Decision ID: a4c556dd-b8db-4c75-8a09-6a6836d3daf2
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
B._ sel. bezog seit Jahren eine Ergänzungsleistung zu einer Altersrente der AHV.
Der Betrag der Ergänzungsleistung belief sich ab Januar 2021 auf 1’598 Franken pro
Monat (EL-act. 33). Bei der Anspruchsberechnung hatte die EL-Durchführungsstelle die
kantonale Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung, eine
Heimtaxe von 180 Franken pro Tag, einen Selbstbehalt für die Pflegekosten von 23
Franken pro Tag sowie eine Pauschale für persönliche Auslagen als Ausgaben und die
Rentenleistungen der AHV und der beruflichen Vorsorge sowie drei Leibrenten als
Einnahmen berücksichtigt; bei einem massgeblichen Vermögen von 9’361 Franken
hatte unter Berücksichtigung des gesetzlichen Freibetrages von 37’500 Franken kein
anrechenbarer (hypothetischer) Vermögensverzehr resultiert (EL-act. 32).
A.a.
Am 8. April 2021 meldete die Wohnsitzgemeinde der EL-Durchführungsstelle,
dass die EL-Bezügerin am 6. April 2021 verstorben sei (EL-act. 30). Eine
Steuerauskunft vom 14. April 2021 ergab, dass die Versicherte per 31. Dezember 2019
Wertschriften und Guthaben in der Höhe von 12’146 Franken besessen hatte (EL-act.
29). Am 7. Mai 2021 teilte das Pflegeheim der EL-Durchführungsstelle per E-Mail mit,
dass das Zimmer der verstorbenen EL-Bezügerin am 8. April 2021 geräumt worden sei
(EL-act. 28). Gemäss der Heimrechnung für den April 2021 (EL-act. 27) waren die
Tagestaxe Hotellerie von 150 Franken für acht Tage sowie die Betreuungspauschale
von 30 Franken und der Selbstbehalt für die Pflegekosten von 23 Franken für jeweils
sechs Tage in Rechnung gestellt worden. Die zuständige EL-Sachbearbeiterin notierte
am 7. Mai 2021 (EL-act. 26), dass sich die Kosten für die Hotellerie im Zeitraum 1. bis
6. April 2021 auf 29.59 Franken pro Tag (= 150 Franken pro Tag × 6 Tage × 12 Monate
÷ 365 Tage), die Kosten für die Betreuung auf 5.92 Franken pro Tag (= 30 Franken pro
A.b.
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Tag × 6 × 12 ÷ 365) und der Selbstbehalt für die Pflegekosten auf 4.54 Franken pro Tag
(= 23 Franken pro Tag × 6 × 12 ÷ 365) belaufen hätten. Die Reservationstaxe
(Tagestaxe Hotellerie) habe im Zeitraum vom 7. bis 8. April 2021 9.87 Franken betragen
(= 150 Franken × 2 × 12 ÷ 365). Mit einer Verfügung vom 11. Mai 2021 eröffnete die
EL-Durchführungsstelle der Vertreterin der verstorbenen EL-Bezügerin, dass letztere ab
1. April 2021 keinen Anspruch mehr auf EL-Leistungen habe (EL-act. 24). Für den
Monat April 2021 forderte sie einen Betrag von 1’130 Franken zurück. Zur Begründung
hielt sie fest, dass im Monat des Todesfalls lediglich jene Heimkosten berücksichtigt
werden könnten, die auch tatsächlich vom Heim in Rechnung gestellt worden seien. In
der Anspruchsberechnung für den April 2021 hatte die EL-Durchführungsstelle eine
Tagestaxe Hotellerie von 39.46 Franken (29.59 + 9.87 Franken), eine Tagestaxe
Betreuung von 5.92 Franken und einen Selbstbehalt für die Pflegekosten von 4.54
Franken pro Tag angerechnet. Aufgerechnet auf ein Jahr hatten sich die anrechenbaren
Tagestaxen (Hotellerie und Betreuung) auf 16’564 Franken und der Selbstbehalt für die
Pflegekosten auf 1’658 Franken belaufen. Bei ansonsten unveränderten Ausgaben- und
Einnahmenpositionen hatte für den April 2021 ein Einnahmenüberschuss von 36’699
Franken pro Jahr resultiert.
Am 31. Mai 2021 bat die Vertreterin der verstorbenen EL-Bezügerin die EL-
Durchführungsstelle um eine Fristerstreckung zur Einspracheerhebung bis zum
Vorliegen der Erbbescheinigung (EL-act. 22). Am 3. Juni 2021 teilte die EL-
Durchführungsstelle der Vertreterin mit, dass sie dieses Schreiben als Einsprache
gegen die Verfügung vom 11. Mai 2021 entgegengenommen habe (EL-act. 20 f.). Sie
forderte die Vertreterin auf, bis 30. August 2021 eine Erklärung der Erbengemeinschaft
einzureichen, ob das Einspracheverfahren fortgeführt werden solle oder nicht. Die
Vertreterin antwortete am 4. Juni 2021, dass die Erbbescheinigung bis Ende Juli oder
August 2021 vorliegen sollte (EL-act. 19). Am 1. September 2021 ging bei der EL-
Durchführungsstelle die beim Amt für Handelsregister und Notariate angeforderte
Erbbescheinigung vom 13. August 2021 ein, gemäss welcher die Vertreterin der
verstorbenen EL-Bezügerin als eingesetzte Alleinerbin anerkannt und keine
Erbschaftsausschlagung eingereicht worden war (EL-act. 17). Mit einem Schreiben
vom 2. September 2021 (EL-act. 15) erläuterte die EL-Durchführungsstelle der
Alleinerbin noch einmal den Grund für die EL-Rückforderung von 1’130 Franken. Sie
A.c.
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B.
wies auf die Möglichkeit hin, die Einsprache zurückzuziehen. Die Alleinerbin antwortete
am 4. September 2021 (EL-act. 13), dass sie die Berechnungsgrundlage nicht
beanstande. Beim kantonalen Steueramt laufe jedoch noch eine Überprüfung
sämtlicher „Instanzabrechnungen“. Der Kontostand von 30’000 Franken sei zu
schützen. Die Alleinerbin verlangte die Sistierung des Verfahrens bis zum Abschluss
der steuerrechtlichen Überprüfung. Eine Rechtsdienstmitarbeiterin teilte der Alleinerbin
am 9. September 2021 mit (EL-act. 12), dass der Sistierungsantrag abgelehnt werde,
weil die Überprüfung durch das Steueramt den vorliegend zu prüfenden EL-Anspruch
nicht tangiere. Sie bat die Alleinerbin erneut darum, mitzuteilen, ob sie an der
Einsprache festhalten oder diese zurückziehen möchte. Die Alleinerbin antwortete am
31. Oktober 2021, strittig sei auch, ob für den April 2021 noch ein Anspruch auf die
Prämienverbilligung bestehe (EL-act. 9). Ausserdem bat sie die EL-Durchführungsstelle
darum, die Heimrechnung für den April 2021 detailliert zu überprüfen.
Mit einem Entscheid vom 17. November 2021 wies die EL-Durchführungsstelle
das Sistierungsgesuch sowie die Einsprache, soweit sie überhaupt darauf eingetreten
war, ab (EL-act. 7). Zur Begründung hielt sie fest, dass die Überprüfung der
Heimrechnung Sache des Pflegeheimes sei; diesbezüglich sei nicht auf die Einsprache
einzutreten. Die EL-Durchführungsstelle habe den „geschützten“ Betrag von 30’000
Franken bei der Anrechnung des Vermögens beachtet. So habe sie vom Barvermögen
von 9’361 Franken keinen Betrag als Einnahme angerechnet. Der in diesem
Zusammenhang gestellte Sistierungsantrag sei abzuweisen, zumal auch sonst keine
Gründe für eine Sistierung ersichtlich seien. Aufgrund des Todes der EL-Bezügerin
habe die EL-Durchführungsstelle den direkt dem Krankenversicherer ausbezahlten
Pauschalbetrag für die obligatorische Krankenversicherung für den April 2021 vom
Krankenversicherer zurückgefordert. Diese Rückforderung sei rechtens gewesen, weil
für den April 2021 ein Einnahmenüberschuss resultiert habe. Die angefochtene
Verfügung sei rechtmässig.
A.d.
Am 16. Dezember 2021 leitete die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherungsgericht ein Schreiben der Alleinerbin vom 12. Dezember 2021 zur
Prüfung als Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 17. November 2021
B.a.
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Erwägungen
1.
weiter (act. G 1). Die Alleinerbin hatte in diesem Schreiben insbesondere eine hängige
Einsprache beim Steueramt C._ erwähnt (act. G 1.1). Das Gericht teilte der
Alleinerbin am 22. Dezember 2021 mit, aus dem Schreiben vom 12. Dezember 2021 sei
nicht ersichtlich, ob sie gegen den Einspracheentscheid vom 17. November 2021
tatsächlich Beschwerde erheben wolle (act. G 2). Sollte dies der Fall sei, habe sie dem
Gericht bis spätestens am 12. Januar 2022 ihren Beschwerdewillen schriftlich zu
erklären. Innert der einmal erstreckten Frist antwortete die Alleinerbin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) dem Gericht (act. G 5), dass der gesetzlich geschützte
Vermögensfreibetrag von 30’000 Franken nicht berücksichtigt worden sei. Der aktuelle
Restbetrag des Vermögens der verstorbenen EL-Bezügerin von etwa 9’361 Franken
werde die auflaufenden Kosten wie die Grabbetreuung, den Grabstein und die
Verfahrenskosten nicht abdecken. Sie stelle daher den Antrag, dass der Restbetrag
von 20’639 Franken (= 30’000 – 9’361 Franken) zurückerstattet werde.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte
am 28. Februar 2022 die Abweisung der Beschwerde (act. G 9). Zur Begründung
verwies sie auf die Erwägungen im Einspracheentscheid.
B.b.
Die EL-Bezügerin ist am _ 2021 verstorben. Sie hatte ihre Vertreterin als
Alleinerbin eingesetzt. Die Alleinerbin hat gegen die Verfügung vom 11. Mai 2021
Einsprache und gegen den hierauf erlassenen Einspracheentscheid vom 17. November
2021 Beschwerde erhoben. Beschwerdeführerin des vorliegenden Verfahrens ist somit
die Alleinerbin der verstorbenen EL-Bezügerin.
1.1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheides vom 17. November 2021 auf dessen Rechtmässigkeit, weshalb
sein Gegenstand jenem des Einspracheverfahrens entsprechen muss. Auch das
Einspracheverfahren ist ein („echtes“) Rechtsmittelverfahren gewesen, das heisst sein
Zweck hat sich in der Überprüfung der Rechtmässigkeit der Verfügung vom 11. Mai
2021 erschöpft. Sein Gegenstand hat damit zwingend jenem des vorangegangenen
Verwaltungsverfahrens entsprochen. Das Verwaltungsverfahren, das mit der Verfügung
vom 11. Mai 2021 abgeschlossen worden ist, hat die revisionsweise Aufhebung der
laufenden Ergänzungsleistung per Ende März 2021 sowie die daraus resultierende
1.2.
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2.
Rückforderung des für den Monat April 2021 bereits direkt der EL-Bezügerin
ausbezahlten Teils der Ergänzungsleistung im Betrag von 1’130 Franken zum
Gegenstand gehabt. Bei genauer Betrachtung hat die Verfügung vom 11. Mai 2021
damit also zwei Gegenstände betroffen, nämlich einerseits die revisionsweise
Aufhebung der Ergänzungsleistung und andererseits die Rückforderung eines Teils der
Ergänzungsleistung für den Monat April 2021. Da sich die Einsprache der
Beschwerdeführerin auf beide Gegenstände bezogen hat, hat auch das
Einspracheverfahren beide Gegenstände betroffen. Die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 17. November 2021 hat sich wiederum auf beide
Gegenstände bezogen, weshalb auch dieses Beschwerdeverfahren beide
Streitgegenstände betrifft. Diesem Umstand wird mit einer bestmöglichen Trennung
der Erwägungen und des Dispositivs entsprechend der beiden Streitgegenstände
Rechnung getragen. Den im angefochtenen Einspracheentscheid enthaltenen
verfahrensleitenden Entscheid, dass das Einspracheverfahren nicht sistiert werde, hat
die Beschwerdeführerin nicht angefochten, weshalb die Sistierungsfrage nicht zum
Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens gehört.
Die Beschwerdegegnerin hat die Ergänzungsleistung rückwirkend ab 1. April 2021
mit der Begründung revisionsweise korrigiert, dass im Monat des Todesfalls lediglich
die Heimkosten berücksichtigt werden könnten, die tatsächlich vom Heim in Rechnung
gestellt worden seien. Die ELG-Reform, die am 1. Januar 2021 in Kraft getreten ist,
sieht eine tagesgenaue Berücksichtigung der Heimkosten vor: Gemäss dem Art. 10
Abs. 2 lit. a ELG in der seit dem 1. Januar 2021 gültigen Fassung wird bei in Heimen
lebenden Personen die Tagestaxe für die Tage, die vom Heim in Rechnung gestellt
werden, als Ausgabe anerkannt. Die EL-Bezügerin ist am _ 2021 verstorben. Gemäss
dem Heim ist das Zimmer am 8. April 2021 geräumt worden. Das Heim hat für den April
2021 die Tagestaxe Hotellerie für acht Tage und die Tagestaxe Betreuung sowie den
Selbstbehalt für die Pflegekosten je für sechs Tage in Rechnung gestellt. Die
Heimrechnung ist insoweit also nicht zu beanstanden. Aufgerechnet auf ein Jahr haben
sich die Tagestaxe Hotellerie auf 14’400 Franken (= 8 Tage × 150 Franken × 12
Monate), die Tagestaxe Betreuung auf 2’160 Franken (= 6 Tage × 30 Franken × 12
Monate) und der Selbstbehalt für die Pflegekosten auf 1’656 Franken (= 6 Tage × 23
Franken × 12 Monate) belaufen. Die Beschwerdegegnerin hat die Heimkosten für den
April 2021 auf einen Tag heruntergerechnet (vgl. EL-act. 26), weshalb sie − wegen
Rundungsdifferenzen − die Heimkosten auf insgesamt sechs Franken mehr festgelegt
2.1.
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hat. Auf den EL-Anspruch hat dies jedoch keinen Einfluss, da ohnehin, wie nachfolgend
aufgezeigt werden wird, für den April 2021 ein hoher Einnahmenüberschuss resultiert.
Die Ausgaben haben im April 2021 auf ein Jahr hochgerechnet insgesamt 28’740
Franken (resp. gemäss der Berechnung der Beschwerdegegnerin 28’746 Franken)
betragen. Bei den Einnahmen haben sich per 1. April 2021 keine Veränderungen
ergeben; insbesondere erlischt der Anspruch auf eine Altersrente der AHV erst mit dem
Ablauf des Monats, in welchem die rentenberechtigte Person stirbt (vgl. etwa Michel
Valterio, Droit de l’assurance-vieillesse et survivants et de l’assurance-invalidité, Basel
2011, Rz. 774). Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit trifft dies auch für die Rente der
Pensionskasse und die Leibrenten zu. Bei Ausgaben von 28’740 Franken (resp. 28’746
Franken) und Einnahmen von 65’445 Franken resultiert für den April 2021 ein auf ein
Jahr hochgerechneter Einnahmenüberschuss von 36’705 Franken (resp. 36’699
Franken). Die Beschwerdegegnerin hat einen EL-Anspruch für den April 2021 somit zu
Recht verneint. Seit 1. Mai 2021 besteht unbestrittenermassen kein EL-Anspruch mehr,
weil die EL-Bezügerin am 6. April 2021 verstorben ist (Art. 4 Abs. 1 lit. a ELG i.V.m. Art.
21 Abs. 2 AHVG). Hinsichtlich der revisionsweisen Aufhebung der Ergänzungsleistung
per 31. März 2021 erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid
zusammenfassend als rechtmässig.
2.2.
Die Beschwerdeführerin hat im Einspracheverfahren geltend gemacht, dass der
Vermögensfreibetrag von 30’000 Franken nicht gewahrt worden sei. Die
Beschwerdegegnerin habe nämlich Ergänzungsleistungen zurückgefordert, obwohl die
verstorbene EL-Bezügerin über weniger als 30’000 Franken Sparguthaben verfügt
habe, was als ein Eingriff in den Vermögensfreibetrag zu interpretieren sei. Diese
Ansicht hat auf einer falschen Interpretation der massgebenden
Gesetzesbestimmungen beruht. Gemäss dem Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG wird bei
Altersrentnerinnen ein Zehntel des Reinvermögens, soweit es bei alleinstehenden
Personen 30’000 Franken übersteigt, als Einnahme angerechnet. Der gesetzlich
verankerte Vermögensfreibetrag bedeutet also, dass nur vom 30’000 Franken
übersteigenden Brutto-Vermögen einer EL-beziehenden (alleinstehenden) Person ein
Vermögensverzehr als Einnahme in der EL-Anspruchsberechnung angerechnet wird.
Sinn und Zweck der Bestimmung ist es also, dass EL-beziehende Personen ein Brutto-
Vermögen von bis zu 30’000 Franken nicht für die Bestreitung ihres Lebensunterhaltes
aufwenden müssen. Die EL-beziehenden Personen sind in der Verwendung dieses
Teils ihres Vermögens frei. Der verstorbenen EL-Bezügerin ist ab Anspruchsbeginn
(1. Januar 2011) ein Sparguthaben von 6’952 Franken (sowie ein Betrag für Leibrenten
mit Rückgewähr von 2’455 Franken), ab 1. Mai 2013 ein solches von 7’886 Franken
2.3.
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3.
und ab 1. Januar 2018 ein solches von 9’361 Franken angerechnet worden (wobei sich
das Sparguthaben gemäss der Steuerveranlagung am 31. Dezember 2019 eigentlich
auf 12’146 Franken belaufen hatte). Davon hat die Beschwerdegegnerin den
Vermögensfreibetrag von 30’000 Franken abgezogen, weshalb der verstorbenen EL-
Bezügerin während des gesamten EL-Leistungsbezugs nie ein Vermögensverzehr
angerechnet worden war. In diesem Sinne ist der Vermögensfreibetrag von 30’000
Franken während des gesamten Zeitraums, in dem die EL-Bezügerin eine
Ergänzungsleistung bezogen hat, „geschützt“ worden. Eine gesetzliche Grundlage, die
– darüber hinaus – eine EL-Durchführungsstelle daran hindern würde, von einem EL-
Bezüger unrechtmässig bezogene Ergänzungsleistungen zurückzufordern, falls sich
dessen Vermögen auf weniger als 30’000 Franken belaufe (oder sich durch die
Rückforderung auf weniger als 30’000 Franken reduziere), existiert nicht. Der
Vermögensfreibetrag ist also nicht verletzt worden. Im Beschwerdeverfahren hat die
Beschwerdeführerin dann geltend gemacht, die Beschwerdegegnerin sei sogar
verpflichtet, ihr zusätzlich zur „gewöhnlichen“ Ergänzungsleistung jenen Betrag
auszurichten, den die EL-Bezügerin benötigt habe, um einen Vermögensstand von
30’000 Franken zu erreichen. Da sich das Sparguthaben auf lediglich noch 9’361
Franken belaufen habe, schulde ihr die Beschwerdegegnerin also eine Nachzahlung
von 20’639 Franken. Dieser Antrag ist neu gewesen, das heisst die
Beschwerdegegnerin hatte sich damit noch gar nicht befasst. Folglich kann nicht
darauf eingetreten werden, da der Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens
ansonsten rechtswidrig ausgedehnt würde. An sich müsste die Sache diesbezüglich
zur Beurteilung an die Beschwerdegegnerin überwiesen werden. Das Begehren ist aber
so offenkundig unhaltbar, dass davon abzusehen ist.
Die verstorbene EL-Bezügerin hat für den Monat April 2021 eine
Ergänzungsleistung von 1’130 Franken direkt ausbezahlt erhalten, obwohl sie nach
dem oben Ausgeführten keinen Anspruch mehr auf eine Ergänzungsleistung gehabt
hat. Gemäss dem Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG müssen unrechtmässig bezogene, d.h.
sich nicht auf eine entsprechende Leistungsverfügung stützende Leistungen
zurückerstattet werden. Der entsprechende Rückforderungsanspruch der
Beschwerdegegnerin ist nicht verwirkt gewesen (vgl. Art. 25 Abs. 2 ATSG), weshalb
sich die Rückforderung als rechtmässig erweist.
3.1.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin auch den ursprünglich direkt an die
obligatorische Krankenpflegeversicherung ausbezahlten Teil der Ergänzungsleistung für
den Monat April 2021 von 468 Franken von der Beschwerdeführerin hätte
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/10
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zurückfordern müssen. Das Bundesgericht hat im BGE 147 V 369 nämlich festgehalten,
dass der die Ausgaben für die obligatorische Krankenpflegeversicherung deckende Teil
der Ergänzungsleistung vom EL-Bezüger zurückzufordern sei, obschon er jeweils direkt
an die obligatorische Krankenpflegeversicherung ausbezahlt werden muss (Art. 21a
Abs. 1 ELG). Das Bundesgericht muss also davon ausgegangen sei, dass derjenige
rückerstattungspflichtig sei, dem einst der materielle Anspruch zugestanden habe, auf
den sich die (Dritt-) Auszahlung gestützt habe. Diese Überlegung kann allerdings nur
nahe liegen, wenn nicht zwischen der materiellen Leistungs- und der Vollzugsebene
unterschieden respektive der Vollzug mit dem Leistungsanspruch vermengt wird. Bei
richtiger Betrachtung erweist sich die erwähnte Bundesgerichtspraxis als gesetzwidrig.
Bezieht nämlich jemand eine Ergänzungsleistung gestützt auf eine Verfügung, die sich
im Nachhinein als materiell falsch erweist, so muss zuerst – mittels einer rückwirkenden
Revision, einer sogenannt prozessualen Revision oder einer Wiedererwägung – eine
Korrektur auf der materiellen Leistungsebene erfolgen. Mit der entsprechenden
(materiellen) Korrekturverfügung wird die Rechtswidrigkeit beseitigt, sodass der
betroffenen Person von Verfügungs wegen „nur“ noch jene Leistung zusteht, auf die sie
auch tatsächlich einen gesetzlichen Anspruch hat. Nach dieser materiellen Korrektur
verbleibt aber noch eine „faktisch-wirtschaftliche“ Rechtswidrigkeit, die mit einer
ungerechtfertigten Bereicherung verglichen werden kann, denn die bereits erfolgte
(rechtswidrige) Zahlung kann sich nun nicht mehr länger auf eine entsprechende
Verfügung stützen. Der Zahlungsvorgang muss rückgängig gemacht werden. Dadurch
verändert sich auf der materiellen Leistungsebene offensichtlich nichts; diese (zweite)
Korrektur spielt sich allein auf der Vollzugsebene ab. Folglich muss sie sich zwingend
am früheren Vollzug orientieren, der nun rückgängig gemacht respektive korrigiert
werden soll. Die Rückforderung kann sich deshalb gegen niemand anders als
denjenigen richten, der die (nachträglich als rechtswidrig erkannte) Auszahlung erhalten
hat. Das macht auch der eindeutige Wortlaut des Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG klar, der
fordert, dass die Rückforderung an jenen zu richten ist, der die unrechtmässige
Leistung bezogen hat. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb den direkt der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung ausbezahlten Teil der Ergänzungsleistung
für den Monat April 2021 völlig zu Recht nicht von der Beschwerdeführerin, sondern
von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zurückgefordert. Nach der oben
erwähnten Auffassung des Bundesgerichtes müsste sie den entsprechenden Betrag
erneut an die obligatorische Krankenpflegeversicherung überweisen und dann
denselben Betrag von der Beschwerdeführerin zurückfordern. Diese müsste sich
ihrerseits an die obligatorische Krankenpflegeversicherung wenden und diese
ersuchen, ihr den Betrag, den ihr die Beschwerdegegnerin (erneut) überwiesen hatte,
zu überweisen. Das wäre unnötig umständlich, was zeigt, dass die bundesgerichtliche
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4.
Gerichtskosten sind nicht zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG).