Decision ID: 786a71d7-01a9-4195-a32d-d520bc203f91
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959, meldete sich am 2
0.
Februar 2009 unter Hinweis auf
ein
Blockiertsein
,
eine
Leere,
ein
Gefühl im Loch zu sein und nicht mehr h
in
aus zu können sowie auf Schlafprobleme bei der Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle, verneinte mit Verfügung vom 2
4.
Mai 2011 einen Rentenan
spruch (
Urk.
7/44).
1.2
Am 2
1.
Juni 2013 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/46), worauf die IV-Stelle unter anderem ein
polydis
ziplinäres
Gutachten einholte, das am 2
7.
September 2014 erstattet wurde (
Urk.
7/69).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/72;
Urk.
7/73,
Urk.
7/77) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
6.
Dezember 2014 er
neut einen Rentenanspruch (
Urk.
7/81 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 3
0.
Januar 2015 Beschwerde gegen die Verfügung
vom 1
6.
Dezember 2014 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm ab August 2013 eine ganze
,
eventuell eine
Dreiviertelsrente
zuzuspre
chen. Subeventuell sei die IV-Stelle zu verpflichten, zusätzliche Abklärungen zur Be
stimmung der für die Invaliditätsbemessung massgebenden Einkommen durchzu
führen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
9.
März 2015 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwe
rde.
D
as
Gesuch um
unentgeltli
che Prozessführung und
Rechtsvertretung (vgl.
Urk.
1 S.
1) wurde mit Schreiben vom 1
7.
März
2015
wiede
r
zurückgezogen (
Urk.
11). Die Beschwerdeantwort wurde dem Beschwer
de
führer am
7.
Juli 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.3
Der Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29
Abs.
1
ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters
jahres folgt (
Abs.
1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versi
cherte Per
son ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (
Abs.
3). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %, so werden die ent
spre
chenden Renten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben. Diese Voraus
setzung ist auch von Angehörigen zu erfüllen, für die eine Leistung be
ansprucht wird (Abs. 4).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen, insbesondere das polydisziplinäre Gutach
ten, davon aus, dass das Zumutbarkeitsprofil aufgrund der somatischen Proble
matik eingeschränkt sei. Angepasste Tätigkeiten, worunter auch die zuletzt aus
geübte Tätigkeit als IT-Fachmann falle, seien
hingegen
zu 100
%
möglich. In Bezug auf das psychische Beschwerdebild sei dem Beschwerdeführer die Tätig
keit als IT-Fachmann - aus rechtlicher Sicht -
weiterhin zumutbar, weshalb
kei
n Rentenanspruch
bestehe
.
2.2
Der Beschwerdeführer bestritt beschwerdeweise (
Urk.
1) die von der
Beschwer
de
gegnerin
angenommene volle Arbeitsfähigkeit und machte im We
sentlichen
geltend, es sei unbestritten, dass gegenüber 2010 eine gesundheitli
che Ver
schlech
terung eingetreten sei. Gestützt auf das Gutachten
von 201
4
stehe fest, dass er für die angestammte wie auch eine angepasste Tätigkeit in
renten
relevantem
Ausmass eingeschränkt sei (S. 11 unten). Dabei erweise sich die von der behandelnden Psychiaterin festgestellte volle Arbeitsunfähigkeit als den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend (S. 12 unten).
Sollte das Gericht der Beurteilung der behandelnden Psychiaterin nicht folgen könne
n, da
nn wäre ge
stützt auf die gutachterliche Beurteilung von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen (S. 13 oben).
Für den
Einkommensver
gleich
sei für beide Einkommen von den
Tabellenlöhnen auszugehen, wobei sich unter Berück
sichtigung von unterschiedlichen Niveaus ein Invaliditätsgrad von 61
%
ergebe (S. 13 Mitte)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist
somit, ob und allenfalls in welchem Ausmass sich der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seit der Verfügung vom 2
4.
Mai 2011 verändert haben.
3.
Der rentenablehnenden Verfügung vom 2
4.
Mai
2011 (
Urk.
7/44) lag im Wesent
li
chen das Gutachten der MEDAS
Y._
vom 2
7.
September 2010 (
Urk.
7/37) zugrunde.
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Endokrinologie-Diabetologie,
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rheuma
tologie und für
Physikalische Medizin und Rehabilitation
,
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie, sowie
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
nannten keine Diagnose mit we
sentlicher Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 12 unten). Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert
,
nannten
sie eine beginnende
Koxarthrose
, vor
allem rechts möglich, eine
Dys
thymie
(ICD-10 F34.1), ein metabolisches Syndrom, eine leichtgradige
hochton
betonte
beidsei
tige Innenohrschwerhörigkeit, eine Polyallergie sowie einen Ni
kotinabusus (S. 12
unten f.). Dazu hielten sie fest, für die zuletzt ausgeübte be
rufliche Tätigkeit als Computerspezialist (eigene 1-Mann-Firma) sowie die früheren Tätigkeiten als Autoelektriker und angestellter Computer-Servicemann sei die Arbeitsfähigkeit auf 100
%
der Norm zu schätzen. Auch für leichte bis mittelschwere, vor
wie
gend sitzende Verweistätigkeiten mit adäquat eingerich
tetem Arbeitsplatz sowie als Hausmann sei die Arbeitsfähigkeit ebenfalls auf 100
%
der Norm zu ver
an
schlagen (S. 13 unten).
4.
4.1
Nach der Neuanmeldung vom 2
1.
Juni 2013 (
Urk.
7/46)
holte die
Beschwerde
gegnerin
unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten ein
:
4.2
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie,
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädie, sowie
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie, nannten im interdisziplinären Gutachten des
H._
vom 2
8.
Mai 2014 (
Urk.
7/69) als Diagnosen mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F38.10), derzeit
schwergradig
ausgeprägt, eine kombinierte
Persönlichkeitsstö
rung
mit paranoiden und ängstlich-vermeidenden Zügen (ICD-10 F61.0) sowie eine
Periarthropathia
coxae
rechts (S. 45 oben).
Dazu hielten die Gutachter fest, zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei der Beschwerdeführer aus somatischer
Sicht wegen seiner eingeschränkt belastbaren rechten Hüfte in seiner Arbeits
fähigkeit qualitativ eingeschränkt. Auf Dauer sollten keine ausschliesslich mittel
schweren und keine schweren körperlichen Arbeiten durchgeführt werden.
E
ine ausschliessliche Geh- und Stehbelastung
sei zu vermeiden
(Anteile einer sitzen
den Tätigkeit zumindest 50
%
). Auch sollte ein Gehen auf unebenem Gelände und das Bestei
gen von Leitern und Gerüsten sowie häufiges Treppensteigen ver
mieden wer
den. Keine Arbeiten im
Hocksitz
, keine Tätigkeiten mit repetitivem Bücken so
wie kein Heben, Tragen bzw. Bewegen von Lasten über 15 kg. Hin
sichtlich der begleitenden Umweltfaktoren sollten Tätigkeiten unter Kälte-, Nässe- sowie Zuglufteinfluss gemieden werden
(S. 51 unten f.)
. Im Allgemeinen bestehe hin
gegen für leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten ein uneinge
schränktes Leistungsvermögen. Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Computerfachhändler bestehe bezogen auf ein volles Schichtpensum aus versicherungsmedizinischer Sicht sowohl qualitativ als auch quantitativ eine unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Aus psychia
trischer Sicht bestehe eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Diese Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit begründe sich mit der verminderten An
passungsfä
higkeit, der verminderten Stresstoleranz sowie einer verminderten Be
lastbarkeit des Beschwerdeführers
. Diese psychisch bedingte 50%
ige Einschrän
kung gelte für alle Tätigkeitsbereiche
(S. 52 oben)
.
Retrospektiv könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen wer
den, dass die hier erwähnten qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht unverändert seit der letzten Begutachtung des Versicher
ten an der MEDAS
Y._
im September 2010 bestehen
würden
(S. 52 Mitte)
.
Die Gutachter führten weiter aus, dass sich s
eit der letzten MEDAS-Begutach
tung 2010 hingegen das psychische
Zu
standsbild des
Beschwerdeführers
nach
weislich verschlechtert
habe
. Damals
sei
nur ein
e
Dys
thymia
(ICD-10 F34.1)
diagnostiziert worden, welche keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begrün
de
t
habe. Die Diagnosen der behandelnden Ärztin med.
pract
.
I._
, welche im
Bericht vom 3
0.
November
2013 eine rezidivierende depressive Störung, ge
genwärtig anhaltend schwere Episode mit somatischem Syndrom (ICD-1
0 F32.2) sowie eine Persönlich
keitsstörung mit ängstlich-vermeidenden Zügen (
ICD-10
F60.6)
diagnostiziert und dazu festgehalten habe, dass
sich der psychische Zu
stand des
Beschwerdeführers
seit den letzten 2 Jahren deutlich verschlechtert
habe, seien nachvollziehbar
. Die Differenzen zu
den im Rahmen der Begutach
tung festgestellten
Diagnosen
seien
darauf zurückzuführen, dass die Sympto
matik etwas anders gewertet
werde
, letztendlich
handle
es sich um eine etwas andere
Beurteilung des gleichen psychi
s
c
hen Zustandsbildes. Aus psychiatri
scher Sicht
bestehe aufgrund der aktuell zu erhe
benden Befunde
und der vor
liegenden Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit mindestens Novem
ber 2011 eine 50%ige Einsch
ränkung der Arbeitsfähigkeit so
wohl im Beruf als selbstständiger Computerfachmann
als auch für sonstige Verweistä
tigkeiten
(S.
53 oben)
.
Abschliessend kamen die Gutachter zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als selbständiger Computerfachmann seit November 2011 nur noch zu 50% arbeitsfähig sei. Auch in einer sonstigen, dem körperlichen Leiden optimal angepassten Verweistätigkeit sei der Beschwerde
führer aus interdisziplinärer Sicht zu maximal 50% arbeitsfähig. Dabei sollten ausschliessliche Geh- und Stehbelastungen vermieden werden. Ein Anteil an sitzender Tätigkeit sollte zumindest 50
%
betragen. Auch sollte ein Gehen auf unebenem Gelände, das Besteigen von Leitern und Gerüsten sowie häufiges Treppensteigen vermieden werden. Auch Arbeiten im
Hocksitz
sowie Tätigkeiten mit repetitive
m
Bücken sowie das Heben und Tragen von Lasten über 15 kg sollte gemieden werden (S. 53 unten).
5.
5.1
Strittig und zu prüfen ist
somit
, ob sich der Gesundheitszustand
und die Arbeitsfähigkeit
des Beschwer
deführers im relevanten Zeitraum (vgl. E. 2.3) in einer für den Anspruch erheb
lichen Weise verschlechtert haben
.
Während die Beschwerdegegnerin davon ausging, dass trotz der psychia
trischen Diagnosen
(aus rechtlicher Sicht)
eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe, mach
t
der Beschwerdeführer
im Wesentlichen
geltend,
die von der behandeln
den Psychia
terin festgestellte vollständige Arbeitsunfähigkeit erweise sich als den tatsäch
li
chen Verhältnissen entsprechend (
Urk.
1 S. 12
Ziff.
5)
.
5.2
Für die Beantwortung der Frage, ob eine Verschlechterung des Gesundheitszu
stands
des
Beschwerdeführer
s
in einer für den Anspruch relevanten Weise ein
getreten ist, kann auf das
H._
-Gutachten
abgestellt werden (vgl. E.
4.2
):
Das
Gutachten entspricht den erforderlichen Kriterien an den Beweiswert einer Expertise (vgl. E.
1.5).
Der
Beschwerdeführer wurde
seinen
geltend gemachten
Be
schwerden entsprechend umfassend abgeklärt, das Gutachten beruht auf
inter
nistischen, neurologischen, orthopädischen und psychiatrischen
Untersuch
un
gen,
berücksichtigt die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben. Sodann sind die Darlegungen der medizinischen Zusam
menhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend und die Schluss
folgerungen in der Expertise begründet. Die
H._
-
Gutachter kamen in ihrer Gesamtbeurteilung zum nachvollziehbaren Schluss, dass
aus psychiat
rischer
Sicht seit mindestens Mitte November 2011 eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeiten bestehe
.
In somatischer Hinsicht sollten ausschliessliche Geh- und Stehbelastungen vermieden werden. Ein Anteil an sitzender Tätigkeit sollte zumindest 50
%
betragen. Auch sollte ein Gehen auf unebenem Gelände, das Besteigen von Leitern und Gerüsten sowie häufiges Treppensteigen vermieden werden. Auch Arbeiten im
Hocksitz
sowie Tätigkeiten mit repetitiven Bücken sowie das Heben und Tragen von Lasten über 15 kg sollte gemieden werden.
5.3
Soweit der Beschwerdeführer
geltend macht
,
dass die Befunde im Gutachten
zu
wenig
gewichtet
worden sei
en
und
ihnen
teilweise ungenügen
d Rechnung getra
gen worden sei
(
Urk. 1.
S. 12
Ziff.
5), ist zu bemerken,
dass sich die
unter
schiedliche
Schwere
beurteilung
einer Symptomatik durch Gutachter und behan
delnde Ärzte indes
sen
auch
aus deren unterschiedlicher auftragsrechtlicher Situation
ergibt
. Denn bei behandelnden Ärzten gehört die Beurteilung der Aus
wirkungen von
Krank
heitssymptomen
auf die Arbeitsfähigkeit zum therapeuti
schen Auftrag. Sie müssen daher ihre Beurteilung soweit medizinisch vertretbar
mit der Selbsteinschätzung des Patienten in Einklang bringen können und gegebenen
falls - aus Rücksicht auf das für den Therapieerfolg wichtige Ver
trauensverhält
nis - bei der Bewertung der krankheitsbedingten
Funktionsein
schränkungen
dessen Einschätzung folgen. Demgegenüber hat der von einem
Sozialversiche
rungsträger
oder von einem Gericht beauftragte Gutachter die Krankheits- bzw. Behinderungsüberzeugung des Exploranden zwar auch in seine Beurteilung ein
zubeziehen, ist aber verpflichtet, die Schwere der (von ihm selbst klinisch fest
gestellten oder von anderen - insbesondere behandelnden - Ärzten berichteten) Symptomatik aufgrund aller aktenkundigen Informationen über Defizite und Ressourcen des Exploranden zu validieren.
Im Übrigen ver
schaffen die mitunter schwierige Abgrenzung von
invaliditätsfremden Faktoren sowie die auf die IV-spezifischen Tatfragen zugeschnittenen Schlussfolgerungen dem
polydiszipli
nären
Gutachten einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Berichten der be
handelnden Ärzte, welche aus therapeutischen Zusammen
hängen heraus er
stattet wurden (dazu BGE 137 V 210 E.1.2.4 mit Hinweisen).
Wegen der unterschiedlichen Natur von Behandlungs- und
Begutachtungsauf
trag
ist es
rechtsprechungsgemäss
nicht geboten, ein Gutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behan
delnden Ärzte zu anderen Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine klärende Ergänzung des medizinischen Dossiers oder direkt eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige, nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_252/2012 vom
7.
September
2012 E.
8.4). Solches
ist
hier nicht
der Fall
, berücksichtigt
das
H._
-Gutachten
doch sämt
liche
vom
Beschwerdeführer anlässlich der Untersuchung geklagten Beschwer
den so
wie die von den behande
lnden Ärzten erhobenen Befunde
und nimmt Bezug auf die
vorhandenen Differenz
en
betreffend
Wertung der Symptomatik (vgl. vorste
hend E. 4.2).
Insbesondere ist nicht ersichtlich,
inwiefern die Diag
nose einer Persönlichkeitsstörung im
H._
-Gutachten unberücksichtigt geblie
ben
sein solle
(
Urk.
1 S. 12
Ziff.
5).
5.4
Soweit die Beschwerdegegnerin die Ansicht vertritt, dass die psychische Proble
matik durch psychosoziale Faktoren ausgelöst worden sei, ist zu bemerken,
dass
s
o
bald
eine
Diagnose lege
artis
gestellt wird und der Psychiater oder die Psychia
terin
respektive der Gutachter
nicht bloss Befunde erhebt, welche in den psy
chosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung fin
den, gleichsam in ihnen aufgehen, sondern verselbstständigte psychische
Stö
rungen diagnostiziert, vielmehr ein invalidenversicherungsrechtlich poten
ziell
relevanter psychischer Gesundheitsschaden vor
liegt
(vgl. Urteil des Bundesge
richts
8C_478/2007 vom
1
9.
Juni 2008
, E.
3.3.2). Mit anderen Worten
ist eine
wie
im vorliegenden
H._
-Gutachten nachvollziehbar
festgestellte psychische Erkrankung
, welche eine andauernde und er
hebliche Erwerbsunfähigkeit be
wirkt, relevant und nicht deshalb invaliditätsfremd, weil sie
auch
auf psychoso
ziale Faktoren zurückgeführt werden kann
.
Im gleichen Sinn hielt
das Bundesgericht
in einem anderen Urteil
fest,
sofern
ein Gutachter lege
artis
begutachtet und unter Berücksichtigung der normativen Vorgaben
gemäss
der Rechtsprechung auf eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit
schliesst
, dem aus rechtlicher Sicht zu folgen
ist
, sofern die rechtsanwendende Stelle nicht konkrete, fallgebundene Gesichtspunkte zu nennen vermag, die im Rahmen der Folgenabschätzung eine im Vergleich zum Gutachter abweichende Ermessensausübung gebieten (Urteil des Bundesgerichts 9C_855/2014 vom 2
4.
Oktober 2014 E. 2.4.2).
Entgegen den Vorbringen der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
6) ist solches vor
liegend jedoch zu verneinen. Beim Beschwerdeführer sind zweifellos Ress
ourcen
vorhanden, diese sind jedoch nicht derart ausgeprägt, dass entgegen den Schluss
folgerungen im
H._
-Gutachten von einer vollständigen Arbeitsfähig
keit aus
zugehen ist.
Der Umstand allein
, dass der Beschwerdeführer sich mit der
Vogel
zucht
beschäftigt und versucht
,
bezüglich Elektronik „am Ball zu bleiben“ genügt bei
W
eitem nicht, um von der lege
artis
festgestellten Ar
beitsunfähigkeit im
H._
-Gutachten abzuweichen. Im Übrigen ist es vermessen zu behaupten, dass der Beschwerdeführer, welcher das Haus kaum
mehr
ver
lässt, einen gere
gelten Tagesablauf habe und daraus auf Ressourcen zu
schlies
sen
sei, welche für eine Tätigkeit in der IT
-Branche genutzt werden können.
Zu
dem
stösst
das Argument
der Beschwerdegegnerin, wonach es auf dem ausgegli
chenen Arbeits
markt genügend Arbeitsstellen gäbe, bei welchen keine
Teamfä
higkeit
vonnöten sei (
Urk.
6 S.
1), nur schon aufgrund der Tatsache ins Leere, dass der Be
schwerdeführer
gemäss
H._
-Gutachten
in seiner Arbeitsfähigkeit aufgrund der verminderten Anpassungsfähigkeit, der verminderten
Stresstole
ranz
sowie einer verminderten Belastbarkeit eingeschränkt ist
und nicht infolge fehlender
Team
fähigkeit
(vgl. vorstehend E. 4.2)
.
Die Beschwerdegegnerin vermag keine substantiellen Gesichtspunkte vorzubrin
gen, welche ein Abweichen von der im
H._
-Gutachten festgestellten Arbeits
unfähigkeit rechtfertigen würde.
Mit anderen Worten sind die noch vorhande
nen und von der Beschwerdegegnerin
teilweise
genannten Ressourcen i
n der im
H._
-Gutachten festgestellten
Arbeits
(-
un
)
fähigkeit
bereits gebührend berück
sichtigt.
5.5
Zusammenfassend ist damit der medizinische Sachverhalt als dahingehend er
stellt zu betrachten, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in psychiatrischer Hinsicht
im massgeblichen Zeitraum
in einer für den Anspruch erhebl
ichen Weise ver
schlechtert hat und nunmehr von einer 50%igen Arbeits
unfähigkeit in jeglichen Tätigkeiten auszugehen ist.
In somatischer Hinsicht ist gestützt auf das
H._
-Gutachten zudem festzu
halten, dass die erwähnten qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit (vorstehend E. 4.2) sich seit der letzten Begutachtung des Beschwerdeführers nicht verändert haben.
6.
Der Beschwerdeführer
üb
te seit 1996 im
IT-Bereich
eine selbständige Erwerbs
tätigkeit aus
,
welche
er im
Sommer
20
08 aufgab, da er im Lauf der Zeit mit der Konkurrenz nicht habe mithalten können und immer weniger Aufträge erhalten
habe, so dass er schlussendlich den Betrieb
habe schliessen müssen
.
Seither lebt der
Beschwer
deführer mit seiner Frau vom Sozialamt (vgl.
Urk.
7/69 S.
12 unten f.)
.
Ange
sichts der Tatsache, dass der Beschwerdeführer seit länge
rem keiner
beruflichen Tätigkeit nachgeht,
rechtfertigt es sich vorliegend
so
wohl für die Bemessung des Validen- als auch des Invalideneinkommens auf die statistischen Werte der LSE abzustellen, wobei
entgegen der Ansicht des Be
schwerdeführers (
Urk.
1 S.
13)
beide Vergleichseinkommen ausgehend vom selben
Tabellenlohn zu ermitteln sind
, da
ihm
sowohl die zuletzt ausgeübte Tätig
keit als auch eine sonstige, dem Leiden optimal angepasste
Verweistätig
keit
im Umfang von 50
%
zumutbar
ist
. Somit kann hier von der ärztlich ge
schätzten
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
ohne Weiteres
- unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom
Tabel
len
lohn
-
auf einen entsprechenden
Invaliditäts
grad
geschlossen und damit ein
Prozentvergleich vorgenommen werden (Urteile des Bundesgerichts
9C_888/201
4 vom
4.
Februar 2015
E.
2f.
und 8C_450/2014 vom 2
4.
Juli
2014 E.
7.3).
Weitere respektive zusätzlich zur medizinisch atte
stierten Arbeitsunfähigkeit vorhan
dene Einschränkungen, welche einen Abzug vom
Ta
bellenlohn
rechtfertigen würden, sind keine ersichtlich und werden durch den Beschwerdeführer auch nicht
geltend gemacht
(
Urk.
1 S.
13).
Somit
entspricht d
ie Einschränkung der medizinisch attestierten Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit, und der Invaliditätsgrad beträgt
folglich
50
%
.
Nach dem Gesagten
ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die ange
fochtene Verfügung mit der Feststellung
aufzuheben ist
, dass
der
Be
schwer
deführer ab
1.
Dezember 2013 (vgl. vorstehend E.
1.3, wonach ein Ren
ten
anspruch
gemäss
Art.
29 IVG
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs
entsteht)
Anspruch auf eine
halbe Rente
hat.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden
Beschwerdegegnerin
aufzu
erlegen.
7.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzenden Ersatz der Parteikosten. De
r
teilweise obsiegende und anwaltli
ch vertretene Beschwerdeführer
hat Anspruch auf eine
Partei
ent
schädigung
, die beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
2
20
.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer)
e
rmessensweise auf
Fr.
2‘
3
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.