Decision ID: 0bf17d17-418e-42eb-bbb0-232b0cee47ed
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.
1
Mit Urteil vom 1
9.
Oktober 2010
hiess das Sozialversicherungsgericht des Kan
tons Zürich
im Verfa
hren IV.2009.00168 (
Urk.
8/61
)
die Beschwerde von
X._
vom 13.
Februa
r 2009 in dem Sinne gut
, dass die angefochtene Ver
fügung vom 1
6.
Januar 2009 (Abweisung des Rentenerhöhungsgesuchs vom 2
9.
Januar 2007,
Urk.
8/27
) aufgehoben und die Sache an die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle
, zurückgewiesen wurde, damit diese
–
nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen
–
über den Rentenan
spruch
von
X._
neu verfüge.
1.2
In der Folge veranlasste die IV-Stelle
ein Verlaufsgutachten
der
Begutachtungsstelle
Y._
.
Dieses hatte bereits
das
für die
Zusprache einer hal
ben
Invalidenrente seit
1.
April 2005 (Verfügung vom 2
3.
November 2006;
Urk.
8/25)
massgebende Erstgutachten erstellt
(Gutachten vom
3.
April 2006, Urk.
8/15).
Die
Begutachtungsstelle
Y._
erstattete
sein
Verlaufsg
utachten
am
1
7.
Januar 2012 (
Urk.
8/83/1-42).
Nach Eingang von Berichten
der psychiatrischen Klinik Z._
vom
3
0.
Januar 2012
(
Urk.
8/84) und
4.
April 2012 (
Urk.
8/85)
au
f
erlegt
e
die IV-Stelle
dem
Versicherten
am 13.
April 2012
eine
Scha
den
min
derungspflicht
in Form
eine
r
mindestens sechs
monatigen
kontrollierte
n
Absti
nen
z
von Kokain und Benzodiazepinen (
Urk.
8/87)
. Der Bericht der
Klinik Z._
zur Ab
stinenzkontrolle datiert vom
2
1.
Februar 2013 (
Urk.
8/96)
.
Mit Vorbe
scheid vom 1
6.
Oktober 2013 (
Urk.
8/102) stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Auf
hebung der bisherigen Invalidenrente in Aussicht.
Der Versicherte
erhob am
1
4.
November 2013
dagegen
Einwand (
Urk.
8/109) und
stellte der
Verwaltung
Be
richte
seines Hausarztes
(
Urk.
8/106) sowie
der
Klinik
A._
(
Urk.
8/108
)
zu
.
Ferner
nahmen die
für die Abstinenzkontrolle
zu
ständigen
Fach
personen
der
Klinik Z._
auf Wunsch des Versicherten zum Vorbescheid Stellung
(
Urk.
8/112). Am 2
2.
Januar 2014
erging
eine weitere Stellungnahme des
Rechts
vertreter
s
des Versicherten (
Urk.
8/117). Mit Verfügung vom 1
3.
März 2014
hielt die
IV-Stelle
an ihrem Vorbescheid fest und hob
die Rente auf Ende des der Zu
stellung der Verfügung folgenden Monats auf (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
2.
April 2014 Beschwerde (
Urk.
1) mit den folgenden Anträgen:
„
1.
Die Verfügung vom 1
3.
März 2014 sei aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Dreiviertels-IV-Rente auszurichten mit Wirkung ab 1.10.07, d.h. seit Auflösung des Ar
beitsverhältnisses durch die
Firma
B._
.
2.
Die Beschwerdegegnerin sei zur Übernahme der Gerichtskosten sowie zur Zahlung einer Prozessentschädigung inklusive 8
%
MwSt. an den Be
schwerdeführer zu verpflichten.“
sowie den
nachfolgenden Eventualanträgen:
„
3.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, eine tatsächliche berufliche Abklärung beim
Beschwerdeführer durchzuführen.
4.
Die Verfügung vom 1
3.
März 2014 sei aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die bisherige halbe Inva
lidenrente zu belassen.
5.
Das Ganze unter Kosten und Entschädigungsfolgen nebst 8
%
MwSt. zu Lasten der Beschwerdegegnerin.“
Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 2
7.
Mai 2014 auf Abwei
sung der Beschwerde (Beschwerdeantwort,
Urk.
7). Am
1.
Juli 2014 nahm der Beschwerdeführer zu den neuen Vorbringen in der Beschwerdeantwort Stellung (
Urk.
12). Mit Schreiben vom
2.
Juli 2014 wurde diese Stellungnahme der Be
schwerdegegnerin zugestellt (
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf
eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine
halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine Drei
viertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundes
gesetz
es
ü
ber die Invalidenversicherung, I
VG)
.
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zu
kunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen
Ver
hältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruc
h zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn
sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesund
heits
zustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine
Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kung
en eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder
welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechts
konformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundes
ge
richts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.
3
Fehlen die in
Art.
17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die Renten
ver
fügung lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger Verwal
tungsverfügungen geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Ver
waltung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Ge
gen
stand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von er
heblicher
Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Sie ist verpflichtet, darauf zu
rückzu
kom
men,
wenn neue Tatsachen oder neue Beweismittel entdeckt werden, die ge
eignet sind, zu einer andern rechtlichen Beurteilung zu führen (BGE 110 V 176 E.
2a, 292 E.
1 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes ei
nes ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Be
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
te
t und ob die Schlussfolge
rungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E.
3a, 122 V 157 E.
1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin wies zur
Begründung
der Renten
aufhebung
in der Ver
fügung vom 1
3.
März 2014 (
Urk.
2) auf das Gutachten
der Begutachtungsstelle
Y._
vom 1
7.
Januar 201
2 und eine Verletzung der Mitwirk
ungspflicht hin. Sie nahm einen
Einkom
mensvergleich vor, bei dem sie darauf abstellte, dass dem
Beschwerdeführer eine leidensangepasste leichte und wechselbelastende Tätigkeit vollschichtig zumutbar wäre. Es resultierte ein unter der rentenbegründenden Grenze von 40
%
liegender Invaliditätsgrad von 21
%
.
2.2
Der Beschwerdeführer
liess demgegenüber ausführen
(
Urk.
1), eine revisions
weise Aufhebung der Rente sei nicht möglich, da
sich der Gesundheitszustand
in
den
beiden Gutachten
der
Begutachtungsstelle
Y._
aus den Jahren 2006 beziehungsweise 2012
praktisch
unverändert präsentiere
. Die Gegenüberstellung der beiden Gutachten zeige, dass sich keine Besserung des
physischen
Gesundheitszustandes
ergeben
, sondern dass sich dieser sogar massiv verschlechtert habe.
Des Weiteren leide er
zusätzlich wegen
seiner Erkrankung an einer mittelgradigen depressiven Stö
rung. Aufgrund der Berichte der
Klinik A._
und der
Klinik Z._
sei die psy
chische Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der Höhe von 50
%
bewiesen
(
Ziff.
5).
Der Beschwerdeführer verneinte
ferner
eine massgebende Verletzung der Mitwirkungspflicht
(
Ziff.
6).
Er
beanstandete
zudem den von der Beschwer
degegnerin
zur Ermittlung des Invalideneinkommens
herangezogenen
Tabel
len
lohn
.
Ferner
rügt
e
er,
d
ass die Beschwerdegegnerin trotz
entsprechen
den
Erwä
gungen im Urteil
vom 1
9.
Oktober 2010
keine
erwerblichen Abklärungen vorge
nommen habe (
Ziff.
7).
2.3
Die Beschwerdegegnerin begründete die Rentenaufhebung i
n ihrer
Vernehmlas
sung
vom 2
7.
Mai 2014
neu
mit einer Wiedererwägung der ursprünglichen Ren
tenzusprache
. Sie
verwies auf
Erwägungen im
U
rteil vom 1
9.
Oktober 2010
und führte aus,
das
Anforderungsprofil an eine dem Be
schwerdeführer zumutbare,
leidensangepasste Tätigkeit
sei nie umschrieben worden
.
Die mit Verfügung vom
2
3.
November 2006 zugesprochene Rente habe deshalb nicht auf einer ordnungs
gemässen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit beruht
(
Urk.
7).
2.
4
In seiner Stellungnahme vom
1.
Juli 2014 bestritt der Beschwerdeführer das Vor
liegen eines Wi
e
dererwägungsgrundes (
Urk.
12).
3.
3.1
In medizinischer Hinsicht stützte die Beschwerdegegnerin ihre rentenaufhe
ben
de Verfügung auf das a
m 1
7.
Januar 2012 erstattete
Verlaufsgutachten des
Begutachtungsstelle
s Y._
(
Urk.
8/83/1-42
)
mit chirurgisch-internistischen, rheumatologischen und psychia
trischen Beurteilungen
ab
. Die unterzeichnenden Fachärzte stellten
darin
die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 35)
:
1.
chronisches Lumbovertebralsyndrom
–
Status nach Operation einer Diskushernie L5/S1 links am 06.05.2004
–
Osteochondrose, Spondylarthrose und Rezidiv-Diskushernie L5/S1 links
2.
c
ervikospondylogenes und thorakovertebrales Syndrom
–
a
na
mn
estisch Halswirbelsä
ulen-Distorsion zirka Ende 2009
f
ortgeschrittene segmentale Degeneration
en
C5/6 und C6/7
Ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
waren nach Einschätzung der
Gutachter die folgenden
Diagnosen
(S. 35)
:
3.
Femoropatellarsyndrom beidseits
4.
s
chmerzreaktives depressives Syndrom vom Ausmass einer leichten depressi
ven Episode o
hne somatisches Syndrom (ICD-10
F32.00)
5.
Kokainmissbrauch (ICD-10
F14.1)
6.
Alkohol
missbrauch anamnestisch (ICD-10
F10.1)
7.
Gilles
de la Tourette-Syndrom (ICD-10
F45.2)
, anamnestisch
8.
Schlafapnoesyndrom
Die Gutachter hielten in ihrer Beurteilung fest, aus allgemeinchirurgisch-inter
nistischer Sicht lasse sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen, weder in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit noch in einer dem Alter und dem Ha
bitus angepassten Verweistätigkeit
(S. 38)
.
Des Weiteren führten die Gutachter aus, b
ei der rheumatologischen Untersu
chung sei die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule etwas deutlicher einge
schränkt
gewesen
als anlässlich der
U
ntersuchung durch
die Vorgutachterin
Dr.
C._
vom 1
5.
Februar 2006
(
S.
27), bei allerdings erschwerter Beurteilung durch das schmerzbedingte aktive Gegenhalten. Neurologische Ausfälle fänden sich weiterhin nicht,
wie auch
keine radikulären Reizzeichen. Radiologisch be
stehe eine leichte Osteochondrose und Spondylarthrose L5/S
1.
Durch die Be
funde
liessen sich die chronisch persistierenden Schmerzen mit vollständiger Therapie
resistenz auf alle erdenklichen Massnahmen und der subjektiv sehr starken Ein
schränkung der körperlichen Belastbarkeit nur schwer erklären.
Si
cherlich spiele die Dekonditionierung durch die jetzt
langjährige Inaktivität be
i
der Schmerz
un
terhaltung eine gewisse Rolle. Aufgrund des bisherigen Verlaufs werde es je
doch schwierig sein, diese zu verringern. Im Rahmen dieser Dekon
ditionierung seien vorab auch die Knieschmerzen des Versicherten zu sehen. Klinisch finde sich dabei ein Femoropatellarsyndrom bei gleichzeitig unauffälli
ger Radiologie. In letzter Zeit seien wieder cervikale und thorakale Schmerzen mit Aus
strah
lung
en
zuerst in den rechten, dann in den linken Arm aufgetreten. Radiologisch finde sich hier als Korrelat eine deutliche Degeneration der Band
scheiben C5
bis
C
7.
A
ufgrund der fortgeschrittenen spondylotischen Überbrü
ckung dürfte die Bandscheibendegeneration cervikal bereits seit längerer Zeit bestehen
(S. 38 f.)
.
Die Gutachter hielten sodann fest, b
ei der psychiatrischen Exploration sei eine leichtgradige depressive Symptomatik festgestellt worden. Hierbei handle es sich um eine Reaktion auf Schmerzen mit organischem Korrelat.
Der Beschwerde
füh
rer konsumiere seit d
em 2
4.
Lebensjahr Kokain auf dem
Niveau des Miss
brauchs. Er habe offensichtlich begonnen, hierzu eine kritische Haltung zu ent
wickeln und sei nach eigenen Angaben bemüht, vollständig abstinent von der Droge zu bleiben (S. 39).
Zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Be
funde
sei der Versicherte aus rheumatologischer Sicht in seiner angestammten Tätig
keit als Informatiker weiterhin zu 50
%
arbeits(un)fähig. In einer optimal ange
passten, körperlich leichten und wechselbelastenden Tätigkeit ohne repeti
tives Heben und Tragen von Lasten über 5 Kilogramm beziehungsweise Einzel
lasten
über 15 Kilogramm, mit der Möglichkeit die Körperposition häufig zu wechseln und
ohne Zwangshaltungen für die gesamte Wirbelsäule sei aus rein rheuma
tologischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gegeben. Aus psy
chi
a
trischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(
S. 40)
.
Zum Beginn und weiteren Verlauf der Arbeitsunfähigkeit führten die Gutachter aus, das aktuell ermittelte Belastbarkeitsprofil gelte seit der operativen Dekom
pression der Diskushernie L5/S
1.
Die aktuell erhobenen Befunde entsprächen weitgehend den bei der Vorbegutachtung erhobenen
Befunden
. Die damals at
te
stierte 50%ige Arbeits(un)fähigkeit könne bestätigt werden. Die empfohlenen The
rapiemassnahmen hätten keine Besserung der Beschwerden gebracht, wes
halb die Diagnosen eines radikulären Syndroms oder eines spondylarthrotisch bedingten Facetten-Syndroms sehr unwahrscheinlich seien. Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sei im Vorgutachten nicht beschrieben worden. In den weiteren Arztberichten fänden sich keine Befunde, die von den aktuell er
hobenen abweichen beziehungsweise eine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit begründen würden.
Die durch die Psychologin
D._
gestellte Diagnose
einer mittelgradigen depressiven Episode werde im Bericht vom
2.
September 201
1
(
Urk.
8/73/5-8)
vor allem mit anamnestischen Angaben und kaum mit
psy
c
hopathologischen Befunden begründet. Daraus lasse sich keine mittelgra
dige
depressive Episode ableiten, zumal der Bericht sich auf eine Konsultation abge
stützt habe, die am gleichen Tag stattgefunden habe wie die psychiatrische Be
gut
achtung. Aufgrund der Symptome sei jedoch eine vorübergehende 50%ige
Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten möglich. Der Beginn
dieser
Ar
beits
unfähigkeit sei auf
A
nfang 2011 festzulegen, da der Versicherte angebe, sei
t
dieser Zeit am Arbeitsplatz vermehrt zu fehlen. Ab dem Begutachtungsda
tum gelte wieder das obgenannte Belastungsprofil
(S. 41)
.
Die Gutachter führten weiter aus, o
bwohl neu zervikothorakal
e
Beschwerden be
stünden, könne nicht von einer eigentlichen Verschlechterung des Gesund
heitszustandes ausgegangen werden, da dies
e
keine Auswirku
ng auf die Ar
beits
fähigkeit hätten
. Möglicherweise habe eine vorübergehende Verschlechte
rung im psychischen Bereich bestanden, die jedoch bei der aktuellen Begutach
tung nicht mehr festgestellt worden sei (S. 42).
Abschliessend hielten die Gutachter fest, kurz vor
Fertigstellung
des Gutachtens hätten sie erfahren, dass der Versicherte in der Zwischenzeit während acht Wo
chen psychiatrisch hospitalisiert
gewesen sei
. Berichte diesbezüglich seien je
doch
noch nicht vorhanden. Eine Hospitalisation widerspreche nicht zwingend der
gut
achterlichen Beurteilung und aufgrund der erhobenen Befunde würden
sie a
n ihrer Beurteilung festhalt
en. Falls sich zu den neuen Berichten ein Wi
der
spruch ergeben sollte, müsste eine erneute psychiatrische Begutachtung in Erwägung ge
zogen werden
(S. 42)
.
3.2
3.2.1
Am 3
0.
Januar 2012 berichtete die
Klinik Z._
der IV-Stelle
(
Urk.
8/84)
über einen
Aufenthalt vom 1
3.
September bis
4.
November 2011 auf der Depressions- und Angs
t
station der Klinik
E._
. Die zuständigen Ärzte
stellten die folgenden Diagnosen:
1.
Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion und Angst gemischt (ICD-10 F43.22)
Erstdiagnose (
ED
)
09/2011
2.
mittel- bis schwergradiges ADHS (ICD-10 F90.0) ED 09/2011
3.
sekundärer Kokainkonsum im Rahmen der Diagnosen 1 und 2
4.
leichtgradiges Tourette-Syndrom (ICD-10 F95.2) ED 1997
5.
lumbales Schmerzsyndrom bei Status nach Diskushernienoperation 2005
6.
Schlafapnoe-Syndrom bei Status nach Rachenraumoperation 2007
7
.
Status nach Schleudertrauma 07/2009 mit ausstrahlenden Kribbelparästhe
sien und Kraftminderung der linken Hand.
Die
Ärzte berichteten
,
infolge
der komplexen Ausgangslage mit Anpassungsstö
rung, mittel- bis schwergradiger ADHS-Symptomatik und somatischen Erkran
kungen müsse aus ihrer Sicht mit der Notwendigkeit eines längeren Nachbe
handlungsbedarfs gerechnet werden bis eine gewisse Arbeitsfähigkeit wieder her
gestellt sei. Zum Zeitpunkt des Austritts aus der Depressions- und Angststa
tion der Klinik
E._
habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Aus psy
chi
atrischer Sicht
rechneten sie auf längere Sicht mit einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
.
Die aktuelle Arbeitsfähigkeit könne nicht beurteilt werden. Die Ärzte empfahlen die
Fortsetzung der i
ntegrierten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandl
ung inklusive Therapie des ADHS
.
3.2.2
Am
4.
April 2012 erging
ein Bericht der Tagesklinik der
Klinik Z._
(
Urk.
8/85)
über die Behandlung
vom
9.
Dezember 2011
bis
9.
Februar 2012 nach dem Austritt aus der Klinik
E._
.
Die zuständigen Ärzte diagnostizierten
anstelle der An
passungsstörung mit depressiver Reaktion und Angst gemischt (
ICD-10
F43.
22,
ED 09/2011
)
eine mittelgradige depressive Stö
rung (ICD-
10 F32.1, ED 09/2011)
. Die übrigen Diagnosen
blieben
dieselben.
Dem Beschwerdeführer wurde für die Dauer der Behandlung in der Tagesklinik eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit at
testiert. Die Ärzte empfahlen
ein
en stationären Kokainentzug,
ein Absetzen der
Reservemedikation mit Valium und Temesta sowie eine anschliessende statio
näre
beziehungsweise ambulante Psychotherapie. Des Weiteren empfahlen sie nach
ausreichender Stabilisierung eine begleitete Arbeitsintegration unter Be
rück
sich
tigung der vorhandenen Einschränkungen und Ressourcen
. Nach er
folgrei
chem Entzug sei aus ihrer Sicht mit einer schrittweisen Steigerung der Arbeits
fähig
keit auch im angestammten Beruf zu rechnen.
3.3
Am 1
8.
Juli 2012 berichtete die
Klinik A._
der
Klinik Z._
über die Hospi
tali
sation vom 1
6.
Mai bis
8.
Juni 2012 (
Urk.
8/108/2-5). Die verantwort
lich zeich
nen
den Ärzte stellten folgende psychiatrische Diagnosen nach ICD-10:
-
Störungen durch Kokain / Abhängigkeitssyndrom / gegenwärtig abstinent
(F14.20)
-
rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode / mit
so
matischem Syndrom (F33.11)
-
anamnestisch einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F90.0)
Die Ärzte berichteten, am Anfang der Behandlung sei der Kokainentzug gestan
den, der nach einer bereits siebentätigen Abstinenz vor Klinikeintritt problemlos fortgeführt worden sei. Nach Abschluss der Entzugsphase und unter Kokain-Ab
stinenz hätten starke Sti
mmungsschwankungen persist
iert.
Die klinische Symp
to
matik habe insgesamt einer mittelgradig
en
depressiven Episode entspro
chen. Als hauptsächlichen Belastungs- und Triggerfaktor erachteten die
A._
-Ärzte
die psychosoziale Situation bei chronischem Schmerzsyndrom und resul
tie
ren
der
geringer Belastungsfähigkeit sowie fehlender Tagesstruktur.
Die Ärzte empfahlen das Fortführen einer suchtspezifischen ambulanten Psy
cho
therapie.
3.
4
Im Be
richt vom 2
1.
Februar 2013 der
Klinik Z._
(
Urk.
8/96)
,
über die Kontrolle der
auferlegten
sechsmonatigen Abstinenz von Kokain und Benzodiazepinen hielten
die zuständige Psychologin und der Ober
arzt
fest, der Beschwerdeführer sei
der
Anweisung, mindestens ein
m
al pro Wo
che unaufgefordert zu erscheinen und Proben abzugeben,
leider
nicht immer nach
gekommen. Wie den
Laborblättern weiter entnommen werden könne, habe
kein Ko
nsum nachgewiesen werden können. A
llerdings sei
Kokain gemäss
der
Aus
kunft des
Institut
s für Labormedizin
nur bis zirka 72 Stunden nach dem Konsum im Urin
nachweisbar
. Die Fachleute berichteten weiter, der Beschwer
deführer habe vom 1
6.
Mai bis
8.
Juni 2012 einen stationären Entzug in der Klinik
A._
absolviert, wobei es zu einem einmaligen Rückfall gekommen sei. Der Beschwerdeführer habe weitere Konsumereignisse sowohl von Benzodi
azepinen wie auch von Kokain verneint.
Die Fach
personen
der zuständigen Suchthilfe-Organisation
hielten des Weiteren
fest, aufgrund der aktuellen Lebenssituation sei der Beschwerdeführer nicht in der
Lage, eine reguläre Tagesstruktur aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Eine sta
tio
näre Behandlung oder betreute Wohnform, die ihn darin unterstützen könnten,
lehne er aktuell ab. Aus ihrer Sicht bestehe ein starker Zusammenhang zwi
sche
n der mangelhaften Tagesstruktur, der depressiven Symptomatik und der Arbeits
fähig
keit,
welche
durch die Persönlichkeitsstruktur des Beschwerde
füh
rers zusätz
lich verhindert werde. Die Fachpersonen gingen von einer län
gerfris
tigen Arbeits
unfähigkeit aus und empfahlen eine erneute Beurteilung in etwa 12 Monaten.
3.
5
Am
6.
November 2013 berichtete der Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
G._
, Allgemeine Medizin FMH, de
ssen
Rechtsvertreter
(
Urk.
9/106)
. Er nannte die folgenden Diagnosen:
–
chronisches Lumbovertebralsyndrom bei Zustand nach Diskushernienopera
tion 2004 bei Diskushernie L5/S1
–
S
t
atus nach Beschleunigungstrauma am craniocervikalen
Ü
bergang 8.7.201
0
initial Grad II nach QTF
k
onsekutiv chronisches Brustwirbelsäulensyndrom
–
mittelgradige
depressive Störung (ICD-10 F32.
1)
–
mittel- bis schwergradiges ADHS, ED 11/
2
011
–
leicht
g
radiges Tourette Syndrom, ED 1990
–
kombinierte Persönlichkeitsakzentuierung mit histr
i
onischen und narzi
s
sti
schen Zügen
–
Refluxleiden
–
Tinnitus beidseits
–
Adipositas
Dr.
G._
berichtete, es bestehe beim Beschwerdeführer eine langjährige, chroni
fizierte Schmerzstörung, die sich nach dem Autounfall im Juli 2010 verschlim
mert habe. Im März 2010 habe der Beschwerdeführer eine
an seine Behinderung angepasste
50%-Stelle als Informatiker bei der
Hochschule H._
antreten können, wo seinen Einschränkungen viel Verständnis entgegen gebracht wor
den sei
. Trotzdem sei diese Belastung eine Überforderung
gewesen
,
vor allem auch ausgelöst durch das Schleudertrauma im Juli
201
0.
Der Beschwerdeführer sei sehr unruhig und unkonzentriert und kaum in der Lage, einige Minuten auf einem Stuhl zu sitzen. Die körperlichen Beschwerden würden durch die chronischen Schlafstörungen
ver
stärkt
. Seit Juli 2010 betrage die Arbeitsfähigkeit aus kö
r
perlicher Sicht
nach
seiner Einschätzung höchstens 25
% bis 50
%
,
und di
ese werde durch die psy
chische K
omorbidität zusätzlich vermindert. Effektiv sei der Beschwerdeführer vermutlich seit Juli 2010 als zu 100
%
arbeitsunfähig anzusehen.
4.
4.1
Das
in Kenntnis der medizi
nischen (Vor-)Akten und weiterer
Unterlagen erstat
tete
interdisziplinäre
(Verlaufs-)Gutachten
der Begutachtungsstelle Y._
vom 1
7.
Januar 2012
beruht auf
eigenen
Untersuchungen
am 1
6.
u
nd 2
2.
August 2011
in den für die Beur
tei
lung
der gesundheitlichen Situation
des Beschwerdeführers
wesentlichen me
dizini
schen Fachgebieten.
Es
umfasst nebst einlässlich
en allgemeinen auch fachge
biets
spezifische Anamnese- sowie ausgedehnte klinische Befunderhebun
gen
, La
bor
unte
r
suchungen
und Röntgen
aufnahme
n
des Beckens, beider Knie
gelenke
so
wie
der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule
. Es erging sodann in Kenntnis
des
stationären Aufenthalts in der Klinik
E._
vom 1
3.
September bis
4.
November
2011
(
Urk.
8/82 und
Urk.
8/83/1-42 S.
42
)
und erfüllt insgesamt die
Anforderungen an ein beweis
kräftiges
Gutachten
(vgl. E. 1.4)
.
4.2
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beanstandet
e
in erster Linie
die psy
chi
atrische Beurteilung
und
verwies auf die
in den Berichten der
Klinik Z._
und
d
er
Klinik A._
diagnostizierte mittelgradige depressive Störung
. Er
rügte
, es
sei
nicht das
erste Mal, dass
von einem IV-freundlichen Unternehmen eine leichtgradige depressive Episode attestiert werde, während zahlreiche andere In
sti
tutionen von einem weit gravierenderen Befund ausgingen (
Urk.
1 S.
6 f.).
Mit
diesem
p
auschalen
Einwand
lässt sich
die
fachärztliche gutachterliche Ein
schätz
ung
nicht entkräften.
Laut höchstrichterlicher Rechtsprechung gelten l
eichte bis höchs
tens mittel
schwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis
– wie die Be
schwerdegegnerin zu Recht anmerkte – grundsätzlich
als therapeu
tisch angeh
bar (
vgl. etwa
Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2013 vom 4.
März 2014 E. 3.6.1
mit zahlreichen Hinweisen
).
D
ementsprechend
gingen
auch die vera
ntwortlich zeichnenden Ärzte der
Klinik Z._
von noch nicht ausgeschöpften the
rapeutischen Möglichkeiten aus und versprachen sich namentlich von ein
em stationären Klinik
aufenthalt und
einer
Kokainabstinenz
(
vgl. E.
3.2 und E.
3.4
)
eine Besse
rung.
Nicht
zu überzeugen vermag
schliesslich
der in der Beschwerde vertretene Standpunkt, nur depressive Episoden hätten normalerweise keinen invalidisie
ren
den Charakter, anders verhalte es sich mit einer depressiven Stö
rung (
Urk.
1
Ziff.
5 S.
7), zumal
die
Ärzte
der
Klinik Z._
laut ihrer Codierung
(ICD-10 F
32.1)
erstere meinten
. Aus Sicht der behandelnden Ärzte waren auch
psychosoziale Belas
tungsfaktoren und damit invaliditätsfremde, vom sozi
alversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtliche Gesichtspunkte
(
vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_759/2013 vom
4.
März 2014 E.
3.6.1 mit zahlrei
chen Hinweisen und
8C_302/2011 vom 2
0.
September 2011 E.
2.5.1) für das
psychiatrische
Beschwer
debild mitverantwortlich
.
Die
Ärzte der
Klinik Z._
und der
Klinik A._
hoben
namentlich
die
fehlende Tagesstruktur hervor
.
Die empfohlene stationäre Be
handlung oder betreute Wohnform
lehnte der Be
schwerdeführer
aber
ab (
E. 3.4
).
Die
Schadenminderungspflicht
in Bezug auf die Ko
kainabstine
n
z
hielt
er
in dem Sinne nicht ein
, dass er nicht regelmässig zu den Urinkontr
ollterminen bei der
Suchthilfe
erschien
, womit ein
e
lückenlos
e Kontrolle verunmöglicht wurde
(
E. 3.
4
)
.
4.3
Nicht zu überzeugen vermag sodann die Einschätzung
von Hausarzt
Dr.
G._
, wo
nach der Beschwerdeführer „effektiv“ seit Juli 2010
(nach
einem
Heckauf
fahrunfall
)
als zu 100
%
arbeitsunfähig anzusehen sei
(vgl. E. 3.
5
)
, obwohl
die
se
r
nach eigenen Angaben
von Januar 2
010 bis Ende 2011
– wenn auch mit
Unterbrüchen –
in einem
50
%
-Pensum
als Informatiker bei der
Hochschule H._
tätig war
(
Urk.
8/83/1-42 S.
14 f.
und
Urk.
8/108/2-5 S.
3
)
.
Vom
Autou
nfall vom
8.
Juli 2010
und dem Bericht zur Erstkonsultation vom
1
0.
Juli 2010
hatten die Gut
achter Kenntnis
(
Urk.
8/83/1-42 S.
3 und S.
13)
;
sie
zogen die Halswirbelsäulen
distorsion in ihre Einschätzung mit ein (S. 28
) und
wiesen zudem da
rauf hin,
dass der Beschwerdeführer den Unfall in seinen
Schilderungen
au
f das Jahr 2009
zurückdatiere
(
S. 17
)
.
Insgesamt vermögen die neu eingereichten Bericht
e
der
Klinik Z._
,
der
Klinik A._
und des Hausarztes
die
fachärztliche Beurteilung der Gut
achter
des Begutachtungsstelle
Y._
nicht in Frage zu stellen.
Alles in
a
llem stellt das
Gutachten der
Begutachtungsstelle
Y._
somit eine taugliche Grundlage zur An
spruchsbeurteilung dar.
5.
5.1
Mit
dem beweiskräftigen
Gutachten der Begutachtungsstelle
Y._
ist keine Verbesserung des
Gesund
heitszustand
s
des Beschwerdeführers
dokumentiert
. Auch von einer „eigentliche Verschlechterung“ kann
nach Einschätzung
der Gutachter
nicht ausgegangen werden. Aus dem Hinweis, es habe
„
möglicherweise
“
eine vorübergehende Ver
schlechterung im psychischen Bereich bestanden, die jedoch bei der aktuellen
Begutachtung nicht mehr habe festgestellt werden können (Urk.
8/83/1-42 S. 42),
kann ni
chts anderes abgeleitet werden.
Soweit von einer leichten Ver
schlech
terung im psychischen Bereich ausgegangen werden müsste
,
wäre
diese
des Wei
teren
,
wie dargelegt
,
praxisgemäss
als therapeutisch angehbare psychia
t
rische Störung zu bewerten
. Ferner sind in erheblichem
Masse
psychosoziale Belas
tungsfaktoren mitverantwortlich. Insbesondere der fehlenden Tagesstruktur kann
mit einer
höheren Invalidenrente nicht angemessen
begegnet werden
.
Zusammenfassend kamen die Gutachter zum Schluss, dass das aktuell ermittelte Belastungsprofil seit der operativen Dekompression der Diskushernie L5/S1 (im Jahr
2004
,
vgl.
Urk. 8/83/1-42
S.
11
) gelte und die aktuell erhobenen Befunde weitgehend den bei der Vorbegutachtung
im Jahr 2006
erhobenen
Befunden
entsprechen würden
. Auch die im Vorgutachten attestierte 50%ige Arbeitsfä
higkeit konnten die Gutachter bestätigen.
Sie wiesen
allerdings
darauf hin
,
die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit sei damals n
icht beschrieben worden (S. 40) und bescheinigten dem Beschwerdeführer in einer behinderungsange
passten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
(S. 41)
.
5.2
Entsprechend diesem Hinweis und unter Bezug
nahme
auf Erwägungen im Rück
weisungsentscheid des hiesigen Gerichts
(
Urk.
8/61)
ging
die Beschwerde
gegnerin
in ihrer Beschwerdeantwort
von einem Wi
e
dererwägungsgrund aus
(
Urk.
7)
. Sie führte hierzu aus, die
Verfügung vom 23.
November 2006
sei zwei
fel
los unrichtig gewesen, da sie
nicht auf einer ordnungsgemässen Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit beruht
habe.
Dies trifft nicht zu. Dem Urteil
vom 1
9.
Oktober 2010
,
welches
die Ab
weisung
des
Ren
tenerhöhungsgesuchs
vom 2
9.
Januar 2007
(
Urk.
8/27
)
zum Gegenstand hatte, lässt sich kein Hinweis
entnehmen, wonach eine
wiedererwä
gungsweise Aufhebung der ursprünglichen Rentenzusprache
zu prüfen wäre
. Es trifft auch nicht zu, dass es damals an einer recht
sgenüglichen
ärztlichen Einschät
zung
der Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit fehlte. Insbesondere konnte sich die Rentenzusprache auf die Stellungnahme des
RAD-Arzt
es
Dr.
med.
I._
vom 2
9.
Juni 2006 abstützten.
Dieser
hielt fest
, das lumbos
pondylogene Fa
cettensyndrom L5 links wirke sich derzeit mit 50
%
auf die Ar
beitsfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit als Informatiker aus. Dem
Gutachten der Begutachtungsstelle
Y._
vom 4. April 2006 (
Urk.
8/15/1-26)
sei des Weiteren zu entnehmen, dass die ange
stammte Tätigkeit leidensangepasst sei (
Urk.
8/16 S. 4).
Die ur
s
p
rüngliche Verfü
g
ung war
deme
ntsprechend nicht zweifellos unrichtig
und eine Wiedererwägung nicht angezeig
t.
5.3
Mit dem beweiskräftigen
Gutachten der Begutachtungsstelle
Y._
ist nach dem Gesagten keine Ver
än
derung des Gesundheitszustandes dokumentiert.
Dem Gutachten ist auch nicht zu entnehmen, dass sich die
Intensität der Beschwerden oder deren Aus
wir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hätten. Die Einschätzung der Gut
ach
ter, wonach der Beschwerdeführer in angepasster Tätigkeit zu 100
%
ar
beits
fähig sei, stellt damit eine bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes dar (vgl. E. 1.2). Auf diese neue Beurteilung kann mangels zweifelloser Unrich
tigkeit der alten Einschätzung nicht abgestellt werden. Vielmehr ist von einer bloss 50%ige
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit, namentlich in der ange
stammten Tätig
keit als Informatiker
,
auszugehen.
5.4
Anlass
für eine
Rentenrevision gibt
aber
auch
eine wesentliche Änderung in den er
werblichen Verhältnissen
(vgl. E. 1.2
).
Im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache
(Verfügung vom 2
3.
Novem
ber 2006;
Urk.
8/25)
war der Beschwerdeführer
immer noch
in – ge
sundheits
be
dingt reduziertem – Umfang von 50
%
als IT Technical Consultant
bei
seiner langjährigen Arbeitgeberin
Firma B._
beschäftigt
. Mit dem Verlust d
ies
er Arbeitsstelle im
September
2007
(vgl.
Urk.
8/39)
änderte sich die erwerb
liche Situation des Versicherten
massgeblich
. Seit
her
erzielte er
nach ei
genen Angeben
einzig
von Januar 2010 bis Ende 2011
in einem
befriste
ten 50%igen Einsatz bei der Hochschule
H._
einen Lohn von monatlich
„
Fr.
3‘200.--
”
(
Urk.
1 S.
11
mit Hinweis auf
Urk.
8/83/1-42 S. 14 f.
und
Urk.
8/105/2-5 S. 3
)
.
Der Beschwerdeführer bemängelt
e
zu Recht, dass es die Beschwerdegegnerin unterlassen
hat,
die laut dem Urteil
des hiesigen Gerichts
angezeigten erwerb
lichen Abklä
rungen vorzunehmen
(
Urk.
1
Ziff.
7)
. Mit dem aktuellen medizi
ni
schen Gutach
ten ist allerdings
fachärztlich
ausgewiesen, dass dem Beschwerde
führer die an
gestammte Tätigkeit als Informatiker nach wie vor zu 50
%
zu
mutbar ist, was gerade noch
eine
genügende Grundlage für die Ermittlung des Invaliditätsgra
des darstellt.
Der Lohneinbusse
infolge Teilzeitarbeit
, die es dem Beschwerdeführer aber nicht mehr ermöglichen wird, in der Informatikbranche dasselbe relativ hohe Lohnniveau zu erreichen,
ist mit einem
Abzug vom Tabellenlohn zu begegnen.
5.
5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men)
, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensver
gleic
h hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander ge
gen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Massgebend ist
der
Zeitpunkt des Stellenverlustes (2007). Ursächlich für die Be
endigung des Arbeitsverhältnisses
als IT Technical Consultant
bei der
Firma B._
war die
Auslagerung des IT-Bereichs
(
Urk.
8/15 S. 17,
Urk.
8/27
und
Urk.
8/33
). Auf
das
damalige
Einkommen kann deshalb
zur Ermittlung des Valideneinkommens
nicht mehr abgestellt werden.
Der Beschwerdeführer ver
fügt über ein Diplom als Wirtschaftsinformatiker und
eine
lang
jährige
Berufs
e
rfahrung bei der
Firma B._
sowie über eine Lehre als Chemielabo
rant
(
Urk.
8/39)
. Ausbildung und
Berufserfahrung
rechtfertigen es
,
beim Ein
kommensvergleich für das
hypothetische Valideneinkommen auf die vom Bun
desamt für Statistik herausgegebene Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) des Jahres 2006, Tabelle TA1,
S. 15,
Ziff.
70-74, Informatik,
Anforderungs
niveau
2 (Verrichtung selbständiger und qualifizierter Arbeiten)
abzustellen
(
Fr.
8‘846.-- x 12)
. A
ngepasst an die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit
von 40.9 Stunden
(
Fr.
106‘152.--
/
40 x 40.9; vgl. Die Volkswirtschaft 6-2014 B9.2 S.
84
,
Sektor 3J, Information und Kommu
nikation
)
und die Nominallohn
entwicklung
im
Jahr
2007
(
Fr.
108‘540.42
+ 1.8 %
; vgl. Die Volkswirtschaft 1/2-2012 B10.
2
S. 95
Nominal
Total J,K
)
ergibt sich ein
Va
lidene
inkommen im Betrag von Fr.
1
10
‘
494
.--
, was
auch
in etwa
dem
unbe
strittenen
,
zuletzt
bei der
Firma B._
erzielten Lohn
entspricht
(
Fr.
110‘565.-- im 2006
,
vgl.
Urk.
8/99)
.
Für die
Bestimmung
des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werb
li
chen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich wei
l die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jeden
falls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung
die
Tabellenlöhne gemäss
LSE
heran
ge
zogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/aa und bb, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
Vorliegend erscheint es sachgerecht auf denselben Branchenlohn und dasselbe
Anforderungsniveau abzustellen
wie beim Valideneinkommen
, da der Be
schwer
deführer in diesem Bereich über besondere Qualifikationen verfügt.
Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu berechnen, entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit un
ter Berücksichtigung des Abzugs vom Tabellenlohn (sog. Prozentvergleich; vgl. dazu SVR 2008 IV Nr. 2, I 697/05 E.
5.4).
Vorliegend
rechtfertigt
die
Teilzeitar
beit
einen
Abzug von 1
0
%
(dazu vorne E. 5.4)
.
Es resultiert
folglich
ein Invali
ditätsgrad von 5
5
%
(100
%
- [50
%
x 0.
90
])
.
5.
6
Dies führt zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer weiterhin ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente zusteht
(so auch Beschwerde(Eventual-)Antrag Ziff.4, Urk. 1)
.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten in dem Sinne
teilweise
gutzuheissen,
dass die Verfügung vom 1
3.
März 2014 mit der Feststellung aufzuheben ist, dass
dem Beschwerdeführer weiterhin ein Anspruch auf eine halbe
Invaliden
rente zusteht. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
6.1
Die Gerichtskosten gemäss
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG sind auf
Fr.
8
00.-- festzusetzen und der
unterliegenden
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6
.2
Ausgangsgemäss hat
der Beschwerdeführer
zu Las
ten der Beschwerdegegnerin
Anspruch auf eine Prozessent
schädi
gung, welche
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3
des Gesetzes über das Sozialver
siche
rungs
ge
richt
ermessensweise auf
Fr.
2
‘
5
00.--
(inkl. Barauslagen und MWSt)
festzulegen ist
.