Decision ID: b7b6f966-d4cf-4445-ae06-ff135cbf5e7f
Year: 2016
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung der Staatssteuer vom 23. Juli 2015 wurden die in Höhe von
Fr. 5‘544.-- geltend gemachten Fahrtkosten auf Fr. 2‘478.-- gekürzt.
2. Mit Eingabe vom 18. August 2015 erhob der Pflichtige u.a. mit dem sinngemässen Be-
gehren, es seien Fahrtkosten in Höhe von Fr. 5‘544.-- zum Abzug zuzulassen, Einsprache. Zur
Begründung machte er geltend, er arbeite im Schichtbetrieb bei der Firma B._ AG in C._
(Früh-, Spät- und Nachtschicht). Sein Arbeitsweg betrage mit den öffentlichen Verkehrsmitteln
mehr als eine Stunde pro Weg.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 9. September 2015 hiess die Steuerverwaltung die Ein-
sprache teilweise gut, hielt hingegen hinsichtlich der Fahrtkosten an denjenigen gemäss Veran-
lagung in Höhe von Fr. 2‘478.-- fest. Zur Begründung führte sie aus, die Fahrtkosten mit dem
privaten Motorfahrzeug seien für die geleisteten Schichteinsätze in der Frühschicht anerkannt
worden, da dann keine öffentlichen Verkehrsmittel vorhanden seien. Entsprechend sei für ins-
gesamt 70 Arbeitstage ein Abzug in Höhe von Fr. 1‘602.-- gewährt worden. Für die übrigen
Schichteinsätze, d.h. für die Spät- und Nachtschicht würden öffentliche Verkehrsmittel für die
Hin- und Rückfahrt mit einem Zeitaufwand von weniger als 2 1⁄2 Stunden zur Verfügung stehen.
Deshalb sei zusätzlich das U-Abo in Höhe von Fr. 876.-- zugestanden worden, was insgesamt
einen Fahrtkostenabzug von Fr. 2'478.-- (= Fr. 1'602.-- + Fr. 876.--) ergeben habe.
4. Mit Eingabe vom 2. Oktober 2015 erhob der Pflichtige mit dem sinngemässen Begehren,
es seien Fahrtkosten in Höhe von Fr. 5‘544.-- zum Abzug zuzulassen, Rekurs. Zur Begründung
machte er geltend, erst nach dem Umkleiden könne er einstempeln und sich an seinen Arbeits-
platz begeben. Zudem sei die Wartezeit an der Bushaltestelle hinzuzurechnen.
5. Mit Vernehmlassung vom 9. November 2015 beantragte die Steuerverwaltung die Ab-
weisung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, massgebend für die Berechnung des
Arbeitswegs sei nicht die Zeit bis zum Zeitpunkt des Ein- bzw. Ausstempelns am Arbeitsort.
Auch die Wartezeit auf ein öffentliches Verkehrsmittel auf dem Nachhauseweg nach Verlassen
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des Arbeitsortes und die Zeit fürs Umziehen vor dem Arbeitsbeginn oder nach dem Arbeitsende
würden nicht berücksichtigt. Massgebend sei allein der benötigte Zeitaufwand für die Reise von
Tür zu Tür.
6. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielt die Steuerverwaltung an ihrem Begehren fest.

Der Präsident des Steuergerichts zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
ständig. Gemäss § 129 Abs. 1 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im
vorliegenden Fall Fr. 2'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigt, vom Präsidenten des Steuerge-
richts als Einzelrichter beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden An-
forderungen erfüllt sind, ist ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten.
2. Vorliegend unterliegt der Beurteilung, ob die geltend gemachten Fahrkosten zwischen
Wohn- und Arbeitsstätte für Fahrten mit dem privaten Fahrzeug von der Steuerverwaltung zu
Recht lediglich im Umfang von Fr. 1'602.-- zum Abzug zugelassen wurden.
a) Gemäss § 29 Abs. 1 lit. a StG können bei unselbständiger Erwerbstätigkeit von
den steuerbaren Einkünften als Erwerbsunkosten die Kosten für Fahrten zwischen Wohn- und
Arbeitsstätte abgezogen werden. Der Umfang dieser Erwerbsunkosten wird durch den Regie-
rungsrat näher geregelt.
b) Nach § 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 der Verordnung zum Steuergesetz vom 13. Dezem-
ber 2005 (Vo StG) können Unselbständigerwerbende bei Benützung eines Motorrades oder
eines Privatautos die Auslagen für die Kosten der Fahrt zwischen Wohn- und Arbeitsstätte, die
bei Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels entstehen würden, abziehen. Steht kein sol-
ches zur Verfügung oder kann dessen Benützung dem Steuerpflichtigen nicht zugemutet wer-
den (z.B. bei Gebrechlichkeit, bei mehr als 1,5 km Entfernung von der nächsten Haltestelle, bei
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einem täglichen Zeitaufwand von mehr als 2 1⁄2 Stunden), so ist pro Fahrkilometer ein Abzug bis
zu Fr. 0.40 für Motorräder (mit weissem Kontrollschild) und bis zu Fr. 0.70 für Autos zulässig.
Der Nachweis höherer Kosten bleibt vorbehalten.
c) Die in § 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 Vo StG aufgestellten Kriterien eignen sich zur Ab-
grenzung zwischen abzugsfähigen notwendigen Ausgaben der Einkommenserzielung und einer
steuerlich nicht zu berücksichtigenden bequemeren Gestaltung der privaten Lebenshaltung.
Insbesondere beim täglichen Zeitaufwand von 2 Stunden 30 Minuten und den mehr als 1.5 km
Entfernung von der nächsten Haltestelle handelt sich um objektive und klare Regelungen, wel-
che sich an einer leicht festzustellenden Fahrzeit bzw. Strecke orientieren und dadurch auch
Gewähr dafür bieten, dass alle Steuerpflichtigen gleich behandelt werden (vgl. Entscheid des
Steuergerichts [StGE] vom 14. November 2014, 510 14 65, E. 5; StGE vom 25. Oktober 2013,
510 13 42, E. 5).
d) Gemäss der Praxis des Kantons Basel-Landschaft ist für die Ermittlung der Kilo-
meterzahl für die Berechnung der Kosten der Benützung eines privaten Fahrzeuges vom
schnellsten und nicht vom kürzesten Weg auszugehen (vgl. StGE vom 5. März 2008, 510 07
61, E. 4c; StGE vom 27. Mai 2005, 510 05 18, E. 3b).
e) § 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 Vo StG hat dahingehend Lenkungswirkung, dass durch ihn
die Steuerpflichtigen dazu gebracht werden sollten, anstelle eines Motorfahrzeuges den öffent-
lichen Verkehr zu benutzen (vgl. Knüsel in: Martin Zweifel/Peter Athanas [Hrsg.], Kommentar
zum Schweizerischen Steuerrecht I/2a, Art. 26 DBG N 19). Wenn die Benützung des öffentli-
chen Verkehrs möglich und zumutbar ist, sind nur diese Kosten zum Abzug zuzulassen, auch
wenn ein privates Motorfahrzeug benutzt wird. Eine Kombination von Motorfahrzeug und öffent-
lichen Verkehrsmitteln ist zulässig. So kann dem Steuerpflichtigen der Abzug für das private
Fahrzeug bloss für gewisse Streckenabschnitte oder Tage gewährt werden. Durch eine solche
Mischrechnung wird zudem dem Grundsatz Rechnung getragen, dass primär die öffentlichen
Verkehrsmittel als Fahrtkosten zum Abzug zuzulassen sind (vgl. Entscheid des Kantonsgerichts
Luzern vom 9. Dezember 2014, publ. in: Der Steuerentscheid [StE], 2015, B 22.3 Nr. 114, E.
2.2.2.2).
f) Dieser Lenkungswirkung entsprechend wird im Bund, mit Wirkung ab 2016, der
Abzug für die Benützung eines privaten Fahrzeugs auf maximal Fr. 3‘000.-- pro Steuerjahr be-
schränkt (Art. 26. Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. De-
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zember 1990 [DBG]). Im Kanton Basel-Landschaft ist eine Beschränkung des Abzugs auf eben-
falls max. Fr. 3‘000.-- pro Steuerjahr geplant (Landratsvorlage vom 1. März 2016, Änderung des
Steuergesetzes vom 7. Februar 1974, Revisionspaket 2017, 2016-056).
3. Vorliegend wurde der Rekurrent im Jahr 2014 gemäss Bestätigung der Arbeitgeberin im
3-Schicht-Betrieb in C._ eingesetzt, alternierend von 06.00 - 14.00 Uhr (Frühschicht), von
14.00 Uhr - 22.00 Uhr (Spätschicht) und von 22.00 Uhr - 06.00 Uhr (Nachtschicht).
a) Für die Frühschicht gibt es an sämtlichen Tagen, also Wochen- und Sonntagen,
keine Verbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, die gewährleisten, dass der Rekurrent
rechtzeitig vor Arbeitsbeginn ankommt. Für die geleisteten Frühschichten sind somit die Kosten
eines privaten Fahrzeugs zum Abzug zuzulassen. Die Bestätigung der Arbeitgeberin lässt offen,
wie viele Frühschichttage exakt geleistet wurden. Aufgrund des Wortes alternierend in der Be-
stätigung ist indes nicht zu bemängeln, dass die Steuerverwaltung für die Frühschicht von rund
einem Drittel der gemäss Lohnausweis geleisteten 190 Schichttage, mithin von (aufgerundet)
70 Tagen ausgegangen ist.
b) Bei der Spät- und Nachtschicht sind sowohl für den Hin- wie auch den Rückweg
Verbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, und zwar an sämtlichen Tagen, also Wo-
chen- und Sonntagen, vorhanden. Die Dauer für beide Fahrten inkl. Fussweg beträgt gemäss
SBB-Fahrplan von Tür zu Tür für die Spätschicht an den Wochen- und Sonntagen 1 Stunde 34
Minuten (Hinweg: 44 Minuten [Abreisezeit: 12:55 Uhr - Ankunftszeit: 13:39 Uhr] + Rückweg: 50
Minuten [Abreisezeit: 22:16 Uhr - Ankunftszeit: 23:06 Uhr]) bzw. für die Nachtschicht an den
Wochentagen 1 Stunde 55 Minuten (Hinweg: 58 Minuten [Abreisezeit: 20:41 Uhr - Ankunftszeit:
21:39 Uhr] + Rückweg: 57 Minuten [Abreisezeit: 06:16 Uhr - Ankunftszeit: 07:13 Uhr]) und an
den Sonntagen 1 Stunde 32 Minuten (Hinweg: 43 Minuten [Abreisezeit: 20:56 Uhr - Ankunfts-
zeit: 21:39 Uhr] + Rückweg: 49 Minuten [Abreisezeit: 06:47 Uhr - Ankunftszeit: 07:36 Uhr]). In
diesem Zusammenhang macht der Pflichtige geltend, erst nach dem Umkleiden könne er eins-
tempeln und sich an seinen Arbeitsplatz begeben. Zudem sei die Wartezeit an der Bushaltestel-
le hinzuzurechnen. Als Fahrtdauer gilt jene Zeit, welche benötigt wird, um zwischen Wohn- und
Arbeitsort von Tür zu Tür zu gelangen. Anfallende Wartezeiten vor bzw. nach der Arbeitszeit
sind nicht zu berücksichtigen. Dasselbe gilt für die Zeit, welche am Arbeitsort aufgewendet wird,
um sich auf die Arbeit vorzubereiten, wie z.B. für das Umziehen von der Strassen- zur Arbeits-
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kleidung. Die zumutbare Fahrtzeit von 2 Stunden 30 Minuten wird somit nicht überschritten, so
dass die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel zumutbar ist.
c) Wie oben erwähnt, ist es zulässig, bloss für gewisse Tage den Abzug für die Be-
nützung des privaten Fahrzeuges zu gewähren. Der Gesamtabzug der Fahrtkosten setzt sich
damit aus den Kosten für das Umweltabonnement des Tarifverbunds Nordwestschweiz in Höhe
von Fr. 876.-- und den Kosten des Privatfahrzeugs zusammen. Gemäss Google Maps beträgt
die schnellste Route zwischen Wohn- und Arbeitsort für den früheren Wohnort D._ in den
Monaten Januar bis Mai 14 km und für den Wohnort E._ in den Monaten Juni bis Dezember
18 km. Die vorgenannten 70 Frühschichttage sind somit anteilsmässig aufzuteilen, was für den
Wohnort D._ 29 Tage (70 Tage / 12 Monte x 5 Monate) bzw. für den Wohnort E._ 41
Tage (70 Tage / 12 Monate x 7 Monate) ergibt. Entsprechend ist für 29 Arbeitstage ein Abzug
von Fr. 568.40 (29 Tage x 14 km/Fahrt x 2 Fahrten/Tag x Fr. 0.70/km) und für 41 Arbeitstage
ein solcher von Fr. 1‘033.20 (41 Tage x 18 km/Fahrt x 2 Fahrten/Tag x Fr. 0.70/km), total somit
(aufgerundet) Fr. 1‘602.-- zu gewähren. Es sind somit insgesamt Fahrtkosten in Höhe von Fr.
2'478.-- (= Fr. 876.-- + Fr. 1'602.--) zum Abzug zuzulassen. Aus alledem folgt, dass die Berech-
nung des Abzuges durch die Steuerverwaltung nicht zu beanstanden ist.
Der Rekurs erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen.
4. Ausgangsgemäss sind dem Rekurrenten Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 400.-- auf-
zuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die
Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO]).
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