Decision ID: 22ce55dd-1a47-5f13-a67c-ca74942994ca
Year: 2014
Language: de
Court: FR_TC
Chamber: FR_TC_001
Canton: FR
Region: Espace_Mittelland
Law Area: civil_law

Sachverhalt
A. B._, geboren 1979, und A._, geboren 1970, heirateten am 28. Februar 2003 vor dem Zivilstandsamt C._. Ihrer Ehe entsprossen die Kinder D._, geboren 2009, und E._, geboren 2012.
B. Am 27. Juli 2013 stellte B._ beim Zivilgericht des Sensebezirks ein Gesuch um Erlass von Eheschutzmassnahmen, welches an der Sitzung des Gerichtspräsidenten nach gemeinsamem Antrag auf Scheidung in ein Gesuch um vorsorgliche Massnahmen umgewandelt wurde.
Mit Entscheid vom 11. September 2013 wurden vorsorgliche Massnahmen für das Scheidungsverfahren angeordnet.
B._ stellte ihre Anträge zu den Scheidungsfolgen am 13. November 2013 und verlangte namentlich, A._ sei zu verpflichten, ihr an den Unterhalt der beiden Kinder einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von je Fr. 800.- zu bezahlen, zuzüglich allfällige Kinder-, Betreuungs- und Familienzulagen, sowie ihr an ihren persönlichen Unterhalt bis Ende April 2028 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 860.- zu bezahlen. Der Arbeitgeber von A._ bzw. die Arbeitslosenkasse sei anzuweisen, die genannten Beträge direkt an sie auszustellen. Bezüglich der güterrechtlichen Auseinandersetzung verlangte sie unter anderem, dass die noch bis am 14. September 2013 ausstehenden Mietzinse im Betrag von Fr. 7‘704.40 von A._ übernommen werden. Auf die Teilung der während der Ehe angesparten Pensionskassenguthaben sei zu verzichten und die Prozesskosten seien A._ aufzuerlegen.
A._ reichte seine Anträge am 7. Februar 2014 ein und beantragte namentlich, er selber sei zu verpflichten, an den Unterhalt seiner beiden Kinder einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von je Fr. 110.- bzw. je Fr. 360.-, sobald er eine zumutbare Arbeitsstelle findet, zu bezahlen, nebst allfälligen Kinder-, Betreuungs- und Familienzulagen. Es sei festzustellen, dass die Parteien sich gegenseitig keinen Unterhalt schulden und es sei davon Kenntnis zu nehmen, dass die Parteien güterrechtlich vollständig auseinandergesetzt sind. Die während der Ehe angesparten Pensionskassenguthaben der Parteien seien hälftig zu teilen und die Prozesskosten seien B._ aufzuerlegen.
Am 5. Mai 2014 entschied das Gericht des Sensebezirks namentlich folgendes: 1. Die am 28. Februar 2003 vor dem Zivilstandsamt C._ geschlossene Ehe der Parteien wird
durch Scheidung aufgelöst (Art. 112 ZGB). 2. Die am 5. September 2013 geschlossene Teilvereinbarung über die Scheidungsfolgen wird wie folgt
genehmigt: [...]. 3. A._ wird verpflichtet, B._ an den Unterhalt seiner Kinder einen monatlichen
Unterhaltsbeitrag von je CHF 800.00 zu bezahlen. Allfällige Kinder-, Betreuungs- und Familienzulagen sind zusätzlich zu entrichten. Die Unterhaltsbeiträge sind bis zur Mündigkeit des Kindes geschuldet und darüber hinaus, wenn das mündige Kind noch keine angemessene Ausbildung abgeschlossen hat, welche es ihm erlaubt, für seinen eigenen Unterhalt aufzukommen (Art. 277 Abs. 2 ZGB).
4. A._ wird verpflichtet, B._ bis 30. April 2028 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 250.00 zu bezahlen.
5. [...]
Kantonsgericht KG Seite 3 von 13
6. [...] 7. Die F._ Arbeitslosenkasse, bzw. jeder allfällig nachfolgende Arbeitgeber wird angewiesen,
von der Arbeitslosenentschädigung bzw. vom Lohn von A._ (Zahlstelle ggg) die Beträge gemäss Ziff. 3 und 4 (aktuell CHF 1‘850.00 pro Monat) abzuziehen und diese direkt B._ auf ihr Konto CH... bei H._ auszuzahlen.
8. Die Parteien werden wie folgt güterrechtlich auseinandergesetzt: - Jede Partei wird Eigentümerin derjenigen Gegenstände und Vermögenswerte, welche sich in
ihrem Besitz befinden. - Jede Partei übernimmt die auf sie lautenden Schulden. - A._ wird verpflichtet, B._ den Betrag von CHF 5‘559.05 für ausstehende
Mietzinszahlungen bis Ende August 2013 zu bezahlen. 9. Die Teilung der Austrittsleistungen der Pensionskasse wird verweigert. 10. [...] 11. Die Prozesskosten (Gerichtskosten und Parteientschädigung) werden A._ auferlegt.
Die dem Staat geschuldeten Gerichtskosten (Entscheidgebühr inkl. Auslagen, inkl. Verfahren 10 2013 380 betreffend vorsorgliche Massnahmen) werden auf CHF 3‘200.00 festgesetzt und unter Vorbehalt der unentgeltlichen Rechtspflege von A._ bezogen. A._ wird verpflichtet, B._ eine Parteientschädigung von CHF 5‘973.10 zu bezahlen. Rechtsanwältin Gabriella Weber Morf erklärt sich als nicht mehrwertsteuerpflichtig.
12. [...] 13. [...]
C. Gegen dieses Urteil reichte A._ am 10. Juni 2014 Berufung mit folgenden Rechtsbegehren ein:
1. Auf die vorliegende Berufung sei einzutreten. 2. Die Ziffern 3 Absatz 1, 4, 7, 8, 9, 11 und 12 des Scheidungsurteils des Zivilgerichts des
Sensebezirks vom 5. Mai 2014 seien aufzuheben. 3.1. A._ werde verpflichtet, B._ an den Unterhalt seiner beiden Kinder D._
und E._ einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von je Fr. 355.- zu bezahlen. Allfällige Kinder-, Betreuungs- und Familienzulagen seien zusätzlich zu entrichten.
3.2. A._ werde verpflichtet, B._ bis 30. April 2028 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 162.- zu bezahlen.
3.3. Die F._ Arbeitslosenkasse, bzw. jeder allfällig nachfolgende Arbeitgeber werde angewiesen, von der Arbeitslosenentschädigung bzw. vom Lohn von A._ (Zahlstelle ggg) die Beträge gemäss Ziff. 3 und 4 abzuziehen und diese direkt B._ auf ihr Konto CH... bei H._ auszuzahlen.
3.4. Die Parteien werden wie folgt güterrechtlich auseinandergesetzt: - Jede Partei wird Eigentümerin derjenigen Gegenstände und Vermögenswerte, welche sich in
ihrem Besitz befinden. - Jede Partei übernimmt die auf sie lautenden Schulden. - A._ wird verpflichtet, B._ den Betrag von Fr. 2‘779.50 für bis Ende August
2013 ausstehende Mietzinszahlungen zu bezahlen. Sofern A._ beweist, dass er diesbezüglich schon Zahlungen an die Vermieterschaft geleistet hat, verringert sich der Betrag von Fr. 2‘779.50 um die Hälfte der Zahlung.
Kantonsgericht KG Seite 4 von 13
3.5 Die Pensionskasse der Berufungsbeklagten sei anzuweisen, nach Rechtskraft des Scheidungsurteils vom Vorsorgekonto der Berufungsbeklagten Fr. 5‘836.10 zuzüglich seit dem 28. Februar 2014 laufender vertraglicher Zinsen auf das Vorsorgekonto des Berufungsklägers zu überweisen.
3.6. Die Prozesskosten (Gerichtskosten und Parteientschädigung) seien den Parteien hälftig aufzuerlegen.
4. Sämtliche Partei- und Verfahrenskosten des Verfahrens vor dem Kantonsgericht seien der Berufungsbeklagten aufzuerlegen.
Am 1. September 2014 reichte B._ ihre Berufungsantwort ein. Sie beantragt unter Kosten- und Entschädigungsfolge die Abweisung der Berufung, soweit darauf einzutreten ist.
D. Mit Entscheiden vom 20. Juni 2014 (101 2014-125) bzw. 8. September 2014 (101 2014-194) wurde den Parteien antragsgemäss die vollständige unentgeltliche Rechtspflege erteilt.

Erwägungen
1. a) Erstinstanzliche End- und Zwischenentscheide sind mit Berufung anfechtbar. In vermögensrechtlichen Angelegenheiten ist die Berufung zulässig, wenn der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens Fr. 10'000.- beträgt (Art. 308 ZPO).
Der Berufungskläger war im erstinstanzlichen Verfahren namentlich bereit, Unterhaltsbeiträge für seine beiden Kinder von je Fr. 110.- pro Monat zu bezahlen und verlangte festzustellen, dass er seiner Ehefrau keinen Unterhaltsbeitrag schuldet. Die Berufungsbeklagte verlangte für die beiden Kinder je Fr. 800.- und einen Beitrag an ihren eigenen Unterhalt von Fr. 860.- bis am 30. April 2028. Somit waren insgesamt Fr. 1‘550.- pro Monat strittig (2 x [Fr. 800.- - Fr. 110] + Fr. 860.-). Der Streitwert von Fr. 10‘000.- ist somit längstens erreicht.
Im Übrigen ist auch der Streitwert von Fr. 30‘000.-, der die Anfechtung des vorliegenden Urteils mit zivilrechtlicher Beschwerde an das Bundesgericht ermöglicht, erreicht. Vor dem hiesigen Gerichtshof sind unter anderem Unterhaltsbeiträge von gesamthaft monatlich Fr. 978.- (2 x [Fr. 800.- - Fr. 355.-] + [Fr. 250.- - Fr. 162.-]) strittig.