Decision ID: 9c4fd831-6ac5-57c6-917c-c013b6477bb9
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Januar 2004 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe eine Berufslehre zur
Textilverkäuferin absolviert, sei die letzten Jahre aber als Hausfrau tätig gewesen und
habe nebenbei in Teilzeit als Produktionsmitarbeiterin gearbeitet. Die (ehemalige)
Arbeitgeberin der Versicherten berichtete im Januar 2004 (IV-act. 8), diese sei etwa elf
Stunden pro Woche für sie tätig gewesen. Der Stundenlohn habe sich auf 17.20
Franken belaufe. Das Arbeitsverhältnis sei von der Arbeitgeberin aufgelöst worden, weil
die Versicherte nicht teamfähig und unkooperativ gewesen sei. Der chirurgische
Orthopäde Dr. med. B._ gab am 30. Januar 2004 an (IV-act. 9), die Versicherte leide
an einem lumbo-spondylogenen Syndrom bei einer kleinen Discushernie L5/S1.
Leidensadaptierte Tätigkeiten seien ihr ganztags zumutbar. Die Leistung sei aber um
etwa 30 Prozent eingeschränkt. Der Allgemeinmediziner Dr. med. C._ berichtete am
17. März 2004 (IV-act. 11), die Versicherte leide an einem chronischen lumbo-
vertebralen Syndrom, an einer chronischen Arthralgie des rechten Knies, an einem
chronischen cervico-cephalen Schmerzsyndrom sowie an depressiven Störungen bei
Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen. Leidensadaptierte
Tätigkeiten seien halbtags beziehungsweise während vier bis fünf Stunden pro Tag
zumutbar. Im Auftrag der IV-Stelle erstatteten der Rheumatologe Dr. med. D._ und
der Psychiater Dr. med. E._ am 25. Oktober 2006 ein fachärztliches Gutachten (IV-
act. 26). Die Sachverständigen hielten fest, die Versicherte leide an chronischen
unspezifischen lumbalbetonten Rückenschmerzen, an einer erheblichen Fehlform und
Fehlhaltung der Wirbelsäule, an einer schweren musculären Dysbalance sowie an einer
Anpassungsstörung bei einer psychosozialen Belastung und körperlichen Problemen.
Aus somatischer Sicht seien ihr körperlich leichte Tätigkeiten uneingeschränkt
zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit zu 20–30 Prozent
eingeschränkt. Mit einer Verfügung vom 3. Juli 2007 wies die IV-Stelle das
A.a.
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Rentenbegehren ab (IV-act. 44). Zur Begründung führte sie an, gestützt auf das
bidisziplinäre Gutachten der Dres. D._ und E._ sei von einer Arbeitsfähigkeit von
75 Prozent für leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen. Da das Valideneinkommen
und der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
identisch seien, resultiere ein Invaliditätsgrad von 25 Prozent.
Im Januar 2009 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug bei der
IV-Stelle an (IV-act. 46). Die IV-Stelle forderte sie in der Folge auf, eine relevante
Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen; andernfalls werde auf das neue
Leistungsbegehren nicht eingetreten (IV-act. 49). Im Juli 2009 wies Dr. C._ auf eine
massive funktionelle Dysfunktion der Halswirbelsäule (nach einer Kontusion am
Hinterkopf im September 2007; IV-act. 52) und auf eine Verschlechterung der
„Depressionen“ hin (IV-act. 58). Im August 2009 notierte Dr. med. F._ vom IV-
internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes der Versicherten seit der Abweisung des ersten
Rentenbegehrens könne nicht ausgeschlossen werden, weshalb den behandelnden
Ärzten zusätzliche Fragen gestellt werden müssten (IV-act. 59). Die Rheumatologin Dr.
med. G._ gab im September 2009 an, an der Arbeitsfähigkeit der Versicherten habe
sich im Vergleich zum Jahr 2006 nichts geändert (IV-act. 60). Im Oktober 2009
berichtete Dr. C._ erneut über eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der
Versicherten seit der Abweisung des ersten Rentenbegehrens (IV-act. 64). Die RAD-
Ärztin Dr. F._ notierte im November 2009, eine relevante Verschlechterung sei noch
immer „nicht nachvollziehbar“ dokumentiert; es stelle sich noch die Frage, ob die
Hinterkopfkontusion der Unfallversicherung gemeldet worden sei (IV-act. 66). Nach
Einsicht in die Akten der obligatorischen Unfallversicherung, die den im September
2007 eröffneten Fall bereits im Oktober 2007 wieder abgeschlossen hatte, hielt Dr.
F._ fest, dass eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes der
Versicherten „nicht nachvollziehbar“ sei (IV-act. 70). Ein Sachbearbeiter der IV-Stelle
notierte im Januar 2010, nachdem man bereits umfangreiche Abklärungen getätigt
habe, könne man keinen Nichteintretensentscheid mehr erlassen; das neue
Rentenbegehren müsse materiell abgewiesen werden (IV-act. 72). Mit einem
Vorbescheid vom 16. Februar 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die
Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 15 Prozent vorsehe
A.b.
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(IV-act. 78). Dagegen liess die Versicherte am 23. April 2010 einwenden (IV-act. 86–1),
die IV-Stelle habe der psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung zu wenig Rechnung
getragen; die Versicherte befinde sich seit September 2009 in einer psychiatrischen
Behandlung. Das Psychiatrie-Zentrum H._ hatte in einem Bericht vom 29. März 2010
festgehalten (IV-act. 86–3 f.), die Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven
Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode und an einer Akzentuierung von
Persönlichkeitszügen. Sie befinde sich seit Ende September 2009 in einer
psychiatrischen Behandlung. Am 29. Juni 2010 teilte das Psychiatrie-Zentrum H._
der IV-Stelle mit (IV-act. 89), die Versicherte sei zu 50 Prozent arbeitsunfähig.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH
am 10. Januar 2011 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 100). Die
Sachverständigen führten aus, die Versicherte habe bei der Frage nach ihren
Alltagsaktivitäten ein reges Betätigungsfeld geschildert. Bei der Untersuchung habe sie
einen aktiven Eindruck hinterlassen. Sie leide an einem chronischen panvertebralen
Schmerzsyndrom ohne radiculäre Symptomatik, an chronischen Knieschmerzen rechts
sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und an akzentuierten Persönlichkeitszügen (gereizt, impulsiv).
Körperlich leichte bis selten mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten seien der
sich in einem „beneidenswerten Trainingszustand“ befindenden, altersentsprechend
„sehr fit“ wirkenden Versicherten uneingeschränkt zumutbar. Mit einem Vorbescheid
vom 29. März 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Abweisung des
Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von null Prozent vorsehe (IV-act. 105). Mit
einer Verfügung vom 30. Mai 2011 wies sie das Rentenbegehren – wie im Vorbescheid
angekündigt – ab (IV-act. 108).
A.c.
Am 6. November 2012 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an
(IV-act. 112). Am 20. November 2012 gab Dr. C._ telefonisch an (IV-act. 121), die
Versicherte leide an einem Mamma-Carcinom. Sie sei operiert worden, sie habe eine
Chemotherapie durchlaufen und sie sei bestrahlt worden. Nach der Diagnosestellung
habe sich die depressive Symptomatik verstärkt. Der Gesundheitszustand sei noch
instabil. Das Psychiatrie-Zentrum H._ berichtete am 8. November 2013 (IV-act. 153),
die Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, an einem Mamma-
Carcinom, an postoperativen, persistierenden Schulterschmerzen links und an einer
A.d.
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Fatigue. Die Krebsbehandlung sei erst kürzlich abgeschlossen worden. Die
Krankheitsverarbeitung sei aufgrund der rezidivierenden Depression erschwert. Die
Versicherte sei nicht arbeitsfähig. Der Onkologe Dr. med. I._ teilte in einem Bericht
vom 19. Januar 2014 mit (IV-act. 158), die Prognose bezüglich der Krebserkrankung sei
noch unsicher. Zurzeit sei die Versicherte vollständig arbeitsunfähig. Für eine
Stellungnahme zu einer möglichen Steigerung der Arbeitsfähigkeit seien Beurteilungen
durch einen Neurologen, einen Rheumatologen und einen Psychiater erforderlich. Im
Juli 2014 berichtete das Psychiatrie-Zentrum H._ (IV-act. 171), der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich verbessert. Ihr seien nun Tätigkeiten
ohne eine erhöhte Stressbelastung „zu Beginn“ im Umfang von 20 Stunden pro Woche
zumutbar. Mit einem Vorbescheid vom 15. Juli 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 13
Prozent vorsehe (IV-act. 176). Dagegen liess die Versicherte am 26. August 2014
einwenden (IV-act. 179), der medizinische Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt. Der
RAD-Arzt Dr. med. J._ notierte am 1. Oktober 2014, es seien keine weiteren
medizinischen Abklärungen notwendig (IV-act. 181). Mit einer Verfügung vom 2.
Oktober 2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 182).
Nachdem die Versicherte gegen diese Verfügung eine Beschwerde erhoben hatte
(IV-act. 187), widerrief die IV-Stelle am 22. Dezember 2014 ihre Verfügung vom 2.
Oktober 2014, um weitere Abklärungen zu tätigen (IV-act. 199). Das
Beschwerdeverfahren wurde am 20. Januar 2015 abgeschrieben (vgl. IV-act. 211). Im
Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Zentralschweiz am 7. Oktober 2015 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 224). Die
Sachverständigen führten aus, die Versicherte habe im Zeitpunkt der Untersuchung
lediglich noch an einer leichten depressiven Episode gelitten. Aufgrund der Angaben in
den Vorakten sei davon auszugehen, dass sich ihr psychischer Gesundheitszustand in
der Zeit ab Juli 2014 wesentlich verbessert habe, wobei der Zeitpunkt für diese
Verbesserung „nicht seriös“ angegeben werden könne. Aus rein psychiatrischer Sicht
sei die Versicherte aktuell zu 90 Prozent arbeitsfähig. Davor habe sie überwiegend
wahrscheinlich an einer mittelschweren depressiven Störung gelitten, was das Attest
einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent rechtfertige. Bezüglich der Krebserkrankung
fehle jeder Hinweis auf ein Rezidiv. Die gegenwärtig beklagte Müdigkeit sei am ehesten
A.e.
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durch Schlafstörungen und nicht durch das Krebsleiden zu erklären, auch wenn eine
krebsassoziierte Müdigkeit für die Dauer der Chemotherapie und maximal drei Monate
darüber hinaus angenommen werden dürfe. Aus rein onkologischer Sicht sei der
Versicherten retrospektiv eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit von Februar
2012 (Operationszeitpunkt) bis Oktober 2012 (ein Monat nach Abschluss der
Radiotherapie) und eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent für die Zeit von Oktober
2012 bis November 2012 (zwei bis vier Wochen) zu attestieren. Seither sei die
Versicherte aus rein onkologischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig. Aus
rheumatologischer Sicht lägen eine Impingementsymptomatik der linken Schulter, ein
chronifiziertes panvertebrales Schmerzsyndrom und eine Chondropathia patellae vor.
Daneben bestünden manifeste Rhiz-, Daumengrundgelenk- und
Fingerendgelenkarthrosen. Für leidensadaptierte Tätigkeiten könne aus
rheumatologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 90 Prozent attestiert werden. Die
RAD-Ärztin Dr. med. K._ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 225).
Mit einem Vorbescheid vom 29. Dezember 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit (IV-act. 228), dass sie die Zusprache einer befristeten Rente vorsehe. Die
„einjährige Wartezeit“ habe im Februar 2012 zu laufen begonnen. Bis Oktober 2012 sei
die Versicherte vollständig arbeitsunfähig gewesen. Danach sei sie sowohl für die
angestammte Tätigkeit als Kassiererin als auch für leidensadaptierte Tätigkeiten zu 50
Prozent arbeitsfähig gewesen. Spätestens ab Mai 2015 könne ihr für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 90 Prozent zugemutet werden,
womit ein Invaliditätsgrad von 25 Prozent vorliege. Folglich habe die Versicherte für die
Zeit vom 1. Mai 2013 (sechs Monate nach der Anmeldung zum Leistungsbezug) bis
zum 31. August 2015 einen Anspruch auf eine befristete halbe Rente. Dagegen liess
die Versicherte am 10. März 2016 einwenden (IV-act. 236–1 f.), das psychiatrische
Teilgutachten der MEDAS Zentralschweiz überzeuge nicht. Sie leide an einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung und an einer rezidivierenden depressiven Störung
mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode. Sie sei vollständig arbeitsunfähig. Der
Eingabe lag ein Bericht des Psychiaters Dr. med. L._ vom 6. März 2016 bei (IV-act.
236–3 ff.). Dieser hatte festgehalten, die Versicherte leide an einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, selbstunsicheren, emotional instabilen,
zwanghaften und negativistischen Zügen sowie an einer rezidivierenden depressiven
A.f.
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Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode und einem somatischen
Syndrom. Die behandelnden Psychiater und die psychiatrischen Sachverständigen der
ABI GmbH und der MEDAS Zentralschweiz hätten die Persönlichkeitsstörung zwar
erkannt, aber deren Tragweite unterschätzt. Die strukturbedingt erschwerte oder auch
ausbleibende Verfügbarkeit von psychischen Werkzeugen bedeute einen dauerhaften
Mangel an psychischen Ressourcen. Dieser Mangel habe sich in der Vergangenheit
darin gezeigt, dass eine längerfristige berufliche Bewährung misslungen sei und dass
die Versicherte berufliche Positionen als Folge eines dysfunktionalen
Beziehungsverhaltens am Arbeitsplatz nicht lange habe halten können. In einer
Stellungnahme zum Bericht von Dr. L._ führte der psychiatrische Sachverständige
der MEDAS Zentralschweiz, Dr. med. M._, am 29. März 2016 aus (IV-act. 240), der
Bericht von Dr. L._ enthalte weder einen Psychostatus noch eine Beschreibung der
psychodynamischen Diagnostik. Auch eine Diskussion der Kriterien des ICD-10 für die
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung fehle. Der Vorwurf von Dr. L._, Dr. M._ habe
das Profil der Persönlichkeitsproblematik nicht näher untersucht und beschrieben, ziele
ins Leere, denn während der über zwei Stunden dauernden Exploration habe Dr. M._
keine ausreichenden Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung feststellen können,
denen er hätte nachgehen müssen. Der Bericht von Dr. L._ enthalte auch keine
Begründung für die Diagnose der depressiven Störung. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung
sei nicht nachvollziehbar. Die Ergebnisse der Tests, die eine Psychologin im Auftrag
von Dr. L._ durchgeführt habe, seien ungenügend diskutiert worden.
Zusammenfassend enthalte der Bericht von Dr. L._ keine Angaben, die Zweifel an
der gutachterlichen Beurteilung wecken würden. Der RAD-Arzt Dr. J._ bezeichnete
die Stellungnahme von Dr. M._ als „ausgesprochen fundiert und nachvollziehbar“ (IV-
act. 241). Am 22. April 2016 gewährte die IV-Stelle der Versicherten die Gelegenheit, zu
den neusten Akten Stellung zu nehmen (IV-act. 242). Diese liess am 31. Mai 2016
geltend machen, die Stellungnahme von Dr. M._ enthalte keine inhaltliche
Auseinandersetzung mit dem Bericht von Dr. L._ (IV-act. 244). Mit einer Verfügung
vom 17. Juni 2016 sprach die IV-Stelle der Versicherten für die Zeit vom 1. Mai 2013
bis zum 31. August 2015 eine befristete halbe Rente zu (IV-act. 248).
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B.
Am 23. August 2016 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. Juni 2016 erheben (act. G 1). Ihre
Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Zusprache einer unbefristeten Rente ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt, eventualiter
die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin)
zur weiteren Abklärung sowie die Vergütung der „allfälligen Kosten für die
fachmedizinische Stellungnahme“ durch die Beschwerdegegnerin. Zur Begründung
führte sie an, bezüglich der psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung der
Beschwerdeführerin liege eine widersprüchliche Aktenlage vor. Der Diagnosestellung
und der Arbeitsfähigkeitsschätzung des behandelnden Psychiaters Dr. L._ müsse
mehr Gewicht beigemessen werden, da er sich ausführlich und detailliert mit der
Beschwerdeführerin und ihren gesundheitlichen Einschränkungen auseinandergesetzt
habe. Die Beschwerdegegnerin habe es versäumt, für die Zeit, in der sie von einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent ausgegangen sei, einen Einkommensvergleich
vorzunehmen. Ein solcher hätte wohl einen höheren Invaliditätsgrad als 50 Prozent
ergeben.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 28. September 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, es bestehe kein Grund, den
Beweiswert des Gutachtens der MEDAS Zentralschweiz anzuzweifeln. Bezüglich des
Zeitraums der befristeten halben Rente sei auf die zutreffenden Erwägungen in der
angefochtenen Verfügung zu verweisen.
B.b.
Die Beschwerdegegnerin liess am 1. Dezember 2016 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 9 f.).
B.c.
Am 20. September 2018 wies das Versicherungsgericht die Beschwerdeführerin
darauf hin (act. G 11), dass die Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz für die
Zeit von Ende 2011 bis Mai 2015 gestützt auf den Bericht des Psychiatrie-Zentrums
H._ vom 8. November 2013 retrospektiv eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent
attestiert hätten, obwohl die Behandlung im Psychiatrie-Zentrum H._ erst im Februar
2013 begonnen habe und obwohl die Befundschilderung im Bericht vom 8. November
2013 eher dürftig sei. Vor diesem Hintergrund bestehe die Möglichkeit, dass das
B.d.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdeführerin hat eine Verletzung der Begründungspflicht (Art. 49 Abs. 3
ATSG) geltend gemacht. Diese Rüge ist vorab zu prüfen, denn eine Verletzung der
Begründungspflicht könnte nur durch eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und eine Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zum Erlass einer
vollständig begründeten Verfügung behoben werden. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin liegt aber keine Verletzung der Begründungspflicht vor. Die
angefochtene Verfügung scheint zwar auf den ersten Blick tatsächlich am gerügten
Mangel – am fehlenden Einkommensvergleich für die Zeit bis Mai 2015 – zu leiden,
aber dieser erste Eindruck täuscht. Die Beschwerdegegnerin ist nämlich für diesen
Zeitraum von einer Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent nicht nur für eine ideal
leidensadaptierte, sondern auch für die angestammte Tätigkeit ausgegangen. Ihrer
Ansicht nach hat es ihr dieser Umstand erlaubt, den Invaliditätsgrad für die Zeit bis Mai
Versicherungsgericht die retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS
Zentralschweiz als nicht überzeugend qualifizieren könnte, was eine objektive
Beweislosigkeit hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für diesen
doch schon weit in der Vergangenheit liegenden Zeitraum zur Folge haben könnte. Im
Ergebnis würde das zu einer reformatio in peius führen, weshalb der
Beschwerdeführerin die Möglichkeit zur Stellungnahme oder zum Rückzug der
Beschwerde eingeräumt werde.
Die Beschwerdeführerin liess am 10. Dezember 2018 geltend machen (act. G 16),
sie sei in der Zeit von Ende 2011 bis Mai 2015 nicht nur aus psychischen, sondern
auch aus onkologischen und rheumatologischen Gründen arbeitsunfähig gewesen. Die
Behandlung im Psychiatrie-Zentrum H._ habe schon im September 2009 begonnen,
wie aus einem Bericht vom 29. März 2010 hervorgehe. Vielleicht sei die Behandlung
zwischenzeitlich sistiert worden oder es habe ein Arztwechsel stattgefunden, der die
Angabe erklären würde, die Behandlung sei im Februar 2013 (wieder) begonnen
worden. Der Bericht vom 8. November 2013 dürfe nicht isoliert gewürdigt werden. Die
Befunde seien in früheren Berichten ausführlicher geschildert worden, weshalb man
wohl im Bericht vom 8. November 2013 darauf verzichtet habe, nochmals alle Befunde
anzuführen.
B.e.
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2015 anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen, wobei der
Arbeitsunfähigkeitsgrad dem Invaliditätsgrad entsprochen hat. Für die Zeit ab Mai 2015
ist dann kein Prozentvergleich mehr möglich gewesen, weil der Arbeitsfähigkeitsgrad
für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit wesentlich höher als jener für die
angestammte Tätigkeit gewesen ist, nämlich 90 Prozent versus 50 Prozent. Eine
Aufhebung der angefochtenen Verfügung aus formalen Gründen rechtfertigt sich vor
diesem Hintergrund nicht.
2.
Die Beschwerdeführerin hat die Vergütung der „allfälligen Kosten für die
fachmedizinische Stellungnahme“ durch die Beschwerdegegnerin beantragt. Aus der
Beschwerde geht nicht hervor, worauf sich dieser Antrag bezieht. Unter
Berücksichtigung der Akten der Beschwerdegegnerin ist zu vermuten, dass die
Beschwerdeführerin damit die Vergütung der Kosten für den Bericht von Dr. L._
durch die Beschwerdegegnerin für den Fall bezweckt hat, dass kein anderer Träger
diese Kosten übernehmen sollte. Über eine entsprechende Kostenpflicht der
Beschwerdegegnerin kann das Versicherungsgericht aber nicht originär entscheiden.
Die Beschwerdeführerin hätte die Kostenvergütung bei der Beschwerdegegnerin
beantragen müssen, die dann eine entsprechende Verfügung hätte erlassen müssen.
Mangels einer solchen Verfügungsgrundlage respektive mangels eines
Anfechtungsgegenstandes kann auf diesen Antrag der Beschwerdeführerin nicht
eingetreten werden.
3.
Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Laut dem Art. 28a Abs. 1 IVG in
Verbindung mit dem Art. 16 ATSG bemisst sich die Invalidität anhand eines Vergleichs
zwischen dem Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, und jenem
(fiktiven) Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
3.1.
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Laut dem ausführlichen und sorgfältigen Gutachten der MEDAS Zentralschweiz
vom 7. Oktober 2015 ist die Beschwerdeführerin im Begutachtungszeitpunkt aus
onkologischer Sicht uneingeschränkt und aus rheumatologischer Sicht – allerdings nur
für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten – zu 90 Prozent arbeitsfähig gewesen. In den
Akten fehlt jeglicher Hinweis darauf, dass sich diesbezüglich bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung vom 17. Juni 2016 etwas geändert hätte. Umstritten ist denn
auch nur die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht: Während der psychiatrische
Sachverständige Dr. M._ eine Arbeitsfähigkeit von 90 Prozent attestiert hat, hat sich
Dr. L._ auf den Standpunkt gestellt, die Beschwerdeführerin sei vollständig
arbeitsunfähig. Wie Dr. M._ in seiner Stellungnahme zum Bericht von Dr. L._
überzeugend dargelegt hat, weist der Bericht von Dr. L._ erhebliche fachliche Mängel
auf: Er enthält keine Befundschilderung, keine Diskussion der massgebenden Kriterien
des ICD-10, keine nachvollziehbare Begründung für die gestellten Diagnosen und keine
Begründung für die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Er vermag deshalb nicht einmal
wesentliche Zweifel am psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS Zentralschweiz zu
wecken. Dieses zeichnet sich – wie auch die nachträgliche Stellungnahme von Dr.
M._ zum Bericht von Dr. L._ – durch eine sorgfältige, nachvollziehbare und
überzeugende Begründung aus. Der psychiatrische Sachverständige Dr. M._ hat die
subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin und die relevanten objektiven klinischen
Befunde ausführlich dargestellt, die Vorakten eingehend gewürdigt und daraus mit
einer überzeugenden Begründung sowohl seine Diagnose als auch seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung hergeleitet. Aus der Sicht eines medizinischen Laien ist
nichts ersichtlich, das es verbieten würde, auf das Gutachten abzustellen. Folglich
steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest,
dass die Beschwerdeführerin spätestens ab Mai 2015 nicht nur aus somatischer,
sondern auch aus psychiatrischer Sicht für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten zu 90
Prozent arbeitsfähig gewesen ist.
3.2.
Nicht überzeugend ist dagegen die retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung des
psychiatrischen Sachverständigen Dr. M._, denn er hat diese nur mit den Angaben
im Bericht des Psychiatrie-Zentrums H._ vom 8. November 2013 und mit der
Annahme begründet, die Diagnose des Mamma-Carcinoms und der Tod des Vaters
hätten die Beschwerdeführerin in eine Depression gestürzt, deren intensivster
Schweregrad seit Ende 2011 bei mittelgradig gelegen habe. Das Psychiatrie-Zentrum
H._ hat in seinem Bericht vom 8. November 2013 aber gar keine Arbeitsunfähigkeit
von 50 Prozent, sondern vielmehr eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Der
Bericht selbst enthält keine Befundschilderung, die das Attest einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit oder auch das Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent
3.3.
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begründen könnte. Es trifft zwar zu, dass sich die Beschwerdeführerin bereits vor dem
im Bericht vom 8. November 2013 aus nicht nachvollziehbaren Gründen als
Behandlungsbeginn genannten Zeitpunkt (Februar 2013) in psychiatrischer Behandlung
durch das Psychiatrie-Zentrum H._ befunden hatte, denn zwei früheren Berichten
des Psychiatrie-Zentrums H._ vom 29. März 2010 und vom 29. Juni 2010 lässt sich
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin dort seit Ende September 2009 behandelt
worden war. Die behandelnden Fachärzte haben damals zunächst eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit und später eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert, aber
das überzeugende Gutachten der ABI GmbH von Januar 2011 muss ernsthafte Zweifel
an der Überzeugungskraft dieser Arbeitsfähigkeitsschätzungen wecken. Der
psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH konnte nämlich keine wesentliche
psychische Gesundheitsbeeinträchtigung feststellen. Die Schilderung der
Alltagsaktivitäten der Beschwerdeführerin im Gutachten der ABI GmbH spricht
ebenfalls gegen eine relevante psychische Gesundheitsbeeinträchtigung. Die Berichte
des Psychiatrie-Zentrums H._ vom 29. März 2010 und vom 29. Juni 2010 sind
deshalb nicht geeignet, eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin aus
psychiatrischer Sicht (im damaligen Zeitraum) mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Abgesehen von einer Antwort des
Psychiatrie-Zentrums H._ auf Rückfragen der IV-Stelle, die vom 21. Juli 2010 datiert,
enthalten die Akten für die Zeit zwischen Ende Juni 2010 und November 2013 weder
einen Bericht des Psychiatrie-Zentrums H._ noch einen Hinweis darauf, dass die
Beschwerdeführerin in der Zeit zwischen Sommer 2010 und Februar 2013 behandelt
worden wäre. Selbst wenn die Berichte des Psychiatrie-Zentrums H._ aus dem Jahr
2010 einen ausreichenden Beweiswert hätten, liesse sich daraus für die Zeit ab Februar
2013 nichts ableiten, denn der Bericht vom 8. November 2013 kann schon aufgrund
des langen Zeitraums, in dem die Beschwerdeführerin offenbar nicht behandelt worden
ist, nicht an die älteren Berichte anknüpfen. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin muss dieser Bericht also doch für sich allein interpretiert werden.
Der im Bericht wiedergegebene Befund vermag keine relevante Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit zu begründen, denn abgesehen von leichten Einschränkungen der
Aufmerksamkeit und der Konzentration werden keine objektiven klinischen Befunde
genannt, die eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin belegen könnten. Das
Psychiatrie-Zentrum hat seine Arbeitsfähigkeitsschätzung denn auch gar nicht mit der
Depression, sondern mit den anhaltenden Schmerzen und mit der eingeschränkten
Beweglichkeit der linken Schulter begründet. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung ist
deshalb nicht geeignet, für die rein psychische Beeinträchtigung eine
Arbeitsunfähigkeit zu belegen, zumal die Psychiatrie-Zentren die Arbeitsfähigkeit ihrer
Patienten erfahrungsgemäss zu pessimistisch einschätzen. Am 1. Juli 2014 hat das
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Psychiatrie-Zentrum H._ zwar eine Verbesserung, aber immer noch eine
Arbeitsfähigkeit von lediglich 20 Stunden pro Woche angegeben. Auch dabei dürfte es
sich um eine allzu pessimistische Einschätzung handeln. Auf die beiden Berichte des
Psychiatrie-Zentrums H._ vom 8. November 2013 und vom 1. Juli 2014 kann folglich
nicht abgestellt werden. Damit liegt für den hier massgebenden Zeitraum ab dem 1.
Mai 2013 (frühestmöglicher Anspruchsbeginn angesichts der Neuanmeldung vom
November 2012; vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) bis zum Tag der Begutachtung durch die
MEDAS Zentralschweiz eine objektive Beweislosigkeit bezüglich der Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht vor, denn eine Nachfrage beim
Psychiatrie-Zentrum H._ kann offensichtlich keine höhere Beweiskraft für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung liefern. Andere psychiatrische Behandler, die bezüglich der
damaligen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin angefragt werden könnten, hat es
nicht gegeben. Auch die übrigen Akten können eine relevante Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen in der Zeit zwischen
Mai 2013 und Mai 2015 nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegen. Damit fehlt es auch der retrospektiven
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. M._ an einer ausreichenden beweisrechtlichen
Grundlage, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann. Von weiteren Abklärungen zu
dieser Frage kann in antizipierender Beweiswürdigung kein relevanter
Erkenntnisgewinn mehr erwartet werden, denn nach so vielen Jahren wird es einem
psychiatrischen Sachverständigen angesichts der dürftigen Aktenlage im
massgebenden Zeitraum nicht möglich sein, eine überwiegend wahrscheinlich richtige
Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben. Damit liegt bezüglich der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht für die Zeit von Mai 2013 bis Mai 2015
eine objektive Beweislosigkeit vor. In lückenfüllender analoger Anwendung des Art. 8
ZGB hat die Beschwerdeführerin den Nachteil dieser Beweislosigkeit zu tragen.
Bleibt die Frage zu beantworten, ob für jenen Zeitraum eine relevante
Arbeitsfähigkeit aus somatischen Gründen mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt ist. Aus onkologischer Sicht hat nur für die
Zeit von Februar 2012 bis November 2012 eine relevante Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Diese hat ihren Grund allerdings nicht direkt in der Krebserkrankung, sondern vielmehr
in der (körperlich belastenden) Heilbehandlung gefunden, das heisst sie ist primär
durch die medizinischen Eingliederungsmassnahmen verursacht gewesen. Mit Blick
auf den klaren Wortlaut des Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG und der Art. 7 f. und 16 ATSG kann
keine Invalidität vorliegen, solange noch eine medizinische oder berufliche
Eingliederung durchgeführt wird. In einem Verfahren nach Art. 54 GerG (sGS 941.1) ist
den drei Abteilungen des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen die folgende
3.4.
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Frage gestellt worden: „Haben Versicherte, die während eines Jahres ohne einen
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig
gewesen sind und die nach dem Ablauf dieses Jahres weiterhin zu mindestens 40
Prozent arbeitsunfähig sind, grundsätzlich einen Anspruch auf eine Rente, obwohl
zumutbare Eingliederungsmassnahmen, die ihre Arbeitsfähigkeit oder die Fähigkeit,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können, nicht abgeschlossen sind?“ Diese Frage ist mehrheitlich bejaht worden. Die
Rechtsprechung des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen muss sich
demzufolge nach der entsprechenden Formulierung richten. Im vorliegenden Fall kann
also nur entscheidend sein, ob die Beschwerdeführerin nach dem Ablauf des
Wartejahres zu mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig im Sinne des Art. 6 ATSG
gewesen ist. Das ist nicht der Fall gewesen, denn die maximal zehn Monate dauernde
Arbeitsunfähigkeit in der Zeit zwischen Februar und November 2012 hat nicht einmal
für die Erfüllung des sogenannten Wartejahres (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) ausgereicht.
Zudem hat sich die Beschwerdeführerin erst im November 2012 zum Leistungsbezug
angemeldet, weshalb ein Rentenanspruch gemäss dem Art. 29 Abs. 1 IVG nicht vor
dem 1. Mai 2013 hätte entstehen können. Aus rheumatologischer Sicht hat sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Jahr 2012 verschlechtert, da im Mai
2012 eine Schulterproblematik links eingetreten ist und da neu eine Daumengrund-,
eine Daumensattel- und eine Fingerendgelenksarthrose symptomatisch geworden sind.
Aus diesem Grund hat der rheumatologische Sachverständige der MEDAS
Zentralschweiz auch keine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit mehr für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert. Seinem Teilgutachten lässt sich allerdings
entnehmen, dass aus rheumatologischer Sicht retrospektiv nie eine höhergradige
Arbeitsunfähigkeit vorgelegen hat. Die Beschwerdeführerin ist aus rheumatologischer
Sicht bis Mai 2012 für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt und ab Mai
2012 zu 90 Prozent arbeitsfähig gewesen. Aus somatischer Sicht ist zusammenfassend
also nur für einen hier nicht massgebenden, vorübergehenden Zeitraum ein –
wesentlich durch die Heilbehandlung verursachter – höherer Arbeitsunfähigkeitsgrad
als der von den Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz für die Zeit ab Mai 2015
attestierte Arbeitsunfähigkeitsgrad von zehn Prozent mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
Die Beschwerdeführerin hat ursprünglich eine Verkaufsausbildung absolviert und
sie hat über mehrere Jahre hinweg in diesem Beruf gearbeitet. Auch wenn der
technologische Fortschritt zu diversen Veränderungen in diesem Berufsfeld geführt hat,
könnte die Beschwerdeführerin heute durchaus noch als Verkäuferin arbeiten und
einen durchschnittlichen Verkäuferinnenlohn erzielen. Gemäss den aktuellsten
3.5.
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4.
Die Beschwerdegegnerin hätte das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin folglich
abweisen müssen. Die angefochtene Verfügung, mit der sie der Beschwerdeführerin
eine befristete halbe Rente zugesprochen hat, erweist sich damit als rechtswidrig,
weshalb sie aufzuheben und zu Ungunsten der Beschwerdeführerin durch eine
Abweisung des Rentenbegehrens zu ersetzen ist. Hinsichtlich der Kosten- und
Entschädigungsfolgen erweist sich dieser Verfahrensausgang als ein vollständiges
Unterliegen der Beschwerdeführerin, weshalb diese die Gerichtskosten von 600
Franken zu bezahlen hat. Diese Kosten sind durch den von ihr geleisteten
Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Die unterliegende Beschwerdeführerin hat
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.