Decision ID: 8347968c-fb0d-4a3a-bc16-efab4cbbba87
Year: 2007
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Basel-Landschaft - das  Liestal - führt ein Strafverfahren gegen A. wegen . Gleichzeitig ist auch bei der Staatsanwaltschaft /Deutschland gegen die Gebrüder A. und B. ein Ermittlungsverfahren wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge hängig. Die beiden Brüder sollen mittels eines Kuriers am 10. März 2006 einen Import von 21.57 kg Marihuana aus den Niederlanden nach Deutschland organisiert haben. In diesem Zusammenhang ersuchte der Leitende Oberstaatsanwalt von Aachen am 12. Mai 2006 um  Ermittlung des Aufenthaltsortes von A., dessen Einvernahme zur , die Aufnahme der weiteren Personalien und die Mitteilung, ob bereits Erkenntnisse bestünden, dass A. in Geschäfte mit Betäubungsmitteln  sei (vgl. Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Aachen vom 12. Mai 2006, Beilagen zu act. 10.3 und 10.4). Ein gleich lautendes  desselben Datums erfolgte mit Bezug auf die Person von B. Nachdem sich A. wie B. mit der Ausführung der Rechtshilfe im vereinfachten  einverstanden erklärt hatten, wurde dem Ersuchen mit zwei  des Verfahrensgerichts in Strafsachen des Kantons  (nachfolgend „Verfahrensgericht“) am 24. Mai 2006  (Proz. Nr. Verfahrensgericht 460 06 45 und 460 06 43, in act. 10.3 und 10.4). Bezüglich A. wurden das Einvernahmeprotokoll vom 23. Mai 2006 sowie der Strafregisterauszug an die Staatsanwaltschaft Aachen .
B. Mit Schreiben vom 10. Juli 2006 stellte die Staatsanwaltschaft Aachen im Strafverfahren gegen A. und B. ein ergänzendes Rechtshilfeersuchen und erbat darin um die Ablichtung des wesentlichen Inhalts der dortigen () Ermittlungsakten (Proz. Nr. Verfahrensgericht 460 06 59, in act. 10.1).
Nach erfolgter Eintretensverfügung vom 25. Juli 2006 und nach  Anfrage des Verfahrensgerichts vom 15. November 2006 teilte der Rechtsvertreter von A. am 20. November 2006 mit, sein Mandant sei mit einer vereinfachten Ausführung der Rechtshilfe nicht einverstanden. Er stellte den sinngemässen Antrag, beide Verfahren gegen A. seien in der Schweiz zu verfolgen und es sei deshalb von Deutschland die Abtretung des Verfahrens an die Schweiz anzustreben. Die Staatsanwaltschaft  teilte am 23. Januar 2007 auf Anfrage mit, sie sei nicht gewillt, das Verfahren gegen die Gebrüder A. und B. an die Schweiz abzutreten und
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monierte die Ausführung des Rechtshilfeersuchens vom 10. Juli 2006. Nachdem das Verfahrensgericht dem Vertreter von A. das rechtliche Gehör gewährt hatte, gewährte es mit Schlussverfügung vom 22. März 2007 (: 10. April 2007, act. 1.3) die Rechtshilfe und listete in Ziff. 2 des Dispositivs die zu übermittelnden Dokumente aus den Strafakten des  Basel Landschaft im Einzelnen auf. In Ziff. 4 des Dispositivs verband sie die Rechtshilfe mit einem ausformulierten Vorbehalt hinsichtlich des Grundsatzes „ne bis in idem“ (act. 1.2, 10.1).
C. Gegen diese Schlussverfügung lässt A. bei der II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts mit undatierter Eingabe (Poststempel vom 10. Mai 2007) Beschwerde einreichen mit den Anträgen, es sei die  des Verfahrensgerichts in Strafsachen bezüglich Abschluss des Rechtshilfeverfahrens (Rechtshilfe an Deutschland) betreffend A.  und es sei demzufolge dem Verfahrensgericht in Strafsachen des  Basel-Landschaft zu verbieten, die in der Verfügung erwähnten  an die ersuchende Behörde herauszugeben; dem  sei die unentgeltliche Vertretung mit dem Unterzeichneten als Rechtsbeistand zu bewilligen; unter o/e Kostenfolge (act. 1, S. 2).
Auf Einladung zur Beschwerdeantwort bis zum 29. Mai 2007 verzichtete das Bundesamt für Justiz am 25. Mai 2007 auf eine solche (act. 6). Das Verfahrensgericht nahm mit verspäteter Eingabe vom 30. Mai 2007 unter gleichzeitiger Einreichung der Akten Stellung (act. 10). Der Vertreter von A. wurde davon am 5. Juni 2007 in Kenntnis gesetzt (act. 13).
Auf die Ausführungen in der Beschwerde wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen.

Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Für die Rechtshilfe zwischen Deutschland und der Schweiz sind in erster Linie das Europäische Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. April 1959 (EUeR, SR 0.351.1), dem beide Staaten beigetreten sind, und der zwischen ihnen abgeschlossene Zusatzvertrag vom 13.  1969 (SR 0.351.913.61) massgebend. Soweit das  bestimmte Fragen nicht abschliessend regelt, gelangen das  über internationale Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. März 1981 (IRSG, SR 351.1) und die Verordnung über internationale Rechtshilfe in
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Strafsachen vom 24. Februar 1982 (IRSV, SR 351.11) zur Anwendung (Art. 1 Abs. 1 IRSG; BGE 130 II 337 E. 1; 128 II 355 E. 1; 124 II 180 E. 1a).
2. 2.1 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Schlussverfügung
der ausführenden kantonalen Behörde in internationalen , gegen die gestützt auf Art. 28 Abs. 1 lit. e des  über das Bundesstrafgericht vom 4. Oktober 2002 (SGG, SR 173.71; Fassung gemäss Anhang Ziff. 14 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005, in Kraft seit 1. Januar 2007) in Verbindung mit Art. 9 Abs. 3 des Reglements für das Bundesstrafgericht vom 20. Juni 2006 (SR 173.710) und Art. 80e Abs. 1 IRSG die Beschwerde an die II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts gegeben ist. Die  ist innert der Frist des Art. 80k IRSG eingereicht worden.
2.2 Zur Beschwerdeführung ist berechtigt, wer persönlich und direkt von einer
Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG). Es ist allerdings fraglich, ob der Beschwerdeführer als Beschuldigter im schweizerischen Strafverfahren bezüglich der Übermittlung von Akten aus dem gegen ihn geführten Strafverfahren zur Beschwerde überhaupt legitimiert ist (vgl.  des Bundesgerichts 1A.123/2006 vom 28. August 2006, E. 1.3.2). Diese Frage kann vorliegenden jedoch offen gelassen werden, da sich die  ohnehin als materiell unbegründet erweist.
2.3 Zulässige Beschwerdegründe sind gemäss Art. 80i IRSG die Verletzung
von Bundesrecht, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des  (lit. a), sowie die unzulässige oder offensichtlich unrichtige  ausländischen Rechts in den Fällen nach Art. 65 IRSG (lit. b). Die II. Beschwerdekammer prüft auch die unrichtige oder unvollständige  des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Angemessenheit des angefochtenen Entscheids. Diese umfassende Kognition ist in Bezug auf die akzessorische Rechtshilfe zwar nicht ausdrücklich im Gesetz . Aus den Materialien ergibt sich jedoch, dass nach dem Willen des Gesetzgebers in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten die neue  des Bundes im Wesentlichen über die gleiche Kognition verfügen soll wie die früheren kantonalen Rechtsmittelinstanzen, für welche Art. 80i Abs. 2 aIRSG keine Kognitionsbeschränkung vorsah (vgl. BBl 2001 S. 4422). Es ist daher in Bezug auf Art. 80i IRSG unter Heranziehung der Art. 30 lit. b SGG i.V.m. Art. 49 VwVG auch die Rüge der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie der
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Unangemessenheit zugelassen.
Die II. Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien  (Art. 25 Abs. 6 IRSG). Wie bisher das Bundesgericht im Rahmen der Verwaltungsgerichtsbeschwerde befasst sich jedoch auch die II.  nur mit Tat- und Rechtsfragen, die Streitgegenstand der Beschwerde bilden (vgl. BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 E. 1.4, je m.w.H.; TPF RR.2007.34 vom 29. März 2007, E. 3; RR.2007.27 vom 10. April 2007, E. 2.3).
3. 3.1 Der Beschwerdeführer führt zum Verfahren aus, er habe anlässlich eines
Telefongespräches vom 13. März 2007 sein Einverständnis zur  Ausführung der Rechtshilfe nicht gegeben, sondern nur auf eine  Stellungnahme verzichtet (act. 1, S. 3, Ziff. 1). Für den Entscheid über die Gewährung der Rechtshilfe ist dies bedeutungslos, da die Vorinstanz in ihrer Schlussverfügung gerade nicht davon ausgegangen ist, der  habe das Einverständnis mit der vereinfachten Ausführung erteilt und die Voraussetzungen für eine vereinfachte Ausführung der Rechtshilfe im Sinne von Art. 80c IRSG seien erfüllt.
3.2 Der Beschwerdeführer macht Nichtigkeit der angefochtenen Verfügung , weil die Schlussverfügung B. nicht zugestellt worden sei. Er verlangt deren Aufhebung von Amtes wegen. B. sei ebenfalls von der  betroffen (act. 1, S. 3, Ziff. 2). Ob die angefochtene Schlussverfügung auch B. zugestellt worden ist, braucht im Rahmen des vorliegenden  nicht zu interessieren. Der Beschwerdeführer , dass eine allenfalls ausgebliebene Zustellung an B. keineswegs die Nichtigkeit einer Verfügung auslöst. Sie verhindert nur deren Rechtskraft mit Bezug auf die Person, gegenüber derjenigen eine Zustellung zu  unterlassen wurde. Nachdem die Schlussverfügung dem  unbestritten zugestellt worden ist, kann er aus einer allenfalls nicht erfolgten Zustellung an B. nichts für sich ableiten. Als davon nicht  ist er überdies nicht legitimiert, diese Rüge überhaupt vorzubringen.
Es obliegt dem Verfahrensgericht, eine allenfalls unterbliebene Zustellung nachzuholen und/oder die ersuchende Behörde darauf hinzuweisen, dass eine Verwendung im deutschen Strafverfahren gegen B. erst zulässig wird, wenn die Schlussverfügung auch gegenüber diesem rechtskräftig ist.
3.3 Der Beschwerdeführer rügt weiter, durch die Übermittlung der betreffenden Dokumente werde gegen das eidgenössische Datenschutzgesetz verstos-
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sen (act. 1, S. 3 f., Ziff. 3). Diese Rüge ist offensichtlich unbegründet, da gemäss Art. 2 Abs. 2 lit. c DSG (SR 235.1) das Datenschutzgesetz auf  der internationalen Rechtshilfe nicht anwendbar ist.
3.4 Der Beschwerdeführer beanstandet, es bestehe das Risiko der Verletzung des Grundsatzes „ne bis in idem“ (act. 1, S. 4 Ziff. 3). Nachdem das  in der Schlussverfügung explizit einen Vorbehalt zu Gunsten des Prinzips „ne bis in idem“ angebracht hat (Dispositiv Ziff. 4), erweist sich dieser Einwand als haltlos. Die Schweiz hat im Übrigen zwar im EUeR , indessen gerade nicht zwingenden, sondern nur potestativen  zu Art. 2 lit. b EUeR zu Gunsten der eigenen Strafverfolgung , diese Einschränkung allerdings in Art. 5 Abs. 1 Ziff. 1 IRSG wieder zu Gunsten der Rechtshilfe abgeschwächt und auf Fälle von bereits  Freispruch, Sanktionsverzicht, Vollzug oder Ausschluss wegen  Verjährung eingeschränkt. Selbst wenn demnach der von der Schweiz angebrachte Vorbehalt zum EUeR nicht bloss potestativ wäre, ginge nach dem im Rechtshilferecht geltenden Günstigkeitsprinzip die Regelung des IRSG ohnehin vor. Der Umstand, dass gegen jemanden in der Schweiz ein Strafverfahren eröffnet und noch nicht abgeschlossen ist, schliesst die Rechtshilfe nicht aus (ROBERT ZIMMERMANN, La coopération judiciaire  en matière pénale, 2. Aufl., Bern 2004, Rz. 429).
3.5 Der Beschwerdeführer lässt schliesslich vorbringen, es hätte eine  vorgenommen werden müssen. Er erachtet die Rechtshilfe (ohne nähere Substantiierung) nicht für verhältnismässig und übt Kritik am ausländischen Verfahren (act. 1, S. 4, Ziff. 4). Sämtliche Rügen erweisen sich insgesamt und im Einzelnen als unbegründet. Die  ist ohne weiteres gewahrt, da der Konnex zwischen den  Unterlagen und den im ersuchenden Staat verfolgten Delikten ein augenscheinlicher ist und der Beschwerdeführer dadurch in seiner  und rechtlichen Stellung (wenn überhaupt; siehe die Ausführungen unter Ziff. 2.2 hievor) nur marginal berührt wird. Kritik am ausländischen Verfahren wäre nur soweit zu hören, als damit die fundamentalen  des Art. 2 IRSG tangiert wären, was hier offensichtlich nicht der Fall ist.
3.6 Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde damit in allen Punkten als unbegründet und ist abzuweisen.
4. Der Beschwerdeführer beantragt, es sei ihm im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens die unentgeltliche Vertretung zu bewilligen. Er sei
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nicht in der Lage, die Gerichts- und Parteikosten zu leisten, auch das  habe seine Mittellosigkeit erkannt und daher die  gewährt (act. 1, S. 4, Ziff. 5).
Die von einer Vorinstanz im Rechtshilfeverfahren gewährte unentgeltliche Rechtspflege gilt nicht automatisch für das Verfahren vor den  des Bundesstrafgerichts (TPF RR.2007.83 vom 21. Juni 2007, E. 8.2; BH.2006.6 vom 18. April 2006, E. 6.1). In Anwendung der  Verfahrensbestimmungen befreit die Beschwerdeinstanz eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 30 lit. b SGG i.V.m. Art. 65 Abs. 1 VwVG) und bestellt dieser einen Anwalt, wenn es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig erscheint (Art. 30 lit. b SGG i.V.m. Art. 65 Abs. 2 VwVG).
Wie sich aus den vorstehenden Ausführungen ergibt, war die Beschwerde offensichtlich unbegründet und hatte demgemäss keine Aussicht auf Erfolg. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist daher abzuweisen. Der  Lage des Beschwerdeführers ist jedoch bei der Festsetzung der Gerichtsgebühr angemessen Rechnung zu tragen (Art. 30 lit. b SGG i.V.m. Art. 63 Abs. 4bis VwVG).
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer  (Art. 30 lit. b SGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Zuständigkeit des Bundesstrafgerichts zur Regelung der Gerichtsgebühren, welche in Art. 63 Abs. 5 VwVG nicht ausdrücklich vorbehalten wurde, ergibt sich aus Art. 15 Abs. 1 lit. a SGG (vgl. TPF RR.2007.6 vom 22. Februar 2007, E. 5). Die Gerichtsgebühr berechnet sich in Anwendung von Art. 3 des  vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem  (SR 173.711.32) und ist vorliegend auf Fr. 2'000.-- .
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