Decision ID: 0a0ae2bd-e70d-46b5-b20a-02b225a35e21
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1959, arbeitete seit
1.
Juni 2008 als Direktor bei der
Y._
und war damit bei der Helsana Unfall AG gegen Unfälle versichert (
Urk.
8/1). Am
7.
Juli 2012 stürzte er beim Schlittschuhlaufen rücklings auf Eis, wobei er mit dem Hinterkopf auf einer Stufe aufschlug. Dabei zog er sich eine leichte traumatische Hirnverletzung
sowie eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) zu (
Urk.
9/1). Die Helsana trat auf den Schaden ein und gewährte Heil
behandlung sowie Taggeld.
Mit Verfügung vom 2
6.
November 2012 (
Urk.
8/51) stellte die Helsana ihre Leis
tungen per
1
2.
November 2012 ein, welchen Entscheid sie am 1
4.
Mai 2013 (
Urk.
8/84) - nach Eingang neuer Arztberichte - aufhob. Mit Verfügung vom 2
5.
September 2013 (
Urk.
8/121) stellte die Helsana - nach weiteren Abklärun
gen - ihre Leistungen per
3.
September 2013 ein. Auf Einsprache (
Urk.
8/133) hin stellte sie die Leistungen mit Entscheid vom 1
0.
April 2014 (
Urk.
2) wegen Wegfalls das adäquaten
Kausalität
per 3
1.
Dezember 2013
ein (das
im Dispositiv
genannte Jahr 2014 entspricht einem offenkundigen Kanzleiversehen).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
9.
Mai 2014 (
Urk.
1) Beschwerde mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 1
0.
April 2014 sei insofern aufzuheben, als damit die Übernahme von weiteren gesetzlichen Leistungen aus dem Unfallereignis vom
7.
Juli 2012 ausgeschlossen würden
,
und es sei ihm eventuell eine angemessene Integritätsentschädigung zuzuspre
chen oder die Angelegenheit zur Prüfung dieses Anspruchs an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen (S. 2). Die Helsana ersuchte am 2
4.
Juni 2014 (
Urk.
7) um Abweisung der Beschwerde, was dem Versicherten am 3
0.
Juni 2014 (
Urk.
10) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
10
Abs.
1 des Bundesgesetztes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10
%
(
Art.
8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozial
versicherungsrechts, ATSG) invalid, so hat sie Anspruch auf eine Inva
li
den
rente (
Art.
18
Abs.
1
UVG
).
1
.
2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt
zunächst
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzu
sammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vor
handensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungs
weise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürli
chen Kau
salzusammen
hangs nicht erfor
derlich, dass ein Unfall die al
lei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
ge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E.
4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
sal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als
adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf
der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges
also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2,
405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3.2
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer ge
wissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigun
gen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtspre
chung des
Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störun
gen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl.
BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeu
tung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zu
kommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit ande
ren Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Dem
nach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beein
trächtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
erhebliche Beschwerden;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bun
des
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beur
tei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psy
chischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit
Schleuder
trauma
der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Dif
ferenzierung zwischen physischen und psychischen Kompo
nenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht ent
scheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psy
chischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.3.
3
Die zum Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung wendet das Bundesge
richt sinngemäss auch bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammen
hangs zwischen einem Unfall und den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas (BGE 117 V 369 E. 4b) oder den Folgen einer dem Schleudertrauma ähnlichen Verletzung der Halswirbelsäule an (vgl. RKUV 1999 Nr. U 341 S. 408 E. 3b; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2; ferner BGE 134 V 109 E. 10.2 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren leistungseinstellenden Entscheid damit, der Endzustand sei am 3
1.
Dezember 2013 erreicht gewesen und der adäquate Kausalzusammenhang müsse verneint werden, weshalb nach dem 3
1.
Dezember 2013 keine Leistungen mehr geschuldet seien (
Urk.
2 S. 10).
2
.2
Der Beschwerdeführer verwies
vorweg auf die Rechtsprechung, wonach bei leistungsaufhebenden Verfüg
u
ngen der Versicherer den Nachweis des Wegfalls der Kausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erbringen müsse
.
Weiter
ging er vom Vorliegen radiologisch nachgewie
sener organischer struktureller Ver
letzungen aus, weshalb der kausale Zusammenhang nachgewiesen sei
,
und befand die Adäquanzprüfung an sich für unnötig, da sich die Rentenfrage bei Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit zu 100
%
ab
1.
Januar 2014 gar nicht stelle. Es könne nicht richtig sein, dass man ihm in dieser Phase die Möglichkeit einer Rückfallmeldung mit der Adäquanzprüfung zur Rentenfrage versperre (
Urk.
1
Ziff.
14 f. und
Ziff.
17).
3.
3.1
Die am Unfalltag erstbehandelnden Ärzte des
Z._
berich
teten mit Austrittsbericht vom
9.
Juli 2012 (
Urk.
9/2) über die bis
9.
Juli 2012 dauernde
Hospitalisation
des
Beschwerdeführer
s und diagnostizierten eine leichte traumatische Hirnverletzung ohne strukturelle
Hirnparenchymverände
rung
(CT Schädel vom
7.
Juli 2012: keine intrakranielle Blutung, keine Fraktu
ren im Bereich des Schädels) sowie eine HWS-Distorsion (CT der HWS vom
7.
Juli 2012: keine Frakturen oder Luxationen im Bereich der HWS). Sie erwähnten eine Nausea sowie zweimaliges Erbrechen, verwiesen auf die durch
geführte GSC (Glasgow
Coma
Scale
)-Überwachung und schilderten einen komplikationslosen Verlauf ohne Auftreten neurologischer Symptome mit Ent
lassung in gutem und beschwerdearmem Allgemeinzustand. Sie empfahlen Schonung für mindestens eine Woche und attestierten eine Arbeitsunfähigkeit bis am 2
1.
Juli 2012.
3.2
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH Chirurgie,
B._
, berich
tete am 2
0.
Juli 2012 (
Urk.
9/4) über die
Hospitalisation
vom 1
7.
bis 2
0.
Juli 2012, welche notfallmässig wegen Schwindels und starken Kopfschmerzen erfolgte. Sie verwies auf die durchgeführten CT der HWS und des Schädels und schilderte normale Verhältnisse
ohne Kontusionszeichen oder intrakran
ielle Blutungen
und
ohne Hinweis für eine
ossäre
oder
ligamentäre
Läsion der HWS. Wegen
persistierender
Schmerzen im Bereich d
er HWS seien noch
Funktions
aufn
a
h
men
durchgeführt worden, die eine diskrete
Retrolisthese
von HWK4 gegenüber 5 von maximal 1 mm gezeigt hätten, ansonsten sei das dorsale Alignement erhalten und es zeigten sich nur leichte, degenerative Veränderun
gen bei
Spondylophytenbildung
auf Höhe HWK5/6 (vgl. hierzu
Urk.
9/3a f.). Die Ärztin diagnostizierte einen Status nach Commotio cerebri sowie eine HWS
Distorsion und erwähnte eine deutliche Besserung unter Schonung mit Ent
lassung in ordentlichem Allgemeinzustand bei Arbeitsunfähigkeitsattest bis 2
9.
Juli 2012.
3.3
Auf den – vom behandelnden
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Neurolo
gie, aufgrund geklagter Doppelbilder veranlassten - am 2
8.
September 2012 (
Urk.
9/8a) angefertigten CT-Bilder
n
des Schädels/Orbitae waren keine Fraktu
ren am Schädel zu sehen, speziell auch nicht am
Orbitaboden
, weiter kein Hin
weis auf eine Einblutung intrakraniell, intraorbital oder im Bereiche der sich normal darstellenden
Nasennebenhöhlen
(
NNH
)
; die Schädelbasis inkl.
Felsen
beinstrukturen
seien ebenfalls regelrecht.
Dr.
C._
verwies in seinem Bericht vom
9.
Oktober 2012 (
Urk.
9/11) sodann auf einen persistierenden
Dreh
schwindel
(bei unauffälligem
neurologischem
Konsilium) und erwähnte am 1
2.
No
vember 2012 (
Urk.
9/14) zusätzlich eine reaktive Depression, wobei der
Beschwerdeführer
unter Medikation bei der Kontrolle vom 2
3.
Oktober 2012 über eine deutliche Besserung aller Beschwerden berichtet habe. Er empfahl die schrittweise Wiederaufnahme der Berufstätigkeit.
3.4
Anlässlich der Vorstellung an der Klinik
D._
, Neurologie, zwecks Einho
lens einer Zweitmeinung veranlassten die Ärzte eine MRI-Untersuchung des Schädels, der HWS und des
craniocervikalen
Übergangs (zum Ausschluss einer
Radikulopathie
; vgl. Bericht vom 1
4.
Dezember 2012,
Urk.
9/18). Die zuständige Neuroradiologin schilderte am
4.
Januar 2013 (
Urk.
9/19) ein altersentsprechend normales MRI des Schädels ohne Zeichen von radiologisch sichtbaren
Trauma
folgen
. Im Bereich der HWS nannte sie einen
Anulusriss
auf Höhe C5/6 und einen Riss des Ligamentum longitudinale
anterius
auf Höhe C5/6 und C6/7 als Zeichen einer Extensionsverletzung, weiter eine Atrophie der
Musculi
mul
t
ifidi
auf Höhe C5/6 und C6/7 als indirektes Zeichen einer Flexionsverletzung; diese Befunde seien mit den Folgen eines Schleudertraumas gut vereinbar. Der Arzt der Neurologie Klinik
D._
schloss
selbentags
(
Urk.
9/20), das MRI des
Neurokraniums
zeige keine Hinweise für eine stattgehabte
höhergradige
Gehirn
verletzung
in Folge des Sturzes. Auch im MRI de
r
HWS zeigten sich keine Sturzfolgen; es bestünden leichte degenerative Veränderungen ohne Hin
weise auf eine Kompression neurogener Strukturen. Somit finde sich kein strukturelles Korrelat für die Beschwerden, was jedoch oft der Fall sei bei dieser Art von Stürzen/HWS-Distorsionen. Einen Handlungsbedarf sahen die Ärzte nicht, empfahlen indes eine (weitere) Physiotherapie (
Urk.
9/22 S. 2).
3.5
Nach kontinuierlicher Steigerung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
9/14,
Urk.
9/16,
Urk.
9/21,
Urk.
9/30-31) erfolgte mit Bericht des
Dr.
med.
E._
, FMH Innere Medizin, spez. Rheumatologie, vom
4.
September 2013 (
Urk.
9/35) eine
Akten
beurteilung
. Er verwies auf die allmählich – wenn auch nur gering – verbesserte Belastbarkeit im Verlauf mit aktuell 50%iger Arbeitstätigkeit. Wegen einer Druckbelastung in der Firma habe sich die Situation ab Juli 2013 wieder ver
schlechtert, subjektiv sei es auch im August 2013 schlechter gegangen.
Dr.
E._
erwähnte einen Vorzustand aufgrund einer HWS-Distorsion im Jahr 2009, wobei eine Beschwerdefreiheit habe erreicht werden können.
Zum Erreichen des Status quo sine führte er aus, beim
Beschwerdeführer
per
sistierten Beschwerden mit einer Belastbarkeitseinschränkung in einer intellek
tuell anspruchsvollen Kadertätigkeit. Wie weit unfallfremde Faktoren wie die Arbeitsbelastung und offenbar auch seitens der Firma Fragen betreffend Gesund
heitszustand ungünstig mitwirkten, könne er nicht beurteilen. Aufgrund der nicht richtunggebenden Veränderung anlässlich auch des Ereignisses vom
7.
Juli 2012 müsste der Status quo sine ein Jahr nach einem solchen Ereignis erreicht sein. Eine Commotio cerebri, wie diese beschrieben werde, verzögere den Heilverlauf mit möglicher Entwicklung eines
postcommotionellen
Syndro
mes
. Es fehle indes eine Amnesie, so dass diese – soweit stattgehabt – kaum relevant gewesen sei. In den vergangenen Monaten sei der Verlauf praktisch ohne Verbesserung gewesen mit Verschlechterung im Sommer 201
3.
Es bestehe aus seiner Sicht ein erreichter Endzustand ohne richtunggebende Veränderung und offensichtlich ohne prognostische Aussicht auf eine zusätzlich relevante Verbesserung bei anhaltender unfallbedingter Behandlung.
3.6
Am
2.
Dezember 2013 (
Urk.
9/37) berichtete der leitende Arzt Neurologie der Klinik
D._
über einen erfreulichen Verlauf mit leichten Restbeschwerden im Bereich der
Trapezius
-Region links
mit
leicht eingeschränkter Kopfrotation nach rechts und verwies auf die Steigerung des Arbeitspensums auf 80
%
ab
1.
Dezember 2013 und den Versuch
des Wiedereinstiegs zu
100
%
per
1.
Januar 201
4.
Zu hoffen sei, dass die Besserung anhaltend sei und es zu keinen Rück
fällen mehr komme; auch könne die Physiotherapie nun sukzessive abgebaut
werden zu Gunsten eines regelmässigen selbständigen körperlichen Trainings. Weitere reguläre Kontrollen seien nicht geplant.
4.
4.1
Zum Zeitpunkt des Fallabschlusses ist festzuhalten, dass ein Versicherer
sofern allfällige
Eingliederungsmassnahmen
der Invalidenversicherung abgeschlossen sind
die Heilbehandlung (und das Taggeld) nur so lange zu gewähren hat, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann (BGE 134 V 109 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Ob damit zu rechnen ist, dass mittels weiterer therapeuti
scher
Massnahmen
noch eine namhafte Besserung der gesundheitlichen Situa
tion im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG erzielt werden kann, bestimmt sich namentlich nach
Massgabe
der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstel
lung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Dabei muss die durch weitere Heilbehandlungen zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (BGE 134 V 109 E. 4.3 mit weiteren Hinweisen).
4.2
Angesichts der Einschätzung des leitenden Arztes Neuroradiologie der Klinik
D._
vom
2.
Dezember 2013 ist zu schliessen, dass die Behandlung abge
schlossen ist. Er empfahl den Abbau der Physiotherapie
-
welche einem
Fall
abschluss
ohnehin nicht
grundsätzlich
entgegensteht
-
und sah keine regu
lären Kontrollen mehr vor (E. 3.6). Auch
Dr.
E._
ging
-
bereits im September 2013
von einem Endzustand aus (E. 3.5). Die Behandlung hatte sich bereits zuvor in Schmerzmedikation und Physiotherapie erschöpft.
Ausschlaggebend ist sodann, dass der
Beschwerdeführer
ab
1.
Januar 2014 wieder vollzeitlich arbeitstätig war und im Rahmen der Beschwerdeerhebung am 1
9.
Mai 2014 von keiner Verschlechterung berichtete (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
17). Insoweit ist nicht ersichtlich, welche Behandlung noch anstehen könnte
,
und
es
besteht bei vollumfänglicher Arbeitsfähigkeit
auch
kein Raum für eine
Weiter
ausrichtung
von Leistungen.
Unter diesen Umständen ist eine ins Gewicht fal
lende Besserung des Gesundheitszustands nicht mehr zu erwarten, wobei anzu
fügen bleibt, dass für die Leistungseinstellung nicht entscheidend ist, dass die Beschwerden (vollständig) abgeklungen sind (vgl. BGE 134 V 109 E. 4.1). Dem
nach hat die
Beschwerdegegnerin
den Fallabschluss zu Recht per 3
1.
Dezember 2013 vorgenommen.
4.3
Der
Beschwerdeführer
brachte vor, eine Adäquanzprüfung in Bezug auf die
Ren
tenfrage
sei „unnötig“, da sich diese Frage bei vollständiger Arbeitsfähigkeit
gar nicht stelle. Sodann
könne es nicht richtig sein, ihm in dieser Phase die Möglichkeit einer Rückfallmeldung mit der Adäquanzprüfung zu versperren
(
Urk.
1 S. 7 f.
Ziff.
17).
Diese Vorhalte sind in mehrfacher Hinsicht falsch, vermischen sie doch zwei unfallversicherungsrechtlich unterschiedliche Ansätze. So hat der Fallabschluss nach den dargelegten gesetzlichen Bestimmungen zu erfolgen, wenn von einer Heilbehandlung keine wesentliche Besserung mehr zu erwarten ist. Ist dies der Fall, ist zu prüfen, ob die verbleibenden Einschränkungen adäquat kausal zum Unfall und die entsprechenden Einschränkungen abzugelten (mittels Rente und/oder Integritätsentschädigung)
sind.
Das Rückfallmelderecht bleibt beste
hen.
Wenn nun der
Beschwerdeführer
die Adäquanzprüfung als unnötig erachtet, weil er vollzeitlich arbeitsfähig ist,
schliesst
er damit faktisch die Vornahme des Fallabschlusses aus. Dies widerspricht der gesetzlichen Konzeption und könnten nach dieser Logik Fälle bei Wiedererlangen der vollen Arbeitsfähigkeit gar nie abgeschlossen werden.
Weiter ist zu bemerken, dass die monierte Adäquanzprüfung nicht nur die
Ren
tenfrage
beschlägt, wie der
Beschwerdeführer
ausführt, sondern ihr Vorhan
densein
ist
Voraussetzung für sämtliche Le
istungen der Unfallversicherung
. Dass die Adäquanz im Rahmen vorübergehender Leistungen nicht zu prüfen ist (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
19), entspricht nicht der Rechtsprechung. Diese bejaht bei Schleudertraumen einzig (implizit) die Adäquanz bei gegebener natürlicher Kausalität für die Periode, bis überhaupt Auskunft über die zeitabhängigen Kri
terien gegeben werden kann
(BGE 134 V 109 E. 5)
.
Inhaltlich ist dem
Beschwerdeführer
damit lediglich insoweit zu folgen, dass eine Verneinung der adäquaten Kausalität einen Rückfall in Bezug auf die aktu
ell geklagten Beschwerden für die Zukunft in aller Regel
ausschliesst
. Dies steht aber einer entsprechenden Prüfung nicht entgegen, ist doch im Zeitpunkt des Fallabschlusses über die Relevanz der verbleibenden Einschränkungen zu befin
den. Sollte sich in Zukunft eine Verschlechterung ergeben, wäre über die Kau
salität der dannzumal geklagten Beschwerden neu zu befinden. Erschöpfen sich diese in den aktuell geklagten, hätte es mit der nun vorzunehmenden Beurtei
lung allerding tatsächlich sein Bewenden.
5.
5.1
Währenddem
die
Beschwerdegegnerin
vom Fehlen einer relevanten organisch strukturellen Pathologie ausging, verwies der
Beschwerdeführer
auf die festge
stellten bildgebenden Befunde und bejahte die Adäquanz zusammen mit der natürlichen Kausalität (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
19).
5.2
Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die ersten bildgebenden Unter
su
chungen weder im Bereich des Schädels noch der HWS irgendeine Pathologie erkennen
liessen
(E. 3.1-3). Erst bei der Untersuchung vom
4.
Januar 2013 zeigten sich
ein
Anulusriss
auf Höhe C5/6, ein Riss des Ligamentum longitudinale
anterius
auf Höhe C5/6 und C6/7 sowie eine Atrophie der
Musculi
mul
t
ifidi
auf Höhe C5/6 und C6/
7.
Diese Befunde wurden von den Ärzten in Zusammenhang mit einem erlittenen Unfall gebracht, indessen nicht zwingend mit dem vorliegend zu beurteilenden (E. 3.4). Wollte man von einem Zusam
menhang zum Unfall vom
7.
Juli 2012 ausgehen, ergibt sich Folgendes:
Fest steht, dass eine bildgebend nachgewiesene organische Pathologie gegeben ist. Dass damit die Adäquanz zu sämtlichen geklagten Beschwerden zu bejahen wäre - wie der
Beschwerdeführer
annimmt - trifft
aber
nicht zu. Die adäquate Kausalität ist wohl zusammen mit der natürlichen zu bejahen, wenn
objektiv ausgewiesene organische Unfallfolgen
im Raum stehen
(BGE 134 V 109 E.
2.1).
Das setzt indes selbstredend voraus, dass die organische Pathologie die geklag
ten Beschwerden zu erklären vermag. Und das ist vorliegend nicht der Fall. Die Ärzte der Klinik
D._
legten wiederholt dar, dass sich wohl eine organi
sche Pathologie finde, diese indessen nicht als strukturelles Korrelat für die Beschwerden angesehen werden könne. So konnte keine sicher fassbare neuro
logische Ursache genannt werden, wurde doch keine Kompression neurogener Strukturen festgestellt (E. 3.4). Auch der behandelnde
Dr.
C._
kam zum Schluss, dass keine Sturzfolgen gegeben sind (
Urk.
9/21).
5.3
Bei dieser Aktenlage steht fest, dass für die über den 3
1.
Dezember 2013 hinaus geklagten Beschwerden – so solche überhaupt noch bestanden haben – keine organisch strukturelle Pathologie verantwortlich ist.
6.
6.1
Da die natürliche Kausalität
des organisch nicht nachweisbaren
Gesund
heits
scha
dens
ohne weiteres gegeben ist, ist nunmehr die
Adäquanz
zu prüfen.
6.2
6.2.1
Hierbei ist die Schwere des Unfalls aufgrund des augenfälligen
Geschehensab
laufs
mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen (BGE 134 V 109 E.
10.1). Unter Berücksichtigung des objektiv erfassbaren Unfallhergangs ist der Sturz vom
7.
Juli 2012 – entsprechend der Praxis in vergleichbaren Fällen (vgl.
Urteile des Bundesgerichts
U 299/03 vom 2
0.
April 2004 E. 3,
8C_210/2007 vom 1
5.
Mai 2008
E. 9.2.1, 8C_798/2007 vom
3.
Juli 2008 E. 4.1, 8C_402/2007 vom 2
3.
April 2008 E. 5.2, 8C_53/2011 vom 3
0.
Mai 2011 E. 4.1
,
8C_241/2012
vom
3.
August 2012 E. 4.3
) –
höchstens als mittelschweres Ereignis im engeren Sinn
einzustufen. Die Adäquanz wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in beson
ders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder mindestens
drei
der zu berück
sichtigenden Kriterien gegeben wären (
vgl. etwa
Urteil des Bundes
gerichts 8C_4
3
7/20
15
vom
5.
September 2015
E.
3.
5)
.
6.2.2
Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls kann ohne weiteres verneint werden.
6.2.3
Für die Bejahung des Kriteriums der Schwere oder besonderen Arzt der erlitte
nen Verletzung genügt die Diagnose eines Schädel-Hirntraumas für sich allein nicht. Es bedarf dazu einer besonderen Schwere der dafür typischen Beschwer
den oder besondere Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (BGE 134 V 109 E. 10.2.2). Davon kann vorliegend nicht ausgegangen werden, da die für ein leichtes Schädel-Hirn- beziehungsweise HWS-Distorsionstrauma charakteristischen Beschwerden nicht in akzentuierter Form vorliegen, sondern im Wesentlichen auf Kopfschmerzen und Schwindel beschränkt sind. Eben
so
wenig hat sich der
Beschwerdeführer neben dem Schädel-Hirntrauma
andere erhebliche Verletzungen zugezogen
.
6.2.4
Zu prüfen ist weiter das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztli
chen Behandlung bis zum Fallabschluss. Dieses Krite
rium bedingt, gesamt
haft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztli
che Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer. Blosse ärztliche Verlaufskontrollen und
Abklä
rungsmassnahmen
sowie
manualtherapeutische
und medika
mentöse Behand
lungen vermögen das Kriterium nicht zu erfüllen (Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2013 vom 11. September 2013 E. 8.3). De
r
Beschwerdeführer unterzog sich zwar physiotherapeutischen Massnahmen und Verlaufskontrollen
und
suchte verschiedene Ärzte und Institutionen insbesondere zur Linderung der Schmerzen und des Schwindels
samt Schlafstörungen
auf
(
Urk.
9/30)
. Gestützt darauf rechtfertigt sich jedoch die Bejahung des zu prüfenden Kriteriums
noch
nicht
, resultiert daraus doch keine erhebliche – im Sinne einer sich allein daraus ergebenden zusätzlichen – Mehrbelastung, zumal eine Behandlungsbedürftigkeit (in Form medikamentöser Schmerz- und Physiotherapie) während zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma der HWS respektive äquivalenten Ver
letzungen mit ähnlichem Beschwerdebild durchaus üblich ist (Urteile des Bun
desgerichts 8C_402/2007 vom 2
3.
April 2008 E. 5.2.3 und 8C_910/2009 vom 13. Januar 2010 E. 4.4, jeweils mit weiteren Hinweisen).
6.2.5
Adäquanzrelevant können nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem
Fallab
schluss
ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2013 vom 11. September 2013 E. 8.4). Der Beschwerdeführer leidet hauptsächlich an Kopfschmerzen und Schwindel (
Urk.
9/11,
Urk.
9/14
). Diese Beschwerden waren indes nicht ausser
ordentlich ausgeprägt, konnte er doch die Arbeitsfähigkeit stetig steigern. Die Beschwerden übersteigen das bei HWS-Distorsionen respektive äquivalenten Verletzungen übliche Masse insbesondere nicht derart, dass sie in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wären (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_580/2010 vom 3
0.
August 2010 E. 5.3.2). Damit ist das Kriterium – wenn überhaupt – nur in einfacher Ausprägung gegeben.
6
.2.6
Mangels entsprechender Anhaltspunkte in den Akten kann nicht von einer ärztli
chen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, gesprochen werden.
6
.2.7
Ohne
weiteres
zu verneinen ist sodann das Kriterium des schwierigen
Heilungs
verlaufs
und der erheblichen Komplikationen.
Hierfür
bedürfte es besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Dass Beschwerden trotz der durchgeführten Behandlungen persistieren, genügt ebenso wenig (Urteil des Bun
desgerichts 8C_1015/2008 vom 6. April 2009 E. 5.4.3) wie der Umstand, dass die versicherte Person unter verschiedenartigen Symptomen leidet, die sich im Rahmen umfassender medizinischer Untersuchungen keinem organisch nachweisbaren Substrat zuordnen lassen, handelt es sich dabei doch gerade um ein für eine Schleudertrauma- beziehungsweise vergleichbare Verletzung cha
rakteristisches Phänomen (vgl. BGE 117 V 359 E. 4b).
6
.2.8
Was schliesslich das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausge
wiesener Anstrengungen anbelangt, ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS (und punkto
Adä
quanzbeurteilung
gleich zu behandelnden Verletzungen) ein längerer Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt aus als eher unge
wöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist daher massge
bend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt.
Der
Beschwerdeführer
kehrte schon bald nach dem Unfall an seine Arbeitsstelle zurück und erhöhte sein Pensum bis Ende 2013 stetig bis auf 100
%
. Bei Rück
gewinnung der Arbeitsfähigkeit innert eineinhalb Jahren kann demgemäss nicht von einer erheblichen Arbeitsunfähigkeit gesprochen werden.
6.3
Von den sieben relevanten Kriterien ist demnach höchstens eines in nicht beson
ders ausgeprägter Weise erfüllt. Das genügt beim gegebenen Schweregrad des Unfalls nicht für die Bejahung der Adäquanz.
Demnach hat die
Beschwerde
gegnerin
ihre Leistungen zu Recht per 3
1.
Dezember 2013 eingestellt, wobei angesichts des Fehlens relevanter organischer Schäden auch für eine
Integri
tätsentschädigung
kein Raum besteht
(vgl. auch SUVA-Tabelle 7
Integritäts
schädigungen
gemäss UVG)
. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.