Decision ID: dc9a6e89-1428-4b85-9371-db7d25938b70
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm führt gegen A. (nachfolgend: Be-
schwerdeführer) eine Strafuntersuchung wegen des Vorwurfs der Drohung,
der Sachbeschädigung und der Tätlichkeiten. Die genannten Delikte soll er
am 13. März 2022 zum Nachteil seiner Ehefrau begangen haben. Der Be-
schwerdeführer wurde gleichentags festgenommen.
2.
2.1.
Mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau vom
16. März 2022 (HA.2022.121) wurde der Beschwerdeführer für die vorläu-
fige Dauer von drei Monaten, d.h. bis zum 13. Juni 2022, in Untersuchungs-
haft versetzt.
2.2.
Die Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts hiess die vom
Beschwerdeführer gegen die Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts
des Kantons Aargau vom 16. März 2022 erhobene Beschwerde am
13. April 2022 teilweise gut, ordnete die sofortige Entlassung des Be-
schwerdeführers aus der Untersuchungshaft und anstelle dessen die fol-
genden, einstweilen bis zum 13. Juni 2022 befristeten, Ersatzmassnahmen
an (SBK.2022.105):
"a) Dem Beschwerdeführer wird unter Androhung der Rückversetzung in Untersuchungshaft untersagt, mit C. Kontakt aufzunehmen, sei es
persönlich, schriftlich, per Telefon, per E‐Mail, per Textnachricht, per soziale Medien oder in sonst einer Weise.
b) Dem Beschwerdeführer wird verboten, sich an der Wohnadresse von
C. aufzuhalten. Bei zufälligem Aufeinandertreffen mit C. hat er sich umgehend zu entfernen."
2.3.
Mit Verfügung vom 15. Juni 2022 (HA.2022.278) verlängerte das Zwangs-
massnahmengericht des Kantons Aargau auf Antrag der Staatsanwalt-
schaft Zofingen-Kulm die bereits bestehenden Ersatzmassnahmen um
zwei Monate, d.h. bis zum 13. August 2022, und ordnete zusätzlich neue
Ersatzmassnahmen an:
" 1. Dem Beschuldigten wird unter Androhung der Rückversetzung in  untersagt, mit C. Kontakt aufzunehmen, sei es persönlich, schriftlich, per Telefon, per E‐Mail, per Textnachricht, per soziale Medien oder in sonst einer Weise.
- 3 -
2. Dem Beschuldigten wird verboten, sich an der Wohnadresse von C. . Bei zufälligem Aufeinandertreffen mit C. hat er sich umgehend zu entfernen.
3. Der Beschuldigte wird verpflichtet, sich wöchentlich einer deliktorientierten Psychotherapiestunde zu unterziehen, mit dem Ziel, alternative  und strukturierte Ordnungen sowie Re-Formulierung eigener Wertigkeiten zu erlernen.
4. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Staatsanwaltschaft innert 20  nach Erhalt des Entscheids des ZMG den gewählten Psychiater/ bekannt zu geben und eine Bestätigung für den ersten  bzw. den Zeitpunkt der Therapieaufnahme einzureichen.
5. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Staatsanwaltschaft nach 9  einen Zwischenbericht des behandelnden /Psychotherapeuten über den Verlauf der Therapie einzureichen.
6. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, den behandelnden Psychiater/ von der Wahrung des Berufsgeheimnisses (Art. 321 StGB) gegenüber der Staatsanwaltschaft zu entbinden und die  zusammen mit der Bestätigung gemäss Ziff. 2 hiervor ."
2.4.
Die vom Beschwerdeführer gegen die Verfügung des Zwangsmassnah-
mengerichts des Kantons Aargau vom 15. Juni 2022 erhobene Be-
schwerde wurde von der Beschwerdekammer in Strafsachen des Oberge-
richts am 27. Juli 2022 abgewiesen (SBK.2022.209).
2.5.
Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm verlängerte das Zwangs-
massnahmengericht des Kantons Aargau am 16. August 2022
(HA.2022.376) die Ersatzmassnahmen Ziffer 3 (neu Ziffer 1), Ziffer 5 (neu
Ziffer 2) und Ziffer 6 (neu Ziffer 3) um einen Monat, d.h. bis zum 13. Sep-
tember 2022.
2.6.
Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm verlängerte das Zwangs-
massnahmengericht des Kantons Aargau am 12. September 2022
(HA.2022.406) die Ersatzmassnahmen Ziffer 1 (Verpflichtung des Besuchs
einer wöchentlichen deliktorientierten Psychotherapie) und Ziffer 2 (Einrei-
chung eines Zwischenberichts des behandelnden Therapeuten nach neun
Therapiesitzungen) für die vorläufige Dauer von zwei Monaten, d.h. bis zum
13. November 2022.
- 4 -
3.
3.1.
Der Beschwerdeführer erhob am 22. September 2022 Beschwerde gegen
die ihm am 13. September 2022 zugestellte Verfügung des Zwangsmass-
nahmengerichts des Kantons Aargau vom 12. September 2022 und stellt
folgende Anträge:
"1. In Gutheissung der Beschwerde sei die Verlängerung der  nur bis am 20. Oktober 2022 zu bewilligen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates."
3.2.
Mit Beschwerdeantwort vom 26. September 2022 beantragte die Staatsan-
waltschaft Zofingen-Kulm die kostenfällige Abweisung der Beschwerde.
3.3.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau verzichtete am
27. September 2022 unter Verweis auf die Erwägungen in der angefochte-
nen Verfügung auf eine Stellungnahme.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Der Beschwerdeführer ist berechtigt, die Verfügung des Zwangsmassnah-
mengerichts des Kantons Aargau vom 12. September 2022, mit welcher
gegen ihn laufende Ersatzmassnahmen verlängert wurden, mit Be-
schwerde anzufechten (Art. 237 Abs. 4 StPO i.V.m. Art. 222 StPO; Art. 393
Abs. 1 lit. c StPO). Auf seine frist- und formgerecht erhobene Beschwerde
(Art. 396 Abs. 1 StPO; Art. 385 Abs. 1 StPO) ist einzutreten.
2.
Zusammengefasst erwog das Zwangsmassnahmengericht des Kantons
Aargau (nachfolgend: Vorinstanz) in der Verfügung vom 12. September
2022, hinsichtlich des Tatverdachts habe sich seit dem Erlass der Verfü-
gung vom 16. August 2022 nichts verändert. Damit sei der dringende Tat-
verdacht bezüglich der Sachbeschädigung und der Drohung nach wie vor
zu bejahen. Ferner bejahte die Vorinstanz den Haftgrund der Wiederho-
lungsgefahr. Sie stützte sich hierbei auf das psychiatrische Kurzgutach-
ten/Gefährlichkeitsgutachten von Dr. med. E., Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, R., vom 11. Mai 2022. Hinsichtlich der Verhältnismässig-
keit der angeordneten Ersatzmassnahmen erwog die Vorinstanz, diese
seien geeignet, der bestehenden Wiederholungsgefahr entgegenzuwirken.
Es bestehe keine Gefahr der Überhaft, zumal die Ersatzmassnahmen nicht
- 5 -
eins zu eins an die zu erwartende (Freiheits-)Strafe anzurechnen seien. Bei
Gutheissung des Verlängerungsantrags wären die erstandene Untersu-
chungshaft sowie die Ersatzmassnahmen im Umfang von vier Monaten an
die auszufällende Strafe anzurechnen. Damit drohe noch keine Überhaft.
Auch die übrigen Einwände des Beschwerdeführers erachtete die Vo-
rinstanz als unbegründet und gelangte zum Schluss, die Verlängerung der
bestehenden Ersatzmassnahmen um zwei Monate sei verhältnismässig.
3.
3.1.
Gemäss Art. 237 Abs. 1 StPO ordnet das zuständige Gericht anstelle der
Untersuchungs- oder Sicherheitshaft eine oder mehrere mildere Massnah-
men an, wenn sie den gleichen Zweck wie die Haft erfüllen. Mit der Bestim-
mung wird der Grundsatz der Verhältnismässigkeit (Art. 36 Abs. 3 BV;
Art. 197 Abs. 1 lit. c und d StPO) konkretisiert. Voraussetzung der Anord-
nung von Ersatzmassnahmen ist, dass die Grundvoraussetzungen der Haft
gemäss Art. 221 StPO erfüllt sind, insbesondere ein dringender Tatver-
dacht und ein besonderer Haftgrund vorliegen. Die Untersuchungshaft
muss verhältnismässig sein (Art. 197 Abs. 1 lit. c und d StPO) und darf nicht
länger dauern als die zu erwartende Freiheitsstrafe (Art. 212 Abs. 3 StPO).
3.2.
Angesichts des unmissverständlichen Antrags des Beschwerdeführers in
seiner Beschwerde, womit er einzig die Dauer der Verlängerung der Er-
satzmassnahmen moniert, ist das Vorliegen des dringenden Tatverdachts
unbestritten geblieben, so dass es bei den vorinstanzlichen Erwägungen
bleibt (vgl. Verfügung, E. 9.3.4.). Gesagtes gilt für den besonderen Haft-
grund der Wiederholungsgefahr, welche der Beschwerdeführer in seiner
Beschwerde zwar sinngemäss zu bestreiten scheint, sich aber diesbezüg-
lich nicht ansatzweise mit den vorinstanzlichen Erwägungen auseinander-
setzt. Abgesehen davon dürfte sehr unwahrscheinlich sein, dass die Rück-
fallgefahr mit 7 Therapiesitzungen gänzlich verschwunden ist. In den Akten
finden sich jedenfalls keine dahingehenden Hinweise. Im Ergebnis sind so-
wohl der dringende Tatverdacht wie auch der besondere Haftgrund der
Wiederholungsgefahr gegeben.
3.3.
3.3.1.
Der Beschwerdeführer bezweifelt die Verhältnismässigkeit der angeordne-
ten Massnahmen. Er macht geltend, eine Verlängerung der Ersatzmass-
nahmen um zwei Monate sei nicht erforderlich, da sein Therapeut der
Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm ab dem 10. Oktober 2022 einen Ver-
laufsbericht einzureichen habe. Komme der Therapeut zum Schluss, dass
keine Rückfallgefahr mehr vorliege, so bestehe auch keine Gefahr der Ver-
schleppung des Verfahrens. Es müsse möglich sein, diese Frage bis zum
- 6 -
20. Oktober 2022 zu beantworten. Daher sei es nicht erforderlich, die Er-
satzmassnahmen bis zum 13. November 2022 zu verlängern. Sollte sich
nach Vorliegen des Berichts ergeben, dass zur Senkung des Rückfallrisi-
kos eine Therapie nach wie vor notwendig sei, sei dannzumal eine weitere
Verlängerung der Ersatzmassnahmen zu beantragen. Des Weiteren
müsse beachtet werden, dass die Überhaft langsam nähherrücke. Dabei
müsse berücksichtigt werden, dass seine Ehefrau im sistierten Verfahren
vor dem Bezirksgericht Zofingen keine Aufhebung der Sistierung beantragt
habe. Schliesslich halte er daran fest, dass die ausstehenden Verfahrens-
handlungen nicht als Argument für die Verlängerung der Ersatzmassnah-
men dienen könnten.
3.3.2.
Hinsichtlich der Verhältnismässigkeit der angeordneten Ersatzmassnah-
men führt die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm in der Beschwerdeantwort
aus, aus dem Umstand, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers bisher
keine Aufhebung der Sistierung eines separaten Verfahrens vor dem Be-
zirksgericht Zofingen verlangt habe, könne der Beschwerdeführer im vor-
liegenden Verfahren nichts zu seinen Gunsten ableiten. Dabei gelte es zu
bemerken, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers sich gemäss ihren ei-
genen Aussagen damit abgefunden habe, vom Beschwerdeführer früher
oder später getötet zu werden.
3.3.3.
Die Ersatzmassnahmen müssen ihrerseits verhältnismässig sein. Dies gilt
insbesondere in zeitlicher Hinsicht (BGE 140 IV 74 E. 2.2). Gemäss Art. 31
Abs. 3 BV und Art. 5 Ziff. 3 EMRK hat eine in strafprozessualer Haft gehal-
tene Person Anspruch darauf, innerhalb einer angemessenen Frist richter-
lich abgeurteilt oder während des Strafverfahrens aus der Haft entlassen
zu werden. Eine übermässige Haftdauer stellt eine unverhältnismässige
Beschränkung des Grundrechts auf persönliche Freiheit dar. Sie liegt dann
vor, wenn die Haftfrist die mutmassliche Dauer der zu erwartenden frei-
heitsentziehenden Sanktion übersteigt (vgl. auch Art. 212 Abs. 3 StPO). Bei
der Prüfung der Verhältnismässigkeit der Haftdauer ist namentlich der
Schwere der fraglichen Straftaten Rechnung zu tragen. Der Richter darf die
Haft nur so lange erstrecken, als sie nicht in grosse zeitliche Nähe zur zu
erwartenden Dauer der freiheitsentziehenden Sanktion rückt (BGE 145 IV
179 E. 3.1; 143 IV 168 E. 5.1; 139 IV 270 E. 3.1; je mit Hinweisen). Ob eine
Haftdauer als übermässig bezeichnet werden muss, ist aufgrund der kon-
kreten Verhältnisse des einzelnen Falls zu beurteilen (BGE 145 IV 179
E. 3.5; 133 I 168 E. 4.1 mit Hinweisen; zum Ganzen: Urteil des Bundesge-
richts 1B_377/2022 vom 15. August 2022 E. 8.1.3).
Nach der Rechtsprechung sind Ersatzmassnahmen analog der Untersu-
chungshaft gemäss Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe anzurechnen. Bei
der Bestimmung der anrechenbaren Dauer hat das Gericht den Grad der
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- 7 -
Beschränkung der persönlichen Freiheit im Vergleich zum Freiheitsentzug
bei Untersuchungshaft zu berücksichtigen. Dabei kommt dem Gericht ein
erheblicher Ermessensspielraum zu (BGE 140 IV 74 E. 2.4 mit Hinweisen).
Da Ersatzmassnahmen praktisch begriffsnotwendig weniger stark in die
Rechte der betroffenen Person eingreifen als ein Freiheitsentzug, dürfen
sie regelmässig länger dauern als die Untersuchungshaft, nämlich so
lange, wie der Eingriff in die Rechte der betroffenen Person seiner gesam-
ten Schwere nach nicht in die Nähe einer zu erwartenden Freiheitsstrafe
kommt. Bei der Bestimmung der anrechenbaren Dauer der Ersatzmass-
nahmen hat das Gericht den Grad der Beschränkung der persönlichen Frei-
heit im Vergleich zum Freiheitsentzug bei Untersuchungshaft zu berück-
sichtigen (vgl. Beschluss der Beschwerdekammer in Strafsachen des
Obergerichts des Kantons Bern BK 2014 45 vom 28. Februar 2014 E. 6.3;
Urteil des Bundesgerichts 6B_396/2011 vom 10. Oktober 2011 E. 7.3 mit
Hinweisen).
3.3.4.
Die angeordnete Verlängerung der Ersatzmassnahmen um weitere zwei
Monate ist ohne Weiteres verhältnismässig. Zunächst sind die angeordne-
ten Massnahmen geeignet, um der nach wie vor bestehenden Wiederho-
lungsgefahr wirksam zu begegnen. Wie die Vorinstanz zutreffend ausge-
führt hat, droht noch keine Überhaft. Der Beschwerdeführer macht dies zu
Recht auch nicht konkret geltend. Diesbezüglich kann grundsätzlich auf die
zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden.
Demnach befand sich der Beschwerdeführer während rund einem Monat
in Untersuchungshaft. Diese ist vollständig an die auszufällende Strafe an-
zurechnen. Die zu erduldenden Ersatzmassnahmen würden bei einer Ver-
längerung um weitere zwei Monate insgesamt sieben Monate dauern. Da-
bei kann mit der Vorinstanz von einer hälftigen Anrechnung der Dauer der
Ersatzmassnahmen ausgegangen werden, solange das Kontaktverbot be-
stand und sich der Beschwerdeführer nicht an seinem Wohnort aufhalten
durfte. Die Ersatzmassnahmen in der Zeit von Mitte April 2022 bis Mitte
August 2022 sind daher mutmasslich im Umfang von zwei Monaten anre-
chenbar. Seit dem Wegfall des Kontakt- und Rayonverbots sind die Be-
schränkungen der persönlichen Freiheit im Vergleich zur Untersuchungs-
haft gering, weshalb die Einschätzung, wonach ein Sachgericht die Dauer
der Ersatzmassnahmen im Umfang von rund einem Drittel anrechnen wird,
nicht abwegig erscheint. Die Ersatzmassnahmen in der Zeit von Mitte Au-
gust 2022 bis Mitte November 2022 sind daher im Umfang von einem Mo-
nat anzurechnen. Ohne der Beurteilung durch ein Sachgericht vorgreifen
zu wollen, sind somit bei Gutheissung des Verlängerungsantrags die Un-
tersuchungshaft sowie die Ersatzmassnahmen im Umfang von rund vier
Monaten an die zu erwartende (Freiheits-)Strafe anzurechnen. Angesichts
der Delikte, die dem Beschwerdeführer zur Last gelegt werden, ist davon
auszugehen, dass die auszufällende (Freiheits-)Strafe höher ausfallen wird
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als die Dauer der Untersuchungshaft sowie der (anrechenbaren) Ersatz-
massnahmen. Dies gilt selbst unter Berücksichtigung des Umstandes, dass
dem Beschwerdeführer in einem anderen Strafverfahren zwar weitere De-
likte zum Nachteil seiner Ehefrau zur Last gelegt werden, dass das ent-
sprechende Verfahren allerdings sistiert wurde und der Ausgang des Ver-
fahrens unklar ist (vgl. Verfügung des Präsidenten des Strafgerichts des
Bezirksgerichts Zofingen vom 24. Februar 2022). Insofern erweist sich der
Hinweis des Beschwerdeführers auf das sistierte Strafverfahren als nicht
stichhaltig. Es besteht somit keine Gefahr der Überhaft.
Mit Blick auf die Verhältnismässigkeit ist auch nicht zu beanstanden, dass
die Massnahmen bis zum Abschluss der Strafuntersuchung, wofür die
Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm zwei Monate veranschlagt, aufrecht-
erhalten werden sollen. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend ausgeführt
hat, kann die Anordnung von Untersuchungshaft – was ohne Weiteres auch
für Ersatzmassnahmen gelten muss – wegen Wiederholungsgefahr ge-
mäss Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO dem Verfahrensziel der Beschleunigung
dienen, indem verhindert wird, dass sich der Strafprozess durch immer
neue Delikte kompliziert und in die Länge zieht. Auch die Wahrung des In-
teresses an der Verhütung weiterer schwerwiegender Delikte ist nicht ver-
fassungs- und grundrechtswidrig. Vielmehr anerkennt Art. 5 Ziff. 1 lit. c
EMRK ausdrücklich die Notwendigkeit, Beschuldigte an der Begehung
strafbarer Handlungen zu hindern, somit Spezialprävention, als Haftgrund
(BGE 143 IV 9 E. 2.2 f. mit Hinweisen). Weshalb die Gefahr weiterer Delikte
nicht mehr drohen soll, wenn einzig noch der Abschluss der Strafuntersu-
chung, insbesondere die Schlusseinvernahme, ausstehend ist, leuchtet
nicht ein. Sollte der therapeutische Verlaufsbericht, welcher bereits nach
der neunten Therapiesitzung einzureichen ist, ergeben, dass die Wieder-
holungsgefahr wesentlich reduziert werden konnte und sollten sich die Er-
satzmassnahmen deswegen als nicht mehr verhältnismässig erweisen,
wären sie von der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm ohnehin aufzuheben.
Gemäss Angaben des Beschwerdeführers findet die neunte Therapiesit-
zung bereits in der ersten Oktoberhälfte statt. Daneben steht es dem Be-
schwerdeführer offen, jederzeit die Aufhebung der Ersatzmassnahmen zu
beantragten (Art. 226 Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 237 Abs. 4 StPO).
3.4.
Zusammenfassend erweist sich die Verlängerung der angeordneten Er-
satzmassnahmen um weitere zwei Monate als verhältnismässig. Die Be-
schwerde ist deshalb abzuweisen.
4.
4.1.
Bei diesem Ausgang hat der Beschwerdeführer die Kosten des Beschwer-
deverfahrens zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2022&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=untersuchungshaft+wiederholungsgefahr+beschleunigung&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-9%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page9
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4.2.
Die dem amtlichen Verteidiger des Beschwerdeführers für das vorliegende
Beschwerdeverfahren auszurichtende Entschädigung ist am Ende des
Strafverfahrens von der zuständigen Instanz festzulegen (Art. 135 Abs. 2
StPO).