Decision ID: ed5742b0-5915-5cec-9a0a-17ee053e5cbe
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1954, war bei der Schweizerischen Unfallversich
erungsanstalt (Suva) versichert, als sie
sich
am
1
0.
März 2009
bei einem Sturz eine
Schulter
verletzung
zuzog
(
Urk.
2/
2/
9/
6
).
Die Suva verneinte m
it Verfügung vom 1
9.
Juli 2011 (
Urk.
2/
2/
9/137)
und
E
in
spracheentscheid
vom 3
0.
März 2012
(
Urk.
2/2/9/17
3
)
einen Rentenanspruch der Versicherten
, was vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 14. Oktober 2013 im Verfahren Nr. UV.2012.00109 bestätigt wurde (Urk.
2/
2/14). Das Bundesgericht hob den kantonalen Entscheid mit Urteil vom 21. Mai 2014 auf und wies die Sache zur Einholung eines Gerichtsgutachtens zurück (Urk.
2/2/
17
).
1.2
Das hiesige Gericht änderte g
estützt auf das
von ihm sodann eingeholte
Gut
achten mit Urteil vom 2
0.
Oktober 2015 im Verfahren Nr. UV.2014.00130 den
Einspracheentscheid
dahingehend ab, dass die Versicherte Anspruch auf eine Invalidenrente entsprechend einem Invaliditätsgrad von 25 % habe (
Urk.
2/25).
2.
Das Bundesgericht hiess die von der Suva gegen das Urteil vom 2
0.
Oktober 2015 erhobene Beschwerde mit Urteil vom 1
3.
Juni 2016 (
Urk.
1) teilweise gut und wies die Sache zu neuer Entscheidung an das hiesige Gericht zurück (S. 6
Ziff.
1).
Die
Beschwerdeführerin
nahm
am
5.
September 2016
Stellung
(
Urk.
5)
. D
ie Beschwerdegegnerin
nahm
am
2
8.
September 2016 Stellung (
Urk.
10), was der Beschwerdeführerin am 2
9.
September 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
In seinem Rückweisungsurteil (
Urk.
1) bezifferte das Bundesgericht das massge
bende
Valideneinkommen
mit
Fr.
60‘775.-- (S. 5 E. 4.3).
1.2
Weiter hielt es fest, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig ist und bezeichnete als angepasst eine „
leichte und wechselbe
lastende Tätigkeit
-
ohne belastende Arbeiten mit dem rechten Arm auf beziehungsweise über der Schulterhorizontalen, ohne repetitive, auch unbe
lastete Bewegungen über Schulterhöhe sowie ohne Heben und Tragen vom
Boden bis Tischhöhe über 10 kg sowie ohne kraftvolle Stoss-Zug-Drehbewe
gungen und auch ohne axiales Abstützen, Schläge, Vibrationen
“ (S. 4 E. 4.1).
1.3
Es wies die Sache an das hiesige Gericht zurück, damit es beurteile, ob sich das Invalideneinkommen - gegebenenfalls unter Einbezug der von der Suva im kantonalen Verfahren aufgelegten DAP-Profile
-
nach der DAP-Methode bestimmen lasse (S. 5 E. 4.3 am Ende).
1.4
Für die Festsetzung des
Invalideneinkommens
können nach der Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne
gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die DAP-Zahlen herange
zogen werden (BGE 139 V 592 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Die DAP ist eine Sammlung von Beschreibungen in der Schweiz tatsächlich existierender Arbeitsplätze. Damit unterscheidet sie sich von der tabellarischen Darstellung von Durchschnittslöhnen, die im Rahmen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) vom Bundesamt für Statistik
regelmässig
erhoben werden. Neben allgemeinen Angaben und Verdienstmöglichkeiten werden in der DAP die physischen Anforderungen an die Stelleninhaber oder Stellenin
haberinnen festgehalten. Der Raster der körperlichen Anforderungskriterien basiert auf dem internationalen medizinischen Standard EFL nach Isernhagen (ergonomische Funktions- und Leistungsprüfung). Die SUVA entschloss sich 1995 zum Aufbau der DAP mit dem Zweck, das Invalideneinkommen entspre
chend den gerichtlichen Anforderungen so konkret wie möglich ermitteln zu können (BGE 139 V 592 E. 6.1 mit Hinweisen).
1.5
Bei
Heranziehen
der DAP hat sich die Ermittlung des Invalideneinkommens auf mindestens fünf zumutbare Arbeitsplätze zu stützen. Zusätzlich sind Angaben zu machen über die Gesamtzahl der aufgrund der gegebenen Behinderung in Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den
Tiefstlohn
sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Behinderungsprofil entsprechenden Gruppe. Damit soll die Überprüfung des Auswahlermessens ermöglicht werden, und zwar in dem Sinne, dass die Kennt
nis der Gesamtzahl der dem verwendeten Behinderungsprofil entsprechenden Arbeitsplätze sowie des Höchst-, Tiefst- und Durchschnittslohnes im Bereich des Suchergebnisses eine zuverlässige Beurteilung der von der SUVA verwendeten DAP-Löhne hinsichtlich ihrer Repräsentativität erlaubt. Das rechtliche Gehör ist dadurch zu wahren, dass die SUVA die für die Invaliditätsbemessung im konkreten Fall herangezogenen DAP-Profile mit den erwähnten zusätzlichen Angaben auflegt und die versicherte Person Gelegenheit hat, sich dazu zu
äus
sern
. Allfällige Einwendungen der versicherten Person bezüglich des
Aus
wahlermessens
und der Repräsentativität der DAP-Blätter im Einzelfall sind
grundsätzlich im
Einspracheverfahren
zu erheben, damit sich die SUVA im
Einspracheentscheid
damit auseinandersetzen kann. Ist die SUVA nicht in der Lage, im Einzelfall den erwähnten Anforderungen zu genügen, kann im Bestreitungsfall nicht auf den DAP-Lohnvergleich abgestellt werden; die SUVA hat
diesfalls
im
Einspracheentscheid
die Invalidität aufgrund der LSE-Löhne zu ermitteln. Im Beschwerdeverfahren ist es Sache des angerufenen Gerichts, die Rechtskonformität der DAP-Invaliditätsbemessung zu prüfen, gegebenenfalls die Sache an den Versicherer zurückzuweisen oder an Stelle des
DAP-Lohnver
gleichs
einen Tabellenlohnvergleich gestützt auf die LSE
vorzunehmen (BGE
139 V 592 E. 6.3, 129 V 472 E.
4.7.2).
1.
6
Rechtsprechungsgemäss
sind im Rahmen des DAP-Systems, bei dem aufgrund der ärztlichen Zumutbarkeitsbeurteilung anhand von Arbeitsplatzbeschrei
bungen konkrete Verweisungstätigkeiten ermittelt werden, Abzüge grund
sätzlich nicht sachgerecht. Abzüge sind nur vorzunehmen, wenn zeitliche oder
leistungsmässige
Reduktionen medizinisch begründet sind. Im Übrigen wird spezifischen Beeinträchtigungen in der Leistungsfähigkeit bei der Auswahl der zumutbaren DAP-Profile Rechnung getragen. Bezüglich der weiteren per
sönlichen und beruflichen Merkmale (Teilzeitarbeit, Alter, Anzahl Dienstjahre, Aufenthaltsstatus), die bei der Anwendung der LSE zu einem Abzug führen können, ist darauf hinzuweisen, dass auf den DAP-Blättern in der Regel nicht nur ein Durchschnittslohn, sondern ein Minimum und ein Maximum angegeben sind, innerhalb deren Spannbreite auf die konkreten Umstände Rück
sicht genommen werden kann (BGE
139 V 592 E. 7
.3, 129 V 472
E.
4.2.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in ihrer Stellungnahme im vorliegenden Verfahren (
Urk.
10) auf den Standpunkt,
die von ihr der Verfügung von 2011 zugrunde gelegten DAP-Profile entsprächen vollumfänglich dem
Anforderungs
profil
des Gerichtsgutachtens (S. 1
Ziff.
1). Gleiches gelte für zwei weitere im Gerichtsverfahren
von
2012 eingereichte Profile (S. 1
Ziff.
2). Das aufgrund der erstgenannten fünf DAP-Profile
ermittelte
Invalideneinkommen
betrage
Fr.
56‘833.-- und
es resultiere ein
Invaliditätsgrad von abgerundet 6
%
(S. 2
Ziff.
4). Die Lohnangaben beträfen das Jahr 2010; im eigentlich massgebenden Jahr 2011 dürften sie - im Unterschied zum unveränderten
Validenein
kommen
dank der Nominalentwicklung leicht höher gewesen sein (S. 2
Ziff.
5).
2.2
Die Beschwerdeführerin verwies in ihrer Stellungnahme im vorliegenden Ver
fahren (
Urk.
5) auf ihre Beschwerdeschrift im Verfahren von 2012 und ihre
Ste
llungnahme im Verfahren von 2014
sowie zwei - dem hiesigen Gericht nicht vorliegende - Eingaben an das Bundesgericht.
In ihrer Beschwerde im Verfahren von 2012 hatte sie unter anderem ausgeführt, die
Invaliditätsbemessung mittels DAP
sei
- aus näher dargel
egten Gründen - rechtswidrig und
der Einkommensvergleich
sei
gestützt auf die LSE
durchzu
führen
(
Urk.
2/2/
1
S. 28 ff.
Ziff.
65 ff.)
In ihrer Stellungnahme im Verfahren vo
n 2014
(
Urk.
2/22) hatte sie
unter ande
rem
ausgeführt, die Invaliditätsbemessung
sei
nicht anhand von Daten der DAP, sondern von
Tabellenlöhnen
der LSE vorzunehmen (S. 4 Ziff. 15 f.).
2.3
Auf die angebliche Rechtswidrigkeit der Invaliditätsbemessung anhand von DAP-Daten
(vorstehend E. 2.2)
ist mit Hinweis auf die entsprechenden Aus
führungen im Urteil des Bundesgerichts nicht mehr einzugehen. Gleiches gilt für den Standpunkt der Beschwerdeführerin, es sei auf die Tabellenlöhne der LSE abzustellen: Ihm geht die ausdrückliche Anweisung des Bundesgerichts vor, zu beurteilen, ob sich das Invalideneinkommen anhand der DAP-Methode bemes
sen lasse (vorstehend E. 1.3).
3.
3.1
Das in der Verfügung von 2011 eingesetzte Invalideneinkommen basierte auf den folgenden fünf
DAP-Profile
n
(
Urk.
2/2/9/87)
:
Nr.
Tätigkeit
Lohn in Fr.
Minimum
Maximum
Mittel
4547
Hilfsarbeiterin
55‘599
62‘934
59‘266
9969
Qualitätskontrolleurin
53‘300
58‘890
56‘095
8331
Abpackerin
56‘550
56‘550
56‘550
3510
Hilfsarbeiterin
56‘485
56‘48
5
56‘485
8503
Qualitätsprüferin
55‘770
55‘770
55‘770
Die zugehörigen Arbeitsplatzbeschreibungen lauten wie folgt:
Nr.
Tätigkeit
4547
Hilfsarbeiterin
Abpacken von Kleinteilen (Beschläge) von Hand in Schachteln und/oder
Plastik-Säckchen, Schachteln automa
tisch aufstellen und verschliessen.
9969
Qualitätskontrolleurin
Die Modelbrote kommen vom Förderband und werden für die Verpackungsanlage vorbereitet. Die Mitarbeiterin kontrolliert, ob die Brote richtig in die
Verpackungs
anlage
eingeführt werden. Visuelle Kon
trolle.
8331
Abpackerin
Backware, welche vom Band kommt, wird abgezählt und auf Qualität überprüft und anschliessend in ein Plastikgitter gelegt.
Arbeit kann wahlweise sitzend oder ste
hend ausgeübt werden. Leicht vorge
neigte Tätigkeit. Gewichte bis maximal 5 kg.
3510
Hilfsarbeiterin
Nachbearbeitung von Kleinteilen, z.B. Ent
graten. Kontrolle der Teile. Sehr leichte, sitzende Tätigkeit
.
8503
Qualitätsprüferin
Prüfung von Leiterplatten auf Fehler.
3.2
Im Verfahren von 2012 reichte die Beschwerdegegnerin zwei weitere DAP-Pro
file ein (
Urk.
2/2/8):
Nr.
Tätigkeit
Lohn in Fr.
Minimum
Maximum
Mittel
6110
Materialrüster
57‘200
57‘200
57‘200
10717
Handverpackerei
52‘520
60‘710
56‘615
Die zugehörigen Arbeitsplatzbeschreibungen lauten wie folgt:
Nr.
Tätigkeit
6110
Materialrüster
Anhand von Rüstlisten wird Material gerüstet. Das Material wird automatisch vom Lager angeliefert. Leichte Tätigkeit.
10717
Handverpackerei
Schokoladeneier werden mittels Waage in 1 kg Säcke abgefüllt.
3.3
Bei allen sieben Tätigkeiten ist
Heben und Tragen
auf Gewichte bis 5 kg (
auf Lendenhöhe
) beschränkt
; Heben über Brusthöhe kommt nicht vor.
Alle Tätigkeiten sind mit Sitzen
(oft oder sehr oft)
und Stehen
(3510, 8503:
sel
ten, übrige: oft oder sehr oft)
verbunden; dazu kommen Gehstrecken von bis zu 50 m und nie mehr.
Das Hantieren mit Gegenständen ist durchwegs leicht (feinmotorisch) oder mit
tel, nie schwer (grobmanuell); Handrotation ist bei einigen Tätigkeiten nie erfor
derlich, bei anderen selten bis oft.
3.4
Die vorhandenen DAP-Profile sind nun mit den Anforderungen der Rechtspre
chung und des individuellen Belastungsprofils zu vergleichen.
Ohne weiteres erfüllt ist dabei das Erfordernis, das
s
die Gesamtzahl der verfüg
baren Arbeitsplätze, der minimale, der maximale und der Durchsch
nittslohn ang
egeben werden (vorstehend E. 1.5
).
Das Belastungsprofil lautet
(vorstehend E. 1.2):
leicht und wechselbelastend
ohne
:
belastende Arbeiten mit dem rechten Arm auf beziehungsweise über der Schulterhorizontalen
repetitive, auch unbelastete Bewegungen über Schulterhöhe
Heben und Tragen vom Boden bis Tischhöhe über 10 kg
kraftvolle Stoss-Zug-Drehbewegungen
axiales Abstützen, Schläge, Vibrationen
Die einschränkenden Bedingungen
(„ohne“ ...)
sind bei allen sieben Tätigkeiten erfüllt
, ist doch bei allen Tätigkeiten weder
ein Armeinsatz über der
Horizonta
len, noch ein Hantieren mit Gewichten über 5 kg, noch das Ausführen von Stoss-Zug-Drehbewegungen
, noch
axiales Abstützen verlangt.
Auch sind weder
Schläge
noch
Vibrationen
zu verkraften.
Mit einer
Gewichtslimite
von 5 kg ist sodann das Kriterium einer lediglich leichten Tätigkeit durchwegs erfüllt.
Der Anforderung der Wechselbelastung genügen die zwei Tätigkeiten nicht ganz, die nebst sehr häufigem Sitzen nur selten Gehen erfordern, mithin die Profile 3510 (Hilfsarbeiterin) und 8503 (Qualitätsprüferin). Sie sind deshalb nicht zu berücksichtigen.
Es verbleiben fünf DAP-Tätigkeiten, welche dem Belastungsprofil entsprechen, so dass auch diese quantitative
Vorgabe der Rechtsprechung (vorstehe
nd E. 1.5
) eingehalten ist.
3.5
Es liegen somit DAP-Profile in der erforderlichen Anzahl mit dem von der Rechtsprechung verlangten Informationsgehalt vor, welche den Rahmenbe
dingungen entsprechen, die sich aus dem Belastungsprofil ergeben.
Die vom Bundesgericht zur Prüfung aufgegebene Frage, ob sich das
Invaliden
einkommen
nach der DAP-Methode bestimmen lasse
(vorstehend E. 1.3)
, ist
deshalb
eindeutig zu bejahen.
3.6
Das Invalideneinkommen
ist
somit
gestützt auf die mittleren
Löhne
zu ermitteln
, die sich bei den fünf zu verwendenden DAP-Profilen finden:
Nr.
Tätigkeit
Lohn in
Fr.
(Mittel)
4547
Hilfsarbeiterin
59‘266
9969
Qualitätskontrolleurin
56‘095
8331
Abpackerin
56‘550
6110
Materialrüster
57‘200
10717
Handverpackerei
56‘615
Total
285‘726
Der Durchschnitt über die fünf verwendeten Löhne beträgt rund
Fr.
57‘145.-- (
Fr.
285‘726.
-- :
5).
Praxisgemäss sind - anders als beim Abstellen auf LSE-Tabellenlöhne - bei der Verwendung von DAP-Löhnen grundsätzlich keine Abzü
ge vorgesehen (vorste
hend E. 1.6
). Mithin entspricht der genannte Betrag dem hypothetischen
Invali
deneinkommen
im Jahr 2010.
3.7
Im Vergleich zum
Valideneinkommen
von
Fr.
60‘775.-- (vorstehend E. 1.1) resultiert eine Einkommenseinbusse von
Fr.
3‘630.--, was einen Invaliditätsgrad von 5.97
%
oder gerundet 6
%
ergibt.
Der Rentenanspruch gemäss
Art.
1
8
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
setzt einen Invaliditätsgrad von mindestens 10
%
voraus. Da ein solcher hier nicht vorliegt, besteht kein Rentenanspruch.
Damit erweist sich der
Einspracheentscheid
vom 3
0.
März 2012 als rechtens und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.