Decision ID: b4d20766-799d-550a-a82e-ee22f107e6a7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Ehegatten A._ (der Beschwerdeführer) und B._ (die
Beschwerdeführerin) ersuchten am 10. November 2015 mit ihrem Kind
C._ um die Gewährung von Asyl in der Schweiz. Das Kind
D._ wurde während ihres Aufenthalts in der Schweiz geboren.
A.b Am 23. November 2015 wurden der Beschwerdeführer und die Be-
schwerdeführerin zu ihrer Person und zu ihrem persönlichen Hintergrund,
zum Verbleib ihrer Reise- und Identitätspapiere, zu ihrem Reiseweg und
summarisch zu ihren Gesuchsgründen befragt (vgl. act. A4 und A5: Befra-
gungsprotokolle). Bei dieser Gelegenheit reichten sie als Beweismittel im
Original zwei Gerichtsurteile und eine Vorladung zu den Akten, zusammen
mit der Kopie einer Besitzurkunde zu einem Haus. Reise- und Identitäts-
papiere legten sie nicht im Original, sondern lediglich in Kopie vor. Der Be-
schwerdeführer reichte zusätzlich ein persönliches Schreiben seines jün-
geren Bruders zu den Akten, welcher sich schon seit (...) in der Schweiz
aufhält und zu jener Zeit noch über einen ausländerrechtlichen Status ver-
fügte (mittlerweile eingebürgert).
A.c Am 26. Januar 2016 gab das SEM den Beschwerdeführenden be-
kannt, dass in ihrem Fall das Dublin-Verfahren beendet worden sei. Ihre
Asylgesuche würden daher von der Schweiz geprüft, indem das nationale
Asyl- und Wegweisungsverfahren durchgeführt werde.
A.d Am 9. Juni 2017 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Gesuchsgrün-
den angehört (vgl. act. A27: Anhörungsprotokoll). Da seine Anhörung den
ganzen Tag in Anspruch nahm, musste die ebenfalls auf diesen Tag ange-
setzte Anhörung der Beschwerdeführerin verschoben werden. Ihre Anhö-
rung fand in der Folge am 3. Juli 2017 statt (vgl. act. A32: Anhörungspro-
tokoll). In der Zwischenzeit (am 20. Juni 2017) hatte der Beschwerdeführer
neben dem Original seines iranischen Führerausweises zwei Berichte des
Spitals E._ zu den Akten gereicht, in welchen über eine abge-
schlossene Behandlung wegen einer Fistel berichtet wird.
B.
B.a Bei den Beschwerdeführenden handelt es sich gemäss Aktenlage um
Staatsangehörige des Iran kurdischer Ethnie, welche ihren Angaben zu-
folge ursprünglich aus der Stadt F._ stammen (der Beschwerdefüh-
rer) respektive aus einem kleinen Dorf in der Nähe dieser Stadt (die Be-
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schwerdeführerin). Gelebt hätten sie aber zeitlebens (der Beschwerdefüh-
rer) respektive ab ihrer Heirat (...) (die Beschwerdeführerin) in Quartier
G._ in der Stadt H._ ([...]). Dort hätten sie bei den Eltern
des Beschwerdeführers gewohnt, zusammen mit mehreren seiner Ge-
schwister. Im Rahmen der Anhörung brachte die Beschwerdeführerin neu
vor, da die Platzverhältnisse dort sehr beengt gewesen seien, hätten sie
eine eigene Wohnung gehabt, welche sie bis zu ihrer Ausreise bewohnt
hätten. Bei den Beschwerdeführenden handelt es sich ihren Angaben zu-
folge um Mitglieder der religiösen Minderheit der I._ ([...]). Im Rah-
men der Befragung bestätigte der Beschwerdeführer, dass einer seiner
Brüder in der Schweiz lebe. Ein anderer Bruder halte sich in der Türkei auf.
Dies mit dem Ziel, von dort (... [in einen Drittstaat]) auszuwandern. Dieser
Bruder habe gesundheitliche und politische Probleme. Die Eltern und
(...[die weiteren]) Geschwister des Beschwerdeführers lebten weiterhin in
H._. Die Mutter und (... [Geschwister]) der Beschwerdeführerin leb-
ten in ihrem Heimatdorf. Der Beschwerdeführer war seinen Angaben zu-
folge (... [als Selbständiger]) tätig, indem er sich während der letzten (...)
Jahre mit dem Verkauf und der Reparatur von (... [Geräten]) befasst habe.
Er habe bis (...) 2015 in H._ ein eigenes Geschäft gehabt.
B.b Die Beschwerdeführenden verliessen ihre Heimat ihren Angaben zu-
folge am (...) 2015 in Richtung der Türkei, indem sie auf dem Luftweg von
H._ über J._ nach Istanbul gereist seien. Dies legal und un-
ter Verwendung ihrer eigenen Reisepässe. In der Türkei habe der Schlep-
per ihre Pässe einbehalten, weshalb sie nur noch eine Kopie des Reise-
passes des Beschwerdeführers vorlegen könnten. Zwar würden sie auch
über ihre Shenasnameh und der Beschwerdeführer über eine Identitäts-
karte verfügen, diese Papiere hätten sie aber in der Heimat zurückgelas-
sen. Von der Türkei seien sie über Griechenland, Mazedonien, Kroatien,
Ungarn, Österreich und Deutschland in die Schweiz gereist. In die Schweiz
seien sie gekommen, weil der Bruder des Beschwerdeführers hier lebe.
B.c
B.c.a Im Rahmen der Befragung vom 23. November 2015 brachte der Be-
schwerdeführer auf die Frage nach seinen Gesuchsgründen das Folgende
vor: Er habe im Iran, wie gesagt, ein eigenes Geschäft gehabt, dann habe
ihm der Staat Schwierigkeiten bereitet. Sie (sinngemäss: die Behörden)
hätten alle Computer und Gerätschaften mitgenommen. Ihm sei dann vor-
geworfen worden, dass irgendwelche Bilder und verbotene Informationen
auf seinem Computer gefunden worden seien. Er wüsste aber nicht, dass
er etwas Verbotenes auf seinem Computer gehabt hätte. Er gehe daher
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davon aus, dass die Vorwürfe aus der Luft gegriffen gewesen seien. Er
könne sich einzig vorstellen, dass die Vorhalte im Zusammenhang mit sei-
nem Geschäft gestanden hätten. Er habe nämlich (... [Daten]) seiner Kun-
den auf seinen Computer kopieren müssen, damit diese nicht verloren ge-
hen. Das sei das einzige, was er sich vorstellen könne. Jedenfalls hätten
von da an seine Schwierigkeiten begonnen, indem er vor Gericht gezerrt
und zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden sei (vgl. act. A4 Ziff. 7.01).
Nach diesen Ausführungen brachte er auf Nachfrage hin vor, seine Com-
puter und Gerätschaften seien beschlagnahmt worden, als sein Geschäft
am (...) 2015 von Amaken (Anm.: Polizisten in Zivil respektive Angehörige
der Sittenpolizei) gestürmt worden sei. Er sei dabei verhaftet und zum Pos-
ten der Zivilpolizei in H._ gebracht worden, wo man ihn für zwei
Tage festgehalten habe. Dann sei er direkt vor ein Gericht geführt worden,
wo ihm der Prozess gemacht worden sei. Das Urteil habe er am (...) 1394
erhalten (was dem [...] 2015 entspricht), und dieses Urteil sei am (...) 1394
([...] 2015) rechtskräftig worden. Er habe sich derweil auf freiem Fuss be-
funden, da er vom Gericht bis zum Urteil auf Kaution freigelassen worden
sei. Nach dem zweiten Urteil wäre er dann innert einem Jahr zum Antritt
seiner Haftstrafe aufgeboten worden. Auf die Frage, was sich denn Verbo-
tenes auf seinem Computer befunden habe, gab er an, es sei ihm gesagt
worden, dass das, was sie gefunden hätten, eine Beleidigung des islami-
schen Systems darstelle. Sie hätten gesagt, dass sie Bilder von irgendwel-
chen politischen Parteien gefunden hätten, von der PJAK (Partiya Jiyana
Azad a Kurdistanê) zum Beispiel. Das sei aber nur ein Vorwand gewesen.
Zudem sei ihm vorgehalten worden, er habe den Revolutionsführer und die
Heiligtümer des Islam beleidigt. Als sie herausgefunden hätten, dass er zu
den I._ gehöre, sei ihm darüber hinaus ein Abweichen von der Re-
ligion vorgeworfen worden. Zur Stützung dieser Vorbringen legte er im
Rahmen der Befragung als Beweismittel eine Gerichtsvorladung, ein Ge-
richtsurteil vom (...) 2015 (vom Revolutions- und Allgemeinen Gericht von
H._) und ein Gerichtsurteil vom (...) 2015 (vom Islamischen Revo-
lutionsgericht von H._) vor, zusammen mit der Kopie einer angebli-
chen Besitzurkunde über ein Haus (ausgestellt am [...] 2001). Dazu führte
er aus, das Haus gehöre seinem Vater und seine Ausreise sei trotz Verur-
teilung möglich gewesen, weil er das Haus als Kaution gestellt habe. Dabei
machte er auf Nachfrage hin geltend, wer eine Kaution hinterlege, könne
ausreisen. Eine Ausreise sei erst dann nicht möglich, wenn man zu 30 bis
40 Jahren oder zum Tod verurteilt worden sei (vgl. act. A4 Ziff. 7.02).
B.c.b Anlässlich ihrer Befragung brachte die Beschwerdeführerin auf die
Frage nach ihren Gesuchsgründen vor, sie hätten den Iran wegen ihrem
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Mann verlassen. Er habe Probleme gehabt (vgl. act. A5 Ziff. 7.01). Auf
Nachfrage brachte sie vor, ihr Mann habe keine Schuld an seinen Proble-
men gehabt, man habe ihm grundlos Vorwürfe gemacht. Er habe mit (...
[Geräten]) gearbeitet und ihm sei vorgeworfen worden, dass ihm jemand
einen «Flash» mitgegeben habe. Das sei ein Kunde gewesen und dieser
habe ihren Mann gebeten, es in ein grösseres Format umzuwandeln. Ihr
Mann habe dem Kunden gesagt, dass dies etwas dauern werde. Sie selbst
habe sich zu jener Zeit in ihrem Elternhaus aufgehalten. Ihr Mann sei dann
verhaftet worden, worüber sie aber erst später informiert worden sei. Das
sei alles, was sie wisse. Dabei gab sie auf weitere Nachfrage hin an, ohne
die Probleme ihres Mannes hätte sie den Iran nicht verlassen. Sie habe
keine Probleme gehabt. Ihr Mann habe dann später keine Arbeit mehr ge-
habt (vgl. a.a.O., Ziff. 7.02).
B.d
B.d.a Im Rahmen der Anhörung vom 9. Juni 2017 bestätigte der Beschwer-
deführer zunächst sein Grundvorbringen, er habe seine Heimat verlassen,
weil er in ein Verfahren verwickelt und zu einer langjährigen Haftstrafe ver-
urteilt worden sei. Im Verlauf der Anhörung schuf er indes andere Bezüge,
als noch in der Befragung, was zu einer ganzen Reihe von Nachfragen
vonseiten der Vorinstanz führte. So brachte der Beschwerdeführer im Rah-
men der Anhörung im Wesentlichen vor, er sei zwar zirka am (...) 2015 in
seinem Geschäft von drei Beamten der Sittenpolizei kontrolliert und an-
schliessend verhaftet worden, er sei dann aber nicht von der Sittenpolizei,
sondern vielmehr vom Ettelaat (Anm.: der iranische Geheimdienst respek-
tive das iranische Ministerium für Nachrichtenwesen) in das Strafverfahren
verwickelt worden. Bei den Polizisten, welche ihn verhaftet hätten, habe es
sich in Tat und Wahrheit um Agenten des Ettelaat gehandelt, von welchen
ihm schon während der Fahrt zum Posten der Sittenpolizei vorgehalten
worden sei, er und einer seiner Brüder seien Angehörige einer politischen
Gruppierung. Dabei habe er feststellen müssen, dass es eigentlich um die
Probleme seines Bruders gegangen sei und dass man seine Familie offen-
bar schon seit Monaten überwacht habe. Er sei dann auch nicht auf dem
Posten der Sittenpolizei in Haft gewesen, sondern noch am Abend des glei-
chen Tages erst einem Haftrichter vorgeführt und dann in ein Gefängnis
des Ettelaat überstellt worden. Dies mit verbundenen Augen. In diesem
Gefängnis habe er zwei Tage verbracht, wobei er mehrfach befragt worden
sei. Dabei sei er mannigfachen psychischen Folterungen ausgesetzt wor-
den. Zudem habe man ihn gezwungen, auf mehreren Blättern Blanko-Un-
terschriften zu leisten. In seinen weiteren Ausführungen berief sich der Be-
schwerdeführer nicht mehr darauf, dass ihm Daten auf seinem Computer
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zum Vorhalt gemacht worden seien, welche eigentlich seinen Kunden ge-
hört hätten. Stattdessen brachte er vor, es seien ihm zunächst Aufnahmen
von Familienfesten vorgehalten worden, bei welchen sie – was nach ihrer
Religion erlaubt sei – Alkohol getrunken hätten. Darüber hinaus hätten die
Ettelaat-Beamten aber Daten und Dateien auf seinem Computer abgespei-
chert, welche ihm in der Folge in seinem Prozess zum Vorhalt gemacht
worden seien. Bei den ihm untergeschobenen Inhalten habe es sich um
Filme gehandelt, welche eine antiislamische Haltung zeigten, aber auch
um sehr extreme Sexfilme. Nach zwei Tagen Haft sei er [erneut] einem
Haftrichter vorgeführt worden, welcher ihn nach der Hinterlegung einer
Kaution nach Hause habe gehen lassen. Als Kaution habe er eine Grund-
buchurkunde gestellt, welche seine Familie zum Gericht gebracht habe. Im
(...) Monat [1394] ([...] 2015) habe er eine Vorladung bekommen, wonach
er im (...) Monat ([...]) vor Gericht hätte erscheinen müssen. An der Ver-
handlung seien die Beamten, welche ihn verhaftet hätten, als Zeugen ge-
gen ihn aufgetreten. Er selber habe kaum etwas sagen dürfen. Dann sei er
vom Richter mit der Bemerkung nach Hause geschickt worden, er werde
über den weiteren Verlauf des Verfahrens informiert. Im (...) Monat ([...])
sei ihm dann ein Urteil zugestellt worden, in dem ihm eine Gefängnisstrafe
auferlegt wurde. Gegen dieses Urteil habe er Einspruch eingelegt, der Ein-
spruch sei aber mit dem zweiten Urteil abgewiesen worden. Es sei ihm
daraufhin klar gewesen, dass eine weitere Einsprache keinen Sinn mache
und er ins Gefängnis müsse. Er habe sich deswegen zur Ausreise ent-
schieden.
Im Verlauf der Anhörung wurde der Beschwerdeführer namentlich danach
gefragt, weshalb er im Rahmen der Befragung nur über Probleme mit der
Sittenpolizei, aber nicht über Probleme mit dem Ettelaat berichtet habe. Er
machte daraufhin geltend, den Ettelaat habe er in der Befragung nur des-
halb nicht erwähnt, weil er sich ganz kurz habe fassen müssen, da er in
der Befragung nur ganz wenig Zeit gehabt habe. Ausserdem berichtete er
über die Probleme, welche sein in der Türkei lebender Bruder mit den hei-
matlichen Behörden gehabt habe. Auf weitere Nachfrage hin machte er
geltend, er sei nicht in der Lage darüber zu sprechen, was mit ihm in der
Haft gemacht worden sei. Das liege aber nicht daran, dass eine Frau bei
der Anhörung zugegen sei, sondern vielmehr daran, dass er seine Erleb-
nisse selber nicht wahrhaben wolle. Gleich anschliessend berichtete er
über seine bereits in der Heimat aufgenommene Behandlung wegen einer
Analfistel. Im Anschluss daran brachte er auf nochmalige Frage nach den
erlittenen Misshandlungen vor, er habe sich anlässlich seines Haftantritts
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bis auf seine Unterhosen ausziehen müssen, was einen starken psychi-
schen Druck verursacht habe. Zudem seien ihm während der Fahrt zum
Polizeiposten und zum Gefängnis die Augen verbunden worden, was für
ihn psychische Folter gewesen sei. Schliesslich sei er nach Ankunft im Ge-
fängnis von zwei Personen physisch misshandelt worden. Das sei ein ein-
zelner Vorfall gewesen. Die beiden Männer hätten im Verlauf von etwa ei-
ner halben Stunde nicht nur mit Gewalt seine Geschlechtsteile zusammen-
gedrückt, sondern ihn auch vergewaltigt. Gegen Ende der Anhörung
brachte der Beschwerdeführer auf weitere Nachfrage hin vor, er habe
schon vor (...) Jahren einmal ein Problem gehabt, indem er damals im Zu-
sammenhang mit (... [einem Handel unter Privaten]) mit einem Ettelaat-
Beamten in Streit geraten sei. Der Mann habe ihn so stark ins Gesicht ge-
schlagen, dass eine Operation notwendig geworden sei. Er habe den Mann
angezeigt, worauf dieser zwar nicht zu einer Haftstrafe, aber immerhin zu
einer Strafzahlung verurteilt worden sei. Danach habe der Mann ihn stän-
dig bedroht, das letzte Mal im Jahre (...) ([...]). Noch früher sei er einmal
wegen der Verletzung von Kleidervorschriften in Untersuchungshaft ge-
kommen.
B.d.b Im Rahmen ihrer Anhörung vom 3. Juli 2017 bestätigte die Be-
schwerdeführerin ihr Vorbringen, sie sei wegen ihrem Ehemann in die
Schweiz gekommen, da sie keine persönlichen Probleme gehabt habe. Als
ihr Mann verhaftet worden sei, habe sie bei ihren Eltern gelebt, respektive
sie habe sich zu diesem Zeitpunkt für einige Tage dort aufgehalten. Als ihr
Ehemann sie nicht wie üblich telefonisch kontaktiert habe, habe sie aus
Sorge Kontakt mit seiner Familie aufgenommen, worauf ihr beschieden
worden sei, sie solle zu ihnen kommen. Dort habe sie den Beschwerdefüh-
rer angetroffen. Aus diesen Gründen habe sie erst im Nachhinein und auch
nur aufgrund der Erzählungen ihres Mannes und seiner Familie von seiner
Verhaftung erfahren. Er habe ihr aber keine Details erzählt, um sie nicht zu
beunruhigen, respektive ihr Mann sei nach seiner Entlassung ganz still und
schweigsam gewesen. Er habe damals auch psychische Probleme bekom-
men und zum Arzt gehen müssen. Auf der anderen Seite habe sie auch
von ihrer Schwiegermutter nichts Näheres über seine Probleme erfahren,
da auch ihre Schwiegermutter sie nicht habe belasten wollen. Die Schwie-
germutter habe lediglich gemeint, sie solle ihren Mann fragen. Da auch die
Schwiegermutter gesundheitliche Probleme habe, habe sie auch bei dieser
nicht nachgehakt. Sie hätten dann nach einer gewissen Zeit eine Verfü-
gung erhalten, und nachdem sie einige Zeit gewartet hätten, sei dann ein
Haftbefehl respektive eine Gefängnisverfügung für ihren Mann gekommen.
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Sie hätten sich daraufhin zur Ausreise entschlossen, da es weder ihr Ehe-
mann noch sie ertragen hätten, wenn er ins Gefängnis hätte gehen müs-
sen. Nach diesen Ausführungen berichtete die Beschwerdeführerin auf
wiederholte Nachfrage hin darüber, was sie später von ihrem Ehemann er-
fahren habe. So sei es seinen Angaben zufolge um Fotos und Bilder ge-
gangen, welche sich auf seinem Mobiltelefon und auf seinem Computer
befunden hätten. Bei den Fotos habe es sich um ihre Ferienfotos gehan-
delt, auf welchen zu sehen gewesen sei, dass sie Alkohol getrunken hät-
ten. Das sei im Iran verboten. Wegen dieser Fotos sei er während seiner
Haft geplagt worden, worüber er ihr aber nichts Konkretes erzählt habe.
Auf der anderen Seite habe es zwischen ihrem Ehemann und einem Dritten
einen Konflikt gegeben, bei welchem es um einen (... [Handel unter Priva-
ten]) gegangen sei. Ihr Mann habe den Dritten angezeigt, weil er von ihm
verletzt worden sei. Der andere habe dann Schmerzensgeld zahlen müs-
sen. Sie vermute, dass die Probleme ihres Mannes auf diesen Dritten zu-
rückgingen. Zudem seien auf dem Computer ihres Mannes auch Bilder von
IS-Kämpfern aufgetaucht, was ebenfalls verboten sei. Ihr Mann habe aber
häufig die Daten seiner Kunden auf seinem Computer gehabt.
C.
C.a Am 2. Oktober 2017 gelangte das SEM mit einem Ersuchen um Abklä-
rung an die schweizerische Botschaft in Teheran. Dabei wurde die Bot-
schaft vom SEM nach einer kurzen Zusammenfassung der vorgebrachten
Gesuchsgründe um Abklärung insbesondere zu den vom Beschwerdefüh-
rer vorgebrachten Abläufen, die von ihm geltend gemachten Verurteilungen
und die von ihm vorgelegten Beweismittel ersucht, wie auch um eine Prü-
fung seines gegenwärtigen strafrechtlichen Status.
C.b Die Botschaft liess dem SEM am 15. November 2017 einen vom 4. No-
vember 2017 datierenden Bericht zukommen, welcher von einem Vertrau-
ensanwalt der Botschaft erstellt worden war. In diesem Bericht wurde na-
mentlich ausgeführt, dass es sich bei den vorgelegten Beweismitteln um
offensichtliche Fälschungen handle und dass betreffend den Beschwerde-
führer weder Polizeiakten noch Strafurteile bestünden.
C.c Am 11. Januar 2018 brachte das SEM den Beschwerdeführenden den
wesentlichen Inhalt der Botschaftsanfrage und – in stark verkürzter Form –
den Inhalt des Botschaftsberichts zur Kenntnis, verbunden mit der Einla-
dung zur Stellungnahme zwecks Wahrung des rechtlichen Gehörs.
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C.d Unter Bezugnahme auf dieses Schreiben gab der rubrizierte Rechts-
vertreter dem SEM am 16. Januar 2018 seine Mandatsübernahme be-
kannt. Zur Sache machte er gleichzeitig geltend, die von den Beschwerde-
führenden eingereichten Dokumente seien authentisch. Derweil bleibe rät-
selhaft, weshalb die Botschaft auf eine Totalfälschung geschlossen habe,
da weder die Quelle der Information noch die Art der Abklärungen bekannt
gegeben worden seien. Eine plausible Stellungnahme sei damit nicht mög-
lich. Es werde daher um Zustellung von Aktenkopien ersucht, insbeson-
dere jener der Botschaft, zumal die Behörde zu beweisen habe, ob und
inwiefern die Quelle der Botschaft zuverlässig sei und nicht etwa eine In-
filtration des iranischen Geheimdienstes vorliege.
C.e Mit Schreiben vom 22. Januar 2018 (nochmals zugestellt am 2. Feb-
ruar 2018) hielt das SEM einleitend fest, die Anfrage an die Botschaft und
der Botschaftsbericht enthielten Angaben, an deren Geheimhaltung ein
wesentliches öffentliches Interesse im Sinne von Art. 27 Abs. 1 Bst. a
VwVG bestehe. Auch könne die im Weiteren beantragte Akteneinsicht
nach Art. 27 Abs. 1 Bst. c VwVG noch nicht gewährt werden, da die Unter-
suchungen zu den Asylvorbringen noch nicht abgeschlossen seien. Nach-
dem der wesentliche Inhalt der Botschaftsanfrage bereits offengelegt wor-
den sei, könnten jedoch ergänzende Angaben zum Inhalt des Botschafts-
berichts gemacht werden. So habe die Botschaft verschiedene Abklä-
rungsmassnahmen angeordnet und die eingereichten Beweismittel mit
Hilfe eines Vertrauensanwalts auf deren Echtheit hin überprüfen lassen.
Dafür sei zur Verfügung stehendes Vergleichsmaterial beigezogen worden.
Die Überprüfung der eingereichten Dokumente habe unter anderem erge-
ben, dass die eingereichte Grundstücksurkunde eine Mehrzahl falscher
und nicht geläufiger Bezeichnungen betreffend das Register, die Grund-
stücksmasse und die Währung aufweise. Weiter hätten sich eine Vielzahl
formaler und sprachlicher Fehler feststellen lassen. Darüber hinaus be-
ständen für das im Dokument genannte Grundstück keinerlei Einträge bei
der Katasterbehörde von H._. Auch die zu den Akten gereichte Vor-
ladung weise teils krasse sprachliche und formale Fehler auf, welche in
offiziellen Gerichtsdokumenten so nicht vorzufinden seien. Zudem handle
es sich beim eingereichten Dokument um eines, welches nicht im Besitz
eines Vorgeladenen befindlich sei. Bei den eingereichten Urteilen stimme
eine Vielzahl von Formalien (Layout, Schriftgrösse etc.) nicht. Den Doku-
menten fehle es zudem in frappanter Weise an der in Urteilen üblichen ju-
ristischen Sprache respektive an der in der iranischen Rechtsprechung ver-
wendeten Terminologie. Darüber hinaus seien die eingereichten Urteile an-
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geblich von einem Revolutionsgericht erlassen worden, obschon die im Ur-
teil erwähnten Straftaten nicht in dessen Zuständigkeitsbereich fielen.
Schliesslich sei festzuhalten, dass eine Freilassung auf Kaution, wie vom
Beschwerdeführer geltend gemacht, gar nicht möglich gewesen wäre,
wäre er tatsächlich von einem für Vergehen betreffend Staatssicherheit zu-
ständigen Revolutionsgericht verurteilt worden. Dementsprechend komme
die Botschaft in ihrem Bericht zum Schluss, dass es sich bei allen einge-
reichten Dokumenten um Totalfälschungen handle und zum heutigen Zeit-
punkt keinerlei Polizeiakten oder Verurteilungen bestünden. Folglich werde
der Beschwerdeführer auch nicht behördlich gesucht.
C.f Am 14. Februar 2018 liessen die Beschwerdeführenden durch ihren
Rechtsvertreter eine Stellungnahme einreichen. Darin wurde geltend ge-
macht, nachdem der Rechtsvertreter (... [über entsprechende Kenntnisse
verfüge]), könne er versichern, dass im Iran die Gerichte und Behörden
nicht mit ausgebildeten Juristen, sondern mit Theologen und Anhängern
des Regimes besetzt seien. Die Qualität der juristischen Sprache hänge
daher von der Ausbildung der jeweiligen Richter und Beamten ab. Diese
würden aber nicht aufgrund ihres Fachwissens, sondern anhand deren
Treue zum Islam und zur Revolution berufen. Daher seien im iranischen
Verwaltungs- und Justizapparat kaum gebildete Personen zu finden. So
hätten selbst bekannteste Richter keine nennenswerte Ausbildung. Die
mangelhafte Sprache der Urteile könne daher nicht als Beleg für den Fäl-
schungsvorhalt herangezogen werden. Auf der anderen Seite sei nicht er-
sichtlich, was denn in den vorgelegten Urteilen in welcher Weise falsch sein
sollte. Zudem würden die Revolutionsgerichte ihre Zuständigkeit selber be-
stimmen, indem sie einfach über jene Fälle entscheiden würden, über wel-
che sie entscheiden wollten. Das sei seines Erachtens gesetzlich so vor-
gesehen. Eine formalistisch-sprachliche Überprüfung der vorgelegten Be-
weismittel könne daher nur zu fragwürdigen Resultaten führen. Fakt bleibe
schliesslich, dass die Quelle des Botschaftsberichts weiterhin unbekannt
sei, so dass weder deren Fähigkeiten noch deren Integrität überprüfbar sei.
Eine Überprüfung der Quelle sei derweil dringendst geboten, hätten sich
doch bereits der schweizerische Nachrichtendienst und der schweizeri-
sche Bundesanwalt mit ihren Quellen blamiert. Ein Botschaftsbericht wie
vorliegend dürfte jedenfalls in keinem anderen Verfahren nach Schweizer
Recht verwertbar sein. In der Stellungnahme wurde sodann neu geltend
gemacht, abgesehen von den bisherigen Problemen komme im Falle des
Beschwerdeführers hinzu, dass er auch in der Schweiz politisch aktiv sei.
In dieser Hinsicht wurde unter Vorlage von drei Fotos aus "Facebook" vor-
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gebracht, der Beschwerdeführer habe klar regimefeindliche Bilder hochge-
laden (vgl. dazu nachfolgend, E.6.1). Sein Beitrag sei von unzähligen Men-
schen, mithin mutmasslich Tausenden gesehen worden, da er über (...)
Abonnenten habe und er zudem aus einer der bekanntesten Familien von
H._ stamme. Dem Beschwerdeführer drohe in der Heimat die To-
desstrafe. Ihm sei daher alleine wegen dieser Beiträge Asyl zu gewähren.
Zudem habe er in der Schweiz auch an Demonstrationen gegen das irani-
sche Regime teilgenommen.
D.
Mit Verfügung vom 2. März 2018 (eröffnet am 10. März 2018) stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft
nicht und lehnte deren Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete das SEM die
Wegweisung aus der Schweiz und den Wegweisungsvollzug in den Iran
an. Dabei erkannte das SEM die Gesuchsvorbringen über eine angebliche
Verfolgungssituation im Zeitpunkt der Ausreise als unglaubhaft und das
geltend gemachte exilpolitische Engagement des Beschwerdeführers als
nicht relevant. Auf die Entscheidbegründung im Einzelnen wird – soweit
wesentlich – nachfolgend eingegangen.
E.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden am 17. März
2018 – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – Beschwerde. In ihrer Ein-
gabe beantragten sie die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Gewährung von Asyl, eventualiter die Anordnung einer vorläufigen Auf-
nahme in der Schweiz. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Erteilung
der aufschiebenden Wirkung, um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht. Im Rahmen ihrer
Beschwerdebegründung bestritten sie die vorinstanzlichen Erwägungen
zur Unglaubhaftigkeit ihrer Gesuchsvorbringen und zur fehlenden Rele-
vanz des exilpolitischen Engagements des Beschwerdeführers. Auf die Be-
gründung im Einzelnen wird – soweit wesentlich – nachfolgend eingegan-
gen.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 22. März 2018 wurde festgestellt, dass die
Beschwerdeführenden den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar-
ten können (Art. 42 AsylG [SR 142.31]). Gleichzeitig wurde dem Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG) und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht (gemäss
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Art. 63 Abs. 4 VwVG) entsprochen. Das SEM wurde sodann zum Schrif-
tenwechsel eingeladen (Art. 57 Abs. 1 VwVG).
G.
Im Rahmen seiner Vernehmlassung vom 26. März 2018 hielt das SEM un-
ter Verweis auf seine bisherigen Erwägungen an der angefochtenen Ver-
fügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Die vorinstanzliche Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführenden am
28. März 2018 zur Kenntnisnahme zugestellt.
H.
Am 25. Mai 2018 liessen die Beschwerdeführenden dem Bundesverwal-
tungsgericht kommentarlos drei Gerichtsdokumente aus dem Iran bereits
älteren Datums zukommen (inklusive Übersetzungen). Aus diesen Unter-
lagen geht im Wesentlichen hervor, dass der Beschwerdeführer in den Jah-
ren (...) ein Verfahren gegen einen Mann (...) angestrengt hatte, da er von
diesem durch Schläge am rechten Auge verletzt worden war. Der Mann
wurde soweit ersichtlich (...) gerichtlich zu einer Schadenersatz- respektive
Genugtuungszahlung an den Beschwerdeführer verurteilt.
Unter Bezugnahme auf diese Eingabe teilte der rubrizierte Rechtsvertreter
dem Gericht am 8. Juni 2018 mit, gemäss den Aussagen seines Mandan-
ten habe dieser einige Dokumente aus dem Iran erhalten. Nachdem er be-
reits anlässlich der Anhörung über seine diesbezüglichen Probleme berich-
tet habe, sei sein damaliger Widersacher jedenfalls – ungeachtet des Ge-
richtsurteils – nie bestraft worden. Eine Entschädigung habe dieser jeden-
falls nie ausgerichtet. Im Gegenteil hätten die Probleme des Beschwerde-
führers dann erst richtig angefangen.
I.
Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 15. Dezember 2019 und 9. März
2020 reichten die Beschwerdeführenden zweimal eine Sammlung von Fo-
tos zu den Akten, auf welchen sie respektive der Beschwerdeführer anläss-
lich der Teilnahme an drei Demonstrationen gegen das iranische Regime
abgebildet seien. Zusätzlich reichten sie mit der erstgenannten Eingabe
Fotos ein, aus welchen das Engagement des Beschwerdeführers auf Fa-
cebook hervorgehe. Auf die Fotos und diesbezüglichen Vorbringen wird –
soweit wesentlich – nachfolgend eingegangen.
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Seite 13
J.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 22. Oktober 2020 reichten die Be-
schwerdeführenden weitere Fotos zu den Akten, aus welchen das andau-
ernde Engagement des Beschwerdeführers auf Facebook hervorgehe, wie
auch dessen Teilnahme an noch einer weiteren Demonstration. Mit dieser
Eingabe wurden zudem zwei Fotos nachgereicht, auf welchen der Be-
schwerdeführer nach der Attacke von Ettelaat-Agenten abgebildet sei.
Auch darauf wird – soweit wesentlich – nachfolgend eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorlie-
gend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht
(vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist die Änderung des AsylG vom 25. September 2015
(AS 2016 3101) abschliessend in Kraft getreten, für das vorliegenden Ver-
fahren gilt indes das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestim-
mungen zur genannten Änderung),
1.4 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
1.5 Die Beschwerdeführenden sind legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und
die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
Von den Beschwerdeführenden wird namentlich geltend gemacht, im Zu-
sammenhang mit den durchgeführten Botschaftsabklärungen sei ihr An-
spruch auf das rechtliche Gehör verletzt worden. Auf diese formelle Rüge
ist vorab einzugehen.
D-1647/2018
Seite 14
2.1 Es sei nicht einsichtig, welche Gründe eine derart verkürzte Offenle-
gung des Inhalts des Botschaftsberichts rechtfertigen könnten. Nachdem
weder die Quelle der Botschaft offengelegt worden sei noch die Art und
Weise der durchgeführten Untersuchungen, verkomme das rechtliche Ge-
hör zu einer Farce oder nur noch zu einer reinen Formsache. Zu dem
komme hinzu, dass die Abklärungen nach Kenntnis ihres Rechtsvertreters
keineswegs zuverlässig seien. Das SEM gehe nämlich fehl, wenn es von
der Unfehlbarkeit der Auskünfte der Botschaft in Teheran ausgehe, da we-
der die Zuverlässigkeit noch Integrität der Auskunftsperson jemals über-
prüft worden seien. Bei dieser Ausgangslage sei ihnen eine Verteidigung
gegen die gegen sie erhobenen Vorhalte unmöglich, was zufolge Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs zu einer Kassation der angefochtenen Verfü-
gung führen müsse. Dies gelte umso mehr im Lichte der Skandale, von
welchen in letzter Zeit die Bundesanwaltschaft, die Post, die Raiffeisen-
bank und viele weitere betroffen gewesen seien. Diese Skandale zeigten
nämlich, wie schwach in Tat und Wahrheit die Kontrollsysteme funktionier-
ten. Da demgegenüber die Sicherheitskräfte der iranischen Republik sehr
professionell agierten, indem sie beispielsweise die Telefone der Botschaft
und deren sämtlicher Besucher observierten, sei es zunächst an der Bot-
schaft zu belegen, dass ihr Vertrauensanwalt nicht im Dienste des Regimes
stehe respektive direkt vom iranischen Geheimdienst eingeschleust wor-
den sei. Es werde daher beantragt, unter dieser Optik die konkrete Art und
Weise der Abklärungen der Botschaft zu überprüfen.
2.2 Das SEM hat den Beschwerdeführenden zwar zunächst im Schreiben
vom 11. Januar 2018 nur sehr rudimentär den Inhalt der Botschaftsantwort
übermittelt. Die darin enthaltene Auskunft dürfte dem Einsichtsrecht noch
nicht genügt haben. Auf entsprechende Rüge hin hat das SEM jedoch im
Rahmen seines Schreibens vom 22. Januar 2018 zunächst auf die Ge-
heimhaltungsinteressen hingewiesen, die eine vollständige Offenlegung
ausschliessen, und im Anschluss in ausführlicher Weise offengelegt, mit
welchen spezifischen Mängeln die von ihnen vorgelegten Beweismittel be-
haftet sind (vgl. dazu oben, Bst. C.e). Damit ist es aus Sicht des Gerichtes
seiner Pflicht zur Offenlegung des wesentlichen Inhalts des Botschaftsbe-
richts genügend nachgekommen (vgl. zum Ganzen: Entscheidungen und
Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1994 Nr. 1 [Grundsatzentscheid]). Vor diesem Hintergrund ist den
Beschwerdeführenden eine sachgerechte Auseinandersetzung mit den vo-
rinstanzlichen Vorhalten möglich gewesen, die dann auch – zumindest teil-
weise – im Rahmen der Stellungnahme erfolgte.
D-1647/2018
Seite 15
2.3 Betreffend die Quelle, auf welche sich die Auskünfte der Botschaft stüt-
zen, ist das Folgende festzuhalten: Gemäss Art. 27 Abs. 1 Bstn. a und b
VwVG darf die Behörde die Einsichtnahme in die Akten verweigern, wenn
wesentliche öffentliche oder private Interessen die Geheimhaltung erfor-
dern. Das gewichtige Geheimhaltungsinteresse der Quellen von Bot-
schaftsauskünften ist dabei offensichtlich (vgl. EMARK 1994 Nr. 1 E. 4c S.
12). So würde die Offenlegung der Arbeitsweise beziehungsweise der
Identität der beigezogenen Vertrauenspersonen die Abklärungen in künfti-
gen Fällen erschweren beziehungsweise faktisch verunmöglichen. Zwar ist
mit dem Beschwerdeführer einig zu gehen, dass die Vertrauenswürdigkeit
von Botschaftsauskünften durch die Asylbehörden und das Gericht einer
Prüfung zu unterziehen ist. Dies ist denn auch regelmässig Bestandteil der
Prüfung der Glaubhaftigkeit. In diesem Zusammenhang ist anzumerken,
dass es sich bei der Botschaftsauskunft regelmässig nur um ein Indiz in
einer Kette verschiedener Elemente zur Frage der Glaubhaftigkeit handelt.
Vorliegend besteht aber insgesamt keine Veranlassung, an der Unvorein-
genommenheit der Auskunftsperson zu zweifeln. Die Schlussfolgerungen
auf Fälschung der Beweismittel wurden ausführlich begründet und stützen
sich auf verschiedene Aspekte. Es ergeben sich aus den Akten keine kon-
kreten Hinweise auf fehlerhafte Auskünfte.
2.4 Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs ist demnach nicht be-
gründet und es ist insgesamt von einem vollständig und korrekt erstellten
Sachverhalt auszugehen. Eine Rückweisung der Sache fällt damit ausser
Betracht.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Anspruch auf Asyl hat demnach, wer im Zeitpunkt der Ausreise aus dem
Heimat- oder Herkunftsstaat aus einen asylrelevanten Grund ernsthaften
D-1647/2018
Seite 16
Nachteilen bereits ausgesetzt war oder zu diesem Zeitpunkt solche Nach-
teile konkret zu fürchten hatte (sog. Vorfluchtgründe). Anspruch auf Asyl
hat ausserdem, wer aufgrund erst nach der Ausreise eingetretener äusse-
rer Umstände, auf die er keinen Einfluss nehmen konnte, bei einer Rück-
kehr in die Heimat aus einem asylrelevanten Grund ernsthafte Nachteile
befürchten müsste (sog. objektive Nachfluchtgründe). Wer sich hingegen
darauf beruft, eine Gefährdungssituation sei erst durch sein persönliches
Verhalten nach der Ausreise entstanden (bspw. aufgrund einer illegalen
Ausreise oder aufgrund regimekritischer Aktivitäten im Ausland), macht so-
genannte subjektive Nachfluchtgründe geltend. Solche begründen zwar
die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch ge-
mäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, und zwar unabhängig da-
von, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden
(BVGE 2009/28 E. 7.1). Als Folge davon werden Personen, welche sub-
jektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als
Flüchtlinge vorläufig aufgenommen.
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Im Rahmen der angefochtenen Verfügung hat das SEM die Vorbringen
der Beschwerdeführenden über das angebliche Vorliegen einer Verfol-
gungssituation, von welcher der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Aus-
reise betroffen gewesen sei, und über die angeblich von ihm erlittenen
Nachteile als insgesamt unglaubhaft erkannt. In seinen diesbezüglichen
Erwägungen hält es nach einer Wiedergabe der wesentlichen Erkennt-
nisse des Botschaftsberichts fest, von den Beschwerdeführenden sei
nichts eingebracht worden, was geeignet wäre, die Feststellungen der Bot-
schaft zu entkräften. Bereits vor diesem Hintergrund – da von der Vorlage
gefälschter Beweismittel auszugehen sei – sei den Gesuchsvorbringen die
Grundlage entzogen und von deren Unglaubhaftigkeit auszugehen. An die-
ser Einschätzung vermöge auch der Umstand nichts zu ändern, dass im
Rahmen der Anhörung die Erzählungen [des Beschwerdeführers] teilweise
sehr ausführlich ausgefallen seien. Bestätigt würden die geweckten Zweifel
dadurch, dass der Beschwerdeführer im Verlauf des Asylverfahrens zur
D-1647/2018
Seite 17
geltend gemachten Festnahme und zur behaupteten Haft – und damit zu
den zentralen Punkten seiner Gesuchsvorbringen – unterschiedliche An-
gaben gemacht habe. So habe er im Rahmen der Befragung zur Person
lediglich über Probleme mit den Amaken berichtet, zu welchen es wegen
dem Inhalt von Kundendaten auf seinem Computer gekommen sei, und
dabei eine zweitägige Haft auf dem Polizeiposten geltend gemacht. Bei der
Anhörung habe er demgegenüber ganz andere Bezüge geschaffen, indem
er sich auf Probleme mit dem Ettelaat berufen und eine Haftzeit in einem
Gefängnis für politische Gefangene gelten gemacht habe. Darüber hinaus
habe er von Material berichtet, welches ihm angeblich untergeschoben
worden sei. Zusätzlich habe er behauptet, er sei eigentlich im Zusammen-
hang mit den Problemen seines Bruders verhaftet worden. Auf diese klaren
Ungereimtheiten angesprochen, habe er lediglich anführen können, an-
lässlich der Befragung zur Person nicht die Zeit gehabt zu haben, dort auch
diese Probleme zu erwähnen. Alleine damit habe er jedoch nicht plausibel
machen können, weshalb er im Rahmen der Befragung nicht zumindest
ansatzweise über die in der Anhörung behaupteten Probleme mit dem Et-
telaat berichtet habe. Das Gleiche gelte im Übrigen für seine unterschied-
lichen Angaben zu den angeblichen Gründen, weshalb gegen ihn ermittelt
worden sein soll, und für seine unterschiedlichen Angaben zum angeblich
belastenden Material auf seinem Computer. Nach diesen Erwägungen zur
Unglaubhaftigkeit der Grundvorbringen gelangte das SEM im Weiteren
zum Schluss, im Falle der Beschwerdeführenden bestehe auch kein An-
lass zur Annahme, dass diese aufgrund der nachträglich geltend gemach-
ten exilpolitischen Aktivitäten ins Visier der heimatlichen Behörden gelangt
sein könnten. Darauf wird – soweit wesentlich – nachfolgend zurückgekom-
men.
4.2 Im Rahmen ihrer Beschwerde halten die Beschwerdeführenden an ih-
ren Gesuchsvorbringen und insbesondere an den von ihnen vorgelegten
Beweismitteln fest, indem sie sowohl die Verlässlichkeit als auch die Aus-
sagekraft des Botschaftsberichts bestreiten, zu welchem sie darüber hin-
aus auch nicht genügend hätten Stellung nehmen können. Es seien ihnen
nämlich gestützt auf den Botschaftsbericht pauschale Vorhalte gemacht
worden. Darüber hinaus habe sich das SEM nur in einer sehr pauschalen
Weise mit den von ihnen in ihrer Stellungnahme vom 14. Februar 2018
eingebrachten und in der Sache berechtigten Einwände auseinanderge-
setzt, an welchen festgehalten werde. Zu den vom SEM angerufenen Wi-
dersprüchen sei schliesslich festzuhalten, dass es sich dabei bloss um
scheinbare Widersprüche handle. In diesem Zusammenhang sei zunächst
D-1647/2018
Seite 18
auf den bloss summarischen Charakter der Befragung hinzuweisen, wel-
cher vom SEM regelmässig ausser Acht gelassen werde. Ausserdem habe
der Beschwerdeführer im Rahmen der Befragung zusätzliche Schilderun-
gen seiner Wahrnehmungen vorbringen wollen, sei jedoch unter Verweis
auf die nachfolgende Anhörung unterbrochen worden. Dabei handle es
sich um einen vom SEM seit Jahren angewandten Trick, welcher ihrem
Rechtsvertreter bekannt sei. In ihren weiteren Ausführungen machten die
Beschwerdeführenden erneut geltend, sie hätten relevante exilpolitische
Aktivitäten entfaltet. Darauf wird nachfolgend zurückgekommen (vgl. E. 6).
5.
5.1 Die Gesuche der Beschwerdeführenden basieren auf dem Vorbringen,
der Beschwerdeführer sei nach einer für ihn völlig überraschenden Verhaf-
tung (...) 2015 in ein Strafverfahren verwickelt worden, welches (...) 2015
in einer rechtskräftigen Verurteilung zu einer langjährigen Haftstrafe ge-
mündet habe. In diesem Zusammenhang hat der Beschwerdeführer im
Verlauf der Befragung vom 23. November 2015 von einer Verhaftung durch
die Amaken und auf eine Haft auf deren Posten berichtet. Probleme mit
den Ettelaat erwähnte er an dieser Stelle mit keinem Wort. Dazu ist festzu-
halten, dass das Beschwerdevorbringen, er sei anlässlich der Befragung
in seinen Angaben und Ausführungen eingeschränkt worden, nicht zu über-
zeugen vermag. Dem Beschwerdeführer wurde im Rahmen der Befragung
viel Raum gegeben, sich bereits an dieser Stelle zu seinen Gesuchsgrün-
den zu äussert. Die Befragung dauerte abzüglich einer Pause insgesamt
fast zwei Stunden, was als überdurchschnittlich bezeichnet werden darf.
Dabei wurden dem Beschwerdeführer denn auch vom SEM mannigfache
Nachfragen zur Konkretisierung seiner Gesuchsgründe gestellt (vgl.
a.a.O., Ziff. 7.01 und insbesondere Ziff. 7.02). Dass er sich an dieser Stelle
allfällige Probleme mit dem Ettelaat für die spätere Anhörung vorbehalten
haben sollte, weckt im Kontext von Iran grosse Zweifel.
5.2 Der Beschwerdeführer hat sodann auch im Rahmen der Anhörung vom
9. Juni 2017 den Sachverhaltsvortrag kontinuierlich entwickelt. Dieser
wurde immer umfassender und detailreicher, wies aber auch immer weni-
ger innere Übereinstimmung auf. Zugunsten des Beschwerdeführers ist
festzuhalten, dass dem Sachverhaltsvortrag einige Details zu entnehmen
sind, was grundsätzlich für dessen Glaubhaftigkeit spricht. Tatsächlich ba-
siert die Glaubhaftigkeit von Vorbringen gerade auf Kriterien wie Detail-
reichtum, Spontanität und Unmittelbarkeit der persönlichen Schilderungen
zu den Gesuchsgründen. Ist eine asylsuchende Person in der Lage, ihren
D-1647/2018
Seite 19
Sachverhaltsvortrag mit persönlich gefärbten Detailschilderungen zu un-
terlegen, stellt dies in der Regel einen starken Hinweis auf ein persönliches
Erleben der geltend gemachten Sachverhaltsumstände dar. Auch detailrei-
che Schilderungen müssen jedoch in sich stimmig und schlüssig bleiben.
Vorliegend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der Anhö-
rung seinen ursprünglich eingebrachten Sachverhaltsvortrag nicht nur in
einen ganz anderen und namentlich viel weitergehenden Zusammenhang
gestellt hat, sondern dass er seinen Sachverhaltsvortrag im Verlauf der An-
hörung mit weiteren Elementen angereichert hat, was in dieser Form nicht
überzeugen kann. Mit dem fortwährenden Ausbau seiner Angaben und
Ausführungen entsteht insgesamt der Eindruck, es handle sich dabei um
ein Konstrukt. Dass sich sein Sachverhaltsvortrag im Rahmen der Anhö-
rung in kaum einem Punkt mit jenem aus der Befragung deckt, bestärkt die
Zweifel zusätzlich (vgl. dazu oben, Bstn. B.c.a. gegenüber B.d.a.)
5.3 Zum bereits Gesagten kommt hinzu, dass der Sachverhaltsvortrag der
Beschwerdeführerin äusserst detailarm geblieben ist und aus ihren Aussa-
gen nichts abgeleitet werden kann, was für die Glaubhaftigkeit der darge-
legten Vorkommnisse sprechen könnte.
5.4 Die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen werden schliesslich
durch die Erkenntnisse der Botschaftsabklärung bestätigt. Gemäss den Er-
kenntnissen des Botschaftsberichts vom 4. November 2017 handelt es sich
bei den von den Beschwerdeführenden vorgelegten Beweismitteln – eine
Vorladung, zwei Urteile und eine Besitzurkunde – um Fälschungen. Alle
vier Dokumente sind laut dem Bericht je mit einer ganzen Reihe von jeweils
spezifischen und in der Sache jeweils schweren formellen und inhaltlichen
Mängeln behaftet. Der Bericht ist als insgesamt schlüssig und überzeu-
gend zu erkennen. Der Einwand diesbezüglich in der Stellungnahme be-
schränkt sich im Wesentlichen auf das Vorbringen, die im iranischen Justiz-
und Verwaltungsapparat herrschenden Verhältnisse seien mangels genü-
gender Bildung von Richtern und Beamten derart, dass die von der Bot-
schaft festgestellten sprachlichen Mängel überhaupt nicht erstaunen wür-
den. Dieses in der Sache bloss plakative Vorbringen kann jedoch nicht
überzeugen, zumal nicht nur sprachliche Mängel hervorgehoben worden
waren, die prüfende Person die Umstände vor Ort einschätzen kann und
ihr auch Vergleichsmaterial zur Verfügung stand. Dass die prüfende Per-
son einen bewusst irreführenden Bericht erstellt haben soll, überzeugt wie
bereits erwähnt nicht. Dem insgesamt schlüssigen und überzeugenden Be-
richt wird insgesamt nichts Stichhaltiges entgegengesetzt. Nach dem Ge-
sagten ist den Gesuchsvorbringen der Beschwerdeführenden auch zufolge
D-1647/2018
Seite 20
der rechtsgenüglich erstellten Feststellung der Vorlage von gefälschten Be-
weismitteln die Grundlage entzogen.
5.5 Mit der Eingabe vom 22. Oktober 2020 wurden schliesslich zwei Fotos
nachgereicht, auf welchen der Beschwerdeführer mit einer Verletzung am
rechten Auge abgebildet ist, welche in dieser Form am ehesten von einem
Faustschlag auf das Auge stammen dürfte (starke und violett verfärbte
Schwellung von Ober- und Unterlid, mithin ein massives "blaues Auge").
Auf den Fotos ist ferner ein geklebter Verband ersichtlich, welcher auf eine
zusätzliche Verletzung am äusseren Rand der rechten Augenbraue
schliessen lässt. Von den Beschwerdeführenden wird geltend gemacht,
diese Fotos zeigten den Beschwerdeführer nach der Attacke von Ettelaat-
Beamten, was vom SEM jedoch als irrelevant eingestuft werde. Die Fotos
zeigten aber, wie man im besten Falle nach einer Behandlung durch den
Ettelaat aussehe. Den Beschwerdeführenden ist allerdings entgegenzuhal-
ten, dass auch diese beiden Fotos nicht geeignet sind, ihre Sachverhalts-
schilderungen zu stützen. Sie zeigen den Beschwerdeführer zwar mit einer
Verletzung am rechten Auge, aber eben auch um einige Jahre jünger als
anlässlich der Gesuchseinreichung (vgl. dazu die Empfangsstellenfotos).
Die beiden Fotos lassen sich hingegen ohne Mühe mit den Unterlagen in
Übereinstimmung bringen, welche der Beschwerdeführer am 25. Mai 2018
eingereicht hat, also den iranischen Gerichtsdokumenten, aus welchen
hervorgeht, dass er in den Jahren (...) gegen einen Mann geklagt hatte,
von welchem er durch Schläge am rechten Auge verletzt worden war. Da-
mit ist mit den genannten Beweismitteln lediglich belegt, dass der Be-
schwerdeführer (...) Jahre vor seiner Ausreise von einem Dritten durch
Schläge verletzt wurde, wie eben auch, dass er gegen diesen Dritten vor
Gericht mit einer Schadenersatz- respektive Genugtuungsklage obsiegte.
Eine asylrelevante Verfolgungssituation ist damit nicht dargetan.
5.6 Schliesslich ist der Vollständigkeit halber festzuhalten, dass die beim
Beschwerdeführer erfolgte medizinische Behandlung einer Fistel keinen
Hinweis auf erlittene Übergriffe darzustellen vermag, zumal der Ursprung
dieser gesundheitlichen Beschwerden nicht bekannt und in der Regel ge-
rade nicht auf eine Verletzung zurückzuführen ist. Entsprechendes wird in
der Beschwerde denn auch nicht geltend gemacht.
5.7 Nach dem Gesagten besteht kein Anlass zur Annahme, die Beschwer-
deführenden hätten ihre Heimat am (...) 2015 vor dem Hintergrund einer
konkreten Verfolgungssituation verlassen. Dieser Schluss wird im Übrigen
auch dadurch bestätigt, dass die Beschwerdeführenden den Iran eigenen
D-1647/2018
Seite 21
Angaben zufolge legal unter Verwendung ihrer eigenen Reisepässe und
auf dem Luftweg über die Flughäfen von H._ und J._ ver-
lassen haben.
6.
6.1 Von den Beschwerdeführenden wurde erstmals im Rahmen der Ein-
gabe ihres Rechtsvertreters vom 14. Februar 2018 geltend gemacht, dass
sich der Beschwerdeführer in der Schweiz exilpolitisch betätige (vgl. oben,
Bst. C.f [am Ende]). An dieser Stelle wurde zum einem vorgebracht, der
Beschwerdeführer habe an Demonstrationen teilgenommen. Nähere An-
gaben dazu wurden allerdings nicht gemacht. Zum anderen wurde unter
Vorlage von drei Fotos (sog. Screenshots) angeführt, der Beschwerdefüh-
rer habe klar regimefeindliche Bilder auf Facebook hochgeladen, welche
mutmasslich von Tausenden gesehen worden sein dürften. Er habe näm-
lich über (...) Abonnenten. Nachdem auf einem der Fotos zu sehen sei, wie
er (... [eine bestimmte Handlung vornehme]), drohe ihm nun in der Heimat
die Todesstrafe. Zu diesen Vorbringen hielt das SEM in der angefochtenen
Verfügung fest, das erst spät angeführte exilpolitische Engagement stehe
in klarem Widerspruch zu den bisherigen Angaben des Beschwerdefüh-
rers, zumal dieser im Rahmen der Anhörung auf Nachfrage hin vorgebracht
habe, sich weder im Iran noch in der Schweiz jemals ernsthaft politisch
betätigt zu haben. Die geltend gemachten Aktivitäten gingen jedoch ohne-
hin nicht über eine massentypische und niedrigprofilierte Erscheinungs-
form hinaus, weshalb diesen keine Relevanz zukomme. Dem hielten die
Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde entgegen, es sei bekannt und
unbestritten, dass im Ausland lebende Staatsangehörige von iranischen
Sicherheitsagenten observiert würden, welche neben politischen Aktivitä-
ten auch unsittliches Verhalten registrierten. Dabei stehe der Beschwerde-
führer als Angehöriger der kurdischen Minderheit unter besonders scharfer
Beobachtung. Ihm dürfte daher im Falle einer Rückkehr in die Heimat Ver-
folgung drohen. In ihren Eingaben vom 15. Dezember 2019 und vom
9. März 2020 brachten sie unter Vorlage von Fotos ein, der Beschwerde-
führer habe am (...) 2019 in K._, am (...) 2019 in L._ und
am (...) 2020 in M._ an Demonstrationen teilgenommen. Über die
beiden erstgenannten Demonstrationen hätten unzählige Medien berichtet,
darunter auch der Sender N._, welcher auf Facebook über (...) Mil-
lionen Abonnenten verfüge. Der Beschwerdeführer habe den Bericht von
N._ wiederum über Facebook und Instagram weiterverbreitet.
Nachdem er mittlerweile über (...) Abonnenten respektive Follower habe
[recte: damals über {...}], sei mit Gewissheit davon auszugehen, dass er
den Sicherheitsorganen der Islamischen Republik bekannt sei. Es könne
D-1647/2018
Seite 22
daher nicht mehr bestritten werden, dass er im Iran verfolgt sei. In ihrer
Eingabe vom 22. Oktober 2020 brachten die Beschwerdeführenden
schliesslich unter Vorlage weiterer Screenshots vor, der Beschwerdeführer
sei im Internet weiterhin sehr aktiv, zumal er mittlerweile über (...) Follower
habe [recte: über {...}]. Er habe darüber hinaus am (...) 2020 an einer De-
monstration in K._ teilgenommen, über welche ein Journalist von
N._ berichtet habe. Auf den von diesem publizierten Fotos sei er
persönlich ersichtlich. Er sei von daher den zehntausenden [recte: hundert-
tausenden] Abonnenten dieses Journalisten mit Namen und Adresse be-
kannt, womit seine Identität mit Sicherheit auch den unzähligen Sicher-
heitsdiensten des Iran bekannt sei.
6.2 Dass der iranische Geheimdienst im Ausland und vom Iran aus aktiv
ist und gerade auch mit elektronischen Mitteln gezielt Informationen über
Personen iranischer Herkunft sammelt, darf als bekannt vorausgesetzt
werden. Das diesbezügliche Vorbringen der Beschwerdeführenden ist
nicht zu bestreiten. Dieser Umstand reicht allerdings für sich allein genom-
men nicht aus, um eine begründete Verfolgungsfurcht glaubhaft zu ma-
chen. Dafür müssten zusätzliche konkrete Anhaltspunkte – nicht bloss rein
theoretische Möglichkeiten – vorliegen, dass der Beschwerdeführer tat-
sächlich das Interesse der heimatlichen Behörden auf sich gezogen hat
respektive dass er als regimefeindliches Element namentlich identifiziert
und registriert worden ist. So werden nach Kenntnisstand des Gerichts exil-
politische Aktivitäten erst dann wahrgenommen (und bei der Rückkehr in
den Iran geahndet), wenn ein exponiertes exilpolitisches Wirken an den
Tag gelegt wird. Der Beschwerdeführer lässt jedoch – entgegen seinen
Vorbringen – kein exponiertes Engagement wider die Interessen des irani-
schen Staates erkennen, woraus auf das Vorliegen eines relevanten politi-
schen Profils zu schliessen wäre.
In seinem Fall ist zunächst lediglich ersichtlich, dass er seit der Beschwer-
deerhebung an vier regimekritischen oder -feindlichen Demonstrationen
teilgenommen hat. Anlässlich der ersten drei Demonstrationen liess er
ganze Fotoserien von sich anfertigen, welche er im vorliegenden Verfahren
eingereicht hat. Die Fotos weisen ihn jedoch bloss als durchschnittlichen
Kundgebungsteilnehmer aus. Ein besonderes Merkmal ist nicht ersichtlich.
Lediglich bei der Fotoserie zur ersten Demonstrationsteilnahme findet sich
eine Aufnahme, welche ihn in einer etwas besonderen Pose zeigt, nämlich
wie er etwas abseits ein Foto (...) anzündet. Auch dieser Akt genügt jedoch
noch nicht, um in den Fokus der Sicherheitsbehörden zu geraten. Betref-
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fend die vierte Demonstrationsteilnahme wurden Screenshots des Face-
book-Profils eines bekannten (ehemaligen) N._-Journalisten einge-
reicht, welcher auf Facebook über eine sehr grosse Reichweite verfügt
([...]). Als fragwürdig erscheint allerdings, dass dieser Journalist gleich drei
Fotos von der gleichen Veranstaltung gepostet haben soll, auf welchen
dann auch noch jeweils der Beschwerdeführer abgebildet ist. Das er-
scheint im Kontext von Facebook als sehr unüblich, insbesondere bei ei-
nem Nutzer mit einer derart hohen Anzahl an Abonnenten (sog. "Influen-
cer"). Auf eine weitergehende Auseinandersetzung damit kann jedoch ver-
zichtet werden, da der Beschwerdeführer auf allen drei Fotos – wie alle
anderen Teilnehmer auch einen Mund-Nasenschutz trägt (eine Maske we-
gen Corona) und nichts dafür spricht, neben den Fotos seien auch die Per-
sonalien sämtlicher Demonstrationsteilnehmer und -teilnehmerinnen ver-
öffentlicht worden. Ein besonderer Exponierungsgrad ist nach dem Gesag-
ten nicht ersichtlich, jedenfalls soweit es die angeführten Demonstrations-
teilnahmen betrifft.
Darüber hinaus wurde aber von den Beschwerdeführenden vor allem vor-
gebracht, der Beschwerdeführer habe sich stark auf Facebook engagiert,
wo er regimekritische Artikel gepostet habe. In dieser Hinsicht liegen je-
doch lediglich einige Screenshots vor, welche kaum aussagekräftig sind,
da Einträge auf Facebook im Nachhinein auch ohne weiteres gleich wieder
gelöscht werden können. Aufgrund der nur wenigen Angaben ist das gel-
tend gemachte Engagement – über die blosse Behauptung hinaus – nicht
substanziiert. Aus den vorgelegten Screenshots geht zwar immerhin her-
vor, dass der Beschwerdeführer auf Facebook innert fünf Jahren (...) Bei-
träge gepostet hat, dass er dort mittlerweile über (...) Abonnenten verfügt
und dass er dort wiederum (...) Kanäle anderer Nutzer und Nutzerinnen
abonniert hat. Da aber weder der Inhalt dieser Beiträge bekannt ist und
allein aus der Zahl der Abonnenten noch nicht auf einen grossen Einfluss
geschlossen werden kann, ändern auch diese Zahlen nichts. Nicht zuletzt
ist eine hohe Zahl von Abonnenten innerhalb von spezifischen Interessen-
gruppe durch gegenseitiges Abonnieren relativ leicht zu erreichen. Nach
dem Gesagten spricht insgesamt nichts dafür, dass der Beschwerdeführer,
der im Übrigen im Heimatstaat keinerlei politische Aktivitäten ausgeübt
habe, aufgrund seiner Aktivitäten in Facebook besonderes Augenmerk auf
sich gezogen hätte. Immerhin dürften weltweit mittlerweile hunderttausen-
de Exil-Iraner und -Iranerinnen über ein Facebook-Konto verfügen, was
selbst die iranischen Behörden zu einer Konzentration auf besonders auf-
fällige respektive profilierte Konten zwingt. Ein solches Profil ist im Falle
des Beschwerdeführers nicht ersichtlich gemacht. Daran ändert auch
D-1647/2018
Seite 24
nichts, dass der Beschwerdeführer im Verlauf der letzten Jahre bei zwei
Gelegenheiten je ein Foto gepostet haben will, welches von den iranischen
Behörden als völlig unangemessen und grob beleidigend aufgefasst wer-
den dürfte.
6.3 Ernsthafte exilpolitische Aktivitäten sind nach dem Gesagten nicht er-
sichtlich gemacht, womit die Beschwerdeführenden auch unter diesem Ge-
sichtspunkt kein Risikoprofil erkennen lassen. Von einem Interesse der ira-
nischen Sicherheitsdienste an den Beschwerdeführenden respektive an
der Person des Beschwerdeführers ist schliesslich umso weniger auszu-
gehen, als er sich in seiner Heimat eigenen Angaben zufolge nie politisch
engagiert hat und er die geltend gemachten regimekritischen Aktivitäten
erkennbar erst nach der Gesuchseinreichung in der Schweiz aufgenom-
men hat (vgl. dazu auch BVGE 2009/28 E. 7.4.3).
6.4 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden
die Flüchtlingseigenschaft auch nicht aufgrund der behaupteten exilpoliti-
schen Aktivitäten erfüllen.
7.
Nach vorstehenden Erwägungen können die Beschwerdeführenden keine
im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Gefährdungslage nachweisen oder
glaubhaft machen. Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und die Ab-
lehnung des Asylgesuchs sind daher zu bestätigen.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
[erster Satz] AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Anordnung der Wegweisung ist demnach zu
bestätigen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 [zweiter
Satz] AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1-4 AIG [SR 142.20]).
In diesem Zusammenhang bleibt festzuhalten, dass bezüglich der Geltend-
machung von Wegweisungsvollzugshindernissen gemäss ständiger Praxis
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des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der
Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, allfällige Vollzugshindernisse sind
zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigs-
tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK [SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 FoK [SR 0.105] und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf so-
dann niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe
oder Behandlung unterworfen werden.
Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrecht-
lich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann
der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorlie-
genden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Iran ist
demnach unter dem Aspekt dieser Bestimmung rechtmässig. Sodann er-
geben sich weder aus den Ausführungen der Beschwerdeführenden noch
aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Rückführung
in den Iran mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Ge-
mäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
(EGMR) und jener des UN-Anti-Folterausschusses müssten die Beschwer-
deführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft
machen, dass ihnen im Falle einer Rückschiebung Folter oder unmensch-
liche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien
vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer, 37201/06, §§ 124-127 m.w.H.). In
dieser Hinsicht ist jedoch aufgrund der Aktenlage nichts Stichhaltiges er-
sichtlich. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran, welche
weiterhin als schlecht zu bezeichnen ist, lässt den Wegweisungsvollzug
nicht als unzulässig erscheinen.
9.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund
von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
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scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung fest-
gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren (vgl. zum Ganzen BVGE 2014/26 E. 7.3 ff. m.w.H.).
Im Iran herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Zwar
sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Land seit längerem angespannt
und kommt es im Iran auch im Abstand von einigen Jahren immer wieder
zu grösseren Demonstrationswellen (bspw. 2009 nach den Präsident-
schaftswahlen, um den Jahreswechsel 2017/2018 v.a. wegen der Wirt-
schaftslage und ab Mitte November 2019 wiederum v.a. wegen der Wirt-
schaftslage), welche von staatlicher Seite zumeist mit Härte beantwortet
werden, was sehr häufig auch Opfer fordert. Alleine diese Umstände spre-
chen jedoch weder gegen eine Rückkehr in den Iran noch eine Rückkehr
an den Herkunftsort der Beschwerdeführenden. Nachdem der Beschwer-
deführer dort während Jahren einer selbständigen Erwerbstätigkeit nach-
gegangen ist und da davon ausgegangen werden darf, dass die Beschwer-
deführenden sowohl in H._ als auch am Heimatort der Beschwer-
deführerin in der Person der Eltern und Geschwister des Beschwerdefüh-
rers respektive der Mutter und (... [Geschwister]) der Beschwerdeführerin
auch weiterhin über viele enge persönliche Anknüpfungspunkte verfügen,
ist nichts ersichtlich, was den Wegweisungsvollzug als unzumutbar er-
scheinen liesse.
Daran vermag auch das in der Eingabe vom 22. Oktober 2020 einge-
brachte Vorbringen nichts zu ändern, es sei im Lichte der Kinderrechtskon-
vention mitzuberücksichtigen, dass sich die Tochter der Beschwerdefüh-
renden mittlerweile bestens in der Schweiz integriert habe, zumal sie hier
seit mehreren Jahren zur Schule gehe und die Landessprache spreche.
Von den Beschwerdeführenden wird damit dem wesentlichen Sinngehalt
nach geltend gemacht, der Wegweisungsvollzug sei zufolge langer Aufent-
haltsdauer in der Schweiz nicht mehr mit dem Kindswohl vereinbar. Nach
der Rechtsprechung sind bei der Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AIG im
Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989
über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) unter dem Aspekt des Wohls
des Kindes tatsächlich namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer ge-
samtheitlichen Beurteilung von Bedeutung: Alter, Reife, Abhängigkeiten,
Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften
seiner Bezugspersonen, Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Aus-
bildung sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem längeren Auf-
enthalt in der Schweiz (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2 m.w.H.). Das Kind
C._ hält sich zwar seit mittlerweile fünf Jahren mit seinen Eltern in
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der Schweiz auf, es ist aber zum heutigen Zeitpunkt erst (...)-jährig. Vor
diesem Hintergrund darf mit hinreichender Sicherheit davon ausgegangen
werden, sein primärer Bezug seien nach wie vor seine Eltern. Da das Kind
gleichzeitig immerhin bis zu seinem (...) Lebensjahr im Kreis seiner Ange-
hörigen aufgewachsen ist, also im Schoss der in H._ und im Hei-
matdorf der Beschwerdeführerin lebenden Grossfamilien, dürfte ihm dieser
Personenkreis weiterhin gerade auch persönlich vertraut sein. Daher ist
nicht davon auszugehen, die Rückkehr in die Heimat käme einer Entwur-
zelung des Kindes gleich. Mit Blick auf diese Umstände spricht daher auch
das Kindeswohl nicht in rechtserheblicher Weise gegen die Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzuges.
9.4 Letztlich ist auch von der Möglichkeit des Wegweisungsvollzuges aus-
zugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), da die Beschwerdeführenden verpflichtet
sind, sich bei der zuständigen Vertretung ihres Heimatstaates die für eine
Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4
AsylG; BVGE 2008/34 E. 12).
9.5 Nach dem Gesagten hat das SEM den Wegweisungsvollzug zu Recht
als zulässig, zumutbar und möglich erklärt. Eine Anordnung der vorläufigen
Aufnahme fällt daher ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären den Beschwerdeführenden
grundsätzlich Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da jedoch mit
Zwischenverfügung vom 22. März 2018 ihrem Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) entspro-
chen wurde und gleichzeitig kein Anlass zur Annahme besteht, ihre finan-
ziellen Verhältnisse hätten sich seither massgeblich geändert, sind ihnen
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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