Decision ID: cd295135-9ba6-4b96-b965-e69fafdd338d
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X bewirtschaftet amtlich bewilligte Privatparkplätze in A mit zentraler Parkuhr. Mit
Schreiben vom 2. März 2017 ersuchte sie beim Strassenverkehrsamt St. Gallen um
Bekanntgabe des Halters des Fahrzeugs mit dem Kontrollschild SG 000 000, weil für
dieses Fahrzeug die Parkgebühr auf dem Parkplatz Y in A nicht bezahlt worden sei und
die Adresse des Halters nicht habe ausfindig gemacht werden können, da die Daten
gesperrt seien. Mit Verfügung vom 15. März 2017 wies das Strassenverkehrsamt das
Gesuch um Halterauskunft zum Kontrollschild SG 000 000 ab und erhob dafür eine
Gebühr von Fr. 100.–.
B.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 23. März 2017 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission und beantragte, das Strassenverkehrsamt habe ab
sofort die benötigten gesperrten Halterdaten bekanntzugeben und die
Verfügungsgebühr von Fr. 100.– sei zu sistieren. Die Vorinstanz liess sich mit Eingabe
vom 7. April 2017 zum Rekurs vernehmen; sie trug auf Abweisung des Rekurses an.

Auf die Ausführungen der Beteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 23. März 2017 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Angefochten ist die Verfügung der Vorinstanz vom 15. März 2017, mit welcher das
Gesuch der Rekurrentin um Auskunft über den Halter des Fahrzeugs mit dem
Kontrollschild SG 000 000 abgewiesen wurde.
bis
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a) Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, dass die von den
Kantonen und Bundesstellen zu führenden Register und Kontrollen im Strassenverkehr
nicht öffentlich seien. Die darin enthaltenen Informationen würden grundsätzlich dem
Amtsgeheimnis im Sinne des Schweizerischen Strafgesetzbuches und im Speziellen
den kantonalen Geheimhaltungsvorschriften gemäss dem Datenschutzgesetz des
Kantons St. Gallen unterliegen. Auskünfte aus den Registern und Kontrollen seien nur
unter Behörden gestattet, die sie für die Erteilung der Ausweise, die Feststellung eines
Tatbestands oder die Beurteilung in Straf- und Verwaltungsverfahren von Amtes wegen
benötigen. Ein Fahrzeughalter habe die Möglichkeit, durch einfache Erklärung die
Herausgabe seiner Daten für private Personen und Organisationen sperren zu lassen.
Angaben aus dem Fahrzeugausweis bei gesperrten Daten würden nur auf begründetes
Gesuch hin Personen bekanntgegeben werden, die im Hinblick auf ein Verfahren ein
zureichendes Interesse geltend machen. Die Halterauskünfte würden den Belangen
des Strassenverkehrs dienen und seien nicht für kommerzielle Zwecke bestimmt.
Einem Fahrzeughalter sei ein schutzwürdiges Interesse an der Geheimhaltung seiner
Angaben zuzugestehen. Bei der Anfrage der Rekurrentin handle es sich um Daten aus
einem nichtöffentlichen Register, wobei das Interesse des Fahrzeughalters an der
Geheimhaltung nicht leichthin übergangen werden könne. Insbesondere sei die
Bekanntgabe der Daten zu verweigern, wenn die Anfrage wie im Falle der Rekurrentin
zum Zweck der kommerziellen Nutzung erfolge. Ein zureichendes Interesse an der
Bekanntgabe der Daten sei nicht ersichtlich.
b) Im Rekurs vom 23. März 2017 wird dem entgegengehalten, dass ein zureichendes
Interesse an der Bekanntgabe der gesperrten Daten von Fahrzeughaltern vorhanden
sei. Beim Einkassieren einer Umtriebsentschädigung handle es sich zudem nicht um
eine rein kommerzielle Nutzung der Daten. Man wolle Halter mit gesperrten Daten nicht
ohne weiteres mit einer Busse der Polizei vor den Kopf stossen. Oft handle es sich um
Spezialfälle (berufs-, ferien- oder krankheitsbedinge Abwesenheiten, Fahren des
Fahrzeugs durch Angehörige, Verwandte oder Bekannte), bei denen der Fahrzeughalter
nach der Abmahnung oft das Sekretariat der Rekurrentin kontaktiere und sich die
Angelegenheit sodann ohne weitere Konsequenzen für den Fahrzeughalter bereinigen
lasse. Zudem habe das Bundesgericht im Urteil 6S.77/2003 vom 6. Januar 2004
festgehalten, dass Besitzern eines Privatparkplatzes das Recht zustehe, von fehlbaren
Fahrzeughaltern unter Androhung einer Strafanzeige eine Umtriebsentschädigung
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zuzüglich Nachzahlgebühr für das Abstellen des Fahrzeugs einzufordern. Es könne
deshalb nicht sein, dass der Staat Fahrzeughaltern mit gesperrten Daten mittels
Verweigerung der Datenherausgabe ermögliche, auf einem Areal zu parkieren, ohne die
Parkgebühr bezahlen zu müssen. Zudem würden in den Kantonen Zürich und Thurgau
die Daten ohne weiteres zur Verfügung gestellt.
3.- a) Der Bund führt in Zusammenarbeit mit den Kantonen ein automatisiertes
Fahrzeug- und Fahrzeughalterregister (MOFIS; Art. 104a Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Das Register dient der
Erfüllung verschiedener gesetzlicher Aufgaben (Kontrolle der Verkehrszulassung,
Fahrzeugversicherung, Verzollung und Versteuerung nach dem Automobilsteuergesetz,
Erstellung der Fahrzeugstatistik, Identifikation des Halters, Verkehrsopferschutz und
Fahndung, Belegung und Einmietung der Fahrzeuge für die Armee, den Zivilschutz und
die wirtschaftliche Landesversorgung, Vollzug der Verminderung der CO -Emissionen
bei Personenwagen; Art. 104a Abs. 2 lit. a bis e SVG). Es enthält alle in der Schweiz
gegenwärtig und früher zugelassenen Fahrzeuge, die Namen, Geburtsdaten, Adressen
und Heimatstaaten der Halter sowie Angaben zu deren Haftpflichtversicherung (Art.
104a Abs. 3 SVG). Neben dem für die Führung des Registers zuständigen Bundesamt
bearbeiten auch die für die Erteilung und den Entzug der Fahrzeugausweise
zuständigen Behörden des Bundes und der Kantone die Personen- und Fahrzeugdaten
im Register (Art. 104a Abs. 4 lit. a SVG). In einem Abrufverfahren können verschiedene
Stellen Einsicht in das Register nehmen, unter anderem die für die Fahrzeugprüfungen
zuständigen Behörden des Bundes und der Kantone sowie die Polizei- und Zollorgane
(vgl. Art. 104a Abs. 5 lit. a bis f SVG). Gestützt auf Art. 104a Abs. 6 und 7 SVG hat der
Bundesrat die Verordnung vom 3. September 2003 über das automatisierte Fahrzeug-
und Fahrzeughalterregister (MOFIS-Register-Verordnung, SR 741.56) erlassen.
Gemäss Art. 125 Abs. 1 der Verkehrszulassungsverordnung (SR 741.51, abgekürzt:
VZV) sind die von den Kantonen und Bundesstellen zu führenden Register und
Kontrollen im Strassenverkehr nicht öffentlich. Grundsätzlich sind Auskünfte aus den
Registern und Kontrollen nur unter Behörden gestattet, die sie für die Erteilung der
Ausweise, die Feststellung des Tatbestands oder die Beurteilung in Straf- und
Verwaltungsverfahren von Amtes wegen benötigen (Art. 125 Abs. 2 VZV). Namen und
Adresse von Inhabern eines Kontrollschildes können jedoch jedermann
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bekanntgegeben werden (Art. 126 Abs. 1 VZV). Auf Gesuch sperrt das öffentliche
Organ die Bekanntgabe von Personendaten, wenn die betroffene Person ein
schutzwürdiges Interesse hat (Art. 21 Abs. 1 des Datenschutzgesetzes des Kantons St.
Gallen, sGS 142.1, abgekürzt: DSG SG). Im Kanton St. Gallen ist es möglich, im
Internet oder per SMS ohne Interessennachweis mit der Angabe des Kontrollschilds
Name und Adresse eines Fahrzeughalters abzufragen (vgl. www.eautoindex.ch). Seit
die eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitskommission am 22. Mai 2003
entschieden hatte, dass die Befürchtung einer möglichen Gefahr oder auch blossen
Schikanen durch die Neugier Dritter ausgesetzt zu sein, als schutzwürdiges Interesse
für die Sperrung der Bekanntgabe von Personendaten genügt (VPB 68.69), können alle
Personen voraussetzungslos die Sperrung ihrer Personendaten beim
Strassenverkehrsamt beantragen.
b) Umstritten im Rekursverfahren ist, ob Name und Adresse von Fahrzeughaltern, die
ihre Daten sperren liessen, vom Strassenverkehrsamt bekanntgegeben werden
müssen, wenn eine Parkgebühr nicht bezahlt wurde. Gemäss Art. 22 Abs. 1 lit. a bis c
DSG SG gibt das öffentliche Organ Personendaten trotz Sperrung nur bekannt, wenn
eine Rechtspflicht zur Bekanntgabe besteht, wenn die Erfüllung einer gesetzlichen
Aufgabe verunmöglicht würde oder wenn die Empfängerin oder der Empfänger
glaubhaft macht, dass die Sperrung rechtsmissbräuchlich erwirkt wurde. Gemäss Art.
17 MOFIS-Register-Verordnung dürfen im MOFIS erfasste Daten vorbehältlich Art. 126
Abs. 1 und 2 VZV anderen Personen als dem Halter oder der Halterin nur bekannt
gegeben werden, wenn ein zureichendes Interesse im Hinblick auf ein Verfahren
geltend gemacht wird und die Daten für die Durchführung des Verfahrens erforderlich
sind. Ähnlich lautet Art. 126 Abs. 3 VZV, wonach Angaben aus dem Fahrzeugausweis
auf begründetes schriftliches Gesuch Personen bekanntgegeben werden dürfen, die im
Hinblick auf ein Verfahren ein zureichendes Interesse geltend machen.
Die Rekurrentin macht geltend, dass die Voraussetzung eines zureichenden Interesses
im Hinblick auf ein Verfahren erfüllt sei. Sie führt jedoch nicht weiter aus, worin dieses
Interesse und im Hinblick auf welches Verfahren dieses besteht. Sie legt lediglich dar,
dass es "Spezialfälle" gebe, die ohne weitere Konsequenzen bereinigt werden könnten.
Das Interesse der Rekurrentin besteht offensichtlich darin, von Fahrzeughaltern, die
keine Parkgebühren bezahlt haben, diese nach- und eine Umtriebsentschädigung
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einzufordern. Die Vorinstanz bezeichnete dieses Interesse zu Recht als kommerziell.
Ein wie vom Gesetz gefordertes zureichendes Interesse im Hinblick auf ein Verfahren
liegt nicht vor. Ebenso wenig besteht für die Vorinstanz eine Rechtspflicht zur
Bekanntgabe der Daten noch würde ohne Bekanntgabe die Erfüllung einer gesetzlichen
Aufgabe verunmöglicht. Zudem gibt es keine Hinweise, dass die Sperrung der Daten
rechtsmissbräuchlich erwirkt worden wäre. In dem von der Rekurrentin zitierten
Entscheid des Bundesgerichts wird zwar festgehalten, dass das Einfordern einer
Umtriebsentschädigung mit der gleichzeitigen Drohung der Verzeigung bei
Nichtbezahlen keine Nötigung darstelle (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6S.
77/20013 vom 6. Januar 2004). Dass hingegen die gesperrten Daten eines
Fahrzeughalters bei Nichtbezahlen einer Parkgebühr bekanntzugeben seien, stellte das
Bundesgericht nicht fest; insoweit ist das zitierte Urteil nicht einschlägig.
Der Ansicht der Rekurrentin, wonach der Staat es Fahrzeughaltern mit gesperrten
Daten mittels Verweigerung der Datenherausgabe ermögliche, auf einem Areal zu
parkieren, ohne die Parkgebühr bezahlen zu müssen, kann nicht gefolgt werden. Im
Schreiben des Amtsleiters der Vorinstanz vom 18. Mai 2016 wird erläutert, wie bei
Fahrzeughaltern mit gesperrten Daten, die eine Parkgebühr nicht bezahlt haben,
vorzugehen ist: Der Parkplatzinhaber fordert vom Fahrzeughalter mittels eines
Formulars, welches unter den Scheibenwischer geklemmt wird, unter Angabe des
Kontrollschildes, Datum, Uhrzeit und Nummer des Parkfeldes sowie unter
Fristansetzung die Nachzahlung der Parkgebühr und eine Umtriebsentschädigung ein.
Gleichzeitig wird für den Fall der Nichtbezahlung eine Strafanzeige bei der Polizei
angedroht. Wird die Umtriebsentschädigung nicht bezahlt, hat der Parkplatzinhaber die
Möglichkeit, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Auf diesem Weg kommen auch
Fahrzeughalter, die ihre Daten sperren liessen, nicht ungeschoren davon.
c) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen für die Bekanntgabe der
von der Rekurrentin geforderten gesperrten Halterdaten nicht erfüllt sind. Das Interesse
des Fahrzeughalters an der Geheimhaltung seiner Daten ist höher zu werten als das
Interesse der Rekurrentin, die Parkgebühren und eine Umtriebsentschädigung
einzufordern. Die Vorinstanz wies das Gesuch der Rekurrentin um Auskunft über den
Halter des Fahrzeugs mit dem Kontrollschild SG 000 000 deshalb zu Recht ab. Daran
ändert nichts, dass gemäss den Ausführungen der Rekurrentin in den Kantonen
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Thurgau und Zürich gesperrte Daten ohne weiteres bekanntgegeben würden.
Massgebend in diesem Verfahren ist allein, was im Kanton St. Gallen gilt. Der Rekurs
ist somit abzuweisen.
4.- Gemäss Art. 94 Abs. 1 VRP hat die vorgeschriebene Gebühr zu entrichten, wer eine
Amtshandlung zum eigenen Vorteil oder durch sein Verhalten veranlasst. Ziff. 10.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung (sGS 821.5) sieht für eine
Verfügung oder einen Entscheid einen Gebührenrahmen von Fr. 50.– bis 5'000.– vor.
Die Vorinstanz bezifferte die Verfahrenskosten auf Fr. 100.– und bewegte sich damit in
der für eine Verfügung oder einen Entscheid vorgesehenen Bandbreite, und zwar im
untersten Bereich. Die erhobene Gebühr ist deshalb nicht zu beanstanden.
5.- Der Rekurs ist folglich abzuweisen. Diesem Verfahrensausgang entsprechend sind
die amtlichen Kosten der Rekurrentin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 500.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 500.– ist zu
verrechnen.