Decision ID: 0d3def36-a2bc-4682-9e15-618de2473d6c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1957 geborene X._ arbeitete seit Januar 1988 als Polier bzw. Zeichner Telecom beim Y._ (Urk. 7/14, 7/2/5) und war dadurch bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen und bei der Pensions
kasse Stadt Zürich berufsvorsorgeversichert. Am 23. März 2006 erlitt er einen Auffahrunfall, bei welchem ein Personenwagen von hinten in seinen stehenden Lieferwagen fuhr und sein Fahrzeug dadurch in die vor ihm stehenden Personen
wagen geschoben wurde (vgl. Urk. 7/9/121-131). Der Versicherte war in der Folge in variierendem Umfang arbeitsunfähig (Urk. 7/9/3), wofür die Suva bis am 8. Januar 2007 Taggelder ausrichtete (Urk. 7/9/18-19).
Am 6. August 2013 meldete sich der Versicherte bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Die IV-Stelle zog in der Folge die Akten der Suva (Urk. 7/9/1-148) und Berichte des Vertrauensarztes der Pensionskasse Stadt Zürich, Dr. med. Andreas A._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, bei (Urk. 7/19) und holte einen Arbeitge
berbericht des Y._ (Urk. 7/14) sowie einen Arztbe
richt von Dr. med. Z._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, (Urk. 7/15) ein. Mit Mitteilung vom 5. März 2014 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten Kos
tengutsprache für eine einseitige Hörgeräteversorgung mit einem in der Schweiz zugelassen Hörgerät im Betrag von pauschal Fr. 840.-- (Urk. 7/30). Im April 2014 stellte die Pensionskasse Stadt Zürich der IV-Stelle einen weiteren Bericht von Dr. A._ zu (Urk. 7/32 und Urk. 7/33). Die IV-Stelle holte zudem einen Bericht des B._, Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichts
chirurgie, ein (Urk. 7/34). Am 24. April 2014 wurde der Versicherte im Auftrag der Pensionskasse Stadt Zürich von Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht (Urk. 7/35). Der Bericht dazu wurde der IV-Stelle von der Pensionskasse Stadt Zürich zur Kenntnis gebracht (Urk. 7/36). In der Folge gab die IV-Stelle bei der D._ ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (Urk. 7/42, und vom 10. September 2014, Urk. 7/46), welches am 8. April 2015 erstattet wurde (Urk. 7/55). Nachdem die D._ auf Zusatzfragen der IV-Stelle (vgl. Urk. 7/56) geantwortet (Urk. 7/65) und der Versicherte einen Bericht von Dr. med. E._, Facharzt für Anästhesiologie, eingereicht hatte (Urk. 7/63), stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 19. November 2015 die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (Urk. 7/67). Am 30. November 2015 reichte Dr. Z._ eine Stellungnahme zu Händen der IV-Stelle ein (Urk. 7/73) und am 4. Januar 2016 erhob der Versicherte Einwand (Urk. 7/76). Mit Eingabe vom 8. April 2016 (Urk. 7/83) reichte der Versicherte einen weiteren Bericht von Dr. Z._ ein (Urk. 7/82). In der Folge gab die IV-Stelle bei Dr. med. F._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, eine weitere ärztliche Begutachtung in Auftrag (Urk. 7/101), welche am 1. Juli 2017 erstattet wurde (Urk. 7/109). Am 4. Oktober 2017 liess sich der Versicherte zum Gutachten vernehmen (Urk. 7/117). Mit Verfügung vom 18. Oktober 2017 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (Urk. 2).
2.
Dagegen liess der Versicherte am 20. November 2017 Beschwerde erheben und beantragen:
„
1.
Die Verfügung vom 18.10.2017 sei aufzuheben und es sei die Beschwer
degegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leis
tungen, namentlich eine Rente nach IVG, zu gewähren.
2.
Eventuell seien durch das Gericht Rückfragen an die psychiatrische Gut
achterin Dr. med. F._ vorzunehmen.
3.
Sub-Eventuell sei die Sache zwecks Abklärung betreffend Anspruch auf berufliche Massnahmen/Eingliederungsmassnahmen und deren Durch
führung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegne
rin.
“
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 12. Januar 2018 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Aufgrund der mit den Urteilen BGE 143 V 409 und 143 V 418 vom 30. November 2017 geänderten Rechtsprechung betreffend Anspruch auf eine Rente bei psychi
schen Leiden, wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 29. Januar 2018 Frist zur Stellungnahme angesetzt (Urk. 8). Der Beschwerdeführer reichte am 23. März 2018 eine Stellungnahme ein (Urk. 10), welche der Beschwerdegegnerin am 29. März 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 13).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes ü
ber die Invalidenversicherung, I
VG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
1.2.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren,
die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.2.4
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im kon
kreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten
–
allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten
–
eine schlüssige Beurteilung anhand der mass
geblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erklärte zur Begründung ihres Entscheides (Urk. 2), im Rahmen der Begutachtung durch Dr. F._ hätten die gestellten Diagnosen nicht objektiviert werden können. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. F._ basiere einzig auf den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers. Zudem werde ein hohes Aktivitätsniveau beschrieben, was nicht mit den be
schriebenen Beschwerden vereinbar sei. Es sei kein IV-relevanter Gesundheits
schaden ausgewiesen.
2.2
Der Beschwerdeführer liess dagegen im Wesentlichen einwenden (Urk. 1 und Urk. 10), gemäss dem psychiatrischen Gutachten von Dr. F._ liege ein in
validisierender Gesundheitsschaden im Sinne eines fachärztlich diagnostizierten psychischen Leidens mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Das Gutachten erfülle die Voraussetzungen an beweistaugliche medizinische Gutachten. Es be
ruhe entgegen der Beschwerdegegnerin auch nicht ausschliesslich auf subjektiven Angaben. Die Gutachterin habe im Zusammenhang mit der somatoformen Er
krankungskomponente die Standardindikatoren geprüft. Insgesamt werde sein psychisches Leiden aufgrund der Gewichtung der Indikatoren als arbeitsmedizi
nisch hochrelevant bezeichnet. Gemäss Dr. F._ seien die Schlussfolgerun
gen von Dr. C._ und die attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit gut nach
vollziehbar. Demgegenüber habe Dr. F._ das psychiatrische Teilgutachten der D._ unter anderem als oberflächlich, befremdlich und nicht nachvollzieh
bar kritisiert. Auf das mangelhafte und unverwertbare Gutachten der D._ könne denn auch nicht abgestellt werden. Es sei bis zur Begutachtung durch Dr. F._ entsprechend der Beurteilung von Dr. C._ von einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Ab Datum der Begutachtung durch Dr. F._ sei, wenn überhaupt, maximal eine 50%ige Arbeitstätigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit zumutbar. Die Beschwerdegegnerin dürfe nicht einfach gutachterlich nachvollziehbar hergeleitete Feststellungen zur Arbeitsfähigkeit nach ihrem Gusto abändern. Dies gelte vorliegend umso mehr, als auch RAD-Arzt Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie und für Neurologie, die gutachterliche Einschätzung geteilt habe. Die Beschwerdegegnerin verkenne, dass keine somatoforme Schmerzstörung, sondern eine somatoforme Störung diagnostiziert worden sei. Die Aussage der Beschwer
degegnerin, wonach der viele Sport bei einer somatoformen Schmerzstörung nicht nachvollziehbar sei und er ja nicht einmal Schmerzen beklage, sei daher schlicht falsch und aktenwidrig.
3.
3.1
Dr. C._ nannte in seiner zu Händen der Pensionskasse Stadt Zürich im April 2014 verfassten Beurteilung (Urk. 7/35) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/35/2):
-
mittelgradige bis schwere depressive Episode ohne psychotische Symp
tome (die Depression hat sich im Laufe der letzten Jahre als Reaktion und Folge des Schleudertraumas 2006 und den körperlichen Folgen entwickelt. Von einer Vulnerabilität infolge Traumatisierungen in Kindheit und Ju
gend muss ausgegangen werden.)
-
Auffahrunfall mit Schleudertrauma Mai 2006, Morbus Menière rechts, Erstdiagnose 2008, Distorsion der HWS, Status nach posttraumatischer vestibulärer Migräne, schwere Hörstörung, täglich auftretender Schwin
del, Kopfschmerzen
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr. C._ (Urk. 7/35/2):
-
HWS-Distorsion 23. März 2006 durch Auffahrunfall, Zervikal-und Lum
bovertebralsyndrom, 2008 Meniskektomie lateral rechtes Knie, 2004 atypische Thoraxschmerzen ohne pathologischen Befund, 1982 Magenge
schwür (Helicobacter pylori), Pneumonien 1984 und 1985, Meningitis im Säuglingsalter, Appendektomie im Kindesalter
In Würdigung der Krankengeschichte seit 2006 müsse festgestellt werden, dass eine 100%ige Erwerbsunfähigkeit vorliege (Urk. 7/35/6).
3.2
Die D._-Gutachter nannten in ihrem Gutachten vom 8. April 2015 (Urk. 7/55) als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/55/46):
-
beginnende Gonarthrose rechts
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien (Urk. 7/55/46-47):
-
Status nach atypischen Thoraxschmerzen 2004, Ruhe- und Belastungs-EKG normal
-
Status nach Magengeschwür 1982, Status nach Helicobacter pylori Eradi
kation 1998
-
Status nach Duodenalulkus 1998
-
Status nach Pneumonien 1984 und 1985
-
Status nach Hörsturz 2008 und 2010
-
episodischer Spannungskopfschmerz, Differentialdiagnose: Migräne
-
Senk-Spreizfuss beidseits mit Hallux valgus rechts ohne funktionelle Be
einträchtigung
-
mögliche Angsterkrankung mit agoraphobischen und sozialphobischen Elementen sowie Panikattacken (ICD-10 F40.01 und D41.0)
Der Beschwerdeführer sei in der zuletzt ausgeübten oder einer anderen, körperlich leichten bis mittelschweren, wechselbelastend oder überwiegend sitzend ausge
übten Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes per sofort und auch retrospektiv, ex tunc, zu 100 % arbeitsfähig. Mit Ausnahme der beginnenden Gonarthrose liessen sich weder auf somatischem noch auf psychiatrischem Fachgebiet nam
hafte Gesundheitsstörungen objektivieren. Dies gelte inbesondere auch für den beklagten Schwindel (Urk. 7/55/47).
3.3
Dr. Z._ erklärte mit Bericht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vom 7. März 2016 (Urk. 7/82), die Ausführungen im D._-Gutachten seien für ihn überhaupt nicht nachvollziehbar. Die beteiligten Ärzte hätten offenbar noch nichts davon gehört, dass es neben objektivierbaren somatischen Befunden auch Funktionsstörungen gebe, welche die Arbeitsfähigkeit stark beeinflussten, im üb
lichen Rahmen aber nicht objektivierbar seien. Ob man dies als somatoforme Erkrankung interpretieren wolle, sei Ansichtssache. Jedenfalls sei er überzeugt, dass man dem Beschwerdeführer Unrecht tue, wenn man ihn nur nach den sogenannt objektivierbaren Symptomen beurteile. Der Beschwerdeführer sei seiner Überzeu
gung nach eine ehrliche Haut und leide zurzeit nur darum weniger unter seinen Symptomen, weil er beruflich entlastet sei. Umgekehrt würde eine neue Berufs
ausübung die Beschwerden mit Sicherheit wieder aufflammen lassen. Er sei über
zeugt, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seines angestammten Berufes seit Jahren nicht mehr arbeitsfähig sei. Ob es eine optimal angepasste Tätigkeit gebe, die er zum Beispiel im Rahmen einer 50%igen Anstellung bewältigen könne, könne er zu wenig beurteilen.
3.4
Dr. F._ erhob in ihrem Gutachten vom 1. Juli 2017 (Urk. 7/109) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/109/40):
-
somatoforme Störungen (Kopf, audiovestibuläres System, Transpiration, Schmerzen, gastrointestal; ICD-10 F45.8) mit
-
sozialem Vermeidungsverhalten
-
mittelgradige agitierte depressive Episode (ICD-10 F32.1; Differential
diagnose: rezidivierende depressive Störung, ICD-10 F33.1)
-
anamnestisch Morbus Menière (ICD-10 F54 und H81.0)
-
anamnestisch vestibuläre Migräne (ICD-10 F54 und G43)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
Der Beschwerdeführer sei als Projektleiter im Elektrizitätswesen aufgrund der so
matoformen Störungen mit Vermeidungsverhalten und agitiert depressiven Episoden aus rein psychiatrischer Sicht (zumindest) seit dem 14. April 2014 zwei
fellos anhaltend zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 7/109/41).
Es sei lediglich noch eine manuelle Routine-Tätigkeit ohne Erwartungen an Fle
xibilität vorstellbar, bei der er ruhig im eigenen Raum, buchstäblich
„
bodenstän
dig
“
(und genau vorgegebene) Arbeitsaufgaben (im Übrigen nicht mit gefährli
chen Maschinen oder auf grossen Höhe) im eigenen Tempo ausführen könne und die Auftragsmenge immer gleich und voraussehbar bzw. ohne grosse Variabilität sei, er keinem Zeit-, Leistungs- oder Erwartungsdruck ausgesetzt sei, keine ad-hoc Lösungen in Notfallsituationen von ihm erwartet und auch keine sozialen Erwartungen an ihn gestellt würden. Ob derartige Voraussetzungen in der freien Wirtschaft gegeben seien, sei aber fraglich. Angesichts seiner Fachkenntnisse als Maurer sei beispielsweise an eine Tätigkeit als Trockenmauer-Restaura
tor/Hersteller, die traditionsgemäss meist in ländlicher Umgebung gefragt seien, zu denken. Jedenfalls sei auch in einer derart ideal adaptierten Tätigkeit maximal eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ab Datum der Begutachtung bzw. seit dem 28. Juni 2017 gegeben (Urk. 7/109/42).
4.
4.1
Wie sich aus dem oben Gesagten ergibt, liess die Beschwerdegegnerin den Be
schwerdeführer nach der polydisziplinären Begutachtung durch die D._ (E. 3.2), welche unter anderem eine psychiatrische Begutachtung beinhaltete, durch Dr. F._ noch monodisziplinär psychiatrisch begutachten (E. 3.4). Die Beschwerdegegnerin erachtete die erneute psychiatrische Begutachtung für an
gezeigt, weil das Gutachten der D._ vor der mit BGE 141 V 281 erfolgten Änderung der Rechtsprechung betreffend somatoforme Störungen erstellt worden war (vgl. Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. G._ vom 7. September 2016, Urk. 7/118/3-4). Die Beschwerdegegnerin liess dabei ausser Acht, dass eine Än
derung der Rechtsprechung nicht per se die Ungültigkeit der davor verfassten Gutachten zur Folge hat (BGE 141 V 281 E. 8). Dies gilt vorliegend umso mehr, als die Gutachter der D._ gar keine somatoforme Störung erhoben hatten.
4.2
Das Gutachten der D._ erfüllt denn auch die rechtsprechungsgemässen An
forderungen an beweistaugliche medizinische Gutachten.
Das Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf eingehenden fachärztlichen Un
tersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi
zinischen Situation ein, und die darin enthaltenen Schlussfolgerungen sind nach
vollziehbar begründet (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a; E.
1
.3).
Entgegen des Einwandes des Beschwerdeführers (Urk. 7/76/6) ist das Gutachten auch bezüglich der geltend gemachten Probleme mit dem Gehör nachvollziehbar. So erklärte Dr. med. H._, Facharzt für Neurologie, welcher die neurolo
gische Untersuchung durchführte (Urk. 7/55/23-24), eine namhafte Hörstörung liege nicht vor. Die Kommunikation sei nicht beeinträchtigt. Es habe sich auch keine wesentliche Hörminderung rechts gezeigt. Der Weber-Versuch sei (in
konstant) nach rechts lateralisiert, der Rinne-Versuch sei rechts negativ gewesen, mithin seien hier allenfalls die Kriterien einer Schallleitungsstörung rechts erfüllt (dezidiert nicht die Kriterien einer cochleären Läsion im Sinne eines Defekts nach einem Morbus Menière). In den Lagerungsproben habe sich kein provozierbarer Nystagmus gezeigt, mithin sei eine lagerungsabhängig provozierbare vestibuläre Störung (wie vom Beschwerdeführer reklamiert) nicht objektiviert. Die wechseln
den Angaben in den Sensibilitätsprüfungen sprächen gegen eine biologisch plau
sible Genese. Das im Rahmen der Begutachtung erstellte cerebrale MRI mit arte
rieller MR-Angiographie habe einen im Wesentlichen regelrechten und im Vergleich zum Februar 2012 unveränderten Befund erbracht. Insbesondere habe sich kein Anhalt für eine Läsion im Bereich der hinteren Schädelgrube und kein Nach
weis einer thalamischen Läsion ergeben. Der aktenkundig erwogene Morbus Menière mit Hörminderung und Tinnitus sei somit zumindest in der Ausprägung und Krankheitswertigkeit nicht mit der gebotenen Wahrscheinlichkeit belegt. Hinsichtlich der von Ärzten des Interdisziplinären Zentrums für Schwindel und Gleichgewichtsstörungen des B._ in ihrem Bericht vom 25. Juni 2012 (Urk. 7/34/7) erhobenen
„
eindeutigen Morbus Menière rechts
“
hielten die Gut
achter fest, dass diese Diagnose mit dem Ansprechen der Symptomatik auf das Präparat Stugeron begründet werde. Dies sei jedoch in der vorliegenden Situation (persistierende Schwindelattacken) ohne Evidenzbeleg, könne die beobachtete Besserung doch auch dem natürlichen Verlauf entsprechen (Urk. 7/55/51). Dieser Einwand der Gutachter erscheint schlüssig, geht aus den aktenkundigen Berichten des B._ doch hervor, dass noch im April 2012 ein Morbus Menière nur als Dif
ferentialdiagnose angeführt worden war (Urk. 7/34/9-10). Als weitere Abklä
rungsmassnahme wurde in der Folge lediglich am 11. Mai 2012 noch eine extra
kranielle und transorbitale Farbduplex-Sonographie durchgeführt. Diese zeigte jedoch keine pathologischen Befunde (Urk. 7/34/7). Trotzdem stellten die Ärzte des B._ nun einen
„eindeutigen
Morbus Menière
“
fest, wobei sie diese Diagnose explizit mit der Besserung unter Stugeron begründeten (Urk. 7/24/19). Schliess
lich wiesen die Gutachter auf die HNO-ärztliche Einschätzung aus dem Jahr 2014 hin, wonach der behandelnde Facharzt Dr. I._ keine Minderung der Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit erkannt habe (da Fahrradfahren offenbar unproblematisch sei, sollte die Arbeitsfähigkeit in einem Büroberuf aus rein oto
logischer Perspektive nicht eingeschränkt sein, Urk. 7/55/52 und Urk. 7/25/5). Mit Blick auf diese Gegebenheiten ist der Schluss der Gutachter, die objektiven somatischen klinischen Befunde sprächen gegen eine namhafte Gesundheitsstö
rung (Urk. 7/55/47), nachvollziehbar und schlüssig.
Die Stellungnahme von Dr. Z._ vom 7. März 2016 (E. 3.3) vermag die Einschät
zung der D._-Gutachter nicht in Frage zu stellen. Vielmehr bestätigte Dr. Z._ implizit, dass die Gutachter zu Recht keine bedeutenden objektivierbaren Befunde erhoben haben. Dass Dr. Z._ aus den getätigten Untersuchungen und insbeson
dere auch den Angaben des Beschwerdeführers andere Schlüsse als die Gutachter zog, dürfte durch die Verschiedenheit von
Behandlungs- und Begutachtungsauf
trag
zu erklären sein
(vgl. dazu BGE 124 I 170 E. 4)
.
Auch die von Dr. F._ gegen das psychiatrische Teilgutachten erhobenen Einwände (vgl. insbesondere Urk. 7/109/45/47) vermögen die Beweistauglichkeit des D._-Gutachtens nicht in Frage stellen. Dass der Begriff
„Angst“ dem Be
schwerdeführer fremd sein soll, schliesst nicht aus, dass aus psychiatrischer Sicht im Zusammenhang mit Angst stehende Einschränkungen vorliegen können. So sprach denn auch Dr. F._ von „Versagensängsten“ (Urk. 7/109/36). Wie Dr. F._ anführte, stellte Dr. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, welcher die psychiatrische D._-Begutachtung durchgeführt hatte, im Ergebnis aber keine im Zusammenhang mit Angst stehende Diagnose. Dass er jedoch die Möglichkeit einer diesbezüglichen Diagnose diskutierte bzw. auch als möglich erachtete, im Ergebnis jedoch verwarf, erweist sich entgegen Dr. F._ nicht als widersprüchlich, sondern vielmehr als für den Rechtsan
wender nachvollziehbare Darlegung der gezogenen Schlussfolgerungen.
Selbst wenn aber aus diagnostischer Sicht auf das Gutachten von Dr. F._ – bzw. dasjenige von Dr. C._ (E. 3.1) - abgestellt würde, liessen sich wie nach
folgend gezeigt anhand der Indikatorenprüfung funktionelle Auswirkungen mit dem nötigen Beweisgrad nicht nachweisen.
4.3
4.3.1
Nachdem
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen
sind
(vgl. E.
1.2.2), ist, wenn aus diagnostischer Sicht auf das Gutachten von Dr. F._ abgestellt wird,
die Arbeitsfähigkeit des Beschwer
deführers anhand der vom Bundesgericht
festgeschriebenen
Indikatoren zu prü
fen
(E. 1.2.3)
.
Dabei gilt es zu beachten, dass es nach der Rechtsprechung
in sämt
lichen Fällen gesundheitlicher Beeinträchtigungen
keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Einzelfall (gutachterlich) befassten Arztpersonen
ist
, selber abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) ver
bindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer (andau
ernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprä
gung) führt.
Die
Rechtsprechung
hat
seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der Fol
genabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende Beurtei
lungskompetenz zu (BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2). Von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit kann aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne dass ein Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre. Darin liegt we
der eine Geringschätzung der ärztlichen Beurteilung noch eine gerichtliche Kom
petenzanmassung, sondern es ist die notwendige Folge des rein juristischen Cha
rakters der sozialversicherungsrechtlichen Begriffe von Arbeits-/Erwerbsun
fähig
keit und Invalidität (Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom
1.
April 2015 E. 6.3 mit Hinweis auf Susanne Bollinger, Invalidisierende Krankheitsbilder nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, in: Jahrbuch zum Sozialversiche
rungs
recht 2015, herausgegeben von Ueli Kieser und Miriam Lendfers, S. 114).
4.3.2
Im Rahmen der Würdigung der Indikatoren ist betreffend die Kategorie
„funktioneller Schweregrad“
zu berücksichtigen
, dass die diagnoserelevanten Be
funde und Symptome nicht besonders ausgeprägt erscheinen
. Hinsichtlich der diagnostizierten mittelgradigen agitierten depressiven Episode fällt auf, dass Dr. F._ eine eigentliche Antriebsschwäche verneint hat (Urk. 7/109/34). Ein Interesseverlust ist ebenfalls nicht ersichtlich, ergibt sich aus dem Gutachten von Dr. F._ doch, dass der Beschwerdeführer viel Sport treibt und ein neues Wohnmobil bestellt hat (Urk. 7/109/28-29). Der Beschwerdeführer klagt auch nicht über wesentliche psychisch bedingte Schlafstörungen (Urk. 7/109/29-30). Bezüglich der somatoformen Störung ist insbesondere zu beachten, dass gemäss Angaben des Beschwerdeführers die von ihm geltend gemachten Schwindelbe
schwerden nicht dauernd bestehen, sondern durchschnittlich drei Attacken pro Woche aufträten (Urk. 7/109/31). Hinzu kommt, dass im Rahmen der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde psychosozialen Faktoren als nicht versichert auszuklammern sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_858/2017 vom 17. Mai 2018 E. 3.2). Aktenkundig sind psychosoziale Faktoren nicht unerheblich am Be
schwerdebild mitbeteiligt (so etwa Urk. 7/32/5, Urk. 7/109/36: psychosoziale Konflikte im beruflichen und privaten Bereich sowie Überforderung am Arbeits
platz; vgl. auch Schreiben des Hausarztes, wonach eine Abnahme der Symptome zu verzeichnen sei, weil der Beschwerdeführer beruflich entlastet sei, Urk. 7/82/2), womit auch aus dieser Sicht von einem eher geringen Schweregrad der geklagten Beeinträchtigung auszugehen ist.
Hinsichtlich d
es Indikators „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resis
tenz“ ist festzuhalten, dass
der Beschwerdeführer während mehrerer Jahre als einzige psychiatrische Behandlung kurze Gespräche mit seinem Hausarzt in An
spruch nahm. In fachärztlich-psychiatrische Behandlung begab er sich erst im März 2017 (Urk. 7/109/25-26, 37). Eine psychopharmakologische Behandlung wurde bis zur Begutachtung bei Dr. F._ nie aufgenommen (Urk. 7/109/30 und Urk. 7/109/26). Von einer Behandlungsresistenz kann daher nicht die Rede sein.
Im Rahmen des Aspekts
„
Komorbiditäten
“
sind
nebst Begleiterkrankungen mit eigenständiger invalidisierender Bedeutung (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3)
sämt
liche Störungen
, welchen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung bei
zumessen ist (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1)
, in die Würdigung miteinzubeziehen. Entsprechend ist auch – soweit auf das Gutachten von Dr. F._ abgestellt würde – den diagnostizierten akzentuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1) Rechnung zu tragen, welche sich gemäss Gutachterin ressourcenhemmend aus
wirken. Aus somatischer Sicht besteht als einzige Diagnosen mit grundsätzlicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, nicht jedoch in der zuletzt vom Beschwer
deführer ausgeübten Tätigkeiten, eine beginnende Gonarthrose rechts (E. 3.2). Die weiteren genannten somatischen Diagnosen (
Status nach atypisch
en Thorax
schmerzen 2004; Status nach Magengeschwür 1982;
Status nach Helicobacter pylor
us
Erad
i
kation 1998
;
Status nach Duodenalulkus 1998
;
Status nach Pneu
monien 1984 und 1985
;
Status nach Hörsturz 2008 und 2010
;
episodischer Span
nungskopfschmerz, Differentialdiagnose
:
Migräne
;
Senk-Spreizfuss beidseits mit Hallux valgus rechts ohne funktionelle Beeinträchtigung
) sind generell ohne Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit oder längst überwunden. Ein relevanter Ein
fluss auf die Ressourcen kommt den somatischen Diagnosen nicht zu.
Hinsichtlich des Komplexes
„
Persönlichkeit
“
ist den anankastisch-rigiden und auch histrionisch angehauchten Persönlichkeitszügen Rechnung zu tragen. Die intellektuellen Ressourcen sind gemäss Dr. F._ als durchschnittlich zu be
zeichnen (Urk. 7/109/39). Auch wenn der Beschwerdeführer nicht an einer Per
sönlichkeitsstörung leidet, so ist seine Persönlichkeit doch – wie bereits unter dem Aspekt
„
Komorbiditäten
“
dargelegt – als
ressourcenhemmend zu beurteilen.
Zum Komplex sozialer Kontext ist festzuhalten
, dass der Beschwerdeführer mit seiner Ehefrau zusammenlebt. Diese Beziehung ist durch eine neuropsychiatrische Störung der Ehefrau belastet. Die Ehefrau ist im Alltag jedoch noch selbständig (Urk. 7/109/20). Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau werden therapeutisch begleitet (Urk. 7/109/39). Der Beschwerdeführer hat drei Kinder. Gemäss seinen eigenen Angaben hat er mit dem ältesten Sohn, welcher im Ausland wohnt, wenig Kontakt. Mit seiner Tochter und seinem jüngeren Sohn pflegt der Beschwerde
führer hingegen regen Kontakt (Urk. 7/109/21). Er trifft zudem einen ehemaligen Arbeitskollegen alle ein bis zwei Monate (Urk. 7/109/30). Der Beschwerdeführer verfügt auch über einen geregelten Tagesablauf (Urk. 7/109/28). Insgesamt ent
hält der soziale Lebenskontext des Beschwerdeführers t
rotz
eines gewissen
sozialen Rückzugs
und der schwierigen Kindheit und Jugend insbesondere mit den guten und regelmässigen Kontakten mit zwei seiner drei Kinder
potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2015 vom 29. Februar 2016 E. 6.2).
4.3.3
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz. Hinsichtlich des
Aspekts
der gleichmässigen Einschränkungen des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer zwar angibt, nicht mehr arbeiten zu können (Urk. 7/109/31) und über erhebliche Schwindelattacken klagt (Urk. 7/109/31), er jedoch täglich Radtouren von ein bis zwei Stunden unter
nimmt (Urk. 7/109/28; Urk. 7/109/31) und wandern geht (Urk. 7/109/28). Er sieht sich zudem trotz des geltend gemachten Schwindels in der Lage, mit einem Wohnmobil zu fahren (Urk. 7/109/29) und Reisen zu unternehmen (Urk. 7/55/33, 38). Er erledigt die zu Hause anfallenden administrativen Tätigkeiten, macht Küchenarbeiten (Urk. 7/109/28-29) und betätigt sich handwerklich in der Nach
barschaft (Urk. 7/55/14). Teilweise liest er zudem ein Buch, wobei er angibt, dass dies maximal für eine Stunde möglich sei (Urk. 7/109/29). Der Beschwerdeführer zeigt somit insgesamt ein hohes Aktivitätsniveau.
Die Begründung der Gutachte
rin, wonach die geltend gemachten Einschränkungen mit den Schilderungen des Alltags, welcher gehetzt-getrieben ohne gezielte sinngebende Aktivität angegan
gen werde, konsistent sei (Urk. 7/109/39), überzeugt nicht. Zum einen sind ihren Ausführungen zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer aus seinen Aktivitäten Kraft schöpft (vgl. Urk. 7/109/33, wonach ihm Wandern und Velofahren - auch stundenlang - gut tue; Urk. 7/109/37:
„
sehnsüchtig wird auch das bestellte Wohnmobil erwartet
“
). Zum anderen wäre - wollte man den geltend gemachten Schwindelattacken erheblichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Beschwer
deführers beimessen - seine Fahrtauglichkeit verkehrsmedizinisch zu überprüfen. Mithin
liegt insgesamt sowohl in qualitativer wie auch in quantitativer Hinsicht ein Aktivitätsniveau vor, welches zu den geltend gemachten Einschränkungen offensichtlich kontrastiert (vgl. auch Urk. 7/55/24).
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungsanamnes
tisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist schliesslich
– wie weiter oben festgehalten – darauf hinzuweisen
, dass d
er
Beschwerdeführer
sich trotz geltend gemachter Beschwerden seit 2010 (Urk. 7/109/24) erst im März 2017 - und damit erst wäh
rend laufendem Vorbescheidverfahren - in psychiatrische Behandlung begab
(Urk. 7/190/25-26)
.
Psychopharmaka hat er nie eingenommen, obwohl ihm sol
che früher vom Hausarzt verschrieben worden waren
(Urk. 7/109/30 und Urk. 7/109/26).
4.3.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die akzentuierten Persönlichkeits
züge (ICD-10 Z73.1) im Rahmen der Aspekte
„
Komorbiditäten
“ und
„Persönlich
keit“ zwar negativ auf die Ressourcen des Beschwerdeführers auswirken. Demge
genüber sind die diagnoserelevanten Befunde nur – wenn überhaupt – leichtgra
dig ausgeprägt, es liegen keine Anzeichen für eine Behandlungsresistenz vor und der soziale Kontext lässt auf hinreichende Ressourcen des Beschwerdeführers schliessen. Insbesondere ergeben sich jedoch im – beweisrechtlich entscheidenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_895/2017 vom 15. März 2018 E. 2.5) – Aspekt der Konsistenz in Anbetracht des weiterhin vorhandenen hohen Aktivitätsniveaus und des behandlungsanamnetisch nicht ausgewiesenen Leidensdrucks erhebliche Inkonsistenzen. Es lässt sich daher mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit nicht nachweisen.
5.
Nach dem Gesagten besteht beim Beschwerdeführer kein invalidenversicherungs
rechtlich relevanter Gesundheitsschaden. Es erweist sich daher als rechtens, dass die Beschwerdegegnerin einen Leistungsanspruch des Beschwerdeführers ver
neint hat. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 8
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie de
m
Beschw
erdeführer
auf
zuerlegen.