Decision ID: 6a09351e-0444-49fe-8993-9ee691428d54
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die Y._ GmbH wurde am 27. September 2010 in das Han
delsregister des Kan
tons Zürich eingetragen. X._
war seit der Gründung
deren
Gesell
schafterin und Geschäftsführerin mit Einzelunterschrift (
Urk.
6/1).
Die Gesell
schaft war der
Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichs
kasse, angeschlossen (vgl.
Urk.
6/4). Mit Urteil vom 10. September 2014 eröffnete der Konkursrichter des Be
zirksgerichts
Z._
den Konkurs über die Gesellschaft (
Urk.
6/2
74
). Das Konkursver
fah
ren wurde mit Urteil desselben Richters vom 7.
Januar 2015 mangels Akti
ven eingestellt (
Urk.
6/28
7
).
Mit Verfügung vom 2. November
2015 verpflichtete die Ausgleichkasse
X._
als Einzelhafterin für ihr entgangene Lohnbeiträge (inkl. Nebe
n
kosten) Schadenersatz von total Fr. 142‘212.55 zu bezahlen (
Urk.
6/297). Die dagegen von
X._
am 4. Dezember
2015 erhobene Einsprache (Urk. 6/299, mit Einsprachebegründung vom 1
7.
März
2016 [Urk. 6/323]), wies die Ausgleichs
kasse mit Einspracheentscheid vom
9.
Juni 2016 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob X._ am 11. Juli 2016 Beschwerde und beantragte, in Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 9. Juni 2016 sei die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 29. August 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin Ab
wei
sung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage der Kassenakten [Urk. 6/1-335]), was der Beschwerdeführerin am 30. August 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinter
lasse
nen
versi
cherung (AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grob
fahr
lässige Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, die
sen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäfts
führung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Personen für den glei
chen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden soli
darisch (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Be
stimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invaliden
ver
sicherungs- (
Art.
66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Erwerbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenz
entschädigung)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25 lit. c). Gleiches gilt für die bis 3
1.
Dezember
2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab
1.
Januar
2008 bis 3
0.
Juni
2009 gültig gewesenen Kinderzulagengesetzes; nicht publiziertes Urteil des Bundes
gerichts 2P.251/19
96 vom 30. Juni 1997).
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
deter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
büh
ren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Aus
gleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungs
pflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitge
ber
beiträge zum massgeb
lichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass der von der Beschwerdegegnerin gel
tend ge
machte Schaden nicht belegt und nicht nachvollziehbar sowie hinsicht
lich ihrer Haftung nicht abgegrenzt sei (Urk. 1 S. 3). Ihr kann hierbei nicht ge
folgt werden. Die Ausstände des Beschwerdegegnerin von total
Fr. 142‘
335
.
8
5
setzen sich gemäss deren Konto-Auszug vom 28. Oktober 2015 (Urk. 6/302) und den Kassenakten (Urk. 6/1-335) aus den folgenden unbezahlt gebliebenen Lohn
bei
trägen (jeweils inklusive Nebenkosten) zusammen:
-
Jahresab
rechnung für das Jahr 2012 (inkl. Nebenkosten) über Fr.
21‘905.85 (vgl. Pos.
2013 0002 des Konto-Auszugs;
Jahresabrech
nung 2012 vom 19. März 2013 [Urk. 6/127], Mahnung vom 21. Mai 2013 [Urk. 6/155], Zahlungsbefehl vom 26. Juni 2013 [Urk. 6/192-193], Pfän
dungsurkunde vom 23. Oktober 2013 [Urk.
6/214/2, Urk.
6/215]
)
-
Akontorechnung für das 2. Quartal 2013 (inkl. Nebenkosten) über Fr.
9‘324.60 (vgl. Pos. 2013 0004 des Konto-Auszugs; Akontorechnung vom 10. Juni 2013
[Urk.
6/171], Mahnung vom 19. August 2013 [Urk.
6/194], Zahlungsbefehl vom 24. Januar 2014 [Urk.
6/219-220], Pfändungsurkunde vom 12. Mai 2014 [Urk. 6/264/2, Urk.
6/265]; ab
züg
lich
CO
2
-Rückverteilung 2011 [vgl.
Urk.
6/171/1
] sowie
Zahlungen/Gut
schriften [vgl. Urk. 6/208]
)
-
Akontorechnung für das 3. Quartal 2013 (inkl. Nebenkosten) über Fr.
10‘649.75 (vgl. Pos. 2013 0007 des Konto-Auszugs; Akontorechnung vom
9. September 2013 [Urk.
6/201], Mahnung vom 18. November 2013 [Urk. 6/209], Zahlungsbefehl vom 24.
Januar 2014 [Urk.
6/221-222]
Pfän
dungsurkunde vom 12. Mai 2014 [Urk. 6/262/2, Urk.
6/263]
)
-
Akontorechnung für das 4. Quartal 2013 (inkl. Nebenkosten) über Fr.
10‘552.80 (vgl. Pos. 2013 0008 des Konto-Auszugs; Akontorechnung vom
1. Dezember 2013 [Urk. 6/211], Mahnung vom 24. Februar 2014 [Urk. 6/223], Zahlungsbefehl vom 27.
März 2014 [Urk. 6/242-243]
)
-
Jahresab
rechnung für das Jahr 2013 (inkl. Nebenkosten) über Fr.
71‘510.55 (vgl. Pos. 2014 0002 des Konto-Auszugs;
Jahresabrech
nung 2013
vom 14. März 2014 [Urk. 6/226], Mahnung vom 19. Mai 2014 [Urk. 6/245], Zahlungsbefehl vom 27. Juni 2014 [Urk.
6/266-267])
-
Akontorechnung für das 1. Quartal 2014 (inkl. Nebenkosten) über Fr.
7‘186.95 (vgl. Pos. 2014 0001 des Konto-Auszugs; Akontorechnung vom 7.
März 2014 [Urk. 6/224], Mahnung vom 19.
Mai 2014 [Urk.
6/244], Zahlungsbefehl vom 27. Juni 2014 [Urk.
6/268-269]; abzü
glich einer Zahlung [vgl. Pos. 2014 0001 des Konto-Aus
zugs])
-
Akontorechnung für das 2. Quartal 2014 (inkl. Nebenkosten) über Fr.
10‘314.55 (vgl. Pos. 2014 0004 des Konto-Auszugs; Akontorechnung vom 10. Juni 2014 [Urk. 6/256], Mahnung vom 18. August 2014 [Urk.
6/270], Betreibungskosten [vgl. Urk. 6/275]; abzüglich CO
2
-Rück
verteilung 2012 [Urk. 6/252; vgl. Urk. 6/256])
-
Beiträge für den Berufsbildungsfonds BBF für das Jahr 2013 (inkl. Neben
kosten) über Fr.
890.80 (vgl. Pos. 2014 0003 des Konto-Auszugs; Beitragsrechnung vom 25. April 2014 [Urk. 6/241], Mahnung vom 23.
Juni 2014 [Urk. 6/260], Betreibungskosten [Urk. 6/277/2])
2.3
Die Beschwerdegegnerin hat die nach dem am 16. Juli 2014 erfolgten Rücktritt der Beschwerde
führerin als Gesellschafterin und Geschäftsführerin der Y._ GmbH in Rechnung gestellten Lohnbeiträge und Nebenkosten, insbesondere auch die zuvor erwähnten Mahn- und Betreibungskosten (Urk.
6/270, vgl. Urk.
6/275) zur Akonto
rechnung für das 2. Quartal 2014 (Urk. 6/256) von total Fr. 123.30, nicht berücksichtigt, da die Beschwerdeführerin nach ihrem Rücktritt nicht mehr über das Vermögen der Gesellschaft verfügen konnte (Urk. 2 S. 2).
Abzuziehen sind sodann die Beiträge für den Berufsbildungsfonds BBF für das Jahr 2013 samt Nebenkosten in der Höhe von total Fr. 890.80 (vgl. Pos. 2014 0003 des Konto-Auszugs).
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung finden nämlich keine Anwendung auf die Beiträge an den Berufsbildungsfonds gemäss §§ 26a ff. des Einführungsgesetzes zum Bun
desgesetz über die Berufsbildung (Urteil des Sozi
al
versicherungsgerichts des Kantons Zürich AK.2015.00045 vom 25. April 2017 E.
2.3).
Der Schaden beträgt demnach Fr. 141‘321.75 (Fr. 142‘335.85 minus [Fr. 20.-- + Fr. 103.30 + Fr. 890.80]).
3.
3.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeit
geber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrech
nungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und ver
fügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetz
lich vorgeschriebene öffentlichrechtliche Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser öffent
lichrechtlichen Aufgabe bedeutet eine Missach
tung von Vor
schriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schaden
deckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Wie dem Konto-Auszug der Beschwerdegegnerin vom 28. Oktober 2015 (Urk. 6/302) sowie den Kassenakten (Urk. 6/1-335) zu entnehmen ist, musste die
Konkursitin für die Lohnbeiträge, welche die Beschwerdegegnerin nicht mit Gut
schriften verrechnen konnte, gemahnt und betrieben werden. Die oben er
wähn
te Lohn
beiträge und Nebenkosten (E. 2.2) blieben unbezahlt. Sodann wur
den nament
lich die Lohndeklarationen für die Jahre 2012 und 2013 zu spät ein
ge
reicht
(Urk. 6/118, Urk. 6/218; vgl. Art. 36 Abs. 2 AHVV). Damit ist die Konkursitin ihren Beitragszahlungs- und Abrechnungspflichten
nicht nachge
kommen und hat öffentlichrechtliche Vorschrif
ten missachtet.
Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der dadurch entstandene Schaden auf quali
fiziert schuldhaftes Verhalten der Beschwerdeführerin zurückzuführen ist.
4.
4.1
4.1.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder grob
fahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschie
dene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Ver
halten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Ver
schulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.1.2
Formell eingesetzte Geschäftsführer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, haften für den der Ausgleichs
kasse zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstandenen Scha
den nach den gleichen Grundsätzen wie Organe einer Aktiengesellschaft.
4.1.3
Nicht jedes einer Firma als solcher anzulastende Ver
schulden muss auch ein sol
ches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und in
wieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Ver
antwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfa
chen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in Organstel
lung zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitgehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einziges Ver
waltungsorgan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.1.4
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorg
faltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss (BGE 112 V 156 E. 4 mit Hinweisen; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.1.5
Zu den unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben des Geschäftsführers einer GmbH gehören insbesondere die Oberleitung der Gesellschaft und die Erteilung der nötigen Weisungen, die Festlegung der Organisation im Rahmen von Gesetz und Statuten, die Ausgestaltung des Rechnungswesens und der Finanz
kontrolle sowie die Finanzplanung, sofern diese für die Führung der Ge
sellschaft not
wendig ist, sowie die Aufsicht über die Personen, denen Teile der Geschäfts
führung übertragen sind, namentlich im Hinblick auf die Befol
gung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen (Art. 810 Abs. 2 Ziff. 1 bis 4 des Obligationenrechts [OR]).
4.2
4.2.1
Die Beschwerdeführerin war seit der Eintragung der
Y._
GmbH ins Handels
register am 27. September
2010
deren
Gesellschafterin und einzige Geschäfts
führerin (Sachverhalt Ziffer 1). Am 1
6.
Juli
2014 erfolgte
ihr
Rücktritt (
vgl.
E. 2.
3
vor
stehend).
Damit war sie in der fraglichen Zeit, in welcher die Sozial
ver
sicherungsbeiträge abzuliefern gewesen wären, Gesellschafterin und Ge
schäfts
führerin der Konkursitin. Die Gesellschaft beschäftigte gemäss den An
ga
ben der Beschwerdeführerin in den Lohndeklarationen im Jahr 2012 14 Mit
arbeiter und im Jahr 2013 24 Mitarbeiter
(Urk. 6/118, Urk. 6/218)
.
Es bestanden daher grund
sätzlich über
schau
bare Verhältnissen, bei welchen praxisgemäss er
höhte An
forde
rungen an die Über
wachung zu stellen sind (vgl. Urteil des Bun
des
gerichts H 228/98 vom 25. Juli 2000 E. 5b/aa mit Hinweis). Die Beschwer
de
führerin hätte insbesondere auch dafür besorgt sein müssen, dass die ge
setzli
chen Vorschrif
ten, wozu auch das Beitragswesen gehört, von der Gesellschaft ein
gehalten werden.
4.2.2
Die Beschwerdeführerin
lässt
vor
bringen
, sie habe keinen KV-Abschluss und verfüge nicht einmal über rudimentäres Buchhaltungswissen. Gerade aus diesem Grund habe sie gegen entsprechende Honorierung einen diplomierten Buchhal
ter beigezogen. Dieser habe ihr jeweils die Abrechnungen vorgelegt und von ihr unterzeichnen lassen, weshalb die Mandatsvergabe an den Buchhalter nicht aus der Korrespondenz der
Y._
GmbH mit der Beschwerdegegnerin hervorgehe (
Urk.
1 S. 4). Den Kassenakten (
Urk.
6/1-335) lässt
sich
tatsächlich nicht ent
nehmen, dass die Beschwerdeführerin die Buchhaltung der Konkursitin einem externen Buch
halter übertragen hätte. Weitere Abklärungen dazu können je
doch unterbleiben, denn durch
die
behauptete Delegation der Buchhaltung ver
mag sich die Beschwerdeführerin
nicht zu entlasten
(vgl. Urteile des Bundes
ge
richts H 337/00 vom 7. Juni 2001 E. 3a; H 221/02 vom 17. Juli 2003 E. 4.2.1; 9C_153/2009 vom 18. November 2009 E. 6.2 mit Hinweis)
.
Die Beschwerde
füh
rerin stellt sich auf den Standpunkt, ihr könnten ein grobfahrlässiges oder schuld
haftes Verhalten nur dann vorgeworfen werden, wenn sie um die unzu
treffende Abrechnung des Beauftragten gewusst hätte oder sie bei der Auswahl des beigezogenen Buchhalters grobfahrlässig gehandelt hätte (Urk. 1 S. 4). Wie den Kassenakten zu entnehmen ist, wandte sich die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 16. Mai 2013 an die Beschwerdeführerin persönlich und infor
mierte sie über die damaligen Beitragsausstände von insgesamt Fr. 46‘724.20 sowie über ihre allfällige Schadenersatzpflicht als Gesellschafterin und Ge
schäfts
führerin der Y._ GmbH (Urk. 6/151). Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte sich die Beschwerdeführerin bewusst sein müssen, dass die von ihr ge
troffenen Anordnungen im Beitragswesen ungenügend waren. Aktenkundig ist weiter, dass die Beschwerde
führerin in der Folge mit einer Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin telefonierte und um die Zustellung der Konto-Auszüge für die Jahre 2012 und 2013 gebeten hatte. Hernach wollte sie sich wieder mit der Beschwerdegegnerin in Verbindung setzen, um einen Ratenzahlungsplan zu ver
ein
baren (Urk. 6/204).
Aufgrund der ihr bekannten Beitragsausstände wäre von ihr ein erhöhter Einsatz und eine verstärkte Überwachung des Geschäftsbe
triebs der Konkursitin, insbe
son
dere auch im Beitragswesen, gefordert gewesen (vgl.
Marco Reichmuth, Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG, Diss. Freiburg 2008,
S.
176 Rz.
738).
Selbst wenn das Beitragswesen an einen externen Buchhalter delegiert gewesen wäre, müsste sich die Beschwerdeführerin mithin vorhalten lassen, dass d
ie Über
wachung dieses Buchhalters nicht genügend gewesen wäre. Sie handelte da
her so oder anders grobfahrlässig. Trotz den ihr bekannten finanziellen Schwie
rigkeiten der Konkur
siten hat sie es nämlich unterlassen, geeignete Massnahmen zu ergreifen, damit die Gesell
schaft ihren Melde- und Zahlungs
pflichten im Bei
tragswesen ordnungs
gemäss nachkommt.
5.
5.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfol
ges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hin
weisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119 Ib 334 E. 3c).
5.2
Das vorwerfbare Verhalten führte zum Schaden der Beschwerdegegnerin.
Wäre die
Konkursitin
unter der
V
erantwortung de
r
Beschwerdefüh
rerin
ihren
Melde- und
Zahlungspflichten rechtzeitig und vollständig nach
gekom
men und wären nur so
weit Löhne ausbezahlt worden, als die darauf geschul
deten Abgaben bei Fällig
keit hätten beglichen werden kön
nen, wäre der Schaden nicht ein
getreten.
6.
Demnach ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 9. Juni 2016 (Urk. 2) in teil
weiser Gutheissung der Beschwerde dahingehend abzuändern, als die Be
schwer
deführerin verpflichtet wird, Schadenersatz in der Höhe von Fr. 141‘321.75 zu bezahlen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
Aufgrund des nur geringen Obsiegens der Beschwerdeführerin, wozu ihre Vor
bringen im vorliegenden Verfahren zudem nichts beigetragen haben, recht
fer
tigt sich die Zusprache einer Prozessentschädigung nicht.