Decision ID: 1b157cc4-582b-55b1-88e2-584f5288cba7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess Eritrea eigenen Angaben zufolge am
10. April 2014 und gelangte über den Sudan, Libyen, wo er bis am 22. Au-
gust 2015 geblieben sei, und Italien am 3. September 2015 in die Schweiz,
wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Am 15. September 2015 wurde
er summarisch befragt und am 19. Juni 2017 einlässlich angehört.
Zur Begründung seines Asylgesuches gab er im Wesentlichen an, nach-
dem er die Schule abgebrochen habe, sei er für die Milizen beziehungs-
weise den Militärdienst registriert worden und habe zwei Wochen später
ein schriftliches Aufgebot erhalten. Daraufhin habe er sich zunächst in der
Einöde versteckt. Weil er nichts mehr zu essen gehabt habe, habe er nach
Hause zurückkehren müssen. In diesem Moment seien die Soldaten ge-
kommen und hätten ihn mitgenommen. Als sie ihn abgeführt hätten, habe
er aber fliehen können und sei ausgereist.
B.
Mit Verfügung vom 27. November 2018 – eröffnet am 28. November 2018
– lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete
die Wegweisung sowie den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 20. Dezember 2018 erhob der Beschwerdeführer gegen
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-
tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der
Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung, eventualiter die Feststel-
lung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung der vorläufigen Auf-
nahme sowie subeventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit bezie-
hungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die Erteilung
einer vorläufigen Aufnahme. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewäh-
rung der vollumfänglichen unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von
Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. aArt. 110a AsylG, (SR 142.31) und um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 18. Januar 2019 stellte die damals zuständige
Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des
Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses. Den Entscheid über das Gesuch um
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Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung verschob sie auf einen
späteren Zeitpunkt und forderte den Beschwerdeführer auf, eine Rechts-
vertretung zu benennen, welche ihm amtlich beigeordnet werden solle.
E.
Mit Eingabe vom 30. Januar 2019 gab die rubrizierte Rechtsvertreterin dem
Bundesverwaltungsgericht ihre Mandatierung bekannt.
F.
In seiner Vernehmlassung vom 31. Januar 2019 hielt das SEM vollumfäng-
lich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.
G.
Mit Eingabe vom 5. Februar 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Be-
schwerdeergänzung zu den Akten.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 7. Februar 2019 hiess die damals zuständige
Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Ver-
beiständung gut und ordnete die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche
Rechtsbeiständin bei. Gleichzeitig wurde erneut Akteneinsicht in die
vorinstanzlichen Akten gewährt und die Instruktionsrichterin gab Gelegen-
heit, eine Replik einzureichen.
I.
Mit Replik vom 19. Februar 2019 (Poststempel) nahm der Beschwerdefüh-
rer zur Vernehmlassung des SEM Stellung.
J.
Im April 2019 wurde das vorliegende Verfahren aus organisatorischen
Gründen auf die vorsitzende Richterin und die rubrizierte Gerichtsschrei-
berin übertragen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM hielt zur Begründung seiner Verfügung fest, die Vorbringen
des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. Er sei an der Befragung
zwar nicht zu seinen Asylgründen befragt worden, habe aber trotzdem ver-
schiedene Aussagen zu diesen gemacht. Diese hätten sich sowohl bereits
innerhalb der Befragung, dann auch innerhalb der Anhörung wie auch zwi-
schen der Befragung und der Anhörung widersprochen und seien zudem
fast ausnahmslos unsubstantiiert gewesen. An der Befragung habe er zu-
erst ausgesagt, am (...) April eine Vorladung für den Militärdienst erhalten
zu haben, wisse aber nicht in welchem Jahr. Danach habe er den Zeitpunkt
auf zwei Monate vor der Befragung (15. September 2019) konkretisiert.
Damit konfrontiert, dass er somit vor dem Erhalt der Vorladung ausgereist
wäre, habe er den Erhalt auf zwei Monate vor der Ausreise ([...] April 2014)
beziehungsweise auf den April 2015 datiert, was weiter widersprüchlich
sei. Darauf angesprochen, habe er den Erhalt auf den April 2014 korrigiert,
was wiederum zur Aussage im Widerspruch stehe, er habe die Vorladung
zwei Monate vor der Ausreise erhalten. Auch bezüglich der Übergabe der
Vorladung habe er sich widersprochen, indem er an der Befragung ange-
geben habe, dass er zu Hause von drei Soldaten eine Vorladung für den
Militärdienst erhalten habe, an der Anhörung hingegen gesagt habe, er sei
von den Milizen registriert worden und seine Mutter habe deren Vorladung
entgegengenommen. So sei es an der Befragung offensichtlich um einen
Einzug in den Militärdienst gegangen, während es sich in der Anhörung um
eine Einberufung zum Dienst bei den bewaffneten Milizen gehandelt habe.
Zudem habe er an der Anhörung zunächst nicht erwähnt, dass er, nachdem
er sich versteckt habe, noch einmal nach Hause zurückgekehrt und dabei
festgenommen worden sei. Warum er somit das zentralste Element seiner
Asylbegründung an der Befragung und zu Beginn der Anhörung nicht er-
wähnt habe, sei nicht nachvollziehbar. Weiter habe er unterschiedliche An-
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gaben zur Anzahl der Suchen nach ihm gemacht. So habe er an der Be-
fragung und der ersten Beschreibung an der Anhörung nicht angegeben,
dass er vor Erhalt des Papiers bereits auf dem Feld und auch nach seiner
Flucht aus den Händen der Milizen gesucht worden sei. Diese Liste der
Vorfälle habe er später durch eine Suche nach ihm zu Hause beziehungs-
weise auf dem Feld nach Erhalt der Vorladung ergänzt, wobei er wiederum
die Suche nach der Flucht aus den Händen der Milizen nicht mehr erwähnt
habe. Auch betreffend seine Identitätspapiere hätten sich Ungereimtheiten
ergeben. In der Befragung habe er angegeben, er habe im Jahr 2014 eine
eritreische Identitätskarte erhalten, sei damit ausgereist und habe diese auf
der Reise in Libyen verloren. An der Anhörung habe er gesagt, er habe nie
über eine eritreische Identitätskarte verfügt, sondern nur eine Einwohner-
bestätigung besessen, welche sein Identitätsausweis gewesen sei. Weiter
fehle es seinen Schilderungen der relevanten Ereignisse durchgehend an
Detailreichtum, an Substanz, an Genauigkeit und an Realkennzeichen. So
habe er nicht verständlich darlegen können, wie er bei den Milizen regis-
triert worden sei. Auch die Vorladung habe er nicht nachvollziehbar be-
schreiben können, obwohl er sie selber in den Händen gehalten habe. Ge-
mäss seinen Aussagen habe dieses Dokument neben seinem Namen kei-
nerlei Hinweise wie Beschreibungen, Aufforderung, Zeit, Ort oder sonstige
Informationen beinhaltet, womit es auch keinen wirklichen Sinn gemacht
habe, dass ihm dieses Dokument abgegeben worden sei. Auch seine Be-
schreibungen zu den Momenten, als er zu Hause gefasst und mitgenom-
men worden sei und er später aus den Händen der Milizen habe fliehen
können, seien oberflächlich, ohne persönliche Betroffenheit geblieben und
er habe nur mehrfach wiederholt, dass er einfach davongerannt sei und sie
hinter ihm geschossen hätten.
Der Beschwerdeführer sei mehrfach darauf angesprochen worden, wie die
Verständigung zwischen ihm und der Dolmetscherin sei, und er habe dabei
angegeben, er würde diese verstehen und es gebe keine Probleme, was
er schlussendlich mit der Unterzeichnung des Anhörungsprotokolls nach
der Rückübersetzung ebenfalls nochmals bestätigt habe.
Ohne im Detail darauf einzugehen, dass auch die Beschreibung seiner
Ausreisesituation und die Ausreise selber unsubstantiiert und teilweise wi-
dersprüchlich ausgefallen sei, sei die illegale Ausreise aus Eritrea gemäss
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017
nicht asylrelevant. Andere Anknüpfungspunkte, welche ihn in den Augen
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des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könn-
ten, seien ebenfalls nicht ersichtlich. Wie oben dargelegt, hielten seine Vor-
bringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand.
4.2 In der Beschwerde wurde dem entgegengehalten, das SEM stelle in
seinem Entscheid richtig fest, dass er an der Befragung nicht zu seinen
Asylgründen befragt worden sei. Die dort unter anderer Rubrik gemachten
Aussagen setze es nun aber bei der Beurteilung seiner Glaubwürdigkeit
dennoch in Bezug zu den Vorbringen an der direkten Anhörung. Auch aus
den wenigen Aussagen an der Befragung gehe klar hervor, dass er sein
Heimatland verlassen habe, weil ihm der Einzug in den militärischen Dienst
gedroht habe, wobei er in diesem Zusammenhang ein schriftliches Doku-
ment erhalten habe und er letztlich von den Behörden deswegen aufge-
sucht und mitgenommen worden sei, ihm dann aber erfolgreich die Flucht
gelungen sei. Er müsse einräumen, dass er in Bezug auf Zahlen und Daten
kein gutes Gedächtnis habe. Als ihm nun jemand den Entscheid erklärt
habe, habe er feststellen müssen, dass seine Antwort an der Befragung,
wonach er im April 2014 aus Eritrea ausgereist sei, nicht zutreffend sei.
Dies sei vielmehr anfangs Juni 2014 gewesen. Er habe an der Befragung
seines Wissens gesagt, er sei so um den 4. Tag des 6. Monats ausgereist.
Die Vorladung, das Papier für den Militärdienst, habe er zwei Wochen zu-
vor erhalten. Die Milizen seien zu ihnen nach Hause gekommen und hätten
seiner Mutter, da er nicht daheim gewesen sei, dieses Dokument gegeben.
Als sie ihn damals nicht gefunden hätten, hätten sie ihn auf dem Feld ge-
sucht. Auch bei der dritten Suche in der Gegend hätten sie ihn nicht auffin-
den können. Beim vierten Mal hätten sie ihn dann beim Essen zuhause
vorgefunden und verhaftet. Bei der Durchsicht der Protokolle lasse sich
feststellen, dass er die Fragen nicht immer auf Anhieb verstanden und des-
halb habe nachfragen müssen. Er habe die Schule erst später begonnen,
eine Zeit lang unterbrochen und bereits in der 5. Klasse abgebrochen. Dies
habe sich auf die Art und Weise ausgewirkt, wie er über Ereignisse und
zeitliche Geschehnisse berichten könne.
4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, entgegen der Aussagen
in der Beschwerdeschrift, sei es nicht korrekt, dass der Beschwerdeführer
an der Befragung von der Mitnahme und der Flucht aus den Händen der
Behörden gesprochen habe, was er jedoch mit Bestimmtheit getan hätte,
wenn sich dieses Ereignis so abgespielt hätte. Durch seine Aussage in der
Beschwerde, wonach er tatsächlich Anfang Juni 2014 ausgereist sei, nach-
dem er zwei Wochen vorher eine militärische Vorladung erhalten habe,
ergäben sich weitere Ungereimtheiten. Selbst wenn der Beschwerdeführer
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mit Zahlen und Daten tatsächlich Mühe bekunden sollte, wäre es bei solch
relevanten Zeitangaben wie der Zeitspanne zwischen dem Erhalt der Vor-
ladung und der Ausreise, nicht zu derart grossen Unterschieden gekom-
men, indem in der Beschwerde von zwei Wochen gesprochen werde, wäh-
rend an der Befragung zuerst von zwei Monaten und später von zwei Tagen
gesprochen worden sei.
4.4 In seiner Replik wies der Beschwerdeführer zunächst noch einmal auf
die Verständnisschwierigkeiten an der Anhörung hin. Dies habe auch die
Hilfswerksvertretung so im Protokoll vermerkt. Demnach sei die Wahr-
scheinlichkeit hoch, dass er nicht alle Fragen verstanden habe, weshalb
demzufolge auch seine Antworten einer relativierten Würdigung bedürften.
Den Aussagen an der Befragung zu den Ausreisegründen komme ange-
sichts des summarischen Charakters dieser Befragung generell für die Be-
urteilung der Glaubwürdigkeit der vorgebrachten Asylgründe nur ein be-
schränkter Beweiswert zu. Im Hauptpunkt spreche das SEM an, er habe
an der Befragung nicht erwähnt, dass er im Rahmen der Suche zwecks
Einzug in den militärischen Dienst zuhause von drei Milizen mitgenommen
worden sei und ihm dann die Flucht gelungen sei. Dem Protokoll der Be-
fragung könne dies tatsächlich nicht entnommen werden. In diesem Sinne
sei dieses Sachverhaltselement in der Beschwerdeeingabe tatsächlich
nicht ganz korrekt dargestellt worden. Bezüglich seiner dortigen Vorbringen
sei indessen darauf hinzuweisen, dass diese bei den Fragen nach der letz-
ten ausgeübten Tätigkeit gemacht worden seien. Er habe somit nicht davon
ausgehen können und müssen, dass es hier bereits um die Asylgründe im
Konkreten gehe. Ansonsten wäre es auch seitens des SEM angebracht
gewesen, ihm dies so zu erläutern und ergänzende Fragen zu stellen, was
indessen nicht geschehen sei. Dies sei umso stossender, als er unter der
Rubrik «Gesuchsgründe» nicht die Gelegenheit gehabt habe, in der freien
Rede Aussagen zu machen, sondern lediglich gefragt worden sei, ob seine
Verfolgung in Bezug zu seiner geschlechtlichen Identität stehe. Auch seien
ihm keine Zusatzfragen zu seinen Asylgründen gestellt worden. Ihm sei
somit keine weitere Gelegenheit geboten worden, mögliche weitere Ge-
schehnisse, wie beispielsweise die in der direkten Anhörung erwähnte
Festnahme und Flucht zu erwähnen. Bezüglich dem vorinstanzlichen Vor-
halt im Zusammenhang mit der zeitlichen Einordnung von Ereignissen sei
es offensichtlich, dass er diesbezüglich grosse Mühe bekunde. Nicht zu-
letzt deshalb habe er wohl – so gehe aus dem Anhörungsprotokoll hervor
– auch an einigen Stellen versucht, sich mit Gesten und den Händen aus-
zudrücken. Auch der Sachbearbeiterin müssten diese Schwierigkeit aufge-
fallen sein, habe sie doch auch versucht, ihm mittels Skizzierung eines
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Zeitstrahls die Fragestellungen näher zu bringen. Im Lichte dieser Darle-
gungen bedürfe es angesichts seiner vorgebrachten persönlichen Voraus-
setzungen einer relativierten Betrachtungsweise.
5.
5.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des
Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit
der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen
oder nicht. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Ge-
samtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentli-
chen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, per-
sönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller bzw.
die Gesuchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung,
wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht
es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist,
aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende
Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
5.2 Wie in der Beschwerde richtig festgehalten, lässt sich dem Protokoll
der Anhörung entnehmen, dass der Beschwerdeführer an der Anhörung
zuweilen Mühe hatte, die Fragen zu verstehen und adäquat zu beantwor-
ten. Oftmals fragte er nach und forderte die Dolmetscherin auf, ihm die
Fragen zu erklären. In seiner Beschwerde erklärt der Beschwerdeführer
dies mit seinem niedrigen Bildungsstand. Nichtsdestotrotz lässt sich dem
Protokoll nicht entnehmen, dass der Beschwerdeführer aufgrund dieser
Verständnisschwierigkeiten nicht in der Lage gewesen wäre, seine Asyl-
gründe insgesamt vollständig darzulegen. Den Verständnisschwierigkeiten
ist aber bei der Glaubhaftigkeitsprüfung adäquat Rechnung zu tragen.
5.3 Im Weiteren gilt es vorab darauf hinzuweisen, dass der Beschwerde-
führer an der Befragung nicht direkt zu den Asylgründen befragt wurde. Die
Ausführungen zum Erhalt der Vorladung machte er bei der Frage nach sei-
ner letzten Arbeitstätigkeit. Er erhielt keine Gelegenheit, sich in freier Rede
zu seinen Asylgründen zu äussern und es wurden ihm diesbezüglich keine
Zusatzfragen gestellt. Damit sind seine Aussagen an der Befragung zum
Erhalt der Vorladung nur mit Zurückhaltung bei der Glaubhaftigkeitsprüfung
zu verwerten. Mit Nachdruck gilt es dabei festzuhalten, dass ihm nicht –
wie dies in der Verfügung und anschliessend auch in der Vernehmlassung
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so festgehalten – vorgeworfen werden kann, er habe die Festnahme und
damit das zentralste Element seiner Asylbegründung an der Befragung
nicht erwähnt. Da eine Befragung zu den Asylgründen nicht stattfand, gab
es für den Beschwerdeführer keinerlei Veranlassung, bei der Frage nach
seiner letzten Arbeitstätigkeit über die Festnahme zu berichten. Immerhin
gilt es der Vollständigkeit halber jedoch zu erwähnen, dass der Beschwer-
deführer die Festnahme und die Flucht aus den Händen der Milizen auch
zu Beginn der Anhörung zunächst nicht erwähnte.
5.4 Dies gesagt, sind die Erwägungen der vorinstanzlichen Verfügung, wo-
nach die Vorbringen des Beschwerdeführers die oben genannten Anforde-
rungen an die Glaubhaftigkeit nicht erfüllen, zu bestätigen. Dabei ist insbe-
sondere auf die ausgeprägte Substanzlosigkeit der Aussagen des Be-
schwerdeführers an der Anhörung hinzuweisen. Dies betrifft einerseits den
Inhalt der Vorladung, wobei auffallend ist, dass diese neben seinem Namen
keinerlei weiteren Hinweise enthalten haben solle. Insbesondere blieb an-
dererseits aber auch die Beschreibung seiner Festnahme und der darauf-
folgenden Flucht gänzlich substanzlos und realitätsfern (vgl. A17 F94 ff.
und F130 ff.) Zur Vermeidung von Wiederholungen kann diesbezüglich auf
die ausführlichen und überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz verwie-
sen werden, denen in der Beschwerde nichts Wesentliches entgegenge-
halten wird.
5.5 Bestätigt werden die Zweifel an den Aussagen des Beschwerdeführers
durch verschiedene Widersprüche in seinen Aussagen. So trifft es zu, dass
er, wenn auch bei der Frage nach seiner letzten Arbeitstätigkeit, an der
Befragung widersprüchliche Aussagen zum Erhalt der Vorladung gemacht
hat. Dabei hat er sich nicht einfach im Datum widersprochen, sondern hat
dieses auf Vorhalt der Widersprüche immer angepasst und so vier ver-
schiedene Zeitpunkte genannt, welche aber allesamt zeitlich nicht mit sei-
nen übrigen Aussagen in Einklang zu bringen sind. Somit kann von einem
diametralen Widerspruch in Bezug auf das Datum der Vorladung, und so-
mit zu einem zentralen Element seiner Asylbegründung, ausgegangen
werden. Wenn er nun in der Beschwerde ausführt, dass seine Antwort an
der Befragung, wonach er im April 2014 aus Eritrea ausgereist sei, nicht
zutreffend sei und dies vielmehr im Juni 2014 gewesen sei, ist diese er-
neute Anpassung des Sachverhaltes nicht überzeugend und als Schutzbe-
hauptung zu werten, zumal dadurch, wie vom SEM erwähnt, neue Unge-
reimtheiten entstehen. Dass er an der Befragung, wie in der Beschwerde
behauptet, gesagt habe, er sei so um den 4. Tag des 6. Monats ausgereist,
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vermag angesichts der klaren Protokollierung des 10. April 2014 als Aus-
reisedatum nicht zu überzeugen, zumal er dieses Datum an der Befragung
zweimal nannte (vgl. A6 S. 4 und 5). Auch der Hinweis in der Beschwerde
und der Replik, wonach der Beschwerdeführer bei der zeitlichen Einord-
nung von Ereignissen grosse Mühe habe, vermag die vorliegenden Wider-
sprüche nicht überzeugend zu erklären.
5.6 Der Vorwurf in der Verfügung, an der Befragung sei es um einen Einzug
in den Militärdienst gegangen, an der Anhörung aber um eine Einberufung
zum Dienst bei den bewaffneten Milizen, scheint dem Gericht kaum nach-
vollziehbar. Angesichts der Verhältnisse in Eritrea ist davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer von einer Vorladung zum Militärdienst gespro-
chen hat, zuweilen aber die Begriffe vermischte. Bei der Frage F126 er-
klärte er differenziert, dass bei den Milizen die alten Leute dienen würden,
zu denen er offensichtlich nicht gehört. Nichtsdestotrotz bleiben hier Un-
klarheiten bestehen, welche die Aussagen des Beschwerdeführers in
Frage stellen. Es gilt hier aber zu beachten, dass der Beschwerdeführer,
wie erwähnt, an der Anhörung auch anderenorts Schwierigkeiten hatte, die
Fragen zu verstehen und adäquat zu beantworten. Relevant scheint dem
Gericht hier eher, dass der Beschwerdeführer an der Befragung klar aus-
sagte, er habe die Vorladung selber bei sich zu Hause erhalten, an der
Anhörung hingegen angab, seine Mutter habe die Vorladung entgegenge-
nommen. Insgesamt können diese Aussagen an der Befragung aber wie-
derum nur bedingt gegen den Beschwerdeführer verwendet werden, weil
er sie nicht anlässlich einer Befragung zu den Asylgründen machte und
somit nicht unbedingt von einer ausführlichen und bedachten Erzählweise
ausgegangen werden kann.
5.7 Weitere Zweifel an den Aussagen des Beschwerdeführers ergeben
sich durch die unterschiedlichen Angaben zur Anzahl der Suchen nach ihm
und betreffend seine Identitätspapiere. Die vorinstanzlichen Erwägungen
können diesbezüglich bestätigt und zur Vermeidung von Wiederholungen
kann darauf verwiesen werden. Wenn er in der Beschwerde den Ablauf der
Suchen noch einmal darlegt, vermag dies die entstandenen Unstimmigkei-
ten nicht auszuräumen. Zu den Identitätspapieren sagte der Beschwerde-
führer an der Anhörung zwar aus, er habe an der Befragung die Wohnsitz-
bestätigung gemeint. Er wurde aber an der Befragung explizit nach der
Identitätskarte gefragt und weiss offenbar zwischen der Wohnsitzbestäti-
gung und der Identitätskarte zu differenzieren (vgl. A6 S. 5 und A17 F13 f.).
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5.8 Nach dem Gesagten vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers
die Anforderungen an die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG
nicht zu erfüllen. Es liegt somit kein Kontakt zu den Behörden vor, aus dem
erkennbar würde, dass der Beschwerdeführer hätte rekrutiert werden sol-
len. Deshalb hat der Beschwerdeführer auch keine Bestrafung wegen
Dienstverweigerung oder Desertion zu befürchten hat (vgl. zum Ganzen
Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Asylrekurskommission
[EMARK] 2006 Nr. 3). Demzufolge erfüllte er im Zeitpunkt seiner Ausreise
die Flüchtlingseigenschaft nicht.
6.
Bezüglich der behaupteten illegalen Ausreise hat die Vorinstanz sodann zu
Recht auf die aktuelle Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verwiesen,
gemäss der nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszuge-
hen ist, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Erit-
rea eine asylrelevante Verfolgung droht (vgl. Referenzurteil des BVGer
D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 5.1). Das SEM hat zudem zutreffend
angeführt, dass hier keine anderen Anknüpfungspunkte ersichtlich sind,
welche den Beschwerdeführer in den Augen des eritreischen Regimes als
missliebige Person erscheinen lassen könnten. Zur Annahme solcher An-
knüpfungspunkte vermag der Schulabbruch und die Ausreise im militär-
dienstpflichtigen Alter nicht auszureichen.
7.
Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine
flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu
machen. Das SEM hat das Asylgesuch somit zu Recht abgewiesen.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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Seite 13
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.4 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
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einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.).
9.4.1 In der Beschwerde wird die Auffassung vertreten, der Wegweisungs-
vollzug sei angesichts der drohenden Einziehung in den eritreischen Natio-
naldienst und einer damit verbundenen Verletzung von Art. 3 und Art. 4
EMRK als unzulässig zu betrachten.
9.4.2 Die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei anstehen-
der Einziehung in den eritreischen Nationaldienst ist vom Bundesverwal-
tungsgericht in einem Koordinationsurteil geklärt worden (vgl. BVGE 2018
VI/4). Das Gericht hat die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im ge-
nannten Urteil sowohl unter dem Gesichtspunkt des Zwangsarbeitsverbots
(Art. 4 Abs. 2 EMRK) als auch unter jenem des Verbots der Folter und der
unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung oder Strafe (Art. 3
EMRK) geprüft und bejaht (vgl. a.a.O. E. 6.1.5.2). Es kann auf die Ausfüh-
rungen im genannten Urteil verwiesen werden.
9.4.3 Aus den Akten ergeben sich keine weiteren Gründe für die Annahme
der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Dieser ist folglich als zuläs-
sig zu betrachten.
9.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.5.1 Die drohende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst führt
mangels einer hinreichend konkreten Gefährdung nicht generell zur Fest-
stellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83
Abs. 4 AIG (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.2).
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9.5.2 Gemäss aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem
Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungs-
weise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausge-
gangen werden. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig,
jedoch haben sich in jüngster Zeit die Lebensbedingungen in einigen Be-
reichen verbessert. So haben sich die medizinische Grundversorgung, die
Ernährungssituation, der Zugang zu Wasser und zur Bildung stabilisiert.
Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse
Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch
die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil
der Bevölkerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage
des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz-
bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen
(vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16
f.).
9.5.2.1 Das SEM hielt diesbezüglich in seiner Verfügung fest, der Be-
schwerdeführer sei ein junger, gesunder und volljähriger Mann, spreche
die Landessprache Tigrinya und habe in der Heimat bereits gewisse Be-
rufserfahrung sammeln können. Zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea
hätten verschiedene Familienangehörige in der Heimat gelebt, und mit
Hilfe von Verwandten habe er auch die Kosten seiner Ausreise finanzieren
können. Somit könne davon ausgegangen werden, dass sein soziales Um-
feld, sein Lebensunterhalt und seine Wohnsituation im Heimatstaat als ge-
sichert angesehen werden könnten.
Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, dass seine Mutter zusammen
mit drei noch jüngeren Geschwistern in Eritrea in sehr bescheidenen Ver-
hältnissen leben würde. Sein Vater sei im Militär und könne nur von Zeit zu
Zeit kurz nachhause. Er selber habe weder einen ordentlichen Schulab-
schluss noch eine Berufsausbildung. Im Falle einer Rückkehr müsse er
umgehend in den Militärdienst und könnte seiner Mutter nicht auf dem zu
bewirtschaftenden Landstück helfen. Des Weiteren würden seine alleinste-
hende Schwester und ihre Tochter auch hier in der Schweiz leben. Seine
Schwester sei wie Familie für ihn und eine Trennung wäre sehr schmerz-
lich.
9.5.2.2 Die Erwägungen des SEM sind zu stützen. Im Falle des Beschwer-
deführers liegen keine besonderen Umstände im Sinne obiger Rechtspre-
chung vor. Der Beschwerdeführer hat zwar die Schule abgebrochen, es
bleibt jedoch unklar zu welchem Zeitpunkt, da er diesbezüglich ungenaue
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Angaben machte, indem er aussagte, dies sei in der fünften Klasse, aber
erst im Alter vor 21 Jahren und kurz vor der Ausreise gewesen (vgl. A17
F28 ff.). Durch die Bewirtschaftung des Landstückes der Familie konnte er
praktische Erfahrung in der Landwirtschaft sammeln. Dass der Vater im
Militärdienst und die Mutter mit den Geschwistern in bescheidenen Verhält-
nissen lebt, vermag an dieser Beurteilung ebenso wenig zu ändern wie ein
allfälliger zukünftiger Einzug des Beschwerdeführers in den Militärdienst.
Auch die Anwesenheit seiner Schwester und deren Tochter in der Schweiz
kann nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führen, auch
wenn dem Beschwerdeführer die Trennung verständlicherweise schwer-
fällt.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch
das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 18. Januar 2019 gutge-
heissen wurde, sind keine Kosten aufzuerlegen.
11.2 Mit Zwischenverfügung vom 7. Februar 2019 wurde die rubrizierte
Rechtsvertreterin als amtlicher Rechtsbeiständin eingesetzt. Diese ist un-
besehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschädigen. Sie weist in der
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Replik einen Aufwand von 4 Stunden (inkl. Verfassen der Replik, Bespre-
chungen, Aktenstudium, Abklärungen etc.) an Fr. 180.– (exkl. Mehrwert-
steuer) und eine Spesenpauschale von Fr. 50.– und damit einen Gesamt-
betrag von Fr. 829.25 aus. Dieser Aufwand scheint dem Gericht angemes-
sen. Nach ständiger Praxis werden jedoch keine pauschal geltend ge-
machten Spesen vergütet (Art. 11 Abs. 1 und Abs. 3 VGKE). Nach dem
Gesagten ist das Honorar insgesamt auf Fr. 775.– (inklusive Auslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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