Decision ID: 5ce89049-1a2d-40ea-820b-7f50dde4fba9
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1979,
meldete sich am 31. Januar 2008 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/1).
Im April 2007 zog sich der Versicherte bei einem Treppensturz während den Ferien in
Z._
eine
Kniebinnenläsion links mit einer Ruptur des vorderen Kreuzbands, medialer Seitenbandruptur und einer Partialruptur des hinteren Kreuzbandes z
u
und war in der Folge zu 100 % arbeitsunfähig
(Urk. 6/3/
13+
16
-17
).
Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte einen Arbeitgeberbericht (Urk. 6/7
, Urk. 6/38
), einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug; Urk. 6/8)
,
Arztberichte (Urk. 6/9-10, Urk. 6/15-17
, Urk. 6/23
)
sowie
ein psy
chiatrisches Gutachten ein, welches am 14. Januar 2009 von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattet wurde (Urk. 6/21
;
vgl. auch Urk. 6/29
).
Mit Schreiben vom 4. September 2009 forderte die IV-Stelle den Versicherten im Sinne einer Schadenminderungspflicht auf, sich einer regelmässigen, engmaschigen psychiatrischen Behandlung zu unter
ziehen (Urk. 6/41).
Mit Verfügung vom 9. März 2010 sprach
sie
dem Versicher
ten ab 1. April 2008 eine ganze und ab 1. Oktober 2008 eine halbe Invaliden
rente zu (Urk. 6/55-58).
1.2
Anlässlich der im Mai 2010 eingeleiteten Rentenrevision machte der Versicherte eine Verschlechterung seines psychischen Gesundheitszustands geltend (Urk. 6/59). Die IV-Stelle holte daraufhin Arztberichte ein (Urk. 6/60, Urk. 6/69). Am 1
2.
August 2011
erstattete
Dr.
med.
B._
, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
im Auftrag der IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten (Urk. 6/72).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/81, Urk. 6/85, Urk. 6/87) stellte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 19. September 2012
einen unveränderten Invaliditätsgrad fest und wies das
Rentenerhöhungs
gesuch
ab (Urk. 6/91 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 19. September 2012 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 22. Oktober 2012 Beschwerde und beantragte, diese sei aufzuheben und ihm sei eine ganze Invalidenrente zuzusprechen, eventuell sei die Sache
„zum neuen Entscheid nach den sich aufdrängenden Massnahmen“ zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 22. November 2012 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Mit Verfügung vom 4. April 2013 wurde dem Beschwerdeführer antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2) sein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Verbeiständung
und Prozessführung bewilligt
. Gleichzeitig wurden
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Kinderpsychiatrie, Psychotherapie,
Ergänzungsfragen unterbreitet (Urk. 12). Mit Eingabe vom 3. Mai 2013 beantwortete
Dr.
C._
die ihm
gestellten Fragen, was
den Parteien am 7. Mai 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 16). Mit Ver
fügung vom 8. Mai 2013 wurde
die zuständige Vorsorgeeinrichtung
zum Pro
zess beigeladen (Urk. 17). Die Beigeladene reichte eine medizinische Stellung
nahme
ein (Urk. 20-21/1-3). Dazu
liess sich
der Beschwerdeführer
mit Eingabe vom 4. September 2013 vernehmen (Urk. 26), d
ie Beschwerdegegnerin verz
ich
tete auf eine Stellungnahme
(Urk. 2
4
)
, was den Parteien
am 6. September 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 28).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die den Invaliditätsgrad und dessen Bemessung betreffenden rechtlichen Grund
lagen (Art. 28 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG; Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
, ATSG) sowie die Voraussetzungen zur Erhöhung einer Rente (Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV) sind im angefoch
tenen Entscheid zutreffend wiedergegeben (Urk. 2 S. 1). Darauf kann, mit den nachfolgenden Ergänzungen, verwiesen werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
tei
lung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge
mu
tet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus,
ge
stützt auf die durchgeführten Abklärungen sei eine Verschlechterung des Ge
sundheitszustands nicht ausgewiesen. Es handle sich um eine andere Beurtei
lung des bereits im Gutachten v
om 14. Januar 2009
von
Dr.
A._
festgestellten
Sachverhaltes. Der Beschwerdeführer
sei der
ihm auferlegte
n
Schadenminde
rungspflicht
, sich in eine engmaschige psychiatrische Behandlung zu begeben, nicht
nachgekommen
. Es sei daher weiterhin von einer 50%igen Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen, was einen unveränderten
Inva
liditätsgrad
von 57 % begründe (Urk. 2 S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der
Beschwerdefüh
rer auf den Standpunkt (Urk. 1),
seit den Feststellungen der Gutachterin
Dr.
A._
seien neue medizinische Unterlagen vorhanden, welche eine erhebliche Veränderung zum Schlechteren ausweisen würden (S. 3 Ziff. 2). Gestützt auf di
e Beurteilungen von
Dr.
C._
und
Dr.
B._
sei von einem progredienten Krankheitsverlauf und einer ge
sundheitlichen Verschlechterung auszugehen. Zudem sei er seit November 2009 bei
Dr.
C._
regelmässig im Abstand von zwei Wochen in psychiatrischer Behandlung, womit er seiner Schadenminderungspflicht nachgekommen sei (S. 3 ff. Ziff. 3 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der psychische
Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers verschlechtert hat.
Für die Prüfung, ob eine gesundheitliche Veränderung vorliegt, sind die Verhält
nisse im Zeitpunkt de
r rentenzusprechenden Verfügung
vom
9. März 2010 (Urk. 6/55-58)
mit den Verhältnissen im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom
19. September 2012
(
Urk.
2) zu vergleichen.
Im Übrigen ist der somatische Gesundheitszustand unbestritten:
Beide Parteien gingen von einem unveränderten somatischen Gesundheitszustande aus, wes
halb aus somatischer Sicht nach wie vor von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen ist
(vgl. dazu auch Bericht 1. April 2009 von
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, Urk. 6/60/8; Bericht vom 21. Juni 2010 von
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, Urk. 6/60/6)
.
3.
3.1
Die rentenzusprechende Verfügung vom
9. März 2010
erfolgte gestützt auf das Gutachten von
Dr
.
A._
vom 14. Januar 2009 (Urk. 6/21).
Dr.
A._
führte aus, der Beschwerdeführer
berichte
über eine morgendliche Übelkeit mit Erbrechen
und Durchfall. Diesbezüglich handle es sich wahr
schein
lich um Entzugserscheinungen, da bei der Dosierung des Sedativums
Lorazepam
von einer Abhängigkeit ausgegangen werden müsse. Diagnostisch könne eine Panikstörung festgestellt werden mit den typischen vegetativen und kognitiven Symptomen einer Angststörung, die in paroxysmalen Anfällen auf
trete. Auf
grund der Verunsicherung durch die Anfälle, der Belastung durch die
Arbeitssi
tua
tion
beziehungsweise den Verlust der Arbeitsstelle, die
lebensbe
drohliche
Erkrankung seiner Mutter sowie der Persönlichkeitsstruktur des Beschwer
de
füh
rers sei zusätzlich eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion entstanden. Von der Persönlichkeit her sei er insgesamt eher schwach struk
tu
riert, abhängig und ängstlich. Es bestehe eine starke Abhängigkeit von der
Mutter (S. 7 Ziff. 6).
Dr.
A._
stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 7 Ziff
. 5):
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt (ICD-10 F43.22)
Störung durch Sedativa und Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.25)
Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer aktuell für die angestammte Tätigkeit als Verkäufer maximal zu 40 % arbeitsfähig. Für weniger belastende Tätigkeiten mit weniger Zeitdruck und Publikumsverkehr bestehe derzeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (S. 8).
Subjektiv bestünden bereits seit dem Jahr 2004 Einschränkungen der Leistungsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten. Dies könne jedoch nachträglich nicht objektiviert werden, weshalb die attestierte Arbeitsunfähigkeit ab dem Gutachtenstermin gelte
. Eine Angststörung sei im Allgemeinen gut zu behandeln und habe eine günstige Prognose. Vorgängig
müsste jedoch eine
Entzugsbehandlung
der Benzodiazepine
erfolgen
(Urk. 6/29).
3.2
3.2.1
Zwischen der rentenzusprechenden Verfügung vom
9.
Januar 2008 und der nun strittigen Verfügung liegen im Wesentlichen die folgenden medizinischen Berichte
zum psychischen Gesundheitszustand
vor:
3.2.2
Seit dem 17. November 2009 ist der
Beschwerdeführer bei
Dr.
C._
in Behand
lung.
Dr.
C._
hielt im Bericht vom 25
. April 2011 (Urk. 6/69) folgende Diag
nosen fest (
S. 1
Ziff. 1.1):
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
depressive Episode mittelschwer (ICD-10 F32.11)
Störung durch Sedativa und Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom ständi
ger Gebrauch (ICD-10 F13.25)
Die Prognose von
Dr
.
A._
bezüglich Behandelbarkeit sei zu optimistisch gewe
sen: Der Beschwerdeführer bringe zum Beispiel die Voraussetzungen zu einer verhaltenstherapeutischen Behandlung keineswegs mit. Voraussetzung wäre ein deutlicher Rückgang der Depression und der Abhängigkeit. Erstere
persistiere bisher, letztere sei jetzt kontrollierter, sei aber immer noch in einem zu hohen Dosisbereich und zudem ungenügend wirksam in der Dämmung der Angstsymptomatik (S. 2).
3.2.3
Am 12. August 2011
erstattete
Dr.
B._
im Auftrag der
Beschwerdegeg
nerin
ein psychiatrisches Gutachten (Urk. 6/72).
Der Beschwerdeführer gab gegenüber
Dr.
B._
an, es gehe ihm seit Beginn der psychiatrischen Behandlung bei
Dr.
C._
nicht besser, sein Zustand habe sich seit 2010 ver
schlechtert. Er habe immer weniger Energie, sehe schwarz, mache den ganzen Tag überhaupt nichts mehr und habe keine Zukunftsperspektiven (S. 6 unten).
Dr.
B._
führt
e
aus, es bestehe
eine psychoneurotische
Persönlichkeits
störung
mit
deutliche
r
Unausgeglichenheit in den Einstellungen, im Verhalten, in der Affektivität, im Antrieb, Wahrnehmen und Denken sowie in den Bezie
hungen zu anderen. Das Verhaltensmuster sei andauernd und gleichförmig, tiefgreifend, mit Beginn in der Kindheit, habe zu starkem subjektiven Leiden geführt und sei mit schwerer Einschränkung der beruflichen und sozialen Leis
tungsfähigkeit verbunden (S. 10 Mitte).
Dr.
A._
habe eine
Anpassungsstörung diagnostiziert. Dem könne nicht zugestimmt werden. Die Störung gehe massiv tiefer, habe ihren Anfang in der Kindheit genommen, was zu einer
Persönlich
keitsstörung
geführt habe (S. 12 Mitte).
Dr.
B._
stellte folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 7 unten
):
psychoneurotische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8)
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Epi
sode mit
Somatisierungsneigung
(ICD-10 F33.2)
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe inzwischen eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für jegliche Tätigkeiten in der freien Wirtschaft. Dies gelte seit Januar 201
0.
Für eine Tätigkeit in geschütztem Rahmen bestehe schätzungsweise eine Arbeitsfähigkeit von 30 %, was jedoch vor Ort evaluiert werden müsste (S. 11 oben).
3.2.4
Mit Verfügung vom 4. April 2013
wurde
Dr.
C._
auf Widersprüchlichkeiten in seinem Bericht vom 25. April 2011 hingewiesen: Seiner Ansicht nach soll der Beschwerdeführer in angepasster Tätigkeit lediglich für wenige Stunden täglich (ca. 25 %) in geschütztem Rahmen arbeitsfähig sein. Gleichzeitig hielt
Dr.
C._
jedoch in der bisherigen Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 40 % zumutbar.
Dr.
C._
wurde um eine Stellungnahme
gebeten, ob er an der attestierten Arbeitsfähigkeit festhalte (Urk. 12 S. 2 Ziff. 3).
Mit Schreiben vom 3. Mai 2013 (Urk. 15) führte
er
aus, er
sei nie von einer 40%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Verkäufer ausge
gangen, da aus orthopädischer Sicht für diese Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Seine Angaben hätten sich auf die rein psychiatrische Einschät
zung einer Arbeits
un
fähigkeit von 60 % bezogen. Dies sei deutlich zu tief ange
setzt. Die Angabe eines Versuches an einem geschützten Arbeitsplatz von zu Beginn zwei Stunden täglich habe seiner effektiven damaligen Einschätzung der Belastbarkeit des Beschwerdeführers entsprochen (Ziff. 3.1). Bis heute bestehe keinerlei Arbeitsfähigkeit im privatwirtschaftlichen
Bereich (Ziff. 3.2).
3.2.5
Am 8. Juli 2013 nahmen die beratenden Ärzte der Beigeladenen,
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Stellung zu den medizinischen Aspekten (Urk. 21/1).
Die beiden beratenden Ärzte führten unter anderem zu den Gutachten von
Dr.
A._
und
Dr.
B._
aus, es sei beiden Gutachten gemeinsam, dass divergente medizinische Angaben, so unter ande
rem somatische Beschwerden, kaum diskutiert worden seien: Laut dem Gutach
ten vo
n
2009 von
Dr.
A._
klage der Beschwerdeführer über rezidivierendes Erbrechen und häufige Diarrhoe, jedoch sei ein Vergleich mit dem
Gewichts
verlauf
(vgl. dazu Fussnote S. 3
) unterblieben. Im Gutachten von
2011 von
Dr.
B._
sei vermerkt worden, der Beschwerdeführer esse Frühstück und ein einfaches warmes Gericht. Dies wiederum erkläre das Übergewicht nicht. Im Gutachten von
Dr.
A._
sei s
odann ein Nikotinkonsum von 2 bis 2.5 Päckchen pro Tag angegeben, was auf der somatischen Ebene zur Klage über Atemnot und Druck auf der Brust passen würde.
Dies hätte in die
differenzialdiagnosti
schen
Überlegungen der Gutachter einfliessen müssen (S. 8 oben). In Anbetracht der Diskrepanzen zwischen den beiden psychiatrischen Gutachten dränge sich eine ausführliche diffe
re
nzialdiagnostische Erläuterung auf, beispielsweise zur Abgrenzung einer neurotischen Störung gegen eine Persönlichkeitsstörung und zur Zuordnung der unterschiedlich gravierend wahrgenommenen affektiven Symptome (S. 9 unten f.).
N
ebst den Divergenzen
aus psychiatrischer Sicht sollte auch eine somatische Standortbestimmung hinsichtlich des Bewegungs
apparats sowie hinsichtlich Herz-/Kreislauf, Lunge und Schlaf nicht ausser Acht gelassen werden. Es dränge sich daher eine
pluridisziplinäre
Abklärung auf (S. 10).
4.
4.1
Sowohl
Dr.
C._
als auch
Dr.
B._
h
ie
lten
eine Verschlechterung des psychi
schen Gesundheitszustandes fest
und eracht
et
en den Beschwerdeführer vollständig arbeit
sunfähig im ersten Arbeitsmarkt. Allenfalls
sei
dem Beschwer
deführer ihrer Ansicht nach ein kleines Pensum von 25-30 %
in geschütztem Rahmen
z
umutbar
(vgl. E. 3.2.2-3)
.
Beim Beschwerdeführer wurde in der Zwischenzeit
zusätzlich zu den bereits vorhandenen psychischen Einschränkungen
eine rezidivierende depressive Stö
rung schweren Ausmasses festgestellt.
Sodann
sind
trotz psychiatrischer Be
hand
lung nach wie vor
eine Panikstörung und eine Störung durch Sedativa und Hypnotika
vorhanden.
Dr
.
B._
diagnostizierte an
s
telle einer
Anpassungs
störung
eine Persönlichkeitsstörung
(vgl. Urk. 6/72/12 Mitte).
Ursprünglich diagnostizierte
Dr.
A._
die Anpassungsstörung
(vgl. E. 3.1)
. Sie stellte diesbe
züglich eine günstige Prognose bei psychotherapeutischer Behandlung (vgl. Urk. 6/21/7 unten). Dass die Anpassungsstörung von
Dr.
B._
nicht mehr bestätigt werden konnte, ist nicht zu beanstanden: Eine solche ist
gemäss
den klinisch-diagnostischen Leitlinien
vorübergehender Natur
und die Symptome halten, ausser bei der lä
ngeren depressiven Reaktion (F
43.21), meist nicht länger als 6 Monate an. Bei längerer Dauer sind sie in einem anderen Kapitel der ICD-10 zu verschlüsseln (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt, Hrsg.,
Internationale
Klas
sifikation psychischer Störungen, ICD-10,
6.
Auflage, Bern 2008, S. 184 ff.). Damit ist die andere Klassifikation von
Dr.
B._
nicht
zu beanstanden und entgegen der Ansicht der Vertrauensärzte der Beigeladenen (vgl. E. 3.2.5) drängt sich wegen dieser abweichenden Diagnosestellung keine weitere Abklärung auf.
Auch ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Vertrauensärzte der Beigeladenen auf eine polydisziplinäre Begutachtung drängen: In somatischer Hinsicht erga
ben sich bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung keine
Veränderungen (vgl. E. 2.3). Zudem machten w
eder der Beschwerdeführer noch die
Beschwer
degegnerin
Veränderungen des somatischen Gesundheitszustands geltend.
Während des gesamten Revisionsverfahrens waren ausschliesslich der psychi
sche Gesundheitszustand Thema der Abklärungen, da in somatischer Hinsicht kein weiterer Abklärungsbedarf bestand und besteht.
Somit ist d
as
Gutachten
von
Dr.
B._
nicht zu beanstanden und es
ent
spricht
auch
den erforderlichen Kriterien
:
Der Beschwerdeführer wurde seinen geltend gemachten Beschwerden entsprechend umfassend abgeklärt, das Gut
achten beruht
auf allseitigen Untersuchunge
n
, berücksichtig
t die geklagten Beschwerden (S. 3
Ziff. 2a)
und wurde in Kenntnis der
Vorakt
en
(Anamnese) abgegeben (S. 2 f
.
Ziff. 1
). Sodann sind die Darlegungen der medizinischen Zusammenhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend
und die Schlussfolgerungen in d
er Expertise sind begründet (S. 8
ff.).
Soweit
Dr.
B._
allerdings bereits ab Januar 2010 von eine
r
Verschlechterung aus
ging, ist dies mangels echtzeitlicher Dokumentation nicht nachvollziehbar, wes
halb
erst ab dem Gutachtenszeitpunkt von einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit auszugehen ist.
4.2
Zusammenfassend ist gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
B._
ab
August 2011 von
einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes auszugehen.
Ge
stützt auf Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) hat der Beschwerdeführer daher in Gutheissung der Beschwerde ab 1. November 2011 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
Ob die Schadenminderungspflicht verletzt wurde oder nicht, kann vorliegend grundsätzlich offen bleiben. Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung nur das Erhöhungsgesuch abgewiesen, die Leistungen aber gestützt auf
Art.
21
Abs.
4 ATSG weder gekürzt noch verweigert. Die Abweisung des Erhöhungsgesuchs erfolgte mit der Begründung, dass keine Verschlechterung nachgewiesen worden sei; es wurde seitens der Beschwerdegegnerin nicht gel
tend gemacht, eine Verschlechterung hätte bei einer Behandlung gemäss Auf
lage verhindert werden können. Am Rande sei jedoch darauf hingewiesen, dass die Schadenminderungspflicht, dem Beschwerdeführer auferlegt mit Verfügung vom
4.
September 2009 (
Urk.
6/41), ohnehin nicht verletzt wurde. Es ist am behandelnden Psychiater, sinnvolle Intervalle zwischen den Therapiestunden festzulegen. Was unter „engmaschig“ zu verstehen ist, ist auslegungsbedürftig und zu wenig konkret, um dem Beschwerdeführer bei einem Stundenrhythmus von jeder zweiten Woche eine Verletzung der Schadenminderungspflicht vor
zuwerfen. Eine Auflage bezüglich einer Entzugstherapie wurde sodann seitens der
Beschwerdegegnerin nie gemacht. Dass der Beschwerdeführer die Behand
lung bei
Dr.
C._
erst im November 2009 aufnahm, kann dem Beschwerdeführer ebenfalls nicht angelastet werden: Ein gewisser zeitlicher Spielraum, um eine geeignete Fachkraft zu finden und einen Termin zu erhalten, muss der versi
cherten Person schon zugestanden werden. Aus dem Ausbleiben des von
Dr.
A._
prognostizierten
Therapieerfolgs (
Urk.
6/29 S. 7 f.) darf ebenfalls nichts zuungunsten des Beschwerdeführers abgeleitet werden.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1 des
Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Anwendung dieser Kriterien
und unter Berücksichtigung der Kostennote vom 4. September 2013 (Urk. 27)
ist die
Par
teientschädigung
vorliegen
d
auf Fr.
1‘906.--
(inkl. Mehrwertsteuer und
Baraus
lagen
) festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.