Decision ID: 4512bc41-22ed-4312-902d-88b99ff25b82
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
"1. Die Beklagten seien unter solidarischer Haftung zu verpflichten, der Klägerin Fr. 848'800.05 nebst 5 % Zins seit 28. November 2006 leisten.
2. Die Beklagte 1 sei zusätzlich zu verpflichten, der Klägerin Fr. 45'282.00 nebst 5 % Zins seit 19. August 2005 zu leisten.
3. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge."
Inhaltsverzeichnis
Sachverhalt und Verfahren .................................................................................... 3
A. Sachverhaltsübersicht ..................................................................................... 3
B. Prozessverlauf ................................................................................................. 5
Erwägungen .......................................................................................................... 6
1. Zuständigkeit ................................................................................................... 6
2. Einfache Streitgenossenschaft ........................................................................ 6
3. Vertragliche Haftung der Beklagten 2 .............................................................. 6 3.1. Übersicht ................................................................................................. 6 3.2. Vertragliche Pflichten der Beklagten 2 und Qualifikation des Vertrages . 7 3.3. Verjährungseinrede der Beklagten 2 und Mängelrüge .......................... 10 3.4. Voraussetzungen einer vertraglichen Haftung der Beklagten 2 ............ 10 3.5. Sorgfalts- oder Treuepflichtverletzung der Beklagten 2 ........................ 11 3.6. Fazit ...................................................................................................... 30
4. Vertrauenshaftung der Beklagten 2 ............................................................... 30 4.1. Parteidarstellungen ............................................................................... 30 4.2. Voraussetzungen .................................................................................. 31 4.3. Subsumtion ........................................................................................... 32 4.4. Fazit ...................................................................................................... 33
5. Vertragliche Haftung der Beklagten 1 ............................................................ 33 5.1. Übersicht ............................................................................................... 33 5.2. Unbestrittener Sachverhalt und Zusammenfassung strittige Punkte ..... 34 5.3. Qualifikation des Architektenvertrages und Pflichten der Beklagten 1 .. 36 5.4. Voraussetzungen der vertraglichen Haftung ......................................... 48 5.5. Verzug der Beklagten 1 mit der Planlieferung ....................................... 48
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5.6. Unterlassene Überprüfung der Materialwahl und des Konstruktionsaufbaus des Passerellenbodens ...................................... 49
5.7. Vorbehaltlose Weiterleitung des Faxes der Beklagten 2 und des Produktmerkblattes ............................................................................... 51
5.8. Einholen der Freigabe der Beklagten 2 ................................................. 54 5.9. Definitive Festlegung von Material und Konstruktion in der
Ausführungsplanung ............................................................................. 56 5.10. Schaden ................................................................................................ 60 5.11. Hypothetischer Kausalzusammenhang ................................................. 63 5.12. Verschulden .......................................................................................... 69 5.13. Schadenersatzbemessung und Herabsetzungsgründe ......................... 71 5.14. Zins ....................................................................................................... 75 5.15. Fazit ...................................................................................................... 76
6. Kürzung des Planerhonorars der Beklagten 1 ............................................... 76 6.1. Parteidarstellungen ............................................................................... 76 6.2. Rechtliche Würdigung ........................................................................... 76 6.3. Fazit ...................................................................................................... 77
7. Kosten- und Entschädigungsfolgen ............................................................... 77 7.1. Gerichtskosten ...................................................................................... 77 7.2. Parteientschädigungen ......................................................................... 78
Dispositiv ............................................................................................................. 78
Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich, die insbesondere
die Entwicklung, Realisierung und Nutzung von Immobilien und Bauprojekten aller
Art sowie die Planung und Ausführung von Neu- und Umbauten, insbesondere als
Total- oder Generalunternehmung auf Rechnung Dritter, bezweckt (act. 2/1). Die
Beklagte 1 ist ebenfalls eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich. Ihr Zweck ist die
Erbringung von Dienstleistungen im Immobilienbereich und auf dem Gebiet der
Planung und des Managements inklusive der Projektierung im Bauwesen (act.
2/3). Die Beklagte 2, eine Aktiengesellschaft mit Sitz in D._, erbringt gemäss
Handelsregistereintrag hauptsächlich Dienstleistungen in den Bereichen Bauphy-
sik und Architektur (act. 2/4).
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b. Die Klägerin war im Projekt "Büro- und Wohngebäude ..." als Totalunter-
nehmerin ("TU") tätig und zeichnete als solche gegenüber der Bauherrschaft ab
dem Zuschlag für die TU-Submission für die Planungsleistungen entsprechend
den massgebenden Normen und Standards und die vollständige Ausführung des
Werkes verantwortlich. Die Ausführungs- und Ausschreibungspläne liess die Klä-
gerin durch die Beklagte 1 erbringen. Die Beklagte 2 wurde durch die Klägerin mit
der bauphysikalischen und akustischen Beratung beauftragt. In diesen Rollen wa-
ren die Parteien insbesondere an der Planung und Konstruktion des Naturstein-
bodens in den Passerellen des 1. bis 4. OG im Innenhof des "Büro- und Wohnge-
bäudes ..." beteiligt (act. 1 S. 6; act. 15 S. 3; act. 17 S. 3 f.).
c. Nach Inbetriebnahme des "Büro- und Wohngebäudes ..." zeigte sich, dass
die Fugen der Natursteinböden der Passerellen des 1. bis 4. Obergeschosses
ausplatzten, und an stark belasteten Stellen waren vereinzelt Platten mit abge-
brochenen Kanten vorhanden. Ein von den Parteien gemeinsam in Auftrag gege-
benes, für sie in Bezug auf die rein technischen Feststellungen verbindliches
Schiedsgutachten des Gutachters Dr. E._ zeigte, dass der Bodenaufbau
falsch konstruiert war. Die geplante und verwendete Trittschallmatte "F._"
erwies sich als zu weich. Als Folge davon konnten sich die darauf liegenden Na-
tursteinplatten bei Belastung in vertikaler Richtung zu stark bewegen (act. 1 S. 4;
act. 15 S. 3; act. 17 S. 24, 28).
d. Die Klägerin macht gegenüber den Beklagten Schadenersatz aus Vertrag
wegen sorgfaltswidriger Verletzung ihrer vertraglichen Pflichten in Höhe der im
Zusammenhang mit den Sanierungsmassnahmen aufgelaufenen Kosten geltend.
Sie bringt vor, der Konstruktionsaufbau des Bodens der Passerellen im 1. bis 4.
Obergeschoss trage die verlangten Lasten nicht und sei daher mangelhaft. Ge-
genüber der Beklagten 1 klagt die Klägerin zudem einen Minderwert der Planer-
leistungen von pauschal 2 % des vereinbarten Honorars ein (act. 1 S. 4, 19, 27).
Die Beklagte 1 bestreitet, dass die Voraussetzungen für eine Vertragshaftung ih-
rerseits erfüllt sind, und hält fest, dass damit auch eine Kürzung des Planerhono-
rars ausser Betracht falle (act. 15 S. 30). Auch die Beklagte 2 bestreitet, dass ein
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Anspruch der Klägerin auf Ersatz der Sanierungskosten ihr gegenüber besteht
(act. 17 S. 29 f.).
B. Prozessverlauf
a. Am 4. Oktober 2012 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin die Klage ein
(act. 1). Den ihr mit Verfügung vom 5. Oktober 2012 auferlegten Vorschuss für die
Gerichtskosten leistete die Klägerin fristgerecht (act. 5). Nach Eingang der Klage-
antworten vom 21. Februar 2013 (act. 15) und vom 22. Februar 2013 (act. 17)
fand am 6. November 2013 eine Vergleichsverhandlung statt (Prot. S. 8 ff.). Den
anlässlich dieser Vergleichsverhandlung unter Mitwirkung der Gerichtsdelegation
geschlossenen Vergleich (act. 21) wiederrief die Beklagte 1 mit Eingabe vom 15.
Januar 2014 (act. 22) innert Frist.
b. In der Folge wurde mit Verfügung vom 16. Januar 2014 ein zweiter Schrif-
tenwechsel angeordnet (act. 23). Die nunmehr anwaltlich vertretene Klägerin
reichte ihre zweite Rechtsschrift am 19. März 2014 (act. 26) ein, die Beklagten
anschliessend je mit Eingaben vom 24. Juni 2014 (act. 36 und 37). Die Eingaben
wurden der Klägerin sowie den Beklagten 1 und 2 je gegenseitig mit Verfügung
vom 26. Juni 2014 zugestellt (act. 39).
c. Mit Verfügung vom 19. Mai 2015 wurde den Parteien Frist angesetzt, um zu
erklären, ob sie - unter Vorbehalt der allfälligen Durchführung eines Beweisverfah-
rens - auf Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung verzichten, wobei
bei Stillschweigen Verzicht auf Hauptverhandlung angenommen werde (act. 41).
Die Klägerin erklärte mit Eingabe vom 28. Mai 2015 den Verzicht auf Durchfüh-
rung der Hauptverhandlung (act. 43), die Beklagte 2 mit Eingabe vom 1. Juni
2015 (act. 44). Die Beklagte 1 liess sich nicht verlauten, weshalb ebenfalls Ver-
zicht auf Hauptverhandlung anzunehmen ist. Damit ist keine Hauptverhandlung
durchzuführen.
d. Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
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Erwägungen
1. Zuständigkeit
Das hiesige Gericht ist zur Beurteilung der vorliegenden Klage unbestrittenermas-
sen (act. 1 S. 2 f.; act. 15 S. 2; act. 17 S. 2) örtlich und sachlich zuständig (Art. 18
ZPO und Art. 6 Abs. 1 und 2 ZPO in Verbindung mit § 44 lit. b GOG).
2. Einfache Streitgenossenschaft
Die Beklagten 1 und 2 sind einfache Streitgenossen, gegen die die Klägerin An-
sprüche aus gleichartigen Tatsachen erhebt (Art. 71 ZPO), und haften für die von
der Klägerin in Rechtsbegehren Ziffer 1 eingeklagte Forderung nach klägerischer
Darstellung solidarisch (act. 1 S. 34). Die Ansprüche gegen die Beklagten 1 und 2
sind daher nachfolgend separat zu prüfen und erst anschliessend ist auf eine et-
waige solidarische Haftung einzugehen.
3. Vertragliche Haftung der Beklagten 2
3.1. Übersicht
3.1.1. Die Klägerin beruft sich auf eine vertragliche Haftung der Beklagten 2 für
den Schaden aus dem fehlerhaften Bodenaufbau wegen falscher bzw. unterlas-
sener Beratung bei der Konstruktion des Natursteinbodens. Sie macht geltend,
die Beklagte 2 habe ihre Pflichten aus dem zwischen den Parteien geschlossenen
Ingenieurvertrag verletzt, da sie die Trittschallmatte "F._" empfohlen habe,
ohne zu prüfen, ob diese auch die Belastungsanforderungen an den Boden bei
den Passerellen erfüllte. Sollte keine vertragliche Haftung bestehen, stützt die
Klägerin ihren Anspruch gegen die Beklagte 2 auf eine Vertrauenshaftung, da die
Beklagte 2 mit ihrer vorbehaltlosen Empfehlung dieser Trittschallplatte berechtig-
tes Vertrauen erweckt und enttäuscht habe. Demgegenüber bestreitet die Beklag-
te 2, dass sie für die Prüfung der Bodenbelastungsanforderungen zuständig ge-
wesen sei, und macht geltend, sie sei nur für Fragen der Bauphysik beigezogen
worden und in dieser Hinsicht habe die vorgeschlagene Trittschallmatte die An-
forderungen erfüllt und sei tauglich gewesen. Die Voraussetzungen einer vertrag-
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lichen Haftung seien daher nicht erfüllt. Ausserdem erhebt die Beklagte 2 die Ein-
rede der Verjährung. Zur Eventualbegründung hält die Beklagte 2 fest, sie habe
kein berechtigtes Vertrauen erweckt und enttäuscht (vgl. zu den wesentlichen
Parteibehauptungen im Einzelnen die nachfolgenden Erwägungen).
3.1.2. Im Hinblick auf eine allfällige vertragliche Haftung der Beklagten 2 ist daher
im Folgenden zu prüfen, welche vertraglichen Pflichten sie hatte, ob sie diese ver-
letzte und eine Haftung für den behaupteten Schaden der Klägerin besteht. Auf
die im Eventualstandpunkt geltend gemachte Vertrauenshaftung und deren Vo-
raussetzungen wird in Erwägung 4. eingegangen.
3.2. Vertragliche Pflichten der Beklagten 2 und Qualifikation des Vertrages
3.2.1. Die Klägerin und die Beklagte 2 führen übereinstimmend aus, dass zwi-
schen ihnen gestützt auf die "Offerte bauphysikalische/akustische Beratung" vom
12. Januar 2004 ein Ingenieurvertrag zustande gekommen ist, und verweisen
zum Vertragsinhalt auf diese Offerte (act. 1 S. 9, act. 17 S. 4, 8).
3.2.2. Die Klägerin bringt weiter vor, zu den Aufgabenbereichen der Beklagten 2
habe die "Beratung während der Ausführungsplanung und Bauausführung" ge-
hört, und unter "Akustische Beratung" insbesondere die "Beihilfe und Überprüfung
von Konstruktionsdetails Luft- und Trittschalltechnisch", sowie "Plankontrollen".
Ferner habe sie sich vertraglich zu "Ausführungskontrollen auf der Baustelle" ver-
pflichtet. Die Beklagte 2 sei aufgrund von Position 3 der Offerte in der Pflicht ge-
wesen, die Konstruktionsdetails trittschalltechnisch zu überprüfen. Dies bedeute,
dass sie habe beurteilen müssen, ob die Trittschallplatten die Schalleigenschaf-
ten, die geringe Einbauhöhe und die zulässigen Belastungen des Bodenaufbaus
eingehalten hätten. Die vereinbarten Leistungen beträfen vornehmlich Beratungs-
leistungen, womit diesbezüglich Auftragsrecht zur Anwendung gelange (act. 1 S.
9, act. 26 S. 8 f., 44).
3.2.3. Auch die Beklagte 2 geht grundsätzlich davon aus, dass zwischen der Klä-
gerin und ihr ein Auftragsverhältnis im Sinne von Art. 394 ff. OR zustande ge-
kommen ist (act. 17 S. 31). Zum Vertragsinhalt führt sie aus, gemäss Vertrag sei
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sie ausschliesslich für die bauphysikalische Beratung während der Ausführungs-
planung und Bauausführung zuständig gewesen. Die bauphysikalische Beratung
habe dabei aus den Teilpositionen energetische Beratung, akustische Beratung
und sommerlicher Wärmeschutz bestanden. Nicht zur Bauphysik zählten demge-
genüber statische Berechnungen und Themen der Materialbeschaffenheit von
Baustoffen. Die akustische Beratung habe sich auf spezifische Aspekte be-
schränkt, nämlich auf Raumakustik, Luftschall, Trittschall und Körperschall. Die
Beklagte 2 habe sich verpflichtet, unter diesen Gesichtspunkten bei der Überprü-
fung von Konstruktionsdetails und Plänen mitzuwirken bzw. Lieferanten zu unter-
stützen. Die Überprüfung von Konstruktionsdetails habe gemäss Offerte aus-
schliesslich unter luftschalltechnischen sowie trittschalltechnischen Aspekten er-
folgen sollen. Sie habe sich zu keinem Zeitpunkt verpflichtet, darüber hinausge-
hende Ingenieurleistungen zu erbringen. Insbesondere habe sie sich nie verpflich-
tet, Ingenieurleistungen aus anderen Fachbereichen wie beispielsweise Boden-
konstruktionen oder technische Lösungen auf ihre statische Belastbarkeit oder
Tragfähigkeit hin zu prüfen. Die Beurteilung der Tragfähigkeit oder Belastbarkeit
einer Bodenkonstruktion sei nicht Sache des Bauphysikers. Die Beklagte 2 weist
daher die Behauptung zurück, dass sie auch habe prüfen müssen, ob der Boden-
aufbau "den Belastungen des Bodens" standhalte (act. 17 S. 4 f., 11 f., act. 37 S.
20, 31). Allerdings vertritt die Beklagte 2 weiter die Auffassung, ihre einzige Leis-
tung im streitgegenständlichen Zusammenhang sei die Ablieferung der Skizze
gemäss Fax vom 5. Juli 2004 gewesen und das Herstellen von Plänen bzw. Skiz-
zen unterstehe dem Werkvertragsrecht (act. 37 S. 17).
3.2.4. Pflichten der Beklagten 2
3.2.4.1. Die der Beklagten 2 im Ingenieurvertrag übertragenen Pflichten sind
durch Auslegung desselben zu ermitteln, wobei in erster Linie auf den überein-
stimmenden tatsächlichen Willen der Parteien abzustellen ist (Art. 18 Abs. 1 OR;
vgl. BGE 115 II 464 E. 2.c). Da die Parteien jedoch keinen übereinstimmenden
tatsächlichen Willen behaupten, ist vom Inhalt des Vertrages aufgrund der objek-
tivierten Auslegung auszugehen. Die vertraglichen Vereinbarungen sind so aus-
zulegen, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten
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Umständen, die ihnen vorausgegangen und unter denen sie abgegeben worden
sind, verstanden werden durften und mussten (WOLFANG WIEGAND, in: Basler
Kommentar Obligationenrecht, 5. Auflage 2011, N 11 ff zu Art. 18 OR; BGE 132
III 24 E. 4, mit weiteren Hinweisen). Dabei hat der klare Wortlaut Vorrang vor wei-
teren Auslegungsmitteln, es sei denn, er erweise sich auf Grund anderer Ver-
tragsbedingungen, dem von den Parteien verfolgten Zweck oder weiteren Um-
ständen nur scheinbar als klar (BGE 128 III 265 E. 3.a mit weiteren Hinweisen).
3.2.4.2. Aus dem Wortlaut der Offerte "Bauphysikalische / akustische Beratung"
vom 12. Januar 2004 (act. 2/13), welche gemäss der Klägerin und der Beklagten
2 dem Vertragsinhalt entspricht, ergibt sich klar, dass die Pflichten der Beklagten
2 aus diesem Vertrag nur die energetische (act. 2/13 S. 2) und akustische (act.
2/13 S. 3) Beratung während der Ausführungsplanung und Bauausführung sowie
den sommerlichen Wärmeschutz (act. 2/13 S. 4) umfassen und die Beklagte 2
von der Klägerin keine weiteren Pflichten übernommen hat. Unter der Position 3
der akustischen Beratung, auf welche sich die Klägerin vorliegend beruft, wurde
"Beihilfe und Ueberprüfung von Konstruktionsdetails Luft- sowie Trittschalltech-
nisch" vereinbart. Entgegen der Darstellung der Klägerin ist in dieser Position des
Vertrages aber nach dem Wortlaut der Offerte keine Pflicht der Beklagten 2 zur
Überprüfung der Konstruktionsdetails in Bezug auf die zulässigen Bodenbelas-
tungen vereinbart. Dieser Wortlaut des Vertrages wird bestätigt durch die Tatsa-
che, dass zur Bauphysik die Teilgebiete Wärme, Feuchtigkeit, Akustik, Brand-
schutz, Tageslicht und Klima zählen, nicht aber statische Berechnungen und die
Materialbeschaffenheit von Baustoffen (http://de.wikipedia. org/wiki/Bauphysik,
besucht am 25. März 2015) und es sich gemäss Überschrift der Offerte um einen
Vertrag für "Bauphysikalische / akustische Beratung" handelt. Das Tätigkeitsge-
biet "Bauphysik" der Beklagten 2 offenbart sich sodann bereits aus deren Firma.
Des Weiteren sind auch keine Umstände ersichtlich, aus denen sich ergeben
könnte, dass die Beklagte 2 die Überprüfung der statischen Belastbarkeit oder
Tragfähigkeit der Konstruktionsdetails übernommen hätte. Die Vertragsauslegung
ergibt somit, dass sich die Beklagte 2 nur zu Beratungsleistungen im Bereich der
Bauphysik verpflichtet hat, nicht hingegen zur Überprüfung, ob die Bodenkon-
struktion die zulässigen Belastungen des Bodenaufbaus einhält.
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3.2.5. Qualifikation des Vertrages
Mit den Parteien (so grundsätzlich auch die Beklagte 2, act. 17 S. 31) ist festzu-
halten, dass der Vertrag der Parteien über die Beratung in energetischer sowie
akustischer Hinsicht sowie betreffend den sommerlichen Wärmeschutz (act. 2/13)
als Auftragsverhältnis im Sinne von Art. 394 ff. OR zu qualifizieren ist. Die Beklag-
te 2 schuldete die (akustische) Beratung der Klägerin, unter anderem auch in
Form der Beihilfe und Überprüfung von Konstruktionsdetails, und damit ein sorg-
fältiges Tätigwerden in deren Interesse (vgl. dazu ROLF H. WEBER, in:
HONSELL/VOGT/WIEGAND, Basler Kommentar Obligationenrecht I, 5. Aufl. 2012, N
28 ff. zu Art. 394 OR; GAUCH/MIDDENDORF, in: STÖCKLI/SIEGENTHALER HRSG., Die
Planerverträge, Zürich/ Basel/Genf 2013, Rz. 1.27 ff.). Daran ändert im vorliegen-
den Zusammenhang entgegen der Beklagten 2 auch nichts, dass die behauptete
Vertragsverletzung durch eine in Form einer Planskizze abgegebene Empfehlung
der Beklagten 2 verursacht worden sein soll. Nur weil die Beklagte 2 ihre Bera-
tung in trittschalltechnischer Hinsicht zu diesem Aspekt in die Gestalt einer Skizze
fasste, wird ihre Beratungsleistung nicht zu einem Werk, welches statt nach Auf-
tragsrecht nach den Regeln des Werkvertragsrechts zu beurteilen wäre. Geschul-
det war von der Beklagten 2 gemäss der massgebenden Offerte vom 12. Januar
2004 (act. 2/13 S. 3) nicht die Erstellung von Plänen, sondern die Beratung der
Klägerin in bauphysikalischer/akustischer Hinsicht.
3.3. Verjährungseinrede der Beklagten 2 und Mängelrüge
Sind allfällige Haftungsansprüche der Klägerin nach dem Auftragsrecht zu beur-
teilen, sind diese entgegen der Darstellung der Beklagten 2 (act. 37 S. 17, 26)
weder verjährt (Art. 127 OR) noch mangels rechtsgenügender Verjährungseinre-
de verwirkt.
3.4. Voraussetzungen einer vertraglichen Haftung der Beklagten 2
Die Beklagte 2 haftet der Klägerin aus dem zwischen ihnen bestehenden Auf-
tragsverhältnis nach Art. 398 Abs. 2 OR für getreue und sorgfältige Ausführung
des ihr übertragenen Geschäfts. Dabei hat die Beauftragte grundsätzlich nicht für
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den Erfolg ihrer Tätigkeit einzustehen. Haftungsbegründend ist vielmehr eine un-
sorgfältige oder treuwidrige und den Auftraggeber schädigende Ausführung des
Auftrages. Das Mass der Sorgfalt bestimmt sich nach objektiven Kriterien. Erfor-
derlich ist die Sorgfalt, welche eine gewissenhafte Beauftragte in der gleichen La-
ge bei der Besorgung der ihr übertragenen Geschäfte anzuwenden pflegt. Höhere
Anforderungen sind an die Beauftragte zu stellen, die ihre Tätigkeit berufsmässig,
gegen Entgelt ausübt. An die Spezialistin dürfen hohe Anforderungen gestellt
werden. Es ist nach der Art des Auftrages zu differenzieren und auch den beson-
deren Umständen des Einzelfalles Rechnung zu tragen. Bestehen für eine
Berufsart oder ein bestimmtes Gewerbe allgemein befolgte Verhaltensregeln und
Usanzen, können sie bei der Bestimmung des Sorgfaltsmasses herangezogen
werden (ROLF H. WEBER, in: HONSELL/VOGT/WIEGAND HRSG., a.a.O., N 27 zu Art.
398 OR; BGE 127 III 328 E. 3, 115 II 62 E. 3 m.w.H). Zu den Nebenpflichten bzw.
allgemeinen Treuepflichten des Beauftragten zählt sodann insbesondere die
Pflicht zur Aufklärung und Information. Dabei sind die Anforderungen an die Auf-
klärung je nach Kenntnisstand und Erfahrung des Auftraggebers zu variieren. Im
Baurecht hat der Unternehmer oder Planer den Bauherrn auch auf Umstände
aufmerksam zu machen, zu deren Erfassung er vertraglich nicht ausdrücklich
verpflichtet ist (ROLF H. WEBER, a.a.O., N 26 zu Art. 398 OR). Neben der Sorg-
falts- oder Treuepflichtverletzung ist Voraussetzung für einen Anspruch der Kläge-
rin gegen die Beklagte 2 auf Schadenersatz, dass durch diese ein Schaden natür-
lich und adäquat kausal verursacht wurde. Das Verschulden wird vermutet, doch
steht der Exkulpationsbeweis offen (Art. 97 Abs. 1 i.V.m. Art. 398 Abs. 2 OR).
3.5. Sorgfalts- oder Treuepflichtverletzung der Beklagten 2
3.5.1. Darstellung der Klägerin
3.5.1.1. Die Klägerin macht zusammengefasst geltend, die Vertragsverletzung der
Beklagten 2 bestehe darin, dass sie für die Ausschreibung ohne Abklärungen
vorbehaltlos eine Trittschallmatte vorgeschlagen habe, die völlig untauglich für
den vorliegenden Gebrauch gewesen sei, sowie darin, dass sie vertrags- und
weisungswidrig keine Prüfung des Bodenaufbaus vorgenommen habe (act. 1 S.
33). Dieser Vorschlag sei die Ursache für den späteren Werkmangel gewesen
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(act. 1 S. 10). Ob das Produkt in akustischer Hinsicht nicht mangelhaft sei, sei
hier irrelevant (act. 26 S. 44).
3.5.1.2. Im Einzelnen führt die Klägerin aus, die Beklagte 2 habe am 5. Juli 2004
der Beklagten 1 ein Fax zugestellt mit dem Konstruktionsaufbau der Bodenbeläge
der Passerellen. Als Trittschalldämmung habe sie "z.B. F'._" (recte:
"F._") vorgeschlagen. Die Beklagte 2 habe prüfen müssen, ob die von ihr mit
Fax vom 5. Juli 2004 vorgeschlagene Trittschalldämmplatte für den geplanten
Bodenaufbau bzw. die Konstruktion trittschalltechnisch geeignet sei, die Schallei-
genschaften einhalte und auch den Belastungen des Bodens standhalte. Die Be-
klagte 2 sei als Bauphysikerin in der Pflicht gewesen, die Druckfestigkeit des Bo-
dens zu berücksichtigen. Sie sei aber nicht verpflichtet gewesen, die Druckfestig-
keit an sich festzulegen. Dies belege auch das Mail der Beklagten 1 vom 2. Juli
2004, welchem zu entnehmen sei, dass die Beklagte 1 mit der Beklagten 2 in
Kontakt gestanden habe. Dieses Mail belege, dass die Beklagte 1 offenbar drei
Tage vor Abgabe der Empfehlung durch die Beklagte 2 veranlasst habe, dass die
Beklagte 2 bestätige, dass diese Werte mit dem Produkt eingehalten würden. Aus
dem E-Mail gehe hervor, dass die Beklagte 2 den Vorschlag für das Produkt
"F._" gemacht habe, nachdem sie offenbar die Schalleigenschaften, die ge-
ringe Einbauhöhe und die zulässigen Bodenbelastungen berücksichtigt habe. Of-
fenbar habe die Beklagte 1 die Beklagte 2 klar aufgefordert, diese Punkte bei ih-
rem Vorschlag ebenfalls zu prüfen. Die Beratungsdienstleistung habe die Beklag-
te 2 in Rechnung gestellt. Die Empfehlung der Beklagten 2 mit der Skizze des
Bodenaufbaus und dem Vorschlag der Trittschalldämmplatte "F._" habe sich
nicht nur auf den akustischen Aspekt bezogen, ansonsten die Beklagte 2 klare
Vorbehalte gemacht oder einen entsprechenden Titel gewählt hätte. Die Wahl des
Produktes sei insbesondere auch geschehen, weil es die technisch-
bauphysikalischen Anforderungen erfüllt habe. Diese vorbehaltlose Empfehlung
habe durchaus so verstanden werden dürfen, dass diese Trittschallmatte neben
anderen zum vorausgesetzten Zweck geeignet gewesen sei. Es sei an den Be-
klagten gewesen, eine anwendungstechnische Beratung vorzuschlagen bzw. die
Klägerin darauf hinzuweisen. Die Klägerin habe daher in gutem Glauben davon
ausgehen dürfen, dass die Trittschalldämmplatte in Bezug auf die Konstruktion
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des Bodenaufbaus geeignet und tauglich sei. Für die Klägerin habe es zu keinem
Zeitpunkt einen Grund gegeben, die Auswahl des Produktes nochmals zu über-
prüfen (act. 1 S. 10, act. 26 S. 9, 39 ff.).
3.5.1.3. Weiter führt die Klägerin aus, am 19. Juli 2004 habe die Planungssitzung
Nr. 14 stattgefunden, bei welcher die Beklagte 2 anwesend gewesen sei und das
Protokoll zugestellt erhalten habe. Im Protokoll seien unter Traktandum 3.2.2. die
Beklagte 1 und 2 angewiesen worden, betreffend die Akustikisolationen der Pas-
serellen die Materialien zu definieren und die Detailausbildungen aufzuzeigen. Auf
Anfrage nach dem Trittschallschutz in den Passerellen habe die Klägerin von der
Beklagten 1 am 9. August 2004 statt fertiger Ausschreibungspläne immerhin ein
Fax mit dem Beschrieb des "F._"-Systems erhalten. Weil sich die Beklagte 1
in Verzug befunden habe, sei der Klägerin nichts anderes übrig geblieben, als die
Unternehmer-Submission gestützt auf die vorliegenden Informationen durchzufüh-
ren. Dieses pragmatische Vorgehen sei im Wissen darum erfolgt, dass die Be-
klagte 1 die definitive Konstruktion in der daran folgenden Ausführungsplanung
würde nachreichen müssen. An der Sitzung vom 14. März 2005 sei dann gemäss
Protokoll die Beklagte 1 angewiesen worden, mit der Beklagten 2 den Bodenauf-
bau in den Passerellen zu koordinieren und die Konstruktion abschliessend zu
bestimmen. Die Beklagte 2 habe im Verteiler des Protokolls gestanden und das
Protokoll zugestellt erhalten. Sie habe die Aufgabe gehabt, die Freigabe des Bo-
denaufbaus zu erteilen. Damit sei die vertragliche Pflicht der Beklagten 2, der Be-
klagten 1 bei den Konstruktionsdetails zu helfen und die Ausführungspläne zu
kontrollieren, konkretisiert worden. In der Folge habe die Beklagte 1 den Ausfüh-
rungsplan/Werkplan Index C bezüglich Passerellen E1 - E5 (d.h. für alle Stock-
werke) geliefert. Darin sei der Bodenaufbau der Passerellen 1. - 5. OG definiert.
Neben Natursteinplatten mit einer Stärke von 12mm sei die Dämmplatte von
11.5 mm gemäss System "F._" eingezeichnet und als Vermerk dazu stehe
"gemäss Anforderungen Bauphysik bzw. gemäss Ausschreibung ..." (... = Kläge-
rin). Nachdem die Klägerin die Beklagte 1 mehrfach angewiesen habe, den Bo-
denaufbau zu prüfen, und aufgrund dieser Bestätigung auf dem Plan habe sie da-
rauf vertrauen dürfen, dass der Bodenaufbau auftrags- und weisungsgemäss mit
der Beklagten 2 abgestimmt worden sei. Welche Abklärungen die Beklagte 1 tat-
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sächlich bei der Beklagten 2 getroffen habe, entziehe sich der Kenntnis der Klä-
gerin. Nicht zuletzt habe aber die Beklagte 2 die ausdrückliche vertragliche Pflicht
gehabt und die wiederholte Weisung, bei der Konstruktion des Bodenaufbaus zu
helfen und die Pläne zu kontrollieren. Sie habe daher nicht nur passiv darauf war-
ten können, dass sich die Beklagte 1 melden würde. Auch habe die Beklagte 2
sämtliche relevanten Pläne erhalten, da die Klägerin diese per E-Mail im "cc" an
die Beklagte 2 versandt habe. Wenn also die Beklagte 2 mit ihrer Empfehlung den
Stein ins Rollen gebracht und weisungswidrig keine Prüfung vorgenommen habe,
sei darin einerseits eine sorgfaltswidrige Empfehlung zu erblicken und anderer-
seits zum späteren Zeitpunkt eine pflichtwidrige Unterlassung. Spätestens bei der
vertraglich geschuldeten "Ausführungskontrolle auf der Baustelle" hätte der Be-
klagten 2 auffallen müssen, dass der gewählte Bodenaufbau nicht genehmigt ge-
wesen sei (act. 1 S. 14 ff., act. 26 S. 46).
3.5.1.4. Die Klägerin ist ferner der Auffassung, die Beklagte 2 hätte, bevor sie das
Produkt vorbehaltlos empfohlen habe, immerhin abklären müssen, ob das Pro-
dukt für ein Büro- und Wohngebäude grundsätzlich tauglich sei und einer norma-
len Fussgängerbelastung standhalte. Das vorgeschlagene Produkt könne aber
selbst bei einer reinen "Fussgängerbelastung" zu Zerfallserscheinungen führen.
Der Experte halte in seiner Beurteilung fest, dass das Trittschallisolationssystem
"F._" in der vorliegenden Konstruktionsweise nicht geeignet gewesen sei.
Diese Beurteilung sei unabhängig vom verwendeten Fugenmörtel erfolgt. Das
Produkt sei an sich untauglich. Zudem habe die Herstellerfirma der Trittschall-
dämmplatte "F._" mit Schreiben vom 14. Februar 2007 mit Verweis auf das
technische Merkblatt festgehalten, dass die Trittschallmatte nur für den Einsatz im
Wohn- und Innenbereich und mechanisch nicht stark belasteten Belägen geeignet
sei. Testversuche hätten gezeigt, dass das Gewicht von Transportgeräten auf
300 kg zu beschränken sei. Es sei daher unerheblich, ob die Beklagte 2 die Nut-
zungsvereinbarung oder anderweitige Vorgaben gekannt habe oder nicht. Die
Beklagte 2 habe erkennen müssen, dass die gewählte Trittschallmatte für die vor-
liegend geforderte Beanspruchung ungeeignet gewesen sei. Zumindest habe sie
einen Hinweis an die Beklagte 1 machen müssen, dass sie die Konstruktion nicht
- 15 -
geprüft habe, damit die Beklagte 1 dann selbst die entsprechenden Abklärungen
hätte vornehmen können (act. 1 S. 20, act. 26 S. 39, 41, 47).
3.5.1.5. Schliesslich macht die Klägerin zur Sorgfaltspflichtverletzung der Beklag-
ten 2 geltend, die Trittschallmatte "F._" sei zu diesem Zeitpunkt neu und für
alle Beteiligten unüblich gewesen und erst zum zweiten Mal in der Schweiz ein-
gesetzt worden. Offenbar sei diese Trittschallmatte von der Beklagten 2 vorge-
schlagen worden, weil mit herkömmlichen Trittschallmatten die strengen Anforde-
rungen an den Trittschallschutz gemäss den "Technisch-bauphysikalischen An-
forderungen" nicht hätten eingehalten werden können. Die dort gestellten, erhöh-
ten und unüblichen Anforderungen seien von der Beklagten 2 im Rahmen der TU-
Ausschreibung definiert worden, weshalb sie eine erhöhte Gefahr dafür geschaf-
fen habe, dass es zu einer Fehlkonstruktion kommen könne, und sie eine erhöhte
Sorgfalt dafür getroffen habe, dass sich diese Gefahr nicht realisiere. Die Beklag-
te 2 habe aber gleichzeitig die Lösung präsentiert, wie diese strengeren Anforde-
rungen als üblich eingehalten werden könnten. Da diese Lösung neu gewesen
sei, habe zumindest die Klägerin keine Erfahrungswerte dazu gehabt. Da diese
Trittschalldämmplatten erst zum zweiten Mal in der Schweiz eingesetzt worden
seien, hätten die Beklagten der Prüfung der Konstruktionsdetails in Bezug auf den
Bodenaufbau erhöhte Aufmerksamkeit schenken müssen (act. 26 S. 42). Es sei
nicht so, dass die Beklagte 1 auf ihr Geheiss an die Beklagte 2 herangetreten sei,
um ihr mitzuteilen, dass die Stirnhöhen der Passerellen reduziert werden sollten
und die Beklagte 2 deshalb die Auswahl des "F._"-Systems vorgeschlagen
habe. Das Produkt sei vorgeschlagen worden, um die von der Beklagten 2 selbst
erstellten Anforderungen einzuhalten (act. 26 S. 42). Wenn ein Trittschallpegel
von 55 dB üblich sei, dann hätte die Beklagte 2 im Rahmen der technisch-
physikalischen Anforderungen vom 13. Dezember 2003 auch einen üblichen Bo-
denaufbau mit einer entsprechenden Trittschallmatte vorschlagen können. Dies
habe sie aber nicht getan (act. 26 S. 38). Sie habe das "F._"-System vorge-
schlagen, da herkömmliche Trittschallmatten diese Anforderungen nicht erfüllen
konnten (act. 26 S. 41).
- 16 -
3.5.2. Darstellung der Beklagten 2
3.5.2.1. Die Beklagte 2 hält zunächst fest, sie habe bezüglich Bodenaufbau aus-
schliesslich eine luft- und trittschalltechnische Beratungsdienstleistung erbringen
müssen. Zu etwas Anderem sei sie nicht verpflichtet gewesen. Das Produkt
"F._" erfülle die Anforderungen an den Trittschallschutz. In akustischer Hin-
sicht sei es deshalb nicht mangelhaft (act. 17 S. 19, act. 37 S. 25). Weiter macht
die Beklagte 2 geltend, niemand und schon gar nicht die Klägerin als professio-
nelle Generalplanerin habe davon ausgehen können, dass sich die Beklagte 2
bezüglich Bodenkonstruktion mit Fragen der statischen Tragfähigkeit und Belast-
barkeit auseinandersetze. Die Beklagte 2 sei dazu auch nicht in der Lage gewe-
sen, weil ihr weder die einschlägigen Vorgaben der Nutzungsvereinbarung be-
kannt gewesen seien noch habe sie gewusst, was für ein Gehbelag habe einge-
baut werden sollen. Von irgendeiner Belastbarkeit des Bodens sei überhaupt nie
die Rede gewesen. Die Beklagte 2 sei zu keinem Zeitpunkt mit Fragen zur Bo-
denbelastbarkeit und dergleichen angegangen worden. Dementsprechend habe
sie auch keine Veranlassung gehabt, der Klägerin mitzuteilen, dass sie als Bau-
physikerin mit statischen Fragen nichts zu tun habe. Zum Telefax-Schreiben der
Beklagten 2 vom 5. Juli 2004 sei es gekommen, weil vorgängig die Beklagte 1 als
Architektin an die Beklagte 2 gelangt sei und dieser mitgeteilt habe, es bestehe
ein Problem mit der Stirnhöhe der Passerellen, es solle der Gehbelag direkt auf
die Trittschalldämmplatten aufgebracht werden unter Weglassung des Unterlags-
bodens. Dadurch falle die Stirnhöhe der Passerellen geringer aus und diese wirke
filigraner. Bis zu diesem Zeitpunkt sei der Einbau einer Trittschalldämmplatte mit
aufliegendem Unterlagsboden vorgesehen gewesen. Die Beklagte 2 habe ge-
stützt auf diese Anfrage mit aller gebotenen Sorgfalt abgeklärt, welche Trittschall-
dämmplatten auf dem Markt existierten, welche den definierten Trittschallschutz
von 55 dB gewährleisteten und auf die ein Gehbelag direkt aufgebracht werden
könne. Die Abklärungen hätten ergeben, dass beispielsweise das Produkt
"F._" der Firma G._ existiere, welches so eingebaut werden könne und
zugleich die akustischen Anforderungen an den Trittschallschutz erfülle. Daher sei
mit Telefax-Schreiben vom 5. Juli 2004 ein "Zum-Beispiel-Produktvorschlag" un-
- 17 -
terbreitete und als mögliches Produkt "F._" genannt worden. Der Vorschlag
sei ausschliesslich unter luft- und trittschalltechnischen Gesichtspunkten erfolgt.
Mit Ausnahme des akustischen Aspektes seien im Fax keinerlei Angaben oder
technische Präzisierungen enthalten. Es sei sogar eine fehlerhafte Produktbe-
zeichnung verwendet worden. Auch habe kein Produktinformationsblatt beigele-
gen. Jedem fachkundigen Leser des handschriftlich verfassten, einseitigen Tele-
fax-Schreibens vom 5. Juli 2004 habe auf den ersten Blick klar sein müssen, dass
sich der Verfasser nicht mit der Tragfähigkeit und Belastbarkeit des skizzierten
Bodenaufbaus auseinandergesetzt und dazu auch keine Angaben gemacht habe.
Angesichts der vertraglichen Situation mit der Beklagten 2 als Fachplanerin Bau-
physik und der Fachkenntnis der Klägerin als Totalunternehmerin könne der Be-
klagten 2 auch nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass sie auf ihrem Fax vom 5.
Juli 2004 nicht noch einen Vorbehalt angebracht habe. Was ohnehin gelte, müsse
nicht vorbehalten werden. Im Zusammenhang mit dieser Abklärung und Nennung
des Produktes "F._" sei bloss ein geringfügiger Aufwand verrechnet worden
(act. 17 S. 12 ff., 31, act. 37 S. 13, 21, 26).
3.5.2.2. In Bezug auf das von der Klägerin angerufene E-Mail vom 2. Juli 2004
führt die Beklagte 2 aus, dieses sei nur innerhalb der Beklagten 1 versandt wor-
den und nicht nach extern. Im E-Mail teile ein Mitarbeiter der Beklagten 1 seinen
Kollegen mit, Herr H._ von der Beklagten 2 werde einen Vorschlag für die
Trittschalldämmung auf den Passerellen zustellen und bei diesem würden auch
die zulässigen Belastungen berücksichtigt. Der Inhalt dieser internen Kommunika-
tion der Beklagten 1 sei falsch. H._ von der Beklagten 2 habe nie eine solche
Aussage gemacht und er wäre auch nicht in der Lage gewesen, Belastungswerte
zu berichtigen, da er diese nicht gekannt habe. Nach ihrem Telefax-Schreiben
vom 5. Juli 2004 habe die Beklagte 2 mit Bezug auf den Bodenaufbau der Pas-
serellen nie wieder etwas gehört. Sie kenne den Ausführungsplan/Werkplan nicht
und er sei ihr nie zur Prüfung und Unterzeichnung zugestellt worden. Sie habe nie
eine Zustimmung oder Freigabe erklärt. Es sei falsch, dass sie von der Klägerin
mehrfach angewiesen worden sei, den Bodenaufbau zu kontrollieren. Sie habe
nie eine solche Aufforderung erhalten, weder von der Klägerin noch von der Be-
klagten 1. Die Klägerin habe der Beklagten 2 nie irgendwelche Pläne zur Kontrolle
- 18 -
vorgelegt, weshalb es nie zu Plankontrollen gekommen sei. Ihr sei auch nicht an-
gezeigt worden, wann die Bodenkonstruktion zur Ausführung gelange, weshalb
sie keine Ausführungskontrolle auf der Baustelle habe vornehmen können. Zu-
dem hätte sich eine solche, wenn sie vorgenommen worden wäre, auf den akusti-
schen Aspekt beschränkt (act. 17 S. 19, 21 f., act. 37 S. 6 f.).
3.5.2.3. Darüber hinaus legt die Beklagte 2 dar, ursächlich für den Schaden sei
nicht ihre Handskizze vom 5. Juli 2004, sondern der im Sommer 2005 von der
Klägerin gefällte Entscheid, trotz fehlender Abklärungen und nicht existierender
Freigabe den Gehbelag in den Passerellen ausführen zu lassen. Die Beklagte 1
und insbesondere die Klägerin hätten gestützt auf das von der Beklagten 1 beige-
zogene Produktinformationsblatt stutzig werden müssen, weil darin keinerlei An-
gaben zur Punktbelastung des Systems enthalten seien. Das Produktinformati-
onsblatt sei von der Beklagten 1 beigezogen worden. Die Beklagte 2 habe nie ei-
nen Beschrieb oder ein Produktinformationsblatt an die Beklagte 1 gesandt. Auch
hätten die Klägerin und die Beklagte 1 pflichtwidrig unterlassen, für die verwende-
ten, deutlich grösseren Platten als 1'600 cm2 eine anwendungstechnische Bera-
tung des Herstellers anzufordern, wie es im Produktinformationsblatt empfohlen
werde. Spätestens am 9. August 2004 sei somit der Klägerin und der Beklagten 1
bewusst gewesen, dass sie nicht über alle erforderlichen Informationen verfügt
hätten, um die Eignung des Produkts hinsichtlich statischer Belastbarkeit beurtei-
len zu können und dass sie eine anwendungstechnische Beratung hätten beizie-
hen müssen. Dessen ungeachtet habe die Klägerin das Produkt ausgeschrieben,
den Auftrag erteilt und die Ausführung der Arbeit veranlasst. Dafür trügen die Klä-
gerin und allenfalls die Beklagte 1 die Verantwortung. Die Beklagte 2 habe von
der Ausschreibung keine Kenntnis gehabt. Es gereiche der Klägerin und allenfalls
der Beklagten 1 zum Vorwurf, dass die Ausschreibung vorgenommen und sogar
der Zuschlag erteilt worden sei im Wissen darum, dass der Bodenaufbau von
niemandem überprüft und genehmigt worden sei und keine Systemgarantie vor-
gelegen habe. Aus dem Deckblatt des Protokolls der Planungssitzung Nr. 14 vom
19. Juli 2004 werde ersichtlich, dass die Beklagte 2 nicht eingeladen worden sei.
Sie sei auch nicht als Teilnehmerin vorgesehen gewesen, da nur diejenigen ein-
geladen worden seien, bei denen unter der Rubrik "Einladung" ein Kreuz gesetzt
- 19 -
sei. Bei der Beklagten 2 fehle ein solches. Ihr sei auch das Sitzungsprotokoll nicht
zugestellt worden, da sie weder zum Kreis der Teilnehmer noch zu den entschul-
digten zähle und nur diese Gruppen das Protokoll erhielten. Der Beklagten 2 sei
aber auch von Sitzungen, zu denen sie zwar eingeladen gewesen sei, an denen
sie aber nicht habe teilnehmen können, regelmässig kein Protokoll zugestellt wor-
den. Die Beklagte 2 sei auch an der Sitzung am 14. März 2005 nicht anwesend
gewesen und nicht eingeladen worden und habe das Protokoll nicht bekommen.
Das Protokoll dieser Sitzung beweise, dass noch im März 2005 der Bodenaufbau
(Stärken und Eigenschaften der Bodenplatten, Fugenbild, Mörtel etc.) noch immer
nicht definiert gewesen seien. Die Klägerin und die Beklagte 1 seien sich dessen
bewusst gewesen. Dementsprechend habe die Klägerin verlangt, dass nach er-
folgter Definition der Bodenaufbau noch der Beklagten 2 zur Freigabe vorgelegt
werden müsse. Dies sei jedoch nie geschehen. Das Protokoll der Planungssit-
zung vom 14. März 2005, gemäss welchem die Klägerin von der Beklagten 1 ver-
langt habe, diese müsse die Belastbarkeit der Lösung noch abklären, beweise
auch, dass der Klägerin bewusst gewesen sei, dass die Beklagte 2 keine Abklä-
rungen bezüglich statischer Belastbarkeit getroffen hatte, als sie am 5. Juli 2004
den Fax an die Beklagte 1 versandt habe. Die Klägerin habe klarerweise sorg-
faltswidrig gehandelt, falls sie allein gestützt auf den Fax der Beklagten 1 vom
9. August 2004 die Unternehmerausschreibung inklusive Leistungsverzeichnis
durchgeführt habe, obwohl sie selber gewusst habe, dass die Belastbarkeit des
Bodenaufbaus und die statischen Aspekte im Produktinformationsblatt nicht dar-
gestellt und auch nicht geprüft gewesen seien. Von einer vorbehaltlosen Empfeh-
lung der Beklagten 2, welche schlussendlich zum Schaden geführt haben solle,
könne keine Rede sein (act. 17 S. 17 ff., act. 37 S. 5, 9, 23 f., 42 f.).
3.5.2.4. Die Beklagte 2 hält ferner fest, sie habe die Trittschalldämmplatte
"F._" nur als "Zum-Beispiel-Produkt" genannt und zwar ausschliesslich unter
trittschalltechnischen Aspekten. Es sei keineswegs zutreffend, dass die "F._"
Trittschalldämmplatte generell und für alle Fälle untauglich sei. Der von den Par-
teien beigezogene Gutachter habe lediglich das System getestet, wie es auf den
Passerellen konkret erstellt worden sei. Dieses System habe aus Trittschall-
dämmplatte, Mörtel und Bodenplatte bestanden. Sollten bei diesem System selbst
- 20 -
im reinen Fussgängerbereich Abplatzungen zu verzeichnen sein, was von Seiten
der Beklagten 2 bestritten werde, so könne daraus höchstens abgeleitet werden,
dass der "F._" Trittschalldämmplatte im Zusammenhang mit genau diesem
Mörtel und diesen Bodenplatten die erforderliche Eignung abgehe. Das bedeute
aber noch lange nicht, dass das "F._" Produkt in Kombination mit einem an-
deren Mörtel und anderen Bodenplatten ebenfalls Abplatzungen begünstige. Dies
sei hier von zentraler Bedeutung, da die Beklagte 2, als sie die Skizze am 5. Juli
2004 erstellt habe, keine Kenntnis von der Bodenbelastung gehabt habe und
auch nicht gewusst habe, welcher Mörtel und welche Bodenplatten eingesetzt
werden sollten. Das allein zeige, dass die Beklagte 2 unter keinen Umständen da-
für haftbar gemacht werden könne, dass im konkreten Anwendungsfall die
"F._" Trittschalldämmplatte im Verbund mit genau diesem Mörtel, den konk-
ret ausgesuchten Bodenplatten, deren Stärke und Grösse, dem gewählten Fu-
genbild und unter den konkret auftretenden Belastungen offenbar zu wenig Fes-
tigkeit aufgewiesen haben solle. Die Beklagte 2 habe daher keine vorbehaltlose
Empfehlung abgeben können, weil ihr nicht bekannt gewesen sei, welche weite-
ren Elemente des Bodenaufbaus zur Ausführung gelangen würden (act. 37 S. 21
f.).
3.5.2.5. Schliesslich ist die Beklagte 2 der Auffassung, das Argument, sie habe
durch erhöhte und unübliche Anforderungen eine erhöhte Gefahr geschaffen,
greife nicht. Sie habe während der Projektentwicklungsphase für die Geschoss-
trenndecken Büro/Büro mit Dokument vom 13. Dezember 2003 einen Trittschall
von 55 dB vorgeschlagen. Dieser Trittschallpegel sei üblich, wenn die Nutzung ei-
ner Liegenschaft durch verschiedene Mieter nicht ausgeschlossen werden könne
und gewährleistet sein müsse, dass verschiedene Mieter sich gegenseitig nicht
akustisch störten. Die Anforderungen seien im Auftrag der damaligen Bestellerin
definiert, von dieser geprüft und für richtig befunden worden. Sie seien auch nicht
ungewöhnlich hoch gewesen, sondern bei solchen Bauten mit mehreren Nutzern
üblich. Das einzige Problem habe darin bestanden, dass im Nachhinein die Be-
klagte 1 wohl auf Geheiss der Klägerin an die Beklagte 2 herangetreten sei und
mitgeteilt habe, es sollten die Stirnhöhen der Passerellen reduziert werden, indem
der Gehbelag direkt auf die Trittschalldämmplatten aufgebracht würden. Allfällig
- 21 -
dadurch geschaffene statische Probleme der Bodenkonstruktion fielen auf die
Klägerin und die Beklagte 1 zurück (act. 17 S. 6, 15).
3.5.3. Sorgfaltspflichtverletzung durch grundsätzlich untaugliche Empfehlung
3.5.3.1. Die Klägerin begründet eine Sorgfaltspflichtverletzung der Beklagten 2
zunächst damit, dass die empfohlene Trittschalldämmplatte "F._" ihrer Mei-
nung nach für ein Büro- und Wohngebäude grundsätzlich untauglich sei und
selbst bei reiner Fussgängerbelastung zu Zerfallserscheinungen führen könne. Es
blieb aber einerseits unbestritten, dass die vorgegebenen Werte für den Tritt-
schallschutz durch die von der Beklagten 2 mit Fax vom 5. Juli 2004 vorgeschla-
gene Trittschalldämmplatte "F._" eingehalten wurden. Andererseits ist diese
Trittschalldämmplatte auch nach klägerischer Darstellung gemäss den von ihr zi-
tierten Angaben des Herstellers mit Verweisung auf das technische Merkblatt für
den Einsatz im Wohn- und Innenbereich wie hier bei den Passerellen geeignet.
3.5.3.2. Was sodann die von der Klägerin zitierte Feststellung des Herstellers aus
dem Jahr 2007 betrifft, dass bei Verwendung der Trittschalldämmplatte "F._"
das Gewicht von Transportgeräten auf 300 kg zu beschränken sei, ist festzuhal-
ten, dass dies ebenfalls nicht bedeutet, dass die Trittschalldämmplatte "F._"
für ein Büro- und Wohngebäude als grundsätzlich untauglich einzustufen wäre.
Selbstverständlich wäre eine Überprüfung der zulässigen Bodenbelastungen an-
hand der an die Passerellen gestellten Anforderungen notwendig gewesen. Zur
Frage, ob die Beklagte 2 eine Sorgfaltspflicht verletzte, weil sie diese Prüfung
nicht vornahm, wird auf die nachfolgende Erwägung 3.5.4. verwiesen.
3.5.3.3. Die möglichen Zerfallserscheinungen bei reiner Fussgängerbelastung
präzisiert die Klägerin sodann dahingehend, dass der Gutachter festgestellt habe,
dass die Trittschalldämmplatte bei der vorliegenden Konstruktionsweise unab-
hängig vom verwendeten Fugenmörtel bereits bei reiner Fussgängerbelastung zu
Abplatzungen führen könne. Es wurde dagegen nicht geltend gemacht, dass Ab-
platzungen bei reiner Fussgängerbelastung tatsächlich festgestellt worden seien.
Dabei bezieht sich die Feststellung des Gutachters aber sogar nach Darstellung
der Klägerin auf die auf den Passerellen ausgeführte Konstruktionsweise und
- 22 -
nicht auf eine grundsätzliche Verwendung der Trittschalldämmplatte "F._" in
Büro- und Wohngebäuden. Zudem behauptet die Klägerin nicht, die Trittschall-
dämmplatte "F._" sei für eine Konstruktion, bei der der Gehbelag ohne auf-
liegenden Unterlagsboden direkt aufgebracht werde, grundsätzlich nicht geeignet
und die Beklagte 2 habe daher eine für eine derartige Konstruktion grundsätzlich
ungeeignete Trittschalldämmplatte empfohlen. Im Übrigen blieb unbestritten, dass
der Bodenaufbau der Passerellen betreffend Stärken und Eigenschaften der Plat-
ten, Fugenbild, Mörtel etc. noch im März 2005 nicht definiert war, weshalb die Be-
klagte 2 bei ihrer Empfehlung im Juli 2004 diese Aspekte und damit die vorliegen-
de Konstruktionsweise nicht hätte berücksichtigen können. Schliesslich bleibt an-
zumerken, dass in dem der Klägerin damals von der Beklagten 1 zugestellten
Produkteinformationsblatt zu "F._" insbesondere bei der Verwendung von
Platten, die grösser sind als 1'600 cm2, eine anwendungstechnische Beratung des
Herstellers empfohlen war, doch die Klägerin trotz Verwendung solch grosser
Platten auf eine Beratung verzichtete. Dies tat sie, obwohl sie für dieses Produkt
keine Erfahrungswerte hatte und obwohl ihr das Produkteinformationsblatt mit der
Empfehlung der anwendungstechnischen Beratung vorlag.
3.5.3.4. Von der Empfehlung einer grundsätzlich für ein Wohn- und Bürogebäude
untauglichen Trittschalldämmplatte durch die Beklagte 2 kann daher nicht die Re-
de sein. Somit liegt unter diesem Aspekt keine Sorgfaltspflichtverletzung der Be-
klagten 2 vor.
3.5.4. Sorgfaltspflichtverletzung durch unterlassene Prüfung der Bodenbelastung
3.5.4.1. Zur geltend gemacht Sorgfaltspflichtverletzung durch Unterlassung der
Prüfung der Bodenbelastungen ist festzuhalten, dass die Beklagte 2, wie darge-
legt, nach Art. 398 Abs. 2 OR für die getreue und sorgfältige Ausführung des ihr
übertragenen Geschäfts haftet. Im Rahmen des zwischen den Parteien vereinbar-
ten Auftragsverhältnisses verpflichtete sich die Beklagte 2 insbesondere zur Bei-
hilfe und Überprüfung von Konstruktionsdetails luft- sowie trittschalltechnisch.
Nicht vereinbart wurde hingegen, dass die Beklagten 2 die Aufgabe übernimmt,
die Bodenkonstruktion auf deren Belastbarkeit hin zu überprüfen oder abzuklären,
welchen Belastungen sie stand hält (vgl. Erwägung 3.2.4.2.). Da der Beklagten 2
- 23 -
diese Aufgabe nicht übertragen wurde, stellt die Unterlassung der Prüfung der
Bodenkonstruktion auf deren Belastbarkeit hin durch die Beklagte 2 auch keine
Verletzung der Sorgfaltspflichten des ihr übertragenen Geschäfts dar, und zwar
unabhängig davon, ob dies eine Prüfung im Zusammenhang mit dem Fax vom 5.
Juli 2004, bei der Freigabe der Pläne oder bei der Ausführungskontrolle betrifft.
Eine solche Verpflichtung der Beklagte 2 wurde im Rahmen des abgeschlossenen
Auftragsverhältnisses für kein Stadium der Planung oder Bauausführung verein-
bart. Die Beklagte 2 hat somit keine Sorgfaltspflicht verletzt, weil sie die Einhal-
tung der zulässigen Bodenbelastungen durch den Bodenaufbau der Passerellen
nicht überprüft hat.
3.5.4.2. Aus diesem Grund hätte auch eine allfällige Feststellung der Beklagten 2
bei der Ausführungskontrolle, dass sie keine Freigabe für den Boden erteilt hat,
nichts geändert. Die Beklagte 2 hätte nämlich auch bei der Freigabe oder der
Ausführungskontrolle die zulässigen Bodenbelastungen nicht prüfen müssen, und
die geforderten Trittschallwerte wurden unstrittig eingehalten. Die Durchführung
der Ausführungskontrolle war entsprechend nicht geeignet, den Schaden abzu-
wenden; d.h. der hypothetische Kausalzusammenhang zum Schaden ist jeden-
falls zu verneinen (vgl. zum hypothetischen Kausalzusammenhang Erwägung
5.11.1). Daher erübrigt es sich zu prüfen, ob die Freigabe und Ausführungskon-
trolle durch die Beklagte 2 erfolgt ist.
3.5.4.3. Weiter begründet die Klägerin die Sorgfaltspflichtverletzung der Beklagten
2 damit, dass diese von der Beklagten 1 "offenbar" dazu aufgefordert worden sei,
die zulässigen Belastungen bei ihrem Vorschlag für die Trittschalldämmung auf
den Passerellen zu berücksichtigen, resp. von dieser 3 Tage vor dem Fax vom 5.
Juli 2004 veranlasst worden sei zu bestätigen, dass die Werte mit dem Produkt
eingehalten würden. Da die Beklagte 2 indessen eine derartige Aufforderung be-
streitet, hätte die Klägerin rechtsgenügend zu behaupten und zu beweisen, dass
überhaupt eine solche erfolgt ist (Art. 8 ZGB). Vorab ist aber festzuhalten, dass es
sich dabei um eine ausserhalb des Vertragsgegenstandes liegende Weisung
handeln würde und die Klägerin nicht durch Weisungen den Leistungsumfang der
Beklagten 2 erweitern kann. Eine solche Weisung wäre daher als Angebot zu ei-
- 24 -
nem neuen Vertragsschluss zu sehen, welches die Beklagte 2 annehmen oder
ablehnen konnte (ROLF H. WEBER, in: HONSELL/VOGT/WIEGAND HRSG., a.a.O., N 5
zu Art. 397 OR). Da die Klägerin jedoch nur eine ("offenbar" erfolgte) Aufforde-
rung an die Beklagte 2 durch die Beklagte 1, nicht aber eine Annahmeerklärung in
irgendeiner Form durch die Beklagte 2 geltend macht, was Voraussetzung für ei-
nen Vertragsschluss wäre (Art. 1 Abs. 1 OR), ist über das oben umschriebene
Auftragsverhältnis hinaus (vgl. Erwägung 3.2.) kein Vertrag zwischen ihr (allen-
falls vertreten durch die Beklage 1) und der Beklagten 2 über die Berücksichti-
gung der zulässigen Belastungen zustande gekommen. Zudem leitet die Klägerin
die Aufforderung an die Beklagte 2 resp. die Veranlassung der Bestätigung einzig
aus dem internen E-Mail der Beklagten 1 vom 2. Juli 2004 (act. 16/4) ab, und sie
ruft auch nur dieses E-Mail zum Beweis an (vgl. act. 26 S. 9, 39 und 45). Andere
Umstände, wann oder wie eine solche Aufforderung durch die Beklagte 1 im Vor-
feld des Faxes vom 5. Juli 2004 erfolgt sein sollte, legt die Klägerin nicht dar. Zum
E-Mail vom 2. Juli 2004 stellt die Beklagte 2 zutreffend fest, dass dieses unbestrit-
tenermassen nur intern bei der Beklagten 1 versandte E-Mail (Versand von
...@....ch an ...@....ch und an ...@....ch; act. 16/4) keine Aufforderung an die Be-
klagte 2 darstellt. Es wurde nicht an die Beklagte 2 verschickt. Sodann hat das E-
Mail vom 2. Juli 2004 folgenden Inhalt (Auszug aus act. 16/4):
Soweit in diesem E-Mail von einer Veranlassung zur Bestätigung der Einhaltung
von Werten durch Herrn H._ von der Beklagten 2 die Rede ist, bezieht sich
dies klarerweise nicht auf die im nachfolgenden Satz auch noch erwähnte Tritt-
schalldämmung, sondern dabei geht es um die Bestätigung durch Herrn H._,
dass der Unternehmer, d.h. die Firma G._, mit dem von diesem für die Un-
tersicht der Passerellen vorgeschlagenen, zuvor dargestellten System Kerami-
- 25 -
kelemente und Dämmplatten die Werte tatsächlich einhält. Nicht erwähnt wird
demgegenüber, dass die Beklagte 1 die Beklagte 2 (resp. Herrn H._) veran-
lasst oder auch nur mit dieser darüber gesprochen hätte, dass die zulässigen Be-
lastungen bei deren Vorschlag für die Trittschalldämmung auf den Passerellen
berücksichtigt werden. Vielmehr wird im E-Mail - im Anschluss an die Thematik
der Untersicht der Passerellen - zum Vorschlag betreffend Trittschalldämmung le-
diglich im Sinne einer Feststellung angemerkt, dass diese berücksichtigt würden.
Damit belegt das
E-Mail vom 2. Juli 2004 entgegen der klägerischen Darstellung nicht, dass die
Beklagte 1 die Beklagte 2 zur Berücksichtigung der zulässigen Bodenbelastungen
aufgefordert hat. Und es wird darin auch nicht festgehalten, dass die Beklagte 1
die Beklagte 2 zur Bestätigung der Einhaltung von Werten durch die Trittschall-
dämmung veranlasst hat. Eine Aufforderung der Beklagten 1 an die Beklagte 2
zur Berücksichtigung der zulässigen Bodenbelastungen bei ihrem Vorschlag be-
treffend Trittschalldämmung im Vorfeld des Faxes vom 5. Juli 2004 ist damit nicht
rechtsgenügend dargetan und bewiesen. Es ist daher nicht weiter darauf einzu-
gehen, ob aus einer solchen Aufforderung an die Beklagte 2 die Verletzung einer
vertraglichen Sorgfaltspflicht resultieren würde.
3.5.4.4. Ferner geht auch aus den von der Klägerin angerufenen Vermerken in
den Sitzungsprotokollen der Sitzungen vom 19. Juli 2004 und vom 14. März 2005
- wobei offen gelassen werden kann, ob die Beklagte 2 diese überhaupt erhalten
hat - ebenfalls keine Weisung an die Beklagte 2 zur Überprüfung der Einhaltung
der Bodenbelastungen hervor. Nach klägerischer Darstellung enthält nämlich das
Protokoll vom 19. Juli 2004 nur die Weisung an die Beklagten 1 und 2, betreffend
die Akustikisolationen der Passerellen die Materialien zu definieren und die De-
tailausbildungen aufzuzeigen, und das Protokoll vom 14. März 2005 die Anwei-
sung an die Beklagte 1, mit der Beklagten 2 den Bodenaufbau in den Passerellen
zu koordinieren und die Konstruktion abschliessend zu bestimmen sowie die Frei-
gabe durch die Beklagte 2 einzuholen. Die Beklagte 2 wurde indessen in keinem
der beiden hierzu angerufenen Protokolle dazu angehalten, eine über den ge-
schlossenen Architektenvertrag hinausgehende Aufgabe wahrzunehmen und die
Einhaltung der zulässigen Bodenbelastungen zu kontrollieren. Es erging somit
- 26 -
auch gemäss den Protokollen keine derartige, ausserhalb des vereinbarten Ver-
tragsverhältnisses liegende Weisung an die Beklagte 2. Demzufolge ist auch nicht
zu klären, ob eine solche Weisung an die Beklagte 2 eine Sorgfaltspflichtverlet-
zung hätte nach sich ziehen können oder ob die Beklagte 2 die Klägerin hätte da-
rauf hinweisen müssen, dass dies ausserhalb des vereinbarten Auftragsverhält-
nisses liegt.
3.5.4.5. Auch in dieser Hinsicht liegt keine Sorgfalts- oder Treuepflichtverletzung
der Beklagten 2 vor.
3.5.5. Erhöhte Aufklärungspflicht wegen unüblich strengen Anforderungen
3.5.5.1. Nach Darstellung der Klägerin und der Beklagten 2 war in der Planung für
den Trittschallschutz bei den Passerellen ein Wert von 55 dB vorgegeben worden.
Dieser Wert war durch die von der Beklagten 2 empfohlene Trittschalldämmplatte
einzuhalten. Die Klägerin ist nun aber der Auffassung, dabei handle es sich um
unüblich strenge Anforderungen, welche der Grund dafür gewesen seien, dass
die Beklagte die Trittschalldämmplatte "F._" vorgeschlagen habe. Nach Dar-
stellung der Beklagten waren die festgelegten Anforderungen für die vorgesehene
Nutzung üblich, und Grund für den Vorschlag von "F._" bildete die von der
Klägerin verlangte geringe Höhe des Bodenaufbaus der Passerellen.
3.5.5.2. Hierzu ist festzuhalten, dass einerseits die Anforderungen an den Tritt-
schallschutz in der Planung auf diesen Wert festgelegt wurden und sich die Be-
klagte 2 daher in ihrem Vertrag mit der Klägerin an diese Vorgabe halten musste.
Wenn die Klägerin der Auffassung gewesen wäre, die Anforderungen seien falsch
resp. zu streng gewesen, dann hätte sie deren Überprüfung veranlassen können.
Das tat sie nicht. Andererseits wurde von der Klägerin in keiner Weise dargetan,
welcher Wert ihrer Meinung nach den üblichen Anforderungen an den Trittschall-
schutz der Passerellen entsprochen hätte oder weshalb der festgelegte Wert un-
üblich wäre. Es ist auch nicht ersichtlich, dass es sich um strengere Anforderun-
gen als üblich handeln würde. Dabei geben insbesondere die in der SIA Norm
181 "Schallschutz im Hochbau" vorgegebenen Werten einen Hinweis auf die übli-
chen Anforderungen, auch wenn von den Parteien nicht vorgebracht wurde, dass
- 27 -
diese SIA-Norm bei der Planung vereinbart war. Die Ermittlung der Mindestanfor-
derungen an den Trittschallschutz für die Passerellen des Neubaus bei verschie-
denen Nutzungseinheiten - verschiedene Nutzer konnten gemäss unbestrittener
Darstellung der Beklagten 2 nicht ausgeschlossen werden - anhand der SIA-Norm
181 würde genau den in der Planung vorgegebenen Wert von 55 dB ergeben
(mässige Lärmbelastung in einem Korridor, geringe Lärmempfindlichkeit zufolge
nur kurzzeitiger Benutzung, ergibt bei einem Neubau gemäss Ziffer 3.2.2.2 und
3.2.2.3 der SIA-Norm 181 vom 1. Juni 2006 die Mindestanforderung an den
Schutz gegen Trittschall von 55 dB; denselben Wert ergibt die Ermittlung anhand
der ersetzten SIA-Norm 181 aus dem Jahr 1988, zumal in der geltenden SIA-
Norm 181 im Vergleich zur ersetzten zwar die Mindestanforderungen erhöht wur-
den, indessen im gleichen Umfang auch die Differenz zu den für Neubauten mas-
sgeblichen erhöhten Anforderungen angepasst wurde). Aus diesem Grund er-
scheint der hier für den Trittschallschutz der Passerellen im Neubau des Büro-
und Wohngebäudes ... festgelegte Wert von 55 dB nicht als unüblich.
3.5.5.3. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Klägerin zwar bestreitet, dass
der Vorschlag dieses Produkts mit einem von ihr geforderten, niedrigeren Aufbau
der Passerellen in Zusammenhang gestanden habe. Im Widerspruch dazu geht
aber auch die Klägerin davon aus, dass bei der Konstruktion der Passerellen und
der Auswahl der Trittschalldämmplatte eine geringe Einbauhöhe berücksichtigt
werden musste. Damit ist zwar nicht nachgewiesen, dass die Beklagte 1 erst kurz
vor dem 5. Juli 2004 im Auftrag der Klägerin mit dieser Vorgabe an die Beklagte 2
herantrat, gleichwohl belegt die klägerische Darstellung das Vorbringen der Be-
klagten 2, wonach für die Passerellen eine geringe Höhe des Bodenaufbaus ver-
langt wurde und zu berücksichtigen war.
3.5.5.4. Zusammengefasst waren keine unüblich strengen Anforderungen an den
Schutz gegen Trittschall festgelegt. Es kann daher offen bleiben, ob unüblich
strenge Anforderungen zu einer erhöhten Aufklärungspflicht der Beklagten 2 ge-
führt hätten. Auch hier liegt keine Sorgfaltspflichtverletzung der Beklagten 2 vor.
3.5.6. Verletzung der allgemeinen Treuepflichten durch vorbehaltlose Empfehlung
- 28 -
3.5.6.1. Schliesslich ist der Vorwurf der Klägerin zu prüfen, dass die Beklagte 2
die Klägerin durch einen Vorbehalt darauf hätte aufmerksam machen müssen,
dass sie die Bodenbelastungen nicht geprüft habe. Grundsätzlich ist zwar davon
auszugehen, dass die Klägerin, die die Funktion der Totalunternehmerin über-
nommen hatte und als Spezialistin (vgl. insbesondere des Gesellschaftszweck der
Klägerin, act. 2/1) einzustufen ist, wusste, welche Aufgaben sie der Beklagten 2
im abgeschlossenen Vertrag für den Neubau des Büro- und Wohngebäudes ...
übertragen hatte und dass die Prüfung der zulässigen Bodenbelastungen gerade
nicht dazu gehörte. Es war deshalb nicht bei jeder Beratungshandlung der Be-
klagten 2 ein Vorbehalt notwendig, dass diese nur im Umfang und Rahmen des
ihr übertragenen Geschäfts erfolgt. Der Auftragnehmer kann aber aufgrund seiner
allgemeinen Treuepflichten verpflichtet sein, den Auftraggeber über Umstände
aufzuklären, welche zur Wahrung seiner Interessen erkennbar relevant sein kön-
nen, obwohl die Abklärung dieser Risiken nicht zum eigenen vertraglichen Aufga-
benbereich gehört. Eine Aufklärung kann unterbleiben, wenn sich der Auftragge-
ber, hier also die Klägerin, der entsprechenden Umstände bewusst ist. Diese
Kenntnis führt nämlich dazu, dass ein allfälliges Versäumnis der Aufklärung für
den Schaden nicht kausal ist (BEAT MESSERLI, Aufklärungspflichten im privaten
Baurecht - Thesen und Beispiele, in: Anwaltsrevue 2008, S. 259 ff.; Urteil
4A_71/2007 des Bundesgerichts vom 19. Oktober 2007 E. 2.5).
3.5.6.2. Wie dargelegt, erfolgte weder eine ausserhalb des Auftragsverhältnisses
liegende Weisung an die Beklagte 2, die zulässigen Bodenbelastungen zu be-
rücksichtigen, noch wurde behauptet, dass die Beklagte 2 von der Klägerin oder
der Beklagten 1 auf die an die Bodenbelastung gestellten Anforderungen je hin-
gewiesen worden wäre oder dass ihr gegenüber die Anforderungen bezüglich
Nutzlasten gemäss Nutzungsvereinbarung je thematisiert worden wären. Es wur-
de ebenfalls nicht behauptet, dass die Beklagte 2 die Nutzungsvereinbarung ge-
kannt hätte. Diese Tatsache ist jedoch entgegen der Ansicht der Klägerin rele-
vant, denn die Beklagte 2 war ohne Kenntnis der Nutzungsvereinbarung über-
haupt nicht in der Lage, die Einhaltung von deren Anforderungen zu prüfen. Und
da die Anforderungen an die Bodenbleastung nicht einmal thematisiert wurden,
war für sie auch nicht erkennbar, dass es für die Wahrung der Interessen der Klä-
- 29 -
gerin relevant gewesen wäre, die Klägerin auf den Inhalt des geschlossenen Be-
ratungsvertrages hinzuweisen und darauf aufmerksam zu machen, dass sie die
Einhaltung der verlangten Bodenbelastungen nicht geprüft hat und nicht prüfen
würde. Die Relevanz eines solchen Vorbehalts war für die Beklagte 2 in keiner
Weise erkennbar, und dass sie keinen Vorbehalt anbrachte, stellt deshalb keine
Verletzung einer vertraglichen Treuepflicht dar.
3.5.6.3. Wäre die Klägerin demgegenüber irrtümlicherweise davon ausgegangen,
dass die Beklagte 2 auch die Angaben hätte liefern müssen, welche Belastungen
für die Trittschalldämmplatte "F._" zulässig sind, um diese Angaben an-
schliessend selbst anhand der Anforderungen der Nutzungsvereinbarung zu prü-
fen, dann war für die Klägerin (resp. für die Beklagte 1, die gegenüber der Beklag-
ten 2 als Vertreterin und Hilfsperson der Klägerin zu qualifizieren ist) klar ersicht-
lich, dass das Fax der Beklagten 2 vom 5. Juli 2004 (act. 2/15) keine Angaben zu
den zulässigen Bodenbelastungen enthielt. Die Klägerin hätte dann die entspre-
chenden Angaben noch bei der Beklagte 2 verlangen müssen, wäre sie davon
ausgegangen, dass diese sich zur Ermittlung derselben verpflichtet habe. Das ist
aber gerade nicht geschehen.
3.5.6.4. Ferner wusste die Klägerin gemäss ihrer eigenen Darstellung, dass sie
über keine Erfahrungswerte für die Trittschalldämmplatte "F._" verfügte und
es sich dabei um ein neues Produkt handelte. Auf diesen Umstand musste die
Beklagte 2 sie deshalb nicht zusätzlich hinweisen; die Klägerin war sich dessen
bewusst.
3.5.6.5. Damit hat die Beklagte 2 keine Treuepflicht verletzt, weil sie bei ihrer
Empfehlung keinen Vorbehalt betreffend Prüfung der zulässigen Bodenbelastun-
gen anbrachte.
3.5.7. Zusammenfassung
Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Beklagte 2 keine Sorgfalts- oder Treue-
pflicht verletzt hat. Die Voraussetzungen einer vertraglichen Haftung der Beklag-
ten 2 sind somit nicht erfüllt.
- 30 -
3.6. Fazit
Es ist kein vertraglicher Haftungsanspruch der Klägerin gegenüber der Beklagten
2 gegeben.
4. Vertrauenshaftung der Beklagten 2
4.1. Parteidarstellungen
4.1.1. Die Klägerin beruft sich gegenüber der Beklagten 2 alternativ auf einen
Anspruch aus Vertrauenshaftung. Sie führt aus, selbst wenn die Beklagte 2 ge-
genüber der Klägerin keine Beratungsaufgabe in Bezug auf den Bodenaufbau
hätte wahrnehmen müssen und deshalb keine vertragliche Haftung bestünde, hät-
ten beide Beklagten mit ihrer vorbehaltlosen Empfehlung ein Vertrauen bei der
Klägerin geweckt und damit eine Vertrauenshaftung begründet. Die Beklagte 2
habe aufgrund ihrer Beteiligung im vorliegenden Projekt in einer rechtlichen Son-
derverbindung mit der Klägerin gestanden. Aufgrund ihrer Fachkenntnisse aus
der Projektentwicklungsphase habe sie in Bezug auf die Trittschalldämmplatten
eine Empfehlung abgegeben, welche bei der Klägerin zu Recht das schutzwürdi-
ge Vertrauen geweckt habe, dass dies das richtige und insbesondere taugliche
Produkt für den Bodenaufbau sei. Die Beklagte 2 habe dann ihre Empfehlung
nicht an irgendwelche Vorbehalte geknüpft. Sie habe keinen Hinweis in ihrem Fax
angebracht, wonach das Produkt bspw. nicht in Bezug auf die statische Belast-
barkeit oder für die vorliegende Konstruktion geprüft worden sei. Im Gegenteil ha-
be die Beklagte 2 die Empfehlung noch mit einer Skizze für den Bodenaufbau
versehen, was den Anschein einer fachkundigen Empfehlung verstärkt habe. Die
Klägerin habe daher in guten Treuen davon ausgehen dürfen, dass das vorge-
schlagene Produkt zum vorausgesetzten Zweck geeignet sei. Dass dem nicht so
gewesen sei, sei erwiesen. Die Beklagte 2 habe für das Vertrauen, welches sie in
der Folge missbraucht habe, einzustehen. Abschliessend sei von Relevanz, dass
sich die Klägerin aufgrund des Umstandes, dass das Produkt sowohl von der Be-
klagten 1 als auch von der Beklagten 2 vorbehaltlos empfohlen worden sei, nicht
veranlasst gesehen habe, das Produkt im Detail zu prüfen, zumal die Auswahl
- 31 -
des Produkts im Verantwortungsbereich der Beklagten 1 gelegen habe (act. 26 S.
9, 12 ff.).
4.1.2. Die Beklagte 2 weist die Behauptung, sie habe durch ihren Fax vom 5. Juli
2004 bei der Klägerin ein Vertrauen geweckt und damit eine Vertrauenshaftung
begründet, als unzutreffend zurück. Auch habe die Vorlage einer Skizze den An-
schein einer fachkundigen Erklärung nicht noch verstärkt. Es habe sich um eine
blosse Handskizze gehandelt, die Bezeichnung "F._" sei zudem orthogra-
phisch falsch geschrieben worden und das Produkt sei im Sinne eines "Zum-
Beispiel-Vorschlages" genannt worden. Dies alles spreche klar dagegen, dass die
Skizze besonderes Vertrauen geweckt habe. Zudem sei die Skizze an eine Fach-
person, die Beklagte 1, gerichtet gewesen. Angesichts der geschilderten Eigen-
schaften der Handskizze, der fachlichen Ausrichtung der Beklagten 2 und der
Tatsache, dass sie keine Kenntnis von der Nutzungsvereinbarung gehabt habe,
habe die Klägerin zu keinem Zeitpunkt davon ausgehen können und dürfen, dass
es sich um eine Empfehlung handle, welche ebenfalls die Bereiche Bodenbelast-
barkeit und Statik abdecke. Der Klägerin sei bewusst gewesen, dass weitere Ab-
klärungen notwendig wären. Ein schützenswertes Vertrauen, dass das vorge-
schlagene Produkt zum vorausgesetzten Zweck geeignet sei, habe es zu keinem
Zeitpunkt gegeben. Die Beklagte 2 habe gemäss dem zustande gekommenen Be-
ratungsvertrag ausschliesslich eine akustische Beratungsdienstleistung erbringen
müssen. Niemand und schon gar nicht die Klägerin als professionelle Generalpla-
nerin habe davon ausgehen können, dass sich die Beklagte 2 bezüglich Boden-
konstruktion mit Fragen der statischen Tragfähigkeit und Belastbarkeit auseinan-
dersetzen würde (act. 37 S. 8, 13, 15). Weiter erhebt die Beklagte 2 gegen den
Anspruch der Klägerin die Einrede Verjährung (act. 37 S. 17).
4.2. Voraussetzungen
4.2.1. Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts bestehen für einen Anspruch
aus Vertrauenshaftung die folgenden, streng zu handhabenden Voraussetzungen:
Zunächst muss zwischen dem Schädiger und dem Geschädigten eine rechtliche
Sonderverbindung bestehen, aus welcher sich auf Treu und Glauben beruhende
Schutz- und Aufklärungspflichten ergeben. Die Beteiligten müssen also rechtlich
- 32 -
in besonderer Nähe zueinander stehen. Weiter muss im Rahmen dieser rechtli-
chen Sonderverbindung durch das Verhalten der einen Partei bei der anderen ein
schutzwürdiges Vertrauen erweckt werden. Ob sich die Erweckung berechtigter
Erwartungen der einen Partei zurechnen lässt, muss nach den gesamten Um-
ständen des Einzelfalles geprüft werden. Grundsätzlich nicht schutzwürdig ist
namentlich die Erwartung, dass eine andere Person ohne vertragliche Verpflich-
tung eine Leistung erbringe, zumal es dem Vertrauenden in aller Regel zumutbar
ist, sich durch einen entsprechenden Vertragsschluss abzusichern. Sodann wird
vorausgesetzt, dass dieses Vertrauen durch die Partei, welche es erweckt hat, in
Verletzung von Treu und Glauben enttäuscht wird, was wiederum anhand aller
Umstände des Einzelfalles festzustellen ist. Schliesslich muss der vertrauenden
Partei durch das gegen Treu und Glauben verstossende Verhalten ein Schaden
natürlich und adäquat kausal entstehen und die schädigende Partei muss ein
Verschulden treffen, welches in Analogie zu Art. 97 Abs. 1 OR vermutet wird. Sind
diese Voraussetzungen erfüllt, so hat die schädigende Partei den Schaden zu er-
setzen (vgl. zum Ganzen: GAUCH/SCHLUEP, Schweizerisches Obligationenrecht
Allgemeiner Teil, 10. Aufl. 2014, N 982e ff. m.w.H.).
4.2.2. Gestützt auf die Vertrauenshaftung ist der reine Vermögensschaden aber
nur in jenen Situationen zu ersetzen, in denen ein Vertrag fehlt und die delikti-
schen Normen versagen, die Ablehnung der Haftung aber unbillig wäre. Alsdann
hat die Ersatzpflicht den vertraglichen Haftungsmodalitäten zu folgen (GAUCH/
SCHLUEP, a.a.O., N 982l m.w.H.).
4.2.3. Die Ansprüche aus Vertrauenshaftung verjähren gemäss Rechtsprechung
des Bundesgericht nach Art. 60 OR und damit in einem Jahr von dem Tage hin-
weg, wo der Geschädigte Kenntnis vom Schaden und von der Person des Er-
satzpflichtigen erlangt hat, jedenfalls aber mit dem Ablaufe von zehn Jahren vom
Tage der schädigenden Handlung an gerechnet (BGE 134 III 390 E. 4.3.3.).
4.3. Subsumtion
4.3.1. Ein allfälliger Anspruch der Klägerin gegenüber der Beklagten 2 aus
Vertrauenhaftung wäre verjährt. Die Klägerin erlangte allerspätestens mit dem
- 33 -
gemäss klägerischer Darstellung für die Parteien verbindlichen Gutachten vom
11. November 2009 (act. 2/37) Kenntnis vom Schaden sowie von einer möglichen
Haftbarkeit der Beklagten 2 (die Mängelrüge der Klägerin datiert jedoch vom 22.
Mai 2007, act. 2/48). Eine verjährungsunterbrechende Handlung (aArt. 135 OR
resp. ab 1. Januar 2011 Art. 135 OR in Verbindung mit Art. 49 Abs. 3 SchlT ZGB)
wurde von der Klägerin für die Zeit nach Vorliegen dieses Gutachtens nicht
behauptet. Die Klageerhebung erfolgte erst mit Eingabe vom 4. Oktober 2012. In
diesem Zeitpunkt war aber die einjährige Verjährungsfrist nach Art. 60 Abs. 1 OR
in Verbindung mit Art. 49 Abs. 3 SchlT ZGB abgelaufen. Die Verjährung ist damit
vor Klageerhebung eingetreten.
4.3.2. Überdies ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen für eine Vertrauens-
haftung der Beklagten 2 ohnehin nicht gegeben sind, da ein allfälliges Vertrauen
der Klägerin in die Prüfung der zulässigen Bodenbelastungen durch die Beklagte
2 nicht schutzwürdig wäre. Es wäre der Klägerin nämlich zumutbar gewesen, sich
durch einen entsprechenden Vertragsschluss abzusichern. Die Erwartung, die
Beklagte 2 würde ohne vertragliche Verpflichtung die zulässigen Bodenbelastun-
gen prüfen, war nicht schutzwürdig.
4.4. Fazit
Es ist auch kein Anspruch der Klägerin gegen die Beklagte 2 aus Vertrauenshaf-
tung gegeben. Ausserdem wäre ein allfälliger Anspruch der Klägerin aus Vertrau-
enshaftung gegen die Beklagte 2 verjährt. Die Klage der Klägerin gegen die Be-
klagte 2 ist daher abzuweisen.
5. Vertragliche Haftung der Beklagten 1
5.1. Übersicht
5.1.1. Die Klägerin stützt ihren Anspruch auf Schadenersatz gegen die Beklagte 1
in erster Linie auf eine vertragliche Haftung infolge Verletzung der Pflichten ge-
mäss dem zwischen den Parteien geschlossenen Architektenvertrag. Dass die
Beklagte 1 zusätzliche, ausserhalb des Inhalts dieses Vertrages liegende Pflich-
ten übernommen und verletzt hätte, bringt die Klägerin dagegen nicht vor. Die
- 34 -
Beklagte 1 bestreitet einen vertraglichen Anspruch der Klägerin auf Schadener-
satz, da keine haftungsbegründenden Handlungen oder Unterlassungen ihrerseits
auszumachen seien.
5.1.2. Auf den von der Klägerin für den Eventualfall geltend gemachten Anspruch
aus Vertrauenshaftung wäre sodann im Anschluss an die Prüfung des vertragli-
chen Anspruchs einzugehen, falls sich dies noch als notwendig erweisen sollte.
5.2. Unbestrittener Sachverhalt und Zusammenfassung strittige Punkte
5.2.1. Unbestritten ist zunächst, dass die Beklagte 1 beim Projekt "Büro- und
Wohngebäude ..." bereits in der Projektentwicklungsphase für die (nicht am vor-
liegenden Prozess beteiligte) Bestellerin tätig war, und zwar als Generalplanerin.
Dabei wurde im Auftrag der Beklagen 1 die Nutzungsvereinbarung vom Juni 2004
erstellt. Der Generalplanervertrag der Beklagten 1 endete mit dem Abschluss des
TU-Vertrages zwischen der Bestellerin und der Klägerin. Im TU-Vertrag verpflich-
tete sich die Klägerin, die Planungsleistungen entsprechend den massgebenden
Normen und Standards zu planen und mängelfrei zu erstellen. Für die Erfüllung
dieser Leistungen schloss die Klägerin unter anderem mit der Beklagten 1 am 23.
September resp. 27. Oktober 2004 einen Architektenvertrag (vgl. act. 2/5). Die
Parteien vereinbarten darin die grundsätzlich subsidiäre Anwendbarkeit der Best-
immungen der SIA-Ordnung 102 (Ausgabe 2001) nach den vorgehenden Rege-
lungen in der Vertragsurkunde samt Beilagen, dem Angebot mit Leistungsbe-
schrieb der Beklagten 1 vom 12. August 2004 und der vom SIA herausgegebenen
Grundlagen zur Honorierung für das Jahr 2002 (act. 2/5 S. 2). Ein Auszug der SI-
A-Ordnung 102 (Ausgabe 2001) wurde zudem im Anhang (act. 2/5 S. 11 ff.) des
Architektenvertrages als Allgemeine Vertragsbestimmungen definiert (act. 1 S. 5
f., act. 26 S. 20; act. 15 S. 7 f.).
5.2.2. Beim Projekt "Büro- und Wohngebäude ..." kam es unbestrittenermassen
zu einem fehlerhaften Bodenaufbau bei den Passerellen des 1. bis 4. Stockwer-
kes, der sich nach der Abnahme des Werkes anhand von ausgeplatzten Fugen
der Natursteinböden sowie vereinzelten Platten mit abgebrochenen Kanten an
stark belasteten Stellen zeigte. Gestützt auf das Schiedsgutachten von Dr.
- 35 -
E._ vom 10. November 2009 (act. 2/37) legen die Klägerin und die Beklagte
1 übereinstimmend dar, dass Ursache dieser Schadhaftigkeit die eingesetzte
Trittschalldämmplatte "F._" war, die sich im Nachhinein als zu weich für die
im spezifischen Gebäude zu erwartenden Punktlasten erwiesen habe (act. 1 S. 19
f.; act. 15 S. 3, 28). Das Produkt "F._" wurde mit Fax an die Beklagte 1 vom
5. Juli 2004 durch den im Auftrag der Klägerin tätigen Bauphysiker, i.e. die Be-
klagte 2, vorgeschlagen und von der Beklagten 1 ebenso wie das von ihr selbst
besorgte Produktemerkblatt an die Klägerin weitergeleitet. Das Produktemerkblatt
erhielt die Klägerin mit Fax vom 9. August 2004 (act. 1 S. 10 f.; act. 15 S. 4). Die
Klägerin schrieb in der Folge die Trittschalldämmplatte produktspezifisch aus, oh-
ne die Anforderungen an die Bodenbelastung gemäss Nutzungsvereinbarung in
die Ausschreibung der Unternehmerleistungen oder dann in den Werkvertrag auf-
zunehmen (act. 26 S. 18, 28; act. 15 S. 17, act. 36 S. 10). Dabei sind sich die
Klägerin und die Beklagte 1 einig, dass die Klägerin diese Ausschreibung mit dem
Wissen vornahm, dass der Bodenaufbau resp. die definitive Konstruktion und Ma-
terialauswahl durch die Ausführungsplanung bestätigt werden müssten (act. 1 S.
12, act. 26 S. 30; act. 15 S. 21).
5.2.3. Unbestritten ist ferner, dass die Beklagte 1 die Trittschalldämmplatte
"F._" nicht danach überprüfte, ob deren zulässige Belastungen die Anforde-
rungen gemäss Nutzungsvereinbarung erfüllen. Abgesehen von der Weiterleitung
des Faxes der Beklagten 2 sowie einer marginalen Durchsicht des Produkte-
merkblattes und einem kurzen Telefonat mit dem technischen Dienst des Herstel-
lers vor Weiterleitung des Merkblattes an die Klägerin befasste sie sich nicht mit
dieser Trittschalldämmplatte (act. 26 S. 26; act. 15 S. 13, act. 36 S. 15). In die
Ausführungspläne nahm die Beklagte 1 dann gemäss übereinstimmender Darstel-
lung der Parteien bezüglich der Trittschalldämmplatte "F._" den Text "Sys-
tem F._ gemäss Anforderungen Bauphysik (C._) bzw. gemäss Aus-
schreibung ..." [Anmerkung des Gerichts: ... = Klägerin] auf (act. 1 S. 15; act. 15
S. 16, act. 36 S. 10).
5.2.4. Im Weiteren anerkennt die Beklagte 1, dass es sich beim E-Mail vom 22.
Mai 2007, auf welches sich die Klägerin als Rüge beruft (act. 1 S. 20), um eine
- 36 -
den inhaltlichen und formellen Voraussetzungen genügende Mängelrüge hinsicht-
lich des mangelhaften Bodenaufbaus der Passerellen im 1. bis 4. Stockwerk han-
delt (act. 36 S. 19).
5.2.5. In Bezug auf den von der Klägerin geltend gemachten Schaden akzeptiert
die Beklagte 1 unter der Prämisse, dass die Sanierung der Böden nicht mit einer
kostengünstigeren Variante hätte ausgeführt werden können, die von der Klägerin
ausgesetzten Kosten der Sanierung, wobei sie auf einen Schreibfehler der Kläge-
rin (Werklohn J._ AG CHF 80'912.80 und nicht CHF 80'921.80) aufmerksam
macht, welcher zu einer Reduktion der Summe der Sanierungskosten um
CHF 9.– führt. Anerkannt sind als Schadensposition auch die Kosten des
Schiedsgutachtens (act. 36 S. 42).
5.2.6. Strittig ist demgegenüber, welches die Pflichten der Beklagten 1 aus dem
Architektenvertrag in Bezug auf die Bodenkonstruktion der Passerellen waren und
ob sie diese verletzt hat. Auch kontrovers ist der Einwand der Beklagten 1, dass
sie auch bei Prüfung der zulässigen Bodenbelastungen der Trittschalldämmplatte
"F._" nicht hätte erkennen können, dass diese zu weich war für die geplante
Konstruktion. Bezüglich der geltend gemachten Schadenspositionen bestreitet die
Beklagte 1 sodann die Kosten der Testsanierung sowie für die Mitarbeiter der
Klägerin (act. 36 S. 42). Weiter wendet die Beklagte 1 ein, die Klägerin habe den
aus der von dieser unterlassenen Prüfung der Tauglichkeit der Trittschalldämm-
platte "F._" resultierenden Schaden alleine zu vertreten (act. 36 S. 39).
5.2.7. Es sind daher die vereinbarten Pflichten der Beklagten 1 gemäss Architek-
tenvertrag vom 23. September resp. 27. Oktober 2004 zu ermitteln, der Vertrag ist
zu qualifizieren und die anwendbaren Haftungsbestimmungen müssen geklärt
werden. Anschliessend ist zu prüfen, ob ein vertraglicher Anspruch der Klägerin
gegenüber der Beklagten 1 auf Schadenersatz gegeben ist.
5.3. Qualifikation des Architektenvertrages und Pflichten der Beklagten 1
5.3.1. Nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts ist ein Architekten-
vertrag aufgrund der darin dem Architekten übertragenen Pflichten zu qualifizie-
- 37 -
ren. Dem Werkvertragsrecht (Art. 363 ff. OR) unterstellt ist ein Architektenvertrag
etwa, wenn sich der Architekt darin zum Erstellen von Ausführungsplänen oder
Kostenvoranschlägen verpflichtet. Andere Aufgaben, wie die Arbeitsvergabe und
Bauaufsicht, werden dagegen vom Auftragsrecht (Art. 394 ff. OR) erfasst. Be-
schränkt sich der Vertrag nicht auf Arbeiten, welche nur entweder dem Werkver-
tragsrecht oder dem Auftragsrecht zuzuordnen sind, sondern umfasst er Pflichten
beider Kategorien, ist er als gemischter Vertrag mit Elementen des Auftrags und
Werkvertrages zu qualifizieren. Die Haftung des Architekten ist alsdann entspre-
chend der Natur der jeweiligen Pflicht nach den Regeln des Auftrags oder den
werkvertraglichen Regeln zu prüfen (BGE 134 III 361 E. 5.1.; BGE 127 III 543 E.
2.a) mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 4A_55/2012 vom 31. Juli
2012, E. 4.5.). Welche Pflichten der Beklagten 1 im Architektenvertrag vom 23.
September resp. 27. Oktober 2004 im Einzelnen übertragen wurden, ist zwischen
den Parteien strittig.
5.3.2. Darstellung der Klägerin
5.3.2.1. Die Klägerin macht zu den Pflichten der Beklagten 1 geltend, diese habe
sich im Architektenvertrag zur entgeltlichen Leistung der Ausschreibungs- und
Ausführungsplanung sowie in der Ausführungsphase zur gestalterischen Leitung
verpflichtet. Ausserdem habe sich die Beklagte 1 nach Ziffer 1.7 des Anhangs
zum Architektenvertrag im Rahmen dieses Aufgabenbereichs zur Gesamtleitung
gemäss Anhang Ziffer 3.4.1. verpflichtet, d.h. zur Koordination der Leistungen al-
ler Beteiligten sowie zur fachlichen und administrativen Leitung des Planerteams.
Zu den Aufgaben der Beklagten 1 habe gemäss Ziff. 4.41 der vereinbarten SIA-
Ordnung 102 (Ausgabe 2001) gehört, die Ausschreibungspläne und -unterlagen
mit den anderen Planern, wie etwa der Beklagten 2 als Bauphysikerin, abzustim-
men. Dazu gehöre insbesondere das Leiten und Koordinieren des Ausschrei-
bungsverfahrens aller Planer, das Ausarbeiten von Werk- und Detailplänen in ge-
eignetem Massstab soweit für die Ausschreibungen notwendig, das Abstimmen
mit den Ausschreibungsplänen und -unterlagen der weiteren Planer, das Überprü-
fen der Materialwahl und Konstruktionen, auch mit Spezialisten, Unternehmern
und Lieferanten (Änderungen im Einverständnis mit dem Auftraggeber), der Ein-
- 38 -
bezug von Vorschlägen der Spezialisten sowie die Erstellung eines detaillierten
Beschriebs von Materialien und Konstruktionen soweit für die Ausschreibung not-
wendig. Ausgeschlossen und durch die Klägerin selbst erbracht worden sei nur
die Ausschreibung und Vergabe ohne die Ausschreibungsplanung, welche durch
die Beklagte 1 zu erbringen gewesen sei, womit in der im Ausschluss genannten
Ausschreibung bloss noch die in der Ausschreibungsplanung definierten Kon-
struktionen in Leistungsverzeichnisse für die Unternehmer "gegossen" würden,
damit die Ausschreibung erfolgen könne, sowie der Abschluss der Werkverträge
mit den Unternehmern des TU, die Bauleitung und Kostenkontrolle, Inbetrieb-
nahme, Fachplanerteil der Dokumentation, die Leitung der Garantiearbeiten und
die Schlussrechnung (act. 1 S. 6 ff.).
5.3.2.2. Weiter führt die Klägerin aus, gemäss Ziffer 2.1 der vereinbarten SIA-
Ordnung 246 (Ausgabe 1976) habe der Architekt den gesamten Aufbau entspre-
chend der Beanspruchung und Funktion auszulegen, womit es zu den Pflichten
der Beklagten 1 gehöre, dafür zu sorgen, dass der Büroboden für den vereinbar-
ten und vorausgesetzten Gebrauch tauglich sei. Bei der Konstruktion habe die
Beklagte 1 abklären müssen, welche Belastungen erwartet würden oder üblich
seien, und gestützt darauf sei ein Bodenaufbau zu bestimmen gewesen, welcher
den erwarteten Belastungen standhalte. Bei einer Delegation dieser Arbeiten an
einen externen Planer habe die Beklagte 1 denselben über die entsprechenden
Belastungen informieren müssen (act. 1 S. 8). Das E-Mail vom 2. Juli 2004 bele-
ge, dass die Konstruktion des Bodenaufbaus und die Auswahl des Materials bei
der Beklagten 1 gelegen habe und dass sie gewusst habe, dass sie dafür verant-
wortlich sei (act. 26 S. 24). Zur Ausschreibungs- und Ausführungsplanung, welche
die Beklagte 1 entgeltlich habe erstellen müssen, habe insbesondere die Abstim-
mung mit der Beklagten 2 als Bauphysikerin im Hinblick auf den Konstruktions-
aufbau des Natursteinbodens gehört (act. 1 S. 28). Die von der Beklagten 1 zu
erbringende Ausschreibungsplanung habe die definierten Konstruktionen für den
Bodenaufbau sowie einen Hinweis zum Produkt aufweisen müssen. Es stimme
nicht, dass das Überprüfen der Materialwahl und der Konstruktionen der Klägerin
oblegen habe. Die Beklagte sei spätestens bei der Ausführungsplanung in der
Pflicht gewesen, die definitive Auswahl der Materialien und Konstruktionen festzu-
- 39 -
legen, die konstruktiven Details in Bezug auf den Bodenaufbau zu bereinigen und
den detaillierten Beschrieb der Materialien und Konstruktionen vorzunehmen (act.
26 S. 22). Auch im Protokoll vom 14. März 2005 sei festgehalten worden, dass die
Beklagte 1 die Pläne mit Definition Stärken und Fugen der Zementböden und Iso-
lationen inkl. Belastungen habe erarbeiten müssen (act. 26 S. 35 f.). Ausserdem
habe die Beklagte 1 in Bezug auf ihre Grundleistungen die Gesamtleitung inne
gehabt. Sie habe insbesondere ihre Ausschreibungs- und Ausführungspläne mit
den weiteren Planern aufeinander abstimmen müssen. Die diesbezügliche Koor-
dination habe bei ihr gelegen (act. 26 S. 21).
5.3.2.3. Die Klägerin hält zudem fest, dass im Architektenvertrag unter anderem
nach SIA-Ordnung 102 die übliche Abmahnungspflicht des Architekten in Ziffer
1.3.5 vereinbart sei sowie gemäss Ziffer 1.9 die Haftung des Architekten bei ver-
schuldet fehlerhafter Auftragserfüllung, "insbesondere bei Verletzung seiner Sorg-
falts- und Treuepflicht, bei Nichtbeachtung oder Verletzung anerkannter Regeln
seines Fachgebietes, bei mangelnder Koordination oder Beaufsichtigung (...)"
(act. 1 S. 6 f.).
5.3.3. Darstellung der Beklagten 1
5.3.3.1. Demgegenüber legt die Beklagte 1 dar, ihr sei im Rahmen des Architek-
turvertrages das Erstellen der Ausschreibungs- und der Ausführungspläne gegen
ein entsprechendes Honorar übertragen worden. Andere Leistungen im Bereich
der Ausschreibung und der Ausführungsplanung seien nicht Gegenstand des Ver-
trages gewesen. Die in Ziff. 4.41 der SIA-Ordnung 102 (Ausgabe 2001) unter den
Titeln "Ausschreibung" und "Vergabe" genannten Leistungen seien bei der Kläge-
rin verblieben. Durch die in Ziff. 4.41 der SIA-Ordnung 102 enthaltenen Zuteilun-
gen und Abgrenzungen der Leistungen würden auch die Vertragspflichten der
Beklagten 1 bestimmt (act. 15 S. 4). Die Beklagte 1 habe sich somit nicht generell
zur Leistung der Ausschreibungs- und Ausführungsplanung verpflichtet, sondern
nur die eigentliche Ausarbeitung der Ausschreibungs- und Ausführungspläne
übernommen. Insbesondere seien nach Ziff. 4.4 SIA-Ordnung 102 das für den
vorliegenden Fall entscheidende Überprüfen der Materialwahl und Konstruktionen
auf deren Tauglichkeit hin, auch mit Spezialisten, Unternehmern und Lieferanten,
- 40 -
der Einbezug von Vorschlägen von Spezialisten sowie das Erstellen eines detail-
lierten Beschriebes von Materialien und Konstruktionen soweit für die Ausschrei-
bung notwendig von der Klägerin zu erbringende Leistungen (act. 15 S. 8, 10 f.,
16). Die Prüfung der Konstruktion und Belastbarkeit habe im Verhältnis zwischen
der Klägerin und der Beklagten 1 alleine bei der Klägerin gelegen (act. 36 S. 32
f.). Die Beauftragung der Beklagten 2 als Trittschallspezialistin durch die Klägerin
dürfte gerade vor dem Hintergrund erfolgt sein, dass die Klägerin für die Überprü-
fung der Materialwahl und Konstruktion allenfalls unter Beizug von Spezialisten
zuständig gewesen sei (act. 36 S. 13). Im Hinblick auf die Ausarbeitung der Aus-
schreibungspläne, die auch das Abstimmen und Koordinieren mit den Ausschrei-
bungsplänen und -unterlagen der weiteren Planer beinhalte, sei es selbstver-
ständlich gewesen, dass die Beklagte 1 auch die vom Bauphysiker vorgesehene
Trittschalldämmung der Passerellen habe im Auge behalten müssen (act. 15 S.
13). Die Überprüfung des Bodenaufbaus sei auch nicht im Rahmen der Ausfüh-
rungsplanung Aufgabe der Beklagten 1 gewesen (act. 15 S. 21).
5.3.3.2. Ausserdem bestreitet die Beklagte 1, dass sie im Rahmen des vereinbar-
ten Architekturvertrages auch zur Ausübung der Gesamtleitung verpflichtet gewe-
sen sei. Sie hält fest, wenn die gemäss Vertrag anwendbare Ziff. 1.7 der SIA-
Ordnung 102 bestimme, dass die Aufgaben der Gesamtleitung in Ziff. 3.4.1 der
Ordnung umschrieben seien, so bedeute dies nicht, dass die Gesamtleitung der
Beklagten 1 übertragen worden sei. Sie sei im Bereich der Ausschreibung und
Ausführungsplanung nur mit der Erstellung der entsprechenden Pläne beauftragt
gewesen, mehr nicht. Ihre Leistungen seien eingebettet gewesen in die Realisie-
rung des Projektes auf der Grundlage des TU-Vertrages der Bestellerin mit der
Klägerin. Beim TU-Modell liege die Gesamtleitung in aller Regel beim TU, der
auch entscheide, welche Planerleistungen von wem erbracht werden müssten.
Der TU sorge für die Koordination der Leistungen aller Beteiligten, für die fachli-
che und administrative Leitung des Planerteams und für die Zuteilung von Aufga-
ben an dieses Team. Daraus ergebe sich, dass vorliegend die Gesamtleitung ge-
samthaft von der Klägerin zu erbringen gewesen sei. Von einer der Beklagten 1
im Architektenvertrag übertragenen Gesamtleitung könne nicht die Rede sein,
- 41 -
auch nicht im beschränkten Umfang nach dem Verständnis der Klägerin (act. 15
S. 9).
5.3.3.3. Die Beklagte 1 bestätigt die von der Klägerin zitierten Haftungsnormen
des Architektenvertrages und fügt an, dass auch Art. 1.9.14 der SIA-Norm 102 zu
zitieren sei, wonach der Architekt für die Leistung von beigezogenen selbständi-
gen Dritten, die im direkten Vertragsverhältnis zum Auftraggeber stehen, nicht
hafte (act. 15 S. 8).
5.3.4. Auslegung Architektenvertrag betreffend Pflichten der Beklagten 1
5.3.4.1. Die Pflichten der Beklagten 1 sind durch Auslegung des Architektenver-
trages und seiner Bestandteile zu ermitteln. Da die Parteien sich hierzu nicht auf
einen tatsächlich übereinstimmenden Willen berufen, ist eine normative Ausle-
gung vorzunehmen (vgl. zur normativen Auslegung Erwägung 3.2.4.1.).
5.3.4.2. Zu den vertraglichen Vereinbarungen gehören vorliegend neben der ei-
gentlichen Vertragsurkunde des Architektenvertrages vom 23. September resp.
27. Oktober 2004 die darin unter Ziffer 1 vereinbarten Vertragsbestandteile in der
aufgeführten Reihenfolge. Demnach ist für den Vertragsinhalt nach der Vertrags-
urkunde das Angebot der Beklagten 1 mit Leistungsbeschrieb vom 12. November
2003 (bereinigt am 12. August 2004), die vom SIA herausgegebenen Grundlagen
zur Honorierung für das Jahr 2002 und sodann die SIA-Ordnung 102 (Ausgabe
2001) massgebend, und Basis bildet der Planungsstand vom 6. Januar 2004. Zu-
dem wurde für die Bedeutung der verwendeten Begriffe die SIA-Ordnung 102
massgebend erklärt (act. 2/5 S. 2). Das Angebot der Beklagten 1 mit Leistungs-
beschrieb vom 12. November 2003 (bereinigt am 12. August 2004) wurde von
den Parteien nicht zu den Akten gereicht. Auch berufen sie sich zur Bestimmung
der Pflichten der Beklagten 1 nicht auf dessen Inhalt. Die Auslegung des Architek-
tenvertrages ist daher unter Anwendung des Verhandlungsgrundsatzes (Art. 55
Abs. 1 ZPO) nur anhand der von den Parteien angerufenen und eingereichten
Vertragsbestandteile vorzunehmen. Keine Geltung hat dagegen die von der Klä-
gerin genannte SIA-Norm 246, zumal diese nicht als Vertragsbestandteil aufge-
führt wird.
- 42 -
5.3.4.3. Gemäss Ziffer 2 des Architektenvertrages (act. 2/5 S. 3) übernimmt die
Beklagte 1 insbesondere in der Phase "Ausschreibung, Offertvergleich, Vergabe-
antrag" die "Ausschreibungspläne" sowie in der "Ausführungsplanung" die "Aus-
führungspläne". Andere Aufgaben werden der Beklagten 1 im Architektenvertrag
in diesen Teilphasen nicht übertragen. Gemäss den Parteiausführungen sind zu-
dem im Rahmen des vorliegenden Verfahrens für die Frage der Haftung der Be-
klagten 1 für den fehlerhaften Bodenaufbau der Passerellen im 1. bis 4. Stock-
werk nur die Aufgaben der Beklagten 1 in diesen Teilphasen relevant. Ausdrück-
lich als nicht in den Leistungen der Beklagten 1 enthalten aufgeführt werden im
Architektenvertrag "Ausschreibung und Vergabe, Werkverträge, Bauleitung und
Kostenkontrolle, Inbetriebnahme, Fachplanerteil der Doku, Leitung der Garantie-
arbeiten und Schlussrechnung" (act. 2/5 S. 3). Welche Leistungen im Einzelnen
unter den Ausschreibungsplänen zu verstehen sind, ist dem Architektenvertrag
selbst nicht zu entnehmen. Dagegen werden in Ziffer 4.41 der für die Bedeutung
der verwendeten Begriffe massgebenden SIA-Ordnung 102 (Ausgabe 2001) unter
dem Titel "Ausschreibungspläne" als Auftragsgegenstand, Beschrieb und Visuali-
sierung im Rahmen der Grundleistungen aufgelistet (act. 2/7 S. 23):
- Ausarbeiten von Werk- und Detailplänen in geeignetem Massstab, soweit sie für die Ausschreibung notwendig sind,
- Abstimmen mit den Ausschreibungsplänen und -unterlagen der weiteren .
Demgegenüber ist gemäss Ziff. 4.41 SIA-Ordnung 102 (Ausgabe 2001) Gegen-
stand der Grundleistungen der "Ausschreibung", welche gemäss Architektenver-
trag und den übereinstimmenden Ausführungen der Parteien gerade nicht als
Leistungen der Beklagten 1 vereinbart, sondern explizit davon ausgeschlossen
wurden, das Folgende (act. 2/7 S. 23; Unterstreichung durch das Gericht hinzuge-
fügt):
- Überprüfen der Materialwahl und Konstruktionen, auch mit Spezialisten,  und Lieferanten; Änderungen im Einverständnis mit dem Auftraggeber
- Einbezug von Vorschlägen der Spezialisten
- Erstellen eines detaillierten Beschriebes von Materialien und Konstruktionen, soweit für die Ausschreibungen notwendig
- 43 -
- Aufstellen der Pflichtenhefte mit den Preiseingabeformularen für die Arbeiten und Lieferungen bzw. Durchsicht der von Spezialisten erstellten  Unterlagen, Gliederung der Ausschreibungsunterlagen gemäss dem , Angabe der voraussichtlichen Ausführungstermine
- Einladung zur Ausarbeitung von Angeboten an den mit dem Auftraggeber  Kreis von Unternehmern und Lieferanten
- Orientieren der Unternehmer und Lieferanten unter Mitwirkung der Spezialisten
Unter der von der Beklagten 1 übernommenen Leistung "Ausführungspläne" sind
sodann in der SIA-Ordnung 102 (Ausgabe 2001) in Ziff. 4.51 folgende Grundleis-
tungen aufgeführt (act. 2/7 S. 25; Unterstreichung durch das Gericht hinzugefügt):
- Erstellen der Werk- und Detailpläne im geeigneten Massstab,
- Überprüfen der Pläne von Spezialisten, Unternehmern und Lieferanten und von Fabrikations- und Werkstattplänen auf die Übereinstimmung mit den ,
- Nachführen von technischen Eintragungen in den Koordinations- und  gemäss Angaben der Spezialisten, soweit dies nicht zu ihren  gehört,
- Leiten der Koordination der Installationspläne,
- Definitive Auswahl der Materialien und Konstruktionen, Apparate und  mit dem Auftraggeber,
- Bereinigen der architektonischen und konstruktiven Details,
- Bereinigen des detaillierten Beschriebes von Materialien und Konstruktionen.
Dabei ist in Ziff. 4 der SIA-Ordnung 102 eingangs festgehalten, der Beschrieb sei
keine Checkliste, sondern die Umschreibung der in der Regel zu erbringenden
Grundleistungen und allfällig besonders zu vereinbarender Leistungen (act. 2/7 S.
13). Entgegen den soeben zitierten Aufzählungen in der SIA-Ordnung 102 (Aus-
gabe 2001) führt aber die Klägerin in ihrer Darstellung auch einen Teil der dort un-
ter "Ausschreibung" aufgeführten Grundleistungen als zum Aufgabenbereich der
Beklagten 1 gehörend an. Eine derartige Aufgabenverteilung ist dem Vertrag und
den dazugehörigen Bedingungen indessen nicht zu entnehmen. Insbesondere
ergibt sich weder aus dem Zusammenhang im Vertrag noch den dargelegten,
weiteren Umständen der vertraglichen Vereinbarung eine Abweichung vom Wort-
- 44 -
laut des Vertrages samt Bedingungen. Entgegen der Ansicht der Klägerin lässt
sich überdies auch dem internen E-Mail der Beklagten 1 vom 2. Juli 2004 (act.
16/6) nicht entnehmen, dass diese davon ausgegangen wäre, dass die Berück-
sichtigung der Bodenbelastungen zu ihren Aufgaben gehört. Der Angestellte der
Beklagten 1 hält darin nämlich nur fest, dass (seiner Meinung nach) die von der
Klägerin beauftragte Beklagte 2 einen Vorschlag unter Berücksichtigung der Bo-
denbelastungen unterbreiten werde, nicht aber, dass die Beklagte 1 die Bodenbe-
lastungen prüfen müsste. Und auch daraus, dass Kontakt zwischen den beiden
Beklagten bestand, sind keine weitergehenden Pflichten der Beklagten 1 herzulei-
ten, zumal zu den Grundleistungen unter dem Titel "Ausschreibungspläne" das
"Abstimmen mit den Ausschreibungsplänen und -unterlagen der weiteren Planer"
gehört. Überdies ist der Beklagte 1 beizupflichten, dass der Vertragsschluss der
Klägerin mit der Beklagten 2 betreffend die akustische/bauphysikalische Beratung
belegt, dass es die Klägerin war, die Spezialisten zur Bestimmung der Materialien
beigezogen hat. Die Aufgaben der Beklagten 1 sind demnach auch unter Berück-
sichtigung dieser Umstände nur die im Architektenvertrag genannten und anhand
der Umschreibung der SIA-Ordnung 102 (Ausgabe 2001) näher umschriebenen.
Damit ist insbesondere entgegen der Klägerin (act. 26 S. 20) gemäss der an-
wendbaren Ziff. 4.41 der SIA-Ordnung 102 (Ausgabe 2001) unter dem von der
Klägerin verwendeten Begriff "Leistungen der Ausschreibungs- und Ausführungs-
planung" und dem "Ausarbeiten dieser Pläne" nicht das Gleiche zu verstehen.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass gemäss dem Architekturvertrag die
Pflichten der Beklagte 1 nur die Ausschreibungspläne und die Ausführungspläne
waren im Umfang der in der SIA-Ordnung 102 (Ausgabe 2001) unter diesen Auf-
gaben umschriebenen Leistungen. Sowohl das Überprüfen der Materialwahl und
Konstruktionen, auch mit Spezialisten, als auch die Erstellung eines detaillierten
Beschriebes von Materialien und Konstruktionen hat die Beklagte 1 dagegen nicht
übernommen; diese Aufgaben verblieben im Rahmen der "Ausschreibung" von
der Klägerin zu erbringende Leistungen. Es war demnach auch an der Klägerin,
die von ihr angeführten Umstände (act. 26 S. 25 f.), insbesondere die Anforde-
rungen gemäss Nutzungsvereinbarung sowie die Angaben im Produktemerkblatt
- 45 -
"F._", bei der Überprüfung der Materialwahl und Konstruktionen zu berück-
sichtigen.
5.3.5. Etwas anderes lässt sich auch der von der Klägerin hierzu noch angerufe-
nen Stelle im Sitzungsprotokoll vom 14. März 2005 nicht entnehmen. Im Gegen-
teil wird die Beklagte 1 dort entsprechend ihren soeben dargelegten Aufgaben
angewiesen, die Pläne zu erarbeiten unter Einbezug der Definition Stärken und
Fugen der Zementböden und Isolationen inkl. Belastungen. Von einer Anweisung
zur Überprüfung der Konstruktion ist dem Protokoll dagegen nichts zu entneh-
men.
5.3.5.1. Weiter ist strittig, ob der Beklagten 1 im Rahmen ihrer Aufgaben, dem-
nach im Zusammenhang mit den Ausschreibungs- und Ausführungsplänen, auch
die Gesamtleitung übertragen wurde. In der SIA-Ordnung 102 wird bei den ein-
zelnen Phasen und den darin vorzunehmenden Arbeiten unter Ziff. 4. jeweils un-
ter dem Titel "Organisation" auf Ziffer 3.4.1 der SIA-Ordnung 102, d.h. die Ge-
samtleitung, verwiesen. Im Rahmen der Ausschreibung würde zur Aufgabe Orga-
nisation "insbesondere Leiten und Koordinieren des Ausschreibungsverfahrens
aller Planer" gehören. Die Beklagte 1 hat indessen im Architektenvertrag nur ein-
zelne, bestimmte Aufgaben aus den in den Teilphasen aufgeführten Aufgaben
übernommen. Nicht genannt wird im Architektenvertrag der Parteien unter den
Aufgaben der Beklagten 1 die "Organisation" oder die in der SIA-Ordnung 102 bei
den einzelnen Teilphasen unter Organisation als Grundleistungen im Speziellen
genannten Leistungen, d.h. hier "Leiten und Koordinieren des Ausschreibungsver-
fahrens aller Planer". Auch ist kein Verweis auf die Gesamtleitung gemäss Ziff.
3.4.1 der SIA-Ordnung 102 unter den Leistungen der Beklagten 1 im Architekten-
vertrag unter Ziff. 2.1 (act. 2/5) aufgeführt. Da aber die Beklagte 1 von der Kläge-
rin nur als Spezialistin für bestimmte Aufgaben beigezogen wurde, hätten auch
Aufgaben der Gesamtleitung im Architektenvertrag explizit vereinbart sein müs-
sen, ansonsten sie von der Klägerin als TU zu erbringen waren. In dieser Hinsicht
ist die vereinbarte Reihenfolge der Vertragsbestandteile entscheidend, gemäss
welcher die Vertragsurkunde den Bestimmungen der SIA-Ordnung 102 vorgeht.
Demnach hat die Beklagte 1 keine Aufgaben der Gesamtleitung übernommen.
- 46 -
Hingegen gehörte es zu den Aufgaben der Beklagten 1 unter dem Titel "Aus-
schreibungspläne", ihre Pläne mit den Ausschreibungsplänen und -unterlagen der
weiteren Planer abzustimmen.
5.3.5.2. Im Rahmen der von der Beklagten 1 übernommenen Pflicht zur Erstellung
der Ausführungspläne hatte sie sodann insbesondere mit dem Auftraggeber die
definitive Auswahl der Materialien und Konstruktionen vorzunehmen sowie die
architektonischen und konstruktiven Details und den detaillierten Beschrieb von
Materialien und Konstruktionen zu bereinigen.
5.3.5.3. Anzumerken ist, dass die Klägerin nicht geltend macht, die Beklagte 1
habe später zusätzliche, ausserhalb des Architektenvertrages liegende Aufgaben
übernommen oder der Aufgabenbereich der Beklagten 1 habe sich verschoben.
Die Klägerin macht nur eine Haftung wegen Verletzung der gemäss dem Architek-
tenvertrag von der Beklagten 1 übernommen Pflichten geltend. Auf die Bestrei-
tungen der Beklagten 1 in Bezug auf eine Aufgabenverschiebung muss daher
nicht weiter eingegangen werden.
5.3.6. Qualifikation des Vertrages
5.3.6.1. Die der Beklagten 1 im Rahmen der Teilphase "Ausschreibung" gemäss
Ziff. 4.4 SIA-Ordnung 102 (Ausgabe 2001) übertragenen Aufgaben der Erstellung
der Werk- und Detailpläne im geeigneten Massstab und des Überprüfens der Plä-
ne von Spezialisten, Unternehmern und Lieferanten und von Fabrikations- und
Werkstattplänen auf Übereinstimmung mit den Architektenplänen sind nach herr-
schender Lehre und Rechtsprechung unter die werkvertraglichen Normen (Art.
363 ff. OR) zu subsumieren. Demgegenüber sind die der Beklagten 1 in der Teil-
phase "Ausführungsplanung" gemäss Ziff. 4.51 SIA-Ordnung 102 (Ausgabe 2001)
übertragenen Aufgaben teilweise als Werkvertrag (insbesondere das Erstellen der
Werk- und Detailpläne im geeigneten Massstab; Art. 363 ff. OR) und teilweise als
Auftrag (insbesondere die definitive Auswahl der Materialien und Konstruktionen
mit dem Auftraggeber; Art. 394 ff. OR) zu qualifizieren. Insgesamt handelt es sich
beim Architektenvertrag der Klägerin und der Beklagten 1 somit um einen ge-
mischten Vertrag, auf den je nach Aufgabe der Beklagten 1 die Bestimmungen
- 47 -
des Werkvertrages oder des Auftrages Anwendung finden, soweit die Parteien
keine abweichenden, individuellen Abreden getroffen haben.
5.3.6.2. Zu den anwendbaren Haftungsnormen ist auf die von den Parteien zitier-
ten und angerufenen Spezialbestimmungen in Ziff. 1.9.1 der SIA-Ordnung 102
hinzuweisen, welche auch in den Anhang des Architektenvertrages übernommen
wurden. Diese sind bei der Prüfung der Voraussetzungen einer vertraglichen Haf-
tung der Beklagten 1 zu berücksichtigen und lauten wie folgt (vgl. act. 2/5 S. 12
und act 2/7 S. 8):
".1 Haftung des Architekten
.11 Bei verschuldet fehlerhafter Auftragserfüllung hat der Architekt dem  den dadurch entstandenen Schaden zu ersetzen. Dies gilt insbesondere bei Verletzung seiner Sorgfalts- und Treuepflicht, bei Nichtbeachtung oder  anerkannter Regeln seines Fachgebietes, bei mangelnder Koordination oder Beaufsichtigung, bei ungenügender Kostenerlassung sowie bei  von verbindlich vereinbarten Fristen oder Terminen.
.12 Wo die Erreichung der Ziele des Auftraggebers von Umständen abhängt, die nicht der Architekt zu vertreten hat, kann ihm das Nicht-Erreichen eines Ziels des Auftraggebers infolge dieser Umstände nicht zur Last gelegt werden. Dies gilt insbesondere auch für die nicht sicher voraussehbaren Entscheide von , etwa betreffend die Erteilung von Bewilligungen oder Krediten.
.13 Für die Leistungen von beigezogenen selbständigen Dritten, die im direkten Vertragsverhältnis zum Auftraggeber stehen, haftet der Architekt nicht.
.14 Für die Tätigkeiten von Dritten, die er selber beigezogen hat, haftet der  gemäss Art. 101 Obligationenrecht.
.15 Verlangt der Auftraggeber entgegen der Abmahnung des Architekten den  eines bestimmten Dritten, haftet der Architekt lediglich für gehörige  und Überwachung des Dritten."
5.3.6.3. Ausserdem erscheint vorliegend die in Ziff. 1.3.51 der vereinbarten SIA-
Ordnung 102 explizit umschriebene Abmahnungspflicht des Architekten, die
ebenfalls in den Anhang des Architektenvertrages aufgenommen wurde und von
der Klägerin angerufen wird (act. 1 S. 6), relevant (vgl. act. 2/5 S. 10 und act. 2/7
S. 6):
- 48 -
".51 Der Architekt hat den Auftraggeber auf Folgen seiner Weisungen,  hinsichtlich Terminen, Qualität und Kosten, aufmerksam zu machen und  Anordnungen und Begehren abzumahnen. Beharrt der  trotz Abmahnung auf seiner Weisung, ist der Architekt für deren Folgen nicht verantwortlich. Für die Abmahnung wird die Schriftform empfohlen."
5.4. Voraussetzungen der vertraglichen Haftung
5.4.1. Die auf die vertragliche Haftung der Beklagten 1 anwendbaren Bestimmun-
gen hängen davon ab, welche der vereinbarten Aufgaben sie verletzt haben soll;
je nach Natur der entsprechenden Aufgabe sind die Haftungsnormen des Werk-
vertrags- oder des Auftragsrechts anwendbar (vgl. dazu Erwägung 5.3.1.).
5.4.2. Die Klägerin macht jedoch keinen Mangel an den von der Beklagten 1 zu
erstellenden Plänen oder betreffend der im Architektenvertrag vereinbarten
Aufgaben werkvertraglicher Natur der Beklagten 1 geltend. Es sind daher im
Folgenden keine Ansprüche der Klägerin gestützt auf die Normen des
Werkvertragsrechts (Art. 368 OR) zu prüfen.
5.4.3. Bezüglich der Voraussetzungen der Haftung des Beauftragten nach Art. 97
Abs. 1 i.V.m. Art. 398 Abs. 2 OR wird auf Erwägung 3.4. verwiesen, wobei die
eben zitierten Spezialbestimmungen zur Haftung des Architekten und zur Abmah-
nungspflicht zu beachten sind (Erwägung 5.3.5.2 und 5.3.5.3.).
5.4.4. Auf die von der Klägerin behaupteten Pflichtverletzungen der Beklagten 1
wird nachfolgend im Einzelnen einzugehen sein.
5.5. Verzug der Beklagten 1 mit der Planlieferung
5.5.1. Zunächst ist aber kurz der von der Klägerin überdies behauptete Verzug
der Beklagten 1 mit der Planlieferung zu thematisieren. Die Klägerin führt nämlich
aus, die Beklagte 1 sei nicht in der Lage gewesen, die Ausschreibungspläne für
die Ausschreibung durch die Klägerin rechtzeitig zu liefern. Die Klägerin habe die
verspätete Planlieferung mehrfach gemahnt. Da die Beklagte 1 nicht in der Lage
gewesen sei, die Ausschreibungspläne rechtzeitig zu liefern und die Klägerin über
- 49 -
den Bodenaufbau bloss per Fax informiert habe, sei die Klägerin zur Vermeidung
von Verzögerungen beim Bauablauf und damit von weiterem Verzugsschaden
gezwungen gewesen, am 7. September 2004 die Ausschreibung der Unterneh-
mer-Submission bezüglich Konstruktion des Natursteinbodens der Passerellen
gestützt auf die vorliegenden Informationen durchzuführen. Für die Position ... das
"Liefern und Aufbringen einer "F._"-Trittschall-Dämmplatte, mm 11.5 stark"
seien die Angaben der Beklagten 1 übernommen worden. Dieses pragmatische
Vorgehen und der Zuschlag an die Subunternehmerin sei jedoch im Wissen da-
rum erfolgt, dass die Beklagte 1 die definitive Konstruktion in der folgenden Aus-
führungsplanung werde nachreichen müssen (act. 1 S. 11 ff.).
5.5.2. Im Gegensatz dazu hält die Beklagte 1 fest, die von der Klägerin immer
wieder monierten Planlieferungen hätten nicht den Bodenaufbau betroffen. Im Üb-
rigen sei für die Definition des Bodenaufbaus die Angabe der Schichten gemäss
Schnittschema und ein entsprechender Text völlig ausreichend (act. 15 S. 5).
5.5.3. Die Klägerin macht nicht geltend, der eingetretene Schaden sei eine Folge
des behaupteten Verzugs der Beklagten 1 mit der Planlieferung in der Ausschrei-
bungsphase. Da die Klägerin somit ihren eingeklagten Anspruch gegen die Be-
klagte 1 nicht auf den behaupteten Verzug stützt, ist darauf nicht weiter einzuge-
hen.
5.6. Unterlassene Überprüfung der Materialwahl und des Konstruktionsaufbaus
des Passerellenbodens
5.6.1. Die Klägerin macht im Speziellen geltend, die Beklagte 1 habe die von ihr
im Architekturvertrag in der Phase der Ausschreibung übernommene Pflicht der
Überprüfung der Materialwahl und des Konstruktionsaufbaus in Bezug auf die
Bodenbelastungen des Passerellenbodens verletzt, da sie keine solche Überprü-
fung vorgenommen habe. Zudem sei die Beklagte 1 in der Pflicht gewesen, den
detaillierten Beschrieb der Materialien und Konstruktionen vorzunehmen (act. 1 S.
25 f., 31, act. 26 S. 22, 27 f., 30).
- 50 -
5.6.2. Die Beklagte wendet dagegen ein, die in der klägerischen Darstellung der
Beklagten zugedachten Sorgfaltspflichten würden den vertraglich definierten Auf-
gabenbereich der Klägerin betreffen. Ihr sei das Überprüfen der Materialwahl und
der Konstruktionen oblegen. Dies gelte auch für die zur Diskussion stehende
Trittschalldämmplatte (act. 15 S. 6, 11, 18).
5.6.3. Die Beklagte 1 bestreitet die Unterlassung der Überprüfung der Material-
wahl und des Konstruktionsaufbaus des Passerellenbodens als haftungsbegrün-
dende Pflichtverletzung zu Recht. Bekanntlich hatte die Beklagte 1 gemäss Aus-
legung des Architektenvertrages (vgl. Erwägung 5.3.4.) die Pflicht, die Material-
wahl und Konstruktionen allenfalls mit Spezialisten zu überprüfen, gerade nicht
übernommen, sondern diese Aufgabe gehörte zu den von der Klägerin explizit
selbst auszuführenden Grundleistungen der "Ausschreibung". Die Beklagte 1
musste daher im Rahmen der Ausschreibungsphase die Materialwahl und Kon-
struktionen nicht überprüfen, und sie verletzte keine vertragliche Pflicht, indem sie
eine solche Prüfung unterliess. Daran ändert auch der von der Klägerin angerufe-
ne Umstand, dass die Beklagte 1 die Nutzungsvereinbarung kannte (act. 1 S. 5,
act. 26 S. 23), nichts.
5.6.4. Was etwaige Weisungen der Klägerin gemäss den Protokollen der Pla-
nungssitzungen in Bezug auf den Passerellenboden anbelangt (vgl. dazu die Par-
teiausführungen unter act. 1 S. 13 ff. und act. 26 S. 9 f. resp. act. 15 S. 32 und
act. 36 S. 38), so ist festzuhalten, dass eine Weisung der Klägerin zur Überprü-
fung der Materialwahl und Konstruktion des Passerellenbodens an die Beklagte 1
ausserhalb des Inhalts des Architektenvertrages liegen würde. Die Missachtung
einer solchen Weisung könnte daher nicht zu einer Verletzung der im Architekten-
vertrag übernommen Pflichten führen. Die Klägerin stützt aber einen vertraglichen
Anspruch gegen die Beklagte 1 nur auf den Architektenvertrag und macht nicht
geltend, dass die Beklagte 1 durch Annahme von ausserhalb dieses Vertrages
liegenden Weisungen zusätzlich diese Pflicht übernommen und einen ihre Pflich-
ten ergänzenden Vertrag mit der Klägerin geschlossen hätte. Eine Pflichtverlet-
zung durch Missachtung einer etwaigen derartigen Weisung ist daher nicht weiter
- 51 -
zu prüfen. Ob allenfalls eine Abmahnungspflicht der Beklagten 1 ausgelöst wurde,
ist im Folgenden noch zu thematisieren.
5.6.5. Unter diesem Titel besteht daher kein vertraglicher Anspruch der Klägerin
gegen die Beklagte 1. Damit erübrigt sich auch, auf den von der Beklagten 1 zu
ihrer Entlastung angerufenen (act. 36 S. 21, 23, 33) Umstand einzugehen, dass
es für sie gar nicht möglich gewesen wäre, die Untauglichkeit der Trittschall-
dämmplatte für die vorliegende Konstruktion zu erkennen.
5.7. Vorbehaltlose Weiterleitung des Faxes der Beklagten 2 und des Produkt-
merkblattes
5.7.1. Als Pflichtverletzung der Beklagten 1 macht die Klägerin ausserdem gel-
tend, die Beklagte 1 hätte den Fax der Beklagten 2 sowie das Produktmerkblatt
"F._" nicht vorbehaltlos an die Klägerin weiterleiten dürfen. Die Beklagten 1
und 2 seien unter Traktandum 3.2.2. des Protokolls der Planungssitzung vom 19.
Juli 2004 angewiesen worden, betreffend die Akustikisolationen der Passerellen
die Materialien zu definieren und die Detailausbildungen aufzuzeigen (act. 1 S.
11). Die Beklagte 1 sei verpflichtet gewesen, den gesamten Aufbau des Bodens
entsprechend der Beanspruchung und Funktion in den Plänen auszulegen und
die entsprechenden Anforderungen einzuhalten. Im vorliegenden Nutzungsumfeld
sei mit Personenverkehr, Reinigungsfahrzeugen sowie mit Transporten von
schweren Lasten bei Bau-, Einrichtungs- und Umbauphase zu rechnen gewesen,
was die Beklagte 1 selbst gewusst habe. Zudem sei in der Ausführungsplanung
ein Warenlift mit einer Nutzlast von 2'000 kg vorgesehen gewesen. Das Merkblatt
habe auf Seite 2 darauf hingewiesen, dass "F._" nur im Wohn- und Innenbe-
reich eingesetzt und nicht bei mechanisch hoch belasteten Belägen und noch zu
schleifenden Naturwerksteinbelägen verwendet werden dürfe. Die Beklagte 1 ha-
be daher höchste Zweifel am geplanten Einsatz haben müssen. Indem sie das
Produkt der Klägerin vorbehaltlos weiterempfohlen habe, habe sie ihre Sorgfalts-
pflichten verletzt bzw. den Vertrag mangelhaft erfüllt (act. 26 S. 25 f.).
5.7.2. Die Beklagte 1 wendet dagegen ein, sie habe das Produkt gerade nicht
vorhaltlos empfohlen, was sich darin zeige, dass sie die Faxmitteilung der Beklag-
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ten 2 an die Klägerin weitergeleitet und in den Ausschreibungs- und Ausfüh-
rungsplänen den Vorbehalt/Hinweis angebracht habe, dass die Trittschallmatte
dem Vorschlag der Beklagten 2 und der Ausschreibung der Klägerin entspreche
(act. 36 S. 33). Das Traktandum 3.2.2. gemäss Protokoll der Planungssitzung
vom 19. Juli 2004 habe mit der Trittschalldämmung der Natursteinböden nichts zu
tun. Es sei dort um die Raumakustik und die entsprechenden Massnahmen an
den Deckenuntersichten der Passerellen gegangen (act. 15 S. 19). Im Rahmen
der Ausarbeitung der Ausschreibungspläne und dem darin enthaltenen Abstim-
men und Koordinieren mit den Ausschreibungsplänen und -unterlagen der weite-
ren Planer sei es selbstverständlich gewesen, dass die Beklagte 1 die Trittschall-
dämmung der Passerellen habe im Auge behalten müssen und daher mit dem
Bauphysiker Kontakt gehabt habe. Selbst wenn es gewisse Äusserungen oder
Kundgaben der Beklagten 2 an die Beklagte 1 gegeben habe, sei dies nicht auf-
grund eines Auftrages der Beklagten 1 erfolgt, sondern im Rahmen der Tätigkeit
der Beklagten 2 für die Klägerin. Von Bedeutung sei, dass der Ingenieurvertrag
betreffend die bauphysikalische / akustische Beratung zwischen der Klägerin und
der Beklagten 2 abgeschlossen worden sei (act. 15 S. 12 f.). Die Beklagte 1 habe
an sich davon ausgehen können, mit dem Produktvorschlag "z.Bsp. F._"
werde allen Anforderungen genüge getan, auch im Zusammenhang mit den zu-
lässigen bzw. vorgeschriebenen Bodenbelastungen. Immerhin habe ihr Mitarbei-
ter noch mit dem technischen Dienst des Herstellers telefoniert und gegen den
Einsatz von "F._" im Bürohaus seien keine Einwände erhoben worden. Auch
habe er das Produktemerkblatt erhalten. Keine Zweifel hätten auch aufgrund der
Kenntnisse über die Herstellerfirma als weltweit tätiger Baustoffspezialist und der
im Internet schon damals dokumentierten Verwendung des Produkts auch in Bü-
robauten aufkommen müssen. Die Beklagte 1 habe das Produktemerkblatt dann
der Klägerin zukommen lassen. Auch dieses sei nicht angetan gewesen, Zweifel
am geplanten Einsatz der Schalldämmplatte in einem Geschäftshaus aufkommen
zu lassen. Diese Einsatzmöglichkeit sei im Prospekt ausdrücklich vorgesehen. Mit
der dargelegten, marginalen Befassung mit dem Produkt seien die Vertragspflich-
ten sorgfältig erfüllt worden (act 15 S. 13 ff.). Das Produktemerkblatt sei der Klä-
gerin mit Fax vom 9. August 2004 zugestellt worden. Für die Klägerin habe kein
- 53 -
Anlass bestanden, die kommentarlose Übermittlung dieses Dokuments als gesi-
cherte Mitteilung eines auf die Tauglichkeit hin überprüften Produktes aufzufassen
(act. 15 S. 20). Die Nutzungsvereinbarung sei der Klägerin ebenfalls bekannt ge-
wesen. Es habe an ihr gelegen, die daraus sich ergebenden Schlüsse zu ziehen
und insbesondere die zu erwartenden Bodenbelastungen mit Bezug auf den Kon-
struktionsaufbau und die Wahl der zu verwendenden Produkte zu überprüfen oder
überprüfen zu lassen (act. 15 S. 11).
5.7.3. Der Vertrag über die bauphysikalische Beratung wurde unbestrittenermas-
sen zwischen der Klägerin und der Beklagten 2 geschlossen. Die Beklagte 2 war
daher im Verhältnis zur Beklagten 1 ein von der Klägerin beigezogener selbstän-
diger Dritter, der im direkten Vertragsverhältnis zur Klägerin stand. Die Beklagte 1
haftet daher gemäss der in den Anhang des Architektenvertrages aufgenommen
Ziff. 1.9.13 der SIA-Ordnung 102 nicht für die Beklagte 2 und ist für deren Hand-
lungen nicht verantwortlich. Dass das Fax der Beklagten 2 an die Beklagte 1 ge-
sandt und sodann von ihr an die Klägerin weitergeleitet wurde, hatte einzig den
Grund, dass die Beklagte 1 gemäss den übereinstimmenden Darstellungen der
Parteien verpflichtet war, die Ausschreibungspläne mit den Unterlagen der weite-
ren Planer zu koordinieren und in diese die Konstruktionen für den Bodenaufbau
sowie einen Hinweis zu den Produkten aufzunehmen (vgl. auch act. 26 S. 22).
Diese Aufgabe ist indessen nicht zu verwechseln mit der Überprüfung der Kon-
struktionen und der Materialwahl, und die Beklagte 1 hatte auch nicht die Aufga-
be, die Vertragserfüllung durch die Beklagte 2 zu kontrollieren. Sie konnte daher
das Fax der Beklagten 2 vom 2. Juli 2004 kommentarlos an die Klägerin weiterlei-
ten und war nicht gehalten, dieses mit einem Vorbehalt zu versehen. Dabei han-
delt es sich nicht um eine Pflichtverletzung der Beklagten 1.
5.7.4. Auch verletzte die Beklagte 1 keine Sorgfaltspflicht, weil sie das Produkte-
merkblatt "F._" am 9. August 2004 vorbehaltlos an die Klägerin weiterleitete.
Soweit die Klägerin geltend macht, aufgrund des Merkblattes habe die Beklagte 1
in Kenntnis des zu erwartenden Nutzungsumfeldes und der Nutzungsvereinba-
rung höchste Zweifel am Einsatz des Produktes haben müssen, trifft dieser Vor-
wurf die Klägerin selbst. Die Überprüfung der Konstruktionen und Materialwahl
- 54 -
war Aufgabe der Klägerin. Indem die Beklagte 1 das von ihr beim Hersteller ange-
forderte Produktemerkblatt an die Klägerin übermittelte, sie damit darauf aufmerk-
sam machte, dass ein solches existiert, und ihr den Inhalt zur Kenntnis brachte,
erfüllte die Beklagte 1 ihre Sorgfaltspflicht aus dem Architektenvertrag. Sie wies
die Klägerin damit auf die von ihr in Erfahrung gebrachten Eigenschaften des
Produktes "F._" hin.
5.7.5. Die Beklagte 1 hatte im Zeitpunkt der Zustellung des Produktemerkblattes
auch keinen Anlass zu einer Abmahnung der Klägerin nach Ziff. 1.3.51 der ver-
einbarten SIA-Ordnung 102 in Bezug auf den Passerellenboden, da keine An-
haltspunkte dafür bestanden, dass die Klägerin ihren Pflichten im Rahmen der
Ausschreibung - dazu gehörte die Überprüfung der Materialwahl und Konstruktio-
nen - nicht nachkommen würde. Namentlich Traktandum 3.2.2. des Protokolls der
Sitzung vom 19. Juli 2004 war nicht berufen, als unzweckmässiges Begehren der
Klägerin eine Abmahnungspflicht der Beklagten 1 zu bewirken. Die dort unter der
Überschrift "Akustikisolationen Passerellen" und mit dem Hinweis "In den Scha-
lungsplänen sind Bretteinlagen geplant, damit die Akustikdecken nachträglich
ausgeführt werden können" (Hervorhebung durch das Gericht) vermerkte Auffor-
derung an die Beklagten 1 und 2 "Es ist, in Zusammenarbeit mit dem Bauphysi-
ker, die Definition der Materialien und Detailausbildungen aufzuzeigen und vorzu-
stellen" bezog sich, wie die Beklagte 1 richtig einwendet, gemäss dem entspre-
chenden Hinweis im Protokoll auf die Akustikdecken und nicht auf den Passerel-
lenboden. Zudem wird nicht zur Überprüfung der Materialien aufgefordert.
5.7.6. Damit zieht auch die vorbehaltlose Weiterleitung des Faxes der Beklagten 2
und des Produktmerkblattes keine Sorgfaltspflichtverletzung der Beklagten 1 nach
sich.
5.8. Einholen der Freigabe der Beklagten 2
5.8.1. Die Klägerin macht ferner geltend, die Beklagte 1 habe ihre vertraglichen
Pflichten verletzt, indem sie entgegen der erneuten Weisung der Klägerin gemäss
Protokoll der Planungssitzung vom 14. März 2005 bei der Beklagten 2 die Freiga-
- 55 -
be für den Bodenaufbau nicht eingeholt habe, und darin sei eine grobe Sorgfalts-
pflichtverletzung der Beklagten 1 zu sehen (act. 1 S. 14 ff.).
5.8.2. Die Beklagte 1 bestreitet eine derartige Pflichtverletzung und hält fest, sie
sei von der Klägerin zu keinem Zeitpunkt konkret darum ersucht oder angewiesen
worden, die Einsatzmöglichkeiten von "F._" zu überprüfen. Jedenfalls ist
nach Ansicht der Beklagten 1 nicht von Belang, ob die Freigabe der Beklagten 2
eingeholt wurde oder nicht. Die Klägerin habe allein zu vertreten, dass das für den
konkreten Einsatz untaugliche Produkt verwendet worden sei (act. 15 S. 27).
5.8.3. Eine allfällige Sorgfaltspflichtverletzung der Beklagten 1 allein genügt nicht,
um einen Haftungsanspruch zu begründen, sondern vorausgesetzt wird auch der
natürliche und adäquate Kausalzusammenhang zwischen dieser Sorgfaltspflicht-
verletzung und dem Schaden. Dabei ist bei der Prüfung der Adäquanz auch das
rechtmässige Alternativverhalten zu berücksichtigen, also der Einwand, der glei-
che Schaden wäre auch dann eingetreten, wenn die verletzte Rechtspflicht erfüllt
worden wäre (GAUCH/SCHLUEP, a.a.O., N 2956). Unter Verweis auf Erwägung
3.5.4. ist festzuhalten, dass die Beklagte 2 auch für den Fall der Einholung einer
Freigabe durch die Beklagte 1 die zulässigen Bodenbelastungen nicht hätte be-
rücksichtigen müssen, sondern nur die trittschalltechnischen Aspekte geprüft und
freigegeben hätte. Der eingetretene Schaden wäre somit durch das Einholen der
Freigabe der Beklagten 2 nicht abgewendet worden. Der adäquate Kausalzu-
sammenhang zwischen der fehlenden Freigabe durch die Beklagte 2 und dem
eingetretenen Schaden ist daher zu verneinen. Aus diesem Grund ist weder zu
prüfen, ob die Einholung der Freigabe der Beklagten 2 zu den vertraglichen
Pflichten der Beklagten 1 gehörte, noch ob sie von der Klägerin dazu aufgefordert
wurde und es sorgfaltswidrig unterliess.
5.8.4. Auch unter diesem Aspekt ist kein Schadenersatzanspruch der Klägerin
gegen die Beklagte 1 gegeben.
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5.9. Definitive Festlegung von Material und Konstruktion in der Ausführungs-
planung
5.9.1. Darstellung der Klägerin
5.9.1.1. Schliesslich macht die Klägerin geltend, die Beklagte 1 habe im Rahmen
der Ausführung die Ausführungspläne geliefert. Diese würden unter anderem die
Leistungen "Definitive Auswahl der Materialen und Konstruktionen, Apparate und
dergleichen mit dem Auftraggeber" sowie "Bereinigen von architektonischen und
konstruktiven Details" und "Bereinigen des detaillierten Beschriebs von Materia-
lien und Konstruktionen" beinhalten. Die Beklagte 1 habe sich damit definitiv für
das entsprechende Produkt System "F._" entschieden und dies entspre-
chend in den Ausführungsplänen festgelegt. Die Beklagte 1 sei aufgrund ihrer ver-
traglichen Pflicht im Rahmen der Ausführungsplanung in der Pflicht gewesen, den
Bodenaufbau mit Bezug auf den Einsatz des "F._"-Systems und die Taug-
lichkeit des Systems zu prüfen, die Details zu bereinigen und dieses definitiv fest-
zulegen. Indem sie dies unterlassen habe, werde sie schadenersatzpflichtig. Es
sei somit nicht die Klägerin gewesen, die die Auswahl hätte überprüfen müssen,
sondern es sei klarerweise die Beklagte 1 gewesen, die im Rahmen der Ausfüh-
rungspläne die definitive Auswahl des Materials getroffen habe. Die Beklagte 1
habe die Klägerin auch zu keinem Zeitpunkt aufgefordert, ihre Produkteauswahl
mit ihr abzustimmen bzw. das Produkt zu prüfen. Die Beklagten seien sich in ihrer
Produktewahl sicher gewesen, was dann auch bestätige, dass sie sich im Rah-
men der Ausführungsplanung definitiv auf das Produkt festgelegt habe. Wäre die
Beklagte 1 in diesem Punkt nicht einverstanden gewesen, hätte sie spätestens im
Rahmen der Ausführungsplanung die Notbremse ziehen müssen. Der Hinweis auf
den Plänen habe die Beklagte 1 nicht von ihrer Pflicht entbunden (act. 26 S. 14,
17, 22, 27, 33).
5.9.1.2. Zu der von der Beklagten 1 monierten Ausschreibung bringt die Klägerin
vor, sie habe keine Vorgabe in Bezug auf die Belastungen und andere Anforde-
rungen in der Ausschreibung vornehmen müssen, da dies vorab von der Beklag-
ten 1 geprüft worden und das entsprechende Produkt von ihr freigegeben worden
- 57 -
sei. Es sei auch nicht erforderlich gewesen, die Nutzungsvereinbarung in die Aus-
schreibung der Unternehmerleistungen aufzunehmen, da mit der Empfehlung des
"F._"-Systems der Konstruktionsaufbau bereits bestimmt und geprüft gewe-
sen sei und das Produkt den Anforderungen an die Schalleigenschaften und die
zulässigen Belastungen habe entsprechen müssen. Auch eine funktionelle Aus-
schreibung sei nicht notwendig gewesen, da die Beklagte 1 im Rahmen ihrer Ver-
antwortung das Produkt vorgegeben habe und die erforderliche Prüfung in Bezug
auf die zulässigen Belastungen sowohl bei der Ausschreibungsplanung als auch
bei der Ausführungsplanung vorgenommen habe. Die Klägerin sei vor diesem
Hintergrund gehalten gewesen, das Produkt entsprechend auszuschreiben (act.
26 S. 18, 28).
5.9.2. Darstellung der Beklagten 1
5.9.2.1. Demgegenüber hält die Beklagte 1 fest, die definitive Auswahl der Mate-
rialien und Produkte habe im Rahmen des Art. 4.51 der SIA-Ordnung 102 durch
den Architekten als auch den Auftraggeber zusammen zu erfolgen. Indem aber
die Klägerin eine rein produktspezifische Ausschreibung vorgenommen habe, was
gänzlich unüblich sei, habe sie - bereits vorgängig und unter Ausschluss des Ar-
chitekten - die definitive Materialwahl und Konstruktionsweise bestimmt, welche
systematisch erst im Rahmen der Ausführungsplanerstellung zu klären gewesen
wäre. Damit habe die Klägerin der Beklagten 1 die Möglichkeit genommen, sich
zur Materialwahl überhaupt äussern zu können. Es sei die Verpflichtung der Klä-
gerin gewesen, die Ausschreibung unter Nennung der Belastungs- und Tritt-
schallwerte sowie der zur Verfügung stehenden Gesamtaufbauwerte vorzuneh-
men und das Produkt "F._" höchstens beispielhaft aufzuführen. Sei die Aus-
schreibung produktspezifisch resp. ohne Nennung der funktionalen Anforderun-
gen erfolgt und der Zuschlag aufgrund dieser Ausschreibung an eine Unterneh-
mung erteilt, so könnten in den auf die Ausschreibung folgenden Ausführungsplä-
nen keine geänderten Materialbezeichnungen/-bestimmungen mehr von Seiten
des Auftraggebers erfolgen. Die Beklagte 1 sei aufgrund der fehlerhaften resp.
unvollständigen Ausschreibung nicht mehr in der Lage gewesen, das Material in
der Ausführungsplanung definitiv festzulegen. Habe der Auftraggeber, die Kläge-
- 58 -
rin, das Material durch die Ausschreibung festgelegt, so habe sie diesen Umstand
selber zu vertreten. Wären die funktionalen Anforderungen von der Klägerin in die
Ausschreibung aufgenommen worden, so hätten die offerierenden Unternehmer
im Rahmen ihrer Offerten darauf hinweisen können, dass mit belastungstechni-
schen Problemen bei der Systemvariante "F._" zu rechnen sei und sie des-
halb eine andere, stabilere Trittschalldämmung vorschlagen. Die Beklagte 1 sei in
den Ausschreibungs- und Vergabeprozess nicht eingebunden gewesen, weshalb
sie keine Möglichkeit gehabt habe, die nachweislich unvollständige, weil produkt-
spezifische Ausschreibung zu verhindern (act. 36 S. 12, 28 f., 34 ff., 40 f.).
5.9.2.2. Weiter wendete die Beklagte 1 ein, sie habe in allen Plänen, die mass-
geblich den Aufbau des Bodens der Passerellen mit der Trittschalldämmung zeig-
ten (Ausschreibungs- und Ausführungspläne), bezüglich Trittschalldämmung im
Text aufgenommen "System F._ gemäss Anforderungen Bauphysik
(C._) bzw. gemäss Ausschreibung ..." [Anmerkung des Gerichts: ... = Kläge-
rin]. Die Beklagte 1 sei zu diesem Hinweis begründetermassen veranlasst gewe-
sen, nachdem sie mit der Ausschreibung und Vergabe der Werkleistungen nichts
zu tun gehabt habe. Der Hinweis habe von den Adressaten, namentlich der Klä-
gerin, nicht missverstanden werden können. Es habe klar sein müssen, dass die
Beklagte 1 die Urheberschaft für die Produktwahl nicht bei sich gesehen habe.
Sie habe damit mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, dass der Produkte-
vorschlag mit den akustischen und bauphysikalischen Anforderungen vom Bau-
physiker gestammt habe und sonst die Produktewahl über die Ausschreibung von
der Klägerin definiert worden sei resp. zu definieren wäre, und dass die Beklagte
1 mit der Materialwahl und einer allfälligen Überprüfung nicht befasst gewesen
sei. Der von der Beklagten 1 auf sämtlichen Ausschreibungs- und Ausführungs-
plänen angebrachte Vermerk/Hinweis zeige, dass die Trittschallmatten "F._"
alleine von der Beklagten 2 vorgeschlagen und sodann ungeprüft von der Kläge-
rin in die diesbezüglich produktspezifische Ausschreibung überführt worden sei.
Dies habe die Klägerin bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit erkennen können o-
der müssen. Der Hinweis habe die Klägerin mit ihrem Wissen erst recht zu Reak-
tionen veranlassen müssen. Geschehen sei nichts (act. 15 S. 5, 16, 33, act. 36 S.
7, 10, 34).
- 59 -
5.9.3. Subsumtion
5.9.3.1. Es blieb unbestritten, dass die Klägerin eine produktspezifische Aus-
schreibung der Trittschalldämmplatte vorgenommen hat und die funktionalen An-
forderungen weder dort noch in die Werkverträge mit dem Subunternehmer Ein-
gang gefunden haben. Dadurch hat die Klägerin tatsächlich mit dem Subunter-
nehmer die Verwendung von "F._" für den vorliegenden Bodenaufbau bereits
definitiv vereinbart, was zur Folge hatte, dass das Material im Rahmen der Aus-
führungspläne von der Beklagten 1 nicht mehr mit der auftraggebenden Klägerin
definitiv festgelegt werden musste. Die Aufgabe "Definitive Auswahl der
Materialien und Konstruktionen, Apparate und dergleichen mit dem Auftraggeber"
hat die Beklagte 1 daher nicht unsorgfältig ausgeführt; die Materialwahl war in
dieser Hinsicht von der Klägerin bereits getroffen worden.
5.9.3.2. Indessen hatte die Beklagte 1 nicht nur aufgrund der vereinbarten, in den
Anhang des Architektenvertrages aufgenommenen Abmahnungspflicht nach
Ziff. 1.3.51 der SIA-Ordnung 102 (act. 2/5 S. 11, act. 2/7 S. 6), sondern auch ge-
mäss den auftragsrechtlichen Treuepflichten des Beauftragten die Pflicht, un-
zweckmässige Anordnungen der Klägerin abzumahnen. Und in Bezug auf die
Trittschalldämmplatte hatte die Beklagte 1 Anlass zu einer Abmahnung der Kläge-
rin. Die Beklagte 1 stellte nämlich nach der Ausschreibung durch die Klägerin -
nur im Anschluss an diese war überhaupt ein Hinweis auf eine entsprechende
Ausschreibung möglich - bei der Planerstellung fest, dass die Trittschalldämmplat-
te der Passerellen produktspezifisch ausgeschrieben worden war und dass die
funktionalen Anforderungen nicht aufgenommen wurden, (mutmasslich) auch
nicht in den Werkvertrag mit dem Subunternehmer. Diese Form der Ausschrei-
bung und Vergabe erachtete die Beklagte 1 gemäss ihrer Darstellung als fehler-
haft und unvollständig. Zudem sah sie sich dadurch um die Möglichkeit gebracht,
sich zur Materialwahl bezüglich der Trittschalldämmplatte überhaupt äussern zu
können. Angesichts dessen brachte sie nach ihrer Darstellung auf den Plänen
fortan den Text "System F._ gemäss Anforderungen Bauphysik (C._)
bzw. gemäss Ausschreibung ..." an, mit welchem sie ausdrücken wollte, dass sie
mit dieser Produkteauswahl nicht befasst war und sie nicht geprüft hatte sowie
- 60 -
dass die Klägerin so den Vorschlag der Bauphysikerin gemäss den akustischen
und bauphysikalischen Anforderungen ungeprüft in die produktspezifische Aus-
schreibung und damit definitiv übernommen habe. Diese Erkenntnis bei der Pla-
nerstellung - fehlerhafte und unvollständige Ausschreibung der Klägerin hinsicht-
lich der Trittschalldämmung der Passerellen, ungeprüfte definitive Übernahme
des Vorschlags der Bauphysikerin gemäss den bauphysikalischen Anforderungen
in der Ausschreibung durch die Klägerin, keine Möglichkeit mehr für die Beklagte
1, sich bei der Ausführungsplanung zum Material zu äussern - hätte die Beklagte
1 zu einer Abmahnung der Klägerin in Bezug auf diese Punkte veranlassen müs-
sen. Sie hätte die Klägerin darauf explizit hinweisen müssen, um ihrer Abmah-
nungspflicht nachzukommen. Der von der Beklagten 1 in den Text der Pläne auf-
genommene Vermerk "System F._ gemäss Anforderungen Bauphysik
(C._) bzw. gemäss Ausschreibung ..." genügte hierfür entgegen der Meinung
der Beklagten 1 nicht. Die Klägerin konnte und musste allein aufgrund dieser An-
gabe auf den Plänen nicht erkennen, dass die Beklagte 1 sie darauf hinweisen
wollte, dass sie, die Klägerin, das Produkt ungeprüft definitiv übernommen hat,
dass sich die Beklagte 1 als Folge davon der Möglichkeit entzogen sah, sich im
Rahmen der Ausführungsplanung zu diesem Material zu äussern, und dass die
Ausschreibung fehlerhaft war. Eine gewissenhafte Beauftragte in der gleichen La-
ge hätte eine klare und unzweideutige Abmahnung hinsichtlich dieser Produkte-
wahl an die Klägerin gerichtet. Eine solche ist aber nicht erfolgt.
5.9.4. Damit hat die Beklagte 1 ihre Abmahnungspflicht im Rahmen der Aufgabe
"Ausführungspläne" verletzt, weil sie die Klägerin nicht darauf hingewiesen und
explizit abgemahnt hat, dass durch die produktspezifische Ausschreibung des
Produktevorschlags "F._" und entsprechende Aufnahme in den Werkvertrag
mit dem Subunternehmer ohne Nennung der funktionalen Anforderungen dieses
Produkt ungeprüft sowie durch die Klägerin allein und ohne Absprache in der Aus-
führungsplanung mit der Beklagten 1 definitiv ausgewählt wurde. Falls auch die
weiteren Haftungsvoraussetzungen nach Art. 97 OR erfüllt sind, besteht somit ein
Schadenersatzanspruch der Klägerin gegen die Beklagte 1.
5.10. Schaden
- 61 -
5.10.1. Wie dargelegt, zeigte sich beim "Büro- und Wohngebäude ..." nach der
Abnahme des Werkes anhand von ausgeplatzten Fugen der Natursteinböden so-
wie vereinzelten Platten mit abgebrochenen Kanten an stark belasteten Stellen,
dass bei den Passerellen des 1. bis 4. Stockwerkes ein fehlerhafter Bodenaufbau
vorlag, weil die Trittschalldämmplatte "F._" für die im spezifischen Gebäude
zu erwartenden Punktlasten zu weich war (vgl. Erwägung 5.2.2.). Die Klägerin als
Totalunternehmerin musste diesen Mangel beheben. Die damit im Zusammen-
hang stehenden Aufwendungen macht die Klägerin vorliegend gegenüber der Be-
klagten 1 als Schaden im Gesamtumfang von CHF 848'800.05 geltend (act. 1 S.
2). Dieser Betrag setzt sich zusammen aus den Kosten für die Testsanierung von
CHF 52'662.85, für die Sanierung (CHF 763'502.40), für das Gutachten (CHF
27'704.80) und CHF 4'930.– für die Eigenleistungen der beiden Angestellten der
Klägerin, die die Nachbesserung an den Passerellen leiteten (act. 1 S. 26). Davon
anerkennt die Beklagte 1 die Kosten für das Schiedsgutachten von CHF
27'704.80 vollumfänglich als Schaden der Klägerin (act. 36 S. 42), weshalb diese
Schadensposition nicht weiter zu prüfen ist.
5.10.2. Schaden ist die Differenz zwischen dem aktuellen Vermögensstand des
Geschädigten infolge des schädigenden Ereignisses und dem hypothetischen
Vermögensstand bei Ausbleiben des Ereignisses (Differenztheorie; CHRISTIAN
HEIERLI/ANTON K. SCHNYDER, in: Basler Kommentar Obligationenrecht, a.a.O., N 3
zu Art. 41 OR). Der von der Klägerin eingeklagte Schaden wirkt sich bei ihr nur in
finanzieller Hinsicht aus, d.h. es ist ein reiner Vermögensschaden (CHRISTIAN HEI-
ERLI/ANTON K. SCHNYDER, a.a.O., N 13 zu Art. 41 OR).
5.10.3. Die Beklagte 1 erachtet die Testsanierung zwar als sinnvolle Massnahme
und deren Kosten als ausgewiesen, doch bestreitet sie, dass die Kosten der Test-
sanierung von ihr zu tragen seien (act. 15 S. 28, act. 36 S. 42). Die Klägerin legt
demgegenüber zu den Kosten der Testsanierung dar, sie habe alles versucht, um
eine kostengünstigere Sanierung umzusetzen. Daher sei zunächst eine Testsa-
nierung der Passerellen im 4. Obergeschoss mit den elastischen Fugen erfolgt.
Erst als spätere Testversuche und fundierte Abklärungen die damit verbundenen,
empfindlichen Nutzungsbeschränkungen aufgezeigt hätten, habe sich die Kläge-
- 62 -
rin für die aufwändigere Sanierungsmethode mit dem kompletten Ersatz des Bo-
dens entschieden. Die Klägerin habe alle nach Treu und Glauben geschuldeten
Abklärungen unternommen, um eine kostengünstigere und für die Bauherrschaft
zumutbare Sanierungsmethode anzuwenden (act. 1 S. 31). Die Kosten der Test-
sanierung vermindern das Vermögen der Klägerin im Vergleich zu dessen Stand
ohne das schädigende Ereignis. Finanzielle Nachteile, die dem Geschädigten aus
der im Einzelfall gerechtfertigten Schadenminderung entstehen, hat der Schädiger
zu tragen (CHRISTIAN HEIERLI/ANTON K. SCHNYDER, a.a.O., N 13 zu Art. 44 OR).
Die Beklagte 1 macht nicht geltend, die Testsanierung sei vorliegend keine ge-
rechtfertigte Massnahme gewesen, sondern erachtet sie im Gegenteil als sinnvoll.
Diese Kosten stellen deshalb einen Vermögensschaden der Klägerin dar.
5.10.4. Für die Sanierung des Bodens der Passerellen im 1. bis 4. Stock aner-
kennt die Beklagte 1 wie eingangs erwähnt (vgl. Erwägung 5.2.5.) unter der Prä-
misse, dass die Sanierung der Böden nicht mit einer kostengünstigeren Variante
hätte ausgeführt werden können, Kosten von CHF 763'493.40 (act. 36 S. 42). Zur
Möglichkeit einer kostengünstigeren Sanierung macht die Beklagte 1 jedoch keine
rechtsgenügenden Ausführungen. Sie hält zwar im Zusammenhang mit der von
der Klägerin veranlassten Testsanierung des Bodens der Passerelle im 4. Stock
fest, die Klägerin habe die Punkt- und Flächenlasten falsch berechnet. Dabei be-
hauptet sie jedoch nicht, dass durch diese Form der Sanierung die an die Boden-
belastung gestellten Anforderungen eingehalten würden und dass sie kosten-
günstiger gewesen wäre (act. 15 S. 28 f.). Der Vorbehalt der Beklagten 1 greift
deshalb nicht. Sodann ist aus der von der Klägerin eingereichten Rechnung (act.
2/59), auf welche beide Parteien Bezug nehmen (act. 1 S. 23; act. 36 S. 42), er-
sichtlich, dass der von der J._ AG der Klägerin verrechnete Betrag tatsäch-
lich CHF 80'912.80 und nicht CHF 80'921.80 ausmacht. Der durch die Sanie-
rungskosten entstandene Schaden der Klägerin beträgt somit insgesamt CHF
763'493.40 und ist in diesem Umfang anerkannt. Demgegenüber ist die Klage ge-
gen die Beklagte 1 im Umfang von CHF 9.– abzuweisen.
5.10.5. Zu den als Schaden eingeklagten Eigenleistungen der beiden klägeri-
schen Angestellten samt Spesen führt die Klägerin aus, die beiden Mitarbeiter
- 63 -
hätten in anderen, ebenfalls damals anstehenden Projekten im aufgezeigten Um-
fang nicht eingesetzt werden können. Dadurch sei ihr Vermögen vermindert wor-
den (act. 26 S. 35). Demgegenüber bestreitet die Beklagte 1, dass es sich dabei
um einen Schaden im Rechtssinne handle, da sich das Vermögen der Klägerin
dadurch nicht vermindert habe. Für die Zeit, während der die eigenen Mitarbeiter
der Klägerin mit dem Schadenfall beschäftigt gewesen seien, habe die Klägerin
keine zusätzlichen Vergütungen leisten müssen. Die beiden Mitarbeiter seien im
Monatslohn angestellt, weshalb die Klägerin deren Saläre ohnehin hätte auszah-
len müssen (act. 15 S. 29 f.; act. 36 S. 42). Es ist unbestritten, dass die beiden
Angestellten der Klägerin im Monatslohn angestellt waren und die Klägerin deren
Saläre für die massgebliche Zeit ohnehin bezahlen musste. Da die Klägerin es
sodann unterlässt, rechtsgenügend aufzuzeigen, welche zusätzlichen Kosten ihr
in anderen Projekten entstanden sind, weil sie die betreffenden Angestellten er-
setzen musste, ist keine Verminderung des Vermögens der Klägerin durch den
Einsatz ihrer beiden Angestellten für die Nachbesserung im Vergleich zum Stand
ohne das schädigende Ereignis ersichtlich. Bei diesen Lohnkosten für die Eigen-
leistungen der Angestellten der Klägerin handelt es sich deshalb nicht um einen
Schaden der Klägerin. Demzufolge ist die Klage gegen die Beklagte 1 in diesem
Umfang abzuweisen.
5.10.6. Zusammengefasst entstand der Klägerin ein Schaden in der Höhe von
CHF 843'861.05. Im Umfang von CHF 4'939.– ist ihre Klage gegen die Beklagte 1
hingegen abzuweisen.
5.11. Hypothetischer Kausalzusammenhang
5.11.1. Zwischen der haftungsbegründenden Unterlassung der Abmahnung durch
die Beklagte 1 und dem Schaden der Klägerin, dessen Ersatz sie verlangt, muss
das Verhältnis von Ursache und Wirkung in Form des natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhangs bestehen. Bei einer Unterlassung ist dabei im Sinne des
hypothetischen Kausalzusammenhangs zwischen Unterlassung und Schadens-
eintritt zu prüfen, ob bei rechtmässiger Handlung der eingetretene Schaden nach
dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung hätte
vermieden werden können. Während bei Handlungen die wertenden Gesichts-
- 64 -
punkte erst bei der Beurteilung der Adäquanz zum Tragen kommen, spielen diese
Gesichtspunkte bei Unterlassungen in der Regel schon bei der Feststellung das
hypothetischen Kausalverlaufs eine Rolle. Es ist daher bei Unterlassungen in der
Regel nicht sinnvoll, den festgestellten oder angenommenen hypothetischen Ge-
schehensablauf auch noch auf seine Adäquanz zu prüfen (Urteil des Bundesge-
richts 4A_588/2011 vom 3. Mai 2012 E. 2.2.2). Treten indessen ganz ausserge-
wöhnliche Umstände, mit denen schlechterdings nicht gerechnet werden musste,
als Mitursache hinzu und weisen einen derart hohen Wirkungsgrad auf, dass die
vom Schädiger gesetzte Ursache nach wertender Betrachtungsweise als rechtlich
nicht mehr beachtlich erscheint, bewirkt dies eine Unterbrechung des Kausalzu-
sammenhangs. Unterbrechungsgründe können insbesondere grobes Selbst- oder
grobes Drittverschulden sein. Diese sind aber nur dann Gründe für eine Unterbre-
chung des adäquaten Kausalzusammenhangs, wenn das betreffende Verschul-
den grob ist und sehr intensiv resp. derart ausserhalb des normalen Geschehens
liegt, derart unsinnig ist, dass damit nicht zu rechnen war (CHRISTIAN HEIERLI/
ANTON K. SCHNYDER, a.a.O., N 20 f. zu Art. 41 OR).
5.11.2. Die Klägerin macht geltend, die unzureichenden Abklärungen der Beklag-
ten 1 könnten nicht weggedacht werden, ohne dass auch der darauf folgende
Mangel entfallen würde. Die Klägerin habe sich nicht veranlasst gesehen, das
Produkt "F._" im Detail zu prüfen, da die Beklagte 1 nie auf sie zugegangen
sei und sie aufgefordert habe, das Produkt zu prüfen. Die Beklagte 1 habe keine
Information in einen Plan übernehmen dürfen, von der sie sich nicht vergewissert
habe, dass sie überprüft worden sei. Aufgrund der vorbehaltlosen Empfehlung
durch beide Beklagten habe sie sich nicht veranlasst gesehen, die Produktewahl
zu prüfen. Bei sorgfältiger Prüfung insbesondere unter Einbezug der Nutzungs-
vereinbarung und des Produktemerkplattes von "F._" hätte festgestellt wer-
den können, dass diese Trittschallmatten zu weich gewesen seien und zu Schä-
den führen würden. Ausserdem sei ein Planungsfehler infolge unzureichender
Abklärungen einer Konstruktion nach gewöhnlichem Lauf der Dinge und allge-
meiner Lebenserfahrung geeignet, falsch konstruierten Bodenbelag herbeizufüh-
ren, welcher im Nachhinein schadhaft werde und ersetzt werden müsse. Es seien
- 65 -
sowohl der natürliche als auch der adäquate Kausalzusammenhang erfüllt (act. 1
S. 28, 31, 34; act. 26 S. 14).
5.11.3. Die Beklagte 1 wendet ein, die Klägerin habe für den Schaden vollumfäng-
lich und alleine einzustehen. Hätte die Klägerin ihre vertraglichen Pflichten im
Rahmen der Ausschreibung - "Überprüfen der Materialauswahl und Konstruktio-
nen, auch mit Spezialisten" - als auch der Ausführungsplanung wahrgenommen
und im Rahmen der Ausschreibung nicht produktspezifisch, sondern funktional
ausgeschrieben, so wäre es nicht zum Schaden gekommen. Es sei Aufgabe der
Klägerin gewesen, den Produktevorschlag der Beklagten 2 im Rahmen der Sub-
mission umfassend und abschliessend auf seine Tauglichkeit hin zu prüfen. Die
Nutzungsvereinbarung sei der Klägerin bekannt gewesen und es habe an ihr ge-
legen, die sich daraus ergebenden Schlüsse zu ziehen mit Bezug auf den Kon-
struktionsaufbau und die Wahl der zu verwendenden Produkte. Die Beklagte 1
habe der Klägerin das Produktemerkblatt zukommen lassen. Die Klägerin habe
vor oder bei der Ausschreibung oder zu jedem noch nützlichen Zeitpunkt vor der
Ausführung das Material und die Konstruktion auf deren Tauglichkeit hin überprü-
fen sollen, wie es ihr aufgrund der vertraglichen Zuständigkeitsordnung unter dem
Titel "Ausschreibung" vorgeschrieben gewesen sei. Es wäre für die Klägerin ein
Leichtes gewesen, im Rahmen der Ausschreibung die Trittschallplatten "F._"
auf ihre Druckfestigkeit hin zu überprüfen resp. bei Mangel an den erforderlichen
Fachkenntnissen unter Beizug von Spezialisten, Unternehmern und Lieferanten
überprüfen zu lassen. Habe sie dies unterlassen, habe sie für den hieraus resul-
tierenden Schaden alleine einzustehen. Die vorliegend bedeutsame Vorgabe an
die Belastung sei in die Ausschreibung und den Werkvertrag nicht aufgenommen
worden und die Trittschalldämmung sei produktspezifisch ausgeschrieben wor-
den. Dadurch sei suggeriert worden, dass "F._" eine zwingende Produktvor-
gabe sei. Angesichts der Tatsache, dass eine Prüfung von Material und Konstruk-
tion unterblieben sei, sei dies schwer nachvollziehbar. Die Ausschreibung sei in-
soweit fehlerhaft. Eine funktionale Ausschreibung mit Angabe der einzuhaltenden
Bodenbelastungswerte sei unter den gegebenen Umständen das einzig Richtige
gewesen, gegebenenfalls mit "F._" als Produktevorschlag. Die Ausschrei-
bung habe den Eintritt des Schadens in zweifellos massgeblicher Weise favori-
- 66 -
siert, ohne dass die Beklagte 1 dies zu vertreten hätte. Es wäre die Verpflichtung
der Klägerin gewesen, die Ausschreibung unter Nennung der Belastungs- und
Trittschallwerte sowie der zur Verfügung stehenden Gesamtaufbauwerte vorzu-
nehmen und das Produkt "F._" höchstens in beispielhafter Art und Weise
aufzuführen. Wären die funktionalen Anforderungen von der Klägerin in die Aus-
schreibung übernommen worden, so hätten die offerierenden Unternehmer im
Rahmen ihrer Offerten darauf hinweisen können, dass mit belastungstechnischen
Problemen bei der Systemvariante "F._" zu rechnen sei und sie deshalb eine
andere, stabilere Trittschalldämmung vorschlügen. Da die Klägerin mit ihrer Aus-
schreibung das Material der Trittschalldämmmatte aufgrund der produktspezifi-
schen Ausschreibung bereits definitiv festgelegt habe, sei die definitive Material-
festlegung im Rahmen der Ausführungspläne nicht mehr vorzunehmen gewesen.
Diese hätte sodann durch den Architekten als auch den Auftraggeber zusammen
zu erfolgen. Die produktspezifische Ausschreibung und Vergabe habe aber dazu
geführt, dass die Klägerin die Material- und Konstruktionswahl vorzeitig und allei-
ne getroffen habe. Dadurch könnten in den auf die Ausschreibung folgenden Aus-
führungsplänen keine geänderten Materialbezeichnungen/-bestimmungen mehr
von Seiten des Auftraggebers erfolgen. Zudem habe die Klägerin eingestanden,
dass die Ausschreibung und der Zuschlag im Wissen erfolgt seien, dass der Bo-
denaufbau durch die Ausführungsplanung bestätigt werden müsse. Sie habe also
das Wissen gehabt, dass der Bodenaufbau nochmals zu überprüfen wäre. Damit
habe nur die Trittschallplatte gemeint sein können, denn sonst sei der Bodenauf-
bau vorgegeben gewesen. Die Klägerin habe nicht davon ausgehen können, dass
die fragliche Überprüfung Sache der Beklagten 1 sein solle, auch nicht im Rah-
men der Ausführungsplanung. Die Klägerin habe ihr Wissen, welches zumindest
zu rückfragen hätte führen müssen, der Beklagten 1 nie eröffnet. Es gebe kein
einziges Dokument, welches die Produktwahl "F._" überhaupt thematisiere.
Und wenn die Klägerin zur Lösung "F._" keine Erfahrungswerte gehabt habe,
so habe sie nach eigenem Bekunden zumindest das Wissen gehabt, dass die Lö-
sung zu überprüfen wäre. Dass dies nicht geschehen sei, habe allein die Klägerin
zu vertreten. Der Klägerin habe aufgrund des Faxes der Beklagten 2 vom 5. Juli
2004 und der Hinweise auf den Ausschreibungs- und Ausführungsplänen der Be-
- 67 -
klagten 1 bewusst sein müssen, dass der Produktevorschlag ausschliesslich von
der Beklagten 2 gestammt habe und sodann ungeprüft von der Klägerin in die
diesbezüglich produktspezifische Ausschreibung überführt worden sei. Dies habe
die Klägerin bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit erkennen können oder müssen.
Der Hinweis habe die Klägerin mit ihrem Wissen erst recht zu Reaktionen veran-
lassen müssen. Geschehen sei nichts. Schliesslich sei zu berücksichtigen, dass
es sich bei der Klägerin nicht um einen beliebigen Bauherrn handle, sondern um
eine Firma, die in hohem Masse baufachkundig sei und sich professionell sowie
mit entsprechender Belegschaft und Organisation der Planung und Realisierung
von Bauvorhaben befasse, vor allem als Totalunternehmerin. Sie könne sich mit
Bezug auf die fatale Unterlassung sicher nicht auf fehlendes Fachwissen berufen
(act. 15 S. 11, 16 f., 21, 32 f., act. 36 S. 7, 9 ff., 18, 20, 28, 34 ff., 39 ff.).
5.11.4. Ausserdem wendet die Beklagte 1 ein, während der Ausführungsphase
sei unter Mitwirkung des Produktelieferanten G._ vor Ort ein Muster erstellt
worden. Auch wenn dieses vor allem der Instruktion des Unternehmers bezüglich
der Verlegung der Schalldämmplatten gedient habe, so habe dadurch der Produk-
telieferant jedenfalls Kenntnis über den Einsatzort und die spezifischen Gegeben-
heiten des Gebäudes erlangt. Niemand habe sich jedoch veranlasst gesehen, ir-
gendwelche Einwände gegen den geplanten Einsatz zu erheben (act. 15 S. 6, act.
36 S. 21, 23).
5.11.5. Es ist überwiegend wahrscheinlich und entspricht der allgemeinen Le-
benserfahrung und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, dass die Abmahnung der
Beklagten 1 an die Klägerin, dass diese die Produkteempfehlung der Bauphysike-
rin gemäss den trittschalltechnischen Aspekten ungeprüft in eine mangelhafte,
weil produktspezifische Ausschreibung und in den Werkvertrag mit dem Subun-
ternehmer übernommen hat und dass die Beklagte 1 dadurch im Rahmen der
Ausführungsplanung nicht mehr die Möglichkeit habe, sich zu dieser Produkte-
wahl zu äussern, eine Prüfung des Produktes "F._" durch die Klägerin veran-
lasst hätte. Die Klägerin war sich nämlich unstrittig bewusst, dass in der Ausfüh-
rungsplanung diese Materialwahl noch würde überprüft werden müssen, doch er-
kannte sie nicht, dass dies infolge der mangelhaften Ausschreibung nicht stattfin-
- 68 -
den würde. Zudem geht auch die Beklagte 1 davon aus, dass die Klägerin durch
die Vornahme einer Überprüfung des Produkts "F._" oder durch die Aufnah-
me der funktionalen Anforderungen in den Werkvertrag mit dem ausführenden
Unternehmer den Schaden hätte abwenden können. Aufgrund der Vorbringen der
Beklagten 1 ist jedoch zu prüfen, ob der hypothetische Kausalzusammenhang
zwischen der Unterlassung der Beklagten 1 und dem Schaden durch ein Selbst-
verschulden der Klägerin oder durch ein Drittverschulden unterbrochen wird.
5.11.6. Der Klägerin ist in der Tat ein Selbstverschulden vorzuwerfen, da sie ihren
Aufgaben als Totalunternehmerin bei der Ausschreibung, insbesondere der Ver-
pflichtung zur Überprüfung der Materialauswahl und Konstruktionen auch mit
Spezialisten, nicht gehörig nachgekommen ist und weil sie die Ausschreibung
produktspezifisch, anstatt funktional, vorgenommen hat, obwohl sie wusste, dass
die Wahl des Produkts für die Trittschalldämmung bei der Ausführungsplanung
noch überprüft werden musste. Weiter ist als Selbstverschulden der Klägerin zu
qualifizieren, dass sie trotz dieses Wissens in der Ausführungsplanung keine
Überprüfung vornahm resp. veranlasste. Die Beklagte 1 hat allerdings gerade
wegen der produktspezifischen Ausschreibung der Klägerin und weil sie damit
zeigen wollte, dass sie die Produktwahl nicht überprüft hatte und sich dazu in der
Ausführungsplanung nicht weiter äussern könnte, den Vermerk "System F._
gemäss Anforderungen Bauphysik (C._) bzw. gemäss Ausschreibung ..." in
ihre Ausführungspläne aufgenommen, ohne aber die Klägerin in dieser Hinsicht
explizit abzumahnen, wie es ihre Pflicht gewesen wäre. Das Selbstverschulden
der Klägerin ist daher nicht derart intensiv, dass es zu einer Unterbrechung des
hypothetischen Kausalzusammenhangs zwischen der unterlassenen Abmahnung
der Beklagten 1 und dem Schaden der Klägerin führen würde. Ist eine Unterbre-
chung zu verneinen, führt Selbstverschulden aber in der Regel zu einer Reduktion
des Schadenersatzes im Rahmen der Schadenersatzbemessung (CHRISTIAN HEI-
ERLI/ ANTON K. SCHNYDER, a.a.O., N 21b zu Art. 41 OR). Auf das Selbstverschul-
den der Klägerin ist daher im Rahmen der Schadenersatzbemessung als Herab-
setzungsgrund im Einzelnen einzugehen.
- 69 -
5.11.7. Sodann deutet die Beklagte 1 ein (grobes) Verschulden des Produkteliefe-
ranten G._ an, von dem trotz Erstellung eines Musters vor Ort und damit
trotz Kenntnis über den Einsatzort und die spezifischen Gegebenheiten des Ge-
bäudes keine Einwände gegen die Verwendung erhoben wurden. Die Beklagte 1
macht jedoch nicht geltend, dass dem Produktelieferanten die Nutzungsvereinba-
rung und die für die Passerellen geforderten Bodenbelastungen bekannt gewesen
seien und das Muster auch unter diesem Aspekt angefordert wurde. Auch be-
hauptet die Beklagte 1 nicht, dass die Trittschalldämmplatte "F._" grundsätz-
lich untauglich sei für ein Büro- und Wohngebäude oder nicht bei Natursteinböden
und ohne Unterlagsboden eingesetzt werden könne. Es ist daher nicht ersichtlich,
weshalb der Produktelieferant einen Einwand gegen die Verwendung hätte erhe-
ben sollen. Es liegt kein den hypothetischen Kausalzusammenhang unterbre-
chendes Drittverschulden des Produktelieferanten vor.
5.11.8. Der hypothetische Kausalzusammenhang zwischen der Unterlassung der
Beklagten 1 und dem Schaden ist damit gegeben.
5.12. Verschulden
5.12.1. Das Verschulden der Beklagten 1 wird vermutet, doch steht ihr der Exkul-
pationsbeweis offen. Dieser wäre durch den Nachweis zu erbringen, dass ein Zu-
fall oder ein ihr nicht zuzurechnendes Drittverschulden die Leistungsunmöglichkeit
oder nicht gehörige Erfüllung bewirkt hat (WOLFGANG WIEGAND, a.a.O., N 42 zu
Art. 97 OR).
5.12.2. Die Beklagte 1 macht im Sinne einer Exkulpation geltend, dass sie bei ei-
ner Überprüfung der Bodenkonstruktion der Passerellen in Bezug auf die Belas-
tungen - falls dies entgegen ihrer Ansicht doch ihre Aufgabe gewesen wäre - nicht
hätte erkennen können, dass die Verwendung der Trittschalldämmplatte
"F._" zu einem Schaden wie dem eingetretenen Schaden führen würde. Sie
führt dazu aus, während der Ausführungsphase sei unter Mitwirkung des Produk-
telieferanten G._ vor Ort ein Muster erstellt worden. Auch wenn dieses vor
allem der Instruktion des Unternehmers bezüglich der Verlegung der Schall-
dämmplatten gedient habe, so habe dadurch der Produktlieferant jedenfalls
- 70 -
Kenntnis über den Einsatzort und die spezifischen Gegebenheiten des Gebäudes
erlangt. Niemand habe sich jedoch veranlasst gesehen, irgendwelche Einwände
gegen den geplanten Einsatz zu erheben. Nicht einmal der Mitarbeiter der Firma
G._, der im Passerellenbereich ein Bodenmuster angebracht habe, sei da-
von ausgegangen, dass das Produkt "F._" für den sodann ausgeführten Bo-
denaufbau nicht geeignet sein könne. Könnten nicht einmal Mitarbeiter der Her-
stellerunternehmung die Untauglichkeit ihrer eigenen Produkte erkennen, so stelle
sich die Frage, wie dies die Beklagte 1 hätte tun sollen (act. 15 S. 6, act. 36 S. 21,
23).
5.12.3. Indessen geht es vorliegend nicht darum, ob die Beklagte 1 bei einer
Überprüfung der Bodenkonstruktion durch sie den späteren Schaden hätte erken-
nen und abwenden können, sondern die Vertragsverletzung der Beklagte 1 beruht
darauf, dass sie die Klägerin nicht wegen deren Unterlassung der Prüfung und
der fehlerhaften Ausschreibung abgemahnt hat und dass sie sie nicht darauf hin-
gewiesen hat, dass sie sich als Folge der unrichtigen weil produktspezifischen
Ausschreibung in der Ausführungsplanung nicht zu dieser Produktewahl äussern
würde. Die Beklagte 1 macht aber nicht geltend, dass der Schaden auch bei einer
solchen Abmahnung eingetreten wäre, und bringt in dieser Hinsicht nichts zu ihrer
Entlastung vor. Darüber hinaus behauptet die Beklagte 1 wie bereits dargelegt
nicht, dass der Mitarbeiter der Produktelieferantin G._, welcher das Muster
vor Ort erstellt hat, über die geforderten Bodenbelastungen gemäss Nutzungsver-
einbarung informiert worden wäre und gleichwohl keine Einwände gegen die Ver-
wendung gehabt habe. Damit bringt auch die Beklagte 1 nicht vor, dass der Pro-
duktelieferant G._ selbst bei Kenntnis der Nutzungsvereinbarung nicht hätte
erkennen können, dass das Produkt für den Passerellenboden unter diesen Um-
ständen nicht geeignet war, und auch dann keine Einwände erhoben hätte.
5.12.4. Der Beklagten 1 ist die Exkulpation daher nicht gelungen. Damit sind alle
Voraussetzung einer Haftung nach Art. 97 in Verbindung mit Art. 398 Abs. 2 OR
erfüllt und die Beklagte 1 haftet für den Schaden der Klägerin aus dem
Architektenvertrag.
- 71 -
5.12.5. Dementsprechend erübrigt sich die Prüfung der von der Klägerin auch ge-
genüber der Beklagten 1 eventualiter geltend gemachten Vertrauenshaftung (act.
26 S. 12 f.). Im Rahmen der Schadenersatzbemessung ist dagegen das Verhalten
der Klägerin noch zu untersuchen.
5.13. Schadenersatzbemessung und Herabsetzungsgründe
5.13.1. Die von der Beklagten 1 angeführten Gründe für eine Herabsetzung des
Schadenersatzes wegen Selbstverschuldens der Klägerin wurden bereits im
Rahmen der Prüfung der Unterbrechung des hypothetischen Kausalzusammen-
hangs im Einzelnen dargelegt. Dazu wird deshalb auf die Erwägungen 5.11.3.
und 5.11.4. verwiesen.
5.13.2. Die Klägerin macht zu diesen Vorbringen zusammengefasst geltend, dass
es an der Beklagten 1 gelegen habe, das Material und die Konstruktionen zu prü-
fen und sich dann definitiv festzulegen, weshalb eine Überprüfung durch die Klä-
gerin ausser Betracht gefallen sei. Sie habe darauf vertrauen müssen, dass die
Beklagte 1 die notwendigen Abklärungen vornehme (act. 26 S. 22, 36). Die Kläge-
rin bestätigt, dass sie von der Beklagten 1 am 9. August 2004 einen Fax mit dem
Beschrieb des "F._"-Systems (i.e. das Produktemerkblatt, act. 2/19) erhalten
habe (act. 1 S. 11) und führt zu diesem aus, dass auf dessen Seite 2 unter "Wich-
tige Hinweise" geschrieben stehe, dass "F._" nur im Wohn- und Innenbereich
eingesetzt werden dürfe und dass es bei mechanisch hoch belastenden Belägen
nicht verwendet werden dürfe. Für die vorliegende Büronutzung mit erhöhten An-
forderungen an die mechanische Beanspruchung von 4 kN/m2 sei diese Matte
somit nicht geeignet gewesen (act. 1 S. 32). Die vorgeschlagene Lösung mit der
Trittschalldämmplatte "F._" sei neu gewesen, weshalb zumindest die Kläge-
rin keine Erfahrungswerte dazu gehabt habe (act. 1 S. 12). Weiter bringt die Klä-
gerin vor, da mit der Empfehlung des "F._"-Systems der Konstruktionsaufbau
bereits bestimmt und geprüft gewesen sei und das Produkt den Anforderungen an
die Schalleigenschaften und die zulässigen Belastungen habe entsprechen müs-
sen, sei es auch nicht erforderlich gewesen, die Nutzungsvereinbarung in die
Ausschreibung der Unternehmerleistungen aufzunehmen (act. 26 S. 18). Eine
funktionale Ausschreibung sei nicht notwendig gewesen, weil die Beklagte 1 im
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Rahmen ihrer Verantwortung das Produkt vorgegeben habe und die erforderliche
Prüfung in Bezug auf die Schalleigenschaften, die Einbauhöhe und die zulässigen
Belastungen vorgenommen habe. Vor diesem Hintergrund sei die Klägerin gehal-
ten gewesen, das Produkt entsprechend auszuschreiben (act. 26 S. 28). Schliess-
lich bestätigt die Klägerin, dass die Ausschreibung und Vergabe im Wissen erfolgt
sei, dass der Bodenaufbau durch die Ausführungsplanung bestätigt werden und
das Material definitiv festgelegt werden müsste (act. 1 S. 12, act. 26 S. 30).
5.13.3. Das Gericht kann nach Art. 99 Abs. 3 i.V.m. Art. 44 Abs. 1 OR die Ersatz-
pflicht ermässigen oder gänzlich von ihr entbinden, wenn Umstände, für die der
Geschädigte einstehen muss, auf die Entstehung oder Verschlimmerung des
Schadens eingewirkt haben. Ein solcher Umstand, für die die geschädigte Kläge-
rin einzustehen hat, ist namentlich ein Mitverschulden resp. Selbstverschulden.
Dieses bedarf wie jedes Verschulden einer objektiven und einer subjektiven Kom-
ponente. Die objektive Komponente liegt im Verstoss gegen eine Verhaltensnorm.
Hierzu wird das Verhalten verglichen mit dem hypothetischen Verhalten eines
sich in der gleichen Lage befindlichen, durchschnittlichen, sorgfältigen Menschen.
Zur subjektiven Seite gehört die Urteilsfähigkeit. Zudem setzt Selbstverschulden
voraus, dass der adäquate Kausalzusammenhang zwischen diesem Verhalten
und dem Schaden besteht. Wenn das Gericht die Schadenersatzpflicht des aus
Vertrag haftenden Schädigers unter Berücksichtigung des Mitverschuldens des
Geschädigten bemessen muss, vergleicht es zwei Verhalten; es fällt ein Wertur-
teil. Mathematisch gesehen sollte die Reduktion wegen Mitverschuldens des Ge-
schädigten aufgrund von Art. 44 OR zwischen 0 % bei gar keinem Selbstver-
schulden und 100 % (alleiniges Selbstverschulden, wobei in diesem Fall gar keine
Haftung des Schädigers mehr besteht) schwanken. Wiegt das Mitverschulden des
Geschädigten schwerer als dasjenige des Schädigers, so reduziert sich in der
Regel die Schadenersatzpflicht unter 50 % (ROLAND BREHM, Berner Kommentar
zum Schweizerischen Privatrecht, Die Entstehung durch unerlaubte Handlungen,
Art. 41 -61 OR, 4. Aufl. 2013, N 169 ff. zu Art. 41 OR und N 5 f. und 18 ff. zu
Art. 44 OR).
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5.13.4. Vorab ist anzumerken, dass die Beklagte 2 (vgl. Erwägungen 3. und 4.)
nicht für den Schaden der Klägerin haftet, weshalb auch nicht geprüft werden
muss, ob der Klägerin das Verhalten der Beklagten 2 als ihre Hilfsperson (die
Klägerin hat die Beklagten 2 zur Erfüllung ihrer Aufgaben mit dem Beratungsver-
trag beigezogen) im Verhältnis zur Beklagten 1 als Verschulden angerechnet
werden muss.
5.13.5. Wie der explizite Wortlaut und die Auslegung des Architektenvertrags zwi-
schen der Klägerin und der Beklagten 1 zeigte (vgl. Erwägung 5.3.4.), verblieb die
"Ausschreibung" im Verhältnis zwischen der Klägerin und der Beklagten 1 Aufga-
be der Klägerin als Totalunternehmerin. Zur Ausschreibung gehört auch die
Grundleistung "Überprüfen der Materialwahl und Konstruktionen, auch mit Spezia-
listen, Unternehmern und Lieferanten". Die Klägerin hatte daher, wie die Beklagte
1 richtig geltend macht, im Rahmen der Ausschreibung auch die Materialwahl und
Konstruktion des Bodenaufbaus der Passerellen, insbesondere die Trittschall-
dämmplatte, zu überprüfen, soweit notwendig mit Spezialisten, Unternehmern und
Lieferanten. Die Klägerin nahm aber unstrittig keine Überprüfung der von der Be-
klagten 2 als Beispiel vorgeschlagenen Trittschalldämmplatte "F._" hinsicht-
lich der zulässigen Bodenbelastungen vor, und die Beklagte 2 hatte die Klägerin
nur als Spezialistin zur Beratung in trittschalltechnischer Hinsicht beigezogen.
Zwischen der Unterlassung der Überprüfung der Materialwahl und Bodenkon-
struktion der Passerellen durch die Klägerin und dem eingetretenen Schaden ist
ein hypothetischer Kausalzusammenhang in dem Sinne gegeben, als es überwie-
gend wahrscheinlich ist und der allgemeinen Lebenserfahrung und dem gewöhn-
lichen Lauf der Dinge entspricht, dass eine solche Überprüfung durch die Klägerin
den eingetretenen Schaden hätte abwenden können. Ausserdem war die Klägerin
urteilsfähig, und eine sorgfältige, durchschnittliche Person hätte in der gleichen
Lage die zu ihren Aufgaben gehörende Überprüfung vorgenommen. Der Klägerin
ist daher als Selbstverschulden anzulasten, dass sie diese Überprüfung trotz ver-
traglicher Verpflichtung gegenüber dem Besteller unterlassen hat. Die Unterlas-
sung der Klägerin ist umso weniger entschuldbar, als die Klägerin einerseits keine
Erfahrungswerte zu diesem Produkt hatte. Andererseits lag ihr aufgrund der Zu-
stellung durch die Beklagte 1 das Produktemerkplatte der Trittschalldämmplatte
- 74 -
"F._" vor, zu dem die Klägerin die Meinung vertritt (act. 26 S. 26), die darin
enthaltene Information, dass "F._" nur im Wohn- und Innenbereich einge-
setzt und nicht bei mechanisch hoch belasteten Belägen und noch zu schleifen-
den Naturwerksteinbelägen verwendet werden dürfe, hätte zu höchsten Zweifeln
am geplanten Einsatz dieses Produkts führen und Abklärungen veranlassen müs-
sen.
5.13.6. Des Weiteren wusste die Klägerin gemäss eigener Darstellung, dass die
Konstruktion des Passerellenbodens durch die Ausführungsplanung noch bestä-
tigt werden müsste. Dennoch nahm sie in Bezug auf die Trittschalldämmplatte ei-
ne produktspezifische Ausschreibung vor und übernahm diese bei der Vergabe in
den Unternehmervertrag, bezog aber die funktionalen Anforderungen an die Bo-
denbelastung gemäss Nutzungsvereinbarung weder in die Ausschreibung noch in
den Vertrag mit dem ausführenden Unternehmer ein. Dies bedeutete nach unbe-
strittener Darstellung der Beklagten 1 im Verhältnis zum Unternehmer, dass von
Seiten des Auftraggebers keine geänderten Materialbezeichnungen mehr erfolg-
ten konnten und das zu verwendende Produkt vereinbart war. Die Aufnahme der
funktionalen Anforderungen in die Ausschreibung wäre aber gemäss ebenfalls
nicht bestrittenem Vorbringen der Beklagten 1 geeignet gewesen, den eingetrete-
nen Schaden abzuwenden, da sie die offerierenden Unternehmer dazu veranlasst
hätte, zur Einhaltung der Anforderungen betreffend Bodenbelastung die Verwen-
dung eines anderen Produkts vorzuschlagen. Auch hätte eine sorgfältige Durch-
schnittsperson mit den Fähigkeiten und in der Lage der Klägerin, namentlich mit
dem Wissen, dass eine Bestätigung durch die Ausführungsplanung notwendig
war, keine produktspezifische Ausschreibung und Vergabe vorgenommen und die
funktionalen Anforderungen einbezogen. Da auch die subjektive Komponente des
Verschuldens gegeben ist, zieht auch dieser Aspekt ein Selbstverschulden der
Klägerin nach sich.
5.13.7. Das Selbstverschulden der Klägerin wiegt angesichts ihrer Unterlassun-
gen trotz der klaren Aufgabenverteilung und angesichts der fehlerhaften Aus-
schreibung im Wissen um die Notwendigkeit der Bestätigung durch die Ausfüh-
rungsplanung insgesamt deutlich schwerer als die von der Beklagten 1 unterlas-
- 75 -
sene Abmahnung. Aus diesem Grund rechtfertigt sich im Rahmen der Schaden-
ersatzbemessung eine Herabsetzung des Schadenersatzes der Beklagten 1 um
70 % auf 30 % des ausgewiesenen Schadens der Klägerin von CHF 843'861.05,
mithin auf CHF 253'158.30.
5.14. Zins
5.14.1. Die Klägerin verlangt in ihrem Rechtsbegehren auf der eingeklagten
Schadenersatzforderung Zins zu 5 % seit 28. November 2006 (act. 1 S. 2). Eine
Begründung für die Zinsforderung liefert die Klägerin dagegen nicht. Auch die Be-
klagte 1 unterlässt Ausführungen zur Zinsforderung.
5.14.2. Zum Schaden gehört der Zins vom Zeitpunkt an, in dem das schädigende
Ereignis sich finanziell ausgewirkt hat, bis zum Tag der Zahlung des Schadener-
satzes (BGE 130 III 591 E. 4). Wird zu einem späteren Zeitpunkt die Ersatzforde-
rung geltend gemacht, ist darin ohne weiteres eine verzugsbewirkende Mahnung
zu sehen und der Verzugszins in gleicher Höhe löst den Schadenszins ab
(GAUCH/SCHLUEP, a.a.O., N 2725).
5.14.3. Die Zinsforderung der Klägerin blieb unsubstantiiert. Die Klägerin reichte
zwar die Rechnungen der beigezogenen Unternehmer zu den Sanierungsmass-
nahmen zu den Akten, und daraus liesse sich deren Datum entnehmen. Indessen
ist auch aus den Rechnungen nicht ersichtlich, in welchem Zeitpunkt die entspre-
chende finanzielle Auswirkung auf das Vermögen der Klägerin eingetreten ist. Der
Klägerin ist daher nur Verzugszins zu 5 % (Art. 104 Abs. 1 OR) ab dem Datum
der Klageerhebung am 4. Oktober 2012 (act. 1) als Zeitpunkt der Geltendma-
chung der Ersatzforderung zuzusprechen.
- 76 -
5.15. Fazit
Die Beklagte 1 ist zu verpflichten, der Klägerin CHF 253'158.30 nebst Zins zu 5 %
seit 4. Oktober 2012 zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist Ziffer 1 des klägerischen
Rechtsbegehrens auch gegenüber der Beklagten 1 abzuweisen.
6. Kürzung des Planerhonorars der Beklagten 1
6.1. Parteidarstellungen
6.1.1. Die Klägerin macht geltend, die Beklagte 1 habe aufgrund der nicht getätig-
ten Abklärungen über die mutmassliche Belastung auf den Passerellen und der
nicht sorgfältigen Abstimmung mit der Beklagten 2 den Architektenvertrag nicht
erfüllt. Gleichzeitig habe sie die Befolgung wiederholter Weisungen der Klägerin in
grober Weise ausser Acht gelassen. Dadurch habe die Beklagte 1 Kosten und
Zeit gespart. Wegen der mangelhaften Planerleistungen mache die Klägerin einen
Minderwert von pauschal 2 % des vereinbarten Honorars geltend, was CHF
45'282.– (CHF 2'264'100.– x 2 %) ausmache. Ihren Anspruch stützt die Klägerin
auf das Minderungsrecht gemäss den gesetzlichen Normen zum Werkvertrag
(act. 1 S. 26 f., 29).
6.1.2. Die Beklagte 1 vertritt die Ansicht, eine Kürzung des Planerhonorars falle
ausser Betracht, da sie nicht hafte (act. 15 S. 30, act. 36 S. 42).
6.2. Rechtliche Würdigung
Die Klägerin verlangt mit ihrem eingeklagten Schadenersatzanspruch gemäss
Rechtsbegehren Ziffer 1 von der Beklagten 1 den Ersatz des positiven Vertragsin-
teresses. Durch den Ersatz des positiven Vertragsinteresses wird die Klägerin in
Bezug auf ihr Vermögen so gestellt, wie sie stünde, wenn der Vertrag ordnungs-
gemäss erfüllt worden wäre (WOLFANG WIEGAND, a.a.O., N 38 a zu Art. 97 OR,
m.w.H.). Da die Klägerin aber bei ordnungsgemässer Erfüllung des Vertrages
durch die Beklagte 1 derselben das gesamte vereinbarte Honorar zahlen muss,
besteht zusätzlich zum Ersatz des positiven Vertragsinteresses - selbst wenn der
- 77 -
Schadenersatz infolge Selbstverschuldens der Klägerin herabgesetzt wird - nicht
auch ein Anspruch der Klägerin auf Kürzung des Planerhonorars der Beklagten 1.
6.3. Fazit
Es ist kein Anspruch der Klägerin gegen die Beklagte 1 auf Kürzung des Honorars
gegeben; Ziffer 2 des Rechtsbegehrens ist somit abzuweisen.
7. Kosten- und Entschädigungsfolgen
7.1. Gerichtskosten
7.1.1. Die Höhe der Gerichtsgebühr bestimmt sich nach der Gebührenverordnung
des Obergerichts (Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1 GOG) und richtet sich in erster
Linie nach dem Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a GebV OG). Bei einfacher Streitgenos-
senschaft und Klagehäufung werden die geltend gemachten Ansprüche zusam-
mengerechnet, sofern sie sich nicht gegenseitig ausschliessen (Art. 93 Abs. 1
ZPO). Wegen der von der Klägerin geltend gemachten solidarischen Haftung der
Beklagten 1 und 2 für den mit Ziffer 1 des Rechtsbegehrens eingeklagten Scha-
den hat bezüglich der einfachen Streitgenossenschaft keine Zusammenrechnung
der Beträge zu erfolgen, wohingegen die Forderungen gemäss Ziffer 1 und 2 des
Rechtsbegehrens zusammenzurechnen sind. Der Streitwert der Klage beträgt da-
her CHF 894'082.05 (act. 1 S. 2).
7.1.2. Unter Berücksichtigung des erheblichen Zeitaufwands des Gerichts und
des Umfanges der Akten (Klageschrift, Klageantwort, Replik, Duplik; einschliess-
lich der zahlreichen Beilagen zu den Rechtsschriften), der mehrfachen gerichtli-
chen Verfügungen, vorab auch der Durchführung einer Vergleichsverhandlung mit
entsprechender Vorbereitung (Prot. S. 8 ff.) und schliesslich der Komplexität der
Rechtsfragen und der verschiedenen Fragestellungen (2 Beklagte) rechtfertigt es
sich, die Gerichtsgebühr um rund 1/2 zu erhöhen. Die Grundgebühr ist auf CHF
43'000.– festzulegen (§ 4 Abs. 1 und 2 GebV OG). Da die Klägerin im Verhältnis
zur Beklagten 2 betreffend die Forderung von CHF 848'800.05 vollständig und im
Verhältnis zur Beklagten 1 betreffend die Forderung von CHF 894'082.05 zu rund
- 78 -
71.7 % unterliegt, sind die Kosten zu 85 % der Klägerin und zu 15 % der Beklag-
ten 1 aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
7.1.3. Die Kosten sind vorab teilweise aus dem von der Klägerin geleisteten Vor-
schuss für die Gerichtskosten zu decken. Im nicht durch den Kostenvorschuss
gedeckten Teil erfolgt der Kostenbezug direkt von der Beklagten 1. Im Umfang
von CHF 450.– ist der Klägerin das rückgriffsrecht auf die Beklagte 1 einzuräu-
men.
7.2. Parteientschädigungen
Ausgangsgemäss ist die Klägerin zu verpflichten, der Beklagten 2 eine gestützt
auf den Streitwert der gegen sie erhobenen Klage von CHF 848'800.05 bemes-
sene Parteientschädigung von CHF 41'000.– zu bezahlen (Art. 106 Abs. 1 ZPO in
Verbindung mit § 4 Abs. 1 und § 11 Abs. 1 und 2 AnwGebV). Ausserdem ist die
erst seit der zweiten Rechtsschrift vertretene Klägerin zu verpflichten, der Beklag-
ten 1 eine auf der Basis des Streitwerts von CHF 894'082.05 berechnete, redu-
zierte Parteientschädigung von CHF 23'000.– zu bezahlen (Art. 106 Abs. 1 ZPO
in Verbindung mit § 4 Abs. 1, § 11 Abs. 1 und 2 und § 12 Abs. 2 AnwGebV).
Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Beklagte 1 wird verpflichtet, der Klägerin CHF 253'158.30 nebst Zins zu
5 % seit 4. Oktober 2012 zu bezahlen. Im Mehrumfang wird die Klage gegen
die Beklagte 1 abgewiesen.
2. Die Klage gegen die Beklagte 2 wird vollumfänglich abgewiesen.
3. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 43'000.–.
4. Die Kosten werden der Klägerin im Umfang von CHF 36'550.– und der Be-
klagten 1 im Umfang von CHF 6'450.– auferlegt und vorab teilweise aus
dem von der Klägerin geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. Im nicht durch
- 79 -
den Kostenvorschuss gedeckten Teil erfolgt der Kostenbezug von der Be-
klagten 1. Im Umfang von CHF 450.– wird der Klägerin das Rückgriffsrecht
auf die Beklagte 1 eingeräumt.
5. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten 1 eine reduzierte Parteient-
schädigung von CHF 23'000.– und der Beklagten 2 eine Parteientschädi-
gung von CHF 41'000.– zu bezahlen.
6. Schriftliche Mitteilung an die Parteien.
7. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art.
113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 und
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streitwert
beträgt betreffend die Beklagte 1 CHF 894'082.05 und betreffend die Be-
klagte 2 CHF 848'800.05.