Decision ID: 5e2dc5ec-99fe-5147-b8c7-824247b635dd
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KG
Chamber: SG_KG_002
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: civil_law

Sachverhalt
Frau A besitzt ein Grundstück in Jona, auf welchem sie nach Abbruch der Altbauten bis
2006 zwei Mehrfamilienhäuser erstellen liess. Die Gebäude sind an das Stromnetz der
Elektrizitätswerk Jona-Rapperswil AG (nachfolgend: EWJR AG) angeschlossen, einer
privatrechtlichen Aktiengesellschaft, an welcher die Stadt Rapperswil-Jona zu 20%
beteiligt ist. Gemäss den "Bedingungen für den Anschluss an das elektrische
Verteilnetz" der EWJR AG wird für den Anschluss einer Liegenschaft an das Stromnetz
ein Anschlussbeitrag von 1.2 % des Gebäudezeitwertes erhoben. Bei Ersatzbauten
errechnet sich der Beitrag anhand der Differenz zwischen dem alten und dem neuen
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Gebäudezeitwert. Gestützt darauf verlangte die EWJR AG im Jahr 2007 von Frau A
einen Anschlussbeitrag von Fr. 10'107.50, was diese nicht akzeptierte.
Das in der Folge von der EWJR AG eingeleitete Vermittlungsverfahren blieb
unvermittelt. Mit Klage beim Einzelrichter des Kreisgerichts Gaster-See verlangte die
EWJR AG die Bezahlung des Anschlussbeitrags. Die Beklagte beantragte
Nichteintreten, subsidiär die Abweisung der Klage. Mit Teilentscheid vom 14.
September 2009 trat der Einzelrichter auf die Klage ein.
Dagegen erhob die Beklagte Berufung mit dem Antrag, auf die Klage sei nicht
einzutreten. Die Klägerin beantragte die Abweisung der Berufung. Die Beklagte reichte
ausserdem eine nachträgliche Eingabe ein, deren Zulässigkeit von der Klägerin
bestritten wird.

Aus den Erwägungen:
II.
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese grundsätzlich erfüllt sind (Art. 79, 224 Abs. 1, 225 und 229 ZPO). Auf
die Berufung ist einzutreten. Soweit es die sachliche Zuständigkeit der Zivilgerichte zu
beurteilten gilt, ist im Folgenden näher darauf einzugehen.
2. Die Klägerin hat zur Untermauerung ihres Rechtsstandpunktes ein Gutachten von
Prof. X und Herrn Y, mehrere Schreiben von Prof. Z sowie weitere Literatur und
Materialien eingereicht. Diese äussern sich ausschliesslich zu Rechtsfragen. Sie sind
gleich zu behandeln wie die rechtlichen Ausführungen der Parteivertreter (vgl. zur
analogen Fragestellung im Zusammenhang mit Parteigutachten BGE 132 III 83 E. 3.4)
und im Rahmen der richterlichen Rechtsanwendung (Art. 78 ZPO) frei zu würdigen,
soweit sie für den Entscheid wesentlich sind (vgl. BGE 134 I 83 E. 4.1).
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3. Eine nachträgliche Eingabe ist nach Art. 164 Abs. 1 ZPO zulässig, wenn sie
erhebliche Tatsachenbehauptungen oder Beweisanträge enthält, die trotz zumutbarer
Sorgfalt nicht früher vorgebracht werden konnten (lit. a), oder wenn das rechtliche
Gehör es erfordert (lit. b). Die Beklagte setzt sich in ihrer nachträglichen Eingabe vom 4.
Januar 2010 mit den rechtlichen Ausführungen im Schreiben von Prof. Z auseinander,
welches die Klägerin mit der Berufungsantwort eingereicht hat. Die einzige
Tatsachenbehauptung, welche die Eingabe enthält, nämlich dass das Grundstück der
Klägerin in der Bauzone liege, war nie strittig, weshalb die Eingabe nicht gestützt auf
Art. 164 Abs. 1 lit. a ZPO zuzulassen ist. Das rechtliche Gehör (lit. b) erfordert eine
nachträgliche Eingabe dann, wenn neue Tatsachen oder Beweismittel zulässigerweise
in den Prozess eingebracht werden, zu denen eine Partei noch nicht hat Stellung
nehmen können (Leuenberger/Uffer-Tobler, Kommentar ZPO SG, Bern 1999, Art. 164
N 2). Unzulässig ist die nachträgliche Eingabe dagegen, um zu Rechtsstandpunkten
der Gegenpartei Stellung zu nehmen; dazu dient vielmehr die Verhandlung bzw. der
zweite Schriftenwechsel (Art. 234 ZPO). Zwar besteht nur in Streitigkeiten mit einem
Streitwert von mehr als Fr. 20'000.– ein voraussetzungsloser Anspruch auf eine
Verhandlung bzw. einen zweiten Schriftenwechsel. Erfordert jedoch ausnahmsweise
der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 6 Ziff. 1 EMRK), dass die Gegenpartei zu
neuen rechtlichen Vorbringen Stellung nehmen kann, so ist eine weitere Eingabe
zulässig. Der Hinweis auf die Stellungnahme zum Beweisergebnis (Art. 234 Abs. 2 lit. b
ZPO) ist in diesem Sinne nicht abschliessend zu verstehen, sondern steht für alle Fälle,
in denen das rechtliche Gehör Anspruch auf eine Würdigung neuer Umstände einräumt
(Leuenberger/Uffer-Tobler, a.a.O., Art. 234 N 5). In diesem Sinne war die Stellungahme
zu den neu eingereichten Rechtsgutachten zulässig, denn einer Partei ist es weder
möglich noch zumutbar, sich im Voraus zu möglichen Rechtsgutachten der
Gegenpartei zu äussern. Darin unterschieden sich Rechtsgutachten von der Lehre und
Rechtsprechung, bei denen eine Partei davon ausgehen muss, dass sie von der
Gegenpartei zitiert werden könnten. Die rechtlichen Standpunkte sind im Übrigen für
das Gericht ohnehin nicht bindend. Es wendet das Recht vielmehr von Amtes wegen
an, weshalb die Inhalte der Rechtsgutachten sowie die von den Parteien vertretenen
Rechtsstandpunkte frei zu würdigen sind.
III.
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1. Die Beklagte bestreitet die sachliche Zuständigkeit der Zivilgerichte mit der
Begründung, die eingeklagte Forderung sei öffentlich-rechtlicher Natur (vgl. Art. 1
Abs. 1 lit. a ZPO). Die Zuständigkeit des Zivilrechtswegs ist von Amtes wegen zu
prüfen (Art. 79 lit. a ZPO).
2. Der von der Klägerin geltend gemachte Anschlussbeitrag soll die Kosten ihrer
Investitionen in das Verteilnetz (Unterwerke, Mittel- und Niederspannungsverteilnetz,
Transformatoren, Verteilkabinen etc.) decken (vgl. "Bedingungen für den Anschluss an
das elektrische Verteilnetz" der EWJR AG). Die Auffassung der Vorinstanz, die
eingeklagte Forderung betreffe die Kosten für den Neuanschluss an das Verteilnetz,
trifft somit nicht zu. Davon zu unterscheiden wäre das Entgelt für die Erstellung der
Hausanschlussleitung. Dieses wurde allerdings von der Beklagten bezahlt und bildet
nicht Gegenstand dieses Verfahrens.
3. a) Das Bundesgericht stützt sich für die Abgrenzung des öffentlichen vom privaten
Recht auf verschiedene Theorien (dazu und zum Folgenden BGE 128 III 250 E. 2a; ZBl
1997, 410, E. 1a; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5.
Aufl., Zürich etc. 2006, Rn. 253-266, je mit Hinweisen). Nach der Subordinationstheorie
liegt dann öffentliches Recht vor, wenn der Staat dem Privaten hoheitlich
gegenübertritt; die Interessen- und die Funktionstheorie unterscheiden danach, ob
private oder öffentliche Interessen verfolgt bzw. öffentliche Aufgaben erfüllt werden; die
modale Theorie stellt auf die mit einer Regelung verbundene Sanktion ab. Diese
Theorien werden vom Bundesgericht kombiniert im Sinne eines Methodenpluralismus
auf den Einzelfall angewandt, soweit sie sich am besten zur Lösung der konkreten
Fragestellung eignen. Dabei ist zu beachten, dass die Abgrenzung zwischen
öffentlichem Recht und Privatrecht ganz unterschiedliche Funktionen erfüllt. Vorliegend
sollen nicht Gesetzesnormen als privat- oder öffentlich-rechtlich qualifiziert werden,
sondern das Rechtsverhältnis zwischen den Parteien.
b) Nach ständiger Rechtsprechung unterstehen die Rechtsbeziehungen zwischen
öffentlich-rechtlichen Elektrizitätswerken und privaten Strombezügern dem öffentlichen
Recht, wenn sie durch ein besonderes Hoheitsverhältnis begründet sind, was anhand
der Ausgestaltung der Benützungsordnung zu entscheiden ist. Ein öffentlich-
rechtliches Verhältnis liegt vor, wenn das Elektrizitätswerk unmittelbar öffentliche
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Zwecke verfolgt, die Gewinnerzielung zweitrangig ist und die Benützungsordnung
durch Gesetz oder Verwaltungsverordnung einseitig festgelegt ist, sodass kein
Spielraum für eine freie rechtsgeschäftliche Ausgestaltung mehr bleibt (Urteil des
Bundesgerichts 4C. 382/1995 vom 27. September 1996, ZBl 1997, 410, E. 1b; BGE
105 II 234 E. 2; Bezirksgericht Frauenfeld, 29. Juni 2001, ZBl 2002, 264, E. 2-3; VVGE
(OW) XIV Nr. 39, E. 3c/aa m.w.H.). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kommt es
dabei sehr wohl auf die Rechtsform und die Trägerschaft des Elektrizitätswerkes an.
Dass die Beziehungen zwischen einem staatlichen Elektrizitätswerk und seinen Kunden
je nach ihrer Ausgestaltung dem öffentlichen Recht oder dem Privatrecht unterstehen
können, bedeutet nicht, dass auf das Verhältnis zwischen einem privaten
Elektrizitätswerk und seinen Kunden die gleichen Kriterien anzuwenden seien. In BGE
93 I 228 qualifizierte das Bundesgericht die Rechtsbeziehungen zwischen der
privatrechtlichen AG Elektrizitätswerk Heiden und ihren Kunden als privatrechtlich,
obwohl die Gesellschaft, an welcher die Gemeinde Heiden beteiligt war, durch eine
Konzession verpflichtet war, die Gemeinde mit Elektrizität zu versorgen, und ihre
Geschäftsbedingungen in einem als "Reglement und Tarife" bezeichneten Dokument
einseitig festgelegt hatte (E. 4b; kritisch zu diesem Entscheid Luzius Eugster, Die
Rechtsnatur der Verhältnisse konzessionierter Privatunternehmen der Daseinsvorsorge
zu Dritten, insbesondere zu Abnehmern, Diss. Freiburg 1972, 34 f.). Die AG
Elektrizitätswerk Heiden verfolgte zwar öffentliche Interessen und nahm eine öffentliche
Aufgabe wahr. Weil ihr aber keine hoheitlichen Befugnisse verliehen worden waren,
handelte sie privatrechtlich. Nach der Rechtsprechung ist somit für die Qualifikation der
Rechtsbeziehungen zwischen einem nicht-staatlichen Elektrizitätswerk und seinen
Kunden nicht die Interessen- oder die Funktionstheorie, sondern die
Subordinationstheorie massgebend.
Im Übrigen ist auch in der Lehre unbestritten, dass der Anschluss ans Elektrizitätsnetz
privatrechtlich geregelt werden kann (Brigitta Kratz, Zu den Rechtsbeziehungen der
Elektrizitätsunternehmen mit den Endkunden, AJP 2003, 342, 344;
Vernehmlassungsentwurf zum Einführungsgesetz zur eidgenössischen
eidgenössischen Stromversorgungsgesetzgebung, Erläuternder Bericht des
Baudepartementes vom 12. Oktober 2009, 21; Michèle Balthasar,
Elektrizitätslieferungsverträge im Hinblick auf die Strommarktöffnung, Zürich 2008,
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40 f., betreffend den Muster-Netzanschlussvertrag des Verbands Schweizerischer
Elektrizitätsunternehmen VSE).
c) Im Kanton St. Gallen sind die politischen Gemeinden verpflichtet, die
Erschliessung der Bauzonen – einschliesslich der Elektrizitätsversorgung (Art. 49 Abs. 2
lit. b BauG) – zu planen und durchzuführen (Art. 50 Abs. 1 BauG; vgl. Heer, St.
Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rn. 532). Die Gemeinde muss mithin
für die Umsetzung der Erschliessungsplanung sorgen, das heisst sicherstellen, dass
der Schritt von der Planung zum physischen Bau von Strassen und Leitungen durch
spezialisierte (private oder öffentliche) Unternehmungen vollzogen wird. Dazu stehen
einer Gemeinde verschiedene Wege offen. Sie kann entweder im Einzelfall - etwa mit
Bezug auf einen bestimmte Strasse oder Überbauung - Werkverträge mit
Bauunternehmen, Elektrizitäts- und Wasserwerken abschliessen, welche dann die
nötigen Erschliessungsanlagen bauen. Alternativ kann eine Gemeinde mit einem
Netzbetreiber vereinbaren, dass dieser bei Bedarf und auf Wunsch der
Grundeigentümer Grundstücke an sein Netz anschliesst. Übernimmt ein privater
Netzbetreiber eine derartige Verpflichtung, ist dies als Leistungsauftrag im Sinne von
Art. 200 Abs. 1 des Gemeindegesetzes in der bis zum 31. Dezember 2009 geltenden
Fassung (nGS 36-29, im Folgenden "aGG") bzw. Art. 126 Abs. 1 lit. b des
totalrevidierten Gemeindegesetzes (im Folgenden "GG") zu qualifizieren. Mit dem
Leistungsauftrag kann eine Übertragung hoheitlicher Befugnisse verbunden sein, aber
sie muss es nicht (vgl. Art. 200 Abs. 2 aGG bzw. Art. 126 Abs. 2 GG).
Diese Regelung entspricht im Übrigen auch dem Subsidiaritätsgrundsatz der
Kantonsverfassung (Art. 25 Abs. 1 KV), wonach der Staat selbst jene Aufgaben, die im
öffentlichen Interesse liegen, nur zu erfüllen hat, soweit sie von Privaten nicht
angemessen erfüllt werden (vgl. dazu Botschaft zur KV, ABl 2000 251 f.; Bericht des
Baudepartementes vom 12. Oktober 2009, a.a.O., 21). Der Staat übernimmt damit die
Rolle des Gewährleisters, der – anders als der Leistungsstaat – nicht jede öffentliche
Aufgabe selbst erfüllt, sondern sicherstellt, dass die entsprechenden Leistungen von
irgend jemandem erbracht werden (dazu Kuno Schedler, Gewährleistungsstaat - eine
Konzeption für den Staat im New Public Management (2000), abrufbar unter http://
de.scientificcommons.org/5961 neues Fenster, 2–5). Es ist dabei offensichtlich, dass
nicht alle Entgelte für Leistungen unter Privaten, welche zu gewährleisten sich der Staat
ter
ter
http://de.scientificcommons.org/5961 http://de.scientificcommons.org/5961
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zur Aufgabe gemacht hat, öffentlich-rechtlich geregelt sind. So ist etwa das den SBB
geschuldete Entgelt für die Beförderung nicht öffentlich-rechtlicher, sondern
privatrechtlicher Natur, obwohl die SBB AG eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft
des öffentlichen Rechts ist (BGE 132 III 470 E. 3.3). Die Pflicht des
Dienstleistungsempfängers zur Bezahlung eines Entgelts wird nicht hoheitlich verfügt,
sondern ergibt sich aus dem privatrechtlichen Transportvertrag (Art. 19 i.V.m. Art. 56
Abs. 1 des Personenbeförderungsgesetzes, SR 745.1; vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann,
a.a.O., Rn. 2623). Auch die Dienstleistungen der Swisscom AG im Bereich ihrer
Grundversorgungskonzession (Art. 14 ff. FMG) sind privatrechtlicher Natur.
d) Die Klägerin ist als privatrechtliche Aktiengesellschaft, an welcher die Stadt
Rapperswil-Jona zu 20% beteiligt ist, eine gemischtwirtschaftliche Unternehmung im
Sinne von Art. 200 Abs. 1 aGG bzw. Art. 126 Abs. 1 lit. a GG (vgl. Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., Rn. 1496 ff.; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, § 10 N 3-5). Die damaligen Gemeinden Jona und
Rapperswil haben mit der Klägerin eine Vereinbarung geschlossen, in welcher sich die
Klägerin unter anderem verpflichtet hat, jeweils nach Massgabe der eidgenössischen
und kantonalen Gesetzgebung alle Endverbraucher an ihr Versorgungsnetz
anzuschliessen, Erschliessungsaufgaben zu übernehmen und den landesüblichen
Service public zu gewährleisten (Art. 4 der Vereinbarung vom 18. April 2006). Mit dem
Abschluss dieser Leistungsvereinbarung sind die Gemeinden ihrer Aufgabe
nachgekommen, für die Umsetzung der Erschliessungsplanung zu sorgen. Sie haben
der Klägerin aber keine hoheitlichen Befugnisse verliehen und die Klägerin kann
gegenüber den Grundeigentümern weder Verfügungen erlassen noch hoheitliche
Sanktionen verhängen. Dies wird von der Beklagten auch nicht behauptet. Nach der
hier entscheidenden Subordinationstheorie untersteht das Rechtsverhältnis zwischen
den Parteien somit dem Privatrecht.
4. Die Argumente der Beklagten ändern nichts an der privatrechtlichen Qualifikation
der eingeklagten Forderung.
a) Nach Ansicht der Beklagten sei ihr Verhältnis zur Klägerin öffentlich-rechtlicher
Natur, weil die Gemeinden der Klägerin mit der Vereinbarung eine Verwaltungsaufgabe
übertragen hätten. Die Beklagte bezweifelt zudem die Zulässigkeit einer solchen
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Delegation. Die Klägerin und die Vorinstanz verneinen, dass der Klägerin eine
öffentliche Aufgabe übertragen worden sei. Wie in Erwägung 3 dargelegt wurde,
unterscheiden sowohl das Bundesgericht als auch das st. gallische Gemeinderecht
zwischen der Delegation öffentlicher Aufgaben und der Delegation hoheitlicher
Befugnisse an Private. Ersterer ist die Funktionstheorie zuzuordnen, letzterer die
Subordinationstheorie. Da das Verhältnis zwischen der Klägerin und den
Grundeigentümern nicht anhand der Interessen- oder der Funktionstheorie zu
beurteilen ist, sondern anhand der Subordinationstheorie, erhält es durch die
Leistungsvereinbarung keinen öffentlich-rechtlichen Charakter.
b) Gemäss der Beklagten handle es sich bei dem Anschlussbeitrag um einen
Erschliessungsbeitrag nach Art. 51 Abs. 1 BauG zur Abgeltung des Sondervorteils, der
ihr aus dem Anschluss ihres Grundstück ans Elektrizitätsnetz entstanden sei. Der von
der Klägerin verlangte Anschlussbeitrag ist in Bezug auf die Bemessungsgrundlage
und den Abgabesatz nach dem Vorbild eines Erschliessungsbeitrags, also einer
öffentlich-rechtlichen Vorzugslast, ausgestaltet. Der Anschlussbeitrag hat auch die
Funktion einer Vorzugslast mit Finanzierungszweck (vgl. Vallender, Grundzüge des
Kausalabgabenrechts, Bern 1976, 96 und 101 ff., dort "Beitrag" genannt), da er die
Kosten der Investitionen in das Stromverteilnetz decken soll. Wäre die Klägerin eine
öffentlich-rechtliche Anstalt, so wäre der Anschlussbeitrag als Erschliessungsbeitrag
nach Art. 51 Abs. 1 BauG zu qualifizieren und bedürfte einer gesetzlichen Grundlage
(Art. 51 Abs. 3 BauG). Die Klägerin hat jedoch keine hoheitlichen Befugnisse und darf
auch keine öffentlich-rechtlichen Abgaben erheben. Dass der von ihr verlangte
Anschlussbeitrag nach dem Vorbild eines Erschliessungsbeitrags ausgestaltet ist,
macht ihn somit nicht zur öffentlich-rechtlichen Abgabe. Vielmehr sind die
"Bedingungen für den Anschluss an das elektrische Verteilnetz" der Klägerin, wie die
Vorinstanz zu Recht festhält, als privatrechtliche Allgemeine Vertrags- oder
Geschäftsbedingungen anzusehen.
c) Der Umstand, dass die Klägerin als Elektrizitätsnetzbetreiber in der Stadt
Rapperswil-Jona ein faktisches Monopol hat und damit die Vertragsfreiheit der
Grundeigentümer faktisch nicht gegeben ist, ändert nichts an der privatrechtlichen
Natur der Rechtsbeziehungen zwischen der Klägerin und den Grundeigentümern. Bau
und Betrieb lokaler Stromnetze sind ein natürliches Monopol (vgl. Botschaft StromVG,
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BBl 2005 1646; Weber/Kratz, § 7 N 130; Vallender, St. Galler Kommentar zur BV,
Art. 27 N 67), was ein Regulierungsproblem darstellt, zumal die Gefahr besteht, dass
der Netzbetreiber seine Stellung in volkswirtschaftlich schädlicher Weise ausnützt. Um
dies zu verhindern, existieren so verschiedene Mechanismen wie die Staatsaufsicht,
die Grundrechtsbindung Privater, welche öffentliche Aufgaben erfüllen (Art. 35 Abs. 2
BV), darunter die Bindung an das Äquivalenz- und das Kostendeckungsprinzip,
Kontrahierungspflichten, sowie das Verbot der Wettbewerbsbehinderung (Art. 7 und 12
Abs. 2 KG) und die Preisüberwachung (vgl. Art. 2 PüG). Diese Schutzmechanismen
greifen auch, wenn das Verhältnis zwischen dem Elektrizitätsnetzbetreiber und den
Grundeigentümern privatrechtlichen Charakter hat (vgl. Eugster, a.a.O., insbes. 48-54,
der dasselbe Ergebnis über eine Übernahme der in Deutschland entwickelten Figur des
Verwaltungsprivatrechts herbeiführen wollte).
Seit dem 1. Januar 2008 wird der Strommarkt durch das Bundesgesetz über die
Stromversorgung (StromVG, SR 734.7) reguliert. Als Regulierungsbehörde wurde die
Elektrizitätskommission (ElCom) geschaffen. Das StromVG bekämpft unerwünschte
Auswirkungen der Monopolstellung der Netzbetreiber durch Mechanismen wie eine
Anschlussgarantie für Endverbraucher (Art. 5 Abs. 2), die Pflicht, Kleinverbraucher zu
beliefern (Art. 6 Abs. 1), Vorschriften über die Tarifgestaltung (Art. 6 f.) und eine
finanzielle Entflechtung des Netzbetriebs von den übrigen Tätigkeiten der
Elektrizitätsversorger (Art. 10–12 StromVG). Diese Vorschriften gelten für jedes
Elektrizitätsversorgungsunternehmen, unabhängig von seiner privatrechtlichen oder
öffentlich-rechtlichen Organisationsform oder Trägerschaft. Auch aus diesem Gesetz
lässt sich somit nichts zugunsten einer öffentlich-rechtlichen Regelung des
vorliegenden Verhältnisses ableiten.
5. Nach dem Gesagten ist die Berufung abzuweisen und auf die Klage einzutreten.
Die Vorinstanz wird Bestand und Fälligkeit der eingeklagten Forderung nach den
Regeln des Vertragsrechts zu beurteilen haben. Was die Höhe der Forderung betrifft,
so räumt die Klägerin ein, dass sie das Kostendeckungs- und das Äquivalenzprinzip zu
beachten hat, was allerdings nicht gegen eine privatrechtliche Qualifikation des
Rechtverhältnisses spricht. Wird einem privatrechtlichen Anbieter faktisch oder
rechtlich eine Monopolstellung eingeräumt, so verlangt der Schutz vor Missbrauch
dieser Stellung nach einer transparenten Preisgestaltung. Werden das
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Kostendeckungs- und das Äquivalenzprinzip eingehalten, so erscheint es als
unwahrscheinlich, dass eine Wettbewerbsbehinderung im Sinne von Art. 12 Abs. 2 KG
vorliegt. In diesem Sinne ist es nicht zu beanstanden, wenn einem privatrechtlichen
Anbieter im Leistungsauftrag die Beachtung des Kostendeckungs- oder des
Äquivalenzprinzips vorgeschrieben wird oder sich dieser daran hält, um dem Vorwurf
des Missbrauchs der Monopolstellung zu begegnen. Es ist somit auch auf
privatrechtlicher Grundlage möglich und zulässig, dass die Gesamtkosten eines im
öffentlichen Interesse, aber nicht hoheitlich handelnden, privaten Anbieters auf die
Nutzniesser nach Massgabe des wirtschaftlichen Sondervorteils verlegt werden, den
sie aus der Einrichtung ziehen (BGE 129 I 346 E. 5.1; zu den möglichen und zulässigen
Berechnungsmethoden und Schematisierungen siehe Vallender, a.a.O., 116-122). Im
Übrigen steht eine solche Preisgestaltung keineswegs im Widerspruch zu den
Marktkräften. Vielmehr wäre auch in einem freien Markt davon auszugehen, dass ein
Nachfrager umso mehr für eine Leistung zu bezahlen bereit ist, als er von ihr profitiert.
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Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 17.02.2010 Art. 1 Abs. 1 lit. a, Art. 164 Abs. 1 lit. b ZPO (sGS 961.2). Nachträgliche Eingabe. Rechtsnatur des Anschlussbeitrags an das Stromnetz eines gemischtwirtschaftlichen Elektrizitätswerks. Eine nachträgliche Eingabe, in welcher eine Partei auf ein von der Gegenpartei eingereichtes Rechtsgutachten antwortet, ist zur Wahrung des rechtlichen Gehörs zuzulassen (E. II/3). Die Rechtsbeziehungen zwischen einem nicht-staatlichen Elektrizitätswerk und dessen Kunden sind nur dann öffentlich-rechtlicher Natur, wenn dem Elektrizitätswerk hoheitliche Befugnisse übertragen worden sind (Subordinationstheorie). Nicht entscheidend ist, dass eine öffentlich-rechtliche Leistungsvereinbarung besteht, der Anschlussbeitrag nach dem Vorbild einer Vorzugslast ausgestaltet ist, das Elektrizitätswerk ein faktisches Monopol hat und ans Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzip gebunden ist (E. III/3–5) (Kantonsgericht St. Gallen, III. Zivilkammer, 17. Februar 2010, BZ.2009.86).
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2021-09-19T18:26:30+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen