Decision ID: b5cdda80-c58e-405a-8ff3-a05a43a6a0fc
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960, meldete sich am 19. Dezem
ber 1999 unter Hinweis auf eine Depression sowie ein Ekzem an den Händen bei der Invalidenversi
che
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte mit Verfügung vom 6. März 2000 einen Rentenanspruch (Urk. 11/6).
Am 6. Februar 2001 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 11/7). Die IV-Stelle verneinte mit Verfügung vom 8. Mai 2001 wiederum einen Rentenanspruch (Urk. 11/15). Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 26. Februar 2002 bestätigt (Prozess Nr. IV.2001.00350 Urk. 11/23).
Am 30. April 2002 meldete sich die Versicherte von neu
em zum Leistungsbezug an (Urk. 11
/26). Die IV-Stelle trat mit Verfü
gungen vom 11. Juli 2002 (Urk. 11
/33) und 3. Februar 2003 (Urk.
11
/39), bestätigt mit
Einspracheentscheid
vom 2. Juli 2003 (Urk.
11
/46)
,
auf das Leistungsbegehren nicht ein. Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 25. März 2004 bestätigt (Prozess Nr. IV.2003.00268;
Urk. 11/52
).
Am 1. Juni 2005 meldete sich die Versicherte abermals zum Leistungsbezug an (Urk.
11
/
54/1-2,
Urk.
11/55
). Die IV-Stelle wies mit Verfü
gung vom 15. August 2005 (Urk. 11/62
) und
Einspracheentscheid
vom
2. Februar
2007
(Urk. 11/76
) das Leistungs
bege
h
ren ab. Dies wurde vom hiesigen Gericht mit
Urteil vom 20. Juni 2008 (
Prozess Nr. IV.2007.00356;
Urk. 11/82
) und vom Bundesgericht mit Urteil vom 6. November 2008 (
Urk. 11/83
) bestätigt.
Am 22. Februar 2009 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an
(Urk.
11/86
). Die IV-Stelle verneinte mit Verfügung vom 1. Juli 2010 einen Leist
ungsanspruch (Urk. 11
/1
33
). Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 9. Januar 2012 (Prozess Nr. IV.2010.00768; Urk.
11/150
) und vom Bundesgericht mit Urteil vom 30. März 2012 (Urk.
11/152
) bestätigt.
Am 22. April 2013 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk.
11/155-156
). D
ie IV-Stelle
trat
mit Verfügung vom 30. September 2013 auf das Lei
stungsbegehren nicht ein (Urk. 11/166).
Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 2
7.
Februar 2015 (Prozess Nr. IV.2013.01085; Urk. 11/173) und vom Bundesgericht mit Urteil vom 1
2.
Oktober 2015 (Urk. 11/175) bestätigt.
1.2
Am 3
0.
Mai 2018 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 11/179). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 11/206,
Urk.
11/210
,
Urk.
11/227,
Urk.
11/233
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
4.
Dezember 2020 einen Leistungsanspruch (Urk. 11/237 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom
1
4.
Dezember 2020
(Urk. 2) erhob die Versicherte am
2
5.
Januar 2021
direkt bei der IV-Stelle
Beschwerde (
Urk.
1
/1, Urk. 1/2), welche am
1
6.
März 2021
an das hiesige Gericht überwiesen wurde (Urk.
4
)
.
Die IV-Stelle beant
ragte mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
April 2021
(Urk.
10
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der
Beschwerdeführerin am 2
8.
April 2021
zur Kenntnis gebracht (Urk.
12
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt
die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141
V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer mate
riellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle des
wegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen
verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
gestützt auf die aktuellen medizinischen Berichte sei nicht von einer Verschlechterung der gesundheitlichen Situation auszugehen. Zwar bestünden beim Heben und Tragen schwerer Lasten über 10 kg und bei Arbeiten auf Leitern oder Gerüsten funktionelle Einschränkungen. Nachvollziehbar sei auch, dass vorübergehend in Phasen einer
Arthroseaktivierung
die lokalen funktionellen Beschwerden und Einschränkungen verstärkt sein könnten. Jedoch handle es sich hierbei erfahrungsgemäss um akute respektive vorrangig kurativ bedeutsame
Arthrosestadien
. Nach
deren
Abklingen sollte unter Beibehaltung der Schon
kriterien wieder eine 100%ige Ar
beitsfähigkeit erwartet werden. Aufgrund der Arztberichte von
Dr.
med.
Y._
könne auch aus psychiatrischer Sicht keine Verschlechterung erkannt werden. Es sei an der bisherigen Qualifikation
als zu 100
%
im Haushalt Tätige
festzuhalten. Die Beschwerdeführerin sei nie erwerbs
tätig gewesen und habe auch nie Versuche unternommen, auch nur stundenweise einem Erwerb nachzugehen. Im Haushaltbereich sei die Beschwerdeführerin zu 31
%
eingeschränkt. Diese Einschränkung entspreche dem Invaliditätsgrad.
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt
(
Urk.
1/1-1/2
,
Urk.
7
)
, ihre langjährigen behandelnden Ärzte würden eine Ver
schlechterung ihres Gesundheitszustandes bezeugen. Entsprechende Berichte lägen vor.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verschlechtert hat. Die letztmalige materielle Prüfung des Rentenanspruchs fand mit dem Urteil des hiesigen Gerichts vom
9.
Januar 2012 im Verfahren IV.2010.00768 (
Urk.
11/150) ihren Ab
schluss. Zu vergleichen ist dem
nach der Sachverhalt im Zeitpunkt jenes Urteils mit demjenigen im Zeitpunkt der vor
lie
gend angefochtenen Verfügung
vom 1
4.
Dezember 2020
(vgl. vorstehend E. 1.3).
3.
3.1
Dem Urteil des hiesigen Gerichts vom
9.
Januar 2012 (Urk. 11/150
) lag insbeson
dere
fol
gende
s
, vom Gericht veranlasstes
polydisziplinäres Gutachten
zugrunde:
3.2
Am 14. J
uli 2011 erstatteten Dr. med.
Z._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med.
A._
,
Facharzt für Rheumatologie und für Physikalische Medizin und Rehabilitation
, MEDAS
B._
,
das
vom
hiesigen
Ger
icht in Auftrag gegebene Gutachten (
Urk.
11/146/3-41
).
Die Gutachter stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 2 ff.), die Anga
ben der Beschwerdeführerin (S. 20 ff.), die anlässlich der am 26. und 27. April 2011 erfolgten Untersuchungen (S. 1) erhobenen Befunde (S. 28 f.) sowie ein rheumatologisches, ein neurologisches und ein psychiatri
sches Kon
silium (S. 30; Urk. 11
/
146/42-72
).
Betreffend die von der Beschwerdeführerin angegebenen Leiden und Beschwer
den berichteten die Gutachter ausführlich über das 1998 verübte Massaker an den Verwandten der Beschwerdeführerin (S. 23 ff
.
).
Als somatische Leiden nannten sie starke, seit 2004 bestehende Kopfschmerzen, etwas Schulter- und Kreuzschmerzen sowie eine Schlafstörung (S. 25 f.).
Zusammenfassend nannten die Gutachter folgende Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (S. 35 Ziff. 4.1):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10 F45.41)
-
komplizierte, protrahierte Trauerreaktion
(ICD-10 F38.8)
-
leichte depressive Episode ohne somatisches Syndrom
(ICD-10 F32.00)
-
posttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10 F43.1)
-
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
(ICD-10 F62
.
0)
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert, nannten sie (S. 35 f. Ziff. 4.2):
-
chronifiziertes
oberes
Quadrantenschmerzsyndrom
links mit chro
ni
schem
zerviko
-thorakalem Schmerzsyndrom mit
spondylogener
Begleit
kompo
nente
-
toxisch-
irritatives
Handekzem (Erstdiagnose 1998)
-
reduzierter Geruchs- und Geschmackssinn unklarer Genese
-
erbsgrosses
Tumörchen
auf der Zungenmitte, anamnestisch seit Jahr
zehn
ten
-
Gebiss-Totalprothesen
-
rezidivierende, ausgeprägte Oberbauch-Beschwerden seit 2003
Als Nebenbefund erwähnten die Gutachter einen Status nach
fibulotalarer
Bandruptur des rechten oberen Sprunggelenks 2004 (S. 36 Ziff. 4.3).
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, die Beschwerdeführerin sei bisher ausschliesslich als Hausfrau und Mutter tätig gewesen. Sie habe ihnen gegenüber angegeben, eine ausserhäusliche Tätigkeit käme für sie definitiv nicht mehr in Frage, da sie ihren chronisch depressiv kranken Mann nicht alleine lassen könne. Als Hausfrau im eigenen Haushalt sei die Beschwerde
führerin zu 70 % arbeits
fähig (S. 36 Ziff. 5.1).
Eine ausserhäusliche Tätigkeit wäre der Beschwerdeführerin zu 50 % zumutbar. Der konsiliarisch mitwirkende Psychiater betone, dass eine solche Tätigkeit gleichzeitig auch eine Therapie bedeuten könne, wenn sie sorgfältig und mit Begleitung durch ein Coaching erfolge. Körperliche Einschränkungen bestünden keine, ausser dass die Beschwerdeführerin keine Schwerarbeit verrichten solle. Alle leichten und auch mittelschwere
n
Tätigkeiten seien zumutbar (S. 36 Ziff. 5.2).
Zum mutmasslichen Beginn der reduzierten Arbeitsfähigkeit führten die Gutach
ter aus, ihre Beurteilung gehe dahin, dass die Beschwerdeführerin schon seit mehreren Jahren im attestierten Grade arbeitsfähig sei, auf jeden Fall im Haushalt (S. 36 Ziff. 5.4).
Zur
Frage nach der Bedeutung einer in früheren Beurteilungen genannten
Aglossie
/ Anosmie führten die Gutachter aus, dabei dürfte es sich insoweit um ein Missverständnis handeln, als
Aglossie
an sich Zungenlosigkeit bedeute; gemeint sei vermutlich eine
Ageusie
, ein Fehlen des Geschmacksinns. Im Rahmen der neurologischen Abklärung habe nicht sicher erhoben werden können, wie intensiv diese Störungen seien. Sie spielten bei einer routinierten Hausfrau in der Regel keine Rolle, hingegen könnte die Beschwerdeführerin allenfalls nicht als Köchin in einem Gastbetrieb tätig sein (S. 38 Ziff. 6.1).
Die Frage nach dem Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung bejah
ten die Gutachter aus näher dargelegten Gründen (S. 38 Ziff. 6.2).
Ein früher genannter Befund (subjektive Schwäche der rechtsseitigen Extremi
täten ohne neurologische Ursache) konnte im Rahmen der neurologischen Unter
suchung nicht bestätigt werden (S. 38 Ziff. 6.3).
Zu den Auswirkungen eines am 6. Februar 2009 erlittenen Auffahrunfalls führ
ten die Gutachter aus, aus Sicht des Rheumatologen sei es dadurch zu keiner fassba
ren Verschlechterung des Gesundheitszustandes gekommen. Ge
mäss den Angaben des Psychiaters habe sich durch den Unfall auch der psychische Zustand verschlechtert. Da aber die Symptomatik infolge Traumati
sierung durch das Massaker eindeutig im Vordergrund stehe, sei der Unfall nur ein weiteres Element, welches den Verlauf der Störung beeinflusst habe, wahr
scheinlich nur vorüber
gehend, wobei vor allem die Nackenschmerzen verstärkt worden seien (S. 38 f. Ziff. 7).
Die von der Beschwerdeführerin gestellten Ergänzungsfragen, wie lange und in welchem Umfang der Unfall vom 6. Februar 2009 zu einer Erhöhung der Ein
schränkung im Haushalt und der Arbeits
fähigkeit geführt habe
, beantworteten die Gu
tachter folgendermassen (
Urk.
11/149/2-4
):
Sie wiesen darauf hin, dass der Vergleich der in den Jahren 2005 bis 2008 berichteten Befunde mit den bei der Begutachtung erhobenen Befunden eigent
lich keine Verschlechterung vorliege; die Beschwerden seien seit Jahren in etwa die gleichen (S. 2 Mitte).
Vor diesem Hintergrund sei es unmöglich zu entscheiden, wie lange der genannte Unfall zu einer Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit geführt habe. Aus allge
meiner Erfahrung könne man sagen, dass die Beschwerdeführerin ohne Vorzu
stand vielleicht wenige Wochen arbeitsunfähig gewesen wäre. Angesichts des deutlichen Vorzustandes könne man grob verallgemeinernd schätzen, dass die Beschwerdeführerin durch die Unfallfolgen während maximal drei Monaten in ihrer Arbeitsfähigkeit hätte eingeschränkt sein können; eine vollständige Arbeits
unfähigkeit im Haushalt dürfte aber nur einige Wochen vorgelegen haben (S. 2).
4.
4.1
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 1
6.
Juli 2018 (
Urk.
11/188), nannte als Diagnosen eine chronische rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F32.2), eine chronische Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) sowie eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und führte aus,
die Beschwerdeführerin leide seit Jahren an Schmerzen und Depressionen. Die schwierige Situation mit dem schwer psychisch kranken Ehemann
belaste sie
täglich. Sie fühle sich stark traurig, das Gedächtnis habe nachgelassen und sie sei verzweifelt, weil die Ärzte ihr nicht hätten wesentlich helfen können. Sie würde gerne wieder mehr im Haus
halt arbeiten, was sie aber wegen Depressionen und Schmerzen nicht schaffe. Insgesamt hätten sich die depressive Symptomatik und die körperlichen Beschwerden in den letzten drei Jahren verschlechtert.
Mehr als ein Dutzend verschiedene Psychopharmaka hätten den psychischen Zustand der Beschwerde
führerin nicht nachhaltig zu verbessern vermögen.
4.2
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 1
1.
September 2018 (
Urk.
11/189) und führte aus, im Vordergrund stünden vor allem die sich verschlechternde chronische depressive Störung und die seit Jahren bestehenden Schmerzen des Bewegungsapparates und des Nackens, welche sich trotz Therapie und medikamentöser Behandlung in den Jahren verschlechtert hätten und zunehmend auch zu Schlafstörungen führen würden. Diese würden die Leistungsfähigkeit und das kognitive Vermögen deut
lich einschränken.
Leider hätten bis anhin viele medikamentöse Behandlungen sowie auch Antidepressiva nicht wesentlich zu einer Verbesserung der Beschwer
den geführt. Es müsse von einer chronischen Krankheit ausgegangen werden. Das Beschwerdebild habe sich in den letzten
drei
Jahren verschlechtert
, so dass die Beschwerdeführerin weniger leistungsfähig sei, was sich auch im Alltag im Haushalt auswirke.
V
on
eine
r
Verbesserung sei aufgrund des Verlaufs nicht auszugehen.
4.3
Dr.
Y._
berichtete am 1
2.
November 2018 (
Urk.
11/198) und führte aus, die Beschwerdeführerin leide seit Jahren an verschiedenen Einschränkungen des Bewegungsapparates (Schmerzen), die sich trotz adäquater Behandlung nicht bessern würden. Ihr Zustand habe sich insgesamt in den letzten 10 Jahren verschlechtert. Die Prognose sei schlecht, da es sich um ein
chronifiziertes
Leiden handle und keine Behandlung eine Linderung erbracht habe. Auch eine Einschränkung der Haushaltarbeiten sei vorhanden, insgesamt bestehe eine schnelle Erschöpfung (S. 3). Alle Therapiemöglichkeiten seien ausgeschöpft. Eine Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung sei neben der
Chronifizie
rung
auch aus sprachlichen Gründen nicht möglich.
Es bestehe eine schnelle Erschöpfbarkeit und wenig Energie, die Aufgaben im Haushalt anzupacken. Ausserdem würden rheumatologische Einschränkungen des Bewegungsapparates, die viele Haushalttätigkeiten verunmöglichen würden, und auch mangelnde Energie wegen der Schlafstörungen bestehen
(S. 4)
.
Im Haushalt könne er die Stunden der Leistungsfähigkeit nicht beurteilen (S. 6).
4.4
Dr.
C._
berichtete am 1
3.
Februar 2019 (
Urk.
11/204/1-2) und führte aus, im Vordergrund der Beschwerden stünden sicher die chronischen
Zervikoce
phalgien
und
Myogelosen
, die die Beschwerdeführerin in ihrem Alltag erheblich einschränken und ihre Leistungsfähigkeit verschlechtern würden. Die bestehen
den Diagnosen hätten sich in ihrem Schweregrad verschlechtert. Die Beschwer
deführerin habe jegliche therapeutischen Massnahmen wahrgenommen, die zu einer Verbesserung der Beschwerden führen könnten, was aber leider häufig frustrierend gewesen sei und höchstens zu einer kurzzeitigen Stabilisierung geführt habe.
Die P
rognose sei aufgrund des
chronischen Verlaufs und
der Verschlechterung trotz immer wieder angepassten therapeutischen Optionen schlecht. Die Beschwerdeführerin sei auch im Haushalt eingeschränkt und auf die tägliche Hilfe der Tochter angewiesen. Eine konkrete Angabe von Stunden könne bei wechselnden Beschwerden nicht deklariert werden und sei sehr abhängig von der depressiven Verstimmung, den Schmerzen und der Schlaffähigkeit.
Strengere Arbeiten wie Staubsaugen und Arbeiten über dem Kopf könne die Beschwerde
führerin nur mit Unterstützung der Kinder durchführen.
4.5
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am
7.
März 2019 Stellung (
Urk.
11/205/5-6) und führte aus, den Akten der Krankenversicherung zufolge entspreche die Behand
lungshäufigkeit und –
intensität
2018 in etwa dem Üblichen der Jahre 2013 bis 201
8.
Aus den medizinischen Berichten von
Dr.
C._
,
Dr.
Y._
und
Dr.
E._
sei eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes nicht ausgewiesen.
4.6
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, berichtete am
9.
September 2019 (
Urk.
11/209) und führte aus, die erstmalige Vorstellung bei ihm sei im Juni 2018 aufgrund der bilateralen Handbeschwerden erfolgt. Es habe sich eine bilaterale symptomatische
Rhizarthrose
mit progredienten Beschwerden unter Belastung und rezidivierender Schwellung sowie deutlicher Bewegungsein
schränkung und Einschränkung der groben Kraft rechtsbetont gezeigt. Nach durchgeführter Infiltration sei es nur zu einer vorübergehenden Verbesserung der Beschwerdesymptomatik für etwa sechs Wochen gekommen
(vgl. hierzu auch seine Berichte vom 2
7.
Juni 2018,
Urk.
11/191 =
Urk.
11/204/5,
und vom
5.
November 2018,
Urk.
11/195/7, in welchem er aus chirurgischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit, abgesehen vom Heben und Tragen von schweren Lasten über 10 kg und dem Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, das
unterbleiben
sollte, festhielt)
. Im Rahmen der aktuellen nochmaligen Wiedervorstellung am
4.
Sep
tember 2019 lasse sich insgesamt eine Progression der Beschwerden
,
aber auch klinisch fassbar und radiologisch dokumentiert
ein Progress der
Rhizarthrose
vor allem der linken Seite darstellen. Somit sei eine deutliche Verschlimmerung des Gesundheitszustandes bezogen auf beide Hände respektive beide CMC-I-Gelenke zu verzeichnen.
Die beschriebenen Veränderungen würden sich insofern auf die Arbeitsfähigkeit auswirken, dass nicht jeden Tag eine 100%ige Kraftentfaltung der Hände respektive eine zunehmende Abnahme der groben Kraft zu verzeich
nen sei. Des Weiteren seien aufgrund der raschen Ermüdung durch die ausgelös
ten und fortgeleiteten Schmerzen auch in den Unterarmen und im distalen Daumen erforderliche Pausen einzuhalten.
Insgesamt sei das Heben und Tragen von Lasten über 5 kg so nicht mehr zumutbar
,
und auch das Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sollte definitiv unterbleiben. Repetitive Tätigkeiten, die die Benutzung des Daumens einschliessen würden, seien ebenfalls nur mit einer Arbeitsintensität von maximal 80
%
vertretbar.
Die Arbeitsfähigkeit in ange
stammter und angepasster Tätigkeit betrage maximal 80
%
. Auch im Haushalt bestünden bezüglich der bestehenden Veränderungen Einsc
hränkungen, die insbesondere bei
Tätigkeiten wie Staubsaugen, Reinigungsarbeiten oder dem Kochen
zum Tragen kämen.
4.7
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, RAD, nahm am 3
1.
März 2020 Stellung (
Urk.
11/225/3) und führte aus,
der Argumen
tation von
Dr.
E._
könne insofern gefolgt werden, dass wegen beschrie
bener Daumensattelgelenkarthrose funktionelle Einschränkungen beim Heben und Tragen schwerer Lasten über 10 kg und Arbeiten auf Leitern und Gerüsten bestünden. Nachvollziehbar erscheine auch, dass temporär in
Arthroseaktivie
rungsphasen
die lokalen Beschwerden und Einschränkungen verstärkt sein könnten.
Jedoch handle es sich hierbei erfahrungsgemäss um akute respektive vorrangig kurativ bedeutsame
Arthrosestadien
. Nach deren Abklingen durch offenbar jetzt noch ausstehende medizinische Massnahmen sollte unter Beibehal
tung der Schonkriterien jedoch wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erwartet werden. Der von
Dr.
E._
attestierten dauerhaften Veränderung in Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit könne unter diesen Bedingungen versicherungsmedizinisch nicht gefolgt werden.
4.8
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, nahm am
2.
April 2020 Stellung (
Urk.
11/225/3-4) und führte aus,
aufgrund der Berichte von
Dr.
Y._
seit 2009 könne aus psychiatrischer Sicht keine Verschlechterung erkannt werden.
4.9
Die zuständige Abklärungsperson führte am
8.
Juli 2020 bei der Beschwerde
füh
rerin zu Hause eine Haushaltabklärung an Ort und Stelle durch, qualifizierte sie als zu 100 % im Haushalt tätig und ermittelte eine Einschrän
kung von 31 % im Haushalt (Urk. 11/224).
Die Beschwerdeführerin gebe an, im Gesundheitsfall 60
%
erwerbstätig zu sein. Hierfür würden finanzielle Gründe angegeben und zudem wären für die Beschwerdeführerin soziale Kontakte bereichernd gewesen. Sie wäre ins Erwerbs
leben eingetreten, sobald ihr jüngstes Kind volljährig geworden sei (2016; S. 3 f.).
Die Abklärungsperson hielt dazu fest, dass die Beschwerdeführerin nie erwerbs
tätig gewesen sei. Trotz verbleibender Restarbeitsfähigkeit habe sie keinerlei Versuche unternommen, auch nur stundenweise einem Erwerb nachzugehen. Die Beschwerdeführerin habe im Verlauf der Jahre erklärt, dass sie keinem Erwerb nachgehen könne, da sie ihren kranken Ehemann zu betreuen habe. Diese Grund
voraussetzung bestehe
gemäss
Angaben vor Ort unverändert. Die weitere familiäre Ausgangslage habe sich verändert. Im Jahr 1999 habe die Beschwerde
führerin noch für ein Kleinkind sorgen müssen. Der Ehemann sei seit vielen Jahren Rentner. Die finanzielle Situation sei somit bereits zum Zeitpunkt der früheren Anmeldungen mit der heutigen zu vergleichen. Hätte die Beschwerde
führerin aus finanzieller Sicht eine Arbeit angenommen, wäre dies aller Wahr
scheinlichkeit nach bereits vor der Volljährigkeit der Tochter in die Wege geleitet worden. Zur Erweiterung der sozialen Kontakte scheine die Aufnahme eines Erwerbs zu diesem Zeitpunkt
ebenfalls unwahrscheinlich. Wäre die
ausserhäus
liche
Kontaktaufnahme von hoher Wichtigkeit für die Beschwerdeführerin gewe
sen, hätte sie die Möglichkeit gehabt, sich zum Beispiel mit Kursen auf eine
ausserhäusliche
Tätigkeit vorzubereiten und in diesem Zusammenhang Menschen kennenzulernen. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit zu 100
%
im Haushalt tätig geblieben wäre (S. 4).
4.10
Dr.
Y._
berichtete am
9.
November 2020 (
Urk.
11/232/1-2) und führte aus, die Diagnosen seien seit Jahren
dieselben,
ausser
dass sich der Schweregrad verschlechtert habe.
Sein Bericht vom 1
6.
Juli 2018 sei nur kurz zusammen
fassend, so dass er auf psychopathologische Befunde verzichtet habe, was er als legitim erachte. Hingegen habe er im ausführlichen Bericht vom 1
2.
November 2018 sehr wohl psychopathologische Befunde beschrieben, aufgrund derer und des Verlaufs er zu genannten Diagnosen und dem Schweregrad der psychischen Erkrankung gelangt sei.
Die beschriebene Verschlechterung halte auch in den letzten zwei Jahren weiter an. Seit 2009 habe sich der Schweregrad der Erkran
kung deutlich verschlechtert. Das zeige sich insbesondere an den verschiedenen stärker gewordenen oder neu aufgetretenen Schmerzsymptomen, welche psycho
somatischer Natur sein müssten. Da die psychosomatischen Beschwerden weiter zugenommen und sich ausgeweitet hätten, stelle er aktuell
neu
die Diagnose einer schweren depressiven Störung.
4.11
Dr.
C._
berichtete am 1
1.
November 2020 (
Urk.
11/232/3) und führte aus,
der körperliche und psychische Allgemeinzustand der Beschwerdeführerin habe sich über die Jahre zunehmen
d
verschlechtert
,
und sie sei dadurch immer mehr auf die Hilfe der Familie angewiesen.
4.12
Dr.
C._
berichtete erneut am 1
6.
März 2021 (
Urk.
8/1) und führte aus,
sie betreue die Beschwerdeführerin langjährig als Hausärztin und habe miterlebt, wie trotz verschiedener
Massnahmen
wie Physioth
e
rapie, konsiliarische Unter
suchungen bei Fachspezialisten, schmerztherapeutische
Massnahmen
sowie unterstützende psychotherapeutische
Massnahmen
durch
Dr.
Y._
keine Verbes
serung der chronischen Schmerzen stattgefunden habe. Im Gegenteil, die Situation sei sich verschlechternd. Die Schmerzen könnten kaum stabilisiert werden und die Beschwerdeführerin müsse täglich Medikamente einnehmen, die doch auch mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden seien.
Bereits leichte körperliche Arbeite
n im Haushalt würden ihr schwer
fallen
,
und sie brauche deut
lich mehr Hilfe von der Familie, was sicherlich eine Einschränkung im Haushalt von 31
%
übersteige.
Sie erlebe die Beschwerden als verschlechternd. Früher habe sie die Treppen zur Praxis mühelos hochlaufen können, heute habe sie schmerz
bedingt sehr Mühe. Sie beurteile die Arbeitsunfähigkeit deutlich höher, da die Beschwerdeführerin auch in ihren alltäglichen Verrichtungen zunehmend eingeschränkt und eine Verbesserung nicht
zu
erwarten sei.
5.
5.1
Das Bundesgericht geht nach ständiger Rechtsprechung davon aus, dass mit dem Eintreten auf eine erneute An
meldung im Sinne von
Art.
87
Abs.
3 IVV in analoger Weise wie bei einem Revisionsverfahren nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vor
zugehen ist (BGE 133 V 108 E. 5.2; vgl. beispielsweise Urteil des Bundesgerichts 8C_398/2017 vom
1.
März 2018 E. 2; vgl. vorstehend E. 1.
1
).
Dabei gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, insbesondere in den persönlichen Verhältnissen der versicherten Person (BGE 133 V 545 E. 7.1), Anlass zur Rentenrevision. Dazu gehört namentlich der Gesund
heits
zustand. Dabei ist nicht die Diagnose massgebend, sondern in erster Linie der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik. Aus einer anderen Diagnose oder einer unter
schiedlichen Einschätzung der Arbeits
fähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann somit nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung geschlossen werden (
vgl.
Urteil
e
des Bun
des
gerichts
9C_135/2021 vom 2
7.
April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen und
9C_602/2016 vom 14. Dezember 2016 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
Auch das Hinzutreten einer neuen Diagnose stellt nicht per se einen Revisionsgrund dar, weil damit das quantitative Element der (erheblichen) Gesundheitsver
schlechterung nicht zwingend ausgewiesen ist (BGE 141 V 9
E. 5.2 mit Hinwei
sen). Massgebend ist einzig, ob bzw. in welchem Aus
mass – unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie – den medizinischen Akten eine Verschlechterung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit im relevanten Zeitraum entnommen werden kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_664/2017 vom 25. Januar 2018 E. 9 und 9C_799/2016 vom 21. März 2017 E. 5.2.1 mit weiteren Hinweisen).
5.2
Mit Urteil des hiesigen Gerichts vom Januar 2012 im Verfahren IV.2010.00768 (Urk. 11/150) - welches die letzte materielle Überprüfung des Rentenan
spruchs darstellt - wurde die angefochtene Verfügung vom
1.
Juli 2010 (
Urk.
11/133) geschützt. Gestützt auf die Beurteilung der MEDAS-Gutachter (vorstehend E. 3.2) wurde davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin
an einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10 F45.41), einer komplizierten, protrahierten Trauerreaktion (ICD-10 F38.8), einer leichten depressiven Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.00), einer posttrau
matischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie einer andauernden Persön
lichkeitsänderung nach Extrembelastung
(ICD-10 F62.
0) leide, welche eine wesentliche Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit
hätten.
Als Hausfrau im eigenen Haushalt sei die Beschwerdeführerin zu 70
%
arbeitsfähig, eine ausserhäusliche Tätigkeit
wäre
ihr
zu 50
%
zumutbar. Körperliche Einschränkun
gen bestünden keine, ausser dass die Beschwerdeführerin keine Schwerarbeit verrichten solle.
Gestützt auf die Qualifizierung der Beschwerdeführerin als zu 100
%
im Haushalt tätig,
stelle die attestierte Einschränkung von 30
%
im Aufgabenbereich
den Invaliditätsgrad dar.
Im Sinne der antizipierten Beweiswür
digung erweise sich die Durchführung einer Haushaltabklärung als entbehrlich.
5.3
S
owohl aus somatischer wie auch aus psychiatrischer Sicht lässt die Gegen
über
stellung der bei der letzten Renten
prüfung vorhandenen mit den seither eingegangenen medizinischen Berichten auf keine wesentliche Veränderung beziehungsweise Verschlechterung des Ge
sundheitszustandes der Beschwerde
führerin schliessen. Anlässlich der seit der erneuten Anmeldung erfolgten Abklä
rungen wurden insbesondere keine neuen psychopathologischen Befunde erhoben, die eine wesentliche Einschränkung der funktionellen Leis
tungsfähig
keit begründen könnten und nicht bereits zum Zeitpunkt der letzten Renten
prüfung bekannt gewesen wären.
So wurden nach wie vor die belastete Lebens
geschichte der Beschwerdeführerin mit in der Folge reaktiver Depression
und somatoformen Beschwerden sowie die
zervikobrachialen
Schmerzen
und
Myogelosen
genannt.
Bisher unberücksichtigte objektive Befunde wurden nicht erhoben
,
und es lässt sich den medizinischen Berichten auch keine
wesentliche
Verschlechterung der bereits bekannten Beschwerden oder Befunde entnehmen.
So machten sowohl
Dr.
Y._
(vgl. vorstehend E.
4.1, E. 4.3, E. 4.10)
wie auch
Dr.
C._
(vgl. vorstehend E. 4.2, E. 4.4, E. 4.11-4.12)
pauschal eine Verschlechterung insbeson
dere in den letzten drei Jahren geltend,
jedoch
ohne
dabei substantiiert aufzuzei
gen, welche objektiven Befunde sich denn verschlechtert hätten.
Die von ihnen postulierte Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin wird in den Berichten nicht nachvollziehbar durch B
efunde belegt, sondern stützt sich zu einem wesentlichen Teil auf
subjektive Aussagen der Beschwerdeführerin
, welche jedoch vergleichbar mit ihren Beschwerdeangaben in den früheren Arzt
berichten sind
.
Zu
den
Bericht
en
von
Dr.
E._
(vgl. vorstehend E. 4.6)
bleibt anzumerken, dass die von ihm genannten funktionellen Einschränkungen beim Heben und Tragen von Lasten über 10 kg sowie bei Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sowie auch eine vorübergehende
Verstärkung der lokalen funktio
nellen Beschwerden und Einschränkungen in Phasen einer
Arthroseaktivierung
vom RAD als nach
vollziehbar beurteilt wurden.
Der Beurteilung des RAD ist diesbezüglich
zu folgen, wenn er hierbei von akuten, respektive vorrangig kurativ bedeutsamen
Arthrosestadien
ausgeht, nach deren Abklingen unter Beibehaltung der Schon
kriterien wieder eine volle Arbeitsfähigkeit erwartet werden könne
und insofern nicht von einer dauerhaften Veränderung beziehungsweise Verschlech
terung des Gesundheitszustandes ausgeht
(vgl. E. 4.7)
.
S
omit ist
somatisch weiterhin keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für eine körperlich leichte bis mittelschwere T
ätigkeit ausgewiesen
und
psychiatrisch werden keine neuen Befunde oder D
iagnosen gestellt
, weshalb auch RAD-Ärztin
Dr.
G._
aufgrund der Berichte von
Dr.
Y._
seit 2009 aus psychiatrischer Sicht von keiner Verschlechterung ausging
(vgl. E. 4.8)
.
In den neuen medizi
nischen Berichten wird im Wesentlichen derselbe Gesund
heitszustand beschrieben, wie bereits in den früheren Arztberichten.
Eine
relevante
Verschlimmerung des Zustandes liess sich nach dem Gesagten nicht dokumentieren, zumal keine neu hinzuge
kom
me
nen Beschwerden oder Patholo
gien feststellbar gewesen waren. Zusammenfassend ist somit seit der letztmaligen Renten
prüfung weder aus psychiatrischer noch aus somatischer Sicht eine Verschlechterung des Gesundheitszustands im Sinne von Art. 17 ATSG eingetre
ten.
5.4
Die Statusfrage
wurde beschwerdeweise
zwar
nicht mehr gerügt. Es bleibt hierzu
jedoch
anzumerken,
dass die Beschwerdeführerin
im Urteil des hiesigen Gerichts vom
9.
Januar 2012
(
Urk.
11/150) als zu 100
%
im Haushalt tätig qualifiziert wurde und der Abklärungsdienst der Beschwerdegegnerin aktuell an der bisheri
gen Qualifikation der Beschwerdeführerin festhielt (vgl. vorstehend E. 4.9). Dieser Beurteilung
und Begründung
ist zu folgen. So
führte die Beschwerdegegnerin
nachvollziehbar
aus
(
Urk.
2 S. 3)
, dass
die Beschwerdeführerin nie erwerbstätig
war und
denn auch nie Versuche unternommen
hat
, auch nur stundenweise einem Erwerb nachzugehen. Auch die angeführten Gründe (Pflege des kranken Ehemannes sowie finanzielle Gründe)
sprachen mit
d
er
Beschwerdegegnerin
zu Recht
nicht für die Annahme einer Teil-Erwerbstätigkeit, zumal die finanzielle Situation bereits zum Zeitpunkt der früheren Anmeldungen mit der heutigen zu vergleichen
war
und ausserhäusliche Kontakte schon früher hätten aufgenommen werden können, wären diese für die Beschwerdeführerin von hoher Wichtigkeit gewesen.
Vor diesem Hintergrund sowie unter Berücksichtigung der gesamten U
mstände
ist die Beschwerdeführerin weiterhin als zu 100
%
im Haushalt tätig zu qualifizieren.
5.5
D
er Gesundheitszustand und die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit sind nach dem Gesagten aufgrund der medizinischen Akten hinreichend abgeklärt. Von weiteren Untersuchungen wären diesbezüglich keine neuen Erkenntnisse zu erwarten.
Zusammenfassend ist somit davon auszugehen, dass es seit der letzten
materiellen
Renten
prüfung im
Juli 2010 beziehungsweise
Januar 2012
weder zu einer wesentli
chen Veränderung der festgestellten Befunde noch zu einer wesentlichen Verän
derung der Arbeitsfähigkeit
beziehungsweise Einschränkung im Aufgaben
bereich
und auch zu keiner Veränderung der Qualifikation
gekom
men ist. Ein Revisionsgrund ist somit zu ver
neinen, womit von einem struktu
rierten Beweis
verfahren abgesehen werden kann (vgl. BGE 141 V 281).
Der angefochtene Entscheid ist somit rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes ü
ber die Invalidenversicherung, IVG
) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.