Decision ID: 1879e95e-0530-4569-886e-ed06e140eb0c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
76
, reiste im
August 2003
vom Kosovo
in die Schweiz ein
.
Im selben Jahr heiratete er
(
vgl. Urk.
8/4
)
.
Im Jahr 2005
gebar seine Ehefrau eine Tochter und 20
07
einen Sohn
(Urk. 8/3). Der Versicherte arbeitete auf ver
schiedenen Gelegenheitsjobs, unter anderem in der Reinigung, später im Hotel
Y._
und ab 2007 bis 2009 als
Housekeeper
im
Z._
Hotel.
Danach wurde ihm auf dem zweiten Arbeitsmarkt eine Arbeit im Recyclinghof
A._
verschafft.
Im Jahr
2011 absolvierte er in der Schweiz die LKW-Prüfung
und arbeitete danach einige Tage auf diesem Beruf (Urk. 1 S. 4
; vgl.
Urk.
8/12/2
). Ab September 2014 war der Versicherte – soweit ersichtlich bis heute – als Taxi
fahrer im Stundenlohn tätig, wobei er ca. ein 50 %-Pensum ausfüllt
e
(
Urk. 8/4/6 und
Urk. 1 S. 4
).
Am
19. November 2015
(Eingangsdatum) mel
dete er sich wegen
Schlafstörungen,
Konzentrationsstörung, Traurigkeit, Nervo
sität, «Bilder von früher», Angst- und Unruhezuständen
bei der Sozial
versiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8
/4/6
).
Daraufhin nahm
d
ie IV-St
elle medizinische und beruflich-
erwerbliche Abklärun
gen vor
(Urk. 8/9
12).
Der behandelnde Psychiater,
Dr.
med.
B._
, Fach
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete in diesem Rahmen am 11. März 2016 einen ärztlichen Bericht (Urk. 8/12).
M
it Schreiben vom 22.
März 2016 wurde dem Versicherten von der IV-Stelle mitgeteilt, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
8/13).
Am 9. Juni 2016 beauftragte die IV-Stelle sodann Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, mit der Erstellung eines psychiatrischen Gut
achtens (Urk. 8/18). Das Gutachten wurde am 4. November 2016 erstattet (Urk. 8/21).
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Vorbescheid vom 6. Februar 2017,
Urk.
8/23
; Einwand vom
7.
März 2017,
Urk.
8/25;
Einwandbe
gründung
vom 2
5.
April 2017,
Urk.
8/30) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung mit Verfügung vom 14. Dezember 2017 (Urk. 8/39 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 30. Januar 2018 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
IV-Stelle
zu verpflichten,
ihm
die gesetzlichen Leistungen in Form einer Rente zu gewähren. Eventuell sei die Sache
zur Vornahme weiterer Abklärungen
an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte der
Beschwerde
führer
einerseits
die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
die Ernennung von
Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
zu seiner
unentgeltlichen
Rechtsbeiständin
sowie andererseits
die Durchführung eines zweiten Schriften
wechsels
(Urk. 1 S. 2
und 15
). Mit Beschwerdeantwort vom
8. März 2018
schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 7 unter Beilage ihrer Akten Urk. 8/1-43
)
. Mit Eingabe vom 15. März 2018 zog
d
er
Beschwerdeführer
seinen Antrag auf unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche
Rechtsverbeistän
dung
zurück (Urk. 10). Mit Verfügung vom 19. März 2018 wurde das Doppel der Beschwerdeantwort dem
Beschwerdeführer
zugestellt und diesem eröffnet, dass das Gericht die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels nicht als erforderlich erachte (Urk. 11).
3.
Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.%2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbs
einkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsl
eistung zu erbringen (BGE 143 V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2.2
M
it BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundes
ge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die
Durchführung eines strukturiertes Beweisverfahren bleibt jedoch dort ent
behrlich, wo im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeits
un
fähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus
anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 418 E.
7.1).
1.2.3
Unverändert gilt, dass ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psycho
so
zialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. In diesem Sinne verselbständigte Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 127 V 294 E. 5a; vgl. auch BGE 141 V 281 E.
4.3.1.1; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom 5. März 2018 E. 4.3.1 mit Hinweis und 9C_648/2017
vom 20. November 2017 E. 2.3.1
).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG)
.
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführer
s auf eine Invali
denrente.
2.2
Die
Beschwerdegegnerin
verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente mit der Begründung, dass
gemäss ihren Abklärungen
keine Diagnose vorliege, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Dem
Beschwerdeführer
seien zeitlich
-
fle
xible Tätigkeiten ohne permanenten Zeit- und Termindruck
ganztags ohne Ein
schränkung
zumutbar. Da er voll arbeitsfähig sei, entstehe ihm keine Erwerbs
ein
busse und dadurch auch kein Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.3
Der
Beschwerdeführer
machte demgegenüber
im Wesentlichen
geltend, er leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und sei deshalb als Taxi
fahrer nur zu 50 % arbeitsfähig.
Bei guter Gesundheit wäre er zu 100
%
als Last
wagen-Chauffeur tätig.
Demnach bestehe mindestens eine Erwerbseinbusse von 50 % und somit ein Anspruch auf eine halbe Rente (Urk. 1).
3.
3.1
Im ärztlichen Bericht
vom 11. März 2016 stellte
Dr.
B._
folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 8/12/1)
:
-
Posttraumatische Belastungsstörung m
it Intrusion, Albträumen, Flash-
backs, Gefühl der emotionalen Stumpfheit (ICD-10 F43.1) seit 2009
Der Versicherte sei während des Kosovo Krieges zusammen mit seinen Geschwistern ins Gebirge geflohen. Während dieser Flucht sei er von serbischen Einheiten gefangen genommen und kurzzeitig interniert worden. Während dieser Gefangenschaft sei es zwar zu Misshandlungen gekommen, wobei diese am eige
n
en Leib erlebten Folterungen fü
r ihn noch am wenigsten belastend gewesen seien. In der Turnhalle, in der er festgehalten worden sei, seien die Wände bis zur Decke mit Blut bespritzt gewesen, Tote und von den Misshandlungen
schwerst
Verletzte
hätten
überall am Boden gelegen, teilweise aufeinandergetürmt. Der Versicherte habe dann fliehen können und bis Ende des Kosovo Krieges bei Ver
wandten in den Bergen gelebt. Diese Bilder habe er heute noch im Kopf und erlebe das Durchgemachte noch immer wieder intrusiv. Mindestens einmal wöchentlich habe er zudem Albträume, in denen er das Durchgemachte szenisch wiedererlebe. Er wache dann schreiend oder weinend auf und müsse von seiner Ehefrau beru
higt werden. Derartige Nächte seien hauptverantwortlich für die folgenden «schlechten» Tage, an denen er sich «nervös» und angespannt fühle, unter Kopf
schmerzen leide, sich dumpf und elend fühle, auch angesichts der Tatsache, dass viele Menschen in seiner Nachbarschaft aus Ex-Jugoslawien stammten und er davon ausgehen müsse, dass einige Typen darunter, die heute hier ein unauf
fälliges bürgerliches Leben lebten, derartige Scheusslichkeiten begangen hätten. Er fühle sich dann zutiefst verängstigt, wisse nicht, wem er trauen könne, ziehe sich zurück und wolle mit niemandem etwas zu tun haben; auch nicht mit seiner Familie und seinen Kindern, da dieses Gefühl, dass er dann jeweils habe, sich auf alle Menschen ausdehne
. Er schäme sich dafür, aber könne nichts dagegen machen
(Urk. 8/12/2)
.
Während der Zeit
,
als er 2007 bis 2009 als
Housekeeper
im
Z._
Hotel gearbeitet habe, seien – während der Arbeit
–
erstmals Intrusionen und Flash
backs aufgetreten, sodass der Versicherte, der
ge
glaubt
habe
, dass die Arbeit für ihn zu
stressig sei, diese
ge
kündigt
habe
und in der Folge, nachdem er keinen neuen Job mehr gefunden habe, von der Fürsorge unterstützt im Recyclinghof
A._
(zweiter Arbeitsmarkt) gearbeitet habe. In dieser Umge
bung sei es dem Versicherten
in der Folge ganz wohl gewesen
bzw. habe er seine Beschwerden nicht mehr so limitierend erlebt. Während der folgenden Monate sei eine sehr gute gesundheitliche Stabilisierung gelungen und in Zusammenarbeit
mit den Sozialen Diensten
A._
, welche eine Teilfinanzierung gutgeheissen
hätten
, habe sich der Versicherte – der Jahre zuvor im Kosovo als LKW Chauffeur gearbeitet h
ä
tte
– entschlossen, die hiesige LKW-
Prüfung zu absolvieren, um in der Schweiz als LKW Chauffeur zu arbeiten. Diese Prüfung habe der Versicherte im Jahre 2011 erfolgreich absolviert, habe in der Folge aber nur wenige Tage auf diesem Job gearbeitet, da er mit dem Zeitdruck und dem Verkehrsstress nicht klargekommen sei. Er habe dann gekündigt und seither bis dato als Taxichauffeur in
A._
gearbeitet. Nach seinen Angaben bei einem Arbeitgeber, der sehr viel Verständnis für die zahlreichen Krankheitsausfälle und offensichtlich zu Tage tre
tende verminderte Belastbarkeit habe. Dies wohl in erster Linie, da der Versicherte dort im Stundenlohn ange
stellt sei, womit er auf ca. 20
Arbeitsstunden/Woche komme. Nach wie vor werde
er
von den Sozialen
Diensten
A._
unterstützt (Urk. 8/12/2-3).
Als ärztlichen Befund hielt
Dr.
B._
fest, was folgt: Wacher und allseits orien
tierter, gepflegter und freundlich auftretender, mit wenigen Abstrichen einwand
frei
deutsch sprechender
Patient. Keine mnestischen Störungen.
Konzentration je nach Tagesform – abhängig von oder nicht durchgemacht
en Albträumen leicht
gradig eingeschränkt oder unauffällig. Das formale und inhaltliche Denken seien unauffällig. Kein Wahn, keine Halluzinationen oder Sinnestäuschungen. Teil
weise szenisches Erleben von Alltagssituationen, Gefühl des fehlenden Zugangs in Zusammenhang mit intermittierend intrusivem Erleben. Keine weiteren Ich-Störungen. Leicht depressive Stimmungslage, mit
Anhedonie
, reduziertem Antrieb, Verunsicherung, sozialem Rückzug. Intermittierend diffuse Ängste und Anspannung. Damit einhergehend generelle Verschlechterung der Grund
stimmung. Gefühl der Gefühlsstumpfheit. Ohnmachtsgefühle. Ge
dankendrehen. Reduzierter Schlaf
mit Einschlafstörungen und nächtlichen Albträumen. Szenisches Wiedererleben des im Kosovo Durchgemachten. Emotionale
Labili
sierung
. Appetit normal. Keine Suizidalität. Keine Fremdgefährdung
(Urk. 8/12/3)
.
Die Prognose sei schlecht.
Die medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit betrage als LKW Chauffeur 100 % auf Grund
massivst
reduzierter Belastbarkeit und Stresstoleranz, was im Rahmen seiner Arbeit als Taxichauffeur im gegenwärtigen Setting weniger negativ zu Tage trete und limitierend wirke. Als Taxichauffeur
belaufe sich die Arbeitsunfähigkeit auf 50 % seit 2012 bis auf Weiteres. Als Ein
schränkung bestünden eine reduzierte Stresstoleranz und Belastbarkeit. Der Ver
sicherte sie nicht konstant einsetzbar als Taxichauffeur. Eine Arbeit als LKW Chauffeur sei mit der oben beschriebenen psychiatrischen Symptomatik nicht denkbar
(Urk. 8/12/
3-
4)
.
3.2
Im psychiatrischen Gutachten von Dr.
C._
vom 4. November 2016 (Urk. 8/21)
wurde
keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt
.
Dr.
C._
stellte folgende Diagnose
o
hne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/21/7):
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, bei psychosozialer Belastungssituation: Probleme bei der kulturellen Eingewöhnung, beruf
liche und finanzielle Probleme (ICD-10: F43.21, Z56, Z60.3)
Im Krieg im Kosovo sei die ganze Familie (ausser dem Bruder, der in der Schweiz lebte) belastet worden,
der Versicherte
könne nicht gut darüber reden. Viele Frauen seien vergewaltigt worden. Seine Schwester sei verlobt gewesen, nachher sei es nicht mehr gegangen, sie nehme jetzt viele Medikamente ein, bleibe fast nur auf dem Zimmer. Er sei damals drei Tage lang in einer Halle gewesen, die Polizei hätte sie misshandelt, man wisse ja, was dort passiert sei. Er sei damals
19-20 Jahre alt gewesen, es sei 1998 bis 1999 gewesen. Eine Schwester sei 1989 mit 20 Jahren verstorben, vermutlich von der Polizei getötet (Urk. 8/21/4).
Er habe keine Lehre abgeschlossen, habe da und dort gearbeitet. Am Anfang habe er im Lager und der Hotellerie gearbeitet. Ein Jahr lang sei er fest im Hotel
Z._
im Housekeeping tätig gewesen, früher auch in anderen Hotels.
Er habe im Hotel
Z._
die Kündigung erhalten, gemäss Chef habe es zu wenig Arbeit gegeben. Probleme habe er dort bei der Arbeit nicht gehabt.
Nach der Kündigung sei er vom Hausarzt zur Psychiatrie geschickt worden, schon früher sei er wegen diversen Beschwerden beim Hausarzt in Behandlung gewes
en. Er habe eine Stelle als LKW
Chauffeur gehabt, habe sich bei der Arbeit aber nicht kon
zentrieren können und sei nervös gewesen. Nach drei Tagen habe er wieder auf
gehört, dort zu arbeiten. Er sei zu gestresst gewesen, habe gezittert. Seither sei er nicht mehr mit dem Lastwagen gefahren. Seit 3-4 Jahren arbeite er in
A._
als Taxichauffeur. Er arbeite 3-4 Tage pro Woche, für jeweils 3-6 Stunden pro Tag, oft sei er auch im Büro in
A._
, mit den fünf anderen Mitarbeitern. Mit dem Chef habe er ein gutes Verhältnis, dieser habe Ve
rständnis für seine Beschwerden
. Er arbeite nur tagsüber. Er habe Angst, nachts zu arbeiten, obwohl er noch nie schlechte Erfahrungen gemacht habe. Er habe nie nachts gearbeitet. Zeitweise gehe es ihm ein paar
Tage
lang gut, von den Medikamenten sei er impotent geworden, sie würden aber helfen
(Urk. 8/21/4-5).
Er gehe alle zwei Wochen zum Psychiater
Dr.
B._
in die ambulante Behand
lung. Dieser habe ihn auch bei der IV angemeldet.
Dr.
B._
sehe er seit 6 Jahren. In der Freizeit mache er nicht viel, sei oft zu Hause oder draussen am Rauchen. Ausser bei der Arbeit treffe er kaum Kollegen. Seit er die Medikamente einnehme, mache er keinen Sport mehr, früher habe er gelegentlich Fussball und Basketball gespielt. Verwandte besuche er selten, er vertrage nicht viele Leute. Er könne mit seinen Landsleuten nicht über seine psychischen Probleme red
en, weil er sonst ausgegrenzt wü
rde. So sei eben die Mentalität. Im Kosovo habe er kaum mehr gleichaltrige Verwandte, viele seien in der EU verteilt. Mutter und Schwester würden noch dort leben. Ab und zu gehe er mit dem Bus oder Bruder per Auto ins Heimatland. Vom Migrationsamt habe er Druck bekommen, er habe eine B
Ausländerbewilligung. Man habe ihm gesagt, er müsse die Schweiz verlassen, wenn er nicht arbeite. Letztes Jahr sei es schlimm gewesen, sein Ausweis
sei lange nicht verlängert worden. Es habe ihn stark belastet, er habe weder Betreibungen noch Strafregistereinträge. Seine Ehefrau habe schon länger in der Schweiz gelebt, habe eine C-Ausländerbewilligung. Nur er müsse Angst haben, ausge
wiesen zu werden, er könne nicht mehr. Man sage ihm, er müsse mehr arbeiten, er könne es aber nicht (Urk. 8/21/5-6).
Als Psychostatus stellte
Dr.
C._
Folgendes fest
: Mimik und Gestik verhalten, er sei wach und allseits orientiert. Auffassung, Konzentration und Gedächtnis wirkten kursorisch geprüft unauffällig. Im formalen Denken sei er kohärent. Inhaltlich sei er eingeengt auf seine psychosoziale Belastungssituation, keine Hin
weise auf Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Keine inadäquaten Ängste, keine Zwänge. Im Affekt wirke er etwas herabgestimmt und wenig schwingungsfähig. Keine Hinweise auf Suizidalität oder
Fremdgefährdung (Urk. 8/21/6).
Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe zum Zeitpunkt der Untersuchung beim Versicherten keine Arbeitsunfähigkeit. Weder in der aktuellen Untersuchung noch in den
Vorakten
würden sich klare Hinweise auf einen relevanten psychi
schen Gesundheitsschade
n
, der eine langfristige Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würde, finden. Die aktuellen, eher mild ausgeprägten depressiven Symptome seien im Rahmen einer massiven, aber letztlich krankheitsfremden psychoso
zialen Belastungssituation zustande gekommen:
Berufliche Probleme, fehlende Ausbildung, Migrationshintergrund, drohende Ausschaffung aufgrund Arbeitslo
sigkeit, Verlust und Krankheit von Familienangehörigen. Schwierig zu beurteilen sei die Auswirkung der Kriegserlebnisse auf den gegenwärtigen psychischen Gesundheitszustand. Einerseits gebe der Versicherte an, dass er nach wie vor darunter leide, andererseits würden Hinweise auf die klassischen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung fehlen. Immerhin sei es dem Versicherten
möglich gewesen, im Heimatland und auch in der Schweiz über weite Strecken arbeitsfähig zu bleiben. Inwiefern die eher leichtgradigen Einschränkungen seiner Arbeitsfähigkeit in letzter Zeit aufgrund der Kriegserlebnisse begründet seien, lasse sich kaum objektivieren. Es sei davon auszugehen, dass letztlich die psychosozialen Belastungsfaktoren eine grössere Rolle bezüglich der gegenwär
tigen Beschwerden spielten als die Jahre zurückliegenden Kriegserlebnisse im Heimatland (Urk. 8/21/7).
3.3
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psycho
the
rapie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hielt in ihrer Stellungnahme vom
8.
November 2016 zum Gutachten von
Dr.
C._
vom 4. November 2016 fest, es bestünden mild ausgeprägte depressive Symptome, die bisherige Tätigkeit sei jedoch weiterhin durchführbar. Das Belastungsprofil laute wie folgt: "Zeitlich flexible Tätigkeiten ohne permanenten Zeit- und Termindruck, bei nur geringem Publikumsverkehr, ohne besondere Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen." Sowohl in der bisherigen Tätigkeit als Taxichauffeur als auch in angepasster Tätigkeit gemäss Belastungsprofil bestehe keine Arbeitsun
fähigkeit. Aktuell und in der Rückschau liege kein längerfristiger oder
höher
gra
diger
Gesundheitsschaden vor (
Urk.
8/22/4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützt ihre Auffassung, wonach der Beschwerdeführer in zeitlich flexiblen Tätigkeiten ohne Zeit- und Termindruck ganztags ohne Ein
schränkung arbeitsfähig sei (
Urk.
2), in medizinischer Hinsicht auf das Gutachten von
Dr.
C._
vom 4. November 2016 sowie die Stellungnahme des RAD vom
8.
November 2016 (vgl. E. 3.2–3).
4.
2
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
C._
vom 4. November 2016 beruht auf den erforderlichen sorgfältigen und allseitigen Untersuchungen
(Urk. 8/21/6), wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet (Urk. 8/21/1-3 und Urk. 8/21/7), berücksichtigt die geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander (Urk. 8/21/5
und Urk. 8/21/7
).
Dr.
C._
hat die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und seine Schlussfolgerungen nachvoll
ziehbar begründet. Das psychiatrische Gutachten erfüllt demnach
grundsätzlich die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige ärztliche Entsc
heidungsgrundlage (vgl. E. 1.4
).
4.3
4.3.1
Zu den dagegen vom Beschwerdeführer erhobenen Einwänden ist zu bemerken, dass das Gutachten, namentlich auch der darin aufgeführte Psychostatus, tat
sächlich knapp gefasst ist. Rechtsprechungsgemäss liegt jedoch
der seitenmässige Gutachtensumfang – wie die Untersuchungsdauer – im Ermessen des medizini
schen Experten. Für den Aussagegehalt eines medizinischen Gutachtens ist er nicht entscheidend. Vielmehr kommt es darauf an, ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_626/2017 vom 17. Oktober 2017 E. 3.2.1 mit Hinweisen), was vorliegend der Fall ist. Ins
besondere ist nicht ersichtlich, dass Dr.
C._
die objektiven psychopathologi
schen Befunde unvollständig erfasst haben könnte.
4.3.2
Soweit der
Beschwerdeführer
eine Begutachtung unter Berücksichtigung der Qualitätsleitlinien forderte (Urk. 1 S. 8 f.
Rz
12),
ist darauf hinzuweisen
, dass weder Gesetz noch Rechtsprechung die Beachtung der entsp
rechenden Richtlinien vorschrei
ben (Urteile des Bundesgerichts 8C_105/2017 vom 6. Juni 2017 E. 4.4 und 9C_715/2016 vom 24. Januar 2017 E. 3.2).
Auch die allfällige Nicht-Befol
gung von in der Fachliteratur diskutierten Erfordernissen zur Begutachtung von
Traumapatienten
(vgl. Urk. 1 S. 9
-11
Rz
13-16) vermögen die Beweiskraft
des
Gutachtens nicht in Zweifel zu ziehen.
Ebenso bildet die Einholung fremd
anam
nestischer Angaben – wie dies vom
Beschwerdeführer
gefordert wird (Urk. 1 S. 12
Rz
18) – keine Voraussetzung für die Erstellung eines beweis
kräftigen Gutachtens (Urteil des Bundesgerichts 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2).
4.3.3
Soweit der Beschwerdeführer unter Berufung auf das Urt
eil 4A_526/2014 E. 2.4 vorbrachte
, die Beurteilung d
es behandelnden Psychiaters Dr.
B._
sei als zuverlässiger zu erachten als die auf einer einmaligen Abklärung
beruhende Beurteilung durch
Gutachter
Dr.
C._
(Urk. 1 S. 14–15
Rz
25 und
Rz
26),
kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden.
Das Bundesgericht hielt im Urteil 9C_203/2015 vom 1
4.
April 2015 hierzu
nämlich
fest, es treffe zwar zu, dass das Bundesgericht in jenem Fall auf die Angaben einer Psychiaterin abgestellt habe, welche die Versicherte zunächst während einer
Hospitalisation
in einem Psychiatrischen Zentrum und anschliessend während vier Monaten regelmässig alle zwei Wochen ambulant behandelt hatte. Dass die Vorinstanz in jener Konstellation nicht einem Gutachten, das auf einer einmaligen Untersuchung basierte, gefolgt sei, habe das Bundesgericht unter den gegebenen Umständen nicht als willkürlich erachtet, es handle sich dabei aber um eine Einzelfall
beur
teilung im Rahmen einer Willkürprüfung, der besondere Gegebenheiten zugrunde gelegen hätten. Diese vermöge die ständige Rechtsprechung zum Beweiswert von Arbeitsunfähigkeitseinschätzungen therapeutisch tätiger Ärzte, bei welchen der Behandlungsauftrag im Vordergrund stünde (BGE 125 V 351 E.
3b/cc S. 353;
Urteil
9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E.
2.3.2), nicht ausser Kraft zu setzen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2015 vom 17. Dezember 2015 E. 3.2)
.
Gemäss der besagten – ständigen – Rechtsprechung des Bundesgerichts sind Berichte der behandelnden Ärzte aufgrund deren auftragsrechtlichen Vertrauens
stellung zum Patienten grundsätzlich mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Dies gilt laut Bundesgericht für den allgemein prakti
zierenden Hausarzt, den behandelnden Spezialarzt und namentlich für den therapeutisch tätigen Psychiater mit seinem besonderen Vertrauensverhältnis zum Patienten, welches die geklagten Beschwerden als Faktum hinzunehmen hat (Urteil des Bundes
ge
richts I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4).
Im Rahmen de
r Zumutbarkeits
beur
teilung ist
das Mass des
Forderba
ren
jedoch weitgehend objektiv zu bestimmen (vgl. E. 1.2.1).
Hinzu kommt, dass der Beurteilung von Dr.
B._
, wonach beim Beschwerde
führer eine PTBS gemäss ICD-10 F43.1 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege, aufgrund der nachfolgenden Erwägungen ohnehin nicht gefolgt werden kann.
4.4
4.4.1
Laut höchstrichterlicher Rechtsprechung entsteht e
ine posttraumatische Belas
tungsstörung als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastro
phen
artigen Ausmasses (kurz oder
lang anhaltend
), die bei fast jedem eine tiefe Ver
zweiflung hervorrufen würde. Angst und Depression sind häufig mit den Symp
to
men und Merkmalen einer posttraumatischen Belastungsstörung assoziiert, un
d Suizidgedanken sind nicht selten. Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. Bei wenigen Patienten nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung über (BGE 142 V 342 E. 5.1
mit Hin
weis
). Progrediente Entwicklungen widersprechen dem zu erwartenden degressi
ven Charakter posttraumatischer Störungen.
D
ie Herleitung und Begründung der Diagnose
hat
besonderes
Gewicht
. Wenn das auslösende Trauma allein durch die subjektiven Angaben und Schilderungen der betroffenen Person belegt wird, lässt sich ein entsprechender Nachweis in aller Regel nicht ohne weiteres erbringen (BGE 142 V 342 E.
5.2.2 und Urteil 9C_687/2013 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2). Des Weiteren erfordert die Latenzzeit zwischen initialer Belastung und Auftreten der Störung eine eingehende Prüfung. Diese beträgt nach ICD-10 wenige Wochen bis (sechs) Monate.
Eine
b
esondere Begründung braucht es dabei in jenen Fällen in denen ganz ausnahmsweise aus bestimmten Gründen ein späterer Beg
inn berück
sichtigt werden soll
, wobei ein nur gelegentliches Auftreten von Flashbacks oder
Alpträumen nicht genügt, um eine
posttraumatische Belastungsstörung
zu begründen
(BGE 142 V 342 E. 5.2.2)
.
4.4.2
Gemäss Beschwerdeführer resp. Dr.
B._
ist das beim Beschwerdeführer beste
hende psychische Krankheitsbild auf die 1998 und 1999 gemachten Erfahrungen während des Bürgerkrieges im Kosovo zurückzuführen (Ur. 8/12; vgl. Urk. 1 S. 3
4
Rz
3). Intrusionen und Flash
backs seien erstmals zwischen 2007 und 2009 während der Arbeit als
Housekeeper
im
Z._
Hotel aufgetreten (Urk. 1 S. 4
Rz
4). Gestützt auf die Aussagen des
Beschwerdeführer
s selbst ist somit von einer Latenzzeit zwischen initialer Belastung und Auftreten der Stö
rung von mindestens acht Jahren auszugehen. Damit wird die gemäss ICD
10 postulierte Latenzzeit von sechs Monaten (vgl. E. 4.2) um ein Vielfaches über
schritten. Es trifft – mit dem
Beschwerdeführer
(vgl. Urk. 1 S. 12-13) – zu, dass in der Fachliteratur darauf hingewiesen wird, in gewissen Fällen trete die Symp
tomatik einer posttraumatischen Belastungsstörung erst mit erheblicher, zum Teil mehrjähriger Verzögerung auf. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung mag eine weniger einschränkende Formulierung der zeitlichen Latenz mit Berücksichtigung von einem erst lange nach den traumatischen Ereignissen beginnenden Krankheitsverlauf therapeutisch denn auch Sinn zu machen. Da die Leistungsberechtigung in der Invalidenversicherung jedoch zwangs
läufig eine gewisse Objektivierung verlange, müssten solche Konstellationen ausser Betracht bleiben (Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2013 vom 26. Juni 2013 E. 4.1.2-3 mit Hinweisen). Das vom Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seinem Dafür
halten für die Berücksichtigung einer längeren Latenzzeit zitierte Urteil des Bun
desgerichts 9C_195/2015 vom 24. November 2015 relativiert diesen Grundsatz nur insofern, als Einzelfallkonstellationen möglich sind, in welchen auch bei einer längeren Latenzzeit eine PTBS vorliegen kann. So bezeichnete es das Bundesge
richt als denkbar, dass ein Leben unter falscher Identität und latenter Gefahr, entdeckt und erneut inhaftiert und unmenschlich behandelt zu werden, den Aus
bruch der PTBS-Symptomatik möglicherweise verzögern könne (Urteil des Bun
desgerichts 9C_195/2015 vom 24. November 2015 E. 3.3.3).
Konkrete Gründe, welche im vorliegenden Fall für die Bejahung einer Aus
nahmekonstellation mit Berücksichtigung einer längeren Latenzzeit sprächen, sind nicht auszumachen. Vielmehr bekräftigen die konkreten Lebensumstände des
Beschwerdeführer
s die Annahme, dass das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung unwahrscheinlich erscheint: Während der Latenzzeit immigrierte der
Beschwerdeführer
2003 in die Schweiz, ging daraufhin mehreren unterschiedlichen Erwerbstätigkeiten in verschiedenen Branchen nach und grün
dete eine Familie. Im Jahr 2011 erlangte er zudem den Führerausweis für LKWs (Urk. 1 S. 4
Rz
4, vgl. Urk. 8/9). Vor diesem Hintergrund genügen die subjektiven
Angaben des
Beschwerdeführer
s alleine, bei sonst gänzlich fehlenden objektiven Anhaltspunkten, zum vornherein nicht, um ein schweres, zur – um viele Jahre verzögerten – Auslösung einer posttraumatischen Belastungsstörung geeignetes Trauma als überwiegend wahrscheinlich erscheinen zu lassen. Dies hat umso mehr zu gelten, als die subjektiven Angaben teilweise widersprüchlich sind. So führte der
Beschwerdeführer
gegenüber Dr.
B._
aus, während seiner Anstellung im Hotel
Z._
seien erstmals Intrusionen und Flash-backs aufgetaucht. Er habe diese Arbeit gekündigt, weil er glaubte, sie sei ihm zu stressig gewesen (Urk. 8/12/2). Dahingegen führte der
Beschwerdeführer
gegenüber Dr.
C._
aus, er habe während der Arbeit im Hotel
Z._
keine Probleme gehabt. Ihm sei gekündigt worden, da es – gemäss seinem Chef – zu wenig Arbeit gegeben habe (Urk. 8/21/4). Weiter merkte er zwar gegenüber beiden Ärzten an, dass eine seiner Schwestern gestorben
sei. Jedoch gab er gegenüber Dr.
B._
an, diese sei bei einem Autounfall im Kosovo gestorben (Urk. 8/12/1), führte aber gegenüber Dr.
C._
aus, diese
sei 1989 mit 20 Jahren vermutlich von der Polizei getötet
worden
(
Urk.
8/21/4)
.
Damit ist bereits die Basis zur Annahme einer invalidisierenden posttraumati
schen Belastungsstörung nicht
rechtsgenüglich
dargetan. In Anbetracht der langen Latenzzeit in Verbindung mit den konkreten Lebensumständen des
Beschwerdeführer
s ist das Vorhandenseinen einer zu Arbeitsunfähigkeit führen
den Belastungsstörung – entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers – auch durch ergänzende psychiatrische Abklärungen nicht als überwiegend wahr
scheinlich zu beweisen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2013 vom 26. Juni 2013 E. 4.1.4).
4.4.3
Der Feststellung von Dr.
C._
, wonach Hinweise auf die klassischen Symp
tome einer PTBS fehlten, ist demnach beizupflichten. Die Kritik des Beschwerde
führers an der gutachterlichen Beurteilung geht somit auch insofern fehl.
4.4.4
Ohnehin kommt es im psychiatrischen Kontext – entgegen der vom Beschwerde
führer offenbar vertretenen Auffassung – grundsätzlich nicht auf die Diagnose, sondern einzig darauf an, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeits
fähigkeit hat. Massgebend ist in erster Linie der lege
artis
erhobene psychopatho
logische Befund und der Schweregrad der Symptomatik (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_59/2016 vom 6. Januar 2017 E. 6.1 mit Hinweisen).
4.5
4.5.1
Die Beurteilung von Dr.
C._
, wonach im Zeitpunkt der Begutachtung ledig
lich eher mild ausgeprägte depressive Symptome bestanden hätten, steht mit dem von ihm erhobenen Psychostatus (Urk. 8/21/6) in Einklang und vermag daher zu überzeugen. Gleiches gilt mit Blick auf die von Dr.
C._
unter dem Titel
"Soziales" wiedergegebenen Angaben des Beschwerdeführers auch für seine Beurteilung, wonach das psychische Beschwerdebild massgeblich durch psycho
soziale Belastungsfaktoren (namentlich finanzielle Probleme, Angst vor drohen
der Ausschaffung, Probleme im Umgang mit seinen Landsleuten) beeinflusst sei. Es besteht daher kein Grund, die gutachterliche Schlussfolgerung, wonach aus rein psychiatrischer Sicht zum Zeitpunkt der Untersuchung beim Beschwerde
führer keine Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, in Frage zu stellen (vgl. E.1.2.3).
Objektive Anhaltspunkte dafür, dass sich das psychische Zustandsbild des Beschwerdeführers zwischen Mai 2016 (Zeitpunkt des
frühest
möglichen Renten
beginns; vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG und Urk. 8/4) und der Begutachtung (August 2016) und/oder seither bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung (Dezember 2017, Urk. 2) gesundheitsbedingt erheblich schlechter präsentiert haben könnte als im Zeitpunkt der Begutachtung, bestehen nicht.
In dieser Konstellation erübrigt sich die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens gemäss BGE 141 V 281 (vgl. E. 1.2.2) und kann das Vorliegen eines invalidenversicherungsrechtlich relevanten psychischen Leidens im mass
gebenden Zeitraum ohne weiteres verneint werden.
4.5.2
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass sich am Ergebnis auch nichts ändern würde, wenn die von Dr.
C._
erhobene depressive Symptomatik bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers berücksichtigt würde. Mit RAD-Ärztin Dr.
D._
kann nämlich angenommen werden, dass die mild ausgeprägten depressiven Symptome zumindest der vollzeitlichen Ausübung einer angepassten Tätigkeit gemäss dem von ihr formulierten Belastungsprofil (vgl. E. 3.3) nicht entgegenstehen. Bei 100%iger Arbeitsfähigkeit des Beschwer
deführers in angepasster Tätigkeit ist aber jedenfalls nicht auf einen
rentenbe
gründenen
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % (vgl. E. 1.3) zu schliessen.
5.
Demnach hat die
Beschwerdegegnerin
einen Rentenanspruch des
Beschwerde
führer
s
jedenfalls
zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
600
.-- festzulegen und ausgangsgemäss vom
Beschwerdeführer
zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).