Decision ID: d6504b7c-a22d-596f-8eba-9267e9cbe293
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Bei einer Polizeikontrolle am 2. November 2019 wurden die Beschwerde-
führer – ukrainische Staatsangehörige – bei ihrer Einreise in die Schweiz
von der Grenzwache angehalten. Sie gaben zu, Passagiere gegen Entgelt
von der Ukraine in die Schweiz zu bringen und Pakete von der Schweiz in
die Ukraine zu transportieren. Mit Verfügung des Grenzwachtpostens Bern
vom 3. November 2019 wurden sie wegen Einreise ohne gültiges Visum
aus der Schweiz weggewiesen und ihnen wurde eine Frist zur Ausreise bis
zum 4. November 2019 gesetzt.
B.
Am 14. November 2019 erliess die Vorinstanz gegen den Beschwerdefüh-
rer 1 ein zweijähriges Einreiseverbot (vom 14. November 2019 bis 13. No-
vember 2021), welches für die Schweiz, das Fürstentum Liechtenstein und
aufgrund der Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) für
den gesamten Schengen-Raum gilt. Einer allfälligen Beschwerde entzog
sie die aufschiebende Wirkung.
Am 21. November 2019 erliess die Vorinstanz gegen den Beschwerdefüh-
rer 2 ein zweijähriges Einreiseverbot (vom 21. November 2019 bis 20. No-
vember 2021), welches für die Schweiz, das Fürstentum Liechtenstein und
aufgrund der Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) für
den gesamten Schengen-Raum gilt. Einer allfälligen Beschwerde entzog
sie die aufschiebende Wirkung.
C.
Mit Rechtsmitteleingaben vom 13. Dezember 2019 gelangten die Be-
schwerdeführer an das Bundesverwaltungsgericht und beantragten die
Aufhebung der Einreiseverbote.
Als Beweismittel reichten sie ein «Gemeinsames Rundschreiben SEM-
SECO vom 28. Februar 2017; Grenzüberschreitende Transportdienstleis-
tungen: ausländerrechtliche Vorschriften für Transportdienstleister/Chauf-
feure, deren Leistungen durch internationale Abkommen liberalisiert sind»
(nachfolgend Rundschreiben SEM-SECO) zu den Akten.
D.
Mit Strafbefehl vom 4. Februar 2020 wurde der Beschwerdeführer 1 wegen
fahrlässiger Widerhandlung gegen das AIG durch Erwerbstätigkeit ohne
Bewilligung, rechtswidrige Einreise sowie rechtswidrigen Aufenthalt und
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wegen Widerhandlung gegen das SVG durch Fahren ohne Fahrzeugaus-
weis, Bewilligung oder Haftpflichtversicherung (Missachten von mit dem
Fahrzeugausweis verbundenen Auflagen durch Führen eines überladenen
Lastwagens) zu einer Busse von Fr. 700.– verurteilt.
Mit Strafbefehl vom 4. Februar 2020 wurde der Beschwerdeführer 2 wegen
fahrlässiger Widerhandlung gegen das AIG durch Erwerbstätigkeit ohne
Bewilligung, rechtswidrige Einreise sowie rechtswidrigen Aufenthalt zu ei-
ner Busse von Fr. 200.– verurteilt.
E.
In ihrer Vernehmlassung vom 5. Februar 2020 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerden.
F.
In ihrer Replik vom 3. März 2020 hielten die Beschwerdeführer an ihren
Anträgen und deren Begründung fest.
G.
Am 27. April 2020 stellte das Bundesverwaltungsgericht den Beschwerde-
führern eine Kopie der Strafbefehle vom 4. Februar 2020 zu und gab ihnen
Gelegenheit, eine Stellungnahme einzureichen.
H.
In ihrer Stellungnahme vom 29. April 2020 erklärten die Beschwerdeführer,
am 26. Februar 2020 Einsprache gegen die Strafbefehle erhoben zu ha-
ben.
Auf die eingereichten Beweismittel ist – soweit erforderlich – in den Erwä-
gungen einzugehen.
I.
Gemäss telefonischer Auskunft des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom
7. September 2020 ist das Gericht auf die Einsprachen gegen die Strafbe-
fehle vom 4. Februar 2020 nicht eingetreten.
F-6632/2019 und F-6639/2019
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Beschwerden unter den Referenz-
nummern F-6632/2019 (Beschwerdeführer 1) und F-6639/2019 (Be-
schwerdeführer 2) erfasst. Aufgrund des engen sachlichen Zusammen-
hangs rechtfertigt es sich, die beiden Beschwerdeverfahren zu vereinigen
und darüber in einem Urteil zu befinden.
2.
2.1 Verfügungen des SEM, die ein Einreiseverbot nach Art. 67 AIG
(SR 142.20) zum Gegenstand haben, unterliegen der Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
2.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
2.3 Die Beschwerdeführer sind als Adressaten des angefochtenen Ent-
scheids, welche ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder
Aufhebung haben, zur Erhebung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs.
1 VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Rechtsmittelfrist
[Art. 50 Abs. 1 VwVG], Form der Beschwerden [Art. 52 VwVG] und Bezah-
lung der Kostenvorschüsse [Art. 63 Abs. 4 VwVG]) sind erfüllt. Auf die Be-
schwerden ist einzutreten.
3.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren
das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG
nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-
punkt des Entscheids (BGE 139 II 534 E. 5.4.1; BVGE 2014/1 E. 2).
4.
4.1 Das SEM verfügt unter Vorbehalt von Absatz 5 (vgl. E. 4.4) Einreise-
verbote gegenüber weggewiesenen Ausländerinnen und Ausländern,
F-6632/2019 und F-6639/2019
Seite 5
wenn die Wegweisung nach Artikel 64d Abs. 2 Buchstaben a-c sofort voll-
streckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AIG). Die Wegweisung ist gemäss
Art. 64d Abs. 2 AIG sofort vollstreckbar oder es kann eine Ausreisefrist von
weniger als sieben Tagen angesetzt werden, wenn die betroffene Person
eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder die innere oder
die äussere Sicherheit darstellt (Bst. a), konkrete Anzeichen befürchten
lassen, dass sich die betroffene Person der Ausschaffung entziehen will
(Bst. b) oder ein Gesuch um Erteilung einer Bewilligung als offensichtlich
unbegründet oder missbräuchlich abgelehnt worden ist (Bst. c).
4.2 Gemäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG kann das SEM ferner Einreiseverbote
gegenüber Ausländerinnen und Ausländern verfügen, die gegen die öffent-
liche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen
haben oder diese gefährden. Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit
und Ordnung liegt insbesondere vor bei einer Missachtung von gesetzli-
chen Vorschriften oder behördlichen Verfügungen (Art. 77a Abs. 1 Bst. a
der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Er-
werbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]). Eine Gefährdung der öffentlichen Si-
cherheit und Ordnung liegt vor, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür beste-
hen, dass der Aufenthalt der betroffenen Person in der Schweiz mit erheb-
licher Wahrscheinlichkeit zu einer Nichtbeachtung der öffentlichen Sicher-
heit und Ordnung führt (Art. 77a Abs. 2 VZAE). Das Einreiseverbot wird
grundsätzlich für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verfügt (Art. 67
Abs. 3 erster Satz AIG). Es kann für eine längere Dauer verfügt werden,
wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche
Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG).
4.3 Einen Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne
von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG begeht auch, wer Normen des Ausländer-
rechts zuwiderhandelt (vgl. Botschaft vom 8. März 2002 zum Bundesge-
setz über die Ausländerinnen und Ausländer, BBl 2002 3813). Dabei ge-
nügt es, wenn der ausländischen Person eine Sorgfaltspflichtverletzung
zugerechnet werden kann. Unkenntnis oder Fehlinterpretation der Ein-
reise- und Aufenthaltsvorschriften stellen normalerweise keinen hinrei-
chenden Grund für ein Absehen von einer Fernhaltemassnahme dar. Jeder
Ausländerin und jedem Ausländer obliegt es, sich über bestehende Rechte
und Pflichten im Zusammenhang mit den ausländerrechtlichen Vorschrif-
ten ins Bild zu setzen und sich im Falle von Unklarheiten bei der zuständi-
gen Behörde zu informieren (vgl. statt vieler Urteil des BVGer F-5736/2015
vom 6. Januar 2017 E. 5.3).
F-6632/2019 und F-6639/2019
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4.4 Die verfügende Behörde kann ausnahmsweise aus humanitären oder
anderen wichtigen Gründen von der Verhängung eines Einreiseverbotes
absehen oder ein Einreiseverbot endgültig oder vorübergehend aufheben
(Art. 67 Abs. 5 erster Satz AIG).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet die gegen die Beschwerdeführer verhängten
Einreiseverbote zum einen mit dem Verstoss gegen die Einreisevorausset-
zungen des AIG und der damit einhergehenden Gefährdung der öffentli-
chen Sicherheit und Ordnung. Entsprechend liege ein Fernhaltegrund im
Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG vor. Zum anderen seien die Beschwer-
deführer von der zuständigen Behörde gemäss Art. 64d AIG weggewiesen
worden, so dass die Wegweisung sofort zu vollstrecken sei. Eine Fernhal-
temassnahme sei somit auch gestützt auf Art. 67 Abs. 1 Bst. a AIG anzu-
ordnen.
Die Beschwerdeführer bringen dagegen vor, sie würden regelmässig aus
der Ukraine in die Schweiz und zurück fahren. Dabei würden sie Waren
und Personen, die ihre Verwandten in der Schweiz besuchen möchten,
transportieren. Sie hätten sich bei der Volkswirtschaftsdirektion des Kan-
tons Zürich über die Einreisebestimmungen und eine allfällige Bewilli-
gungspflicht informiert. Ihnen sei das Rundschreiben SEM-SECO übermit-
telt worden. Aus diesem gehe hervor, dass Dienstleistungen im Zusam-
menhang mit dem touristischen Personenverkehr/Gelegenheitsverkehr –
wie sie sie erbringen würden – nicht dem Melde-/Bewilligungsverfahren un-
terstünden. Folglich liege kein Verstoss gegen die Einreisevoraussetzun-
gen vor. Auch unter der gegenteiligen Annahme sei bei der Verhältnismäs-
sigkeitsprüfung ihre Gutgläubigkeit zu berücksichtigen. Sie hätten sich vor-
gängig über die Bewilligungspflicht informiert und seien zum Schluss ge-
kommen, dieser nicht zu unterliegen. Sie hätten gutgläubig auf die Anga-
ben im Rundschreiben SEM-SECO vertraut. Als sie kontrolliert worden
seien, hätten sie sofort kooperiert, ausführlich Auskunft erteilt und die Weg-
weisungsverfügung befolgt. Der Umstand, dass sie nach ihrer Rückkehr in
die Ukraine die schweizerische Botschaft aufgesucht hätten, um eine aus-
länderrechtliche Bewilligung für ihre Tätigkeit zu erhalten, zeige, dass sie
diese haben legalisieren wollen. Ferner sei die Wegweisung nicht sofort
vollstreckt worden, weshalb das SEM ohnehin nicht verpflichtet gewesen
wäre, ein Einreiseverbot auszusprechen. Unter diesen Umständen seien
die Einreiseverbote nicht verhältnismässig, weshalb darauf zu verzichten
sei.
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Seite 7
6.
6.1 Die Begründung der Vorinstanz, wonach die Wegweisung der Be-
schwerdeführer sofort zu vollstrecken sei, was eine Fernhaltemassnahme
gestützt auf Art. 67 Abs. 1 Bst. a AIG rechtfertige, ist nicht nachvollziehbar.
Aus der Wegweisungsverfügung der Eidgenössischen Zollverwaltung vom
3. November 2019 geht hervor, dass den Beschwerdeführern Frist zur Aus-
reise bis zum 4. November 2019 gesetzt wurde. Damit wurde ihre Wegwei-
sung gerade nicht sofort vollstreckt, sondern eine Ausreisefrist von einem
Tag angesetzt. Folglich bietet Art. 67 Abs. 1 Bst. a AIG vorliegend keine
Grundlage für die Verhängung eines Einreiseverbotes.
6.2 Es bleibt zu prüfen, ob die Vorinstanz die Einreiseverbote auf Art. 67
Abs. 2 Bst. a AIG stützen durfte. Die Beschwerdeführer wurden mit Straf-
befehl vom 4. Februar 2020 wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen das
AIG durch Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung, rechtswidrige Einreise sowie
rechtswidrigen Aufenthalt und der Beschwerdeführer 1 zusätzlich wegen
Widerhandlung gegen das SVG durch Fahren ohne Fahrzeugausweis, Be-
willigung oder Haftpflichtversicherung (Missachten von mit dem Fahrzeug-
ausweis verbundenen Auflagen durch Führen eines überladenen Lastwa-
gens) zu einer Busse von CHF 700.– (Beschwerdeführer 1) beziehungs-
weise von Fr. 200.– (Beschwerdeführer 2) verurteilt. Nachdem das Straf-
gericht auf die Einsprachen der Beschwerdeführer nicht eingetreten ist (vgl.
Sachverhalt Bst. I) und die Beschwerdeführer die entsprechenden Ent-
scheide offenbar nicht angefochten haben, sind die Strafbefehle in Rechts-
kraft erwachsen.
Die Beschwerdeführer bestreiten, gegen die Bestimmungen des AIG
verstossen zu haben und verweisen dabei auf das Rundschreiben SEM-
SECO. Sie vermögen jedoch nicht darzulegen, inwiefern die Strafbefehle
fehlerhaft sein sollen: Das von ihnen angeführte, das Bundesverwaltungs-
gericht nicht bindende Rundschreiben (vgl. dazu BGE 140 II 88 E. 5.1.2;
vgl. auch HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7.
Auflage 2016, Rz. 81 f.) basiert auf dem Abkommen vom 30. Oktober 2000
zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und dem Ministerkabinett der
Ukraine über den grenzüberschreitenden Personen- und Güterverkehr auf
der Strasse (SR 0.741.619.767). Dieses sieht in Art. 3 (Randtitel: Perso-
nenbeförderungen) gewisse Ausnahmen von den Bewilligungspflichten
des AIG vor. Darunter fallen die gelegentliche Personenbeförderung (Art. 3
Ziff. 1 Bst. a und b), Transitfahrten (Art. 3 Ziff. 1 Bst. c), Pendelfahrten (Art.
3 Ziff. 2 erstes Lemma) und Leerfahrten (Art. 3 Ziff. 2 zweites Lemma).
Keine der Ausnahmen ist vorliegend einschlägig: Die Beschwerdeführer
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haben zwei Mal im Monat Personen von der Ukraine in die Schweiz beför-
dert, weshalb die Dienstleistung aufgrund deren Regelmässigkeit nicht un-
ter den gelegentlichen Personenverkehr fällt. Auch handelte es sich dabei
offensichtlich nicht um Leer- oder Transitfahrten. Als Pendelverkehr wer-
den touristische Beförderungsfahrten, wobei im Voraus zusammenge-
fasste Personengruppen an einem gemeinsamen Bestimmungspunkt ab-
gesetzt werden, die dann bei einer späteren Fahrt, die vom gleichen Un-
ternehmen ausgeführt wird, wieder an ihren gemeinsamen Ausgangspunkt
zurückgebracht werden, definiert (Art. 2 Ziff. 4). Die Beschwerdeführer ma-
chen nicht geltend, dass die in die Schweiz beförderten Personengruppen
von ihnen in derselben Zusammensetzung zu einem späteren Zeitpunkt
wieder an ihren gemeinsamen Ausgangspunkt in der Ukraine gebracht
wurden. Da keiner der Ausnahmetatbestände des Abkommens greift, un-
terstehen die Beschwerdeführer dem AIG und damit der Visumspflicht (Art.
5 AIG i.V.m. Art. 8 Abs. 4 Bst. a der Verordnung vom 15. August 2018 über
die Einreise und die Visumerteilung [VEV; SR 142.204] und deren Anhang
2) sowie der Bewilligungspflicht für die Erbringung von grenzüberschreiten-
den Dienstleistungen (Art. 11 AIG i.V.m. Art. 14 VZAE).
6.3 Die Beschwerdeführer haben mit dem Verstoss gegen das AIG (und
das SVG) den Fernhaltegrund der Verletzung der öffentlichen Sicherheit
und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG gesetzt, womit die
Voraussetzungen für den Erlass des jeweiligen Einreiseverbotes erfüllt
sind.
7.
Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführer in ihrem Vertrauen in die Auskunft
der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich zu schützen sind.
7.1 Private haben Anspruch darauf, in ihrem berechtigten Vertrauen in be-
hördliche Zusicherungen oder in anderes, bestimmte Erwartungen begrün-
dendes Verhalten der Behörden geschützt zu werden (Schutz von Treu und
Glauben, Art. 9 BV). Vorausgesetzt wird unter anderem, dass die Auskunft
von der Behörde vorbehaltlos erteilt wurde und sich auf einen konkreten,
den betroffenen Privaten berührenden Sachverhalt bezieht (vgl. BGE 137
II 182 E. 3.6.2, 131 II 627 E. 6.1; WIEDERKEHR/RICHLI, Praxis des allgemei-
nen Verwaltungsrechts, Bd. I, 2012, Rz. 2057).
7.2 Die Beschwerdeführer erkundigten sich bei der Volkswirtschaftsdirek-
tion des Kantons Zürich über die Einreisebestimmungen und eine allfällige
Bewilligungspflicht. Daraufhin wurde ihnen das Rundschreiben SEM-
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SECO, welches über die ausländerrechtlichen Vorschriften für ausländi-
sche Transportdienstleister informiert, übermittelt. Eine Zusicherung, wo-
nach ihre Tätigkeit nicht der Bewilligungspflicht untersteht, hat die Volks-
wirtschaftsdirektion nicht gegeben. Vielmehr hat sie es den Beschwerde-
führern überlassen, anhand des Rundschreibens zu prüfen, ob die von
ihnen erbrachte Dienstleistung der Bewilligungspflicht untersteht. Eine vor-
behaltlose Auskunft in Bezug auf ihre konkrete Situation liegt somit nicht
vor. Es wäre ihnen im Übrigen freigestanden, sich bei Unklarheiten im Zu-
sammenhang mit dem Rundschreiben nochmals mit der Volkswirtschafts-
direktion in Verbindung zu setzen. Dies haben sie jedoch – soweit aus den
Akten ersichtlich – unterlassen.
7.3 Bei dieser Sachlage können sich die Beschwerdeführer nicht auf den
Vertrauensschutz berufen.
8.
8.1 Der Bestand und die Dauer des Einreiseverbotes sind in jedem Fall
unter dem Blickwinkel der Verhältnismässigkeit staatlichen Handelns (Art.
5 Abs. 2 BV, Art. 96 Abs. 1 AIG) zu überprüfen. Eine Prognose, für welchen
Zeitraum die Sicherungsmassnahme notwendig sein wird, ist naturgemäss
nicht möglich. Abstufungen betreffend die Dauer ergeben sich aus der wer-
tenden Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Fernhaltung
und den privaten Interessen, welche die betroffene Person an der zeitli-
chen Beschränkung der Massnahme hat (BVGE 2016/33 E. 9.2; 2014/20
E. 8.1). Ausgangspunkt der Überlegungen bilden die Stellung der verletz-
ten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidri-
gen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse der betroffenen auslän-
dischen Person (Art. 96 Abs. 1 AIG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHL-
MANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 555 ff.).
8.2 Die Beschwerdeführer haben gegen die Bestimmungen des AIG und
der Beschwerdeführer 1 zusätzlich gegen jene des SVG verstossen, wobei
festzuhalten ist, dass sie Erstere lediglich fahrlässig verletzt haben. Sie
hatten sich vorab bei der Volkswirtschaftsdirektion nach einer allfälligen
Bewilligungspflicht erkundigt. Das ihnen zugesandte Rundschreiben SEM-
SECO ist nicht einfach verständlich, weshalb eine Fehlinterpretation durch-
aus möglich ist. Als sie angehalten und kontrolliert wurden, zeigten sie sich
kooperativ und erteilten Auskunft. Nach ihrer Rückkehr in die Ukraine be-
mühten sie sich bei der Schweizer Botschaft in Kiew um eine entspre-
chende Bewilligung. Vor diesem Hintergrund erscheint die Wahrscheinlich-
keit, dass sie in Zukunft erneut gegen ausländerrechtliche Bestimmungen
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verstossen werden, als äusserst klein. Aus spezialpräventiver Sicht besteht
folglich ein geringes Interesse an ihrer Fernhaltung. Das öffentliche Inte-
resse liegt damit hauptsächlich in der Generalprävention, gilt es doch, zum
Schutz der ausländerrechtlichen Ordnung eine konsequente Massnah-
menpraxis durchzusetzen und auch Dritte von der Begehung gleichartiger
Verfehlungen abzuhalten.
8.3 Die Beschwerdeführer führen keine privaten Interessen an, welche ei-
nem Einreiseverbot entgegenstünden. Jedoch ergibt sich aus den Akten,
dass durch das Einreiseverbot, welches für den gesamten Schengen-
Raum gilt, eine ihrer Einnahmequellen versiegt.
8.4 Nach Abwägung der sich gegenüberstehenden Interessen und unter
Berücksichtigung der Praxis in ähnlich gelagerten Fällen erweist sich die
Dauer des Einreiseverbotes von zwei Jahren als unverhältnismässig, wes-
halb die gegen die Beschwerdeführer verhängten Einreiseverbote auf ein
Jahr zu befristen sind (vgl. bspw. Urteile des BVGer F-3614/2019 vom
26. Oktober 2017 [einjähriges Einreiseverbot wegen Erwerbstätigkeit ohne
Bewilligung] und F-5969/2016 vom 28. September 2017 [zweijähriges Ein-
reiseverbot wegen rechtswidriger Einreise, rechtswidrigen Aufenthaltes
und Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung]). Zu berücksichtigen ist, dass in kei-
nem der zitierten Fälle die Betroffenen im Vorfeld Auskünfte eingeholt und
sich bemüht hatten, die Rechtslage abzuklären.
9.
Nicht zu beanstanden ist, dass den Beschwerdeführern die Einreise in das
Hoheitsgebiet sämtlicher Schengen-Staaten verboten wurde (vgl. Art. 21
i.V.m. Art. 24 Ziff. 3 SIS-II-Verordnung), handelt es sich doch vorliegend um
einen Verstoss gegen nationale Rechtsvorschriften über die Einreise und
den Aufenthalt.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtenen Einreisever-
bote dem Grundsatz nach zu bestätigen sind, die festgelegte Dauer jedoch
Bundesrecht verletzt, soweit sie über ein Jahr hinausgeht (vgl. Art. 49
VwVG). Entsprechend sind die Beschwerden teilweise gutzuheissen und
die Dauer der Einreiseverbote auf ein Jahr – in Bezug auf den Beschwer-
deführer 1 bis zum 13. November 2020 und in Bezug auf den Beschwer-
deführer 2 bis zum 20. November 2020 – zu befristen.
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11.
11.1 Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind den Beschwerde-
führern im Umfang des Unterliegens jeweils (ermässigte) Verfahrenskos-
ten, welche sich vorliegend auf je Fr. 500.– belaufen, aufzuerlegen (Art. 63
Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
11.2 Für die notwendigen Kosten der Rechtsvertretung ist den Beschwer-
deführern im Umfang des Obsiegens eine (gekürzte) Parteientschädigung
zuzusprechen. Diese geht zulasten der Vorinstanz (vgl. Art. 64 Abs. 1 und
Abs. 2 VwVG). Mangels einer Kostennote setzt das Gericht die Parteient-
schädigung nach pflichtgemässem Ermessen fest (Art. 14 Abs. 2 VGKE).
Die Höhe der Entschädigung ist unter Berücksichtigung der massgeben-
den Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) auf insgesamt Fr. 2'000.– fest-
zulegen. Diese ist nach Massgabe des teilweisen Obsiegens auf insgesamt
Fr. 1’000.– zu kürzen. Den Beschwerdeführern ist somit eine reduzierte
Parteientschädigung von je Fr. 500.– zuzusprechen.
(Dispositiv nachfolgende Seite)
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