Decision ID: ab0e1c0e-76c3-42c7-a2be-365195a8397b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Vergewaltigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, 1. Abteilung, vom 16. Januar 2018 (DG170007)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 4. August
2017 (Urk. D1/28) ist diesem Urteil beigeheftet.
Beschluss der Vorinstanz:
1. Der Beweisantrag des Verteidigers des Beschuldigten, es sei die Privatklä-
gerin erneut vor Schranken einzuvernehmen, wird abgewiesen.
2. Der Beweisantrag des Verteidigers des Beschuldigten, es sei Dr. phil.
D._ als Zeugin einzuvernehmen, wird abgewiesen.
3. Der Antrag der Vertreterin der Privatklägerin, es sei der Privatklägerin die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, wird abgewiesen.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, − der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1
StGB, − der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von
Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1, 2 und 3 StGB, − der mehrfachen Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 1, Abs. 4 und
Abs. 5 StGB sowie − der mehrfachen Gewaltdarstellungen im Sinne von Art. 135 Abs. 1bis
StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 10 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 660 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt erstanden
sind.
3. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen.
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4. Es wird eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63
StGB (Behandlung psychischer Störungen) angeordnet. Der Vollzug der
Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 6. April 2016 beschlag-
nahmten Gegenstände werden eingezogen und der zuständigen Lagerbe-
hörde (Kantonspolizei Zürich, Fw E._, EG-SK) zur Vernichtung über-
lassen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
2. Dezember 2016 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und
der zuständigen Lagerbehörde (Kantonspolizei Zürich, FOR-Asservate Tria-
ge) zur Vernichtung überlassen.
7. Die Datensicherung 0238-2016, U-Nr. B-5/2016/10010666, ist nach Eintritt
der Rechtskraft dieses Urteils der Kantonspolizei Zürich, Dienststelle ITB-
DF, zur Löschen bzw. Vernichtung zu überlassen.
8. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der
Privatklägerin B._ im Betrag von Fr. 7'863.–, nebst Zins zu 5% seit
1. Januar 2017, anerkannt hat.
9. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin
B._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-
satzpflichtig ist und seine weitere Schadenersatzpflicht (namentlich für die
weiteren Therapien, worunter auch explizit eine Reittherapie fällt) ausdrück-
lich anerkennt . Zur genauen Feststellung des Umfanges dieses Schadener-
satzanspruches wird die Privatklägerin B._ auf den Weg des Zivilpro-
zesses verwiesen.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Fr. 80'000.–
(allfällige MwSt. inbegriffen) als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag
wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
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11. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 15'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 12'000.– Gebühr für das Vorverfahren,
Fr. 12'037.20 Auslagen (Gutachten),
Fr. 965.– Auslagen
Fr. 234.75 Auslagen (Gutachten)
Fr. 3'390.– Auslagen Polizei
Fr. 70.– Entschädigung Zeuge
Fr. 30'509.40 Entschädigung amtliche Verteidigung ab 28. März 2016
(inkl. Auslagen und 8% bzw. 7.7% [ab 1. Januar 2018] MwSt.)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
13. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
14. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin für das gesamte Ver-
fahren eine Prozessentschädigung von Fr. 5'000.– (inkl. MwSt.) zu bezah-
len.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 107; Urk. 143 S. 1 f. i.V.m. Prot. II S. 46)
1. Herr A._ sei schuldig zu sprechen der mehrfachen sexuellen
Handlungen mit Kindern (Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1, 2, 3 StGB), der mehr-
fachen Pornographie (Art. 197 Abs. 1, 4 und 5 StGB) und hinsichtlich
der Gewaltdarstellungen (Art. 135 Abs. 1bis StGB).
2. Herr A._ sei von den übrigen Vorwürfen freizusprechen: mehrfa-
che Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB und mehrfache
sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB.
3. Er sei zu bestrafen mit 36 Monaten Freiheitsstrafe abzüglich der bereits
erstandenen Haft.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei im Umfang von 18 Monaten aufzu-
schieben und die Probezeit auf 3 Jahre festzusetzen. Im Übrigen (18
Monate) sei die Freiheitsstrafe zu vollziehen.
5. Herr A._ sei zu verpflichten, eine Genugtuung von Fr. 20'000.–
zu leisten, im Mehrbetrag sei das Genugtuungsbegehren abzuweisen.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ein-
schliesslich der Verteidigungskosten und derjenigen der allfälligen un-
entgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, seien Herr A._
aufzuerlegen, zufolge offenkundiger Uneinbringlichkeit aber abzu-
schreiben.
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 144 S. 1)
"1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon vom 16. Januar 2018 sei im
Schuldpunkt
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- mehrfache Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB,
- mehrfache sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB,
- mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1, 2 und 3 StGB,
- mehrfache Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 1, Abs. 4 und Abs. 5 StGB sowie
- mehrfache Gewaltdarstellungen im Sinne von Art. 135 Abs. 1bis StGB
zu bestätigen und der Beschuldigte sei hierfür mit einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und einer ambulanten Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB während des Vollzugs der Freiheitsstrafe zu bestrafen, unter Anrechnung
der erstandenen Haft."
c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Urk. 142 S. 2, Urk. 145 S. 1 und Prot. II S. 45; sinngemäss)
Es sei das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich in allen Punkten – im
Schuldpunkt sowie in den Zivilpunkten – zu bestätigen.
Demgemäss sei der Beschuldigte auch der mehrfachen Vergewaltigung im
Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen sexuellen Nötigung
im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin Fr. 80'000.– als Ge-
nugtuung zu bezahlen.
Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, die der Privatklägerin entstehenden
Kosten für die Geschädigten-Vertretung im Berufungsverfahren SB180468
zu übernehmen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschuldigten.
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Erwägungen:
I.
1.1 Mit Urteil vom 16. Januar 2018 sprach das Bezirksgericht Pfäffikon, 1. Abtei-
lung, den Beschuldigten der mehrfachen Vergewaltigung, der mehrfachen sexuel-
len Nötigung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, der mehrfachen
Pornographie und der mehrfachen Gewaltdarstellung schuldig, bestrafte ihn mit
10 Jahren Freiheitsstrafe und ordnete eine vollzugsbegleitende ambulante Mass-
nahme an. Ferner entschied es über die Verwendung beschlagnahmter Gegen-
stände, über die Zivilforderungen der Privatklägerin und regelte die Kosten- und
Entschädigungsfolgen (Urk. 106 S. 100 ff.).
1.2 Am 26. September 2018 versandte die Vorinstanz das begründete Urteil u.a.
an die Parteien (Urk. 101/1-3), worauf der Beschuldigte mit Eingabe vom 1. Okto-
ber 2018 rechtzeitig Berufung anmeldete (Urk. 98; Art. 399 Abs. 1 StPO) und der
erkennenden Kammer gleichentags fristwahrend die schriftliche Berufungserklä-
rung einreichte (Urk. 107; Art. 399 Abs. 2 i.V.m. Art. 90 StPO). Die Staatsanwalt-
schaft erklärte unter dem 9. November 2018 innert der mit Präsidialverfügung
vom 29. Oktober 2018 angesetzten Frist Anschlussberufung (Urk. 111 f.;
Urk. 113). Die Privatklägerin erhob keine solche.
2. Mit Beschluss vom 23. November 2018 (Urk. 118) schloss die erkennende
Kammer auf Antrag der Privatklägerin (Urk. 114) die Publikumsöffentlichkeit von
der Berufungsverhandlung aus und liess die akkreditierten Gerichtsberichterstat-
ter unter Auflagen zu dieser zu. Mit Verfügung vom 8. Februar 2019 (Urk. 121)
ordnete der Präsident der erkennenden Kammer auf Antrag des Beschuldigten
(Urk. 107 S. 2) sodann die Einvernahme der Therapeutin der Privatklägerin,
Dr. phil. D._, als Zeugin anlässlich der Berufungsverhandlung an. Im Übrigen
wies er dessen Beweisantrag einstweilen ab. Mit Eingabe vom 18. Februar 2019
ersuchte der Beschuldigte um Wiedererwägung dieser Verfügung und beantragte
erneut die Einvernahme der Privatklägerin vor Obergericht, wobei er diesen An-
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trag einlässlich begründete (Urk. 123). Mit Präsidialverfügung vom 22. Mai 2019
wurde der Antrag der Privatklägerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege und Bestellung ihrer Vertretungsbeiständin, Rechtsanwältin lic. iur.
Y1._, als unentgeltliche Rechtsbeiständin abgewiesen (Urk. 131).
3. Die Berufungsverhandlung fand heute in Anwesenheit des Beschuldigten
und seines amtlichen Verteidigers, der Vertreterin der Anklage und der Rechtsver-
treterin der Privatklägerin statt (Prot. II S. 9 ff.). Die Therapeutin der Privatkläge-
rin, Dr. phil. D._, wurde bei dieser Gelegenheit als Zeugin einvernommen
(Prot. II S. 21 ff.).
II.
1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen seine Verurteilung wegen
mehrfacher Vergewaltigung und mehrfacher sexueller Nötigung (Dispositivziffer 1,
Spiegelstriche 1 und 2). Er stellt sich auf den Standpunkt, dass die von ihm an der
Privatklägerin begangenen sexuellen Übergriffe einzig den Tatbestand der mehr-
fachen sexuellen Handlungen mit Kindern erfüllen. Ferner ficht er den Strafpunkt
(Dispositivziffern 2 und 3), den Entscheid der Vorinstanz über die von ihm an die
Privatklägerin zu leistende Genugtuung (Dispositivziffer 10) und die Kostenaufla-
ge (Dispositivziffern 12 und 13) an (Urk. 107 und Urk. 146 S. 1 f. i.V.m. Prot. II
S. 46). Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zielt auf eine Erhöhung der
Strafe. Nicht angefochten und in Rechtskraft erwachsen ist das vorinstanzliche
Urteil damit hinsichtlich dessen Dispositivziffern 1 teilweise (Spiegelstriche 3, 4
und 5) , 4 (ambulante Massnahme), 5 bis 7 (Verwendung beschlagnahmter Ge-
genstände und der Datensicherung), 8 und 9 (Schadenersatzforderung der Pri-
vatklägerin), 11 (Kostenfestsetzung) und 14 (Prozessentschädigung), was vorab
festzustellen ist.
2.1 Die Verteidigung moniert, die Anklage umschreibe für die Anklagesachver-
halte 1. bis 6. keine über ein strukturelles Abhängigkeitsverhältnis hinausgehende
Zwangssituationen, welche der Beschuldigte kurz vor oder während der jeweiligen
sexuellen Handlung geschaffen habe. Eine solche tatsituative Zwangssituation
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setzten die Tatbestände der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung jedoch vo-
raus (Urk. 73 S. 9; Urk. 143 S. 4 f.).
2.2 Die Anklage umschreibt in Anklageziffer 1. zunächst die kognitive und kör-
perliche Unterlegenheit und die soziale Abhängigkeit der Privatklägerin und hält
fest, dass der Beschuldigte diese ausgenützt habe. Dass ein solches Ausnützen
vorbestehender Verhältnisse für sich allein keine Nötigungssituation im Sinne von
Art. 189 StGB oder Art. 190 StGB darstellt, trifft zwar zu (vgl. E. III.7.1). Die An-
klage lässt es bei dieser Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse allerdings
nicht bewenden, sondern führt weiter aus, dass der Beschuldigte die Privatkläge-
rin auf dem Boden dieser Verhältnisse als erwachsene männliche Autoritätsper-
son durch ein Schweigegebot, das er mit den Hinweisen verbunden habe, sie be-
komme keine Geschenke mehr bzw. sie beide bekämen Probleme, wenn jemand
etwas davon erfahre, unter psychischen Druck gesetzt habe, der es der Privatklä-
gerin verunmöglicht habe, sich seinen Anweisungen zu widersetzen (Urk. D1/28
S. 3 f), so dass sie das, was der ihr auch körperlich überlegenen Beschuldigten
von ihr verlangt habe, mit wachsendem unangenehmem Gefühl und teilweise ab-
lehnender Körperhaltung gemacht habe. Ferner betont die Anklage die grosse
Selbstverständlichkeit und die genauen Anweisungen, mit denen der Beschuldigte
die sexuellen Handlungen an der Privatklägerin vorgenommen habe oder habe
vornehmen lassen. Die Anklage umschreibt damit eine über das Ausnützen vor-
bestehender Verhältnisse hinausgehende tatsituative Zwangssituation bzw. Aus-
weglosigkeit, wie sie die Rechtsprechung bei sexuellen Handlungen unter Aus-
nützung des Erwachsenen-Kind-Gefälles für die Erfüllung der Tatbestände der
sexuellen Nötigung oder der Vergewaltigung voraussetzt. Durch Verweise auf An-
klageziffer 1. gilt die Umschreibung auch für die Anklageziffern 2. bis 6. und 9., in
denen das jeweilige Verhalten des Beschuldigten zudem im Einzelnen beschrie-
ben ist (Urk. D1/28 S. 5 ff.). In Anklageziffern 9. wirft die Anklage dem Beschuldig-
ten zudem vor, dass er der Privatklägerin durch sein Verhalten körperlich und
mental keinen Raum gelassen haben, um sich gegen die sexuellen Handlungen
zu wehren und ihren leichten körperlichen Widerstand durch Herandrücken über-
wunden habe (Urk. D1/28 S. 12). Sie umschreibt damit eine zusätzliche, vom Be-
schuldigten tatsituativ geschaffene Situation der Ausweglosigkeit. Ob eine tatsitu-
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ative Zwangssituation rechtsgenügend nachgewiesen werden kann, bleibt zu prü-
fen.
3.1 Der Beschuldigte beantragt die Einvernahme der Privatklägerin vor Oberge-
richt. Das Zeugnis der Privatklägerin sei für die Verurteilung durch das erstin-
stanzliche Gericht ausschlaggebend gewesen und Art. 343 Abs. 3 StPO fordere in
einer solchen Situation eine erneute Befragung der Privatklägerin, wenn ein sol-
cher Antrag vorliege (Urk. 123 S. 7 f.; Prot. II S. 36 f.). Das Gericht müsse sich ei-
nen Eindruck von den Aussagen der Privatklägerin verschaffen. Dazu reiche die
Videobefragung nicht aus. Für die Beurteilung des Gesamtgeschehnisses und
namentlich für die Ausfällung der Sanktion sei es zentral, detailliert abzuklären, ob
eine tatsituative Zwangssituation vorgelegen habe. Das Vorliegen oder Nichtvor-
liegen eines tatsituativen Zwangsmomentes stelle Dreh- und Angelpunkt dieses
Verfahrens dar. Zusätzlich habe sich die Privatklägerin zu zentralen Punkten nicht
nur vage, sondern teils gar nicht geäussert. Die Wichtigkeit der unmittelbaren
Wahrnehmung gelte erst recht, wenn die Aussagen einer Privatklägerin derart
ungenau seien. Der persönliche Eindruck beider Parteien sei damit zentral und
die Privatklägerin folglich vor Schranken anzuhören. Sollte die Privatklägerin die
Aussage verweigern, was verständlich wäre, führe das dazu, dass nur auf die
bisherigen Beweise abgestellt werden könne. Das seien die Aufnahmen, das Ge-
ständnis des Beschuldigten und die zurückhaltenden Aussagen der Privatkläge-
rin, welche nicht auf ein Zwangsmoment hindeuten würden. Werde die Privatklä-
gerin nicht erneut befragt, komme eine Verurteilung des Beschuldigten wegen De-
likten gegen die sexuelle Freiheit definitiv nicht in Frage. Zu bestätigen wäre nur,
aber immerhin der Entscheid betreffend sexuelle Handlungen mit Kindern
(Urk. 123 S. 9).
3.2 Art. 343 Abs. 3 StPO sieht vor, dass ein im Vorverfahren ordnungsgemäss
erhobenes Beweismittel nochmals abzunehmen ist, wenn seine unmittelbare
Kenntnis für die Urteilsfällung notwendig erscheint. Das Bundesgericht hielt in
verschiedenen Entscheiden dafür, dass gerade bei Sexualdelikten, in denen Aus-
sage gegen Aussage stehe, die unmittelbare Wahrnehmung durch das Gericht in
der Regel unverzichtbar sei (BGE 6B_856/2013 E. 2.2.; BGE 6B_139/2013
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E. 1.3.2; BGE 6B_718/2013 E. 2.5; BGE 6B_70/2015 E. 1.3). Vorliegend vermit-
telt allerdings die Videoaufzeichnung der Einvernahme dem Gericht einen persön-
lichen Eindruck vom Aussageverhalten der Privatklägerin. Eine reine Aussage
gegen Aussage Situation liegt zudem nicht vor. Dass die heute gut 14-jährige Pri-
vatklägerin vom Beschuldigten in gravierender Weise sexuell missbraucht wurde,
ergibt sich aus dem bei den Akten liegenden Foto- und Videomaterial eindeutig.
Der Beschuldigte seinerseits gesteht ein, die angeklagten sexuellen Handlungen
an der Privatklägerin vorgenommen zu haben und akzeptiert den erstinstanzli-
chen Schuldspruch wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern. Es
steht folglich fest, dass die noch kindliche Privatklägerin ab ca. Herbst 2013 wäh-
rend gut zwei Jahren das Opfer gravierender Straftaten des Beschuldigten gegen
ihre sexuelle Integrität wurde und sie die Wahrheit sagte, als sie den Beschuldig-
ten sexueller Übergriffe auf sie beschuldigte. Ihre im Einzelnen lückenhafte Schil-
derung der Ereignisse ist gemäss den überzeugenden Darlegungen von Dr. phil.
D._ sodann eine Konsequenz einer leichten Intelligenzminderung, die dazu
führt, dass die Privatklägerin Eindrücke, Erlebnisse oder Erfahrungen schlecht
einordnen und sich auch schlecht daran erinnern kann (Prot. II S. 25 ff.). Die Pri-
vatklägerin war auch in der bis im Juli 2018 andauernden Therapie nicht bereit
oder in der Lage, über das Geschehene zu sprechen. Auf das Vorgefallene ange-
sprochen, blockte sie stark ab, wollte darüber nicht sprechen und gab an, dass sie
nichts wisse und alles vergessen habe (Prot. II. S. 24 ff.). Die Lücken und das
Vage in den Aussagen der Privatklägerin ist folglich ihrer eingeschränkten Fähig-
keit mit traumatischen Erlebnissen umzugehen geschuldet und stellt kein Lügen-
signal dar. Die tatsächlichen sexuellen Übergriffe gingen denn auch erwiesener-
massen deutlich über die von der Privatklägerin geschilderten hinaus. Dass die
Privatklägerin den Beschuldigten nicht übermässig belastet, steht damit fest (vgl.
auch nachfolgend E. III.5.2). Das gilt für die sexuellen Handlungen an sich und
bezogen auf Umstände, die unter dem Aspekt der tatsituativen Zwangssituation
von Bedeutung sein können. Eine erneute Einvernahme der Privatklägerin mit
dem Ziel, dem Gericht einen unmittelbaren Eindruck von deren Aussagen zu ver-
schaffen und so die Zuverlässigkeit ihrer den Beschuldigten belastenden Deposi-
tionen zu klären, erweist sich vor diesem Hintergrund als entbehrlich. Ein inhaltli-
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cher Erkenntnisgewinn durch eine weitere Befragung der Privatklägerin ist sodann
nicht zu erwarten. An der leichten Intelligenzminderung und den damit zusam-
menhängenden Problemen der Privatklägerin im Umgang mit Erinnerungen und
Befragungssituationen lässt sich nichts ändern. Eine Befragung der Privatklägerin
im gerichtlichen Verfahren wäre folglich Selbstzweck, würde die Privatklägerin
aber belasten und verwirren (vgl. Prot. II S. 26). Auf eine gerichtliche Einvernah-
me der Privatklägerin ist daher zu verzichten und der Anklagesachverhalt auf der
Basis der Aussagen des Beschuldigten und der im Vorverfahren korrekt erhobe-
nen Depositionen der Privatklägerin und der Zeugen zu beurteilen.
III.
1. Dem Beschuldigten wird u.a. der mehrfache sexuelle Missbrauch der am
tt.mm.2005 geborenen Tochter (Privatklägerin) seiner damaligen Lebensgefährtin
im Zeitraum zwischen Herbst 2013 und dem 30. September 2015 vorgeworfen.
Die Details des Anklagevorwurfs können den Ziffern 1. bis 6. und 9. der Anklage
vom 4. August 2017 entnommen werden.
2.1 Der Beschuldigte gesteht die ihm von der Anklage vorgeworfenen sexuellen
Handlungen zum Nachteil der Privatklägerin ein. Hingegen wehrt er sich gegen
den Vorwurf, die Privatklägerin zu den angeklagten und von ihm anerkannten se-
xuellen Handlungen genötigt zu haben. Er habe zu keinem Zeitpunkt physische
oder psychische Gewalt angewendet (Prot. I S. 7; Prot. II S. 30, 32 f.). Er habe die
Privatklägerin nie unter Druck gesetzt und ihr nie gesagt, dass er ihr keine Ge-
schenke mehr machen würde, wenn sie jemandem von den sexuellen Handlun-
gen erzähle oder dass das zwischen ihnen Vorgefallene verboten sei (Prot. I S. 8;
Prot. II S. 33 f.). Er habe ihr (lediglich) gesagt, dass das unter ihnen bleibe und ihr
Geheimnis sei, wobei er das zum ersten Mal nach der ersten sexuellen Handlung
gesagt habe (Prot. I S. 8). Ende September 2015 habe er aufgehört, weil die Pri-
vatklägerin nicht mehr gewollt habe. Er habe einen Annäherungsversuch gestar-
tet, woraufhin sie gesagt habe, dass sie nicht mehr wolle. Soweit er sich erinnere,
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habe er es dann noch einmal versucht, woraufhin sie erneut gesagt habe, dass
sie nicht mehr wolle. Seither sei fertig (Prot. I S. 8 f.).
2.2 Die Verteidigung betont, dass eine tatsituative Zwangssituation, die die Tat-
bestände der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung voraussetzen würden, nur
vorliege, wenn der Täter kurz vor oder während der sexuellen Handlung eine
Zwangssituation schaffe, die das Opfer kapitulieren lasse, wobei eine Aktualisie-
rung des Zwangs ausreiche. Hingegen stelle das Ausnutzen eines strukturell vor-
gegebenen Abhängigkeitsverhältnisses für sich allein nie eine Nötigungssituation
dar. Der Beschuldigte habe von Anfang an ausgesagt, dass er nie Zwang und
psychischen Druck angewendet habe. Er habe der Privatklägerin und ihrem Bru-
der zwar Geschenke gegeben, dies habe aber nichts mit den sexuellen Handlun-
gen zu tun gehabt. Er habe beiden Kindern immer gleich viel geschenkt. Die Pri-
vatklägerin habe ihm sodann bei zwei Gelegenheiten gesagt, dass sie die sexuel-
len Handlungen nicht wolle. Dann sei für ihn klar gewesen, dass es fertig sei. Es
sei danach nie mehr etwas vorgefallen. Dies zeige in erhöhtem Mass, dass eben
keine tatsituative Zwangssituation vorgelegen habe, sondern der Beschuldigte
den ausdrücklichen Wunsch der Privatklägerin respektiert und diesem entspro-
chen habe. Die Aussagen des Beschuldigten seien diesbezüglich detailliert und
widerspruchsfrei. Gemessen an den gerichtsüblichen Realkennzeichen seien sie
damit in hohem Mass glaubhaft. Allein deshalb bestünden begründete Zweifel am
Merkmal der tatsituativen Zwangssituation (Urk. 73 S. 9; Urk. 143 S. 8 f.). Sodann
wiesen auch die Aussagen der Privatklägerin daraufhin, dass kein solcher Zwang
ausgeübt worden sei. So habe sie angegeben, dass der Beschuldigte bloss ein-
mal gesagt habe, sie solle es niemandem sagen und habe auf Nachfrage erklärt,
dass er keine Konsequenzen aufgezeigt habe. Er habe nichts dazu gesagt, was
sonst passieren könnte. Weiter habe sie ausgesagt, sie wisse nicht sicher, ob der
Beschuldigte einmal etwas verlangt habe, was sie nicht habe machen wollen, er
habe sie nie bedroht und der Beschuldigte habe ihr nie etwas geschenkt, damit
sie eine sexuelle Handlung vornehme. Sie habe es gemacht, ohne dass sie etwas
dafür bekommen habe und er habe ihr auch später noch Geschenke gebracht
(Urk. 73 S. 9; Urk. 143 S. 6 f.). Schliesslich habe sie auch die Aussage des Be-
schuldigten bestätigt, wonach sie diesem zweimal gesagt habe, dass sie diese
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Handlungen nicht wolle und er dies beide Male respektiert habe. Als sie es zum
ersten Mal gesagt habe, habe er darauf nicht geantwortet, aber drei Wochen kei-
ne sexuellen Handlungen mehr unternommen. Danach habe er wieder angefan-
gen. Sie habe ihm daraufhin ein weiteres Mal gesagt, dass sie das nicht wünsche,
worauf er aufgehört habe. Der Umstand, dass der Beschuldigte den explizit for-
mulierten Willen der Privatklägerin respektiert habe, bilde ein weiteres Indiz, dass
kein tatsituativer Zwang vorgelegen habe (Urk. 73 S. 9 f.; Urk. 143 S. 8). Auf den
Videofilmen sei ersichtlich, dass die Initiative zu den sexuellen Handlungen vom
Beschuldigten ausgehe. Dabei falle auf, wie die Privatklägerin die Handlungen
über sich ergehen lasse und teilweise scheinbar spielerisch mitwirke. Sie scheine
sich der Bedeutung der Handlungen dabei nicht bewusst zu werden. Ein tatsitua-
tives Zwangselement sei darauf nicht ersichtlich. Was das "Peitschen-Video" be-
treffe, sei daraus kein Wegstossen ersichtlich. Auch sei nicht erkennbar, dass sich
die Privatklägerin irgendwie zu entziehen versuche und der Beschuldigte sie an
den Pobacken greife, um körperliche Nähe zu gewinnen (Urk. 73 S. 12 f.). Weite-
re Beweismittel lägen nicht vor. Die Zeugen aus dem Umfeld der Privatklägerin
würden nur indirekt wiedergeben, was die Privatklägerin erlebt habe (Hörensa-
gen) und die Angaben der Privatklägerin seien allenfalls auch suggestiv erfragt
worden. Sie seien daher kein gerichtstauglicher Beweis. Dazu komme, dass kei-
ner der Zeugen dargetan habe, dass der Beschuldigte die Schwelle zur tatsituati-
ven Zwangssituation überschritten habe. Es sei nur von einem allgemeinen Ab-
hängigkeitsverhältnis die Rede (Urk. 73 S. 13; Urk. 143 S. 9).
3.1 Die Vorinstanz hat die Beweismittel vollständig aufgezählt und die Grund-
sätze der Sachverhaltserstellung und der Beweiswürdigung zutreffend dargelegt.
Darauf kann verwiesen werden (Urk. 106 S. 17, 48-51 f.). Ergänzend ist einzig
festzuhalten, dass auch mittelbare Zeugenaussagen (Aussagen vom Hörensa-
gen) als Beweismittel zulässig sind. Allerdings ist dem Grundsatz des sachver-
haltsnächsten oder bestmöglichen Beweismittels folgend vorrangig auf das Zeug-
nis der Person abzustellen, welche die relevanten Tatsachen selbst wahrgenom-
men hat. Als alleiniger Beweis darf auf ein mittelbares Zeugnis nur zurückzugrei-
fen, wenn der unmittelbare Zeuge nicht zur Verfügung steht, wobei in diesem Fall
mit Blick auf die Fairness des Verfahrens eine besonders sorgfältige Prüfung der
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Beweislage zu erfolgen hat (vgl. BGE 6B_905/2010 E. 2.3.3; BGE 6B_949/2015
E. 4.2. f.). Auch der mittelbare Zeuge ist jedoch direkter Zeuge, soweit er über
den Kontakt mit einem unmittelbaren Tatzeugen berichtet.
3.2 Weiter hat die Vorinstanz den wesentlichen Inhalt der Aussagen, namentlich
auch den Inhalt der Videobefragung der Privatklägerin (Urk. D1/8/2; vgl. dazu die
Verteidigung Urk. 123 S. 13), grundsätzlich korrekt wiedergegeben und den Ge-
genstand der Fotos und Videos zutreffend beschrieben (Urk. 106 S. 18 ff.). Die
vom Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung gemachten Aussagen
zur Sache ergeben sich aus dem entsprechenden Protokoll (Prot. II S. 29 ff.); we-
sentlich Neues deponierte er dabei nicht. Über diese allgemeine Feststellung hin-
aus wird auf den Inhalt dieser Beweismittel nachfolgend näher und gegebenen-
falls präzisierend einzugehen sein, soweit das für die Entscheidfindung im Beru-
fungsverfahren notwendig ist.
4. Was die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und der Zeugen betrifft, ist fest-
zuhalten, dass der Beschuldigte aufgrund seiner Verfahrensstellung und die Zeu-
gen aus emotionaler Verbundenheit mit der Privatklägerin oder aufgrund von
Schuldgefühlen, weil sie die Privatklägerin nicht vor Übergriffen zu schützen ver-
mochten, grundsätzlich ein Interesse an einer aus ihrer jeweiligen Perspektive
günstigen Schilderung des Sachverhalts haben. Die Privatklägerin ihrerseits hat
ein finanzielles Interesse am Ausgang des Verfahrens. Dass dieses ihr Aussage-
verhalten in der parteiöffentlichen Videobefragung vom 13. April 2016 tatsächlich
zum Nachteil des Beschuldigten beeinflusst hat, ist angesichts ihres kindlichen Al-
ters und der damit einhergehenden Unkenntnis juristischer Anspruchsgrundlagen
allerdings unwahrscheinlich. Weitere Umstände, die eine Tendenz der Privatklä-
gerin befördern könnten, den Beschuldigten zu Unrecht zu belasten, sind nicht er-
sichtlich. Bereits die Vorinstanz wies zudem richtig daraufhin, dass das entschei-
dende Kriterium für den Beweiswert der Aussagen nicht Überlegungen zur allge-
meinen Glaubwürdigkeit der Aussagenden, sondern der materielle Gehalt ihrer
jeweiligen Depositionen ist.
5.1 Zur inhaltlichen Überzeugungskraft der Aussagen des Beschuldigten ist
festzuhalten, dass er die angeklagten sexuellen Handlungen mit der Privatkläge-
- 17 -
rin eingesteht und sich sein Geständnis namentlich auch mit dem bei ihm sicher-
gestellten Foto- und Videomaterial deckt. Es besteht insofern kein Grund zur An-
nahme, dass er sich selber zu Unrecht eines strafbaren Verhaltens bezichtigt.
Sein Geständnis ist in diesem Sinn glaubhaft. Daraus folgt allerdings nicht, dass
auch seine teilweise Bestreitung des Anklagesachverhaltes ohne weiteres zum
Nennwert genommen werden kann. Der Beschuldigte reagierte mit seinen Zuga-
ben vornehmlich auf die Beweislage und zeigte dabei stets eine Tendenz, so lan-
ge bzw. weit als möglich vage zu bleiben oder zugegebenes Verhalten zu be-
schönigen. In dieser Hinsicht exemplarisch sind seine Depositionen betreffend
den Zeitpunkt der ersten sexuellen Handlungen und den Zeitraum, in welchem
diese stattfanden bzw. zur Zahl, Art und Ort der Übergriffe (Urk. D1/7/1 S. 4 f., 7;
Urk. D1/7/2 S. 2, 5 ff.; Urk. D1/7/3 S. 2 ff; Urk. D1/7/9 S. 8; Urk. D1/7/11 S. 7 ff.).
Eine umfassende eigene Schilderung der Ereignisse, aus der sich lebensnah die
Interaktion zwischen ihm und der Privatklägerin über den gesamten Tatzeitraum
ergeben würde, fehlt. Er reagierte vornehmlich auf Fragen bzw. Vorhalte. Inei-
nandergreifende stimmige Details, die die in einem Familiengefüge stattfindenden
Abläufe für Dritte tatsächlich und psychologisch nachvollziehbar machen könnten,
fehlen in seinen Depositionen weitgehend. Abgesehen von bruchstückhaften
Schilderungen der Umstände, die die sexuellen Handlungen begleiteten, be-
schränkte er sich namentlich darauf, die Privatklägerin als bereits vor bzw. zu Be-
ginn der prozessgegenständlichen sexuellen Handlungen stark sexualisiertes
Kind darzustellen, das sich ihm stets sozusagen als Sexualpartnerin anbot. Mut-
massungen über von Dritten begangene sexuelle Übergriffe stellte er noch in der
Einvernahme vom 3. Oktober 2016 an (Urk. D1/7/1 S. 4 f., 7; Urk. D1/7/2 S. 5 ff.;
Urk. D1/7/3 S. 14 f., 19; Urk. D1/7/9 S. 8). Dass auch das nur ein Versuch war,
von eigener Verantwortung abzulenken, deutete sich bereits in den ersten beiden
Einvernahmen an, in denen sich der Beschuldigte widersprüchlich äusserte. So
erklärte der Beschuldigte in der ersten Einvernahme konkret nach früheren sexu-
ellen Erfahrungen der Privatklägerin gefragt, dass er das nicht wisse, er habe sie
nie gefragt, es habe ihm Angst gemacht (Urk. D1/7/1 S. 7; vgl. auch Urk. D1/7/3
S. 19). In der Hafteinvernahme gab er dann aber bei der Schilderung des ersten
Vorfalls im WC an, die Privatklägerin habe explizit gesagt, sie habe das auch
- 18 -
schon einmal gemacht (Urk. D1/7/2 S. 5). Inzwischen steht zudem fest, dass er
die Privatklägerin nicht nur wenige Monate im Jahr 2015 missbrauchte, wie er ur-
sprünglich behauptete (Urk. D1/7/1 S. 4, 7), sondern ab ca. Herbst 2013 während
gut zwei Jahren, was genügt, um das im vorhandenen Bildmaterial teilweise routi-
niert wirkende Verhalten der Privatklägerin zu erklären. Es fehlen denn auch
ernstzunehmende Hinweise auf Übergriffe Dritter. Namentlich erklärte auch die
Privatklägerin in der Videoeinvernahme (Urk. D1/8/2) glaubhaft (vgl. E. III.5.2),
dass sie erst den Penis des Beschuldigten gesehen, nur er ihr solche Fotos ge-
zeigt, sie sonst mit niemandem solche sexuellen Handlungen gemacht und der
Beschuldigte ihr gezeigt habe, wie solche Sachen gingen (00:23:55; ab 01:34:24).
Wenn die Privatklägerin im Verlauf des Deliktszeitraums das Verhalten einer rou-
tinierten Sexualpartnerin an den Tag legte, dann deshalb, weil sie vom Beschul-
digten in die sexuellen Handlungen eingeführt worden war. Zusammengefasst
war das Aussageverhalten des Beschuldigten insgesamt stets darauf gerichtet,
das Ausmass des Geschehenen zu beschönigen und seinen eigenen Beitrag
kleinzureden, soweit das der Verfahrensstand zuliess.
Vor diesem Hintergrund ist es grundsätzlich mit Vorsicht aufzunehmen,
wenn der Beschuldigte erklärt, er habe weder physischen noch psychischen
Druck auf die Privatklägerin ausgeübt. Dazu kommt, dass das Aussageverhalten
des Beschuldigten in diesem Zusammenhang trotz der Konstanz der Behauptung,
keinen Druck auf die Privatklägerin ausgeübt zu haben, im Einzelnen, entgegen
der Auffassung der Verteidigung, nicht besonders überzeugt. So gab er in der ers-
ten Einvernahme nach der Verhaftung auf die Frage, ob er mit der Privatklägerin
etwas vereinbart habe, wem alles von den sexuellen Vorkommnissen erzählt wer-
den solle oder eben nicht, zu Protokoll, gar nichts. Sie hätten gar nicht darüber
geredet. Er denke, sie habe gewusst, dass das etwas sei, von dem man nicht re-
de. In der Schule würden sie heute schon früh mit diesem Thema konfrontiert. Er
habe der Privatklägerin auch keine Nachteile in Aussicht gestellt, falls sie doch
jemandem etwas erzähle (Urk. D1/7/1 S. 6). In der Hafteinvernahme betonte er,
nie etwas gegen den Willen der Privatklägerin gemacht zu haben. Es sei nie ein
Zwang gewesen. Auf den Fotos sehen man ja das Smile im Gesicht der Privat-
klägerin (Urk. D1/7/2 S. 6 f.). Ein Redeverbot habe er der Privatklägerin nie aufer-
- 19 -
legt. Auch stellte er in Abrede, sie finanziell bevorzugt behandelt zu haben
(Urk.D1/7/2 S. 10). Am 13. April 2016 fand die parteiöffentliche Videoeinvernahme
der Privatklägerin statt (Urk. D1/8/2). In der darauf folgenden ersten delegierten
polizeilichen Einvernahme zur Sache bestätigte er zunächst, bis jetzt die Wahrheit
gesagt zu haben (Urk. D1/7/3 S. 2) und gab an, von sich aus keine Bemerkungen
zu den Aussagen der Privatklägerin zu haben (Urk. D1/7/3 S. 3). Mit dem als
Urk. D1/7/4 bei den Akten liegenden Fotomaterial konfrontiert und zu den Aussa-
gen der Privatklägerin befragt, betonte er sodann erneut, nie Gewalt angewendet
oder jemand zu etwas gezwungen zu haben (Urk. D1/7/3 S. 8, 12). Seine frühe-
ren Depositionen passte er allerdings insofern an, als er neu einräumte, er habe
der Privatklägerin gesagt, dass es niemand wissen müsse. Wahrscheinlich habe
er ihr schon gesagt, dass dies zwischen ihnen bleiben solle (Urk. D1/7/3 S. 20).
Auf den Vorhalt, dass die Privatklägerin gesagt habe, sie habe das nicht machen
wollen, worauf er drei Wochen aufgehört habe und sie anschliessend nochmals
gesagt habe, dass sie das nicht wolle, konzedierte er sodann, dass sich die Pri-
vatklägerin gegen Ende der Deliktsperiode gegen weitere sexuelle Handlungen
ausgesprochen und er sich zunächst darüber hinwegsetzt hatte: Nachdem sie ge-
sagt habe, dass sie keine sexuellen Handlungen mit ihm vornehmen wolle, habe
er kurz aufgehört und es dann wieder mit Streicheln im Bereich zwischen Beinen
und Brust über den Kleidern versucht. Aber als sie gesagt habe, dass sie das
nicht mehr wolle, habe er gänzlich aufgehört. Gemäss seiner Darstellung fragte
die Privatklägerin zwischendurch allerdings noch, ob er sie wieder schlecken wol-
le, aber er habe verneint (Urk. D1/7/3 S. 22). In der delegierten polizeilichen Ein-
vernahme vom 3. Oktober 2016 stellt er wieder in Abrede, der Privatklägerin ge-
sagt zu haben, sie dürfe niemandem von den Vorkommnissen erzählen. Die Pri-
vatklägerin selbst habe zu ihm gesagt, das sei ein Geheimnis, sie würden das
niemandem erzählen. Das sei ihm recht gewesen und er habe gesagt, ja, sie
würden das niemandem sagen. Er habe also nur bestätigt, was die Privatklägerin
gesagt habe (Urk. D1/7/9 S. 8). Damit kam er zwar nicht mehr auf seine ursprüng-
liche Darstellung zurück, wonach er und die Privatklägerin gar nicht darüber gere-
det hätten, relativierte seine Aussage in der vorangegangenen Einvernahme aber
insofern, als er die Initiative zur Geheimhaltung der Privatklägerin zuschrieb. An-
- 20 -
lässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 7. Juli 2017 blieb er da-
bei, dass er einen Zusammenhang zwischen sexuellen Handlungen und Ge-
schenken nicht hergestellt und er aufgehört habe, nachdem die Privatklägerin
zweimal gesagt gehabt habe, sie wolle keine sexuellen Handlungen (Urk. D1/7/11
S. 13, 17). Ferner bestätigte er, dass die Situation mit der Privatklägerin die At-
mosphäre des Geheimen gehabt habe. Danach gefragt, wie er diese Atmosphäre
geschaffen habe, führte er in Übereinstimmung mit seinen Angaben in der Ein-
vernahme vom 3. Oktober 2016 aus, dass es gemäss seiner Erinnerung ein
Übereinkommen gewesen sei. Die Privatklägerin habe gesagt, "gäll, das ist unser
Geheimnis" und er habe gesagt, "ja, gut, das ist unser Geheimnis". Darauf ange-
sprochen, wie diese geheime Atmosphäre über den ganzen Zeitraum habe auf-
rechterhalten werden können, gab er an, das sei nicht schwierig gewesen. Es sei
jedes Mal ein vertrautes Zusammensein gewesen. Ihm sei es vorgekommen, als
ob sie das Gefühl gehabt habe, dass sie etwas habe, was andere nicht hätten, ein
Geheimnis (Urk. D1/7/11 S. 13). Dass die Idee der Geheimhaltung, entgegen dem
von ihm bereits in der Einvernahme vom 3. Oktober 2016 vermittelten Eindruck,
aber in Übereinstimmung mit seinen Angaben vom 9. Mai 2016 (Urk. D1/7/3
S. 20), tatsächlich von ihm kam, wird allerdings deutlich, wenn man seine weitere
Deposition berücksichtigt, wonach er der Privatklägerin das Geheimnis so erklärt
habe, dass das eigentlich nicht passieren dürfe, zwischen Erwachsenen und ei-
nem Kind (Urk. D1/7/11 S. 13). Einer solchen Erklärung hätte es nämlich nicht
bedurft, wenn die Privatklägerin von sich aus ein Bedürfnis gehabt hätte, das Vor-
gefallene als Geheimnis zwischen ihr und dem Beschuldigte zu bewahren. Die
vom Beschuldigten zitierte Äusserung der Privatklägerin "gäll, das ist unser Ge-
heimnis" ist denn auch allein von ihrem Wortlaut her auf die Bestätigung eines
früher definierten Geheimnischarakters gerichtet. Im Übrigen gestand er mit der
Aussage das ein, was er anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wie-
der in Abrede stellte (Prot. I S. 8) und an der Berufungsverhandlung wieder bestä-
tigte (Prot. II S. 36): Er hatte der Privatklägerin gesagt, dass das zwischen ihnen
Vorgefallene verboten ist.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass kein Anlass zur Annahme besteht,
der Beschuldigte belaste sich insgesamt oder mit einzelnen seiner Aussagen zu
- 21 -
Unrecht. Wenn er im Verlauf des Strafverfahrens zugab, er habe der Privatkläge-
rin zum ersten Mal nach der ersten sexuellen Handlung gesagt, dass das unter
ihnen bleibe und ihr Geheimnis sei (Prot. I S. 8; vgl. auch Urk. D1/7/3 S. 20), wo-
bei er ihr das Geheimnis so erklärt habe, dass das eigentlich nicht passieren dür-
fe, zwischen Erwachsenen und einem Kind (Urk. D1/7/11 S. 13), so ist folglich da-
rauf abzustellen. Das Gleiche gilt für die vom Beschuldigten zitierte Äusserung
der Privatklägerin "gäll, das ist unser Geheimnis", die sich von ihrem Wortlaut her
auf die Bestätigung des nach der ersten sexuellen Handlung definierten Geheim-
nischarakters richtet und zur vom Beschuldigten beschriebenen Atmosphäre des
Geheimen passt, die er mit seiner zugegebenen Äusserung nach der ersten se-
xuellen Handlung selber geschaffen hatte. Schliesslich ist auch auf seine Zugabe
abzustellen, dass er nach einer ersten Äusserung der Privatklägerin, sie wolle das
nicht mehr, noch einen Versuch startete, bevor er die sexuellen Handlungen Ende
September 2015 einstellte (Prot. I S. 8 f.). Davon abgesehen überzeugen seine
Aussagen jedoch nicht ohne weiteres.
5.2 Die Privatklägerin wirkte anlässlich ihrer auf Video aufgezeichneten Einver-
nahme vom 13. April 2016 (Urk. D1/8/2) über weite Strecken verschlossen. Sie
berichtete nur widerwillig über sexuelle Handlungen und gab einzig an, dass sie
den Penis des Beschuldigten und der Beschuldigte ihren Körper bzw. ihre Vagina
berührt habe. Weitere sexuelle Handlungen schilderte sie nicht. Die Frage, ob der
Penis des Beschuldigten zwischen ihren Beinen gewesen sei, verneinte sie mit
Kopfschütteln. Ausdrücklich verneinte sie, dass der Penis des Beschuldigten an
ihrer Vagina gewesen sei, sie den Penis des Beschuldigten auch in den Mund
genommen habe und der Beschuldigte ihre Vagina mit dem Mund berührt habe.
Die Fotos und Videoaufzeichnungen machen deutlich, dass sie die sexuellen
Handlungen damit nur rudimentär und unvollständig schilderte, den Beschuldigten
im Ergebnis also tatsachenwidrig entlastete. Die Gründe dafür können mannigfal-
tig sein. Sie selber gab in der Videoeinvernahme an, keine Erinnerung mehr zu
haben. Es sei für sie schwierig, über die Geschehnisse nachzudenken (00:18:55),
und sie denke gar nicht mehr daran (00:38:58). Dr. D._ erläuterte die Gründe
für die Erinnerungslücken bzw. das Abblocken von Fragen zu den Geschehnissen
als sachverständige Zeugin einleuchtend als Reaktion der Privatklägerin auf de-
- 22 -
ren eingeschränkte Fähigkeit, Erlebnisse einzuordnen und Erlebtes zu verarbeiten
(Prot. II S. 27; E. II.3.2; vgl. auch Urk. 72/6 S. 1 f.). Insgesamt ist ohne weiteres
anzunehmen, dass die Privatklägerin den Beschuldigten in der Videoeinvernahme
vom 13. April 2016 nicht übermässig belastete. Zweifel ergeben sich einzig an der
Vollständigkeit ihrer Belastung. Soweit die Privatklägerin den Beschuldigten be-
lastende Angaben machte, kann folglich ohne weiteres auf diese abgestellt wer-
den, auch wenn sie vorher oder nachher auf gleiche oder ähnliche Fragen angab,
sie könne sich nicht erinnern, wisse es nicht (mehr) oder sei sich nicht sicher. Im
Übrigen sind den Beschuldigten potentiell entlastende Aussagen zunächst als
solche hinzunehmen; an ihrer Existenz ändert der Umstand, dass die Privatkläge-
rin den Beschuldigten erwiesenermassen tatsachenwidrig schont, nichts.
Davon ausgehend kann den Aussagen der Privatklägerin entnommen wer-
den, dass sie sich zu den von ihr geschilderten sexuellen Handlungen gezwungen
fühlte. So gab sie nicht nur an, diese seien nicht ihre bzw. sie seien die Idee des
Beschuldigten gewesen (00:35:28; 01:20:21; 01:28:41), sondern erklärte auch, sie
habe den Penis angefasst, weil der Beschuldigte ihr gesagt habe, dass sie dies
tun müsse (00:25:30) bzw. sie habe sich die Fotos von anderen Personen  müssen (ab 01:30:30). Es sei für sie unangenehm bzw. komisch gewesen, den Penis des Beschuldigten zu berühren. Das Ganze sei für sie unangenehm
gewesen (ab 00:49:17) bzw. es sei für sie grusig gewesen, die Fotos anzuschau-
en (ab 01:34). Ferner zeigte sie sich froh darüber, dass die amerikanische Polizei
das herausgefunden habe und brachte zum Ausdruck, dass der Beschuldigte
nicht mehr bei ihnen zu Besuch kommen solle (ab 01:43:16). Zudem schilderte
sie, dass sie dem Beschuldigten einmal gesagt habe, dass sie die Handlungen
nicht wolle. Über ihre ablehnende Äusserung habe er sich zunächst hinwegge-
setzt. Als sie erneut gesagt habe, sie wolle das nicht, habe er schliesslich ganz
aufgehört (ab 01:37:20). Weshalb sie sich zu den sexuellen Handlungen gezwun-
gen fühlte, formulierte sie nicht. Namentlich beantwortete sie die Frage nach mög-
lichen Drohungen nicht (ab 01:35). Sie bestätigte lediglich, dass der Beschuldigte
ihr gesagt habe, dass sie niemandem von den Vorkommnissen erzählen dürfe. Er
habe es einmal gesagt. Was passieren würde, wenn doch jemand von den sexu-
ellen Handlungen erfahren würde, habe ihr der Beschuldigte aber nicht gesagt
- 23 -
(00:25:45; 00:26:12; ab 00:31:19). Der Beschuldigte hätte das mit ihr nicht ma-
chen dürfen, sie wisse aber nicht mehr, ob er gesagt habe, dass er es nicht hätte
machen dürfen (ab 00:34:54). Ob der Beschuldigte ihr Geschenke gemacht habe,
damit sie die sexuellen Sachen mache, wisse sie nicht. Die Geschenke habe sie
jeweils zum Geburtstag bekommen, und sie habe die sexuellen Handlungen ge-
macht, ohne etwas vom Beschuldigten dafür zu bekommen (ab 01:35 46; vgl.
auch 00:14:49). Auf die Frage, was sie gedacht habe, als der Beschuldigte gesagt
habe, sie dürfe es nicht sagen, zuckte sie nur mit den Schultern (ab 00:50:15),
machte also keine Angaben dazu, ob sie sich über mögliche Konsequenzen eige-
ne Vorstellungen gemacht hatte. Dass sie sich schliesslich zuerst F._ ge-
genüber geöffnet hatte und ihre Grossmutter und Mutter lediglich indirekt über
diesen von den Vorkommnissen erfuhren, schilderte sie jedoch, wobei sie auch
sagte, dass sie F._ gebeten habe, nichts zu unternehmen. Unklar blieb, wa-
rum sie F._ von den sexuellen Handlungen erzählte (ab 00:52:20; 01:26:09).
5.3 F._ schilderte in der delegierten polizeilichen Einvernahme vom 14. Ap-
ril 2016 (Urk. D1/9/3) und als Zeuge in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 16. Dezember 2016 detailliert und lebensnah wie und was die Privatklägerin
ihm gegenüber über die anklagegegenständlichen Vorfälle geäussert hatte. Dabei
unterschied er zwischen selber Wahrgenommenem, Hörensagen und eigenen In-
terpretation und verschwieg auch nicht, dass er der Privatklägerin Fragen gestellt
hatte (vgl. Urk. D1/9/3 S. 4; Urk. D1/9/4 S. 7). Konkrete Hinweise auf eine mass-
gebliche Verfälschung der Angaben der Privatklägerin als Folge von suggestiven
Prozessen oder von Interpretation und Bewertung durch den Zeugen fehlen. Na-
mentlich lassen sich die vom Zeugen als Darstellung der Privatklägerin ihm ge-
genüber geschilderten Einzelheiten der sexuellen Handlungen problemlos (und
weit besser als die rudimentäre Schilderungen der Privatklägerin in der Videoein-
vernahme) mit dem vorhandenen Bildmaterial in Einklang bringen. Es besteht
folglich keine Veranlassung, an der Zuverlässigkeit der detaillierten und lebens-
nahen Angaben des Zeugen über die Schilderungen der Privatklägerin und das
von ihr dabei an den Tag gelegte Verhalten zu zweifeln.
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Soweit im Berufungsverfahren noch von Bedeutung geht aus seinen Aussa-
gen hervor, dass er die Privatklägerin einmal gefragt hatte, warum sie nicht mit
der Mutter darüber rede. Sie habe dann gesagt, dass sie dann keine Geschenke
mehr erhalten würde. Er habe gefragt, wie sie darauf komme. Die Privatklägerin
habe darauf gesagt, dass A._ gesagt habe, dass sie es immer schön mitei-
nander haben würden. Sie dürfe einfach niemandem etwas sagen, sonst gebe es
für sie und ihren Bruder keine Geschenke mehr (Urk. D1/9/3 S. 3). Es sei gut
möglich, dass noch mehr gewesen sei, als sie ihm erzählt habe. Sie habe immer
mehr geblockt und immer weniger darüber gesagt. Sie habe ihn darauf angespro-
chen, ob er der Grossmutter etwas erzählt habe, weil sie von dieser darauf ange-
sprochen worden sei. Die Privatklägerin habe dann auch zu ihm nichts mehr ge-
sagt. Sie habe ihm auch gesagt, dass man der Grossmutter so Sachen nicht er-
zählen solle, da sie zur Mutter gehen und es weitererzählen würde. Und wenn es
bis zu A._ erzählt werde, gebe es keine Geschenke mehr (Urk. D1/9/3 S. 5).
Als Zeuge schilderte er weiter, sie habe mit ihm verhandeln wollen, die Mutter
dürfe davon gar nichts wissen. Er müsse ihr das hoch und heilig versprechen. Sie
habe bei ihm die Türe schliessen wollen, damit die Mutter auch ganz sicher nichts
hören könne, obschon die Mutter sie im Zimmer ohnehin nicht sprechen hören
würde. So Angst habe sie gehabt, gehört zu werden (Urk. D1/9/4 S. 5). Sie habe
dann mehr erzählt, als sie das Vertrauen zu ihm gewonnen und gemerkt gehabt
habe, dass er es der Mutter nicht sagen würde. Sie habe die Angst verloren und
sei immer lockerer geworden und habe immer mehr erzählt (Urk. D1/9/4 S. 5). Sie
habe manchmal 15 bis 20 Minuten im Detail erzählt, wie sie seinen Penis in den
Mund genommen habe. Zu Beginn habe sie es nicht gewusst, aber er habe es ihr
so sanft beigebracht, sie immer wieder beschenkt (Urk. D1/9/4 S. 5). Sie habe
ihm gesagt, dass er in ihr Zimmer komme und ihr den Penis einfach hinhalte, und
sie ihm einen blasen müsse. Sie hätte oft schlafen wollen, aber er habe sie nicht
gelassen. Er habe das Gefühl gehabt, dass sie gegen Ende wie genug gehabt
habe. Sie habe auch nicht zur Mutter gekonnt, weil diese davon nichts habe wis-
sen dürfen (Urk. D1/9/4 S. 5, 10).
Daraus folgt, dass das von der Privatklägerin in der Videoeinvernahme er-
wähnte Sprechverbot wirkte, nach dem Auszug des Beschuldigten aus der ge-
- 25 -
meinsamen Wohnung namentlich noch gegenüber der Mutter und Grossmutter.
Ferner bestätigt ihre Äusserung gegenüber dem Zeugen, sie habe oft schlafen
wollen, der Beschuldigte habe sie aber nicht gelassen, ihre Aussagen in der Vi-
deoeinvernahme, aus denen zu schliessen ist, dass sie sich zu den sexuellen
Handlungen gezwungen fühlte. Darüber hinaus ergibt sich aus den Depositionen
im Sinne eines indirekten Zeugnisses (Hörensagen), dass der Beschuldigte die
Geschenke von der Einhaltung des Sprechverbots abhängig gemacht hatte. So-
dann enthalten sie indirekte Hinweise darauf, dass gemachte Geschenke auch
einen direkten Zusammenhang mit sexuellen Handlungen hatten (vgl. Urk. D1/9/4
S. 5). Allerdings finden diese Äusserungen der Privatklägerin gegenüber F._
weder in ihren eigenen Aussagen in der Videoeinvernahme noch in den Aussa-
gen des Beschuldigten eine Stütze und können daher dem Urteil, auch wenn sie
nachvollziehbar erscheinen, aus prozessualen Gründen nicht zugrunde gelegt
werden.
5.4 C._, die Mutter der Privatklägerin, sagte am 13. April 2016 im Rahmen
einer delegierten polizeilichen Einvernahme aus (Urk. D1/9/1). Sie deponierte,
dass sie mit der Privatklägerin zum Beschuldigten gegangen sei. Als sie der Pri-
vatklägerin gesagt habe, dass sie das vorhabe, habe diese erklärt, dass sie Angst
habe. Auf die Frage, weshalb sie Angst habe, habe sie geantwortet, dass der Be-
schuldigte zu ihr gesagt habe, dass er und sie Probleme bekommen würden,
wenn sie etwas erzähle. Sie habe etwas gewimmert. Daraufhin habe sie, die Mut-
ter, gesagt, sie müsse sich nun ein bisschen zusammenreissen. Sie seien dann
gegangen. Der Beschuldigte habe wieder alles abgestritten und zur Privatklägerin
gesagt, "B._ ich mache doch nöd so sache". Die Privatklägerin habe sich
dann ein bisschen hinter ihr, der Mutter, versteckt. Der Beschuldigte habe ge-
meint, dass ihm die Privatklägerin ja nicht einmal in die Augen sehen könne, sie
sei doch beeinflusst worden. Darauf habe die Privatklägerin gesagt, "A._ du
bisch es würklich gsi, ich weiss das, Mami ich lüge würklich nöd jetzt". Er habe
sie, die Mutter, angeschaut und gesagt, das könne nicht sein, er habe das nicht
gemacht. Sie hätten dann abbrechen müssen, da es auch schon spät und ein Hin
und Her gewesen sei. Keiner habe Schuld sein wollen (Urk. D1/9/1 S. 11). Aus
der Einvernahme wird insgesamt deutlich, dass sie zu diesem Zeitpunkt von der
- 26 -
Schuld des Beschuldigten nicht überzeugt war oder sein wollte. Dass sie die Be-
gegnung zwischen ihr, dem Beschuldigten und der Privatklägerin und deren Vor-
geschichte, zum Nachteil des Beschuldigten nicht tatsachenbasiert schilderte,
muss ausgeschlossen werden, zumal die Schilderung in sich detailliert und le-
bensnah ist. Als Zeugin befragt bestätigte sie ihre Aussage als richtig, dass die
Privatklägerin gesagt habe, dass der Beschuldigte gesagt habe, dass sie und er
Probleme bekämen, wenn sie etwas erzählen würde, und wie die Privatklägerin
vor Ort auf den Beschuldigten reagiert habe (Urk. D1/9/2 S. 13 f.). Es besteht kein
Grund, an deren Glaubhaftigkeit zu zweifeln.
Auch aus diesen Zeugenaussagen folgt, dass das von der Privatklägerin in
der Videoeinvernahme erwähnte Sprechverbot wirkte und zwar derart stark, dass
die Privatklägerin auch noch nach dem Auszug des Beschuldigten und nachdem
die Grossmutter und Mutter von den Ereignissen erfahren hatten, Angst vor den
Konsequenzen einer Verletzung desselben hatte. Die Gründe für diese Angst er-
geben sich aus den Aussagen der Mutter der Privatklägerin im Sinne eines indi-
rekten Zeugnisses (Hörensagen). Demnach soll der Beschuldigte zur Privatkläge-
rin gesagt haben, dass er und sie Probleme bekommen würden, wenn sie etwas
erzähle. Auch diese Äusserung der Privatklägerin über die Gründe für ihre Ängste
findet in der Videoeinvernahme zwar keine Stütze. Anders als die Erklärung ge-
genüber F._, lässt sie sich jedoch mit der Aussage des Beschuldigten, er
habe der Privatklägerin den Geheimnischarakter des Vorgefallenen so erklärte,
dass das eigentlich zwischen Erwachsenen und einem Kind nicht passieren dürfe,
in Einklang bringen. Sie kann bzw. ist daher dem Urteil zugrunde zu legen, jeden-
falls in dem Sinn, dass die Privatklägerin aus der Äusserung des Beschuldigten
für sich den Schluss zog, es drohten ihnen beiden beim Bekanntwerden der Vor-
kommnisse negative Konsequenzen.
6. In einer Gesamtschau ergibt sich folgendes: Der heute 60-jährige Beschul-
digte lebte von April 2013 bis September 2015 mit seiner Lebenspartnerin
C._ und deren Kindern B._ (geb. tt. mm. 2005; Privatklägerin) und
G._ (geb. tt. mm. 2007) in einem Haushalt (Urk. D1/7/1 S. 5; Urk. D1/7/2
S. 3; Urk. D1/9/1 S. 2 f.; Urk. D1/9/2 S. 4). C._ und ihr Ex-Mann hatten Kon-
- 27 -
takt betreffend die Kinder. C._ war aber der Auffassung, dass ihr Ex-Mann
seine Verpflichtungen gegenüber den Kinder nicht wahrnahm (Urk. D1/9/1 S. 13;
Urk. D1/9/5 S. 3, 5). Die Kinder sahen ihren Vater je separat jede vierte Woche an
einem Wochenende (Urk. D1/9/1 S. 9; Urk. D1/9/5 S. 3). In Erziehungsfragen
setzte C._ dem Beschuldigten zwar Grenzen (Urk. D1/7/11 S. 6; Urk. D1/9/1
S. 3). Nichtsdestotrotz war er aufgrund der familiären Konstellation aber der
Mann, der den Lebensalltag der Kinder prägte. Er hatte zu beiden einen guten
Draht. Beide suchten den Kontakt zu ihm (Urk. D1/8/2, 00:11:44; Urk. D1/9/1 S. 6,
8, 13; Urk. D1/9/2 S. 4, 7, 10 f.; Urk. D1/9/5 S. 4; Urk. D1/9/7 S. 6; Urk. D1/9/8
S. 7; anders der Beschuldigte betreffend G._ in Urk. D1/7/1 S. 7). Er be-
schenkte beide Kinder bis nach seinem Auszug verhältnismässig grosszügig
(Urk. D1/7/2 S. 10; Urk. D1/7/3 S. 23; Urk. D1/7/11 S. 13 f.; Urk. D1/8/2, ab
00:13:09, ab 01:36:02; Urk. D1/9/1 S. 3; Urk. D1/9/2 S. 9; Urk. D1/9/5 S. 4, 6;
Urk. D1/9/7 S. 6) und C._ vertraute ihm so sehr, dass sie selbst nach dem
Bekanntwerden der Vorwürfe zunächst nicht wusste, wem sie glauben sollte (vgl.
Urk. D1/9/1 S. 11; Urk. D1/9/2 S. 4).
Zur ersten sexuellen Handlung kam es gegen Ende 2013 im Badezimmer
der Familienwohnung. Die genauen Umstände sind unbekannt. Die Privatklägerin
äussert sich nicht dazu. Die Behauptung des Beschuldigten, die Privatklägerin
habe auf eigenen Wunsch gehandelt (Urk. D1/7/1 S. 4; Urk. D1/7/2 S. 5), über-
zeugt nach dem Erwogenen sodann nicht. Anlässlich der Berufungsverhandlung
verneinte der Beschuldigte denn auch ausdrücklich, die Initiative sei von der Pri-
vatklägerin ausgegangen (Prot. II S. 31). Feststeht jedoch, dass der Beschuldigte
der Privatklägerin nach dieser ersten sexuellen Handlung ein Schweigegebot auf-
erlegte, das er mit der Erklärung verband, dass solche Handlungen zwischen Er-
wachsenen und Kindern verboten seien. Mit dieser Bemerkung machte er die Pri-
vatklägerin zur Komplizin bei verbotenen Vorgängen und brachte so zumindest
sinngemäss zum Ausdruck, dass ihnen beiden bei deren Bekanntwerden Schwie-
rigkeiten drohen. Wenn er das anlässlich der Berufungsverhandlung in Abrede
stellte, indem er geltend machte, es habe damit nur den Grund für das Geheimnis
genannt (Prot. II S. 36), ist das allzu naiv; eine Grundangabe seinerseits brauchte
es nur, um dem Geheimnis das nötige Gewicht zu verleihen. Die Bedeutung sei-
- 28 -
ner Bemerkung ist eindeutig und wurde auch von der Privatklägerin erfasst. In der
Folge bestand zwischen ihm und der Privatklägerin unbestritten eine Atmosphäre
des Geheimen. Ferner ist aus seinen Aussagen zu schliessen, dass er den Ge-
heimnischarakter der Vorgänge auf die Frage der Privatklägerin "gäll, das ist un-
ser Geheimnis" mindestens einmal explizit bestätigte. Das Schweigegebot wirkte
sodann bis zum Auszug des Beschuldigten aus der gemeinsamen Wohnung er-
wiesenermassen uneingeschränkt und danach eine Zeitlang noch teilweise, weil
die Privatklägerin negative Konsequenzen für den Beschuldigten und sich fürchte-
te, wenn sie sich nicht daran halten würde.
Aus den Aussagen der Privatklägerin in der Videoeinvernahme und gegen-
über F._ ist sodann zu schliessen, dass sie sich zu den sexuellen Handlun-
gen gezwungen fühlte. Das vorhandene Bildmaterial zeigt zudem eindrücklich, mit
welcher Selbstverständlichkeit der Beschuldigte die sexuellen Handlungen vor-
nahm. Er verfügte ungeniert über den Körper der Privatklägerin, indem er ihr An-
weisungen erteilte und sie bei Bedarf nach seinen Bedürfnissen umplatzierte.
Dass er bei den nicht bildlich festgehaltenen Übergriffen grundsätzlich anders
vorging, kann ausgeschlossen werden. Mit seiner Vorgehensweise nahm er der
ihm kognitiv und körperlich unterlegenen Privatklägerin tatsituativ den Raum, ei-
gene Bedürfnisse wahrzunehmen und (wirkungsvoll) zu äussern. Dass es ihm
auch subjektiv genau darum und nicht etwa um wohlwollende Hilfestellungen
ging, steht allein deshalb ausser Frage, weil der Beschuldigte zu keinem Zeit-
punkt ernsthaft annehmen konnte, die kindliche Privatklägerin würde ohne seine
"Vorschläge" und Anweisungen sexuelle Handlungen mit ihm vornehmen. Dass er
glaubte, sie mit der irreführenden Frage, ob sie einmal etwas Lustiges machen
wolle, zum Vorgang vom 21. Februar 2015 animieren zu müssen (Anklageziffer 9;
vgl. Urk. D1/7/3 S. 26), spricht in diesem Zusammenhang Bände. Zudem ist er-
stellt, dass der Beschuldigte sich mindestens zweimal auch über Zeichen des
Überdrusses hinwegsetzte. So wird aus der Videoaufnahme des Anklageziffer 9
zugrundeliegenden Vorfalls deutlich, dass er den Vorgang ungeachtet der Bemer-
kung der Privatklägerin "jetzt simmer dänn wieder fertig, gäll" noch beinahe drei
Minuten fortsetzte (vgl. Urk. D1/7/7 S. 16 ff.). Ferner genügte auch die einmal ex-
- 29 -
plizit von der Privatklägerin geäusserte Ablehnung sexueller Handlungen nicht,
um seinem Treiben ein definitives Ende zu setzen.
7.1 Der Vergewaltigung macht sich schuldig, wer eine Person weiblichen Ge-
schlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt (Art. 190 Abs. 1 StGB), wobei bereits
das Einführen des Glieds in den sog. Scheidenvorhof als Beischlaf im Sinne der
Bestimmung gilt (BSK StGB-MAIER, Art. 190 N. 13). Nötigt der Täter eine Person
zu beischlafsähnlichen oder anderen sexuellen Handlungen, macht er sich der
sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig. Als sexuelle
Handlungen im Sinne der Bestimmung gelten alle Verhaltensweisen, die nach ih-
rem äusseren Erscheinungsbild eindeutig sexualbezogen sind. Dazu gehören
namentlich die orale und anale Penetration, das Stimulieren der Vagina durch
Zunge oder Lippe, das Einführen von Gegenständen in Vagina oder Anus, das
Reiben des Geschlechtsteils an den Genitalien oder der Brust des Opfers, der
sog. Schenkelverkehr und das Berühren der Geschlechtsteile oder der Brust einer
Frau, bei grösserer Intensität des Betastens auch über den Kleidern. Gleichzeitig
als beischlafsähnlich gelten dabei Verhaltensweisen, bei denen das primäre Ge-
schlechtsteil einer der beteiligten Personen mit dem Körper der anderen Person in
eine dem erzwungenen Beischlaf ähnlich enge Berührung kommt. Dazu gehören
namentlich die orale und anale Penetration, das Stimulieren der Vagina durch
Zunge oder Lippen und der sog. Schenkelverkehr, was allerdings einzig bei der
Strafzumessung von Bedeutung ist (vgl. BSK StGB-MAIER, Art. 189 N. 48 ff.; BGE
132 IV 120). Die beiden Tatbestände gelten als Gewaltdelikte und sind damit
grundsätzlich als Akte physischer Aggression zu verstehen (BGE 133 IV 52; BGE
6B_983/2008; BGE 6B_304/2012; BGE 6B_210/2013 E. 3.1.2). Sie erfordern in-
dessen nicht zwingend eine Gewalteinwirkung auf das Opfer. Vielmehr ist auch
das Opfer geschützt, das durch den Täter in eine ausweglose Situation gebracht
wird, in welchem es ihm nicht zumutbar ist, sich dem Vorhaben des Täters zu wi-
dersetzen (BGE 6B_304/2012 E. 2.2.). In diese Situation kann der Täter das Op-
fer namentlich durch das Ausüben von Gewalt, durch Drohungen oder ein Unter-
psychischen-Druck-Setzen bringen.
- 30 -
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können sexuelle Handlungen
mit Kindern im Sinne von Art. 187 StGB zugleich die Tatbestände der sexuellen
Nötigung im Sinne von Art. 189 StGB oder der Vergewaltigung im Sinne von
Art. 190 StGB erfüllen, sofern sie vom Täter namentlich durch Unter-psychischen-
Druck-Setzen erzwungen wurden. Tatbestandsmässig ist in diesen Fällen das
Schaffen einer für das Kind ausweglosen Situation. Ob das der Fall ist, ist auf-
grund einer umfassenden Würdigung der konkreten Umstände zu entscheiden,
wobei der beim Kind im Verhältnis zu Bezugspersonen in der Regel bestehenden
kognitiven Unterlegenheit und der emotionalen wie sozialen Abhängigkeit Rech-
nung zu tragen, die es den Bedürfnissen des Erwachsenen mehr oder weniger
ausliefert. Geschehen sexuelle Handlungen unter Ausnützung des Erwachsenen-
Kind-Gefälles sind entsprechend geringere Anforderungen an die Intensität des
psychischen Drucks und der Gegenwehr zu stellen (BGE 124 IV 154 E. 3b; BGE
128 IV 97 E. 2b; BGE 6B_216/2017 E. 1.4.1). Das bedeutet gemäss bundesge-
richtlicher Rechtsprechung allerdings nicht, dass jede sexuelle Handlung von Er-
wachsenen mit Kindern, die im sozialen Nahraum stattfindet, unter Verwischung
der Tatbestandsgrenzen zwischen Art. 187 StGB und Art. 189 StGB bzw. Art. 190
StGB zugleich eine sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung darstellt. Art. 189
StGB oder Art. 190 StGB kommt nur in Betracht, wenn der psychische Druck er-
heblich ist. Das Ausnützen allgemeiner Abhängigkeits- oder Freundschaftsver-
hältnisse oder eine gegenüber jedem Erwachsenen bestehende Unterlegenheit
des Kindes reichen für sich genommen regelmässig nicht (BGE 122 IV 97 E 2b;
BGE 128 IV 97 E. 2b). Vielmehr muss die vorgefundene oder vom Täter geschaf-
fene soziale Situation von diesem als Druckmittel eingesetzt werden, um das Op-
fer in die Enge zu treiben, so dass dieses etwa Angst der Unnachgiebigkeit oder
Strenge oder dem Verlust von Zuneigung des Täters hat bzw. sich in einen läh-
menden Gewissenskonflikt getrieben sieht, der es ausserstande setzt, Widerstand
zu leisten. Tatbestandsmässig kann unter diesem Aspekt, je nach spezifischer Si-
tuation, in welcher sich ein Kind befindet, namentlich auch ein einfaches Schwei-
gegebot sein, das ein Kind in die schwierige Situation bringt, entscheiden zu müs-
sen, entweder die Handlungen zuzulassen oder auf die Nähe der Person, die es
gerne hat, zu verzichten (BGE 124 IV 154 E. 2b; BGE 128 IV 97 E. 2c; BGE 128
- 31 -
IV 106 E. 3a; BGE 131 IV 107 E. 2.4). Gefordert ist eine tatsituative Zwangssitua-
tion, was aber nicht bedeutet, dass der Täter diese jedes Mal wieder auf die glei-
che Weise neu entstehen lassen muss. Es genügt, wenn das Opfer zunächst in
dem ihm möglichen Rahmen Widerstand leistet und der Täter in der Folge den
Zwang aktualisiert, so dass jede weitere sexuelle Ausbeutung nur aufgrund der
strukturellen und aktualisierten Gewalterfahrung erfolgt (BGE 131 IV 107 E. 2.4;
BGE 6B_216/2017 E. 1.3).
7.2 Die Verhaltensweisen des Beschuldigten gemäss den Anklageziffern 1, 2, 3,
4, 5 (soweit nicht eine vaginale Penetration erfolgte), 6 und 9 stellen sexuelle
Handlungen im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StG dar, wobei die orale Penetration
(Anklageziffern 2, 3, 4, 5, 6), die anale Penetration (Anklageziffer 5), das Reiben
der Erektion zwischen dem Anus und der Vagina der Privatklägerin (Anklageziffer
3) sowie die Kopulationsbewegungen mit erigiertem Penis zwischen den Beinen
an der Vagina der Privatklägerin (Anklageziffer 9) als beischlafsähnlich zu qualifi-
zieren sind. Das (fotografisch dokumentierte; vgl. Urk. 106 E. II. 3.2.1.2) Eindrin-
gen mit dem Glied in den Scheidenvorhof gemäss Anklageziffer 5 gilt nach dem
Erwogenen als Beischlaf im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB.
Ab dem zweiten Vorfall (vgl. Anklageziffer 2) stand die Privatklägerin unter
dem Eindruck des ihr vom Beschuldigten auferlegten Schweigegebots, an das sie
sich hielt, weil sie negative Konsequenzen für den Beschuldigten und sich selbst
befürchtete. Subjektiv ohne Möglichkeit, sich an eine andere erwachsene Person
zu wenden, war sie als Kind dem 45 Jahre älteren, ihr kognitiv und körperlich weit
überlegenen Beschuldigten ausgeliefert. Der Beschuldigte nahm die sexuellen
Handlungen in der Folge gezielt mit grösster Selbstverständlichkeit vor und nahm
der Privatklägerin damit tatsituativ auch den Raum, eigene Bedürfnisse wahrzu-
nehmen oder wirkungsvoll zu äussern. Die Privatklägerin befand sich dadurch in
einer vom Beschuldigten geschaffenen ausweglosen Situation, bis sich ihre Per-
sönlichkeit soweit entwickelt hatte, dass sie dem Beschuldigten gegenüber ihren
Widerwillen selbständig in einer Weise äussern konnte, dass er bei einer Weiter-
führung seiner Taten die Entdeckung zu riskieren glaubte. Mit Ausnahme der ers-
ten (Anklageziffer 1) weisen damit alle angeklagten sexuellen Handlungen zum
- 32 -
Nachteil der Privatklägerin das Nötigungselement auf, welches die Tatbestände
der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung voraussetzen.
Dass der Beschuldigte vorsätzlich handelte, steht ausser Frage.
7.3 Ausser beim Vorfall gemäss Anklageziffer 2 Absatz 3 hat der Beschuldigte
jeweils bei einer Gelegenheit mehrere sexuelle Handlungen vorgenommen bzw.
von der Privatklägerin vornehmen lassen. Auch diese Vorgänge sind jedoch
rechtlich als eine Handlung zu behandeln, soweit es sich bei der Vielzahl der vor-
genommenen sexuellen Handlungen objektiv betrachtet jeweils um eine ununter-
brochene Serie von tatbestandmässigen Handlungen handelt (sog. natürliche
Handlungseinheit; vgl. BSK StGB-ACKERMANN Art. 49 N. 30, 45 ff. mit Hinweisen).
Dem quantitativ gesteigerten Unrecht ist im Rahmen der Strafzumessung Rech-
nung zu tragen.
Keine Schwierigkeiten macht die Abgrenzung der einzelnen als natürliche
Handlungseinheiten zu betrachtenden Vorgänge gemäss den Anklageziffern 2
und 3 nach Vorfall. Natürliche Handlungseinheiten stellen sodann die unter den
Anklageziffern 4 und 9 geschilderten Sachverhalte dar. Die Anklageziffern 5 und 6
beziehen sich beide auf Vorgänge, die am 22. Dezember 2014 zwischen
12:23 Uhr und 12:44 Uhr stattfanden. Sie überschneiden sich bezogen auf das in
Anklageziffer 6 erwähnte Video von 12:39 Uhr. Ansonsten schliesst der Anklage-
sachverhalt gemäss Anklageziffer 6 an denjenigen gemäss Anklageziffer 5 an. In
Anklageziffer 5 wird eine serielle Abfolge von sexuellen Handlungen umschrieben.
Allerdings erfüllen diese abwechslungsweise den Tatbestand der sexuellen Nöti-
gung und der Vergewaltigung und stellen daher (ausser unter dem hier nicht inte-
ressierenden Blickwinkel des Tatbestandes der sexuellen Handlungen mit Kin-
dern) insgesamt keine (tatbestandliche) Handlungseinheit dar. Eine solche ist le-
diglich für die einzelnen unter den gleichen Tatbestand fallenden Sachverhaltsab-
schnitte zu bejahen. Bezogen auf die Vergewaltigungshandlungen bedeutet dies,
dass die beiden Penetrationen ab 12:31 Uhr sowie die einzelnen Penetrationen
um 12:33 Uhr, 12:35 Uhr und 12:38 Uhr je als eine Handlung zu qualifizieren sind.
Dem aussergewöhnlich engen sachlichen, räumlichen und situativen Zusammen-
hang zwischen den Vergewaltigungen einerseits, und den in Anklageziffer 5 und 6
- 33 -
insgesamt beschriebenen Tathandlungen andererseits, ist im Rahmen der Straf-
zumessung Rechnung zu tragen.
8. Zusammengefasst ist der Beschuldigte in Bestätigung des erstinstanzlichen
Urteils ferner der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB
und der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen. Bezogen auf Anklageziffer 1 ist er hingegen vom Vorwurf
der sexuellen Nötigung im Sinne Art. 189 Abs. 1 StGB freizusprechen.
IV.
1. Der Beschuldigte hat die zu beurteilenden Straftaten vor Inkrafttreten der
seit 1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des
Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts; AS 2016 1249) begangen.
Das geltende (neue) Recht ist daher auf diese nur anzuwenden, sofern es für die
beschuldigte Person im konkreten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2
Abs. 2 StGB; OFK/StGB-DONATSCH, a.a.O., N 10 zu Art. 2 StGB). Das ist nicht
der Fall, da das geltende (neue) Sanktionenrecht grundsätzlich keine mildere Be-
strafung vorsieht, sondern im Gegenteil auf eine Verschärfung im Bereich der
Geldstrafe und kurzen Freiheitsstrafe zielt, und die Neuregelungen gemäss
Art. 42 Abs. 2 StGB und Art. 46 Abs. 1 StGB, welche zu einem für den Täter
günstigeren Ergebnis führen, vorliegend nicht zur Anwendung kommen. Die
Sanktion ist folglich gestützt auf die Bestimmungen des im Tatzeitpunkt geltenden
Sanktionenrechts festzulegen.
2. Der Beschuldigte ist heute u.a. für einen über gut zwei Jahre andauernden
sexuellen Missbrauch der Privatklägerin zu bestrafen. Vorgeworfen werden ihm in
diesem Zusammenhang eine Vielzahl, meist schwerwiegender sexueller Hand-
lungen, die unter die Tatbestände der Vergewaltigung, der sexuellen Nötigung
und der sexuellen Handlungen mit Kindern fallen. Dazu kommen die Vorwürfe der
Pornografie und der Gewaltdarstellung, die im Wesentlichen nicht von den Delik-
ten zum Nachteil der Privatklägerin losgelöst betrachtet werden können. Das Ver-
schulden des Beschuldigten rechtfertigt – wie zu zeigen sein wird – eine insge-
- 34 -
samt empfindliche Freiheitsstrafe. Die Ausfällung einer Geldstrafe für einzelne der
angeklagten Handlungen kommt bei dem gegebenen Ausmass der einem einheit-
lichen Muster folgenden Delinquenz allein aus spezialpräventiven Gründen nicht
in Frage. Allerdings ist auch zu betonen, dass die (der Genugtuungsforderung zu-
grundeliegende) Annahme der Vertreterin der Privatklägerin vor Vorinstanz, es sei
zu täglichen mehrfachen sexuellen Übergriffen gekommen (Urk. 71 S. 15), den
Anklagesachverhalt sprengt und daher der Strafzumessung nicht zugrunde gelegt
werden darf.
3. Ausgangspunkt für die Strafzumessung ist die schwerste vom Beschuldigten
begangene Tat (vgl. Art. 49 Abs. 1 StGB), also die Vergewaltigung. Art. 190
Abs. 1 StGB sieht für dieses Delikt einen ordentlichen Strafrahmen von einem bis
zu zehn Jahren Freiheitsstrafe vor. Aussergewöhnliche Umstände, die es ange-
zeigt erscheinen lassen, diesen Strafrahmen (im Ergebnis) zu verlassen, beste-
hen vorliegend auch unter Berücksichtigung der Tatmehrheit und der mehrfachen
Tatbegehung nicht (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8).
4.1 Innerhalb des Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem Ver-
schulden des Täters, wobei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Täters sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind
(Art. 47 Abs. 1 StGB; vgl. zu den Einzelheiten BGE 123 IV 49 E. 2 und
BGE 136 IV 55).
4.2.1 Ist der Täter, wie vorliegend, wegen einer Mehrheit, und teilweise mehrfach
begangener Taten zu bestrafen, hat das Gericht basierend auf der Tatkomponente
zunächst die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt zu bestimmen. In einem weite-
ren Schritt sind die übrigen Delikte – wiederum basierend auf der Tatkomponente
– zu beurteilen, und es ist dafür unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände
die hypothetische Strafe zu ermitteln. Sodann hat es bei (wie vorliegend) gleichar-
tigen Strafen unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips die hypothetische
Gesamtstrafe für sämtliche dieser Delikte festzulegen (Art. 49 Abs. 1 StGB;
BGE 6B_808/2017 E. 2.1.1; BGE 138 IV 120 E. 5.2). Nach der Festlegung der hy-
pothetischen Gesamtstrafe für sämtliche Delikte sind schliesslich die Täterkompo-
- 35 -
nente und weitere tatunabhängige Zumessungsfaktoren zu berücksichtigen (BGE
6B_865/2009 E. 1.6.1; BGE 6B_496/2011 E. 2 und E. 4.2).
4.2.2 Die bisherige bundesgerichtliche Rechtsprechung liess es bei der Bildung
der Gesamtstrafe ausnahmsweise zu, nicht für jedes Delikt eine Einsatzstrafe
festzusetzen. Dies dann, wenn entweder zahlreiche gleichartige Delikte vorliegen,
sodass es sich nicht mehr rechtfertigt, für jeden Normverstoss einzeln eine hypo-
thetische Strafe zu ermitteln (BGE 6B_499/2013 E. 1.8) oder wenn die einzelnen
Straftaten zeitlich und sachlich derart eng miteinander verknüpft sind, dass sich
diese nicht sinnvoll auftrennen und beurteilen lassen (BGE 6B_1011/2014 E. 4.4).
Die neuere bundesgerichtliche Rechtsprechung fordert hingegen ausnahmslos die
zumindest gedankliche Bildung von hypothetischen Einzelstrafen (BGE 144 IV 217
E. 3.5.4.; vgl. auch BGE 6B_409/2018 E. 2.3). Die Bildung von Einzelstrafen
stösst in Fällen, in denen ein Täter ein Kind über längere Zeit wiederholt sexuell
missbraucht und dabei die Tatbestände der sexuellen Nötigung/Vergewaltigung
und der sexuellen Handlungen mit Kindern in Idealkonkurrenz erfüllte und bei im
Wesentlichen gleichen Gelegenheiten auch gegen Art. 197 StGB verstiess, jedoch
an Grenzen. So können zwar die vorgenommenen sexuellen Handlungen ohne
grössere Schwierigkeiten losgelöst vom Alter des Opfers einzeln beschrieben und
als solche bewertet werden. Das für das Verständnis und die Bewertung der Tat
unter verschiedenen Aspekten wesentliche kindliche Alter des Opfers und die in
aller Regel nur als Folge des gesamten Missbrauchsvorgangs feststehenden Fol-
gen der Tat, die ihrerseits ausser vom Tatvorgehen im Einzelfall wiederum von
tatübergreifenden Umständen (z.B. Dauer und Intensität der sexuellen Ausbeu-
tung insgesamt, Beziehung zwischen Täter und Opfer) und vom Alter des Opfers
abhängen, lassen sich praktisch jedoch kaum logisch zwingend den einzelnen Ta-
ten und gegebenenfalls den sexuellen Nötigungstatbeständen bzw. dem (als abs-
traktes Gefährdungsdelikt ausgestalteten) Tatbestand der sexuellen Handlungen
mit Kindern zuordnen. Allfällige Doppelverwertungen bzw. Überschneidungen zwi-
schen den einzelnen dem Schutz der sexuellen Integrität und der ungestörten se-
xuellen Entwicklung von Kindern dienenden Tatbeständen lassen sich zwar theo-
retisch im Rahmen der Asperation korrigieren. Auch diese folgt allerdings nicht
eindeutigen Regeln, so dass sich vorbestehende Unschärfen praktisch auch auf
- 36 -
diesem Weg kaum überzeugend auflösen lassen und letztlich nur eine verglei-
chende Einordnung des Gesamtgeschehens unter Berücksichtigung des Straf-
rahmens bleibt.
5. Bezogen auf die vom Beschuldigten zum Nachteil der Privatklägerin began-
genen Delikte ist vorab grundsätzlich festzuhalten, dass das kindliche Alter und
das Bestehen eines familiären Erwachsenen-Kindverhältnisses in Verbindung mit
der leichten Intelligenzminderung und der Störung des Sozialverhaltens der Pri-
vatklägerin (vgl. dazu Prot. II S. 27) dem Beschuldigten die Tat in dem Sinn er-
leichterte, dass er keine objektiv schwerwiegenden Nötigungsmittel einsetzen
musste, was sein objektives Verschulden unter dem Blickwinkel der Tatbestände
der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung deutlich relativiert. Das Ausnützen
dieser Verhältnisse ist aber – nebst der objektiven Schwere der sexuellen Hand-
lungen – gleichzeitig der Faktor, der krisenhafte Reaktionen der Privatklägerin be-
günstigte und daher die konkreten Auswirkungen der gesamten Missbrauchserfah-
rung auf sie mitbestimmt. Die Staatsanwaltschaft sieht solche krisenhaften Reakti-
onen in den erheblichen Auffälligkeiten im Sozialverhalten der Privatklägerin
(Prot. II S. 44). Tatsächlich zeigten sich diese jedoch bereits im Kindergarten
(Prot. II S. 26) und damit vor Herbst 2013, als die sexuellen Übergriffe, für die der
Beschuldigte sich zu verantworten hat, gemäss Anklage ihren Anfang nahmen.
Sie sind also nicht ursächlich auf diese zurückzuführen. Dass die Straftaten des
Beschuldigten bereits zu einer konkreten und schwerwiegenden Schädigung der
seelischen Entwicklung der Privatklägerin geführt haben, ist folglich nicht nachge-
wiesen. Hingegen wird der sexuelle Missbrauch nach Einschätzung von
Dr. D._ mittel- und langfristig (zusätzlich) negative Auswirkungen auf die Kör-
perwahrnehmung, das Selbstwertgefühl und die sexuelle Entwicklung der Privat-
klägerin haben (Prot. II S. 28). Wenn sie bei dieser Einschätzung nicht nur von der
theoretischen Möglichkeit negativer Auswirkungen sexuellen Missbrauchs im Kin-
desalter, sondern vom Vorliegen einer Störung ausgeht, die sich später zeigen
wird, überzeugt das vor dem Hintergrund der von ihr beschriebenen leichten Intel-
ligenzminderung, die es der Privatklägerin erschwert, mit verwirrlichen Erfahrun-
gen umzugehen (Prot. II S. 27), grundsätzlich. Das Ausmass der Schädigung der
seelischen Entwicklung der Privatklägerin steht heute jedoch nicht fest und kann
- 37 -
sich bei der Strafzumessung daher – unabhängig vom jeweils zu diskutierenden
Straftatbestand – nicht entscheidend verschuldenserhöhend auswirken. Die u.a.
vom Alter der Privatklägerin abhängende Gefährdung der seelischen und sexuel-
len Entwicklung wird im Folgenden unter dem Tatbestand der sexuellen Handlun-
gen mit Kindern und der Pornografie gewürdigt. Keine ausdrückliche Würdigung
erfährt das kindliche Alter der Privatklägerin unter dem Aspekt der Tatbestände
der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung.
6. Der Beschuldigte erfüllte den Tatbestand der Vergewaltigung am 22. De-
zember 2014 innert knapp 10 Minuten viermal (Anklageziffer 5), wobei die Tat um
12:31 Uhr zwei aufeinanderfolgende Penetrationen umfasst und daher ein gegen-
über den anderen beiden quantitativ leicht gesteigertes Unrecht darstellt. Ohne
die Vorgänge bagatellisieren zu wollen, ist aber festzuhalten, dass die einzelnen
Tathandlungen insgesamt gemessen an den denkbaren unter den Tatbestand der
Vergewaltigung fallenden Verhaltensweisen verschuldensmässig im untersten Be-
reich des Straftatbestandes liegen. Der Beschuldigte setzte keine objektiv
schwerwiegenden Nötigungsmittel ein und penetrierte die Privatklägerin nur ober-
flächlich und so, dass er ihr keine körperlichen Schmerzen zufügte. Erschwerend
fällt aber immerhin ins Gewicht, dass die Handlungen ungeschützt erfolgten. In
objektiver Hinsicht ist folglich unter dem für sich schwerwiegenden Aspekt der
Vergewaltigung bezüglich der einzelnen tatbestandsmässigen Handlungen von
einem sehr leichten Verschulden auszugehen. Innerhalb dieses sehr leichten
Verschuldens wiegt die Tat um 12:31 Uhr objektiv etwas schwerer. In subjektiver
Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte direktvorsätzlich und egois-
tisch handelte, was dem Tatbestand allerdings immanent ist. Subjektive Faktoren,
welche das objektive Verschulden weiter relativieren würden, sind folglich nicht
ersichtlich. Es rechtfertigt sich vor diesem Hintergrund die Einsatzstrafe für jede
der vier Vergewaltigungen auf die Mindeststrafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe
festzusetzen. Diese Einsatzstrafe von 12 Monaten für die erste der Tathandlun-
gen ist in Anwendung des Asperationsprinzips und unter Berücksichtigung des
aussergewöhnlich engen zeitlichen, sachlichen und situativen Zusammenhangs
der vier Vergewaltigungen für die drei weiteren Vergewaltigungen auf 21 Monate
zu erhöhen.
- 38 -
7.1 Der Beschuldigte verletzte das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Privat-
klägerin ferner auch mehrfach im Sinn des Tatbestandes der sexuellen Nötigung
gemäss Art. 189 StGB. Der Tatbestand sieht dafür einen Strafrahmen von Geld-
strafe bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe vor. Stehen beischlafsähnliche Handlungen
zur Diskussion, hat der Richter sich gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
bei der Strafzumessung aber grundsätzlich am Strafrahmen der Vergewaltigung
zu orientieren. Die Strafe darf dann im Einzelfall unter Berücksichtigung der ge-
samten Umstände nicht wesentlich niedriger sein, als die Strafe, welche der Rich-
ter unter den gleichen Umständen für eine Vergewaltigung ausgesprochen hätte
(BGE 132 IV 120). Als beischlafsähnlich gelten Handlungen, bei denen das Glied
des Täters mit dem Körper des Kindes in so enge Berührung kommt, dass die
Vereinigung an Innigkeit derjenigen beim natürlichen Beischlaf ähnlich ist. Dazu
zählen namentlich der Oral- und der Schenkelverkehr (BGE 132 IV 120; BGE 86
IV 177 E. 2d).
7.2.1 Mit den unter Anklageziffer 2 umschriebenen Tathandlungen erfüllte der Be-
schuldigte die Tatbestände der sexuellen Nötigung mehrfach. Der erste dieser
Vorfälle (Ausgreifen an der Vagina und den Brüsten über den Kleidern) darf zwar
keinesfalls bagatellisiert werden. Unter Berücksichtigung der übrigen gravieren-
den Übergriffen hat er auf die Höhe der Strafe unter dem Aspekt der sexuellen
Nötigung im Ergebnis faktisch aber keine Auswirkung. Weitere Überlegungen da-
zu erübrigen sich deshalb. Was die weiteren sieben bis neun Vorfälle gemäss An-
klageziffer 2 Absatz 1 betrifft, ist vorab festzuhalten, dass der genaue Zeitpunkt
der Taten und die Tathandlung im Einzelfall unbekannt sind. Wie der vom Be-
schuldigten erstellte Film des Übergriffs gemäss Anklageziffer 3, der zwischen
Dezember 2013 und Februar 2014 stattfand, aber deutlich macht, war namentlich
die orale Penetration für die Privatklägerin bereits dannzumal nichts Unbekanntes
mehr. Sie wirkt u.a. diesbezüglich vielmehr bereits (erschreckend) routiniert. Dar-
aus ist zu schliessen, dass es bereits davor mehrfach zu oralen Penetrationen
kam. Zugunsten des Beschuldigten ist von zweimal und für den Zeitraum nach
dem Vorfall gemäss Anklageziffer 3 davon auszugehen, dass orale Penetrationen
"nur" noch erfolgten, soweit er die Übergriffe bildlich festhielt.
- 39 -
7.2.2 Orale Penetrationen sind als beischlafsähnlich zu qualifizieren und gehören
als solche zu den schwersten unter den Tatbestand der sexuellen Nötigung fal-
lenden Handlungen. Dazu kamen in den (nach dem Erwogenen zwei) in Anklage-
ziffer 2 umschriebenen Fällen noch weitere Berührungen unter den Kleidern min-
destens mit den Fingern an Vagina und Brüsten, was leicht erschwerend zu be-
rücksichtigen ist. Über die genaue Dauer der beiden Vorgänge ist nichts bekannt.
Es ist aber von nicht mehr als einigen Minuten auszugehen, da sie sonst derart
aus dem Rahmen des Gute-Nacht-Rituals gefallen wären, dass die Gefahr der
Entdeckung zu gross gewesen wäre. Sie dauerten folglich weder besonders kurz
noch lang. Der Beschuldigte brachte die Privatklägerin zwar wirkungsvoll in eine
ausweglose Situation. Die von ihm eingesetzten Nötigungsmittel waren objektiv
aber von geringer Schwere, was das objektive Verschulden unter dem Aspekt des
Tatbestandes der sexuellen Nötigung deutlich relativiert. Vor dem Hintergrund der
grossen Bandbreite von unter den Tatbestanden fallenden Verhaltensweisen ist
das objektive Verschulden bei dieser Ausgangslage für beide Vorfälle als je noch
leicht zu bewerten. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Be-
schuldigte direktvorsätzlich und egoistisch handelte, was dem Tatbestand aller-
dings immanent ist. Subjektive Faktoren, welche das objektive Verschulden weiter
relativieren würden, sind folglich nicht ersichtlich. Die hypothetischen Einsatzstra-
fen für die sexuelle Nötigung sind in diesen beiden Fällen unter Berücksichtigung
der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung vor diesem Hintergrund je
auf 12 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.
7.2.3 Was das objektive Verschulden in den weiteren mindestens fünf in Anklage-
ziffer 2 Absatz 1 umschriebenen Vorgänge unter dem Blickwinkel des Tatbestan-
des der sexuellen Nötigung betrifft, ist festzuhalten, dass die zur Diskussion ste-
henden sexuellen Handlungen objektiv als nicht mehr leicht zu qualifizieren sind.
Auch über die genaue Dauer dieser fünf Vorgänge ist nichts bekannt. Es ist aber
wiederum von nicht mehr als einigen Minuten auszugehen, da sie sonst derart
aus dem Rahmen des Gute-Nacht-Rituals gefallen wären, dass die Gefahr der
Entdeckung zu gross gewesen wäre. Sie dauerten folglich weder besonders kurz
noch lang. Die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel waren wie in al-
len Fällen objektiv von geringer Schwere. Wiederum vor dem Hintergrund der
- 40 -
grossen Bandbreite von unter den Tatbestand fallenden Verhaltensweisen, ohne
die Taten des Beschuldigten irgendwie bagatellisieren zu wollen, ist das objektive
Verschulden unter dem Blickwinkel des Tatbestandes der sexuellen Nötigung als
leicht zu bewerten. Dieses erfährt durch das subjektive Verschulden keine Korrek-
tur. Es ist hier nur eine geringfügige Erhöhung der Strafe angezeigt.
7.2.4 Bezogen auf die in Absatz 2 von Anklageziffer 2 umschriebenen sexuellen
Nötigungen ist festzuhalten, dass die zur Diskussion stehenden sexuellen Hand-
lungen objektiv noch zu den verhältnismässig leichten gehören. Auch über deren
genaue Dauer ist nichts bekannt. Es ist aber wiederum von einer eher kurzen
Dauer von maximal einigen wenigen Minuten auszugehen, da sonst die Gefahr
der Entdeckung zu gross gewesen wäre. Der Vorfall vor dem Fernseher dürfte
aus diesem Grund auch kürzer ausgefallen sein, als derjenige im Kellerabteil. Die
vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel waren objektiv von geringer
Schwere. Wiederum vor dem Hintergrund der grossen Bandbreite von unter den
Tatbestand fallenden Verhaltensweisen, ohne die Taten des Beschuldigten ir-
gendwie bagatellisieren zu wollen, ist das objektive Verschulden davon ausge-
hend als sehr leicht zu bewerten. Dieses erfährt durch das subjektive Verschulden
keine Korrektur. Hier erweist sich eine deutliche Erhöhung der Strafe als ange-
messen (vgl. nachstehend Ziff. 7.7.).
7.2.5 Bezogen auf die in Anklageziffer 2 Absatz 3 umschriebenen sexuellen Nöti-
gungen ist zunächst festzuhalten, dass zugunsten des Beschuldigten von einer
Penetration mit einem Gegenstand auszugehen ist. Auch eine solche sexuelle
Handlung gehört jedoch objektiv zu den schweren unter den Tatbestand fallenden
Verhaltensweisen. Leicht erschwerend fällt dabei ins Gewicht, dass der Beschul-
digte die Privatklägerin körperlich leicht verletzte. Auch über die Dauer dieses
Vorgangs ist nichts bekannt. Zugunsten des Beschuldigten ist von einer kurzen
Dauer auszugehen. Die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel waren
objektiv von geringer Schwere. Wiederum vor dem Hintergrund der grossen
Bandbreite von unter den Tatbestanden fallenden Verhaltensweisen, ohne die Ta-
ten des Beschuldigten irgendwie bagatellisieren zu wollen, ist das objektive Ver-
- 41 -
schulden davon ausgehend als noch leicht zu bewerten. Es ist hier nur eine leich-
te Erhöhung der Strafe angezeigt.
7.3.1 Im Rahmen des ersten in Anklageziffer 3 umschriebenen Vorgangs nötigte
der Beschuldigte der Privatklägerin während einer beträchtlichen Dauer von gut
17 Minuten eine Vielzahl schwerwiegender sexueller Handlungen bis hin zur
mehrfachen oralen Penetration ab. Er gehört damit unter dem Blickwinkel des ab-
genötigten Verhaltens zu den objektiv sehr schweren unter den Tatbestand fal-
lenden. Deutlich verschuldensrelativierend wirkt sich hingegen auch hier der Um-
stand aus, dass die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel objektiv von
geringer Schwere waren. Wiederum vor dem Hintergrund der grossen Bandbreite
von unter den Tatbestand fallenden Verhaltensweisen ist das objektive Verschul-
den vor diesem Hintergrund als erheblich zu bewerten. Dieses erfährt durch das
subjektive Verschulden keine Korrektur. Der Beschuldigte handelte direktvorsätz-
lich und egoistisch, was dem (objektiven) Tatvorgehen allerdings immanent ist.
Die hypothetische Einsatzstrafe für diese ein ganzes Bündel an sexuellen Hand-
lungen umfassende sexuelle Nötigung ist auf 18 Monate Freiheitsstrafe festzuset-
zen.
7.3.2 Der zweite unter Anklageziffer 3 festgehaltene Vorgang dauerte mit gut fünf
Minuten weniger lang als der erste und umfasste weniger einzelne sexuelle Hand-
lungen, gipfelte aber ebenfalls in einer oralen Penetration. Er ist unter dem Blick-
winkel des abgenötigten Verhaltens als schwer zu qualifizieren. Deutlich ver-
schuldensrelativierend wirkt sich hingegen auch hier der Umstand aus, dass die
vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel objektiv von geringer Schwere
waren. Wiederum vor dem Hintergrund der grossen Bandbreite von unter den
Tatbestand fallenden Verhaltensweisen ist das objektive Verschulden vor diesem
Hintergrund als erheblich zu bewerten. Dieses erfährt durch das subjektive Ver-
schulden keine Korrektur. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich und egois-
tisch, was dem (objektiven) Tatvorgehen allerdings immanent ist. Die hypotheti-
sche Einsatzstrafe für diese ein ganzes Bündel an sexuellen Handlungen umfas-
sende sexuelle Nötigung ist unter auf 16 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.
- 42 -
7.4 Der Tatvorgang gemäss Anklageziffer 4 dauerte keine zwei Minuten. Er um-
fasste nebst sexuellen Handlungen, die im Rahmen des Denkbaren noch verhält-
nismässig leicht wiegen, wiederum eine orale Penetration, die als beischlafsähnli-
che Handlung zu den schwersten unter den Tatbestand der sexuellen Nötigung
fallenden Aktionen gehört. Die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel
waren objektiv jedoch von geringer Schwere. Auch dieser Vorfall soll nicht baga-
tellisiert werden. Vor dem Hintergrund der grossen Bandbreite von unter den Tat-
bestanden fallenden Verhaltensweisen ist das objektive Verschulden insoweit je-
doch noch als leicht zu bewerten. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte direktvorsätzlich und egoistisch handelte, was dem Tatbe-
stand allerdings immanent ist. Subjektive Faktoren, welche das objektive Ver-
schulden weiter relativieren würden, sind folglich nicht ersichtlich. Die hypotheti-
sche Einsatzstrafe für den Vorgang gemäss Anklageziffer 4 ist auf 12 Monate
Freiheitsstrafe festzusetzen.
7.5.1 Die Anklageziffern 5 und 6 beziehen sich beide auf Vorgänge, die am
22. Dezember 2014 zwischen 12:23 Uhr und 12:44 Uhr stattfanden. Sie über-
schneiden sich bezogen auf das in Anklageziffer 6 erwähnte Video von 12:39 Uhr.
Ansonsten schliesst der Anklagesachverhalt gemäss Anklageziffer 6 an denjeni-
gen gemäss Anklageziffer 5 an. Der Vorgang ist unter dem Aspekt der sexuellen
Handlungen mit Kindern als natürliche Handlungseinheit zu sehen. Bezogen auf
den Tatbestand der sexuellen Nötigung besteht eine solche für die Phasen bis vor
12.31 Uhr, diejenige von 12:34 Uhr bis 12:35 Uhr (soweit keine vaginale Penetra-
tion erfolgte), diejenige um 12:37 Uhr und schliesslich für die aneinander an-
schliessenden sexuellen Handlungen zwischen 12:39 Uhr und 12:44 Uhr.
7.5.2 In der Phase bis vor 12:31 Uhr nötigte der Beschuldigte zeitlich kurz objektiv
eher leichte bis mittelschwere sexuelle Handlungen ab. Das vom Beschuldigten
eingesetzte Nötigungsmittel war von geringer Schwere. Das objektive Verschul-
den ist insoweit als leicht zu qualifizieren. Der Zeitraum von 12:34 Uhr bis 12:35
Uhr (soweit keine vaginale Penetration erfolgte) wird von zwei beischlafsähnlichen
und damit schwerwiegenden Handlungen dominiert. Er ist unter dem Blickwinkel
des abgenötigten Verhaltens als schwer zu qualifizieren, auch wenn er nur kurz
- 43 -
dauerte. Deutlich verschuldensrelativierend wirkt sich hingegen auch hier der
Umstand aus, dass die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel objektiv
von geringer Schwere waren. Das objektive Verschulden ist insgesamt als erheb-
lich zu bewerten. Um 12:37 Uhr folgte erneut eine orale Penetration, also eine ob-
jektiv schwerwiegende sexuelle Handlung. Auch sie dauerte vergleichsweise kurz
und die vom Beschuldigten eingesetzten Nötigungsmittel waren objektiv von ge-
ringer Schwere. Das objektive Verschulden ist insoweit als gerade noch leicht zu
bewerten. Im Zeitraum ab 12:39 Uhr nötigte der Beschuldigte der Privatklägerin
während mehrerer Minuten ein ganzes Bündel von sexuellen Handlungen ab, die
praktisch ausschliesslich zu den schweren unter den Tatbestand der sexuellen
Nötigung fallenden Handlungen zählen, darunter zwei orale Penetrationen, wovon
eine tief in den Mund erfolgte. Er ist unter dem Blickwinkel des abgenötigten Ver-
haltens als schwer zu qualifizieren. Deutlich verschuldensrelativierend wirkt sich
hingegen erneut der Umstand aus, dass die vom Beschuldigten eingesetzten Nö-
tigungsmittel objektiv von geringer Schwere waren. Objektiv ist das Verschulden
insgesamt als erheblich zu bewerten. Dieses erfährt in allen Fällen durch das sub-
jektive Verschulden keine Korrektur. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich
und egoistisch, was dem (objektiven) Tatvorgehen allerdings immanent ist.
7.6 Der Vorgang gemäss Anklagesachverhalt Ziffer 9 dauerte beinahe 8 Minu-
ten und hatte nebst mehrfachen beischlafsähnlichen Handlungen (Kopulations-
bewegungen mit dem erigierten Penis zwischen den Beinen an der Vagina der
Privatklägerin) namentlich auch sexuelle Handlungen aus dem sadomasochisti-
schen Bereich zum Gegenstand, indem der Beschuldigte die Privatklägerin dazu
anhielt, seinen Penis und seine Hoden mit den Händen oder mit einer selbstge-
bastelten Peitsche zu schlagen und er der Privatklägerin ebenfalls mit der Peit-
sche auf deren Vagina bzw. Klitoris schlug. Auch er ist unter dem Blickwinkel der
abgenötigten sexuellen Handlungen als schwerwiegend zu qualifizieren. Der Be-
schuldigte hatte die Privatklägerin zwar wie in allen übrigen Fällen zielgerichtet in
eine für sich ausweglose Situation gebracht, objektiv war die Nötigungshandlung
aber eher von geringer Schwere, was sein objektives Verschulden unter dem As-
pekt des Tatbestandes der sexuellen Nötigung erheblich relativiert. Daran ändert
auch der Umstand, dass der Beschuldigte im Rahmen dieses Vorfalls Äusserun-
- 44 -
gen von Überdruss der Privatklägerin ignorierte, nichts. In subjektiver Hinsicht ist
zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte direktvorsätzlich und egoistisch han-
delte, was dem Tatbestand allerdings immanent ist. Subjektive Faktoren, welche
das objektive Verschulden weiter relativieren würden, sind folglich nicht ersicht-
lich. Insgesamt ist das Verschulden des Beschuldigten in diesem Fall als erheb-
lich zu qualifizieren und die Einsatzstrafe auf 16 Monaten Freiheitsstrafe festzu-
setzen.
7.7 Alle Vorgänge sind Teil des rund zwei Jahre dauernden sexuellen Miss-
brauchs der Privatklägerin durch den Beschuldigten, haben darüber hinaus aber
keinen direkten Bezug. Eine Ausnahme machen einzig die Tathandlungen ge-
mäss den Anklageziffern 5 und 6, die Teil eines einzigen Vorfalls sind und folglich
unter sich und zu den Vergewaltigungen einen aussergewöhnlich engen zeitli-
chen, sachlichen und situativen Bezug aufweisen. In Anwendung des Asperati-
onsprinzips ist die hypothetische Gesamtstrafe von 21 Monaten für die vier Ver-
gewaltigungen davon ausgehend für die Tathandlungen gemäss den Anklagezif-
fern 5 und 6 auf 36 Monate zu erhöhen. Diese wiederum ist für die Taten gemäss
Anklageziffer 2 um 24 Monate, für die beiden Vorfälle gemäss Anklageziffer 3 um
gut 8 Monate respektive 7 Monate, für den Vorgang gemäss Anklageziffer 4 um
weitere gut 6 Monate und für den Vorfall gemäss Anklageziffer 9 um gut 7 Monate
zu erhöhen. Es resultiert eine hypothetische Gesamtstrafe von ungefähr 88 Mona-
ten Freiheitsstrafe.
8.1 Der Beschuldigte verletzte durch sein Verhalten nicht nur das sexuelle
Selbstbestimmungsrecht der Privatklägerin, sondern gefährdete auch ihre unge-
störte sexuelle Entwicklung. Die Privatklägerin wurde mit der Tat gemäss Ankla-
geziffer 1 das erste Mal mit einer sexuellen Handlung konfrontiert. Sie war damals
erst gut 8-jährig, also noch sehr deutlich vom Erreichen der Schutzaltersgrenze
entfernt, und sah sich mit einem gut 45 Jahre älteren Mann konfrontiert, der sie zu
einer sexuellen Handlung anhielt, die jedenfalls zu den mittelschweren unter der
Tatbestand fallenden Aktionen gehört. Über die Dauer des gesamten Vorganges
ist nichts genaueres bekannt. Er dürfte jedoch weder besonders kurz noch be-
sonders lang gedauert haben. Auch wenn unter dem Blickwinkel des Tatbestan-
- 45 -
des der sexuellen Handlungen mit Kindern noch in jeder Hinsicht (Form sexueller
Handlung, Dauer, Intensität) schwerwiegendere Vorfälle denkbar sind, war der
Vorfall geeignet, die seelische Stabilität der kindlichen Privatklägerin zu erschüt-
tern und ihre psychisch-emotionale bzw. sexuelle Entwicklung erheblich zu ge-
fährden. Das objektive Verschulden ist vor diesem Hintergrund als gerade noch
leicht zu qualifizieren. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Be-
schuldigte direktvorsätzlich und egoistisch handelte, was dem (objektiven) Tat-
vorgehen allerdings immanent ist. Subjektive Faktoren, welche das objektive Ver-
schulden in schwerwiegenderem Licht erscheinen lassen oder dieses relativieren
würden, sind folglich nicht ersichtlich. Unter Berücksichtigung des von Geldstrafe
bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe reichenden Strafrahmens gemäss Art. 187 StGB
würde sich für diese Tat bei isolierter Betrachtung eine Einsatzstrafe von 8 Mona-
ten rechtfertigen.
8.2 In den folgenden rund zwei Jahren kam es immer wieder zu sexuellen Hand-
lungen. Als der sexuelle Missbrauch im September 2015 geendet hatte, war die
Privatklägerin gut 10-jährig. Eine gewisse Persönlichkeitsentwicklung hatte sie in
dieser Zeit durchgemacht, wie die Tatsache zeigt, dass sie ihr Missfallen an den
sexuellen Handlungen gegen Ende des Zeitraums dem Beschuldigten gegenüber
direkt verbal äussern konnte. Allerdings war sie auch im Herbst 2015 noch sehr
deutlich vom Erreichen der Schutzaltersgrenze entfernt. Einen entscheidenden
Einfluss auf die Bewertung des objektiven Verschuldens hat das zunehmende Al-
ter der Privatklägerin im Tatzeitraum denn auch nicht, zumal die vom Beschuldig-
ten vorgenommenen sexuellen Handlungen im gesamten Tatzeitraum weit von
dem Alter der Privatklägerin adäquaten Formen sexueller Betätigungen entfernt
waren. Dazu und zur objektiven Schwere der einzelnen vorgenommenen sexuel-
len Handlungen kann auf die Ausführungen zu den Tatbeständen der Vergewalti-
gung und der sexuellen Nötigung verwiesen werden. Die Vorfälle waren vor die-
sem Hintergrund während des gesamten Tatzeitraums je einzeln unverändert ge-
eignet, die Entwicklung der Privatklägerin nachhaltig zu stören. Das gilt nament-
lich auch für die blosse Berührung über den Kleidern gemäss Anklageziffer 2, war
dies doch das erste Mal, dass der Beschuldigte an der Privatklägerin eine sexuel-
le Handlung vornahm. Die weiteren Vorgänge erscheinen als Kombination bzw.
- 46 -
Steigerung dieser ersten beiden Vorfälle. Als unter dem Aspekt der Gefährdung
der psychisch-emotionalen bzw. sexuellen Entwicklung besonders gravierend er-
scheinen dabei die Vorfälle, in deren Rahmen es zu teilweise mehrfachen oralen
Penetrationen kam, also diejenigen gemäss den Anklageziffer 2 zu Beginn des
Tatzeitraums (vgl. E. IV.7.2.1), die gut 17 respektive 5 Minuten dauernden Vorfäl-
le gemäss Anklageziffer 3, der mehr als 20 Minuten dauernde Vorfall gemäss den
Anklageziffern 5 und 6 sowie der beinahe 8 Minuten dauernde Vorfall gemäss
Anklageziffer 9, der nebst mehrfachen beischlafsähnlichen Handlungen (Kopulati-
onsbewegungen mit dem erigierten Penis zwischen den Beinen an der Vagina der
Privatklägerin) auch sexuelle Handlungen aus dem sadomasochistischen Bereich
zum Gegenstand hatte. In objektiver Hinsicht wiegt das Verschulden des Be-
schuldigten in diesen Fällen verhältnismässig schwer, was allerdings nicht dar-
über hinwegtäuschen kann, dass namentlich hinsichtlich Dauer und Intensität
auch noch weit schwerwiegender unter den Tatbestand der sexuellen Handlun-
gen mit Kindern fallende Verhaltensweisen denkbar sind. Vor diesem Hintergrund
ist das objektive Verschulden des Beschuldigten als leicht (Anklageziffer 2 Absät-
ze 1 und 2, Berührungen über den Kleidern), gerade noch leicht (Anklageziffer 2
Absätze 1 [fünf ohne orale Penetration] und 3), nicht mehr leicht (Anklageziffer 2
Absatz 1 [mit oraler Penetration], Anklageziffer 3 zweiter Vorfall) und mittelschwer
(Anklageziffer 3 erster Vorfall, Anklageziffer 4, Anklageziffern 5 und 6, Anklagezif-
fer 9) zu qualifizieren. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Be-
schuldigte direktvorsätzlich und egoistisch handelte, was dem (objektiven) Tat-
vorgehen allerdings immanent ist. Subjektive Faktoren, welche das objektive Ver-
schulden in schwerwiegenderem Licht erscheinen lassen oder dieses relativieren
würden, sind folglich nicht ersichtlich.
8.3 Ausser beim Vorfall gemäss Anklageziffer 1 hat der Beschuldigte den Tat-
bestand der sexuellen Handlungen mit Kindern in Idealkonkurrenz mit den Tatbe-
ständen von Art. 189 StGB bzw. Art. 190 StGB erfüllt. Die Erhöhung der hypothe-
tischen Gesamtstrafe von 88 Monaten Freiheitsstrafe für die Delikte der Verge-
waltigung und der sexuellen Nötigung in Anwendung des Asperationsprinzips hat
also im Wesentlichen nicht die quantitative Steigerung durch zusätzliche Taten,
sondern die Gefährdung der seelischen und sexuellen Entwicklung der kindlichen
- 47 -
Privatklägerin durch die Taten abzubilden. Die Erhöhung hat entsprechend mode-
rater auszufallen. Davon ausgehend rechtfertigt sich vorliegend eine Erhöhung
der Strafe für die mehrfache Vergewaltigung und mehrfache sexuelle Nötigung
auf 108 Monate respektive 9 Jahre Freiheitsstrafe.
9.1 Der Beschuldigte hat schliesslich zum Nachteil der Privatklägerin auch den
Tatbestand der Pornografie mehrfach erfüllt, indem er 9 Videos und 51 Fotos her-
stellte, die von ihm an dieser vorgenommene sexuelle Handlungen zum Gegen-
stand haben (Anklageziffern 3-6 und 9), davon 45 Fotos an einen Chat-Partner in
den USA versandte (Anklageziffer 7) und ihr drei bis fünf Mal pornografische Fo-
tos mit der Aufforderung zeigte, sich diese anzuschauen (Anklageziffer 12). Das
Herstellen der drei Videos gemäss Anklageziffer 4 einerseits und das Herstellen
der 51 Fotos und der drei Videos gemäss Anklageziffer 6 andererseits ist dabei je
als natürliche Handlungseinheiten zu sehen. Dazu kommen die Vorfälle gemäss
den Anklageziffern 8 und 10, die die Privatklägerin nicht betreffen. Am 1. Juli 2014
trat Art. 197 StGB in der heute geltenden Fassung in Kraft, mit welcher nament-
lich die Strafdrohung für die reale Kinderpornografie heraufgesetzt wurde; an die
Stelle eines Strafrahmens von bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe,
trat ein solcher von Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Die Taten
gemäss den Anklageziffern 3 und 4 fallen ganz, diejenigen gemäss Anklageziffer
12 teilweise in die Zeit vor deren Inkrafttreten, wobei in letzterem Fall zugunsten
des Beschuldigten davon auszugehen ist, dass er der Privatklägerin kinderporno-
grafische Bilder lediglich vor dem 1. Juli 2014 zeigte.
9.2.1 Der Beschuldigte stellte (unter Berücksichtigung der tatsächlichen Hand-
lungseinheit) fünf Videos von einer Dauer von gut einer bis zu gut 17 Minuten und
51 Fotos tatsächlicher sexueller Handlungen mit der kindlichen Privatklägerin her.
Inhaltlich können die Videos wie die 51 Fotos keineswegs bagatellisiert werden,
zeigen sie doch wiederholt (oberflächliche) vaginale Penetrationen und bei-
schlafsähnliche Handlungen. Allerdings fallen inhaltlich noch deutlich gravierende-
re Bilder unter den Tatbestand. Von den hergestellten Fotos gab der Beschuldigte
45 unzensiert an einen Chat-Partner in den USA weiter und verletzte damit das
Selbstbestimmungsrecht der Privatklägerin zusätzlich erheblich. Während das ob-
- 48 -
jektive Verschulden des Beschuldigten bezogen auf das Herstellen der Bilder und
Videos in allen Fällen noch verhältnismässig leicht wiegt, ist es bezogen auf die
Weitergabe von 45 Bildern als nicht mehr leicht zu bewerten. Zum subjektiven
Tatverschulden ist zu bemerken, dass der Beschuldigte hinsichtlich sämtlicher
Tathandlungen direktvorsätzlich handelte und keine das objektive Verschulden re-
lativierenden Umstände auszumachen sind. Namentlich handelte er bei der Wei-
tergabe der 45 Fotos aus rein egoistischen Gründen, hoffte er doch im Gegenzug
auf die Zustellung pornografischen Materials durch seinen Chat-Partner.
9.2.2 Der Beschuldigte zeigte der Privatklägerin gemäss Anklageziffer 12 bei
mindestens drei Gelegenheiten pornografische Fotos, wobei deren Zahl und de-
ren genauer Inhalt abgesehen von penetrierenden und ejakulierenden Penissen
unbekannt ist. Bekannt ist jedoch, dass das Zeigen der Bilder nicht ohne negative
Wirkung auf die Privatklägerin war, erwähnte sie doch, dass es für sie grusig ge-
wesen sei, die Fotos anzuschauen. Dass jedenfalls der Anblick von penetrieren-
den und ejakulierenden Penissen für ein Kind von maximal 10 Jahren einigerma-
ssen verstörend ist, musste dem Beschuldigten klar sein. Vor diesem Hintergrund
wiegt das objektive Verschulden des Beschuldigten insgesamt (eine sachgerechte
Unterscheidung der verschiedenen Vorfälle lässt sich nicht vornehmen) nicht
mehr leicht. Subjektiv handelte der Beschuldigte direktvorsätzlich. Umstände, die
das subjektive Verschulden relativieren würden, sind nicht erkennbar.
9.3 Das gemäss Anklageziffer 8 hergestellte Video ist eher kurz und inhaltlich
von sehr geringer Schwere. Das Verschulden des Beschuldigten wiegt insoweit
objektiv wie subjektiv sehr leicht. Neben den eigens hergestellten pornografischen
Materialien besass der Beschuldigte gemäss Anklageziffer 10 schliesslich noch
4930 Bilder sowie 21 Filme mit kinderpornografischen Inhalten, die meisten aller-
dings mehrfach, was die Zahl relativiert, 5 Bilder von sexueller Gewalt sowie 13
Bilder mit Zoophilie. Auch insoweit wiegt das Verschulden des Beschuldigten ob-
jektiv wie subjektiv im Rahmen der denkbaren Tathandlungen gemäss Art. 197
Abs. 4 StGB sehr leicht.
9.4 Im Rahmen der Asperation fällt von den unter den Tatbestand der Pornogra-
fie fallenden Handlungen, die im Zusammenhang mit der Privatklägerin stehen,
- 49 -
vor allem das Weiterverbreiten der Fotos von sexuellen Handlungen mit der Pri-
vatklägerin ins Gewicht, verletzte der Beschuldigte damit das Selbstbestimmungs-
recht der Privatklägerin doch über das mit dem sexuellen Missbrauch verbundene
Mass hinaus zusätzlich erheblich. Es rechtfertigt eine weitere Erhöhung der hypo-
thetischen Strafe von neun Jahren um ungefähr 8 Monate. Die weiteren unter den
Tatbestand der Pornografie fallenden Taten zum Nachteil der Privatklägerin fallen
bei einer Gesamtbetrachtung dagegen nicht mehr erheblich verschuldenserhö-
hend ins Gewicht. Ihnen ist mit einer geringfügigen Erhöhung der hypothetischen
Gesamtstrafe auf um die 10 Jahre Freiheitsstrafe Rechnung zu tragen. Eine hypo-
thetische Gesamtstrafe in dieser Höhe für die zum Nachteil der Privatklägerin
verübten Delikte trägt dem Umstand Rechnung, dass der vom Beschuldigten zu
verantwortende sexuelle Missbrauch der Privatklägerin mit all seinen Facetten zu
den schweren dieser Art, aber nicht zu den schwersten, die eine hypothetische
Gesamtstrafe von über 10 bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe rechtfertigen, gehört.
Den weiteren Delikten gemäss E. IV.9.3 ist mit einer Straferhöhung von ungefähr
einem halben respektive 2 Monaten Rechnung zu tragen, womit eine hypotheti-
sche Gesamtstrafe von knapp über 10 Jahren Freiheitsstrafe resultiert.
10. Was die Gewaltdarstellungen betrifft, ist zur objektiven Tatschwere festzu-
halten, dass der Beschuldigte eine geringe Zahl Bilder und Filme auf seinem
Notebook abgespeichert hatte, welche nur schwer erträgliche Bilder zeigen, wie
z.B. eine Person mit aufgeschnittener Kehle oder einen Torso mit abgetrenntem
Kopf (vgl. Urk. D1/12/1), was dem Tatbestand aber immanent ist. Das objektive
und subjektive Verschulden des Beschuldigten ist damit als noch sehr leicht zu
qualifizieren. Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung sind diese Taten von derart
untergeordneter Bedeutung, dass die hypothetische Strafe deswegen nicht spür-
bar weiter zu erhöhen ist. Es bleibt bei einer hypothetischen Gesamtstrafe von
knapp über 10 Jahren Freiheitsstrafe.
11.1 Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ist
bekannt, dass er am tt. Juli 1959 in ..... [Ort] geboren wurden. Seine Eltern lies-
sen sich scheiden, als er 2 1⁄2 Jahre alt war. Seinen Vater sah der Beschuldige zu-
letzt im Alter von acht Jahren. Er wuchs als Einzelkind bei seinen Grosseltern in
- 50 -
... [Ort] auf. Zu seiner Mutter, die abends im Service arbeitete und daher die Er-
ziehungsfunktion nach den damals gängigen Vorstellungen nicht übernehmen
konnte, hatte er in dieser Zeit lediglich ungefähr vier Mal im Jahr Kontakt. Nach
der erneuten Heirat der Mutter zog er im Alter von 13 Jahren jedoch wieder zu
dieser. Mit seinem Auszug bei den Grosseltern endete nach Darstellung des Be-
schuldigten auch ein jahrelanger sexueller Missbrauch durch seinen Grossvater,
zu dem es sicher seit dem Kindergarten jeweils am Samstag während des Kir-
chenbesuchs der Grossmutter gekommen sei. Erzählt habe er davon nie, weil der
Grossvater damit gedroht habe, er komme ins Kinderheim, wenn er etwas erzäh-
le. Sein Verhältnis zu seinem Stiefvater bezeichnet er als sehr gut und zu seiner
Mutter und seinem Stiefvater besteht aktuell auch weiterhin ein guter Kontakt. Zu
seinen deutlich jüngeren Halbgeschwistern hat der Beschuldigte dagegen ledig-
lich telefonischen (Halbschwester) bzw. selten (Halbbruder) Kontakt. Er war
zweimal verheiratet und hat keine Kinder. Zwischenzeitlich war er mit der Mutter
der Privatklägerin liiert. Seit zehn Monaten hat er wieder eine Partnerin; sie ist 57
Jahre alt. Er hat sie aus dem Gefängnis heraus durch Briefkontakt kennengelernt.
Sie besuchte ihn im Februar 2019 erstmals und bis heute insgesamt fünf Mal im
Gefängnis. Mitte Juli 2019 ist ein erster Besuch gemeinsam mit ihrer Familie ge-
plant. Der Beschuldigte besuchte sechs Jahre die Primar- und zwei Jahre die Re-
alschule und anschliessend noch ein Jahr die Berufswahlschule, bevor er eine
Lehre als Konditor in ... [Ort] und danach die Rekruten- und Unteroffiziersschule
absolvierte. Danach arbeitete er für kurze Zeit in seinem erlernten Beruf bevor er
in den Verkauf wechselte; zuletzt arbeitete er als ...-Verkäufer. Ab November
2015 war er arbeitslos. Vermögen besitzt er gemäss eigenen Angaben keines.
Dafür hat er Schulden im Umfang von etwa Fr. 20'000.–, welche während seiner
Haft aufgelaufen sind. Zusätzlich besteht noch ein Verlustschein in der Höhe von
Fr. 100'000.–, welcher aus dem Konkurs eines ...-Artikel-Geschäfts stammt, wel-
ches er einst betrieben hat (Urk. D1/7/1 S. 2 f., 6f.; Urk. D1/7/11 S. 41 ff.;
Urk. D1/14/10 S. 16 ff; Prot. I S. 11 f.; Prot. II S. 12 ff.). Zusammengefasst ist fest-
zuhalten, dass sich die Lebensverhältnisse des Beschuldigten insgesamt weitge-
hend unauffällig entwickelt haben. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäu-
schen, dass in seiner Biografie psychosoziale Belastungsfaktoren in Form einer
- 51 -
frühen Trennung von seinen engsten Bezugspersonen und einer (nicht zu wider-
legenden) sexuellen Missbrauchserfahrung auszumachen sind. Diese habe ge-
mäss Einschätzung von Dr. H._ die Persönlichkeitsentwicklung des Beschul-
digten beeinträchtigt und die Übergriffshandlungen begünstigt, auch wenn tatbe-
zogen von einer intakten Einsichts- und Steuerungsfähigkeit auszugehen ist
(Urk. D1/14/10 S. 30 ff.). Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten sind
insoweit leicht strafmindernd zu berücksichtigen. Im Übrigen ergibt sich aus seiner
Biografie und den Lebensumständen nichts, was das Mass seiner Schuld relati-
vieren würde.
11.2 Straferhöhungsgründe sind nicht ersichtlich. Insbesondere ist der Beschul-
digte nicht vorbestraft. Leicht strafmindernd ist ihm hingegen sein Geständnis und
die von ihm geäusserte Einsicht und Reue anzurechnen. Für eine Strafminderung
in weitergehendem Umfang besteht dagegen kein Raum. Der Beschuldigte ge-
stand den sexuellen Missbrauch der Privatklägerin zwar bereits in der ersten Ein-
vernahme ein, dies allerdings nur in begrenztem Umfang. Dabei wusste er, dass
gleichzeitig mit seiner Verhaftung eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde,
die das von ihm hergestellte und das von ihm heruntergeladene pornografische
Material zu Tage fördern würde und die Privatklägerin bereits in privatem Rahmen
von den sexuellen Übergriffen berichtet hatte. Die Umstände liessen ihm vor die-
sem Hintergrund wenig Raum für eine umfassende Bestreitung. Wie erwogen re-
agierte er in der Folge im Wesentlichen auf die sich weiter zu seinen Lasten ent-
wickelnde Beweislage. Zudem bestreitet er bis heute, die Privatklägerin unter
Druck gesetzt zu haben. Allerdings beschrieb er auch Übergriffe, die er nicht foto-
grafisch oder in einem Video festgehalten hatte (Anklageziffern 1 und 2). Über sie
hätte angesichts der vagen Schilderung der Privatklägerin ohne seine Aussage
nur spekulierten werden können; ein Schuldnachweis wäre kaum gelungen. Die
von ihm geäusserte Einsicht und Reue wird sodann zwar auch von den in seinen
Aussagen erkennbaren Bagatellisierungstendenzen relativiert. Bereits
Dr. H._ erkannte allerdings gegen Ende des Begutachtungsprozesses eine
deutliche Problemeinsicht des Beschuldigten (Urk. D1/14/10 S. 25). Die Reuebe-
kundungen des Beschuldigten vor Vorinstanz (Prot. I 14 f.) und im Berufungsver-
- 52 -
fahren (Prot. II S. 48) können vor diesem Hintergrund nicht nur als Lippenbe-
kenntnis bewertet werden.
11.3.1 Die Täterkomponente führt zu einer merklichen Minderung der hypotheti-
schen Gesamtstrafe um gut 2 auf 8 Jahre Freiheitsstrafe.
11.3.2 Angesichts der Schwere der dem Beschuldigten gemachten Anklagevor-
würfe, der zahlreichen durchgeführten Befragungen, der Notwendigkeit der Aus-
wertung einer grossen Anzahl an Bild- und Videomaterialien sowie der Erstellung
eines psychiatrischen Gutachtens, ist die Verfahrensdauer von etwas mehr als
drei Jahren bis zum Berufungsurteil hingegen nicht als überlang zu qualifizieren.
Eine weitere Strafminderung aufgrund der Verfahrensdauer entfällt.
12.1 Zusammengefasst ist der Beschuldigte für die mehrfachen Vergewalti-
gungen, die mehrfachen sexuellen Nötigungen, die mehrfachen sexuellen Hand-
lungen mit Kindern, die mehrfache Pornografie sowie die Gewaltdarstellung mit
einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren zu bestrafen. Daran ist die bis heute erstandene
Haft von 1192 Tagen anzurechnen (Art. 51 StGB).
12.2 Die Gewährung des bedingten oder teilbedingten Strafvollzuges kommt bei
dieser Strafhöhe bereits aus objektiven Gründen nicht in Frage. Weitere Ausfüh-
rungen erübrigen sich.
V.
1. Mit dem angefochtenen Urteil wurde der Beschuldigte verpflichtet, der Pri-
vatklägerin eine Genugtuung von Fr. 80'000.– (inkl. allfälliger MwSt.) zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbegehren abgewiesen (Urk. 106 S. 102).
Diese Anordnung liess der Beschuldigte mit seiner Berufung anfechten, wobei er
die Zusprechung einer Genugtuung an die Privatklägerin nicht bestreiten, sondern
die Reduktion der Genugtuungssumme auf Fr. 20'000.– beantragen lässt
(Urk. 107 S. 2). Die Privatklägerin lässt die Bestätigung des vorinstanzlichen Ent-
scheides beantragen (Urk. 145).
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2. Die Vorinstanz hat sich umfassend und zutreffend mit den rechtlichen
Grundlagen adhäsionsweise geltend gemachter Genugtuungsforderungen ausei-
nandergesetzt. Auf diese Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 106 S. 92
ff.).
3.1 In BGE 125 III 269 sprach das Bundesgericht einem Mädchen, das ab dem
Alter von acht Jahren während 10 Jahren das Opfer unzähliger, besonders
schwerer sexueller Übergriffe durch seinen Vater wurde und deswegen schwer-
wiegende und sehr wahrscheinlich irreversible Schäden erlitt, eine Genugtuung
von Fr. 100'000.– zu, wobei es unterstrich, dass es sich dabei um eine Maximal-
summe für diese Art von Fällen handle. Seit damals tendiert die Praxis allerdings
zu einer weiteren Erhöhung von Genugtuungssummen. Genugtuungen zwischen
Fr. 30'000.– und Fr. 50'000.– werden bei sexuellen Übergriffen im Rahmen eines
Abhängigkeitsverhältnisses während eines längeren Zeitraums mit wiederholt er-
zwungenem vaginalen, oralen oder analem Geschlechtsverkehr auch ohne be-
sondere Brutalität der Taten regelmässig zugesprochen. Bei besonderer Brutalität
oder Intensität der Tat liegen die Genugtuungen darüber und erreichen in Einzel-
fällen über Fr. 200'000.– (vgl. Hütte/Landolt, Genugtuungsrecht, Band 1, S. 195
ff.).
3.2 Davon ausgehend erweist sich die von der Vorinstanz der Privatklägerin zu-
gesprochene Genugtuung von Fr. 80'000.– zwar als zu hoch, die vom Beschuldig-
ten beantragte allerdings auch als zu tief. Die sexuellen Übergriffe auf die Privat-
klägerin erfolgten in erheblicher Schwere, zahlreich und über einen längeren Zeit-
raum von gut zwei Jahren. Insgesamt liegt ein gravierendere Fall sexuellen Miss-
brauchs eines Kindes vor, auch wenn objektiv noch schwerwiegender Fälle denk-
bar sind. Der Beschuldigte nutzte seine kognitive Überlegenheit, die emotionale
Abhängigkeit der Privatklägerin und die gemeinsame Wohnsituation schamlos
aus, um seine eigenen sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Mit dem Sprechver-
bot löste er in der Privatklägerin gezielt das Gefühl des Ausgeliefertseins aus. Von
besonderer Brutalität waren die Übergriffe dagegen nicht. Dass die Straftaten des
Beschuldigten bereits zu einer konkreten und schwerwiegenden Schädigung der
seelischen Entwicklung der Privatklägerin geführt haben, ist nach dem Erwoge-
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nen zwar nicht nachgewiesen. Hingegen ist mittel- und langfristig mit negativen
Auswirkungen auf die Körperwahrnehmung, das Selbstwertgefühl und die sexuel-
le Entwicklung der Privatklägerin zu rechnen. Dazu kommt, dass der Beschuldigte
das anlässlich der Übergriffe hergestellte Bildmaterial einem pädophilen Chat-
partner als Tauschware zukommen liess und damit die Persönlichkeit der auf die-
sen Bildern ohne weiteres identifizierbaren Privatklägerin massiv verletzt hat. Eine
Kontrolle über ihre Bilder hat sie auch in Zukunft nicht. Dass sich die Privatkläge-
rin mit zunehmendem Alter dieser Problematik bewusst werden wird, liegt auf der
Hand. Die Privatklägerin wurde zusammengefasst Opfer eines schweren sexuel-
len Missbrauchs in Kombination mit einer gravierenden, andauernden Verletzung
ihrer Persönlichkeit. Das rechtfertigt eine Genugtuung von Fr. 50'000.–. Im Mehr-
betrag ist das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin abzuweisen. Eine Verzin-
sung des Genugtuungsbetrages wurde nicht beantragt.
VI.
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenauflage
(Dispositivziffern 12 und 13) zu bestätigen. Die Gerichtsgebühr für das Beru-
fungsverfahren ist auf Fr. 4'000.– festzusetzen. Die Kosten des Berufungsverfah-
rens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, sind dem Beschuldig-
ten ausgangsgemäss zu 4/5 aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse
zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind unter Vorbehalt der
Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im Umfang der Kostenauflage auf die Ge-
richtskasse zu nehmen.
2.1 Die der Privatklägerin vom Beschuldigten zu entrichtende Entschädigung für
ihre Aufwendungen im Zusammenhang mit ihrer anwaltlichen Vertretung im Beru-
fungsverfahren ist auf der Basis der Kostennoten ihrer Rechtsvertreterin vom
28. Juni 2019 (Urk. 142/1-2) unter Berücksichtigung der effektiven (längeren)
Dauer der Berufungsverhandlung und eines geschätzten Nachbearbeitungsauf-
wandes auf Fr. 3'600.– festzulegen.
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2.2 Der amtliche Verteidiger ist für seine Bemühungen im Berufungsverfahren
mit Fr. 10'000.– aus der Gerichtskasse zu entschädigen (vgl. Urk. 134).