Decision ID: a6ec2fef-ac0d-5a68-998c-5577e90434e3
Year: 2008
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Der Beschwerdeführer, ein türkischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und alevitischen Glaubens aus A._, Provinz Adiyaman, mit letztem Wohnsitz in B._, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 7. Januar 2003 und gelangte am 16.  2003 illegal in die Schweiz, wo er am 17. Januar 2003 um Asyl nachsuchte. Am 21. Januar 2003 erfolgte die Kurzbefragung in C._ und am 4. Februar 2003 die Anhörung zu den Asylgründen durch die zuständige Behörde des Kantons D._.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er werde als Kurde und Alevite schon seit  Zeit schikaniert. Er und seine Familie hätten die PKK ( Kurdistans) aktiv unterstützt, indem sie deren Aktivisten mit  versorgt und beherbergt hätten. Er sei seit 1996  der HADEP (Demokratische Volkspartei) und habe für deren Jugendverband gearbeitet. Im Jahre 1996 sei er zusammen mit  Leuten anlässlich der Feier zum Neujahrsfest Newroz in seinem Dorf von türkischen Soldaten ein erstes Mal festgenommen und für einen Tag arrestiert worden. Ein zweites Mal sei er im Jahre 1999 in B._ festgenommen und eine Nacht lang arrestiert worden, weil er zusammen mit anderen Aktivisten der HADEP anlässlich der  verbotenen Newrozfeier ein Fest veranstaltet habe. Bei den  vom 3. November 2002 habe er von der DEHAP ( der HADEP) die Aufgabe erhalten, als Urnenfunktionär zu . Der „Urnenpräsident“ habe einen Stimmzettel, der für die DEHAP abgegeben worden sei, annullieren wollen mit der , der Stempel auf dem Emblem der DEHAP habe beim Falten des Stimmzettels auf das Emblem einer anderen Partei abgefärbt. Er habe dagegen Einspruch erhoben, worauf der „Urnenpräsident“ die Polizei geholt habe, die ihn auf den örtlichen Polizeiposten verbracht und als Kurde beschimpft habe. Er sei noch am selben Tag auf freien Fuss  worden. Anlässlich der Festnahmen sei er jeweils geschlagen worden. Schliesslich sei er aus der Türkei ausgereist, weil er in  Angst vor der Polizei gewesen sei und sich sein psychischer  verschlechtert habe. Die Frage anlässlich der kantonalen , ob er alle Gründe für sein Asylgesuch genannt habe, bejahte der Beschwerdeführer und erklärte, 1999 sei ihm übrigens auch noch ein Angebot zur Zusammenarbeit mit der Polizei gemacht worden, was er
Seite 2
E-6759/2006
abgelehnt habe. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen und, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die nachfolgenden Erwägungen. Der Beschwerdeführer reichte im  Verfahren eine türkische Identitätskarte (Nüfus) zu den .
B. Mit Verfügung vom 21. März 2003 - eröffnet am 27. März 2003 - stellte das Bundesamt fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers  den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu , und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die  aus der Schweiz und deren Vollzug an.
C. Mit Eingabe vom 28. April 2003 (Poststempel) beantragt der  durch seinen Rechtsvertreter die Aufhebung der  Verfügung und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Feststellung der Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung unter gleichzeitiger Anordnung der vorläufigen Aufnahme. Zur Stützung der Vorbringen stellte er eine Bestätigung betreffend die behördliche  nach ihm in A._ in Aussicht. Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
D. Mit Zwischenverfügung vom 2. Mai 2003 teilte die vormals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) dem Beschwerdeführer mit, er könne den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wurde auf die Erhebung eines  verzichtet und der Beschwerdeführer aufgefordert, innert Frist die in der Rechtsmitteleingabe in Aussicht gestellte amtliche Bestätigung betreffend (die vorerwähnte) Fahndung respektive andere Beweismittel mit dem Zustellcouvert im Original und der Übersetzung in eine  des Bundes einzureichen. Im Unterlassungsfall wurde , gestützt auf die bestehende Aktenlage zu entscheiden mit dem Hinweis, auch verspätete Parteivorbringen würden berücksichtigt,  sie ausschlaggebend erscheinen.
E. Am 4. Juni 2003 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die in Aussicht gestellte Bestätigung des Dorfvorstehers von
Seite 3
E-6759/2006
A._ nebst deutscher Übersetzung und Zustellcouvert aus der Türkei ein.
F. Das BFM beantragt in seiner Vernehmlassung vom 20. Juni 2003 die Abweisung der Beschwerde.
G. Der Beschwerdeführer hält in seiner Replik vom 10. Juli 2003 an  Beschwerde fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 vorliegt. Als  gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu  Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31); das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernimmt, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. Dezember 2006 bei der ARK hängigen Rechtsmittel. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).
1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen  und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2. Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; der  ist legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 und 50 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten.
Seite 4
E-6759/2006
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person , wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen  ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender  für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das Bundesamt lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit der Begründung ab, die Vorbringen vermöchten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen. Am Wahrheitsgehalt seiner Vorbringen seien Zweifel anzubringen. Beispielsweise habe er in der Empfangsstelle zu Protokoll gegeben, er sei nach der  anlässlich der Wahl vom 3. November 2002 verhaftet worden, weil die Polizei gewusst habe, dass er für die HADEP als „Urnenfunktionär“ tätig gewesen sei. Demgegenüber habe er bei der kantonalen  zu Protokoll gegeben, die Polizei habe ihn nach Unstimmigkeiten mit dem „Urnenpräsidenten“ verhaftet. Aufgrund der offensichtlich  Asylrelevanz der gesuchsbegründenden Vorbringen könne  darauf verzichtet werden, auf weitere  einzugehen. Insbesondere sei hinsichtlich der Aussagen des Beschwerdeführers, er sei drei Mal verhaftet worden, geschlagen und als Kurde beschimpft worden, allgemein bekannt, dass Angehörige der kurdischen Bevölkerung in der Türkei solchen Schikanen und  ausgesetzt sein könnten. Dabei handle es sich aber nicht um ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes, die einen Verbleib
Seite 5
E-6759/2006
im Heimatland verunmöglichten oder unzumutbar erschwerten. Aus diesem Grund führe die allgemeine Situation, in der sich die kurdische Bevölkerung befinde, gemäss gefestigter Praxis für sich allein nicht zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Auch die im vorliegenden Fall geltend gemachten kurzzeitigen Festnahmen sowie die damit  Misshandlungen würden in ihrer Intensität nicht über die  hinausgehen, welche weite Teile der kurdischen Bevölkerung  könnten.
Die Befürchtung des Beschwerdeführers, nach einer Rückkehr in die Türkei erneut schikaniert und allenfalls verhaftet zu werden, sei nicht nachvollziehbar, zumal er jeweils im Zusammenhang mit konkreten  verhaftet worden sei. Er habe eigenen Angaben zufolge in der Zeit zwischen den geltend gemachten Vorfällen - insbesondere von 1999 bis zum 3. November 2002 - ohne jegliche Behelligungen seitens der türkischen Behörden gelebt und gearbeitet. Auch nach der letzten Verhaftung sei er noch rund zwei Monate in Adiyaman geblieben. Vor diesem Hintergrund erweise sich das Vorbringen des , die ständigen Repressionen der türkischen Sicherheitskräfte  bei ihm zu einem unerträglichen psychischen Druck geführt, der ihm einen weiteren Verbleib in seinem Heimatstaat verunmöglicht , bei einer objektivierten Betrachtungsweise als unbegründet.
4.2 In der Rechtsmitteleingabe wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdeführer stamme entgegen den diesbezüglichen  in der angefochtenen Verfügung nicht aus der Provinz Kahraman Maras, sondern aus der Provinz Adiyaman. Was den von der  geltend gemachten angeblichen Widerspruch in den Aussagen des Beschwerdefürhrers anbelange, setze sich der Beschwerdegegner zunächst in klaren Widerspruch zur Rechtsprechung der vormals  ARK (Entscheidungen und Mitteilungen der  Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3), wonach der  in der Empfangsstelle angesichts ihres summarischen Charak-
ters für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der vorgebrachten Asyl-
gründe nur ein beschränkter Beweiswert zukomme. Widersprüche
dürften für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur dann herangezo-
gen werden, wenn klare Aussagen in der Empfangsstelle in wesent-
lichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in
der Befragung beim Kanton oder beim Bundesamt diametral abwei-
chen würden, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen,
welche später als zentrale Asylgründe genannt würden, nicht bereits
Seite 6
E-6759/2006
in der Empfangsstelle zumindest ansatzweise erwähnt würden. Die
diesbezüglichen Aussagen des Beschwerdeführers liessen keine Wi-
dersprüche erkennen.
Der Vorinstanz sei insofern zuzustimmen, als die Verhaftungen und
Misshandlungen, die der Beschwerdeführer an Newroz 1996 und
1999 erlitten habe, für ihn zunächst keinen Fluchtgrund dargestellt
hätten; sie stellten aber grundsätzlich eine Gefahr für Leib und Leben
dar und seien ethnisch und politisch motiviert, weshalb sie sehr wohl
geeignet seien, den Flüchtlingsbegriff von Art. 3 AsylG zu erfüllen. Auch blosse Sympathisanten der HADEP respektive deren  seien extrem gefährdet, wenn sie den türkischen  als solche auffallen würden. Wie die Schweizerische  in einer neusten Lageanalyse vom Februar 2003 festhalte, seien in den Monaten vor und nach den Wahlen vom November 2002 aktive Mitglieder und auch blosse Sympathisanten der HADEP zu Haftstrafen verurteilt worden, weil sie angeblich die öffentlich Sicherheit gefährdet hätten oder auch nur, weil sie Kurdisch gesprochen hätten.
Der Beschwerdeführer habe sich als aktiver Sympathisant der Partei exponiert. Er habe damit rechnen müssen, im Visier der  zu bleiben und zunehmenden Nachstellungen ausgesetzt zu sein. Die zu befürchtenden Verfolgungen überstiegen jedenfalls das Mass der „üblichen Schikanen“.
Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz habe der  die Zeit zwischen der Festnahme im November 2002 und seiner Ausreise zwei Monate später in grosser Angst verbracht und laufend damit rechnen müssen, wieder verhaftet zu werden. Er habe  nach den Wahlen die nötigen Vorkehrungen getroffen, um mit Hilfe eines ihm bekannten Schleppers die Türkei verlassen zu können. Dass seine Furcht vor künftigen Nachstellungen begründet gewesen sei, zeige sich auch daran, dass sich die Gendarmerie nach seiner  in seinem Heimatdorf nach seinem Verbleib erkundigt, in seinem Elternhaus eine Hausdurchsuchung vorgenommen und Broschüren der HADEP respektive der DEHAP beschlagnahmt habe. Es bestehe Aussicht darauf, dass eine amtliche Bestätigung des Dorfvorstehers zu diesem Sachverhalt nachgereicht werden könne. Das Vorgehen der Gendarmerie zeige, dass der Beschwerdeführer bereits verfolgt werde und somit die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft erfülle.
Seite 7
E-6759/2006
4.3 In ihrer Vernehmlassung begründete die Vorinstanz den Antrag auf Abweisung der Beschwerde im Wesentlichen damit, der Feststellung des Rechtsvertreters sei zuzustimmen, dass die Heimatprovinz des Beschwerdeführers in der angefochtenen Verfügung nicht korrekt  worden sei. Dies sei jedoch nicht entscheidwesentlich, zumal die Lage in der tatsächlichen Herkunftsprovinz (Adiyaman) gleich  werde wie diejenige in der Provinz Kahraman Maras. Die auf Beschwerdeebene eingereichte Bestätigung des Dorfvorstehers von A._ sei in der Türkei weit verbreitet und würde von vielen Asylsuchenden abgegeben. In der Regel handle es sich dabei um blosse Gefälligkeitsschreiben, denen - wie vorliegend - kein  beigemessen werden könne. Die Person, die dieses Dokument ausgestellt habe, habe nämlich kaum Zugang zu Informationen, wie sie im Schriftstück genannt würden. Ferner sei nicht einsichtig, weshalb die Polizei den Beschwerdeführer suchen sollte, zumal sie ihn bereits einmal festgenommen und nach kurzer Zeit freigelassen habe. Das Dokument vermöge daher keinen asylrelevanten Sachverhalt zu belegen.
4.4 In der Replik wurde entgegnet, die Behauptung der Vorinstanz, bei der zu den Akten gereichten Bestätigung der Dorfvorstehrs von A._ handle es sich um ein blosses Gefälligkeitsschreiben, dem kein Beweiswert zukomme, widerspreche den Erfahrungen des Rechtsvertreters. In sehr vielen Fällen sei eine solche Bestätigung die einzige Möglichkeit für Asylsuchende, im Rahmen ihrer  ein eingermassen amtliches Papier beizubringen, welches sich zu Vorsprachen von staatlichen Behörden am Wohnort des Betroffenen äussere. Bestätigungsschreiben von Angehörigen einer  Person würden von der Vorinstanz immer als  qualifiziert. Entgegen den diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz sei der Dorfvorsteher in kleineren Dörfern fast immer  informiert, welcher Person eine Vorsprache der Gendarmerie gelte und was der Grund dafür sei; solche Umstände blieben auf dem Land kaum geheim. Der Beschwerdeführer habe im Rahmen seiner  die politisch motivierte Verfolgung zumindest glaubhaft gemacht. Sollte die Vorinstanz Zweifel an den nun belegten Umständen haben, sei sie im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes verpflichtet, die notwendigen Abklärungen vor Ort vorzunehmen. Dies gelte umso mehr, als die vorgebrachten Gründe für die Flucht des  durchaus plausibel seien und den gesicherten und publizierten Kenntnissen über die aktuelle Situation im Herkunftsstaat entsprächen.
Seite 8
E-6759/2006
Diesbezüglich werde auf die in der Beschwerde mehrfach erwähnte Lageanalyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom Februar 2003 verwiesen.
5.
5.1 Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Behelligungen durch die türkischen Sicherheitskräfte vermögen - wie bereits die  zutreffend festgestellt hat - den Anforderungen an die  nicht standzuhalten.
Insbesondere ist festzustellen, dass die zwei kurzzeitigen Festnahmen in den Jahren 1996 und 1999 anlässlich der Newroz-Feierlichkeiten aufgrund ihrer geringen Eingriffsintensität in die physische  und des zeitlichen Abstandes nicht dazu geführt haben, dass dem Beschwerdeführer dadurch ein menschenwürdiges Leben in der Türkei verunmöglicht oder in unzumutbarer Weise erschwert  wäre. Der Beschwerdeführer wurde eigenen Aussagen zufolge jeweils am Folgetag ohne Auflagen wieder auf freien Fuss gesetzt.
Was den Vorfall anlässlich der Wahlen vom 3. November 2002 , erklärte der Beschwerdeführer anlässlich der kantonalen  vom 4. Februar 2003 ausdrücklich, er sei nach seiner kurzen Festnahme noch am selben Tag freigelassen worden (Akten  A5/14, S. 6). Angesichts dieser Sachlage erweist sich die  Furcht des Beschwerdeführers, wegen dieses Vorfalls in Zukunft Verfolgungshandlungen seitens der türkischen Behörden ausgesetzt zu werden, bei einer objektiven Betrachtungsweise als unbegründet.
Im Schreiben des Dorfvorstehers vom 23. Mai 2003 wird als Grund für die Suche der Gendarmerie nach dem Beschwerdeführer angegeben, er sei vom Präsidenten des die Urne bewachenden Gremiums  worden, nachdem er versucht habe, die Wähler, die zur Urne  seien, zu überzeugen, ihre Stimme für die DEHAP . Trotz mehreren Warnungen des Präsidenten habe er dies  versucht, während er bei den Wahlen vom 3. November 2002 die Urne bewacht habe. Diesbezüglich ist mit der Vorinstanz in der  vom 20. Juni 2003 und entgegen den diesbezüglichen Ausführungen in der Replik vom 10. Juli 2003 festzustellen, dass ein Dorfvorsteher von der Gendarmerie wohl kaum über solche Details der Anzeige des Präsidenten informiert würde. Zudem steht das Schreiben im Widerspruch zu den Vorbringen des Beschwerdeführers anlässlich
Seite 9
E-6759/2006
der kantonalen Anhörung, sagte er doch damals aus, der Präsident habe einen Stimmzettel, der für die DEHAP abgegeben worden sei, annullieren wollen mit der Begründung, der Stempel auf dem Emblem der DEHAP habe beim Falten des Stimmzettels auf das Emblem einer anderen Partei abgefärbt. Nachdem er dagegen Einspruch erhoben habe, habe der Präsident die Polizei geholt, die ihn auf den örtlichen Polizeiposten verbracht und als Kurde beschimpft habe. Des Weiteren würde es aus der Sicht der Polizei wenig Sinn machen, den  nach einer kurzen Einvernahme noch am selben Tag auf freien Fuss zu setzen, um ihn danach erneut zu suchen. Unter  Umständen muss das Schreiben des Dorfvorstehers als blosses Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert qualifiziert werden.
Allein aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer Sympathisant der HADEP war und für diese Partei Propaganda betrieben hat, kann im heutigen Zeitpunkt keine begründete Furcht abgeleitet werden, künftig im Heimatstaat ernsthaften Nachteilen im Sinne des Gesetzes  zu werden. So wurden trotz des behördlichen Verbotes der  in der Folge in erster Linie meist Kader der Partei oder offizielle Wahlkandidaten festgenommen; die Mitwirkung als einfaches Mitglied oder Sympathisant genügt in der Regel für sich allein nicht, eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung durch den türkischen Staat abzuleiten. Dafür, dass dem Beschwerdeführer wegen seiner für die vormals legale HADEP erfolgten Aktivitäten nach deren Verbot  erwachsen würden, ergeben sich insgesamt keine Anhaltspunkte.
5.2 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde und in der Replik , weil sie am Ergebnis nichts ändern können. Zusammenfassend folgt, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine  Aufenthaltsbewilligung noch einen Anspruch auf Erteilung einer
Seite 10
E-6759/2006
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das  nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige  von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche  der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat  (Art. 83 Abs. 3 AuG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie  läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des  vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere , unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4.  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. MARIO GATTIKER, Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non- im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Seite 11
E-6759/2006
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des  noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall  Ausschaffung in seinen Heimatstaat dort mit beachtlicher  einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des  Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine  Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren ; EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Febru- ar 2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der Türkei lässt den  zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder  auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
7.5 Angesichts der heutigen Lage in der Türkei kann nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder von kriegerischen oder  Verhältnissen gesprochen werden, welche für den  bei einer Rückkehr eine konkrete Gefährdung  würde (vgl. die weiterhin zutreffende Lagebeurteilung in EMARK 2004 Nr. 8). Eigenene Angaben zufolge leben sein Vater und sein  in B._, seine Mutter in A._ und seine verheiratete Schwester in E._ in der Provinz Adiyaman und fünf  in der Türkei. Der Beschwerdeführer verfügt folglich in der Türkei über ein intaktes soziales Beziehungsnetz und wird für die  Reintegration auf die Unterstützung seiner Familie zählen können. Es sind somit auch keine persönlichen Gründe ersichtlich, die gegen die Rückkehr des Beschwerdeführers sprechen. Nach dem  erweist sich Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.
Seite 12
E-6759/2006
7.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der  Vertretung seines Heimatstaates die für eine Rückkehr  Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG),  der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
8. Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu . Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig,  und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).
9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  ist nach dem Gesagten abzuweisen.
10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 1-3 des Reglements vom 11. Dezember 2006 über die Kosten und  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
Seite 13
E-6759/2006