Decision ID: 6c53ae12-9353-43b9-8827-01457d30270c
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 24. Februar 2009 zum Bezug von Invalidenleistungen
(Berufliche Integration/Rente) an (act. G 5.1.2). Im Rahmen einer telefonischen
Abklärung durch den RAD-Arzt Dr. med. B._ beim Hausarzt Dr. med. C._ vom 2.
März 2009 gab jener gestützt auf Untersuchungen vom 3. März und 15. September
2008 bei Dr. med. D._, Innere Medizin und Rheumatologie FMH, St. Gallen (vgl. act.
G 5.1.21-4ff.), als Leiden der Versicherten eine nicht klassifizierbare entzündlich-
rheumatische Erkrankung mit Arthritis der Hände und der Füsse (Befall der MCP-
Gelenke, der Handgelenke sowie der unteren Sprunggelenke [USG] beidseits, CRP
konstant erhöht, Rheumaserologie negativ, die differentialdiagnostische Möglichkeit
einer Virus-assoziierten Arthritis [z.B. Parvovirus B19] werde noch überprüft), ein
chronisches Panvertebralsyndrom mit muskulärer Dysbalance und bei Adipositas, eine
Thalassaemia minor und eine morbide Adipositas (BMI 42) an. Der Hausarzt erachtete
die Versicherte in einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit ohne monotone Handarbeiten
für vier bis fünf Stunden pro Tag als arbeitsfähig. Anlässlich des Telefongesprächs vom
2. März 2009 zwischen dem RAD-Arzt und der die Versicherte seit 19. Januar 2006
behandelnden Psychologin E._, Psychiatrie-Zentrum X._, stimmte diese - wenn
auch zögerlich - der Beurteilung des Hausarztes zu, wonach die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten zumindest im Hinblick auf einen Arbeitsversuch mit 50% eingestuft
werden könne. Laut der Psychologin litt die getrennt lebende Versicherte an einer
zurzeit mittelschweren depressiven Störung mit Müdigkeit und Lustlosigkeit. Sie sei mit
ihrem sechsjährigen Sohn überfordert und wenig belastbar (act. G 5.1.7).
A.b Am 14. September 2009 begann die Versicherte über das Regionale
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) ein Einsatzprogramm im Sohomet zur Überprüfung
ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Aus gesundheitlichen Gründen musste dieses
Anfang Oktober 2009 jedoch wieder abgebrochen werden (act. G 5.1.31-3, 5.1.30). Mit
Mitteilung vom 13. Oktober 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten den Abschluss der
Arbeitsvermittlung mit (act. G 5.1.34).
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A.c Im Arztbericht vom 15. Oktober 2009 befand der Hausarzt eine leidensadaptierte
Tätigkeit im Rahmen von 30-50% als zumutbar (act. G 5.1.35-5). Das Psychiatrie-
Zentrum Rheintal hielt im Bericht vom 29. Oktober 2009 fest, dass aus psychiatrischer
Sicht aktuell keine Arbeitsunfähigkeit bestehe. Sie sähen das leichtgradig depressive
Syndrom als Reaktion auf die chronische körperliche Erkrankung. Zudem wirke es sich
für sich alleine aus rein psychiatrischer Sicht nicht nennenswert einschränkend auf die
Arbeitsfähigkeit aus (act. G 5.1.37).
A.d Am 11. Januar 2010 wurde die Versicherte erneut durch den Rheumatologen
Dr. D._ untersucht. Dieser stellte im Bericht vom 14. Januar 2010 weiterhin eine
unklare entzündlich-rheumatische Erkrankung, ein chronisches Panvertebralsyndrom,
Tendomyosen der Wadenmuskulatur, eine Depression, eine Thalassaemia minor sowie
eine Adipositas fest und empfahl eine Anpassung der Medikation (act. G 5.1.40-2ff.). Im
Verlaufsbericht vom 2. März 2010 beurteilte der Hausarzt die Prognose als schlecht.
Ziel sei eine Stabilisierung (act. G 5.1.40-1). Zur Frage der IV-Stelle, ob auf Grund der
relativ geringen entzündlichen Aktivität der vorliegenden Arthritis ohne Gelenkszer
störungen/Fehlstellungen eine Arbeitsfähigkeit in einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit
unter Einhaltung der Gelenkschutzrichtlinien bzw. bei Einsatz notwendiger Hilfsmittel
und ohne grössere Belastung der Hände (ohne grobe Greiffunktion bzw. ohne grosse
Ansprüche an die Feinmotorik) angenommen werden könne, nahm Dr. F._ am 1. April
2010 Stellung. Nach seiner Beurteilung war unter diesen Voraussetzungen eine
Arbeitsfähigkeit von 50% (halbtags) ab Anfang Januar 2010 möglich (act. G 5.1.42-2).
A.e Am 12. Mai und 3. Juni 2010 wurde die Versicherte im SMAB, Bern, internistisch,
psychiatrisch und rheumatologisch begutachtet. Die Fachpersonen hielten im Bericht
vom 17. Juni 2010 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein ätiologisch
unklares rheumatisch-entzündliches Krankheitsbild milder Ausprägung mit aktueller
Oligoarthropathie der linken Hand und Arthralgie des linken oberen Sprunggelenks,
Rheumafaktor- und ANA-negativ, fest. In der bisherigen Tätigkeit seien Arbeiten an
schweren Industriemaschinen nicht mehr zumutbar, ansonsten bestehe in der
bisherigen Tätigkeit durch das entzündliche Gelenksleiden eine Einschränkung in der
Leistungsfähigkeit von 20% und somit eine Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von
80%. Leichte, körperlich und insbesondere die Hände nicht belastende Tätigkeiten
(Kontrollarbeiten, Telefonbedienung etc.) seien in vollem zeitlichen und
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leistungsmässigen Ausmass zumutbar. Somit bestehe bei der Versicherten eine
Arbeitsfähigkeit von 100% (act. G 5.1.48).
A.f Im Fragebogen zur Abklärung der Haushaltstätigkeit vom 26. August 2010 gab die
Versicherte an, dass sie aktuell ohne Behinderung einer Erwerbstätigkeit im Rahmen
von 80% nachgehen würde (act. G 5.1.50-2).
A.g Anlässlich der Haushaltsabklärung vom 22. Oktober 2010 hielt der
Abklärungsverantwortliche im Bericht vom 12. November 2010 fest, die Versicherte
würde heute ohne Behinderung zu 50-60% erwerbstätig sein. Gestützt darauf sowie
auf Grund einer Einschränkung im Haushalt von 25% ermittelte er einen
Invaliditätsgrad von 11% (act. G 5.1.54). Die IV-Sachbearbeitung befand jedoch, da
aus medizinischer Sicht lediglich eine 20%ige Einschränkung in einer mittelschweren
bis schweren Tätigkeit bestehe, seien dem Haushalt nicht 25%, sondern höchstens
eine 20%ige Einschränkung anzurechnen, denn die Haushaltstätigkeit entspreche einer
mittelschweren Tätigkeit. In der Folge ergebe sich ab 1. November 2010 ein
Invaliditätsgrad von 9% (act. G 5.1.55).
A.h Im Vorbescheid vom 2. Dezember 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten eine
Rentenablehnung in Aussicht (act. G 5.1.58). Den dagegen erhobenen Einwand vom
21. Januar mit Ergänzung vom 7. Februar 2011 und der Begründung, die Versicherte
würde im Gesundheitsfall einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen und werde
gemäss dem Rheumatologen Dr. D._ lediglich zu 50% als arbeitsfähig eingeschätzt
(act. G 5.1.64-1, 5.1.67-1f.), wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. März 2011 ab.
Sie hielt dabei am Invaliditätsgrad von 9% fest und wies darauf hin, dass die
Versicherte selbst bei einer Qualifikation als Vollerwerbstätige infolge der vollen
Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit keinen Rentenanspruch hätte (act.
G 5.1.70).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 8. April
2011 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung und nochmalige
Prüfung des Rentenanspruchs. Zur Begründung machte die Beschwerdeführerin
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geltend, seit dem 1. Oktober 2008 zu 100% arbeitsunfähig zu sein. Ihre
Gelenkschwellungen und Gelenkentzündungen in den Händen und Füssen würden ihr
beinahe jede Arbeit verunmöglichen. Innert Kürze bekomme sie jeweils Schmerzen, so
dass sie nicht weiterarbeiten könne. Auch Dr. D._ sehe sie laut seinen Berichten vom
28. März 2011 lediglich zu 50% in einer leichten Arbeit als arbeitsfähig. Zudem würde
sie ohne die gesundheitlichen Einschränkungen mindestens einer 80%igen
Erwerbstätigkeit nachgehen, da ihr Sohn ab Sommer 2011 die erste Klasse besuchen
werde, wo es einen Mittagstisch gebe, und ihr Vater ebenfalls ganz in der Nähe wohne
(act. G 1, 1.2, 1.3).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 7. Juni 2011 stellte die Beschwerdegegnerin Antrag
auf Beschwerdeabweisung. Sie begründete diesen damit, dass vollumfänglich auf das
SMAB-Gutachten abgestellt werden könne und unter Berücksichtigung einer
Einschränkung im Haushalt von 25% sowie einer Gewährung eines Leidensabzugs von
15% im Erwerbsbereich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 17% resultiere
(act. G 5).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 10. Juni 2011 wurde dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um Befreiung von den Gerichtskosten für das
Beschwerdeverfahren entsprochen (act. G 6).
B.d In der Replik vom 4. Juli 2011 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem Antrag fest.
Im Weiteren machte sie geltend, seit ca. einer Woche an zwei Fingern der linken Hand
sowie am kleinen Finger der rechten Hand gefühllos zu sein. Sie benötige momentan
sehr viel Hilfe zur Bewältigung ihres Haushalts. Zur Bestätigung reichte sie einen
Bericht
ihres Hausarztes Dr. C._ vom 1. Juli 2011 ein, wonach sie sich weiterhin in
medizinischer Behandlung befinde, welche nicht als abgeschlossen angesehen werden
könne (act. G 8, 8.1).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
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1.
Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf
Rentenleistungen der Invalidenversicherung hat.
2.
Rechtsprechungsgemäss stellt das Sozialversicherungsgericht auf den bis zum
Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (vorliegend: 10. März 2011)
eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 132 V 220 E. 3.1.1 mit Hinweisen). Später
eingetretene Tatsachen, die zu einer Änderung des Sachverhalts geführt haben, sind
grundsätzlich nicht im Rahmen des hängigen Gerichtsverfahrens, sondern im Rahmen
einer allfälligen Neuanmeldung bei der IV zu berücksichtigen (BGE 121 V 366 E. 1b mit
Hinweisen). Soweit die Beschwerdeführerin in der Replik vom 4. Juli 2011 geltend
macht, seit ca. einer Woche an mehreren Fingern unter einer Gefühllosigkeit zu leiden
(act. G 8), ist dies daher im vorliegenden Verfahren nicht zu berücksichtigen.
3.
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
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3.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss kommt
einem Gutachten oder anderen medizinischen Beurteilungen schon dann kein voller
Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht
feststehen, dass die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen
entsprechen, was nicht mit medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden in der
Regel nicht beurteilen können (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG;
seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober
2002, I 779/01, E. 4.2).
4.
4.1 Vorab zu klären ist die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf das SMAB-
Gutachten vom 17. Juni 2010 (act. G 5.1.48).
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4.2 Hinsichtlich der rheumatologischen Teilbegutachtung wurde im Hauptgutachten
festgehalten, dass die Zusammenschau von Anamnese, persönlicher Untersuchung
sowie vorliegenden Aktenstücken bei der Beschwerdeführerin die Situation eines
offensichtlich entzündlichen Gelenkleidens widerspiegle, welches dokumentiert im
Januar 2008 mit bilateralen Handschmerzen und -schwellungen begonnen und bisher
nicht genau habe klassiert werden können. Dies sei auch in der Begutachtung nicht
präziser möglich gewesen. In Frage kämen in der Tat die vom rheumatologischen
Behandler schon diskutierten Differentialdiagnosen einer klassischen, seronegativen
rheumatoiden Arthritis, es gebe aber auch kutane Hinweise auf die Möglichkeit einer
Psoriasis-assoziierten Arthritis, schliesslich auch den möglichen Zusammenhang mit
dem vorliegenden hämatologischen Leiden einer Thalassaemia minor. Sämtliche
Differentialdiagnosen seien nicht durch eindeutige klinische Zeichen oder
Laborbefunde zu sichern, sondern würden im Allgemeinen erst im Verlauf klarer.
Festzuhalten sei jedoch, dass das Leiden an den wechselnd befallenen Gelenken
(zumeist aber doch an den Grundgelenken der linken Hand, aktuell des Zeige- und
Mittelfingers) zu keinen bleibenden Schädigungen geführt habe, was Fehlstellungen
oder radiologisch fassbare Veränderungen betreffe. Aktuell scheine der klinisch
fassbare Gelenksbefall eher diskret mit leichten, kaum von der Adipositas
abgrenzbaren Schwellungen der Fingergrundgelenke II und III links (bei etwas
reduzierter Faustschlusskraft) sowie unklaren, objektiv-klinisch nicht fassbaren
Schmerzen im linken oberen Sprunggelenk bei passiven Gelenksbewegungen und bei
der Gehbelastung. Die Laboruntersuchungen der letzten beiden Jahre würden einen
leicht-mässigen Entzündungszustand wechselnder Intensität dokumentieren. Daraus
ergebe sich ein Belastungsprofil, wonach Tätigkeiten mit vorwiegend (aber nicht
ausschliesslich) sitzender Position unter Einsatz des Körpers und der Hände im
leichten bis mittleren Bereich ohne spezielle Kraftanwendung (insbesondere Druck auf
die Fingergelenke) und ohne über längere Zeit erforderliche stereotype Repetitionen in
einem Zeitrahmen von 80% Leistungsfähigkeit bei voller Präsenzzeit denkbar und
zumutbar seien. Eine mechanische Arbeit an schweren Industriemaschinen komme
allerdings nicht mehr in Frage. Leichte körperlich und insbesondere die Hände nicht
belastende Tätigkeiten (Kontrollarbeiten, Telefonbedienung etc.) seien in vollem
zeitlichen und leistungsmässigen Ausmass zumutbar (act. G 5.1.48-36ff.).
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4.3 Das psychiatrische Teilgutachten vom 12. Mai 2010 fasste zusammen, dass sich
die Beschwerdeführerin durch die therapeutischen Massnahmen aus der Abhängigkeit
von ihrem Partner und der Mutter habe befreien können und dabei sei, ihr Leben in
jeder Hinsicht neu zu ordnen. Der aktuelle psychische Befund der Beschwerdeführerin
sei gänzlich unauffällig. Es bestünden keine Störungen im Kontaktverhalten, der
Aufmerksamkeit, der Konzentration, der Willensbildung, des Antriebs und der
Psychomotorik. Affektiv sei die Beschwerdeführerin in emotionaler Hinsicht gut
schwingungsfähig. Sie wirke freundlich und ihre Stimmungslage sei ausgeglichen. Da
die Realitätsorientierung und der Realitätsbezug vollständig erhalten seien, bestünden
auch in prognostischer Hinsicht positive Aussichten. Bereits jetzt sei die
Beschwerdeführerin in der Lage, ihrem Beruf einer Kassiererin oder Arbeiterin in einer
Druckerei in vollem Umfang nachzugehen. Damit entspreche die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitseinschätzung auch der Beobachtung des Psychiatrie-Zentrums
Rheintal im Bericht vom 29. Oktober 2009 (act. G 5.1.48-28f.).
4.4 In der gesamtgutachterlichen Würdigung kamen die Experten zum Schluss, dass
die Beschwerdeführerin für leidensangepasste Tätigkeiten über eine 100%ige Rest
arbeitsfähigkeit verfüge. In bisherigen Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsfähigkeit von
80%, mit einer Leistungsminderung um 20% bei vollem Pensum, mit der
Einschränkung, dass Arbeit an schweren Industriemaschinen nicht mehr zumutbar sei.
Führend für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei das entzündliche Gelenkleiden, das
ätiologisch nicht klar zuzuordnen sei. Differentialdiagnostisch komme vor allem eine
seronegative rheumatoide Arthritis und eine Psoriasis-assoziierte Arthritis in Frage.
Auch ein Zusammenhang mit der Thalassaemie sei möglich, bei Thalassaemia minor
würden leichte Arthropathien, insbesondere der Hand- und der Sprunggelenke,
beschrieben. Die Ausprägung der Arthritis sei bei der Beschwerdeführerin leicht mit
Lokalisationen aktuell nur im Bereich der linken Hand und des linken Sprunggelenks.
Aus gutachterlicher rheumatologischer Sicht bestünden weitere Behandlungsoptionen
der Arthritis, die in Betracht gezogen werden sollten, da eine klinische Remission
weiterhin nicht habe erreicht werden können. Auf die Therapiecompliance müsse
zudem geachtet werden. Die anamnestisch bekannte und familiär vorkommende
Thalassaemia minor manifestiere sich im roten Blutbild mit leichter mikrozytärer
Anämie. Wegen der massiven Adipositas erfolge eine Behandlung mit Xenical, die zu
einer Gewichtsreduktion von 16kg innert des letzten Jahres geführt habe. Um spätere
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Komplikationen zu vermeiden sei eine weitere Gewichtsreduktion/
Gewichtsnormalisierung dringend angezeigt. Aus psychiatrischer Sicht bestünden
keine Diagnosen, welche die Arbeitsfähigkeit einschränken würden (act. G 5.1.48).
4.5 Die Beschwerdeführerin bemängelt am Gutachten die Höhe der ihr attestierten
Arbeitsfähigkeit. Sowohl ihr Hausarzt Dr. C._ als auch Dr. D._ würden die Prognose
ihres Krankheitsverlaufs eher zweifelhaft bis schlecht einschätzen. Im Bericht vom 28.
März 2011 hielt Dr. D._ eine Arbeitsfähigkeit von 50% (halbtags) in einer leichten
Arbeit für angemessen. Die Arbeitsfähigkeit von 80% in den bisherigen Tätigkeiten der
Patientin (zuletzt Kassiererin) scheine ihm angesichts der auch im MRI nachgewiesenen
klaren Entzündungen der Hände nicht realistisch. Eine sehr leichte Arbeit der Hände,
z.B. eine kaufmännische Tätigkeit mit geringen Belastungen oder eine Tätigkeit am
Telefon mit Kopfhörern, könne sie möglicherweise zu 60-80% ausführen, wobei sie
dafür wohl die persönlichen Möglichkeiten nicht mitbringe. Im Arztbericht vom
15. Oktober 2009 hatte der Hausarzt Dr. C._ die Arbeitsfähigkeit in sitzenden und
wechselbelastenden Tätigkeiten auf 30-50% geschätzt und als einschränkend die
rheumatische Erkrankung sowie eine verminderte Konzentrationsfähigkeit und eine
erhöhte Ermüdbarkeit, welche nicht zuletzt von der Medikation herrühre, festgehalten
(act. G 5.1.35-3ff.).
4.6 Damit weicht das SMAB-Gutachten nicht bezüglich der Feststellungen, sondern
nur in Bezug auf die Beurteilung der Höhe der zumutbaren Arbeitsfähigkeit von den
Einschätzungen der behandelnden Ärzte ab. Zu dieser Diskrepanz hält das
rheumatologische Teilgutachten vom 7. Juni 2010 fest, bei dem eher diskreten
entzündlichen Gelenksbild ohne Anzeichen destruktiver Veränderungen oder
funktioneller Ausfälle erscheine doch eine erhöhte Arbeitsfähigkeit möglich. Obschon
die Beschwerdeführerin nicht auffallende Anzeichen einer psychogenen Überlagerung
erkennen lasse, scheine ihre subjektive Schmerzbewertung gemessen am objektiven
Zustand etwas zu gewichtig. Allerdings bestätige sie auf gezieltes Befragen hinsichtlich
der Selbstbeurteilung ihrer Arbeitsfähigkeit, dass sie sich schwere Arbeit wie früher an
Maschinen nicht mehr denken könne, hingegen leichtere möglich sein sollten (act.
G 5.1.48-37). Auch das Gesamtgutachten hält eine Diskrepanz zwischen den geklagten
Beschwerden der Beschwerdeführerin und den offensichtlich aktuell nicht sehr
ausgeprägten Schmerzen im Bereich der Fingergrundgelenke links, der rechten Hüfte
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und des linken Sprunggelenks bei aktuell gutem Allgemeinzustand ohne sichtbaren
Leidensausdruck fest. Anlässlich der klinischen Untersuchung habe keine
eingenommene Schonhaltung wahrgenommen werden können und die allgemeine
Beweglichkeit scheine sehr gut zu sein. Das Aus- und Anziehen der Kleider gelinge
stehend problemlos und rasch. Die Beschwerdeführerin wirke auch nicht müde,
obwohl sie sich am Vormittag bereits der rheumatologischen Untersuchung und nach
einer einstündigen Mittagspause der aktuellen internistischen Untersuchung, welche
insgesamt über zwei Stunden gedauert habe, unterzogen habe (act. G 5.1.48-12). Die
gutachterliche Beurteilung erscheint in sich konkludent und nachvollziehbar. Bei ihrer
Würdigung fällt weiter ins Gewicht, dass sie auf eigenständigen Abklärungen beruht
und für die streitigen Belange umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden
verwertet und die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden berücksichtigt
und gewürdigt. Die Attestierung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte
Tätigkeiten (d.h. leichte körperlich und insbesondere die Hände nicht belastende
Tätigkeiten wie Kontrollarbeiten, Telefonbedienung etc.) leuchtet in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein,
zumal auch Dr. F._ für sehr leichte Tätigkeiten mit den Händen - wozu er
kaufmännische Tätigkeiten mit geringen Belastungen oder eine Tätigkeit am Telefon
mit Kopfhörern zählt - eine mögliche Arbeitsfähigkeit von 60 bis 80% einräumt. Weiter
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht
berücksichtigt worden wären. Damit geht einher, dass auch die Beschwerdeführerin
keine wesentlichen Mängel an der Begutachtung ins Feld führt. Die
Beschwerdegegnerin hat damit der Bestimmung des Invaliditätsgrades in der
angefochtenen Verfügung zu Recht die gutachterliche Leistungsfähigkeitsbeurteilung
zugrunde gelegt.
5.
5.1 Gestützt auf die gutachterliche Beurteilung der SMAB ist demnach von einer
medizinisch-theoretischen 100%igen Restarbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten auszugehen.
5.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen
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unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde (BGE 125 V 150 E. 2c). Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen
sind nach der Rechtsprechung die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen
Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber
Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die
persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt
sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung
entwickelt hätten, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 E. 2c; BGE 117
V 194 f. E. 3b mit Hinweisen; AHI 1997 S. 288 ff. E. 2b, AHI 1996 S. 197 E. 1c, je mit
Hinweisen). Wie die Beschwerdeführerin im Fragebogen zur Rentenabklärung
betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt am 26. August 2010 angab (vgl. act. G 5.1.50-2),
ist davon auszugehen, dass sie im Gesundheitsfall wieder einer Erwerbstätigkeit von
80% nachgehen würde. Dies hat ihr auch die Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort vom 7. Juni 2011 zugestanden. Zudem erscheint dieses Pensum
bereits mit Blick auf die prekäre finanzielle Lage der Beschwerdeführerin als
überwiegend wahrscheinlich sowie gestützt auf den Umstand, dass der Sohn das
Schulalter erreicht hat und durch Mittagstisch und Grossvater eine genügende
Betreuung gesichert wäre.
5.3 Hinsichtlich der erwerblichen Tätigkeit besteht für die Bestimmung des
Valideneinkommens keine repräsentative Grundlage. Wie die Beschwerdegegnerin
zutreffend ausführt (act. G 5), ist daher sowohl für das Valideneinkommen als auch für
das Invalideneinkommen auf die Tabelle TA1 der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik, Total sämtlicher
Wirtschaftszweige, Anforderungsniveau 4, Frauen, abzustellen. Da die beiden
Vergleichseinkommen somit auf derselben Grundlage zu berechnen sind, kann ein
Prozentvergleich vorgenommen werden. Zu klären ist damit lediglich noch die Frage
der Höhe des Tabellenabzugs bei der Bestimmung des Invalideneinkommens.
5.3.1 Mit dem Tabellenabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind,
im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden
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Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen
Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand Rechnung getragen, dass
weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter,
Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 129 V 481
E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2).
5.3.2 Die Beschwerdegegnerin anerkannte im Beschwerdeverfahren einen
15%igen Abzug, weil die Beschwerdeführerin nur noch ein sehr eingeschränktes
Spektrum von körperlich leichten Hilfstätigkeiten ausführen könne und damit im
Vergleich zu einer gesunden Arbeitnehmerin mit einem Minderverdienst zu rechnen
habe. Mit Blick darauf, dass der Beschwerdeführerin auf Grund ihrer Beschwerden an
beiden Händen sowie einer fehlenden Ausbildung v.a. in einer hier wohl eher möglichen
Bürotätigkeit eine sehr beschränkte Auswahl an adaptierten Tätigkeiten zur Verfügung
steht, erscheint ein Leidensabzug von 15% gerechtfertigt. Bei der Vornahme eines
Leidensabzugs von 15% resultiert im Erwerbsbereich ein Teilinvaliditätsgrad von 12%
(0.8 x 15%).
5.4 Hinsichtlich der Einschränkung im Haushalt fand am 22. Oktober 2010 eine
Abklärung vor Ort statt (act. G 5.1.52). Gemäss dem Abklärungsbericht vom 12.
November 2010 wurde eine Einschränkung von 25% ermittelt, welche die
Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren als plausibel erachtete und welche die
Beschwerdeführerin ebenfalls nicht beanstandet hat. Anhaltspunkte für eine Nicht-
bzw. Falschberücksichtigung der Angaben der Beschwerdeführerin sind vorliegend
keine ersichtlich. Zudem zeigt sich der Berichtstext als plausibel, begründet und
angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen (vgl. in der Amtlichen
Sammlung nicht veröffentlichte, aber in AHI 2003 S. 218 publizierte E. 2.3.2 des Urteils
BGE 129 V 67 [I 90/02 vom 30. Dezember 2002]). Damit beträgt die Invalidität im
Haushaltsbereich bei einem 20%igen Anteil 5% (0.2 x 25%).
5.5 Gemäss der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) nach Praxis des
Bundesgerichts ergibt sich in der Folge ein Invaliditätsgrad von insgesamt 17% (12% +
5%), weshalb die Abweisung des Rentenbegehrens nicht zu beanstanden ist.
6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2 Der Beschwerdeführerin wurde das Gesuch um Befreiung von den
Gerichtskosten am 10. Juni 2011 bewilligt (act. G 6). Wenn die wirtschaftlichen
Verhältnisse der Beschwerdeführerin es gestatten, kann sie jedoch zur Nachzahlung
der Gerichtskosten verpflichtet werden (Art. 123 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
6.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden
Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP