Decision ID: 51ddaa91-4078-57c2-b35e-bf34698a106d
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
F._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Reto Joos, Rechtsanwälte Roos/Roos-
Niedermann, Postgasse 5, 9620 Lichtensteig,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen und Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a F._ meldete sich am 4. Dezember 2003 zum Bezug von IV-Leistungen
(Berufsberatung, Hilfsmittel, Rente) an, da sie starke Schmerzen in den Hüft- und
Kniegelenken verspüre und seit 1999 unter Rückenbeschwerden leide (act. G 7.1). Mit
Verfügung vom 4. Mai 2005 sprach ihr die IV-Stelle mit Wirkung ab 1. August 2004 eine
Viertelsrente zu (act. G 7.42). Mit weiterer Verfügung vom 11. Mai 2004 wies sie das
Gesuch um berufliche Massnahmen ab, weil berufliche Massnahmen die
Arbeitsfähigkeit nicht wesentlich beeinflussen könnten (act. G 7.24). Gegen die
Rentenverfügung erhob die Versicherte am 2. Juni 2005 Einsprache, da sich ihr
Gesundheitszustand verschlechtert habe (act. G 7.43). Mit Verfügung vom 18. Oktober
2005 widerrief die IV-Stelle die angefochtene Verfügung und stellte der Versicherten die
Durchführung weiterer Abklärungen in Aussicht (act. G 7.54). Mit Verfügung vom 7.
Dezember 2005 stellte die IV-Stelle die Invalidenrente der Versicherten auf Ende des
der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein, da diese seit 1. September 2005
wieder zu 50% erwerbstätig und eine rentenbegründende Invalidität nicht mehr
ausgewiesen sei (Invaliditätsgrad 33%; act. G 7.65).
A.b Am 31. Oktober 2006 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen (Rente) an, da sie unter Weichteilrheuma leide (act. G 7.70). In der Folge
wurde die Versicherte psychiatrisch und orthopädisch begutachtet. Im Gutachten vom
7. Mai 2007 stellten Dr. med. A._, Facharzt Psychiatrie/Psychothera-pie, und Dr.
med. B._, Psychiatrie/Psychotherapie FMH, keine Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht bestünden keine Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen oder in einer angepassten Tätigkeit; die
Einschränkungen seien rheumatologisch zu definieren (act. G 7.82). Im Gutachten vom
27. Februar/30. Mai 2007 stellte Dr. med. C._, Spezialarzt Orthopädie FMH, folgende
Diagnosen: eine Chondropathie Grad I acetabulär und eine leichte
Sehnenansatzentzündung am Trochanter major beidseits; Verdacht auf eine
femoropatelläre Chondropathie bei leicht varischem Alignement der unteren
Extremitäten; Senk/Spreizfüsse beidseits, rechts symptomatisch; eine fortgeschrittene
Osteochondrose und Spondylose TH5 bis TH12, eine Präadipositas sowie eine
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Spondylose L2 bis 4. Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Büroangestellte
betrage bei voller Stundenpräsenz ca. 65%. Körperlich leichte Tätigkeiten, die
abwechslungsweise sitzend und stehend in temperierten Räumen durchgeführt werden
könnten, ohne dass dabei regelmässig unphysiologische speziell gebückte
Körperhaltungen eingenommen und Gegenstände über 10 kg gehoben oder getragen
werden müssten, seien der Versicherten bei voller Stundenpräsenz zu 90% zumutbar
(act. G 7.84). Mit Vorbescheid vom 11. Dezember 2007 stellte die IV-Stelle der
Versicherten in Aussicht, dass sie keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen oder
Rentenleistungen habe (act. G 7.98).
B.
Am 2. Januar 2008 erhob die Versicherte Einwand gegen den Vorbescheid (act. G
7.100). Mit Verfügung vom 9. Januar 2008 wies die IV-Stelle die Begehren der
Versicherten betreffend berufliche Massnahmen und Rentenleistungen ab. Die
Versicherte arbeite aktuell zu 50% als kaufmännische Angestellte. Aus medizinischer
Sicht werde ihr in dieser Tätigkeit in geeignetem Rahmen eine Arbeitsfähigkeit von
90% attestiert. Unter Berücksichtigung des zumutbaren Erwerbseinkommens bestehe
somit kein Rentenanspruch (act. G 7.101).
C.
C.a Mit Eingabe vom 8. Februar 2008 erhebt die Versicherte Beschwerde und
beantragt sinngemäss, die Verfügung vom 9. Januar 2008 sei aufzuheben und es sei
ihr eine Rente zuzusprechen. Sie leide seit Jahren an Weichteil- und Muskelrheuma
und sei deshalb (nur) zu 50% berufstätig. Die Beschwerdegegnerin habe ihren
Entscheid unter anderem damit begründet, dass sie (die Beschwerdeführerin) keine
neuen Tatsachen habe vorbringen können. Das sei deshalb nicht möglich gewesen,
weil sie noch mitten in laufenden Untersuchungen gestanden habe und jetzt einen
weiteren Untersuchungstermin am Kantonsspital St. Gallen abwarte (act. G 1).
C.b Am 25. Februar 2008 (Datum des Poststempels) stellt die Beschwerdeführerin ein
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (act. G 3). Diese wird ihr mit
Präsidialverfügung vom 19. Mai 2008 bewilligt (Befreiung Kostenvorschuss; act. G 8).
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Mit Eingabe vom 18. August 2008 ersucht Rechtsanwalt lic. iur. Reto Joos als Vertreter
der Beschwerdeführerin um Ausdehnung der unentgeltlichen Prozessführung auf die
Befreiung von Gerichtskosten sowie die Bestellung eines unentgeltlichen
Rechtsvertreters in seiner Person (act. G 14). Diese Ausdehnung der unentgeltlichen
Prozessführung wird am 19. August 2008 bewilligt (act. G 15).
C.c Mit Beschwerdeantwort vom 14. Mai 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, im
Rahmen des Beschwerdeverfahrens habe die Beschwerdeführerin einen neuen Bericht
einer neuropsychologischen Untersuchung am Kantonsspital St. Gallen von Dr. phil.
D._, Psychologin FSP/Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, und Dipl.-Psych.
E._, klin. Neuropsychologin (GNP), vom 5. März 2008 eingelegt. Gestützt darauf sei
die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2006 zu 50% in ihrer Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt. Zu prüfen bleibe der Einkommensvergleich. Aus dem IK-Auszug sei
ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin nie ein hohes, einer vollen Erwerbstätigkeit
entsprechendes Einkommen erzielt habe. Daher sei ein hypothetisches Einkommen
heranzuziehen. Die Beschwerdeführerin habe sich in den Jahren 2000 bis 2002 zur
diplomierten Kauffrau an der BVS St. Gallen ausbilden lassen. Als kaufmännische
Angestellte würde sie ein mittleres Jahressalär von Fr. 64'878.-- verdienen, wovon
noch 2.5% für die Regionen Basel Mittelland, Ost-, West- und Zentralschweiz
abgezogen werden müssten. Somit ergebe sich ein Valideneinkommen von Fr.
63'256.--. Als Invalideneinkommen könne vorliegend das tatsächlich erzielte
Einkommen herangezogen werden, da die Beschwerdeführerin ihre verbleibende
Arbeitsfähigkeit in ihrer jetzigen Tätigkeit voll ausnütze und das erzielte Einkommen der
Arbeitsleistung entspreche. Gemäss dem IK-Auszug habe sie im Jahr 2006 ein
Einkommen in Höhe von Fr. 43'543.-- erzielt. Es ergebe sich somit ein Invaliditätsgrad
von 31.16%, weshalb die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Rente habe
(act. G 7).
C.d Mit Replik vom 29. August 2008 beantragt der Vertreter der Beschwerdeführerin,
die Verfügung vom 9. Januar 2008 sei aufzuheben. Es sei ein Beweisverfahren zur
Neubestimmung des Invaliditätsgrads durchzuführen. Im Anschluss an das
Beweisverfahren sei der Beschwerdeführerin eine Invalidenrente in der Höhe von
mindestens einer halben Rente auszurichten. Zur Begründung macht er im
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Wesentlichen geltend, die Beschwerdegegnerin habe das Valideneinkommen der
Beschwerdeführerin falsch bemessen. Sie habe deren Fähigkeiten in keiner Weise
gewürdigt. Als Anknüpfungswert sei das von ihr heute erzielte Erwerbseinkommen zu
betrachten. Dabei sei jedoch noch nicht berücksichtigt, dass sie nächstes Jahr die
Ausbildung zur Fachfrau Betreuung abschliessen werde. Dieser zusätzliche
Fachabschluss werde sie lohnmässig nochmals besser stellen. Beim
Invalideneinkommen sei die Beschwerdegegnerin fälschlicherweise vom tatsächlich
erzielten Erwerbseinkommen ausgegangen. Dies sei im vorliegenden Fall nicht
zulässig, da die entsprechenden Voraussetzungen nicht erfüllt seien. Das
Invalideneinkommen sei aufgrund von Tabellenwerten zu eruieren. Der Invaliditätsgrad
der Beschwerdeführerin betrage mehr als 50%, weshalb sie Anspruch auf mindestens
eine halbe Invalidenrente habe (act. G 16).
C.e Mit Duplik vom 9. September 2008 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag
fest (act. G 18).

Erwägungen:
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin sowohl einen
Anspruch auf berufliche Massnahmen als auch eine Invalidenrente abgelehnt.
Vorliegend beantragt die Beschwerdeführerin eine Rente. Streitgegenstand bildet daher
der allfällige Rentenanspruch. Bevor jedoch eine Rente zugesprochen werden kann, ist
- gemäss dem Grundsatz Eingliederung vor Rente - zu prüfen, ob die Invalidität mit
Eingliederungsmassnahmen verbessert werden kann. Vorliegend hat keine Partei
berufliche Massnahmen beantragt. Auch sind solche aufgrund der Aktenlage bis zum
Erlass der angefochtenen Verfügung nicht angezeigt, scheint die Beschwerdeführerin in
ihrer derzeitigen Arbeitsstelle doch optimal eingegliedert zu sein. Nachfolgend ist daher
der Rentenanspruch zu prüfen.
1.2 Wie sich im Laufe des Beschwerdeverfahrens gezeigt hat, ist die
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig. So stehen
gemäss Bericht von Dr. D._ und Dipl.-Psych. E._ bei der Beschwerdeführerin eine
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eingeschränkte Aufnahme- und Lernleistung sowie eine verminderte längerfristige
Konzentrationsfähigkeit mit nachlassender Fehlerkontrolle im Vordergrund. Das
kognitive Profil sei gut mit den von der Beschwerdeführerin beschriebenen Probleme
am Arbeitsplatz vereinbar (Lern- und Umstellungsschwierigkeiten,
Konzentrationsprobleme, hohe Fehlerrate). Es sei davon auszugehen, dass sie mit
einem Arbeitspensum von 50% sicherlich an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt
sei. Um ihre Arbeitstätigkeiten (25% Büro, 25% Betreuung) fortsetzen zu können, wäre
ein verbessertes Pausenmanagement mit echten Entspannungspausen sinnvoll (act. G
16.1). Die anhand von neuropsychologischen Untersuchungen und Testverfahren neu
evaluierte Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin und mit 50% bemessene
Arbeitsfähigkeit erscheint überzeugend begründet. Davon geht auch die
Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort aus (act. G 7). Gemäss
Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) geht aus dem Bericht von Dr.
D._ und Dipl.-Psych. E._ eindeutig hervor, dass bei der Beschwerdeführerin
erhebliche neuropsychologische Defizite bestehen, welche die Leistungsfähigkeit,
zusätzlich zu den bekannten Leiden, wesentlich und anhaltend einschränken würden.
Es sei davon auszugehen, dass diese Defizite schon seit Jahren bestünden, resp. sich
im Laufe der letzten Zeit möglicherweise verschlechtert hätten. Aus medizinischer Sicht
könne in einer angepassten Tätigkeit aktuell und bis auf weiteres lediglich eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit in einem Teilpensum bestätigt werden. Es könne ziemlich sicher davon
ausgegangen werden, dass auch zum Zeitpunkt der IV-Anmeldung 2006 keine relevant
höhere Arbeitsfähigkeit bestanden habe (act. G 16.2). Mithin ist unbestrittenermassen
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen. Umstritten ist
dagegen der Invaliditätsgrad.
2.
Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
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Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
3.
3.1 Umstritten ist zum einen das Valideneinkommen der Beschwerdeführerin.
3.2 Nach Art. 16 ATSG ist als Valideneinkommen das Einkommen zu betrachten, das
die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
Rechtsprechungsgemäss ist bei der Ermittlung des Valideneinkommens entscheidend,
was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die
Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Es ist in der Regel vom
letzten Lohn, welchen die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
erzielt hat, auszugehen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2001, I 42/01, mit
Hinweisen). Diese Praxis ist unter dem Aspekt des Beweises des massgeblichen
Valideneinkommens zweckmässig, weil es gemäss der Rechtsprechung empirischer
Feststellung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall in der Regel
weitergeführt worden wäre (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2002, I 97/00).
3.3 Die Beschwerdegegnerin hat diesbezüglich ausgeführt, aus dem IK-Auszug sei
ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin nie ein hohes, einer vollen Erwerbstätigkeit
entsprechendes Einkommen erzielt habe. Daher sei ein hypothetisches Einkommen
heranzuziehen. Sie hat daher auf die Salärempfehlungen des KV Schweiz
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(Funktionsstufe B) abgestellt und ein Valideneinkommen (mit Abzug von 2.5% für die
Region Ostschweiz) von Fr. 63'256.-- ermittelt.
3.4 Ein Abstellen auf Tabellen- bzw. Branchenlöhne ist vorliegend jedoch nicht
angezeigt. Wie erwähnt, ist das Valideneinkommen so konkret wie möglich zu
ermitteln. Zwar trifft es zu, dass die Beschwerdeführerin nie ein einer vollen
Erwerbstätigkeit entsprechendes Einkommen erzielt hat, doch ist dieser Umstand
gemäss Beurteilung des RAD auf ihre Lernbehinderung zurückzuführen (vgl. act. G
16.2). Seit September 2005 und somit seit mehr als einem Jahr vor ihrer zweiten IV-
Anmeldung ist die Beschwerdeführerin beim Z._ zu 50% angestellt, wo sie im Jahr
2006 ein Einkommen von Fr. 42'481.40 erzielt hat (act. G 7.59 und 7.76). Nachdem die
Beschwerdeführerin gar nie in der Lage war, ein 100%-Pensum zu absolvieren und
nach wie vor dieselbe Stelle innehat wie vor der IV-Anmeldung, ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie diese Arbeit auch im Gesundheitsfall
ausüben würde. Bei einem (unbestrittenen) Pensum von 100% im Gesundheitsfall
würde sie gemäss der Zusammenstellung der Lohnzahlungen 2006 ein
Jahreseinkommen von Fr. 84'962.80 erzielen, wird doch dort für ein 100%-Pensum ein
monatliches Bruttoeinkommen von Fr. 6'535.60 (x 13) angegeben. Entsprechend ist
dieser Betrag als Valideneinkommen einzusetzen.
4.
4.1 Ebenfalls umstritten ist das Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin.
4.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person
konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der -
kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und
erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
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Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik
periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die DAP-Zahlen
herangezogen werden (BGE 130 V 475, mit Hinweisen).
4.3 Die Beschwerdegegnerin hat in diesem Zusammenhang ausgeführt, vorliegend
könne das tatsächlich erzielte Einkommen als Invalideneinkommen herangezogen
werden, da die Beschwerdeführerin ihre verbleibende Restarbeitsfähigkeit in ihrer
jetzigen Tätigkeit voll ausnütze und das erzielte Einkommen ihrer Arbeitsleistung
entspreche.
4.4 Der Vertreter der Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, vorliegend
dürfe nicht vom tatsächlich erzielten Erwerbseinkommen ausgegangen werden, da die
von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien nicht erfüllt seien. Die
Beschwerdeführerin bekunde im Betrieb Mühe mit der Arbeit. Das Verhältnis zum
Vorgesetzten sei schlecht. Sie überarbeite sich regelrecht, was ihr körperlich und
psychisch massiv zusetze. Zudem sei die heutige Arbeitsstelle ein absoluter Glücksfall
für sie. Die Beschwerdegegnerin hätte das Invalideneinkommen aufgrund von
Tabellenwerten eruieren müssen.
4.5 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kann vorliegend das tatsächlich
erzielte Einkommen als Invalideneinkommen herangezogen werden. Die
Beschwerdeführerin hat ihre derzeitige Stelle mittlerweile seit mehr als drei Jahren inne.
Gemäss eigenen Aussagen gefällt es ihr dort gut und sie fühlt sich wohl (vgl. act. G
7.93). Zwar hat sie anlässlich der Untersuchung durch Dr. D._ und Dipl.-Psych. E._
vom 3. März 2008 über gewisse Schwierigkeiten im Büro gesprochen, doch scheinen
diese vor allem im Zusammenhang mit einer Weiterbildung und der daraus
resultierenden zusätzlichen Belastung herzurühren. Dem entsprechenden Bericht vom
5. März 2008 ist zu entnehmen, dass die jetzige Stelle der Beschwerdeführerin
zumutbar ist, auch wenn sie dabei an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gelangt. Es wird
lediglich im Zusammenhang mit der Weiterbildung von einer Überforderung
gesprochen, doch will die Beschwerdeführerin diese Weiterbildung offensichtlich
unbedingt absolvieren (act. G 16.1). Gemäss Schlussbericht der
Eingliederungsberatung vom 2./20. November 2007 ist die Beschwerdeführerin an ihrer
derzeitigen Stelle optimal eingegliedert. Zudem entspricht ihre Entlöhnung offenbar
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ihrer tatsächlichen Arbeitsleistung (vgl. act. G 7.13). Unter diesen Umständen sind die
oben genannten Kriterien erfüllt, so dass das tatsächlich erzielte Einkommen der
Beschwerdeführerin als Invalideneinkommen herangezogen werden kann. Was die
Höhe dieses Einkommens anbelangt, so bestehen vorliegend gewisse Unklarheiten,
beläuft sich doch das Einkommen für das Jahr 2006 gemäss IK-Auszug auf Fr.
43'543.-- (act. G 7.88), währenddem die Arbeitgeberin ein Jahressalär von Fr. 42'481.--
ausweist (act. G 7.76). Wie es sich damit genau verhält, kann letztlich jedoch offen
bleiben, wie nachfolgend aufgezeigt wird.
5.
Wie oben dargelegt, sind sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen
ausgehend von der jetzigen Tätigkeit der Beschwerdeführerin zu berechnen, wobei
eine Teilzeittätigkeit verhältnismässig weder besser noch schlechter bezahlt wird als
eine Vollzeittätigkeit. Folglich entspricht der Invaliditätsgrad dem Ausmass der
Arbeitsunfähigkeit, weshalb es sich vorliegend erübrigt, die genauen
Einkommenshöhen zu ermitteln. Nachdem die Beschwerdeführerin
unbestrittenermassen zu 50% arbeitsunfähig ist, beträgt dementsprechend auch ihr
Invaliditätsgrad 50%. Somit hat sie Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (Art. 28
IVG).
6.
6.1 Im Sinne der obigen Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen. Die
angefochtene Verfügung vom 9. Januar 2008 ist aufzuheben und der
Beschwerdeführerin ist eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Die Sache ist zur
Festsetzung des Rentenbeginns und der Rentenhöhe an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Bezüglich des Rentenbeginns wird sie zu berücksichtigen haben,
dass es sich beim Rentengesuch vom 31. Oktober 2006 um eine Wiederanmeldung im
Sinne von Art. 87 Abs. 4 IVV handelt, weshalb ein Wartejahr nicht zu bestehen ist (Art.
29 IVV in der bis Ende 2007 gültigen Fassung). Die Beschwerdegegnerin wird zu
prüfen haben, ab welchem Zeitpunkt nach der (rechtskräftigen) Rentenaufhebung die
Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit wieder ein rentenbegründendes Ausmass erreicht hat.
bis
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6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Da die Beschwerdegegnerin unterliegt, hat sie die
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Im vorliegenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von
Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die bereits
bewilligte unentgeltliche Prozessführung wird bei diesem Verfahrensausgang
gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG