Decision ID: 3d771e4e-23f1-4088-88bd-a6a586b38715
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Max Auer, Eisenbahnstrasse 41, 9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A._(Jg. 1976) meldete sich am 17. April 2008 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 3). Dr. med. B._ vom RAD hielt in einer Telephonnotiz vom 28. April 2008 fest,
Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, habe angegeben, die Versicherte leide an
einer lumbalen Diskushernie ohne Operationsindikation, an zervikalen degenerativen
Wirbelsäulenveränderungen ohne Nachweis einer Diskushernie und an
therapieresistenten Schmerzen. Als Putzfrau sei die Versicherte seit September 2005
vollständig arbeitsunfähig. Für eine rückenadaptierte, körperlich leichte Tätigkeit mit
Wechselbelastung betrage die Arbeitsfähigkeit provisorisch 50% (IV-act. 6). Dr. C._
übermittelte der IV-Stelle am gleichen Tag u.a. einen Bericht von Dr. med. D._ ,
Spezialarzt FMH für physikalische Medizin, speziell Rheumaerkrankungen, vom 11.
September 2007 über eine konsiliarische Untersuchung (IV-act. 7). Dr. D._ hatte
angegeben, die Versicherte habe 2004 einen Autounfall erlitten. Als Unfallfolge seien
Rücken- und Beinschmerzen bds. zurückgeblieben. Frakturen im LWS-Bereich seien
röntgenologisch ausgeschlossen worden. Die Schmerzen seien medikamentös und
physiotherapeutisch behandelt worden. Im Sommer 2006 sei es ohne erneutes
Unfallereignis zu einer massiven Verstärkung der lumbalen Schmerzen gekommen. Ab
16. Juni 2006 sei eine Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert worden. Drei
Facettengelenksinfiltrationen hätten nur eine geringe Schmerzlinderung für wenige
Tage bewirkt. Es sei eine stationäre Rehabilitation zur Ergo- und psychosomatischen
Evaluation empfohlen worden. Diese Rehabilitation sei nicht zustande gekommen. Die
Schmerzen lumbal hätten sich dann auch in die Zervikalregion ausgebreitet. Die
Versicherte klage über Schmerzen lumbal und zervikal mit Ausstrahlung bis in beide
Grosszehen und bis zu den Fingern IV und V. Diese Schmerzen seien gemäss den
Angaben der Versicherten praktisch konstant beim Anlaufen, bei Belastung, beim
Gehen, Sitzen und Stehen und nachts vorhanden. Zudem bestünden Gefühlsstörungen
und ein Schwächegefühl. Dr. D._ hatte im genannten Bericht weiter ausgeführt,
klinisch lägen ausgesprochen bescheidene Befunde vor: Druckdolenzen paravertebral,
lumbaler Hartspann, Druckdolenzen der Muskelansätze am Beckenkamm, minime
Einschränkung der Inklination, zervikal äusserst diskrete Verspannung mit leichter
Druckdolenz suprascapulär bei völlig freier HWS-, BWS- und LWS-Beweglichkeit, ohne
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relevante statische Störung der Wirbelsäule, ohne Atrophie der Rückenmuskulatur,
neurologisch ohne Zeichen einer radikulären Störung, ohne Blockade der
Iliosakralgelenke, absolut frei bewegliche und schmerzlose periphere Gelenke, keine
generalisierten periartikulären Druckdolenzen im Sinn eines Fibromyalgiesyndroms. Die
völlig unmotiviert auftretenden Zervikobrachialgien seien verdächtig auf eine
Schmerzausweitung. Der letzte Arbeitgeber der Versicherten, die J._, gab der IV-
Stelle am 28. April 2008 an (IV-act. 8), der letzte Beschäftigungsgrad habe 40%
betragen. Bei einem Beschäftigungsgrad von 100% hätte der Bruttolohn der
Versicherten Fr. 44'200.- betragen. Dr. B._ vom RAD empfahl am 30. April 2008 eine
bidisziplinäre (Psyche und Bewegungsapparat) Begutachtung (IV-act. 9).
B.
Die IV-Stelle kündigte der Versicherten am 1. Juli 2008 eine Haushaltabklärung an (IV-
act. 24). Am 11. Juli 2008 füllte die Versicherte einen Fragebogen zu ihrer
Haushaltarbeit aus (IV-act. 25). Dabei gab sie bei den einzelnen Haushaltsbereichen
jeweils auch an, dass sie Hilfe erhalte und dass insbesondere der Ehemann diese Hilfe
leiste. Sie äusserte sich aber nicht zum Umfang der Hilfe. Die Haushaltabklärung war
am 10. Juli 2008 erfolgt. Die Abklärungsperson hielt in ihrem Bericht vom 1. September
2008 fest (IV-act. 27), die Versicherte habe angegeben, sie habe ihr Arbeitspensum
wegen der starken Rückenschmerzen von 60% auf 40% reduzieren müssen. 2006 sei
nochmals eine starke Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten. Sie
könne keine Arbeiten mehr leisten, bei denen sie sich bücken oder bei denen sie auf
eine Leiter steigen müsse. Auch beim Heben schwerer Lasten sei sie auf Hilfe
angewiesen. Die Abklärungsperson hielt fest, dass die Versicherte ihren
Beschäftigungsgrad per 1. Januar 2005 von 60% auf 40% reduziert habe. Die
Versicherte würde heute im gleichen Pensum arbeiten wie zu Beginn der
Arbeitstätigkeit in der J._, nämlich zu 60%. Bei der Haushaltführung (3,91%) nahm
die Abklärungsperson keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit der Versicherten an.
Bei der Ernährung (45,57%) ging sie von einer Einschränkung der Versicherten von
17,14% aus, was einen anteiligen Invaliditätsgrad von 7,81% ergab. Zur Begründung
gab die Abklärungsperson an, das Tischdecken werde von jedem Familienmitglied
selbst erledigt, was auch zumutbar sei. Beim Heben schwerer Pfannen müsse der
Ehemann helfen. Die kleinen Reinigungsarbeiten in der Küche würden von der
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Versicherten erledigt, allerdings nur soweit damit kein Bücken verbunden sei. Durch
den Wegfall des zeitlichen Aufwands bei der Bodenpflege bleibe mehr Zeit für das
Kochen und die kleinen Reinigungsarbeiten. Deshalb reduziere sich die Einschränkung
von 34,28% auf 17,14%. Zum Bereich der Wohnungspflege (16,67%) hielt die
Abklärungsperson in ihrem Bericht fest, die leichten Reinigungsarbeiten und das
Reinigen des Lavabos mache jedes Familienmitglied selbst, was zumutbar sei. Bei der
Bodenpflege helfe der Ehemann mit, soweit es sich um Arbeiten handle, die in
gebückter Haltung verrichtet werden müssten. Beim Fensterreinigen könne die
Versicherte noch jene Arbeiten erledigen, bei denen sie sich nicht bücken oder bei
denen sie nicht auf eine Leiter steigen müsse. Die Versicherte könne weiterhin die
Betten machen, allerdings nur mit einem vermehrten Pausenaufwand. Der Tochter und
dem Ehemann sei es zumutbar, die eigenen Betten selbst zu machen. Die jährliche
Grossreinigung könne nur noch mit der Hilfe von Drittpersonen erledigt werden. Die
Abklärungsperson nahm eine Einschränkung von 46,88% an, was einem anteiligen
Invaliditätsgrad von 7,81% entsprach. Für das Einkaufen und die weiteren
Besorgungen (10,94%) notierte die Abklärungsperson, dass bei den kleineren
Besorgungen ein vermehrter Pausenbedarf bestehe und dass keine schweren Lasten
mehr getragen werden könnten. Sie bezifferte die Einschränkung mit 10%, was einer
anteiligen Invalidität von 1,09% entsprach. In bezug die Wäsche und Kleiderpflege
(7,29%) hielt die Abklärungsperson fest, der Wäschekorb werde vom Ehemann in den
Keller und wieder heraufgetragen. Auch das Füllen und Leeren der Waschmaschine
müsse durch den Ehemann oder die Tochter erledigt werden. Beim Aufhängen der
grossen Wäsche sei die Versicherte auf die Hilfe des Ehemannes angewiesen. Die
Versicherte bügle etappenweise, ihre Schwester helfe ihr dabei. Die Abklärungsperson
vertrat die Auffassung, dass es dem Ehemann zumutbar sei, die Versicherte in diesem
Bereich um Umfang von je zwölf Minuten täglich zu unterstützen. Die Einschränkung
reduziere sich deshalb von 71% auf 28%. Die anteilige Invalidität betrage somit 2,04%.
Für die Betreuung der Kinder (15,62%) nahm die Abklärungsperson eine
Einschränkung um 50% an, weil die Versicherte nicht mehr wandern und mit den
Kindern Ball spielen könne. Das ergab eine anteilige Invalidität von 7,81%. Die
Gesamtinvalidität im Haushalt belief sich somit nach der Auffassung der
Abklärungsperson auf 26,56%, wovon aufgrund der Haushaltsquote von 40% 10,62%
zu berücksichtigen waren. Die Abklärungsperson hielt abschliessend fest, die
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Einschränkungen seien ohne Übertreibungen und glaubwürdig geschildert worden. Am
meisten eingeschränkt sei die Versicherte bei den Arbeiten, bei denen sie sich bücken
oder bei denen sie Treppen steigen müsse. Die im individuellen Beitragskonto (IK)
ausgewiesene selbständige Erwerbstätigkeit sei vom Ehemann ausgeübt worden. Der
minimal höhere Prozentsatz beim Einkaufen sei vertretbar, zumal die Versicherte unter
"Verschiedenes" keine Tätigkeiten habe nennen können, die sie bereits früher gemacht
habe.
C.
Am 25. September 2008 wurde die AEH Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und
Hygiene AG in Zürich mit einer orthopädischen und psychiatrischen Untersuchung der
Versicherten beauftragt (IV-act. 29). Dr. med. E._, Psychiatrie-Psychotherapie FMH,
berichtete der IV-Stelle am 16. Dezember 2008 (IV-act. 32), die Versicherte leide neben
dem chronischen lumbalen Syndrom, dem lumbosakralen Syndrom, der
Spondylarthrose und dem St. n. Frontalkollision als Beifahrerin an einer fraglichen
Reaktivierung von familiär erlebten Traumatisierungen in der Kindheit durch die aktuelle
Schmerzproblematik sowie - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - an einer
Dyssomnie wegen kindbezogener und schmerzbedingter Schlafstörungen. Die
Versicherte kontrolliere in übervorsichtiger und angstbetonter Form den Schlaf des an
Diabetes mellitus (insulinpflichtig) leidenden Sohns. Die körperlich erlebten starken
Schmerzen und die Tagesmüdigkeit schränkten die Leistungsfähigkeit massiv ein.
Sekundär reagiere die Versicherte depressiv auf den Verlust der Leistungsfähigkeit.
Dank der langsam spürbaren Wirkung der antidepressiven und schlafunterstützenden
Medikation habe sich die Belastbarkeit im Haushalt etwas gebessert.
C.a
Dr. med. F._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Chefarzt der Klinik G._, führte
in seinem Teilgutachten vom 30. Dezember 2008 (IV-act. 34) aus, er habe die
Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion erhoben. Die
Kindheit bzw. die Persönlichkeitsentwicklung sei der Versicherten nicht in schöner
Erinnerung geblieben. Sie sei jedoch ohne gravierende traumatische Ereignisse
verlaufen, so dass sich keine Hinweise auf die Bildung einer Persönlichkeitsstörung
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ergäben. Ausserdem sei die Versicherte über Jahre ihren sozialen Anforderungen
problemlos gewachsen gewesen, was auch gegen eine Persönlichkeitsstörung
spreche. Im Rahmen der chronifizierten Schmerzen, des Verlusts der Tagesstruktur
und der zunehmenden Selbstwertproblematik bei finanzieller Abhängigkeit vom
Ehemann sei es sehr glaubhaft im Jahr 2008 zur Entwicklung einer depressiven
Anpassungsstörung gekommen. Die beim Sohn diagnostizierte Zuckerkrankheit habe
die depressive Symptomatik zusätzlich verschlechtert. Unter der seit Januar 2008
durchgeführten Therapie habe sich der Zustand der Versicherten sowohl subjektiv als
auch objektiv deutlich beruhigt. Die Versicherte leide an einer leichten Form von
Morgentief (meist medikamentös bedingt), an leichten Antriebsstörungen, an einem
sozialen Rückzug und an allgemeiner Erschöpfung. Während der Untersuchung habe
die Versicherte eine leichte Deprimiertheit und eine allgemeine Unsicherheit
aufgewiesen. Die mnestischen Funktionen inklusive Konzentrations- und
Auffassungsfähigkeit, formales Denken, Antrieb und Psychomotorik seien ganz
unauffällig gewesen. Bei der Versicherten seien gegenwärtig eine vordergründig leichte
psychophysische Erschöpfung und eine leichte Übersedierung durch die Medikamente
festzustellen, die aber durch eine Anpassung der medikamentösen Therapie und am
besten durch ein Körperaufbautraining korrigierbar wären. Zusammenfassend bestehe
gegenwärtig eine leichte Form der Anpassungsstörung mit längerer depressiver
Reaktion ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die Prognose sei günstig. Von Januar
bis Dezember 2008 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 50% für jegliche Tätigkeiten
bestanden. Die Haushaltsabklärung habe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht ergeben, was plausibel sei.
C.b Im Hauptgutachten der AEH AG vom 20. Mai 2009 wurde ausgeführt, anlässlich
der aktuellen Untersuchung habe die Versicherte belastungsabhängige
Dauerschmerzen lumbosakral und in den Beinen angegeben. Bei unvorsichtigen
Drehbewegungen, beim vornüber Neigen und beim raschen Aufrichten komme es zu
akuten Exazerbationen, was zur Einnahme einer Schonhaltung zwinge. Auch statische
Haltungen könnten die Schmerzen auslösen, wobei es zu Paraesthesien an beiden
Beinen dorsal, ausstrahlend bis plantar und cranial komme. In objektiver Hinsicht habe
eine betonte Druckdolenz lumbal über dem Segment L5 und den panvertebralen
Strukturen bestanden, die sich bewegungsabhängig verstärkt habe. Im Sitzen sei das
vornüber Neigen möglich gewesen. Im Bereich der BWS und der LWS hätten sich
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keine Auffälligkeiten gefunden. Die Neurologie der oberen und der unteren Extremitäten
sei unauffällig gewesen. Die MRT-Befunde vom 20. Juni 2006, vom 15. November 2006
und vom 4. Dezember 2007 hätten den konstanten Befund einer medianen,
breitbasigen Diskusprotrusion L5/S1 gezeigt. Bei der Evaluation der arbeitsbezogenen
Leistungsfähigkeit habe die Versicherte die Tests wegen der Angst vor Schmerzen
vorzeitig abgebrochen, so dass keine funktionelle Limite habe ermittelt werden können.
Die Diagnose laute: Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit
pseudoradikulären Ausstrahlungen bds. (breitbasige mediane Diskusprotrusion L5/S1,
negative Diskographie L4/5 und L5/S1, Schmerzausweitung mit Cervicobrachialgie mit
pseudoradikulären Ausstrahlungen der oberen Extremitäten, Dysaesthesien an
Oberarmen und Beinen dorsal bds.). Zusammenfassend wurde ausgeführt, das
lumbospondylogene Syndrom lasse sich durch eine Instabilität oder eine Diskopathie
im Segment L5/S1 erklären. Ein diskogener Schmerz habe sich allerdings nicht
bestätigen lassen. Vorübergehend sei es zu einer starken Schmerzausweitung mit
zerviko-brachialen Schmerzen und Ausstrahlungen in beide Arme bis in die Finger
gekommen. Das habe sich zwischenzeitlich beruhigt. Residuell sei eine Dysaesthesie
an den Oberarmen geblieben. Ausserdem bestehe eine Dysaesthesie an beiden Beinen
dorsal. Neurologische Ausfälle und Zeichen einer Wurzelkompression hätten klinisch
nicht festgestellt werden können. Von der Gewichtsbelastung her könnte die
Versicherte die bisherige Arbeit im Wesentlichen bewältigen. Mühe bereiten würden
aber das vorgeneigte Stehen (Toilettenreinigung, Staubsaugen, Stossen des
Putzwagens). Aufgrund der Selbstlimitierung bei den spezifischen Tests könne die
Zumutbarkeit nur medizinisch-theoretisch ermittelt werden. Trotz der Diskrepanzen in
der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) sei die Versicherte für die
Tätigkeit als Stationsgehilfin als zu 50% arbeitsfähig einzuschätzen. Im Haushalt seien
mittelschwere und schwere Arbeiten nicht mehr zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit im
Haushalt betrage 65%. Eine leichte, wechselpositionierte Tätigkeit ohne wiederholtes
oder länger dauerndes vorgeneigtes Sitzen oder Stehen sei ganztags, aber nur mit um
zwei Stunden vermehrten Pausen zumutbar. Deshalb betrage die Arbeitsfähigkeit in
einer solchen Tätigkeit 75%. Seit August 2006 dürfte die Gesundheitssituation stabil
sein, so dass die aktuelle Arbeitsfähigkeitsschätzung seit damals gültig sei. Vorher
könnte die Arbeitsunfähigkeit etwas höher gewesen sein. Aus psychiatrischer Sicht
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habe von Januar bis Dezember 2008 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen (IV-
act. 38).
D.
Die IV-Stelle nahm eine Invaliditätsbemessung nach der sogenannten gemischten
Methode vor (IV-act. 40). Für den Erwerbsteil verglich sie ein Valideneinkommen bei
einem Beschäftigungsgrad von 60%, ermittelt anhand der Angaben des letzten
Arbeitgebers, von Fr. 26'520.- mit einem zumutbaren Invalideneinkommen bei einem
Beschäftigungsgrad von ebenfalls 60% von Fr. 23'423.- (ermittelt anhand eines
statistisch ermittelten Durchschnittslohns). Der Erwerbsausfall von Fr. 3097.- ergab
einen Invaliditätsgrad von 12%, bei einem Erwerbsanteil von 60% von 7,2%. Dazu kam
die anteilige Invalidität im Haushalt von 10,62%, so dass ein Gesamtinvaliditätsgrad
von aufgerundet 18% resultierte. Mit einem Vorbescheid vom 2. Oktober 2009
kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act.
43). Die Versicherte liess am 2. November 2009 einwenden (IV-act. 44), der
Gesundheitszustand sei noch nicht stabil. Es stehe nämlich eine neurologische
Abklärung im Kantonsspital bevor. Das Ergebnis dieser Abklärung müsse abgewartet
werden. Ihr Zustand habe sich in den vergangenen Monaten erheblich verschlechtert.
Beim Einkommensvergleich hätte ein zusätzlicher Abzug von 20% gemacht werden
müssen. Bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50% in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit und im Haushalt resultiere ein Invaliditätsgrad von 50%. Dr. C._
berichtete der IV-Stelle am 16. Dezember 2009 (IV-act. 49), er habe ein chronisches
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit pseudoradikulärer Ausstrahlung in beide
Beine bei degenerativer Discopathie L5/S1, Cervicobrachialgien und nächtliche
Dysaesthesien mit Einschlafen der Finger II bis IV bds. sowie eine sekundäre
Schmerzausweitung mit nun generalisiertem Schmerzsyndrom diagnostiziert. Als
Reinigungskraft sei die Versicherte zu ungefähr 80% arbeitsunfähig. Sie sei auf
Schmerzmittel angewiesen, um überhaupt "funktionieren" zu können. Dr. E._ werde
die psychische Situation beurteilen. Dr. B._ vom RAD hielt am 9. Februar 2010 fest,
dass keine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes festgestellt werden
könne (IV-act. 50). Mit einer Verfügung vom 11. Februar 2010 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren der Versicherten ab (IV-act. 51). Zur Begründung machte sie
geltend, bisher seien keine medizinischen Unterlagen eingereicht worden, die eine
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Verschlechterung des Gesundheitszustands nachweisen würden. Der geltend
gemachte "Leidensabzug" von 20% könne nicht gewährt werden, weil die zusätzlichen
Einschränkungen kein entsprechendes Ausmass erreichten. Im übrigen würde auch bei
einem Abzug von 20% kein Rentenanspruch bestehen.
E.
Die Versicherte liess am 15. März 2010 Beschwerde erheben und die Zusprache einer
ganzen Invalidenrente, eventualiter die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur
weiteren Abklärung beantragen (act. G1). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
stellte ausserdem den Antrag, das MEDAS-Gutachten aus dem Recht zu weisen, weil
die Gutachterstelle per se befangen gewesen sei. Wenn eine Institution wie die MEDAS
80% oder mehr ihrer Aufträge von der Beschwerdegegnerin erhalte, liege ein nicht
mehr zu unterdrückender Zweifel daran vor, dass sie unabhängig sei. Zur materiellen
Begründung der Beschwerde machte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
geltend, Dr. med. H._, Rheumatologie I._, habe am 17. Dezember 2009 eine
Arbeitsunfähigkeit von sicher 50% angegeben. Dr. E._ habe am 10. Dezember 2009
festgehalten, das sehr lang anhaltende, seelisch äusserst belastende chronifizierte
Schmerzsyndrom habe sekundär eine chronifizierte depressive Erschöpfung entstehen
lassen, so dass an die Aufnahme einer auch nur teilzeitlichen adaptierten
Erwerbstätigkeit gar nicht zu denken sei. Dr. E._ habe eine Arbeitsunfähigkeit von
80% für die Arbeit als Reinigungskraft und für die Haushaltarbeit angegeben. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin machte weiter geltend, die angefochtene
Verfügung habe diese Abklärungsergebnisse gänzlich vernachlässigt, obwohl sie
deutlich aktueller seien. Damit sei von einer Arbeitsunfähigkeit im Erwerb von 100%
und im Haushalt von 80% auszugehen. Der von der Beschwerdegegnerin angestellte
Einkommensvergleich ergäbe bei einem "Leidensabzug" von 20% eine Einschränkung
im Erwerb von 29,34%, was zusammen mit der von der Beschwerdegegnerin
festgelegten Einschränkung im Haushalt einem Invaliditätsgrad von 40% entspräche.
Tatsächlich betrage die Einschränkung im Haushalt aber 50%. Die Würdigung des
MEDAS-Gutachtens durch den RAD sei wertlos. Zudem liege die Begutachtung so weit
zurück, dass nicht allein auf sie abgestellt werden dürfe. Dr. H._ hatte in ihrem
Bericht vom 17. Dezember 2009 (act. G1.1.3) festgehalten, es bestünden zwei
Problemkreise, einerseits das chronische lumbospondylogene Syndrom und
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andererseits das schwerwiegendere Problem der depressiven Entwicklung mit
Somatisierungsproblematik mit Ganzkörperschmerzen. Dieses zweite Problem müsse
Gegenstand einer psychiatrischen Beurteilung bilden. Erfahrungsgemäss entspreche
die Situation einer Arbeitsunfähigkeit von 50%. Es gebe weder klinische noch
labormässige Hinweise auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Es bleibe die
Möglichkeit einer epiduralen Infiltration unter MRI- und CT-Kontrolle. Dr. E._ hatte
dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 10. Dezember 2009 berichtet (act.
G1.1.4), auf dem Hintergrund der traumatisierenden Kindheitserfahrungen habe sich
eine deutlich verstärkte Schmerzempfindlichkeit entwickeln können. Von der sekundär
entstandenen depressiven Erschöpfung könne sich die Beschwerdeführerin trotz
genügender Medikation nicht genügend erholen.
F.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 3. Juni 2010 die Abweisung der Beschwerde
(act. G6). Sie wies darauf hin, dass die AEH AG keine MEDAS sei. Gemäss der
höchstrichterlichen Rechtsprechung bestehe keine Befangenheit, denn entscheidend
sei die fachlich-inhaltliche Weisungsunabhängigkeit der begutachtenden Ärzte. Die von
Dr. H._ am 17. Dezember 2009 angegebene Arbeitsunfähigkeit von 50% vermöge
keine Zweifel an der somatischen Beurteilung der AEH AG zu erwecken, denn Dr. H._
habe keine Anhaltspunkte für eine unzureichende oder falsche Würdigung durch die
Gutachter angegeben und sie habe zudem psychische Aspekte in ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung einbezogen. Der Bericht von Dr. E._ vom 10. Dezember
2009 setze sich nicht mit dem psychiatrischen Teilgutachten auseinander. Auch
Dr. E._ habe nichts vorgebracht, das Zweifel an der Richtigkeit des psychiatrischen
Gutachtens wecken könnte. Die Arbeitsunfähigkeit von 25% sei deshalb korrekt. Beim
Einkommensvergleich sei ein Valideneinkommen von Fr. 26'520.- einem zumutbaren
Invalideneinkommen von Fr. 30'821.- gegenüberzustellen, so dass im erwerblichen
Bereich keine Invalidität bestehe. Ein weiterer Abzug sei nicht gerechtfertigt, da der
Beschwerdeführerin immer noch ein genügend grosses Arbeitssegment offenstehe. In
bezug auf die Invalidität im Haushalt sei zu berücksichtigen, dass dem Ehemann der
Beschwerdeführerin eine gewisse Mithilfe zugemutet werden müsse. Eine Invalidität im
Haushalt von 27% ergebe bei einer Haushaltsquote von 40% nur eine anteilige
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Invalidität von 11%. Da im Erwerb keine Invalidität bestehe, belaufe sich der
Gesamtinvaliditätsgrad auf 11%.
G.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin wandte in der Replik vom 16. August 2010
(act. G12) ein, die Aufteilung in 60% Erwerb und 40% Haushalt sei korrekt, aber im
Haushalt bestehe gemäss einer schriftlichen Bestätigung von Dr. C._ vom 16.
Dezember 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50%. Ob MEDAS oder AEH
spiele keine Rolle, denn die Begründung für die Befangenheit bleibe dieselbe. Auch die
AEH AG mache mehr als 50% ihres Umsatzes mit den Sozialversicherungen. Es gehe
um den Anschein der Befangenheit. Das gelte natürlich auch für bei den
Versicherungsträgern angestellte Ärzte. Deshalb dürfe nicht auf das Gutachten
abgestellt werden, zumal es das am wenigsten aktuelle sei. Die behandelnden
Fachärzte hätten einen aktuelleren Gesundheitszustand wiedergegeben. Seit der
Begutachtung habe sich der Gesundheitszustand nochmals verändert. Das Gutachten
der Fachklinik Rheumatologie I._ erfülle alle Anforderungen an ein taugliches
Gutachten, so dass zwingend auf es abzustellen sei. Dr. H._ habe eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% als sicher ausgewiesen bezeichnet. Dr. E._ habe einen
viel besseren Überblick über den Allgemeinzustand als Dr. F._, der nur eine
Momentaufnahme gesehen habe. Zudem sei sein Bericht der aktuellste. Demnach sei
von einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 100% auszugehen, so dass kein Invalidenlohn
anzurechnen sei. Der Bericht über die Haushaltabklärung sei viel zu einseitig darauf
angelegt, dass die Ausfälle durch die Familienmitglieder kompensiert werden könnten.
Die Beschwerdegegnerin habe nicht aufgrund der konkreten Einzelfalles entschieden,
sondern einen generellen Massstab angelegt. Die Arbeitsunfähigkeit im Haushalt
betrage 50%. Bei einer Invalidität im Erwerb von 100% und einer Invalidität im
Haushalt von 50% resultiere ein Invaliditätsgrad von 80%.
H.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 20. August 2010 auf eine Duplik (act. G14).

Erwägungen:
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1.
Verfügungen der kantonalen IV-Stellen sind in Abweichung von Art. 58 Abs. 1 ATSG
direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anzufechten (Art. 69 Abs. 1 lit.
a IVG). Da die IV-Stelle des Kantons St. Gallen verfügt hat, ist das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen und nicht das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau
zuständig zur Beurteilung der Beschwerde der im Kanton Thurgau wohnhaften
Beschwerdeführerin.
2.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten im
Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird
hingegen für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine
Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter
anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV).
Bei einer versicherten Person, die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die Invalidität
diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wäre die versicherte Person daneben in
einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der
Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte Methode
bezeichnet. Gemäss Art. 27 IVV ist nur der Einkommensvergleich anzustellen, wenn
anzunehmen ist, dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des
Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre. In
ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob und gegebenenfalls
in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den Gesundheitsschaden im
Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen Verhaltensweise der
versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dazu abzuklären, ob die
versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die gesamten
Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im
bis
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Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme
oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren berufliche Fähigkeiten,
Neigungen und Begabungen massgebend sein. Abzustellen sei auf die hypothetischen
Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum massgebenden Zeitpunkt
entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V 150). Gemäss dem Bericht vom 1.
September 2008 über die Haushaltabklärung hat die Beschwerdeführerin angegeben,
sie würde heute im gleichen Pensum arbeiten wie zu Beginn der Arbeitstätigkeit in der
Klinik Littenheid, nämlich zu 60%. Der Rechtsvertreter hat in der Beschwerde
ausdrücklich bestätigt, dass die Beschwerdeführerin im hypothetischen
"Gesundheitsfall" zu 60% einer Erwerbstätigkeit nachginge und sich in der übrigen Zeit
um ihren zuckerkranken Sohn und um den Haushalt kümmern würde. Die von der
Beschwerdegegnerin angenommene Erwerbsquote von 60% sowie die entsprechende
Haushaltsquote von 40% erscheinen somit als plausibelste hypothetische
Sachverhaltsentwicklung im "Gesundheitsfall". Die Beschwerdegegnerin hat also zu
Recht unter Berücksichtigung dieser Quoten die gemischte Methode der
Invaliditätsbemessung zur Anwendung gebracht.
3.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Die Ermittlung des Validen- und des zumutbaren
Invalideneinkommens setzt die vorgängige Definition der Validen- und der
Invalidenkarriere voraus.
3.1 Die Beschwerdeführerin ist gemäss den Angaben der J._ vom 28. April 2008 (vgl.
IV-act. 8) ab 1995 im Reinigungsdienst tätig gewesen. Das Arbeitsverhältnis ist vom
Arbeitgeber als Folge der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit aufgelöst worden. Im
hypothetischen "Gesundheitsfall" hätte das Arbeitsverhältnis mit der J._ wohl auf
unbestimmte Zeit weiterbestanden. Das würde an sich dafür sprechen, die früher
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ausgeübte Erwerbstätigkeit als Validenkarriere zu betrachten und gestützt darauf das
Valideneinkommen zu bestimmen. Nun ist der von der J._ ausgerichtete Lohn aber
deutlich tiefer gewesen als der Durchschnittslohn (Zentralwert) der Löhne von
Hilfsarbeiterinnen (vgl. die Tabelle TA1 im Anhang zu den vom Bundesamt für Statistik
periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen). Stellt man zur Ermittlung des
zumutbaren Invalideneinkommens auf diesen Durchschnittslohn ab, weil die bisherige
Tätigkeit nicht behinderungsangepasst ist, deshalb nicht mehr ausgeübt werden kann
und somit als Invalidenkarriere nicht in Frage kommt, so taucht die Frage auf, ob die ‒
nicht behinderungsbedingte und damit IV-fremde ‒ Differenz zwischen dem Lohn im
Reinigungsdienst der J._ und dem Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne aller
Branchen den aus dem Einkommensvergleicht resultierenden Invaliditätsgrad
beeinflussen darf. Hilfsarbeiterinnen kann nicht unterstellt werden, dass sie freiwillig
einer unterdurchschnittlich entlöhnten Tätigkeit nachgegangen seien und dass sie
deshalb im nicht ausgenützten Teil ihrer erwerblichen Leistungsfähigkeit ("Validität")
nicht versichert seien. Hilfsarbeiterinnen sind in aller Regel durch das Fehlen einer
beruflichen Qualifikation und durch die Situation auf dem Markt für Hilfsarbeiterstellen
dazu gezwungen, jede Möglichkeit zu ergreifen, um ihre Arbeitskraft verwerten zu
können. Für sie ist es, anders als bei beruflich gut qualifizierten Personen,
erfahrungsgemäss viel schwieriger, im Lauf des Erwerbslebens durch zunehmende
Arbeitserfahrung, Weiterbildung, geschickte Stellenwechsel usw. das Lohnniveau
anzuheben und sich damit von einer unterdurchschnittlich entlöhnten zu einer
mindestens durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeiterin hochzuarbeiten. Das bedeutet,
dass bei einer unterdurchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeiterin ein anhand des
Durchschnittslohns ermitteltes zumutbares
Invalideneinkommen der effektiven Situation nicht Rechnung tragen muss, weil häufig
ein IV-fremdes Element in die Ermittlung des Invaliditätsgrades einfliessen würde. Da
der Invaliditätsgrad das Ausmass des Verlusts an erwerblicher Leistungsfähigkeit
("Validität") wiedergeben muss, ist es in Fällen, in denen das ‒ wie vorliegend ‒
offenkundig zutrifft, notwendig, nicht nur das Validen-, sondern auch das zumutbare
Invalideneinkommen anhand des an der letzten Arbeitsstelle ‒ hypothetisch ‒
erzielbaren Lohns zu bemessen. Damit besteht keine Notwendigkeit, das
Valideneinkommen anders als ausgehend von dem Lohn zu ermitteln, den die
Beschwerdeführerin im Reinigungsdienst der J._ erzielt hätte, wenn sie gesund
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geblieben wäre. Die J._ hat für das Jahr 2008 einen Jahreslohn bei einem
Beschäftigungsgrad von 100% von Fr. 44'200.- angegeben (vgl. IV-act. 8-2). Das
entspricht bei einem Beschäftigungsgrad von 60% einem Jahreslohn von Fr. 26'520.-.
Dieser Betrag ist als Valideneinkommen in den Einkommensvergleich einzusetzen.
3.2 Die Beschwerdeführerin kann zumutbarerweise nur noch behinderungsangepasste
Hilfsarbeiten ausführen. Derartige Hilfsarbeiten werden in den meisten Branchen
geleistet. Nach dem oben Ausgeführten ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin auch in einer behinderungsadaptierten Hilfsarbeit nur maximal den
Lohn erzielen könnte, den sie ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung, im
hypothetischen "Gesundheitsfall", durch ihre Arbeit für die J._ verdienen würde.
3.2.1 Die Beschwerdegegnerin hat angenommen, dass die Beschwerdeführerin
weiterhin mit einem Beschäftigungsgrad von 60% tätig sein könne, da sie gemäss dem
bidisziplinären AEH-Gutachten ja in einem noch höheren Ausmass, nämlich zu 75%,
arbeitsfähig sei. Dagegen hat die Beschwerdeführerin eingewendet, sie sei
insbesondere gemäss den Angaben von Dr. E._ zu 100% arbeitsunfähig. Dem steht
entgegen, dass im psychiatrischen Teilgutachten der AEH AG (vgl. IV-act. 34)
angegeben worden ist, bei einer zumutbaren Willensanstrengung sei es der
Beschwerdeführerin möglich und zumutbar, zu 100% einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen, und dass im rheumatologisch-orthopädischen Gutachten der AEH AG
eine Arbeitsfähigkeit von 75% attestiert worden ist (vgl. IV-act. 38). Nach der
Auffassung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin sind die beiden Teile des
AEH-Gutachtens wegen des objektiven Anscheins der Befangenheit der beteiligten
medizinischen Sachverständigen aus dem Recht zu weisen. Er begründet das damit,
dass die beteiligten medizinischen Sachverständigen mehrheitlich für die
Sozialversicherungen tätig seien. Notwendigerweise steht dahinter unausgesprochen
die Behauptung, die Sozialversicherungsträger und damit auch die
Beschwerdegegnerin wollten keine objektiven Gutachten, sondern Gutachten, die zum
Nachteil der Versicherten falsche Angaben enthielten, damit
Sozialversicherungsleistungen eingespart werden könnten. Die IV-Stellen haben zwar
bekanntlich einen Sparauftrag, zu dem auch eine Senkung der Zahl der Neurentner
gehört, aber das ändert nichts daran, dass sie zur korrekten Anwendung des
Leistungsrechts, zur Objektivität in der Sachverhaltsermittlung, zur Gleichbehandlung
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aller Versicherten usw. verpflichtet sind. Deshalb kann den Sozialversicherungsträgern
nicht unterstellt werden, dass sie Gutachten wollten, die nicht objektiv seien, und dass
demzufolge die häufig eingesetzten medizinischen Sachverständigen geneigt seien, die
gewünschten nicht objektiven Gutachten auch zu liefern. Dem Vorwurf des objektiven
Anscheins der Befangenheit der Sachverständigen der AEH AG fehlt deshalb jede
Grundlage. Das entspricht auch der höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl.
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer, 2. A., S. 356, sowie das
Urteil 9C_243/2010 vom 28. Juni 2011 des Bundesgerichts). Demnach gilt für das
vorliegenden AEH-Gutachten, dass es nicht aus dem Recht zu weisen, sondern als
Beweismittel objektiv zu würdigen ist. Dr. E._ und Dr. C._ behandeln die
Beschwerdeführerin. Aufgrund dieser engen persönlichen und vertraglichen
Verbindung müsste auch bei diesen beiden Ärzten ein objektiver Anschein der
Befangenheit zugunsten der Beschwerdeführerin angenommen werden. Dasselbe gilt
für Dr. H._, denn sie steht zwar nicht in einer vertraglichen, aber jedenfalls in einer
therapeutischen Beziehung zur Beschwerdeführerin. Im Gegensatz zur
Beschwerdegegnerin, die zu Objektivität, Gleichbehandlung usw. verpflichtet ist,
können Versicherte, also auch die Beschwerdeführerin, völlig eigennützig operieren.
Grundsätzlich können sie ihre behandelnden Ärzte also auffordern, in den Berichten an
den Sozialversicherungsträger unrichtige Angaben zu machen. Dies würde an sich
ausreichen, bei behandelnden Ärzten von einem objektiven Anschein der Befangenheit
auszugehen. Nun zeigt die Erfahrung aber, dass sich behandelnde Ärzte aufgrund der
Strafdrohung des Art. 318 StGB zu Objektivität verpflichtet fühlen und dass sie bemüht
sind, dem Sozialversicherungsträger das richtige Bild von der Krankheit ihrer Patienten
zu vermitteln. Das zwingt dazu, auch bei den Berichten behandelnder Ärzte davon
auszugehen, dass kein objektiver Anschein einer Befangenheit besteht. Daraus kann
aber ebensowenig wie bei den Administrativgutachten der Schluss gezogen, dass
sämtliche Aussagen der Ärzte als richtig zu betrachten wären, denn die
Überzeugungskraft der Aussage eines Arztes (in der Funktion als Therapeut und auch
in der Funktion als Sachverständiger) kann offensichtlich nicht allein davon abhängen,
ob der Arzt objektiv den Eindruck der Befangenheit erweckt oder nicht.
3.2.2 Die erste Arbeitsfähigkeitsschätzung stammt vom Hausarzt Dr. C._. Er hat
am 28. April 2008 eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten
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Tätigkeit von "provisorisch" 50% angegeben. Diese Arbeitsunfähigkeit hat er offenbar
nur mit somatischen Beeinträchtigungen begründet. Dr. med. M. Bütler, FMH
Physikalische Medizin, Wil, hatte allerdings bereits in einem Bericht vom 16. April 2007
an Dr. C._ die Diagnose "Verdacht auf somatoforme Schmerzen" gestellt und für eine
adaptierte Erwerbstätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit angegeben (vgl. IV-
act. 7-14, 7-15). Auch Dr. med. K._, FMH Rheumatologie und Rehabilitation, hatte
Dr. C._ bereits am 20. August 2007 berichtet, für sein Gefühl stehe die
Beschwerdeführerin vor einer Dekompensation der Schmerzproblematik (vgl. IV-act.
7-10). Auch Dr. D._ hatte am 11. September 2007 einen Verdacht auf eine
Schmerzausweitung angegeben und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der
Tätigkeit als Raumpflegerin als nicht nachvollziehbar bezeichnet (vgl. IV-act. 7-7).
Angesichts dieser deutlichen Hinweise darauf, dass die geklagten Beschwerden nur
teilweise auf die somatischen Beeinträchtigungen zurückzuführen waren, kann der sich
ausschliesslich auf die somatischen Diagnosen stützenden Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Dr. C._ vom 28. April 2008 keine Überzeugungskraft beigemessen werden. Im
Bericht vom 16. Dezember 2009 (vgl. IV-act. 49) hat Dr. C._ zwar zusätzlich zu den
somatischen Diagnosen auch noch eine sekundäre Schmerzausweitung mit nun
generalisiertem Schmerzsyndrom und eine depressive Entwicklung angegeben, aber
seine Arbeitsunfähigkeitsschätzung (80% im Reinigungsdienst) hat er offenbar wieder
nur auf die somatischen Beschwerden zurückgeführt, denn für die erschwerend
hinzukommende psychische Situation hat er auf die Beurteilung durch den
behandelnden Psychiater Dr. E._ verwiesen. Zur Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer der Behinderung angepassten Erwerbstätigkeit hat sich
Dr. C._ auch in diesem neueren Bericht nicht geäussert. Seine
Arbeitsunfähigkeitsschätzung dürfte in einem erheblichen Mass auch auf der
konsequent demonstrierten Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin beruhen, denn
Dr. C._ hat seine Schätzung insbesondere mit der Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin nicht in der Lage sei, die Haushaltarbeiten allein zu bewältigen,
und mit dem hohen Schmerzmittelkonsum begründet. Dr. H._ hat am 17. Dezember
2009 zwar eine Arbeitsunfähigkeit von 50% angegeben. Sie hat aber nicht erwähnt, ob
sich dies auf die Tätigkeit im Reinigungsdienst oder auf eine der Behinderung
angepasste Tätigkeit beziehe. Der Arbeitsfähigkeitsschätzung ist ihre Bemerkung
vorausgegangen, die chronifizierte Ganzkörperschmerzproblematik im Rahmen der
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Depression limitiere die Beschwerdeführerin erheblich, wobei das aber nicht
Gegenstand einer rheumatologischen Beurteilung bilden dürfe. Sie hat die Aussage zur
Arbeitsfähigkeit mit dem Wort "erfahrungsgemäss" eingeleitet. Das lässt darauf
schliessen, dass Dr. H._ ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung doch auch auf den
psychiatrischen Teil der Gesundheitsbeeinträchtigung abgestützt hat, wodurch diese
Schätzung erheblich an Überzeugungskraft verliert. Die Beurteilung ist also nur in
bezug auf die Aussage beweisrechtlich relevant, dass die psychische Beeinträchtigung
das schwerwiegendere Problem sei. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die
Berichte der behandelnden Ärzte nicht geeignet sind, für eine der Behinderung
angepasste Erwerbstätigkeit eine rein somatisch bedingte Arbeitsunfähigkeit zu
belegen, die höher wäre als die im AEH-Gutachten (vgl. IV-act. 38) angegebene
Arbeitsunfähigkeit von 25%. Die rheumatologische Begutachtung durch die AEH AG
beruht auf einer umfassenden bildgebenden und klinischen Untersuchung und auf
einer EFL. Letztere hat zwar ihr angestrebtes Ziel nicht erreicht, weil die
Beschwerdeführerin viele Tests plötzlich abbrach, bevor eine funktionelle Limite
beobachtet werden konnte. Sie lässt aber immerhin eine Aussage zum Minimum an
Belastbarkeit zu, das der Beschwerdeführerin zumutbar ist (leicht bis mittelschwer
ohne vorgeneigtes Stehen oder Gehen), und sie hat gezeigt, dass zwischen der
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin und der objektiv vorhandenen
Leistungsfähigkeit eine grosse Diskrepanz besteht, die von den behandelnden Ärzten
nicht oder nicht im vollen Umfang zur Kenntnis genommen worden ist. Der somatische
Teil des AEH-Gutachtens weist überzeugend nach, dass die Beschwerdeführerin in
einer adaptierten Tätigkeit noch zu 75% arbeitsfähig ist. Die Beschwerdeführerin hat
zwar im Vorbescheids- und dann wieder im Beschwerdeverfahren geltend gemacht,
dass nach der Begutachtung eine Verschlechterung des somatischen
Gesundheitszustands eingetreten sei. Sie hat diese Behauptung aber nicht belegt.
Insbesondere enthält der Bericht von Dr. H._ vom 17. Dezember 2009 keinen
Hinweis darauf, dass eine Verschlechterung eingetreten sein könnte.
3.2.3 Zur Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit und zu deren Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin haben sich nur der behandelnde
Facharzt Dr. E._ und der psychiatrische Sachverständige der AEH AG geäussert. Dr.
E._ hat sich erstmals am 26. November 2008 vernehmen lassen (vgl. IV-act. 32). Er
hat angegeben, die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei stark vermindert. Im
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entsprechenden Bericht fehlt aber eine genaue Diagnose. Von grosser Bedeutung sind
nach der Auffassung von Dr. E._ die harte Kindheit der Beschwerdeführerin und der
Verlust an Selbstvertrauen als Folge der Krankheit. Demgegenüber hat der
psychiatrische Sachverständige der AEH AG trotz der harten Kindheit keine Hinweise
auf eine Persönlichkeitsstörung gefunden. Seiner Auffassung nach haben erst die
Schmerzen, der Verlust der Tagesstruktur und die zunehmende Selbstwertproblematik
ab Januar 2008 zur Entwicklung einer Anpassungsstörung geführt. Diese
Anpassungsstörung hat zwar anfänglich eine Arbeitsunfähigkeit von 50% bewirkt, aber
bereits Ende 2008 ist sie wieder so weit überwunden gewesen, dass sie keine
Arbeitsunfähigkeit mehr zur Folge gehabt hat. In seinem Bericht an den Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin vom 10. Dezember 2009 hat Dr. E._ zwar neue, d.h. nach
der Begutachtung aufgetretene Belastungen, nämlich die Erkrankung des Sohnes und
chronische körperliche und seelische Überforderungsprobleme beim Ehemann,
erwähnt. Aber das Hauptproblem sind für ihn immer noch die harte Kindheit der
Beschwerdeführerin und deren aktuelle Auswirkungen gewesen. Dr. E._ hat aber
nicht geltend gemacht, der psychische Gesundheitszustand ‒ und mit ihm die
Arbeitsfähigkeit ‒ hätten sich seit der Begutachtung effektiv verschlechtert. Dr. E._
hat sich nicht mit dem psychiatrischen Gutachten auseinandergesetzt. Sein Bericht
vom 10. Dezember 2009 erweckt den Eindruck, dass alle Beschwerdeschilderungen
der Beschwerdeführerin (Schmerzen, Angst) unkritisch nach ihrer Art und ihrem
Ausmass als real qualifiziert worden seien. Hinzu kommt, dass Dr. E._ das
sozialversicherungsspezifische Konzept der sogenannten zumutbaren
Willensanstrengung nicht gekannt zu haben scheint. Seine Arbeitsfähigkeitsschätzung
entspricht deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin. Demgegenüber beruht die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
psychiatrischen Sachverständigen der AEH AG auf der Überlegung, dass nur jene
Arbeitsunfähigkeit einen leistungsrelevanten Verlust an "Validität" bewirken könne, die
unausweichlich sei. Schmerzen, Ängste, Trauer usw. können nach der allgemeinen
Lebenserfahrung den Gedanken wecken, dass man so nicht mehr arbeiten könne. Im
Normalfall taucht dann aber sofort auch der Gedanke auf, dass man sich
zusammenreissen und trotz der drückenden Situation weiter arbeiten müsse. Ob man
diesen zweiten Gedanken umsetzen kann/muss, hängt vom Ausmass an
Willensenergie ab, das einem zur Verfügung steht, um die Belastung zu ignorieren und
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weiter zu arbeiten. Im vorliegenden Fall ist der psychiatrische Sachverständige der AEH
AG davon ausgegangen, dass es der Beschwerdeführerin möglich und zumutbar sei,
vollzeitlich und mit vollem Rendement zu arbeiten, weil die Art und die Stärke der
psychischen Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin keine hohe Schranke setzten.
Nach Lage der Akten ist das nicht zu beanstanden, auch weil die Beschwerdeführerin
gar nie den Versuch gemacht zu haben scheint, sich trotz ihrer
Gesundheitsbeeinträchtigung wieder erwerblich zu betätigen. Dr. E._ hat aus dieser
passiven Haltung auf eine vollständige Arbeitsunfähigkeit geschlossen. Unter diesen
Umständen ist zusammenfassend auch für die psychiatrische Seite der
Gesundheitsbeeinträchtigung davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung
des AEH-Sachverständigen überzeugender ist als diejenige des behandelnden Arztes.
Als Fazit ist in somatischer und psychiatrischer Hinsicht festzustellen, dass die im AEH-
Gutachten mit insgesamt 75% bezifferte Arbeitsfähigkeit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit korrekt ist und dass sich die medizinische Situation bis zum Erlass
der angefochtenen Verfügung nicht mehr verändert hat.
3.2.4 Da die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu 75%
arbeitsfähig ist, könnte sie einer Erwerbstätigkeit im gesamten Umfang der
Erwerbsquote, also im Umfang von 60%, ohne behinderungsbedingte Einbusse
nachgehen. Nach dem oben Ausgeführten könnte sie so grundsätzlich ein Einkommen
von Fr. 26'520.- erzielen. Allerdings müsste sie bei einer zu 60% ausgeübten,
adaptierten Hilfsarbeit verschiedene Konkurrenznachteile gegenüber zu 60%
erwerbstätigen gesunden Hilfsarbeiterinnen in Kauf nehmen. Diese Nachteile würden
von einem ökonomisch handelnden potentiellen Arbeitgeber überwiegend
wahrscheinlich durch einen Minderlohn kompensiert, falls er die Beschwerdeführerin
anstellen würde. Zu diesen Nachteilen gehören die fehlende Flexibilität der
Beschwerdeführerin im Hinblick auf den Beschäftigungsgrad (gesunde
Hilfsarbeiterinnen könnten problemlos vorübergehend zu weit mehr als 60% arbeiten,
die Beschwerdeführerin nur bis zu 75%) und im Hinblick auf den Arbeitsplatz (die
Beschwerdeführerin könnte nicht vorübergehend an einem nicht adaptierten
Arbeitsplatz eingesetzt werden), die Gefahr überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen
der Beschwerdeführerin, der Bedarf der Beschwerdeführerin nach einer besonderen
Rücksichtnahme u.ä. Diesen Konkurrenznachteilen ist mit einem Minderlohn von 10%
ausreichend Rechnung getragen. Die indirekt behinderungsbedingte Erwerbseinbusse
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von 10% entspricht bei einer Erwerbsquote von 60% einem anteiligen Invaliditätsgrad
von 6%.
3.3 Gemäss den Angaben im Gutachten der AEH AG ist die Beschwerdeführerin aus
interdisziplinärer Sicht im Haushalt zu 65% arbeitsfähig. Die behinderungsbedingte
Einschränkung von 35% entspricht auf den ersten Blick weitgehend dem Ergebnis der
Haushaltabklärung, also einer Einschränkung in der Leistungsfähigkeit um 26,56%. Die
Beschwerdegegnerin will die Differenz von etwa 8% mit der Berücksichtigung einer
bescheidenen Schadenminderung durch die Familienangehörigen der
Beschwerdeführerin erklären. Tatsächlich beruhen die ärztliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung und die durch die Haushaltabklärung ermittelte
Arbeitsfähigkeit aber auf völlig differenten Abklärungsmethoden, so dass es nur ein
Zufall sein kann, dass die Abklärungsergebnisse so nahe beieinander liegen. Während
die medizinischen Sachverständigen der AEH AG nach dem objektiv bestehenden
Arbeitsfähigkeitsgrad in einem Standardhaushalt geforscht haben, hat sich die
Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin darauf beschränkt, die Selbstangaben der
Beschwerdeführerin zu protokollieren. Im Abklärungsbericht fehlt jeder Hinweis darauf,
dass die Abklärungsperson versucht hätte, die Aussagen der Beschwerdeführerin an
einem objektiven Massstab auf ihre Plausibilität zu prüfen. Die Abklärungsperson hat
es offenkundig unterlassen, dem eigentlichen Wesen der Abklärung an Ort und Stelle,
dem Augenschein, gerecht zu werden, d.h. die Beschwerdeführerin bei der Ausübung
aller Haushaltsarbeiten zu beobachten und sie ‒ analog einer EFL ‒ darauf zu prüfen,
ob sie die Leistungslimite im jeweiligen Bereich erreiche oder die Arbeit vorher
abbreche. Als Protokoll eines Augenscheins kann dem Abklärungsbericht also kein
Beweiswert zukommen, weil kein Augenschein erfolgt ist. Aber auch als Protokoll einer
"Einvernahme" der Beschwerdeführerin weist der Abklärungsbericht nur geringe
Beweiskraft auf, denn der Abklärungsperson fehlte notwendigerweise noch das AEH-
Gutachten bzw. die dort angegebene Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Haushalt, den sie als objektiven Massstab an die Selbstangaben hätte anlegen können.
Die Abklärungsperson hat es zudem unterlassen, die Selbstangaben der
Beschwerdeführerin wenigstens anhand der Aussagen der anderen Familienmitglieder
zur Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf ihre Plausibilität zu prüfen. Das alles
gilt auch für die Schadenminderungspflicht der Familienangehörigen, denn die
Abklärungsperson hat weder die Erfüllung der konkreten Schadenminderungspflicht in
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den einzelnen Bereichen des Haushalts beobachtet noch hat sie die betroffenen
Familienangehörigen befragt, ob und in welchem Umfang es ihnen möglich und
zumutbar sei, die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin im Haushalt zu
kompensieren. Dem Abklärungsbericht ist somit in sämtlichen Teilen der Beweiswert
abzusprechen. Grundsätzlich müsste die Sache deshalb zur weiteren Abklärung der
Invalidität im Haushalt an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden. Da im
erwerblichen Bereich nur eine anteilige Invalidität von 6% vorliegt, müsste im Haushalt
eine anteilige Invalidität von 34% resultieren, damit ein Rentenanspruch entstehen
könnte. Ein anteiliger Invaliditätsgrad von 34% würde bei einer Haushaltquote von 40%
einen Arbeitsunfähigkeitsgrad von wenigstens 85% voraussetzen. Angesichts der im
AEH-Gutachten angegebenen Arbeitsunfähigkeit im Haushalt von lediglich 35% und
angesichts der grundsätzlichen Schadenminderungspflicht der Familienangehörigen ist
(in antizipierender Beweiswürdigung) davon auszugehen, dass auch eine korrekte
Haushaltabklärung keinen anspruchsbegründenden anteiligen Invaliditätsgrad liefern
würde. Deshalb kann auf eine Rückweisung zur weiteren Abklärung verzichtet werden.
Es steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die
anteilige Invalidität der Beschwerdeführerin im Haushalt weniger als 34% beträgt, so
dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht.
4.
Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von
sechs Monaten nach der Anmeldung. Die Beschwerdeführerin hat sich am 17. April
2008 angemeldet. Ein Rentenanspruch könnte deshalb frühestens ab Oktober 2008
bestehen. Die bis zum Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 geltende
Fassung des aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG sah vor, dass der Anspruch auf eine Rente mit
dem Ablauf des sogenannten Wartejahres entstehe. Der Zeitpunkt der Anmeldung war
also nur im Hinblick auf die Verwirkung eines allfälligen Nachzahlungsanspruchs wegen
verspäteter Anmeldung relevant (aArt. 48 Abs. 2 IVG). Intertemporalrechtlich
entscheidet nicht der Zeitpunkt der Anmeldung, sondern der Zeitpunkt des Eintritts des
Versicherungsfalls darüber, ob auf die aktuelle Regelung abzustellen ist oder ob die
alte, grundsätzlich ausser Kraft gesetzte Regelung weiter anwendbar bleibt (vgl. das
vom BSV herausgegebene IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007).
Gemäss den Angaben im AEH-Gutachten (IV-act. 38-31) ist die Beschwerdeführerin
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seit August 2006 in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu 25% und im Haushalt zu 35%
arbeitsunfähig gewesen. Per Januar 2008 ist die Arbeitsunfähigkeit sowohl im Erwerb
als auch im Haushalt auf 50% angestiegen und per 1. Dezember 2008 ist sie wieder auf
das vorherige Mass abgesunken. Damit steht ein Eintritt des Versicherungsfalls vor der
Anmeldung zum Leistungsbezug zur Diskussion, d.h. die Entstehung eines
Rentenanspruchs ist nach der altrechtlichen Regelung zu prüfen. Die Erfüllung des
Wartejahres ist nach der sogenannten gemischten Methode zu prüfen, denn auch für
die Zeit ab August 2006 ist von einer Erwerbsquote im hypothetischen
"Gesundheitsfall" von 60% auszugehen. Das bedeutet, dass für den Erwerbsteil keine
Arbeitsunfähigkeit zu berücksichtigen ist, weil bei einer Erwerbsquote von 60% und
einer Arbeitsfähigkeit von 75% keine erwerblich relevante Arbeitsunfähigkeit besteht.
Für den Haushaltteil hingegen ist von einer anteiligen Arbeitsunfähigkeit von 14%
auszugehen (40% von 35%). Daraus folgt, dass die Wartezeit erst mit dem Anstieg der
Arbeitsunfähigkeit im Erwerb und im Haushalt auf 50% zu laufen begonnen hat, weil
erst ab diesem Zeitpunkt eine relevante Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% (vgl.
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer, 2. A., S. 279) bestanden
hat. Da die Arbeitsunfähigkeit bereits per 1. Dezember 2008 wieder auf das frühere
Mass gesunken ist, ist das Wartejahr nicht erfüllt worden, so dass auch kein (zeitlich
beschränkter) Rentenanspruch entstanden ist.
5.
Damit steht fest, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin verneint hat. Die Beschwerde ist abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren in IV-Sachen ist kostenpflichtig. Die Kosten richten sich nach
dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Die unterliegende Beschwerdeführerin
hat die entsprechenden Kosten zu tragen. Da das Beschwerdeverfahren einen
durchschnittlichen Aufwand verursacht hat, erweist sich praxisgemäss eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.- als angemessen. Diese Gerichtsgebühr ist durch den von
der Beschwerdeführerin im gleichen Umfang geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
bis
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