Decision ID: 4b9baee8-d2cc-5530-b6dc-247975defd19
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer reichte am 24. Februar 2017 bei der Gemeinde Pieterlen ein
Baugesuch ein für den Neubau einer Scheune für Geräte, Maschinen und
Pflanzenbauprodukte auf der Parzelle Pieterlen Grundbuchblatt Nr. E._
(Baugesuchs Nummer 2017-0008). Unterhalb der Scheune soll zudem eine
Wasserfassung für die Erweiterung der Drainageleitung entstehen. Die Bauparzelle
befindet sich in der Landwirtschaftszone.
RA Nr. 110/2019/124 2
2. Mit Verfügung vom 31. Oktober 2017 verweigerte das AGR die Anerkennung der
Zonenkonformität nach Art. 16a RPG1 sowie die Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff.
RPG. Die Gemeinde Pieterlen erteilte dem Vorhaben daraufhin mit Entscheid vom
6. November 2017 den Bauabschlag, ohne das Gesuch vorgängig zu publizieren. Gegen
den erteilten Bauabschlag reichte der Beschwerdeführer am 4. Dezember 2017
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein.
Diese hiess die Beschwerde mit Entscheid vom 6. August 2018 (RA-Nr. 110/2017/152)
insofern gut, als sie den Bauabschlag aufhob und die Sache zur Fortsetzung des
Verfahrens im Sinne der Erwägungen zurückwies.
3. Die Gemeinde Pieterlen erliess daraufhin am 28. August 2018 ein neues
Verfahrensprogramm. Der Beschwerdeführer reichte am 20. November 2019 eine
Rechtsverzögerungsbeschwerde gegen die Gemeinde Pieterlen ein und machte geltend,
die Behandlungsfristen würden nicht eingehalten. Mit Entscheid vom 28. Dezember 2019
(RA-Nr. 110/2018/154) wies die BVE diese Beschwerde ab.
4. Mit Beschwerde vom 29. Juli 2019 reichte der Beschwerdeführer bei der BVE eine
weitere Rechtsverzögerungsbeschwerde gegen die Gemeinde Pieterlen sowie zusätzlich
gegen das AGR, das LANAT und das Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne ein. Der
Beschwerdeführer stellt folgende Anträge:
«- Die beteiligten Behörden sind auf zeitliche Dringlichkeit anzuweisen, dem
Rückweisungsentscheid aus dem Jahr 2018 ist im vollen Umfang nachzukommen.
- Das Amt für Landwirtschaft hat fehlende Angaben zu meinem Betrieb und
Bauvorhaben bis spätestens 1. September 2019 bei mir ein zu verlangen.
- Der fehlende Amtsbericht vom LANAT über die Zonenkonformität muss bis spätestens
am 15. September 2019 ausgestellt werden.
- Das AGR hat die entsprechende Amtsberichte bis zum 1. Oktober 2019 zu prüfen und
an die Bauverwaltung Pietrelen weiterzuleiten.
- Die Baubewilligung ist bis spätestens 1. November 2019 auszustellen.
- Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.»
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700)
RA Nr. 110/2019/124 3
Zur Begründung führt der Beschwerdeführer insbesondere aus, obwohl er sein Baugesuch
am 24. Februar 2017 eingereicht habe, sei insbesondere der Amtsbericht über die
Zonenkonformität immer noch nicht vorhanden. Die Behörden hätten das Verfahren zu
wenig rasch geführt und notwendige Unterlagen nicht einverlangt.
5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Akten ein. Die Gemeinde, das AGR und das LANAT
beantragen die Abweisung der Beschwerde. Das Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne teilt
mit, es sei nicht am Verfahren beteiligt. Das LANAT definierte in seiner Stellungnahme
zudem, welche Unterlagen es vom Beschwerdeführer noch benötigt, um sein Gesuch
beurteilen zu können.
6. Das Rechtsamt stellte den Beteiligten die eingegangenen Stellungnahmen zu. Die
Gemeinde Pieterlen erliess daraufhin am 2. September 2019 eine Verfügung, in der sie
dem Beschwerdeführer 30 Tage Zeit gab, die vom LANAT genannten Unterlagen
einzureichen.
7. Mit Schreiben vom 29. August 2019 reichte der Beschwerdeführer eine
unaufgeforderte Stellungnahme mit Beweisanträgen und einer Kostennote ein. Mit
Schreiben vom 3. September 2019 reichte er eine weitere Eingabe ein.
8. Auf die Rechtsschriften und übrigen Unterlagen wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2019/124 4

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Das Verweigern oder Verzögern einer Verfügung ist dem Erlass einer Verfügung
gleichgestellt (Art. 49 Abs. 2 VRPG3). Für die Rechtsverweigerungs- oder
Rechtsverzögerungsbeschwerde gilt der ordentliche Rechtsmittelweg. Zuständig zur
Beurteilung ist im Baubewilligungsverfahren also die BVE (vgl. Art. 40 Abs. 1 BauG4 i.V.m.
Art. 2a Abs. 2 Bst. d BauG).5
b) Beschwerde wegen Rechtsverzögerung kann nur führen, wer auch in der
Hauptsache zur Beschwerdeführung befugt ist.6 Der Beschwerdeführer ist
Baugesuchsteller im Baubewilligungsverfahren 2017-0008 der Gemeinde Pieterlen und
somit zur Beschwerdeführung legitimiert.
c) Wegen Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung kann grundsätzlich jederzeit
Beschwerde geführt werden. Dennoch darf mit der Beschwerde nicht zugewartet werden,
wenn sich eine Rechtsverzögerung abzeichnet. Gibt eine bestimmte Handlung oder
Äusserung der Behörde Anlass zu einer Rechtsverzögerungsbeschwerde, so muss die
Rechtsverzögerung innert der üblichen Beschwerdefrist gerügt werden. Massgebend ist
vorliegend die im Baubewilligungsverfahren geltende, 30-tägige Beschwerdefrist (vgl.
Art. 40 Abs. 1 BauG).7
Der Beschwerdeführer verlangt in seiner Beschwerde sinngemäss eine
Verfahrensbeschleunigung. Ein solches Vorbringen ist nicht fristgebunden und kann vom
Beschwerdeführer geltend gemacht werden, sobald er das Verfahren verschleppt sieht. Die
Beschwerde ist daher als rechtzeitig zu beurteilen. Auf die Beschwerde wird eingetreten.
3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BSG 721.0) 5 Vgl. zum Ganzen Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40-41 N 8 e; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Bern 1997, Art. 49 N. 63 ff. 6 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 67, 72 7 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O, Art. 49 N. 72
RA Nr. 110/2019/124 5
2. Bisheriger Verlauf des Baubewilligungsverfahrens
a) Der Beschwerdeführer reichte für sein Vorhaben am 24. Februar 2017 ein
Baugesuch ein. Nach einem negativen Bericht des AGR betreffend die Zonenkonformität
erteilte die Gemeinde Pieterlen am 6. November 2017 den Bauabschlag. Die vom
Beschwerdeführer dagegen erhobene Beschwerde hiess die BVE insoweit gut, als sie mit
Entscheid vom 6. August 20198 den Bauabschlag aufhob und die Sache zur weiteren
Bearbeitung an die Gemeinde und das AGR zurückwies. Die BVE erwog, der
Beschwerdeführer habe im Beschwerdeverfahren darlegen können, dass er einen
landwirtschaftlichen Betrieb führe und nicht nur Freizeitlandwirtschaft betreibe. Das
Vorhaben müsse daher vertiefter geprüft und allenfalls publiziert werden. Für eine
umfassende Beurteilung sei dem Beschwerdeführer allenfalls Gelegenheit zu gegeben,
nähere Angaben zu Alternativstandorten oder zur beanspruchten Fruchtfolgefläche zu
machen.
b) Im Anschluss an den Rückweisungsentscheid der BVE erliess die Gemeinde
Pieterlen am 28. August 2018 ein angepasstes Verfahrensprogramm. Am
20. November 2018 reichte der Beschwerdeführer bei der BVE eine Beschwerde wegen
Rechtsverzögerung gegen die Gemeinde Pieterlen ein. Darin machte er sinngemäss
geltend, die Behandlungsfristen würden nicht eingehalten. Die BVE wies die
Rechtsverzögerungsbeschwerde mit Entscheid vom 28. Dezember 2018 ab. Vor dem
Erlass dieses Entscheids teilte die Gemeinde dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom
20. Dezember 2018 noch mit, das AGR und das LANAT könnten das Baugesuch ohne
ergänzende Unterlagen nicht bearbeiten. Die Gemeinde verwies in diesem Schreiben auf
Erwägungen des Entscheids der BVE vom 6. August 2018 und hielt den Beschwerdeführer
dazu an, die entsprechenden Unterlagen einzureichen. Der Beschwerdeführer liess das
Schreiben der Gemeinde vom 20. Dezember 2018 der BVE zukommen. In seiner
entsprechenden Eingabe vom 24. Dezember 2018 führte er aus, für ihn als Laie sei nicht
ersichtlich, was an seinem Baugesuch fehle oder ergänzt werden müsse. Die BVE teilte
dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 3. Januar 2019 mit, seine Eingabe habe
aufgrund des Eingangsdatums im bereits zum Versand aufgegebenen Entscheid der BVE
vom 28. Dezember 2018 nicht mehr berücksichtigt werden können.
Baubewilligungsbehörde sei aber die Gemeinde Pieterlen. Unklarheiten über die
8 BDE vom 6. August 2018, RA-Nr. 110/2017/152
RA Nr. 110/2019/124 6
einzureichenden Unterlagen seien daher direkt mit der Bauabteilung Pieterlen zu klären.9
Im Entscheid vom 28. Dezember 2018 selbst wies die BVE die
Rechtsverzögerungsbeschwerde ab. Sie führte insbesondere aus, die Gemeinde habe die
einzelnen Verfahrensschritte jeweils rasch eingeleitet und das Verfahren in keiner Weise in
die Länge gezogen. Teilweise seien bloss wenige Tage zwischen einzelnen
Instruktionsmassnahmen vergangen. Dass das Verfahren aufgrund des
Beschwerdeverfahrens und der Aufhebung des Bauabschlags bereits länger dauere,
ändere nichts an der grundsätzlich effizienten Gesuchsbearbeitung durch die Gemeinde.
Angesichts der Gesamtumstände könne nicht gesagt werden, die Gemeinde habe mit dem
aktuellen Stillstand von nicht mehr als knapp drei Monaten das Verfahren verschleppt.
d) Im Anschluss an den Entscheid der BVE vom 28. Dezember 2018 fand, soweit
ersichtlich, keine weitere Korrespondenz zwischen den Behörden und dem
Beschwerdeführer statt. Das Verfahren wurde erst weitergeführt, als der Beschwerdeführer
bei der Gemeinde Ende Mai / Anfang Juni 2019 geänderte Baugesuchsunterlagen
einreichte, wonach die geplante Scheune mit Wasserfassung grösser als ursprünglich
vorgesehen realisiert werden soll. Daraufhin erliess die Gemeinde am 3. Juni 2019 ein
neues Verfahrensprogramm. Weil der Bericht über die Zonenkonformität nach wie vor fehlt,
hat der Beschwerdeführer am 29. Juli 2019 eine erneute Rechtsverzögerungsbeschwerde
eingereicht. Anders als bei der ersten Rechtsverzögerungsbeschwerde vom
20. November 2018 richtet sich die neuerliche Beschwerde nicht nur gegen die Gemeinde
Pieterlen, sondern auch gegen das AGR, das LANAT und das Regierungsstatthalteramt
Biel/Bienne.
3. Rechtsverzögerung
a) Der Beschwerdeführer führt in seiner Beschwerde aus, die BVE habe am 6. August
2018 den Bauabschlag der Gemeinde aufgehoben und einen Rückweisungsentscheid
gefällt. Amtsberichte wie jener über die Zonenkonformität würden noch immer fehlen. Es
sei Aufgabe der Behörden, den Sachverhalt von Amtes wegen richtig und vollständig
abzuklären. Dergleichen sei im vergangenen Jahr von keiner der beteiligten Amtsstellen
ausgegangen.
9 Vgl. Beschwerdeakten zum Beschwerdeverfahren RA-Nr. 110/2018/154
RA Nr. 110/2019/124 7
b) Art. 29 Abs. 1 BV10 und Art. 26 Abs. 2 KV11 garantieren den Parteien in allen
Verfahren ein Recht auf einen begründeten Entscheid innert angemessener Frist. Eine
Rechts- oder Verfahrensverzögerung liegt vor, wenn sich die zuständige Behörde zwar
bereit zeigt, einen Entscheid zu fällen, dies aber nicht binnen der Frist tut, welche die
Gesetzgebung vorschreibt, oder – sofern diese keine Fristbestimmungen enthält – welche
nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als
angemessen erscheint. Die Angemessenheit einer Verfahrensdauer resp. der zwischen
den einzelnen Verfahrensschritten liegenden Zeit ergibt sich aus den einschlägigen
Vorschriften. Falls solche fehlen, sind die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen.
Dazu gehören beispielsweise die Art des Verfahrens, die Komplexität der Materie und das
Verhalten der Beteiligten. Massgebend sind also objektive Gegebenheiten. Führen andere
Gründe wie beispielsweise ein Fehlverhalten der Behörden oder ein ungenügender
Richter- oder Personalbestand zu einem nicht fristgerechten Handeln, ist dies für die
rechtssuchende Person unerheblich.12 Eine Verzögerung eines Beschwerdeverfahrens um
einige Monate muss jedoch im Allgemeinen hingenommen werden, wenn nicht leicht zu
beurteilende Gesichtspunkte betroffen sind.13 Von Rechtsverweigerung oder
Rechtsverzögerung kann also nicht schon dann die Rede sein, wenn die Behörde eine
Eingabe nicht sofort behandelt.14
c) Pieterlen ist eine sog. kleine Gemeinde (vgl. Art. 33 Abs. 2 BauG). Art. 2a Abs. 2
Bst. c BauG sieht für die kleinen Gemeinden vor, dass sie die Baugesuche ohne Verzug zu
behandeln haben und innert 30 Tagen zu entscheiden haben, sobald sie über die nötigen
Unterlagen verfügen. Dabei handelt es sich allerdings um eine Ordnungsfrist, deren
Verletzung keine direkten Rechtsfolgen nach sich zieht. Eine sehr starke
Fristüberschreitung kann aber eine Rechtsverzögerung darstellen.15 Sind neben der
Baubewilligung zudem weitere Bewilligungen oder Verfügungen erforderlich, wie
beispielsweise solche des AGR, hat die Gemeinde die Baubewilligung erst auszustellen,
10 Bundesverfassung vom 18. April 1999 (SR 101) 11 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (BSG 101.1) 12 BVR 2001 S. 93 E. 5; BVR 2002, S. 571 E. 2a, m.w.H.; BGE 103 V 190 E. 3.b; BGer 1C_229/2017 vom 28. September 2017 E. 2.5.1; BGE 107 Ib 160 E. 3b; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, N. 1045 f. m.w.H.; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 69 ff. 13 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 70 14 Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N. 1045 f. mw.H. 15 Vgl. zum Ganzen Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 2a N. 4
RA Nr. 110/2019/124 8
wenn diese Bewilligungen oder Verfügungen vorliegen (vgl. Art. 2a Abs. 2 Bst. a BauG).
d) Soweit ersichtlich, erfolgte seitens der Behörden eine genaue Benennung der noch
benötigten Unterlagen erst im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens mit der
Stellungnahme des LANAT vom 23. August 2019. Bereits am 20. Dezember 2018 teilte die
Gemeinde dem Beschwerdeführer allerdings unter Verweis auf bestimmte Erwägungen
des Entscheids der BVE vom 6. August 2018 mit, es würden noch Unterlagen fehlen.16 Die
BVE machte den Beschwerdeführer zudem im Entscheid vom 28. Dezember 2018 darauf
aufmerksam, dass er auch unaufgefordert Unterlagen einreichen könne. Das Rechtsamt
der BVE teilte ihm schliesslich mit Schreiben vom 3. Januar 2019 mit, dass Unklarheiten
über die fehlenden Unterlagen mit der Gemeinde zu klären seien. Zwar wäre es
wünschenswert gewesen, wenn die Behörden bereits früher die verlangten Unterlagen
explizit umschrieben hätten. Der Beschwerdeführer wusste jedoch, dass die Behörden im
Baubewilligungsverfahren noch weitere Angaben von ihm benötigen und auf diese warten.
Er wusste auch, dass sich die Behörden bei der Umschreibung dieser Unterlagen auf den
Entscheid der BVE vom 6. August 2018 stützen und dass er sich bei Klärungsbedarf an die
Gemeinde wenden soll. Zudem wusste er, dass er auch unaufgefordert ergänzende
Angaben einreichen kann. Entgegen seiner Ansicht lastet die Verantwortung für das
Sammeln der Entscheidgrundlagen nicht ausschliesslich auf den Behörden.17 Auch die
Parteien sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (sog.
Mitwirkungspflicht, vgl. Art. 20 Abs. 1 VRPG). Spätestens nachdem die Gemeinde den
Beschwerdeführer mit Schreiben vom 20. Dezember 2018 zum Einreichen von
ergänzenden Unterlagen aufgefordert und die BVE ihn mit Schreiben vom 3. Januar 2019
an die Gemeinde verwiesen hat, wäre es also auch in der Verantwortung des
Beschwerdeführers gewesen, bestehende Unklarheiten zu beseitigen. Dennoch wurde die
Korrespondenz soweit ersichtlich erst wieder Ende Mai / Anfang Juni 2019 aufgenommen,
als der Beschwerdeführer geänderte Pläne – nicht aber die noch fehlenden Unterlagen –
einreichte. Die Gemeinde erliess daraufhin innert weniger Tage am 3. Juni 2019 ein neues
Verfahrensprogramm.18 Zudem teilte sie dem Beschwerdeführer ebenfalls am 3. Juni 2019
mit, die eingereichten Unterlagen seien formell mangelhaft.19 Seit dem
Verfahrensprogramm vom 3. Juni 2019 hat die Gemeinde das Vorhaben publiziert und
16 In den Beschwerdeakten zum Beschwerdeverfahren RA-Nr. 110/2018/154 17 BVR 2004 S. 133 E. 4.2.1 18 Vorakten (Ordner blau), p. 21 f. 19 Vorakten (Ordner blau), p. 24
RA Nr. 110/2019/124 9
Amtsberichte betreffend die Verkehrssicherheit, die Archäologie und den Brandschutz
eingeholt. Auch die Gewässerschutzbewilligung des Amts für Wasser und Abfall (AWA) hat
die Gemeinde eingeholt. Einzig der Fachbericht betreffend die Zonenkonformität ist noch
ausstehend. Die Gemeinde erkundigte sich daher beim AGR mit E-Mail vom 24. Juli 2019
nach diesem Fachbericht. Das AGR verwies in seiner Antwort auf den fehlenden Bericht
des LANAT.20 Die Gemeinde hat das Verfahren also seit dem 3. Juni 2019 rasch
weitergeführt. Der Beschwerdeführer seinerseits liess die von der Gemeinde gesetzte Frist
zur formellen Verbesserung der geänderten Unterlagen zunächst unbenutzt verstreichen
und musste ermahnt werden.21 Der nach wie vor fehlende Bericht über die
Zonenkonformität ist gemäss den eingereichten Stellungnahmen auf eine Verzögerung
beim LANAT zurückzuführen. Das LANAT verweist in seiner Stellungnahme vom 23.
August 2018 auf Ferienabwesenheiten, eine Pensionierung sowie auf die Vorgeschichte
und Komplexität des Falls. Solche Gründe vermögen mit Ausnahme der allfälligen
Komplexität grundsätzlich keine Verzögerung zu rechtfertigen. Die vom Beschwerdeführer
neu eingereichten Pläne sehen jedoch eine vergrösserte Baute vor und bedürfen demnach
einer eigenständigen Beurteilung. Der Beschwerdeführer hat die bestehenden Unterlagen
dem geänderten Vorhaben jedoch nicht angepasst und auch die ursprünglichen Unterlagen
noch nicht komplettiert. Der Beschwerdeführer ist also mitverantwortlich für das mittlerweile
länger andauernde Baubewilligungsverfahren. Das LANAT benannte nun allerdings in der
Stellungnahme vom 23. August 2019 explizit die noch benötigten Unterlagen. Die
Gemeinde setzte dem Beschwerdeführer daraufhin mit Verfügung vom 2. September 2019
Frist, um diese Angaben einzureichen. Insoweit ist die Beschwerde gegenstandslos
geworden. Das AGR seinerseits stellte in der Stellungnahme vom 23. August 2019 in
Aussicht, den Bericht nach Eingang der Beurteilung des LANAT innert der üblichen Frist
fertigzustellen. Das Baubewilligungsverfahren wird aktuell also zügig weitergeführt. Die
zeitweilige Verzögerung war sowohl auf das Verhalten der Behörden als auch jenes des
Beschwerdeführers zurückzuführen und ist überwunden. Unter Würdigung dieser
Gesamtumstände kann nicht gesagt werden, es liege eine behördliche Verschleppung des
Verfahrens vor und die Behörden hätten das Baubewilligungsverfahren unrechtmässig
verzögert. Der Beschwerdeführer ist zwar der Ansicht, mit der Verfügung der Gemeinde
vom 2. September 2019 habe eine «Schadensbegrenzung» erreicht werden sollen.
Unabhängig von der Begründetheit einer Rechtsverzögerungsbeschwerde darf die mit der
20 Vorakten (Ordner blau), p.56 21 Vorakten (Ordner blau), p. 25
RA Nr. 110/2019/124 10
Sache befasste Behörde jedoch auch während eines hängigen
Rechtsverzögerungsverfahrens weitere Verfügungen erlassen.22
Zusammengefasst wird das Verfahren momentan zügig weitergeführt und der
Beschwerdeführer hat Gelegenheit erhalten, Unterlagen nachzureichen. Eine
unrechtmässige Rechtsverzögerung ist weder aus dem aktuellen noch dem bisherigen
Verfahrensverlauf ersichtlich. Die Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet.
4. Anträge des Beschwerdeführers
a) Der Beschwerdeführer verlangt in seiner Beschwerde, die beteiligten Behörden seien
"auf zeitliche Dringlichkeit anzuweisen". Dem Rückweisungsentscheid aus dem Jahr 2018
sei im vollen Umfang nachzukommen. Weiter habe das LANAT die noch fehlenden
Angaben bis spätestens 1. September 2019 bei ihm ein zu verlangen. Das AGR habe
sodann den Bericht bis zum 1. Oktober 2019 zu prüfen und an die Bauverwaltung Pieterlen
weiterzuleiten. Die Baubewilligung sei bis spätestens 1. November 2019 auszustellen.
Einige Forderungen des Beschwerdeführers wie die Bekanntgabe der noch benötigten
Unterlagen und die Weiterführung des Verfahrens sind mit der Stellungnahme des LANAT
vom 23. August 2019 bzw. der Verfügung der Gemeinde Pieterlen vom 2. September 2019
gegenstandslos geworden. Dies bedeutet aber nicht, dass die Forderungen inhaltlich
begründet gewesen wären. Wie dargelegt, liegt keine Rechtsverzögerung vor.
Entsprechend besteht kein Anlass für eine Anweisung an die Behörden. Die vom
Beschwerdeführer verlangten Behandlungsfristen wären im Übrigen ohnehin zu kurz
bemessen. Der Beschwerdeführer begründet zudem nicht, worin die zeitliche Dringlichkeit
bestehen soll, auf welche die Behörden hingewiesen werden sollen. Eine besondere
Dringlichkeit ist denn auch nicht ersichtlich, zumal der Beschwerdeführer für seine
Maschinen bereits heute über gemietete Lagerräume verfügt. Auch auf das verlangte
Ansetzen einer Frist für den Bauentscheid ist zu verzichten. Wie viel Zeit die
Verfahrenserledigung noch in Anspruch nehmen wird, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt
schwer abschätzen, insbesondere da noch Einsprachen gegen das Gesuch des
Beschwerdeführers hängig sind. Die Anträge des Beschwerdeführers sind daher
abzuweisen, soweit die Beschwerde nicht gegenstandslos geworden ist.
22 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N 71
RA Nr. 110/2019/124 11
b) Soweit der Beschwerdeführer zudem Anweisungen an die Adresse des
Regierungsstatthalteramts Biel/Bienne verlangt, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
Dieses ist am betroffenen Baubewilligungsverfahren nicht beteiligt. Gegen das
Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne kann demnach auch keine
Rechtsverzögerungsbeschwerde erhoben werden.
c) Der Beschwerdeführer verlangt im Schreiben vom 29. August 2019 weiter eine
Zeugenbefragung von sich sowie von Mitarbeitenden der Gemeinde Pieterlen. Zur
Begründung führt er aus, die Gemeinde habe ihm nie mitgeteilt, dass das LANAT noch
Unterlagen benötigen würde. Dadurch sei er massiv hintergangen und getäuscht worden.
Die Baubehörde Pieterlen habe den Grundsatz von Treu und Glauben perfide verletzt.
Der Sachverhalt ist ausreichend erstellt. Insbesondere ist aktenkundig, dass die Gemeinde
den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 20. Dezember 2018 darauf aufmerksam
gemacht, dass das AGR bzw. LANAT noch weitere Unterlagen benötigen würden. Es ist
nicht ersichtlich, was Zeugenbefragungen des Beschwerdeführers selbst sowie von
Mitarbeitenden der Gemeinde Pieterlen am Verfahrensausgang ändern würden. Die
Beweisanträge werden daher abgewiesen.
5. Kosten
a) Indem der Beschwerdeführer gegen mehrere Amtsstellen
Rechtsverzögerungsbeschwerde erhob und zahlreichere Anträge stellte, vergrösserte sich
auch der auf die Beschwerde entfallende Verwaltungsaufwand. Anders als noch im
Entscheid der BVE vom 28. Dezember 2019 kann nicht mehr von einem geringen Aufwand
gesprochen werden, der einen Verzicht auf das Erheben von Verfahrenskosten
rechtfertigen würde. Die Verfahrenskosten werden daher bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 500.-- (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV23). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat deshalb die
Verfahrenskosten von Fr. 500.-- zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1, 3 und 4 VRPG).
23 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2019/124 12