Decision ID: ef9158ad-7dcc-5b51-abfa-830c6d048e5b
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KG
Chamber: SG_KG_002
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: civil_law

Sachverhalt:
A. (Kläger) und die B. AG (Beklagte) schlossen am 1. März 2016 einen Arbeitsvertrag.
Das Arbeitsverhältnis begann gleichentags und wurde auf unbestimmte Zeit
abgeschlossen. Die Parteien vereinbarten ein Arbeitspensum von ca. 60%, wobei sich
die Arbeitszeiten nach den Kundenbedürfnissen und dem Arbeitsanfall richteten. Die
Entlöhnung erfolgte je nach ausgeführter Tätigkeit nach einer im Arbeitsvertrag
enthaltenen Auflistung des Brutto-Stundenlohns. Die Beklagte erstellte für die
Arbeitseinsätze ihrer Arbeitnehmenden jeweils für einen Monat gültige Arbeitspläne
monatlich im Voraus. In den Monaten März bis Juli 2016 arbeitete der Kläger in sehr
unterschiedlichem Ausmass. Nachdem es Ende Juli 2016 zwischen den Parteien zu
Unstimmigkeiten über die Arbeitszuteilung an den Kläger gekommen war, kündigte ihm
die Beklagte mit E-Mail vom 26. Juli 2016 auf den 31. August 2016 bzw. per 31. Juli
2016 bei Einverständnis des Klägers, wobei dieser nicht einwilligte. Die Beklagte teilte
dem Kläger für August 2016 keine Arbeit mehr zu, weshalb der Kläger für diesen
Zeitraum nun eine offene Lohnforderung in Höhe von Fr. 4'571.55 geltend macht.

Aus den Erwägungen:
III.
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1. Strittig ist zunächst, ob das Arbeitsverhältnis zwischen den Parteien als echte
oder als unechte Arbeit auf Abruf zu qualifizieren ist.
a) Die echte wie auch die unechte Arbeit auf Abruf sind Formen der (uneigentlichen)
Teilzeitarbeit. Sie unterscheiden sich dadurch, dass den Arbeitnehmer bei der echten
Arbeit auf Abruf eine Einsatzpflicht nach Weisung des Arbeitgebers trifft (einseitiger
Abruf durch den Arbeitgeber), wohingegen der Arbeitnehmer bei der unechten Arbeit
auf Abruf keine Einsatzpflicht hat und ein Einsatz erst aufgrund einer gegenseitigen
Vereinbarung zustande kommt. Bei der unechten Arbeit auf Abruf liegt den einzelnen
Einsätzen oftmals ein Rahmenvertrag zugrunde. Ein solcher Rahmenvertrag regelt die
Arbeitsbedingungen zwar einheitlich, stellt jedoch selbst noch keinen Arbeitsvertrag
dar, da sich der Arbeitnehmer darin nicht zur Leistung von Arbeit verpflichtet (vgl. BGer
4A_509/2009 E. 2.3, 4A_334/2017 E. 2.2; BGE 124 III 249 E. 2.a; Streiff/von Kaenel/
Rudolph, Arbeitsvertrag, Art. 319 N 18, S. 111, 116; BSK OR I-Portmann/Rudolph,
Art. 321 N 19; CHK-Emmel, N 6 zu Art. 321 OR; ZK-Staehelin, Art. 319 OR N 58;
Brühwiler, Einzelarbeitsvertrag, Kommentar zu den Art. 319-343 OR, Art. 319 N 11,
S. 32; BK-Rehbinder/Stöckli, Art. 319 OR N 35, wobei Letztere bei einem
Ablehnungsrecht des Arbeitnehmers nicht von Arbeit auf Abruf, sondern von
Gelegenheitsarbeit ausgehen). Von der Arbeit auf Abruf ist die eigentliche Teilzeitarbeit
zu unterscheiden. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass der reduzierte Arbeitseinsatz
wiederholt und mit im Voraus bestimmten – wenn auch möglicherweise
unregelmässigen – Arbeitszeiten erfolgt (Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O., Art. 319
N 18, S. 110).
b) Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass das Arbeitsverhältnis zwischen den
Parteien nicht als unechte Arbeit auf Abruf zu qualifizieren sei, weshalb der Kläger
einen grundsätzlichen Lohnanspruch während der Kündigungsfrist habe. Ob es sich
dabei um Teilzeitarbeit mit Mindestanspruch (60%) oder um (Teilzeit-)Arbeit auf Abruf
mit Befolgungspflicht handle, liess sie offen. Sie erwog, dass im Arbeitsvertrag vom 1.
März 2016 das Arbeitsverhältnis mit Beginn am 1. März 2016 und mit Abschluss auf
unbestimmte Zeit beschrieben werde, weiter die gesetzlichen Kündigungsfristen gelten
würden und das sich nach den Kundenbedürfnissen und dem Arbeitsanfall richtende
Pensum mit ca. 60% festgelegt worden sei. Die einzelnen Bestimmungen, auch in ihrer
kombinierten Form, sprächen klar gegen den Abschluss eines Rahmenvertrages; sie
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ergäben keinen Sinn, wenn die Vorstellung bestanden hätte, dass von Monat zu Monat
ein neuer Vertragsabschluss hätte erfolgen sollen. Daran ändere nichts, dass die
jeweiligen Arbeitseinsätze jeden Monat neu eingeteilt worden seien und sich
unterschiedlich gestaltet hätten. Der Kläger habe zwar Freitage etc. wünschen können,
doch lägen keinerlei Umstände vor, die darauf hinweisen würden, es habe nachträglich,
nach Erstellung des Einsatzplans, keine Befolgungspflicht für ihn bestanden.
Schliesslich spreche auch das Verhalten der Beklagten, die dem Kläger auf Ende
August 2016 gekündigt habe, gegen ihre eigene Interpretation des Arbeitsvertrages.
Die Vorinstanz erachtete den von der Beklagten ins Feld geführten Entscheid des
Bundesgerichts BGer 4A_509/2009 für nicht anwendbar, da im vorliegenden Fall das
Arbeitspensum jeweils nicht neu bestimmt worden, sondern grundsätzlich (bereits) im
Arbeitsvertrag mit 60% enthalten sei und der Kläger nur seine Freitage habe
bekanntgeben, nicht aber sein Pensum bzw. seine Arbeitseinsätze bezüglich Anzahl
und Dauer habe offerieren können. Es sei auch nicht belegt und gar nicht konkret
behauptet, dass der Kläger nicht zur Befolgung des Arbeitsplanes verpflichtet gewesen
sei.
c) Die Beklagte ist der Ansicht, dass es sich bei dem Arbeitsverhältnis mit dem
Kläger um unechte Arbeit auf Abruf gehandelt habe. Sie hätten im Vertrag vom 1. März
2016 nur die allgemeinen Grundsätze des Arbeitsverhältnisses vereinbart, weshalb
dieser einen Rahmenarbeitsvertrag darstelle. Die einzelnen Einsätze, insbesondere die
konkret auszuführenden Arbeitstätigkeiten, die Anzahl Stunden, während derer der
Kläger diese Tätigkeiten pro Tag, Woche oder Monat auszuführen hatte, sowie die
Zeitpunkte, an denen die Tätigkeiten zu erbringen waren, hätten zwingend durch eine
zusätzliche monatliche Parteivereinbarung geregelt werden müssen, ansonsten kein
Arbeitsvertrag zustande gekommen sei. Die Beklagte sieht eine offensichtlich falsche
vorinstanzliche Feststellung des Sachverhalts darin, dass die Vorinstanz die Monat für
Monat von den Parteien abzuschliessenden Einsatzvereinbarungen verneint habe. In
diesem Umstand erblickt sie ausserdem eine unrichtige Anwendung von Art. 319,
Art. 322 und Art. 324 OR, weil die Vorinstanz die Notwendigkeit von monatlichen
Parteivereinbarungen für eine arbeitsvertragliche Bindung verneint und von (echter)
Arbeit auf Abruf mit Befolgungspflicht bzw. von Teilzeitarbeit mit Mindestanspruch
(60%) anstatt von unechter Arbeit auf Abruf ausgegangen sei. Ferner macht die
Beklagte eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch die Vorinstanz
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geltend, da diese ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen sei. So habe die Vor
instanz ohne weitere Begründung festgestellt, dass die einzelnen Bestimmungen des
Vertrages vom 1. März 2016 auch in ihrer Kombination klar gegen den Abschluss eines
Rahmenvertrages sprächen.
Der Kläger liess sich im Beschwerdeverfahren nicht mehr vernehmen, doch hatte er
sich vor Vorinstanz auf ein Arbeitspensum von ca. 60% gestützt und ausgeführt, dass
das Pensum schon in den Vormonaten recht stark reduziert worden sei, zuvor habe er
100% gearbeitet. Nach der Kündigung Ende Juli 2016 sei ihm für August keine Arbeit
mehr zugewiesen worden.
d) Gemäss Art. 18 Abs. 1 OR ist bei der Beurteilung eines Vertrages sowohl nach
Form als nach Inhalt der übereinstimmende wirkliche Wille und nicht die unrichtige
Bezeichnung oder Ausdrucksweise zu beachten, die von den Parteien aus Irrtum oder
in der Absicht gebraucht wird, die wahre Beschaffenheit des Vertrages zu verbergen. In
erster Linie ist demnach der übereinstimmende wirkliche Wille der Vertragsparteien
entscheidend (empirische oder subjektive Auslegung) und in zweiter Linie, falls ein
solcher nicht festgestellt werden kann, die Auslegung der Erklärungen der Parteien
aufgrund des Vertrauensprinzips (normative oder objektivierte Auslegung). Die
Übergänge zwischen der subjektiven und der objektivierten Auslegung sind dabei
häufig fliessend (BSK OR I-Wiegand, Art. 18 N 14). Bei der Auslegung ist vom Wortlaut
der Erklärungen auszugehen, welche jedoch nicht isoliert, sondern aus ihrem konkreten
Sinngefüge heraus zu beurteilen sind. Demnach ist der vom Erklärenden verfolgte
Regelungszweck massgebend, wie ihn der Erklärungsempfänger in guten Treuen
verstehen durfte und musste. Tatfrage, und damit im Beschwerdeverfahren nur auf
Willkür überprüfbar, ist, was die Parteien beim Vertragsabschluss gewusst, gewollt
oder tatsächlich verstanden haben (subjektive Vertragsauslegung); Rechtsfrage ist
dagegen die objektive Vertragsauslegung nach Vertrauensprinzip (vgl. BGE 142 III 671
E. 3.3, 141 V 675 E. 3.5.2; BGer 2C_1055/2012 E. 2.3).
Nachfolgend ist demnach zu prüfen, wie die Parteien ihre rechtsgeschäftlichen
Erklärungen tatsächlich verstanden bzw. allenfalls verstehen durften und mussten
(lit. f), wobei vorab auf die Rüge der Beklagten einzugehen ist, die Vorinstanz habe bei
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ihren diesbezüglichen Erwägungen die Begründungspflicht verletzt bzw. den
Sachverhalt offensichtlich unrichtig festgestellt (lit. e).
e/aa) Eine Verletzung der Begründungspflicht, wie sie die Beklagte geltend macht, ist
nicht ersichtlich. Die aus dem rechtlichen Gehör fliessende Begründungspflicht (Art. 29
Abs. 2 BV) verlangt, dass im Entscheid wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden müssen, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf welche sich der
Entscheid stützt (BGer 5A_47/2017 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). Diesen
Anforderungen ist die Vorinstanz nachgekommen. So hat sie – entgegen der Ansicht
der Beklagten – nicht ohne jede Begründung festgestellt, dass die einzelnen
Bestimmungen des Arbeitsvertrages auch in ihrer Kombination klar gegen den
Abschluss eines Rahmenvertrages sprächen. Vielmehr stellt diese Feststellung eine
Schlussfolgerung der unmittelbar davor gemachten Ausführungen zu den einzelnen
Vertragsbestimmungen dar.
bb) Ebenso ist eine offensichtlich unrichtige – also willkürliche – Feststellung des
Sachverhalts durch die Vorinstanz zu verneinen:
aaa) Soweit die Beklagte eine offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhalts
darin erblickt, dass die Vorinstanz den monatlichen Abschluss von
Einsatzvereinbarungen verneint habe, widerspricht dies den Erwägungen der
Vorinstanz. Diese ging nämlich sehr wohl davon aus, dass die Parteien die konkreten
Arbeitseinsätze des Klägers jeweils monatlich mit Einsatzplänen bestimmt hätten.
bbb) Die Beklagte ist weiter der Ansicht, der Kläger habe, indem er ihr jeweils seine
Freitage angemeldet habe, implizit seine Arbeitsleistung an den übrigen Tagen des
Monats angeboten und ihr damit ein Angebot bezüglich seiner Arbeitseinsätze
gemacht. Der Kläger hätte nach Zustellung des Arbeitsplanentwurfs diesen annehmen,
ablehnen oder ein Gegenangebot einreichen können. Sie, die Beklagte, sei jedenfalls
nicht berechtigt gewesen, dem Kläger Weisungen zu erteilen. Die Beklagte widerspricht
damit der Erwägung der Vorinstanz, der Kläger habe nicht die Möglichkeit gehabt,
seine Arbeitstage bzw. sein Pensum und die Anzahl und Dauer der Arbeitseinsätze frei
zu offerieren, sondern habe lediglich die von ihm gewünschten Freitage im Voraus
anmelden können.
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Aus den Vorbringen der Beklagten und den im Recht liegenden E-Mails geht hervor,
dass die Arbeitnehmenden der Beklagten dieser bis zu einem gewissen Datum – ab
Juni jeweils bis zum 10. eines Monats – die gewünschten Freitage melden konnten. Die
Beklagte erarbeitete daraufhin einen Arbeitsplanentwurf und stellte diesen den
Arbeitnehmenden für allfällige "Rückmeldungen" zu. Der Kläger seinerseits informierte
die Beklagte über seine gewünschten Freitage und bestätigte z.B. den Plan für Juni
2016. Dass der Kläger, wie die Beklagte behauptet, in seiner Offertstellung wie auch in
der Annahme oder Ablehnung des Arbeitsplanentwurfs frei war, ergibt sich aus der
vorliegenden E-Mailkorrespondenz jedoch nicht. Vielmehr spricht die Formulierung der
Beklagten, die um "Rückmeldungen" hinsichtlich der zugstellten Arbeitsplanentwürfe
bat, gerade gegen ein freies Annehmen oder Ablehnen durch den Beklagten. Über
eigentliche Feinjustierungen des Plans hinaus gehende Rückmeldungen dürfte die
Beklagte ohnehin nicht erwartet haben, da eine vernünftige Arbeitsplanung kaum mehr
möglich wäre, könnten sämtliche Mitarbeiter den Plan frei annehmen oder ablehnen.
Ebensowenig lässt sich aus dem Arbeitsvertrag vom 1. März 2016 etwas zu Gunsten
der Beklagten ableiten, da sich dieser weder dazu äussert, wie die einzelnen
Arbeitseinsätze festgesetzt werden, noch den Kläger einer Befolgungspflicht unterstellt
oder ihm ein "Nichtbefolgungsrecht" einräumt.
Die Vorinstanz ist damit gerade nicht in Willkür verfallen, wenn sie festgestellt hat, dass
der Kläger seine Freitage zwar – aber ohne sein Pensum hinsichtlich Anzahl und Dauer
der Arbeitseinsätze frei offerieren zu können – habe wünschen können, jedoch keinerlei
Umstände darauf hinweisen würden, dass der Kläger nicht zur Befolgung des
Arbeitsplanes – gemeint wohl des Arbeitsplanentwurfes – verpflichtet gewesen wäre.
Soweit die Beklagte behauptet, sie hätte dem Kläger gegenüber kein Weisungsrecht
gehabt, übersieht sie sodann, dass Ziff. 13 des Arbeitsvertrages auf die gesetzlichen
Bestimmungen des Obligationenrechts verweist und dieses in Art. 321d Abs. 2 OR eine
generelle Pflicht zur Befolgung und Weisungen des Arbeitnehmers vorsieht.
ccc) Die Beklagte ist weiter der Ansicht, dass der vorliegende Fall praktisch dem vom
Bundesgericht in BGer 4A_509/2009 beurteilten Sachverhalt entspreche, was die Vor
instanz verneinte. Mit der Vorinstanz, auf deren zutreffenden Ausführungen verwiesen
werden kann, ist dies zu verneinen: Im Unterschied zum in BGer 4A_509/2009
beurteilten Sachverhalt ging hier der Kläger selbst nie davon aus, er könne der
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Beklagten unterschiedliche Arbeitspensen anbieten. Vielmehr äusserte er Wünsche und
stellte sich in der E-Mail vom 26. Juli 2016 ausdrücklich auf den Standpunkt, es sei ein
60% Pensum vertraglich vereinbart worden. Im vom Bundesgericht zu beurteilenden
Sachverhalt war im (Rahmen)-Vertrag dagegen gerade kein Arbeitspensum vereinbart
worden und zeigt das Verhalten der klagenden Lehrerin anschaulich, dass nicht einmal
sie selbst sich an das von ihr offerierte Pensum gebunden fühlte, weshalb auch der
Arbeitgeber nicht an ein Pensum gebunden sein sollte. Der vorinstanzlichen
Schlussfolgerung, dass der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt nicht mit jenem in
BGer 4A_509/2009 verglichen werden könne, ist daher ohne Weiteres zu folgen.
f) Die Vorinstanz kam, ohne sich darauf festzulegen, ob sie von einem
übereinstimmenden tatsächlichen Willen oder von einem normativen Konsens ausgehe,
zum Schluss, dass der Arbeitsvertrag vom 1. März 2016 keinen Rahmenvertrag
darstelle und daher keine unechte Arbeit auf Abruf vorliege. Dabei berücksichtigte sie
sowohl die einzelnen Bestimmungen als auch das Gesamtbild des Vertrages (vgl. dazu
im Einzelnen E. 1.b hiervor).
aa) Grundlage des Arbeitsverhältnisses ist der Arbeitsvertrag vom 1. März 2016, der
auch als solcher bezeichnet wurde. Der Kläger wurde demnach für die Positionen als
"Masseur/Empfang/Service/Verkauf (Aushilfe Mitarbeiter Wellness)" angestellt (Ziff. 1).
Das Arbeitsverhältnis begann laut Vertrag am 1. März 2016 und wurde auf
unbestimmte Zeit abgeschlossen (Ziff. 2). Hinsichtlich Arbeitszeit wurde vereinbart,
dass sich diese nach den Kundenbedürfnissen und Arbeitsanfall richte, bei einem
Arbeitspensum von ca. 60% (Ziff. 3). Die Entlöhnung sollte je nach ausgeführter
Tätigkeit nach einer im Arbeitsvertrag enthaltenen Auflistung des Brutto-Stundenlohns
erfolgen (Ziff. 5). Ferner wurde u.a. die Probezeit (Ziff. 4) geregelt und vereinbart, dass
die gesetzlichen Kündigungsfristen gelten sollten, die namentlich im ersten Jahr nach
Ablauf der Probezeit mit 1 Monat aufgeführt wurde (Ziff. 12).
Die im Arbeitsvertrag aufgeführten Bestimmungen und Formulierungen weisen mit
keinem Wort auf unechte Arbeit auf Abruf hin. Sie könnten sogar in einem
Arbeitsvertrag, der eigentliche Teilzeitarbeit zum Inhalt hat, enthalten sein und
sprechen gegen unechte Arbeit auf Abruf. Denn aus ihnen ergibt sich einerseits weder
direkt noch indirekt, dass es sich bei diesem mit "Arbeitsvertrag" bezeichneten Vertrag
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lediglich um einen Rahmenvertrag handle. Andererseits fehlen Hinweise darauf, dass
über die einzelnen Einsätze zusätzliche Vereinbarungen abgeschlossen werden
müssten und der Arbeitnehmer vor Abschluss einer solchen Vereinbarung nicht
gebunden sein sollte, wobei die Formulierung in Ziff. 3, wonach sich die Arbeitszeiten
nach den Kundenbedürfnissen und Arbeitsanfall richteten, vor dem Hintergrund zu
sehen ist, dass es sich bei der Arbeitgeberin um ein Fitnesszentrum mit Bad-, Freizeit-
und Wellnessanlage handelt, das täglich von 06.00 bis 23.00 Uhr geöffnet hat. Die
Arbeitnehmenden arbeiten denn auch in verschiedenen Schichten über den Tag
verteilt, auch an den Wochenenden. Aus der Formulierung in Ziff. 3 kann daher nicht
auf unechte Arbeit auf Abruf geschlossen werden. In Bezug auf die Bestimmung zur
Kündigungsfrist ist der Beklagten zwar beizupflichten, dass eine solche auch bei einem
Rahmenvertrag Sinn machen kann. Allerdings bezieht sich auch hier die
Kündigungsbestimmung nicht auf einen Rahmenvertrag, sondern bleibt offen und
entspricht zumindest für eine Kündigung im ersten und zweiten Dienstjahr der
gesetzlichen Regelung und damit derjenigen zur Beendigung eines konkreten
Einzelarbeitsvertrages. Wie die Kündigungsbestimmung spricht auch jene bezüglich
der Probezeit (Ziff. 4) gegen unechte Arbeit auf Abruf, da beide Bestimmungen bei
einem solchen Arbeitsverhältnis überflüssig sind, könnte der Arbeitgeber doch einfach
auf einen weiteren Einsatz des Arbeitnehmers verzichten. Entgegenhalten lassen muss
sich die Beklagte schliesslich Ziff. 13 Abs. 1, wonach "im Übrigen [...] die gesetzlichen
Bestimmungen des Obligationenrechts" gälten; ein solcher Verweis macht nur dann
Sinn, wenn er die Regelung eines Einzelarbeitsvertrages im Auge hat. Die Vorinstanz
hat daher zu Recht festgehalten, dass die Bestimmungen im Einzelnen wie auch im
Gesamten gegen den blossen Abschluss eines Rahmenvertrages und damit auch
gegen unechte Arbeit auf Abruf sprechen.
bb) Darüber hinaus kann auch aus dem tatsächlich gelebten Vertragsverhältnis und
der Tatsache, dass die Arbeitseinsätze mittels entsprechender Pläne jeweils im
Vormonat festgesetzt wurden, nicht auf unechte Arbeit auf Abruf geschlossen werden.
Denn wie in E. 1.d/bb/bbb hiervor festgestellt, konnte der Kläger zwar seine Freitage
wünschen, nicht aber seine Arbeitszeiten frei offerieren, und er unterlag einer
Befolgungspflicht.
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cc) Aus der E-Mailkorrespondenz vom 26. Juli 2016 ergibt sich schliesslich, dass der
Kläger von einem 60% Pensum bzw. nicht von Arbeit auf Abruf ausging (E-Mails von
18.45 Uhr und 19.27 Uhr). Demgegenüber stellte sich die Beklagte auf den Standpunkt,
die Arbeitseinteilung erfolge nach Arbeitsanfall und auf Stundenlohnbasis (E-Mail von
19.00 Uhr), was allenfalls auf ein tatsächliches Verständnis im Sinne unechter Arbeit auf
Abruf schliessen liesse. Dieser Schlussfolgerung steht indessen, wie die Vorinstanz
richtig feststellte, der Umstand entgegen, dass die Beklagte das Arbeitsverhältnis
kündigte. Der Beklagten ist dabei zuzugestehen, dass D. als juristischem Laien,
immerhin aber Präsident des Verwaltungsrates, die Bedeutung eines Rahmenvertrages
bzw. einer Kündigung im Hinblick auf die Qualifikation des Rechtsverhältnisses
zwischen den Parteien nicht unbedingt bewusst sein musste. Dies ändert aber nichts
daran, dass er mit der E-Mail vom 26. Juli 2016, worin er dem Kläger "fristgerecht auf
den 31. August 2016, oder wenn Du möchtest und im gegenseitigen Einverständnis,
auf den 31. Juli 2016" kündigte, unmissverständlich zum Ausdruck brachte, dass
(auch) nach seinem Verständnis eine Kündigung bzw. ein Aufhebungsvertrag nötig sei,
andernfalls er den Kläger bis Ende August würde weiterbeschäftigen müssen. Wäre D.
von einem Vertrag ausgegangen, bei dem es der Beklagten frei überlassen gewesen
wäre, ob und in welchem Umfang sie den Kläger einsetzen wollte – eben unechte
Arbeit auf Abruf –, hätte er dem Kläger lediglich mitteilen müssen, dass er in Zukunft
nicht mehr eingesetzt werde. Stattdessen hat er aber in seiner Kündigungsmail den
Kläger im letzten Satz aufgefordert, ihm mitzuteilen "was Dir lieber ist damit wir den
Arbeitsplan ggf. rechtzeitig anpassen können". Das Verhalten der Beklagten im
Zusammenhang mit der Kündigung spricht damit ebenfalls gegen unechte Arbeit auf
Abruf.
g) Auf der Basis des von der Vorinstanz willkürfrei festgestellten Sachverhalts kann
aufgrund des Wortlauts des Vertrages vom 1. März 2016 und des nachträglichen
Verhaltens der Parteien, insbesondere auch des Umstands, dass die Beklagte das
Vertragsverhältnis unter Einhaltung der den gesetzlichen Bestimmungen
entsprechenden vereinbarten Kündigungsfrist kündigte, – zusammenfassend –
geschlossen werden, dass die Parteien übereinstimmend den Willen hatten, nicht einen
Rahmenvertrag und damit einen Vertrag über unechte Arbeit auf Abruf, sondern einen
solchen über (eigentliche) Teilzeitarbeit oder über echte Arbeit auf Abruf – welche Form
kann, wie nachfolgend zu zeigen ist, offenbleiben – abzuschliessen. Dies gälte auch
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dann, wenn man einen übereinstimmenden tatsächlichen Willen als nicht
nachgewiesen betrachten wollte. Denn dann könnte mangels anderer bei der
Auslegung zu berücksichtigender Element ausschliesslich auf den Vertragswortlaut
abgestellt werden, aus dem der Kläger, wie ausgeführt (lit. f hiervor), aber nach Treu
und Glauben schliessen durfte, dass er unbefristet zu ca. 60% angestellt sei.
[...]
3.a) Liegt Arbeitgeberverzug vor, so bleibt der Arbeitgeber zur Entrichtung des
Lohnes verpflichtet, ohne dass der Arbeitnehmer zur Nachleistung verpflichtet ist (vgl.
Art. 324 Abs. 1 OR). Geschuldet ist, was der Arbeitnehmer bei normaler
Vertragsabwicklung erlangt hätte, also alle Bestandteile der geschuldeten Entlöhnung
inkl. Sozialversicherungsbeiträge (Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O., Art. 324 N 11;
BK-Rehbinder/Stöckli, Art. 324 OR N 18).
b) Die Beklagte moniert, die Vorinstanz sei von einem viel zu hohen Lohn für August
ausgegangen, weshalb diese den Sachverhalt offensichtlich unrichtig festgestellt und
gegen Art. 324 OR verstossen habe. Sie möchte zur Berechnung des im August
geschuldeten Lohnes auf die beiden arbeitsschwachen Monate Juni und Juli abstellen
und kommt so auf einen Bruttolohn von Fr. 2'537.95 (exkl. Kinderzulagen).
Demgegenüber errechnete die Vorinstanz gestützt auf eine Hochrechnung des
Jahreslohnes auf der Basis von 9 "guten" und 3 "schwachen" Monaten einen
Durchschnittsbruttolohn von Fr. 5'122.80 (exkl. Kinderzulagen) bzw. von Fr. 5'722.80
unter Berück-sichtigung des bei der X. AG erzielten Nebenverdienstes von bisher ca.
Fr. 500.00 bis Fr. 600.00.
c) Zwar ist richtig, dass grundsätzlich auf einen Durchschnittslohn während einer
gewissen Zeitspanne abzustellen ist (vgl. BGE 125 III 65 E. 5 = Pra 88, 1999, Nr. 111;
JAR 2004, S. 587 ff.; BK-Rehbinder/Stöckli, Art. 324 OR N 19). Allerdings erweist sich
dieses Vorgehen im vorliegenden Fall aus den nachfolgenden Gründen als nicht
zielführend:
aa) Bei der vom Kläger angewendeten Methode der Berechnung gestützt auf die
tatsächliche Arbeitsdauer von März bis Juli ergäbe sich ein durchschnittlicher
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Monatslohn von Fr. 4'605.83 (exkl. Kinderzulagen) bzw. auf der Basis von 186
Monatsarbeitsstunden und einem durchschnittlichen Stundenlohn von Fr. 28.50
(Berechnungsbasis: erzielter Bruttolohn exkl. Kinderzulagen [= Fr. 23'029.15] geteilt
durch die gearbeiteten Stunden März bis Juli [= 811.45 Stunden]) bei einem 100%
Pensum ein solcher von Fr. 5'301.00. Der durchschnittliche Monatslohn (Fr. 4'605.83)
entspräche mit andern Worten einem Pensum von 87% und läge damit 27% über dem
vereinbarten ungefähren Pensum von 60%, und dies, obwohl es sich beim fraglichen
Monat August nachvollziehbar – im Unterschied zu anderen Betrieben, in denen der
Arbeitsanfall nicht voraussehbar ist, ist es, wie dies auch im Einsatz des Klägers in den
Monaten Juni und Juli zum Ausdruck kommt – für ein Fitnesscenter geradezu typisch,
dass in den Sommermonaten (deutlich) weniger Kunden kommen und damit weniger
Arbeit anfällt als in den Winter- und Übergangsmonaten – um einen eher schwächeren
Monat gehandelt haben dürfte. Vor diesem Hintergrund fällt eine Berechnung auf der
Basis der in den Vormonaten tatsächlich erbrachten Arbeitsleistungen offensichtlich
ausser Betracht.
bb) Die Methode der Vorinstanz, die den zu entschädigenden Lohn für August
gestützt auf 9 "gute" und 3 "schlechte" Monate berechnete, erweist sich im Vergleich
zu der eben aufgezeigten Methode als noch weniger sachgerecht. Die Vorinstanz kam
für August gestützt auf diese Berechnung auf einen Bruttolohn von Fr. 5'122.80, den
sie um den Betrag von Fr. 600.00 erhöhte, den der Kläger ohnehin bei der X. AG in
einer Nebenerwerbstätigkeit verdient hätte. Der daraus resultierende Lohn von
Fr. 5'722.80 liegt derart deutlich über jenem Lohn, den der Kläger bei einem 60%
Pensum verdient hätte (Fr. 3'192.00) und gar über jenem eines 100% Pensums, dass
die Berechnungsmethode der Vorinstanz als nicht haltbar und damit willkürlich
erscheint.
cc) Ein Abstellen auf den vom Kläger in den umsatzschwachen Monaten Juni und
Juli erzielten Durchschnittslohns, wie dies die Beklagte vorschlägt, erscheint ebenfalls
nicht sachgerecht. Geht man, wie ausgeführt (lit. aa hiervor), davon aus, dass ein 100%
Pensum 186 Arbeitsstunden im Monat entspricht, hätte der Kläger im Juni lediglich mit
einem Pensum von 51% und im Juli mit einem solchen von sogar nur 47% gearbeitet.
Das brauchte er bei einem vereinbarten Pensum von ca. 60% nicht hinzunehmen,
weshalb er dies denn auch, als er dem Arbeitsplan für August entnehmen konnte, dass
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er wiederum für ein tieferes Pensum als 60% eingeteilt sei, gegenüber der Beklagten
monierte.
dd) Damit bleibt, weil nicht bekannt ist, in welchem Arbeitspensum die Beklagte den
Kläger im ursprünglichen Arbeitsplanentwurf für August tatsächlich einsetzen wollte,
lediglich das Abstellen auf das vertraglich vereinbarte 60% Pensum. Diese Lösung
erscheint auch deshalb als sachgerecht, weil einerseits das Pensum im Vergleich zu
dem in den Monaten März bis Mai gearbeiteten Pensum angemessen herabgesetzt ist,
was auch der tieferen Arbeitsauslastung des Fitnesscenters im August entspricht.
Andererseits ist es höher als das dem Kläger in den Monaten Juni und Juli zugeteilte
Arbeitspensum, das dieser als zu tief reklamiert hatte. Ausgehend von einem 60%
Pensum hätte der Kläger somit einen Lohn von Fr. 3'192.00 brutto (exkl. Kinderzulagen)
erzielen können, weshalb die Beklagte dem Kläger grundsätzlich den entsprechenden
Ersatz schuldet.
[...]
IV.
1. Die Prozesskosten bestehen aus den Gerichtskosten und der
Parteientschädigung (Art. 95 ZPO). Für arbeitsrechtliche Streitigkeiten bis zu einem
Streitwert von Fr. 30'000.00 werden dabei keine Gerichtskosten erhoben (Art. 114 lit.
c ZPO).
2.a) Die Prozesskosten werden grundsätzlich der unterliegenden Partei auferlegt
(Art. 106 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Bei Streitigkeiten mit einem Streitwert beurteilt sich dabei
der Grad des Obsiegens in der Regel nach dem Verhältnis zwischen dem im
Rechtsbegehren gestellten Antrag und dem schliesslich zugesprochenen Ergebnis
(Jenny, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 106 N 9; vgl.
auch BK-Sterchi, Art. 106 ZPO N 4 und 7). Das Gericht kann von den klassischen
Verteilungsregeln gemäss Art. 106 ZPO abweichen, wenn sich diese als "starr und
ungerecht" erweisen (BBl 2016 7297), und die Prozesskosten nach Ermessen verteilen
(vgl. Art. 107 ZPO). Der – nicht abschliessende – Katalog in Art. 107 Abs. 1 ZPO enthält
in lit. a bis e typisierte Fallgruppen und schliesst mit dem Auffangtatbestand in lit. f. So
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kommt eine Verteilung nach Ermessen gemäss lit. a in Betracht, wenn die Klage zwar
grundsätzlich, aber nicht in der Höhe der Forderung gutgeheissen wurde und diese
Höhe vom gerichtlichen Ermessen abhängig oder die Bezifferung des Anspruchs
schwierig war. In Anwendung des Auffangtatbestands von lit. f kann das Gericht
sodann von den Verteilungsgrundsätzen abweichen und die Prozesskosten nach
Ermessen verteilen, wenn andere besondere Umstände vorliegen, die eine Verteilung
nach dem Ausgang des Verfahrens als unbillig erscheinen lassen (BBl 2016 7297;
Urwyler/Grütter, DIKE-Komm-ZPO, Art. 107 N 1). Bei der Ermessensausübung darf
sich das Gericht nicht auf ein einzelnes Kriterium versteifen, sondern hat alle Kriterien
zu berücksichtigen (BGer 5P.394/2005 E. 2.3; Jenny, ZPO Komm., Art. 107 N 4). Als
Leitlinie dienen dem Gericht die Grundsätze der Billigkeit gemäss Art. 4 ZGB (BK-
Sterchi, Art. 107 ZPO N 1). Der Auffangtatbestand in Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO dient als
Grundlage für jene Fälle, in denen die Kostenverteilung nach dem Prozessergebnis
geradezu als stossend empfunden werden müsste, wobei von ihm wegen seines
unbestimmten Gehaltes und in Anbetracht der übrigen zur Verfügung stehenden
Ausnahmetatbestände (nur) restriktiv Gebrauch zu machen ist (BGer 5A_482/2014 E. 6;
BK-Sterchi, Art. 107 ZPO N 2, 21).
b) Da vorliegend die Beschwerde im Ergebnis gutgeheissen wird und damit die
Beklagte obsiegt, wären nach dem Grundsatz in Art. 106 ZPO die Prozesskosten für
das erstinstanzliche Verfahren wie auch für das vorliegende Beschwerdeverfahren dem
Kläger aufzuerlegen mit der Folge, dass er die Beklagte für deren Parteikosten in
beiden Verfahren zu entschädigen hätte. Eine ermessensweise Verteilung der
Prozesskosten gestützt auf Art. 107 Abs. 1 lit. a ZPO, wie sie die Vorinstanz
vorgenommen hat, fällt vorliegend aufgrund der Gutheissung der Beschwerde und der
damit verbundenen Abweisung der Klage ausser Betracht.
c) Anders verhält es sich unter dem Aspekt von Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO:
Die Beklagte obsiegt zwar im Ergebnis, unterliegt aber in der von ihr selbst als zentral
betrachteten rechtlichen Hauptfrage der Qualifikation des Arbeitsvertrages als echte
oder unechte Arbeit auf Abruf. Aufgrund der Beantwortung dieser Hauptfrage stünde
dem Kläger grundsätzlich ein Lohnanspruch zu. Dieser ist nur deshalb zu verneinen,
weil der Kläger während der Kündigungsfrist, für die er Lohn von der Beklagten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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verlangte, seiner Schadenminderungspflicht voll und ganz von sich aus
nachgekommen war, indem er seine Nebentätigkeit kurzfristig aufstockte und einer
weiteren Tätigkeit im Auftragsverhältnis nachging. Zu berücksichtigen ist weiter, dass
die Beklagte vor Vorinstanz Vergleichsverhandlungen, zu denen der Kläger bereit
gewesen wäre, mit der Begründung ablehnte, dass sie einen Präzedenzfall hinsichtlich
der Qualifikation des Arbeitsvertrages wolle, und auch in der Beschwerdeschrift
nochmals betont, dass es ihr um die Klärung der Frage bezüglich der
Lohnfortzahlungspflicht auch in Bezug auf weitere Arbeitsverhältnisse gehe, was zwar
grundsätzlich nachvollziehbar ist, sich aber nicht zu Lasten des Klägers auswirken darf,
der gerade in dieser Frage obsiegt. Im Resultat wäre es deshalb geradezu stossend
und höchst ungerecht, wenn der Kläger als juristischer Laie, der im Hauptpunkt
rechtlich durchdringt, wohingegen die Beklagte in der für sie zu klärenden zentralen
Frage der Vertragsqualifikation unterliegt, der Beklagten eine Parteientschädigung
ausrichten müsste, weil er selbst seiner Schadenminderungspflicht nachgekommen ist,
von der die Beklagte nun profitiert, zumal ein vergleichsweise Lösung am Verhalten der
Beklagten scheiterte, während sich der Kläger vergleichsbereit gezeigt hatte.
Es erscheint daher gerechtfertigt, in Anwendung von Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO die
Parteikosten wettzuschlagen; jede Partei trägt ihre Kosten folglich selbst.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 09.03.2018 Art. 319 OR (SR 220): Abgrenzung echte und unechte Arbeit auf Abruf.Art. 324 Abs. 1 OR (SR 220): Berechnung des Lohnes bei Arbeitgeberverzug und Teilzeitarbeit. Das Abstellen auf einen Durchschnittslohn während einer gewissen Zeitspanne erweist sich nicht immer als zielführend.Art. 107 ZPO (SR 272): Festsetzen der Gerichtskosten nach Ermessen (Kantonsgericht, Einzelrichter im Obligationenrecht, 9. März 2018, BE.2017.30).
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2021-09-19T06:07:35+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen