Decision ID: ebf955cb-48c7-51c1-8348-58580a00c8ea
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ hatte aufgrund komplexer Missbildungen mit Hypoplasie des linken Beines,
mit Fussdeformität, Wirbelmissbildungen thorakolumbal, Analatresie mit
Rectourethralfistel und Missbildungen im Urogenitalbereich seit dem 11. August 2005
einen Anspruch auf eine halbe IV-Rente (IV-act. 97, 100).
A.b Am 11. August 2014 erlitt er einen ischämischen Hirninfarkt im Mediastromgebiet
und im Verlauf im Anteriostromgebiet rechts, am 12., 15., 20. und 21. August 2014
erlebte er sekundäre Verschlechterungen (IV-act. 143-4 f.). Daraufhin war er vom 4.
September bis 29. Oktober 2014 in der Rheinburg-Klinik hospitalisiert. Im
Austrittsbericht vom 29. Oktober 2014 hielt Dr. med. B._, Allgemeine Innere Medizin
FMH, u.a. fest, infolge des erlittenen ischämischen Hirninfarkts zeigten sich klinisch ein
brachiofacial betontes sensomotorisches Hemisyndrom links und ein taktiles Neglect
nach links. Zu Hause werde der Versicherte vorerst durch eine Haushaltshilfe (3-4
Stunden pro Woche) und seine Lebenspartnerin unterstützt. Bei Austritt habe sich das
armbetonte sensomotorische Hemisyndrom links deutlich rückläufig gezeigt. Es
bestünden u.a. eine Armparese proximal/distal M4/M3-4 bei weiterhin mässiger
Hyposensibilität links sowie ein taktiler Neglect nach links. Der Arm- und Handeinsatz
sowie die Feinmotorik links hätten wesentlich gefördert werden können (Chedoke Arm
6/7, Hand 6/7, NHPT links/rechts 449/23s). Das Gangbild sei nur noch gering hinkend.
In der Selbsthilfe und bezüglich einfacher Alltags- und Haushaltserledigungen bestehe
eine Selbstständigkeit. Der Versicherte sei aber weder arbeitsfähig noch fahrtauglich
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(IV-act. 181). Dem Bericht der behandelnden Physiotherapeutin der Rheinburg-Klinik,
C._, vom 27. Oktober 2014 ist zu entnehmen, dass u.a. Ziel der Physiotherapie
"beginnende Funktionshand links, selbstständige Selbsthilfe" gewesen sei. Im Rahmen
der Beurteilung hat C._ festgehalten, die Ziele hätten erreicht werden können. Eine
weitere ambulante Physiotherapie sei indiziert, um die Feinmotorik der linken Hand
weiterhin zu fördern und in Form von MTT die Kondition und Kraft der linken Extremität
aufrecht zu erhalten (IV-act. 184).
A.c Am 14. November 2014 meldete sich der Versicherte für eine
Hilflosenentschädigung bei der IV an. Im entsprechenden Formular machte er geltend,
er sei seit August 2014 in den Lebensverrichtungen An-/Auskleiden, Essen (Zerkleinern
der Nahrung), Körperpflege (Waschen, Baden, Duschen) und Verrichtung der Notdurft
(Ordnen der Kleider, Körperreinigung/Überprüfung der Reinlichkeit) auf Dritthilfe
angewiesen. Ausserdem benötige er dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe (IV-act.
144). Am 20. November 2014 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung
seines Gesuchs um eine Hilflosenentschädigung in Aussicht, weil das für die Annahme
einer langandauernden Hilflosigkeit zu erfüllende Wartejahr erst am 31. Juli 2015
ablaufen werde (IV-act. 146). Am 1. Dezember 2014 stellte der Versicherte ein Gesuch
für ein Dusch-WC (IV-act. 147). Dazu führte Dr. med. D._, Innere Medizin FMH, am
10. Dezember 2014 aus, der Versicherte könne aufgrund des ischämischen
Hirninfarktes mit konsekutivem brachiofazialen sensomotorischen Hemisyndrom links
seine Intimregion nicht mehr adäquat reinigen. Ein Dusch-WC würde ihm erlauben, die
Reinigung nach dem Stuhlgang ohne eine Hilfsperson durchzuführen (IV-act. 151). Die
IV-Stelle verfügte am 19. Dezember 2014 die Kostengutsprache für ein Dusch-WC (IV-
act. 152). Das Gesuch um eine Hilflosenentschädigung lehnte die IV-Stelle mit einer
Verfügung vom 22. Januar 2015 ab (IV-act. 154).
A.d In einem Verlaufsbericht vom 26. Juni 2015 erklärte Dr. D._, dass sich das
brachiofazial betonte sensomotorische Hemisyndrom links unter der Physio- und
Ergotherapie etwas gebessert habe. Es schränke den Versicherten aber immer noch
deutlich im täglichen Leben ein. Dieser brauche nach wie vor Hilfe beim Ankleiden
(Schliessen von Knöpfen oder Reissverschlüssen) und bei der Verrichtung der Notdurft
(Wechseln verschmutzter Pants und Entsorgung derselben, da er Plastiksäcke nicht
luftdicht verschliessen könne), insbesondere wenn es zu Inkontinenzepisoden
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gekommen sei. Bei der Zubereitung von Mahlzeiten, beim Wäschewaschen und beim
Putzen der Wohnung sei der Versicherte ebenfalls auf Hilfe angewiesen. Auch müssten
ihm die Medikamente gerichtet werden (IV-act. 158).
A.e Am 14. August 2015 meldete sich der Versicherte erneut für eine
Hilflosenentschädigung an. Er wies darauf hin, dass seine angeborene chronische
Inkontinenz mit nur einem Arm besonders schwierig zu bewältigen sei. In den in seiner
Anmeldung vom 14. November 2014 angegebenen alltäglichen Lebensverrichtungen
sei er zwei Mal täglich, bei der Nahrungszerkleinerung drei Mal täglich auf Hilfe
angewiesen. Ausserdem benötige er bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte eine
Dritthilfe, weil er auch beim Verrichten der Notdurft ausser Haus auf Hilfe angewiesen
sei (IV-act. 163 f.).
A.f Am 24. August 2015 wurde eine telefonische Abklärung der Hilflosigkeit
durchgeführt. Im Abklärungsbericht hielt die Verantwortliche fest, dass der Versicherte
im August 2014 mehrere ischämische Hirninfarkte rechtsseitig erlitten habe und
seitdem auf der linken Seite gelähmt sei. Zudem bestehe seit der Geburt eine
chronische Inkontinenz und eine Hypoplasie der linken (und einzigen) Niere. Dank einer
Fussorthese könne sich der Versicherte selbstständig fortbewegen. Beim An- und
Auskleiden des Unter- und Oberkörpers sei der Versicherte, der seinen linken Arm nicht
einsetzen könne, auf Dritthilfe angewiesen. Beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen sei
er nicht hilflos. Er verliere jedoch das Gleichgewicht, wenn er sich zu schnell erhebe.
Weil er nur noch eine Niere habe, müsse die Nierengegend immer warm bzw.
zugedeckt sein. Dies sei - je nach Liegeposition - mit nur einem Arm schwierig,
weshalb seine Lebensgefährtin ihm dabei helfe. Seinen linken Arm könne er auch beim
Essen nicht einsetzen; er benötige beim Zerkleinern sämtlicher Speisen die Hilfe seiner
Lebensgefährtin. Eine Hilflosigkeit in der Lebensverrichtung Essen sei zu bejahen. Auch
bei der Körperpflege sei er auf Dritthilfe angewiesen, da er die Zahnpastatube nicht
öffnen und schliessen könne. Ebenso benötige er beim Duschen und Abtrocken Hilfe.
Ausserdem bestehe eine Rutschgefahr. Beim Verrichten der Notdurft sei ebenfalls eine
Hilflosigkeit ausgewiesen. Der Versicherte, der nicht spüre, wann er das WC aufsuchen
müsse, und der Inkontinenzmaterial trage, benötige beim Wechseln der Windeln und
beim Richten der Kleidung nach der Verrichtung der Notdurft Hilfe. Die
Gesässreinigung sei dank eines Dusch-WC's gewährleistet. In Bezug auf die
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lebenspraktische Begleitung notierte die Abklärungsverantwortliche, dass der
Versicherte mit einem Arm einzig den Geschirrspüler ausräumen könne und dass die
Lebens¬partnerin die übrigen Haushaltsarbeiten übernehme. Die Einkäufe würden
durch den Versicherten und seine Lebenspartnerin gemeinsam getätigt, kleinere
Besorgungen könne er selbstständig erledigen. Ebenso könne er Termine vereinbaren,
werde jedoch bei Behördengängen oder Coiffeurbesuchen von seiner Lebenspartnerin
begleitet. Der Versicherte unterzeichnete den Abklärungsbericht und ergänzte, dass er
nie allein auf seinem linken Bein habe stehen können bzw. sich dabei stets habe mit
den Armen ausbalancieren müssen. Dies gestalte sich heute mit nur einem Arm viel
schwieriger und wirke sich auf das Aufstehen und Hinsetzen aus. Es sei noch ein
Neglect zu spüren und es bestehe eine Stolpergefahr. Weil seine Verdauung nicht
normal arbeite, könne es passieren, dass ihn die Notdurft mitten in der Nacht
überrasche. Früher habe er in solchen Situationen auf¬stehen und zur Toilette rennen
können. Heute sei dies nicht mehr möglich (IV-act. 167).
A.g Am 12. Oktober 2015 wurde der IV-Grad des Versicherten infolge des Hirnschlags
rückwirkend ab dem 1. November 2014 von 50% auf 100% angehoben, sodass der
Versicherte neu einen Anspruch auf eine ganze Rente hatte (IV-act. 200).
A.h In einem Bericht vom 3. September 2015 hielt Prof. Dr. med. E._, Stv. Chefarzt
der Klinik für Gastroenterologie St. Gallen, fest, dass sich die Stuhlinkontinenz im
letzten Jahr stark zugenommen habe (Wexner Score 10 von 20 Pkt.; IV-act. 178). Dr.
med. F._, Facharzt Neurologie FMH, berichtete am 12. Oktober 2015 u.a., dass das
Berührungsempfinden des Versicherten links distal betont reduziert (an den Fingern
nahezu aufgehoben) sei und dass eine deutlich gestörte Tiefensensibilität bestehe. Vor
allem bei Synergien von EX/FLEX-Bewegungen liege eine leichte Ataxie vor. Wenn der
Versicherte seine linke Hand nicht ansehe, gehe sie in bizarre, dyston anmutende
Haltungen und sei dann nicht steuerbar, sodass ihm Gegenstände aus der Hand fielen
und das An- und Ausziehen erschwert sei. Alltagsverrichtungen könne er nur unter
erhöhter Konzentration, erhöhter visueller Kontrolle und erhöhtem Zeitaufwand bilateral
verrichten, wobei die Kraftdosierung eine elementare Rolle spiele. Zum Teil mache er
im Rahmen der Ergotherapie noch Fortschritte (Schuhe binden, Brot schmieren, Essen
richten etc. teilweise erreicht, die bilaterale Besteckbenutzung wird jedoch noch
angestrebt), doch sei er unter den IV-Gesichtspunkten quasi wie ein Einhänder zu
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betrachten, der seinen Alltag mit viel Kompensation und erhöhtem Zeitaufwand
bewältige. Im Rahmen der Physiotherapie habe er manchmal Hilfe beim Anziehen der
Jacke oder des T-Shirts benötigt, da der linke Arm den Ärmel nicht gefunden habe.
Das Kochen übernehme mehrheitlich die Lebenspartnerin, da der Versicherte die linke
Hand aufgrund der grossen Verletzungsgefahr nicht als Haltehand einsetzen könne.
Auf dem rechten Bein habe er eine Minute und auf dem linken Bein 3 Sekunden stehen
können. Gesamthaft sei es aufgrund der klinisch erkennbaren Ausfälle nachvollziehbar,
dass sich der Versicherte nicht ohne Hilfe anziehen könne. Die Kombination von
Stuhlinkontinenz und verminderter Rumpfsensibilität resultiere in der mehrmals
täglichen Hilfsbedürftigkeit beim Reinigen des Körpers und beim Wiederankleiden. Der
Versicherte könne bis zu einer Stunde im Aussenbereich gehen und auch Treppen im
Wechselschritt mit dem Geländer auf der rechten Armseite überwinden. Das
Zerkleinern der Speisen sei nur mit erheblichem Mehraufwand in Konzentration und
Zeit möglich. Eine Überwachungsbedürftigkeit im Alltag bestehe nicht (IV-act. 177).
A.i Dr. med. G._ vom RAD stellte anhand der vorliegenden medizinischen Akten am
19. November 2015 fest, dass der Versicherte als Folge des Hirninfarktes eine
Einschränkung der Armfunktion links aufweise. Dabei handle es sich um eine leichte
Kraftminderung und nicht um eine schwere Lähmung. Allerdings bestehe eine deutliche
Sensibilitätsstörung, sodass der Versicherte die linke Hand bei Aktivitäten mit den
Augen kontrollieren müsse und ein erhöhter Zeitaufwand erforderlich sei. Beim An- und
Auskleiden könne aus versicherungsmedizinischer Sicht kein regelmässiger und
erheblicher Unterstützungsbedarf bestätigt werden. Es könne nämlich davon
ausgegangen werden, dass der Versicherte mit entsprechenden
Kompensationsstrategien und erhöhtem Zeitbedarf in der Lage sei, sich selbstständig
an- und auszukleiden. Auch beim Essen könne der Versicherte mit erhöhtem
Zeitbedarf, unter visueller Kontrolle und gegebenenfalls mit Hilfsmitteln (angepasstes
Besteck, Tellerranderhöhung) Speisen selbstständig zerkleinern oder ein Brot
schmieren. Die Dusche könne gemäss der telefonischen Abklärung selbstständig und
sicher benutzt werden. Das Abtrocknen sei bei den beschriebenen funktionellen
Fähigkeiten mit erhöhtem Zeitaufwand und gegebenenfalls Kompensationsstrategien
selbstständig möglich, sodass bei der Körperpflege keine Dritthilfe erforderlich sei. Die
Problematik der Stuhlinkontinenz habe sich zwar seit August 2014 verstärkt, doch
bestünden keine funktionellen Einschränkungen, die es dem Versicherten unmöglich
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machen würden, die notwendigen Einlagen (mit entsprechenden Hilfsmitteln wie z.B.
dem Windeltwister) zu handhaben und die Reinigung selbstständig vorzunehmen. In
der eigenen Wohnung sei der Versicherte darüber hinaus mit einem Dusch-WC
versorgt. Der Versicherte benötige keine Unterstützung bei der Fortbewegung und der
Pflege gesellschaftlicher Kontakte. Mit einem entsprechend vermehrten Zeitaufwand
und Kompensationsstrategien könne es ihm zudem auch zugemutet werden,
zusätzliche Haushaltsaufgaben wie das Abstauben oder Staubsaugen zu übernehmen.
Die übrigen Tätigkeiten, die er nicht übernehmen könne (körperlich schwere Arbeiten
mit höherer Anforderung an beidhändiges Arbeiten, an Gleichgewicht und
Koordination), müssten im Rahmen der Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht
der im selben Haushalt lebenden Lebensgefährtin des Versicherten zugemutet werden
(IV-act. 188). In einer internen Stellungnahme vom 10. Dezember 2015 wiesen
Mitarbeiter der Fachberatung Hilflosenentschädigung darauf hin, dass grundsätzlich
selbst bei Vorliegen einer Einhändigkeit davon ausgegangen werde, dass das
selbstständige Wohnen möglich sei. Unter der Berücksichtigung der Gesamtschau
erscheine jedoch die Anrechnung einer Hilflosenentschädigung leichten Grades im
Rahmen der lebenspraktischen Begleitung als vertretbar (IV-act. 190).
A.j Am 11. Dezember 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Zusprache einer
Hilflosenentschädigung leichten Grades im Sinne einer lebenspraktischen Begleitung
ab dem 1. August 2015 in Aussicht (IV-act. 192). Im gegen diesen Vorbescheid
erhobenen Einwand vom 18. Januar 2016 liess der Versicherte ergänzend zu seinen
bisherigen Ausführungen geltend machen, er sei - wie Dr. D._ bestätigt habe - in den
Lebensverrichtungen An- und Auskleiden, Essen, Körperpflege und bei der Verrichtung
der Notdurft auf eine regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen. Weiter
benötige er dauernde (auch nachts) medizinisch-pflegerische Hilfe). Er leide nicht nur
an einer faktischen Einhändigkeit, sondern an komplexen Geburtsgebrechen, die ihn
nach den drei Hirninfarkten stärker einschränkten als zuvor. Er könne keine Knöpfe und
Reissverschlüsse schliessen, keine Socken anziehen und auch das Ausziehen seiner
stuhlverschmierten Kleidung stelle ein Problem dar. Sollte er stolpern oder
ausrutschen, könnte er nicht ohne Dritthilfe aufstehen. Ohne fremde Hilfe könne er
nicht essen. Ausserdem bestehe aufgrund des Neglect-Syndroms, der faktischen
Einhändigkeit und der residuellen kognitiven Beeinträchtigungen im Bereich
Aufmerksamkeit und visuelle Wahrnehmung eine erhöhte Verletzungsgefahr. Beim
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Duschen und Baden bestehe eine grosse Rutsch- bzw. Sturzgefahr, weshalb er dort
Hilfe benötige. Bei der Körperpflege sei er mehrmals täglich auf Hilfe angewiesen, weil
der Closomat nicht helfe, wenn Einlagen und Pants aufgrund des täglichen
Stuhlverlustes mit Stuhlschmieren stark verschmutzt seien. Die Reinigung müsse sehr
gründlich vorgenommen werden, da er ansonsten wund werde und Entzündungen
entstünden. Auch führe die totale Stuhlinkontinenz bei der Verrichtung der Notdurft
(Aufstehen, Begleitung zur Toilette, Absitzen, Aufstehen, Körperreinigung, Ordnen der
Kleider) zu einer Hilfebedürftigkeit. Teilweise müsse auch das Bett nachts neu bezogen
werden. Der Windeleimer sei einhändig nicht bedienbar, weil das Auswechseln der
Nachfüllkassetten nicht möglich sei. Die Stuhlinkontinenz und die damit verbundene
Hilfsbedürftigkeit bestünden auch, wenn er auswärts unterwegs sei. Weiter benötige er
Dritthilfe beim Dosieren der Medikamente (IV-act. 199). Dazu liess der Versicherte den
Austrittsbericht der Klinik für Gastroenterologie/Hepatologie des KSSG vom 30.
Dezember 2015 einreichen, in dem Dr. med. H._, Chefärztin, festgehalten hatte, dass
beim mehrfach voroperierten und adipösen Versicherten schwierige
Koloskopieverhältnisse vorlägen. Das Einsetzen von Magnetic Sphinctern werde
besprochen (IV-act. 199-15 f.).
A.k Auf Anfrage der IV-Stelle nahm Dr. F._ am 30. März 2016 zum
Unterstützungsbedarf des Versicherten Stellung. Er führte aus, dass der Versicherte
mehrmals täglich einstuhle und dann die Einlagen wechseln sowie seinen Körper
reinigen müsse. Die Reinigung müsse aufgrund der Rumpfsensibilität unter visueller
Kontrolle erfolgen. Weil der Versicherte funktioneller Einhänder sei und das eigene
Gesäss nicht inspizieren könne, ohne einen Spiegel zu halten, ergebe sich eine
Hilfsbedürftigkeit, sobald er das Haus verlasse. Es bestehe deshalb nicht nur beim
Verrichten der Notdurft selbst, sondern auch bei der Fortbewegung im Freien bzw. der
Pflege gesellschaftlicher Kontakte eine Hilsbedürftigkeit (IV-act. 205, 207). Dr. G._
vom RAD bestätigte die von Dr. F._ beschriebenen funktionellen Einschränkungen
beim Verrichten der Notdurft ausserhalb der Wohnung aus versicherungsmedizinischer
Sicht. Ein Unterstützungsbedarf beim Verrichten der Notdurft ausser Haus könne
jedoch nicht zwei Mal (bei der Lebensverrichtung Verrichten der Notdurft und
zusätzlich bei der Fortbewegung und Pflege gesellschaftlicher Kontakte) angerechnet
werden (IV-act. 210).
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A.l Am 13. Juni 2016 sprach die IV-Stelle dem Versicherten eine
Hilflosenentschädigung leichten Grades zu. Zur Begründung hielt sie fest, dass keine
schwere Lähmung der linken oberen Extremität vorliege und dass die linke Hand unter
visueller Kontrolle durchaus beim An- und Auskleiden eingesetzt werden könne. Mit
Übung und einem ergotherapeutischen Training sei auch das Schliessen von Knöpfen
einhändig, mit der rechten Hand möglich. Aufgrund der Schadenminderungspflicht sei
es zudem zumutbar, angepasste Kleidung zu tragen. Bei der Hilfe beim Aufstehen nach
einem Sturz, in der Nacht bei Stuhlgang und beim nächtlichen Zudecken handle es
sich nicht um eine regelmässige und erhebliche Dritthilfe. Zudem werde dieser
Unterstützungsbedarf bereits über die ausgewiesene lebenspraktische Begleitung
abgedeckt. Unter Hinweis auf die Stellungnahme von Dr. F._ vom 30. März 2016 sei
an den Ausführungen zu den Lebensverrichtungen Essen, Körperpflege, Notdurft,
Fortbewegung und Pflege gesellschaftlicher Kontakte festzuhalten. Der
Unterstützungsbedarf im ausserhäuslichen Bereich sei im Rahmen der
lebenspraktischen Begleitung vollumfänglich abgedeckt (IV-act. 215).
B.
B.a Der Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführer) erhob am 22. August 2016 eine
Beschwerde. Darin beantragte er die Aufhebung der Verfügung vom 13. Juni 2016 und
die Zusprache einer Hilflosenentschädigung mittleren Grades. Ausserdem machte er
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, weil die IV-Stelle (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) Dr. F._ nur einseitig mit dem angefochtenen Vorbescheid und
nicht auch mit seinem Einwand bedient habe. Zudem sei er weder über die Anfrage bei
Dr. F._ informiert worden noch sei ihm die Gelegenheit geboten worden, Dr. F._
Ergänzungsfragen zu stellen. Auch der Bericht von Dr. F._ vom 30. März 2016, auf
den die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung massgeblich abgestellt
habe, sei ihm vor Erlass dieser Verfügung nie zur Stellungnahme zugestellt worden,
obwohl er sich nach Einreichung des Einwands mehrmals nach dem Verfahrensstand
erkundigt habe. Zur Begründung des Antrags auf die Zusprache einer Hilflosigkeit
mittleren Grades führte der Beschwerdeführer in Ergänzung zu den Ausführungen im
Rahmen seines Einwands aus, Dr. G._ vom RAD habe in ihren Stellungnahmen zu
Unrecht das Vorhandensein der komplexen Geburtsgebrechen in Kombination mit den
mehreren Hirninfarkten und deren Folgen nicht berücksichtigt. Ohne die grosse
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freiwillige Unterstützung seiner Lebenspartnerin könnte er nicht zu Hause leben.
Ausserdem sei er bei den alltäglichen Lebensverrichtungen An- und Auskleiden,
Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Essen, Körperpflege, Notdurft und der Fortbewegung/
Kontaktaufnahme regelmässig und in erheblicher Weise auf Dritthilfe angewiesen. In
seinem Fall bestehe deshalb sowohl ein Anspruch auf eine lebenspraktische Begleitung
als auch eine Notwendigkeit einer Dritthilfe bei den alltäglichen Lebensverrichtungen,
ohne dass dieselben Hilfeleistungen doppelt berücksichtigt würden. Zudem sei der
Unterstützungsbedarf beim Verrichten der Notdurft ausserhalb der eigenen Wohnung
nicht nur im Rahmen der Lebensverrichtung "Notdurft", sondern auch bei der
"Fortbewegung und Pflege gesellschaftlicher Kontakte" zu berücksichtigen (act. G 1 f.).
In seinem Sprechstundenbericht vom 20. Juli 2016 hat Dr. med. I._, Leiter
Fachbereich Proktologie, KSSG, ausgeführt, dass der Beschwerdeführer seine
Stuhlqualität mit 1⁄4 Tablette Immodium täglich soweit habe normalisieren können, dass
nur noch intermittierend Durchfallepisoden aufträten. Bei härterem Stuhl sei er
weitgehend kontinent, weichen Stuhl könne er nicht halten. Seit des Mediainfarkts
2014 sei die Sensibilität so weit eingeschränkt, dass der Beschwerdeführer den
Defäkationsreiz nicht immer spüre und teilweise auch eine passive Stuhlinkontinenz
(v.a. nachts) auftrete. Infolge der Armschwäche sei die Reinigung des Afters im
Anschluss an Inkontinenzepisoden erschwert. Es gebe keine chirurgische
Therapiemöglichkeit, die die Inkontinenz sicher beseitigen könnte (act. G 1.1.3).
B.b Am 28. September 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, die geltend gemachte Gehörsverletzung
sei nicht schwer und könne durch die Beschwerde ans Versicherungsgericht als geheilt
gelten. Eine Rückweisung würde zu einem formalistischen Leerlauf und somit zu einer
unnötigen Verzögerung führen. Die von Dr. F._ bestätigte Hilfebedürftigkeit bei der
ausserhäuslichen Verrichtung werde bereits durch die lebenspraktische Begleitung
abgedeckt (Begleitung einer Drittperson bei ausserhäuslichen Verrichtungen und
Kontakten). Weil Teilfunktionen einer Lebensverrichtung nur einmal berücksichtigt
werden dürften, führe die Dritthilfe bei der Verrichtung der Notdurft im
ausserhäuslichen Bereich nicht zusätzlich zu einer Einschränkung in einer
Lebensverrichtung (act. G 5).
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B.c In der Replik vom 1. Dezember 2016 hielt der Beschwerdeführer fest, er beharre
infolge der Gehörsverletzung nicht auf der Rückweisung der Sache an die
Beschwerdegegnerin, weil die dringend notwendige Entschädigung für seine
Hilfsbedürftigkeit im Alltag damit nur hinausgeschoben würde. Dennoch sei die
Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin sehr stossend. Auf die detaillierten und
beweismässig erstellten Ausführungen zur Hilfsbedürftigkeit in den alltäglichen
Lebensverrichtungen wie z.B. Verrichtung der Notdurft zu Hause, Körperpflege und An-
und Auskleiden habe sie sich nicht geäussert (act. G 11). Der Beschwerdeführer liess
drei Arztberichte einreichen. Dr. I._ hatte am 23. August 2016 festgehalten, dass der
Beschwerdeführer trotz der Einnahme von Immodium unter einer schweren
Stuhlinkontinenz leide, wobei ihm auch fester Stuhl, insbesondere nachts, passiv
abgehe (act. G 11.1.2). Dr. med. J._, Fachärztin Neurologie FMH, hatte am 9.
November 2016 erklärt, im Barthel-Index zur systematischen Erfassung der
grundlegenden Alltagsfunktionen zeige sich eine deutliche alltagsrelevante
Einschränkung (60 von 100 Punkten). Es sei deshalb nachvollziehbar, dass der
Beschwerdeführer seit dem Schlaganfall Hilfe beim Aufstehen, Umziehen und Waschen
benötige, ohne seine Partnerin nicht selbstständig wohnen könnte und zumindest
nachts eine un-unterbrochene Betreuung benötige (act. G 11.1.3.). Dr. F._ hatte in
seiner konsiliarischen Beurteilung vom 9. November 2016 festgehalten, dass die
Beschwerdegegnerin seine Ausführungen vom 30. März 2016 zwar korrekt zitiert,
jedoch eher zu Ungunsten des Beschwerdeführers ausgelegt habe. Der
Beschwerdeführer habe deshalb seine Situation nochmals genauer dargelegt.
Demnach sei es ihm aufgrund der ausgeprägten Asymmetrie im Glutealbereich
praktisch unmöglich, bei Koliken und sehr dünnflüssigen Stuhlgängen ohne
Verschmutzung der Bettstatt alleine auf die Toilette zu gehen und sich zu reinigen. Die
Topografie sei schlecht einsehbar, diverse Narbenzüge und Rezesse im Glutealbereich
entzündeten sich bei nur geringen Residuen von Fäkalien sehr rasch und in Situationen
der Diarrhoe sei der Beschwerdeführer sehr geschwächt. Wenn die Bettstatt
verunreinigt sei, brauche er Hilfe. So brauche er eigentlich bei jeder Notdurft die Pflege
seiner Lebenspartnerin und könne sie auch mit Spiegeln nicht alleine bewerkstelligen.
Dr. F._ hatte dazu festgehalten, die Untersuchung des Beschwerdeführers habe
ergeben, dass diverse Narbenzüge im Glutealbereich tatsächlich mit Spiegeln nur sehr
schwer einsehbar seien. In kurzen ambulanten Konsultationen könne nicht jedes Detail
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dargestellt werden, was den Patienten jedoch nicht zum Nachteil gereichen dürfe. Für
ihn seien die Darstellungen des Beschwerdeführers glaubhaft.
B.d Am 28. Februar 2017 hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass die
Beschwerdeantwort mit Hinweis auf die ausführlichen RAD-Stellungnahmen sowie die
Stellungnahmen des Fachbereichs kurz gehalten worden sei. Gestützt auf die
ausführlich begründeten Einschätzungen des RAD werde trotz der neu eingereichten
Berichte nicht davon ausgegangen, dass in den Lebensverrichtungen An-/Auskleiden,
Essen, Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Körperpflege und Verrichten der Notdurft
(zuhause) eine Hilfebedürftigkeit bestehe. Deshalb würde selbst bei der Anerkennung
einer Hilfsbedürftigkeit bei der Lebensverrichtung Fortbewegung/Kontaktpflege
aufgrund der Inkontinenz noch keine mittelschwere Hilflosigkeit resultieren (act. G 15).

Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer lässt die Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör
rügen: Die Beschwerdegegnerin habe Dr. F._ nur einseitig mit dem angefochtenen
Vorbescheid und nicht auch mit seinem Einwand bedient. Ausserdem sei er weder über
die Anfrage bei Dr. F._ informiert worden, womit er keine Gelegenheit gehabt habe,
Dr. F._ Ergänzungsfragen zu stellen, noch sei ihm das Schreiben von Dr. F._ vom
30. März 2016 zur Stellungnahme zugesandt worden (act. G 1). An sich muss eine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren (Art. 42 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [SR 830.1;
ATSG]) stets zur Aufhebung jener Verfügung führen, mit der das Verfahren
abgeschlossen worden ist, in dem es zu einer derartigen Pflichtverletzung gekommen
war. Die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör stellt nämlich eine
Rechtswidrigkeit dar, die nur dadurch behoben werden kann, dass das Verfahren
nochmals – nun aber korrekt – durchgeführt und mit einer neuen Verfügung
abgeschlossen wird. In Anbetracht der „zudienenden“ Funktion des Verfahrensrechtes
besteht aber praxisgemäss im Interesse einer raschen materiellen Beurteilung die
Möglichkeit, eine formelle Rechtswidrigkeit nicht zum Anlass zu nehmen, die Verfügung
aufzuheben und die Sache zu einem formell korrekten Ablauf des Verfahrens an die
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Verwaltung zurückzuweisen (missverständlich als „Heilung“ bezeichnet). Da nur die
versicherte Person ein schutzwürdiges Interesse an einem raschen materiellen
Abschluss des Verfahrens haben kann, kann auch nur sie allein darüber entscheiden,
ob eine formelle Rechtswidrigkeit direkt zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung
führen soll oder ob sie vor dem Interesse an einer beförderlichen Erledigung der
Streitsache zurücktreten soll. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch
der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt. Sie hat nämlich weitere
Abklärungen getätigt und eine Stellungnahme von Dr. F._ eingeholt, nachdem der
Beschwerdeführer Einwände gegen den Vorbescheid vom 11. Dezember 2015 erhoben
hatte. Anschliessend hat sie direkt und u.a. massgeblich auf die Stellungnahme von Dr.
F._ gestützt verfügt, ohne dem Beschwerdeführer die Möglichkeit einzuräumen,
seinerseits zu Dr. F._ Aussagen Stellung zu nehmen und sich mit allfälligen
Ergänzungsfragen an Dr. F._ zu wenden. Nun hat der Beschwerdeführer in seiner
Replik aber ausdrücklich erklärt, nicht an einer Aufhebung der angefochtenen
Verfügung aus formellen Gründen, sondern vielmehr an einer raschen materiellen
Beurteilung interessiert zu sein (act. G 11). Folglich ist die Gehörsverletzung zu
ignorieren und die Beschwerde materiell zu beurteilen.
2.
2.1 Einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung haben Versicherte mit Wohnsitz
und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos sind. Als hilflos gilt, wer wegen
seiner Invalidität für die alltäglichen Lebensverrichtungen dauernd auf die Hilfe Dritter
oder auf eine persönliche Überwachung angewiesen ist (Art. 9 ATSG). Es ist zu
unterscheiden zwischen schwerer, mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs.
1 und 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Die
Entschädigung für minderjährige Versicherte berechnet sich pro Tag (Art. 42ter Abs. 1
Sätze 3 und 4 IVG). Eine schwere Hilflosigkeit liegt gemäss Art. 37 Abs. 1 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (SR 831.201; IVV) vor, wenn die versicherte
Person vollständig hilflos ist, d.h. wenn sie in sämtlichen alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf Hilfe angewiesen ist und
überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf. Von einer
mittelschweren Hilflosigkeit ist auszugehen, wenn die versicherte Person in den
meisten (also wenigstens in vier) alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
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erheblicher Weise auf Hilfe angewiesen ist (Art. 37 Abs. 2 lit. a IVV), wenn die
versicherte Person in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf Hilfe angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen
Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV) oder wenn die versicherte Person in
mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig auf erhebliche Hilfe und
überdies auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 37 Abs. 2 lit. c IVV).
Als leicht gilt die Hilflosigkeit insbesondere dann, wenn die versicherte Person in
mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise
auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV), wenn sie einer dauernden
persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV), wenn sie eine ständige und
besonders aufwendige Pflege benötigt (Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV) oder wenn sie dauernd
auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen sind (Art. 37 Abs. 3 lit. e IVV). Die
Praxis kennt die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen: An- und
Auskleiden, Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Essen, Körperpflege, Notdurftverrichtung,
Fortbewegung einschliesslich Pflege gesellschaftlicher Kontakte (vgl. Rz 8010 des vom
Bundesamt für Sozialversicherung erlassenen Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der IV [KSIH] in der Fassung gültig ab 1. März 2016). Bei
Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunktionen umfassen, ist nach der
Rechtsprechung nicht verlangt, dass die versicherte Person bei der Mehrzahl dieser
Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist bloss erforderlich, dass sie bei einer
dieser Teilfunktionen regelmässig in erheblicher Weise auf direkte oder indirekte
Dritthilfe angewiesen ist (vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von
ULRICH MEYER/MARCO REICHMUTH, 3. Auflage 2014, Art. 42-42ter Rz 26 mit
Hinweisen).
2.2 Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, beim Essen, insbesondere beim
Zerkleinern der Nahrung (Fleisch), regelmässig und erheblich auf Dritthilfe angewiesen
zu sein (act. G 1, IV-act. 163, 167-4). Dr. F._ hat erklärt, dass das
Berührungsempfinden links distal betont reduziert und an den Fingern nahezu
aufgehoben sei und dass der Beschwerdeführer seine linke Hand ohne visuelle
Kontrolle nicht steuern könne. Das Zerkleinern der Speisen sei daher nur mit
erheblichem Mehraufwand in Konzentration und Zeit möglich. Der Beschwerdeführer
habe die Ziele "Brot schmieren, Essen richten etc." bisher teilweise erreichen können
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(IV-act. 177). Gemäss den Aussagen von Dr. F._ ist es dem Beschwerdeführer also
möglich, Nahrung zu zerkleinern. Der Beschwerdeführer lässt jedoch darauf hinweisen,
dass er die linke Hand nicht als Haltehand einsetzen könne, da aufgrund des Neglect-
Syndroms und der residuellen kognitiven Beeinträchtigungen im Bereich
Aufmerksamkeit und visuelle Wahrnehmung eine erhöhte Verletzungsgefahr vorliege.
Am 27. Oktober 2014 hatte C._ jedoch angegeben, die Ziele der Physiotherapie,
darunter "beginnende Funktionshand links, selbstständige Selbsthilfe", hätten erreicht
werden können (IV-act. 184). Es ist deshalb und aufgrund der Aussagen von Dr. F._
vielmehr davon auszugehen, dass die linke Hand immerhin so funktionsfähig ist, dass
sie als sogenannte "Zudienhand" eingesetzt werden kann. Beim Streichen eines
Butterbrotes ist es ihm deshalb möglich, das Brot durch Gegenhalten mit der linken
Hand zu fixieren und es mit dem Messer in der rechten Hand zu bestreichen. Zudem
gibt es spezielle Frühstücksbretter für Einhändige. Diese Frühstücksbretter werden an
der Tischkante fixiert und haben einen Rand, der das Wegrutschen des Brotes
während des Streichens verhindert. Dem Beschwerdeführer ist es zuzumuten, sich ein
solches Hilfsmittel anzuschaffen. Auch das Essen einer Pizza ist einhändig möglich,
indem man sie mit einem Pizzaschneider in mundgerechte Stücke schneidet und diese
entweder mit der rechten Hand selbst oder mithilfe einer von dieser Hand geführten
Gabel zum Mund führt. Salzkartoffeln, Fisch oder gekochtes Gemüse können
beispielsweise mit der Gabel zerteilt und/oder zerdrückt werden, Teigwaren können in
der Regel mithilfe der Gabel in der rechten Hand gegessen werden und Reis kann
mithilfe eines erhöhten Tellerrands einhändig oder mithilfe der linken Hand als
Zudienhand auf die Gabel oder den Löffel in der rechten Hand geschoben werden.
Selbst wenn der Beschwerdeführer - entgegen der Aussage von Dr. F._ - nicht dazu
in der Lage sein sollte, selbstständig ein hartes Stück Fleisch zu zerkleinern, kann die
allenfalls erforderliche Dritthilfe beim Zerschneiden von Fleisch nicht zu einer
regelmässigen und erheblichen Hilfebedürftigkeit führen, weil der Beschwerdeführer
wohl kaum täglich ein solches Stück Fleisch zu essen pflegt (vgl. das Urteil des
Bundesgerichts vom 8. April 2010, 8C_30/2010, E 6.2). Eine Hilflosigkeit bei der
Lebensverrichtung Essen liegt deshalb nicht vor.
2.3 Bereits bei der Anmeldung hat der Beschwerdeführer geltend gemacht, seit
August 2014 etwa zwei Mal täglich auf Hilfe bei der Notdurftverrichtung angewiesen zu
sein (IV-act. 163-7). Gemäss den vorliegenden medizinischen Unterlagen leidet der
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Beschwerdeführer u.a. an angeborenen Organdysplasien/-Fehlanlagen bei fehlendem
Analsphincter und Rektumreservoir (vgl. IV-act. 184). Seit dem Mediainfarkt ist die
perianale Sensibilität so weit eingeschränkt, dass der Beschwerdeführer den
Defäkationsreiz nicht mehr spürt (act. G 1.1.3). Seine schwere Stuhlinkontinenz führt
dazu, dass auch fester Stuhl (vor allem nachts) passiv abgeht (act. G 11.1.2). Der
Beschwerdeführer trägt deshalb Einlagen bzw. Pants, die er mehrmals täglich
wechseln muss. Aufgrund der anspruchsvollen und schwer einsehbaren Topografie im
Glutealbereich (Narbenzüge und Rezesse) braucht er bei jeder Notdurftverrichtung Hilfe
bei der Reinigung. Bereits bei geringen Residuen von Fäkalien droht nämlich eine
Entzündung (vgl. act. G 11.1.1, IV-act. 177-3, 211). Am 19. Dezember 2014 ist dem
Beschwerdeführer ein Closomat zugesprochen worden, weil ein solcher es dem
Beschwerdeführer trotz des sensomotorischen Hemisyndroms links erlauben soll, die
Reinigung nach dem Stuhlgang ohne eine Dritthilfe durchzuführen (vgl. IV-act. 151 f.).
Für Situationen, in denen es dem Beschwerdeführer möglich ist, seinen Darm direkt auf
der Toilette zu entleeren, mag dies zutreffen. Inwiefern jedoch eine Selbstständigkeit
bei der Reinigung des Glutealbereichs gegeben ist, wenn es zu einem unkontrollierten
Stuhlabgang und - je nach Beschaffenheit des Stuhls - zu einer grossflächigeren
Verschmutzung gekommen ist, ist fraglich, da die Reinigungsdüsen der meisten
Dusch-WC's einen eher eingeschränkten Aktionsradius haben. Dass der
Beschwerdeführer mithilfe eines Spiegels in der linken Hand die Reinigung seines
offenbar sehr empfindlichen und gleichzeitig sensibilitätsgestörten Glutealbereichs
genügend gründlich soll vornehmen können, ist im Übrigen äusserst zweifelhaft.
Ausserdem ist eine solche Art der Reinigung unüblich und auch nicht zumutbar. Selbst
wenn die selbstständige Reinigung des Intim- und Glutealbereichs mithilfe des
Closomats auch nach einem unkontrollierten Stuhlabgang gewährleistet sein sollte, ist
insbesondere dann, wenn flüssiger Stuhl abgeht oder wenn nachts fester Stuhl
unbemerkt bleibt und es zu grossflächigeren Verschmutzungen gekommen ist, mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich das Ausziehen von
stuhlverschmierten Pants/Einlagen, ohne sich selbst oder seine Umgebung zu
verschmutzen, mit nur einer voll funktionsfähigen Hand als äusserst schwierig, wenn
nicht sogar als unmöglich gestaltet. Da der Beschwerdeführer den Defäkationsreiz
nicht spürt und sowohl harter als auch weicher Stuhl passiv abgeht, ist deshalb davon
auszugehen, dass er das Inkontinenzmaterial gezwungenermassen regelmässig in
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Anspruch nimmt und dass zumindest die erforderliche Dritthilfe beim Aus- und
Anziehen der Einlagen/Pants in Verbindung mit der Notdurftverrichtung regelmässig
und erheblich ist. Eine Hilflosigkeit bei der Verrichtung der Notdurft ist deshalb zu
bejahen.
2.4 Weiter hat der Beschwerdeführer eine Hilfebedürftigkeit beim An- und Auskleiden
geltend gemacht (IV-act. 163-3, act. G 1). Diese ist unabhängig vom An- und
Auskleiden vor und nach der Notdurftverrichtung zu prüfen (vgl. E 2.3, KSIH Rz 8027).
Es geht hier also um die Hilfsbedürftigkeit beim alltäglichen Kleiderwechseln (Pyjama/
Alltagskleidung, Jacke und Schuhe anziehen etc.). Dem Abklärungsbericht ist zu
entnehmen, dass der Beschwerdeführer beim An- und Auskleiden des Unter- und
Oberkörpers auf Dritthilfe angewiesen sei, weil er aufgrund einer halbseitigen Lähmung
seinen linken Arm nicht einsetzen könne (IV-act. 167). Dr. F._ hat am 12. Oktober
2015 festgehalten, dass die linke Hand nur bei Visus gesteuert werden könne, das
Berührungsempfinden links distal betont reduziert (bzw. an den Fingern nahezu
aufgehoben) und das An- und Ausziehen erschwert sei. Beim Anziehen der Jacke oder
des T-Shirts benötige der Beschwerdeführer manchmal Hilfe, da der linke Arm den
Ärmel nicht finde. Hingegen könne der Beschwerdeführer seine Schuhe selbst binden
(IV-act. 177). Die linksseitige Lähmung kann also keine vollständige sein. Deshalb ist es
möglich, beispielsweise zuerst den linken Arm mit Hilfe der rechten Hand in den Ärmel
zu stecken und sich erst dann weiter anzuziehen. Sollte dies dem Beschwerdeführer
derzeit noch schwer fallen, ist es im Rahmen der Schadenminderungspflicht zumutbar,
die entsprechenden Fertigkeiten durch ein ergonomisches Training zu erarbeiten. Das
Anziehen von Unterhosen, Hosen und Socken kann im Sitzen (so muss der
Beschwerdeführer nicht auf dem linken Bein stehen) durchaus einhändig bzw. mithilfe
der linken Hand als Zudienhand erfolgen. Abgesehen davon, dass auch Knöpfe mit ein
wenig Übung einhändig geschlossen und wieder geöffnet werden können, ist es dem
Beschwerdeführer im Rahmen der Schadenminderungspflicht zumutbar, anpasste
Kleidung (ohne Knöpfe und Reissverschlüsse) zu tragen (vgl. ZAK 1986 S. 481, ZAK
1989 S. 213 f.). Eine Hilfsbedürftigkeit beim An- und Auskleiden ist deshalb nicht
gegeben.
2.5 In seiner Beschwerde hat der Beschwerdeführer in Bezug auf die alltägliche
Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen erklären lassen, er habe eine
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schlechte Balance. Ausserdem bestehe eine Stolper- und Rutschgefahr. Weiter hat er
darauf hingewiesen, dass eine teilweise, passive Stuhlinkontinenz mit Koliken und
Diarrhoe vorliege (act. G 1). Bei der Anmeldung hatte der Beschwerdeführer hingegen
noch angegeben, beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen selbstständig zu sein (IV-act. 163).
Er leidet am linken Bein an einer Fehlbildung und der Unterschenkel sowie der Fuss
sind hypotroph (IV-act. 115). Im Rahmen der Abklärung ist festgehalten und vom
Beschwerdeführer bestätigt worden, dass er sich selbstständig ins Bett legen und auch
wieder - wenn auch langsam, da er sonst das Gleichgewicht verliere - aufstehen
könne. Auch auf einen Stuhl könne er sich setzen und sich wieder erheben. Allerdings
hat er angeführt, dass er, da es passieren könne, dass er des Nachts von der Notdurft
überrascht werde, darauf angewiesen sei, rasch "aufspringen und rennen" zu können.
Dies sei jedoch nicht mehr möglich (IV-act. 167). Dieser Einwand ist zwar
nachvollziehbar, doch ist er in Verbindung mit der allgemeinen Lebensverrichtung
"Notdurft" zu berücksichtigen. In seinem Einwand hat der Beschwerdeführer zudem
darauf hinweisen lassen, dass er, sollte er infolge seiner Geburtsgebrechen und der
Folgen der Hirninfarkte stolpern und/oder ausrutschen, ohne Dritthilfe kaum aufstehen
könne (IV-act. 199-8 f.). Dies leuchtet durchaus ein, doch ergibt sich aus den Akten
kein Hinweis darauf, dass der Beschwerdeführer regelmässig stürzen würde, so dass
eine allenfalls erforderliche Dritthilfe nach einem Sturz nicht mit der erforderlichen
Regelmässigkeit notwendig sein kann. Dass der Beschwerdeführer, weil er nur eine
Niere hat, immer wieder von seiner Lebenspartnerin zugedeckt werden muss (IV-act.
199-9, 167-3), kann nicht im Rahmen der Lebensverrichtung "Aufstehen/Absitzen/
Abliegen" berücksichtigt werden und erscheint zudem in Hinblick auf die
Regelmässigkeit nicht als ausreichend, weshalb eine Hilflosigkeit in diesem Bereich zu
verneinen ist.
2.6 Bei der Körperpflege kann der Bedarf nach Hilfe bei der Notdurftverrichtung nicht
nochmals berücksichtigt werden (vgl. KSIH Rz 8027). Im Rahmen der alltäglichen
Lebensverrichtung "Körperpflege" ist deshalb zu prüfen, ob der Beschwerdeführer bei
der übrigen Körperpflege auf Hilfe angewiesen ist. Der Beschwerdeführer hat in seiner
Beschwerde u.a. erklärt, es bestehe eine Rutsch- und somit Verletzungsgefahr (act. G
1). Dem Abklärungsbericht ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer selbstständig
die Zähne putzen könne, jedoch beim Öffnen und Schliessen der Zahnpastatube Hilfe
benötige (IV-act. 167-4). Da es auch Zahnpastabehältnisse mit einem (weitgehend
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einhändig bedienbaren) Klappverschluss gibt, besteht hier keine Hilflosigkeit. Der
Beschwerdeführer kann sich gemäss dem Abklärungsbericht selbstständig kämmen,
rasieren und das Gesicht waschen. Beim Duschen soll er auf die Hilfe seiner Partnerin
angewiesen sein, obwohl er sich selbstständig, so gut es gehe, einseifen könne. Der
Ein- und Ausstieg in die Dusche bzw. aus der Dusche heraus soll aber selbstständig
möglich sein (IV-act. 167). Wenn der Beschwerdeführer seine linke Hand unter visueller
Kontrolle gemäss den Aussagen von Dr. F._ so einsetzen kann, dass er dazu fähig
ist, seine Schuhe zu binden (vgl. IV-act. 178), dann kann er auch das Handtuch mit der
linken Hand halten und die wenigen Körperstellen, die sich nicht mit dem
ausschliesslichen Gebrauch der rechten Hand erreichen lassen, konzentriert mithilfe
der linken, mindestens als Zudienhand funktionierenden Hand abtrocknen. Die
Reinigung im Glutealbereich kann selbstständig mit der Duschbrause vorgenommen
werden. Beim Abtrocknen dieses Körperbereichs ist zwar aufgrund der dort
eingeschränkten Sensibilität und der anspruchsvollen sowie empfindlichen Topografie
eine besondere Sorgfalt nötig, doch kann diese unter alleiniger Zuhilfenahme der
rechten, voll funktionsfähigen Hand des Beschwerdeführers aufgebracht werden. Dass
in der Dusche und im Badezimmer eine besondere Rutschgefahr bestehen kann, ist
nachvollziehbar, zumal der Beschwerdeführer aufgrund seiner Fehlbildung am linken
Bein sturzgefährdeter ist als eine Person mit zwei gesunden Beinen. Im Rahmen der
Schadenminderungspflicht ist es dem Beschwerdeführer aber zumutbar, die
Bodenfliesen im Bad mit einer rutschfesten Badezimmermatte auszulegen und in der
Dusche eine rutschfeste Gummimatte zu benutzen und zudem einen Haltegriff oder
einen hochklappbaren Sitz anbringen zu lassen, damit er sich notfalls festhalten bzw.
im Sitzen duschen und die Sturzgefahr so minimieren kann. Eine Hilfsbedürftigkeit bei
der allgemeinen Lebensverrichtung "Körperpflege" ist deshalb nicht ausgewiesen.
2.7 Ausserdem hat der Beschwerdeführer eine Hilflosigkeit in der Lebensverrichtung
"Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte" geltend gemacht, weil er auswärts
an plötzlich auftretenden Koliken und/oder Diarrhoe leide und deshalb auch ausser
Haus bei der Notdurftverrichtung auf eine Dritthilfe angewiesen sei (act. G 1, 11, IV-act.
199-12). Die Beschwerdegegnerin ist demgegenüber der Auffassung, die
Hilfebedürftigkeit bei Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Notdurftverrichtung im
ausserhäuslichen Bereich führe nicht zu einer Hilfebedürftigkeit im Bereich der
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte, sondern werde vielmehr über die
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zugesprochene lebenspraktische Begleitung abgegolten (act. G 5). Bei der alltäglichen
Lebensverrichtung "Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte" geht es um die
Frage, ob die Fortbewegungs- bzw. Kommunikationsfähigkeit einer versicherten
Person so stark eingeschränkt ist, dass sie auf eine Hilfeleistung angewiesen ist. Der
Beschwerdeführer kann sich sowohl zuhause als auch im Freien selbstständig
fortbewegen (IV-act. 167-4). Auch ist den Akten keine Einschränkung seiner
Kommunikationsfähigkeit zu entnehmen. Er kann nämlich telefonieren, schreiben,
sprechen und ist dazu imstande, Kontakt mit Menschen aufzunehmen (IV-act. 167-4 f.).
Der Beschwerdeführer kann jedoch aufgrund seiner Stuhlinkontinenz und der damit
verbundenen Hilflosigkeit ohne eine Begleitung keine ausserhäuslichen Kontakte
pflegen. Es ist nämlich - unabhängig von der bestehenden Gefahr sich entwickelnder
Entzündungen - nicht zumutbar, nach einem passiven Stuhlabgang ohne die Aussicht
auf eine zeitnahe, gründliche Reinigung im Freien zu sein oder gar gesellschaftliche
Kontakte zu pflegen. Obwohl diese Art der Hilfsbedürftigkeit also weder die
Fortbewegungs- noch die Kommunikationsfähigkeit an sich betrifft, handelt es sich
dabei um eine aus der fehlenden Fähigkeit, die mit der Notdurft verbundenen
Tätigkeiten selbstständig vorzunehmen resultierende Hilfsbedürftigkeit, die sich indirekt
auf die Fähigkeit auswirkt, ausserhäusliche Kontakte zu pflegen. Weil der
Beschwerdeführer also nicht in der Lage wäre, sich selbstständig ausser Haus zu
bewegen und selbstständig ausserhäusliche Kontakte zu seinen Mitmenschen zu
pflegen und die deshalb notwenige ausserhäusliche Begleitung nicht im Rahmen der
lebenspraktischen Begleitung abgedeckt wird (vgl. E 3.3), kann eine Hilflosigkeit bei der
Lebensverrichtung "Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte" bejaht werden.
3.
3.1 Als hilflos gilt eine versicherte Person nicht nur, wenn sie im Sinne des Art. 9 ATSG
hilflos ist, sondern gemäss dem Art. 42 Abs. 3 IVG auch, wenn sie zuhause lebt und
wegen ihrer Gesundheitsbeeinträchtigung dauernd auf eine lebenspraktische
Begleitung angewiesen ist. Ein Bedarf an einer lebenspraktischen Begleitung besteht,
wenn eine versicherte Person aufgrund ihrer Gesundheitsbeeinträchtigung ohne die
Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann, wenn sie für
Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf die Begleitung einer
Drittperson angewiesen ist oder wenn sie ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der
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Aussenwelt zu isolieren (Art. 38 Abs. 1 IVV). Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist im Rahmen der lebenspraktischen Begleitung im Sinne des Art. 38
Abs. 1 lit. a IVV sowohl die direkte als auch die indirekte Dritthilfe zu berücksichtigen.
Wenn eine Begleitperson also die notwendigerweise anfallenden Tätigkeiten
(Tagesstrukturierung, Bewältigung von Alltagssituationen, Haushaltsführung; vgl. Rz
8050 KSIH) selbst ausführt, weil die versicherte Person dazu gesundheitsbedingt trotz
Anleitung und Überwachung beziehungsweise Kontrolle nicht in der Lage ist, ist auch
dieser Aufwand als Teil der lebenspraktischen Begleitung zu qualifizieren (BGE 133 V
450). Zu den erwähnten notwendigerweise anfallenden Tätigkeiten zählen etwa das
Kochen, das Einkaufen, das Besorgen der Wäsche und die Wohnungspflege (vgl. das
Urteil 9C_410/2009 vom 1. April 2010, E. 5.4). Das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen interpretiert diese Rechtsprechung dahingehend, dass jede versicherte
Person, die krankheitsbedingt ihren Haushalt nicht mehr selbst besorgen kann, auf eine
lebenspraktische Begleitung angewiesen ist und deshalb als hilflos gilt, wenn ihr das
Verbleiben in der eigenen Wohnung ohne eine Haushaltshilfe nicht mehr zugemutet
werden kann (Entscheid IV 2013/412 vom 16. April 2014).
3.2 Die Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, der Beschwerdeführer bedürfe einer
lebenspraktischen Begleitung. Zur Begründung hat sie angeführt, dass aufgrund des
Gesamtbildes die lebenspraktische Begleitung angerechnet werden könne (IV-act.
214). Zudem sei der Beschwerdeführer nicht mehr in der Lage, substanziell im Haushalt
mitzuhelfen (IV-act. 168, 190). Ob die vorliegende Haushalts-Hilfsbedürftigkeit im
Rahmen der Mitwirkungspflicht von erwachsenen Personen im gleichen Haushalt noch
als angemessen erachtet werde, sei möglicherweise durch das Gericht zu beurteilen
(IV-act. 214). Das sich aus der lebenspraktischen Begleitung ergebende
Versicherungsverhältnis schützt die persönliche Fähigkeit der versicherten Person,
selbstständig zu wohnen, ausserhäusliche Verrichtungen ohne Begleitung
vorzunehmen und Kontakte zu pflegen bzw. sich nicht zu isolieren. Wie bei der
Ermittlung des Invaliditätsgrades im eigenen Haushalt hat die Beschwerdegegnerin bei
der Prüfung, ob eine lebenspraktische Begleitung notwendig ist, nach der ständigen
Rechtsprechung des Versicherungsgerichts zu beachten, dass nicht die Fähigkeit der
Hausgemeinschaft (bestehend aus der versicherten Person und den mithelfenden
Familienangehörigen), den Haushalt und die Alltagsgeschäfte zu erledigen sowie die
Kontaktpflege für und mit dem Beschwerdeführer zu gewährleisten, massgebend ist.
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Es kann somit - entgegen der Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. z.B. BGE 133
V 504, E. 4.2), - keine Schadenminderungspflicht von Angehörigen geben, weil nur die
entsprechende Fähigkeit des Beschwerdeführers das versicherte Gut ausmacht (vgl.
etwa den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17.
Oktober 2007, IV 2006/133, E. 3c). Massgebend ist also, inwieweit der
Beschwerdeführer zumutbarerweise in der Lage wäre, selbstständig zu wohnen, die
Administration (Zahlungs¬verkehr, Krankenkasse, Steuern usw.) und Behördengänge
respektive Besorgungen ohne jegliche Dritthilfe zu tätigen. Da eine lebenspraktische
Begleitung gemäss Art. 38 Abs. 1 lit. a IVV neben der indirekten Dritthilfe auch dann
nötig ist, wenn ein Bedarf nach einer direkten Dritthilfe bei den Haushaltsbesorgungen
wie dem Kochen, dem Putzen oder dem Wäschewaschen besteht (vgl. den Entscheid
des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 20. März 2012, IV 2011/260 E 6.3), muss
davon ausgegangen werden, dass der Versicherte mit nur einer voll funktionsfähigen
Hand eine direkte Dritthilfe benötigt. Es ist ihm nämlich beispielsweise nicht möglich,
Wäsche zu waschen und diese aufzuhängen, sich selbst das Essen zuzubereiten, die
Wohnung vollumfänglich zu reinigen usw.
3.3 Abschliessend ist festzuhalten, dass die Hilflosigkeit des Beschwerdeführers bei
der ausserhäuslichen Notdurftverrichtung im Rahmen der alltäglichen
Lebensverrichtung "Pflege gesellschaftlicher Kontakte" zu berücksichtigen ist und nicht
zu einem Anspruch auf lebenspraktische Begleitung führt. Bei der lebenspraktischen
Begleitung handelt es sich nämlich vielmehr um eine Art "Beistandschaft", die nötig ist,
weil die versicherte Person nicht in der Lage ist, selbstständig zu leben. Anders als bei
der lit. a des Art. 38 Abs. 1 IVV kann es sich bei der Begleitung ausserhalb der eigenen
Wohnung nur um eine indirekte Dritthilfe handeln. Andernfalls würde sie nämlich die
alltägliche Lebensverrichtung der Fortbewegung im Freien und der Pflege
gesellschaftlicher Kontakte konsumieren. Der Bedarf des Beschwerdeführers nach
Hilfe bei der Notdurft-Hygiene ausser Haus ist also unter die Hilfe bei der alltäglichen
Lebensverrichtung der Fortbewegung im Freien und der Pflege gesellschaftlicher
Kontakte und nicht unter die lebenspraktische Begleitung gemäss Art. 38 Abs. 1 lit. b
IVV zu subsumieren.
4.
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4.1 Zusammenfassend ist der Beschwerdeführer also auf Hilfe bei der
Notdurftverrichtung, auf Hilfe bei der Fortbewegung im Freien und bei der Pflege
gesellschaftlicher Kontakte sowie auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen.
Somit ist er mittelgradig hilflos und hat Anspruch auf eine entsprechende
Hilflosenentschädigung. Die Beschwerde ist deshalb gutzuheissen. Die Sache ist zur
Ermittlung dieser Hilflosenentschädigung und zum anschliessenden Erlass der
entsprechenden Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. Der
Vertretungsaufwand ist trotz des verhältnismässig geringen Aktenumfangs aufgrund
des doppelten Schriftenwechsels und aufgrund der zahlreichen im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens eingereichten Arztberichte und Stellungnahmen im Bereich
eines durchschnittlichen Rentenfalles gewesen. Deshalb erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) als
angemessen. Da die referierende Gerichtsschreiberin verhindert ist, unterzeichnet
gemäss Art. 39ter Abs. 2 VRP/SG stellvertretend eine am Entscheid beteiligte Richterin
das Urteil.