Decision ID: 8ffbf9f2-1281-4601-a0bc-a1f584da78ec
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1997, wurde am 1
1.
Januar 2013 wegen verschiede
nen psychischen Beschwerden bei der Invalidenversicherung angemeldet (
Urk.
22/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und schulische Abklärungen und erteilte am 1
5.
Juni 2015 Kosten
gutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung als Praktiker Hauswirtschaft (
Urk.
22/30), welche am
9.
Mai 2016 zur Ausbildung als Praktiker Küche
geändert wurde
(
Urk.
22/54). Der Versicherte schloss die Ausbildung im Juli
2017 ab (
Urk.
22/79
;
Urk.
22/95
) und ist seit 1
5.
August 2017 in einem Nischenarbeits
platz
arbeitstätig (
Urk.
22/92).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
22/104;
Urk.
22/107;
Urk.
22/111) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 2
0.
Juni
2018 bei einem Invaliditätsgrad von 60
%
ab
1.
August
2017 eine
Dreiviertels
rente
zu
(
Urk.
22/120;
Urk.
22/116 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
1.
August 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
0.
Juni 2018 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung sowie die
Zusprache
einer ganzen Rente (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwer
deantwort vom
7.
Dezember 2018 (
Urk.
21) die Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung zur weiteren Abklärung, womit sich der Beschwerde
führer
nach Gewährung des rechtlichen Gehörs bei Rückweisungen (BGE 137 V 314;
Urk.
23)
nicht einverstanden erklärte (
Urk.
25). Dies wurde der Beschwerde
gegnerin am 2
1.
Januar 2019 zur Kenntnis gebracht, gleichzeitig wurde dem Beschwerdeführer antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2) die unentgeltliche Prozessfüh
rung bewilligt (
Urk.
26).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung,
IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in we
sentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5 Abs. 1
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
die berufliche Grundbildung nach dem Be
rufsbildungsgesetz (BBG) sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Berufsberatung ist Aufgabe der IV-Stelle und nicht des begutachtenden Arztes oder der Ärztin. Zwischen diesen und den Fachleuten der Berufsberatung ist aber eine enge, sich gegenseitig ergänzende Zusammenarbeit erforderlich (BGE 107 V 17 E. 2b; vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2 mit weiterem Hinweis). Nach der Rechtspre
chung ist die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten (Urteile des Bundesgerichts 9C_396/2014 vom 15. April
2015 E. 5.4 und 9C_401/2014 vom 26. November
2014 E. 4.2.2; je mit Hinweis
)
.
Hingegen ist für die Evaluation von konkreten geeigneten Tätigkeiten die Verwaltung zuständig, die dazu allenfalls Fachpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung beizuziehen hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_545/2012 vom 25. Januar 2013 E. 3.2.1, nicht pu
bliziert in BGE 139 V 28; vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2). Der Arzt oder die Ärztin
sagen somit, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen respektive geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist, wobei es als selbstver
ständlich gilt, dass sie sich vor allem zu jenen Funktionen äussern, welche für die nach ihrer Lebenserfahrung im Vordergrund stehenden Arbeitsmöglichkeiten der versicherten Person wesentlich sind (so etwa, ob diese sitzend oder stehend, im Freien oder in geheizten Räumen arbeiten kann oder muss, ob sie Lasten heben und tragen kann). Die Fachleute der Berufsberatung dagegen sagen, welche kon
kreten beruflichen Tätigkeiten aufgrund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage kom
men, wobei unter Umständen entsprechende Rückfragen beim Arzt oder der Ärz
tin erforderlich sind (BGE 107 V 17 E. 2b; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 1 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 8C_119/2008 vom 22. September
2008 E. 6.2 und I 588/05 vom 27. April 2006 E. 3).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Gestützt auf ihre medizinischen Abklärungen sei dem Beschwerdeführer eine Tätigkeit in einem Vollzeitpensum zumutbar. Dabei eigneten sich Routine
arbeiten, welche sehr geringe sprachliche Anforderungen an ihn stellten.
Er könne in einem Vollzeitpensum eine Leistung von 40
%
erbringen. Beim Einkom
mensvergleich sei ein Abzug vom Tabellenlohn in Höhe von 15
%
zu gewähren, womit ein Invaliditätsgrad von 60
%
resultiere. Auf die Einschätzung des Ausbil
dungsbetriebs sei nicht abzustellen. Nach ärztlicher Würdigung sei in einem Nischenarbeitsplatz nach entsprechender Einarbeitung eine Le
istung von 40
%
zu erwarten (Verfügungsteil 2).
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
21) machte die Be
schwerdegegnerin geltend, bei der Beurteilung durch den
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
handle es sich um eine Aktenbeurteilung und es liege lediglich ein Arztbericht vor
, auf den jedoch nicht abgestellt werden könne, da es sich um einen nicht näher begründeten Bericht des Hausarztes, welcher Facharzt für All
gemeine Innere Medizin sei, handle. Die Einschätzung einer 20-25%igen Leis
tungsfähigkeit sei nicht durch Ärzte erfolgt.
2.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer vor (
Urk.
1), er sei im ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig, was ärztlich bestätigt werde
. Die vom
RAD
angenommene Leistungsfähigkeit von 40
%
sei nicht nachvollziehbar; nach Einschätzung seines Ausbildungsbetriebes könne er lediglich eine Leistungsfähigkeit von 20 bis 25
%
erreichen. Eine persönliche Untersuchung durch den RAD habe nicht stattgefun
den. Er habe Anspruch auf eine ganze Rente
(S. 5 ff.;
Urk.
25).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers und
in die
sem Zusammenhang die Frage,
ob auf die vorhandenen Akten abgestellt werden kann.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und
P
sy
chotherapie, stellte mit Bericht vom
1
3.
Juni 2013 (
Urk.
22/5) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
nicht näher bezeichnete Verhaltens- oder emotionale Störungen mit Be
ginn in der Kindheit und Jugend (mit Aufmerksamkeitsstörung, leichter depressiver Verstimmung sowie Ängstlichkeit); ICD-10 F98.9
-
Verdacht auf sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörun
gen aufgrund einer Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10 F07.9)
-
rezeptive Sprachstörung (ICD-10 F80.2)
Bereits 2005 sei eine neuropsychologische
Abklärung an der S
chweizerischen Epilepsieklinik durchgeführt worden (
Ziff.
1.2). Der Beschwerdeführer sei sicher in der Lage, eine Ausbildung im geschützten Rahmen zu absolvieren, brauche aber eine enge Begleitung und Betreuung (
Ziff.
2.5). Eine Berufsausbildung in der freien Wirtschaft sei
zur Zeit
sicher nicht möglich (
Ziff.
4).
3.2
Die Fachpersonen der
Stiftung
B._
hielten mit Abschlussbericht zur Ausbildung des Beschwerdeführers vom 1
1.
April 2017 (
Urk.
22/73) fest, es werde eine Prä
senzzeit von 100
%
empfohlen, wobei die Leistungsfähigkeit bezogen auf den ersten Arbeitsmarkt 20 bis 25
%
betrage.
Klare Regeln, ein strukturierter und sich wiederholender Tagesablauf, ausführliche Rezepte und eine zugewiesene Bezugs
person
erleichterten dem Beschwerdeführer die Arbeit. Vernetztes Denken gelinge ihm nur, wenn er sich anhand von Eselsbrücken erinnern könne. Viel Sicherheit und Routine unterstützten ihn dabei, grosse Leistungsschwankungen zu vermei
den. Bei solchen Grundvoraussetzungen in einem Betrieb sei er fähig, im Rahmen eines Nischenarbeitsplatzes zu arbeiten.
Eine Integration in den ersten Arbeits
markt sei nicht möglich (S. 2
Ziff.
5).
Es werde ein Nischenarbeitsplatz im ersten
Arbeitsmarkt angestrebt. Wenn ein solcher nicht gefunden werde, sei auch der zweite Arbeitsmarkt ein Thema (S. 4 unten).
3.3
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
diagnosti
zierte
mit Bericht vom 1
2.
Juli 2017 (
Urk.
22/91/6-7)
ein ausgeprägtes Aufmer
k
samkeitsdefizitsyndrom mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Ziff.
1.1). Die weitere psychotherapeutische Behandlung sei offen
. Der Beschwerdeführer sei im Rahmen einer geschützten Arbeitsstelle zu 100
%
arbeitsfähig. Geistig und psy
chisch bestünden weiterhin Einschränkungen in dem Sinne, dass der Beschwer
deführer in einer ruhigen und geschützten Atmosphäre arbeiten könne. Es bestehe somit eine verminderte Leistungsfähigkeit, die sich jedoch nicht in der Arbeitszeit niederschlage (S. 1).
3.4
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Kinder-und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, RAD, hielt am
5.
September 2017 unter Bezugnahme auf den Bericht von
Dr.
A._
und den
Abschlussbericht der Stiftung
B._
(vorstehend E. 3.1 und 3.2) fest,
der Beschwerdeführer sei nach ausreichender Einarbeitung mit Hilfestellung bei angepasstem Nischenarbeitsplatz in einem 100
%
- Pensum zu 60
%
arbeitsfähig. Es sei bei weiterlaufender sozialpädagogischer Unterstüt
zung eine gewisse Nachreifung möglich. Es liege ein dauerhafter Gesundheits
schaden mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 60
%
vor. Es scheine sich um eine eher diffuse
Störung zu handeln, die sowohl kognitive als auch psychische Aspekte umfasse. Diese entstünden häufig im Rahmen von Vernach
lässigung und / oder im Rahmen von Alkoholkonsum während der Schwanger
schaft. Im Abschlussbericht der Stiftung
B._
vom 1
1.
April 2017 werde von einer Leistungsfähigkeit von 20 bis 25
%
ausgegangen
. Nach der notwendigen Einar
beitung bei einem ausreichend angepassten Nischenarbeitsplatz sollte eine höhere Leistungsfähigkeit von 40
%
möglich sein (
Urk.
22/102/3).
4.
4.1
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei
wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersu
chen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerun
gen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bun
desgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.2
Die Beurteilung durch RAD-Ärztin
Dr.
D._
(vgl. vorstehend E.
3.4)
vermag
den vorstehend genannten Anforderungen an den Beweiswert einer Ex
pertise
nicht
zu genügen.
Dr.
D._
nahm
keine eigene Untersuchung vor, sondern zog
lediglich
den
nicht mehr aktuellen Bericht von
Dr.
A._
bei
und liess den Bericht von
Dr.
C._
ausser Acht. Weiter setzte
Dr.
D._
die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers auf 40
%
fest, ohne dies auch nur ansatzweise zu begründen. Insbesondere legte
Dr.
D._
nicht in genügend nachvollziehbarer Weise dar, weshalb nicht der Beurteilu
ng der Fachleute der Stiftung
B._
gefolgt werden
kann. Vollends
irrelevant
für die Be
urteilung der Leistungsfähigkeit
ist sodann ihre Feststellung, wonach
es sich um eine diffuse Störung handle, die
"häufig im Rahmen von Vernachlässigung und
/
oder im Rahmen von Alkoholkonsum währen
d der Schwangerschaft" auftrete
. W
as mit dieser Aussage bezweckt wird, ist nicht ersichtlich. Wenngleich Akten
beurteilungen grundsätzlich zulässig sind (vgl. vorstehend E. 4.1), kann vorlie
gend, wie dies die Beschwerdegegnerin
selbst
erkannte
(
Urk.
21)
, nicht auf die Beurteilung durch
Dr.
D._
abgestellt werden.
4.3
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers erlauben jedoch auch die anderen vorhandenen Berichte keine verlässliche Einschätzung der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers: Der Bericht von
Dr.
A._
ist nicht aktuell und bezog sich damals insbesondere auf die Ausbildungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Der Beric
ht der Fachleute der Stiftung
B._
muss zwar in die Beurteilung miteinbe
zogen werden, kann jedoch mangels ärztlicher Einschätzung nicht als alleinige
Entscheidgrundlag
e
dienen (vgl. vorstehend E. 1.4
). Auf den Bericht von
Dr.
C._
kann nicht abgestellt werden, da dieser kein Facharzt für Psychi
atrie und
Psychotherapie ist und ohnehin keine Angaben zur Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers machte.
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
4.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.5
Vorliegend wurde der
entscheidwesentliche
Sachverhalt, nämlich die Frage der
Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers nach Abschluss der erst
malig
en beruflichen Ausbildung, ungenügend
abgeklärt. Es ist daher angezeigt, die Sache an die Beschwerdegegnerin entsprechend ihrem Antrag zurückzuwei
sen, damit sie den Sachverhalt fachärztlich abkläre
n lasse
und hernach erneut über den Rentenanspruch des
Beschwerdeführers entscheide. Dabei sind so
wohl die Angaben der Stiftung
B._
und der aktuellen Arbeitgeberin (vgl.
Urk.
3/6) wie auch die nicht bei den Akten liegenden Berichte des Schweizerischen
Epilepsie-Zentrums (vgl.
Urk.
22/52/13 oben;
Urk.
22/5/1
Ziff.
1.2) einzuholen
beziehungs
weise
zu berücksichtigen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
sind auf Fr. 6
00.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit ist die bereits
erfolgte Bewilligung der
unentgeltliche
n
Prozessführung (
Urk.
26) ge
genstandslos.