Decision ID: e5655c73-8b7d-5641-bfdd-f0fd5111b327
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung des SEM vom 20. Februar 2020 wurde die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers festgestellt und ihm in der Schweiz Asyl ge-
währt.
B.
Mit Eingabe vom 30. September 2021 stellte der Beschwerdeführer beim
SEM ein Gesuch um Familiennachzug zugunsten seiner religiös angetrau-
ten Ehefrau B._, die in Griechenland über einen Flüchtlingsstatus
verfügt. Zur Begründung des Gesuchs führte er an, er kenne seine Ehefrau
bereits seit vielen Jahren. Er sei dazumal offiziell noch mit seiner ersten
Ehefrau verheiratet gewesen, das Scheidungsverfahren sei aber bereits
eingeleitet worden. Er habe sich daher mit seiner heutigen Ehefrau ledig-
lich per "Imamehe" verheiraten können. Dies könne er durch die beigeleg-
ten Briefe, die er B._ aus dem Gefängnis geschrieben habe, bewei-
sen. Da sie nicht offiziell hätten heiraten können und durch die Flucht ge-
trennt worden seien, habe er im Asylverfahren verschwiegen, dass er mit
B._ verheiratet sei. Dies habe er nach der offiziellen Scheidung mit-
teilen wollen. Da sie aber bereits vor der Flucht zusammen gewesen und
durch diese Flucht getrennt worden seien, erfüllten sie die Voraussetzun-
gen für einen Familiennachzug, weshalb B._ die Einreise in die
Schweiz zu gewähren sei.
Der Beschwerdeführer legte seinem Gesuch diverse Briefe in türkischer
Sprache, die er B._ aus der Haft geschickt habe, sowie diverse Fo-
tos mit ihr bei.
C.
Mit Verfügung vom 12. November 2021 (Rückschein fehlt) lehnte das SEM
das Familienzusammenführungsgesuch für B._ ab und verweigerte
ihr die Bewilligung der Einreise in die Schweiz.
D.
Mit Eingabe vom 20. November 2021 erhob der Beschwerdeführer Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragt, die Verfügung
des SEM vom 12. November 2021 sei aufzuheben und zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Überdies sei festzustellen, dass er mit
C._ religiös verheiratet sei. Des Weiteren sei die Vorinstanz anzu-
weisen, seiner Ehefrau die Einreisebewilligung zu erteilen.
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In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege unter Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses.
E.
Das Gericht bestätigte am 23. November 2021 den Eingang der Be-
schwerde.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 2. Dezember 2021 verzichtete die Instrukti-
onsrichterin einstweilen auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und
forderte den Beschwerdeführer dazu auf, die beigebrachten Beweismittel
innert Frist in eine Amtssprache zu übersetzen, dem Gericht umfassend
und im Detail darzulegen, wie er seine Partnerin kennengelernt hat und wie
die Beziehung zu seiner Partnerin in den letzten Jahren aufrechterhalten
und gelebt wurde. Ausserdem habe er seine Ausführungen mit entspre-
chenden Beweismitteln zu belegen. Seine Partnerin habe innert derselben
Frist schriftlich darzulegen, ob sie nach wie vor daran interessiert ist, die
Beziehung zum Beschwerdeführer aufrechtzuerhalten.
G.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte mit Eingabe vom
24. Januar 2022 fristgemäss selbst verfasste (zum Teil wortwörtliche, zum
Teil zusammenfassende) Übersetzungen der bereits genannten Briefe so-
wie zwei Screenshots von Whats-App-Konversationen zwischen dem Be-
schwerdeführer und B._ mit Übersetzung zu den Akten. Ausserdem
äusserte er sich zu den in der Zwischenverfügung gestellten Fragen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – unter nachstehendem Vorbehalt – einzutreten.
1.3 Das Rechtsbegehren, es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer
mit C._ religiös verheiratet sei (vgl. Rechtsbegehren Ziffer 2), geht
über den Streitgegenstand hinaus, weshalb auf die Beschwerde insoweit
nicht einzutreten ist. Die Beurteilung, ob eine religiöse Eheschliessung vor-
liegt oder nicht, fällt im Übrigen nicht in die Zuständigkeit des Bundesver-
waltungsgerichts.
2.
Vorab ist festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage keine Veranlassung
besteht, die vorinstanzliche Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben.
Der Beschwerdeführer hat auch keine formellen Rügen vorgebracht. Das
Eventualbegehren um Rückweisung der Sache an das SEM ist daher ab-
zuweisen.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und
ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl,
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wenn keine besonderen Umstände dagegensprechen (Familienasyl). Wur-
den die anspruchsberechtigten Personen durch die Flucht getrennt und be-
finden sie sich im Ausland, ist ihre Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen
(Art. 51 Abs. 4 AsylG).
5.2 Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4 AsylG setzt
gemäss konstanter Rechtsprechung eine zum Zeitpunkt der Flucht vorbe-
standene Familiengemeinschaft, die Trennung der Familie durch die Flucht
sowie die fest beabsichtigte Familienvereinigung in der Schweiz voraus
(BVGE 2012/32 E. 5).
Zentrale Bedingung für die Erteilung einer Einreisebewilligung zum Zwecke
der Familienzusammenführung im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist mit-
hin, dass bereits vor der Flucht aus dem Verfolgerstaat eine Familienge-
meinschaft zwischen der gesuchstellenden und der anspruchsberechtigten
Person bestanden hat und diese Familienbeziehung auch nach der Flucht
im Rahmen des Möglichen aufrechterhalten wird und vom Willen der Wie-
dervereinigung der Familie getragen ist. Das Familienasyl nach Art. 51
Abs. 4 AsylG dient insbesondere nicht der Aufnahme von vor der Flucht
noch gar nicht gelebten oder der Wiederaufnahme von zwischenzeitlich
abgebrochenen Beziehungen (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2, 5.1 m.w.H.).
Bei Familien, die bereits vor der Ausreise des asylberechtigten Mitglieds im
Heimatstaat örtlich getrennt gelebt haben, geht das Gericht dann gleich-
wohl von einer vorbestandenen gelebten Familiengemeinschaft aus, wenn
zwingende Gründe für das Getrenntleben in der Heimat vorgelegen haben
(vgl. BVGE 2018 VI 6 E. 5.2).
6.
6.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Aussagen des Beschwerdeführers liessen insgesamt nicht auf eine gefes-
tigte eheähnliche Gemeinschaft schliessen. Der Beschwerdeführer und
B._ hätten nie einen gemeinsamen Wohnsitz gehabt. Ausserdem
habe er weder Angaben zum Zeitpunkt des Kennenlernens noch zur Dauer
der angeblich inoffiziellen Beziehung gemacht. Aus den Akten gehe nicht
einmal hervor, inwiefern das Verhältnis zwischen dem Beschwerdeführer
und B._ (öffentlich) gelebt worden sei, wie regelmässig sie sich ge-
sehen und inwiefern sie gemeinsame Zukunftspläne entwickelt hätten. Den
Akten seien ferner auch keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass ihre da-
malige Beziehung auf einen umfassenden gegenseitigen sozialen wie wirt-
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schaftlichen Beistand ausgelegt gewesen sei. Während des Asylverfah-
rens habe er B._ nie erwähnt. Stattdessen habe er an mehreren
Stellen Bezug auf seine Ehefrau und seine (...) Kinder genommen und so-
gar Interesse an einem Nachzug seiner Familie bekundet. Der Einwand, er
habe dem SEM erst nach der Scheidung von seiner Beziehung zu
B._ erzählen wollen, überzeuge nicht. Viel mehr bekräftigten die
Angaben während des Asylverfahrens, dass er zu diesem Zeitpunkt in ei-
ner Familiengemeinschaft mit seiner ersten Ehefrau und den gemeinsa-
men Kindern gelebt habe. So dürfe davon ausgegangen werden, dass er
ansonsten an den Befragungen seine zweite Ehefrau erwähnt oder zumin-
dest die Behörden umgehend nach dem positiven Asylentscheid darüber
informiert hätte, zumal er auf die Pflicht zur wahrheitsgetreuen Aussage
aufmerksam gemacht worden sei. An dieser Einschätzung vermöchten
auch die eingereichten Beweismittel, namentlich Kopien von (nicht über-
setzten) Briefen aus dem Gefängnis und Fotos aus der Türkei und Athen,
nichts zu ändern, da diese keine eindeutigen Rückschlüsse auf den geltend
gemachten Kontext ermöglichten. Auch diesbezüglich habe er es unterlas-
sen, die Umstände der Entstehung dieser Beweismittel und festgehaltenen
Situationen zu substantiieren. Im Übrigen geniesse B._ in Grie-
chenland internationalen Schutz, weshalb es dem Beschwerdeführer un-
benommen sei, das erwünschte Familienleben in Griechenland zu führen.
Da die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 4 AsylG nicht erfüllt seien, sei
das Gesuch um Familienzusammenführung abzuweisen.
6.2 Der Beschwerdeführer wiederholt in seiner Beschwerde die Vorbringen
seines Gesuchs vom 30. September 2021 und führt zur Schlussfolgerung
des SEM aus, die Briefe und Fotos würden sehr wohl beweisen, dass er
bereits vor seiner Ausreise eine Beziehung mit B._ geführt habe.
6.3 In seiner ergänzenden Eingabe vom 24. Januar 2022 präzisierte der
Beschwerdeführer, dass er B._ im Jahr 2017 über seinen Cousin
kennengelernt habe. Es sei zu einem Treffen und daraufhin zur "Imamehe"
gekommen. B._ sei nach wie vor an einem Familiennachzug inte-
ressiert, was man an der von ihr unterzeichneten Vollmacht erkennen
könne. Sollte der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts negativ aus-
fallen, würden sie den Familiennachzug auf kantonaler Ebene fortführen.
7.
Die Vorinstanz hat das Familienzusammenführungsgesuch zu Recht ab-
gelehnt.
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7.1 Es ist fraglich, ob zum Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerdeführers
aus der Türkei überhaupt eine Familiengemeinschaft im Sinne des Art. 51
Abs. 4 AsylG bestanden hat. Diesbezüglich kann zunächst auf die Argu-
mentation des SEM verwiesen werden, wonach der Beschwerdeführer
B._ im Asylverfahren mit keinem Wort erwähnt hat, sondern fest-
hielt, er stehe immer noch mit D._ und seinen Kindern in Kontakt,
welche bei seinen Eltern wohnten (vgl. SEM-Akten zum Asylgesuch, Per-
sonalienaufnahme vom 10. August 2018, Akten 1028956-11/7, Ziff. 1.14
sowie Anhörung vom 1. November 2018, Akten 1028956-23/14 [nachfol-
gend A23], F27 ff., insb. F32; sowie ergänzende Anhörung vom 21. März
2019, Akten 1028956-36/21, F55). Die gemeinsame Geschichte des an-
geblichen Ehepaares bleibt trotz Nachfrage nicht nachvollziehbar. Der Be-
schwerdeführer hat gemäss seinen Aussagen B._ im Jahr 2017
über einen Cousin kennengelernt. Detailliertere Angaben macht er selbst
auf entsprechende Aufforderung, dem Gericht umfassend und im Detail
darzulegen, wie er seine Partnerin kennengelernt habe und wie die Bezie-
hung zu seiner Partnerin in den letzten Jahren aufrechterhalten und gelebt
worden sei, nicht. Er erklärt auch mit keinem Wort, wann das Scheidungs-
verfahren abgeschlossen wurde beziehungswiese weshalb er erst einein-
halb Jahre nach der Asylgewährung ein Gesuch um Familiennachzug
stellt. Aus den Akten ergeben sich überdies keine Anhaltspunkte, wonach
der Beschwerdeführer in diesem Zeitraum den Nachzug seiner Ehefrau
angestrebt hätte. Auch von gegenseitigen Besuchen ist keine Rede, ob-
wohl beide Parteien befugt sind, in Europa zu reisen. Es ist sodann nicht
nachvollziehbar, weshalb B._ in der Beschwerde als C._ be-
zeichnet wird. Diese hat im Übrigen, entgegen der Aufforderung des Ge-
richts, ihr Interesse an der Aufrechterhaltung der Beziehung schriftlich dar-
zulegen, keine persönliche Stellungnahme eingereicht, sondern lediglich
über den Rechtsvertreter ausrichten lassen, dass dem so sei.
Auch hinsichtlich der Beweismittel drängen sich diverse Zweifel auf. Zu-
nächst ist festzuhalten, dass die Übersetzungen mit Zurückhaltung zu be-
urteilen sind, da diese durch den Rechtsvertreter selbst vorgenommen wur-
den. Den beigebrachten Screenshots der Whats-App-Nachrichten kann
weder entnommen werden, zwischen wem noch wann diese Konversation
stattgefunden haben soll, zumal dem Screenshot lediglich der "24. Dezem-
ber" zu entnehmen ist, nicht jedoch eine Jahreszahl. Ausserdem wird in
keinster Weise erklärt, wie diese Konversation, die von einem gemeinsa-
men Essen handelt, zu verstehen ist, das heisst, ob es allenfalls zu einem
gemeinsamen Treffen gekommen ist oder ob diese Unterhaltung noch vor
der Ausreise aus der Türkei geführt wurde.
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In einem der beigelegten Briefe (Beilage 1) beschreibt der Beschwerdefüh-
rer offenbar, wie sein Leben in der Schweiz aussieht. Gleichzeitig befindet
sich auf diesem Brief aber ein Stempel eines türkischen Gefängnisses, was
folglich mit dem Inhalt des Briefes nicht zu vereinbaren ist. Hinzu kommt,
dass der Beschwerdeführer gemäss Aussagen im Asylverfahren im Jahr
2018 gar nicht in Haft war, sondern sich vor seiner Ausreise acht bis neun
Monate in Istanbul versteckt gehalten habe (vgl. A23 F14 und F69). Die
beigebrachten Briefe, auf welchen ein Datum angegeben wurde, datieren
aber alle zwischen Mai und September 2018 und tragen mehrheitlich den
Stempel eines türkischen Gefängnisses. Das Asylgesuch wurde zudem im
August 2018 gestellt, das heisst genau in dem Zeitraum, in welchem die
Briefe angeblich in einem türkischen Gefängnis verfasst wurden. Schliess-
lich weisen die besagten Briefe zum Teil grosse Unterschiede im Schriftzug
auf (vgl. etwa Beilage 2, 3 und 4), was die Frage aufwirft, ob es sich stets
um den gleichen Verfasser handelt. Nach dem Gesagten hegt das Gericht
erhebliche Zweifel an der Authentizität der eingereichten Briefe und den
angeblichen Umständen, unter denen diese verfasst worden sein sollen.
Der Beschwerdeführer vermag deshalb aus diesen Beweismitteln nichts zu
seinen Gunsten abzuleiten.
Angesichts der kaum nachvollziehbaren Informationen zur Beziehung zwi-
schen den Betroffenen, des widersprüchlichen Verhaltens des Beschwer-
deführers während und nach dem Asylverfahren in der Schweiz, der wenig
aussagekräftigen Beweismittel sowie der mangelnden Mitwirkung und In-
teressensbekundung am beantragten Familiennachzug ist die Annahme
der Vorinstanz zu stützen, dass nicht von einer bereits in der Türkei geleb-
ten eheähnlichen und nach der Flucht im Rahmen des Möglichen aufrecht
erhaltenen Beziehung auszugehen ist. Ungeachtet eines allfälligen rechtli-
chen Bestands der Ehe sind ausserdem – wie von der Vorinstanz zu Recht
festgehalten – besondere Umstände (Flüchtlingsstatus von B._ in
Griechenland) im Sinne des Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG gegeben, welche
vorliegend gegen einen Familiennachzug sprechen.
7.2 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Voraussetzungen von
Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nicht erfüllt sind, weshalb das SEM das Gesuch
um Bewilligung der Einreise von B._ in die Schweiz und um Fami-
lienzusammenführung mit dem Beschwerdeführer zu Recht abgelehnt hat.
7.3 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass es dem Be-
schwerdeführer offensteht, bei den dafür zuständigen kantonalen Migrati-
onsbehörden ein Gesuch um Familiennachzug für seine Ehefrau gestützt
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auf Art. 44 AIG (SR 142.20) einzureichen (vgl. BVGE 2017 VI/4 E. 3.1
m.w.H.; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2002 Nr. 6, EMARK 2006 Nr. 8).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde-
begehren des Beschwerdeführers schon bei Einreichung des Rechtsmit-
tels als aussichtslos zu gelten hatten. Damit ist – ungeachtet der Frage der
prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers – eine der kumulativ zu
erfüllenden Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt und das entspre-
chende Gesuch abzuweisen. Aus demselben Grund fällt auch die Beiord-
nung einer amtlichen Rechtsverbeiständung nach Art. 65 Abs. 2 VwVG von
vornherein ausser Betracht.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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