Decision ID: 23b178dc-28a2-4dca-a406-1f147bbefcf5
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1966 geborene Beschwerdeführer war als Elektromaschinenbauer an-
gestellt und deswegen bei der Beschwerdegegnerin gegen die Folgen von
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten versichert, als
er mit Schadenmeldung vom 29. Oktober 2020 einen Schnappfinger an der
linken Hand als Berufskrankheit meldete. In der Folge tätigte die Beschwer-
degegnerin berufliche sowie medizinische Abklärungen und holte daraufhin
eine Beurteilung ihrer Versicherungsmedizinerin ein. Mit Verfügung vom
22. Januar 2021 verneinte sie daraufhin ihre Leistungspflicht für die ihr ge-
meldeten Beschwerden, da diese nicht als Berufskrankheit zu werten
seien. Mit Schadenmeldung vom 18. Februar 2021 meldete der Beschwer-
deführer ein Karpaltunnelsyndrom am linken Handgelenk als Berufskrank-
heit; gleichentags erhob er Einsprache gegen die Verfügung vom 22. Ja-
nuar 2021. Die Beschwerdegegnerin holte weitere medizinische Akten ein
und wies, nachdem der Krankentaggeldversicherer des Beschwerdefüh-
rers seine vorsorglich erhobene Einsprache am 18. März 2021 zurückge-
zogen hatte, die Einsprache des letzteren am 2. September 2021 ab.
2.
2.1.
Gegen den Einspracheentscheid vom 2. September 2021 erhob der Be-
schwerdeführer mit Eingabe vom 1. Oktober 2021 fristgerecht Beschwerde
und stellte folgende Rechtsbegehren:
"1. Der Einsprache-Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 02.09.2021 (26.82596.20.4) sei aufzuheben.
2. Dem Beschwerdeführer seien sämtliche möglichen gesetzlichen Leis-
tungen ab dem frühest möglichen Zeitpunkt zuzusprechen.
3. Insbesondere seien Heil- und Transportkosten zu leisten.
4. Insbesondere sei ein möglichst hohes Taggeld zu leisten.
5. Insbesondere sei eine möglichst hohe Invalidenrente zu leisten.
6. Insbesondere sei eine möglichst hohe Integritätsentschädigung zu leis-
ten.
7. Dem Beschwerdeführer sei das Rückfallmelderecht und das Recht
Spätfolgen geltend zu machen, zu gewähren.
8. Vor Festlegung der Höhe der Taggelder, der Invalidenrente und der In-
tegritätsentschädigung sei das Abklärungsresultat dem  zu unterbreiten, damit er die Höhe der Taggelder, der  und der Integritätsentschädigung spezifizieren kann.
- 3 -
9. Es sei ein doppelter Rechtsschriftenwechsel durchzuführen.
10. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerde-
gegnerin."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 28. Oktober 2021 beantragte die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
2.3.
Mit Replik vom 25. Februar 2022 und Duplik vom 9. März 2022 hielten die
Parteien an den gestellten Anträgen fest.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Vorab ist auf die Rüge des Beschwerdeführers einzugehen, wonach die
Beschwerdegegnerin das rechtliche Gehör verletzt habe, indem sie auf
seine Vorbringen, insbesondere bezüglich des diagnostizierten Karpaltun-
nelsyndroms, nicht genügend eingegangen sei (vgl. Beschwerde S. 3, 7;
Replik S. 2 f., 4).
1.2.
Einspracheentscheide sind gemäss Art. 52 Abs. 2 ATSG zu begründen,
was sich auch aus dem allgemeinen Anspruch auf rechtliches Gehör
(Art. 29 Abs. 2 BV) ergibt. Die Begründung muss wenigstens kurz die Über-
legungen nennen, von denen sich die Einspracheinstanz leiten liess und
auf welche sich ihr Entscheid stützt. Das bedeutet indessen nicht, dass sie
sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem recht-
lichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die
für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 352/04 vom 14. Oktober 2004
E. 3.1 mit Hinweis auf BGE 126 I 102 E. 2b; 124 V 181 E. 1a; vgl. auch UELI
KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 64 zu Art. 52 ATSG).
1.3.
Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers ist die Beschwerdegeg-
nerin ihrer Begründungspflicht genügend nachgekommen (Vernehmlas-
sungsbeilage [VB] 69). So war es dem Beschwerdeführer aufgrund der
Ausführungen im angefochtenen Einspracheentscheid möglich, sich über
die Gründe der Beschwerdegegnerin, aufgrund deren diese eine Leis-
tungspflicht für den schnellenden Ringfinger unter dem Titel "Berufskrank-
heit" verneinte, ein Bild zu machen. Im konkreten Fall konnte der Entscheid
der Beschwerdegegnerin denn auch fraglos sachgerecht angefochten wer-
- 4 -
den (vgl. BGE 138 V 32 E. 2.2 S. 35 mit Hinweisen). Im Übrigen entschei-
det das Versicherungsgericht mit voller tatsächlicher und rechtlicher Kog-
nition und der Beschwerdeführer konnte sich anlässlich des Beschwerde-
verfahrens ausreichend äussern. Hinsichtlich des mit Schadenmel-
dung UVG vom 18. Februar 2021 gemeldeten Karpaltunnelsyndroms
(VB 38) hat die Beschwerdegegnerin zudem im angefochtenen Ein-
spracheentscheid nicht über einen allfälligen entsprechenden Anspruch
des Beschwerdeführers befunden und war damit nicht gehalten, sich dies-
bezüglich zu äussern. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs der Be-
schwerdeführerin ist damit insgesamt nicht ersichtlich.
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit Einspracheent-
scheid vom 2. September 2021 (VB 69) zu Recht eine Leistungspflicht im
Zusammenhang mit dem ihr vom Beschwerdeführer am 29. Oktober 2020
gemeldeten Schnappfinger unter dem Titel "Berufskrankheit" verneint hat.
Was die vom Beschwerdeführer beantragten Leistungen im Zusammen-
hang mit dem mit Schadenmeldung UVG vom 18. Februar 2021 gemelde-
ten Karpaltunnelsyndrom (VB 38) anbelangt, hat die Beschwerdegegnerin,
wie vorangehend erwähnt, im angefochtenen Einspracheentscheid nicht
über einen allfälligen entsprechenden Anspruch des Beschwerdeführers
befunden. Nämliches gilt betreffend die ebenfalls beantragte Zusprache
von Leistungen der Beschwerdegegnerin aufgrund eines Unfalles oder
einer unfallähnlichen Körperschädigung (vgl. Beschwerde S. 3 f.). Insoweit
ist daher mangels eines Anfechtungsobjekts im Sinn von Art. 56 Abs. 1
ATSG nicht auf die Beschwerde einzutreten.
3.
3.1.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes be-
stimmt – die Versicherungsleistungen nebst Berufsunfällen und Nichtbe-
rufsunfällen auch bei Berufskrankheiten gewährt. Dabei sind Berufskrank-
heiten von ihrem Ausbruch an einem Berufsunfall gleichgestellt. Sie gelten
als ausgebrochen, sobald der Betroffene erstmals ärztlicher Behandlung
bedarf oder arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) ist (Art. 9 Abs. 3 UVG).
3.2.
3.2.1.
Als Berufskrankheiten gelten jene Krankheiten (Art. 3 ATSG), die bei der
beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende
Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind. Der Bundesrat er-
stellt die Liste dieser Stoffe und Arbeiten sowie der arbeitsbedingten Er-
krankungen (Art. 9 Abs. 1 UVG). Auf der Grundlage dieser Gesetzesdele-
gation und gestützt auf Art. 14 UVV hat der Bundesrat in Anhang I zur UVV
- 5 -
eine Liste dieser Stoffe und Arbeiten sowie der arbeitsbedingten Erkran-
kungen aufgestellt. Gemäss der Rechtsprechung ist das Erfordernis eines
Kausalzusammenhanges erfüllt, wenn die Krankheit zu mehr als 50 %
durch einen im Anhang I zur UVV erwähnten schädigenden Stoff bzw. eine
schädigende Arbeit verursacht worden ist (BGE 133 V 421 E. 4.1 S. 425;
vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_695/2018 vom 18. März 2019
E. 6.1 und THOMAS FLÜCKIGER, in Hürzeler/Kieser, Kommentar zum
schweizerischen Sozialversicherungsrecht [UVG], 2018, N. 24 zu Art. 9
UVG).
3.2.2.
Gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG gelten als Berufskrankheiten auch andere
Krankheiten, von denen nachgewiesen wird, dass sie ausschliesslich oder
stark überwiegend durch berufliche Tätigkeit verursacht worden sind. Die
Voraussetzung des ausschliesslichen oder stark überwiegenden Zusam-
menhanges ist nach ständiger Rechtsprechung erfüllt, wenn die Berufs-
krankheit mindestens zu 75 % durch die berufliche Tätigkeit verursacht
worden ist. Die Anerkennung von Beschwerden im Rahmen dieser von der
Rechtsprechung als "Generalklausel" bezeichneten Anspruchsgrundlage
ist an relativ strenge Beweisanforderungen gebunden. Verlangt wird, dass
die versicherte Person für eine gewisse Dauer einem typischen Berufsrisiko
ausgesetzt ist. Die einmalige gesundheitliche Schädigung, die gleichzeitig
mit der Berufsausübung eintritt, genügt nicht. Für die Beurteilung der Ex-
position (oder Arbeitsdauer) ist die gesamte, gegebenenfalls auch die
schon vor dem 1. Januar 1984 (Inkrafttreten des UVG) ausgeübte, Berufs-
tätigkeit zu berücksichtigen (BGE 126 V 183 E. 2b S. 186; vgl. auch
SVR 2018 UV Nr. 26 S. 90, 8C_507/2015 E. 2.2; Urteil des Bundesge-
richts 8C_149/2020 vom 1. April 2020 E. 1).
3.3.
3.3.1.
Sowohl bei Fällen nach Art. 9 Abs. 1 als auch nach Art. 9 Abs. 2 UVG spielt
es angesichts des empirischen Charakters der medizinischen Wissen-
schaft für den Kausalitätsbeweis im Einzelfall eine entscheidende Rolle, ob
und inwieweit die Medizin – je nach ihrem Wissensstand in der fraglichen
Disziplin – über die Genese einer Krankheit im Allgemeinen Auskunft zu
geben oder (noch) nicht zu geben vermag. Besteht aufgrund medizinischer
Forschungsergebnisse ein Erfahrungswert dafür, dass eine berufsbedingte
Entstehung eines bestimmten Leidens von seiner Natur her nicht nachge-
wiesen werden kann, dann schliesst dies den (positiven) Beweis auf eine
Ursächlichkeit im Einzelfall aus. Sofern der Nachweis des erforderlichen
überwiegenden Kausalzusammenhanges nach der medizinischen Empirie
allgemein nicht geleistet werden kann, scheidet folglich die Anerkennung
im Einzelfall aus. Sind andererseits die allgemeinen medizinischen Er-
kenntnisse mit dem gesetzlichen Erfordernis einer stark überwiegenden
(bis ausschliesslichen) Verursachung des Leidens durch eine (bestimmte)
- 6 -
berufliche Tätigkeit vereinbar, besteht Raum für nähere Abklärungen
zwecks Nachweises des qualifizierten Kausalzusammenhanges im Einzel-
fall (vgl. SVR 2018 UV Nr. 26 S. 90, 8C_507/2015 E. 2.2, und Urteile des
Bundesgerichts 8C_620/2018 vom 15. Januar 2019 E. 2.2 sowie
8C_758/2018 vom 7. Januar 2019 E. 3.1; je mit Hinweisen unter anderem
auf BGE 126 V 183 E. 4c S. 189 f.).
3.3.2.
Kann die zur Beurteilung stehende Gesundheitsbeeinträchtigung verschie-
dene Ursachen haben und tritt sie auch nicht berufsbedingt auf, lässt die
Rechtsprechung den gestützt auf epidemiologische Studien zu erbringen-
den Nachweis einer vorwiegend berufsbedingten Verursachung einer Er-
krankung zu. Abgestellt wird dabei auf das sogenannte relative Risiko, d.h.
auf das Verhältnis der Erkrankungswahrscheinlichkeit zwischen exponier-
ten und nicht exponierten Personen innerhalb einer bestimmten Bevölke-
rung und Zeiteinheit. Für die Wahrscheinlichkeitsbeurteilung aufgrund epi-
demiologischer Untersuchungsergebnisse ist demnach massgebend, in-
wieweit das Erkrankungsrisiko aufgrund der Exposition gegenüber be-
stimmten schädigenden Stoffen oder bestimmten Arbeiten erhöht ist. Art. 9
Abs. 1 UVG verlangt ein relatives Risiko von mehr als zwei und Art. 9
Abs. 2 UVG von mehr als vier (vgl. zum Ganzen BGE 133 V 421 E. 5.1
S. 426 mit Hinweisen und Urteil des Bundesgerichts 8C_695/2018 vom
18. März 2019 E. 6.1 sowie FLÜCKIGER, a.a.O. N. 31 und N. 43 zu Art. 9
UVG).
4.
4.1.
In ihrem Einspracheentscheid vom 2. September 2021 (VB 69) stützte sich
die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die
Beurteilung ihrer Versicherungsmedizinerin Dr. med. B., Fachärztin für
Arbeitsmedizin, vom 12. Januar 2021. Diese hielt – gestützt einerseits auf
die medizinischen Akten und andererseits auf die (auf entsprechende An-
frage der Beschwerdegegnerin [vgl. VB 14] gemachten) Angaben des Be-
schwerdeführers betreffend dessen berufliche Tätigkeiten seit Schulab-
schluss (VB 15) – fest, der "schnellende Ringfinger" sei keine Berufskrank-
heit nach Art. 9 Abs. 2 UVG. Die handgeführten Maschinen, die der Be-
schwerdeführer in seinem Beruf täglich nutze, würden mit Vibrationen im
Niederfrequenzbereich arbeiten, weswegen nicht vom Vorliegen einer vib-
rationsbedingten Erkrankung peripherer Nerven ausgegangen werden
könne. Letztere würde bei der Verwendung von vibrierenden Maschinen im
Hochfrequenzbereich entstehen (VB 17 S. 1).
4.2.
4.2.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
- 7 -
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Si-
tuation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
4.2.2.
Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-
dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im
Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-
nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c
S. 160 ff.). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.
und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.).
4.2.3.
Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im
Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen
Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-
besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-
licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-
nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-
verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen
ein lückenloses Bild machen können (Urteile des Bundesge-
richts 8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. De-
zember 2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen).
4.3.
Der schnellende Ringfinger des Beschwerdeführers wurde (unbestrittener-
massen) nicht durch einen der im Anhang I zur UVV aufgeführten schädi-
genden Stoffe verursacht und fällt auch nicht unter die dort aufgelisteten
arbeitsbedingten Erkrankungen. Voraussetzung für eine Qualifikation als
Berufskrankheit wäre demnach, dass der schnellende Ringfinger zu min-
destens 75 % durch die berufliche Tätigkeit verursacht worden ist (vgl.
E. 3.2.).
4.4.
Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, die Beschwerdegegne-
rin habe den Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt (vgl. Beschwerde
S. 4). Der Bericht von Dr. med. B. sei kein eigentlicher Arztbericht, sondern
eine Zusammenfassung der medizinischen Akten. Eigene Feststellungen
aufgrund eigener Untersuche würden keine dargelegt. Somit handle es sich
dabei lediglich um eine interne Parteibehauptung, auf welche nicht
abgestützt werden könne (vgl. Beschwerde S. 6; Replik S. 6). Aufgrund der
- 8 -
mangels durchgeführter Untersuchungen ungenügenden Abklärungen der
Beschwerdegegnerin (vgl. Replik S. 5) seien zusätzliche Abklärungen
vorzunehmen (vgl. Beschwerde S. 6 f.; Replik S. 3, 6).
4.5.
Den medizinischen Akten lässt sich im Wesentlichen Nachfolgendes ent-
nehmen: Am 22. September 2020 konsultierte der Beschwerdeführer
Dr. med. C., Praktischer Arzt, Q., und gab an, seit einigen Tagen an einem
schnappenden Ringfinger zu leiden und deshalb ausserstande zu sein, zu
arbeiten. Dr. med. C. diagnostizierte einen schnellenden Ringfinger links
und überwies den Beschwerdeführer einem Chirurgen (vgl. Bericht vom
8. Dezember 2020 [VB 11]). Dr. med. D., Facharzt für Chirurgie sowie für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Ärztezentrum X., hielt in seinem Schreiben vom 6. Dezember 2020 fest, er
habe den Beschwerdeführer am 21. Oktober 2020 operiert. Es sei eine
Ringbandspaltung des Ringfingers durchgeführt worden. Von einem Unfall
sei ihm nichts bekannt und eine unfallabhängige Erkrankung liege nicht vor
(VB 13). Am 4. Februar 2021 stellte Dr. med. E., Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie sowie für Neurologie (DE), R., die Diagnose eines
Karpaltunnelsyndroms, links mehr ausgeprägt als rechts (G56.0), und die
Verdachtsdiagnose eines beginnenden Sulcus-ulnaris-Syndroms links
(G56.2; VB 61 S. 4). Am 10. März 2021 nahm Dr. med. D. im Rahmen
eines operativen Eingriffs eine Karpaltunnelspaltung links vor (VB 64 S. 3).
In seinem Bericht vom 1. Mai 2021 hielt er fest, der Beschwerdeführer habe
sich mit dem Bild eines schnellenden Ringfingers vorgestellt gehabt,
welcher am 21. Oktober 2020 von ihm operiert worden sei. Zusätzlich habe
der Beschwerdeführer ihn später dann wegen eines Karpaltunnelsyndroms
links konsultiert. Ein Unfall sei ihm nicht bekannt und eine
Berufserkrankung sei für ihn nicht nachvollziehbar (VB 62 S. 4).
4.6.
Die Beurteilung von Dr. med. B. vom 12. Januar 2021 wurde in Kenntnis
der medizinischen Akten und der Arbeitsanamnese sowie der vom Be-
schwerdeführer konkret ausgeübten beruflichen Tätigkeit, namentlich auch
der von diesem bei der Arbeit bei Montage, Demontage und Reinigung ein-
gesetzten handgeführten Maschinen, (VB 15), erstattet. Dabei kam
Dr. med. B. zur nachvollziehbar begründeten Schlussfolgerung, dass der
"schnellende Ringfinger" keine Berufskrankheit nach Art. 9 Abs. 2 UVG sei,
da die vom Beschwerdeführer im Beruf täglich genutzten handgeführten
Maschinen mit Vibrationen im Niederfrequenzbereich arbeiteten und
vibrationsbedingte Erkrankungen peripherer Nerven (nur) bei der Verwen-
dung von vibrierenden Maschinen im Hochfrequenzbereich entstehen wür-
den (VB 17 S. 1). Die medizinischen Akten beruhen auf verschiedenen per-
sönlichen Untersuchungen und ergeben ein vollständiges Bild (vgl.
E. 4.2.3. hiervor). Dass der Schnappfinger in ursächlichem Zusammen-
hang mit der beruflichen Tätigkeit des Beschwerdeführers stünde, zog nach
- 9 -
Lage der Akten keiner der behandelnden Ärzte auch nur in Betracht. Eine
(zu mindestens 75 % bedingte) Verursachung des Schnappfingers durch
die frühere berufliche Tätigkeit des Beschwerdeführers wurde von
Dr. med. D. sogar explizit ausgeschlossen (vgl. VB 62 S. 4). Hinsichtlich
der medizinischen Beurteilung des Sachverhalts durch den Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde S. 5, 7 f.; Replik S. 5 f.) ist so-
dann darauf hinzuweisen, dass diese bereits deshalb unbehelflich ist, weil
er als medizinischer Laie hierfür nicht befähigt ist (vgl. Urteile des Bundes-
gerichts 9C_283/2017 vom 29. August 2017 E. 4.1.2; 9C_614/2015 vom
21. Juni 2016 E. 5.1).
4.7.
Mit Blick auf die Aktenlage und die überzeugende Begründung in der ar-
beitsmedizinischen Beurteilung von Dr. med. B. vom 12. Januar 2021
bestehen an deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit damit keine auch nur
geringen Zweifel (vgl. E. 4.2.2. hiervor), womit darauf abgestellt werden
kann. Der medizinische Sachverhalt erscheint vor diesem Hintergrund hin-
reichend abgeklärt, sodass auf die Einholung weiterer Beweismittel ver-
zichtet werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. SVR 2001 IV
Nr. 10 S. 27 E. 4 sowie BGE 124 V 90 E. 4b S. 94 und 122 V 157 E. 1d
S. 162; je mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 V 491 E. 1b S. 494). Es ist
folglich mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
(BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1
S. 181) davon auszugehen, dass der vom Beschwerdeführer am 29. Okto-
ber 2020 gemeldete Schnappfinger nicht ausschliesslich oder vorwiegend
auf dessen frühere berufliche Tätigkeit zurückzuführen und dementspre-
chend nicht als Berufskrankheit zu werten ist. Der Einspracheentscheid
vom 2. September 2021 (VB 69) erweist sich demnach als rechtens.
5.
5.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf ein-
zutreten ist.
5.2.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
5.3.
Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens
(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung
als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-
spruch auf Parteientschädigung zu.
- 10 -