Decision ID: b719fcc5-0154-4ce4-a2dd-e35559d6c938
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1959
, verfügt über keine berufliche Ausbildung
(Urk. 6/4 S. 1 und S.
5
)
.
Die Versicherte
war ab 1.
Oktober
1989
als Mitarbeiterin im Hausdienst b
eim
Y._
, Zürich
, tätig und
da
zuletzt
in einem 85 %-Pensum angestellt (
vgl.
Urk. 6/
3
, Urk. 6/19 S. 3 unten,
Urk. 6/21 S. 1 f.
).
Seit
22.
August 2016 arbeitet
e
sie
– abgesehen von
Ende September bis Mitte Oktober 2016 und
von
Ende November bis Anfang Dezember 2016
– aufgrund ihrer Schmerzen nicht mehr
(
vgl.
Urk. 6/2 S. 5 unten
,
Urk. 6/21/9
).
Unter Hinweis auf
das im Auftrag der Pensionskasse der Stadt Zürich
(PKZH)
erstellte ver
trau
ensärztliche Gutachten
von
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Physische Medi
zin und
Rehabilitation
FMH, vom 21. Dezember 2016 (Urk. 6/2),
in welchem diese
eine
Periarthropathia
humeroscapularis
, ein panvertebrales sowie ein
thorako
lumbover
t
ebrales
Schmerzsyndrom, eine
Achillessehnentendi
no
pat
hie
sowie eine
n
Diabet
es me
ll
itus Typ 2
diagnostiziert
hatte
(S.
2
)
,
meldete
sich die Versicherte
am
3
.
April
2017
bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk.
6/4
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte in der Folge die medizinische und erwerbliche Situation ab
. Am
27
.
Juni
2017
(Urk.
6
/
18
) teilte sie
der
Versicherten mit, dass aufgrund
ihres
Gesundheitszustandes
, der ausgewiesenen Arbeitsun
fähigkeit sowie ihr
er eigenen Einschätzung zur
zeit keine beruflichen Massnahmen möglich
seien. Zudem hielt sie fest, dass
die Versicherte
über den Rentenanspruch zu einem späteren Zeitpunkt eine separate Verfügung erhalte.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
6
/
30
-31
, Urk.
6
/
36
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
9
.
Mai
2019
einen Rentenanspruch (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
die
Versicherte am
10
.
Juni
201
9
(Urk. 1) Beschwerde und be
antragte, die Verfügung vom
9
.
Mai
2019
sei aufzuheben und es
sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
diese
ein polydisziplinäres Gut
achten einhole und hernach nochmals über die gesetzlichen Ansprüche ent
scheide
(S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
19
.
August
201
9
(Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde, was
der
Beschwerdeführer
in
mit Verfügung
20
.
August 2019
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
4
Sowohl
das
Verwaltungsverfahren wie auch der kantonale Sozialversi
cherungs
prozess sind vom
Untersuchungsgrundsatz
beherrscht. Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende
Klarheit besteht. Führen die im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatz
es von A
mtes wegen vorzunehmenden Abklärungen den Versicherungsträger oder das Ge
richt bei umfassender, sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweis
wür
digung (BGE 132 V 393 E. 4.1 S. 400) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten, und es könnten weitere
Beweis
massnahmen
an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im
Ver
zicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine
Verletzung
des Anspruchs auf
rechtliches Gehör (antizipierende Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236 f.
mit weiteren Hinweisen). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen
Abklärungsmassnahmen
noch neue
wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_
662/2016 vom 15. März 2017 E. 2.2 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer
renten
abweisenden Verfügung vom
9
.
Mai
2019
(Urk. 2) aus, die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass
der Be
schwerdeführerin eine angepasste Tätigkeit unter Beachtung eines Belastungs
profils (leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne repetitives Heben von Lasten über 5 kg und ohne Zwangspositionen)
zu 100 %
zumutbar sei (S. 2 oben)
.
Auf das vorliegende medizinische Dossier könne abgestellt werden, da genügend aus
sagekräftige Angaben zu den funktionellen Einschränkungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen. Weitere Abklärungen seien nicht angezeigt (S. 3 Mitte).
Die wirtschaftliche Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit
sei zum Zeitpunkt des Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit zu beurteilen.
Bei
der Beurteilung durch den regionalen ärztlichen Dienst (RAD) im Februar 2018 sei die Beschwerdeführerin 58,5 Jahre alt gewesen und habe noch 5,5 Jahre bis zur Pensionierung vor
sich gehabt. Es bestünden genügend zumutbare Tätigkeiten. Es sei von einer Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit
auszugehen
(S.
3 unten
).
Bei einem Einkommen ohne gesundheitliche Einschränkung von Fr.
60'947
.--,
basie
rend auf dem Einkommen im 85 %-Pensum beim
Y._
von Fr. 51'504.95 auf 100 % hochgerechnet
, und einem möglichen Einkommen mit gesundheitlicher Einschränkung von Fr.
54'930.
--
gestützt auf den Lohn für Hilfsarbeiten im Jahr 2016 gemäss den Schweizerischen Lohnstrukturtabellen resultiere eine Erwerbsein
busse von Fr.
6’017.--
. Dies entspreche einem
renten
ausschliessenden Invalidi
tätsgrad von
10
%
(S.
2
).
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
stellte sich in
ihrer
Beschwerde vom
10
.
Juni
201
9
(Urk. 1) hingegen auf den Standpunkt,
die medizinische Beweislage erweise sich als nicht rechtsgenügend, weshalb die Verfügung aufzuheben und
die Sache
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei
.
Differentialdiagnostisch werde bei ihr von einer Fibromyalgie ausgegangen. Das Leistungsvermögen sei bei solchen
Leiden
anhand sogenannter Indikatoren zu beurteilen.
Ferner seien weitere
Ab
klärungen beim
A._
geplant gewesen, aber von der Beschwerdegegnerin nicht ausgewertet worden
. Zudem sei der RAD von einer schlechten Prognose und einem chronischen Verlauf ausgegangen, weitere RAD-Berichte lägen
ihr
aber nicht vor respektive spätere RAD-Bericht
seien
zu den vormaligen widersprüchlich. Weiter fehle eine genügende Berücksichtigung der
Wechselwirkungen und Komorbiditäten
(S.
5-7
).
Schliesslich fehle es ihr auf
grund
ihres Alters
und ihres Gesundheitszustandes
an einer verwertbaren Restarbeits
fähigkeit (S. 7 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Sachverhalt genügend abgeklärt worden ist und damit ein Entscheid über den Rentenanspruch ergehen konnte
und falls ja, ob
die Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat
.
3.
3.
1
Vertrauensärztin Dr.
Z._
, stellte in ihrem Gutachten vom 21. Dezember 2016 (Urk. 6/2) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2
; verkürzt wiedergegeben
):
-
Periarthropathia
humeroscapularis
beidseits
-
Panvertebrales Schmerzsyndrom
-
Thorakolumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
Achillessehnentendinopathie
beidseits
Daneben nannte sie als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
n
Diabetes mellitus Typ 2 (S. 2) und attestierte eine vorübergehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bis ca. März 2017
. Mit einer
vollen Arbeitsfähigkeit rechne
te
Dr.
Z._
Anfang Mai 2017 (S. 8 f.).
3.
2
Oberarzt i.V. Dr. med.
B._
und Assistenzarzt Dr. med.
C._
von der Klinik für Rheumatologie des
A._
, wo die Beschwerdeführerin vom 8. bis 23. Februar 2017 für eine multimodale rheumatologische Komplex
therapie hospitalisiert
gewesen
war, nannten in ihrem Austrittsbericht vom 23. Februar 2017 (Urk. 6/25/8-12) folgende Diagnosen (S. 1; verkürzt wiederge
geben):
-
Chronische Schmerzs
törung
-
d
ifferentialdiagnostisch:
Fibromyalgiesyndrom
-
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts mehr als links
-
Panvertebrales Schmerzsyndrom
-
Depressive Episode, gegenwärtig leichtgradig
-
Chronische Laryngitis mit Reinke-Ödem
Die Ärzte
führten aus, insgesamt sähen
sie aufgrund der erhobenen Befunde mit auc
h Zeichen der Schmerzausweitung
und
der Müdigkeit mit
un
erholsamem
Schlaf
-
wie auch die Kollegen der Psychiatrie
-
die Beschwerden im Rahmen einer Schmerzstörung.
Rein formal seien die
Fibromyalgie
kriterien
erfüllt. Er
schwerend kämen die allgemeine
Dekonditionierung
, ein Schonverhalten, psy
chosoziale Belastungsfaktoren und vermutlich auch die leichte depr
essive Episode hinzu (S. 2
). Sie bescheinigten
vom 2.
bis 28.
Februar 2017 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit (S. 3 unten).
3.
3
In ihrem Bericht über eine Verlaufskontrolle vom 8. Mai 2017 im Auftrag der PKZH hielt Dr.
Z._
am 10. Mai 2017
(Urk. 6/13/1-11)
fest,
es
liege in der bisherigen Tätigkeit eine dauerhafte 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor. In einer leichten, wechselhaften Tätigkeit ohne repetitives Heben v
on Lasten über 5 kg und ohne Zwa
n
g
spositionen länger als 10 Minuten
liege keine Arbeitsunfähigkeit vor
(S. 8 f.).
3.
4
Hausarzt
Dr. med.
D._
,
Facharzt für
Allgemeine Medizin, bei welchem
letzt
mals
am 31. Oktober 2017 eine Kontrolle stattgefunden hatte
,
verwies in seinem Bericht vom
27.
Dezember
2017 (Urk. 6/25/1-4)
darauf, dass die Beschwer
de
füh
rerin wegen ihrer Depression bei Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (vgl. Urk. 6/43 S. 6) in Behandlung sei (Zi
ff. 1.4)
und zudem nach ihm eine Behandlung durch das
A._
als auch das
F._
durchgeführt werde
(Ziff. 1.2).
Gegenwärtig
erfolge
eine ambulante und sta
tionäre Behandlung bezüglich Schmerzsyndrom,
eine
Psychotherapie wegen der De
pression und eine medikamentöse Behandlung wegen der Zuckerkrankheit (Ziff. 1.5)
. Zudem führte
Dr.
D._
aus,
seit
7.
März
2017
bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
(Ziff.
1.6)
und seit ca. März 2017 sei
en
angepasste Tätigkeiten
nur zu ca. 25% zumutbar (S. 4).
3.
5
Gestützt auf die vorhandenen medizinischen Unterlagen (E. 3.1-
3.
4
)
, insbe
son
dere die
Berichte von Dr.
D._
vom 27. Dezember 2017 und von Dr.
Z._
vom 10. Mai 201
7
(E. 3.
4
-3.
5
),
führte
Dr. med.
G._
, Facharzt für
Innere Medizin und Rheumatologie sowie zertifizierter Gutachter
SMI
, vom
RAD
in seiner Stellungnahme vom
12
.
Februar
2018 (Urk.
6
/
29
S.
4
) aus,
es sei Anfang März 2017 zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes gekommen. Die bisherige Tätigkeit sei seitdem nicht mehr zumutbar. Dann sei es wieder zu einer Besserung gekommen. Spätestens nach Ablauf der Wartezeit sei eine angepasste, leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne repetitives Heben von Lasten über 5 kg und ohne Zwangspositionen wieder ganztags zumutbar.
Am
8
. Mai 2018
(Urk. 6/29 S. 5)
ergänzte er auf Rückfrage der Beschwerde
gegnerin, auch wenn das Wartejahr am 2
2.
Aug
u
st 20
17
beginne, könne laut dem Bericht der Vertrauensärztin [Dr.
Z._
] mit einer 100%igen Arbeitsfähigkeit unter Beachtung der Belastungsprofils gerechnet werden.
3.
6
Am 14. März 2018 (Bericht vom 15. März 2018 [Urk. 6/27]) wurde in Anwesenh
eit
der Beschwerdeführerin, ihrer erwachsenen Tochter sowie einer Nachbarin ein Gespräch zur Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in
Beruf und Haus
halt geführt (S.
1).
Die Abklärungsperson qualifizierte die Beschwerde
führerin mit einem Anteil von
100
% für als
E
rwerbstätig
e
(S. 4 unten).
Im Rahmen des Gesprächs gab die Beschwerdeführerin an, anfangs März 2018 habe sie letztmals die Physiotherapie besucht und nun führe sie die Übungen zu Hause im Alltag durch (S. 2).
3.
7
Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bei welchem sich die Beschwerdeführerin zwischen dem 1
3.
und 27. Mai 2017 dreimal in Behand
lung
begeben hatte
(Ziff. 1.1-1.2), nannte in seinem Bericht vom 5. Januar 2019 (Urk. 6/43) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine de
pressive Störung, mittelgradige Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.1) und eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0) sowie als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
n
Diabetes
Mellitus (Ziff. 2.5-2.6). Er
führte aus, er habe
der Beschwerdeführerin keine Arbeitsunfähigkeit attestiert
und er könne diese nicht beurteilen
(Ziff. 1.3).
3.
8
Am 2
6
. April 2019 (Urk. 6/52 S. 4) hielt
RAD
-Arzt Dr.
G._
nach Vorlage des Einwandes der Beschwerdeführerin
vom 10. September 2018
(Urk. 6/
36
) fest, medizinisch ergäben sich aus dem Einwand keine neuen
richtungsweisenden Aspekte, z. B. sei die Diagnose einer eventuellen Fibromyalgie bereits in den vorliegenden Arztberichten diskutiert worden.
Zu den rechtlichen Bemerkungen, ob auf die vertrauensärztlichen Bericht
e
von Dr.
Z._
abgestützt werden könne oder eine rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung für die Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit erforderlich sei, solle gegebe
nenfalls der RD [Rechtsdienst] im Hause
um Stellung gebeten werden.
4.
4.1
Als Grundlage für ihre Verfügung vom
9. Mai 2019
(Urk. 2) dienten der Be
schwerdegegnerin gemäss den versicherungsinternen Feststellungsblättern vom
11
.
Juni 2018
und
9
.
Mai 2019
(
Urk.
6
/
29
, Urk.
6
/5
2
) die
vertrauensärztlichen Beurteilungen von Dr.
Z._
vom
21. Dezember 2016
und vom
8. Mai 2017
(E. 3.1
, E. 3.3
),
der
hausärztliche Bericht von Dr.
D._
vom 27. Dezember 2017
(E. 3.
4
),
der
Bericht von Dr.
E._
vom 5. Januar 2019 (E. 3.7)
und
die aktengestützte
n
Stellungnahme
n
des RAD-Arztes Dr.
G._
vom 12. Februar und 8. Mai 2018 sowie vom 26. April 2019
(E.
3.5 und
3.
8
). Die Beschwerde
gegnerin schloss aus den ihr vorliegenden Unterlagen, dass
die
Beschwerde
führer
in in ihrer angestammten Tätigkeit im Hausdienst zu 100 % arbeitsunfähig, jedoch in einer angepassten Tätigkeit unter
Beachtung eines Zumu
t
barkeit
s
profils zu 100 % arbeitsfähig
sei
(E. 2.1).
4.2
4.2.1
Für die Zeit ab dem Bericht von Dr.
D._
vom 27. Dezember 2017 (bei letzter Kontrolle am 31. Oktober 2017; E. 3.4) bis zum Verfügungszeitpunkt am 9. Mai 2019 (Urk. 2) finden sich – abgesehen von den aktenbasierten RAD-Stellung
nahmen - keine echtzeitlichen medizinischen Berichte (vgl. Urk. 6/1-54). Der einzige von der Beschwerdegegnerin eingeholte, aus dieser Zeit stammende Bericht von Dr.
E._
datiert zwar vom 5. Januar 2019 (E. 3.7), äussert sich aber über einen Sachverhalt vom Mai 2017.
Die Beschwerdegegnerin unterliess es nach Dezember 2017– abgesehen vom Einholen des Berichts von Dr.
E._
- weitere Berichte einzuholen (vgl. Urk. 6/25-53). Damit fehlen ärztliche Angaben über eine Zeitspanne von über 16 Monaten, obwohl
Hinweise auf eine Fortbehandlung bestanden (vgl. E. 3.4 und E. 3.6). Der Gesundheitszustand in der Zeit von Dezember 2017 bis zum Ver
fügungserlass lässt sich so nicht abschliessend beurteilen.
4.2.2
Auch für die Zeit, für welche Berichte
vorliegen
lassen die vorhandenen Akten keine Beurteilung des
Rentenanspruchs respektive des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin mit dem Mass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu. Zwar scheint festzustehen, dass aufgrund der damals objektivierbaren soma
tischen Erkrankungen eine gänzliche dauerhafte Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit im Hausdienst (vgl. E. 3.1-3.5) vorlag und eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit unter Beachtung des formulierten Belas
tungsprofils
bestand. Jedoch ist unklar, wie es sich bezüglich einer allfälligen (somatoformen) Schmerzstörung respektive einer Fibromyalgie und möglicher Aus
wirkungen auf die funktionelle Leistungsfähigkeit verhielt respektive gegebe
nenfalls immer noch verhält.
Die Ärzte der Rheumatologie des
A._
konnten unter Einbezug ihrer Kollegen
von
der Psychiatrie eine Schmerzstörung diagnostizieren (E. 3.2). Dies deckt sich mit der Einschätzung von Dr.
E._
, welcher neben einer depressiven Episode auch eine Somatisierungsstörung festgestellt hatte (E. 3.7). Wenn Dr.
E._
damals auch keine Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte – was wohl an der begrenzten Anzahl an therapeutischen Treffen mit der Beschwerdeführerin gelegen haben dürfte - hielt er doch ausdrücklich fest, dass sich die psychischen Leiden, darunter die Somatisierungsstörung, auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Dr.
D._
ging von einer auch psychisch bedingten massiven Einschränkung der Belast
barkeit aus, welche zu einer beinahe vollen Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten in der freien Wirtschaft führe (Urk. 6/25 S. 2).
Nachdem die Ärzte der Klinik für Rheumatologie des
A._
in ihrem Austritts
bericht vom 23. Februar 2017 (E. 3.2) im Zuge der von ihnen durchgeführten multimodalen rheumatologischen Komplextherapie und nach Rücksprache mit den hauseigenen Psychiatern erstmals die Diagnose eines chronischen Schmerz
syndroms stellten, setzte sich weder Dr.
Z._
in seinem späteren Verlaufs
be
richt vom 8. Mai 2017 (E. 3.3), noch RAD-Arzt Dr.
G._
in einer seiner folgen
den Stellungnahmen (E. 3.5, E. 3.8) mit dieser Diagnose auseinander. Dr.
Z._
übernahm zwar die durch die Ärzte des
A._
gestellte Diagnose unbesehen (Urk. 6/13/1-12 S. 2), eine Diskussion über die diesbezüglichen funktionellen Auswirkungen findet sich in ihrem Bericht aber nicht (S. 1-12). Ebenso wenig setzte sich RAD-Arzt Dr.
G._
– entgegen seiner
Behauptung, die Diagnose einer eventuellen Fibromyalgie sei bereits in den Arztberichten diskutiert worden (E. 3.8) – tatsächlich mit dieser überhaupt auseinander (vgl. Stellungnahmen vom 12. Februar 2018 [Urk. 6/29 S. 4], vom 8. Mai 2018 [Urk. 6/29 S. 5] und vom 26. April 2019 [Urk. 6/52 S. 3 f.]). Zudem empfahl Dr.
G._
denn auch be
treffend das Erfordernis einer rheumatologischen-psychiatrischen Begutachtung eine Stellungnahme beim versicherungsinternen Rechtsdienst einzuholen, was die
Beschwerdegegnerin jedoch - ohne ersichtlichen Grund - unterliess (vgl. Urk. 6/
52 S. 4).
Sowohl bei somatoformen Schmerzstörungen als auch einer Fibromyalgie, welche praxisgemäss dem Spektrum der somatoformen Erkrankungen zugeordnet wird (BGE 132 V 65), bedarf es zum Nachweis einer Arbeitsunfähigkeit eines struktu
rierten Beweisverfahrens anhand vorgegebener Indikatoren (BGE 141 V 281). Eine solche Beurteilung erfolgte durch die Beschwerdegegnerin nicht, noch ist eine solche aufgrund der vorli
egenden Unterlagen durchführbar
da die Unter
lagen nicht ausreichend Informationen hergeben. Namentlich kann nicht direkt aufgrund der nur kurzen Behandlung bei Dr.
E._
(vgl. E. 3.8) auf einen fehlenden Leidensdruck geschlossen werden (Somatoforme) Schmerzstörungen – wenn auch psychisch bedingt und mittels psychiatrische Therapie zu behandeln – zeichnen sich gerade dadurch aus, dass die Betroffenen ihre nicht objektivier
baren Leiden als körperlich bedingt erfassen, weshalb der Umstand des Behand
lungsabbruchs bei Dr.
E._
allein nicht ausreichend Beweis für einen fehlenden Leidensdruck ist.
Inwiefern namentlich ein solcher Leidensdruck noch bestand, lässt sich auch wegen den fehlenden medizinischen Berichten nach Dezember 2017 nicht beur
teilen. Unklar ist sodann auch, welche Diagnosen von den behandelnden Ärzten nach Dezember 2017 überhaupt aufrechterhalten wurden.
4.3
Nach dem Gesagten kann aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit festgestellt werden, ob und in welchem Umfang die Beschwerde
führerin arbeitsunfähig ist beziehungsweise allenfalls vorübergehend war. Nach
dem der Sachverhalt nicht ausreichend abgeklärt ist, ist die angefochtene Ver
fü
gung vom 23. Januar 2019 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Vorerst wird die Beschwerdegegnerin aktuelle Berichte bei den Behandlern, insbesondere auch Auskünfte für die Zeit ab Dezember 2017 einzu
holen haben.
Sollten sich aus den Berichten Hinweise auf (fortbestehende) Schmerzstörungen oder sonstige psychische Leiden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erge
ben, wird eine ergänzende psychiatrische Abklärung (gegebenenfalls eine soma
tische-psychiatrische) in die Wege zu leiten sein. Diese wird sich auch zu den Standardindikatoren zu äussern haben.
Anschliessend wird über die Leistungs
ansprüche der Beschwerdeführerin erneut zu entscheiden sein.
5
.
5
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unter
liegenden Beschwerdegegne
rin aufzuerlegen.
5
.2
Der
Beschwerdeführer
in
steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses und
dem Zeitaufwand festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Ent
sprechend ist
ihr
eine
Prozessentschädigung von Fr. 1
‘
9
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.