Decision ID: 21c3a7e2-11c9-5e93-acfa-dd296e638240
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1986, war
vom
1.
August 2007
befristet
bis 3
1.
Januar 2008 als Fachangestellte Gesundheit im Alters- u
nd Pflegeheim
Y._
in
Z._
tätig
(
Urk.
9/13/2
Ziff.
2.1, 2.2 und
2.7). Die Versicherte meldete sich am
1
2.
Februar 2007 mit
Verweis
auf ei
n Cushing-S
yndrom bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/10
Ziff.
7.2).
Am 1
4.
Januar 2009 erteilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, Kostengutsprache für eine
Umschulung
der Versicherten
zur
Arztge
hilfin
(
Urk.
9/28). Mit Verfügung
der IV-Stelle
vo
m 1
9.
November 2009 (
Urk.
9/39) wurde die Massnahme abgeschlossen.
1.2
Am 1
2.
Oktober 2012 meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenversi
cherung an (
Urk.
9/52). Mit Verfügung vom 1
8.
Juli 2013 (
Urk.
9/84) verneinte die IV-Stelle
bei einem Invaliditätsgrad von 24
%
einen Rentenanspruch der Versicherten.
1.3
Die Versicherte meldete sich a
m
8.
September 2014
erneut
bei der Invali
den
versi
cherung an (
Urk.
9/87). Am 2
4.
September 2014 wurde der Versi
cherten der Vorbescheid (
Urk.
9/89) zugestellt,
wogegen diese
am 2
1.
Mai 2015
Einwände vorbrachte
(
Urk.
9/109). Mit Verfügung vom
8.
Juli 2015 (
Urk.
9/111 =
Urk.
2) trat die IV-Stelle auf das neue Leistungsbegehren nicht ein.
2.
Die Versicherte erhob am
8.
September 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom
8.
Juli 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente auszurichten. Eventuell sei die Angelegenheit zur genaueren Abklä
rung des Sachverhalts und zur Neuverfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2 oben).
Am 1
5.
September 2015 erklär
te die Versicherte den Rückzug des Gesuches
(vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3 Mitte)
um unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsver
tre
t
ung
(
Urk.
7).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
Oktober 2015 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1
9.
Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mens
vergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 die
ser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass
der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anfor
derungen stellen (ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen). Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf
Art.
87
Abs.
3 IVV Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der
Ein
tre
tens
frage
, wenn die Verwaltung auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich
in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
auf den Standpunkt,
die Beschwerdeführerin habe mit dem neuen Gesuch nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung wesentlich verändert hätten.
Nach den eingereichten Beric
hten be
ste
he eine neue Diagnose, die jedoch
keinen längerfristigen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
habe
(S. 1).
In der
angestammten und einer
leidensange
passten
Tätigkeit
sei
weiterhin
k
eine Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen
(
S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor,
der Regionalärztliche Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin berücksichtige nicht, dass sich ihr Gesundheits
zustand
im Vergleich
mit
der
Verfügung vom Juli 2013 verschlechtert habe. Sie habe sich im September 2014 wegen eines zunehmenden Erschöpfungszustan
de
s
und einer depressiven Symptomati
k in eine ambulante psychiatrische Behandlung begeben müssen
. Ihre Leistungsfähigkeit habe sich immer mehr vermindert und sie sei den alltäglichen Anforderungen nicht mehr gewachsen gewesen
. Nach einem Klinikaufenthalt habe sich ihr gesundheitlicher Zustand
vorübergehend verbessert, in der Zwischenzeit aber wieder verschlechtert
.
Sie habe in den letzten Jahren immer wieder versucht, ein Arbeitspensum von 80
%
oder gar 100
%
einzuhalten, was ihr aber nicht ge
lungen sei (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
2
).
Der medizinische Sachverhalt sei bisher nic
ht umfassend abgeklärt worden. S
ie habe sich im Jahr 2004 beide Nebennierenrinde
n
entfernen lassen müssen. Eine durch die substituierte Nebennierenrindeninsuffizienz bedingte verminderte Leistungsfähigkeit sei medizinisch anerkannt (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
3).
Die Behaup
tung des RAD sei verfehlt, wonach die medizinischen Befunde klar und weitere medizinische Abklärungen nicht notwendig seien (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
5).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin zu Recht nicht eingetreten ist.
3.
3.1
Bei der Beschwerdeführerin
wurde im Jahr 2004
ein Cushing-Syndrom bei bila
te
raler,
makronodulärer
Nebennierenhyperplasie
festgestellt
(
Urk.
9/64/6)
.
Am
5.
Mai 2004 wurde
eine
Adrena
le
k
tomie
beidseits durchgeführt
(
Urk.
9/64/7).
In beruflicher Hinsicht absolvierte
die Beschwerdeführer
in
trotz der Erkrankung
im Alters- und Pflegeheim
Y._
in
Z._
eine Lehre zur
Fachange
stellten
Gesundheit, die sie am 3
1.
Juli 2007 erfolgreich abschloss (
Urk.
9/23/7).
Anschliessend arbeitete sie dort als Fachangestellte Gesundheit
mit einem
redu
zierten
Pensum von 80 %. Auf Wunsch der Beschwerdeführerin handelte es sich um eine
bis zum
3
1.
Januar 2008 befristete Anstellung (
Urk.
9/13/2-3
Ziff.
2.1, 2.2, 2.7 und 2.9).
3.2
Von medizinischer Seite gab
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, RAD, in einer Stellungnah
me vom
5.
März 2008 (
Urk.
9/14 S. 3
) an, die zurzeit arbeitslose Pflegerin leide
gemäss
de
m
aktuellen Bericht des Endokrinologen
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medi
zin und für Endokrinologie-
Diabetologie
,
an einem Zustand nach operativer Nebennierenentfernung mit einer Hormonersatztherapie. Es sei damit nachvoll
ziehbar, dass
sie
für
einen
unr
egelmässigen
Schichtbetrieb oder
den
Nachtdienst
nicht geeignet sei
. Es bestehe jedoch keine unmittelbar drohende Beeinträchti
gung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, sofern ein Arbeits
platz mit regelmässigen Arbeitszeiten gefunden werde.
3.3
Dr.
med.
C._
, Personalärztlicher Dienst,
D._
,
führte
in einem Schreiben vom 2
8.
August 2012 (
Urk.
9/43)
aus
, die Beschwerdeführerin
habe
im Mai 2012
im
D._
eine Stelle als Medizinische Praxisassistentin mit eine
m Pensum von 60
%
angetreten
.
Das Ziel sei es gewesen
, die Stelle sobald als möglich auf
100
%
aufzustocken. Ab Juni 2012 habe sie eine Stelle mit einem Pensum von 80
%
erhalten.
Mit
dem Arbeitspensum von vier Tagen pro Woche auf der Poliklinik des
D._
sei es regelmässig zu krankheitsbedingten Absenzen
gekommen.
Die Beschwerdeführerin habe sich bei
Dr.
C._
in der
personal
ärzt
lichen
Sprechstunde gemeldet wegen Beschwerden im Sinne von körperli
cher Erschöpfung, Müdigkeit und Übelkeit, vor allem morgens, und fehlendem Gefühl der Erholung in der Freizeit.
Bei der Beschwerdeführerin sei
eine
endo
krinologische
Grunderkrankung bekannt. Sie habe eine Substitutionstherapie, wobei man bedenken müsse, dass die Therapie niemals so optimal angepasst sein könne wie bei einem Gesunden. Aufgrund der G
runderkrankung bestehe eine eingeschränkte Anpassungsfähigkeit an Situationen mit grösserer psychi
scher und/oder körperlicher Belastung. Möglicherweise resultiere daraus eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Durch den Hausarzt sei letztes Jahr noch eine psychologische Betreuung etabliert worden.
Ab
dem
1.
September 2012
verrichtete die Beschwerdeführerin
im Rahmen der Anstellung
im
D._
wieder
ein Pensum von 60
%
(
Urk.
9/48/3).
3.4
Dr.
med.
E._
, Fachärztin
für Allgemeine Innere Medizin, stellte in einem nicht datierten Bericht (
Urk.
9/64/1-4) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
ACTH-unabhängiges Cushing-Syndrom bei bilateraler,
makronodulärer
Nebennierenhyperplasie
Status
nach beidseitiger
Adrenalek
tomie
am
5.
Mai 2004
unter Substitutionstherapie
mit Cortison/
Florinef
Dr.
E._
gab
in einem
ärztlichen Zeugnis vom 1
4.
Dezember 2012 (
Urk.
9/64/5) an, die Beschwerdeführerin solle wegen ihrer Grunderkrankung
nur 60
%
pro Woche
arbeiten. Dies
bedeute
drei ganze Tage Arbeit und zwei Tage Erholung. Eine erhöhte Arbeitsbelastung pro Woche mit anschliessender Kompensation in der Folgewoche habe keinen positiven Einfluss auf die Erkrankung und sei zu vermeiden.
3.5
Dr.
B._
gab
in einem Bericht vom
1.
Februar 2013 (
Urk.
9/66) zur Krankenge
sc
hichte a
n
,
die Beschwerdeführerin
könne die geforderte Arbeitsleistung kör
perlich nicht erbringen. Sie erbringe während fünf bis sechs Stunden pro Tag eine volle Leistung, danach komme es zu einem Einbruch (
Ziff.
1.4). Eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
sei machbar. Insofern sei eine befriedigende Leistung möglich (
Ziff.
1.7).
3.6
Dr.
A._
führte in einer Stellungnahme vom
1.
März 2013 (
Urk.
9/70 S. 3) aus, er schliesse an
d
i
e Stellungnahmen vom
5.
März und vom
1.
Juli 2008 an. In den aktuellen Berichten von
Dr.
B._
und der Hausärztin
Dr.
E._
werde nur eine substituierte Nebenniereninsuffizienz beschrieben, allerdings mit einer reduzierten Leistungsfähigkeit im Sinne einer Erschöpfung nach mehr als sechs Stunden täglicher Arbeit. Beim Grundleiden der Beschwerdeführerin sei dies aus medizinischer Sicht durchaus nachvollziehbar. Somit sei in der ange
stammten und auch in der leidensangepassten Tätigkeit als medizinische
Pra
xis
assistentin
leistungsmässig eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
ausgewiesen. Ein genauer Zeitpunkt für den Beginn der Arbeitsunfähigkeit lasse sich rück
blickend nicht bestimmen, da der Gesundheits
schaden
an sich bereits seit 2004 vorhanden sei.
3.7
Mit Verfügung vom 1
8.
Juli 2013 (
Urk.
9/84) verneinte
die Beschwerdegegnerin
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
Dabei ging sie zur Ermittlung des Invalideneinkommens nicht von der ärztlich attestierten Arbeitsfähigkeit von 60
%
aus, sondern vom Einkommen, das die Beschwerdeführerin in einem damals vorübergehend ausgeübten Pensum von 80
%
erzielte (S. 2 unten).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin meldete sich
mit Schreiben vom
8.
September 2014 erneut bei der Invali
denversicherung an (
Urk.
9/87). Sie gab
darin
an, das
F._
habe ihr mitgeteilt, dass sie an einer Vorstufe von Brust
krebs / DCIS erkrankt sei.
Diese Diagnose sei Anfang April 2014 bestätigt wor
den.
In ihrem Fall, ohne Nebennieren, potenzierten sich die Auswirkungen der Erkrankung noch zusätzlich.
Sie könne das zuletzt ausgeübte Arbeitspensum von 80
%
nicht mehr meistern.
4.2
Die Beschwerdeführerin reichte mit
der Neuanmeldung
einen Bericht von Prof. med.
G._
, C
hefarzt, und PD
Dr.
med.
H._
, Leitender Arzt
,
Brustchirurgie,
I._
, vom
3.
April 2014 (
Urk.
9/86/2-3) ein.
Die Ärzte stellten
darin
neu die Diagnose:
Duktales
carcinoma
in situ non high grade rechts,
pTis
(5mm) RO und fokal flache
epitheliale
Atypie
(FEA) rechts
Zustand nach Tumorektomie rechts bei 9-11 Uhr, Vakuumbiopsie rechts bei 5 Uhr und links bei 5 Uhr am 3
0.
Oktober 2013
Als weitere Diagnose nannten sie einen Zusta
nd nach Cushing-Syndrom und
laparoskopischer
Entfernu
ng von zwei Nebennierentumoren im
Mai 2005 (S. 1).
Das weitere Vorgehen bestehe
in
eine
r
genetische
n
Beratung mit anschliessen
der BRCA-Testung (S. 2).
4.3
Dr.
med.
J._
, praktische Ärztin, RAD, gab in einer Stellungnahme vom 1
2.
September 2014 (
Urk.
9/88 S. 2 unten) an, mit der seit Oktober 2013 vorlie
genden Diagnose eines
duktalen
Carcinoma
in situ der rechten Mamma werde eine neue Diagnose genannt, welche jedoch zu keiner längerfristigen Arbeits
unfähigkeit geführt habe. Eine weiterführende Arbeitsunfähigkeit sei nicht dokumentiert.
4.4
Dr.
med.
K._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in einem ärztlichen Zeugnis vom 1
0.
Oktober 2014 (
Urk.
9/93) fest, die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem
1.
September 2014 bei ihr in ambu
lanter psychiatrisch/psychotherapeutisc
her Behandlung. Sie sei ihr
aufgrund eines zunehmenden Erschöpfungszustandes und einer depressiven Symptomatik zugewiesen worden.
Die Beschwerdeführerin habe
einen Arbeitsversuch
als Praxisassistentin mit einem Beschäftigungsgrad von 80
%
Mitte September 2014 auf ein Pensum von 60
%
reduzieren müssen. Die Patientin sei völlig erschöpft und nach der Arbeit nicht in der Lage gewesen, ihre Hausarbeiten zu erledigen oder irgendeiner Frei
zeitbeschäftigung nachzugehen. Ihr psychischer Zustand sei zunehmend labil. Sie weine schnell und reagiere gereizt. Zudem sei der Antrieb vermindert. Es träten auch körperliche Symptome auf wie Übelkeit,
Atemnot und eine erhöhte
Infektanfäl
ligkeit
. Gemäss ihrer Arbeitgeberin sei die beruflich sehr engagierte und motivierte Mitarbeiterin zunehmend unkonzentriert und mache vermehrt Fehler (S. 1).
Dr.
K._
stellte folgende Diagnosen (S. 2):
Status nach Morbus Cushing, Hormonsubstitution, deswegen vermin
derte
Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit
Anpassungsstörung
mit psychophysischem Erschöpfungszustand und depressiven Symptomen aufgrund eines mit 80
%
zu hohen
Arbeits
pensums
Die
Patientin sei zu 60
%
arbeitsfähig. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
. Die Patientin würde, sofern sie gesund wäre, zu 100
%
arbeiten (S. 2).
4.5
Dr.
med.
L._
, Assistenzärztin Psychosomatik, und
M._
, Psychologin
MSc
,
Klinik
N._
,
berichteten am 1
3.
Februar 2015 (
Urk.
9/106) über einen stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Klinik
N._
vom 1
4.
Januar bis 2
3.
Februar 201
5. Dr.
L._
und Psychologin
M._
stellten folgende Diagnosen (S. 1):
Anpassungsstörungen
Zustand nach Morbus Cushing, unter Hormonsubstitution, Erstdiagnose 2004
Zustand nach
Addisonskrise
Zustand nach Mamma-
Carcinom
, CIS, rechter oberer äusserer Quadrant
Zustand nach Ovarialzyste rechts
Im Verlauf sei eine erfreuliche Stabilisierung des psychophysischen
Zustandsbil
des
erzielt worden (S. 1).
Vom 1
4.
Januar bis 1
8.
Februar 2015 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden.
D
ie Arbeitsfähigkeit ab dem 1
9.
Februar 2015
sei von den
n
achbehandelnden
Ärzten
einzuschätzen. Für den beruflichen Wiedereinstieg werde ein reduziertes Pensum von 60
%
empfohlen (S. 2).
4.6
Dr.
A._
führte in einer weiteren Stellungnahme vom
9.
Juni 2015 (
Urk.
9/110 S. 3) aus, er schliesse
an die
Stellungnahmen
des RAD
vom
1.
März 2013 und vom 1
2.
September 2014 an. Mit dem nachgereichten Austrittsbericht der Klinik
N._
vom Februar 2015 nehme man Kenntnis von Anpassungsstörungen bei einem Zustand nach erfolgreich behandeltem Morbus Cushing, Morbus Addison und eines Mamma-Karzinoms, ohne anhaltende Einschränkungen. In der ange
stammten und einer leidensangepassten Tätigkeit sei weiterhin
keine
Arbeits
unfähigkeit ausgewiesen.
Die medizinischen Befunde seien klar. Weitere medizinische Abklärungen seien somit nicht notwendig.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin hatte zum Zeitpunkt der
Verfügung
vom 1
8.
Juli 2013
in der
O._
eine Stelle als medizinische Praxisassistentin ange
treten.
Sie verrichtete dort ein Pensum von 80
%
und
erzielte einen Verdienst von
Fr.
48‘880.--
im Jahr
(
Fr.
3‘760.-- x 13 =
Fr.
48‘880.--; vgl.
Urk.
9/81/2
Ziff.
2 und 3.1).
Zuvor hatte si
e
an verschiedenen Arbeitsstellen
gesundheits
bedingt
ein zwischen 60
%
und 80
%
schwa
nkendes Arbeitspensum ausgeübt
.
Die Beschwerdegegnerin
bestimmte
das Invalideneinkommen in der Verfügung vom 1
8.
Juli 2013 basierend auf dem
von der
Beschwerdeführerin
mit einem Pensum von 80
%
erzielte
n
Einkommen
von
Fr.
48‘880.--
.
Als
Valideneinkom
men
veranschlagte
sie
das Einkommen, welches die Beschwerdeführerin als medizinische Praxisassistentin im
D._
mit einem Pensum von 100
%
hätte erzielen können
(
vgl.
Urk.
9/82).
5.2
Gemäss dem Bericht von Prof.
G._
und
Dr.
H._
vom
3.
April 2014
wurde
bei der Beschwerdeführerin
zwischenzeitlich
eine
weitere Erkrankung (Vorstufe von Brustkrebs)
festgestellt
(E. 4.2)
.
Seit dem
1.
September 2014 ist
sie
bei
Dr.
K._
in psychiatrischer Behandlung.
Vom 1
4.
Januar bis 1
3.
Februar 2015
er
folge ein stationärer Aufenthalt in der Klinik
N._
.
Die Beschwerdeführerin beanstandete
in der Beschwerde
zu Recht, dass die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid nicht auf das ärztliche Zeug
nis
von
Dr.
K._
vom 1
0.
Oktober 2014
eingegangen ist.
Die behan
deln
de Psychiaterin
attestierte der Beschwerdeführerin
darin
eine Arbeitsfähig
keit von 60
%
beziehungsweise
eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
(E. 4.4).
Dr.
L._
und Psychologin
M._
, Klinik
N._
, empfahlen im
Austrittsbe
richt
vom 1
3.
Februar 2015
ebenfalls
reduziertes Pensum
von 60
%
.
5.3
Vor dem (negativen) Leistungsentscheid vom Juli 2013 wurde in allen ärzt
lichen Beurteilungen eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
angenommen (vorstehend E. 3.4 und 3.5), dies auch in derjenigen von RAD-Arzt
Dr.
A._
(vorstehend E.
3.6).
Die RAD-Beurteilung im September 2014 ergab, dass das neu diagnostizierte Mamma-Karzinom die Arbeitsfähigkeit nicht anhaltend beeinträchtige (vorste
hend E. 4.3).
Dr.
A._
schloss im Juni 2014 ausdrücklich an die beiden genannten RAD-Stel
lungnahmen an (vorstehend E. 4.6). Dass er dabei ausführte, es sei „weiterhin keine Arbeitsunfähigkeit“ ausgewiesen, ist deshalb nicht ohne weiteres nach
vollziehbar. Verständlich wird seine Aussage nur dann, wenn man sie
ab
Fest
stel
lung auffasst, dass weiterhin keine weitergehende Arbeitsunfähigkeit ausge
wiesen sei; dass die Arbeitsfähigkeit aktuell höher sein sollte als noch 2013 aus ärztlicher Sicht festgehalten, äusserte weder
Dr.
A._
explizit noch fände dies eine Stütze in den Akten.
Somit ist der Standpunkt der Beschwerdegegnerin, in medizinischer Hinsicht sei seit dem Entscheid von 2013 keine Verschlechterung glaubhaft gemacht, ver
tretbar.
5.4
Was hingegen sehr wohl glaubhaft gemacht wurde, ist eine Verschlechterung in erwerblicher Hinsicht. Beim Entscheid von 2013 ging die Beschwerdegegnerin davon aus, die Beschwerdeführerin sei (entgegen der medizinischen Beurteilung) in der Lage, ein Pensum von 80
%
auszuüben. Diese Annahme kann heute offensichtlich nicht mehr aufrechterhalten werden; vielmehr hat sich die schon damals attestierte Arbeitsfähigkeit von lediglich 60
%
als zutreffend erwiesen.
Damit ist eine möglicherweise revisionsrelevante Veränderung mit hinreichen
der Bestimmtheit ausgewiesen.
5.
5
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmel
dung der Beschwerdeführerin vom
8.
September 2014 zu Unrecht nicht einge
treten
ist
. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie das Gesuch materiell prüfe.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
600.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Die Prozessentschädigung ist
bei einem
praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.--
(zuzüglich Mehrwertsteuer)
mit
Fr.
2‘050.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen
.