Decision ID: 3ae946c2-444a-5aed-82c1-30adc8a75c60
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Haus Eden, Paradiesweg 2,
Postfach, 9410 Heiden,
gegen
Vaudoise Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft AG, Place de Milan, Case postale
120, 1001 Lausanne,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war seit 17. September 1990 bei B._ als
gelernte Krankenschwester bzw. Hauspflegerin angestellt und dadurch bei den
Vaudoise Versicherungen, St. Gallen (nachfolgend: Vaudoise), obligatorisch gegen die
Folgen von Unfällen versichert, als ihr am 2. März 2001 als Lenkerin eines Fahrzeugs
beim Autobahnanschluss K._ von einem Lastwagen die Fahrbahn abgeschnitten
wurde. Sie bremste voll ab, kam ins Schleudern und kollidierte mit einem auf einer
Verkehrsinsel stehenden Leuchtpfosten (act. G 3.1/12). Die Erstbehandlung erfolgte am
3. März 2001 beim Notfallarzt Dr. C._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, die
Weiterbehandlung bei Dr. med. D._, (act. G 3.1/6). Der Versicherten wurde vom
3. März bis 30. April 2001 eine 100%-ige und vom 1. bis 31. Mai 2001 eine 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 3.1/13). Ab 1. Juni 2001 steigerte sie ihre
Arbeitsfähigkeit auf 60% (act. G 5.5). Seit 2. Juli 2001 nahm sie die Arbeit wieder zu
70% auf. Ab 1. August 2001 war zunächst eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit geplant,
welche aufgrund der Einschränkung, dass die Versicherte keine schweren Gewichte
heben durfte, auf 95% festgelegt wurde (act. G 3.1/21, 28 und 29). Sie reduzierte ihr
Arbeitspensum per August 2001 freiwillig auf 80% (act. G 3.1/39). Die Vaudoise
erbrachte die gesetzlichen Leistungen (act. G 3.1/13, 14, 15, 22).
A.b Mit Bericht vom 29. März 2002 diagnostizierte Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, ein cervicocephales Syndrom nach HWS-Distorsion (act. G 3.1/38).
Am 12. August 2002 berichtete Dr. med. F._, dass er bei der Versicherten einen
Tinnitus links bei 2000 Hz seit Schleudertrauma vor 1 1⁄2 Jahren feststellen könne
(act. G 3.1/42). Per Ende Oktober 2002 kündigte die Versicherte ihre Anstellung wegen
Mobbing und Umstrukturierung. Die Vaudoise entschädigte die Arbeitsunfähigkeit von
20% - wie von Dr. E._ mit Bericht vom 10. Januar 2003 vorgeschlagen - vom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1. August 2001 bis Ende Dezember 2002 und ging ab 1. Januar 2003 von einer vollen
Arbeitsunfähigkeit (richtig wohl: Arbeitsfähigkeit) aus (act. G 3.1/50, 53 und 56). Mit
Bericht vom 9. Dezember 2002 diagnostizierte Dr. phil. G._, multifaktoriell bedingte,
minimale bis leichte kognitive Funktionsauffälligkeiten bei leicht reduzierter
Belastbarkeit bei Status nach HWS-Distorsionstrauma (act. G 3.1/50). Eine
neuropsychologische Therapie sei bei der Art der vorliegenden Befunde nicht indiziert.
A.c Gemäss dem unfallanalytischen Gutachten vom 5. November 2002 (act. G 3.1/59)
lag die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung des VW Golf beim seitlichen
Überqueren (Schleudern) des Randsteins und beim Anstoss gegen den Inselleucht
pfosten bei ca. 1 bis 2 km/h. Da der VW Golf mit der rechten Seite voran über die
Randsteine geraten sei und den Inselleuchtpfosten schräg frontal getroffen habe, habe
sich die Insassin dabei im Innenraum leicht nach rechts bewegt, bevor sie wieder in die
normale Sitzstellung zurück gependelt sei. Dass es dabei zu einem Anstoss des
Oberkörpers oder des Kopfs an Objekte des Innenraums gekommen sei, sei äusserst
unwahrscheinlich, da einerseits die Kollisionsintensität sehr gering gewesen sei und
andererseits die Insassin stossfern (auf dem linken vorderen Sitz) gesessen habe.
A.d Am 28. Oktober 2003, 13. Juli 2004 und am 29. August 2005 berichtete Dr. E._
über einen recht guten Verlauf und bis am 24. Juli 2006 waren lediglich zwei Sitzungen
nötig (act. G 3.1/65, 67, 68, 71). Mit Bericht vom 18. Februar 2009 (act. G 3.1/81) teilte
Dr. E._ mit, dass es schon immer wieder zu unfallkausalen Teil-Rezidiven kommen
könne, welche aber in diesem grundsätzlich gut verlaufenden Fall nie mehr zu einer
richtungsweisenden Verschlechterung führen könnten. Eine solche richtungsweisende
Verschlechterung wäre nicht mehr dem Unfall zuzuschreiben, sondern später
hinzugekommenen Faktoren. Die Beschwerden seien glaubhaft. Die Versicherte
arbeitete im Jahr 2009 zu 50% bei der B._, zu 50% galt sie als arbeitslos
(act. G 3.1/91).
Am 4. September 2009 veranlasste die Vaudoise einen medizinischen Rapport von
Dr. med. H._, Facharzt FMH Orthopädische Chirurgie, welcher eine Expertise zum
aktuellen Zustand der Versicherten befürwortete (act. G 3.1/94).
A.e Mit MRI der Wirbelsäule (Clivus – BWK6) nativ vom 30. August 2011 (act. G 3.1/
119b) wurden diskrete degenerative Veränderungen zervikothorakal mit minimaler
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
medianer Vorwölbung des Discus intervertebralis HWK2 bis HWK 6 mit diskreter
Eindellung des Duralschlauchs von ventral ohne Kompression neuraler Strukturen
festgestellt.
A.f Der neuropsychologische Untersuchungsbericht vom 27. Juli 2011
(act. G 3.1/119a) zeigte ein leicht beeinträchtigtes kognitives Leistungsprofil mit
leichten Schwierigkeiten in der gerichteten Aufmerksamkeit, im verbalen und
figurativen Gedächtnis sowie in der figurativen Umstellfähigkeit. Die Fehlerkontrolle sei
normgerecht, das Arbeitstempo schwankend. Gemäss neurologischem
Begutachtungsbericht vom 29. Oktober 2011 (act. G 3.1/119) falle keine wesentliche
Einschränkung der HWS-Beweglichkeit auf, wobei die Versicherte sich zum Zeitpunkt
der Untersuchung in einer beschwerdearmen Phase befunden habe. Sonstige
herdneurologische Defizite liessen sich nicht feststellen. Das Ausmass der
festgestellten Befunde bedinge keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die aktuellen
Beschwerden seien überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall zurückzuführen.
A.g Mit Verfügung vom 26. Januar 2012 (act. 3.1/130) bejahte die Vaudoise gestützt
auf dieses Gutachten den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem
Unfallereignis vom 2. März 2001 und dessen unmittelbaren Folgen. Ab 21. Dezember
2011 verneinte sie jedoch den adäquaten Kausalzusammenhang und stellte die
Leistungen ab diesem Zeitpunkt ein.
B.
B.a Die dagegen erhobene Einsprache der Versicherten vom 30. Januar 2012
(act. G 3.1/131) mit Ergänzung vom 16. Februar 2012 (act. G 3.1/135) wurde mit
Einspracheentscheid vom 3. April 2012 abgewiesen (act. G 3.1/136). Die sansan
Versicherungen AG hatte ihre am 3. Februar 2012 erhobene vorsorgliche Einsprache
(act. G 3.1/132) mit Schreiben vom 7. Februar 2012 wieder zurückgezogen
(act. G 3.1/134).
C.
C.a Mit Beschwerde vom 1. Mai 2012 (act. G 1) liess die Versicherte durch Rechts
anwalt Dr. iur. Peter Sutter, Heiden, beantragen, der Einspracheentscheid vom 3. April
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2012 sei aufzuheben und es seien die vertraglichen und gesetzlichen Leistungen aus
UVG weiterhin zu erbringen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer
Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungs
folge. Zur Begründung brachte der Rechtsvertreter insbesondere vor, die
Beschwerdegegnerin bleibe leistungspflichtig, da sie den Nachweis, dass die aktuellen
gesundheitlichen Einschränkungen nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden
Ursachen beruhten, gerade nicht erbracht habe. Zudem sei noch kein Endzustand
erreicht, da von der Fortsetzung der aktuellen Behandlung der Unfallfolgen eine
Besserung des Gesundheitszustands zu erwarten sei. Da die Beschwerdegegnerin den
adäquaten Kausalzusammenhang verneine, könne die Beschwerdeführerin nicht
verstehen, weshalb sie sich im Auftrag der Beschwerdegegnerin einer Begutachtung
zur Bestimmung der natürlichen Kausalität habe unterziehen müssen. Unklar sei
zudem, weshalb die Beschwerdegegnerin bei der Adäquanzprüfung die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Unfällen mit psychisch bedingten
Folgeschäden herangezogen habe. Die Beschwerdegegnerin vermöge aus der
angeblichen Aufprallgeschwindigkeit nichts zugunsten ihres Standpunkts abzuleiten.
Markant erfüllt sei im vorliegenden Fall insbesondere das Kriterium der fortgesetzten
spezifischen ärztlichen Behandlung.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 30. Mai 2012 schloss die Beschwerdegegnerin auf
Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung verwies sie auf den
Einspracheentscheid vom 3. April 2012 und führte im Wesentlichen an, dass der
Schluss der Begutachter, die Kausalität sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erwiesen, nicht näher begründet werde und somit nicht überzeuge. Aus
biomechanischer Sicht liege nach anerkannter Rechtsprechung des Bundesgerichts
die Harmlosigkeitsgrenze im Normalfall bei einer Geschwindigkeitsänderung von 10-15
km/h. Bei den sogenannten leichten Unfällen sei der adäquate Kausalzusammenhang
ohne weiteres zu verneinen. Im Bereich von 4-7km/h sei sogar die Rede von banalen
Unfällen. Es gehe auch nicht um eine fortgesetzte spezifische ärztliche Behandlung, da
die Beschwerdeführerin aktengemäss nur 2-4 jährliche ärztliche Behandlungen und 1-2
jährliche Physiotherapieverordnungen durchführen lasse.
C.c Mit Replik vom 21. Juni 2012 (act. G 5) hielt die Beschwerdeführerin an ihrem
Standpunkt fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik
(act. G 7).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen:
1.
Streitig ist, ob die bei der Beschwerdeführerin über den 21. Dezember 2011 hinaus
fortbestehenden, bei Belastung auftretenden zervikospondylogenen Schmerzen und
das leicht eingeschränkte kognitive Leistungsprofil eine natürliche und adäquate Folge
des Unfalls vom 2. März 2001 bilden und ob diese allenfalls eine weitere
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin zur Folge haben. Unbestritten ist, dass die
Beschwerdegegnerin das Ereignis vom 2. März 2001 als Unfall anerkannt und für
dessen Folgen bis zum 20. Dezember 2011 Leistungen erbracht hat.
2.
2.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt gemäss Art. 6 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) voraus, dass zwischen
dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Während es Aufgabe der Ärztin oder des
Arztes ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht,
die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (BGE 125 V
456; 123 III 110; 112 V 30). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist,
beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs
genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177, E. 3.1 mit
Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang
muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Da es sich bei der Einstellung der Leistungen um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast nicht beim Versicherten,
sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46, E. 2 mit Hinweisen; BGE
117 V 261 E. 3b). Dieser muss jedoch nicht den Beweis für unfallfremde Ursachen
erbringen. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis
zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte
Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteil des Eidgenössischen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] U 285/00 vom 31. August 2001, E. 5a). Welche Ursachen ein nach wie
vor geklagtes Leiden hat, ist unerheblich. Entscheidend ist allein, ob die
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren
haben, also dahingefallen sind.
2.2 Die Beschwerdeführerin klagte nach dem Unfall vom 2. März 2001 innert 24
Stunden über einschleichende, immer stärker werdende Schmerzen im Hals-, Nacken-
und Rückenbereich, in der linken Hüfte und in der linken Schulter (act. G 3.1/9). Der
erstbehandelnde Arzt Dr. C._ diagnostizierte ein Schleudertrauma bei
Endphasenschmerz, Inklination und Reklination, Rotation nach links und bei
Seitwärtsneigung links und rechts (act. G 3.1/6). Der Röntgenbefund der HWS in 3
Ebenen, BWS und LWS seitlich, ergab keinen Hinweis auf eine knöcherne Läsion.
Dr. D._ berichtete am 10. Juli 2001 über eine laufend leichte Besserung der
Beweglichkeit, jedoch Beschwerden von Seiten der Konzentrationsfähigkeit und am
17. September 2001 über noch leichte Restbeschwerden im Sinn von
Konzentrationsschwierigkeiten bei längerer Anspannung sowie Nackenverspannung
nach längerer Arbeit (act. G 3.1/21 und 28). Gemäss Bericht vom 5. Januar 2002 von
Dr. E._ war die HWS-Rotation im Januar 2002 frei, aber es bestanden klare
Dysfunktionen der oberen HWS und myofasciale Triggerpunkte. Dr. F._ stellte am
12. August 2002 einen Tinnitus links bei 2000 Hz seit Schleudertrauma vor eineinhalb
Jahren fest (act. G 3.1/42). Dr. G._ sah nach einer neuropsychologischen
Untersuchung der Versicherten am 5. Dezember 2002 eine neuropsychologische
Therapie nicht als indiziert an, da lediglich multifaktoriell bedingte, minimale bis leichte
kognitive Funktionsauffälligkeiten bei leicht reduzierter Belastbarkeit vorhanden seien
(act. G 3.1/50). Am 28. Oktober 2003, 13. Juli 2004 und am 29. August 2005 berichtete
Dr. E._ über einen sehr guten Verlauf unter manueller und myofascialer Behandlung
alle 3-4 Monate und alle zwei bis drei Wochen einmal Physiotherapie (act. G 3.1/65, 67
und 68). Gemäss Bericht vom 24. Juli 2006 wurden nur noch zwei bis vier
Behandlungen pro Jahr bei Dr. E._ benötigt (act. G 3.1/71). Am 21. August 2007
empfahl er die Reduktion der Physiotherapien auf die Hälfte (act. G 3.1/73). Mit Bericht
vom 18. Februar 2009 stellte Dr. E._ fest, dass die Beschwerdeführerin seit dem
Unfall glaubhafte Beschwerden im Nacken habe, welche immer noch sehr gut auf die
gezielte manuelle und myofasciale Behandlung ansprechen würden (act. G 3.1/81).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nach Erstellung des MRI der Wirbelsäule (Clivus – BWK6) nativ vom 30. August 2011
(act. G 3.1/119b) wurde folgender Befund erhoben: "Diskrete Anteroposition BWK1
gegenüber BWK2 von ca. 0,1 cm. Im Übrigen regelrechtes Alignement der
Hinterflächen sowie normal konfigurierte Wirbelkörper. Minimale mediane Vorwölbung
des ansonsten normalen Discus intervertebralis HWK2 bis HWK6 mit diskreter
Eindellung des Duralschlauchs von ventral und ohne Nachweis einer Kompression
neuraler Strukturen. Osteochondrosis intervertebralis BWK2/3 sowie Diskusprotrusion
mit Eindellung des Duralschlauchs von ventral. 0,7 cm grosse Wurzeltaschenzyste C7
rechts. 0,6x0,5x0,4 cm grosse zystische Läsion im linken Schilddrüsenlappen. Im
Übrigen normales vertebrospinales Kernspintomogramm ohne Nachweis einer
Kompression neuraler Strukturen." Mit neurologischem Begutachtungsbericht vom
29. Oktober 2011 wurde ein zervikospondylogenes chronifiziertes Schmerzsyndrom
der HWS nach Unfall am 2. März 2001 diagnostiziert (act. G 3.1/119). Der aktuelle
Gesundheitszustand wurde insgesamt als zunehmend stabil mit seit längerem voller
Arbeitsfähigkeit beschrieben. Unter Belastung könnten noch vermehrt
zervikospondylogene Schmerzen und ein leicht eingeschränktes kognitives
Leistungsprofil auftreten, so dass es ca. dreimal pro Jahr zu kürzeren
Exazerbationsphasen gekommen sei. Die heutigen Beschwerden seien überwiegend
wahrscheinlich auf den Unfall zurückzuführen. Die Anamnese und die Aktenunterlagen
sprächen für ein im Verlauf chronifiziertes Schmerzsyndrom. Es sei allerdings bei einer
Begutachtung zehn Jahre nach dem Ereignis verständlicherweise erschwert, die
Kausalitätsfrage eindeutig zu beantworten, da bei aktuell erstmals durchgeführter MRI-
Untersuchung der Wirbelsäule ein Teil von allfälligen strukturellen Läsionen bzw.
bildgebend darstellbaren Traumafolgen bereits nicht mehr nachweisbar sein könnten,
wozu beispielsweise Hämatome, Veränderungen an den Bändern und
Stellungsanomalien gehörten.
2.3 Auch bei HWS- oder äquivalenten Verletzungen müssen die geklagten
Beschwerden einem klar fassbaren Gesundheitsschaden zugeordnet werden können.
Eine manuelle ärztliche Untersuchung fördert klinische Ergebnisse zu Tage. Der
hinreichende Nachweis für ein klar fassbares organisches Korrelat für die im
Zusammenhang mit einer Distorsion der HWS oder einer äquivalenten Verletzung
geklagten Beschwerden bzw. die Organizität des Beschwerdebildes vermag damit
allerdings nicht erbracht zu werden (Entscheid des Bundesgerichts vom 6. Februar
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2007, U 479/05, E. 5.4 mit Hinweis auf Entscheid des EVG vom 6. November 2006,
U 444/05, E. 5.2). Entsprechend können ein Thoracic outlet Syndrom (TOS),
myofasziale und tendinotische bzw. myotendinotische Befunde, Verhärtungen und
Verspannungen der Muskulatur, Druckdolenzen im Nacken sowie Einschränkungen der
HWS-Beweglichkeit für sich allein nicht als organisch hinreichend nachweisbare
Unfallfolgen betrachtet werden. Gleiches gilt für Nackenverspannungen bei
Streckhaltung der HWS mit Retrohaltung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 17.
Oktober 2008, 8C_124/2008 E. 6.1 mit zahlreichen Hinweisen). Von organisch objektiv
ausgewiesenen Unfallfolgen kann praxisgemäss erst dann gesprochen werden, wenn
die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden
können (vgl. BGE 134 V 109 E. 9; 117 V 359 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4
mit Hinweisen [U 479/05]), wobei die Untersuchungsmethoden überdies
wissenschaftlich anerkannt sein müssen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweisen). Bei den
vorgenannten, aus dem MRI-Befund vom 30. August 2011 (act. G 3.1/119b)
ersichtlichen Gesundheitsschäden, insbesondere bei der minimalen medianen
Vorwölbung des Discus intervertebralis HWK2 bis HWK 6 mit diskreter Eindellung des
Duralschlauchs von ventral ohne Kompression neuraler Strukturen, handelt es sich an
sich um ein organisches Substrat, das grundsätzlich immerhin als Ursache der
geklagten Beschwerden im zervikalen Bereich in Frage kommt. Allerdings ist
unbestritten, dass sich diese durch Druck des Nucleus pulposus nach hinten
ausgelöste Vorwölbung bzw. Diskusprotrusion im Verlauf eines degenerativen
Prozesses der Ausweitung des Faserrings entwickelt hat und die Vorstufe einer Hernie
bildet (Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, Patientenorientierte
Diagnostik und Therapie des Bewegungsapparates, 4. Auflage, Bern 2005, S. 879). Die
Diagnose eines zervikospondylogenen chronifizierten Schmerzsyndroms der HWS
bedeutet keinesfalls automatisch auch das Vorliegen einer unfallkausalen organischen
Gesundheitsschädigung. Laut Roche Lexikon Medizin (München 5. Aufl. 2003, S. 1791)
handelt es sich bei einem Syndrom um ein sich stets mit etwa den gleichen Krankheits
zeichen, d.h. einer Symptomatik mit weitgehend identischem "Symptommuster"
manifestierendes Krankheitsbild mit unbekannter, vieldeutiger, durch vielfältige
Ursachen bedingter oder nur teilweise bekannter Ätiogenese. Zur entsprechenden
Diagnose führt somit eher das vom jeweiligen Patienten subjektiv angegebene
"Symptommuster" als ein objektiv erhobener organischer Befund. Auch eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Chronifizierungstendenz spricht nicht für ein unfallkausales organisches Substrat. Im
Verlauf einer Chronifizierung wird das ursprünglich erlittene Verletzungsmuster für das
Ausmass der erlebten Behinderung immer bedeutungsloser. Andere Faktoren, wie zum
Beispiel das Individuum selber, Arbeitsumstände, das soziale Umfeld, das
medizinische und legale System sowie ökonomische Umstände spielen eine
massgebende Rolle (vgl. Erich Bär/Bertrand Kiener, Medizinische Mitteilungen der
Suva Nr. 67 vom Dezember 1994, S. 45 ff.).
2.4 Die multifaktoriell bedingten, minimalen bis leichten kognitiven Funktionsauffällig
keiten bei leicht reduzierter Belastbarkeit wurden anlässlich der neuropsychologischen
Untersuchung vom 5. Dezember 2002 von Dr. G._ erstmals festgestellt und
dahingehend erklärt, dass sie einerseits durch erhöhte uneinheitliche
Leistungsschwankungen und andererseits durch einen leicht reduzierten Antrieb
charakterisiert seien (act. G 3.1/50). Die Leistungsschwankungen seien teilweise etwas
widersprüchlich in dem Sinn, dass einfachere Items schlechter/langsamer gelöst
würden als komplexere. Teilweise seien die Befunde durch psychoreaktive
Komponenten überlagert worden. Schmerzfaktoren schienen die Befunde nicht
wesentlich beeinflusst zu haben. Es lägen minimale bis leichte Funktionsauffälligkeiten
hauptsächlich im Sinn erhöhter Leistungsschwankungen vor. Die Gesamtbelastbarkeit
sei leicht eingeschränkt. Eine neuropsychologische Therapie sei bei der Art der
vorliegenden Befunde nicht indiziert. In prognostischer Hinsicht sei eine weitere
Stabilisierung/Verbesserung der kognitiven Funktionen zu erwarten, insbesondere
wenn sich bezüglich beruflicher Tätigkeit eine Beruhigung und Regelmässigkeit
eingestellt habe. Die neuropsychologische Untersuchung vom 18. Mai 2011 in der
Klinik Valens, Rehabilitationszentrum, zeigte ein leicht beeinträchtigtes kognitives
Leistungsprofil mit leichten Schwierigkeiten in der gerichteten Aufmerksamkeit, im
verbalen und figurativen Gedächtnis sowie in der figurativen Umstellfähigkeit. Die
Fehlerquote sei normgerecht, das Arbeitstempo schwankend. Von einer hirnorganisch
bedingten neuropsychologischen Funktionsstörung ist in beiden Berichten nicht die
Rede. Die Notwendigkeit einer Therapie wurde bereits von Dr. G._ verneint und auch
von den Ärzten der Klinik Valens wurden keine Behandlungsvorschläge gemacht. Es
gibt Fälle, in denen bei sonst unauffälligen Untersuchungsbefunden
neuropsychologische Abklärungen Hirnleistungsstörungen aufzeigen können und der
neuropsychologische Befund der einzige verlässliche Parameter ist (BGE 117 V 369
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
E. 3d). Jedenfalls bei eindeutigem, nicht diffusem Befund kann der neuropsycho
logischen Diagnostik - im Rahmen einer neurologischen Gesamtwürdigung - nach der
Rechtsprechung auch bei der Kausalitätsbeurteilung ein Aussagewert zukommen (BGE
119 V 335 E. 3c). Hingegen vermag es die Neuropsychologie nach derzeitigem
Wissensstand nicht, selbständig die Beurteilung der Genese abschliessend
vorzunehmen (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 318, E. 3). Nach B.P. Radanov (Über den
Stellenwert der neuropsychologischen Diagnostik bei Patienten nach Halswirbelsäulen-
Distorsion [sog. Schleudertrauma der Halswirbelsäule], SZS 1996, S. 471 ff.) sind
neben den unfallabhängigen somatischen Beschwerden auch psychologische
Probleme (und die eingenommenen Medikamente) geeignet, die kognitiven Leistungen
negativ zu beeinflussen (S. 477). Psychologische Probleme bzw. die Interrelation
psychologischer und kognitiver Funktionen könnten die reduzierte Leistungsfähigkeit
miterklären (S. 475). Dass die bei der Beschwerdeführerin festgestellten
Funktionsauffälligkeiten eine vielschichtige Ursache aufweisen, ist bereits aus der
Diagnose von Dr. G._ am 5. Dezember 2002 ersichtlich. Damit können
neuropsychologische Unfallrestfolgen im Sinn eines selbständigen, klar abgrenzbaren
Befunds nicht als nachgewiesen gelten.
2.5 Zusammenfassend ergeben sich im konkreten Fall keine Hinweise, aufgrund derer
von einem organischen Befund im Sinn einer nachweisbaren strukturellen Schädigung
auszugehen wäre, die auf den Unfall vom 2. März 2001 zurückgeführt werden könnte.
3.
3.1 Ist ein Schleudertrauma der HWS oder eine äquivalente Verletzung (unter anderem
ein Status nach leichter traumatischer Hirnverletzung) diagnostiziert und liegt - bezogen
auf diese Diagnose - kein fassbarer organischer (unfallbedingter) Befund vor, muss für
die Bejahung der natürlichen Kausalität ein typisches Beschwerdebild mit einer
Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations-
und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen,
Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. gegeben sein (BGE
117 V 359 E. 4b; vgl. auch BGE 117 V 369 E. 3e; Bestätigung in BGE 134 V 109 E. 9).
Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteile vom 30. Januar 2007,
U 215/05 und vom 15. März 2007, U 258/06) muss bei einer HWS-Verletzung das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
typische Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden nicht in seiner
umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall
auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in diesem Zeitraum Beschwerden in der
Halsregion oder an der HWS - bei einem Schädel-Hirntrauma in Form von
Kopfschmerzen - manifestieren. Die anderen im Rahmen eines Schleudertraumas oder
einer äquivalenten Verletzung typischerweise auftretenden Beschwerden müssen sich
jedoch immerhin in einem Zeitraum manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein
eines natürlichen Kausalzusammenhangs auszugehen.
3.2 Bereits der erstbehandelnde Arzt Dr. C._ diagnostizierte ein Schleudertrauma.
Gemäss HWS-Trauma-Fragebogen für Geschädigte vom 24. April 2001 (act. G 3.1/9)
hatte die Beschwerdeführerin unmittelbar nach dem Unfall keine Beschwerden. 24
Stunden nach dem Unfallereignis traten jedoch immer stärker werdende Schmerzen im
Hals-, Nacken- und Rückenbereich auf. Weitere 12 Stunden später bestanden sehr
starke Genick-, Schulter- und Kopfschmerzen, die in den Rücken ausstrahlten. Dem
Bericht vom 10. Juli 2001 von Dr. D._ ist zu entnehmen, dass sich laufend eine
leichte Besserung der Beweglichkeit einstellte, jedoch (erstmals erwähnt) Beschwerden
von Seiten der Konzentrationsfähigkeit vorhanden seien. Dass Dr. F._ am 12. August
2002 über einen seit dem Unfall vom 2. März 2001 geklagten Tinnitus berichtete, der
auf dem linken Ohr bei 2000 Hz und einer Intensität von 30dB gemessen werden
könne, ändert nichts daran, dass in den echtzeitlichen Akten erst mit dem von Dr. E._
bestätigten Bericht vom 19. Juli 2002 erstmals von einem Tinnitus, in Ruhe und bei
geringer Lärmquelle immer auf dem linken Ohr und manchmal auf dem rechten Ohr
(dann Zweiklang) hörbar, die Rede ist (act. G 3.1/42.2), auch wenn die
Beschwerdeführerin gemäss Bericht von Dr. F._ glaubhaft geschildert hat, dass
dieses lästige Ohrgeräusch im Anschluss an das Schleudertrauma aufgetreten sei. Eine
Höreinbusse auf der linken Seite war offenbar bereits seit einem Knalltrauma während
der Kindheit bekannt und bei der Beschwerdeführerin sei ein Hörverlust von 30dB zu
finden, welcher aufgrund der Stimmgabelprüfung mittelohrbedingt sein dürfte. Am
19. Juli 2002 (act. G 3.1/42.2) beschrieb die Beschwerdeführerin als weitere Symptome
ausserdem eine Wetterfühligkeit, leichten Schwindel, leichte bis starke, sogar bis
migräneartige Kopfschmerzen, Übelkeit, Mühe mit logischem Denken, Vergesslichkeit,
Schlafprobleme sowie Mühe mit Sehen, vor allem im linken Auge öfters ein Stechen
und ein Druck sowie eine Seheinschränkung an. Die Visusstörungen seien am 8. Juli
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2002 durch Dr. I._ abgeklärt worden (Bericht liegt nicht in den Akten). Es liegen damit
zwar typische Symptome vor, wie sie nach einer HWS-Distorsion auftreten können,
doch sind die Konzentrationsschwierigkeiten und die Visusstörungen erst nach 4
Monaten, der Tinnitus, die Wetterfühligkeit, der Schwindel, die Schlafprobleme und die
Übelkeit erst nach über 41⁄2 Monaten erstmals aktenkundig geworden. Beschwerden im
LWS-Bereich wurden erstmals anlässlich der neurologischen Begutachtung vom
26. Mai 2011 erwähnt. Das EVG hat in seiner Rechtsprechung auch schon neue
Symptome, die erst zwei Monate nach dem Unfall aufgetreten sind, aufgrund ihres
späten Auftretens nicht als natürlich-kausale Unfallfolgen betrachtet (vgl. Urteil vom
2. März 2005, U 309/03, E. 4.2). Grundsätzlich ist demnach die natürliche Kausalität
zwischen dem Unfallereignis vom 2. März 2001 und den geklagten Beschwerden im
Kopf- sowie HWS/BWS/LWS-Bereich als Folge eines Schleudertraumas oder einer
schleudertraumaähnlichen Verletzung zweifelhaft.
3.3 Selbst wenn in Bezug auf die geklagten Beschwerden - wie von der
Beschwerdegegnerin zunächst anerkannt - für die Zeit direkt nach dem Unfall von einer
natürlichen Kausalität ausgegangen wird, muss zumindest mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, dass die beim Unfall vom
2. März 2001 erlittene Verletzung spätestens bis zur Einstellung der Leistungen am
20. Dezember 2011 vollständig abgeheilt war und eine natürliche Kausalität zwischen
den geklagten Beschwerden und dem fraglichen Unfall über dieses Datum hinaus nicht
mehr besteht. Dies auch vor dem Hintergrund, dass Dr. med. J._, Leitender Arzt,
Facharzt für Neurologie, Klinik Valens, Rehabilitationszentrum, im neurologischen
Gutachten vom 29. Oktober 2011 lediglich gestützt darauf, dass die
Beschwerdeführerin geschildert hat, sie habe vor dem Unfall keine
zervikospondylogenen Beschwerden gehabt, davon ausgeht, dass die heutigen
Beschwerden überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall zurückzuführen seien. Diese
sich auf die beweisrechtlich untaugliche Formel "post hoc, ergo propter hoc"
beschränkende Schlussfolgerung ist nicht verwertbar und widerspricht obendrein noch
der anschliessenden Feststellung, dass es bei einer Begutachtung 10 Jahre nach dem
Ereignis verständlicherweise erschwert sei, die Kausalitätsfrage zu beantworten. Dafür,
dass die unfallkausalen Verletzungen abgeheilt sind, spricht auch, dass gemäss
Dr. J._ bei der damals erstmals durchgeführten MRI-Untersuchung der Wirbelsäule
ein Teil von allfälligen strukturellen Läsionen bzw. bildgebend darstellbaren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Traumafolgen bereits nicht mehr nachweisbar gewesen seien - wobei aus dem
Gutachten gerade nicht hervorgeht, dass er überhaupt unfallkausale strukturelle
Läsionen nachweisen konnte, zumal er lediglich leichte degenerative Veränderungen
zervikothorakal festgestellt hat (act. 119 S. 12).
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass der Fallabschluss am 20. Dezember
2011 zu früh erfolgt sei und die Adäquanz dementsprechend noch nicht hätte geprüft
werden dürfen, da von der Fortsetzung der Therapiebemühungen eine namhafte
Verbesserung des Gesundheitszustands erwartet werden könne.
4.2 Nach bundesgerichtlicher Praxis (BGE 134 V 109) ist die Adäquanzprüfung im
Zeitpunkt des Fallabschlusses vorzunehmen. Dem Gesetz lässt sich nicht entnehmen,
zu welchem Zeitpunkt der Unfallversicherer den Fall abschliessen und die
Heilbehandlungen und Taggelder einstellen darf. Dieser Zeitpunkt ergibt sich jedoch
aus Art. 19 Abs. 1 UVG, wonach der Rentenanspruch entsteht, wenn von der
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit
dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin. Nach
konstanter Rechtsprechung bedeutet dies, dass der Versicherer die Heilbehandlung
und das Taggeld nur solange zu gewähren hat, als von der Fortsetzung der
Heilbehandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands erwartet
werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter Einstellung der
vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine
Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen (BGE 134 V 109 E. 4.1
mit Hinweisen). Eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands des
Versicherten bestimmt sich namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung
oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt
ist. "Namhaft" bedeutet, dass die Besserung ins Gewicht fallen muss und
unbedeutende Verbesserungen ebenso wenig genügen wie die blosse Möglichkeit
einer Besserung (BGE 134 V 109 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juni 2009,
8C_25/2009, E. 4.1.1 mit Hinweisen).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.3
4.3.1 Aus den vorliegenden Akten ist nicht ersichtlich, dass dem Fallabschluss per
20. Dezember 2011 Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung
entgegenstanden. Dies wurde von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend
gemacht, weshalb sich diesbezüglich weitere Ausführungen erübrigen.
4.3.2 Nach neuropsychologischer Begutachtung der Beschwerdeführerin am
26. Mai 2011 (act. G 3.1/119) berichtete Dr. J._ am 29. Oktober 2011, dass der
aktuelle Gesundheitszustand insgesamt zunehmend stabil sei mit seit längerem voller
Arbeitsfähigkeit. Unter Belastung könnten noch vermehrt zervikospondylogene
Schmerzen und ein leicht eingeschränktes kognitives Leistungsprofil auftreten; so sei
es ca. drei Mal pro Jahr zu kürzeren Exazerbationsphasen gekommen. Diese
zwischenzeitlichen Schmerzexazerbationen sprächen auf relativ gezielte ärztliche
Behandlungen an. Es könnten so jeweils Phasen mit anhaltenden Beschwerden rasch
abgefangen werden. Auch sei es schon seit längerem nicht mehr zu unfallbedingten
Ausfällen der Arbeitsfähigkeit gekommen. Zwar sei insgesamt nicht mehr von einer
Verbesserung der Situation auszugehen, allerdings müssten die Therapien im Sinn der
Stabilisierung im aktuellen Umfang weiterhin als notwendig empfohlen werden. Dabei
solle das aktuelle Regime - maximal vier ärztliche Konsultationen bei Dr. E._ pro Jahr
und maximal zwei bis drei Serien Physiotherapie pro Jahr sowie das Heimprogramm -
beibehalten werden. Es sei nicht absehbar, ob im Verlauf auf diese
Therapiemassnahmen verzichtet werden könne.
4.3.3 Gemäss dem neuropsychologischen Gutachten ergibt sich die
Notwendigkeit der Fortführung der bisher durchgeführten Behandlungen nicht aus dem
Ziel der Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, sondern lediglich zur
Beibehaltung bzw. Stabilisierung der bereits seit 1. Januar 2003 bestehenden vollen
Arbeitsfähigkeit. Auch der übrigen medizinischen Aktenlage ist zu entnehmen, dass die
seit dem 1. Januar 2003 durchgeführten Behandlungen - manuelle und myofasciale
Therapie bei Dr. E._, Physiotherapie und allfällige chiropraktische Behandlungen - je
länger je mehr einzig der Schmerzlinderung und der Aufrechterhaltung des erreichten
Zustands dienten (act. G 3.1/69, 73, 81, 88). Der Abschluss des Falls durch den
Unfallversicherer im Sinn von Art. 19 Abs. 1 UVG bedingt lediglich, dass von weiteren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
medizinischen Massnahmen keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands
mehr erwartet werden kann, nicht aber, dass eine ärztliche Behandlung nicht länger
erforderlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. November 2008, 8C_467/2008,
E. 5.2.2.2). Von einer namhaften Besserung des Gesundheitszustands kann auch dann
nicht gesprochen werden, wenn eine therapeutische Massnahme mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nur die sich aus einem stationären Gesundheitsschaden
ergebenden Beschwerden für eine begrenzte Zeit zu lindern vermag (RKUV 2005
Nr. U 557 S. 388). Für die Bejahung eines medizinischen Endzustands wird keine
vollständige Schmerzfreiheit vorausgesetzt (vgl. Alexandra Rumo-Jungo,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2003, S. 145). Somit ist -
unabhängig von der bereits verneinten natürlichen Kausalität zum Einstellungszeitpunkt
- nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den Fallabschluss per
20. Dezember 2011 vorgenommen hat, nachdem auch seit 1. Januar 2003 - also seit
bald acht Jahren - eine volle Arbeitsfähigkeit besteht.
5.
5.1 Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von
nachweisbaren strukturellen Veränderungen (ein organisches Substrat konnte mit
bildgebenden Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG]
nachgewiesen werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem
natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle (vgl. BGE 117 V 359, E. d/bb, unten, mit Hinweisen auf Lehre und
Rechtsprechung ;118 V 286, E. 3a). Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität
ohne weiteres zu bejahen (BGE 127 V 102 E. 5b/bb; 123 V 98 E. 3b; 118 V 286 E. 3a;
117 V 359 E. 5d/bb mit Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht
(hinreichend) fassbar, bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht
automatisch auch die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs, können doch
gerade klinische Befunde erfahrungsgemäss auch psychisch ausgelöst werden. In
diesen Fällen ist eine eigenständige Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher
wie folgt zu differenzieren ist: Es ist zunächst abzuklären, ob die versicherte Person
beim Unfall ein Schleudertrauma erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die
Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133 E. 6c/aa (sog. Psycho-Praxis) zur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Anwendung. Ergeben die Abklärungen dagegen, dass die versicherte Person eine
Schleudertraumaverletzung erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum typischen
Bild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen,
im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft
dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 133 E. 6c/aa für
Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze massgebend (BGE 123
V 98 E. 2a mit Hinweisen), andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss
den in BGE 117 V 359 E. 6a und 369 E. 4b festgelegten bzw. den mit BGE 134 V 109
modifizierten Kriterien (sog. Schleudertrauma-Praxis). Die Anwendung der
Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang bei Schleudertraumata der
HWS setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus dem Unfall hervorgehen
und zusammen mit den organischen Beschwerden, die ebenfalls auf das Unfallereignis
zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397
S. 328, E. 3b). Zu präzisieren bleibt, dass die zu den Verletzungen nach klassischem
Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung zum natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhang (BGE 119 V 335, 117 V 359) auch auf analoge Verletzungen wie
Distorsionen der HWS sowie Schädel-Hirntraumata anwendbar ist, wenn und soweit
sich deren Folgen mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen (Urteil des EVG
vom 17. August 2004, U 243/03; RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317, E. 3; BGE 117 V 369).
5.2 Der Bericht von Dr. G._ vom 9. Dezember 2002 enthält den Hinweis auf eine
psychoreaktive Komponente. Eine psychiatrische Untersuchung der
Beschwerdeführerin wurde jedoch bis anhin nicht durchgeführt. Gleiches gilt mit Bezug
auf eine polydisziplinäre Begutachtung. Eine Rückweisung der Sache zur Vornahme
einer solchen erübrigt sich indessen. Derartige weitere medizinische Abklärungen
wären nämlich lediglich geeignet, den natürlichen Kausalzusammenhang weiter
auszuleuchten. Selbst bei Bejahung der natürlichen Kausalität müsste jedoch eine
weitergehende Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin verneint werden, da es, wie
nachfolgend zu zeigen ist, am kumulativ vorausgesetzten adäquaten
Kausalzusammenhang fehlt. Nach dem bisher Gesagten wäre die Adäquanzprüfung
grundsätzlich nach Massgabe der in BGE 115 V 133 entwickelten Kriterien
vorzunehmen. Die Adäquanz ist jedoch selbst bei Anwendung der mit BGE 117 V 359
eingeführten bzw. mit BGE 134 V 109 modifizierten, für die Beschwerdeführerin
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vorteilhafteren Schleudertrauma-Praxis ohne Unterscheidung zwischen somatischen
und psychischen Beschwerden zu verneinen.
5.3
5.3.1 Die Unfallschwere ist objektiv aufgrund des augenfälligen
Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen (BGE 134 V
109 E. 10.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_711/2010 vom 14. Januar 2011, E. 5.3 mit
Hinweisen). Im Polizeirapport vom 6. März 2001 (act. G 3.1/12) wurde das
Unfallereignis vom 2. März 2001 folgendermassen beschrieben: Die
Beschwerdeführerin fuhr gemäss eigenen Angaben mit einer gefahrenen
Geschwindigkeit von ca. 70 km/h auf der Strasse von K._ kommend Richtung L._
heran, als sie erkannte, dass ein Lastwagen von rechts auf der Autobahnausfahrt auf
ihre Fahrspur einfuhr, und erschrak. Sie bremste voll ab und lenkte ihren Wagen nach
links. Dabei geriet sie aufgrund der nassen Fahrbahn im Gegenuhrzeigersinn ins
Schleudern und prallte mit der Front des Autos gegen den in der Fahrbahnmitte auf
einer Verkehrsinsel befindlichen Inselleuchtpfosten. Zwischen den beiden Fahrzeugen
ereignete sich keine Kollision. Gemäss unfallanalytischem Gutachten vom 5. November
2002 lag die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung beim seitlichen Überqueren
(Schleudern) des Randsteins und beim Anstoss gegen den Inselleuchtpfosten bei ca. 1
bis 2 km/h. Bei der im Rahmen der Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs
vorzunehmenden Katalogisierung ist der Unfall vom 2. März 2001 aufgrund des
augenfälligen Geschehensablaufs sowie mit Blick auf die entsprechende Kasuistik
bestenfalls den mittelschweren Ereignissen im Grenzbereich zu den leichten Unfällen
zuzuordnen. Das Bundesgericht beurteilte etwa einen Unfall, bei dem die
Beschwerdeführerin als Lenkerin ihres Personenwagens mit einer Geschwindigkeit von
20-30 km/h unterwegs war, und auf Grund der vereisten Fahrbahn die Kontrolle über
das Fahrzeug verlor, mit einem Randleitpfosten kollidierte und danach auf einen
Erdwall geriet, wodurch sich das Fahrzeug überschlug und auf dem Dach liegen blieb,
als ebenfalls in diesem Bereich liegend (Urteil 8C_711/2010 vom 14. Januar 2011, E.
5.3). Damit müssen für die Bejahung der Adäquanz mindestens vier Kriterien in
gehäufter Weise oder ein einzelnes in ausgeprägter Weise erfüllt sein (Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Dezember 2009, 8C_487/2009, E. 5).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.3.2 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder
besonderen Eindrücklichkeit eines Unfalls ist objektiv zu beurteilen und nicht aufgrund
des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person (RKUV 1999
Nr. U 335 S. 207 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2008, U 56/07, E.
6.1). Dabei ist im Unfallhergang weder eine besondere Dramatik noch eine besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls vom 2. März 2001 zu erblicken.
5.3.3 Die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen ist nicht bereits
allein aufgrund der Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen, adäquanz-
rechtlich gleich zu behandelnden Verletzung) zu bejahen (BGE 134 V 109 E. 10.2.2).
Eine besondere Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden geht
aus den Akten nicht hervor, hatte die Beschwerdeführerin doch eine nach vorne
gerichtete Sitzposition mit seitlich abgedrehter Blickrichtung (act. G 3.1/9). Des
Weiteren bestand lediglich eine kleine Schürfung am linken Mittelfinger. Das Kriterium
ist daher offensichtlich nicht erfüllt.
5.3.4 Für das Vorliegen des Kriteriums der ungewöhnlich langen Dauer der
ärztlichen Behandlung ist entscheidwesentlich, dass nach dem Unfall bis zum
Fallabschluss eine fortgesetzt spezifische, die versicherte Person belastende ärztliche
Behandlung nötig war. Medizinische Untersuchungen und ärztliche Kontrollen sind im
Rahmen dieses Kriteriums nicht zu berücksichtigen. im vorliegenden Fall beschränkten
sich die ärztlichen Massnahmen seit Längerem auf maximal vier manualtherapeutische
Behandlungen jährlich, ein aktives Heimprogramm mit Kräftigungsübungen u.a. mit
Theraband, gelegentliche Physiotherapie in Form von Fango und Massage sowie
vereinzelt chiropraktische Behandlungen, wobei die Frequenz der
manualtherapeutischen und physiotherapeutischen Behandlungen seit dem Jahr 2004
kontinuierlich abnahm. Belastende ärztliche Behandlungen sind den medizinischen
Akten somit nicht zu entnehmen, weshalb das Kriterium nicht erfüllt ist.
5.3.5 Das Kriterium der erheblichen Beschwerden setzt voraus, dass solche in der
Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss ohne wesentlichen Unterbruch
bestehen. Bei der Beschwerdeführerin ist dieser Umstand klarerweise nicht gegeben,
da es in den letzten Jahren bei ansonsten längerdauernder Beschwerdefreiheit lediglich
zwischenzeitlich (spätestens seit dem Jahr 2004 jährlich drei- bis viermal; act. G 3.1/67;
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
seit dem Jahr 2008 ein- bis dreimal pro Jahr; act. G 3.1/81) zu Phasen der Schmerz
exazerbationen kam.
5.3.6 Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert, wurde zu Recht weder von der Beschwerdeführerin behauptet noch
ergeben sich aus den Akten Hinweise darauf.
5.3.7 Ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sind
ebenfalls
nicht dokumentiert. Im Gegenteil berichtete Dr. E._ stets über einem sehr guten
Verlauf (act. G 3.1/65, 67, 68, 73 und 81).
5.3.8 Das Kriterium einer erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener
Anstrengungen liegt bei der Beschwerdeführerin nicht vor. Vor dem Unfallereignis
arbeitete die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben zu 100% (act. G 3.1/9 S. 2)
und gemäss Angaben der Arbeitgeberin zu 90% (vgl. Unfallmeldung der Arbeitgeberin
Ziff. 12, act. G 3.1/4). Nach dem Unfall vom 2. März 2001 bestand bis Ende April 2001
eine volle und ab 1. Mai 2001 eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 3.1/1, 2, 3 und 6).
Ab 1. Juni 2001 wurde die Arbeitsfähigkeit progredient auf 60%, ab 1. Juli 2001 auf
70% gesteigert (act. G 5.5). Ab 1. August 2001 bestand bei der Beschwerdeführerin
eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit, welche aufgrund einer Einschränkung beim Anheben
von Lasten über ca. 20kg oder ruckartigen Bewegungen im HWS-Bereich auf 95%
korrigiert wurde (act. G 3.1/28, act. G 5.7). Die Beschwerdeführerin hat ihr
Arbeitspensum per 1. August 2001 freiwillig auf 80% herabgesetzt (act. G 3.1/39;
vgl. auch act. G 3.1/42.2, wonach das Arbeitspensum bereits im Mai 2001 auf 80%
reduziert wurde), ihr wurde jedoch von der Beschwerdegegnerin (kulanterweise) vom
1. August 2001 bis 31. Dezember 2002 eine 20%-ige Arbeitsunfähigkeit entschädigt
(act. G 3.1/53, 54). Gemäss Schreiben vom 10. Januar 2003 von Dr. E._
(act. G 3.1/56) erklärte sich die Beschwerdeführerin mit einer 100%-igen
Arbeitsfähigkeit ab 1. Januar 2003 bereit, sie werde allerdings aus eigener Motivation
nur 80% arbeiten. Daraus ist zu schliessen, dass ab 1. Januar 2003 von einer vollen
Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein 100%-iges Arbeitspensum ausgegangen wurde und
die Beschwerdeführerin ihr Arbeitspensum freiwillig aus unfallfremden Gründen auf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
80% reduziert hat. Per Ende Oktober 2002 kündigte die Beschwerdeführerin ihre
Anstellung wegen Mobbing und Umstrukturierung, die Kündigung sei nicht wegen des
Schleudertraumas erfolgt (act. G 3.1/50). Neben einem 60%-Pensum mit Tätigkeit im
M._ bildete sie sich 2003 bis 2005 zur diplomierten Pflegefachfrau (Diplom I) aus. Im
Herbst 2006 schloss sie diese Ausbildung als diplomierte Pflegefachfrau HF ab.
Anschliessend absolvierte sie nach einem Impingementproblem der rechten Schulter
eine Ausbildung zur Ausbildungsverantwortlichen FaGe. Ab 2008 bis November 2010
arbeitete sie zu 50% bei der B._, zu 50% galt sie als arbeitslos und bildete sich
zugleich mit Unterstützung der IV im Bereich der Erwachsenenbildung weiter. Im
Anschluss daran folgte die Tätigkeit im Alters- und Pflegeheim N._ bis Februar 2011
im Bereich Ausbildung, wobei die Probezeit angeblich aus betrieblichen Gründen und
wegen Überqualifikation nicht verlängert worden sei. Im Mai 2011
(Begutachtungszeitpunkt in der Klinik Valens) bezog sie Einkünfte aus dem Bereich der
Arbeitslosenunterstützung (vgl. Sozialanamnese act. G 3.1/119 S. 7 f.). Damit ist es der
Beschwerdeführerin gelungen, die seit Januar 2003 bestehende volle Arbeitsfähigkeit
über Jahre hinweg konstant beizubehalten und sich durch zweckmässige
Weiterbildungen - die ihre Einsatz und ihren Willen, weiterhin am Erwerbsleben
teilzunehmen, belegen - eine gute Ausbildungsgrundlage für eine Anstellung als Pflege-
und Ausbildungsverantwortliche oder auch den Schritt in die Teilselbstständigkeit zu
schaffen.
5.3.9 Da keines der erforderlichen Kriterien erfüllt ist, ist die Adäquanz der nach
wie vor geklagten Beschwerden zum versicherten Unfall zu verneinen. Die
Leistungseinstellung ab 20. Dezember 2011 erfolgte damit auch mit Blick auf den
adäquaten Kausalzusammenhang zu Recht.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte