Decision ID: 3f8c8ea7-1304-5bee-982b-445ea880d15f
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, angeblich ein eritreischer Staatsangehöriger
tigrinischer Ethnie, soll, nachdem er im Alter von fünf Jahren nach Äthio-
pien gelangt sei, dieses Land im Jahre 2004 verlassen haben. Er sei zu-
nächst nach B._ (Eritrea) gereist. In C._ nahe der eritrei-
schen Grenze hätten Peacekeeper gewartet, doch habe er ihnen ent-
kommen können und sei nach D._ zurückgegangen. Einige Tage
später sei er nach E._ (Äthiopien) gefahren. Von dort sei die Reise
weiter nach F._ und dann nach Khartum (Sudan) gegangen, wo er
sich bis am 28. Mai 2012 aufgehalten habe. Danach sei er – vermu-
tungsweise mit der Lufthansa – nach Athen geflogen, wo er zirka vier Ta-
ge geblieben sei. Mit der Air France sei er sodann weiter nach Paris ge-
flogen und von dort mit dem Auto in die Schweiz gelangt. Er habe die
Reise mit einem gefälschten sudanesischen Pass zurückgelegt.
A.b Nach Einreichung seines Asylgesuches am 4. Juni 2012 wurde der
Beschwerdeführer am 19. Juni 2012 zur Person befragt (BzP), die Anhö-
rung zu den Asylgründen fand am 21. Februar 2014 statt.
A.c Zur Begründung des Asylgesuches brachte der Beschwerdeführer
vor, er habe Äthiopien verlassen müssen und sei in den Sudan gegan-
gen, da er nach Eritrea nicht habe zurückkehren können. Seit der Südsu-
dan unabhängig geworden sei, würden Eritreer und Äthiopier in ihre Hei-
matländer zurückgeschickt. Aus diesem Grunde sei er weggegangen.
Müsste er nach Eritrea zurück, würde er in den Militärdienst eingezogen;
er könne dort auch wegen seines Glaubens nicht leben. Und wenn er
nach Äthiopien ginge, würde er verhaftet, weil er ausgewiesen worden
und dann untergetaucht sei. Die Situation seines Vaters, der in Äthiopien
lebe, sei eine andere. Dieser sei pensionierter (...) und bei den Leuten im
Quartier sehr beliebt. Zudem spreche er die Sprache von Gurage, und
viele Leuten würden denken, dass er Äthiopier sei. Allerdings habe auch
der Vater Probleme gehabt. Er selber sei ausgewiesen worden, weil er
damals bei seiner Mutter gelebt habe. Seine Eltern seien geschieden, der
Vater habe Glück gehabt.
Er habe zuletzt in Äthiopien mit seinem Vater zusammengelebt, wo sich
auch noch seine Brüder befinden würden. Seine Mutter und seine
Schwester seien im Jahre (...) nach Eritrea deportiert worden; heute lebe
die Mutter in Stockholm.
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Seine äthiopische Verlobte und Mutter des gemeinsamen Kindes habe er
nicht geheiratet, weil sie damals im Sudan gewesen seien und zu wenig
Geld gehabt hätten; deshalb sei seine Frau zu ihrer Familie zurückge-
gangen.
A.d Der Beschwerdeführer gab bei der Befragung keine Ausweispapiere
ab. Einen Pass habe er nie besessen, die äthiopische Identitätskarte sei
in Äthiopien bei seinem Vater. Er habe sie dort zurückgelassen, weil die
Behörden in der Nacht gekommen seien und er nicht daran gedacht ha-
be, die Karte mitzunehmen. Anlässlich der Anhörung antwortete er in die-
sem Zusammenhang auf die Frage, was er zur Beschaffung seiner Identi-
tätskarte unternommen habe, er habe nichts unternehmen können, weil
sein Vater mit einer Zustellung nicht einverstanden sei und Probleme ver-
meiden wolle. Bei dieser Gelegenheit übergab er dem Mitarbeiter des
BFM ein Dokument, bei dem es sich um eine Kopie des Passes seiner
Mutter handle. In der Folge reichte er keine weiteren Dokumente ein.
B.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2014 stellte das BFM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch
ab, wies ihn aus der Schweiz weg und beauftragte den Kanton
G._ mit dem Vollzug der Wegweisung.
C.
Diesen Entscheid liess der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechts-
vertreterin vom 20. Juni 2014 anfechten. Er beantragte in materieller Hin-
sicht die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Feststellung der
Flüchtlingseigenschaft und die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung B,
eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses. Ausserdem sei festzustellen, dass der Beschwerde die aufschieben-
de Wirkung zukomme.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 3. Juli 2014 hielt der Instruktionsrichter fest,
der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Rechtsmittelverfahrens in
der Schweiz abwarten. Die Gesuche um Verzicht auf einen Kostenvor-
schuss und um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wies er ab
und forderte den Beschwerdeführer auf, bis zum 18. Juli 2014 zu Guns-
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ten der Gerichtskasse einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– einzuzahlen,
verbunden mit der Androhung, dass bei ungenutzter Frist und unverän-
derter Sachlage auf die Beschwerde nicht eingetreten werde. Die Zah-
lung erfolgte innert angesetzter Frist.
E.
Nach vom Gericht gewährter Friststreckung führte das Bundesamt in sei-
ner Vernehmlassung vom 5. August 2014 aus, die Beschwerdefrist ent-
halte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine
Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. Es verwies auf sei-
ne Erwägungen im angefochtenen Entscheid, an denen vollumfänglich
festgehalten werde.
Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 6. August 2014
zur Kenntnis gebracht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu
den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-
desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist
daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel und so auch vorlie-
gend endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher
zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1
AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-
treten.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
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unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG sind Flüchtlinge Personen, die in ihrem
Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Ras-
se, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen
Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachtei-
len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen
ausgesetzt zu werden.
3.2 Gemäss des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sind Flüchtlinge Personen, die sich aus
begründeter Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Staats-
zugehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder
wegen ihrer politischen Überzeugung ausserhalb ihres Heimatlandes be-
finden und dessen Schutz nicht beanspruchen können oder wegen dieser
Befürchtungen nicht beanspruchen wollen (Art. 1A Abs. 2 FK).
3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-
chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1
4.1.1 Das Bundesamt führte zur Begründung seines Entscheides aus, die
Schweiz gewähre Asyl, wenn der Gesuchsteller eine Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG zumindest glaubhaft mache (Art. 7 AsylG) und keine ge-
setzlichen Ausschlussgründe vorliegen würden.
Der Beschwerdeführer mache geltend, Eritreer zu sein. Seine Geschwis-
ter seien im Jahr (...) nach Eritrea deportiert worden; im Jahr (...) hätte
auch ihm die Deportation bevorgestanden, doch sei er entkommen und in
den Sudan gegangen.
Es würden erhebliche Zweifel an der geltend gemachten eritreischen Her-
kunft bestehen, zumal der Beschwerdeführer weder Tigrinya noch Ara-
bisch spreche. Es bestehe der Verdacht, dass es sich bei ihm um einen
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äthiopischen Staatsangehörigen handle, der nie in Eritrea gelebt habe. Er
mache denn auch unsubstanziierte, widersprüchliche und tatsachenwidri-
ge Angaben zur angeblichen Herkunft und zur familiären Situation.
So habe er geltend gemacht, aus H._ zu stammen, sei aber nicht
in der Lage gewesen anzugeben, in welcher Zoba sich der Heimatort be-
finde. Auch die ehemalige Adresse in H._ habe er nicht angeben
können. In auffälligem Kontrast dazu wisse er jedoch, dass es den nach
Eritrea deportierten Geschwistern schlecht gehe, was darauf schliessen
lasse, dass er mit diesen in Kontakt stehe.
Was die Wohnsituation in Äthiopien betreffe, so habe er zunächst ausge-
führt, einzig mit dem Vater zusammengelebt zu haben. Wenig später ha-
be er abweichend dazu vorgebracht, da die Eltern geschieden gewesen
seien, habe er bei seiner Mutter gelebt. In der Anhörung wiederum habe
er zu Protokoll gegeben, er habe nach der Trennung der Eltern beim Va-
ter gelebt. Auf die widersprüchlichen Angaben hingewiesen, sei er aus-
gewichen und habe mit seinen Antworten noch mehr Verwirrung gestiftet.
Auch diese Widersprüche würden die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der
geltend gemachten familiären Situation erhärten.
4.1.2 Weiter erhärtet würden die Zweifel an der behaupteten eritreischen
Herkunft beziehungsweise Staatsangehörigkeit dadurch, dass der Vater
offenbar (...), im Viertel sehr beliebt sei und die lokale Sprache der Gura-
ge spreche. Vor diesem Hintergrund sei auszuschliessen, dass die Fami-
lie illegal in Äthiopien gelebt habe, und ohne legalen Aufenthaltsstatus
könne der Vater unmöglich (...). Auch der Umstand, dass der Beschwer-
deführer gemäss eigenen Angaben in I._ nicht nur die reguläre
Schule bis zur zwölften Klasse besucht, sondern auch während (...) am
College studiert habe, die Studiengänge (...) abgeschlossen und an-
schliessend in der Verwaltung eines Kirchenbunds gearbeitet habe, spre-
che dafür, dass er über einen legalen Aufenthaltsstatus in Äthiopien ver-
füge.
Zunächst habe der Beschwerdeführer sogar angegeben, eine äthiopische
Identitätskarte besessen zu haben, die er beim Vater zurückgelassen ha-
be. Darauf angesprochen, dass er somit äthiopischer Staatsangehöriger
sei, sei er ausgewichen und habe vorgebracht, dass es sich lediglich um
einen Kebele-Ausweis handle. Der Umstand, dass er trotz entsprechen-
der Zusage diesen Ausweis bislang nicht eingereicht habe, spreche dafür,
dass er die Schweizer Behörden über seine wahre Identität täuschen wol-
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le. Die Begründung, sein Vater habe den Ausweis nicht schicken können,
weil dieser Probleme habe vermeiden wollen, vermöge nicht zu überzeu-
gen.
Vor diesem Hintergrund müsse davon ausgegangen werden, dass es sich
beim Beschwerdeführer um einen Äthiopier handle, welche Annahme
auch durch das Vorbringen, die geltend gemachte misslungene Deporta-
tion nach Eritrea habe im Jahr (...) stattgefunden, erhärtet werde, seien
doch in diesem Jahr keine Massendeportationen durchgeführt worden.
Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass es sich bei der Verlobten des
Beschwerdeführers, mit welcher er im Sudan gelebt habe, um eine Äthio-
pierin aus I._ handelt. Somit wäre es ihm selbst bei eritreischer
Herkunft möglich gewesen, diese zu heiraten und mit ihr in I._ zu
leben. Das Vorbringen, er habe sie nicht geheiratet, weil sie nicht über
das benötigte Geld verfügt hätten, vermöge nicht zu überzeugen, zumal
es ihm offenbar möglich gewesen sei, die Reise, welche rund 15 000
USD gekostet habe, zu finanzieren.
4.1.3 Als Beweismittel eingereichte Dokumente würden keiner materiellen
Prüfung unterzogen, wenn diese käuflich leicht erhältlich seien oder wenn
unterschiedliche formale und inhaltliche Kriterien bei der Ausstellung eine
schlüssige Überprüfung verunmöglichten. Angesichts der dargelegten Un-
glaubhaftigkeit der Vorbringen könne auf eine eingehende Würdigung der
eingereichten Dokumente verzichtet werden. Diese würden nicht zur
Glaubhaftmachung der Vorbringen beitragen, die geltend gemachte eri-
treische Staatsbürgerschaft werde nicht geglaubt.
4.1.4 Die Vorbringen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit
gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten, so dass deren Asylrelevanz nicht
geprüft werden müsse. Demzufolge erfülle der Beschwerdeführer die
Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb das Asylgesuch abzulehnen sei.
4.1.5 Da das Asylgesuch abgelehnt werde, sei der Beschwerdeführer zur
Ausreise aus der Schweiz verpflichtet (Art. 44 AsylG). Hinsichtlich des
Vollzugs der Wegweisung komme das BFM zum Schluss, dass es sich
bei ihm um einen äthiopischen Staatsbürger handle, weshalb die Weg-
weisung nach Äthiopien zu prüfen sei.
Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, könne
auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG
nicht angewandt werden. Ferner würden sich aus den Akten keine An-
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haltspunkte dafür ergeben, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Hei-
matstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK ver-
botene Strafe oder Behandlung drohe.
Weder die in Äthiopien herrschende politische Situation noch andere
Gründe würden gegen die Zumutbarkeit der Rückführung dorthin spre-
chen. In diesem Land herrsche weder Krieg noch Bürgerkrieg noch eine
Situation der allgemeinen Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG (SR
142.20). Im Asylverfahren gelte zwar gemäss Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6
AsylG, dass der Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen sei. Die be-
hördliche Untersuchungspflicht werde jedoch durch die der asylsuchen-
den Person gestützt auf Art. 8 AsylG auferlegte Mitwirkungspflicht einge-
schränkt. Es sei nicht Sache der Asylbehörden, nach hypothetischen
Wegweisungshindernissen zu forschen.
Aus den Akten würden sich im Übrigen auch keine individuellen Gründe
ergeben, welche den Wegweisungsvollzug nach Äthiopien als unzumut-
bar erscheinen liessen.
Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und prak-
tisch durchführbar.
4.2
4.2.1 Diesen Erwägungen wird in der Beschwerdeschrift nach einer Re-
kapitulation des Sachverhalts entgegengehalten, der Entscheid der Vor-
instanz erscheine parteiisch und voreingenommen. Der Sachverhalt sei
nicht genügend abgeklärt. So würden bezüglich der vom Beschwerdefüh-
rer absolvierten Ausbildung ungenaue Angaben gemacht, und zudem
verwechsle das BFM die Ausbildungsdauer.
4.2.2 Zu den Sprachkenntnissen des Beschwerdeführers sei anzumer-
ken, dass auf Grund der langen Besatzungszeit der Äthiopier die amhari-
sche Sprache nach Eritrea gebracht worden sei; gerade ältere Eritreer
wie etwa der Vater des Beschwerdeführers würden meist Amharisch
sprechen. Der Beschwerdeführer sei im Alter von (...) nach Äthiopien ge-
zogen und demzufolge in den amharischen Sprachraum. Arabisch werde
in Eritrea nur bei den Rashaida gesprochen. Der Beschwerdeführer habe
eine christliche theologische Ausbildung absolviert und nie einen Bezug
zum Islam gehabt. Im Übrigen übersehe das Bundesamt, dass er sehr
wohl tigrinische Sprachkenntnisse besitze, er habe vor der Deportation
seiner Mutter mit ihr Tigrinisch gesprochen.
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4.2.3 Bezüglich der vom BFM im Zusammenhang mit den Angaben des
Beschwerdeführers gemachten Feststellung, diese seien unsubstanziiert,
widersprüchlich und tatsachenwidrig, sei darauf hinzuweisen, dass dieser
die ersten fünf Lebensjahre in H._ im heutigen Eritrea verbracht
habe, bevor er nach Äthiopien geflüchtet sei. Dass er sich nicht mehr an
die damalige Adresse erinnern könne, sei vor diesem Hintergrund ver-
ständlich.
Auch andere Fragen zur Wohnsituation habe der Beschwerdeführer kor-
rekt beantwortet. Seine Eltern hätten sich (...) scheiden lassen. Er habe
bei der Mutter gelebt, bis diese im Jahr (...) deportiert worden sei; in der
Folge habe er bei seinem Vater gelebt. Im Übrigen könnten auf Grund der
Übersetzung aus dem Amharischen gewisse Ungenauigkeiten beim
Übersetzungsprozess vorgekommen sein.
4.2.4 Nach Auffassung des BFM sei auszuschliessen, dass die Familie
beziehungsweise der Vater des Beschwerdeführers illegal in Äthiopien
gelebt habe, da dieser an der Universität I._ als Dozent tätig ge-
wesen sei; eine solche Tätigkeit als Eritreer ohne legalen Aufenthaltssta-
tus sei undenkbar. Indessen übersehe die Vorinstanz, dass der Vater und
der Beschwerdeführer aus äthiopischer Sicht sehr wohl einen legalen
Aufenthaltsstatus gehabt hätten. Die Familie sei nach der endgültigen
Besetzung Eritreas durch Äthiopien nach I._ geflüchtet. Aus äthio-
pischer Sicht sei dies folglich ein Umzug von Einwohnern innerhalb des
gleichen Landes gewesen.
4.2.5 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, der Vater habe ihm seine
Identitätskarte nicht zustellen wollen, sei nachvollziehbar. Dieser habe
während langer Zeit als Eritreer in Äthiopien gelebt, und obwohl er nicht
deportiert worden sei, habe er mit Problemen zu kämpfen gehabt, sei
schliesslich zwangspensioniert worden und leide unter psychischen Prob-
lemen. Es sei verständlich, dass der Vater nicht eine Deportation nach
Eritrea oder Schlimmeres riskieren möchte.
Zweifelsfrei handle es sich beim Beschwerdeführer um einen Eritreer.
Dieser habe seine Mutter kontaktiert und von ihr eine Kopie ihres eritrei-
schen Passes erhalten, worauf das Bundesamt nicht explizit eingehe,
sondern pauschal feststelle, solche Dokumente seien leicht käuflich er-
hältlich. Die Vorinstanz missbrauche ihren Ermessenspielraum, da es
nicht ihre Aufgabe sei, Beweise zu würdigen, vielmehr obliege diese Auf-
gabe dem Gericht. Im Übrigen sei die Echtheit der Passkopie leicht zu
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überprüfen, etwa durch telefonische Kontaktnahme mit der Mutter oder
durch Abklärungen bei der eritreischen Botschaft.
4.2.6 Das Bundesamt bringe vor, dass es im Jahr 2004 keine Massende-
portationen gegeben habe, und berufe sich dabei auf nicht näher be-
zeichnete Quellen. Indessen seien gemäss Erkenntnissen des UNHCR
nach dem Krieg mindestens 70 000 Eritreer deportiert worden. Bei dem
vom Beschwerdeführer geschilderten Deportationsversuch seien verhält-
nismässig wenige Personen betroffen gewesen. Es erscheine daher mög-
lich, dass dieser Versuch nicht aktenkundig sei, was nicht bedeute, dass
er nicht stattgefunden habe.
4.2.7 Hinsichtlich der Kosten für die Reise habe der Beschwerdeführer
angegeben, die Frau seines Onkels habe alles erledigt, und er habe die
Kosten insgesamt auf 15 000 USD geschätzt. Das BFM interpretiere die-
se Aussage dahingehend, dass der Beschwerdeführer für die Reise
15 000 USD bezahlt habe; diese Auslegung sei falsch. Er habe zwar im
Sudan gearbeitet, aber kein Vermögen ansparen können. Es liege auf der
Hand, dass er die Kosten der Reise nicht genau habe beziffern können,
sondern geschätzt habe; die Frau des Onkels habe die Reise mittels ei-
nes Schleppers organisiert und diese auch bezahlt.
4.2.8 Die Vorbringen des Beschwerdeführers seien glaubhaft. Ausserdem
sei betont, dass das BFM wesentliche Beweismittel von der Würdigung
ausgeschlossen und damit seine Verpflichtung zur objektiven Beurteilung
verletzt habe.
Dem Beschwerdeführer drohe bei einer Rückschiebung nach Eritrea eine
unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK. Sollte das Gericht
zum Schluss kommen, es handle sich bei ihm um einen Äthiopier, so sei
eine Rückschiebung nach Äthiopien aufgrund der Menschenrechtslage in
diesem Land ebenfalls nicht möglich. In Äthiopien seien willkürliche Ver-
haftungen weit verbreitet. Da der Beschwerdeführer in der Vergangenheit
beschuldigt worden sei, einer terroristischen Organisation anzugehören,
sei davon auszugehen, dass er im Falle einer Rückschiebung sofort ver-
haftet würde.
Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft. Eine Rückschie-
bung nach Äthiopien oder nach Eritrea wäre mit Art. 3 Abs. 1 AsylG und
der EMRK nicht vereinbar.
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5.
5.1 Das Gericht kommt im Wesentlichen zu den gleichen Schlüssen wie
zuvor schon das Bundesamt und verweist vorweg auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid. Es beschränkt sich deshalb nachstehend auf
jene Punkte, bei denen Klärungsbedarf besteht oder die für das Urteil von
entscheidender Bedeutung sind.
5.2 Einleitend wird in der Beschwerde dem Bundesamt vorgeworfen, es
erscheine parteiisch und voreingenommen. Als Beleg dafür werden un-
genaue Angaben im vorinstanzlichen Entscheid zu den absolvierten Stu-
dienlehrgängen und zu den Sprachkenntnissen des Beschwerdeführers
angeführt (vgl. Beschwerde V. Begründung 1.–5.)
Tatsächlich hat der Beschwerdeführer bei der Befragung zu Protokoll ge-
geben, "(...)" studiert beziehungsweise entsprechende Lehrgänge absol-
viert zu haben (vgl. Befragungsprotokoll 1.17.04), und nicht wie in der an-
gefochtenen Verfügung ausgeführt "(...) (...)" (vgl. vorinstanzliche Verfü-
gung I 2.). Die Ausführungen des Beschwerdeführers werden demnach
nicht präzise wiedergegeben und entsprechen diesbezüglich nicht dem
im Protokoll Festgehaltenen.
Dies gilt auch für die Kenntnisse der tigrinischen Sprache. Im angefoch-
tenen Entscheid ist zu lesen, dass der Beschwerdeführer weder Tigrinya
noch Arabisch spreche (vgl. II 1.); indessen hat er anlässlich der Befra-
gung zu Protokoll gegeben, "Tigrinya wenig" zu sprechen, und bei der
Anhörung ausgeführt, ein wenig Tigrinya zu sprechen; bevor die Mutter
deportiert worden sei, habe er mit ihr in dieser Sprache geredet, er spre-
che besser Tigrinya als Oromo (vgl. Anhörungsprotokoll F29, F30 und
F32).
Aus der Sicht des Gerichts handelt es sich vorliegend zwar um unsorgfäl-
tige Formulierungen im vorinstanzlichen Entscheid, die bei einer entspre-
chenden Kontrolle nicht vorkommen sollten. Sie sind aber für den Ent-
scheid als solchen weder von eigentlicher Bedeutung, noch ist daraus der
pauschale Vorwurf der Parteilichkeit und Voreingenommenheit zu ziehen.
5.3 Sodann wird in der Beschwerde ausgeführt, es sei nicht Aufgabe der
Vorinstanz, Beweise zu würdigen, dies sei Aufgabe des Gerichts (vgl.
V. Begründung 14.). Im Widerspruch dazu wird dann allerdings in Ziffer
18. der Rechtsmitteleingabe behauptet, das BFM habe in seinem Ent-
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scheid wesentliche Beweismittel von der Würdigung ausgeschlossen und
damit die Verpflichtung zur objektiven Beurteilung verletzt.
Indessen geht insbesondere auch aus Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG (Mitwir-
kungspflicht, worauf nachstehend eingegangen wird), wonach Asysu-
chende verpflichtet sind, "allfällige Beweismittel vollständig zu bezeichnen
und sie unverzüglich einzureichen (...)", klar hervor, dass das BFM gehal-
ten ist, sich mit den eingereichten Beweismitteln zu befassen. Der Unter-
suchungsgrundsatz entfaltet auch für die Vorinstanz Wirkung, zumal es in
erster Linie Aufgabe dieser Behörde ist, den Sachverhalt vollständig ab-
zuklären. Dazu gehört insbesondere auch die Prüfung von Ausweisschrif-
ten, auf deren sofortige Abgabe Asylsuchende jeweils bereits bei der Ein-
reichung ihres Gesuches mit einem Merkblatt und in der Folge jeweils
sowohl bei der Befragung als auch bei der Anhörung ausdrücklich auf-
merksam gemacht werden. Das BFM ist verpflichtet, diese zu prüfen, und
verfügt denn auch seit langem über entsprechende Spezialisten und
grosse Erfahrung.
5.4 Im Kern geht es vorliegend um die Frage, ob der Beschwerdeführer
Eritreer oder Äthiopier ist. Der Beschwerdeführer muss sich vorhalten
lassen, trotz wiederholter Hinweise der Vorinstanz auf seine Mitwirkungs-
pflicht gemäss Art. 8 AsylG (vgl. Befragungsprotokoll S. 2 oben und Anhö-
rungsprotokoll S. 2 oben) seit seiner Ankunft in der Schweiz vor mehr als
zwei Jahren kaum etwas unternommen zu haben, um zur Klärung dieser
Frage beizutragen. Das ist umso unverständlicher, als er gemäss eigenen
Angaben sehr gut ausgebildet ist und ihm bewusst sein muss, welche
Folgen sein passives Verhalten haben kann.
Nachdem er anlässlich der Befragung angegeben und mit seiner Unter-
schrift bestätigt hatte, eine äthiopische Identitätskarte besessen zu ha-
ben, die er in Äthiopien zurückgelassen habe (vgl. Befragungsprotokoll
4.03), und auf die Frage, was er unternommen habe, um diese zu be-
schaffen, antwortete, er habe noch nichts unternommen, weil er die Tele-
fonnummer seines Vaters nicht kenne (vgl. a.a.O. 4.07), gab er bei der
Anhörung einzig die Kopie eines Ausweispapieres seiner Mutter zu den
Akten. Er will zwar zwischenzeitlich seinen Vater kontaktiert haben, aber
dieser habe sich aus Angst geweigert, ihm die Identitätskarte zuzustellen.
Diese Erklärung ist unverständlich, ist doch nicht einzusehen, warum der
ehemalige (...) nicht Mittel und Wege finden sollte, um ihm die Identitäts-
karte zugehen zu lassen, ohne sich selber zu gefährden.
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Die Untätigkeit des Beschwerdeführers zeigt sich aber auch in anderer
Hinsicht. Es darf erwartet werden, dass ihm als Universitätsabgänger und
Mitarbeiter einer Glaubensgemeinschaft irgendwelche Dokumente zur
Verfügung stehen müssten, die seine Angaben stützen könnten. Er hat
sich aber den Akten gemäss die ganze Zeit über offensichtlich nicht um
solche bemüht.
Das Gericht kommt in Übereinstimmung mit dem BFM zum Schluss, dass
es dem Beschwerdeführer offensichtlich darum geht, seine Identität zu
verschleiern, um den Behörden Abklärungen und insbesondere einen
Wegweisungsvollzug zu erschweren oder zu verunmöglichen.
5.5 Auf einzelne, vom BFM in seinem Entscheid aufgezeigte Unglaubhaf-
tigkeitselemente ist angesichts vorstehender Schlussfolgerung nicht ver-
tieft einzugehen.
In der Rechtsmitteleingabe wird versucht, protokollierte Aussagen des
Beschwerdeführers zu relativieren oder umzudeuten. Als Beispiel sei die
Finanzierung der Reise angeführt. Der Beschwerdeführer hat bei der Be-
fragung angegeben: "Ich schätze, es hat insgesamt 15 000 Dollar gekos-
tet." (vgl. Befragungsprotokoll 5.02). In der Beschwerde wird dazu fälsch-
licherweise ausgeführt, das BFM gehe offenbar davon aus, dass der Be-
schwerdeführer persönlich 15 000 USD für die Reise bezahlt habe (vgl.
Beschwerde V. Begründung 16.). Indessen ist im Entscheid nachzulesen:
"(...) sich eine Reise, die rund 15 000 US-Dollar gekostet habe, finanzie-
ren zu lassen" (vgl. vorinstanzliche Verfügung II 1.). Es mag zutreffen,
dass er den exakten Preis nicht kannte, aber als gebildetem Mann muss
ihm die Tragweite der Nennung eines konkreten Betrages bewusst gewe-
sen sein beziehungsweise hat er dessen Bezifferung wohl doch nicht aus
der Luft gegriffen.
Auch die Ausführungen in der Beschwerde zu den angeblichen Massen-
deportationen im Jahr 2004 fallen nicht überzeugend aus. Der Hinweis
auf die 70 000 Eritreer, welche insgesamt deportiert worden sein sollen,
und die Möglichkeit, dass die missglückte Deportation im Jahr 2004 we-
gen ihrer geringen Grösse allenfalls aktenkundig nicht belegt sei, ist un-
behelflich. Im Übrigen wäre auch diesbezüglich vom Beschwerdeführer
zu erwarten gewesen, dass er sich um irgendwelche Beweismittel bemü-
hen würde, was indessen nicht der Fall ist.
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5.6 Der Beschwerdeführer hat die Folgen seiner Verletzung der Mitwir-
kungspflicht zu tragen, und es ist ohne weiteren Begründungsaufwand
festzustellen, dass der vorinstanzliche Entscheid nicht zu beanstanden
ist, woran auch die die vom Gericht eingeräumten unsauberen Formulie-
rungen im angefochtenen Entscheid und die eingereichten Beweismittel
nichts zu ändern vermögen.
Das Bundesverwaltungsgericht stellt zusammenfassend fest, dass es
dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, asylrechtlich relevante Verfol-
gungsgründe im Sinne von Art. 3 und 7 AsylG glaubhaft zu machen, wes-
halb das Bundesamt die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneinte und
das Asylgesuch ablehnte.
6.
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein,
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der
Familie (Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG).
Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigs-
tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in
den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein
Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit
aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie
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Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf
niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder
Behandlung unterworfen werden.
Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden
Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde-
führers nach Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG
rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Äthiopien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr
(«real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde
(vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008,
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssi-
tuation in Äthiopien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-
punkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Wegweisung ist
sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen
zulässig.
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat
aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und
medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Ge-
fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die
vorläufige Aufnahme zu gewähren.
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7.3.2 Mit dem BFM ist aufgrund vorstehender Erwägungen des Gerichts
einigzugehen, dass dem Beschwerdeführer am Herkunftsort ein Wohnsitz
zugemutet werden kann. Wo dieser genau ist, kann für das Gericht offen-
bleiben, und es hat sich diesbezüglich nicht in Spekulationen zu ergehen.
Ursächlich für diese Feststellung ist nicht das Bundesamt mit seinem
Entscheid, sondern der Beschwerdeführer mit seinem Verhalten.
Es bleibt in diesem Kontext einzig anzumerken, dass der Beschwerdefüh-
rer den Akten gemäss an keinen gesundheitlichen Problemen leidet, sehr
gut ausgebildet ist, Berufserfahrung hat und sich offenbar jahrelang selb-
ständig durchbringen konnte. Zudem verfügt er über mehrere Familien-
angehörige und eine Tante, die in der Lage war, für seine Ausreise Tau-
sende USD zur Verfügung zu stellen.
Zudem kann ihm die Rückkehrhilfe der Schweiz den Wiedereinstieg am
letzten Wohnort erleichtern (Art. 62 der Asylverordnung 2 vom 11. August
1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]). Schliesslich ist
der Vollständigkeit halber darauf hinzuweisen, dass blosse soziale und
wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im
Allgemeinen betroffen ist, nicht genügen, um eine Gefährdung im Sinne
von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2).
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu be-
zeichnen.
7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34
E.12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich
zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
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9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der
Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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