Decision ID: 39a484d3-ea25-496f-99ba-fbd68ffd2cf7
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte etc. und 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzelgericht in Zivil- und Strafsachen, vom 4. Dezember 2020 (GG200017)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 9. September 2020
(Urk. D1/29/3) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB,
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB,
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB sowie − des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AIG.
2. Die für den mit Urteil des Tribunal correctionnel Genève vom 25. August
2015 ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten bedingt
aufgeschobene Teil von 15 Monaten gewährte Probezeit von 4 Jahren, ver-
längert um 1 Jahr mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
16. August 2019, wird mit Wirkung ab heute um ein Jahr verlängert.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten, wo-
bei bis und mit heute 269 Tage durch Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft
erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66abis StGB für 7 Jahre des Landes
verwiesen.
6. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-
tem wird angeordnet.
7. Der Privatkläger 2 wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
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8. Es wird festgestellt, dass der Privatkläger 1 keine Zivilansprüche geltend
gemacht hat.
9. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'500.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'500.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 10'210.00 Auslagen (Psychiatrisches Gutachten)
Fr. 5'002.70 weitere Auslagen Vorverfahren
Fr. 4'731.80 Kosten amtliche Verteidigung durch Rechtsanwältin
MLaw X2._ (inkl. Barauslagen und MwSt; bereits entschädigt)
Fr. 16'000.00 Kosten amtliche Verteidigung durch Rechtsanwalt Dr. iur. X3._ (inkl. Barauslagen und MwSt)
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
11. [Mitteilungen]
12. / 13. [Rechtsmittel]
Berufungsanträge
a) Der Verteidigerin des Beschuldigten:
(Urk. 151 S. 2)
1. Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen.
2. Es sei dem Beschuldigten für die erstandene Haft eine angemessene
Genugtuung zuzusprechen.
3. Die Kosten des Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
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b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 129, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Das Bezirksgericht Hinwil, Einzelgericht in Zivil- und Strafsachen, entschied
mit Urteil vom 4. Dezember 2020 im Verfahren GG200017 über die vorliegende
Anklage. Gegen dieses Urteil wurde seitens des Beschuldigten fristgerecht Beru-
fung angemeldet (Urk. 69 bzw. 69A). Mit Beschluss vom 14. Januar 2021 (Urk.
113) wurde seitens der III. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Zürich in
Bezug auf diverse Eingaben des Beschuldigten mit insbesondere prozessualen
Anträgen und eine entsprechende Eingabe des damaligen amtlichen Verteidigers
vom 8. Januar 2021 entschieden, dass auf die Beschwerde des Beschuldigten
nicht eingetreten werde, wobei gleichzeitig erklärt wurde, dass die Kostenverle-
gung und die Festlegung der Entschädigung der Verteidigung für diesen Ent-
scheid der hiesigen Kammer vorbehalten werde. Mit Verfügung vom 3. Februar
2021 wurde seitens der Vorinstanz der Wechsel der amtlichen Verteidigung des
Beschuldigten bewilligt (Urk. 103). Mit Eingabe vom 17. Februar 2021 ging die
Berufungserklärung des Beschuldigten ein (Urk. 116). Mit Präsidialverfügung vom
24. Februar 2021 (Urk. 123) wurde – nach Gewährung des rechtlichen Gehörs
der Staatsanwaltschaft See/Oberland des Kantons Zürich (hernach Staatsanwalt-
schaft oder Anklagebehörde) und der Verteidigung (Urk. 119; 121; 122) – verfügt,
dass der Beschuldigte bis am 11. März 2021 in Sicherheitshaft zu verbleiben ha-
be, an welchem Datum er aber zu entlassen und dem Migrationsamt des Kantons
Zürich zuzuführen sei. Mit Präsidialverfügung vom 24. Februar 2021 (Urk. 125)
wurde der Staatsanwaltschaft die Berufungserklärung des Beschuldigten zuge-
stellt, unter Hinweis auf die ihr laufende Frist zur Erhebung einer Anschlussberu-
fung bzw. zum Antrag auf Nichteintreten. Mit Eingabe vom 4. März 2021
(Urk. 129) wurde seitens der Staatsanwaltschaft auf die Erhebung einer An-
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schlussberufung verzichtet. Am 11. März 2021 wurde der Beschuldigte aus der
Sicherheitshaft entlassen (Urk. 132). Seitens des Migrationsamtes des Kantons
Zürich wurde dem Gericht am 19. März 2021 mitgeteilt, dass der Beschuldigte auf
Ersuchen des Migrationsamtes hin am 11. März 2021 von der Kantonspolizei Zü-
rich entlassen und auf freien Fuss gesetzt worden sei (Urk. 133). Der Antrag des
Beschuldigten auf Wechsel seiner amtlichen Verteidigung wurde mit Beschluss
der III. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Zürich abgewiesen, soweit
darauf eingetreten wurde (Urk. 139).
2. In der Folge wurde am 27. Mai 2021 zur Berufungsverhandlung am
26. Oktober 2021 vorgeladen (Urk. 140). Vier Tage vor der Verhandlung teilte die
Verteidigerin dem Gericht mit, der Beschuldigte sei gemäss eigenen Angaben
schwer an Covid-19 erkrankt (Urk. 143). Entsprechend wurden die Vorladungen
abgenommen und neu vorgeladen (Urk. 144 ff.).
3. Erschienen ist zur heutigen Berufungsverhandlung einzig die amtliche Ver-
teidigerin des Beschuldigten, nachdem letzterer seiner Verteidigerin kurz vor dem
Verhandlungstermin mitgeteilt hatte, dass er nicht zur Verhandlung erscheinen
würde (Prot. II S. 5 f.).
II. Verfahrensgegenstand
1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Auch wenn das
Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein
insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzugeben hat, welche
Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (Urteile des Bundesgerichtes
6B_482/2012 vom 3. April 2013 E. 5.3. und 6B_99/2012 vom 14. November 2012
E. 5.3.).
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2. Gestützt auf die Anträge des Beschuldigten ist keine der Dispositivziffern
des Urteils des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzelgericht in Zivil- und Strafsachen,
vom 4. Dezember 2020 (Urk. 112) in Rechtskraft erwachsen.
III. Materielles
A. Tatvorwürfe
Hinsichtlich der dem Beschuldigten gemachten Tatvorwürfe ist auf die Anklage-
schrift (Urk. D1/29/3) bzw. die zutreffenden diesbezüglichen Ausführungen der
Vorinstanz (Urk. 112 E. II.4.1.; II.5.1.; II. 6.1.; II.7.1.) zu verweisen.
B. Standpunkt des Beschuldigten
1. Wie sich aus der zutreffenden Zusammenfassung der Aussagen bzw. des
Standpunktes des Beschuldigten ergibt, bestritt dieser die vorgeworfenen Ankla-
gesachverhalte mehrheitlich (Urk. 112 S. 4 ff.). Entsprechend ist der Anklagesa-
chverhalt beweismässig zu erstellen.
C. Beweisgrundsätze
Seitens der Vorinstanz wurden die Grundsätze der Beweiswürdigung einlässlich
und zutreffend wiedergegeben (Urk. 112 E. II.2.1. - 2.3.). Darauf kann – um unnö-
tige Wiederholungen zu vermeiden – vollumfänglich verwiesen werden.
D. Beweismittel
Bei den Akten finden sich folgende massgebliche verwertbare Beweismittel, um
den strittigen Anklagesachverhalt zu prüfen: Die Aussagen des Beschuldigten
(Urk. D1/15/1-6; Prot. I S. 21 ff.) und zusätzlich [hinsichtlich Dossier 1:] der Aus-
kunftspersonen B._ (Urk. D1/5/1; D1/5/3) und C._ (Urk. D1/4/1; D1/4/3)
sowie des Zeugen D._ (Urk. D1/8), der Polizeirapport vom 3. Januar 2020
(Urk. D1/1), Fotos der Auskunftspersonen und der im Notfall des Spitals E._
angetroffenen Situation (Urk. D1/2), diverse seitens des Spitals eingereichte
Rechnungsbelege und Offerten (Urk. D1/11/2-4), bzw. [hinsichtlich Dossier 2:] die
Aussagen des Zeugen F._ (Urk. D1/7), der Polizeirapport vom 13. Februar
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2020 (Urk. D2/1), Fotografien der verwüsteten Zelle 14 des Vollzugszentrums
Bachtel (Urk. D2/3) sowie eine Kostenaufstellung hinsichtlich des beschädigten
Materials seitens des Vollzugszentrums Bachtel (Urk. D2/4) bzw. [hinsichtlich
Dossier 3:] die Aussagen von G._ (Urk. D1/6/1 bzw. Urk. D3/7) und H._
(Urk. D1/6/2 bzw. Urk. D3/8) sowie Polizeirapporte vom 4. und 11. März 2020
(Urk. D3/1-2) bzw. [hinsichtlich Dossier 4:] die Akten im Strafbefehlsverfahren
2019/10027914 der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (s. Beizugsakten B).
E. Allgemeine Glaubwürdigkeit der Beteiligten
1. Die Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich aus deren prozessualen Stel-
lung, ihren wirtschaftlichen Interessen am Ausgang des Verfahrens sowie vor al-
lem anhand ihrer persönlichen Beziehungen und Bindungen zu den übrigen Pro-
zessbeteiligten.
2. Seitens der Vorinstanz wurde im Rahmen von Vorbemerkungen zur Aussa-
gewürdigung teilweise auf die Motivlage des Beschuldigten eingegangen und er-
wogen (vgl. Urk. 112 II.3.1.-3.4.), dass sich aus den Aussagen des Beschuldigten
ergebe, dass er überzeugt sei, an einer lebensbedrohlichen Krankheit zu leiden
und dringend auf medizinische Hilfe angewiesen zu sein, welche ihm seitens der
Schweizer Behörden zu Unrecht verweigert würde (z.B. Prot. I S. 25). Der psychi-
sche Gesundheitszustand des Beschuldigte wurde gutachterlich abgeklärt und ei-
ne dissoziale Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 F60.2 diagnostiziert
(Urk. D1/19/14 S. 48 u. 56), wobei im Rahmen der Prüfung von psychopathischer
Persönlichkeitsmerkmalen im Einzelnen ebenso festgestellt wurde, dass der Be-
schuldigte betrügerisches bzw. manipulatives Verhalten an den Tag lege, einen
Mangel an Reue und Schuldgefühlen sowie Empathie zeige, sich durch einen pa-
rasitären Lebenswandel auszeichne und ferner keine Verantwortung für eigenes
Verhalten übernehme (Urk. D1/19/14 S. 45 ff.). Einhergehend mit der sich als zu-
treffend erweisenden Einschätzung der Vorinstanz (Urk. 112 E. II.3.4.) sind die
weitschweifigen und teilweise schwer nachvollziehbaren Ausführungen des Be-
schuldigten auch in diesem Kontext zu sehen, zumal er die Ansicht vertrat, sämt-
liche Schweizer Behörden seien korrupt und es gehe allein einzig darum, einen
Vorwurf gegen ihn zu konstruieren, damit man ihn wieder aus der Schweiz aus-
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weisen könne und entsprechend nicht für seine medizinische Behandlung auf-
kommen müsse (vgl. Prot. I S. 24 ff.). Die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten er-
scheint unter Berücksichtigung dieser wenig überzeugenden Vorbringen und er-
wähnten Umstände etwas eingeschränkt. Abgesehen davon ist der Beschuldigte
als vom Strafverfahren Betroffener naheliegenderweise daran interessiert, sein
Verhalten in einem möglichst positiven Licht darzustellen. Angesichts der erörter-
ten Gegebenheiten sind seine Aussagen mit einer gewissen Zurückhaltung zu
würdigen, auch wenn deren Glaubhaftigkeit im Zentrum steht.
3. B._ (Dossier 1) und C._ (Dossier 1) sowie G._ (Dossier 3)
und H._ (Dossier 3) wurden vorliegend jeweils als Auskunftspersonen ein-
vernommen, weshalb sie nicht unter der Strafandrohung von Art. 307 StGB zur
wahrheitsgemässen Aussage verpflichtet wurden. Anlässlich ihrer Einvernahmen
wurden sie indes gemäss Art. 181 Abs. 2 StPO auf die Strafbarkeit einer falschen
Anschuldigung, einer Irreführung der Rechtspflege und einer Begünstigung hin-
gewiesen, was ihre Glaubwürdigkeit tendenziell stärkt. Bei allen vier Personen
sind keine Motive ersichtlich, weshalb sie den Beschuldigten zu Unrecht belasten
sollten, zumal sie auch in keiner persönlichen Beziehung zum Beschuldigten ste-
hen (vgl. Urk. D1/4/3 S. 7; Urk. D1/5/3 S. 8 f.; Urk. D1/6/1 S. 2; Urk. D1/6/2 S. 2).
B._ (Dossier 1) und C._ (Dossier 1) haben sich im vorliegenden Verfah-
ren nicht als Privatkläger konstituiert und keine Ansprüche gegenüber dem Be-
schuldigten gestellt (Urk. D1/18/2; D1/18/4), weshalb auch in dieser Hinsicht keine
dem Beschuldigten entgegenstehende Interessen erkennbar sind. G._ (Dos-
sier 3) und H._ (Dossier 3) haben sich demgegenüber als Privatkläger kon-
stituiert, ohne allerdings finanzielle Ansprüche angemeldet zu haben (Urk. D3/12-
13), weshalb ihre Glaubwürdigkeit nicht eingeschränkt zu sein scheint. Es ist vor
dem erörterten Hintergrund von einer intakten Glaubwürdigkeit dieser Personen
auszugehen. Im Vordergrund steht allerdings so oder anders die Glaubhaftigkeit
ihrer Aussagen.
4. F._ (Dossier 2) und D._ (Dossier 1) wurden vorliegend seitens der
Staatsanwaltschaft als Zeugen vorgeladen und in dieser Eigenschaft einvernom-
men. Demnach waren sie unter der Strafandrohung von Art. 307 StGB zu wahr-
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heitsgemässen Aussagen verpflichtet. Dies vermag ihre Glaubwürdigkeit zu stär-
ken. Persönliche Beziehungen zum Beschuldigten sind nicht erkennbar (Urk. D1/7
S. 3; Urk. D1/8 S. 3). F._ verneinte zudem, einen Groll gegen den Beschul-
digten zu hegen (Urk. D1/7 S. 5). Als Privatkläger haben sie sich nicht konstituiert
und finanzielle Interessen sind keine erkennbar. Immerhin wurden seitens des
Vollzugszentrums Bachtel Schadenersatzforderungen im Betrag von Fr. 1'000.–
gestellt (Urk. D2/6), aus welchen dem Zeugen F._ indes keine persönlichen
Vorteile erwachsen dürften. Der Zeuge D._ machte mangels Aussageer-
mächtigung durch den Beschuldigten (Urk. D1/8 S. 4) schliesslich keine Aussage
zum Vorfall gemäss Dossier 1, weshalb seine Aussage keinen Beweiswert hat.
Die Glaubwürdigkeit von F._ ist vor dem erörterten Hintergrund uneinge-
schränkt, wobei die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen im Zentrum steht.
F. Würdigung
1. Dossier 1 – Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Sach-
beschädigung
1.1. Aussagen des Beschuldigten
1.1.1. Seitens der Vorinstanz wurden die massgebenden Aussagen des Be-
schuldigten hinsichtlich der angeklagten Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte sowie Sachbeschädigung einlässlich und zutreffend wiedergegeben
(Urk. 112 E. II.4.3.), weshalb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – vor-
ab darauf verwiesen werden kann.
1.2.2. Die Aussagen des Beschuldigten erweisen sich als widersprüchlich und
unglaubhaft. Während er erst vorgab, sich nicht an den Vorfall erinnern zu vermö-
gen bzw. dass er sein Bewusstsein verloren habe (Urk. D1/15/3 S. 2), machte er
später geltend, ferner verleumdet worden zu sein (Urk. D1/15/4 S. 3 ff.) und gab
schliesslich an, von den Polizisten, welche die Geschichte erfunden hätten, ange-
griffen worden zu sein (Prot. I. S. 23 ff.). Er gestand allerdings nunmehr ein, dass
sie gemeinsam in die Hartplastiktrennwand gefallen seien und dass er rumge-
schrien und gespuckt habe (Prot. I S. 24), was mit den Schilderungen der Polizis-
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ten übereinstimmt. Der Beschuldigte gestand des Weiteren ein, Angst gehabt zu
haben, dass er ohne medizinische Hilfe wieder zurück in den Bunker gebracht
werde (Prot. I S. 24), was letztlich auch seine Motivlage offenlegt. Gestützt auf
seine Ausführungen erscheint es – einhergehend mit der zutreffenden Auffassung
der Vorinstanz (Urk. 112 II.4.4.) – naheliegend, dass sich der Beschuldigte einer
Rückführung ins Gefängnis widersetzen wollte, da seine Schnittwunde im Mund
seiner Ansicht nach nicht ausreichend versorgt worden ist. Auch im Übrigen er-
weisen sich die Erwägungen der Vorinstanz als vollumfänglich zutreffend, wes-
halb darauf verwiesen werden kann (Urk. 112 E. II.4.4.). Auf die Ausführungen
des Beschuldigten kann deshalb im Wesentlichen nicht abgestellt werden.
1.2. Aussagen von B._
Die Aussagen von B._ (vgl. Urk. D1/5/1 u. D1/5/3; letztere Einvernahme visi-
onierbar in Urk. D1/5/5), welche – in verkürzter Form – letztlich im Anklagesach-
verhalt Niederschlag fanden, erweisen sich als sehr detailliert und lebensnah, wo-
bei er die äusseren Geschehensabläufe mühelos mit seinen damaligen Empfin-
dungen verknüpfte und das Kerngeschehen anlässlich seiner beiden Einvernah-
men im Wesentlichen übereinstimmend schilderte. Dass er den Vorfall ganz oder
teilweise erfunden haben könnte, ist angesichts der Dichte und der Originalität der
gemachten Ausführungen schlichtweg unvorstellbar. Wesentliche Widersprüche
in den beiden Einvernahmen sind ausserdem nicht erkennbar. Der Umstand, dass
die (erste) Beschädigung der bzw. das gemeinsame Prallen in die Hartplastik-
wand anlässlich der ersten Einvernahme – im Gegensatz zur zweiten Befragung
(Urk. D1/5/3 S. 5) – keine Erwähnung fand (Urk. D1/5/1 S. 2), ist letztlich unerheb-
lich, zumal es sich um ein dynamisches Geschehen handelte und die Handlungs-
folge im Übrigen – auch in ihren Details – übereinstimmt. An der Glaubhaftigkeit
der Schilderungen von B._ bestehen keine Zweifel.
1.3. Aussagen von C._
Die Aussagen von B._ werden im Wesentlichen von denjenigen von C._
(vgl. Urk. D1/4/1 u. D1/4/3; letztere Einvernahme visionierbar in Urk. D1/5/5) ge-
stützt. Zu beachten ist, dass er zwischenzeitlich den Raum verliess, um ange-
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sichts des Umstands, dass es mit dem Beschuldigten bereits zuvor Probleme ge-
geben habe und im selben Raum – lediglich durch eine Sichtschutzwand getrennt
– eine weitere Patientin anwesend war, Verstärkung zu organisieren (Urk. D1/4/1
S. 2; Urk. D1/4/3 S. 4; entsprechend auch die damit übereinstimmenden Aussa-
gen von B._: Urk. D1/5/1 S. 2 f.; Urk. D1/5/3 S. 4 u. 7), weshalb er nicht den
gesamten Geschehensverlauf unmittelbar mitbekam. Gegenüber der Polizei sagte
er aus, dass er glaube, dass "das Gerangel" erst nach seiner Rückkehr ins Kran-
kenzimmer losgegangen sei (Urk. D1/4/1 S. 2). Bei der Staatsanwaltschaft gab er
zu Protokoll, dass B._ bei seiner Rückkehr bereits daran gewesen sei, den
Beschuldigten zu beruhigen und in Schach zu halten (Urk. D1/4/3 S. 4), was kei-
nen Widerspruch darstellen muss. Auch vermochte er sich bei der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme vom 23. Juli 2020 nicht mehr daran zu erinnern, ob er
den Versuch des Beschuldigten, B._ mit dem Stuhl zu schlagen, unmittelbar
oder lediglich durch die Erzählung des Kollegen B._ wahrgenommen habe
(Urk. D1/4/3 S. 5), was angesichts des Zeitablaufs von rund einem halben Jahr
zum anklagerelevanten Vorfall nicht erstaunen muss. Da seine detaillierten und
lebensnahen Ausführungen in sich widerspruchsfrei sind und im Kerngeschehen
mit denjenigen von B._ übereinstimmen, wirken sie sehr überzeugend und
damit glaubhaft.
1.4. Übriges Beweisergebnis
Auch das übrige Beweisergebnis stützt die Aussagen von B._ und C._:
So ist aus den vom Tatort gemachten Fotografien u.a. ersichtlich, dass sich Blut-
spuren auf dem Boden und – in leichterer Form – am Körper von B._ und
C._ befinden. Die hinsichtlich Sachbeschädigung angeklagten Schäden von
Fr. 1'409.- für den beschädigten Operationsstuhl, von Fr. 2'888.- für die durch den
Vorfall in Mitleidenschaft gezogene Faltwand sowie von Fr. 343.- sowie für die
beschädigte Wanduhr sind aufgrund der bei den Akten liegenden Rechnungen
der I._ AG vom 8. Januar 2020, der J._ AG vom 7. Januar 2020 bzw.
der Offerte der K._ AG vom 9. Januar 2020 rechtsgenügend belegt (Urk.
D1/11/2-4) und damit ausgewiesen.
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1.5. Ergebnis
Der Anklagesachverhalt gemäss Dossier 1 ist aufgrund der gemachten Beweis-
würdigung erstellt. Die seitens des Beschuldigten schliesslich vorgebrachte These
eines Angriffs durch die beiden Sicherheitsassistenten der Polizei entbehrt jegli-
cher Grundlage und erweist sich offensichtlich als blosse Schutzbehauptung.
2. Dossier 2 – Sachbeschädigung
2.1. Aussagen des Beschuldigten
2.1.1. Seitens der Vorinstanz wurden die massgebenden Aussagen des Be-
schuldigten hinsichtlich der angeklagten Sachbeschädigung gemäss Dossier 2
zutreffend wiedergegeben (Urk. 112 E. II.5.3.). Darauf kann vorab verwiesen wer-
den.
2.1.2. Der Beschuldigte sagte aus, sich nicht an den Vorfall erinnern zu vermö-
gen (Urk. D1/15/1 S. 2) und bestritt die angeklagte Sachbeschädigung in den
nachfolgenden Einvernahmen (Urk. D1/16/6 S. 5 f.; Prot. I. S. 21). Seine Angabe,
dass er sich nicht an den Vorfall erinnere, erweist sich vor dem Hintergrund des
Geschehenen als unglaubhaft und lebensfremd. Im Übrigen erweisen sich seine
Aussagen als zu wenig substantiiert, um daraus massgebliche Rückschlüsse auf
das Vorgefallene ziehen zu können, da er den Vorfall durchgehend pauschal be-
streitet. Immerhin ist auffällig, dass er – gemäss einem typischen, mehrmals auf-
tretenden Verhaltensmuster – pauschale Anschuldigungen gegen Behördenmit-
glieder erhebt, welche ihn zu Unrecht belasten würden (Urk. D1/15/6 S. 6). Die
Aussagen des Beschuldigten erweisen sich – auch in Gegenüberstellung zu den
nachfolgend zu erörternden Aussagen des Zeugen F._ (nachstehend unter
E. 2.2.1.) – insgesamt als wenig überzeugend.
2.2. Aussagen von F._
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2.2.1. F._, seines Zeichens Fachmann Justizvollzug im Vollzugszentrum
Bachtel, gab als Zeuge zu Protokoll, dass er gerade bei der Medikamentenaus-
gabe im unteren Stock gewesen sei, als er einen lauten Lärm gehört habe, als ob
jemand etwas herumwerfen würde, woraufhin er durch den Gang von Zimmer zu
Zimmer gelaufen sei, um herauszufinden, woher der Lärm gekommen sei. In Zelle
14 habe er aufgemacht und habe dort den stark schnaufenden Beschuldigten an-
getroffen. Der Fernseher sei aus der Wand gerissen und die Stühle quer durchs
Zimmer verteilt gewesen. Darauf angesprochen, was passiert sei, habe der Be-
schuldigte lediglich gesagt, dass er einen Arzt brauche. In der Zelle sei auch noch
ein Mitinsasse gewesen. Der Zeuge F._ gab an, die Sachbeschädigung nicht
gesehen zu haben, jedoch sei der Zellengenosse des Beschuldigten im Bett gele-
gen, weshalb er davon ausgehe, dass der Beschuldigte die Sachbeschädigung
begangen habe (Urk. D1/7 S. 4 ff.).
2.2.2. Zu bemerken ist, dass der Zeuge F._ den angeklagten Vorfall ledig-
lich gehört aber nicht gesehen hat. Vorliegend bestehen aufgrund seiner Schilde-
rungen, welche Situation er in der Zelle vorgefunden hat, keine rechtsgenügenden
Zweifel daran, dass der Beschuldigte der Urheber der angeklagten Sachbeschä-
digung war und nicht der Zellengenosse des Beschuldigten, welcher gemäss den
überzeugenden Ausführungen des Zeugen bei Betreten der Zelle im Bett lag,
demgegenüber der Beschuldigte stark schnaufte und nach einem Arzt verlangte.
Einhergehend mit der zutreffenden Einschätzung der Vorinstanz (Urk. 112
E. II.5.4.) erscheint es vor diesem Hintergrund gut möglich, dass der Beschuldigte
mit dieser Handlung auf sich aufmerksam machen und seiner Forderung nach ei-
ner Konsultation bei einem Arzt Druck verleihen wollte.
2.3. Übriges Beweisergebnis
Fotografien der verwüsteten Zelle 14 des Vollzugszentrums Bachtel (Urk. D2/3),
woraus die angeklagte Sachbeschädigung ersichtlich ist, sowie eine Kostenauf-
stellung hinsichtlich des beschädigten Materials seitens des Vollzugszentrums
Bachtel (Urk. D2/4) belegen zudem den geltend gemachten Sachschaden.
2.4. Ergebnis
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Gestützt auf die sich als wenig überzeugend erweisenden Aussagen des Be-
schuldigten und die glaubhaften Schilderungen des Zeugen F._ sowie die
weiteren erwähnten Beweismittel ist rechtsgenügend erstellt, dass sich der ange-
klagte Vorfall so abgespielt hat, weil die vom Zeugen angetroffene Gesamtsituati-
on deutlich gegen eine – theoretisch denkbare – Urheberschaft des Mitinsassen
des Beschuldigten spricht.
3. Dossier 3 – Drohung
3.1. Aussagen des Beschuldigten
3.1.1. Seitens der Vorinstanz wurden die massgebenden Aussagen des Be-
schuldigten hinsichtlich der angeklagten Drohung zutreffend wiedergegeben
(Urk. 112 E. II.6.3.). Darauf kann vorab verwiesen werden.
3.1.2. Auffällig erscheint, dass der Beschuldigte in der tatnächsten Einvernahme
zuerst angab, lediglich auf Russisch gesagt zu haben, man solle ihm eine Ambu-
lanz holen, er aber keine Drohung ausgesprochen habe (Urk. D1/15/2 S. 3), wo-
raufhin er diese Aussage relativierend nachschob, dass der Arzt ihn vielleicht da-
zu gebracht habe, die ihm vorgehaltenen Drohungen zu äussern, wobei er aber
denke, nichts gesagt zu haben (Urk. D1/15/2 S. 4), was entlarvend erscheint. In
den weiteren Einvernahmen bestritt er den Anklagesachverhalt und äusserte teil-
weise in weitschweifiger Art und Weise, dass er verleumdet werde (Urk. D1/15/4
S. 5 f. u. 8; Urk. D1/15/5 S. 6; Urk. D1/15/6 S.4 u. 7; Prot. I S. 22). Aufgrund der
gemachten Erwägungen bestehen nicht unerhebliche Zweifel an der Glaubhaf-
tigkeit der Aussagen des Beschuldigten, zumal auch kein Motiv erkennbar ist,
weshalb er zu Unrecht eines Delikts bezichtigt werden sollte. Im Übrigen kann auf
die sich als zutreffend erweisenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 112 E.
II.5.4.) verwiesen werden.
3.2. Aussagen von G._
3.2.1. G._, Oberarzt in der Klinik L._ AG, führte im Rahmen seiner tat-
näheren polizeilichen Einvernahme aus, dass der Beschuldigte sich im Rahmen
seines Klinikaufenthaltes unauffällig, angepasst und freundlich verhalten habe, er
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ihn am 3. Januar 2020 – dem Termin seiner Rückverlegung zurück ins Gefängnis
– aber am Boden sitzend und Blut spuckend vorgefunden habe. Daraufhin habe
man ihm etwas Metallenes aus dem Mund entfernt. Der Beschuldigte habe er-
wähnt, nicht ins Gefängnis zurückverlegt werden sondern ins Krankenhaus zu
wollen, welchem Ansinnen sie nicht Rechnung tragen wollten. Danach habe er
auf Russisch – welche Sprache er (G._) verstehe – gedroht, es seien alle
Faschisten, er würde jeden einzelnen verabschieden, was er (G._) teilweise
den Kollegen übersetzt habe. Es sei keine psychotische, sondern eine gezielte
Aussage gewesen, was dem Beschuldigten auch bewusst gewesen sei. Danach
habe der Beschuldigte gedroht, er würde in erster Linie ihren Angehörigen und
Kindern die Hände und Füsse als erstes abtrennen und dann langsam auf dem
Feuer braten. Er würde das so gestalten, dass sie das alles anschauen müssten
bevor ihnen dasselbe passieren würde. Es solle niemand verschont bleiben. Er
(G._) habe sich in erster Linie Sorgen um seine Familie gemacht, vor allem
auch, weil der Beschuldigte seine Aussagen bei klarem Bewusstsein getroffen
habe, weshalb er bejahte, Angst zu haben, dass die Drohungen umgesetzt wer-
den könnten (Urk. D3/4 S. 2 ff.). Vor Staatsanwaltschaft bestätigte G._ die
Richtigkeit seiner vor Polizei gemachten Aussagen und schilderte das Geschehen
erneut sehr detailliert. Der Beschuldigte habe schliesslich gesagt, dass sie alle
leiden würden, er ihre Kinder und Angehörigen finden würde, ihre Hände und Bei-
ne abhacken und amputieren würde, wobei sie alle zuschauen müssten, und er
sie langsam am Feuer foltern und braten würde, bis alle tot seien. Er bestätigte
auch, dass die Aussagen des Beschuldigten nicht durch einen psychotischen Zu-
stand getriggert worden seien und dass er (G._) sich in diesem Moment be-
droht gefühlt habe (Urk. D1/6/1 S. 3 ff.).
3.2.2. Die Aussagen von G._ erweisen sich als sehr detailliert, schlüssig
und lebensnah. Massgebliche Widersprüche sind nicht erkennbar. Es ist deshalb
kein Grund ersichtlich, nicht darauf abzustellen.
3.3. Aussagen von H._
3.3.1. H._, ihres Zeichens Pflegefachfrau bei der Klinik L._ AG, bestä-
tigte die Aussagen von G._ im Wesentlichen. Vor Polizei schilderte sie ein-
- 16 -
drücklich, dass aus Angst nicht alle beim anklagerelevanten Vorfall Anwesenden
bereit seien, Aussagen zu treffen. Der Beschuldigte habe etwas auf Russisch ge-
sagt, was von G._ übersetzt worden sei: Die Polizisten seien Faschisten,
weshalb er sie alle suchen, zusammenschlagen und umbringen würde. Weiter
habe der Beschuldigte gegenüber dem Klinikpersonal geäussert, dass er alle aus-
findig machen und umbringen würde, wobei er davor ihren Familien und Kindern
die Hände und Füsse abschneiden und dann zerstückeln und braten werde, was
sie mitansehen müssten. Es habe ihr schon Angst gemacht. Sie denke auch,
dass er die Drohungen wahr machen könne (Urk. D3/8 S. 2 ff.). Vor Staatsanwalt-
schaft bestätigte H._ die Wahrheit ihrer vor Polizei gemachten Aussagen und
schilderte das Geschehen erneut sehr detailliert. Sie wiederholte, dass der Be-
schuldigte auf Russisch, was ihnen von G._ übersetzt worden sei, gesagt
habe, dass die Polizisten Faschisten seien und er diese alle verabschieden wür-
de. Ans Klinikpersonal gerichtet habe der Beschuldigte des Weiteren gesagt, dass
er ihre Kinder suchen und deren Hände und Füsse abtrennen sowie braten wür-
de, woraufhin er ihre Angehörigen suchen würde. Am Schluss seien sie auch
noch dran. Ihr sei schon eingefahren, wie der Beschuldigte gezielt gegen sie (das
Klinikpersonal) und ihre Familienangehörigen gedroht habe (Urk. D1/6/2 S. 3 ff.).
3.3.2. Auch die Aussagen von H._ erweisen sich als detailliert, lebensnah
und im Wesentlichen widerspruchsfrei. Deshalb sind ihre Schilderungen als sehr
glaubhaft einzuschätzen. Sie bestätigen überdies die Aussagen von G._.
3.4. Übriges Beweisergebnis
Auch die übrigen Beweismittel, die Polizeirapporte vom 4. und 11. März 2020
(Urk. D3/1-2), stützen das Beweisergebnis.
3.5. Ergebnis
Die Aussagen von G._ und H._ erweisen sich als sehr glaubhaft, dem-
gegenüber die Sachdarstellung des Beschuldigten wenig überzeugt, zumal er sich
durch seine teilweise relativierend vorgebrachten Äusserungen selbst zu entlar-
- 17 -
ven scheint. Der Anklagesachverhalt ist bei vorliegendem Beweisergebnis klarer-
weise rechtsgenügend erstellt.
4. Dossier 4 – Widerhandlung AIG
4.1. Seitens der Vorinstanz wurden die massgebenden Aussagen des Beschul-
digten hinsichtlich der angeklagten Widerhandlung gegen das AIG zutreffend wie-
dergegeben (Urk. 112 E. II.7.2.). Darauf kann vorab verwiesen werden.
4.2. Die seitens des Beschuldigten gemachten Angaben erweisen sich auf den
ersten Blick zwar nicht als unglaubhaft. Allerdings werden sie durch das übrige
Beweisergebnis widerlegt: Dem Beschuldigten wurde – entgegen seinen entspre-
chenden Aussagen (Prot. I S. 22) – der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Sihl im Verfahren 2019/10027914 vom 16. August 2019 gleichentags ausgehän-
digt, was von ihm unterschriftlich bestätigt wurde (Beizugsakten B; Urk. 8 u. 9).
Einhergehend mit der sich als zutreffend erweisenden Auffassung der Vorinstanz
(Urk. 112 E. II.7.3.) wurde der Beschuldigte im Rahmen jenes Strafverfahrens
über die Voraussetzungen für eine gültige Einreise orientiert und ihm mitgeteilt,
dass er sich illegal in der Schweiz aufhalte (Beizugsakten B; Urk. 2 insb. S. 4 f. u.
8). Dennoch verliess er die Schweiz in der Folge nicht. Soweit der Beschuldigte
bzw. im Berufungsverfahren seine Verteidigung vorbrachte, der Beschuldigte sei
davon ausgegangen, nicht illegal in die Schweiz eingereist zu sein, da er auf Ein-
ladung einer Anwältin in die Schweiz eingereist sei, wobei die Anwältin das Ein-
reiseverbot habe aufheben lassen (Urk. 151 S. 4 f.), sind sie damit nicht zu hören.
Zum einen wird dem Beschuldigten nicht nur ein kurzer Aufenthalt in der Schweiz,
wie dies beispielsweise für einen vermeintlichen Gerichts- oder Besprechungs-
termin zu erwarten wäre, sondern vielmehr eine Zeitspanne von vier Monaten ille-
galen Aufenthaltes zum Vorwurf gemacht. Zum andern vermochte der Beschul-
digte – wie auch die Verteidigung eingestehen musste (Urk. 151 S. 4 f.) – auch
nicht nur ansatzweise anzugeben, um wen es sich bei der Anwältin, die ihn vertre-
ten haben soll, handelte, und auch nicht, um welche Art von Verfahren (straf-, zi-
vil- oder verwaltungsrechtlich) und bei welcher Behörde oder Instanz dieses an-
gebliche Verfahren geführt worden sein soll. Wenngleich den Beschuldigten keine
Mitwirkungspflicht im Strafverfahren trifft, wäre ihm durchaus zuzumuten gewe-
- 18 -
sen, diesbezüglich mindestens ansatzweise substanziierte Angaben zu machen,
sodass diesen angeblich entlastenden Hinweisen hätte nachgegangen werden
können. Dass der Beschuldigte dazu nicht gewillt bzw. nicht in der Lage war, ist
bezeichnend. Ohnehin wird dem Beschuldigten nicht der Verstoss gegen eine
Einreisesperre vorgeworfen, sondern primär, dass er ohne erforderliches Visum in
die Schweiz eingereist war. Dass er ein Visum gehabt hätte, behauptet der Be-
schuldigte denn auch gar nicht. Seine diffusen Vorbringen vermögen ihn mithin
nicht zu entlasten. Entsprechend bestehen – einhergehend mit der zutreffenden
Einschätzung der Vorinstanz (Urk. 112 E. II.7.3.) – keine ernstlichen Zweifel da-
ran, dass sich der Beschuldigte im Zeitraum vom 16. August 2019 bis zum 17.
Dezember 2019 weiterhin ohne gültiges Visum in der Schweiz aufhielt, was er
wusste und wollte bzw. zumindest in Kauf nahm.
4.3. Ergebnis
Gestützt auf die gemachten Erwägungen ist der Anklagesachverhalt als erstellt zu
erachten.
5. Schuldfähigkeit
5.1 Die Verteidigung machte anlässlich der Berufungsverhandlung geltend, es
müsse davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte an einer Haftpsycho-
se leide und zum Zeitpunkt der vorliegend zu beurteilenden Delikte nicht schuld-
fähig war. Hinweise darauf würden sich aus den Ereignissen im Nachgang zur
erstinstanzlichen Hauptverhandlung ergeben. So habe der Beschuldigte am 20.
Januar 2021 wegen Suizidalität vom Gefängnis in die Psychiatrische Universitäts-
klink Zürich (PUK) verlegt werden müssen. Gemäss Dr. M._, Ärztin in der
PUK, sei der Beschuldigte hochpsychotisch gewesen, habe wahnhafte Vorstel-
lungen gehabt und leide an einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formkreis.
Dass es ihm kurz danach wieder besser gegangen sei, zeige, dass der Beschul-
digte an psychotischen Episoden leide, die durch die Haft ausgelöst würden. Vor
diesem Hintergrund könne auf das im Recht liegende psychiatrische Gutachten,
welches dem Beschuldigten keine Psychosen bescheinigte, nicht abgestellt wer-
den. Angesichts des episodenhaften Auftretens der Psychosen im Zusammen-
- 19 -
hang mit Haft könne vom Umstand, dass der Beschuldigte an den beiden Explo-
rationsgesprächen des Gutachters nicht psychotisch gewesen ist, nicht darauf
geschlossen werden, dass generell – und insbesondere bei den fraglichen Taten,
die sich alle im Zusammenhang mit Haft ereignet hätten – keine Psychosen vor-
gelegen hätten und der Beschuldigte voll schuldfähig gewesen sei. Entsprechend
könne ohne neue Begutachtung, bei welcher die neuen Erkenntnisse aus den
jüngsten Ereignissen mitberücksichtigt würden, nicht von der Schuldfähigkeit des
Beschuldigten ausgegangen werden bzw. es müsse in dubio pro reo zu seinen
Gunsten von Schuldunfähigkeit ausgegangen werden (Urk. 151 S. 3 f.).
5.2. Das im Recht liegende Gutachten wurde am 10. August 2020 im Auftrag der
Staatsanwaltschaft See / Oberland durch Dr. med. N._ erstellt, welcher sich
dabei auf zwei mehrstündige Explorationsgespräche mit dem Beschuldigten so-
wie auf die umfangreichen strafrechtlichen, medizinischen und psychiatrischen
Vorakten stützte. Die Begutachtung erfolgte dabei gerade mit Blick auf die beiden
Vorfälle in der Vollzugsanstalt Bachtel (HD 2) sowie im Spital E._ (HD 1 und
3) und berücksichtigte sodann auch die mit Blick darauf erstellten zur Verfügung
stehenden aktuellsten medizinischen Berichte sowohl des Universitätsspitals als
auch der Psychiatrischen Klinik L._ AG (vgl. ausführlich auch nachfolgend).
Nach umfassender Beurteilung der besagten Vorakten und gestützt auf die eige-
ne Exploration kommt der Gutachter zum Schluss, dass der Beschuldigte zum
Tatzeitpunkt an einer mittelgradig ausgeprägten dissozialen Persönlichkeitsstö-
rung nach ICD-10 F60.2 gelitten habe, wobei aber seine Einsichts- und Steue-
rungsfähigkeit nicht eingeschränkt gewesen sei, der Beschuldigte mithin hinsicht-
lich beider Vorfälle als schuldfähig zu betrachten sei (Urk. 1/19/14 S. 56). Anders
als die Verteidigung mit ihren Vorbringen impliziert, ist es keineswegs so, dass die
von der Ärztin Dr. O._ angesprochene und von der Verteidigung hervorge-
hobene psychische Symptomatik (hochpsychotisch mit Wahnvorstellungen,
Äusserung von Suizidabsichten, vgl. Urk. 94) des Beschuldigten, welche gemäss
Dr. O._ auf eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formkreis hindeuten
könnte (Urk. 94; Prot. I S. 37 f.), zum Zeitpunkt der Begutachtung nicht bekannt
gewesen wären. So beschreibt der Gutachter mehrfach die vom Beschuldigten
geäusserten Wahnvorstellungen in Form von diffusen akustischen Halluzinationen
- 20 -
(Stimmenhören) sowie die Einengung des Denkens auf eine Lungenerkrankung,
die trotz mehrfacher Untersuchung so nicht nachgewiesen werden könne. Der
Gutachter nimmt in seiner Beurteilung auch Bezug auf die Korrelation der vom
Beschuldigten bereits mehrfach an den Tag gelegten Verhaltensauffälligkeiten mit
der Haft bzw. bei drohender Haft (Urk. 1/19/14 S. 43 ff., insbesondere S. 46).
Dr. N._ interpretiert das Verhalten des Beschuldigten dabei nachvollziehbar
als ausgeprägtes manipulatives Verhalten, etwa mit Blick auf die vom Beschuldig-
ten immer wieder gezielt eingesetzten Suiziddrohungen, wenn es darum geht,
wieder in die Haft zurückversetzt zu werden. Entsprechend schliesst der Gutach-
ter wie bereits erwähnt auf eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, welche – ins-
besondere in der Haft – mit Anpassungsstörungen mit vorübergehend depressiver
Symptomatik vorherrsche, wobei sich letztere jedoch rasch wieder bessern wür-
den, wenn es zu Hafterleichterungen komme (Urk. 1/19/14 S. 48). Aus dem Dar-
gelegten ergibt sich, dass das Gutachten sich sehr wohl mit der Frage nach dem
Zusammenhang zwischen psychischer Symptome, mitunter die teilweise wahn-
haften Vorstellungen des Beschuldigten, und der Haft auseinandersetzte. Genau-
so wird im Gutachten die Frage nach dem Vorliegen einer Erkrankung im schizo-
phrenen Formkreis diskutiert und mit nachvollziehbarer Begründung verneint
(Urk. 1/19/14 S. 48 f.).
5.3. Hinsichtlich letzterer Thematik nimmt der Gutachter denn auch Bezug auf
den medizinischen Bericht über den Behandlungsverlauf in der Psychiatrischen
Klinik L._ AG zwischen 21. Dezember 2019 bis zum 3. Januar 2021, welcher
im Zusammenhang mit der fürsorgerischen Unterbringung – welche ausgelöst
durch den hier zu beurteilenden Vorfall vom 21. Dezember 2019 (Vollzugsanstalt
Bachtel, HD 2) angeordnet worden war – von den behandelnden Ärzten erstellt
wurde (Urk. 1/19/6 -11). Der Bericht erwähnt ebenfalls psychopathologische Be-
funde, unter anderem in der Gestalt von paranoider Erlebnisbereitschaft (Verfol-
gungsängste) und akustischen Sinnestäuschungen (Stimmenhören). Bemer-
kenswerterweise gelangten auch die Fachärzte, die den Beschuldigten innerhalb
des hier fraglichen Deliktszeitraums psychiatrisch betreuten, im Wesentlichen zur
gleichen Diagnose wie Dr. N._ im Gutachten (Anpassungsstörung mit mittel-
gradig depressiven Episoden, dissoziale Persönlichkeitsstörung). Sodann wird
- 21 -
auch in diesem Bericht festgehalten, dass der Beschuldigte im Laufe der Behand-
lung immer wieder ein intentionales und zielgerichtetes Verhalten an den Tag ge-
legt habe, um eine Rückverlegung ins Vollzugszentrum Bachtel zu vermeiden. Im
Längsschnitt der Krisenintervention habe sich eine psychotische Symptomatik
dagegen nicht bestätigt, dies obwohl dies im Eintrittsgespräch angegeben worden
sei (Urk. 1/19/8 S. 2 - 4).
5.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich das Gutachten und der in die-
sem gefolgerte Schluss, wonach der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt in seiner
Schuldfähigkeit nicht eingeschränkt gewesen sei, sich als sorgfältig und nachvoll-
ziehbar begründet erweist und ferner durch die Einschätzung der psychiatrischen
Fachärzte der Klinik L._ AG gestützt wird, welche den Beschuldigten zum
hier fraglichen Zeitpunkt unmittelbar betreuten. Darauf kann – entgegen den Vor-
bringen der Verteidigung – vorliegend mithin ohne Weiterungen abgestellt wer-
den. Nach dem Dargelegten vermag der von Dr. O._ gegenüber der Vo-
rinstanz geäusserte Verdacht auf eine mögliche Erkrankung im schizophrenen
Formkreis bzw. auf die Möglichkeit einer Haftpsychose daran jedenfalls nichts zu
ändern, zumal dieser offenbar nur auf einer initialen Einschätzung beruhte und
sich ferner auf einen Vorfall bezog, der sich Anfang 2021 – mithin mehr als ein
Jahr nach den hier zu beurteilenden Vorfällen – ereignete und bereits deshalb
kaum Rückschlüsse auf die Frage der Schuldfähigkeit hinsichtlich der hier fragli-
chen Vorfälle Ende 2019 bzw. Anfang 2020 zulassen dürfte. Schliesslich ist da-
rauf hinzuweisen, dass – wie sich aus den Gerichtsakten der Vorinstanz ergibt –
der Beschuldigte offenbar kurz nach den vermeintlich "hochpsychotischen" Zu-
stand, in welchem der Beschuldigte am 21. Januar 2021 gemäss Dr. O._
eingeliefert worden sei, bereits am 25. Januar 2021 wieder in den Strafvollzug zu-
rückversetzt werden konnte, nachdem der Beschuldigte sich von den zuvor noch
geäusserten Suizidabsichten distanziert und – wohlgemerkt – selber die Rückver-
setzung ins Gefängnis verlangte, dies weil er mit dem Setting in der PUK nicht
einverstanden gewesen sei (Prot. I S. 39). In einer Gesamtbetrachtung spricht
mithin selbst der von der Verteidigung ins Feld geführte Vorfall bzw. das vom Be-
schuldigten diesbezüglich an den Tag gelegte Verhalten deutlich stärker für das
- 22 -
vom Gutachter festgestellte intentionale und zielgerichtete manipulative Verhalten
als für eine Haftpsychose.
IV. Rechtliche Würdigung
A. Erwägungen der Vorinstanz
Die seitens der Vorinstanz vorgenommene einlässliche rechtliche Würdigung
(Urk. 112 E. III.) erweist sich als vollumfänglich zutreffend. Darauf kann verwiesen
werden.
B. Ergebnis
Da vorliegend keine Schuldausschluss- oder Rechtfertigungsgründe wie insbe-
sondere Notwehr oder Notstand ersichtlich sind und der Beschuldigte – wie erwo-
gen – trotz seiner psychischen Erkrankung zu den relevanten Tatzeitpunkten voll-
umfänglich schuldfähig war, ist er entsprechend der Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen Sach-
beschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB, der Drohung im Sinne von
Art. 180 Abs. 1 StGB sowie des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115
Abs. 1 lit. b AIG schuldig zu sprechen.
V. Strafzumessung
A. Strafrahmen
1. Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des or-
dentlichen Strafrahmens der schwersten anzuwendenden Strafbestimmung fest-
zusetzen. Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst
worden, um sämtlichen konkreten Umständen Rechnung zu tragen. Der ordentli-
che Rahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen
und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw.
zu milde erscheint. Der vom Gesetzgeber vorgegebene ordentliche Rahmen er-
möglicht in aller Regel, für eine einzelne Tat die angemessene Strafe festzulegen.
- 23 -
Er versetzt den Richter namentlich in die Lage, die denkbaren Abstufungen des
Verschuldens zu berücksichtigen (BGE 136 IV 55 E. 5.8.).
2. Vorliegend hat die Vorinstanz zutreffend erwogen (Urk. 112 E. IV.1.1.), dass
eine Erweiterung des Strafrahmens nicht in Betracht fällt.
3. Einhergehend mit der zutreffenden Auffassung der Vorinstanz (Urk. 112
E. IV.1.2.) besteht vorliegend ein Strafrahmen von bis zu drei Jahren Freiheits-
strafe, wobei vom Delikt der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB als konkret schwerster Straftat auszugehen ist.
B. Theoretische Grundlagen der Strafzumessung, des Vollzugs der Strafe und
der Wahl der Sanktionsart
1. Auch im Übrigen wurden seitens der Vorinstanz die zu den Kriterien der
Strafzumessung und dem Strafvollzug wie der Wahl der Sanktionsart nötigen the-
oretischen Ausführungen gemacht. Darauf (Urk. 112 E. IV.2.-3.) sowie auf die ak-
tuelle Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Thema (Urteil des Bundesge-
richts 6B_619/2019 vom 11. März 2020 E. 3.3.; BGE 144 IV 217 E. 2.2 f.; 136
IV 55 E. 5.4 ff.; 135 IV 130 E. 5.3.1; 132 IV 102 E. 8.1; je mit Hinweisen) kann
vorab verwiesen werden. Hervorzuheben bleibt, dass zwischen der Tat- und Tä-
terkomponente sowie der objektiven und subjektiven Tatschwere zu unterschei-
den ist.
2. Hervorzuheben ist, dass die Ausfällung einer Geld- statt einer Freiheitsstrafe
angesichts der zahlreichen, teilweise schweren Vorstrafen des Beschuldigten (s.
Urk. 142) und seiner damit unmissverständlich zum Ausdruck kommenden Unbe-
lehrbarkeit – was sich auch im gutachterlich festgestellten hohen Rückfallrisiko
manifestiert (vgl. Urk. D1/19/14 S. 51 ff.) – hinsichtlich jedes einzelnen heute zu
beurteilenden Delikts von Vornherein nicht in Frage kommt.
3. Gemäss Art. 50 StGB hat das Gericht, sofern es sein Urteil zu begründen
hat, die für die Zumessung der Strafe erheblichen Umstände und deren Gewich-
tung festzuhalten. Es hat seine Überlegungen in den Grundzügen wiederzugeben,
- 24 -
so dass die Strafzumessung nachvollziehbar ist (BGE 144 IV 313 E. 1.2 S. 319;
142 IV 365 E. 2.4.3 S. 270 f.; 136 IV 55 E. 5.5 S. 59 ff.; je mit Hinweisen).
C. Konkrete Strafzumessung
1. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
1.1. In objektiver Hinsicht wirkt sich die vom Beschuldigten an den Tag gelegte
Vorgehensweise deutlich verschuldenserschwerend aus, weil er die beiden Si-
cherheitsassistenten der Kantonspolizei mehrfach – und teilweise unter Verwen-
dung von Gegenständen und unter anderem mittels Schlägen gegen den Kopfbe-
reich – heftig angriff, woran sich auch seine hohe kriminelle Energie zeigt. Leicht
verschuldensmindernd ist zu berücksichtigen, dass die Handlungen des Beschul-
digten nicht in Verletzungen der von ihm angegriffenen Personen mündeten, auch
wenn dies letztlich dem Zufall geschuldet war. Insgesamt erweist sich das objekti-
ve Tatverschulden des Beschuldigten als erheblich und wäre mit 9 Monaten Frei-
heitsstrafe zu ahnden.
1.2. In subjektiver Hinsicht ist – einhergehend mit der zutreffenden Auffassung
der Vorinstanz (Urk. 112 E. IV.4.1.2.) – von einer Kurzschlussreaktion des Be-
schuldigten auszugehen, welcher davon überzeugt war, auf medizinische Hilfe
angewiesen zu sein. Dieser Umstand wirkt sich zu seinen Gunsten aus. Auch
wenn seine Steuerungsfähigkeit gemäss Gutachten wie dargelegt nicht einge-
schränkt war, steht fest, dass er an einer dissozialen Persönlichkeitsstörung lei-
det, welcher Umstand nichtsdestotrotz etwas verschuldensmindernd zu berück-
sichtigen ist. Insgesamt wird die objektive Tatschwere deshalb durch die subjekti-
ve etwas relativiert. Das Verschulden des Beschuldigten erweist sich hinsichtlich
der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte insgesamt als nicht mehr
leicht. Hierfür ist eine Einsatzstrafe von 7 Monaten Freiheitsstrafe vorzusehen.
2. Drohung
2.1. Hinsichtlich der Beurteilung der objektiven Tatschwere hinsichtlich Drohung
fällt jeweils beträchtlich verschuldenserschwerend ins Gewicht, dass der Beschul-
digte einerseits nicht nur die Privatkläger 3 und 4 sowie gleichzeitig deren Fami-
- 25 -
lienangehörige bedrohte, sondern andererseits auch deren Tötung auf eine äus-
serst brutale Weise in den Raum stellte. Das objektive Verschulden erweist sich
vor diesem Hintergrund als nicht mehr leicht und wäre – bei isolierter Betrachtung
– mit einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten zu sanktionieren.
2.2. In subjektiver Hinsicht ist auch hier von einer Kurzschlussreaktion des Be-
schuldigten auszugehen. Ausserdem ist die festgestellte dissoziale Persönlich-
keitsstörung auch hinsichtlich der zu beurteilenden Drohung verschuldensmin-
dernd zu berücksichtigen. Dies rechtfertigt eine Strafreduktion auf 5 Monate Frei-
heitsstrafe.
2.3. Asperiert mit der für das Delikt der Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte vorgesehenen Strafe rechtfertigt sich eine weitere leichte Strafreduk-
tion für die Drohung auf 4 Monate Freiheitsstrafe.
3. Sachbeschädigungen
3.1. Hinsichtlich der zu beurteilenden Sachbeschädigten ist festzustellen, dass
der Gesamtwert der beschädigten Gegenstände mit insgesamt über Fr. 5'000.–
nicht unbeträchtlich, aber auch nicht besonders hoch ist. Ferner erweist sich die
Sachbeschädigung zum Nachteil der Privatklägerin 1 – einhergehend mit der zu-
treffenden Auffassung der Vorinstanz (Urk. 112 E. 4.4.3.) – lediglich als eine "Be-
gleiterscheinung" zur tätlichen Auseinandersetzung mit den Sicherheitsbeamten.
Die objektive Tatschwere erweist sich insgesamt als leicht. Bei isolierter Betrach-
tung wäre hierfür eine Einsatzstrafe von 2 Monaten Freiheitsstrafe vorzusehen.
3.2. Die subjektive Tatschwere vermag die objektive auch hinsichtlich der Sach-
beschädigungen zu relativieren, da auch hier von einer Kurzschlussreaktion des
Beschuldigten auszugehen ist und überdies seine dissoziale Persönlichkeitsstö-
rung verschuldensmindernd zu berücksichtigen ist. Teilweise handelte der Be-
schuldigte ferner lediglich eventualvorsätzlich, was eine weitere Strafminderung
nach sich zieht. Es rechtfertigt sich aufgrund der gemachten Erwägungen – bei
isolierter Betrachtung – eine Strafreduktion auf 1 Monat Freiheitsstrafe vorzuneh-
men.
- 26 -
3.3. Asperiert mit der für die Delikte der Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte sowie der Drohung vorgesehenen Strafe rechtfertigt es sich, eine
weitere leichte Strafreduktion auf einen halben Monat Freiheitsstrafe vorzuneh-
men.
4. Widerhandlung AIG
4.1. Der Umstand, dass sich der Beschuldigte ungeachtet einer rechtskräftigen
Verurteilung wegen rechtswidrigen Aufenthalts während einem Zeitraum von im-
merhin rund vier Monaten wissentlich und willentlich weiter illegal in der Schweiz
aufhielt, ist vorliegend verschuldenserschwerend zu veranschlagen. Isoliert be-
trachtet würde sich eine Freiheitsstrafe von 3 Monaten als angemessen erweisen.
4.2. In subjektiver Hinsicht wirkt sich deutlich verschuldensmindernd aus, dass
der Beschuldigte lediglich eventualvorsätzlich handelte. Es rechtfertigt sich dem-
nach eine Strafminderung auf 2 Monate Freiheitsstrafe.
4.3. In Asperation mit den – sachlich und persönlich wenig in Konnexität stehen-
den – weiteren Delikten erweist sich eine Reduktion auf 1 1⁄2 Monate Freiheitsstra-
fe als angemessen. Insgesamt würde für den Beschuldigten nach der Würdigung
der Tatkomponenten eine Freiheitsstrafe von 13 Monaten resultieren.
5. Täterkomponente
5.1. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann
zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen zunächst auf die entsprechenden und
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 112 E. IV.5.1.) und die hernach
bei der Beurteilung der Landesverweisung gemachten Erwägungen (s. nachste-
hend unter E. VII.B.1.) verwiesen werden. Die persönlichen Verhältnisse des Be-
schuldigten wirken sich strafzumessungsneutral aus.
5.2. Der Beschuldigte verfügt in der Schweiz über insgesamt fünf, teilweise ein-
schlägige Vorstrafen (s. Urk. 142), wobei er vorliegend sogar während der Probe-
zeit einer Vorstrafe erneut delinquierte, was die Unbelehrbarkeit des Beschuldig-
- 27 -
ten noch verdeutlicht. Vor diesem Hintergrund rechtfertigt sich eine Straferhöhung
um 3 Monate Freiheitsstrafe.
5.3. Ein Geständnis, Reue oder Einsicht sind beim Beschuldigten nicht festzu-
stellen. Aus dem Nachtatverhalten des Beschuldigten ergibt sich demnach keine
Strafreduktion. Auch ist keine bei der Strafzumessung zu berücksichtigende
Strafempfindlichkeit auszumachen.
6. Vollzug
Vorliegend ist vom Fehlen einer ungünstigen Prognose gemäss Art. 42 Abs. 2
StGB auszugehen, da der Beschuldigte in den letzten 5 Jahren vor der Tat zu ei-
ner Freiheitsstrafe von mehr als 6 Monaten verurteilt wurde: Mit Urteil des Tribu-
nal correctionnel Genève wurde der Beschuldigte am 25. August 2015 zu einer
Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten verurteilt. Ferner häufte er zwischen-
zeitlich weitere 4 teilweise einschlägige Vorstrafen an (s. Urk. 142). Bei diesen
Gegebenheiten fällt der bedingte Vollzug der Freiheitsstrafe ausser Betracht. Die
Strafe ist zu vollziehen.
7. Ergebnis
Vorliegend würde es sich nach Würdigung aller massgebenden Strafzumes-
sungsgründe als angemessen erweisen, den Beschuldigten mit einer Freiheits-
strafe von 16 Monaten zu bestrafen. Da allerdings das Verschlechterungsverbot
gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO vorliegend zu Gunsten des Beschuldigten zu be-
rücksichtigen ist, bleibt es bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen unbedingt
zu vollziehenden Freiheitsstrafe von 12 Monaten. Daran sind die in Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft erstandenen 365 Tage anzurechnen (vgl. Art. 51
StGB). Damit hat der Beschuldigte die Strafe zwischenzeitlich erstanden.
VI. Widerruf
A. Theoretische Grundlagen
- 28 -
Seitens der Vorinstanz wurden die rechtlichen Grundlagen des Widerrufs zutref-
fend dargelegt (Urk. 112 E. IV.7.2.). Darauf kann vorliegend verwiesen werden.
B. Würdigung
Die seitens der Vorinstanz geäusserte Hoffnung, dass sich der Beschuldigte
durch das vorliegende Strafverfahren sowie die mit ihrem Urteil auszusprechende
unbedingte Freiheitsstrafe genügend beeindruckt zeige, um nicht erneut in die
Schweiz einzureisen und hier erneut straffällig zu werden, kann angesichts der
zahlreichen, teilweise einschlägigen Vorstrafen des Beschuldigten und seiner
dadurch belegten Unbelehrbarkeit nicht geteilt werden. Die Anordnung eines Wi-
derrufs des mit Urteil des Tribunal correctionnel Genève vom 25. August 2015
bedingt aufgeschobenen Teils von 15 Monaten Freiheitsstrafe wäre bei der sich
vorliegend präsentierenden Ausgangslage naheliegend. Aufgrund des sich zu
Gunsten des Beschuldigten auswirkenden Verschlechterungsverbots gemäss
Art. 391 Abs. 2 StPO kann die Beantwortung der Frage, ob vorliegend ein Wider-
ruf anzuordnen wäre, letztlich aber offen bleiben. Die Probezeit kann vorliegend –
wie seitens der Vorinstanz vorgesehen (Urk. 112 E. IV.7.4.) – um maximal 1 Jahr
verlängert werden, nachdem sie bereits im Strafbefehlsverfahren F-1/2019/27914
der Staatsanwaltschaft Zürich/Sihl, welches mit Strafbefehl vom 16. August 2019
abgeschlossen wurde, um 1 Jahr verlängert wurde (vgl. Beizugsakten B). Ent-
sprechend ist auf den Widerruf des mit Urteil des Tribunal correctionnel Genève
vom 25. August 2015 bedingt aufgeschobenen Teils von 15 Monaten Freiheits-
strafe zu verzichten und stattdessen die Probezeit in Anwendung von Art. 46 Abs.
2 StGB um die gesetzlich maximal zulässige Dauer von einem Jahr ab heute zu
verlängern.
VII. Landesverweisung und Ausschreibung SIS
A. Theoretische Grundlagen
1. Gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB ist ein Ausländer, der zu einer Katalogtat ver-
urteilt wird, unabhängig von der Höhe der Strafe für 5 bis 15 Jahre aus der
Schweiz zu verweisen. Gemäss Art. 66abis StGB kann ein Ausländer für die Dauer
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von 3 bis 15 Jahren auch des Landes verwiesen werden, wenn er wegen eines
Verbrechens oder Vergehens, das nicht von Art. 66a StGB erfasst ist, zu einer
Strafe oder einer Massnahme verurteilt wird. Diese "Kann-Bestimmung" haben
die Gerichte nach pflichtgemässem Ermessen anzuwenden. Die gesetzgeberi-
sche Wertung, welche Art. 66a StGB vorgibt, bei welchen Delikten zwingend eine
Landesverweisung zu verhängen ist, impliziert, dass bei übrigen Verbrechen oder
Vergehen eine erhebliche Schwere vorliegen und im Einzelfall die negative Le-
galprognose aus spezialpräventiver Sicht diese Massnahme indizieren muss
(OFK/StGB-HEIMGARNER, Art. 66a bis StGB N 1). Wie jeder staatliche Entscheid
hat die nicht obligatorische Landesverweisung unter Berücksichtigung des Ver-
hältnismässigkeitsprinzips nach Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 2 und 3 BV zu er-
folgen. Zu prüfen ist, ob das öffentliche Interesse an der Landesverweisung das
private Interesse der beschuldigten Person am Verbleib in der Schweiz überwiegt.
Die erforderliche Interessenabwägung entspricht den Anforderungen gemäss Art.
8 Abs. 2 EMRK an einen Eingriff in das Privat- und Familienleben. Bei der Ver-
hältnismässigkeitsprüfung sind namentlich die Art und Schwere des Verschul-
dens, die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit und das bisherige Verhalten der
betreffenden Person, die Dauer des bisherigen Aufenthalts in der Schweiz und die
Intensität ihrer sozialen, kulturellen und familiären Bindungen sowohl im Gastge-
berstaat als auch im Heimatland zu berücksichtigen (Urteile des Bundesgerichts
6B_1054/2020 vom 30. November 2020 E. 1.; BGE 139 I 145 E. 2.4; 139 I 31 E.
2.3.3; 135 II 377 E. 4.3; je mit Hinweisen). Die Anordnung der nicht obligatori-
schen Landesverweisung nach Art. 66abis StGB setzt nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung keine Mindeststrafhöhe voraus, zu der die beschuldigte Person
verurteilt wurde. Demnach ist die nicht obligatorische Landesverweisung einer
aufenthaltsberechtigten Person bei einer Verurteilung bis zu einem Jahr Freiheits-
strafe nicht grundsätzlich als unverhältnismässig und somit unzulässig zu betrach-
ten, sondern anhand einer Verhältnismässigkeitsprüfung zu beurteilen (vgl. zur
nicht obligatorischen Landesverweisung einer aufenthaltsberechtigten Person
gemäss Art. 66abis StGB bei Freiheitsstrafen unter einem Jahr auch BGE 145 IV
55 E. 4.4; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 6B_528/2020 vom 13. August
2020 E. 3.2 f. mit Hinweisen).
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2. Eine Ausschreibung von Drittstaatsangehörigen im Sinne von Art. 3 lit. d
SIS-II-Verordnung im Schengener Informationssystem (SIS) darf gemäss dem in
Art. 21 SIS-II-Verordnung verankerten Verhältnismässigkeitsprinzip nur vorge-
nommen werden, wenn die Angemessenheit, Relevanz und Bedeutung des Falles
dies rechtfertigen. Voraussetzung der Ausschreibung im SIS ist eine nationale
Ausschreibung, die auf einer Entscheidung der zuständigen nationalen Instanz
(Verwaltungsbehörde oder Gericht) beruht (Art. 24 Ziff. 1 SIS-II-Verordnung). Die
Ausschreibung wird eingegeben, wenn die Entscheidung auf die Gefahr für die öf-
fentliche Sicherheit oder Ordnung oder die nationale Sicherheit gestützt wird, die
die Anwesenheit des betreffenden Drittstaatsangehörigen im Hoheitsgebiet eines
Mitgliedstaats darstellt (Art. 24 Ziff. 2 Satz 1 SIS-II-Verordnung). Das ist insbe-
sondere dann der Fall, wenn die betreffende Person in einem Mitgliedstaat wegen
einer Straftat verurteilt wurde, die mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem
Jahr bedroht ist (Art. 24 Ziff. 2 lit. a SIS-II-Verordnung), oder wenn gegen sie der
begründete Verdacht besteht, dass sie schwere Straftaten begangen hat, oder
wenn konkrete Hinweise bestehen, dass sie solche Straftaten im Hoheitsgebiet
eines Mitgliedstaates plant (Art. 24 Ziff. 2 lit. b SIS-II-Verordnung). Eine Aus-
schreibung kann gemäss Art. 24 Ziff. 3 SIS-II-Verordnung auch eingegeben wer-
den, wenn die Entscheidung nach Art. 24 Ziff. 1 SIS-II-Verordnung darauf beruht,
dass der Drittstaatsangehörige ausgewiesen, zurückgewiesen oder abgeschoben
worden ist, wobei die Massnahme nicht aufgehoben oder ausgesetzt worden sein
darf, ein Verbot der Einreise oder gegebenenfalls ein Verbot des Aufenthalts ent-
halten oder davon begleitet sein muss und auf der Nichtbeachtung der nationalen
Rechtsvorschriften über die Einreise oder den Aufenthalt von Drittstaatsangehöri-
gen beruhen muss. Art. 25 Ziff. 1 SIS-II-Verordnung verlangt zudem, dass die
Ausschreibung des Drittstaatsangehörigen mit einem allfälligen Freizügigkeits-
recht in der Gemeinschaft vereinbar ist. Eine Ausschreibung im SIS setzt voraus,
dass die Ausschreibungsvoraussetzungen von Art. 21 und 24 SIS-II-Verordnung
erfüllt sind (Erläuterungen des Bundesamtes für Justiz [BJ] vom 20. Dezember
2016 zur Verordnung über die Einführung der Landesverweisung, S. 11). Eine
Ausschreibung im SIS darf gemäss Art. 21 und Art. 24 Ziff. 1 SIS-II-Verordnung
nur auf der Grundlage einer individuellen Bewertung unter Berücksichtigung des
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Verhältnismässigkeitsprinzips ergehen. Im Rahmen dieser Bewertung ist bei der
Ausschreibung gestützt auf Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-Verordnung insbesondere zu prü-
fen, ob von der betroffenen Person eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und
Ordnung ausgeht. Verhältnismässig ist eine Ausschreibung im SIS immer dann,
wenn eine solche Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung gegeben ist
(Urteil des Bundesgerichts 6B_572/2019 vom 8. April 2020 E. 3.2.2., mit Hinwei-
sen).
B. Würdigung
1. Die Vorinstanz begründet überzeugend, weshalb sie die öffentlichen Inte-
ressen an einer Fernhaltung des Beschuldigten als hoch einstuft und ihnen ge-
genüber dessen privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz den Vor-
rang gibt (vgl. Urk. 112 E. V.3.-7.). Darauf kann vollumfänglich verwiesen werden,
zumal auch im Rahmen der Berufungsverhandlung diesbezüglich keine neuen
Erkenntnisse zu Tage getreten sind. Wie bereits erwähnt wurde, offenbart sich
durch die zahlreichen, teilweise einschlägigen Vorstrafen die Unbelehrbarkeit des
Beschuldigten (s. vorstehend unter E. V.5.2.). Seitens der Vorinstanz wurde denn
auch zutreffend darauf hingewiesen, dass sich unter den Vorstrafen u.a. Delikte
wie Erpressung oder gefährliche Körperverletzung, welche keinesfalls mehr als
Bagatelldelikte zu qualifizieren sind, befinden würden. Richtig erweist sich ferner
ihre Auffassung, dass es sich beim Beschuldigten um einen – mehrfach einschlä-
gig vorbestraften – Wiederholungstäter handelt, welchen der Gesetzgeber vor
Augen hatte, als er die fakultative Landesverweisung gemäss Art. 66abis StGB er-
lassen hat. Daneben ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte über keinen
Aufenthaltstitel in der Schweiz verfügt und sich mithin rechtswidrig in der Schweiz
aufhält (vgl. Urk. 112 E. V.3.). Die seitens der Vorinstanz vorgenommene Verhält-
nismässigkeitsprüfung (vgl. Urk. 112 E. 112 V.4.-6.) erweist sich des Weiteren als
korrekt und ihr ist beizupflichten. Die Landesverweisung ist vorliegend sowohl ge-
eignet wie auch erforderlich und dem Beschuldigten ferner – obschon er geltend
macht, sich seit 2007 ununterbrochen hier aufzuhalten (Prot. I S. 19) – angesichts
der doch sehr losen Beziehung zur Schweiz und der mangelnden persönlichen
und wirtschaftlichen Integration ohne Weiteres zumutbar. So verfügt der Beschul-
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digte in der Schweiz weder über Familie, Verwandte oder enge Bekannte, welche
er näher zu bezeichnen vermochte (s. Prot. I S. 20), noch geht er einer geregelten
Arbeit nach. Wie er seinen Lebensunterhalt bestreitet, ist nicht ganz klar. Im
Rahmen der Schlusseinvernahme gab er diesbezüglich an, er arbeite (krank-
heitsbedingt) nicht und lebe von der Unterstützung, die er durch Hilfsorganisatio-
nen erhalte (Urk. 1/15/6 S. 9). Auch sprachlich erscheint er wenig integriert, war
er doch während des gesamten Verfahrens auf eine dolmetschende Person an-
gewiesen (Urk. D1/15/1-6; Prot. I S. 14). Der Beschuldigte macht als Grund für
seinen Aufenthalt in der Schweiz geltend, er sei aus gesundheitlichen Gründen
dringend auf eine medizinische Behandlung angewiesen, welche ihm in der
Schweiz finanziert werden müsse (Prot. I S. 29). Allerdings sind – einhergehend
mit der zutreffenden Auffassung der Vorinstanz (Urk. 112 E. V.6.) und abgesehen
davon, dass er kein Anrecht auf eine medizinische Behandlung in der Schweiz hat
– keine ernsthaften, lebensbedrohlichen Erkrankungen des Beschuldigten be-
kannt, welche eine Ausweisung nach Weissrussland unzumutbar machen wür-
den.
2. Deshalb überwiegt vorliegend das Interesse an einer Fernhaltung des Be-
schuldigten dessen persönliche Interessen an einem Verbleib in der Schweiz
ganz klar, weshalb eine nicht obligatorische Landesverweisung im Sinne von Art.
66abis StGB auszusprechen ist. Die seitens der Vorinstanz vorgesehene Dauer
der Landesverweisung von 7 Jahren erweist sich als angemessen und ist zu be-
stätigen.
3. Vorliegend geht vom Beschuldigten klarerweise eine Gefahr für die öffentli-
che Sicherheit und Ordnung aus. Er wurde vorliegend mit einer Freiheitsstrafe
von einem Jahr bestraft und reiste bereits mehrfach ohne gültige Reisepapiere
bzw. die erforderlichen Bewilligungen in den Schengenraum ein. Ergänzend kann
auf die im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung bei der Landesverweisung
vorgenommene Güterabwägung verwiesen werden (vorstehend unter E. VII.B.1.).
Deshalb hat vorliegend eine Ausschreibung im Schengener Informationssystem
zu erfolgen.
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VIII. Zivilansprüche
1. Theoretische Grundlagen
Seitens der Vorinstanz wurden die theoretischen rechtlichen Grundlagen hinsicht-
lich der Zivilansprüche umfassend und zutreffend wiedergegeben (Urk. 112
E. VII.1.). Darauf ist vollumfänglich zu verweisen.
2. Würdigung
Angesichts des Verschlechterungsverbotes gemäss Art. 391 Abs. 2 StGB ist die
vorinstanzliche Regelung hinsichtlich der in Frage stehenden Zivilforderungen
gemäss den erstinstanzlichen Dispositivziffern 7 und 8 zu bestätigen.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
A. Vorinstanzliches Verfahren
1. Gestützt auf Art. 428 Abs. 3 StPO hat die Rechtsmittelinstanz von Amtes
wegen auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden,
wenn sie selber ein neues Urteil fällt und nicht kassatorisch entscheidet. Gemäss
Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrenskosten, wenn
sie verurteilt wird. Ausgenommen sind – unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4
StPO – die Kosten der amtlichen Verteidigung.
2. Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten die Kosten des Vorverfahrens
wie des vorinstanzlichen Verfahrens aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung sind im von der Vorinstanz festgesetzten Betrag auf die Gerichtskasse
zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
B. Zweitinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob bzw. inwieweit eine
Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in
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welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheissen
werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1344/2019 vom 11. März 2020 E. 2.2.
m.w.H.). Wird der Entscheid im Rechtsmittelverfahren nur unwesentlich abgeän-
dert, können die Kosten nach dem Verursacherprinzip auferlegt werden (Urteil
des Bundesgerichts 6B_318/2016 vom 13. Oktober 2016 E. 4.1. m.w.H.).
1.2. Der Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren vollumfänglich. Aus-
gangsgemäss sind dem Beschuldigten deshalb (auch) die Kosten des Rechtsmit-
telverfahrens aufzuerlegen. Hiervon ausgenommen sind wiederum die Kosten der
amtlichen Verteidigung. Diese sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die
Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten
bleibt.
2.1. Die amtliche Verteidigung ist aus der Gerichtskasse zu entschädigen
(Art. 135 Abs. 1 StPO). Der mit Kostennoten vom 13. und 17. Mai 2022 (Urk. 148,
150) geltend gemachte Aufwand von knapp 27 Stunden erscheint angemessen.
Entsprechend ist Rechtsanwältin lic. iur. X._ unter zusätzlicher Berücksichti-
gung der Dauer der Berufungsverhandlung für ihre Bemühungen als amtliche Ver-
teidigerin im Berufungsverfahren mit pauschal Fr. 7'500.– (inkl. Auslagen und
MwSt.) zu entschädigen. Die Rückerstattungspflicht des Beschuldigten gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO ist vorzubehalten.
2.2. Im Beschluss der III. Strafkammer des Obergerichts Zürich vom 14. Januar
2021 im Beschwerdeverfahren UB200233 wurde die Festlegung der Entschädi-
gung für die amtliche Verteidigung – damals noch Rechtsanwalt Dr. iur. X3._
– dem vorliegenden Endentscheid vorbehalten (Urk. 113 S. 3 f.). Gestützt auf die
Kostennote vom 13. Januar 2021 (Urk. 84) und die dort im Nachgang an die erst-
instanzliche Urteilseröffnung hinsichtlich des Beschwerdeverfahrens erfassten
Aufwendungen ist der vormalige amtliche Verteidiger Rechtsanwalt Dr. iur.
X3._ für seine diesbezüglichen Bemühungen mit pauschal Fr. 1'100.– (inkl.
Auslagen und MwSt.) zu entschädigen. Die Rückerstattungspflicht des Beschul-
digten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO ist auch hier vorzubehalten.
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3. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von
Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. §§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 GebV OG un-
ter Berücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeit-
aufwands des Gerichts für dieses Verfahren auf Fr. 3'500.– festzusetzen. Hinzu
kommen die Kosten des bereits erwähnten Entscheids der III. Strafkammer vom
14. Januar 2021 im Beschwerdeverfahren UB200233 (vgl. Urk. 113 Dispositivzif-
fern 2 und 3) von Fr. 300.–, welche ebenfalls dem Beschuldigten aufzuerlegen ist.
4.1. Die Entschädigungsfrage folgt den gleichen Regeln wie der Kostenent-
scheid. Es gilt der Grundsatz, dass bei Auferlegung der Kosten keine Entschädi-
gung oder Genugtuung auszurichten ist (Urteil des Bundesgerichtes 6B_802/2015
vom 9. Dezember 2015 E. 5.3; BGE 137 IV 352 E. 2.4.2).
4.2. Ausgangsgemäss verbleibt kein Raum für die beantragte Zusprechung einer
Entschädigung (Urk. 151 S. 5) an den Beschuldigten.