Decision ID: a5f0e918-113e-4cfa-b6e7-40ebc9ca0dc7
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_006
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten:
A.
1.
A. ist Halter der Malinois-Hündin "Mali" (Wurftag: 14. April 2018, Mikrochip-
Nr. aaa).
Anlässlich eines Vorfalls vom 3. Juli 2020 soll der von A. mitgeführte Hund
"Paulus" auf der Gartenterrasse eines Restaurants einen anderen Hund
angegriffen haben. A. soll darauf in alkoholisiertem Zustand Gäste
beschimpft und den Hund auf Personen gehetzt haben. Der Vorfall wurde
der Regionalpolizei Q. gemeldet, welche ausrückte und in der Folge den
Veterinärdienst des kantonalen Amts für Verbraucherschutz (nachfolgend:
Veterinärdienst) beizog.
2.
Der Veterinärdienst führte am 4. Juli 2020 in der Wohnung von A. eine
Kontrolle durch. Die in der Wohnung angetroffenen Umstände veranlassten
den Veterinärdienst, umgehend Sofortmassnahmen zu verfügen,
namentlich: vorsorgliche Beschlagnahme der Malinois-Hündin "Mali" unter
Entzug des Eigentums, ein Obhuts- und Halteverbot von Hunden sowie
eine Kaution von Fr. 2'000.00 zur Sicherung von Forderungen aus der
Unterbringung und Pflege der Hündin "Mali". Einer allfälligen Beschwerde
gegen diese Massnahmen wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
Gleichzeitig gewährte der Veterinärdienst A. das rechtliche Gehör.
3.
Mit Schreiben vom 11. Juli 2020 nahm A. zu den Vorwürfen des
Veterinärdiensts Stellung. Am 16. Juli 2020 reichte die Hundetrainerin C.
Stellungnahmen zuhanden des Veterinärdienstes ein.
B.
Mit Verfügung vom 27. Juli 2020 ordnete der Veterinärdienst Folgendes an:
1. Die Hündin "Mali" ("Aria"), Malinois, Wurftag: 14. April 2018, : aaa wird ab sofort auf Kosten des Hundehalters A. unter Entzug des Eigentums definitiv beschlagnahmt und an einem geeigneten Platz untergebracht.
2. Ab sofort auf unbestimmte Zeit ist es A. verboten, Hunde zu halten sowie Hunde von Drittpersonen in seinem Haushalt oder an einem anderen Ort in Obhut zu nehmen.
3. Sollten von A. weiterhin Hunde gehalten oder in Obhut genommen werden, wird der Veterinärdienst diese auf Kosten des Hundehalters A. beschlagnahmen und an einem geeigneten Ort unterbringen.
- 3 -
4. Das Verbot, Hunde zu halten sowie Hunde in Obhut zu nehmen, kann auf Antrag frühestens nach Ablauf von fünf Jahren aufgehoben . Der Antrag auf Aufhebung des Verbots ist schriftlich beim  einzureichen. Er muss eine ausführliche Begründung enthalten und ausführlich darlegen, weshalb das Verbot aufgehoben werden soll.
5. Es wird festgestellt, dass die zu leistende Kaution gemäss vorsorglicher Verfügung des Veterinärdienstes vom 4. Juli 2020 in Höhe von 2'000.00 SFr. beim Veterinärdienst eingegangen ist.
6. Die Kosten, die dem Veterinärdienst durch die Beschlagnahme des Hundes entstehen, werden dem Hundehalter A. ab 4. Juli 2020 nach Abschluss des Verfahrens in Rechnung gestellt. Die geleistete Kaution in Höhe von 2'000.00 SFr. wird dabei berücksichtigt.
7. Die Kosten für die Kontrolle und den administrativen Aufwand des Veterinärdienstes werden dem Hundehalter mit CHF 350.- in Rechnung gestellt.
8. Die aufschiebende Wirkung wird einer allfälligen Beschwerde für die Punkte 1 bis 3 entzogen. Der Entzug der aufschiebenden Wirkung  sich aufgrund der gefährlichen Situationen, die durch das Verhalten des Hundes entstehen können.
9. Vorsätzliche oder fahrlässige Zuwiderhandlungen gegen diese  werden gestützt auf Art. 28 Abs. 3 des eidgenössischen  (TSchG, SR 455) sowie Art. 292 des eidgenössischen Strafgesetzbuches (StGB, SR 311.0) mit Busse bestraft. Art. 28 Abs. 3 TSchG lautet wie folgt: "Mit Busse wird bestraft, wer vorsätzlich oder  gegen eine Ausführungsvorschrift, deren Missachtung für strafbar erklärt worden ist, oder eine unter Hinweis auf die Strafandrohung dieses Artikels an ihn gerichtete Verfügung verstösst". Art. 292 StGB lautet wie folgt: «Wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafandrohung dieses Artikels an ihn  Verfügung nicht Folge leistet, wird mit Busse bestraft».
10. Zustellung erfolgt an: A., C, R. (Einschreiben mit Rückschein)
C.
1.
Gegen diese Verfügung des Veterinärdienstes erhob A. mit Eingabe vom
27. August 2020 Beschwerde beim Departement Gesundheit und Soziales
(DGS). In der Hauptsache beantragte er die Aufhebung der Verfügung des
Veterinärdienstes vom 27. Juli 2020. Weiter verlangte er die unverzügliche
Herausgabe der Hündin, die unverzügliche Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und der unentgeltlichen Rechtsvertretung.
2.
Mit Zwischenentscheid vom 15. Oktober 2020 wies das DGS die Verfah-
rensanträge von A. betreffend Anordnung vorsorglicher Massnahmen und
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ab. Dieser Entscheid blieb
- 4 -
im nachfolgenden Rechtsmittelverfahren bestehen (vgl. Entscheid des
Verwaltungsgerichts WBE.2020.397 vom 8. Januar 2021).
D.
Mit Entscheid vom 23. Februar 2021 hiess das DGS die Beschwerde von
A. teilweise gut und änderte Ziffer 4 der Verfügung des Veterinärdienstes
vom 27. Juli 2020 in dem Sinne ab, dass das Verbot, Hunde zu halten und
in Obhut zu nehmen, auf Antrag bereits nach Ablauf von drei Jahren
aufgehoben werden kann. Im Übrigen wurde die Beschwerde abgewiesen,
soweit darauf eingetreten wurde. Die A. auferlegten Verfahrenskosten von
Fr. 2'200.00 wurden zufolge unentgeltlicher Rechtspflege auf die
Staatskasse genommen. Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter von A.
wurden Parteikosten in der Höhe von Fr. 2'000.00 unter Vorbehalt späterer
Nachforderung ersetzt.
E.
1.
Gegen den Entscheid des DGS erhob A. mit Eingabe vom 25. März 2021
Verwaltungsgerichtsbeschwerde und stellte folgende Anträge:
1. Der Entscheid des Departements für Gesundheit und Soziales des  Aargau vom 23. Februar 2021 sowie die Verfügung des Kantonalen Veterinärdienstes Aargau vom 27. Juli 2020 und die am 4. Juli 2020  angeordneten Massnahmen des Kantonalen Veterinärdienstes Aargau seien aufzuheben.
2. Die Hündin "Mali" ("Aria"), Malinois, Wurftag: 14. April 2018, : aaa sei dem Beschwerdeführer unverzüglich herauszugeben.
3. Das gegenüber dem Beschwerdeführer ausgesprochene Verbot, Hunde zu halten sowie Hunde von Drittpersonen in seinem Haushalt oder an einem anderen Ort in Obhut zu nehmen, sei aufzuheben.
4. Dem Beschwerdeführer sei für das vorliegende Beschwerdeverfahren die vollumfängliche unentgeltliche Rechtspflege zu erteilen und es sei ihm der unterzeichnende Rechtsanwalt als unentgeltlicher Rechtsbeistand .
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen über sämtliche Instanzen  des Beschwerdegegners, eventualiter zulasten des Staates.
2.
In der Beschwerdeantwort vom 19. April 2021 beantragte das DGS die
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
3.
Mit Zwischenentscheid vom 27. April 2021 wies der instruierende Verwal-
tungsrichter den Antrag um vorsorgliche Massnahmen bzw. um Wiederher-
stellung der aufschiebenden Wirkung ab. Dieser Entscheid wurde nicht an-
gefochten.
- 5 -
4.
Mit Eingabe vom 20. Mai 2021 replizierte der Beschwerdeführer.
5.
Das DGS verzichtete am 27. Mai 2021 auf eine Duplik.
F.
Das Verwaltungsgericht hat den Fall am 27. Januar 2022 beraten und ent-
schieden.

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
I.
1.
Das DGS ist zuständig für Beschwerden gegen Entscheide des Veterinär-
dienstes im Bereich der Hunde- und Tierschutzgesetzgebung (vgl. § 50
Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember
2007 [Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200] i.V.m. § 12
Abs. 1 lit. b und e der Verordnung über die Delegation von Kompetenzen
des Regierungsrats vom 10. April 2013 [Delegationsverordnung, DelV;
SAR 153.113]). Gegen letztinstanzliche Entscheide der Verwaltungsbe-
hörden ist die Beschwerde an das Verwaltungsgericht zulässig (§ 54 Abs. 1
VRPG). Somit ist das Verwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden
Beschwerde zuständig.
2.
Nach § 42 lit. a VRPG ist zur Beschwerde befugt, wer ein schutzwürdiges
eigenes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen
Entscheids hat.
Der Beschwerdeführer ist als Halter der beschlagnahmten Hündin "Mali"
und als Adressat des unbefristeten Obhuts- und Halteverbots von Hunden
vom angefochtenen Entscheid des DGS besonders berührt und hat daher
ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Somit ist er zur Ver-
waltungsgerichtsbeschwerde befugt.
3.
3.1.
Der Beschwerdeführer beantragt neben der Aufhebung des Entscheids des
DGS vom 23. Februar 2021, dass die Verfügung des Veterinärdienstes
vom 27. Juli 2020 sowie dessen vorsorgliche Massnahmen vom 4. Juli
2020 aufgehoben werden (Antrag Ziff. 1).
- 6 -
Anfechtungsobjekt im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren ist
nur der Entscheid der Vorinstanz vom 23. Februar 2021 und nicht auch die
Verfügung des Veterinärdienstes vom 27. Juli 2020. Diese wurde durch
den vorinstanzlichen Entscheid ersetzt und gilt inhaltlich als mitangefoch-
ten (Urteil des Bundesgerichts 2C_271/2020 vom 8. Oktober 2020,
Erw. 1.2). Die vorsorglichen Anordnungen des Kantonalen Veterinär-
dienstes haben im verwaltungsgerichtlichen Verfahren keinen Bestand
mehr. Daher wird auf Antrag Ziff. 1 nur insofern eingetreten, als damit die
Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids vom 23. Februar 2021 bean-
tragt wird. Darüber hinaus ist auf Antrag Ziff. 1 nicht einzutreten.
3.2.
In Antrag Ziff. 3 verlangt der Beschwerdeführer die Aufhebung des Obhuts-
und Halteverbots von Hunden. Dieses Begehren ist bereits durch Antrag
Ziff. 1 abgedeckt. Weil ihm keine eigenständige Bedeutung zukommt, er-
übrigt sich eine separate Behandlung.
3.3.
Im Übrigen ist auf die fristgerecht erhobene Beschwerde einzutreten.
4.
Mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht können die unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des Sachverhalts sowie Rechtsverletzungen ge-
rügt werden (§ 55 Abs. 1 VRPG). Die Kontrolle der Angemessenheit ist
demgegenüber ausgeschlossen (Umkehrschluss aus § 55 Abs. 3 VRPG).
II.
1.
1.1.
In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung des recht-
lichen Gehörs. Er sei vom Veterinärdienst vor Erlass der Verfügung vom
27. Juli 2020 nicht angehört worden. Mit dieser Verfügung seien ihm – ver-
glichen mit dem Entscheid vom 4. Juli 2020 – weitere Pflichten auferlegt
worden. So sei zusätzlich angeordnet worden, dass bei Verstössen gegen
das Obhuts- und Halteverbot die betreffenden Hunde auf Kosten des Be-
schwerdeführers beschlagnahmt und an einem anderen Ort untergebracht
würden. Zudem sei verfügt worden, dass das Halteverbot auf Antrag frü-
hestens nach Ablauf von fünf Jahren aufgehoben werden könne. Schliess-
lich seien ihm Verfahrenskosten von CHF 350.00 auferlegt worden. Beim
Erlass der Verfügungen vom 4. und vom 27. Juli 2020 seien die Voraus-
setzungen, damit eine vorgängige Anhörung ausnahmsweise hätte unter-
bleiben können, nicht erfüllt gewesen. § 21 Abs. 2 VRPG setze dafür
voraus, dass Gefahr im Verzug sei oder der Zweck der behördlichen An-
ordnung dadurch hätte vereitelt werden können. Die Vorinstanz habe zu
- 7 -
Unrecht keine Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bun-
desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April
1999 [BV; SR 101] und § 21 VRPG) angenommen.
1.2.
Die Vorinstanz erwog, das rechtliche Gehör zur Verfügung vom 4. Juli 2020
sei dem Beschwerdeführer nachträglich gewährt worden. Dieser habe sich
in den Eingaben vom 11. und 16. Juli 2020 geäussert. Am 27. Juli 2020
seien die zunächst vorsorglich angeordneten Massnahmen definitiv und
beschwerdefähig verfügt worden. Die Verfügung vom 4. Juli 2020 sei durch
jene vom 27. Juli 2020 abgelöst worden. Damit seien dem Beschwerde-
führer keine für ihn unbekannten Pflichten auferlegt worden. Eine Gehörs-
verletzung liege nicht vor.
1.3.
Die Behörde hört Betroffene grundsätzlich vor Erlass einer Verfügung an
(vgl. § 21 Abs. 1 VRPG). Wenn Gefahr im Verzug ist oder eine vorgängige
Anhörung den Zweck der behördlichen Anordnung vereiteln würde, kann
die Anhörung ausnahmsweise unterbleiben. Die Anhörung ist diesfalls um-
gehend nachzuholen und es ist ein neuer Entscheid zu erlassen (§ 21
Abs. 2 VRPG).
1.4.
Die Verfügung des Veterinärdienstes vom 4. Juli 2020 beinhaltete eine vor-
sorgliche Beschlagnahme der Hündin "Mali" (vgl. § 18 Abs. 1 lit. b des Hun-
degesetzes vom 15. März 2011 [HuG; SAR 393.400]; Vorakten 27 ff.).
Diese Anordnung ist nicht Gegenstand des verwaltungsgerichtlichen Ver-
fahrens (vgl. vorne Erw. I/3.1). Ergänzend kann aber festgehalten werden,
dass sie als superprovisorische Massnahme ausgestaltet war und deshalb
aus Gründen zeitlicher Dringlichkeit ohne vorherige Anhörung erlassen
wurde (vgl. MICHAEL MERKER, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollver-
fahren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege,
Kommentar zu den §§ 38-72 [a]VRPG, Zürich 1998, § 44 N 35, 48; Ent-
scheid des Verwaltungsgerichts WBE.2020.397 vom 8. Januar 2021,
Erw. I/3.2).
1.5.
Der Veterinärdienst gab dem Beschwerdeführer vor Erlass der Verfügung
vom 27. Juli 2020 die Möglichkeit, sich zu den vorsorglich angeordneten
und den anstehenden Massnahmen zu äussern. Davon machte der Be-
schwerdeführer Gebrauch und nahm im Schreiben vom 11. Juli 2020 Stel-
lung. Dabei bestritt er, gegen die Tierschutzgesetzgebung verstossen zu
haben, und machte geltend, er sei bisher nie verwarnt worden. An seinem
früheren Wohnort im Kanton Zürich habe er mehr Hundeschullektionen be-
sucht als erforderlich. Nach seinem Umzug habe er diese aufgrund des
COVID-19 bedingten Lockdowns erst im Juni 2020 fortsetzen können
- 8 -
(Vorakten 22). Weiter reichte der Beschwerdeführer am 16. Juli 2020 Be-
lege der Hundetrainerin C. ein ("Richtigstellung", "Iststand-Bewertung" der
Hündin "Mali" sowie Bestätigung für den Besuch von fünf Privatlektionen
im Zeitraum vom 1. Juni bis 3. Juli 2020 [vgl. Vorakten 21 ff.]). Die
vorgelegte Bestätigung äussert sich mitunter zu den Inhalten der
durchgeführten und geplanten Hundeschullektionen (vgl. Vorakten 21).
Somit konnte sich der Beschwerdeführer vor Erlass der Verfügung vom
27. Juli 2020 insbesondere zum vorgehaltenen Sachverhalt und den vor-
sorglich angeordneten Massnahmen des Veterinärdienstes äussern. Er
hatte Gelegenheit, seinen Standpunkt hinreichend darzulegen, insbeson-
dere auch im Hinblick auf anstehende Entscheidungen, welche länger Be-
stand haben würden. Dass Anordnungen im Endentscheid über einstwei-
lige Massnahmen hinausgehen können, liegt in der Natur der Sache. Die
am 4. Juli 2020 zunächst vorsorglich angeordneten Massnahmen wurden
durch die definitiven in der Verfügung vom 27. Juli 2020 abgelöst. Aufgrund
der Ausgangslage musste der Beschwerdeführer mit Massnahmen wie
einem unbefristeten Obhuts- und Halteverbot rechnen. Nicht anders verhält
es sich bezüglich der festgelegten Konsequenzen, falls der Beschwerde-
führer gegen das Verbot verstösst. Schliesslich musste er einkalkulieren,
dass ihm die Verfahrenskosten, welche er verursacht hatte, überbunden
werden.
Somit wurden in der Verfügung vom 27. Juli 2020 keine Anordnungen ge-
troffen, mit welchen der Beschwerdeführer nicht rechnen musste. Entspre-
chend hat die Vorinstanz zu Recht keine Verletzung des rechtlichen Gehörs
angenommen.
2.
2.1.
Der Beschwerdeführer beanstandet, die Vorinstanz habe bezüglich der
Vorfälle vom 3. und 4. Juli 2020 den Sachverhalt unrichtig festgestellt und
gewürdigt. So habe er zwar am 3. Juli 2020 die Leine des mitgeführten
Hundes "Paulus" vor seiner Wohnung losgelassen. Hingegen habe er die-
sem keinen Angriffsbefehl erteilt und ihn nicht auf Gäste im Gartenrestau-
rant gehetzt. Im Zeitpunkt des Vorfalls seien auf der Gartenterrasse sein
damaliger Vermieter sowie dessen Kollegen anwesend gewesen. Seit ge-
raumer Zeit hätten zwischen dem Vermieter und dem Beschwerdeführer
Unstimmigkeiten bestanden. Es treffe nicht zu, dass "Paulus" den kleineren
Hund nur deshalb nicht schwer verletzt habe, weil die anwesenden Gäste
eingegriffen hätten. "Paulus" sei bloss neugierig gewesen und grundlos von
einem der anwesenden Gäste zu Boden gedrückt worden. Dass sich der
Vorfall anders zugetragen habe als von der Vorinstanz festgestellt, bestä-
tige C., Halterin von "Paulus".
- 9 -
Anlässlich der Kontrolle vom 4. Juli 2020 habe die Polizei seine Hündin
"Mali" in eine Stresssituation versetzt. Die bedrohliche Kulisse durch das
sechs Mann starke Aufgebot, gepaart mit einem aggressiven Tonfall der
Polizisten, sei für "Mali" beängstigend gewesen. Verständlicherweise sei
der Beschwerdeführer gegenüber den Polizisten aufgebracht gewesen.
Einen Angriffsbefehl habe er der Hündin nicht erteilt. Für die "Hausdurch-
suchung" hätten die Polizisten über keinen entsprechenden Befehl verfügt.
Diese sei nicht wegen der Hundehaltung, sondern einer angeblichen Dro-
hung des Beschwerdeführers gegenüber seinem Vermieter erfolgt. Vor den
beiden Vorfällen hätten keine Anhaltspunkte für Mängel in der Hundehal-
tung bestanden. Bei der Kontrolle handle es sich um eine Hausdurch-
suchung nach Art. 244 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom
5. Oktober 2007 (Strafprozessordnung, StPO; SR 312.0). Die daraus ge-
wonnenen Erkenntnisse seien nicht verwertbar.
2.2.
Die Vorinstanz stellte bezüglich der Vorfälle vom 3. und 4. Juli 2020 auf den
im erstinstanzlichen Entscheid festgestellten Sachverhalt ab. In der Be-
schwerdeantwort legt sie dar, es könne nicht davon ausgegangen werden,
dass sich unter den Restaurantgästen lediglich Kollegen des Vermieters
des Beschwerdeführers befunden hätten. Der Veterinärdienst habe sich
ausführlich mit den Geschehnissen auseinandergesetzt. Der Vorwurf einer
unrichtigen Sachverhaltsfeststellung sei unhaltbar. Der Beschwerdeführer
sehe sich selbst als "Opfer" und schiebe die Verantwortung auf andere Per-
sonen ab. Er stelle den von der Polizei dokumentierten Sachverhalt wie
auch seine eigenen Aussagen in Abrede und konstruiere eine neue Version
der Geschehnisse. Auf die anlässlich der Hausdurchsuchung gewonnen
Erkenntnisse könne – wie vom Verwaltungsgericht im Entscheid vom 8. Ja-
nuar 2021 (WBE.2020.397, Erw. II/3) erwogen – unabhängig von der Ver-
wertbarkeit im Strafverfahren abgestellt werden.
2.3.
Zu den Vorfällen vom 3. und 4. Juli 2020 kann dem Sachverhaltsbericht der
Regionalpolizei Q. vom 14. Juli 2020 Folgendes entnommen werden:
2.3.1.
Am 3. Juli 2020 meldete die Wirtin des Restaurants "s’13ni" bei der Kanto-
nalen Notrufzentrale Probleme mit einem Anwohner der Liegenschaft C
(Vorakten 77 ff.). Aufgrund dieser Meldung rückten zwei Vertreter der
Regionalpolizei Q. nach R. aus. Vor Ort trafen sie die Wirtin und den
Eigentümer der Überbauung an. Laut deren Aussagen beleidigte sie der
Beschwerdeführer seit geraumer Zeit immer wieder. Zudem habe er ihnen
mehrfach mit dem Tod gedroht oder damit, dass er seinen Hund auf sie
hetze und dieser sie kaputtmachen werde.
- 10 -
Am Folgetag wurde der Beschwerdeführer auf dem Stützpunkt S.
angezeigt. Ihm wurde vorgeworfen, er habe den Hund mit den Worten "Los
beiss" auf die Gäste der Gartenwirtschaft gehetzt und die Leine losgelas-
sen. Darauf sei der Hund in Richtung des Restaurants gerannt und habe
den Hund eines Gastes angegriffen. Nur durch das Eingreifen der Gäste
hätten schwere Verletzungen verhindert werden können. Der Beschwerde-
führer habe anschliessend seinen Hund geholt und den Anwesenden auf
Kroatisch gesagt, er werde sie kaputtmachen. Danach habe er sich in seine
Wohnung zurückgezogen.
Zu diesem Vorfall haben mehrere Gäste übereinstimmende Angaben ge-
macht. Der angegriffene Hund wies keine äusseren Verletzungen auf und
dessen Halterin verzichtete in der Folge auf eine Anzeige. Vertreter der
Regionalpolizei Q. hatten bereits am 3. Juli 2020 vergeblich versucht, mit
dem Beschwerdeführer ins Gespräch zu kommen. Dabei hatten sie bei ihm
Alkoholgeruch wahrgenommen (vgl. Vorakten 77 f.).
2.3.2.
Aufgrund der Anzeige sprachen am 4. Juli 2020 Patrouillen der Kantons-
polizei und der Regionalpolizei Q. beim Beschwerdeführer vor. Gemäss
dem Sachverhaltsbericht der Regionalpolizei vom 14. Juli 2020
(Vorakten 71 ff.) öffnete der Beschwerdeführer den Polizisten die Tür, wo-
rauf Hündin "Mali" entwischte und über die Strasse und die angrenzende
Wiese davonlief. Der Beschwerdeführer reagierte wütend auf die anwesen-
den Polizisten und machte sie dafür verantwortlich, dass seine Hündin ent-
wichen war. Gefolgt von den Polizisten versuchte der Beschwerdeführer,
"Mali" zurückzurufen. Diese nahm jedoch keine Notiz vom Beschwerdefüh-
rer und liess sich nicht von ihm einfangen. Der Beschwerdeführer wurde
gegen zwei Polizisten verbal und körperlich ausfällig, weshalb ihm Hand-
schellen angelegt wurden. Daraufhin beschimpfte er die Polizisten und
drohte ihnen, dass seine Hündin sie kaputtmachen werde. Der Beschwer-
deführer zeigte auf einen Polizisten und rief zu seiner Hündin "beiss". Die
Polizisten konnten diese schliesslich mit einer Leine einfangen. In der Folge
erstatteten sie beim Veterinärdienst eine Meldung, woraufhin die leitende
amtliche Tierärztin zwecks allfälliger Beschlagnahme und Unterbringung
der Hündin vor Ort kam. Anlässlich der Kontrolle befand sich die Wohnung
des Beschwerdeführers in einem unaufgeräumten und schmutzigen Zu-
stand. Auf dem Boden lagen zahlreiche leere Bierdosen und in der Küche
fand sich eine zerfetzte Hundeliege. Zudem roch es nach Hundekot. Auf
dem Clubtisch lagen diverse Packungen Ritalin und ein weisses Pulver, bei
welchem es sich nach Meinung der Polizei um zerstossene Ritalin-Tablet-
ten handeln dürfte. Die angetroffene Situation wurde mit Fotos dokumen-
tiert (Vorakten 71 ff.).
- 11 -
2.4.
Am 17. August 2020 ersuchte der beigezogene Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers um Akteneinsicht (Vorakten 53 ff.). Damit hat dieser ins-
besondere Kenntnis vom Sachverhaltsbericht der Regionalpolizei vom
14. Juli 2020. Auf die darin enthaltenen Vorhalte reagiert der Beschwerde-
führer mit pauschalen und unsubstantiierten Bestreitungen. Dies ist ange-
sichts der angetroffenen Situation, die anhand eines Amtsberichts sowie
von Fotomaterial und Einvernahmeprotokollen dokumentiert ist, nicht aus-
reichend. Die Fotoaufnahmen und Berichte vom 4. Juli 2020 zeugen von
unhygienischen Zuständen in der Wohnung des Beschwerdeführers (her-
umliegende, zerfetzte Kissen und Decken; schmutzige Matratze in der
Küche; zahlreiche leere Bierdosen und Ritalin-Tabletten im Wohnzimmer;
Geruch nach Hundekot). Die vorgefundene Situation weist auf eine
mangelnde Eignung des Beschwerdeführers als Hundehalter hin.
Dass Hündin "Mali" anlässlich der Kontrolle vom 4. Juli 2020 davonlief,
führt der Beschwerdeführer auf das Verhalten der Polizisten zurück, welche
sie in eine Stresssituation versetzt hätten. Dafür bestehen keine Anhalts-
punkte. Aktenkundig entwischte die Hündin unmittelbar nach dem Öffnen
der Wohnungstür, überquerte die C und entfernte sich in Richtung Suhre
(Vorakten 77, 108). Diesen Sachverhalt bestritt der Beschwerdeführer
anlässlich der Einvernahme vom 5. Juli 2020 nicht (Vorakten 108). Gleich
verhält es sich bezüglich des Vorhalts, dass er auf einen Polizisten zeigte
und seiner Hündin den Befehl "beiss" erteilte (Vorakten 105 ff., 108). Wenn
der Beschwerdeführer diese Sachverhalte im Beschwerdeverfahren in
Abrede stellt, ist dies widersprüchlich und unglaubwürdig.
In Bezug auf den Vorfall vom 3. Juli 2020 liegen übereinstimmende Schil-
derungen mehrerer Restaurantgäste vor. Der Beschwerdeführer hat am
darauffolgenden Tag gegenüber Polizisten ein ähnliches Verhalten an
den Tag gelegt. Sowohl am 3. wie auch am 4. Juli 2020 war der Beschwer-
deführer eigenen Angaben zufolge stark alkoholisiert (Vorakten 100, 106)
und verhielt sich gegenüber anderen aggressiv. Er drohte jeweils damit,
dass er oder seine Hündin andere Personen kaputtmachen werde. Bei bei-
den Vorfällen konnte bzw. wollte der Beschwerdeführer den mitgeführten
Hund nicht abrufen und liess ihn herumrennen. Am 3. Juli 2020 griff Hund
"Paulus" (ein Schäferhund), deren Besitzerin C. ist, einen kleinen Hund
eines Restaurantgastes an. Gegen diese aktenkundigen Tatsachen
vermag der Beschwerdeführer nichts vorzubringen. Er beantragt bloss die
Befragung von C., die aus eigener Wahrnehmung keine Angaben zum
Sachverhalt machen kann. Sie hielt sich zum Zeitpunkt des Vorfalls in der
Wohnung des Beschwerdeführers auf mit dessen Hündin "Mali" und hat
von den Geschehnissen nichts mitbekommen (Vorakten 25 f.). Auf ihre
Befragung wird daher verzichtet.
- 12 -
2.5.
Somit sind die Einwände des Beschwerdeführers nicht geeignet, die
vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung und -würdigung in Frage zu stel-
len.
2.6.
Das Verwaltungsgericht hat sich bereits im Urteil vom 8. Januar 2021 zur
Verwertbarkeit der Erkenntnisse geäussert, die anlässlich der Kontrolle
vom 4. Juli 2020 gewonnen wurden. Dabei legte es unter Verweis auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 39 des Tierschutzgesetzes
vom 16. Dezember 2005 (TSchG; SR 455) dar, dass darauf abgestellt wer-
den darf (vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2020.397 vom
8. Januar 2021, Erw. II/3 mit Hinweisen). Auf die betreffende Erwägung
wird verwiesen.
3.
3.1.
Bezüglich der Tierhaltung macht der Beschwerdeführer geltend, seine Hün-
din hätte sich aufgrund von Müll oder Medikamenten in der Wohnung nicht
verletzen bzw. vergiften können. Im Zusammenhang mit einem Fremdkör-
per, den "Mali" aufgenommen hat, werfe ihm die Vorinstanz zu Unrecht vor,
er habe Tierarzttermine immer wieder abgesagt, obwohl sich der Allge-
meinzustand der Hündin stark verschlechtert habe. Er habe diese in Ab-
sprache mit der Tierärztin nach Hause genommen. Die Vorinstanz habe
fälschlicherweise ausgeführt, Hündin "Mali" habe seit März 2013 mehrere
"Anfälle" gehabt, obwohl sie erst am 14. April 2018 zur Welt gekommen sei.
Eine Epilepsie-Diagnose könne nur aufgrund einer Magnetresonanztomo-
graphie (MRI, MRT) erfolgen. Der Beschwerdeführer habe sich diesbezüg-
lich beim Universitätsspital Zürich eine Zweitmeinung eingeholt. Dieses
habe von einer prophylaktischen Medikation abgeraten und empfohlen, die
Krämpfe mittels Zink- und Eisenpräparaten zu behandeln. Aufgrund dieser
Behandlung seien keine Krämpfe mehr aufgetreten. Der Beschwerdeführer
habe die Pflege der Hündin nicht vernachlässigt. Die angeordneten Mass-
nahmen seien unverhältnismässig. Vor der Wegnahme der Hündin und
einem Halteverbot wären mildere Massnahmen möglich gewesen; zudem
wären die getroffenen Anordnungen vorgängig anzudrohen gewesen. Der
Beschwerdeführer hätte insbesondere verpflichtet werden können, weiter-
hin die Hundeschule zu besuchen. Eine Möglichkeit zur Mängelbehebung
habe für ihn nicht bestanden.
3.2.
Zweck des Tierschutzgesetzes ist der Schutz der Würde und des Wohler-
gehens der Tiere (Art. 1 TSchG). Das Wohlergehen der Tiere ist namentlich
gegeben (Art. 3 lit. b), wenn Haltung und Ernährung so sind, dass die
Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört sind und sie in ihrer An-
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passungsfähigkeit nicht überfordert sind (Ziff. 1), das artgemässe Verhal-
ten innerhalb der biologischen Anpassungsfähigkeit gewährleistet ist
(Ziff. 2), sie klinisch gesund sind (Ziff. 3) und Schmerzen, Leiden, Schäden
und Angst vermieden werden (Ziff. 4). Wer mit Tieren umgeht, hat ihren
Bedürfnissen in bestmöglicher Weise Rechnung zu tragen und, soweit es
der Verwendungszweck zulässt, für ihr Wohlergehen zu sorgen (Art. 4
Abs. 1 TSchG). Niemand darf ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Lei-
den oder Schäden zufügen, es in Angst versetzen oder in anderer Weise
seine Würde missachten. Das Misshandeln, Vernachlässigen oder unnö-
tige Überanstrengen von Tieren ist verboten (Art. 4 Abs. 2 TSchG). Wer
Tiere hält oder betreut, muss sie angemessen nähren, pflegen, ihnen die
für ihr Wohlergehen notwendige Beschäftigung und Bewegungsfreiheit so-
wie soweit nötig Unterkunft gewähren (Art. 6 Abs. 1 TSchG). Diese Vor-
schriften werden auf Verordnungsstufe konkretisiert (vgl. Art. 68 ff. der Tier-
schutzverordnung vom 23. April 2008 [TSchV; SR 455.1]).
3.3.
Die zuständige Behörde trifft die zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlichen
Massnahmen und kann Personen unter anderem das Halten von Tieren
auf bestimmte oder unbestimmte Zeit verbieten (Art. 23 Abs. 1 TschG),
wenn sie wegen wiederholter oder schwerer Zuwiderhandlung gegen Vor-
schriften des TSchG und seiner Ausführungserlasse oder gegen Verfü-
gungen bestraft wurden (lit. a) oder wenn diese aus anderen Gründen un-
fähig sind, Tiere zu halten (lit. b). Unfähigkeit im Sinne dieser Bestimmung
liegt vor, wenn die betreffende Person nicht die grundsätzlichen Verhal-
tensgebote und -verbote des Tierschutzgesetzes zu befolgen vermag (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 2C_958/2014 vom 31. März 2015, Erw. 2.1 mit
Hinweisen; 2C_79/2007 vom 12. Oktober 2007, Erw. 4.2.2). Indem der Ge-
setzgeber die Unfähigkeit, Tiere zu halten, vorbehaltlos als Tatbestands-
alternative zur Bestrafung wegen wiederholter oder schwerer Zuwider-
handlung gegen das Tierschutzgesetz einsetzt, wird deutlich, dass die mit
der Variante von lit. b erfassten Gefahren oder Folgen für das Wohlergehen
der Tiere gleich gewichtig sind bzw. nicht minder schwer wiegen als die-
jenigen, welche Straffolgen zeitigen (ANTOINE F. GOETSCHEL / ALEXANDER
FERRARI, GAL Tierleitfaden 1.1 für Schweizer Vollzugsbehörden, Eine vor-
läufige Darstellung des verwaltungsrechtlichen Tierschutzes aus rechtswis-
senschaftlicher Sicht durch den Global Animal Law GAL Verein, Zürich
2018, S. 38). Die Verbote der Tierhaltung haben die Wahrung oder die Wie-
derherstellung des Tierwohls zum Ziel. Als restitutorische Massnahmen
sind sie verschuldensunabhängig und nicht auf die Bestrafung des Halters,
sondern auf den Schutz und die Wiederherstellung von tierschutzrechtlich
korrekten Haltebedingungen ausgerichtet. Einem Halteverbot gehen grobe
und für die Tiere leidvolle Verstösse gegen das Tierschutzrecht voraus
(Art. 1 i.V.m. Art. 3 lit. a TSchG; vgl. Urteile des Bundesgerichts
2C_958/2014 vom 31. März 2015, Erw. 2.1; 2C_378/2012 vom 1. Novem-
ber 2021, Erw. 3.1).
- 14 -
4.
4.1.
Dem unbefristeten Obhuts- und Halteverbot liegen folgende Verstösse ge-
gen das Tierschutzrecht zugrunde:
4.1.1.
Dem Beschwerdeführer wird gestützt auf die Vorfälle vom 3./4. Juli 2020
eine Verletzung der Aufsichtspflichten vorgeworfen, die ihm als Hunde-
halter obliegen. So hat der Beschwerdeführer am 3. Juli 2020 dem mitge-
führten Hund "Paulus" einen Angriffsbefehl erteilt und die Leine losgelas-
sen (vgl. vorne Erw. 2.4; Vorakten 102, 108). In der Folge griff "Paulus" in
der Gartenwirtschaft einen dort anwesenden Hund eines Gastes an. Akten-
kundig konnte eine schwere Verletzung dieses Hundes nur dank der Inter-
vention der Restaurantgäste verhindert werden (vgl. Vorakten 101). Unab-
hängig davon, dass es sich beim angreifenden Hund nicht um Hündin
"Mali", sondern um "Paulus" von C. handelte, war der Beschwerdeführer
für diesen Hund vorübergehend verantwortlich und verpflichtet, ihn so zu
halten, dass dieser Menschen und Tiere nicht gefährdet (vgl. Art. 77
TSchV; RITA JEDELHAUSER, Das Tier unter dem Schutz des Rechts, Diss.
Basel 2011, S. 199; GOETSCHEL/FERRARI, a.a.O., S. 31 f.). Der
Beschwerdeführer hätte mit allen möglichen Mitteln eingreifen müssen, um
den Angriff zu verhindern (§ 6 Abs. 2 der Verordnung zum Hundegesetz
vom 1. Mai 2012 [Hundeverordnung, HuV; SAR 393.411]). Seine Aufsicht
und Verantwortung hat er nicht wahrgenommen und stattdessen den inter-
venierenden Restaurantgästen damit gedroht, dass er sie kaputtmache
(Vorakten 101).
Überdies missachtete der Beschwerdeführer damit die Verbote, Hunde un-
beaufsichtigt frei laufen zu lassen (§ 6 Abs. 1 und 2 HuV) und Hunde auf
Menschen oder Tiere zu hetzen (§ 10 Abs. 1 lit. a HuV). Ferner war der
Beschwerdeführer nicht in der Lage, den Hund, für den er – wenn auch nur
vorübergehend – verantwortlich war, abzurufen. Mithin war der Beschwer-
deführer nicht fähig, den Hund unter seiner Aufsicht unter Kontrolle zu
halten. Damit verstiess der Beschwerdeführer auch gegen § 5 Abs. 1 lit. b
HuG.
Folglich verletzte der Beschwerdeführer Aufsichtspflichten als Hundehalter
und missachtete grundsätzliche Verhaltensgebote bzw. -verbote der Tier-
schutzgesetzgebung.
4.1.2.
Am 4. Juli 2020 entwich Hündin "Mali" unmittelbar nach dem Öffnen der
Tür aus der Wohnung des Beschwerdeführers. In der Folge war dieser
nicht in der Lage, die frei laufende Hündin unter Kontrolle zu bringen und
einzufangen. Schliesslich gelang es den Polizisten, Hündin "Mali" mit einer
- 15 -
Leine einzufangen. Damit hatte der Beschwerdeführer erneut gegen seine
Aufsichtsplichten als Hundehalter verstossen (§ 5 Abs. 1 lit. b HuG). Eine
bewusste Pflichtverletzung erfolgte schliesslich mit dem neuerlichen An-
griffsbefehl, indem der Beschwerdeführer versuchte, die Hündin auf einen
Polizisten zu hetzen (§ 10 Abs. 1 lit. a HuV). Darin liegen Verstösse gegen
das Tierschutzrecht. Abgesehen davon stellen auch die mangelnde Ko-
operation mit den Behörden und die verbalen und physischen Ausfällig-
keiten gegen den Polizisten seine Eignung als Hundehalter in Frage
(Vorakten 105 ff., 108).
Die erwähnten Vorfälle sind ein starkes Indiz dafür, dass der Beschwerde-
führer nicht in der Lage ist, einen Hund der Tierschutzgesetzgebung ent-
sprechend zu halten. Seine Uneinsichtigkeit erschwert die Situation zusätz-
lich.
4.1.3.
Dem Beschwerdeführer werden aufgrund der angetroffenen Situation in
seiner Wohnung tierschutzwidrige Halteumstände vorgeworfen.
Mangelnde Ordnung und Sauberkeit in der Wohnung betreffen auch die
Lebensumstände des Hundes (vgl. Erw. 2.4). Dessen angemessene
Pflege setzt voraus, dass die Hygiene den Bedürfnissen des Tieres ent-
spricht (Art. 3 Abs. 3 TSchV). Die vorgefundene Situation lässt den Schluss
zu, dass Hündin "Mali" in ihrem Wohlergehen (Art. 3 lit. b TSchG) beein-
trächtigt war und ihr keine angemessene Pflege zukam. Die teilweise zer-
stossenen (Ritalin-)Tabletten lagen offen auf dem Clubtisch und waren für
Hündin "Mali" frei zugänglich. Dass der Beschwerdeführer zuhause war,
schliesst eine Vergiftungsgefahr nicht aus. In diesem Zusammenhang ist
namentlich auf die Alkoholisierung des Beschwerdeführers hinzuweisen
(vgl. Vorakten 105 ff., 106) sowie darauf, dass Hündin "Mali" bereits einmal
einen Fremdkörper verschluckt hatte und deswegen operativ behandelt
werden musste (Vorakten 114). Von den zahlreich herumliegenden leeren
Bierdosen ging eine Verletzungsgefahr aus (Vorakten 72 f.; 75 f.). Die vor-
gefundene Unterkunft entspricht den Vorgaben von Art. 7 Abs. 1 lit. a
TSchV nicht, da sie so einzurichten ist, dass die Verletzungsgefahr für das
Tier gering ist.
Hunden muss gemäss Art. 72 Abs. 2 TSchV geeignetes Liegematerial zur
Verfügung stehen. Die zerfetzte und schmutzige Matratze in der Küche ge-
nügte den hygienischen Anforderungen kaum (Art. 3 Abs. 3 TSchV). Auch
der Geruch nach Hundekot weist auf diesbezügliche Mängel hin, welche
dokumentieren, dass den Bedürfnissen des Tieres und seinem Wohlerge-
hen nicht ausreichend Rechnung getragen wurde (Art. 4 Abs. 1 TSchG).
Gemäss Art. 5 Abs. 1 TSchV war der Beschwerdeführer verpflichtet, ent-
sprechende Mängel unverzüglich zu beheben. Den diesbezüglichen Vor-
gaben ist er nicht nachgekommen.
- 16 -
4.1.4.
Dem Beschwerdeführer wird vorgeworfen, seiner Hündin "Mali" eine ange-
messene medizinische Betreuung vorenthalten zu haben.
4.1.4.1.
Gemäss dem Eintrag in der Krankengeschichte vom 6. Januar 2020 hatte
der Beschwerdeführer seit zwei Wochen mehrmals bei der E. in T.
angerufen, weil es der Hündin "nicht gut ging" (Vorakten 113 f., 117).
Demnach vereinbarte der Beschwerdeführer jeweils Termine für eine
Untersuchung und stornierte diese später wieder. Eine Anamnese konnte
erst anlässlich des tierärztlichen Hausbesuchs erfolgen. Aufgrund des stark
reduzierten Allgemeinzustandes musste "Mali" zur weiteren Abklärung in
die Tierklinik verbracht werden, wo im Abdomen ein Fremdkörper (Teil
eines Hartgummispielzeugs) festgestellt wurde. In der Folge musste die
Hündin operiert werden. Obschon die Hündin nach Ansicht der Tierärzte im
Anschluss daran noch in der Klinik hätte verbleiben müssen, bestand der
Beschwerdeführer darauf, die Hündin zuhause selber zu betreuen. Daher
hatte er eine Erklärung zu unterzeichnen, wonach er die Hündin entgegen
dem ärztlichen Rat nach Hause nimmt (Vorakten 114).
Gemäss dem Eintrag vom 25. März 2020 hatte Hündin "Mali" drei Tage
zuvor einen epileptischen Anfall. Nach Meinung der Tierärzte war für die
Epilepsie-Diagnose ein MRI durchzuführen, was vom Beschwerdeführer
aufgrund der nötigen Vollnarkose abgelehnt wurde. Daher empfahlen die
Ärzte dem Beschwerdeführer, der Hündin bei einem erneuten Anfall Medi-
kamente zu verabreichen. Auch diese tierärztliche Empfehlung lehnte der
Beschwerdeführer ab. Gemäss Eintrag vom 22. April 2020 hatte die Hündin
"Mali" innert weniger Tage zwei weitere kurze Anfälle. Schliesslich empfah-
len die Tierärzte dem Beschwerdeführer, der Hündin ein Hanfextrakt
(Sativavet ZEN 12 %) zu verabreichen. Sie beschrieben die Kommunika-
tion mit dem Beschwerdeführer als sehr schwierig und ermüdend (Vorak-
ten 113).
4.1.4.2.
Wer mit Tieren umgeht, hat ihren Bedürfnissen in bestmöglicher Weise
Rechnung zu tragen und, soweit es der Verwendungszweck zulässt, für ihr
Wohlergehen zu sorgen (Art. 4 Abs. 1 TSchG). Die Pflege muss Krankhei-
ten und Verletzungen vorbeugen (Art. 5 Abs. 2 Satz 1 TSchV). Der Tierhal-
ter ist dafür verantwortlich, dass kranke oder verletzte Tiere unverzüglich
ihrem Zustand entsprechend untergebracht, gepflegt und behandelt oder
getötet werden (Art. 5 Abs. 2 Satz 2 TSchV).
Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe die Hündin in Absprache
mit der Tierärztin nach Hause genommen, ist nicht substantiiert und steht
mit dem Eintrag in der Krankengeschichte in Widerspruch. Aktenkundig hat
- 17 -
der Beschwerdeführer seine Hündin trotz deren operationsbedingt beein-
trächtigten Zustands und entgegen dem tierärztlichen Rat nach Hause ge-
nommen und damit die erforderliche Nachbetreuung verunmöglicht. Dass
der Beschwerdeführer die erwähnte Erklärung zu unterzeichnen hatte,
zeigt eindeutig, dass die Entlassung zum damaligen Zeitpunkt nicht den
Bedürfnissen von "Mali" entsprach. Auch bei der Epilepsie-Abklärung und
der Verabreichung von Medikamenten setzte sich der Beschwerdeführer
über medizinische Indikationen hinweg. Damit nahm er in Kauf, dass seine
Hündin an weiteren epileptischen Anfällen litt. Tatsächlich hatte Hündin
"Mali" zu Beginn des Monats April 2020 denn auch zwei weitere Anfälle.
Dass der Beschwerdeführer eine tierärztliche Zweitmeinung eingeholte und
ihm dabei von der prophylaktischen Medikation abgeraten und stattdessen
die Einnahme von Zink- und Eisenpräparaten empfohlen wurde, bleibt un-
substantiiert und erscheint daher als blosse Schutzbehauptung. Tatsache
ist, dass Hündin "Mali" nach der Operation im Januar 2020 und nach den
Anfällen im März und April 2020 keine angemessene medizinische Be-
handlung zukam.
Aus der Krankengeschichte der Hündin "Mali" ergibt sich somit, dass der
Beschwerdeführer nicht in der Lage war, ihr die erforderliche Pflege zu
leisten und sie im Krankheitsfall unverzüglich entsprechend ihrem Zustand
unterzubringen und behandeln zu lassen. Damit verstiess der Beschwer-
deführer nicht nur gegen die Grundsätze der Tierpflege (Art. 4 Abs. 1
TSchG und Art. 5 Abs. 2 TSchV), sondern auch gegen Art. 4 Abs. 2
TSchG, wonach niemand einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden
oder Schäden zufügen darf. Dass epileptische Anfälle nicht behandelt wur-
den und "Mali" unmittelbar nach einer Operation der ärztlichen Obhut ent-
zogen wurde, war für die Hündin nachteilig. Unter diesen Umständen erwog
die Vorinstanz zu Recht, dass der Beschwerdeführer seiner Hündin keine
angemessene medizinische Betreuung zukommen liess. Daraus ergibt sich
hinlänglich, dass der Beschwerdeführer nicht fähig ist, den Bedürfnissen
seiner Hündin Rechnung zu tragen (Art. 4 Abs. 1 TSchG).
Soweit die Vorinstanz ausführt, "Mali" habe seit März "2013" mehrere An-
fälle gehabt (angefochtener Entscheid, Erw. 3d, S. 15, zweiter Absatz),
handelt es sich um ein offensichtliches Versehen. Es wird ausdrücklich auf
die Krankengeschichte Bezug genommen, woraus klar hervorgeht, dass
Anfälle seit März 2018 auftraten. Darauf ist nicht weiter einzugehen.
4.2.
Zusammenfassend verstiess der Beschwerdeführer wiederholt gegen die
Tierschutzgesetzgebung und deren grundlegenden Gebote und Verbote.
5.
Zu prüfen ist nachfolgend, ob das unbefristete Obhuts- und Halteverbot von
Hunden verhältnismässig ist.
- 18 -
5.1.
Bei der Anordnung von Massnahmen steht der Vollzugsbehörde ein Er-
messen zu, welches sie pflichtgemäss auszuüben hat. Sie ist an die Ver-
fassung gebunden und muss insbesondere den Grundsatz der Verhältnis-
mässigkeit, das Rechtsgleichheitsgebot sowie die Pflicht zur Wahrung der
öffentlichen Interessen befolgen. Ausserdem sind Sinn und Zweck der ge-
setzlichen Ordnung auch bei Ermessensentscheiden zu beachten (ULRICH
HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,
8. Aufl., Zürich 2020, N 409). Das Verhältnismässig-keitsprinzip (Art. 5
Abs. 2 BV) verlangt, dass Verwaltungsmassnahmen zur Verwirklichung
des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und notwendig sind.
Die Massnahme hat zu unterbleiben, wenn eine gleich geeignete, aber mil-
dere Massnahme für den angestrebten Erfolg ausreichen würde. Ausser-
dem muss der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den
Belastungen stehen, die dem Privaten auferlegt werden (vgl. BGE 130 II
425, Erw. 5.1 ff.; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N 521 ff.).
Die Vollzugsbehörde kann als schärfste Sanktion ein allgemeines, unbe-
fristetes Tierhalteverbot aussprechen. Dabei wird die Tierhaltung auf unbe-
stimmte Dauer verboten. Die weitreichenden Konsequenzen und Ein-
schränkungen für den Belasteten bedingen eine grosse Zurückhaltung der
Behörden bzw. eine sehr restriktive Anwendung dieser Massnahme. Ein
Tierhalteverbot muss abgesehen von schwerwiegenden Fällen zunächst
angedroht und in der Regel befristet werden (JEDELHAUSER, a.a.O.,
S. 242).
5.2.
5.2.1.
Das unbefristete Obhuts- und Halteverbot von Hunden ist geeignet, tier-
schutzwidrige Zustände wie die festgestellten (Erw. 4 hiervor) inskünftig zu
verhindern.
5.2.2.
Im Hinblick auf die Erforderlichkeit bringt der Beschwerdeführer vor, die
Vorinstanz hätte ihm das Obhuts- und Halteverbot androhen und ihn zu-
gleich auffordern können, weiterhin Hundeschullektionen zu besuchen.
Das Verbot sei daher unverhältnismässig.
Aus der mangelhaften Aufsicht als Hundehalter, der unhygienischen und
mit Gefahren verbundenen Wohnsituation sowie der Vorenthaltung medizi-
nisch indizierter Abklärungen und Behandlungen ergibt sich hinlänglich,
dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage ist, einen Hund tierschutzkon-
form zu halten. Die Einwände des Beschwerdeführers sind nicht geeignet,
die bereits von den Vorinstanzen gezogene Schlussfolgerung in Frage zu
stellen. In diesem Zusammenhang überzeugt namentlich nicht, dass der
- 19 -
Beschwerdeführer eigenes Fehlverhalten verharmlost, Verantwortung auf
andere Personen (z.B. Gäste im Restaurant oder Polizisten) abschiebt und
auf pandemiebedingte Unterbrechungen der Hundeschule hinweist. Ent-
sprechende Einwände sind Ausdruck eines fehlenden Problembewusst-
seins, mangelnder Einsicht und einer gewissen Unbelehrbarkeit. Erschwe-
rend wirkt im Fall des Beschwerdeführers, dass gravierende Verstösse
gegen die Aufsichtspflicht als Hundehalter wie das Hetzen auf andere Per-
sonen mehrfach vorkamen. Gleich verhält es sich mit dem Entweichen von
beaufsichtigten Hunden. Der Beschwerdeführer enthielt seiner Hündin
mehrmals medizinisch indizierte Behandlungen ohne plausiblen Grund vor.
Schliesslich weisen die in der Wohnung vorgefundenen Umstände darauf
hin, dass dort über längere Zeit hinweg unhygienische Zustände herrsch-
ten. Insgesamt sind dem Beschwerdeführer schwerwiegende Verstösse
gegen die Tierschutzgesetzgebung und deren grundlegende Gebote und
Verbote vorzuwerfen. Aufgrund der wiederholten und anhaltenden Miss-
stände ist ein unbefristetes Obhuts- und Halteverbot von Hunden notwen-
dig und gerechtfertigt. Daran ändert nichts, dass gegen den Beschwerde-
führer – soweit ersichtlich – bis anhin keine tierschutz- oder hunderecht-
lichen Massnahmen ergriffen wurden. Das unbefristete Obhuts- und Halte-
verbot von Hunden ist auch in Anbetracht dessen, dass der Beschwerde-
führer nach Ablauf von drei Jahren dessen Aufhebung beantragen kann,
zumutbar und verhältnismässig. Schliesslich wird ihm mit dem Verbot nicht
verwehrt, anstatt Hunde andere Tiere zu halten.
Je nach den konkreten Umständen kann sich aus dem Verhältnismässig-
keitsgrundsatz ergeben, dass dem Halter ein Tierhalteverbot vorgängig an-
zudrohen ist, doch ist ein solches Vorgehen von Gesetzes wegen nicht
zwingend vorgeschrieben. Ein Halteverbot kann, wo sich dies aufdrängt,
auch ohne vorherige Androhung ergehen (Urteil des Bundesgerichts vom
12. Oktober 2007 [2C_79/2007], Erw. 4.3). Aufgrund der schwerwiegenden
und wiederholten Verfehlungen wäre es nicht zielführend und mit dem Wohl
des Tieres unvereinbar, dem Beschwerdeführer vorerst lediglich ein Halte-
verbot anzudrohen.
5.2.3.
Mit der Replik reicht der Beschwerdeführer einen Mietvertrag vom 18. März
2021 für eine 2 1⁄2-Zimmer-Dachwohnung in U. sowie eine Vereinbarung
ein, wonach ihm in der Wohnung die Haltung der Hündin "Mali" gestattet ist
(Replikbeilagen 1 f.). Eingelegte Fotos zeigen eine aufgeräumte Wohnung
und einen vorbereiteten Schlafplatz für "Mali" (Replikbeilage 3). Ob und
inwieweit der Garten für sie zur Verfügung steht, lässt sich den
eingereichten Unterlagen nicht entnehmen, kann aber hier offenbleiben.
Die veränderte Wohnsituation vermag für sich alleine nicht zu gewähr-
leisten, dass der Beschwerdeführer seine Hündin tierschutzkonform hält.
- 20 -
5.2.4.
Zusammenfassend erweist sich das ausgesprochene Obhuts- und Halte-
verbot als verhältnismässig und lässt sich nicht beanstanden.
6.
6.1.
Schliesslich wehrt sich der Beschwerdeführer gegen die definitive Be-
schlagnahme der Hündin und erachtet auch diese Massnahme als unver-
hältnismässig.
6.2.
Wird festgestellt, dass Tiere vernachlässigt oder unter völlig ungeeigneten
Bedingungen gehalten werden, so schreitet die zuständige Behörde unver-
züglich ein (Art. 24 Abs. 1 Satz 1 TSchG). Eine starke Vernachlässigung
liegt vor, wenn ein Tier in seinem Wohlbefinden erheblich beeinträchtigt ist,
weil die Obhutperson erforderliche Handlungen wie die richtige Ernährung,
Pflege und Unterbringung unterlässt (GOETSCHEL/FERRARI, a.a.O., S. 23).
Die zuständige Behörde kann Tiere vorsorglich beschlagnahmen und auf
Kosten der Halterin oder des Halters an einem geeigneten Ort unterbringen
(Art. 24 Abs. 1 Satz 2 TSchG). Die definitive Beschlagnahme kommt in Be-
tracht, wenn die zuständige Behörde nach sorgfältiger Prüfung zum
Schluss kommt, dass der Tierhalter auch in Zukunft nicht in der Lage sein
wird, angemessen für das Tier zu sorgen (GOETSCHEL/FERRARI, a.a.O.,
S. 26).
6.3.
Es ist mit den Vorinstanzen davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-
rer nicht in der Lage ist, Hunde auf Dauer artgerecht zu halten und ihnen
die erforderliche Pflege zukommen zu lassen. Aus der Krankengeschichte
und der vorgefundenen Situation in der Wohnung des Beschwerdeführers
ergibt sich, dass Hündin "Mali" in dessen Obhut in ihrem Wohlbefinden er-
heblich beeinträchtigt war und ihr – insbesondere im Krankheitsfall – keine
angemessene Pflege (Art. 6 Abs. 1 TSchG; Art. 5 TSchV) zukam. In Anbe-
tracht des unbefristeten Obhuts- und Halteverbot von Hunden erscheint es
zwingend, "Mali" definitiv zu beschlagnahmen. Dies lässt sich unter dem
Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit nicht beanstanden. Eine Verlet-
zung der persönlichen Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV) oder der Eigentumsga-
rantie (Art. 26 BV) wird nicht geltend gemacht und ist auch nicht ersichtlich,
zumal die Beschlagnahme auf einer gesetzlichen Grundlage beruht (Art. 24
TSchG), im öffentlichen Interesse liegt (Art. 36 Abs. 2 BV; vgl. auch
BGE 134 I 293, Erw. 5.2.1) und dem Beschwerdeführer wie ausgeführt
(Erw. 5.2.2) zugemutet werden kann. Folglich ist die Rüge des Beschwer-
deführers unbegründet.
- 21 -
7.
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
III.
1.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die verwal-
tungsgerichtlichen Verfahrenskosten zu tragen (§ 31 Abs. 2 VRPG).
2.
Der Beschwerdeführer ersucht um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsvertretung.
2.1.
Gemäss § 34 Abs. 1 VRPG befreit die zuständige Behörde natürliche Per-
sonen von der Kosten- und Vorschusspflicht, wenn die Partei ihre Bedürf-
tigkeit nachweist und das Begehren nicht aussichtslos erscheint. In Fällen,
in denen die Schwere einer Massnahme oder die Rechtslage es als ge-
rechtfertigt erscheinen lässt, kann unter den gleichen Voraussetzungen ein
unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt werden (§ 34 Abs. 2 VRPG).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Begehren, bei denen
die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren
und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können, als aus-
sichtslos anzusehen. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos,
wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage
halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine
Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung
zu einem Prozess entschliessen würde. Eine Partei soll einen Prozess, den
sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb an-
strengen können, weil er sie – zumindest vorläufig – nichts kostet. Ob im
Einzelfall genügende Erfolgsaussichten bestehen, beurteilt sich aufgrund
einer vorläufigen und summarischen Prüfung der Prozessaussichten, wo-
bei die Verhältnisse im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs massge-
bend sind (BGE 139 III 475, Erw. 2.2; 138 III 217, Erw. 2.2.4 mit Hinwei-
sen).
Wird die unentgeltliche Rechtspflege und -vertretung im Rahmen eines
Rechtsmittelverfahrens beantragt, muss der Gesuchsteller glaubhaft ma-
chen, dass sein Rechtsmittel gegen den angefochtenen Entscheid nicht
aussichtslos ist, mithin die Chancen einer Gutheissung intakt sind. Dabei
hängen die Erfolgsaussichten auch von der Argumentation bzw. Ausgestal-
tung des Rechtsmittels ab. Sofern dem angefochtenen Entscheid nichts
Substanzielles entgegengesetzt wird, ist das Rechtsmittel als aussichtslos
zu qualifizieren (vgl. zum Ganzen DANIEL WUFFLI, Die unentgeltliche
- 22 -
Rechtspflege in der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Diss.
Zürich/St. Gallen 2015, Rz. 379 f. mit Hinweisen).
Aus Art. 29 Abs. 1 BV bzw. dem daraus abgeleiteten Fairnessgebot folgt,
dass über ein Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung in der Regel zu
entscheiden ist, bevor der Gesuchsteller weitere, in erheblichem Masse
Kosten verursachende prozessuale Schritte unternimmt. Erfolgen keine
entsprechenden Vorkehrungen, lässt sich nicht beanstanden, wenn das
Gesuch erst zusammen mit dem Endentscheid beurteilt wird. Die Voraus-
setzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sind dabei
jedoch so zu prüfen, wie wenn das Gesuch separat und vorab beurteilt wor-
den wäre (vgl. Urteile des Bundesgerichts 5A_302/2012 vom 4. Juni 2012,
Erw. 4.3, und 1P.345/2004 vom 1. Oktober 2004, Erw. 4.3).
2.2.
Die Mittellosigkeit des Beschwerdeführers ist ausgewiesen (Beschwerde-
beilage 11). Hingegen war die Beschwerde in formeller wie auch in mate-
rieller Hinsicht von vornherein aussichtslos. Die formelle Rüge bezog sich
hauptsächlich auf vorsorgliche Anordnungen, die nicht mehr Gegenstand
des Verfahrens sind (vgl. vorne Erw. I/3.1 und II/1). Die materiellen Bean-
standungen betrafen vorab die Sachverhaltsfeststellung. Sie waren jedoch
a priori zu wenig substantiiert; der Beschwerdeführer setzte sich gar nicht
mit den Erwägungen der Vorinstanz auseinander und wiederholte – unbe-
sehen von der klaren Beweislage – seine bereits vor der Vorinstanz vertre-
tenen, gänzlich unbelegten Behauptungen (vgl. vorne Erw. II/2). Auch der
vorinstanzlichen Würdigung seiner Versäumnisse als mannigfache
Verstösse gegen seine Verpflichtungen als Hundehalter hatte der Be-
schwerdeführer nichts Wesentliches entgegenzusetzen (vgl. vorne
Erw. II/3 f.). Der Beschwerde waren somit von vornherein keine realisti-
schen Erfolgsaussichten beschieden. Dies gilt auch in Bezug auf die Rüge
der Verletzung des Verhältnismässigkeitsprinzips (vgl. vorne Erw. II/5 f.),
zumal der Beschwerdeführer im Rahmen seiner diesbezüglichen Argumen-
tation seine gewichtigen Verfehlungen weitestgehend ausblendet. Hinzu
kommt, dass die Vorinstanz zugunsten des Beschwerdeführers entschied,
dass die Aufhebung des Obhuts- und Halteverbots bereits nach drei Jahren
beantragt werden kann. Insgesamt können dem Beschwerdeführer die un-
entgeltliche Rechtspflege und -vertretung nicht gewährt werden.
Die Abweisung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege und -vertre-
tung erst mit dem Endentscheid ist vorliegend unproblematisch. Das Ge-
such wurde zusammen mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde einge-
reicht. Die Beschwerdeantwort wurde zur Kenntnisnahme zugestellt; die
nachfolgend eingereichte Replik beschränkte sich in der Sache auf knapp
zwei Seiten. Wesentliche Kosten sind mithin nach Einreichung des Ge-
suchs nicht mehr entstanden.
- 23 -
2.3.
Somit ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsvertre-
tung abzuweisen.