Decision ID: 45aa6c56-2c9b-4b73-aadb-09aa72d0a2f7
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963,
war seit dem
1.
April 2003 als
S
chulhaus
ab
wart
bei der Sekundarschule
Y._
angestellt (
Urk.
9/11/1
-2
Ziff.
1,
2.1
und 2.7
). Am 1
7.
November 2010 meldete er sich
unter Hinweis auf Magen-Darm-Probleme und ein Burnout bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/4
Ziff.
6.2).
Der Versicherte kündigte die Anstellung bei der Sekundarschule
Y._
per 3
1.
Mai 2011 (
Urk.
9/11/1
Ziff.
2.1).
Seit dem
1.
Juli 2011 war er als Haus
wart bei der Primarschule
Z._
angestellt (
Urk.
9/44/9-10
Ziff.
1, 2.1 und 2.7).
Diese Anstellung kündigte er per Ende Januar 2013 (
Urk.
9/74 S. 1).
Mit Verfügung vom 1
5.
Februar 2012 verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Anspruch des Versicherten auf IV-Leistun
gen (
Urk.
9/32).
Eine Kopie der Verfügung
wurde
der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich (nachfolgend: BVK) zu
gestellt
.
Die
se
Verfügung erwuchs unan
gefochten in Rechtskraft.
1.2
Am 1
1.
März 2012 meldete sich der Versicherte erneut bei der Invalidenver
sicherung an (
Urk.
9/35).
Am 1
6.
Oktober 2014 erliess
die IV-Stelle
den Vorb
e
scheid (
Urk.
9/96). Die BVK
brachte dagegen am 2
1.
November 2014 Einwände vor (
Urk.
9/99). Mit Verfügung vom
5.
Dezember 2014 (
Urk.
9/101 =
Urk.
2) lehnte die IV-Stelle einen Anspruch des Versicherten auf IV-Leistungen erneut ab.
2.
Die BVK erhob am 2
3.
Januar 2015 Beschwerde
(
Urk.
1)
gegen die Verfügung der IV-Stelle vom
5.
Dezember 2014 (
Urk.
2) mit dem Rechtsbegehren, diese sei aufzuheben und es sei die Sache an die IV-Stelle zur Vornahme weiterer Abklärungen und anschliessender Neuverfügung
zurückzuweisen
(
Urk.
1 S. 1
Ziff.
1).
Mit Verfügung vom
4.
Februar 2015 forderte das Gericht die
Beschwerde
führerin
auf, ihre Beschwerdelegitimation näher zu begründen (
Urk.
4 Dispositiv
Ziff.
1).
M
it Eingabe vom 2
6.
Februar 2015
kam die
Beschwerdeführerin
der Aufforderung
nach und
beantragte, es sei auf die Beschwerde vom 2
3.
Januar 2015 einzutreten und das gestellte Rechtsbegehren materiell zu behandeln (
Urk.
5 S. 1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
April 2015 (
Urk.
8), auf die Beschwerde sei mangels Beschwerdelegitimation der
Beschwerdeführerin
nicht einzutreten. Soweit auf die Beschwerde einzutreten wäre, sei sie abzuwei
sen.
Mit Gerichtsverfügung vom
2.
Juni 2015 wurde der Versicherte zum
Verfahren beigeladen (
Urk.
10), der sich
in der Folge
nicht vernehmen liess.
Die Vernehmlassung
der Beschwerdegegnerin vom 2
4.
April 2015 wurde der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom
8.
September 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 die
ser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.5
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkom
mens
vergleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V 108 E. 5.4 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durch
geführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit
. f IVV) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfü
gung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
2.
Die Beschwerdeführerin
machte
in d
er Eingabe vom 2
6.
Februar 2015
im Hin
blick auf ihre Beschwerdelegitimation
geltend
,
sie habe dem Beigeladenen
in der Zeit
vom
1.
Februar 2013 bis 3
1.
August 2014 Leistungen
wegen
einer Berufsin
validität ausgerichtet
.
Durch die Rentenabweisung der
Beschwerdegeg
nerin
habe sie
überdies
Überbrückungsleistungen gemäss
§
23 der Statuten der Versicherungskasse für das Staatspersonal (BVK-Statuten) zu erbringen, ohne dass sie ihr direktes Rückforderungsrecht gegenüber der Beschwerdegegnerin geltend machen und nötigenfalls durchsetzen könnte (
Urk.
5 S. 5
Ziff.
7-
8).
Im Hinblick auf die zu erfolgende Koordination zwischen den Ansprüchen ist die Beschwerdeführerin durch die abweisende Rentenverfügung der
Beschwer
degegnerin
unmittelbar berührt und damit zur Beschwerde legitimiert (vgl.
Art.
49
Abs.
4 ATSG
;
Urteil des hiesigen Gerichts IV.2014.00406 vom 2
4.
April 2015, E. 2). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte mit der
angefochtenen Verfügung vom
5.
Dezember 2014 (
Urk.
2) erneut einen Leistungsanspruch des Beigeladenen.
Sie
vertrat dabei den Standpunkt
,
s
ie habe dem Beigeladenen
mit der Verfügung vom 1
5.
Februar 2012
mitgeteilt, da
ss die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung keinen IV-relevanten Gesundheitsschaden mit dauerhafter Arbeitsunfähigkeit ausweise (S. 1). Nach den vorliegenden Unterlagen habe sich
sein
Gesundhei
tszustand seitdem
nicht verändert. Die angestammte und jegliche angepasste Tätigkeit seien ihm weiterhin zu 100
%
zumutbar.
Die Verfügung vom 1
5.
Februar 2012 sei auch der Beschwerdeführerin zuge
stellt worden. Weder
diese noch der Beigeladene
h
abe
dagegen
ein Rechtsmittel erhoben (S. 2).
3.2
Die Beschwerdeführerin
brachte in der Beschwerde (
Urk.
1) vor
, die
Beschwerde
gegnerin
habe
in Bezug auf die in Rechtskraft erwachsene Verfügung vom 1
5.
Februar 2012 den Sachverhalt nicht rechtskonform abgeklärt.
Dem
abge
wiesene
n
Leistungsbegehren
lägen diverse Berichte
der behandelnden Ärzte
zugrunde
, welche als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hau
pt
säch
lich eine
somatoforme
autonome Funktionsstörung des unteren
Verdau
ungssystems
und eine Opiatabhängigkeit festgehalten hätten. Der
Regionalärzt
liche
Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin habe sich nicht mit der damals geltenden Rechtsprechung zur
somatoformen
Schmerzstörung auseinanderge
setzt und die Überwindbarkeit be
ziehungsweise die sogenannten Foe
rster-Krite
rien nicht geprüft. Die rechtskräftige Verfügung vom 1
5.
Februar 2012 könne daher mangels rechtskonformer Sachverhaltsabklärung nicht als Vergleichsbasis beigezogen werden (S. 8 Ziff.
25).
In Würdigung der Gesamtumstände sei ausnahmsweise von einer Unzumutbar
keit einer willentlichen Schmerzüberwindung auszugehen, was zur Bejahung eines IV-relevanten Gesundheitsschadens führe (S. 12
Ziff.
32).
3.3
Strittig ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beigeladenen
massgeblich ver
schlechtert hat und gegebenenfalls
ein Rentenanspruch besteht.
Im Weiteren ist zu prüfen
, ob
als Vergleichszeitpunkt für eine
Verschlechterung
auf
die
Verfü
gung vom 1
5.
Februar 2012
abgestellt werden
kann, was die Beschwerdeführe
rin bestreitet.
4.
4.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Kardiolo
gie,
erstattete
am
1.
Juli 2009
im Auftrag der Beschwerdeführerin
ein vertrau
ensärztliches Gutachten
(
Urk.
9/50/2-10)
über den Beigeladenen.
Dr.
A._
gab
zur Krankengeschichte
an
, seit 1995 seien in unterschiedlicher Häufigkeit und Inten
sität Magenprobleme aufgetreten
in Form von Magenschmerzen, Krämp
fen, Koliken, teilweise begleitet von Durchfällen.
Bei
einer Abklärung im
B._
seien keine pathologischen Befunde erhoben worden (S. 2 unten). 2009 sei es zu einem psychophysischen Zusammenbruch
gekommen
(S. 3).
Z
um jetzigen Zeitpunkt
bestünden
bei bis
data
ungeklärter Beschwerdesituation
folgende
Diagnosen (S. 7):
rezidivierend, anfallsweise auftretende
Abdominalschmerzen
, Krämpfe, Koliken, teilweise begleitet von Diarrhöen
somatisch erschöpfend abgeklärt,
ohne Hinweis
für das Vorliegen einer erklärenden Organpathologie
Differentialdiagnose: psychovegetativ/psychoreaktive Beschwerden? Bei psychophysischer Asthenie? Neigung zu Perfektion/
Selbst
über
for
de
rung
?
Status nach Rehabilitations-/
Rekonditionsaufenthalt
in der Klinik
C._
vom 2
5.
Mai bis 1
7.
Juni 2009
B
ei psychophysischem Erschöpfungszustand, abgeschlossener Rehabilitation und aktuell fortlaufender Psychotherapie sei e
ine Entlastung im Umfang von 50
% bis zu den Sommerferien 2009 gerechtfertigt. Ab dem neuen Schuljahr im Herbst 2009 sei der Beigeladene aus Gutachtersicht jedoch wieder als 100
%
arbeitsfähig einzustufen (S. 8
Mitte
).
Das Gutachten von
Dr.
A._
wurde der Beschwerdegegnerin erst am 2
8.
Juni 2012 zugestellt (
Urk.
9/50/1).
4.2
Die Ärzte der Klinik
C._
berichteten am 1
3.
Juli 2009 (
Urk.
9/13/1-4) über
den
erwähnten
Rehabilitationsaufenthalt des
Beigeladenen
in der Klinik
C._
.
Sie
stellten die
Diagnosen
einer
somatoforme
n
autonome
n
Funktionsstörung des unteren
Gastrointestinaltraktes
(
Reizdarm
),
eines
E
rschöpfungssyndrom
s
/Burn
out und
einer
arterielle Hypertonie (S. 1).
Die Arbeitsfähigkeit betrage ab dem 2
2.
Juni 2009 für zwei Wochen 50
%
, anschliessend sei eine Neubeurteilung vorzunehmen (
S. 4).
4.3
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Chef
arzt Psychosomatik, Klinik
C._
, stellte
im Austrittsbericht vom 2
9.
Januar 2010 (
Urk.
9/13/7-9)
nach einem weiteren
A
ufenthalt des Beigeladenen
in der Klinik
C._
von psychiatrischer Seite
neu
die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig remittiert (S. 1).
Der Beigeladene sei bis auf Weiteres arbeitsunfähig (S. 3).
4.
4
Dr.
D._
stellte mit Austrittsbericht vom 2
3.
März 2010 (
Urk.
9/13/11-14) folgende Diagnosen (S. 1):
Reizdarmsymptomatik, Diarrhoe-Prädominanz mit Meteorismus und
kolik
artigen
Schmerzen
a
rterielle Hypertonie
Status nach Leistenhernien-OP Dezember 2009
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4) bei Status nach beruflicher Überlastung (ICD-10 Z73.0)
Appendektomie und Dünndarm-Teilresektion 2007
Nikotinabusus
Es sei ab
1.
März 2010 für etwa vier Wochen ein Arbeitspensum von 50
%
vorge
sehen. Bei Tolerierung der Belastung sei dies in de
r Folge sukzessive zu steigern (S. 4).
4.5
Dr.
med.
E._
, Leitende Ärztin, Privatklinik
F._
,
stellte
im Bericht vom 2
7.
Juni 2011
(
Urk.
9/21) nach weiteren Klinikaufenthalten
des Beigelade
nen
als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
diejenige einer
Hos
pitalisation
wegen Exazerbation der
somatoformen
autonomen Funktionsstö
rung des unteren
Gastrointestinaltrakt
e
s
. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie chronische nahrun
gsaufnahmeabhängige abdo
minelle
Schmerzen na
ch abdominalen Eingriffen 2007 und in der
Differential
diagnose
Briden
.
Des Weiteren nannte sie
eine
Tramadol-Abhängigkeit
mit ständigem Substanzgebrauch und
akzentuierte Persönlichkeitszüge (
Ziff.
1.1).
Dr.
E._
gab an, der Beschwerdeführer könne die berufliche Tätigkeit voraus
sichtlich ab dem
1.
Juli 2011
wieder
zu 100
%
aufnehmen (
Ziff.
1.9).
4.
6
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Anästhesiologie, RAD, nahm am 2
1.
Dezember 2011 zu den medizinischen Akten Stellung (
Urk.
9/28 S. 5 f.).
Er
führte aus,
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
weise darauf hin, dass der Beigeladene die Arbeit in
Z._
Anfang August 2011 wiederaufgenommen habe. Nach einer Schnittverletzung an der rech
ten Hand
habe er die Arbeit Anf
ang September 2011 zu 100
%
wiederaufgenommen. Nach den Herbstferien seien erneut Magenschmerzen aufgetreten.
In Würdigung der medizinischen Aktenlage sei festzustellen, dass aus
versiche
rungsmedizinischer
Sicht einzig die diagnostizierte rezidivierende depressive Störung eine dauerhafte mindestens teilweise Arbeitsunfähigkeit begründen könne. Die Diagnose tauche jedoch nur im Bericht der Klinik
C._
auf, wo die Störung zudem
als remittiert bezeichnet worden sei
. Ein IV-rele
vanter
Gesund
heitsschaden
, der zu einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit führen könne, sei somit zu
keinem Zeitpunkt ausgewiesen.
5.
5.1
Am 1
1.
März 2012 meldete sich d
er Beigeladene
erneut
bei der Invalidenversi
cherung an (
Urk.
9/35).
Zur Glaubhaftmachung einer Verschlechterung reichte er unter anderem ein Schreiben der
I._
,
J._
, vom 1
1.
April 2012 (
Urk.
9/41) ein. Als Diagnosen wurden eine
somatoforme
autonome Funktionsstörung des unteren Verdauungssystems (ICD-10 F 45.32) und eine Störung durch Opioide (Schmerzmedikation; ICD-10 F11.2) genannt. Es habe sich gezeigt, dass der Beigeladene mit der derzeitigen 100%igen Arbeitsstelle als Hauswart überfordert sei. Nach ärztlicher Einschät
zung sei er nicht mehr in der Lage, Vollzeit zu arbeiten. Alle bisherigen Behandlungsversuche seien ohne Erfolg geblieben (S.
1).
5.2
Vom
6.
b
is 2
3.
Mai 2012 hielt sich der Beigeladene stationär in der
Klinik K._
auf. Mit
Austrittsbericht vom 3
0.
Mai 2012 (
Urk.
9/55/2-4) wurden die
Diagnosen einer
somatoformen
autonomen Funktionsstörung des unteren
Gastrointestinaltrakts
(ICD-10 F45.32) sowie eines regelmässigen Gebrauchs von Opioiden gestellt (S. 1). Bis
3.
Juni 2012 bestehe eine volle Arbeits
unfähigkeit; danach solle ein Wiedereinstieg mit 50
%
des vertraglich definierten Pensums für einen Monat erfolgen, anschliessend Neubeurteilung durch den Hausarzt.
Der Hausarzt des Beigeladenen,
Dr.
H._
, attestierte dem Beigeladenen in einem Schreiben vom
3.
Juli 2012
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Urk.
9/55/1).
5.3
Dr.
med.
L._
, Leitende Ärztin, Privatklinik
F._
, stellte im Bericht vom 2
9.
Mai 2013 (
Urk.
9/78) nach einem weiteren Klinikaufenthalt des Beigeladenen
vom
7.
März bis 2
5.
Mai 2013
die psychiatrischen Diagnosen
einer
chronische
n
Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Sympto
men,
einer
Störung durch Opioide und Benzodiazepine,
einem
Abhängigkei
ts
syndrom
gegenwärtig abstinent sowie einer
Panikstörung
,
derzeit voll remittiert (S. 1).
Insgesamt habe sich der Zustand des Patienten so stabilisiert, dass auch die Prognose bezüglich seiner zukünftigen Arbeitsfähigkeit günstig sei. Dabei sei aber zu bedenken, dass er sich eher einen Job suchen solle, wo er wenig körperliche Arbeit leisten müsse.
Dr.
L._
ersuchte den Hausarzt des Beigeladenen, die weitere Arbeitsfähigkeit in Absprache mit dem Patienten fest
zulegen (S. 4).
5.
4
Dr.
H._
stellte im Bericht vom 1
0.
Juli 2013 (
Urk.
9/77) folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
S
omatoforme
Schmerzstörung,
colo
n
irritabile
, Hypertonie, rezidivierende Depressionen mit beruflicher Über
lastung. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
H._
Nikotinabusus
, Status nach Leistenhernie, Appendektomie,
Dünn
darmteilresektion
,
Nephroliathiasis
(
Ziff.
1.1).
Der Hausarzt
führte aus, für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bestehe seit dem 2
3.
Januar 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Vorher habe eine zwischen 50 % und 100
%
schwankende Arbeitsunfähigkeit bestanden (
Ziff.
1.6). Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumu
tbar (
Ziff.
1.7).
Dr.
H._
rechne mit einer Arbeitsfähigkeit zwischen 50
%
und 100
%
(Ziff.
1.8).
5.
5
Die Beschwerdeführerin veranlasst
e
in der Folge
eine psychiatrische
Begutach
tung des Beigeladenen durch
Dr.
med.
M._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie. Das Gutachten
vom
1
9.
Septe
mber 2013 (
Urk.
9/80)
beruht auf den Untersuchungen vom
2
5.
Februar
und 2
6.
August 2013
und den dem Gutachter zur Verfügung gestellten Akten (S. 2).
Dr.
M._
führte aus, aus gutachterlicher Sicht gebe es am Vorliegen einer schwe
ren,
chronifizie
rten
,
offenbar seit 1995 bestehenden
somatoformen
auto
nomen Stör
ung des Verdauungstraktes keinen
Zweifel.
Die Störung habe im Jahr 2000 im Rahmen einer Scheidung zugenommen und habe sich 2007 nochmals verstärkt.
Trotz einer Vielzahl von längeren und engagiert in Anspruch genommenen stationären und ambulanten Therapieversuchen und beruflichen Eingliederungsmassnahmen persistiere die Symptomatik und habe eine nachhaltige berufliche Eingliederung verunmöglicht (S. 32 unten).
Des Weiteren gebe es am Vorliegen einer akzentuierten Persönlichkeit mit zwang
haften, pflicht
bewussten, perfektionistischen und impulsiven Anteilen, verbunden mit hohem intrapsychischem Stress b
ei unverarbeiteten, insbeson
dere
impulsiv-aggressiven Emotionen keine
n
Zweifel. Die akzentuierten
Persön
lichkeitszüge
besässen keinen eigenständigen klinisch relevanten
Krankheits
wert
, seien aber geeignet, Entstehung, Verlauf und Prognose einer psychischen wie psychosomatischen Erkrankung massgeblich zu beeinflussen.
In der vorlie
genden Ausprägung stünden diese an der Grenze zu einer
Persönlichkeits
störung
, welche in Anbetracht der Ausprägung dieser Züge annähernd so wahrscheinlich sei wie eine akzentuierte Persönlichkeit. Die Angaben des Exploranden
seien verhalten gewesen. Über allfällige Konflikte mit dem Gesetz aufgrund seiner Impulsivität gebe es in den Akten aber Hinweise. Seine zwang
haft-perfektionistischen Züge lägen aus gutachterlicher Sicht im aktuellen Ausmass im Grenzbereich zu einer
Dysfunktionalität
, die auch die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung erfüllen könnten. Es bestünden keine zuverlässigen Hinwei
se auf eine
Dysfunktionalität
im
Erleben und Verhalten in verschiedenen Lebensbereichen seit der frühen Jugend, so dass die Diagnose einer
Persönlich
keitsstörung
weniger wahrscheinlich sei als das Vorliegen von deutlich akzen
tuierten Persön
lichkeitszügen (S. 33).
In Folge einer chronischen Schmerzstörung sei ein offensichtlich iatrogen be
ding
tes langjähriges Abhängigkeitssyndrom von Opiaten und Benzodiazepi
nen hinzugekommen
. Im Verlauf mit anfallsartigen,
kolikartigen
Schmerzen im
Abdo
minalbereich
habe der Explorand in den letzten Monaten eine
Panikstö
rung
mit typischer Symptomatik mit Vermeidungsverhalten entwickelt, ohne Vor
liegen einer Agoraphobie
(S. 33 unten
).
Dr.
M._
stellte folgende Diagnosen (S. 40
Ziff.
8 d):
somatoforme
autonome Störung des Verdauungstraktes
akzentuierte Persönlichkeit mit zwanghaften, pflichtbewussten, perfek
ti
o
nistischen und impulsiven Anteilen, verbunden mit hohem
int
rapsy
chischem
Stress bei unverarbeiteten, insbesondere impulsiv-aggressiven Emotionen
Abhängigkeitssyndrom von Opiaten und Benzodiazepinen
Panikstörung mit typischer Symptomatik und Vermeidungsverhalten, ohne Vorliegen einer Agoraphobie
Der Gutachter sei sich bewusst, dass die allgemeine Rechtsprechung bei soge
nannt
en „
päusbonog
“ (
pathogenetisch
-ätiologisch
unklare
syndromale
Be
schwer
debilder
ohne nachweisbare organische Grundlage) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit akzeptiere, und dass eine willentliche Schmerzüberwindung mit Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess nur in Ausnahmefällen als unzumutbar beurteilt werde (S.
36 unten).
Trotz noch zufriedenstellende
r
sozialer und privater
Ressourcen erachte der Gut
achter die Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie in einer angepassten Tätigkeit als deutlich reduziert (S. 39
Ziff.
7.5)
.
In der angestammten
Tätigkeit als Schul- und Haus
wart sei der Explorand in Anbetracht der dargestellten Faktoren und der bisherigen Rehabilitationserfahrungen bis auf Weiteres unter Aufbietung all seiner Willenskräfte nur zu 50
%
arbeitsfähig, wovon er bereits bisher Gebrauch gemacht habe. Mittel- bis langfristig - in ein bis zwei Jahren - sei eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
dauerhaft möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich (S. 39
Ziff.
7.6).
Als behinderungsadaptierte Tätigkeiten
nannte der Gutachter solche
ohne hohes Konfliktpotential, ohne hohe Erwart
ungen an die Leistungsfähigkeit
, an
die
Flexibi
lität und ohne Führungsfunktion
. Dies
e
sei
en
geeignet, die Arbeitsfähigkeit zu erhöhen. Hierbei könne anfangs mit einer Leistungsfähigkeit von 50
%
gerechnet werden. Aufgrund der sehr einge
schränkten Durchhaltefähigkeit sei aber auch hier eine Arbeitsfähigkeit von maximal 80
%
auf absehbare Zeit überwiegend wahrscheinlich. Eine darüber hinaus gehende Arbeitsfähigkeit sei möglich, aber nicht mehr überwiegend wahrscheinlich (S. 39
Ziff.
7.7).
Die genannte Einschränkung der Arbeitsfähig
keit gelte mehr oder weniger ab 2009, wobei retrospektiv keine sicheren Angaben möglich seien (S. 40
Ziff.
8 a und b).
5.6
Die Beschwerdegegnerin gab
ihrerseits
ein polydisziplinäres Gutachten beim
N._
in Auftrag, das
am
9.
J
uli 2014 (
Urk.
9/92) erstattet wurde. Der Beigeladene wurde am
3.
Juni durch
Dr.
med.
O._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, am
6.
Juni durch
Dr.
med.
P._
, Facharzt für Gastroenterologie, und am 1
6.
Juni 2014 durch
Dr.
med.
Q._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht (S. 4).
Die Gutachter führten
aus, der
Beigeladene
habe als Schulhaus
wart in
Y._
und bis Ende Januar 2013 in
Z._
gearbeitet. Bis Ende 2013 sei er krankge
schrieben gewesen. Seit Anfang 2014 arbeite er mit einem Pensum von 50
%
bis 75
%
, je nach gesundheitlicher Situation, für die Firma
R._
im Bereich Flughafensicherheit (S. 20 oben).
Aus
gastroenterologischer
Sicht finde sich für
die vom Beigeladenen geschilder
ten Schmerzen somatisch keine Erklärung.
Insofern bestehe
für die aktuelle und die frühere Tätigkeit keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Auf
grund einer Diarrhöe sei allerdings eine Leistungseinbusse von 10
%
vertretbar (S. 29).
Aus psychiatrischer Sicht stehe bei recht unspektakulären Befunden der persönliche Leidensdruck des Beigeladenen aufgrund von psychosomatischen Beschwerden (Schmerzen, Verdauungsprobleme) und von sozialen,
verhaltens
bezogenen
Einschränkungen aufgrund einer persönlichkeitsbedingten Ein
schrän
kung der Stresstoleranz im Vordergrund (S. 32 unten).
Die aktuell festge
stellten Befunde deckten sich weitestgehend mit den Erkenntnissen, die
Dr.
M._
in seinem Gutachten festgestellt habe (S. 32 oben).
Die Gutachter des
N._
stellten zusammenfassend folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 35):
Reizdarmsyndrom, Diarrhöe dominant
somatoforme
autonome Funktionsstörung des Verdauungstraktes
akzentuierte Persönlichkeit
Abhängigkeitssyndrom von Benzodiazepinen und Opiaten
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
n
sie einen Zustand nach Appendektomie und
Ileozökalresektion
wegen eines villösen Ade
nom
s mit hochgradiger Dysplasie des
Appendix 2007 und ein
en
Zustand nach Inzision eines
Perianalabzesses
200
9.
Die Symptomatik und der Leidensdruck hätten sich aus psychiatrischer Sicht über die Zeit, insbesondere im Rahmen der letzten zwei Jahre
,
nicht verändert. Aktuell liege eine Einschränkung von 50
%
der Arbeitsfähigkeit vor. Eine Stei
gerung der Arbeitsfähigkeit auf bis zu 80
%
sei zwar weiterhin denkbar, aber wenig wahrscheinlich. Der
erfolgte
Arbeitsplatzwechsel in die Personenkontrolle habe diesbezüglich keinen Einfluss auf das Leistungsvermögen.
Auch unter den veränderten Arbeitsbedingungen würden
so
wohl die psychosomatischen Beschwerden wie auch eine Einschränkung der Stresstoleranz und eine behin
derte soziale Funktionsfähigkeit (mit ungenügender emotionaler Selbststeue
rung) als limitierende Faktoren beschrieben (S. 37). Gesamthaft sei festzuhalten, dass seit 2012 keine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes eingetre
ten sei und dem Exploranden nach wie vor eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
zu attestieren sei (S. 38).
5.7
Dr.
G._
nahm am 2
6.
Juli 2014 zum polydisziplinären Gutachten
des
N._
vom
9.
Juli 2014 Stellung (
Urk.
9/95 S. 4 f.). Er
stellte fest
, aus psychiatrischer Sicht werde die Arbeitsfähigkeit für die bisherige Tätigkeit mit 50
%
beurteilt, seit zirka 200
7.
Gemäss dem Gutachten
des
N._
habe sich der Gesundheits
zustand des Beigeladenen
seit dem Zeitpunkt der rechtsgültigen Verfügung vom 1
5.
Februar 2012 nicht richtungsweisend verändert.
Dr.
M._
diskutiere in sei
nem Gutachten vom 1
9.
September 2013 die
Frage der
Überwindbarkeit der Beschwerden nicht.
6.
6.1
Die Beschwer
deführerin
ist der Ansicht
, die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1
5.
Februar 2012 könne nicht als Vergleichsbasis herangezogen werden
, da die Frage der Überwindbarkeit und der Foerster-Kriterien nicht geprüft worden sei
(
Urk.
1 S. 8
Ziff.
25).
Die Beschwerdegegnerin ist in der Verfügung vom 1
5.
Februar 2012
in der Tat
nicht
auf die damals
geltende
Rechtsprechung
eingegangen, wonach eine
soma
toforme
Schmerzstörung
und
vergleichbare
pat
hogenetisch
-ätiologisch unklare
syndromale
Beschwerdebilder
ohne nachweisbare organische Grundlage
(sog
e
nannte „
P
äusbonog
“
)
allein
in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invali
dität führende Arbeitsunfähigkeit im Si
nne von
Art.
4
Abs.
1 IVG zu begründen vermögen
(
vgl. BGE 130 V 352 und anschliessende Urteile
,
Urk.
9
/32)
. Dies schadet jedoch nicht, nachdem
Dr.
E._
, Gutachter
Dr.
A._
und der RAD der Beschwerdegegnerin dem Beigeladenen ohnehin eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert
hatten
und auch
Dr.
D._
nur eine vorübergehende Arbeitsun
fähigke
it attestiert hatte (E. 4.1
,
4.3-
4.6). Nach Einschätzung der
genannten
Ärzte war der Beigeladene
daher
trotz der Diagnose einer
somatoformen
auto
nomen Funktionsstörung des unteren
Gastrointestinaltraktes
nicht längerfristig in seiner
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Es war
somit nicht erforderlich
, auf die damalige Rechtsprechung
(„
pä
usbonog
“)
näher einzugehen
.
Der Beschwerdeführerin wäre es
im Übrigen
möglich gewesen, ihre Einwendun
gen gegen die Verfügung vom 1
5.
Februar 2012 bereits zu diesem Zeitpunkt vor
zubringen.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1
5.
Februar 2012 beruht auf einer materiellen Prüfung des Leistungsanspruches des Beigeladenen mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung. Sie
kann daher als
Vergleichszeit
punkt
für die Prüfung einer
gesundheitliche
n
Veränderung herangezogen wer
den.
6.2
Die Beschwerdegegnerin
stellte
i
n der angefochtenen Verfügung vom
5.
Dezem
ber 2014
fest
, dass sich
der
Gesundheitszustand des Beigeladenen nicht verän
dert habe (
Urk.
2 S. 2 oben).
Nachdem
für den Zeitpunkt der Verfügung vom 1
5.
Februar 2012
eine volle Arbeitsfähigkeit vorlag
,
stimmt die Einschät
zung der Beschwerdegegnerin
nicht mit dem Gutachten von
Dr.
M._
vom 1
9.
September 2013 überein.
Der Gutachter
hatte
für die angestammte sowie für eine angepasste Tätigkeit
eine
eingeschränkte
Arbeit
sfähigkeit von 50
% attes
tiert
,
mit einer
möglichen
Steigerung
der Arbeitsfähigkeit
auf
80
%
in ein bis zwei Jahren.
Gemäss
Dr.
M._
gilt
die
se
Einschätzung
bereits
seit 2009
(E. 5.5 hiervor). Die
Angaben
des Gutachters
lassen an sich auf eine gesundheitliche Verschlechterung
seit
2009 schliessen.
Dagegen
spricht
jedoch
, dass die
Be
schwerdegegnerin
in
der rechtskräftigen Verfügung vom 1
5.
Februar 2012 gestützt auf die medizinis
chen Akten
einen
Leistungsanspruch des
Beig
eladenen verneint
hatte,
nachdem
zu diesem Zeitpunkt
gemäss der damals vorhandenen
Aktzenlage
keine relevanten Diagnosen vorlagen.
Dr.
M._
wies
darauf hin, dass der Beigeladene bereits vor der Begutachtung im Februar und August 2013
gesundheitsbedingt
nur mehr mit einem
P
ensum von 50
%
gearbeitet hat (E. 5.5).
Dies deckt sich mit der Beurteilung des
Haus
arzt
es
des Beigeladenen
, der im
Schreiben vom
3.
Juli 2012
eine
Arbeitsfähig
keit von 50 % attestiert hatte
(E. 5.2).
Demnach
ist
es im Sommer 2012 zu einer
gesundheitlichen
Verschlechterung gekommen.
Die Gutachter des
N._
gaben
im
Gutachten vom
9.
Juli 2014 zwar an
, dass sich die Symptomatik und der Leidensdruck des Beigeladenen in den letzten z
wei Jahren nicht verändert hätten.
Inhaltlich schlossen sie sich aber der Beur
teilung durch
Dr.
M._
an und bestätigten eine
zumut
bare
Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der angestammten und der aktuell ausgeübten Tätigkeit
mit einer
mög
lichen Steigerung auf 80
%
(E. 5.6)
.
Damit sollte zum Ausdruck gebracht wer
den, dass sich die Gutachter der Beurteilung durch
Dr.
M._
anschlossen
beziehungsweise
die Angaben
im Gutachten
von
Dr.
M._
vom 1
9.
September 2013
weiterhin gelten sollten
. Die Beschwerdegegnerin
interpretierte
die Anga
ben im Gutachten
des
N._
jedoch fälschlicherweise
in dem Sinne, dass
sich der Gesundheitszustand des Beigeladenen seit
der Verfügung vom 1
5.
Fe
bruar 2012 nicht verändert
hätte, was
nach den medizinischen Akten
nicht zutrifft.
6.3
Dass die Beurteilung von
Dr.
M._
und den
N._
-Gutachtern, wonach der Beigeladene in der angestammten und einer angepassten Tätigkeit
nurmehr
zu 50
%
arbeitsfähig war, zu überzeugen vermag, ergibt sich auch aus folgenden Gründen: Die Ärzte der
I._
stellten im April 2012 fest, dass der Beigeladene nicht mehr in der Lage sei, Vollzeit zu arbeiten, und dass alle bisherigen
Be
handlungsversuche
ohne Erfolg geblieben seien (vgl. vorstehend E. 5.1). Im Mai 2012 hielt sich der Beigeladene stationär in der
K._
auf, wo bis Juni 2012 eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert und danach ein Beginn mit 50
%
sowie eine Beurteilung durch den Hausarzt
Dr.
H._
emp
fohlen wurde. Dieser attestierte im Juli 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(vgl. vor
stehend E. 5.2). In der Folge unterzog sich der Beigeladene vom
7.
März bis 2
5.
Mai 2013 einer erneuten stationären Behandlung (vorstehend E. 5.3).
Dr.
H._
rechnete danach mit einer Arbeitsfähigkeit zwischen 50 und 100
%
(vorstehend E. 5.5). Diese Angaben zeigen, dass die Arbeitsfähigkeit des Beigeladenen nach dem Erlass der Verfügung vom Februar 2012 stark schwankte, aber nicht mehr konstant 100
%
betrug, sondern eher von einer maximalen Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen war. Dabei ist insbesondere auf die mehrfachen Therapiebemühungen des Beigeladenen hinzuweisen, der sich - wie bereits früher; (vgl. vorstehend E. 4) - auch längeren stationären Behandlungen unterzog, ohne dass eine nachhaltige Besserung erreicht werden konnte, was
Dr.
M._
bestätigte (vgl. vorstehend E. 5.5).
Dr.
M._
hielt fest, dass der Beigeladene nur unter Aufbietung all seiner Willenskräfte in der ange
stammten Tätigkeit als Abwart zu 50
%
habe arbeitsfähig bleiben können, und auch in einer behinderungsangepassten Tätigkeit - ohne hohes
Konfliktpoten
tial
, ohne hohe Erwartungen an die Leistungsfähigkeit, an die Flexibilität und ohne Führungsfunktion - anfangs ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
zu erwarten sei, mit maximaler Steigerung auf 80
%
. Dieser Beurteilung schlossen sich die
N._
-Gutachter an. Der Beigeladene hat es nach Lage der Akten denn auch geschafft, ab September 2014 eine neue Tätigkeit zu 80
%
aufzunehmen.
6.4
Somit ist nach dem Gesagten von einer Verschlechterung ab Mai 2012 (Februar 2012 plus drei Monate,
Art.
88a
Abs.
2 IVV) in dem Sinne auszugehen, dass der Beigeladene in jeglicher Tätigkeit nur noch zu 50
%
arbeitsfähig war. Mit dem Stellenantritt bei der Gemeinde
S._
mit einem Arbeitspensum von 80
%
ab
1.
September 2014 ist per
1.
Dezember 2014 (
Art.
88a
Abs.
1 IVV) wieder von einer Verbesserung auszugehen. Damit lässt sich ein Anspruch auf eine be
fristete Rente nicht ausschliessen. Unklar sind jedoch die erwerblichen Aus
wir
kungen dieser Arbeitsunfähigkeit.
6.
5
Der Beigeladene
war bis zum 3
1.
Mai 2011 als
Schul
hausab
wart
bei der Sekun
dar
schule
Y._
und seit dem
1.
Juli 2011 in derselben Funktion bei der Pr
i
mar
schule
Z._
angestellt,
dies
mit
einem Pensum von 100
%
(
Urk.
9/11/1-2
Ziff.
1, 2.1, 2.7 und 2.9,
Urk.
9/44/9-10
Ziff.
1, 2.1, 2.7 und 2.9).
Wie erwähnt
,
konnte der Beigeladene bei der Primarschule
Z._
ab Sommer 2012
gesund
heitsbedingt
nur mehr
zu 50
%
arbeiten
.
Der Beigeladene kündigte
dieses
Anstellungsverhältnis
in der Folge
per Ende Januar 2013 (
Urk.
6/72/14
,
Urk.
6/74 S. 1).
Aus
dem Gutachten des
N._
vom
9.
Juli 2014
ergibt sich
, dass der Beigeladene
offenbar
Anfang 2014 eine Anstellung bei der Firma
R._
im Bereich Flughafensicherheit fand.
Gegenüber den Gutachtern des
N._
gab er an, dass er
dort ein Pensum zwischen 50
%
und 75
%
, je nach seiner gesundheitlichen Situation
, ausübte
(E. 5.6 hiervor). Gemäss
einem
Schreiben der Beschwerdeführerin an den Beigeladenen vom 1
4.
August 2014 (
Urk.
3/5)
informierte
dieser
die Beschwerdeführerin am 1
1.
August 2014 telefo
nisch, dass er auf den
1.
September 2014 eine Stelle als Hauswart bei der Ge
me
inde
S._
antreten könn
e
,
d
ie
s
offenbar
mit
ein
em
Arbeits
pensum
von 80
%.
6.6
In erwerblicher Hinsicht fehlen in den vorinstanzlichen Akten
aktuelle Daten
über
die Dauer der letzten
Anstellungen des Beigeladenen in
Z._
, die Tätigkeit am Flughafen
T._
und die neuen Anstellung
bei der Gemeinde
S._
und den dabei erzielten Verdienst
. Es ist daher nicht möglich, einen Einkommensvergleich durchzuführen und den Rentenanspr
uch des Beigelade
nen zu prüfen (vgl. E. 1.3).
In dieser Hinsicht fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
6.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
6.8
Es ist angezeigt, die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie im Zeitraum von Mai 2012 bis Dezember 2014 die erwerblichen Auswirkun
gen der in diesem Zeitraum bestehenden Restarbeitsfähigkeit von 50
%
des Bei
geladenen in jeglicher Tätigkeit unter Berücksichtigung der innegehabten Arbeitsverhältnisse abkläre und den Invaliditätsgrad bestimme und hernach über den Rentenanspruch des Beigeladenen in diesem Zeitraum erneut verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sin
d die Kosten
mit
Fr.
700.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde darf obsiegenden Behörden oder mit
öf
fent
lichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in der Re
gel keine Parteientschädigung zugesprochen werden. In An
wen
du
ng dieser Bestimmung hat das Bundesgericht der SUVA und den privaten UVG-Versiche
rern so
wie - von Sonderfällen abgesehen - den Krankenkassen keine
Partei
ent
schädigungen
zugesprochen, weil sie als Orga
nisa
tionen mit
öffentlichrechtli
chen
Aufgaben zu qua
lifizieren sind (BGE 112 V 356 E. 6 mit Hinweisen). Das hat grund
sätzlich auch für die Trägerinnen oder Versicherer der berufli
chen Vorsorge gemäss BVG zu gelten (BGE 128 V 124 E. 5b, 126 V 143 E. 4a, 118 V 158 E. 7, 117 V 349 E. 8 mit Hinweis).