Decision ID: cab071af-b6e4-4fc3-841d-0b0a83d49a20
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Der 1964 geborene Beschwerdeführer ist seit dem 1. Juni 2016 bei der B.
als Allrounder angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Beschwerdegeg-
nerin obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 1. Feb-
ruar 2017 rutschte er aus und verletzte sich an der rechten Schulter. Die
Beschwerdegegnerin anerkannte ihre Leistungspflicht für dieses Ereignis
und richtete die entsprechenden Versicherungsleistungen in Form von Tag-
geld- und Heilbehandlungsleistungen aus. Mit Schreiben vom 25. Au-
gust 2017 stellte sie die Versicherungsleistungen per 1. September 2017
ein, da der Status quo sine erreicht sei.
1.2.
Am 5. November 2020 erlitt der Beschwerdeführer gemäss der entspre-
chenden Schadenmeldung vom 6. November 2020 eine Prellung an der
rechten Schulter, als er während der Arbeit auf einer Leiter ausrutschte und
mit der Leiter auf die diese sichernde Hilfsperson stürzte. Die Beschwerde-
gegnerin anerkannte ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit diesem
Unfall und richtete Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen aus. Mit Ver-
fügung vom 24. März 2021 stellte sie – unter Hinweis auf die fehlende Kau-
salität des Unfalls für die noch geklagten Beschwerden – die Versiche-
rungsleistungen per 28. Februar 2021 ein. Die dagegen erhobene Einspra-
che vom 20. April 2021 wies die Beschwerdegegnerin mit Einspracheent-
scheid vom 3. September 2021 ab.
2.
2.1.
Gegen den Einspracheentscheid vom 3. September 2021 erhob der Be-
schwerdeführer mit Eingabe vom 7. Oktober 2021 fristgerecht Beschwerde
und stellte folgende Rechtsbegehren:
"1. Der Einspracheentscheid vom 3. September 2021 sei aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem Unfall vom 5. November 2020 auch über den 28. Februar 2021 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
2. Eventualiter sei der Einspracheentscheid vom 3. September 2021 auf-
zuheben und es sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur  eines fachorthopädischen Gutachtens und anschliessender  zurückzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MwSt.) zulasten der Be-
klagten."
- 3 -
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 29. Oktober 2021 beantragte die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde und reichte die Akten zum Unfall
vom 5. November 2020 (Vernehmlassungsbeilage I) ein.
2.3.
Mit Verfügung vom 13. Januar 2022 wurden die Akten der Beschwerdegeg-
nerin betreffend den Unfall des Beschwerdeführers vom 1. Februar 2017
(Vernehmlassungsbeilage II) beigezogen.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit Einspracheent-
scheid vom 3. September 2021 zu Recht die Versicherungsleistungen be-
treffend den Unfall vom 5. November 2020 per 28. Februar 2021 eingestellt
hat (Vernehmlassungsbeilage I [VB I] 68 S. 2 ff.).
2.
2.1.
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus,
dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krank-
heit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursa-
chen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände,
ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten
oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten
gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja-
hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein
Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen
ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Be-
dingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person
beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden
kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele
(BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109
E. 2.1 S. 111 f. und 129 V 402 E. 4.3.1 S. 406).
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäqua-
ter Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125
V 456 E. 5a). Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt
sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität, weitgehend mit der na-
türlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen
Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134
V 109 E. 2.1).
- 4 -
2.2.
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Un-
fallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ur-
sache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch
und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu,
wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar
vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante) oder aber derjenige Zu-
stand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften
Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (status
quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung
von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem Be-
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5
S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181) nachgewiesen sein.
Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswir-
kungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsauf-
hebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast – anders als
bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammen-
hang gegeben ist – nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversiche-
rer (SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9, 8C_354/2007 E. 2.2 mit Hinweisen).
3.
In ihrem Einspracheentscheid vom 3. September 2021 (VB I 68 S. 2 ff.)
stützte sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesent-
lichen auf die Beurteilungen ihres Kreisarztes Dr. med. C., Praktischer Arzt,
vom 4. Februar 2021 (VB I 27 S. 1) und 16. März 2021 (VB I 45). Diese be-
ruhen auf den Akten, namentlich auf dem Ergebnis des Arthro-MRI der
rechten Schulter vom 9. November 2020. Dieses hatte folgende Befunde
gezeigt (VB I 14):
"Kein Nachweis frischer Frakturen oder traumatisch bedingter . - Ausgedehnte, ansatznahe, transmurale Partialruptur der . - Ansatznahe Partialruptur des Oberrandes der Subscapularissehne mit Begleitverletzung des Pulleys und konsekutiver Sublaxion der langen . - Insertionstendinopathie des Oberrandes der Infraspinatussehne. - Leichte Reizung der Bursa subacromialis/subdeltoidea. - Leicht aktivierte AC-Gelenksarthrose."
Der Kreisarzt hielt in seiner Beurteilung vom 4. Februar 2021 fest, der Un-
fall vom 5. November 2020 habe zu keinen zusätzlichen objektivierbaren
strukturellen Schäden geführt. Es seien am 13. Januar 2021 "degenerative
Befunde [...] operiert" worden, die der Beschwerdegegnerin bereits seit
2017 bekannt seien. Eine mögliche unfallbedingte vorübergehende Be-
schwerdeauslösung sei spätestens am 24. November 2020 abgeklungen
- 5 -
gewesen (VB I 27 S. 1). In Bezug auf den Unfall im Jahr 2017 verwies er in
seiner Beurteilung vom 16. März 2021 auf seine gestützt auf die Ergeb-
nisse seiner kreisärztlichen Untersuchung vom 26. Juli 2017 am 28. Juli
2017 verfasste Beurteilung (VB II 38), in welcher ausführlich dargelegt wor-
den sei, dass die damals im MRI vorgefundenen Befunde nicht Folge oder
Teilfolge des Unfalles vom 1. Februar 2017, sondern ausschliesslich "vor-
bestehend degenerativer Natur" gewesen seien (VB I 45 S. 1). Zwar sei es
beim Unfall vom 1. Februar 2017 zu einer geringfügigen Zunahme der de-
generativen Veränderungen, vor allem im Bereich der Supraspinatussehne
gekommen, der Unfall sei jedoch nicht geeignet gewesen, die vorgefunde-
nen Befunde zu verursachen. Dem Schreiben von Dr. med. D., Facharzt
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
E. Klinik, vom 24. Februar 2021 (VB I 41) sei zu entnehmen, dass das Un-
fallereignis von 2017 entscheidend für eine "nunmehrige Kostenüber-
nahme" der Beschwerdegegnerin sei (VB I 45 S. 2; 41 S. 2). Jedoch sei
keiner der beiden Unfälle geeignet gewesen, die aktuellen Beschwerden
zu verursachen. Insbesondere bestätige die bereits im ersten MRI vorhan-
dene Zystenbildung eine degenerative Genese der Befunde. Unfallspezifi-
sche Befunde seien, abgesehen von einer diskreten Schwellung über dem
Schultergelenk ventral, verursacht durch den Unfall im Jahr 2017, nicht
ausgewiesen (VB I 45 S. 10).
4.
4.1.
4.1.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-
ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). Auch eine
reine Aktenbeurteilung kann voll beweistauglich sein, wenn es im Wesent-
lichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen Sachverhalts
geht und sich neue Untersuchungen erübrigen (Urteil des Bundesgerichts
8C_674/2015 vom 2. Februar 2016 E. 2.2.1 mit Hinweisen).
4.1.2.
Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-
dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-
nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag
gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157
E. 1c S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis der versicherungsin-
ternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf man-
gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee
- 6 -
S. 353 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen
Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-
verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest-
stellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen
(BGE 139 V 225 E. 5.2 S. 229; 135 V 465 E. 4.4 S. 469 mit Hinweisen; Ur-
teil des Bundesgerichts 8C_348/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 2.4).
Bei Kreisarzt Dr. med. C. handelt es sich um einen versicherungsinternen
Arzt der Beschwerdegegnerin (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_281/2018
vom 25. Juni 2018 E. 4.2). Zu prüfen ist deshalb, ob Anlass zu zumindest
geringem Zweifel an seiner vertrauensärztlichen Aktenbeurteilung besteht.
4.2.
Die kreisärztliche Beurteilung vom 16. März 2021 wird den von der Recht-
sprechung formulierten Anforderungen an eine beweiskräftige medizini-
sche Stellungnahme (vgl. E. 4.1. hiervor) gerecht. Die Einschätzung des
Kreisarztes erfolgte in Kenntnis sämtlicher Vorakten; so bezog er sich auf
den MRI-Bericht von PD Dr. med. F., Facharzt für Radiologie, vom 9. No-
vember 2020 (VB I 14; 45 S. 1) sowie die Berichte von Dr. med. D. vom
26. November 2020 (VB I 5 S. 1 f.), 13. Januar 2021 (VB I 16 S. 1 f.),
19. Januar 2021 (VB I 19 S. 1 f.) und 24. Februar 2021 (VB I 41 S. 1 f.; 45
S. 2). Die gesundheitlichen Beschwerden wurden in der kreisärztlichen Be-
urteilung ausführlich wiedergegeben (VB I 45 S. 1 f.) und es erfolgte eine
Auseinandersetzung mit den aufgeführten Befunden (VB I 45 S. 2). Die
Einschätzung ist in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
und der medizinischen Situation nachvollziehbar und damit – entgegen den
Vorbringen des Beschwerdeführers (Beschwerde S. 3, 4 und 9) – grund-
sätzlich geeignet, den Beweis für den anspruchserheblichen medizinischen
Sachverhalt zu erbringen.
4.3.
Bei der kreisärztlichen Beurteilung handelt es sich um eine Aktenbeurtei-
lung. Eine solche ist nicht an sich als unzuverlässig zu beurteilen. Entschei-
dend ist, ob dem Kreisarzt genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-
licher Untersuchungen vorlagen, die ein vollständiges Bild über Anamnese,
Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben (Urteile des Bundesgerichts
8C_889/2008 vom 9. April 2009 E. 3.3.1 und U 224/06 vom 1. November
2007 E. 3.5; je mit Hinweisen). Die erwähnten Berichte der behandelnden
Fachärzte genügen vorliegend als Grundlage für eine vertrauensärztliche
Aktenbeurteilung. Sie beruhen auf persönlichen Untersuchungen (VB I 5
S. 1 f.; 41 S. 1 f.), erfolgten gestützt auf eine MR-Arthrographie der rechten
Schulter (VB I 14 S. 1 f.), basieren auf intraoperativen Erkenntnissen
(VB I 16 S. 1 f.) und ergeben ein umfassendes Bild betreffend den Befund
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=soz&query_words=%2Bkompetenzzentrum+versicherungsmedizin&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-V-225%3Ade&number_of_ranks=0#page225 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=soz&query_words=%2Bkompetenzzentrum+versicherungsmedizin&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-V-465%3Ade&number_of_ranks=0#page465
- 7 -
und die Symptomatik im Bereich der rechten Schulter im Verlauf. Die dies-
bezüglichen Vorbringen des Beschwerdeführers verfangen deshalb nicht
(Beschwerde S. 5).
5.
5.1.
Der Beschwerdeführer macht geltend, ihm stünden Leistungen auch nach
dem 28. Februar 2021 zu (Beschwerde S. 3). In Bezug auf die Beurteilung
der Gesundheitsbeeinträchtigung nach dem Ereignis vom 1. Februar 2017
gehe der Kreisarzt fälschlicherweise und abweichend vom behandelnden
Facharzt davon aus, dass die damals im MRI festgestellten Befunde dege-
nerativen Ursprungs und nicht unfallbedingtgewesen seien (Beschwerde
S. 8). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin in Be-
zug auf das Unfallereignis vom 1. Februar 2017 ihre Leistungen mit Schrei-
ben vom 25. August 2017 unter Hinweis auf einen (degenerativen) Vorzu-
stand informell eingestellt hat (Vernehmlassungsbeilage II [VB II] 46
S. 1 f.). Dieser Entscheid erwuchs mangels Intervention des Beschwerde-
führers innert Jahresfrist in Rechtskraft (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts
8C_414/2021 vom 12. Oktober 2021 E. 4.2 mit Hinweisen). Eine allfällige
weitere bzw. erneute Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin im Zusam-
menhang mit dem Ereignis vom 1. Februar 2017 ist im Weiteren vorliegend
nicht Streitgegenstand, hat die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid eine über den 28. Februar 2021 hinaus bestehende
Leistungspflicht doch einzig in Bezug auf den Unfall vom 5. Novem-
ber 2020 verneint (VB I 46 S. 1; 58 S. 12; vgl. BGE 131 V 164 E. 1.2
S. 164 f. mit Hinweisen).
5.2.
5.2.1.
Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, der Kreisarzt sei fälschlicherweise
davon ausgegangen, dass Dr. med. D. die Unfallkausalität der Beschwer-
den verneint habe. Tatsächlich habe Dr. med. D. festgehalten, der – nach
der traumatischen Supraspinatussehnenruptur – am 5. November 2020 er-
littene Unfall habe zu einer erneuten rechtsseitigen Schulterdistorsion ge-
führt, wobei das MRI eine Erweiterung der Rupturgrösse am Supraspinatus
ergeben habe (Beschwerde S. 6).
Wie obenstehend ausgeführt (vgl. E. 5.1. hiervor), bildet eine allfällige (er-
neute) Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit
dem Unfall vom 1. Februar 2017 nicht Gegenstand des vorliegenden Ver-
fahrens. Dr. med. C. wies indes zu Recht darauf hin, dass Dr. med. D. in
seinem Bericht vom 24. Februar 2021 festgehalten habe, das Unfallereig-
nis von 2017 sei entscheidend für die Leistungspflicht der Beschwerdegeg-
nerin (VB I 5 S. 2; 41 S. 2). Vorliegend erheblich ist einzig, ob die über den
28. Februar 2021 hinaus beklagten Beschwerden zumindest teilweise auf
das Ereignis vom 5. November 2020 zurückzuführen waren. Weder der
- 8 -
Kreisarzt Dr. med. C. noch Dr. med. D., der den Beschwerdeführer bereits
nach dessen Anfang Februar 2017 erlittenem Unfall behandelt hatte, gin-
gen jedoch davon aus, dass das Unfallereignis vom 5. November 2020 mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit Ursache der im Bereich der rechten
Schulter bildgebend festgestellten Befunde sei. Arztberichte, die auf etwas
Gegenteiliges schliessen liessen, oder anderweitige Anhaltspunkte, die
diese – von Dr. med. C. überzeugend begründete – Einschätzung in Frage
stellten, liegen nicht vor.
5.2.2.
Im Weiteren vermögen die Ausführungen von Dr. med. D. auch keine Zwei-
fel an der kreisärztlichen Beurteilung, wonach der Unfall vom 5. November
2020 nicht zu einer richtunggebenden Verschlimmerung des vorbestehen-
den Schadens an der rechten Schulter, sondern lediglich zu einer vorüber-
gehenden Verschlimmerung, die spätestens bis 24. November 2020 wie-
der abgeklungen sei, geführt habe (VB I 27 S. 1), zu begründen (vgl. Be-
schwerde S. 9). Gemäss dem Bericht von Dr. med. D. vom 26. Novem-
ber 2020 zeigte sich im MRI vom 9. November 2020 im Vergleich zu den
Voraufnahmen eine Erweiterung der Rupturgrösse am Suprapinatus
(VB I 5 S. 1). Während sich im fraglichen Bericht keine Angaben hinsicht-
lich der Bedeutung des Unfalls vom 5. November 2020 für diese Ver-
schlechterung finden, geht aus dem Bericht von Dr. med. D. vom 24. Feb-
ruar 2021 klar hervor, dass dieser im Unfall vom 5. November 2020 keine
Grundlage für eine allfällige Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
(mehr) sah, sondern eine solche lediglich im Zusammenhang mit dem –
vorliegend nicht relevanten – Ereignis vom 1. Februar 2017 in Betracht zog.
Damit brachte er auch unmissverständlich zum Ausdruck, dass er von kei-
nen durch den Unfall vom 5. November 2020 bedingten Beschwerden
mehr ausging. Auch in dieser Hinsicht widersprechen sich die medizini-
schen Beurteilungen in Bezug auf die vorliegend zu klärende Sachlage
nicht. Es ist somit auf die – nach dem Gesagten im Einklang mit der ent-
sprechenden Einschätzung von Dr. med. D. stehenden – nachvollziehba-
ren und schlüssigen Beurteilungen des Kreisarztes abzustellen, wonach
der Unfall vom 5. November 2020 zu keiner richtunggebenden, sondern le-
diglich – bis spätestens 24. November 2020 – zu einer vorübergehenden
Verschlechterung führte.
5.3.
Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, die kreisärztliche Einschätzung be-
ruhe auf einem falschen Sachverhalt, wenn darin von einer Kontusion an-
stelle einer stattgehabten Distorsion ausgegangen werde (Beschwerde
S. 7).
Dem Kreisarzt lagen, wie bereits ausgeführt (vgl. E. 4.2. hiervor), sämtliche
Berichte der behandelnden Ärzte vor, weshalb davon auszugehen ist, dass
- 9 -
er diese bei seiner Beurteilung berücksichtigt hat (vgl. Urteile des Bundes-
gerichts 8C_616/2017 vom 14. Dezember 2017 E. 6.2.2 und 8C_209/2017
vom 14. Juli 2017 E. 4.2.2 mit Hinweis auf 9C_20/2017 vom 29. März 2017
E. 3.2). Der Schadenmeldung vom 6. November 2020 ist ausserdem zu
entnehmen, dass der Beschwerdeführer eine Prellung (Kontusion) an der
rechten Schulter erlitten habe (VB I 1 S. 1). Im Bericht vom 26. November
2020, auf den sich der Beschwerdeführer beruft, hielt Dr. med. D. lediglich
(unter "Anamnese/Verlauf") fest, der Beschwerdeführer habe angegeben,
sich beim Sturz von der Leiter am 5. November 2020 erneut eine Distorsion
der rechten Schulter zugezogen zu haben. Dass Dr. med. D. selbst von
einer am 5. November 2020 erlittenen Schulterdistorsion ausging, geht aus
keinem seiner Berichte hervor. Zudem änderte die Annahme einer Distor-
sion statt einer Kontusion nichts daran, dass weder Dr. med. C. noch
Dr. med. D. von durch den Unfall vom 5. November 2020 verursachten ob-
jektivierbaren strukturellen Läsionen oder von noch über Ende Februar
2021 (Zeitpunkt der Leistungseinstellung) anhaltenden, durch diesen Unfall
bedingten Beschwerden ausgingen (vgl. VB I 27 S. 1; I 45 S. 10; I 41 S. 2).
5.4.
Zusammenfassend besteht kein Grund, an der kreisärztlichen Beurteilung
betreffend das Fehlen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen
dem Unfall vom 5. November 2020 und den noch über den 24. November
2020 hinaus geklagten rechtsseitigen Schulterbeschwerden zu zweifeln
(Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, vgl. BGE 134 V 109
E. 9.5 S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181). Vor diesem
Hintergrund erscheint der medizinische Sachverhalt ausreichend abge-
klärt, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung auf weitere Abklärungen
verzichtet werden kann (BGE 137 V 64 E. 5.2 S. 69; 136 I 229 E. 5.3
S. 236; Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2015 vom 8. August 2015
E. 2.3). Damit erweist sich die per 28. Februar 2021 verfügte Einstellung
der Leistungen im Zusammenhang mit dem Unfall vom 5. November 2020
als rechtens.
6.
6.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
6.3.
Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61
lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-
alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf
Parteientschädigung zu.
- 10 -