Decision ID: feb051e7-af67-4c65-88e4-7492cc5f50d0
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte Tötung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Jugendgerichtes Dietikon vom 28. Oktober 2014 (DJ140002)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Limmattal / Albis vom 9. April 2014 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 38).
Urteil und Beschluss der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
1.1.1 der versuchten Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit
Art. 22 StGB,
1.1.2 der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB.
2. Es wird eine Unterbringung des Beschuldigten im Sinne von Art. 15 Abs. 1
JStG angeordnet.
3. Die Unterbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG wird mit einer ambulan-
ten Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG verbunden.
4. Der Beschuldigte wird bestraft mit 33 Monaten Freiheitsentzug, wovon
163 Tage durch Untersuchungshaft (13 Tage) und anrechenbare stationäre
Beobachtung (150 Tage) erstanden sind, sowie einer Busse von Fr. 200.–.
5. Der Vollzug des Freiheitsentzugs wird zugunsten der Unterbringung gemäss
Dispositiv-Ziffer 2 aufgeschoben. Die Busse ist zu bezahlen.
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6. Der Privatkläger C._ (Zweckverband) wird mit seinem Schadenersatz-
begehren auf den Zivilweg verwiesen.
7. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Privat-
kläger A._ Fr. 6'000.– als Schadenersatz zu bezahlen. Zusätzlich wird
der Beschuldigte verpflichtet, Zins zu 5% auf Fr. 6'000.– seit 1. Juni 2013 als
Schadenersatz zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegeh-
ren auf den Zivilweg verwiesen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger A._ Fr. 15'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 3. Februar 2013 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 37'566.30 Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Verfahrenskosten (mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidi-
gung) werden dem Beschuldigten auferlegt, aber bis auf den Betrag von
Fr. 400.– sofort und definitiv abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung werden einstweilen auf die Staatskasse genommen. Diesbezüglich
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.
11. Rechtsanwältin lic. iur. Y._ wird für ihre Aufwendungen als amtliche
Verteidigerin aus der Gerichtskasse mit Fr. 24'463.05 (inkl. 8 % MwSt) zu-
sätzlich zur Akontozahlung in der Höhe von Fr. 14'000.– entschädigt.
12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger A._ für das gesam-
te Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 14'407.80 (inkl. 8 % MwSt)
zu bezahlen.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 75 S. 2)
1. das Urteil vom 28. Oktober 2014 in den Dispositivziffern1, 4 - 8 und 12
angefochten,
2. die Einstellung der Verfahren betreffend Sachbeschädigung beantragt,
3. ein Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung im
Sinne von Art. 122 i.V.m. Art. 22 1 StGB sowie der vollendeten einfa-
chen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 2 Abs. 2
StGB beantragt.
4. Freiheitsentzug von unter 6 Monaten, unter Anrechnung der erstande-
nen Haft von 13 sowie der stationären Beobachtung von 179 Tagen
sowie der bedingte Vollzug unter Ansetzung einer 6-monatigen Probe-
zeit beantragt.
5. die Anerkennung der Schadenersatzansprüche des Privatklägers die
geltend gemachten Anwaltskosten mitumfasst, diese daher nicht
nochmals unter dem Titel Entschädigung zugesprochen werden dürfen,
weshalb ein Nichteintreten auf die Entschädigung beantragt,
6. die Genugtuungsforderung an den Privatkläger als übersetzt angese-
hen und entsprechend deren Herabsetzung beantragt wird.
b) Des Vertreters der Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich:
(Urk. 79, S. 1, schriftlich)
Zu Ziff. 4 des Urteilsdispositiv: Der Beschuldigte sei mit 3 1⁄2 Jahren Frei-
heitsentzug und Fr. 200.-- Busse zu bestrafen.
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c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Urk. 74/1 S. 2)
1. Ziffer 8 und Ziffer 12 des Urteils der Vorinstanz vom 28. Oktober 2014
seien aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger eine Genugtu-
ung von CHF 20'000.00 zuzüglich Zins von 5% ab 3. Februar 2013
auszurichten;
3. Der Privatkläger sei für die Untersuchung und das gerichtliche Verfah-
ren vor der Vorinstanz angemessen zu entschädigen.
4. Der Privatkläger sei für das berufungsverfahren angemessen zu ent-
schädigen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Angeschuldig-
ten, eventualiter zu Lasten des Staates.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Jugendgerichts Dietikon vom
28. Oktober 2014 meldeten die ehemalige Vertreterin des Privatklägers 1 mit Ein-
gabe vom 6. November 2014 (Urk. HD 64) und die amtliche Verteidigerin des Be-
schuldigten mit Eingabe vom 7. November 2014 (Urk. HD 65) innert Frist Beru-
fung an. Das vollständig begründete Urteil (Urk. 73) wurde von der amtlichen Ver-
teidigerin, der Anklagebehörde und dem Vertreter des Privatklägers 1 am 27. Ja-
nuar 2015 (Urk. HD 72/1-3) entgegengenommen. Mit Eingaben vom 16. Februar
2015 reichten der Vertreter des Privatklägers 1 und die amtliche Verteidigerin des
Beschuldigten fristgerecht die Berufungserklärungen ein (Urk. HD 74/1 und 75).
2. Mit Präsidialverfügung vom 19. Februar 2015 wurde unter Hinweis auf die Be-
rufungserklärungen der Vertreterin des Privatklägers 1 und der amtlichen Vertei-
digung Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung bzw. zum Antrag auf Nicht-
eintreten auf die Berufung angesetzt (Urk. HD 76). Mit Eingabe vom 20. Februar
2015 erhob der Vertreter der Anklagebehörde Anschlussberufung (Urk. HD 79).
Am heutigen Tag fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher neben dem
Beschuldigten, der amtlichen Verteidigung und dem Vertreter der Oberjugendan-
waltschaft auch der Vertreter des Privatklägers 1 erschien (Prot. II S. 7 ff.). Ein als
Vorfrage im Sinne von Art. 339 Abs. 2 StPO gestellter Antrag der Verteidigung,
der Vertreter des Privatklägers 1 sei von der Verhandlung auszuschliessen, wur-
de vom Gericht unter Hinweis darauf abgewiesen, dass die Berufungserklärung
des Privatklägers 1 als besonderer Umstand im Sinne von Art. 20 Abs. 2 JStPO
angesehen werde (vgl. Schnell, Ausgewählte Aspekte zu den Rechtsmitteln im
Anwendungsbereich der JStPO, SWR 12/2010, S. 268). Den Persönlichkeitsrech-
ten des Beschuldigten wurde dadurch Rechnung getragen, dass der Privatkläger-
vertreter nach vorgezogenen Parteivorträgen zum Zivilpunkt entlassen wurde und
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nicht weiter an der Berufungsverhandlung teilnahm (Prot. II S. 9 ff.). Das Verfah-
ren ist spruchreif.
II. Prozessuales
1.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im
Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-
fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO-Eugster, Art. 402 N 1 f.).
1.2. Der Privatkläger 1 liess gemäss seiner Berufungserklärung die Dispositivzif-
fern 8 (Genugtuung Privatkläger 1) und 12 (Prozessentschädigung Privatkläger 1)
des vorinstanzlichen Urteils anfechten (Urk. HD 74/1 S. 2). Die amtliche Verteidi-
gung des Beschuldigten focht die Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 4 (Sanktion),
5 (Vollzug), 6 (Schadenersatzbegehren Privatkläger 3), 7 (Schadenersatzbegeh-
ren Privatkläger 1), 8 (Genugtuung Privatkläger 1) und 12 (Prozessentschädigung
Privatkläger 1) an (Urk. HD 75 S. 2). Von Seiten der Anklagebehörde wurde Dis-
positivziffer 4 (Sanktion) angefochten (Urk. HD 79 S. 1).
1.3. Die Dispositivziffern 2 (Unterbringung) und 3 (ambulante Behandlung) des
vorinstanzlichen Urteils sowie die Dispositivziffer 1 des vorinstanzlichen Be-
schlusses (Einstellung des Verfahrens betreffend versuchten Diebstahl zum
Nachteil des Privatklägers 3) wurden nicht angefochten und sind somit in Rechts-
kraft erwachsen, was mittels Beschluss festzustellen ist. Nicht explizit angefoch-
ten wurden ferner die Dispositivziffern 9 bis 11 des vorinstanzlichen Urteils (Kos-
tendispositiv und Entschädigung der amtlichen Verteidigung), worüber aber ge-
mäss Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 428 Abs. 3 StPO bei einem neuen Entscheid
der Berufungsinstanz von Amtes wegen neu zu befinden ist, weshalb diesbezüg-
lich keine Teilrechtskraft vorliegt.
2. Die Vorinstanz ist zu Recht davon ausgegangen, dass im vorliegenden Fall
aufgrund des Alters des Beschuldigten bei der Verübung der Taten das Bundes-
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gesetz über das Jugendstrafrecht (JStG) zur Anwendung gelangt. Ihren diesbe-
züglichen Ausführungen ist nichts beizufügen, weshalb darauf verwiesen werden
kann (Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. HD 73 S. 5).
3. Ferner hat die Vorinstanz zutreffend festgestellt, dass die für eine Verurteilung
wegen Sachbeschädigung erforderlichen Strafanträge durch die berechtigten
Personen gemäss Art. 30 f. StGB fristgerecht eingereicht wurden (Urk. HD 73
S. 5; Urk. HD 1/5; Urk. ND 1/7).
4.1. Die Verteidigung macht im Berufungsverfahren mit Bezug auf das dem Be-
schuldigten zur Last gelegte Delikt gegen Leib und Leben wie schon vor der Vo-
rinstanz geltend, der Beschuldigte habe aufgrund seines massiven Alkoholkon-
sums gedankenlos zugestochen und an keinerlei mögliche Folgen seines Tuns
gedacht, weshalb es ihm nicht möglich gewesen sei, den Tod des Opfers ernstlich
in Rechnung zu stellen bzw. diesen in Kauf zu nehmen, und behauptet, solches
werde denn auch in der Anklageschrift nicht umschrieben (Urk. HD 75 S. 3).
4.2. Nachdem dem Beschuldigten in der Anklageschrift explizit vorgeworfen wird,
mit den Messerstichen in Kauf genommen zu haben, das Opfer zu töten (Urk. HD
38 S. 3,1. Absatz), kann der Argumentation der Verteidigung betreffend unzu-
reichender Umschreibung in der Anklageschrift nicht gefolgt werden. Die übrige
diesbezügliche Argumentation der Verteidigung ist nachfolgend im Rahmen des
Schuldpunktes zu prüfen.
5.1. Wie bereits vor der Vorinstanz beantragte die Verteidigung auch im Rahmen
des Berufungsverfahrens, dass das Verfahren bezüglich der dem Beschuldigten
zur Last gelegten Sachbeschädigungen zum Nachteil der Privatkläger 2 und 3
wegen Verjährung einzustellen sei (Urk. HD 75 S. 2 f.; Urk. HD 107 S. 2 f.).
5.2. Die Sachbeschädigung zum Nachteil des Privatklägers 2 beging der Be-
schuldigte am 13. Mai 2012, diejenige zum Nachteil des Privatklägers 3 am 8. Juli
2012 (Urk. HD 38 S. 3 f.). Gemäss Art. 36 Abs. 1 lit. b JStG i.V.m. Art. 144 Abs. 1
StGB verjähren Sachbeschädigungen nach drei Jahren. Art. 97 Abs. 3 StGB, wo-
nach die Verfolgungsverjährung nach einem erstinstanzlichen Urteil nicht mehr
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eintreten kann, ist nicht ins Jugendstrafrecht übernommen worden (vgl. Art. 1
Abs. 2 lit. j JStG und Urteil des Bundesgerichts vom 7. Oktober 2009,
6B_771/2009 E. 3). Die beiden Sachbeschädigungen sind daher heute unabhän-
gig von der Deliktssumme verjährt, weshalb das Verfahren bezüglich dieser bei-
den Delikte einzustellen ist.
6. Auf die Argumente der amtlichen Verteidigung, der Vertretung des Privatklä-
gers 1 und der Anklagebehörde ist im Rahmen der nachstehenden Erwägungen
einzugehen. Dabei muss sich das Gericht nicht ausdrücklich mit jeder tatsächli-
chen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen; vielmehr
kann es sich auf die für die Entscheidfindung wesentlichen Gesichtspunkte be-
schränken (BGE 138 I 232 E. 5.1 und BGE 133 I 270 E. 3.1, je mit Hinweisen; Ur-
teile 6B_484/2013 vom 3. März 2014 E. 3.2, 6B_526/2009 vom 2. September
2009 E. 3.2 und 6B_678/2009 vom 3. November 2009 E. 5.2).
III. Schuldpunkt
A. Ausgangslage
1. Thema des Berufungsverfahrens ist, ob sich der Beschuldigte durch das in der
Anklageschrift umschriebene Verhalten der versuchten Tötung im Sinne von
Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB schuldig gemacht hat.
2. Der Beschuldigte war während der Untersuchung, vor Vorinstanz und an der
heutigen Berufungsverhandlung in wesentlichen Punkten, jedoch nicht vollum-
fänglich geständig (Urk. HD 2/7 S. 5; Prot. I S. 9 f.; Prot. II S. 20 ff.). Demnach ist
nachfolgend zu prüfen, ob sich der im Berufungsverfahren zu beurteilende Ankla-
gesachverhalt betreffend Delinquenz zum Nachteil des Privatklägers 1 aufgrund
der vorhandenen Beweismittel vollumfänglich erstellen lässt.
3.1. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten ganz oder teilwei-
se, ist der Sachverhalt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vor-
gebrachten Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen.
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Gemäss der aus Art. 8 und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK
verankerten Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner
Schuld zu vermuten, dass der einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig
ist (Urteile des Bundesgerichts 1P_587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2., und
1P_437/2004 vom 1. Dezember 2004, E. 4.2.; Pra 2002 S. 4 f. Nr. 2 und S. 957 f.
Nr. 180; BGE 127 I 40, 120 Ia 31. E. 2b). Als Beweiswürdigungsregel besagt die
Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschul-
digten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver
Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteile
des Bundesgerichtes 6B_795/2008 vom 27. November 2008, E. 2.4., und
6B_438/2007 vom 26. Februar 2008, E. 2.1.). Die Überzeugung des Richters
muss auf einem verstandesgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den
unbefangenen Beobachter nachvollziehbar sein (Hauser/Schweri/Hartmann,
Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. A., Basel 2006, § 54 Rz 11 ff.). Wenn er-
hebliche resp. nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt
so abgespielt hat, wie er eingeklagt ist, ist der Beschuldigte nach dem Grundsatz
"in dubio pro reo" freizusprechen (Bernard Corboz, "in dubio pro reo", in ZBJV
1993, N 419 f.). Soweit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der Nachweis der
Tat mit Indizien zu führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren
"Mosaik" zu würdigen ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 256, Ziff. 1.4.; Pra
2002 Nr. 180 S. 962 f., Ziff. 3.4.).
3.2. Aufgabe des Richters ist es demzufolge, seinem Gewissen verpflichtet, in ob-
jektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem
bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen
Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 Abs. 2 StPO; ZR 72 Nr. 80; Max Gul-
dener, Beweiswürdigung und Beweislast, S. 7; Pra 2004 Nr. 51 S. 256 Ziff. 1.4.;
BGE 124 IV 88, 120 1A 31 E. 2c). Es liegt in der Natur der Sache, dass mit
menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweisführung
erreicht werden kann. Daher muss es genügen, dass das Beweisergebnis über
jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (vgl. Kassationsgerichtsentscheid vom
26. Juni 2003, Nr. 2002/387S, E. 2.2.1. mit Hinweisen). Bloss abstrakte oder theo-
retische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer möglich
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sind (Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 12, Urteile des Bundesgerichtes
6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4., und 1 P_587/2003 vom 29. Januar
2004, E. 7.2.). Es genügt also, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld ausge-
schlossen werden können. Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahr-
scheinlichkeit beruhen.
3.3. Wie bereits angesprochen können auch indirekte, mittelbare Beweise, soge-
nannte Anzeichen oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen
Schluss erlauben. Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit
auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglich-
keit des Andersseins offen, enthält daher auch den Zweifel (Hans Walder, Der In-
dizienbeweis im Strafprozess, ZStrR 108/1991, S. 309; Derselbe, Die Beweisfüh-
rung in Strafsachen, insbesondere der Indizienbeweis, Zürich 1974/75, S. 49). Es
ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je für
sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimm-
te Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, auf den
vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter zu schliessen (Urteile des
Bundesgerichtes 6B_365/2009 vom 12. November 2009, E. 1.4., 6B_332/2009
vom 4. August 2009, E. 2.3. mit Hinweisen, und 6B_297/2007 vom 4. September
2007, E. 3.4.; Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59 N 15). Der Indizienbeweis
ist dem direkten Beweis gleichwertig (Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59 N
14).
3.4. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese
frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten und
den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeu-
gend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt,
verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgten. Bei der Würdigung
von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaub-
würdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die
Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese sind einer
kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein von soge-
nannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (vgl. Rolf Bender, Die
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häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985]
S. 53 ff.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Glaubwürdig-
keits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 4. Auflage, München 2014, N 313 ff.
und N 370 ff.). Die wichtigsten Realitätskriterien sind dabei die "innere Geschlos-
senheit" und "Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehensablaufs", "kon-
krete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses" sowie die "Schilderung des
Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten
ist, der den Vorfall selber miterlebt hat", "Kenntlichmachung der psychischen Si-
tuation von Täter und Zeuge bzw. unter Mittätern", "Selbstbelastung oder unvor-
teilhafte Darstellung der eigenen Rolle", "Entlastungsbemerkungen zugunsten des
Beschuldigten" und "Konstanz der Aussage bei verschiedenen Befragungen, wo-
bei sich aber sowohl Formulierungen als auch die Angaben über Nebenumstände
verändern können" (Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozessrecht mit
Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316). Andererseits sind
auch allfällige Phantasiesignale zu berücksichtigen. Als Indizien für falsche Aus-
sagen gelten "Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussa-
gen", "Zurücknahme oder erhebliche Abschwächungen in den ursprünglichen An-
schuldigungen", "Übersteigerungen in den Beschuldigungen im Verlaufe von
mehreren Einvernahmen", "unklare, verschwommene oder ausweichende Antwor-
ten" sowie "gleichförmig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussagen". Als gene-
relle Phantasiesignale nennen Bender/Nack/Treuer die "Schwarz-Weiss-Malerei",
die "Verarmung der Aussage", das "Flucht- und Begründungssignal" und die "be-
hauptete Akzeptanz gegenüber bezweifelbaren Rechtsverkürzungen". Wenn das
eine oder andere Phantasiesignal auftritt, braucht die Aussage nicht verworfen zu
werden. Es ist dann aber eine ausreichende Zahl von erstklassigen Realitätskrite-
rien zu fordern. Bei häufigem Auftreten von Phantasiesignalen sollten an die Zahl
und Qualität der Realitätskriterien strenge Anforderungen gestellt werden, damit
eine Aussage als zuverlässig eingestuft werden kann (Bender/Nack/Treuer,
a.a.O., N 336 ff.).
3.5. Damit kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Aussagenden nach neue-
ren Erkenntnissen kaum mehr Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahr-
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heitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkre-
ten Aussagen.
3.6. Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der
verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbe-
standselemente nachzuweisen (vgl. dazu Niklaus Schmid, Strafprozessrecht,
4. Auflage, Zürich 2004, N 599) und nicht der Beschuldigte seine Unschuld (BGE
127 I 40 und Urteile des Bundesgerichtes 1P_437/2004 vom 1. Dezember 2004,
E. 4.3., sowie 6S_154/2004 vom 30. November 2005, E. 4.).
3.7. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel keine Anwen-
dung, wenn der Beschuldigte eine ihn entlastende Behauptung aufstellt, ohne
dass er diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt nämlich in-
soweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene Schutz-
behauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis wider-
legt werden muss. Ein solcher Beweis ist nur dann zu verlangen, wenn gewisse
Anhaltspunkte wie konkrete Indizien oder eine natürliche Vermutung für die Rich-
tigkeit der Behauptung sprechen bzw. diese zumindest als zweifelhaft erscheinen
lassen, oder wenn der Beschuldigte sie sonstwie glaubhaft macht (vgl. Kassati-
onsgerichtsentscheid vom 2. November 2004, Nr. AC040082, E. 3.5, Stefan
Trechsel, SJZ 1981 S. 320).
B. ND2: Versuchte vorsätzliche Tötung (eventualiter schwere Körperverletzung)
zum Nachteil des Privatklägers 1 (U.Nr. 2013/88)
1. Der rechtlich relevante objektive Sachverhalt, den die Anklagebehörde dem
Beschuldigten unter dieser Anklageziffer vorwirft, wurde von der Vorinstanz kor-
rekt zusammengefasst, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. HD 73
S. 7). In subjektiver Hinsicht wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, dem Privat-
kläger 1 die Stiche wissentlich und willentlich in der Halsgegend und im Gesicht
zugefügt zu haben, wodurch er in Kauf genommen habe, diesen zu töten, zumal
er mit dem Klappmesser tiefe, die inneren lebenswichtigen Organe verletzende
Schnittwunden habe zufügen können, was er gewusst habe. Im Sinne eines
Eventualstandpunkts wirft die Anklagebehörde dem Beschuldigten vor, zumindest
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in Kauf genommen zu haben, beim Privatkläger 1 durch die unkontrollierten, wie-
derholten, wuchtig ausgeführten Stiche mit dem Messer gegen den Hals- und Ge-
sichtsbereich schwere Verletzungen lebenswichtiger Organe zu verursachen (Urk.
HD 38 S. 3).
2. Wie die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat, anerkannte der Beschuldigte in der
Untersuchung sowie anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung, dem Pri-
vatkläger 1 die in der Anklageschrift umschriebenen Schnittverletzungen zugefügt
zu haben (Urk. HD 2/7 S. 5; Prot. I S. 9 f.; Urk. HD 73 S. 7). Nichts anderes führte
er auch anlässlich der Berufungsverhandlung aus (Prot. II S. 23). Die Vorinstanz
ist zu Recht zum Schluss gekommen, dass der Sachverhalt insoweit erstellt ist,
weil sich das Geständnis mit dem übrigen Beweisergebnis deckt; auf ihre diesbe-
züglichen Ausführungen (Urk. HD 73 S. 8) kann verwiesen werden. Bestritten
wurde jedoch vor der Vorinstanz, dass die Messerstiche wuchtig ausgeführt wor-
den seien (Urk. HD 57 S. 5). Zudem machten die Verteidigung in der vorinstanzli-
chen Hauptverhandlung und der Beschuldigte in der heutigen Befragung geltend,
dass sich das den Messerstichen vorangegangene Geschehen anders zugetra-
gen habe als in der Anklageschrift umschrieben. Nicht der Beschuldigte habe im
Bus "Sieg Heil" gerufen, sondern sein Begleiter D._ (Urk. HD 57 S. 3 f.;
Prot. II S. 21 f.). Ferner habe vor der Messerattacke eine Schlägerei zwischen
dem Beschuldigten und dem Privatkläger 1 stattgefunden, wobei auch der Be-
schuldigte verletzt worden sei (Urk. HD 57 S. 4). Schliesslich habe der Beschul-
digte aufgrund seines massiven Alkoholkonsums gedankenlos zugestochen und
nicht an mögliche Folgen seines Tuns gedacht. Es sei ihm daher nicht möglich
gewesen, den Tod des Opfers ernstlich in Rechnung zu stellen bzw. diesen in
Kauf zu nehmen (Urk. HD Urk. HD 57 S. 6 f.). An dieser Argumentation hielt die
Verteidigung im Berufungsverfahren fest (Urk. HD 75 S. 3 f.; Urk. HD 107 S. 7).
3.1. Was die Frage angeht, ob der Beschuldigte die Messerstiche wuchtig ausge-
führt hat, ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass dieser Begriff keine
Quantifizierung enthält (vgl. Urk. HD 73 S. 8). Aufgrund des Verletzungsbildes
(siehe neben Urk. 14/1 insb. auch Urk. ND 2/1, Anhang) sowie der von der Vo-
rinstanz zu Recht angeführten Tatsache, dass der Beschuldigte die Verletzungen
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des Privatklägers 1 teilweise durch dessen (Winter-)Bekleidung hindurch zufügte
(vgl. Urk. HD 73 S. 8), muss davon ausgegangen werden, dass die Stiche mit ei-
ner beachtlichen Intensität erfolgten, was mit dem Ausdruck „wuchtig“ zutreffend
umschrieben wird.
3.2. An Beweismitteln zu den sonstigen umstrittenen Punkten liegen neben den
Aussagen des Beschuldigten (Urk. ND 2/22; Urk. HD 2/1; Urk. HD 2/4; Urk. HD
2/7; Prot. I S. 8 ff.; Prot. II S. 20 f.) diejenigen des Privatklägers 1 (Urk. ND 2/21;
Urk. HD 4/1), von E._ (Urk. ND 2/20; Urk. HD 4/2) und von D._ (Urk. ND
2/24; Urk. HD 3/1; Urk. HD 3/2) sowie die beiden medizinischen Gutachten (Urk.
HD 13/1 betreffend den Beschuldigten und Urk. HD 14/1 betreffend den Privatklä-
ger 1) vor. Der Verwertbarkeit dieser Beweismittel steht nichts entgegen.
3.3. Was die Glaubwürdigkeit der Befragten angeht, kann auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. HD 73 S. 9 ff.).
4.1.1. Der Beschuldigte machte in der Untersuchung sowie an der heutigen Beru-
fungsverhandlung geltend, nicht "Sieg Heil" gerufen zu haben (Urk. HD 2/4 S. 12;
Urk. HD 2/7 S. 4; Prot. II S. 21 f.). Der Privatkläger 1 konnte gemäss seinen
glaubhaften Aussagen zur Frage, wer während der Busfahrt mehrfach "Sieg Heil"
gerufen habe, keine sachdienlichen Angaben machen, da er im Bus über Kopfhö-
rer Musik hörte und zudem eine Zeitung las und seine Aufmerksamkeit nicht bei
den Geschehnissen im Bus und den Mitpassagieren lag (Urk. ND 2/21 S. 3 f.;
Urk. HD 4/1 S. 3 und S. 5). Auch die Zeugin E._ konnte anlässlich ihrer Ein-
vernahme vom 18. April 2013 nicht sagen, ob der Beschuldigte (Person B) oder
sein Begleiter D._ (Person A) während der Busfahrt mehrfach "Sieg Heil" ge-
rufen hatte (Urk. HD 4/2 S. 5), und bestätigte damit ihre Aussage anlässlich der
polizeilichen Einvernahme vom 4. Februar 2013, als sie ebenfalls angegeben hat-
te, nicht zu wissen, ob der Beschuldigte oder sein Begleiter die Worte "Sieg Heil"
von sich gegeben habe (Urk. ND 2/20 S. 2 f.). Die Ausführungen der Vorinstanz,
wonach die Zeugin E._ ausgesagt habe, dass der Beschuldigte dies getan
habe (Urk. HD 73 S. 12), sind daher zu korrigieren. D._ gab in der Untersu-
chung an, der Beschuldigte habe dies gerufen (Urk. HD 3/1 S. 4), machte aber in
- 16 -
einem Schreiben an die Jugendanwältin vom 16. August 2013 geltend, er
(D._) habe dies getan (Urk. HD 58 S. 2).
4.1.2. Aufgrund der vorhandenen Beweismittel kann zwar kein Zweifel daran be-
stehen, dass entweder D._ oder der Beschuldigte im Bus mehrfach "Sieg
Heil" gerufen hat. Es kann aber nicht mit rechtgenügender Sicherheit gesagt wer-
den, welche dieser beiden Personen dies tat. D._, der als Einziger der Ein-
vernommenen den Beschuldigten belastete, machte diese Aussage im Rahmen
seiner eigenen Hafteinvernahme vom 4. Februar 2013 und somit in einem Zeit-
punkt, in dem er selber unter dem Verdacht stand, dem Privatkläger 1 die von
diesem erlittenen Verletzungen zugefügt zu haben (Urk. HD 3/1 S. 2). Es kann
nicht ausgeschlossen werden, dass D._ den Beschuldigten in diesem Zeit-
punkt zu Unrecht belastete, um sich selber in ein möglichst günstiges Licht zu rü-
cken. Dass er darum bemüht war, sich möglichst positiv darzustellen, lässt sich
etwa daran erkennen, dass er zunächst verschwieg, dem minderjährigen Be-
schuldigten am Tatabend erhebliche Mengen Whisky und Wodka abgegeben zu
haben (Urk. ND 2/24 S. 5 f., Antworten auf die Fragen 32 bis 39) oder wahrheits-
widrig angab, vom von diesem mitgeführten Messer, dem Tatwerkzeug, nichts
gewusst zu haben (Urk. ND 2/24 S. 3, Antwort auf Frage 17, und S. 10, Antwort
auf Frage 70; Urk. HD 3/2 S. 5), obwohl er im nach der Einstellung des Verfah-
rens gegen ihn (Urk. HD 35/1) verfassten Schreiben an die Jugendanwältin vom
16. August 2013 erklärte, er habe dieses zusammen mit dem Beschuldigten ge-
kauft (Urk. HD 58 S. 1). Der Vorwurf, der Beschuldigte habe im Bus mehrmals
"Sieg Heil" vor sich hingesagt (Urk. HD 38 S. 2), kann daher nicht erstellt werden.
4.2.1. Die Argumentation der Verteidigung, vor der Messerattacke habe es eine
Schlägerei zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger 1 gegeben (Urk.
HD 57 S. 4; Urk. HD 75 S. 4), stützt sich auf die entsprechenden Aussagen des
Beschuldigten anlässlich der Einvernahme vom 24. Juni 2013 (Urk. HD 2/7 S. 5 f.;
vgl. auch schon Urk. HD 2/4 S. 13 f., wobei der Beschuldigte damals angab, sein
Gegner bei der Schlägerei sei ein grosser alter Mann gewesen) sowie auf jene
von D._ anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 3. Februar 2013 (Urk.
- 17 -
2/24 S. 2 und S. 8), der Hafteinvernahme vom 4. Februar 2013 (Urk. HD 3/1 S. 4
f.) und der Einvernahme vom 4. März 2013 (Urk. HD 3/2 S. 8 und S. 13 f.).
4.2.2. D._ sagte anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 3. Februar
2013 aus, dass es zu gegenseitigen Handgreiflichkeiten zwischen dem Beschul-
digten und dem Privatkläger 1 gekommen sei. Damals gab er an, er glaube, diese
hätten gleichzeitig angefangen, nachdem sie sich bereits im Bus gegenseitig an-
gestachelt gehabt hätten. Es habe mit gegenseitigem Schubsen angefangen.
Plötzlich hätten beide mit den Fäusten angefangen zu boxen. Beide hätten mehr-
fach den anderen ins Gesicht geschlagen. Dann habe der Beschuldigte plötzlich
das Messer gegen den Privatkläger 1 eingesetzt. Es sei nicht nötig gewesen,
dass der Beschuldigte sich mit einem Messer verteidigt habe. Der Beschuldigte
habe eine Platzwunde im Gesicht im Bereich des linken oder rechten Auges ge-
habt (Urk. ND 2/24 S. 8 f.). Auch anlässlich seiner Hafteinvernahme vom 4. Feb-
ruar 2013 gab D._ an, dass es zwischen dem Beschuldigten und dem Privat-
kläger 1 zu einer Schlägerei gekommen sei, in deren Verlauf der Beschuldigte
dann sein Messer hervorgenommen und benützt habe (Urk. HD 3/1 S. 4 f.), und
anlässlich seiner Einvernahme als Auskunftsperson am 4. März 2013 erklärte er
ebenfalls, dass der Beschuldigte und der Privatkläger 1 sich geschubst und ge-
boxt hätten und der Beschuldigte dann während der Schlägerei das Messer ein-
gesetzt habe (Urk. HD 3/2 S. 13 ff.). Der Beschuldigte habe links und rechts im
Gesicht Verletzungen gehabt, welche von der Schlägerei, von den Boxschlägen
des Privatklägers 1, gestammt hätten (Urk. HD 3/2 S. 14). Dass der Beschuldigte
Verletzungen im Gesicht, namentlich über dem rechten Jochbein und an der rech-
ten Augenbrauenaussenseite, hatte, ergibt sich aus dem Gutachten zur körperli-
chen Untersuchung (Urk. HD 13/1 S. 2).
4.2.3. Demgegenüber fällt auf, dass der Privatkläger 1 neben den Stich- und
Schnittverletzungen keine weiteren Verletzungen aufwies, namentlich keine sol-
chen, die auf eine Schlägerei hindeuten würden, wie Prellungen oder Schürfwun-
den (Urk. HD 14/1 S. 4). Ferner ergeben sich aus den Schilderungen des Privat-
klägers 1 keinerlei Hinweise auf eine vorgängige Schlägerei. Er gab anlässlich der
Einvernahme vom 18. April 2013 an, weder den Beschuldigten noch D._ ge-
- 18 -
schlagen zu haben (Urk. HD 4/1 S. 7). Vielleicht habe er den Beschuldigten aber
einfach weggeschubst oder weggehalten (Urk. HD 4/1 S. 7). Anlässlich seiner po-
lizeilichen Einvernahme vom 6. Februar 2013 hatte er angegeben, dass er den
Beschuldigten zwar sicherlich angegangen, dass aber keine Schlägerei stattge-
funden habe (Urk. ND 2/21 S. 12). Zuvor hatte er anlässlich dieser Einvernahme
bereits ausgesagt, dass er seine beiden Arme seitlich nach oben gehoben habe,
um zu signalisieren, dass der Beschuldigte und D._ E._ nicht mehr ver-
folgen sollten. Der Beschuldigte habe dann seinen linken Arm zur Seite wegge-
schlagen, wobei er nicht wisse, ob er dabei bereits gestochen worden sei, und ihn
in der Folge bei der Jacke oder irgendwo an seinen Kleidern gepackt. Er habe
versucht, den Beschuldigten von sich wegzuschieben resp. ihn mit den beiden
Händen an den Schultern zu packen, was aber nicht gegangen sei, wobei ihm
aufgefallen sei, dass er keine Kraft mehr in seiner linken Hand bzw. im linken Arm
gehabt habe (Urk. ND 2/21 S. 8). Diese Darstellung bestätigte er anlässlich der
Einvernahme vom 18. April 2013 (Urk. HD 4/1 S. 4) und ergänzte die bereits am
6. Februar 2013 gemachten Angaben dahingehend, dass er, nachdem er bemerkt
habe, dass er kein Gefühl mehr im linken Arm gehabt habe, hinunter gefallen sei.
Er glaube, der Beschuldigte habe ihn auf den Boden geworfen oder gezogen. Als
er aufgestanden sei, sei der Beschuldigte einen Meter zurückgegangen (Urk. HD
4/1 S. 4).
4.2.4. Die Zeugin E._ erklärte anlässlich ihrer Einvernahme vom 18. April
2013, dass der Beschuldigte in einem Gebüsch beim Ende des Fussgängerstrei-
fens gelandet sei. Wie dies geschehen sei, konnte sie nicht erklären, da dies in ih-
rem Rücken passiert sei; sie vermutete, dass der Beschuldigte gestolpert sei. Es
habe nicht den Eindruck gemacht, dass eine Schlägerei im Gange gewesen sei
(Urk. HD 4/2 S. 8 ff.). Ferner erklärte sie, dass der Privatkläger 1 ("die aussenste-
hende Person") sich sehr beschwichtigend, deeskalierend verhalten und sich ge-
genüber dem Beschuldigten und dessen Begleiter nicht aggressiv gezeigt habe
(Urk. HD 4/2 S. 10 ff.). Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 4. Februar
2013 hatte sie angegeben, dass sie die Verletzung im Gesicht der Person B (ge-
meint: der Beschuldigte) über deren rechtem Auge, die sie auf dem Fotobogen
mit einem Bild des Beschuldigten, das nach dessen Verhaftung erstellt worden
- 19 -
war, wahrnahm, nicht habe erkennen können (Urk. ND 2/20 S. 5). Der Beschul-
digte (Person B) habe versucht, vor dem Privatkläger 1 (Person C), der sich ihm
in den Weg gestellt habe, auszuweichen, um sie (die Zeugin) nochmals zu erwi-
schen. Dabei sei der Beschuldigte selber ins Gebüsch gefallen (Urk. ND 2/20 S.
6). Eine Schlägerei oder andere Form der körperlichen Auseinandersetzung habe
sie nicht gesehen (Urk. ND 2/20 S. 4 f.). Ferner erklärte sie schon anlässlich die-
ser Einvernahme, dass der Privatkläger 1 beschwichtigend und deeskalierend
aufgetreten sei (Urk. ND 2/20 S. 6).
4.2.5. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz (Urk. HD 73 S. 14) kann nicht davon
ausgegangen werden, dass die Verletzungen des Beschuldigten auf seine Fest-
nahme oder auf einen Sturz im Laufe des Abends, d.h. vor dem fraglichen Ge-
schehen, zurückzuführen sind. Die Zeugin E._ sah den Beschuldigten am
fraglichen Abend letztmals vor dem eigentlichen Kerngeschehen, und ihr fiel im
Gesicht des Beschuldigten keine Verletzung auf (Urk. ND 2/20 S. 5). D._ war
anlässlich der Verhaftung des Beschuldigten nicht mehr gemeinsam mit diesem
unterwegs (Urk. HD 15/2 S. 2; Urk. ND 2/3 S. 4: unterschiedliche Verhaftsorte;
Urk. ND 2/24 S. 9, Antworten auf die Fragen 66 und 67) und wurde selber etwas
später verhaftet. Trotzdem führte er die Verletzung des Beschuldigten auf eine
Auseinandersetzung mit dem Privatkläger 1 zurück (Urk. ND 2/24 S. 9, Antwort
auf Frage 68). Ferner ist im Verhaftsrapport vom 3. Februar 2013 festgehalten,
dass der Beschuldigte eine blutende Wunde am Kopf hatte, bevor dieser verbal
zu Boden kommandiert und anschliessend verhaftet wurde (Urk. HD 15/2 S. 2).
Dass die Wunde blutete, deutet einerseits darauf hin, dass sie eben erst entstan-
den war. Andererseits steht damit fest, dass diese Wunde nicht erst bei der Ver-
haftung entstand. Dass der Beschuldigte im Rahmen seiner ersten Aussagen an-
gab, die Verletzungen seien auf seine Festnahme oder einen Sturz im Laufe des
Abends zurückzuführen (Urk. HD 2/1 S. 3 f.), und, wie die Vorinstanz zutreffend
festhielt (Urk. HD 73 S. 11), nichts von einer vorgängigen Schlägerei erwähnte,
kann auch vor dem Hintergrund zu sehen sein, dass er zunächst jede Beteiligung
an einer Auseinandersetzung abstritt. Anlässlich der Befragung vor Berufungs-
instanz schloss der Beschuldigte weder aus, dass die blutende Wunde an seinem
Kopf bei der Auseinandersetzung mit dem Privatkläger 1 entstanden war, noch
- 20 -
dass diese einen früheren Ursprung hatte (Prot. II S. 23). Schliesslich geht aus
dem Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Beschuldigten vom 19. Feb-
ruar 2013 hervor, dass die beim Beschuldigten festgestellten Verletzungen auf
stumpfe Gewalteinwirkung wie beispielsweise Schläge, Tritte, Stürze oder tangen-
tiales Reiben an unebenen Flächen zurückzuführen sind (Urk. HD 13/1 S. 3 f.).
Demnach muss angenommen werden, dass der Beschuldigte sich im Rahmen
des eigentlichen Kerngeschehens im Gesicht verletzte. Aufgrund der überein-
stimmenden, glaubhaften Aussagen des Privatklägers 1 und der Zeugin E._
ist aber davon auszugehen, dass die Verletzung des Beschuldigten nicht bei einer
Schlägerei, sondern im Rahmen eines Gerangels im Sinne eines Schubsens oder
gegenseitigen Wegschiebens mit Sturz des Beschuldigten in die Büsche ent-
stand, welche Umstände vom Beschuldigten sowie vom D._ in ihren Aussa-
gen stark übertrieben dargestellt wurden, um die anschliessende Aktion wenigs-
tens halbwegs zu rechtfertigen. Die Vorinstanz ist daher zu Recht zum Schluss
gekommen, dass es zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger 1 weder
zu Handgreiflichkeiten kam noch eine Schlägerei stattfand, sondern lediglich ein
Gerangel (Urk. HD 73 S. 14).
4.2.6. Dies ändert aber nichts daran, dass die Anklagebehörde dem Beschuldig-
ten zu Recht den Vorwurf machte, er habe "unvermittelt" zugestochen (Urk. HD
38 S. 2), denn die Rangelei ist sowohl zeitlich als auch qualitativ von der Phase,
in welcher der Beschuldigte dann zustach, klar abzugrenzen, und der Privatkläger
1 musste nach der Rangelei keinesfalls mit einem Messerangriff rechnen. Soweit
die Verteidigung diesbezüglich vor der Vorinstanz eine andere Meinung vertrat, ist
sie damit nicht zu hören, wobei darauf hinzuweisen ist, dass in der Anklageschrift
nicht von einem unvermittelten Angriff (vgl. die Verteidigung in Urk. HD 57 S. 6)
die Rede ist.
4.3. Schliesslich argumentierte die Verteidigung vor der Vorinstanz und im Beru-
fungsverfahren, dass zwar zutreffend sei, dass der Beschuldigte wahl- und ziellos
zugestochen habe, dies aber gegen einen Tötungsversuch spreche, denn wer
jemanden zu töten versuche, werde auch gezielt entsprechend empfindliche Kör-
perstellen zu treffen versuchen (Urk. HD 57 S. 6; Urk. HD 107 S. 7). Soweit die
- 21 -
Verteidigung sich mit dieser Argumentation gegen den Vorwurf der Anklagebe-
hörde stellt, der Beschuldigte habe wahllos auf Kopf und Hals des Privatklägers 1
eingestochen (Urk. HD 38 S. 2), was dahingehend zu verstehen ist, dass der Be-
schuldigte auf Kopf und Hals des Privatklägers 1 einstach, innerhalb dieser bei-
den Körperbereiche aber nicht präziser zielte, ist sie damit nicht zu hören. Nur
schon aufgrund dessen, dass sich von den insgesamt sieben vom Privatkläger 1
erlittenen Schnitten und Stichen sechs im Kopf- und Halsbereich befanden, kann
kein Zweifel daran bestehen, dass der Beschuldigte jedenfalls überwiegend den
Kopf- und Halsbereich des Privatklägers 1 treffen wollte. Von einem unkontrollier-
ten und wahllosen "Herumhantieren" mit dem Messer, wie es die Verteidigung im
Berufungsverfahren wiederholt formulierte (Urk. HD 107 S. 7; Prot. II S. 26 f.),
kann unter diesen Umständen keinesfalls gesprochen werden. Es bedarf keiner
weiteren Erläuterung, dass es sich bei den vom Beschuldigten anvisierten Kör-
perstellen um besonders empfindliche handelt.
4.4. Das von der Verteidigung angeführte Argument, der Beschuldigte habe ge-
dankenlos zugestochen und nicht an mögliche Folgen seines Tuns gedacht (Urk.
HD 6 f.), ist anschliessend im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu prüfen.
4.5. Zu ergänzen ist, dass der Privatkläger 1 an der rechten Halsseite nicht zwei
ca. 3 cm lange Schnitt-/Stichverletzungen erlitt, sondern eine, die in der Anklage-
schrift offensichtlich versehentlich zwei Mal aufgeführt wurde (Urk. HD 38 S. 3;
Urk. HD 14/1 S. 2; Urk. ND 2/1).
4.6. Ansonsten wurden der eingeklagte Sachverhalt und die Sachverhaltserstel-
lung durch die Vorinstanz von der Verteidigung zu Recht nicht in Frage gestellt;
auf die entsprechenden Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil kann verwiesen
werden (Urk. HD 73 S. 8 ff.). Somit ist der eingeklagte Sachverhalt mit den vorer-
wähnten Einschränkungen sowie mit der Ergänzung, dass zu Gunsten des Be-
schuldigten davon auszugehen ist, dass es vor dem Messereinsatz zu einer Ran-
gelei zwischen ihm und dem Privatkläger 1 kam, erstellt.
5.1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten, dem Hauptstand-
punkt der Anklagebehörde folgend, als versuchte vorsätzliche Tötung im Sinne
- 22 -
von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Urk. HD 73 S. 20 und
S. 43). Die Verteidigung macht demgegenüber wie schon vor der Vorinstanz gel-
tend, es liege versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie vollendete einfache Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 2 StGB vor, da der Be-
schuldigte aufgrund seines massiven Alkoholkonsums gedankenlos zugestochen
und an keinerlei mögliche Folgen seines Tuns gedacht habe, weshalb es ihm
nicht möglich gewesen sei, den Tod des Opfers ernsthaft in Rechnung zu stellen
bzw. diesen in Kauf zu nehmen (Urk. HD 75 S. 2 f.; Urk. HD 107 S. 7).
5.2. Den Tatbestand der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB erfüllt,
wer durch eine beliebige Handlung den Tod eines Menschen verursacht, ohne
dass einer der speziellen Tatbestände bei den Tötungsdelikten (Art. 112 ff. StGB)
erfüllt ist. Wie die Vorinstanz korrekt dargelegt hat, ist in subjektiver Hinsicht Vor-
satz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt (Urk. HD 73 S. 17 mit Verweis auf
Art. 12 Abs. 1 und 2 StGB). Von Eventualvorsatz ist auszugehen, wenn dem Täter
das Risiko der Tatbestandsverwirklichung bewusst ist (Wissenskomponente), er
aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf
nimmt, sich mit ihm abfindet (Willenskomponente), mag er ihm auch unerwünscht
sein – eine Billigung des Erfolges ist nicht erforderlich (BGE 131 IV 1 E. 2.2; BGE
130 IV 58 E. 8.2 und 8.3). Dass der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges
bloss möglich ist, selbst dass sich diese Möglichkeit, statistisch gesehen, nur rela-
tiv selten verwirklicht, genügt für das Vorliegen des Eventualvorsatzes (BGE 131
IV 1 E. 2.2).
5.3. Was den Nachweis des Eventualvorsatzes angeht, hat die Vorinstanz zu
Recht darauf hingewiesen, dass sich das Gericht, soweit der Täter nicht gestän-
dig ist, regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und Erfahrungsregeln
stützen kann, die ihm Rückschlüsse auf die innere Einstellung des Täters erlau-
ben (Urk. HD 73 S. 17). Auch ihre übrigen Erwägungen zum Eventualvorsatz sind
korrekt, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. HD 73 S. 17 f.).
5.4. Ferner hat die Vorinstanz zutreffend ausgeführt, dass ein Versuch vorliegt,
wenn der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Verge-
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hens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder der zur Voll-
endung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder nicht eintreten kann (Urk. HD
73 S. 17 unter Verweis auf Art. 22 Abs. 1 StGB).
5.5. Da der Privatkläger 1 die Tat des Beschuldigten überlebt hat, kommt von
vornherein nicht eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung, sondern nur eine
solche zum Versuch dazu in Betracht. Ein Schuldspruch wegen versuchter vor-
sätzlicher Tötung bedingt, dass die Messerstiche für den Privatkläger 1 auch töd-
liche Folgen hätten haben können. Es liegt indes auf der Hand, dass der Privat-
kläger 1 durch die unkontrolliert und mit einer beachtlichen Intensität durchgeführ-
ten Messerstiche in Gesicht und Hals ohne Weiteres hätte getötet werden kön-
nen. Namentlich hätte die in der Anklageschrift aufgeführte Schnittverletzung an
der rechten Halsseite bei nur geringfügig grösserer Tiefe, die der Beschuldigte nur
schon angesichts dessen, dass beide Beteiligten sich in Bewegung befanden,
nicht präzise steuern konnte, tödlich enden können. Dann wäre es nämlich, wie
dem Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Privatklägers 1 zu entnehmen
ist, zur Durchtrennung der Halsschlagader gekommen, was zum Verblutungstod
hätte führen können. Bei der Eröffnung von Halsvenen hätte es gemäss dem
Gutachten zusätzlich zu einer tödlichen Luftembolie kommen können. Ohne not-
fallmässige medizinische Behandlung hätte der Privatkläger 1 innert kurzer Zeit
verbluten können (Urk. HD 14/1 S. 3 f.). Dass die Halsschlagader nicht getroffen
wurde, ist einzig dem Zufall zu verdanken.
5.6. Aufgrund des Untersuchungsergebnisses muss davon ausgegangen werden,
dass dem Beschuldigten von der Anklagebehörde zu Recht nicht vorgeworfen
wird, in Tötungsabsicht und damit direktvorsätzlich zugestochen zu haben. Es
darf indes als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass bei Messerstichen
im Halsbereich die Halsschlagader des Opfers durchtrennt werden und dies zum
raschen Eintritt des Todes beim Opfer führen kann. Dass der Beschuldigte stark
alkoholisiert war, ändert nichts daran, dass davon auszugehen ist, dass er über
ein entsprechendes Wissen verfügte, was er anlässlich der heutigen Befragung
denn auch bestätigte (Prot. II S. 23 f.).
- 24 -
5.7. Auch die Willenskomponente ist zu bejahen. Indem der Beschuldigte mit ei-
nem Messer mit ca. 9 cm langer Klinge mehrfach unkontrolliert und mit erhebli-
cher Krafteinwirkung auf den Gesichts- und Halsbereich des Privatklägers 1 ein-
stach, musste sich ihm der Todeseintritt als so wahrscheinlich aufdrängen, dass
sein Verhalten auch unter Berücksichtigung seiner erheblichen Alkoholisierung
nur als Inkaufnahme der Verwirklichung des Erfolgs ausgelegt werden kann. Zu
Recht hat die Vorinstanz in diesem Zusammenhang auf die Rechtsprechung des
Bundesgerichtes zu Stichen im Bauchbereich auch bei eher kurzer Messerklinge
hingewiesen und daraus gefolgert, dass der Eventualvorsatz im vorliegenden Fall
umso eher zu bejahen ist (Urk. HD 73 S. 19 mit Hinweisen). Wie die Anklägerin
zutreffend konstatiert (vgl. Prot. II S. 25 f.), kann aus dem von der Verteidigung
angeführten BGE 136 IV 49 (vgl. Urk. HD 107 S. 4) für den vorliegenden Fall
demgegenüber nichts abgeleitet werden. Einerseits unterscheidet sich der vorlie-
gend zu beurteilende Sachverhalt gerade durch die höhere Anzahl der Stiche
bzw. Schnitte sowie die ungleich sensibleren betroffenen Körperstellen des Op-
fers grundlegend vom Sachverhalt, den das Bundesgericht zu beurteilen hatte.
Andererseits widmet sich jener höchstrichterliche Entscheid ohnehin einzig der
Abgrenzung von Notwehr und Notwehrexzess, ohne die versuchte vorsätzliche
Tötung in irgendeiner Art zu thematisieren.
5.8. Im Sinne eines Fazits ist festzuhalten, dass dem Beschuldigten im Zeitpunkt
seines Handelns auf der Wissensebene klar war, dass die Messerstiche beim Pri-
vatkläger 1 den Eintritt des Todes verursachen konnten. Ferner lassen die darge-
legten Umstände auf der Willensebene nur den Schluss zu, dass der Beschuldig-
te, wie ihm in der Anklageschrift im Hauptstandpunkt vorgeworfen wird, die Mög-
lichkeit des Todeseintritts so nahe vor sich sah, dass er diese billigte. Er nahm
demnach den ohne Weiteres möglichen Eintritt des Todes in Kauf und handelte
somit eventualvorsätzlich.
5.9. Da weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vorliegen, ist der
Beschuldigte übereinstimmend mit der Vorinstanz der versuchten vorsätzlichen
Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schul-
dig zu sprechen.
- 25 -
5.10. Weder die Anklagebehörde noch die Vorinstanz gingen davon aus, dass
nicht nur der Tatbestand der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von
Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, sondern zusätzlich auch ein
Körperverletzungsdelikt im Sinne von Art. 122 f. StGB erfüllt wurde (Urk. HD 73
S. 20). Trifft eine versuchte Tötung mit einer vollendeten einfachen oder schweren
Körperverletzung zusammen, nimmt das Bundesgericht mit einem Teil der Lehre
unechte Konkurrenz an (BGE 137 IV 113 E. 1.4.2 mit Hinweisen), während nach
einem anderen Teil der Lehre die Art. 111 ff. StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs.
1 StGB einerseits und die Art. 122 f. StGB andererseits in echter Konkurrenz zu-
einander stehen (BSK StGB I-Schwarzenegger, Art. 111 N 13). Aufgrund des
Verschlechterungsverbots (Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 391 Abs. 2 StPO) kann
zwar vorliegend offen bleiben, wie es sich damit verhält. Dass aufgrund der ver-
suchten vorsätzlichen Tötung eine massive Körperverletzung resultierte, ist aber
bei der Strafzumessung im Rahmen des Verschuldens zu berücksichtigen (BGE
137 IV 113 E. 1.4.2).
IV. Sanktion
A. Allgemeines
Die Vorinstanz ging bei den Erwägungen zur Sanktion irrtümlich davon aus, dass
der Beschuldigte alle von ihr beurteilten Straftaten im Alter von 16 Jahren beging,
was jedoch für die vorliegend zu behandelnde versuchte Tötung nicht zutrifft (Urk.
HD 73 S. 20 f., richtig jedoch Urk. HD 73 S. 5). Im Zeitpunkt, in dem der Beschul-
digte dieses Delikt beging, war er 17 Jahre alt. Dies ändert aber nichts daran,
dass für die Bestimmung der Sanktion, wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt
hat (Urk. HD 73 S. 20), das Jugendstrafgesetz zur Anwendung gelangt.
B. Strafe
1. Hat der Jugendliche schuldhaft gehandelt, so verhängt die urteilende Behörde,
wie von der Vorinstanz korrekt dargelegt wurde (Urk. HD 73 S. 28), nach Art. 11
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Abs. 1 JStG zusätzlich zur Schutzmassnahme eine Strafe, sofern keine Strafbe-
freiungsgründe im Sinne von Art. 21 JStG vorliegen. Schuldhaftes Handeln liegt
gemäss Art. 11 Abs. 2 JStG vor, wenn der Jugendliche fähig ist, das Unrecht sei-
ner Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln.
2. Die Vorinstanz ist gestützt auf das Gutachten vom 14. Mai 2013 (Urk. HD 20/2)
zu Recht zum Schluss gelangt, dass der Beschuldigte prinzipiell über die notwen-
digen intellektuellen Voraussetzungen für die Einsicht in das Unrecht seiner Tat
verfügte und keine gesundheitsbedingte Einschränkung der Einsichtsfähigkeit vor-
lag (Urk. HD 73 S. 28). Ferner hat sie zutreffend auf die starke Alkoholisierung
des Beschuldigten mit einer auf die Tatzeit zurückgerechneten Blutalkoholkon-
zentration zwischen 2.23 g ‰ und 2.90 g ‰ (Urk. HD 10/4) hingewiesen (Urk. HD
73 S 28 f. mit Verweis auf Urk. HD 20/2 S. 66 ff.). Die Verteidigung macht geltend,
diese sei stärker strafmindernd zu berücksichtigen, als dies die Vorinstanz getan
hat (Urk. HD 75 S. 3; Urk. HD 107 S. 9), bringt aber zu Recht nicht vor, dass der
Beschuldigte aufgrund der starken Alkoholisierung nicht schuldhaft gehandelt ha-
be. Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, dass kein Schuldbefreiungsgrund im
Sinne von Art. 21 JStG vorliegt. Demzufolge ist ihr zuzustimmen, dass die gesetz-
lichen Voraussetzungen für die zusätzliche Verhängung einer Strafe erfüllt sind.
3. Da das Verfahren mit Bezug auf die beiden Sachbeschädigungen einzustellen
und die Strafe somit einzig für die versuchte Tötung zu bemessen ist, ist auf die
Ausführungen der Vorinstanz zur Strafzumessung bei mehreren Delikten (Urk. HD
73 S. 29 ff.) nicht weiter einzugehen. Die übrigen Ausführungen der Vorinstanz
zur Strafzumessung sind zutreffend, weshalb darauf verwiesen werden kann.
4.1. Mit Bezug auf die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann vorab
auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. HD 73
S. 31 f.). Ihre Erwägung, dass mitunter schwierige persönliche Verhältnisse aus-
zumachen seien (Urk. HD 73 S. 32), ist aber etwas zu relativieren. Es trifft zwar
zu, dass der Beschuldigte, bedingt durch die in den Gutachten aufgezeigten Defi-
zite bei der Erziehung, Sozialisierung und Bildung, keine optimalen Vorausset-
zungen hatte. Er ist aber in intakten familiären Verhältnissen aufgewachsen, war
nach eigenen Angaben in der Familie beliebt und hat zu dieser ein perfektes Ver-
- 27 -
hältnis (vgl. Urk. HD 85 S. 24 f.; Prot. II S. 16). Die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten wären daher, müsste die Strafe nach dem Erwachsenenstrafrecht
festgelegt werden, lediglich leicht strafmindernd zu gewichten. In beruflicher Hin-
sicht ist seit dem Erlass des erstinstanzlichen Urteils insofern eine Änderung ein-
getreten, als der Beschuldigte die in der Institution F._ absolvierte Lehre als
Schreinerpraktiker EBA inzwischen mit guter Note abgeschlossen hat (Urk. HD
92/2 S. 2; Prot. II S. 16 f.). Der Beschuldigte lebt mittlerweile in einer Aussen-WG
der Institution F._ (höchste Wohnstufe 3) und wird von deren Betreuern bei
der Stellensuche auf dem freien Arbeitsmarkt gecoacht. Solange der Beschuldigte
keine Festanstellung vorweisen kann, sammelt er weiterhin in der Schreinerei der
Institution F._ praktische Arbeitserfahrungen (Urk. HD 92/2 S. 1). Nachdem
sich die Beziehung zu seiner Freundin gemäss seinen Aussagen anlässlich der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung zunächst wieder gefestigt hatte (Urk. HD 85
S. 12), ging sie mittlerweile offenbar in die Brüche (vgl. Prot. II S. 18).
4.2. Was die objektive Tatschwere angeht, kann auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. HD 73 S. 33). Da dem Zufall und nicht
dem Zutun des Beschuldigten zu verdanken war (BGE 137 IV 113 E. 1.4.2), dass
der Taterfolg nicht eintrat und somit eine versuchte Tatbegehung vorliegt, ist
grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass der Versuch im vorinstanzlichen Urteil
nicht strafmildernd resp. strafmindernd berücksichtigt wurde (Urk. HD 73 S. 33).
Immerhin lag der Grund für das Ausbleiben des (Tötungs-) Erfolges objektiv in
den vom Beschuldigten ausgeführten Stichen und Schnitten und war nicht auf ei-
ne Dritteinwirkung zurückzuführen. In Abweichung zu den vorinstanzlichen Erwä-
gungen führt der Versuch daher in objektiver Hinsicht zu einer marginalen Reduk-
tion der Tatschwere. Nicht verringert wird das objektive Verschulden aber
dadurch, dass von einem vorherigen Gerangel zwischen dem Beschuldigten und
dem Privatkläger 1 auszugehen ist. Der Beschuldigte selber hatte Anlass dazu
gegeben, dass der Privatkläger 1 sich ihm in den Weg stellte, da er die Zeugin
E._ weiter belästigen wollte. Es handelt sich um eine abscheuliche Tat, die
das Leben des Privatklägers 1 in hohe Gefahr brachte. Aufgrund des Verlet-
zungsbildes sowie der Tatsache, dass derart ausgeprägte Narben, wie sie beim
Privatkläger 1 vorliegen, in aller Regel nicht ganz verschwinden, ist davon auszu-
- 28 -
gehen, dass der Privatkläger 1 seither beim Blick in den Spiegel immer wieder an
die schrecklichen Ereignisse der Tatnacht erinnert wird. Zudem musste sich der
Privatkläger 1 rund 1 1⁄2 Jahre nach der Tat nochmals einer Operation unterzie-
hen, u.a. weil es teilweise zu einer Hypertrophie der Narben gekommen war und
Infiltrationen mit Kenacort nicht zu einer zufriedenstellenden Verbesserung ge-
führt hatten resp. bei einer Narbe eine Atrophie zur Folge gehabt hatte (Urk. HD
50/74 und Urk. HD 50/75). Unter den gegebenen Umständen ist entgegen der
Ansicht der Vorinstanz, die vom Vorliegen eines schweren objektiven Tatver-
schuldens ausgeht (Urk. HD 73 S. 33), mit der Oberjugendanwaltschaft (Urk. HD
79 S. 2; Urk. HD 109 S. 3) von einem sehr schweren objektiven Verschulden aus-
zugehen.
4.3.1. Die Ausführungen, welche die Vorinstanz mit Bezug auf das subjektive Tat-
verschulden betreffend Eventualvorsatz machte (Urk. HD 73 S. 33), beziehen sich
auf die versuchte vorsätzliche Tötung. Mit einzubeziehen ist jedoch auch, dass
der Beschuldigte – jedenfalls hauptsächlich – den Kopf- und Halsbereich des Pri-
vatklägers 1 treffen wollte (dazu vorne unter Erwägung III.B.4.3.) und sein Han-
deln insoweit direktvorsätzlich war. Dass schon relativ oberflächliche Schnitte mit
einem Messer zu bleibenden Narben führen, war dem Beschuldigten aufgrund
seiner früheren Selbstverletzungen (Urk. HD 13/1 S. 3 f.; Urk. HD 85 S. 17 und
S. 20) bekannt. Es muss daher davon ausgegangen werden, dass ihm klar war,
was er im Gesichts- und Halsbereich des Privatklägers 1 anrichtete. Den Ausfüh-
rungen der Vorinstanz zu den Beweggründen des Beschuldigten ist nichts beizu-
fügen; es kann darauf verwiesen werden (Urk. HD 73 S. 33).
4.3.2. Im Zusammenhang mit dem Strafmilderungsgrund gemäss Art. 19 Abs. 2
StGB macht die Verteidigung, wie schon im erstinstanzlichen Verfahren, geltend,
dass aufgrund der äusserst starken Alkoholisierung des Beschuldigten eine stark
verminderte Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit zu berücksichtigen sei (Urk. HD
75 S. 3; Urk. HD 107 S. 9 f.). Sie führt dazu aus, bei einem Blutalkoholkonzentra-
tionswert ab 3 g ‰ werde vermutungsweise von einer Schuldunfähigkeit ausge-
gangen. Ferner sei die übermässige Alkoholisierung für aussenstehende Perso-
nen gut ersichtlich gewesen. So habe D._ angegeben, der Beschuldigte sei
- 29 -
extrem betrunken gewesen, was er insbesondere deshalb gemerkt habe, weil
dieser wacklig auf den Beinen gewesen sei. Auch beim Opfer sei der übermässi-
ge Alkoholkonsum des Beschuldigten nicht unbemerkt geblieben, habe es doch
erklärt, dass dieser einen stark angetrunkenen Eindruck hinterlassen habe. Dar-
über hinaus sei davon auszugehen, dass der Alkohol am fraglichen Abend eine
besonders starke Wirkung entfaltet habe, habe der Beschuldigte doch angege-
ben, davor seinen Alkoholkonsum über einen Zeitraum von ca. zwei Monaten
massiv gedrosselt bzw. gänzlich auf Alkohol verzichtet zu haben. Dies habe
D._ bestätigt, indem er erklärt habe, dass der Beschuldigte im Monat vor der
Deliktsbegehung keinen Alkohol getrunken habe, weshalb der massive Alkohol-
konsum am Tatabend bei diesem eine besonders starke Wirkung erzeugt habe.
Schliesslich sei von den im Gutachten genannten Kriterien, die allgemein gegen
eine erhebliche Verminderung der Steuerungsfähigkeit sprächen, kein einziges
erfüllt. Der Tat sei keinerlei Vorbereitung und Planung vorausgegangen. Sie habe
sich innert weniger Sekunden ereignet, ohne dass besondere motorische Koordi-
nationsleistungen erforderlich gewesen wären, eine umsichtige Reaktion des Be-
schuldigten auf sein Tun sei nicht ersichtlich und entgegen der im Gutachten ver-
tretenen Ansicht sei auch nicht von einem ausserordentlich geordneten Rückzug,
inklusive Spurenverdeckung, auszugehen. So habe der Beschuldigte einerseits
nach kurzer Zeit noch in der Nähe des Tatorts festgenommen werden können und
sei andererseits nicht klar, wer wann genau die Tatwaffe weggeworfen habe.
Diesbezüglich sei auf das Schreiben von D._ hinzuweisen, worin dieser be-
schrieben habe, dass er aus Angst das Messer weggeworfen habe, der Beschul-
digte mit der Spurenverdeckung somit gar nichts zu tun gehabt habe. Im Übrigen
sei es wohl eher dem Zufall und nicht der Umsicht des Beschuldigten zuzuschrei-
ben, dass die mutmassliche Tatwaffe aufgrund der Witterungsverhältnisse erst
viel später habe gefunden werden können. Inwiefern deshalb lediglich von einer
mittelgradigen und nicht von einer erheblichen Verminderung der Steuerungs-
und damit der Schuldfähigkeit ausgegangen werden dürfe, sei nicht ersichtlich
(Urk. HD 57 S. 13 f.; Urk. HD 107 S. 9 f.).
4.3.3. Die Vorinstanz hatte zur Frage der Schuldfähigkeit erwogen, dass im Gut-
achten vom 14. Mai 2013 (Urk. 20/2) von einer mittelgradigen Einschränkung der
- 30 -
Steuerungsfähigkeit ausgegangen worden sei. Gutachten würden zwar, wie alle
Beweise, gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO der freien richterlichen Beweiswürdigung
unterliegen und seien gestützt auf Art. 189 StPO von Amtes wegen auf ihre Be-
weistauglichkeit zu überprüfen. Das Bundesgericht halte aber in Einschränkung
dieses Grundsatzes in konstanter Praxis ein Abweichen vom Gutachten nur aus
triftigen Gründen für zulässig. Vorliegend seien keine begründeten Indizien er-
sichtlich, welche das Gutachten in Frage stellen würden, weshalb diesem zu fol-
gen und von einer mittelgradigen Einschränkung der Steuerungsfähigkeit auszu-
gehen sei, welche strafmindernd zu berücksichtigen sei (Urk. HD 73 S. 33 f.).
4.3.4. Die Erwägungen der Vorinstanz (Urk. HD 73 S. 33 f.) enthalten keine ver-
tiefte Auseinandersetzung mit den von der Verteidigung angeführten Argumenten.
Soweit diese aus ihrer Argumentation, mit einem Blutalkoholkonzentrationswert
von bis zu 2,9 g ‰ sei der Beschuldigte nur um 0,1 g ‰ von demjenigen Wert
entfernt gewesen, ab dem vermutungsweise von einer Schuldunfähigkeit ausge-
gangen werde, etwas zu Gunsten des Beschuldigten ableiten will, ist ihr allerdings
entgegen zu halten, dass für die Beurteilung der Schuldfähigkeit nicht die Blutal-
koholkonzentration als solche, sondern das Ausmass, in dem diese die Einsichts-
und Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt, entscheidend ist (BSK StGB I-
Bommer/Dittmann, Art. 19 N 62). Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die gut-
achterliche Beurteilung der Steuerungsfähigkeit gerade darauf beruhte, dass eine
Vorbereitung und ein planmässiges Verhalten prinzipiell nicht ersichtlich sei (Urk.
HD 20/2 S. 69), weshalb die diesbezügliche Argumentation der Verteidigung ins
Leere geht. Die im Gutachten offen gelassene Frage, ob das Mittragen des Mes-
sers als Indiz für eine Vorkonstituierung der Tat anzusehen sei (Urk. HD 20/2
S. 69), ist zu verneinen. Es muss davon ausgegangen werden, dass der Beschul-
digte das Messer nicht in der Absicht, dieses bei sich bietender Gelegenheit für
eine Körperverletzung oder ein Tötungsdelikt einzusetzen, mit sich trug. Zu Recht
stellt die Verteidigung aber das im Gutachten angeführte sehr geordnete Rück-
zugsverhalten in Frage. Bei einem Täter, der ein Verbrechen von der Schwere
des hier zu beurteilenden begeht, wäre zu erwarten, dass er den Tatort möglichst
rasch verlässt und alles daran setzt, zu entkommen. Der Beschuldigte hingegen
tat nichts Derartiges, weshalb er nur kurz nach der Tat in unmittelbarer Nähe des
- 31 -
Tatortes verhaftet werden konnte. Sein "ruhiges Entfernen" ist nicht als "geordne-
tes Rückzugsverhalten" zu betrachten, sondern dahingehend, dass er in seinen
kognitiven Fähigkeiten derart stark eingeschränkt war, dass eine eigentliche
Flucht nicht mehr erfolgte. Dafür spricht auch, dass das Tatwerkzeug nicht – bei-
spielsweise in den Büschen, welche den Weg des Beschuldigten säumten – ver-
steckt, sondern einfach weggeworfen wurde, wobei zudem zu Gunsten des Be-
schuldigten davon auszugehen ist, dass dies nicht durch ihn gemacht wurde,
sondern durch D._ (Urk. HD 58 S. 2). Dies alles muss sich indes nicht unbe-
dingt bloss aufgrund der Wirkung des Alkohols so zugetragen haben, sondern
kann auch Folge davon sein, dass der Beschuldigte nach der Tat realisierte, was
er getan hatte, und deswegen nicht mehr klar denken konnte. Das würde in Ein-
klang stehen mit der Aussage von D._, der Beschuldigte sei in Panik gewe-
sen (Urk. ND 2/24 S. 9, Antwort auf Frage 67).
4.3.5. Im Gutachten vom 14. Mai 2013 wurde davon ausgegangen, dass bei der
laut dem Institut für Rechtsmedizin für den Zeitpunkt der Tat errechneten Blutal-
koholkonzentration zwischen 2,23 g‰ und 2,9 g‰ grundsätzlich eine starke Al-
koholisierung vorliege, wobei eine Gewöhnung des Beschuldigten aufgrund sei-
nes häufigen Alkoholkonsums berücksichtigt werden müsse (Urk. HD 20/2 S. 67).
Es stellt sich indes die Frage, ob angesichts der vorhergehenden ein- bis zwei-
monatigen kompletten Abstinenz, die sowohl vom Beschuldigten als auch von
D._ vorgebracht wurde (Urk. HD 20/2 S. 35 und S. 39; Urk. HD 3/2 S. 2;
Prot. II S. 21) und von der auszugehen ist, von einer Gewöhnung ausgegangen
werden kann, zumal an anderer Stelle im Gutachten zwar ein schädlicher Ge-
brauch von Alkohol (F10.1) diagnostiziert, dazu aber weiter ausgeführt wurde, ak-
tuell zeige sich noch keine Suchtentwicklung (Urk. HD 20/2 S. 65). In der Mass-
nahmeverlaufsbegutachtung vom 17. März 2015 wurde letzteres denn auch be-
stätigt (Urk. HD 85 S. 47 f.). Dass der Beschuldigte stark unter den Auswirkungen
des Alkoholkonsums stand, bestätigte auch der Privatkläger 1. Anlässlich seiner
ersten polizeilichen Befragung am 6. Februar 2013 gab er an, der "Jüngere" (ge-
meint: der Beschuldigte) habe einen stark angetrunkenen Eindruck hinterlassen.
Auf die Frage, woraus er dies geschlossen habe, antwortete der Privatkläger 1,
der Beschuldigte sei getorkelt, und es habe den Eindruck gemacht, wie wenn
- 32 -
dessen Kollege ihn gestützt habe, damit er nicht stürzte. Zudem schilderte der
Privatkläger 1, dass der Beschuldigte, als er mit seinem Begleiter gesprochen ha-
be, gelallt habe, was für ihn einfach feststellbar gewesen sei (Urk. ND 2/21 S. 7).
Die Schilderungen des Privatklägers 1 decken sich mit denjenigen von D._,
der angab, der Beschuldigte sei völlig betrunken und aggressiv gewesen (Urk. ND
2/24 S. 6).
4.3.6. All dem stehen indes die konkreten Tathandlungen gegenüber. Trotz der
Auswirkungen der vom Beschuldigten konsumierten Alkoholmenge und obwohl er
einen stark betrunkenen Eindruck machte, ging der Beschuldigte beim eigentli-
chen Kerngeschehen zielorientiert vor, wobei die Ausführung der Tat zu seinen
bereits dargelegten Motiven passt. Er nahm – vom Privatkläger 1 unbemerkt –
sein mitgeführtes Klappmesser hervor und öffnete dieses. Anschliessend traf er
den Privatkläger 1 innert kürzester Zeit zuerst am von diesem angehobenen Arm,
der den Beschuldigten daran hinderte, die Verfolgung von E._ aufzunehmen,
und anschliessend sechs Mal im Gesichts- und Halsbereich, wobei die Stich- und
Schnittverletzungen in diesen Bereichen in direktvorsätzlichem Sinne gewollt wa-
ren. Dies lässt trotz der vorherigen Erwägungen die gutachterliche Annahme einer
mittelgradig beeinträchtigten Steuerungsfähigkeit und damit einer mittelgradigen
Verminderung der Schuldfähigkeit als plausibel erscheinen, weshalb davon, und
nicht, wie von der Verteidigung geltend gemacht, von einer schweren Beeinträch-
tigung, auszugehen ist. Dies hat zur Folge, dass anstatt des ohne Strafmilde-
rungsgrund gemäss Art. 19 Abs. 2 StGB gegebenen schweren subjektiven Ver-
schuldens von einer mittleren subjektiven Tatschwere auszugehen ist.
4.4.1. Die Vorinstanz setzte die Einsatzstrafe unter Berücksichtigung des objekti-
ven und subjektiven Verschuldens bei 36 Monaten Freiheitsentzug an (Urk. HD
73 S. 34).
4.4.2. Rechtsfolge einer Tatbegehung im Zustand verminderter Schuldfähigkeit ist
eine Verschuldensminderung und damit eine Strafmilderung, und zwar "im vollen
Ausmass der Verminderung" (BSK StGB I-Bommer/Dittmann, Art. 19 N 75 unter
Verweis auf BGE 136 IV 55 und BGE 134 IV 132). Das Bundesgericht hat mehr-
fach entschieden, dass keine lineare Reduktion nach einem bestimmten Tarif vor-
- 33 -
zunehmen ist. Eine leichte, mittelgradige oder schwere Herabsetzung der Zu-
rechnungsfähigkeit führt daher nicht zwingend zu einer rein mathematischen Re-
duktion der Strafe um 25, 50 oder 75 % (BGE 136 IV 55 E. 5.3 ff. mit Hinweisen).
Auch wenn vorliegend keine lineare Reduktion der Strafe angezeigt ist, erweist
sich die von der Vorinstanz auf 36 Monate Freiheitsentzug angesetzte Einsatz-
strafe bei einem Strafrahmen, der gemäss Art. 25 Abs. 2 JStG bis 48 Monate
Freiheitsentzug reicht, angesichts des objektiv zwar sehr schweren, subjektiv aber
bloss mittelschweren Verschuldens als zu hoch. Angemessen ist eine Einsatzstra-
fe von 33 Monaten.
4.5. Mit Bezug auf das Vorleben des Beschuldigten ist als Straferhöhungsgrund
die von der Vorinstanz angeführte, teilweise einschlägige Verurteilung des Be-
schuldigten wegen Störung des öffentlichen Verkehrs und versuchter Körperver-
letzung gemäss Strafbefehl der Jugendanwaltschaft vom 15. Oktober 2012 zu
nennen. Was das Nachtatverhalten angeht, ist mit der Vorinstanz das kooperative
Verhalten des Beschuldigten im vorsorglichen Massnahmevollzug strafmindernd
zu veranschlagen. Ferner ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte sich vor
der vorinstanzlichen Hauptverhandlung in einem Brief an den Privatkläger 1 ent-
schuldigt hat (Prot. II S. 24). Das erst unter der erdrückenden Beweislast und
auch dann nur halbherzig abgelegte Geständnis berechtigt dagegen, wie die Vo-
rinstanz zutreffend dargelegt hat (Urk. HD 73 S. 34 f.), zu keiner weiteren Strafre-
duktion.
4.6.1. Die Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten im
Sinne von Art. 2 Abs. 2 JStG sowie des Vorlebens und des Nachtatverhaltens
rechtfertigt eine Reduktion der Einsatzstrafe von 33 Monaten Freiheitsentzug um
3 Monate auf 30 Monate Freiheitsentzug.
4.6.2. Die Bestrafung der Haupttat mit Freiheitsentzug in dieser Höhe ist auch un-
ter dem Gesichtspunkt, dass, wie von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt wurde
(Urk. HD 73 S. 30), im Jugendstrafrecht der Gedanke der Erziehung und Besse-
rung im Vordergrund steht und Sühne und Vergeltung eine untergeordnete Rolle
spielen, angemessen. Der Beschuldigte stand im Zeitpunkt der Tat weniger als
ein halbes Jahr vor der Volljährigkeit. Es ist ihm mit aller Deutlichkeit aufzuzeigen,
- 34 -
dass Verbrechen wie dasjenige, das er begangen hat, nicht bagatellisiert werden
und auch im Anwendungsbereich des Jugendstrafrechts hart zu bestrafen sind.
Hätte der Beschuldigte die Haupttat ein halbes Jahr später begangen, wäre die
Strafe nach dem Erwachsenenstrafrecht festzulegen gewesen und massiv höher
ausgefallen.
4.7. Somit ist der Beschuldigte mit 30 Monaten Freiheitsentzug zu bestrafen.
5. Dass die Vorinstanz gestützt auf Art. 1 Abs. 2 lit. b JStG i.V.m. Art. 51 StGB die
13 Tage erstandener Untersuchungshaft sowie gestützt auf Art. 29 Abs. 2 JStPO
von den 177 Tagen, die der Beschuldigte wegen der vorsorglich angeordneten
stationären Beobachtung in der G._ verbrachte, 150 Tage auf die Strafe an-
gerechnet hat, steht wie anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung vom Ver-
treter der Oberjugendanwaltschaft zu Recht aufgeführt wurde (Prot. II S. 26), mit
Art. 29 Abs. 2 StPO in Einklang und ist ferner angemessen und daher zu bestäti-
gen.
V. Vollzug
1. Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, dass die urteilende Behörde den Voll-
zug einer Busse oder eines Freiheitsentzuges von höchstens 30 Monaten gemäss
Art. 35 JStG ganz oder teilweise aufschieben kann, soweit eine unbedingte Strafe
nicht notwendig erscheint, um den Jugendlichen von der Begehung weiterer Ver-
brechen oder Vergehen abzuhalten. Gemäss Art. 32 Abs. 1 JStG geht die Unter-
bringung dem Vollzug eines gleichzeitig ausgesprochenen Freiheitsentzuges vor.
2.1. Da heute ein Freiheitsentzug von 30 Monaten auszusprechen ist, kommt der
bedingte oder teilbedingte Vollzug des Freiheitsentzugs grundsätzlich in Frage.
Die gesetzlich geforderte gute Legalprognose kann beim Beschuldigten aber nur
teilweise bejaht werden. Auch bei ihren letzten Einschätzungen nach fast zweijäh-
rigem Massnahmevollzug gingen die Experten noch von einem moderaten bis er-
heblichen Rückfallrisiko aus, und zwar insbesondere für den Fall, dass der Be-
schuldigte wieder übermässig Alkohol konsumieren oder wieder für längere Zeit
arbeitslos würde (Urk. HD 85 S. 48 ff.; Urk. HD 94 S. 3). Es besteht kein Anlass,
- 35 -
diese Einschätzung in Frage zu stellen, weshalb es angezeigt ist, einen teilbe-
dingten Vollzug anzuordnen und den Vollzug des Freiheitsentzugs lediglich im
Umfang von 15 Monaten aufzuschieben. Im Umfang von 15 Monaten abzüglich
13 Tage erstandener Untersuchungshaft und 150 Tage anrechenbare stationäre
Beobachtung ist der Freiheitsentzug zu vollziehen. Gestützt auf Art. 32 Abs. 1
JStG ist der vollziehbare Teil des Freiheitsentzugs aber zu Gunsten der Unter-
bringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG, über die bereits rechtskräftig ent-
schieden wurde, aufzuschieben.
2.2. Die Probezeit für den aufzuschiebenden Teil des Freiheitsentzugs ist in An-
wendung von Art. 35 Abs. 2 JStG i.V.m. Art. 29 Abs. 1 JStG auf 15 Monate fest-
zusetzen.
VI. Zivilansprüche
1. Die Vorinstanz verwies den Privatkläger 3 mit seinem Schadenersatzbegehren
auf den Zivilweg (Urk. HD 73 S. 43, Dispositivziffer 6). Sie verpflichtete den Be-
schuldigten, dem Privatkläger 1 gemäss seiner Anerkennung Fr. 6'000.– als
Schadenersatz zu bezahlen und sprach dem Privatkläger 1 zudem Zins zu 5 %
auf diesem Betrag seit 1. Juni 2013 als Schadenersatz zu. Im Mehrbetrag verwies
sie das Schadenersatzbegehren des Privatklägers 1 auf den Zivilweg (Urk. HD 73
S. 43, Dispositivziffer 7). Sodann wurde der Beschuldigte verpflichtet, dem Privat-
kläger 1 Fr. 15'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 3. Februar 2013 als Genugtuung zu
bezahlen und wurde das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 1 im Mehrbe-
trag abgewiesen (Urk. HD 73 S. 43, Dispositivziffer 8).
2. Da das Verfahren betreffend Sachbeschädigung zum Nachteil des Privatklä-
gers 3 antragsgemäss einzustellen ist, ist das Schadenersatzbegehren des Pri-
vatklägers 3 in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 lit. a StPO auf den Zivilweg zu
verweisen.
3.1. Der Privatkläger 1 hatte anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung
Schadenersatz in der Höhe von Fr. 34'185.25 zuzüglich Zins zu 5 % ab 1. Juni
2013 für Lohnausfall, Heilungskosten, weitere Auslagen, Haushaltsschaden sowie
- 36 -
Anwalts- und Beratungskosten verlangt (Urk. HD 52 S. 2). Die Verteidigung hatte
die Schadenersatzforderung des Privatklägers 1 im Umfang von Fr. 6'000.– aner-
kannt und beantragt, dass diese im darüber hinausgehenden Betrag auf den Zi-
vilweg verwiesen werde (Urk. HD 57 S. 2 und S. 18).
3.2. Der Privatkläger 1 focht Dispositivziffer 7 des vorinstanzlichen Urteils nicht an
(Urk. HD 74/1 S. 2). Die Verteidigung beantragte mit der Berufungserklärung in
Zusammenhang mit den Dispositivziffern 7 und 8 vorerst "ein Nichteintreten auf
die Entschädigung" (Urk. HD 75 S. 2), konkretisierte den Antrag heute aber da-
hingehend, dass festzustellen sei, dass der Beschuldigte die Schadenersatzan-
sprüche des Privatklägers 1, inklusive der geltend gemachten Anwaltskosten vor
Vorinstanz, im Umfang von Fr. 6'000.– anerkenne. Im Restumfang sei die Scha-
denersatzforderung auf den Zivilweg zu verweisen (Urk. HD 107 S. 2).
3.3. Das Vorgehen der Vorinstanz wird vom Beschuldigten zu Recht beanstandet.
Die Anerkennung der Schadenersatzforderung des Privatklägers 1 durch die amt-
liche Verteidigung umfasste, wie von dieser im Berufungsverfahren zu Recht gel-
tend gemacht wird (Urk. HD 75 S. 4), auch die Anwalts- und Beratungskosten. Da
die Vorinstanz dem Beschuldigten die Bezahlung einer Prozessentschädigung an
den Privatkläger 1 auferlegte, welche die anerkannte Summe von Fr. 6'000.– zu
Recht übersteigt (dazu nachfolgend unter Erw. VII.2.8.), verblieb kein Raum, um
den Beschuldigten darüber hinaus für die anderen vom Privatkläger 1 geltend
gemachten Schadenersatzpositionen gemäss seiner Anerkennung zu einer Zah-
lung von Fr. 6'000.– zu verpflichten.
3.4. Die Vorinstanz erklärte in ihren Erwägungen, dass die vom Privatkläger 1 gel-
tend gemachten Schadenersatzpositionen Lohnausfall in Höhe von Fr. 5'743.70
(Urk. HD 49 S. 6; Urk. HD 52 S. 2; die Vorinstanz führte irrtümlich Fr. 5'732.70
auf), Heilungskosten in Höhe von Fr. 679.85 (Urk. HD 49 S. 8; Urk. HD 52 S. 2),
Taxikosten in Höhe von Fr. 193.20 (Urk. HD 49 S. 10) und Haushaltschaden in
Höhe von Fr. 6'256.80 (Urk. HD 49 S. 11; Urk. HD 52 S. 2) auf den Zivilweg zu
verweisen seien (Urk. HD 73 S. 37 ff.). Dies schlug sich entsprechend in Disposi-
tivziffer 7 des vorinstanzlichen Urteils nieder. Damit muss es auch vor der Beru-
fungsinstanz sein Bewenden haben. Die vom Privatkläger 1 geltend gemachten
- 37 -
vergeblichen Aufwendungen für ein Flugticket in Höhe von Fr. 749.50 (Urk. HD 49
S. 10) erachtete die Vorinstanz dagegen als ausgewiesen (Urk. HD 73 S. 38),
was allerdings nicht im Urteilsdispositiv ersichtlich ist, weil dieser Betrag vom ge-
mäss Ansicht der Vorinstanz anerkannten Betrag von Fr. 6'000.– abgedeckt war
(Urk. HD 73 S. 38 f.). Die Verteidigung machte diesbezüglich anlässlich der vo-
rinstanzlichen Hauptverhandlung zu Recht geltend, eine entgangene Flugreise
stelle einen Frustrationsschaden dar (Prot. I S. 16). Das Bundesgericht lehnt die
Ersatzfähigkeit eines solchen "Schadens" konsequent ab, da er keine Auswirkun-
gen auf das Vermögen hat (BSK OR I-Heierli/Schnyder, Art. 41 N 4 mit Hinwei-
sen). Es besteht kein Anlass, von dieser Praxis abzuweichen, weshalb die Scha-
denersatzposition Flugkosten abzuweisen ist.
3.5. Somit ist das Schadenersatzbegehren des Privatklägers 1 bezüglich der Po-
sitionen Lohnausfall, Heilungskosten, Taxikosten und Haushaltsschaden auf den
Zivilweg zu verweisen und bezüglich der Position Flugkosten abzuweisen. Die
vom Privatkläger 1 geltend gemachten Anwalts- und Beratungskosten (Urk. HD
49 S. 11; Urk. HD 52 S. 2) sind unter Erw. VII.2.1. ff. zu prüfen.
4.1. Die Vorinstanz sprach dem Privatkläger 1 weiter eine Genugtuung in Höhe
von Fr. 15'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 3. Februar 2013 zu (Urk. HD 73 S. 43,
Dispositivziffer 8). Der Privatkläger 1 erhob dagegen Berufung und verlangt, wie
schon vor der Vorinstanz, die Zusprechung einer Genugtuung in Höhe von
Fr. 20'000.– zuzüglich Zins zu 5 % seit 3. Februar 2013 (Urk. HD 74/1 S. 2; Urk.
HD 49 S. 13 ff.; Urk. HD 52 S. 2; Urk. HD 53; Prot. II S. 11). Der Anspruch des
Privatklägers 1 auf eine Genugtuung wurde von der Verteidigung vor der Vo-
rinstanz grundsätzlich anerkannt, jedoch nur in der Höhe zwischen Fr. 1'500.–
und Fr. 4'000.– (Urk. HD 57 S. 2 und S. 18 f.; Urk. HD 107 S. 16). Sie argumen-
tiert im Berufungsverfahren, sie betrachte die Genugtuung an den Privatkläger 1
als übersetzt und im Vergleich mit anderen Fällen aus der Praxis nicht mehr an-
gemessen, weshalb deren Herabsetzung beantragt werde. Diese sei auch des-
wegen deutlich zu hoch, weil für den Privatkläger objektiv keine Lebensgefahr be-
standen habe und weil die Folgen der zugefügten Verletzungen völlig unbekannt
seien (Urk. HD 75 S. 2 und S. 5; Urk. HD 107 S. 16).
- 38 -
4.2. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen, unter denen nach Art. 49 Abs. 1 OR
ein Genugtuungsanspruch besteht, die Grundsätze zu dessen Bemessung und
die Gründe, weshalb dem Privatkläger 1 vorliegend ein entsprechender Anspruch
zusteht, zutreffend dargelegt, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. HD 73
S. 39 f.).
4.3. Insbesondere erwog die Vorinstanz zu Recht, dass davon auszugehen ist,
dass der Privatkläger 1 nach dem Angriff erhebliche Angst ausgestanden hat und
starke Schmerzen ertragen musste. Sie verwies ferner zutreffend auf den Ver-
laufsbericht des Zentrums für Psychotherapie vom 17. Oktober 2014, gemäss
welchem der Privatkläger 1 aufgrund der Tat an einer posttraumatischen Belas-
tungsstörung leidet, die sich seit Therapiebeginn zwar verbessert hat, jedoch
phasenweise immer noch besteht (Urk. HD 50/4; Urk. HD 73 S. 40). Nicht berück-
sichtigt hat die Vorinstanz indes, dass der Privatkläger 1 am 23. September 2014
erneut operiert wurde, u.a., weil es teilweise zu einer Hypertrophie der Narben
gekommen war und Infiltrationen mit Kenacort nicht zu einer zufriedenstellenden
Verbesserung geführt hatten resp. bei einer Narbe eine Atrophie zur Folge gehabt
hatte (Urk. HD 50/74; Urk. HD 50/75). Damit steht ausser Frage, dass die Narben
im Gesicht auch über 1 1⁄2 Jahre nach der Tat jedenfalls teilweise gut sichtbar wa-
ren, was, wie bereits unter Erwägung IV.B.4.2. dargelegt wurde, ohnehin nicht
anders zu erwarten war. Zudem ist damit belegt, dass die optische Situation für
den Privatkläger 1 derart unbefriedigend war, dass er eine gut einstündige Opera-
tion (Urk. HD 50/75) und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten, insbeson-
dere erneute Schmerzen, in Kauf nahm, um eine Verbesserung zu erzielen. Unter
Berücksichtigung dieser zusätzlichen Umstände erweist sich die geforderte Ge-
nugtuung von Fr. 20'000.– als angemessen.
4.4. Wie bereits von der Vorinstanz dargelegt wurde (Urk. HD 73 S. 40), ist bei
Genugtuungsansprüchen ein Zins von 5 % ab der Handlung geschuldet, welche
den Anspruch auslöst. Der Beschuldigte ist daher zu verpflichten, dem Privatklä-
ger 1 Fr. 20'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 3. Februar 2013 als Genugtuung zu be-
zahlen.
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VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kosten- und Ent-
schädigungsdispositiv mit Ausnahme der nachfolgend separat zu behandelnden
Entschädigung für die Vertretung des Privatklägers 1 zu bestätigen (Art. 3 Abs. 1
JStPO i.V.m. Art. 428 Abs. 3 StPO). Dass das Verfahren betreffend die beiden
Sachbeschädigungen nunmehr einzustellen ist, ist unerheblich. Diese beiden De-
likte waren im Zeitpunkt des erstinstanzlichen Entscheids noch nicht verjährt, weil
der eingeklagte Sachverhalt von der Vorinstanz mit zutreffender Begründung, auf
die verwiesen werden kann, nicht unter den privilegierenden Tatbestand von Art.
172ter StGB subsumiert wurde (Urk. HD 73 S. 15 f.), weshalb die vorinstanzliche
Verurteilung zu Recht erfolgte.
2.1. Im vorinstanzlichen Verfahren verlangte die Vertretung des Privatklägers 1
unter dem Titel Schadenersatz nach Art. 41 OR den Ersatz der bis und mit der vo-
rinstanzlichen Hauptverhandlung aufgelaufenen Anwaltskosten in Höhe von
Fr. 20'482.20 sowie der bei der Rechtsberatungsstelle ... aufgelaufenen Bera-
tungskosten in Höhe von Fr. 80.– (Urk. HD 49 S. 11 f.; Urk. HD 52 S. 2). Gemäss
der vor Vorinstanz eingereichten Honorarnote setzten sich die Fr. 20'482.20 zu-
sammen aus dem Arbeitsaufwand von 51 Stunden und 46 Minuten zu einem
Stundenansatz von Fr. 360.–, total Fr. 18'636.–, Spesen in Höhe von Fr. 329.–
und 8 % Mehrwertsteuer auf dem Gesamtbetrag (Urk. HD 51 S. 1 ff.).
2.2. Die amtliche Verteidigung anerkannte anlässlich der vorinstanzlichen Haupt-
verhandlung die Notwendigkeit eines Anwalts, machte jedoch geltend, dass der
verlangte Stundenansatz von Fr. 360.– hoch und nicht belegt sei. Teilweise liege
auch kein Auftragsformular vor und es sei ferner nicht ersichtlich, ob der geltend
gemachte Stundenansatz dem Privatkläger 1 überhaupt in Rechnung gestellt
worden sei (Prot. I S. 17). Die Leistungsübersicht ermögliche keine Überprüfung,
ob und was wirklich nötig, gerechtfertigt und angemessen sei. Die Schadenersatz-
forderung des Beschuldigten wurde von der Verteidigung im Umfang von
Fr. 6'000.– anerkannt (Urk. HD 57 S. 2 und S. 18).
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2.3. Die Vorinstanz erwog, in Anbetracht der Komplexität der Schadensberech-
nung sowie der aktenkundigen Aufwendungen der Vertretung des Privatklägers 1
erschienen der geltend gemachte Arbeitsaufwand sowie der Umfang der Spesen
dem vorliegenden Fall angemessen. Sie folgte jedoch dem Einwand der Verteidi-
gung betreffend Fehlen von Belegen für die Höhe des geltend gemachten Stun-
denansatzes, ging von einem durchschnittlichen Stundenansatz von Fr. 250.– aus
und verpflichtete den Beschuldigten, dem Privatkläger 1 für das Untersuchungs-
und erstinstanzliche Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 14'407.80
(inkl. 8 % MwSt) zu bezahlen (Urk. HD 73 S. 42 und S. 44).
2.4. Gegen diesen vorinstanzlichen Entscheid erhoben sowohl die Vertretung des
Privatklägers 1 als auch die amtliche Verteidigung Berufung. Die Vertretung des
Privatklägers 1 beantragt, dieser sei für die Untersuchung und das gerichtliche
Verfahren vor der Vorinstanz angemessen zu entschädigen (Urk. HD 74/1 S. 2).
Die amtliche Verteidigung verlangt im Berufungsverfahren neu, dass auf die Ent-
schädigungsforderung des Privatklägers 1 nicht einzutreten sei (Urk. HD 75 S. 2
und S. 4 f.) respektive dass über die die Anwaltskosten umfassende Anerkennung
von Fr. 6'000.– Schadenersatz hinaus keine Prozessentschädigung zuzuspre-
chen sei (Urk. HD 107 S. 2). Der Privatkläger 1 habe sich entschieden, seine Aus-
lagen für anwaltliche Bemühungen adhäsionsweise als Schadenersatz geltend zu
machen. Entsprechend habe die Verteidigung unter dem Titel "Zivilansprüche" zu
dieser Schadenersatzposition Stellung genommen. Sie habe inklusive der geltend
gemachten Schadenersatzposition "Anwaltskosten", in welcher sie die Parteient-
schädigung mitumfasst gesehen habe, eine Schadenersatzsumme in Höhe von
Fr. 6'000.– anerkannt. Die Vorinstanz habe bei der Beurteilung der Zivilforderun-
gen die seitens des Privatklägers 1 unter dem Titel Schadenersatz geltend ge-
machte Position Anwaltskosten ausgeklammert und stattdessen mit der einge-
reichten Aufstellung über die Anwaltsbemühungen die zugesprochene Entschädi-
gung begründet. Diese Vorgehensweise der Vorinstanz habe dazu geführt, dass
dem Beschuldigten eine Anerkennung über Zivilansprüche aufgezwungen worden
sei, die er ohne die Schadenersatzposition "Anwaltskosten" nie habe anerkennen
wollen und nie anerkannt hätte (Urk. HD 75 S. 4).
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2.5. Gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO hat der Privatkläger 1 Anspruch auf eine an-
gemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, sofern er
obsiegt oder die beschuldigte Person nach Art. 426 Abs. 2 StPO kostenpflichtig
ist. In Art. 433 Abs. 2 StPO wird bestimmt, dass die Privatklägerschaft ihre Ent-
schädigungsforderung bei der Strafbehörde zu beantragen, zu beziffern und zu
belegen hat und die Strafbehörde, wenn sie dieser Aufforderung nicht nach-
kommt, auf den Antrag nicht eintritt.
2.6. Vorliegend obsiegt der Privatkläger 1 teilweise. Einerseits ist der Beschuldig-
te anklagegemäss zu verurteilen, andererseits ist die Genugtuungsforderung des
Privatklägers 1 vollumfänglich gutzuheissen. Hinsichtlich des Schadenersatzbe-
gehrens unter Ausklammerung der Anwalts- und Beratungskosten kann seinen
Anträgen aber nicht gefolgt werden. Da dieses weitestgehend auf den Zivilweg zu
verweisen und im Übrigen abzuweisen ist, kann nicht gleich verfahren werden wie
bei einem Obsiegen des Privatklägers 1 (vgl. BSK StPO II-Wehrenberg/Frank,
Art. 433 N 14). Der Aufwand, der für die Zivilansprüche anfiel, belief sich gemäss
der Aufstellung der ehemaligen Vertreterin des Privatklägers 1 inkl. Aufwand be-
treffend ... in der Grössenordnung von 20 Stunden (Urk. 51). Insgesamt gesehen
erscheint es unter den gegebenen Umständen angemessen, dass der Privatklä-
ger 1 für notwendige Anwaltskosten im Untersuchungs- und erstinstanzlichen Ver-
fahren im Umfang von 32 Anwaltsstunden entschädigt wird. Insoweit ist der Auf-
wand des Vertreters belegt. Da der Privatkläger 1 auch im Berufungsverfahren
keine Vereinbarung über die Honorarhöhe oder eine Rechnung einreichte, bleibt
der von ihm behauptete vereinbarte Ansatz demgegenüber ohne Nachweis. Mit
der Vorinstanz ist für die Bestimmung der Entschädigung des Privatklägers 1 da-
her von einem angemessenen durchschnittlichen Stundenansatz der Vertretung
von Fr. 250.– zuzüglich Mehrwertsteuer auszugehen.
2.7. Über die verlangten Fr. 80.– für Beratungskosten hat die Vorinstanz nicht
ausdrücklich entschieden, doch ergibt sich aus ihrer Berechnung der Prozessent-
schädigung an den Privatkläger 1, dass sie diesen Betrag mitberücksichtigt haben
muss (Urk. HD 73 S. 42). Da die Verteidigung im Berufungsverfahren nicht gel-
- 42 -
tend macht, dass dieser Betrag dem Privatkläger 1 zu Unrecht zugesprochen
worden sei, ist er für diese Kosten zu entschädigen.
2.8. Der Beschuldigte ist daher zu verpflichten, dem Privatkläger 1 für das Unter-
suchungs- und das erstinstanzliche Verfahren eine reduzierte Prozessentschädi-
gung in Höhe von Fr. 8'950.– (inkl. MWSt.) zu bezahlen.
3.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
3.2. Im Berufungsverfahren obsiegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen inso-
weit, als das Verfahren bezüglich der beiden Sachbeschädigungen einzustellen,
die Prozessentschädigung an den Privatkläger 1 zu reduzieren und die Freiheits-
strafe leicht zu senken ist, wobei letzteres zur Folge hat, dass diese teilbedingt
ausgesprochen werden kann, während die Oberjugendanwaltschaft mit ihrem An-
schlussberufungsantrag auf eine höhere Bestrafung vollumfänglich unterliegt und
der Privatkläger 1 mit seinem Berufungsantrag betreffend Genugtuung vollum-
fänglich obsiegt, nicht aber mit seinem Antrag auf Zusprechung einer angemes-
senen Entschädigung, womit die Zusprechung einer höheren als der erstinstanz-
lich zugesprochenen Prozessentschädigung gemeint ist. Bei den Verfahrenskos-
ten sind die auf die beiden Sachbeschädigungen sowie der auf die Höhe der Pro-
zessentschädigung des Privatklägers 1 entfallenden Anteile vernachlässigbar. Die
Verfahrenskosten sind daher, mit Ausnahme der Kosten für die amtliche Verteidi-
gung, zu drei Viertel dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu ein Viertel auf die
Gerichtskasse zu nehmen, wobei der auf den Beschuldigten entfallende Anteil bis
auf den Betrag von Fr. 400.– definitiv abzuschreiben ist.
3. Die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten ist für das Berufungsverfahren mit
Fr. 13'175.– (inkl. MWSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen, wobei die
Rückzahlungspflicht gemäss Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO im
Umfang von drei Viertel vorzubehalten ist.
4. Da der Privatkläger 1 mit seinem Antrag auf Erhöhung der Genugtuung ob-
siegt, jedoch eine Reduktion der Schadenersatzforderung gewärtigen muss, sind
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ihm seine Aufwendungen für das Berufungsverfahren vom Beschuldigten teilwei-
se zu entschädigen. Die Aufstellung des Aufwandes des Privatklägervertreters für
das Berufungsverfahren (Urk. HD 108) ist aufgrund seiner verkürzten Anwesen-
heit an der Berufungsverhandlung einerseits um zwei Stunden zu kürzen. Ande-
rerseits ist die Honorarabrechnung gemäss dem Ausgang des Verfahrens um
rund ein Drittel zu reduzieren und auch hier von einem Stundenansatz von
Fr. 250.– zuzüglich Mehrwertsteuer auszugehen (dazu vorne unter Erwägung VII.
2.6.). Der Beschuldigte ist demgemäss zu verpflichten, dem Privatkläger 1 für das
Berufungsverfahren eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 1'470. – (inkl.
MWSt.) zu bezahlen.