Decision ID: 0d35478a-72d1-4881-982d-3af8d7fe40a5
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, war von
Mai 1994
bis
Ende April 1998
als
Montageangestellte
bei der
Y._
AG in einem 100%-Pensum angestellt
(Urk.
10/
6
). Am
3
0.
September 1998
(Eingangsdatum) meldete sich die Versi
cherte
bei der
IV-Stelle des Kantons Glarus
unter Hinweis auf
eine
seit Sommer 1997 bestehende
schwere
Depression
zum Bezug von Leistungen der Invalidenver
si
che
rung an (Urk. 10/
4
). Die IV-Stelle
Glarus
sprach der Versicherten ausgehend von einem Invaliditätsgrad von
100
% mit Verfügungen vom
1
0.
Juni 1999
rück
wirkend
ab dem 1. Mai
1998 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu
(Urk. 10/
18, Urk.
10/19),
welche revisionsweise mit Mit
teilung
en
vom
2
6.
Novem
ber 2001 (
Urk.
10/29
, IV-Stelle Glarus
) und
25. Oktober 2006 (
Urk.
10/39
, IV-Stelle Luzern) bestätigt wurde
.
Aufgrund eines Wohnortwechsels in den Kanton Zürich (vgl.
Urk.
10/52) leitete die Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
im Dezember 2009 ein neues
amtliches Revisions
verfahren ein (
Urk.
10/55) und bestätigte den bisherigen An
spruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung mit Mitteilung
en
vom 17. März 2010 (Urk.
10/60)
und
7.
Oktober 2014 (
Urk.
10/80). Im Rahmen letzterer auferlegte die IV-Stelle der Versicherten gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten der
Ab
klä
rungsstelle (
Medas
)
Z._
vom 25.
Juli 2014 (
Urk.
10/77) eine Scha
den
minderungspflicht (
Urk.
10/79).
1.2
Im
November 2015
leitete die IV-Stelle ein weiteres Rentenrevisionsverfahren ein (
Urk.
10/
95
) und nahm
Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht vor.
Sie holte Verlaufsbericht
e
der behandelnden
Ärzte
(Urk. 10/99, Urk. 10/100)
sowie einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherten (IK-Auszug,
Urk.
10/97)
ein und veranlasste eine
psychiatrische
Begutachtung durch
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
, über welche am
1
3.
Mai 2016
berichtet wurde (Urk.
10/110
).
Ausgehend
davon, dass eine Ver
besserung eingetreten und die Depression remittiert sei,
stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 23. Mai 2016 die Aufhebung der Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
10/113). Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 1
4.
Juni 2016
(
Urk.
10/115) sowie ergänzend am 1
6.
August 2016 (
Urk.
10/124), vertreten durch
die Sozialen Dienste, Einwand.
In der Folge holte die IV-Stelle eine Stellung
nahme der psychiatrischen Gutachterin vom 2
4.
August 2016 (
Urk.
10/127) ein.
Zur Klärung beruflicher Eingliederungsmassnahmen fand erstmals am
1
7.
Novem
ber 2016
bei der IV-Stelle ein persönliches Gespräch statt (Urk.
10/147
). Die IV-Stelle gewährte der Versicherten Kostengutsprache für ein Belast
barkeitstraining vom
1
9.
Juli
bis
2
0.
Oktober
2017 bei der
Arbeitsintegration
B._
(Mitteilung
vom
6.
Juli
2017
,
Urk.
10/146
).
Gestü
tzt auf den Schlussbericht der B._
(
Urk.
10/153) teilte
die IV-Stelle mit Schreiben vom
6.
November
2017 mit,
eine Fortführung von Eingliederungs
mass
nahmen sei aufgrund der erzielten Ergebnisse nicht angezeigt
, weshalb die Inte
grat
ions
massnahmen abgeschlossen wü
rden
(
Urk.
10/155).
Mi
t Verfügung vom 7.
November 2017 hob die IV-Stelle wie vorbeschieden die bishe
rige ganze Invalidenrente per Ende Dezember 2017 auf (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 5. Dezember 2017 unter Beilage eines Arztberichtes ihres Hausarztes vom 2
2.
November 2017 sowie dem Schluss
bericht
der
B._
(
Urk.
3/1-2) bei der IV-Stelle Beschwerde
(Urk. 1). Diese leitete die Eingabe mit Schreiben vom 2
7.
Dezember 2017 (
Urk.
4)
an das hiesige Gericht weiter
. Die Beschwerdeführerin beantragte in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) sowie ergänzend mit Schreiben vom
5.
Februar 2018 (
Urk.
7)
sinngemäss
, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Be
schwer
degegnerin sei zu ver
pflichten, ihr weiterhin eine ganze Invalidenrente auszu
richten
.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
8.
Februar 2018 (Urk. 9
) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
5.
März
2018 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk.
11
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Sie kann Folge von Geburtsge
bre
chen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über
die Invalidenver
sicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsun
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hin
gegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE
141
V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung
bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche
auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Da
bei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
ru
m es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Ver
halten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Ausein
andersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolge
rungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechts
anwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) vom
7.
November 2017 hielt die Be
schwerdegegnerin fest,
die medizinische Abklärung habe ergeben, dass seit Mai 2016 von einer Verbesserung des Ges
undheitszustands auszugehen sei und
kein invalidisierender Gesundheitsschaden mehr ausgewiesen sei.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 5. Dezem
ber 2017 (
Urk.
1) sinngemäss geltend,
es liege kein Revisionsgrund vor. An der gesundheitlichen Situation habe sich nichts geändert.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die der Beschwerdegegnerin zugesprochene ganze Rente zu Recht aufgehoben wurde. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer Änderung des Invaliditätsgrades im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG (vgl. E.
1.4
) bildet grundsätzlich die auf eingehender
medizinischer Abklärung fuss
en
de Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom
7.
Oktober 2014 (
Urk.
10/80), mit welcher der Invaliditätsgrad von 100 % und damit der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente im Rahmen des im Juli 2013 angehobenen amtlichen Revi
sions
verfahrens bestätigt wurde.
3.
3.1
Der Rentenbestätigung vom
7.
Oktober 2014 (
Urk.
10/80) lag in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das durch die Beschwerdegegnerin in Auftrag ge
gebene polydisziplinäre
(internistisch
e
, rheumatologisch
e
und psychiatrisch
e
)
Gut
achten der
Medas
Z._
vom 2
5.
Juli 2014 (
Urk.
10/77) zugrunde.
3.2
Im rheumatologischen Teilgutachten hielt
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Physikalische Medizin und Reha
bilitation, speziell Rheumaerkrankungen, fest,
die Beschwerdeführerin
klage
über Kreuzschmerzen, die seit dem Treppensturz im Jahr 1997 in unveränderter Intensität anhalten würden. Im Haushalt sei sie auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen.
Die auf das Skelettsystem bezogenen Symp
tome würden ausserdem durch ein
fibromyalgiformes
Beschwerdebild über
lagert werden, das sich allerdings im Nacken-Schultergürtelbereich lokalisiere und ohne typische Begleitsymptome,
eines
generalisierten Weichteil
rheumatismus
bleibe
.
Dr.
C._
führte weiter aus
, die anamnes
tischen Angaben sowie die Aus
künfte zur funktionellen Kapazität würden in Dis
krepanz zu den klinisch
eruier
baren
Befunden am Bewegungsapparat, aber eben
so zu den konventionell-radio
lo
gischen Verlaufskontrollen (im Juli 1997, April 1998 und Dezember 1999), ein
geschlossen eine
r
computertomographische
n
Ab
klärung der Lumbalwirbelsäule (im Dezember 1999)
,
stehen. Aufgrund dieser Un
ter
suchungs
resultate best
ünden
eine altersentsprechend gute Beweglichkeit in allen drei Bewegungsabschnitten der Wirbelsäule sowie eine einwandfreie knöcherne Heilung im Bereich der zwei Querfortsatzfrakturen beim
2.
und
3.
Len
den
wirbelkörper.
Die erwähnten bildge
benden Dokumentationen würden im Übrigen altersphysiologische degenerative Veränderungen an den Wirbel
gelenken sowie an den Bandscheiben zeigen, die ohne krankenspezifische Bedeutung seien.
Ferner seien die Kriterien für eine Klassifikation zu Fibromyalgie nicht erfüllt. Die beidseitig herabgesetzte und schmerzhafte
Patellaverschieblichkeit
sei möglicher
weise ein Hinweis für eine beginnende
Femoropatella
r
arthrose
, die vermutlich im Zusammenhang mit der
deutlichen Übergewichtigkeit stehe. Im Übrigen sei die Motilität an den gewicht
tragenden Gelenken beidseits in vollem Umfang erhalten. Zusammenfassend sei die Diskrepanz zwischen den subjektiven Angaben und den objektiven Befunden am Bewegungsapparat erheblich. Es bestehe der Verdacht auf eine Symptom
ausweitung und auf eine damit zusammenhängende Selbst
limitierung. Aus rheu
ma
tologischer Sicht seien der Beschwerdeführerin sowohl ihre angestammte Tätig
keit als auch eine Verweistätigkeit in einem 100%-Pensum zumutbar
(
Urk.
10/77/25-27)
.
3.3
Pract
. med.
D._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im psy
chiatrischen Teilgutachten fest,
die Konzentrationsfähigkeit der Beschwerde
füh
rerin sei gegeben. Der über drei Stunden dauernden Exploration habe sie gut folgen können, obwohl die Antworten teils schwierig nachzuvollziehen gewesen seien.
Sie sei
sehr weitschweifig, umständlich, aber auch eingeengt.
Ihre Angaben wiederhole sie oft und ohne Zusammenhang.
Halluzinationen würden verneint werden, trotzdem entstehe der Eindruck einer wahnhaften, zerfallenden Innen
welt. Sie wirke nicht depressiv, jedoch sehr instabil und auch inkonsistent, schnell wechselnd
. Es seien Insuffizienz- und Schuldgefühle erkennbar.
Pract
. med.
D._
beschrieb die Beschwerdeführerin ausserdem
als
affektinkontinent
, affekt
labil und auch antriebsgehemmt. Ferner wirke sie immer wieder inadäquat,
para
thym
und auch bizarr. Im Gespräch sei sie
logorrhoisch
und stark theatralisch, in sich
aber
schlüssig
(
Urk.
10/77/34f.)
.
Pract
. med.
D._
konstatierte,
aufgrund des klinischen Eindrucks und der Auswertung des Psychostatus liege eine schwere depressive Episode vor. Neben den klar depressiv-apathischen Symptomen sei vor allem das Gedankenabreissen auffällig. Das Reden wirke oft sinnlos und es hätten sich Aspekte ergeben, wie sie bei einer
hebephrenen
Schizophrenie zu beobachten seien. Diese Diagnose erscheine aufgrund des Alters der Beschwerdeführerin jedoch
wenig
wahr
schein
lich. Eine klare psychotische Produktivsymptomatik liesse sich nicht finden, aber das Symptomspektrum der Beschwerdeführerin passe zu einer Negativsymp
tomatik wie sie bei einer Schizophrenie beobachtet werden könne. Deswegen sei eine schwere Depression mit psychotischen Symptomen über
wiegend wahr
schein
lich. Diese Störung schränke die Leistungs- und Arbeits
fähigkeit massiv ein. Ferner scheine in den letzten Jahren eine Panik
störung aufgetreten zu sein,
welche
für die aktuelle Einschätzung jedoch nicht von Relevanz sei.
Relevant für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei hingegen die anhaltende somatoforme Schmerz
störung. Diesbezüglich sei eine Komorbi
dität mit der schweren Depres
sion klar gegeben. Der soziale Rückzug sei stark ausgeprägt. Der primäre Krank
heitsgewinn sei
zwar
nicht sicher nachzu
voll
ziehen, es erscheine jedoch über
wiegend wahrscheinlich, dass die Sorge um die Kinder und die Eheprobleme als
Ursache einer pathologischen Bewältigung an
zu
sehen
seien
.
Eine Aggravation
könne trotz des
histrionisch
anmut
enden Verhaltens verneint werden. Die Behand
lungsergebnisse seien t
rotz jahrelanger somatischer und vor allem auch psychia
trischer Behandlung unbe
friedigend.
Der Effekt der psychopharmakologischen Behandlung sei
deshalb
in Frage zu stellen
und die
Medikamentencompliance
der Beschwerdeführerin im weiteren Verlauf zu überprüfen.
Eine stationäre Behand
lung sei grundsätzlich zu empfehlen, mache im deutschsprachigen Raum auf
grund der sprachlichen Probleme der Beschwerdeführerin aber kaum Sinn.
Pract
. med.
D._
äusserte ausserdem
, angesichts der Schwere der Depression sei es erstaunlich, dass nur mit Citalopram gearbeitet werde, welches
im Übrigen
nicht in wirksamen Mengen im Blut nachgewiesen werden könne.
Die Dosierung des
Citalopram und andere
r
An
ti
depressiva
sei
mit Blutspiegelko
nt
r
o
llen zu über
prü
fen
. Eine ergänzende Be
handlung mit Neuroleptika sei ebenfalls unabdingbar. Erst wenn unter solchen medika
mentösen Behandlungsversuchen gewisse Ver
bes
se
rungen zu beobachten seien, seien weitere psychotherapeutische Massnah
me
n ins Auge zu fassen (Urk. 10/77/38-40).
3.4
Im Rahmen der
Schluss
besprechung hielt
en
der federführende Gutachter
Dr.
med.
E._
, Allgemeine Medizin FMH
, und
Dr.
med.
F._
, Rheumatologie
FMH, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (Urk. 10/77
/17):
-
Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3)
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.40)
Ohne wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit notierten die Fachärzte (1)
chronifizierte
Lumbalgien, (2) ein
fibromyalgiformes
Syndrom oberhalb der Taille und Selbstlimitierungstendenz, (3) eine
Femoro
patellar
arthrose
beidseits, (4) Adi
positas (BMI 33.8) sowie eine nicht alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD), (5) eine arterielle Hypertonie, (6) Laktoseintoleranz sowie (7) einen Verdacht auf Status nach Panikstörung (ICD-10: F41.0), differenzialdiagnostisch eine Schizo
phrenie (ICD-10: F20.9), eine
schizoaffektive
Störung (ICD-10: F25.9) oder un
klare Demenz (ICD-10: F09).
Die Gutachter hielten eine unveränderte anhaltend 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die früher ausgeübte Tätigkeit, wie auch für jede andere allenfalls in Frage kommende Verweistätigkeit fest. Limitierend würden sich dabei die schweren psychischen Störungen erweisen. Hinsichtlich der Prog
nose
äusserten
die Gutachter, aufgrund der langen Dauer und der schwer ausge
prägten Psychopathologie könne die Arbeitsfähigkeit durch medizinische Mass
nahmen kaum wesentlich verbessert werden. In thera
peu
tischer Hinsicht sei
jedoch eine Anpassung der Psychopharmakotherapie zu empfehlen (
Urk.
10/
77/17f.).
4
.
4
.1
Der rentenaufhebenden Verfügung vom
7.
November 2017 (
Urk.
2
) lag
im Wes
entlichen
das
durch die Beschwerde
gegnerin eingeholte psychiatrische Gutachten von
Dr.
A._
vom 1
3.
Mai 2016 (
Urk.
10/110) zugrunde.
4
.2
4
.2.1
Dr.
A._
beschrieb die Beschwerdeführerin als vital, mit aufgestelltem Lächeln und sthenischem Schritt. Die Beschwerdeführerin sei sehr mitteilungs
bedürftig und tendiere dazu, ihr wichtig erscheinende Befindlichkeiten aus
schweifend zu beschreiben.
Sie habe sich
aber
gut auf die Exploration fokussieren können und dabei auch durchgehend alert gewirkt. Weiter habe sie
im Rahmen der Exploration
eine breite Palette von emotionalen Nuancen gezeigt. So sei sie im affektiven Rapport gut spürbar, wirke auch am Gegenüber interessiert, gele
gentlich prüfend, selten auch kurz ungeduldig, wenn beispielsweise zu viel auf ihr offenbar unwichtig er
scheinende Fragen und Themen insistiert werde. Mehr
heitlich seien die Fragen klar und prompt beantwortet worden. Bei emotio
nalen Themen, wie ihre Rache
gefühle gegenüber dem Peiniger ihres Sohnes, zeige sich die Beschwerde
führerin eindrücklich theatralisch. So habe sie mimisch und mit voller Stimme eine mehrminutige Rede vorgetragen, die an einen Monolog
aus
Shakespeares
«
King Lear
»
erinnere und inhaltlich auch damit übereinstimme (die Verzweiflung der Mutter, die sich für die Gewalt an ihren Kindern schuldig erachte; täglich sterbe, während der Täter weiterlebe; bereit wäre, ihn umzu
bringen bzw. für ihre Kinder ins Gefängnis zu gehen). Gleichzeitig könne die Be
schwerdeführerin aber auch von diesen dramatischen Inhalten weggeführt werden. Sie lasse sich auf sämtliche ihr angebotenen Themen ein, wobei das breite affektive Spektrum zum Vorschein komme (schmunzelnde bis lachende Kommen
tare, Scherze, Ernsthaftigkeit, Trauer um verpasste Chance als intelligentes Kind, differenzierte Gedanken zur «türkischen Mentalität» etc.).
Sämtliche Emotions
bereich
e
seien dabei themen
adäquat und eine
etwaige
Para
thymie
könne zu keinem Zeitpunkt festgestellt werden.
Dr.
A._
erkannte als zentrales Lebens
thema die Selbstwert
proble
matik, das Bewusstsein eigener Be
gabungen und Res
sourcen, die Bitterkeit und Frustration, nach eigener Auf
fassung durch widerliche Lebensumstände an deren Entwicklung gehindert worden zu sein, und die Suche nach dem Schuldigen, wobei sich hier offenbar gegenwärtig (seit 2013) der Täter des sexuellen Miss
brauchs ihres Sohnes anzu
bieten scheine.
In diesem Gedan
kengang erscheine die Beschwerdeführerin durch
aus logisch nachvollziehbar, zumal auch objektiv der Eindruck einer guten Intelligenz und reifen Persön
lich
keitsstruktur entstehe. Die Ausführungen würden entsprechend keinerlei Anlass
auf eine etwaige psycho
tische Entwicklung geben
.
Sie wirke vielmehr beharrlich und verbittert, wenngleich dann auch wieder nicht fixiert oder eingeengt
(
Urk.
10/110 S. 26f.)
.
Dr.
A._
betonte
weiter, die Beschwerdeführerin sei bewusstseinsklar und in allen Qualitäten orientiert. Mnestische Störungen seien keine objektivierbar. Sub
jektiv werde eine (hochgradige) gestörte Konzentration beklagt (
sie
werde spätes
tens nach einer Stunde durch diverse Schmerzen abgelenkt, wenn sie jetzt arbei
ten müss
t
e). Während der Exploration (Dauer: 2.75 Stunden) sei die Be
schwerde
führerin hingegen hochgradig konzentriert gewesen und habe trotz intensiver emotionaler Beteiligung keinerlei Ermüdungszeichen gezeigt.
Das Denken sei beweglich und die Beschwerdeführerin habe auch von sich aus Themen ange
schnitten. Hinweise für genuines pathologisches Haften oder Perseverieren, auch
Ruminieren
gebe es keine.
Die Beschwerdeführerin habe e
xplizit betont, die Ge
danken an
das
,
was ihren Kindern angetan worden sei
,
und an die Vergangenheit zu vermeiden. S
ie wolle nicht daran denken. Im Rahmen
der gutachterlichen Situation
sei
sie inhaltlich auf ihre eingeschränkte Befindlich
keit und reduzierte Lebenssituation
fokussiert gewesen und habe sich mit akzentuierter,
dramatischer Selbstdarstellung
wiederholt theatralisch in Szene gesetzt
.
Gleichzeitig w
irk
e sie aber auch streckenweise sehr nücht
ern, souverän und wachsam
. Inhaltlich habe die Beschwerdeführerin mehrfach ihre besondere Seriosität und
ihren
Fleiss so
wie ihren Arbeitswillen und
ihre
Motivation betont. Hinweise auf Wahn, Sinnes
täuschungen oder Ich-Störungen seien keine ersichtlich. Die biographisch belas
tenden Ereignisse (Eheprobleme, Schulden, Trennung, alleinerziehende Mutter von vier Kindern mit Problemen, Arbeitsplatz
verlust) würden von der Beschwer
de
führerin, abgesehen von den sexuellen Missbrauchserlebnissen zweier ihrer Kinder, recht nüchtern und ohne psycho
vegetative Erregungszeichen, adäquat und nachvollziehbar dargestellt werden. Gegenwärtig seien keine dissoziative
n
Symptome
eruierbar
. Etwaige
Dys
- oder Parästhesien würden spontan nicht be
klagt werden.
Erst auf Nachfrage hin habe sie von einem nach einer Stunde auf
tretenden Kraftlosigkeitsgefühl und Ganz
körperschmerzen berichtet.
Etwaige Schmerz
zeichen,
antalgische
Sitzhaltungen, Schmerzgrimassieren, Hinken, sich an den Kopf greifen etc. seien während der Exploration jedoch nicht
erfolgt
.
Die Beschwerdeführerin habe auch explizit angegeben, dass es ihr im Alltag
besser
gehe
als früher.
Gastrointestinale Be
schwerden
seien
nicht
berichtet
wo
rden. Anhaltspunkte für etwaige Agora- oder Soziophobie und Zwänge gebe es keine. Sie wirke relativ zuversichtlich für die Zukunft und habe auch stolz
neue
Alltagskompetenzen
, inklusive der Fähig
keit mehrmals jähr
lich in die Türkei zu reisen oder täglich lange Spaziergänge mit neuen Bekannten zu unternehmen,
geschildert
.
Erst auf Nachfrage hin habe die Beschwerdeführerin ein Gefühl der
raschen Erschöpfung auch nach geringer Anstrengung angegeben. Eine relevante
Störung der Schlafqualität sei nicht
eruierbar
. Psychomotorisch sei sie unauf
fällig
, mit lebhafter Mimik und Gestik
und ohne besondere
antalgische
(Spontan-) Kör
perhaltungen während der Begut
achtung. Ferner sei auch kein sozialer Rückzug feststellbar. So habe die Be
schwerde
führerin angegeben
,
Beziehungen zu wichti
gen Bezugspersonen, ins
besondere zu ihren Kindern, Geschwistern und Eltern
zu pflegen
, inklusive
regen telefonischen Austausch
und Reisen in die Türkei. Ausser
dem pflege sie auch eine neue Freund
schaft zu einer anderen türkischen Frau, mit der sie spazieren gehe und Kaffee trinke. Suizidalität werde verneint (
Urk.
10/110 S. 27-29).
4
.2.2
Dr.
A._
fasste zusammen, insbesondere
die Kränkung durch den
Verlust ihrer Arbeitsstelle
bzw. das
Versi
e
ge
n
ihrer zentralen Selbstwertquelle scheine, bei schon längst belasteter Privatsituation bzw. zerrütteter Ehe und der daraus folgenden Konsequenz, fortan als alleinerziehende Mu
tter vier Kinder gross
ziehen zu müssen, rasch ein somatoformes Schmerzleiden konsolidiert zu haben.
Im Laufe der Jahre seien weitere psychosoziale Belastungsfaktoren hinzu
ge
kommen (Zöliakie einer Tochter, Missbrauchsvorfälle und damit zusammenhängendes Justiz
verfahren, Depressionen und Drogensucht einer Tochter), so dass die emo
tionale Konflikthaftigkeit bis ins Jahr 2014 nicht mehr nachge
lassen habe
(Urk. 10/110 S. 30)
.
Anlässlich der aktuellen gutachterlichen Untersuchung habe sich die Beschwerdeführerin jedoch so lebhaft interagierend und spürbar präsen
tiert, dass zu keinem Zeitpunkt der Untersuchung ein eigentlicher angst
voller oder depressiver Affekt feststellbar gewesen sei. Die Frustrations-, Schuld- und Insuffizienzgefühle seien nachvollziehbar dargestellt worden. Ein Eindruck eines krankhaften oder gar psychotischen Ausmasses sei nicht entstanden. Ausdrück
lich festzustellen sei auch, dass die Beschwerdeführerin spontan keinerlei zentrale Absorption durch Schmerzen, Verdauung, Sensibilitäts
störungen oder Kraftlosig
keitsgefühl beschrieben habe. Ferner seien die psycho
metrischen
Kriterien
einer klinischen depressiven Episode nicht (mehr) erfüllt, die früher beschriebene Depression entsprechend remittiert.
Im Übrigen schliesse auch die Beschreibung des Tagesverlaufs und der sozialen Aktivitäten inklusive Reisetätigkeit die im Jahr 2014 noch geltend gemachte schwere depressive Episode aus
(
Urk.
10/110 S. 32)
.
Ätiologisch sei das depressive Leiden als psycho
reaktiv einzuordnen
bzw. sei das depressive Leiden ausschliesslich in Zusammen
hang mit den psychosozialen Belas
tungsfaktoren entstanden. Offenbar sei es der Beschwerdeführerin in den letzten zwei Jahren gelungen, eine Distanz zu den «herunterziehenden» Proble
men
ihrer Kinder
zu schaffen und sich mit der Wieder
aufnahme von Interessen (Lesen, Spazieren, Reisen) und sozialen Aktivitäten (neue Freundin, Familienbe
suchen und «regen Telefonaten») auf
zurichten
(Urk.
10/110 S. 33)
.
Dr.
A._
verwies
ausserdem
auf die ungenügende psychopharmakologische
Behand
lungs
compliance
. Die Beschwerdeführerin habe während der Unter
su
chung angegeben, mindestens seit einem Jahr keine Psychopharmaka mehr ein
zu
nehmen und von einem pflanzlichen (oder homöopathischen) Präparat befrie
di
gende Wirksamkeit zu empfinden. Auch Analgetika nehme sie nicht ein. Eine etwaige polydisziplinäre Behandlung in einer spezialisierten Schmerzsprech
stunde oder Tagesklinik, oder auch stationär, habe nie stattgefunden (
Urk.
10/110 S. 31).
4
.2.3
Die psychiatrische Gutachterin nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
10/110 S. 37):
-
Anamnestisch anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
-
Anamnestisch Neurasthenie (ICD-10: F48.0)
-
Psychosoziale Belastungssituation: gegenwärtig und seit knapp 20 Jahren abwechselnde Probleme
-
mit Bezug auf den engeren Familienkreis, einschliesslich familiärer Umstände (ICD-10: Z63)
-
mit Bezug auf Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10: Z56)
-
mit Bezug auf die Wohnbedingungen oder die wirtschaftlichen Ver
hältnisse (ICD-10: Z59)
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit notierte
Dr.
A._
(1) ein Status nach somatoformer autonomer Funktionsstörung oberes Verdauungssystem (ICD-10: F45.31), (2) ein Status nach funktioneller
Dysphonie
bzw. dissoziativer Störung (Konversionsstörung; ICD-10: F44.4), (3) eine depressive Episode, gegen
wärtig remittiert (ICD-10: F32.4) sowie (4) akzentuierte
histrionische
Persönlich
keitszüge (ICD-10: Z73.1).
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
führte
Dr.
A._
aus, im
Zusammenhang
mit der Bewertung der versicherungsrechtlich geltenden Standardindikatoren könne aus fachärztlich-psy
chiatrischer arbeitsmedizinische
r
Sicht mit dem vorliegenden neurasthenischen und somatoformen Krankheitsgeschehen und remitti
e
rter De
pression keine etwaige hochgradige anhaltende Arbeitsunfähigkeit verbunden werden.
Insgesamt liege seit Zeitpunkt der Begutachtung (
9.
Mai 2016) eine etwa 20%ige Arbeitsunfähigkeit für Hilfstätigkeiten mit geringen körperlichen An
stren
gungsanforderungen vor
(
Urk.
10/110 S. 39)
.
Auf die Tätigkeiten im Haus
halt würden die neurasthenischen und somatoformen Beschwerden keine rele
vante Auswirkung haben, da diese autonom und flexibel gut dosiert werden könn
t
en. Es bestehe somit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten im Haushalt
(
Urk.
10/110 S. 43)
.
5.
5.1
Das psychiatrische Gutachten von
Dr.
A._
wurde in Kenntnis der und
Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(vgl. Urk.
10/110 S. 3-11
) abgegeben. Die Gut
achter
in
hat
detaillierte Befunde erhoben
(vgl. Urk.
10/110 S. 26-29
), die geklagten Beschwerden berücksichtigt (vgl. Urk.
10/110 S. 25f.
)
und sich mit diesen sowie dem Verhalten
der
Beschwerdeführer
in
auseinandergesetzt. Zudem
hat sie
die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt
(vgl. Urk.
10/110 S.
29-37
) und insbesondere auch die
medizinischen Vor
-
akten
kritisch gewürdigt
(
Urk.
10/110 S. 40f.)
und sich einlässlich mit der vor
wiegend relevanten Frage einer Veränderung des Leidens auseinandergesetzt (Urk.
110/43)
. Das Gutachten erfüllt demnach die recht
spre
chungs
gemässen
Anfor
derungen an eine beweiskräftige ärztliche Ent
scheidungs
grund
lage (vgl. E. 1.5).
5
.2
Es steht aufgrund der Akten fest, dass eine
schwere depressive Episode mit psy
chotischen Symptomen (ICD-10: F32.3) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.40)
zur Bestätigung des Anspruchs auf eine ganze Rente führten (Verfügung vom
7.
Oktober 2014
; vgl. vorstehend E.
3.4
). Gutach
terin
Dr.
A._
diagnostizierte in ihrer psychiatrischen Begutachtung eben
falls eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
sowie eine Neurasthenie (ICD-10: F48.0)
und
beurteilte die depressive Episode
als
remittiert.
Aufgrund dessen
schätzte
sie
die psychischen Beschwerden entsprechend ohne wesentliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein. Sie attestierte der Be
schwer
deführerin eine 80%ige Arbeits
fähigkeit (vgl. E. 3.4).
Eine revisions
recht
lich relevante Änderung ist daher
zweifellos
gegeben
.
Es ist
offensichtlich
zu einer Befundbesserung gekommen.
Pract
. med.
D._
beschrieb die Be
schwer
de
führerin in seinem Gutachten als
affektinkontinent
, affektlabil und auch antriebsgehemmt (vgl. E. 3.3).
Dr.
A._
hingegen
erlebte die Be
schwerde
führerin im affektiven Rapport gut spürbar
, in den verschiedenen Emotions
bereichen themenadäquat
und im Gedankengang logisch nachvoll
zieh
bar (vgl. E.
4.2.1).
Ebenso war der von
pract
. med.
D._
festgehaltene stark aus
ge
prägte soziale Rückzug (E. 3.3)
im
Rahmen der Exploration bei Dr.
A._
im Jahr 2016 nicht mehr feststellbar. Vielmehr habe die Be
schwerde
führerin
ange
geben
,
mit ihrer Familie in der Türkei regen Kontakt zu pflegen und diese auch mehrmals jährlich für einige Wochen zu besuchen (Anfang 2016 war die Beschwerdeführerin für fünf Wochen in der Türkei bei ihren Eltern zu Besuch
, um ihre Mutter nach einem Unfall im Haushalt und bei der Pflege zu unterstützen
[
Urk.
10/110
S. 32
]). Ferner lebt die Beschwerdeführerin mit drei ihrer vier Kinder zusammen in einer Wohnung (
Urk.
10/110
S.
31
) und trifft regelmässig eine Freundin zum Kaffee oder für
Spaziergä
ng
e
(
Urk.
10/110
S. 31
).
Der Umstand, dass die
Beschwerdeführerin
nur sporadisch und je nach Bedarf zu ihrem Psy
chiater geht (1 bis 2 mal pro Monat oder auch weniger)
und sie über ein Jahr keine
Medikation (weder Psychopharmaka noch Analgetika)
mehr beanspruchte
und nun nicht verschreibungspflichtige Kräuter und homöopathische Mittel zu sich nimmt (vgl.
Urk.
10/110 S. 25)
, weist ebenfalls auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes hin
resp. lässt darauf schliessen, dass trotz geschilderter Beschwerden relativ wenig Leidensdruck vorhanden ist und sich die Auswir
kungen des Leidens seit dem Jahr 2014 ver
bessert haben
.
Untermauert wird dies durch das Aktivitätsniveau der Be
schwerde
führerin.
So gab
diese
an, täglich ein bis zwei Stunden alleine oder mit einer Freundin spazieren zu gehen, auf dem Balkon einen Kräuter- und Blumengarten zu pflegen,
viel
zu lesen und zusammen mit ihren Kindern den Haushalt zu machen, wobei sie vor allem aufräume und staubsauge (
Urk.
10/110 S.
24f.
).
Weiter hat die Beschwerde
führerin erst auf Nachfrage der psychiatrischen Gutachterin ihre Beschwerden (Schmerzen, keine Kraft, rasche Erschöpfung) genannt (
Urk.
10/110 S. 32)
, wobei diese
,
angesichts der Tatsache, dass sie keine Analgetika mehr einnimmt, zu relativieren sind und auch
in Diskrepanz zu ihrem
tatsächlich gezeigten Aktivitätsniveau stehen.
Im Übrigen äusserte die Beschwerdeführerin
gegenüber Dr.
A._
explizit, dass es ihr «besser als früher» gehe (
Urk.
10/110 S. 27).
5.3
Zusammenfassend ist aufgrund des psychiatrischen Gutachtens von Dr.
A._
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine Verbesserung des psychischen Leidens der Beschwerdeführerin ausgewiesen. So besteht im Vergleich zur Rentenbestätigung im Jahr 2014 insbesondere eine deutliche Re
mission der depressiven Episode
.
Demnach ging die Beschwerdegegnerin gestützt auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
A._
vom Mai 2016 zu Recht davon aus, dass sich der Gesund
heitszustand sowie die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit der letzten materiellen Rentenüberprüfung im Jahr
2014
massgeblich verbessert haben, was rechtsprechungsgemäss
einen Revisionsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG darstellt.
5.4
Die Beschwerdeführerin leidet unter keiner invalidisierenden somatischen Erkra
n
kung. Die vo
n der Gutachterin festgehaltene
Einschränkung der Arbeits
fähigkeit basiert ausschliesslich auf der psychischen Symptomatik.
Nach jüngster Recht
sprechung ist bei sämtlichen psychischen Leiden
die Beurteilung des tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens anhand des in BGE 141 V 281 auf
gestellten Katalogs von Indikatoren vorzunehmen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1).
Diese Stand
ardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hindernder äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensations
potenzi
alen (Ressour
cen) ander
seits - das tatsächlich erreichbare Leistungs
vermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundes
gerichts 9C_534/2015 vom
1.
März 2016 E. 2.2.1).
Die von der psychiatrischen Gutachterin
Dr.
A._
vorgenommene Prüfung der Standardindikatoren (vgl.
Urk.
10/110 S. 34-37) ist plausibel und gibt zu keinen Beanstandungen Anlass. Mithin ist von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit für Hilfstätigkeiten mit geringen körperlichen Anforderungen auszugehen.
Daran vermag auch der Schlussbericht des Belastbarkeitstrainings vom 13. Oktober 2017 nichts zu ändern. Wohl kann d
en Ergebnissen
solcher leistungsorientierter beruflicher Abklärungen
nicht jegliche Aussagekraft für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit abgesprochen werden (Urteil 9C_737/2011 vom 16. Oktober 2012
E. 3.3). Die von der Beschwerdeführerin auch während des Belastbar
keits
trainings geklagten und vorherrschenden Konzentrationsstörungen sowie Ver
ges
s
lichkeit bzw. Verwirrtheit fanden indes in der fachärztlichen gutachterlichen Untersuchung keinen krankheitswertigen Niederschlag und wurden auch durch die nachträglich in Auftrag gegebene bildgebende Untersuchung (MRI-Schädel vom 17. Oktober 2017, Urk. 10/154) somatisch nicht erhärtet. Die Überzeugung der Beschwerdeführerin, lediglich zwei Stunden am Tag arbeiten zu können, äusserte sie auch gegenüber der Gutachterin, die sich damit aufgrund der objek
tiven Befunde auseinandersetzte und zu einer in Einklang mit dem Aktivitäts
niveau stehenden, nachvollziehbaren Schlussfolgerung kam, die durch diejenige
der beruflichen Eingliederungsfachpersonen nicht in Zweifel gezogen werden kann
.
5.5
Die von der Beschwerdegegnerin durchgeführten Eingliederungsmassnahmen (vgl.
Urk.
10/146,
Urk.
10/149,
Urk.
10/153
), welche mit Mitteilung vom
6. Novem
ber 2017
(Urk.
10/155
) abgeschlossen wurden, blieben beschwerdeweise unbestritten.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
6.2
Vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin nur über eine bescheidene schulische Bildung verfügt und in der Schweiz hauptsächlich als Montage
ange
stellte tätig war (vgl.
Urk.
10/6), ist davon auszugehen, dass sie im Gesund
heits
fall in einem 100%-Pensum einer
entsprechenden
Hilfstätigkeit nachgehen würde
.
Dabei würde sowohl beim mutmasslichen Validen- wie beim Invalidenein
kommen derselbe Tabellenwert nach der vom Bundesamt für Statistik heraus
gegebe
nen Lohnstruk
turerhebungen zur Anwendung gelangen, wobei für das
Invaliden
einkommen keine über die attestierte Arbeitsunfähigkeit hinausgehende Ein
schrän
kung zu berücksichtigen wäre. Bei 80%iger Arbeitsfähigkeit in einer leidens
angepassten Hilfstätigkeit kann von der ärztlichen ge
schätzten Arbeitsun
fähigkeit ohne weiteres auf einen entsprechenden Invalidi
tätsgrad geschlossen und damit ein Prozentvergleich vorgenommen werden
(BGE 134 V 322 E. 4.1; Urteile des Bun
desgerichts 9C_192/2014 vom 23.
September 2014 E. 3.2 und 8C_450/2014 vom 2
4.
Juli 2014 E. 7.3). Der Invaliditätsgrad beträgt demnach
20 %, was kein
en rentenbegründenden
Invaliditätsgrad darstellt.
Damit erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig v
om Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.