Decision ID: 4824c178-05d8-4c01-ba20-7ca58717b05e
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1984, war seit dem 4. Februar 2013
als Zimmerman bei der
Y._
AG
angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (vgl.
Urk. 8/
2
-3).
Der Versicherte liess die Suva mit Schadenmeldung UVG vom 2. September 2013 (Urk. 8/2) wissen, dass ihm am 16. August 2013 in der Werkstatt ein Balken aus der Hand gerutscht und auf die rechte Schulter gefallen sei und er sich diese
dabei
verletzt habe.
Dr. med.
Z._
,
Facharzt FMH für Chirurgie,
welcher den Versicherten am 28. August 2013 als erster behandelt
hatte
, nannte in seinem Bericht vom 27. September 2013 als Diagnose eine Prellung der rechten Schulter (Urk. 8/15).
Per 16. Oktober 2013 kündigte der Versicherte seine Stelle (vgl.
Urk. 8/14).
Am 30.
Mai 2017 wurde der Versicherte an der rechten Schulter operiert (Arthroskopie,
subacromiale
Dekompression und AC-Gelenksresektion; Urk. 8/238).
Die Suva
erbrachte
die gesetzlichen Leistungen (
Taggeld und Heilungskosten
;
vgl.
Urk. 8/481 S. 1 Mitte).
Mit E-Mail-Schreiben vom 2
3.
Juli 2018 teilte der Versicherte dem zuständigen Suva-
Case-Manager
A._
mit, dass er Anfang Juli 2018 von
B._
nach
C._
umgezogen sei (
Urk.
8/359
; vgl.
dem
gegen
über
auch
Urk.
8/342
).
Bereits im August 2018 wohnte er
an seiner aktuellen Adresse D._
(vgl. Urk. 8/
365
).
1.2
Mit Schreiben vom 30. Juni 2020 (Urk. 8/481) teilte die Suva dem Versicherten
unter anderem
mit, dass von einer weiteren Behandlung keine namhafte Besse
rung der Folgen des Unfalles vom 16. August 2013 mehr erwartet werden könne, weshalb sie die Heilungskostenleistungen nach Beendigung
einer aktuell
laufen
den 9
-
er Serie P
hysi
otherapie einstellen
werde
(S. 1).
Am 16. November 2020 (Urk. 8/502) teilte sie dem Versicherten zudem mit, dass die Tag
geld
leistungen per 31. Oktober 2020 eingestellt würden.
Am 1. Dezember 2020 mach
te
der Versicherte mit einer Spesenabrechnung
(Urk. 8/519/20-21)
Fahr
spesen vom 2. A
ugust 2018 bis 2.
Oktober 2020
im Umfang von total Fr. 7'831.60 -
einschliesslich
Fr. 6'660.-- für 74 Besuche der Physiotherapie in
E._
- bei
der Suva geltend
(vgl. Urk. 8/515 S. 1).
Mit Verfügung vom 3. Dezember 2020 (Urk. 8/509) verneinte die Suva einen Anspruch auf eine Invalidenrente und sprach dem Versicherten eine Integritäts
entschädigung
für eine Integritätseinbusse von 5
%
im Betrag
von Fr. 6'300.-- zu, womit sie auch
über den Fallabschluss nach Art. 19 des
Bundesgesetz
es
ü
ber die Unfallversicherung (UVG) entschied.
Am
8. Dezember 2020 (Urk. 8/515)
teilte die Suva dem Versicherten mit, dass von den Fr. 7’831.60 geltend gemachten Fahrspesen Fr. 1'557.80 für Fahrten in die
F._
,
in
das Kantonsspital
G._
und
zur
H._
in
D._
erstatte
t würden
, nicht jedoch
die Kosten
für
die
74 Fahrten zur Physiotherapie nach
E._
.
Danach
überwies die Suva dem Versicherten
Fr. 1'557.80
(vgl.
Urk. 8/519/23).
Mit
Eingabe
vom 13. Dezember 2020 (
Urk. 8/518
) erhob
der
Versicherte Beschwerde
beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und bean
stan
dete, dass über die
Einstellung der Taggeldleistungen
nicht formell verfügt worden sei
; weiter beanstandete er die Nichtübernahme von Reisespesen für Fahr
ten zur Physiotherapie nach
E._
gemäss
Schreiben der Suva vom 8. Dezember 202
0.
Mit Beschluss vom 18. Februar 2021 im Verfahren UV.2020.00290 (Urk. 8/527) trat das hiesige Gericht auf die Beschwerde des Versicherten
mangels geeigneten Anfechtungsobjekts
nicht ein
.
1.3
Mit Verfügung vom 23. Februar 2021 (Urk. 8/523)
entschied
die Suva,
die in Rechnung gestellten 74 Fahrten zur Physiotherapie
in
E._
mit Fr.
399.60
zu vergüten
; entsprechend analoger Vergütung
en
für Physiotherapiebesuch
e
in Bülach
im Jahr 201
9.
Dagegen erhob der Versicherte am 8. März 2021 (Urk. 8/529) mit einem als «Beschwerde» betitelten Schreiben Einsprache, welche die Suva mit
Einsprache
entscheid
vom 19. Juli 2021 (Urk. 2) abwies.
Mit
Einspracheentscheid
vom 16. Juli 2021 wies die Suva
auch
die Einsprache gegen ihre Verfügung vom 3.
Dezember 2020
ab.
2.
2.1
Am 21. Juli 2021 (Urk. 1) erhob der Versicherte Beschwerde gegen den
Ein
spracheentscheid
vom 19. Juli 2021
und stellte folgende Anträge (S. 2):
«1.
Die Fahrspesen sind in effektiver Höhe zu entrichten.
2.
Die Heilkosten sind vollumfänglich zu tragen.
3.
Es ist eine Entschädigung in Höhe von CHF 500.00 zu prüfen»
In ihrer Beschwerdeantwort vom 5. August 2021 (Urk. 7) beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der
Beschwerde
, was
dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 10. August 2021 (Urk. 9) zur Kenntnis gebracht
wurde
.
2.2
Am 2
1.
Juli 2021 (UV.2021.00149
Urk.
1) erhob der Versicherte auch Beschwerde gege
n den
Einspracheentscheid
vom 1
6.
Juli 2021, worüber am heutigen Tag im Verfahren UV.2021.001
50
entschieden wird.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die vorliegende Streitigkeit mit einem Streitwert unter
Fr.
30'000.-- würde grundsätzlich in die einzelrichterliche Zuständigkeit fallen.
Zwischen dem vor
liegenden Verfahren und dem Verfahren UV.2021.00150
, welches mit unbe
stimmten Streitwert in die Zuständigkeit der Kammer fällt,
besteht ein enger tat
sächlicher Zusammenhang. Damit rechtfertigt es sich, beide Verfahren in gleicher
Kammerb
esetzung zu entscheiden (vgl. §
§
9
Abs.
1 und 11
Abs.
1 und 4 des
Gesetz
es
über
das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]; vgl. auch
§
28
lit
. a
GSVGer
in Verbindung mit
Art.
125 der Zivilprozessordnung
)
.
2.
2
.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
1
6.
August 2013
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2.2
Gemäss Art. 13 Abs. 1
UVG
w
erden d
ie notwendigen Reise
-
, Transport- und Rettungskosten vergütet.
Nach
Art.
20
Abs.
1 UVV werden die medizinisch not
wendigen
Reise- und Trans
portkosten
vergütet
.
Weitergehende Reise- und Transport
kosten
werden vergütet, wenn es die familiären Verhältnisse rechtferti
gen.
2
.
3
Bei der Schadenminderungspflicht der versicherten Person handelt es sich um einen allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts.
Ausfluss der Schade
n
minderungspflicht ist etwa, dass
die Auswirkungen des Gesund
heits
schadens auf die Einsatzfähigkeit durch geeignete organisatorische Mass
nahmen möglichst zu mildern
sind
(BGE 141 V 642 E. 4.3.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_751/2020 vom 20. Mai 2021 E. 4.2.2).
B
estehen
so
dann
zwischen zwei alternativen Behandlungsmethoden vom medizinischen Stand
punkt aus keine ins Gewicht fallenden Unterschiede in dem Sinne, dass sie unter dem Gesichtspunkt der Zweckmässigkeit mit Bezug auf den angestrebten Erfolg als gleichwertig zu bezeichnen sind, ist grundsätzlich die kostengünstigere und damit wirtschaftlichere Anwendung zu wählen. Ist die Erfolgsprognose einer kostengünstigeren Massnahme nicht eindeutig, kann im Rahmen des allgemeinen Rechtsgrundsatzes der Schadenminderungspflicht zumindest ein Versuch damit verlangt werden (
Urteil des Bundesgerichts 9C_824/2007 vom
3.
April 2008 E.
3.3 mit Hinweisen
).
2.4
Auch bei
der Verursachung von
T
ransport-
und R
eisekosten
ist die Schaden
minderungspflicht zu beachten
(
Hürzeler
/
Caderas
, in: Kommentar zum Bundes
gesetz über die Unfallversicherung, Bern 2018,
Art.
13
Rz
17).
Grund
sätzlich werden
damit
lediglich die gesundheitsbedingt anfallenden Kosten für den Transport bis zur nächstgelegenen geeigneten Behandlungsstelle über
nommen (
Hürzeler
/
Caderas
, a.a.O.,
Art.
13
Rz
19).
Gemäss der ad-hoc Kommission Schaden UVG (Empfehlung Nr. 1/94
,
Kostenver
gütung Ziff. 4.2)
gilt der Grundsatz, dass der nächste Arzt/Therapeut aufzusuchen ist, welcher dem medizinischen Problem gewachsen ist. Der Versicherer über
nimmt deshalb lediglich
jene Reise-/Transportkosten, welche durch das Aufsu
chen des nächsten Arztes/Therapeuten entstehen würden. Entscheidet sich die verunfallte Person für einen weiter entfernt liegenden Behandlungsort, so gehen die Mehrkosten zu ihren Lasten
.
V
ergütet werden grundsätzlich die Reise- und Transportkosten, welche der Benützung des öffentlichen Verkehrs (
2.
Klasse, kürzeste Verbindung) entsprechen (Empfehlung Nr. 1/94
,
Transportmittel
Ziff.
5
; vgl. auch
Hürzeler
/
Caderas
, a.a.O.,
Art.
13
Rz
25
).
3
.
3
.1
Nach
Art.
27
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) sind die Versicherungsträger und Durchführungs
organe der einzelnen Sozialversicherungen verpflichtet, im Rahmen ihres Zuständig
keitsbereiches die interessierten Personen über ihre Rechte und Pflich
ten aufzuklären. Weiter hat nach
Art.
27
Abs.
2 ATSG jede Person Anspruch auf grundsätzlich unentgeltliche Beratung über ihre Rechte und Pflichten. Dafür zuständig sind die Versicherungsträger, denen gegenüber die Rechte geltend zu machen oder die Pflichten zu erfüllen sind. Für Beratungen, die aufwendige Nachforschungen erfordern, kann der Bundesrat die Erhebung von Gebühren vor
sehen und den Gebührentarif festlegen. Stellt ein Versicherungsträger fest, dass eine versicherte Person oder ihre Angehörigen Leistungen anderer Sozialver
sicherungen beanspruchen können, so gibt er ihnen unverzüglich davon Kenntnis (
Art.
27
Abs.
3 ATSG).
Abs.
1 des
Art.
27 ATSG stipuliert eine allgemeine und permanente Aufklärungs
pflicht der Versicherungsträger und Durchführungsorgane, die nicht erst auf persönliches Verlangen der interessierten Personen zu erfolgen hat, und haupt
sächlich durch die Abgabe von Informationsbroschüren, Merkblättern und Wegleitungen erfüllt wird.
Abs.
2 derselben Bestimmung beschlägt dagegen ein individuelles Recht auf Beratung durch den zuständigen Versicherungsträger. Jede versicherte Person kann vom Versicherungsträger im konkreten Einzelfall eine unentgeltliche Beratung über ihre Rechte und Pflichten verlangen.
Abs.
3 konkretisiert die in
Abs.
2 umschriebene Beratungspflicht und weitet sie zugleich gegenüber dem letztgenannten Absatz aus (
Urteil des Bundesgerichts 9C_324/2021 vom 1
6.
September 2021 E. 5.3.1
mit Hinweisen
). Je nach Sachver
halt gehört es zum Kern der Beratungspflicht, die versicherte Person darauf auf
merksam zu machen, dass ihr Verhalten eine der Voraussetzungen des Leistungs
anspruches gefährden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_324/2021 vom 1
6.
September 2021 E. 5.3.1 mit Hinweis
en
).
3
.2
Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann nach dem in Art. 9
der Bun
desverfassung (
BV
)
verankerten Grundsatz von Treu und Glauben eine unrichtige Auskunft, welche eine Behörde einer rechtssuchenden Person erteilt, unter gewissen Umständen Rechtswirkungen entfalten. Voraussetzung dafür ist, dass: a) es sich um eine vorbehaltlose Auskunft der Behörden handelt; b) die Auskunft sich auf eine konkrete, die betroffene Person berührende Angelegenheit bezieht; c) die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, dafür zuständig war oder die betroffene Person sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; d) die betroffene Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres hat erkennen können; e) die betroffene Person im Vertrauen hierauf nicht ohne Nach
teile rückgängig zu machende Dispositionen getroffen hat; f) die Rechtslage zur Zeit der Verwirklichung noch die gleiche ist wie im Zeitpunkt der Auskunfts
erteilung; g) das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts dasjenige am Vertrauensschutz nicht überwiegt. Diese Bedingungen müssen kumulativ erfüllt sein. Vertrauensschutz setzt nicht zwingend eine unrichtige Auskunft oder Verfügung voraus; er lässt sich auch aus einer
blossen
behördli
chen Zusicherung und sonstigem, bestimmte Erwartungen begründendem Ver
halten der Behörden herleiten (BGE 143 V 95 E. 3.6.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2020 vom 4. September 2020 E. 2.2). Unterbleibt eine Auskunft entgegen gesetzlicher Vorschrift (vgl. Art. 27 ATSG) oder obwohl sie nach den im Einzelfall gegebenen Umständen geboten war, hat die Rechtsprechung dies der Erteilung einer unrichtigen Auskunft gleichgestellt (BGE
143 V 341 E. 5.2.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_220/2021 vom 12. Mai 2021 E. 3.1.3).
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrem
Einspracheentscheid
vom
19
. Juli 2021 (Urk. 2)
aus, es bestehe kein Anspruch
auf
Vergütung von Reisespese
n für die Physiotherapie in
E._
, da eine Physiotherapie in
E._
medizinisch nicht notwendig
gewesen
sei und auch keine familiären Gründe oder Zusiche
runge
n
seitens der Suva
bestanden
hätten
, die ein
e
weitergehende Entschädigung rechtfertigen würden
(Urk. 2 S. 3 f.).
4
.2
Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde vom 21. Juli 2021 (Urk. 1) geltend,
er sei seit dem 8. Dezember 2016 beim selben Physiotherapeuten in Behandlung. Im August 2018 habe er sein Wohndomizil von
B._
nach
D._
gewechselt
.
Die Beschwerdegegnerin sei davon in Kenntnis gesetzt worden. Diese habe ihm versichert, dass sie trotz dem Anfahrtsweg von rund 100 km
pro Weg für die Reisespesen aufkommen und diese vergüten werde (S. 2).
4
.3
Streitig
und zu prüfen ist damit, ob die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerde
führer die von ihm geltend gemachten Reisespesen von total
Fr. 6'660.-- für 74
Besuche der Physiotherapie in
E._
(vgl. Sachverhalt Ziff. 1.2) in vollem Umfang zu erstatten hat
.
5
.
5
.1
Es werden nur
notwendige Reise
k
osten vergütet
(E.
2
.1
).
In den Akten sind keinerlei medizinische Gründe ausgewiesen und
es wurde
vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht, dass die Physiotherapie wegen der Schulter
be
schwerden zwingend in
E._
- statt in der näheren Umgebung des
neue
n
Wohnorts des Beschwerdeführers in
D._
-
durchzuführen gewesen wäre. Allein der vom Beschwerdeführer vorgebrachte Aspekt der langen vorangehenden Behandlungsdauer bei
dem
selben Therapeuten
stellt
noch
keine
Notwendigkeit im Sinne von Art.
13
Abs.
1 UVG
dar
.
Ebenso wenig liegen
familiäre Verhältnisse
im Sinne von
Art.
20
Abs.
1 UVV vor, welche es gerechtfertigt hätten, die Physiotherapie in
E._
durchzuführen, was aber
vom Beschwerdeführer denn auch nicht geltend gemacht worden ist.
Damit hat die Beschwerdegegnerin
an sich
zu Recht nur diejenigen
Reisek
osten übernommen, wie sie bei Inanspruchnahme einer näher gelegenen Therapiestelle angefallen wären.
5
.2
5
.2.1
Zu prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer die Kostenübernahme der Reisespesen für die Physiotherapie in
E._
zugesichert worden ist. Eine solche
ausdrück
lich
e
Zusicherung
wird
von der Beschwerdegegnerin
bestritten (vgl.
Urk. 2 S. 3 f. und Urk. 7)
. Auch in den
Akten
finden sich dafür
keine Hinweise.
5
.2.2
Der Beschwerdeführer
brachte
diesbezüglich
im Wesentlichen Folgendes vor
:
Im E-Mail-Schreiben vom 1
0.
Dezember 2020 (
Urk.
8/516) führte er aus, sein Physiotherapeut sei immer noch derselbe. Das Einzige, was sich
ge
ändert
hab
e, sei sein Wohndomizil, welches er von
B._
nach
D._
gewechselt habe. Die Suva habe zu keinem Zeitpunkt erwähnt, dass nach dem Wechsel vom Domizil keine beziehungsweise nur teilweise Fahrspesen verrechnet würden. Der vorhe
rige Case Manager,
A._
, Suva
I._
, sei von seinem Umzug in Kenntnis gesetzt worden.
In der Beschwerde ans Sozialversicherungsgericht vom 13. Dezember 2020 (Urk.
11/518 S. 2) hielt
d
er
Beschwerdeführer
fest,
die Beschwerdegegnerin sei in einem persönlichen Gespräch mit Case Manager
A._
über den Wechsel des Wohndomizils
in Kenntn
is gesetzt worden. Dabei habe
A._
versi
chert, dass die Beschwerdegegnerin trotz dem Anfahrtsweg von 100 km pro Weg für die Reisespesen aufkommen und diese effektiv vergüten werde.
In der Einsprache vom
8.
März 2021 (
Urk.
8/529) führte
d
er
Beschwerdeführer
aus,
er habe sich selbst betreffend Übernahme der Reisekosten informiert. D
er Case Manager der Agentur
I._
habe gesagt, dass «dies» kein Problem dar
stellen werde, und habe sogar empfohlen, weiterhin den aktuellen Physiothera
peuten in
E._
zu konsultieren (
Urk.
8/529)
.
In der vorliegenden Beschwerde (
Urk.
1 S. 2) führte der Beschwerdeführer sodann erneut aus, im persönlichen Gespräch sei Case Manager
A._
über den Wechsel des Wohndomizils in Kenntn
is gesetzt worden. Bei diesem Gespräch habe dieser versichert
, dass die Beschwerdegegnerin trotz dem Anfahrtsweg von rund 100 km
pro Weg
für die Reisespesen aufkommen und diese effektiv vergüten werde. Er habe sich mehrmals bei
A._
über die Übernahme der Fahr
spesen erkundigt, was stets bejaht worden sei.
5
.2.3
Der Beschwerdeführer stand gemäss den Akten mit seinem damaligen Case Manager
A._
in regelmässigem
insbesondere auch
schriftlichen A
us
tausch
(vgl. etwa
Urk.
8/380,
Urk.
8/418
)
.
Der
Wohnsitzwechsel nach
C._
wurde mit einem E-Mail-Schreiben
und nicht mündlich
mitgeteilt (
Urk.
8/359).
Der
Beschwerdeführer
machte vorerst
(vgl. E. 5
.2.2)
e
inzig geltend, nicht über einen künftigen, nur teilweisen Anspruch auf die Wegentschädigung informiert worden zu sein; in den weiteren Schriften berichtete er von
einer ausdrücklichen Zusicherung der Reisespesen
. Z
uletzt
machte er
geltend
,
es
seien mehrmalige Anfragen und Z
usicherungen
erfolgt
. Dies
er Ausbau
der Vorbringen
schmälert
zwar
die Glaubhaftigkeit seiner A
ngaben.
Ob
es die
Beschwerde
gegnerin
ange
sichts
der
geltend gemachten
konkreten mündlichen A
uskunft
bei einem Verweis auf die
schriftlichen
Akten belassen
durfte,
ist
dennoch
zweifelhaft.
Die Frage, o
b sie nicht vielmehr gehalten gewesen wäre, ihren Mitarbeiter diesbezüglich anzu
fragen,
kann aufgrund der nachfolgenden Erwägungen
- wie
nachfolgend
aufge
zeigt wird -
offenbleiben
.
6
.
6
.1
Es steht ausser Frage, dass die Beschwerdegegnerin ihrer
generellen Aufklärungs
pflicht nach
Art.
27
Abs.
1 ATSG mit dem Hinweis auf dem Unfallschein UVG grundsätzlich nachkommt. Auf diesem
steht wortwörtlich: «Die notwendigen Reise- und Transportkosten - z.B. zum nächsten Arzt/Spital - werden Ihnen zurückerstattet.
Wählen Sie bitte ein den Verhältnissen angemessenes,
preis
günstiges Transportmittel, z.B. öffentliches Verkehrsmittel
[...] Lassen Sie sich aus persönlichen Gründen auswärts behandeln, so kann die Versicherung die entspre
chenden Mehrkosten nicht
entschädigen
.
»
(
Urk.
8/266/2).
Ü
ber diese
generellen U
mstände
musste
sich der
Beschwerdeführer bewusst sein. So hat er doch bei
spielsweise mit seiner E-Mail vom 1
9.
Juli 2017 (
Urk.
8/266/1) gerade selbst einen
Unfalls
chein UVG eingereicht, wo genau dies explizit vermerkt ist.
6
.2
Bei dieser generellen Aufklärung durfte es die Beschwerdege
g
nerin
jedoch ange
sichts der gegebenen Umstände nicht belassen.
Der Beschwerdeführer machte bereits vor seinem Wohnsitzwechsel im August 2018 die bei ihm für den Weg zum Arzt oder Therapeuten angefallenen Spesen geltend (vgl. Spesenzwischenrechnung
öffentlicher Verkehr vom 2
5.
Februar 2018,
Urk.
8/329).
Vor dem Wohnsitzwechsel befand er sich bei der
J._
AG,
in E._
, in physiotherapeutischer Behandlung (
Urk.
8/
219).
Mit Schreiben vom 1
7.
Juli 2018 wurde er seitens der Suva
informiert
,
dass - falls er sich nicht melden sollte -
die
Anmeldung für die S
chmerztherapie
am Kantonsspital
G._
vorgenommen werde
(
Urk.
8/358). In der Folge teilte der Beschwerdeführer Case Manager
A._
am 2
4.
Juli 2018 mit, dass er eine neue Adresse in
C._
habe (
Urk.
8/359). Im Bericht über die Erstkonsultation
zuhanden der Suva
vom 2
8.
August 2018
-
nach erfolgtem Umzug nach
D._
- wiesen Dr.
med.
K._
, Oberärztin, und Dr.
med.
L._
, leitender Arzt,
Kantonsspital
G
._
,
daraufhin, dass
-
falls weitere Physiotherapie nötig wäre
-
diese ambulant in
M._
(Umzug) möglich wäre (
Urk.
8/365 S. 3). Im Verlaufsbericht des Kantonsspitals
G._
vom 2
1.
November 2018 (
Urk.
8/374 S. 2) zuhanden der Suva wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines Umzuges nach
D._
einen erhöhten Aufwand für die Therapien, die in
E._
durchgeführt würden, habe (vgl. auch den Verlaufsbericht vom
3.
April 2019,
Urk.
8/409).
Weiterhin suchte der Beschwerdeführer die
J._
AG,
in E._
, für die Physiotherapie auf
(
Urk.
8/416, Urk.
8/423).
Der Beschwerdegegnerin war somit durchgängig bewusst, dass der Beschwerde
führer trotz des Umzugs in den Kanton Zürich weiterhin beziehungsweise
erneut
die
selbe
Physiotherapie
stelle
in
E._
besuchte. Angesichts des Umstands, dass der Beschwerdeführer bereits vorgängig Reisespesen eingefordert hatte, und der schlechten finanziellen Lage, in welcher
er
sich
zumindest vorübergehend
befunden hatte
(vgl.
Urk.
8/
380)
, konnte die Beschwerde
gegnerin
sodann nicht a
nnehme
n, dass der Beschwerdeführer auf die Geltendmachung entsprechender
Spesen
verzichten würde.
Vielmehr
hätte
sie erkennen
müssen
, dass der Beschwerdeführer eines
wesentlichen
Teils seiner angefallenen Reisespesen ver
lustig gehen würde, sollte er weiterhin die Physiotherapie in
E._
besuchen, und
sie war
verpflichtet, ihn von sich aus auf diese
n
Umstand hinzuweisen.
Die Beschwerde
gegnerin
liess den Beschwerdeführer demgegenüber im Glauben, dass alles seine R
ichtigkeit habe, namentlich erteilte sie wiederholt Kosten
gut
sprachen für die von der
J._ AG, in E._
,
beantragte Physiotherapie. Aus diesem Umstand durfte der Beschwerdeführer
bei vorliegen
der Sachlage
durchaus schliessen, dass die Beschwerde
gegnerin
nicht nur mit
der
Notwendigkeit
der Physiotherapie als solchen, sondern auch
mit
der weiterhin erfolgten
Durchführung
in
E._
einverstanden war.
Auch im Zusammen
hang mit dem Wechsel der zuständigen Agentur und des Case Management
s
in den Kanton Zürich erfolgte
sodann
kein
erlei
Kommentar
oder Nachfrage
zum Umstand des Physiotherapiebesuchs in
E._
, was j
edoch
spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte erfolgen müssen
(vgl.
Urk.
8/419 ff.)
.
Da somit der Beschwerdeführer vom Einverständnis der Beschwerdegegnerin mit der Physiotherapie fern
ab seines
Wohnortes ausgehen durfte, was
für ihn
auch den Anspruch auf die Wegentschädigung einschloss,
zog er einen Wechsel des T
herapeuten gar nie
ernsthaft in B
etracht und bemühte sich nicht, eine qualitativ gleichwertige Anschlusslösung in seiner Gegend zu finden. Es ist
denn auch
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
anzunehmen, dass, wenn die Suva ihn auf die Notwendigkeit des Wechsels
für eine Anspruchswahrung
hingewiesen hätte, er die geeigneten Schritte hierfür veranlasst und
er
den Wechsel letztlich auch voll
zogen hätte. Denn der Beschwerdeführer nahm für den Verbleib bei seinem Vertrauensphysiotherapeuten bereits den Nachteil der zeitintensiven Anreise
in Kauf, welchen Nachteil er
einzig
dadurch ab
zumildern wusste
, dass er den Besuch bei der Physiotherapie mit einem Besuch bei seiner Mutter in
B._
verband (
Urk.
8/494
).
Der ausgebliebene Hinweis
war somit kausal für
den
fehlenden Wechsel
zu einem näher gelegenen Therapeuten oder
zu einer näher gelegenen
Therapeutin.
Da auch die weiteren Voraussetzungen für den Vertrauensschutz erfüllt sind (vgl.
E.
3.2
), sind dem Beschwerdeführer
grundsätzlich
die Reisespesen für den Weg von seinem Wohnort
D._
nach
E._
zu entschädigen.
7
.
7
.1
Anders als im Rahmen der früheren
Spesenzwischenrechnung öffentliche
r Ver
kehr vom 2
5.
Februar 2018 (vgl.
Urk.
8/329)
macht
e
der Beschwerdeführer
für die Zeit ab August 2018
die bei der Anreise mit dem Privatfahrzeug angefallenen Kosten geltend. Für eine Hin- und Rückreise
nach
E._
stellt
e
er
Fr.
90.--
in Rechnung
(
Fr.
6
’
660.-- / 74
;
Urk.
8/
519/20-21
)
.
Demgegenüber hätte die Anfahrt mit dem öffentlichen Verkehr mit Hin- und Rückfahrt
von seinem Wohnort
D._
aus
Kosten von
Fr.
30.60
(ohne City-Ticket
E._
, da Therapiestelle in der Nähe des Bahnhofs)
zuzüglich der Kosten für ein Halbtaxabonnement von grund
sätzlich jährlich
Fr.
185.-- generiert.
Bei 74 Physiotherapiesitzungen in
rund
zwei Jahren wären so Gesamtkosten von
Fr.
2'634.40 (74 x
Fr.
30.60 zuzüglich
Fr.
370.--) entstanden. Angesichts der erheblichen Preisdifferenz wäre der Beschwerdeführer im Rahmen der Schadenminderungspflicht gehalten gewesen, den öffentlichen Verkehr zu benutzen. Auch die gegenüber der Reise mit dem P
rivatfahrzeug
(rund 1 Stunde) längere Anreisezeit von mindestens 1.5
Stunden rechtfertigte es nicht
,
auf das wesentlich teurere Auto umzusteigen (vgl. Fahr
planauskunft unter
www.sbb.ch
).
Damit hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer für die 74 Fahrten zur Physiotherapie nach
E._
mit
Fr.
2'634.40 zu entschädigen.
7
.2
Anders als für die Frage der grundsätzlichen Entschädigung kann sich der Beschwerdeführer für die Höhe der zu entgeltenden Reisespesen nicht auf eine entsprechende Auskunft oder eine zu Unrecht unterbliebene Auskunft un
d den Vertrauensschutz berufen.
Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten mündlichen Auskünfte
des Case Manager
s
A._
-
welche zudem bis anhin nicht erstellt sind -
bezogen sich auf
«
die
Übernahme der
effektiven
Fahr
spesen
»
beziehungsweise
«
die Entschädigung der Wegstrecke von 100 km
»
(vgl.
E.
5.2.2
). Der Beschwerdeführer machte jedoch nicht geltend, dass über die Frage,
welches Verkehrsmittel
zu benützen sei
,
und über die dabei
je
anfallenden Kosten gesprochen wurde.
Von einer vorbehaltlos zugesicherten Kosten
übernahme ungeachtet des gewählten Verkehrsmittels und der dabei anfallenden Kosten kann aufgrund der Vorbringen des Beschwerdeführers nicht ausgegangen wer
den. Damit erübrigen sich weitere
Abklärungen hierzu.
Angesichts des Umstands, dass der Beschwerdeführer vorgängig die Kosten für den öffentlichen Verkehr verlangt hatte, hatte die Beschwerdegegnerin
sodann auch
keine Veranlassung, den Beschwerdeführer auf eine diesbezügliche Schadenminderungspflicht hinzuweisen.
Auch begründete das Verhalten der
Mit
arbeiter und Mitarbeiterinnen der
Suva auch sonst keinen Anlass, dass der Beschwerdeführer hätte annehmen können, die Suva komme ungeachtet der Höhe für die Kosten der Reise im Privatfahrzeug auf.
Damit ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, für die 74 Fahrten zur Physiotherapie in
E._
nicht nur Fr. 399.60, sondern
insgesamt Fr. 2'634.40 zu bezahlen.
8
.
8
.1
Der Beschwerdeführer beantragte
die Prüfung einer
Entschädigung in Höhe von
Fr.
500.
-- (Ziff. 1). Nähere Ausführungen dazu finden sich in seiner Eingabe vom 21. Juli 2021 (Urk. 1) nicht. Was er damit gemeint hat, ist nicht klar. Sofern er damit Entschädigungen für Leistungen im Zusammenhang mit dem materiellen Anspruch (Fahrspesen) gemeint haben sollte, besteht wie aufgezeigt
der fest
ge
stellte
Anspruch (vgl. E.
7.2
vorstehend).
8
.2
Da
s vorliegende Verfahren ist nach Art. 61 lit. a ATSG kostenlos.
Sollte der Beschwerdeführer mit der Entschädigung in Höhe von Fr.
500.
-- (vgl.
Urk. 1, E. 6.1 vorstehend) eine Prozessentschädigung für seine Aufwände im Zu
sammenhang mit dem vorliegenden Verfahren gemeint haben, ist ihm
eine solche nicht
zuzusprechen
, weil
sein
Arbeitsaufwand und
seine
Umtriebe im vor
liegenden Verfahren nicht den Rahmen dessen überschritten, was der Einzelne
zumutbarerweise
nebenbei zur Besorgung seiner persönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat (BGE 129 V 113 E. 4 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 144 V 280 E. 8.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_340/2012 vom 8. Juni 2012 E. 3.1).