Decision ID: 8b4e99f1-cbad-4702-ab6e-085a9193380e
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist italienische Staatsangehörige; sie wurde in A geboren, wo sie auch aufwuchs
und die obligatorische Schulzeit absolvierte. Während eines Auslandaufenthalts in
Italien erwarb sie am 24. Juni 2011 den Führerausweis der Fahrzeugkategorie B. Seit
dem 1. September 2013 ist sie als [...] bei der B. AG in C. tätig.
B.- Am 6. April 2016 stellte X beim Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons
St. Gallen ein Gesuch um Umtausch des italienischen Führerausweises in einen
schweizerischen. Das Strassenverkehrsamt eröffnete ein entsprechendes Verfahren,
teilte X mit, dass es in Betracht ziehe, ihr den ausländischen Führerausweis auf
unbestimmte Zeit abzuerkennen, und gewährte ihr das rechtliche Gehör. Am 10. Mai
2016 nahm der von X inzwischen mandatierte Rechtsvertreter Stellung. Mit Verfügung
vom 19. Mai 2016 verweigerte das Strassenverkehrsamt X den Umtausch des
ausländischen Führerausweises gegen einen schweizerischen Führerausweis, weil
dieser unter Umgehung der Zuständigkeitsbestimmungen im Ausland erworben
worden sei (Ziffer 1 des Rechtsspruchs). Gleichzeitig aberkannte es ihr ab sofort auf
unbestimmte Zeit das Recht, mit ausländischen und internationalen Führerausweisen in
der Schweiz Motorfahrzeuge zu führen (Ziff. 2), und ordnete an, dass X einen
Lernfahrausweis beantragen und eine vollständige schweizerische Führerprüfung
absolvieren müsse, wenn sie in der Schweiz Motorfahrzeuge führen wolle (Ziff. 3).
Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Ziff. 4) und X
wurden die Verfahrenskosten auferlegt (Ziff. 5).
C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 6. Juni
2016 und Ergänzung vom 22. Juni 2016 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission.
Sie beantragte, unter Kosten- und Entschädigungsfolge seien die angefochtene
Verfügung vollumfänglich aufzuheben und der Umtausch des ausländischen
Führerausweises in einen schweizerischen anzuordnen. Eventualiter sei die
angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die
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Vorinstanz zurückzuweisen. Die Vorinstanz verzichtete am 7. Juli 2016 auf eine
Vernehmlassung. Mit Eingabe vom 18. Juli 2016 reichte der Rechtsvertreter von X ein
zusätzliches Aktenstück ein, welches der Vorinstanz mit Schreiben vom 19. Juli 2016
zur Kenntnis gebracht wurde.

Auf die Ausführungen der Rekurrentin wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 6. Juni 2016 gegen die Verfügung
des Strassenverkehrsamtes vom 19. Mai 2016 (zugestellt am 23. Mai 2016) ist
rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 22. Juni
2016 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41
lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Die Vorinstanz hat der Rekurrentin mit Verfügung vom 19. Mai 2016 das Recht, mit
dem ausländischen Führerausweis der Fahrzeugkategorie B in der Schweiz
Motorfahrzeuge zu führen, ab sofort auf unbestimmte Zeit aberkannt und ihr den
Umtausch des ausländischen Führerausweises gegen einen schweizerischen Ausweis
verweigert, weil dieser unter Umgehung der Zuständigkeitsbestimmungen im Ausland
erworben worden sei. Zu prüfen ist, ob die Rekurrentin aufgrund des italienischen
Führerausweises zum Führen von Motorfahrzeugen der Fahrzeugkategorie B in der
Schweiz und zum Erwerb des schweizerischen Ausweises der Fahrzeugkategorie B
ohne neue Prüfung berechtigt ist.
3.- a) Motorfahrzeugführer aus dem Ausland dürfen in der Schweiz nur dann
Motorfahrzeuge führen, wenn sie einen gültigen nationalen Führerausweis oder einen
gültigen internationalen Führerausweis besitzen (Art. 42 Abs. 1 der Verordnung über die
Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr, SR 741.51, abgekürzt:
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VZV). Sind sie länger als zwölf Monate in der Schweiz und haben sich in dieser Zeit
nicht länger als drei Monate ununterbrochen im Ausland aufgehalten, benötigen sie
einen schweizerischen Führerausweis (Art. 42 Abs. 3 lit. a VZV). Dessen Erwerb
richtet sich nach Art. 44 VZV. Dem Inhaber eines gültigen nationalen ausländischen
Ausweises wird der schweizerische Führerausweis der entsprechenden Kategorie
erteilt, wenn er auf einer Kontrollfahrt nachweist, dass er die Verkehrsregeln kennt und
Fahrzeuge der Kategorien, für die der Ausweis gelten soll, sicher zu führen versteht
(Art. 44 Abs. 1 VZV). Nur wenn der Ausweis von einem Staat ausgestellt worden ist, der
auf der so genannten Länderliste steht, entfällt diese Kontrollfahrt (Philippe
Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 22 N
11).
b) Das Führen eines Motorfahrzeuges in der Schweiz setzt den Besitz eines
schweizerischen Führerausweises voraus (Art. 10 Abs. 2 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG), soweit nicht ausländische
Ausweise durch das schweizerische Recht anerkannt sind. Ohne die Anerkennung
vermögen ausländische Ausweise keine Wirkung zu entfalten (BGE 108 Ib 57 E. 2;
Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I, 2. Aufl.
2002, Rz. 377). Der Führerausweis wird von der Verwaltungsbehörde am Wohnsitz des
Fahrzeugführers erteilt und entzogen (Art. 22 Abs. 1 SVG), wobei sich der Wohnsitz im
Sinne des Strassenverkehrsgesetzes nach den Vorschriften des schweizerischen
Zivilgesetzbuchs bestimmt (SR 210, abgekürzt: ZGB; Philippe Weissenberger, a.a.O.,
Art. 10 N 7 und Art. 22 N 6, mit Hinweis auf BGE 129 II 175 E. 2.1; BSK SVG-Rütsche/
Schneider, Basel 2014, Art. 22 N 33). Demnach befindet sich der Wohnsitz einer
Person an dem Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält (Art. 23
Abs. 1 erster Halbsatz ZGB). Massgebend ist der Ort, wo sich der Mittelpunkt der
Lebensbeziehungen befindet. Der Wohnsitz bleibt an diesem Ort bestehen, solange
nicht anderswo ein neuer begründet wird (Art. 24 Abs. 1 ZGB). Niemand kann an
mehreren Orten gleichzeitig seinen Wohnsitz haben (Art. 23 Abs. 2 ZGB). Auch ein zum
vornherein bloss vorübergehender Aufenthalt kann einen Wohnsitz begründen, wenn er
auf eine bestimmte Dauer angelegt ist und der Lebensmittelpunkt dorthin verlegt wird.
Besteht der Wille, einen Ort später zu verlassen, schliesst dies eine
Wohnsitzbegründung nicht aus. Die Absicht des dauernden Verweilens muss nur im
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Moment der Begründung des Wohnsitzes bestanden haben (BSK ZGB I-Staehelin,
5. Aufl. 2014, Art. 23 N 19b).
Gemäss Art. 23 Abs. 1 zweiter Halbsatz ZGB begründet der Aufenthalt zum Zweck der
Ausbildung oder der Aufenthalt zu anderen Sonderzwecken für sich allein keinen
Wohnsitz. Diese Bestimmung schliesst die Wohnsitznahme am Aufenthaltsort nicht
aus, sondern begründet lediglich die widerlegbare Vermutung, der Lebensmittelpunkt
sei nicht an den fraglichen Ort verlegt worden. Wer seinen Lebensmittelpunkt freiwillig
an den Ausbildungsort verlegt und sich mit der Absicht des dauernden Verbleibens
dort aufhält, begründet daselbst einen Wohnsitz und behält nicht gemäss Art. 24 Abs.
1 ZGB seinen bisherigen Wohnsitz als fiktiven bei (BSK ZGB I-Staehelin, a.a.O., Art. 23
N 19d mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Ob sich der Wohnsitz mündiger
Studierender am Studienort oder noch am bisherigen Ort befindet, beurteilt sich nach
ähnlichen Kriterien, wie bei den arbeitenden Wochenaufenthaltern. Aufgrund des
Wortlauts von Art. 23 ZGB sind jedoch strengere Anforderungen an die Begründung
des Wohnsitzes am Studienort als am Arbeitsort zu stellen. Erforderlich für eine
Wohnsitzverlegung an den Studienort sind demnach eine enge Beziehung zum
Studienort und eine starke Lockerung der Beziehungen zum bisherigen Wohnort, die
sich dadurch manifestieren, dass der Studierende nur noch selten, insbesondere auch
nicht mehr in den Semesterferien, zurückkehrt (BSK ZGB I-Staehelin, a.a.O., Art. 23 N
19f mit Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung).
c) Ausländische Führerausweise können in der Schweiz nach den gleichen
Bestimmungen aberkannt werden, die für den Entzug des schweizerischen
Führerausweises gelten (Art. 45 Abs. 1 Satz 1 VZV). Nach Art. 45 Abs. 1 Satz 2 VZV
sind sie ausserdem auf unbestimmte Zeit abzuerkennen, wenn sie unter Umgehung der
schweizerischen oder ausländischen Zuständigkeitsbestimmungen im Ausland
erworben worden sind. Daraus folgt jedoch nicht, dass ausländische Führerausweise,
die in der Schweiz nicht verwendet werden dürfen, stets abzuerkennen sind. Die
schweizerischen Zuständigkeitsbestimmungen gestatten vielmehr einer in der Schweiz
wohnhaften Person, in einem ausländischen Staat den Führerausweis zu erwerben,
wenn der Betreffende diesen nur im Ausland verwenden will. Erst wenn aufgrund der
objektiven Umstände mit der Möglichkeit zu rechnen ist, dass der betreffende Inhaber
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den Ausweis in der Schweiz unzulässiger Weise benützen könnte, liegt eine Umgehung
der schweizerischen Zuständigkeitsbestimmungen vor (BGE 129 II 175 E. 2.5).
4.- Die Rekurrentin macht geltend, sie habe ihren Wohnsitz von 2008 bis 2013 in Italien
gehabt und den ausländischen Führerausweis im Juni 2011 daher nicht unter
Umgehung der Zuständigkeitsbestimmungen im Ausland erworben. Sie sei nach
Abschluss der ordentlichen Schulpflicht im Jahr 2008 als damals 15-jährige nach Italien
gegangen, um in D in der Provinz E (dem Heimatort ihrer Grosseltern mütterlicherseits)
einen italienischen Sprachkurs zu absolvieren. Anstatt des ursprünglich beabsichtigten
kurzen Sprachaufenthaltes habe sich dann ein längerer Verbleib ergeben, in der sie die
italienische Maturitätsschule besucht und im Jahr 2013 abgeschlossen habe. Während
ihres Aufenthalts in Italien habe sie ununterbrochen bei ihren Grosseltern in D gewohnt.
Sie habe ihre Freundschaften und Beziehungen in der Schweiz auslaufen lassen
müssen und sei nur jeweils im Sommer für eine bis zwei Wochen nach A
zurückgekehrt. Ihre Eltern hätten sie demgegenüber wochenweise und häufig in Italien
besucht. Aufgrund der örtlichen Entfernungen habe sie umgehend nach Erreichen des
Mündigkeitsalters in Italien den Führerschein erworben. Nachdem ihr dieser am 24.
Juni 2011 ausgestellt worden sei, habe sie sich ein Fahrzeug gekauft und diesen in
Italien versichert. Es sei beabsichtigt gewesen, nach dem Maturitätsabschluss mit
einem universitären Studium fortzufahren und anschliessend zusammen mit ihren
gleichaltrigen Cousinen in Italien eine Berufstätigkeit aufzunehmen. Da sie im August
2013 von ihrer jetzigen schweizerischen Arbeitgeberin jedoch eine einmonatige
Schnupperlehre angeboten bekommen habe und ihr hernach eine Stelle als [...]
ermöglicht worden sei, hätte sie sich gegen ein Studium in Italien entschieden und
stattdessen die international ausgerichtete Stelle in der Schweiz angenommen. Wie bei
ihrem Wegzug aus der Schweiz im Jahr 2008 habe sie es bei ihrem Umzug in die
Schweiz versäumt, sich formell korrekt in Italien abzumelden; sie sei am 21. April 2010
in das Einwohnerregister von D aufgenommen worden und nach wie vor dort gemeldet.
Da sie sich zum Zeitpunkt des Erwerbs des Führerausweises mit der Absicht des
dauernden Verweilens in Italien aufgehalten und in D ihren Lebensmittelpunkt gehabt
habe, sei ihr auf Basis des italienischen Führerausweises ein schweizerischer
Führerausweis auszustellen. Abgesehen davon sei sie beruflich auf den Führerausweis
angewiesen und ihr automobilistischer Leumund ungetrübt (act. 5 und 12).
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5.- Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz den Wohnsitz der Rekurrentin zum Zeitpunkt der
Erteilung des Führerausweises im Juni 2011 zu Recht in der Schweiz angenommen hat.
a) Die Rekurrentin wurde 1993 in A geboren und wuchs bis 2008 in der Schweiz auf.
Nach Abschluss der obligatorischen Schulpflicht zog sie – gemäss eigenen Aussagen
zunächst mit dem Gedanken eines kurzen Sprachaufenthalts – als 15-jährige zu ihren
Verwandten nach Italien. Dort wohnte sie bis zu ihrer Rückkehr in die Schweiz im
August 2013 bei ihren Grosseltern an der Via [...] in D in der Provinz E (act. 6/4, 6/9 und
13). Während ihres fünfjährigen Aufenthalts in Italien besuchte sie von 2008 bis zu
ihrem Abschluss im Schuljahr 2012/2013 die italienische Maturitätsschule in F (act. 6/8,
10/17 und 10/23 f.). Im August 2013 lud ihre spätere Arbeitgeberin sie zu einer
Schnupperwoche in die Schweiz ein und am 1. September 2013 trat die Rekurrentin in
C eine Stelle als [...] an (act. 6/7). Der Aufenthalt der Rekurrentin in Italien war damit
primär der Ausbildung gewidmet. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie während
dieser Zeit dort keinen Wohnsitz begründen konnte (vgl. E. 3 lit. b). Unabhängig davon,
wo die Rekurrentin im Kindesalter ihren Wohnsitz hatte (vgl. Art. 25 Abs. 1 ZGB), hielt
sie sich nach Erreichen der Volljährigkeit im März 2011 (weiterhin) freiwillig und
selbstbestimmt in Italien auf. Auch nach Erreichen der Mündigkeit besuchte sie die
Maturitätsschule in F und wohnte sie bei ihren Grosseltern in D. Dass sie beabsichtigte,
nach ihrer italienischen Matura mit einem Studium fortzufahren und anschliessend in
Italien eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen (act. 5, S. 6), erscheint glaubwürdig. Die
Rekurrentin ist italienische Staatsangehörige (act. 10/16) und verfügt über
verwandtschaftliche Beziehungen in Italien. Sie besuchte von 2008 bis 2013 die
italienische Maturitätsschule und wohnte ununterbrochen in D, dem Heimatdort ihrer
Grosseltern mütterlicherseits. Das Leben in Italien hat ihr nach eigenen Aussagen gut
gefallen (act. 5, S. 4) und ihr tägliches Leben spielte sich während fünf Jahren
ausschliesslich in D und Umgebung ab. Aufgrund der grossen Distanz zwischen A und
D von rund 1‘000 km (vgl. www.google.ch/maps) war ein Pendeln zwischen den beiden
Orten ebenfalls nicht möglich. Den Mittelpunkt ihrer Lebensbeziehungen hatte die
Rekurrentin somit während fünf Jahren ununterbrochen in Italien. Ihr Aufenthalt in D
beruhte auf ihrem eigenen Willensentschluss und war – insbesondere auch im
Zeitpunkt des Erreichens der Mündigkeit – auf eine längere Dauer angelegt, was auch
für Aussenstehende erkennbar war. Wie die Rekurrentin ausführte, kam sie während
ihres fünfjährigen Auslandaufenthalts nur jeweils im Sommer für eine bis zwei Wochen
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ferienhalber in die Schweiz zurück (act. 5, S. 5). Mit Blick auf die Distanz zwischen D
und A sowie die Verbindung zu ihrem Wohnort in Italien (Schule, Verwandtschaft)
erscheint dies glaubhaft. Dazu kann angenommen werden, dass sich die sozialen
Beziehungen der Rekurrentin in der Schweiz mit der Zeit lockerten und sie in Italien
soziale und gesellschaftliche Kontakte knüpfen konnte, die zu einer engen
Verbundenheit zu ihrem italienischen Wohnort führten. Dafür spricht auch, dass die
Rekurrentin seit ihrer Rückkehr in die Schweiz ihre Ferien in D verbringt und dort ihre
Freunde und Verwandte besucht (act. 5, S. 10). In den Akten finden sich zudem keine
Hinweise, wonach die Rekurrentin während ihres Italienaufenthalts regelmässig
(Wochenende, Semesterferien) in die Schweiz zurückkehrte. Ausser der Tatsache, dass
ihre Eltern in A wohnten (und nach wie vor wohnen), liegen auch keine Anhaltspunkte
vor, wonach sie während dieser Zeit noch Beziehungen zur Schweiz pflegte. Es war
somit naheliegend, dass die Rekurrentin unmittelbar nach Erreichen der Mündigkeit im
Jahr 2011 in Italien den Führerausweis erwarb (act. 6/3 und 6/4), sich später ein
Fahrzeug kaufte (act. 6/5) und dieses in Italien versichern liess (act. 6/6). Dass die
Rekurrentin Italien im August 2013 wieder verliess und zurück in die Schweiz zog, ist
schliesslich darauf zurückzuführen, dass sie von ihrer aktuellen Arbeitgeberin zu einer
einmonatigen Schnupperlehre in die Schweiz eingeladen und ihr eine Stelle angeboten
wurde (act. 6/7). Auch dies lässt vermuten, dass ihr Aufenthalt in Italien ursprünglich
auf eine längere Dauer ausgerichtet war.
b) In Anbetracht dieser Umstände ist anzunehmen, dass sich der Lebensmittelpunkt
der Rekurrentin und damit auch ihr Wohnsitz – trotz des Ausbildungscharakters ihres
Aufenthalts – im Zeitpunkt der Erteilung des Führerausweises im Juni 2011 in Italien
befanden (vgl. E. 3 lit. b). Der Umstand, dass sie gemäss Ausführungen der Vorinstanz
seit ihrer Geburt ununterbrochen in der Schweiz gemeldet sei, führt zu keiner anderen
Betrachtungsweise, weil für den Wohnsitz nicht massgebend ist, wo eine Person
angemeldet ist und ihre Schriften hinterlegt hat (BSK ZGB I-Staehelin, a.a.O., Art. 23 N
23 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Offensichtlich nimmt es die Rekurrentin mit
dem An- und Abmelden bei den Einwohnerämtern nicht so genau. Die Anmeldung und
Hinterlegung der Schriften stellen jedoch lediglich Indizien für die Absicht des
dauernden Verbleibens dar. Abgesehen davon ist die Rekurrentin seit dem 21. April
2010 (auch) in Italien angemeldet (act. 13). Eine Umgehung der Bestimmungen der VZV
über den Erwerb des schweizerischen Führerausweises liegt damit nicht vor. Dagegen
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spricht insbesondere auch, dass die Rekurrentin nach dem Erwerb des italienischen
Führerausweises noch mehr als zwei Jahre in Italien verbrachte und dort die Schule
besuchte, ehe sie in die Schweiz zurückkehrte. Zu berücksichtigen ist weiter, dass die
Rekurrentin im August 2013 nicht in die Schweiz zurückkam, weil sie die
Bestimmungen über den Führerausweis auf Probe umgehen wollte, sondern weil sie
ihren Schulabschluss gemacht hatte und eine Stelle in der Schweiz antreten konnte. Im
Übrigen war die Rekurrentin zum Zeitpunkt ihrer Wohnsitznahme in der Schweiz bereits
mehr als zwei Jahre im Besitz eines gültigen italienischen Führerausweises. Nach der
Rückkehr durfte sie in der Schweiz noch während eines Jahres mit dem italienischen
Führerausweis fahren. Während dieser Zeit lief die dreijährige Probezeit und die
Verpflichtung zur Weiterbildung, die Neulenker zu bestehen haben (vgl. Art. 15a Abs. 1
und 2 SVG), ab und der schweizerische Führerausweis wäre ihr schon dazumal
definitiv (und nicht auf Probe) zu erteilen gewesen (vgl. Art. 44a Abs. 1 VZV). Der
schweizerische Führerausweis ist auch deshalb nicht auf Probe zu erteilen, weil der
italienische Führerausweis nach dem 1. Dezember 2005 ausgestellt wurde und im
Zeitpunkt der Wohnsitznahme in der Schweiz bereits mehr als ein Jahr gültig war (vgl.
Art. 44a Abs. 2 lit. b VZV). Der Umtausch des ausländischen Führerausweises wurde
der Rekurrentin somit zu Unrecht verweigert. Da Inhaber eines italienischen
Führerausweises von der Kontrollfahrt gemäss Art. 44 Abs. 1 VZV befreit sind
(vgl. Länderliste betreffend Ausnahme von der Kontrollfahrt, Anhang 2 zum
Kreisschreiben ASTRA vom 1. Oktober 2013, abrufbar unter: www.astra.admin.ch), ist
die Rekurrentin ohne neue Prüfung zum Erwerb eines schweizerischen Führer-
ausweises berechtigt (vgl. auch Art. 4 des Abkommens zwischen dem Schweizerischen
Bundesrat und der Regierung der Republik Italien über die gegenseitige Anerkennung
und den Umtausch von Führerausweisen vom 4. Dezember 2015, in Kraft seit 11. Juni
2016, SR 0.741.531.945.4).
6.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs gutzuheissen und die angefochtene
Verfügung der Vorinstanz vom 19. Mai 2016 vollumfänglich aufzuheben ist. Die
Vorinstanz ist anzuweisen, den italienischen Führerausweis der Rekurrentin gegen
einen schweizerischen Führerausweis umzutauschen.
7.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1‘200.– erscheint
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angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Rekurrentin ist der Kostenvorschuss von Fr. 1‘200.– zurückzuerstatten.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Rekurrentin gemäss Art. 98 Abs. 2 und
Art. 98 VRP Anspruch auf die vollständige Entschädigung ihrer ausseramtlichen
Kosten, soweit diese als notwendig und angemessen erscheinen. Im Rekursverfahren
war der Beizug eines Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine
Kostennote eingereicht, weshalb die ausseramtliche Entschädigung ermessensweise
festzusetzen ist. Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar
als Pauschale ausgerichtet, und zwar liegt der Rahmen zwischen Fr. 1‘000.– und Fr.
12‘000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO). Das Prozessthema war vorliegend auf die
Verweigerung des Umtausches des ausländischen Führerausweises und die
Aberkennung des Rechts, mit ausländischen und internationalen Führerausweisen in
der Schweiz Motorfahrzeuge zu führen, beschränkt. Der Aktenumfang war gering und
es stellten sich weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht schwierige Fragen.
Insgesamt erscheint ein Honorar von Fr. 1‘600.– als angemessen. Hinzuzuzählen sind
die Barauslagen von Fr. 64.– und die Mehrwertsteuer von Fr. 133.10 (Art. 28 Abs. 1
und Art. 29 HonO), so dass die ausseramtliche Entschädigung insgesamt Fr. 1‘797.10
beträgt; entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrsamt).