Decision ID: 02270f0a-e466-59ac-8d86-7a38b012afe6
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der am (...) 1967 geborene, in Italien wohnhafte italienische Staatsange-
hörige A._ (nachfolgend: Versicherter oder Beschwerdeführer) war
laut Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) in den Jahren 1988 bis 1990
sowie von 2004 bis 2014 mit Unterbrüchen in der Schweiz erwerbstätig und
leistete dabei Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (AHV/IV; AHV/IV; Akten der Invalidenversicherung-
Stelle für Versicherte im Ausland [nachfolgend: IVSTA
oder Vorinstanz] gemäss Aktenverzeichnis und -nummerierung vom
02.11.2017 [act.] 124 [IK-Auszug]; act. 4, S. 1 - 6; act. 68).
B.
B.a Nachdem sich der Versicherte im April 2008 erstmals zum Leistungs-
bezug bei der IV-Stelle des Kantons B._ (nachfolgend: IV-Stelle)
angemeldet hatte (act. 4, S. 1 - 6), führte diese erwerbliche und medizini-
sche Abklärungen durch und holte insbesondere Beurteilungen ihres Regi-
onalen Ärztlichen Dienstes (RAD) C._ (Schlussbericht vom 25. Juni
2008, act. 22, S. 2 - 7; Stellungnahme vom 4. September 2008, act. 30,
S. 2 - 6; Stellungnahme vom 30. Juni 2009, act. 40, S. 2 - 4; Schlussbericht
vom 3. November 2009, act. 47, S. 2 - 4) sowie ein Gutachten von Dr. med.
D._, Innere Medizin FMH, speziell Pneumologie, vom 8. Oktober
2009 ein (act. 44, S. 1 - 13). Mit Verfügung vom 6. Januar 2010 verneinte
die Vorinstanz bei einem Invaliditätsgrad von 11 % einen Rentenanspruch
(act. 54, S. 1 - 4).
B.b Mit Eingabe vom 20. August 2012 machte der Versicherte, vertreten
durch die Gewerkschaft E._, eine Verschlechterung seines Ge-
sundheitszustandes geltend (act. 67, S. 1 - 6). Die IV-Stelle veranlasste
daraufhin weitere medizinische Abklärungen und holte namentlich weitere
Stellungnahmen ihres RAD (act. 76, S. 2 - 4; act. 84, S. 2 - 4) sowie ein
Gutachten von Dr. med. F._, Pneumologie und Innere Medizin
FMH, vom 21. Dezember 2012 (act. 80, S. 1 - 4) ein. Unter Hinweis auf das
Ergebnis dieser medizinischen Abklärungen und die darin festgestellte Ar-
beitsfähigkeit von 100 % in einer angepassten Verweistätigkeit verneinte
die Vorinstanz mit Verfügung vom 1. Mai 2013 erneut einen Rentenan-
spruch (Invaliditätsgrad 13 %; act. 88, S. 1 - 4).
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Seite 3
B.c Mit Schreiben vom 16. Mai 2013 stellte der Versicherte, vertreten durch
die Gewerkschaft E._, bei der IV-Stelle ein Gesuch um Arbeitsver-
mittlung (act. 89). Am 11. Juli 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass sie die Kosten der vom 1. Juli 2013 bis 29. September 2013 dauern-
den beruflichen Abklärung (G._, [...]) übernehmen werde (act. 93).
Mit Mitteilung vom 25. September 2013 sicherte die IV-Stelle dem Versi-
cherten die Übernahme der Kosten für einen vom 30. September 2013 bis
5. Januar 2014 befristeten Arbeitsversuch zu (act. 103). Per 6. Januar 2014
trat der Versicherte eine unbefristete Arbeitsstelle als Hilfsarbeiter Umge-
bungspflege bei der G._ GmbH an (act. 115 f.).
B.d Aufgrund einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes und
der dadurch bedingten, seit 21. Juli 2015 bestehenden Arbeitsunfähigkeit
meldete sich der Versicherte, weiterhin vertreten durch die Gewerkschaft
E._, im Februar 2016 erneut zum Leistungsbezug an (act. 119, S.
1 - 9). Die IV-Stelle veranlasste in der Folge ergänzende erwerbliche und
medizinische Abklärungen und zog insbesondere Berichte ihres RAD vom
5. April 2016 und vom 21. November 2016 bei (act. 125, S. 1 - 10; act. 129,
S. 3 f.; act. 137, S. 2 - 4).
B.e Mit Vorbescheid vom 30. November 2016 stellte die Vorinstanz dem
Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, im We-
sentlichen mit der Begründung, es sei ihm bereits seit jeher zumutbar ge-
wesen, eine angepasste körperlich leichte Tätigkeit mit einigen funktionel-
len Einschränkungen (sitzende Tätigkeit, keine knienden Tätigkeiten, keine
übermässigen Anstrengungen, kein Tragen, kein Klettern/Besteigen von
Gerüsten, keine staubbelasteten Arbeiten) zu 100 % auszuüben und seine
Restarbeitsfähigkeit in diesem Rahmen entsprechend zu verwerten
(act. 138, S. 1 - 4). Gleichentags kündigte sie darüber hinaus vorbescheid-
weise die Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen (Umschu-
lung) an mit der Begründung, ein Anspruch auf Umschulung bestehe, wenn
der dauernde, invaliditätsbedingte Minderverdienst bei zumutbarer Tätig-
keit mindestens 20 % betrage; mit Blick auf den errechneten Invaliditäts-
grad von 0 % sei diese Voraussetzung bei ihm nicht erfüllt (act. 139, S. 1 -
4).
B.f Gegen diesen Vorbescheid erhob der Versicherte mit Eingabe vom
19. Dezember 2016 Einwand mit der Begründung, seine gesundheitlichen
Probleme seien derart gravierend, dass er zurzeit keiner Erwerbstätigkeit
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mehr nachgehen könne. Dies gehe insbesondere aus dem beigefügten Be-
richt von Dr. med. H._ vom 19. Dezember 2016 hervor (act. 140,
S. 1 - 6).
B.g Mit Stellungnahme vom 15. Februar 2017 hielt RAD-Arzt Dr. med.
I._ fest, dass die aktuell dokumentierte Arbeitsunfähigkeit von
100 % durch die kardiale Situation nachvollziehbar begründet sei. Ferner
bedürften die Rückstellung der vorgesehenen Sanierung des Kniegelenkes
und der zwischenzeitlichen Sepsis wegen Pyelonephritis bei Diskusprolaps
L 4/L 5 mit radikulärer Symptomatik einer Verlaufsbetrachtung. Vorrangig
sei die Funktionsstörung des Herzens und die Ergebnisse der Behandlung
seien abzuwarten (act. 144, S. 2 - 4).
B.h In seinem Schlussbericht vom 13. Juli 2017 hielt Dr. med. I._
als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine anstren-
gungsbedingte Atemnot bei respiratorischer Insuffizienz (ICD-10 J 44.99),
eine koronare Herzerkrankung (ICD-10 I 25.9) sowie einen Diabetes melli-
tus (E 11.90) und einen Kreuzbandschaden (Gonarthrose) fest. Gestützt
auf eine Aktenbeurteilung kam er zum Schluss, dass der Versicherte in ei-
ner angepassten Tätigkeit nicht eingeschränkt sei (act. 152, S. 2 - 4).
B.i Mit Verfügungen vom 28. Juli 2017 wies die Vorinstanz sowohl das Be-
gehren um berufliche Massnahmen (Umschulung) als auch das Rentenge-
such ab. Zur Begründung führte sie insbesondere an, gemäss ihren medi-
zinischen Abklärungen sei dem Versicherten seit jeher eine angepasste
körperlich leichte Tätigkeit mit einigen punktuellen Einschränkungen zu
100 % möglich und zumutbar gewesen. Bei einer Verwertung seiner Rest-
arbeitsfähigkeit resultiere ein Invaliditätsgrad von 0 % (act. 154, S. 1 - 5;
act. 156, S. 1 - 6).
C.
C.a Gegen die Rentenverfügung erhob der Beschwerdeführer, vertreten
durch Rechtsanwältin Anouk Zehntner, mit Eingabe vom 14. September
2017 und ergänzender Begründung vom 2. Oktober 2017 Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht mit den Anträgen, die Verfügung vom
28. Juli 2007 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflich-
ten, ihm eine Invalidenrente nach den gesetzlichen Bestimmungen zu leis-
ten, unter entsprechenden Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Be-
gründung bringt er insbesondere vor, die Vorinstanz habe der Polymorbidi-
tät nicht Rechnung getragen und überdies auch nicht schlüssig dargelegt,
C-5221/2017, C-5247/2017
Seite 5
weshalb sich aus den neuen gesundheitlichen Beeinträchtigungen keine
Befundveränderung ergebe. Es wäre deshalb eine umfassende Abklärung
im Sinne eines polydisziplinären Gutachtens in den Bereichen Pneumolo-
gie, Endokrinologie/Diabethologie, Rheumatologie, Kardiologie und Psy-
chiatrie geboten gewesen. Mit dem Verzicht auf eine externe polydiszipli-
näre Begutachtung habe die Beschwerdegegnerin ihre Untersuchungs-
pflicht verletzt. Eine Verletzung der Abklärungspflicht liege auch darin be-
gründet, dass sie die Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsan-
stalt (SUVA) nicht vollständig beigezogen habe. Überdies sei die Vor-
instanz von einem zu tiefen Valideneinkommen ausgegangen; schliesslich
sei auch der ihm eingeräumte leidensbedingte Abzug von 10 % zu tief be-
messen (Akten im Beschwerdeverfahren C-5221/2017 [BVGer-act.] 1 und
4).
C.b Auch gegen die Verfügung vom 28. Juli 2017 betreffend Ablehnung
von beruflichen Massnahmen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe
vom 14. September 2017 und Ergänzung vom 2. Oktober 2017 beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde mit den Anträgen, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflich-
ten, ihm berufliche Massnahmen zu gewähren, unter entsprechenden Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt
er überdies, es seien die beiden Beschwerdeverfahren gegen die Verfü-
gungen vom 28. Juli 2017 betreffend die Ansprüche auf Invalidenrente und
berufliche Massnahmen zusammenzulegen (Akten im Beschwerdeverfah-
ren C-5247/2017 [BVGer-act., C-5247/2017] 1 und 4).
C.c Die vom Beschwerdeführer geforderten Kostenvorschüsse von je
Fr. 500.- wurden am 4. Oktober 2017 zugunsten Gerichtskasse überwie-
sen (BVGer act. 5 sowie BVGer act. 5, C-5247/2017).
C.d Mit Verfügung vom 27. Oktober 2017 ersuchte der Instruktionsrichter
die Vorinstanz, bis zum 27. November 2017 die gesamten Akten einzu-
reichen und zum Antrag auf Verfahrensvereinigung eine Stellungnahme
abzugeben (BVGer act. 6).
C.e Mit Eingabe 25. November 2017 teilte die Vorinstanz dem Bundesver-
waltungsgericht unter Verweis auf eine Stellungnahme der IV-Stelle vom
10. November 2017 mit, dass aus ihrer Sicht nichts gegen eine Verfahrens-
vereinigung spreche (BVGer act. 7 samt Beilage).
C-5221/2017, C-5247/2017
Seite 6
C.f Mit Zwischenverfügung vom 24. November 2010 vereinigte der Instruk-
tionsrichter die beiden Beschwerdeverfahren C-5221/2017 (betreffend
Rentenanspruch) und C-5247/2017 (betreffend Eingliederungsmassnah-
men). Überdies gab er dem Beschwerdeführer Gelegenheit, die beiden Be-
schwerdebegründungen bis zum 8. Januar 2018 zu ergänzen (BVGer
act. 9).
C.g Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 27. November 2017 teilte
der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht mit, dass er auf
eine ergänzende Begründung verzichte (BVGer act. 10).
C.h Mit Vernehmlassung vom 24. Januar 2018 stellte die Vorinstanz unter
Verweis auf die Stellungnahme der IV-Stelle vom 17. Januar 2018 den An-
trag, die Beschwerden seien abzuweisen und die angefochtenen Verfügun-
gen seien zu bestätigen. Zur Begründung wird insbesondere vorgebracht,
es treffe zwar zu, dass sie der Rentenbemessung ein zu tiefes Validenein-
kommen zugrunde gelegt habe. Allerdings ergebe sich auch unter Berück-
sichtigung eines zutreffenden Valideneinkommens von Fr. 66’033.95, bei
einem Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 60'467.35, lediglich ein In-
validitätsgrad von 8 %; damit bestehe weder ein Anspruch auf eine Invali-
denrente noch ein solcher auf berufliche Massnahmen (BVGer act. 12 samt
Beilagen).
C.i Mit Verfügung vom 1. Februar 2018 ersuchte der Instruktionsrichter die
Vorinstanz, ihre Stellungnahme vom 24. Januar 2018 in Zusammenarbeit
mit dem RAD bis zum 5. März 2018 zu ergänzen (BVGer act. 13).
C.j Mit Eingabe vom 23. Februar 2018 stellte die Vorinstanz unter Verweis
auf die Stellungnahme der IV-Stelle vom 20. Februar 2018 den Antrag, es
sei die angefochtene Verfügung vom 28. Juli 2017 aufzuheben und die An-
gelegenheit zur Durchführung einer pluridisziplinären Begutachtung an die
IV-Stelle zurückzuweisen (BVGer act. 14 samt Beilage).
C.k Mit Replik vom 5. März 2018 teilte der Beschwerdeführer dem Bundes-
verwaltungsgericht mit, dass er sich mit dem Antrag der Beschwerdegeg-
nerin auf eine teilweise Gutheissung und Rückweisung der Angelegenheit
an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung weiterer medizinischer Ab-
klärungen einverstanden erklären könne (BVGer act. 16).
C.l Mit Zwischenverfügung vom 7. März 2018 schloss der Instruktionsrich-
ter den Schriftwechsel – vorbehältlich weiterer Instruktionsmassnahmen –
ab (BVGer act. 17).
C-5221/2017, C-5247/2017
Seite 7
D.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 In den hängigen Beschwerdeverfahren C-5221/2017 und C-5247/2017
stehen die jeweiligen Sachverhalte in einem engen inhaltlichen Zusam-
menhang. Nachdem die Vorinstanz der beantragten Verfahrensvereini-
gung zugestimmt hat und die entsprechenden Voraussetzungen gegeben
sind (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozes-
sieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2014, S. 144 Rz. 3.17),
hat das Bundesverwaltungsgericht die beiden Verfahren vereinigt (Zwi-
schenverfügung vom 24. November 2017; BVGer act. 9).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerden zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1
Bst. b IVG [SR 831.20]) und der Beschwerdeführer ist als Adressat der an-
gefochtenen Verfügungen zur Erhebung der Beschwerde legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG; siehe auch Art. 59 ATSG [SR 830.1]). Der Beschwer-
deführer hat seine am 14. September 2017 eingereichten Beschwerden
mittels ergänzender Eingaben vom 2. Oktober 2017 frist- und formgerecht
begründet (vgl. BVGer act. 1 und 4; BVGer act. 1 und 4, Nr. C-5247/2017)
und die Kostenvorschüsse von je Fr. 500.- am 4. Oktober 2017 zugunsten
der Gerichtskasse überwiesen, so dass auf die Beschwerden einzutreten
ist (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG; siehe auch Art. 60 ATSG).
2.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes der vor-
liegenden Beschwerdeverfahren (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bilden die
Verfügungen vom 28. Juli 2017, mit welchen die Vorinstanz den Anspruch
auf Rentenleistungen und berufliche Massnahmen abgelehnt hat. Nicht
Gegenstand der gerichtlichen Prüfung ist die Frage, ob die Verwaltung zu
Recht auf die Neuanmeldung eingetreten ist. Denn nach der Rechtspre-
chung hat das Sozialversicherungsgericht eine gerichtliche Beurteilung der
Eintretensfrage zu unterlassen, wenn die Verwaltung – wie hier – auf die
Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b; Urteil EVG [heute
C-5221/2017, C-5247/2017
Seite 8
Bundesgericht] I 359/2004 vom 12. Oktober 2004 E. 1.2.2 m.H.; Urteil des
BVGer C-1767/2015 vom 7. Februar 2017 E. 3.5).
3.
Streitig sind vorliegend der Rentenanspruch des Beschwerdeführers sowie
dessen Anspruch auf berufliche Massnahmen in Form von Umschulung.
Zunächst sind die gesetzlichen Grundlagen sowie die von der Rechtspre-
chung entwickelten Grundsätze, welche vorliegend massgebend sind, dar-
zulegen.
3.1 Das Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt sich
auch im Anwendungsbereich des Freizügigkeitsabkommens (FZA;
SR 0.142.112.681) und der Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Europä-
ischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung
der Systeme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.1; bzw. bis
31. März 2012 Verordnung [EWG] Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni
1971) sowie (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 16. September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durch-
führung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordinierung der Sys-
teme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.11) nach schweizeri-
schem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil BGer 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 4 mit Hinweisen; BASILE CARDINAUX, § 7 Beweiserhe-
bung im Ausland, in: Recht der Sozialen Sicherheit, 2014, S. 281 Rz. 7.23;
Urteile des BVGer C-5263/2014 vom 6. Juli 2016 E. 2 und C-2816/2014
vom 12. Februar 2016 E. 2.1, je mit Hinweisen).
3.2 In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrecht-
licher Regelungen – grundsätzlich diejenigen materiellen Rechtssätze
massgebend, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (Urteil des BGer
8C_419/2009 vom 3. November 2009 E. 3.1; BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Der
Leistungsanspruch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der
bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu beurteilen
(vgl. BGE 130 V 445).
3.3 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
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Seite 9
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; vgl. auch BGE 135 V 215 E. 7.3).
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Un-
fähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu
leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem ande-
ren Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
3.4 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während ei-
nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
3.5 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verwei-
gert, so wird auf eine Neuanmeldung nur dann eingetreten, wenn die ver-
sicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität seither
in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (vgl. Art. 87
Abs. 2 i.V.m. Abs. 3 IVV; BGE 130 V 71 E. 2.2). Ob eine anspruchsbegrün-
dende Änderung in den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen ein-
getreten ist, beurteilt sich im Neuanmeldungsverfahren – analog zur Ren-
tenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG – durch Vergleich des Sachverhaltes,
wie er im Zeitpunkt der letzten materiellen Beurteilung und rechtskräftigen
Ablehnung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen neuen
Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3; 130 V 71 E. 3.2.3).
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache mate-
riell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Per-
son glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsäch-
lich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Re-
visionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (SVR 2011 IV Nr. 2
[9C_904/2009] E. 3.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass
der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so
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weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prü-
fen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbe-
gründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Be-
schwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Ge-
richt (BGE 117 V 198 E. 3a; SVR 2008 IV Nr. 35 [I 822/06] E. 2.1; Urteil
des BGer 9C_157/2011 vom 17. Juni 2011 E. 2).
3.6 Tritt die Verwaltung auf eine Neuanmeldung ein, weil eine anspruchs-
erhebliche Änderung glaubhaft gemacht worden ist (Art. 87 Abs. 3 i.V.m.
Abs. 2 IVV) hat sie das neue Leistungsbegehren in tatsächlicher und recht-
licher Hinsicht umfassend zu prüfen (SVR 2014 IV Nr. 33 [8C_746/2013]
E. 2; Urteil des BGer 8C_902/2015 vom 29. März 2016 E. 2.1). Es gilt der
Untersuchungsgrundsatz (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG; BGE 136 V 376
E. 4.1.1). Auf dem Gebiet der Invalidenversicherung obliegen diese Pflich-
ten der (zuständigen) Invalidenversicherungsstelle (Art. 54 - 56 in Verbin-
dung mit Art. 57 Abs. 1 lit. c - g IVG). Die Untersuchungspflicht dauert so
lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderli-
chen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Der Untersuchungsgrund-
satz weist enge Bezüge zum – auf Verwaltungs- und Gerichtsstufe gelten-
den – Grundsatz der freien Beweiswürdigung auf. Führen die im Rahmen
des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden Ab-
klärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender,
sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132
V 393 E. 4.1) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als über-
wiegend wahrscheinlich (BGE 126 V 353 E. 5b; 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen) zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an
diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht
auf die Abnahme weiterer Beweise keine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 134 I 140 E. 5.3;
124 V 90 E. 4b S. 94). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an Vollständigkeit
und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung beste-
hen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnah-
men noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des
BGer 8C_616/2013 vom 28. Januar 2014 E. 2.1 mit Hinweisen).
3.7 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
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Seite 11
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4; 125 V 256 E. 4; vgl.
auch BGE 140 V 193 E. 3.2).
3.7.1 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Exper-
tin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351
E. 3a).
3.7.2 Die Stellungnahmen des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) bezie-
hungsweise des medizinischen Dienstes der IVSTA müssen den allgemei-
nen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genü-
gen. Die Ärztinnen und Ärzte müssen über die im Einzelfall gefragten per-
sönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des BGer
9C_323/2009 vom 14. Juli 2009 E. 4.3.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351
E. 3a; Urteil des BGer 9C_904/2009 vom 7. Juni 2010 E. 2.2). Ihre Stel-
lungnahmen können – wie Aktengutachten – beweiskräftig sein, sofern es
im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest-
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche
Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Ur-
teile des BGer 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.2 und 9C_196/2014 vom
18. Juni 2014 E. 5.1.1 m.w.H.). Soll im Gerichtsverfahren einzig oder im
Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des me-
dizinischen Dienstes der IVSTA entschieden werden, sind an die Beweis-
würdigung strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch
nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztli-
chen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (vgl.
BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465; 122 V 157 E. 1d; Urteile des BGer
8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4 und 9C_159/2016 vom 2. Novem-
ber 2016 E. 2.3).
3.7.3 In einem EU-Staat wohnhafte Versicherte können aus dem FZA kei-
nen (unbedingten) Anspruch ableiten, in der Schweiz begutachtet zu wer-
den; eine Entscheidung kann grundsätzlich auf im Wohnsitzstaat verfer-
tigte ärztliche Berichte abgestützt werden. Gleichzeitig besteht keine Re-
gel, wonach abschliessend auf im Wohnsitzstaat ausgefertigte ärztliche
C-5221/2017, C-5247/2017
Seite 12
Berichte abzustellen wäre. Da sich der Leistungsanspruch nach dem ma-
teriellen Recht des Vertragsstaats bestimmt, leitet sich auch aus dem ein-
zelstaatlichen Recht ab, welche Fragen der ärztlichen Klärung bedürfen,
welche Anforderungen an den Nachweis des rechtserheblichen medizini-
schen Sachverhalts gestellt werden und mit welchen Mitteln dieser Nach-
weis geführt wird (Urteil des BGer 9C_952/2011 vom 7. November 2012
E. 2.4). Es ist mithin nicht von vornherein unzulässig, einzig auf im Wohn-
sitzstaat des Versicherten erstellte ärztliche Berichte abzustellen (Urteil
des BGer 9C_818/2013 vom 24. Februar 2014 E. 4.1.2; vgl. auch Urteil
des BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 5.1).
4.
4.1 Die Vorinstanz hat die Rückweisung zur Begutachtung beantragt, und
der Beschwerdeführer hat diesem Antrag zugestimmt (vgl. Sachverhalt,
Bst. C.j und C.k hievor). Bei dieser Ausgangslage ist nachfolgend zu prü-
fen, ob der medizinische Sachverhalt bereits hinreichend erstellt ist und
basierend darauf sofort ein Endentscheid getroffen werden kann. Sollte
dies nicht der Fall sein, kann dem übereinstimmenden Antrag der Parteien
entsprochen werden.
4.1.1 Mit RAD-Schlussbericht vom 29. Januar 2013, welcher der mit Ver-
fügung vom 1. Mai 2013 vorgenommenen letzten Rentenprüfung zugrunde
lag (act. 88, S. 1 - 4), hielt RAD-Arzt Dr. med. J._, Allgemeine Me-
dizin FMH und zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, als Hauptdiag-
nose ein allergisches Asthma bronchiale (ICD-10 J 44.9) fest und führte
insbesondere aus, der Beschwerdeführer leide an einer Lungenkrankheit
bei chronischer Sinusitis (akute oder chronische Entzündung der Nasen-
nebenhöhlen mit Eiterung; PSCHYREMBEL, Klinisches Wörterbuch,
264. Aufl. 2013, S. 1941) und Silikose (Quarzstaublunge; PSCHYREMBEL,
a.a.O., S. 1937) sowie an einem metabolischen Syndrom und an osteoar-
tikulären Beschwerden. Auch wenn sich die Lungenkrankheit laut Beurtei-
lung von Dr. med. D._ leicht verschlechtert habe, seien laut ihrem
Bericht die beruflichen Einschränkungen unverändert. Leichte angepasste
Tätigkeiten seien nach wie vor vollschichtig möglich, und es bestehe keine
invaliditätsrelevante Veränderung (act. 84, S. 1 - 4).
4.1.2 Dr. med. H._ diagnostizierte in seinem Bericht vom 7. Dezem-
ber 2015 ein Asthma respektive eine Lungenkrankheit, verursacht durch
exogene Substanzen (ICD-10 Y 60 bis Y 70), einen Diabetes mellitus (ICD-
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Seite 13
10 E 1141, E 1175), eine Hypertonie (ICD-10 I 15.20, E 25.19), eine chro-
nische Sinusitis (ICD-10 Y 32.1, Y 32.0, Y 45.0), Krankheiten des Urogeni-
talsystems (ICD-10 N 42.3, N 31.9) sowie eine Polyarthritis (ICD-10
M 06.99, M 17.9 ). In seiner Beurteilung kam er zum Schluss, dass hin-
sichtlich der bisherigen Tätigkeit als technischer Mitarbeiter eine Arbeits-
unfähigkeit von 100 % bestehe. In einer leidensangepassten Tätigkeit sei
von einer Arbeitsfähigkeit von maximal 30 bis 50 % auszugehen (act. 117,
S. 1 - 3).
4.1.3 In ihrer Stellungnahme vom 5. April 2016 führten die RAD-Ärzte Dres.
med. I._, Facharzt für Allgemeine Medizin, und K._, Fach-
arzt für Allgemeine Medizin FMH sowie medizinischer Experte SIM, aus, in
einer Verweistätigkeit erscheine die Arbeitsfähigkeit unverändert, da grund-
legende neue medizinische Massnahmen nicht erkennbar seien. Die Ge-
nese der anstrengungsbedingten Atemnot sei nicht eindeutig geklärt, und
die Untersuchung und Beurteilung des pulmonalen und kardialen Befundes
stehe noch aus (act. 129, S. 3 - 5).
4.1.4 Mit Schlussbericht vom 21. November 2016 hielt Dr. med. I._
als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine anstren-
gungsbedingte Atemnot bei respiratorischer Insuffizienz COPD (ICD-10 J
44.99), eine koronare Herzerkrankung (ischämische Herzkrankheit; ICD-
10 I 25.9) sowie einen (insulinabhängigen) Diabetes mellitus (ICD-10
E 11.90) fest. Hinsichtlich einer angepassten Verweistätigkeit, in sitzender
Arbeitsposition, unter Vermeidung schwerer Arbeiten sowie von Lärm,
Staub, Schlechtwetter, Gerüchen, Feuchtigkeit, Kälte, Hitze etc., ohne
kniende Tätigkeiten und ohne übermässige Anstrengungen, ohne Tragen,
ohne Klettern/Besteigen von Gerüsten sowie unter Vermeidung von staub-
belasteten Arbeiten, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Diese Ar-
beitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit sei gestützt auf die aktuellen medi-
zinischen Berichte als unverändert einzustufen (act. 137, S. 2 - 4).
4.1.5 Dr. med. H._ führte sodann in seinem Bericht vom 19. De-
zember 2016 aus, es bestünden eine schwere Polymorbidität mit koronarer
Herzkrankheit (Einlage dreier Stents), ein insulinpflichtiger Diabetes melli-
tus, ausgeprägte Knieschmerzen (aktuell Totalprothese vorgeschlagen,
falls medizinisch möglich), rezidivierende Infektionen, ein chronisches
lumbo-spondylogenes Schmerzsyndrom, eine aktuelle Diskushernienprob-
lematik L 4/5, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) wie
auch eine asthmaoide Bronchitis mit deutlicher Einschränkung der Lungen-
funktion. Zusammenfassend bestehe aufgrund der vorgelegten Befunde
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Seite 14
eine ausgeprägte Polymorbidität bei schweren Krankheiten und schweren
Folgeschäden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bestehe sicherlich eine Ar-
beitsunfähigkeit von 100 %. Selbst unter der Annahme einer deutlichen
Verbesserung der körperlichen Befunde würde eine maximale Arbeitsfä-
higkeit in einer leichten Tätigkeit nicht mehr als 30 % betragen (act. 140,
S. 4 -7).
4.1.6 Dr. med. I._ kam in seiner Stellungnahme vom 15. Februar
2017 zum Schluss, dass die aktuell dokumentierte Arbeitsunfähigkeit von
100 % durch die kardiale Situation – mit ursächlich noch ungeklärter Ge-
nese – nachvollziehbar begründet sei. Die Rückstellung der Totalsanierung
des rechten Kniegelenkes und der zwischenzeitlichen Sepsis (Blutvergif-
tung; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 1920) wegen Pyelonephritis (bakterielle In-
fektion der oberen Harnwege mit Entzündung des Niereninterstitiums;
PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 1746) bei Diskusprolaps L 4/L 5 mit radikulärer
Symptomatik bedürfe einer Verlaufsbetrachtung (act. 144, S. 2 - 4).
4.1.7 Mit Bericht vom 4. Juli 2017 führte Dr. med. H._ insbesondere
aus, der Beschwerdeführer sei aus seiner Sicht aufgrund der Polymorbidi-
tät nicht arbeitsfähig (act. 149, S. 2 - 5).
4.1.8 In seinem Schlussbericht vom 13. Juli 2017 hielt Dr. med. I._
als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine anstren-
gungsbedingte Atemnot bei respiratorischer Insuffizienz (ICD-10 J 44.99),
eine koronare Herzerkrankung (ICD-10 I 25.9) sowie einen Diabetes melli-
tus (E 11.90) und einen Kreuzbandschaden fest. Kardiologisch-echokardi-
ografisch zeigten sich eine leichte Hypertrophie des Herzens bei anhalten-
dem Bluthochdruck (kein dilatierter Herzmuskel), mit einer systolischen E-
jektionsfraktion von 65 % (EF > 55 % Normalfunktion) sowie eine beste-
hende Ateriosklerose. Pulmologisch werde mit dem Grad GOLD 2 (FEV 1:
77 %) ein niedriger Schweregrad bei stärkerer Symptomatik der Atemfluss-
behinderung objektiviert. Aus orthopädischer Sicht bestehe unverändert in
sitzender Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit. Aus den Laborbefunden lasse sich
eine prognostisch ungünstige Entwicklung vorhersagen. Gestützt auf eine
Aktenbeurteilung kam er zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in einer
angepassten Tätigkeit nicht eingeschränkt sei (act. 152, S. 2 - 4).
4.2 Vorliegend ist zu Recht unbestritten, dass sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers seit der rentenabweisenden Verfügung vom 1. Mai
2013 verschlechtert hat. Insbesondere geht aus dem Vergleich des RAD-
Schlussberichtes vom 29. Januar 2013 einerseits mit den Berichten von
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Seite 15
Dr. med. H._ vom 19. Dezember 2016 (act. 140, S. 4 f.) und vom 4.
Juli 2017 (act. 149, S. 2 - 5) sowie dem RAD-Bericht vom 13. Juli 2017
(act. 152, S. 2 - 4) anderseits hervor, dass neu eine koronare Herzerkran-
kung (ICD-10 I 25.9), ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyn-
drom, verbunden mit einer aktuellen Diskushernienproblematik, sowie ei-
ner Verschlimmerung der Kniebeschwerden (aktuell Totalprothese vorge-
schlagen, falls medizinisch möglich) mit rezidivierenden Infektionen beste-
hen und zu beurteilen sind.
4.3 Die angefochtenen Verfügungen vom 28. Juli 2017 stützen sich auf die
Stellungnahme von Dr. med. I._, medizinischer Dienst der IVSTA,
vom 13. Juli 2017. Dieser kam zum Schluss, dass aus den vorgelegten
ärztlichen Berichten keine Befundänderung abgeleitet werden und in Über-
einstimmung mit dem RAD-Bericht vom 21. November 2016 von einer un-
eingeschränkten Leistungsfähigkeit ausgegangen werden könne (act. 152,
S. 4 und 137, S. 3 f.).
4.3.1 Aufgabe des medizinischen Dienstes der IVSTA (wie auch des RAD)
ist es, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die
medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über
den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sach-
verhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizinisch zu würdigen
(vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [8C_756/2008] E. 4.4 mit Hinweis; Urteil des BGer
9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3).
4.3.2 Auf die versicherungsinternen Berichte des medizinischen Dienstes
der Vorinstanz kann vorliegend schon deshalb nicht abgestellt werden, weil
darin die bestehenden Widersprüche zur Leistungsbeurteilung des behan-
delnden Arztes Dr. med. H._ in den Berichten vom 19. Dezember
2016 und vom 4. Juli 2017 nicht aufgelöst werden. Insbesondere vermö-
gen die RAD-Ärzte nicht plausibel zu erklären, aus welchen Gründen von
der hausärztlich attestierten 100%igen Leistungseinschränkung für die an-
gestammte und eine angepasste Tätigkeit (act. 140, S. 5 und act. 149, S.
5) abgewichen werden soll. Damit bestehen ernsthafte Zweifel an der ver-
sicherungsinternen Leistungsbeurteilung.
Darüber hinaus legen die RAD-Ärzte und die Vorinstanz nicht nachvollzieh-
bar dar, weshalb trotz neu aufgetretener Herz- und Wirbelsäulenleiden so-
wie deutlicher Verschlimmerung der Lungen- und Kniebeschwerden aus
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Seite 16
den ärztlichen Berichten angeblich „keine Befundänderung abgeleitet wer-
den“ könne (vgl. act. 152, S. 4). Die diesbezügliche Rüge des Beschwer-
deführers (BVGer act. 4, S. 7) erweist sich als begründet.
4.3.3 Zudem gilt es zu beachten, dass die RAD-Ärzte Dres. med.
I._ und K._ als Fachärzte für Allgemeine Medizin nicht über
die für die zuverlässige Beurteilung der Herz- und Lungenkrankheit sowie
des Knie- und Wirbelsäulenleidens erforderliche Facharztausbildung ver-
fügen. Für die richterliche Würdigung einer Expertise spielt die hinrei-
chende fachliche Qualifikation eine erhebliche Rolle. Bezüglich der medi-
zinischen Stichhaltigkeit eines Gutachtens müssen sich Verwaltung und
Gerichte auf die Fachkenntnisse des Experten verlassen können. Deshalb
ist für die Eignung eines Arztes als Gutachter in einer bestimmten medizi-
nischen Disziplin rechtsprechungsgemäss ein entsprechender, dem Nach-
weis der erforderlichen Fachkenntnisse dienender, spezialärztlicher Titel
des berichtenden oder zumindest des den Bericht visierenden Arztes vo-
rausgesetzt (Urteil des BGer I 142/07 vom 20. November 2007 E. 3.2.3).
4.3.4 Überdies findet sich in den erwähnten versicherungsinternen Beur-
teilungen auch keine Auseinandersetzung mit ärztlichen Berichten, wel-
chen von dieser Beurteilung mitunter erheblich abweichen. Die (hier voll-
kommen fehlende) Auseinandersetzung mit Berichten und Expertisen, wel-
che von den der Verfügung zugrunde gelegten versicherungsinternen Stel-
lungnahmen abweichen, ist deshalb notwendig, weil das Gericht ansons-
ten bei divergierenden Arztberichten häufig nicht in der Lage ist, das ge-
samte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es
auf die eine und nicht die andere medizinische These abstellt, wie dies die
Rechtsprechung verlangt (vgl. 9C_986/2009 E. 4.5.2; BGE 125 V 352 E. 3a
S. 352).
4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der rechtserhebliche me-
dizinische Sachverhalt nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest-
stellen lässt. Es fehlt somit sowohl für die Beurteilung des Begehrens um
berufliche Massnahmen (Umschulung/Arbeitsvermittlung) als auch für die
Prüfung des Rentenbegehrens an einer verlässlichen medizinischen Ent-
scheidgrundlage. Bei komplexen gesundheitlichen Beeinträchtigungen
muss die Einschätzung der Leistungsfähigkeit auf umfassender, die Teiler-
gebnisse verschiedener medizinischer Disziplinen integrierender Grund-
lage erfolgen (BGE 137 V 210 E. 1.2.4). Angesichts der multiplen Beein-
trächtigungen des Beschwerdeführers wäre die Vorinstanz gehalten gewe-
sen, eine polydisziplinäre Begutachtung in der Schweiz anzuordnen (vgl.
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Seite 17
dazu Urteil des BGer 9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 3.2; Urteil
des BVGer C-4677/2011 vom 18. Oktober 2013 E. 3.6.3).
4.5 Da die Vorinstanz ihrer Untersuchungspflicht nach Art. 43 Abs. 1 ATSG
nicht nachgekommen ist und der rechtserhebliche Sachverhalt unvollstän-
dig festgestellt wurde, ist die angefochtene Verfügung aufzuheben. Die Sa-
che ist demnach – in Übereinstimmung mit dem Antrag der IVSTA und der
Zustimmung des Beschwerdeführers – an die Vorinstanz zurückzuweisen,
damit sie in Zusammenarbeit mit dem RAD ein polydisziplinäres Gutachten
in der Schweiz im Sinne von Art. 72bis IVV (nach dem Zufallsprinzip) einhole
und anschliessend erneut über das Leistungsbegehren entscheide. Hat die
Verwaltung wie vorliegend wesentliche Fragen überhaupt nicht abgeklärt,
steht die Rechtsprechung nach BGE 137 V 210 einer Rückweisung nicht
entgegen (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4; Urteil des BGer 8C_633/2014
vom 11. Dezember 2014 E. 3.2).
Für die gebotene polydisziplinäre Begutachtung sind dabei in jedem Fall
Fachärzte aus den Bereichen Innere Medizin bzw. Endokrinologie/Diabe-
tologie (Diabetes mellitus, chronische Miktionsbeschwerden), Kardiologie
(koronare Herzkrankheit und Herzinsuffizienz), Pneumologie (asthmoide
Bronchitis mit respiratorischer Insuffizienz COPD Stadium GOLD 2) und
Orthopädie/Rheumatologie (Kreuzbandschaden, Gonarthrose, chroni-
sches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit Diskushernie, rheu-
matoide Arthritis) beizuziehen. Ob neben den genannten Fachdisziplinen
auch noch weitere Spezialisten beigezogen werden, ist dem pflichtgemäs-
sen Ermessen der Gutachter zu überlassen, zumal es primär ihre Aufgabe
ist, aufgrund der konkreten Fragestellung über die erforderlichen Untersu-
chungen zu befinden (vgl. dazu Urteil des BGer 8C_124/2008 vom 17. Ok-
tober 2008 E.6.3.1). Mit der interdisziplinären Begutachtung kann auch si-
chergestellt werden, dass alle relevanten Gesundheitsschädigungen er-
fasst und die daraus jeweils abgeleiteten Einflüsse auf die Arbeitsfähigkeit
würdigend in einem Gesamtergebnis ausgedrückt werden (vgl. dazu
SVR 2008 IV Nr. 15 S. 44, E. 2.1).
Im Hinblick auf die Vollständigkeit der Aktenlage und die Mitberücksichti-
gung (allfällig) bereits abgeschlossener Invaliditätsfestlegungen (vgl. dazu
BGE 133 V 549 E. 6; Urteil des BGer 8C_441 vom 3. März 2014 E. 6.2)
hat die Vorinstanz für ihre Neubeurteilung überdies sämtliche SUVA-Akten
beizuziehen und zu prüfen.
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Seite 18
4.6 Im Anschluss an die umfassende und vollständige Abklärung des me-
dizinischen Sachverhaltes wird die Vorinstanz in einem ersten Schritt vorab
über das Gesuch um berufliche Massnahmen zu befinden haben, bevor in
einem zweiten Schritt gegebenenfalls über das Rentengesuch zu entschei-
den ist. In Bezug auf das Valideneinkommen ist in diesem Zusammenhang
festzuhalten, dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung unter Verweis
auf die Stellungnahme der IV-Stelle vom 17. Januar 2018 eine Korrektur
anerkannt hat; mithin ist nicht auf das vom Beschwerdeführer als Hilfsar-
beiter Hauswartdienst, sondern auf das in der angestammten Tätigkeit als
Bauarbeiter erzielte Einkommen abzustellen (vgl. dazu Beilage zu BVGer
act. 12)
4.7 Die Beschwerden sind demnach insoweit gutzuheissen, als die ange-
fochtenen Verfügungen vom 28. Juli 2017 (betreffend berufliche Massnah-
men und Rente) aufgehoben und die Streitsache zur Durchführung ergän-
zender Abklärungen und zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an
die Vorinstanz zurückgewiesen wird.
5.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung. Eine Rückweisung gilt praxisgemäss als vollständiges
Obsiegen der beschwerdeführenden Partei (vgl. BGE 132 V 215 E. 6, Urteil
BGer 9C_868/2013 vom 24. März 2014 E. 6).
5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis in Verbindung mit Art. 69 Abs. 2 IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweige-
rung von IV-Leistungen vor dem Bundesverwaltungsgericht kostenpflichtig.
Der unterliegenden Vorinstanz werden jedoch keine Verfahrenskosten auf-
erlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG). Dem obsiegenden Beschwerdeführer sind
die geleisteten Verfahrenskostenvorschüsse von je Fr. 500.- nach Eintritt
der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten.
5.2 Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat gemäss Art. 64 Abs. 1
VwVG in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
(VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten
der Verwaltung. Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädi-
gung aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter
Berücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkun-
digen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
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Seite 19
vorliegend zu beurteilenden Verfahrens erscheint eine Parteientschädi-
gung von pauschal CHF 2'000.- (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuer, vgl.
Urteil BVGer C-1741/2014 vom 28. April 2016 E. 8.3 mit Hinweisen) ange-
messen (vgl. Art. 9 Abs. 1 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE).