Decision ID: 288f4789-c685-45bd-8bef-a65ca09961de
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1996 geborene
X._
wurde im Sommer 2012 von der stellver
tretenden
Beiständin
unter Hinweis auf psychische Beschwerden bei der Invalidenversicherung für berufliche Massnahmen (Berufsberatung, Ausbildung) angemeldet (Urk. 6/12-13). Am 25. März 2014 informierte die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die Versicherte, dass aufgrund des Gesundheitszustands aktuell keine beruflichen Massnahmen möglich seien (Urk. 6/31). Die IV-Stelle prüfte daraufhin unter Hinweis auf das Erreichen der Volljährigkeit von Amtes wegen den Rentenanspruch (Urk. 6/34, Urk. 6/41). Im März 2015 wurde die Versicherte Mutter eines Sohnes (Urk. 6/43).
Die IV-Stelle erachtete eine psychiatrische beziehungsweise eine internistisch-psychiatrische Abklärung als erforderlich und ordnete entsprechende Begutachtungen an (
Urk.
6/46,
Urk.
6/56). Die Versicherte teilte der IV-Stelle am 9. September 2015 mündlich mit, an der Prüfung des Leistungsbegehrens kein Interesse mehr zu haben (
Urk.
6/57). Die von der IV-Stelle verlangte schriftliche Erklärung reichte sie in der Folge nicht ein. Gestützt auf die Stellungnahme von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, vom Regionalen Ärzt
lichen Dienst der IV-Stelle (RAD) vom 25. Januar 2016 hielt die IV-Stelle die Versicherte unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht am 2
7.
Januar 2016 an,
während mindestens einem Jahr eine psychiatrische Therapie zu absolvieren (Urk. 6/66) und wies am 7. März 2016 das Leistungsbegehren ab, weil kein Gesundheitsschaden vorliege, welcher die Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträch
tige (Urk. 6/68).
Im Frühjahr 2018 meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenversiche
rung für berufliche Massnahmen (erstmalige berufliche Ausbildung) an (Urk. 6/73, Urk. 6/76). Die IV-Stelle wies das Leistungsbegehren am 27. August 2018
gestützt insbesondere auf eine Stellungnahme von RAD-Arzt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, vom
8.
Mai 2018
ab, da keine Diagnose ausgewiesen sei, welche eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit bewirke und sich die Versicherte seit ihrem 18. Geburtstag keiner psychiatrischen Behandlung unterzogen habe (Urk. 6/88).
A
m 29. Januar 2019
meldete sich die Versicherte
unter Hinweis auf eine kom
plexe
Traumafolgestörung
und Konzentrationsschwierigkeiten bei der Invaliden
versicherung zur erstmaligen beruflichen Ausbildung an (Urk. 6/92). Die
IV-Stelle tätigte daraufhin medizinische und erwerbliche Abklärungen und stellte mit Vorbescheid vom 11. Juni 2019 (Urk. 6/100) die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht, wogegen die Versicherte am 2. Juli 2019 (Urk. 6/102) Einwand erhob. Am 12. Juli 2019 verneinte die IV-Stelle einen Leistungsan
spruch (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 30. Juli 2019 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte die Aufhebung der Verfügung vom 12. Juli 2019
und die Unterstützung bei der Ausbildung
. In prozessualer Hinsicht stellte sie das Gesuch um unentgelt
liche Prozessführung. Mit Beschwerdeantwort vom 10. September 2019 (Urk. 5) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Am 1. Oktober 2019 (Urk. 8) reichte die Beschwerdeführerin einen weiteren Arztbericht ein (Urk. 9), welcher der Beschwerdegegnerin am 4. Oktober 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die I
nvalidenversicherung,
IVG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkom
men zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsscha
dens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnos
e voraus (vgl. BGE 143 V 409 E.
4.5.2,
141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
I
VG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.4
Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5 Abs. 1 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
die berufliche Grundbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBG) sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
1.5
Als invalid im Sinne von Art. 16 IVG gilt, wer aufgrund der Art und Schwere seines Gesundheitsschadens (vgl.
Art.
4
Abs.
2 IVG, wobei
Art.
10
Abs.
1 IVG zu beachten ist) bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung erheblich behindert ist. Das ist dann der Fall, wenn ihm dort wegen der Behinderung in wesentlichem Umfang zusätzliche Kosten entstehen. Bezugspunkt bildet dabei nicht die Erwerbstätigkeit, sondern der beabsichtigte Ausbildungsgang mit seinen spezi
fischen Anforderungen (vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
3 zu Art. 16 mit weiteren Hinweisen).
1.6
Gesetz und Verordnung enthalten keine Vorschriften über die
materiellrechtliche
Revision von Eingliederungsleistungen wegen einer seit ihrer Zusprechung eingetretenen Veränderung der Verhältnisse. Ebenso wenig ist geregelt, unter welchen Voraussetzungen im Falle einer vorangegangenen Verweigerung von Eingliederungsleistungen ein neues Gesuch entgegenzunehmen und zu prüfen ist. In BGE 105 V 173 hat das Bundesgericht entschieden, dass Eingliederungsleis
tungen gleich wie Renten und
Hilflosenentschädigungen
zu behandeln sind und dass demzufolge Art. 17 ATSG sowie die dazugehörigen Verordnungsbestimmun
gen in analoger Weise auch auf die Revision von Eingliederungsleistungen angewendet werden müssen.
Anlass zur Revision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Anspruch zu beeinflus
sen. Dies ist insbesondere bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszu
standes der Fall. Weiter sind, a
uch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheits
zustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachver
halts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass gemäss ärztlicher Beurteilung seit der letzten Verfügung vom 7. März 2016 keine Veränderung des Gesundheitszustands festgestellt worden sei und keine gesundheitliche Beeinträchtigung vorliege, welche eine langdauernde oder anhaltende Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. Entsprechend bestehe kein Anspruch auf IV-Leistungen.
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1), dass sie sich seit 31. August 2018 in einer integrierten psychiatrisch-psychothe
rapeutischen Behandlung befinde, weshalb die von der IV-Stelle gemachte Auf
lage erfüllt sei. Gemäss ihrer Therapeutin liege eine
Emetophobie
, eine posttrau
matische Belastungsstörung (PTBS) respektive eine komplexe PTBS vor, weshalb ihre Leistungsfähigkeit um 80 % vermindert sei. Im Weiteren sei sie auf dem linken Auge sehr stark sehbeeinträchtigt (Beeinträchtigung von 92 %), weshalb im Alltag Kopf- und Augenschmerzen sowie ein eingeschränktes Sehfeld resul
tierten, was zu einer Konzentrationsschwäche sowie Überbelastung des gesunden rechten Auges führe (S. 1).
3.
Dr.
med.
A._
, Oberärztin am
B._
Ambulatorium, und Psychotherapeutin
C._
nannten in ihrem Bericht vom 9. April 2019 (Urk. 6/96) folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.2):
-
PTBS (ICD-10 F43.1, seit Kindheit); Differenzialdiagnose: komplexe PTBS (im noch nicht veröffentlichen ICD-11 beschrieben)
-
Emetophobie
(ICD-10 F40.2, seit
6.
Altersjahr)
Unter dem Titel Ressourcenprofil für berufliche Tätigkeiten hielten die Fachper
sonen fest, dass eine Aussage betreffend eine angepasste Tätigkeit erst durch ein Belastbarkeitstraining möglich sei. Aktuell werde die Leistungsfähigkeit im angepassten Rahmen auf zirka 2 Stunden pro Tag eingeschätzt, wobei eine Ver
minderung der Leistungsfähigkeit im Umfang von 80 % vorliege (S. 1 Ziff. 2.1 f.).
Die Beschwerdeführerin sei seit 31. August 2018 einmal wöchentlich (60 Minu
ten) in integriert psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Sie habe sich aufgrund einer seit Kindheit bestehenden
Emetophobie
(Angst vor Erbrechen) angemeldet, welche sie im Alltag stark einschränke und belaste. Bei näherer Betrachtung hätten sich weitere Symptome wie zwischenmenschliche Schwierig
keiten, Panikattacken, Flashbacks, Alpträume, Vermeidungsverhalten, Selbst
wert- und Identitätsprobleme sowie eine mangelnde Fähigkeit zur Regulation von Emotionen gezeigt. Aufgrund der Anamnese, die von Vernachlässigung und
körperlichem Missbrauch in der Kindheit und Jugend geprägt sei, werde davon ausgegangen, dass die
Emetophobie
nur ein einzelnes Symptom auf dem Boden einer komplexen PTBS sei (S. 2 Ziff. 3.1).
Die Fachpersonen wiesen sodann darauf hin, dass bei einer sorgfältigen und wohlwollenden Unterstützung eine dem Leiden angepasste Ausbildung respektive Tätigkeit grundsätzlich möglich sei (S. 3 Ziff. 3.3) und eine Belastbarkeit für Massnahmen der Wiedereingliederung im Umfang von zwei Stunden pro Tag bestehe (S. 4 Ziff. 4.2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Verfügung (Urk. 2) auf eine interne Besprechung vom 11. Juni 2019, bei welcher neben der Kundenberaterin und zwei Mitarbeitern aus dem Bereich Berufs- respektive Eingliederungsberatung
auch
RAD-Arzt
Dr.
med.
D._
, Arbeitsmedizin (
https://www.medregom.admin.ch/
, abgerufen am 2
2
. Oktober 2019), teilnahm. Als Fazit wurde dabei festgehalten, dass kein IV-relevanter Gesundheitsschaden bestehe und sich der Zustand gemäss ärztlicher Beurteilung seit dem letzten Ent
scheid vom 2016 nicht geändert habe, weshalb eine Steigerung des Beschäfti
gungsprogramms und die Fortführung der fachlichen Behandlung empfohlen werde (Urk. 6/98 S. 2 f.).
4.2
Gemäss der medizinischen Aktenlage stehen bei der Beschwerdeführerin psy
chische Beschwerden im Vordergrund, während RAD-Arzt Dr.
D._
lediglich über den Weiterbildungstitel «Praktischer Arzt» und «Arbeitsmedizin»
verfügt
(
https://www.medregom.admin.ch/
, abgerufen am 22. Oktober 2019)
. Im Weite
ren fe
hlt bezüglich der
Schlussfolgerung des RAD-Arztes und der
anderen
Mitar
beiter der Beschwerdegegnerin, wonach
weder ein IV-relevanter
Gesundheits
schaden
noch eine Veränderung der gesundheitlichen Situation vorliege
,
jegliche Begründung. Es mangelt
insbesondere an einer Auseinandersetzung mit dem Bericht
der Psychiaterin
Dr.
A._
und Psychologin
C._
vom 9. April 2
019 (vgl. E. 3
hievor
), in welchem
von einer PTBS sowie einer
Emetophobie
und somit im Vergleich zu den Verfügungen vom 7. März 2016 (Urk. 6/68
,
Urk.
6/65/5
) und 27. August 2018 (Urk. 6/88
,
Urk.
6/84/4-5
)
von
abweichenden Diagnosen a
usgegangen wurde.
4.3
Nach dem Gesagten durfte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungsablehnung nicht auf die interne Einschätzung vom 11. Juni 201
9
abstützen. In den Akten finden sich sodann keine fachärztlichen Stellungnahmen, welche ein abschlies
sendes Bild betreffend die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in psy
chischer Hinsicht
im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
ergeben würden. Im Bericht der behandelnden Psychiaterin und Psycho
therapeu
tin
vom 9. April 2019 (vgl. E. 3
hievor
) wird
insbesondere
die von ihnen postu
lierte Leistungsfähigkeit von 20 % in einer angepassten Tätigkeit nicht näher begründet
. Es wird
vielmehr
darauf hingewiesen, dass eine Aussage betreffend eine adaptierte Tätigkeit ers
t durch ein Belastbarkeitstraining
möglich sei. Im Übrigen wä
re diesbezüglich der Erfahrungs
tatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrecht
liche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (B
GE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b/cc).
4.4
Im Lichte der obigen
Erwägungen
erweist sich der medizinische Sachverhalt
in psychischer Hinsicht
als unklar, weshalb es
zusätzlicher
Abklärungen bedarf.
Unter somatischen Gesichtspunkten wird zudem
der nachgereichte Bericht von
Prof. Dr. med.
E._
, Augenarzt FMH, spez. Augenchirurgie, vom 30. September 2019 (Urk. 9)
zu berücksichtigen sein
.
Im Weiteren fehlen Angaben über die
für
die
Beschwerdeführerin
in Frage kommende
erstmalige Ausbildung.
Demzufolge ist
die Sache für weitere Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuwei
sen und
die Beschwerde
ist in dem Sinne
gutzuheissen.
5.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rah
men
s (Fr.
200
.--
bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwer
deführerin um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2) als gege
n
standslos.