Decision ID: 01dd6758-ad8c-5842-a5e6-26946395788b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 28. Mai 2015 ein Asylgesuch ein. Er be-
gründete dieses Gesuch damit, dass er die Liberation Tigers of Tamil
Eelam (LTTE) zusammen mit seinem Schwager unterstützt habe, weswe-
gen er in den Fokus der sri-lankischen Behörden geraten sei.
B.
Mit Verfügung vom 29. Dezember 2016 verneinte das SEM die Flüchtlings-
eigenschaft, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz sowie den Vollzug an. Eine gegen diese Verfügung erhobene
Beschwerde wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-635/2017
vom 21. März 2017 abgewiesen.
C.
Mit einer als neues Asylgesuch bezeichneten Eingabe gelangte der Be-
schwerdeführer am 11. September 2017 erneut ans SEM.
Darin machte er den bereits rechtskräftig beurteilten Sachverhalt erneut
geltend und fügte an, dass ein neues Beweismittel das bereits damals gel-
tend gemachte Verschwinden des Schwagers belege. Damit sei ein Teilbe-
weis für die im Heimatland erlittene Verfolgung erbracht. Nach dem Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts hätten sich ferner neue Sachverhalte er-
eignet. So habe ihm seine Ehefrau erst dann eröffnet, dass sie wegen ihm
von den Sicherheitskräften behelligt worden sei. Die Behörden hätten im
Jahre 2015 eines seiner Waffenverstecke gefunden und die Ehefrau an-
schliessend verhaftet. Sie habe ihn bis anhin nicht darüber informiert, da
das Ereignis einen Ehrverlust für sie dargestellt habe. Sie habe ihre Lage
in einem Schreiben an die schweizerische Botschaft dargelegt, welches ein
neues Beweismittel bezüglich eines bisher unbekannten Sachverhalts dar-
stelle. Ferner habe er gesundheitliche Probleme und sei mittelos. Seine
Ehefrau und Kinder seien auf die Unterstützung eines Bruders angewie-
sen. Die Ersatzreisepapierbeschaffung beim sri-lankischen Generalkonsu-
lat habe zudem zu einem umfassenden Backgroundcheck geführt und das
Migrationsabkommen zwischen der Schweiz und Sri Lanka sei bundes-
und völkerrechtswidrig. Weiter verwies der Beschwerdeführer auf ein Urteil
des High Court in Vavuniya vom 25. Juli 2017, welches die bisherigen Ein-
schätzungen der Schweizer Asylbehörden bezüglich der Verfolgung frühe-
rer LTTE-Aktivisten widerlege, da LTTE-Unterstützer trotz Rehabilitation
unabhängig der vergangenen Zeitspanne in politisch motivierter Weise ver-
urteilt werden könnten. Die schweizerischen Asylbehörden würden die
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Lage in Sri Lanka, welche sich verschlechtert habe, zudem falsch einschät-
zen.
D.
Mit Verfügung vom 24. Januar 2018 (Eröffnung am 1. Februar 2020) stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sowohl das Mehrfachgesuch als auch das qualifizierte Wie-
dererwägungsgesuch ab, soweit darauf eingetreten wurde, und ordnete die
Wegweisung sowie den Vollzug an. Ferner wies es die Anträge auf Akten-
einsicht, auf Beizug fremder Verfahrensakten, auf Stellung eines Ersu-
chens an die sri-lankischen Behörden um Löschung der Personendaten,
auf Abklärung des Gesundheitszustandes und der finanziellen Situation,
auf Befragung der Ehegattin ab und erhob eine Gebühr.
Dazu erwog das SEM, dass es sich bei der Eingabe um ein Mehrfach-, ein
Wiedererwägungs- und ein Revisionsgesuch handle.
Das Beweismittel betreffend die Verfolgung des Schwagers sei in den Jah-
ren 2007, 2009, 2010 und 2013 entstanden, weshalb es sich um vorbe-
standene Beweismittel betreffend einen vom Bundesverwaltungsgericht
letztinstanzlich beurteilten Sachverhalt handle, welches revisionsweise zu
prüfen wäre, weshalb darauf zuständigkeitshalber nicht einzutreten sei.
Gleiches gelte für denjenigen Teil der Dokumente, mit welchen er eine Do-
kumentierung der Lage in Sri Lanka anstrebe, die vor dem Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts vom 21. März 2017 entstanden seien. Die Tatsa-
chenbehauptung, wonach ihm die Ehefrau eröffnet habe, dass ein Waffen-
versteck gefunden worden sei, wäre ebenfalls revisionsweise geltend zu
machen, da es sich um eine Tatsache handle, die sich vor dem Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts ereignet habe.
Das Schreiben der Ehefrau an die Schweizer Botschaft und der Artikel,
welcher sich auf das Urteil des High Court in Vavuniya beziehe, seien zwar
nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts entstanden und als erst
nachtäglich entstandene Beweismittel, welche sich auf unbewiesen geblie-
bene Tatsachen beziehen würden, folglich grundsätzlich zulässige Wieder-
erwägungsgründe. Sie seien jedoch nicht innerhalb der 30-tägigen Frist
gemäss Art. 111b Abs. 1 AsylG eingereicht worden und daher verspätet,
weshalb darauf nicht einzutreten sei. Im Übrigen mangle es den beiden
Dokumenten auch an der Erheblichkeit. Das Bundesverwaltungsgericht
habe die Vorbringen des Beschwerdeführers für unglaubhaft befunden,
weshalb den Aussagen der Ehefrau jegliche Grundlage entzogen sei. Die
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Ehefrau führe ferner aus, sie habe den Beschwerdeführer über den Vorfall
informiert, was der Behauptung des Beschwerdeführers widerspreche, erst
kürzlich davon erfahren zu haben. Das Schreiben stelle somit eine blosse
Parteibehauptung ohne Beweiswert dar. Es bestünden ferner keine Paral-
lelen zwischen dem Beschwerdeführer und dem Sachverhalt, welcher dem
Urteil des High Court in Vavuniya zugrunde gelegen habe.
Aus der Ersatzreisepapierbeschaffung ergebe sich keine asylrelevante Ge-
fährdung. Ferner gelte die bereits rechtskräftig vorgenommene Einschät-
zung, wonach der Beschwerdeführer nicht asylrelevant gefährdet sei, auch
im Lichte der aktuellen Lage in Sri Lanka, weshalb er aus den zahlreich
eingereichten Dokumenten zur allgemeinen Lage in Sri Lanka nichts zu
seinen Gunsten ableiten könne.
E.
Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechts-
vertreters vom 8. Februar 2018 beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei
beantragte er eine angemessene Frist zur Einreichung eines Revisionsge-
suchs, sollte das Gericht davon ausgehen, dass Teile der vorliegenden Be-
schwerde revisionsrechtlich geltend gemacht werden müssten. Das Ver-
fahren sei mit weiteren hängigen Beschwerdeverfahren zu koordinieren
und es sei betreffend die Flüchtlingseigenschaft, das Asyl und die Wegwei-
sung zu sistieren, bis vorab über die datenschutzrechtlichen Fragen ent-
schieden worden sei. Das Gericht habe den Spruchkörper bekanntzuge-
ben und zu bestätigen, dass dieser zufällig zusammengesetzt worden sei.
Dem Beschwerdeführer sei vollständige Einsicht in die Akten der Vor-
instanz insbesondere diejenigen im Zusammenhang mit der Ersatzreise-
papierbeschaffung zu gewähren.
Es sei die Widerrechtlichkeit der Übermittlung der Personendaten an die
sri-lankischen Behörden festzustellen. Die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und das SEM sei aufzufordern, sämtliche vorhandenen Akten
offenzulegen, welche im Zusammenhang mit der Vorsprache beim sri-lan-
kischen Konsulat angefallen seien. Eventualiter sei die Vorinstanz anzu-
weisen, eine umfassende Stellungnahme zum Vorgehen und der Aktenfüh-
rung im Zusammenhang mit der Vorsprache beim Konsulat abzugeben.
Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und zur erneuten Entschei-
dung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung be-
treffend das Nichteintreten aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen, mit der Anweisung, auf das Gesuch einzutreten. Eventualiter sei die
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Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Eventualiter sei
die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-
stellen.
Der Beschwerde lagen eine Zwischenverfügung des Bundesverwaltungs-
gerichts und einen Auszug aus der International Data Protection Legisla-
tion bei.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 15. Februar 2018 teilte das Bundesverwal-
tungsgericht dem Beschwerdeführer das voraussichtliche Spruchgremium
mit.
G.
Mit Eingabe vom 5. März 2018 zog der Beschwerdeführer seinen Antrag,
ihm sei eine angemessene Frist zur Einreichung eines Revisionsgesuchs
zu stellen, sollte das Gericht davon ausgehen, dass Teile der vorliegenden
Beschwerde revisionsrechtlich geltend gemacht werden müssten, zurück.
Er ergänzte seine Anträge dahingehend, dass eventualiter das Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts D-635/2017 vom 21. März 2017 in Revision zu
ziehen sei.
Der Eingabe lagen eine Vernehmlassung des SEM aus dem Verfahren
D-4797/2017 und zahlreiche Dokumente zur allgemeinen Lage in Sri
Lanka bei.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 8. März 2018 forderte das Gericht den Be-
schwerdeführer zur Bezahlung eines Kostenvorschusses auf, welcher frist-
gerecht beglichen wurde.
I.
Mit Vernehmlassung vom 11. Mai 2018 äusserte sich das SEM zur Be-
schwerdeschrift, worauf der Beschwerdeführer am 31. Mai 2018 replizierte.
In der Replik beantrage er, es sei bekannt zu geben, ob der Spruchkörper
zufällig zusammengesetzt worden sei und allenfalls seien die Kriterien der
Auswahl bekannt zu geben. Ferner sei mitzuteilen, weshalb zwei Richter
bestimmt worden seien, welche derselben Partei angehören würden und
die Zusammensetzung sei so abzuändern, dass einer dieser beiden Rich-
ter durch einen Richter ersetzt werde, welcher nicht der gleichen Partei
angehöre. Ferner sei das Verfahren zu sistieren, bis das SEM über das
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soeben eingereichte Gesuch um Feststellung der Widerrechtlichkeit der
Datenübermittlung befunden habe.
J.
Mit Eingabe vom 27. Februar 2020 machte der Beschwerdeführer geltend,
dass sich die Lage in Sri Lanka verschärft habe. Es sei eine Botschaftsmit-
arbeiterin entführt worden und vertrauliche Daten vor ihrem Mobiltelefon
abgegriffen worden. Es sei abzuklären, ob auf dem Mobiltelefon der Name
des Beschwerdeführers zu finden sei und welche Daten auf dem Telefon
abgegriffen worden seien.
Der Eingabe lag eine CD mit zahlreichen allgemeinen Berichten zu Sri
Lanka bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
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durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen – einzutre-
ten.
1.5 Auf den Antrag um Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers
ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai
2018 E. 4.3).
1.6 Der Beschwerdeführer beantragte eventualiter, das Urteil D-635/2017
vom 21. März 2017 sei in Revision zu ziehen und es sei das Asylverfahren
weiterzuführen. Da im vorliegenden Beschwerdeverfahren die Verfügung
des SEM vom 24. Januar 2018 Verfahrensgegenstand bildet und der Ge-
genstand des eventualiter gestellten Revisionsgesuchs das Urteil des Bun-
deverwaltungsgerichts D-635/2017 vom 21. März 2017 ist, mit welchem die
Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. Dezember 2016 abgewiesen
wurde, sind die Anfechtungsobjekte nicht identisch. Demnach kann das
Revisionsgesuch nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfah-
rens sein. Auf den entsprechenden Antrag ist daher nicht einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 In den Beschwerdeeingaben werden der Vorinstanz Verletzungen des
rechtlichen Gehörs (vgl. zum rechtlichen Gehör BVGE 2015/10 E. 3.3,
BVGE 2016/9 E. 5.1) sowie des Untersuchungsgrundsatzes respektive
eine unrichtige und unvollständige Feststellung des Sachverhalts vorge-
worfen (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3). Diese formellen Rügen sind vorab zu
prüfen, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassation der erstin-
stanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2;
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
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3.2 Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist zu verneinen. Das SEM war
nicht gehalten, bei den sri-lankischen Behörden Erkundigungen einzuho-
len, welcher Gebrauch sie mit den Daten gemacht hätten und welche Be-
hörden in Sri Lanka Zugang zu den Informationen hätten (vgl. dazu E. 4).
Das SEM war auch nicht gehalten, die Ehefrau des Beschwerdeführers als
Zeugin einzuvernehmen, zumal der Sachverhalt als erstellt erachtet wer-
den kann.
Gleiches gilt für das Begehren, den Gesundheitszustand des Beschwerde-
führers von Amtes wegen abzuklären oder eine angemessene Frist zur Ein-
reichung eines Arztberichts anzusetzen, zumal es dem Beschwerdeführer
möglich gewesen wäre, bereits mit dem Mehrfachgesuch respektive wäh-
rend des erstinstanzlichen Verfahrens entsprechende ärztliche Unterlagen
einzureichen.
Die Vorinstanz war auch nicht verpflichtet, den Beschwerdeführer erneut
anzuhören (vgl. Art. 111c AsylG). Mit der Einreichung eines schriftlichen
Asylgesuchs wird das rechtliche Gehör in der Regel wahrgenommen (vgl.
BVGE 2009/53 E. 5). Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer konnte
seine neuen Vorbringen im Gesuch und in der Beschwerdeschrift ausführ-
lich darlegen. Die Vorinstanz hat den entsprechenden Antrag in seiner Ver-
fügung nicht explizit abgewiesen, dieses Versäumnis aber in der Vernehm-
lassung nachgeholt, so dass der Mangel als geheilt erachtet werden kann.
Diesem Mangel kommt für das vorliegende Verfahren eine derart unterge-
ordnete Bedeutung zu, dass dessen Heilung keine Auswirkungen auf die
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu zeitigen vermag.
Ferner ist das SEM der Begründungspflicht nachgekommen, indem darge-
legt wurde, weshalb keine Verletzung von Datenschutzbestimmungen vor-
liegt, weshalb es auf die Begehren des Beschwerdeführers teilweise nicht
eintritt und aus welchen Gründen es die Flüchtlingseigenschaft verneint
sowie den Vollzug der Wegweisung für zulässig und zumutbar erachtet.
Der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer die Auffassung des SEM
nicht teilt, ist keine Verletzung der Begründungspflicht, sondern eine mate-
rielle Frage. Dies gilt ebenso für die Ausführungen in der Beschwerde unter
dem Titel der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung. Diese richten sich
nicht gegen die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz, sondern gegen
die entsprechende Beweiswürdigung und die rechtliche Würdigung der
Vorbringen.
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4.
4.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Sistierung des Verfahrens in Be-
zug auf die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft, des Asylpunkts sowie
der Wegweisung. Das vorliegende Verfahren betreffe nicht nur asylrechtli-
che, sondern auch datenschutzrechtliche Fragen. Diese seien vorab zu be-
urteilen.
4.2 Die Abteilung I des Bundesverwaltungsgerichts ist zuständig für die Be-
handlung von Verfügungen über Einsichtsgesuche, welche die Akten eines
abgeschlossenen Asyl- beziehungsweise Vollzugsverfahrens betreffen und
die in Anwendung des DSG ergangen sind. Demgegenüber sind die asyl-
rechtlichen Abteilungen IV und V für Akteneinsichtsgesuche im Rahmen
der bei diesen Abteilungen hängigen Beschwerdeverfahren zuständig so-
wie in Fällen, in denen die angefochtene Verfügung sich nicht auf das Da-
tenschutzgesetz stützt (vgl. Urteile des BVGer A-5275/2015, A-5278/2015
vom 4. November 2016 E. 6). Dem Beschwerdeführer wurde am 21. Sep-
tember 2017 antragsgemäss im Zusammenhang mit seinem neuen Asyl-
gesuch Einsicht in die Vollzugsakten gewährt. Folglich sind die Asylabtei-
lungen zuständig für die Behandlung der Fragen im Zusammenhang mit
der Weitergabe von Personendaten (Art. 97 AsylG) und es gelangt das
VwVG zur Anwendung (vgl. Urteil A-5275/2015 E. 8.4.1 f.). Der Antrag auf
Sistierung des Verfahrens zur Vorabklärung datenschutzrechtlicher Fragen
ist daher abzuweisen.
4.3 Der Beschwerdeführer rügt die Verletzung fundamentaler Datenschutz-
bestimmungen durch die Vorinstanz. In Art. 97 Abs. 3 AsylG und Art. 16
Bst. c des Abkommens zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der
Regierung der Demokratischen Sozialistischen Republik Sri Lanka über
die Zusammenarbeit im Bereich der Migration vom 4. Oktober 2016 (SR
0.142.117.121, nachfolgend: Migrationsabkommen) sei abschliessend auf-
gelistet, welche Daten über ihn an Sri Lanka übermittelt werden dürften.
Vorliegend habe das SEM darüberhinausgehende Daten übermittelt; ins-
besondere die N-Nummer. Abgesehen davon sei eine grenzüberschrei-
tende Datenübermittlung nach Art. 6 DSG nur dann zulässig, wenn sicher-
gestellt sei, dass im Ausland eine Datenschutzgesetzgebung existiere, wel-
che mit dem Schutzniveau in der Schweiz vergleichbar sei. Dies sei für den
Fall von Sri Lanka offensichtlich nicht gegeben, so dass jede Datenüber-
mittlung rechtswidrig sei.
4.4 Das Bundesverwaltungsgericht bezog in BVGE 2017 VI/6 zu entspre-
chenden Rügen im Zusammenhang mit dem Migrationsabkommen
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Schweiz-Sri Lanka betreffend die Datenweitergabe und der damit möglich-
erweise verbundenen Verpflichtungen der Schweizer Migrationsbehörden
Stellung. Es stellte fest, dass – entgegen der Ansicht des Beschwerdefüh-
rers – weder Art. 97 Abs. 3 AsylG noch Art. 16 Bst. c Migrationsabkommen
abschliessend die Daten aufzählten, die einer ausländischen Behörde für
die Organisation der Ausreise der betroffenen Person übermittelt werden
dürften. So steht in Art. 97 Abs. 3 Bst. d AsylG, dass weitere Daten – nebst
den in Bst. a–c und e–g genannten Daten – übermittelt werden können,
soweit sie zur Identifikation einer Person dienlich sind. In Übereinstimmung
mit dieser Bestimmung sieht Art. 16 Bst. c Migrationsabkommen vor, dass
übermittelte Personendaten sonstige Informationen, die zur Identifizierung
der rückzuführenden Person oder zur Prüfung der Rückübernahmevoraus-
setzungen nach diesem Abkommen benötigt werden, betreffen dürfen. Zu-
dem erlaubt diese Bestimmung ausdrücklich die Angabe besuchter Schu-
len der betroffenen Person.
4.5 Bei den Vollzugsakten und übermittelten Daten handelt es sich um
standardisierte, im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen stehende
Papierbeschaffungsmassnahmen nach einem rechtskräftig abgewiesenen
Asylgesuch. Die routinemässige Weitergabe der N-Nummer des Be-
schwerdeführers ist ebenfalls nicht zu beanstanden. Es liegt demnach
keine Verletzung von Art. 97 Abs. 3 AsylG und Art. 16 Bst. c Migrationsab-
kommen vor (vgl. BVGE 2017 VI/6 E. 2.5). Auch eine Verletzung von Art. 6
DSG ist zu verneinen, da das Asylgesetz die Bekanntgabe von Personen-
daten an den Heimat- oder Herkunftsstaat in Art. 97 AsylG spezialgesetz-
lich regelt und dem Art. 6 DSG damit vorgeht (vgl. Urteil des BVGer
D-5100/2017 vom 12. April 2018 E. 5.2). Der Antrag auf Feststellung der
Widerrechtlichkeit der Übermittlung der Personendaten des Beschwerde-
führers, verbunden mit der Gewährung von Asyl respektive Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz ist nach dem Gesagten abzuweisen.
4.6 Hieraus ergibt sich auch, dass die Frage, inwiefern die sri-lankische
Gesetzgebung dem schweizerischen Datenschutzniveau entspricht, für
das vorliegende Verfahren offen bleiben kann (vgl. auch Urteil des BVGer
D-1042/2018 vom 23. April 2018 E. 4.2). Der Antrag des Beschwerdefüh-
rers, das SEM sei anzuweisen, entsprechende Darlegungen zu machen
und anzugeben, ob die an die sri-lankischen Behörden überwiesenen Per-
sonendaten gemäss einem dem Schweizer Datenschutzrecht entspre-
chenden Schutzniveau behandelt würden, ist abzuweisen.
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4.7 Das Erläuterungsbegehren ist ebenfalls abzuweisen. Eine Einzelper-
son kann sich weder direkt auf Art. 16 Bst. g Migrationsabkommen berufen
noch die schweizerischen Behörden zur Einreichung eines entsprechen-
den Gesuchs um Information über den Gebrauch der übermittelten Daten
bei den sri-lankischen Behörden auffordern. Ein allfälliges Gesuch ist direkt
an den betroffenen Staat zu stellen, wobei das Auskunftsrecht der betroffe-
nen Person in Art. 16 Bst. j Migrationsabkommen ausdrücklich geregelt ist
(vgl. Urteile des BVGer E-4703/2017, E-4705/2017 vom 25. Oktober 2017,
E. 2.4.3). Im Übrigen ist es nicht Sache des Gerichts, die Vorinstanz zur
Erläuterung des genauen Verfahrens bezüglich eines allfälligen Aus-
kunftsersuchens anzuhalten. Es obliegt dem Beschwerdeführer, die hierzu
benötigten Informationen einzuholen und sich über die Vorgehensweise zu
erkundigen.
4.8 Ebenso abzuweisen ist der Antrag, es seien sämtliche vorhandenen
Akten offenzulegen, welche von den schweizerischen und den sri-lanki-
schen Behörden im Zusammenhang mit der Ersatzreisepapierbeschaffung
angelegt worden seien. Das SEM hat dem Beschwerdeführer am 21. Sep-
tember 2017 Einsicht in die Vollzugsakten gewährt. Er beanstandet diese
Offenlegung der Vollzugsakten des SEM nicht und es ist nicht ersichtlich,
inwiefern diese Offenlegung nicht rechtskonform gewesen wäre. Dem Ak-
teneinsichtsrecht wurde damit Genüge getan. Ein allfälliges Gesuch um
Einsicht in die Akten der sri-lankischen Behörden wäre vom Beschwerde-
führer direkt an die Behörden seines Heimatstaats zu richten.
5.
5.1 Die Anträge, der Beschwerdeführer sei erneut anzuhören und seine
Ehefrau sei als Zeugin einzuvernehmen, sind abzuweisen, da der Sach-
verhalt hinreichend erstellt ist.
5.2 Der Antrag auf Abklärung des Gesundheitszustandes respektive Frist-
ansetzung zur Einreichung eines Arztberichts ist abzuweisen, zumal hin-
reichend Gelegenheit dazu bestanden hat, die behaupteten medizinischen
Probleme mittels Arztberichten zu untermauern respektive zu substanziie-
ren.
5.3 Ebenfalls abzuweisen ist der Antrag in der Eingabe vom 27. Februar
2020, wonach abzuklären sei, ob bei der Entführung einer schweizerischen
Botschaftsmitarbeiterin am 25. November 2019 Daten des Beschwerde-
führers, respektive welche Daten im Allgemeinen erpresst worden seien,
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zumal eine Verbindung des Beschwerdeführers zu dieser Botschaftsmitar-
beiterin nicht substanziiert dargelegt worden ist.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung von Art. 111b Abs. 1 AsylG
und Art. 66 Abs. 2 bst. a VwVG, von Art. 45 VGG in Verbindung mit
Art. 121 ff. BGG respektive eine Verletzung des Willkürverbots aufgrund
einer unterlassenen Würdigung der Gesamtheit der Vorbringen. Das SEM
unterteile den vorgetragenen Sachverhalt in zwei Teile. Auf einen Teil des
Sachverhaltes trete es nicht ein, ein anderer Teil wiederum werde materiell
behandelt. Dieses Auseinanderreissen des zu prüfenden Sachverhaltes
aufgrund formeller Überlegungen berge die dringende Gefahr einer Fehl-
entscheidung, stelle einen überspitzten Formalismus dar, sei unsinnig und
unzulässig.
6.2 Die Vorinstanz qualifizierte die Vorbringen des Beschwerdeführers und
seine neu eingereichten Beweismittel in Anwendung der massgebenden
Gesetzesbestimmungen über ausserordentliche Rechtsmittel und Mehr-
fachgesuche (vgl. Art. 111b und 111c AsylG, Art. 66 VwVG, Art. 45 VGG
i.V.m. Art. 121 BGG, Art. 45 VGG i.V.m. Art. 121 ff. BGG) zu Recht differen-
ziert als Mehrfachgesuch, qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch und Re-
visionsgesuch. Erhöhte Formerfordernisse sind im Rahmen von ausseror-
dentlichen Rechtmitteln zulässig respektive vom Gesetzgeber ausdrücklich
gewollt (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5) Es liegt somit eine in jeder Hinsicht
korrekte Rechtsanwendung vor, weshalb eine Verletzung des Willkürver-
bots ausgeschlossen ist.
6.3 Das SEM ist zu Recht und mit zutreffender Begründung auf die Vor-
bringen betreffend den Schwager, die Ehefrau, die Lageentwicklung, wel-
che sich auf Dokumente stützt, die vor dem 21. März 2017 entstanden sind,
sowie das Urteil des High Court in Vavuniya nicht eingetreten. Der Einwand
auf Beschwerdeebene, wonach das SEM durch sein Vorgehen eine Ge-
samtprüfung vereitle, ist unbegründet.
Im Übrigen erweisen sich auch die inhaltlichen Erwägungen des SEM zur
Erheblichkeit des Schreibens der Ehefrau und des Urteils des High Court
als zutreffend.
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Seite 13
7.
7.1 Die materielle Würdigung der Vorbringen, welche das SEM zu Recht
im Rahmen eines Mehrfachgesuchs geprüft hat, ist ebenfalls nicht zu be-
anstanden.
7.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
7.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass aus dem Prozedere der
Papierbeschaffung eine asylrelevante Gefährdung resultiere. In Bezug auf
dieses Vorbringen ist festzustellen, dass sich das Bundesverwaltungsge-
richt in BVGE 2017 VI/6 zur Frage geäussert hat, ob (allein) aufgrund einer
Datenweitergabe im Zusammenhang mit dem Migrationsabkommen von
einer Gefährdung auszugehen sei. Es hielt fest, dass es sich bei Art. 97
Abs. 3 AsylG und Art. 16 Bst. c Migrationsabkommen um eine nicht ab-
schliessende Aufzählung der Daten handle, die einer ausländischen Be-
hörde für die Organisation der Ausreise der betroffenen Person übermittelt
werden dürften. Bei der Ersatzreisepapierbeschaffung handle es sich um
ein standardisiertes, lang erprobtes und gesetzlich geregeltes Verfahren.
Nur aufgrund der Datenübermittlung der schweizerischen Behörden an die
sri-lankischen Behörden sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit
einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen. An dieser Einschätzung ist
vorliegend festzuhalten, zumal sich den diesbezüglichen Ausführungen
des Beschwerdeführers keine konkreten Anhaltspunkte dafür entnehmen
lassen, dass er aufgrund der Datenübermittlung bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka mit Nachteilen asylrelevanten Ausmasses zu rechnen hat.
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7.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Vielmehr ist anhand bestimmter
Risikofaktoren eine individuelle Prüfung vorzunehmen. Der Beschwerde-
führer macht geltend, dass diesen Risikofaktoren aufgrund aktueller Ent-
wicklungen eine erhöhte Geltung zukommen müsse respektive die
Schwelle für die Annahme einer Gefährdung zu senken sei.
7.6 Dieser Einwand ist unbegründet. Die Lageeinschätzung im Referenz-
urteil E-1866/2015 ist vielmehr auch im Lichte aktueller Entwicklungen in
Sri Lanka weiterhin gültig. Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Raja-
paksa zum neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt. Kurz nach der Wahl
ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister
und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein;
die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren
im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilun-
gen oder -institutionen (vgl. <www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-
35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-
of-state20191127174753>, abgerufen am 31. Juli 2020). Beobachter und
ethnische respektive religiöse Minderheiten befürchten insbesondere mehr
Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivis-
tinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen
und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe
[SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren. Dennoch gibt es zum
heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwech-
sel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungs-
gefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prü-
fen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsident-
schaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht.
Dies ist vorliegend zu verneinen.
7.7 An den getroffenen Feststellungen vermag auch das mit der Beschwer-
deschrift vorgebrachte Argument nichts zu ändern, es seien verschiedene
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Risikofaktoren kumulativ zu würdigen und das Gesamtprofil des Beschwer-
deführers zu berücksichtigen. Vielmehr liegen unter Berücksichtigung aller
im vorliegenden Verfahren wesentlichen Aspekte keine ausreichend kon-
kreten Gründe für die Annahme vor, der Beschwerdeführer sei zum Zeit-
punkt seiner Ausreise aus Sri Lanka einer asylrelevanten Verfolgungsge-
fahr ausgesetzt gewesen oder könnte dies im Fall seiner Rückschaffung
künftig sein.
7.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und das SEM das Asylgesuch zu Recht
abgelehnt hat.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
Das SEM begründete seine Verfügung in diesem Punkt damit, dass bereits
mit Verfügung vom 29. Dezember 2016 den Wegweisungsvollzug für zu-
lässig, zumutbar und möglich erachtet worden sei. Das Bundesverwal-
tungsgericht habe im Urteil vom 21. März 2017 den Vollzug der Wegwei-
sung ebenfalls ausführlich geprüft und die Beschwerde abgewiesen. Der
Beschwerdeführer rufe nun angeblich neue Sachverhaltselemente an. So
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mache er auf seinen Rechtsvertreter einen psychisch angeschlagenen Ein-
druck, was angesichts seiner Lebensgeschichte nachvollziehbar sei. Fer-
ner sei er mittellos. Seine Ehefrau und Kinder würden ohne jegliches Ver-
mögen leben und seien auf die Unterstützung des im Ausland lebenden
Bruders des Beschwerdeführers angewiesen. Damit mache der Beschwer-
deführer keine nachträgliche Veränderung der Sachlage, sondern eine ur-
sprüngliche Fehlerhaftigkeit der Anordnung des Wegweisungsvollzugs gel-
tend. In dieser Sache habe das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich
materiell befunden, weshalb die entsprechenden Vorbringen beim Gericht
als Revisionsgründe geltend zu machen wären und das SEM mangels Zu-
ständigkeit darauf nicht eintrete.
Der Beschwerdeführer wendete gegen diese Begründung ein, aufgrund
seines Profils bestehe bei einer Rückkehr die Gefahr einer Behandlung,
welche Art. 3 EMRK verletzte, weshalb der Wegweisungsvollzug unzuläs-
sig und unzumutbar sei.
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur
Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nach-
zuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
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Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimat-
staat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri
Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl.
dazu BVGE 2011/24 E. 10.4 und Referenzurteil E-1866/2015 E. 12). Der
EGMR hat wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen
sei, zurückkehrenden Tamilen und Tamilinnen drohe in Sri Lanka eine un-
menschliche Behandlung. Es müsse jedoch im Einzelfall eine Risikoein-
schätzung vorgenommen werden (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich vom
19. September 2013, Nr.10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Ausführungen
des Beschwerdeführers noch aus den Akten ergeben sich konkrete An-
haltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka
dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach EMRK oder FoK ver-
botenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Dies gilt auch unter Be-
rücksichtigung der jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka. Der
Vollzug der Wegweisung ist somit sowohl im Sinne der asylgesetzlichen
als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.5 Das SEM erwog in diesem Punkt zu Recht, dass der Wegweisungsvoll-
zug im ordentlichen Asylverfahren bereits ausführlich geprüft wurde. Das
SEM bemerkt auch zu Recht, dass der Beschwerdeführer in seinem Mehr-
fachgesuch keine Veränderung der Sachlage anrief, sondern geltend
machte, im ordentlichen Asylverfahren sei sein Gesundheitszustand und
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seine finanzielle Situation unberücksichtigt geblieben. Ungeachtet der
Frage, ob diese Gründe revisionsweise oder wiedererwägungsweise anzu-
rufen gewesen wären, kann an dieser Stelle festgehalten werden, dass
mangels Substanziierung der finanziellen wie auch gesundheitlichen Prob-
leme kein Anlass besteht, auf die Feststellung, dass sich der Wegwei-
sungsvollzug für zumutbar erweist, zurückzukommen.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Für deren Begleichung ist der bereits in gleicher
Höhe geleistete Kostenvorschuss zu verwenden.
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