Decision ID: 7686506f-20c1-4311-9fde-4f4816094002
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ a) Die Q. AG ist Eigentümerin der insgesamt 2,6 ha grossen Parzellen Nrn. 690 und
692, Widnau, Grundbuch Widnau. Nach dem Zonenplan der Gemeinde Widnau vom
27. Oktober 1994 sind die beiden Grundstücke der Gewerbe-Industrie-Zone GIa
zugeteilt und mit dem Überbauungsplan Widenstrasse Süd mit besonderen
Vorschriften vom 30. Dezember 1993 überlagert. Bis vor einigen Jahren waren hier
vereinzelte Gewerbebetriebe tätig, heute stehen die Gebäude leer.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
b) Im Norden wird die Industriebrache von der Widenstrasse, im Westen von der
Rietstrasse und im Osten von der Birkenstrasse, alles Gemeindestrassen 2. Klasse,
begrenzt. Im Süden stösst sie an das Gemeindegebiet von Diepoldsau bzw. eine
Wohn-Gewerbezone WG2 an, die entsprechend mit Wohn- und Gewerbebauten
überbaut ist. Das übrige umliegende Land ist im Wesentlichen der Wohnzone zugeteilt
und praktisch vollständig überbaut. Die Birkenstrasse verläuft unmittelbar entlang des
Rheintaler Binnenkanals.
B/. a) Im Jahr 2009 beschloss der Gemeinderat Widnau, das unternutzte Land mitten
im Baugebiet wie das umliegende Gebiet der Wohnnutzung zuzuführen, wofür es den
Teilzonenplan Widen, Strassenbauprojekte und einen ersten Überbauungsplan Widen
mit besonderen Vorschriften erliess. Mit dem Teilzonenplan soll das 2,6 ha grosse
Gebiet der dreigeschossigen Wohnzone W3 zugeteilt werden. Der Überbauungsplan
mit besonderen Vorschriften sieht drei Baubereiche mit unterschiedlichen
Bauvorschriften vor. Während im Baubereich A im Westen des Plangebiets
Einfamilienhäuser erstellt werden sollen, sieht der Plan im nördlichen Baubereich B und
im östlichen Bereich C Mehrfamilienhäuser vor, wobei aus dem Baubereich A in die
Baubereiche B und C ein Nutzungstransfer im Umfang von rund
2'500 m anrechenbarer Geschossfläche ermöglicht werden soll. Für die Erschliessung
des Plangebiets ist unter anderem eine neue Strasse vorgesehen. Die Bereiche B und
C sollen verkehrsmässig im Wesentlichen von der Birkenstrasse her über eine
Tiefgarage erschlossen werden.
b) Gegen diese Pläne erhoben zahlreiche Nachbarn Einsprache. Im Rahmen von
Vergleichsgesprächen kam die Planungsbehörde den Einsprechern insofern entgegen,
als die Bauten im Baubereich B entlang der Widenstrasse um ein Geschoss reduziert
werden sollten. In der Folge zogen diese ihre Einsprachen gegen die
Strassenbauprojekte zurück, so dass diese zwischenzeitlich in Rechtskraft erwachsen
konnten. Betreffend Teilzonenplan und Überbauungsplan zogen bis auf A.C. und B.C.
sowie D.F. und E.F., alle Widnau, ebenfalls alle Nachbarn ihre Einsprachen zurück. Mit
Beschluss vom 8. April 2010 wies der Gemeinderat die verbliebenen Einsprachen
gegen den Teilzonenplan und den Überauungsplan ab. Dagegen erhoben die
Einsprecher am 26. April 2010 beim Baudepartement des Kantons St. Gallen Rekurs.
Dieses sistierte das Rekursverfahren mit verfahrensleitender Anordnung vom 28. April
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2010 bis zum Abschluss des Referendumsverfahrens betreffend Teilzonenplan Widen.
Am 28. Oktober 2010 verlängerte das Baudepartement die Sistierung bis zum
Entscheid des Gemeinderates über die Einsprache betreffend Änderung des
Überbauungsplans Widen.
c) Vom 20. April 2010 bis 19. Mai 2010 legte der Gemeinderat die am 8. April 2010
beschlossene Änderung des Überbauungsplans Widen öffentlich auf. Innert Auflagefrist
erhoben A.C. und B.C. sowie D.F. und E.F. wiederum Einsprache. Sie verlangten, dass
die beschlossenen Änderung des Überbauungsplans Widen mit besonderen
Vorschriften aufgehoben und ein Überbauungsplan erlassen werde, der gewährleiste,
dass sich die neue Überbauung in die bestehende Siedlungsstruktur einfüge, die
bestehende Erschliessung den zu erwartenden Verkehr der neuen Überbauung
bewältigen könne und dass eine Renaturierung des Rheintaler Binnenkanals im Bereich
der Grundstücke Nrn. 690/692 möglich bleibe.
d) Gegen den Teilzonenplan Widen wurde das Referendum ergriffen. Anlässlich der
Urnenabstimmung vom 26. September 2010 stimmte aber die Bürgerschaft dem
Teilzonenplan Widen knapp zu. Mit Schreiben vom 8. Oktober 2010 gab der
Gemeinderat den Einsprechern vom zustimmenden Entscheid der Bürgerschaft
Kenntnis, eröffnete die Rekursfrist von vierzehn Tagen und gab ihnen Frist, ihre
Einsprachen betreffend die Änderung des Überbauungsplans zu begründen.
e) Die Einsprecher erhoben beim Baudepartement betreffend den Teilzonenplan Widen
Rekurs, wobei sie verlangten, dass die Grundstücke Nrn. 690 und 692 betreffend
Altlasten im Boden untersucht würden und dass gegenüber dem Binnenkanal ein
genügend grosser Raum ausgeschieden werde, der nicht überbaut werden dürfe, so
dass er naturnah gestaltet und der Hochwasserschutz gewährleistet werde. Die
verbleibende Fläche sei statt der Wohnzone W3 der Wohnzone W2a zuzuweisen.
f) Mit Beschluss vom 23. November 2010 wies der Gemeinderat die Einsprachen gegen
die Änderung des Überbauungsplans Widen ab, soweit er darauf eintrat. Am
16. Dezember 2010 erhoben die Einsprecher auch gegen den Einspracheentscheid des
Gemeinderates vom 23. November 2010 betreffend Änderung des Überbauungsplans
Widen beim Baudepartement Rekurs. Dieses hob am 17. Dezember 2010 die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sistierung des bereits hängigen Rekursverfahrens betreffend den Überbauungsplan
Widen mit besonderen Vorschriften auf und wies das mit Rekurs vom 16. Dezember
2010 gestellte Sistierungsbegehren ab. Am 7. Januar 2011 verlangten die Rekurrenten,
dass der am 29. September 2009 beschlossene Überbauungsplan Widen samt
Änderung vom 8. April 2010 aufgehoben werde und stattdessen ein Überbauungsplan
erlassen werde, der einer Überbauung gemäss dem Ergebnis des
Rechtsmittelverfahrens betreffend Teilzonenplan Widen entspreche, wobei sich die
neue Überbauung in die bestehende Siedlungsstruktur einfüge, die bestehende
Erschliessung den zu erwartenden Verkehr der neuen Überbauung bewältigen könne,
das Plangebiet mit öffentlichen Verkehrsmitteln genügend erschlossen werde, allfällige
Altlasten auf den Grundstücken Nr. 690 und Nr. 692 vor Baubeginn fachgerecht saniert
würden, dem Rheintaler Binnenkanal genügend Raum gelassen werde, sich die
Überschwemmungsgefahr für die unterliegenden Grundstücke durch die Realisierung
des Bauvorhabens gemäss dem Überbauungsplan nicht erhöhe und eine
Renaturierung des Kanals möglich bleibe. Für die im Überbauungsplan vorgesehenen
wasserbaulichen Massnahmen sei koordiniert mit dem Überbauungsplanverfahren ein
Planverfahren durchzuführen.
g) Nachdem das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (AREG) als zuständige
Genehmigungsbehörde des Staates in seinen koordinierten Vernehmlassungen vom
30. März 2011 beantragt hatte, die Rekurse abzuweisen und das Baudepartement am
26. Mai 2011 in Anwesenheit der Beteiligten sowie eines Mitarbeiters des AREG, des
Leiters Gemeindestrassenwesen und eines Mitarbeiters der Abteilung Gewässer,
Sektion Wasserbau, beides Tiefbauamt, einen Augenschein durchgeführt hatte, stellte
das AREG in seiner koordinierten Stellungnahme vom 25. Juli 2011 auf Nachfrage des
Verfahrensleiters fest, dass mit der im Überbauungsplan Widen vorgesehenen Baulinie
für Bauten und Anlagen (Gewässerabstand 16 m) der zwischenzeitlich in Kraft
getretene nach der Übergangsbestimmung zur Änderung der GSchV vom 4. Mai 2011
(abgekürzt Übest GSchV) erforderliche Gewässerraum von 20 m ab Gerinnesohle
unterschritten werde. Nach einem weiteren umfassenden Schriftenwechsel zogen die
Rekurrenten ihren Beweisantrag auf Einholung einer Expertise über Altlasten im Boden
mit Schreiben vom 17. November 2011 zurück.
h) Mit Entscheid vom 12. März 2012 hiess das Baudepartement die Rekurse betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Teilzonenplan Widen und Überbauungsplan Widen im Sinn der Erwägungen
kostenpflichtig gut, soweit es darauf eintrat, hob die Einspracheenscheide vom 8. April
2010 betreffend den Teilzonenplan Widen und Überbauungsplan Widen samt
Änderung vom 23. November 2010 auf und wies die Streitsache zur definitiven
Festlegung des Gewässerraums und zur anschliessender Entscheidung im Sinn der
Erwägungen an den Gemeinderat zurück.
C./ Gegen den Rekursentscheid erhob sowohl die Politische Gemeinde Widnau als
auch die Grundeigentümerin am 26. März 2012 Beschwerde beim Verwaltungsgericht
des Kantons St. Gallen. Sie verlangen übereinstimmend die kostenpflichtige Aufhebung
der Ziffer 1 des angefochtenen Entscheids, soweit dieser den Teilzonenplan Widen
betreffe, eventuell sei das Verfahren bis zum rechtskräftigen Entscheid über die
Festlegung des Gewässerraums gegenüber dem Plangebiet zu sistieren. Die
Beschwerdeführerin 2 verlangt darüber hinaus, dass Ziffer 1 lit. c soweit aufzuheben
sei, als den Erwägungen zum Überbauungsplan betreffend die Festlegung des
gewachsenen Terrains im Plangebiet verbindliche Wirkung zukommen soll.
D./ Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 5. Juni 2012, die Beschwerden
abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Die Beschwerdeführerin 2 sei von den
Erwägungen zum massgeblichen Terrain nicht beschwert.
E./ Die Beschwerdebeteiligte 2 liess sich am 10. Juli 2012 vernehmen, die
Beschwerdebeteiligte 1 am 11. Juli 2012 (bzw. richtig ebenfalls am 10. Juli 2012).
Beide verlangen die kostenpflichtige Gutheissung der jeweils anderen Beschwerde und
dass beide Verfahren vereinigt werden.
F./ Die Beschwerdegegner beantragen am 28. August 2012, die beiden Beschwerden
kostenpflichtig abzuweisen und schliessen sich im Wesentlichen den Ausführungen der
Vorinstanz an.
G./ Die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 nehmen mit Eingabe vom 1. Oktober 2012
bzw. 28. September 2012 zu den Vorbringen der übrigen Verfahrensbeteiligten
Stellung.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
H./ Mit Fax bzw. Schreiben vom 18. Dezember 2013 weisen die Beschwerdegegner auf
eine Veranstaltung zum Vorprojekt Rheintaler Binnenkanal vom gleichen Tag und auf
eine Information des Gemeinderats Widnau vom 5. Juli 2013 hin. Auf die weiteren
Vorbringen der Beteiligten wird, sofern nötig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Beide
Verfahren betreffen den gleichen Streitgegenstand, wobei sie die gleichen
Tatbestands- und weitgehend die gleichen Rechtsfragen aufwerfen. Es rechtfertigt sich
daher, die beiden Beschwerden in einem Entscheid zu behandeln. Die
Beschwerdeführerinnen sind als betroffene Grundeigentümerin bzw. als
Planungsbehörde, deren Pläne aufgehoben wurden, zur Ergreifung des Rechtsmittels
berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 bzw. Abs. 2 VRP). Ihre
Beschwerdeeingaben entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Voraussetzungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und
Abs. 2 VRP). Auf die Beschwerden ist somit einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerinnen beantragen übereinstimmend, das Verfahren eventuell
zu sistieren, bis der betroffene Gewässerraum rechtskräftig festgelegt sei. In diesem
Zusammenhang ist umstritten, welche Behörde den Gewässerraum festlegt.
2.1. Die Sistierung bedeutet eine Abweichung vom Grundsatz einer möglichst
beförderlichen Fortführung und Erledigung des Verfahrens und bedarf deshalb einer
Rechtfertigung. Sie ist anzuordnen, wenn sie gesetzlich vorgeschrieben ist oder wenn
ein anderes Verfahren anhängig ist, dessen Ausgang von präjudizieller Bedeutung ist.
Zulässig ist die Verfahrenssistierung ausserdem, wenn sie aus wichtigen Gründen
geboten erscheint und ihr keine überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen
entgegenstehen (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen,
St. Gallen 2003, Rz. 1093).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2. Art. 36a des eidgenössischen Gewässerschutzgesetzes (SR 814.20,
abgekürzt GSchG, in Kraft seit 1. Januar 2011) und Art. 41a und 41b der
Gewässerschutzverordnung (SR 814.201, abgekürzt GSchV) verpflichten die Kantone
neu, einen Gewässerraum der oberirdischen fliessenden und stehenden Gewässer
festzulegen.
2.2.1. Planungsbehörde ist im Kanton St. Gallen im Rahmen von Verfassung, Gesetz
und übergeordneter Planung die politische Gemeinde (Art. 2 Abs. 1 und Art. 4 f. des
Baugesetzes, sGS 731.1, abgekürzt BauG). Das dabei zur Verfügung stehende
Ermessen ist gestützt auf allgemeine Rechtsprinzipien zweckmässig und angemessen
auszuüben (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 740). Das Gleiche gilt für die Überprüfung und
Anpassung der Nutzungspläne gemäss Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Raumplanung (SR 700; abgekürzt RPG). Die kantonale Ausführungsvorschrift dazu,
Art. 32 Abs. 1 BauG, richtet sich an die zuständige kommunale Behörde als
Planungsbehörde (E. David, Ortsplanungsrecht II: Das Verfahren beim Erlass von
Baureglement, Plänen und Schutzverordnungen, in: Das Nachtragsgesetz zum st.
gallischen Baugesetz, Veröffentlichungen des Schweizerischen Instituts für
Verwaltungskurse an der Hochschule St. Gallen, Neue Reihe Bd. 20, St. Gallen 1983,
S. 108).
2.2.2. Die Aufgabe des Kantons dabei liegt bei der kantonalen Planung und der
Koordination der Planungsmassnahmen unter den einzelnen Gemeinden sowie mit den
angrenzenden Kantonen und mit dem Bund (Art. 3 Abs. 1 BauG). Weiter steht ihm in
allen Belangen der Raumplanung und des öffentlichen Baurechts die Rechts- und
Ermessenskontrolle zu, wobei er bei der Orts- und Regionalplanung aber den nötigen
Ermessenspielraum der politischen Gemeinden wahrt (Art. 3 Abs. 2 BauG).
2.2.3. Die Aufgabe des Kantons beschränkt sich somit auch bei der Ausscheidung des
bundesrechtlichen Gewässerraums auf die kantonale Gesamtplanung, während die
konkrete Umsetzung Angelegenheit der kommunalen Planungsbehörde ist. Folgerichtig
sieht der Kanton hier seine Aufgabe zunächst darin, Feldaufnahmen zu erstellen und
hernach gestützt darauf den auszuscheidenden Gewässerraum im Rahmen der
kantonalen Richtplanung für die einzelnen Gewässer festzulegen. Es liegt alsdann an
den Gemeinden, diese in die kommunale grundeigentümerverbindliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nutzungsplanung überzuführen. Dabei haben sie die Möglichkeit, von den in der
kantonalen Grundlagenkarte angeführten minimalen Gewässerraummassen
abzuweichen und die definitiven Gewässerräume im dicht überbauten Gebiet zu
reduzieren oder diese, zum Schutz von lokalen oder regionalen Schutzgegenständen,
gegebenenfalls zu erweitern (Kreisschreiben des Bau- und
Volkswirtschaftsdepartements des Kantons St. Gallen vom 16. Mai 2012 zum
Übergangsrecht zur Festlegung der Gewässerräume, E. 3.2.2,
nachfolgend Kreisschreiben, abrufbar unter: www.sg.ch -> Bauen, Raum & Umwelt ->
Raumentwicklung/Geoinformation -> Ortsplanung; Art. 41a Abs. 2 bis 4 GSchV).
2.2.4. Die Zuständigkeitsverteilung ist damit ähnlich wie im Wasserbaugesetz (sGS
734.1, abgekürzt WBG) geregelt. Dort ist es gemäss Art. 12 Abs. 1 WBG die zuständige
Stelle des Kantons, welche die Grundlagen für die Beurteilung der gravitativen
Naturgefahren erstellt und diese nachführt. Diese Grundlagen werden sodann
grundeigentümerverbindlich von den politischen Gemeinden in der Ortsplanung
berücksichtigt (Art. 12 Abs. 2 WBG). Der erforderliche Raum für Gewässer und
Notentlastungsräume wird mit den Instrumenten der kommunalen Ortsplanung
gesichert (Art. 12 Abs. 3 WBG).
2.2.5. Bei der Festlegung des definitiven Gewässerraums gemäss Art. 36a GSchG und
Art. 41a und Art. 41b GSchV steht es den politischen Gemeinden - sowohl innerhalb
wie auch ausserhalb der Bauzonen - frei, sich des Erlasses eines Baulinien- oder eines
Teilzonenplans zu bedienen (Kreisschreiben, E. 3.3.3). Da beide planerische
Massnahmen geeignet sind, den Freihalteraum für ein Gewässer zu sichern, können die
Planungsbehörden die beiden planerische Erlasse je nach Bedarf auch kombinieren
oder gar überlagern. Der Vorteil des Baulinienplans liegt darin, dass er keine
Auswirkungen auf die Ausnützungsziffer hat. Aus Sicht des Gewässerschutzes steht
denn auch nichts entgegen, dass der Bereich innerhalb des Freihaltebereichs wie beim
Strassenabstand (vgl. dazu Art. 61 Abs. 3 BauG) an die Ausnützung angerechnet wird.
Mit Blick auf das oberste Ziel der Raumplanung gemäss Art. 1 Abs. 1 RPG, Boden
haushälterisch zu nutzen, erweisen sich Baulinien im Zusammenhang mit der
Sicherung des Gewässerraums somit im Gegenteil als empfehlenswert. Für den
Baulinienplan mag auch sprechen, dass dieser anders als eine allfällige Grünzone
Freihaltung oder Schutz keinem Referendum untersteht und dass anders als in einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schutzzone bei einem Baulinienplan später ordentliche Baubewilligungen für
standortgebundene Bauten und Anlagen oder Ausnahmebewilligungen möglich bleiben
(Art. 41c Abs. 1 GSchV; Kreisschreiben, a.a.O., E. 3.3.3 S. 9).
2.3. Bis sämtliche Gewässerräume gesichert sein werden, wird noch längere Zeit
vergehen. Die Übergangsfrist dauert bis zum 31. Dezember 2018 (Abs. 1 ÜBest
GschV). Für die Zeit bis dahin hat der Bundesrat für die Grundeigentümer unmittelbar
verbindliche übergangsrechtliche Gewässerräume festgelegt (8 m plus die Breite der
bestehenden Gerinnesohle bei Fliessgewässern mit einer Gerinnesohle bis 12 m Breite
[Abs. 2 lit. a ÜBest GschV], 20 m bei Fliessgewässern mit einer bestehenden
Gerinnesohle von mehr als 12 m Breite [Abs. 2 lit. b ÜBest GschV] sowie 20 m bei
stehenden Gewässern mit einer Wasserfläche von mehr als 0,5 ha [Abs. 2 lit. c ÜBest
GschV]).
Konkret beträgt die Gerinnesohlenbreite des Rheintaler Binnenkanals in Widnau im
Raum Widen 13 m (Vorakten des Rekursverfahrens 12-1774 [B 2012/69] act. 27
Ziff. 3.). Damit ist übergangsrechtlich beidseits des Binnenkanals, soweit die Politische
Gemeinde Widnau den Gewässerraum nicht schon bereits definitiv ausgeschieden hat,
grundsätzlich ein Streifen von 20 m vor jeglicher Überbauung freizuhalten.
2.4. Während der genannten Übergangszeit werden aber neue Zonen- und
Teilzonenpläne, die fliessende oder stehende Gewässer tangieren, grundsätzlich
weiterhin genehmigt. Für neue Sondernutzungspläne gilt dies soweit, als mit dem
Erlass des Plans im übergangsrechtlich geltenden Gewässerabstandsbereich keine
Festlegung getroffen wird, also keine Bauten oder Anlagen zugelassen sind.
Andernfalls müsste mit dem Sondernutzungsplan gleichzeitig der definitive
Gewässerraum nach GSchV ausgeschieden und dadurch belegt werden, dass das
Vorhaben den Gewässerraum nicht berührt (Kreisschreiben, a.a.O., E. 3.3).
2.5. Vorliegend machen die Beschwerdeführerinnen weder geltend, noch ist sonst
erkennbar, dass
die kommunale Planungsbehörde den definitiven Gewässerraum im betroffenen
Bereich entlang des Binnenkanals demnächst ausscheiden bzw. entsprechende
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Planungsmassnahmen vorziehen wird, bevor der Kanton den Richtplan entsprechend
überarbeitet haben wird. Somit gibt es keinen Grund, das vorliegende Verfahren
betreffend Teilzonenplan auf unbestimmte Zeit zu sistieren. Bis dahin sind
Planungserlasse und Baubewilligungen vielmehr an Hand der
Übergangsbestimmungen zum GschV zu überprüfen. Die Gesuche um Sistierung des
Verfahrens sind somit abzuweisen.
3. Die Beschwerdeführerinnen rügen, dass die Vorinstanz den Einspracheentscheid
nicht bloss betreffend den Sondernutzungsplan, sondern auch bezüglich des
Teilzonenplans Widen aufgehoben und zur definitiven Festlegung des Gewässerraums
und zur anschliessenden neuen Entscheidung im Sinn der Erwägungen an den
Gemeinderat zurückgewiesen hat. Die Aufhebung des Überbauungsplans mit
besonderen Vorschriften und deren Rückweisung anerkennen sie ausdrücklich.
3.1. Nach Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG gewährleistet das kantonale Recht die volle
Überprüfung von Nutzungsplänen durch wenigstens eine Beschwerdebehörde. Der
Anspruch umfasst neben der Rechts- und Sachverhaltskontrolle auch die
Ermessenskontrolle (BGE 127 II 242; BGE 118 Ib 397).
3.1.1. Die umfassende Kontrolle ist im kantonalen Recht dem Rekursverfahren vor dem
Baudepartement zugedacht (Art. 46 Abs. 1 VRP). Hält sich die politische Gemeinde an
die erwähnten Schranken, wahrt dieses den nötigen Ermessensspielraum der
Planungsbehörde bei der Orts- und Regionalplanung (Art. 3 Abs. 2 BauG).
3.1.2. Demgegenüber ist die Kognition des Verwaltungsgerichts bei der Überprüfung
der Nutzungsplanung beschränkt, und es ist lediglich zur Rechtskontrolle befugt (Art.
61 Abs. 1 und 2 VRP). Liegt ein Entscheid noch innerhalb des Ermessensspielraums
bzw. wurden die Verfassungsprinzipien sowie der Sinn und Zweck der gesetzlichen
Ordnung beachtet, liegt noch keine Rechtsverletzung vor, selbst wenn das Ermessen
unzweckmässig gehandhabt wurde. Anders verhält es sich bei einem qualifizierten
Ermessensfehler, wenn die Verwaltungsbehörde das Ermessen missbraucht bzw. über-
oder unterschritten hat. Dies ist der Fall, wenn Ermessen ausgeübt wird, wo der
Rechtssatz keines einräumt bzw. wo die Behörde auf die Ermessensausübung
verzichtet, obschon ihr eine solche Betätigung gestattet ist. Beim
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ermessensmissbrauch hält sich die Behörde formell zwar an den
Entscheidungsspielraum, den ihr der Rechtssatz einräumt. Der Entscheid ist aber nicht
bloss unzweckmässig oder unangemessen, sondern schlicht unhaltbar; er steht im
Widerspruch zu Verfassungsprinzipien oder zu Sinn und Zweck des Gesetzes. Solche
Entscheide müssen vom Verwaltungsgericht aufgehoben werden (Häfelin/Müller/
Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, Zürich 2010, 6. Aufl., Rz. 460 ff.; Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 740).
3.2. Die Rekursinstanz hat den Teilzonenplan aufgehoben, weil eine Überprüfung der
Zweckmässigkeit des Plans ihrer Ansicht nach im heutigen Zeitpunkt nicht möglich sei,
soweit der Teilzonenplan vom Gewässerraum gemäss Abs. 2 Bst. b ÜBest GSchV
betroffen ist (Ziff. 7.7.5, 7.7.7 und 7.7.8). Dabei handelt es sich um einen Streifen von
7 m Breite längs der Birkenstrasse (Ziff. 7.7.3.1).
3.2.1. Die Vorinstanz begründet die Aufhebung des Plans und Rückweisung der
Streitasache damit, dass insbesondere an der Birkenstrasse über kurz oder lang
Eingriffe nötig würden, die durch die Bestandesgarantie nicht mehr gedeckt seien, so
dass die Strasse dereinst zwingend aus dem Gewässerraum verlegt werden müsse.
Der dafür nötige Raum müsse deshalb bereits heute gesichert werden.
3.2.1.1. Der Gemeindestrasse 2. Klasse kommt, sollte sie bei der definitiven Festlegung
dereinst ganz oder teilweise in den Gewässerraum zu liegen kommen,
Bestandesgarantie zu (Art. 41c Abs. 2 GSchV). Massgebend ist dabei der
bundesrechtliche Mindestbestandesschutz (E. Häuptli in: Baummann/van den Bergh/
Gossweiler/Häuptli/Häutpli/Sommerhalder Forestier, Kommentar zum Baugesetz des
Kantons Aargau, Bern 2013, N 1 zu § 128). Dieser gewährleistet in seiner allgemeinen,
aus Art. 26 der Bundesverfassung (SR 101) abgeleiteten Form, dass die rechtmässig
erstellte Anlage beibehalten und weiterhin genutzt werden darf. Darunter fällt auch,
dass an der dannzumal mit dem geltenden Recht im Widerspruch stehenden Strasse
werterhaltende Unterhaltsarbeiten vorgenommen werden dürfen. Eingriffe in die
Substanz, wie namentlich Umbauten, Erweiterungen oder Zweckänderungen sind
dagegen unzulässig (B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, N 744
mi Hinweisen). Anders als bei der Bestandes- und Erneuerungsgarantie gemäss
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Art. 77bis Abs. 1 BauG fällt die Erneuerung nicht unbedingt unter die bundesrechtliche
Bestandesgarantie (Heer, a.a.O., N 747).
3.2.1.2. Unzulässige Erneuerungseingriffe, die gemäss Vorinstanz bei der Birkenstrasse
früher oder später zwingend nötig werden und somit die Verlegung der klassierten
Strasse aus dem Gewässerraum nötig machen werden, sind vorliegend aber nicht
ersichtlich. Weder bestehen Anhaltspunkte dafür, dass der Strassenkoffer in
absehbarer Zeit bzw. je vollständig erneuert werden müsste, noch steht sonst die
komplette Beseitigung der Strasse zur Diskussion, auch wenn dies nach Bundesrecht
ausnahmsweise möglich wäre, falls sie - zum Beispiel durch ein Hochwasser - massiv
beschädigt würde (vgl. Häuptli, a.a.O., N 2 zu § 128). So wurde die Birkenstrasse erst
kürzlich bzw. am 1. und 2. Juni 2013 von einem Hochwasser überflutet (vgl.
www.binnenkanal.ch), wobei die Linienführung der Strasse in absehbarer Zeit nicht zur
Diskussion gestellt wurde. Vielmehr wurde die Dammseite aufprofiliert und auf die
gleiche Höhe wie der gegenüberliegende Damm erhöht, wozu stellenweise bis zu
40 cm zusätzliche Erde aufgeschichtet wurde (www.tagblatt.ch -> "Keiner der Dämme
darf höher sein" vom 22. Oktober 2013).
3.2.1.3. Die Erneuerung des Deckbelags dagegen, welche die Vorinstanz ebenfalls als
unzulässige Erneuerung im Gewässerraum ansieht, stellt einen werterhaltenden
Unterhalt dar, der auch von der bundesrechtlichen Bestandesgarantie gedeckt ist (M.
Möhr in: G. Germann [Hrsg.], Kurzkommentar zum Strassengesetz, St. Gallen 1989, N
17 zu Art. 51 StrG). Das Gleiche gilt für den Ersatz der bestehenden
Strassenbeleuchtung und der Leitungen in der Strasse. Anders verhielte es sich beim
Einbau von Hindernissen zur Verkehrsberuhigung, welche die Beschwerdegner ins
Spiel bringen, die wohl tatsächlich von der blossen Bestandesgarantie nicht mehr
gedeckt würden. Sollten solche Massnahmen aus Gründen der Verkehrssicherheit
nötig werden, wären allerdings alternativ auch andere als bauliche Massnahmen
denkbar, so zum Beispiel die Signalisation einer weitergehenden Tempobeschränkung.
Die Neusignalisation gehört wiederum zum Strassenunterhalt, der auch im Rahmen der
bundesrechtlichen Bestandesgarantie möglich ist (vgl. Möhr, a.a.O., N 14 zu Art. 51
StrG). Allein die Befürchtung, die Verkehrsteilnehmer würden sich nicht an
entsprechende Verkehrsregeln halten, lassen blosse Tempobeschränkungen nicht
grundsätzlich als untauglich erscheinen. Vielmehr wäre es dann an den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vollzugsbehörden bzw. der Polizei, den gesetzlichen Bestimmungen durch Kontrollen
und Bussen Nachachtung zu verschaffen (vgl. VerwGE B 2012/137 vom 22. Mai 2013
E. 8.6., abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch).
3.2.2. Der Strassenplan ist ein Sondernutzungsplan, der als solcher den Zonenplan
überlagert. Während letzterer als Rahmennutzungsplan den umfassenden Grund der
zugelassenen Nutzung regelt, gestalten Sondernutzungspläne diesen aus oder
schaffen davon abweichende Regeln (Heer, a.a.O., N 47). Sodann gehören
Erschliessungsanlagen für Wohnbauten in der Bauzone von Bundesrechts wegen zur
Bauzone (Art. 14 ff. RPG, BGer 1A.305/2000 vom 9. Juli 2001 E. 4.a/bb). Demnach
bedeutet die praxisgemässe weisse Darstellung der Strassen im Zonenplan keinen
bewussten Ausschluss der Strassenflächen aus der umgebenden Bauzone bzw. als
Zuweisung zur Nichtbauzone "übriges Gemeindegebiet" (vgl. VerwGE B 2010/105 vom
16. Dezember 2010 E. 4.1.1. mit Hinweisen, abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Sollte
die Birkenstrasse somit wider Erwarten trotz grundsätzlicher Bestandesgarantie
dereinst aus dem allfälligen definitiven Gewässerabstand entfernt und nach Westen auf
die Parzelle Nr. 692 verlegt werden müssen, stünde dem rechtlich nichts entgegen. Als
Quartierstrasse, die wie vorliegend ein Wohngebiet in einer Wohnzone erschliesst,
könnte sie ohne Weiteres auf eine Bauzone bzw. vorliegend auf das Plangebiet des
Teilzonenplans Widen gelegt werden.
3.2.3. Aus dem Gesagten folgt, dass bis zur definitiven Festlegung des Gewässerraums
mit den bundesrechtlichen Übergangsbestimmungen genügend gesichert ist, dass
dieser - soweit heute noch möglich - im genügenden Ausmass ausgeschieden werden
kann. Daran ändern auch die von den Beschwerdegegnern mit Schreiben vom
18. Dezember 2013 nachträglich geltend gemachten Hinweise auf eine zwischenzeitlich
stattgefundene Informationsveranstaltung über das Vorprojekt Rheintaler Binnenkanal
nichts. Ob im betroffenen, dicht überbauten Gebiet (vgl. dazu Gewässerraum im
Siedlungsgebiet, Merkblatt vom 18. Januar zur Anwendung des Begriffs "dicht
überbaute Gebiete" der Gewässerschutzverordnung, erarbeitet von den Bundesämtern
für Raumentwicklung und Umwelt in Zusammenarbeit mit den Kantonen, abrufbar
unter: www.bafu.admin.ch/umsetzungshilfe-renaturierung/) neben einer allfälligen
Absenkung der Kanalsohle weitere Massnahmen noch möglich und sinnvoll sind, ist
noch völlig offen. Allein die Umzonung der beiden Parzellen von der Gewerbe-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Industrie-Zone in die Wohnzone W3 jedenfalls kann die spätere Festlegung des
Gewässerraums wie gesagt nicht beeinflussen. Der Teilzonenplan Widen, der lediglich
die Grundordnung regelt, könnte später vom definitiven Gewässerraum noch überlagert
werden. Das Gleiche gilt hinsichtlich einer allfälligen späteren Strassenverlegung. Ein
Strassenplan kann ohne Weiteres über eine Nutzungszone gelegt werden, wenn die
Strasse dem Zonenzweck entspricht. Mithin muss im Rahmen der Nutzungsplanung
nicht auf Vorrat Raum für eine allfällige spätere Strassenverlegung sichergestellt
werden. Somit erweisen sich die Kriterien, an denen die Vorinstanz die recht- und
zweckmässige Abgrenzung des Plangebiets überprüfen will und weswegen sie den
Teilzonenplan aufgehoben und die Streitsache zurückgewiesen hat, als sachlich nicht
haltbar.
3.3. Die Vorinstanz begründet die Aufhebung des Teilzonenplans Widen weiter damit,
dass dieser mit dem aufzuhebenden Überbauungsplan Widen mit besonderen
Vorschriften eine Planungseinheit bilde und es deshalb gegen Treu und Glauben
verstossen würde, wenn der Rahmennutzungsplan losgelöst vom Sondernutzungsplan
in Kraft gesetzt würde.
3.3.1. Auch diese Argumentation überzeugt nicht. Zwar bedingt der Überbauungsplan
Widen tatsächlich eine Umzonung. Der Umkehrschluss trifft jedoch nicht zu. Der
Kanton St. Gallen kennt keine grundsätzliche Überbauungs- oder
Gestaltungsplanpflicht (Heer, a.a.O., N 146). Somit kann ein Gebiet von einer Gewerbe-
Industrie in eine reine Wohnzone umgeteilt werden, ohne dass dafür ein
Sondernutzungsplan nötig wäre. Die politische Gemeinde hat in den
Abstimmungsunterlagen zum Teilzonenplan Widen denn auch klar kommuniziert, dass
es bei der Referendumsabstimmung allein um den Teilzonen-, nicht aber um den
Überbauungsplan Widen gehe. Der Teilzonenplan Widen kann vielmehr selbstständig
bestehen. Den Stimmbürgern war folglich klar, dass mit der Annahme der
Zonenplanänderung nicht zwingend auch der Überbauungsplan in Kraft gesetzt werde.
Somit können sie grundsätzlich nicht in ihrem Vertrauen verletzt werden, auch wenn
(vorerst) nur der Teilzonenplan Widen ohne Sondernutzungsplan in Kraft treten kann.
3.3.2. Das Gleiche gilt für die zahlreichen Einsprecher, die im Verlauf des Verfahrens ihr
Rechtsmittel gegen die Umzonung und die geplante Überbauung zurückgezogen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
haben, nachdem man sich im Rahmen der sonderbaurechtlichen Überbauung auf eine
Reduktion der Geschosszahl im Baubereich B geeinigt hatte. Diese Einigung bezog
sich somit auf die vorgesehene Überbauung gemäss angefochtenem
Sondernutzungsplan, mit welchem im Baubereich B Mehrfamilienhäuser in verdichteter
Bauweise vorgesehen sind, nicht aber auf eine allfällige Überbauung gemäss
Regelbauvorschrift. Hätten sich die Einsprecher grundsätzlich gegen dreigeschossige
Bauten wehren wollen, hätten sie ihre Einsprache gegen den Teilzonenplan Widen bzw.
die aufgelegte Bauzone W3 aufrecht halten und stattdessen eine (weitere)
Teilumzonung des betroffenen Gebiets entlang der Widenstrasse in eine tiefere
Bauklasse ausbedingen müssen. Möglich wäre auch gewesen, sich die bezüglich des
Überbauungsplans ausgehandelte Geschossreduktion anderweitig zusichern zu lassen,
beispielsweise mit einer entsprechenden privatrechtlichen Grunddienstbarkeit.
3.3.3. Die Beschwerdeführerinnen, sowohl die Planungsbehörde wie auch die
Grundeigentümerin, versichern, das Plangebiet keinesfalls nach Regelbauweise,
sondern nach wie vor "hochwertiger" und insbesondere "haushälterischer" überbauen
zu wollen. Eine entsprechende Überbauung bzw. ein entsprechender
Sondernutzungsplan wird aber selbstverständlich auch weiterhin möglich bleiben, auch
wenn erst einmal nur der Teilzonenplan in Kraft tritt. Und selbst wenn die
Grundeigentümerin ihre Meinung ändern sollte, gäbe die Planungsbehörde damit das
Heft noch nicht aus der Hand. Sollte sich die Beschwerdeführerin 2 nämlich gleichwohl
dazu entschliessen, ein Baugesuch gemäss Regelbauvorschriften einzureichen, könnte
die Behörde immer noch eine Planungszone gemäss Art. 105 BauG über das
Plangebiet legen, so dass innert längstens fünf Jahren ein rechtskräftiger
Überbauungsplan erlassen werden könnte, der mit dem übergangsrechtlichen oder
allenfalls definitiven Gewässerraum im Einklang stünde (Art. 107 BauG).
3.4. Aus dem Gesagten folgt, dass die Kriterien, an Hand welcher die Vorinstanz die
Abgrenzung des Teilzonenplans in Bezug auf den noch auszuscheidenden
Gewässerraum überprüfen will, sachlich nicht stichhaltig sind, was einen qualifizierten
Ermessensfehler darstellt, der vom Gericht kontrolliert und korrigiert werden kann.
Darüber hinaus hat sie den Teilzonenplan umfassend überprüft und ist dabei zum
Schluss gelangt ist, dass der Rahmennutzungsplan in jeder Hinsicht recht- und
zweckmässig sei. Konkret bestätigte sie, dass sich die beiden umzuzonenden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Parzellen - trotz vorhandender Altlasten und trotz Hochwassergefahr - für eine
Wohnüberbauung eignen (Ziff. 6.2 und 6.3) würden, dass sich Wohnbauten mit drei
Vollgeschossen in die vorliegenden Umgebung einfügten und dass in der Politischen
Gemeinde Widnau der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum ausgewiesen sei (Ziff. 6.4).
Weiter genügten die bestehenden Zufahrtsstrassen ins Plangebiet dem zu erwartenden
Verkehrsaufkommen, und eine Überbauung des Plangebiets werde weder die
Überschwemmungsgefahr erhöhen noch eine naturnahe Gestaltung des Binnenkanals
verunmöglichen (Ziff. 6.5 in Verbindung mit Ziff. 7.6 und 7.7). Diese Erkenntnisse,
soweit sie in den Kognitionsbereich des Verwaltungsgerichts fallen, überzeugen und
sind im Beschwerdeverfahren auch unbestritten geblieben. Auf die genannten
Erwägungen der Vorinstanz kann somit verwiesen werden.
3.5. Damit erweist sich die Aufhebung des Teilzonenplans Widen und dessen
Rückweisung alsrechtswidrig.
4. Die Beschwerdeführerin 2 verlangt des Weiteren die Aufhebung des
Rückweisungsentscheids, soweit damit den Erwägungen der Vorinstanz hinsichtlich
des Überbauungsplans Widen betreffend die Festlegung des gewachsenen Terrains im
Plangebiet verbindliche Wirkung zukomme.
4.1. Streitgegenstand des Vorverfahrens waren die Einspracheentscheide des
Gemeinderats betreffend den Teilzonen- und Überbauungsplan Widen. Die Vorinstanz
hat beide aufgehoben. Im Beschwerdeverfahren fechten die Beschwerdeführerinnen
den vorinstanzlichen Entscheid wie gesagt nur hinsichtlich des Teilzonenplans an. Die
Aufhebung des Sondernutzungsplans ist somit formell in Rechtskraft erwachsen und
kann daher nicht mehr überprüft werden. Die Rechtskraftwirkung beschränkt sich
dabei nur auf das Urteilsdispositiv, die Urteilsbegründung wird davon nicht erfasst. Die
Urteilserwägungen haben in einer anderen Streitsache daher grundsätzlich keine
bindende Wirkung, sie sind einzig - falls nötig - zur Klärung der Tragweite des
Urteilsdispositivs beizuziehen (BGE 128 III 191 E. 4a S. 195; BGE 125 III 8 E. 3b S. 13;
BGE 123 III 16 E. 2a S. 18 f.).
4.2. Die Vorinstanz hat den Sondernutzungsplan aber nicht bloss aufgehoben, sondern
die Streitsache im Sinn der Erwägungen zurückgewiesen. Somit stellt sich die Frage
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Bindungswirkung des Rückweisungsentscheids, insbesondere dann, wenn dieser
nicht an sich, sondern bloss hinsichtlich einer Erwägung daraus angefochten ist.
4.2.1. Nach der Rechtsprechung ist die Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen
wird, an die Erwägungen, mit denen die Rückweisung begründet wurde, gebunden.
Dies gilt - in einem erneuten Rechtsmittelverfahren - auch für die Instanz, die den
Rückweisungsentscheid erliess. Auf Grund dieser Bindungswirkung wird ein
Rückweisungsentscheid insoweit als Endentscheid betrachtet, als er die im Verfahren
aufgeworfenen Streitfragen entscheidet und verbindliche Weisungen für die
Neubeurteilung erlässt (Cavelti/Vögeli, a.a.O., N 1036).
4.2.2. Vorliegend hat die Rekursinstanz im Rahmen der Überprüfung des
Sondernutzungsplans verbindliche Anordnungen für die Festlegung des betroffenen
Geländes getroffen. Die Beschwerdeführerin ist vom entsprechenden
Rückweisungsentscheid somit konkret beschwert, auch wenn sie die Rückweisung der
Streitsache im Zusammenhang mit dem Überbauungsplan Widen selbst nicht anficht.
Mithin sind die vorinstanzlichen Erwägungen betreffend das gewachsene Terrain zu
überprüfen, auch wenn diese im Rahmen der nicht angefochtenen Aufhebung des
Überbauungsplans ergangen sind.
4.3. Für die Bestimmung des gewachsenen Bodens stützt sich die Vorinstanz auf den
Kurzbericht der Z. AG vom 2. November 2009. Gemäss deren Feststellung wurde
praktisch das gesamte Areal zur Nutzbarmachung des schlecht tragfähigen
Untergrunds um 0,4 m bis 2,4 m aufgeschüttet. Im Durchschnitt betrage die
Schütthöhe demnach rund 1,4 m (Akten Vorinstanz 12-1774 [B 2012/69] act. 11/7).
Nach den Ausführungen der Grundeigentümerin vom 18. August 2011 stammten die
Aufschüttungen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Weil
das Plangebiet bloss zwei Grundstücke betrifft und die Geländeveränderungen somit
leicht rückgängig gemacht werden könnten, darf nach Meinung der Vorinstanz als
gewachsener Boden im Sinn des BauG nicht der heutige Geländeverlauf angenommen
werden. Es gälte vielmehr das ursprüngliche Terrain, das rund 1,4 m tiefer gelegen
habe (E. 7.4.3).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.4. Der Begriff "gewachsener Boden" ist sowohl bei der abstandsbefreiten
unterirdischen Baute, als auch bei der Anrechenbarkeit von Untergeschossen oder der
Messweise der Gebäudehöhe sowie der Fassaden- und Gebäudelänge massgebend
(VerwGE B 2011/77 vom 20. März 2012 E. 4.3.2. mit Hinweis, abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch). Das Verwaltungsgericht hat die Praxis des Baudepartements
bereits mehrfach bestätigt, dass der gewachsene Boden grundsätzlich an Hand des
noch feststellbaren natürlich gewachsenen Geländes bestimmt wird und nicht an Hand
des künstlich geschaffenen im Zeitpunkt der Baueingabe. Ausnahmen sind denkbar,
wenn die Veränderungen in Gründen liegen, die nicht in der Verantwortung des
Grundeigentümers bzw. seines Rechtsvorgängers liegen und wenn diese nicht
wiederhergestellt werden können, ohne dass dies zu stossenden Ergebnissen führen
würde. Dies trifft regelmässig bei grossflächigen Geländeveränderungen zu, die
beispielsweise im Zusammenhang mit einem Strassenprojekt realisiert wurden (BR
5/2013 S. 271 [405] mit Hinweis auf GVP 2012 Nr. 22 bzw. VerwGE B 2011/106 vom
20. März 2012 E. 5.2., abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Dem widerspricht auch die
bereits früher publizierte Praxis nicht, wonach bei einem Terrain, dessen ursprünglicher
Verlauf sich heute nicht mehr feststellen lässt und das nicht missbräuchlich verändert
wurde, für die Gebäude- und Firsthöhe auf den heutigen Grund abzustellen ist (VerwGE
B 2011/77 vom 20. März 2012 E. 4.4.3. mit Hinweis; abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch).
4.5. Die Beschwerdeführerin 2 anerkennt zwar, dass es in der Vergangenheit immer
wieder zu Aufschüttungen gekommen ist, gleichzeitig macht sie aber geltend, damit
seien lediglich frühere Geländeabsenkungen ausgeglichen worden. Diese seien durch
das ständige Befahren mit Lastwagen und der Lagerung von Zementröhren
entstanden. Weiter legt sie Luftaufnahmen vom Plangebiet aus dem Jahr 1978 ins
Recht, woraus hervorgehe, dass sich das heutige Niveau wie heute schon früher auf
der Höhe der umliegenden Strassen befunden habe.
4.6. Der Einwand, dass der Boden schlecht tragfähig gewesen sei, wird nicht
bestritten. Bei der ursprünglich versumpften Rheintaler Ebene liegt es im Gegenteil auf
der Hand, dass der drainierte Boden durch eine starke gewerbliche Belastung in sich
zusammensacken kann. Demgegenüber ist es wenig wahrscheinlich, dass das
natürliche Terrain des Plangebiets mitten in der Rheinebene ursprünglich tiefer gelegen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
haben soll als das umliegende Gebiet. Von einer missbräuchlichen Aufschüttung muss
ebenfalls nicht ausgegangen werden. Der Kurzbericht der Z. AG, auf den sich die
Rekursinstanz einzig stützt, wurde nicht zur Feststellung des ursprünglichen
Geländeverlaufs erstellt, sondern betreffend Untergrundbelastungen. Ihm lässt sich
deshalb nicht entnehmen, wie das Geländeverlauf der doch immerhin
26'000 m grossen Planfläche früher effektiv verlaufen ist. Dem Bericht kann lediglich
entnommen werden, dass die Schichtstärke des aufgeschüttenen Materials zwischen
0,4 m und 2,4 m beträgt. Allein daraus zu schliessen, dass das massgebliche
gewachsene Terrain über das gesamte Plangebiet gemittelt 1,4 m unter dem heutigen
Terrain liege, ist somit nicht haltbar.
4.7. Aus dem Gesagten folgt, dass der gewachsene Boden, sollte das ursprünglich
gewachsene Terrain auf Grund alter Pläne oder anderer Unterlagen nicht mehr
bestimmt werden können, ausnahmsweise auf Grund des heute, künstlich
geschaffenen Bodens festzulegen ist. Da im Überbauungsplan statt auf den
gewachsenen Boden auf Niveaulinien abgestellt wurde und es somit im Rahmen des
Rückweisungsentscheids der Vorinstanz keine Rolle spielte, auf welchem konkreten
Niveau der massgebliche gewachsene Boden tatsächlich verläuft, kann in diesem
Verfahren darauf verzichtet werden, weitere Abklärungen zum gewachsenen Boden zu
treffen oder wie beantragt eine Amtsbestätigung des Bauamts der Politischen
Gemeinde Widnau einzuholen. Mit Blick auf die hier interessierende Bindungswirkung
des vorinstanzlichen Rückweisungsentscheids genügt es grundsätzlich festzuhalten,
dass der massgebliche Boden nicht - wie von der Vorinstanz willkürlich festgehalten -
1,4 m unter dem heutigen Terrainverlauf liegt.
5. Zusammengefasst sind die Gesuche um Sistierung der Verfahren abzuweisen.
Sodann erweisen sich die Beschwerden als begründet, weshalb sie gutzuheissen und
der angefochtene Rekursentscheid insoweit aufzuheben ist, als damit der
Teilzonenplan Widen aufgehoben und zur Neubeurteilung an den Gemeinderat
zurückgewiesen wurde. Der Rückweisungsentscheid hinsichtlich des
Überbauungsplans Widen ist bezüglich der Erwägungen zum gewachsenen Terrain im
Plangebiet aufzuheben.
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens stellt sich die Frage, ob auf die Einwände der
Rekurrenten gegen den Kostenentscheid im Einspracheverfahren zurückgekommen
werden muss, auf welche die Vorinstanz ausgangsgemäss nicht näher einzugehen
brauchte (E. 8.). Die Rekurrenten monierten im Rekursverfahren, gemäss
Rechtsprechung dürften für die Behandlung von Einsprachen betreffend ein
Waldfeststellungs- oder Strassenplanverfahren keine Kosten erhoben werden, soweit
damit das eigene Grundstück betroffen sei. Das Gleiche müsse hinsichtlich eines
Teilzonenplans gelten. Die Grundstücke der Rekurrenten sind vom Teilzonenplan
Widen jedoch nicht berührt. Einsprache haben sie lediglich als Nachbarn des
Plangebiets erhoben. Somit stellt sich die Frage, ob ihrer Einsprache ebenfalls die
Funktion des nachträglichen Gehörs zukomme, was kostenlos zu erfolgen hätte, in
vorliegender Streitsache von Vornherein nicht. Damit bleibt es vorliegend bei der
grundsätzlichen Kostenpflicht des Einspracheverfahrens (vgl. R. Hirt, Die Regelung der
Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. Lachen/St. Gallen,
S. 45). Die Gebühr des Einspracheentscheids des Gemeinderats Widnau vom 8. April
2010 gemäss Ziff. 3 von Fr. 1'600.-- ist demnach geschuldet (Vorakten des
Rekursverfahrens 12-1774 [B 2012/69] Beilage zu act. 1).
7. In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP).
7.1. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdegegnern aufzuerlegen. Angemessen erscheint
eine Entscheidgebühr von insgesamt Fr. 5'000.-- (Art. 13 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die vier Kostenpflichtigen haften für den
gesamten Betrag solidarisch (Art. 96bis VRP). Dieser ist bei A.C. zu erheben. Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 4'000.-- ist der Beschwerdeführerin 2
zurückzuerstatten.
7.2. Dementsprechend ist die Ziff. 2 des Rekursentscheids aufzuheben bzw. die
amtlichen Kosten des Rekursverfahrens von 5'000.-- sind analog dem
Beschwerdeverfahren neu zu verlegen. Sie sind von den Rekurrenten zu bezahlen,
soweit der Rekursentscheid den Teilzonenplan Widen betrifft. Hinsichtlich des
Überbauungsplans Widen bleibt es beim Rekursentscheid; die Korrektur der Erwägung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
betreffend den gewachsenen Boden ändert nichts daran, dass der
Sondernutzungsplan zu Recht aufgehoben wurde. Demzufolge bezahlen die
Rekurrenten und die Rekursgegnerin die Rekurskosten je zur Hälfte. Die Rekursinstanz
hat das Nichteintreten bei den Kosten mit einem Zehntel berücksichtigt. Beim
vorliegenden Ausgang, wo die beiden privaten Streitgegner je zur Hälfte unterliegen,
rechtfertigt es sich mit Blick auf den Umfang der materiellen Beurteilung, auf eine
entsprechende kostenmässige Berücksichtigung des untergeordneten
Prozessentscheids zu verzichten. Somit bezahlen die Rekursgegner und die
Rekursgegnerin Rekurskosten von je Fr. 2'500.--, die Beschwerdegegner unter
Verrechnung der geleisteten Kostenvorschüsse von insgesamt Fr. 2'000.--. Die
Rekurrenten tragen ihren verbleibenden Kostenanteil von Fr. 500.-- solidarisch. Er ist
bei A.C. zu erheben.
8. Die Verlegung der Parteientschädigung erfolgt ebenfalls entsprechend nach
Obsiegen und Unterliegen (Art. 98bis VRP). Anders als die Beschwerdeführerin 1 hat
die Beschwerdeführerin 2 Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung für das
Rekurs- und das Beschwerdeverfahren (Art. 98bis VRP; Hirt, a.a.O., S. 176).
8.1. Der Vertreter der Beschwerdeführerin 2 hat keine Kostennote eingereicht. Die
Beschwerdeverfahren wurden im gesamten Schriftenwechsel separat geführt, wobei
ein zweifacher Schriftenwechsel stattfand. Das Gericht erachtet daher eine
Entschädigung von Fr. 4'000.-- als angemessen (Art. 19 und Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO).
Ein Ersatz der Mehrwertsteuer ist nicht nötig, da die Beschwerdeführerin 2 selber
steuerpflichtig ist, weshalb sie die der Honorarrechnung ihres Anwalts belastete
Mehrwertsteuer von ihrer eigenen Steuerschuld abziehen kann, ohne dass ihr dadurch
eine Mehrbelastung entsteht. Die Mehrwertsteuer muss bei der Bemessung der
ausseramtlichen Entschädigung daher nicht zusätzlich berücksichtigt werden (vgl. Hirt,
a.a.O., S. 194). Die Beschwerdegegner haften solidarisch (vgl. Hirt, a.a.O., S. 181).
8.2. Entsprechend ist Ziff. 3 des Rekursentscheids aufzuheben und die
Parteientschädigung neu zu regeln. Da die Rekurrenten und die Rekursgegnerin im
Rekursverfahren je zur Hälfte obsiegen, sind die ausseramtlichen Kosten
wettzuschlagen (Hirt, a.a.O., S. 183).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/45
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Demnach hat das Verwaltungsgericht