Decision ID: 4899e301-6f08-4216-8cde-780cb4480909
Year: 2010
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1. X._, geboren 1965, arbeitet seit Juni 1995 bei der Y._ AG als Maschinenführer (Urk. 10/6). Aufgrund von Kniebeschwerden meldete er sich am 9. Januar 2010 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zu Massnahmen für die berufliche Eingliederung an (Urk. 10/2).
Die IV-Stelle holte medizinische Berichte (Urk. 10/9, Urk. 10/13 und Urk. 10/14), einen Arbeitgeberbericht (Urk. 10/6) sowie einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug; Urk. 10/10) ein. Mit Verfügung vom 22. Juni 2010 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf berufliche Massnahmen sowie auf eine Rente (Urk. 10/17).
2. Gegen die Verfügung vom 22. Juni 2010 (Urk. 10/17) erhob der Versicherte am 28. Juli 2010 Beschwerde und beantragte sinngemäss deren Aufhebung sowie die Gewährung beruflicher Massnahmen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 12. August 2010 beantragte die IV-Stelle unter Hinweis auf die Verfügung vom 23. Juli 2010, mit welcher die Verfügung vom 22. Juni 2010 wiedererwägungsweise aufgehoben worden war, das Verfahren sei infolge Gegenstandslosigkeit abzuschreiben (Urk. 7).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 53 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) kann der Versicherungsträger eine Verfügung oder einen Einspracheentscheid, gegen die Beschwerde erhoben wurde, so lange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt. Die neue Verfügung oder der neue Einspracheentscheid beendet den Streit insoweit, als damit den Anträgen der beschwerdeführenden Partei entsprochen wird. Soweit den Beschwerdeanträgen nicht stattgegeben wird, besteht der Rechtsstreit weiter; in diesem Fall muss die Beschwerdebehörde auf die Sache eintreten, ohne dass die beschwerdeführende Partei die neue Verfügung oder den neuen Einspracheentscheid anzufechten braucht (vgl. BGE 113 V 237). Einem nach der Vernehmlassung ergangenen Wiedererwägungsentscheid kommt jedoch nur die Bedeutung eines Antrages an das Gericht zu, wie zu entscheiden sei (ZAK 1989 S. 563 Erw. 2a, vgl. auch ZAK 1989 S. 310).
2. Mit pendente lite erlassener Verfügung vom 23. Juli 2010 hob die IV-Stelle die angefochtene Verfügung vom 22. Juni 2010 mit der Begründung, es sei kein Vorbescheidverfahren durchgeführt worden, auf (Urk. 10/21). Dies ist nicht zu beanstanden. Denn nach Lage der Akten wurde das in Art. 57a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vorgesehene Vorbescheidverfahren nicht durchgeführt, was nach der Rechtsprechung eine schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs darstellt, die einer Heilung grundsätzlich nicht zugänglich ist (vgl. Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts in Sachen G. vom 24. Juli 2002, I 584/01, Erw. 2, mit Hinweisen).
Allerdings wird mit der wiedererwägungsweisen Aufhebung der Verfügung vom 23. Juli 2010 dem Begehren des Beschwerdeführers - namentlich um Zusprache von beruflichen Massnahmen - nicht entsprochen, weshalb dem Antrag der Beschwerdegegnerin auf Abschreibung des Verfahrens (zufolge Gegenstandslosigkeit) nicht stattgegeben werden kann. Vielmehr ist die Sache in Gutheissung der Beschwerde an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie das gesetzlich vorgesehene Vorbescheidverfahren durchführe und hernach über den Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen neu verfüge.
3. Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und vorliegend auf Fr. 200.-- anzusetzen. Die Kosten sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.