Decision ID: 70bb14a5-48cc-5368-850f-c820258c77ed
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X._, wohnhaft in A._, und Y._ sind Miteigentümer je zur Hälfte des
Baulandgrundstücks Nr. 0000 am M._-Weg in B._. Am 15. März 2013 wurde auf dem
Nachbargrundstück Nr. 0001 ein Baugesuch eingereicht, wogegen X._ und Y._
Einsprache erhoben. Am 18. März 2014 bewilligte der Gemeinderat B._ das
Baugesuch und wies gleichzeitig die Einsprache ab. Während der Bauarbeiten reichte
die Bauherrin des Grundstücks Nr. 0001 am 14. April 2015 ein weiteres Baugesuch für
die geänderte Umgebungsgestaltung ein. Während der Auflagefrist erhoben X._ und
Y._ auch dagegen Einsprache, welche indes am 13. Oktober 2015 vom Gemeinderat
B._ abgewiesen wurde. Den dagegen beim Baudepartement erhobenen Rekurs zogen
die Einsprecher am 16. September 2016 zurück.
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B. In der Steuererklärung 2015 brachte X._ die Anwaltskosten für das
Baueinspracheverfahren in der Höhe von CHF 18'194 als
Liegenschaftsunterhaltskosten zum Abzug. Die Veranlagungsbehörde liess den
Unterhaltskostenabzug nicht zu mit der Begründung, der Steuerpflichtige sei im
Baueinspracheverfahren unterlegen und mit dem Verfahren sei keine wesentliche
Änderung des Bauprojekts bewirkt worden. X._ wurde für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2015 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 100'200 und
einem steuerbaren Vermögen von CHF 613'000 sowie für die direkte Bundessteuer
2015 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 102'300 veranlagt. Das kantonale
Steueramt wies die vom Steuerpflichtigen gegen diese Veranlagung erhobene
Einsprache mit Entscheid vom 28. November 2017 ab. Dagegen erhob X._ Rekurs
und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission, welche mit Entscheid vom
29. Mai 2018 die Rechtsmittel ebenfalls abwies.
C. X._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 4. Juni 2018 zugestellten Entscheid
der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe seines Rechtsvertreters
vom 4. Juli 2018 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er beantragte, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die geltend
gemachten Unterhaltskosten von CHF 18'194 (Anwaltskosten) seien steuerlich zum
Abzug zuzulassen.
Mit Vernehmlassung vom 6. August 2018 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das
kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) verzichtete am 17. August 2018
ausdrücklich und die Eidgenössische Steuerverwaltung (Beschwerdebeteiligte)
stillschweigend auf eine Vernehmlassung.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seines Begehrens sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. [...]
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2. [...]
3. Umstritten ist, ob die vom Beschwerdeführer deklarierten Anwaltskosten in der Höhe
von CHF 18'194 als Liegenschaftsunterhaltskosten zum Abzug zuzulassen sind.
3.1. Die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz zur Abzugsfähigkeit von
Liegenschaftsunterhaltskosten (E. 3a des angefochtenen Entscheids) sind korrekt,
weshalb – anstelle von Wiederholungen – darauf verwiesen werden kann. Die
vorinstanzlichen Ausführungen sind jedoch zu präzisieren: Aufgrund der gesetzlichen
Konzeption muss es sich bei den Unterhaltskosten um Gewinnungskosten handeln, bei
denen der Periodizitätsgedanke aber eine untergeordnete Rolle spielt. Verlangt wird
einzig, dass den Unterhaltskosten ein gegenwärtiger oder vergangener Ertrag aus
unbeweglichem Vermögen gegenübersteht. Steht den erstmaligen Kosten dagegen ein
künftiger Ertrag gegenüber, handelt es sich um Anlagekosten (BGer 2C_251/2016 vom
30. Dezember 2016 E. 3.2 mit Hinweisen). Die Unterhaltskosten müssen in
wirtschaftlicher und zeitlicher Hinsicht einen direkten und unmittelbaren
Zusammenhang mit der Einkommenserzielung aufweisen (BGer 2C_558/2016,
2C_559/2016 vom 24. Oktober 2017 E. 2.2); diese Voraussetzung gilt auch für die
Verwaltungskosten Dritter (vgl. Zwahlen/Lissi, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar
zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 3. Aufl., 2017, N 23 zu Art. 32).
Aufwendungen, welche die steuerpflichtige Person tätigt, um den Verlust von
Vermögenswerten, die keinen Ertrag abwerfen, zu verhindern, sind dagegen nicht als
Unterhaltskosten, sondern als Anlagekosten zu würdigen, die bei Veräusserung einen
allfälligen Kapitalgewinn oder -verlust beeinflussen können (Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, N 11 zu Art. 32 DBG).
3.2. Vorliegend ist zwischen den Verfahrensbeteiligten unbestritten, dass die vom
Beschwerdeführer geltend gemachten Kosten in der Höhe von CHF 18'194 für ein
Baueinspracheverfahren im Zusammenhang mit der Nachbarparzelle aufgewendet
wurden. Ebenso unbestritten ist, dass die im Miteigentum des Beschwerdeführers
stehende Baulandparzelle Nr. 0000 nicht überbaut ist und folglich keine Einkünfte
generiert. Dementsprechend dienten aber die vom Beschwerdeführer aufgewendeten
Kosten mangels eines steuerbaren Ertrags aus der Parzelle Nr. 0000 nicht der
Erhaltung einer Einkommensquelle, weshalb ihnen kein Gewinnungskostencharakter
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zukommen kann. Da Gewinnungskosten und demzufolge auch
Liegenschaftsunterhaltskosten – wie dargelegt und vom Beschwerdegegner
vorgebracht – ein steuerbares Einkommen voraussetzen und ein solches in Bezug auf
die fragliche Parzelle Nr. 0000 nicht vorliegt, können die geltend gemachten
Aufwendungen in der Höhe von CHF 18'194 nicht als Liegenschaftsunterhaltskosten
abgezogen werden.
Indes wäre die Beschwerde selbst dann abzuweisen, wenn das Grundstück einen
Ertrag abwerfen würde. Die Vorinstanz hat hierzu zu Recht festgehalten, dass Anwalts-
und Gerichtskosten praxisgemäss in Abzug gebracht werden, sofern die Streitigkeit
bzw. das Prozessthema die Nutzung oder Erhaltung des Nutzwerts einer Liegenschaft
zum Gegenstand haben. Vorausgesetzt wird, dass das entsprechende Verfahren nicht
offensichtlich aussichtslos erscheint (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 108 zu
Art. 32). Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass das Baueinspracheverfahren
keine nennenswerte Wertverminderung des Baugrundstücks verhindert habe. Er
wendet jedoch ein, Art. 44 Abs. 2 StG bzw. Art. 32 Abs. 2 DBG würden für die
Abzugsfähigkeit von Rechtsberatungskosten nicht verlangen, dass namhafte Nachteile
abgewendet würden; vielmehr genüge es, wenn die Anwaltskosten zur Erhaltung des
bisherigen Rechtszustands dienen würden. Dieser Ansicht kann gestützt auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung indes nicht gefolgt werden. In einem Entscheid
vom 2. Februar 2017 bestätigte das Bundesgericht den Entscheid der Vorinstanz,
welche den Beschwerdeführern die Legitimation aufgrund fehlender spezifischer
Betroffenheit absprach. Es hielt unter anderem fest, dass die zu erwartende Steigerung
des Verkehrs "nicht zu einer deutlich wahrnehmbaren Erhöhung des Lärmpegels"
führe, weshalb eine "besondere Betroffenheit" der Beschwerdeführer zu verneinen sei
(BGer 2C_690/2016 vom 2. Februar 2017 E. 2.4.2). Unter diesen Umständen ist nicht
zu beanstanden, dass die Vorinstanz für die Abzugsfähigkeit von
Rechtsberatungskosten die Abwendung namhafter Nachteile voraussetzt.
3.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz die Rechtsmittel gegen die
Einsprache zu Recht abgewiesen hat. Die beiden angehobenen Beschwerden erweisen
sich als unbegründet und sind daher sowohl hinsichtlich der Kantons- und
Gemeindesteuern 2015 als auch der direkten Bundessteuer 2015 abzuweisen.
4. [...]
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