Decision ID: 0c4cb5df-90f9-48cc-8ff0-a5faeac24b85
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, war ab dem 1. Juni 1994 bei der
Y._
als Küchenhilfe und später als Küchenchef tätig (Urk.
7/3 S. 2
).
Am 21. Januar 2020 löste die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten
auf den 30. April 2020
wegen Betriebsschliessung
auf (Urk. 7/24
, Urk. 7/41 S. 1
).
Der Versicherte meldete sich daraufhin am 27. Januar 2020 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
Z._
zur Arbeits
ver
mittlung an (Urk. 7/40) und beantragte am 17. Februar 2020 die Ausrichtung
von Arbeitslosenentschädigung ab
dem
31. März 2020 (Urk. 7/39 S. 1
, richtig
wohl
:
1. Mai
2020, Urk. 7/3 S. 1
).
Mit Verfügung vom 21. September 2020 stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) den Versicherten aufgrund ungenü
gender persönlicher Arbeitsbemühungen
in der
Zeit vor der
Anspruchstellung
für
die Dauer von
10 Tage
n
in der Anspruchsberechtigung ein (Urk. 7/2). Die dagegen
vom Versicherten am 29. September 2020 erhobene Einsprache (Urk. 7/3 S. 1) wies
das AWA mit
Einspracheentscheid
vom 1. Oktober 2020 ab (Urk. 7/4 = Urk. 2).
2
.
Dagegen erhob der Versicherte
mit Eingabe vom
5. Oktober 2020 Besch
werde und beantragte sinngemäss, es sei der der
E
inspracheentscheid
vom 1. Oktober 2020
aufzuheben und es sei von einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung ab
zusehen
;
allenfalls
seien
die Einstelltage von den laut
COVID-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung
zusätzlich gewährten
120 Taggelder
n in Abzug zu brin
gen
(Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 19. Oktober 2020 schloss der Beschwer
degegner auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Dies wurde dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom 11. November 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).
Am 30. November 2020 erhielt der Beschwerdeführer am hiesigen Gericht Akten
einsicht (Urk. 10).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 30’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
, in der ab 1. Juni 2020 geltenden Fas
sung).
1.2
Nach Art. 17 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
ver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zustän
di
gen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu ver
mei
den oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nöti
genfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühungen nachweisen können. Gemäss Art. 30 Abs. 1
lit
. c AVIG ist die versicherte Person
in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genü
gend um zumutbare Arbeit bemüht. Dieser Einstellungsgrund ist schon dann ge
gebe
n, wenn die versicherte Person vor Eintritt der Arbeitslosig
keit ihren Ob
liegenheiten nicht nachgekommen ist. Sie hat sich daher bereits während der Kün
digungsfrist oder bei einem im vornherein befristeten Arbeitsverhältnis vor desse
n
Beendigung von sich aus, das heisst ohne besondere Aufforderung durch eine Amts
stelle oder Abgabe eines Merkblattes um einen neuen Arbeitsplatz zu be
werben (BGE 139 V 524 E. 4.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_21/2015 vom 3.
Mär
z 2015, E. 3.5, und 8C_917/2013 vom 4. März 2014, E. 2.1, je mit Hin
weisen, sowie Urteil des Bundesgerichts 8C_271/2011 vom 14. Juni 2011 E. 2.2).
1.3
Bei der Beurteilung der Frage, ob sich eine versicherte Person genügend um zu
mut
bare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität ihrer Bewerbungen von Bedeutung (BGE 139 V 524 E. 2.1.4, und 124 V 225 E. 4a je mit Hinweisen).
Dabei kommt es nicht auf den Erfolg der Arbeitsbemühungen an, sondern viel
mehr auf die Tatsache und Intensität derselben (BGE 124 V 225 E. 6; Urteil des Bundesgerichts C 16/07 vom 22. Februar 2007 E. 3.1). Die Arbeitsbemühungen müssen zudem umso intensiver sein, je weniger Aussicht eine versicherte Person hat, eine Stelle zu finden (vgl. Barbara Kupfer Bucher, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung, 5. Auf
lage, Zürich/Basel/Genf 2019, S. 132).
Betreffend Quantität der persönlichen Arbeitsbemühungen können zwar keine eindeutigen Zahlenwerte angegeben werden, in der Regel müssen aber mindes
tens zehn bis zwölf geeignete Arbeitsbemühungen je Kontrollperiode nachge
wie
sen werden (BGE 139 V 524 E. 2.1.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_917/2013 vom 4. März 2014 E. 2.2).
1.4
Gemäss
dem von 26. März bis 31. August 2020 geltenden Art. 8d der Verordnung über
Massnahmen
im Bereich der Arbeitslosenversicherung im Zusammenhang
mit dem
Coronavirus
(
COVID
-19;
COVID
-19-Verordnung Arbeitslosenversi
che
rung;
SR 837.033) musste die versicherte Person den Nachweis der Arbeitsbemü
hungen spätestens einen Monat nach Aufhebung der
COVID
-19-Verordnung 2 vom 13. März 2020 einreichen.
Gemäss
Ziff. 3.6 Abs.
8-
9 der Weisung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) Nr. 2020/10 vom 22. Juli 2020 galt für versicherte Personen, die
wie der Beschwerdeführer
nach dem 1. März 2020
arbeitslos wurden
, der Zeitraum ab der Arbeitslosigkeit bis und mit August 2020 als einzige Kontrollperiode. Für die Arbeitsbemühungen vor der Arbeitslosigkeit galten die üblichen gesetzlichen Bestimmungen. Die versicherte Person musste den Nachweis der pro Monat getä
tig
ten Arbeitsbemühungen spätestens bis am 5. September
2020 einreichen (Abs.
8).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner erwog im angefochtenen
Einspracheentscheid
,
der Be
schwerdeführer habe per 1. Mai 2020
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
erhoben
. In der praxisgemäss zu berücksichtigenden Periode
der Kündigungsfrist
vom
1. Februar bis 30. April 2020
habe er
insgesamt 11
persönliche Arbeitsbe
mühungen getätigt, wovon acht im Februar und drei im April 2020 erfolgt seien. Damit seien seine Arbeitsbemühungen selbst unter Berücksichtigung des Um
standes, dass während der Pandemiezeit eine geringere Anzahl an persönlichen
Arbeitsbemühungen gefordert worden sei, mengenmässig ungenügend (Urk. 2 S. 2).
Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung sei damit zu Recht erfolgt, wobei die Dauer von 10 Tagen im Bereich des leichten Verschuldens liege und den konkreten Umständen angemessen Rechnung trage (Urk. 2 S. 3).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, er habe
entgegen der Darstellung im
Einspracheentscheid
vor der
Anspruchstellung
13 persönliche Arbeitsbemühungen getätigt. Den Umständen der Kündigung sei nur ungenügend Rechnung getragen worden. Aufgrund der Entscheid
e
des Bundes
rates sei ab Ende Februar und auch für die Monate März und April 2020 keine intensive Stellensuche möglich gewesen. Gemäss Art. 8d der
Covid
-19-Verord
nung Arbeitslosenversicherung habe ein vorläufiger Verzicht auf das Einreichen des Nachweises von Arbeitsbemühungen bestanden. Anstelle der Einstellung sei ihm gemäss Art. 8a der Covid-19-Verordnung
Arbeitslosenversicherung
die Be
zugsdauer der Taggelder zu kürzen (Urk. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegner den Beschwerdefü
hrer zu Recht wegen ungenügender persönlicher
Arbeitsbemühungen
während der Kün
di
gungsfrist
in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer beantragte zwar zunächst die Ausrichtung von Arbeits
losenentschädigung ab dem 31. März 2020 (Urk. 7/39 S. 1). Da das Arbeitsver
hältnis jedoch nach der Kündigung durch die Arbeitgeberin vom 21. Januar 2020 (Urk. 7/24) infolge der drei- und nicht zweimonatigen Kündigungsfrist
unbe
strit
te
nermassen
noch bis zum 30. April 2020 andauerte (Urk. 7/41 S. 1
; vgl. auch
Urk. 2 S. 1
), konnte der Beschwerdeführer frühestens ab
dem
1. Mai 2020 die Aus
richtung von Arbeitslosentschädigung beantragen. Für die Prüfung der Arbeits
be
mühungen
vor der Arbeitslosigkeit sind
gemäss
Art. 3 Abs.
9 der
Weisung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO)
Nr. 2020/10 vom 22. Juli 2020
die übli
chen gesetzlichen Bestimmungen, mithin
die Zeit vom 1. Februar bis 30. April 2020
zu berücksichtigen, denn ausschlaggebend für den Zeitraum, den es für die Prüfung der Arbeitsbemühungen zu berücksichtigen gilt, ist der Zeitpunkt, ab dem die Person Kenntnis davon hat, dass sie objektiv von Arbeitslosigkeit bedroht ist. Liegt dieser Zeitpunkt mehr als drei Monate vor der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung,
wird
nur
für
die drei letzten Monate vor der Anmel
dung überprüft, ob die Person sich um eine Stelle bemüht hat (AVIG-Praxis ALE des SECO Ziff. B314)
.
3.2
G
emäss
den
Nachweis
en
der persönlichen Arbeitsbemühungen, welche beim RAV
rechtzeitig
am 3. Juni 2020 eingingen,
hat der Beschwerdeführer im relevanten
Zeitraum von Februar bis April 2020 insgesamt
11
Arbeitsbemühungen getätigt, davon acht im Februar (Urk. 7/6 S. 2, Urk. 7/31 S. 3) und drei im April (Urk. 7/31 S. 1)
.
Auch wenn man
- entgegen der einschlägigen Weisung des SECO (vorste
hend E. 3.2) -
die zwei im Januar 2020 eingereichten Bewerbungen
zusätzlich noch
berücksichtigte (Urk. 7/6 S. 2),
wären die Arbeitsbemühungen
in quantita
tiver Hinsicht
als
offensichtlich ungenügend
zu werten
.
Daran ändert der Hinweis des Beschwerdeführers auf Art. 8d
der
C
ovid
-19-Verordnung Arbeitslosenver
si
che
rung
nichts.
W
ährend der ausserordentlichen Lage wurde zwar auf das
sonst
vorgeschriebene
monatliche
Einreichen des Nachweises von
persönlichen
Arbeit
s
bemühungen
(
Art. 26 Abs. 2
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslo
senversicherung und die Insolvenzentschädigung
;
AVIV)
verzichte
t
. Die versi
cherte Person musste diese aber dennoch nachweisen beziehungsweise tätigen (vgl.
Erläuterungen
des SECO
zu der Verordnung über Massnahmen im Bereich
der Arbeitslosenversicherung im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
[C
ovid
-19]:
C
ovid
-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung, S. 14, Art. 8d).
Gemäss der Weisung des SECO
Nr. 2020/10 vom 22. Juli 2020
(E. 1.4) galten sodann
lediglich
die Monate Mai 2020 (Eintritt der Arbeitslosigkeit) bis August 2020 als einzige Kontrollperiode. Für die persönlichen Arbeitsbemühungen wäh
rend der Kündigungsfrist
hätte der Beschwerdeführer
somit
monatlich
10-12 B
e
wer
bungen, also total 30-36 Bewerbungen
tätigen müssen
.
Selbst, wenn während der Pandemiezeit eine geringere Anzahl an Bewerbungen gefordert wurde,
wovon aufgrund des prozessorientierten Beratungsprotokolls (Urk. 7/38 S. 1 f.) nicht ausgegangen werden kann und was auch der Beschwerdeführer nicht dartat,
so erweisen sich insgesamt 11
beziehungsweise 13
Bewerbungen
während der drei
monatigen Kündigungsfrist
immer noch als quantitativ ungenügend
(vgl. dazu auch das Urteil des Sozialversicherungsgerichts AL.2020.00204 vom 29. Oktober 2020)
.
Des Weiteren kann der Beschwerdeführer aus dem Einwand, aufgrund der Ent
scheide des Bundesrates
im Zusammenhang mit der Pandemie
sei keine intensive Stellensuche möglich gewesen, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Denn allfällige Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt erfordern umso intensivere Bemühungen der versicherten Person, wobei sowohl die Tatsache als auch Intensität der Arbeitsbemühungen, nicht aber der Erfolg dieser Bemühungen im Vordergrund stehen (vgl. vorstehend E. 1.3; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts C 16/07 vom 22. Februar 2007 E. 3.1 und 8C_21/2008 vom 3. Juni 2008 E. 3.2 mit Hinweisen).
Schliesslich
verfängt auch der Verweis
des Beschwerdeführers
auf Art. 8a der C
ovid
-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung (Urk. 1) nicht. Denn Art. 8a der genannten Verordnung bezieht sich auf die Höchstzahl der Taggelder (Abs. 1) beziehungsweise die Rahmenfrist für den Leistungsbezug (Abs. 2), nicht jedoch auf den Nachweis der Arbeitsbemühungen respektive die Einstellung in der An
spruchsberechtigung.
Der vom Beschwerdeführer geltend gemachte Abzug der Ein
stelltage von zusätzlich gewährten 120 Taggeldern ist von Gesetzes wegen nicht vorgesehen und fällt daher von vornherein
ausser
Betracht.
Nach dem Gesagten hat der Beschwerdegegner den Beschwerdefü
hrer zu Recht wegen ungenügender
persönliche
r
Arbeitsbemühungen im Sinne von Art. 30 Abs. 1
lit
. c
AVIG in der Anspruchsberechtigung eingestellt.
4.
4.1
Zu prüfen bleibt die Angemessenheit der Dauer der verfügten Einstellung.
Diese bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittelschwerem und 31
bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 AVIV).
Gemäss
dem Einstellraster von Ziff. D79 1.A 3 in der AVIG-Praxis ALE ist bei ungenügenden Arbeitsbemühungen ab einer dreimonatigen Kündigungsfrist eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Umfang von
neun bis zwölf
Tagen anzuordnen.
4.2
Die vom Beschwerdegegner verfügte Einstellung von zehn Tagen liegt im Rahmen des vom SECO für die hier zu beurteilende Konstellation vorgesehenen
Richt
masses
und im mittleren Bereich eines leichten Verschuldens (vgl. E. 4.1). Bei der Überprüfung der Angemessenheit der verfügten Einstellungsdauer ist der Grund
satz zu beachten, dass das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund – namentlich ein im Verwaltungsverfahren noch unbeachtet ge
bliebener Umstand – an die Stelle desjeni
gen der Verwaltung setzen darf (BGE 114 V 315 E. 5a;
Urteil des Bundesgerichts 8C_342/2017 vom 28. August 2017 E. 4.2, je
mit Hinweisen)
. Ein triftiger Grund, weshalb von der nachvollziehbar begründeten Ermessensausübung der Verwaltung abzuweichen und von einem
leichteren Verschulden auszugehen wäre, ist nicht ersichtlich
. Insbesondere wurde
den Umständen im Rahmen der Corona-Situation bereits mit den Anpassungen
auf
Verordnungsstufe (vgl. E. 3.2) Rechnung getragen. Inwiefern die Verunsiche
rung durch die Kündigung
und die unerwarteten und gravierenden Entschei
dungen des Bundesrates
(Urk. 1)
das Verschulden des Beschwerdeführers mindern sollte, legt er nicht substantiiert dar und ist auch nicht ersichtlich
. Der
Ein
spra
cheentscheid
vom 1. Oktober 2020 (Urk. 2) erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.