Decision ID: a6ffdc29-9f32-4c6d-9d96-a9942d04c3c7
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1989 (
Urk.
7/3
25
), meldete sich am
5.
September 2018 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV) Y._
zur Arbeits
vermitt
lung an (
Urk.
10/
347
) und beantragte ab
1.
O
ktober 2018 Arbeitslosen
entschä
digung (
Urk.
10/
337
). Mit Schreiben vom 1
7.
und 3
0.
Oktober 2018 forderte die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
ihn
bzw.
den früheren Geschäftsführer der
Z._ GmbH, A._
,
schriftlich dazu auf, verschiedene Unterlagen zum Nachweis eine
r beitragspflichtigen Beschäfti
gung nachzureichen (
Urk.
7
/
305
und
7/29
3
-296
). Schliesslich verneinte sie mit
Ver
fügung Nr. 4000038040 vom 1
3.
November
2018 einen Anspruch auf Arbeits
losenentschädigung
mangels Erfüllung der B
eitragszeit
(
Urk.
7/273-275
).
Die vom Versicherten
am 1
9.
November 2018 dagegen
erhobene Einsprache
(
Urk.
7/227 f.
)
wies
sie
mit
Einsp
racheentscheid
Nr. 1003 vom 22. Januar 2019 ab
mit der Begründung, der Lohnfluss
sei nicht hinrei
chend belegt
(
Urk.
7/215-219)
.
Das
Sozialversicherungsgericht
hiess
d
ie
dagegen gerichtete
Beschwerde
des Versicherten
(
Urk.
7/159 ff.) mit Urteil AL.2019.00019 vom 21.
August 2019 in dem Sinne gut, als es den angefochtenen Entscheid aufhob und die Sache an die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich zurückwies, damit diese nach weiteren Ab
klärungen neu über den Anspruch verfüge (
Urk.
7/138 ff.).
1.2
Hierauf tätigte die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
weitere Abklärungen
zu einer allfälligen Beschäftigung des Versicherten bei der
Z._
GmbH
(vgl.
Urk.
7/
96-136
)
. Gestützt darauf erliess sie am
8.
November 2019 den
Einsprache
entscheid
Nr. 971
, mit dem sie nochmals
die Einsprache
vom 19.
November 2018 abwies (
Urk.
7/89-95). Diese
n Entscheid
focht der Versicherte
wiederum
beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich an (
Urk.
7/78 f.),
da
s mit
seinem
Beschluss AL.2019.00294 vom 2
0.
Dezember 2019
die Nichtigkeit des ange
fochtenen Entscheids feststellte und
demzufolge mangels Anfechtungsobjekt
nicht auf die Beschwerde eintrat
(
Urk.
7/74-77).
1.3
Mit
Verfügung Nr.
3500043810 vom
2
4.
Februar 2020
verneinte die Arbeits
losenkasse des Kantons Zürich
abermals
einen Anspruch
des Versicherten
auf Arbeitslosenentschädigung ab
1.
Oktober 2018
(
Urk.
7/67-71). Nach
Eingang
seiner
Einsprache vom 1
0.
März 2020 samt Beweismitteln (
Urk.
7/51-60) tätigte
sie weitere
Abklärungen (vgl.
Urk.
7/65 und 7/50)
und überwies das
Verfahren
alsdann
an das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA), um eine Strafanzeige gegen die
Z._
GmbH zu prüfen (vgl.
Urk.
7/49
und 7/42
).
In diesem Zusammenhang
sistierte sie das
Einspracheverfahren
(
Urk.
7/48)
. Nachdem die Arbeitslosenkasse
des Kantons Z
ürich gemäss Weisung des AWA
vergeblich ver
suchte hatte, von B._
, dem letzten
Geschäftsfüh
rer
der
Z._
GmbH, eine Arbeitgeberbescheinigung erhältlich zu machen (
Urk.
7/43-47)
, wurde
jener
mit Strafbefehl
vom
8.
Februar 2021 mit einer Busse von
Fr.
150.-- wegen Verletzung der Auskunftspflicht bestraft (
Urk.
7/40).
Kurz darauf wies d
ie Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich die Einsprache des Versicherten vom 1
0.
März 2020 mit Entscheid Nr. 250 vom 2
5.
März 2021 ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diesen
Einspracheentscheid
erhob der Versicherte mit Eingabe vom 23. April 2021 Beschwerde
mit dem sinngemässen Antrag,
ihm Arbeitslosen
entschädigung zuzusprechen (
Urk.
1; Beilagen
Urk.
3/1-4). Die
Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
Juni 2021 auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Verfügung vom 1
8.
Juni 2021 ordnete das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich einen zweiten Schriftenwechsel an
und setzte dem Versicherte
n
eine 30-tägige Frist zur Einreichung einer Replik an unter der Androhung, dass bei Säumnis angenommen werde, er verzichte auf eine solche
(
Urk.
10; Zustellungsbeleg
Urk.
11).
In der Folge liess sich der Ver
sicherte nicht mehr vernehmen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Zwischen den Parteien sind in dieser Sache bereits zahlreiche Entscheide ergangen,
in
den
en die massgeblichen Rechtsgrundlagen
im Zusammenhang mit der strittigen Erfüllung der Beitragszeit, einschliesslich der beweisrechtlichen An
forderungen,
eingehend erörtert wurden. E
s kann auf die Ausführungen in der Verfügung vom 2
4.
Februar 2020 (vgl. Urk. 7/67), im angefochtenen
Einsprache
entscheid
(vgl.
Urk.
2 S. 2 f.) und
insbesondere
im
Urteil
des Sozialversicherungs
gerichts des Kantons Zürich AL.2019.00019 vom 2
1.
August 2019 E. 1 (vgl.
Urk.
7/139-141)
verwiesen werden.
Soweit Ergänzungen, Präzisierungen oder Wiederholungen angezeigt bzw. sinnvoll sind, erfolgen diese in den ent
sprechenden Erwägungen.
2.
2
.1
Wie bereits im Rückweisungsentscheid AL.2019.00019 vom 2
1.
August 2019 E. 2 festgehalten, ist unbestritten, dass die relevante Rahmenfrist für die Beitragszeit am 1. Oktober 2016 begann und am 30. September 2018 endete
. Im angefochtenen
Einspracheentscheid
kam die Beschwerdegegnerin
erneut
zum
Schluss, dass die in Bezug auf das Arbeitsverhältnis bei der
Z._
GmbH eingereichten Un
terlagen widersprüchlich seien. Trotz neuer Abklärungen habe sich daran nichts geändert,
weshalb letztlich
vom geringsten Betrag auszugehen und
auf den Auszug aus dem individuellen Konto
(IK)
abzustellen sei. Da der Verdienst bei
Z._
GmbH darin nicht verzeichnet sei, könne die dortige Tätigkeit nicht als Beitragszeit berücksichtigt werden (
im Detail:
Urk. 2 S.
4 ff
.).
2
.2
Der Beschwerdeführer machte in der Beschwerde
neu
geltend, die Treuhand seiner ehemaligen Arbeitgeberin habe zunächst vergessen, ihm Lohndeklarationen und eine Arbeitgeberbescheinigung auszustellen (
Urk.
1).
2
.3
Demgegenüber betonte die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort, dass die Unterlagen trotz
mehrere
r
Aufforderungen erst mehr als drei Jahre nach dem angeblichen Arbeitsverhältnis ausgestellt worden
seien
. Es sei bei vom Arbeits
vertrag abweichender Unterschrift und falscher Firmenbezeichnung unklar, ob diese überhaupt von der
ehemaligen
Arbeitgeberin stammten. Zudem sei nicht auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer jene unter Druck gesetzt habe. Ferner bestünden relevante Ungereimtheiten zwischen den Lohndeklarationen gegen
über der
Sozialversicherungsanstal
t des Kantons Zürich (SVA), de
n
Lohn
abrechnungen, der Arbeitgeberbescheinigung und den Steuererklärungen des Beschwerdeführers der Jahr
e
2017 und 2018 (
Urk.
6).
3
.
3.1
Zu den
im Prozess AL.2019.00019 bereits aktenkundigen Unterlagen führte das
Gericht
im Rückweisungsentscheid vom 2
1.
August 2019
E. 4
aus, dass sich die tatsäch
liche Arbeitsaufnahme
des Beschwerdeführers bei der
Z._
GmbH
anhand
derselben
nicht klären
lasse
, zumal im Arbeitsvertrag der Arbeitsbeginn auf den 12. Juni 2017 festgelegt
(vgl.
Urk.
7/286)
, im Antrag auf Arbeitslosen
entschädigung
vom 1
1.
September 2018
die Dauer der Tätigkeit ab 13. Juni 2017 angegeben
(vgl.
Urk.
7/339)
und gemäss der Lohnabrechnung
(vgl.
Urk.
7/313)
bzw. Gutschrif
tenanzeige
(vgl.
Urk.
7/285)
beim Lohn vom Juni 201
7
das Arbeitspensum eines ganzen Monats berücksichtigt
worden sei
.
Zudem habe der Beschwerdeführer i
n der Steuererklärung 2017 bei den Berufsauslagen 154 Arbeitstage ein
gesetzt
(vgl.
Urk.
7/250)
. In der Einsprache vom 19. November 2018
habe
er dazu ausgeführt, ab 1. Juni 2017 «angestellt» gewe
sen zu sein (
vgl.
Urk.
7/227
). Im Rahmen der Beschwerde
habe
er indes
erläutert
, man habe ihm im Juni 2017 den vollen Lohn ausbezahlt und gesagt, man bezahle ihm die kommenden Überstunden schon mal im Voraus. Die restlichen Überstunden seien
ihm dann nicht mehr bezahlt worden (
vgl.
Urk.
7/160
). Eine solche Voraus
zahlung, vor allem zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses,
sei
indes keinesfalls üblich und erschein
e
daher fragwürdig. Zudem
habe
die Beschwerdegegnerin hin
sichtlich der Lohnzahlungen zu Recht auf weitere Probleme hingewiesen
(vgl.
Urk.
7/167)
, nämlich die Auszahlung eines konstanten Betrages
(
von
Fr.
6'947.80,
vgl.
Urk.
7/182-187)
über dem Nettolohn
(
von
Fr.
6'868.60
entsprechend 176 Arbeitsstunden
,
vgl.
Urk.
7/172-180)
und trotz Verein
barung eines Stundenlohns
(vgl.
Urk.
7/286)
in der Baubranche, in der die Arbeitszeit oft ent
sprechend der Auftragslage schwank
e
.
3
.2
Es sei indessen
zu bedenken
, dass es sich bei der fraglichen Arbeitgebe
rin nicht um eine grosse Baufirma mit Personal- und Buchhaltungsabteilung handelt. Der rudimentäre und in schlechtem Deutsch abgefasste Arbeitsvertrag, der nur gerade die häufigsten praktischen Fragen beantworte
(vgl.
Urk.
7/286 f.)
, deute darauf hin, dass
A._
d
ie administrativen Angelegenheiten seiner Ein-Per
sonen-Gesellschaft selbst
erledigt habe.
Aus dem im Internet abrufbaren Handels
registeraus
zug der «
Z._
GmbH in Liquidation» (
www.zefix.ch
) erg
ebe
sich
ergän
zend, dass er am 1. März 2018 als Gesellschafter und Geschäftsführer ausgeschie
den
sei
, kurz bevor am 31. Mai 2018 das Konkursverfahren eröffnet und mit Urteil vom 31. August 2018 mangels Aktiven eingestellt worden
sei
. In
sofern
sei
eine pragmatische Handhabung der Lohnzahlungen zwischen den beiden Hand
werkern nicht ohne
W
eiteres auszuschliessen. Dies
gelte
auch für die Benzinspesen, welche die Differenz zwischen Nettolohn gemäss Lohnabrechnung und Gutschrif
tenanzeige erklären soll
t
en, wie der Beschwerdeführer auf Nach
fragen von
A._
erfahren haben will (
vgl.
Urk.
7/162
). Zusätzlich zum Lohn ausbezahlte Spesen s
eien
dabei aufgrund des im Arbeitsvertrag erwähnten Ersatzes für Ausla
gen und Reisezeit nicht abwegig (Urk.
7/287
), wenn auch mit Blick auf die verschiedenen Baustellen (
C._, D._
,
E._
,
F._/G._
und
H._
,
Urk.
7/162
) nicht ohne Weiteres nachvollzieh
bar.
3
.3
Soweit die Beschwerdegegnerin weiter argumentiert
habe
, die Barauszahlung der Löhne von Dezember 2017 bis Februar 2018 sei durch die schriftliche Bestätigung der Arbeitgeberin nicht belegt (
vgl.
Urk.
7/166
), so wäre ein solcher Einwand nach der Rechtsprechung grundsätzlich gerechtfertigt, wenn der Beschwerdeführer selbst oder eine ihm nahestehende Person diese unterzeichnet hätte. Für ein vor
beste
hendes enges freundschaftliches oder ein verwandtschaftliches Verhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und
A._
b
estü
n
den
bislang indes keine Anhaltspunkte. Eine Gefälligkeit
könne
daher nicht ohne Weiteres an
genommen werden. Es komm
e
hinzu, dass letzterer aufgrund des Auszugs aus dem
IK
allenfalls auch mit finanziellen (Art. 52
des
Bundesgesetz
über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
,
AHVG
) und strafrechtlichen (Art. 87 AHVG) Konsequenzen im Zusammenhang mit den nicht bezahlten Beiträgen an die Sozialversicherungen zu rechnen
habe
. Im Übrigen wäre es der Beschwerde
gegnerin freigestanden, wenn sie eine Rückzahlung der Lohnzahlun
gen vermutet
e
(
vgl.
Urk.
7/167
), einen vollständigen Kontoauszug und nicht aus
drück
lich nur die Gutschriftenanzeigen
(vgl.
Urk.
7/293)
einzuverlangen
.
3.4
Zusammenfassend bestünden
somit in der Tat gewisse Ungereimtheiten. Indessen
lasse
sich daraus
momentan
noch nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit darauf schliessen, der Beschwerdeführer sei keiner beitragspflich
tigen Beschäftigung nachgegangen oder habe den Minimalverdienst nicht effek
tiv er
zielt. So ha
be
dieser, nachdem die Beschwerdegegnerin sich erstmals im
Ein
spracheentscheid
Nr. 1003 vom 22. Januar 2019
konkret mit den vorhandenen Unterlagen auseinandergesetzt ha
b
e, in der Beschwerde zu den Vorwürfen Stellung genom
men (z.B. Benzinspesen), detaillierte Angaben (z.B. Auftrag
geberin, Ort der Baustellen) gemacht und zahlreiche Zeugen (z.B. Bauleiter) benannt. Es
sei
daher zu erwarten, dass durch entsprechende Abklärungen – vorab bei der
I._
AG
– neue Erkenntnisse gewonnen werden könn
t
en. Diesbezüglich
sei
daran zu erinnern, dass für die Bestimmung der Beitragsmonate letztlich die formale Dauer der Arbeitsverhältnisse entscheidend
sei
, soweit in den einzelnen Kalender
monaten Arbeit geleistet w
orden sei
(vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_127/2017 vom 13. Juni 2017 E. 2) und der Minimalverdienst durch
schnittlich Fr. 500.-- monat
lich
betrage
.
4.
4.1
Hinsichtlich der zwischenzeitlich erfolgten weiteren Abklärungen ergibt sich aus den Akten, dass die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer m
it Schreiben vom
2.
September 2019
ersuchte
, sich
von der
I._
AG
unter Beilage der vorhandenen Beweismittel folgende Fragen beantworten zu lassen:
1.
Haben Sie zwischen Juni 2017 und Februar 2018 Aufträge an die
Z._
GmbH er
teilt? Wenn ja, für welche Baustellen?
2.
Hat Herr X._
für Sie im Unterakkord gearbeitet? Wenn ja, zu welchen Zeiten und auf welchen Baustellen?
(vgl.
Urk.
7/136).
Als Geschäftsführer der
I._
AG
bestätigte
ihm hierauf
J._
mit Schreiben vom 2
5.
September 2019, der
Z._
GmbH Aufträge erteilt zu haben. Ob der Beschwerdeführer damals für die
Z._
GmbH gearbeitet habe, könne er nicht beurteilen.
Für die
I._
AG
habe dieser
nicht im Unterakkord gearbeitet
- man vergebe keine Arbeiten an Einzelpersonen
(vgl.
Urk.
7/134).
Beweismittel wurden seitens der
I._
AG
keine vorgelegt.
Der Beschwerdeführer machte im
Sc
hreiben vom 2
5.
September 2019 geltend,
J._
habe ihm gesagt,
er könne dem frühere
n
Arbeitgeber der
Z._
GmbH nicht in den Rücken fallen.
Dieser
habe gewusst, dass er für die
Z._
GmbH tätig gewesen sei, denn dieser habe die Baustellen besucht; man habe sich gegrüsst. Das Gericht habe ebenfalls festg
ehalten, dass er auf der Web
s
ite der
I._
AG
als Mitarbeiter gezeigt werde (vgl.
Urk.
7/133).
4.
2
Am 1
0.
Oktober 2019
forderte die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer
auf
, die von ihm angegebenen Arbeitskollegen
K._
,
L._
,
M._
,
N._
,
O._
,
P._
,
Q._
und
R._
f
olgende Fragen beantworten und von ihnen
Beweismittel vorlegen zu lassen:
1.
Können Sie bestätigen, dass Herr
X._
für die
Z._
GmbH gearbeitet hat? Wenn ja, in welchem Zeitraum?
2.
In welchem Zeitraum haben Sie zusammen mit Herrn
X._
gearbeitet? Auf welchen Baustellen
?
Im selben Schreiben verlangte sie, dass sich der Beschwerdeführer bei
S._
und
T._
nach Beweismitteln
und Antworten zu folgenden
Fragen erkundige:
1.
Haben Sie zwischen Juni 2017 und Februar 2018 Aufträge an die
Z._
GmbH erteilt? Wenn ja, für welche Baustellen?
2.
Können Sie bestätigen, dass Herr
X._
für die
Z._
GmbH gearbeitet hat? Wenn ja, in welchem Zeitraum?
(
Urk.
7/130 f.).
Am 2
1.
Oktober 2019 teilte d
ie
U._
GmbH
, vertreten durch S._
und V._
,
der Beschwerdegegnerin schriftlich mit, der
Z._
GmbH zwischen Mai und August 2017 zwei Aufträge
, nämlich
den Um
bau eines Mehrfamilienhauses in
D._
sowie ihrer Büros in W._
,
erteilt zu haben. Ein schriftlicher Werkvertrag bestehe nich
t, aber sie hätten von
der
Z._
GmbH Rechnungen erhalten und bezahlt
(Belege:
Urk.
7/124-128)
. Man könne ebenfalls bestätigen, dass der Beschwerdeführer für die
Z._
GmbH gearbeitet habe, zumal man ihn bei der Arbeit gesehen habe. Leider könne man den Zeitraum, in dem er für diese tätig gewesen sei, nicht angeben (vgl. Urk. 7/123).
Sodann reichte der Beschwerdeführer die Arbeitsverträge von
K._
,
R._, P._
,
O._
X._
, Q._
und
N._
ein (
Urk.
7/109-121) und liess
diese das von ihm
am 2
1.
Oktober 2019
verfasste Schreiben mitunterzeichnen. Darin hielt er fest, alle
aufgeführten
Per
sonen würden bestätigen, dass sie von Juni 2017 bis Februar 2018 bei der
Z._
GmbH gearbeitet hätten. Er sei damals als Vorarbeiter in der Firma tätig gewesen. Man habe auf den Baustellen in
C._
,
D._
und
F._
gearbeitet. Im Januar 2019 habe die Beschwerdegegnerin bereits einzelne Fotos erhalten.
L._
lebe nicht mehr in der Schweiz und
M._
habe
d
en Wohnort gewechselt, er habe den Kontakt zu diesem verloren (
vgl.
Urk.
7/107 f.).
Der Beschwerdeführer
fügt
e
in eine
m
weiteren Schreiben an,
T._
habe sich auch nach zahlreichen
Whatsapp
und Telefonanrufen nicht gemeldet (vgl.
Urk.
7/106).
4.
3
Ergänzend ersuchte die Beschwerdegegnerin
am 2
4.
Oktober 2019
die Suva
und die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
(SVA)
, ihr die vollständige Kopie der Lohndeklaration der
Z._
GmbH für die Jahre 2017 und 218 zuzustellen (vgl.
Urk.
7/10
4 f.
)
.
Den Unterlagen der SVA ist zu entnehmen, dass
in den fraglichen Jahren
keine Revision durchgeführt werden konnte, da der Vorladung keine Folge geleistet wurde. Für das Jahr 2017 wurde
letztlich
ein
Verdienst
von
Fr.
150'000.-- und für das Jahr 2018
ein solcher
von
Fr.
75'000.
--
verbucht (vgl.
Urk.
7/99-101).
Die Suva teilte mit E-Mail vom 2
9.
Oktober 2019 mit, dass der Kunde in diesen beiden Jahren keine Lohndeklaration eingereicht habe; die Lohnsumme sei ge
schätzt worden (vgl.
Urk.
7/103). Ferner reichte der Beschwerdeführer selbst mit E-Mail vom 2
5.
Oktober 2019 (vgl.
Urk.
7/98) eine Schadenmeldung an die Suva vom
8.
Januar 2018 (vgl.
Urk.
7/96) sowie eine detaillierte Taggeldübersicht ein. Danach leistete die Suva vom 1
8.
Dezember 2017 bis 2
8.
Januar 2018 Unfall
taggelder an die
Z._
GmbH in Liquidation (vgl.
Urk.
7/97).
4.4
Im Gerichtsverfahren reichte der Beschwerdeführer
neue Dokumente ein, die alle
am 2
0.
April 2021 von
derselben Person unterzeichnet
wurden
.
Konkret handelt es sich
um zwei Lohndeklarationen
der
Z._
GmbH
zuhanden der SVA, wonach für den Beschwerdeführer ein beitragspflichtiger Lohn von
Fr.
56’140.--für den Zeitraum vom 1
2.
Juni bis 3
1.
Dezember 2
017 (vgl.
Urk.
3/1) und von Fr.
16'040.-- für den Zeitraum vom
1.
Januar bis 2
8.
Februar 2018 (vgl.
Urk.
3/2) nachgemeldet wurde. Für Rückfragen wurde
n eine Telefonnummer und
A._
als Kontaktperson
angegeben. Das dritte Dokument ist eine Arbeitgeber
bescheinigung betreffend eine unbefristete Vollzeitbeschäft
igung vom 1
2.
Juni 2017 bis 28.
Februar 2018
mit einem AHV-pflich
tigen Gesamtverdienst von
Fr.
7
2
’
180.-- (vgl.
Urk.
3/3).
5.
5.1
Wie das Bundesgericht in seinem kürzlich ergangenen Urteil 8C_194/2021 vom 1
5.
Juni 2021 E. 4.5 hervorhob, genügen als Beweis für den tatsächlichen Lohn
fluss grundsätzlich Belege über entsprechende Zahlungen auf ein auf den Namen des Arbeitnehmers laufendes Bankkonto.
Indessen
wirken sich
nicht auszu
räumende Unklarheiten hinsichtlich der exakten Lohnhöhe rechtsprechungs
gemäss bei der Bestimmung des versicherten Verdienstes zum Nachteil der ver
sicherten Person aus, wobei in letzter Konsequenz eine fehlende Bestimmbarkeit der Lohnhöhe und damit des versicherten Verdienstes auch die Verneinung eines Anspruchs auf Arbeitslosentschädigung haben kann (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_627/2017 vom 2
6.
Januar 2018 E. 5.2).
5.2
In den Akten finden sich
wie dargelegt
Gutschriftenanzeigen des Privatkontos des Beschwerdeführers bei
der
AA._
_
, wonach die
Z._
GmbH
ihm
mit Valuta vom 3
0.
Juni, 2
8.
Juli, 30. A
ugust, 29.
September,
1.
November und 7. Dezember 2017 jeweils einen Betrag von F
r.
6'947.80 überwies (vgl.
Urk.
7/280-28
5)
.
Für die übrigen Löhne der Monate Dezember 2017 bis Februar 2018 liegt
zumindest
eine
unterschriebene
Bestätigung der
Z._
GmbH
vom 2
3.
März 2018 vor
, wonach der Lohn
bar bezahlt wurde
. Ein Betrag wurde darin
nicht genannt (vgl.
Urk.
7/276).
Zudem gab d
er Beschwerdeführer in der Steuererklärung 2017, ausgedruckt
von ihm
am
3.
April 2018
, ein
dement
sprechendes Nettoeinkommen von Fr.
48'080.-- an (vgl.
Urk.
7/234
; vgl. auch Einschätzungsmitteilung vom 2
6.
Juli 2018,
Urk.
7/232
)
.
Im IK-Auszug vom 14. Januar 2019 findet sich indessen kein Eintrag betreffend die
Z._
GmbH (vgl.
Urk.
7/221).
Die Differenz von
Fr.
79.20
zwischen den Gutschriften
anzeigen und dem
Auszahlungsbetrag, wie er in den Lohnabrechnungen für Juni 2017 bis
Februar 2018
festgehalten
wurde
(vgl.
Urk.
7/307-313
,
Urk.
7/320 f.
)
, entspricht dem Beitrag an die Stiftung Flexibler Altersrücktritt (FAR)
. Vom Beschwerdeführer wurde diese
mit Benzinkosten begründet
(vgl. Urk. 7/162)
.
Wie die weiteren Abklärungen ergeben haben,
wurde
seitens der
Z._
GmbH
weder gegenüber der Suva noch der SVA eine Lohnsumme für die Jahre 2017 und 2018 deklariert (vgl.
Urk.
7/103 und 7/100 f.).
Ob die neu
im Gerichts
verfahren vorgelegten
Lohndeklarationen zuhanden der SVA
(vgl.
Urk.
3/1-2)
zu einem
IK-Eintrag
geführt habe
n
, ist nicht bekannt
.
Der
nachgemeldete Lohn
ü
bersteigt
dabei
den in den
Lohnabrechnungen Juni bis
Februar 2018
aus
gewiesenen Bruttolohn
von
monatlich
Fr.
7'920.--
(
vgl.
Urk.
7/307-313,
Urk.
7/320 f.
)
um
Fr
.
100
.-- pro Monat. In der neu erstell
t
en Arbeitgeber
bescheinigung
wurde der letzte Monatslohn
dem
entsprechend
mit
Fr.
8'020.--
beziffert
(vgl.
Urk.
3/3)
. Selbst unter der Annahme, es handle
sich (wie im Pro
zess-Nr. AL.2019.00294 vom Beschwerdeführer
explizit
geltend gemacht, vgl.
Urk.
7/79)
bei den zusätzlichen Fr.
100.--
um Benzinkosten, besteht nach wie vor eine Diskrepanz zum ausbezahlten Betrag von
Fr.
6'947.80,
di
e sich nicht mit den Sozialabzügen erklären lässt.
Im Übrigen
ist der Beschwerdegegnerin beizu
pflichten, dass die Unterschrift
zumindest auf den ersten Blick
von derjenigen auf
früheren Dokumenten
abweicht
. Dies gilt vorab für den Anfangsbuchstaben
(vgl.
Urk.
7/109-121, 7/286 f. und 7/276).
Die Schreibweise der Firma entspricht
dem
gegenüber
derjenigen im Logo und ist
somit nicht aussagekräftig
(
vgl.
Urk.
7/287).
5.3
Soweit
es das Arbeitsverhältnis an sich anbelangt,
haben zumindest sechs Arbei
tskollegen und ein Auftraggeber
bestätigt, den Beschwerdeführer zwischen Juni 2017 und Februar 2018 bei der Arbeit für die
Z._
GmbH gesehen zu haben.
Die Arbeitskollegen könne
n
wohl
nicht bereits
aufgr
und des mit Bezug auf den Arbeitsbeginn ungenau abgefassten Schreibens vom 21. Oktober 2019 sowie der fehlenden Angaben zum Ende der einzelnen Arbeitsverhältnisse,
bezüglich
derer
die Beschwerdegegne
rin auch n
icht
nachhakte
, als unglaub
würdig eingestuft werden.
Dennoch fällt auf
, dass
im erwähnten Schreiben
nur noch drei (
C._
,
D._
und
F._
) der ursprünglich
fünf (vgl.
Urk.
7/162: zusätzlich
H._
und
E._
)
vom Beschwerdeführer angegebenen Baustellen aufgezählt werden (vgl.
Urk.
7/107).
Die
Organe der
U._
GmbH konnte
n
keine konkreten Angaben zum Beschäftigungszeitraum
des Beschwerdeführers
machen
, bestätigte
n
aber,
diesen
beim Arbeiten auf ihren Bau
stellen ges
ehe
n
zu haben
(vgl.
Urk.
7/123)
.
J._
, Geschäftsführer der
I._
AG
, bestätigte
demgegenüber
einzig, der
Z._
GmbH im massgeblichen Zeitraum mehr als einen Auftrag erteilt zu haben.
Ob der Beschwerdeführer für diese gearbeitet habe, konnte er nach eigenen Angaben hingegen nicht beurteilen
.
Ob
er den Beschwerdeführer kannte bzw. auf seinen Baustellen gesehen hatte oder nicht
, führte er nicht aus (vgl. Urk.
7/134).
Es kommen
die
bereits früher eingereichten
Handyfotos
hinzu
, welche eher
für
eine
Anwesenheit des Beschwerdeführers
auf den Baustellen
sprechen (vgl.
Urk.
7/188-198), sowie die neue Schadenmeldung und Taggeldübersicht der Suva, welche ebenfalls ein Arbeitsverhältnis indizieren (vgl.
Urk.
7/96 f.).
5.4
Mit Bezug auf die konstanten Lohnzahlungen bei Vereinbarung
eines Arbeits
beginns Mitte Monat sowie
eines Stundenlohnes
im Arbeitsvertrag (vgl.
Urk.
7/286 f.)
und dem saisonal schwankenden Arbeitsanfall in der Baubranche
haben die weiteren Abklärungen im Vergleich zum in E. 3.1 Ausgeführten nichts
Neues ergeben. Der Beschwerdeführer machte wiederholt geltend, dass mit dem Lohn für Juni 2017 Überstunden bevorschusst wurden und er für die darüber hinaus geleisteten 160 Überstunden nie entschädigt worden sei (vgl.
Urk.
7/160 und
7/78 f.), was sich ohne Arbeitsrapporte nicht nachprüfen lässt.
Solche dürf
ten, nachdem
der letzte Geschäftsführer der
Z._
GmbH eine Mitwirkung verweigerte
(vgl.
Urk.
7/40
)
und die GmbH
liquidiert wurde
,
heute
nicht
mehr
erhältlich sein.
5.
5
Zusammenfassend
sind die weiteren
Abklärungen knapp ausgefallen. Arbeits
verhältnis und Lohnfluss bei der
Z._
GmbH sind jedoch insbesondere gestützt auf die Gutschriftenanzeigen, die Steuererklärung, die Taggeldleistungen der Suva und die Bestätigungen der Zeugen, wonach die
Z._
GmbH entsprechende Aufträge erhalten
habe
und der Beschwerdeführer beim Arbeiten beobachtet wurde,
rechtsgenüglich
nachgewiesen. So rechtfertigen vorab die geringfügige Differenz beim ausbezahlten Lohn sowie das Verhalten der (ehe
maligen) Organe der
Z._
GmbH gegenüber sämtlichen Sozial
versicherungen noch nicht die Annahme, es hätten zahlreiche Personen,
die so
weit ersichtlich in keiner
näheren Beziehungen
zum Beschwerdeführer stehen
, zusammengewirkt, um
diesem
mit falschen Aussagen, gefälschten Dokumenten und von langer Hand geplant (Zeitraum von mehr als einem Jahr zwischen der ersten Gutschriftenanzeige und der Anmeldung zum Leistungsbezug)
einen unberechtigten Leistungsbezug z
u ermöglichen.
Dass dem Beschwerdeführer im massgeblichen Zeitraum arbeitgeberähnliche Stellung bei der
Z._
GmbH zukam, steht nicht zur Diskussion.
Konkrete
Anhaltspunkte
dafür, dass
A._
bei der Unterzeichnung der neuen Dokumente
unter Druck gesetzt
wurde oder diese nicht selbst unter
zeichnete,
die Arbeitsverhältnisse der Arbeitskollegen zusammen nicht die gesamte strittige Beschäftigungsdauer abdecken
oder
der Beschwerdeführer den
überwiesene
n
L
ohn
bar zurückbezahlt
e, bestehen keine
und somit kein weiterer Abklärungsbedarf
.
E
s wäre der B
eschwerdegegnerin bei entsprechenden Befürchtungen frei
gestanden,
etwa bei den entsprechenden
Personen
nachzu
fragen
, sich
bei
der Treuhand zu erkundigen
und
insbesondere
sämtliche Konto
auszüge
beim Beschwerdeführer
einzu
verlangen
, aus
denen
ohne
W
eiteres auch regelmässige
grosse
Barabhebungen ersichtlich
geworden wäre
n
.
Der
Unter
suchungsgrundsatz
schliesst
die Beweislast
des Beschwerdeführers
im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus
; vielmehr ist
es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle (
Art.
43
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
)
resp
e
ktive des
Sozialversicherungsgerichts (
Art.
61
lit
. c ATSG) für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu
sein
(BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen; vgl. zum Ganzen Urteil des Bundes
gerichts 8C_794/2016 vom
28. April 2017 E. 4.2 und 4.3.1
).
Dies muss
vorliegend
umso mehr gelten, als
unter Berücksichtigung der unstrittigen Beschäftigung bei der
AB._
GmbH,
aufgrund welcher sich der Beschwerdeführer
in der letzten Rahmenfrist
v
om 1. Juni bis 3
0.
November 2016
von der Arbeitsvermittlung abgemeldet hatte (vgl.
Urk.
8/61und 8/39-49
; ferner IK-Auszug,
Urk.
7/221
)
,
und der fraglichen Tätigkeit bei der
AC._
GmbH vom
1.
M
ai bis 30.
September 2018
,
gegen welche
die Beschwerdegegnerin
nach
Erhalt
von
Kündigung (
Urk.
7/344), Arbeitgeberbescheinigung (
Urk.
7/326
f.), Arbeitsvertrag (
Urk.
7/321-323)
,
Lohnabrechnungen der Monate Mai bis September 2018 (
Urk.
7/314-318
;
Urk.
7/277
) keine substantiierten Einwände vorbrachte
(vgl.
Urk.
2 S. 3 f.)
, zur Erfüllung der zwölfmonatigen Beitragspflicht
nach
Art.
13 AVIG
bereits eine beitragspflichtige Beschäftigung
bei der
Z._
GmbH
während
fünf
Monate
n
ausreicht
.
Die Barzahlungen sind somit von untergeordneter Bedeutung.
6.
In einer Gesamtschau der vorhandenen Unterlagen ist somit von der Erfüllung der Beitragszeit im Rahmen der drei bekannten Arbeitsverhältnisse (
AB._
_
GmbH,
AC._ GmbH und Z._
GmbH) auszugehen.
Der angefochtene Entscheid ist folglich aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese die übrigen Anspruchs
voraussetzungen prüfe
.