Decision ID: ebf52f41-d41f-5d69-b2b4-fba87bec07c3
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer ersuchte am (...) März 2020 in der Schweiz um
Asyl. Zu seinen Asylgründen führte er aus, er sei ethnischer Tamile,
stamme aus der Stadt B._ im gleichnamigen Distrikt in der Ostpro-
vinz, sei aber in jungen Jahren von seiner Mutter nach C._, Nord-
provinz, gebracht worden. Seit 1999 habe er die LTTE (Liberation Tigers of
Tamil Eelam) unterstützt, sei aber nie deren Mitglied gewesen. Nach Ab-
schluss der Schule habe er eine Ausbildung als (...) in einem von den LTTE
verwalteten (...) in D._ in der Nähe von C._ absolviert. Ab
2003 habe er damit begonnen, (...) Waren von E._, Westprovinz,
in die von den LTTE kontrollierten Gebiete im Norden zu transportieren.
(...) sei es bei einem solchen Transport zu einem Zwischenfall mit Polizis-
ten beziehungsweise dem Criminal Investigation Department (CID) gekom-
men. Er sei dabei angeschossen worden, habe aber fliehen können. Sein
Begleiter F._ sei hingegen verhaftet und vom CID verhört worden,
dabei habe er ihn (den Beschwerdeführer) verraten. Deshalb sei er Mitte
(...) illegal nach G._ geflohen und im April 2019 schliesslich nach
H._ gereist, bevor er im März 2020 in die Schweiz gekommen sei.
Als Beweismittel legte er Fotos und Internetausdrucke bezüglich seines
Aufenthalts in G._ sowie einen Arztbericht vom 28. Juni 2020 be-
treffend in der Schweiz behandelte Bauchbeschwerden ins Recht.
A.b Mit Verfügung vom 2. November 2020 stellte die Vorinstanz fest, der
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asyl-
gesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den
Wegweisungsvollzug an. Ihren Entscheid begründete sie insbesondere mit
der Unglaubhaftigkeit und Tatsachenwidrigkeit der Vorbringen. Die beige-
brachten Beweismittel betreffend seinen Aufenthalt in G._ sowie die
jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka vermöchten ebenfalls
keine Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu begründen. Der Vollzug der
Wegweisung sei unter anderem zumutbar, weil in Sri Lanka keine Situation
allgemeiner Gewalt herrsche, er gesund und jung sei und über eine gute
Ausbildung sowie langjährige Arbeitserfahrung im In- und Ausland verfüge.
Aus verschiedenen Gründen sei auch davon auszugehen, dass er in sozi-
aler und ökonomischer Hinsicht über Rückhalt verfüge, allerdings könne
das SEM sein Verwandtschaftsnetz, die Wohnsitzmöglichkeiten sowie
seine Möglichkeiten zur Deckung des Grundbedarfes nicht abschliessend
prüfen, weil er diesbezüglich keine konsistenten Angaben gemacht habe,
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was ihm aber selbst zuzuschreiben sei. Insgesamt sei aber trotz seiner
langen Landesabwesenheit auch nicht von Wegweisungsvollzugshinder-
nissen individueller Art auszugehen.
A.c Mangels Leistung eines Kostenvorschusses trat das Bundesverwal-
tungsgericht mit Urteil E-6115/2020 vom 12. Januar 2021 nicht auf die am
2. Dezember 2020 gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde ein.
B.
Mit Eingabe vom 20. Januar 2021 reichte der Beschwerdeführer bei der
Vorinstanz eine als "neues Asylgesuch/oder" bezeichnete Eingabe ein. Ne-
ben prozessualen Anträgen ersuchte er das SEM hauptsächlich um Fest-
stellung seiner Flüchtlingseigenschaft sowie um Gewährung von Asyl.
Eventualiter seien weitere Untersuchungsmassnahmen vorzunehmen, na-
mentlich im Heimatstaat des Beschwerdeführers über die Schweizerische
Vertretung, oder eventuell sei der Asylentscheid vom 2. November 2020 in
Wiedererwägung zu ziehen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde-
führers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei er auf-
grund der Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
vorläufig in der Schweiz aufzunehmen.
Zur Begründung führte er aus, ein neuer Arztbericht des Schweizerischen
Roten Kreuzes vom 25. Dezember 2020 (als Beweismittel beigelegt) be-
lege einerseits seine Vorbringen im ordentlichen Asylverfahren, insbeson-
dere die erlittene Verfolgung, und andererseits gehe aus ihm eine beträcht-
liche Verschlechterung seiner psychischen Gesundheit hervor. Aus den
Akten werde ersichtlich, dass er politische Aktivitäten ausgeführt und die
LTTE unterstützt habe, was er mit ihn betreffenden öffentlich zugänglichen
Dokumenten habe belegen können. Er habe damit nachgewiesen, dass er
in Sri Lanka verfolgt worden und aufgrund der politischen Ereignisse auch
seine Furcht vor zukünftiger Verfolgung in Sri Lanka begründet sei. Er zi-
tierte in diesem Zusammenhang zahlreiche Länderberichte betreffend die
Situation und Überwachung von (vermeintlichen) LTTE-Mitgliedern und
Personen tamilischer Ethnie seit der Präsidentschaftswahl im November
2019. Ausserdem würden im Moment seine Familienangehörigen in Sri
Lanka immer wieder entführt und bedroht. Seine Frau und sein Sohn lebten
in Angst, im Exil in der eigenen Heimat. Hinzu komme seine exilpolitische
Tätigkeit, die ihn ebenfalls gefährde.
Aufgrund seiner psychischen und posttraumatischen Probleme, die sich
durch (...) äusserten, sei in der Schweiz eine Behandlung in stationärer
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Rehabilitation oder in einer Therapie vorgesehen. Ohne spezifische medi-
zinische Versorgung würde sich sein psychischer Zustand wahrscheinlich
verschlechtern, was zu einem erneuten Auftreten der Symptome sowie zu
einem Anstieg des Suizidrisikos führen könne. Eine adäquate Behandlung
seiner psychischen Probleme sei in Sri Lanka nicht möglich. Er befürchte,
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka unmenschlich behandelt zu werden.
C.
Das SEM nahm die Eingabe vom 20. Januar 2021 als einfaches und qua-
lifiziertes Wiedererwägungsgesuch entgegen und trat mit Verfügung vom
3. Februar 2021 – eröffnet am 6. Februar 2021 – darauf nicht ein. Es er-
klärte die Verfügung vom 2. November 2020 für rechtskräftig und voll-
streckbar, erhob eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.–, lehnte den Ver-
fahrensantrag betreffend weitere Untersuchungsmassnahmen ab und
stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wir-
kung zu.
D.
Mit Eingabe vom 10. Februar 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung der Vor-
instanz sei vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen,
auf das Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei ihm die vorläufige Auf-
nahme in der Schweiz zu gewähren.
In prozessualer Hinsicht beantragt er, der Beschwerde sei die aufschie-
bende Wirkung zu erteilen. Ausserdem sei die unentgeltliche Prozessfüh-
rung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu gewäh-
ren und der rubrizierte Rechtsvertreter als amtlicher Rechtsbeistand beizu-
ordnen.
E.
Am 11. Februar 2021 setzte die Instruktionsrichterin den Wegweisungsvoll-
zug im Rahmen einer superprovisorischen Massnahme aus.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – unter Vorbehalt von E. 4.5 – einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM innert
30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich und
begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). Kommt eine gesuchstel-
lende Person ihrer Begründungspflicht nicht nach, die Behörde gemäss
Art. 111b Abs. 2 AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG die Möglich-
keit hat, auf das Gesuch nicht einzutreten (BVGE 2014/39 E. 7).
4.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung auf-
grund einer nachträglich eingetretenen erheblichen Veränderung der Sach-
lage (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-
kurskommission [EMARK] 1995 Nr. 21 E. 1 S. 202 ff.). Gemäss herrschen-
der Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts wird aus Art. 29 BV
unter bestimmten Voraussetzungen ein verfassungsmässiger Anspruch
auf Wiedererwägung abgeleitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 S. 137 f. m.w.H.).
Danach ist auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten, wenn sich der
rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid bezie-
hungsweise seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmitte-
linstanz in wesentlicher Weise verändert hat und mithin die ursprüngliche
(fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetretene Veränderungen der
Sachlage anzupassen ist.
4.3 Falls die abzuändernde Verfügung unangefochten blieb – oder ein ein-
geleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blossen Prozessentscheid ab-
geschlossen wurde – können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf
Wiedererwägung begründen (zum sogenannten «qualifizierten Wieder-
erwägungsgesuch» vgl. etwa EMARK 2003 Nr. 17 E. 2.a S. 103 f. m.w.H.);
Diesbezüglich richtet sich das Verfahren nach den revisionsrechtlichen
Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG.
4.4 Die Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig. Sie darf insbesondere
nicht dazu dienen, die Rechtskraft von Verwaltungsentscheiden immer wie-
der infrage zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln
zu umgehen (vgl. BGE 136 II 177 E. 2.1).
4.5 Die Vorinstanz ist auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerde-
führers nicht eingetreten, womit die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten ist (BVGE
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Seite 7
2014/39 E. 7). Auf den Eventualantrag auf Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme ist deshalb nicht einzutreten.
5.
5.1 In der angefochtenen Verfügung nimmt das SEM zunächst eine Quali-
fikation der Eingabe vom 20. Januar 2021 vor. Es führt dazu hinsichtlich
des Arztberichts vom 25. Dezember 2020 aus, der Beschwerdeführer ma-
che diesbezüglich zwar Gründe in Bezug auf seine Flüchtlingseigenschaft
geltend, führe aber nicht weiter aus, inwiefern neu – nach Eintritt der
Rechtskraft der Verfügung im ordentlichen Verfahren – eine begründete
Furcht vor einer Verfolgung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka bestehen
würde. Auch die pauschalen Hinweise auf Kontrollmechanismen bezüglich
ehemaligen LTTE-Mitgliedern oder von Tamilen seien nicht geeignet, neue
Asylgründe aufzuzeigen. Dasselbe gelte auch in Bezug auf die vage Aus-
sage, wonach seine Familie zurzeit bedroht werde. Das zeitlich kurze In-
tervall zwischen SEM-Verfügung im ordentlichen Verfahren, seinen angeb-
lichen Schwierigkeiten im Beschwerdeverfahren Kontakt zu seiner Familie
aufzubauen und dieser nun in kürzester Zeit eingereichten Eingabe liessen
eindeutig nicht auf einen neuen Sachverhalt im Sinne von neuen Asylgrün-
den schliessen. Die Eingabe sei daher nicht als Mehrfachgesuch zu quali-
fizieren.
Sofern der Beschwerdeführer bereits bekannte Asylgründe zitiere und mit
neuen Beweismitteln die ursprüngliche Fehlerhaftigkeit der SEM-Verfü-
gung nachzuweisen versuche, seien diese Vorbringen im Rahmen eines
qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs entgegenzunehmen. Mit der gel-
tend gemachten Verschlechterung seines Gesundheitszustandes mache
er ferner neue Sachverhaltselemente hinsichtlich der Wegweisung und de-
ren Vollzugs geltend. Da das ordentliche Beschwerdeverfahren vor dem
Bundesverwaltungsgericht mit einem formellen Entscheid abgeschlossen
worden sei, sei dieser Aspekt als einfaches Wiedererwägungsgesuch ent-
gegen zu nehmen.
Sodann führt das SEM zur Begründung seiner Verfügung aus, dem Arzt-
zeugnis vom 25. Dezember 2020 könne zwar ein hochgradiger Verdacht
auf eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entnommen werden,
nicht aber Angaben über eine gegenwärtige oder zukünftige Behandlung.
Der Verdacht auf eine PTBS werde nicht grundsätzlich in Abrede gestellt.
Das Arztzeugnis besage aber gerade nicht, welche Behandlung in casu
notwendig wäre und welche Kosten anfallen würden. Auch äussere er sich
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nicht zur Behandelbarkeit der psychischen Erkrankung in Sri Lanka, ge-
schweige denn zur Frage, ob bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine
medizinische Notlage bestünde. Solche Angaben würden aber zwingend
vorausgesetzt, damit die Behörde sinnvoll prüfen könne, ob ein Vollzug der
Wegweisung weiterhin zumutbar sei. Ausserdem könne grundsätzlich von
Angeboten im Bereich der Mental Health in Sri Lanka ausgegangen wer-
den.
Bezüglich der geltend gemachten Gründe hinsichtlich der Flüchtlingseigen-
schaft im Rahmen eines qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs sei eben-
falls auf eine nicht gehörig begründete beziehungsweise wiederholende
Eingabe zu schliessen. Zum einen führe der Beschwerdeführer bereits Be-
kanntes und im ordentlichen Asylverfahren Abgehandeltes aus (Ethnie und
Präsidentschaftswahl vom November 2019). Zum anderen führe er keine
neuen Gründe an, weshalb heute von einer individuellen begründeten
Furcht vor zukünftiger Verfolgung auszugehen wäre. Die grundsätzlichen
Ausführungen zu Rechtsnormen oder zur allgemeinen Lage Sri Lanka,
welche nicht neu seien, stellten sodann in casu ebenso wenig Tatsachen
oder Beweismittel dar, die möglicherweise geeignet sein könnten, zu einem
anderen Asylentscheid zu führen. Ein medizinischer Bericht vermöge ein-
zig das Vorhandensein von Symptomen zu belegen, nicht aber die für diese
Symptome kausalen Ereignisse nachzuweisen. Insofern sei der medizini-
sche Bericht auch untauglich, zu einer anderen Einschätzung betreffend
der Glaubhaftigkeit der Vorbringen zu führen. Es bestehe kein Anlass eine
neue Anhörung vorzunehmen.
Das Wiedererwägungsgesuch sei folglich nicht gehörig begründet, wes-
halb nicht darauf einzutreten sei.
5.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz sei zu Unrecht nicht
auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten. Er habe in seinem neuen
Asylgesuch präzise begründet, dass der neu beigebrachte, ausführliche
und detaillierte Arztbericht seine bisherig erlittene Verfolgung, seine be-
gründete Furcht vor künftiger Verfolgung sowie die Verschlechterung sei-
nes Gesundheitszustands belege. Der Arztbericht äussere sich zu allen
notwenigen Punkten, ausser zur Behandelbarkeit in Sri Lanka, da das SEM
diese Frage von Amtes wegen zu beantworten habe. Es sei nicht nachvoll-
ziehbar, wie ein einfacher Sozialwissenschaftler die genannten Fachbe-
griffe (...) in Frage stellen könne, die er gar nicht verstehe. Das Gericht
werde darum ersucht, den Arztbericht zu konsultieren, um die mangelnde
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Sorgfalt des SEM festzustellen. Das SEM habe auf sein Gesuch einzutre-
ten, da für ihn auch aufgrund der grundlegend veränderten Situation in sei-
nem Heimatland – durch verstärkte staatliche Überwachung und ein inten-
siviertes Vorgehen gegen zivilgesellschaftliche Organisationen, Men-
schenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger und Angehörige von im Kon-
flikt verschwundenen Personen – bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ein
irreparabler Schaden entstünde. Dies belege insbesondere ein neuer Be-
richt der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom Februar 2021. Das
SEM hätte alle wesentlichen Elemente berücksichtigen müssen, um ihr
Nichteintreten rechtfertigen zu können. Dies habe es nicht gemacht, wes-
halb die angefochtene Verfügung aufzuheben und an das SEM zur Neube-
urteilung zurück zu weisen sei. Falls nötig, könne er auch noch weitere
Beweismittel beschaffen und nachreichen.
6.
6.1 Vorab ist zu erörtern, ob das SEM das Gesuch des Beschwerdeführers
vom 20. Januar 2021 zu Recht als Wiedererwägungsgesuch qualifiziert
hat. Dies ist aus den folgenden Gründen zu bejahen:
6.2 Die Eingabe vom 20. Januar 2021 stützt sich hauptsächlich auf den
Arztbericht vom 25. Dezember 2020, ein Beweismittel, das nach dem (mit
Urteil des BVGer vom 12. Januar 2021 rechtskräftig gewordenen) Asylent-
scheid der Vorinstanz vom 2. November 2020 entstanden ist. Soweit aus
diesem Arztbericht abgeleitet wird, die in der SEM-Verfügung vom 2. No-
vember 2020 als unglaubhaft erachtete Verfolgung sei damit belegt, hat
das SEM dieses neue Beweismittel zu Recht als qualifizierten Wiederer-
wägungsgrund eingestuft und entsprechend geprüft. Gleiches gilt von der
Qualifikation her für die vorgebrachte Verfolgung seiner Familie sowie der
ihm drohenden Überwachung und Verfolgung aufgrund seiner LTTE-Unter-
stützung, zumal diese auf seine bereits früher dargelegten Asylgründe zu-
rückzuführen seien.
Ebenfalls im Wesentlichen auf den Arztbericht vom 25. Dezember 2020
stützt sich der Beschwerdeführer, wenn er geltend macht, seine gesund-
heitliche Situation habe sich seit Abschluss des ordentlichen Asylverfah-
rens verändert. Das SEM hat die Eingabe vom 20. Januar 2021 auch dies-
bezüglich zu Recht als (einfaches) Wiedererwägungsgesuch qualifiziert.
7.
7.1 Aus den genannten Erwägungen in der angefochtenen Verfügung
ergibt sich, dass das SEM im Ergebnis das Wiedererwägungsgesuch als
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nicht gehörig begründet erachtete und unabhängig von der Frage der
Rechtzeitigkeit der Einreichung des Gesuches auf dieses nicht eintrat.
Diese Einschätzung ist zu bestätigen.
7.2 Ein Wiedererwägungsgesuch ist gehörig begründet, wenn ihm genü-
gend substanziierte Wiedererwägungsgründe zu entnehmen sind (vgl. Ent-
scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 2003 Nr. 7 E. 4a; BVGE 2014/39 E. 5 ff., zumal zwischen
Art. 111b und Art. 111c AsylG ein enger Zusammenhang besteht [vgl.
BVGE 2014/39 E. 5.5]). Unter anderem liegt dann keine gehörige Begrün-
dung vor, wenn in einem Wiedererwägungsgesuch ausschliesslich Gründe
angeführt werden, welche schon im Rahmen eines ordentlichen Beschwer-
deverfahrens hätten eingebracht werden können (Art. 66 Abs. 3 VwVG).
7.3
7.3.1 Vorab ist in Übereinstimmung mit BVGE 2014/39 E. 5.5 und E. 6 fest-
zustellen, dass sich das SEM zu Recht nicht dazu veranlasst sah, dem
Beschwerdeführer vor Erlass des Nichteintretensentscheides die Gelegen-
heit zur Verbesserung der Eingabe zu gewähren. Es kann sodann darauf
hingewiesen werden, dass der Arztbericht vom 25. Dezember 2020, auf
den sich das Wiedererwägungsgesuch grundsätzlich stützt, insofern ver-
spätet eingereicht worden ist, als das ordentlichen Asylverfahren damals
noch hängig war (vgl. E. 7.2 in fine).
7.3.2 Das SEM wirft dem Beschwerdeführer vor, er habe seine Vorbringen
in seinem Wiedererwägungsgesuch nicht gehörig begründet. Dies hat es,
wie erwähnt, zu Recht und mit zutreffender Begründung getan. Darauf
kann vollumfänglich verwiesen werden. Bezeichnenderweise legt der Be-
schwerdeführer seine Vorbringen auch auf Beschwerdeebene nicht sub-
stanziierter dar, sondern begnügt sich wiederum damit, sich in allgemeiner
Weise zu anwendbaren Rechtsnormen zu äussern sowie insbesondere die
allgemeine Lage in Sri Lanka wiederzugeben. Weitere Beweismittel reicht
er keine ein. Mit seinem Hinweis, er könne mehrere Beweismittel beschaf-
fen und nachreichen, verkennt er seine in einem ausserordentlichen Ver-
fahren noch erhöhte Mitwirkungspflicht. Es ist keineswegs ersichtlich, wie
dieser gerade nicht ausführliche und detaillierte Arztbericht etwas an der
rechtskräftig festgestellten Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen im ordentli-
chen Asylverfahren ändern sollte. Eine hinreichende Begründung kann of-
fensichtlich auch nicht darin gesehen werden, dass er lediglich eins zu eins
einen Bericht der SFH betreffend die angelblich veränderte Lage in Sri
Lanka in seine Eingabe kopiert, ohne einen Zusammenhang zu ihm selbst
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herzustellen oder zu erklären, was sich an seiner Situation seit Ergehen
des Asylentscheids vom 2. November 2020 geändert haben soll. Seine Be-
hauptung, seine Familie werde seither verfolgt ist dermassen unsubstanzi-
iert, dass sie ebenfalls nicht als "gehörig begründet" bezeichnet werden
kann. Dies insbesondere, da er bisher geltend gemacht hatte, keinen Kon-
takt zu seiner Familie aufbauen zu können. Von einer Ehefrau und einem
Sohn war bis anhin auch noch nie die Rede, der Beschwerdeführer hatte
im ordentlichen Verfahren vielmehr wiederholt ausdrücklich angegeben le-
dig zu sein und keine Kinder zu haben (vgl. A106315 A11/8 S. 3 und 22/14
F21). Dort hatte er auch klar dargelegt, nie exilpolitisch tätig gewesen zu
sein (vgl. A 1063159-47/23 [nachfolgend A47] F73, 76 und insbes. F88f.).
Die entgegengesetzte Behauptung in seinem Wiedererwägungsgesuch er-
staunt daher und ist ausserdem mitnichten belegt.
Auch unter dem Aspekt allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse hat
das SEM die Eingabe des Beschwerdeführers zu Recht nicht zur materiel-
len Prüfung als (einfaches) Wiedererwägungsgesuch zugelassen. Sowohl
die Unzulässigkeit als auch die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
aufgrund medizinischer Probleme kann nur in Ausnahmefällen bejaht wer-
den, in denen insbesondere zu befürchten ist, eine Rückkehr der betroffe-
nen Personen in ihren Heimatstaat würde mangels Zugang zu benötigten
Behandlungen zu einer raschen medizinischen Notlage respektive einer
lebensbedrohlichen Situation führen (vgl. BVGE 2017 VI/7 E. 6; 2011/9
E. 7 sowie 2009/2 E. 9.3.2, je m.w.H.). Der Beschwerdeführer hatte seine
psychischen Probleme bereits in der ergänzenden Anhörung vom 1. Sep-
tember 2020 angesprochen, aber gleichzeitig dargelegt, dass er im BAZ
medizinisch betreut worden sei und danach "positive Gefühle" gehabt habe
und nicht mehr auf Medikamente angewiesen gewesen sei (vgl. A47 F91–
98). Dem Arztbericht vom 25. Dezember 2020, mit dem er sein Wiederer-
wägungsgesuch begründet, ist nicht zu entnehmen, inwiefern nun von ei-
ner wesentlichen Verschlechterung seines Zustands auszugehen sei. Wie
die Vorinstanz korrekt darlegt, handelt es sich zunächst um eine blosse
Verdachtsdiagnose. Es geht aus dem Arztbericht vom 25. Dezember 2020
auch nicht hervor, welche Behandlung notwendig wäre, um eine angeblich
lebensbedrohliche Situation abzuwenden und es wurde weder eine medi-
kamentöse Behandlung noch eine allfällige notwendige psychiatrische
Therapie initiiert. Auch unter diesem Aspekt verkennt der Beschwerdefüh-
rer offensichtlich seine Mitwirkungspflicht. Es lag nicht am SEM, alleine ge-
stützt auf diesen oberflächlichen Bericht weitere Untersuchungsmassnah-
men vorzunehmen. Dies umso weniger als dem Gesuch vom 20. Januar
2021 keinerlei Begründung zu entnehmen ist, weshalb die Einschätzung
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der Vorinstanz in der rechtskräftigen Verfügung – es sei ihm Heimatstaat
des Beschwerdeführers hinsichtlich Beziehungsnetz und finanziellem
Rückhalt von begünstigenden Umständen auszugehen – nicht (mehr) zu-
treffen sollte.
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass das SEM zu Recht
darauf hingewiesen hat, dass die im besagten Arztzeugnis umschriebenen
psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers in Sri Lanka adäquat
behandelbar sind (vgl. zur Behandelbarkeit psychischer Leiden [insb.
PTBS] Urteil des BVGer D-7355/2016 vom 11. Februar 2019 E. 11.5.2
m.w.H.). Nach dem soeben Gesagten konnte es ohne ausdrückliche ent-
sprechende Begründung davon ausgehen, der Beschwerdeführer habe
aufgrund der individuellen Lebensverhältnisse in Sri Lanka auch Unterstüt-
zung und Zugang zu einer allenfalls notwendigen Behandlung, weshalb er
nicht hinreichend begründe, worin neu eine existenzielle Notlage liegen
solle.
7.4 Insgesamt ist festzustellen, dass die Voraussetzungen zum Eintreten
auf das Wiedererwägungsgesuch vorliegend aus mehreren Gründen nicht
erfüllt waren, weshalb das SEM zu Recht gestützt auf Ar. 111b Abs. 2 AsylG
in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG auf dieses nicht eintrat.
Auch unter dem Blickwinkel von EMARK 1995 Nr. 9 und BVGE 2013/22
E. 5.4 drängte sich für das SEM schliesslich kein Eintreten auf das Wieder-
erwägungsgesuch auf. Eine offenkundige Verletzung zwingender völker-
rechtlicher Bestimmungen im Sinne dieser Rechtsprechung ergab sich we-
der aus dem Hinweis auf eine allfällige Selbstgefährdung – die sich aus
dem Arztbericht vom 25. Dezember 2020 ergebe und seinen pauschalen
Ausführungen dazu – noch aus den ebenso pauschalen Ausführungen zu
einer seitens der sri-lankischen Behörden drohenden Gefährdung.
7.5 Nach dem Gesagten hat das SEM weder Bundesrecht verletzt noch
den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt (Art. 106 Abs. 1
und 2 AsylG (vgl. E. 2). Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
8.1 Die gestellten Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Beiordnung eines amtli-
chen Rechtsbeistandes ungeachtet einer allfälligen prozessualen Bedürf-
tigkeit abzuweisen sind (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG).
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8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1‘500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden.
9.
Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 11. Februar 2021 superprovisorisch
verfügte Vollzugsstopp dahin.
(Dispositiv nächste Seite)
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