Decision ID: 3f79a0dd-944b-50ba-8323-7717ec520fd2
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 17. Februar 2015 bei der Gemeinde Meiringen
ein Baugesuch ein für die Erweiterung der Werkstatt und des Lagers, die Anpassung des
Eingangsbereichs des Geschäftshauses, die Umnutzung der Pergola zu Wohnraum sowie
die Verlegung der landwirtschaftlichen und gewerblichen Zufahrtsstrassen auf den
Parzellen Meiringen Grundbuchblatt Nr. G._ und H._. Die Parzelle Nr.
G._ liegt hauptsächlich in der Mischzone M2, die Parzelle Nr. H._ liegt
hauptsächlich in der Landwirtschaftszone. Gegen das Bauvorhaben erhoben die
Beschwerdeführenden Einsprache. Anlässlich der Einspracheverhandlung konnte keine
Einigung erzielt werden. Da für die Bewilligung des Vorhabens eine Zonenplanänderung
erforderlich war (Landabtausch zwischen Mischzone und Landwirtschaftszone), sistierte
die Gemeinde das Baubewilligungsverfahren mit Verfügung vom 6. Juli 2015. Mit
Verfügung vom 23. August 2016 genehmigte das Amt für Gemeinden und Raumordnung
(AGR) die Zonenplanänderung. Diese trat per 1. Oktober 2016 in Kraft. Die Gemeinde
nahm das Baubewilligungsverfahren wieder auf. Sie holte aktualisierte Planunterlagen
sowie den noch fehlenden Energienachweis ein. Mit Entscheid vom 12. September 2017
erteilte sie die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 29. September 2017 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen
die Aufhebung der Baubewilligung und die Erteilung des Bauabschlags. Sie machen
insbesondere geltend, ihr Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden, da ihnen
keine Kenntnis vom Eingang der neuen Pläne und keine Gelegenheit zu
Schlussbemerkungen gegeben worden sei. Für die landwirtschaftliche Zufahrt sei der
Bauabschlag zu erteilen, da gemäss einem anderen Baugesuch die Ökonomiebaute auf
Parzelle Nr. H._ nun direkt mittels eines neuen Anschlusses an die
I._strasse erschlossen werden solle. Die gewerbliche Zufahrt sei ungenügend und
widerrechtlich.
3. In ihrer Beschwerdevernehmlassung vom 17. Oktober 2017 beantragt die Gemeinde
die vollumfängliche Bestätigung der Baubewilligung. Sie macht insbesondere geltend, es
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sei legitim, auf einer Parzelle verschiedene Baugesuche auflegen zu lassen. Aufgrund der
Unübersichtlichkeit der vorhandenen Pläne habe die Gemeinde bei der Bauherrschaft drei
Plansätze mit den geltenden Planinhalten verlangt.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 3. November 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Eventuell sei das Baugesuch zu
erneuter Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sie bestreitet, dass für die Zufahrt
zum Gewerbebau die Landwirtschaftszone in Anspruch genommen werden müsse. Die im
von den Beschwerdeführenden erwähnten anderen Baugesuch vorgesehene Anpassung
im Einmündungsbereich des landwirtschaftlichen Wegs sei als Übergangslösung gedacht,
bis eine rechtsgültige Baubewilligung im vorliegenden Verfahren vorliege, so dass die neue
landwirtschaftliche Zufahrt über Parzelle Nr. G._ gebaut und der alte Weg
aufgehoben werden könne. Die Pläne seien nicht wesentlich geändert worden. Die
Erschliessung sei genügend und die Baubewilligung sei zu Recht erteilt worden.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte beim Amt für
Gemeinden und Raumordnung (AGR) einen Bericht zur Frage ein, ob die Verlegung der
landwirtschaftlichen Zufahrt zonenkonform sei. Zudem erkundigte es sich bei der
Beschwerdegegnerin, welche Fahrzeugtypen die geplante neue Zufahrt auf der Westseite
in welcher Häufigkeit befahren würden, und bat sie, den Nachweis zu erbringen, dass
diese Fahrzeuge auf dem Betriebsgelände wenden könnten. Anschliessend holte es einen
Fachbericht beim Oberingenieurkreis I ein. Die Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit,
Schlussbemerkungen einzureichen. Auf die Rechtsschriften und die übrigen Akten wird,
soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
b) Der Beschwerdeführer 2 ist Eigentümer, die Beschwerdeführenden 1 und 3 sind
Wohnrechtsberechtigte der Nachbarliegenschaft. Sie haben sich zulässigerweise als
Einsprechende am Baubewilligungsverfahren beteiligt (Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG). Sie
sind zur Beschwerde befugt (Art. 40 Abs. 2 BauG).
c) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1
BauG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG3). Die BVE tritt
deshalb auf die Beschwerde ein.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden rügen eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches
Gehör. Die Beschwerdegegnerin habe im Laufe des Verfahrens mehrere Pläne
eingereicht, auf denen die westliche Zufahrt ersichtlich sei. Auf diesen Plänen erfolge die
Erschliessung des Gewerbebaus mittels eines in die Parzelle Nr. H._
hineinreichenden asphaltierten Wendehammers, wobei die für das Wendemanöver
benötigte Fläche zum Teil in der Landwirtschaftszone liege. Bewilligt worden seien nun am
13. April 2017 eingegangene, geänderte Pläne. Danach könne mangels Wendehammer
nicht mehr gewendet werden. Diese neu eingereichten Pläne seien den
Beschwerdeführenden weder eröffnet worden, noch hätten sie sich im Rahmen von
Schlussbemerkungen nochmals zum Projekt äussern können.
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG gibt den Parteien das
Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten
zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst insbesondere das Recht der
Parteien, von jedem eingereichten Aktenstück bzw. jeder Stellungnahme von Parteien und
Behörden Kenntnis zu nehmen und sich dazu äussern zu können.4 Dies bedeutet, dass
den Beteiligten jede eingereichte Stellungnahme und die Amts- und Fachberichte zur
Kenntnis zu bringen sind.5 Nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt dies
unabhängig davon, ob die Stellungnahmen neue Tatsachen oder Argumente enthalten6
Demnach sind den Parteien im Baubewilligungsverfahren die Amts- und Fachberichte
sowie die Stellungnahmen der Gegenpartei zuzustellen, so dass diese Gelegenheit haben,
sich dazu zu äussern, sofern sie dies als erforderlich erachten.7
Es trifft zu, dass die Vorinstanz den Beschwerdeführenden keine Kenntnis von der
Wiederaufnahme des Baubewilligungsverfahrens, vom Eingang der aktualisierten Pläne
und vom Eingang des nachgeforderten energietechnischen Massnahmennachweises gab.
Die Vorinstanz gab den Parteien auch keine Gelegenheit, zum Ergebnis des
Beweisverfahrens Stellung zu nehmen bzw. Schlussbemerkungen anzubringen. Insofern
wurde das rechtliche Gehör verletzt.
c) Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann aber dann geheilt werden, wenn die Rechtsmittel-
instanz dieselbe Kognition hat wie die Vorinstanz und der beschwerdeführenden Person
aus der Heilung kein Nachteil erwächst.8 Die Beschwerdeführenden konnten ihre Rügen im
Beschwerdeverfahren einbringen. Die Gehörsverletzung kann von der BVE unbestritten
geheilt werden, da ihr nach Art. 40 Abs. 3 BauG die volle Überprüfungsbefugnis zukommt.
Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.9
4 BGE 137 I 195 E. 2.3.1 mit Hinweisen; BGer 5P.385/2005 E. 2.1 f. vom 17. Januar 2006 5 BGer 5A_151/2007 E. 3.2 vom 22. Januar 2008 6 BGE 133 I 98 E. 4.3 ff. 7 BVR 2009 S. 328 ff. E. 2.4; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, Band I, 4. Aufl., Bern 2013, Art. 38-39 N. 9b; Urs Eymann, Das rechtliche Gehör im erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahren, KPG-Bulletin 2006 S. 47 ff. 8 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 16 9 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 9
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3. Formelle Mängel
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, auf den am 13. April 2017
eingegangenen, bewilligten Plänen fehle die Unterschrift des Grundeigentümers der
Parzelle Nr. H._.
Für das Baugesuch ist das amtliche Formular zu verwenden, das von der Bauherrschaft,
von den Projektverfassenden und bei Bauten auf fremdem Boden ausserdem von der
Grundeigentümerin oder vom Grundeigentümer zu unterzeichnen ist (Art. 10 Abs. 2
BewD10). Dem Baugesuch sind der Situationsplan, die Projektpläne und die allenfalls
erforderlichen weiteren Unterlagen beizulegen. Alle Pläne sind zu datieren und von den
Gesuchstellenden sowie von den Projektverfassenden zu unterzeichnen (Art. 10 Abs. 3
BewD). Das Baugesuch wurde vom Grundeigentümer der Parzelle Nr. H._
mitunterzeichnet. Die von der Vorinstanz als genehmigt gestempelten, mit Bauentscheid
vom 12. September 2017 bewilligten Pläne tragen alle die Unterschriften der
Beschwerdegegnerin und ihres Architekten. Anders als die Beschwerdeführenden meinen,
müssen die Pläne nicht von der Grundeigentümerin oder dem Grundeigentümer
unterzeichnet werden. Die massgeblichen Formvorschriften sind somit eingehalten.
b) Die Beschwerdeführenden machen geltend, gemäss Legende der am 13. April 2017
eingegangenen, bewilligten Pläne werde weiterhin ein Teil der Zufahrt gewerblich und
landwirtschaftlich genutzt, neu fehle jedoch die Vermassung. Die Beschwerdegegnerin
weist demgegenüber darauf hin, dass die Zufahrt im Situationsplan vermasst sei.
Aufgrund eines Vergleichs der von der Gemeinde als genehmigt gestempelten Pläne mit
den übrigen, in den Vorakten vorhandenen Plänen ist die Rüge der Beschwerdeführenden
nicht nachvollziehbar. Eine fehlende Vermassung auf den bewilligten Plänen ist nicht
erkennbar. Insbesondere enthalten die Pläne "Situation/Zufahrt", "Grünfläche & Umgebung
/ Werbung", "Untergeschoss" und "Erdgeschoss" nicht weniger, sondern zusätzliche
Masse. Bezüglich der Zufahrt besteht der Hauptunterschied darin, dass in den
genehmigten Plänen gegenüber der Parzelle der Beschwerdeführenden neu ein
Grenzabstand von 30 cm eingetragen ist, was zur Folge hat, dass die Zufahrt um dieses
Mass schmaler wird. Soweit die neue Zufahrt in der Bauzone liegt und sowohl
10 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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gewerblichen als auch landwirtschaftlichen Zwecken dient, weist sie neu eine Breite von
5.20 m statt 5.50 m auf. Soweit die neue Zufahrt in der Landwirtschaftszone liegt und
ausschliesslich landwirtschaftlichen Zwecken dient, weist sie neu eine Breite von 2.70 m
statt 3.00 m auf. Zudem ergibt sich aus den bewilligten Plänen, dass die Zufahrtsstrasse in
der Landwirtschaftszone nicht mehr für gewerbliche Wendemanöver verwendet wird.
c) Die Beschwerdeführenden machen geltend, auf den am 13. April 2017
eingegangenen, bewilligten Plänen fehle die bislang eingezeichnete Zonengrenze. Zudem
sei die gesamte Zufahrtsfläche neuerdings als "bestehend" dargestellt, was unzutreffend
sei. Aktuell bestehe das fragliche Terrain aus einer Wiese an Hanglage.
Die Beschwerdegegnerin räumt ein, dass dies zutrifft. Sie hat deshalb korrigierte Pläne
"Situation/Zufahrt" und "Grünfläche & Umgebung / Werbung" eingereicht. Diese
entsprechen nun den Anforderungen von Art. 13 Abs. 1 Bst. b BewD, wonach der
Situationsplan unter anderem Aufschluss geben soll über die Nutzungszone, in welcher
das Baugrundstück liegt. Zudem ist die Zufahrtsfläche nun wieder als "neu" dargestellt.
4. Landwirtschaftliche Zufahrt
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, gemäss dem neueren Baugesuch
"J._" solle das Ökonomiegebäude auf Parzelle Nr. H._ nun direkt mittels
eines neuen Anschlusses an die I._strasse erschlossen werden. Der neue
Strassenanschluss erfülle die Vorgaben der Verkehrssicherheit besser als die Gegenstand
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildende Behelfslösung via K._strasse.
Der Grundeigentümer der Parzelle Nr. H._ bringe mit Unterzeichnung des neuen
Baugesuchs zum Ausdruck, dass er die landwirtschaftliche Zufahrt zu seiner Scheune nicht
mehr über die von der Beschwerdegegnerin geplante Zufahrt führen wolle. Es stelle sich
daher die Frage, ob die Beschwerdegegnerin überhaupt berechtigt sei, über diese Parzelle
ihre rein gewerblich genutzte Zufahrt zu führen und ob eine entsprechend genügend
gesicherte Erschliessung bestehe. Zudem hätte die Vorinstanz bei dieser Situation für die
Verlegung der landwirtschaftlichen Zufahrt zur Scheune mit gemeinsamer Einfahrt den
Bauabschlag erteilen müssen. Es bestehe kein Recht darauf, sich auf Vorrat
landwirtschaftliche Zufahrten bewilligen zu lassen. Die Zufahrt zur Liegenschaft der
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Beschwerdegegnerin dürfe nicht mehr als Anschluss für eine landwirtschaftliche
Weiterführung ausgestaltet werden.
Die Beschwerdegegnerin führt demgegenüber aus, die Verlegung der landwirtschaftlichen
Zufahrt erfolge hauptsächlich dazu, die Bestellung des Felds zu erleichtern, eine
zusammenhängende Landwirtschaftsfläche und durch die kürzere Zufahrt mehr nutzbare
Fläche zu erhalten. Es gehe nicht darum, die Landwirtschaftszone zwecks Erschliessung
der Mischzone benutzen zu können. Der gewerblich und landwirtschaftlich genutzte
Zufahrtsbereich liege nicht in der Landwirtschaftszone, sondern in der (teilweise neu
eingezonten) Mischnone M2. Die Zonengrenze befinde sich nicht am selben Ort wie die
Grenze zwischen den Parzellen Nrn. G._ und H._. Der Spickel, der zum
Wenden benutzt werden könne, liege zwar teilweise auf Parzelle Nr. H._, befinde
sich aber vollständig in der Mischzone M2. Der neue Weg in der Landwirtschaftszone
werde nur landwirtschaftlich genutzt. Aus diesem Grund werde die Zufahrt nur in der
Mischzone M2 geteert. Die abgeänderte Zufahrt im Baugesuch "J._" sei als
Übergangslösung gedacht, bis die landwirtschaftliche Zufahrt gemäss vorliegendem
Baugesuch verwirklicht werden könne. Sobald dieses Bauprojekt umgesetzt worden sei,
werde die Anpassung gemäss Baugesuch "J._" obsolet und der
landwirtschaftliche Weg zwischen der Einmündung I._strasse und der neuen
Abzweigung gemäss Baugesuch abgebrochen.
b) In der Landwirtschaftszone zonenkonform sind Bauten und Anlagen, die zur
landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden Gartenbau nötig sind
(Art. 16a Abs. 1 Satz 1 RPG11). Diese Anforderungen präzisiert Art. 34 RPV12. Danach sind
unter anderem Bauten und Anlagen zonenkonform, die der bodenabhängigen
Bewirtschaftung dienen, namentlich der Produktion verwertbarer Erzeugnisse aus
Pflanzenbau und Nutztierhaltung (Art. 34 Abs. 1 Bst. a RPV). Die Bewilligung darf nur
erteilt werden, wenn die Baute oder Anlage für die in Frage stehende Bewirtschaftung nötig
ist (Art. 34 Abs. 4 Bst. a RPV), ihr am vorgesehenen Standort keine überwiegenden
Interessen entgegenstehen (Art. 34 Abs. 4 Bst. b RPV) und der Betrieb voraussichtlich
längerfristig bestehen kann (Art. 34 Abs. 4 Bst. c RPV). Die Baute oder Anlage muss an die
11 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 12 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1)
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objektiven Bedürfnisse des Betriebs angepasst sein, namentlich mit Bezug auf ihre Grösse
und ihren Standort, und darf insbesondere nicht überdimensioniert sein.13
Das Bundesrecht verlangt, dass eine zentrale kantonale Behörde bei allen Bauvorhaben
ausserhalb der Bauzonen entscheidet, ob sie zonenkonform sind oder ob für sie eine
Ausnahmebewilligung erteilt werden kann (Art. 25 Abs. 2 RPG). Im Kanton Bern ist dafür
das AGR zuständig (Art. 84 Abs. 1 BauG in Verbindung mit Art. 108a BauV14 und Art. 12
Bst. e OrV JGK15). Dieses hat zwar im Rahmen seiner Stellungnahme zur Voranfrage vom
15. Dezember 2014 festgehalten, die Umlegung des landwirtschaftlichen Weges könne
landwirtschaftlich begründet werden. Es hat insoweit die Bestätigung der Zonenkonformität
in Aussicht gestellt. Im weiteren Verlauf des Verfahrens ging jedoch vergessen, die
entsprechende Verfügung einzuholen. Die BVE hat deshalb von Amtes wegen einen
Bericht des AGR zur Zonenkonformität eingeholt.
c) Die Beschwerdegegnerin legt überzeugend und nachvollziehbar dar, dass der
Grundeigentümer der landwirtschaftlichen Parzelle Nr. H._ nach wie vor ein
Interesse daran hat, sein Ökonomiegebäude auf anderem Weg zu erschliessen und die
bestehende Erschliessung zurückzubauen. Daran ändert der Umstand nichts, dass im
Zuge eines anderen Bauvorhabens der bestehende, problematische Strassenanschluss an
die I._strasse verbessert wird, ist doch noch offen, wann die neue Zufahrtsstrasse
gebaut werden kann. Es ist unbestritten, dass das Ökonomiegebäude auf Parzelle Nr.
H._ eine Zufahrt benötigt. Die geplante neue Zufahrt ist kürzer als die bestehende
und benötigt weniger Land in der Landwirtschaftszone. Zudem hat der damit verbundene
Rückbau der bestehenden landwirtschaftlichen Zufahrt zur Folge, dass eine
zusammenhängende landwirtschaftliche Fläche entsteht, was die Bewirtschaftung
vereinfachen wird. Überwiegende Interessen, die einer Standortverlegung entgegenstehen
würden, sind weder dargetan noch ersichtlich. Gestützt auf den Amtsbericht des AGR ist
deshalb festzustellen, dass die geplante neue landwirtschaftliche Zufahrt zonenkonform ist.
Die vom AGR beantragten Nebenbestimmungen sind unbestritten und werden in den
Entscheid aufgenommen.
13 BGE 129 II 413 E. 3.2 S. 416; 125 II 278 E. 3a S. 281; 114 Ib 131 E. 3 S. 133 f. 14 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 15 Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (OrV JGK; BSG 152.221.131)
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RA Nr. 110/2017/128 10
5. Verkehrssicherheit
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, mit der Projektänderung würde die
Beschwerdegegnerin das Projekt in massgeblichen Punkten ändern. Mit der neuen
Ausgestaltung der Zufahrt sei ein Wenden für grössere Fahrzeuge wie LKWs nicht mehr
möglich. Die Zu- und Wegfahrt müsse nunmehr in einer Richtung erfolgen. Dies habe
einen massgeblichen Einfluss auf die Verkehrssicherheit auf der K._strasse.
Rückwärtsmanöver seien bei gegebener Topografie und Bebauung gefährlich.
Die Beschwerdegegnerin macht geltend, der asphaltierte Spickel, der zum Wenden benutzt
werden könne, liege zwar teilweise auf Parzelle Nr. H._, aber vollständig in der
Mischzone M2. Der gewerbliche Teil des Bauvorhabens sei in der Mischzone M2 geplant.
Die Zufahrt in dieser Zone könne auch landwirtschaftlich genutzt werden. Die
Beschwerdegegnerin habe ein Wegrecht, das sie berechtige, über die Parzelle Nr.
H._ zu fahren. Die Erschliessung sei genügend. Die Pläne seien nicht wesentlich
geändert worden. Der bewilligte asphaltierte Spickel sei genau so gross wie im Plan von
2015. Es sei einzig eine überflüssige Schleppkurve weggelassen worden, weil diese in die
Landwirtschaftszone hineinreiche. Ein LKW könne ohne Probleme innerhalb der
Mischzone wenden, indem er im Wendespickel zweimal vor- und zurückfahre. Grosse
LKWs (3-Achser) könnten auf dem bereits vorhandenen Vorplatz auf der Nordseite entlang
der K._strasse die Ware abladen. Es sei nie geplant gewesen, dass Fahrzeuge
rückwärts auf die Strasse fahren müssten. Die Erschliessung sei genügend und die
Baubewilligung sei zu Recht erteilt worden.
b) Der Neuanschluss oder die gesteigerte Benutzung eines bestehenden Anschlusses
an eine öffentliche Strasse bedürfen der Bewilligung des zuständigen Gemeinwesens (vgl.
Art. 85 Abs. 1 SG16). Voraussetzung dafür ist, dass die Zu- und Wegfahrten die öffentliche
Strasse nicht beeinträchtigen (vgl. dazu Art. 73 Abs. 1 SG und Art. 21 Abs. 1 BauG in
Verbindung mit Art. 57 BauV). Zur Beurteilung der Frage, ob ein Strassenanschluss
verkehrssicher ist, können die einschlägigen Normen des Schweizerischen Verbands der
Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) als Entscheidungshilfe herangezogen werden.
Diese legen die Anforderungen fest, denen eine Erschliessungsstrasse zu genügen hat. Es
handelt sich indessen nicht um Rechtsnormen, sondern lediglich um Richtlinien, deren
Anwendung im Einzelfall vor den allgemeinen Rechtsgrundsätzen, insbesondere vor dem
16 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11)
RA Nr. 110/2017/128 11
Grundsatz der Verhältnismässigkeit, standhalten muss. Sie dürfen daher nicht unbesehen
der konkreten Verhältnisse der Entscheidung zugrunde gelegt werden.17
Für die Anordnung von Grundstückzufahrten sowie für die Bestimmung von Sichtweiten
privater Ausfahrten in öffentliche Strassen sind die Normen VSS SN 640 050
(Grundstückzufahrten) und VSS SN 640 273a (Knoten, Sichtverhältnisse in Knoten in einer
Ebene) massgebend. Grundstückzufahrten sind so zu gestalten, dass durch die ein- und
ausfahrenden Fahrzeuge die Beeinträchtigung der Sicherheit und die Behinderung des
Verkehrs auf öffentlichen Strassen vermieden wird. Bei der Anordnung und Gestaltung von
Grundstückzufahrten ist aus Sicherheitsgründen stets das Aus- und Einfahren der
Fahrzeuge in Vorwärtsrichtung anzustreben.18 Eine Grundstückzufahrt bildet mit der
vortrittsberechtigten Strasse eine Einmündung. Sie ist deshalb hinsichtlich Anforderungen
der Verkehrssicherheit den Knoten gleichgestellt. Das gilt insbesondere für die
Knotensichtweiten. Grundstückzufahrten sind überall dort zu vermeiden, wo die minimalen
Knotensichtweiten nicht gewähreistet werden können.19
c) Gemäss Angaben der Beschwerdegegnerin sollen auf der neuen Zufahrt mehrheitlich
ihre Geschäftsautos verkehren. Dabei handelt es sich um PKWs und Kleinbusse bis 3,5 t.
An Werktagen ist zwischen 07:00 Uhr und 18:00 Uhr mit maximal 15 Bewegungen zu
rechnen, Samstag und Sonntag sind selten Fahrten nötig. Zusätzlich werden pro Woche
circa drei bis fünf LKWs bis 9 m Länge Waren anliefern. Grössere LKWs entladen die Ware
auf dem Parkplatz parallel zur K._strasse. Die Beschwerdegegnerin hat zudem
einen Plan eingereicht, der zeigen soll, dass ein LKW bis 10 m Länge auf dem Gelände
wenden kann, so dass er nach dem Abladen der Ware vorwärts in die K._strasse
fahren kann.
Der Oberingenieurkreis I hat die Angaben der Beschwerdegegnerin geprüft und kann der
Schlussfolgerung im Ergebnis zustimmen. Er hat die Schleppkurven unter Verwendung der
einschlägigen VSS-Normen aufgezeichnet und kommt zum Schluss, dass die verwendeten
Fahrzeuge auf der Parzelle selber wenden und den Anschluss in die K._strasse
Richtung I._strasse sowohl für Ein- wie auch für Ausfahren vorwärts befahren
können. Während PKWs und Kleinbusse problemlos wenden könnten, sei das Wenden für
17 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 21 N. 7; BGer 1C_375/2011 vom 28. Dezember 2011 E. 3.3.3 18 VSS SN 640 050 Ziff. 6 19 VSS SN 640 050 Ziff. 5
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LKWs bis 9 m Länge ohne "Sägemanöver" nur knapp möglich. Da es sich jedoch nicht um
eine öffentliche Strasse handelt, erachtet der Oberingenieurkreis I dies nicht als
problematisch. Gut möglich sei das Wenden für solche Fahrzeuge mittels mehrmaligen
Manövrierens. Nicht möglich sei für diese Fahrzeuge das Abbiegen in die
K._strasse in westlicher Richtung. Der Oberingenieurkreis I hält fest, dass der
Anschluss an die K._strasse den massgeblichen Normen nicht vollumfänglich
entspricht. Zum einen betrage der Einmündungswinkel 70 Grad anstelle von 90 Grad. Zum
anderen sei die Abbiegefunktion zwischen der westlichen K._strasse und dem
Anschluss für 9 m lange Fahrzeuge nicht möglich. Zudem entstehe ein unter Nachbarn
nicht koordinierter Doppelanschluss. Trotz dieser Mängel beurteilt der Oberingenieurkreis I
den Strassenanschluss als verkehrssicher. Die Übersicht im Knoten sei gut, die
gefahrenen Tempi seien sehr tief und das Verkehrsaufkommen sei gering. Die nicht
fahrbare Beziehung komme in der Realität vermutlich nie vor, da die Zu- und Weglieferung
ausschliesslich direkt über die I._strasse erfolge. Zusammenfassend erachtet der
Oberingenieurkreis I die verkehrstechnischen Anforderungen an die Erschliessung als
erfüllt, obwohl der Anschluss von den Normen leicht abweicht.
d) Die Beantwortung der Frage, wie sich der neue Strassenanschluss an die
K._strasse auf die Verkehrssicherheit auswirkt, bedarf besonderer Fachkenntnisse
und hängt wesentlich von den örtlichen Gegebenheiten ab. Die Ausführungen des
Oberingenieurkreises I sind einleuchtend und nachvollziehbar. Sie werden von den übrigen
Beteiligten auch nicht bestritten. Für die BVE besteht deshalb kein Anlass, von der
Einschätzung des Oberingenieurkreises I abzuweichen. Die Vorinstanz hat den neuen
Strassenanschluss an die K._strasse zu Recht bewilligt.
6. Absturzsicherung
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, entlang der Grenze zu ihrem Grundstück
sei ein neuer Sockel geplant. Anschliessend an den Sockel sei eine Absturzvorrichtung
vorgesehen. Der Bauentscheid äussere sich zwar zum Erfordernis einer
Absturzvorrichtung, die den einschlägigen Vorschriften entspreche und die entsprechend
ihrer Mehrhöhe von der gemeinsamen Grenze zurückversetzt werden müsse, prüfe dies
jedoch nicht, obschon gemäss den revidierten Pläne auf den ursprünglich vorgesehenen
Zaun verzichten werde. Ob die auf den neuen Plänen eingezeichnete Vorrichtung genüge
RA Nr. 110/2017/128 13
oder nicht, ergebe sich aus der Baubewilligung nicht. Ohne die Ausgestaltung und den
Grenzabstand der konkret vorgesehenen Absturzvorrichtung geprüft zu haben, lasse sich
auch keine Aussage zur Breite des Strassenkörpers machen, der bei Wahrung des
korrekten Grenzabstandes noch verbleibe.
Die Beschwerdegegnerin macht demgegenüber geltend, die Zufahrt habe gegenüber dem
Grundstück der Beschwerdeführer um 30 cm verschoben werden müssen, was eine
Verschmälerung der Zufahrt auf 5.20 m zur Folge habe. Zudem habe die Absturzsicherung
leicht angepasst werden müssen. Die Baubewilligungsbehörde habe die Pläne, auf denen
unter anderem die Absturzsicherung ersichtlich sei, geprüft und bewilligt.
b) Für die gegenüber Nachbargrundstücken und gegenüber anderen Bauten und
Anlagen einzuhaltenden Grenz- und Gebäudeabstände sind die Vorschriften der
Gemeinden massgebend (Art. 12 Abs. 2 BauG). Gemäss Art. 212 Bst. c GBR20 haben den
Boden nicht überragende Anlagen wie private Zufahrtswege, Strassen und Parkplätze und
dergleichen einen Grenzabstand von 30 cm einzuhalten. Sie sind so anzulegen, dass
weder durch ihre Benützung noch durch ihren Unterhalt nachteilige Einflüsse auf die
Nachbargrundstücke entstehen. Für Stützmauern und Einfriedungen gelten die
Bestimmungen des EG ZGB21. Danach darf die Stützmauer an die Grenze gestellt werden.
Dient sie der Auffüllung, so darf sie den gewachsenen Boden des höher gelegenen
Grundstückes höchstens um 1.20 m überragen (Art. 79h Abs. 3 EG ZGB). Einfriedungen
wie Holzwände, Mauern, Zäune, bis zu einer Höhe von 1.20 m vom gewachsenen Boden
des höher gelegenen Grundstücks aus gemessen, dürfen an die Grenze gestellt werden
(Art. 79k Abs. 1 EG ZGB). Höhere Einfriedungen sind um das Mass der Mehrhöhe von der
Grenze zurückzunehmen, jedoch höchstens auf 3 m (Art. 79k Abs. 2 EG ZGB).
c) Die Vorinstanz prüfte die ursprünglichen Pläne detailliert und stellte fest, dass die
neue Zufahrt mit mindestens 30 cm Abstand von der March geplant werden müsse. Zudem
sei eine Absturzsicherung zu erstellen, die den einschlägigen Normen und den Vorschriften
des EG ZGB zu entsprechen hätte. Sie verlangte deshalb eine entsprechende Anpassung
der Pläne. Dem angefochtenen Entscheid lässt sich entnehmen, dass die verbesserten
Pläne am 13. April 2017 bei der Gemeinde eingingen und dass für die definitive Erteilung
der Baubewilligung nur noch der Energienachweis und die Gewässerschutzbewilligung
20 Baureglement der Gemeinde Meiringen vom 9. Juni 2013 (GBR) 21 Gesetz vom 28. Mai 1911 betreffend die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (EG ZGB; BSG 211.1)
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fehlten. Die Vorinstanz hat somit die revidierten Pläne geprüft und das Vorhaben gestützt
darauf als bewilligungsfähig erachtet. Auch wenn sie sich im Bauentscheid nicht
ausdrücklich damit auseinandersetzt, ergibt sich daraus implizit, dass die Vorinstanz der
Auffassung ist, die Zufahrt halte nun den massgeblichen Grenzabstand ein und die
Absturzvorrichtung entspreche den einschlägigen Normen. Im Übrigen ergeben sich die
Masse der Stützmauer, der Absturzsicherung und der Zufahrt aus den bewilligten Plänen.
Die neue Stützmauer, die an der Grenze zum Nachbargrundstück steht, ist zwischen
46.5 cm und 1.20 m hoch. Sie entspricht damit Art. 79h EG ZGB. Die neue
Absturzsicherung befindet sich hinter der Stützmauer und hält den erforderlichen
Grenzabstand ein. Selbst wenn die Absturzsicherung an gewissen Stellen erhöht werden
und deshalb unter Umständen einen grösseren Grenzabstand einhalten müsste, wäre die
Fahrbahnbreite immer noch genügend gross, sieht doch Art. 7 BauV bei Strassen mit
Gegenverkehr eine minimale Fahrbahnbreite von 4.20 m vor. Die Beschwerdeführenden
legen nicht dar und es ist auch nicht erkennbar, warum die Beurteilung der Vorinstanz, das
Vorhaben sei bewilligungsfähig, nicht zutreffen sollte. Die Rüge ist somit unbegründet.
7. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.00 bis Fr. 4'000.00 erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2
GebV22). In Anwendung dieser Bestimmungen wird die Pauschale auf Fr. 2'000.00
festgelegt.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Da
die Beschwerde abgewiesen wird, gelten die Beschwerdeführenden grundsätzlich als
unterliegend und sind deshalb kostenpflichtig. Allerdings machen sie geltend, aufgrund der
Verletzung des rechtlichen Gehörs dürften ihnen ungeachtet des Verfahrensausgangs
keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Eine Gehörsverletzung kann einen besonderen
Umstand für ein Abweichen vom Unterliegerprinzip darstellen, wenn sie für die Betroffenen
22 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden war.23 Im vorliegenden Fall bestand die
Gehörsverletzung darin, dass die Vorinstanz die Beschwerdeführenden nicht über die
eingeholten neuen Pläne informierte und ihnen keine Gelegenheit zur Stellungnahme bzw.
zu Schlussbemerkungen gab. Dadurch ist den Beschwerdeführenden jedoch kein
wesentlicher Mehraufwand entstanden. Mit dem Bauentscheid der Vorinstanz erhielten sie
Kenntnis von der Existenz der revidierten Pläne und konnten sich in ihrer Beschwerde
dazu äussern. Dieser Aufwand wäre auch ohne Gehörsverletzung angefallen. Zudem
erscheint es als höchst unwahrscheinlich, dass die Beschwerdeführenden auf eine
Beschwerde verzichtet hätten, wenn sie sich bereits im Baubewilligungsverfahren hätten
äussern können. Unter diesen Umständen kommt ein vollständiger Verzicht auf die
Erhebung von Verfahrenskosten nicht in Betracht. Als weiterer besonderer Umstand ist zu
berücksichtigen, dass die Vorinstanz vergass, die Verfügung des AGR zur Frage der
Zonenkonformität ausserhalb der Bauzone einzuholen und dass die BVE dies im
Beschwerdeverfahren von Amtes wegen nachholte. Dies kann nicht den
Beschwerdeführenden angelastet werden. Unter Berücksichtigung dieser Umstände wird
auf die Erhebung von einem Fünftel der Verfahrenskosten verzichtet. Die
Beschwerdeführenden haben daher Fr. 1'600.00 an Verfahrenskosten zu bezahlen.
b) Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung
anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV24 beträgt das
Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro
Instanz. Innerhalb dieses Rahmens bemisst sich der Parteikostenersatz nach Art. 41
Abs. 3 KAG25. Der Anwalt der Beschwerdeführenden beziffert die Parteikosten auf Fr.
6'918.75 (Honorar Fr. 6'100, Auslagen Fr. 314.80, Mehrwertsteuer Fr. 503.95), der Anwalt
der Beschwerdegegnerin beziffert die Parteikosten auf Fr. 5'908.65 (Honorar Fr. 5'336.20,
Auslagen Fr. 150.00, Mehrwertsteuer Fr. 422.45). Die Beschwerdegegnerin ist
mehrwertsteuerpflichtig26 und kann somit die von ihrem Rechtsvertreter auf sie überwälzte
Mehrwertsteuer in ihrer eigenen Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr
fällt daher betreffend Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der
Mehrwertsteuer käme einer mit Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren
Überentschädigung gleich. Die in der Kostennote des Rechtsvertreters der
23 BVR 2004 S. 133 E. 3.1 und 3.2, 2004 S. 37 E. 3; VGE 2016/219 vom 21. März 2017 E. 2.4 mit Hinweisen; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 9 24 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 25 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) 26 Siehe Unternehmens-Identifikationsnummer-Register, einsehbar unter: <https://www.uid.admin.ch>
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Beschwerdegegnerin aufgeführte Mehrwertsteuer ist daher bei der Bestimmung des
Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen.27 Im Übrigen geben die eingereichten
Kostennoten zu keinen Bemerkungen Anlass.
Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht
deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung oder
Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Beschwerdeführenden unterliegen. Sie
haben deshalb der obsiegenden Beschwerdegegnerin die Parteikosten in der Höhe von
Fr. 5'486.20 zu ersetzen. Aufgrund der Verfahrensmängel hat die Vorinstanz den
Beschwerdeführenden einen Fünftel ihrer Parteikosten, ausmachend Fr. 1'383.75, zu
bezahlen.
27 BVR 2014 S. 484 E. 6
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