Decision ID: 75a9491f-fc78-4c2a-9fc2-2dce60221543
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 27. Dezember 2011 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1), nachdem
sie am 11. Juli 2011 in B._ als Beifahrerin einen Verkehrsunfall mit einem
Personenwagen erlitten hatte (vgl. IV-act. 12). Die Versicherte war in B._ hospitalisiert
und es war ein Gipskorsett angepasst worden. Danach war sie mit der Rega repatriiert
worden. Vom 27. bis 31. Juli 2011 war die Versicherte im Kantonsspital St. Gallen
(KSSG) hospitalisiert worden, wo eine inkomplette Berstungsfraktur LWK 2 und eine
Sternumkontusion nach Autounfall mit Anpassung eines Gipskorsetts in B._
diagnostiziert worden waren (Fremdakten). Am 5. Dezember 2011 war die Versicherte
im KSSG aufgrund von MRI Befunden (nicht abgeheilte, subakute Fraktur) und der
klinisch persistenten Schmerzsituation sowie des konventionell radiologisch
bestehenden Kyphosewinkels des Wirbelkörpers operiert worden (Vertebroplastie
LWK1 und Schutzvertebroplastie BWK12). Die postoperative Röntgenkontrolle zeigte
eine regelrechte Zementposition. Die Mobilisation im Verlauf gelang problemlos
(Bericht des KSSG vom 12. Dezember 2011, IV-act. 10). Anlässlich der Nachkontrolle
vom 17. Januar 2012 klagte die Versicherte nach wie vor über persistierende
Schmerzen im Bereich der Fraktur. Gemäss den Ärzten rührten die Schmerzen
vermutlich von der Muskulatur her (Bericht des KSSG vom 19. Januar 2012, IV-act. 23).
Auch in der Nachkontrolle vom 28. Februar 2012 klagte die Versicherte über
persistierende vor allem bewegungsabhängige Beschwerden. Beim Röntgen zeigten
sich stationäre ossäre Verhältnisse ohne Nachweis einer Einsinterung oder sichtbaren
Anschlussfraktur im thorakolumalen Übergang (Bericht des KSSG vom 1. März 2012,
IV-act. 30).
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A.b Im Schreiben vom 7. Juni 2012 des KSSG zuhanden der IV-Stelle gab der
behandelnde Arzt an, dass die bisherige Arbeitstätigkeit als Reinigungsfrau im
Hotelgewerbe eine eher ungünstige Tätigkeit sei, da es hier neben der ungünstigen
Körperhaltung auch zu einem gewissen Akkordverhalten komme, welches die Situation
der Versicherten ungünstig beeinflussen dürfte (IV-act. 35).
A.c Im Bericht vom 28. Januar 2013 führte Dr. med. C._, Facharzt FMH für
orthopädische Chirurgie, Wirbelsäulenzentrum D._, aus, die Versicherte weise eine
muskuläre Insuffizienz nach an und für sich adäquater Behandlung der
Wirbelsäulenfraktur, aber ohne entsprechendes Muskelaufbautraining auf. Sie werde
jetzt in der Physiotherapie vorsichtig ein isometrisches Rumpfmuskeltraining lernen (IV-
act. 56). Im Bericht vom 14. Mai 2013 sprach Dr. C._ von einem sehr enttäuschenden
langwierigen Verlauf. Nach einem gynäkologisch-chirurgischen Eingriff vom 8. Mai
2013 sei der Versicherten gesagt worden, sie solle sich drei bis vier Wochen streng
schonen. Dadurch sei sie in ihrer Schonhaltung bestärkt. Obwohl er ihr gesagt habe,
sie solle trotzdem ihre einfachen Rückenmuskelübungen im Liegen machen, werde sie
sehr wahrscheinlich in den vier Wochen nach dem Eingriff Rückschritte machen (IV-act.
62). Im Arztbericht vom 3. Juli 2013 gab Dr. C._ an, dass eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit als Zimmerfrau bestehe. Nach einer stationären Reha sei die
Tätigkeit wieder im zeitlichen Rahmen von 50% zumutbar (IV-act. 65).
A.d Vom 21. August 2013 bis 10. September 2013 war die Versicherte in der Klinik
E._ hospitalisiert. Beim Austritt habe sie keine Veränderung der
Schmerzsymptomatik beschrieben. Aus interdisziplinärer Sicht seien die
Schmerzangaben nicht hinreichend objektivierbar gewesen. Eine Ausweitung der
Leistungsfähigkeit erscheine aus medizinisch-therapeutischen Gesichtspunkten
grundsätzlich weiterhin als realisierbar (IV-act. 74).
A.e Im Auftrag der IV-Stelle wurde beim Medizinischen Gutachtenzentrum Region St.
Gallen GmbH (MGSG) ein polydisziplinäres orthopädisch-psychiatrisches Gutachten
mit internistischer Beurteilung sowie eine Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) an der Orthopädie und Physiotherapie F._ durchgeführt. Im
Gutachten vom 25. Juni 2014 wurde keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit gestellt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden ein
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Thorakolumbovertebrales Syndrom bei Status nach Vertebroplastie L1 und
Schutzvertebroplastie TH12 nach inkompletter Berstungsfraktur L1 im Dezember 2011,
eine laterale Bandinstabilität am oberen Sprunggelenk links, eine Präadipositas, leichte
chronische depressive Stimmungsschwankungen (Dysthymie) bei Zustand nach
Anpassungsstörungen mit längerer depressiver Reaktion, bestehend seit etwa Januar
2012, eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen, eine
arterielle Hypertonie, ein Status nach Pulmonalisvenenisolation 2003 wegen
paroxysmaler AV-Tachykardie und ein Status nach LEEP-Konisation und CK-Curettage
wegen persistierendem PAP III 2013 diagnostiziert. Die Arbeitsfähigkeit als Zimmerfrau
betrage gesamthaft bei voller Stundenpräsenz eines normalen Pensums seit April 2012
100%. Im Rahmen der posttraumatischen respektive postoperativen Rehabilitation
habe die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit von Juli 2011 bis März 2012 0%
betragen (IV-act. 97). In der Stellungnahme vom 23. Juli 2014 hielt der RAD fest, dass
auf das Gutachten abgestellt werden könne (IV-act. 103).
A.f Mit Vorbescheid vom 2. Dezember 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Die Abklärungen hätten ergeben, dass
es der Versicherten zumutbar sei, zu 100% als Zimmerfrau tätig zu sein (IV-act. 115).
A.g Mit Einwand vom 19. Januar 2015 beantragte die Versicherte die Zusprache
mindestens einer halben IV-Rente ab Juli 2012, eventualiter sei eine weitere
polydisziplinäre Begutachtung vorzunehmen. Das MGSG-Gutachten sei nicht
verwertbar, weil es auf unvollständigen Aktenkenntnissen und auf einer völlig
einseitigen orthopädischen Beurteilung beruhe. Die rheumatologischen Probleme
würden ausgeblendet. Sie reichte dazu unter anderem einen Arztbericht von Dr. med.
G._, Facharzt für Chirurgie, vom 18. August 2014 ein (IV-act. 116).
A.h In der im Auftrag des Unfallversicherers erstellten ärztlichen Beurteilung vom 25.
März 2015 hält Dr. G._ fest, dass sich keine Anhaltspunkte für eine zusätzliche
rheumatologische und neurologische Begutachtung ergäben. Bei der Versicherten sei
eine erhebliche Symptomausweitung festgestellt worden. Im MGSG-Gutachten sei
jedoch der organische Kern des 1. Lendenwirbels mit einem Frakturwinkel von 19°
nicht ausreichend berücksichtigt worden. Es könne davon ausgegangen werden, dass
bei einer erhöhten Wirbelsäulenbelastung mit repetitiver Flexion tatsächlich muskulär
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bedingte Rückenschmerzen erwartet werden könnten. Die Versicherte könne aber
durchgehend ganztägig mit vollem Rendement Arbeiten durchführen, die nicht mit
einer Zwangshaltung der Wirbelsäule verbunden seien (Fremdakten).
A.i Mit Verfügung vom 8. Juli 2015 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten ab. Der Rentenanspruch sei nochmals überprüft worden. Die Beurteilung
durch Dr. G._ sei nachvollziehbar. Die angestammte Tätigkeit als Zimmerfrau sei
nicht mehr zumutbar. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe jedoch eine
100%ige Arbeits¬fähigkeit. Es wurde ein Invaliditätsgrad von 0% ermittelt (IV-act. 122).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 10. September 2015. Die Beschwerdeführerin beantragt deren Aufhebung und die
Zusprache mindestens einer halben IV-Rente mit Wirkung ab Juli 2012. Eventualiter sei

die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Das MGSG-Gutachten sei
nicht verwertbar, da es zum Teil in sich widersprüchlich sei, insbesondere aber
unhaltbare Schlussfolgerungen ziehe. Zudem sei zwingend eine neue Begutachtung
durchzuführen, welche auch eine neurologisch/rheumatologische Abklärung enthalte
(act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 21. Oktober 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 100% in
einer angepassten Tätigkeit durch Dr. G._ erscheine plausibel und darauf könne
abgestellt werden. Weitere Abklärungen seien nicht erforderlich (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 26. November 2015 hält die Beschwerdeführerin unverändert an
der Beschwerde fest (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben
vom 4. Dezember 2015 auf die Einreichung einer Duplik (act. G 8).
Erwägungen
1.
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1.1 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
1.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die: a. ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
1.4 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
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Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit
Hinweisen).
1.5 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb).
2.
2.1 Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung des Sachverhaltes erlaubt.
2.2 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der Verfügung im Wesentlichen auf das
MGSG-Gutachten und auf die ärztliche Beurteilung von Dr. G._.
2.3 Die Beschwerdeführerin erachtet das MGSG-Gutachten als nicht beweistauglich.
Die orthopädische Beurteilung inklusive Übersetzung habe lediglich 55 Minuten
gedauert und das Gutachten habe sich über den extremen Kyphosewinkel
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ausgeschwiegen. Zudem werde auf die Ansichten anderer Ärzte verwiesen, welche das
Verbleiben von Schmerzen, welche belastungsabhängig auch anstiegen, grundsätzlich
aber immer vorhanden seien, bestätigen würden. Auch die durchgeführte EFL wird
kritisiert, da die Beschwerdeführerin mit drei Tests von je eineinhalb Stunden am
selben Tag körperlich und mental überfordert worden sei und diese so auch keine
verlässliche Antwort zur funktionellen Leistungsfähigkeit habe liefern können. Weiter
wird kritisiert, dass im MRI-Bericht vom 14. April 2014, welcher im Gutachten erwähnt
wurde, die stationäre Verlagerung von LWK1 in den Spinalkanal um 6 mm nicht
erwähnt worden sei. Das MGSG-Gutachten leide auch an inneren Widersprüchen, so
werde beispielsweise erklärt, vorgeneigte Haltungen seien zu vermeiden und trotzdem
sei in der angestammten Tätigkeit in der Zimmerreinigung eine volle Arbeitsfähigkeit
bescheinigt worden. Ein weiterer innerer Widerspruch liege beim Untersuchungsbefund
vor, wonach bei der paravertebralen Muskulatur beidseits keine palpablen Myogelosen
festzustellen seien und gleich darunter ausdrücklich von der myogelotisch veränderten
paravertebralen Muskulatur beidseits gesprochen werde. Zusammenfassend sei das
MGSG-Gutachten nicht verwertbar, da es zum Teil in sich widersprüchlich sei,
insbesondere aber unhaltbare Schlussfolgerungen gezogen worden seien (act. G 1, S.
3 ff.).
2.3.1 Orthopädisch wurde im MGSG-Gutachten keine Diagnose mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit gestellt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein
thorakolumbovertebrales Syndrom bei Status nach Vertebroplastie L1 und
Schutzvertebroplastie Th12 nach inkompletter Berstungsfraktur L1 12/2011, eine
laterale Bandinstabilität am oberen Sprunggelenk links und eine Präadipositas
diagnostiziert. Nachdem die Schmerzen am BWS/LWS-Übergang und die
demonstrierten pathologischen Untersuchungsbefunde deutlich mit dem nicht sehr
auffälligen MRI-Befund der Wirbelsäule kontrastierten, bestehe spätestens seit April
2012 eine volle Arbeitsfähigkeit als Zimmerfrau. Vorangehend habe die Arbeitsfähigkeit
von Juli 2011 bis März 2012 im Rahmen der posttraumatischen respektive
postoperativen Rehabilitation 0% betragen. Nachdem sämtliche
Behandlungsmassnahmen erfolglos gewesen seien und die Beschwerden nicht hätten
objektiviert werden können, könne kein weiterer Therapievorschlag unterbreitet
werden, ausser einer deutlichen Gewichtsreduktion und Tonisierung der
paravertebralen Muskulatur. Die Prognose sei bei Fixierung auf die Beschwerden und
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mangelnder Motivation ungünstig (IV-act. 97-7 und 97-19). Die durchgeführte
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit habe eine erhebliche
Symptomausweitung ergeben. Infolge von Selbstlimitierung und mässiger Inkonsistenz
seien die Resultate der physischen Leistungstests für die Beurteilung der zumutbaren
Belastbarkeit nicht verwertbar (IV-act. 97-18). Im polydisziplinären Konsens halten die
Gutachter fest, dass, nachdem die subjektiven Beschwerden und demonstrierten
pathologischen objektiven Befunde nicht nachvollzogen werden könnten, aus den
Beschwerden keine Funktionseinschränkung in der bisherigen Tätigkeit als Zimmerfrau
resultiere (IV-act. 97-42).
2.3.2 Dr. G._ hält in seinem Bericht vom 25. März 2015 fest, dass im MGSG-
Gutachten der organische Kern des Unfallschadens nicht berücksichtigt worden sei.
Eindeutig ergebe sich aus den radiologischen Beurteilungen, dass es zu einer
Impressionsfraktur gekommen sei, die mit einem Frakturwinkel von 19° ausgeheilt sei.
Damit bestehe eine leichte Fehlstellung der Wirbelsäule. Oberhalb von LWK1 sei die
Wirbelsäule frakturbedingt verstärkt nach vorne inkliniert. Damit bestehe zwangsläufig
permanent ein höheres ventrales Drehmoment. Diese pathologische Flexionsneigung
könne nur muskulär kompensiert werden. Die aufgrund der normalerweise
physiologischen doppel-S-förmigen Krümmungen autostatische Ausbalancierung der
Wirbelsäule sei nicht mehr gegeben. Die Rückenmuskulatur werde zwangsläufig stärker
beansprucht. Insofern seien Arbeiten, die mit einer zusätzlichen Flexionskomponente
verbunden seien, kontraproduktiv. Selbstverständlich könne die Wirbelsäule aber
sporadisch flektiert werden, ohne dass damit muskuläre Beschwerden ausgelöst
würden. Im Stammberuf als Zimmerfrau würden aber permanent ungünstige Arbeiten
anfallen, die mit einem verstärkten ventralen Drehmoment verbunden seien, was vor
allem durch die Rückenmuskulatur kompensiert werden müsse. Es liege ein
Tätigkeitsprofil vor, dass nicht adäquat sei zum organischen Kern. Der orthopädische
Gutachter habe ausschliesslich auf die erhebliche Symptomausweitung abgestellt,
ohne den organischen Kern zu berücksichtigen. Er habe sogar dokumentiert, dass eine
Keilwirbelbildung L1 vorliege, ohne aber den Winkel zu berücksichtigen. Wenn er zum
Schluss komme, dass die Lendenwirbelsäule quasi normal sei, entspreche dies nicht
der Realität. Mit dem Frakturwinkel von 19°, der in seinem Gutachten nirgends erwähnt
werde, ergebe sich zwangsläufig eine Fehlstellung der Wirbelsäule mit verstärkter
Flexionskomponente. Repetitiv beugende Arbeiten, wie sie in der Tätigkeit als
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Zimmerfrau wiederholt anfallen würden, seien damit kontraproduktiv. Das heisse, für
die Stammtätigkeit als Zimmerfrau bestehe damit ein inadäquates Belastungsprofil,
sodass die Aussagen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit als Zimmerfrau nicht vollständig
seien, da die Fehlstellung nicht miteinbezogen worden sei. Einerseits bestehe zwar eine
erhebliche Symptomausweitung, andererseits aber auch ein organischer Kern, der trotz
der erheblichen Symptomausweitung gutachterlich hätte berücksichtigt werden
müssen. Zusammenfassend sei im MGSG-Gutachten der organische Kern des 1.
Lendenwirbels mit einem Frakturwinkel von 19° nicht ausreichend berücksichtigt
worden. Dass aufgrund des damit verbundenen erhöhten ventralen Drehmoments die
Rückenmuskulatur verstärkt beansprucht werde, liege auf der Hand. Insofern könne
davon ausgegangen werden, dass bei einer erhöhten Wirbelsäulenbelastung mit
repetitiver Flexion tatsächlich muskulär bedingte Rückenschmerzen erwartet werden
könnten (Fremdakten).
2.3.3 Aufgrund dieser ausführlichen und nachvollziehbaren Kritik von Dr. G._ am
MGSG-Gutachten und insbesondere der offensichtlichen Nichtberücksichtigung des
organischen Kerns des Unfallschadens bestehen doch erhebliche Zweifel an der
Beurteilung durch die MGSG-Gutachter, weshalb nicht auf deren
Arbeitsfähigkeitsschätzung, insbesondere nicht auf die Verneinung von
Einschränkungen bei der angestammten Tätigkeit als Zimmerfrau, abgestellt werden
kann.
2.4 Weiter wurde von der Beschwerdeführerin das Fehlen einer rheumatologisch/
neurologischen Beurteilung bemängelt. Die entsprechende Untersuchung in der Klinik
E._ vermöge dies nicht zu ersetzen. Eine solche Begutachtung sei unabdingbar, da
die Beschwerdeführerin über elektrisierende Schmerzen klage, wie auch über
schmerzhafte Vorgänge im Bereich der BWS. Ein Thema seien auch immer wieder die
ausstrahlenden Schmerzen in den rechten Fuss, respektive ein Kraftverlust im rechten
Bein, dessen Ursache bis heute nicht klar sei. Die reine Aktenbeurteilung von Dr. G._,
welcher die Notwendigkeit entsprechender rheumatologischer und neurologischer
Beurteilungen verneine, reiche nicht. Insgesamt sei zwingend ein neues
polydisziplinäres Gutachten durchzuführen (act. G 1, S. 6 f.).
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2.4.1 Im Austrittsbericht der Klinik E._ vom 22. September 2013 wird nicht näher auf
rheumatologische und neurologische Untersuchungen eingegangen. Einzig im
Zusatzblatt (IV-act. 74-3) werden in je einem Absatz der Rheumastatus und der
Neurostatus festgehalten. Die Ärzte halten insgesamt fest, im Rahmen der
Physiotherapie habe initial eine kurzfristige Steigerung der Geh- und Velostrecke
erreicht werden können, die im weiteren Verlauf stagniert habe. Bei der
einzeltherapeutischen Rückenschulung sei ein Heimprogramm für die Rumpfkräftigung
und Beweglichkeit erarbeitet worden. Wiederholte Versuche, die Aktivitäten im
therapeutischen Rahmen weiter zu steigern, hätten nicht erfolgreich durchgeführt
werden können. Da sich die strukturellen Korrelate für die Symptomatik klinisch nicht
vollumfänglich hätten nachvollziehen lassen, seien auch wiederholt Versuche zur
Reduktion der Schmerzmedikation vorgenommen worden, was ebenfalls ergebnislos
verlaufen sei. Bei Austritt habe die Beschwerdeführerin keine Veränderung der
Schmerzsymptomatik beschrieben; aus interdisziplinärer Sicht seien die
Schmerzangaben nicht hinreichend objektivierbar gewesen. Eine Ausweitung der
Leistungsfähigkeit erscheine aus medizinisch-therapeutischen Gesichtspunkten
grundsätzlich weiterhin als realisierbar. Der Austritt erfolge in die gewohnte Umgebung
bei gegenwärtig 100%iger Arbeitsunfähigkeit und der Empfehlung zur Weiterführung
der Physiotherapie im ambulanten Rahmen (IV-act. 74).
2.4.2 Dr. G._ hielt in seinem Bericht vom 25. März 2015 diesbezüglich fest, aus dem
Austrittsbericht der Klinik Klinik E._ ergebe sich, dass die Beschwerdeführerin
sowohl rheumatologisch (Rheumastatus) wie auch neurologisch (Neurostatus)
abgeklärt worden sei. Rheumatologisch habe sich der seit zwei Jahren bestehende
Befund einer schmerzbedingt eingeschränkten Beweglichkeit der BWS und LWS
ergeben. Neurologisch hätten sich keine Auswirkungen der Fraktur auf die Peripherie
ergeben. Das heisse, sowohl die rheumatologischen wie auch die neurologischen
Befunderhebungen seien ohne neue Hinweise auf weitere unfallbedingte Schäden
durchgeführt worden. Insofern müsse nicht erneut ein interdisziplinäres Gutachten mit
Beizug eines Rheumatologen und Neurologen durchgeführt werden. Dr. G._ kommt
schliesslich zum Schluss, dass eine rheumatologische und/oder neurologische
Begutachtung auch deshalb sinnlos seien, da keine neurologische Klinik vorgelegen
habe (Fremdakten). Diese Einschätzung ist plausibel. Entgegen der Darstellung der
Beschwerdeführerin (act. G 1, S. 6 f.) fehlt es in den Akten an differenzierten oder
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wiederholten präzisen Angaben über Schmerzausstrahlungen in das rechte Bein bzw.
den rechten Fuss. Dr. C._ hatte am 28. Januar 2013 noch explizit festgehalten, dass
keine Ausstrahlung bestehe (IV-act. 56-1). Bildgebend wurden an der unteren
Wirbelsäule keine Nervenkompressionen oder sonstigen Pathologien sichtbar, die eine
Schmerzausweitung ins Bein erklären könnten. Dr. G._ verneinte im Übrigen
nachvollziehbar, dass solche Bein-/Fussschmerzen in natürlichem
Kausalzusammenhang mit der LWK1-Fraktur stehen könnten, wenn eine Beteiligung
des Myelons ausgeschlossen worden sei (Fremdakten). Seitens der Klinik E._ waren
auch beim Neurostatus keine Ausstrahlungen erwähnt worden. Bezüglich der von der
Beschwerdeführerin geklagten subjektiven muskulären Erschöpfung nach 15-30
Minuten Gehzeit war nur festgehalten worden, dass die Beschwerdeführerin "in diesem
Zustand" eine Supinationstendenz des rechten Fusses erwähne (IV-act. 74-3). Weder
daraus noch aus sonstigen allfälligen Schmerzangaben schlossen die Klinikärzte aber
auf weiteren Abklärungsbedarf in neurologischer oder rheumatologischer Hinsicht.
Auch Dr. C._ veranlasste nach Lage der Akten keine diesbezüglichen weiteren
Abklärungen. Konkrete Hinweise auf unvollständige Untersuchungen finden sich damit
nicht. Zusammenfassend erscheint eine weitere rheumatologisch/neurologische
Beurteilung nicht angezeigt.
3.
3.1 Zur Beurteilung von Dr. G._ führt die Beschwerdeführerin aus, dass dieser mit
der Aussage, eine Schmerzkupierung sei das Ziel der Vertebroplastie gewesen, selber
bestätige, dass eben Schmerzen (sowohl belastungsabhängige wie auch belastungs-
unabhängige) zurückbleiben würden. Diese Ansicht habe er auch bei der Bemessung
der Integritätsentschädigung vertreten. Es werde zu wenig in Betracht gezogen, dass
die pathologische Flexionsneigung in der BWS/LWS nur muskulär kompensiert werden
könne, ein normales Rückentraining aber gerade wegen dieser pathologischen
Flexionsneigung und der künstlichen Versteifung schmerzbedingt nicht möglich sei. Da
keine muskuläre Kompensation stattfinden könne, würden benachbarte Bereiche
überbeansprucht, weshalb die erst später manifestierten elektrisierenden Schmerzen
respektive auch die Ausstrahlungen ins rechte Bein ohne weiteres denkbar seien.
Zudem genüge die reine Aktenbeurteilung von Dr. G._ für die Abklärung der
vorliegenden Problematik nicht (act. G 1, S. 7 f.).
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3.2 Die Ausführungen von Dr. G._ lassen allerdings nicht darauf schliessen, dass die
Pathologie, konkret der Frakturwinkel bzw. die Kyphose, eine muskuläre Stabilisation
des unteren Rückens derart verhindern könnte, dass auch nicht rückenbelastende
Tätigkeiten nur noch eingeschränkt möglich wären. Dr. G._ sah aufgrund der
Kyphose nur bei beruflich erhöhter Wirbelsäulenbelastung mit repetitiver Flexion
unzureichende muskuläre Voraussetzungen und damit ein erhöhtes Risiko für die
Entstehung von Rückenschmerzen. Er hielt fest, dass die Wirbelsäule
"selbstverständlich" sporadisch flektiert werden könne, ohne dass damit muskuläre
Beschwerden ausgelöst würden (Fremdakten). Die Behauptung der
Beschwerdeführerin, dass schmerzbedingt kein Rückentraining möglich sei, ist ferner
nicht belegt, finden sich in den Akten doch nicht nur von den Gutachtern (vgl. etwa IV-
act. 97-19), sondern auch von den behandelnden Ärzten Empfehlungen zur
Verbesserung des Muskulaturaufbaus (etwa IV-act. 56-2, 62-5, 74-1). Entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin steht ferner der Umstand, dass Dr. G._ seine
Einschätzung ausschliesslich auf Grundlage der Akten abgab und die
Beschwerdeführerin nicht selbst untersuchte, deren Beweiswert grundsätzlich nicht
entgegen. Die direkte ärztliche Auseinandersetzung mit der zu begutachtenden Person
rückt dann in den Hintergrund, wenn es im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen
erübrigen; in einem solchen Fall kann auch ein reines Aktengutachten voll beweiswertig
sein. Für die Beweistauglichkeit entscheidend ist aber, dass genügend Unterlagen von
persönlichen Untersuchungen vorliegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juni
2012, 8C_681/2011 E. 4.1 mit Hinweisen; RKUV 1988 Nr. U 56 S. 370 E. 5b).
Vorliegend gab Dr. G._ seine Beurteilung in Kenntnis der Vorakten ab und legte die
Anamnese lückenlos dar. Er setzte sich zudem detailliert mit den Vorbringen der
Beschwerdeführerin sowie auch kritisch mit der Beurteilung der MGSG-Gutachter
auseinander. Dr. G._ legte nachvollziehbar und überzeugend dar, dass die
Beschwerdeführerin durchgehend ganztägig mit vollem Rendement Arbeiten
durchführen könne, die nicht mit einer Zwangshaltung der Wirbelsäule verbunden sind.
Sie könne sporadisch 10 kg tragen. Sinnvoll seien Arbeiten in Wechselposition. Mit
weiteren Behandlungsmassnahmen könne der Zustand nicht mehr namhaft verbessert
werden (vgl. IV-act. 116-6 f. und Fremdakten). Insgesamt sind die Vorbringen der
Beschwerdeführerin nicht geeignet, die überzeugende Beurteilung von Dr. G._ in
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Zweifel zu ziehen (vgl. entsprechend den Entscheid UV 2015/72 vom 7. September
2018).
3.3 Zusammenfassend ist somit gestützt auf die Einschätzung von Dr. G._ von einer
vollen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen (Fremdakten), dies seit
April 2012 (vgl. IV-act. 97-19). Damit war bei Ablauf des Wartejahres (Art. 28 Abs. 1
IVG) keine relevante Arbeitsunfähigkeit mehr gegeben. Hinsichtlich des
Einkommensvergleichs (vgl. IV-act. 122-2) ergibt sich bei unterdurchschnittlichem
Valideneinkommen selbst unter Vornahme einer allfälligen Parallelisierung und mit
Berücksichtigung eines allfälligen Tabellenlohnabzugs kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad. Damit ist die Abweisung des Rentenanspruchs nicht zu beanstanden.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist ihr daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.