Decision ID: da84113e-ef57-53b3-b920-09cfa1029fd7
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1981, verheiratet und Mutter eines Kindes (gebo
ren am 4. Dezember 2013, Urk. 7/23), war zuletzt vom 1. Juni 2008 bis zum
4. April 2012 (effektiv letzter Arbeitstag) bei der Z._ AG als Filialleiterin tätig, wobei das Arbeitsverhältnis durch die Arbeitgeberin aufgelöst wurde
(Urk. 7/25).
Am 10. Oktober 2012 meldete sie sich wegen psychischer Probleme bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend IV-Stelle), zum Rentenbezug an (Urk. 7/2). Die IV-Stelle klärte die medizinischen und beruflichen Verhältnisse ab und holte von Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten vom 10. April 2015 ein
(Urk. 7/49). Gestützt darauf verneinte sie nach durchgeführtem Vorbescheid-verfahren (Urk. 7/28, Urk. 7/34) mangels Vorliegens eines relevanten Gesundheitsschadens einen Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente (Verfügung vom 10. Juni 2015, Urk. 2).
2.
Dagegen liess die Versicherte durch ihren Ehemann am 8. Juli 2015 Beschwerde erheben mit dem Antrag, es sei ihr in der Zeit von Juni bis Dezember 2014 eine Rente zuzusprechen. In der Beschwerdeantwort vom 7. Oktober 2015 (Urk. 6) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Beschluss vom 15. Juli 2016 (Urk. 9) lud das Gericht die AXA Stiftung Berufliche Vorsorge, Winterthur, zum Prozess bei und gab den Parteien und der Beigeladenen Gelegenheit, sich zu einer möglichen Besserstellung der Beschwerdeführerin zu äussern. Während sich die Beschwerdeführerin nicht vernehmen liess, verzichteten die Beschwer
degegnerin und die Beigeladene ausdrücklich auf eine Stellungnahme (Urk. 11 und 13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28 Abs. 2 IVG
.
2.
Streitig und zu prüfen ist einzig, ob die Beschwerdeführerin in der Zeit bis Ende 2014 Anspruch auf eine befristete Invalidenrente hat. Ab Januar 2015 bestand keine Arbeitsunfähigkeit und keine Invalidität mehr, was sich unbestrittener
massen aus dem Gutachten von Dr. A._ vom 10. April 2015 (Urk. 7/49) ergibt. Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Rentenanspruch in der ange
fochtenen Verfügung im Wesentlichen damit, dass gemäss den medizinischen Akten keine länger dauernde relevante Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Dagegen bringt die Beschwerdeführerin vor, gemäss dem Gutachten von Dr. A._ und den übrigen medizinischen Akten sei sie bis Ende des Jahres 2014 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen.
3.
3.1
Die medizinischen Akten zeigen folgendes Bild über den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin:
Die Ärzte der B._ AG, wo die Versicherte ab dem 23. Mai 2012 behandelt wurde, diagnostizierten in ihrem Bericht vom 31. Mai 2013 (Urk. 7/16) eine Anpassungsstörung mit Angst und einer depressiven Reaktion gemischt sowie mit einer wahnhaften Erlebnisverarbeitung im Sinne einer Fremdbeeinflussung (ICD-10: F43.22), differentialdiagnostisch eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3) sowie den Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, his
trionischen, dependenten und zwanghaften Zügen (ICD-10: F61.0). Weiter gaben sie an, in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin sei die Beschwer
deführerin seit dem 23. Mai 2013 (korrekt: 2012) zu 100 % arbeitsunfähig. Nach einer stationären oder teilstationären Behandlung von sechs bis acht Wochen könne ein sukzessiver Wiedereinstieg von 20 % in einer leidensangepassten Tätigkeit möglich sein. Eine stationäre Behandlung lehnte die Beschwerdefüh
rerin ab, hingegen führte sie die wöchentliche Gesprächstherapie weiter und auch die medikamentöse Behandlung wurde - soweit die Schwangerschaft dies zuliess - weitergeführt (vgl. Urk. 7/20/3 und 7/23).
In ihrem Bericht vom 1. Oktober 2013 (Urk. 7/20) diagnostizierten die Ärzte der B._ AG eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symp
tomen (ICD-10: F32.3), den Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstö
rung mit narzisstischen, histrionischen, dependenten und zwanghaften Zügen (ICD-10: F61.0) sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – eine Schwangerschaft (in der 27. Woche). In der angestammten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin noch zu 100 % arbeitsunfähig. In einer leidensangepassten Tätigkeit sei sie zwischen 20 % und 40 % arbeitsfähig. Die gesundheitliche Situation habe sich seit April 2013 eindeutig verbessert. Im Bericht vom
31. Dezember 2013 (Urk. 7/23)
attestierten sie der Beschwerdeführerin für die angestammte Tätigkeit nach wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, erach
teten die Ausübung einer angepassten Tätigkeit jedoch als vollumfänglich mög
lich.
3.2
Im Gutachten vom 10. April 2015 führte Dr. A._, welcher die Versicherte am 14. Januar 2015 untersucht hatte, keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1). In der angestammten Tätigkeit mit durchschnittlichen Arbeitsbedingungen, einer Tätigkeit mit einem vergleichbaren Anforderungsprofil oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe seit dem 1. Januar 2015 (wieder) eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bei einer 100%igen Leistung. Weiter führte der Gutachter aus, im Rahmen der aktu
ellen Exploration sei ein weitgehend normaler psychischer Befund erhoben worden. Die Beschwerdeführerin nehme keine Psychopharmaka mehr ein. Sie befinde sich nicht mehr in psychiatrischer Behandlung. Die von ihr geäusserten Versagensängste und Minderwertigkeitsideen seien unter anderem als Ausdruck der Persönlichkeitsakzentuierung zu sehen; die Arbeitsfähigkeit werde dadurch nicht beeinträchtigt (Urk. 7/49).
4.
4.1
In somatischer Hinsicht besteht gemäss der medizinischen Aktenlage kein rele
vanter Gesundheitsschaden, was unbestritten ist. Was den psychischen Gesund
heitszustand betrifft, erfüllt das Gutachten von Dr. A._ vom 10. April 2015 grundsätzlich die Anforderungen an ein schlüssiges Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a). Gestützt darauf steht fest und ist unbestritten, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit dem 1. Januar 2015 nicht mehr eingeschränkt ist.
4.2
Was die Zeit vor dem 1. Januar 2015 betrifft, steht ebenfalls unbestrittenermas
sen fest, dass die Beschwerdeführerin noch bis Anfang April 2012 als Filiallei
terin tätig respektive in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt war. Ein all
fälliger (befristeter) Rentenanspruch könnte daher frühestens im April 2013 entstanden sein, sofern die Beschwerdeführerin damals zu mindestens 40 % invalid war.
5.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts stellt eine diagnostizierte Anpassungsstörung keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden dar (Urteil
des Bundesgerichts
8C_259/2014 vom 31. Juli 2014 mit zahlreichen Hinweisen). Wie die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung zutreffend ausführte, bedingt auch die Diagnose einer schweren depressiven Episode für sich allein genom
men keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden, weil es sich dabei um ein behandelbares Leiden handelt, das nicht zwingend eine bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit im Sinne von
Art.
8 Abs. 1 ATSG nach sich ziehen muss (
vgl. statt vieler das
Urteil
des Bundesgerichts 9C_168/2015 vom 13. April 2016
). Die Berichte der
B._ AG
vom
1.
Oktober und
31.
Dezember 2013
(Urk. 7/20 und 7/23)
zeigen denn auch, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin unter adäquater Behand
lung und nach dem Wegfall der Verunsicherung, die den psychischen Zustand zu Beginn der Schwangerschaft massgeblich mitgeprägt hatte, zunehmend bes
serte, so dass die Ärzte der
B._ AG
gegen Ende des Jahres 2013 die Ausübung einer angepassten Tätigkeit in vollem Umfang wieder für möglich hielten.
Anderseits weisen die medizinischen Akten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit von April 2012 bis Oktober 2013 und anschliessend bis Dezember 2013 eine Einschränkung zwischen 60 und 80 % (Urk. 7/20/4) aus und belegen gleichzei
tig, dass sich die Beschwerdeführerin bereits im April 2012 in der B._ AG in ärztliche Behandlung begeben hatte und sich einer regelmässi
gen wöchentlichen Gesprächstherapie und einer medikamentösen Behandlung durch verschiedene Antidepressiva unterzog. Es stellt sich deshalb die Frage,
ob für die Zeit der ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit trotz der Rechtsprechung des Bundesgerichts zur invalidisierenden Wirkung von depressiven Störungen (vgl. zum Beispiel das Urteil des Bundesgerichts 9C_168/2015 vom 13. April 2016 E.4.2 mit Hinweisen) ein Anspruch auf eine befristete Invalidenrente entstehen konnte.
6.
6.1
In BGE 127 V 294
hatte
das Bundesgericht in Vereinheitlichung und Präzisie
rung der bisherigen Rechtsprechung zur Frage, unter welchen Voraussetzungen ein psychischer Gesundheitsschaden (im Urteil wurde keine Diagnose erwähnt) eine Invalidität bewirken könne, Folgendes aus
geführt
:
„
Nach dem Gesagten ist die bisherige uneinheitliche Rechtsprechung in dem Sinne klarzustellen, dass die Behandelbarkeit einer psychischen Störung, für sich allein betrachtet, nichts über deren invalidisierenden Charakter aussagt. Für die Entstehung des Ansp
ruchs auf eine Invalidenrente i
m Besonderen ist immer und einzig vorausgesetzt, dass während eines Jahres (ohne wesentlichen Unter
bruch) eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit nach
Art.
29 Abs. 1 IVG bestanden hat und eine anspruchsbegründende Erwerbsunfähigkeit ... weiterhin besteht.
“
Mit der Begründung „soweit die Vorinstanz ihren Entscheid mit der Behandel
-
bar
keit (Therapierbarkeit) und fehlenden Chronifizierung einer allfälli
gen (nicht auszuschliessenden) psychischen Störung begründet, hält dies vor Bundesrecht nicht Stand“, hob das Bundesgericht den kantonalen Entscheid auf.
Dies bestätigte das Bundesgericht im Urteil
I 561/01 vom 6. August 2002 im Zusammenhang mit einer somatoformen Schmerzstörung mit aller Deutlichkeit:
„
Dies bedeutet indessen nicht, dass, sofern sich die gesundheitliche Beeinträch
-
ti
gung noch als behandel- oder
therapierbar
erweisen sollte, von vornherein keine Invalidität vorliegen könnte. Wie das Eidgenössische Versi
cherungsgericht gegenüber dem Verwaltungsgericht des Kantons
C._
schon wiederholt (Urteil M. vom 30. März 2001, I 82/00, und nicht veröffentlichtes Urteil
N.
vom
26. September 1997, I 214/97) bestätigt hat, kann aus den darge
legten Gründen der von Verwaltung und Vorinstanz vertretenen Auffassung, wonach erst ein chronifizierter oder fixierter Gesundheitsschaden eine Invalidi
tät zu bewirken vermöge, nicht beigepflichtet werden (Pra 1997 Nr. 49 S. 252 ff.; in
BGE 122 V 218
nicht publizierte Erw. 5c mit Hinweisen). Das Eidgenös
sische Versicherungsgericht hat diesen Rechtsstandpunkt der Vorinstanz zuletzt mit
BGE 127 V 298
(Erw. 4c mit Hinweisen) erneut mit eingehender Begrün
dung ausdrücklich verworfen.
“
6.2
Unter Hinweis auf das Urteil I 955/05 vom 6. November 2006, in dem das Bundes
gericht einen invalidisierenden „Gesundheitsschaden im Sinne von Gesetz und Rechtsprechung“ mit der Begründung verneint hatte, aufgrund der ärztlichen Aussagen sei davon auszugehen, dass das rezidivierende depressive Zustandsbild namentlich in der bestehenden, zumindest teilweise durch den Drogenkonsum geprägten, psychosozialen Problematik begründet liege sowie durch diese unterhalten werde und dass bei einer Veränderung dieser Lebenssi
tuation auch eine wesentliche Besserung der psychischen Befindlichkeit und damit der durch diese eingeschränkten Arbeitsfähigkeit erwartet werden könne, hielt es im Urteil I 820/05 vom 27. Dezember 2006 in einem Fall, in dem die beschwerdeführende Person an einem chronischen lumbovertebrale
n
Schmerz
-
syndrom bei dringendem Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungsstö
rung bzw. einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sowie einer leich
ten depressiven Episode litt und von den therapeutischen Möglichkeiten noch nicht ausreichend Gebrauch gemacht hatte, fest:
„
Sofern zumutbare therapeutische und andere schadenmindernde Vorkehren nicht ausgeschöpft werden, entsteht ... kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Denn solange durch eine tatsächlich realisierbare Veränderung der für die gesundheitliche Situation bedeutsamen Rahmenbedingungen eine wesentliche Verbesserung der psychischen Befindlichkeit und damit der durch diese einge
schränkten Arbeitsunfähigkeit bewirkt werden kann, liegt kein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Gesetz und Rechtsprechung vor.
“
Diese Auffassung bestätigte das Bundesgericht im Urteil 9C_947/2012 vom
19. Juni 2013 hinsichtlich einer beschwerdeführenden Person, die bei einer diag
nostizierten schweren depressiven Episode im Sinne von ICD-10: F 32.2 weder eine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch genommen noch Medika
mente eingenommen hatte.
6.3
In der Folge befand das Bundesgericht wiederholt,
leichte bis höchstens mittelschwere
Störungen aus dem depressiven Formenkreis seien in der Regel
therapierbar
und führten invalidenversicherungsrechtlich zu
keiner Einschrän
kung der
Arbeitsfähigkeit
(vgl. als Neustes das Urteil 8C_
85
/2016 vom 2
6. Au
gust
2016 mit Hinweisen, unter anderem auf BGE 140 V 193 E. 3.3). In BGE 140 V 193 E.
3.3 hatte das Bundesgericht den invalidisierenden Charakter einer reaktiven Depression mit der Begründung verneint, es fehl
e
an einer konse
quenten Depressionstherapie, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweisen würde.
6.4
Im Urteil 9C_89/2016 vom 1
2.
Mai 2016 hatte das Bundesgericht den Fall einer versicherten Person zu beurteilen, der im Zeitpunkt der angefochtenen renten
aufhebenden Verfügung während knapp zwei Jahren aufgrund einer mittel
schweren depressiven Episode (ICD-10 F32.1) eine 40-50%ige Arbeitsunfähig
keit attestiert worden war mit dem Hinweis, die absolvierte Psychotherapie habe den Zustand nur leicht gebessert. Es verneinte eine rentenbegründende Invali
dität mit de
r Begründung
, Störungen leicht
-
bis mittelgradiger depressiver Natur fielen einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent seien. Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen thera
peutisch gut angehbar seien - gesetzlich verlangten Konstellation sei den nor
mativen Anforderungen des
Art.
7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG für eine objekti
vierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan. Ein solcher Sachver
halt müsse sodann überwiegend wahrscheinlich und nicht nur nicht auszu
schliessen sein. Hinzu komme, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein müsse, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft worden seien. Nach
Art.
7 Abs. 2 ATSG seien für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit ausschliess
lich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen, und dies zudem nur, soweit sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar seien, wel
ches Merkmal erst bei überwiegend wahrscheinlicher Therapieresistenz gegeben sei.
7.
7.1
Damit ist das Bundesgericht von der Rechtsprechung gemäss BGE 127 V 294, wonach auch bei therapierbaren psychischen Gesundheitsstörungen ein Renten
anspruch entstehen kann, solange die objektiv und subjektiv zumutbare Behandlung keine rentenausschliessende Erwerbsfähigkeit bewirkt, in Bezug auf depressive Störungen insoweit abgewichen, als es vorerst eine konsequente, aus fachärztlicher Sicht indizierte zumutbare Therapie verlangt und erst bei deren Scheitern eine invalidisierende Wirkung der depressiven Störung in Betracht zieht. Im Gegensatz zu BGE 127 V 294 E. 4b/cc, wo es ausdrücklich festhielt, die Qualifizierung prognostischer Behandelbarkeit (Therapierbarkeit) einer psychischen Störung als Ausschlussgrund für die Entstehung des Rentenan
spruchs widerspreche Sinn und Zweck dieser Leistungsart, wird nun
bei depres
siven Störungen
vorerst die Ausschöpfung sämtlicher Therapiemöglichkeiten verlangt und ein Rentenanspruch auch dann verneint, wenn
trotz seit mehr als einem Jahr bestehender Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bei Ansprechen auf die Therapie eine Besserung (innert maximal eines Jahres) zu erwarten ist (Urteil 9C_89/2016 vom 1
2.
Mai 2016 E. 4.2 am Ende).
7.2
Allerdings hat das Bundesgericht im eben zitierten Urteil 9C_89/2016 vom 1
2.
Mai 2016 der Beschwerdeführerin vorgehalten, sie habe sich bis anhin kei
ner konsequenten Therapie unterzogen.
Dieser Vorwurf kann der Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren nicht gemacht werden. Sie begab sich unmittelbar nach Ausbruch der psychischen Störungen im Zusammenhang mit der Auflösung des sie belastenden Arbeits
verhältnisses im April 2012 am 23. Mai 2012 in die fachärztliche psychiatrische Behandlung in der B._ AG und unterzog sich einer wöchentlichen Gesprächstherapie und einer medikamentösen antidepressiven Behandlung (Urk. 7/16/3 und 7/20/3). Im Dezember 2012 konnte eine erste Teilbesserung erreicht werden, im März 2013 verschlechterte sich der Zustand jedoch wieder.
Dass dabei möglicherweise auch der Beginn der Schwangerschaft eine Rolle spielte, kann der Beschwerdeführerin nicht als invalidenversicherungsrechtlich irrelevanter psychosozialer Umstand angerechnet werden. Eine massgebliche Besserung trat im Oktober und insbesondere im Dezember 2013 ein, als die Beschwerdeführerin wieder eine teilweise beziehungsweise eine volle Arbeitsfä
higkeit für angepasste Tätigkeiten erreichte.
Für das Jahr 2014 liegen keine Arztberichte vor; es bestehen indes auch keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in dieser Zeit bis zur Begutachtung durch
Dr. A._
im
Januar 2015
, der eindeutig und unbestritte
nermassen keine psychischen Beeinträchtigungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr feststellen konnte, verschlechtert haben könnte. Zudem war die Beschwerdeführerin im Dezember 2013 Mutter geworden und es ergibt sich aus den Akten nicht, ob und in welchem Umfang sie trotz der Betreuung ihrer Tochter ohne Gesundheitsschaden einer beruflich
en Tätigkeit nachgegan
gen wäre.
7.3
Gemäss IK-Auszug erzielte die Beschwerdeführerin bei der Z._ AG im Jahr 2011 ein Einkommen von Fr. 56‘309.-- (Urk. 7/8/3). Das durchschnittliche Einkommen von Frauen für einfache und repetitive Tätigkeiten im privaten Sektor belief sich im Jahr 2010 auf monatlich Fr. 4‘225.-- (Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2010 Tabelle TA1 S. 26; vgl.
BGE 129 V 472 E.
4.3.2 und 126 V 75 E. 3b/bb). Hochgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden (ht
tp:
//www.bfs.admin.ch
/bfs/
portal/de/index/themen/03/02/blank/
data/07.html
;
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen (NOGA 2008), in Stunden pro Woche
, besucht am 23. September 2016)
und angepasst an die Nominallohnentwicklung
(1939 = 100; Nominallohnindex Frauen, Total;
2010: 2579,
201
1: 2604;
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen
/
03/04/blank/data/02.html
; Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumenten-preise und der Reallöhne, besucht am 23. September 2016)
resultiert ein hypo
-
thetisches Invalidenein
kommen von Fr.
53‘367
.-- (Fr.
4‘225
.-- : 40 x 41,7
: 2579 x 2604
x
12) bezie
hungsweise von Fr. 16‘010.-- bei einem durchschnitt-lichen zumutbaren Pensum von 30 % ab November 2013 (vgl. Urk. 7/20/4).
Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit bis Oktober 2013, einer 30%igen Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten ab November 2013 und einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten ab Januar 2014 ergibt sich für die Zeit von April 2013 (Ablauf des Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) bis April 2014 (Art. 88a Abs. 1 IVV) bei einem Invaliditätsgrad von 100 % beziehungsweise 71,5 % ab November 2013 ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Ab Mai 2014 beläuft sich der Invaliditätsgrad noch auf 5,2 %, was keinen Rentenanspruch mehr zu begründen vermag.
Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
8.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab
hän
gig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Sie sind auf Fr. 800.-- festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unter
lie
genden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.