Decision ID: b31cfac1-eb1a-5797-a59a-ffa291bf6ce2
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit Februar 2004 als Kranführer bei der
B._ AG tätig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 26. Februar 2015
erlitt er einen Unfall auf einer Baustelle. Gemäss Schadenmeldung vom gleichen Tag
war der Versicherte von einem umfallenden Wandschalenelement erfasst und zwischen
diesem und der Baugrubensicherung eingeklemmt worden (Suva-act. 1, 198-2).
A.b Vom 26. Februar bis 2. März 2015 war der Versicherte im Kantonsspital St. Gallen
(KSSG) hospitalisiert. Mit Austrittsbericht vom 10. März 2015 diagnostizierten die
involvierten Ärzte 1. ein Thoraxtrauma (- gering dislozierte Fraktur Costa I rechts
ventral; - gering dislozierte Frakturen Costae I links ventral und dorsal sowie II links
ventrolateral; - mehrfragmentäre, gering dislozierte, intraartikuläre mediale
Claviculafraktur links; - gering dislozierte Abrissfraktur der Rippe im Costosternalgelenk
I rechts; - umschriebenes kleinvolumiges Mediastinalhämatom [4.7 x 2 cm] mit
Emphysem im vorderern Mediastinum; - kleine Lungenlazeration links apikal; -
kleinvolumiger Pneumothorax links apikal und basal parakardial; - kleinvolumiger
Hämatothorax bds. [rechts > links] mit angrenzenden Minderbelüftungen), 2. horizontal
verlaufende Frakturen der Processus spinosi BWK 6 und 7 sowie 3. eine oberflächliche
Abschürfung präfrontal. Unter konservativer Behandlung war es während des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
stationären Aufenthalts zu einer raschen Besserung der Beschwerden gekommen
(Suva-act. 13).
A.c Vom 8. bis 12. Juni 2015 wurde der Versicherte im Spital C._ bei chronischen
Schmerzen mit/bei Lumboischialgie und beginnendem subacromialem Impingement
rechts stationär behandelt (Suva-act. 29). Im Anschluss daran hielt sich der Versicherte
vom 16. Juni bis 7. Juli 2015 in der Rehaklinik Bellikon auf. Im Austrittsbericht vom 3.
Juli 2015 attestierten ihm die fallführende Psychologin FSP, D._, und die Fachärztin
Chirurgie FMH, Dr. med. E._, ab 8. Juli eine 50%-ige und ab 10. August eine 25%-
ige Arbeitsunfähigkeit. Per 24. August 2015 bescheinigten sie keine Arbeitsunfähigkeit
mehr (Suva-act. 39).
A.d Am 7. August 2015 nahm der Versicherte seine Arbeit halbtags auf. Anlässlich
einer Besprechung vom 13. August 2015 wurden folgende Arbeitsfähigkeiten
festgelegt: 0% vom 26. Februar bis 15. Juli, 50% während der Ferien vom 16. Juli bis
2. August, 0% vom 3. bis 6. August, 33 1/3% ab 7. August 2015 (Suva-act. 44).
Nachdem diese Leistung im Folgenden nicht erbracht werden konnte, einigte sich die
Suva mit der Arbeitgeberin des Versicherten auf eine Arbeitsunfähigkeit von 75% vom
1. bis 10. September 2015, danach von 100% (Suva-act. 52, 62, 86).
A.e Bei anhaltenden Beschwerden wurden weitere Untersuchungen insbesondere am
KSSG veranlasst (vgl. u.a. Suva-act. 69, 74, 82, 96, 101, 105). Am 11. Januar 2016
wurde der Versicherte von med. pract. F._, Fachärztin für Chirurgie FMH,
kreisärztlich untersucht. In ihrem Bericht diagnostizierte sie nebst den bekannten
Befunden (vgl. dazu vorstehende lit. A.b) aktuell eine unklare linksbetonte
Brachiocephalgie sowie eine Lumbago (Suva-act. 107-7). Bei der klinischen
Untersuchung sei vor allem die linke Schulter schmerzhaft hervorgestochen. Das
diesbezügliche weitere Vorgehen müsse abgewartet werden. Grundsätzlich seien die
beklagten Beschwerden organisch jedoch nicht mehr ganz nachvollziehbar, vor allem
nicht im beklagten Ausmass. Eine gewisse nicht organische Komponente könne dem
Versicherten sicherlich nicht abgesprochen werden. Sollten die weiteren Abklärungen
der Schulter keine Ursache für die beklagten Beschwerden hervorbringen, müsse im
weiteren Verlauf eine fixe Wiederaufnahme der Tätigkeit als Kranführer besprochen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
werden. Weitere Abklärungen und Behandlungsmassnahmen würden sich nicht
aufdrängen (Suva-act. 107-8).
A.f Am 22. Februar 2016 wurde ein Arthro-MRI der linken Schulter durchgeführt (Suva-
act. 121). Dieses ergab keine relevanten Befunde (Suva-act. 119). Am 29. Februar 2016
wurde der Versicherte neuropsychologisch untersucht, wobei die Befunde bei
ausgeprägten Diskrepanzen zwischen Funktions- und Fähigkeitsebene als nicht valide
eingeschätzt wurden (Suva-act. 122-5). Der Untersuch im Muskelzentrum des KSSG
vom 9. Mai 2016 durch Dr. med. G._, Facharzt für Neurologie, ergab eine
chronifizierte Cervicobrachialgie links, am ehesten im Rahmen einer oberen
Plexopathie nach Kontusionstrauma mit neuropathischer Schmerz-Komponente (Suva-
act. 135).
A.g Mit Bericht vom 24. Mai 2016 gab Dr. med. H._, Facharzt für Neurologie, vom
Kompetenzzentrum der Suva seine Beurteilung ab (Suva-act. 138). Zusammengefasst
kam er zum Schluss, dass die Schlussfolgerungen von Dr. G._ nicht nachvollziehbar
seien. Sie seien in sich widersprüchlich und stünden zudem im Widerspruch zur
echtzeitlichen Unfalldokumentation und den nachfolgend erhobenen ärztlichen
Untersuchungsbefunden. Eine Schädigung des linken Plexus cervicobrachialis liege mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht vor. Das Beschwerdebild des Versicherten sei
durch die von Dr. G._ angenommene Diagnose zudem nicht zu erklären (Suva-act.
138-10).
A.h Mit Verfügung vom 6. Juni 2016 stellte die Suva die Versicherungsleistungen aus
der obligatorischen Unfallversicherung per 1. Juli 2016 ein, da gemäss Beurteilung der
eigenen Fachmedizin spätestens ab dann kein sicherer oder wahrscheinlicher
Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 26. Februar 2015 und den
gemeldeten Beschwerden mehr hergestellt werden könne. Soweit psychische Gründe
dafür verantwortlich sein sollten, könnten auch diese nicht ursächlich dem Unfall
angelastet werden (Suva-act. 144).
B.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.a Am 20. Juni 2016 liess der Versicherte gegen die Verfügung vom 6. Juni 2016
durch die Unia Ostschweiz Einsprache erheben (Suva-act. 148). Am 30. August 2016
reichte der neu mandatierte Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsanwalt Kurt
Gemperle, St. Gallen, die Einsprachebegründung ein (Suva-act. 157). In diesem
Zusammenhang legte er mehrere medizinische Berichte ins Recht (Suva-act. 157-4 ff.,
163 ff.). In der Folge holte auch die Suva mehrere Berichte der behandelnden
Fachpersonen ein (Suva-act. 180 ff., 192 ff.).
B.b Vom 6. September bis 8. Oktober 2016 wurde der Versicherte im
Rehabilitationszentrum in Valens behandelt. Gemäss Bericht vom 17. Oktober 2016
wurde unter anderem bei zervikobrachialem Syndrom links ein Verdacht auf Irritation
des Nervus suprascapularis links geäussert (Suva-act. 170-1). Aufgrund dieses
Verdachts wurde der Versicherte am 30. November 2016 operiert (Nervus
suprascapularis-Neurolyse; Suva-act. 187).
B.c Der Fall wurde nochmals Dr. H._ vorgelegt, welcher mit Beurteilung vom 8. März
2017 zum Schluss gelangte, dass der diagnostizierte Verdacht auf eine Kompression
des Nervus suprascapularis links nicht überwiegend wahrscheinlich unfallkausal sei
(Suva-act. 197-6).
B.d Am 15. März 2017 wies die Suva die Einsprache ab. Es sei gestützt auf die
medizinische Aktenlage davon auszugehen, dass die vom Versicherten geklagten
Beschwerden nicht auf einem unfallbedingten, objektivierbaren organischen Substrat
im Sinne einer strukturellen Veränderung beruhten. Nachdem zwischen dem Unfall und
den noch geklagten psychischen bzw. organisch nicht hinreichend nachweisbaren
Beschwerden kein adäquater Kausalzusammenhang bestehe, seien die
Versicherungsleistungen zu Recht per 30. Juni 2016 eingestellt worden. Bei diesem
Ergebnis bestehe auch kein Anspruch auf weitere Geldleistungen in Form einer
Invalidenrente und/oder Integritätsentschädigung (Suva-198).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 15. März 2017 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) am 1. Mai 2017 Beschwerde erheben mit folgendem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rechtsbegehren: Der Einspracheentscheid der Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 15. März 2017 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin
zu verpflichten, ihre Leistungen über den 30. Juni 2016 hinaus weiter auszurichten;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (act. G 1). Am 15. Mai 2017 reichte der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers einen Arztbericht von Dr. med. I._, Chefarzt
der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des KSSG, vom 5.
Mai 2017 ein (act. G 3).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 30. Mai 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
C.c Mit Replik vom 6. November 2017 liess der Beschwerdeführer unverändert an
seinen Anträgen festhalten. Zusätzlich liess er weitere medizinische Berichte einreichen
(act. G 13).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine umfassende Duplik und reichte am 6.
Dezember 2017 eine kurze Stellungnahme ein. Am Antrag auf Beschwerdeabweisung
hielt sie unverändert fest (act. G 15).
C.e Am 29. bzw. 30. November 2018 reichten die Parteien ein von der IV-Stelle
veranlasstes Gutachten des Ärztlichen Begutachtungsinstitutes (ABI), Basel, sowie die
Rentenverfügung der IV-Stelle vom 23. November 2018 ein (act. G 17 f.).
C.f Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen in
den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss den Übergangsbestimmungen werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor Inkrafttreten der Änderung ereignet
haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend stehen Folgen eines Unfalls vom 26. Februar
2015 zur Diskussion. Es finden daher die bis 31. Dezember 2016 gültigen
Bestimmungen Anwendung.
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin aufgrund des Unfalls des
Beschwerdeführers vom 26. Februar 2015 nach dem 30. Juni 2016 weiterhin
leistungspflichtig ist.
3.
Im angefochtenen Entscheid vom 15. März 2017 sind die Bestimmungen über den
Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 UVG) sowie die
Grundsätze über den für die Leistungspflicht des Unfallversicherers nebst anderem
vorausgesetzten natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem
Unfall und dem eingetretenen Schaden (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2 mit Hinweisen)
zutreffend dargelegt. Gleiches gilt für die Ausführungen zur Sachverhaltsabklärung, zur
antizipierten Beweiswürdigung und zum Beweiswert von Arztberichten (Suva-act. 198).
Darauf wird verwiesen. Zu ergänzen ist, dass auch Berichte und Gutachten, welche die
Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und
Ärztinnen einholen, beweistauglich sein können. An deren Beweiswürdigung sind indes
strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen,
so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E. 4.4 mit Hinweis;
bestätigt in Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3).
4.
4.1 Vorerst ist zu prüfen, ob zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung organisch
objektivierbare Unfallfolgen vorhanden waren, welche die fortdauernd geklagten
Beschwerden bzw. einen Dauerschaden erklären können.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2 Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann erst
gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit – wissenschaftlich anerkannten
(BGE 134 V 231) – apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen,
Computertomogramm, MRI) bestätigt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 28.
Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2).
4.3 Beim Unfall vom 26. Februar 2015 zog sich der Beschwerdeführer
unbestrittenermassen die in vorstehender lit. A.b erwähnten Verletzungen zu.
Diesbezüglich anerkannte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des
Beschwerdeführers und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und
Taggeld). Zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung (30. Juni 2016) sind die initial
gestellten Diagnosen (Suva-act. 13) bzw. die initial objektivierbaren Unfallfolgen
(namentlich die erlittenen Frakturen) und die damit einhergehenden Beschwerden
konsolidiert bzw. abgeheilt und der Status quo sine/ante diesbezüglich erreicht
gewesen (vgl. dazu Suva-act. 138-8 ff. und die darin zitierten medizinischen Berichte).
Bildgebende Erklärungen für die über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung geklagten
Beschwerden des Beschwerdeführers sind nicht ersichtlich (vgl. dazu die
durchgeführten MRI-Berichte in Suva-act. 29-6, 69-2, 74-2, 82, 96, 119, 121, 163, 179).
Dies gilt auch in Bezug auf die im Raum stehende Plexopathie (Schädigung des Plexus
cervicobrachialis links [Suva-act. 135-2]). Entsprechende Neurographien blieben
unauffällig (Suva-act. 135-5, 157-13). Auch die diagnostizierte Nervus
supraclavicularis-Kompression linke Schulter (Suva-act. 174-2) war – sofern überhaupt
rechtsgenüglich ausgewiesen (Suva-act. 197-5, act. G 17.1 S. 52) – überwiegend
wahrscheinlich nicht für die über das Leistungseinstellungsdatum hinausgehenden
Beschwerden verantwortlich, nachdem es nach der Dekompression zu keiner
Beschwerdelinderung kam (Suva-act. 185). Gestützt auf das Gesagte leuchten die
Beurteilungen von Dr. H._, wonach kein unfallkausales objektivierbares Korrelat
(mehr) für die Beschwerden ersichtlich ist, ein. Dr. H._ berücksichtigte und würdigte
sämtliche medizinischen Vorakten. Auch die Berichte der behandelnden Ärzte
vermögen daran nichts zu ändern bzw. auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen zu wecken. Auch
diese liefern keine auf strukturellen Läsionen beruhende Erklärung für die über die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Leistungseinstellung geklagten Beschwerden, sondern erwähnen lediglich
Verdachtsdiagnosen (Plexopathie, Nervus supraclavicularis-Kompression) als mögliche
Ursache für die anhaltenden Beschwerden, ohne sich diesbezüglich indes zu einer
allfälligen Unfallkausalität zu äussern bzw. deren Ursächlichkeit für die Beschwerden zu
eruieren.
4.4 Die im Recht liegenden ärztlichen Berichte verschiedenster Fachrichtungen lassen
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (vgl. dazu act. G 13 S. 3) eine
schlüssige Gesamtbeurteilung zu. Der Sachverhalt erweist sich in medizinischer
Hinsicht als genügend abgeklärt, und von weiteren Abklärungen bzw. einer
Begutachtung sind keine neuen Erkenntnisse, welche am Ergebnis dieses Verfahrens
etwas änderten, zu erwarten. Deshalb wird darauf in antizipierter Beweiswürdigung
verzichtet (vgl. u.a. BGE 124 V 94 E. 4b und 136 I 236 f. E. 5.3). Zu erwähnen bleibt,
dass die durch die IV-Stelle im Januar 2018 veranlasste polydisziplinäre Begutachtung
(act. G 17.1) keine Hinweise liefert, dass durch den Unfall ausgelöste Schädigungen
unerkannt geblieben oder zu Ungunsten des Beschwerdeführers falsch beurteilt
worden wären.
5.
5.1 Nach dem Gesagten liegt für die nach der Leistungseinstellung noch geklagte
Schmerzsymptomatik überwiegend wahrscheinlich kein organisches Korrelat vor. Das
schliesst zwar die natürliche Unfallkausalität der Beschwerden nicht aus, bedingt aber
eine besondere Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs (Urteil des
Bundesgerichts vom 4. November 2016, 8C_586/2016, E. 5.2). Diese hat nach den für
psychische Fehlentwicklungen nach Unfall entwickelten Grundsätzen zu erfolgen.
Dabei kann praxisgemäss die Frage nach einer natürlichen Kausalität der
entsprechenden Beschwerden zum versicherten Unfallereignis offen bleiben, wenn ein
allfälliger Kausalzusammenhang nicht adäquat und damit nicht rechtsgenüglich wäre
(BGE 135 V 472 E. 5.1).
5.2 Wie bereits erwähnt (vgl. vorstehende E. 4.3), waren zum Zeitpunkt der
Leistungseinstellung die initial objektivierbaren Unfallfolgen abgeheilt. Die daran
anschliessenden Untersuchungen brachten kein organisches Korrelat für die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schmerzproblematik zum Vorschein. Aus somatischer Sicht lagen damit spätestens am
30. Juni 2016 keine Unfallfolgen mehr vor. Sodann standen keine
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung zur Diskussion. Deshalb steht
auch der Adäquanzbeurteilung zu diesem Zeitpunkt nichts entgegen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 9. Februar 2015, 8C_765/2014, E. 9).
6.
6.1 Für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ist an das (objektiv
erfassbare) Unfallereignis anzuknüpfen. Zu prüfen ist im Rahmen einer objektivierten
Betrachtungsweise, ob der Unfall eher als leicht, als mittelschwer oder als schwer
erscheint, wobei im mittleren Bereich gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach
der Nähe zu den leichten oder schweren Unfällen erfolgt. Massgebend ist der
augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften, nicht jedoch
Folgen des Unfalles oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen
zugeordnet werden können (BGE 115 V 139 ff. E. 6).
6.2 Der Beschwerdeführer kletterte an einem Wandschalenelement hoch und wollte
dieses an einem Kran anhängen. Bei diesem Vorgang rutsche er aus und wollte sich an
einem anderen Element festhalten. Dabei fiel er zu Boden an eine Böschung, wobei
beide Wandschalenelemente mit einem Gesamtgewicht von rund 330 Kilogramm auf
seinen Oberkörper stürzten und auf ihm liegen blieben. Aufgrund der Böschung wirkte
nicht die ganze Last auf den Beschwerdeführer. Mithilfe von Arbeitskollegen konnte er
innert fünf bis zehn Minuten befreit werden (Suva-act. 1, 65 f.). Als Folge davon
resultierten die unter lit. A.b erwähnten Verletzungen, namentlich mehrere Frakturen im
Oberkörperbereich. Dieser Unfallhergang erweist sich bei objektiver Betrachtung als
schwerwiegender als jene Unfallereignisse, welche gemäss Bundesgericht den
mittelschweren Ereignissen im engeren Sinn zugeordnet werden (vgl. dazu die
Beispiele der Rechtsprechung in ALEXANDRA RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE
HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 65 ff.).
Gestützt auf die Kasuistik ist damit von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich
zu den schweren Ereignissen auszugehen (vgl. dazu die entsprechenden Beispiele in
RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 67 ff.; vgl. insbesondere dabei die in ihrer Schwere
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ähnlichen Unfallereignisse in den Urteilen des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
vom 10. Juli 2000, U 89/99, und vom 7. April 2005, U 458/04).
6.3 Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre somit zu bejahen, wenn von den
massgeblichen Kriterien (1. besonders dramatische Begleitumstände oder besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls; 2. die Schwere oder besondere Art der erlittenen
Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische
Fehlentwicklungen auszulösen; 3. ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen
Behandlung; 4. körperliche Dauerschmerzen; 5. ärztliche Fehlbehandlung, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert; 6. schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche
Komplikationen; 7. Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit)
mindestens eines in einfacher Form gegeben ist (vgl. nebst vielen Urteil des
Bundesgerichts vom 3. September 2008, 8C_484/2007, E. 6.3; vgl. ferner RUMO-
JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 67).
6.3.1 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen
Eindrücklichkeit (1.) ist objektiv zu beurteilen und nicht aufgrund des subjektiven
Empfindens bzw. des Angstgefühls der versicherten Person. Zu beachten ist auch,
dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist,
welche somit noch nicht für die Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (RUMO-
JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 69, mit Verweis auf die Rechtsprechung). Besonders
dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit sind nicht
ersichtlich. Es bestand keine akute Lebensgefahr. Weiter wirkte nicht das gesamte
Gewicht der Wandschalenelemente auf den Oberkörper des Beschwerdeführers ein.
Die Arbeitskollegen eilten dem Beschwerdeführer sofort zur Hilfe und die Ambulanz traf
innert relativ kurzer Zeit ein. Der Beschwerdeführer war jederzeit bei vollem
Bewusstsein und konnte den Arbeitskollegen Anweisungen für seine Rettung geben
(Suva-act. 65 f.). Nur am Rande sei erwähnt, dass keinerlei Anzeichen dafür bestehen,
dass der Beschwerdeführer den Unfall als über das übliche Mass hinaus traumatisch
erlebt hätte. Auch wurde der Unfall vom Beschwerdeführer gemäss Aktenlage kaum
thematisiert.
6.3.2 Das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen
(2.) ist vorliegend nicht erfüllt. Der Beschwerdeführer konnte unter konservativer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Behandlung und rascher Besserung der objektivierbaren Beschwerden nach fünf
Tagen aus dem Spital entlassen werden (Suva-act. 13). Auch waren die objektivierten
Verletzungen keinesfalls geeignet, Fehlentwicklungen auszulösen. Eine ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte (3.), ist nicht
ersichtlich; dieses Kriterium ist damit auch nicht erfüllt. Bei der Prüfung der übrigen
Kriterien – ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung (3.), körperliche
Dauerschmerzen (4.), schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen (6.)
sowie Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit (7.) – ist von Relevanz, dass diese unter
Ausschluss der organisch nicht ausgewiesenen Beschwerden zu erfolgen hat und
deshalb bereits aufgrund der zeitlichen Komponente nicht erfüllt sind.
6.4 Nach dem Gesagten ist kein Kriterium, auch nicht in einfacher Form, erfüllt. Damit
hat die Beschwerdegegnerin mangels adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen
dem Unfall vom 26. Februar 2015 und den über den 30. Juni 2016 hinaus beklagten
Beschwerden eine Leistungspflicht über dieses Datum hinaus zu Recht verneint.
7.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 15. März
2017 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.