Decision ID: 1e463a22-e8dd-4098-9276-e355b2b8f0f8
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherter oder Beschwerdeführer) ist gelernter
Hochbauzeichner mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (IV-act. 1-4, 3, 11-3). Den
erlernten Beruf übte der Versicherte nur wenige Jahre aus. Ab dem Jahr 1983 arbeitete
er als Informatiker / Programmierer bei verschiedenen Arbeitgeberinnen (IV-act. 2-2,
2-4 ff.). Ab Januar 2007 arbeitete er für die B._, zuerst in der Funktion als
Gruppenleiter Betrieb, ab Februar 2009 als Gruppenleiter Team Technik und ab Januar
2011 bis Ende August 2013 (letzter Arbeitstag 8. April 2013) als Applikationsengineer
(IV-act. 1, 2-2, 7-1).
A.b Im Juni 2013 meldete sich der Versicherte auf Anraten des Unfallversicherers
SWICA Gesundheitsorganisation, Winterthur (nachfolgend Unfallversicherer), bei der
IV-Stelle zum Bezug von Leistungen an (berufliche Integration und Rente; IV-act. 1;
Fremdakten Unfallversicherer, Bericht vom 11. Juni 2013, S. 4). Der Regionale Ärztliche
Dienst Ostschweiz (nachfolgend RAD) holte daraufhin bei den behandelnden Ärzten Dr.
med. C._, Facharzt für Allgemein Medizin FMH, und med. prakt. D._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ärztliche Berichte ein (IV-act. 17 ff.).
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A.c Da unklar war, inwieweit die aktuellen gesundheitlichen Beschwerden
(Kopfschmerzen, Müdigkeit, Fehleranfälligkeit, Tinnitus, körperliche Schmerzen) auch
auf das im Jahr 2009 bei einem Motorradunfall erlittene Schädel-Hirntrauma
zurückzuführen seien, veranlasste der Unfallversicherer neuropsychologische und
neurologische Begutachtungen (IV-act. 12, 18; Fremdakten Unfallversicherer, Bericht
vom 11. Juni 2013, S. 4). Im neuropsychologischen Gutachten vom 16. Juni 2013
(Fremdakten Unfallversicherer) erklärte Dipl.-Psych. Dipl.-Inf.-Wiss. E._,
Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, dass die Leistungen des Versicherten im
Bereich Aufmerksamkeit und Konzentration leicht reduziert seien, eine leichte kognitive
Verlangsamung in Form eines reduzierten Arbeitstempos habe festgestellt werden
können und die erzielte Bearbeitungsqualität unauffällig gewesen sei. Da sich die vom
Versicherten geschilderten Ausfälle und Auffälligkeiten durch die testpsychologische
Untersuchung nicht verifizieren liessen, empfahl der Neuropsychologe eine ergänzende
neurologische Untersuchung inklusive MRI und EEG. Die daraufhin am 18. Juli 2013 im
Kantonsspital F._ durchgeführte neurologische Untersuchung zeigte kein fokal
neurologisches Defizit. Die am 26. Juli 2013 durchgeführte Magnetresonanztomografie
ergab keinen Anhalt für eine Pathologie, welche die Symptomatik hätte erklären
können. Die EEG-Untersuchung vom 31. Juli 2013 zeigte eine intermittierende
Funktionsstörung fronto-temporal links ohne Nachweis epilepsietypischer Potentiale
(IV-act. 24).
A.d Aufgrund eines depressiven Leidens wurde der Versicherte vom 1. Oktober bis 13.
November 2013 stationär in der Klinik G._ behandelt. In den Klinikberichten vom 3.
Dezember 2013 und 8. Januar 2014 diagnostizierten lic. phil. H._, Fachpsychologin
für Psychotherapie FSP, Dr. med. I._, Oberärztin Psychosomatik, und Dr. med. J._,
Chefarzt Psychosomatik, eine mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10:
F32.2), welcher sie Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beimassen. Diese
gesundheitliche Störung habe sich in den letzten Jahren schleichend entwickelt. Zur
Arbeitsfähigkeit im IT-Bereich wurde erklärt, dass es eines Arbeitsversuches bedürfe,
um diese beurteilen zu können (IV-act. 35, 39-3 ff.). Nach dem Klinikaustritt erfolgte die
psychiatrische Behandlung des Versicherten durch Dr. med. K._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FHM (IV-act. 45).
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A.e Am 9. Dezember 2013 verfügte der Unfallversicherer die Einstellung der
Versicherungsleistungen Heilbehandlung und Taggelder per 29. Oktober 2012. Zur
Abgeltung dauernd verbleibenden Schäden im Bereich der Halswirbel, der Schulter
links und des Handgelenks links wurde dem Versicherten eine Integritätsentschädigung
von 15% zugesprochen (Fremdakten Unfallversicherer).
A.f Im Arztbericht vom 4. März 2014 diagnostizierte Dr. K._ den Verdacht auf eine
leichte kognitive Störung (ICD-10: F06.7) und den Verdacht auf eine organisch
emotional labile Störung nach Unfall am 1. August 2009 mit Schädel-Hirn-Trauma
(ICD-10: F06.6) sowie eine mittelgradig depressive Episode (ICD-10: F32.1).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit erklärte der Facharzt, dass der Versicherte komplexe
IT-Tätigkeiten wie eine Arbeit auf der Ebene von Betriebssystemen nicht mehr
ausführen könne. Einfachste IT-Tätigkeiten seien dagegen wenige Stunden pro Tag
möglich (IV-act. 45).
A.g Am 10. März 2014 wurde der Versicherte psychiatrisch begutachtet. Im Gutachten
vom 11. April 2014 (Fremdakten Unfallversicherer) diagnostizierte Dr. L._, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Neurologicum M._, insbesondere eine
leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1). Aus psychiatrischer Sicht
weise der Versicherte ein depressives Zustandsbild auf, das aktuell einer leichten bis
mittelgradigen depressiven Episode mit Belastungsminderung, Leistungsminderung,
erhöhter Schlaftendenz und Müdigkeitserscheinungen entspreche. Empfohlen wurde
eine Intensivierung der psychiatrischen Behandlung unter Einsatz von
antriebssteigernden Antidepressiva. Die Gutachterin schätzte die aktuelle
Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der angestammten wie auch in einer handwerklich
leichten Tätigkeit auf 80%. Bei einer Eingliederung in eine geeignete Tätigkeit könne
mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit bis auf 100% zirka innerhalb eines Jahres
gerechnet werden.
A.h Im neurologischen Gutachten vom 22. April 2014 (Fremdakten Unfallversicherer)
erklärte Dr. med. N._, Facharzt für Neurologie FMH, dass für die subjektiven
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie die rasche Ermüdbarkeit kein
objektives organpathologisches Korrelat auf neurologischem Fachgebiet habe
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gefunden werden können. Aus neurologischer Sicht bestehe keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit.
A.i Im neuropsychologischen Gutachten vom 13. Mai 2014 (IV-act. 90) erklärten Dr. sc.
nat. O._, Stv. Leiterin Neuropsychologie, und Prof. Dr. rer. nat. P._, Leiter
Neuropsychologie, Institut für Neuropsychologische Diagnostik und Bildgebung, dass
die neuropsychologische Untersuchung insgesamt leichte Auffälligkeiten bei
attentionalen Anforderungen, hauptsächlich in Form einer minimalen bis leichten
Verlangsamung, ergeben habe. Im Mittel habe der Versicherte in Aufgaben zur
Erhebung der Verarbeitungsgeschwindigkeit 70% der Mengenleistung, die für eine voll
durchschnittliche Bewertung erwartet werde, erbracht. Zur Leistungsqualität wurde
festgehalten, dass das Fehlerverhalten nicht konstant auffällig gewesen sei. Die
subjektiv beklagten Beschwerden hätten sich aus neuropsychologischer Sicht nur
teilweise objektivieren lassen. Insgesamt wiesen die Befunde auf eine minimale bis
leichte neuropsychologische Störung (ICD-10: F07.8) hin. Bei Tätigkeiten in der
Informatik bestehe bei ganztägigen zeitkritischen Anforderungen eine 30%ige
Arbeitsunfähigkeit, bei nicht zeitkritischen Tätigkeiten eine Leistungsminderung von
10%.
A.j Die IV-Stelle sprach dem Versicherten gemäss Eingliederungsplan vom 18. Juli / 5.
August 2014 Unterstützung beim Arbeitsversuch vom 1. September 2014 bis 28.
Februar 2015 im Betrieb Q._ zu. Ziele des Arbeitsversuchs waren insbesondere die
Einarbeitung in die Tätigkeit als Bauleiter Hochbau und das Erlangen fachspezifischer
Kenntnisse (IV-act. 58, 62). Im Arbeitsversuch zeigte sich deutlich, dass der Versicherte
die gestellten Anforderungen als Bauleiter nicht erfüllen konnte. Der Betrieb stellte dem
Versicherten jedoch eine Anstellung als Sachbearbeiter in Aussicht (IV-act. 72-7 f.).
A.k In der Stellungnahme vom 6. Februar 2015 erklärte der RAD, dass der Versicherte
in einer seinen intellektuellen Ressourcen angepassten Tätigkeit zu 80% arbeitsfähig
sei (IV-act. 71-3).
A.l Mit Schreiben vom 6. März 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, das
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen werde abgelehnt, weil er eine
Arbeitsstelle bei Q._ per 1. März 2015 erhalten habe (IV-act. 74; vgl. IV-act. 75:
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Arbeitsvertrag vom 19. März 2015 als Bauadministrator, Hilfskraft Administration
[nachfolgend Sachbearbeiter] mit einem Jahresgehalt von Fr. 52'000.-; IV-act. 73: "Der
Versicherte ist somit leistungsentsprechend bestmöglich integriert.").
A.m Mit Vorbescheid vom 23. Juni 2015 informierte die IV-Stelle den Versicherten, dass
geplant sei, das Begehren für eine IV-Rente abzuweisen, weil der mit einem
Einkommensvergleich errechnete Invaliditätsgrad von 20% unter dem minimal
erforderlichen Wert von 40% liege. Im Weiteren wurde ausgeführt, dass der Versicherte
ohne gesundheitliche Einschränkungen gemäss den Angaben der früheren
Arbeitgeberin Fr. 120'250.- erzielen könnte. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei
dem Versicherten die von ihm zuletzt ausgeübte Tätigkeit wie auch jede adaptierte
Tätigkeit in einem Pensum zu 80% zumutbar, weshalb von einem noch erzielbaren
Einkommen von zumindest Fr. 96'200.- auszugehen sei (IV-act. 77).
A.n Der Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsanwalt Dr. iur. R. Pedergnana, St.
Gallen, erhob am 9. Juli 2015 Einwand gegen den Vorbescheid. Geltend gemacht
wurde, dass beim Invalidenlohn nicht von 80% des letzten Verdienstes bei B._,
sondern vom aktuellen Verdienst in der neuen Festanstellung als Sachbearbeiter bei
Q._ auszugehen sei (IV-act. 82).
A.o Mit Verfügung vom 10. September 2015 wies die IV-Stelle das Begehren für eine
IV-Rente ab, weil der Invaliditätsgrad unter 40% liege. Zum Einwand des
Rechtsvertreters des Versicherten führte die IV-Stelle aus, dass der Versicherte mit der
neuen Tätigkeit seine Leistungsfähigkeit nicht voll ausnütze, weshalb nicht auf diesen
Verdienst abgestellt werden könne (IV-act. 83).
B.
B.a Am 9. Oktober 2015 liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter
Beschwerde und folgende Rechtsbegehren stellen (act. G 1): Die Verfügung vom 10.
September 2015 sei aufzuheben. Es sei eine halbe Rente zu sprechen. Unter Kosten-
und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wurde
insbesondere angeführt, dass beim Invalidenlohn nicht vom zuletzt erzielten (Sozial-)
Lohn bei B._ von Fr. 120'000.- ausgegangen werden dürfe, sondern von dem im
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freien Markt erzielbaren Gehalt als Applikationsengineer, welches deutlich tiefer bei
zirka Fr. 7'500.- pro Monat (x 13) liege.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 14. Dezember 2015 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Hinsichtlich des
erzielbaren Invalidenlohns wurde ausgeführt, dass nicht auf den aktuellen Verdienst als
Sachbearbeiter bei Q._ von Fr. 52'000.- abgestellt werden könne, da der
Beschwerdeführer seine verbliebene Arbeitsfähigkeit bei dieser Tätigkeit nicht voll
ausschöpfe. Abzustellen sei auf das zuletzt erzielte Einkommen als
Applikationsengineer bei B._ im Ausmass eines 80%-Pensums, denn aus den
medizinischen Gutachten gehe nicht hervor, dass dem Beschwerdeführer diese
Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei. Der geforderte Leidensabzug sei nicht zu gewähren,
da ein solcher nicht zu rechtfertigen sei.
B.c In der Replik vom 21. Dezember 2015 hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers unverändert an den Rechtsbegehren der Beschwerde vom 9.
Oktober 2015 fest (act. G 6).
B.d Mit Schreiben vom 4. Januar 2016 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer Duplik (act. G 8).

Erwägungen
1.
Vorliegend streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente
der Invalidenversicherung hat.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
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Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen).
2.4 Die Höhe der behinderungsbedingten Erwerbseinbusse hängt, da der
Beschwerdeführer als Vollerwerbstätiger zu qualifizieren ist und deshalb ein reiner
Einkommensvergleich durchzuführen ist, vor allem von der ärztlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung ab, d.h. davon, in welchem Umfang für die versicherte
Person noch eine Tätigkeit in Betracht fällt (Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG; vgl.
BGE 128 V 29 E. 1; 130 V 343 E. 3.4.2; Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juli 2014,
9C_152/2014, E. 3.1).
3.
3.1 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Verwaltung und Gericht von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_73/2011, E. 4.1; Art. 61 lit. c ATSG). Bei der
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Abklärung des Sachverhaltes ist das Gericht nicht an die Anträge der Parteien
gebunden, sondern hat zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu
aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden
Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (vgl. BGE 117 V 282 E. 4a, 110 V 52 E. 4a).
3.2 Die Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise umfassend und pflichtgemäss
zu würdigen. Für das gesamte Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten
(vgl. Art. 61 lit. c ATSG).
3.3 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob
dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
4.
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wurde neurologisch,
neuropsychologisch und psychiatrisch umfassend abgeklärt (vgl. Sachverhalt A.f. -
A.i.). Die ärztlichen Gutachten wurden zudem durch den RAD gewürdigt (vgl. IV-act.
71-3). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ist basierend auf dem
psychiatrischen Gutachten vom 11. April 2014 von Dr. L._ (Fremdakten
Unfallversicherer: die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der angestammten wie auch
in einer handwerklich leichten Tätigkeit beträgt 80%), dem neurologischen Gutachten
vom 22. April 2014 von Dr. N._ (Fremdakten Unfallversicherer: keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht) und dem neuropsychologischen
Gutachten vom 13. Mai 2014 von Dr. O._ und Prof. Dr. P._ (IV-act. 90: bei
Tätigkeiten in der Informatik bestehe bei ganztägigen zeitkritischen Anforderungen eine
30% Arbeitsunfähigkeit, bei nicht zeitkritischen Tätigkeiten eine Leistungsminderung
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von 10%) sowie der Stellungnahme des RAD vom 6. Februar 2015 (IV-act. 71-3: der
Versicherte sei in einer seinen intellektuellen Ressourcen angepassten Tätigkeit zu 80%
arbeitsfähig) im Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer sowohl als Applikationsengineer (entsprechend der letzten
Tätigkeit bei der B._) als auch in einer anderen leidensangepassten Tätigkeiten zu
80% arbeitsfähig ist.
5.
Im Weiteren ist der Grad der Invalidität zu bestimmen. Dafür wird gemäss Art. 16 ATSG
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarklage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (vgl. auch Erwägung 2.4).
5.1 Da vorliegend mangels gegenteiliger Hinweise davon auszugehen ist, dass der
Beschwerdeführer als Gesunder im gleichen Umfang in seiner bisherigen Tätigkeit
weitergearbeitet hätte, bildet das zuletzt vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielte
Einkommen einen wichtigen Anhaltspunkt für die Bestimmung des
Valideneinkommens. Den Akten kann entnommen werden, dass der Beschwerdeführer
beim Auftreten des depressiven Leidens als Applikationsengineer bei B._ gearbeitet
hatte (IV-act. 7-2). Gemäss den Angaben der damaligen Arbeitgeberin vom 19. Juni
2013 verdiente er in seinem 100%-Pensum zuletzt Fr. 9'250.- pro Monat x 13 bzw. Fr.
120'250.- pro Jahr (IV-act. 7-2, 7-6). Der Beschwerdeführer führt aus, er sei wegen der
tieferen Leistung nach dem Unfall nur in der Funktion, nicht aber lohnmässig
zurückgestuft worden (act. G 1-6). Es scheint deshalb gerechtfertigt, den Jahreslohn
von Fr. 120'250.- als Ausdruck seiner erwerblichen Leistungsfähigkeit im Validitätsfall
zu betrachten. Dass er den "Bonus für Kader" (act. G 1-6) nicht mehr erhielt, vermag
daran nichts zu ändern, fehlt es doch diesbezüglich am Beweis dafür, dass dieser
einerseits ohne Gesundheitsschaden längerfristig in vergleichbarer Höhe ausbezahlt
worden wäre (vgl. den Lohn im Jahr 2007 von Fr. 120'250.-, IV-act. 8-2) und
andererseits tatsächlich Rückschlüsse auf seine erwerbliche Leistungsfähigkeit zulässt
(und nicht etwa eher umsatzabhängigen Bonuscharakter, vergleichbar mit
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Kapitalertrag, hat). Die Beschwerdegegnerin ging folglich korrekt von einem
Valideneinkommen von Fr. 120'250.- aus.
5.2
5.2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass hinsichtlich des Invalidenlohns auf
den aktuell erzielten Verdienst als Sachbearbeiter bei Q._ von Fr. 52'000.- pro Jahr
abzustellen sei, da er bei dieser Tätigkeit seine verbliebene Leistungsfähigkeit voll
verwerte (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin dagegen vertritt die Ansicht, dass nicht
auf den aktuellen Verdienst abzustellen sei, da der Beschwerdeführer seine
Leistungsfähigkeit bei dieser Anstellung nicht voll verwerte, denn ihm sei eine Tätigkeit
als Applikationsengineer im Umfang eines 80%-Pensums zumutbar, weshalb der
Invalidenlohn mit Fr. 96'200.- (80% des letzten Lohns als Applikationsengineer von Fr.
120'250.-) anzusetzen sei (act. G 4).
5.2.2 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Übt sie
nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders
stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr
verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint
zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf
Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten Person angesichts ihrer
Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung zugänglich wären.
Rechtsprechungsgemäss werden hierzu in der Regel die Tabellenlöhne gemäss den
vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen
(LSE) herangezogen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 129 V 475 E. 4.2.1).
5.2.3 Wie in Erwägung 4 dargelegt, wurde der Beschwerdeführer hinsichtlich des
Gesundheitsschadens und der Arbeitsfähigkeit abgeklärt. Es ist von einer 80%igen
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Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Applikationsengineer wie auch in
einer anderen seinen intellektuellen Ressourcen angepassten Tätigkeit auszugehen.
5.2.4 Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer seine (wirtschaftliche) Leistungsfähigkeit
in der aktuellen Tätigkeit als Sachbearbeiter voll ausnützt oder er auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt in einer anderen Tätigkeit mehr verdienen könnte. Zu
vergleichen ist der Verdienst in der aktuellen Tätigkeit als Sachbearbeiter mit dem
Verdienst in der angestammten Tätigkeit als Applikationsengineer, da es sich dabei um
die qualifizierteste Tätigkeit handelt, welche der Beschwerdeführer noch ausüben kann.
5.2.5 Da aufgrund der Aktenlage nicht davon ausgegangen werden kann, dass der
Beschwerdeführer als "einfacher" Applikationsengineer (ohne Führungsfunktion, ohne
anspruchsvolle Projektleitungsaufgaben) bei einem anderen Arbeitgeber bzw. einer
anderen Arbeitgeberin (freier Arbeitsmarkt) ebenfalls ein Jahresgehalt von (zumindest)
Fr. 120'250.- hätte erzielen können, rechtfertigt es sich, auf den statistischen Lohn der
LSE 2012 (TA1, Informationstechnologie und Informationsdienstleistungen, Männer)
abzustellen. Aufgrund der Berufserfahrung des Beschwerdeführers im IT-Bereich und
unter Berücksichtigung der gesundheitsbedingten Einschränkungen der intellektuellen
Ressourcen ist vom Kompetenzniveau 3 ("Komplexe praktische Tätigkeiten welche ein
grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen.") auszugehen. Der
diesbezügliche Tabellenlohn beträgt Fr. 7'317.-. Angepasst an die betriebsübliche
Wochenarbeitszeit im Jahr 2012 von 41.2 Stunden (Bundesamt für Statistik, Tabelle
betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Informationstechnologie und
Informationsdienstleistungen) resultiert ein Monatslohn von Fr. 7'536.51 (Fr. 7'317.- /
40 x 41.2). Folglich ist von einem erzielbaren Jahreslohn als Applikationsingenieur
(80%-Pensum) von Fr. 72'350.- (Fr. 7'536.51 x 12 x 0.8) auszugehen.
5.2.6 Der vom Beschwerdeführer erzielbare Verdienst als Applikationsingenieur liegt
mit Fr. 72'350.- pro Jahr deutlich höher als der aktuell erzielte Jahresverdienst als
Sachbearbeiter mit Fr. 52'000.- trotz höherem Pensum. Folglich nützt der
Beschwerdeführer in der aktuellen Tätigkeit seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nur
unzureichend aus (dies möglicherweise wegen der konkreten, für die
Invalidenversicherung aufgrund der notwendigen Abgrenzung zum Risiko
Arbeitslosigkeit nicht relevanten tatsächlichen Arbeitsmarktsituation), weshalb auf den
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im ausgeglichenen Arbeitsmarkt erzielbaren Verdienst als Applikationsengineer von Fr.
72'350.- abzustellen ist.
5.3 Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne angemessen gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen können (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg
zu verwerten in der Lage sind (BGE 126 V 75 E. 5a/bb). Dabei hängt die Frage, ob und
in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen
und beruflichen Umständen – insbesondere auch von invaliditätsfremden Faktoren –
des konkreten Einzelfalles ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre,
Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25%
festzusetzen ist. Eine schematische Vornahme des Tabellenlohnabzuges ist unzulässig
(BGE 126 V 75 E. 5b; 129 V 472 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Da im zuvor ermittelten
Invalidenlohn die 20%ige Leistungsreduktion bereits berücksichtigt ist, sind nur noch
die qualitativen Einschränkungen, welche zu einer unterdurchschnittlichen Bezahlung
im Vergleich zum Durchschnittslohn führen, zu berücksichtigen. Ein 10%
übersteigender Abzug erscheint vorliegend nicht gerechtfertigt, zumal der
Beschwerdeführer über langjährige Erfahrung im IT-Bereich verfügt, welche
wirtschaftlich verwertbar ist, und anderweitige Gründe für einen Tabellenlohnabzug
nicht ersichtlich sind. Da - wie sich aus nachfolgender Erwägung 5.4 ergibt - auch der
hier höchstmöglich in Frage kommende Abzug von 10% keinen höheren
Rentenanspruch zu bewirken vermag (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG), kann eine exakte
Bestimmung des Abzugs vorliegend unterbleiben.
5.4 Ein Valideneinkommen von Fr. 120'250.- und ein Invalideneinkommen von Fr.
72'350.- ergeben einen Invaliditätsgrad von 39.83%, welcher - nach Aufrundung (vgl.
BGE 130 V 121) - bei einem Invaliditätsgrad von 40% zum Anspruch auf eine
Viertelsrente der Invalidenversicherung führt (vgl. Erwägung 2.2).
6.
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Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von
sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1
ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt.
Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch
entsteht (Abs. 3). Der _-jährige Beschwerdeführer meldete sich im Juni 2013 zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (vgl. IV-act. 1). Der Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung besteht demzufolge ab dem 1. Dezember 2013,
da zu diesem Zeitpunkt der Beschwerdeführer das Wartejahr (vgl. Art. 28 Abs. 1 IVG)
als weitere Rentenanspruchsvoraussetzung schon erfüllt hatte. Während der Dauer des
Arbeitsversuchs vom 1. September 2014 bis 28. Februar 2015 erhielt der
Beschwerdeführer Taggelder von der Invalidenversicherung (vgl. IV-act. 62 f.). Für
diesen Zeitraum besteht kein Rentenanspruch (vgl. Art. 29 Abs. 2 IVG).
7.
7.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 10. September
2015 aufzuheben und dem Beschwerdeführer eine Viertelsrente für die Zeit ab 1.
Dezember 2013 bis 31. August 2014 sowie für die Zeit ab 1. März 2015 zuzusprechen.
Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr.
1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint in
der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden
Beschwerdegegnerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.- aufzuerlegen.
Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-
zurückzuerstatten.
7.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
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St.Galler Gerichte
22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.- bis Fr.
12'000.-. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr.
3'500.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.