Decision ID: e07a4f67-775c-444a-8350-95dae27a8e18
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ erlitt am 15. März 2011 einen Auffahrunfall. Er zog sich dabei eine Distorsion
der Halswirbelsäule und der linken Schulter sowie eine Kontusion des linken Oberarms
zu (Schadenmeldung vom 29. März 2011, fremd-act. 1-30 und Bericht von Dr. med.
B._, Spezialarzt für Chirurgie, vom 25. Mai 2011, fremd-act. 1-25). Am 20. Dezember
2011 zog sich der Versicherte bei einem Badminton-Spiel eine lumbale
Wirbelsäulenverrenkung zu, die einen akuten, in den folgenden Tagen zunehmenden
rechtsseitigen lumbo-glutealen Rückenschmerz mit Ausstrahlung in die rechte Hüft-
Oberschenkelregion zur Folge hatte (fremd-act. 2-13). Die Zürich Versicherungs-
Gesellschaft AG als leistungspflichtige Unfallversichererin stellte die Leistungen per
31. Mai 2012 ein (Verfügung vom 26. Oktober 2012; fremd-act. 1-6 ff.; bestätigt im
Einspracheentscheid vom 30. Oktober 2013, fremd-act. 5-2 ff.).
A.a.
Die Arbeitgeberin kündigte das bisherige Arbeitsverhältnis aus wirtschaftlichen
Gründen am 23. Juli 2012 per 30. September 2012 (IV-act. 10-6). Am 27. Juli 2012
meldete sich der Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Anlässlich des Frühinterventionsgesprächs vom
23. August 2012 gab der behandelnde Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere
Medizin, gegenüber der RAD-Ärztin Dr. med. D._, Praktische Ärztin, an, der
Versicherte leide an diffusen HWS-Beschwerden nach einem Autounfall im März 2011
und an - wahrscheinlich vorwiegend degenerativen - LWS-Beschwerden. Er sei
aufgrund der belastungsabhängigen Schmerzen insbesondere im LWS-Bereich in
seiner Arbeitsfähigkeit als technischer Aussendienstmitarbeiter (siehe hierzu IV-
act. 1-4) eingeschränkt. Der Versicherte arbeite bereits wieder zu 50% im
angestammten Bereich. Eine Steigerung über 50% sei bisher nicht möglich gewesen
A.b.
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(Protokoll vom 23./27. August 2012, IV-act. 13; siehe auch den Bericht von Dr. C._
vom 11. November 2012, IV-act. 23-5).
Im Auftrag der Visana Services AG als Krankentaggeldversichererin (fremd-act.
2-10) erstatteten Dr. med. E._, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, und
Prof. Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie, gestützt u.a. auf eine persönliche
Untersuchung, am 11. September 2012 eine «orthopädische Second Opinion». Darin
diagnostizierten sie eine Adipositas per magna mit Lumbago, muskulären
Verspannungen entlang der gesamten Wirbelsäule und degenerativen
Wirbelsäulenveränderungen ohne Anhalt für ein assoziiertes nervales Defizit. Die
anamnestisch reklamierten Einschränkungen seien nicht hinreichend plausibel. Es sei
spätestens per 1. September 2012 von einer Arbeitsfähigkeit bezogen auf die
angestammte Tätigkeit von 75% und per 1. Oktober 2012 von 100% auszugehen.
Medizinisch-theoretisch sprächen die massive Adipositas und die bildmorphologischen
Befunde allenfalls für eine nicht mehr gegebene Einsetzbarkeit in Tätigkeiten mit
häufiger Zwangshaltung der Wirbelsäule und schwerer körperlicher Arbeit (fremd-
act. 2-12 ff.).
A.c.
Die RAD-Ärztin Dr. D._ vertrat in der Stellungnahme vom 17. Dezember 2012 die
Ansicht, da die mit häufigem Sitzen verbundene Tätigkeit im Aussendienst nicht mehr
ausgeübt werde, sollte in einer besser adaptierten Tätigkeit (körperlich leicht,
wechselbelastend und rückenadaptiert) eine Steigerung der aktuell 50%igen
Arbeitsfähigkeit rasch möglich sein. Unter leidensadaptierten Konditionen und einer
längerfristigen, aufbauenden Physiotherapie sei eine Steigerung auf ein volles Pensum
durchaus realistisch. Hinsichtlich des Status nach HWS-Distorsion sei der
vertrauensärztlichen Beurteilung des Unfallversicherers vom 10. Mai 2012 (siehe hierzu
fremd-act. 1-10) zu entnehmen, dass keine objektivierbaren Unfallfolgen hätten
erhoben werden können und der Versicherte nicht anhaltend beeinträchtigt sei (IV-
act. 45; siehe auch den Eintrag vom 30. August 2013 in der «RAD-Fallübersicht
Eingliederung» vom 5. September 2013, IV-act. 83). Gleichentags gewährte die IV-
Stelle dem Versicherten Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 44).
Mit Verfügung vom 19. März 2013 gewährte das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV) dem Versicherten Taggelder zur Vorbereitung der von ihm geplanten
selbstständigen Erwerbstätigkeit (IV-act. 66-4 f.; zum Beginn der Anstellung in der
A.d.
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eigenen Gesellschaft G._ AG per 1. Januar 2014 und der bereits vor der
Gesellschaftsübernahme am 1. Juli 2013 begonnenen Anstellung mit einem 50%igen
Beschäftigungsrad siehe IV-act. 80 und 85).
Am 17. Dezember 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie übernehme
als Frühinterventionsmassnahme in Form von Anpassungen des Arbeitsplatzes die
Kosten für ein höhenverstellbares Pult und einen Steh-/Sitzstuhl im Betrag von
Fr. 6'736.95 (IV-act. 102). In der Mitteilung vom 20. März 2014 führte sie aus, der
Arbeitsplatz sei nach der Anschaffung dieser Bürogegenstände angepasst und der
Versicherte sei angemessen eingegliedert. Das Gesuch um weitere berufliche
Massnahmen werde deshalb abgewiesen (IV-act. 105).
A.e.
Für die Berechnung der Invalidität im Rahmen eines Einkommensvergleichs
ermittelte die IV-Stelle für das Jahr 2013 ein Valideneinkommen von Fr. 114'800.-- und
ein Invalideneinkommen von Fr. 103'320.--, woraus ein Invaliditätsgrad von 10%
resultierte (IV-act. 108). Dagegen erhob der Versicherte am 26. Mai 2014 Einwand (IV-
act. 109), den er am 19. Juni 2014 ergänzend begründete. Er ersuchte zur Ermittlung
des Invaliditätsgrads einen gewichteten Betätigungsvergleich vorzunehmen (IV-
act. 112).
A.f.
Im Verlaufsbericht vom 29. Dezember 2015 gab Dr. C._ an, der
Gesundheitszustand des Versicherten sei stationär (IV-act. 147; siehe auch den
Verlaufsbericht vom 22. August 2016, IV-act. 156).
A.g.
Die IV-Stelle führte am 29. Februar 2016 im Geschäft des Versicherten eine
Abklärung durch. Nachdem er noch zwei kürzere Anstellungen hatte, hatte er per
1. Januar 2014 die G._ AG übernommen. Gegenüber der Abklärungsperson äusserte
der Versicherte, der wirtschaftliche Druck sei enorm. Die Branche leide seit der
Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank im Januar 2015. Er müsse
dauernd auf Achse sein und mit Kunden vor Ort im Gespräch bleiben. Er müsse
permanent mit dem Auto unterwegs sein. Dies setze ihm zu. Der Rücken mache nicht
mit. Entgegen seinem Vorhaben müsse er derzeit zumindest während 4 Tagen im
Aussendienst arbeiten. Besser wären fünf Tage und gleichzeitig müsse er weitere
administrative Arbeiten an seine Ehefrau delegieren. Die Abklärungsperson liess die
A.h.
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B.
Höhe des Invaliditätsgrads offen. Vorerst müssten der medizinische Sachverhalt
objektiviert und die Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit bezeichnet
werden (Bericht vom 19. Mai 2016, IV-act. 154).
In der Stellungnahme vom 24. Oktober 2016 führte die RAD-Ärztin aus, die
Tätigkeit bestehend aus Kundenbesuchen/Aussendienst mit dem Auto könne der
Versicherte schmerzbedingt lediglich zu 50% ausüben. Die Belastbarkeit der
Lendenwirbelsäule sei aufgrund der bekannten degenerativen Veränderungen
vermindert. Bezogen auf wechselbelastende administrative oder andere körperlich
leichte Aufgaben bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, was auch der
Selbsteinschätzung des Versicherten entspreche (IV-act. 159). Die IV-Stelle zog zur
Bestimmung des Valideneinkommens den LSE-Lohn 2014, Schweiz, privater Sektor,
Niveau 3 Männer, und des Invalideneinkommens den LSE-Lohn 2014, Schweiz,
privater Sektor, Niveau 2 Männer, heran und ermittelte einen Invaliditätsgrad von 21%.
Mit neuerlichem Vorbescheid vom 7. Dezember 2016 kündigte sie dem Versicherten
an, sein Rentengesuch abzuweisen (IV-act. 162). Dagegen erhob der Versicherte am
25. Januar 2017 Einwand und beantragte die Ausrichtung der gesetzlich geschuldeten
Leistung. Im Wesentlichen rügte er die Bestimmung des Invaliditätsgrads (IV-act. 163).
H._, Berufsberater bei der IV-Stelle, vertrat in der Stellungnahme vom 17. Oktober
2017 die Auffassung, als Techniker HF Maschinenbau (angelernt) könnte der
Versicherte als Produktionsleiter oder im Innendienst arbeiten. Da er den HF Abschluss
als Techniker nicht vorweisen könne, wäre ein Mindestjahreslohn von Fr. 117'000.--
(Fr. 9'000.-- x 13) angemessen (IV-act. 168). In der Stellungnahme zum Einwand zog
sie für die Bestimmung des Invalideneinkommens die Lohnschätzung des
Berufsberaters heran und stellte dieses dem LSE-Lohn 2014, Schweiz, privater Sektor,
Niveau 3 Männer (Fr. 89'884.--), gegenüber. Mit Verfügung vom 18. Oktober 2017 wies
die IV-Stelle das Rentengesuch des Versicherten ab (IV-act. 169).
A.i.
Gegen die Verfügung vom 18. Oktober 2017 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 16. November 2017. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren
Aufhebung und die Ausrichtung der gesetzlich geschuldeten Leistungen, insbesondere
einer Rente, eventuell von Eingliederungsmassnahmen; unter Kosten- und
B.a.
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Entschädigungsfolge. Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, die
Beschwerdegegnerin habe die Vergleichseinkommen falsch ermittelt. Dass das von der
Beschwerdegegnerin berücksichtigte Invalideneinkommen weit höher sei als das
Valideneinkommen, sei absurd und zeige, dass es der Beschwerdegegnerin gar nicht
darum gehe, seriöse Abklärungen mit seriösen Begründungen zu machen. Zudem sei
ein Tabellenlohnabzug vorzunehmen. Bei der konkreten Ermittlung des
Invalideneinkommens sei der Betätigungsvergleich zu berücksichtigen, der gemäss
Abklärungsbericht für Selbstständigerwerbende einen Invaliditätsgrad von 40% ergebe.
Die Verneinung eines beruflichen Massnahmebedarfs durch die Beschwerdegegnerin
widerspreche ihrem Auftrag als Eingliederungsverantwortliche. Vorliegend habe er (der
Beschwerdeführer) ein Recht darauf, dass ein Invaliditätsgrad nicht irgendwie ermittelt
werde (auf mindestens 3 verschiedene Arten), sondern ernsthaft. Immerhin habe die
Ermittlung des Invaliditätsgrads auch Implikationen auf andere Versicherungen.
Deshalb sei er im vorliegenden Fall gezwungen gewesen, ein Beschwerdeverfahren zu
führen, selbst wenn der Invaliditätsgrad letztlich unter 40% liegen würde. Weil auf der
anderen Seite das Vorgehen der Beschwerdegegnerin mit der Ermittlung eines
Minusinvaliditätsgrads offensichtlich unhaltbar sei, seien ihr gemäss
Veranlassungsprinzip unabhängig vom Ausgang des Verfahrens Kosten aufzuerlegen
(act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 15. Februar
2018 die Abweisung der Beschwerde. Sie macht geltend, der Beschwerdeführer
beanstande zwar zu Recht, dass die früheren Annahmen zum Validen- und
Invalideneinkommen im Vergleich zu den in die Verfügung aufgenommenen Aspekte
widersprüchlich wirken könnten. Allerdings sei sie (die Beschwerdegegnerin) stets von
einem Invaliditätsgrad von 21% ausgegangen. Die anderen Ausführungen seien nur im
Rahmen der «Stellungnahme zum Einwand vom 25.01.2017» erfolgt. Sie hält daran
fest, dass sie bei der Bestimmung der Vergleichseinkommen zu Recht auf
Tabellenlöhne abgestellt habe. Selbst unter Berücksichtigung eines 10%igen
Tabellenlohnabzugs würde kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren (act.
G 4).
B.b.
In der Replik vom 3. Mai 2018 hält der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 8).
B.c.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers. Ansprüche auf berufliche Massnahmen oder andere
Eingliederungsmassnahmen bilden nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung
(hierüber hat die Beschwerdegegnerin in der Mitteilung vom 20. März 2014 befunden,
IV-act. 105). Im Hinblick darauf, dass darin ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad ermittelt wurde, ist die Frage betreffend berufliche Massnahmen auch
nicht notwendigerweise deren Gegenstand. Unter diesen Umständen ist der Anspruch
auf berufliche Massnahmen sowie andere Eingliederungsmassnahmen nicht
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens. Auf die Anträge des
Beschwerdeführers betreffend berufliche Massnahmen (siehe zu deren Begründung
act. G 1, Rz 8, und act. G 8, S. 2 f.), ist daher nicht einzutreten (siehe etwa den
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 1. Februar 2016, IV 2013/411, E. 1).
Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 10).B.d.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a);
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c).
1.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2.
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Dieser legt fest, dass für die Bestimmung
des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt
der Invalidität durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (Invalideneinkommen) in Beziehung gesetzt wird zum
1.3.
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2.
Zwischen den Parteien ist zunächst die Höhe des Valideneinkommens umstritten.
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des (allfälligen) Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde hätte verdienen können. Dabei wird –
primär aus Beweisgründen – in der Regel am zuletzt erzielten, der Teuerung und der
realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre (Urteil des Bundesgerichts vom 22. September 2009,
8C_143/2009, E. 2.2.1 mit Hinweisen). Für die Bestimmung des Invalideneinkommens
ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte
Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine an sich zumutbare Erwerbstätigkeit
aufgenommen hat, so ist auf Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten
Person angesichts ihrer Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung
zugänglich wären. Rechtsprechungsgemäss werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen (BGE 129 V 475 f. E. 4.2.1).
2.1.
Der Beschwerdeführer war vor dem Auffahrunfall vom 15. März 2011 während
mehrerer Jahre für die I._ AG tätig. Aufgrund der langen Dauer des
Arbeitsverhältnisses und der seiner Ausbildung sowie seinen Fähigkeiten
entsprechenden Tätigkeit als technischer Aussendienstmitarbeiter (IV-act. 1-4) im
Bereich Applikations-Engineering und Verkauf (IV-act. 11-3) erscheinen die dort bis
zum Jahr des Unfallereignisses tatsächlich erzielten Einkommen ein gewichtiges Indiz
für die Bestimmung der Erwerbsfähigkeit im Sinn von Art. 7 Abs. 1 ATSG bzw. des
Valideneinkommens im Sinn von Art. 16 ATSG zu bilden. Da die gemäss individuellem
Konto bei der I._ AG erzielten Löhne - wohl vor allem auch aus konjunkturellen
Gründen - schwankten, wird zur Gewährleistung einer besseren Repräsentativität auf
den an die Nominallohnentwicklung angepassten Durchschnitt der Jahreslöhne 2003
bis 2010 abgestellt. Aufgrund der Anmeldung am 27. Juli 2012 (IV-act. 1) entstünde ein
Rentenanspruch frühestens im Jahr 2013 (Art. 29 Abs. 1 IVG), weshalb die
2.2.
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Jahr
Bruttolohn; Nominallohnindex im entsprechenden Jahr
Bruttolohn der Nominallohnentwicklung bis 2013 (Index: 2204) angepasst
2003
Fr. 96'737.--(Fr. 91'000.-- + Fr. 5'737.--); 1958
Fr. 108'891.-- (Fr. 96'737.-- / 1958 x 2204)
2004
Fr. 99'408.-- (Fr. 93'671.-- + Fr. 5'737.--); 1975
Fr. 110'934.-- (Fr. 99'408.-- / 1975 x 2204)
2005
Fr. 105'770.--; 1992
Fr. 117'027.-- (Fr. 105'770.-- / 1992 x 2204)
2006
Fr. 110'913.--; 2014
Fr. 121'376.-- (Fr. 110'913.-- / 2014 x 2204)
2007
Fr. 117'311.--; 2047
Fr. 126'308.-- (Fr. 117'311.-- / 2047 x 2204)
Nominallohnentwicklung bis zu diesem Jahr massgebend ist. Daraus resultiert ein
Valideneinkommen von Fr. 116'168.-- (siehe nachstehende Tabelle).
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2008
Fr. 116'303.--; 2092
Fr. 122'530.-- (Fr. 116'303.-- / 2092 x 2204)
2009
Fr. 103'113.--; 2136
Fr. 106'396.-- (Fr. 103'113.-- / 2136 x 2204)
2010
Fr. 113'097.--; 2151
Fr. 115'884.-- (Fr. 113'097.-- / 2151 x 2204)
Summe
Fr. 929'346.--
Durchschnitt
Fr. 116'168.-- (Fr. 939'346.-- / 8)
2.3.
2.3.1. Bei der Bestimmung der dem Beschwerdeführer nach dem Eintritt des
Gesundheitsschadens verbleibenden Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt bzw. des Invalideneinkommens kann nicht auf das noch tatsächlich
erzielte Einkommen im eigenen Geschäft abgestellt werden. Denn dieses wird nicht im
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Rahmen einer leidensangepassten Tätigkeit erzielt, womit der Beschwerdeführer die
ihm bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten unbestrittenermassen noch zur
Verfügung stehende 100%ige Arbeitsfähigkeit nicht optimal verwertet. Zudem ist das
dort erzielte Einkommen wegen der wirtschaftlichen Situation sehr gering («[...] als
Folge der wirtschaftlichen Krise in der Branche mussten die eigenen Löhne auf ein
nichtexistenzielles Niveau reduziert werden», IV-act. 154-6). So ist der
Beschwerdeführer nach seinen eigenen Angaben primär wegen volkswirtschaftlicher
Gründe gezwungen, grösstenteils im Aussendienst mit vielen rückenbelastenden
Autofahrten verbundene Kundenbesuche zu absolvieren (siehe hierzu den
Abklärungsbericht vom 19. Mai 2016, IV-act. 154-4 und IV-act. 154-6 unten). Gerade
diese Tätigkeiten sind nicht leidensangepasst und bereiten ihm «Mühe» (siehe den
Eintrag vom 20. Dezember 2012 im Verlaufsprotokoll des
Eingliederungsverantwortlichen, IV-act. 103-1; siehe auch bezüglich der diesbezüglich
begrenzten Arbeitsfähigkeit IV-act. 154-3 oben). Für wechselbelastende administrative
oder andere körperlich leichte Aufgaben verfügt der Beschwerdeführer
unbestrittenermassen über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (siehe auch die RAD-
Stellungnahme vom 24. Oktober 2016, IV-act. 159-3 oben, sowie IV-act. 154-7). Es ist
ihm überdies zumutbar, die selbstständige Tätigkeit zugunsten einer unselbstständigen
Tätigkeit wieder aufzugeben (vgl. dazu die allgemeingültige Schadenminderungspflicht
gemäss Art. 7 IVG), selbst wenn damit massgebliche Investitionen bzw. Eigenmittel
verloren gehen (vgl. den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 21. Februar 2013,
IV 2011/155). Dies gilt vorliegend umso mehr, als die Geschäftsübernahme erst nach
dem Eintritt des Gesundheitsschadens erfolgte und der Beschwerdeführer den
Grossteil seines Erwerbslebens nicht in einem eigenen Unternehmen verbrachte. Für
die Gewährleistung eines wechselbelastenden Arbeitsplatzes im Büro genügte im
Übrigen die Anschaffung eines höhenverstellbaren Pults und eines Steh-/Sitzstuhls
(siehe IV-act. 102 und IV-act. 103-3, Eintrag vom 4. Oktober 2013).
2.3.2. Wie sich aus den Akten ergibt, verfügt der Beschwerdeführer in der
angestammten Branche über erhebliche berufliche Kompetenzen etwa im
administrativen Bereich bzw. im Verkaufsinnendienst. Gemäss Anstellungsvertrag mit
der G._ AG vom 25. Juni 2013 gehört zu seinem «Tätigkeitsgebiet» bzw. seinen
«Aufgaben/Kompetenzen» sowohl der technische Verkaufsaussendienst als auch der
Verkaufsinnendienst (IV-act. 85). Es war geplant, die Administrationstätigkeit im
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Rahmen eines 60%igen Pensums auszuüben (IV-act. 103-3, Eintrag vom 4. Oktober
2013). Der Beschwerdeführer verfügt über Fähigkeiten zur Geschäftsführung, was auch
in der Übernahme der G._ AG zum Ausdruck kam. Bei seinen früheren Anstellungen
etwa als Meister der mechanischen Fertigung eignete er sich ausserdem bereits
Fähigkeiten in der Personalführung, der Qualitätskontrolle und der Bearbeitung
(weiterer) administrativer Angelegenheiten an (Lohnkartenkontrolle, Bearbeitung
Auftragspapiere usw.; IV-act. 131-20 f.; zur Führungserfahrung und den Kompetenzen
des Beschwerdeführers ausserhalb des Verkaufsaussendiensts siehe auch den
Aktionsplan des Amtes für Wirtschaft und Arbeit St. Gallen vom 1. März 2013, IV-
act. 131-53 f., sowie die Angaben in der «Checkliste FöSe», IV-act. 131-90). Im Licht
dieser Umstände erscheint die Einschätzung des Berufsberaters vom 17. Oktober 2017
plausibel, dass der Beschwerdeführer über die Erwerbsmöglichkeiten als
Produktionsleiter oder (leitender) Mitarbeiter im Innendienst verfügt und dass er
bezogen auf das Jahr 2017 auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt einen Jahreslohn
von Fr. 117'000.-- zu erzielen vermöchte (Fr. 9'000.-- x 13; IV-act. 168). Bereinigt um
die Nominallohnentwicklung ist deshalb bezogen auf das Jahr 2013 bei einer
100%igen Arbeitsfähigkeit von einem Invalideneinkommen von Fr. 114'659.--
(Fr. 117'000.-- / 2249 x 2204) auszugehen. Die berufsberaterische Einschätzung der
Erwerbsmöglichkeiten lässt sich auch mit dem Zentralwert der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung für «Führungskräfte in Produktion und spezialisierten
Dienstleistungen» der Tabelle T17 «Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert) nach
Berufsgruppen, Lebensalter und Geschlecht, Privater und öffentlicher Sektor (Bund,
Kantone, Gemeinden, Körperschaften, Kirchen) zusammen», Schweiz 2012,
vereinbaren (vgl. zur Aussagekraft dieser Tabellenlöhne die zur ehemals bis 2010 vom
Bundesamt für Statistik publizierten Tabelle T7S ergangenen Urteile des
Bundesgerichts vom 7. März 2014, 9C_841/2013, E. 4.2 und E. 4.4, und vom 15. Mai
2014, 8C_910/2013, E. 3.1.2.1). Der Monatslohn für eine 40-stündige Arbeitswoche
beträgt für Männer mit einem Lebensalter von mehr als 29 Jahren Fr. 9'328.--.
Angepasst an eine durchschnittliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden ergibt sich ein
Monatslohn von Fr. 9'724.-- (Fr. 9'328.-- /40 x 41,7) und ein Jahreslohn von
Fr. 116'688.-- (Fr. 9'724.-- x 12) bzw. angepasst an die bis zum Jahr 2013 eingetretene
Nominallohnentwicklung von Fr. 117'541.-- (Fr. 116'688.-- / 2188 x 2204). Trotz der
gesundheitsbedingten Einschränkungen sowie der damit einhergehenden nötigen
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Verlagerung der Tätigkeit vom Aussendienst weg, kann der Beschwerdeführer seine
Berufskenntnisse weiterhin verwerten und das Einkommensniveau grundsätzlich
halten.
2.3.3 Vorliegend kann offenbleiben, ob und bejahendenfalls in welchem Umfang ein
Tabellenlohnabzug bei der Bestimmung des Invalideneinkommens überhaupt zu
berücksichtigen wäre. Denn selbst wenn zugunsten des Beschwerdeführers der
höchstzulässige Tabellenlohnabzug von 25% (BGE 126 V 75) gewährt und ein
Invalideneinkommen von Fr. 85'994.-- (Fr. 114'659.-- x 0,75%) berücksichtigt würde,
resultierte ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 26% ([Fr. 116'168.-- -
Fr. 85'994.--] / Fr. 116'168.--).
3.
3.1. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde betreffend den Rentenanspruch
abzuweisen. Auf die Anträge betreffend berufliche Massnahmen ist nicht einzutreten.
3.2. Der Beschwerdeführer beantragt, dass der Beschwerdegegnerin unabhängig vom
Ausgang des Beschwerdeverfahrens die Kosten aufzuerlegen seien. Denn er sei
aufgrund der von der Beschwerdegegnerin im Verwaltungsverfahren vorgenommenen
unterschiedlichen Invaliditätsgradberechnungen und des von ihr ermittelten,
unhaltbaren Minusinvaliditätsgrads zur Beschwerdeerhebung gezwungen gewesen
(act. G 1, Rz 9). Zwar ist die Kritik des Beschwerdeführers an der Ermittlung von
Minusinvaliditätsgraden nachvollziehbar. Allerdings entspricht dies der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach für die Bestimmung der Invalidität nicht
der Verlust der Erwerbsmöglichkeiten bezogen auf den ausgeglichenen
(gesamtschweizerischen) Arbeitsmarkt, sondern die Erwerbseinbusse bezogen auf den
konkreten, zuletzt ausgeübten Arbeitsplatz massgeblich sein soll (BGE 135 V 58; siehe
anstatt vieler auch das Urteil des Bundesgerichts vom 12. April 2019, 8C_768/2018,
E. 5.3.1 f.). Diese Rechtsprechung wendet das Bundesgericht selbst dann an, wenn die
Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen (gesamtschweizerischen) Arbeitsmarkt
nach dem Eintritt des Gesundheitsschadens bzw. das Invalideneinkommen höher sind,
als der zuletzt vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens erzielte konkrete Lohn bzw.
als das gestützt darauf ermittelte Valideneinkommen (siehe etwa Urteil des
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St.Galler Gerichte
Bundesgerichts vom 12. April 2019, 8C_768/2018, E. 5.3.2; kritisch zu dieser
Gesetzesinterpretation der Entscheid des Versicherungsgerichts vom 9. Januar 2017,
IV 2014/582, E. 3.2 f., aufgehoben durch das Urteil des Bundesgerichts vom 11. April
2017, 9C_66/2017). Deshalb und da die von der Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung vorgenommenen unterschiedlichen
Invaliditätsgradberechnungen im Rahmen von Begründung bzw. Eventualbegründung
zu betrachten sind, besteht kein Anlass, die Kosten- und Entschädigungsfolgen nicht
nach dem Ausgang des Verfahrens zu verteilen. Dies gilt umso mehr, als die
Beschwerdegegnerin zu keiner Zeit einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad
ermittelte bzw. sich bezüglich eines allfälligen Rentenanspruchs in einen Widerspruch
verwickelt hätte. Die allfällige Bindungswirkung von im
invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren ermittelten Invaliditätsgraden für andere
(sozial- oder privat)versicherungsrechtliche Ansprüche schränkt die IV-Stellen - oder
auch die damit befassten Gerichte - in der Vornahme von Eventualbegründungen mit
unterschiedlichen nicht rentenrelevanten Invaliditätsgraden im Übrigen nicht ein.
3.3. Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen.
3.4. Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.