Decision ID: 63a71b19-8f2e-426c-832e-fbaaca1ca359
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
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A.a G._ meldete sich im Oktober 2005 zum Bezug von IV-Leistungen (Rente) an, da
sie an Depressionen leide. Sie gab an, von 1989 bis August 2003 mit ihrem Mann und
ihren drei Kindern im Ausland gelebt zu haben. Am 8. August 2003 sei sie mit ihren
Kindern in die Schweiz gekommen und habe hier vergeblich nach Arbeit gesucht. Seit
dem Frühjahr 2005 sei sie so mutlos und depressiv geworden, dass sie gar nicht mehr
die Kraft und Konzentration habe, um zu arbeiten (act. G 5.1 und 5.8).
A.b Im Arztbericht vom 18. Mai 2006 diagnostizierte Dr. med. A._, Psychiatrie/
Psychotherapie, der Versicherten eine mittel- bis schwergradige depressive Störung
(ICD-10: F32.11, F32.2) auf dem Boden einer anankastischen Persönlichkeit (ICD-10:
F60.5) sowie eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1). Für die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit als kaufmännische Angestellte/Dolmetscherin sei die Versicherte
seit 1. Mai 2005 bis auf weiteres zu 75% arbeitsunfähig. Im selben Bericht führte er
aus, es handle sich hierbei um ein psychisches Leiden mit Krankheitswert. Der Zustand
habe sich chronifiziert und einen invalidisierenden Verlauf genommen. Aus
psychiatrischer Sicht halte er die Versicherte für eine auswärtige Tätigkeit nach wie vor
für 100% arbeitsunfähig (act. G 5.18).
A.c Am 30. Juni 2006 wurde eine Abklärung im Haushalt der Versicherten durchgeführt.
Die Abklärungsperson stufte die Versicherte hierbei als zu je 50% erwerbs- und im
Haushalt tätig ein und ermittelte im Haushalt eine Einschränkung von 3.79% (act. G
5.28).
A.d Am 8. und 9. März 2007 wurde die Versicherte von Dr. med. B._, Eidg. Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, Akupunktur TCM, untersucht und begutachtet. Im
Gutachten vom 28. März 2007 diagnostizierte er eine neurasthenische Entwicklung
(ICD-10: F48.0). Die Versicherte sei aus psychiatrischer Sicht für jegliche Tätigkeiten zu
100% arbeitsunfähig (act. G 5.32). Aufgrund einer telefonischen Nachfrage vom 18.
April 2007 von Dr. med. C._, Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regionalen
Ärztlichen Dienst der Invalidenversicherung (RAD) ergänzte er sein Gutachten durch die
Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung agitierten Charakters mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11; act. G 5.33).
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A.e Am 3. Mai 2007 nahm Dr.C._ Stellung zum Gutachten von Dr. B._. Unter Abzug
der im Gutachten eindrücklich geschilderten IV-fremden Faktoren sowie der praktisch
vollen Arbeitsfähigkeit als Hausfrau (welche durch Dr. B._ plausibilisiert worden sei)
ergebe sich aus versicherungsmedizinischer Sicht ab 8. März 2007 keine
Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit im Zeitraum vom
1. Mai 2005 bis 7. März 2007 sei auf die Beurteilung von Dr. A._ abzustellen (act. G
5.35).
A.f Mit Vorbescheid vom 29. Juni 2007 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Ablehnung ihres Rentengesuchs in Aussicht (act. G 5.40). Hiergegen erhob diese,
vertreten durch Rechtsanwalt Marc Brügger-Kuret, am 24. August 2007 Einwand. Sie
liess beantragen, der Vorbescheid sei aufzuheben und es seien ergänzende
medizinische Abklärungen durch eine MEDAS vorzunehmen. Für die Zeit bis zum 7.
März 2007 seien Leistungen basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 100%
auszurichten (act. G 5.44).
B. Mit Verfügung vom 12. November 2007 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 1.89% ab (act. G 5.49).
C.
C.aMit Eingabe vom 17. Dezember 2007 erhebt der Vertreter der Versicherten
Beschwerde und beantragt, die Verfügung vom 12. November 2007 sei aufzuheben,
und die Sache sei zur Ergänzung der medizinischen Abklärungen durch eine MEDAS
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zudem beantragt er die unentgeltliche
Prozessführung. Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, für die Bestimmung
des Status der Beschwerdeführerin sei nicht auf die Aussage der ersten Stunde,
sondern auf den Antrag auf Arbeitslosenentschädigung abzustellen; auf Druck des
Sozialamts habe sich die Beschwerdeführerin zu 80-100% vermittlungsfähig melden
müssen. Bezüglich des Valideneinkommens könne die Beschwerdeführerin nicht als
Hilfsarbeiterin qualifiziert werden. In medizinischer Hinsicht lägen drei verschiedene
Beurteilungen vor, weshalb zur Klärung der unterschiedlichen Diagnosen und der
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Begutachtung durch eine MEDAS
erforderlich sei (act. G 1).
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C.b Mit Beschwerdeantwort vom 11. Februar 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, es sei
unbestritten, dass die Beschwerdeführerin im Haushalt kaum eingeschränkt sei,
weshalb nicht einzusehen sei, wieso sie in einer Tätigkeit als Hilfsarbeiterin
eingeschränkt sein solle. Dr. B._ habe in die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
invaliditätsfremde Faktoren einbezogen. Aus medizinischer Sicht unterschieden sich
die Beurteilungen von Dr. B._ und Dr.C._ nicht grundsätzlich; die RAD-Psychiaterin
ziehe aus versicherungsmedizinischer Sicht allerdings andere Schlüsse. Es könne offen
bleiben, ob die Beschwerdeführerin als zu 50% oder zu 80% erwerbstätig zu
betrachten sei, da sie ohnehin keinen Rentenanspruch habe (act. G 5).
C.c Am 20. Februar 2008 wird der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Prozessführung bewilligt (act. G 6).
C.d Mit Replik vom 26. März 2008 hält der Vertreter der Beschwerdeführerin an seinen
Anträgen fest (act. G 8).
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
E. 1b), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen
Bestimmungen anwendbar.
2.
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2.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Die Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen
Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
geregelt. Diese Lücke füllt Art. 28 Abs. 2 IVG: Es ist darauf abzustellen, in welchem
Mass die betreffende Person behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Als
Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person gelten insbesondere die übliche
Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische
Tätigkeiten (Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
Die Bestimmung von Art. 28 Abs. 2 IVG regelt die so genannte gemischte Methode
der Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil erwerbstätig und zum Teil im
Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen "gemischten" Fall sind der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen.
Ist bei einer Person, die nur zum Teil erwerbstätig ist, anzunehmen, dass sie im
Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden vollzeitlich
erwerbstätig wäre, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den
Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 IVV).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
bis
ter
bis
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zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Diese
Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen
Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Führen die im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden
Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender, sorgfältiger,
objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 400 E. 4.1) zur
Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei überwiegend wahrscheinlich (BGE 126 V
360 E. 5b mit Hinweisen) und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem
feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegen im Verzicht auf die Abnahme
weiterer Beweise weder eine Verletzung der Untersuchungsmaxime noch eine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 E. 4b mit
Hinweisen).
2.4 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Dies bedeutet nicht, dass Parteigutachten durch
den Umstand allein, dass sie von einer Partei eingeholt und in das Verfahren
eingebracht wurden, ohne weiteres minder beweiskräftig sind. Denn auch sie können
nützliche Äusserungen zum medizinischen Sachverhalt enthalten. Daraus folgt
wiederum nicht, dass sie den gleichen Rang wie ein vom Gericht oder vom
Sozialversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten
besitzen. Relevant werden sie nur, wenn ihre Aussagen die Auffassungen und
Schlussfolgerungen des förmlich bestellten Gutachtens in rechtserheblichen Fragen
derart zu erschüttern vermögen, dass davon abzuweichen wäre (BGE 125 V 351 E. 3c).
Was Berichte von Hausärzten angeht, so darf diesen nicht zum Vorneherein jede
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Glaubwürdigkeit abgesprochen werden. Indes muss die Erfahrungstatsache
mitberücksichtigt werden, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember
2005, 4P.254/2005, E. 4.2).
2.5 Für die Invaliditätsbemessung im Haushalt stellt der nach Massgabe der
Verwaltungsweisungen des BSV (Rz 3084 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], Stand 1. Januar 2008) eingeholte
Abklärungsbericht im Haushalt eine geeignete und im Regelfall genügende Grundlage
dar. Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer
versicherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von
Arztberichten – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der
Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und
räumlichen Verhältnissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich
ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der
versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der
Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel,
begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein
und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft
dies alles zu, ist der Abklärungsbericht beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2). Sofern
der Abklärungsbericht im Sinne der vorstehend genannten Rechtsprechung eine
zuverlässige Entscheidungsgrundlage darstellt, greift das Gericht in das Ermessen der
Abklärungsperson nur ein, wenn – etwa im Lichte der ärztlichen Stellungnahme zur
Arbeitsfähigkeit im Haushalt – klar feststellbare Fehleinschätzungen oder
Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsergebnisse (z.B. infolge von
Widersprüchlichkeiten) vorliegen (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 mit Hinweis; Urteil des
Bundesgerichts vom 30. Oktober 2007, I 246/05, E. 5.2.1 mit Hinweisen). Vorliegend
genügt der Haushaltsbericht diesen Anforderungen. Er wurde von den Parteien denn
auch nicht beanstandet.
3.
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Umstritten und zu prüfen ist zum einen die medizinische Situation, insbesondere die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Mit der Beschwerdeführerin
ist davon auszugehen, dass der Sachverhalt in dieser Hinsicht zu wenig abgeklärt
wurde, vermag doch keine der drei vorliegenden Beurteilungen restlos zu überzeugen.
3.1 So legte Dr. A._ in seinem Bericht vom 18. Mai 2006 bezüglich der Zeit ab 1. Mai
2005 zwar glaubhaft und nachvollziehbar dar, die Beschwerdeführerin leide an einer
mittel- bis schwergradigen depressiven Störung sowie an einer generalisierten
Angststörung, doch machte er innerhalb dieses Berichts zwei unterschiedliche
Angaben zur Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin. Auf der ersten Seite seines
Berichts attestierte er ihr eine 75%ige, auf der dritten Seite eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (act. G 5.18).
3.2 Demgegenüber diagnostizierte Dr. B._ in seinem Gutachten vom 28. März 2007
eine neurasthenische Entwicklung. Häufig gesellten sich unterschiedliche, eher leichte
Grade von Depression zur Neurasthenie hinzu. Den Akten sei zu entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin sogar Phasen von Depression durchgemacht habe, die mittleren
und schweren Ausmasses gewesen seien, die sich jedoch anlässlich der Begutachtung
nicht hätten objektivieren lassen (act. G 5.32-8 f.). Auf telefonische Nachfrage von
Dr.C._ vom RAD fügte Dr. B._ seiner Beurteilung die Diagnose einer mittelgradigen
depressiven Störung agitierten Charakters mit somatischem Syndrom hinzu (act. G
5.33). Damit setzte er sich in Widerspruch zu seinem Gutachten, in welchem er das
Vorliegen einer depressiven Störung bzw. einer Depression im Untersuchungszeitpunkt
ausdrücklich ausgeschlossen hatte. Insgesamt kann die Einschätzung von Dr. B._
damit nicht als überzeugend betrachtet werden.
3.3 Was die Beurteilung von Dr. C._ vom 3. Mai 2007 (act. G 5.35) anbelangt, so
kann auch darauf nicht abgestellt werden. Bei dieser Beurteilung handelt es sich um
einen Bericht im Sinn von Art. 49 Abs. 3 IVV. Nach dieser Vorschrift stellen die
regionalärztlichen Dienste den IV-Stellen für jeden geprüften Fall einen schriftlichen
Bericht mit den notwendigen Angaben zu (Satz 1). Dieser enthält die Ergebnisse der
medizinischen Prüfung und eine Empfehlung zur weiteren Bearbeitung des
Leistungsbegehrens aus medizinischer Sicht (Satz 2). Berichte nach Art. 49 Abs. 3 IVV
sind weder medizinische Gutachten im Sinne von Art. 44 ATSG noch
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Untersuchungsberichte gemäss Art. 49 Abs. 2 IVV. Ihre Funktion besteht darin, den
medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen. Dazu gehört auch,
bei sich widersprechenden medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu
beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine
zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Berichten nach Art. 49 Abs. 3 IVV kann
nicht jegliche Aussen- oder Beweiswirkung abgesprochen werden. Nach der
Rechtsprechung ist es dem Gericht nicht verwehrt, gestützt auf im Wesentlichen oder
sogar ausschliesslich vom am Recht stehenden Versicherungsträger intern eingeholte
medizinische Unterlagen zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinn zu stellen, dass bei auch
nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (Urteil des Bundesgerichts,
9C_341/2007 E. 4, vom 16. November 2007, mit Hinweisen). Vorliegend scheint Dr.
C._ an der von Dr. B._ gestellten Diagnose einer Neurasthenie gewisse Zweifel zu
haben, führt sie doch aus, diese Diagnose sollte nur bei einer kleinen Untergruppe
(unter 1% der Bevölkerung) erwogen werden, bei der die Erschöpfung über mindestens
drei Monate anhalte und nicht auf körperliche (z.B. Infekte, Hypothyreose) oder
psychische Erkrankungen (z.B. Depression, Angststörung) zurückzuführen sei. Wie
oben ausgeführt, diagnostizierte Dr. B._ auf Nachfrage von Dr. C._ eine depressive
Störung, weshalb laut Dr. C._ gemäss deren eigenen Ausführungen wohl keine
Neurasthenie hätte diagnostiziert werden dürfen. Dennoch stellt Dr. C._ für ihre
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin grundsätzlich auf das
Gutachten von Dr. B._ ab, wobei sie zum Schluss kommt, die darin genannten
Faktoren seien allesamt invaliditätsfremd, weshalb keine Einschränkung in der
Arbeitsfähigkeit bestehe. Diese Schlussfolgerungen sind widersprüchlich und können
nicht nachvollzogen werden. Zudem hätte über den Inhalt des Telefongesprächs mit
Dr. B._ ein Protokoll erstellt werden müssen, wurden dabei doch wohl für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit wesentliche Punkte besprochen, die entsprechend
Eingang in die Akten hätten finden müssen. Ein Bericht im Sinn von Art. 49 Abs. 3 IVV
mag überzeugend sein, soweit er Aufschluss darüber gibt, welche der verschiedenen
vorhandenen Beurteilungen und Einschätzungen am plausibelsten und
überzeugendsten ist. Kommt der Bericht jedoch zum Schluss, dass die bestehenden
medizinischen Einschätzungen nicht überzeugen, müssen notwendigerweise weitere
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Abklärungen erfolgen. Es geht nicht an, die Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit einzig
gestützt auf einen Bericht festzulegen, der ohne eigene Untersuchung der versicherten
Person ergangen ist und im Ergebnis erheblich von den bestehenden Einschätzungen
abweicht.
3.4 Zusammenfassend gilt festzuhalten, dass sich die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin aufgrund der vorliegenden Akten nicht zuverlässig ermitteln lässt.
Die Beschwerdegegnerin wird daher bei einer noch nicht mit dem Fall befassten
Fachperson ein weiteres psychiatrisches Gutachten einholen müssen. Zudem wird sie
bezüglich der unterschiedlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr. A._ bei diesem
Rückfrage nehmen müssen.
4.
Umstritten sind zudem der Status und das Invalideneinkommen der
Beschwerdeführerin. Diese Punkte sind im Hinblick auf die von der
Beschwerdegegnerin nach Durchführung der weiteren medizinischen Abklärung zu
erlassende neue Verfügung nachfolgend kurz zu prüfen.
4.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen
unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde (BGE 125 V 150 E. 2c). Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen
sind nach der Rechtsprechung die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen
Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber
Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die
persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt
sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung
entwickelt hätten, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 E. 2c; BGE 117
V 194 f. E. 3b mit Hinweisen; AHI 1997 S. 288 ff. E. 2b, AHI 1996 S. 197 E. 1c, je mit
Hinweisen).
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4.2 Vorliegend hat die Beschwerdeführerin glaubhaft dargelegt, dass sie sich (wenn
auch auf Druck des Sozialamts) bei der Arbeitslosenversicherung als für 80-100%
vermittlungsfähig angemeldet hat. Aufgrund ihrer finanziellen Situation ist sie im
Gesundheitsfall gezwungen, eine Tätigkeit im entsprechenden Umfang anzunehmen.
Umstände, die gegen die Möglichkeit der Aufnahme einer 80-100%igen Arbeit
sprechen, sind keine ersichtlich. Soweit es für die Ermittlung des konkreten
Invaliditätsgrads relevant sein sollte, wird die Beschwerdegegnerin den genauen
Umfang der Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall durch Beizug
der Akten der Arbeitslosenversicherung zu eruieren haben. In diesem Zusammenhang
ist auch festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Ausbildung (Matura,
Diplom als Übersetzerin) im Rahmen der Bemessung des Valideneinkommens nicht
einfach als Hilfsarbeiterin qualifiziert werden kann, auch wenn sie als Übersetzerin über
relativ wenig Berufspraxis verfügt.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen. Die
angefochtene Verfügung vom 12. November 2007 ist aufzuheben, und die Sache ist zur
weiteren Abklärung und neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 600.--
erscheint vorliegend als angemessen.
5.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung
der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Die bereits bewilligte
unentgeltliche Prozessführung wird bei diesem Verfahrensausgang gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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