Decision ID: b60f8324-9e02-4efc-922f-a67e46b28ac0
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) absolvierte seit August 2010 bei der B._ AG
eine dreijährige Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau und war dadurch bei der
Sympany Versicherungen AG (nachfolgend: Sympany) gegen die Folgen von Unfällen
versichert. Am 10. Oktober 2011 wurde sie von einem Lieferwagen auf dem
Fussgängerstreifen angefahren. Dabei erlitt sie unter anderem ein Schädelhirntrauma,
eine Diskushernie mit Kanten-Abriss der Grund-/Deckplatte (LWK1/LWK2),
Beckenfrakturen, eine Fraktur der 9. Rippe rechts und eine retroperitoneale Blutung
(act. G 16.1-1 ff.). In der Folge erbrachte Sympany die gesetzlichen Leistungen
(Heilbehandlung und Taggeld) aus der obligatorischen Unfallversicherung (vgl. u.a. act.
16-15, 19).
A.a.
Unter konservativer Behandlung persistierten insbesondere Rückenbeschwerden
und Kopfschmerzen (act. G 16.20, 56, 83, 92, 100). Im Weiteren wurden anlässlich
einer stationären Therapie in der Klinik Valens (17. Oktober bis 14. November 2013)
leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörungen und ein leichtgradig depressiv-
ängstliches Zustandsbild im Sinne einer Anpassungsstörung diagnostiziert. Die
Arbeitsfähigkeit wurde bei Austritt in angepassten Tätigkeiten (leichte,
wechselbelastende Tätigkeit) auf 100% geschätzt (act. G 16.105). Dieselbe
Einschätzung (100%-ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit) ergab auch eine am 6.
und 7. Februar 2014 durchgeführte Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
(EFL) im Kantonsspital St. Gallen (KSSG; act. G 16.117).
A.b.
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B.
Bei anhaltenden Beschwerden wurde die Versicherte im Auftrag der Sympany von
der Medizinischen Abklärungsstelle Bern, ZVMB GmbH (nachfolgend: ZVMB), an drei
Tagen im Februar und März 2015 polydisziplinär (psychiatrisch, neurologisch,
orthopädisch, neuropsychologisch) begutachtet. Das Gutachten erging am 23. Juni
2015 (act. G 8.1-12). Die Experten kamen darin zum Schluss, dass die bisherige
Tätigkeit als Verkäuferin aufgrund der unfallkausalen reduzierten Rückenbelastbarkeit
nicht mehr zumutbar sei (act. G 8.1-12 S. 52). Die orthopädische Fachärztin
bescheinigte der Versicherten für körperlich leichte Tätigkeiten, die überwiegend im
Sitzen (bei ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung mit geeignetem Stuhl und
höhenverstellbarem Schreibtisch) verrichtet werden könnten, per sofort eine volle
Arbeitsfähigkeit (act. G 8.1-12 S. 49). Die Beschwerden seien seit etwa eineinhalb
Jahren stabil. Die Physiotherapie sollte zur Dehnung der verkürzten Muskelstrukturen,
zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur und zur Haltungskorrektur ergänzt werden. Zu
einem späteren Zeitpunkt sei eine Lumbalmieder-Versorgung anzuraten. Durch diese
Therapiemassnahmen sei eine funktionelle Verbesserung zu erwarten (act. G 8.1-12 S.
50). Die übrigen, die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Beschwerden (leichte kognitive
Störung, Somatisierungsstörung, sonstige neurotische Störung), seien nicht (mehr)
unfallkausal (act. G 8.1-12 S. 27 ff.).
A.c.
Am 26. Oktober 2015 verfügte Sympany, dass ab 1. Oktober 2015 kein Taggeld
anspruch mehr bestehe. Indes habe die Versicherte aufgrund der orthopädisch-
rheumatologischen Beschwerden weiterhin Anspruch auf Heilbehandlung. Bei einem
Invaliditätsgrad von 6% wurde ein Rentenanspruch verneint und gestützt auf eine
Integritätseinbusse von 20% eine Integritätsentschädigung von Fr. 25'200.--
gesprochen (act. G 8.1-24). Diese Verfügung blieb unangefochten (act. G 8.1-25).
A.d.
Am 23. September 2016 erteilte die IV-Stelle St. Gallen Kostengutsprache für die
Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung für das Kaufmännische
Basisdiplom und das Höhere Wirtschaftsdiplom bei der C._ ab 7. September 2016
bis 30. September 2017 (act. G 8.1-36).
B.a.
Im März 2017 legte Sympany den Fall zur Beurteilung des medizinischen
Endzustands dem beratenden Arzt Dr. med. D._ vor. Dieser kam mit Stellungnahme
B.b.
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C.
Gegen diese Verfügung liess die Versicherte durch den neu mandatierten Rechtsanwalt
Dr. iur. Kreso Glavas, Muolen/Zürich, am 26. April 2017 Einsprache erheben und die
Weiterausrichtung der notwendigen Unfallbehandlungen beantragen (act. G 8.1-43).
Mit Entscheid vom 4. September 2017 wies Sympany die Einsprache ab (act. G
8.1-46).
D.
vom 8. März 2017 zum Schluss, dass der medizinische Endzustand erreicht sei. Es
lasse sich keine namhafte Besserung mehr nachweisen (act. G 8.1-41).
Mit Verfügung vom 24. März 2017 stellte Sympany die Heilbehandlung
rückwirkend per 1. Oktober 2015 ein. Gestützt auf die Beurteilung des ZVMB sei im
Zeitpunkt des Gutachtens der medizinische Endzustand (in Bezug auf die
Arbeitsfähigkeit) erreicht gewesen bzw. mit keiner namhaften Besserung des
Gesundheitszustands mehr zu rechnen gewesen. Aus Gründen des
Vertrauensschutzes werde auf die Rückforderung der bisher erbrachten
Behandlungskosten verzichtet (act. G 8.1-42).
B.c.
Dagegen liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 3. Oktober
2017 durch ihren Rechtsvertreter Beschwerde erheben und beantragen, dass der
Einspracheentscheid vom 4. September 2017 aufzuheben und die Sympany
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zu verpflichten sei, der Beschwerdeführerin die
notwendigen Heilbehandlungsmassnahmen nach UVG weiterhin zu vergüten.
Eventualiter sei die Streitsache an die Vorinstanz zurückzuweisen, um die
Notwendigkeit weiterer Behandlungsmassnahmen zur Erhaltung der Gesundheit und
der Erwerbsfähigkeit zu prüfen. Für das vorliegende und das Vorverfahren sei die
unentgeltliche Verbeiständung zu gewähren; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zuzüglich 8% Mehrwertsteuer zulasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1).
D.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Dezember 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde vom 3. Oktober 2017, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdeführerin (act. G 8).
D.b.
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Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss den Übergangsbestimmungen werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor Inkrafttreten der Änderung ereignet
haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend stehen Folgen eines Unfalls vom 10. Oktober
2011 zur Diskussion. Es finden daher die bis 31. Dezember 2016 gültigen
Bestimmungen Anwendung.
2.
Mit Replik vom 29. Januar 2018 liess die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
und deren Begründungen unverändert festhalten (act. G 11). Die Beschwerdegegnerin
hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 17).
D.c.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
D.d.
Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin bereits mit Verfügung vom
26. Oktober 2015 über mehrere Rechtsverhältnisse befunden hat. Zum einen hat sie
bei einem Invaliditätsgrad von 6% einen Rentenanspruch verneint und gestützt auf eine
Integritätseinbusse von 20% eine Integritätsentschädigung von Fr. 25'200.--
gesprochen. Ferner wurde per 1. Oktober 2015 ein Anspruch auf weiteres Taggeld
verneint. Ein Anspruch auf weitere Heilbehandlung wurde bejaht, wobei festgehalten
wurde, dass dieser im März 2016 nochmals genau geprüft werde. Als unfallkausal
wurden einzig die Wirbelsäulenproblematik bzw. die verminderte Belastbarkeit der
Wirbelsäule qualifiziert und die psychischen und neuropsychologischen Beschwerden
ausdrücklich als unfallfremd gewertet (act. G 8.1-24). Die Verfügung vom 26. Oktober
2015 blieb unangefochten, womit die darin beurteilten Rechtsverhältnisse
(Unfallkausalität, Rente, Integritätsentschädigung, Taggeld, Heilbehandlung bis März
2016) im vorliegenden Verfahren nicht zur Beurteilung stehen.
2.1.
Anfechtungsgegenstand dieses Verfahrens bildet der Einspracheentscheid vom 4.
September 2017 (act. G 8.1-46). Diesem liegt die Verfügung vom 24. März 2017
2.2.
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3.
Zu prüfen ist im Folgenden, ob die Beschwerdegegnerin die Heilbehandlung zu Recht
rückwirkend per 1. Oktober 2015 eingestellt hat.
zugrunde (act. G 8.1-42). Bei geltend gemachtem medizinischem Endzustand – in
orthopädischer Hinsicht – wurde rückwirkend per 1. Oktober 2015 ein Anspruch auf
Heilbehandlung verneint. Weiter wurde das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung
im Einspracheverfahren abgewiesen. Allein diese Punkte sind bestritten und stehen in
diesem Verfahren zur Beurteilung.
Wie vorstehend in Erwägung 2.1 erwähnt, wurden Heilbehandlungsansprüche (in
orthopädischer Hinsicht) bis zumindest März 2016 bereits mit Verfügung vom 26.
Oktober 2015 bejaht. Eine rückwirkende Einstellung per 1. Oktober 2015, wie es die
Beschwerdegegnerin am 24. März 2017 verfügt hat, kann damit nicht zur Diskussion
stehen (res iudicata). In diesem Punkt erweist sich der Einspracheentscheid als nicht
rechtens. Nachdem seitens der Beschwerdegegnerin indes auf die Rückforderung der
nach dem 1. Oktober 2015 erbrachten Heilbehandlung verzichtet wird, erfolgte die
Einstellung dennoch zu Recht, sofern spätestens per 24. März 2017 (Verfügungsdatum;
faktische Einstellung der Heilbehandlung) die Anspruchsvoraussetzungen nicht mehr
erfüllt waren. Zu diesem Zeitpunkt bestand denn auch keine Bindungswirkung mehr in
Bezug auf die Heilbehandlung, zumal in der Verfügung vom 26. Oktober 2015
ausdrücklich vermerkt worden war, dass ein diesbezüglicher Anspruch ab März 2016
nochmals genau geprüft werde.
3.1.
In der unangefochtenen Verfügung vom 26. Oktober 2015 wurde auch über den
Rentenanspruch entschieden (act. G 8-24). Grundsätzlich besteht damit ab diesem
Zeitpunkt kein Anspruch mehr auf Heilbehandlung nach Art. 10 Abs. 1 UVG
(Heilbehandlung vor Festsetzung der Rente, sogenannte vorübergehende Leistungen
während der instabilen Schadensphase; vgl. nachfolgende Ziff. 4.1). Nachdem die
Beschwerdegegnerin indes selbst (vorerst) einen weiteren Anspruch auf
Heilbehandlung bejaht hat und die gesetzliche Grundlage dazu nicht ohne weiteres
ersichtlich ist, erscheint es angebracht, sowohl die Anspruchsvoraussetzungen für
Heilbehandlung nach Art. 10 Abs. 1 UVG als auch Art. 21 UVG (Heilbehandlung nach
Festsetzung der Rente bzw. nach der instabilen Schadensphase) zu prüfen (vgl.
nachstehende E. 6).
3.2.
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4.
Die Unfallversicherer haben während der medizinisch instabilen Schadensphase
vorübergehende Leistungen zu erbringen. Darunter fällt auch die Heilbehandlung
gemäss Art. 10 UVG. Dieser Anspruch erlischt, wenn von der Fortsetzung der
ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der
versicherten Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG; vgl. anstatt vieler
das Urteil des Bundesgerichts vom 18. September 2012, 8C_425/2012, E. 4.2). Ob eine
namhafte Besserung des Gesundheitszustands noch erwartet werden kann, bestimmt
sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder
Wiederherstellung der Arbeits- (BGE 134 V 115 E. 4.3) bzw. Funktionsfähigkeit (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 10. Juli 2014, 8C_354/2014, E. 3.2), soweit diese
unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffs „namhaft“ in Art. 19 Abs.
1 UVG verdeutlicht, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinn
von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss (vgl. wiederum
BGE 134 V 115 E. 4.3). Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats
einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen zu
erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen einen Anspruch auf
deren Durchführung (Urteil des Bundesgerichts vom 2. Mai 2014, 8C_888/2013, E. 4.1,
mit Hinweisen). Eine allfällige blosse Verbesserung allein des Leidens an sich, eine nur
kurzfristige Linderung, eine blosse Verbesserung der Befindlichkeit oder dass die
versicherte Person etwa von Physiotherapie profitieren kann, genügen nicht (Urteil des
Bundesgerichts vom 22. September 2016, 8C_306/2016, E. 5.3, mit Hinweisen). Auch
ärztliche Verlaufskontrollen, die Einnahme von Medikamenten sowie
manualtherapeutische Behandlungen gelten für sich allein noch nicht als
kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf eine namhafte Verbesserung des
Gesundheitszustands gerichtete ärztliche Behandlung im Sinne der Rechtsprechung
(Urteil des Bundesgerichts und 5. Oktober 2007, U 395/06, E. 5.3).
4.1.
Die Frage, ob von einer ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands erwartet werden kann, beurteilt sich gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung nach dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juli
2010, 8C_346/2010, E. 2.2). Es handelt sich um die Einschätzung einer zukünftigen
Sachverhaltsentwicklung, weshalb eine prospektive Beurteilung dieser Rechtsfrage zu
erfolgen hat. Entscheidgrundlagen bilden in erster Linie die Auskünfte medizinischer
Fachpersonen zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Gesundheitsentwicklung
(Urteil des Bundesgerichts vom 15. Dezember 2016, 8C_651/2016, E. 4.1).
4.2.
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5.
Arbeitsrelevant konnte zum Zeitpunkt der faktischen Einstellung der
Heilbehandlung (24. März 2017) keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands
mehr erwartet werden. Bereits spätestens im Zeitpunkt der Verfügung vom 26. Oktober
2015 war die Beschwerdeführerin in Bezug auf die als unfallkausal qualifizierte
Wirbelsäulenproblematik in Verweistätigkeiten nicht mehr eingeschränkt bzw. eine
Arbeitsfähigkeit in ihrer angestammten Tätigkeit – auch bei weiterer Behandlung – nicht
wiederherstellbar (vgl. Sachverhalt ab lit. A.b vorstehend; act. G 8.12-49 f., 53).
5.1.
Bezüglich möglicher Steigerung der Funktionsfähigkeit führte die orthopädische
Gutachterin des ZVMB im interdisziplinären Gutachten vom 23. Juni 2015 aus, dass
eine solche durch die empfohlenen Therapiemassnahmen (Ergänzung der bestehenden
Physiotherapie) zu erwarten sei (act. G 8.12-50, 53). Gestützt auf diese Beurteilung und
in Absprache mit dem damaligen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (act. G 8.15
f.) wurde denn auch weitere Heilbehandlung bis zumindest März 2016 mit Verfügung
vom 26. Oktober 2015 gesprochen (act. G 8.24). Ob mit der Empfehlung des ZVMB
eine namhafte Besserung im Sinne des Gesetzes und der Rechtsprechung zu erwarten
war (vgl. dazu vorstehende E. 4.1), kann vorliegend dahingestellt bleiben. Es ist nicht
davon auszugehen, dass die angeregte ergänzte Physiotherapie zur Dehnung der
verkürzten Muskelstrukturen, zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur und zur
Haltungskorrektur im Zeitpunkt der Verfügung vom 24. März 2017, damit über zwei
Jahre nach der Empfehlung, noch eine namhafte Besserung erwarten liess. Zumindest
ist eine solche nicht mehr überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen. In diesem Sinne –
wenn auch unbegründet – äusserte sich am 3. März 2017 im Übrigen auch der
beratende Arzt Dr. D._ (act. G 8.41). An dieser Beurteilung ändert auch der Bericht
des behandelnden Arztes, Dr. med. E._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, Klinik
F._, nichts. Er geht in seinem Bericht vom 24. Februar 2017 zwar von weiterhin
indizierter Physiotherapie und Analgesie aus, äussert sich indes nicht zur Frage, ob von
weiteren ärztlichen Behandlungen sowie Therapien noch eine namhafte Besserung zu
erwarten sei (act. G 8.40). Diesbezüglich ist von Relevanz, dass, wie erwähnt, von
Physiotherapie profitieren, ärztliche Verlaufskontrollen und die Einnahme von
Medikamenten für die Annahme einer namhaften Besserung nicht genügen.
5.2.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass spätestens per Verfügungszeitpunkt keine
namhafte Besserung des orthopädischen Gesundheitszustands der
Beschwerdeführerin mehr zu erwarten und der medizinische Endzustand diesbezüglich
erreicht war. Entsprechend ist ab diesem Zeitpunkt auch keine Heilbehandlung nach
Art. 10 UVG mehr geschuldet (Art. 19 Abs. 1 UVG). Aus dem Umstand, dass die
5.3.
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6.
Weiter ist ein Heilbehandlungsanspruch gestützt auf Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG zu prüfen.
Beschwerdeführerin ab dem 7. September 2016 bis 30. September 2017 auf Kosten
der IV-Stelle St. Gallen die Ausbildung für das Kaufmännische Basisdiplom und das
Höhere Wirtschaftsdiplom bei der C._ absolvieren konnte (act. G 8.1-36), ist nichts zu
deren Gunsten abzuleiten. Die Eingliederungsmassnahme ändert nichts am Erreichen
des medizinischen Endzustands und hat damit keinen Einfluss auf den Zeitpunkt der
Einstellung der Heilbehandlung nach Art. 10 UVG (vgl. Philipp Geertsen, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser (Hrsg.), Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, UVG, Bern 2018, Art. 19 Rz 3, 16). Im Übrigen erweist sich
die berufliche Eingliederungsmassnahme auch in Bezug auf den Rentenanspruch als
nicht relevant, nachdem bereits bei medizinischem Endzustand und vor Abschluss der
Massnahme kein rentenbegründender Mindestinvaliditätsgrad von mindestens 10%
bestand (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 2016, 8C_651/2015, E. 3.2.2)
bzw. ein solcher unangefochten verfügt wurde (vgl. vorstehende lit. A.d).
Gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG werden nach der Festsetzung der Rente dem
Bezüger die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen nach den Art. 10 bis 13 UVG
gewährt, wenn er zur Erhaltung seiner verbleibenden Erwerbsfähigkeit dauernd der
Behandlung und Pflege bedarf. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung und der
Wortlaut der genannten Bestimmung sind klar. Die Anwendung von Art. 21 Abs. 1 lit. c
UVG setzt immer voraus, dass eine Rente gesprochen worden ist (BGE 140 V 132 f. E.
2.3 mit Hinweisen; vgl. auch Philipp Geertsen, a.a.O., Art. 19 Rz 16). Dies ist vorliegend
nicht der Fall. Entsprechend sind weitere Heilbehandlungsleistungen auch unter
diesem Titel nicht geschuldet und es bedarf keiner abschliessenden Klärung der
weiteren Voraussetzung, ob die Beschwerdeführerin zur Erhaltung ihrer verbleibenden
Erwerbsfähigkeit dauernd der Behandlung und Pflege bedarf.
6.1.
An diesem Resultat ändert auch BGE 143 V 148 (Urteil des Bundesgerichts vom 8.
Mai 2017, 8C_527/2016) nichts. In diesem Entscheid ging es nicht um einen Anspruch
auf Heilbehandlungsleistungen nach Fallabschluss, sondern um die fortdauernde
Leistungspflicht für ein Hilfsmittel (bzw. der damit zusammenhängenden Leistungen),
welches bereits im Zuge der Heilbehandlung und damit während der medizinisch
instabilen Schadensphase zugestanden worden war (vgl. auch Philipp Geertsen, a.a.O.,
Art. 19 Rz 17). Eine solche Konstellation ist im vorliegenden Fall nicht gegeben und
eine Praxisänderung bezüglich eines möglichen Anspruchs auf
6.2.
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7.
Heilbehandlungsleistungen nach Fallabschluss ohne Festsetzung einer Rente ergibt
sich aus dem zitierten Urteil nicht.
Zu prüfen bleibt der in der Beschwerde gestellte Antrag auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren. Massgebend ist dabei Art. 37 Abs. 4
ATSG. Gemäss dieser Bestimmung wird der gesuchstellenden Person ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern. Als
Voraussetzungen der unentgeltlichen Vertretung gelten kumulativ die finanzielle
Bedürftigkeit, die fehlende Aussichtslosigkeit sowie die Erforderlichkeit der Vertretung.
Die Konkretisierung der beiden erstgenannten Voraussetzungen erfolgt in prinzipieller
Analogie zu den entsprechenden Kriterien im Gerichtsverfahren. Den höheren
Anforderungen an eine unentgeltliche Vertretung im Verwaltungsverfahren ist insoweit
Rechnung zu tragen, als im konkreten Fall die Erforderlichkeit der Vertretung eingehend
zu prüfen ist. Dabei ist auf die Schwierigkeit des Falls und auf die Verfahrensphase
abzustellen (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., 2015, Art. 37 N 37 f.). Nach der
Konzeption des Gesetzgebers bildet die Erforderlichkeit einer anwaltlichen Vertretung
die Ausnahme. In der Regel ist eine anwaltliche Vertretung nach Ansicht des
Gesetzgebers also nicht erforderlich. Hinsichtlich der sachlichen Gebotenheit der
unentgeltlichen Verbeiständung im Einspracheverfahren sind die Umstände des
Einzelfalls, die Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften sowie die
Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens zu berücksichtigen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. Februar 2008, 8C_18/2007, E. 5.1).
7.1.
Es ist nicht erkennbar, inwiefern das vorliegende Einspracheverfahren besondere
Anforderungen gestellt oder besonders komplexe Fragen beinhaltet hätte. Vielmehr
beschränkte sich der vorliegend massgebende Sachverhalt, nachdem über die
weiteren Rechtsverhältnisse bereits unangefochten verfügt worden war, auf die Frage
eines Anspruchs auf weitere Heilbehandlung. Es wäre der Beschwerdeführerin
durchaus möglich gewesen, sich in grundsätzlicher Weise gegen die Verfügung vom
24. März 2017 zur Wehr zu setzen und auf ihre Überzeugung hinzuweisen, dass
weiterhin behandlungsbedürftige unfallkausale Beschwerden bestehen, welche einen
Anspruch auf Heilbehandlung begründen würden. Sie wäre damit ohne weiteres in der
Lage gewesen, ohne Hilfe eines Rechtsanwaltes eine Einsprache zu erheben, zumal
diese nur minimalsten formalen Anforderungen genügen muss. Eine Notwendigkeit
einer anwaltlichen Vertretung im vorliegenden Einspracheverafahren ist damit zu
verneinen. Damit ist auch Ziff. 2 des Einspracheentscheids, wonach das Gesuch um
unentgeltliche Verbeiständung abgewiesen wurde (act. G 8.46), nicht zu beanstanden.
7.2.
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8.