Decision ID: e398d449-09bb-4029-8197-7f38add9ce70
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957, meldete sich nach erfolgter Früherfassung (vgl.
Urk.
6/1) erstmals am
5.
September 2013 (
Urk.
6/5) und
, nachdem der Arbeits
platzerhalt am 1
1.
Februar 2014 erfolgreich abgeschlossen worden war (vgl.
Urk.
6/13),
erneut am 2
0.
Dezember 2016 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/23
; vgl. auch
Urk.
6/17
). Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situ
ation ab und
zog
die Akten der
Pensionskasse BVK
bei
(
Urk.
6/47-48,
Urk.
6/65-66). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/76,
Urk.
6/83)
sprach die IV-Stelle
der Versicherten
mit Verfügung vom 1
5.
Juli 2019 von Oktober 2017 bis und mit März 2018 eine ganze und ab April eine Viertelsrente zu (
Urk.
6/101 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
5.
September 2019
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
1
5.
Juli 2019
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei
teilweise aufzuheben,
es sei ihr
eine höhere Rente
zuzusprechen
und eine umfassende medizinische Begut
achtung zu veranlassen
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
0.
Oktober 2019
die
Rück
weisung der Sache
zur Ergänzung
des
Sachverhalts (
Urk.
5)
.
Mit Eingabe vom
2
4.
Oktober 2019
schloss sich die Beschwerdeführerin dem Antrag auf Rückwei
sung
an die Beschwerdegegnerin
zwecks
Ergänzung des Sachverhalts
an (
Urk.
9
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
1
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Verbindung mit
Art.
43
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) prüft der Versicherungsträger die Begehren der versicherten Person, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Soweit ärztliche oder fachliche Unter
suchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versi
cherte Person diesen zu unterziehen (
Art.
43
Abs.
2 ATSG).
In Ergänzung und Präzisierung zu
Art.
43
Abs.
1 ATSG hält
Art.
57
des
Bundes
gesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit
Art.
69
Abs.
2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) fest, dass die IV-Stellen, wenn die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt sind, die erforderlichen Unterlagen, insbesondere über den Gesundheitszustand, die Tätigkeit, die Arbeits-
und Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person sowie die Zweckmässigkeit bestimmter Eingliederungsmassnahmen beschaffen und zu diesem Zwecke Berichte und Auskünfte verlangen, Gutachten einholen, Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen sowie Spezialisten der öffentlichen oder privaten Invalidenhilfe beiziehen können.
1.2
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde
auf den Standpunkt, es bestünden klare Zweifel an den Feststellungen des RAD. Sie sei daher, wie bean
tragt, medizinisch zu begutachten (
Urk.
1 S. 8 ff.
Ziff.
20-23). Weiter machte sie unter anderem geltend,
die Beschwerdegegnerin sei explizit aufgefor
dert worden, beim behandelnden Psychiater einen Verlaufsbericht einzuholen.
Der Verzicht der Beschwerdegegnerin diesen einzuholen, stelle nicht nur eine massive Verletzung des rechtlichen Gehörs, sondern auch eine Verletzung des Untersuchungsgrund
satzes dar (S. 14
Ziff.
34). D
er jetzige Rentenentscheid der Beschwerdegegnerin erweise sich als fehlerhaft. Er basiere zum einen auf einer
rechtlichen Beurteilung, welche mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung an den Beweis von Arztbe
richten nicht vereinbar sei, da die Beurteilungen der behandelnden Ärzte sowie ein abweichendes Administrativgutachten diese Feststellungen in Zweifel ziehen würden. S
ie
wäre umfassend zu begutachten gewesen, bevor die Beschwerdegeg
nerin über den Leistungsanspruch entschieden habe. Auch wenn sich die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit als rechtens erweise würde, wäre ihr aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und des massiv eingeschränkten Belastungsprofils eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit nicht mehr zumutbar. Im Mindesten wäre dieser Zustand damit auszugleichen, indem ein maximaler Leidensabzug von 25
%
gewährt würde. In jedem Fall sei die Berechnung des
IV-Grades mit 48
%
, worauf die
Zusprache
der
Viertelsrente
basiere
, nicht richtig. Ihr
wür
d
e
n
höhere Rentenleistungen zustehen (
Urk.
1 S. 14 f.
Ziff.
35
).
2.2
Die Beschwerdegegnerin
beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
0.
Oktober 2019 (
Urk.
5) die Rückweisung
der Sache zum Zwecke der Ergänzung des Sach
verhalts und hielt dazu fest,
in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes sei kein Bericht des behandelnden Psychiaters
Dr.
Y._
eingeholt wor
den. Dies sei nachzuholen, um hernach nach allfällig weiteren notwendigen Abklärungen über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin erneut zu ent
scheiden (
Urk.
5 S. 1).
2.3
Mit Schreiben vom 2
4.
Oktober 2019 schloss sich die Beschwerdeführerin dem Antrag auf Rückweisung an (
Urk.
9).
2.
4
Da
in Bezug auf die Rückweisung zwecks
Ergänzung des Sachverhalts
und neuem Entscheid
übereinstimmende Anträge (
Urk.
1;
Urk.
5
;
Urk.
9
) vorliegen und diese mit der Akten- und Rechtslage im Einklang stehen, ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
1
5.
Juli 2019
aufzu
heben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur
Ergänzung des Sachverhalts
, zu allfälligen weiteren Abklärungen und neuem Entscheid
zurückzuweisen ist.
3.
3.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
2
00.--
fest
zusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
3.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
,
die
ohne Rücksicht auf den Streitwert, nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht) zu bemessen und beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2’300
.-- (inkl. Barausla
gen und
MWSt
) festzusetzen ist.