Decision ID: 0eb72129-c4e3-5117-a45e-da10c44e68cd
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit 1. Mai 2004 bei der Bank B._ AG
angestellt und dadurch bei der Vaudoise Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft AG
(nachfolgend: Vaudoise) gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten
versichert. Am 9. März 2016 meldete die Arbeitgeberin, der Versicherte sei am 24.
Februar 2016 während des Skifahrens beim Abbremsen gestürzt und auf den
Hinterkopf gefallen. Dabei habe er eine Gehirnerschütterung und ein Trauma erlitten
(act. G 3.1a). Mit Arztzeugnissen vom 4. März 2016 wurde der Versicherte von Ärzten
des Ärztehauses C._ vom 24. Februar bis 16. März 2016 infolge des Unfalls zu 100%
arbeitsunfähig geschrieben (act. G 3.1b f.). Die Vaudoise anerkannte ihre
Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen
(Heilbehandlungen und Taggelder; act. G 3.3 und 3.10).
A.b Am 11. März 2016 war der Versicherte als Beifahrer in einen Verkehrsunfall mit
einer Heckkollision involviert. Am 12. März 2016 war er zur Erstkonsultation bei Dr.
med. D._, Facharzt FMH für Innere Medizin. Dieser attestierte dem Versicherten ab
11. März bis 30. April 2016 eine volle Arbeitsunfähigkeit (act. G 3.6, 3.14a f. und 3.17).
Am 22. März 2016 reichte die Arbeitgeberin die entsprechende Schadenmeldung für
den Unfall am 11. März 2016 ein. Dem Versicherten sei bei einer Verkehrsampel ein
Fahrzeug ins Heck gefahren, wobei er ein Schleudertrauma und eine
Gehirnerschütterung erlitten habe (act. G 3.5a). Die Vaudoise anerkannte ihre
Leistungspflicht auch für diesen Unfall und erbrachte die gesetzlichen
Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und Taggelder; act. G 3.7).
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A.c Im Überweisungsschreiben vom 4. April 2016 an die Ärztliche Leitung Neurologie
des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) gab Dr. D._ an, dass der Versicherte am 24.
Februar 2016 beim Skifahren auf den Hinterkopf gefallen sei. Initial hätten keine
Bewusstlosigkeit, keine Übelkeit und keine Kopfschmerzen vorgelegen. Der Versicherte
habe dann im Verlauf über Kopfschmerzen geklagt, sei bei der Erstbeurteilung am 27.
Februar 2016 aber neurologisch unauffällig und die HWS frei gewesen. In der
Nachkontrolle vom 4. März 2016 sei der Versicherte beschwerdearm gewesen, habe
jedoch nicht zu 100% arbeiten können. Er habe vor allem Beschwerden im Sinne von
Wortfindungsstörungen beklagt. Im Anschluss an den Auffahrunfall vom 11. März 2016
habe er unter starken Kopfschmerzen ohne neurologische Ausfälle gelitten. Eine
Steigerung des Arbeitspensums nach dem Abklingen der Kopfschmerzen sei nicht
gelungen. Der Versicherte habe insbesondere über Konzentrationsstörungen sowie
erneutes Auftreten starker Kopfschmerzen bei der Arbeit geklagt (act. G 3.8).
A.d Anlässlich der Ultraschalluntersuchung vom 6. April 2016 in der Klinik für
Neurologie des KSSG wurde ein unauffälliger doppler-/duplexsonographischer Befund
in den untersuchten extrakraniellen, hirnzuführenden Gefässen und im Carotissiphon
beidseits festgehalten (Bericht vom 12. April 2016; act. G 3.11). Im
Sprechstundenbericht vom 12. April 2016 der Klinik für Neurologie des KSSG wurde
ein akuter posttraumatischer Kopfschmerz nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma am 24.
Februar 2016 und Auffahrunfall am 11. März 2016 diagnostiziert. Klinisch-neurologisch
zeige sich ein unauffälliger Status. Zusammenfassend liege ein akuter
posttraumatischer Kopfschmerz nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma vor (act. G 3.12).
Am 20. April 2016 wurde in der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin des KSSG ein
MRI des Neurokraniums, welches altersentsprechend unauffällig war, sowie eine MR-
Angiographie der hirnversorgenden Gefässe, welche keinen Anhaltspunkt für eine
Dissektion lieferte, durchgeführt (act. G 3.13).
A.e Mit Schreiben vom 29. April 2016 wurde der Versicherte von Dr. D._ mit Hinweis
auf Kopfschmerzen bei körperlicher und geistiger Anstrengung an die
Kopfschmerzsprechstunde der Klinik für Neurologie des KSSG überwiesen (act. G
3.15). Im ärztlichen Zeugnis vom 14. Mai 2016 hielt Dr. D._ fest, dass der Versicherte
nun wieder stundenweise Arbeitsversuche durchführen könne, wobei die effektive
Arbeitsunfähigkeit noch nicht beurteilt werden könne (act. G 3.18). Am 17. Mai 2016
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fand eine eingehende Befragung des Versicherten durch einen Schadenexperten der
Vaudoise statt (act. G 3.19).
A.f Mit Schreiben vom 2. Juni 2016 beantwortete Dr. D._ mehrere Fragen des
versicherungsinternen Vertrauensarztes der Vaudoise, Dr. med. E._. Er führte aus,
dass die Neurologen einen akuten posttraumatischen Kopfschmerz nach leichtem
Schädel-Hirn-Trauma am 24. Februar 2016 und Auffahrunfall am 11. März 2016
diagnostiziert hätten. Weiter seien als Diagnosen auch eine verminderte kognitive
Belastbarkeit sowie Konzentrationsstörungen zu nennen. Er habe verschiedene
Therapien inklusive Osteopathie durchgeführt, wodurch eine Verbesserung habe erzielt
werden können. Objektiv würden keine Gründe für eine Arbeitsunfähigkeit vorliegen,
diese stütze sich vor allem auf die Angaben des Versicherten bei Zunahme der
Kopfschmerz-Symptomatik nach kognitiver Anstrengung sowie beschleunigter
Ermüdbarkeit. In den letzten Konsultationen habe eine deutliche Verbesserung erzielt
werden können, weshalb der Versicherte auch wieder versuche sein Arbeitspensum
auszubauen (act. G 3.23).
A.g Mit Schreiben vom 14. Juni 2016 empfahl Dr. E._ nach Beizug eines ärztlichen
Zwischenberichts von Dr. D._ (vgl. act. G 3.22 f.) der Vaudoise aufgrund der leichten
Traumata sowie in Abwesenheit eines organischen Substrats jegliche Unfallkausalität
ab dem 1. April 2016 abzulehnen (act. G 3.24).
A.h Mit Verfügung vom 23. Juni 2016 teilte die Vaudoise dem Versicherten mit, dass
nach der Beurteilung des medizinischen Dienstes die aktuellen Beschwerden nicht
mehr mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf
die beiden Unfälle zurückgeführt werden könnten, weshalb für die Behandlungen nach
dem 20. April 2016 (Datum des MRI) keine Leistungen mehr erbracht würden (act. G
3.25).
A.i Mit Einsprache vom 22. August 2016 beantragte der Versicherte die Aufhebung
der Verfügung und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen. Die Verfügung
enthalte keine rechtsgenügende Begründung, es werde nicht ausgeführt, weshalb im
vorliegenden Fall der adäquate Kausalzusammenhang nicht mehr gegeben sein solle.
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Zudem machte er einen Anspruch auf Kostenersatz aufgrund der Verletzung des
rechtlichen Gehörs geltend (act. G 3.28).
A.j Mit Schreiben vom 30. August 2016 teilte der Rechtsvertreter des Versicherten der
Vaudoise folgende Arbeitsunfähigkeiten mit: 100% vom 24. Februar bis 23. Mai 2016,
75% vom 24. Mai bis 19. Juni 2016, 50% vom 20. Juni bis 1. August 2016, 30% vom
2. bis 14. August 2016 und 25% ab 15. August 2016 (act. G 3.29).
A.k Mit Einspracheentscheid vom 28. September 2016 wies die Vaudoise die
Einsprache ab. Sie hielt fest, dass von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht
die Rede sein könne, weshalb der Antrag auf Kostenersatz abgelehnt werde. Aufgrund
der heute praktizierten Versicherungsmedizin sei eine länger als höchstens drei
Wochen dauernde Arbeitsunfähigkeit in keiner Weise nachvollziehbar. Zudem könnten
beide Unfälle als leichte Unfälle klassifiziert werden, weshalb der adäquate
Kausalzusammenhang grundsätzlich ohne weiteres verneint werden könne (act. G
3.31).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 31. Oktober
2016. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt dessen Aufhebung und
dass ihm die gesetzlichen Leistungen zu erbringen seien; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Im Fall einer Leistungsanerkennung werde die Adäquanz bei
HWS-Fällen für die Dauer von sechs Monaten bejaht. Weshalb die Adäquanz
vorliegend bereits 14 Tage nach dem zweiten Ereignis nicht mehr gegeben sein solle,
begründe die Beschwerdegegnerin nicht. Der Verweis auf den Bericht von Dr. E._,
der wohl ein Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin sei, genüge nicht, da dieser keine
stichhaltigen Gründe für die verfügte Leistungseinstellung vortrage (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 30. November 2016 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Entgegen den Ausführungen
des Beschwerdeführers seien die Leistungen bis zwei Monate bzw. anderthalb Monate
nach den Unfällen übernommen worden. Medizinische Argumente, welche die
Beurteilung von Dr. E._ – welcher zu Recht ausschliesslich die natürliche
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(medizinische) Kausalität beurteilt habe – widerlegen würden, seien vom
Beschwerdeführer nicht geltend gemacht worden (act. G 3).
B.c Mit Replik vom 16. Dezember 2016 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
fest. Die Leistungseinstellung widerspreche der Beurteilung der Klinik für Neurologie
des KSSG und auch der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in gleich gelagerten
Fällen (act. G 6). Mit Duplik vom 26. Januar 2017 hielt auch die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich an ihren bisherigen Stellungnahmen fest (act. G 8).

Erwägungen
1.
1.1 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die
Leistungseinstellung der Beschwerdegegnerin per 21. April 2016.
1.2 Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über
die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten ereignet haben, und
für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem
Recht gewährt. Vorliegend finden, nachdem Ereignisse vom 24. Februar und 11. März
2016 strittig sind, die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
1.3 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Als Unfall gilt nach Art. 4 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht
beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die
versicherte Person nach einem Unfall Anspruch auf die zweckmässige Behandlung
ihrer Unfallfolgen. Ist sie zufolge Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG),
so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
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1.4 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt zunächst voraus, dass zwischen
dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 177 E. 3). Ursache im Sinn des
natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht
zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser
Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht
erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache der
gesundheitlichen Störung ist. Es genügt, wenn das schädigende Ereignis zusammen
mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten
Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht werden
kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 119 V
337 E. 1; BGE 127 V 177 E. 3). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer
gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine
Tatfrage, worüber die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der
ihnen obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden haben. Die blosse
Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (BGE 119 V 335 E. 1; BGE 129 V 177 E. 3.1 je mit
Hinweisen). Für die Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der
Medizin ist die Verwaltung bzw. das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher
Experten angewiesen (BGE 112 V 30 E. 1a; Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, UVG Bundesgesetz über die Unfallversicherung [Hrsg. von
MARC HÜRZELER/UELI KIESER], N 53 zu Art. 6).
1.5 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater
Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als
adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der
Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von
der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges somit durch das
Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 461 E. 5a; BGE 127 V 181 E.
3.2; BGE 129 V 177 E. 3.2 je mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen eines natürlichen
Kausalzusammenhangs zwischen dem versicherten Ereignis und der eingetretenen
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gesundheitlichen Schädigung auch der kumulativ erforderliche adäquate oder
rechtserhebliche Kausalzusammenhang besteht, ist eine Rechtsfrage, deren
Beantwortung der Verwaltung und im Beschwerdefall dem Gericht und nicht dem Arzt
obliegt (BGE 125 V 461 E. 5a). Bei physischen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als
rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenen
Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle (BGE 117 V 365 mit Hinweisen;
SVR 2000 Nr. 14 S. 45).
1.6 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers entfällt, sobald der Unfall nicht mehr die
natürliche oder adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt. Der
Unfallversicherer hat somit in jenem Zeitpunkt seine Leistungen einzustellen, in
welchem der Unfall keine ursächliche Rolle mehr spielt. Dabei hat der Unfallversicherer
nicht den Beweis für unfallfremde Ursachen zu erbringen. Welche Gründe (etwa
Krankheit, degenerative Veränderungen, Geburtsgebrechen) für ein nach wie vor
geklagtes Leiden verantwortlich zu machen sind, ist an sich unerheblich und ohne
weitere Relevanz. Allein entscheidend ist die Frage, ob die unfallbedingten Ursachen
eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, d.h. dahingefallen
sind. Ebenso wenig muss der Unfallversicherer den negativen Beweis erbringen, dass
kein Gesundheitsschaden mehr vorliegt oder dass die versicherte Person nun bei voller
Gesundheit ist (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2008, 8C_17/2007, E. 2.2 mit
Hinweisen). Besteht im Bereich eines vom Unfall betroffenen Körperteils ein krankhafter
oder degenerativer Vorzustand, entfällt die Kausalität erst, wenn entweder der
krankhafte Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften oder degenerativen Vorzustands auch
ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV
1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende
natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit
Hinweisen).
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1.7 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind.
Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich
weder dessen Herkunft noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a). Den
Berichten versicherungsinterner Ärzte oder Ärztinnen kann rechtsprechungsgemäss
gleichfalls Beweiswert beigemessen werden, sofern sie schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien
gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311 ff.).
2.
2.1 Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin die beiden Ereignisse vom 24.
Februar und 11. März 2016 als Unfälle und erbrachte entsprechend
Versicherungsleistungen (vgl. act. G 3.3 und 3.10). Streitig ist, ob die
Beschwerdegegnerin auch für die nach dem 20. April 2016 (Leistungseinstellung)
geltend gemachten gesundheitlichen Probleme – Kopfschmerzen,
Konzentrationsschwierigkeiten, Problematik in der Artikulation (Verlangsamung /
Wortfindung; act. G 3.19, S. 4) – aufzukommen hat. Nachfolgend ist deshalb zunächst
zu prüfen, ob zwischen den vom Beschwerdeführer über den 20. April 2016 hinaus
geklagten Beschwerden und den beiden Unfällen ein natürlicher und adäquater
Kausalzusammenhang besteht.
2.2 Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei
Schleudertraumaverletzungen der HWS sowie äquivalenten Verletzungen auch ohne
nachweisbare pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre nach dem Unfall
funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten können. Der Umstand, dass die für
ein Schleudertrauma, eine Distorsion der HWS oder ein Schädel-Hirntrauma typischen
Beschwerden nicht mit entsprechenden Untersuchungsmethoden (wie Röntgen,
Computertomogramm, EEG) objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die
diesbezüglichen Beschwerden in Abrede zu stellen (BGE 117 V 359 E. 5d/aa). Ist ein
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Schleudertrauma oder eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung diagnostiziert
und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von
Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und
Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit,
Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits-
und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 359 E. 4b; vgl. auch
BGE 117 V 369 E. 3e). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. u.a. Urteil
vom 15. März 2007, U 258/06, E. 4.3) muss bei einem Schleudertrauma bzw. einer
äquivalenten Verletzung das typische Beschwerdebild mit einer Häufung von
Beschwerden nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis höchstens
72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in diesem
Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS – bei einem Schädel-
Hirntrauma in Form von Kopfschmerzen – manifestieren. Die andern im Rahmen eines
Schleudertraumas oder einer äquivalenten Verletzung typischerweise auftretenden
Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in einem Zeitraum manifestieren, der es
erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen Kausalzusammenhangs auszugehen.
2.3 Nach dem Skiunfall vom 24. Februar 2016 wurde beim Beschwerdeführer eine
Commotio cerebri (Gehirnerschütterung), also ein Schädelhirntrauma und damit eine
dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung diagnostiziert. Zudem klagte der
Beschwerdeführer sofort über Kopfschmerzen (vgl. act. G 3.4 und 3.12). Anlässlich der
Erstkonsultation vom 12. März 2016 nach dem Auffahrunfall vom 11. März 2016
wurden Nackenschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Hör-, Seh- und
Schlafstörungen verneint. Einzig das Auftreten von Kopfschmerzen 15 Minuten nach
dem Auffahrunfall wurde berichtet (act. G 3.17). Gemäss Angaben des
Beschwerdeführers anlässlich der Befragung vom 17. Mai 2016 sei er am Morgen nach
dem Auffahrunfall im Nackenbereich nur noch eingeschränkt beweglich gewesen. Es
habe sich alles verkrampft und seitliche Bewegungen sowie Bewegungen nach vorne
seien nicht mehr möglich gewesen. Im Verlauf von ca. ein bis zwei Wochen nach dem
Auffahrunfall hätten sich die Nackenbeschwerden wieder eingestellt. Neben den
Kopfschmerzen und Defiziten bei der Konzentration habe er unter einer Problematik bei
der Artikulation (Verlangsamung/Wortfindung) gelitten (act. G 3.19). Dr. D._ berichtete
zudem neben der Kopfschmerz-Symptomatik nach kognitiver Anstrengung von einer
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beschleunigten Ermüdbarkeit (act. G 3.23). Auch im Überweisungsschreiben vom 4.
April 2016 berichtete Dr. D._ von starken Kopfschmerzen ohne neurologische
Ausfälle und Konzentrationsstörungen (act. G 3.8). Somit wurden bei beiden Unfällen
ein Schleudertrauma oder eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung
diagnostiziert und innerhalb von 24 bis 72 Stunden haben sich mit Kopfschmerzen
respektive Nackenschmerzen typische Beschwerden manifestiert. Im weiteren Verlauf
sind zusätzliche, typischerweise mit einem Schleudertrauma oder einer äquivalenten
Verletzung auftretende Beschwerden (Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme,
beschleunigte Ermüdbarkeit, Probleme bei der Artikulation) aufgetreten. Auch diese
haben sich in einem Zeitraum manifestiert, der es erlaubt, von einem natürlichen
Kausalzusammenhang zu den beiden Unfällen auszugehen. Das Auftreten dieser
Beschwerden wurde nachvollziehbar dargelegt und es liegen keine Unterbrüche vor,
die Zweifel am Fortbestand der Beschwerden begründen würden (vgl. act. G 3.4, 3.8,
3.11 ff., 3.15 ff., 3.23).
2.4 Die Beschwerdegegnerin verneinte in der Verfügung vom 23. Juni 2016 das
Vorliegen der natürlichen Kausalität gestützt auf die Beurteilung ihres medizinischen
Dienstes. Die damaligen Beschwerden könnten nicht mehr mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf die beiden Unfälle
zurückgeführt werden. Der Kausalzusammenhang sei höchstens als möglich zu
betrachten (act. G 3.25). Bei der Beurteilung des medizinischen Dienstes der
Beschwerdegegnerin handelt es sich um das Schreiben von Dr. E._ vom 14. Juni
2016. Darin führte er aus, dass er aufgrund der leichten Traumata sowie in
Abwesenheit eines organischen Substrats die Ablehnung jeglicher Unfallkausalität
empfehle (act. G 3.24). Bei diesem aus einem Satz bestehenden Schreiben handelt es
sich jedoch mangels entsprechender Ausführungen nicht um einen für die streitigen
Belange umfassenden, nachvollziehbar begründeten und schlüssigen Arztbericht. Dem
Schreiben von Dr. E._ vom 14. Juni 2016 kann somit kein Beweiswert zukommen,
weshalb die Beschwerdegegnerin das Dahinfallen der natürlichen Kausalität gestützt
auf dieses Schreiben nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachweisen kann.
2.5 Die Beschwerdegegnerin selbst führte in der Verfügung vom 23. Juni 2016 aus,
dass zwar die aktuellen Beschwerden nicht mehr mit überwiegender
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Wahrscheinlichkeit auf die beiden Unfälle zurückgeführt werden könnten und dass der
Kausalzusammenhang höchstens als möglich zu betrachten sei (act. G 3.25). Das mag
zutreffen, damit ist aber gerade nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der Wegfall
der Kausalität nachgewiesen.
3.
3.1 Bis zu welchem Zeitpunkt Heilbehandlung und Taggeld durch den
Unfallversicherer zu gewähren sind, ergibt sich aus Art. 19 UVG. Danach entsteht der
Rentenanspruch, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte
Besserung des Gesundheitszustandes des Versicherten mehr erwartet werden kann
und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen
sind (Abs. 1 erster Satz). Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die
Taggeldleistungen dahin (Abs. 1 zweiter Satz; vgl. auch Art. 16 Abs. 2 zweiter Satz
UVG, wo dies für den Taggeldanspruch nochmals statuiert wird). Das heisst, der
Versicherer hat – sofern allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung
abgeschlossen sind – die Heilbehandlung und das Taggeld nur solange zu gewähren,
als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter
Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs
auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung abzuschliessen (BGE 134
V 109 E. 4.1, mit Hinweisen).
3.2 Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheitszustands zu verstehen ist,
umschreibt das Gesetz nicht näher. Mit Blick darauf, dass die soziale
Unfallversicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstätigen Personen ausgerichtet
ist, wird sich dies namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder
Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist,
bestimmen. Die Verwendung des Begriffs "namhaft" in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht,
dass die durch (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG
erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss und eine unbedeutende Besserung ebenso
wenig genügt wie die blosse Möglichkeit einer Besserung (Urteil des Bundesgerichts
vom 19. Februar 2009, U 394/06, E. 4.3 mit Hinweisen und Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
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Bundesgerichts] vom 12. Juni 2009, 8C_25/09, E. 4.1.1 mit Hinweisen; BGE 134 V 109
E. 4.3). Nach der Rechtsprechung ist die Frage der namhaften Besserung des
Gesundheitszustands prospektiv bezogen auf den Zeitpunkt der Leistungseinstellung
zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juni 2010, 8C_58/2010, E. 2.2).
Grundlage für die Beurteilung dieser Rechtsfrage bilden in erster Linie die ärztlichen
Auskünfte zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Krankheitsentwicklung, die in
der Regel unter dem Begriff "Prognose" erfasst werden.
3.3 Im ärztlichen Zwischenbericht vom 31. Mai 2016 hielt Dr. D._ fest, dass aktuell
versucht werde, das Arbeitspensum stetig zu steigern. Als gegenwärtige Behandlungen
würde eine Analgesie durchgeführt, weiter sei der Beschwerdeführer für eine
neurologische Begleitung in der Kopfschmerzsprechstunde (vgl. Arztbericht vom 29.
April 2016; act. G 3.15) angemeldet. Der Verlauf sei durch eine langsame Besserung
gekennzeichnet und es sei nicht absehbar, wie lange die Behandlung dauere (act. G
3.22). Im Schreiben von 2. Juni 2016 an Dr. E._ hielt Dr. D._ fest, dass der
Beschwerdeführer diverse Therapien inklusive Osteopathie versucht habe und dadurch
eine Verbesserung habe erzielt werden können. Parallel dazu sei auch die
medikamentöse analgetische Behandlung durchgeführt worden. In den letzten
Konsultationen habe eine deutliche Verbesserung erzielt werden können, sodass auch
eine Steigerung des Arbeitspensums habe versucht werden können (act. G 3.23).
3.4 Vor dem Datum der Leistungseinstellung per 21. April 2016 waren die
Behandlungen noch nicht abgeschlossen und insbesondere von der
Kopfschmerzsprechstunde erwartete Dr. D._ noch eine namhafte Besserung. Eine
entsprechende positive Entwicklung wurde dann schliesslich im weiteren Verlauf auch
erzielt. Somit konnte per 21. April 2016 von der Fortsetzung der Heilbehandlung noch
eine namhafte Besserung erwartet werden, weshalb die erst für die Beurteilung des
Rentenanspruchs vorzunehmende Adäquanzprüfung nach BGE 134 V 109 zu diesem
Zeitpunkt noch verfrüht war.
4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Einstellung der Versicherungsleistungen
per 20. April 2016 zu früh erfolgt ist, da von den weiteren Behandlungen noch eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
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St.Galler Gerichte
namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden konnte und das
Dahinfallen der kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen des
Gesundheitsschadens nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen
wurde.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen und der
Einspracheentscheid vom 28. September 2016 aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin
ist zu verpflichten, dem Beschwerdeführer auch über den 20. April 2016 hinaus die
gesetzlichen Leistungen für die Folgen der beiden Unfälle vom 24. Februar und 11.
März 2016 zu erbringen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3 Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der obsiegende Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Parteientschädigung für die Kosten der Vertretung und
Prozessführung (Art. 61 lit. g ATSG). Die Parteientschädigung ist vom Gericht
ermessensweise festzusetzen, wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und
dem Aufwand Rechnung zu tragen ist. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Mit Blick auf vergleichbare Fälle erscheint vorliegend eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 2'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.