Decision ID: a583dc24-8077-5538-939f-c136400c33e1
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 19. September 2014 zusammen
mit ihren beiden Söhnen (geboren [...] und [...]) in der Schweiz um Asyl
nach. Im Rahmen ihres Verfahrens gab sie im Wesentlichen an, sie habe
B._ (nachfolgend: C._) am (...) respektive (...) religiös ge-
heiratet. Sie und ihr Mann seien bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE) gewesen; er seit (...) und sie seit (...). Ihr Mann sei zunächst Kämp-
fer und danach Ausbildner für Trainings gewesen. Er sei für verschiedenen
Teams verantwortlich gewesen und habe zwei oder drei Kompanien unter
sich gehabt. Sie habe eine Waffenausbildung absolviert und sei bis (...) als
Leiterin einer Gruppe an vielen Kämpfen an der Front beteiligt gewesen.
Danach habe sie als Aushilfe bei den Ausbildnern gedient. Bei Kriegsende
2009 hätten sie und ihr Mann zusammen mit anderen Personen versucht,
aus den umkämpften Gebieten zu entkommen, und seien so in das Lager
D._ gelangt. Dort habe es geheissen, man müsse melden, wenn
man bei den LTTE gewesen sei. Sie hätten dies nicht getan. Weil sie da-
mals schwanger gewesen sei und sie ein Schmiergeld bezahlt hätten, hät-
ten sie das Lager nach einem Tag wieder verlassen können. Sie hätten sich
dann (im [...] 2009) in E._ (F._) niedergelassen, wo sie bis
zur Ausreise im Jahr 2014 gelebt habe. C._ sei nicht immer zu-
hause gewesen, sondern habe aufgrund der unsicheren Lage – damals
seien viele LTTE-Mitglieder entführt oder getötet worden – auswärts in
G._ in der (...) und auf (...) gearbeitet und dann das Geld nach
Hause gebracht habe. Sie habe ihn letztmals nach der Geburt des zweiten
Sohnes gesehen. Als er nicht wie versprochen zu dessen (...) Geburtstag
im (...) nach Hause gekommen sei, habe sie in Erfahrung gebracht, dass
er auf dem Heimweg an einer Bushaltestelle in einem Van mitgenommen
worden sei. Sein Aufenthaltsort sei ihr nicht bekannt. Aus Angst vor einer
eigenen Festnahme sei sie ein Jahr später, am (...) 2014, mit ihren Söhnen
illegal aus Sri Lanka ausgereist. Sie nehme an, dass ihr Mann von jeman-
dem verraten worden sei, wohl von der paramilitärischen Gruppierung Ka-
runa, die nun mit den sri-lankischen Behörden zusammenarbeite. Er habe
nämlich, als Karuna bei den LTTE gewesen sei, mit diesen Herren zusam-
mengearbeitet und von (...) bis (...) gemeinsame Kampfübungen mit dem
Team aus H._ und dem Team I._ gemacht. Die Karuna-
Gruppe kenne auch sie gut, sogar Karuna persönlich kenne sie, wobei sie
seit dessen Abspaltung keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt habe. Zu ihrer
Mutter habe sie mittlerweile wieder Kontakt; sie lebe in J._
(K._).
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A.b Mit Verfügung vom 5. Oktober 2016 gewährte das SEM der Beschwer-
deführerin und den beiden Kindern in der Schweiz Asyl.
B.
Mit Schreiben vom 20. März 2018 reichte die Beschwerdeführerin beim
SEM für C._ ein Familienzusammenführungsgesuch im Sinne von
Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG (SR 142.31) ein.
Unter Verweis auf ein Foto der religiösen Hochzeit sowie die Geburtsur-
kunde und eine Kopie des Reisepasses von C._ ersuchte sie um
Einbezug ihres Mannes in ihre Flüchtlingseigenschaft. C._ lebe
derzeit in J._.
C.
Mit Schreiben vom 18. Januar 2019 forderte das SEM die Beschwerdefüh-
rerin auf, Fragen zu ihren Aufenthaltsorten in Sri Lanka, dem Verschwinden
ihres Mannes und der Kontaktaufnahme zu beantworten.
In ihrer Stellungnahme vom 15. Februar 2019 antwortete die Beschwerde-
führerin, sie und ihr Mann seien nach dem Krieg in ein Flüchtlingslager
gebracht worden. Da sie damals schwanger gewesen sei, sei sie in ein
Spital gekommen. Nachdem auch ihr Mann aus dem Flüchtlingslager frei-
gekommen sei, hätten sie an unterschiedlichen Orten gelebt. Dies wegen
der Arbeit ihres Mannes, aber auch weil er sich habe verstecken müssen
und die Familie nicht habe in Gefahr bringen wollen. Er habe sie regelmäs-
sig besucht. Bei einem Besuch im Winter 2012/2013 habe sie ihn letztmals
gesehen. C._ habe vorgehabt, im (...) wieder zu Besuch zu kom-
men, sei aber auf dem Weg spurlos verschwunden. An die genaue Adresse
ihres letzten Wohnorts könne sie sich nicht erinnern, aber es sei in
F._ gewesen. Vor und während des Kriegs habe sie mit ihrem Mann
in einem LTTE-Camp in L._ gelebt. Als die sri-lankische Armee im-
mer weiter vorgerückt sei, hätten sie das Camp verlassen müssen. In der
Folge hätten sie ihren Aufenthaltsort öfters gewechselt, bis sie schliesslich
in das besagte Flüchtlingslager gebracht worden seien. Ihr Mann lebe der-
zeit bei ihrer Mutter in J._ (K._). Als C._ sie im (...)
habe besuchen wollen, sei er an der Bushaltestelle von F._ von un-
bekannten Personen mitgenommen worden. Sie habe nicht gewusst, wa-
rum und von wem er verhaftet oder entführt worden sei, und sein Aufent-
haltsort sei ihr nicht bekannt gewesen. Die Familie ihres Mannes habe ei-
ner Person, die in ähnlichen Fällen Freilassungen organisiert habe, Geld
bezahlt, um nach C._ zu suchen. So sei er (...) freigekommen. Es
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sei bis heute nicht bekannt, wer ihn entführt habe. Nach seiner Freilassung
habe C._ aus Angst vor weiterer Verfolgung zunächst bei Bekann-
ten ihrer Mutter in M._ gelebt, bis er schliesslich zu ihrer Mutter
nach J._ gezogen sei.
D.
Mit Schreiben vom 18. Mai 2019 unterbreitete das SEM der Beschwerde-
führerin weitere Fragen zu den gemeinsamen Aufenthaltsorten mit ihrem
Mann, der Wiederaufnahme des Kontakts und den Aufenthaltsorten des
Mannes nach der Freilassung. In ihrer Antwort vom 29. Mai 2019 bestätigte
die Beschwerdeführerin im Wesentlichen die von ihr bereits früher gemach-
ten Angaben.
E.
Im Auftrag des SEM führte die Schweizer Vertretung in Colombo am
13. und 29. August 2019 Befragungen mit C._ durch. Er sagte im
Wesentlichen aus, er habe sich im Jahr (...) im Alter von (...) Jahren den
LTTE angeschlossen und bis im März 2009 in einem LTTE-Camp in
L._ gelebt. (...) habe er dort die Beschwerdeführerin, die ebenfalls
den LTTE angehört habe, geheiratet. Als die sri-lankische Armee die Kon-
trolle über das Gebiet übernommen habe, seien sie 2009 in das
D._-Camp gebracht worden. Da seine Frau damals schwanger ge-
wesen sei, habe er einem Armeeoffizier Geld bezahlt, und so hätten sie
das Camp nach 14 bis 15 Tagen verlassen können. Seither hätten sie in
F._ gelebt. Er habe jeweils während fünf bis sechs Tagen in
G._ gearbeitet und sei dann für 2 Tage nach Hause zurückgekehrt.
Seit der Geburt des zweiten Kinds im Jahr (...) habe er sich nicht mehr bei
der Familie aufgehalten, sondern sich in G._ versteckt. Als er sich
einen Tag vor dem (...) Geburtstag seines zweiten Sohns zu seiner Familie
habe begeben wollen, sei er von unbekannten Personen an einer Bushal-
testelle in F._ in einen weissen Van gezerrt worden. Während der
folgenden zwei Jahre sei er an einem ihm unbekannten Ort in einem dunk-
len Zimmer festgehalten worden. Er sei immer wieder zu den LTTE und
seinem Engagement für diese befragt und geschlagen worden. Er habe
aber nichts zugegeben. Er wisse bis heute nicht, von wem er festgehalten
worden sei; ob von der Armee, dem Criminal Investigation Department
(CID) oder anderen Personen. Nachdem sein Bruder ein Lösegeld bezahlt
habe, sei er im (...) freigelassen worden. Er habe sich zunächst drei Mo-
nate in M._ aufgehalten und sei dann zu seiner Schwiegermutter
nach J._ gezogen. Er arbeite als (...). Im Jahr 2016 habe er erst-
mals wieder telefonischen Kontakt zu seiner Frau gehabt. Er habe sich den
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LTTE im Jahr (...) freiwillig angeschlossen, um sich für einen unabhängi-
gen tamilischen Staat einzusetzen. Er sei im politischen Flügel in der (...)
gewesen und dort zuerst ohne Waffen ausgebildet worden. (...) habe er
eine Waffenausbildung erhalten und seither immer eine Waffe getragen. Er
habe administrative Aufgaben erledigt und Essen besorgt. Auch habe er
als (...) gearbeitet und (...) organisiert, die nach M._ geschickt wor-
den seien. Viele LTTE-Angehörige hätten in M._ studiert und er
habe die Einschreibung organisiert. Von (...) bis (...) sei er Kämpfer im
Rang eines Leutnants und für zunächst sieben, dann fünfzehn Kämpfer
zuständig gewesen, die seine Befehle ausgeführt hätten. Er sei für die kör-
perliche Vorbereitung seiner Leute auf den Kampf und deren Versorgung
mit Essen und Medikamenten verantwortlich gewesen. Ab dem Jahr (...)
sei er im Rang eines Majors gewesen. Er habe ein Regiment von fünfzehn
bis dreissig Personen geführt und sei weiterhin für das körperliche Training
der Rekruten verantwortlich gewesen. Ab dem Jahr (...) habe er auch Zivi-
listen ausgebildet. Gemäss der Regel "eine Person pro Familie" sei jeder
verpflichtet gewesen, Personen für den Kampf zu rekrutieren. Die meisten
Zivilisten hätten kooperiert, weil sie gewusst hätten, was die LTTE für sie
getan hätten. Die wenigen, die sich geweigert hätten, hätten wieder gehen
können. Es sei niemand zum Beitritt gezwungen worden. Bis ins Jahr (...)
habe er an unzähligen Kämpfen teilgenommen. Danach habe er Kämpfer
ins Kampfgebiet und wieder zurück transportiert. Karuna habe er einmal im
Jahr (...) einem Treffen aus der Distanz gesehen, aber nie mit ihm zusam-
mengearbeitet. I._ kenne er nicht. 2009 habe er ein Kündigungs-
schreiben eingereicht und die LTTE so problemlos verlassen können. Er
sei nicht rehabilitiert worden. Seit der Freilassung im (...) habe er keine
Probleme mehr gehabt, aber er habe Angst vor einer erneuten Festnahme.
Aus heutiger Sicht hätte der bewaffnete Kampf wohl vermieden werden
können, wenn nicht ein unabhängiger Staat, sondern mehr Rechte für die
Tamilen innerhalb Sri Lankas gefordert worden wären. Die LTTE würden
nicht mehr existieren und er habe keine Kontakte zur Diaspora, die immer
noch im Namen der LTTE Geld sammeln würde, was er nicht gutheisse.
F.
Am 6. September 2019 beauftragte das SEM die Schweizer Vertretung in
Sri Lanka um weitere Abklärungen vor Ort. Der entsprechende Botschafts-
bericht datiert vom 25. Oktober 2019.
G.
Mit Schreiben vom 1. April 2020 stellte das SEM der Beschwerdeführerin
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das Protokoll der Befragung ihres Mannes sowie die Anfrage vom 6. Sep-
tember 2019 und den Botschaftsbericht vom 25. Oktober 2019 – unter Ab-
deckung geheim zu haltender Stellen – zu. Es gewährte ihr das rechtliche
Gehör zu den Aussagen von C._, zu Widersprüchen zwischen ihren
Angaben und den Aussagen ihres Mannes sowie zu den Abklärungen vor
Ort.
In ihrer Stellungnahme vom 18. Mai 2020 erklärte die Beschwerdeführerin,
ihre Eltern, die angegeben hätten, dass sie erst (...) den LTTE beigetreten
sei, könnten sich wohl nicht mehr genau erinnern, was angesichts des Zei-
tablaufs nachvollziehbar sei. Sie sei (...) den LTTE beigetreten und danach
sei der Kontakt abgebrochen. Es treffe nicht zu, dass sie sich 2012 von der
Schweiz aus bei ihren Eltern gemeldet habe. Sie sei damals noch in Sri
Lanka gewesen und habe sich erst 2014 von der Schweiz aus gemeldet.
Es habe gemeinsame Kampfübungen mit den Teams von Karuna und
I._ gegeben, aber C._ habe nie direkten Kontakt mit diesen
Herren gehabt. Die Vorladung zu der Befragung bei der Schweizer Bot-
schaft am 29. August 2019 habe C._ in eine belastende Stresssitu-
ation versetzt, so dass er die damaligen Fragen nicht richtig verstanden
habe und sich an seine eigenen Antworten nicht mehr habe erinnern kön-
nen. Im Übrigen widerspreche seine Angabe, Karuna aus der Ferne gese-
hen zu haben, nicht ihrer Aussage. Das Absolvieren gemeinsamer Trai-
nings bedeute nicht, dass C._ mit Karuna und I._ persönlich
zusammengearbeitet habe, sondern nur mit deren Teams. Hinsichtlich der
Angaben zum Aufenthalt im D._-Camp liege ein Fehler ihrerseits
vor. Sie sei nicht, wie in der Stellungnahme vom 29. Mai 2019 angegeben,
aus dem Camp entlassen worden, weil sie schwanger gewesen sei, son-
dern habe sich mit der Zahlung eines Schmiergelds befreien müssen. So
seien sie nach einem Tag freigekommen. Bezüglich der widersprüchlichen
Angabe von C._ zur Aufenthaltsdauer im Camp verweise sie erneut
auf dessen Stresssituation bei der Befragung. Im Übrigen sei die Bedeu-
tung der Anzahl der Aufenthaltstage im Camp vorliegend nicht ersichtlich.
C._ sei bei den LTTE für die physische Fitness der Mitglieder zu-
ständig gewesen. Einem Mitglied, das wie ihr Mann mehrere Personen
habe dirigieren können, könnten aber nicht pauschal alle Straftaten der
LTTE zugerechnet werden. Die Angaben von C._ vom 29. August
2019 würden zeigen, dass er in eine fixe Befehlsstruktur eingebunden ge-
wesen sei und keine eigenen militärischen oder politischen Entscheidun-
gen getroffen, sondern lediglich Anweisungen der Vorgesetzten umgesetzt
habe. Er habe auch beteuert, dass sich der Kampf seiner Ansicht nach
nicht gelohnt habe, und man das Problem im Rahmen des sri-lankischen
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Staats anders hätte angehen sollen. Nicht zuletzt habe er sich gegen ein
zukünftiges Engagement im Zusammenhang mit den LTTE ausgespro-
chen.
H.
Mit Urteil D-1532/2020 vom 11. Mai 2020 hiess das Bundesverwaltungs-
gericht eine Rechtsverzögerungsbeschwerde der Beschwerdeführerin vom
16. März 2020 gut und wies das SEM an, das Familienzusammenführungs-
gesuch beförderlich zu behandeln und einem Entscheid zuzuführen.
I.
Mit Verfügung vom 16. Juni 2020 – eröffnet am 17. Juni 2020 – bewilligte
das SEM die Einreise von C._ nicht und es lehnte das Gesuch um
Asyl (recte: das Gesuch um Familienzusammenführung) ab.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, Bei Personen, welche
die Voraussetzungen für eine Einreisebewilligung zwar grundsätzlich erfül-
len würden, bei denen aber ein Asylausschlussgrund – insbesondere eine
Asylunwürdigkeit gemäss Art. 53 AsylG – vorliege, könne keine Einreise-
bewilligung erteilt werden. C._ sei aufgrund seines Engagements
für die LTTE als asylunwürdig im Sinne von Art. 53 AsylG zu erachten. Er
habe angegeben, (...) den LTTE beigetreten zu sein. Von (...) bis (...) sei
er Kämpfer im Rang eines Leutnants und anfangs für sieben, später für
fünfzehn Personen zuständig gewesen. Seine Hauptaufgabe sei das Be-
sorgen von Essen gewesen. Auch habe er als (...) gearbeitet und (...) or-
ganisiert, die nach M._ geschickt worden seien. Er habe viele ad-
ministrative Aufgaben erledigt. Bei Kämpfen habe er Verletzte geborgen.
Ab dem Jahr (...) sei er für das körperliche Training neuer Rekruten ver-
antwortlich gewesen. Zudem habe er ab dem Jahr (...) Kämpfer und Zivi-
listen ausgebildet. Ab dem Jahr (...) sei er im Rang eines Majors gewesen
und habe ein Regiment von fünfzehn bis dreissig Personen geführt. Im Jahr
(...) habe er letztmals gekämpft. Danach habe er Kämpfer ins Kampfgebiet
und wieder zurück transportiert. Es falle auf, dass C._ im Verlauf
der Befragung wiederholt versucht habe, seine Position und Verantwort-
lichkeit innerhalb der LTTE herabzusetzen. Zudem seien einige seiner Aus-
sagen nicht nachvollziehbar. So habe er beispielsweise mehrmals ausge-
führt, er habe zwar Befehle gegeben, aber keine militärischen Entscheide
gefällt. Wiederum habe er angegeben, dass Kritik zu Befehlen immer mög-
lich gewesen und darüber diskutiert worden sei. Es sei somit davon auszu-
gehen, dass er als Leutnant und insbesondere als Major Mitspracherechte
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gehabt und damit auch Mitverantwortlichkeit für die Taten der LTTE getra-
gen habe. Weiter habe C._ angegeben, ab dem Jahr (...) nebst
LTTE-Angehörigen auch Zivilisten unter sich gehabt und diese trainiert zu
haben und bei der Rekrutierung von Zivilisten, die für den Kampf eingesetzt
worden seien, dabei gewesen zu sein. Seinen Ausführungen, wonach Zivi-
listen wieder hätten gehen können, wenn sie sich geweigert hätten, da er
sie nicht habe zwingen können, könne nicht gefolgt werden. Es sei noto-
risch, dass die LTTE immer wieder Zivilisten, oftmals minderjährige Kinder,
zwangsrekrutiert hätten. So habe die sogenannte "eine Person pro Fami-
lie"-Politik vorgesehen, dass jede Familie im von den LTTE kontrollierten
Gebiet gezwungen worden sei, den LTTE ein Familienmitglied zur Verfü-
gung zu stellen. Gegen Ende des Konflikts hätten sogar zwei oder mehr
Familienmitglieder LTTE-Militärdienst leisten müssen. Die Rekrutierung sei
regelmässig unter Zwang erfolgt. Familien, die sich geweigert hätten, seien
schikaniert und bedroht, und Kinder gewaltsam rekrutiert oder entführt und
zu Selbstmordattentätern, Geheimdienstspitzeln oder Infanteristen ausge-
bildet worden. Auch in diesem Bereich sei aufgrund der Aussagen von
C._. eine Mitverantwortlichkeit seitens von ihm erkennbar. Seine
Ausführungen zur freiwilligen Mitarbeit von Zivilisten müssten als asyltakti-
sche Verharmlosung qualifiziert werden. Zudem würden sich die Aussagen
der Beschwerdeführerin und von C._ in einem wesentlichen Punkt
widersprechen. So habe die Beschwerdeführerin angegeben, C._
sei wahrscheinlich von der paramilitärischen Gruppierung Karuna verraten
worden. Er habe nämlich, als Karuna – ehemaliger LTTE-Oberkomman-
dant für die Region Batticaloa – bei dieser Organisation gewesen sei, mit
diesen Herren zusammengearbeitet, und von (...) bis (...) gemeinsame
Kampfübungen mit dem Team aus H._ und dem Team I._
gemacht. Demgegenüber habe C._. verneint, mit Karuna und
I._ Kontakte gehabt oder zusammengearbeitet zu haben. Die Er-
klärung der Beschwerdeführerin in der Stellungnahme vom 18. Mai 2020,
wonach es gemeinsame Kampfübungen mit den Teams von Karuna und
I._ gegeben habe, C._ aber nie direkten Kontakt mit Karuna
oder I._ gehabt habe, vermöge nicht zu überzeugen, habe sie doch
klar ausgesagt, dass C._ mit "diesen Herren" zusammengearbeitet
habe. Zudem falle auf, dass die Beschwerdeführerin selbst eine grosse
Nähe zu Karuna und seiner Gruppe geltend mache, würden doch die meis-
ten Personen aus Karuna's Gruppe und sogar Karuna selbst sie kennen.
Es sei somit davon auszugehen, dass C._ enge Kontakte zu Ka-
runa und damit zur LTTE-Führung gehabt habe. Vor dem Waffenstillstand
von 2002 hätten LTTE-Kämpfer unter dem Kommando von Karuna, der
sich im März 2004 zusammen mit mehreren tausend Kämpfern von den
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LTTE gelöst habe, einige der gravierendsten Verbrechen begangen. Als
LTTE-Kommandant sei Karuna zudem für Kinderrekrutierungen berüchtigt
gewesen. Aufgrund der Aktenlage sei somit hinsichtlich der Position von
C._ innerhalb der LTTE festzustellen, dass es sich bei ihm um ein
ehemaliges LTTE-Mitglied handle, das nach der Waffenausbildung im Jahr
(...) von (...) bis (...) eine stetige militärische Karriere mit immer grösserer
Führungsverantwortung durchlaufen habe. Vor diesem Hintergrund und
angesichts des fast (...)-jährigen intensiven Engagements von C._
für die LTTE, insbesondere seinem unmittelbaren Bezug zur Rekrutierung
und Ausbildung von Zivilisten, sei mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von
der Begehung verwerflicher Handlungen seinerseits im Sinne von Art. 53
AsylG respektive einer Mitverantwortung für die von dieser Organisation
begangenen Verbrechen auszugehen. Der Asylausschluss sei verhältnis-
mässig. C._ habe die LTTE jahrelang aktiv unterstützt und sich we-
der von seinem erheblichen Engagement noch von den LTTE als Organi-
sation distanziert. Zwar habe er angegeben, dass der Waffeneinsatz aus
heutiger Sicht falsch gewesen sei, aber er habe nicht geltend gemacht,
dass er die LTTE (früher) hätte verlassen wollen. Zudem versuche er, sein
Engagement auch über zehn Jahre nach Kriegsende aus asyltaktischen
Gründen herunterzuspielen, was nicht auf eine kritische Auseinanderset-
zung mit seiner Rolle und den Auswirkungen für Drittpersonen schliessen
lasse. Eine tätige Reue sei letztlich nicht erkennbar. Auch aus dem jungen
Alter von C._ beim Beitritt zu den LTTE (...) lasse sich unter dem
Aspekt der Verhältnismässigkeit nichts zu seinen Gunsten ableiten. Zwar
sei ihm im Zeitpunkt seines Beitritts nicht klar gewesen, was ein Engage-
ment für die LTTE konkret bedeuten würde, aber er sei den LTTE freiwillig
beigetreten und habe als (...)-jähriger, als er die Ausbildung an der Waffe
begonnen habe, genau gewusst, was für eine Organisation die LTTE ge-
wesen sei. Eine Überprüfung von Verjährungsfristen sei nicht möglich, da
die von C._ konkret begangenen Straftaten im Dunkeln liegen wür-
den. So sei aufgrund seiner beschönigenden Aussagen nicht erstellt, wel-
che verwerflichen Handlungen er begangen habe und wie lange diese zu-
rückliegen würden. Gesamthaft betrachtet sei die Verhältnismässigkeit des
Asylausschlusses zu bejahen und C._ als asylunwürdig zu erach-
ten. Die Einreise in die Schweiz könne ihm daher nicht gewährt werden,
und das Familienzusammenführungsgesuch sei abzulehnen.
J.
Mit Eingabe vom 16. Juli 2020 erhob die Beschwerdeführerin durch den
rubrizierten Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
Sie ersuchte um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 16. Juni
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2020 und um Anweisung an das SEM, C._ eine Einreisebewilligung
zu erteilen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter um Anweisung an das
SEM, C._ eine Einreisebewilligung zu erteilen und ihn in der
Schweiz als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, und subeventualiter um
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks Neubeurteilung. In ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie – unter Verweis auf eine Fürsorge-
abhängigkeitsbestätigung vom 8. Juli 2020 – um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie um Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, ihr Mann sei zwar im
Jahr (...) den LTTE beigetreten und habe ein Stück weit Karriere gemacht
sowie einen Offiziersrang erreicht, es gebe aber keine Anhaltspunkte dafür,
dass er sich etwas habe zu Schulden kommen lassen. Die Vorwürfe, mit
denen das SEM die Asylunwürdigkeit begründe, seien ausserordentlich
vage. C._ würden keine konkreten Straftaten zur Last gelegt, son-
dern es werde einzig aufgrund seiner angeblich grossen Führungsverant-
wortung und des langen Engagements bei den LTTE auf die Begehung
verwerflicher Handlungen geschlossen. Solche pauschalen Schlüsse ver-
möchten den Anforderungen der Rechtsprechung an die Ermittlung des in-
dividuellen Tatbeitrags nicht zu genügen. Die LTTE seien eine Bürger-
kriegspartei gewesen. Zwar seien von ihnen Kriegsverbrechen ausgegan-
gen, aber sie hätten auch lange Zeit eine stabile de-facto-Nation verwaltet.
Eine Zugehörigkeit zu den LTTE, auch in etwas höheren Rängen, bedeute
nicht, dass die betreffende Person verwerfliche Handlungen begangen ha-
ben müsse. In der angefochtenen Verfügung werde die Rolle und Position
von C._ in den LTTE massiv übertrieben. Die Unterstellung,
C._ habe enge Kontakte zu Karuna und damit zur LTTE-Führung
gehabt, sei aus der Luft gegriffen. Sie habe bei ihrer Anhörung lediglich
angegeben, dass ihr Mann mit den Teams H._ und I._
Kampfübungen absolviert und deshalb Kontakte zu diesen gehabt habe,
aber nie behauptet, dass ihr Mann Karuna persönlich gekannt habe. Es
treffe zwar zu, dass Zwangsrekrutierungen durch die LTTE vorgekommen
seien, aber es könne nicht allein deshalb auf einen individuellen Tatbeitrag
von C._ geschlossen werden. Rekrutierungen hätten nicht zu sei-
nen Kernaufgaben gehört, er habe lediglich ein paar Mal daran teilnehmen
müssen. Hinweise auf Zwangsrekrutierungen durch ihn gebe es nicht.
Seine Schilderungen würden eher an Werbe- oder Propagandaanlässe er-
innern, und es bleibe eine Tatsache, dass die meisten Personen – wie
C._ – freiwillig den LTTE beigetreten seien. Zudem habe
C._ seine Karriere überwiegend im zivilen Teil der LTTE absolviert.
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Er sei meist in der sogenannten "(...)" tätig gewesen, in der er für das kör-
perliche Training von LTTE-Angehörigen verantwortlich gewesen sei.
Schon deshalb sei er nicht in einer Position gewesen, in der eine Häufung
von Kriegsverbrechen zu erwarten wäre. Der Vorwurf des SEM, C._
würde seine Rolle aus asyltaktischen Gründen herunterspielen, sei ver-
fehlt. C._ habe vielmehr kein Hehl daraus gemacht, dass er eine
gewisse Befehlsgewalt gehabt habe. Mangels eines individuellen Tatbei-
trags für konkrete Verbrechen sei C._ nicht als asylunwürdig zu er-
achten, sondern er erfülle die Voraussetzungen für die Gewährung des Fa-
milienasyls und die Erteilung einer Einreisebewilligung gemäss Art. 51
AsylG. Im Übrigen wäre ein Asylausschluss auch unverhältnismässig. Die
Annahme, dass sich die C._ nicht von den LTTE distanziert habe,
sei aktenwidrig, habe C._ doch erklärt, warum er mit der zeitlichen
Distanz das Vorgehen der LTTE für falsch halte und er sich sogar von der
heutigen LTTE-nahen Diaspora distanziere. Er habe sich somit kritisch mit
seiner Vergangenheit auseinandergesetzt, was als tätige Reue zu erachten
sei. Das SEM verkenne überdies die starke soziokulturelle Prägung eines
jungen tamilischen Menschen vor dem Kontext des damaligen Bürger-
kriegs. Im Jahr (...) habe C._ nichts anderes als das Umfeld des
von den LTTE beherrschten Norden Sri Lankas gekannt, was sein Enga-
gement ein Stück weit begreiflich mache. Indem das SEM anführe, es
könne keine Verjährungsfristen überprüfen, weil die konkreten, von
C._ begangenen Straftaten im Dunkeln liegen würden, gestehe es
letztlich zu, dass C._ eben gerade kein individueller Tatbeitrag
nachzuweisen sei. Das besagte Argument könne denn auch nicht für die
Verhältnismässigkeit des Asylausschlusses sprechen. Im Übrigen seien
keine schwerwiegenden öffentlichen Interessen, die für eine Asylunwürdig-
keit von C._ sprechen könnten, ersichtlich. Selbst wenn von der
Beteiligung an verwerflichen Handlungen ausgegangen würde, wären
diese allein vor dem Hintergrund des sri-lankischen Bürgerkriegs began-
gen worden. Eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung der
Schweiz würde sich daraus nicht ableiten lassen. Der Asylausschluss sei
auch deshalb unverhältnismässig, weil die Verweigerung der Einreise von
C._ in die Schweiz zu einer dauerhaften Trennung der Familie
führe, was gegen Art. 8 EMRK verstosse. Nachdem ein Asylausschluss nur
möglich sei, wenn zuvor die Flüchtlingseigenschaft bejaht worden sei,
habe das SEM implizit festgestellt, dass C._ die Flüchtlingseigen-
schaft erfüllen würde, und dies nicht nur derivativ aufgrund der familiären
Beziehungen, sondern auch originär aufgrund der eigenen Tätigkeit für die
LTTE. Die für ihn bestehende Verfolgungsgefahr habe sich bereits in der
irregulären Inhaftierung von (...) bis (...) manifestiert. Der Asylausschluss
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führe damit zu einer Gefahr der Verletzung von Art. 3 EMRK und sei daher
unverhältnismässig. C._ sei somit Asyl zu gewähren. Aber selbst
bei der Annahme einer Asylunwürdigkeit und einem Ausschluss vom Asyl
sei der Anspruch auf Familiennachzug zu bejahen. Art. 51 AsylG bezwecke
die Familienzusammenführung insbesondere auch deshalb, weil Familien-
angehörige von Flüchtlingen besonders gefährdet seien. Es wäre mit dem
Sinn dieser Bestimmung nicht zu vereinbaren, dem Ehemann einer über
die Flüchtlingseigenschaft verfügenden Frau die Einreise nicht zu bewilli-
gen, wenn dieser die Flüchtlingseigenschaft sowohl derivativ als auch ori-
ginär erfülle und das Familienleben nur in der Schweiz möglich sei. Eine
Asylunwürdigkeit könne diesfalls nur die Konsequenz haben, dass statt
Asyl eine vorläufige Aufnahme als Flüchtling gewährt werde. Dem stehe
auch die gesetzliche Logik nicht entgegen. Der Status eines vorläufig auf-
genommenen Flüchtlings sei kein provisorischer und die Wegweisung ei-
ner Person mit diesem Status sei rein formeller Natur. C._ sei des-
halb selbst bei Annahme der Asylunwürdigkeit die Einreise zu bewilligen,
und es sei ihm die vorläufige Aufnahme als Flüchtling zu gewähren.
K.
Am 17. Juli 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 5. August 2020 bewilligte die Instruktionsrich-
terin der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung. Das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wies sie
hingegen ab. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung zur
Beschwerde ein.
M.
In seiner Vernehmlassung vom 10. August 2020 beantragte das SEM die
Abweisung der Beschwerde; diese enthalte keine neuen erheblichen Tat-
sachen oder Beweismittel, die eine Änderung seines Standpunkts rechtfer-
tigen könnten.
Die Instruktionsrichterin stellte der Beschwerdeführerin die Vernehmlas-
sung am 12. August 2020 zur Kenntnisnahme zu.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
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1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass einzig die Bewilligung des
Familiennachzuges und der Einreise Gegenstand des vorliegenden Ver-
fahrens bildet, nicht jedoch die Feststellung der (originären) Flüchtlingsei-
genschaft des Ehemannes der Beschwerdeführerin. Die Dispositivziffer 2
der angefochtenen Verfügung ("Das Asylgesuch wird abgelehnt") ist dies-
bezüglich missverständlich.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Vorab ist festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage keine Veranlassung
besteht, die vorinstanzliche Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben.
Die Beschwerdeführerin hat auch keine formellen Rügen vorgebracht. Das
Eventualbegehren um Rückweisung der Sache an das SEM ist daher ab-
zuweisen.
4.
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Seite 14
4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von asylberechtigten
Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder ihrerseits als Flüchtlinge aner-
kannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegenspre-
chen. Wurden die anspruchsberechtigten Personen nach Art. 51 Abs. 1
AsylG durch die Flucht getrennt und befinden sie sich im Ausland, so ist
ihre Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen (Art. 51 Abs. 4 AsylG). In dau-
ernder eheähnlicher Gemeinschaft zusammenlebende Personen (Konku-
binatspaare) sind den Ehegatten gleichgestellt (vgl. BVGE 2008/47
E. 4.1.2 ff.; Art. 1a Bst. e Asylverordnung 1 [AsylV 1]). Die Erteilung einer
Einreisebewilligung setzt eine vorbestandene Familiengemeinschaft sowie
die fest beabsichtigte Familienvereinigung in der Schweiz voraus. Zweck
der Bestimmung von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist einzig die Wiedervereinigung
von im Zeitpunkt der Flucht aus dem Heimatstaat vorbestandenen Famili-
engemeinschaften. Als «Zeitpunkt der Flucht» gilt dabei die asylrechtlich
relevante Ausreise aus dem Heimatland (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5, 2017
VI/4 E. 3.1 und E. 4.4.2, BVGE 2012/32 E. 5.1).
4.2 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familienasyl
ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen zur Fa-
miliengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Familien-
gemeinschaft, die Familientrennung durch die Flucht sowie die fest beab-
sichtigte Familienvereinigung aller Anspruchsberechtigten nachzuweisen
oder zumindest glaubhaft zu machen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführerin wurde mit Verfügung des SEM vom 5. Okto-
ber 2016 die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt und es wurde ihr in der
Schweiz Asyl gewährt. Auch wenn sie keine Heiratsurkunde eingereicht
hat, ist aufgrund der Aktenlage doch davon auszugehen, dass C._
als Ehemann oder Konkubinatspartner grundsätzlich zum Kreis der an-
spruchsberechtigten Personen für die Zuerkennung der derivativen Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG gehört.
5.2 Im Folgenden ist zu prüfen, ob ein besonderer Umstand vorliegt, der
gegen die Bewilligung der Einreise von C._ und dessen Einbezug
in den Status der Beschwerdeführerin spricht. Diesbezüglich geht die Vo-
rinstanz zutreffend davon aus, dass für die Behandlung des Gesuchs um
Erteilung einer Einreisebewilligung an C._ die Frage massgeblich
ist, ob bei C._ ein Asylausschlussgrund vorliegt.
D-3609/2020
Seite 15
5.2.1 Gemäss Art. 53 Bst. a AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt,
wenn sie wegen verwerflicher Handlungen des Asyls unwürdig sind. Unter
den Begriff der verwerflichen Handlungen im Sinne von Art. 53 Bst. a AsylG
fallen grundsätzlich Delikte, die dem abstrakten Verbrechensbegriff von
Art. 10 Abs. 2 StGB entsprechen, also Straftaten, die mit einer abstrakten
Höchststrafe von mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht sind (vgl.
hierzu und zum Folgenden BVGE 2014/29 E. 5.3.1, BVGE 2011/29
E. 9.2.2, BVGE 2011/10 E. 6 und BVGE 2010/44 E. 6). Nach der asylrecht-
lichen Rechtsprechung ist es irrelevant, ob die verwerfliche Handlung ei-
nen ausschliesslich gemeinrechtlichen Charakter hat oder als politisches
Delikt aufzufassen ist. Unter Art. 53 Bst. a AsylG sind mithin auch Hand-
lungen zu subsumieren, denen keine strafrechtliche Konnotation im enge-
ren Sinne des Strafrechts zukommt (vgl. BVGE 2011/29 E. 9.2.2, BVGE
2011/10 E. 6 [2. Abschnitt] und das Urteil des BVGer E-7453/2009 vom
28. Oktober 2013 E. 5.1, je m.w.H.). Aus der Anbindung des Asylaus-
schlussgrunds der "verwerflichen Handlungen" im Sinne von Art. 53 Bst. a
AsylG an den Verbrechensbegriff von Art. 10 Abs. 2 StGB ergibt sich zwin-
gend, dass in Bezug auf die in Frage stehenden Handlungen der betreffen-
den Person eine strafrechtliche Verantwortlichkeit gegeben sein muss (vgl.
Urteil des BVGer D-5243/2010 vom 26. August 2011 E. 6.3.4). Das anzu-
setzende Beweismass wurde in der Botschaft zur Totalrevision des Asyl-
gesetzes sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und
Niederlassung der Ausländer vom 4. Dezember 1995 (BBl 1996 II 73) für
Art. 1 F des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 53 Bst. a AsylG übereinstimmend
umschrieben, was sich in der Folge in der Rechtsprechung niedergeschla-
gen hat. Demnach ist bei Straftaten, die im Ausland begangen wurden, kein
strikter Nachweis erforderlich. Es genügt die aus schwerwiegenden Grün-
den gerechtfertigte Annahme, dass sich die betreffende Person einer Straf-
tat im Sinne der genannten Bestimmungen schuldig gemacht hat. Liegt
eine entsprechende Delinquenz vor, vermag die alleinige Tatsache einer
Mitgliedschaft bei einer extremistischen Organisation nicht zur Folgerung
der Asylunwürdigkeit zu führen. Vielmehr ist von einer pauschalen Betrach-
tungsweise Abstand zu nehmen und der individuelle Tatbeitrag zu ermit-
teln; zu diesem sind die Schwere der Tat und der persönliche Anteil am
Tatentscheid wie auch das Motiv des Täters und allfällige Rechtfertigungs-
oder Schuldminderungsgründe zu zählen (vgl. BVGE 2011/29 E. 9.2.3 und
9.2.4). Ein entsprechender Tatbeitrag, der zum Ausschluss von der Asylge-
währung führt, kann zum einen in unmittelbarer Täterschaft erfolgt sein.
Zum anderen ist auch nach einer Tatbeteiligung und einer mittelbaren Tä-
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terschaft zu fragen, die sich aus einer Verantwortung für Handlungen Drit-
ter aufgrund einer entsprechenden Befehlsgewalt ergeben kann (vgl.
hierzu das Urteil des BVGer E-3971/2016 vom 22. November 2018 E. 5.1
m.w.H.).
5.2.2 Liegt eine entsprechende Delinquenz vor, ist ausserdem zu prüfen,
ob die Rechtsfolge des Asylausschlusses auch eine verhältnismässige
Massnahme darstellt. Dabei ist vorab unter Berücksichtigung der straf-
rechtlichen Verjährungsbestimmungen in Betracht zu ziehen, wie lange die
Tat bereits zurückliegt. Ebenso sind das Alter im Zeitpunkt der Tatbegehung
sowie allfällige Veränderungen der Lebensverhältnisse nach der Tat in den
Entscheid miteinzubeziehen (vgl. BVGE 2011/10 E. 6 und BVGE 2011/29
E. 9.2.4, m.w.H.).
5.2.3 In Bezug auf die LTTE geht das Bundesverwaltungsgericht in seiner
gefestigten Rechtsprechung davon aus, dass diese – für die Zeit ihres Be-
stehens – angesichts ihrer Zielsetzung der politischen Selbstbestimmung
der Tamilen in Sri Lanka nicht ausschliesslich als terroristisch-kriminelle
Organisation aufzufassen sind, gleichzeitig aber aufgrund der Wahl ihrer
Mittel, die zu erheblichen Menschenrechtsverletzungen geführt haben,
ebenso nicht nach den alleinigen Kriterien einer Bürgerkriegspartei behan-
delt werden können. In Bezug auf die LTTE wird es weder als sachgerecht
angesehen, deren Taten generell als Kriegshandlungen zu qualifizieren mit
der Konsequenz, dass diese den daran Beteiligten nicht als Asylaus-
schlussgrund entgegengehalten werden könnten, noch wird ein Asylaus-
schluss einzig aufgrund der Mitgliedschaft bei den LTTE als gerechtfertigt
erachtet (vgl. BVGE 2011/29 E. 8.2.1; Urteil des BVGer D-4291/2012 vom
26. Juli 2013 E. 5.2.1 ff. m.w.H.). Eine pauschale Betrachtung ist fehl am
Platz, vielmehr ist der individuelle Tatbeitrag der Person zu ermitteln, zu
welchem die Schwere der Tat, der persönliche Anteil am Tatentscheid, das
Motiv des Täters und allfällige Rechtfertigungs- und Schuldminderungs-
gründe zu zählen sind (vgl. Urteil des BVGer D-5243/2010 vom 26. August
2011 E. 6.3.3, zweiter Teil; BVGE 2011/10 E. 6.1, BVGE 2011/29 E. 9.2.4).
5.2.4 Vorliegend ergibt sich aus den Akten hinsichtlich der Position von
C._ innerhalb der LTTE, dass er ein langjähriges Mitglied war. Er ist
den LTTE eigenen Angaben zufolge im Jahr (...) im jugendlichen Alter von
(...) Jahren freiwillig beigetreten und hat ihnen bis kurz vor Kriegsende im
Jahr 2009 gedient. In Bezug auf seine Position innerhalb der LTTE ergibt
sich aus seinen Ausführungen anlässlich der Botschaftsbefragungen vom
13. und 29. August 2019, dass er über all die Jahre ein aktives Mitglied
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war. Er war als Kämpfer an zahlreichen bewaffneten Auseinandersetzun-
gen mit der sri-lankischen Armee beteiligt, ist in der Hierarchie stetig auf-
gestiegen und hat Führungspositionen als Leutnant und ab dem Jahr (...)
als Major innegehabt. Nebst seinem Einsatz als Kämpfer an der Front war
er zuständig für das im Hinblick auf Kampfeinsätze notwendige körperliche
Training von LTTE-Mitgliedern, aber auch von Zivilisten. Zudem hat er bei
der Rekrutierung von Zivilisten für die LTTE mitgewirkt. Dass er aufgrund
seines Werdegangs und des militärischen Rangs, den er als Leutnant res-
pektive Major bekleidete, nicht nur Befehlsempfänger war, sondern auch
über eine gewisse Entscheidungskompetenz verfügte, ist als erstellt zu er-
achten, auch wenn er im Rahmen der zweiten Botschaftsbefragung vom
29. August 2019 versuchte, seine Entscheidungsbefugnisse zu relativie-
ren. Insgesamt ist darauf zu schliessen, dass C._, der die LTTE
während fast zwei Jahrzehnten als Kämpfer, Ausbildner, Administrator und
Rekrutierer im Rang eines Leutnants respektive Majors aktiv unterstützte,
bei den LTTE eine nicht unerhebliche Position zukam.
5.2.5 Bei der Prüfung, ob sich C._ mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit verwerflicher Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG schuldig ge-
macht hat, gilt es insbesondere den individuellen Tatbeitrag zu berücksich-
tigen, wobei unter Umständen aber auch die Verantwortlichkeit für eine sol-
che Handlung im Zusammenhang mit einer Führungsfunktion genügt. So
haben gemäss ständiger Praxis hohe Führungspersonen in Organisatio-
nen, welche als Mittel der Zielerreichung verwerfliche Handlungen bege-
hen oder solche in Kauf nehmen, die Verantwortung für solche Taten zu
tragen, auch wenn sie an diesen nicht unmittelbar beteiligt waren. Eine
Verantwortung für Handlungen Dritter kann sich dabei insbesondere auf-
grund einer entsprechenden Befehlsgewalt ergeben. Vorliegend erweist
sich der Nachweis einer verwerflichen Handlung oder einer entsprechen-
den Verantwortlichkeit in diesem Sinne als schwierig, da C._ über
seine tatsächliche Rolle bei den LTTE respektive seine Entscheidungsbe-
fugnisse bei der Botschaftsbefragung vom 29. August 2019 tendenziell be-
schönigende Angaben gemacht hat, indem er versuchte, seine Entschei-
dungskompetenzen herunterzuspielen. In der Tat stossen die Behörden im
Zusammenhang mit im Ausland begangenen verwerflichen Handlungen an
Grenzen, zumal in der Regel allein auf die Ausführungen der asylsuchen-
den Person abgestellt werden kann, die ein Interesse daran hat, den Sach-
verhalt zu ihren Gunsten darzustellen. Aus diesem Grund bedarf es für die
Annahme von verwerflichen Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG nicht
eines strikten Beweises, sondern es genügt die aus schwerwiegenden
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Seite 18
Gründen gerechtfertigte Annahme, das heisst die überwiegende Wahr-
scheinlichkeit, dass sich die betroffene Person einer Straftat im erwähnten
Sinne schuldig gemacht hat. Solche schwerwiegenden Gründe sind vorlie-
gend anzunehmen. Die LTTE sind rigoros und mit besonderer Grausamkeit
gegen Angehörige der Regierungstruppen und auch gegen ihnen opponie-
rende Kräfte vorgegangen und haben ihnen missliebige Personen töten o-
der schwer foltern lassen. Bei den LTTE handelt es sich zweifellos um eine
Organisation, die als Mittel der Zielerreichung verwerfliche Handlungen be-
gangen oder solche in Kauf genommen hat. Der Beschwerdeführer war als
Kämpfer der LTTE an zahlreichen bewaffneten Auseinandersetzungen mit
der sri-lankischen Armee beteiligt, ab (...) im Rang eines Leutnants und ab
(...) als Major. Dass dabei nie Zivilisten zu Schaden gekommen sind, ist zu
bezweifeln. Zudem war er über viele Jahre hinweg in Führungsfunktion für
die körperliche Ertüchtigung von Kämpfern für den Kampfeinsatz und das
sportliche Training von Zivilisten verantwortlich. Er hat somit mit seiner Ar-
beit wesentlich zur Kampftüchtigkeit von LTTE-Mitgliedern beigetragen, im
Wissen darum, dass es bei Fronteinsätzen zu Tötungen kommt. Des Wei-
teren setzte er die in den LTTE geltende Regel "eine Person pro Familie"
um und rekrutierte Zivilisten für den Dienst bei den LTTE. Dass dabei nie
Zwang oder Druck auf Familien ausgeübt worden sei, ist ebenfalls zu be-
zweifeln. Aufgrund der Aktenlage ist insgesamt davon auszugehen, dass
sich C._ in überdurchschnittlichem Mass mit den Zielen und der
Vorgehenswese der LTTE-Bewegung identifiziert hat. Nachdem er im be-
waffneten Kampf selbst an der Front aktiv war, ist anzunehmen, dass er
sich auch der für die Zielerreichung eingesetzten Mittel der Gewalt bewusst
war, gab er doch zu Protokoll, dass er ab dem Alter von (...) Jahren, als er
mit der Waffenausbildung bei den LTTE begonnen hat, genau gewusst
habe, was er tue (vgl. vorinstanzliche Akte Z21 S. 13). C._ war so-
mit zweifellos in die Kampfhandlungen und die Anwendung von Waffenge-
walt eingebunden. Durch seine Tätigkeiten hat er somit einen kausalen
Beitrag zu Verwirklichung der Ziele geleistet und die Vorgehensweise der
LTTE unterstützt und weitergetragen. Aufgrund der Aktenlage kann
C._ aufgrund seines fast zwei Jahrzehnte dauernden Engagements
bei den LTTE in seiner Funktion als Kämpfer, Ausbildner, Administrator und
Rekrutierer mit Führungspositionen als Leutnant und Major eine Mitverant-
wortlichkeit für die von dieser Organisation begangenen Verbrechen ange-
lastet werden. Es bleibt nochmals darauf hinzuweisen, dass Art. 53 AsylG
vom abstrakten Verbrechensbegriff ausgehend nicht zwischen gemein-
rechtlichen oder politischen Delikten unterscheidet und die LTTE nicht aus-
schliesslich als Bürgerkriegspartei agierte (vgl. BVGE 2011/29 E. 9.2.2; E-
MARK 2002 Nr. 9 E. 7b; oben E. 5.2 und E. 7.1). Vor dem Hintergrund,
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dass die LTTE aufgrund ihrer Vorgehensweise nicht als reine Bürgerkriegs-
partei zu betrachten sind und das vorliegend anzusetzende Beweismass
keinen strikten Nachweis verlangt, besteht vorliegend aus schwerwiegen-
den Gründen die gerechtfertigte Annahme, dass C._ während sei-
ner jahrelangen LTTE-Mitgliedschaft mindestens einmal an der Begehung
verwerflicher Handlungen im vorstehend erwähnten Sinne beteiligt gewe-
sen oder zumindest für die Begehung mittelbar individuell verantwortlich
gewesen ist. C._ trägt damit mit erheblicher Wahrscheinlichkeit
eine persönliche Verantwortlichkeit für verwerfliche Handlungen der LTTE
im Sinne von Art. 53 AsylG. Angesichts dessen, dass der Beschwerdefüh-
rer den LTTE eigenen Angaben zufolge bis 2009 diente, kann auch nicht
von einer offensichtlichen Verjährung seiner Mitverantwortung für deren
verwerfliche Handlungen gesprochen werden (Art. 97 Abs. 1 i.V.m. Art. 111
ff. StGB).
5.2.6 Der Ausschluss von der Asylgewährung erscheint auch als verhält-
nismässig. Die Trennung der Beschwerdeführerin und der beiden Söhne
von ihrem in Sri Lanka lebenden Mann beziehungsweise Vater genügt
nicht, um von der Unverhältnismässigkeit des Asylausschlusses auszuge-
hen. Zudem kann aufgrund der Aktenlage auch nicht davon ausgegangen
werden, dass C._ sich deutlich und aus Überzeugung von seinen
Aktivitäten für die LTTE distanziert und aufrichtige Reue bekundet hat. Ent-
gegen der Annahme in der Rechtsmitteleingabe vom 16. Juli 2020 kann die
Beschwerdeführerin auch aus dem Recht auf Achtung des Familienlebens
im Sinne von Art. 8 EMRK oder Art. 13 BV nichts für sich und ihre Söhne
ableiten. Die besagten Normen sollen lediglich dazu dienen, ein Auseinan-
derreissen der Familie in der Schweiz zu verhindern, vermögen aber nicht
einen Anspruch auf Einreisebewilligung zugunsten eines Familienangehö-
rigen zu begründen. Dieselbe Feststellung gilt in Bezug auf das Kindeswohl
gemäss dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes vom 20. No-
vember 1989 (KRK; SR 0.107).
5.3 Nach dem Gesagten ist auf die Asylunwürdigkeit von C._. we-
gen verwerflicher Handlungen im Sinne von Art. 53 Bst. a AsylG zu schlies-
sen.
5.4 Es bleibt im Rahmen des vorliegenden Familienasylverfahrens zu prü-
fen, ob die Asylunwürdigkeit des sich im Ausland befindlichen C._
einen besonderen Umstand darstellt, welcher der Einreisebewilligung und
dem Einbezug von C._ in die originäre Flüchtlingseigenschaft der
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Seite 20
Beschwerdeführerin und deren Asyl entgegensteht (Art. 51 Abs. 1 und 4
AsylG).
5.4.1 In BVGE 2015/40 hatte das Bundesverwaltungsgericht eine Person
vom Familienasyl ausgeschlossen, die wegen des Vorliegens von subjek-
tiven Nachfluchtgründen selber die originäre Flüchtlingseigenschaft er-
füllte, aber kein Asyl erhielt, weil subjektive Nachfluchtgründe einen Asyl-
ausschlussgrund bilden. Auch die Asylunwürdigkeit stellt einen Asylaus-
schlussgrund dar. Folglich führt auch diese dazu, dass die betreffende Per-
son vom Familienasyl ausgeschlossen werden muss. Das Familienasyl soll
demnach – mit anderen Worten – nicht dazu führen, dass jemand derivativ
Asyl erhält, obwohl er in eigener Person (originär) gleichzeitig einen Asyl-
ausschlussgrund erfüllt (vgl. auch das Urteil des BVGer D-6708/2016 vom
26. Oktober 2018 E. 4.7.3). Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts ist zudem asylunwürdigen Personen, die sich im Ausland aufhalten,
die Einreise in die Schweiz zur Durchführung eines Asylverfahrens nie zu
bewilligen (vgl. BVGE 2011/10 E. 7). An dieser Einschätzung vermögen die
Ausführungen der Beschwerdeführerin zum Status von in der Schweiz vor-
läufig aufgenommenen, asylunwürdigen Flüchtlingen nichts zu ändern.
5.4.2 Aufgrund des Gesagten liegt somit vorliegend ein besonderer Um-
stand im Sinne von Art. 51 Abs. 1 und Abs. 4 AsylG vor, der gegen die Er-
teilung einer Einreisebewilligung und den Einbezug von C._ in die
Flüchtlingseigenschaft und das Asyl der Beschwerdeführerin spricht. Es
bleibt festzuhalten, dass im vorliegenden Verfahren weder Art. 8 EMRK
noch die Bestimmungen des UNO-Pakts II über bürgerliche und politische
Rechte ergänzend angewendet werden können, wenn die Voraussetzun-
gen des Familienasyls gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nicht erfüllt sind
(vgl. bspw. Urteile des BVGer D-2039/2020 vom 20. November 2020
E. 5.4, D-5237/2019 vom 6. Januar 2020 E. 3.3 und D-5588/2019 vom
4. Dezember 2019 E. 3.2).
5.5 Zusammenfassend hat das SEM C._ die Einreise in die
Schweiz zu Recht verweigert und das Gesuch um (Familien-)Asyl zutref-
fend abgelehnt.
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
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7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1
VwVG). Da ihr aber am 5. August 2020 die unentgeltliche Prozessführung
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, ist von der Kostenerhebung
abzusehen, zumal nicht ersichtlich ist, dass die Beschwerdeführerin nicht
mehr bedürftig wäre.
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