Decision ID: 9d2f033b-a6d7-5752-8600-902773283dda
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie, verliess seine Heimat eigenen Angaben zufolge am 13. Januar
2021 mit einem gefälschten Pass auf dem Luftweg und gelangte am
27. April 2021 illegal in die Schweiz, wo er am selben Tag um Asyl nach-
suchte. In der Folge wurde er dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region
B._ zugewiesen. Am 11. Mai 2021 erhob das SEM im BAZ der Re-
gion B._ seine Personalien und befragte ihn zu seiner Herkunft, sei-
nen Familienverhältnissen sowie zu seinem Reiseweg (Protokoll der Per-
sonalienaufnahme [PA]; vgl. SEM-Akten [...]-11/7). Am 28. Mai 2021 hörte
ihn das SEM einlässlich zu den Asylgründen an (nachfolgend Anhörung
genannt [vgl. SEM-Akten {...}-18/15]). Am 3. Juni 2021 wies ihn das SEM
dem erweiterten Verfahren zu. Am 8. Juni 2021 wurde er für die Dauer des
weiteren Verfahrens dem Kanton C._ zugewiesen. Am 2. Juli 2021
fand eine ergänzende Anhörung des Beschwerdeführers statt (nachfol-
gend EA genannt [vgl. SEM-Akten {...}-31/18]).
Hinsichtlich seiner persönlichen Verhältnisse führte der Beschwerdeführer
aus, er sei Christ und in D._ in Jaffna geboren. Seine Familie sei
wegen des Krieges nach E._ umgezogen, als er noch klein gewe-
sen sei. Nachdem seine Eltern sich im Jahr (...) getrennt hätten, sei er
zusammen mit seinen Geschwistern in einem Heim der christlichen Kirche
aufgewachsen. Seither habe er seine Mutter nie mehr gesehen, während
sein in F._ wohnhafter Vater ihn öfters besucht habe. Er habe die
Schule in E._ bis zum O-Level besucht, die Abschlussprüfung im
Jahr 2006 jedoch nicht bestanden. Danach habe er zu Weiterbildungszwe-
cken diverse Computerkurse besucht. Seit Januar 2016 sei er verheiratet
und mittlerweile Vater zweier Kinder. Seine Familie lebe heute bei seiner
Schwester G._ in E._. Vor seiner Heirat habe er etwa ein
Jahr lang in der (...)branche gearbeitet. Nach der Heirat habe er bis August
2020 im (...)gewerbe gearbeitet. Seine finanziellen Verhältnisse seien mit-
telmässig gewesen.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, seine Probleme hätten im Jahr 2010 begonnen. So-
wohl sein nunmehr in der Schweiz lebender Bruder H._ (N [...]) als
auch sein ebenfalls in der Schweiz befindlicher Onkel mütterlicherseits na-
mens I._ (N [...]) hätten in Sri Lanka für die LTTE (Liberation Tigers
of Tamil Eelam) gearbeitet, wobei sein Onkel gar eine Führungsposition
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innegehabt habe. Im Jahr 2005 sei ein Freund seines Bruders, J._,
den LTTE beigetreten und 2008 von Angehörigen der sri-lankischen Armee
verhaftet worden. Diese hätten J._ der Karuna-Gruppierung ausge-
händigt, in deren Auftrag er zahlreiche Menschen entführt habe. Später sei
J._ für die sri-lankische Marine tätig gewesen, die ebenfalls viele
Kriegsverbrechen begangen beziehungsweise zahlreiche Zivilisten ent-
führt und getötet habe. J._ habe enge Kontakte zur sri-lankischen
Regierung gepflegt, die ihn manipuliert habe. In der Folge seien sein (des
Beschwerdeführers) Vater entführt und sein nunmehr in der Schweiz le-
bende Bruder verhaftet worden. Beide seien zum Hauptquartier des sri-
lankischen Geheimdienstes gebracht worden. J._ habe seinem Va-
ter sowie seinem Bruder öfters vertrauliche Informationen weitergeleitet.
Nachdem Maitreepala Sirisena im Jahr 2015 an die Macht gelangt sei,
habe dieser Untersuchungen eingeleitet und verschwundene Menschen zu
suchen begonnen. In diesem Zusammenhang sei J._ nach Co-
lombo vorgeladen worden, wobei er viele Informationen geliefert bezie-
hungsweise "alles gebeichtet" habe. Anschliessend sei er freigelassen
worden.
Im April oder Mai 2017 habe er J._ in E._ getroffen. Dabei
habe ihm dieser von seiner Einvernahme in Colombo erzählt. Er selbst
habe dies seinem in der Schweiz lebenden Bruder weiter berichtet. Darauf-
hin habe ihn sein Onkel in der Schweiz beauftragt, nach dem Verbleib von
zwei in den Jahren 2008/2009 verschwundenen Verwandten namens
K._ und L._ zu forschen. Er habe sich diesbezüglich hilfe-
suchend an J._ gewandt. Im Mai 2017 habe er sich zu diesem Zwe-
cke zusammen mit J._ mit Angehörigen des Criminal Investigation
Department (CID) getroffen und diesen mehrere Fotos der verschwunde-
nen Familienangehörigen ausgehändigt. Die CID-Leute hätten in der Folge
50'000 Rupien verlangt, die er ihnen mittels Kontaktierung seines in der
Schweiz lebenden Bruders habe zukommen lassen. Einen Monat später
habe er sich abermals mit den CID-Leuten getroffen. Letztere seien sehr
unfreundlich gewesen und hätten ihn gefragt, weshalb er diese Leute su-
che, worauf er geantwortet habe, sein Onkel wolle wissen, ob seine Ver-
wandten noch am Leben seien. Daraufhin hätten ihm die CID-Leute eröff-
net, er solle nicht weiter nach diesen Personen suchen, da gegen sie ein
Verfahren hängig sei. Er habe deshalb weitere Nachforschungen zum Ver-
bleib der vorgenannten Personen eingestellt. Am 17. Oktober 2017 habe
das Verfahren gegen K._ und L._ stattgefunden. J._
habe ihm später mitgeteilt, alle entführten Personen, die spurlos ver-
schwunden seien, seien getötet worden, was er auch seinem Bruder in der
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Schweiz weitererzählt habe. Danach habe er persönlich weiterhin Kontakte
zu J._ gepflegt, deswegen aber einstweilen keine behördlichen
Probleme mehr gehabt.
Im August oder Oktober 2018 sei er mit seinem eigenen Pass per Flugzeug
nach M._ gereist, um dort seinen in der Schweiz lebenden Bruder
zu treffen. Anschliessend sei er nach fünfzehn bis zwanzig Tagen nach Sri
Lanka zurückgekehrt.
Nachdem Gotabaya Rajapaksa im Jahr 2019 zum neuen Präsidenten Sri
Lankas gewählt worden sei, sei J._ im Dezember 2019 abermals
nach Colombo vorgeladen worden. Dort habe er eine Erklärung abgeben
müssen, wonach er (von der früheren Regierung unter Maitreepala Siri-
sena) gezwungen worden sei, Falschinformationen über verschwundene
Personen abzugeben. Ausserdem habe er die Situation während einer
Nachrichtensendung erklären müssen. Die Regierung habe J._ an-
schliessend freigelassen, indessen beabsichtigt, ihn erneut zu verhaften.
Nach dieser Nachrichtensendung sei J._ untergetaucht. Gleichzei-
tig habe er ihn um Hilfe gebeten. In der Folge habe J._ die Nächte
bei ihm verbracht, während er tagsüber mit Fischern auf dem Meer gelebt
habe, um jeweils spätabends zu ihm zurückzukehren. Dabei habe
J._ seinen Reisepass und seine Identitätskarte bei ihm deponiert.
Im August 2020 sei er wiederum mit den Fischern zur Arbeit gefahren, in-
dessen plötzlich während ungefähr zwei Wochen nicht mehr zu ihm zu-
rückgekehrt. Am 13. September 2020 hätten ihn (den Beschwerdeführer)
zwei Beamte, die sich als Mitarbeiter einer Telefonfirma ausgegeben hät-
ten, besucht und ihm vorgeworfen, die Telefonrechnung nicht beglichen zu
haben. Gleichsam beiläufig hätten sie ihn gefragt, wer alles in seinem
Haushalt lebe, worauf er geantwortet habe, lediglich seine Ehefrau sowie
seine Kinder würden mit ihm zusammenleben. Daraufhin hätten die beiden
Beamten ihm eröffnet zu wissen, dass J._, der sich in behördlichem
Gewahrsam befinde, in der Vergangenheit ebenfalls bei ihm gewohnt
habe. Ausserdem hätten sie sich nach dessen Identitätskarte und Reise-
pass erkundigt. Da er keine Wahl gehabt habe, habe er den beiden Beam-
ten die Dokumente von J._ ausgehändigt. Danach hätten die Be-
amten seine Personalien aufgenommen, und ihn gefragt, weshalb er
K._ und L._ gesucht habe. Er habe daraufhin – nach an-
fänglichem Bestreiten – erwidert, im Auftrage seines Onkels nach den bei-
den Personen geforscht zu haben, selber aber nichts mit diesen Personen
zu tun zu haben. Da er in einem dicht besiedelten Gebiet gewohnt habe,
hätten die beiden Beamten davon abgesehen, ihn sofort zu verhaften, ihm
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aber mitgeteilt, er werde zeitnah darüber informiert, an welchem Ort er sich
einfinden müsse.
Nach diesem Vorfall habe er seine Ehefrau sowie seine beiden Kinder am
nächsten Tag zu seiner jüngeren Schwester G._ gebracht und sei
selbst nach N._ gegangen, wo er beim Onkel seiner Ehefrau gelebt
habe. Etwa einen Monat später sei er bei seiner Schwester G._ be-
hördlich gesucht worden. Dabei hätten die Behörden aufgrund der sicher-
gestellten Anrufliste seiner (dort lebenden) Ehefrau vermutet, er könnte
sich bei deren Onkel aufhalten, und die örtliche Polizei angewiesen, ihn
dort zu suchen, was der besagte Onkel indessen frühzeitig via Bekannte
bei der Polizei erfahren habe und ihn rechtzeitig habe warnen können. Aus
Angst vor einer Verhaftung beziehungsweise einer Denunziation durch
J._ unter Foltereinwirkung habe er seine Heimat am 13. Januar
2021 mit einem falschen Reisepass auf dem Luftweg in Richtung Istanbul
verlassen. Von dort aus sei er nach Bukarest weitergeflogen. Danach habe
ihm der Schlepper den Pass abgenommen und ihn an einen unbekannten
Ort gebracht. Schliesslich sei er via Frankreich illegal in die Schweiz ge-
langt.
Der Beschwerdeführer reichte im Verlaufe des erstinstanzlichen Verfah-
rens zum Nachweis seiner Identität seine sri-lankische Identitätskarte,
seine Geburtsurkunde mit englischer Übersetzung sowie einen Familien-
registerauszug ein. Darüber hinaus reichte er Fotos von Kämpfern, Fotos
von J._, Kopien von dessen Identitätskarte und Reisepass, eine
Haftbestätigung des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK)
betreffend J._, Dokumente seines Bruders in der Schweiz, einen
Bericht über vermisste Personen sowie Fotos von diesen zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 15. Juli 2021 – eröffnet am 20. Juli 2021 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und
beauftragte die zuständige kantonale Behörde mit deren Vollzug.
C.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mittels Eingabe sei-
ner Rechtsvertreterin vom 18. August 2021 Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht. Dabei beantragte er, die Verfügung des SEM vom 15. Juli
2021 sei vollumfänglich aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft anzuer-
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kennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei seine Flüchtlingseigen-
schaft anzuerkennen und er sei wegen Unzulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei der Voll-
zug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit und/oder Unzulässigkeit aus-
zusetzen und er sei in der Schweiz vorläufig als Ausländer aufzunehmen.
Subsubeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Im Weiteren beantragte er in verfahrensrechtlicher Hinsicht,
es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihm die unterzeichnende
Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin zu bestellen.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers fügte ihrer Beschwerdeein-
gabe nebst diversen Fotos eine auf die Person ihres Mandanten ausge-
stellte Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 9. August 2021 sowie eine
vom 18. August 2021 datierende Kostennote bei.
D.
Mit Schreiben vom 19. August 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der vorliegenden Beschwerde.
E.
Mit Instruktionsverfügung vom 3. September 2021 teilte der zuständige In-
struktionsrichter dem Beschwerdeführer mit, gemäss Art. 42 AsylG
(SR 142.31) dürften asylsuchende Personen den Abschluss des Verfah-
rens in der Schweiz abwarten, weshalb er berechtigt sei, sich bis zum
rechtskräftigen Abschluss des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz auf-
zuhalten. Ferner hiess er die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und Rechtsverbeiständung unter Vorbehalt der Verände-
rung der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers gut, ordnete ihm
seine Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei und lud die Vor-
instanz zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 20. September
2021 ein.
F.
Das SEM nahm in seiner Vernehmlassung vom 10. September 2021 zur
Beschwerde Stellung.
G.
Der Instruktionsrichter stellte dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung
des SEM am 20. September 2021 zur Kenntnisnahme zu.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden (Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 105 i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 i.V.m. Art. 37
VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-
scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar
2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).
4.
4.1 Das SEM kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
ausreisebegründenden Asylvorbringen des Beschwerdeführers hielten den
Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand.
Im Einzelnen führt es aus, seine Vorbringen ergäben wenig Sinn und er-
weckten zu keinem Zeitpunkt der Anhörung den Eindruck, dass er von
selbst Erlebten erzählen würde. Seine Erläuterungen seien häufig ab-
schweifend gewesen und hätten nicht ihn persönlich, sondern die allge-
meine Lage in Sri Lanka oder andere Personen betroffen. Auch seien seine
Antworten häufig ausweichend gewesen, wobei er immer wieder habe auf-
gefordert werden müssen, von seinen eigenen Problemen zu erzählen.
Es sei völlig schleierhaft, warum die Regierung (Goyapaksa Rajapaksa)
J._ im Dezember 2019 festgenommen, ihn zu Aussagen gezwun-
gen und anschliessend wieder freigelassen haben sollte, um zu beabsich-
tigen, ihn später erneut festzunehmen. Es ergebe auch keinen Sinn, dass
die sri-lankischen Beamten J._ im August/September 2020 bereits
festgenommen und in Gewahrsam gehabt hätten und dann zu ihm (Be-
schwerdeführer) gekommen wären, um nach dessen Dokumenten zu fra-
gen. Obwohl er bei der ersten Anhörung zu Protokoll gegeben habe, Angst
davor zu haben, dass J._ ihn unter Folter denunzieren könnte, habe
er in der zweiten Anhörung ausgesagt, dass dieser ihn denunziert habe
und ihn die heimatlichen Behörden deshalb an besagtem Abend aufge-
sucht hätten. Weiter sei nicht nachvollziehbar, weshalb er den beiden Män-
nern die Dokumente J._ hätte aushändigen sollen, da er damit ein-
gestanden hätte, ihm geholfen und diese aufbewahrt zu haben und sich
damit selbst in Gefahr gebracht hätte. Er habe dies damit erklärt, er sei von
diesen Personen eingeschüchtert worden. Auf die Frage, wie er einge-
schüchtert worden sei, habe er zunächst seine Erzählung wiederholt und
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schliesslich angefügt, man habe ihm angedroht, ihn mitzunehmen, um spä-
ter plötzlich auszusagen, man habe eine Hausdurchsuchung in Aussicht
gestellt, falls er die Dokumente von J._ nicht aushändigen würde.
Nicht nachvollziehbar sei auch sein Erklärungsversuch, die Beamten hät-
ten ihn nicht gleich mitgenommen, weil er in einem dicht besiedelten Gebiet
gelebt habe. Hätten die Behörden aber tatsächlich beabsichtigt, ihn inoffi-
ziell beziehungsweise heimlich festzunehmen, hätten sie sich gewiss nicht
in seiner früheren Nachbarschaft überall nach seinem Verbleib erkundigt.
Weiter habe der Beschwerdeführer das Angebot der vorsprechenden Be-
amten, ihn zu informieren, sobald sie Informationen bezüglich der ver-
schwundenen Verwandten K._ und L._ hätten, als "Trick"
bezeichnet, um ihn bei dieser Gelegenheit verhaften zu können. Weiter
falle auf, dass er in der Lage gewesen sei, Kopien der ID sowie des Reise-
spasses von J._ einzureichen, nicht aber eine solche seines eige-
nen Reisepasses.
4.2 In der Beschwerde wird den Argumenten der Vorinstanz namentlich
entgegengehalten, J._ habe am 6. Dezember 2019 auf Veranlas-
sung der neuen Regierung von Gotabaya Rajapaksa in einer öffentlichen
Pressemitteilung erklärt, die frühere Regierung unter Maitrepaala Srisena
habe ihn gezwungen, Falschaussagen zu Entführungsfällen zu machen,
was auch durch öffentliche Quellen bestätigt werde (vgl. [...]). Damit habe
er die Erwartungen der neuen Regierung für's Erste erfüllt, weshalb diese
keine Veranlassung gesehen habe, ihn im Anschluss an die Pressemittei-
lung festzunehmen. Nichtsdestotrotz habe sie schon damals die Tötung
J._ beschlossen und beabsichtigt, ihn später fernab der öffentlichen
Wahrnehmung zu verhaften beziehungsweise zu liquidieren. Der Be-
schwerdeführer könne auch nicht verstehen, weshalb die Beamten später
bei ihm nach den Dokumenten von J._ gefragt hätten, obwohl sie
diesen bereits davor im August/September 2020 festgenommen hätten.
Das (möglicherweise unplausible) Vorgehen der Beamten dürfe ihm indes-
sen nicht angelastet werden. Er könne lediglich erzählen, wie sich die
ganze Situation abgespielt habe. Möglicherweise hätten die Beamten aber
alles über J._ in Erfahrung bringen wollen, da er ja früher immerhin
gegen die jetzige Regierung ausgesagt habe. Die Aussage der Vorinstanz,
er habe bei der ersten Anhörung Angst davor geäussert, J._ könnte
ihn unter Folter denunzieren, sei falsch. Vielmehr habe er damals ausge-
sagt, Angst vor J._ zu haben. Er glaube zwar, J._ würde ihn
nicht denunzieren, aber während der Folter habe man keine andere Wahl.
Es sei verständlich, dass er nicht mit Sicherheit sagen könne, ob
J._ ihn verraten habe, da er seit dessen Verhaftung nicht mehr mit
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diesem gesprochen habe. Er sei sich aber sicher, dass die Angaben von
diesem stammen könnten, weshalb auch die Mitarbeiter des CID zu ihm
gekommen seien. Entgegen der Annahme der Vorinstanz erscheine es
auch als plausibel, dass er den Beamten J._ Dokumente ausge-
händigt habe. Zwar habe er anfänglich alles abgestritten. Nachdem die Be-
amten ihn jedoch verbal bedroht und mit seiner Mitnahme gedroht hätten,
habe er ihnen schliesslich – auch aus Angst um seine anwesende Familie
– die Papiere herausgegeben. Ausserdem habe er gewusst, dass die Be-
amten sein Haus durchsucht hätten, falls er ihnen die besagten Dokumente
nicht selbst ausgehändigt hätte. Entgegen der Annahme der Vorinstanz er-
scheine seine Erklärung plausibel, dass er im Anschluss an die Vorsprache
der CID-Beamten nicht mitgenommen worden sei, da er in einem dicht be-
siedelten Gebiet gewohnt habe und die Nachbarn dies mitbekommen und
nach den Gründen für seine Mitnahme gefragt hätten. Ausserdem würden
in Sri Lanka viele Leute entführt, was immer im Geheimen geschehe, damit
die Regierung kein Aufsehen errege. Es sei auch nicht unverständlich,
dass die heimatlichen Behörden in der Nachbarschaft nach dem Be-
schwerdeführer gefragt hätten, obwohl sie ihn inoffiziell, also im Geheimen
hätten mitnehmen wollen, seien sie doch dabei unauffällig als Zivilisten auf-
getreten. Hinsichtlich der vorinstanzlichen Einschätzung, es mute seltsam
an, dass er wohl Kopien des Reisepasses und der ID von J._, aber
nicht hinsichtlich seines eigenen Reisepasses habe beibringen können, sei
festzuhalten, dass dieser damals bei ihm aus Sicherheitsgründen mehrere
Kopien seines Passes und seiner ID hinterlegt habe, wogegen er selbst ja
im Besitze seines eigenen Originalpasses gewesen sei, weshalb es keinen
Sinn gemacht hätte, wenn er davon ebenfalls Kopien angefertigt hätte.
4.3 In der Vernehmlassung hält das SEM ergänzend fest, der Beschwer-
deführer habe als zusätzlichen, gegen seine Rückkehr ins Heimatland
sprechenden Risikofaktor den Umstand genannt, dass sein Bruder und
sein Onkel für die LTTE tätig gewesen und in der Schweiz als Flüchtlinge
anerkannt worden seien. Aufgrund der Tatsache, dass er selbst weder sei-
nes Bruders noch seines Onkels wegen im Heimatland irgendwelche Prob-
leme gehabt habe und beide Sri Lanka lange vor ihm verlassen hätten, sei
nicht ersichtlich, weshalb er aufgrund dieser Verwandtschaft bei einer
Rückkehr in seine Heimat einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein sollte,
inhaftiert zu werden.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch beim SEM im We-
sentlichen damit, er sei nach dem Regierungswechsel vom November
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2019 behördlich gesucht worden, weil er J._ im Jahr 2020 Unter-
schlupf gewährt und diesen im Verlaufe des Jahres 2017 im Auftrag seines
in der Schweiz lebenden Onkels I._ gebeten habe, ihm bei der Su-
che nach verschollenen Verwandten zu helfen.
5.2 Wie Abklärungen seitens des Bundesverwaltungsgerichts ergeben ha-
ben, taucht der Name von J._ (unter seinem vollständigen Namen
O._) im Zusammenhang mit (...) auf, die unter (...) bekannt sind.
Erwiesen ist auch, dass J._ unter der früheren Regierung von
Maitreepala Sirisena als (...). Weiter hat die (...) im (...) ausführlich (...),
darunter auch J._, berichtet (vgl. [...], wobei sich keine weiteren
Angaben zu tatsächlichen Festnahmen finden (vgl. [...]). Schliesslich be-
richtete die Zeitung (...) im (...) über die Verhaftung von (...) (vgl. [...]). Dem
Bericht ist indessen nicht schlüssig zu entnehmen, wann J._ in die-
sem Zusammenhang behördlich festgenommen worden ist.
5.3 Vor diesem Hintergrund erscheint es grundsätzlich als plausibel, dass
der Beschwerdeführer J._ im Jahr 2017 im Zusammenhang mit der
früheren Entführung von Verwandten seines in der Schweiz lebenden On-
kels gebeten haben könnte, ihm bei Nachforschungen nach deren Schick-
sal behilflich zu sein. Im Weiteren kann auch nicht ausgeschlossen werden,
dass J._ im Verlaufe des Jahres 2020 (...) tatsächlich behördlich
festgenommen worden ist.
5.4
5.4.1 Nichtsdestotrotz erscheinen die Vorbringen des Beschwerdeführers,
im September 2020 von Angehörigen des CID wegen der Beherbergung
von J._ und des Vorwurfs, diesen zu einem früheren Zeitpunkt mit
der Suche nach lange verschollenen Familienangehörigen beauftragt zu
haben, gesucht worden zu sein, aufgrund diverser Widersprüche und Un-
gereimtheiten als unglaubhaft.
5.4.2 Zunächst fällt auf, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhö-
rung vom 28. Mai 2021 erklärte, die beiden verschollenen Personen
K._ und L._ seien seine Cousins beziehungsweise Kinder
seines ([...]) Onkels gewesen (vgl. Akten SEM [...]-18/15 S. 13 F95), wo-
gegen er in der EA vom 2. Juli 2021 behauptete, K._ sei sein Onkel
und L._ sein Cousin gewesen (vgl. Akten SEM [...]-31/18 S. 4 ff.
F30, F37, F44, F46, F67), und die beiden Entführten seien der Bruder (bzw.
der Neffe) der (...) Onkels (also Vater und Sohn) gewesen (vgl. Akten SEM
[...]-31/18 S. 8 F55). Grundsätzlich dürfte indessen davon auszugehen
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sein, dass der Beschwerdeführer hinsichtlich des genauen Verwandt-
schaftsgrades der beiden von ihm gesuchten Verwandten kohärente und
übereinstimmende Angaben machen könnte, wenn er von seinem Onkel in
der Schweiz tatsächlich einen Auftrag für deren Suche entgegengenom-
men hätte. Aus diesem Grunde bestehen bereits erhebliche Zweifel daran,
dass der Beschwerdeführer J._ im Jahr 2017 überhaupt kontaktiert
hat, um nach dem Schicksal von länger verschwundenen Familienangehö-
rigen zu forschen.
5.4.3 Unerfindlich bleibt auch, weshalb der Beschwerdeführer die angeb-
lich im Original (sowie in Fotokopie; vgl. hierzu gleich E. 5.4.4) bei ihm hin-
terlegten Ausweispapiere J._, nämlich dessen Reisepass und Iden-
titätskarte, nicht vernichtet oder zumindest an einem sicheren Ort aus-
serhalb seines Hauses versteckt hätte, nachdem dieser im Verlauf des Au-
gusts 2020 plötzlich während ungefähr zwei Wochen nicht mehr zu ihm
zurückgekehrt sein soll, fühlte der Beschwerdeführer sich doch durch des-
sen unvermitteltes spurloses Verschwinden nach eigenem Bekunden in
seiner eigenen Sicherheit beeinträchtigt (vgl. Akten SEM [...]-18/15 S. 12,
zehntunterste Zeile).
5.4.4 Seltsam mutet überdies der Umstand an, das J._, wie in der
Beschwerde auf S. 10, Ziff. 3.1.2, Bst. j behauptet, nebst den Originalen
seiner vorbezeichneten Ausweispapiere beim Beschwerdeführer zusätz-
lich noch mehrere Kopien derselben "aus Sicherheitsgründen" hätte hin-
terlegen sollen. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass der Beschwerdefüh-
rer mit dieser Argumentation eine Grundlage dafür zu schaffen versucht,
überhaupt in der Lage zu sein, den Schweizer Asylbehörden entspre-
chende Fotokopien einreichen zu können. Es besteht jedoch bereits auf-
grund der Ausführungen in E. 5.4.2 und E. 5.4.3 Grund zur Annahme, dass
er in anderem Zusammenhang in den Besitz der entsprechenden Ausweis-
kopien von J._ gelangt sein muss.
5.4.5 Selbst wenn davon ausgegangen würde, dass der Beschwerdeführer
den Angehörigen des CID anlässlich ihrer angeblichen Vorsprache vom
13. September 2020 die Originalausweispapiere J._ ausgehändigt
hätte, bliebe zudem unerfindlich, weshalb ihn das CID damals nicht unver-
züglich festgenommen hätte, stellt die Beherbergung eines behördlich Ge-
suchten doch zweifelsfrei einen Umstand dar, der die sri-lankischen Behör-
den legitimiert hätte, ihn ebenfalls festzunehmen. Darüber hinaus hat der
Beschwerdeführer selbst angedeutet, die CID-Leute hätten ihn damals
wohl nicht aufgesucht, wenn er selbst "nicht eine wichtige Person gewesen
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wäre" (vgl. Akten SEM [...]-31/18 S. 9 F67). Weiter hielt er es auch für
denkbar, dass die sri-lankischen Behörden an ihm zusätzlich ein Interesse
gehabt haben könnten, weil sie sich von ihm aufgrund seines engen Kon-
takts mit J._ weitergehende Informationen über diesen erhofft hät-
ten (vgl. Akten SEM [...]-31/18 S. 10 F74). Vor dem Hintergrund dieser Aus-
führungen leuchtet jedoch in keiner Weise ein, dass die Angehörigen des
CID von seiner Festnahme abgesehen hätten, weil er "in einem dicht be-
siedelten Quartier" gewohnt habe (vgl. Akten SEM [...]-18/15 S. 13 F95
Mitte sowie [...]-31/18 S. 7 F49). Auch der weitere, gleichsam alternativ
vorgebrachte Erklärungsversuch des Beschwerdeführers, man habe da-
mals von seiner Festnahme abgesehen, weil man ihn im Geheimen und an
einem isolierten Ort habe "schnappen" wollen (vgl. Akten SEM [...]-31/18
S. 7 F50 f.), vermag nicht zu überzeugen, müsste den CID-Leuten anläss-
lich ihrer persönlichen Vorsprache in seinem Haus am 13. September 2020
doch klar gewesen sein, dass er untertauchen würde, falls sie ihn nicht
gleich mitnehmen würden, was er denn ja auch getan haben will.
5.4.6 Schliesslich mutet es im Gesamtkontext der bisherigen Erwägungen
zur Glaubhaftigkeit der individuellen Asylvorbringen des Beschwerdefüh-
rers (vgl. vorstehende E. 5.4.1 bis E. 5.4.5) unglaubhaft an, dass der Onkel
der Ehefrau den Beschwerdeführer rechtzeitig vor einer Festnahme durch
Angehörige des örtlichen Polizeipostens in N._ mit Hilfe dort befind-
licher Freunde habe warnen können, nachdem dort via Mitteilung des zu-
ständigen Polizeipostens in E._ nach einer Auswertung der Tele-
fonliste auf dem Handy der Ehefrau des Beschwerdeführers bekannt ge-
worden sei, dass er sich mit grösster Wahrscheinlichkeit bei deren Onkel
in N._ aufhalte.
5.5 Nach dem Gesagten ist übereinstimmend mit dem SEM der Schluss zu
ziehen, dass der Beschwerdeführer bezogen auf den Zeitpunkt seiner Aus-
reise aus Si Lanka keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft zu machen
vermag.
5.6
5.6.1 Das SEM stellte weiter fest, es gelte zu prüfen, ob er im Falle der
Rückkehr dennoch begründete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnah-
men im Sinne von Art. 3 AsylG habe. Diese Prüfung sei gemäss dem Re-
ferenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 anhand von Risikofaktoren vorzunehmen.
D-3689/2021
Seite 14
Rückkehrer, die illegal ausgereist seien, über keine gültigen Identitätsdo-
kumente verfügten, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten oder
behördlich gesucht würden, würden am Flughafen zu ihrem Hintergrund
befragt. Diese Befragung und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens
wegen illegaler Ausreise stellten keine asylrelevante Verfolgungsmass-
nahme dar. Regelmässig würden Rückkehrer auch am Herkunftsort
zwecks Registrierung, Erfassung der Identität, bis hin zur Überwachung
der Aktivitäten der Person befragt. Auch diese Kontrollmassnahmen näh-
men grundsätzlich kein flüchtlingsrechtlich relevantes Ausmass an. Der
Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft gemacht, vor der Ausreise flücht-
lingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu
sein. Vielmehr sei er bis Januar 2021 in Sri Lanka wohnhaft gewesen, habe
also nach Kriegsende noch elf Jahre in seinem Heimatstaat gelebt. Allfäl-
lige, im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich
kein Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden auszulösen ver-
mocht. Aufgrund der Aktenlage sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer
Rückkehr in Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in
flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt werden sollte. Abgesehen da-
von sei er im Jahr 2018 bereits einmal mit seinen eigenen Dokumenten ins
Ausland und wieder zurück in sein Heimatland gereist und habe dabei
keine Probleme gehabt.
Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit dem
Sieg von Gotabaya Rajapaksa könne diese Einschätzung nicht umstossen.
Mit seiner Wahl zum Präsidenten gingen Befürchtungen von mehr Ein-
schüchterungen gegenüber Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Op-
positionellen, regierungskritischen Personen und Minderheiten einher. Tat-
sächlich habe die Überwachung der Zivilbevölkerung seit den dschihadis-
tisch motivierten Terroranschlägen an Ostern 2019 und nochmals nach der
Präsidentschaftswahl zugenommen. Dennoch gebe es zum jetzigen Zeit-
punkt keinen Anlass zur Annahme, dass ganze Volks- oder Berufsgruppen
unter Präsident Gotabaya Rajapksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr aus-
gesetzt seien. Voraussetzung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr
aufgrund der Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019 sei ein per-
sönlicher Bezug der asylsuchenden Person zu diesem Ereignis respektive
dessen Folgen. Dafür reiche es nicht aus, pauschal auf politische Entwick-
lungen der jüngeren Vergangenheit sowie mögliche Zukunftsszenarien zu
verweisen. Vielmehr wäre eine hinreichende Subsumption im Einzelfall
notwendig. Der Beschwerdeführer habe indessen nicht glaubhaft darzule-
gen vermocht, dass die sri-lankischen Behörden aufgrund der aktuellen
politischen Lage aus den von ihm vorgebrachten Gründen ein Interesse an
D-3689/2021
Seite 15
seiner Person hätten. Damit seien die Anforderungen für die Annahme ei-
ner begründeten Furcht nicht gegeben.
Seine Asylvorbringen hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge-
mäss Art. 7 AsylG nicht stand, weshalb deren Asylrelevanz nicht geprüft
werden müsse. Demzufolge erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht,
weshalb sein Asylgesuch abzulehnen sei.
5.6.2 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, der Be-
schwerdeführer habe eine starke Verbindung zu den LTTE. Sein Bruder
H._ sei für die LTTE tätig gewesen und deswegen am (...) von der
Schweiz als Flüchtling anerkannt worden. Sein Onkel I._ habe eine
Führungsposition innerhalb der LTTE innegehabt und sei deswegen eben-
falls als Flüchtling in der Schweiz anerkannt worden. Zudem sei er mit
J._, einem bekannten LTTE-Mitglied, von klein auf befreundet und
aufgewachsen. Zuletzt habe er ihm geholfen. Darüber hinaus seien sogar
Verwandte des Beschwerdeführers entführt worden. Nach seiner Flucht
aus Sri Lanka sei seiner Frau mitgeteilt worden, dass Personen in Zivil
nach ihm suchen würden. Diese Verbindungen sowie die Behelligungen
bei ihm Zuhause würden klar auf ein behördliches Interesse an seiner Per-
son hinweisen. Ferner sei darauf hinzuweisen, dass er über keinen gülti-
gen Pass verfüge. In seiner Heimat sei er aufgrund seiner Verbindung zu
den LTTE verfolgt gewesen, weshalb er aus Sri Lanka habe fliehen müssen
und das Land somit illegal verlassen habe. Aus all diesen Gründen könne
nicht ausgeschlossen werden, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
erneut Ziel behördlicher Verfolgungsmassnahmen in asylrelevantem Aus-
mass werden könnte. Zusammenfassend könne deshalb festgehalten wer-
den, dass er klar unter die vom Bundesverwaltungsgericht und vom SEM
definierten Risikofaktoren falle, weshalb er als Flüchtling anzuerkennen
und ihm Asyl zu gewähren sei.
5.6.3 In Bezug auf ein allfälliges asylbeachtliches Risikoprofil des Be-
schwerdeführers im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungsge-
richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8 ist zunächst festzuhalten, dass
dieser nicht glaubhaft machen konnte, vor seiner Ausreise aus Sri Lanka
am 13. September 2020 wegen der angeblichen Beherbergung seines be-
hördlich gesuchten Freunds J._ und der früheren Beauftragung
desselben mit der Suche nach verschollenen Verwandten seines in der
Schweiz lebenden Onkels von Angehörigen des CID aufgesucht und seit
seinem anschliessenden Untertauchen behördlich gesucht worden zu sein.
D-3689/2021
Seite 16
Soweit der Beschwerdeführer als zusätzlichen Risikofaktor geltend macht,
sowohl sein Bruder als auch sein Onkel seien für die LTTE tätig gewesen
und in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt worden, hat das SEM in sei-
ner Vernehmlassung vom 10. September 2021 zutreffend festgestellt, auf-
grund der Tatsache, dass dieser wegen seines Bruders und seines Onkels
im Heimatland nie Probleme gehabt habe und beide Sri Lanka lange vor
ihm verlassen hätten, sei nicht ersichtlich, warum er aufgrund dieser Ver-
wandtschaft einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein sollte, bei einer Rück-
kehr inhaftiert zu werden. Ergänzend ist anzumerken, dass mangels
Glaubhaftigkeit seiner Vorfluchtgründe auch jegliche Grundlage fehlt, um
hieraus einen wie auch immer gearteten Anknüpfungspunkt zu früheren
Tätigkeiten in der Schweiz lebender Verwandter mit den LTTE herleiten zu
können. Nach dem durchgeführten Schriftenwechsel erweist sich der Vor-
wurf in der Beschwerde als hinfällig, das SEM habe in seinem Entscheid
den Einfluss der Zugehörigkeit zu den LTTE des Bruders, des Onkels und
des Freundes des Beschwerdeführers auf sein Risikoprofil nicht geprüft,
weshalb der diesbezügliche Kassationsantrag (vgl. Beschwerde S. 2,
Rechtsbegehren Ziff. 4 i.V.m. S. 13 Ziff. 5) abzuweisen ist.
Zu den Entwicklungen der allgemeinen politischen Lage in Sri Lanka ist
festzustellen, dass nicht erkennbar ist, wie sich diese zum heutigen Zeit-
punkt auf den Beschwerdeführer auswirken könnten. Diesbezüglich kann
auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwie-
sen werden. Angesichts des Gesagten ist somit festzuhalten, dass auch
nicht von einem asylerheblichen Risikoprofil des Beschwerdeführers im
Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 8 auszugehen ist.
5.7 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Nach dem Gesagten hat das SEM zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylge-
such abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
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6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
D-3689/2021
Seite 18
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri
Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Refe-
renzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt
vieler Urteil des BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2). Es ergeben
sich aus den Akten – dies auch unter Hinweis auf die vorstehenden Aus-
führungen in Erwägungen 5 zur Frage der Asylgewährung – auch keine
konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu be-
fürchten hätte, die über einen so genannten "Background Check" (Befra-
gung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen
würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Re-
gierungswechsel vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage
in Sri Lanka nichts zu ändern. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit
als zulässig.
7.4
7.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
D-3689/2021
Seite 19
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewalt-
vorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lanki-
schen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgehobene Aus-
nahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-
hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. dazu statt
vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.3).
7.4.3 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer stammt ur-
sprünglich aus Jaffna, lebte aber seit Kindstagen in E._ und hat vor
seiner Ausreise in Richtung Schweiz praktisch sein ganzes Leben in der
Ostprovinz verbracht, wohin der Vollzug der Wegweisung grundsätzlich als
zumutbar zu erachten ist. Im Weiteren verfügt der Beschwerdeführer in Sri
Lanka über ein familiäres Umfeld, leben doch dort jedenfalls ein Bruder und
eine Schwester, bei welcher seine Ehefrau sowie seine beiden Kinder seit
geraumer Zeit leben (vgl. Akten SEM [...]-18/15 S. 6 F45 bis F51). Darüber
hinaus hat er einen in der Schweiz lebenden Bruder, der ihn von hier aus
finanziell unterstützen kann (vgl. Akten SEM [...]-18/15 S. 6 F52 und F54).
Im Weiteren verfügt der Beschwerdeführer selbst über eine solide Schul-
ausbildung und über mehrjährige Arbeitserfahrung, wobei er seine finanzi-
elle Situation nicht als wohlhabend, aber als mittelmässig bezeichnet und
weiter ausgesagt hat, keine wirtschaftlichen Schwierigkeiten gehabt zu ha-
ben (vgl. Akten SEM [...]-18/15 S. 4 f. F23 bis F31 und F37 bis F43). Es ist
somit nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
in eine existentielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der Wegweisung er-
weist sich demnach nicht als unzumutbar.
7.5 Der Beschwerdeführer verfügt über eine sri-lankische Identitätskarte
und es obliegt ihm, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates
allenfalls weitere für eine Rückkehr notwendige Reisedokumente zu be-
schaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12).
Dem Vollzug der Wegweisung steht auch die Corona-Pandemie nicht ent-
gegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein temporäres
Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die
kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt
des Vollzugs der Wegweisung der Situation in Sri Lanka angepasst wird
(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-
kommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e sowie statt vieler Urteil des
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Seite 20
BVGer D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9). Der Vollzug der Wegwei-
sung ist daher auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.6 Das SEM hat den Wegweisungsvollzug demnach zu Recht als zuläs-
sig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen
Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes-
recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie voll-
ständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich über-
prüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit
Instruktionsverfügung vom 3. September 2021 die unentgeltliche Prozess-
führung sowie die amtliche Rechtsverbeiständung nach Art. 102m Abs. 1
Bst. a AsylG gewährt wurde und sich an den Voraussetzungen dazu nichts
geändert hat, sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
10.
Der mit Verfügung vom 3. September 2021 für das Beschwerdeverfahren
amtlich beigeordneten Rechtsvertreterin ist ein Honorar auszurichten (vgl.
für die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die am
18. August 2021 mit der Beschwerde eingereichte Kostennote weist für
das vorliegende Verfahren einen totalen Zeitaufwand von 10 Stunden und
45 Minuten sowie Auslagen in Höhe von Fr. 183.50 (zwei Stunden Dolmet-
scherkosten zu einem Stundenansatz von Fr. 70.– sowie Porti und Spesen
in Höhe von Fr. 43.50) auf. Der Aufwand erscheint in zeitlicher Hinsicht als
angemessen. Das Gericht legt der amtlichen Verbeiständung bei nichtan-
waltlichen Rechtsvertretern einen maximalen Stundenansatz von Fr. 150.–
zugrunde, was von der Rechtsvertretung ausdrücklich anerkannt wird. Für
das Beschwerdeverfahren ist der amtlich beigeordneten Rechtsvertreterin
somit zulasten des Gerichts ein amtliches Honorar in Höhe von Fr. 1'796.–
(inkl. Auslagen) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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