Decision ID: d913ddba-314c-42b7-b9ff-567fcfce0b98
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 14. April 2015 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Der Versicherte hatte sich am 25. August 2014 auf
einem Gerüst befunden, als dieses zusammengestürzt war (Suva-act. 2-94). Er hatte
sich dabei eine SLAP-Läsion Typ V Schulter rechts und eine Läsion des Aussen- und
Innenmeniskus Knie links zugezogen (vgl. IV-act. 26). Die erstbehandelnde Dr. med.
B._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, hatte ihm ab dem Unfalldatum
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert (Suva-act. 2-119, 2-221). Am 2. Oktober
2014 hatte sich der Versicherte im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) einer Knie-
Arthroskopie links und einer lateralen Teilmeniskektomie unterzogen (IV-act. 25, vgl.
UV-act. 1/2-113 f.). Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) war für die
Folgen des Unfalls aufgekommen (Suva-act. 2-138).
A.a.
Vom 21. Mai bis 25. Juni 2015 befand sich der Versicherte stationär in der
Rehaklinik Bellikon. In ihrem Austrittsbericht vom 26. Juni 2015 hielten die zuständigen
medizinischen Fachpersonen als Diagnosen eine SLAP-Läsion Typ V Schulter rechts,
eine Kniekontusion/-distorsion links, eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) sowie
eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10:
F43.22) fest. Die Tätigkeit als Bauarbeiter sei nicht mehr zumutbar, eine adaptierte
Tätigkeit hingegen ganztags möglich (IV-act. 42).
A.b.
Am 10. Dezember 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, das
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen werde
abgewiesen (IV-act. 54). Mit Verfügung vom 15. Dezember 2015 verneinte die Suva
einen Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung (Suva-act. 6).
A.c.
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Am 9. Juni 2017 (Posteingang IV-Stelle) meldete sich der Versicherte erneut zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 55). Mit Vorbescheid vom
13. Juli 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, sie trete auf sein
Leistungsbegehren nicht ein, da er keine wesentliche Änderung der tatsächlichen
Verhältnisse seit der letzten Abweisung des Leistungsbegehrens glaubhaft gemacht
habe (IV-act. 64). Der Versicherte teilte am 24. Juli 2017 mit, er habe 2016 einen Unfall
erlitten, worauf die IV-Stelle die Akten der Suva beizog (IV-act. 66, Suva-act. 101).
A.d.
Der Versicherte war am 22. September 2016 bei seiner Arbeit auf einer Baustelle
mit einer elektrischen Treppenkarre ausgerutscht und gestürzt (Suva-act. 9). Er hatte
dabei eine Mason II Fraktur Radiusköpfchen rechts, eine Ellbogenkontusion links, eine
Kontusion der Kniegelenke beidseits und eine Handgelenkskontusion rechts erlitten,
weshalb er vom 23. bis 26. September 2016 stationär im KSSG behandelt worden war
(Suva-act. 18). Am 21. November 2016 hatten die behandelnden Ärzte des KSSG einen
Verdacht auf eine traumatische TFCC-Läsion der Hand rechts bei Status nach Unfall
vom 22. September 2016 geäussert (Suva-act. 33). Am 1. Dezember 2016 hatte sich
der Versicherte einer diagnostischen Handgelenksarthroskopie und einem Débridement
Synovia sowie TFCC Handgelenk rechts unterzogen (Suva-act. 37 f.). Am 12. Januar
2017 waren im KSSG eine Ulnaverkürzungsosteotomie, eine V-Bandplastik
Handgelenk rechts und eine Neurotomie des Nervus interosseus posterior Handgelenk
rechts durchgeführt worden (Suva-act. 43, 56, 61). Die zuständigen Ärzte des KSSG
hatten am 3. Mai 2017 über persistierende Schmerzen der Daumensattelgelenke
beidseits berichtet. Eine Röntgenuntersuchung des Handgelenks links habe eine
Rhizarthrose am Daumensattelgelenk Grad II mit leicht osteophytären Ausziehungen
und eine Ulna-Plusvariante erbracht (Suva-act. 75). Mit Bericht vom 16. Juli 2017
hatten die behandelnden Ärzte des KSSG ausgeprägte chronische
Handgelenksschmerzen beidseits, rechts immobilisierend, festgehalten. Die chronische
Schmerzsymptomatik stehe im Vordergrund (Suva-act. 96).
A.e.
Am 4. September 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, aufgrund seines
Gesundheitszustandes seien derzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich. Diese
Mitteilung ersetze den Vorbescheid vom 13. Juli 2017 (IV-act. 71).
A.f.
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Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hatte den
Versicherten ab 25. August 2017 behandelt. Am 14. November 2017 berichtete er unter
anderem über eine längere depressive Reaktion agitierten Charakters auf Belastungen-
und Anpassungsstörungen (ICD-10: F43.24) bei ausgeprägten chronischen
Handgelenksschmerzen beidseits. Der Versicherte sei als Bauarbeiter seit Oktober
2016 zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 77).
A.g.
Am 16. Februar 2018 wurde im KSSG eine Osteosynthesematerialentfernung an
der Ulna rechts durchgeführt (Suva-act. 172).
A.h.
Im Auftrag der IV-Stelle (vgl. IV-act. 85) wurde der Versicherte im Frühjahr 2018
durch Ärzte der estimed AG, Zug, polydisziplinär (internistisch, handchirurgisch,
neurologisch, orthopädisch, psychiatrisch) abgeklärt. In ihrem Gutachten vom 28. Mai
2018 listeten diese als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status
nach HWS-Distorsion am 25. August 2014, eine rechts medio rechtslaterale
Diskushernie und eine osteodiskogene neuroforaminale Enge auf Höhe HWK 5/6,
Nackenbeschwerden und eine Hypästhesie/Parästhesie des rechten Arms mit Irritation
der C6-8 Nervenwurzeln, ausgeprägte chronische Handgelenksschmerzen beidseits
(rechts immobilisierend), eine Varusgonarthrose links, einen Status nach
Kniegelenksarthroskopie und lateraler Teilmeniskektomie Knie links, eine
Zervikobrachialgie rechts und eine Anpassungsstörung mit vorrangiger Beteiligung
anderer Gefühle (ICD-10: F43.24) auf. In der angestammten
Tätigkeit bestehe seit dem Unfall vom 25. August 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von
100%. Adaptierte Tätigkeiten seien seit Oktober 2016 noch zu 70% möglich (IV-act.
94).
A.i.
RAD-Arzt Dr. med. D._ kritisierte am 31. Mai 2018 unter anderem, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Teilgutachters sei nicht plausibel
nachvollziehbar. Zudem habe die estimed AG Dr. med. E._, Facharzt für Chirurgie
und Unfallchirurgie, beigezogen. Dieser sei nicht besonders qualifiziert für die
Begutachtung orthopädischer Krankheitsbilder (IV-act. 95). Am 25. Juli bzw. 21.
September 2018 äusserten sich die Gutachter der estimed AG zu Rückfragen der IV-
Stelle (IV-act. 104, vgl. IV-act. 97). RAD-Arzt Dr. D._ erachtete diese Stellungnahme
am 1. Oktober 2018 als überzeugend und hielt eine erneute Begutachtung entgegen
A.j.
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dem Antrag des Versicherten (vgl. IV-act. 103) für nicht notwendig (IV-act. 106).
Nachdem die IV-Stelle dem Versicherten mitgeteilt hatte, sie werde auf das Gutachten
abstellen (IV-act. 109), bemängelte der Versicherte, die Frage der Qualifikation von Dr.
E._ als orthopädischer Gutachter sei weiterhin nicht geklärt (IV-act. 112, vgl. IV-act.
105). RAD-Arzt Dr. D._ hielt am 18. Oktober 2018 fest, er müsse davon ausgehen,
dass Dr. E._ eine entsprechende Qualifikation und Zulassung als Gutachter besitze
(IV-act. 115). Der Versicherte beanstandete das Vorgehen der IV-Stelle und
befürwortete eine Neubegutachtung (IV-act. 118).
Die Suva hatte dem Versicherten mit Verfügung vom 29. August 2018 mit Wirkung
ab 1. September 2018 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 18% und eine
Integritätsentschädigung basierend auf einem Integritätsschaden von 15%
zugesprochen (Suva-act. 200). Dagegen hatte der Versicherte am 1. Oktober 2018
Einsprache erhoben (Suva-act. 211). Auf Antrag des Versicherten (vgl. Suva-act. 211,
218, 221) hatte die Suva das Einspracheverfahren bis zum rechtskräftigen Entscheid
über die Invalidenrente der Invalidenversicherung sistiert (Suva-act. 222).
A.k.
Mit Vorbescheid vom 12. November 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen in Aussicht, da er sich
nicht in der Lage sehe, an beruflichen Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen (IV-
act. 123). Dagegen erhob der Versicherte am 3. Januar 2019 Einwand. Er reichte einen
Bericht von Dr. C._ vom 2. Januar 2019 ein, in welchem dieser sich zum
psychiatrischen Teilgutachten der estimed AG geäussert und dem Versicherten ab
Oktober 2016 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte (IV-act. 128). Mit
Schreiben vom 4. Februar 2019 zog die IV-Stelle ihren Vorbescheid vom 12. November
2018 zurück (IV-act. 133).
A.l.
Im Auftrag der IV-Stelle (IV-act. 153) wurde der Versicherte im Mai 2019 durch
Ärzte der medexperts AG, St. Gallen, polydisziplinär (internistisch, neurologisch,
neuropsychologisch, orthopädisch, psychiatrisch) abgeklärt. Diese listeten in ihrem
Gutachten vom 1. Juli 2019 als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
belastungsabhängige Schmerzen am Handgelenk beidseits (ICD-10: M19.03 und
M19.04), eine Abnützung des Kniegelenks links (ICD-10: M17.1), eine beginnende
Abnützung an der Hals- und Lendenwirbelsäule (ICD-10: M47.8), eine beginnende bis
A.m.
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mässige Abnützung am Daumensattelgelenk beidseits (ICD-10: M19.04), ein leichtes
Schulterengpasssyndrom rechts nach einer Prellung und wahrscheinlich traumatischen
Schädigung der Binnenstruktur (SLAP-Läsion; ICD-10: M75.4), eine sonstige Reaktion
auf schwere Belastung (ICD-10: F43.8) und eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) auf. In der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Hilfsarbeiter im Baugewerbe liege seit spätestens September 2016 eine
Arbeitsfähigkeit von 0% vor. In einer adaptierten Tätigkeit habe die Arbeitsfähigkeit von
Mai 2017 bis Januar 2018 70% und von Februar bis März 2018 0% betragen. Seit April
2018 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80% (IV-act. 166).
Mit Vorbescheid vom 23. August 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen in Aussicht, da er sich
nicht in der Lage sehe, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (IV-act. 177). Dagegen liess
der Versicherte am 5. September 2019 vorbringen, gemäss der Einschätzung von Dr.
C._ sei er zu 100% arbeitsunfähig. Sollte die IV-Stelle ihren Vorbescheid nicht
widerrufen, erhebe er Einwand. Er reichte eine Stellungnahme von Dr. C._ vom 5.
September 2019 zum Gutachten der medexperts AG ein (IV-act. 180 f.). RAD-Arzt Dr.
med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte dazu am 19.
September 2019 aus, es könne weiterhin vollumfänglich auf das Gutachten der
medexperts AG abgestellt werden (IV-act. 183). Die IV-Stelle teilte dem Versicherten
am 20. September 2019 mit, sie halte an ihrem Entscheid fest, der Vorbescheid vom
23. August 2019 werde nicht widerrufen (IV-act. 184).
A.n.
Der Versicherte liess am 27. September 2019 vorbringen, gemäss dem Gutachten
der medexperts AG sei seine Urinprobe positiv auf Kokain getestet worden. Er habe
jedoch noch nie Kokain konsumiert. Er verlange daher die Herausgabe des
Untersuchungsprotokolls bezüglich des Drogenscreenings. Zudem sei die ihm
anlässlich der Begutachtung entnommene Blutprobe auf Kokain und Kokain-
Metaboliten zu untersuchen (IV-act. 185).
A.o.
Nach Beizug der Labordaten (IV-act. 188 f.) wies die IV-Stelle das Begehren um
berufliche Massnahmen mit Verfügung vom 3. Oktober 2019 ab. Sie führte aus, ein
möglicher Konsum von Kokain würde sich gemäss dem Gutachten der medexperts AG
ohnehin nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (IV-act. 190). Der Versicherte teilte der
A.p.
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B.
IV-Stelle am 25. Oktober 2019 mit, er verzichte auf die Erhebung eines Rechtsmittels
(IV-act. 194).
Nach einem weiteren entsprechenden Antrag des Beschwerdeführers (vgl. IV-act.
191) hatte die IV-Stelle die medexperts AG mit Schreiben vom 24. Oktober 2019
beauftragt, das anlässlich der Begutachtung entnommene Blut auf Kokain und
Kokainmetaboliten untersuchen zu lassen (IV-act. 192). Nach Eingang der Ergebnisse
beurteilte RAD-Arzt F._ am 15. November 2019, im Blut des Versicherten seien kein
Kokain und auch keine Kokainmetaboliten nachweisbar gewesen. Es sei mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich bei den positiven
Werten von Kokain in der Urinkontrolle vom 13. Mai 2019 um ein falsch positives
Resultat gehandelt habe. Diese falsch positive Urinprobe habe jedoch keinen Einfluss
auf die gutachterliche Beurteilung gehabt (IV-act. 196, vgl. IV-act. 195). Auf Nachfrage
der IV-Stelle führte der psychiatrische Teilgutachter der medexperts AG, Dr. med. univ.
G._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, aus, der erste Kokainwert im Urin sei
überwiegend wahrscheinlich als falsch positiv anzusehen und der Spiegelbestimmung
im Blut mehr Glauben zu schenken. Dieser Umstand habe aber keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten (IV-act. 198).
A.q.
Mit Vorbescheid vom 17. Januar 2020 stellte die IV-Stelle dem Versicherten bei
einem Invaliditätsgrad von 20% die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-
act. 205). Dagegen erhob der Versicherte am 21. Februar 2020 Einwand (IV-act. 208).
Nach Einholung einer Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. F._ (vgl. IV-act. 209) verfügte
die IV-Stelle am 9. März 2020 entsprechend dem Vorbescheid (IV-act. 210).
A.r.
Dagegen erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 11. Mai 2020
die vorliegende Beschwerde. Er beantragte darin, die Verfügung vom 9. März 2020 sei
aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventualiter
sei die Angelegenheit an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen. Es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung zu
gewähren; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. Juli 2020 die Abweisung der
Beschwerde (act. G5).
B.b.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente gegenüber der Beschwerdegegnerin.
Gemäss Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten
nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Nachdem sich der
Beschwerdeführer am 9. Juni 2017 (Posteingang IV-Stelle) letztmals zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet hat (vgl. IV-act. 55), fällt ein
Rentenanspruch vorliegend frühestens ab 1. Dezember 2017 in Betracht. Bezüglich
des Anspruchs auf berufliche Eingliederungsmassnahmen hat die Beschwerdegegnerin
bereits rechtskräftig verfügt (vgl. IV-act. 190, IV-act. 194), weshalb dieser vorliegend
grundsätzlich nicht Verfahrensgegenstand bildet.
Am 20. Juli 2020 entsprach die Verfahrensleitung dem Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege (act. G6).
B.c.
Mit Replik vom 17. August 2020 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
fest (act. G8).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G10).B.e.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
1.1.
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(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss, BGE 117 V 282 E. 4.a).
1.2.
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
1.3.
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2.
Als erstes ist die Frage zu klären, ob die medizinische Situation und die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers rechtsgenüglich abgeklärt wurden. Die angefochtene
Verfügung stützt sich in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das Gutachten der
medexperts AG vom 1. Juli 2019 (IV-act. 166). Der Beschwerdeführer spricht diesem
die Beweiskraft ab und hält ihm insbesondere die Einschätzung von Dr. C._ (IV-act.
181) entgegen (act. G1, G8).
Die Gutachter der medexperts AG listeten in ihrem Gutachten vom 1. Juli 2019 als
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit belastungsabhängige Schmerzen am
Handgelenk beidseits (ICD-10: M19.03 und M19.04), eine Abnützung des Kniegelenks
links (ICD-10: M17.1), eine beginnende Abnützung an der Hals- und Lendenwirbelsäule
(ICD-10: M47.8), eine beginnende bis mässige Abnützung am Daumensattelgelenk
beidseits (ICD-10: M19.04), ein leichtes Schulterengpasssyndrom rechts (ICD-10:
M75.4), eine sonstige Reaktion auf schwere Belastung (ICD-10: F43.8) und eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10:
F45.41) auf. In der Konsensbeurteilung befanden sie, in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Hilfsarbeiter im Baugewerbe liege seit spätestens September 2016 eine
Arbeitsfähigkeit von 0% vor. In einer adaptierten Tätigkeit habe die Arbeitsfähigkeit von
Mai 2017 bis Januar 2018 70% und von Februar bis März 2018 0% betragen. Seit April
2018 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80% (IV-act. 166). Die Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit im Verlauf entspricht derjenigen des
orthopädischen Teilgutachters (vgl. IV-act. 166-27). Dieser war im Zeitraum von
Februar bis März 2018 aufgrund des operativen Eingriffs vom 16. Februar 2018 (vgl.
Suva-act. 172) und der postoperativen Rehabilitation nachvollziehbar von einer
Arbeitsfähigkeit von 0% und ab April 2018 von einer im Vergleich zur präoperativen
Situation höheren Arbeitsfähigkeit von 80% ausgegangen. Der neurologische und der
psychiatrische Teilgutachter gingen von einer Arbeitsfähigkeit von durchgehend 80%
aus (vgl. IV-act. 166-35, 166-49). Der internistische Teilgutachter erachtete den
Beschwerdeführer als voll arbeitsfähig in sämtlichen Tätigkeiten (IV-act. 166-58) und
die neuropsychologische Teilgutachterin konnte allfällige kognitive Defizite nicht valide
erfassen (IV-act. 167). Primär umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die
Einschätzung des psychiatrischen Teilgutachters Dr. G._ (vgl. act. G1, G8).
2.1.
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2.2.
Anlässlich der Begutachtung durch die medexperts AG wurde dem
Beschwerdeführer eine Urin- und eine Blutprobe entnommen. Erstere zeigte ein
positives Testresultat auf Kokain und Benzodiazepine (vgl. IV-act. 189). Eine auf Antrag
des Beschwerdeführers (vgl. IV-act. 185, 191) durchgeführter Untersuchung der
damaligen Blutprobe ergab jedoch keinen Nachweis von Kokain oder
Kokainmetaboliten (vgl. IV-act. 195). RAD-Arzt F._ und der psychiatrische
Teilgutachter Dr. G._ schlossen daraus, dass es sich bei den positiven Werten von
Kokain in der Urinkontrolle vom 13. Mai 2019 überwiegend wahrscheinlich um ein
falsch positives Resultat gehandelt habe (IV-act. 196, 198).
2.2.1.
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Gutachter seien von diesem falschen
Resultat beeinflusst worden, indem sie einen negativen Eindruck vom
Beschwerdeführer gewonnen hätten (act. G1, G8). Dr. G._ hatte jedoch bereits in
seinem Teilgutachten festgehalten, laborchemisch zeige sich das Substanzscreening
positiv auf Kokain. Weder aktenanamnestisch noch aus dem gutachterlichen Gespräch
könne dieser positive Wert nachvollzogen werden, da der Beschwerdeführer einen
Drogenkonsum verneine sowie die aktuell eingenommenen Medikamente als
Nebenwirkung für ein positives Kokainscreening nicht in Frage kämen. Er sei aber
davon überzeugt, dass gerade im Rahmen der finanziellen Mittel, der fehlenden
Hinweise in der Anamnese sowie des Verhaltens des Beschwerdeführers im
gutachterlichen Gespräch dieser Wert keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe (IV-
act. 166-46). Dementsprechend listete er den Kokainkonsum nicht als Diagnose auf
(IV-act. 166-47). Auch RAD-Arzt F._ hielt nach Eingang des negativen Testresultats
der Blutprobe überzeugend fest, aus seiner Sicht habe die falsch positive Urinprobe
keinen Einfluss auf die gutachterliche Beurteilung des Gesundheitszustandes und der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers gehabt. In der integrativen Gesamtbeurteilung
werde nicht auf die Ergebnisse des Drogenscreenings im Urin eingegangen. Sie
würden auch in keiner Weise in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit miteinbezogen. Das
falsch positive Ergebnis der Urinkontrolle auf Kokain sei ohne jeden Einfluss auf die
gutachterliche Beurteilung und vermöge die plausibel nachvollziehbare Einschätzung
der medexperts AG nicht in Frage zu stellen (IV-act. 196). Auf Nachfrage der
Beschwerdegegnerin wiederholte Dr. G._ am 9. Dezember 2019 die oben erwähnte
Passage aus seinem Gutachten, wonach das nicht nachvollziehbare positive Resultat
der Urinprobe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Zusätzlich führte er aus,
der erste Kokainwert im Urin sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als falsch
positiv anzusehen und der Spiegelbestimmung im Blut mehr Glauben zu schenken.
2.2.2.
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Dieser Umstand habe aber, wie zuvor beschrieben, keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers (IV-act. 198). Wie der Beschwerdeführer zu
Recht geltend macht, kann ein chronischer Kokainkonsum diverse psychische Folgen
haben (act. G8). Dr. G._ ging aber offenbar nicht von solchen aus. Zudem lassen sich
seinem Gutachten bereits Zweifel am positiven Testresultat der Urinprobe entnehmen
(vgl. IV-act. 166-46). Damit ist davon auszugehen, dass die Gutachter der medexperts
AG, insbesondere Dr. G._, sich nicht vom falsch positiven Resultat des Kokaintests
hatten beeinflussen lassen und dieser für die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht relevant
war.
Der Beschwerdeführer bringt vor, die Tatsache, dass anlässlich der
Begutachtung überhaupt ein Kokaintest durchgeführt worden sei und dass die
Beschwerdegegnerin später auch die Blutprobe habe testen lassen, zeige, dass das
Testresultat von Relevanz gewesen sei (act. G1). Entgegen dieser Aussage führen
Gutachter teilweise routinemässig ein Substanzscreening durch. Vorliegend ergab die
Urinprobe auch ein positives Testresultat für Benzodiazepine (IV-act. 189). Das
Substanzscreening diente damit primär der Überprüfung der Einnahme des
verordneten Medikaments Temesta (vgl. IV-act. 166-17, 166-58). Sodann beauftragte
die Beschwerdegegnerin die medexperts AG primär deshalb, die am 13. Mai 2019
entnommene Blutprobe auf Kokain und Kokainmetabolite untersuchen zu lassen, weil
dies der Beschwerdeführer mehrfach und mit Nachdruck beantragt hatte (vgl. IV-act.
185, 191). Die Beschwerdegegnerin war der Ansicht, dass ein nochmaliger
Blutuntersuch ohnehin keine Auswirkung auf die Beurteilung haben werde, weshalb sie
ursprünglich auf einen Untersuch hatte verzichten wollen (vgl. IV-act. 186, 190).
Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers wurde die Untersuchung der
Blutprobe nicht vom RAD angeordnet (vgl. act. G1). Eine Mitarbeiterin der
Beschwerdegegnerin hatte am 24. Oktober 2019 festgehalten, der Beschwerdeführer
habe erneut eine Anfrage eingereicht. Nach Rücksprache mit dem Rechtsdienst könne
eine erneute Überprüfung durchgeführt werden. Sie beauftrage die Gutachterstelle
daher, das Blut prüfen zu lassen. Anschliessend sei eine erneute Vorlage an den RAD
notwendig (IV-act. 193). Daraus ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin ohne die
wiederholten Anträge des Beschwerdeführers die Blutprobe nicht hätte analysieren
lassen. Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin dem Antrag des
Beschwerdeführers auch deshalb nachkam, weil die Blutprobe bald vernichtet worden
(vgl. IV-act. 191) und eine spätere Auswertung nicht mehr möglich gewesen wäre. Sie
wäre damit das Risiko eingegangen, ein sich allenfalls im späteren Verfahren als
relevant erweisendes Beweismittel nicht zu erheben.
2.2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
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Soweit der Beschwerdeführer andeutet, die Beschwerdegegnerin habe sich
einen auf Kokainkonsum positiven Bluttest erhofft, um "ein weiteres Argument zu
Ungunsten des Beschwerdeführers" zu haben (vgl. act. G1), findet sich dafür in den
Akten kein Hinweis. RAD-Arzt F._ hatte am 19. September 2019 zwar ausgeführt,
das Drogenscreening sei laborchemisch positiv auf Kokain ausgefallen. Das von Dr.
C._ beschriebene agitierte Verhalten könnte theoretisch auch Folge eines
Kokainkonsums sein (vgl. IV-act. 183). Dabei handelte es sich jedoch lediglich um eine
Vermutung bzw. um eine mögliche Erklärung des Verhaltens des Beschwerdeführers.
Auch ohne diese überzeugt - wie nachfolgend ausgeführt - die Beurteilung von Dr.
C._ nicht.
2.2.4.
Insgesamt sind das falsch positive Testresultat der Urinprobe und die Kenntnis
desselben durch die Gutachter der medexperts AG entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers (act. G1) kein Grund dafür, den Beweiswert des Gutachtens in
Frage zu stellen.
2.2.5.
Der psychiatrische medexperts-Teilgutachter Dr. G._ und Dr. C._ sind sich
einig, dass beim Beschwerdeführer eine chronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren vorliegt (vgl. IV-act. 166-47, 181). Dr. C._ hielt in seiner
Stellungnahme vom 5. September 2019 als Diagnose jedoch zusätzlich eine depressive
Episode mit mittelgradiger bis schwerer Ausprägung, agitierten Charakters, fest. Diese
sei als eigenständige Krankheit anzusehen bzw. präge komorbid das klinische Bild. Bei
einem depressiven Zustandsbild agitierten Charakters handle es sich um eine spezielle
Form der depressiven Störung, bei der die innere Unruhe in einem so hohen Mass
gesteigert sei, dass sie die übrige Symptomatik bzw. die anderen Symptome der
Depression überdecke. In der agitierten Depression fühlten sich die Betroffenen sehr
angespannt, angetrieben, rastlos, nervös, gereizt und litten gleichzeitig an quälenden
Angstzuständen. Sie hätten ein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis, was oft zu vielen
Klagen, Lamentieren und Jammern führe. Zu den spezifischen Symptomen einer
agitierten Depression kämen klassische Symptome der Depression hinzu. Der
Beschwerdeführer habe seinen Lebensinhalt und das Selbstwertgefühl verloren, er
habe Schuld- und Insuffizienzgefühle. Im Gutachten von Dr. G._ werde der wahre
psychopathologische Zustand des Beschwerdeführers nicht erfasst, seine
Beschwerden würden offenbar für nicht valide angenommen. Dr. G._ habe den
agitierten Charakter der Depression nicht erfasst. Stattdessen stelle Dr. G._ die
Diagnose "sonstige Reaktion auf schwere Belastung". Wie es zu dieser Diagnose
komme, was sie beinhalte und welche Schlussfolgerungen diese nach sich ziehe,
begründe er jedoch nicht. Es handle sich um eine Verlegenheitsdiagnose, weil der Fall
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
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als Ganzes durch Dr. G._ nicht habe erfasst werden können (IV-act. 181). Im
Gegensatz zu Dr. C._ hatte Dr. G._ befunden, der Beschwerdeführer sei
psychomotorisch unauffällig. Ebenso sei der Antrieb unauffällig und der affektive
Rapport gut herstellbar (vgl. IV-act. 166-41). Er hatte festgehalten, in der
Untersuchungssituation seien depressive Symptome explorierbar gewesen. Diese
seien insofern nachvollziehbar, als die subjektive Überzeugung bestehe, dass die Ärzte
am Leid des Beschwerdeführers mitverantwortlich seien und gegenüber den
Versicherungen finanzielle Entschädigungsansprüche bestünden. In diesem
Zusammenhang habe der Beschwerdeführer zahlreiche psychosoziale
Belastungsfaktoren angegeben (IV-act. 166-46). Im Gegensatz zu Dr. C._ klammerte
Dr. G._ diese Belastungsfaktoren korrekterweise aus (vgl. IV-act. 183) und
diagnostizierte keine Depression. Es waren nach seiner Ansicht nicht genügend
Symptome vorhanden, um eine depressive Episode zu diagnostizieren. Er hatte
ausgeführt, spontan habe der Beschwerdeführer über keine depressionstypischen
Symptome berichtet, welche nicht in irgendeiner Form schmerzassoziiert gewesen
seien. Erst gegen Ende der Begutachtung habe er bei der expliziten Abfrage der
Symptome einer Depression diese bereitwillig bejaht. Es bestünden zahlreiche
Hinweise auf eine nicht authentische Beschwerdeschilderung. Je länger sich der
Beschwerdeführer in der ungeklärten versicherungstechnischen Situation befinde,
desto höher sei das Risiko, dass sich die geschilderte sonstige Reaktion auf schwere
Belastung in eine eigenständige depressive Störung umwandeln könne. Dieser Punkt
sei jedoch noch nicht erreicht (vgl. IV-act. 166-47). Entgegen Dr. C._ hat Dr. G._
zudem richtigerweise die in den Akten immer wieder beschriebene Diskrepanz
zwischen den objektivierbaren somatischen Beschwerden und den Schilderungen des
Beschwerdeführers berücksichtigt (vgl. unter anderem IV-act. 15 f., 18, 29, 31, 76-3,
94-53, 166-9, Suva-act. 5-26). Der Fakt, dass der psychiatrische Teilgutachter der
estimed AG keine relevanten Diskrepanzen zwischen den angegebenen Beschwerden
und dem psychopathologischen Befund erkannt hatte (vgl. IV-act. 94-131), ändert
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nichts daran (act. G8).
Dr. C._ hielt weiter fest, der Beschwerdeführer sei gegenüber seinem Schicksal
fassungslos. Er werde von Lethargie übermannt, verspüre gegenüber Dritten Unmut
und Scham und seine Zukunftsperspektiven seien nihilistisch (vgl. IV-act. 181). Wie
RAD-Arzt Dr. F._ überzeugend festhielt, berücksichtigte Dr. G._ diese Symptome
insofern schlüssig, als er eine "sonstige Reaktion auf schwere Belastung" (ICD-10:
F43.8) diagnostizierte. Aus Sicht des RAD sei dies entgegen Dr. C._ keine
Verlegenheitsdiagnose, sondern sie werde von Dr. G._ ausführlich hergeleitet (IV-act.
183). So hatte Dr. G._ ausgeführt, es handle sich um einen Zustand von subjektivem
2.4.
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Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, welcher soziale Funktionen sowie
Leistungen behindere und während des Anpassungsprozesses nach einer
entscheidenden Lebensveränderung, nach einem belastenden Lebensereignis oder
auch nach schwerer körperlicher Krankheit auftrete, wie dies unter dem
Diagnosekriterium der Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2) geschildert werde. Da das
für die Diagnose einer Anpassungsstörung bestehende Kriterium von zwei Jahren
jedoch überschritten sei, sei die Störung als "sonstige Reaktion auf schwere
Belastung" zu qualifizieren (IV-act. 166-47, vgl. IV-act. 166-42 ff.). Diese Diagnose ist
damit nachvollziehbar. Zudem ist mit der Beschwerdegegnerin (act. G5) darauf
hinzuweisen, dass es invalidenversicherungsrechtlich nicht auf die (genaue) Diagnose
ankommt, sondern darauf, welche Auswirkungen eine Krankheit auf die Arbeitsfähigkeit
hat. In diesem Zusammenhang gilt es zu berücksichtigen, dass die psychiatrische
Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann und dem
oder der medizinischen Sachverständigen deshalb praktisch immer einen gewissen
Spielraum eröffnet, innerhalb welchem verschiedene Interpretationen möglich, zulässig
und im Rahmen einer Exploration lege artis zu respektieren sind (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. März 2016, 9C_634/2015, E. 6.1, mit weiteren Hinweisen).
Weiter stützte sich Dr. G._ bei seiner Beurteilung auch auf die Ergebnisse des
neuropsychologischen Teilgutachtens von H._, Fachpsychologin für
Neuropsychologie FSP, vom 14. Mai 2019. Diese diagnostizierte nicht-authentische
neuropsychologische Störungen. Aufgrund der verminderten Kooperationsbereitschaft
habe kein gültiges Testprofil erstellt werden können. Eine valide Erfassung etwaiger
kognitiver Defizite sei nicht möglich und die beklagten Gedächtnisstörungen könnten
nicht objektiviert werden. Die Leistungen des Beschwerdeführers hätten bei einfachen
Aufgaben zum Teil im Bereich von Demenzpatienten im fortgeschrittenen Stadium
gelegen. Für eine solche Demenz oder ein ähnlich schweres Zustandsbild gebe es
jedoch keine Anhaltspunkte (IV-act. 167). Dr. C._ führte bezüglich der
neuropsychologischen Begutachtung aus, es liege auf der Hand, dass es bei einem
schmerzgeplagten, depressiv-agitierten Patienten zu Verzerrungen der Ergebnisse
einer neuropsychologischen Untersuchung komme. In seinem Zustand wäre dem
Beschwerdeführer eine solche Untersuchung nicht einmal zumutbar gewesen (IV-act.
181). Wie RAD-Arzt Dr. F._ jedoch festhielt, ist beim Beschwerdeführer die Diagnose
einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren gestellt
worden. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen bei Schmerzpatienten hätten
ergeben, dass chronische Schmerzen einen Einfluss auf die kognitive
Leistungsfähigkeit haben könnten und auch zu neuropsychologischen
Einschränkungen führen könnten. Im Sinne einer umfassenden Abklärung sei das
2.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
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neuropsychologische Teilgutachten explizit in Auftrag gegeben worden, um feststellen
zu können, ob beim Beschwerdeführer solche Einschränkungen vorlägen (IV-act. 183).
Es ist damit grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass der Beschwerdeführer einer
neuropsychologischen Begutachtung unterzogen wurde. Die Ausführungen von Dr.
C._ erklären zudem nicht, weshalb H._ beim Beschwerdeführer nicht-authentische
neurolopsychologische Störungen hat feststellen können. Insbesondere ist trotz seiner
Hinweise auf eine mögliche Verzerrung der Ergebnisse nicht einsichtig, weshalb es
beim Beschwerdeführer teilweise zu Resultaten kam, welche denjenigen von schweren
Demenzpatienten entsprechen. Entgegen der Kritik des Beschwerdeführers (act. G8)
gab es keinen Anlass, bezüglich einer allfälligen Demenzerkrankung weitere
Abklärungen zu treffen. Auch der Stellungnahme von Dr. C._ ist nicht zu entnehmen,
dass er dies für nötig erachtet hätte.
Dr. C._ erachtete den Beschwerdeführer allein aus psychiatrischer Sicht seit
Oktober 2016 als voll arbeitsunfähig. Es bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 0% für die
angestammte Tätigkeit sowie für allfällige Verweistätigkeiten (IV-act. 181). Er führte
jedoch nicht aus, wie genau die Beschwerden sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken
sollten. Insbesondere ist nicht nachvollziehbar, weshalb die von ihm genannten
Diagnosen und die damit zusammenhängenden Einschränkungen zu einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit selbst in ideal angepassten Tätigkeiten führen sollten.
Wie RAD-Arzt Dr. F._ zudem zu Recht ausführte, basieren die Ausführungen von Dr.
C._ im Wesentlichen auf den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers und
werden nicht durch eine fachärztliche Diskussion anhand objektiver Punkte
substantiiert (vgl. IV-act. 183, act. G5). Im Gegensatz zu Dr. G._ legte er der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit keine objektivierbare Zumutbarkeitsprüfung zugrunde
und nahm keinen Bezug auf die Standardindikatoren (vgl. act. G5, BGE 141 V 281).
Insgesamt ist die Beurteilung von Dr. C._ damit nicht geeignet, das Gutachten der
medexperts AG, insbesondere das Teilgutachten von Dr. G._, in Frage zu stellen.
2.6.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht (act. G1), die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. G._ könne auch deshalb nicht korrekt sein, weil
sogar die Gutachter der estimed AG im psychiatrischen Bereich von einer
Arbeitsunfähigkeit von 30% ausgegangen seien, ist dies nicht einsichtig. Der
Beschwerdeführer selbst hatte am 20. September 2018 eine Neubegutachtung
vorgeschlagen, da das Gutachten der estimed AG nicht über alle Zweifel erhaben
scheine (IV-act. 103). Auch RAD-Arzt Dr. D._ hatte sich ursprünglich auf den
Standpunkt gestellt, die Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Teilgutachters
der estimed AG sei nicht plausibel nachvollziehbar (IV-act. 95). Am 3. Januar 2019
2.7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
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3.
Basierend auf einer Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 70% vom 1.
Dezember 2017 (frühestmöglicher Rentenbeginn) bis 31. Januar 2018, von 0% vom 1.
Februar bis 31. März 2018 und von 80% ab 1. April 2018 ist nachfolgend der
Invaliditätsgrad zu bestimmen (vgl. IV-act. 166).
führte der Beschwerdeführer sodann mit Verweis auf eine Einschätzung von Dr. C._
aus, das psychiatrische Teilgutachten der estimed AG sei mangelhaft und nicht mehr
aktuell (IV-act. 128). In der Folge zog die Beschwerdegegnerin ihren Vorbescheid vom
12. November 2018 zurück und gab ein neues polydisziplinäres Gutachten in Auftrag
(IV-act. 133, 153). Vor diesem Hintergrund erübrigen sich weitere Ausführungen zur
Beweiskraft des Gutachtens der estimed AG, zumal diese bereits aufgrund der Akten
zumindest anzuzweifeln war. Der Beschwerdeführer machte denn auch im
Beschwerdeverfahren nicht geltend, es sei auf das Gutachten der estimed AG
abzustellen. Wie die Beschwerdegegnerin zudem zu Recht ausführte, ist die
Einschätzung von Dr. G._ insbesondere deshalb überzeugender als diejenige des
psychiatrischen Teilgutachters der estimed AG, weil er sich auf die Ergebnisse einer
neuropsychologischen Untersuchung stützen konnte und diesen nachvollziehbar
Rechnung trug (act. G5, vgl. IV-act. 167).
Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt weiter ins Gewicht, dass das
Gutachten der medexperts AG vom 1. Juli 2019 (IV-act. 166) auf umfassender
Aktenkenntnis sowie polydisziplinären eigenen Untersuchungen beruht, das gesamte
Leidensbild des Beschwerdeführers berücksichtigt und die auf dieser Grundlage
gezogenen Schlüsse nachvollziehbar sind. Aus den vom Beschwerdeführer
vorgebrachten medizinischen Einschätzungen ergeben sich zudem keine objektiven
Gesichtspunkte, welche im genannten Gutachten ausser Acht gelassen worden wären.
Schliesslich wurden auch zwischen dem Gutachten vom 1. Juli 2019 und der
umstrittenen Verfügung vom 9. März 2020 (IV-act. 210) keine massgeblichen
Veränderungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit geltend gemacht und solche
ergeben sich auch nicht aus den Akten. Weitere medizinische Abklärungen erübrigen
sich damit.
2.8.
Massgebend für das Valideneinkommen ist, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte. Für die Bestimmung des Valideneinkommens wird
grundsätzlich am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
3.1.
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Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 139 V 28
E. 3.3.2, 125 V 58 E. 3.1; Urteile des Bundesgerichts vom 18. März 2015,
8C_590/2014, E. 5.1, und 21. August 2013, 8C_196/2013, E. 3.1). In den Jahren 2012
bis 2014 hatte der Beschwerdeführer temporär bei verschiedenen Betrieben als
Hilfsarbeiter auf dem Bau gearbeitet und dabei relativ tiefe, stark schwankende
Einkommen erzielt (vgl. IV-act. 5, 11, 45, 61, 67, Suva-act. 2-143). Sein letzter Einsatz
ohne gesundheitliche Beschwerden begann am 23. April 2014, und er war für eine
Einsatzdauer von maximal drei Monaten vermittelt worden (IV-act. 45, Suva-act.
2-143). Schlussendlich war er bis zu seinem Unfall vom 25. August 2014, mithin vier
Monate, dort tätig (vgl. Suva-act. 2-89, 2-94). In den Jahren 2015 und 2016 bezog er
sodann Arbeitslosentaggelder (IV-act. 61). Per 20. bzw. 21. September 2016 wurde er
erneut temporär für fünf bis sieben Wochen für eine Hilfstätigkeit auf dem Bau
vermittelt, erlitt jedoch bereits am 22. September 2016 einen Unfall und war seither nie
mehr arbeitstätig (vgl. Suva-act. 9, 121-3). Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es sich
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (act. G1, G8) nicht, auf die bei seinen im
April 2014 oder im September 2016 angetretenen temporären Arbeitsstellen erzielten
Einkommen abzustellen. Die Einsätze dauerten jeweils nur sehr kurz und die
generierten Löhne waren schwankend. Da der Beschwerdeführer auch in seinem
Heimatland stets in der Baubranche tätig war (vgl. IV-act. 2, 166-48), rechtfertigt es
sich stattdessen - entsprechend dem Vorschlag der Beschwerdegegnerin (act. G5) -
das Valideneinkommen gestützt auf die LSE 2016, Tabelle TA1, Branche Baugewerbe
Ziff. 41-43, Kompetenzniveau 1, Männer, zu bestimmen. Der entsprechende Lohn
betrug Fr. 5'508.-- monatlich bzw. Fr. 66'096.-- jährlich. Aufgerechnet auf die
betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und angepasst an die
Nominallohnentwicklung bis 2017 (Index 2016: 2'239; 2017: 2'249) ergibt sich ein
massgebliches Valideneinkommen von Fr. 69'213.--.
Art. 16 ATSG umschreibt das Invalideneinkommen als hypothetisches Einkommen.
Nach der ständigen Verwaltungspraxis und Rechtsprechung steht der Beizug von
Tabellen und vergleichbaren Übersichten im Vordergrund (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 66 f. zu Art. 16). Da dem Beschwerdeführer im
Invalidenfall allgemeine Hilfsarbeitertätigkeiten zumutbar sind, rechtfertigt es sich, das
Invalideneinkommen gestützt auf die LSE 2016, Tabelle TA1, Total sämtlicher
Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Männer, zu bestimmen. Dieses belief sich auf
Fr. 5'340.-- pro Monat bzw. Fr. 64'080.-- pro Jahr. Aufgerechnet auf die
betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und angepasst an die
Nominallohnentwicklung bis 2017 (Index 2016: 2'239; 2017: 2'249) ergibt sich ein
3.2.
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massgebliches Einkommen von Fr. 67'102.--. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 80%
entspricht dies Fr. 53'682.--, bei einer solchen von 70% Fr. 46'971.--.
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten (Hilfsarbeiter)Tätigkeiten behindert
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Wie die
Gutachter der medexperts AG festhielten, hat der Beschwerdeführer gewisse
qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit (kein Heben/Tragen von Gewichten
über 10kg, keine Arbeitszwangshaltungen mit vermehrter Belastung der Hals-, Brust-
und Lendenwirbelsäule, keine Arbeitszwangshaltungen in der tiefen Hocke oder im
Knien, kein vermehrtes Bücken unter Tischkantenniveau, kein vermehrtes Überwinden
von Niveauunterschieden, keine höhenexponierten Arbeiten, wechselbelastende
Tätigkeiten mit Stehen/Gehen von max. 45 Minuten am Stück; vgl. IV-act. 166-9). Er ist
im Vergleich zu voll leistungsfähigen Arbeitnehmerinnen damit lohnmässig benachteiligt
und muss mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen (vgl. zum Ganzen Philipp
Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, in Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.]: Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht 2012, S. 139 ff.). Es rechtfertigt sich, auch vor dem
Hintergrund, dass der Beschwerdeführer nur noch Teilzeit arbeiten kann, den
Tabellenlohnabzug auf 10% festzusetzen. Ein höherer Abzug ist entgegen den
Ausführungen des Beschwerdeführers nicht gerechtfertigt (vgl. act. G1, G8). Bei einer
Arbeitsfähigkeit von 80% resultiert damit ein Invalideneinkommen von Fr. 48'314.--
(53'682.-- x 0.9), bei einer solchen von 70% ein Invalideneinkommen von Fr. 42'274.--
(46'971.-- x 0.9).
3.3.
Für den Zeitraum vom 1. Dezember 2017 bis 31. Januar 2018 ergibt sich
ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 70% in einer adaptierten Tätigkeit, einem
Valideneinkommen von Fr. 69'213.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 42'274.--
ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von rund 39%. Ab 1. April 2018 resultiert
bei einer Arbeitsfähigkeit von 80% in einer adaptierten Tätigkeit, einem
gleichbleibenden Valideneinkommen und einem Invalideneinkommen von 48'314.-- ein
ebenfalls nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von rund 30%. Im
dazwischenliegenden Zeitraum vom 1. Februar bis 31. März 2018 würde bei einer
3.4.
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4.