Decision ID: ee88be0a-a1c3-4474-a238-4fcd5bd563d2
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Emelle Eglenceoglu, Gilmstrasse 2,
AT-6800 Feldkirch,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1969 geborene A._ war über die M._, bei der B._, damals C._ (FL), als
Betriebsmitarbeiterin tätig und dadurch bei der Suva unfallversichert, als sie am
11. Januar 2006 in einen Verkehrsunfall verwickelt wurde. Die Versicherte fuhr mit
ihrem Personenwagen auf einer Hauptstrasse in südlicher Richtung, als ein anderer, in
nördlicher Richtung fahrender Personenwagenlenker beabsichtigte, in die westlich der
Hauptstrasse gelegenen Parkplätze einzufahren und folglich nach links abzubiegen,
wobei er die Geschwindigkeit oder Entfernung des korrekt entgegenkommenden
Personenwagens der Versicherten falsch einschätzte und dadurch mit seiner rechten
vorderen Personenwagenecke gegen die Personenwagenfront der Versicherten stiess
(UV-act. 1, 4, 7). Die Versicherte zog sich dabei eine Zerrung bzw. Distorsion der
Halswirbelsäule (HWS) zu. Die erstbehandelnden Ärzte des Landeskrankenhauses
D._ (A) attestierten der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 2, 14,
17). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht.
A.b. Ende März 2006 nahm die Versicherte ihre Arbeit wieder auf (UV-act. 16, 17, 27,
29). Am 19. April 2006 wurde sie wegen anhaltend rezidivierender Zervikalgien vom
Landeskrankenhaus D._ an das Landeskrankenhaus E._ (A), Ambulanz -
Orthopädie, überwiesen (UV-act. 28), worauf auch weitere fachärztliche
Untersuchungen durch Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie (UV-
act. 33), Dr. med. G._, Fachärztin für HNO-Heilkunde (UV-act. 43), und Dr. med.
H._, Oberarzt am Krankenhaus I._ (A), Facharzt für Unfallchirurgie (UV-act. 47),
folgten. Das Gutachten von Dr. H._ vom 8. Januar 2007 wurde auf eigene
Veranlassung und auf Kosten der Versicherten erstellt. Am 8. Mai 2007 erfolgte eine
abschliessende kreisärztliche Aktenbeurteilung durch Dr. med. J._, Facharzt FMH für
Chirurgie, speziell Allgemein- und Unfallchirurgie (UV-act. 50).
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A.c Mit Verfügung vom 30. Mai 2007 stellte die Suva ihre Leistungen per 31. Mai 2007
mit der Begründung ein, die noch geklagten Beschwerden seien organisch nicht
hinreichend nachweisbar. Die Adäquanz sei aufgrund der massgebenden Kriterien
gemäss BGE 117 V 359 zu verneinen. Mangels Vorliegen adäquater Unfallfolgen
bestehe auch kein Anspruch auf weitere Geldleistungen in Form einer Invalidenrente
und/oder einer Integritätsentschädigung (UV-act. 52). Nach telefonischer und
persönlicher Vorsprache bei der Suva, wobei die Versicherte auf ihre Möglichkeit,
Einsprache zu erheben, aufmerksam gemacht worden war, davon jedoch nicht
Gebrauch machte (UV-act. 53, 54), erwuchs die Verfügung in Rechtskraft.
B.
B.a Mit Schreiben vom 3. Juli 2007 nahm die Versicherte zur Verfügung vom 30. Mai
2007 Stellung (UV-act. 56), worauf sie von der Suva mit Schreiben vom 11. Juli 2007
nochmals auf das sich in den medizinischen Akten gezeigte Fehlen von Unfallfolgen
sowie die zwischenzeitlich eingetretene Rechtskraft der Verfügung hingewiesen wurde
(UV-act. 57).
B.b Mit Schreiben vom 12. Juli 2010 teilte Rechtsanwältin Dr. Emelle Eglenceoglu,
Feldkirch, der Suva mit, dass sie mit Beschluss des Bezirksgerichts K._ vom
8. Februar 2010 zur Sachwalterin von A._ bestellt worden sei. Sie habe deren
Ansprüche, insbesondere eine Invalidenrente aus der Unfallversicherung, geltend zu
machen, weshalb sie um eine Stellungnahme hinsichtlich des weiteren Verfahrens
ersuche (UV-act. 58). Mit Schreiben vom 15. Dezember 2010 verwies die Suva
bezüglich der Versicherungsleistungen auf die Verfügung vom 30. Mai 2007, welche in
Rechtskraft erwachsen sei (UV-act. 59).
B.c Mit Schreiben vom 15. Dezember 2010 stellte die Rechtsvertreterin der
Versicherten unter Beibringung eines nervenfachärztlichen Gutachtens von Dr. med.
L._, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, allgemein beeideter und gerichtlich
zertifizierter Sachverständiger, ein Wiedererwägungsgesuch betreffend die Verfügung
vom 30. Mai 2007. Die Suva möge das Verfahren wieder aufnehmen und der
Versicherten aufgrund des Gutachtens von Dr. L._ rückwirkend eine Invalidenrente
im gesetzlichen Ausmass sowie die ihr gesetzlich zustehenden Geldleistungen zu
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gewähren. Tatsächlich leide die Versicherte seit dem Unfall an den Folgen und sei
seither nicht mehr arbeitsfähig. Als Unfallfolgen würden insbesondere psychische
Beeinträchtigungen vorliegen, die kausal auf den Unfall vom 11. Januar 2006
zurückzuführen seien (UV-act. 60).
B.d Mit Verfügung vom 5. Januar 2011 erklärte die Suva, dass sie das Schreiben der
Rechtsvertreterin der Versicherten vom 15. Dezember 2010 als
Wiedererwägungsgesuch und Revisionsgesuch zur Verfügung vom 30. Mai 2007
betrachte. Auf das Wiedererwägungsgesuch werde nicht eingetreten. Der
Nichteintretensentscheid könne nicht mit einem ordentlichen Rechtsmittel angefochten
werden. Nachdem auch die formellen Voraussetzungen für eine Revision infolge
fehlender neuer Tatsachen nicht erfüllt seien, könne auch auf das Revisionsgesuch
nicht eingetreten werden. Die Verfügung vom 30. Mai 2007 habe also nach wie vor
Gültigkeit (UV-act. 61).
C.
C.a Die Rechtsvertreterin der Versicherten erhob am 28. Mai 2011 Einsprache gegen
die Verfügung vom 5. Januar 2011. Sie beantragte, die Suva möge der Einsprache
Folge geben und das Verfahren wieder aufnehmen und der Versicherten aufgrund des
Gutachtens von Dr. L._ rückwirkend eine Invalidenrente im gesetzlichen Ausmass
sowie die ihr gesetzlich zustehenden Geldleistungen gewähren. Laut Gutachten von
Dr. L._ leide die Versicherte unter einer nachfolgend an den Unfall vom 11. Januar
2006 in Erscheinung getretenen, Gemütsstörung. Hierbei handle es sich um eine neue
Tatsache, die erst durch das Gutachten von Dr. L._ entdeckt worden sei. Die
Versicherte sei bereits vor Erlass der Verfügung vom 30. Mai 2007 in einer sehr
schlechten psychischen Verfassung gewesen, sodass es ihr nicht möglich gewesen
sei, sämtliche Tatsachen und Vorbringen fristgerecht vorzulegen bzw. zu erstatten (UV-
act. 62).
C.b Mit Entscheid vom 2. März 2011 trat die Suva, soweit sich die Einsprache gegen
den Nichteintretensentscheid betreffend das Wiedererwägungsgesuch richten sollte,
auf das Rechtsmittel nicht ein. Bezüglich des Revisionsgesuchs wies sie die
Einsprache ab (UV-act. 65).
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D.
D.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwältin
Dr. Eglenceoglu für die Versicherte am 4. April 2011 beim Verwaltungsgericht Luzern
eingereichte und von diesem gestützt auf Art. 58 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) dem
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen zuständigkeitshalber überwiesene
Beschwerde. Die Rechtsvertreterin beantragt, es sei aus dem Gebiet der Psychiatrie
ein Gutachten einzuholen. Des Weiteren wolle das Versicherungsgericht der
Beschwerde Folge leisten, das Verfahren wieder aufnehmen und dem Antrag
stattgeben, der Beschwerdeführerin rückwirkend eine Invalidenrente im gesetzlichen
Ausmass sowie die ihr gesetzlich zustehenden Geldleistungen zu gewähren. Beantragt
wird schliesslich die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung für das
Beschwerdeverfahren (act. G 1.1, act. G 2).
D.b Mit Beschwerdeantwort beantragt die Beschwerdegegnerin Abweisung der
Beschwerde (act. G 6).
D.c Mit Replik vom 31. Oktober 2011 hält die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
unverändert an ihren Anträgen gemäss Beschwerdeschrift vom 4. April 2011 fest (act.
G 8). Mit Duplik vom 23. November 2011 hält die Beschwerdegegnerin ihrerseits an
ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (act. G 10).
D.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
Mit Verfügung vom 5. Januar 2011 (UV-act. 61) trat die Beschwerdegegnerin auf das
Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführerin betreffend die rechtskräftige
Verfügung vom 30. Mai 2007 (fehlende Nachweisbarkeit von organischen Restfolgen
des Unfalls vom 11. Januar 2006, Verneinung von adäquat-kausalen Unfallfolgen,
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Verneinung eines Anspruchs auf weitere Geldleistungen in Form einer Invalidenrente
und/oder einer Integritätsentschädigung; UV-act. 52) nicht ein und hielt - soweit sich
die Einsprache dagegen richten sollte - im Einspracheentscheid vom 2. März 2011 (UV-
act. 65) am Nichteintretensentscheid fest. Nachdem im als Wiedererwägungsgesuch
bezeichneten Schreiben vom 15. Dezember 2010 keine Wiedererwägungsgründe
gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG geltend gemacht, sondern die Voraussetzungen für eine
prozessuale Revision der Verfügung im Sinn von Art. 53 Abs. 1 ATSG als gegeben
erachtet wurden, hat die Beschwerdegegnerin das Gesuch zu Recht auch unter dem
Blickwinkel der prozessualen Revision geprüft. Eine solche wurde bezüglich der
Verfügung vom 30. Mai 2007 mit Verfügung vom 5. Januar 2011 bzw.
Einspracheentscheid vom 2. März 2011 abgelehnt. Die Beschwerde vom 4. April 2011
gegen den Einspracheentscheid vom 2. März 2011 richtet sich einzig noch gegen die
Abweisung des Revisionsbegehrens. Die fehlende Rechtsmittelmöglichkeit gegen den
Nichteintretensentscheid betreffend das Wiedererwägungsgesuch (vgl. Ueli Kieser,
Kommentar zum ATSG, 2. Aufl. Zürich 2009, N 44 zu Art. 53; BGE 116 V 62, mit
weiteren Hinweisen) wurde von der Beschwerdeführerin offensichtlich akzeptiert.
Streitig ist damit die Frage, ob auf die formell rechtskräftige Verfügung vom 30. Mai
2007, worin die Beschwerdeführerin nach Auffassung der Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin von fehlerhaften Grundlagen ausgegangen ist, mittels
prozessualer Revision zurückzukommen ist.
2.
Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und Ein
spracheentscheide in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der
Versicherungsträger nach dem Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder
Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Als neu gelten
daher Tatsachen, welche sich bis zum Zeitpunkt, als im Hauptverfahren noch
tatsächliche Vorbringen prozessual zulässig waren, verwirklicht haben, jedoch der um
Revision ersuchenden Person trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren.
Demgegenüber bilden neue Tatsachen, die erst nach diesem Zeitpunkt eintraten,
keinen Revisionsgrund. Ebenso wenig als neu wird eine Tatsache dann betrachtet,
wenn das im Revisionsverfahren vorgebrachte Element lediglich eine neue Würdigung
einer bereits bekannten Tatsache in sich schliesst (vgl. BGE 127 V 358 E. 5b). Nach
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dem Wortlaut von Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen die neuen Tatsachen ferner erheblich
sein, d.h. sie müssen geeignet sein, die tatbeständliche Grundlage der Verfügung
dahingehend zu ändern, dass bei erneuter Entscheidfällung ein anderer Entscheid
resultiert (Kieser, a.a.O., N 13 f. zu Art. 53). Neue Beweismittel müssen sich ebenfalls
auf vorbestehende Tatsachen beziehen. Sie haben entweder dem Beweis der die
Revision begründenden neuen Tatsachen oder dem Beweis von
Tatsachenbehauptungen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen,
aber zum Nachteil der gesuchstellenden Person unbewiesen geblieben sind. Sollen
bereits vorgebrachte Tatsachen mit neuen Mitteln bewiesen werden, so hat der
Gesuchsteller darzutun, dass er die Beweismittel im früheren Verfahren nicht
beibringen konnte. Damit können - wie bei den neuen Tatsachen - nur diejenigen
Beweismittel angerufen werden, die trotz hinreichender Sorgfalt bisher nicht bekannt
waren bzw. nicht in das Verfahren eingebracht werden konnten (vgl. dazu BGE 122 V
273 E. 4). Eine Revision ist mithin zum vornherein ausgeschlossen, wenn die
vorgebrachten neuen Tatsachen und Beweismittel bereits im Rahmen des
vorangehenden Verfahrens oder auf dem Weg der Beschwerde hätten geltend
gemacht werden können (BGE 110 V 141 E. 2; RKUV 2001 Nr. KV 150 S. 68, 1991
Nr. K 855 S. 16, je mit Hinweisen; SVR 1997 IV Nr. 104 S. 319; Thomas Locher,
Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 467 f.). Bei den
Beweismitteln hat der Gesetzgeber bewusst das Kriterium der Erheblichkeit nicht
verwendet. Massgebendes Kriterium für die Anerkennung eines - neu aufgefundenen -
Beweismittels als Revisionsgrund bildet einzig die Frage, ob es vor der
Entscheidfällung beigebracht werden konnte. Diese besondere Betrachtungsweise
erklärt sich dadurch, dass angesichts der oft komplexen sachverhaltlichen Fragen das
Kriterium der Erheblichkeit eines Beweismittels gelegentlich kaum zu klären ist,
weshalb das Kriterium nicht im Rahmen der Eintretensprüfung, sondern bei der
materiellen Entscheidung Berücksichtigung finden soll (Kieser, a.a.O., N 16 zu Art. 53).
Die konkretisierenden Grundsätze, welche vor Inkrafttreten des ATSG betreffend das
Kriterium der Erheblichkeit bei den Beweismitteln festgelegt worden sind, finden jedoch
im Rahmen der materiellen Entscheidung ebenfalls analog Anwendung. So ist
ausschlaggebend, dass das Beweismittel nicht bloss der Sachverhaltswürdigung,
sondern der Sachverhaltsermittlung dient. Es genügt daher beispielsweise nicht, dass
ein neues Gutachten den Sachverhalt anders bewertet; vielmehr bedarf es neuer
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Elemente tatsächlicher Natur, welche die (früheren) Entscheidungsgrundlagen als
objektiv mangelhaft erscheinen lassen. Für die Revision eines Entscheids genügt es
nicht, dass der Gutachter aus den im Zeitpunkt des Haupturteils (oder des
verwaltungsmässigen Hauptentscheids) bekannten Tatsachen nachträglich andere
Schlussfolgerungen zieht als das Gericht (oder die Verwaltung). Auch ist ein
Revisionsgrund nicht schon gegeben, wenn die Verwaltung bereits im Hauptverfahren
bekannte Tatsachen möglicherweise unrichtig gewürdigt hat. Notwendig ist vielmehr,
dass die unrichtige Würdigung erfolgte, weil für den Entscheid wesentliche Tatsachen
nicht bekannt waren oder unbewiesen blieben (BGE 127 V 358 E. 5b; Urteil des EVG
vom 20. Juli 2005, U 34/05, E. 2.2.2, je mit Hinweisen).
3.
3.1 Vorliegend ist somit zu prüfen, ob mit dem nervenfachärztlichen Gutachten von
Dr. L._ vom 15. Oktober 2010 (UV-act. 60) die Revisionsvoraussetzungen im
umschriebenen Sinn erfüllt sind.
3.2 Nach Auffassung der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin stellt die im
fraglichen Gutachten diagnostizierte krankheitswertige Gemütsstörung eine neue
Tatsache dar. Die Beschwerdeführerin habe der Beschwerdegegnerin bereits damals
mitgeteilt, dass sie nicht beschwerdefrei sei. Dass sie allerdings als Unfallfolge an einer
psychischen Erkrankung leide, habe sie als Laie nicht wissen können, weshalb ihr
zweckdienliche Angaben darüber bzw. eine diesbezügliche konkrete Antragstellung
nicht möglich gewesen seien. Die Gemütsstörung sei nachfolgend an den
Verkehrsunfall vom 11. Januar 2006 in Erscheinung getreten und erst von Dr. L._
entdeckt worden. Da der Beschwerdeführerin die fragliche Diagnose vor Erlass der
Verfügung vom 30. Mai 2007 nicht bekannt gewesen sei, habe sie diese auch nicht
mitteilen bzw. beibringen können.
3.3 Richtig ist, dass mit dem Bericht von Dr. L._ vom 15. Oktober 2010 erstmals eine
von einem Facharzt gestellte psychiatrische Diagnose vorliegt. Die medizinischen
Abklärungen, auf welchen die Verfügung vom 30. Mai 2007 basiert - die in den
Landeskrankenhäusern D._ und E._ durchgeführten radiologischen
Untersuchungen (UV-act. 9, 10, 25), die neurologische Untersuchung durch Dr. F._
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(UV-act. 33), die otorhinolaryngologische Untersuchung durch Dr. G._ (UV-act. 43)
sowie die unfallchirurgische Begutachtung durch Dr. H._ (UV-act. 47) -, hatten die
Abklärung organischer Unfallrestfolgen zum Inhalt. Entsprechend enthält die Verfügung
vom 30. Mai 2007 die zentrale Aussage, dass aufgrund der Abklärungen die heute
noch geklagten Beschwerden organisch nicht hinreichend nachweisbar seien (UV-act.
52). Die Beschwerdegegnerin stellt sich dennoch in der Beschwerdeantwort vom 10.
Oktober 2011 (act. G 6) zutreffenderweise auf den Standpunkt, dass die
Beschwerdeführerin mit den im Gutachten von Dr. L._ gemachten Feststellungen
keine neue erhebliche Tatsache darzulegen vermag, die nicht früher - also vor
Verfügungserlass im Mai 2007 - beizubringen gewesen wäre. So gingen auch einige
der vorgenannten untersuchenden Ärzte offensichtlich davon aus, dass die
Beschwerdeführerin vor Erlass der Verfügung vom 30. Mai 2007 unter psychischen
Beschwerden litt. Bereits anlässlich der Kontrolluntersuchung vom 6. Februar 2006
stellten die Ärzte des Landeskrankenhauses D._ fest, dass die Beschwerden der
Beschwerdeführerin insgesamt stark psychisch überlagert wirken würden. Sie klage
auch über Zitteranfälle, was ebenfalls eher für einen neurovegetativen
Erschöpfungszustand, möglicherweise im Zusammenhang mit dem Unfall, spreche
(UV-act. 14). In der Krankengeschichte hielten die Ärzte des Landeskrankenhauses
E._ über eine Untersuchung vom 26. Juli 2006 fest, es scheine hier eine deutliche
psychische Überlagerung mitzuschwingen, und empfahlen der Beschwerdeführerin am
4. August 2006 die Vorstellung bei einem niedergelassenen Psychologen zur
Aufarbeitung des Geschehens (UV-act. 28). Im ärztlichen Zwischenbericht vom 23.
August 2006 führten sie wieder eine fragliche psychische Überlagerung an (UV-act. 26).
Ebenso wies Dr. H._ in seinem unfallchirurgischen Fachgutachten vom 8. Januar
2007 darauf hin, dass insgesamt bei der Beschwerdeführerin eine beträchtliche, derzeit
anhaltende psychische Überlagerung schon kurze Zeit nach dem Unfall bestehe. Eine
posttraumatische Belastungsreaktion bei subjektiv raschen Überforderungen im
Rahmen des sonst gut zu bewältigenden Alltagslebens dürfte als begleitender
Umstand mitwirken. Eine weitere, fachspezifische psychiatrische Begutachtung sei
indiziert (UV-act. 47). Letztlich sprach auch Dr. J._ in seiner ärztlichen Beurteilung die
psychische Situation der Beschwerdeführerin an, indem er festhielt, die von Dr. H._
erhobenen Befunde liessen sich nicht aus strukturellen pathologischen Unfallfolgen
erklären. Inwieweit hier die psychosomatische Situation die Symptome erklären könne,
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bleibe aus seiner unfallchirurgischen Sicht offen. Die Beschwerdegegnerin werde dies
dann auch im Rahmen der Adäquanz zu prüfen haben (UV-act. 50). Die
Beschwerdegegnerin stellt sich somit zu Recht auf den Standpunkt, dass das Vorliegen
psychischer Beschwerden im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 30. Mai 2007
bekannt war bzw. die Leistungseinstellung unter dem Blickwinkel organischer und
psychischer Unfallrestfolgen geprüft wurde. Nachdem sie zum Schluss kam, die heute
noch geklagten Beschwerden seien organisch nicht hinreichend nachweisbar, führte
sie eine Adäquanzprüfung nach BGE 117 V 359 durch. Eine solche erfolgt gerade bei
Sachverhalten mit psychischer Fehlentwicklung und Folgen eines Schleudertraumas
der HWS bzw. schleudertraumaähnlichen Unfallmechanismen wie der HWS-Distorison
mit einem Gemenge physischer und psychischer Symptome.
3.4 Die nachträgliche Qualifizierung des psychischen Gesundheitszustands als – eine
von der beschriebenen psychischen Problematik unterscheidbaren - Gemütsstörung
kann nicht als neue Tatsache im prozessual-revisionsrechtlichen Sinn bezeichnet
werden. Dies zumal auch der Bericht von Dr. L._ letztlich keine neuen, geschweige
denn erheblichen ärztlichen Feststellungen enthält, welche darauf hinweisen, dass die
nervenärztliche Diagnose einer Gemütsstörung nicht schon vor der rechtskräftigen
Erledigung des Schadenfalls hätte gestellt werden können. Zunächst stellt eine neue
Diagnose als solche keine revisionsrechtlich erhebliche neue, vorbestandene Tatsache
dar (vgl. BGE 127 V 358 E. 5b mit Hinweisen). Im Übrigen muss die Diagnose von
Dr. L._ als allgemein bzw. wenig konkret bezeichnet werden, die sich von den
anderen, in den Akten enthaltenen Hinweisen im Zusammenhang mit dem psychischen
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht abzugrenzen vermag. "Gemüt" ist
das Insgesamt der Gefühle und Strebungen, die Gefühlsseite des Seelenlebens im
Gegensatz zur intellektuellen Seite (vgl. Dorsch, Psychologisches Wörterbuch, 14. Aufl.
Bern 2004, S. 352). Der Bedeutungsinhalt einer Gemütsstörung kann mithin bei
verschiedenen psychischen Gesundheitsstörungen herangezogen werden bzw. eine
Gemütsstörung ist die Beschreibung eines Zustands, wie er bei verschiedenen
psychischen Gesundheitsstörungen vorliegen kann. Entsprechend gibt es bzw.
verwendet Dr. L._ für die Gemütsstörung denn auch keinen Diagnosecode der
Weltgesundheitsorganisation (vgl. dazu Weltgesundheitsorganisation, Taschenführer
zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, 5. Aufl. Bern 2011). Sämtliche
Ausführungen von Dr. L._ weisen ausserdem darauf hin, dass auch mit seiner
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Begutachtung noch keine abschliessende Klarheit über den psychischen
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin erlangt wurde. So bezeichnet er die
krankheitswertige Gemütsstörung als diagnostisch nicht genau zuordenbar. Die
Gemütsstörung sei nachfolgend an einen Verkehrsunfall im Jahr 2006 in Erscheinung
getreten, bei dem an und für sich keine schwere Verletzung aufgetreten sei. Im Hinblick
auf den diagnostisch unklaren Zustand sei eine detaillierte Prognose derzeit nicht
möglich. Es seien also derzeit keine Angaben über die gesundheitliche Entwicklung
möglich. Der Qualifizierung des Gesundheitszustands durch Dr. L._ kommt auch
sonst in keiner Weise eine Eigenständigkeit zu, welche von einer neuen Tatsache im
prozessual-revisionsrechtlichen Sinn sprechen liesse, zumal zusammen mit der
Gemütsstörung dieselben, bereits von Dr. H._ im Rahmen der posttraumatischen
Belastungsreaktion/psychischen Überlagerung genannten begleitenden Umstände
bezeichnet werden, nämlich Störungen der Handlungsfähigkeit, Unfähigkeit die
eigenen Angelegenheiten selbst zu besorgen bzw. subjektive rasche Überforderung im
Rahmen des sonst gut zu bewältigenden Alltagslebens. Es reicht ohnehin auch nicht
aus, dass ein neuer Arztbericht den Sachverhalt anders bewertet; vielmehr bedarf es
neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die Entscheidgrundlagen als objektiv
mangelhaft erscheinen lassen (BGE 110 V 141 E. 2 mit Hinweis).
3.5 Das im Verfahren der prozessualen Revision vorgelegte Gutachten von Dr. L._
bzw. die darin erfolgte Qualifizierung des Gesundheitszustands als Gemütsstörung
kann auch insofern nicht als neue Tatsache gelten, als der Beweis einer behaupteten
psychischen Gesundheitsstörung bei Beachtung der erforderlichen Sorgfalt im früheren
Verfahren beizubringen gewesen wäre (vgl. dazu Urteile des EVG vom 11. April 2002, I
708/01, E. 3c, und vom 20. Juli 2005, U 34/05, E. 4.2.2). Der Einwand, die
Beschwerdegegnerin habe im Verwaltungsverfahren den Untersuchungsgrundsatz
verletzt, hätte die Beschwerdeführerin im ordentlichen Verfahren gegen die Verfügung
vom 30. Mai 2007 geltend machen müssen. Die Darstellung der Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin - diese habe der Beschwerdegegnerin bereits damals mitgeteilt,
dass sie nicht beschwerdefrei sei; dass sie jedoch als Unfallfolge an einer psychischen
Erkrankung leide, habe sie als Laie nicht wissen und aus diesem Grund keine
zweckdienlichen Angaben und Anträge stellen können; überhaupt sei die
Beschwerdeführerin damals nicht mehr im Stande gewesen, ohne einen Nachteil ihre
Angelegenheit zu besorgen, was die Bestellung eines Sachwalters zeige - rechtfertigt
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keine Nachholung von Abklärungsmassnahmen bzw. die Berücksichtigung
nachgeholter Abklärungsmassnahmen. Im Revisionsverfahren ist nicht zu prüfen, ob
damals weitere Abklärungen angezeigt gewesen wären und eine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes in Betracht fällt; ein solcher Mangel könnte nicht im
Verfahren der prozessualen Revision behoben werden. Die Beschwerdegegnerin
verfügte im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 30. Mai 2007 über verschiedene
medizinische Untersuchungsergebnisse, aufgrund derer sie insbesondere auch
Kenntnis über eine psychische Problematik der Beschwerdeführerin hatte. Sie sah sich
gestützt darauf als entscheidfähig und erachtete weitere Abklärungsmassnahmen
offensichtlich nicht für notwendig. Im Übrigen verneinte sie die Unfallkausalität der
psychischen Beschwerden mit der fehlenden Adäquanz, deren Beurteilung ohnehin
nicht durch den Arzt oder die Ärztin, sondern durch die rechtsanwendende Behörde
erfolgt. Aufgrund der Akten erscheint es zudem fraglich, dass es der
Beschwerdeführerin nicht möglich gewesen wäre, gegen die Verfügung vom 30. Mai
2007 Einsprache zu erheben und in diesem Rahmen zumindest zu erklären, dass sie
nach wie vor unter Beschwerden leide und deshalb mit der Leistungseinstellung nicht
einverstanden sei. Nach Erhalt der Verfügung rief sie die Beschwerdegegnerin an und
sprach auch persönlich bei ihr vor. Dabei wurde sie nochmals mündlich über die
Grundlagen, welche zur Leistungseinstellung geführt hatten, aufgeklärt und auf die
Einsprachemöglichkeit hingewiesen. Bei beiden Kontakten nahm die
Beschwerdeführerin das ihr Gesagte zur Kenntnis und erklärte, sie würde es sich
nochmals überlegen, obwohl sie bei der persönlichen Vorsprache am 25. Juni 2007 die
Möglichkeit gehabt hätte, direkt mündlich Einsprache zu erheben (vgl. dazu Art. 10
Abs. 2 bzw. 3 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSV; SR 830.11]), und auch auf diese Möglichkeit hingewiesen wurde (UV-act. 53,
54). Nach Ablauf der Einsprachefrist reichte sie dann die umfassende Eingabe vom 3.
Juli 2007 ein, woraus im Sinn eines Einsprachewillens eindeutig und grundsätzlich
rechtsgenüglich (vgl. dazu Kieser, a.a.O., N 23 zu Art. 52) hervor ging, dass sie die
verfügungsmässig festgesetzte Leistungseinstellung nicht akzeptieren wollte (UV-act.
56). Die Beschwerdeführerin hat damit gezeigt, dass sie zur Erhebung einer Einsprache
durchaus fähig gewesen wäre. Dass sie darin nicht explizit die ungenügende
medizinische Abklärung ihres psychischen Gesundheitszustands geltend machte, ist
nicht von Bedeutung. Mit der Einsprache wird eine nochmalige, einlässlichere
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Beurteilung durch die entscheidende bzw. die ursprüngliche Verfügung erlassende
Behörde verlangt (Kieser, a.a.O., N 4 zu Art. 52), bei welcher der
Untersuchungsgrundsatz gilt (vgl. BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit
Hinweisen). Dessen Einhaltung wäre im Rahmen des ordentlichen Rechtsmittelwegs
(Einsprache bei der verfügenden Stelle, Beschwerde beim Versicherungsgericht) zu
prüfen gewesen. Die Beschwerdeführerin war zudem offenbar ab Juni 2006 anwaltlich
durch Dr. N._, vertreten (act. G 8.1). Die Bestellung eines Sachwalters erfolgte am 8.
Februar 2010, d.h. rund zweidreiviertel Jahre nach dem Erlass der
leistungseinstellenden Verfügung. Zur Einrichtung einer Sachwalterschaft führte
offensichtlich eine frühestens Ende des Jahres 2007 eingetretene Verschlechterung
des Gesundheitszustands (vgl. dazu UV-act. 60, Gutachten von Dr. L._, S. 9; act. G
8.1, S. 2). In Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin lässt sich damit auch aus
diesem Umstand nichts zu Gunsten der Beschwerdeführerin ableiten.
3.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das nach Abschluss des ersten
Verwaltungsverfahrens zu den Akten genommene ärztliche Gutachten von Dr. L._
vom 15. Oktober 2010 keine Feststellungen enthält, welche - im Sinne einer
prozessualen Revision - eine Neubeurteilung der rechtlichen Schlussfolgerungen
gemäss rechtskräftiger Verfügung vom 30. Mai 2007 zuliessen. Seiner psychiatrischen
Diagnosestellung liegen keine neuen Befunde zu Grunde; sie stellt nach dem Gesagten
keine neue, bisher unverschuldet verborgen gebliebene, rechtserhebliche Tatsache
dar. Damit hält der auf Ende Mai 2007 verfügte Fallabschluss unter Gesichtspunkten
der prozessualen Revision Stand. Ergänzende medizinische Abklärungen zum
Gesundheitszustand im beantragten Sinn erübrigen sich (zur antizipierten
Beweiswürdigung vgl. BGE 124 V 94 E. 4b; SVR 2006 IV Nr. 1 S. 1 E. 2.3 mit
Hinweisen).
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 2. März 2011 abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
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4.3 Dem Antrag der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin auf Gewährung der
unentgeltlichen Verbeiständung kann - trotz aktenkundiger Bedürftigkeit - nicht
stattgegeben werden. Zwar ist anzunehmen, dass nicht nur Personen mit Wohnsitz im
Inland, sondern grundsätzlich auch solche mit Wohnsitz im Ausland Anspruch auf
unentgeltliche Rechtsverbeiständung haben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass
ausländische Anwältinnen und Anwälte in jedem Fall als unentgeltliche Rechtsvertreter
bestellt werden können. Im vorliegenden Fall ist von Bedeutung, dass die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin in Österreich domiziliert und offensichtlich
nicht gemäss Art. 4 ff. des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der Anwältinnen und
Anwälte (Anwaltsgesetz, BGFA; SR 935.61) in einem kantonalen Anwaltsregister
eingetragen ist. Art. 21 BGFA erlaubt zwar Angehörigen von Mitgliedstaaten der EU
oder der EFTA ohne weiteres die Prozessführung vor Schweizer Gerichten. Art. 30
BGFA regelt sodann die Voraussetzungen, unter denen ausländische Anwältinnen und
Anwälte in ein kantonales Anwaltsregister eingetragen werden können. Erst mit dem
Eintrag haben sie jedoch die gleichen Rechte und Pflichten wie die Anwältinnen und
Anwälte, die über ein kantonales Anwaltspatent verfügen und in einem kantonalen
Anwaltsregister eingetragen sind (Art. 30 Abs. 2 BGFA). In BGE 132 V 205 f. E. 5.1.4
wird dazu erläuternd ausgeführt, dass die unentgeltliche Verbeiständung nicht etwa nur
die staatliche Finanzierung eines privat gewählten Rechtsbeistandes bedeute. Vielmehr
handle es sich um ein öffentlichrechtliches Verhältnis zwischen dem Staat und dem
Anwalt. Sei nur der im Register eines Kantons eingetragene Anwalt verpflichtet,
innerhalb des Registerkantons unentgeltliche Rechtvertretungen zu übernehmen (Art.
12 lit. g BGFA), und gelte diese Pflicht als Korrelat zur Befugnis des eingetragenen
Anwaltes, in der ganzen Schweiz den Anwaltsberuf auszuüben, würde dies zwar nicht
zwingend ausschliessen, ausserhalb des Monopolbereichs auch nicht eingetragene
Anwälte zur unentgeltlichen Verbeiständung zuzulassen. Doch entstünde dadurch ein
Unterschied zwischen unentgeltlichen Rechtsbeiständen, die zur Übernahme des
Mandats verpflichtet sind, und solchen, die diese Aufgabe freiwillig übernehmen. Dies
könnte insbesondere problematisch werden, wenn der Anwalt sein Mandat niederlegen
wolle, was ein staatlich eingesetzter unentgeltlicher Beistand nicht einseitig tun könne.
Schliesslich unterstehe der eingetragene Anwalt der besonderen anwaltlichen Aufsicht
(Art. 2 und 14 ff. BGFA), mit welcher unter anderem sichergestellt werden könne, dass
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die ihm obliegenden Berufs- und Standespflichten - auch und gerade bei Erfüllung
eines Mandats in unentgeltlicher Verbeiständung - eingehalten würden.
5.
In Analogie zu BGE 135 V 293 ist die Zustellung des vorliegenden Gerichtsentscheids
nach Österreich als zulässig zu betrachten (vgl. dazu Art. 28 Abs. 1 des Abkommens
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Österreich über
Soziale Sicherheit [SR 0.831.109.163.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP