergewöhnlich kostenintensiv
gewesen sei und so eine Abweichung zum "Normalfall" vorgelegen habe. Allein der
geltend gemachte Umstand, dass die gebäudeenergetischen Massnahmen mit einem
Aufwand von Fr. 610'000.-- im Vergleich zur Wertsteigerung des Gebäudes von
Fr. 1'426'000.-- einen erheblichen Anteil ausmachten (act. G 5 S. 9), belegt noch keine
aussergewöhnlichen Verhältnisse im erwähnten Sinn. Auch kann angesichts der
geschilderten Zahlenwerte nicht von einer überwiegenden (d.h. zumindest mehr als
hälftigen) Verursachung des Mehrwerts durch gebäudeenergetische Investitionen im
Sinn der geschilderten Rechtsprechung (vorstehende E. 3.3) ausgegangen werden.
Weitere diesbezügliche Abklärungen, wie sie die Beschwerdeführerin gegenüber der
Vorinstanz verlangt hatte (vgl. act. G 5 S. 9), wären hier nicht geeignet gewesen, zu
näheren oder "besseren" Erkenntnissen zu führen. Eine Rechtsverweigerung (vgl. act.
G 5 S. 9 Ziff. 5.2.1) kann der Vorinstanz damit nicht vorgeworfen werden. Im Weiteren
ist festzuhalten, dass aus dem von der Beschwerdeführerin zitierten Entscheid in GVP
2001 Nr. 15 sich für die vorliegenden Verhältnisse nichts ableiten lässt. Jenem
Entscheid lag als Sachverhalt zugrunde, dass eine Gemeinde für Erneuerungen des
Kanalisationsnetzes, welche für den dortigen Beschwerdeführer keinen Sondervorteil
bedeuteten, allein gestützt auf eine nachträgliche Reglementsänderung erneut Beiträge
verlangte, was die Rekursinstanz als unzulässige Doppelerhebung taxierte. Solche
Umstände stehen hier jedoch nicht zur Diskussion.
Was den Hinweis der Beschwerdeführerin auf das Urteil des Verwaltungsgerichts B
2001/41 vom 30. Oktober/20. November 2001 betrifft, ist festzuhalten, dass dort
insofern ein Spezialfall zu beurteilen war, als es sich um ein historisches Schloss und
ein geschütztes Kulturobjekt handelte. Nach den Feststellungen des
Verwaltungsgerichts in jenem Entscheid war davon auszugehen, dass im Rahmen der
Renovation auch denkmalpflegerischen Besonderheiten hatte Rechnung getragen
werden müssen. Ein wirtschaftlicher Mehrwert sei dem Beschwerdeführer im
Zusammenhang mit diesen Aufwendungen durch den Kanalisationsanschluss nicht
entstanden. Soweit sich denkmalpflegerische Aufwendungen auf die
Zeitbauwertschätzung niedergeschlagen und zu einer erheblichen Erhöhung des
geschätzten Kubikmeterpreises geführt hätten, sei es deshalb mit Blick auf das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Äquivalenzprinzip nicht gerechtfertigt, wenn sie Grundlage für die Beitragserhebung
bilden würden (VerwGE B 2001/41, a.a.O., S. 15f). Solche Verhältnisse liegen mit
Bezug auf den vorliegenden Umbau bzw. die gebäudeenergetische Sanierung wie
dargelegt nicht vor.
3.5. Hinsichtlich des im vorliegenden Verfahren wiederholten Einwandes der
Beschwerdeführerin (act. G 5 S. 10), dass eine Wertvermehrung im Sinn von Art. 34
des Abwasser-Reglements nur vorliege, wenn damit eine Erweiterung der
Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes einhergehe, hielt die Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid fest, diese Argumentation treffe zu, soweit sich die
Nachzahlung nach der Zeitwert-Differenz bemessen würde. Dies treffe jedoch nicht zu,
da gemäss der erwähnten Reglementsbestimmung die Neuwertdifferenz massgebend
sei. Bauliche Aufwendungen, welche dem Unterhalt oder der Sanierung dienen würden,
lösten lediglich dann eine Pflicht zur Nachzahlung aus, wenn sie zu einer realen - und
nicht bloss nominalen - Steigerung des Neuwertes führen würden, was regelmässig
nicht der Fall sei, wenn ein Gebäude lediglich neu gestrichen werde. Die nachträgliche
Beitragszahlung für diese Differenz sei nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
angesichts des Sondervorteilsprinzips unabhängig davon gerechtfertigt, ob damit auch
eine Erhöhung der Beanspruchung der Ver- und Entsorgungsanlagen verbunden sei.
Der nach dem Umbau neu geschätzte amtliche Neuwert des Gebäudes sei
unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Die Frage, ob die Feststellung der
Beschwerdeführerin zutreffe, wonach sich die bisherige Rechtsprechung soweit
ersichtlich nicht auf einen Sachverhalt beziehe, bei welchem reine Erneuerungsarbeiten
zur Werterhaltung vorgenommen worden seien, könne offen bleiben. Für die nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung grundsätzlich zulässige Pflicht zur Nachzahlung
von Anschlussbeiträgen bei Wertsteigerungen des Gebäudes sei entscheidend, dass
die insgesamt geleisteten Beiträge unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt der Wert
geschaffen werde, für alle Grundeigentümer – Sonderfälle vorbehalten – im gleichen
Verhältnis zum Gebäudewert stehen würden. Die grundsätzlich zulässige Bemessung
des Beitrags nach dem Gebäudewert trage dem Verursacherprinzip nur schematisch
Rechnung. Ob und inwieweit Investitionen einen Einfluss auf das Ausmass der
Beanspruchung der Infrastrukturanlage hätten, stehe - wiederum Sonderfälle
vorbehalten - im Hintergrund. Die Rüge der Verletzung des Äquivalenzprinzips erweise
sich damit als unbegründet (act. G 2 S. 9-11).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Diese vorinstanzlichen Darlegungen und Schlussfolgerungen stehen im Einklang mit
der geschilderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung und sind nachvollziehbar
begründet. Bei der gegebenen Sachlage, welche aktenmässig genügend erstellt ist,
weshalb auf die beantragten zusätzlichen Beweismittel (Expertise) ohne Verletzung des
rechtlichen Gehörs verzichtet werden darf, drängt sich eine diesbezügliche Korrektur in
der Gebührenbemessung entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin nicht auf.
4. Nach dem Kostendeckungsprinzip, welches die Beschwerdeführerin wie bereits im
vorinstanzlichen Verfahren als durch die streitige Beitragsnachzahlung verletzt rügen
lässt (act. G 5 S. 12-16), darf der Ertrag der Abgaben die gesamten Kosten des
betreffenden Verwaltungszweigs nicht oder nur geringfügig übersteigen (BGE 126 I 180
E. 3a/aa). Die Umschreibung des massgeblichen Verwaltungszweigs hat dabei nach
funktionellen Kriterien zu erfolgen. Es ist darauf abzustellen, welche
Verwaltungsaufgaben sachlich zusammengehören. Dem Gemeinwesen steht bei der
Bildung kostenmässiger Einheiten ein gewisser Spielraum zu (vgl. BGE 126 I 180 E. 3b/
cc). Bei Anschlussgebühren und -beiträgen, wo die Kosten für den Bau und die
Amortisation von Leitungen und Anlagen in der Regel über eine längere Zeit und oft
ungleichmässig anfallen, kann sich das Kostendeckungsprinzip nur auf eine
entsprechend lange Zeitdauer beziehen. Den Gemeinden ist bei der Schätzung der
zukünftigen Einnahmen und Ausgaben ebenfalls ein gewisser Spielraum zuzugestehen.
Es kann von ihnen nicht verlangt werden, dass sie Anschlussgebühren und -beiträge
angesichts eintretender Schwankungen immer wieder korrigieren. Art. 60a Abs. 1 lit. d
und Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Schutz von Gewässern (GSchG; SR 814.20)
sieht zudem mit Blick auf künftige Investitionen die Bildung von Reserven vor. Eine
möglichst kontinuierliche Abgaberegelung erscheint auch aus Gründen der
Rechtsgleichheit geboten. Ein Verstoss gegen das Kostendeckungsprinzip liegt
deshalb nur vor, wenn die erhobenen Abgaben auch bei vorsichtiger Beurteilung des
künftigen Finanzbedarfs als übersetzt erscheinen (BGer 2C_322/2010 vom 22. August
2011, E. 3 mit Hinweisen).
4.1. Gemäss Übersicht der Beschwerdegegnerin betreffend Aufwendungen und
Erträge für Gewässerschutzanlagen in den Jahren 1966 bis 2011 stehen Investitionen
(1966-2011) von insgesamt rund 23.5 Mio. Franken Anschlussbeiträge von 21.8 Mio.
Franken gegenüber. Im Weiteren werden darin zum einen Reserven der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Spezialfinanzierung Abwasserbeseitigung per Ende Dezember 2011 von gut 5 Mio.
Franken und zum anderen anstehende (voraussichtliche) Investitionen für die Jahre
2012 bis 2016 von rund 5.3 Mio. Franken ausgewiesen (act. G 8/15 Beilage 6 S. 3; G
8/16 Beilage 22.1-22.3). Zum Einwand der Beschwerdeführerin, wonach die erwähnte
Investitionsplanung nicht belegt sei, hielt die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid
fest, aus der Investitionsplanung werde zumindest ersichtlich, wo und in welchem
Umfang aus Sicht der zuständigen Behörde ein Investitionsbedarf bestehe. Die
Investitionsplanung sei Teil der Finanzplanung, für welche der Gemeinderat zuständig
sei (Art. 122 Abs. 2 lit. b des Gemeindegesetzes; sGS 151.2). Nachdem dieser einer
politischen Kontrolle unterliege, könne die Investitionsplanung nicht als blosse
Behauptungen behandelt werden. Hingegen mache die Beschwerdeführerin zu Recht
geltend, dass den geplanten Investitionen der kommenden Jahre neben den Reserven
auch die voraussichtlich zufliessenden Anschlussbeiträge gegenüber gestellt werden
müssten. Die Anschlussbeiträge seit Einführung der Spezialfinanzierung im Jahr 2002
(vgl. dazu act. G 8/16 Beilage 22.1) hätten zwischen rund Fr. 180'000.-- (2004) und
rund Fr. 1'830'000.-- (2008) geschwankt; der jährliche Durchschnitt betrage rund Fr.
512'000.--. Für die Schätzung der künftigen Erträge aus Anschlussbeiträgen sei zu
berücksichtigen, dass - wie das Beispiel der Beschwerdeführerin zeige - der Wechsel
der Bemessungsgrundlage vom Zeit- zum Neuwertvergleich tendenziell zu tieferen
Nachzahlungen führen werde. Ausgehend von jährlichen Anschlussbeiträgen in den
Jahren 2012-2015 von Fr. 300'000.-- ergebe sich ein Zufluss von 1.2 Mio. Franken (act.
G 2 S. 12f). Zum Einwand der Beschwerdeführerin, wonach sich eine Verletzung des
Kostendeckungsprinzips auch daraus ergebe, dass aufgeschobene Investitionen und
dadurch entstandene Finanzlöcher nicht rückwirkend finanziert werden dürften, merkte
die Vorinstanz an, dass die Darstellung der Deckungslücke (Differenz zwischen den
Investitionen und den Anschlussbeiträgen; vgl. act. G 8/16 Beilage 22.1) rein
rechnerischer Art sei. Sie habe auf die Äufnung der Reserven insoweit keinen Einfluss,
als die eingenommenen Anschlussbeiträge nicht dazu verwendet würden, in früheren
Jahren aus dem allgemeinen Gemeindehaushalt bezogene Mittel an die Gemeinde
zurückzuführen. Deshalb sei nicht ersichtlich, dass die Anschlussbeiträge zur Deckung
weit zurückliegender Defizite herangezogen würden (act. G 2 S. 14).
4.2. Die vorerwähnten Feststellungen der Vorinstanz sind einlässlich und
nachvollziehbar begründet. Insbesondere erscheinen die jährlichen Anschlussbeiträge -
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unter Hinweis auf den Wechsel der Bemessungsgrundlage vom Zeit- zum
Neuwertvergleich und den daraus resultierenden tendenziell tieferen Nachzahlungen -
mit Fr. 300'000.-- angemessen prognostiziert, wenn beachtet wird, dass der Wechsel
der Bemessungsgrundlage im Fall der Beschwerdeführerin zu einer von rund Fr.
70'000.-- (Zeitwertbemessung) auf rund Fr. 46'000.-- (Neuwertbemessung) gesunkenen
Nachbelastung führte (vgl act. G 2 S. 5 Ziff. 4). Zum diesbezüglich erhobenen Einwand,
wonach der Schluss von einer einzigen Veranlagung auf die Gesamtheit unzulässig sei
(act. G 5 S. 15), ist anzumerken, dass der erwähnte Schluss im Sinn einer ausreichend
aussagekräftigen Annäherung - wenn auch nicht im Sinne eines (mangels
Voraussehbarkeit sämtlicher künftiger Fallkonstellationen zum vornherein unmöglichen)
exakten Beweises - zulässig erscheint. In dem von der Beschwerdeführerin im
Weiteren zitierten Bundesgerichts-Urteil vom 28. August 2003 (2P.45/2003) ging es um
eine Erhöhung der Anschluss-Beiträge zur Deckung von Anschlusskosten, welche in
früheren Jahren bereits effektiv angefallen waren (vgl. Urteil 2P.45/2003, a.a.O., E. 5.3
zweiter und dritter Absatz); solches steht vorliegend offensichtlich nicht zur Diskussion.
Insgesamt erscheint damit die Schlussfolgerung begründet, dass bei Reserven per
Ende 2011 von gut 5 Mio. Franken und den vorinstanzlich auf 1.2 Mio. Franken
geschätzten Anschlussbeiträgen für 2012-2016 sich verfügbare Mittel von insgesamt
rund 6.2 Mio. Franken im erwähnten Zeitraum ergeben. Auf der Verwendungsseite
stehen geplante Investitionen von rund 5.3 Mio. Franken an, so dass per Ende 2016 ein
prognostischer Reservebetrag von 0.9 Mio. Franken verbleibt. Mit der Vorinstanz ist
festzuhalten, dass Reserven in dieser Höhe für eine Gemeinde mit rund 5'500
Einwohnern nicht als übersetzt bezeichnet werden können, zumal überdies auf der
Ausgabenseite für das Jahr 2016 nicht restlos abschätzbare Kostenrisiken mit Bezug
auf das Bachsanierungs- und Kanalisationsprojekt "Hörnlistegkanal" bestehen. Ein
Verstoss gegen das Kostendeckungsprinzip kann aufgrund der Vorbringen der
Beschwerdeführerin nicht als belegt gelten, zumal mit Blick auf das Prinzip der
Gesamtkostendeckung einzelne Beiträge im allgemeinen gar nicht gegen das
Kostendeckungsprinzip verstossen können (VerwGE B 2004/14 vom 23. April 2004, E.
2e/aa mit Hinweisen). Mit ihrer Feststellung, wonach aus den Rechnungen der
Spezialfinanzierung und den Investitionsvorhaben im Bereich der Abwasserentsorgung
nicht erkennbar sei, dass die Anschlussbeiträge den künftigen Finanzbedarf klar
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
überschreiten würden (act. G 2 S. 14), hat die Vorinstanz das ihr zustehende Ermessen
nicht überschritten oder fehlerhaft ausgeübt.
5. Die Versicherungswerte der GVA wurden per 1. Januar 2007 und 1. Januar 2009 um
jeweils 5% an die Bauteuerung angepasst (ABl 2006, 3432; Jahresberichte GVA AFS
2006, S. 11 und 2009, S. 9), was zu einer Aufwertung des ursprünglichen Neuwertes
der Liegenschaft von Fr. 7'000'000.-- um insgesamt 10.25% (5% von 100% und 5%
von 105%) auf Fr. 7'717'500.-- führt. Hinsichtlich der Berechnung der Nachzahlung
hielt die Vorinstanz fest, die Beschwerdegegnerin habe bei der Berechnung des
aufgewerteten Neuwertes mit einem Faktor von 10% statt 10.25% gerechnet. Zufolge
Geringfügigkeit der Differenz von Fr. 525.-- (30 / von [0.25% von Fr. 7'000'000.--])
könne auf eine Anpassung des Abgabebetrags verzichtet werden (act. G 2 E. 3). Dazu
ist festzuhalten, dass der von der Beschwerdeführerin geschuldete
Kanalisationsanschlussbeitrag unter Zugrundelegung der korrekten Neuwert-
Aufwertung von Fr. 7'717'500.-- zu berechnen ist. Dem von der Beschwerdegegnerin in
Rechnung gestellten Beitrag von Fr. 46'031.-- (0.03 x [aktueller Neuwert von Fr.
9'166'000.-- abzüglich aufgewerteter Neuwert von Fr. 7'700'000.-- und Freibetrag von
Fr. 40'000.--] + 7.6% Mehrwertsteuer; act. G 8/16 Beilage 15) steht somit der aufgrund
der korrigierten Neuwert-Aufwertung berechnete Beitrag von Fr. 45'466.-- (0.03 x
[aktueller Neuwert von Fr. 9'166'000.-- abzüglich aufgewerteter Neuwert von Fr.
7'717'500.-- und Freibetrag von Fr. 40'000.--] + 7.6% Mehrwertsteuer) gegenüber. Aus
dem Vergleich der beiden Beitragsberechnungen resultiert eine Differenz zugunsten der
Beschwerdeführerin von Fr. 565.--. Es lag nicht im Ermessen der Vorinstanz, der
Beschwerdeführerin diesen Betrag (bzw. den von ihr unter Ausserachtlassung der
Mehrwertsteuer mit Fr. 525.-- ermittelten Wert) vorzuenthalten.
6. Die Beschwerde ist somit in dem Sinn teilweise gutzuheissen, dass Ziff. 1 des
Dispositivs des angefochtenen Entscheids aufgehoben und der von der
Beschwerdeführerin geschuldete Kanalisationsanschlussbeitrag auf Fr. 45'466.--
festgesetzt wird.
6.1. In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Ein nur geringfügiges Obsiegen
bzw. Unterliegen wird bei der Kostenverlegung nicht berücksichtigt (R. Hirt, Die
0 00
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen
2004, S. 94). Die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens gehen somit vollständig
zulasten der Beschwerdeführerin. Eine Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- erscheint
angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Dieser
Betrag wird mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet.
6.2. Bei diesem Verfahrensausgang (kein mehrheitliches Obsiegen) besteht kein
Anspruch auf die Entschädigung ausseramtlicher Kosten (Art. 98 Abs. 1 in Verbindung
mit Art. 98bis VRP; vgl. R. Hirt, a.a.O., S. 182 ff.).
Demnach hat das Verwaltungsgericht