Decision ID: bcd81e46-f7bc-4a14-9ceb-5dcd6f88dd6d
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Felix Rüegg, St. Urbangasse3 2, Postfach,
8024 Zürich,
gegen
SWICA Versicherungen, Römerstrasse 37, Postfach, 8401 Winterthur,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a Die 1962 geborene S._ war als Leiterin Care tätig und bei der SWICA
Versicherungen AG, Winterthur, obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtberufsunfällen versichert. Am 28. Januar 2004 liess sie einen Bagatellunfall vom
31. Dezember 2003 melden. Bei einem Sturz auf Eis habe sie sich beide Knie, die
rechte Hüfte und die rechte Schulter verletzt. Dr. med. A._, orthopädische Chirurgie,
diagnostizierte im Arztschein vom 4. März 2004 eine Läsion der rechten Schulter nach
einem Sturz vom 31. Dezember 2003.
A.b Im Arztzeugnis vom 3. November 2004 wies Dr. A._ darauf hin, die Versicherte
sei am 31. Dezember 2003 ausgerutscht und dabei auf den rechten Arm gefallen.
Zuerst hätten nur die Handgelenke geschmerzt. Später seien Schulterschmerzen rechts
dazugekommen. Die Versicherte leide in der rechten Schulter an
Bewegungseinschränkungen und an Schmerzen bei Belastung. Die Befunde seien
ausschliesslich unfallbedingt (UV act. 6).
A.c Am 8. Mai 2005 teilte die Versicherte der SWICA unter anderem mit, die
Schulterverletzung, die sie sich beim Unfall zugezogen habe, sei noch nicht ausgeheilt.
Sie leide dauernd an Beschwerden und stehe bei Dr. A._ in ärztlicher Behandlung.
Zusätzlich sei sie bei Dr. med. B._, in ärztlicher Behandlung gestanden und habe bis
Januar 2005 die Physiotherapie besucht. Da die Beschwerden nicht nachgelassen
hätten, sei am 6. Mai 2005 eine Arthroskopie durchgeführt worden. Wegen der
festgestellten komplexen Verletzung sei in nächster Zeit ein operativer Eingriff geplant
(UV act. 9).
A.d Aufgrund einer Anfrage der SWICA, gab Dr. B._ am 30. Mai 2005 bekannt, die
Versicherte sei bei ihm am 3. November 2004 wegen der Schulterverletzung behandelt
worden. Er habe ihr danach eine Serie Physiotherapien verordnet (UV act. 32). Dr.
A._ reichte den Operationsbericht vom 17. Mai 2005 ein (UV act. 35) und berichtete
am 27. Mai 2005, er habe die Versicherte am 30. Januar 2004 erstmals behandelt. Er
habe schmerzhafte Bewegungseinschränkungen der rechten Schulter und einen
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Druckschmerz auf dem AC-Gelenk festgestellt. Auf dem Röntgenbild vom 30. Januar
2004 habe sich an Humeruskopf und Glenoid kein Osteophyt gezeigt. Das AC-Gelenk
sei ohne Sporn und normal weit erschienen. Es sei keine Verkalkung im Bereich der
Rotatorenmanchette festzustellen gewesen. Bei der am 6. Mai 2005 durchgeführten
Arthroskopie sei ein Limbusabriss mit instabilem Bizepsanker und dezentrierter
Bizepssehne der rechten Schulter zu erkennen gewesen. Diese Defekte seien am 17.
Mai 2005 operativ behoben worden. Die Frage, ob ausschliesslich Unfallfolgen
vorliegen würden, wurde von Dr. A._ bejaht. Seit der Arthroskopie bis voraussichtlich
drei Monate nach der Operation bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (UV act.
36).
A.e Mit Schreiben vom 31. Mai 2005 wies die SWICA die Versicherte darauf hin, die
Abklärungen hätten ergeben, dass die Behandlung der Folgen des Unfalls vom 31.
Dezember 2003 am 30. Januar 2004 abgeschlossen worden sei. Die ärztliche
Behandlung sei erst am 28. September 2004 wieder aufgenommen worden. Dabei und
bei der am 6. Mai 2005 eingetretenen Arbeitsunfähigkeit handle es sich somit um einen
Rückfall zum Unfall vom 31. Dezember 2003. Bezüglich des Leistungsanspruchs
ändere sich damit nichts. Hingegen sei das Taggeld dementsprechend zu berechnen.
Die Kausalität zwischen dem Unfall und dem Rückfall werde anerkannt. Die
Heilungskosten würden wie im Rahmen des Grundfalls übernommen (UV act. 34).
A.f Im Schreiben vom 25. August 2005 stellte sich die Versicherte auf den
Standpunkt, dass die Behandlung der unfallbedingten Schulterverletzung nicht
abgeschlossen gewesen sei, weshalb kein Rückfall vorliege. Es habe ein Limbusabriss
bestanden, der am 27. (recte: 17.) Mai 2005 operativ behandelt worden sei (UV act. 53).
Die SWICA blieb mit Schreiben vom 1. September 2005 bei ihrer Einschätzung vom 31.
Mai 2005 und hielt fest, dass es sich vorliegend um einen Rückfall handle (UV act. 55).
A.g Im Schreiben vom 20. Dezember 2005 legte die Beschwerdeführerin dar, dass
anhand der diagnostizierten Schulterverletzung ein Unfallschaden eindeutig feststehe
und nicht von einer zwischen dem Unfall und der Operation eingetretenen Heilung
gesprochen werden könne (UV act. 101). Die SWICA hielt im Schreiben vom 19.
Februar 2006 unter Hinweis auf die Angaben von Dr. A._ und Dr. B._ hinsichtlich
der zwischen Januar und September 2004 fehlenden Arztkonsultationen weiter an ihrer
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Beurteilung fest. Es könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem
andauernden Grundfall gesprochen werden (UV act. 103). Am 27. März 2006 stellte die
SWICA die Leistungen per 19. März 2006 ein, nachdem die Versicherte die
Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit am 20. März 2006 mitgeteilt hatte (UV act. 110
und 111). Die Versicherte erklärte sich mit E-Mail vom 29. März 2006 damit nicht
einverstanden. Die Beschwerden seien noch nicht abgeklungen und die ärztliche
Behandlung sei noch nicht abgeschlossen. Die Einstellung der Leistungen sei daher
nicht zulässig (UV act. 112).
B.
Mit Verfügung vom 15. August 2006 hielt die SWICA an ihrer Beurteilung fest. Aufgrund
der Krankengeschichte könne Dr. A._ zwischen dem 30. Januar und 28. September
2004 keine Konsultationen feststellen. Auch Dr. B._ könne nur eine Behandlung vom
30. November 2004 nachweisen. Während dieser Zeit habe die SWICA auch als
Krankenversicherer keine Leistungen für Behandlungen der rechten Schulter erbracht.
Damit sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine andauernde Behandlung
und damit von einem andauernden Grundfall auszugehen (UV act. 126). Die dagegen
gerichtete Einsprache (UV act. 128 und 135) wies die SWICA mit Entscheid vom 26.
März 2007 ab.
C.
Mit Beschwerde vom 7. Mai 2007 beantragt die durch Rechtsanwalt Dr. iur. Felix
Rüegg, Zürich, vertretene Beschwerdeführerin die Aufhebung des Einsprache-
Entscheids. Es sei festzustellen, dass kein Rückfall vorliege und die
Versicherungsleistungen seien entsprechend anzupassen. Eventualiter sei die
Streitsache zur Abnahme der beantragten Beweise und zu neuer Entscheidung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Entschädigungsfolge. Die Behandlung der
Schulterverletzung sei im Jahr 2004 wegen einer Fussoperation und der angespannten
Situation am Arbeitsplatz etwas in dem Hintergrund getreten. Aktenkundig sei, dass sie
sich am 28. September 2004 wieder bei Dr. A._ in Behandlung begeben habe. Da
durch konservative Behandlungen keine Beschwerdelinderung habe erreicht werden
können, sei eine Schulterarthroskopie vorgenommen worden. Dabei sei eine
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Unfallverletzung festgestellt worden. Die Beschwerdegegnerin habe die Unfallkausalität
dieses Befundes anerkannt und Versicherungsleistungen erbracht. Allerdings gehe sie
im Zusammenhang mit der Behandlung vom 28. September 2004 von einem Rückfall
aus und habe die Taggelder entsprechend berechnet. Dies sei für die
Beschwerdeführerin aber von grosser Tragweite, weil das Salär per 1. Januar 2004
arbeitsvertraglich stark herabgesetzt worden sei. Es sei ausgewiesen, dass sie im
Unfallzeitpunkt wesentlich mehr verdient habe, als im Zeitpunkt des konstruierten
Rückfalls. Ausschliesslich wegen des Verzichts auf ärztliche Behandlung könne nicht
auf eine Heilung oder auf das Fehlen von Behandlungsbedürftigkeit geschlossen
werden. Zudem habe sie in der Einsprache verschiedene Beweise offeriert, welche das
Vorliegen eines Rückfalls widerlegen würden. Die Beschwerdegegnerin habe diese in
Verletzung des rechtlichen Gehörs und der ihr obliegenden Begründungspflicht nicht
abgenommen. Von einem Abschluss des Grundfalls könne schon angesichts der
erlittenen Verletzung nicht ausgegangen werden. Die Verletzung habe einen operativen
Eingriff notwendig gemacht. Auf die weiteren Vorbringen wird - soweit erforderlich - in

den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
D.
In der Beschwerdeantwort vom 13. August 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin
unter Hinweis auf die Ausführungen im Einsprache-Entscheid Abweisung der
Beschwerde. Sie bringt im Wesentlichen vor, das Vorhandensein eines Rückfalls werde
von der Beschwerdeführerin offensichtlich lediglich aus finanziellen Überlegungen
bestritten. Zwischen dem Unfall und dem Rückfall sei ihr Verdienst nämlich massiv
reduziert worden, was sich auf die Höhe des Taggelds auswirke. Die Lohnreduktion sei
aus unfallfremden Gründen erfolgt. Es dürfe nicht sein, dass die Beschwerdeführerin
wegen der Berechnung des Taggeldes aufgrund des früheren (höheren) Einkommens
finanziell besser gestellt sei, als ohne Unfall. Im Gesetz sei lediglich die Neuberechnung
des Taggelds bei einer Lohnerhöhung geregelt. Gleiches müsse aber auch bei einer
erheblichen Lohnverminderung nach dem Unfall gelten. Dies habe zur Folge, dass das
Taggeld vorliegend auch dann aufgrund des tieferen Lohns zu berechnen wäre, wenn
kein Rückfall anzunehmen wäre.
E.
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Die Beschwerdeführerin hält replicando an ihren Anträgen fest. Sie weist darauf hin,
dass es legitim sei, seine finanziellen Interessen wahrzunehmen. Im Übrigen würde sie
auch durch die Auszahlung von 80% des höheren Verdienstes nicht besser gestellt als
ohne den Unfall. Sie sei aktuell in einer Kaderposition tätig und verdiene dort mehr als
bei der Beschwerdegegnerin. Da sie wegen der Unfallfolgen weiterhin teilweise
arbeitsunfähig sei und nicht bekannt sei, ob sie je wieder auf Dauer voll arbeitsfähig
werde, sei das Gegenteil der Fall. Würde man zusätzlich von einem Rückfall ausgehen,
würde das Taggeld noch tiefer ausfallen. Wie sich die Frage des Rückfalls auf die
Leistungen der Zusatzversicherung auswirke, sei noch ungeklärt. Dies dürfe aber nicht
zum Anlass genommen werden, im Bereich des Versicherungsobligatoriums einen
Rückfall zu konstruieren, um sich auf diese Weise über eine Beurteilung durch das
Sozialversicherungsgericht aus der Zahlungspflicht der Zusatzversicherung zu stehlen.
F.
Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet.
Erwägungen:
1.
Gemäss Schreiben vom 24. Mai 2007 (act. G 1.6) und Auskunft der Einwohnerkontrolle
der Gemeinde Eschenbach SG (act. G 1.3) hat die Beschwerdeführerin ihren Wohnsitz
seit 1994 in Ermenswil im Kanton St. Gallen. Damit ist das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (Art. 58
Abs. 2 ATSG).
2.
Im angefochtenen Einsprache-Entscheid vom 26. März 2007 geht die
Beschwerdegegnerin davon aus, dass es sich beim Arztbesuch vom 27. (recte: 28.)
September 2004 um einen Rückfall zum Unfall vom 31. Dezember 2003 handle. Streitig
und zu prüfen ist somit, ob dies zutrifft, oder ob, wie dies die Beschwerdeführerin
geltend macht, der Grundfall bei der Wiederaufnahme der Behandlung noch nicht
abgeschlossen war. Sollte nicht vom Vorliegen eines Rückfalls auszugehen sein, wäre
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im Weiteren zu prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine nach dem Unfall
eingetretene Lohnreduktion bei der Berechnung der Höhe des Taggelds zu
berücksichtigen ist.
3.
3.1 Nach Art. 49 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) hat der Versicherungsträger über
Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die
betroffene Person nicht einverstanden ist, eine schriftliche Verfügung zu erlassen.
Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die nicht unter Art. 49 Abs. 1 ATSG fallen,
können nach Art. 51 Abs. 1 ATSG in einem formlosen Verfahren behandelt werden;
diesfalls räumt Abs. 2 dieser Bestimmung der betroffenen Person die Möglichkeit ein,
den Erlass einer Verfügung zu verlangen. Gemäss Art. 49 Abs. 3 ATSG werden die