Decision ID: 42bb137e-15f9-56ae-8621-79498e2b4b85
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 15. Dezember 2010 zur Früher¬fassung bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Laut einem Bericht von Dr. med. B._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, vom 14. August 2010, waren dem Versicherten mittlere oder
schwerere körperliche Tätigkeiten wegen eines Rücken- und Bandscheibenleidens
nicht mehr zumutbar (IV-act. 2). Nach einer entsprechenden Aufforderung der IV-Stelle
meldete sich der Versicherte am 17. Januar 2011 für Massnahmen zur beruflichen
Eingliederung an (IV-act. 4 f.). Am 14. Februar 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
den Abschluss der beruflichen Massnahmen mit, denn es sei nicht gelungen, ihn innert
angemessener Zeit in den Arbeitsmarkt zu integrieren (IV-act. 59). Da der Versicherte
an einer Lumbalgie mit Ausstrahlung ins linke Bein bei Diskushernie L5/S1 und
Tangierung der Nervenwurzel L4 und L5, ohne Nachweis einer
Nervenwurzelkompression litt, ging die IV-Stelle davon aus, dass er in körperlich
leichten, sitzenden Tätigkeiten mit Wechselpositionen und ohne Kälte- und
Staubexposition weiterhin vollzeitlich arbeitsfähig sei. Bei einem IV-Grad von 0%
verneinte die IV-Stelle deshalb am 3. Januar 2013 das Vorliegen eines
Rentenanspruchs (IV-act. 89, 65). Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 2.
Februar 2013 Beschwerde erheben (IV-act. 91). Mit einem Entscheid vom 13. April
2015 hiess das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Beschwerde teilweise
gut und es wies die Sache zur Abklärung des psychischen Gesundheitszustandes des
Versicherten an die IV-Stelle zurück (IV-act. 111).
B.
B.a Am 22. Oktober 2015 gab die IV-Stelle ein interdisziplinäres Gutachten in den
Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Orthopädie und Psychiatrie bei
der ZVMB GmbH (nachfolgend MEDAS Bern) in Auftrag (IV-act. 133). Gemäss dem
daraufhin erstellten Gutachten der ZVMB GmbH vom 23. März 2016 litt der Versicherte
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mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an einem lumbospondylogenen und
zervikospondylogenen Schmerzsyndrom bei degenerativen Veränderungen ohne
klinisch neurologische und elektromyographische Hinweise auf eine radikuläre, axonale
Schädigung (insbesondere auch nicht in den Myotomen S1, L5 jeweils links als auch
C5/C6 rechts) und chronischen retropatellären Schmerzen bei schwerer Chondropathia
patellae linkes Knie. Ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die
Gutachter Spannungskopfschmerzen (DD Zervikozephalgie), eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren F 45.41, eine
leichtgradige, verkalkte Pleuraplaque antero-lateral im rechten Oberlappenbereich, eine
Prostatahyperplasie sowie einen Status nach Prostatitiden 2011. Dr. med. C._,
Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be¬wegungsapparates
FMH, gab an, die in auffälligster Weise demonstrierten und über das allgemein zu
Erwartende hinausgehenden Beschwerden des Versicherten könnten nur teilweise
verifiziert werden. Es bestünden eine deutliche Selbstlimitierung sowie eine
Aggravationstendenz. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten hielt Dr. C._
fest, dass das Heben und Tragen von schweren Lasten von mehr als 10 kg, die Arbeit
mit vibrierenden und schlagenden schweren Maschinen, Arbeiten mit monotoner Kopf-
und Rumpfhaltung, Arbeiten mit kniender, gehockter oder gebeugter Position,
ständigem Treppensteigen oder langem Autofahren sowie ausschliesslich sitzende,
stehende oder gehende Arbeiten nicht zumutbar seien. Aus fachpsychiatrischer Sicht
bestanden gemäss Dr. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, lediglich bei der Fähigkeit zu Spontanaktivitäten und der Durchhaltefähigkeit
Einschränkungen, die jedoch im Wesentlichen auf selbstlimitierende Faktoren
zurückzuführen waren. Dr. med. E._, Facharzt für Innere Medizin FMH, bemerkte
zudem, dass bei anamnestisch vorliegendem Asthma bronchiale zudem Kälte- und
Staubexpositionen vermieden werden sollten. In einer angepassten Tätigkeit sei der
Versicherte zu 100% arbeitsfähig (IV-act. 137).
B.b Mit einem Vorbescheid vom 19. April 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
die Abweisung seines Leistungsgesuchs in Aussicht. Zur Begründung führte sie aus,
dass ihm zwar seine angestammte Tätigkeit als Maschinenführer und andere schwere
körperliche Tätigkeiten mit dem Heben von schweren Lasten nicht mehr zugemutet
werden könnten, dass er aber in einer angepassten Tätigkeit in Wechselposition aus
medizinischer Sicht weiterhin uneingeschränkt in vollzeitlichem Rahmen arbeitsfähig
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sei (IV-act. 139). Dagegen liess der Versicherte am 9. Juni 2016 bzw. am 7. Juli 2016
einwenden, das MEDAS-Gutachten, auf das sich die IV-Stelle stütze, sei unzulänglich
bzw. widersprüchlich. Insbesondere hätten die Gutachter übersehen, dass er an einer
chronischen somatoformen Schmerzstörung Stadium III nach Gebershagen leide und
dass Nervenwurzelkompressionen C4 rechts und L4/L5 beidseits vorlägen. Zudem
bestehe eine depressive Problematik mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Um die
verbliebene Arbeitsfähigkeit zu bestimmen, sei eine Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit vorzunehmen. Ausserdem sei eine ergänzende neurologische
Abklärung notwendig. Dazu reichte der Versicherte zwei aktuelle Stellungnahmen der
behandelnden Ärzte Dr. med. F._, FMH Chirurgie, und Dr. med. G._, FMH
Psychiatrie und Psychotherapie, zum MEDAS-Gutachten ein (IV-act. 146, 148). RAD-
Ärztin Dr. med. H._ nahm am 15. August 2016 zum Einwand des Versicherten
Stellung und erklärte sinngemäss, dass die Beurteilung des Gesundheitszustands des
Versicherten durch die Gutachter anhand der vorliegenden medizinischen Akten
nachvollziehbar sei und dass die genannten beiden behandelnden Ärzte in ihren
aktuellen Berichten denselben medizinischen Sachverhalt lediglich anders beurteilt
hätten (IV-act. 149).
B.c Am 22. September 2016 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten
bei einem IV-Grad von 0% ab. Zur Begründung stützte sie sich auf die Stellungnahme
des RAD (IV-act. 153). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in formelle
Rechtskraft.
C.
C.a Am 31. Oktober 2016 stellte der Versicherte ein neues Leistungsgesuch; er reichte
verschiedene Arztberichte ein (IV-act. 155, 163): Dr. med. I._, leitender Arzt des
Schmerzzentrums des Kantonsspitals St. Gallen, hatte am 17. Mai 2016, also vor dem
Erlass der ersten leistungsabweisenden Verfügung, die Ergebnisse der
Verlaufskonsultation vom 20. April 2016 zusammengetragen. Demnach bestand ein
chronifiziertes Schmerzsyndrom zervikolumbal (IV-act. 168). Gemäss dem
Austrittsbericht der Klinik für Urologie des Kantonsspitals St. Gallen vom 17. Februar
2017 hatte sich der Versicherte am selben Tag einer Zystokopie und einer retrograden
Ureteropyelographie und Doppel-J-Kathetereinlage bds. unterzogen. Der peri- und
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postoperative Verlauf sei komplikationslos gewesen und der Versicherte habe
beschwerdefrei nach Hause entlassen werden können (IV-act. 169). Dr. med. J._,
FMH Neurologie, hielt am 21. Februar 2017 fest, dass der Versicherte berichtet habe,
seine Beschwerden betreffend die lumbalen Schmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein
seien im Verlauf schlimmer geworden. Seit einem Jahr, also seit ca. Februar 2016,
habe er einen Gehstock. Ausserdem sei es zu Nackenschmerzen mit Ausstrahlung
nach okzipital über rechts parietal bis nach orbital rechts gekommen. Zudem habe er
Schulterschmerzen, Taubheitsgefühle sowie Schmerzen im Schulterblattbereich, im
lateralen Oberarm, im volaren, ventralen Unterarmbereich bis Dig. IV und V sowie in der
ulnaren Handkante. Er habe keine Kraft in den Fingern rechts und die Kraft seines
linken Beines sei vermindert. Seit vergangenem Samstag leide er an anhaltenden
frontalen Kopfschmerzen. Aufgrund der anamnestischen Angaben des Versicherten
gab Dr. J._ an, unter Berücksichtigung der Schmerzausbreitung sei am ehesten von
einer S1-Radikulopathie links auszugehen. Im EMG zeigten sich diesbezüglich jedoch
keine Denervationszeichen und keine chronisch neurogenen Veränderungen im S1-
Bereich links. Die Angaben von Schmerzen seien dermatomübergreifend. Die
Kraftminderung sei schmerzbedingt erschwert beurteilbar und lasse sich aktuell keiner
Nervenwurzel/keinem Nerv syndromal zuteilen. Eine Indikation für eine Operation
bestehe nicht. Vielmehr werde ein erneuter Infiltrationsversuch bzw. eine regelmässige
intensive Physiotherapie empfohlen, allenfalls eine interdisziplinäre Schmerztherapie
(IV-act. 170). RAD-Ärztin Dr. H._ erklärte am 21. März 2017, die im Rahmen der
Untersuchung bei Dr. J._ beschriebenen Befunde entsprächen den im Rahmen des
neurologischen Teilgutachtens festgehaltenen. Im Gutachten sei auch darauf
hingewiesen worden, dass der Versicherte ein Schonhinken demonstriere und über
eine Hyposensibilität sowie eine Kraftminderung klage, dass sich degenerative
Veränderungen aber ohne Neurokompression (ausser evtl. leicht im Segment C5/6
rechts) gezeigt hätten. Deshalb liege nach wie vor derselbe medizinische Sachverhalt
wie zum Zeitpunkt der Begutachtung vor. Auch aus dem Bericht der Schmerzklinik und
der Klinik für Urologie gingen keine neuen Diagnosen oder Hinweise auf eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands des Versicherten hervor (IV-act. 172).
C.b Mit einem Vorbescheid vom 27. März 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, dass sie auf sein Leistungsbegehren nicht eintreten werde. Zur Begründung
führte sie aus, er habe nicht glaubhaft machen können, dass sich die tatsächlichen
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Verhältnisse seit dem 22. September 2016 in einer für den Rentenanspruch erheblichen
Weise verändert hätten (IV-act. 174). Dagegen liess der Versicherte am 1. bzw. 22. Mai
2017 einwenden, dass es ihm heute nicht mehr möglich sei, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen. Weil "Dr. K._" im beigelegten Bericht vom 5. April 2017 eine stationäre
Rehabilitation mit Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit empfohlen habe,
könne davon ausgegangen werden, dass er die Möglichkeit des Vorliegens einer
Verschlechterung nicht ausschliesse. Die Möglichkeit des Vorliegens einer
Verschlechterung wiederum genüge zur Erfüllung der Eintretensvoraussetzungen (IV-
act. 176). Dr. med. K._, Facharzt für Neurochirurgie, von der Wirbelsäulenchirurgie
Ostschweiz AG hatte am 5. April 2017 anlässlich einer "Bilderbesprechung vom 31.
März 2017" festgehalten, der Versicherte leide an einem chronischen lumbovertebralen
Syndrom und einem Schulter-/Armsyndrom ohne Hinweise auf eine Veränderung in der
Elektrophysiologie und ohne eine Nervenwurzelkompression im MRT der HWS und der
LWS. Seiner Ansicht nach lägen zudem eine Somatisierungssymptomatik und eine
Entkopplung von Schmerz und Struktur vor. Weder im MRT der LWS noch im MRT der
HWS sehe er einen Grund für eine Deltoideus-Parese und eine S1-Ischialgie. Auch
seien weder in S1, C5 noch C6 Denervationen auffindbar. Die Problematik des
Versicherten sei psychosomatischer Herkunft. Deshalb werde zu einer Vorstellung bei
der Schmerzambulanz und in Bezug auf die Arbeitssituation des Versicherten zu einer
stationären Rehabilitation mit Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit und
erneuter psychosomatischer resp. psychiatrischer Evaluation geraten (IV-act. 177).
C.c Mit einer Verfügung vom 15. Juni 2017 trat die IV-Stelle nicht auf die
Neuanmeldung ein (IV-act. 180).
D.
D.a Der Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführer) erhob am 21. August 2017
Beschwerde gegen diese Verfügung. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung sowie das Eintreten auf seine Neuanmeldung vom 31. Oktober 2016. Zur
Begründung führte er ergänzend zu seinen Ausführungen im Einwand aus, Dr. F._
habe am 17. Mai 2016 erklärt, dass, "sollte auf das MEDAS-Gutachten gepocht
werden, sehr wohl mit einer Verschlechterung der gesamten Schmerzsituation zu
rechnen sei". Wenngleich an die Glaubhaftmachung einer Verschlechterung höhere
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Anforderungen zu stellen seien, wenn zwischen der letztmaligen materiellen Beurteilung
und der Neuanmeldung keine übermässig lange Zeit vergangen sei, gelte dies bei den
bereits zum Zeitpunkt der leistungsablehnenden Verfügung vom 22. September 2016
bestandenen beträchtlichen gesundheitlichen Störungen nicht. Damit sei die
Glaubhaftmachung des veränderten Invaliditätsgrads erfolgt (act. G 1).
D.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 26. Oktober 2017 die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führte sie unter Verweis auf die Stellungnahme von RAD-
Ärztin Dr. H._ aus, die ausführliche Auseinandersetzung mit den neu eingereichten
Arztberichten habe ergeben, dass keine wesentliche Veränderung glaubhaft gemacht
worden sei.
D.c In seiner Replik vom 7. März 2018 liess der Beschwerdeführer erklären, dass Dr.
K._ lediglich keinen Gesundheitsschaden erkannt habe, den er als
Wirbelsäulenchirurg behandeln könnte. Aus dem beigelegten Bericht der Augenklinik
des Kantonsspitals St. Gallen vom 11. Oktober 2017 lasse sich zwar keine die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Sehstörung ableiten, doch seien die dort
festgehaltene Augenproblematik und seine Besorgnis um sein Augenlicht geeignet, die
weitere Verschlechterung der psychischen Störungen glaubhaft zu machen (act. G 18).
Gemäss den Ausführungen von med. pract. L._, Oberarzt der Augenklinik des
Kantonsspitals St. Gallen, vom 11. Oktober 2017 litt der Beschwerdeführer seit Februar
2017 an einer chronischen Chorioretinopathia centralis serosa am rechten Auge. Im
August 2017 habe sich eine erneute Verschlechterung des Befundes gezeigt, weshalb
im September 2017 eine photodynamische Therapie durchgeführt worden sei. Es sei
eine Visusbesserung zu erwarten, wobei eine genaue Vorhersage nicht möglich sei.
Längerfristig sei rechts keine weitere Visusminderung zu erwarten, doch könne es bei
bis zu 50% der Patienten zu einem Rezidiv mit erneuter Behandlungsbedürftigkeit
kommen (act. G 18.1).
D.d Am 12. März 2018 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik (act. G 20).

Erwägungen
1.
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1.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 15. Juni 2017 ist die Beschwerdegegnerin
auf das neue Leistungsgesuch des Beschwerdeführers vom 31. Oktober 2016 über die
Gewährung einer Invalidenrente nicht eingetreten. Der Streitgegenstand des
Beschwerdeverfahrens kann deshalb nur sein, ob die Beschwerdegegnerin auf die
Neuanmeldung des Beschwerdeführers in Bezug auf die Gewährung einer
Invalidenrente hätte eintreten müssen.
1.2 Ist ein Rentengesuch wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades abgewiesen
worden, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht wird,
dass sich der Invaliditätsgrad in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise
geändert hat (Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Da es sich beim Invaliditätsgrad nicht um ein
Sachverhaltselement, sondern um das Ergebnis einer Rechtsanwendung handelt, kann
er nicht direkt glaubhaft gemacht werden. Die Glaubhaftmachung einer relevanten
Veränderung muss sich deshalb - entgegen dem Wortlaut der genannten Bestimmung
- auf jene Sachverhaltselemente beziehen, die für die Invaliditätsbemessung relevant
sind. Die glaubhaft gemachte Veränderung eines solchen Sachverhaltselements muss
so erheblich sein, dass mit der Entstehung eines anspruchsbegründenden
Invaliditätsgrades zu rechnen ist, falls sich die Veränderung in einem anschliessenden
umfassenden Verwaltungsverfahren nachweisen lassen sollte. Die in Art. 87 Abs. 3 IVV
aufgestellte "Prüfungs-" bzw. Eintretenshürde ist also u.a. dann überwunden, wenn die
sich neu anmeldende versicherte Person glaubhaft machen kann, dass sich ihr
Gesundheitszustand verschlechtert hat und dass damit ihr Arbeitsunfähigkeitsgrad in
einem erheblichen Ausmass angestiegen ist. Da das Beweismass nur im
Glaubhaftmachen besteht, muss es genügen, wenn die Indizien auf den Eintritt einer
solchen Verschlechterung des Gesundheitszustandes hindeuten.
1.3 Die Beschwerdegegnerin hatte das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers
vom 17. Januar 2011 am 22. September 2016 nach einer materiellen Überprüfung
mittels einer interdisziplinären Begutachtung durch die MEDAS Bern abgewiesen. Die
MEDAS Bern hatte festgestellt, dass der Beschwerdeführer - mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit - an einem lumbospondylogenen und zervikospondylogenen
Schmerzsyndrom bei degenerativen Veränderungen ohne klinisch neurologische und
elektromyographische Hinweise auf eine radikuläre, axonale Schädigung, an
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chronischen retropatellären Schmerzen bei schwerer Chondropathia patellae linkes
Knie sowie - ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit - an Spannungskopfschmerzen,
einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F
45.41), einer verkalkten Pleuraplaque antero-lateral im rechten Oberlappenbereich
(anamnestisch), einer Prostatahyperplasie (anamnestisch) und einem Status nach
Prostatitiden 2011 (anamnestisch) litt (IV-act. 137, 143, 153).
1.4 Zunächst ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer mithilfe der neu eingereichten
Akten eine Verschlechterung seines somatischen Gesundheitszustands hat glaubhaft
machen können. Dazu hat der Beschwerdeführer zunächst einen Bericht von Dr. I._
vom 17. Mai 2016 über die Verlaufskonsultation im Schmerzzentrum des
Kantonsspitals St. Gallen vom 20. April 2016 eingereicht (IV-act. 168). Dieser Bericht
gibt über den Abschluss der Behandlung im Schmerzzentrum des Kantonsspitals St.
Gallen Aufschluss und ist bereits im Rahmen der mit der Verfügung vom 22.
September 2016 abgeschlossenen Prüfung des Leistungsanspruchs des
Beschwerdeführers berücksichtigt worden. Der Beschwerdeführer hat weder geltend
gemacht, dass sich die damals beschriebenen gastrointestinalen Beschwerden in
arbeitsfähigkeitsrelevanter Weise verschlimmert hätten, noch hat er zu dieser Thematik
aktuelle Berichte eingereicht. Ausserdem können dem Bericht vom 17. Mai 2016 keine
Hinweise auf eine bevorstehende Verschlechterung des Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführers entnommen werden. Weiter liegt ein Austrittsbericht der Klinik für
Urologie vom 17. Februar 2017 vor, gemäss welchem der Beschwerdeführer sich einer
Zystoskopie und einer retrograden Ureteropyelographie unterzogen hat. Da der
Beschwerdeführer am Tag des Eingriffs beschwerdefrei nach Hause hat entlassen
werden können, ist nicht erkennbar, inwiefern dieser Bericht eine massgebliche
Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers aufzeigen sollte.
Gemäss dem Bericht von Dr. J._ vom 21. Februar 2017 hat der Beschwerdeführer in
der Sprechstunde am 8. Februar 2017 angegeben, seine Beschwerden betreffend die
lumbalen Schmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein hätten im Verlauf seit 2009
zugenommen. Sie bestünden betont im Gesässbereich sowie im lateralen Hüftbereich,
im dorsalen und lateralen Oberschenkel, im dorsalen Unterschenkelbereich über die
Ferse bis zur Fusssohle und am lateralen Fussaussenrand mit Dig. II-V. Seit einem Jahr
habe er einen Gehstock. Im Verlauf sei es ausserdem zu Nackenschmerzen mit
Ausstrahlung nach okzipital über rechts parietal bis nach orbital rechts gekommen. Seit
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vergangenem Samstag habe er anhaltende frontale Kopfschmerzen. Zudem habe er
Schulterschmerzen, Taubheitsgefühle sowie Schmerzen im Schulterblattbereich, im
lateralen Oberarm, im volaren, ventralen Unterarmbereich bis Dig. IV und V sowie in der
ulnaren Handkante. Er habe keine Kraft in den Fingern rechts und die Kraft seines
linken Beines sei vermindert (IV-act. 170). Im Rahmen der Begutachtung im Dezember
2015 hat der Beschwerdeführer ebenfalls über die chronischen Schmerzen im Bereich
der LWS mit Ausstrahlung in das linke Gesäss dorsal über den Oberschenkel, die
Wade, die Fusssohle links in Dig. III-V links berichtet (IV-act. 137-9). Dass nun offenbar
auch Schmerzen im Dig. II beklagt werden, kann für sich allein nicht auf eine
massgebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands hindeuten. Die
Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in Dig. IV und V rechts, die Kopfschmerzen sowie
die Schwäche in der rechten Hand sind ebenfalls bereits zum Zeitpunkt der
Begutachtung bekannt gewesen (IV-act. 137-10). Zudem hat Dr. J._ am 21. Februar
2017 festgehalten, dass keine Denervationszeichen oder chronisch neurogene
Veränderungen im S1-Bereich links zu finden gewesen seien. Zudem sei die
Kraftminderung schmerzbedingt erschwert beurteilbar und sie lasse sich keiner
Nervenwurzel/keinem Nerv zuweisen (IV-act. 170). Ein Hinweis auf eine massgebliche
Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustands des Beschwerdeführers kann
also auch diesem Bericht weder in Hinblick auf das subjektive Beschwerdebild noch
unter der Berücksichtigung der Einschätzung Dr. J._s entnommen werden. Auch Dr.
K._ konnte am 5. April 2017 weder eine neue, die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers einschränkende Diagnose stellen, noch in den bildgebenden
Befunden einen Grund für die Beschwerden des Beschwerdeführers finden. Dass Dr.
K._ aufgrund seines Verdachts auf eine Somatisierungssymptomatik zu einer
stationären Rehabilitation mit Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit und
erneuter psychosomatischer resp. psychiatrischer Evaluation geraten hat, lässt -
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers - nicht zwingend darauf schliessen, dass
er eine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers für
möglich hält. Eine blosse Vermutung der versicherten Person in Hinblick auf die inneren
Beweggründe eines Arztes, die zu einer Empfehlung führen, reicht nicht aus, um die
Eintretensvoraussetzungen für eine Neuanmeldung zu erfüllen. Zu guter Letzt hat der
Beschwerdeführer mit der Replik einen Untersuchungsbericht der Augenklinik vom 11.
Oktober 2017 eingereicht. Auch dieser Bericht vermag jedoch - wie der
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Beschwerdeführer selbst eingestanden hat - keine relevante Veränderung des
somatischen Gesundheitszustands des Beschwerdeführers zu belegen (IV-act. 18).
Gesamthaft ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen, eine für den IV-Grad
massgebliche Verschlechterung seines somatischen Gesundheitszustands glaubhaft
zu machen.
1.5 Weiter stellt sich die Frage, ob der Beschwerdeführer die Verschlechterung seines
psychischen Zustands hat glaubhaft machen können. Dr. K._ vom
Wirbelsäulenzentrum Ostschweiz hat am 5. April 2017 den Verdacht auf eine
Somatisierungsproblematik geäussert. Eine somatoforme Schmerzstörung ist jedoch
bereits im Rahmen der Abweisungsverfügung als Diagnose ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers berücksichtigt worden und Hinweise auf eine
Verschlimmerung der somatoformen Schmerzstörung gibt es nicht.
2.
2.1 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine IV-relevante
Verschlechterung seines Gesundheitszustands seit der letzten Abweisung eines
Rentengesuchs glaubhaft zu machen. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
2.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [SR 831.20; IVG]). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Zufolge der unentgeltlichen Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
2.3 Der Staat bezahlt zufolge der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung die Kosten
der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[SR 830.1; ATSG]). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor dem
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Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der st. gallischen Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten (sGS 963.75; HonO) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Kostennote
eingereicht. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit ist der
Vertretungsaufwand aufgrund der einfachen Rechtsfrage, der rudimentär begründeten
Rechtsschriften sowie dem verhältnismässig geringen relevanten Aktenanteil trotz des
doppelten Schriftenwechsels unterdurchschnittlich gewesen. Deshalb erscheint eine
pauschale Parteientschädigung von Fr. 2'000.-- als angemessen. Diese ist um einen
Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der
Staat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 1'600.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
2.4 Da die referierende Gerichtsschreiberin verhindert ist, unterzeichnet gemäss Art.
39ter Abs. 2 VRP/SG stellvertretend eine am Entscheid beteiligte Richterin das Urteil.