Decision ID: 2a16da4d-63cc-5942-b854-4943ea3db356
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde wenige Tage nach ihrer Geburt zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 1). Die Klinik für Neonatologie des
Universitätsspitals Zürich berichtete am 26. Juni 2003, die Versicherte leide an einem
kompletten atrio-ventrikulären Septumdefekt und an einer Polyglobulie, womit die
Voraussetzungen der Ziff. 313 und 331 Anh. GgV erfüllt seien (IV-act. 5). Mit einer
Verfügung vom 23. September 2003 sprach die IV-Stelle der Versicherten medizinische
Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 313 Anh. GgV bis zur
Vollendung des zehnten Altersjahres zu (IV-act. 15). Mit einer Verfügung vom 24.
September 2003 sprach die IV-Stelle der Versicherten auch medizinische Massnahmen
zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 331 Anh. GgV bis zur Vollendung des
fünften Altersjahres zu (IV-act. 16).
A.b Am 6. Oktober 2003 ersuchte das Universitätsspital Zürich für die Versicherte um
eine Kostengutsprache für eine stationäre Behandlung in der Klinik für Herz- und
Gefässchirurgie (IV-act. 17). Der Kinderarzt Dr. med. B._ hielt in einem Schreiben
vom 19. November 2003 fest, die Versicherte leide an einer Trisomie 21, und erwähnte,
der atrio-ventrikuläre Septumdefekt werde demnächst operiert. Am 2. Juli 2005 wies
Dr. B._ die IV-Stelle darauf hin (IV-act. 34), dass die Versicherte bei der Operation
einen Infarkt im Bereich der Arteria cerebri media links erlitten habe, der zu einem
armbetonten Hemisyndrom rechts geführt habe. Bislang sei die Versicherte mit einer
Physiotherapie behandelt worden. Nun sei geplant, eine Ergotherapie durchzuführen.
Er bitte um eine entsprechende Ergänzung der Kostengutsprache. Am 18. August 2005
notierte Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 35),
er könne weder die Berichte im Zusammenhang mit der von Dr. B._ erwähnten
Operation noch Physiotherapieberichte in den Akten auffinden. „Im Sinne der
Prozessökonomie“ könne jedoch von der Einholung entsprechender Berichte
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abgesehen werden, da die Sachlage „doch klar“ sei. Er schlage vor, die Ergotherapie
vorerst befristet für ein Jahr zu gewähren. Sollte ein Verlängerungsgesuch gestellt
werden, müsse ein ausführliches Arztzeugnis mit Verlauf, Zielen und Prognose
einverlangt werden. Mit einer Verfügung vom 12. September 2005 erteilte die IV-Stelle
eine Kostengutsprache für eine ambulante Ergotherapie „im Zusammenhang mit dem
Geburtsgebrechen Ziff. 313 Anh. GgV“ (IV-act. 40).
A.c Am 29. März 2006 beantragte Dr. B._ eine Verlängerung der Ergotherapie (IV-
act. 42). Am 20. April 2006 nahm er zum bisherigen Verlauf Stellung (IV-act. 43). Der
RAD-Arzt Dr. C._ notierte am 16. Mai 2006, dass eine Verlängerung der
Kostengutsprache „im Rahmen von Spätfolgen“ des Geburtsgebrechens Ziff. 313 Anh.
GgV angezeigt sei (IV-act. 44). Mit einer Verfügung vom 16. Mai 2006 erteilte die IV-
Stelle eine entsprechende Kostengutsprache (IV-act. 45). Ein weiteres
Verlängerungsgesuch von Dr. B._ vom 6. April 2007 (IV-act. 46 f.) wurde am 11. Mai
2007 bewilligt (IV-act. 48). Am 25. Januar 2008 ersuchte Dr. B._ um eine
Verlängerung der Physio- und der Ergotherapie um zwei Jahre (IV-act. 50). Die IV-Stelle
antwortete am 5. Februar 2008 (IV-act. 51), für eine Verlängerung der bis am 30. Juni
2008 erteilten Kostengutsprache für die Ergotherapie sei es noch etwas früh. Bislang
sei der IV-Stelle nicht bekannt gewesen, dass eine Physiotherapie durchgeführt werde.
Dr. B._ wurde gebeten, diesbezüglich weitere Angaben zu machen. Am 8. April 2008
notierte ein Mitarbeiter der IV-Stelle (vgl. IV-act. 54), die Kosten der Physiotherapie
seien tatsächlich stets vergütet worden, obwohl diesbezüglich keine Verfügung
erlassen worden sei. Am 17. April 2008 führte der RAD-Arzt Dr. med. D._ aus, dass
die Verlängerung der Physio- und der Ergotherapie um zwei Jahre „über das GG 313“
in Ordnung gehe (IV-act. 55). Am 22. April 2008 erliess die IV-Stelle eine entsprechende
Verfügung (IV-act. 56). Auf ein weiteres Verlängerungsgesuch (vom Kinderarzt Dr. med.
E._) vom 31. August 2010 hin (IV-act. 61 f.) wurde die Ergotherapie am 21.
September 2010 um ein weiteres Jahr verlängert (IV-act. 63). Die behandelnde
Ergotherapeutin teilte der IV-Stelle am 7. Juni 2011 mit, dass die Therapiestelle
geschlossen und die Versicherte neu durch eine andere Therapeutin behandelt werde
(IV-act. 65). Daraufhin teilte die IV-Stelle am 15. Juni 2011 mit, dass sie die
Kostengutsprache für die Ergotherapie, die nun von der neuen Therapeutin
durchgeführt werde, um ein weiteres Jahr verlängere (IV-act. 66).
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A.d Am 16. Januar 2012 ersuchten die Eltern der Versicherten um eine
Kostengutsprache für proprioceptive Fussorthesen (IV-act. 81 f.). Mit einem
Vorbescheid vom 30. Januar 2012 teilte die IV-Stelle mit, dass sie dieses Begehren
abweisen werde, weil die „Schuheinlagen“ nicht in der Hilfsmittelliste erwähnt seien (IV-
act. 83). Dagegen wandten die Eltern am 6. Februar 2012 ein (IV-act. 86), die
„deformierten Füsse“ stünden im Zusammenhang mit dem Hirnschlag, den die
Versicherte bei ihrer Herzoperation erlitten habe. Die Fussorthesen seien wirksam,
zweckmässig, wirtschaftlich und einfach. Gleichentags hielt Dr. E._ gegenüber der
IV-Stelle fest (IV-act. 87), nicht nur die obere Extremität sei von der Hemiparese
betroffen, die die Folge einer Hirnblutung sei. Am 28. März 2012 notierte der RAD-Arzt
Dr. med. F._ (IV-act. 89), aus medizinischer Sicht sei der Sachverhalt klar: Während
einer Operation wegen des angeborenen Herzfehlers (Ziff. 313 Anh. GgV) habe die
Versicherte einen Mediainfarkt und als Folge davon ein Hemisyndrom erlitten.
Dementsprechend seien auch Kostengutsprachen für eine Physio- und eine
Ergotherapie im Rahmen des Geburtsgebrechens Ziff. 313 Anh. GgV erteilt worden. Die
proprioceptiven Fussorthesen seien als Behandlungsmassnahme bezüglich des
Hemisyndroms analog der Therapien im Rahmen des Geburtsgebrechens Ziff. 313
Anh. GgV zu übernehmen. Mit einer Verfügung vom 28. März 2012 erteilte die IV-Stelle
der Versicherten eine Kostengutsprache für die Fussorthesen (IV-act. 90).
A.e Am 3. Januar 2013 beantragte Dr. E._ eine weitere Verlängerung der
Kostengutsprache für die Ergotherapie (IV-act. 100). Mit einer Mitteilung vom 16.
Januar 2013 verlängerte die IV-Stelle ihre Kostengutsprache bis zum 30. August 2014
(IV-act. 102). Am 26. Oktober 2014 ersuchte Dr. E._ erneut um eine Verlängerung der
Kostengutsprache für die Ergotherapie (IV-act. 110), woraufhin die IV-Stelle ihre
Kostengutsprache um ein weiteres Jahr verlängerte (IV-act. 111). Am 31. Dezember
2014 beantragte Dr. E._ eine Kostengutsprache für eine neu begonnene
Physiotherapie (IV-act. 115). Eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle notierte am 2. März
2015, dass nicht ganz eindeutig sei, ob der Infarkt, der zum Hemisyndrom geführt
habe, als Folge des Geburtsgebrechens im Rahmen der Herzerkrankung aufgetreten
sei oder ob der operative Eingriff als äusseres Ereignis im Sinne des Art. 11 IVG den
Infarkt verursacht habe (IV-act. 120). Die RAD-Ärztin Dr. med. G._ nahm am 8. April
2015 Stellung zu dieser Frage (IV-act. 121). Sie führte aus, in einem Befundbericht der
heilpädagogischen Dienste St. Gallen vom 6. April 2004 sei erwähnt worden, dass die
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Versicherte nach einer unauffälligen Schwangerschaft in der 38.
Schwangerschaftswoche ohne nennenswerte Komplikationen spontan geboren worden
sei. Nach der Geburt habe man eine Trisomie 21 und einen schweren angeborenen
Herzfehler im Sinne der Ziff. 313 Anh. GgV festgestellt. Im Alter von vier Monaten sei
die Versicherte am Herz operiert worden. In der Folge habe sie einen Hirninfarkt mit
einer rechtsseitigen Lähmung erlitten. Somit bestehe ein unmittelbarer Zusammenhang
zwischen der behandlungsbedürftigen rechtsseitigen Lähmung und der Herzoperation.
Zum Geburtsgebrechen bestehe kein unmittelbarer, sondern nur ein indirekter
Zusammenhang. Der Mediainfarkt müsse als eine Komplikation der Herzoperation
gewertet werden, wie sich auch der RAD-Stellungnahme vom 18. August 2005
entnehmen lasse. Aus medizinischer Sicht seien die Physio- und die Ergotherapie
weiterhin notwendig und zweckmässig. Ob eine weitere Kostenübernahme möglich sei,
nachdem der Art. 11 IVG aufgehoben worden sei, könne aus medizinischer Sicht nicht
beurteilt werden. Mit einem Vorbescheid vom 14. April 2015 teilte die IV-Stelle den
Eltern der Versicherten mit (IV-act. 123), dass sie das Gesuch um die
Kostengutsprache für die Physiotherapie abweisen und die Ergotherapie noch bis zum
Ablauf der bereits erteilten Kostengutsprache weiter vergüten, ihre Kostengutsprache
dann aber nicht mehr verlängern werde. Dagegen wandten die Eltern der Versicherten
am 27. Mai 2015 ein (IV-act. 131), es liege kein Revisionsgrund vor, da sich die
gesundheitliche Situation ihrer Tochter seit der letzten Kostengutsprache für eine
Physiotherapie nicht geändert habe. Damals sei unbestritten gewesen, dass die
Physiotherapie wegen eines Folgenschadens des anerkannten Geburtsgebrechens
nötig sei. Die Trisomie 21 sei mittlerweile vom Parlament als Geburtsgebrechen
anerkannt worden. Am 18. Juni 2015 verfügte die IV-Stelle gemäss ihrem Vorbescheid
vom 14. April 2015 (IV-act. 134). Bezüglich der Einwände der Eltern der Versicherten
führte sie aus, rechtskräftige Verfügungen könnten unter den Voraussetzungen des Art.
53 Abs. 2 ATSG in Wiedererwägung gezogen werden. Die letzte Kostengutsprache für
die Physiotherapie sei abgegeben worden, bevor der Art. 11 IVG aufgehoben worden
sei. Die Trisomie 21 könne erst als Geburtsgebrechen anerkannt werden, wenn die
Verordnung entsprechend angepasst worden sei. Der Parlamentsbeschluss habe die
Rechtslage noch nicht verändert.
B.
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B.a Am 20. August 2015 liess die nun anwaltlich vertretene Versicherte (nachfolgend:
die Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 18. Juni 2015
erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die Verlängerung der
Kostengutsprache für die ambulante Physio- und Ergotherapie und die Übernahme der
Kosten für die fachmedizinische (hämatologische) Stellungnahme durch die IV-Stelle
(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). Zur Begründung führte sie aus, die
Beschwerdegegnerin vergüte die Kosten der Physio- und der Ergotherapie mittlerweile
bereits seit über zehn Jahren. Ein Revisionsgrund liege nicht vor. Die Kostengutsprache
für die Ergotherapie sei nach dem Wegfall des Art. 11 IVG (am 1. Januar 2012)
verlängert worden. Hier liege aber gar kein Anwendungsfall des Art. 11 IVG vor. Die
Beschwerdegegnerin habe ihre Leistungen stets in Anwendung des Art. 13 IVG für die
anerkannten Geburtsgebrechen Ziff. 313 und 331 Anh. GgV erbracht. Schon in der
ersten RAD-Beurteilung vom 18. August 2005 sei der Kausalzusammenhang zwischen
der Herzoperation und dem Hirninfarkt geprüft und geschlussfolgert worden, dass das
durch den Eingriff verursachte Hemisyndrom als Spätfolge des anerkannten
Geburtsgebrechens zu qualifizieren sei. Das Vorliegen dieses Kausalzusammenhangs
sei in späteren RAD-Beurteilungen mehrmals bestätigt worden. Der behandelnde
Kinderarzt Dr. E._ habe bestätigt, dass bei Kindern mit einem Herzfehler auch ohne
operative Intervention ein Risiko von über 50 Prozent bestehe, dass sich eine
Thrombose entwickle, die zu einem Hirninfarkt führen könne. Zwischenzeitlich sei ein
hämatologisches Gutachten in Auftrag gegeben worden, das sich zum
Kausalzusammenhang äussern werde. Dieses werde nach der Fertigstellung dem
Gericht eingereicht. Dessen Kosten habe die Beschwerdegegnerin zu übernehmen. Am
10. September 2015 reichte die Rechtsvertreterin einen fachärztlichen Bericht der
Klinik für Hämatologie des Universitätsspitals Zürich vom 28. August 2015 ein (act. G
3.1). Darin hatte die leitende Ärztin PD Dr. med. H._ ausgeführt, in der ersten Nacht
nach der Operation der Beschwerdeführerin (die damals vier Monate alt gewesen sei)
seien mehrere fokale Krampfanfälle aufgetreten. Die Ursache dieser Anfälle sei ein
ausgedehnter Infarkt der Arteria cerebri media links gewesen. Aufgrund des heutigen
Wissensstandes müsse die Interpretation der medizinischen Zusammenhänge durch
die Beschwerdegegnerin in Zweifel gezogen werden. Daten aus der medizinischen
Fachliteratur zeigten, dass ein Drittel der pädiatrischen Patienten mit einem Hirninfarkt
eine kardiologische Erkrankung aufwiesen. Bei diesen Erkrankungen handle es sich in
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60 Prozent der Fälle um einen angeborenen Herzfehler. Nur in einem Viertel der Fälle
träten diese Hirninfarkte innerhalb von 72 Stunden nach einem chirurgischen Eingriff
oder einem Herzkatheter auf. Neuste Daten zeigten, dass Kinder mit einem
angeborenen Herzfehler ein „19-fach höheres“ Hirninfarktrisiko als Kinder ohne
Herzfehler hätten. Dieses erhöhte Risiko bleibe auch dann bestehen, wenn das
Herzvitium korrigiert worden und perioperativ kein Hirninfarkt aufgetreten sei. Das
Hirninfarktrisiko sei also bei angeborenen Herzfehlern höher als das Risiko bei
chirurgischen Eingriffen. In Bezug auf die Beschwerdeführerin sei es wahrscheinlich,
dass der Mediainfarkt im Zusammenhang mit dem per se erhöhten Risiko des
Hirninfarktes stehe, den chirurgischen Eingriff also eher zufälligerweise begleitet habe
und somit nicht als Komplikation, sondern als eine (fast) zwangsläufige Konsequenz
des Geburtsgebrechens zu verstehen sei.
B.b Die zuständige obligatorische Krankenpflegeversicherung, die mit einer Kopie der
Verfügung vom 18. Juni 2015 bedient worden war (vgl. IV-act. 134–3) akzeptierte den
Entscheid der Beschwerdegegnerin; sie erhob keine Beschwerde.
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 29. Oktober 2015 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie aus, die RAD-Ärztin Dr. G._ habe
bereits am 8. April 2015 überzeugend dargelegt, dass der Hirninfarkt nicht die Folge
des anerkannten Geburtsgebrechens sei. Am 30. September 2015 habe sich Dr. G._
zum Bericht von PD Dr. H._ geäussert (vgl. IV-act. 158). Ihren Ausführungen zufolge
seien ischämische und hämorrhagische Insulte die häufigsten neurologischen
Komplikationen bei einer herzchirurgischen Operation. Vorliegend sei der Infarkt durch
ein äusseres Ereignis, nämlich die Operation, ausgelöst worden, die gewissermassen
den Zusammenhang zwischen dem Geburtsgebrechen und dem Infarkt (respektive
dem Infarktrisiko) unterbrochen habe. Folglich bestehe kein Leistungsanspruch
gestützt auf den Art. 13 IVG. Auch ein Anspruch gestützt auf den Art. 12 IVG falle nicht
in Betracht, da eine Eingliederung der Beschwerdeführerin angesichts der geistigen
Behinderung nicht möglich sei.
B.d Die Beschwerdeführerin liess am 3. Dezember 2015 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 7). Am 8. Januar 2016 liess sie die Vergütung weiterer Kosten beantragen (act.
G 9).
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Erwägungen
1.
Gegenstand der angefochtenen Verfügung hat die Abweisung eines Gesuchs um die
Übernahme der Kosten einer Physiotherapie gebildet. Die Beschwerdegegnerin hat
sich in der Verfügung zwar auch zur damals noch gültigen Kostengutsprache bezüglich
der Ergotherapie geäussert, doch kann die Erklärung, dass in Zukunft die
Kostengutsprache betreffend die Ergotherapie nicht mehr verlängert werde,
selbstverständlich nicht zum Dispositiv der angefochtenen Verfügung gehören. Dieses
Beschwerdeverfahren hat folglich nur die Kosten der Physiotherapie zum Gegenstand.
2.
Der Hirninfarkt, der zu einem behandlungsbedürftigen Hemisyndrom geführt hat, ist
entweder durch den angeborenen Herzfehler (Geburtsgebrechen) oder durch eine
Operation (Behandlung des Geburtsgebrechens, das heisst des angeborenen
Herzfehlers) verursacht worden. Wäre es auch dann zu einem Hirninfarkt und damit zu
einem Hemisyndrom gekommen, wenn die Beschwerdeführerin nicht am Herzen
operiert worden wäre, so bestünde gestützt auf den Art. 13 IVG ein Anspruch auf
medizinische Massnahmen. Das Hemisyndrom als Folge des Hirninfarkts wäre dann
zwar für sich allein betrachtet kein Geburtsgebrechen, aber für die Behandlung von
Gesundheitsschäden, die eine Folge eines Geburtsgebrechens darstellen, besteht
ebenfalls ein Leistungsanspruch gegenüber der Invalidenversicherung gestützt auf den
Art. 13 IVG. Vorausgesetzt wird allerdings, dass ein solcher Gesundheitsschaden in
einer engen Beziehung zum Symptomkreis des Geburtsgebrechens steht und dass
kein äusseres Ereignis bestimmend dazwischen tritt (vgl. Rz 11 KSME). Das
Hemisyndrom beziehungsweise der dieses auslösende Hirninfarkt wäre also ein solcher
Gesundheitsschaden, wenn er direkt durch den angeborenen Herzfehler bewirkt
worden wäre. Wenn der Hirninfarkt (und in dessen Gefolge das Hemisyndrom) aber
nicht direkt auf das Geburtsgebrechen zurückzuführen wäre, seine direkte Ursache
also in der Herzoperation hätte, dann wäre diese Herzoperation als ein im Sinne der
genannten Praxis äusseres Ereignis zu qualifizieren, das bestimmend zwischen das
Geburtsgebrechen und das Hemisyndrom getreten wäre. Die Beschwerdeführerin
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könnte in diesem Fall keinen Anspruch auf medizinische Massnahmen betreffend das
Hemisyndrom gestützt auf den Art. 13 IVG haben. Nun hat in dem Zeitraum, in dem die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin noch Leistungen zur Behandlung des
Hemisyndroms (Ergotherapie und zeitweise auch Physiotherapie) zugesprochen und
ausgerichtet hat, noch der Art. 11 IVG bestanden. Dieser hat einen Anspruch auf
medizinische Massnahmen auch für jene Gesundheitsschäden vorgesehen, die zwar im
Rahmen der Behandlung eines Geburtsgebrechens auftraten, aber nach der oben
dargestellten Praxis nicht als direkt zum Geburtsgebrechen gehörig betrachtet werden
konnten. Dazu hätte der Hirninfarkt beziehungsweise das Hemisyndrom der
Beschwerdeführerin gehört, wenn diese Gesundheitsbeeinträchtigung nicht die direkte
Folge des Geburtsgebrechens, sondern die Folge der Herzoperation gewesen wäre. Da
die gemäss dem Art. 13 IVG und gemäss dem Art. 11 IVG auszurichtenden
medizinischen Massnahmen identisch waren, hat die Beschwerdegegnerin damals die
Klärung der Frage, ob der Hirninfarkt und damit das Hemisyndrom auch ohne die
Herzoperation aufgetreten wäre, unterlassen. Im Ergebnis hat sie damit auch die Frage
unbeantwortet gelassen, ob sie die medizinischen Massnahmen zur Behandlung des
Hemisyndroms gestützt auf den Art. 13 IVG oder auf den Art. 11 IVG zugesprochen
hatte. Für sie ist nur relevant gewesen, dass es neben dem Geburtsgebrechen und der
Herzoperation keine dritte mögliche Ursache für das Hemisyndrom gegeben hat. Die
Beschwerdegegnerin hat damals also die Sachverhaltsabklärung vorzeitig
abgebrochen. Damit hat sie natürlich auch die Subsumtion des Sachverhalts unter die
Tatbestände des Art. 13 IVG oder des Art. 11 IVG nicht vollständig vorgenommen.
Trotzdem hat sie eine Rechtsfolge angeordnet, indem sie – jeweils befristet, aber
durchgehend – eine Ergotherapie und vorübergehend auch eine Physiotherapie
zugesprochen hat.
3.
Nachdem die Beschwerdeführerin längere Zeit keine Physiotherapie zur Behandlung
des Hemisyndroms mehr benötigt hatte, hat sie am 31. Dezember 2014 ein neues
Gesuch um die Ausrichtung dieser medizinischen Massnahme gestellt. Die
Beschwerdegegnerin hat ohne jede Bindung an früher verfügte Zusprachen von
Physiotherapie zur Behandlung des Hemisyndroms prüfen müssen, ob ein
entsprechender Leistungsanspruch bestanden hat. Da der Art. 11 IVG mit der 6. IV-
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Revision am 31. Dezember 2011 aufgehoben worden war, ist die Zusprache einer
Physiotherapie gestützt auf diese Gesetzesbestimmung nicht mehr in Frage
gekommen. Als gesetzliche Grundlage für eine allfällige Zusprache einer Physiotherapie
zur Behandlung des Hemisyndroms hat also nur noch der Art. 13 IVG zur Verfügung
gestanden. Damit hat die Beschwerdegegnerin natürlich die Frage, ob der Hirninfarkt
direkt durch das Geburtsgebrechen oder aber durch die Herzoperation ausgelöst
worden war, nicht mehr unbeantwortet lassen können. Auch die (vollständige)
Subsumtion des dazu noch zu ermittelnden Sachverhalts unter den
Gesetzestatbestand hat sie nachholen müssen. Zu prüfen ist also, ob der Sachverhalt
unter den Art. 13 IVG zu subsumieren ist, womit die Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf Physiotherapie hätte. Der von der Beschwerdeführerin im
Beschwerdeverfahren eingereichte Bericht von PD Dr. H._ enthält zwar bislang nicht
aktenkundige Angaben zum genauen Verlauf der Behandlung und des Hirninfarktes.
Daraus lässt sich aber in Bezug auf die Frage, ob der angeborene Herzfehler oder die
Herzoperation den Hirninfarkt ausgelöst haben, nichts ableiten. Dementsprechend hat
PD Dr. H._ denn auch nicht fallbezogen, sondern nur rein statistisch mit
Literaturangaben zu entsprechenden Studien argumentiert. Damit hat sie eingeräumt,
was auch ohne ihren Bericht zu vermuten gewesen wäre: Dass nämlich retrospektiv die
Frage nach der direkten Ursache des Hirninfarktes nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit beantwortet werden kann, weil die
medizinische Aktenlage dafür zu dünn ist. Da PD Dr. H._ alle vorhandenen
Unterlagen beigezogen hat, ist von weiteren Abklärungen kein Erkenntnisgewinn zu
erwarten. Somit bleibt nur noch die Frage zu beantworten, ob die objektive
Unmöglichkeit, für den hier zu beurteilenden Einzelfall die eine (Hirninfarkt als Folge der
Herzoperation) oder die andere (Hirninfarkt als direkte Folge des Geburtsgebrechens)
Sachverhaltsvariante mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu belegen, mittels statistischer Angaben überwunden werden
kann. Das Abstellen auf die Lebenserfahrung ist dann sinnvoll, wenn damit
offensichtlich unnötige und aufwendige Beweismassnahmen vermieden werden
können. Da aber stets mit der Möglichkeit gerechnet werden muss, dass es sich im
konkreten Einzelfall anders als in der Regel verhalte, muss es zulässig sein, den
konkreten Gegenbeweis zu führen, d.h. nachzuweisen, dass die allgemeine
Lebenserfahrung im konkreten Fall nicht zutrifft (vgl. etwa HANS PETER WALTER, in:
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Heinz Hausheer/Hans Peter Walter [Hrsg.], Berner Kommentar zum Schweizerischen
Zivilgesetzbuch, Band I Einleitung und Personenrecht, Bern 2012, Art. 8 N 100 ff.). Das
muss natürlich auch dann gelten, wenn in Analogie zur allgemeinen Lebenserfahrung
mit den Ergebnissen statistischer Erhebungen argumentiert wird. Die allgemeine
Lebenserfahrung und damit auch die in einer Statistik enthaltene spezifische, hier
medizinische „Erfahrung“ darf aber dann nicht zur Anwendung gelangen, wenn es
objektiv unmöglich ist, eine bestimmte Behauptung zu beweisen oder zu widerlegen.
Die in einem solchen Fall bestehende Beweislosigkeit kann weder mit der allgemeinen
Lebenserfahrung noch mit einer Statistik überwunden werden, weil die allgemeine
Lebenserfahrung oder die Statistik ansonsten als auch für den konkreten Einzelfall
zutreffend behauptet würde, ohne dass dies verifiziert oder falsifiziert werden könnte.
Die Beweislosigkeit würde also nur verschleiert, bliebe aber unverändert bestehen.
Folglich sind weder die allgemeine Lebenserfahrung noch die Statistik geeignet, eine
Beweislosigkeit im Einzelfall zu überwinden. Die von PD Dr. H._ ins Feld geführten
statistischen Zusammenhänge können deshalb nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegen, dass der Hirninfarkt, den
die Beschwerdeführerin erlitten hat, die direkte Folge des Geburtsgebrechens gewesen
ist. Da die Beschwerdeführerin aus dem Vorhandensein eines direkten kausalen
Zusammenhangs zwischen dem angeborenen Herzfehler und dem Hirninfarkt einen
Leistungsanspruch für sich ableiten will, hat sie in analoger Anwendung des Art. 8 ZGB
den Nachteil dieser Beweislosigkeit zu tragen. Dass die Beschwerdegegnerin nach
dem Ausserkrafttreten des Art. 11 IVG noch eine Ergotherapie zugesprochen hat, ohne
zu klären, ob der Art. 13 IVG die gesetzliche Grundlage hat bilden können, kann kein
schützenswertes Vertrauen der Beschwerdeführerin darin begründet haben, dass die
Beschwerdegegnerin diesen Rechtsanwendungsfehler in der Zukunft auch für die
Physiotherapie wiederholen werde.
4.
Somit ist die Beschwerde im Hauptpunkt abzuweisen. Bei dem Begehren um die
Vergütung der Kosten für die Berichterstattung von PD Dr. H._ handelt es sich um
einen Antrag um die Ausrichtung einer entsprechenden Parteientschädigung (Art. 61 lit.
g ATSG). Eine Parteientschädigung umfasst nämlich nicht nur die Kosten für die
Rechtsvertretung, sondern auch die Auslagen, die für Abklärungsmassnahmen
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entstanden sind, die durch den Versicherungsträger oder durch das
Versicherungsgericht hätten angeordnet und durchgeführt werden müssen, jedoch von
der beschwerdeführenden Partei veranlasst worden sind. Bezüglich der
Kostenverteilung für solche Abklärungsmassnahmen ist nicht entscheidend, ob die
beschwerdeführende Partei obsiegt oder unterliegt, sondern vielmehr, ob das
Beweismittel für die Beurteilung der Streitsache massgebend gewesen ist (vgl. UELI
KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 61 N 197, mit Hinweisen). Da es sich
beim Bericht von PD Dr. H._ um eine sinnvolle Abklärungsmassnahme gehandelt hat,
von der prospektiv ein relevanter Erkenntnisgewinn hat erwartet werden können und
auf die bei der gerichtlichen Beurteilung auch abgestellt worden ist, um die materielle
Beweislosigkeit im Hauptpunkt zu begründen, sind die entsprechenden Kosten von
661 Franken (act. G 7.1 und G 9.1) in Anwendung des Art. 98 Abs. 2 VRP der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Dasselbe gilt auch hinsichtlich der Kosten für die
Herstellung des Kontaktes mit PD Dr. H._ über den behandelnden Kinderarzt von
96.75 Franken (act. G 9.2). In Bezug auf die übrigen Vertretungskosten der
Beschwerdeführerin ist das Prinzip des Obsiegens/Unterliegens massgebend. Da die
Beschwerdeführerin mit ihrem Hauptbegehren unterliegt, hat sie für den
entsprechenden Vertretungsaufwand keinen Anspruch auf eine Entschädigung durch
die Beschwerdegegnerin. Diesbezüglich ist ihr Begehren um die Zusprache einer
Parteientschädigung also abzuweisen. Dieses Unterliegen hat zudem zur Folge, dass
die Beschwerdeführerin für die Gerichtskosten aufzukommen hat. Diese belaufen sich
praxisgemäss auf 600 Franken. Sie sind durch den von der Beschwerdeführerin in
gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.