Decision ID: 0a57e71b-500d-448c-8c01-1a380e89793e
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 21.12.2017 Art. 4 ATSG: aussergewöhnliches Schreckereignis in Bezug auf einen Sachverhalt mit Beteiligung an einem Raufhandel im Sinne von Art. 133 StGB verneint.Art. 6 Abs. 1 UVG: Beurteilung der Adäquanz psychischer Fehlentwicklungen nach einem Unfall mit somatischem Geschehen (sogenannte "Psychopraxis" gemäss BGE 115 V 133) (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. Dezember 2017, UV 2016/25).
Entscheid vom 21. Dezember 2017
Besetzung
Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider (Vorsitz),
Versicherungsrichter Joachim Huber und a.o. Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle
Frei; Gerichtsschreiber Peter Wohnlich
Geschäftsnr.
UV 2016/25
Parteien
A._,
Beschwerdeführer,
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gegen
Generali Allgemeine Versicherungen AG, Avenue Perdtemps 23, 1260 Nyon 1,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
Versicherungsleistungen
Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit 4. Februar 2013 bei der B._ GmbH als
kaufmännischer Angestellter tätig und in dieser Eigenschaft bei der Generali Allgemeine
Versicherungen AG (nachfolgend: Generali) gegen die Folgen von Unfällen versichert
(act. G 3.1 f.), als er am 4. Dezember 2014 im Verlauf einer verbalen und körperlichen
Auseinandersetzung mit verschiedenen Personen verletzt wurde (act. G 3.5/3, G 3.5/6,
G 3.13 f.). Der Versicherte begab sich gleichentags ins Spital C._, wo der
untersuchende Arzt einen Status nach Trauma durch Gewalteinwirkung mit/bei
multiplen Rissquetschwunden (nachfolgend: RQW), Abrasionen und Prellmarken,
Schwindel und Kopfschmerzen diagnostizierte. Röntgenologisch hatte sich keine
ossäre Beteiligung nachweisen lassen. Am 5. Dezember 2014 wurde der Versicherte
aus dem Spital entlassen und der Behandlungsabschluss bestätigt (act. G 3.3, G 3.10).
A.b Ab 15. Dezember 2014 befand sich der Versicherte bei Dr. med. D._, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in Behandlung, der ihm vom 5. bis 31.
Dezember 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (act. G 3.4). Die Generali
erbrachte entsprechende Taggeldleistungen (act. G 3.17). Am 7. Dezember 2015
reichte Dr. D._ einen ärztlichen Zwischenbericht UVG ein, worin er die Diagnosen
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), Somatisierungsstörung (IDC-10:
F45.0) und rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F33) stellte und dem
Versicherten vom 5. Dezember 2014 bis auf weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bestätigte. Dr. D._ hielt fest, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit ein langfristiger
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Nachteil zu erwarten sei. In Zukunft sei nur eine eingeschränkte Belastung bezüglich
Arbeit wahrscheinlich. Der Versicherte befände sich bei ihm in einer psychiatrisch-
psychotherapeutischen Gesprächstherapie, deren Dauer unbestimmt sei (act. G 3.19).
A.c Mit Verfügung vom 14. Januar 2016 eröffnete die Generali dem Versicherten, dass
sie ihre Leistungen mangels adäquatem Kausalzusammenhang zwischen den
psychischen Beschwerden und dem Ereignis vom 4. Dezember 2014 per 31. Dezember
2014 einstelle. Jede Gesundheitsbeeinträchtigung, die nicht als Folge eines Unfalls
resultiere, gelte als Krankheit (act. G 3.30).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Eingabe vom 27. Januar 2016
Einsprache (act. G 3.31), zu welcher er am 23. Februar 2016 einen Bericht von Dr.
D._ vom 19. Februar 2016 nachreichte (act. G 3.33).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 31. März 2016 wies die Generali die Einsprache ab
(act. G 3.36).
C.
C.a Mit Eingabe vom 13. April 2016 reichte der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) gegen den Einspracheentscheid vom 31. März 2016 bei der
Generali (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) eine Beschwerde ein, welche diese mit
Schreiben vom 15. April 2016 zuständigkeitshalber dem Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen überwies (act. G 3.38 f.). Der Beschwerdeführer beantragte
sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids sowie die
Ausrichtung der gesetzlichen Versicherungsleistungen für seine psychische
Gesundheitsstörung (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 13. Mai 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 15. Juni 2016 hielt der Beschwerdeführer an seinem
Beschwerdeantrag fest, indem er geltend machte, er sei durch das Ereignis vom 4.
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Dezember 2014 schwerwiegend psychisch geschädigt. Es gehe nicht um den Unfall,
sondern um eine Krankheit. Es sei nicht belegt, dass die Beschwerdegegnerin bei
Krankheit eines versicherten Angestellten keine Taggelder bezahlen müsse (act. G 5).
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 7).
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen in
den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Ereignis aus dem Jahr 2014 zur Debatte steht, die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
2.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht
beabsichtigte, schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf
den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
2.2 Gemäss Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die
zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder
teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr ein Taggeld zu (Art. 16 Abs. 1 UVG).
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2.3 Angesichts der in Erwägung 2.2 angeführten gesetzlichen Bestimmungen bildet die
Unfallkausalität Anspruchsvoraussetzung für Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen
der Unfallversicherung. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach
nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (ALEXANDRA RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE
HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53 ff.).
Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten oder Expertinnen angewiesen. Es hat im Rahmen der ihm
obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden. Die blosse Möglichkeit
eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht
(BGE 129 V 181 E. 3.1, 123 III 110, 119 V 338 E. 1, 118 V 289 E. 1b; THOMAS
LOCHER/THOMAS GÄCHTER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern
2014, § 70 N. 58). Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181 E. 3.1, 123 III 110, 112 V 30; PVG
1984 Nr. 82, 174).
3.
3.1 In der Verfügung vom 14. Januar 2016 (act. G 3.30) hat die Beschwerdegegnerin
ihre Leistungspflicht unter dem Aspekt eines Schreckereignisses geprüft. Es ist
zunächst zu klären, wie es sich damit verhält. Rechtsprechung und Lehre haben
schreckbedingte plötzliche Einflüsse auf die Psyche seit jeher als Einwirkung auf den
menschlichen Körper (im Sinne des geltenden Unfallbegriffs) anerkannt und für ihre
unfallversicherungsrechtliche Behandlung besondere Regeln entwickelt. Danach setzt
die Annahme eines Unfalls voraus, dass es sich um ein aussergewöhnliches
Schreckereignis, verbunden mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt;
die seelische Einwirkung muss durch einen gewaltsamen, in der unmittelbaren
Gegenwart des Versicherten sich abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer
überraschenden Heftigkeit geeignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch
Störung des seelischen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen (wie
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Lähmungen, Herzschlag etc.) hervorzurufen. Bei Schreckereignissen kann nicht nur die
Reaktion eines (psychisch) gesunden Menschen als Vergleichsgrösse dienen, sondern
es ist auf eine "weite Bandbreite" von Versicherten abzustellen (BGE 129 V 177 E. 2.1;
SVR 2008 UV Nr. 7 S. 22 E. 2.2).
3.2 Laut Einstellungsverfügung des Staatsanwalts des Untersuchungsamtes E._
vom 7. Januar 2016 ist erstellt, dass der Beschwerdeführer mit seiner Teilnahme am
Ereignis vom 4. Dezember 2014 einen Raufhandel im Sinne von Art. 133 des
Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) begangen hat. Das
Strafverfahren wegen Raufhandels wurde gestützt auf Art. 53 StGB in Verbindung mit
Art. 319 Abs. 1 lit. e der Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) eingestellt, nachdem
die am Raufhandel beteiligten Personen gemäss eigenem Bekunden die Schäden
ausgeglichen und sich überdies gegenseitig entschuldigt und Desinteresse an der
Fortführung des Strafverfahrens erklärt hatten, der Beschwerdeführer keine Vorstrafen
hatte und im Falle einer Verurteilung mit einer bedingten Strafe hätte rechnen können
(act. G 3.35). Wegen Raufhandels gemäss Art. 133 StGB macht sich u.a. strafbar, wer
sich an einer wechselseitigen, tätlichen Auseinandersetzung zwischen mindestens drei
Personen beteiligt, in deren Folge eine Person verletzt wird (vgl. dazu auch GÜNTER
STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I: Straftaten gegen
Individualinteressen, 5. Aufl. Bern 1995, § 4 N. 18 ff.). Definitionsgemäss fällt bei
diesem Straftatbestand die Annahme eines Schreckereignisses mit den qualifizierten
Merkmalen eines Unfalls grundsätzlich ausser Betracht. Der Beschwerdeführer war am
Handgemenge nicht minder beteiligt als die anderen Mitwirkenden, d.h. er trug
teilweise selber zum Verlauf bei, und war offensichtlich nicht vollkommen hilflos. So
wurde von der Polizei zum Tathergang festgehalten, der Beschwerdeführer und ein
anderer Beteiligter hätten nach einem kurzen Gespräch damit angefangen, sich
gegenseitig zu provozieren und mit Füssen und Händen tätlich gegeneinander
vorzugehen. Dabei habe der Beschwerdeführer mit der Faust gegen das Gesicht des
anderen Beteiligten geschlagen. Die Situation sei eskaliert und es sei zu einem wüsten
Gerangel zwischen den Beteiligten gekommen, bei dem zwei Beteiligte auf den
Beschwerdeführer eingeschlagen hätten. Zwei andere Beteiligte hätten versucht, die
drei Streitenden wieder auseinander zu bringen (act. G 3.5/6 f.). Indem sich der
Beschwerdeführer mithin selbst in die Situation eines Raufhandels gebracht hat,
musste er mit einem Angriff der weiteren Beteiligten rechnen, so dass dieser für ihn
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nicht überraschend kommen konnte. Anders wäre unter Umständen ein Sachverhalt zu
beurteilen, bei dem der Beschwerdeführer im Verlaufe des Raufhandels Opfer eines
Straftatbestandes mit dem Potenzial, einen ausserordentlichen psychischen Schock
auszulösen (beispielsweise durch eine schwere Körperverletzung oder eine versuchte
Tötung), geworden wäre. Ein solcher Sachverhalt ist allerdings im konkreten Fall nicht
gegeben. Zwar kann einem Geschehen, wie es in den Polizeiakten beschrieben und
körperlichen Auseinandersetzungen eigen ist, eine gewisse Eindrücklichkeit nicht
abgesprochen werden. Nachvollziehbar ist auch, dass es vom Beschwerdeführer als
bedrohlich wahrgenommen wurde, wenn er verbal mit dem Tod bedroht wurde (vgl.
act. G 3.5/7). Konkrete Hinweise, dass eine Todesgefahr bestanden hätte, können
jedoch weder den Polizeiakten noch der Einstellungsverfügung des Staatsanwalts
entnommen werden. Ein "gezieltes Zusammenschlagen" des Beschwerdeführers, wie
es Dr. D._ in seinem Bericht vom 19. Februar 2016 beschreibt (act. G 3.33), lässt sich
den Polizeiakten ebenfalls nicht entnehmen. Die Beteiligten schlugen sich mit den
Fäusten; Waffen kamen keine zum Einsatz. Einer der Beteiligten behändigte zwar einen
Baselballschläger, schlug damit jedoch gegen ein Garagentor und Plexiglasscheiben
und nicht nach den am Handgemenge beteiligten Personen (act. G 3.5).
3.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Bezug auf den vorliegenden
Sachverhalt nicht von einem Unfall im Sinne eines Schreckereignisses ausgegangen
werden kann. Von einer Kausalitätsbeurteilung zwischen einem solchen und den
psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers kann demnach abgesehen werden.
4.
4.1 Unbestritten ist hingegen, dass der Beschwerdeführer am 4. Dezember 2014
insofern einen Unfall im Sinn von Art. 4 ATSG erlitten hat, als ihm im Rahmen des
Raufhandels von den anderen Beteiligten körperliche Gesundheitsbeeinträchtigungen
zugefügt worden sind.
4.2 Ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 4. Dezember
2014 und der psychischen Problematik des Beschwerdeführers wäre in Betracht zu
ziehen. Den Akten sind jedenfalls Hinweise auf unfallnahe psychische Beschwerden zu
entnehmen. So hat offenbar laut Kurzaustrittsbericht des Spitals C._ vom 5.
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Dezember 2014 während des Spitalaufenthalts eine psychologische Beratung
stattgefunden und beim Spitalaustritt wurde das Vorgehen bei einer Zunahme
psychiatrischer Symptome in den nachfolgenden Wochen besprochen (act. G 3.3).
Zehn Tage nach dem Ereignis begab sich der Beschwerdeführer sodann in eine
psychiatrisch-psychotherapeutische Gesprächstherapie bei Dr. D._ (act. G 3.19).
Dieser stellte in seinem Bericht vom 19. Februar 2016 fest, der Beschwerdeführer habe
eine massive Retraumatisierung eines alten Traumas bzw. Autounfalls vom 27.
September 2005 erlitten und stellte - wie bereits im ärztlichen Zwischenbericht UVG
vom 7. Dezember 2015 (act. G 3.19) - die Diagnosen posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1), Somatisierungsstörung (ICD-10: F 45.0) und
rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F 33), wobei erstere laut Dr. D._ offenbar
bereits (auch) infolge des Autounfalls bestanden hatte (act. G 3.33). Schliesslich hat Dr.
D._ dem Beschwerdeführer seit der am 4. Dezember 2014 erlittenen
Retraumatisierung bzw. der dadurch erlittenen psychischen Beeinträchtigung eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 3.19). Im Bericht vom 19. Februar 2016
zieht er die Schlussfolgerung, dass der ursächliche Zusammenhang medizinisch
eindeutig gegeben sei und es keinen anderen Grund gebe, der die posttraumatische
Symptomatik erklären könne. Der Beschwerdeführer habe bis zum Überfall erfolgreich
und friedlich gearbeitet. Eine abschliessende Beurteilung des natürlichen
Kausalzusammenhangs erübrigt sich indessen im konkreten Fall, nachdem - wie die
nachfolgenden Erwägungen zeigen - der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen
ist.
4.3 Treten bei einer versicherten Person nach einem Unfall mit somatischem
Geschehen psychische Beschwerden auf, erfolgt die Beurteilung der Adäquanz solcher
psychischer Fehlentwicklungen nach den vom EVG hierfür entwickelten besonderen
Regeln (sog. "Psychopraxis"). Danach setzt die Bejahung des adäquaten
Kausalzusammenhangs grundsätzlich voraus, dass dem Unfallereignis für die
Entstehung einer psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit eine massgebende
Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn es objektiv eine gewisse Schwere
aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (BGE 115 V 141 E. 7). Für
die Beurteilung dieser Frage ist gemäss BGE 115 V 138 E. 6 an das Unfallereignis
anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - eine
Katalogisierung der Unfälle in leichte (banale), im mittleren Bereich liegende und
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schwere Unfälle vorzunehmen ist. Bei leichten Unfällen kann der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der
Regel ohne weiteres verneint (BGE 115 V 139 E. 6a), bei schweren Unfällen bejaht
werden (BGE 115 V 139 E. 6b). Bei Unfällen im mittleren Bereich lässt sich die Frage
nicht auf Grund des Unfalls allein beantworten. Weitere, objektiv erfassbare Umstände,
welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte bzw.
indirekte Folgen davon erscheinen, sind in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als
wichtigste Kriterien sind zu nennen (BGE 115 V 140 E. 6c/aa: besonders dramatische
Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder
besondere Art der erlittenen (somatischen) Verletzungen, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; ungewöhnlich
lange Dauer der ärztlichen Behandlung; (körperliche) Dauerschmerzen; ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger
Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der (physisch)
bedingten Arbeitsunfähigkeit. Bei der Prüfung der einzelnen Kriterien im Rahmen von
BGE 115 V 133 ff. sind also nur die organisch bedingten Beschwerden zu
berücksichtigen, während die psychisch begründeten Anteile, deren hinreichender
Zusammenhang mit dem Unfall Gegenstand der Prüfung bildet, ausgeklammert bleiben
(Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2007, U 37/06, E. 5.3; Urteil des EVG vom
18. September 2006, U 242/06, E. 2.3; BGE 117 V 367 E. 6a). Psychisch bedingte
Prädispositionen bzw. ein psychischer Vorzustand sind allerdings im Rahmen des
Kriteriums der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung zu
berücksichtigen (BGE 140 V 361 E. 5.5.1; Urteil des Bundesgerichts vom 5. Mai 2009,
8C_965/2008. E. 4.3).
4.4 Während die Beschwerdegegnerin das Ereignis vom 4. Dezember 2014 im
angefochtenen Einspracheentscheid als einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich
zu den leichten Ereignisses einstuft, bei welchem vier der massgeblichen
Adäquanzkriterien (oder eines der Kriterien ausgeprägt) für eine Bejahung der
Adäquanz erfüllt sein müssten, geht sie in der Beschwerdeantwort vom 13. Mai 2016 -
entsprechend dem Regelfall (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2010,
8C_681/2010, E. 6.2) - von einem mittelschweren Unfall im engeren Sinn aus. Hier
müssen drei der massgeblichen Kriterien (oder eines ausgeprägt) erfüllt sein (RUMO-
JUNGO/HOLZER, a.a.O., E. 5, und 29. Januar 2010, 8C_897, E. 4.5). Die Ausführungen
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der Beschwerdegegnerin zu den einzelnen Adäquanzkriterien sind nicht zu
beanstanden; ebenfalls nicht die Tatsache, dass sie das Vorliegen sämtlicher Kriterien
verneinte, weshalb sich auch eine abschliessende Einordnung des Ereignisses vom 4.
Dezember 2014 innerhalb der mittelschweren Unfälle erübrigt. Insbesondere
hinsichtlich der Adäquanzkriterien mit einer zeitlichen Komponente (ungewöhnlich
lange Dauer der ärztlichen Behandlung, Dauerschmerzen, Grad und Dauer der
physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit) fällt eine Bejahung mit Blick auf den
Behandlungsabschluss der somatischen Verletzungen nach nur einem Tag
selbstredend ausser Betracht. In der Replik vom 15. Juni 2016 (act. G 5) wendet der
Beschwerdeführer ein, er sei durch das Ereignis vom 4. Dezember 2014
schwerwiegend psychisch geschädigt worden und wenn bei der Adäquanzprüfung die
psychische Störung ausser Acht gelassen werde, sei dies gleichbedeutend mit der
Abschaffung von psychischen Leiden. Das Bestehen einer psychischen Problematik
soll nicht in Abrede gestellt werden. Konkret geht es aber darum, die Leistungspflicht
des Unfallversicherers zu überprüfen, die nur dann zu bejahen ist, wenn die psychische
Problematik durch einen Unfall verursacht wurde bzw. zwischen beiden (auch) ein
adäquater Kausalzusammenhangt besteht. Die Adäquanzprüfung erfolgt nach den von
Doktrin und Praxis entwickelten Kriterien und kann angesichts des Gesagten
selbstredend nicht nur die Feststellung einer psychischen Problematik zum Inhalt
haben, dessen Unfallkausalität es gerade zu beurteilen gilt.
4.5 Die Adäquanzkriterien bedürfen schliesslich auch mit Blick auf den geltend
gemachten psychischen Vorzustand infolge eines Autounfalls vom 27. September 2005
keiner anderen Betrachtung. Der von Dr. D._ im Bericht vom 19. Februar 2016 (act. G
3.33) erwähnte Umstand, der Beschwerdeführer habe seit einem Autounfall vom 27.
September 2005 unter psychischen Problemen gelitten bzw. sei beim Ereignis vom 4.
Dezember 2014 bereits psychisch angeschlagen gewesen, womit ein vorbestandenes
Unvermögen des Beschwerdeführers dargelegt werden soll, das Ereignis vom 4.
Dezember 2014 psychisch zu verarbeiten, führt nicht zu einer anderen Beurteilung.
Ebenso vermag seine Erklärung - durch das Ereignis vom 4. Dezember 2014 habe eine
Retraumatisierung stattgefunden, durch welche man nicht auf das Niveau des früheren
Traumas, sondern eine Stufe tiefer falle - nicht zu überzeugen. Dr. D._ hat den
Beschwerdeführer ab dem 15. Dezember 2014 behandelt; kennt ihn also erst seit
Beginn seiner Behandlung. Bis dahin sind seit dem Autounfall vom 27. September
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2005 mehr als neun Jahre vergangen. Inwieweit er über die zwischenzeitliche
Anamnese informiert war, kann seinem Bericht nicht entnommen werden. Dass der
Beschwerdeführer vor dem Ereignis vom 4. Dezember 2014 (noch) in psychiatrischer
Behandlung gewesen wäre, ist weder aktenkundig noch wird solches geltend gemacht.
Die Sachdarstellung von Dr. D._ (frühere Traumatisierung/Retraumatisierung)
erscheint auch deshalb nicht plausibel, weil die geltend gemachte Prädisposition den
Beschwerdeführer zumindest nicht daran gehindert hat, sich an einem Raufhandel zu
beteiligen. Dagegen spricht weiter, dass er offenbar bis zum Ereignis vom 4. Dezember
2014 arbeitsfähig gewesen ist. Dr. D._ erklärt zwar, der Beschwerdeführer habe
aufgrund einer reduzierten Belastungsfähigkeit seine Arbeitstätigkeit anpassen müssen.
Dieser hat jedoch die Tätigkeit bei der B._ GmbH erst rund zehn Jahre nach dem
Autounfall vom 27. September 2005 angetreten (act. G 3.2), womit ein im
Zusammenhang mit dem Autounfall stehender Stellenwechsel - dessen Darstellung
zudem auf einer subjektiven Einschätzung des Beschwerdeführers beruht - wenig
glaubwürdig erscheint. Der Beschwerdeführer selbst sieht offenbar laut Beschwerde
vom 13. April 2016 das Ereignis vom 4. Dezember 2014 als einziges Ereignis, welches
seine psychische Symptomatik erklären würde, und nennt den viele Jahre zuvor
erlittenen Autounfall mit keinem Wort.
4.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Adäquanz zwischen dem Ereignis
vom 4. Dezember 2014 und der seither geltend gemachten psychischen Problematik
gestützt auf die "Psychopraxis" zu verneinen ist. Das vorgenannte Ereignis war mithin
nicht geeignet, über den 31. Dezember 2014 hinaus eine psychische Problematik
adäquat kausal zu beeinflussen. Die Einstellung der Leistungen auf dieses Datum lässt
sich daher nicht beanstanden.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 31. März 2016 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).