Decision ID: 35f82ffe-4155-4aae-b3bd-12f4234bfd5a
Year: 2019
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

beurteilten Sachverhalt nicht um eine zeitliche Verzögerung von (deutlich)
über einem Monat, sondern bloss von einigen Tagen. Andere Indizien oder
Umstände, welche für eine ordentliche Zustellung der gewöhnlichen
Postsendung sprächen, gäbe es nicht. In der kurz gefassten Beschwerde
vom 24. September 2018 sei der Schluss gezogen worden, dass zu
Gunsten der Beschwerdeführerin von einer rechtzeitigen Einreichung der
Einsprache auszugehen sei, weil der Beschwerdegegnerin der
Zustellnachweis nicht gelinge. Damit sei zumindest sinngemäss auch das
Zustelldatum bestritten worden, welches die Beschwerdegegnerin im
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angefochtenen Einspracheentscheid auf den 29. Juni 2018 (Fristenlauf ab
30. Juni 2018) festgelegt habe.
10. In der Duplik vom 19. November 2018 hielt die Beschwerdegegnerin an
ihren Rechtsbegehren fest. Die Beschwerdegegnerin vertiefte ihre
Ausführungen hinsichtlich des Umstandes, dass der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin in der Einsprache vom 10. August 2018 explizit
ausgeführt habe, dass er die Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni
2018 erst jetzt erhalten habe. Sei erstellt, dass die Steuerpflichtige eine
Mitteilung mit einfacher Briefpost erhalten habe, sei nach Lehre und
Rechtsprechung zu vermuten, dass diese Zustellung unter normalen
Umständen erfolgt sei. Bis zur Replik sei der Zeitpunkt der Zustellung nie
in Frage gestellt worden, sondern lediglich vorgebracht worden, dass die
Verrechnungssteuerverfügung dem Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin erst am 10. August 2018 und somit verspätet
übergeben worden sei. Dies sei aber völlig irrelevant und die Ausführungen
des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin vermochten die Vermutung
einer Zustellung unter normalen Bedingungen nicht zu widerlegen. Sofern
sich der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin nun auf den Standpunkt
stellen wolle, dass auch die Beschwerdeführerin die
Verrechnungssteuerverfügung erst am 10. August 2018 erhalten habe,
müsse dem entgegengehalten werden, dass unter Hinweis auf VGU A 98
911 E.2 eine Zustelldauer von (über) einem Monat nicht glaubhaft
erscheine. Die Beschwerdegegnerin beantragt ferner noch die Befragung
der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt des Erhalts der
Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018. Im Ergebnis habe der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin weder die Zustellung bestritten
noch geltend gemacht, dass die Zustellung (an die Steuerpflichtige) nach
dem 2. Juli 2018 erfolgt sei. Der Zeitpunkt der Übergabe der
Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018 an ihren Rechtsvertreter
sei für die Frage der (fristauslösenden) Zustellung ohne Relevanz.
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11. Am 14. Dezember 2018 beantwortete der zuständige Instruktionsrichter die
von der Beschwerdeführerin gestellte Frage hinsichtlich des (möglichen)
Ablaufs der von der Beschwerdegegnerin beantragten Befragung der
Beschwerdeführerin im Hinblick auf den Zeitpunkt des Erhalts der
Verrechnungssteuerverfügung.
12. Am 9. Januar 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin das
Verwaltungsgericht um Sistierung des laufenden Verfahrens bis zum
28. Februar 2019. Dies weil noch einige ergänzende Abklärungen
beabsichtigt seien. Allenfalls erfolge ein Rückzug der Beschwerde. Mit
verfahrensleitender Verfügung vom 10. Januar 2019 wies der zuständige
Instruktionsrichter angesichts des Standes des Verfahrens sowie des
Streitgegenstandes das Sistierungsbegehren ab.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften sowie
die weiteren Akten, wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid der Steuerverwaltung des
Kantons Graubünden vom 24. August 2018, worin sie auf die am
10. August 2018 (Datum der Postaufgabe) erhobene Einsprache gegen die
Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018 aufgrund der
zwischenzeitlich abgelaufenen 30-tägigen Einsprachefrist nicht eintrat. Das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist gemäss Art. 35 Abs. 2
und Art. 54 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Verrechnungssteuer
(VStG; SR 642.21) i.V.m. Art. 166 Abs. 3 des Steuergesetzes für den
Kanton Graubünden (StG; BR 720.000) zur Anhandnahme der
vorliegenden Streitsache zuständig (siehe Urteil des Verwaltungsgerichts
des Kantons Graubünden [VGU] A 16 50 vom 9. März 2017 E.1a; siehe
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auch Art. 49 Abs. 1 lit. b bzw. lit. g des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Als formelle und materielle
Adressatin des angefochtenen Einspracheentscheids vom 24. August
2018 ist die Beschwerdeführerin berührt und weist ein schutzwürdiges
Interesse an dessen Aufhebung auf (vgl. Art. 50 VRG sowie Art. 48 Abs. 1
des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren
[Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021]). Auf die zudem frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (vgl. dazu
Art. 54 Abs. 1 VStG).
2. Vorgängig ist noch auf den Antrag der Beschwerdegegnerin einzugehen,
wonach die Beschwerdeführerin zum (genauen) Zeitpunkt des Erhalts der
Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018 zu befragen sei. Dieser
Beweisantrag wird auch von der Beschwerdeführerin unterstützt.
2.1. Gemäss Art. 54 Abs. 2 VStG trifft die kantonale Rekurskommission,
vorliegend gemäss Art. 166 Abs. 3 StG das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden, die erforderlichen Untersuchungsmassnahmen,
wobei Art. 48 bis 50 VStG sinngemäss anwendbar sind. Der sinngemäss
anzuwendende Art. 50 Abs. 3 VStG sieht vor, dass die kantonale Behörde
von den ihr als Veranlagungsbehörde eingeräumten Befugnissen
Gebrauch machen kann (vgl. dazu Art. 46 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinde
[StHG; SR 642.14] und Art. 130 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11]; vgl. auch Art. 126a Abs. 3 und
Art. 130a StG). Art. 39 VStG sieht eine Auskunftspflicht für die
steuerpflichtige Person gegenüber der eidgenössischen Steuerverwaltung
vor, wohingegen die Art. 14 ff. VwVG über die Zeugeneinvernahme
gemäss Art. 2 Abs. 1 VwVG auf Steuerverfahren keine Anwendung finden.
Allerdings erkannte das Bundesgericht im Urteil 2C_188/2010,
2C_194/2010 vom 24. Januar 2011, dass auch Einvernahmen oder
Befragungen von hierzu bereiten (Dritt-)Personen oder die Einholung
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schriftlicher Auskünfte möglich seien. Denn aus dem verfassungsmässigen
Anspruch auf rechtliches Gehör ergebe sich im beurteilten Fall, dass
angebotene Beweise abzunehmen seien, soweit sie geeignet seien, die
rechtserheblichen Tatsachen festzustellen (Urteil 2C_188/2010,
2C_194/2010 vom 24. Januar 2011 E.6.5; vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts 2C_546/2017 vom 16. Juli 2018 = StE 2018 B 93.3 Nr. 15
betreffend den Anspruch eines Steuerpflichtigen auf Durchführung der
Einvernahme von Drittperson in einem Veranlagungsverfahren der direkten
Bundessteuer). Keine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt hingegen
vor, wenn das Gericht auf die Abnahme eines beantragten Beweismittels
verzichtet, weil es aufgrund von bereits abgenommenen Beweismitteln
seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür in vorweggenommener
Beweiswürdigung annehmen kann, dass seine Überzeugung durch weitere
Beweiserhebungen nicht geändert würde (Urteil des Bundesgerichts
2C_546/2017 vom 16. Juli 2018 = StE 2018 B 93.3 Nr. 15 E.2.2 m.H.a.
BGE 140 I 285 E.6.3.1 und BGE 136 I 229 E.5.3). Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens ist nur die Rechtzeitigkeit der Einsprache vom
10. August 2018 (siehe WYSS/PFUND/SALZGEBER/STOCKAR, in: STOCKAR/
HOCHREUTNER [Hrsg.], Praxis der Bundessteuern, 2. Teil: Stempelabgaben
und Verrechnungssteuer, Band 2, Therwil 2000, VStG Art. 54 Rz. 5).
Insofern stellt sich die Frage, inwiefern die Befragung der
Beschwerdeführerin zum genauen Zeitpunkt des Erhalts der
Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018 zur Klärung der
vorliegend strittigen Frage beitragen könnte.
2.2. Als direkt in das Verfahren involvierte Person ist die allfällige Befragung der
Beschwerdeführerin nicht mit dem Erkenntnisgewinn einer
Zeugeneinvernahme eines nicht direkt am Verfahren beteiligten Dritten
vergleichbar. Der objektivierbare Erkenntnisgewinn aus der Befragung der
Beschwerdeführerin erscheint vorliegend im Vergleich zur
Zeugenbefragung eines unbeteiligten Dritten gering. Denn die
Beschwerdeführerin bzw. ihr Rechtsvertreter haben weder in der
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Einsprache vom 10. August 2010 oder im Rahmen der späteren
Stellungnahmen ausdrücklich eine ausserordentlich lange Dauer der
Zustellung der Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018
vorgebracht. Vielmehr führte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
in der Einsprache vom 10. August 2018 aus, dass er "Gegen die von ihnen
am 25. Juni 2018 zugestellte Verfügung, die ich erst jetzt erhalten habe,
..." vorsorglich Einsprache erhebe. Zur Begründung wurde auf das E-Mail
vom 6. Juni 2018 verwiesen, worin auf die dazumal hängige Revision des
VStG hinsichtlich der Verwirkung des Anspruchs von natürlichen Personen
auf Rückerstattung infolge unzureichender Deklaration gegenüber der
Veranlagungsbehörde hingewiesen wurde. Es könne doch nicht sein, dass
heute verweigert werde, was "morgen" möglich sein werde. Auch der E-
Mail vom 4. September 2018, worin im Nachgang zum Erlass des
Einspracheentscheides vom 24. August 2018 die Nennung von (weiteren)
Nachweisen für eine Zustellung am 30. Juni 2018 verlangt wurde, lässt sich
keine Geltendmachung einer überlangen Zustelldauer entnehmen. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin stellt sich aber auf den
Standpunkt, dass gemäss allgemeiner Beweislastregel im Steuerrecht die
kantonale Steuerverwaltung neben der Zustellung an sich auch den
Zeitpunkt nachzuweisen habe. Dies sei ihr mit blossem Verweis auf das
Datum der Verrechnungssteuerverfügung sowie einer fiktiven Annahme
des Fristenlaufes am 30. Juni 2018 nicht gelungen. Auch in der
Beschwerde vom 24. September 2018 wird wiederum nur argumentiert,
dass die Beweislast für den Zeitpunkt der Zustellung der Verfügung auf
Seiten der Beschwerdegegnerin liege und auf die Angaben der
steuerpflichtigen Person abzustellen sei, wenn keine Indizien für eine
frühere Zustellung vorlägen. Weil der Beschwerdegegnerin der Nachweis
nicht gelinge, sei zugunsten der Beschwerdeführerin von einer
rechtzeitigen Einreichung der Einsprache auszugehen. Erst nachdem die
Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 12. Oktober 2018 auf
den bisher nicht hinreichend thematisierten Umstand einer verzögerten
Zustellung hingewiesen hat, führte die Beschwerdeführerin in der Replik
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vom 5. November 2018 aus, dass sich aus der Schlussfolgerung, wonach
der Beschwerdegegnerin der Nachweis einer Zustellung nicht gelinge,
(zumindest implizit) auch den von der Beschwerdegegnerin im
Einspracheentscheid auf den 30. Juni 2018 festgesetzten Beginn des
Fristenlaufes und somit eine Zustellung am 29. Juni 2018 bestritten worden
sei. Aufgrund des Umstandes, dass im Ergebnis die Beschwerdeführerin
sich am Anfang nur auf den Standpunkt stellte, dass die
Beschwerdegegnerin den (genauen) Zeitpunkt der Zustellung beweisen
müsse, wenn sie von einer Nichteinhaltung der Einsprachefrist ausgehe
und dazumal die von der Beschwerdegegnerin aufgeworfene Frage einer
Bestreitung des angenommenen Zustelltermins bzw. das Erfordernis der
Geltendmachung einer aussergewöhnlich grossen Verzögerung bei der
Postzustellung für die Beschwerdeführerin noch kein spezifisches Thema
war, ist im Lichte des zwischenzeitlichen Schriftenwechsels keine
entscheiderhebliche Erkenntnis aus der Befragung der
Beschwerdeführerin hinsichtlich des Zeitpunkts der Zustellung der
Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018 (mehr) zu erwarten,
womit der entsprechende Antrag in antizipierter Beweiswürdigung
abzuweisen ist.
3. Die Beschwerdegegnerin ist auf die Einsprache der Beschwerdeführerin
vom 10. August 2018 (Postaufgabe) gegen die
Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018 nicht eingetreten, weil
die 30-tägige Einsprachefrist nicht eingehalten worden sei. Nachfolgend ist
einzig zu prüfen, ob die Einsprache vom 10. August 2018 von der
Beschwerdegegnerin zu Recht als verspätet beurteilt wurde (siehe
WYSS/PFUND/SALZGEBER/STOCKAR, in: STOCKAR/HOCHREUTNER [Hrsg.],
a.a.O., VStG Art. 54 Rz. 5).
3.1. Gemäss Art. 53 Abs. 1 VStG kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung
gegen den Entscheid des kantonalen Verrechnungssteueramtes (vgl. dazu
Art. 166 Abs. 1 StG) schriftlich Einsprache erhoben werden. Art. 42 und 44
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VStG gelten sinngemäss. Weder Art. 53 Abs. 1 noch Art. 54 Abs. 1 VStG
verweist hinsichtlich des Fristenlaufs auf das VwVG, womit der
Fristenstillstand gemäss Art. 22a VwVG nicht anwendbar ist (vgl. BGE 142
II 304 E.3.4). Die Anwendung von kantonalen Verfahrensvorschriften
hinsichtlich des Fristenstillstandes kommt im Bereich des VStG nur bei
entsprechendem Vorbehalt bzw. Verweis in einer Bestimmung des VStG in
Frage (vgl. BGE 142 II 304 E.3.3).
3.2. Die Einsprachefrist von 30 Tagen beginnt am Tag nach der Mitteilung der
Verfügung zu laufen (vgl. Art. 133 Abs. 1 DBG, Art. 20 Abs. 1 VwVG und
Art. 124 Abs. 3 StG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 VRG; ZWEIFEL/CASANOVA/
BEUSCH/HUNZIKER, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, Direkte
Steuern, 2. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2018, § 8 Rz. 9). Die Mitteilung gilt nach
allgemein gültigen Regeln in dem Moment als erfolgt, in welchem die
Verfügung dem Adressaten oder seinem Rechtsvertreter ausgehändigt
wird oder in dessen Herrschaftsbereich gelangt. Effektive Kenntnisnahme
oder gar Lektüre der Verfügung ist nicht erforderlich, weil die Zustellung
einer Verfügung zwar eine empfangsbedürfte, aber nicht
annahmebedürftige Rechtshandlung darstellt (siehe
ZWEIFEL/CASANOVA/BEUSCH/HUNZIKER, a.a.O., § 8 Rz. 9 und § 15 Rz. 49;
siehe auch BGE 144 IV 57 E.2.3.2 und BGE 142 III 599 E.2.4.1, jeweils mit
Hinweis auf BGE 122 I 139 E.1). In Steuersachen besteht für die
Verwaltung im Allgemeinen und in casu betreffend einen
Rückerstattungsanspruch der Verrechnungssteuer keine Vorgabe
hinsichtlich der Zustellform (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts
2C_570/2011 E.4.1 ff. und 2C_430/2009 E.2.4). Bei uneingeschriebenen
Postsendungen gilt also das Einlegen der Sendung in den Briefkasten oder
ins Postfach als fristbestimmender Zeitpunkt, womit eine erst später
erfolgte, tatsächliche Kenntnisnahme durch den Empfänger nicht
massgebend ist. Auch wenn ein Fehler bei der Postzustellung nicht
ausserhalb jeder Wahrscheinlichkeit liegt, ist ein solcher nicht zu vermuten,
sondern nur anzunehmen, wenn dies aufgrund der Umstände plausibel
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erscheint (vgl. zum Ganzen BGE 142 III 599 E.2.4.1 m.H.a. BGE 122 I 139
E.1 und Urteile des Bundesgerichts 9C_90/2015 vom 2. Juni 2015 E.3.1 f.
und 3.4, 2C_570/2011 vom 24. Januar 2012 E.4.1 sowie 2C_430/2009 vom
14. Januar 2010 E.2.4; VGU S 17 155 vom 16. Oktober 2018 E.2.1 und
A 18 25 vom 2. Oktober 2018 E.3.1 ff.).
Die Beweislast für die Eröffnung der Verfügung bzw. dessen Zeitpunkt trägt
aber grundsätzlich die Verwaltung, wobei der Nachweis des Zustelldatums
auch aufgrund von Indizien oder gestützt auf die gesamten Umstände
erbracht werden kann. Wird die Tatsache oder das Datum der Zustellung
einer uneingeschriebenen Sendung durch den Empfänger bestritten und
lässt sich kein davon abweichender, überwiegend wahrscheinlicher
Sachverhalt ermitteln, ist also im Zweifel auf die Darstellung des
Empfängers abzustellen, wobei seine Darlegungen der Umstände
nachvollziehbar sein und einer gewissen Wahrscheinlichkeit entsprechen
müssen (vgl. zum Ganzen ZWEIFEL/CASANOVA/BEUSCH/HUNZIKER, a.a.O.,
§ 15 Rz. 48, ZWEIFEL/HUNZIKER, in: ZWEIFEL/BEUSCH [Hrsg.], Kommentar
zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, 3. Aufl., Basel 2017, Art. 116 Rz. 19; Urteil des
Bundesgerichts 2C_570/2011 vom 24. Januar 2012 E.4.1 ff. sowie
2C_430/2009 vom 14. Januar 2010 E.2.4 m.H.a. 2A.293/2001 vom 21. Mai
2002 E.1b ff. und BGE 105 III 43 E.3; vgl. auch AMSTUTZ/ARNOLD, in:
NIGGLI/UEBERSAX/ WIPRÄCHTIGER/KNEUBÜHLER [Hrsg.] Basler Kommentar
zum Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl., Basel 2018, Art. 44 Rz. 14 hinsichtlich
des Verfahrens vor Bundesgericht).
3.3. Gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. a Ziffer 2 der Postverordnung vom 29. August
2012 (VPG; SR 783.01) sowie den eigenen Angaben der Schweizerischen
Post, kommt ein mit B-Post aufgegebener Brief innerhalb vom maximal drei
Arbeitstagen beim Empfänger an (vgl. dazu VGU S 17 155 vom
16. Oktober 2018 E.2.2, A 18 25 vom 2. Oktober 2018 E.4.1, S 18 51 vom
14. Juni 2018 E.4.2). Die (Ziel-)Laufzeiten für die B-Post konnten im
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Jahre 2017 gemäss Angaben der Eidgenössischen Postkommission
(Postcom) in 99 % der Fälle, im Jahre 2016 in 98.9 % der Fälle eingehalten
werden (https://www.postcom.admin.ch/de/grundversorgung/laufzeiten;
zuletzt besucht am: 21. Februar 2019). Die vorliegend relevante
Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018 wurde gemäss den
Angaben der Beschwerdegegnerin gleichentags der Post zur Zustellung
übergeben. Bis zur Einspracheerhebung am 10. August 2018 (vgl. dazu
beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 7 und 9) vergingen somit 46 Tage.
Weiter fällt auf, dass der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in der
Einsprache vom 10. August 2018 schrieb: "Gegen die von Ihnen am
25. Juni 2018 zugestellte Verfügung, die ich erst jetzt erhalten habe, erhebe
ich vorsorglich Einsprache." (siehe Bg-act. 7). Dabei ist aktenkundig
ausgewiesen, dass die Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018
direkt an die Beschwerdeführerin adressiert war (siehe Bg-act. 6 und
beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 1). Insofern kann die Aussage,
wonach der die Einsprache unterzeichnende Rechtsvertreter die fragliche
Verfügung "erst jetzt erhalten habe" nur dahingehend verstanden werden,
dass ihm die Verfügung erst zu diesem Zeitpunkt von der
Beschwerdeführerin, welcher die Verrechnungssteuerverfügung mangels
anderes lautender Anweisung direkt zugestellt wurde, zur Kenntnis
gebracht wurde. Die Beschwerdeführerin bzw. ihr Rechtsvertreter macht
somit in der Einsprache vom 10. August 2018 nicht hinreichend bestimmt
eine überlange Zustelldauer der vorliegend relevanten Verfügung geltend.
Diese wäre aber aufgrund der in der vorstehenden Erwägung 3.2
angeführten Rechtsprechung vom fachkundigen Rechtsvertreter zu
erwarten gewesen. Denn entgegen der beschwerdeführerischen Ansicht
genügt es nicht, nur auf die Beweislast für die Zustellung (sowie des
Zeitpunktes) zu verweisen. Dass nachvollziehbare Umstände zumindest
mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit für eine überlange Zustelldauer der
Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018 sprechen, brachte die
Beschwerdeführerin bzw. ihr Rechtsvertreter aber auch nicht im E-Mail vom
4. September 2018 an die Beschwerdegegnerin, der Beschwerde vom
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24. September 2018 oder der Replik vom 5. November 2018 vor. Soweit
die Beschwerdeführerin sich in der Replik vom 5. November 2018 auf den
Standpunkt stellt, dass aus der Schlussfolgerung in der Beschwerde vom
24. September 2018, wonach der Steuerverwaltung kein Nachweis der
Zustellung gelinge und somit zugunsten der Beschwerdeführerin von einer
rechtzeitigen Einspracheerhebung auszugehen sei, implizit auch das von
der Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid auf den 29. Juni 2018
festgelegte Zustelldatum bestritten worden sei, kann ihr nicht gefolgt
werden. Weil auch ohne eine spezifische Empfangsbestätigung ein
hinreichender Nachweis über den Zeitpunkt des Zuganges geführt werden
kann, ist rechtsprechungsgemäss für das Abstellen auf die Darstellung der
Verfügungsadressatin zweierlei vorausgesetzt. Nämlich, dass entweder die
Zustellung an sich oder der Zeitpunkt (substantiiert) bestritten wird, und die
zur Zustellungsverzögerung führenden bzw. die von der
Verfügungsadressatin dargelegten Umstände nachvollziehbar sind und
dafür (zumindest) eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht. Wie die
Beschwerdegegnerin in ihrem Einspracheentscheid vom 24. August 2018
sowie den Rechtsschriften im vorliegenden Verfahren aber zu Recht
festhält, bestand für sie aufgrund der beschwerdeführerischen Vorbringen
kein Anlass, in Nachachtung der vorstehend erwähnten Rechtsprechung
bezüglich ihrer Beweislast für die Eröffnung einer Verfügung und dessen
Zeitpunkt im Zweifelsfall auf allfällige, von der Verfügungsadressatin
vorgebrachte, nachvollziehbare Umstände für eine überlange Zustelldauer
abzustellen, sofern dafür eine gewisse Wahrscheinlichkeit spreche. Denn
die Beschwerdeführerin bzw. ihr Rechtsvertreter hat bisher keine
konkreten, nachvollziehbaren Umstände vorgebracht, welche für eine
überlange Zustelldauer der gemäss Angaben der Beschwerdeführerin am
25. Juni 2018 aufgegebenen Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni
2018 sprechen würde. Die Beschwerdeführerin gab auch das
Zustellcouvert der Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018 nicht
zu den Akten, woraus sich allenfalls Umstände für eine überlange
Zustelldauer zumindest mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ergeben
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hätten. Ferner erscheint es aufgrund des Inhaltes der
Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018, in welcher ein nicht in
der Steuererklärung deklarierter Bruttoertrag von Fr. 60'000.-- von Amtes
wegen in der noch vorzunehmenden Veranlagung der Einkommens- und
Vermögenssteuer als steuerbares Einkommen aufgerechnet werde und
der Rückerstattungsanspruch der Verrechnungssteuer verwirkt sei,
aussergewöhnlich, dass das tatsächliche Empfangsdatum durch die
Beschwerdeführerin anscheinend nicht festgehalten wurde bzw. die
Beschwerdeführerin nie ein konkretes Datum der Entgegennahme der an
sie adressierten Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018
behauptete oder zumindest die Gründe dafür darlegte.
Der Beschwerdegegnerin ist ferner zuzustimmen, dass der Zeitpunkt der
Kenntnisnahme der Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018
durch den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin nicht das (erstmalig)
fristauslösende Ereignis darstellt und infolge der zwischenzeitlich
vergangenen 46 Tage sowie der konstant hohen Zielerreichungsquote der
Schweizerischen Post für B-Post (Laufzeitvorgabe von drei Arbeitstagen)
in den Vorjahren, für eine solch grosse Verzögerung in der Zustellung an
die Beschwerdeführerin persönlich eine verschwindend geringe
Wahrscheinlichkeit spricht, zumal die Beschwerdeführerin die
Verrechnungssteuerverfügung unzweifelhaft erhalten hat (vgl. dazu auch
VGU A 98 911 vom 5. Februar 1999 E.2).
Damit die Einsprachefrist eingehalten worden wäre, hätte die Zustellung
der Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018, welche an die
Beschwerdeführerin persönlich versendet wurde, nicht vor dem 11. Juli
2018 erfolgen dürfen. Zwischen dem 25. Juni 2018 und dem
spätestmöglichen Zustelltermin hinsichtlich der Berechnung der
Einsprachefrist (Fristenlauf ab dem auf die Zustellung folgenden Tag:
12. Juli 2018) für eine fristwahrende Einspracheerhebung am 10. August
2018 (Datum der Postaufgabe), liegen ganze 15 Tage bzw. 11 Arbeitstage,
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woraus sich eine Laufzeit bis und mit dem Zustelltag (11. Juli 2018) von
16 Tagen bzw. 12 Arbeitstagen ergäbe. Bei einer ordentlichen Laufzeit von
maximal 3 Arbeitstagen für eine B-Postsendung, hätte somit die Laufzeit
für eine solche B-Postsendung das Vierfache der ordentlichen Laufzeit –
bezogen auf Arbeitstage – betragen. Wenn bei einer derart grossen
Überschreitung der Ziellaufzeiten für B-Postsendungen und unter
Mitberücksichtigung der sehr hohen Einhaltung der (Ziel-)Laufzeiten für
solche Postsendungen in den vergangenen Jahren, eine erst eineinhalb
Monate nach Postaufgabe der Verfügung eingereichte Einsprache noch als
rechtzeitig erfolgt behauptet wird, reicht es nicht aus, nur auf die Beweislast
der verfügenden Behörde für die Eröffnung der Verfügung und dessen
Zeitpunkt zu verweisen, sondern es sind bei unbestrittenem Empfang der
Verfügung auch noch nachvollziehbare Umstände vorzubringen, welche
eine derartige Verzögerung bei der Postzustellung zumindest als plausibel
erscheinen lassen bzw. dass eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine
entsprechende Darstellung der Verfügungsadressatin spricht (vgl. dazu
auch S 17 155 vom 16. Oktober 2018 E.2.2 f.).
3.4. Im vorliegenden Fall kommt das Gericht bei Würdigung der gesamten
Umstände zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin bzw. ihr
Rechtsvertreter weder nachvollziehbare noch plausible Einwände gegen
den von der Beschwerdeführerin am 29. Juni 2018 bzw. spätestens am
2. Juli 2018 angenommen Zustelltermin vorgebracht hat, welche zumindest
mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine ausserordentliche lange
Zustelldauer oder sonstige Unregelmässigkeiten bei der Postzustellung
nahelegen würden. Somit ist auch nicht gemäss der vorstehend in
Erwägung 3.2 wiedergegebenen Rechtsprechung, im Zweifel auf die
Darstellung der Verfügungsadressatin bzw. der (ursprünglichen)
Empfängerin abzustellen. Denn aufgrund der nicht hinreichend konkreten
Vorbringen der Beschwerdeführerin sowie der in vorstehender Erwägung
3.3 erwähnten Umstände, ist überwiegend wahrscheinlich von einer
Zustellung der Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018 an die
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Beschwerdeführerin persönlich vor dem 11. Juli 2018 auszugehen und der
Entscheid der Beschwerdegegnerin, die erst 46 Tage nach Erlass der
Verrechnungssteuerverfügung vom 25. Juni 2018 erhobene Einsprache
vom 10. August 2018 (Postaufgabe) als verspätet zu betrachten, im
Ergebnis nicht zu beanstanden. Die Beschwerdegegnerin ist somit zu
Recht nicht auf die Einsprache vom 10. August 2018 eingetreten.
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4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens, wird die unterliegende
Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 73 Abs. 1 VRG kostenpflichtig (vgl.
dazu WYSS/PFUND/SALZGEBER/STOCKAR, in: STOCKAR/HOCHREUTNER
[Hrsg.], a.a.O., VStG Art. 54 Rz. 7, wonach Art. 54 VStG die
Verfahrenskosten nicht regle und somit das kantonale Recht massgebend
sei). Die Staatsgebühr wird im Rahmen und unter Berücksichtigung von
Art. 75 Abs. 2 VRG ermessensweise auf Fr. 1'500.-- festgesetzt und
zuzüglich Kanzleiauslagen der unterliegenden Beschwerdeführerin
auferlegt. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht in der vorliegenden
Angelegenheit keine Parteientschädigung zu (Art. 78 Abs. 2 VRG).