Decision ID: 7ed9353e-3523-5889-978a-42dbf0834b4b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1976, war seit
1.
Oktober 2007 bis zur Kündigung per 3
1.
Mai 2011 (
Urk.
7/18) bei der
Y._
,
Z._
, als Pannenhelfer angestellt (
Urk.
7/14/1).
Am
6.
Oktober 2010 (Eingangsdatum) mel
dete sich der Versicherte zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/3), nachdem er
im November 2009
einen Unfall
während
der Arbeit erlitten hatte, bei dem ihm eine Motorhaube auf den Kopf
gefallen war und
er
sich am 2
3.
März 2010
einer Zystenresektion
und
am 1
3.
Juli 2010 einer
Mitral
klappenrekonstruktion
unterzogen hatte (vgl. unter anderem:
Urk.
7/9/3
,
Urk.
7/70/38 f.
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die beruflich-erwerblichen und die medizinischen
Verhältnisse
ab
und
holte die Akten der zuständigen Krankentaggeldversicherung ein (
Urk.
7/12-17, 7/19-20, 7/24-25, 7/28, 7/32, 7/48)
. Am
9.
August 2012 gab die IV-Stelle
ei
n polydisziplinäres Gut
achten in Auftrag, welches am 2
3.
November 2012
durch die
A._
erstattet wurde (
Urk.
7/70).
Am 1
8.
November 2013
erteilte die IV-Stelle Kosten
gutsprache für eine Umschulung zum Handelsdiplom
vom 1
3.
Dezember 2013 bis 2
2.
Mai 2015
(
Urk.
7/97
) und verneinte mit Verfügung vom
3.
Dezember 2013 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/104).
Per
5.
Januar 2015 trat der Versicherte ein Praktikum bei der
B._
mit einem Pensum von 40
%
an (
Urk.
7/131), das per 2
6.
Mai 2015 auf
6
0
%
erhöht wurde (
Urk.
7/137).
Am
1
3.
Mai 2015 erteilte die IV-Stelle eine weitere Kostengutsprache für die Umschu
lung zum Sachbearbeiter Immobilien-Bewirtschafter
vom 2
6.
Mai bis 3
0.
Novem
ber 2015 (
Urk.
7/139),
zudem erteilte sie am
1
1.
Dezember 2015
Kostengutspra
che
für ein Job Coaching (
Urk.
7/156
, Bericht vom 2
8.
Juli 2016:
Urk.
7/179
).
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH und Fach
arzt für
Neurologie FMH,
erstattete
am
1.
Februar 2017
im Auftrag der IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten
(
Urk.
7/192). Im Nachgang
dazu
verpflichtete
sie
den Versicherten
am
9.
März 2017
im Rahmen der Schadenminderungspflicht zu einer Therapieintensivierung samt medikamentöser Therapie, wobei bei ausblei
benden Erfolg eine stationäre psychiatrische Behandlung zu erfolgen habe (
Urk.
7/193).
Ein entsprechender Behandlungsbericht ging am
1
0.
April 2018
bei der IV-Stelle ein (
Urk.
7/229), wo
rauf
am
5.
Juni 2018 der
einen Rentenanspruch verneinende
Vorbescheid erging (
Urk.
7/232)
,
wogegen der Versicherte Einwand erhob (
Urk.
7/233,
Einwandbegründung
:
Urk.
7/235). Mit Verfügung vom 1
4.
Februar 2019 verneint
e
die IV-Stelle e
inen Rentenanspruch des Versich
erten (
Urk.
2).
2.
Am 2
0.
März 2019
liess
X._
Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
4.
Februar 2019 erheben (
Urk.
1) und beantragen, diese sei aufzuheben und ihm sei nach Abschluss der Umschulungsmassnahmen ab Juli 2016 eine Rente aus
zurichten. Die Sache sei dabei zur Festlegung der Höhe des Rentenanspruchs und zu ergänzenden medizinischen Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Vernehmlassung vom
6.
Mai 2019 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6)
, was dem Beschwerde
führer mit
Verfügung vom
8.
Mai 2019 zur Kenntnis gebracht
wurde
(
Urk.
8).
Auf
die Vorbringen
der Parteien wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nach
folgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130
V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145
V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 1
4.
Feb
ruar 2019
(
Urk.
1)
im Wesentlichen damit, dass das psyc
hische Leiden des Beschwerdefüh
rers bei entsprechender Behandlung nicht langanhaltend sei, wes
halb eine invalidisierende psychische gesundheitliche Einschränkung nicht aus
gewiesen sei.
Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der Verfügung vom
3.
Dezember 2013 erachte sie daher als nicht erstellt und es werde weiterhin von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit ausgegangen.
2.2
In der Beschwe
rde
vom 2
0.
März 2019
(
Urk.
1
)
lässt der Beschwerdeführer
im Wesentlichen vorbringen, dass der medizinische Sachverhalt nicht
rechtsgenüg
lich
abgeklärt worden sei
.
Es ergebe sich aus dem Job-Coaching und der Beurtei
lung des
D._
, dass seine Leistungsfähigkeit, unabhän
gig von der konkreten Präsenzzeit, nicht über 40
%
habe gesteigert werden kön
nen.
Der Gutachter
Dr.
C._
sei zu denselben Diagnosen gelangt wie bereits
Dr.
E._
vom
D._
, nämlich
zu
eine
r
mittelgradig
e
n
bis schwere
n
depressive
n
Episode mit somatischem Syndrom sowie eine
r
undif
ferenzierte
n
Somatisierungsstörung.
Dr.
F._
habe eine paranoide Persönlich
keitsstörung,
eine
re
zidivierende depressive Episode
und eine
undifferenzierte
Somatisierungsstörung diagnostiziert. Der Beschwerdeführer rügt, dass die Beschwerdegegnerin diese fachärztlich-psychiatrische
Diagnosen
lediglich durch
die
RAD-Ärztin
dipl.-m
ed.
G._
habe prüfen lassen, die als Fachärztin für Innere Medizin fachfremd sei
.
Anders als
vom
RAD gewertet, fänden sich Hin
weise für eine Persönlichkeitsstörung bereits in allen medizinischen Berichten über den Beschwerdeführer. Weiter wäre gemäss Beschwerdeführer nach erfolgter Therapie ein Verlaufsgutachten einzuholen und von fachärztlicher Seite die gestellte Diagnose
diskutieren zu lassen. Dargelegt in der Beschwerdeschrift wird zudem, dass der Beschwerdeführer seit dem
1.
Januar 2018 mit einem Pensum von 40-60
%
in der Firma eines Freundes arbeite, bei der er seine Arbeitszeit frei einteilen und dadurch seine Defizite einigermassen kompensieren könne.
3.
3.1
Anlässlich
der Begutachtung durch die
A._
im Jahr
2012
(
Urk.
7/70)
wurde der Beschwerdeführer neurologisch,
psychiatrisch
, allgemein-medizinisch, orthopädisch und neuropsychologisch untersucht.
Im Gutachten wurden
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit
gestellt
(
Urk.
7/70/37):
-
Mitralklappenrekonstruktion
in minimalinvasiver Technik am 1
3.
Juli 2010 mit Implantation von vier
Myocordae
à 12mm am Segment P12, Implantation eines 34mm Physioringes bei schwerer
Mitralklappeninsuf
fizienz
bei Prolaps des
anterioren
Mitralsegels
, Erstdiagnose 12/09
-
Unklare Bewusstseinseinschränkungen; Ausschluss Epilepsie
Als eine Diagnose ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wurde eine Anpassungsstörung mit einer längeren depressiven Reaktion genannt (
Urk.
7/70/37).
Polydisziplinär wurde festgehalten, dass d
er Beschwerdeführer «
Trümmel
», eine allgemeine Leistungsschwäche
und ein chronisches Schmerzsyndrom
beklage
, wobei er von Kopf bis Fuss Beschwerden habe (
Urk.
7/70/39). Für das Ganzkör
perschmerzsyndrom
konnte
von neurologischer Seite kein objektivierbarer Befund gefunden werden. Somatisch wurde eine Reduktion der beruflichen Leis
tungsfähigkeit für schwere Arbeiten aufgrund
der
leicht eingeschränkte
n
Herz
funktion festgestellt.
Psychiatrisch liessen sich inklusive neuropsychologischer Testung keine kognitiven
Einbussen evaluieren. Die vom Beschwerdeführer
g
eklagten Beschwerden seien
am
e
hesten
im Rahmen einer Anpassungsstörung bei mehreren somatischen Eingriffen zu erklären und würden einer psychischen Verunsicherung entspringen (
Urk.
7/70/41).
Die Restarbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als Pannenhelfer wurde
auf
grund der eingeschränkten Herzleistung
mit 80
%
eingestuft. Eine volle Arbeits
fähigkeit bestünde jedoch in einer adaptierten Tätigkeit mit leichten und mittel
schweren Arbeiten (
Urk.
7/70/42).
3.2
Im Rahmen des Job-Coaching wurde
eine neuropsychologische Untersuchung des Beschwerdeführers veranlasst
. Im Bericht vom 1
3.
April 2016
(
Urk.
7/179/12-19)
hielten
lic
.
p
hil.
H._
und
lic
.
p
hil.
I._
, beide Fachpsychologinnen für Neuropsychologie FSP und zertifizierte Gutachterinnen Neuropsychologie SIM,
fest,
dass
der Beschwerdeführer
mit Ausnahme einer leichten Verlangsamung in der Reaktionsfähigkeit und der verbalen und nonverbalen Interferenzfähigkeit
eine
alters- und ausbildungsadäquate kognitive Leistungsfähigkeit bei anamnes
tisch zeitlich verminderter mentaler Belastbarkeit aufweise (
Urk.
7/179/18).
In
der herkömmlichen Tätigkeit sowie in einer ausbildungsentsprechenden Verweistä
tigkeit
sei
rein neuropsychologisch in leistungsfähiger Hinsicht von keiner bedeutsamen Einschränkung auszugehen (
Urk.
7/179/19).
3.3
Der Beschwerdeführer befand sich ab dem 2
4.
Mai 2016 in ambulanter Behand
lung
bei
Dr.
med.
E._
,
Facharzt FMH
für
Psychiatrie und Psychotherapie
im
D._
. Diese
r
erstattete am
7.
Oktober 2016
einen
Bericht und stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1)
-
Verdacht auf Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0)
-
Panikstörung (ICD-10: F41.0)
-
Posttraumatische Verbitterungsstörung
Diese Diagnosen würden wahrscheinlich seit Beendigung der Rehabilitation nach der Herzoperation Ende 2010 bestehen.
Dr.
E._
berichtete, dass der Beschwer
deführer über Schwindel, Kopfschmerzen sowie immer wieder
auftretende heftige Nacken- und Rückenschmerzen
klage
. Dazu kämen Herzschmerzen, «Blackouts», Gleichgewichtsstörungen, visuelle Einschränkungen, Koordinationsschwierigkei
ten, schnelle Ermüdbarkeit, Tinnitus, Konzentrationsstörungen und Migräne
(
Urk.
7/185/5)
.
Dr.
E._
stellte
ein mittelgradig depressives Zustandsbild mit Freudlosigkeit, Konzentrationsstörungen, Antriebsblockaden, Gedanken
k
reisen, niedrigem Selbstwertgefühl, Zukunftsängsten, Schlafstörungen und Störung der Libido fest (
Urk.
7/185/6).
Der Verdacht auf eine Somatisierungsstörung sei auf
grund der bisher ungenügenden Erklärung der beschriebenen Schmerzen durch körperliche Befunde formuliert worden (
Urk.
7/185/6). Die Panikstörung bein
halte die Symptome Schwindel, Todesangst, Erstickungsgefühle, Parästhesien und Zittern (
Urk.
7/185/7). Nach anfänglicher Ablehnung habe der Beschwerdeführer am
6.
Oktober 2016 einer antidepressiven Medikation zugestimmt (
Urk.
7/185/7).
Betreffend die Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
E._
fest, dass aufgrund der Verlänge
rung der beruflichen Massnahmen
keine Zeit verblieben sei, um die vom Arbeit
geber beschriebene Leistungsfähigkeit zu beurteilen. Der Beschwerdeführer berufe sich auf Fremdmeinungen
;
eine objektivierbare Selbstbeurteilung seiner Leis
tungsfähigkeit fehle (
Urk.
7/185/7). Weiter führt
e
Dr.
E._
aus, dass entspre
chend den Beobachtungen des Arbeitgebers davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer in einer einfachen Bürotätigkeit, bezogen auf eine 100%ige Präsenzzeit, zumindest mittelfristig eine Leistungsfähigkeit von 35
%
nicht über
schreiten werde. Längerfristig wäre bei ko
nsequenter psychotherapeutischer
Begleitung mit einer Verbesserung der Lebensqualität, möglicherweise auch mit einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit zu rechnen (
Urk.
7/185/7).
3.4
Im psychiatrischen Gutachten vom
1.
Februar 2017
(
Urk.
7/192)
wurde
von
Dr.
C._
eine mittelgradige bis schwere depressive Episode mit somatischem Syndrom mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert (
Urk.
7/192/45).
Auf die Frage zu seinen aktuellen Beschwerden habe der Beschwerdeführer angegeben, nicht zu wissen, was sein Problem sei. Er sei seit dem Unfall im Jahr 2009
ein ganz anderer Mensch. An somatischen Beschwerden habe er einen dif
fusen Schwindel beklagt, Übelkeit und Schmerzen. In psychischer Hinsicht
habe er angegeben
,
sich müde und energielos zu fühlen. Seine Stimmung sei in den letzten Jahren eher gedrückt (
Urk.
7/192/31 f.).
Betreffend die aktuelle Behand
lung gab der Beschwerdeführer an
, b
ei
Dr.
E._
in der
D._
seit dem 2
4.
Mai 2016 alle 14 Tage in Behandlung zu sein, wobei er dort auch nicht gerne wieder hinmöchte. Früher sei er nie in einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung gewesen. Er nehme aktuell morgens 10mg
Escitalopram
(
Urk.
7/192/38 f.).
Die Untersuchung zeigte im
Medikamentelspiegel
einen Wert von
<
1
μ
g
/l für
Escitalopram
bei einem Referenzbereich von 15-80
μ
g
/l
(
Urk.
7/192/45).
Im Gutachten
wurde
ausgeführt, dass
wenn auch
mit Verweis auf erhebliche Inkonsistenzen und Diskrepanzen
,
beim Beschwerdeführer rein formal die Diag
nose einer mittelgradigen bis hochgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom bestätigt werden müsse. Eine Aggravation der Beschwerden könne
jedoch
nicht ausgeschlossen werden
;
in diesem Zusammenhang sei die niedrige Behandlungsfrequenz, die Nichtdurchführung einer stationären Behandlung trotz seit 2012 beklagten hochgradigen Einschränkungen sowohl privat als auch beruflich und die mangelnde Compliance im Hinblick auf die Einnahme von gegenwärtig verordneten Medikamenten gemäss Medikamentenspiegel auffallend (
Urk.
7/192/54 f.).
Zur
Arbeitsfähigkeit
erklärte
Dr.
C._
, dass der Beschwerdeführer in seiner Tätigkeit als Pannenhelfer seit 2012 zu 100
%
arbeitsunfähig sei. In der zuletzt ausgeübten und bereits angepassten Tätigkeit im
B._
bestehe bei einer 100%igen Präsenzzeit
eine 35%ige
Leistungsfähigkeit seit Mai 2016 (
Urk.
7/192/60).
Empfohlen wurde dringend eine Intensivierung der fachärztli
chen Behandlung, vorzugsweise im stationären Rahmen (
Urk.
7/192/61).
3.
5
Für die Prüfung der Fahreignung wurde der Beschwerdeführer am 1
7.
Mai 2017 von
Dr.
J._
, Facharzt für Rechtsmedizin FMH, untersucht. Im Kurz
gutachten vom
1
4.
September 2017 hielt dieser fest, dass die Fahreignung weiter befürwortet werden könne (
Urk.
7/219/3).
Zudem wurde der Beschwerdeführer am 1
6.
August 2017 von
lic
. phil.
K._
, Fachpsychologe für Verkehrspsychologie FSP
,
untersucht. Dabei wurden neun verkehrspsychologische kognit
ive Leistungstest durchgeführt, bei denen der Beschwerdeführer weitgehend durchschnittliche oder überdurchschnittliche Resultate erzielte (
Urk.
7/219/8 f.).
Im explorativen Interview habe der Beschwer
deführer angegeben
,
auch subjektiv keine Einschränkung der kognitiven Leis
tungsfähigkeit zu bemerken. Eine Ausnahme seien die wiederholt auftretenden Panikattacken, in deren Folge er jeweils nicht aufnahmefähig und auf sich selbst fokussiert sei (
Urk.
7/219/10)
. Die kognitive Leistung wurde insgesamt
als ausrei
chend gewertet, um Motorfahrzeuge der
1.
und
2.
medizinischen Gruppe zu len
ken (
Urk.
7/219/11).
3.6
Mit
undatiertem
Bericht (Eingangsdatum
: 1
0.
April 2018
) stellte
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
7/229/6)
:
-
Paranoide Persönlichkeitsstörung ICD-10 F60.0 bestehend seit Jahren
-
Damit einhergehende depressive Episoden unterschiedlichen Ausmas
ses, aktuell mittelgradig
-
Undifferenzierte Somatisierungsstörung bestehend seit Jahren
Dr.
F._
führt aus, dass sich die paranoide Persönlichkeitsstörung hinter der von
Dr.
E._
und
Dr.
C._
diskutierten Diagnose einer Verbitterungsstörung ver
steckt habe. Ein therapeutischer Zugang habe nicht gefunden werden können und sei aufgrund der Art der Störung schwierig zu finden, weshalb
er
von einer ungünstigen Prognose ausgehe (
Urk.
7/229/9). Weiter
wurde
im Bericht dargelegt, dass der Beschwerdeführer gegenüber einer medikamentösen Behandlung eine ablehnende Haltung einnehme und trotz Leidensdruck einer psychiatrischen Behandlung ambivalent bis ablehnend gegenüberstehe. So habe er die
im Mai 2017 aufgenommene Behandlung
bereits im September 2017 abschliessen wollen und habe
nur
auf Initiative seiner Ehefrau daraufhin noch dre
i Mal einen Termin wahrgenommen
(
Urk.
7/229/8).
Die Sitzungen hätte in 2- bis 4-wöchigen Abständen stattgefunden (
Urk.
7/229/9).
Betreffend die Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
F._
aus, dass der Beschwerdeführer in einer Position als kaufmännischer Angestellter
bis auf Weiteres
zu 60-80
%
arbeitsunfähig sei
(
Urk.
7/229/9)
.
3.
7
RAD-Ärztin Dipl.-Med.
G._
, Fachärztin für Innere Medi
zin/Prävention und Gesundheitswesen, nahm am 1
8.
April 2018 zum Bericht von
Dr.
F._
Stellung
(
Urk.
7/231/3 f.)
und folgerte, dass die durch
Dr.
F._
gestellte Diagnose einer paranoiden Persönlichkeitsstörung nicht nachvollziehbar sei. So trete eine Persönlichkeitsstörung per Definition bereits in der Kindheit oder Jugend zutage und würde sich auf Dauer im Erwachsenenalter manifestieren. Sie werde nur diagnostiziert, wenn
die Symptome nicht direkt auf eine Hi
r
nschädi
gung oder eine andere psychische Störung zurückzuführen seien, das abnorme Verhaltensmuster andauernd, tiefgreifend und in persönlichen und sozialen Situ
ationen eindeutig unpassend sei, deutliches subjektives Leiden bestehe und deut
liche Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit bestün
den.
Dieser Definition
widerspreche die berufliche Laufbahn des Beschwerdefüh
rers, welche bis zu seinem Unfall und den nachfolgend aufgetretenen somatischen Erkrankungen ohne besondere Auffälligkeiten verlaufen sei. Weitere sei die Diagnose erst im Alter von 41 Jahren gestellt worden. Die Schlussfolgerungen von
Dr.
F._
könnten daher aus versicherungsmedizinischer Sicht weder hinsicht
lich der Diagnose noch hinsichtlich der Therapie nachvollzogen werden (
Urk.
7/231/4).
3.
8
Die ab 1
7.
April 2018
im Einzel- und Paarsetting
behandelnde Psychotherapeutin,
L._
, Psychotherapeutin SBAP,
diagnostiziert
e
im
Bericht vom
31.
Dezember 2018
eine
leichte bis zeitweise mittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F32.0/32.1) (
Urk.
7/242/3).
Es handle sich um eine depressive Symptomatik, die sich graduell verbessere. Die Verbesserung werde im Zusammenhang mit der neuen beruflichen Perspektive des Beschwerdeführers gesehen (
Urk.
7/242/39). In
seiner
Funktion in der Leitung für den Aufbau und Betrieb einer CBD Hanfanlage sei der Beschwerdeführer relativ frei in der Gestaltung der Arbeitszeiten, was einen optimalen Einsatz seiner (noch) beschränkten Leistungsfähigkeit ermögliche (
Urk.
7/242/4). Eine Aussage zur prozentualen Arbeitsfähigkeit tätigte
L._
nicht.
4.
D
er
Anspruch
auf eine Invalidenrente
entsteht
nicht
, solange Eingliederungs
massnahmen durchgeführt werden
und damit
solange der Versicherte ein Taggeld nach
Art.
22 IVG beanspruchen kann
(
Art.
29
Abs.
2 IVG;
vgl.
BGE 12
6
V
241 E. 5
).
Vorliegend erhielt der Beschwerdeführer vom
1.
November 2013 bis 3
0.
Juni 2016 Taggelder der Invalidenversicherung
(
vgl. unter anderem
Urk.
7/231/5)
. Mit
rechtskräftiger Verfügung vom
3.
Dezember 2013 verneinte die Beschwerdefüh
rerin einen Rentenanspruch bis zum Beginn der beruflichen Massnahmen. Damit ist im vorliegenden Verfahren
unbestrittenermassen nu
r
ein
an den Taggeld
bezug
anschliessender
Rentenanspruch ab dem
1.
Juli 2016 zu prüfen.
5.
5.1
Im psychiatrischen Gutachten
hielt
Dr.
C._
fest, dass die
M
öglichkeiten
zur The
rapie
der depressiven Störung
sowohl
im Hinblick auf
die
Psychotherapie
als auch die
Pharmakotherapie in
keinster
Weise ausgeschöpft seien und empfahl eine dringende Anpassung der psychopharmakologischen Behandlung unter regel
mässiger Überprüfung der Compliance. Von einer chronischen, therapierefraktä
ren depressiven Störung könne demnach nicht gesprochen werden (
Urk.
7/192/56). Gestützt auf diese Beurteilung auferlegte die Beschwerdegegne
rin dem Beschwerdeführer
im Rahmen seiner
Schadenminderungspflicht eine Therapieintensivierung samt medikamentöser Therapie (
Urk.
7/193/1). Nachdem der Bericht des behandelnden Psychiaters
Dr.
F._
am 1
0.
April 2018
eing
egangen war
(
Urk.
7/229), ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass die Schadenmin
derungspflicht nicht erfüllt w
orden sei
, da die Therapie in grossen Abständen (alle zwei bis vier Wochen) stattgefunden habe und keine medikamentöse Therapie installiert worden sei (
Urk.
7/231/5). In der angefochtenen Verfügung vom 1
4.
Februar 2019 stützt
e
sich die Beschwerdegegnerin für die Verneinung eines Rentenanspruchs unter anderem
– wenn auch nur
implizit
– dann
auch auf die Nichterfüllung der Schadenminderungspflicht (
Urk.
2 S. 2).
5.2
Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behand
lung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leis
tungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (
Art.
21
Abs.
4 ATSG) (Urteil des Bun
desgerichts 9C_155/2019 vom 2
4.
Juni 2019 E. 2.2.1.).
Ob und ab wann die Beschwerdegegnerin vorliegend allein aufgrund einer Ver
letzung der Schadenminderungspflicht zur Verweigerung von Rentenleistungen berechtigt wäre, kann – wie sich aus dem Folgenden ergibt – offen bleiben, besteht doch auch ohne Rückgriff auf die Rechtsfolgen gemäss
Art.
21
Abs.
4 ATSG kein Rentenanspruch.
6.
6.1
In somatischer Hinsicht wurde
dem Beschwerdeführer
im
polydisziplinären Gut
achten vom 2
9.
November 2012 eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit in seinem ange
stammten Beruf als Pannenhelfer aufgrund einer eingeschränkten Herzleistung attestiert unter dem Vorbehalt der Feststellung der Fahrtauglichkeit. In einer angepassten Tätigkeit mit leichten und mittelschweren Arbeiten wurde keine Ein
schränkung festgestellt (
Urk.
7/70/42).
Spätere Arztberichte, aus denen sich eine weitergehende Einschränkung aus somatischer Sicht ergeben würde, liegen nicht vor und
eine
solche
wurde
vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht.
Bei der psychiatrischen Begutachtung im Jahr 2017 gab der Beschwerdeführer gar an, dass er sich im Hinblick auf Allgemeinbefinden und Gesundheit besser fühle als noch bei der Begutachtung im Jahr 2012 (
Urk.
7/192/34).
Aus
somati
scher Sicht
rechtfertigt sich daher, wenn überhaupt, höchstens der Schluss
auf eine
leichte
Einschränkung der Herzleistung, die
die
Arbeitsfähigkeit in
der
angestammte
n
Tätigkeit als Pannenhelfer
allenfalls weiterhin
um 20
%
reduziert und keine Auswirkungen auf eine adaptierte, leichte bis mittelschwere Tätigkeit hat.
6
.2
Die Beschwerdegegnerin stützt sich in psychiatrischer Hinsicht auf das
Fachg
ut
achten von
Dr.
C._
vom
1.
Februar 201
7.
Das psychiatrische Gutachten erfüllt sämtliche rechtssprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (vgl. E.
1.5
). Es beruht auf
einer
fachärztliche
n
Untersuchung
durch den Gutachter, der
Beschwerdeführer konnte seine Beschwerden vortragen und der Gutachter setzte sich eingehend mit diesen aus
einander
(
Urk.
7/192/27-39)
.
Das Gutachten
wurde in Kenntnis der r
elevanten
Vorakten
erstellt
(
Urk.
7/192/4-27)
und es fand eine
angemessene
Auseinander
setzung mit diesen statt
(
Urk.
7/192/48-56
,
Urk.
7/192/59
)
.
In diagnostischer Hinsicht
wurde
, mit Ausnahme von
Dr.
F._
, von allen Fach
ärzten im Vordergrund ein depressives Störungsbild festgestellt.
Dr.
F._
hinge
gen diagnostizierte eine paranoide Persönlichkeitsstörung, welche seit Jahren bestanden haben soll (
Urk.
7/229/6). Diese Diagnose ist vorliegend jedoch nicht ausreichend begründet und demnach auch nicht nachvollziehbar.
Dr.
F._
führte aus, dass der Beschwerdeführer eine starke Empfindlichkeit mit Neigung zum ständigen Groll, eine starke Neigung, die Handlung anderer als feindlich oder verächtlich zu interpretieren und eine Tendenz zu einem überhöhten Selbstwert
gefühl
aufweise
(
Urk.
7/229/8). Die paranoide Persönlichkeitsstörung habe sich hinter der von
Dr.
E._
und
Dr.
C._
diskutierten Diagnose einer Verbitte
rungsstörung versteckt (
Urk.
7/229/9). Eine
weitergehende Auseinandersetzung mit
Herleitung d
er Diagnose der paranoiden Persönlichkeitsstörung findet im Bericht von
Dr.
F._
nicht statt. RAD-Ärztin Dipl.-Med.
G._
, welche zwar, wie vom Beschwerdeführer richtig vorgetragen, nicht über eine psychiatrische Fachausbildung verfügt, führt
e
dennoch nachvollziehbar und medizinisch begründet aus, weshalb die von
Dr.
F._
gestellte Diagnose nicht nachvollzogen werden
könne
. So legte sie
überzeugend
dar, dass eine Persönlichkeitsstörung nur unter bestimmten Voraussetzungen zu diagnostizieren
sei
, die beim Beschwerde
führer nicht
vorlägen
(
Urk.
7/231/4). Insbesondere wäre eine Diagnosestellung im Alter v
on 41 Jahren sehr untypisch, da
eine Persönlichkeitsstörung sich per Definition in der Kindheit oder Jugend manifestiere (
Urk.
7/231/4). Da der Beschwerdeführer bereits zuvor im Jahr 2012 psychiatrisch begutachtet worden war, im Jahr 2016 in der
D._
ambulant psychiatrisch behandelt wurde und im Jahr 2017 erneut psychiatrisch begutachtet wurde, ist es
denn auch
sehr unwahrscheinlich, dass eine deutliche paranoide Persönlichkeitsstörung, wie von
Dr.
F._
beschrieben (
Urk.
7/229/9), nicht bereits zuvor zu einer entsprechenden Diagnose durch einen anderen Psychiater geführt hätte.
Die Beurteilung von
Dr.
F._
und
seine abweich
ende Diagnosestellung vermögen folglich den Beweis
wert des Gutachtens von
Dr.
C._
nicht in Frage zu stellen und bieten auch kei
nen Anlass zu weiteren Abklärungen.
Es ist daher, wie durch
Dr.
C._
,
Dr.
E._
und der behandelnden Psychothera
peutin
L._
diagnostiziert,
im
W
esentlichen
von eine
r
depressiven
Störung
des Beschwerdeführers auszugehen. Hinzuweisen ist jedoch darauf, dass
Dr.
C._
die Diagnose einer mittelgradigen bis hochgradigen depressiven Episode nur mit aus
drücklichem Verweis auf erhebliche Inkonsistenzen und Diskrepanzen stellte und eine Aggravation nicht ausschliessen konnte (
Urk.
7/192/54). Entsprechende Hin
weise finden sich
denn
auch in den
übrigen Akten
, beispielsweise
im
neuropsy
chologischen Untersuchung
sbericht
vom 2
5.
September 2012 (
Urk.
7/70/49) und
in
den vom psychiatrischen Gutachten
deutlich abweichenden
Angaben, die der Beschwerdeführer anlässlich der verkehrsmedizinischen Begutachtung
zu seinem psychischen Zustand
machte (
Urk.
7/219
; vgl. auch E. 6.3.4 zur Konsistenz
).
Dr.
C._
attestierte dem Beschwerdeführer
, trotz dem genannten Verweis auf Inkonsistenzen,
aufgrund
der
diagnostizierten mittelgradigen bis schweren depressiven Episode mit somatischen Syndrom
eine
Leistungsfähigkeit von
nur
35
%
bei einer Präsenzzeit von 100
%
(
Urk.
7/192/60).
6
.
2
.1
Zu prüfen bleibt, ob
die im
psychiatrischen
Gutachten
attestierte Einschränkung in
der Arbeitsfähigkeit
einer rechtlichen Überprüfung gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung standhält.
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Be
zug
auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
6
.
2
.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6
.
2
.3
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im kon
kreten Fall zu klären, ob
das beweiswertige Gutachten von
Dr.
C._
– allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht
(vgl. Urteile des Bun
desgerichts
C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
6
.
3
6
.
3
.1
Die erste Kategorie «funktioneller Schweregrad» umfasst die Komplexe «Gesund
heitsschädigung», «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext».
Dr.
C._
beurteilte die
depressive Episode
als mittel- bis
schwer
gradig
.
Seine Untersuchungsbefunde weisen leichte Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen aber keine Merkfähigkeitsstörung oder eine Beeinträchtigung des Langzeitgedächtnisses auf (
Urk.
7/192/40). Es waren keine inhaltliche Denkstörungen, kei
ne strukturellen Ich-Störungen und
keine Wahrnehmungs- oder Sinnesstörungen
zu finden. Die Affektivität zeigte sich gedrückt und zum negativen Pol verschoben, die Schwin
gungsfähigkeit und das Gesamtspektrum der Emotionen zeigte sich reduziert.
Sowohl
Dr.
E._
zuvor, wie auch
Dr.
F._
danach stellten lediglich
eine mittel
gradige Episode fest; die ab 1
7.
April 2018 behandelnde Psychotherapeutin g
ing
gar nu
r noch von einer leichten bis z
eitwei
se
mittelgradigen depressiven Episode aus, wobei sie die Verbesserung auf den Umstand, dass der Beschwerdeführer mit der neu gegründeten Firma eine berufliche Perspektive habe, zurückführte (
Urk.
7/242/3), mithin einen grundsätzlich auszuschliessenden psychosozialen Faktor (BGE 127 V 294 E. 5a)
als massgeblich für
die Verbesserung erachtete.
Zum Zeitpunkt der Begutachtung befand sich der Beschwerdeführer in einer nie
derfrequenten ambulanten Behandlung in der
D._
bei
Dr.
E._
.
Dr.
C._
hielt deutlich fest, dass die zur Option stehende
n
Behandlungsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft w
ü
rden (
Urk.
7/192/57) und die bis zu diesem Zeitpunkt durchge
führte Behandlung der vorgetragenen Schwere der Beeinträchtigung nicht ange
messen sei (
Urk.
7/192/59). Damit ist vorliegend nicht von einer B
ehandlungsre
sistenz auszugehen, insbesondere auch
,
da eine medikamentöse Behandlung nicht langfristig verfolgt wurde.
Hinsichtlich der Komorbiditäten
gilt es zu berücksichtigen, dass
Dr.
C._
weder der diagnostizierten undifferenzierten Somatisierungsstörung noch der anamnes
tisch erhobenen Panikstörung eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimass (
Urk.
7/192/46).
Im Lichte dessen sowie
angesichts
der von
Dr.
C._
erhobenen Befunde, welche insgesamt auf keine schwere depressive Störung hinweisen, und der fehlenden Behandlungsresistenz ist nicht auf eine besonders schwere Ausprägung der diag
noserelevanten Befunde zu schliessen.
6
.
3
.2
I
n
Bezug auf den Komplex «Persönlichkeit» hielt
Dr.
C._
fest, dass sich klinisch keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsakzentuierung respektive –
störung
finden liessen (
Urk.
7/192/41).
Der Diagnose von
Dr.
F._
kommt nach de
m oben G
esag
ten (E. 6.2) keine Bedeutung zu.
Es ist damit keine
negative
Beeinflussung des Gesundheitszustandes oder des Leistungsvermögens durch die Persönlichkeits
struktur des Beschwerdeführers erstellt
.
6
.
3
.3
Betreffend den s
oziale
n
Kontext
des Beschwerdeführers ist auszuführen, dass die
ser seit 2009 verheiratet ist und im Jahr 2012 die gemeinsame Tochter geboren wurde. Im Gutachten wurde festgehalten, dass in der Familie keine Schwierigkei
ten best
ünd
en (
Urk.
7/192/47
,
Urk.
7/192/36
) und dass sich der Beschwerdeführer insgesamt nicht wesentlich zurückgezogen habe, so würden Kontakte zum Chef, den Mitarbeitern, der Ehefrau und dem Kind bestehen (
Urk.
7/192/34). Gemäss Bericht der behandelnden Psychologin Frau
L._
besucht das Ehepaar gelegentliche Sitzungen nach Bedarf zur Besprechung der Paarsituation (
Urk.
7/242/2).
Auch wenn der Beschwerdeführer und seine Ehefrau gelegentlich eine Paartherapie besuchen, scheint die Familiensituation grundsätzlich intakt zu sein und der Beschwerdeführer kann auf entsprechende Ressourcen zurückgrei
fen. So konnte er auch im Jahr 2018 zusammen mit einem
Freund eine Firma aufbauen, bei der er aktuell arbeitstätig ist (
Urk.
1 S. 6,
Urk.
7/242/4)
, was
eben
falls gegen
einen sozialen Rückzug
spricht
.
6
.
3
.4
Für die Beurteilung der Erwerbsfähigkeit ist beweisrechtlich der Aspekt der Kon
sistenz entscheidend. Inkonsistentes Verhalten stellt ein Indiz dafür dar, dass die geltend gemachten Einschränkungen anders begründet sind, als durch eine ver
sicherte Gesundheitsschädigung (
Urteil des Bundesgerichts 9C_393/2017 vom 2
0.
September 2017 E. 5.4.3;
BGE 141 V 281 E. 4.4
)
.
Zur Kategorie Konsistenz ist festzuhalten, dass
Dr.
C._
betont
e
, dass die Angaben
des Beschwerdeführers
zum Alltagsaktivitätsniveau
zwar auf ein massgeblich reduziertes Alltagsaktivi
tätsniveau hindeuten würden
, jedoch
trotz wiederholtem Nachfragen sehr spär
lich und vage geblieben seien (
Urk.
7/192/52).
So
habe der Beschwerdeführer zum Beispiel
zunächst an
gegeben
, dass seine Ehefrau meistens mit dem Hund spazie
ren gehe, um dann dennoch von
einem täglichen Spaziergang
von 15 bis 20 Minuten mit seinem Hund zu erzählen (
Urk.
7/192/38).
Auch fällt auf
, dass
es
dem Beschwerdeführer
möglich war, drei Umschulungen/Weiterbildungen zu besuchen, was
ein entsprechendes Aktivitätsniveau vorausgesetzt haben muss.
Zudem
fährt
er
gemäss seinen
Angaben
in der verkehrspsychologischen Begut
achtung regelmässig
mit dem Auto
nach Italien (
Urk.
7/219/7).
Auch erklärte er gegenüber
lic
. phil.
K._
, anders als gegenüber
Dr.
C._
(
Urk.
7/192/31 ff.), keine Beeinträchtigungen bezüglich Konzentration, Belastbarkeit, Stimmung oder Antrieb zu verspüren. Der Schlaf sei gut, wenn er nicht von der Invalidenversi
cherung geplagt werde (
Urk.
7/219/7). Auch war es ihm offensichtlich möglich ab
1.
Januar 2018 eine Arbeit in der am 1
1.
Dezember 2017 gegründeten
M._
mit Sitz in
N._
aufzunehmen, bei welcher er zudem seit 1
2.
April 2018 als Mitglied des Verwaltungsrates mit Einzelunterschrift amtet (
Urk.
1 S. 6, Internet-
Handelsregisterauszug
des Kantons Zug,
abgerufen
am
8.
Juni 2020
).
Angesichts dieser Inkonsistenzen und der regelmässigen ausserhäuslichen Aktivitäten kann nicht von einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen gesprochen werden.
Ebensowenig
ist ein erheblicher Leidensdruck ausgewiesen.
Dr.
C._
wies auf
die auffallend niedrige Behand
lungsfrequenz, die Nichtinanspruchnahme einer stationären Therapie und die mangelnde Compliance zur Einnahme
von Medikamenten
hin
Urk.
7/192/54 f.).
So
erkannte er denn auch
nachvollziehbar, dass die Präsentation eines erhebli
chen Leidensdrucks und darüber hinaus einer erheblichen Behinderung bei gleichzeitig fehlender adäquater Behandlung nicht im Einklang mit den medizi
nisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen einer depressiven Erkrankung stünde
n
, klinisch
untypisch und damit nicht plausibel sei
en
(
Urk.
7/192/56). Eine länger
fristige Intensivierung der Therapie oder die Aufnahme einer medikamentösen Therapie erfolg
t
e auch im Nachgang der Begutachtung
gemäss Aktenlage
nicht.
6
.
3
.5
Zusammenfassend
ergibt sich aus der detaillierten Prüfung der Standardindika
toren und deren Gesamtwürdigung, dass der Beschwerdeführer
bei Ausschöpfung der vorhandenen Ressourcen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in der Lage
wäre
, einer Tätigkeit ohne Einschränkungen nachzugehen. Dafür sprechen insbe
sondere der nicht erstellbare Leidensdruck samt niedriger Behandlungsfrequenz, das intakte soziale Umfeld und nicht zuletzt die Aufnahme einer Tätigkeit zu einem Pensum von
angeblich
60
%
. Entsprechend führt die rechtliche Überprü
fung der medizinisch beurteilten Arbeitsfähigkeit zum Schluss, dass eine Ein
schränkung der Leistungsfähigkeit aus psychischen Gründen nicht erstellt ist. Die Folgen der Beweislosigkeit hat der Beschwerdeführer zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6).
Von weiteren medizinischen Abklärungen, wie vom Beschwerdeführer beantragt (
Urk.
1 S. 2), sind keine weiteren
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb im Sinne der antizipierten Beweiswürdigung davon abzusehen ist (BGE 122 V 157 E. 1d).
7
.
7
.1
Nach dem Gesagten ist
erstellt, dass
der Beschwerdeführer in einer
angepassten, leichten bis mittelschweren
Tätigkeit,
zu 100
%
und in seiner angestammten Tätigkeit als Pannenhelfer zu
mindestens
80
%
arbeitsfähig
ist
.
7
.2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu.
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen aus
gehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfä
higkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentvergleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfa
chung (Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hin
weis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
Damit kann auf einen ordentlichen Einkommensvergleich verzichtet werden und
es kann für das Vali
den- und das Invalideneinkommen
in der angestammten Tätigkeit
derselbe
Lohn
herangezogen werden, womit der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähig
keit von
maximal 2
0
%
entspricht
.
8
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahren
s sind sie dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.