Decision ID: 697116a1-9ec0-5dcc-ad15-ccda4e153283
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
I._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
I._ (Jg. 1960) meldete sich am 4. Mai 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an. Dr.
med. A._ berichtete der IV-Stelle am 31. Mai 2006, die Versicherte leide an einer seit
Jahren bestehenden Fibromyalgie und an einem chronischen Zervikalsyndrom bei
degenerativen Veränderungen an der HWS mit Diskusprotrusionen C6/7 und C5/6. Seit
dem 22. August 2005 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50% in der bisher
ausgeübten Tätigkeit als Putzfrau. Die Versicherte sei halbtags tätig gewesen.
Zumutbar wären noch zwei Stunden pro Tag. Das Kantonsspital St. Gallen hatte Dr.
med. A._ am 20. Oktober 2005 berichtet, die Versicherte habe über seit ca. acht
Monaten auftretende HWS- und BWS-Schmerzen (zunehmend mit Ausstrahlung in den
Hinterkopf und beide Schultern) und über LWS-Schmerzen (mit Ausstrahlung in beide
Beine) geklagt. Ausserdem träten generalisierte Myalgien auf. Eine Spiricorttherapie
habe die Beschwerdesymptomatik nicht beeinflussen können. Die B._ AG teilte der
IV-Stelle am 22. Juni 2006 mit, sie habe die Versicherte vom 1. Mai 2003 bis 31. März
2006 als Reinigerin beschäftigt. Bei einer normalen Arbeitszeit im Betrieb von 8 1⁄4 Std.
habe das Arbeitspensum der Beschwerdeführerin zwei Stunden betragen. Der
Stundenlohn würde sich aktuell auf Fr. 19.- belaufen.
B.
Die IV-Stelle nahm am 20. Februar 2007 eine Haushaltabklärung vor. Im
entsprechenden Bericht führte die Abklärungsperson aus, die Versicherte habe
angegeben, sie habe zuerst unter Rückenschmerzen gelitten. Nun habe sie am ganzen
Körper Schmerzen. Sie habe viele Medikamente ausprobiert, aber nichts habe genützt.
Seit Mai 2006 habe sich die Situation stark verschlimmert. Sie leide unter
Angstgefühlen und sie verliere schnell an Kraft. Am 23. Februar 2007 beginne eine
psychiatrische Behandlung. Sie sei früher durchschnittlich 16 Std. wöchentlich einer
Erwerbstätigkeit nachgegangen. Wäre sie gesund, würde sie weiterhin mit einem
Pensum von 40% arbeiten. Der Ehemann sei Taxifahrer und der noch zuhause lebende
Sohn absolviere eine KV-Lehre. Die Abklärungsperson berichtete weiter, die
Versicherte habe angegeben, bei der Haushaltführung (5,67%) sei sie auf Mithilfe
angewiesen, weil sie keine Termine mehr einhalten könne. Die Abklärungsperson nahm
eine Einschränkung um 30% an, so dass eine anteilige Invalidität von 1,7% resultierte.
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Bei der Ernährung (57,05%) habe die Versicherte ausgeführt, sie könne noch schnelle
Gerichte kochen und leichte Reinigungsarbeiten ausführen. Die Abklärungsperson
berücksichtigte eine Mithilfe des Ehemannes und des Sohnes von je 15 Min. pro Tag.
Sie nahm eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit der Versicherten um 20% an, so
dass eine anteilige Invalidität von 11,41% verblieb. Bei der Wohnungspflege (18,58%)
habe die Versicherte eine starke Einschränkung angegeben, weil sie sich kaum mehr
bücken könne. Die Abklärungsperson ging davon aus, dass der Sohn der Versicherten
das Staubsaugen übernehmen könne. Bei einer Einschränkung um 60% resultiere eine
anteilige Invalidität von 11,14%. Beim Einkaufen und den weiteren Besorgungen
(10,64%) habe die Versicherte eine Beschränkung auf die Kleineinkäufe angegeben.
Die Abklärungsperson mutete dem Ehemann und dem Sohn der Versicherten die
Besorgung der Grosseinkäufe zu. Deshalb bestand keine anteilige Invalidität. Auch bei
der Wäsche und Kleiderpflege (8,06%) nahm die Abklärungsperson eine
Schadenminderungspflicht des Sohnes an. Die verbleibende Einschränkung von 30%
entsprach einer anteiligen Invalidität von 2,42%. Insgesamt belief sich die Invalidität
der Versicherten im Haushalt also auf 26,67%, wovon aufgrund des Haushaltanteils
von 60% aber nur 16% berücksichtigt werden konnten. Diese Versicherte liess in ihrer
Stellungnahme vom 2. April 2007 zum Abklärungsbericht angeben, sie sei in
Behandlung beim Psychologen C._. Dieser habe eine psychiatrische Behandlung
empfohlen. Sie leide an nächtlichen Ängsten. Am Abend schreie sie vor Angst so laut,
dass die Nachbarn es hörten. Es sei ihr unmöglich, allein zu schlafen. Am nächsten Tag
könne sie sich nicht erinnern, dass sie in der Nacht geschrien habe. Die
Abklärungsperson hielt am 12. April 2007 abschliessend fest, die Versicherte spreche
kein Deutsch. Der Ehemann habe alle Fragen übersetzen müssen. Die Versicherte habe
ausschliesslich in ihrer Muttersprache geantwortet. Die Schadenminderungspflicht des
Ehemannes und des Sohnes sei mit je 30 min. pro Tag angenommen worden.
C.
C.a Am 17. Oktober 2007 beauftragte die IV-Stelle die MEDAS Ostschweiz mit einer
polydisziplinären Abklärung der Versicherten. Im Gutachten vom 21. Februar 2008
wurde ausgeführt, die Versicherte weise einen BMI von 35 auf. Sie habe zu weinen
begonnen, als der Untersucher von ihr verlangt habe, sich zwecks Untersuchung
auszuziehen. Sie habe sich dann vom Ehemann beim Ausziehen helfen lassen.
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Während des gesamten körperlichen Untersuchs habe die Versicherte hyperventiliert
und wiederholt gegluckst. Der Allgemeinstatus sei unauffällig gewesen. Bei der
Erhebung des Neurostatus sei ein sehr ostentatives Schonhinken aufgefallen. Der
Zehen- und Fersenstand sei nicht bzw. erst auf wiederholte Aufforderung ausgeführt
worden. Die komplexen Gangarten seien infolge mangelhafter Compliance nicht
ausgeführt worden. Fokale motorische oder sensible Defizite seien nicht fassbar
gewesen. Der Muskeltonus und die Muskeltrophik seien normal gewesen. Die
Extremitäten hätten keine Umfangdifferenzen aufgewiesen. Die MER seien
symmetrisch auslösbar, die Pyramidenzeichen negativ gewesen. Das Lasègue- und
das umgekehrte Lasèguezeichen seien negativ gewesen. Auch der unter Ablenkung
durchgeführte Upper-Limb-Tension-Test sei beidseits negativ gewesen, habe
allerdings links wegen einer Schmerzabwehrreaktion der Versicherten nicht bzw. nicht
lege artis geprüft werden können. Die Tiefensensibilität und die Koordination seien
kursorisch geprüft normal gewesen. Die Wirbelsäule sei im Lot gewesen. Es sei eine
leichte Skoliose festzustellen gewesen. Im Seitenprofil seien eine lumbale Hyperlordose
und eine Hyperkyphosierung des zervikothorakalen Übergangs mit leichter
Kopfprotraktion aufgefallen. Wegen eines heftigen muskulären Widerstands und wegen
auffälligem Schmerz-/Abwehrverhalten sei die Wirbelsäulenbeweglichkeit nicht lege
artis prüfbar gewesen. Aufgefallen seien die uneingeschränkte Rotation der HWS bei
der Durchführung der Otoskopie bzw. die unauffällige Extension der HWS bei der
Oroskopie bei ausgeprägtem muskulärem Widerstand bei der aktiv-assistiven bzw. der
passiven Beweglichkeitsprüfung der HWS. Aufgrund der mangelhaften Compliance
hätten die Wirbelsäulenparameter nicht bestimmt werden können. Die Versicherte habe
diffuse panvertebrale bzw. paravertebrale Druckdolenzen, diffuse lokale Druckdolenzen
im gesamten dorsalen Schulter-Nackenbereich, im linken Oberarm, in der Glutealregion
beidseits und im linken Knie angegeben. Sie habe weiter über Schmerzen bei der
Palpation des Ansatzes der Plantarapneurose rechts und Kribbelparaesthesien im
Vorderarm und in der linken Hand unter Betonung der radialen Finger links angegeben.
Die Untersuchung in der Bauchlage sei wegen der Angabe heftigster lumbaler
Schmerzen nicht möglich gewesen. Es habe eine vegetative Dystonie mit kalten
Händen und Füssen bestanden. Die Versicherte habe den linken Arm aktiv gar nicht
bewegt. Den rechten Arm habe sie aktiv bis 100° abduziert. Es sei jedoch aufgefallen,
dass die Versicherte sich beim Wechsel aus der Bauchlage in die Rückenlage mit dem
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linken Arm problemlos abgestützt und den linken Arm dabei ohne sichtbare
Einschränkungen bewegt habe. Die Resistivtests zur Prüfung der
Rotatorenmanschettenmuskulatur seien nicht durchführbar gewesen und auch die
Bestimmung des DVP sei nicht möglich gewesen. Die Gelenke seien jedoch durchwegs
reizlos gewesen. Synovitiden oder Tenosynovitiden seien nicht nachweisbar gewesen.
Der PACT-Score habe bei einem Maximum von 200 nur 8 betragen.
C.b Der psychiatrische Sachverständige Dr. med. D._ führte in seinem
Konsiliargutachten aus, dem 80 Min. dauernden Explorationsgespräch habe eine
Dolmetscherin beigewohnt. Die Versicherte habe angegeben, die Nervosität habe sich
erst ca. eineinhalb Jahre nach der Aufgabe der Erwerbstätigkeit eingestellt. Es sei ihr
alles zu viel geworden, auch im Haushalt habe sie zunehmend mehr Mühe gehabt. Sie
gehe ein- bis zweimal wöchentlich zum Psychologen Dr. phil. C._. Diese Gespräche
täten ihr gut, doch sobald sie zuhause sei, werde es mit ihrem Zustand wieder
schlimmer. Durch die von Dr. med. E._ verschriebenen Medikamente (Trimin 100mg
morgens und abends, Efexor 75mg morgens und abends, Fluanxol 0,5mg abends)
verspüre sie eine Verbesserung ihres Zustandes, doch bei starken Schmerzen sei sie
immer wieder nervös. Trotz Medikation könne sie nicht schlafen. Sie frage sich, warum
sie nervös sei, denn sie habe an sich keine Probleme. Die beiden Töchter seien
glücklich verheiratet und der Sohn besuche die KV-Schule. Er wolle die Berufsmatura
absolvieren und dann studieren. Auch mit dem Ehemann verstehe sie sich sehr gut.
Sobald sie versuche, im Haushalt etwas zu machen, begännen die Schmerzen. Die
beiden Töchter arbeiteten in verschiedenen Schichten, um ihr im Haushalt helfen zu
können. Tagsüber gehe sie in Begleitung hinaus z.B. zum Einkaufen, sie könne
allerdings nichts mehr tragen. Wenn sie allein zuhause sei, bekomme sie Angst. Beim
Lesen habe sie Mühe mit der Konzentration. Früher habe sie sich die Zukunft so
vorgestellt, dass sie noch viele Jahre arbeiten könne, um an den Unterhalt der Familie,
beispielsweise an das Studium des Sohnes, beitragen zu können. Früher habe sie
Besuch empfangen und Besuche gemacht. Nun habe sie sich zurückgezogen und die
Kontakte auf die enge Verwandtschaft beschränkt. Unter dem Titel 'eigene Befunde
und Beobachtungen' führte Dr. med. D._ aus, die Versicherte sei bewusstseinsklar
und allseits orientiert gewesen. Sie sei freundlich und kooperativ auf die ihr gestellten
Fragen eingegangen. Das Gespräch sei am Anfang auf die Schmerzen und auf die
Nervosität eingeengt gewesen, doch die Versicherte habe sich davon ablenken lassen.
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Die mnestischen und kognitiven Funktionen hätten keine groben Auffälligkeiten
aufgewiesen. Inhaltliche Denkstörungen und/oder Sinnestäuschungen seien nicht
eruierbar gewesen. Die Versicherte sei im Affekt verstimmt, manchmal weinerlich,
manchmal lächelnd, insgesamt modulationsfähig gewesen. Das Verhalten sei
demonstrativ, auf die Schmerzen hinweisend gewesen. Die Versicherte habe gestöhnt
und des öfteren geseufzt. Mimik, Gestik, Antrieb und Psychomotorik seien durch das
demonstrative Verhalten geprägt gewesen. Im Patienten-Gesundheits-Fragebogen
habe die Versicherte beinahe alle aufgelisteten körperlichen Beschwerden als aktuell
vorhanden angekreuzt. Auch das Auftreten aller Symptome, die mit Depression und
Angst einhergingen, sei bejaht worden, die meisten Symptome als kontinuierlich und in
höchster Ausprägung auftretend. Auch Panikattacken mit all den neurovegetativen
Symptomen seien bejaht worden. Bei näherer Nachfrage habe es sich um Symptome
gehandelt, die bei starken Schmerzen oder nach Albträumen aufträten. Auf der HAD-
Skala habe die Versicherte sowohl für die Symptomgruppe Depression als auch die
Symptomgruppe Angst die Höchstpunktzahl erreicht. Das würde an sich auf eine
schwere Angst- und depressive Störung hindeuten. Doch im Vordergrund stünden die
empfundenen Schmerzen, von denen sich die anderen Symptome ableiten liessen.
Insgesamt sei die Schilderung der Beschwerden übertrieben und nicht kohärent; sie
stimmten zudem nicht dem klinischen Befund überein. Es liege eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung vor. Die daraus resultierende Selbstlimitierung habe
einen erheblichen sekundären Krankheitsgewinn zur Folge, da sich die Familie völlig
auf das Kranksein der Versicherten eingerichtet habe. Unter Berücksichtigung der
Försterkriterien der Unüberwindbarkeit der somatoformen Schmerzstörung sei
festzuhalten, dass die damit verbundenen Verstimmungen nicht das Ausmass einer
psychischen Komorbidität mit erheblicher Schwere erreichten. Um den subjektiv
empfundenen unbefriedigenden Behandlungsergebnissen und der Chronifizierung
Rechnung zu tragen, sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 30% seit August 2005
auszugehen. Aufgrund des eigenen Krankheitskonzepts der Versicherten, der
Aggravation und des sekundären Krankheitsgewinns werde sich daran nichts ändern
lassen.
C.c Die Gesamtdiagnose lautete: chronisches, diffuses, generalisiertes
Hemischmerzsyndrom links mit nicht organneurologischen Sensibilitätsstörungen
(Diskusprotrusion C5/6 und C6/7 ohne Neurokompression gemäss MRI 03.02.2005,
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mässiggradige Spondylarthrosen L3/4 > L4/5 und L5/S1, initiale Spondylose und
Dehydration aller lumbalen Bandscheiben mit diskreter Diskusprotrusion L5/S1 ohne
Neurokompression gemäss MRI 0404.2007, degenerative
Sakroiliakalgelenksveränderungen, leichte Skoliose, lumbale Hyperlordose,
Hyperkyphose des zervikothorakalen Übergangs mit leichter Kopfprotraktion,
Schmerzausweitungs- und –verdeutlichungstendenz) und anhaltende somatoforme
Schmerzstörung begleitet von Verstimmungen und aggraviert durch ein übertrieben
anmutendes histrionisches Verhalten. Die Sachverständigen führten weiter aus, aus
somatischer Sicht sei keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in körperlich leichten,
wechselbelastenden Tätigkeiten über die psychiatrischerseits attestierte
Arbeitsunfähigkeit von 30% hinaus zu rechtfertigen. Die vom Hausarzt angegebene
höhere Arbeitsunfähigkeit (50%) dürfte auf der Berücksichtigung negativer
psychosozialer, sogenannt invaliditätsfremder Faktoren beruhen. Sie sei allein unter
Berücksichtigung des somatischen und psychiatrischen Krankheitsbildes nicht
nachvollziehbar. Der für den Haushalt ermittelte Behinderungsgrad von 16% sei aus
gesamtmedizinischer Sicht adäquat. Die Compliance sei aufgrund der gemessenen
Serumspiegel höchst fraglich.
D.
Die IV-Stelle ermittelte für den erwerblichen Bereich keine Invalidität, da sie davon
ausging, dass die Versicherte weiterhin ohne Einschränkung zu 40% einer adaptierten
Hilfsarbeit nachgehen könne. Für den Haushaltanteil berücksichtigte sie einen
anteiligen Invaliditätsgrad von 16% (60% von 27%). Mit einem Vorbescheid vom 4.
März 2008 teilte sie der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das
Leistungsbegehren abzuweisen. Die Versicherte liess am 21. April 2008 einwenden, die
behandelnde Psychiaterin Dr. med. E._ habe in einer Stellungnahme vom 18. April
2008 neben der somatoformen Schmerzstörung eine rezidivierende depressive
Störung, eine generalisierte Angststörung und Panikstörungen diagnostiziert. Sie habe
zwar der Einschätzung durch Dr. med. D._ grundsätzlich zugestimmt, aber auch der
Angstkomponente sei eine wesentliche Bedeutung beizumessen. Diese Komponente
könne sowohl bei den muskulären Schmerzen als auch beim histrionisch anmutenden
Verhalten eine Rolle spielen. Deshalb betrage der Arbeitsfähigkeitsgrad 30-50%. Die
schwere Angststörung werde auch von Dr. phil. C._ in einer Stellungnahme vom 11.
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Januar 2008 angegeben. Demzufolge sei von einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 75%
auszugehen, womit sich zusammen mit der Invalidität im Haushalt von 27% ein
Gesamtinvaliditätsgrad von 46% und damit ein Anspruch auf eine Viertelsrente ergebe.
Dr. med. F._ vom RAD hielt dazu am 24. April 2008 fest, Dr. phil. C._ habe mit
Sicherheit kein neues, bisher nicht bekanntes medizinisches Element geltend gemacht.
Dr. med. E._ habe auch kein neues Element gebracht, sie habe aber eine andere
Gewichtung vorgenommen. Es sei sinnvoll, eine Stellungnahme von Dr. med. D._
einzuholen. Dieser führte am 28. Mai 2008 aus, die erheblichen Angststörungen, an
denen die Versicherte leide, seien in seiner Beurteilung vom 23. Januar 2008
berücksichtigt worden. Neben den anhaltenden Schmerzen gehörten zur Diagnose
einer somatoformen Schmerzstörung auch emotionale Konflikte und psychosoziale
Probleme, durchaus Ängste und Unsicherheit, wobei diese psychischen Störungen
ursächlich bestimmt auch zum Teil auf den Umzug in die Schweiz zurückzuführen
seien. Die Ängste seien also kulturell bedingt und entstünden mitunter aus den
Integrationsschwierigkeiten von Versicherten. Bei der Angstentstehung zu
berücksichtigen seien die nichtinvalidisierenden Faktoren wie soziokulturelle
Entwurzelung und Ängste im Zusammenhang mit der Assimilation in einer fremden
Welt, einer anderen Kultur und einer Sprache, die man nicht beherrsche. Dr. phil. C._
habe diese Faktoren als erschwerend für eine effiziente Behandlung bezeichnet. Dr.
med. E._ habe zwar die Angstkomponente im Krankheitsbild als wichtig bezeichnet,
aber nicht zur ursächlichen Rolle der nichtinvalidisierenden Faktoren Stellung
genommen. Angststörungen allein liessen sich ohne weiteres mit Erfolg psychiatrisch-
psychotherapeutisch behandeln. Etwas anderes gelte, wenn die Ängste mit einer
anhaltenden Belastung verknüpft seien, wie dies bei der Versicherten der Fall sei. Bei
einer Arbeitsunfähigkeit von 30% sei den vielen nichtinvalidisierenden Faktoren und der
zumutbaren Schadenminderung ausreichend Rechnung getragen. Gestützt auf diese
Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen Dr. med. D._ wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren der Versicherten mit einer Verfügung vom 11. Juni 2008 ab.
E.
Die Versicherte liess am 14. Juli 2008 Beschwerde erheben und beantragen, es sei ihr
eine Invalidenrente beruhend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
zuzusprechen, eventualiter seien weitere Abklärungen hinsichtlich der Ursachen der
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Einschränkung ihrer Arbeitsfähigkeit zu treffen. Zur Begründung verwies die Versicherte
auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, laut der psychosoziale und soziokulturelle
Faktoren sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirkten, wenn und soweit sie zu
einer eigentlichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führten, welche ihrerseits
eine Arbeitsunfähigkeit bewirke. Der psychiatrische Sachverständige der MEDAS sei
davon ausgegangen, dass die Arbeitsunfähigkeit zumindest teilweise auf
invaliditätsfremde Faktoren zurückzuführen sei. Die IV-Stelle hätte Dr. med. E._
fragen müssen, ob in ihrer Beurteilung psychosoziale Faktoren eingeflossen seien und
wenn ja, in welchem Umfang. Die derzeitige Aktenlage lasse es nicht zu, die Frage zu
beantworten, ob die invaliditätsfremden Faktoren ursächlich für die funktionellen
Einschränkungen seien oder ob sie ursächlich zur Entstehung eines
Gesundheitsschadens beigetragen hätten. Die entscheidende Bedeutung der
Unterscheidung von direkter und indirekter Verursachung erfordere weitere
Abklärungen, falls nicht der Einschätzung von Dr. med. E._ gefolgt werden könne.
F.
Die IV-Stelle beantragte am 6. Oktober 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte sinngemäss geltend, das Gutachten der MEDAS überzeuge. Der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. E._ sei mit Vorbehalt zu begegnen, denn Dr.
med. E._ behandle die Versicherte. Zudem habe der psychiatrische Sachverständige
der MEDAS dargelegt, dass die von Dr. med. E._ in den Vordergrund gestellte
Angstkomponente primär Ausdruck einer mangelnden Integration sei und somit keinen
Krankheitswert habe.
G.
Die Versicherte liess am 27. Oktober 2008 einwenden, je stärker psychosoziale oder
soziokulturelle Faktoren in den Vordergrund träten und das Beschwerdebild
mitbestimmten, desto ausgeprägter müsse eine psychische Störung von
Krankheitswert vorhanden sein. Sei eine psychische Störung mit Krankheitswert
schlüssig erstellt, stelle sich die Frage, ob von der versicherten Person willensmässig
erwartet werden könne, dass sie einer Erwerbstätigkeit nachgehe. Die Frage, ob die
Angstzustände bei der Festsetzung des Invaliditätsgrades beachtet werden dürften, sei
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nicht schlüssig zu beantworten. Sie sei gewillt, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen,
soweit ihr dies möglich sei.
H.
Die IV-Stelle verzichtete am 13. November 2008 auf eine Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
Obwohl die klinische Untersuchung zur Ermittlung des somatischen
Gesundheitszustandes in einigen Bereichen nicht lege artis hat durchgeführt werden
können, weil die Beschwerdeführerin durch übertriebene Schmerzabwehrreaktionen
eine sorgfältige Untersuchung verhindert hat, vermag das Ergebnis dieses Teils der
Begutachtung zu überzeugen, weil das Gesamtbild massgebend ist. Der psychiatrische
Sachverständige der MEDAS hat eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
begleitet von Verstimmungen und aggraviert durch ein übertrieben anmutendes
histrionisches Verhalten diagnostiziert. Ausgehend von dieser Diagnose hat er eine
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin von 30% im Erwerb und von 27% im
Haushalt festgestellt. Die behandelnde Psychiaterin hat zusätzlich zur somatoformen
Schmerzstörung folgende Diagnosen angegeben: rezidivierende depressive Störung,
generalisierte Angststörung und Panikstörungen. Sie hat ausserdem darauf
hingewiesen, dass die Angstkomponente sowohl bei den muskulären Schmerzen als
auch bei dem histrionisch anmutenden Verhalten ursächlich eine Rolle spiele. Eine für
sich allein auftretende somatoforme Schmerzstörung kann nach der offensichtlich auch
dem psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS bekannt gewesenen
Bundesgerichtspraxis (vgl. BGE 130 V 352) vermutungsweise durch eine zumutbare
Willensanstrengung überwunden werden. Bestehen allerdings bedeutsame weitere
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit, so besteht keine solche Vermutung.
Der psychiatrische Sachverständige der MEDAS hat die unterschiedlichen Diagnosen
und die Abweichung zwischen seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung und derjenigen der
behandelnden Psychiaterin in seiner Stellungnahme vom 28. Mai 2008 damit
begründet, dass er die erheblichen Angststörungen, unter denen die
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Beschwerdeführerin tatsächlich leide, bei seiner Beurteilung bereits berücksichtigt
habe. Nebst den anhaltenden Schmerzen gehörten zur Diagnose einer somatoformen
Schmerzstörung nämlich auch emotionale Konflikte und psychosoziale Probleme, also
durchaus auch Ängste und Unsicherheit. Mit einer Arbeitsunfähigkeit von 30% für eine
körperlich leichte, wechselbelastende Erwerbstätigkeit sei den geltend gemachten
zusätzlichen Beeinträchtigungen also bereits Rechnung getragen. Diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung vermag nach der Ansicht des Gerichtes zu überzeugen,
weil auf diese Weise eine psychische Komorbidität verneint werden kann, die
grundsätzlich geeignet wäre, die Überwindung der subjektiven vollständigen
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung in einem höheren Mass als angenommen zu
verhindern. Demnach steht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass für eine
Erwerbstätigkeit von einer Arbeitsunfähigkeit von 30% und für den Haushalt von einer
Arbeitsunfähigkeit von 27% auszugehen ist.
2.
Wäre der Invaliditätsgrad mittels eines reinen Einkommensvergleichs zu ermitteln,
würde die Mindestgrenze von 40% (Art. 28 IVG) nicht erreicht, denn die Validenkarriere
wäre in qualitativer Hinsicht mit der Invalidenkarriere identisch (Hilfsarbeit), so dass ein
reiner Betätigungsvergleich erfolgen könnte. Selbst bei einem angesichts der konkreten
Situation höchstens 10% betragenden zusätzlichen Abzug würde nur ein
Invaliditätsgrad von 37% resultieren. Auch bei einem reinen Betätigungsvergleich (Art.
28a Abs. 2 IVG) würde der Invaliditätsgrad die Grenze von 40% nicht erreichen, denn
es bliebe bei dem von den medizinischen Gutachtern angegebenen
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 27% im Haushalt, weil der Betätigungsvergleich
naturgemäss keinen zusätzlichen Abzug kennt. Ergäben weder ein reiner
Einkommensvergleich noch ein reiner Betätigungsvergleich einen Invaliditätsgrad von
mindestens 40%, so müsste das notwendigerweise auch für die gemischte Methode
(Art. 28a Abs. 3 IVG) gelten. Damit kann offen bleiben, welchen Status die
Beschwerdeführerin hat. Es steht in jedem Fall fest, dass sie keinen Anspruch auf eine
Rente hat.
3.
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Gemäss den vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Die
vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Das entsprechende Gesuch ist abzuweisen. Die
Beschwerdeführerin trägt die Gerichtskosten. Diese bemessen sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erweist
sich als angemessen. Sie ist durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss
gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht