Decision ID: 9db1b40d-4782-4531-be98-f53f06218975
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1973, meldete sich am 13. Januar 2005 u
nter Hinweis auf
Darmprobleme bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nische und erwerbliche Situation ab und verneinte mit Verfügung vom 5. Juli 2005 (Urk. 11/24) einen Rentenanspruch des Versicherten. Im Rahmen des Einspracheverfahrens holte die Beschwerdegegnerin beim
Y._, ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 8. August 2007 erstattet wurde (Urk. 11/46). Gestützt darauf wies sie die Einsprache am 15. Oktober 2007 ab (
Urk. 11/58). Die am 16. November 2007 dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 11/63
/3-5) zog der Versicherte am 21. Februar 2008 zurück (vgl. Urk. 11/66; Prozess Nr. IV.2007.01433).
1.2
Mit Verfügung vom 15. Februar 2010 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, bei unveränderter Sachlage bestehe weiterhin kein Rentenanspruch (Urk. 11/112). Die am 19. März 2010 dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 11/118) hiess das hiesige Gericht im Verfahren IV.2010.00278 mit Urteil vom 19. Juli 2011 in dem Sinne gut, dass die Sache an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung zurückge
wiesen wurde (Urk. 11/129).
1.3
Die IV-Stelle holte in der Folge bei der Y._ ein Verlaufsgutachten ein, das am 8. Mai 2013 erstattet wurde (Urk. 11/168). Gestützt darauf sprach sie dem Ver
sicherten mit Verfügung vom 23. Oktober 2013 (Urk. 11/184 ff.) bei einem Inva
liditätsgrad von 57 % eine halbe Rente ab Januar 2009 und bei einem Inva
lidi
tätsgrad von 73 % beziehungsweise 100 % eine ganze Rente ab April 2009 zu (vgl. Urk. 11/178).
1.4
Am 22. Februar 2016 meldete sich der Versicherte zum Bezug einer Hilflosen
entschädigung an (Urk. 11/202).
Die IV-Stelle führte eine Abklärung
der Hilflosigkeit
beim Versicherten zu Hause durch (Urk. 11/252).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 11/250, Urk. 11/259) sprach die
IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 13. April 2017 eine Entschä
digung für Hilflosigkeit leichten Grades ab 1. März 2015 zu (Urk. 11/268-269 = Urk. 2).
1.5
Mit Mitteilung vom 17. Januar 2017 (Urk. 11/256) teilte die IV-Stelle dem Ver
sicherten mit, der Rentenanspruch sei unverändert.
2.
Der
Versicherte erhob am
23. Mai 2017 Beschwerde
(Urk. 1) gegen die Ver
fügung
vom 13. April 2017 (Urk. 2) und beantragte, diese sei insoweit aufzu
heben, als ihm
Leistungen verweigert würden (S. 2 Ziff. 1) und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen, insbesondere eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades (S. 2 Ziff. 2).
Mit Verfügung vom 7. Juni 2017 wurde der Beschwerde
führer aufgrund von noch nicht geleisteten Kosten aus dem Prozess Nr.
IV.2007.01433 zur Leistung eines Kostenvorschusses in der Höhe von Fr. 1'000.-- verpflichtet (Urk. 4
).
D
ie entsprechende Zahlung ging fristgerecht beim hiesigen Gericht ein (Urk. 6).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
24. August 2017
(Ur
k. 10) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer
am
19
.
Septem
ber 2017
zur Kenntnis gebracht (Urk.
12
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflo
senentschädigung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebens
verrich
tungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwa
chung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung,
IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgen
den sechs alltäglichen Lebens
verrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV ange
wiesen ist.
1.3
Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2 lit. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.4
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige versicherte Person ausser
halb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
a.
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
b.
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder
c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine Viertelsrente bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV).
Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Begleitung, die regelmässig und im Zusammenhang mit den in Absatz 1 erwähnten Situationen erforderlich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretungs- und Verwaltungstätigkeiten im Rahmen
von Massnahmen des Erwachsenenschutzes nach den Artikeln 390-398 des Zivilgesetzbuches
(
Art.
38
Abs.
3 IVV).
Der Anspruch auf Berücksichtigung des Bedarfs an lebenspraktischer Begleitung ist nicht auf Menschen mit Beeinträchtigung der psychischen oder geistigen Gesundheit beschränkt. Es ist durchaus möglich, dass auch andere Behinderte einen Bedarf an lebenspraktischer Begleitung geltend machen können. Zu denken ist insbesondere an hirnverletzte Menschen (BGE 133 V 450 E. 2.2.3).
Unerheblich ist, in welcher Umgebung sich die versicherte Person – abgesehen davon, dass sie ausserhalb des Heims wohnen muss – aufhält und ob sie auf die Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder der Eltern zählen kann (BGE 133 V 450 E.
2.2.3 und 5).
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die lebenspraktische Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durch
schnitt mindestens 2 Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 450 E. 6.2).
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritt
hilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
Das Gesetz macht den Anspruch auf Hilflosenentschädigung nicht davon abhän
gig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 133 V 472 E. 5.3.2).
1.5
Schliesslich muss beim Bedarf an lebenspraktischer Begleitung die Schadenmin
derungspflicht berücksichtigt werden
(Rz 8040 Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH) mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 9C_410/2009 vom 1. April 2010). Die Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Einsatzfähigkeit sind durch geeignete organisato
rische Massnahmen und die Mithilfe der Familienangehörigen, denen dadurch keine unverhältnismässige Belastung entstehen darf, möglichst zu mildern. Diese Mithilfe geht weiter als die ohne Gesundheitsschaden zu erwartende Unterstützung. Es ist danach zu fragen, wie sich eine vernünftige Familienge
meinschaft einrichten würde, sofern keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären. Keinesfalls darf aber unter dem Titel Schadenminderungspflicht die Bewältigung der Haus
halttätigkeit in einzelnen Funktionen oder insgesamt auf die übrigen Familien
mit
glieder überwälzt werden mit der Folge, dass gleichsam bei jeder festgestellten Einschränkung danach gefragt werden müsste, ob sich ein Familienmitglied finden lässt, das allenfalls für eine ersatzweise Ausführung der entsprechenden Teilfunktionen in Frage kommt (Urteil des Bundesgerichts I 1013/06 vom
9. November 2007 E. 7.2). Grundsätzlich unerheblich ist die Umgebung, in welcher
sich die versicherte Person aufhält. Versicherte, welche mit Familienangehörigen zusammenleben, hätten sonst kaum je Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung für lebenspraktische Begleitung. Es ist allein mass
gebend, ob die versicherte Person, wäre sie allein auf sich gestellt, erhebliche Dritthilfe benötigen würde. Dem
gegenüber ist die tatsächlich erbrachte Mithilfe von Familienangehörigen eine Frage der Schadenminderungspflicht, die erst in einem zweiten Schritt zu prüfen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_828/2011 vom 27. Juli 2012 E. 5.3.1).
1.6
Gemäss Art. 69 Abs.
2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungsan
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen. Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem
Aspekt der Hilflosigkeit (Art.
9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeiten hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rück
fragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig
(vgl. BGE 133 V 450 E. 11.1.1)
. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglich
en Lebensverrichtungen sowie der
tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung täti
gen
den Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungs
person näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE 140 V 543
E.
3.2.1
mit Hinweisen; SVR 2012 IV Nr. 54 S.
195,
Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2011 vom 12. Juli 2012 E.
3.2). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem
Gesichts
punkt
der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt
de
s Intensivpflegezuschlags (vgl.
Urteil
des Bundesgerichts 8C_308/2016 vom 6.
September 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf
8C_756/2011
vom 12. Juli 2012
E.
3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf die Angaben der vor Ort erfolgten Abklärung davon aus, dass der Beschwer
deführer seit Oktober 2013 regelmässig Fremdhilfe bei der Selbstpflege benötige. Betroffen seien die Bereiche der alltäglichen Lebensverrichtun
gen Essen, Notdurft und Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte, was zu einem Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades führe (Verfügungsteil 2, S. 1).
Die nötige Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtungen sei bei reinen oder überwiegend funktionalen Einschränkungen gemäss KSIH Randziffer 8051 im Bereich der Lebensverrichtung Fortbewegung anzurechnen. Dies treffe beim Be
schwerdeführer zu. Ein Anspruch auf lebenspraktische Begleitung bestehe somit nicht. Die betreffend Körperpflege erwähnten Hilfestellungen der Ehefrau seien als zumutbare Mithilfe von Familienangehörigen zu werten. Im Bereich Körper
pflege resultiere daher keine regelmässige und erhebliche Hilflosigkeit (Verfügungsteil 2, S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer
auf den Standpunkt (Urk.
1), er sei unbestrittenermassen in den drei von der Beschwerdegegnerin genannten Bereichen erheblich auf Dritthilfe angewiesen (S. 4 unten). Er sei zudem gemäss Abklärungsbericht dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen, da er für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen sei. Dies sei anstatt unter «Fortbewegung» unter dem Titel «lebenspraktische Begleitung» zu berücksichtigen (S. 5 oben). Sodann habe sich zwischenzeitlich die Erkrankung akzentuiert und er sei auf die dauernde Benut
zung eines Rollstuhls angewiesen. Er benötige aufgrund der Tatsache, dass er nun dauernd auf einen Rollstuhl angewiesen sei, klarerweise lebenspraktische Beglei
tung. Er habe somit Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades (S. 5 Mitte). Sodann gelte es betreffend die Lebensverrichtung «Körperpflege» darauf hinzuweisen, dass es unzutreffend sei, dass er bei funktionierendem Bade
lift sich selbständig waschen könne (S. 5 unten).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Hilflo
senentschädigung mittleren Grades hat.
3.
3.1
Die Ärzte des Y._, erstatteten ihr polydisziplinäres Gut
achten am 8. August 2007 (Urk. 11/46) gestützt auf die Akten sowie die Unter
suchungen des Beschwerdeführers. Sie nannten folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 15 Ziff. 6.1):
-
Morbus Crohn (Erstdiagnose 1995) mit/bei
-
Status nach Dünndarmileus mit Stenosierung des distalen Ileums (199
5)
-
Status nach Ileozökalresektion und Ureterolyse rechts (1996)
-
Status nach Perianalabszess, Bauchdeckenabszess und Abszess im Bereich der Ileumschlinge (1999)
-
Abszessexzision perianal (2004)
-
Anastomosenstenose mit Ballondilatation im Bereich des terminalen Ileums (2004)
-
Status nach enteroemteraler und retroperitonealer Fistel (2004)
-
Status nach Resektion der Ileo-Ascendostomie mit Neuanlage Ileo-Ascendostomie am 3. Januar 2005 bei Dünndarmileus mit Stenosie
rung im distalen Drittel des Neo-Ileums (Januar 2005)
-
explorative Laparotomie/Adhäsiolyse und Neuanlage der Ileo-Ascen
dos
tomie Februar 2005
-
aktuelle Therapie: Remicade, Imurek, Prednison, Salazopyrin
-
chronisches rechtsbetontes Lumbovertebralsyndrom mit pseudoradiku
lä
rer Ausstrahlung in beide Beine mit/bei
-
Hyperkyphose der Brustwirbelsäule, Sacrum acutum, diskrete Skoliose
-
leicht verminderte Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule und des Brust
korbes bei Inspiration und Expiration
Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0).
Sie führten aus, dass anlässlich der psychiatrischen Untersuchung keine nach ICD-10 klassifizierbare Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe festgestellt werden können. Gemäss Angaben des Beschwerdeführers nehme er täglich 60 mg Mianserin ein. In der Medikamentenspiegel-Bestimmung habe je
doch kein Mianserin nachgewiesen werden können, so dass gegenwärtig von einem unbehandelten Zustandsbild ausgegangen werden müsse. Auch wenn gegen
wärtig keine dringende Indikation für eine Behandlungsmassnahme abzu
leiten sei, sei die Behandlung auch einer leichten depressiven Störung durch eine suffiziente antidepressive Therapie empfehlenswert (S. 16 f.).
Bezüglich der rheumatologischen Beschwerden sei ungewöhnlich, dass diese auf die Behandlung mit den erwähnten Basismedikamenten sowie auf eine Behand
lung mit Remicade nicht oder nur unwesentlich angesprochen hätten (S. 17 unten). Insgesamt müsse beim Beschwerdeführer mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen einer entzündlichen Mitbeteiligung des Sakroiliakalgelenks im Rahmen des Morbus Crohn ausgegangen werden. Trotz dieser Diagnose seien dem Beschwer
deführer körperlich leichte bis maximal mittelschwere, wechselbe
las
tende und rückenadaptierte Tätigkeiten vollschichtig zuzumuten (S. 18 oben).
Anlässlich der gastroenterologischen Beurteilung sei festgehalten worden, dass der Morbus Crohn unter der aktuellen Therapie als sub-stabil anzusehen sei. Anamnestisch habe ein letzter Schub im Dezember 2006 stattgefunden. Aufgrund des Befundes der Calprotectin-Bestimmung müsse zusammen mit den anamne
stisch geschilderten täglich auftretenden Abdominalkrämpfen und der weiterbe
stehenden Diarrhoe gegenwärtig von einer chronisch aktiven Entzündung des Morbus Crohn ausgegangen werden. Eine Beschäftigung, die einen uneinge
schränkten Zugang zur Toilette ermögliche, und die ohne Kundenkontakt absol
viert werden könne, sei ihm gegenwärtig zu 70 % zumutbar. Die 30%ige Ein
schrän
kung trage dem gegenwärtig nachgewiesenen aktiven Entzündungsprozess Rechnung. Eine Aussage zur langfristigen Entwicklung der Arbeitsfähigkeit könne gegenwärtig aus gastroenterologischer Sicht nicht gemacht werden (S. 18 Mitte).
Zusammenfassend sei der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Parkwart im Autohandel mit leichten Reinigungsarbeiten und Herrichten von Neuwagen gegenwärtig zu 70 % arbeitsfähig (S. 18 unten).
3.2
Die Ärzte des Y._, erstatteten ihr polydisziplinäres Ver
laufsgutachten am 8. Mai 2013 (Urk. 11/168) gestützt auf die Akten sowie die Unter
suchungen des Beschwerdeführers. Sie nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 47 f. Ziff. 6.1):
-
refraktäre Ileokolitis Crohn mit häufigen, komplikationsbehafteten mittel
schweren bis schweren Krankheitsschüben bei aktuellem CDAI von 415 Punkten sowie mit
-
chronischem Durchfall mit 10-15 flüssigen Entleerungen pro Tag bei
-
Ileocolitis Crohn, Differentialdiagnose (DD): Overgrowth, Gallensäure
verlustsyndrom, sekundäre Laktoseintoleranz
-
wiederholten Hospitalisationen wegen Morbus Crohn Attacken und rezidivierendem Subileus, seit 2004 mindestens 1 x, meistens mehrmals pro Jahr
-
Steroidabhängigkeit
-
Grosser Bauchwand-Narbenhernie bei Status nach offener Cholezy
stektomie und Resektion der Ileoascendostomie sowie Neuanlage einer Ileotransversostomie am 22. Februar 2011, Status nach postoperativem Wundinfekt mit Platzbauch, Relaparotomie und erneutem Bauch
decken
verschluss mittels Vicrylnetz, Status nach Ausriss des Netzes und
-
Sekundärem abdominellem Bauchverschluss durch Hautmobilisation
-
Status nach Resektion einer Ileoascendostomie mit Neuanlage einer Ileoascendostomie wegen Dünndarmileus mit Stenosierung im distalen Drittel des Ileums 2005
-
Ballondilatation einer Anastomosenstenose mit Verdacht auf Fistelbil
dungen 2004
-
Ileozökalresektion und Ureterolyse rechts bei enterovesikaler Fistel und mehreren Abszessen 1996
-
Status nach multiplen Abszessbildungen und Abszessdrainagen 1999, 2004, 2011
-
operativer Korrektureingriff der Bauchwandhernie vorgesehen
-
Cushingsyndrom infolge andauernder Steroidtherapie
-
muskuloskelettäre Beschwerden klinisch nicht abschliessend zuzuord
nen
der Ursache an Schulter links, am Rücken und Bein links, an Händen und Vorfüssen
-
DD: degenerativ und überlastungsbedingt, DD: spondyloarthritisch, DD: linkslumbiradikulär ohne neurologische Ausfälle
-
periphere Manifestation von enteropathischer Spondyloarthritis zurzeit
-
Plantarfaszienenthesiopathie beidseits
-
symptomatische ISG-Arthritis rechts, in den Akten erstmals etikettiert 2001
-
Verdacht auf Morbus Crohn-assoziierte Sakroiliitis
Sie führten aus, dass die Krankheitsaktivität der chronischen Darm-Erkrankung nach heutiger Einschätzung seit dem Jahr der letzten Y._-Begutachtung zuge
nommen habe, so dass der Krankheitsverlauf aus heutiger Sicht als progredient eingeschätzt werden könne. Es sei gestützt auf die anamnestischen Angaben von einer vorübergehenden Stabilisierung in den Jahren 2009 und 2010 und einer massiven Verschlechterung ab Anfang 2011 auszugehen. Die Erkrankung führe aus heutiger gastroenterologischer Sicht aufgrund der Krankheitsaktivität und der Schmerzsymptomatik zu einer stark eingeschränkten Leistungsfähigkeit, dass eine aufgehobene Arbeitsfähigkeit zu begründen sei (S. 53).
Die ergänzend durchgeführte rheumatologische Untersuchung habe einen gegen
über der Voruntersuchung aus dem Jahre 2007 deutlich verschlechterten muskulo
skelettären Gesundheitszustand ergeben, wobei die Genese der multilokulär geäusserten Beschwerden ohne weiterführende bildgebende Diagnostik aus rheu
matologischer Sicht teilweise nicht sicher habe zugeordnet werden können. Nachvollziehbar sei jedoch aus rheumatologischer Sicht eine Mitbeteiligung einer am ehesten muskuloskelettär überlastungsbedingten lumbal lokalisierten Schmerz
symp
to
matik an der vom Beschwerdeführer geschilderten abdominalen Schmerzsymptomatik (S. 53 unten).
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Mitarbeiter einer Autogarage im Bereich Autoreinigung sowie als Parkwächter bestehe aufgrund der chronischen Erkran
kung keine Arbeitsfähigkeit. Dies begründe sich mit einer nachvollziehbar krank
heitsbedingt und zusätzlich im Rahmen der medikamentösen Therapie und der Malnutrition erklärbaren allgemeinen Erschöpfungssymptomatik und Ermüdbar
keit und den erkrankungsbedingt notwendigen gehäuften Toilettengängen und der
ausgeprägten abdominalen Schmerzsymptomatik mit deutlicher funktioneller Ei
n
schränkung im Bereich der Bauchmuskulatur. Die genannten Einschrän
kung
en seien mit keiner denkbaren Arbeitstätigkeit vereinbar (S. 55 oben).
Eine nachvollziehbare und laut Aktenlage gut dokumentierte Verschlechterung des Krankheitszustandes der Crohn-Erkrankung könne ab Januar 2008 ange
nommen werden. Es sei davon auszugehen, dass im Jahr 2008 bei erhöhter Krankheitsaktivität gegenüber der Vorbeurteilung der Y._ aus dem Jahr 2007 noch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe. In den Jahren 2009 und 2010
habe nach heutiger Einschätzung bei weiterer Krankheitsprogredienz eine Arbeits
fähig
keit von 30 % vorgelegen. Ab Februar 2011 könne eine aufgehobene Arbeits
fähigkeit angenommen werden (S. 55 Mitte).
3.3
Dr. med. Z._, Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, A._, führte mit Bericht vom 12. Oktober 2016 (Urk. 11/244) aus, es handle sich um einen Patienten mit schwerstem Morbus Crohn, der durch die Folgen der intestinalen Erkrankung invalidisiert sei. Nebst der enteroktalen Dünn
darmfistel leide der Beschwerdeführer an einer immobilisierenden sympto
matischen Osteoporose und Cox/Omartrhose (Ziff. 1.3). Die Prognose sei schlecht. Eine erneute Dünndarmoperation zur Besserung der Fistel sei bei dem schwer
kranken Patienten mit keinem vertretbaren Risiko möglich, eine weitere Immun
suppression zur Behandlung des Crohns sei ebenfalls nicht möglich, da in ver
gangenen Versuchen jeweils Infektionskomplikationen aufgetreten seien. eine
Operation der Coxarthrose könne ebenfalls nicht vorgenommen werden (Ziff. 3.3
).
Mit gleichentags verfasstem Bericht über einen Button-Wechsel der PEG hielt Dr. Z._ unter anderem fest, es seien im April 2016 im Rahmen der symptomatischen Osteoporose bildgebend eine Fraktur eines Brustwirbelkörpers und zweier Lendenwirbelkörper festgestellt worden (Urk. 11/244/6). Dies bestätigte Dr. med. B._, Co-Chefarzt am C._, in seinem Schreiben vom 22. Dezember 2016 (vgl. Urk. 11/245).
3.4
Am 3. Januar 2017 informierte die Abklärungsperson über die am 26. Oktober 2016 am Wohnort des Beschwerdeführers erfolgte Abklärung (Urk. 11/252), wo
bei nebst dem Beschwerdeführer auch dessen Ehefrau anwesend gewesen sei. Der Beschwerdeführer habe dabei erklärt, er habe sich vor drei Jahren seinen Dünn
darm entfernen lassen müssen. Seither brauche er viel Unterstützung von seiner Ehefrau bei alltäglichen Verrichtungen. Nebst der Dünndarmproblematik leide er an diversen weiteren Beschwerden, insbesondere die linke Hüfte sei operations
bedürftig, er könne aktuell kaum gehen. Nach mehreren Spitalaufenthalten im Jahr 2015 habe er erst gar nicht mehr stehen und gehen können, ab August 2015 habe er dank intensiver Physiotherapie zu Hause wieder laufen gelernt, so dass er sich mit einem Gehstock vom Sofa bis zur Tür habe fortbewegen können. Im Weiteren bereite ihm die linke Schulter Sorgen, er könne diese kaum bewegen. Auch da wäre eine Operation nötig, jedoch aufgrund seines schlechten Allge
meinzustandes derzeit nicht durchführbar. Der Beschwerdeführer lebe mit seiner Ehefrau und zwei seiner Töchter in einer Wohnung, wobei die Ehefrau und die eine Tochter erwerbstätig seien und ihre Schichten jeweils aufeinander abstimmen würden, so dass möglichst immer eine der Beiden zu Hause sei. Zurzeit habe er keine Physiotherapie. Als Hilfsmittel habe er einen Handrollstuhl für unterwegs und einen treppenbegehbaren Rollstuhl (mit Dritthilfe zu bedienen). Ein Elektrorollstuhl sei beantragt worden (S. 2).
Zum Bereich Ankleiden/Auskleiden wird ausgeführt, dass dies dem Beschwerde
führer aufgrund seiner diversen Schmerzen Mühe bereite. Insbesondere das An
ziehen von Socken und Schuhen sei ihm nur mühevoll möglich. Er erhalte deshalb meist Dritthilfe, wenn nötig könne er sich jedoch auch mühevoll selber ankleiden. Die Abklärungsperson merkte hierzu an, dass eine blosse Erschwerung oder Verlangsamung bei der Vornahme einer Lebensverrichtung grundsätzlich keine Hilflosigkeit begründe. Offensichtlich wäre dem Beschwerdeführer das An-
und Auskleiden selbständig möglich, wenn keine Hilfsperson zur Verfügung stehe
. Es liege somit keine Hilflosigkeit im Sinne der IV-Richtlinien vor (S. 3 oben).
Zum Bereich
Aufstehen/Absitzen/Abliegen
wird ausgeführt, dass dem Beschwer
de
führer die Positionswechsel selbständig möglich seien. Aufstehen gehe zwar selber, das Gehen hingegen sei problematisch. Er benutze zu Hause zwei Geh
stöcke, fühle sich jedoch auch damit unsicher beim Gehen. Ausser Haus werde er im Rollstuhl geschoben. Die Positionswechsel vom Rollstuhl ins Auto etc. seien ihm selbständig möglich (S. 3 Mitte).
Zum
Bereich Essen (normal zubereitete Mahlzeiten)
wird ausgeführt, dass nach anfänglicher parenteraler Ernährung ab zirka Oktober 2013 habe auf Sonden-ernährung umgestellt werden können. Die Ernährungsverabreichung werde durch die Ehefrau vorgenommen. Sie bereite alles vor, gebe die Medikamente der Ernäh
rung bei und stecke dies an die Sonde an. Sie nehme auch die Reinigung des Zuflusses vor. Die Ernährung per PEG erfolge morgens und abends. Die übrige Mahlzeiteneinnahme sei dem Beschwerdeführer selbständig möglich. Er könne Besteck koordiniert einsetzen, Speisen selber zerkleinern und auch selbständig aus einem Glas trinken. Aufgrund der Sondenernährung könne dieser Bereich angerechnet werden (S. 3 unten)
.
Zum Bereich
Körperpflege
wird ausgeführt, waschen, kämmen und rasieren seien dem Beschwerdeführer selbständig möglich. Beim Baden benötige er aktuell Unter
stützung durch seine Ehefrau, dies da sein Spezialstuhl, welcher er in der Badewanne benutze, defekt sei. Auf diesen Stuhl habe er sich selber vom Bade
wannenrand her hinsetzen und sich dann in der Badewanne selbständig duschen können. Ohne diesen Stuhl sei ihm ein Einstieg in die Badewanne nicht möglich, jetzt müsse ihm die Ehefrau beim Ein- und Ausstieg helfen oder aber er dusche sich neben der Badewanne, indem er auf dem WC sitze und sich dort abdusche, dann müsse die Ehefrau ihm jedoch die Duschbrause reichen und bedienen und im Anschluss das Wasser auf dem Boden aufwischen. Die Abklärungsperson merkte an, dass die versicherte Person im Rahmen der Schadenminderungspflicht verpflichtet sei, geeignete und zumutbare Massnahmen zu treffen, um die Selb
ständigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. In diesem Sinne könne erwartet werden, dass der Beschwerdeführer wiederum einen Badestuhl anschaffe, um damit die Selbständigkeit wiederherzustellen. Bei Umsetzung dieser Massnahme wäre der Beschwerdeführer nicht auf Dritthilfe bei der Körperpflege angewiesen (S. 3 f.).
Zum Bereich
Reinigung nach Verrichtung der Notdurft
wird ausgeführt, dass der Beschwerdeführer seit der Darmoperation im Oktober 2013 ein Ileostoma (künst
licher Darmausgang) habe. Zirka zweimal am Tag gehe er selber aufs WC um zu urinieren. Die Ehefrau übernehme das Handling mit dem Ileostoma. Sie wechsle zirka alle 2-3 Stunden den Sack, bei Abwesenheit der Ehefrau übernehme die Tochter diese Aufgabe. Die Abklärungsperson merkte an, dass dieser Bereich auf
grund des Ileostomas angerechnet werden könne (S. 4 oben)
.
Zum Bereich
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte
wird ausgeführt, dass sich der Beschwerdeführer i
m
Jahr
2013 einer Bauchoperation
habe unter
ziehen müssen.
I
n der Folge sei ein Medikament eingestellt worden, welches zu einer drastischen gesundheitlichen Verschlechterung geführt habe, sodass er ab Oktober 2013 nicht mehr habe selber stehen und gehen können. Er habe sich damals im
A._
in stationärer Behandlung befunden. Nach einem kurzen Aufenthalt zu Hause sei er von Dezember 2013 bis Juli 2014 erneut stationär hospitalisiert worden, dies im
A._
. Nach seiner Rückkehr nach Hause sei eine intensive Physiotherapie verordnet gewesen, dies mit dem Ziel des Wiedererlangens seiner Steh- und Gehfähigkeit. Die Therapie sei bei ihm zu Hause erfolgt, er habe kontinuierliche Fortschritte erzielt. Er könne seither wieder mit Hilfe von Gehstöcken einige Schritte innerhalb der Wohnung gehen, er fühle sich jedoch bis heute nicht sicher dabei. Weiter als nur wenige Schritte könne er jedoch mit den Gehstöcken nicht zurücklegen, dazu fehle ihm die Kraft und auch wegen der Schmerzen in der Schulter sei ihm dies nicht möglich. Zu allen Terminen ausser Haus begebe er sich deshalb im Rollstuhl. Der Handrollstuhl befinde sich im EG des Wohnhauses. Die Wohnung befinde sich im
1. Stockwerk.
D
a kein Lift vorhanden sei, habe er einen
t
reppenbegehbaren Rollstuhl gekauft, er sei bei der Überwindung der Treppe damit jedoch auf Dritt
hilfe angewiesen. Unten angekommen
wechsle er dann in den Handrollstuhl und werde damit zum Auto geschoben. Der Einstieg ins
Auto sei ihm selber möglich.
Zu jeglichen Terminen ausser Haus werde er durch die Ehefrau oder die Tochter mit dem Auto hingefahren und dann ins Gebäude begleitet. Er habe zwar einen Elektrorollstuhl beantragt, er überlege nun das Gesuch
zurückzuziehen, da ihm bewusst
geworden sei, dass er auch mit einem Elektrorollstuhl nicht selbständig ausser Haus zurechtkäme
. Die Abklärungsperson merkte an, dass der Beschwerde
führer s
eit Oktober 2013 zu allen ausserhäuslichen Terminen auf Begleitung angewiesen
sei
. Er könne mit den Gehstöcken nur wenige Schritte zurücklegen, ausser Haus werde er stets im Rollstuhl geschoben, da er zu unsicher sei mit den Gehstöcken,
ihm
die nötige Kraft fehle und wegen Schulterbeschwerden nur eine kurze Belastung mit den Gehstöcken möglich sei. Die Treppe vom
1.
Stock des Mehrfamilienhauses ins EG überwinde er mit Hilfe eines treppenbegehbaren Roll
stuhls
(S. 4 f.)
.
Die Abklärungsperson führte aus, lebenspraktische Begleitung im Sinne der Inva
lidenversicherung sei nicht ausgewiesen. Der Aufwand betrage unter zwei Stun
den pro Woche. Anzuerkennen sei, dass der Beschwerdeführer wegen des Gesund
heitszustandes Hilfe bei alltäglichen Lebensverrichtungen und medizinische Pflege benötige, nicht jedoch Hilfeleistungen wie Tagesstrukturierung, Anleitung im Haushalt etc. (S. 5 Mitte).
Zum Bereich
Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtungen und Kontakten
wird ausgeführt, dass es sich
hierbei um funktionale Einschränkungen
handle
, weshalb der Bereich Fort
bewegung zu berücksichtigen gelte (S. 6 oben)
.
Zum Bereich persönliche Überwachung hielt die Abklärungsperson fest, es be
stehe keine erhebliche Selbst- oder Fremdgefährdung. Der Beschwerdeführer könne auch ein bis zwei Stunden unbeaufsichtigt sein. Eine dauernde Überwa
chungsbedürftigkeit im Sinne der IV-Richtlinien liege nicht vor (S. 6 unten).
Zusammen
fassend hielt die Abklärungsperson fest,
dass der
Beschwerdeführer
seit Oktober 2013 bei drei der IV-relevanten alltäglichen Lebensverrichtungen, nämlich beim Essen, der Notdurft und der Fortbewegung auf regelmässige und erhe
bliche Dritthilfe angewiesen sei. Er benötige
zudem seit mehreren Jahren dauernde Pflege. Lebenspraktische Begleitung und persönliche Überwachung im Sinne der IV-Richtlinien
benötige
er nicht.
Der Beschwerdeführer
erfüll
e
somit nach Ablauf der einjährigen Wartezeit, also Oktober 2014 die Anspruchsvor
aus
setzungen für eine Hilflosenentschädigung leichten Grades
(S. 7)
.
4.
4.1
Die Abklärung für Hilflosenentschädigung (vorstehend E. 3.3) erfolgte durch eine
qualifizierte Fachperson in Kenntnis der räumlichen Verhältnisse am Wohnort des Beschwerdeführers sowie von dessen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Auch die benötigten Hilfsmittel waren der Abklärungsperson bekannt. Das Ge
spräch fand im Beisein und unter Einbezug der Ehefrau statt. Die vom Beschwer
de
füh
rer geklagten Einschränkungen, Beschwerden und Angaben zu einer all
fälli
gen Hilflosigkeit bei den alltäglichen Lebensverrichtungen werden detailliert wiedergegeben.
4.2
Aus dem Abklärungsbericht geht hervor und ist unstrittig, dass der Beschwer
deführer in drei alltäglichen Lebensverrichtungen, nämlich beim Essen, bei der Reinigung nach Verrichtung der Notdurft sowie bei der Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte regelmässig und in erheblicher Weise der Hilfe Dritter bedarf.
4.3
Während die Beschwerdegegnerin zum Schluss kam, dass der Beschwerdeführer - mangels psychischer oder geistiger Behinderung - nicht auf eine lebensprak
tische Begleitung im Sinne von Art. 42 Abs. 3 IVG in Verbindung mit Art. 38 IVV angewiesen sei (vgl. E. 2.1 hiervor), beanstandete der Beschwerdeführer in der Folge, es spiele keine Rolle, aus welchen Gründen eine versicherte Person für Ver
richtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Dritt
person angewiesen sei (Urk. 1 S. 5 oben).
4.4
Mit seinen Vorbringen macht der Beschwerdeführer indes keine anderen Gründe für einen Anspruch auf lebenspraktische Begleitung geltend, als be
reits im Zu
sammenhang mit der alltäglichen Verrichtung der Fortbewegung berücksichtigt wurden (vgl. vorstehend E. 3.4). Eine Teilfunktion einer Lebensverrichtung darf jedoch lediglich einmal berücksichtigt werden (vgl. Rz 8024, Rz 8027, Rz 8048 KSIH).
Selbst wenn die Teilfunktion der Fortbewegung nur unter dem Aspekt der lebens
praktischen Begleitung geltend gemacht würde, ist dazu zu bemerken, dass die lebenspraktische Begleitung weder eine Hilfe bei den sechs alltäglichen Lebens
verrichtungen noch eine Pflege oder Überwachung beinhaltet. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar (BGE 130 V 450 E. 9.). Der Begriff „Begleitung“ meint Begleitung und Beratung zur Be
wältigung des praktischen Alltags (vgl. Botschaft über die 4. IVG-Revision, Bundesblatt 2001, Seiten 3245 und 3289). Die lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 42 Abs. 3 IVG und Art. 38 IVV umfasst die Hilfe bei der Tages
strukturierung, der Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagssituationen (z.B. nachbar
schaft
liche Probleme, Fragen der Gesundheit, Ernährung und Hy
giene, einfache admi
ni
strative Tätigkeiten, etc.), die Anleitung zur Erledigung des Haushalts sowie Über
wachung/Kontrolle und ist notwendig, damit der All
tag selbständig bewältigt werden kann (siehe Rz 8050 KSIH).
Die vom Beschwerdeführer im Sinne von Art. 38 Abs. 1 lit. b IVV geltend gemachte Unterstützung bei Verrichtungen oder Kontakten ausserhalb des Hauses sind klar als Hilfe bei der Fortbewegung und damit als alltägliche Le
bensver
richtungen zu qualifizieren, wird damit doch nicht das Ziel verfolgt, den Eintritt der versicherten Person in ein Heim nach Möglichkeit hinauszuschieben oder zu verhindern.
Andere Hinweise, welche den Bedarf einer lebenspraktischen Begleitung nahelegen würden, liegen nicht vor. Dass der Beschwerdeführer beispielsweise im Sinne von Art. 38 Abs. 1 lit. c IVV ernsthaft gefährdet wäre, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren, lässt sich aus der Aktenlage nicht schliessen. Im Gegenteil scheint der Beschwerdeführer von seiner Umgebung gut umsorgt zu sein (Urk. 11/252), was gegen eine Isolierung spricht.
Damit fehlt es an der gemäss Art. 37 Abs. 2 lit. c IVV für eine mittelschwere Hilflosigkeit erforderlichen Hilfsbedürftigkeit in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen mit zusätzlichem Bedarf an dauernder lebenspraktischer Begleitung.
4.5
Schliesslich sei der Vollständigkeit halber festgestellt, dass körperliche Ein
schrän
kungen nach dem klaren Willen des Gesetzgebers nicht zu berück
sichti
gen sind, da mit lebenspraktischer Begleitung psychisch oder leicht geistig be
hinderten Menschen das selbständige Wohnen ermöglicht werden soll (BGE 133 V 463 E. 8.2.1). Dieser Sinn und Zweck der lebenspraktischen Begleitung
das Ermög
lichen selbständigen Wohnens von psychisch und leicht geistig be
hinderten
Menschen, beziehungsweise die annähernde Gleichbehandlung dieser Behinder
ten
mit den ausschliesslich körperlich Behinderten in Bezug auf die Hilflosenent
schädigung - ergibt sich auch klar und unmissverständlich aus den Materialien zur 4. IV-Revision (Botschaft des Bundesrates über die 4. Revision des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 21. Februar 2001, Bun
desblatt Nr. 29 vom 24. Juli 2001, S. 3245 f., Votum von Ständerätin Forster-Vanini für die Kommission in der ständerätlichen Beratung vom 25. September 2002, Amtliches Bulletin [AB] 2002 S. 759 f., Voten von Nationalrätin Dormann sowie der Nationalräte Fasel und Gross [für die Kommission] in der Sitzung des National-rates vom 13. Dezember 2001, AB 2001 N 1956 und 1958 f.).
4.6
Bezüglich der Ausführungen des Beschwerdeführers zu den Hilfestellungen durch seine Ehefrau bei der Lebensverrichtung der Körperpflege bleibt anzumerken, dass diese als zumutbare Mitwirkung von Familienangehörigen zu werten sind. So muss
die Schadenmin
derungspflicht berücksichtigt werden
(Rz 8040 KSIH), in
dem die Auswirkungen des Gesundheitsschadens durch die Mithilfe der Familien
angehörigen, denen dadurch keine unverhältnismässige Belastung entstehen darf, möglichst zu mildern sind. Diese Mithilfe geht zudem weiter als die ohne Gesundheitsschaden zu erwartende Unterstützung (vgl. auch vorstehend E. 1.5). Indem die Ehefrau dem Beschwerdeführer hilft den Badelift zu bedienen, seine Beine über den Badewannenrand zu heben und das ganze Manöver überwacht, besteht noch keine regelmässige und erhebliche Hilflosigkeit des Beschwerde-füh
rers im Sinne des Gesetzes. Dieser Bereich ist daher zu Recht nicht anzu
rechnen.
4.7
Eine Divergenz besteht hingegen hinsichtlich der Frage der dauernden persön
lichen Überwachung (Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV). Die Abklärungsperson ging davon aus, dass keine erhebliche Selbst- oder Fremdgefährdung bestehe und der Beschwerdeführer auch einmal ein bis zwei Stunden allein sein könne (vgl. vor-stehend E. 3.4). Die Ehefrau und die Tochter des Beschwerdeführers hielten jedoch fest, dass sie ihre Arbeitsschichten jeweils aufeinander abstimmen würden, damit der Beschwerdeführer nicht allein zu Hause sei. Er könne zwar ein bis zwei Stunden allein sein, die Familie habe jedoch Angst, dass er z.B. auf dem Weg zur Toilette stürzen und sich weitere Verletzungen zuziehen könnte, da er sich noch nicht so sicher auf den Beinen fühle (vgl. Urk. 11/252 S. 6).
4.8
Bei schwerer Hilflosigkeit ist die (direkte beziehungsweise indirekte) Dritthilfe bei Vornahme der einzelnen Lebensverrichtungen bereits derart umfassend, dass der weiteren – gemäss Art. 37 Abs. 1 IVV kumulativ notwendigen – Voraussetzung der dauernden Pflege oder der dauernden persönlichen Überwachung nur noch eine untergeordnete Bedeutung zukommen kann und dass im Rahmen der ge
nannten Vorschrift daher schon eine minimale Erfüllung eines dieser zusätzlichen Erfordernisse genügen muss (BGE 116 V 41 E. 6b, 107 V 145 E. 1d, 106 V 153, 105 V 52 E. 4b). Diese Rechtsprechung kann indessen nicht unbesehen für die mittelschwere und die leichte Hilflosigkeit übernommen werden, soweit bei diesen beiden Graden in Art. 37 Abs. 2 lit. b und Abs. 3 lit. b IVV eine dauernde persönliche Überwachung verlangt wird; denn die Voraussetzungen in Bezug auf die Dritthilfe bei Vornahme der Lebensverrichtungen sind weit weniger um
fassend (so bei Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV) beziehungsweise wird Dritthilfe nicht gefordert (so bei Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV), weshalb der dauernden persönlichen Überwachung in diesen beiden Fällen ein grösseres Gewicht beizumessen ist und nicht bloss ein minimales wie bei Art. 37 Abs. 1 IVV.
Dauernd im Sinne von Art. 9 ATSG hat nicht die Bedeutung von „rund um die Uhr", sondern ist als Gegensatz zu vorübergehend zu verstehen (BGE 107 V 136; ZAK 1990 S. 46 E. 2c; Urteil des Bundesgerichts I 431/05 vom 13. Oktober 2005 E. 4.1 mit Hinweisen).
4.9
Di
e dauernde persönliche Überwachung bezieht sich nicht auf die alltäglichen Lebensverrichtungen und ist deshalb von der indirekten
Dritthilfe zu unter
schei
den.
Hilfeleistungen, die bereits als direkte oder indirekte Hilfe in einem Be
reich der alltäglichen Lebensverrichtung Berücksichtigung gefunden haben, können deshalb bei der Beurteilung der Überwachungsbedürftigkeit nicht noch
mals ins
Gewicht fallen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_158/2008 vom 15. Oktober 2008
E. 5.2.1). Die von der Familie des Beschwerdeführers als dauernd betrachtete Überwachung ist in den einzelnen Lebensbereichen bereits mitumfasst. So erfor
dert die latente Sturzgefahr beim Lagewechsel und beim Umhergehen in der Wohnung insbesondere angesichts der symptomatischen Osteoporose (vgl. vor
stehend E. 3.3) sicherlich eine gewisse Überwachung, diese ist jedoch unter den Bereich Fortbewegung zu subsummieren. Eine Begleitung zur Toilette - die in diesem Bereich jedoch nicht als erforderlich genannt wurde (vgl. Urk. 11/252 S. 4 Mitte) - wäre somit im Bereich Notdurft enthalten.
Somit fehlt es auch an der gemäss Art. 37 Abs. 2 lit. b für eine mittelschwere Hilflosigkeit erforderlichen zusätzlichen Notwendigkeit der dauernden persönli
chen Überwachung.
4.10
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Schlussfolgerungen der Abklärungsper
son überzeugen.
Der Abklärungsbericht vom
Januar 2017
ist vollständig, nachvoll
zieh
bar, plausibel und genügt den Anforderungen an einen Abklärungsbe
richt
vollumfänglich
(vgl. vorstehend E. 1.
6
)
, so dass darauf abgestellt werden kann
.
Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in drei alltägli
chen Lebensverrichtungen hilflos ist. Da die Voraussetzungen für die Zuspre
chung einer Entschädigung für mittelschwere Hilflosigkeit im Sinne von Art. 37 Abs. 2 IVV somit nicht erfüllt sind, ist die Beschwerde abzuweisen.
Der Beschwerdeführer ist schliesslich darauf aufmerksam zu machen, dass eine allfällige Verschlechterung in einem neuen Verfahren geltend zu machen bezieh
ungsweise zu prüfen wäre, ob sich sein Gesundheitszustand seit Erlass der vor
liegend angefochtenen Verfügung verschlechtert hat. So beurteilt das Sozialver
sicherungsgericht die Gesetzmässigkeit des angefochtenen Entscheids in der Rege
l nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
Die geltend gemachte Verschlechterung des Gesund
heitszustandes
(Urk. 1 S. 5 f.)
vermag daher den Entscheid der
Beschwerde
geg
nerin
nicht in Frage zu stellen
.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie
- unter Verrechnung
mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 1‘000.-- (Urk. 6) -
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzu
er
legen.