Decision ID: f7a230e0-7bfb-4e7e-bd83-a253bd5a58c1
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
hat sich ergeben:
I. A. Mit Pensionsverfügung vom 30. Oktober 2006 nahm das Alterszentrum E in C A, Jahrgang 1918, per 1. Dezember 2006 als Bewohnerin auf. Die Verfügung verwies auf die gültige Taxordnung – damals diejenige vom 1. Dezember 2006 – und bezifferte die Grundtaxe beim Eintritt auf Fr. 120.- je Tag. Nach einer vorübergehenden Unterbringung in einer nebenan liegenden Überbauung wurde A mit Verfügung vom 12. Dezember 2012 auf den 1. Januar 2013 erneut ins inzwischen umgebaute Alterszentrum E aufgenommen. Für den Pensionspreis wurde auf die gültige Taxordnung verwiesen, die der Gemeinderat inzwischen am 26. November 2012 ebenfalls auf den 1. Januar 2013 hin festgesetzt hatte. Die Anwendung der Taxordnung 2013 führte für die nicht pflegebedürftige A neben der Erhöhung der Grundtaxe von Fr. 120.- auf Fr. 155.- pro Tag zusätzlich zu einer neuen sogenannten Betreuungstaxe von Fr. 50.- pro Tag.
Der Gemeinderat wies die dagegen von A erhobene Einsprache vom 26. September 2013 mit Beschluss vom 11. November 2013 ab, soweit er darauf eintrat. Insbesondere trat er auf das Gesuch um Einsicht in die Akten nicht ein. Auf erneutes Ersuchen des damaligen Rechtsvertreters von A gewährte ihm der Gemeinderat C mit Entscheid vom 2. Dezember 2013 eine teilweise Einsicht in die Akten. Sowohl gegen den Entscheid vom 11. November 2013 als auch gegen den Entscheid vom 2. Dezember 2013 rekurrierte A beim Bezirksrat F. Dieser hiess den Rekurs mit Entscheid vom 28. Januar 2015 teilweise gut, hob den Beschluss des Gemeinderats C auf und wies diesen an, A Akteneinsicht zu gewähren und einen neuen Einspracheentscheid zu fällen. Weiter verpflichtete er den Gemeinderat C, A die für Januar bis April 2013 bereits bezahlten Betreuungstaxen zurückzuerstatten. Eine von der Gemeinde C gegen den bezirksrätlichen Entscheid erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des Verwaltungsgerichts vom 5. November 2015 abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde (VB.2015.00129).
B. Der Gemeinderat C hiess die Einsprache vom 26. September 2013 mit Beschluss vom 9. April 2018 insoweit gut, als er – in Befolgung der bezirksrätlichen Anordnung – anordnete, A die von Januar bis April 2013 in Rechnung gestellten Betreuungstaxen zurückzuerstatten. Im Übrigen wies der Gemeinderat die Einsprache ab.
II.
Mit Eingabe an den Bezirksrat F vom 30. April 2018 erhob A Rekurs gegen den Gemeinderatsbeschluss vom 9. April 2018. Mit Beschluss vom 4. Oktober 2018 trat der Bezirksrat auf den Rekurs nicht ein, da über die gestellten Anträge bereits rechtskräftig entschieden worden sei. Soweit mit der Eingabe ein Revisionsgesuch gestellt worden war, trat er ebenfalls nicht darauf ein. Die Verfahrenskosten auferlegte er A und sprach keine Parteientschädigungen zu.
III.
Am 17. Oktober 2018 erhob A Beschwerde beim Verwaltungsgericht und stellte folgende Anträge:
"1. Der Beschluss des Bezirksrates vom 9. Oktober 2018 sei aufzuheben
2. Auf eine Rückweisung zur Neubeurteilung durch den Bezirksrat sei zu verzichten und die Sache direkt durch das Verwaltungsgericht zu entscheiden unter Beiziehung der Akten aus den Verfahren US.2013.35/8.02.03 und VB 2015.00129
3. Es sei festzustellen, dass
a. der Gemeinderat von C an seiner Sitzung vom 26. November 2012 bei der Beschlussfassung zur neuen Taxordnung 2013 darauf verzichtet hat, die Neueinführung einer Betreuungstaxe für nicht-pflegebedürftige Heiminsassen des Alterszentrum E zu beschliessen und
dass demzufolge die Gemeinde C nicht berechtigt war, von der Beschwerdeführerin für die Zeit vom 1. Januar 2013 bis zum Eintritt ihrer Pflegebedürftigkeit am 1. Januar 2015 eine Betreuungstaxe von Fr. 50.- pro Tag einzufordern
b. die Erwägungen, welche der Bezirksrat in seinem Entscheid vom 28. Januar 2015 zum Punkt Verfahrenskosten/Parteientschädigung vorträgt (Ziff. 4.3 des Entscheids), aus diesem Grund zu korrigieren sind und von einem gänzlichen Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen ist
4. Es sei – gestützt auf die Feststellungen unter Ziff. 2 – zu beschliessen, dass
a. die Gemeinde C – in Abänderung ihres neuen Einspracheentscheids vom 9. April 2018 – der Beschwerdeführerin die ihr zu Unrecht belasteten Betreuungstaxen für die Zeit vom 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2014 zurückzuerstatten hat. Bereits geleistete Rückzahlungen sind anzurechnen
b. die Gemeinde C – im Sinne einer Korrektur des Urteils des Bezirksrates vom 28. Januar 2015 – die vollen Verfahrenskosten zu übernehmen hat und der Beschwerdeführerin eine angemessene Entschädigung für den Aufwand (Anwaltskosten) zuzusprechen ist, der ihr durch das Verfahren US.2013.35 entstanden ist.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin"
Die Anträge Ziff. 3 und 4 entsprechen den Anträgen Ziff. 2 und 3 der Rekursschrift.
Die Gemeinde C beantragte am 20. November 2018 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdeführerin. Der Bezirksrat F schloss am 21. November 2018 auf Abweisung der Beschwerde und verzichtete im Übrigen auf Vernehmlassung. A liess sich nicht mehr vernehmen.

Die Kammer erwägt:
Die Kammer erwägt:
1. 1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss § 41 Abs. 1 i. V. m. § 19 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) für die Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Der Streitwert liegt über dem für die Kammerzuständigkeit erforderlichen Betrag von Fr. 20'000.-, weshalb die Kammer zum Entscheid berufen ist (§ 38 Abs. 1 VRG; § 38b Abs. 1 lit. c VRG).
1.2 Tritt eine Vorinstanz auf ein Rechtsmittel nicht ein, weil sie eine Prozessvoraussetzung (hier das Nichtvorliegen einer abgeurteilten Sache, einer res iudicata, vgl. E. 2.2) als nicht erfüllt erachtet, ist die formell unterlegene Person legitimiert, sich auf dem Rechtsmittelweg gegen den Nichteintretensentscheid zu wehren (vgl. Martin Bertschi in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. A., Zürich etc. 2014 [Kommentar VRG], Vorbemerkungen zu §§ 19–28a N. 58).
1.3 Die dem Verwaltungsgericht noch vorliegenden Akten aus dem Verfahren VB.2015.00129 wurden beigezogen.
1.3 Die dem Verwaltungsgericht noch vorliegenden Akten aus dem Verfahren VB.2015.00129 wurden beigezogen.
2. 2.1 Ist ein Nichteintretensentscheid angefochten, beschränkt sich die Prüfungsbefugnis des Verwaltungsgerichts vorerst auf die Frage, ob die Behörde bzw. die Vorinstanz das Vorliegen der Eintretensvoraussetzungen zu Recht verneint hat (VGr, 23. Dezember 2016, VB.2016.00464, E. 3.2 m. w. H.; VGr, 10. Januar 2019, VB.2018.00660, E. 1.2).
2.2 Zu den Prozess- bzw. Eintretensvoraussetzungen eines Rekurses gehört unter anderem das Erfordernis, dass über die Streitsache nicht bereits rechtskräftig entschieden worden ist; es darf keine res iudicata mit materieller Rechtskraft vorliegen (Bertschi, Vorbemerkungen zu §§ 19–28a N. 52). Eine solche abgeurteilte Sache liegt vor, wenn der streitige Anspruch mit einem schon rechtskräftig beurteilten Anspruch identisch ist. Dies trifft zu, falls ein Anspruch aus demselben Rechtsgrund und gestützt auf denselben Sachverhalt erneut zur Beurteilung unterbreitet wird und sich wieder die gleichen Parteien gegenüberstehen (BGE 144 I 11 E. 4.2; BGr, 17. Januar 2014, 2C_387/2013, E. 3.1 m. w. H.). Bei der Prüfung der Identität der Begehren ist nicht ihr Wortlaut, sondern ihr Inhalt massgebend. Das neue Begehren ist deshalb trotz abweichender Umschreibung von einem bereits beurteilten Begehren nicht verschieden, wenn es in diesem bereits enthalten war oder wenn im neuen Verfahren das kontradiktorische Gegenteil zur Beurteilung gestellt wird. Andererseits sind Rechtsbehauptungen trotz gleichen Wortlauts dann nicht identisch, wenn sie nicht auf dem gleichen Entstehungsgrund, d. h. auf denselben Tatsachen und rechtlichen Umständen beruhen (BGr, 13. Mai 2019, 2C_774/2018, E. 3.1 m. w. H.). Die materielle Rechtskraft eines früheren Entscheids bedeutet grundsätzlich nur eine Bindung an das Dispositiv. Allerdings können zur Feststellung der Tragweite des Dispositivs weitere Umstände, namentlich die Begründung des Entscheids, herangezogen werden (BGE 142 III 210 E. 2.2).
2.3 Im Unterschied zu den Vor- und Zwischenentscheiden über die Zuständigkeit und den Ausstand müssen sog. "andere" Zwischenentscheide nicht, sondern können unter gewissen Voraussetzungen unmittelbar nach ihrem Erlass angefochten werden (§ 19a Abs. 2 VRG i. V. m. Art. 91–93 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG]). Wurde von der Anfechtungsmöglichkeit kein Gebrauch gemacht, kann der Zwischenentscheid mit Beschwerde gegen den Endentscheid angefochten werden, soweit er sich auf dessen Inhalt auswirkt (Art. 93 Abs. 3 BGG; vgl. BGE 143 III 290 E. 1.4). Dies muss auch für Rechtsmittelentscheide über Zwischenentscheide gelten (Bertschi, § 19a N. 60). Wurde ein Zwischenentscheid jedoch bereits selbständig angefochten und vom Bundesgericht materiell beurteilt, liegt eine res iudicata vor, die nicht nochmals behandelt wird (Felix Uhlmann, Basler Kommentar BGG, 3. A., 2018, Art. 93 N. 28).
Teilentscheide sind eine Variante des Endentscheids, indem über eines oder einige von mehreren Rechtsbegehren abschliessend befunden wird (BGE 135 III 212 E. 1.2.1; 134 III 426 E 1.1; Botschaft vom 28. Februar 2001 zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4202 ff., 4332 Ziff. 4.1.4.1). Es handelt sich dabei nicht um verschiedene materiell-rechtliche Teilfragen eines Rechtsbegehrens, sondern um verschiedene Rechtsbegehren (BGE 133 V 477 E. 4.1.2). Im Gegensatz zu Vor- und Zwischenentscheiden sind Teilentscheide der materiellen Rechtskraft zugänglich und müssen demzufolge unmittelbar nach ihrem Erlass angefochten werden (BGE 135 V 141 E. 1.4.1 m. w. H.).
Die Abgrenzung zwischen Teil- und Zwischenentscheid erfolgt auf der Ebene des Streitgegenstands: Massgebend ist, ob der Entscheid ein Begehren behandelt, das unabhängig von anderen beurteilt werden kann (vgl. Art. 91 lit. a BGG), d. h. auch Gegenstand eines selbständigen Verfahrens hätte bilden können. Ob dies der Fall ist, richtet sich nach materiell-rechtlichen Gesichtspunkten. Ist nach dem materiellen Recht eine unabhängige Beurteilung einzelner Punkte nicht möglich, so ist ein Entscheid, mit dem über diese Punkte befunden wird, ein Zwischenentscheid (BGE 135 V 141 E. 1.4.1 m. w. H.; 134 III 426 E. 1.2). Entscheide, in denen eine Rechtsmittelinstanz eine Vorfrage abweichend von der unteren Instanz entscheidet und das Verfahren zur weiteren Beurteilung an die untere Instanz zurückweist, sind Zwischenentscheide (BGE 143 III 290 E. 1.4).
2.4 Die Rückweisung bewirkt, dass die Vorinstanz die Sache erneut beurteilen muss und dabei an die Rechtsauffassung der rückweisenden Instanz gebunden ist (Alain Griffel, Kommentar VRG, § 28 N. 42; vgl. § 64 Abs. 2 Satz 2 VRG). Noven, d. h. neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel, sind im Rahmen des Neuentscheids durch die Vorinstanz zulässig (vgl. § 64 Abs. 2 Satz 1 VRG; VGr, 9. Februar 2011, VB.2010.00460, E. 2). Wird der Neuentscheid der unteren Instanz wiederum weitergezogen, so ist auch die rückweisende Instanz an ihren früheren Entscheid gebunden (BGE 143 III 290 E. 1.5). Die Selbstbindung der rückweisenden Instanz an ihre Rechtsauffassung entspricht im Übrigen auch der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts im Hinblick auf seine eigenen Rückweisungsentscheide (statt vieler: BGE 143 IV 214 E. 5.3.3; Johanna Dormann, Basler Kommentar BGG, 3. A., 2018, Art. 107 N. 18 m. w. H.). Sie ist sachgerecht, weil die fehlende Bindung letztlich dazu führt, dass der im ersten Rechtsgang unterliegenden Partei faktisch eine doppelte Beschwerdemöglichkeit und ein Recht auf Wiedererwägung eingeräumt wird (VGr, 25. August 2010, SB.2010.00056, E. 1.3.1). Die Bindungswirkung entfällt lediglich insoweit, als aufgrund neuer Tatsachenbehauptungen oder Beweismittel oder aufgrund einer Änderung des Streitgegenstands im zweiten Rechtsgang ein geänderter Sachverhalt zu beurteilen ist oder in der Zwischenzeit eine  Praxisänderung erfolgte (Griffel, § 28 N. 44).
2.5
2.5.1 Unbestrittenermassen ist das verwaltungsgerichtliche Urteil VB.2015.00129 vom 5. November 2015, womit der bezirksrätliche Entscheid vom 28. Januar 2015 bestätigt wurde, formell rechtskräftig geworden; eine Anfechtung mittels ordentlichem Rechtsmittel ist zufolge Fristablaufs nicht mehr möglich (vgl. Kaspar Plüss, Kommentar VRG, § 66 N. 5 ff.). Es besteht weitgehend Einigkeit, dass Rechtsmittelentscheide im Verwaltungsverfahren auch in materielle Rechtskraft erwachsen (vgl. VGr, 28. Juni 2018, VB.2018.00263, E. 2.3).
2.5.2 Das Verwaltungsgericht (VB.2015.00129, E. 1.3) erachtete den Beschluss des Bezirksrats vom 28. Januar 2015 – für den vorliegenden Entscheid bindend (E. 2.4) – als Zwischenentscheid, soweit die Sache an die Erstinstanz zurückgewiesen wurde, Disp.-Ziffern 1 bis 4), und als Teilentscheid hinsichtlich der im Rekursentscheid angeordneten Rückerstattung für bezahlte Betreuungstaxen der Beschwerdeführerin in den Monaten Januar bis April 2013. Gleich qualifizierte es das verwaltungsgerichtliche Urteil (vgl. VB.2015.00129, E. 5). Die Kosten- und Entschädigungsfolgen wurden in beiden Entscheiden ohne Aufteilung auf den Zwischen- und den Teilentscheid geregelt.