Decision ID: d7340fec-6610-5f37-ba07-ff46e7cc9050
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. A._ ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 5, Grundbuch B._, welches - wie die
benachbarten Grundstücke Nrn. 1, 2 und 4 - in der Wohnzone W2b liegt. Die
Grundstücke Nr. 3 (mit Wohnhaus und Scheune/Garage) und 4 (mit Wohnhaus und
Garten) werden über die bestehende C._-Strasse (Gemeindestrasse 2. Klasse)
erschlossen, während die Grundstücke Nr. 1 (unüberbaut), 2 (mit Gartenanlage und
Holzschopf) und 5 (unüberbaut und zur Zeit als Pferdeauslauf genutzt) nicht
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erschlossen sind. Am 19. Dezember 2011 wurde zulasten der Grundstücke Nrn. 2, 3
und 4 und zugunsten der Grundstücke Nrn. 1-5 eine Grunddienstbarkeit (Fuss- und
Fahrwegrecht mit einer Breite 2.2 m) im Grundbuch eingetragen.
b. Mit Beschluss vom 20. April 2014 erliess der Gemeinderat B._ das
Strassenbauprojekt "Neubau D._-Strasse". Die neue Erschliessungsstrasse wurde als
Gemeindestrasse 3. Klasse im Strassenplan aufgenommen und ein Bau- und
Unterhaltsperimeter (Beitragsplan) beschlossen. Die D._-Strasse soll - auf eine Länge
von 50 m und mit einer Fahrbahnbreite von 3 m sowie einem beidseitigen Bankett von
je 30 cm - ab der C._-Strasse entlang der gemeinsamen Grenze der Grundstücke Nr.
3 und 5 bis zur östlichen Grenze des Grundstücks Nr. 1 führen. Der Teilstrassenplan
und der Beitragsplan wurden öffentlich aufgelegt. Innert der Auflagefrist erhob A._,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Titus Marty, Wil, Einsprache gegen das
Strassenprojekt bzw. den Teilstrassenplan und beantragte die Durchführung eines
Überbauungsplanverfahrens in Verbindung mit einem Landumlegungsverfahren zur
Erschliessung der Grundstücke Nrn. 1 f. und 4 f.; daran anschliessend sei über die
strassenmässige Erschliessung des Gebiets zu entscheiden (act. G 17/3/21).
Im Entscheid vom 21. Oktober 2014 wies der Gemeinderat B._ die Einsprache gegen
das Strassenprojekt sowie den Antrag auf Erlass eines Überbauungsplans und
Durchführung eines Landumlegungsverfahrens ab (act. G 17/3/22). Den gegen diesen
Entscheid von Rechtsanwalt Marty für A._ erhobenen Rekurs vom 10. November 2014
(act. G 17/1) wies das Baudepartement, nachdem das Tiefbauamt am 21. April mit den
Verfahrensbeteiligten einen Augenschein an Ort durchgeführt hatte (act. G 17/6), mit
Entscheid vom 27. September 2017 ab (act. G 2).
B.
a. Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Marty für A._ mit Eingabe vom
12. Oktober 2017 Beschwerde mit den Anträgen, der Entscheid und das von der
Erstinstanz erlassene Strassenprojekt sowie der Strassenplan seien aufzuheben, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1). Nachdem er in der Folge mit Hinweis auf
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eine sich abzeichnende gütliche Erledigung der Streitsache eine Sistierung der
Angelegenheit beantragt (act. G 5) und der zuständige Verfahrensleiter des
Verwaltungsgerichts diese bewilligt hatte (act. G 7), teilte die Beschwerdegegnerin mit
Schreiben vom 22. März 2018 mit, die geführten Verhandlungen hätten keine Einigung
ergeben, weshalb das Beschwerdeverfahren fortzusetzen sei (act. G 8). Hierauf reichte
Rechtsanwalt Marty die Beschwerdeergänzung vom 1. Mai 2018 ein, mit welcher er die
gestellten Anträge bestätigte und begründete (act. G 10).
b. In der Vernehmlassung vom 13. Juli 2018 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung verwies sie auf
den angefochtenen Entscheid und äusserte sich ergänzend zu Vorbringen in der
Beschwerde (act. G 16). Die Beschwerdegegnerin stellte in ihrer Vernehmlassung vom
30. Juli 2018 ebenfalls den Antrag auf Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 19).
c. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 46 des
Strassengesetzes, sGS 732.1, StrG, in Verbindung mit Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Sodann entspricht die
Beschwerdeeingabe vom 12. Oktober 2017 (act. G 1) in Verbindung mit der
Beschwerdeergänzung vom 1. Mai 2018 (act. G 10) zeitlich, formal und inhaltlich den
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Nach Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP setzt die
Rechtsmittelbefugnis voraus, dass eine besondere, beachtenswerte, nahe Beziehung
zum Streitgegenstand besteht. Dabei liegt das schutzwürdige Interesse im
"praktischen Nutzen", den ein erfolgreich geführtes Rechtsmittel dem Betroffenen in
seiner rechtlichen oder tatsächlichen Situation einträgt, bzw. in der Abwendung
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materieller, ideeller oder sonstiger Nachteile, die ein Bestand der angefochtenen
Verfügung oder des angefochtenen Entscheids mit sich bringen würde (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 391 mit Hinweisen;
BGE 137 II 30 E. 2.2.3). Die Rechtsmittelbefugnis ist vorliegend zu bejahen, nachdem
der Beschwerdeführer als Eigentümer eines der durch das Strassenprojekt betroffenen
Grundstücke mit der Prozessführung eigene Interessen im erwähnten Sinn verfolgt
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 388 mit Hinweisen). Auf die Beschwerde ist damit
einzutreten.
2.
2.1. Streitig ist vorliegend die sachliche Begründetheit bzw. Notwendigkeit des Baus
der D._-Strasse und deren Klassierung als Gemeindestrasse dritter Klasse bzw. die
Frage, ob das im Dezember 2011 im Grundbuch eingetragene Fuss- und Fahrwegrecht
(vgl. Sachverhalt A.a) für die strassenmässige Erschliessung der Grundstücke Nr. 1, 2
und 5 ausreicht. Soweit der Beschwerdeführer einen Augenschein an Ort beantragt
(vgl. act. G 10 S. 3), ist festzuhalten, dass sich die massgeblichen tatsächlichen
Verhältnisse für die gerichtliche Überprüfung vollständig aus den Vorakten samt Plänen
und Fotos, dem Protokoll des bereits durchgeführten Augenscheins (act. G 17/6) sowie
aus dem Geoportal ergeben. Auf einen Augenschein kann somit verzichtet werden.
2.2. Der Bau der Strasse muss sich mit Blick zumindest auf eine der in Art. 32 StrG
genannten Voraussetzungen als notwendig erweisen. Ein Strassenbauprojekt ist jedoch
nicht erst dann notwendig, wenn eine Alternativlösung (sowie allenfalls eine
Nullvariante) zum vornherein ausscheidet, sondern bereits dann, wenn der Bau als
verkehrsplanerisch und im Lichte der Grundsätze von Art. 33 StrG als sinnvoll und
sachlich begründet erscheint (vgl. VerwGE B 2010/61 vom 9. November 2010 E. 2.1.;
www.gerichte.sg.ch). Nach Art. 33 StrG sind beim Strassenbau folgende Aspekte zu
beachten: Schutz des Menschen und seiner Umwelt (lit. a); Verkehrssicherheit (lit. b);
Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer, insbesondere von Fussgängern,
Radfahrern und Behinderten (lit. c); Ortsbild- und Heimatschutz (lit. d); Natur- und
Landschaftsschutz (lit. e); die anerkannten Grundsätze eines umwelt- und
siedlungsgerechten Strassenbaus (lit. f); sparsamer Verbrauch des Bodens (lit. g).
Diese Grundsätze sind bei der Planung, Projektierung und Ausführung einer Strasse
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zwingend zu beachten (P. Schönenberger, in: G. Germann [Hrsg.], Kurzkommentar zum
st. gallischen Strassengesetz vom 12. Juni 1988, Rz. 1 zu Art. 33). Bei der Beurteilung
des hinreichenden öffentlichen Interesses am Bau von Gemeindestrassen besitzt die
politische Gemeinde grundsätzlich Autonomie (Art. 38 Abs. 1 StrG). Allerdings wird die
Autonomie durch Art. 32 StrG insofern eingeschränkt, als dieser die Voraussetzungen
für den Strassenbau festhält und damit auch die politische Gemeinde bindet (vgl. Art.
89 der Kantonsverfassung, sGS 111.1). Dies hat zur Folge, dass eine Strasse nur
gebaut werden darf, wenn eine der namentlich in Art. 32 StrG genannten
Voraussetzungen dies erfordert (VerwGE B 2010/61 vom 9. November 2010 E. 2.1;
sowie B 2009/197 vom 15. April 2010 E. 2.1., beide abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch).
Gemeindestrassen dritter Klasse dienen der (übrigen) Erschliessung sowie der Land-
und Forstwirtschaft. Sie stehen dem allgemeinen Motorfahrzeugverkehr nicht offen
(Art. 8 Abs. 3 StrG). Sie stellen eine Auffangklasse in dem Sinn dar, als alle öffentlichen
Strassen, die nicht zwingend einer höheren Klasse zuzuordnen sind, dieser
Strassenklasse angehören (VerwGE B 2004/91 vom 10. Mai 2005 E. 4,
www.gerichte.sg.ch, mit Hinweis). Eine Gemeindestrasse dritter Klasse liegt
demzufolge vor, wenn die Voraussetzungen für den Erlass eines allgemeinen
Motorfahrzeugverbots im Sinn von Art. 3 Abs. 3 des Strassenverkehrsgesetzes (SR
741.01) erfüllt sind bzw. wenn der Motorfahrzeugverkehr nur aus Ziel-, Anlieger- und
Quellverkehr besteht. Somit sind Gemeindestrassen dritter Klasse "beschränkt
öffentliche Strassen", an denen der Gemeingebrauch auf die ihrem Zweck
entsprechende Benutzungsart beschränkt ist (GVP 2001 Nr. 98 E. 2 d mit Hinweisen).
Zu den Gemeindestrassen dritter Klasse gehören auch Meliorations- und Forststrassen
einschliesslich der Alpstrassen (Germann, a.a.O.., Rz. 19 zu Art. 9 StrG). Für die
Öffentlicherklärung einer Strasse ist massgeblich, ob sie der Fein- oder
Groberschliessung mehrerer Grundstücke oder einer grösseren Anzahl von
Wohnstätten dient. Bei Zufahrten und Zugängen zu einzelnen Grundstücken sowie
ausnahmsweise bei Strassen, die lediglich Einzelinteressen dienen und der
ausschliesslichen Verfügungsmacht der privaten Grundeigentümer unterliegen, ist ein
schutzwürdiges Interesse an deren Öffentlicherklärung in der Regel zu verneinen (vgl.
GVP 1991 Nr. 14).
http://www.gerichte.sg.ch/ http://www.gerichte.sg.ch/
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Für die Beurteilung der technischen Anforderungen an eine hinreichende Zufahrt sind
grundsätzlich die Normen der Vereinigung Schweizerischer Strassenfachleute (VSS)
massgebend, wobei ihre Anwendung im Einzelfall dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit entsprechen muss und sie nicht ungeachtet der konkreten
Verhältnisse zugrunde gelegt werden dürfen (VerwGE B 2015/14 vom 20. Januar 2017,
E. 11.1; VerwGE B 2011/110 vom 20. März 2012, E. 4; GVP 1990 Nr. 99). Nach der
VSS-Norm SN 640 045 "Projektierung, Grundlagen; Strassentyp
Erschliessungsstrassen" vom April 1992, Ziff. 5 Abs. 1, werden die
Sicherheitsanforderungen an Erschliessungsstrassen allgemein durch geringe
Verkehrsmengen und niedrige Geschwindigkeiten angestrebt, weshalb der
Ausbaustandard generell niedrig anzusetzen ist. Der Erschliessungsstrassentyp
"Zufahrtsweg" dient der Erschliessung von bis zu 30 Wohneinheiten. Er ist auf den
Grundbegegnungsfall "PW/Fahrrad bei stark reduzierter Geschwindigkeit" und eine
durchschnittliche stündliche Verkehrsbelastung von maximal 50 Fahrzeugen
ausgerichtet. Für Zufahrtswege genügt ein Fahrstreifen; sie müssen in der Regel keinen
Wendeplatz aufweisen und nicht durchgehend befahrbar sein. Es handelt sich um
Fusswege, die zum gelegentlichen Befahren mit Motorfahrzeugen vorgesehen und
entsprechend befestigt sind. Für die seltenen Begegnungsfälle zwischen
Motorfahrzeugen können angrenzende Bankettflächen und Vorplätze einbezogen
werden (VSS-Norm a.a.O.., Ziff. 8 Abs. 6). Gemäss VSS-Norm SN 640 201
"Geometrisches Normalprofil" vom Oktober 1992 beträgt das für einen Personenwagen
erforderliche horizontale Lichtraumprofil 2 bis 2.1 m bei Geschwindigkeiten von 0 bis
40 km/h, für einen Lastwagen bzw. ein landwirtschaftliches Fahrzeug beträgt das
horizontale Lichtraumprofil bei den erwähnten Geschwindigkeiten 2.7 bis 2.8 m und
dasjenige eines Fahrradlenkers 0.9 bis 1.1 m. Bei stark reduzierter Geschwindigkeit (bis
30 km/h) ist beim Grundbegegnungsfall PW/Fahrrad eine Strassenbreite von
mindestens 3.4 m (keine Steigungen) und beim Begegnungsfall PW/PW eine Breite von
mindestens 4.4 m erforderlich (vgl. VerwGE B 2015/14 vom 20. Januar 2017, E. 11.1).
2.3. In der Stellungnahme vom 16. Januar 2015 wies das kantonale
Strasseninspektorat darauf hin, dass Strassen öffentlich zu klassieren seien, wenn
durch sie mehr als zwei Wohneinheiten erschlossen würden. Mit dem geplanten
Ausbau und der Klassierung der D._-Strasse als Gemeindestrasse dritter Klasse sei
dieser Forderung Genüge getan. Dabei handle es sich gemäss Norm SN 640 045 um
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eine Erschliessungsstrasse vom Typ Zufahrtsweg. Auch wenn gemäss Norm bei
diesem Strassentyp in der Regel kein Wendeplatz gefordert werde, sollte mit dem Bau
eines Wendeplatzes oder der Sicherung der Wendemöglichkeit mit einer Dienstbarkeit
eine Wendemöglichkeit geschaffen werden. Zudem sei die geplante Strassenbreite mit
3 m zu schmal, da ein Grundbegegnungsfall zwischen einem Personenwagen (PW) und
einem Fahrrad gemäss Norm SN 640 201 eine Breite von 3.5 m bedinge. Nur schon
eine Anlieferung mit einem kleineren Lieferwagen funktioniere bei einer Breite von 3 m
gerade auch im Kurvenbereich kaum. Sodann müsse beim (hier sehr seltenen)
Begegnungsfall von zwei PW's auch bei einer Strassenbreite von 3.5 m auf die
Vorplätze oder das Bankett ausgewichen werden. Das bestehende Fuss- und
Fahrwegrecht von 2.2 m Breite genüge somit in keiner Weise. Es werde empfohlen,
beim Strassenprojekt eine Wendemöglichkeit zu schaffen und die Strasse auf 3.5 m zu
verbreitern (act. G 17/4). Das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (AREG)
stellte im Amtsbericht vom 11. Februar 2015 unter anderem fest, aus ortsplanerischer
Sicht handle es sich um eine mögliche Erschliessung, die quartiergerecht gestaltet und
sicher nicht unzweckmässig sei. Dennoch werde es als sinnvoll erachtet, die
Erschliessung der drei Grundstücke Nr. 1, 2 und 5 anhand eines konkreten
Bebauungsvorschlags zu prüfen. Bebauung und Erschliessung könnten dabei im Sinn
einer haushälterischen Bodennutzung und guten Wohnqualität optimal aufeinander
abgestimmt werden. Im Übrigen tangiere eine alternative Erschliessung des
Grundstücks Nr. 1 (allenfalls auch der Parzellen Nrn. 2 und 5) ein Gewerbegebiet; dort
sei eine direkte Zufahrt kaum realisierbar (act. G 17/5).
2.4. Im angefochtenen Entscheid legte die Vorinstanz dar, die Grundstücke Nrn. 1, 2
und 5 seien aktuell nicht erschlossen. Auch die beiden kleineren Grundstücke könnten
ohne weiteres mit einer Garage oder Parkplätzen selbständig überbaut werden. Zudem
sei es auch möglich, dass sich die benachbarten Grundeigentümer gegenseitig ein
Näherbaurecht einräumen oder sie eine gemeinsame Überbauung realisieren würden.
Daher sei eine strassenmässige Erschliessung der Grundstücke zwingend erforderlich
und ein öffentliches Interesse an der Erschliessung gegeben. Entsprechend sei die
Klassierung als Gemeindestrasse dritter Klasse gerechtfertigt (act. G 2 S. 9). Das Fuss-
und Fahrwegrecht entspreche in der Linienführung genau dem umstrittenen
Strassenprojekt. Es genüge jedoch (aufgrund der Feststellungen in der Stellungnahme
des Strasseninspektorats) bei einer Breite von 2.2 m in keiner Weise. Anlässlich des
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Rekursaugenscheins habe der Vertreter des Strasseninspektorats festgestellt, dass die
Strassenbreite von 3 m zwar knapp bemessen sei. Da aber mit den Quadersteinen, die
50 cm vom Strassenrand entfernt sein müssten, und dem beidseitigen Bankett ein
gewisser Spielraum geschaffen werde, sowie aufgrund der örtlichen Verhältnisse und
der möglichen Überbaubarkeit der Grundstücke, könne der Breite von 3 m zugestimmt
werden (act. G 17/6). Die Voraussetzungen für eine Genehmigung des
Teilstrassenplans seien erfüllt (act. G 2 S. 10). Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers sei der Grundsatz von Art. 33 lit. g StrG (sparsamer Verbrauch des
Bodens) beachtet worden, zumal mit der gewählten Linienführung lediglich eine
Strecke von rund 50 m Länge und 3 m Breite (150 m ) beansprucht werde. Rund 480
m stünden so für eine Nutzung zur Verfügung. Auch mit dem Festhalten an der
Strassenbreite von 3 m und dem Verzicht auf einen Ausbau auf 3.5 m sei der
Grundsatz des sparsamen Bodenverbrauchs berücksichtigt worden (act. G 2 S. 11). Im
Weiteren sei das Grundstück Nr. 1 ohne Weiteres selbst überbaubar. Die Grundstücke
Nrn. 2 und 5 könnten aufgrund ihrer Grösse nicht mit einer Wohnbaute überbaut
werden. Sie wiesen aber keine derart ungünstige Grundstücksform auf, dass sie nicht
mit kleineren Gebäuden oder Anlagen überbaut werden könnten. Für eine
Erschliessung der drei Grundstücke anhand eines konkreten Bebauungsvorschlags
(Vorschlag des AREG) fehle es nach Auskunft der Beschwerdegegnerin an der
Bereitschaft der betroffenen Grundeigentümer. Diese seien nicht bereit, ihre
Grundstücke der Beschwerdegegnerin zu verkaufen, um eine Gesamtplanung zu
ermöglichen (act. G 2 S. 12). Sodann sei es weder zweckmässig noch im Sinn des
Gesetzgebers, für eine Fläche von 678 m (Grundstücke Nrn. 2 und 5) ein aufwändiges
Landumlegungsverfahren (Art. 109 Abs. 1 lit. a und 110 ff. BauG) durchzuführen, zumal
dem Beschwerdeführer selbst mit einer Landumlegung keine grössere Fläche zur
Verfügung gestellt und sein heutiger Bestand nicht zulasten eines anderen
Grundeigentümers verändert werden könnte (act. G 2 S. 12).
2.5. Der Beschwerdeführer wendet ein, der umstrittene Strassenplan sei von der
Erstinstanz einzig zum Zweck der Schaffung einer baurechtlich hinreichenden Zufahrt
zum gemeindeeigenen Grundstück Nr. 1 erlassen worden. Der Strassenplan sei
ausschliesslich auf dieses Einzelinteresse ausgerichtet. Von den nach Realisierung der
Strasse als unüberbaubar verbleibenden Flächen der Grundstücke Nr. 2 und 5 von
zusammen rund 630 m sei von der Vorinstanz zu Unrecht eine für den Strassenbau
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beanspruchte Fläche von 150 m abgezogen worden, womit lediglich eine Restfläche
von 480 m verbliebe. Zum Strassenbau würden von Grundstück Nr. 2 jedoch nur 50
m beansprucht; diese seien bei der Restflächenangabe von 630 m bereits
abgezogen. Die restlichen rund 100 m Strassenboden gingen von den Grundstücken
Nr. 3 und 4 ab. Eine Erschliessungsstrasse, die so angelegt sei, dass von den
insgesamt 1'488 m Bauland (Grundstücke Nrn. 1, 2 und 5) nur 810 m überbaut
werden könnten, sei mit den raumplanungs- und strassenbaurechtlichen Zielen und
Grundsätzen (haushälterische Nutzung des Bodens, Siedlungsentwicklung nach innen)
nicht vereinbar. Eine bauliche Nutzung nur mit Garagen/Parkplätzen entspreche weder
dem Zweck der Wohnzone noch dem Grundsatz einer besseren Nutzung von
brachliegenden Flächen in Bauzonen. Es sei eine Gesamtplanung für die Überbauung
und Erschliessung der Grundstücke Nr. 1, 2 und 5 durchzuführen. Die Planungshoheit
liege diesbezüglich bei der Beschwerdegegnerin. Der Planungsentscheid sei nicht von
der Zustimmung der betroffenen Grundeigentümer abhängig. Im Übrigen sei die
Bereitschaft der Grundeigentümer zu einer Gesamtplanung gegeben. Der
Beschwerdeführer sei dazu bereit, und bei den neuen Eigentümern des Grundstücks
Nr. 2 (Kauf des Grundstücks im Dezember 2017) wäre die Bereitschaft wohl zu
erwirken (act. G 10).
3.
3.1. Fest steht, dass für den geplanten Strassenbau zur strassenmässigen
Erschliessung der Grundstücke Nrn. 1 (810 m ), 2 (376 m ) und 5 (302 m ) rund 150 m
Boden beansprucht werden. Hiervon gehen nach den Darlegungen der Vorinstanz vom
Grundstück Nr. 2 50 m ab (vgl. act. G 16 S. 2). Dementsprechend verblieben den
Grundstücken Nrn. 2 und 5 nutzbare Flächen von rund 326 und 302 m (vgl. auch
Situationsplan act. G 17/6), auf denen je für sich allein nach allseits unbestrittener
Auffassung lediglich kleinere Bauten oder Anlagen (Garagen, Parkplätze) erstellt
werden könnten. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass es nicht zielführend wäre,
das Verfahren für den Erlass eines Überbauungsplans gegen den Willen der
betroffenen Grundeigentümer in die Wege zu leiten (act. G 16 S. 2). Hinsichtlich ihrer
Feststellung, wonach es für eine Erschliessung der drei Grundstücke anhand eines
konkreten Bebauungsvorschlags (vgl. Vorschlag des AREG) an der Bereitschaft der
betroffenen Grundeigentümer fehle bzw. diese nicht bereit seien, ihre Grundstücke der
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Beschwerdegegnerin zu verkaufen, um eine Gesamtplanung zu ermöglichen (act. G 2
S. 12), wendet der Beschwerdeführer allerdings ein, dass er selbst und wohl auch die
neuen Eigentümer von Grundstück Nr. 2 (seit Dezember 2017) zu einer Gesamtplanung
bereit seien (act. G 10 S. 5 f.). Er sei bereit, sein Grundstück in eine koordinierte
Überbauungs- und Erschliessungsplanung einzubringen. Bereits im Juni 2013 und im
Februar 2014 habe er zwei eigene Überbaubarkeitsstudien eingereicht. Zudem wäre
die Bereitschaft der ehemaligen Eigentümer des Grundstücks Nr. 2 (vor dem
Hintergrund eines von der Beschwerdegegnerin zugesicherten Verkaufs des
gemeindeeigenen Grundstücks Nr. 1 an die Tochter und den Schwiegersohn der
ehemaligen Eigentümer) bei ernsthaftem Bemühen der Beschwerdegegnerin sehr wohl
zu erwirken gewesen. Bleibe es beim angefochtenen Strassenplan, fehle es an der
Notwendigkeit, die geplante Strasse als Gemeindestrasse dritter Klasse einzuteilen
(act. G 10).
3.2. Im verwaltungsgerichtlichen Verfahren ergibt sich eine Verpflichtung zur
Berücksichtigung von (echten oder unechten) Noven aus Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, EMRK): Soweit die Vorinstanz des
Verwaltungsgerichts keine richterliche Behörde ist, garantiert Art. 6 Ziff. 1 EMRK in
ihrem Anwendungsbereich eine richterliche Überprüfung mit voller Kognition. Im
Anwendungsbereich der EMRK sind zumindest dort auch Noven zu berücksichtigen,
wo die Angelegenheit zuvor - wie vorliegend - nicht von einer richterlichen Instanz
überprüft wurde (vgl. statt vieler VerwGE B 2016/14 vom 24. August 2017, E. 1 mit
Hinweis). Der von der Vorinstanz angeführte Umstand, wonach die Grundeigentümer
der Grundstücke Nrn. 2 und 5 im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids
(27. September 2017) nicht bereit gewesen seien, ihre Grundstücke der
Beschwerdegegnerin zur Ermöglichung einer Gesamtplanung zu verkaufen und der
Eigentümer von Grundstück Nr. 2 gegen eine Gesamtplanung gewesen sei (act. G 16
S. 2), ändert nichts daran, dass sich mit dem Eigentumsübergang von Grundstück Nr.
2 (nach Erlass des angefochtenen Entscheids) die Verhältnisse änderten. Die
Beschwerdegegnerin bestätigte diesbezüglich denn auch, dass die beiden
Grundeigentümerinnen des Grundstücks Nr. 2 an einer zeitnahen Überbauung der
Liegenschaft interessiert seien und sie sich nach Möglichkeiten einer gemeinsamen
Ausschreibung und Überbauung der Grundstücke Nr. 1 und 2 erkundigt hätten.
Aufgrund der gegebenen Verwandtschaftsverhältnisse könnten bei Bedarf für die
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Überbauung der Liegenschaft Nr. 2 allenfalls auch der westliche Teil der Liegenschaft
Nr. 4 einbezogen werden. Der Gemeinderat erachte den Erlass eines
Sondernutzungsplans (Art. 23 des Planungs- und Baugesetzes, PBG; sGS 731.1) für
dieses Gebiet nicht als angezeigt, weil die Überbaubarkeit aller betroffenen
Grundstücke nach erfolgter Erschliessung gewährleistet sei. Der Beschwerdeführer
habe es nach Rechtskraft des Strassenprojektes in der Hand, seine Bereitschaft zu
zeigen, sein Land in eine gemeinsame Überbauung einzubringen. Dannzumal wäre eine
Änderung des Erschliessungsprojektes - unter Anwendung des nach StrG notwendigen
Verfahrens - immer noch denkbar. Auch ein rechtskräftiges Strassenprojekt könne im
dafür vorgesehenen Verfahren wieder geändert werden (act. G 19). Diese
Gegebenheiten sind im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu berücksichtigen.
3.3. Grundsätzlich ändert das Verwaltungsgericht einen sachlich haltbaren und
zweckmässigen Strassenplanungsentscheid der Vorinstanz zwar selbst dann nicht,
wenn es eine andere Lösung als ebenso zweckmässig erachtet (vgl. statt vieler VerwGE
2014/202 vom 19. Juli 2016, E. 3.3, und VerwGE B 2010/7 vom 24. August 2010,
E. 3.4). Vorliegend fanden für die Strassenplanung jedoch, wie sich aus den
Darlegungen der Beschwerdegegnerin ergibt, nicht sämtliche relevanten Umstände
Berücksichtigung. Indem die Beschwerdegegnerin bestätigt, nach Rechtskraft des
Strassenprojekts eine sinnvolle Überbaubarkeit aller betroffenen Grundstücke
(einschliesslich des Grundstücks Nr. 4) prüfen zu wollen (act. G 19 S. 2), lässt sie
ausser Betracht, dass die vorgängige Festlegung des Strassenprojekts die
Überbaubarkeit unter Umständen unnötig präjudiziert. Wenn sie in Aussicht stellt, den
Strassenplan je nach Situation wieder abändern zu wollen (act. G 19), so ist darauf
hinzuweisen, dass es sich dabei um einen Sondernutzungsplan handelt, dessen
Rechtsbeständigkeit sich nicht ohne Weiteres nach kurzer Zeit wieder in Frage stellen
lässt. Eine diesbezügliche Abänderung setzt geänderte Verhältnisse voraus (vgl. Art. 12
und 14 StrG). Mit der erwähnten Feststellung stellt die Beschwerdegegnerin Sinn und
Begründung des vorliegenden Strassenprojekts bzw. das Interesse daran selbst in
Frage. Der angefochtene Entscheid lässt sich vor diesem Hintergrund nicht
aufrechterhalten. Die Sache ist - im Sinn des Vorschlags des AREG - zur Durchführung
einer Gesamtplanung der Bebauung und Erschliessung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.
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4.1. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Entscheids vom 27. September 2017 gutzuheissen und die Sache zur Durchführung
einer Gesamtplanung der Bebauung und Erschliessung der Grundstücke Nrn. 1, 2, 4
und 5 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dem Verfahrensausgang
entsprechend gehen die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens zulasten der
Beschwerdegegnerin (Art. 95 Abs. 1 VRP). Angemessen erscheint eine
Entscheidgebühr von CHF 3'000 (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12); auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Dem
Beschwerdeführer ist der Kostenvorschuss von CHF 3'500 zurückzuerstatten.
Für das Rekursverfahren erfolgt die Kostenverlegung analog, indem die amtlichen
Kosten von CHF 3'500 der Beschwerdegegnerin auferlegt werden und auf die
Erhebung verzichtet wird; dem Beschwerdeführer ist der für jenes Verfahren geleistete
Kostenvorschuss von CHF 1'000 zurückzuerstatten.
4.2. Vorinstanz und Beschwerdegegnerin haben - sowohl vom Grundsatz als auch vom
Verfahrensausgang her - keinen Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung (Art. 98
Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98 VRP; Cavelti/Vögeli a.a.O., Rz 829). Hingegen
hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Entschädigung für das Beschwerde- und für
das Rekursverfahren. Das Verwaltungsgericht spricht bei Fehlen einer Kostennote
praxisgemäss Pauschalentschädigungen nach Ermessen gemäss Art. 6 und Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten zu
(sGS 963.75, HonO). Mit Blick auf vergleichbare Verfahren und unter Berücksichtigung
der konkreten Verhältnisse ist eine Entschädigung des obsiegenden
Beschwerdeführers für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren mit CHF 6‘000
zuzüglich 4% Barauslagen (= CHF 240) und Mehrwertsteuer (Art. 29 HonO)
angemessen. Die vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers erbrachten anwaltlichen
Leistungen unterliegen sowohl dem ab 1. Januar 2018 geltenden Mehrwertsteuersatz
(7.7 %) als auch dem zuvor gültigen Satz (8 %). Da die Leistungen rund hälftig vor dem
1. Januar 2018 erbracht wurden, ist der entsprechende Anteil (CHF 3'120) der
ausseramtlichen Entschädigung mit dem bisherigen Mehrwertsteuersatz von 8 % und
der andere Teil (CHF 3'120) mit dem neuen Steuersatz von 7.7 % abzurechnen (vgl.
Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur Steuersatzänderung per 1. Januar 2018,
www.estv.admin.ch).
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte