Decision ID: 850b7922-364f-5be2-a820-ff466e0f3e52
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a
Am (...) (Datum) richtete das Ministry of Finance von Indien (nachfolgend:
MoF) ein Amtshilfeersuchen an die Eidgenössische Steuerverwaltung
(nachfolgend: ESTV oder Vorinstanz). Das MoF stützte sich dabei auf das
Abkommen vom 2. November 1994 (mit Stand vom 7. Oktober 2011) zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Indien
zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom
Einkommen (SR 0.672.942.31; nachfolgend: DBA CH-IN). Als vom Ersu-
chen betroffene Person nannte das MoF A._ (nachfolgend auch:
betroffene Person). Das Ersuchen betraf Einkommenssteuern für die Steu-
erperiode vom 15. August 2007 bis zum 31. März 2012. Als Informations-
inhaberin wurde die B._ Bank (nachfolgend auch: Bank) genannt.
A.b Das MoF führte in seinem Ersuchen aus, die Prüfung der Veranla-
gungsunterlagen des Steuerzahlers habe klare Hinweise auf eine Verheim-
lichung von Einkommen und auf nicht offengelegte Investitionen in ver-
schiedene Arten von Vermögenswerten ergeben. Die notwendige Untersu-
chung sei nach dem Steuergesetz durchgeführt worden und habe auch die
Aufzeichnung der eidesstattlichen Erklärung des Steuerzahlers beinhaltet.
Die Untersuchung habe die Existenz eines nicht offengelegten Bankkontos
aufgedeckt, welches mit der Bank unterhalten worden sei. Das auf dieses
Bankkonto einbezahlte oder überwiesene Geld sei der Steuerbehörde in
Indien nicht angegeben worden. Die Informationen über das Datum der
Einlage, der Menge der Einlagen und der Investition derselben in verschie-
dene Arten von Vermögenswerten würden in Bezug auf die Besteuerung
des nicht offengelegten Einkommens des Steuerzahlers genutzt. Darüber
hinaus würden Informationen über den «Modus Operandi» bei der Eröff-
nung nicht genannter Auslandskonten dazu beitragen, die Geldwäscherei
in Indien zu verhindern.
A.c Dabei ersuchte das MoF um die Weitergabe folgender Informationen
über die betroffene Person:
(...) (Wiedergabe der ersuchten Informationen)
A.d Mit Schreiben vom 20. Februar 2014 teilte die ESTV dem MoF mit,
dass keine Amtshilfe gewährt werden könne, weil das indische Ersuchen
aufgrund von unrechtmässig erlangten Informationen betreffend die Bank
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von Frankreich gestellt worden sei. Es habe nicht aufgezeigt werden kön-
nen, dass die von Indien durchgeführte Steueruntersuchung unabhängig
davon erfolgt sei.
A.e Das MoF bestätigte daraufhin mit Schreiben vom (Datum) das Amts-
hilfeersuchen vom (Datum). Dabei verwies das MoF auf das Urteil des Bun-
desgerichts 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018, welches die Amtshilfe in Fäl-
len gestohlener Daten erlaubt habe. Weiter führte das MoF aus, dass diese
Informationen weiterhin voraussichtlich erheblich seien. Überdies bestä-
tigte das MoF, dass keine Verjährungsfrist abgelaufen sei (Ziff. 3 des
Schreibens).
B.
Die ESTV teilte dem MoF mit E-Mail vom 12. November 2018 mit, dass sie
die Fragen an die Informationsinhaber anpassen werde (zum Wortlaut
auch sogleich Sachverhalt Bst. C).
C.
Mit Editionsverfügung vom 19. Dezember 2018 ersuchte die ESTV die
Bank um folgende Informationen zur betroffenen Person hinsichtlich des
Zeitraums vom 1. April 2011 bis 31. März 2012:
(...) (Wiedergabe der ersuchten Informationen)
Zudem ersuchte die ESTV die Bank um Information der betroffenen Person
sowie um Informationen hinsichtlich weiterer Halter von Bankkonten, bei
denen die betroffene Person unterzeichnungsberechtigt oder bevollmäch-
tigt für deren Konto sei.
D.
Zwischenzeitlich hat das MoF die ESTV mit E-Mail vom 19. Februar 2019
unter anderem darüber informiert, dass die ersuchten Informationen immer
noch voraussichtlich erheblich seien und benötigt würden, um die nächsten
Schritte gemäss dem indischen Steuerrecht vorzunehmen.
E.
E.a
Die Bank kam der Editionsverfügung der ESTV am 25. März 2019 nach.
Weiter informierte sie die ESTV, dass sie deren Notifikationsschreiben zwar
an die betroffene Person weitergeleitet habe, dieses aber retourniert wor-
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den sei. Dem Inhaber eines der betroffenen Konten, C._ (im Fol-
genden auch beschwerdeberechtigte Person 1), habe das Notifikations-
schreiben weitergeleitet und zugestellt werden können. Eine Zustellung an
eine weitere Inhaberin eines Kontos, die D._ Ltd. (im Folgenden
auch beschwerdeberechtigte Person 2), sei nicht möglich gewesen.
E.b Die Information der betroffenen Person wurde sodann auch seitens der
ESTV über den Weg der direkten Zustellung ins Ausland versucht. Das
entsprechende Schreiben der ESTV vom 3. April 2019 konnte aber nicht
zugestellt werden und wurde retourniert. In der Folge informierte die ESTV
die betroffene Person am 16. April 2019 via Publikation im Bundesblatt
über das Amtshilfeersuchen und setzte ihr eine Frist von 10 Kalendertagen,
um eine zur Zustellung bevollmächtigte Person in der Schweiz zu bezeich-
nen. Dieser Frist kam die betroffene Person nicht nach.
E.c Die beschwerdeberechtigte Person 1, welche über das Amtshilfeersu-
chen mit Schreiben vom 25. März 2019 informiert werden konnte, reagierte
nicht auf das Notifikationsschreiben der ESTV vom 3. April 2019.
E.d Die beschwerdeberechtigte Person 2, deren Sitz sich auf den briti-
schen Jungferninseln befindet, wurde – gleich wie die betroffene Person –
durch Publikation im Bundesblatt am 9. April 2019 informiert. Die Anzeige
einer zustellungsbevollmächtigten Person in der Schweiz blieb ebenfalls
aus.
F.
Die ESTV sieht die formellen und materiellen Erfordernisse gemäss Art. 26
DBA CH-IN und Art. 6 des Bundegesetzes vom 28. September 2012 über
die internationale Amtshilfe in Steuersachen (StAhiG; SR 651.1) im vorlie-
genden Fall als erfüllt an und erliess am 14. Mai 2019 eine Schlussverfü-
gung, nach welcher der ersuchenden Behörde folgende Informationen
über die betroffene Person für den Zeitraum vom 1. April 2011 bis 31. März
2012 übermittelt werden sollen:
(...) (Wiedergabe der Informationen)
Die ESTV eröffnete die Schlussverfügung an die betroffene Person sowie
(in anonymisierter bzw. gekürzter Form) an die beschwerdeberechtigten
Personen 1 und 2. Dabei wurde die Schlussverfügung mangels Nennung
von einer zur Zustellung bevollmächtigten Person in der Schweiz durch die
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betroffene Person und die beschwerdeberechtigten Personen 1 und 2, glei-
chentags im Bundesblatt veröffentlicht (je separat für die betroffene Person
und die beschwerdeberechtigten Personen).
G.
Mit E-Mail vom 6. Juni 2019 teilte der Vertreter der betroffenen Person der
ESTV das Vertretungsverhältnis in dieser Sache mit und beantragte Akten-
einsicht. Dies wurde ihm mit E-Mail vom 7. Juni 2019 gewährt.
H.
Gegen die Schlussverfügung in Bezug auf die betroffene Person sowie die-
jenigen betreffend die beschwerdeberechtigten Personen 1 und 2, alle vom
14. Mai 2019, erhebt die betroffene Person (nachfolgend: Beschwerdefüh-
rer) mit Eingabe vom 13. Juni 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht und beantragt sinngemäss, was folgt: A. Zum Formellen: Die vor-
liegende Beschwerde sei für zulässig zu erklären. B. Zum Materiellen: Es
sei die Nichtigkeit der drei Entscheide der ESTV vom 14. Mai 2019 festzu-
stellen. Weiter sei der Fall an die Vorinstanz zurückzuweisen, und diese sei
anzuweisen den Beschwerdeführer korrekt über das Amtshilfeverfahren
gegen ihn zu informieren und es sei eine vernünftige Frist zur Stellung-
nahme vor Erlass einer erneuten Schlussverfügung anzusetzen. Eventua-
liter seien die drei Schlussverfügungen vom 14. Mai 2019 aufzuheben und
es sei keine Amtshilfe zu leisten, soweit diese den Beschwerdeführer
nenne oder betreffe. Folglich seien auch keine Dokumente an die ersu-
chende Behörde weiterzugeben, welche in irgendeiner Form den Be-
schwerdeführer betreffen würden. Subeventualiter wird (wiederum sinnge-
mäss) beantragt, sofern es zu einer Übermittlung von Unterlagen im Rah-
men der Dossiers betreffend die beschwerdeberechtigten Personen 1
und 2 komme, seien diese Unterlagen zu schwärzen, soweit sie den Be-
schwerdeführer nennen oder dessen Identifikation anderweitig erlauben
würden. Sämtliche Anträge wurden unter Kosten- und Entschädigungs-
folge gestellt.
Der Beschwerdeführer macht zur Begründung seiner Anträge einerseits
eine Gehörsverletzung aufgrund der ungenügenden Zustellung der Schrei-
ben der ESTV geltend. Andererseits führt er aus, das Amtshilfeersuchen
beruhe auf gestohlenen Daten (Falciani Daten) und der ersuchende Staat
habe in diesem Zusammenhang das Vertrauensprinzip verletzt.
I.
Die ESTV nimmt dazu mit Vernehmlassung vom 9. August 2019 Stellung
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und beantragt, auf die Beschwerde vom 13. Juni 2019 sei nicht einzutre-
ten. Eventualiter sei die Beschwerde vom 13. Juni 2019 kostenpflichtig ab-
zuweisen.
J.
Mit Eingabe vom 10. Oktober 2019 (Replik), bringt der Beschwerdeführer
vor, dass subsubeventualiter, sofern Amtshilfe gewährt werden würde, die
Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, damit diese die Frage des
Spezialitätsprinzips mit der ersuchenden Behörde kläre, und es seien da-
hingehende Garantien einzuholen, dass Indien dieses Prinzip respektiere.
Des Weiteren sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese
die Ziff. 3 des Dispositivs der Schlussverfügung anpasse, wobei deutlich
zu machen sei, dass die übermittelten Informationen nur in dem Zusam-
menhang verwendet werden dürfen, für den sie übermittelt worden seien,
und dass sie vertraulich zu behandeln seien.
In der Begründung der Replik wird zum einen die Verletzung des Speziali-
tätsprinzips vorgebracht (vgl. Ziff. I und II der Replik). Zum anderen wird
die Nichtigkeit der Schlussverfügung mit neuen Vorbringen begründet. Ne-
ben der bereits in der Beschwerde vorgebrachten Rüge der mangelhaften
Eröffnung an den Beschwerdeführer ergebe sich die Nichtigkeit auch aus
folgenden Gründen: Die Schlussverfügung sei ebenfalls nichtig, weil in den
zur Übermittlung vorgesehenen Unterlagen genannte Dritte nicht über das
Verfahren informiert worden seien (Replik Ziff. IV). Und schliesslich sei sie
auch nichtig, weil die beschwerdeberechtigte Person 1 bereits vor dem Da-
tum des Amtshilfeersuchens verstorben sei (ebenfalls Replik Ziff. IV). Als
drittes Vorbringen wird geltend gemacht, die Informationen seien für die
ersuchende Behörde nicht mehr erforderlich, weil die Verjährungsfrist am
31. März 2014 abgelaufen sei. Folglich sei das Ersuchen zurückzuweisen
bzw. subsidiär habe die ESTV diese Frage der Verjährung zu klären, bevor
auf das Ersuchen eingetreten werde (Ziff. V Replik). Viertens sei Punkt 3
der Schlussverfügung im Sinn des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts
A-1315/2019 vom 17. September 2019 zu präzisieren (Ziff. VI der Replik).
Daneben wird die bereits in der Beschwerde vorgebrachte Rüge der Ver-
letzung des Vertrauensprinzips weiter ausgeführt (Ziff. III der Replik).
K.
Mit Stellungnahme vom 4. November 2019 hält die Vorinstanz an ihren mit
Vernehmlassung vom 9. August 2019 gestellten Anträgen fest.
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Seite 7
L.
Mit Eingabe vom 18. November 2019 bestätigt der Beschwerdeführer er-
neut seine Rechtsauffassung.
M.
Mit Schreiben vom 22. November 2019 teilt die Vorinstanz mit, dass sie auf
weitere Eingaben verzichte und an ihren mit Vernehmlassung vom 9. Au-
gust 2019 gestellten Anträgen festhalte.
N.
Mit Eingabe vom 24. August 2020 bestätigte der Beschwerdeführer erneut
seine bisherigen Vorbringen.
O.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die eingereichten Ak-
ten wird – soweit sie entscheidwesentlich sind – in den folgenden Erwä-
gungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen des indischen
MoF vom (Datum) verbunden mit einem Bestätigungsschreiben vom (Da-
tum) gestützt auf Art. 26 DBA CH-IN zugrunde. Die Durchführung der mit
diesem Abkommen vereinbarten Bestimmungen richtet sich nach dem StA-
hiG (vgl. Art. 1 Abs. 1 Bst. a StAhiG und Art. 24 StAhiG e contrario). Vorbe-
halten bleiben abweichende Bestimmungen des im vorliegenden Fall an-
wendbaren DBA CH-IN (vgl. Art. 1 Abs. 2 StAhiG).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Zu den beim Bundes-
verwaltungsgericht anfechtbaren Verfügungen gehören auch Schlussver-
fügungen der ESTV im Bereich der internationalen Amtshilfe in Steuersa-
chen (vgl. Art. 32 VGG e contrario sowie Art. 19 Abs. 1 und 5 StAhiG). Die
Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Behandlung der vorlie-
genden Beschwerde ist somit gegeben.
1.3 Der Beschwerdeführer ist als vom Amtshilfeersuchen betroffene Per-
son und Verfügungsadressat im Sinne von Art. 48 VwVG i.V.m. Art. 19
Abs. 2 StAhiG durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und
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hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, so dass er zur Be-
schwerde berechtigt ist.
Der Beschwerdeführer beantragt im vorliegenden Verfahren die Aufhebung
dreier Verfügungen, nämlich derjenigen an die betroffene Person sowie der
an die beiden beschwerdeberechtigten Personen eröffneten Schlussverfü-
gungen (vgl. Sachverhalt Bst. E). Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch
nicht um drei unterschiedliche Schlussverfügungen der ESTV, sondern le-
diglich um eine Schlussverfügung, welche drei verschiedenen Personen,
nämlich der betroffenen Person sowie (in anonymisierter bzw. gekürzter
Form) den beschwerdeberechtigten Personen 1 und 2, eröffnet wurde. Der
Antrag des Beschwerdeführers ist somit sinngemäss als Antrag um Aufhe-
bung dieser (einen) Schlussverfügung entgegenzunehmen.
Nicht eingetreten werden kann im Übrigen auf den in der Beschwerde ge-
stellten Subeventualantrag, 4. Lemma, welcher sich auf «Dossiers» betref-
fend die beiden beschwerdeberechtigten Personen bezieht, welche allen-
falls übermittelt werden würden. Es ist nicht bekannt, auf welche «Dos-
siers» der Beschwerdeführer hier Bezug nehmen will. Betroffene Person
des vorliegenden Amtshilfeverfahrens ist einzig der Beschwerdeführer. So-
fern auch «Dossiers» bzw. Amtshilfeersuchen betreffend die beschwerde-
berechtigten Personen 1 und 2 bestehen würden, wären sie jedenfalls nicht
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens und auf den Antrag könnte ent-
sprechend, wie gesagt, nicht eingetreten werden.
1.4 Somit ist auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde – vor-
behältlich vorgenannter Ausnahme – einzutreten (vgl. Art. 50 Abs. 1 VwVG
und Art. 52 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 5 StAhiG).
2.
2.1
2.1.1 Verfahrensmängel, die in Gehörsverletzungen liegen, führen in der
Regel zur Anfechtbarkeit des fehlerhaften Entscheids (BGE 129 I 361
E. 2.1). Nur wenn es sich um einen besonders schwerwiegenden Verstoss
gegen grundlegende Parteirechte handelt, haben solche Gehörsverletzun-
gen die Nichtigkeit zur Folge. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn
der Betroffene von einer Entscheidung mangels Eröffnung gar nichts weiss
bzw. wenn er gar keine Gelegenheit erhalten hat, an einem gegen ihn lau-
fenden Verfahren teilzunehmen (BGE 137 I 273 E. 3.1, 136 III 571 E. 6.2,
129 I 361 E. 2.1, 122 I 97 E. 3a/aa; Urteil des BVGer A-3764/2015 vom
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Seite 9
15. September 2015 E. 2.2 f.; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHL-
MANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1078 und 1111 ff.).
Ebenfalls liegt Nichtigkeit vor, wenn sich eine Verfügung an eine nicht mehr
bestehende (Aktien-)Gesellschaft richtet (BVGE 2013/38 E. 4.4).
Art. 38 VwVG hält fest, dass den Parteien aus einer mangelhaften Eröff-
nung einer Verfügung kein Nachteil erwachsen darf. Rechtsprechungsge-
mäss kann sodann eine nicht besonders schwer wiegende Verletzung des
rechtlichen Gehörs ausnahmsweise geheilt werden, wenn die betroffene
Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äus-
sern, die – wie in Amtshilfeverfahren das Bundesverwaltungsgericht (vgl.
Art. 49 VwVG i.V.m. Art. 19 Abs. 5 StAhiG) – sowohl den Sachverhalt als
auch die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 126 V 130 E. 2b).
2.1.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf Gewäh-
rung des rechtlichen Gehörs. Das rechtliche Gehör dient einerseits der
Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir-
kungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstel-
lung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Be-
troffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheids zur Sache zu äussern,
erhebliche Beweise beizubringen und Einsicht in die Akten zu nehmen. Der
Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle
Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfah-
ren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 140 I 99
E. 3.4, 135 II 286 E. 5.1). Voraussetzung des Äusserungsrechts sind ge-
nügende Kenntnisse über den Verfahrensverlauf, was auf das Recht hin-
ausläuft, in geeigneter Weise über die entscheidwesentlichen Vorgänge
und Grundlagen vorweg orientiert zu werden (BGE 141 I 60 E. 3.3, 140 I 99
E. 3.4). Wie weit dieses Recht geht, lässt sich nicht generell, sondern nur
unter Würdigung der konkreten Umstände beurteilen (BGE 135 I 279
E. 2.3, 111 Ia 273 E. 2b). Entscheidend ist, ob dem Betroffenen ermöglicht
wurde, seinen Standpunkt wirksam zur Geltung zu bringen (BGE 144 I 11
E. 5.3; Urteile des BGer 2C_807/2015 vom 18. Oktober 2016 E. 2.2.1; zum
Ganzen: Urteil des BVGer A-1275/2018 vom 23. Mai 2019 E. 4.2.2 [ange-
fochten vor BGer]).
Auch das StAhiG enthält Regeln, welche aus dem Anspruch auf rechtliches
Gehör abgeleitet sind (Urteil des BGer 2C_112/2015 vom 27. August 2015
E. 2.2). So sieht Art. 14 Abs. 1 StAhiG vor, dass die ESTV die betroffene
Person über die wesentlichen Teile des Ersuchens informiert.
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Seite 10
Des Weiteren gewährt Art. 5 Abs. 1 StAhiG i.V.m. Art. 29 VwVG den Par-
teien Anspruch auf rechtliches Gehör (Urteil des BVGer A-5687/2017 vom
17. August 2018 E. 3.1.1 [angefochten vor BGer]).
2.1.3 Das Recht auf Information über das Verfahren bedingt, dass die Be-
hörde mit den Parteien kommuniziert, was auch die Zustellung von Mittei-
lungen umfasst. Das StAhiG enthält unter anderem Verfahrensbestimmun-
gen zur Kommunikation der Steuerbehörde mit den Parteien, insbesondere
betreffend die Zustellung von verfahrensleitenden Verfügungen. Dazu zählt
die Regelung, wonach – wenn eine betroffene und damit zur Beschwerde
berechtigte Person im Ausland ansässig ist – die ESTV die Informationsin-
haberin oder den Informationsinhaber ersucht, diese Person aufzufordern,
in der Schweiz eine zur Zustellung bevollmächtigte Person zu bezeichnen
(vgl. Art. 14 Abs. 3 StAhiG). Sie kann die im Ausland ansässige beschwer-
deberechtigte Person auch direkt informieren, wenn es zulässig ist, Schrift-
stücke im betreffenden Staat durch die Post zuzustellen (Art. 14 Abs. 4
Bst. a StAhiG) oder die ersuchende Behörde diesem Vorgehen im Einzel-
fall ausdrücklich zustimmt (Art. 14 Abs. 4 Bst. b StAhiG). Kann eine be-
schwerdeberechtigte Person nicht erreicht werden, so informiert die ESTV
sie auf dem Weg der ersuchenden Behörde oder durch Veröffentlichung im
Bundesblatt über das Ersuchen; die ESTV fordert die beschwerdeberech-
tigte Person auf, eine zur Zustellung bevollmächtigte Person zu bezeich-
nen. Sie setzt hierfür eine Frist von zehn Tagen (Art. 14 Abs. 5 StAhiG in
der seit 1. Januar 2017 geltenden Fassung). Die beiden in Art. 14 Abs. 5
StAhiG vorgesehenen alternativen Zustellungsmöglichkeiten (Veröffentli-
chung im Bundesblatt oder Information über die ersuchende Behörde) sind
gegenüber der direkten Information nach Art. 14 Abs. 4 StAhiG subsidiär
(BGE 145 II 119 E. 7.2; Urteil des BVGer A-4453/2015 vom 14. August
2017 E. 3.2). Kommt Art. 14 Abs. 5 StAhiG zur Anwendung, kann die ESTV
zwischen den genannten Zustellungsmöglichkeiten auswählen (BGE
145 II 119 E. 7.2.2).
Das VwVG enthält mit Art. 36 ebenfalls eine ausdrückliche Regelung be-
treffend Zustellungsempfänger und amtliche Publikation. Auch in diesem
Falle ist eine Kaskade vorgesehen und hat die amtliche Publikation sub-
sidiären Charakter (Urteile des BVGer A-1275/2018 vom 23. Mai 2019
E. 4.2.3 [angefochten vor BGer], A-5687/2017 vom 17. August 2018
E. 3.1.3 [angefochten vor BGer], A-4453/2015 vom 14. August 2017
E. 3.2).
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Seite 11
2.1.4 Nach konstanter Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
greift bei der Veröffentlichung im Bundesblatt – sofern diese rechtmässig
erfolgt – die Fiktion, die von der Mitteilung betroffenen Personen hätten
Kenntnis von der Mitteilung erhalten (Urteile des BVGer A-1275/2018 vom
23. Mai 2019 E. 4.2.4 [angefochten vor BGer], A-5687/2017 vom 17. Au-
gust 2018 E. 3.1.3 [angefochten vor BGer], A-4453/2015 vom 14. August
2017 E. 3.2, ausführlich A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 2.2 f., insb.
E. 2.2.2.2).
2.1.5 In Bezug auf die Information über das laufende Amtshilfeverfahren
unterscheidet das Bundesverwaltungsgericht zwischen den formell (und in
der Regel gleichzeitig auch materiell) betroffenen Personen, also jenen,
über die im Amtshilfeersuchen Informationen verlangt werden bzw. deren
Steuerpflicht im ersuchenden Staat geprüft werden soll (Art. 3 Bst. a
StAhiG), und weiteren Personen, die sonst (materiell) betroffen sind. Wäh-
rend die fehlende Information Ersterer insbesondere dann zur Nichtigkeit
der angefochtenen Schlussverfügung führt, wenn diese gar nicht vom
Amtshilfeverfahren Kenntnis erlangten, wird in Bezug auf Letztere keine
Nichtigkeit angenommen (vgl. sogleich E. 2.1.6).
2.1.6 Gemäss jüngster bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist nicht von
einer allgemeinen Informationspflicht gegenüber sämtlichen vom Amtshil-
feersuchen betroffenen Drittpersonen, über die Informationen aufgrund der
voraussichtlichen Erheblichkeit für die Veranlagung der im ersuchenden
Staat steuerpflichtigen Person übermittelt werden sollen, auszugehen. Die
ESTV hat nur diejenigen Personen über das Amtshilfeverfahren in Kennt-
nis zu setzen, deren Legitimation im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StAhiG auf-
grund der Akten evident ist (insofern sei die in BGE 143 II 506 E. 5.1 ge-
machte Aussage, wonach einer nach Art. 19 Abs. 2 StAhiG in Verbindung
mit Art. 48 VwVG beschwerdeberechtigten Person namentlich das Recht
auf Information nach Art. 14 Abs. 2 StAhiG zustehe, zu präzisieren; Urteile
des BGer vom 13. Juli 2020 2C_376/2019 E. 7 und 2C_687/2019 vom
13. Juli 2020 E. 6.2). Grundsätzlich sind die Dritten nämlich durch das Spe-
zialitätsprinzip vor der Verwendung ihrer Informationen durch den ersu-
chenden Staat geschützt (siehe zum Spezialitätsprinzip insb. E. 2.5 hier-
nach; vgl. zum Ganzen: Urteile des BGer 2C_376/2019 vom 13. Juli 2020
E. 7.1, insb. E. 7.1.3 sowie 2C_687/2019 vom 13. Juli 2020 E. 6.1).
2.2
2.2.1 Die Amtshilfeklausel von Art. 26 DBA CH-IN in der (aktuellen) Fas-
sung gemäss dem Änderungsprotokoll vom 30. August 2010 (AS 2011
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Seite 12
4617, nachfolgend: Änderungsprotokoll) ist bei Amtshilfeersuchen Indiens
anwendbar auf Informationen über den Zeitraum ab dem 1. April 2011 (vgl.
Art. 14 Abs. 2 und 3 des Änderungsprotokolls sowie Urteil des BVGer
A-4232/2013 vom 17. Dezember 2013 E. 6.2 sowie zum Ganzen Urteil des
BVGer A-2454/2017 E. 2.1). Sie entspricht in ihrem Wortlaut weitgehend
demjenigen von Art. 26 des Musterabkommens der Organisation für wirt-
schaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) betreffend die Steu-
ern vom Einkommen und Vermögen (nachfolgend: OECD-MA).
2.2.2 Gemäss Art. 26 Abs. 1 Satz 1 DBA CH-IN tauschen die zuständigen
Behörden der beiden Vertragsstaaten diejenigen Informationen aus, «die
zur Durchführung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder Durchset-
zung des innerstaatlichen Rechts betreffend die unter das Abkommen fal-
lenden Steuern voraussichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht
entsprechende Besteuerung nicht dem Abkommen widerspricht» (vgl. aber
zu Beschränkungen dieser Amtshilfeverpflichtung insb. Art. 26 Abs. 3 und
5 DBA CH-IN).
Der Zweck der in Art. 26 Abs. 1 DBA CH-IN enthaltenen Verweisung auf
Informationen, die voraussichtlich erheblich sind, besteht gemäss Ziff. 10
Bst. d des Protokolls vom 30. August 2010 zum DBA CH-IN (ebenfalls pu-
bliziert unter SR 0.672.942.31) darin, einen möglichst weitgehenden Infor-
mationsaustausch in Steuerbelangen zu gewährleisten, «ohne es den Ver-
tragsstaaten zu erlauben, ‹fishing expeditions› zu betreiben oder Informa-
tionen anzufordern, deren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbelange ei-
ner steuerpflichtigen Person unwahrscheinlich ist».
2.2.3 Rechtsprechungsgemäss ist der Begriff der «nicht betroffenen Per-
son» nach Art. 4 Abs. 3 StAhiG restriktiv zu verstehen (vgl. BGE 142 II 161
E. 4.6.1 f.). Damit sollen in Anwendung des Verhältnismässigkeitsprinzips
Personen geschützt werden, die nichts mit dem im Amtshilfeersuchen ge-
schilderten Sachverhalt zu tun haben, deren Namen also rein zufällig in
den weiterzuleitenden Dokumenten auftauchen («fruit d’un pur hasard»;
vgl. statt vieler: Urteil des BGer 2C_287/2019 vom 13. Juli 2020 E. 5; Urteil
des BVGer A‐3791/2017 vom 5. Januar 2018 E. 5.2.2, m.w.H.). In gewis-
sen Konstellationen ist es unumgänglich, auch über Personen Informatio-
nen zu erteilen, deren Steuerpflicht im ersuchenden Staat nicht geltend ge-
macht wird (statt vieler: Urteil des BVGer A-4228/2018 vom 26. August
2019 E. 2.6.3). Können die ersuchten Informationen für die Steuerpflicht
der im ersuchenden Staat zu besteuernden Person voraussichtlich erheb-
A-2981/2019
Seite 13
lich sein und ist ihre Übermittlung unter Verhältnismässigkeitsgesichts-
punkten erforderlich, d.h. wenn die Aussonderung, Schwärzung oder an-
derweitige Unkenntlichmachung der Informationen den Zweck des Amts-
hilfeersuchens vereiteln würde, so sind sie dem ersuchenden Staat zu
übermitteln (vgl. ausführlich mit Beispielen: BGE 144 II 29 E. 4.2.2 ff.; BGE
141 II 436 E. 4.4.3 f., Urteil des BGer 2C_615/2018 vom 26. März 2019
E. 3.1; Urteile des BVGer A-1745/2019 vom 1. November 2019 E. 2.5,
A-4228/2018 vom 26. August 2019 E. 2.6.3, A-4144/2018 vom 28. Mai
2019 E. 2.4.1, A‐4819/2016 vom 4. April 2018 E. 3.4 und 3.5).
2.3
2.3.1 Ein wichtiges Element der internationalen Behördenzusammenarbeit
bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch
oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit den in Art. 7 StAhiG
genannten Konstellationen – prinzipiell kein Anlass besteht, an Sachver-
haltsdarstellungen und Erklärungen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völ-
kerrechtliches Vertrauensprinzip; BGE 144 II 206 E. 4.4, 143 II 224 E. 6.3,
142 II 218 E. 3.3, 142 II 161 E. 2.1.3 f.; Urteil des BGer 2C_646/2017 vom
9. April 2018 E. 2.5, m.w.H.; Urteil des BVGer A-3095/2018 vom 29. Mai
2019 E. 2.5). Auf diesem Vertrauen gründet letztlich das ganze Amtshilfe-
verfahren. Dementsprechend ist die ESTV an die Darstellung des Sach-
verhalts im Ersuchen insoweit gebunden, als diese nicht wegen offensicht-
licher Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet werden kann
(BGE 142 II 218 E. 3.1, 139 II 451 E. 2.2.1; Urteile des BVGer A-3773/2018
vom 8. Februar 2019 E. 2.6 und A-381/2018 vom 21. November 2018
E. 4.2). Gleiches gilt für die vom ersuchenden Staat abgegebenen Erklä-
rungen. Werden diese sofort entkräftet, kann der ersuchte Staat ihnen nicht
mehr vertrauen (vgl. Urteile des BVGer A-4228/2018 vom 26. August 2019
E. 2.2, A-769/2017 vom 23. April 2019 E. 2.4.1 sowie A-3716/2015 vom
16. Februar 2016 E. 3.5). Es liegt dabei an der betroffenen Person, den
Sachverhalt mittels Urkunden klarerweise und entscheidend zu widerlegen
(vgl. BGE 139 II 451 E. 2.3.3; Urteile des BVGer A-769/2017 vom 23. April
2019 E. 2.4.2 und A-381/2018 vom 21. November 2018 E. 4.2).
2.3.2 Das völkerrechtliche Vertrauensprinzip spielt auch eine Rolle in Be-
zug auf das Spezialitätsprinzip (vgl. zum Spezialitätsprinzip E. 2.5). Ge-
stützt auf das Vertrauensprinzip kann grundsätzlich als selbstverständlich
vorausgesetzt werden, dass der Spezialitätsgrundsatz durch Staaten ein-
gehalten wird, die mit der Schweiz durch einen Amts- oder Rechtshilfever-
trag verbunden sind, ohne dass die Einholung einer ausdrücklichen Zusi-
cherung notwendig wäre (vgl. BGE 128 II 407 E. 3.2 und 4.3.1, 115 Ib 373
A-2981/2019
Seite 14
E. 8, 107 Ib 264 E. 4b). Folglich ist die Wahrung des Grundsatzes erst bei
konkreten Anhaltspunkten auf eine zweckwidrige Verwendung im ersu-
chenden Staat zu überprüfen bzw. eine entsprechende Zusicherung einzu-
holen (vgl. BGE 128 II 407 E. 3.2; Urteil des BGer 2C_653/2018 vom
26. Juli 2019 E. 7.3; BVGE 2018 III/1 E. 2.9.1).
2.4 Das Amtshilfeverfahren betrifft nicht die materielle Seite des Steuerver-
fahrens. Es ist Sache des ersuchenden Staates, seine eigene Gesetzge-
bung auszulegen und deren Anwendung zu prüfen. Stellt sich eine Frage
der Anwendung des internen Rechts des ersuchenden Staates die Steuer-
schuld betreffend, wie beispielsweise bezüglich deren Verjährung, ist diese
Frage von den Behörden des ersuchenden Staates zu beantworten. Dies
gilt auch für Fragen bezüglich des Verfahrensrechts des ersuchenden
Staates (Urteile des BGer 2C_954/2015 vom 13. Februar 2017 E. 5.5,
2C_527/2015 vom 3. Juni 2016 E. 5.7; Urteile des BVGer A-2454/2017
vom 7. Juni 2018 E. 2.3, A-7496/2016 vom 27. April 2018 E. 4.6.6,
A-2915/2016 vom 4. April 2017 E. 3.3.2, A-4157/2016 vom 15. März 2017
E. 3.5.4).
2.5
2.5.1 Im Bereich der Amtshilfe nach dem DBA CH-IN statuiert dessen
Art. 26 Abs. 2 – im Sinn des Spezialitätsprinzips –, für wen und zu welchem
Gebrauch die übermittelten Informationen ausschliesslich bestimmt sind:
Sie dürfen
«nur den Personen oder Behörden (einschliesslich der Gerichte und der Ver-
waltungsbehörden) zugänglich gemacht werden, die mit der Veranlagung oder
der Erhebung, der Vollstreckung oder Strafverfolgung oder mit der Entschei-
dung von Rechtsmitteln hinsichtlich der in [Art. 26] Absatz 1 [DBA CH-IN] ge-
nannten Steuern oder mit der Aufsicht darüber befasst sind. Diese Personen
oder Behörden dürfen die Informationen nur für diese Zwecke verwenden. Sie
dürfen die Informationen in einem öffentlichen Gerichtsverfahren oder in einer
Gerichtsentscheidung offenlegen. Ungeachtet der vorstehenden Bestimmun-
gen kann ein Vertragsstaat die erhaltenen Informationen für andere Zwecke
verwenden, wenn solche Informationen nach dem Recht beider Staaten für
solche andere Zwecke verwendet werden dürfen und die zuständige Behörde
desjenigen Staates, der die Informationen erteilt hat, dieser anderen Verwen-
dung zustimmt.»
2.5.2 Gemäss dieser Regelung in Art. 26 Abs. 2 DBA CH-IN ist vorgese-
hen, dass amtshilfeweise zu übermittelnde Informationen unter anderem
für die Strafverfolgung hinsichtlich der in Art. 26 Abs. 1 DBA CH-IN erwähn-
ten Steuern verwendet werden dürfen und es dafür keiner Zustimmung der
A-2981/2019
Seite 15
zuständigen Behörde des ersuchten Staates bedarf. Die ersuchende Steu-
erbehörde darf also die betreffenden Daten nicht nur für die Veranlagung
von Steuern, sondern auch in Steuerstrafverfahren nutzen oder die Infor-
mationen anderen Behörden zwecks Ahndung von Steuerdelikten weiter-
geben. Vorausgesetzt wird dabei lediglich, dass es um Delikte betreffend
unter Art. 26 Abs. 1 DBA CH-IN fallende Steuern geht. Nach der abkom-
mensrechtlichen Regelung mit Indien ist damit auch Steueramtshilfe vor-
gesehen für die Abklärung von Steuerdelikten (wie der Hinterziehung von
Einkommenssteuern). Damit bildet die Übermittlung von Informationen zur
Strafverfolgung bei Delikten, welche nach schweizerischem Recht als Hin-
terziehung von direkten Steuern zu qualifizieren sind, (ein möglicher) Sinn
der Amtshilfe nach Art. 26 DBA CH-IN (vgl. zum Ganzen Urteile des BVGer
A-837/2019 vom 10. Juli 2019 E. 5.3.3.2, A-778/2017 vom 5. Juli 2017
E. 4.3.3: siehe ferner Urteile des BVGer A-5687/2017 vom 17. August 2018
E. 4 [angefochten vor BGer] und A-765/2019 vom 20. September 2019
E. 3.2.2, beide hinsichtlich der gleichlautenden Bestimmung im DBA-NL).
Folglich darf der ersuchende Staat also die einmal erlangten Informationen
nach Art. 26 Abs. 2 DBA CH-IN auch zur Verfolgung von Steuerdelikten
verwenden. Eine andere Frage ist jedoch, ob ihm solche Informationen zu
übermitteln sind, wenn sie allein der Verfolgung von Steuerdelikten und
keinem Erhebungszweck (mehr) dienen. In Bezug auf diese letztgenannte
Frage kam das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Leistung
von Amtshilfe, wenn sie ausschliesslich der Festlegung von Strafzahlungen
und Zinsen dienen kann, unter dem DBA CH-IN ausgeschlossen ist (siehe
zum Ganzen Urteile des BVGer A-837/2019 vom 10. Juli 2019 E. 5.3.3.2,
A-4154/2017 vom 21. August 2018 E. 3.3.2, A-2454/2017 vom 7. Juni 2018
E. 2.1.4.4). An dieser Rechtsprechung ist festzuhalten.
Weiter darf der ersuchende Staat aufgrund des Spezialitätsprinzips die
vom ersuchten Staat erlangten Informationen einzig in Bezug auf Personen
oder Handlungen verwenden, für welche er sie verlangt hat (statt vieler und
ausführlich hergeleitet: Urteile des BVGer A-1348/2019 vom 3. März 2020
E. 4.5.1 [bestätigt mit Urteil des BGer 2C_253/2020 vom 13. Juli 2020],
A-108/2018 vom 13. Februar 2020 E. 10.1 und A-5046/2018 vom 22. Mai
2019 E. 2.5 [bestätigt mit Urteil des BGer 2C_538/2019 vom 13. Juli 2020]).
Auch das Bundesgericht bestätigte – insbesondere mit (zur Publikation vor-
gesehenem) Urteil 2C_537/2019 vom 13. Juli 2020 –, dass das Speziali-
tätsprinzip nicht nur eine sachliche, sondern auch eine persönliche Dimen-
sion aufweist (vgl. E. 3.1 ff. des genannten Urteils sowie ferner etwa Urteil
des BGer 2C_545/2019 vom 13. Juli 2020 E. 4.7, m.w.H.).
A-2981/2019
Seite 16
2.6
2.6.1 Gemäss Art. 7 Bst. c StAhiG ist auf ein Ersuchen nicht einzutreten,
wenn es den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt, «insbesondere
wenn es auf Informationen beruht, die durch nach schweizerischem Recht
strafbare Handlungen erlangt worden sind».
Sofern eine Partei behauptet, ein Amtshilfeersuchen beruhe auf strafbaren
Handlungen, ist jeweils zu prüfen, ob das Ersuchen dem im internationalen
öffentlichen Recht geltenden Grundsatz von Treu und Glauben entspricht.
Nur wenn gemäss internationalem öffentlichen Recht ein Verstoss gegen
Treu und Glauben vorliegt, findet Art. 7 Bst. c StAhiG Anwendung. Ob Letz-
teres gegeben ist, bestimmt sich dabei nach dem Wiener Übereinkommen
vom 23. Mai 1969 über das Recht der Verträge (SR 0.111, VRK). Sieht das
Völkerrecht die (blosse) Möglichkeit vor, die Amtshilfe aufgrund eines
Verstosses gegen Treu und Glauben zu verweigern, schreibt Art. 7 Bst. c
StAhiG der Schweiz vor, unter den dort genannten Voraussetzungen auf
das Amtshilfegesuch nicht einzutreten, womit der Bestimmung nur insofern
(betreffend die Nichteintretensfolge) eine eigenständige Bedeutung zu-
kommt (vgl. zum Ganzen BGE 143 II 224 E. 6.2; Urteil des BGer
2C_141/2018 vom 24. Juli 2020 E. 6.2.2; Urteile des BVGer A-1275/2018
vom 23. Mai 2019 E. 5.2.1 [angefochten vor BGer], A-6290/2017 vom
12. Oktober 2018 E. 3.2.1).
2.6.2 Ein in Kraft stehender völkerrechtlicher Vertrag bindet gemäss Art. 26
VRK die Vertragsparteien und ist von ihnen nach Treu und Glauben zu er-
füllen. Dieser Grundsatz gebietet die redliche, von Spitzfindigkeiten und
Winkelzügen freie Auslegung von vertraglichen Bestimmungen. Eine Aus-
legung nach Treu und Glauben beachtet auch das Rechtsmissbrauchsver-
bot einschliesslich des Verbots des venire contra factum proprium (Urteile
des BGer 2C_1044/2016 vom 6. August 2018 E. 2.3.1, 2C_498/2013 vom
29. April 2014 E. 5.1, m.w.H.). Als prominenteste Ausprägung von Treu und
Glauben gilt der Schutz legitimer Erwartungen (Vertrauensschutz). Die Ver-
tragspartei ist zu schützen, wenn sie einer Bestimmung oder einem Aus-
druck diejenige Bedeutung beimisst, die aufgrund eingenommener Hal-
tung, Aussagen oder Versprechen der anderen Partei legitimerweise er-
wartet werden darf. Aus Treu und Glauben fliesst auch die Pflicht, fair, auf-
richtig und vernünftig zu agieren. Die Verschaffung ungerechtfertigter Vor-
teile ist verpönt. Letztlich verbietet dieser Grundsatz rechtsmissbräuchliche
Handlungen einer Vertragspartei. Vertragliche Verpflichtungen sollen nicht
umgangen und Rechte nicht in schädigender Weise ausgeübt werden (vgl.
RENÉ MATTEOTTI/NICOLE ELISCHA KRENGER in: Zweifel/Beusch/Matteotti
A-2981/2019
Seite 17
[Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Internationales
Steuerrecht, 2015, Einleitung N 130; zum Ganzen Urteile des BVGer
A-2292/2019 vom 6. November 2019 E. 2.2.2, A-6290/2017 vom 12. Okto-
ber 2018 E. 3.2.2).
2.6.3 In der Doktrin wird zwar teilweise die Auffassung vertreten, dass die
Verwendung entwendeter Bankdaten durch einen ersuchenden Staat
schon für sich allein gegen den Grundsatz von Treu und Glauben des in-
ternationalen öffentlichen Rechts verstosse (vgl. dazu ANDREA OPEL, Wider
die Amtshilfe bei Datenklau: Gestohlene Daten sind gestohlene Daten,
Jusletter vom 23. November 2015, Rz. 44; vgl. auch ROBERT WEYENETH,
Der nationale und internationale ordre public im Rahmen der grenzüber-
schreitenden Amtshilfe in Steuersachen, 2017, S. 204 ff., insb. S. 208 f.).
Dieser Auffassung kann aber im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung nicht gefolgt werden.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verhält sich ein Staat dann
treuwidrig, wenn er schweizerische Bankdaten kauft, um sie danach für ein
Amtshilfegesuch zu verwenden. Gleiches gilt, wenn ein Staat der Schweiz
eine ausdrückliche Zusicherung gegeben hat, für Amtshilfeersuchen keine
gestohlenen Daten zu verwenden, sich ein hierauf folgendes Amtshilfeer-
suchen jedoch trotzdem auf entsprechende Daten abstützt. Ansonsten ist
die Frage, ob ein Staat den Grundsatz von Treu und Glauben bei von Art. 7
Bst. c StAhiG erfassten Konstellationen verletzt hat, nach den Umständen
des Einzelfalls zu beurteilen. Mit anderen Worten kann somit aus der Ver-
wendung illegal erworbener Daten nicht per se geschlossen werden, dass
der Grundsatz von Treu und Glauben verletzt wurde. Ebenso wenig kann
bei einer «blossen» Verwendung von illegal erworbenen Daten – ohne das
Vorliegen der erwähnten qualifizierenden Elemente eines Kaufs der Daten
durch den ersuchenden Staat selbst oder einer Zusicherung, diese nicht
zu verwenden – per se von der Wahrung des Grundsatzes von Treu und
Glauben ausgegangen werden. Vielmehr kann sich das Verhalten des er-
suchenden Staates auch aus anderen Gründen als treuwidrig erweisen,
weswegen jeweils der Beizug sämtlicher konkreter Umstände des Einzel-
falls geboten ist, um einen allfälligen Verstoss gegen Treu und Glauben
beurteilen zu können (vgl. zum Ganzen BGE 143 II 224 E. 6.3; Urteile des
BGer 2C_141/2018 vom 24. Juli 2020 E. 6.2, 2C_1013/2019 vom 16. De-
zember 2019 E. 2, 2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 2.3,
2C_88/2018 vom 7. Dezember 2018 E. 5.3 f., 2C_819/2017 vom 2. August
2018 E. 2.2.2 f., 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018 E. 2.3; Urteile des BVGer
A-2292/2019 vom 6. November 2019 E. 2.2.3, A-1275/2018 vom 23. Mai
A-2981/2019
Seite 18
2019 E. 5.2.2 [angefochten vor BGer], A-6290/2017 vom 12. Oktober 2018
E. 3.2.3). Damit können selbstredend auch andere Gründe als die vorge-
nannten ein Verhalten des ersuchenden Staates als treuwidrig erscheinen
lassen (vgl. dazu etwa Urteil des BGer 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018
E. 3 ff.).
3.
3.1 Im vorliegenden Verfahren beantragte die ersuchende Behörde Infor-
mationen betreffend einen Zeitraum vom 15. August 2007 bis 31. März
2012. Die Vorinstanz beabsichtigt aufgrund des zeitlichen Geltungsbe-
reichs des DBA CH-IN – zu Recht – lediglich eine Übermittlung von Infor-
mationen betreffend den Zeitraum vom 1. April 2011 bis 31. März 2012 (vgl.
dazu vorne E. 2.2.1).
3.2
3.2.1 Als erstes wird auf das Vorbringen des Beschwerdeführers eingegan-
gen, er sei nicht korrekt über das gegen ihn laufende Amtshilfeverfahren
informiert worden (vgl. Beschwerde S. 8 f., Ziff. 1). In der Folge habe er
daher nicht am vorinstanzlichen Verfahren teilnehmen können, womit sein
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden sei.
3.2.2 Im vorliegenden Fall schlugen die Versuche auf Seiten der Vorinstanz
sowie auf Seiten der Bank fehl, den Beschwerdeführer direkt über das ein-
gegangene Amtshilfeersuchen des MoF zu informieren. Dabei wäre laut
Beschwerdeführer die richtige Adresse (...) (Wiedergabe Adresse) in den
Bankunterlagen zu finden gewesen. Die Vorinstanz erwidert diesbezüglich,
dass mehrere Adressen in Bezug auf den Beschwerdeführer in den Bank-
unterlagen zu finden gewesen seien und dass an zwei der genannten Ad-
ressen – durch die Bank an (...) (Wiedergabe Adresse) und durch die Vo-
rinstanz an (...) (Wiedergabe Adresse) – Zustellungen versucht worden
seien, wobei die Sendungen jeweils retourniert worden seien. Dabei habe
die von der Vorinstanz verwendete Adresse mit derjenigen übereinge-
stimmt, welche im Amtshilfeersuchen des MoF vom (Datum) genannt wor-
den sei. Auf deren Richtigkeit habe die ESTV aufgrund des Vertrauensprin-
zips vertrauen dürfen (vgl. Vernehmlassung S. 4, Ziff. 2.5).
3.2.3 Aufgrund der gescheiterten (vom MoF im Schreiben vom [Datum] ge-
mäss Ziff. 3 ausdrücklich erlaubten) direkten Zustellversuche wurde am
16. April 2019 die Publikation des Notifikationsschreibens der Vorinstanz
im Bundesblatt vorgenommen. Auch die Schlussverfügung wurde am
A-2981/2019
Seite 19
14. Mai 2019 im Bundesblatt publiziert. Soweit der Beschwerdeführer vor-
bringt, dass die korrekte Zustelladresse (...) (Wiedergabe Adresse) eindeu-
tig aus den Bankunterlagen zu entnehmen gewesen wäre, so ist dem an-
gesichts der Vielzahl der in den Unterlagen genannten Adressen des Be-
schwerdeführers nicht zu folgen. Aufgrund dieser Ausgangslage ist die
Publikation des Notifikationsschreibens sowie darauffolgend der Schluss-
verfügung der Vorinstanz im Bundesblatt nicht zu beanstanden (vgl. dazu
vorne E. 2.1.3). Insbesondere erfolgte nicht erst eine Publikation der
Schlussverfügung, sondern bereits eine solche der Notifikation, was das
vorliegende Verfahren – wie bereits von der Vorinstanz ausgeführt (vgl.
Vernehmlassung S. 5, Ziff. 2.6) – insbesondere auch vom Sachverhalt un-
terscheidet, welcher dem vom Beschwerdeführer vorgebrachten Urteil des
BVGer A-7076/2014 vom 1. April 2015 zugrunde liegt und die Nichtigkeit
der dort angefochtenen Schlussverfügung zur Folge hatte.
Aufgrund der Rechtmässigkeit der Veröffentlichung des Notifikations-
schreibens sowie der Schlussverfügung im Bundesblatt und der in E. 2.1.4
hiervor genannten Fiktion ist der Beschwerdeführer daher rechtlich so ge-
stellt, als wäre er über das gegen ihn laufende Amtshilfeverfahren infor-
miert gewesen. Ob er die Publikation im Bundesblatt tatsächlich wahrge-
nommen hat, ist dabei unerheblich, obschon dies vorliegend zumindest be-
treffend die Publikation der Schlussverfügung offenbar der Fall gewesen
ist. So war es dem Beschwerdeführer möglich, nach Publikation der
Schlussverfügung vom 14. Mai 2019 Akteneinsicht zu nehmen sowie frist-
gerecht Beschwerde zu erheben.
Damit ist festzuhalten, dass die Vorinstanz in Bezug auf die Information
des Beschwerdeführers das rechtliche Gehör nicht verletzt hat.
3.3
3.3.1 Der Beschwerdeführer rügt zudem die Verletzung des Grundsatzes
von Treu und Glauben, da das indische Amtshilfeersuchen im Wesentli-
chen auf dem gestohlenen «Falciani-Datensatz» beruhe und daneben
keine weiteren Verdachtsmomente gegeben seien, welche für die Existenz
von Konten des Beschwerdeführers bei der Bank gesprochen hätten (vgl.
Beschwerde S. 9 ff., Ziff. 2). Folglich sei die Amtshilfe vorliegend abzu-
lehnen.
3.3.2 Das blosse Verwenden illegal erworbener Daten durch den ersu-
chenden Staat stellt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung für sich
alleine betrachtet noch kein per se treuwidriges Verhalten dar (vgl.
A-2981/2019
Seite 20
E. 2.6.3). Sodann wird nicht vorgebracht (und ist auch nicht ersichtlich),
dass der indische Staat die den fraglichen Informationen zugrundeliegende
Daten entgeltlich erworben hätte. Darüber hinaus hat Indien – wie auch der
Beschwerdeführer einräumt (vgl. Beschwerde S. 11, Ziff. 2) – keine ver-
tragliche Zusicherung abgegeben, nach welcher es keine durch andere
Staaten entsprechend erworbene Daten verwenden wolle (im Gegensatz
etwa zu Frankreich, welches eine ausdrückliche Zusicherung abgegeben
hatte, die Daten, welche von Falciani entwendet wurden, nicht zu verwen-
den; siehe dazu BGE 143 II 224). Aus dem massgeblichen Abkommen er-
wächst Indien keine derartige Verpflichtung. Insbesondere findet sich auch
keine entsprechende Zusicherung der indischen Behörden in den gemein-
samen Erklärungen («Joint statements») vom 15. Oktober 2014 (abrufbar
unter ˂https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/36918.
pdf˃, zuletzt besucht am 19. Juni 2020) und 15. Juni 2016 (abrufbar unter
˂https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/44446.pdf˃,
zuletzt besucht am 19. Juni 2020) des Revenue Secretary von Indien und
des damaligen schweizerischen Staatssekretärs für internationale Finanz-
fragen (vgl. Urteil des BVGer A-778/2017 vom 5. Juli 2017 E. 6.3.1, bestä-
tigt durch Urteil des BGer 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018).
In Übereinstimmung mit den Ausführungen der Vorinstanz (vgl. Vernehm-
lassung S. 6, Ziff. 3) ist festzuhalten, dass selbst wenn die Informationen
der indischen Behörden tatsächlich ausschliesslich auf passiv erlangten
gestohlenen Daten beruhen würden, grundsätzlich auf ein solches Ersu-
chen eingetreten werden darf (vgl. zum Ganzen E. 2.6.3).
3.3.3 Es bleibt allerdings zu prüfen, ob der ersuchenden Behörde im vor-
liegenden Fall ein anderweitiges treuwidriges Verhalten vorzuwerfen ist
(vgl. E. 2.6.3). Der Beschwerdeführer macht in der Beschwerde (S. 12 ff.)
geltend, dass er «entgegen der Angabe im Amtshilfeersuchen» nie unter
Eid zugegeben habe, über Konten bei der B._ Bank zu verfügen.
Dem Amtshilfeersuchen kann jedoch eine solche Behauptung nirgends ex-
plizit entnommen werden. Es wird lediglich ausgeführt, dass die notwendi-
gen Untersuchungen gemäss dem (indischen) Steuergesetz vorgenom-
men worden seien, welche auch eine Aussage des Beschwerdeführers un-
ter Eid beinhalten würden (Amtshilfeersuchen Ziff. 12). Weiteres wurde
hierzu von der ersuchenden Behörde nicht ausgeführt. Ob der Beschwer-
deführer das Vorliegen von Konten bei der B._ Bank selber zuge-
geben hat oder nicht, ist jedenfalls nicht von Bedeutung. In Bezug auf eine
Treuwidrigkeit der ersuchenden Behörde wäre dieser Umstand allenfalls
von Relevanz, wenn diese gegenüber der ersuchten Behörde angegeben
https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/44446.pdf
A-2981/2019
Seite 21
hätte, ihre Ermittlungen lediglich gestützt auf eine solche Aussage des Be-
schwerdeführers eingeleitet zu haben, um dadurch den wahren Ursprung
ihrer Kenntnisse in treuwidriger Weise zu verschleiern. Ein solches Vorge-
hen der ersuchenden Behörde fand im vorliegenden Fall jedoch in keiner
Weise statt. Infolgedessen ist auch unter Berücksichtigung dieses Vorbrin-
gens des Beschwerdeführers kein treuwidriges Verhalten der ersuchenden
Behörde ersichtlich.
3.4
3.4.1 Der Beschwerdeführer beanstandet in der Replik sodann (erstmals)
eine Verletzung des Spezialitätsprinzips. Er befürchtet, dass die indischen
Behörden die Informationen, welche sie gestützt auf das Amtshilfeersu-
chen erhalten würden, auch für ein Steuerstrafverfahren verwenden könn-
ten.
3.4.2 Die ersuchende Behörde gab in ihrem Amtshilfeersuchen vom
18. April 2013 als Zweck für die ersuchten Informationen zum einen «de-
termination, assessment and collection of taxes» und zum anderen «inves-
tigation or prosecution of tax matters» an (vgl. Ziff. 11 des Amtshilfegesu-
ches). Überdies bestätigt das MoF, dass alle in Verbindung mit dem Ersu-
chen erhaltenen Informationen vertraulich behandelt würden und nur für
die Zwecke verwendet würden, welche nach der dem Ersuchen zugrunde-
liegenden Vereinbarung erlaubt seien (vgl. Ziff. 18 des Amtshilfegesuches).
Wie unter E. 2.5 ausgeführt, lässt sich der letztgenannte Zweck, welcher
soweit ersichtlich auch eine Steuerstrafuntersuchung bzw. -verfolgung be-
inhaltet, nicht als aufgrund des Spezialitätsvorbehaltes unzulässiger Zweck
im Rahmen eines Amtshilfeverfahrens nach Art. 26 DBA CH-IN qualifizie-
ren. Wie festgehalten ist es gestützt auf das DBA-IN durchaus zulässig, die
Informationen auch für ein Steuerstrafverfahren betreffend die Hinterzie-
hung von Einkommenssteuern zu verwenden. Dies gilt jedenfalls, wenn die
Strafuntersuchung und -verfolgung nicht den einzigen Zweck des Ersu-
chens bildet (vorne E. 2.5.2). Vorliegend ist angesichts der Darstellung im
Ersuchen entsprechend dem völkerrechtlichen Vertrauensprinzip (vgl.
dazu E. 2.3) davon auszugehen, dass das Ersuchen nicht ausschliesslich
Steuerstrafzwecken dient.
3.4.3 Weiter führt der Beschwerdeführer den Fall eines gewissen
E._ ins Feld, welcher in Indien aufgrund des indischen Black Money
Acts, der am 1. Juli 2015 in Kraft trat, mit einem Strafverfahren konfrontiert
A-2981/2019
Seite 22
worden sei (vgl. Replik, S. 3 ff.). Auch dieses Strafverfahren sieht der Be-
schwerdeführer ausgelöst durch von der Schweiz gestützt auf Art. 26 DBA
CH-IN an Indien geleistete Informationen. Weil der indische Black Money
Act deutlich weiter gehe mit seinen Bestimmungen, als es der Anwen-
dungsbereich von Art. 26 DBA CH-IN zulasse, verletze eine Verwendung
der Informationen in diesem Zusammenhang das Spezialitätsprinzip.
Gemäss den Ausführungen in der Replik (S. 3 ff.) handelt es sich bei die-
sem Verfahren gegen E._ (gestützt auf den Black Money Act) um
ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung. Aufgrund des soeben Gesagten
wäre es grundsätzlich zulässig, die mittels eines Amtshilfeersuchens ge-
stützt auf Art. 26 DBA CH-IN erlangten Informationen in einem Steuerhin-
terziehungsverfahren gegen die betroffene Person zu verwenden. Bereits
aus diesem Grund kann der Beschwerdeführer aus diesem Vorbringen
nichts zu seinen Gunsten ableiten. Es erübrigt sich deshalb, weiter auf den
indischen Black Money Act und dessen allfällige (in Ziff. II der Replik bean-
standete) rückwirkende Anwendbarkeit einzugehen.
3.4.4 Überdies macht der Beschwerdeführer in der Replik geltend, im
Amtshilfeersuchen habe sich ein expliziter Hinweis auf Geldwäscherei be-
funden; für ein Verfahren betreffend Geldwäscherei wäre eine Amtshilfe je-
doch nicht zulässig (Replik S. 3).
Die ersuchende Behörde erwähnte in ihrem Ersuchen tatsächlich, dass In-
formationen über den «Modus Operandi» betreffend die Eröffnung verbor-
gener ausländischer Bankkonten helfen sollen, Geldwäscherei in Indien zu
verhindern (vgl. Amtshilfeersuchen vom 18. April 2013 Ziff. 12). Dem Be-
schwerdeführer ist auch insofern zuzustimmen, als für die Verfolgung von
Geldwäscherei (unter Vorbehalt einer speziellen Anfrage und entsprechen-
der Zustimmung der Schweiz) keine Amtshilfe nach Art. 26 DBA CH-IN ge-
leistet werden dürfte (vgl. E. 2.5 sowie Urteile des BVGer
A-2454/2017 vom 7. Juni 2018 E. 3.1 [angefochten vor BGer], A-837/2019
vom 10. Juli 2019 E. 5.3.3.2 und A-765/2019 vom 20. September 2019
E. 3.2.3 [angefochten vor BGer]). Dass die indischen Behörden allerdings
beabsichtigen würden, gestützt auf die erhaltenen Informationen ein Ver-
fahren wegen Geldwäscherei oder dergleichen gegen den Beschwerdefüh-
rer zu eröffnen oder voranzutreiben, lässt sich allein aus dieser Bemerkung
im Ersuchen nicht ableiten. Vielmehr ist in diesem Zusammenhang und
unter Berücksichtigung des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips auf die
ausdrückliche Zusicherung Indiens abzustellen, dass alle in Verbindung mit
dem Ersuchen erhaltenen Informationen vertraulich behandelt würden und
A-2981/2019
Seite 23
nur für die Zwecke verwendet würden, welche nach der dem Ersuchen zu-
grundeliegenden Vereinbarung erlaubt seien (vgl. Ziff. 18 des Amtshilfege-
suches). Aus dem Urteil des BVGer A-837/2019 vom 10. Juli 2019, auf wel-
ches in der Replik (S. 3) verwiesen wird, kann der Beschwerdeführer nichts
zu seinen Gunsten ableiten, denn dort bestanden – anders als vorliegend –
konkrete Hinweise, dass die Informationen für ein Geldwäschereiverfahren
verwendet werden könnten (vgl. E. 5.3.3.3 des Urteils).
3.4.5 Eine drohende Verletzung des Spezialitätsprinzips ist somit weder
dargetan noch ersichtlich und die in der Replik (subsubenventualiter) be-
antragte Einholung einer Garantie von den indischen Behörden betreffend
die Einhaltung des Spezialitätsprinzips rechtfertigt sich in diesem Zusam-
menhang nicht (vgl. vorn E. 2.3.2).
3.5
3.5.1 Als weiterer Punkt verlangt der Beschwerdeführer in der Replik, dass
gestützt auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
(A-1315/2019 vom 17. September 2019) Ziff. 3 der Schlussverfügung um
eine Verwendungsbeschränkung ergänzt wird (vgl. Replik S. 12 sowie
Sachverhalt Bst. J).
3.5.2 Die Vorinstanz bringt demgegenüber vor, dass sich ein gegenüber
der ersuchenden Behörde formulierter Vorbehalt, wonach die übermittelten
Informationen nur gegen die formell vom Ersuchen betroffene Person ver-
wendet werden dürfen, als unzulässige unilaterale Einschränkung der mit
Art. 26 Abs. 2 DBA CH-IN (bzw. den standardkonformen Amtshilfeklauseln)
für zulässig erklärten Verwendung erweise (Stellungnahme der Vorinstanz
vom 4. November 2019, S. 7, Rz. 7.5). Darüber hinaus mute es treuwidrig
an, gegenüber dem Ausland eine Verwendungsbeschränkung geltend zu
machen, welche selbst im Inland nicht geltend gemacht werde (vgl. Art. 21
StAhiG). Die Vorinstanz habe früher eine solche Präzisierung zur Verwen-
dung jeweils vorgenommen, jedoch die bisherige Praxis geändert, da sie
als unrichtig erkannt worden sei (S. 7, insbesondere Rz. 7.8 der Stellung-
nahme). Somit dürfen nach Ansicht der Vorinstanz die ins Ausland über-
mittelten Informationen auch gegen Personen sekundär verwendet wer-
den, welche nicht formell vom Ersuchen betroffen seien (S. 7 f., Rz. 7.9 der
Stellungnahme). Die gegenteilige Auffassung des Bundesverwaltungsge-
richts im Urteil A-1315/2019 vom 17. September 2019 verletze Völkerrecht,
weshalb die Vorinstanz Beschwerde eingereicht habe und dieser Fall nun
beim Bundesgericht hängig sei (S. 8, Rz. 7.10 der Stellungnahme). Es wür-
A-2981/2019
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den darüber hinaus mit der sachlichen Verwendungsbeschränkung hinrei-
chende (vertragliche) Garantien vorliegen, welche einen angemessenen
Schutz im Ausland im Sinne von Art. 6 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes
vom 19. Juni 1992 über den Datenschutz (DSG; SR 235.1) gewährleisten
würden. Demzufolge sei die grenzüberschreitende Informationsübermitt-
lung mit dieser Datenschutznorm vereinbar (S. 8, Rz. 7.11 der Stellung-
nahme).
3.5.3 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist dem
Beschwerdeführer insoweit Recht zu geben, als dass der ersuchende
Staat aufgrund des Spezialitätsprinzips die vom ersuchten Staat erlangten
Informationen einzig in Bezug auf Personen oder Handlungen verwenden
darf, für welche er sie verlangt hat. Diese Rechtsprechung des Bundesver-
waltungsgerichts wurde nunmehr durch das Bundesgericht bestätigt (vgl.
dazu bereits E. 2.5 sowie insb. die Urteile des BGer 2C_537/2019 vom
13. Juli 2020 E. 3, 2C_820/2019 vom 13. Juli 2020 E. 3). Das Gericht sieht
auch vorliegend keinen Anlass, von dieser Rechtsprechung abzuweichen.
Vor diesem Hintergrund ist die im gegenwärtigen Verfahren einschlägige
abkommensrechtliche Regelung nach Art. 26 Ziff. 1 DBA CH-IN so zu ver-
stehen, dass die zu übermittelnden Informationen vom MoF nur in Verfah-
ren gegen die vom Ersuchen betroffene Person, für den im Ersuchen er-
wähnten Tatbestand, verwendet werden dürfen und sie geheim zu halten
sind. In diesem Sinne ist Dispositiv-Ziff. 3 der angefochtenen Schlussver-
fügung zu präzisieren. Entsprechend ist die Beschwerde in diesem Punkt
gutzuheissen.
3.6
3.6.1 Der Beschwerdeführer bringt weiter (und zwar ebenfalls erst in der
Replik) vor, dass verschiedene in den zur Übermittlung vorgesehenen Un-
terlagen genannte Dritte Anspruch auf rechtliches Gehör hätten. Diese ge-
nannten Dritten seien jedoch nicht in das Verfahren miteingebunden wor-
den, weswegen die Schlussverfügung nichtig sei (vgl. Replik S. 9 ff.
Ziff. IV).
3.6.2 Vorliegend wurden folgende vom Beschwerdeführer bezeichnete und
in den zur Übermittlung vorgesehenen Unterlagen genannte Dritte nicht
über das Amtshilfeverfahren informiert: F._, G._,
H._, I._, J._ AG, K._ AG, L._ Inc.,
M._, N._ und O._. In Bezug auf die vom Beschwer-
deführer aufgeführten Dritten ist zunächst zu beurteilen, ob die Nennung
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Seite 25
dieser Namen als voraussichtlich erhebliche Information zu qualifizieren ist
oder nicht (vgl. dazu E. 2.1.5 f. sowie E. 2.3).
Aus den Bankdokumenten wird ersichtlich, dass es sich bei F._,
G._, H._ und O._ um Angestellte der B._
Bank handelt. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind im
Rahmen des Informationsaustausches die Namen von Bankmitarbeiten-
den und Rechtsvertretern grundsätzlich abzudecken, sofern die Informati-
onen über Bankangestellte sowie Rechtsvertreter nichts mit dem Zweck
des Ersuchens (bzw. dem Motiv für das Ersuchen) zu tun haben (vgl. dazu
auch Urteil des BGer 2C_540/2019 vom 13. Juli 2020 E. 4.2 m.w.H.). Zwar
sei es gemäss den Ausführungen des Bundesgerichts möglich, dass die
Frage, ob der Steuerpflichtige von sich aus oder auf Anraten bzw. unter
Mitwirkung Dritter gehandelt habe, die Höhe einer allfälligen Steuerbusse
beeinflusse. Hierzu genüge aber die Informationen, ob und gegebenenfalls
inwieweit Dritte beteiligt gewesen seien. Die Identität dieser Dritten sei
demgegenüber ohne Belang (siehe zum Ganzen: BGE 144 II 29 E. 4.3;
siehe zu diesem Urteil auch ANDREA OPEL, Informationsaustausch über
Bankmitarbeiter – das Janusgesicht der Steueramtshilfe, in: ASA 86
[2017/2018] S. 433 ff., S. 469 ff.; ferner etwa Urteile des BVGer A-
4069/2019 vom 21. April 2020 E. 2.4.2 [angefochten vor BGer],
A-1315/2019 vom 17. September 2019 E. 3.2.1 [vom BGer mit Urteil
2C_820/2019 vom 13. Juli 2020 bestätigt]). Infolgedessen ist auch im hier
zu beurteilenden Fall festzustellen, dass es sich bei den Namen der obge-
nannten Bankmitarbeiter um keine erheblichen Informationen handelt,
weswegen diese Namen in den zu übermittelnden Unterlagen zu schwär-
zen sind.
3.6.3 Die Frage der voraussichtlichen Erheblichkeit stellt sich auch im Zu-
sammenhang mit den weiteren vom Beschwerdeführer genannten natürli-
chen und juristischen Personen, namentlich I._, J._ AG,
K._ AG, L._ Inc., M._ und N._. Die Vo-
rinstanz führt hierzu lediglich aus, es handle sich um in den Unterlagen
genannte, aber sonst unbeteiligte Drittpersonen (vgl. Stellungnahme der
Vorinstanz vom 4. November 2019, S. 5, Rz. 5.6). Das MoF stellte das
Amtshilfeersuchen, um Informationen über bisher nicht offengelegtes Ein-
kommen sowie nicht angegebene Bankkonten und den «Modus Operandi»
bei gegenüber den indischen Steuerbehörden nicht angegebenen auslän-
dischen Bankkonten zu erhalten. In diesem Zusammenhang können die
Angaben über die betroffenen genannten natürlichen und juristischen Per-
sonen durchaus als voraussichtliche erheblich angesehen werden. So
A-2981/2019
Seite 26
bringt denn auch der Beschwerdeführer gar nicht vor, dass es sich um un-
beteiligte Dritte handle, sondern hat lediglich gerügt, dass diese Dritte nicht
informiert worden seien.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts hat die ESTV, wie bereits
vorne in E. 2.1.6 ausgeführt, nur diejenigen Personen über das Amtshilfe-
verfahren in Kenntnis zu setzen, deren Legitimation im Sinne von Art. 19
Abs. 2 StAhiG aufgrund der Akten evident ist. Allein der Umstand, dass
weitere Drittperson in den zur Übermittlung vorgesehenen Unterlagen na-
mentlich genannt sind, genügt nicht, um eine entsprechende Informations-
pflicht zu begründen (vgl. dazu insb. Urteil des BGer 2C_537/2019 vom
13. Juli 2020 E. 4.4). Mangels besonderer Umstände sind somit keine
Gründe ersichtlich, welche eine Informationspflicht dieser Dritten
– I._, J._ AG, K._ AG, L._ Inc., M._
und N._ – begründen würden. Infolgedessen vermag der Be-
schwerdeführer in diesem Punkt nicht zu überzeugen.
3.6.4 Folglich sind die Namen F._, G._, H._ und
O._ in den Unterlagen zu schwärzen. In Bezug auf die übrigen Per-
sonen – I._, J._ AG, K._ AG, L._ Inc.,
M._ und N._ – ist das Vorgehen der Vorinstanz hingegen zu
schützen.
3.7
3.7.1 Der Beschwerdeführer führt (wiederum erstmals in der Replik) ins
Feld, dass die beschwerdeberechtigte Person 1, C._, im Januar
2018 und damit noch vor Eingabe des Amtshilfeersuchens vom (Datum)
verstorben sei. Als direkte Folge davon sei die Schlussverfügung der Vo-
rinstanz vom 14. Mai 2019 für nichtig zu erklären.
3.7.2 Die allfällige Nichtigkeit einer Verfügung einer unteren Instanz ist von
Amtes wegen zu beachten. Eine nichtige Verfügung entfaltet keinerlei
Rechtswirkungen und ist ex tunc sowie ohne amtliche Aufhebung rechtlich
unverbindlich. Fehlerhafte Verfügungen sind grundsätzlich anfechtbar und
nur ausnahmsweise nichtig. Nichtig ist eine Verfügung nur dann, wenn sie
einen besonders schweren Mangel aufweist, der Mangel offensichtlich
oder zumindest leicht erkennbar ist und die Annahme der Nichtigkeit die
Rechtssicherheit nicht ernsthaft gefährdet (zum Ganzen etwa BGE 132 II
342 E. 2.1, 129 I 361 E. 2.1; BVGE 2008/8 E. 6.2; Urteil des BVGer
A-6683/2010 vom 25. August 2011 E. 3.3).
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Seite 27
Das Bundesverwaltungsgericht hat im vom Beschwerdeführer wiederge-
gebenen Urteil A-6711/2010 vom 1. Dezember 2010 erkannt, dass eine an
eine verstorbene oder verschollene Person gerichtete Schlussverfügung
nichtig sei (E. 3.4 des Urteils, vgl. dazu ferner Urteil des BVGer
A-5982/2016 vom 13. Dezember 2017 E. 3.1.4.2).
Das vorliegende Verfahren unterscheidet sich jedoch unter anderem inso-
fern vom obgenannten Urteil A-6711/2010 vom 1. Dezember 2010 des
Bundesverwaltungsgerichts, als dass vorliegend nicht vorgebracht wird,
dass die von der Schlussverfügung betroffene Person verstorben sei, son-
dern eine in Bezug auf die Schlussverfügung beschwerdeberechtigte Per-
son. Der Beschwerdeführer vermag deshalb die von ihm beantragte
Rechtsfolge der Nichtigkeit der ihn betreffenden Schlussverfügung nicht
aus dem genannten Urteil abzuleiten, dem ein anderslautender Sachver-
halt zugrunde lag (vgl. vorne E. 2.1.5).
Darüber hinaus liegen im vorliegenden Fall weder Beweise vor, welche den
Hinschied der beschwerdeberechtigen Person 1 vor Ausstellung der
Schlussverfügung zu belegen vermögen, noch sind dahingehende Hin-
weise in den Akten ersichtlich. Laut Sendungsverfolgung des Notifikations-
schreibens der Bank (vgl. Sachverhalt Bst. E.a) wurde dieses Schreiben
am 27. März 2019 zugestellt und von einer Frau P._ entgegenge-
nommen (vgl. Akten der Vorinstanz Nr. 14). Auch das Notifikationsschrei-
ben der Vorinstanz (vgl. Sachverhalt Bst. E.c) wurde am 5. April 2019 an
der Wohnadresse der beschwerdeberechtigten Person, wiederum von
Frau P._, entgegengenommen (vgl. Akten der Vorinstanz Nr. 19).
Eine Meldung an die Vorinstanz über den Hinschied der beschwerdebe-
rechtigten Person 1 erfolgte jedoch nicht. Erst mit Replik (und nicht etwa
mit der Beschwerde) im vorliegenden Verfahren werden hierzu unbelegte
sowie unsubstantiierte Behauptungen ins Feld geführt (vgl. Replik S. 11).
Folglich ist der Hinschied der beschwerdeberechtigten Person 1 nicht er-
stellt, weswegen das Vorbringen des Beschwerdeführers auch deswegen
ins Leere stösst.
3.8
3.8.1 Der Beschwerdeführer bringt schliesslich das Verbot einer «fishing
expedition» vor (Replik, S. 12). Die ersuchende Behörde würde sich selber
widersprechen, da das Ersuchen eine «Statute of limitation» erwähne, wel-
che am 31. März 2014 erreicht werde. Auch im späteren Schreiben vom
(Datum) erkläre Indien nicht weiter, weshalb diese Verjährung nicht mehr
gelten würde. Infolge dieser Verjährung seien die ersuchten Informationen
A-2981/2019
Seite 28
betreffend den Beschwerdeführer nicht mehr nützlich für Indien, womit es
sich beim gestellten Amtshilfeersuchen um eine «fishing expedition»
handle.
3.8.2 Es ist dem Beschwerdeführer zuzustimmen, dass das MoF in seinem
Amtshilfeersuchen vom (Datum) ausführte, dass die ersuchten Informatio-
nen nach dem 31. März 2014 nicht mehr länger nützlich seien (Amtshilfeer-
suchen, S. 2, Ziff. 6). In seinem Schreiben vom (Datum) erklärte das MoF
allerdings ausdrücklich, dass keine Verjährungsfrist abgelaufen sei und die
Informationen weiterhin voraussichtlich erheblich seien (S. 1 Ziff. 3). Auf-
grund dessen ist gestützt auf das völkerrechtliche Vertrauensprinzip (vgl.
dazu vorne E. 2.3.1.) auf die obgenannte Erklärung der ersuchenden Be-
hörde vom (Datum) abzustellen, wonach die Verjährungsfrist noch nicht
abgelaufen sei. Diese Erklärung des MoF konnte vom Beschwerdeführer
vorliegend auch nicht entkräftet werden, weswegen kein Anlass besteht,
an der Richtigkeit der Ausführungen und Erklärungen der ersuchenden Be-
hörde in diesem Punkt zu zweifeln.
4.
4.1 Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei
auferlegt; unterliegt diese nur teilweise, so werden die Verfahrenskosten
ermässigt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Insgesamt sind die Verfahrenskosten auf
Fr. 5’000.– festzusetzen (vgl. Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und dem teilweise
obsiegenden Beschwerdeführer im Umfang von Fr. 4’000.– aufzuerlegen.
Letzterer Betrag ist dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 5’000.– zu
entnehmen. Der Restbetrag von Fr. 1’000.– ist dem Beschwerdeführer
nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten.
Der Vorinstanz sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2
VwVG).
4.2 Die Vorinstanz hat dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer die
ihm erwachsenen notwendigen Kosten in entsprechend reduziertem Um-
fang zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 ff. VGKE). Das
Bundesverwaltungsgericht trifft den Entscheid über die Parteientschädi-
gung von Amtes wegen aufgrund der Kostennote, sofern vorhanden, sowie
gestützt auf die Akten und in der Regel ohne eingehende Begründung. Die
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Seite 29
reduzierte Parteientschädigung des Beschwerdeführers für die ihm er-
wachsenen notwendigen Auslagen sind vorliegend praxisgemäss auf
Fr. 1’500.– festzusetzen.
5.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h BGG innerhalb von 10 Tagen nur dann
mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundes-
gericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätz-
licher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen
besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt
(Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet
das Bundesgericht.
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