Decision ID: 309efd6d-be48-494b-8193-f9582ac075a8
Year: 2009
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc.
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 14. Mai
2009 ist diesem Urteil beigeheftet.
Anträge:
a) des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 77 S. 2 f.)
Betreffend B._:
1. Schuldigsprechung im Sinne der Anklage vom 14. Mai 2009.
2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und einer Busse von
Fr. 500.– als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft Zürich-Sihl vom 27. Oktober 2006.
3. Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
23. Januar 2006 ausgesprochenen Strafe von 90 Tagen Gefängnis be-
dingt, bei einer Probezeit von 2 Jahren.
4. Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
27. Oktober 2006 ausgesprochenen Strafe von 21 Tagen Gefängnis
bedingt, bei einer Probezeit von 3 Jahren.
5. Anrechnung der erstandenen Haft.
6. Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen bei schuldhafter
Nichtbezahlung der Busse.
7. Definitive Einziehung des mit Verfügung vom 2. Juli 2008 beschlag-
nahmten Mobiltelefons der Marke Samsung zu Verwertung und Ver-
wendung des Erlöses zur teilweisen Kostendeckung.
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Definitive Einziehung des mit Verfügung vom 20. November 2008 be-
schlagnahmten Küchenbeils zur Vernichtung und Herausgabe der be-
schlagnahmten, bei der Tat getragenen Kleider an B._ (Lagerort
WD-Nr. ...).
8. Auferlegung der Kosten des Verfahrens
Betreffend A._:
1. Schuldigsprechung im Sinne der Anklage vom 14. Mai 2009.
2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 4 1⁄2 Jahren und Fr. 500.– Bus-
se.
3. Anrechnung der erstandenen Haft.
4. Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen bei schuldhafter
Nichtbezahlung der Busse.
5. Definitive Einziehung des mit Verfügung vom 2. Juli 2008 beschlag-
nahmten Mobiltelefons der Marke Nokia samt Zubehör zu Verwertung
und Verwendung des Erlöses zur teilweisen Kostendeckung.
Definitive Einziehung des mit Verfügung vom 20. November 2008 be-
schlagnahmten Küchenmessers und des Besenstiels zur Vernichtung
und Herausgabe der beschlagnahmten, bei der Tat getragenen Kleider
an A._ (Lagerort WD-Nr. ...).
6. Auferlegung der Kosten des Verfahrens.
b) der Verteidigerin des Angeklagten A._:
(Urk. 78 S. 2)
1. Es sei der Angeklagte anklagegemäss der versuchten schweren Kör-
perverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und 2 StGB in Verbindung
mit Art. 22 Abs. 1 StGB, der Gewalt und Drohung gegen Beamte und
Behörden im Sinne von Art. 285 StGB, der falschen Anschuldigung im
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Sinne von Art. 302 StGB sowie der mehrfachen Übertretung des Be-
täubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig
zu sprechen.
2. Es sei der Angeklagte vom Vorwurf der einfachen vorsätzlichen Kör-
perverletzung im Sinne von Art. 123 Abs. 1 StGB freizusprechen.
3. Es sei der Angeklagte milde, d.h. mit einer Gefängnisstrafe von nicht
mehr als 2 Jahren, unter Anrechnung der erstandenen Polizei-, Unter-
suchungs- und Sicherheitshaft und des vorzeitigen Strafantritts zu be-
strafen.
4. Von der Anerkennung des Schadenersatzbegehrens der AG._ im
Betrage von Fr. 3'540.85 sei Vormerk zu nehmen.
5. Es seien die Gerichts- und Untersuchungskosten (inkl. diejenigen der
amtlichen Verteidigung) auf die Staatskasse zu nehmen.
6. Die Anträge der Staatsanwaltschaft seien abzuweisen, soweit sie nicht
mit diesen übereinstimmen. Ziff. 5, die Einziehung, wird anerkannt.
c) des Verteidigers des Angeklagten B._:
(Urk. 80 S. 15)
1. Der Angeklagte sei – in Anwendung und Berücksichtigung des Recht-
fertigungsgrundes der rechtfertigenden oder aber der entschuldbaren
Notwehr – für seine Tathandlungen vom 25. September 2007 mit einer
zweijährigen unbedingten Freiheitsstrafe zu sanktionieren.
2. Für die Überhaft sei der Angeklagte angemessen zu entschädigen.
3. Die Tathandlungen des Angeklagten seien unter Art. 123 StGB zu sub-
sumieren; eventualiter der Angeklagte – im Sinne der Anklage – ge-
mäss Art. 122 Abs. 1 und 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB zu sanktionieren sei.
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4. Der Angeklagte sei vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung – am
26. Juli 2006 begangen an C._ – freizusprechen.
5. Der Angeklagte sei wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungs-
mittelgesetzes – Konsum während einer Zeitspanne ab dem Jahre
2006 bis zu seiner Inhaftierung vom 25. September 2007 – im Sinne
von Art. 19a Ziff. 1 BetmG frei zu sprechen.
6. Der Angeklagte sei – nach durchgeführter Hauptverhandlung – umge-
hend aus dem Sicherheitsverhaft zu entlassen.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens seien
dem Angeklagten aufzuerlegen; diese Kosten jedoch – wegen offen-
sichtlicher Unerhältlichkeit – sofort und definitiv abzuschreiben seien.

Das Gericht erwägt:
I.
1. a) Zwischen den Angeklagten B._ und A._ kam es am
25. September 2007 um ca. 20.30 Uhr vor der Liegenschaft ... [Adresse] und in
deren Nähe auf dem begrünten Mittelstreifen der ...strasse, zu einer gewalttätigen
Auseinandersetzung. In deren Verlauf fügten sich die Angeklagten gegenseitig
erhebliche, jedoch nicht (im Sinne von Art. 122 StGB) schwere Verletzungen zu.
Die Anklagebehörde lastet indessen beiden an, eine lebensgefährliche Verletzung
des jeweiligen Gegners in Kauf genommen und sich somit der eventualvorsätzlich
versuchten schweren Körperverletzung (Art. 122 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB) schuldig gemacht zu haben. Im Einzelnen soll gemäss Anklage
B._ nach einer verbalen Auseinandersetzung mit A._ damit gerechnet
haben, dass es auf der Strasse zu einem Kampf kommen würde. Im Hinblick da-
rauf habe er in der Küche der Parterrewohnung an der ... [Adresse] ein Küchen-
beil (Gesamtlänge 30,5 cm, rechteckförmige Klinge ca. 18 x 9 cm) behändigt und
damit die Wohnung verlassen. A._ sei ihm gefolgt und habe, weil er ebenfalls
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eine Fortsetzung des Streits erwartet habe, aus dem Treppenhaus einen metalle-
nen Besenstiel (Länge ca. 1,2 Meter, Durchmesser ca. 2 cm) mitgenommen.
Draussen vor dem Haus hätten die beiden Männer gleichzeitig und wechselseitig
mit dem Küchenbeil bzw. dem Besenstiel aufeinander eingeschlagen. Dabei habe
B._ seinen Kontrahenten A._ mit dem Hackbeil an der Stirne getroffen
und ihm eine 4-5 cm lange Schnittwunde zugefügt sowie die Vorderwand der
Stirnhöhle gebrochen. Er habe dabei die Möglichkeit in Kauf genommen, dass die
Klinge des Küchenbeils A._ auch lebensgefährlich hätte verletzen können. In
der Folge sei A._ in die Wohnung zurückgerannt und habe ein Küchenmes-
ser (Gesamtlänge ca. 26 cm, Klingenlänge ca. 12 cm) geholt. Damit habe er das
Haus wieder verlassen und sei B._ gefolgt, der sich inzwischen zur ...-
Tankstelle an der ...strasse ... begeben habe. Als B._ ihn gesehen habe, sei
er ihm entgegengerannt. Auf dem Grünstreifen in der Mitte der ...strasse sei es
erneut zu einer wechselseitigen gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den
beiden Männern gekommen. In deren Verlauf habe B._ mehrmals mit dem
Küchenbeil gegen den Oberkörper und den Kopf von A._ geschlagen und
dabei wiederum in Kauf genommen, ihn allenfalls auch lebensgefährlich zu verlet-
zen. Die Schläge mit dem Hackbeil hätten zu Verletzungen am linken Unter- und
Oberarm, am rechten Oberschenkel, an der rechten Handfläche und am linken
Zeigefinger (mit offenem Knochenbruch beim Grundgelenk) sowie zu Schnittwun-
den an der rechten Augenbraue und am rechten Augenlid geführt. A._ sei-
nerseits habe mit dem erwähnten Messer mindestens viermal bewusst und ge-
wollt gegen den Oberkörper von B._ gestochen. Dieser habe demzufolge ei-
ne ca. 2 cm tiefe Stichverletzung am Rücken, eine ebensolche Verletzung an der
linken Schulter, eine ca. 5 cm lange oberflächliche Schnittwunde am linken Unter-
arm sowie eine Schnittwunde am linken Zeigefinger erlitten. Auch A._ habe
dabei in Kauf genommen, dass B._ lebensgefährlich hätte verletzt werden
können.
b) Dem Angeklagten B._ wird ausserdem angelastet, am 26. Juli 2006
um ca. 02.30 Uhr beim ...platz in E._ die Geschädigte C._ nach einer
verbalen Auseinandersetzung zweimal mit der flachen Hand heftig ins Gesicht
geschlagen zu haben. Dabei habe die Geschädigte eine leichte Schwellung und
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Rötung der linken Gesichtsseite, Schmerzen über dem linken Mastoid („Warzen-
fortsatz“ des Schläfenbeins), eine lokale Blutung im linken Trommelfell und eine
kleine Schleimhautplatzwunde an der Oberlippe erlitten.
c) Dem Angeklagten A._ wird zusätzlich vorgeworfen, sich im An-
schluss an den Vorfall vom 25. September 2007 seiner Verhaftung mit Körperge-
walt widersetzt zu haben. Dabei seien er und der Polizeibeamte F._ zu Bo-
den gefallen, wobei der Polizist mit dem Kopf aufgeschlagen sei. Auch am Boden
habe der Angeklagte weiter versucht, sich aus der Umklammerung des Beamten
zu befreien. Zufolge des Sturzes und beim nachfolgenden Gerangel habe
F._ eine Schädelkontusion und eine Kontusion der Halswirbelsäule erlitten.
Anlässlich der Hafteinvernahme vom 25. (recte: 28.) September 2007 habe der
Angeklagte A._ sodann wider besseres Wissen angegeben, B._ handle
mit Drogen, habe ihm zehn Kokainkügelchen gezeigt und gesagt, er verkaufe die-
se an der Langstrasse. Dabei habe A._ zumindest mit der Möglichkeit ge-
rechnet und in Kauf genommen, dass gegen B._ eine entsprechende Straf-
untersuchung eröffnet würde. Später habe er seine Aussagen berichtigt.
d) Gemäss einem weiteren Anklagepunkt sollen schliesslich A._ ab
dem 7. September 2007 bis zur Verhaftung vom 25. September 2007 regelmässig
und B._ schon seit 2006 in unregelmässigen Abständen Marihuana geraucht
haben.
2. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich ging
am 18. Mai 2009 bei der Anklagekammer des Obergerichts ein (Urk. 39/2 S. 1).
Nach entsprechender Fristansetzung seitens der Präsidentin der Anklagekammer
(Urk. 40) teilte der amtliche Verteidiger des Angeklagten B._ dem Gericht am
27. Mai 2009 mit, dass der Angeklagte den eingeklagten Sachverhalt und dessen
rechtliche Würdigung in der Anklageschrift anerkenne. Der Angeklagte mache von
seinem Wahlrecht gemäss § 198a Abs. 1 Ziff. 3 lit. c StPO Gebrauch und wün-
sche die Beurteilung durch das Obergericht (Urk. 50). Die amtliche Verteidigerin
des Angeklagten A._ gab am 2. Juni 2009 die Erklärung ab, dass sich dieser
mit Ausnahme der einfachen Körperverletzung (z.N. von F._) im Sinne der
Anklage für schuldig erkläre und vom Obergericht beurteilt werden wolle (Urk. 51).
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Dessen Zuständigkeit ergibt sich für den Angeklagten A._ ohnehin aus
§ 198a Abs. 1 Ziff. 2 lit. b StPO. Die Staatsanwaltschaft verzichtete darauf, sich zu
den Eingaben der beiden Verteidiger vernehmen zu lassen (Vermerke auf Urk. 50
und 51). Mit Beschluss der Anklagekammer vom 15. Juni 2009 wurde die Anklage
zugelassen und die Sache zur Beurteilung dem Obergericht überwiesen (Urk. 53).
Die Akten gingen am 17. Juni 2009 auf der erkennenden Kammer ein (Urk. 39/2
S. 1). Nachdem der Angeklagte B._ den Anwalt gewechselt hatte (vgl.
Urk. 65 und 66), ersuchte sein neuer Verteidiger am 14. August 2009 die Ankla-
gekammer, auf ihren Beschluss vom 15. Juni 2009 zurückzukommen (Urk. 54a).
Sein Mandant habe schon im Frühjahr 2009 die geschworenengerichtliche Zu-
ständigkeit gesucht, sei aber von seinem damaligen Verteidiger diesbezüglich ir-
regeführt worden. Bei der Beurteilung seines Verhaltens seien etwelche Rechtfer-
tigungsgründe – namentlich Notwehr – in Betracht zu ziehen. Er wolle deshalb
nach wie vor die Unmittelbarkeit des geschworenengerichtlichen Verfahrens
(Urk. 54b). Mit Beschluss vom 25. August 2009 trat die Anklagekammer auf das
Wiedererwägungsgesuch nicht ein (Urk. 54c), womit auch kein Anlass bestand,
die bereits ergangenen Vorladungen zur heutigen Hauptverhandlung abzuneh-
men.
Anlässlich der Hauptverhandlung gab der Angeklagte B._ zunächst zu Pro-
tokoll, er bestreite den Sachverhalt gemäss Anklageschrift, und machte sinnge-
mäss rechtfertigende Notwehr geltend (Prot. S. 11). Da seine nach § 198 Abs. 1
Ziff. 3 lit. c StPO getroffene Wahl (Urk. 49 S. 6) allerdings gemäss § 198a Abs. 2
StPO unwiderruflich ist, ändert ein Widerruf seines Geständnisses nichts an der
Zuständigkeit des Obergerichts (Donatsch/Schmid, N 30 zu § 198a StPO). Da
auch keine Beweisergänzungen oder anderen Weiterungen beantragt wurden o-
der sonst als notwendig erscheinen, ist der Prozess spruchreif.
II.
1. a) Nachdem die beiden Angeklagten den Verlauf ihrer gewalttätigen
Auseinandersetzung vom 25. September 2007 in den ersten Einvernahmen zum
Teil noch anders dargelegt hatten, schilderten sie ihn anlässlich der Konfrontati-
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onseinvernahme vom 26. Februar 2008 im wesentlichen übereinstimmend so, wie
er nun auch in der Anklage umschrieben ist (HD 7/4 S. 2-4). Im Anklagezulas-
sungsverfahren anerkannten die Angeklagten die eingeklagten Sachverhalte (mit
der bereits erwähnten Ausnahme) in objektiver und subjektiver Hinsicht als zutref-
fend. Dass sich die Ereignisse so abspielten, ergibt sich in weiten Teilen auch aus
den Aussagen verschiedener Augenzeugen. Die Anklageschrift lässt allerdings
auch verschiedene Details unerwähnt, bezüglich welcher die Sachdarstellungen
der beiden Angeklagten in der Untersuchung voneinander abwichen. So versuch-
ten diese verschiedentlich, den jeweiligen Kontrahenten als alleinigen oder doch
hauptsächlichen Angreifer und das eigene Vorgehen als blosse Verteidigung ge-
gen dessen Attacken erscheinen zu lassen. Insbesondere liess der Angeklagte 2
anlässlich der Hauptverhandlung geltend machen, es liege seinerseits zumindest
ein Notwehrexzess vor, welcher strafmildernd zu berücksichtigen sei, möglicher-
weise auch rechtfertigende Notwehr (Urk. 80 S. 3 ff. und S. 12). Darauf ist im Hin-
blick auf die Beurteilung des Verschuldens der beiden Angeklagten und die Straf-
zumessung näher einzugehen.
b) Im Einzelnen steht zunächst fest, dass die beiden Angeklagten in der
damaligen Wohnung von G._ und H._ an der ... [Adresse] an einem
Kartenspiel teilgenommen hatten. Dabei kam es zum Streit, weil ein Mitspieler
schummelte, B._ deshalb den Abbruch des Spiels verlangte und A._
damit nicht einverstanden war, weil er überzeugt war, dass er mit seinen Karten
gewonnen hätte. Dies bestätigte neben den beiden Angeklagten selbst (HD 7/1
S. 3/4, HD 8/1 S. 3/4) auch der Zeuge I._ (HD 9/23 S. 2/3).
c) Bezüglich der nachfolgenden verbalen Auseinandersetzung in der Woh-
nung machte B._ anfänglich geltend, dass A._ herumgefuchtelt und ge-
schrien habe: „B._, I will kill you!“. Er selber habe daraufhin sofort die Woh-
nung verlassen (HD 7/1 S. 4). Als A._ angefangen habe, zu schreien und mit
Schlägen zu drohen, sei er, B._, in die Küche gegangen und habe zu
J._ gesagt, er wolle nicht mit A._ kämpfen, sondern nach Hause gehen.
B._ räumte jedoch ein, dass er in der Küche ein Hackbeil behändigt habe
(HD 7/2 S. 2) und mehrere Anwesende ihn in den Toilettenraum abgedrängt hät-
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ten, als er damit aus der Küche gekommen sei und das Haus habe verlassen wol-
len (a.a.O., S. 4; HD 7/3 S. 5). Anlässlich der Hauptverhandlung führte er dann
aber aus, er sei von den übrigen Anwesenden in der Toilette versteckt worden, da
der Angeklagte 2 ihn habe angreifen wollen. Das Hackbeil habe er erst anschlies-
send, nachdem man ihn vor dem Mitangeklagten gewarnt habe, in Panik ergriffen
(Prot. S. 23). Bei der ersten Konfrontation mit A._ gab er schliesslich auch
zu, dass er das Küchenbeil nicht an sich genommen habe, um damit zuhause
Poulet zuzubereiten (vgl. HD 7/2 S. 2), sondern für den Fall, dass es draussen zu
einer Schlägerei kommen würde. Er habe damit gerechnet und sei auch bereit
gewesen, sich der Auseinandersetzung zu stellen. Er sei dann gegangen, und
A._ sei ihm gefolgt (HD 7/4 S. 2). A._ gab seinerseits bei der ersten Be-
fragung zu Protokoll, dass B._ geschrien habe, er werde ihn umbringen.
A._ solle vor die Tür kommen und mit ihm kämpfen. Die anderen hätten da-
raufhin B._ festgehalten und aufgefordert, er solle ihn, A._, in Ruhe las-
sen (HD 8/1 S. 4). Später machte A._ zwar geltend, dass er nicht habe
kämpfen wollen und dies B._ auch gesagt habe. Er führte aber auch aus,
dass die Kollegen ihn, A._, zurückgehalten und gesagt hätten, er solle es
bleiben lassen. Dann habe er nach draussen gehen wollen, da alle nach draussen
gegangen seien. Irgendwie habe er mit B._ (doch) kämpfen wollen, denn er
habe noch immer gehört, wie dieser gegen ihn geschimpft habe. B._ sei
dann als erster hinausgegangen (HD 8/2 S. 2/3). Er selber sei nochmals in die
Wohnung zurückgegangen und habe gehört, wie jemand gesagt habe, B._
habe ein Messer. So habe er im Treppenhaus einen Besenstiel an sich genom-
men (a.a.O., S. 4). Er habe auch mit einer Schlägerei gerechnet und diesfalls den
Besenstiel einsetzen wollen (HD 7/4 S. 2). Bezüglich dieser Phase des Gesche-
hens sagte sodann insbesondere J._ als Zeugin klar aus, dass beide gleich-
zeitig ausgerastet und gleich aggressiv gewesen seien (HD 9/6 S. 3). Zwei weite-
re Landsleute der Angeklagten, K._ und H._, wurden zwar nur polizei-
lich befragt, so dass ihre Aussagen zu Lasten der beiden Angeklagten nicht ver-
wertbar sind. Sie sind aber auch in keiner Weise geeignet, den einen oder ande-
ren von ihnen zu entlasten, sagte doch H._, niemand habe die beiden stop-
pen können (HD 9/12 S. 6), während K._ erklärte, beide hätten geschrien
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und gesagt, sie wollten kämpfen (HD 9/27 S. 8). Bei dieser Aktenlage steht aus-
ser Zweifel, dass sich die beiden Angeklagten nicht bloss zur Verteidigung rüste-
ten, sondern angriffsbereit waren und gleichermassen die gewalttätige Auseinan-
dersetzung miteinander suchten.
d) aa) Unbestritten ist, dass die beiden Angeklagten anschliessend vor
dem Haus aufeinander einschlugen, B._ mit dem Küchenbeil und A._
mit dem metallenen Besenstiel (HD 7/4 S. 2). Zu Beginn der Untersuchung mach-
te jeder von ihnen geltend, der andere habe damit angefangen und er selber habe
sich bloss gewehrt. So führte B._ aus, dass ihn A._ mit einer Metall-
stange (d.h. mit dem Besenstiel) von hinten auf den Kopf und dann von vorn auf
die linke Schulter und das linke Knie geschlagen habe (HD 7/2 S. 3). Erst dann
habe er seinerseits das Messer (d.h. das Küchenbeil) hervorgenommen, damit ei-
nen weiteren Schlag abgewehrt und A._ an der Stirn getroffen (a.a.O., S. 6;
HD 7/3 S. 7). A._ erklärte demgegenüber, dass B._ aus dem Haus ge-
kommen sei und ihn mit dem Messer attackiert habe. Er habe mit der Stange
(nur) diesen Angriff abgewehrt. Sie sei jedoch entzwei gegangen. B._ sei er-
neut auf ihn zugekommen. habe ihn mit dem Messer auf die Stirn geschlagen und
auch getroffen (HD 8/1 S. 5, HD 8/2 S. 5/6, vgl. auch HD 7/3 S. 8). Anlässlich der
zweiten Konfrontation der beiden Angeklagten gab B._ dann zu Protokoll,
A._ habe ihn provoziert, indem er mit dem Besenstiel vor ihm herumgefuch-
telt habe. Er selber habe dann mit dem Hackbeil einige Male gegen den Besen-
stiel geschlagen. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ihn A._ mit dem Besenstiel
noch nicht berührt. Dann hätten sie beide angefangen, gegenseitig aufeinander
einzuschlagen. A._ habe ihn am Kopf, an der Schulter und am Knie getrof-
fen. Nach einem Treffer am Kopf von A._ habe dieser stark geblutet. Sie hät-
ten beide zugeschlagen, bis der Besenstiel in die Brüche gegangen sei, A._
diesen weggeworfen habe und ins Haus gerannt sei (HD 7/4 S. 2). A._ er-
klärte daraufhin, dass diese Aussagen stimmten (a.a.O.).
bb) B._ machte zwar später wieder geltend, er habe sich mit dem
Hackbeil immer nur gegen A._s Besenstielschläge gewehrt und auf den Be-
senstiel gezielt, nicht auf den Kopf des Gegners (HD 7/7 S.3). A._s Stirnver-
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letzung sei demgemäss ein Unfall (HD 7/9 S. 2). Dass dies nicht zutrifft, ergibt
sich indessen nicht nur aus B._s eigenen in der Konfrontation mit A._
gemachten Aussagen, sondern auch aus denjenigen des Zeugen L._. Dieser
gab an, dass er ein Geschrei gehört habe, als er aus der Toilette gekommen sei,
und sich deshalb ins Freie begeben habe. Dort habe er gesehen, wie A._
zwei- oder dreimal auf B._ eingeschlagen habe. Dieser habe daraufhin mit
dem Messer auf den Besenstiel eingeschlagen, bis dieser entzwei gegangen sei.
Dann habe er weiter auf A._ eingeschlagen und ihn mit einem Schlag an der
Stirn getroffen (HD 9/9 S. 4). Gemäss L._ schlug also A._ zwar als ers-
ter mit dem Besenstiel zu, führte aber B._ den Schlag mit dem Küchenbeil
gegen dessen Stirn aus, nachdem der Besenstiel bereits kaputt war. Der Beilhieb
war somit keine Abwehr-, sondern eine Angriffshandlung, und er war auch nicht
gegen den Besenstiel, sondern gegen den Kopf von A._ gerichtet.
e) Anschliessend rannte A._ zugegebenermassen ins Haus und holte
ein Küchenmesser, weil er nochmals mit B._ kämpfen und ihn ebenfalls ver-
letzen wollte (HD 8/1 S. 6/8, HD 8/5 S. 2). Mit dem Messer in der Hand rannte er
B._ nach (HD 8/1 S. 6), sah ihn bei der ...-Tankstelle an der ...strasse und
rannte auf ihn zu (HD 8/5 S. 2). B._ seinerseits gab zunächst an, er sei weg-
gerannt und dann von A._ beim Mittelstreifen der ...strasse eingeholt und mit
dem Küchenmesser angegriffen worden (HD 7/1 S. 4, HD 7/2 S. 9). Später räum-
te er ein, A._ entgegen gerannt zu sein. Er habe ihn aber nicht angreifen,
sondern sich mit ihm versöhnen wollen. A._ sei jedoch sehr sauer auf ihn
gewesen und habe ein Messer auf sich gehabt. Sie seien ums Auto gerannt, und
dann sei es zu einer weiteren Schlägerei gekommen (HD 7/4 S. 3). Er selber ha-
be nicht weiterkämpfen, sondern A._ verarzten wollen, doch dieser habe den
Kampf fortsetzen wollen und ihn mit dem Messer angegriffen (HD 7/7 S. 4). Er
habe sich mit dem Küchenbeil nur verteidigt (a.a.O., S. 4/6). A._ bestätigte,
dass B._ seine Gesichtsverletzung bemerkt und zu ihm gesagt habe, sie soll-
ten aufhören und er wolle A._s Wunden versorgen (HD 8/1 S. 7, HD 8/2
S. 7). In diesem Moment habe aber er, A._, nicht aufhören, sondern die Sa-
chen nun endgültig bereinigen wollen. B._ habe ihn nämlich schon seit lan-
ger Zeit immer wieder provoziert und nun sogar verletzt (HD 8/5 S. 2). Die zuletzt
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zitierte Aussage deutet darauf hin, dass der Vorfall beim Kartenspiel nur der un-
mittelbare Anlass der ganzen Auseinandersetzung vom 25. September 2007 war
und das Verhältnis zwischen den beiden Männern schon seit längerem gespannt
war. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass auch B._ einmal die
Meinung äusserte, das Kartenspiel sei nicht der Grund für den Streit gewesen.
A._ sei vielmehr wütend geworden, weil er, B._, mit K._ gespro-
chen habe (HD 7/2 S. 1/2). Letzteres ist nicht nachvollziehbar, was ebenfalls da-
rauf hinweist, dass die beiden Männer schon zuvor zerstritten waren. Der Grund
hiefür blieb allerdings im Dunkeln, wobei in der Hauptverhandlung auf frühere
Probleme wegen verschwundenen Schuhen, Geldstreitigkeiten im Asylbewerber-
heim und auf einen Diebstahl zwischen den Ehefrauen der Angeklagten hinge-
wiesen wurde (Prot. S. 32, S. 37 f.)
f) aa) Den Ablauf der Messerstecherei, die nun auf dem Mittelstreifen der
...strasse stattfand, schilderten die Angeklagten teilweise unterschiedlich, indem
sie insbesondere wiederum beide eine deutliche Neigung zeigten, die eigene Ge-
waltanwendung als blosse Verteidigung erscheinen zu lassen.
bb) A._ sagte in seiner ersten Einvernahme aus, er habe B._ ge-
packt, um ihn zu Boden zu werfen. B._ habe aber mehrmals mit dem Messer
(Küchenbeil) zugeschlagen und ihn am linken Ober- und Unterarm getroffen. Da-
raufhin habe er B._ in den Rücken gestochen, um ihn zu verletzen, so dass
er aufhöre (HD 8/1 S. 6). Auf erneutes Befragen erklärte A._, er habe seinen
Gegner mit dem Messer bis zum Erscheinen der Polizei in Schach halten wollen.
B._ sei aber um ein Auto herum auf ihn zu gekommen, und er sei ihm entge-
gen gegangen. Dort sei er bei der Abwehr von B._s Schlägen am linken Arm
und an der linken Hand verletzt worden. Er habe B._ halten und zu Boden
werfen wollen. Sie seien dann beide zu Boden gefallen und hätten gekämpft, wo-
bei beide noch immer das Messer in der Hand gehabt hätten. Vielleicht habe er
B._ während des Kampfes mit dem Messer getroffen und verletzt (HD 8/2
S. 7/8). A._ blieb dabei, dass er sich mit dem Messer nur gegen weitere
Schläge mit dem Hackbeil gewehrt habe (HD 7/3 S. 10). Anlässlich der zweiten
Konfrontationseinvernahme folgte eine neue Version, indem A._ nun angab,
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dass B._ ihn mit dem Beil geschlagen und an der Hand getroffen habe. Nun
habe er ihn mit beiden Händen an den Schultern gepackt. Dabei habe er ihn ver-
mutlich (mit dem Messer) am Rücken getroffen. B._ habe sich losreissen und
wegrennen können, sei dann aber über seine Schuhbändel gestolpert und zu Bo-
den gegangen. Er, A._, sei daraufhin mit dem Messer in der Hand gebückt
über ihm gestanden, habe ihn aber nicht zu fassen gekriegt, weil er sich mit Hän-
den und Füssen gewehrt habe. Er habe auf B._ eingeschlagen. Es sei gut
möglich, dass er ihn dabei (mit dem Messer) an den Armen und am Oberkörper
getroffen habe (HD 7/4 S. 3). In einer späteren Einvernahme sagte A._ aus,
dass B._ mit dem Hackbeil zugeschlagen und ihn am Arm getroffen habe.
Daraufhin habe er B._ an den Schultern gehalten und in die Beine getreten,
um ihn zu Fall zu bringen. B._ sei gestrauchelt, habe ihm ebenfalls einen
Tritt versetzt und habe wegrennen wollen. In diesem Moment habe er ihm den
Stich in den Rücken zugefügt (HD 8/5 S. 3, vgl. auch HD 8/7 S. 4).
cc) B._ gab in der ersten Einvernahme zu Protokoll, dass A._ ihn
beim Mittelstreifen (der ...strasse) eingeholt und in die linke Wade getreten habe,
so dass er hingefallen sei. Dann habe A._ auf ihn eingestochen und am lin-
ken Unterarm, an der linken Schulter und am rechten Schulterblatt getroffen. Er
denke, dass er selber auch ein „kleines Messer“ benutzt habe (HD 7/1 S. 4). Bei
der nächsten Befragung erklärte B._, dass er beim Wegrennen in Richtung
BP-Tankstelle über seine Schnürsenkel gestolpert und auf dem Mittelstreifen hin-
gefallen sei. A._ sei in der Folge über ihm gestanden und habe mit dem
Messer auf ihn eingestochen. Den ersten Schlag habe er mit der linken Hand ab-
wehren können und sich dabei eine leichte Schnittverletzung zugezogen. Dann
habe A._ noch viermal zugestochen (HD 7/2 S. 9, vgl. auch HD 7/3 S. 9). Er
selber habe kein Messer mehr gehabt, denn er habe dieses zuvor beim Rennen
weggeworfen (HD 7/2 S. 10). Anlässlich der zweiten Konfrontation bezeichnete
B._ dann aber die Aussagen von A._, wonach er diesen zuerst mit dem
Beil geschlagen und an der Hand getroffen hatte und erst danach weggerannt
und über seine Schuhbändel gestolpert war, als zutreffend (HD 7/4 S. 3). Es sei
dann wie bei einem Duell gewesen, sie hätten die Schläge gegenseitig abgewehrt
(a.a.O., S. 4). Später schilderte B._ das Geschehen allerdings wieder an-
- 15 -
ders, indem er aussagte, A._ habe weiterkämpfen wollen, als erster mit dem
Messer zugeschlagen und ihn am Arm getroffen, worauf er weggerannt sei. Dann
sei er gestolpert und auf den Rücken zu liegen gekommen und habe A._ auf
ihn eingestochen, während er mit seinem Messer bloss Abwehrbewegungen ge-
macht habe (HD 7/7 S. 4).
dd) Zur Auseinandersetzung auf der ...strasse liegen ebenfalls Zeugenaus-
sagen vor. Aufschlussreich ist insbesondere diejenige von M._. Er gab zu
Protokoll, dass er im Tankstellenshop etwas gekauft habe und gerade wieder ins
Auto eingestiegen sei, als er gesehen habe, wie ein ... mit einem Messer in der
Hand etwa einen Meter neben dem Auto vorbeigegangen sei. Es sei eine Art
Metzgermesser zum Zerteilen von Knochen gewesen. Plötzlich sei der Mann mit
dem Messer über die Strasse zur Mittelinsel gerannt. Von der anderen Strassen-
seite sei ebenfalls ein ... zur Mittelinsel gerannt. Dieser habe auch etwas in der
Hand gehabt. Aufgrund der Art und Weise, wie er damit herumgefuchtelt habe,
habe er, der Zeuge, angenommen, dass es ein Messer gewesen sei. Die beiden
seien aufeinander zu gerannt und seien ungefähr gleichzeitig mit den Messern
aufeinander losgegangen. Zu Beginn seien beide Männer aufrecht gestanden.
Nachdem sie ein paar Male aufeinander eingeschlagen hätten, sei der eine um
ein Auto herum weggerannt und habe der andere ihn verfolgt. Irgendwann habe
der Verfolger ihn erwischt. Der Verfolgte sei zu Boden gefallen und auf dem Rü-
cken gelandet. Der andere habe daraufhin mit dem Metzgermesser auf ihn einge-
schlagen. Der Mann am Boden habe mit den Armen um sich gefuchtelt. Die bei-
den hätten gekämpft, bis die Polizei erschienen sei (HD 10/12 S. 2-4).
ee) Die Zeugin N._ sagte aus, dass eine Gruppe ... um ein Auto her-
umgerannt sei. Einer habe den anderen mit einem Messer in der Hand verfolgt.
Der Verfolgte sei dann auf dem Rücken gelegen, während der andere über ihm
gestanden sei und mit dem Messer ausgeholt habe. Sie habe nicht gesehen, ob
der Verfolgte auch eine Waffe gehabt habe. Dann sei ziemlich schnell die Polizei
gekommen (HD 10/10 S. 2/3). O._ erklärte, dass es nochmals zu einer
Schlägerei gekommen sei. Er habe aber durch die Glasscheibe der Tankstelle
nicht im Detail sehen können, was geschehen sei. Beim Herumrennen um das
- 16 -
Auto habe B._ geschrien, er wolle A._ nicht umbringen, er solle aufhö-
ren. A._ habe aber gemeint, sie könnten weitermachen, er sei eh schon ver-
letzt (HD 9/9 S. 6).
ff) Der Ablauf der Auseinandersetzung auf der ...strasse lässt sich bei einer
gesamthaften Betrachtung der vorliegenden Aussagen gut rekonstruieren. Auf-
grund derjenigen des unbeteiligten Zeugen M._ ist insbesondere zweifelsfrei
erstellt, dass zunächst sowohl A._ als auch B._ weiterkämpfen wollten
und sofort mit den Messern aufeinander losgingen. In der Folge lösten sie sich
voneinander, wobei A._ seinen Gegner mit dem Messer in der Hand um ein
Auto herumrennend verfolgte. Erst in dieser Phase wollte B._ den Kampf ab-
brechen. A._ sah nun aber den Moment gekommen, um „die Sache endgül-
tig zu bereinigen“. Als B._ über seine Schnürsenkel stolperte und zu Boden
ging, stach er über ihm stehend mehrmals auf ihn ein, wogegen sich B._
durch wildes Fuchteln mit den Armen zu wehren versuchte. B._ erlitt dabei
die in der Anklage aufgezählten Stichverletzungen. A._ wurde im Laufe der
Messerstecherei seinerseits mehrmals vom Küchenbeil seines Gegners getroffen
und an den Armen und Händen sowie am Oberschenkel verletzt. Ob A._ die
Verletzungen am rechten Augenlid und an der rechten Augenbraue ebenfalls an
der ...strasse erlitt oder diese schon vorher zusammen mit der Stirnverletzung
entstanden waren, bleibt unklar, kann aber auch offen bleiben.
gg) Dass die beiden Angeklagten beim Kampf an der ...- und hernach an
der ...strasse die in der Anklageschrift genannten Verletzungen erlitten, ist unbe-
stritten und im übrigen mit Arztberichten sowie teilweise fotografisch dokumentiert
(B._: HD 12/3 und HD 12/4; A._: HD 13/4-6). Das Institut für Rechtsme-
dizin der Universität Zürich (IRM) führte in seinen Gutachten aus, dass bei beiden
Angeklagten zufolge der erlittenen Verletzungen keine unmittelbare Lebensgefahr
bestanden habe. Sie hätten – von Narben und bei A._ allenfalls einer Funkti-
onseinschränkung des verletzten Zeigefingers abgesehen – auch nicht mit blei-
benden Nachteilen zu rechnen. Bei B._ hätte aber der Stich in den Rücken
zu einer Verletzung des Herzens mit nachfolgendem Verblutungstod oder zu ei-
nem lebensgefährlichen Spannungspneumothorax führen können. A._ hätte
- 17 -
insbesondere durch den Hieb mit dem Küchenbeil ohne weiteres lebensgefährli-
che Schädel-Hirn-Verletzungen erleiden können. Auch gegen den Rumpf geführt
könne dieses Beil lebensgefährliche bzw. tödliche Verletzungen verursachen
(HD12/9 S. 4/5, HD 13/10 S. 4-6).
hh) Damit ist nicht nur der eingeklagte Sachverhalt erstellt, sondern steht
auch fest, dass beide Männer den Kampf suchten und einander gegenseitig (auch
mit Messern) angriffen. Unter diesen Umständen kann – auch wenn schliesslich
A._ die Oberhand erlangte und B._ in die Defensive geriet – nicht ein-
mal ansatzweise davon die Rede sein, dass sich einer von ihnen in einer Not-
wehrsituation befunden hätte.
2. a) Der Angeklagte A._ hatte bezüglich seiner Verhaftung in den ers-
ten Einvernahmen noch geltend gemacht, dass er der Polizei bloss das Messer
habe zeigen wollen, welches B._ unter ein Auto geworfen habe. Als er sich
auf den Boden gelegt habe, um das Messer hervorzuholen, habe sich die Polizei
auf ihn gestürzt und ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Er habe sich nicht ge-
wehrt, sondern lediglich versucht, sich umzudrehen und aufzustehen. Weshalb
der Polizist dabei verletzt worden sei, wisse er nicht (HD 8/1 S. 7/8). Als er selber
aufzustehen versucht habe, sei der Beamte hingefallen. Er habe gar nichts ge-
macht, sondern sei nur neben ihm gestanden. Dann sei er festgenommen worden
(HD 8/5 S. 4). In einer weiteren Einvernahme erklärte der Angeklagte, dass er un-
ter dem Auto nach dem Messer gesucht habe. Dann sei jemand gekommen und
habe sich auf ihn gelegt. Er habe versucht, sich mit beiden Armen hochzustem-
men, und es sei ihm gelungen, aufzustehen. Während des Aufstehens habe ihn
jemand am Kopf gepackt und ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Er sei nie mit
dem Polizisten am Boden gelegen, insbesondere auch nicht auf ihm, und er habe
diesen nie gestossen, gepackt oder gegen den Boden oder Randstein gestossen.
Wie es zu dessen Verletzung gekommen sei, könne er sich nicht erklären (HD 8/6
S. 1/2, ND 1/14 S. 1). In der staatsanwaltlichen Schlusseinvernahme gab der An-
geklagte schliesslich zu, dass er sich im Anschluss an die Messerstecherei mit
Körpergewalt seiner Verhaftung widersetzt hatte und es demzufolge mit dem Poli-
zeibeamten F._ zu einem Gerangel gekommen war (HD 8/9 S. 6). Er bestrei-
- 18 -
tet aber weiterhin, sich in diesem Zusammenhang der (vorsätzlichen) einfachen
Körperverletzung z.N. von F._ schuldig gemacht zu haben (Urk. 51 S. 2).
b) Der Geschädigte F._ gab als Zeuge zu Protokoll, dass A._ et-
was von einem Messer erzählt habe, das er holen und der Polizei bringen wolle.
Das habe er verhindern wollen und zum Angeklagten deshalb gesagt, er solle
warten. Plötzlich sei der Angeklagte schnellen Schrittes in Richtung ...strasse ge-
gangen. Er sei ihm sogleich gefolgt. Als der Angeklagte sich bei einem Auto auf
den Boden gelegt und schon unter das Fahrzeug gegriffen habe, sei er, F._,
neben ihn gekniet, habe ihn am Oberkörper gepackt und versucht, ihn zurückzu-
ziehen. Nun sei es zu einem Handgemenge gekommen. Der Angeklagte sei
hochgekommen und habe ihm mit beiden Händen gegen die Brust gedrückt, wäh-
rend er den Oberkörper des Angeklagten umklammert habe. Dann seien sie beide
nach hinten auf den Boden gefallen. Er, der Zeuge, sei rücklings auf dem Boden
gelegen, und sein Kopf sei irgendwie eingeklemmt gewesen. Seine Halswirbel
seien überdehnt worden, als der Angeklagte auf ihm gelegen sei, sich gewunden
habe und sich habe aus der Umklammerung befreien wollen. Auch habe er sich
beim Sturz den Kopf angeschlagen (ND 1/8 S. 3-5).
c) Der Polizeibeamte P._ sagte aus, er habe beim Heranfahren mit
dem Streifenwagen gesehen, dass zwischen F._ und einem ... ein Gerangel
im Gange gewesen sei. Die beiden seien sich gegenüber gestanden, hätten sich
gegenseitig am Oberkörper festgehalten und gezogen und gestossen. Dann seien
sie im Gerangel zu Boden gefallen. Der ... sei auf dem Rücken gelegen und
F._ sei über ihm gewesen. Der ... habe mit den Armen gefuchtelt und
F._ wegzustossen versucht. Dann habe er, P._, gesehen, dass F._
zur Seite gefallen sei und sich den Kopf gehalten habe. Nach einem Pfeffer-
sprayeinsatz – glaublich von Q._ – sei das Gerangel schlagartig zu Ende
gewesen, weil beide nichts mehr gesehen hätten (ND 1/9 S. 2/3).
d) R._ war ebenfalls am Polizeieinsatz beteiligt gewesen und erklärte
als Zeuge, dass es auf der Höhe der ...-Tankstelle auf dem Mittelstreifen der
...strasse ein Gerangel zwischen F._ und einem ... gegeben habe. F._
sei auf diesem gesessen und habe versucht, dessen Arme zu arretieren, was ihm
- 19 -
aber nicht gelungen sei, weil der andere stärker gewesen sei. Der ... habe auf
dem Boden wie ein Irrer getan und auch auf F._ eingeschlagen. Er, der Zeu-
ge, könne sich auch daran erinnern, dass der ... versucht habe, sich mit einem
Ruck zu drehen. Dabei habe er F._ festgehalten und ihm den Kopf auf den
Randstein des Mittelstreifens geschlagen, wobei er, R._, nicht beurteilen
könne, ob der ... dies absichtlich getan habe. Einer der Kollegen habe dann den
Pfefferspray eingesetzt (ND 1/11 S. 2/3). Er habe noch selten jemanden gesehen,
der sich gegenüber der Polizei mit so viel Gewalt zur Wehr gesetzt habe. Der An-
geklagte habe sich äusserst aggressiv verhalten, er habe getobt (a.a.O., S. 4).
e) Ein weiterer Polizist, Q._, gab als Zeuge an, dass der Angeklagte
A._ plötzlich zu einem beim Mittelstreifen parkierten Auto gegangen sei.
F._ habe gerufen: „Messer, Messer!“. Er selber habe gesehen, dass A._
beim linken Vorderrad gekniet sei. Im nächsten Moment habe F._ den Ange-
klagten hinten am Schulter-/Halsbereich gepackt und mit den Armen A._s
Oberkörper umfasst. Der Angeklagte habe sich mit aller Kraft gewehrt, so dass
die beiden nach hinten auf den Boden gefallen seien. F._ sei dann auf dem
Rücken gelegen und A._ rücklings auf ihm. Die Polizisten hätten daraufhin
gemeinsam versucht, die Arme und Beine des Angeklagten zu fixieren, was ihnen
aber nicht gelungen sei. Er, Q._, habe dann den Pfefferspray eingesetzt, wo-
rauf der Angeklagte den Widerstand aufgegeben habe. F._ habe nach dem
Vorfall eine Verstauchung am Genick gehabt. Diese Verletzung habe er sich auf
jeden Fall bei der Verhaftung des Angeklagten zugezogen (ND 1/12 S. 2/3).
f) Die Zeugin S._ sagte aus, dass sie in ihrem Wohnzimmer gewesen
sei, als sie von der Strasse her plötzlich ein riesiges Geschrei gehört habe. Sie sei
auf den Balkon gegangen und habe zwei ... Männer gesehen, die sich beim Mit-
telstreifen der ...strasse gegenübergestanden bzw. sich wie Hühner nachgerannt
seien. Plötzlich sei die Polizei gekommen, und die beiden Männer seien wegge-
rannt. F._ sei dem einen nachgerannt. Dieser habe sich dann umgedreht und
sei auf ihn losgegangen. Sie hätten sich gegenseitig gepackt, und plötzlich seien
sie bei einem Auto beim Mittelstreifen auf dem Boden gelegen. F._ sei rück-
lings auf dem Boden gelegen und der Angeklagte sei auf ihm gesessen. Irgend-
- 20 -
wann sei dann ein Polizist F._ zu Hilfe gekommen und habe einen Pfeffer-
spray eingesetzt. Zuvor habe der Angeklagte sich mit Händen und Füssen gegen
die Verhaftung gewehrt und wie wild um sich geschlagen. Zuerst sei F._
oben gewesen und habe den Angeklagten zu Boden gedrückt. Dann sei plötzlich
der Angeklagte auf dem Polizisten gesessen. Er habe beide Hände beim Kopf
des Polizisten gehabt, so dass sie, die Zeugin, das Gefühl gehabt habe, er würge
ihn (ND 1/13 S. 2/3).
g) Gemäss einem Arztbericht aus dem T._ [Spital] wurden bei
F._ am 25. September 2007 eine Schädelkontusion und eine Kontusion der
Halswirbelsäule festgestellt (ND 1/17).
h) Der Angeklagte ist geständig, sich der Verhaftung widersetzt zu haben,
und bestätigte auch, dass es dabei zu einem Gerangel mit F._ gekommen
war. Gemäss den vorliegenden Zeugenaussagen, insbesondere auch denjenigen
der völlig unbeteiligten Zeugin S._, leistete er auch am Boden weiterhin sehr
heftig Widerstand. Der Zeuge R._ sah, dass dabei der Kopf des Polizeibe-
amten gegen den Randstein des Mittelstreifens geschlagen wurde (ND 1/11 S. 3),
und die Zeugin S._ gewann den Eindruck, dass der Angeklagte den Ge-
schädigten würge (ND 1/13 S. 3). Diese Aussagen sind sehr gut mit den Angaben
des Geschädigten vereinbar, sein Kopf sei irgendwie eingeklemmt gewesen
(ND 1/8 S. 4) bzw. er habe den Kopf angeschlagen und seine Halswirbel seien
überdehnt worden (a.a.O., S. 5). An jenem Abend habe er den Kopf nicht mehr
bewegen können (a.a.O., S. 2). Es besteht keinerlei Anhaltspunkt dafür, dass
F._ an jenem Abend noch in eine andere Auseinandersetzung verwickelt
gewesen wäre. Ausser Zweifel steht daher, dass er bei der Verhaftung des Ange-
klagten verletzt wurde. Naheliegend und jedenfalls zugunsten des Angeklagten
anzunehmen ist zwar, dass er nicht den Geschädigten verletzen, sondern ledig-
lich sich selbst der Festnahme entziehen wollte. Indem er sich aber so stark wehr-
te, dass der Polizist mit ihm zu Boden fiel, und auch dort noch mit grosser Kraft
weiterkämpfte, nahm er zwangsläufig auch die Möglichkeit in Kauf, dass der Be-
amte verletzt werden könnte. Der diesbezüglich eingeklagte Sachverhalt ist des-
halb ebenfalls in objektiver und subjektiver Hinsicht erstellt.
- 21 -
3. Bezüglich der ihm vorgeworfenen einfachen Körperverletzung zum
Nachteil der Geschädigten C._ vom 26. Juli 2006 liess der Angeklagte 2 an-
lässlich der Hauptverhandlung auf Freispruch plädieren (Urk. 80 S. 15). Er hatte
allerdings während der Untersuchung ausdrücklich zwei Ohrfeigen zugegeben
(HD 7/5 S. 3) und räumte in der Hauptverhandlung immer noch ein, der Geschä-
digten eine Ohrfeige gegeben zu haben (Prot. S. 33). Es ist, wie es auch die An-
klageschrift tut, davon auszugehen, dass der Angeklagte von der Geschädigten
mit Ausdrücken wie „stinkiger ... [Angehöriger des Staates U._]“ provoziert
wurde, und er dann zuschlug. Die der Geschädigten zugefügten Verletzungen
sind durch ein ärztliches Zeugnis belegt (ND 2/6) und gehen über eine Tätlichkeit
klar hinaus. Der Sachverhalt gemäss Anklageschrift ist demgemäss erstellt.
4. In rechtlicher Hinsicht ist lediglich zu präzisieren, dass Art. 122 Abs. 2
StGB nicht anwendbar ist, da die Anklage ausdrücklich davon ausgeht, die beiden
Angeklagten hätten keine entstellenden Gesichtsverletzungen in Kauf genommen
und auch nicht gebilligt, dass der Gegner ein Auge verlieren könnte. Im Übrigen
ist die rechtliche Würdigung der eingeklagten Sachverhalte seitens der Staatsan-
waltschaft zutreffend. Dies gilt insbesondere für den Vorwurf der versuchten
schweren Körperverletzung, steht doch aufgrund der gerichtsmedizinischen Gut-
achten fest, dass der Einsatz des Küchenbeils einerseits und des Küchenmessers
anderseits ohne weiteres zu akut lebensgefährlichen Verletzungen hätten führen
können (HD 12/9 S. 4/5, HD 13/9 S. 5). Beim Angeklagten B._ liegt diesbe-
züglich mehrfache Tatbegehung vor, da er in beiden Phasen der Auseinanderset-
zung mit dem Hackbeil zuschlug. Dabei bestand nicht nur beim Hieb gegen
A._s Kopf die ernste Gefahr einer lebensbedrohlichen Verletzung. Auch die
auf der ...strasse während eines heftigen Kampfes erfolgten und somit nicht prä-
zise gezielt ausführbaren Schläge hätten A._ ohne weiteres am Kopf oder
Rumpf treffen und lebensgefährlich verletzen können. Die Kontusionen von Schä-
del und Halswirbelsäule, welche der Angeklagte A._ dem Polizeibeamten
F._ zufügte, führten zumindest zu einer kurzen Arbeitsunfähigkeit (ND 1/17).
Sie verursachten auch recht erhebliche Heilungskosten, welche im Übrigen an-
lässlich der Hauptverhandlung anerkannt wurden (ND 1/20: Fr. 2'370.85), was bei
einer bloss ganz vorübergehenden Störung des Wohlbefindens nicht der Fall ge-
- 22 -
wesen wäre. Sie erfüllen somit wie die Verletzungen der Geschädigten C._
den Tatbestand der einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Die
rechtliche Einordnung der weiteren Taten der beiden Angeklagten seitens der An-
klagebehörde ist unbestritten und ebenfalls richtig. Die beiden Angeklagten sind
somit (mit der erwähnten geringfügigen Korrektur) im Sinne der Anklage schuldig
zu sprechen.
III.
1. a) Für den gesetzlichen Strafrahmen ist beim Angeklagten A._ die
falsche Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB massgebend, für
welche das Gesetz als Maximalstrafe bis zu 20 Jahre Freiheitsstrafe oder Geld-
strafe vorsieht, beim Angeklagten B._ die versuchte schwere Körperverlet-
zung, für die als Sanktion Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht
unter 180 Tagessätzen vorgesehen ist (Art. 122 Abs. 1 und 4 StGB). Dass sowohl
B._ als auch A._ die schwere Körperverletzung nicht vollendeten, ist
strafmildernd zu berücksichtigen (Art. 22 Abs. 1 StGB) und hat zur Folge, dass
der Strafrahmen gegen unten offen ist (Art. 48a Abs. 1 und 2 StGB). Die Bege-
hung weiterer Vergehen und die bei B._ mehrfache Erfüllung des vorstehend
genannten Tatbestandes haben zur Folge, dass sich der Strafrahmen bei
B._ gegen oben bis auf 15 Jahre Freiheitsstrafe erweitert, während dies bei
A._ straferhöhend zu werten ist. Für eine von der Verteidigung von A._
geltend gemachte Strafmilderung wegen einer heftigen Gemütsbewegung im Sin-
ne von Art. 48 lit. c StGB liegt kein Grund vor. Der Angeklagte A._ griff zwar
zunächst zu einem eher harmlosen Kampfmittel, einem Besenstiel. Aus seinen
Aussagen geht aber hervor, dass er nach seiner Verletzung bewusst nach einem
Mittel suchte, um den Angeklagten B._ ebenfalls zu verletzen, als er das
Messer ergriff. Er wollte auch den Kampf nicht beenden, sondern „die Sache end-
gültig bereinigen“ (HD 8/5 S. 21; Prot. S. 27 f.). Das geht klar über eine spontane
Reaktion im Affekt hinaus.
- 23 -
Hinsichtlich der von B._ z.N. von C._ begangenen einfachen Körperver-
letzung ist beizufügen, dass sich diese Tat ereignete, bevor am 1. Januar 2007
die aktuelle Fassung der Allgemeinen Bestimmungen des Schweizerischen Straf-
gesetzbuchs in Kraft trat. Sie ist aber ebenfalls nach dem neuen Recht zu beurtei-
len, da dieses eine mildere Strafandrohung enthält und ohnehin auch nicht zu-
sätzlich zu einer längeren neurechtlichen Freiheitsstrafe für ein Nebendelikt noch
eine altrechtliche Sanktion ausgefällt werden könnte. Schliesslich ist noch festzu-
halten, dass bei B._ eine teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staats-
anwaltschaft Zürich-Sihl vom 27. Oktober 2006 auszufällen ist, wobei dies aber
angesichts der Schwere des Hauptdelikts keine grossen Auswirkungen hat.
b) Weitere Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe sind nicht gege-
ben. Insbesondere ergab die auf Antrag der Verteidigung (HD 16/1) erfolgte psy-
chiatrische Begutachtung des Angeklagten A._, dass bei diesem keine psy-
chische Störung von Krankheitswert auszumachen ist und er insbesondere das
schwerwiegendste Delikt z.N. von B._ bei voller Schuldfähigkeit verübte
(Urk. 64 S. 17/18). Bezüglich des Angeklagten B._ ergeben sich aus den Ak-
ten keine Hinweise auf das Vorliegen einer Störung der psychischen Gesundheit.
Auch sein amtlicher Verteidiger machte nichts dergleichen geltend, sondern mo-
nierte lediglich, dass etwelche Rechtfertigungsgründe zu prüfen seien (Anhang zu
Urk. 71 S. 2/3). Es besteht daher kein Grund, im gerichtlichen Verfahren eine
psychiatrische Begutachtung des Angeklagten B._ zu veranlassen. Zu er-
gänzen ist, dass gemäss den Akten beide Angeklagte nicht in einem Zustand aku-
ter schwerer Intoxikation waren (HD 14.1 und 15.1).
c) Wegen des Konsums von Betäubungsmitteln sind sowohl B._ als
auch A._ zusätzlich mit einer Busse von höchstens Fr. 10'000.– zu bestrafen
(Art. 19a Ziff. 1 BetmG, Art. 106 Abs. 1 StGB).
d) Das Gericht misst die Strafen nach dem Verschulden der Täter zu. Es
berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung
der Strafe auf das Leben der Täter. Das Verschulden bemisst sich nach der
Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der
Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen der Täter sowie da-
- 24 -
nach, wie weit sie nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage waren,
die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs.1 und 2 StGB).
2. a) Nachdem beim Kartenspiel um geringe, auch für die Verhältnisse der
beiden Angeklagten nicht sehr bedeutsame Geldeinsätze (5 bis 10 Franken;
HD 7/1 S. 3, HD 8/1 S. 4) ein Mitspieler falsch gespielt hatte, gerieten B._
und A._ in eine derartige Wut, dass sie beide entschlossen waren, ihren
Streit gewaltsam auszutragen. Zu diesem Zweck bewaffneten sich beide, wobei
allerdings B._ mit dem Küchenbeil ein sehr viel gefährlicheres Tatwerkzeug
wählte als A._, der sich in dieser Phase noch mit einem Besenstiel aus Alu-
minium begnügte. In der Folge prügelten sie damit blindwütig aufeinander ein,
wobei B._ auch nicht aufhörte, als A._s Besenstiel zerbrach, sondern
die Gelegenheit ergriff, um seinem Gegner mit dem Hackbeil einen Hieb gegen
den Kopf zu versetzen. Dabei wurde A._ an der Stirn getroffen und war nur
dem Glück zu verdanken, dass keine lebensgefährliche Verletzung entstand. Zu-
gunsten der beiden Angeklagten ist zwar davon auszugehen, dass sie schon zu-
vor verfeindet waren und der Streit beim Kartenspiel nur der unmittelbare Anlass
für die gewalttätige Auseinandersetzung war. In Anbetracht der Geringfügigkeit
dieses Anlasses und der Brutalität, mit welcher vorgegangen wurde, wiegt bezüg-
lich dieser ersten Phase aber insbesondere das Verschulden von B._ schwer
bis sehr schwer. In einem etwas milderen Licht erscheint der Entschluss des er-
heblich verletzten, blutüberströmten A._, sich nun seinerseits besser zu be-
waffnen und Vergeltung zu üben. Er suchte sich indessen zu diesem Zweck ein
sehr gefährliches Messer aus, dessen Einsatz ohne weiteres geeignet war,
B._ lebensgefährlich zu verletzen oder gar zu töten. A._ rannte sodann
seinem Kontrahenten nach und suchte aktiv und hartnäckig die erneute Ausei-
nandersetzung. Als B._, der ihm zunächst entgegen gerannt war, den Kampf
abbrechen und A._ verarzten wollte, liess dieser sich nicht darauf ein, son-
dern verfolgte ihn weiter, bis B._ zu Boden stürzte. Er nützte daraufhin des-
sen ungünstige Lage dazu aus, um ihm mit direktem Verletzungsvorsatz (HD 8/5
S. 3) mehrere Stiche in den Oberkörper zu versetzen. Nun hatte B._ ausser-
ordentliches Glück, keine lebensgefährlichen, sondern nur relativ leichte Stichver-
letzungen zu erleiden. Er setzte zwar in dieser zweiten Phase sein Küchenbeil vor
- 25 -
allem zur Verteidigung ein, was ihn aber nur wenig entlastet, rannte er doch –
dies belegen v.a. die Aussagen des Zeugen M._ –, als A._ an der
...strasse erschien, sogleich auf diesen zu, um die Messerstecherei fortzusetzen.
Zugute gehalten werden kann ihm immerhin, dass er nach dem ersten Zusam-
menprall versuchte, die Auseinandersetzung abzubrechen. Bezüglich der zweiten
Phase des Tatgeschehens, welche an der ...strasse ablief, wiegt vor allem das
Verschulden von A._ schwer, während dasjenige von B._ als etwas
leichter einzustufen ist. Allerdings kämpften beide, bis die Polizei eintraf.
b) Beim Angeklagten A._ erscheinen sodann die weiteren Vergehen
(innerhalb des dafür vorgesehenen, im Vergleich zu schweren Körperverletzung
deutlich milderen) Strafrahmens ebenfalls als recht gravierend. Er leistete bei sei-
ner Verhaftung so heftig und gewaltsam Widerstand, dass einer der an die
...strasse ausgerückten Polizisten später festhielt, er habe noch selten erlebt,
dass sich jemand der Polizei mit so viel Gewalt widersetzt habe (ND 1/11 S. 4).
Dabei nahm A._ auch in Kauf, den Polizeibeamten F._ zu verletzen. In
der nachfolgenden Strafuntersuchung bezichtigte er den Mitangeschuldigten
B._ ohne jeden Anlass und wider besseres Wissen eines schweren Delikts,
nämlich des Handels mit Kokain. Diesbezüglich kann ihm allerdings zugute gehal-
ten werden, dass er diese Falschaussage in der nächsten Befragung von sich aus
widerrief (HD 8/2 S. 9), bevor sie für B._ Nachteile zur Folge hatte, und dabei
auch Reue bekundete. Die Fortsetzung des täglichen Konsums von Marihuana
während 21⁄2 Wochen nach der letzten diesbezüglichen Verzeigung wiegt im
Rahmen von Art. 19a Ziff. 1 BetmG nicht mehr leicht.
c) Der Angeklagte B._ schlug die Geschädigte C._ im Zuge einer
Auseinandersetzung, bei der auch die Geschädigte ihn heftig beschimpfte („stin-
kiger ... [Angehöriger des Staates U._]“) und schliesslich sogar anspuckte,
zweimal mit der flachen Hand ins Gesicht. Die dabei verursachten Verletzungen
waren geringfügiger Natur. Das diesbezügliche Verschulden des Angeklagten ist
sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht noch als eher leicht zu bewer-
ten. Der über eine längere Zeit andauernde, aber nicht sehr intensive Konsum
- 26 -
von Marihuana erscheint insgesamt als nicht mehr leichter Verstoss gegen
Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
3. a) A._ wurde 1979 in V._ (U._) geboren und ist ... Staats-
angehöriger [des Staates U._]. In seiner Heimat wuchs er bis zum
15. Lebensjahr zusammen mit zwölf Geschwistern in einer Grossfamilie auf. Der
Angeklagte besuchte sechs Jahre die Primar- und weitere sechs Jahre die Se-
kundarschule. Eine Berufsausbildung erhielt er nicht. Stattdessen versuchte er,
Fussballprofi zu werden. Schon in seiner Jugendzeit habe er auch den Wunsch
gehegt, nach Europa zu gehen und eine weisse Frau zu heiraten. So reiste er
2001 nach Deutschland. Von dort kam der Angeklagte 2002 in die Schweiz. Hier
stellte er zunächst unter einem falschen Namen ein Asylgesuch, erhielt aber
schliesslich zufolge der Heirat mit einer hier niedergelassenen Ausländerin eine
Aufenthaltsbewilligung B. Das Ehepaar hat einen fünfjährigen Sohn. Im August
2007 wurde der Angeklagte nach gewalttätigen Übergriffen gegenüber seiner
Ehefrau in einer Notunterkunft platziert. In der Schweiz arbeitete A._ u.a. auf
dem Bau, in einem Beschäftigungsprogramm der Stadt W._ und zuletzt bei
einer Metallbaufirma in Z._, wo er ein Salär von ca. Fr. 3'800.– monatlich be-
zog. Seine Ehefrau verdiente ca. Fr. 2'000.– hinzu. Die Wohnungsmiete kostete
Fr. 1'360.– pro Monat. Der Angeklagte unterstützte gelegentlich seine Verwand-
ten in U._. Er hat kein Vermögen, aber Schulden aus einem früheren Straf-
verfahren, die sich auf ca. Fr. 3'000.– belaufen. Seit dem Vorfall vom
25. September 2007 befindet er sich ununterbrochen in Haft, wobei ihm am 3. Juli
2009 der vorzeitige Strafantritt bewilligt wurde. Im Anschluss an die Haft plant er,
sich wieder eine Arbeit zu suchen und mit seiner Familie zusammenzuleben. Eine
Scheidung sei nicht geplant (HD 36/1, HD 36/7, HD 36/8, Urk. 61; Vorakten
Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland, Unt.Nr. 2007/3567, Urk. 4 S. 1-3, und
Unt.Nr. 2007/5589, Urk. 4 S. 1-3; Prot. S. 13, 15 f.). Aus dem geschilderten Vorle-
ben des Angeklagten ergeben sich bezüglich der nun zu ahndenden Straftaten
keine straferhöhend oder strafmindernd wirkenden Momente.
b) Der Angeklagte A._ ist im Strafregister mit vier Verurteilungen ver-
zeichnet. Die erste erfolgte seitens der Jugendanwaltschaft Uster / Meilen am
- 27 -
25. April 2003 noch unter dem Falschnamen „A1._“ (und unter Annahme ei-
nes falschen Geburtsdatums). Damals wurde der Angeklagte wegen Kokainver-
kaufs mit 10 Tagen Einschliessung bestraft, wobei ihm der bedingte Strafvollzug
mit einem Jahr Probezeit gewährt wurde. Die Bezirksanwaltschaft Bülach bestraf-
te ihn am 22. Juli 2004 wegen eines Vergehens gegen das damals geltende Bun-
desgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG) mit 90 Ta-
gen Gefängnis, bedingt vollziehbar bei zwei Jahren Probezeit. Die Staatsanwalt-
schaft Winterthur / Unterland fällte gegen A._ am 24. Mai 2007 wegen einfa-
cher Körperverletzung und Drohung eine unbedingt vollziehbare Geldstrafe von
40 Tagessätzen zu Fr. 50.– aus. Am 15. August 2007 folgte seitens derselben
Behörde wegen Drohung, Tätlichkeiten und geringfügiger Sachbeschädigung eine
Verurteilung zu einer ebenfalls unbedingt vollziehbaren Geldstrafe von 50 Ta-
gessätzen zu Fr. 90.– sowie Fr. 500.– Busse (HD 36/4 und 36/5).
4. a) B._ wurde 1983 in AA._ (U._) geboren und ist ebenfalls
... Staatsbürger [des Staates U._]. Sein Vater ist Rechtsanwalt. Er wuchs in
seiner Heimat zusammen mit drei Geschwistern bei den Eltern auf und besuchte
in AA._ die Primar- und einen Teil der Sekundarschule. Den Rest seiner ins-
gesamt 10 Schuljahre absolvierte der Angeklagte in einem Internat. Nach der
Schule begann er, in einem Club Fussball zu spielen. Daneben half er im Hotelbe-
trieb seiner Mutter mit und bereitete sich auf die Zulassungsprüfung zur Hoch-
schule vor. An der Universität AB._ begann er ein Rechtsstudium, welches er
aber nach drei Monaten abbrach. In der Folge verliess er im Jahre 2002 sein
Land und reiste in die Schweiz. Als Grund hiefür gab der Angeklagte an, dass es
in AB._ eine Organisation gegeben habe, die Druck auf die Studenten aus-
geübt habe, sich ihr anzuschliessen. Dies habe er nicht gewollt. In der Schweiz
stellte er ein Asylgesuch, welches indessen abgelehnt wurde. Nachdem er dage-
gen erfolglos rekurriert hatte und im Oktober 2004 nach U._ ausgeschafft
worden war, erlangte der Angeklagte schliesslich durch die im März 2005 erfolgte
Heirat mit einer Schweizerin eine Aufenthaltsbewilligung B. Das Ehepaar hat ei-
nen Sohn (geb. 2003). Ab Oktober 2005 war der Angeklagte wieder in der
Schweiz. Hier spielte er zunächst bei „AC._“ in der 2. Liga und später beim
FC AD._ Fussball. Im Übrigen blieb er stets arbeitslos und bezog Sozialhilfe.
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Seine Frau war zeitweise ebenfalls auf Sozialhilfe angewiesen und fand schliess-
lich eine Anstellung in einem Call-Center mit einem Pensum von 80 %. Der Ange-
klagte hat in der Schweiz kein Vermögen, aber Schulden, deren Höhe er selber
nicht zu beziffern vermochte. Gemäss seinen Angaben besitzt er in U._ ein
Haus, das von seinen Familienangehörigen bewohnt wird. Der Angeklagte äus-
serte die Absicht, in der Schweiz als Fussballer Karriere zu machen, und gab an,
dass er am Tag seiner Verhaftung einen Vertrag für die 1. Mannschaft von
AD._ hätte erhalten sollen. Seit dem 25. September 2007 befindet er sich
ununterbrochen in Haft. Sein Gesuch um Bewilligung des vorzeitigen Strafvoll-
zugs wurde am 12. August 2009 abgelehnt, nachdem er angekündigt hatte, sein
Geständnis zu widerrufen, und zudem anlässlich eines Gefängnisbesuchs seiner
Ehefrau schwere Drohungen gegen seinen damaligen Verteidiger und weitere
Personen ausgestossen hatte (HD 35/1, HD 35/8, HD 7/1 S. 9, HD 7/3 S. 11,
Urk. 60/1, Urk. 70; HD Vorakten Bezirksanwaltschaft Zürich, Unt.Nr. 2004/18825,
Urk. 1 S. 4 und Urk. 11; Vorakten Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, Unt.Nr.
2006/3659, Urk. 7 S. 5; Prot. S. 17-21). Auch beim Angeklagten B._ ergibt
sich aus den persönlichen Verhältnissen nichts, was sich straferhöhend oder
strafmindernd auswirken könnte.
b) Der Angeklagte B._ ist im Strafregister unter seinem richtigen Na-
men mit zwei Verurteilungen vermerkt. Mit Strafbefehl vom 23. Januar 2006 fällte
die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl gegen ihn wegen Vergehens gegen das ANAG
und Hinderung einer Amtshandlung eine Strafe von 90 Tagen Gefängnis aus. Der
Strafvollzug wurde unter Ansetzung einer zweijährigen Probezeit aufgeschoben.
Letztere wurde um ein Jahr verlängert, als der Angeklagte am 27. Oktober 2006
von derselben Behörde wegen einfacher Körperverletzung, Nötigung sowie Ver-
abreichens gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder mit 21 Tagen Gefängnis,
bedingt vollziehbar bei drei Jahren Probezeit, bestraft wurde (HD 35/2).
c) Den Akten ist weiter zu entnehmen, dass die Jugendanwaltschaft Diet-
ikon / Affoltern dem (damals unter einem Falschnamen in Erscheinung getrete-
nen) Angeklagten B._ am 5. April 2004 einen Verweis erteilte, weil er im
Herbst 2002 in AE._ Kügelchen mit Kokain verkauft hatte (HD 35/13).
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5. a) Beim Angeklagten A._ wirken sich neben der Deliktsmehrheit die
Vorstrafen, insbesondere die bezüglich Gewaltausübung einschlägigen aus dem
Jahre 2007, und betreffend der falschen Anschuldigung die Tatbegehung wäh-
rend laufender Strafuntersuchung straferhöhend aus. Strafmindernd kann das na-
hezu vollumfängliche Geständnis berücksichtigt werden, ebenso, dass er in der
Hauptverhandlung Einsicht und Reue an den Tag legte.
b) Beim Angeklagten B._ fällt straferhöhend vorab die zweimalige Be-
gehung des schwersten Delikts (versuchte schwere Körperverletzung) ins Ge-
wicht, daneben aber auch die Begehung weiterer Straftaten und die Vorstrafen,
insbesondere diejenige wegen Körperverletzung etc. aus dem Jahre 2006, sowie
die Delinquenz während einer laufenden Probezeit. Das Teilgeständnis des An-
geklagten ist demgegenüber wie auch die anlässlich der Hauptverhandlung in
gewissem Masse gezeigte Einsicht strafmindernd in Betracht zu ziehen.
c) Eine Reduktion der Strafe auf zwei Jahre, um migrationsrechtliche Mas-
snahmen, namentlich eine Ausschaffung, zu vermeiden, kommt bei beiden Ange-
klagten nicht in Frage. Die zu erwartenden migrationsrechtlichen Konsequenzen
entfalten allerdings, analog zu einem Entzug des Führerausweises, eine gewisse
zusätzliche pönale Wirkung auf das Leben der Angeklagten, welche in Anwen-
dung von Art. 47 StGB leicht strafmindernd berücksichtigt werden kann.
6. a) Bei einer gesamthaften Würdigung des Verschuldens der beiden An-
geklagten und der weiteren vorstehend erörterten Strafzumessungsgründe erwei-
sen sich Freiheitsstrafen von 41⁄4 Jahren für den Angeklagten B._ bzw.
4 Jahren für den Angeklagten A._ als angemessene Sanktion. Bezüglich des
Betäubungsmittelkonsums werden Bussen von je Fr. 400.– dem Verschulden ei-
nerseits und den persönlichen Verhältnissen, insbesondere auch der eher prekä-
ren finanziellen Lage der Angeklagten anderseits gerecht.
b) Die beiden Angeklagten wurden unmittelbar nach der eingeklagten Mes-
serstecherei, d.h. noch am 25. September 2007, verhaftet (HD 1) und befinden
sich seither im Gefängnis. Ihnen sind somit je 784 Tage bis heute erstandene Haft
auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB).
- 30 -
Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall, dass die jeweils ausgesprochene
Busse nicht bezahlt wird, ist bei beiden Angeklagten auf je 4 Tage festzusetzen.
IV.
Da die beiden Angeklagten zu Freiheitsstrafen von mehr als drei Jahren
verurteilt werden, ist die Gewährung des voll- oder teilbedingten Strafvollzugs
ausgeschlossen (Art. 42 Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1 StGB).
V.
a) Begeht der zu einer bedingten Strafe Verurteilte während der Probezeit
ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straf-
taten verüben wird, so widerruft das Gericht den bedingten Strafvollzug (Art. 46
Abs. 1 StGB). Es sieht davon ab und verlängert stattdessen die Probezeit oder er-
lässt eine Verwarnung, wenn trotz der Delinquenz in der Probezeit nicht zu erwar-
ten ist, dass der Verurteilte weitere Straftaten begehen wird (Art. 46 Abs. 2 StGB).
b) Der Angeklagte B._ verübte die Körperverletzungsdelikte, die zu
seiner heutigen Verurteilung zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe führen, wäh-
rend der zweijährigen Probezeit, die ihm – wie er wusste (HD 35/8 S. 1) – mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 23. Januar 2006 hinsichtlich
einer Strafe von 90 Tagen Gefängnis angesetzt worden war (HD 35/2). In Anbe-
tracht der noch nicht lange zurückliegenden, teilweise einschlägigen Vorstrafen
einerseits und der Schwere des heute zu beurteilenden Delikts z.N. von A._
anderseits muss dem Angeklagten eine ungünstige Prognose gestellt werden. Die
vorstehend erwähnten 90 Tage Gefängnis (abzüglich 1 Tag erstandene Haft) sind
daher zu vollziehen.
- 31 -
c) Am 27. Oktober 2006 wurde der Angeklagte B._ ausserdem von
der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl mit 21 Tagen Gefängnis bestraft, wobei ihm
der bedingte Strafvollzug mit drei Jahren Probezeit gewährt wurde (HD 35/2).
Diesbezüglich machte der Angeklagte in der vorliegenden Untersuchung geltend,
dass er den besagten Strafbefehl nie erhalten habe. Die Unterschrift auf dem
Empfangsschein stamme von seiner Frau, und diese habe ihm den Strafbefehl
nie gezeigt (HD 35/8 S. 2). Die Unterschrift auf der fraglichen Gerichtsurkunde
lautet tatsächlich auf „AF._ B._“ (Vorakten Staatsanwaltschaft Zürich-
Sihl, Unt. 2006/3659, Urk. 17) und unterscheidet sich deutlich von derjenigen auf
der Empfangsbestätigung für den Strafbefehl vom 23. Januar 2006 (Vorakten
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, Unt. 2004/18825, Urk. 20). Bei dieser Aktenlage
ist davon auszugehen, dass der Angeklagte B._ den Strafbefehl vom
27. Oktober 2006 tatsächlich nie erhalten hat. Damit konnte aber auch die darin
festgesetzte Probezeit nicht zu laufen beginnen und fällt ein Widerruf des beding-
ten Strafvollzugs hinsichtlich der damals ausgefällten 21 Tage Gefängnis ausser
Betracht.
VI.
Die AG._ macht anstelle des Geschädigten F._ gegenüber dem
Angeklagten A._ einen Schadenersatzanspruch für Heilungskosten und Un-
falltaggelder im Gesamtbetrag von Fr. 3'540.85 geltend (ND 1/20). Nachdem der
Angeklagte A._ diese Forderung in der Hauptverhandlung anerkannt hat
(Urk. 78 S. 2), ist er demgemäss zu verpflichten, der AG._ Fr. 3'540.85 für
die anstelle des Geschädigten F._ (ND 1) erhobene Schadenersatzforderung
zu bezahlen.
- 32 -
VII.
a) Aus dem Besitz des Angeklagten B._ wurde mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 2. Juli 2008 ein Mobiltelefon be-
schlagnahmt (HD 19/1). Dieses steht – soweit ersichtlich – in keinem Zusammen-
hang mit den eingeklagten Straftaten und ist somit nicht gemäss Art. 69 StGB
einzuziehen. Es ist jedoch zur teilweisen Deckung der Verfahrenskosten zu ver-
werten.
b) In der Sache des Angeklagten B._ wurden ferner mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 20. November 2008 (HD 19/4) ein
Küchenbeil und diverse Kleidungsstücke beschlagnahmt. Das Küchenbeil diente
dem Angeklagten als Tatwerkzeug. Es ist daher einzuziehen und der Lagerbe-
hörde zur Vernichtung zu überlassen (Art. 69 Abs. 1 und 2 StGB). Die Kleidungs-
stücke werden nach der rechtskräftigen Erledigung des Prozesses als Beweismit-
tel nicht mehr benötigt und sind dem Angeklagten herauszugeben, wenn er sie
zurückhaben will. Andernfalls sind sie von der Lagerbehörde zu entsorgen.
c) Beim Angeklagten A._ wurden mit Verfügung der Staatsanwalt-
schaft IV des Kantons Zürich vom 2. Juli 2008 (HD 20/1) ein Mobiltelefon, eine
SIM-Karte, zwei Mobiltelefonakkus und eine Quittung beschlagnahmt. Diese Ge-
genstände stehen – soweit ersichtlich – in keinem Zusammenhang mit den einge-
klagten Straftaten und sind somit nicht gemäss Art. 69 StGB einzuziehen. Sie sind
jedoch – mit Ausnahme der Quittung, welche dem Angeklagten herauszugeben
bzw., wenn er darauf verzichtet, zu entsorgen ist – zur teilweisen Deckung der
Verfahrenskosten zu verwerten.
d) Im Verfahren gegen den Angeklagten A._ wurden ferner mit Verfü-
gung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 20. November 2008
(HD 20/4) ein Küchenmesser, Reste eines Besens und diverse Kleidungsstücke
beschlagnahmt. Das Küchenmesser und der Besen dienten dem Angeklagten als
Tatwerkzeuge. Sie sind daher einzuziehen und der Lagerbehörde zur Vernichtung
zu überlassen (Art. 69 Abs. 1 und 2 StGB). Die Kleidungsstücke werden nach der
rechtskräftigen Erledigung des Prozesses als Beweismittel nicht mehr benötigt
- 33 -
und sind dem Angeklagten herauszugeben, wenn er sie zurückhaben will. An-
dernfalls sind sie von der Lagerbehörde zu entsorgen.
VIII.
Die beiden Angeklagten werden heute anklagegemäss schuldig gespro-
chen und haben daher die gesamten Kosten der Untersuchung und des gerichtli-
chen Verfahrens zu tragen (§ 188 Abs. 1 StPO). Aufgrund der wirtschaftlichen Si-
tuation, die für die Angeklagten eine Bezahlung zumindest noch für einige Zeit
verunmöglichen dürfte, rechtfertigt es sich, die Kosten der amtlichen Verteidigung
je auf die Gerichtskasse zu nehmen (§ 190a StPO).