Decision ID: 607579e7-a8bb-544e-93a5-5a86bf03ec3c
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 22. September 2006 bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 1). Sie hatte am 3. Januar 2006 eine Berstungsfraktur des
LWK 1 erlitten, welche operativ versorgt worden war (dorso ventrale Spondylodese Th
12 bis L1 und dorsale Instrumentierung L 2, Segmentfreigabe am 26. Juli 2006; vgl.
Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen [KSSG]
vom 15. Juli 2009, IV-act. 73-1 f.).
A.b Dr.med. B._, FMH Innere Medizin, hielt im Arztbericht vom 28. September 2006
zusätzlich rezidivierende Synkopen unklarer Genese und einen Verdacht auf
Polytoxikomanie bzw. Alkohol(missbrauch) fest (IV-act. 4). Am 28. September 2007
erlitt die Versicherte einen akuten inferoposterioren Myokardinfarkt und während des
stationären Aufenthalts einen Grand-mal-Anfall (Bericht der Kardiologie des
Kantonsspitals St. Gallen [KSSG] vom 5. Oktober 2007, IV-act. 58-3 ff.). Die IV-Stelle
liess die Versicherte bidisziplinär abklären (orthopädisches Gutachten Dr.med. C._,
FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, Rheumatologie und Allgemeine Innere
Medizin, vom 24. Juli 2008; psychiatrisches Konsiliargutachten Dr.med. D._, FMH
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. April 2008; IV-act. 49). Aus Sicht beider
Fachgebiete wurde die bisherige Tätigkeit als Raumpflegerin als nicht mehr zumutbar
(Unüberwindbarkeit der Schmerzen, eingeschränkte Belastbarkeit der Wirbelsäule)
erachtet und für eine (optimal) angepasste Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 30 %
attestiert (IV-act. 49-7, 26).
A.c Berufliche Massnahmen konnten nicht durchgeführt werden. Da das
Eingliederungspotential nicht festgestellt werden konnte, ordnete der RAD eine
Verlaufsbegutachtung an (Schlussbericht berufliche Eingliederung vom 23. November
2009, IV-act. 81; RAD-Stellungnahme vom 20. Januar 2010, IV-act. 82).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.d Die MEDAS Ostschweiz erstattete am 20. Dezember 2010 im Auftrag der IV-Stelle
ein zweites, polydisziplinäres Gutachten (E._, Eidg. Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie; Dr.med. F._, Neurologie FMH; Dr.med. G._, Orthopädische
Chirurgie FMH; Untersuchungen 20. bis 22. September und 20. Oktober 2010). Die
Gutachter kamen zum Ergebnis, aus orthopädischer und psychiatrischer Sicht und
auch polydisziplinär sei die Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten um 30 %
eingeschränkt (IV-act. 96-35 ff.).
A.e Nachdem der RAD Stellung genommen hatte, auf das Gutachten könne abgestellt
werden (10. Februar 2011, IV-act. 97), stellte die IV-Stelle der Versicherten mit
Vorbescheid vom 22. Juli 2011 (IV-act. 107) die Abweisung des Rentengesuchs in
Aussicht. Hiergegen liess die Versicherte am 9. August 2011 Einwand erheben (IV-act.
108), den sie nach Abklärungen betreffend das psychiatrische Untersuchungsgespräch
(vgl. dazu Eingabe der Versicherten vom 7. September 2011, IV-act. 117-1, und
Stellungnahme von E._ vom 6. Januar 2012, IV-act. 132-5 f.) am 31. Januar 2012 mit
der Unvollständigkeit der Akten bzw. der Anamnese begründete (IV-act. 132-1 ff.).
A.f Die IV-Stelle wies das Rentengesuch nach Einholung einer weiteren RAD-Stellung-
nahme vom 15. März 2012 (IV-act. 134) mit Verfügung vom 26. März 2012 ab (IV-act.
136) und widerrief diese nach Eingang eines Berichts der Klinik für Orthopädische
Chirurgie des KSSG vom 22. März 2012, wonach ein Grossteil der Beschwerden im
Bereich der unteren Extremität mit einer progredienten Spinalkanalstenose vereinbar
seien (IV-act. 137-1 ff.), am 5. April 2012 (IV-act. 144).
A.g Die Versicherte war in der Kriseninterventionsstation des Psychiatrischen
Zentrums H._ vom 19. Juli bis 10. August 2012 in stationärer und vom 13. bis 27.
August 2012 in teilstationärer tagesklinischer Behandlung (Austrittsbericht vom 10.
September 2012, IV-act. 166-9 ff.) und ab 18. September 2012 im Psychiatrischen
Zentrum in ambulanter Therapie (Arztberichte Dr.med. I._, Oberarzt, vom 7.
Dezember 2012, IV-act. 159, und vom 2. April 2013, IV-act. 166-1 ff.).
A.h Nachdem der RAD nach mehrfacher Ergänzung der medizinischen Akten sowie
mehreren Stellungnahmen zuletzt am 14. Mai 2013 festgehalten hatte, es sei seit dem
Gutachten keine versicherungsmedizinisch relevante Verschlechterung ausgewiesen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(IV-act. 167), erliess die IV-Stelle am 5. Juni 2013 erneut einen rentenabweisenden
Vorbescheid (IV-act. 171).
A.i Am 20. Juni 2013 wurde bei hochgradiger Spinalkanalstenose LWK 3/4 eine
Dekompression LWK 3/4 mit Sequesterektomie und Nukleotomie und am 1. Juli 2013
eine Wundrevision vorgenommen (Bericht Neurochirurgie KSSG vom 16. Juli 2013; IV-
act. 178-3 ff.; Operationsberichte IV-act. 178-1, 2). Unter Hinweis auf diese
Operationen liess die Versicherte am 8. Juli 2013 gegen den Vorbescheid vom 5. Juni
2013 Einwand erheben (IV-act. 172). Vom 18. Juli bis 17. August 2013 unterzog sie sich
einer Rehabilitation in den Kliniken Valens in J._ (Austrittsbericht vom 2. September
2013, IV-act. 188-5 ff.) und war vom 10. bis 22. Februar 2014 in der Klinik für
Rheumatologie des KSSG hospitalisiert (Kurzaustrittsbericht vom 21. Februar 2014, IV-
act. 225-76 ff.). Vom 26. Februar bis 15. März 2014 erfolgte wiederum eine stationäre
Rehabilitation in den Kliniken Valens in J._ (vorläufiger Austrittsbericht vom 12. März
2014, IV-act. 225-83 ff.; vgl. auch Austrittsbericht vom 28. März 2014, IV-act. 225-94
f.).
A.j Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte durch die MEDAS Bern begutachtet
(Gutachten vom 15. Oktober 2014, Innere Medizin, Neurologie, Orthopädische
Chirurgie, Psychiatrie; Untersuchungen 29. April bis 22. August 2014; IV-act. 225-1 ff.).
Die Experten diagnostizierten mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit als Reinigungskraft/
Zeitungsverträgerin eine rezidivierend depressive Episode, mittelschwer, bei ängstlich
selbstunsicherer abhängiger Primärpersönlichkeit (ICD-10: F33.1), ein
lumbospondylogenes Syndrom ohne radikuläre Zeichen, eine Knieinstabilität links nach
vorderer Kreuzbandruptur links nach Misstritt vom 17. Februar 2013 und ohne
Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 225-34) ein Zervikalsyndrom mit myofascialer
Schmerzausstrahlung, eine koronare Herzerkrankung bei Status nach
inferoposteriorem Myokardinfarkt, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), einen Alkoholabusus,
abstinent, und einen Benzodiazepinabusus (IV-act. 225-33 f.). Aus rein psychiatrischer
Sicht bestehe in der angestammten Tätigkeit sowie in Verweistätigkeiten eine
Arbeitsfähigkeit von 70 %. Aus orthopädischer Sicht bestehe in der angestammten
Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr und im Rahmen des Zumutbarkeitsprofils eine
solche von 80 % (IV-act. 225-34).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.k Mit Vorbescheid vom 11. November 2014 wurde der Versicherten - nach einer
Stellungnahme des RAD am 27. Oktober 2014 (IV-act. 226) - die Abweisung des
Rentengesuchs in Aussicht gestellt (IV-act. 227). Hiergegen liess die Versicherte am 12.
Dezember 2014 durch die Procap Einwand erheben (IV-act. 232). Sie verwies dabei auf
eine nicht berücksichtigte Verschlechterung des Gesundheitszustandes in
orthopädischer Hinsicht sowie auf die inzwischen gestellten Diagnosen eines
Hirninfarkts und einer Epilepsie (Bericht Klinik für Neurologie KSSG vom 7. Oktober
2014, IV-act. 238-8 ff.).
A.l Die IV-Stelle legte die Angelegenheit nochmals dem RAD vor und wies gestützt auf
dessen Stellungnahme vom 2. März 2015 (IV-act. 244) das Leistungsbegehren
betreffend Rente mit Verfügung vom 6. März 2015 aufgrund eines Invaliditätsgrades
von 30 % ab (IV-act. 245).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 23. April 2015 beantragt die Beschwerdeführerin die
nochmalige Überprüfung ihrer Invalidität sowie die unentgeltliche Prozessführung
(Befreiung von den Gerichtskosten). Eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 70 % sei
ihr gesundheitsbedingt nicht möglich. Insbesondere wegen ihres Schlaganfalles
bestünden zusätzliche Beschwerden, die ihre Arbeitsfähigkeit um mehr als 30 %
einschränkten. Es seien weitere neurologische Abklärungen vorgesehen (act. G 1).
B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 5. Januar 2016 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das MEDAS-Gutachten sei
ausführlich abgefasst und dessen Schlussfolgerungen zusammen mit der
Arbeitsfähigkeitseinschätzung seien in jeder Hinsicht nachvollziehbar. Die nach der
Begutachtung eingereichten medizinischen Unterlagen seien in der RAD-
Stellungnahme vom 2. März 2015 ausführlich gewürdigt worden. Demnach sei davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Verfügung zu 70 % in
einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig sei (act. G 9).
B.c Mit Eingabe vom 23. Januar 2016 (act. G 10) reicht die Beschwerdeführerin dem
Gericht unter anderem Berichte der Klinik für Rheumatologie des KSSG über eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Hospitalisation vom 12. bis 24. Oktober 2015 (Kurzaustrittsbericht vom 23. Oktober
2015, act. G 10.3) und des Psychiatrischen Zentrums H._ vom 4. Januar 2016 (act. G
10.2) ein.
B.d Die Abteilungspräsidentin bewilligt der Beschwerdeführerin am 28. Januar 2016
die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten; act. G 11).

Erwägungen
1.
1.1 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
1.4 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (BGE 126 V 360
E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1 Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung vom 6. März 2015 bildet
das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS Bern vom 15. Oktober 2014. Umstritten
und zu prüfen ist, ob darauf abgestellt werden kann.
2.2 In Bezug auf die Schmerzen diagnostiziert der orthopädische Gutachter der
MEDAS Bern ein lumbospondylogenes Syndrom ohne radikuläre Zeichen bei/mit
Status nach Spondylodese Th12/LWK1 und nach Dekompression LWK 3/4 und bei
Rezidivhernie im Segment L3/4 ohne Kontakt zu den neuralen Strukturen gemäss MRI
vom 20. Mai 2014 sowie eine Knieinstabilität links nach Kreuzbandruptur (IV-act.
225-33). Er führt aus, die angegebenen Beschwerden fänden sowohl klinisch wie
radiologisch überwiegend ein entsprechendes Substrat, gingen jedoch über den
radiologischen und klinischen Befund hinaus (IV-act. 225-33). Im Rahmen eines im
Wesentlichen rückenschonenden Zumutbarkeitsprofils attestiert er eine Arbeitsfähigkeit
von 80 % (IV-act. 225-33 f.). Nachvollziehbar erscheint die vom orthopädischen
Gutachter angenommene Verschlechterung des Befundes (IV-act. 225-35; vgl. auch
RAD-Stellungnahme vom 17. Dezember 2013, IV-act. 196) aufgrund der seit der
Begutachtung 2010 eingetretenen Progredienz der Diskushernie L3/4 bzw. der
Spinalkanalstenose und der folgenden Operation mit Komplikation im Verlauf (Bericht
Neurochirurgie KSSG vom 16. Juli 2013, IV-act. 178-5). Der im Einwandverfahren
geltend gemachte Widerspruch zwischen einerseits der Feststellung einer
Verschlechterung gegenüber dem Vorgutachten und andererseits der Attestierung
einer höheren Arbeitsfähigkeit (IV-act. 232-1 f.) beruht möglicherweise darauf, dass der
orthopädische Gutachter der MEDAS Bern davon ausging, der Vorgutachter habe eine
Arbeitsfähigkeit (und nicht, wie zutreffend, eine Arbeitsunfähigkeit) in angestammter
Tätigkeit von 100 % attestiert (IV-act. 225-32). In Anbetracht der vom orthopädischen
Gutachter angenommenen und plausiblen Verschlechterung des
Gesundheitszustandes aus orthopädischer Sicht stellt sich somit die Frage, ob seine
Einschätzung oder diejenige der orthopädischen Vorgutachter mehr überzeugt. Dies
kann jedoch offen bleiben, da retrospektiv und interdisziplinär die mit 70 % tiefer
eingeschätzte Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht limitierend ist. Zudem war die
Verschlechterung lediglich vorübergehend, gab doch die Beschwerdeführerin gemäss
Bericht der Neurochirurgie vom 11. September 2013 bei Behandlungsabschluss eine
deutliche Schmerzlinderung an (IV-act. 195-3 f.). Zudem erwähnt der Bericht vom 16.
Juli 2013 eine erfolgreiche konservative Therapie der Knieverletzung (IV-act. 178-4). Es
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ist sodann auch nicht dargetan oder ersichtlich, dass die übrigen im Gutachten vom
24. Dezember 2010 gestellten Diagnosen - chronische Peripelvin-, Inguinal- und diffuse
Bein-/Fussschmerzen links, leichte sensible Polyneuropathie und Schwäche und
Gefühlsstörung der linken unteren Extremität und leichte Schulterperiarthropathie links
(IV-act. 96-53) - Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten, welche das der
angefochtenen Verfügung zugrunde liegende Gutachten nicht berücksichtigt hat. Im
Ergebnis erscheint daher plausibel, dass aus orthopädischer Sicht auch rückblickend
nicht eine quantitativ eingeschränktere Arbeitsfähigkeit anzunehmen ist als aus
psychiatrischer Sicht.
2.3 Die Beschwerdeführerin macht sodann im Wesentlichen geltend, auf das
Gutachten der MEDAS Bern könne aufgrund der inzwischen gestellten Diagnosen einer
Epilepsie und eines Hirninfarktes nicht mehr abgestellt werden (act. G 1). Im Bericht der
Klinik für Neurologie des KSSG vom 30. Juli 2014 wird festgehalten, in
Zusammenfassung der anamnestischen Angaben und des EEG-Befundes sei die
Diagnose einer Epilepsie zu stellen (IV-act. 238-4). Im MRI Neurocranium vom 5. Juni
2014 hatte sich ein lakunärer Defekt links zerebellär, a.e. embolisch bedingt, gezeigt
(IV-act. 238-2). RAD-Ärztin Dr.med. K._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, nahm hierzu am 2. März 2015 Stellung, die singuläre Lakune im
Kleinhirnbereich sei noch nicht funktionsbeeinträchtigend. Es fehle auch ein Hinweis
auf strukturelle Ursachen einer Epilepsie im MRI vom Juni 2014; allein im EEG vom Juli
2014 fänden sich Hirnaktivitäten, welche zu Anfällen führen könnten. Die
Anfallshäufigkeit sei jedoch äusserst gering, auch wenn die Angaben der
Beschwerdeführerin dazu variierten. Im Juli 2014 sei ein letztes Anfallsereignis im Mai
2014 angegeben worden; in der neurologischen Untersuchung vom Oktober 2014 sei
eine Anfallsfreiheit seit drei bis fünf Jahren angegeben worden. Eventuell mögliche,
sehr seltene, eher nicht generalisierte Anfälle könnten keine weitere quantitative
Arbeitsfähigkeitseinschränkung begründen (IV-act. 244). Die vormals vertretene
Beschwerdeführerin hat zwar weitere diesbezügliche (neurologische) Berichte in
Aussicht gestellt (act. G 1, 3, 6, 10), solche jedoch nicht eingereicht. Aktenkundig sind
ein Grand-Mal-Anfall am 30. September 2007 (Bericht Kardiologie KSSG vom 5.
Oktober 2007, IV-act. 58-3 ff.) und ein Zungenbiss während eines Langzeit-EEGs,
welches jedoch im fraglichen Zeitraum keine epilepsietypischen Potentiale aufwies
(Bericht Neurologie KSSG vom 30. Juli 2014, IV-act. 238-3 f.). Dr. D._ erwähnte in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
seinem Gutachten vom 21. April 2008 seit mehreren Jahren etwa zehnmal jährlich
auftretende Bewusstseinsverluste, deren Ursache auch in der Alkoholerkrankung liegen
könne (Intoxikation oder Entzug; IV-act. 49-16), befand sie indessen für die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung nicht als relevant (IV-act. 49-22 f., 25). Anlässlich der
neurologischen Begutachtung am 20. Oktober 2010 äusserte die Beschwerdeführerin,
Bewusstseinsverluste ohne Vorboten seien seit zwei Jahren nicht mehr vorgekommen,
seither sei sie zweimal kreislaufbedingt kollabiert, mit vorausgehendem Schwindel.
Nicht datierbar habe sie einige Wochen bis Monate ein nicht erinnerliches
Antiepileptikum genommen, das nach einem ersten EEG mit Epilepsiezeichen
verschrieben und nach Anfallsfreiheit sowie einem normalen zweiten EEG wieder
abgesetzt worden sei (IV-act. 96-50, 55). Der damalige neurologische Gutachter hielt
fest, die neurologischen Affektionen - eine leichte sensible Polyneuropathie und die
rezidivierenden Bewusstseinsverluste - begründeten keine Arbeitsunfähigkeit in der
bisherigen Tätigkeit (IV-act. 96-56). Insgesamt erscheint nachvollziehbar, dass der
neurologische Experte der MEDAS Bern von fehlenden konkreten Hinweisen auf eine
manifeste Epilepsie ausging, eine beklagte Kraftminderung im linken Arm auf
algophobe Selbstlimitierung zurückführte und zum Ergebnis kam, in der neurologisch-
versicherungsmedizinischen Gesamtbewertung ergäben sich keine Hinweise für eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, welche über die Bewertung des orthopädischen
Fachgebietes hinausgehen würde (IV-act. 225-28, 45).
2.4
2.4.1 Psychiatrisch werden von allen Gutachtern übereinstimmend eine
Alkoholabhängigkeit (bei inzwischen erreichter Abstinenz), eine rezidivierende
depressive Störung, leichte bis mittelschwere Ausprägung, selbstunsichere und
paranoide bzw. abhängige Persönlichkeitszüge sowie eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung bzw. eine Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren bzw. eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren diagnostiziert und eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von
30 % für adaptierte Tätigkeiten attestiert (psychiatrische Abklärung vom 21. April 2008,
IV-act. 49-21 ff., 26; psychiatrisches Consiliargutachten vom 26. Oktober 2010, IV-act.
96-66 f.; psychiatrische Begutachtung vom 22. August 2014, IV-act. 225-58 f.). Die
psychiatrische Gutachterin der MEDAS Bern zählt die anhaltende somatoforme
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schmerzstörung zu den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act.
225-58), wohl mit Blick auf die damals geltende Rechtsprechung des Bundesgerichts.
2.4.2 Das Bundesgericht hat seine Rechtsprechung zu den unklaren Beschwerden
geändert und die Vermutung, Schmerzsyndrome und vergleichbare psychosomatische
Leiden seien überwindbar, aufgegeben und durch einen strukturierten, normativen
Prüfungsraster ersetzt (BGE 141 V 281, insb. S. 294 f. E. 3.5 f.). Gemäss altem
Verfahrensstandard eingeholte Gutachten verlieren nicht per se ihren Beweiswert. Im
Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen
Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ist entscheidend, ob das abschliessende
Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 137
V 266 E. 6). In sinngemässer Anwendung auf die materiellbeweisrechtlich geänderten
Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die administrativen und/oder
gerichtlichen Sachverständigengutachten gegebenenfalls im Kontext mit weiteren
fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen
Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 309 E. 8; Urteil des Bundesgerichts vom
13. April 2016, 9C_168/2015, E. 2.2.3).
2.4.3 Dr. D._ setzte sich im Gutachten vom 21. April 2008 eingehend mit den so
genannten Förster-Kriterien und den Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin
auseinander (IV-act. 49-24 f.). Die Beschwerdeführerin sei in schwierigen und von
Gewalt geprägten familiären Verhältnissen aufgewachsen (vgl. dazu auch
psychiatrisches Gutachten vom 26. Oktober 2010, IV-act. 96-60 f., und vom 22. August
2014, IV-act. 225-51 f.). Er wies auf die schwierige Jugend und die nach der Heirat und
Einstellung der Berufstätigkeit eingetretene Instabilität der Verhältnisse mit Beginn der
depressiven Phasen und des Alkoholkonsums hin (IV-act. 49-14 f.). Dr. D._ kam zum
Ergebnis, aufgrund des Vorliegens einer primär auffälligen Persönlichkeit, einer
psychiatrischen Komorbidität (depressive Störung), der chronischen körperlichen
Begleiterkrankung (koronare Herzerkrankung mit Status nach Herzinfarkt) und des
Verlustes der sozialen Integrität sei der Beschwerdeführerin die Überwindung der
Schmerzen nur sehr eingeschränkt zumutbar (IV-act. 49-30). Die psychiatrische
Gutachterin der MEDAS Bern verweist auf diese Beeinträchtigungen und führt aus,
daraus resultiere auch das auf psychiatrischem Fachgebiet verminderte
Leistungsvermögen (IV-act. 225-59). Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, und sollte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unter Aufbringung zumutbarer Willensanspannung in der Lage sein, sich an Regeln und
Routinen anzupassen, Aufgaben zu strukturieren und zu planen und fachliche
Kompetenzen anzuwenden. Sie sei in ihrer Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, in ihrer
Kontaktfähigkeit zu Dritten und ihrer Gruppenfähigkeit nicht beeinträchtigt. Es
bestünden mittelschwere Beeinträchtigungen der Bereiche Flexibilität und
Umstellungsfähigkeit, der Durchhaltefähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeit, der
Kontaktfähigkeit zu Dritten, der Gruppenfähigkeit und der Fähigkeit, Spontanaktivitäten
zu initiieren (IV-act. 225-30 f., 58 f.). Das Gutachten der MEDAS Bern berücksichtigt
somit die nach geänderter Rechtsprechung massgeblichen Indikatoren ausreichend. Es
ist schlüssig, nachvollziehbar und vollständig. Somit ist invalidenversicherungsrechtlich
darauf abzustellen und von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % in adaptierten Tätigkeiten
auszugehen.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin erlangte im März 1985 das Fähigkeitszeugnis als
Verkäuferin (IV-act. 13-1). Ab 1988 arbeitete sie für eine Metzgerei, nach eigenen
Angaben als Ausliefererin. Von 1993 an erzielte sie als kantonale Angestellte in der
Raumpflege Einkommen zwischen rund Fr. 25'000.-- und Fr. 38'000.--, nach ihren
Angaben entsprechend einem 70 %-Pensum. Daneben war sie als Zeitungsverträgerin
tätig im Umfang von 20 bis 25 Stellenprozenten. Per November 2000 gab sie die Stelle
in der Reinigung infolge der mit der Auslagerung verbundenen Einkommenseinbusse
auf und erzielte danach noch unregelmässig kleinere Erwerbseinkommen (vgl. zum
Ganzen Auszug aus dem individuellen Konto [IK], IV-act. 5; Abklärungsbericht vom 20.
März 2008, IV-act. 45, Gutachten vom 15. Oktober 2014, IV-act. 225-16, 40 f., 46, 51
f.). Ein freiwilliger Verzicht auf eine weitergehende Erwerbstätigkeit ist aufgrund des
Bezugs von Arbeitslosenentschädigungen und der ausgewiesenen
Sozialhilfeabhängigkeit nicht anzunehmen (vgl. IK-Auszug, IV-act. 5; act. G 10.5; IV-act.
192-4, IV-act. 45-3). Damit fehlt es an zuverlässigen Grundlagen für eine ziffermässige
Bemessung des Valideneinkommens, und es kann - wie dies die Vorinstanz getan hat
(IV-act. 247) - ein Prozentvergleich vorgenommen werden (vgl. BGE 104 V 136 f. E. 2b
und Urteil des Bundesgerichts vom 4. Februar 2015, 9C_888/2014, E. 2).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2 Abschliessend stellt sich die Frage nach einem Tabellenlohnabzug. Damit soll der
Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie
Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben
können (BGE 124 V 321 E. 3b/aa S. 323). Die Beschwerdeführerin leidet unter
zahlreichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, nämlich des Rückens (degenerative
Veränderungen) und der Schulter, an Folgen der Abhängigkeit (sensible
Polyneuropathie, vgl. Gutachten MEDAS Ostschweiz vom 20. Dezember 2010, IV-act.
96-25), an einer koronaren Herzerkrankung nach Herzinfarkt, an rezidivierenden
depressiven Episoden sowie an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und
weist ängstlich-selbstunsichere, abhängige Persönlichkeitszüge auf. Auch wenn sich
diese Gesundheitsbeeinträchtigungen nicht alle auf die invalidenversicherungsrechtlich
relevante Arbeitsfähigkeit auswirken, schränken sie die Chancen der
Beschwerdeführerin auf dem Stellenmarkt insgesamt erheblich ein. Aufgrund der
koronaren Herzkrankheit und aus orthopädischer Sicht sind die früher ausgeübten
Tätigkeiten in der Raumpflege und als Zeitungsverträgerin nicht mehr zumutbar
(Gutachten MEDAS Bern vom 15. Oktober 2014, IV-act. 225-34 ff.). Die 70 %ige
Arbeitsfähigkeit ist bedingt durch langsamere Arbeitsweise bzw. erhöhten
Pausenbedarf (IV-act. 225-34). Zusätzlich sind nur leichte bis gelegentlich
mittelschwere Tätigkeiten mit einem Gewichtslimit von 5 kg zumutbar, die nicht
ausschliessliches Gehen oder Stehen oder ständiges Treppensteigen erfordern.
Arbeiten in gehockter oder kniender Position, in monotoner Zwangshaltung des
Rückens und ständige Überkopfarbeiten links sind unzumutbar (IV-act. 225-34 f.). Aus
psychiatrischer Sicht ist ein wohlwollender Arbeitsplatz ohne besondere
Stressbelastung und ohne besonders fordernde soziale Interaktionen erforderlich (IV-
act. 225-34). Diese zusätzlichen Faktoren bilden Gründe für einen Tabellenlohnabzug
(vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts vom 28. Januar 2014, 9C_796/2013 E. 3.4, und
vom 22. Januar 2015, 8C_693/2014, E. 4.2.1). Hinzu kommt eine lange Abwesenheit
vom Arbeitsmarkt. Aufgrund der vorliegenden Polymorbidität mit diversen
Einschränkungen des Zumutbarkeitsprofils, der erforderlichen beruflichen Umstellung
und der langen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt rechtfertigt sich ein Tabellenlohnabzug
von 15 %. Somit besteht ein Invaliditätsgrad von 40,5 % (1- [0,85 x 0,7]), und die
Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Viertelsrente.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.3 Da bereits die Vorgutachten vom 24. Juli 2008 und vom 24. Dezember 2010 in den
angestammten Tätigkeiten als Reinigungsfrau und als Zeitungsverträgerin eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem Unfall am 3. Januar 2006 attestieren (IV-act. 49-26;
IV-act. 96-35), war das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG am 3. Januar 2007
erfüllt. Art. 29 Abs. 1 IVG, wonach ein Rentenanspruch frühestens sechs Monate nach
Geltendmachung entsteht, ist am 1. Januar 2008 als Teil der 5. IV-Revision, mithin
nach der Anmeldung vom 22. September 2006 (IV-act. 1), in Kraft getreten. Nach dem
übergangsrechtlichen Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde
zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids bzw. im Zeitpunkt gegolten
haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte,
ist diese Norm vorliegend nicht anwendbar (vgl. BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136 E. 4b,
je mit Hinweisen). Der Rentenanspruch besteht daher ab Vollendung des Wartejahres
(Art. 29 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 aIVG) bzw. ab 1. Januar 2007.
4.
4.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 6. März 2015 aufzuheben
und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Januar 2007 eine Viertelsrente
zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.