Decision ID: 3d17432c-3ad1-47d5-a8d3-172bf396c662
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom
6.
September 2016 sprach die IV-Stelle der Versicherten im Zusammenhang mit einem vom 2
9.
August bis 2
7.
November 2016 dauernden Arbeitstraining ein IV-Taggeld zu, wobei sie für die Berechnung
des Taggeld
ansatzes
von einem massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommen von
Fr.
43‘961.50 ausging (
Urk.
2,
Urk.
6/8).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
1.
September 2016 Beschwerde und machte geltend, dass das verwendete massgebende durchschnittliche Jahreseinkommen nicht 80
%
des letzten ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten Einkom
mens entsprechen würde, sondern 80
%
der Lohnfortzahlung des letzten Arbeit
gebers (
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte insbesondere unter Hinweis auf die angefoch
tene Verfügung sowie die Angaben zur Lohnfortzahlung vom 1
0.
Februar 2016 (
Urk.
6/50) die Abweisung der
Beschwerde (
Urk.
5)
, wovon der Beschwerdeführerin am 1
3.
März 2017 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
7).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versicherte haben während der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen nach Artikel 8 Absatz 3
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie an wenigstens drei aufeinander fol
genden Tagen wegen der Massnahmen verhindert sind, einer Arbeit nachzuge
hen, oder in ihrer gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50 Prozent arbeitsunfähig
(
Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts; ATSG
) sind.
1.2
Die Grundentschädigung beträgt gemäss
Art.
23
Abs.
1 IVG 80 Prozent des letz
ten ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten Erwerbseinkommens, jedoch nicht mehr als 80 Prozent des Höchstbetrages des Taggeldes nach Artikel 24 Absatz 1 IVG.
2.
2.1
Strittig ist die Höhe des Taggeldes für den massgebenden Verfügungszeitraum vom 2
9.
August bis 2
7.
November 2016, wobei die Beschwerdegegnerin von ei
nem Taggeld pro Tag von
Fr.
96.80 ausging (
Urk.
2) und die Beschwerdeführe
rin monierte, dass das angenommene Jahreseinkommen nur 80 % des
bei Ge
sundheit
effektiv erzielten Einkommens betrage (
Urk.
1). Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzel
richterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht).
2.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im Rahmen der angefochtenen Verfügung auf die Angaben des ehemaligen Arbeitgebers der Beschwerdeführerin. Unter dem Titel Lohnfortzahlung gab die
ser
für die Zeit ab
1.
Juli 2015, mithin ab Auflösung des Arbeitsverhältnisses (
Urk.
3/1),
ein AHV-pflichtiges Jahresein
kommen von
Fr.
43‘961.52 an. Der Lohn werde weit
erhin zu 100
%
ausbezahlt (Urk.
6/50).
2.3
Massgebend für die Taggeldberechnung ist das letzte ohne gesundheitliche Ein
schränkung erzielte Erwerbseinkommen. Dabei kann den Angaben des Arbeit
gebers zur Lohnfortzahlung keine allein entscheidende Bedeutung zukommen, zumal aus dem Fragebogen nicht eindeutig hervorgeht, ob die Lohnfortzahlung oder der u
rsprüngliche Lohn anzugeben ist (
Urk.
6/50).
Aus den weiteren Akten ergibt sich
dabei
ohne weiteres, dass es sich bei der angegebenen Summe von
Fr.
43‘961.50 um die 80%ige Lohnfortzahlung han
delt und die Beschwerdeführerin
als Gesunde
mehr verdient
hat
(vgl. auch
Urk.
3/1 S. 1)
.
So
dann
ist
dem
Auszug
aus dem
i
ndividuellen Konto
per 2013 ein Jahreseinkommen von Fr. 56‘047.
-- zu entnehmen
; weiter beträgt das im Rahmen der Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus gesundheitlichen Gründen angenommene Einkommen
Fr.
54‘951.94, welches
auch
für die
Berechnung der Loh
nfortzahlung herangezogen wurde
. Dieses Einkommen entspricht
auch
dem zuletzt erzielten Einkommen
(
Urk.
3/3,
Urk.
6/96 S. 3: Arbeitsunfähigkeit ab 1
5.
Mai 201
4), welches für die Taggeldberechnung massgebend ist (
Art.
21
bis
Abs.
3
lit
. a der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV).
Hinzuzu
rechnen sind dabei
weitere, regelmässig ausbezahlte Lohnbestandteile. Die Lohnabrechnung per Mai 2014 weist dabei insbesondere Sonntags- und Nacht
zulagen per April 2014 aus. Ausgehend von einer jährlichen Grundentschädi
gung von
Fr.
54‘951.94 ist die Sache somit zur genauen Ermittlung des massge
benden Jahreseinkommens, insbesondere unter Berücksichtigung der Sonntags- und Nachtzulagen, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Zusammenfassend führt dies
zur
Gutheissung der Beschwerde
in dem Sinn und
zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung
.
3.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 1‘000.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Festzuhalten
ist in diesem Zusammenhang zudem, dass die Beschwerdeantwort vom 1
7.
Oktober 2016 an der Grenze der Mutwilligkeit liegt. Die Beschwerde
gegnerin setzte sich
darin
in keine Weise mit dem berechtigten Anliegen der Beschwerdeführerin auseinander
, obschon sie auch zuvor die Bemessung des Taggeldes – etwa im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs (
Art.
57a
Abs.
1 IVG) – nie dargelegt hat
. Das geltend gemachte Einkommen vor Eintritt des Gesundheitsschadens ergibt sich dabei nicht nur aufgrund der von der Be
schwerdeführerin eingereichten Unterlagen (
Urk.
3), sondern bereits aus den IV-Akten (
Urk.
6/69,
Urk.
6/90).