Decision ID: c9495d10-bf38-5d3e-b51c-95ed682c3be6
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christoph Anwander, Bahnhofstrasse 21, Post
fach 21, 9101 Herisau,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision (Einstellung)
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 3. März 2005 (IV-act. 1) zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Am 9. März 2005 (IV-
act. 7) teilte ihr Hausarzt, Dr. med. B._, mit, die Versicherte leide an
Rückenschmerzen, an einem Fibromyalgiesyndrom, an Hüftschmerzen rechts, an einer
Eisenmangelanämie und an depressiven Verstimmungen. Seit dem 20. September
2004 sei sie vollständig arbeitsunfähig. Es bestehe ein Bedarf nach einer
psychiatrischen Führung und Behandlung. Am 11. Juli 2005 (IV-act. 16) berichtete
Dr. med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, einem
Vertrauensarzt der Leistungen erbringenden Krankentaggeldversicherung über eine
vertrauensärztliche Untersuchung vom 25. Juni 2005. Er teilte mit, er habe eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom diagnostiziert. Die Ver
sicherte habe in der Untersuchung etwas ungepflegt gewirkt, sei wie ein Häuflein Elend
vornübergebeugt im Stuhl gesessen und habe vor sich hin gestarrt. Die Mimik und die
Gestik seien vermindert gewesen. Die Versicherte habe bedrückt, lust-, freud- und
interesselos sowie kraft- und energielos und innerlich unruhig gewirkt und angegeben,
sich leer, hoffnungslos und schuldig zu fühlen. Eine Suizidalität habe aber nicht
bestanden. Dr. C._ empfahl eine stationäre psychiatrische Behandlung und
attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die
medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz am 4. Januar 2007 ein Gutachten
(IV-act. 25). Die Sachverständigen gaben an, sie hätten eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, eine mittelgradige depressive Episode und ein diffuses, praktisch
generalisiertes chronisches Schmerzsyndrom mit vielen vegetativen
Begleitbeschwerden diagnostiziert. In der psychiatrischen Untersuchung habe die
Versicherte vorgealtert, sehr besorgt, bedrückt, adynamisch, kraftlos und erschöpft
gewirkt. Sie habe eine ernste Miene gezeigt. Der psychiatrische Consiliarius schätzte
die Arbeitsfähigkeit auf weniger als 30 Prozent. Mit einer Verfügung vom
14. November/10. Dezember 2007 sprach die IV-Stelle der Versicherten bei einem
Invaliditätsgrad von 70 Prozent eine ganze Rente mit Wirkung ab dem 1. Mai 2006 zu
(IV-act. 45 f.).
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A.b Am 10. September 2010 eröffnete die IV-Stelle von Amtes wegen ein Verfahren
betreffend die Überprüfung des Rentenanspruchs (IV-act. 68). Die Versicherte ant
wortete am 22. September 2010 (IV-act. 67) auf die entsprechenden Fragen der IV-
Stelle, ihr Gesundheitszustand habe sich nicht verändert. Sie befinde sich in regel
mässiger Behandlung bei ihrem Hausarzt Dr. med. D._ und beim Psychiater
Dr. med. E._. Dr. D._ teilte am 15. November 2010 mit (IV-act. 73), der
Gesundheitszustand der Versicherten sei im Wesentlichen unverändert geblieben. Am
13. Februar 2011 (IV-act. 77) gab Dr. E._ an, die Versicherte erscheine regelmässig
zu den vereinbarten Therapiesitzungen und zeige sich kooperativ. Trotzdem habe sich
der psychische Zustand seit dem Beginn der Behandlung am 7. Februar 2008 nicht
wesentlich verändert. Die Prognose sei schlecht. Am 1. April 2011 fand ein
Standortgespräch statt (IV-act. 82). Die Versicherte gab an, ihr Gesundheitszustand sei
gleichbleibend schlecht. Am 12. April 2011 führte die IV-Stelle eine Abklärung im
Haushalt der Versicherten durch (IV-act. 86). Die Versicherte gab an, sie wäre
ohne Gesundheitsbeeinträchtigung vollzeitig erwerbstätig. Im Auftrag der IV-Stelle
erstattete die Ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH am 1. Dezember 2011 ein
Gutachten (IV-act. 93). Die Sachverständigen berichteten, sie hätten im Wesentlichen
ein chronisches lumbospondylogenes rechtsbetontes Schmerzsyndrom, ein
chronisches cervicales und cervicocephales Schmerzsyndrom, eine chronische
Periarthropathia coxae rechts und – ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit – eine
leichte depressive Episode sowie eine Schmerzverarbeitungsstörung diagnostiziert. Die
früher ausgeübte Tätigkeit wie auch andere körperlich mittelschwer belastende
Tätigkeiten seien bloss noch zu 50 Prozent zumutbar. Bezüglich körperlich leicht
belastender Tätigkeiten bestehe dagegen keine Einschränkung der Arbeits- und
Leistungsfähigkeit. Die Beurteilung der MEDAS Ostschweiz entspreche in
psychiatrischer Hinsicht den heutigen versicherungsmedizinischen Kriterien einer
Begutachtung nur teilweise. Die Befunderhebung sei nicht nach dem System der
Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (AMDP)
erfolgt. Die diagnostischen Kriterien der International Statistical Classification of
Diseases und Related Health Problems (ICD-10) seien nicht genau berücksichtigt
worden. Auch die Arbeitsunfähigkeit sei nicht genau quantifiziert worden („mehr als 70
Prozent“). Unter Berücksichtigung der Befunderhebung durch Dr. C._ erscheine
dennoch die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode retrospektiv als
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plausibel. Die Arbeitsunfähigkeit sei mit mehr als 70 Prozent eher hoch eingeschätzt
worden. Es sei aber in gewissen Fällen durchaus möglich, dass eine mittelgradige
depressive Episode die Arbeitsfähigkeit derart erheblich beeinträchtige. Der
Gesundheitszustand der Versicherten müsse sich zwischenzeitlich verbessert haben.
Mangels psychiatrischer Berichte könne aber nicht genau beantwortet werden, wann
die Verbesserung eingetreten sei. Mit einem Vorbescheid vom 20. Februar 2012 (IV-
act. 99) teilte die IV-Stelle mit, dass die Einstellung der Invalidenrente vorgesehen sei.
Zur Begründung führte sie aus, gemäss dem Gutachten der ABI GmbH sei von einer
vollen Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten und dementsprechend von
einem Invaliditätsgrad von drei Prozent auszugehen. Dagegen liess die nun anwaltlich
vertretene Versicherte am 22. März 2012 (IV-act. 103) einwenden, die
Sachverständigen der ABI GmbH hätten nicht überzeugend dargelegt, inwiefern sich
der Gesundheitszustand verbessert haben solle. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
MEDAS Ostschweiz sei daher nach wie vor gültig, weshalb weiterhin ein Anspruch auf
eine ganze Rente bestehe. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei zu beanstanden, dass
der Versicherten entgegen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht die
Möglichkeit gewährt worden sei, den Sachverständigen Ergänzungsfragen zu stellen.
Mit einer Verfügung vom 4. April 2012 stellte die IV-Stelle die Invalidenrente mit
Wirkung auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein (IV-
act. 104). Bezugnehmend auf die Einwendungen der Versicherten führte die IV-Stelle
aus, das Gutachten sei in der im damaligen Zeitpunkt als rechtmässig erachteten Form
eingeholt worden. Aus der Tatsache, dass das Bundesgericht in einem späteren Urteil
seine Praxis geändert habe, ergebe sich nicht, dass die hier diskutierte Anordnung
rechtswidrig sei. Das Gutachten stelle eine geeignete Grundlage für die
Neuberechnung des Invaliditätsgrades dar.
B.
B.a Dagegen liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 11. Mai 2012
Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen erheben (act. G 1).
Sie liess die Weiterausrichtung einer ganzen Rente und die Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie eventualiter die Rückweisung der
Angelegenheit zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden Neuverfügung
beantragen. Zur Begründung liess sie im Wesentlichen ausführen, die angefochtene
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Verfügung sei bereits deshalb aufzuheben, weil ihr Anspruch auf rechtliches Gehör
verletzt worden sei. In materieller Hinsicht überzeuge das Gutachten der ABI GmbH
nicht, weshalb weiterhin von einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 70 Prozent
auszugehen und dementsprechend eine ganze Rente der Invalidenversicherung
auszurichten sei.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 18. Juli 2012 die Abweisung der Be
schwerde (act. G 6). Sie führte zur Begründung aus, die neue Rechtsprechung des
Bundesgerichtes zu MEDAS-Gutachten habe vorliegend noch nicht beachtet werden
müssen, weil das Urteil des Bundesgerichtes erst nach der Erteilung des Auftrages an
die ABI GmbH ergangen sei. Das von der Beschwerdeführerin erwähnte Urteil des
Bundesgerichtes beziehe sich sodann auf Ergänzungsfragen nach der Erstattung eines
Gutachtens. Hier stehe jedoch der Fragenkatalog bei der Auftragserteilung zur
Diskussion. Weil die Beschwerdeführerin den angeblichen Mangel nicht gerügt habe,
sei ihre Rüge zudem verwirkt. Das Gutachten der ABI GmbH überzeuge inhaltlich,
weshalb darauf abzustellen sei. Weil das Gutachten der MEDAS Ostschweiz an
diversen Mängeln leide, stelle sich die Frage, ob die angefochtene Verfügung allenfalls
mit der substituierenden Begründung der Wiedererwägung zu schützen sei.
Schliesslich falle auch die Einstellung der Invalidenrente in Anwendung der
Übergangsbestimmungen des ersten Massnahmenpaketes der 6. IV-Revision in
Betracht.
B.c Mit einer Replik vom 17. September 2012 (act. G 8) liess die Beschwerdeführerin
an den gestellten Anträgen festhalten. Mit einer Duplik vom 24. September 2012
(act. G 10) hielt auch die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest.
B.d Mit einem Entscheid vom 26. Oktober 2012 wurde das Gesuch um Wiederher
stellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde abgewiesen (act. G 11).

Erwägungen:
1.
1.1 Die Versicherten haben im Verfahren betreffend Leistungen einer Sozialver
sicherung Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 42 ATSG). Dieser Anspruch umfasst
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insbesondere das Recht, sich vor Erlass eines in die eigene Rechtsstellung
eingreifenden Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen,
Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden
und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest
zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu
beeinflussen. Das Recht, angehört zu werden, stellt einerseits ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht im Verwaltungsverfahren dar und dient
andererseits der Sachaufklärung (vgl. etwa BGE 124 V 180 E. 1a S. 181 mit zahlreichen
Hinweisen). Wird der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, leidet die resultierende
Verfügung an einer Rechtswidrigkeit. Diese Rechtswidrigkeit schlägt sich allerdings
nicht zwingend im Inhalt der Verfügung nieder, sondern besteht primär darin, dass die
Verfügung rechtsfehlerhaft zustande gekommen ist. Wie jede andere Rechtswidrigkeit
auch zwingt ein rechtsfehlerhaftes Zustandekommen einer Verfügung grundsätzlich zu
einer Korrektur. Diese kann nur dadurch erfolgen, dass das Verfahren nochmals
durchgeführt wird, weil nicht primär das Ergebnis (also der Inhalt der Verfügung) zu
korrigieren ist, sondern eben die Art und Weise, wie die Verfügung zustande kommt.
Daraus folgt unter anderem, dass irrelevant ist, ob die Verfahrensrechtsverletzung
einen Nachteil für die betroffene Person bewirkt hat. So spielt es beispielsweise keine
Rolle, ob eine versicherte Person gegen einen Vorbescheid in einem Verfahren
betreffend eine Rente der Invalidenversicherung Einwendungen vorgebracht hätte.
Wird kein Vorbescheid eröffnet, liegt auch dann eine Verfahrensrechtsverletzung vor,
wenn sich die versicherte Person dazu nicht hätte vernehmen lassen.
1.2 Die Einholung eines medizinischen Gutachtens stellt eine Beweismassnahme dar.
Die Versicherten haben das Recht, daran mitzuwirken oder sich wenigstens zum
Ergebnis zu äussern. Die Mitwirkung kann namentlich darin bestehen, den Sachver
ständigen vorab oder nachträglich eigene Fragen bzw. Ergänzungsfragen zu stellen.
Dies kann der Sachaufklärung dienen, wenn die vom Versicherungsträger gestellten
Fragen beispielsweise unvollständig oder ungenau sind. Diesfalls kann nämlich mit
zusätzlichen oder präziseren Fragen ein besseres Beweisergebnis herbeigeführt
werden. Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht ist die Möglichkeit, eigene
Fragen zu stellen, insofern zu qualifizieren, als dadurch allenfalls die „Richtung“ des
Gutachtens etwas beeinflusst werden kann. Der Zusammenhang zwischen den Fragen
an Sachverständige und dem Ergebnis ist jedenfalls auch unter Medizinern anerkannt
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(vgl. Jörg Jeger, Gute Frage – schlechte Frage: Der Einfluss der Fragestellung auf das
Gutachten, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri (Hrsg.),
Sozialversicherungsrechtstagung 2009, 2010, S. 171 ff.). Entscheidend ist letztlich aber
das Gutachten an sich bzw. dessen Inhalt. Aus diesem Grund können die
Mitwirkungsrechte der versicherten Person auch dadurch gewahrt werden, dass ihr
bloss die Möglichkeit gegeben wird, Stellung zum Gutachten zu nehmen. Eine
berechtigte Kritik am Gutachten wird nämlich dazu führen, dass das Gutachten ergänzt
oder nötigenfalls ein weiteres Gutachten eingeholt wird. Die blosse Möglichkeit, sich
zum Ergebnis zu äussern, stellt mit anderen Worten eine ausreichende Form der
Wahrung des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Zusammenhang mit der Einholung
eines Gutachtens dar. Es ist zwar zu begrüssen, wenn den Betroffenen weitergehende
Rechte gewährt werden und diesen insbesondere vor der Einholung eines Gutachtens
die Möglichkeit gewährt wird, bei der Wahl der Gutachterstelle oder bei der Erstellung
des Fragekataloges mitzuwirken. Das bedeutet aber nicht, dass eine (rechtswidrige)
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vorliegt, wenn bloss weniger
weitgehende Rechte gewährt werden. Solange die Betroffenen wenigstens die
Möglichkeit haben, sich zum Gutachten selbst zu äussern und mit ihren Einwendungen
gehört zu werden, liegt keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor. Dies
gilt zumindest für die Gutachten, die eingeholt worden sind, bevor das Bundesgericht
den Versicherten weitergehende Parteirechte eingeräumt hat (BGE 137 V 210).
1.3 Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör könnte vorliegend also
lediglich in der unterbliebenen Einladung, den Sachverständigen – vor oder nach der
Erstellung des Gutachtens – eigene Fragen zu stellen, erblickt werden. Die
Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin keine Fragen eingereicht, die diese
nicht an die Sachverständigen weitergeleitet hätte. Selbst im Zusammenhang mit der
Rüge, ihr sei zu Unrecht keine Gelegenheit gegeben worden, eigene Fragen zu stellen,
hat sie keine Fragen eingereicht. Die Beschwerdegegnerin hat sich also nicht im
eigentlichen Sinne geweigert, etwaige Fragen an die Sachverständigen weiterzuleiten.
Sie hat es vielmehr unterlassen, die Beschwerdeführerin einzuladen, ihre Fragen zu
stellen, bzw. die Bereitschaft zu signalisieren, solche Fragen den Sachverständigen zu
unterbreiten. Im Rahmen des Vorbescheidsverfahrens hat die Beschwerdegegnerin auf
die entsprechende Anfrage des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin diesem
Einsicht in sämtliche Akten und damit auch in das Gutachten der ABI GmbH gewährt
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und ihm die Möglichkeit gegeben, vor dem Erlass der Verfügung Stellung zum
Gutachten zu nehmen. Der Beschwerdeführerin ist damit die Gelegenheit gegeben
worden, sich zum Beweisergebnis zu äussern, womit diesbezüglich ihr Anspruch auf
rechtliches Gehör gewahrt worden ist. Die Beschwerdegegnerin hat sich sodann mit
den Einwänden der Beschwerdeführerin gegen das Gutachten auseinander gesetzt und
begründet, weshalb sie keinen Anlass für eine Ergänzung des Gutachtens oder die
Einholung eines weiteren Gutachtens gesehen hat. Eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör ist daher nicht zu erblicken.
2.
2.1 Die Zusprache einer (unbefristeten) Invalidenrente setzt notwendigerweise eine
(rechtliche) Prognose über die weitere Entwicklung des Invaliditätsgrades voraus. Die
IV-Stelle kann bei der Beurteilung eines Rentengesuches nur die vergangene Sachver
haltsentwicklung bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses ermitteln. Über die
zukünftige Entwicklung kann naturgemäss nicht Beweis geführt werden. Der Entscheid
über ein Rentengesuch kann deshalb erst dann gefällt werden, wenn die
massgebenden Verhältnisse stabil sind. Erst dann kann nämlich eine plausible
rechtliche Prognose erstellt werden. Diese lautet in aller Regel, der Invaliditätsgrad
werde sich nicht wesentlich verändern. So hat die Beschwerdegegnerin im
vorliegenden Fall gestützt auf den vertrauensärztlichen Bericht von Dr. C._ und das
Gutachten der MEDAS Ostschweiz prognostiziert, die Beschwerdeführerin werde auf
unbestimmte Zeit an einer mittelgradigen depressiven Störung mit einem somatischem
Syndrom bzw. mit einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung leiden und
deshalb auch in leidensadaptierten Tätigkeiten zu mehr als 70 Prozent arbeitsunfähig
sein. Die Beschwerdegegnerin hat nur mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachweisen können, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Rentenzusprache
an diesen Gesundheitsbeeinträchtigungen gelitten hat und in diesem Umfang
arbeitsunfähig gewesen ist, und dass aufgrund der medizinischen Prognose von einer
zukünftigen Stabilität auszugehen war. Sie hat aber nicht beweisen können, dass die
Beschwerdeführerin in diesem Umfang arbeitsunfähig bleiben werde. Diesbezüglich
enthält die rentenzusprechende Verfügung also die Erwartung bzw. die rechtliche
Prognose, der Invaliditätsgrad werde sich nicht verändern.
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2.2 Eine nachträgliche bloss anderslautende Beurteilung eines im Wesentlichen
unverändert gebliebenen Sachverhaltes rechtfertigt keine Rentenanpassung. Eine
Anpassung fällt nur in Betracht, wenn sich der Sachverhalt nach der Zusprache der
Rente unerwartet entwickelt hat. Es müssen also nach dem Erlass der fraglichen
Verfügung Tatsachen eintreten, die bewirken, dass an der der Verfügung zugrunde
liegenden Prognose des unveränderten Andauerns der bisherigen Invalidität nicht mehr
festgehalten werden kann. Die Prognose muss mit anderen Worten durch unerwartete
Entwicklungen des Sachverhaltes „überholt“ werden und sich unter Berücksichtigung
des aktuellen Sachverhaltes als nicht (mehr) zutreffend erweisen. Die Anpassung der
Rente befriedigt also das Bedürfnis, eine nicht mehr zutreffende, überholte
Sachverhaltsprognose durch eine neue, den zwischenzeitlichen Entwicklungen
Rechnung tragenden Sachverhaltsprognose zu ersetzen. Vorliegend ist deshalb
entscheidend, ob eine Sachverhaltsentwicklung eingetreten ist, welche die Prognose,
die Beschwerdeführerin werde weiterhin zu mehr als 70 Prozent arbeitsunfähig bleiben,
als nicht mehr zutreffend erscheinen lässt.
2.3 Die Sachverständigen der ABI GmbH haben eine leichte depressive Störung
diagnostiziert und dieser keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit mehr
zugemessen. Sie haben bezugnehmend auf die anderslautenden Beurteilungen von
Dr. C._ und der Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz ausgeführt, einerseits
müsse zwischenzeitlich eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten
sein, die allerdings nicht näher eingegrenzt werden könne, weil für den fraglichen
Zeitraum keine psychiatrischen Berichte vorlägen. Andererseits bestünden auch
gewisse Zweifel an der Zuverlässigkeit der früheren Berichte. So sei zu bemängeln,
dass der psychiatrische Consiliarius der MEDAS Ostschweiz die Befunde nicht nach
dem AMDP-System erhoben habe. Auch erscheine die von Dr. C._ und den
Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz attestierte Arbeitsunfähigkeit angesichts der
gestellten Diagnosen als eher hoch. Angesichts der von Dr. C._ erhobenen Befunde
seien die gestellten Diagnosen aber letztlich doch nachvollziehbar. Zudem sei es
durchaus möglich, dass auch bei einer bloss mittelschweren depressiven Störung eine
Arbeitsunfähigkeit von mehr als 70 Prozent bzw. 100 Prozent vorliege. Die
Sachverständigen der ABI GmbH haben damit deutlich gemacht, dass sie die
Arbeitsfähigkeit bereits damals allenfalls anders eingeschätzt hätten, dass die von den
damaligen Fachärzten attestierte Arbeitsunfähigkeit aber im Bereich des Möglichen
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gelegen habe und nachvollziehbar gewesen sei. Der Grund dafür, dass die
Sachverständigen der ABI GmbH eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für
leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert haben, liegt darin, dass keine mittelgradige
depressive Störung mehr nachweisbar gewesen ist. Der psychiatrische Consiliarius der
ABI GmbH hat bloss noch eine leichte depressive Störung festgestellt, was der Grund
dafür gewesen ist, dass er eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert hat. Dem
Gutachten der ABI GmbH lässt sich also entnehmen, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nach der Zusprache der Invalidenrente
wesentlich verbessert haben muss. Zwar haben die Sachverständigen die
Verbesserung nicht näher eingrenzen können, weil für den fraglichen Zeitraum keine
medizinischen Berichte vorlagen. Das ändert aber nichts daran, dass die Verbesserung
an sich ausgewiesen ist. Es besteht kein Grund, an der Zuverlässigkeit des
umfassenden und nachvollziehbaren Gutachtens der ABI GmbH zu zweifeln, zumal
sich die Sachverständigen auch eingehend und überzeugend mit den anderslautenden
Beurteilungen der übrigen Fachärzte auseinander gesetzt und dargelegt haben,
weshalb sie davon abgewichen sind.
2.4 Die Verbesserung des Gesundheitszustandes bzw. die teilweise Remission der
depressiven Störung ist als unerwartete Sachverhaltsentwicklung im Sinne der obigen
Ausführungen zu qualifizieren, denn in der leistungszusprechenden Verfügung war ja
prognostiziert worden, der Schweregrad der depressiven Störung (und damit auch der
Grad der Arbeitsunfähigkeit) werde sich nicht wesentlich verändern. Diese Prognose ist
aufgrund der Teilremission der depressiven Störung nicht mehr länger plausibel. Es
besteht also ein Bedarf nach einer Anpassung der formell rechtskräftig
zugesprochenen Rente.
2.5 Neu ist davon auszugehen, die noch vorhandene depressive Störung und die
Schmerzverarbeitungsstörung würden die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
nicht beeinträchtigen. Die alte Prognose, die Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrischen
Gründen zu mehr als 70 Prozent eingeschränkt, ist durch die neue Prognose zu
ersetzen, aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
bzw. gesamthaft sei die Beschwerdeführerin in leidensadaptierten Tätigkeiten zu 100
Prozent arbeitsfähig. Die Beschwerdegegnerin ist bei der Bemessung des
Invaliditätsgrades von einem leicht überdurchschnittlichen Valideneinkommen
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ausgegangen. Dies ist nicht zu beanstanden. Bei der Ermittlung des
Invalideneinkommens hat sie keinen Abzug vom Tabellenlohn gewährt (vgl. BGE 126 V
75). Dabei hat sie zu Unrecht die lange Absenz der Beschwerdeführerin vom
Arbeitsmarkt sowie die Nachteile der psychischen Probleme der Beschwerdeführerin
für einen potentiellen Arbeitgeber nicht berücksichtigt, die einen Abzug von zehn
Prozent rechtfertigen. Das zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen beträgt
deshalb nicht 50’700 Franken, sondern 45’630 Franken (90 Prozent von 50’700
Franken). Bei einem Valideneinkommen von 52’428 Franken resultiert damit ein
Invaliditätsgrad von 12,97 bzw. 13 Prozent. Dieser berechtigt nicht (länger) zum Bezug
einer Invalidenrente. Die Beschwerdegegnerin hat die Invalidenrente daher zu Recht
revisionsweise aufgehoben.
2.6 Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. Die gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu
erhebenden und angesichts des durchschnittlichen Aufwandes auf 600 Franken
festzusetzenden Gerichtskosten sind der unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Der von ihr geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird ihr daran
angerechnet. Bei dieser Sachlage besteht kein Anspruch der Beschwerdeführerin auf
eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Die Beschwerdeführerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen; der von
ihr geleistete Kostenvorschuss wird ihr daran angerechnet.
bis
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2021-09-19T12:05:33+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen