Decision ID: a3d3e589-a67b-5ee0-82db-7e4c8d4082b7
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für die Kategorien B, D1, BE und D1E seit 14. April
1971. Seit 1. April 2003 ist sie zudem für die Kategorie A fahrberechtigt. Das
Strassenverkehrsamt verwarnte sie erstmals mit Verfügung vom 16. August 2010,
nachdem sie die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h innerorts um 18 km/
h überschritten hatte. Am 19. Januar 2012 fuhr sie auf der Autobahn mit einer
Geschwindigkeit von 152 km/h statt der erlaubten 120 km/h. Das Strassenverkehrs-
und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen ordnete deshalb am 7. Juni 2012 einen
einmonatigen Führerausweisentzug an. Am 12. Juli 2012 wurde X der Führerausweis
für sechs Monate entzogen. Hintergrund der entsprechenden Verfügung waren
wiederum zwei Geschwindigkeitsüberschreitungen: Am 13. April 2012 fuhr sie innerorts
17 km/h und am 7. Juni 2012 ausserorts 41 km/h zu schnell.
B.- Am Samstag, 18. Mai 2013, 13.15 Uhr, lenkte X den Personenwagen "Audi D, S3"
mit dem amtlichen Kennzeichen SG 00'000 von Waldstatt in Richtung Urnäsch. Als das
Fahrzeug vor ihr auf der Höhe Saien stark verlangsamte, um nach rechts abbiegen zu
können, beabsichtigte sie, dieses zu überholen. Zur gleichen Zeit setzte der hinter ihr
fahrende A mit seinem Motorrad ebenfalls zu einem Überholmanöver an. In der Folge
kam es auf der Höhe der Hinterachse des Fahrzeuges von X zu einer Streifkollision.
Danach kollidierte A mit dem linksseitigen Randstein und darauf ein zweites Mal mit
dem Fahrzeug von X. Schliesslich kam er 60 Meter nach der ersten Kollision zu Fall.
Dabei zog er sich ausser ein paar oberflächlichen Schürfwunden keine Verletzungen zu.
C.- Am 11. Juni 2013 teilte das Strassenverkehrsamt X mit, dass vorerst der Abschluss
des parallel laufenden Strafverfahrens abgewartet und nach Vorliegen des
rechtskräftigen Strafentscheids geprüft werde, ob die Voraussetzungen für eine
Administrativmassnahme gegeben seien.
Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden vom 1. Oktober 2013
wurde X im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 18. Mai 2013 wegen mangelnder
Rücksichtnahme auf den nachfolgenden Verkehr zu einer Busse von Fr. 300.–
verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
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Nach Eingang des rechtskräftigen Strafbefehls gewährte das Strassenverkehrsamt X
am 16. Januar 2014 das rechtliche Gehör. Es entzog ihr in der Folge mit Verfügung
vom 31. Januar 2014 (zugestellt am 4. Februar 2014) den Führerausweis wegen
mittelschwerer Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer
von neun Monaten.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom
14. Februar 2014 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge sei Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung
aufzuheben und der Führerausweis sei ihr für die Dauer von einem Monat zu entziehen;
eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die
Vorinstanz verzichtete am 12. März 2014 auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 14. Februar 2014 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. gbis, 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Die Vorinstanz stützte die angefochtene Verfügung auf Art. 34 Abs. 3 des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG). Nach dieser Bestimmung hat
der Fahrzeugführer, der seine Fahrrichtung ändern will, wie zum Abbiegen, Überholen,
Einspuren und Wechseln des Fahrstreifens, auf den Gegenverkehr und auf die ihm
nachfolgenden Fahrzeuge Rücksicht zu nehmen. Sie stufte die Verkehrsregelverletzung
als mittelschwere Widerhandlung ein und entzog der Rekurrentin den Führerausweis
gestützt auf Art. 16b Abs. 2 lit. c SVG für neun Monate (act. 2/1). Strafrechtlich wurde
die Rekurrentin wegen einfacher Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90 Abs. 1
SVG verurteilt. Diese Strafbestimmung umfasst administrativrechtlich die leichte (Art.
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16a SVG) und die mittelschwere Widerhandlung (Art. 16b SVG). Das straf- und das
administrativrechtliche Sanktionensystem sind insoweit nicht deckungsgleich (Urteile
des Bundesgerichts [BGer] 1C_259/2011 vom 27. September 2011 E. 3.4;
1C_282/2011 vom 27. September 2011 E. 2.4). Entgegen den Ausführungen im Rekurs
kann deshalb nicht gesagt werden, die Vorinstanz sei beim Ereignis vom 18. Mai 2013
in Abweichung von der Beurteilung der Staatsanwaltschaft Ausserrhoden von einer
mittelschweren Widerhandlung ausgegangen.
a) Es ist unbestritten, dass die Rekurrentin am 18. Mai 2013 um 13.15 Uhr im Gebiet
Saien (Urnäsch/AR) ihr Fahrzeug nach links lenkte, um an einem vor ihr abbiegenden
VW Golf vorbeizufahren. Ein hinter ihr fahrender Motorradfahrer hatte bereits ebenfalls
zu einem Überholmanöver angesetzt. Sie sah den Motorradfahrer nicht, weil er sich im
sichttoten Winkel befand (act. 1 Ziff. 5). Im Strafverfahren wurde sie wegen Verletzung
von Art. 34 Abs. 3 SVG (mangelnde Rücksichtnahme auf den nachfolgenden Verkehr)
schuldig gesprochen und zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt (act. 3/5). Der
Strafbefehl wurde nicht angefochten. Bei der Befragung durch die Polizei sagte sie aus,
nach dem Schulhaus in Saien seien hinter ihr zwei Motorräder gewesen. Da sie nicht
gewusst habe, ob der VW Golf rechts geblinkt habe, um ihr zu zeigen, dass sie
überholen solle, oder ob er nach rechts habe abbiegen wollen, habe sie das Tempo
verlangsamt. Als der Golf vor ihr nach rechts abgebogen sei, habe sie den Blinker nach
links gestellt, in den Rück- und Seitenspiegel geschaut und ein Motorrad hinter sich
gesehen. Sie habe nach links gelenkt, um dem abbiegenden Golf auszuweichen und
die Fahrt fortzusetzen. Als sie ungefähr mit der Hälfte des Personenwagens über der
Mittellinie gewesen sei, habe es Kollisionsgeräusche gegeben. Sie habe nach links
geschaut und neben ihr das Vorderrad eines Motorrades, den Lenker des Motorrades
und den Motorradfahrer gesehen (act. 3/2).
Der verunfallte Motorradfahrer gab gegenüber der Polizei an, als ein Fahrzeug vorne in
der Kolonne abgebremst habe, habe der weisse Audi – das Fahrzeug der Rekurrentin –
vor ihm ebenfalls abgebremst. Da keine Fahrzeuge entgegengekommen seien, habe er
links geblinkt und beabsichtigt, die beiden Fahrzeuge zu überholen. Als er auf der Höhe
des hinteren Kotflügels gewesen sei, habe das Fahrzeug unvermittelt ausgeschert und
sein Motorrad touchiert. Das Abbiegemanöver des ersten Fahrzeugs sei für ihn nicht
ersichtlich gewesen. Er habe aber bemerkt, dass der Kolonnenverkehr abgebremst
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habe. Da habe er sich entschlossen zu überholen. Ebenfalls sei für ihn nicht ersichtlich
gewesen, dass der Audi eventuell auch überholen könnte. Jedenfalls habe er am
Anfang des Überholmanövers den Blinker beim PW nicht gesehen. Die PW-Lenkerin
habe ihn nicht gesehen, weil er wohl genau im toten Winkel gewesen sei. Er sei
vielleicht 40 oder 50 km/h schnell gefahren (act. 3/1).
Als Auskunftsperson wurde ein weiterer Motorradfahrer von der Polizei befragt, welcher
hinter dem verunfallten Motorradfahrer und der Rekurrentin gefahren war. Er führte aus,
der VW Golf habe das Tempo verlangsamt, weshalb sie alle das Tempo auf ca.
20-30 km/h reduziert hätten. Hinter dem Golf hätten sich ein weisser Audi und dahinter
ein Motorrad und dann er befunden. Der Motorradfahrer habe nach links ausgeschert,
um den Audi und den Golf zu überholen; er wisse nicht, ob mit oder ohne Blinker. Der
andere Motorradfahrer habe sein Fahrzeug in die Mitte der Gegenfahrbahn gelenkt. Als
er auf der Höhe der C-Säule des Audis gewesen sei, sei Letzterer ebenfalls
ausgeschert, um den Golf zu überholen. Dabei sei es zu einer seitlichen Kollision
gekommen. Der Motorradfahrer sei nach links ausgewichen, mit dem linken Randstein
kollidiert, ins Schlingern geraten und daraufhin erneut mit dem Audi
zusammengestossen. Danach habe er die Maschine nach links abgelegt (act. 3/3).
b) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03) ausgeschlossen ist, der
Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1
lit. a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Die mittelschwere Widerhandlung
nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG stellt einen Auffangtatbestand dar. Sie liegt vor, wenn
nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten Widerhandlung und nicht alle
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qualifizierenden Elemente einer schweren Widerhandlung gegeben sind (BGE 135 III
138 E. 2.2.2).
aa) Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder zumindest abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird dabei zwischen der einfachen und der erhöhten
abstrakten Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahmen
nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann
auszugehen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten
betroffen werden können. Führte dieses hingegen zu einer Verletzung eines Rechtsguts
oder einer konkreten bzw. einer erhöhten abstrakten Gefährdung der körperlichen
Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete
Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich daherkommenden
Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer Körperverletzung
oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12).
Zudem ist das Ausmass der üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der
Rechtsgutverletzung zu berücksichtigen (vgl. VRKE IV-2011/113 vom 24. November
2011 E. 3b, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch/ Verwaltungsrekurskommission). Der
Gefährdung der Sicherheit kommt durch die seit 1. Januar 2005 geltenden Art. 16a bis
16c SVG eine wesentliche und eigenständige Bedeutung zu. Der Gesetzgeber hat
bewusst dem Gesichtspunkt der Verkehrsgefährdung ein höheres Gewicht
beigemessen. Insbesondere hat er das Recht des Warnungsentzugs verselbständigt
und im Hinblick auf die Erhöhung der Verkehrssicherheit verschärft (BGer 1C_267/2010
vom 14. September 2010 E. 3.4).
bb) Es steht fest, dass der verunfallte Motorradlenker im sichttoten Winkel der
Rekurrentin war, als Letztere ausschwenkte. Weiter ist davon auszugehen, dass sich
die Motorradfahrer – entgegen den Ausführungen der Rekurrentin (vgl. act. 1 Ziff. 14) –
direkt hinter ihr befanden. So gab insbesondere der unbeteiligte Motorradfahrer in der
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polizeilichen Befragung an, hinter dem Golf hätten "sich ein weisser Audi, dahinter das
1. Motorrad und dahinter ich" befunden (act. 3/3 S. 2). Ein Überholmanöver, das
unternommen wird, während ein nachfolgendes Fahrzeug bereits zum gleichen Zweck
die linke Strassenseite einnimmt, ist nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge geeignet,
eine Kollision zu verursachen. Denn wer ein anderes Fahrzeug überholt und sich dabei
bereits mit diesem auf gleicher Höhe befindet, kann nicht voraussehen, dass ihm
andere Strassenbenützer plötzlich den Weg abschneiden werden. Der Rekurrentin ist
vorzuwerfen, dass sie bei Einleitung des Überholmanövers nicht die erforderliche
Aufmerksamkeit walten liess und insbesondere nicht bedachte, dass sich im sichttoten
Winkel ein Fahrzeug befinden könnte. Da sie zuvor noch zwei Motorräder im
Rückspiegel sah, hätte sie – nachdem sie kurz vor dem Überholmanöver nur noch ein
Motorrad im Rückspiegel erblickte – damit rechnen müssen, dass sich der zweite
Töfffahrer im sichttoten Winkel befindet. Dies umso mehr, als es sich bei der Strecke
Waldstatt-Urnäsch-Schwägalp bei schönem Wetter – am 18. Mai 2013 schien gemäss
Fotodokumentation der Polizei die Sonne an einem fast wolkenlosen Himmel (vgl.
act. 3/4) – am Wochenende um eine bekannte, beliebte Motorradstrecke handelt. Ein
blosser Blick in den Rück- und Seitenspiegel genügte unter diesen Umständen
keinesfalls, um sich davon zu überzeugen, dass sie durch ihr Überholmanöver keine
nachfolgenden Fahrzeuge behindern würde. Sie hätte sich vor dem Überholen vielmehr
mit einem Kopfdrehen und einem direkten Blick in den sichttoten Winkel vergewissern
müssen, dass sich dort niemand befindet. Dies zu verlangen, stellt im konkreten Fall
keine überrissene Anforderung an die Sorgfaltspflichten der Fahrzeuglenkerin dar. Aus
dem Umstand, dass die Rekurrentin den Motorradfahrer nicht gesehen hat, muss
geschlossen werden, dass sie den Verkehrsvorgängen im sichttoten Winkel nicht die
genügende Beachtung schenkte. Sie kam damit der geforderten Sorgfalts- und
Vorsichtspflicht nicht nach und verletzte dadurch Art. 34 Abs. 3 SVG.
Aus dem von der Rekurrentin zitierten Art. 35 Abs. 3 SVG lässt sich nichts zu ihren
Gunsten ableiten. Das darin enthaltene Gebot der Rücksichtnahme auf den zu
überholenden Strassenbenützer erschöpft sich in der Hauptsache in der Pflicht, beim
Überholen gegenüber dem zu Überholenden einen angemessenen seitlichen Abstand
zu wahren und nicht kurz vor ihm wieder nach rechts einzubiegen (Philippe
Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St. Gallen 2011, Art. 35
SVG N 19). Des Weiteren ist ein Verstoss gegen Art. 34 Abs. 3 SVG unabhängig davon
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möglich, ob sich der nachfolgende Fahrzeuglenker ebenfalls einer
Verkehrsregelverletzung schuldig gemacht hat (Weissenberger, a.a.O., N 31 zu Art. 34
SVG).
c) Da weder von einer geringen Gefährdung noch von einem leichten Verschulden
auszugehen ist, hat die Vorinstanz der Rekurrentin den Führerausweis zu Recht
gestützt auf Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG wegen einer mittelschweren Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften entzogen.
3.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG sind bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr-
oder Führerausweisentzugs die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Diese beträgt
gemäss Art. 16b Abs. 2 lit. c SVG nach einer mittelschweren Widerhandlung
mindestens neun Monate, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis
zweimal wegen mindestens mittelschweren Widerhandlungen entzogen war.
b) Die Rekurrentin beging innerhalb kurzer Zeit drei Geschwindigkeitsüberschreitungen,
und zwar am 19. Januar 2012 (32 km/h zu schnell auf der Autobahn, mittelschwere
Widerhandlung [Weissenberger, a.a.O., Vor Art. 16a-c SVG N 9]), 13. April 2012 (17 km/
h zu schnell innerorts, leichte Widerhandlung) und 7. Juni 2012 (41 km/h zu schnell
ausserorts, schwere Widerhandlung). Am selben Tag wie die letzte
Geschwindigkeitsüberschreitung, d.h. am 7. Juni 2012, verfügte die Vorinstanz für die
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 19. Januar 2012 einen Führerausweisentzug für
einen Monat. Am 12. Juli 2012 verfügte die Vorinstanz zudem einen sechsmonatigen
Führerausweisentzug für die beiden anderen Geschwindigkeitsüberschreitungen vom
13. April und 7. Juni 2012. Sie wies in der Verfügung vom 7. Juni 2012 zu Recht darauf
hin, dass die Massnahme (gemeint ist der Führerausweisentzug für sechs Monate) im
Zusatz (zur Verfügung vom 7. Juni 2012) erfolge (act. 10/40). Gleich wie im
Strafverfahren (Art. 49 Abs. 2 StGB) gilt auch bei Warnungsentzügen im
Administrativmassnahmeverfahren die sogenannte retrospektive Konkurrenz. Hat die
Behörde eine Widerhandlung gegen Strassenverkehrsvorschriften zu beurteilen, die der
Täter begangen hat, bevor er wegen einer anderen Tat sanktioniert wurde, so bestimmt
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sie die Zusatzmassnahme in der Weise, dass der Täter nicht schwerer sanktioniert
wird, als wenn die einzelnen Widerhandlungen gleichzeitig beurteilt worden wären. Die
Zusatzmassnahme vom 12. Juli 2012 bewirkt, dass die Rekurrentin nicht schwerer
sanktioniert wird, als wenn die drei Geschwindigkeitsüberschreitungen gemeinsam
beurteilt worden wären, was zumindest theoretisch möglich gewesen wäre. Folglich
sind die beiden Verfügungen vom 7. Juni und 12. Juli 2012 als Einheit zu betrachten.
Dies bedeutet für die Bemessung der Entzugsdauer für das Ereignis vom 18. Mai 2013,
dass die Rekurrentin insgesamt mit einer schweren Widerhandlung im
Administrativmassnahmenregister verzeichnet ist. Entsprechend ist im vorliegenden
Fall entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht Art. 16b Abs. 2 lit. c SVG, sondern
Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG anwendbar. Gemäss dieser Bestimmung wird der
Führerausweis nach einer mittelschweren Widerhandlung mindestens vier Monate
entzogen, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis einmal wegen einer
schweren oder mittelschweren Widerhandlung entzogen war. Die Vorinstanz orientierte
sich in der angefochtenen Verfügung an der Mindestentzugsdauer. Es besteht kein
Grund, dies nicht auch bei der Anwendung von Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG zu tun,
weshalb der Führerausweis für vier Monate zu entziehen ist. Dabei handelt es sich um
die Mindestentzugsdauer, die – ungeachtet allfälliger besonderer Umstände, einer
beruflichen Angewiesenheit auf den Führerausweis oder eines untadeligen
automobilistischen Leumunds, wobei Letzteres bei der Rekurrentin nicht zuträfe – nicht
unterschritten werden darf (Art. 16 Abs. 3 SVG; BGE 132 II 234 E. 3.2). Bei der
Mindestentzugsdauer gibt es keinen Spielraum (vgl. BGer 1C_129/2010 vom 3. Juni
2010 E. 3.3).
4.- Zusammenfassend ist Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und der
Führerausweis der Rekurrentin für die Dauer von vier Monaten zu entziehen. Im
Übrigen bleibt die Verfügung vom 31. Januar 2014 unverändert. Dies entspricht einer
teilweisen Gutheissung des Rekurses. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die
amtlichen Kosten der Rekurrentin und dem Staat je zur Hälfte aufzuerlegen (Art. 95
Abs. 2 VRP), wobei eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– als angemessen erscheint
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss
von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen und der Rekurrentin im Restbetrag von Fr. 600.–
zurückzuerstatten. Ein Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung besteht nicht
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(vgl. Rebecca Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St. Gallen 2004, S. 183).