Decision ID: 2e88682e-01de-5788-a489-a90c2fa8de4e
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ (geb. 1955) ist Rentnerin und wohnt in X._. Sie ist mit B._, der in Dubai (VAE)
lebt, verheiratet. Er war Präsident, seine Ehefrau Mitglied des Verwaltungsrats der im
Jahr 2016 durch Konkurs aufgelösten Q._ AG, die Handel mit Waren aller Art,
insbesondere Import und Export von Gütern, Gütertransport und -umschlag, Transport-
und Finanzberatung sowie entsprechende Vertretungen im internationalen
Warenhandel betrieb (www.zefix.ch). Wie oft sich B._ bei seiner Ehefrau in X._
aufhält, ist nicht bekannt.
B.
Weil die Eheleute A._ und B._ ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse nicht
offenlegten und keine Steuererklärungen einreichten, wurden sie für die Steuerjahre
2009 bis 2014 nach Ermessen veranlagt. Dabei schätzte die Veranlagungsbehörde die
Einkünfte von A._ aus Erwerbstätigkeit auf jährlich rund CHF 35'000, jene von B._ auf
jährlich CHF 120'000. A._ wurde in der Schweiz mit dem ihr zugerechneten
Einkommen zum Satz des gesamten ehelichen Einkommens und ohne Vermögen mit
dem Tarif für Verheiratete besteuert.
Anlässlich einer im Jahr 2015 durchgeführten Kontrolle der Q._ AG durch die
Abteilung Mehrwertsteuer stellte die Eidgenössische Steuerverwaltung fest, dass die
Unternehmung für private Lebenshaltungskosten des Beteiligungsinhabers aufkam,
welche mit den verbuchten Privatanteilen nicht gedeckt waren. Aufgrund
entsprechender Meldungen an das kantonale Steueramt wurde das satzbestimmende
Gesamteinkommen der Eheleute A._ und B._ für die Steuerjahre 2009 bis 2012 im
Nachsteuerverfahren um jährlich zwischen CHF 100'000 und CHF 150'000 erhöht.
Steuerbares Einkommen und Vermögen von A._ in diesen Jahren blieben unverändert.
Die für die Steuerjahre 2009 bis 2014 in Rechnung gestellten und noch offenen
Kantons- und Gemeindesteuern betragen CHF 12'333.30, die direkten Bundessteuern
CHF 8'330.15. Am 18. Juni und 30. November 2020 ersuchte A._ um Erlass dieser
Steuern. Das kantonale Steueramt wies das Gesuch am 16. Februar 2021 ab.
C.
Gegen diesen Erlassentscheid erhob A._ am 15. März 2021 Rekurs und Beschwerde
bei der Verwaltungsrekurskommission. Sie stellte den Antrag, die offenen Kantons- und
Gemeindesteuern und direkten Bundessteuern für die Steuerjahre 2009 bis 2014 seien
zu erlassen. Mit Entscheid vom 18. Oktober 2021 wies die
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Verwaltungsrekurskommission die Rechtsmittel ab. Auf die Erhebung von
Verfahrenskosten verzichtete sie.
D.
A._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe vom 18. November 2021 und
Ergänzung vom 15. Dezember 2021 Beschwerden beim Verwaltungsgericht mit dem
sinngemässen Antrag, die angefochtenen Entscheide seien aufzuheben und die
Steuern für 2009 bis 2014 seien ihr zu erlassen. Da sie gleichzeitig um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ersuchte, verzichtete das
Gericht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Vorinstanz verwies mit Eingabe
vom 24. November 2021 auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheides und
beantragte die Abweisung der Beschwerden. Am 1. Dezember 2021 beantragte das
kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) ebenfalls die Abweisung der Beschwerden
und verzichtete im Übrigen auf eine Vernehmlassung. Die Eidgenössische
Steuerverwaltung (Beschwerdebeteiligte) verzichtete stillschweigend auf eine
Vernehmlassung.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Vereinigung
Da die steuerrechtlichen Vorschriften des Bundes und des Kantons St. Gallen zum
Erlass der Steuer inhaltlich übereinstimmen, hat die Vorinstanz den Rekurs betreffend
Erlass der Kantons- und Gemeindesteuern 2009 bis 2014 einerseits und die
Beschwerde betreffend Erlass der direkten Bundessteuern 2009 bis 2014 andererseits
zu Recht im gleichen Entscheid, aber mit getrennten Dispositivziffern erledigt; unter
diesen Umständen durfte auch die Beschwerdeführerin die Beschwerden in einer
gemeinsamen Rechtsschrift erheben (BGE 142 II 293 E. 1.2, BGE 135 II 260 E. 1.3).
Ebenso ist es zulässig, dass das Verwaltungsgericht über die Beschwerden im gleichen
Akt entscheidet (VerwGE B 2020/139 vom 11. November 2020 E. 1; vgl. BGer 2C_440
und 441/2014 vom 10. Oktober 2014 E. 1.2).
2. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 224 Abs. 4 Satz
2 des Steuergesetzes; sGS 811.1, StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die
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Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP; Art. 167g Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die direkte Bundessteuer; SR 642.11, DBG; in Verbindung mit den obgenannten
Bestimmungen; Art. 1 Abs. 3, Art. 7 Abs. 2 der Verordnung zum Bundesgesetz über die
direkte Bundessteuer, sGS 815.1). Die Beschwerdeführerin ist zur Erhebung der
Rechtsmittel berechtigt (Art 161 DBG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Eingabe vom 18. November 2021 entspricht zusammen mit der Ergänzung
vom 15. Dezember 2021 zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen
(Art. 196 Abs. 1 und Art. 161 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP; Art. 167g Abs. 4 in Verbindung mit Art. 145 in Verbindung mit Art. 140 Abs. 1 und
2 DBG). Auf die Beschwerden ist somit einzutreten.
3. Streitgegenstand
Die Veranlagungen für die Steuerjahre 2009 bis 2014, auf denen die offenen
Steuerforderungen gegenüber der Beschwerdeführerin beruhen, sind rechtskräftig. Mit
dem Gesuch um Erlass kann weder eine Revision der Veranlagung verlangt werden,
noch ersetzt das Erlassverfahren das Rechtsmittelverfahren (vgl. Art. 7 Abs. 1
Verordnung des EFD über die Behandlung von Gesuchen um Erlass der direkten
Bundessteuer; SR 642.121, Steuererlassverordnung). Soweit die Ausführungen der
Beschwerdeführerin sich auf die Frage der Richtigkeit der Veranlagungen für die
Steuerjahre 2009 bis 2014 beziehen, bewegen sie sich deshalb ausserhalb des
Verfahrensgegenstandes. Dies gilt insbesondere für die Vorbringen, es hätten die
ermessensweise festgelegten Einkünfte des Ehemannes aus seiner Erwerbstätigkeit
bereits vor dem Steuerjahr 2015 von CHF 120'000 auf CHF 40'000 herabgesetzt, die
Unterstützungsleistungen zugunsten der Mutter der Beschwerdeführerin berücksichtigt
und die geldwerten Leistungen als Firmenkosten behandelt werden müssen.
Entsprechendes gilt für die Ansicht, die Nachsteuerverfahren seien zu spät eingeleitet
worden. Das Recht, ein Nachsteuerverfahren einzuleiten, erlischt zehn Jahre, das
Recht, die Nachsteuer festzusetzen, 15 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode, für
welche die rechtskräftige Veranlagung unvollständig geblieben ist (vgl. Art. 203 Abs. 1
und 3 StG; Art. 152 Abs. 1 und 3 DBG). Zumal die Nachsteuerveranlagungen am
12. Februar 2020 ergingen, ist davon auszugehen, dass diese Fristen selbst für das
Steuerjahr 2009 eingehalten wurden. Dass die Bezugsverjährung eingetreten wäre (vgl.
Art. 217 StG; Art. 121 DBG) und die offenen Steuerforderungen wegen Zeitablaufs
untergegangen wären, macht die Beschwerdeführerin zu Recht nicht geltend. Auch die
Frage, ob das Veranlagungsverhalten des Beschwerdegegners sinngemäss treuwidrig
gewesen sei, da dieser die Selbstdeklaration des Ehemannes erst dann nicht mehr
akzeptiert habe, als das zuvor deklarierte Einkommen gefehlt habe bzw.
zurückgegangen sei und dies sich für ihn nachteilig ausgewirkt habe, ist nicht
Gegenstand dieses Verfahrens.
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Die Steuerschuld beruht insoweit auf einer getrennten Veranlagung der Eheleute, als in
der Schweiz lediglich die Beschwerdeführerin für das ihr zuzurechnende Einkommen
besteuert wurde. Bei der Berechnung der Steuer wurde das Einkommen des
Ehemanns zu Recht zur Bestimmung des Steuersatzes herangezogen, zumal die
Gemeinschaftlichkeit der Mittel – der Ehemann kommt aus den ihm zufliessenden
Einkünften für die bei der Beschwerdeführerin anfallenden Mietkosten auf und leistet
weitere Zahlungen an ihren Lebensunterhalt – nicht bestritten ist. Selbst bei den
nachträglich entdeckten geldwerten Leistungen ging die Veranlagungsbehörde davon
aus, dass sie sich auf die Höhe des bei der Beschwerdeführerin besteuerten
Einkommens nicht auswirkten.
Zu prüfen ist einzig, ob die Beschwerdegegnerin den Erlass der gegenüber der
Beschwerdeführerin bestehenden offenen Steuerforderungen für die Steuerjahre 2009
bis 2014 zu Recht verweigert und die Vorinstanz die dagegen erhobenen Rechtsmittel
ebenfalls zu Recht abgewiesen hat.
4. Rechtliche Grundlagen
Nach Art. 224 Abs. 1 Satz 1 StG kann Steuerpflichtigen, die in Not geraten sind oder
für welche die Bezahlung der Steuern und Zinsen eine grosse Härte bedeutet, der
geschuldete Betrag gestundet oder ganz oder teilweise erlassen werden. Die
Bestimmung stimmt inhaltlich mit Art. 167 Abs. 1 DBG überein, wonach die
geschuldeten Beträge auf Gesuch hin ganz oder teilweise erlassen werden können,
wenn die Zahlung der Steuer oder eines Zinses für die steuerpflichtige Person infolge
einer Notlage eine grosse Härte bedeutet. Nach Art. 224 Abs. 1 Satz 2 StG (XIV.
Nachtrag zum Steuergesetz vom 14. August 2018, in Kraft getreten am 1. Januar 2019;
nGS 2018-073) werden im Übrigen die bundesrechtlichen Regeln von Art. 167-167f
DBG sachgemäss angewendet. Der Verweis stellt klar, dass – wie auch für das frühere
Recht – für die Kantons- und Gemeindesteuern und für die direkte Bundessteuer eine
einheitliche Erlasspraxis gelten soll (vgl. XIII. und XIV. Nachtrag zum Steuergesetz,
Botschaft und Entwurf der Regierung vom 10. Oktober 2017, in: ABl 2017 S. 3263 ff.,
S. 3279). Die Steuererlassvorschriften in Art. 224 StG und in Art. 167 DBG sind Kann-
Vorschriften, welche der Behörde beim Entscheid über einen beantragten Steuererlass
ein grosses Ermessen einräumen. Hinsichtlich der direkten Bundessteuer besteht kein
gesetzlicher Anspruch auf Gewährung eines Steuererlasses (vgl. BGer 2D_46/2021
vom 24. November 2021 E. 2.2). Gleiches muss für das st. gallische Steuerrecht gelten,
wenn die Praxis mit jener zum Recht der direkten Bundessteuer übereinstimmen soll
(vgl. VerwGE B 2015/316 vom 30. Mai 2017 E. 3; dazu bereits BGer 2P.62/2005 vom
23. Februar 2005 E. 1.2).
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Bei der Prüfung der Frage, ob eine Notlage vorliegt, ist auf die gesamten
wirtschaftlichen Verhältnisse der steuerpflichtigen Person abzustellen (Zigerlig/Oertli/
Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, VII. Teil Rz. 148 mit Hinweisen).
Leben die Eheleute – wie vorliegend die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann – in
rechtlich oder tatsächlich ungetrennter Ehe, hat die Erlassbehörde auf die gesamte
wirtschaftliche Lage beider Ehegatten abzustellen; sie muss mithin unter
Berücksichtigung der Verhältnisse beider Ehegatten entscheiden (vgl. Zweifel/
Casanova/Beusch/Hunziker, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, 2. Aufl. 2018, §
31 Rz. 10; vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl.
2016, N 22b zu Art. 167 DBG). Bussen und Nachsteuern werden gemäss Art. 167
Abs. 3 DBG nur in besonders begründeten Ausnahmefällen erlassen.
Das Erlassgesuch muss entsprechend Art. 167c Satz 1 DBG die nötigen Beweismittel
enthalten. Gemäss Art. 167d Abs. 1 Satz 2 DBG hat die gesuchstellende Person der
Erlassbehörde umfassende Auskunft über ihre wirtschaftlichen Verhältnisse zu erteilen.
Verweigert die gesuchstellende Person trotz Aufforderung und Mahnung die
notwendige und zumutbare Mitwirkung, so kann die Erlassbehörde gestützt auf
Art. 167d Abs. 2 DBG beschliessen, auf das Gesuch nicht einzutreten.
5. Würdigung
Vorbringen der Beschwerdeführerin
Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie verfüge in den nächsten Jahren weder über
Vermögen noch über Einkommen, um die Steuern bezahlen zu können. Die
Steuerrechnungen seien für ihr AHV-Einkommen viel zu hoch. Das Einkommen ihres
Ehemannes betrage CHF 63'044, wobei der AHV-Betrag in Höhe von CHF 25'020 für
ihre Miete verwendet werde. CHF 10'000 bezahle ihr Mann direkt an sie. Der Ertrag auf
der Liegenschaft in Z._ falle seit 2020 weg. Das Steueramt wisse betreffend die Höhe
der Mietzinse, die AHV sowie die Krankenkasse Bescheid und habe auch
entsprechende Kontoauszüge erhalten. Die Sanktionen gegenüber dem Iran hätten zu
Schwierigkeiten geführt. Ihr Mann habe seit 1977 dort gearbeitet und gelebt. Sie seien
ungewollt und ohne eigene Schuld in die jetzige Situation geraten. Bei möglichen
Aktiven ihres Ehemannes in bar oder auf blockierten Konti im Iran handle es sich
vorwiegend um Ausstände der Firma Q._ AG. Aktiven, welche in die Schweiz hätten
überwiesen werden sollen, könnten nicht spezifiziert werden (act. 11, S. 3). Die
Umstände, dass Geld im Ausland hängen bleibe und nicht verfügbar sei oder dass es,
wie es den Anschein mache, sogar ganz verloren gehe, sollten bei einem
5.1.
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Steuererlassentscheid berücksichtigt werden. Es sei nur zu hoffen, dass irgendwann
diese Aktiven aus dem Iran abgezogen werden könnten. Es werde allerdings täglich
ersichtlicher, dass diese verloren gehen würden. Das Geld im Iran könne nicht als
Aktivposten gewertet werden. Ein Grossteil des Geldes sei auch durch die dramatische
Geldentwertung verloren gegangen. Ihr Ehemann schulde derzeit zudem weiteren
Erbberechtigten aufgrund einer Erbteilung CHF 350'000. Diese Schulden müssten bei
einer Repatriierung von Geldern vorab beglichen werden. Im Ergebnis stehe ihr weit
weniger Einkommen als das Existenzminimum zur Verfügung.
Gemäss den Angaben ihres Ehemanns in einem Schreiben vom 11. September 2020
an das Sozialamt der Stadt X._ (act. 7/6, Akten Vorinstanz) befinden sich im Ausland
derzeit noch erhebliche Mittel. Es sei einmal eine Überweisung an eine Bank in Vaduz
(LI) in Höhe von 1,6 Millionen Euro erfolgt, welche innerhalb von 48 Stunden mit einer
Rücküberweisung in den Iran aber wieder rückgängig gemacht worden sei. Dasselbe
sei auch bereits mit einer Überweisung in Höhe von EUR 490'000 an die Postfinance
geschehen. Gemäss einer Bestätigung des Bundesrats könne er Bargeld zurück in die
Schweiz führen.
Beurteilung
Die Beschwerdeführerin legt die für sie und ihren Ehemann massgebenden
Einkommens- und Vermögensverhältnisse, wie auch die Vorinstanz zutreffend erwog,
nicht umfassend dar, sondern informiert auch im vorliegenden Verfahren nur selektiv.
Ob die Ausführungen der Beschwerdeführerin zu dem ihr zur Verfügung stehenden
Einkommen sowie den von ihr gemachten Angaben gegenüber dem Steueramt
zutreffen, kann offenbleiben. Ausschlaggebend ist, dass sie die Verhältnisse betreffend
Aktiven im Ausland und das Vermögen, das Einkommen und die Lebenshaltungskosten
ihres Ehemannes nicht umfassend darlegt und keine Belege vorlegt. Insbesondere sind
die Einkommensverhältnisse des Ehemannes unklar. Mit seiner AHV-Rente finanziert er
die Miete der Wohnung in X._. Quelle und Ergiebigkeit seiner weiteren Einkünfte, mit
denen er seine Lebenshaltungskosten und Abgaben in Dubai deckt, sind unbekannt. Im
Recht liegt lediglich die Kopie der Gründungsurkunde der Y._, einer Off Shore
Gesellschaft mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten, aus dem Jahr 2010, an
welcher der Ehemann mit 90 Prozent beteiligt ist. Geschäftsabschlüsse liegen nicht
vor. Der Ehemann der Beschwerdeführerin schildert, "die Konti bei der Postfinance"
habe er nur "mit der Intervention beim Gesamtbundesrat und dessen Unterstützung"
behalten können. In den Akten finden sich lediglich Auszüge eines auf ihn lautenden
Postcheckkontos. Konkrete Hinweise fehlen sowohl für die Absicht der Post, ihn zur
Schliessung der Konti zu verpflichten als auch für die bundesrätliche Einflussnahme.
5.2.
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6. Unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung
Der Entscheid über das Begehren um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren fällt in die Zuständigkeit des
Abteilungspräsidenten (Art. 99 Abs. 1 und 2 VRP in Verbindung mit Art. 119 Abs. 3 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO, und Art. 6
Abs. 2 des Reglements über die Organisation und den Geschäftsgang des
Verwaltungsgerichts, sGS 941.22). Die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung wird gewährt, wenn die Gesuchstellerin bedürftig und das von
ihr angestrebte Verfahren nicht aussichtslos ist. Für die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung ist zudem erforderlich, dass diese zur Wahrung ihrer Rechte
notwendig ist (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 117 ZPO).
Undurchsichtig bleiben auch die Vermögensverhältnisse des Ehemannes. Nach
Angaben der Beschwerdeführerin sollen durchaus erhebliche Vermögen im Iran
blockiert sein. Konkrete Angaben über deren gesamte Höhe – aus den Angaben zu den
behaupteten Transaktionen würden sie zur Deckung der Steuern jedenfalls ohne
weiteres ausreichen – und Belege dazu fehlen. Ebenso fehlen Belege zu den
behaupteten konkreten Bemühungen, die Mittel aus dem Iran in ein anderes Land zu
transferieren.
Der Beschwerdeführerin gelang es deshalb weder im vorinstanzlichen Verfahren noch
gelingt es ihr vorliegend, auf stichhaltige Art und Weise nachzuweisen, dass sie in eine
Notlage geraten wäre und tatsächlich nur das Existenzminimum unterschreitende Mittel
zur Verfügung gehabt hätte oder dass für sie die Bezahlung der Steuern und der Zinsen
eine grosse Härte bedeuten würde, geschweige denn zu begründen, weshalb ihre
Situation einen besonders begründeten Ausnahmefall im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StG
in Verbindung mit Art. 167 Abs. 3 DBG darstellen soll.
Zusammenfassung
Mangels umfassender Auskunft über die wirtschaftlichen Verhältnisse war die
Erlassbehörde nicht in der Lage zu beurteilen, ob die Voraussetzungen für einen Erlass
der gegenüber der Beschwerdeführerin bestehenden offenen Steuerforderungen aus
den Steuerjahren 2009 bis 2014 erfüllt sind. Sie hat dem Erlassgesuch deshalb zu
Recht nicht entsprochen. Zumal die Beschwerdeführerin auch in den
Rechtsmittelverfahren keine weiteren Belege insbesondere zu den Einkommens- und
Vermögensverhältnissen ihres Ehemannes beibrachte, hat die Vorinstanz die
Rechtsmittel zurecht abgewiesen. Auch in den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht
beschränkt sich die Beschwerdeführerin weitgehend auf Behauptungen. Die
Beschwerden erweisen sich dementsprechend als unbegründet und sind abzuweisen.
5.3.
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Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist, da auf die Erhebung der der
Beschwerdeführerin aufzuerlegenden amtlichen Kosten verzichtet wird (vgl. Erwägung
7 nachfolgend), infolge Gegenstandslosigkeit abzuschreiben.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung kann hinsichtlich der
Bedürftigkeit – wie jenes um Steuererlass – in der Sache nur beurteilt werden, wenn die
gesuchstellende Person entsprechend Art. 119 Abs. 2 Satz 1 ZPO die Einkommens-
und Vermögensverhältnisse umfassend darlegt und soweit möglich belegt. In einer
ungetrennten Ehe geht die familienrechtliche Unterhalts- und Beistandspflicht nach
Art. 159 und 163 ZGB der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung
generell vor. Danach muss ein Ehegatte dem andern einen seinen Verhältnissen
angemessenen Prozesskostenvorschuss leisten, wenn die Streitigkeit bspw. das
Vermögen des Ehegatten betrifft (Rüegg/Rüegg, in: Spühler/Tenchio/Infanger (Hrsg.),
Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO), 3. Aufl. 2017, N 13 zu
Art. 117). Verweigert die Gesuchstellerin die zur Beurteilung der aktuellen
wirtschaftlichen Situation erforderlichen Angaben oder Belege, so kann ihre
Bedürftigkeit ohne Verletzung von Bundesrecht verneint werden (BGer 2A.568/2002
vom 6. Februar 2003 E. 3 mit Hinweisen auf BGE 120 Ia 179 E. 3a und 104 Ia 323
E. 2b).
Nachdem es die Beschwerdeführerin unterliess, die Einkommens-, Vermögens- und
Auslagensituation ihres Ehemanns umfassend darzulegen und soweit möglich zu
belegen, und sie somit ihrer Mitwirkungspflicht im Hinblick auf die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung nicht nachgekommen ist, ist
auch ihre Bedürftigkeit zu verneinen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren ist deshalb abzuweisen (Art. 99 Abs. 1
und 2 VRP in Verbindung mit Art. 117 lit. a ZPO).
7. Kosten
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeverfahren der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP;
Art. 145 in Verbindung mit Art. 144 Abs. 1 DBG). Entscheidgebühren von CHF 1'200 für
das Verfahren betreffend Erlass der Kantons- und Gemeindesteuern und von CHF 800
für das Verfahren betreffend Erlass der direkten Bundessteuer, insgesamt also
CHF 2’000, sind angemessen (Art. 145 in Verbindung mit Art. 144 Abs. 5 DBG; Art. 7
Ziff. 222 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung der Kosten ist
ausnahmsweise zu verzichten (Art. 97 VRP). Damit wird das Gesuch um Gewährung
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der unentgeltlichen Rechtspflege gegenstandslos. Ausseramtliche Kosten sind nicht zu
entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP) und wurden auch nicht beantragt.