Decision ID: b9f86838-6d17-5eed-b8e8-1640d0a1035b
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 18. Mai 2010 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe im Jahr 1990 eine dreijährige
Berufslehre zur Zahnarztgehilfin abgeschlossen. In den Jahren 1997–2008 habe sie vier
Kinder geboren. In den letzten Jahren habe sie Zeitungen vertragen und in zwei
Haushalten geputzt. Der Hausarzt Dr. med. B._ berichtete am 4. Juni 2010
telefonisch (IV-act. 16), die Versicherte habe sich als Kind eine Steissbeinfraktur
zugezogen, die mehrere Jahre unentdeckt geblieben sei. Zudem leide sie an einer
schweren Kreuzbein-Deformität, die auch nach zwei Operationen (in den Jahren 1991
und 1995) nicht behoben sei. Im Jahr 2005 sei eine lumbale und im März 2010 eine
cervicale Discushernie operiert worden. Momentan bestehe eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten. Am 20. September 2010 berichtete Dr.
B._ (IV-act. 19), die Beschwerden der Versicherten hätten sich zwar insgesamt in den
letzten sechs Monaten als therapieresistent erwiesen. Infolge der Operation vom März
2010 hätten sich die cervicalen Beschwerden aber seit Juli 2010 gebessert, sodass für
den erlernten Beruf als Zahnarztgehilfin nun wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent
attestiert werden könne. Eine Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 8.
Februar 2011 (IV-act. 28), die Versicherte arbeite zurzeit auf Stundenbasis in einem
Pensum von etwa 40 Prozent als Zahnarztgehilfin. Am 24. Mai 2011 notierte eine
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle (IV-act. 31), die Versicherte habe die
Arbeitszeiten zwischenzeitlich besser auf ihre gesundheitlichen Beschwerden
abstimmen können. Sie benötige einen speziellen Stuhl für den Behandlungsraum und
zwei Steissbeinkissen, um ihr Steissbein während der Arbeit optimal entlasten zu
können. Am 3. Juni 2011 vergütete die IV-Stelle die Kosten für den Stuhl und die
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beiden Kissen als Frühinterventionsmassnahmen zur Anpassung des Arbeitsplatzes
(IV-act. 34).
A.b Am 31. August 2011 teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, dass sie nicht mehr
arbeiten könne (IV-act. 36). Am 7. September 2011 wies sie darauf hin, dass Dr. B._
ihr geraten habe, ihre Arbeitsstelle aufzugeben, da ihr die Tätigkeit als Zahnarztgehilfin
nicht mehr zumutbar sei (IV-act. 37). Am 3. Oktober 2011 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, dass angesichts der Verschlechterung des Gesundheitszustandes
zurzeit keine beruflichen Massnahmen möglich seien, weshalb das Leistungsbegehren
um berufliche Massnahmen abgewiesen werde (IV-act. 39). Am 14. Oktober 2011
berichtete Dr. B._ (IV-act. 41), die Versicherte habe im März 2011 eine Distorsion der
Halswirbelsäule erlitten. Im Sommer 2011 seien die Schmerzen exacerbiert. In der
Folge habe die Versicherte ihre Arbeitsstelle kündigen müssen. Zwischenzeitlich habe
sich – „nicht ganz unerwartet“ – eine depressive Entwicklung eingestellt. Am 27. Januar
2012 berichtete die Psychiaterin Dr. med. C._ vom Kantonsspital St. Gallen (IV-act.
44), die Versicherte leide an einer mittelschweren depressiven Anpassungsstörung, die
sich allerdings bereits wieder in Remission befinde. Nach einer Abklärung im Haushalt
der Versicherten notierte die Abklärungsbeauftragte im August 2012, die Versicherte
sei als voll erwerbstätig zu qualifizieren (IV-act. 58). Am 19. September 2012 berichtete
Dr. med. D._ vom Kantonsspital St. Gallen (IV-act. 60), die Versicherte leide an einer
rezidivierenden depressiven Störung, die bis mittelgradig ausgeprägt sei. Aktuell sei sie
maximal zu 50 Prozent arbeitsfähig. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische
Abklärungsstelle (MEDAS) Bern am 27. Mai 2013 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-
act. 68). Der orthopädische Sachverständige Dr. med. E._ hielt fest, die von der
Versicherten angegebenen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule seien durch
objektivierbare, pathologische Befunde zu erklären. Für die permanenten Schmerzen in
der Hals- und Brustwirbelsäule sowie im Kreuzbein- und Steissbeinbereich habe
dagegen kein hinreichender objektivierbarer organischer Befund erhoben werden
können. Die Versicherte könne die angestammte Tätigkeit als Zahnarztgehilfin
angesichts der objektiven klinischen Befunde zwar nur noch zu 50 Prozent ausüben.
Eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit sei dagegen aus orthopädischer Sicht
uneingeschränkt zumutbar. Die neurochirurgische Sachverständige Dr. med. F._
führte aus, der Versicherten könne eine körperlich belastende Tätigkeit keinesfalls mehr
zugemutet werden. Da die bisherige Tätigkeit als Zahnarztgehilfin mit nicht zu
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umgehenden gelegentlichen Zwangshaltungen respektive mit der Unmöglichkeit eines
regelmässigen Positionswechsels verbunden sei, sei auch diese nicht mehr
uneingeschränkt zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit für diese Tätigkeit betrage 50 Prozent.
Eine leichte, angepasste Tätigkeit sei der Versicherten dagegen ganztags ohne
Leistungseinbusse zumutbar. Der neurologische Sachverständige Dr. med. G._
führte aus, angesichts der während der persönlichen Untersuchung der Versicherten
erhobenen objektiven Befunde müsse von einer vorrangig funktionellen sensiblen
Störung ausgegangen werden. Auch ein aktuelles MRI habe keine Befunde gezeigt, die
die Beschwerden der Versicherten hinreichend organisch erklären könnten. Aus
neurologischer Sicht könne keine über die vom Orthopäden und der Neurochirurgin
attestierten Einschränkungen hinausgehende Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Der
psychiatrische Sachverständige Dr. med. H._ hielt fest, die Persönlichkeit der
Versicherten sei anankastisch strukturiert. Sie habe in der Vergangenheit an einer
Essstörung gelitten. Diese liege aber aktuell nicht mehr vor. Eine depressive Störung
oder eine sonstige psychische Störung von Krankheitswert habe nicht festgestellt
werden können. Nach einer interdisziplinären Beurteilung führten die Sachverständigen
chronische Lumbalgien, chronisch wiederkehrende Cervico-Cephalgien und Cervico-
Dorsalgien, Sakralgien und eine Coccygodynie sowie degenerative Veränderungen an
der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule als Diagnosen mit Relevanz für die
Arbeitsfähigkeit an. Sie attestierten für die angestammte Tätigkeit als Zahnarztgehilfin
eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent (mit vorübergehenden Phasen einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit im Zusammenhang mit den Operationen an der
Wirbelsäule in den Jahren 2005 und 2010). Für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit
attestierten sie eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Im Juni 2013 notierte Dr. med.
I._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), das Gutachten der MEDAS
Bern sei überzeugend (IV-act. 69).
A.c Die IV-Stelle verglich das Jahreseinkommen einer vollzeitlich beschäftigten
Dentalassistentin im Jahr 2011 von 56'400 Franken mit einem statistischen
Hilfsarbeiterinneneinkommen von 53'255 Franken. Das ergab einen Invaliditätsgrad von
5,58 Prozent (IV-act. 70). Mit einem Vorbescheid vom 20. Juni 2013 kündigte sie der
Versicherten an, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 72). Dagegen liess die nun
anwaltlich vertretene Versicherte am 11. September 2013 einwenden (IV-act. 78), der
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Hausarzt Dr. B._ und die behandelnden Ärzte des Zentrums J._ des Kantonsspitals
St. Gallen seien zu einer völlig anderen Arbeitsfähigkeitsschätzung als die
Sachverständigen der MEDAS Bern gelangt. Der Hausarzt habe ausgeführt, dass er
sich vor wenigen Jahren noch der Einschätzung der Sachverständigen angeschlossen
hätte. Nach mehreren gescheiterten Wiedereingliederungsversuchen sei er aber heute
der Ansicht, dass eine Rückkehr in den Arbeitsprozess nicht mehr möglich sei. Die
behandelnde Psychotherapeutin habe eine Angst- und Panikstörung, eine
Anpassungsstörung und eine dissoziative Störung mit Stupor und Fugue diagnostiziert
und festgehalten, dass der Versicherten nicht einmal mehr die Bewältigung des
Alltages uneingeschränkt möglich sei. Der psychiatrische Sachverständige Dr. H._
habe diese Störungen nicht erkennen können, da er die Versicherte nur einmal – dazu
an einem „guten“ Tag – untersucht habe. Abgesehen davon existiere keine
Arbeitsstelle, die sämtlichen Voraussetzungen gerecht werde, die von den
Sachverständigen der MEDAS Bern für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit genannt
worden seien. In einer Stellungnahme vom 5. November 2013 führte der psychiatrische
Sachverständige Dr. H._ aus (IV-act. 82), die behandelnden Ärzte erachteten die
depressive Störung ebenfalls als remittiert. Offenbar werde im Rahmen der Behandlung
leider nicht hinreichend auf die anankastischen Tendenzen und auf eine frühere
Essstörung eingegangen. Ein Angstgefühl komme nur auf, wenn die Versicherte ihre
Rituale nicht durchführen könne. Das erfülle die Kriterien für die Diagnose einer Angst-
und Panikstörung nicht. Eine Anpassungsstörung komme schon aufgrund der langen
Dauer der subjektiven Beschwerden nicht in Frage. In den Akten fänden sich keine
Hinweise auf eine dissoziative Fugue oder auf einen dissoziativen Stupor. Die
behandelnde Psychologin habe eventuell das anankastische, ritualisierende Verhalten
und die subjektiv angegebene Vergesslichkeit fehlinterpretiert. Indizien dafür, dass die
einmalige Untersuchung durch Dr. H._ für die zuverlässige Befunderhebung und
Beurteilung nicht ausreichend gewesen sein sollte, seien nicht ersichtlich. Der RAD-
Arzt Dr. I._ erachtete diese Stellungnahme als überzeugend, so dass keine weiteren
medizinischen Abklärungen notwendig seien (IV-act. 83). Die IV-Stelle räumte der
Versicherten am 20. November 2013 die Gelegenheit zur Stellungnahme zu den
Ausführungen von Dr. H._ ein (IV-act. 84). Diese liess am 5. Dezember 2013 geltend
machen (IV-act. 85), sie sei schon aufgrund der organischen Beschwerden vollständig
arbeitsunfähig. Entgegen der Angabe von Dr. H._ reiche eine einmalige zweistündige
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Untersuchung nicht aus, um sich ein umfassendes Bild vom psychischen
Gesundheitszustand zu machen. Die Psychotherapeutin behandle die Versicherte
schon seit Monaten und habe sich deshalb ein weit zuverlässigeres Bild vom wahren
Gesundheitszustand der Versicherten machen können. Mit einer Verfügung vom 9.
Dezember 2013 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 87).
B.
B.a Am 27. Januar 2014 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 9. Dezember 2013 erheben (act. G 1). Ihre
(neue) Rechtsvertreterin beantragte die Zusprache einer Rente der
Invalidenversicherung per 1. März 2011, eventualiter die Einholung eines neuen
medizinischen Gutachtens, verbunden mit einer anschliessenden Rückweisung zur
Neubeurteilung an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin), und
subeventualiter die Durchführung einer beruflichen Abklärung zur Beantwortung der
Frage nach der Verwertbarkeit der Resterwerbsfähigkeit. Zur Begründung führte sie
aus, die Sachverständigen der MEDAS Bern und die Beschwerdegegnerin hätten keine
Tätigkeit nennen können, die die von den Sachverständigen definierten
Voraussetzungen an eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit erfüllen würde. Eine
Verwertung der Restarbeitsfähigkeit sei unrealistisch. Das psychiatrische Teilgutachten
sei nicht überzeugend. Aktuell befinde sich die Beschwerdeführerin in einer stationären
psychiatrischen Behandlung in der Klinik K._. Die Ausführungen der
Sachverständigen der MEDAS Bern hinsichtlich der somatischen Beschwerden seien
ebenfalls nicht überzeugend, denn sie stünden im Widerspruch zu den Angaben der
behandelnden Ärzte.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 17. März 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte sie an, die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit seien nicht
nachvollziehbar, denn die von den Sachverständigen der MEDAS Bern definierten
Voraussetzungen für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit seien nicht ungewöhnlich.
Die Berichte der behandelnden Ärzte seien nicht geeignet, wesentliche Zweifel an der
Überzeugungskraft des Gutachtens der MEDAS Bern zu wecken.
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B.c Am 18. März 2014 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege
bewilligt (act. G 8).
B.d Die Beschwerdeführerin liess am 2. Juni 2014 an ihren Anträgen festhalten und
einen Austrittsbericht der Klinik K._ vom 3. März 2014 einreichen (act. G 12 und G
12.1). Laut diesem hatte sie sich vom 10. Dezember 2013 bis zum 20. Februar 2014 in
stationärer Behandlung befunden. Die behandelnden Ärzte hatten eine mittelgradige
depressive Störung mit einem somatischen Syndrom sowie eine dissoziative Störung
mit Stupor und Fugue diagnostiziert.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 15).
B.f Am 3. Dezember 2014 liess die Beschwerdeführerin zwei Arztzeugnisse des
Fachbereichs Psychosomatik des Kantonsspitals St. Gallen einreichen, laut denen sie
bis zum 31. Dezember 2014 vollständig arbeitsunfähig war (act. G 17). Am 30. April
2015 liess sie ein weiteres Arztzeugnis einreichen, in dem ihr eine Arbeitsunfähigkeit bis
zum 31. Juli 2015 attestiert worden war (act. G 19). Die Beschwerdegegnerin liess sich
nicht vernehmen.

Erwägungen
1.
Eine versicherte Person hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität
einer erwerbstätigen versicherten Person (was in Bezug auf die Beschwerdeführerin
zutrifft, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht angenommen hat) wird für die
Bemessung der Invalidität das Erwerbseinkommen, das diese nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
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jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin hat eine Berufsausbildung zur Zahnarztgehilfin absolviert.
Nachdem sie – augenscheinlich vor allem familiär bedingt – lange Jahre nicht mehr im
erlernten Beruf tätig gewesen war, hat sie trotz der dann bereits bestehenden
gesundheitlichen Beeinträchtigungen und obwohl es die ursprünglich absolvierte
Ausbildung nicht mehr gegeben hat (heute wird eine solche Ausbildung mit dem
Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis Dentalassistentin abgeschlossen) wieder eine
Arbeitsstelle im erlernten Beruf gefunden und ihre Tätigkeit offenbar zur vollsten
Zufriedenheit ihres Arbeitgebers verrichtet (vgl. IV-act. 57–8). Das belegt, dass die
Beschwerdeführerin ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung ohne Weiteres als
Dentalassistentin hätte arbeiten können, ohne das ursprünglich erlernte Wissen zuerst
wieder auffrischen respektive eine weitere Ausbildung absolvieren zu müssen. Die
Validenkarriere besteht folglich in der Arbeit als Dentalassistentin, weshalb sich das
Valideneinkommen auf den zuletzt erzielten, dem durchschnittlichen Lohn einer
Dentalassistentin entsprechenden Lohn von 56'400 Franken (im Jahr 2011) beläuft.
2.2 Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
kommt der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung eine entscheidende Bedeutung
zu. Zur Beantwortung der Frage nach der zumutbaren Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin die MEDAS Bern mit einer
polydisziplinären Begutachtung beauftragt. Deren Sachverständige haben die
Beschwerdeführerin persönlich internistisch, orthopädisch, neurologisch,
neurochirurgisch und psychiatrisch untersucht, neue MRI angefertigt und die
medizinischen Vorakten gewürdigt. Gestützt auf die von ihnen erhobenen klinischen
Befunde, auf die bildgebenden Befunde und auf die Ergebnisse der Aktenwürdigung
haben sie mit einer überzeugenden Begründung aufgezeigt, dass die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit nicht eingeschränkt
sei. Ebenso überzeugend begründet haben sie dargelegt, dass die erlernte Tätigkeit als
Dentalassistentin nicht als ideal leidensadaptiert qualifiziert werden könne, weil sie die
notwendige regelmässige Entlastung durch Bewegung nicht uneingeschränkt zulasse
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beziehungsweise weil die Beschwerdeführerin als Dentalassistentin regelmässig über
längere Zeit Zwangspositionen einnehmen müsse. Den Anteil der nicht zumutbaren
Tätigkeiten haben die Sachverständigen auf 50 Prozent eines Vollpensums geschätzt,
was als überzeugend erscheint. Die Berichte der behandelnden Ärzte enthalten in
somatischer Hinsicht keine Anhaltspunkte, die gegen die Zuverlässigkeit dieser
Arbeitsfähigkeitsschätzungen für den erlernten Beruf und für eine ideal
leidensadaptierte Tätigkeit sprechen würden. Namentlich finden sich in den
medizinischen Berichten keine objektiven Befunde, die gegen die uneingeschränkte
Zumutbarkeit einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit oder gegen die Zumutbarkeit der
Ausübung des erlernten Berufs im eingeschränkten Rahmen von 50 Prozent sprechen
würden. Der Hausarzt Dr. B._ hat explizit darauf hingewiesen, dass er sich noch im
Sommer 2010 der Zumutbarkeitsbeurteilung der Sachverständigen der MEDAS Bern
angeschlossen hätte. Zwar hat er geltend gemacht, rund drei Jahre später (also im
Zeitpunkt der Begutachtung) falle seine Arbeitsfähigkeitsschätzung völlig anders aus.
Das hat er aber nur mit den erfolglosen Wiedereingliederungsversuchen, denen in
medizinischer Hinsicht keine Relevanz zukommt, und mit der Erfahrungstatsache, dass
ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule bei einer vorgeschädigten Wirbelsäule
massivere Auswirkungen zeitige als bei einer nicht vorgeschädigten Wirbelsäule,
begründet, ohne jedoch objektive Befunde nennen zu können, die belegt hätten, dass
der konkrete Fall dieser allgemeinen Erfahrungstatsache entsprechen würde. Der
psychiatrische Sachverständige der MEDAS Bern hat auch das Vorliegen einer
relevanten psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung, die sich auf die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin auswirken würde, verneint. Die Beschwerdeführerin hat
nachträglich vorbringen lassen, der Sachverständige habe einen falschen Eindruck von
ihrer psychischen Verfassung gewonnen, weil sie am Untersuchungstag einen „guten
Tag“ gehabt habe. Da der Sachverständige sie nur einmal untersucht habe, sei es ihm
nicht möglich gewesen, sich ein ausreichendes Bild von ihrem psychischen Zustand zu
machen, denn nur mit mehreren Untersuchungen hätte er einen
„Durchschnittseindruck“ von ihr – an „guten“, „mittelmässigen“ und „schlechten“
Tagen – gewinnen können. Dieser Einwand überzeugt nicht, denn von einem
psychiatrischen Sachverständigen ist zu erwarten, dass er durch den „Vorhang“ der
Tagesverfassung hindurch erkennen kann, ob und gegebenenfalls welche relevanten
psychischen Beeinträchtigungen vorliegen und wie diese ausgeprägt sind. Zudem
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haben dem psychiatrischen Sachverständigen Dr. H._ die Akten der behandelnden
Fachärzte vorgelegen, anhand derer er sich einen Eindruck vom gesamten bisherigen
Verlauf hat verschaffen können. Es besteht folglich kein Anlass zur Befürchtung, er
habe sich von einem nicht repräsentativen Eindruck der Beschwerdeführerin täuschen
lassen. Zudem haben auch die übrigen Sachverständigen, insbesondere der Neurologe
Dr. G._, über einen unauffälligen, nicht depressiven Eindruck der Beschwerdeführerin
berichtet, obwohl sie diese teilweise an einem anderen Tag als Dr. H._ untersucht
hatten. Die behandelnde Psychiaterin hatte schon vor der Begutachtung über eine
Remission der depressiven Störung berichtet. Die Psychotherapeutin hat zwar nach
der Begutachtung neue Diagnosen genannt, aber Dr. H._ hat in seiner nachträglichen
Stellungnahme überzeugend dargelegt, dass die entsprechenden Diagnosekriterien gar
nicht erfüllt seien. Auch der Austrittsbericht der Klinik K._ enthält keine objektiven
Befunde, die Zweifel an der Zuverlässigkeit oder an der Aktualität der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H._ im Verfügungszeitpunkt wecken würden.
Zudem haben die behandelnden Ärzte der Klinik K._ die von der behandelnden
Psychotherapeutin gestellten Diagnosen einer dissoziativen Störung mit Stupor und
Fugue übernommen, obwohl der Sachverständige Dr. H._ diese Diagnose mit einer
überzeugenden Begründung als unzutreffend qualifiziert hatte. Der Austrittsbericht der
Klinik K._ ist deshalb nicht geeignet, die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H._ zu
erschüttern. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist die Beschwerdeführerin also im
massgebenden Zeitraum zwischen der Anmeldung zum Leistungsbezug und der
Eröffnung der angefochtenen Verfügung nicht längerfristig aus psychischen Gründen in
ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt gewesen. Folglich steht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin
in jenem Zeitraum ihren erlernten Beruf als Dentalassistentin in einem Pensum von 50
Prozent oder eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit ohne jede Einschränkung hätte
ausüben können.
2.3 Weil die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer ideal leidensadaptierten
Tätigkeit wesentlich höher als jene im erlernten Beruf ist, würde die
Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit nicht optimal ausnutzen, wenn sie wieder als
Dentalassistentin tätig wäre. Bei der Anwendung des Art. 16 ATSG ist deshalb ein
Wechsel in eine leidensadaptierte Tätigkeit und folglich die Erzielung eines
Invalideneinkommens zu fingieren, das höher als das Einkommen ist, den die
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Beschwerdeführerin erzielen könnte, wenn sie zu 50 Prozent als Dentalassistentin
arbeiten würde. In ihrer aktuellen Situation bliebe der Beschwerdeführerin allerdings
nichts anderes übrig, als eine leidensadaptierte Hilfsarbeit zu verrichten, denn sie hat
keinen andern Beruf erlernt, in den sie nun wechseln könnte. Jedoch kann diese
Ausgangslage mit einer Umschulung grundlegend verändert werden. Gemäss dem Art.
17 Abs. 1 IVG besteht ein entsprechender Anspruch, denn in ihrem erlernten Beruf ist
die Beschwerdeführerin zu mehr als 20 Prozent arbeitsunfähig. Wenn sie also einen
neuen Beruf erlernt, der ihr die Verrichtung von ideal leidensadaptierten Tätigkeiten als
Berufsfrau erlaubt, wird sie ihre verbliebene Arbeitsfähigkeit nicht nur auf dem
Arbeitsmarkt für Hilfsarbeiten, sondern zusätzlich auch auf dem Arbeitsmarkt für jene
Tätigkeiten verwerten können, für die sie die nötigen beruflichen Kenntnisse erlangt
haben wird. Mit einer Umschulung kann die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin
folglich noch wesentlich verbessert werden, weshalb die im Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG
enthaltene Voraussetzung für den Bezug einer Rente der Invalidenversicherung nicht
erfüllt ist. Aber auch die im Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG enthaltene Voraussetzung eines
Invaliditätsgrades von mindestens 40 Prozent ist nicht erfüllt, und zwar unabhängig
davon, ob von einer Invalidenkarriere als Hilfsarbeiterin oder von einer Invalidenkarriere
als (umgeschulte) Berufsfrau ausgegangen wird. Im Jahr 2011 haben Hilfsarbeiterinnen
statistisch nämlich einen Jahreslohn von 53'367 Franken erzielt (vgl. Anhang 2 in der
AHV/IV-Textausgabe des IVG für das Jahr 2015), was 94,62 Prozent des
Valideneinkommens von 56'400 Franken entspricht. Da die Beschwerdeführerin für
ideal leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt arbeitsfähig ist und da es sich vor
diesem Hintergrund nicht rechtfertigt, einen Tabellenlohnabzug (vgl. BGE 126 V 75) zu
berücksichtigen, betrüge ihr Invaliditätsgrad lediglich 5,38 Prozent, wenn sie ihre
Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Markt für Hilfsarbeiten
verwerten würde. Mit einer Umschulung würde sie in die Lage versetzt, mindestens ein
gleich hohes, erwartungsgemäss aber eher ein höheres Erwerbseinkommen zu
erzielen, wodurch ein noch tieferer Invaliditätsgrad resultieren würde. So oder anders
kann also kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent
resultieren. Daran ändert der Umstand, dass die Sachverständigen der MEDAS Bern
sehr detailliert definiert haben, was sie unter einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit
verstehen (wechselbelastende, leichte körperliche Tätigkeiten ohne fixierte
Körperhaltungen, ohne Belastungen ausserhalb der Körperachse, ohne Nässe, Kälte
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und Zugluft, mit einer Hebelimite von fünf Kilogramm ausschliesslich körpernah) nichts,
denn entgegen der Ansicht der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin fallen
zahlreiche Tätigkeiten in Betracht, in denen die Beschwerdeführerin ihre verbliebene
Arbeitsfähigkeit realistischerweise verwerten könnte, namentlich leichtere
Produktionsarbeiten, Überwachungstätigkeiten oder – nach einer entsprechenden
Umschulung – eine Tätigkeit im administrativen Bereich. Die Beschwerdeführerin hat
folglich keinen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung, weshalb sich die
angefochtene Verfügung, die nur den Rentenanspruch, aber nicht auch den Anspruch
auf berufliche Massnahmen (insb. Umschulung) zum Gegenstand hat, im Ergebnis als
rechtmässig erweist.
3.
Die Beschwerde ist somit abzuweisen. An sich müsste die unterliegende
Beschwerdeführerin die Gerichtskosten von 600 Franken bezahlen. Zufolge der
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege ist sie von der Bezahlung dieser Kosten
zu befreien. Zudem hat der Staat ihrer Rechtsvertreterin eine Entschädigung
auszurichten. Diese wird angesichts des insgesamt als leicht unterdurchschnittlich zu
qualifizierenden notwendigen Vertretungsaufwandes (bei einem verhältnismässig
dünnen Aktendossier und einem entsprechend unterdurchschnittlichen zeitlichen
Aufwand für das Studium der Akten) auf 80 Prozent von 3'000 Franken, das heisst auf
2'400 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer), festgesetzt. Sollten
es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird die Beschwerdeführerin
zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Entschädigung für die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP
i.V.m. Art. 123 ZPO).