Decision ID: c94af3a5-cc2b-4049-bbca-73161ec26947
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Bruno Küttel, Unterer Althof 1, 8854 Siebnen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ wurde am 5. Februar 2008 von ihrem behandelnden Psychiater,
Dr. med. B._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zur Früherfassung
bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen angemeldet (IV-act. 2).
A.b Nach einem Telefonat mit der Versicherten am 20. Februar 2008 forderte der
zuständige Sachbearbeiter der IV-Stelle diese auf, sich zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung anzumelden (IV-act. 5).
B.
B.a Am 5. März 2008 meldete sich die Versicherte sodann zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle an. Sie gab an, aufgrund eines Nervenleidens
seit dem 1. September 2006 zu 100 % arbeitsunfähig zu sein (IV-act. 7).
B.b Die IV-Stelle nahm in der Folge unter anderem diverse medizinische Berichte zu
den Akten. Die behandelnden Ärzte der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und
Psychotherapie hatten in einem Bericht vom 29. November 2006 eine rezidivierende
depressive Störung nach Verlust des Arbeitsplatzes diagnostiziert (IV-act. 23–1). In
einem Bericht vom 20. März 2007 zuhanden der Krankentaggeldversicherung stellten
sie die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mit mittelgradiger Episode;
sie attestierten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 30. Dezember 2006 und bis auf
weiteres (IV-act. 23–2 ff.). In zwei Berichten vom 20. August und 12. September 2007
wurde jeweils eine rezidivierende depressive Störung mit leichter Episode diagnostiziert
und eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab 1. Juli 2007 attestiert (IV-act. 23–5 f. und 23–8).
Die behandelnden Ärzte der Klinik Gais hatten in ihrem Bericht vom 5. Dezember 2007
betreffend eine stationäre Behandlung vom 11. Oktober bis 7. November 2007 eine
rezidivierende depressive Störung mit mittelgradiger Episode und somatischem
Syndrom, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und den Verdacht auf eine
anankastische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert und eine 100%ige Arbeitsunfähig
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keit bei Klinikaustritt attestiert (IV-act. 23–9 ff.). Bei den Akten der IV-Stelle befindet
sich zudem eine Beschreibung des Zustandes aus Sicht der Versicherten selbst über
den Zeitraum März 2007 bis Januar 2008 (IV-act. 24).
B.c Sodann liess die Krankentaggeldversicherung der IV-Stelle das in ihrem Auftrag
von Dr. med. Dr. phil. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, am
10. Dezember 2007 erstattete fachärztliche Gutachten zugehen. In diesem wurde
festgehalten, aus versicherungsmedizinischer Sicht sei die Versicherte vollumfänglich
arbeitsfähig; es fehle insbesondere an einer erheblichen psychiatrischen Komorbidität
zur vorhandenen, seit Jahre bestehenden Schmerzproblematik (Gutachten bei den
Akten der Krankentaggeldversicherung).
B.d Am 17. April 2008 führte Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) ein Telefonat mit
Dr. B._. Dieser hielt fest, die Versicherte leide an einer starken
Persönlichkeitsproblematik, die nun dekompensiert sei. Sie sei nur noch eingeschränkt
belastungs- und interaktionsfähig, aber motiviert für einen Arbeitseinsatz bzw. eine
Erprobung der Leistungsfähigkeit. Eine administrative, überschaubare Tätigkeit sei
halbtags zumutbar; die Versicherte müsse aber in kurzen Abständen Anerkennung und
Wertschätzung erhalten. Die Prognose sei unsicher. Das entsprechende
Gesprächsprotokoll unterzeichnete und retournierte Dr. B._ am 28. April 2008 (IV-
act. 44).
B.e Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Zentralschweiz am 1. Juli 2008 ein polydisziplinäres Gutachten. Die Gutachter
diagnostizierten eine Neurasthenie und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
und attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % für sämtliche Tätigkeiten (IV-act. 56).
B.f In ihrer Stellungnahme vom 9. September 2008 hielt die RAD-Ärztin
Dr. med. E._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, fest, auf das
Gutachten der MEDAS Zentralschweiz könne vollumfänglich abgestellt werden.
Insbesondere habe sich der psychiatrische Consiliargutachter ausgiebig mit den so
genannten Foerster’schen Kriterien auseinandergesetzt und nachvollziehbar und
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überzeugend begründet, weshalb er eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert habe
(IV-act. 58).
B.g Am 11. September 2008 erstattete Dr. med. F._, Fachärztin FMH für
Physikalische Medizin und Rehabilitation, einen Arztbericht, in welchem sie ein
psychosomatisches Syndrom im Rahmen einer „ausgelieferten“ Lebenssituation sowie
ein Panvertebralsyndrom diagnostizierte und eine Arbeitsfähigkeit von maximal vier
Stunden pro Tag für leichtere körperliche Arbeiten mit der Möglichkeit von
Körperlagewechseln zwischen Sitzen, Stehen und Gehen attestierte (IV-act. 62).
B.h Am 12. Februar 2009 führte die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt der
Versicherten durch, anlässlich welcher insbesondere die Hypothese aufgestellt wurde,
dass die Versicherte ohne Gesundheitsbeeinträchtigung vollzeitig erwerbstätig wäre
(IV-act. 69–1 ff.). Mit Schreiben vom 30. März 2009 liess die Versicherte diverse
Feststellungen im Abklärungsbericht beanstanden und die Einholung eines Arztberichts
von Dr. B._ beantragen (IV-act. 67). Die zuständige Sachbearbeiterin nahm mit
Schreiben vom 15. April 2009 Stellung dazu (IV-act. 68) und hielt in ihrer internen
Stellungnahme zu den Abklärungsergebnissen fest, am Bericht und an der Beurteilung
werde vollumfänglich festgehalten (IV-act. 69–6).
B.i Mit Vorbescheid vom 1. Juli 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass die Zusprache einer
halben Rente ab 1. September 2007 vorgesehen sei (IV-act. 78).
B.j Dagegen liess die Versicherte am 1. September 2009 Einwand erheben. Sie liess
nochmals die Einholung eines Berichts von Dr. B._ beantragen, den Beweiswert des
Gutachtens der MEDAS Zentralschweiz anzweifeln und diesbezüglich insbesondere
geltend machen, Dr. F._ sei zu abweichenden Schlussfolgerungen gelangt. Weiter
liess sie die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit in Abrede stellen, eine Anpassung
des Einkommensvergleichs und insbesondere die Vornahme eines Abzugs von 25 %
vom Tabellenlohn und die Zusprache einer ganzen Invalidenrente beantragen (IV-
act. 86).
B.k Mit Verfügung vom 12. Februar 2010 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine
halbe Rente ab 1. September 2007 zu (IV-act. 91). Nach Durchsicht der Akten von
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Seiten des RAD könne weiterhin an der bestätigten Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit sowie in einer leidensadaptierten Tätigkeit festgehalten werden;
aus den Einwänden ergäben sich keine Gründe, von den gutachterlichen Ergebnissen
abzuweichen (IV-act. 88).
C.
C.a Dagegen richtet sich die am 15. März 2010 erhobene Beschwerde, mit der die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente beantragt und zur Begründung zunächst
ausgeführt wird, die Beschwerdegegnerin sei weder auf die Einwände eingegangen
noch habe sie – trotz entsprechenden Antrags der Beschwerdeführerin – einen
aktuellen Arztbericht von Dr. B._ eingeholt, womit das rechtliche Gehör verletzt
worden sei; ansonsten werden die im Einwand vom 1. September 2009 vorgebrachten
Argumente erneuert (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer
Beschwerdeantwort vom 23. Juli 2010 führte sie zur Begründung im Wesentlichen aus,
sie habe zwischenzeitlich der Vollständigkeit halber einen Arztbericht von Dr. B._
angefordert; sein Bericht vom 17. Juni 2010, in welchem er eine Neurasthenie sowie
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert und eine 70–80%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert habe (IV-act. 102), sei nicht geeignet, Zweifel an der Zuve
lässigkeit des Gutachtens der MEDAS Zentralschweiz aufkommen zu lassen. Auch
dem Bericht von Dr. F._ vom 11. September 2008 liessen sich keine konkreten
Hinweise entnehmen, welche die Zuverlässigkeit des Gutachtens der MEDAS
Zentralschweiz in Frage stellen würden. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs im
Einwandverfahren liege höchstens in geringem Ausmass vor, sodass sie ohne Weiteres
geheilt werden könne. Ein Abzug vom Tabellenlohn sei schliesslich entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin nicht vorzunehmen (act. G 8).
C.c Mit Replik vom 21. September 2010 liess die Beschwerdeführerin an ihren mit
Beschwerde vom 15. März 2010 gestellten Anträgen vollumfänglich festhalten und zur
Begründung ergänzend ausführen, Dr. B._ kenne die Beschwerdeführerin besser als
die Gutachter der MEDAS Zentralschweiz, weshalb seine Einschätzung überzeugender
sei (act. G 13). Zudem reichte sie einen Arztbericht von Dr. med. G._, Fachärztin FMH
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für Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 2. September 2010 ein, in welchem
ein cervicospondylogenes Syndrom bei ausgeprägter Spondylosteochondrose, ein
Fersensporn links, ein myofasciales Schmerzsyndrom bei Dekonditionierung und der
Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung bei depressiver Reaktionslage
diagnostiziert worden waren (act. G 13.1).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 15).
C.e Am 24. Januar 2011 liess die Beschwerdeführerin den Austrittsbericht der Klinik
Valens vom 3. Januar 2011 betreffend eine stationäre Behandlung vom 22. November
bis 10. Dezember 2010 nachreichen, in welchem im Wesentlichen ein
cervicospondylogenes Syndrom, ein myofasciales Schmerzsyndrom sowie eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert und eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für die Dauer der stationären Behandlung attestiert worden waren
(act. G 17 und G 17.1).
C.f Die Beschwerdegegnerin liess sich dazu nicht vernehmen.

Erwägungen:
1.
In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin die Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör, weil die Beschwerdegegnerin – trotz entsprechendem Antrag im
Einwand gegen den Vorbescheid – vor Verfügungserlass keinen Bericht beim
behandelnden Psychiater Dr. B._ eingeholt hat. Rechtsprechungsgemäss hat die
Verwaltung bei der Abklärung des anspruchserheblichen Sachverhalts ein
weitgehendes Ermessen. Dass sie einem Abklärungsantrag der versicherten Person
keine Folge leistet, stellt grundsätzlich noch keine Verletzung des Gehörsanspruchs
dar. Nachdem die Beschwerdegegnerin vorliegend mit der Beschwerdeantwort doch
noch einen aktuellen Bericht von Dr. B._ ins Recht gelegt hat, zu welchem die
Beschwerdeführerin in ihrer Replik umfassend hat Stellung nehmen können, hätte eine
allfällige Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör jedenfalls als geheilt zu
gelten.
2.
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In medizinischer Hinsicht stützt sich die angefochtene Verfügung auf das Gutachten
der MEDAS Zentralschweiz. Als Diagnose mit Krankheitswert und wesentlicher
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit werden darin zum Einen eine
Neurasthenie genannt, deren Ursprung die Gutachter in einem wahrscheinlich durch
einen viralen Infekt ausgelösten Müdigkeitssyndrom geortet haben, und zum Anderen
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit polytopen Schmerzen am
Bewegungsapparat und Spannungskopfschmerzen, auf dem Hintergrund lang
anhaltender Konflikte und Belastungen. Die Gutachter haben bei der
Beschwerdeführerin ausserdem eine Hochbegabung erkannt, welche in der
Vergangenheit jedoch nicht genügend anerkannt und nicht angemessen gefördert
worden sei; dies stelle eine gewisse Vulnerabilität dar. Die von der Rechtsprechung
geforderten Bedingungen einer psychiatrischen Komorbidität, eines mehrjährigen
Krankheitsverlaufs, eines sozialen Rückzugs, einer missglückten, jedoch entlastenden
Konfliktbewältigung sowie unbefriedigende ambulante und stationäre
Behandlungsergebnisse halten die Gutachter in ihrer Gesamtwürdigung für gegeben.
Durch die Symptome der Neurasthenie und der Schmerzstörung seien die Fähigkeiten
der Beschwerdeführerin zu Konzentration, Kreativität, Flexibilität und Ausdauer
eingeschränkt, weshalb die Arbeitsfähigkeit in ihrer früheren Tätigkeit als Mitarbeiterin
in der Musterabteilung und Konfektion bezogen auf ein Vollpensum noch zu 50 %
vorhanden sei. Zumutbar wäre eine sechsstündige Präsenz pro Tag mit einer
Leistungsminderung von 30 % aufgrund vermehrter kurzer Pausen. Vorausgesetzt
haben die Gutachter bei dieser Einschätzung allerdings, dass die Beschwerdeführerin
dabei nicht chronischen Konflikten ausgesetzt sei, mit denen sie nicht umgehen könne
und wegen ihres Perfektionismus unter extremen inneren Druck gerate. Den idealen,
den psychischen und mentalen Handicaps adaptierten Arbeitsplatz beschreiben die
Gutachter als ruhig und ohne konfliktträchtige Strukturen, den Talenten und der
Intelligenz der Beschwerdeführerin möglichst angepasst, ohne Tätigkeiten, welche die
Schmerzen und dadurch die latente depressive Symptomatik verstärken könnten, oder
solche, die eine kognitive Unterforderung darstellten. Unter solchen Bedingungen
schätzten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit – wie oben erwähnt – insgesamt auf 50 %.
Das Gutachten erscheint ausführlich und sorgfältig abgefasst. Die Gutachter haben
sich mit den Vorakten auseinander gesetzt, die Beschwerdeführerin umfassend
untersucht, sind auf ihre Klagen und Beschwerden eingegangen und haben ihre
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Schlussfolgerungen basierend auf den anamnestischen Angaben und den Ergebnissen
der eigenen Untersuchungen abgegeben. Ausführlich und überzeugend haben die
Gutachter sodann ihre Schlussfolgerungen begründet und sich dabei insbesondere
auch mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auseinandergesetzt bzw.
nachvollziehbar begründet, weshalb sie die so genannte invalidisierende Wirkung der
diagnostizierten psychiatrischen Störungen vorliegend bejahten. Soweit die
Beschwerdeführerin geltend machen lässt, das Gutachten sei in sich selbst
widersprüchlich und die Arbeitsfähigkeitsschätzung sei nicht nachvollziehbar, kann
dem nicht gefolgt werden. Die von den Gutachtern dargelegten qualitativen
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit stehen einerseits nämlich nicht im Widerspruch
zu den quantitativen Einschränkungen und führen andererseits auch nicht dazu, dass
die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit von vorneherein in Abrede gestellt werden
müsste. Sodann hat der psychiatrische Consiliargutachter nachvollziehbar und
überzeugend begründet, weshalb sich in der Gesamtbeurteilung eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit ergibt. Darauf ist abzustellen. Die übrigen Arztberichte sind nicht
geeignet, Zweifel an den Schlussfolgerungen der Gutachter der MEDAS Zentralschweiz
zu wecken. So hat Dr. B._ den von ihm attestierten deutlich höheren
Arbeitsunfähigkeitsgrad bei ansonsten im Wesentlichen gleichen Befunden und
Diagnosen nicht begründet bzw. sich nicht mit den abweichenden Schlussfolgerungen
der Gutachter der MEDAS Zentralschweiz auseinandergesetzt. Was die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. F._ betrifft, so ist davon auszugehen, dass sie mit
der von ihr attestierten Arbeitsunfähigkeit von 50 % der Gesamtsituation Rechnung
trug, denn die von ihr erhobenen somatischen Befunde sind für sich allein nicht
geeignet, eine derart hohe Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Die behandelnden Ärzte der
Klinik Valens und Dr. G._ haben sodann keine Arbeitsunfähigkeitsschätzung
abgegeben; ihre Berichte enthalten auch sonst keine konkreten Hinweise, die Zweifel
am Gutachten der MEDAS wecken würden. Es ist deshalb auf dasselbe abzustellen.
3.
Gestützt darauf ist der Invaliditätsgrad zu bemessen. Da die Beschwerdeführerin ihre
letzte Tätigkeit gesundheitsbedingt aufgeben musste – die Bedingungen dort waren
gerade angesichts der Konfliktsituation mit den beiden Vorgesetzten nicht optimal –, ist
zur Festlegung des Invalideneinkommens auf die Ergebnisse der vom Bundesamt für
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Statistik (BFS) regelmässig durchgeführten Lohnstrukturerhebung (LSE) abzustellen.
Hinsichtlich des Anforderungsniveaus ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerde
führerin zwar als Hilfsarbeiterin arbeitete, aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Be
gabung aber über deutlich mehr Fähigkeiten verfügte als eine „gewöhnliche“
Hilfsarbeiterin. Sie arbeitete sechs Jahre im letzten Betrieb und leistete dabei gute
Arbeit. Gewisse Ausführungen im Arbeitszeugnis vom 3. März 2008 (IV-act. 15–1) legen
den Schluss nahe, dass die Beschwerdeführerin – gemessen an den Erwartungen an
eine Hilfsarbeiterin – überdurchschnittlich gute Leistungen erbrachte; gelobt werden
nämlich unter anderem „sehr gute Kenntnisse“ im Tätigkeitsbereich, Initiative,
Selbständigkeit und Einbringen guter Ideen, was in Bezug auf Hilfsarbeiter als eher
ungewöhnlich zu qualifizieren ist. Auch die im Arbeitgeberbericht erwähnten Tätigkeiten
(Anfertigen von Mustern, Verwalten des Muster- und Materiallagers, Erstellen von
Dokumentationen, Anfordern von Druckwaren, Ausführen der Kundenbestellungen und
Abliefern an die Spedition sowie Überwachen von Inventar und Werbematerial; vgl. IV-
act. 35–4) legen den Schluss nahe, die Beschwerdeführerin habe qualifizierte Arbeit
verrichtet. Der psychiatrische Consiliargutachter der MEDAS Zentralschweiz beurteilte
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit schliesslich ebenfalls als mit beträchtlichen
Anforderungen an Kreativität, Konzentrationsfähigkeit, Flexibilität und Ausdauer
verbunden (IV-act. 56–37). Gesamthaft rechtfertigt sich daher die Annahme, die
Beschwerdeführerin könnte trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung mittelfristig
den Lohn einer ausgebildeten Arbeitskraft (Niveau 3) erzielen. Gemäss LSE 2008
beträgt der durchschnittliche monatliche Bruttolohn für Frauen im gesamten privaten
und öffentlichen Sektor (T1) beim Anforderungsprofil 3 Fr. 5’416.--; dabei ist eine 40-
Stunden-Woche zugrunde gelegt. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen
Arbeitszeit im Jahr 2008 von 41,6 Stunden pro Woche und aufgerechnet auf ein Jahr,
ergibt sich ein Ausgangswert für das Invalideneinkommen von Fr. 67’592.--. Davon ist
ein Tabellenlohnabzug zu gewähren. Dies einerseits deshalb, weil die
Beschwerdeführerin ohne anerkannten Berufsabschluss wohl eine etwas längere
Eingewöhnungszeit benötigen wird; ein Arbeitgeber dürfte deswegen mit mehr
Aufwand rechnen, was sich bei ökonomischer Betrachtungsweise in einer tieferen
Entlöhnung niederschlägt. Hinzu kommt, dass aufgrund des psychischen
Gesundheitsschadens und der attestierten Anforderungen an einen Arbeitsplatz die
Beschwerdeführerin auf besondere Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und
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Mitarbeitender angewiesen ist und schliesslich ein erhöhtes Risiko bestehen könnte,
dass es die Beschwerdeführerin letztlich doch nicht schafft, dieselben Leistungen zu
erbringen wie eine ausgebildete Arbeitskraft. Insgesamt wird ein Arbeitgeber diesen
Umständen mit einem etwas tieferen Lohn Rechnung tragen. Es rechtfertigt sich damit
ein Abzug vom massgeblichen Tabellenlohn von 15%. Unter Berücksichtigung dieses
Abzugs sowie der medizinisch-theoretisch attestierten 50%igen Arbeitsunfähigkeit
beläuft sich das mutmassliche Invalideneinkommen auf Fr. 28’727.--. Die
Beschwerdegegnerin hat das Valideneinkommen auf Fr. 60’320.-- für das Jahr 2008
festgesetzt. Dabei stützte sie sich auf telefonische Angaben der ehemaligen Arbeit
geberin (IV-act. 71 f.). Diese bezogen sich zwar offenbar auf das Jahr 2009, doch
wurden nur in den Jahren 2006 und 2007 generelle Lohnerhöhungen gewährt, weshalb
auch für das Jahr 2008 beim unbestrittenen Pensum von 100 % von einem hypothe
tischen Valideneinkommen von Fr. 60’320.-- auszugehen ist. Der Invaliditätsgrad
beläuft sich angesichts dessen auf 52,4 %.
4.
Die Beschwerdeführerin lässt sodann rügen, die berufliche Eingliederung sei nicht
geprüft worden. Tatsächlich erfolgte keine entsprechende Prüfung. Die
Eingliederungsberaterin hielt am 28. April 2008 fest, es sei unklar, ob
Eingliederungspotential vorhanden sei (IV-act. 38). Die Beschwerdegegnerin gab aus
diesem Grund das Gutachten in Auftrag und erliess gleichentags die Mitteilung, dass
zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 39). Im Gutachten
wurde festgehalten, eine berufliche Abklärung, allenfalls auch eine Umschulung,
erachte man in Anbetracht der mentalen Ressourcen als sinnvoll (IV-act. 56–23), was
vor dem Hintergrund der übrigen Aktenlage – verschiedentlich wurden Wissbegierigkeit
und Begabung betont (vgl. etwa IV-act. 9) – durchaus einleuchtet. Dennoch hat die
Beschwerdegegnerin die Möglichkeiten einer Eingliederung nicht mehr weiter geprüft,
was zu beanstanden ist. Sie wird die entsprechenden Schritte nachzuholen, das heisst,
zunächst eine eingehende Abklärung durchzuführen und anschliessend gestützt darauf
allfällige geeignete Massnahmen zur beruflichen Eingliederung einzuleiten haben. Die
Durchführung einer Umschulung könnte sich dabei durchaus als indiziert erweisen,
hatte die Beschwerdeführerin doch, wie oben in E. 3 dargelegt, bereits an ihrer letzten
Stelle anspruchsvolle und qualifizierte Arbeit verrichtet.
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5.
Da aufgrund des Vorgehens der Beschwerdegegnerin (vgl. vorstehende E. 4) der
Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ verletzt sein könnte, stellt sich die Frage, ob die
Zusprache der Rente zu Recht bereits erfolgt ist. Allerdings kann auch im besten Fall
mittels Eingliederungsmassnahmen sowohl für die Vergangenheit als auch für die
Gegenwart der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin nicht mehr beeinflusst
werden. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen geht in ständiger Praxis
davon aus, dass ein Rentenanspruch grundsätzlich auch dann entsteht, wenn bei
Ablauf des so genannten Wartejahres die Eingliederung noch nicht abgeschlossen ist
bzw. wenn die Eingliederungsfähigkeit bei Ablauf des Wartejahres noch nicht definitiv
verneint werden kann (vgl. den Entscheid IV 2006/58 vom 22. Januar 2007, E. 1a, mit
Hinweisen, sowie den Entscheid IV 2010/186 vom 27. April 2011, E. 1.4, bestätigt
durch das Urteil des Bundesgerichts 9C_490/2011 vom 22. September 2011). Der
Anspruch auf die (vorläufige) halbe Rente besteht vorliegend zu Recht (vgl. E. 2 und E.
3 vorstehend). Es gibt daher keine Veranlassung, die von der Beschwerdegegnerin
zugesprochene und bereits ausgerichtete Rente aufzuheben. Sollten allenfalls
durchzuführende Eingliederungsmassnahmen die Erwerbsfähigkeit nicht verbessern
können, so bliebe es bei der halben Rente.
6.
Demnach ist die Beschwerde, mit der die Zusprache einer ganzen Rente beantragt
wurde, abzuweisen. Die angefochtene Verfügung ist hinsichtlich der Zusprache einer
halben Rente zu bestätigen, die Beschwerdegegnerin ist aber anzuweisen,
Eingliederungsmassnahmen im Sinne der Erwägungen zu prüfen. Hinsichtlich Kosten-
und Entschädigungsfolgen ist dieser Ausgang als vollumfängliches Unterliegen der
Beschwerdeführerin zu qualifizieren, weshalb ihr die gemäss Art. 69 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) zu erhebenden und
angesichts des durchschnittlichen Aufwands auf Fr. 600.-- festzusetzenden
Gerichtskosten aufzuerlegen sind. Der von ihr geleistete Kostenvorschuss wird ihr
daran angerechnet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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