Decision ID: f3cee781-1746-516d-9f6b-043a5b9866ed
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die X._ AG (nachfolgend: Abgabepflichtige) bezweckt gemäss
Handelsregistereintrag insbesondere den Handel mit und die Produktion
von Materialien und Produkten für den Brandschutz (Online-Handelsregis-
terauszug; letztmals abgerufen am 25. Januar 2021).
B.
B.a Am 10. Juli 2019 meldete die Spedition A._ AG bei der Zoll-
stelle [...] (nachfolgend: Zollstelle) im EDV-Verfahren e-dec eine für die Ab-
gabepflichtige bestimmte Sendung zur Überführung in den zollrechtlich
freien Verkehr an. Unter anderem wurde für das Produkt «Y._» die
Zolltarifnummer 3824.9999 mit dem statistischen Schlüssel 998 angege-
ben.
B.b Das Selektionsergebnis lautete auf «gesperrt», worauf die Sendung
am 11. Juli 2019 einer Beschau unterzogen wurde. Dabei entnahm die Zoll-
stelle ein Muster und unterbreitete dieses für eine chemisch-technische La-
boruntersuchung dem Eidgenössischen Institut für Metrologie (METAS).
Die Zollstelle erstellte ebenfalls am 11. Juli 2019 eine neue Einfuhrzollan-
meldung, die sie mit der Versionsnummer 2 bezeichnete. Die Einfuhr
wurde durch die Zollstelle provisorisch veranlagt. Die angemeldete Tarif-
nummer 3824.9999 wurde dabei auf die Nummer 3209.1000 geändert.
B.c Am 30. Juli 2019 schlug das METAS, nachdem der Laborbefund vor-
lag, die Tarifnummer 3209.1000 für das Produkt «Y._» vor.
B.d Die Zollstelle teilte der Spedition A._ AG mit Schreiben vom
13. August 2019 mit, dass das Produkt «Y._» in die Tarifnummer
3209.1000 eingereiht werde. Gleichzeitig nahm die Zollstelle die Umwand-
lung der provisorischen in eine definitive Einfuhrzollanmeldung vor (Versi-
onsnummer 3). Wie bereits für die provisorische Veranlagung verwendete
sie die Tarifnummer 3209.1000 für das entsprechende Produkt. Das EDV-
System stellte mit Datum vom 13. August 2019 die entsprechende Veran-
lagungsverfügung aus.
B.e Mit Schreiben vom 14. Oktober 2019 reichte die Abgabepflichtige bei
der Zollkreisdirektion I in Basel eine Beschwerde gegen diese Veranlagung
ein und zeigte sich mit der Einreihung in die Tarifnummer 3209.1000 nicht
einverstanden.
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Seite 3
B.f Mit Beschwerdeentscheid vom 5. Juni 2020 wies die Zollkreisdirektion I
die Beschwerde der Abgabepflichtigen ab.
C.
Dagegen reichte die Abgabepflichtige (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 8. Juli 2020 beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde ein. Sie
beantragt, den angefochtenen Entscheid aufzuheben, eventualiter sei ihr
die nachträgliche Vorlage von Ursprungszeugnissen zu gewähren  unter
Kosten- und Entschädigungsfolge.
D.
Mit Vernehmlassung vom 31. August 2020 beantragt die Eidgenössische
Zollverwaltung, Oberzolldirektion (OZD; nachfolgend auch: Vorinstanz), die
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten sowie die Akten wird  soweit
dies für den Entscheid wesentlich ist  im Rahmen der folgenden Erwä-
gungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über
das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme
nach Art. 32 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesver-
waltungsgericht (VGG, SR 173.32) gegeben ist (Art. 31 VGG). Eine solche
Ausnahme liegt nicht vor. Der angefochtene Beschwerdeentscheid vom
5. Juni 2020 ist eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG. Die OZD ist
zudem eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. Art. 33 VGG).
Dieses ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zustän-
dig (vgl. auch Art. 116 Abs. 4 des Zollgesetzes vom 18. März 2005 [ZG,
SR 631.0]). Das Verfahren richtet sich – soweit das VGG nichts anderes
bestimmt – nach den Vorschriften des VwVG (Art. 37 VGG).
1.2
1.2.1 Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann nur sein, was Gegen-
stand des erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger Gesetzes-
auslegung hätte sein sollen (BVGE 2010/12 E. 1.2.1). Worüber die erste
Instanz nicht entschieden hat und auch nicht entscheiden musste, darf
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Seite 4
auch die zweite Instanz grundsätzlich nicht bestimmen, sonst würde in die
funktionelle Zuständigkeit der ersten Instanz eingegriffen (Urteil des BVGer
B-2250/2019 vom 21. April 2020 E. 1.2). Aus prozessökonomischen Grün-
den kann das verwaltungsgerichtliche Verfahren ausnahmsweise auf eine
ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes liegende spruchreife Frage
ausgedehnt werden, wenn ein enger Bezug zum bisherigen Streitgegen-
stand besteht und sich die Verwaltung zu dieser Streitfrage mindestens in
Form einer Prozesserklärung geäussert hat (ANDRÉ MOSER/MICHAEL
BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.8, 2.208 und 2.213; BGE 130 V 501 E. 1.2;
BVGE 2014/24 E. 1.4.1 und 1.4.3; Urteil des BVGer A-3238/2020 vom
21. Dezember 2020 E. 1.3).
1.2.2 Die Beschwerdeführerin beantragt neu eventualiter die Gewährung
der nachträglichen Vorlage von Ursprungszeugnissen. Diesen Antrag stellt
sie vor Bundesverwaltungsgericht zum ersten Mal. Die Vorinstanz hat sich
in ihrem Beschwerdeentscheid vom 5. Juni 2020 nicht damit befasst und
musste sich mangels entsprechendem Antrag auch nicht damit befassen.
Zwar weist die Frage der nachträglichen Vorlage von Ursprungsnachwei-
sen insofern einen Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren auf,
als  sofern die Vorlage zulässig wäre  ein präferenzieller Zollansatz von
Fr. 0.-- pro 100 kg zur Anwendung käme. Jedoch handelt es sich bei der
Frage, ob die (nachträgliche) Vorlage von Ursprungsnachweisen möglich
ist, um eine völlig andere als jene nach dem anwendbaren Zolltarif. Dies
gilt umso mehr, als in Bezug auf beide hier fraglichen Zolltarifnummern eine
präferenzielle Behandlung möglich (gewesen) wäre (also auch in Bezug
auf die von der Beschwerdeführerin in der Zollanmeldung verwendete Ta-
rifnummer; dazu E. 3.1), bisher von der Beschwerdeführerin aber nie an-
gesprochen wurde. Auch war schon im vorinstanzlichen Verfahren be-
kannt, dass die Vorinstanz die streitbetroffene Ware in die Zolltarifnummer
3209.1000 einreihen wollte, so dass die Beschwerdeführerin bereits dazu-
mal Anlass gehabt hätte, ihren Eventualantrag zu stellen.
1.2.3 Insgesamt weist der ausserhalb des Anfechtungsobjekts liegende
Antrag der Beschwerdeführerin, ihr sei die nachträgliche Vorlage von Ur-
sprungszeugnissen zu gewähren, keinen rechtlich genügenden Zusam-
menhang mit der vorliegend zu beantwortenden Frage nach dem anwend-
baren Zolltarif auf. Auf den Eventualantrag ist nicht einzutreten.
A-3485/2020
Seite 5
1.3 Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be-
schwerdeführung legitimiert. Die Beschwerde wurde zudem frist- und form-
gerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 VwVG; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Auf die Beschwerde ist somit  mit Ausnahme des Eventualantrags, die
nachträgliche Vorlage von Ursprungszeugnisse zu gewähren (E. 1.2)  ein-
zutreten.
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Ent-
scheid grundsätzlich in vollem Umfang. Die Beschwerdeführerin kann mit
der Beschwerde neben der Verletzung von Bundesrecht auch die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes
sowie die Unangemessenheit rügen (vgl. Art. 49 VwVG).
2.
2.1 Jede Wareneinfuhr über die schweizerische Zollgrenze unterliegt
grundsätzlich der Zollpflicht (vgl. Art. 7 ZG). Die Waren müssen nach dem
ZG sowie nach dem Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10)
veranlagt werden. Gemäss Art. 1 Abs. 1 ZTG sind alle Waren, die über die
schweizerische Zollgrenze ein- und ausgeführt werden, nach dem Gene-
raltarif zu verzollen, welcher in den Anhängen 1 und 2 des ZTG enthalten
ist.
2.2 Unter dem Begriff Generaltarif (vgl. dazu auch Art. 3 ZTG) ist ein unter
Beachtung der inländischen Gesetzgebung und unter Berücksichtigung
der nationalen Bedürfnisse geschaffener Zolltarif zu verstehen. Er enthält
die Tarifnummern, die Bezeichnungen der Waren, die Einreihungsvor-
schriften, die Zollkontingente sowie die höchstmöglichen Zollansätze, wie
sie grösstenteils im Abkommen vom 15. April 1994 zur Errichtung der Welt-
handelsorganisation (GATT/WTO-Abkommen, SR 0.632.20, für die
Schweiz in Kraft getreten am 1. Juli 1995) konsolidiert worden sind. Die
Struktur des Generaltarifs basiert auf der Nomenklatur des internationalen
Übereinkommens vom 14. Juni 1983 über das Harmonisierte System zur
Bezeichnung und Codierung der Waren (nachfolgend: HS-Übereinkom-
men, SR 0.632.11, für die Schweiz in Kraft getreten am 1. Januar 1988;
vgl. statt vieler: Urteile des BVGer A-6248/2018 vom 8. Januar 2020 E. 3.2,
A-5624/2018 vom 19. Juli 2019 E. 4.1, A-1635/2015 vom 11. April 2016
E. 5.1.1).
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Der Gebrauchstarif (vgl. dazu Art. 4 ZTG) entspricht im Aufbau dem Gene-
raltarif und enthält die aufgrund von vertraglichen Abmachungen ermässig-
ten Zollansätze. Er widerspiegelt die in Erlassen festgelegten gültigen Zoll-
ansätze (vgl. zum Ganzen auch Botschaft vom 19. September 1994 zu den
für die Ratifizierung der GATT/WTO-Übereinkommen [Uruguay-Runde]
notwendigen Rechtsanpassungen, BBl 1994 IV 950 ff., 1004 f.; siehe auch
Botschaft vom 22. Oktober 1985 betreffend das Internationale Überein-
kommen über das Harmonisierte System zur Bezeichnung und Codierung
der Waren [HS] sowie über die Anpassung des schweizerischen Zolltarifs,
BBl 1985 III 357, 377 f.). Der Gebrauchstarif, der für die Praxis primär re-
levant ist, umfasst demnach neben den unverändert gebliebenen Ansätzen
des Generaltarifs alle zu einem bestimmten Zeitpunkt handelsvertraglich
vereinbarten Zollansätze und die autonom gewährten Zollpräferenzen. Der
Gebrauchstarif enthält zudem auch die in besonderen Erlassen geregelten,
aufgrund autonomer Massnahmen ermässigten Zollansätze (Urteile des
BVGer A-6248/2018 vom 8. Januar 2020 E. 3.2, A-3404/2017 vom
16. März 2018 E. 2.2, A-1635/2015 vom 11. April 2016 E. 5.1.1; MICHEAL
BEUSCH/MONIQUE SCHNELL LUCHSINGER, Wie harmonisiert ist das Harmo-
nisierte System wirklich? in: Zollrevue, 1/2017 S. 12 ff., S. 12; vgl. THOMAS
COTTIER/DAVID HERREN, in: Kocher/Clavadetscher [Hrsg.], Zollgesetz,
2009, Einleitung Rz. 103).
2.3 Der Generaltarif wird in der Amtlichen Sammlung des Bundesrechts
(AS) nicht veröffentlicht. Die Veröffentlichung erfolgt durch Verweis (Art. 5
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 18. Juni 2004 über die Sammlungen des
Bundesrechts und das Bundesblatt [PublG, SR 170.512]). Der Generaltarif
kann jedoch mitsamt seinen Änderungen bei der OZD eingesehen oder im
Internet abgerufen werden (www.ezv.admin.ch bzw. www.tares.ch). Das-
selbe gilt für den Gebrauchstarif (Art. 15 Abs. 2 und Anhänge 1 und 2 ZTG).
Trotz fehlender Veröffentlichung in der AS kommt dem Generaltarif Geset-
zesrang zu (statt vieler: BGE 142 II 433 E. 5; Urteile des BVGer
A-6248/2018 vom 8. Januar 2020 E. 3.3, A-3404/2017 vom 16. März 2018
E. 2.3, A-1635/2015 vom 11. April 2016 E. 5.1.2; BEUSCH/SCHNELL
LUCHSINGER, a.a.O., S. 12).
2.4
2.4.1 Die Vertragsstaaten des HS-Übereinkommens (E. 2.2) – darunter die
Schweiz – sind verpflichtet, ihre Tarifnomenklaturen mit dem Harmonisier-
ten System in Übereinstimmung zu bringen und beim Erstellen der natio-
nalen Tarifnomenklatur alle Nummern und Unternummern des Harmoni-
sierten Systems sowie die dazugehörenden Codenummern zu verwenden,
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ohne dabei etwas hinzuzufügen oder zu ändern. Sie sind weiter verpflich-
tet, die allgemeinen Vorschriften für die Auslegung des Harmonisierten
Systems (vgl. nachfolgend: E. 2.4.4) sowie alle Abschnitt-, Kapitel- und Un-
ternummern-Anmerkungen anzuwenden. Sie dürfen den Geltungsbereich
der Abschnitte, Kapitel, Nummern oder Unternummern des Harmonisierten
Systems nicht verändern und haben seine Nummernfolge einzuhalten
(Art. 3 Ziff. 1 Bst. a des HS-Übereinkommens; vgl. zum Ganzen: Urteile
des BVGer A-703/2019 vom 8. Juni 2020 E. 2.2.1, A-6248/2018 vom 8. Ja-
nuar 2020 E. 3.4.1, A-1635/2015 vom 11. April 2016 E. 5.2.1;
BEUSCH/SCHNELL LUCHSINGER, a.a.O., S. 14).
2.4.2 Die Nomenklatur des Harmonisierten Systems bildet somit die syste-
matische Grundlage des schweizerischen Generaltarifs, dessen Kodierung
durchwegs als achtstellige Tarifnummer pro Warenposition ausgestaltet
und damit gegenüber der sechsstelligen Nomenklatur des Harmonisierten
Systems um zwei Stellen verfeinert ist. Somit ist die schweizerische No-
menklatur bis zur sechsten Ziffer völkerrechtlich bestimmt. Die siebte und
achte Position bilden schweizerische Unternummern, denen grundsätzlich
ebenso Gesetzesrang zukommt, soweit sie mit Erlass des ZTG geschaffen
worden sind. Da sowohl Bundesgesetze als auch Völkerrecht für die Zoll-
verwaltung und alle anderen Rechtsanwender nach dem sog. Anwen-
dungsgebot massgebendes Recht darstellen, ist diesfalls das Bundesver-
waltungsgericht an die gesamte achtstellige Nomenklatur gebunden
(Art. 190 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; vgl. statt vieler: Urteile des BVGer
A-6248/2018 vom 8. Januar 2020 E. 3.4.2, A-5624/2018 vom 19. Juli 2019
E. 4.4; vgl. auch REMO ARPAGAUS, Zollrecht, 2. Auf. 2007, Rz. 578).
2.4.3 Die Vertragsstaaten des HS-Übereinkommens beabsichtigen eine
einheitliche Auslegung der völkerrechtlich festgelegten Nomenklatur
(vgl. Art. 7 Ziff. 1 Bst. b und c und Art. 8 Ziff. 2 des HS-Übereinkommens).
Hierzu dienen unter anderem die «Avis de classement» (nachfolgend: Ein-
reihungsavisen) und die «Notes explicatives du Système Harmonisé»
(nachfolgend: Erläuterungen), welche vom Rat für die Zusammenarbeit auf
dem Gebiet des Zollwesens (Weltzollrat; heute: Weltzollorganisation) auf
Vorschlag des Ausschusses des Harmonisierten Systems genehmigt wor-
den sind (Art. 1 Bst. e und f i.V.m. Art. 7 Ziff. 1 Bst. a-c i.V.m. Art. 8 Ziff. 2
und 3 des HS-Übereinkommens; Urteil des BVGer A-1635/2015 vom
11. April 2016 E. 5.2.2). Diese Vorschriften sind als internationales Staats-
vertragsrecht für das Bundesverwaltungsgericht verbindlich. Die Vertrags-
staaten haben einzig nach Art. 7 Ziff. 1 sowie Art. 8 Ziff. 1 und 2 des HS-
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Seite 8
Übereinkommens die Möglichkeit, die Überprüfung oder Änderung der Er-
läuterungen und der Einreihungsavisen zu veranlassen. Dennoch bleibt
Raum für nationale Regelungen. So kann die OZD zum Beispiel zusätzlich
sog. schweizerische Erläuterungen erlassen. Diese können unter
www.tares.ch abgerufen werden. Die schweizerischen Erläuterungen sind
als Dienstvorschriften (ARPAGAUS, a.a.O., Rz. 579) bzw. Verwaltungsver-
ordnungen für die Justizbehörden nicht verbindlich (zur Rechtsnatur und
Bindungswirkung von Verwaltungsverordnungen anstelle vieler: BGE 141
V 175 E. 2.1; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.173 f.; zum Gan-
zen: Urteile des BVGer A-703/2019 vom 8. Juni 2020 E. 2.2.3,
A-6248/2018 vom 8. Januar 2020 E. 3.4.3; BEUSCH/SCHNELL LUCHSINGER,
a.a.O., S. 17 f.).
2.4.4 Hinsichtlich der Auslegung sehen die von den schweizerischen Zoll-
behörden angewendeten «Allgemeinen Vorschriften für die Auslegung des
Harmonisierten Systems» (nachfolgend: AV), welche mit den «Allgemeinen
Vorschriften für die Auslegung des Harmonisierten Systems» des offiziellen
Textes des HS-Übereinkommens übereinstimmen, in Ziff. 1 vor, dass für
die Tarifeinreihung einer Ware der Wortlaut der Nummern und der Ab-
schnitt- oder Kapitel-Anmerkungen sowie die weiteren Allgemeinen Vor-
schriften, soweit diese dem Wortlaut der Nummern und der Anmerkungen
nicht widersprechen, massgebend sind. Bei der Bestimmung der zutreffen-
den Tarifnummer ist somit stufenweise in der gesetzlich bzw. staatsvertrag-
lich festgelegten Reihenfolge (Tariftext – Anmerkungen – Allgemeine Vor-
schriften) vorzugehen. Die nächstfolgende Vorschrift ist immer erst dann
heranzuziehen, wenn die vorangehende Bestimmung nicht zum Ziel ge-
führt, d.h. keine einwandfreie Tarifierung ermöglicht hat (Urteile des BVGer
A-703/2019 vom 8. Juni 2020 E. 2.2.4, A-6248/2018 vom 8. Januar 2020
E. 3.4.4).
Auf die Auslegung der schweizerischen Unternummern ist vorliegend nicht
einzugehen.
2.4.5 Für die Tarifeinreihung massgebend ist die Art und Beschaffenheit
der Ware zum Zeitpunkt, in dem sie unter Zollkontrolle gestellt worden ist.
Auf den Verwendungszweck ist demgegenüber nur dann abzustellen,
wenn dies in den einzelnen Tarifpositionen als Einreihungskriterium aus-
drücklich festgehalten ist. Ist Letzteres nicht der Fall, kommt dem Verwen-
dungszweck wie auch dem Preis, der Verpackung und der Bezeichnung
durch den Hersteller oder Empfänger der Ware lediglich hinweisende, nicht
aber ausschlaggebende Bedeutung zu (statt vieler: Urteile des BVGer
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A-6248/2018 vom 8. Januar 2020 E. 3.4.5, A-3045/2017 vom 25. Juli 2018
E. 2.5.1).
2.4.6 Auf Ziff. 2a AV muss hier nicht eingegangen werden, da keine zusam-
mengesetzte Ware zu beurteilen ist. Ziff. 2b AV besagt nun, dass «[j]ede
Erwähnung eines Stoffes in einer bestimmten Nummer [...] für diesen Stoff
sowohl in reinem Zustand als auch gemischt oder in Verbindung mit ande-
ren Stoffen [gilt]. Ebenso gilt jede Erwähnung von Waren aus einem be-
stimmten Stoff für Waren, die ganz oder teilweise aus diesem Stoff beste-
hen. Die Einreihung dieser gemischten oder zusammengesetzten Waren
erfolgt nach den Grundsätzen der Vorschrift 3» (dazu E. 2.4.7).
Die Vorschrift bewirkt eine Erweiterung des Geltungsbereichs der Num-
mern, die einen bestimmten Stoff erwähnen. So soll ein solcher Stoff auch
dann von der Nummer erfasst bleiben, wenn er mit anderen Stoffen ge-
mischt oder verbunden ist oder wenn die Ware nur teilweise aus diesem
Stoff besteht (Unterziff. XI zu Ziff. 2b AV). Unterziff. XII zu Ziff. 2b AV präzi-
siert, dass der Geltungsbereich der hiervon betroffenen Nummern jedoch
nicht in dem Umfang erweitert wird, dass diesen Waren zugewiesen wer-
den können, die nicht dem Wortlaut der Nummern entsprechen, was der
Fall ist, wenn die Zufügung eines anderen Stoffes den Charakter der zu
diesen Nummern gehörenden Ware ändert. Daraus geht hervor (so Unter-
ziff. XIII zu Ziff. 2b AV), dass gemischte Stoffe oder Stoffe in Verbindung
mit anderen Stoffen sowie Waren aus zwei oder mehr Stoffen zu zwei oder
mehr Nummern gehören können und somit nach den Bestimmungen der
Vorschrift 3 eingereiht werden müssen.
2.4.7 Kommen für die Einreihung von Waren zwei oder mehr Nummern in
Betracht, so ist gemäss Ziff. 3 AV wie folgt vorzugehen:
a) Die Nummer mit der genaueren Warenbezeichnung geht den Num-
mern mit allgemeinerer Warenbezeichnung vor. Zwei oder mehr Num-
mern, von denen sich jede nur auf einen Teil der Stoffe einer gemisch-
ten oder zusammengesetzten Ware oder nur auf einen Teil der Artikel
im Falle von für den Einzelverkauf aufgemachten Warenzusammen-
stellungen bezieht, sind jedoch im Hinblick auf diese Ware oder die-
sen Artikel als gleich genau zu betrachten, selbst wenn eine von ihnen
eine genauere oder vollständigere Warenbezeichnung aufweist (vgl.
auch Unterziff. V zu Ziff. 3).
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Seite 10
b) Waren, die aus verschiedenen Stoffen bestehen oder aus verschie-
denen Bestandteilen zusammengesetzt sind sowie Mischungen und
für den Einzelverkauf aufgemachte Warenzusammenstellungen wer-
den nach dem Stoff oder Bestandteil eingereiht, der ihnen ihren we-
sentlichen Charakter verleiht (Unterziff. VI und VII). Das Merkmal, das
den wesentlichen Charakter bestimmt, ist je nach Art der Ware ver-
schieden. Der Charakter der Ware kann sich z.B. aus der stofflichen
Beschaffenheit oder der Bestandteile, aus der sie zusammengesetzt
ist, aus ihrem Umfang, ihrer Menge, ihrem Gewicht, ihrem Wert oder
der Bedeutung eines Stoffes in Bezug auf die Verwendung der Ware
ergeben (Unterziff. VIII).
c) Die Ware ist der in der Nummernfolge zuletzt genannten gleichermas-
sen in Betracht kommenden Nummer zuzuweisen.
Die genannten Vorschriften sind in der aufgeführten Reihenfolge anzuwen-
den, das heisst, die Vorschrift der Ziff. 3b AV ist nur dann anzuwenden,
wenn die Vorschrift der Ziff. 3a AV für die Einreihung keine Lösung ge-
bracht hat usw. Die Vorschriften finden zudem nur Anwendung, wenn sie
dem Wortlaut der Nummern und der Abschnitt- oder Kapitel-Anmerkungen
nicht widersprechen (Urteile des BVGer A-6248/2018 vom 8. Januar 2020
E. 3.4.6, A-3404/2017 vom 16. März 2018 E. 2.5.2).
2.5 Die Tarifeinreihungen ausländischer Zollbehörden sind für die schwei-
zerische Zollverwaltung formell nicht verbindlich. Allerdings müssen sach-
lich überzeugende Gründe vorliegen, damit die schweizerische Zollverwal-
tung ein identisches Produkt anders qualifiziert, als dies Zollverwaltungen
der anderen Vertragsstaaten des HS-Übereinkommens tun. Auch das Bun-
desverwaltungsgericht ist an die Tarifentscheide ausländischer Zollbehör-
den oder Gerichte formell nicht gebunden, kann aber ausländische Ent-
scheidungen berücksichtigen, soweit diese sachlich und rechtlich überzeu-
gen (Urteile des BVGer A-5273/2018 vom 17. Juli 2019 E. 2.3.6,
A-1635/2015 vom 11. April 2016 E. 5.9; BEUSCH/SCHNELL LUCHSINGER,
a.a.O., S. 18).
3.
3.1 Dem Abschnitt VI «Erzeugnisse der chemischen Industrie oder ver-
wandter Industrien», Kapitel 32 und 38 des Gebrauchstarifs war im Zeit-
raum der strittigen Einfuhr am 10. Juli 2019 unter anderem folgende Tarif-
nummerneinteilung zu entnehmen:
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Seite 11
32 Gerb- oder Farbstoffauszüge; Tannine und ihre Deri-
vate; Pigmente und andere Farbstoffe; Anstrichfarben
und Lacke; Kitte; Tinten
3209 Anstrichfarben und Lacke auf der Grundlage von syn-
thetischen Polymeren oder modifizierten natürlichen
Polymeren, in einem wässerigen Medium dispergiert
oder gelöst:
3209.1000 - auf der Grundlage von Acryl- oder Vinylpolymeren
3209.9000 - andere
38 Verschiedene Erzeugnisse der chemischen Industrie
3824 Zubereitete Bindemittel für Giessereiformen oder
-kerne; chemische Erzeugnisse und Zubereitungen
der chemischen Industrie oder verwandter Industrien
(einschliesslich Mischungen von Naturprodukten), an-
derweit weder genannt noch inbegriffen:
- andere:
3824.99 -- andere:
--- andere:
3824.9991 ---- zu Futterzwecken
3824.9999 ---- andere
Am 10. Juli 2019 galt für Einfuhren von Waren der Tarifnummer 3209.1000
ein Zollansatz von Fr. 30.-- je 100 kg brutto (Normalansatz), bei Einfuhren
aus der EU ein Zollansatz von Fr. 0.00 je 100 kg brutto. Für Waren der
Tarifnummer 3824.9999 galt ein solcher von Fr. 2.-- je 100 kg brutto (Nor-
malansatz) bzw. Fr. 0.00 je 100 kg brutto (bei Einfuhr aus der EU).
3.2
3.2.1 Die Erläuterungen zum Abschnitt VI enthalten für den vorliegenden
Fall nichts Einschlägiges.
3.2.2 In den Erläuterungen zu Kapitel 32 ist  soweit hier relevant  in Be-
zug auf die Tarifnummer 3209 festgehalten, dass Anstrichfarben dieser
Nummer aus Bindemitteln auf der Grundlage von synthetischen oder mo-
difizierten Polymeren in wässeriger Dispersion oder Lösung, mit unlösli-
chen Farbstoffen (hauptsächlich mineralischen oder anorganischen Pig-
menten oder Farblacken) und Füllstoffen vermischt, bestehen. Zur Stabili-
sierung enthalten sie grenzflächenaktive Stoffe oder Schutzkolloide. Das
Bindemittel besteht entweder aus Polymeren oder Acrylestern, Poly(vi-
A-3485/2020
Seite 12
nylacetat), Poly(vinylchlorid) oder aus Butadien-Styrol-Copolymerisations-
erzeugnissen. Alle Medien aus Wasser und Gemischen aus Wasser und
einem wasserlöslichen Lösungsmittel sind als wässerige Medien zu be-
trachten.
Weiter werden Produkte aufgezählt, die nicht in diese Tarifnummer fallen,
was sich hier jedoch nicht als relevant erweist.
Was als Anstrichfarbe oder Lack gilt, wird in dieser Tarifnummer nicht defi-
niert. Ebenfalls keine Definition im eigentlichen Sinne, aber doch ein Hin-
weis findet sich in den Erläuterungen zur Tarifnummer 3208. Demnach be-
stehen zu dieser Nummer gehörende Anstrichfarben aus Dispersionen von
unlöslichen Farbstoffen (hauptsächlich von mineralischen oder organi-
schen Pigmenten oder Farblacken) oder von Metallflittern oder -pulvern.
Weiter ist den Erläuterungen zur Tarifnummer 3208 zu entnehmen, dass
Anstrichfarben und Lacke gewöhnlich mit einem Pinsel oder einer Rolle
aufgetragen werden, wobei in der Industrie vornehmlich das Spritz- und
Tauchverfahren oder das maschinelle Beschichten angewandt werden.
Der Einbezug der Erläuterungen zu Tarifnummer 3208 für die Auslegung
der Tarifnummer 3209 ist im vorliegenden Fall zulässig, weil sich die Tarif-
nummer 3208 von Tarifnummer 3209 soweit hier relevant nur darin unter-
scheidet, dass die Anstrichfarben und Lacke bei ersterer Nummer in einer
nichtwässrigen Lösung, bei letzterer Nummer in einer wässrigen Lösung
dispergiert oder gelöst sind. Ausführungen, die sich ausschliesslich auf die
Tarifnummer 3208 beziehen, sind vorliegend nicht zu berücksichtigen.
3.2.3 In den Erläuterungen zu Kapitel 38 sind diverse Stoffe aufgezählt.
Auch unter der Tarifnummer 3824 finden sich ganz unterschiedliche che-
mische Produkte, was insofern nicht erstaunt, als diese Tarifnummer  so-
weit es sich nicht um zubereitete Bindemittel für Giessereiformen
oder -kerne handelt  als Auffangtatbestand konzipiert ist (gemäss Über-
schrift: «anderweit weder genannt noch inbegriffen»). Für den vorliegenden
Fall lassen sich aus den aufgezählten Produkten jedoch keine Schlüsse
ziehen, zumal keine Ausführungen enthalten sind, die konkret die Unter-
nummer 3824.99 (bzw. die schweizerische Unternummer 3824.9999) be-
treffen.
3.3 Den Anmerkungen zu Abschnitt VI sowie jenen zum Kapitel 32 und
zum Kapitel 38 ist ebenfalls nichts zu entnehmen, was sich für den vorlie-
genden Fall als relevant erweisen würde.
A-3485/2020
Seite 13
3.4 Einreihungsavisen oder Entscheide, die vorliegend einschlägig wären,
sind weder für die Tarifnummer 3209 noch die Tarifnummer 3824.9999, die
sehr unterschiedliche Waren betrifft, veröffentlicht.
4.
Im vorliegenden Fall ist zu klären, ob das von der Beschwerdeführerin im-
portierte Produkt «Y._» in die Tarifnummer 3209.1000 (so die Vor-
instanz) oder die Tarifnummer 3824.9999 (so die Beschwerdeführerin) ein-
zureihen ist. Dazu werden zunächst die Auffassungen der Verfahrensbe-
teiligten wiedergegeben (E. 4.1), bevor die Subsumtion vorgenommen wird
(E. 4.2).
4.1
4.1.1 Die Beschwerdeführerin macht zusammengefasst geltend, das Pro-
dukt «Y._» werde zu Brandschutzzwecken auf Rohre, Kabel und
Mineralfaserplatten aufgetragen. Bei ausreichender Hitzeentwicklung
schwelle es zu einem feinporigen, mindestens 50 mm dicken Schaum an
(Intumeszenz), der einerseits das behandelte Objekt direkt vor Flammen
schütze, andererseits das Feuer an der weiteren Ausbreitung hindere so-
wie die das Objekt umgebenden Hohlräume ausfülle, um das Feuer einzu-
dämmen oder zu ersticken. Diese Eigenschaften, welche dem streitbe-
troffenen Produkt seinen Charakter verliehen, enthielten Anstrichfarben
und Lacke (der Tarifnummer 3209.1000) nicht. Diesen fehlten solche che-
mischen Wirkstoffe und somit die massgebenden Eigenschaften gänzlich.
Beim fraglichen Produkt handle es sich um ein chemisches Produkt, das
aufgrund seiner Inhaltsstoffe als Beschichtung eingesetzt werde. Es diene
damit  so die Beschwerdeführerin sinngemäss  anderen Zwecken als
Anstrichfarben oder Lacke, auch wenn die Aufmachung gleich sei. Die farb-
gebenden Eigenschaften seien in diesem Produkt nicht relevant und es
werde als Flammschutzmittel angepriesen und nur für diese Zwecke ein-
gesetzt. Mit anderen Worten beziehe niemand das Produkt für Farbanstri-
che, sondern um ein anderes Produkt mit einer brandschutzhemmenden
Wirkung zu versehen. Bezeichnenderweise würden im Kapitel 3214 [des
Generaltarifs] ausdrücklich nicht feuerfeste Verputzmassen erwähnt. Wenn
Produkte also feuerabweisende oder feuerfeste Eigenschaften aufwiesen,
sei dies ganz offensichtlich ein Unterscheidungsmerkmal für die Tarifierung
von Waren. Damit seien die feuerabweisenden oder -hemmenden Eigen-
schaften von der Zollstelle zwingend bei der Tarifeinreihung zu berücksich-
tigen.
A-3485/2020
Seite 14
Die Beschwerdeführerin bestreitet die Auffassung der OZD, dass Ziff. 3a
der AV für die Einreihung des fraglichen Produkts herangezogen werden
könne. Es handle sich nicht um ein Produkt, bei dem sich die einzelnen
Komponenten in genauere und andere in allgemeine Warenbezeichnun-
gen aufteilen liessen, und damit zwingend die genauere Warenbezeich-
nung vorgehe. Das Gegenteil sei der Fall. Bei den Produkten des Kapi-
tels 32 stünden die farbgebenden Elemente im Vordergrund, während in
Kapitel 38 chemische Produkte einzureihen seien. Die Überschrift in Kapi-
tel 32 sei sicherlich genauer als die Überschrift in Kapitel 38, aber daraus
könne nicht abgeleitet werden, dass Produkte, deren Hauptbestandteil ein
Flammschutzmittel (also ein chemisches Erzeugnis) sei, als Farbe einzu-
ordnen seien. Vielmehr handle es sich um ein aus verschiedenen Waren
gemischtes Produkt (Anstrichfarbe mit geringfügiger Pigmentierung als
Träger und Brandschutzmittel als Hauptbestandteil). Damit würden die
Ausführungen von Ziff. 3b AV gelten. Die Anstrichfarbe sei nur das «Me-
dium», in welchem das Brandschutzmittel gemischt werde.
Aus den allgemeinen Erläuterungen und den Anmerkungen zu Titel 3209
gehe hervor, dass in diesem Unterkapitel Waren zusammengefasst wür-
den, bei denen es hauptsächlich um die Farbstoffe der Waren gehe. Ins-
besondere bei den Gerbstoffen und Anstrichfarben werde auf den jeweili-
gen Farbstoff und die entsprechenden Pigmente abgestellt. Der wesentli-
che Charakter dieser Produkte sei daher die jeweiligen Färbeeigenschaft
durch die darin enthaltenen Farbpigmente, selbst wenn diese weiss oder
schwarz seien, nicht aber etwaige andere charakteristische Eigenschaften.
Damit sei nur der Schluss möglich, dass es sich beim «Y._» um ein
chemisches Produkt mit spezifischen Eigenschaften handeln müsse, wo-
mit Ziff. 3b AV zur Anwendung komme. Eine Tarifeinreihung als Anstrich-
farben oder Lacke, welche diese wesentlichen Charaktereigenschaften
nicht aufwiesen, sei somit falsch. Mangels anderer spezifischerer Tarifka-
tegorien sei somit das Produkt als chemisches Produkt gemäss Tarifnum-
mer 3824.99 einzureihen, da die chemischen Eigenschaften nicht in der
Pigmentierung, sondern in der aufquellenden Wirkung lägen.
Der Hersteller, der [...] selbst umfangreiche chemische Analysen des Pro-
dukts erstellt habe und um die richtige zollrechtliche Tarifierung bemüht sei,
bestreite jeweils die Einreihung des «Y._» in die Tarifnummer
3209 ff. sowie allenfalls auch in die Tarifnummer 3214 ff. mit dem Hinweis
auf dessen chemische Zusammensetzung bzw. Eigenschaften. Die Einrei-
hung in die Tarifnummer 3824.9999 bestehe seit 20 Jahren. Auch gleiche
Konkurrenzprodukte würden in die Tarifnummer 3824.9999 eingereiht.
A-3485/2020
Seite 15
Weiter hält die Beschwerdeführerin dafür, dass die technische Analyse der
METAS nicht ausreiche, um das Produkt richtig zu tarifieren. Bereits vor
der Vorinstanz habe sie die Rezepturerklärung des Herstellers vorgelegt.
Aus dieser sei ersichtlich, dass sich das Produkt «Y._» zu [...] Pro-
zent aus Kunstharzdispersion, zu [...] Prozent aus Wasser, zu [weniger als
10] Prozent aus Pigmenten und zu [...] Prozent aus Hilfsmitteln zusam-
mensetze. Der verbleibende Anteil von [zwischen 40 und 50] Prozent ent-
falle auf Flammschutzmittel. Diese Zusammensetzung – so die Beschwer-
deführerin –, welche nicht aus dem Prüfbericht der METAS hervorgehe,
zeige eindeutig, dass nach Abzug des Wasseranteils von [...] Prozent die
Hälfte des verbleibenden Produkts aus flammschutzhemmenden Produk-
ten bestehe. Zudem sei das Produkt, im Unterschied zu einem dispersiven
farbgebenden Anstrich, sehr hoch viskos und extrem dickflüssig ([...]).
Die Art, wie ein Produkt aufgetragen werde, könne für die zollrechtliche
Tarifierung nicht entscheidend sein. Vorliegend bestimmten die FIamm-
schutzkomponenten von über 40 Prozent auch gleichzeitig den Charakter
des Produkts. Die Pigmente würden dagegen nur hinzugefügt, damit das
Produkt eine weisse Farbe erhalte. Gemäss den Ausführungen zur Zollta-
rifnummer 3824 bestünden chemische oder andere Zubereitungen entwe-
der aus Mischungen (dazu gehörten auch Emulsionen oder Dispersionen)
oder zuweilen aus Lösungen. Es sei also nicht per se ausgeschlossen, die
Brandschutzlösung «Y._», die zwar physisch dispersionsartig da-
herkomme, aber fast zur Hälfte aus Flammschutzmittel bestehe, unter die
Zolltarifnummer 3824 einzureihen; dies insbesondere vor dem Hinter-
grund, dass gerade die Flammschutzeigenschaften im Vordergrund stün-
den und nicht etwa farbgebende Elemente, wie sie auch in Ziffer 3209 ge-
fordert wären.
4.1.2 Die Vorinstanz hält entgegen, im Sinne des Zolltarifs würden streich-
bare oder zum Aufspritzen verwendete Produkte grundsätzlich als An-
strichfarben gelten. In den Erläuterungen zum Zolltarif zu Tarifnummer
3208 sei zudem vermerkt, dass Anstrichfarben und Lacke gewöhnlich mit
einem Pinsel oder einer Rolle aufgetragen würden, in der Industrie vor-
nehmlich das Spritz- und Tauchverfahren oder das maschinelle Beschich-
ten angewandt würde. Auch gehe aus den Erläuterungen zu Tarifnummer
3209 hervor, dass Zusatzstoffe wie das Bindemittel [...] toleriert seien. Ge-
mäss Ziff. 3a AV gehe die Nummer mit der genaueren Warenbezeichnung
(Anstrichfarbe/Lacke Tarifnummer 3209) den Nummern mit allgemeiner
Warenbezeichnung (Zubereitung der chemischen Industrie Tarifnum-
mer 3824) vor.
A-3485/2020
Seite 16
Beim in Rede stehenden Produkt handle es sich gemäss Produkteinforma-
tionen um eine spritz- und streichbare, in der Hitze aufschäumende Brand-
schutzbeschichtung. Sie werde zur Beschichtung von Elektrokabeln und
zur Herstellung von Kabelabschottungen in Kombination mit Mineralstoff-
platten verwendet und präsentiere sich in Form einer weissen, opaken
Paste. «Y._» bestehe gemäss Angaben aus [zwischen 40-50] %
Flammschutzmitteln, [...] % Bindemittel Kunstharzdispersion [...]%ig,
[...] % Wasser, [weniger als 10] % Pigmenten und [...] % Hilfsmitteln ([...]).
Das Produkt entspreche weder dem Wortlaut der Tarifnummer 3209 noch
jenem der Tarifnummer 3824, weshalb Ziff. 3 AV zur Auslegung herange-
zogen werden müsse (Vernehmlassung S. 4). Allerdings hält die Vor-
instanz auch fest, das Produkt «Y._», welches eine Anstrichfarbe
darstelle, entspreche somit exakt dem Tariftext der Tarifnummer 3209 (Ver-
nehmlassung S. 8).
Beim Produkt «Y._» handle es sich um eine spritz- und streichbare
Brandschutzbeschichtung, was somit den genannten Erläuterungen ent-
spreche. Anstrichmittel bzw. Anstrichfarben würden in der Fachliteratur als
flüssige bis pastenförmige und selten pulverförmige Stoffe oder Gemische,
die auf Oberflächen aufgetragen einen physikalisch trocknenden oder che-
misch härtenden Anstrich ergeben, definiert. Sie würden je nach Verwen-
dung in einer oder mehreren Schichten mit Pinsel, Rolle oder Sprühgerät
aufgetragen. Die Ware werde als Anstrichmittel verwendet und müsse nicht
einen Mindestanteil an Farbpigmenten aufweisen, um als Anstrichfarbe
eingereiht zu werden.
Aus den vorliegenden Unterlagen und der chemisch-technischen Untersu-
chung gehe klar hervor, dass es sich beim Produkt «Y._» in erster
Linie um eine lackartig trocknende, filmbildende Oberflächenbeschichtung
auf der Grundlage einer wässerigen [...]dispersion handelt. Ein feinporiger
Schaum von 50 mm Dicke entstehe erst bei der Einwirkung von Hitze. Der-
artige lackartig trocknende, filmbildende Oberflächenbeschichtungen auf
der Grundlage von Acryl- oder Vinylpolymeren, in einem wässerigen Me-
dium dispergiert oder gelöst (auch mit Zusatz von Flammschutzmitteln
usw.), würden gemäss langjähriger Praxis der Zollverwaltung in die Tarif-
nummer 3209.1000 eingereiht. Brandschutzbeschichtungen seien An-
strichmaterialien, die sich in ihrer Oberflächenoptik nicht wesentlich von
anderen Farbanstrichen unterscheiden würden. Sie würden auch wie An-
strichfarben und Lacke mit Pinsel, Rolle oder im Airless-Spritzverfahren
aufgetragen. Zudem könne man sich durchaus auf den Standpunkt stellen,
A-3485/2020
Seite 17
dass die Nummer 3209 mit der genaueren Warenbezeichnung «Anstrich-
farbe und Lacke» einem Produkt, welches durchaus zwei verschiedene Ei-
genschaften aufweise, nämlich Anstrich und Brandschutz, näherkomme,
als die Nummer 3824 mit der allgemeinen Warenbezeichnung «Zuberei-
tungen der chemischen Industrie». Gestützt auf Ziff. 3a AV erscheine eine
Einreihung in die Tarifnummer 3209 naheliegender.
Im Zeitpunkt der Wareneinfuhr und auch beim Auftragen präsentiere sich
das Produkt als Anstrichmittel. Die Oberflächenoptik des Brandschutzmit-
tels unterscheide die Ware nicht wesentlich von anderen Farbanstrichen.
Die Brandschutzeigenschaft, welche erst bei einem Brand zum Tragen
komme, habe somit keinen Einfluss auf die Tarifeinreihung.
Auch die EU reihe solche Brandschutzfarben im Kapitel 32 ein. Die unter-
schiedliche Einreihung der Produkte in die achtstellige Tarifnummer
3209.1000 (OZD) und in die Tarifnummer 3214.9000 «Spachtelmasse für
MaIerarbeiten» durch die deutsche Zollverwaltung, liesse sich durch die
unterschiedliche Interpretation von Anstrichfarben und Spachtelmassen
der beiden Staaten erklären.
4.2
4.2.1 Vorab kann zu den Vorbringen der Parteien Folgendes festgehalten
werden:
4.2.1.1 Für die Einreihung von Waren ist zunächst der Wortlaut der Num-
mern, dann jener der Abschnitt- oder Kapitel-Anmerkungen und schliess-
lich sind die Allgemeinen Vorschriften entscheidend (E. 2.4.4). Eigenschaf-
ten von Waren (wie die Brandschutzeigenschaft) oder die Art von deren
Verwendung (wie das Auftragen) sind nur zu berücksichtigen, wenn sich
dies aus den entsprechenden Bestimmungen ergibt. Die von der Be-
schwerdeführerin hervorgehobene Brandschutzeigenschaft wird nirgends
erwähnt. Die Beschwerdeführerin führt zwar in Bezug auf eine andere, hier
nicht betroffene Tarifnummer aus, dass dort die Feuerfestigkeit entschei-
dend sei. Aber abgesehen davon, dass Feuerfestigkeit und Brandschutz
nicht dasselbe sind, können aus dem Umstand, dass eine Tarifnummer
eine Eigenschaft gerade explizit erwähnt, keine Rückschlüsse auf andere
Tarifnummern gezogen werden. Die von der Vorinstanz betonte Art des
Auftragens wird immerhin in den Erläuterungen zur Tarifnummer 3208 ge-
nannt.
A-3485/2020
Seite 18
4.2.1.2 Ebenfalls nicht entscheidend ist, wie die Herstellerin eines Produk-
tes dieses einreiht. Dass Konkurrenzprodukte in die Tarifnummer
3824.9999 eingereiht würden und dass diese Einreihung seit 20 Jahren
bestehe, belegt die Beschwerdeführerin zudem in keiner Weise. Auf der
anderen Seite genügt auch eine langjährige Praxis der Vorinstanz, wonach
diese das Produkt in die Tarifnummer 3209.1000 einreiht, noch nicht, damit
ein Produkt (weiterhin) so einzureihen ist (vorliegend legt die Vorinstanz
diesbezüglich einen nicht publizierten Entscheid aus dem Jahr 2016 bei
[Vernehmlassungsbeilage 13]).
4.2.1.3 Wie die Beschwerdeführerin zu Recht ausführt, weisen Waren der
Tarifnummer 3209 – soweit vorliegend relevant – farbgebende Eigenschaf-
ten auf, was sich aus dem Tariftext selbst ergibt (E. 3.1). Damit ist jedoch
noch nicht ausgeschlossen, dass das streitbetroffene Produkt dort einzu-
ordnen ist, nur weil dessen wesentlicher Charakter angeblich nicht die
Farbgebung ist. Die Vorinstanz ihrerseits führt zu Recht aus, dass Waren
gemäss Ziff. 3a AV in die Nummer mit der genaueren Warenbezeichnung
einzureihen sind. Allerdings handelt es sich dabei nicht um die Nummer,
die in abstrakter Hinsicht genauer ist, sondern um jene, die die konkrete
Ware genauer beschreibt.
Im Folgenden ist das streitbetroffene Produkt gemäss den Regeln (E. 2.4.4
und 2.4.6 f.) in eine der von den Parteien genannten Tarifnummern einzu-
reihen.
4.2.2 Eine Einreihungsavise für das konkrete Produkt besteht nicht (dazu
auch E. 3.4).
4.2.3 Weder der Text der von der Beschwerdeführerin genannten Tarifnum-
mer 3824 noch jener der von der Vorinstanz genannten Tarifnummer 3209
beschreibt das streitbetroffene Produkt genau. Gleiches gilt für die Ab-
schnitts- und Kapitelanmerkungen. Eine Einreihung gestützt auf Ziff. 1 AV
(E. 2.4.4) ist demnach nicht möglich. Ziff. 2b AV (Ziff. 2a AV ist nicht ein-
schlägig) verweist letztlich auf Ziff. 3 AV, zumal vorliegend angenommen
werden kann, dass die Hinzufügung der Brandschutzbestandteile zur
Farbe den Charakter des Stoffes ändert (E. 2.4.6). Damit ist (gemäss
Ziff. 3a AV; E. 2.4.7) die Frage zu beantworten, ob einer der Texte zu den
von den Parteien genannten Tarifnummern das streitbetroffene Produkt ge-
nauer beschreibt.
A-3485/2020
Seite 19
4.2.3.1 Der Text zu Tarifnummer 3209 lautet (E. 3.1): «Anstrichfarben und
Lacke auf der Grundlage von synthetischen Polymeren oder modifizierten
natürlichen Polymeren, in einem wässrigen Medium dispergiert oder ge-
löst»; jener zu Nummer 3824: «Zubereitete Bindemittel für Giessereifor-
men oder -kerne; chemische Erzeugnisse und Zubereitungen der chemi-
schen Industrie oder verwandter Industrien (einschliesslich Mischungen
von Naturprodukten), anderweit weder genannt noch inbegriffen».
Wie bereits erwähnt (E. 3.2.3), handelt es sich bei der Tarifnummer 3842
letztlich um eine Auffangnummer («anderweit weder genannt noch inbe-
griffen») für chemische Erzeugnisse und Ähnliches. Kommt somit gestützt
auf den Wortlaut der Tarifnummer 3209 eine Einreihung in diese Tarifnum-
mer in Frage, muss gar nicht mehr geprüft werden, ob auch eine Einrei-
hung in Tarifnummer 3824 möglich wäre.
Damit ist zu klären, ob es sich beim streitbetroffenen Produkt um eine An-
strichfarbe im Sinne der Tarifnummer 3209 handelt (die Parteien sind sich
einig, dass die weiteren genannten Eigenschaften gegeben sind).
4.2.3.2 Wie erwähnt, wird der Begriff «Farbe» weder in den Erläuterungen
noch in den Anmerkungen definiert (E. 3.2 und 3.3). Die Vorinstanz hält
das streitbetroffene Produkt für eine Farbe, weil es Farbpigmente enthält
und wie eine Farbe auf die Oberfläche aufgetragen wird, wobei sie sich auf
die Erläuterungen zur Tarifnummer 3208 (dazu E. 3.2.2) stützt.
Weiter steht in den Erläuterungen zu Tarifnummer 3208 zu Anstrichfarben:
«Anstrichfarben bestehen aus Dispersionen von unlöslichen Farbstoffen».
Das streitbetroffene Produkt enthält unlösliche Farbstoffe (Pigmente) die
dispergiert sind. Insofern passt diese Beschreibung auf das streitbetroffene
Produkt. In Bezug auf Lacke wird in den Erläuterungen zu Tarifnummer
3208 festgehalten: «Als Lacke gelten flüssige Zubereitungen, die zum
Schutz oder Verschönerung von Oberflächen bestimmt sind». Damit findet
sich in Bezug auf Lacke in den Erläuterungen eine Zweckbestimmung, die
bei den Anstrichfarben nicht steht. Daraus lässt sich schliessen, dass An-
strichfarben im Sinne des Zolltarifs keinem besonderen Zweck dienen müs-
sen. Dass der Zweck des streitbetroffenen Produkts somit angeblich in ers-
ter Linie der Brandschutz ist und nicht die Farbgebung, erweist sich daher
als irrelevant. Das Produkt weist alle Eigenschaften auf, damit es in die
Tarifnummer 3209 und die (nicht bestrittene) Unternummer 1000 (also die
Nummer 3209.1000) eingereiht werden kann. Daran ändert weder der Um-
stand etwas, dass es zu einem grossen Teil aus Brandschutzkomponenten
A-3485/2020
Seite 20
besteht, noch jener, dass die Viskosität höher ist, als dies (zumindest be-
haupteterweise) normalerweise bei Anstrichfarben der Fall ist.
4.2.3.3 Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Einreihung des Pro-
dukts «Y._» bereits gestützt auf Ziff. 3a AV möglich ist.
4.2.4 Damit ist eine Einreihung nach Ziff. 3b AV nicht mehr zu prüfen und
es spielt keine Rolle, welcher Stoff oder Bestandteil dem Produkt seinen
wesentlichen Charakter verleiht.
4.2.5 Gestützt auf Ziff. 2b und Ziff. 3a AV ist das Produkt «Y._» in
die 3209.1000 einzureihen. Ob es auch in die («Auffang-»)Tarifnummer
3824.9999 eingereiht werden könnte, ist nicht mehr zu prüfen.
4.2.6 Der Einreihungsentscheid der Vorinstanz aus dem Jahr 2016 erweist
sich für das vorliegende Produkt somit als rechtskonform, auch wenn er
das Bundesverwaltungsgericht nicht zu binden vermag (vgl. Urteil des
BVGer A-5624/2018 vom 19. Juli 2019 E. 15.2.3 a.E. und 15.2.4). Auf die
Einreihungsentscheide der deutschen Zollbehörde, die eine andere Tarif-
nummer betreffen, muss nicht mehr eingegangen werden.
4.3 Die Beschwerde ist somit abzuweisen, soweit auf sie einzutreten ist.
5.
Ausgangsgemäss sind die auf Fr. 500.-- festzusetzenden Verfahrenskos-
ten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der in
gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfah-
renskosten zu verwenden.
Weder der unterliegenden Beschwerdeführerin noch der Vorinstanz ist eine
Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und
Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2] e contrario und Art. 7 Abs. 3 VGKE).
A-3485/2020
Seite 21
6.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet über Tarifstreitigkeiten im
Sinne von Art. 83 Bst. l des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das
Bundesgericht (BGG, SR 173.110) letztinstanzlich. Insoweit, als das Bun-
desverwaltungsgericht in Bezug auf die nachträgliche Vorlage von Ur-
sprungsnachweisen nicht eingetreten ist, betrifft das vorliegende Urteil
keine solche Tarifstreitigkeit (vgl. Urteile des BGer 2C_907/2013 vom
25. März 2014 E. 1.2.2, 2C_355/2007 vom 19. November 2007 E. 1.3) und
steht gemäss den einschlägigen Bestimmungen (Art. 82 ff., 90 ff. und 100
BGG) die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht offen.
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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