Decision ID: 3b62aa68-74c9-4d71-8e4c-b98aa5f14a3b
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Duri Poltera, Hadwigstrasse 6a, 9000 St. Gallen,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
Am 14. Januar 2005 liess sich H._, Jahrgang 1965, durch Rechtsanwalt Dr. iur. Duri
Poltera, St. Gallen, bei der IV-Stelle St. Gallen anmelden. Sie verlangte eine
Wiedereinschulung in die bisherige Tätigkeit und eine Rente und verwies auf die SUVA-
Akten. Sie hatte im September 2003 in Kroatien als Beifahrerin in einem PW einen
Verkehrsunfall erlitten. Bei der Primärversorgung in Kroatien in einem kleinen Spital war
eine schwere Wirbelsäulenverletzung übersehen worden. Nach dreitägigem Aufenthalt
war die Repatriierung mit der Rega zunächst ins Spital Wil erfolgt, wo die Verletzungen
festgestellt und die Versicherte sofort in das Kantonsspital St. Gallen verlegt worden
war. In ihrem Bericht vom 16. September 2003 (Fremd-act. 16) hatte die Klinik für
Orthopädische Chirurgie über die Diagnosen BWK 6-Luxationsfraktur, Fraktur
Querfortsatz 5 - 7, Rippenserienfraktur links und Hämatothorax berichtet. Die Therapie
hatte in folgenden Eingriffen bestanden:
Dorsale Spondylodese BWK 4- 8, Laminektomie und Dekompression BWK 6
Dorsale Stabilisierung BWK 4 - 8 (Moss Max polyaxial Pedikelschrauben 5.0 plus
Querverbinder)
Ventrale intercorporelle Spondylodese Th 5 - Th 7
Corporektomie BWK 6
Wirbelkörperersatz mit kleinem thorakalen Harmskorb und Spongiosaplastik durch
Rippenresektion der 6. Rippe rechts.
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Vom 12. Oktober bis 8. November 2003 war ein Rehabilitationsaufenthalt in der Reha-
Klinik Walenstadtberg erfolgt. Bei einer Nachkontrolle hatte die Versicherte gemäss
einem Bericht vom 11. Februar 2004 nach wie vor unter massiven Schmerzen gelitten
und sie war kaum gehfähig gewesen. Vom 1. bis 30. Juni 2004 hatte die Versicherte
eine weitere Rehabilitation in der Rehaklinik Bellikon absolviert. In einem Bericht vom
9. November 2004 hatte A._, Fachpsychologe für Klinische Psychologie und
Psychotherapie, die psychiatrischen Diagnosen einer Schmerzstörung im
Zusammenhang mit dem erlittenen Autounfall, eine Anpassungsstörung mit Angst,
Depression, Anspannung und Ärger als Folge der unfallbedingten Einschränkung und
des Verlusts der Arbeitsfähigkeit angegeben. Er hatte weiter ausgeführt, die
Wiedererreichung der Arbeitsfähigkeit dürfte kurzfristig kein Thema sein (Fremd-act.
45). Anhand von aktuellen Röntgenaufnahmen betrachtete der SUVA-Kreisarzt Dr.
med. B._ am 26. April 2005 nach der Abschlussuntersuchung eine Arbeitsfähigkeit in
einer körperlich leichten wechselbelastenden Tätigkeit sitzend, stehend und gehend bei
einer Präsenz von mindestens 75% unter Berücksichtigung von vermehrten Pausen
oder einer verlängerten Mittagspause als zumutbar. Er machte geltend, im Vordergrund
stehe jedoch eine psychische Problematik mit depressivem Syndrom,
Symptomausweitung und Somatisierungstendenz. Das aktuelle Ergebnis mit
ausgeprägter Inaktivität und Passivität sowie übermässiger Schmerzempfindung sei in
allererster Linie auf die psychiatrische Problematik und nicht auf die organischen
Unfallfolgen zurückzuführen (Fremd-act. 57). Dr. B._ schätzt den Integritätsschaden
nach UVG auf 25%. Die psychiatrische Behandlung auf Kosten der UV wurde am 22.
März 2005 beendet (Fremd-act. 60). Am 24. November 2005 schloss die Versicherte
mit der SUVA über eine Invalidenrente von 36% sowie eine Integritätsentschädigung
von 25% einen Vergleich (UV-act. 70). Gestützt auf die Akten ging die SUVA bei der
Invalidität von einer mindestens 75%igen Arbeitsfähigkeit bei körperlich leichter
wechselbelastender Tätigkeit im Sinn von Sitzen, Gehen, Stehen unter Einhaltung
vermehrter Pausen oder einer verlängerten Mittagszeit aus. Über kurze Distanzen oder
kurze Strecken könnten Lasten von maximal 8 Kilogramm getragen werden. Im
rechnerischen Einkommensvergleich berücksichtigte die SUVA beim herangezogenen
statistischen Invalideneinkommen unter anderem einen Leidensabzug von 15% und
glich das unterdurchschnittliche Einkommen ohne Unfall um 15% aus, woraus die
Invalidenrente von 36% gemäss Vereinbarung resultierte (Fremd-act. 71).
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B.
Gestützt auf eine Anfrage der zuständigen Sachbearbeiterin entschied der RAD-Arzt
Dr. med. C._ am 14. Februar 2006, dass eine polydisziplinäre Begutachtung durch
eine MEDAS-Stelle notwendig sei (IV-act. 34). Beauftragt wurde das Ärztliche
Begutachtungsinstitut (ABI), Basel. In der orthopädischen Beurteilung vom 27. Juni
2006 schloss Dr. med. D._ auf eine um 20% reduzierte Leistung für körperlich leichte
Tätigkeiten in wechselnder Position und ohne Zwangshaltungen der Wirbelsäule bei
ganztägiger Arbeitsfähigkeit aufgrund eines etwas erhöhten Pausenbedarfs. Die
Versicherte sollte die Möglichkeit haben, während etwa zehn Minuten stündlich ein
Lockerungs- und Entspannungsprogramm für Gelenke und Muskulatur des Stammes
durchzuführen, was zu einer etwas verminderten Gesamtleistung führe. - Aus der
psychiatrischen Untersuchung von Dr. med. E._ vom 27. Juni 2006 resultierte keine
psychiatrische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die beklagten
körperlichen Beschwerden könnten somatisch nicht objektiviert werden. Es müsse eine
psychische Überlagerung angenommen werden. Weder die Diagnose einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung noch diejenige der Entwicklung
körperlicher Symptome aus psychischen Gründen könnten gestellt werden. Vielmehr
liege eine Schmerzverarbeitungsstörung vor. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Schmerzverarbeitungsstörung habe nämlich
keinen Krankheitswert und schränke die Arbeitsfähigkeit nicht ein. Eine depressive
Störung liege nicht vor. Aus psychiatrischer Sicht könne es der Explorandin daher
zugemutet werden, trotz der beklagten Beschwerden weiterhin ihren angestammten
Tätigkeiten (Hausfrau, Putzfrau) ganztags und ohne jede Leistungseinschränkung
nachzugehen. Entgegen ihren Angaben nehme die Explorandin das verordnete
Antidepressivum gemäss den Blutuntersuchungen nur unregelmässig ein. Ihre
anamnestischen Angaben seien daher mit Vorsicht zu bewerten. Streng genommen
könnten sie gar nicht verwertet werden, da die Versicherte nachweislich falsche
Angaben gemacht habe. Jedenfalls scheine sie sich selbst nicht als depressiv
einzuschätzen, wenn sie das Antidepressivum nur unregelmässig einnehme. Unter der
ambulanten und der antidepressiven Therapie hätten sich die depressiven
Verstimmungen weitgehend zurückgebildet und seien im jetzigen Zeitpunkt nicht mehr
nachweisbar. Auf dem Gutachten fehlte die Unterschrift des psychiatrischen
Gutachters Dr. E._, für den Dr. D._ unterschrieb und dabei bestätigte, dass die
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Konklusion des Gutachtens durch einen multidisziplinären Konsensus unter den
Untersuchern erarbeitet worden sei.
C.
Der RAD hielt am 8. November 2006 dafür, das MEDAS-Gutachten sei umfassend,
widerspruchsfrei und einleuchtend, sodass darauf abgestellt werden könne. Die
80%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter leichter Tätigkeit gelte seit Sommer 2005. Bis
dahin sei vom 9. August 2003 an eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen. Mit
einem Vorbescheid vom 15. März 2007 kündigte die IV-Stelle bei einem Invaliditätsgrad
von 28% die Abweisung des Rentenbegehrens an, wogegen der Rechtsvertreter der
Versicherten am 30. April 2007 einwandte, es sei noch kein Entscheid zu fällen,
sondern eine psychiatrische Oberexpertise und eine neurologisch/
neuropsychologische Abklärung, eventuell eine Abklärung in einem Schmerzzentrum,
in Auftrag zu geben. Im Übrigen berücksichtige die SUVA allein aus körperlichen
Einschränkungen einen Invaliditätsgrad von 36%. Eine Abweichung davon sei nicht
gerechtfertigt, weil nicht begründet. Zu prüfen wären auch berufliche
Eingliederungsmassnahmen. Mit einer Verfügung vom 7. September 2007 (IV-act. 17)
lehnte die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten ab. Zur Begründung führte
sie aus, der Invaliditätsgrad der SUVA basiere auf einem Vergleich, und die IV sei nicht
an den Entscheid der SUVA gebunden, sondern könne einen eigenen IV-Grad
berechnen. Solange die Versicherte überzeugt sei, trotz bestätigter Arbeitsfähigkeit von
100% nicht arbeiten zu können, könne keine erfolgversprechende Arbeitsvermittlung
durchgeführt werden.
D.
Mit Eingabe vom 10. Oktober 2007 liess die Versicherte beim Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen Beschwerde erheben. Sie stellte den Antrag, die Verfügung vom
7. September 2007 sei aufzuheben, und die Sache sei zwecks Weiterabklärung an die
IV-Stelle zurückzuweisen. Zur Begründung führte sie aus, das ABI-Gutachten vom
31. August 2006 sei in seinem psychiatrischen Teil fallentscheidend und vermöge in
keiner Art und Weise zu überzeugen. Es widerspreche dem psychosomatischen
Konsilium der Rehaklinik Bellikon, wo der psychischen Störung Krankheitswert
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zugeschrieben worden sei, die sich limitierend auf die Arbeitsfähigkeit auswirke, welche
damals als kaum mehr vorhanden bezeichnet worden sei. Das Konsilium sei damals
nach einem Rehabilitationsaufenthalt von einem Monat erstellt worden. Es habe auf
einer erheblich besseren Beobachtungsbasis basiert und es stehe in Übereinstimmung
mit den anderen Arztberichten der Jahre 2004 und 2005. Warum die festgestellte
Schmerzverarbeitungsstörung ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sein solle, werde
nicht begründet. Mit der Allerweltsformel "kann zugemutet werden" schiebe man die
Schmerzproblematik der Beschwerdeführerin auf die Seite und bagatellisiere sie als
rein subjektives Leidensgeschehen. Es sei völlig unklar, was sich am
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit dem Rehabilitationsaufenthalt
verändert oder verbessert haben solle. Der Hausarzt Dr. med. F._ sei jedenfalls am 3.
Oktober 2007 zum klaren Schluss gekommen, dass genau diese
Schmerzverarbeitungsstörung einen erheblichen Effekt auf die Arbeitsfähigkeit habe.
Wenn im Zentrum des Leidens der Beschwerdeführerin eine
Schmerzverarbeitungsstörung diagnostiziert werde, so frage sich immer auch, ob es
nicht doch noch körperliche Teilursachen für den beklagten Schmerz gebe. Im
vorliegenden Fall beeinflussten und verstärkten sich die psychiatrischen und
somatischen Befunde seit dem Unfall von 2003 gegenseitig. Dringend nötig sei deshalb
eine gesamtheitliche psychosomatische Nachbeurteilung der Versicherten. Der Begriff
der zumutbaren Willensanstrengung werde im vorliegenden Fall nicht korrekt
angewendet. Es liege nach einem sehr schweren Unfall mit schweren Körperschäden
offenkundig ein mehrjähriger Verlauf einer somatisch und psychiatrisch sich
beeinflussenden Symptomatik vor. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin
mittlerweile schon lange aus dem Arbeitsprozess (seit 2002) ausgeschieden sei und
sich fast nur noch zu Hause aufhalte. Es fehle eine genügende soziale Integration.
Offensichtlich sei eine Chronifizierung des Krankheitsgeschehens eingetreten. Damit
seien die Kriterien, die zum Problem der zumutbaren Willensanstrengung aufgestellt
würden, klarerweise erfüllt. Insgesamt seien noch nicht alle notwendigen und sinnvollen
Abklärungen unternommen worden. Dr. med. F._ hatte am 3. Oktober 2007 darauf
hingewiesen, dass das ABI-Gutachten die Schmerzverarbeitungsstörung nicht als
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit anerkenne und ihr keinen Krankheitswert beimesse.
Im Unterschied zu Dr. med. E._ habe hier seiner Meinung nach die
Schmerzverarbeitungsstörung einen einschränkenden Effekt auf die Arbeitsfähigkeit,
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welcher erheblich sei. Demgegenüber deckten sich die 80% Arbeitsfähigkeit gemäss
ABI-Gutachten in etwa mit den vorangegangenen 75% Arbeitsfähigkeit des SUVA-
Arztes Dr. B._. Er sei aber nicht dieser Meinung bezüglich der Arbeitsfähigkeit. Die
generalisierte Schmerzstörung schränke die Aktivitäten der Patientin im Alltag stark ein,
und eine Tendenz zur Besserung sei seit der Behandlungsübernahme durch ihn im
November 2005 nicht zu erkennen (IV-act. 4-11).
E.
Nachdem die Gerichtsleitung mit Verfügung vom 20. November 2007 zunächst von
einer verspäteten Bezahlung des Kostenvorschusses ausgegangen und eine
Fristwiederherstellung verweigert hatte, verfügte sie auf Einspruch hin am 21. Januar
2008 die Wiederherstellung der versäumten Frist und das Eintreten auf die
Beschwerde. Gleichzeitig wies sie ein Ausstandsgesuch gegen den Präsidenten der
Abteilung II ab. Dieses Verfügung ist unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen.
F.
In einer nachträglichen Eingabe vom 28. Mai 2008 (G 12) führte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin aus, neue Abklärungen in der Schulthess Klinik hätten an den Tag
gebracht, dass der Schmerzzustand doch reale Ursachen habe und nicht nur eine so
genannte Schmerzverarbeitungsstörung darstelle. Die Schmerzen könnten vom
Implantationsmaterial ausgelöst sein, insbesondere weil eine Schraube recht
oberflächlich liege. Es würden noch weitere Abklärungen gemacht und eventuell werde
eine Reoperation notwendig werden. Beigelegt waren ein Bericht vom 4. Mai 2008 der
Schulthess Klinik bzw. von Prof. Dr. med. G._ und ein Schreiben von Dr. med. F._
vom 26. Mai 2008. Professor G._ hatte eine weitere orthopädische Untersuchung zur
Frage vorgeschlagen, ob die Entfernung der Implantate zu einer Beschwerdelinderung
führen könnte. Die real erscheinenden Beschwerden seien zweifellos, insbesondere bei
der Arbeit, durch relevante Belastungen in der Brustwirbelsäule sowohl dynamisch wie
auch statisch deutlich einschränkend (G 12.1.2). Aufgrund dieser Beurteilung überwies
Dr. med. F._ die Beschwerdeführerin an Frau Dr. med. I._, Wirbelsäulenchirurgie (G
12.1.1).
G.
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Am 12. Juni 2008 reichte der Rechtsdienst der IV-Stelle des Kantons St. Gallen seine
Beschwerdeantwort ein. Er machte geltend, der IV-Stelle könne nicht der Vorwurf
gemacht werden, sie habe den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
ungenügend abgeklärt. Das ABI-Gutachten sei aktueller als die vorangegangenen
Arztberichte, insbesondere als die Beurteilung der Rehaklinik Bellikon. Es könne nicht
ausgeschlossen werden, dass tatsächlich eine Besserung des psychiatrischen
Zustandes eingetreten sei, wie dies das ABI-Gutachten berücksichtige. Dieses
entspreche im übrigen den Anforderungen der Rechtsprechung. Die neueren Berichte
von Dr. med. F._ und Prof. Dr. med. G._ vom Mai 2008 würden an der bisherigen
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nichts ändern. Weitere Untersuchungen würden
zeigen, ob eine Entfernung der Implantate sinnvoll sei und eine Schmerzlinderung
herbeiführen könnten.
H.
Mit Eingabe vom 16. Juli 2008 machte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
replicando geltend, das ABI-Gutachten leide an einem formellen Mangel. Die
Anordnung der medizinischen Abklärungen im ABI vom 29. Mai 2006 habe nämlich die
konkreten Gutachternamen nicht bekannt gegeben. Gemäss Rechtsprechung hätten
die Namen im Voraus angekündigt werden müssen, um Art. 44 ATSG zu genügen. Das
ABI-Gutachten könne daher aus formellen Gründen nicht beachtet werden. Der
beigelegte neueste Bericht der Schulthess Klinik vom 23. Juni 2008 von Frau med.
I._ weise darauf hin, dass die Beschwerdeführerin sicher ein übersteigertes
Schmerzempfinden im Operationsgebiet zeige. Es sei jedoch möglich, dass das
Implantat gewisse entzündliche Reaktionen in der Muskulatur auslöse. Man habe daher
therapeutische Infiltrationen über den Schraubenköpfen vorgeschlagen. Je nach
Wirkdauer müsste nochmals über eine Implantatentfernung diskutiert werden.
I.
Die IV-Stelle verzichtete auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
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Die Beschwerde richtet sich hauptsächlich gegen die Art und Weise der
Sachverhaltsabklärung durch die IV-Stelle mittels des ABI-Gutachtens vom 31. August
2006. Nach dem Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat der
Versicherungsträger von Amtes wegen die notwendigen Abklärungen vorzunehmen.
Die IV-Stelle beschafft sich die erforderlichen Unterlagen, insbesondere über den
Gesundheitszustand, die Tätigkeit, die Arbeits- und Eingliederungsfähigkeit des
Versicherten sowie die Zweckmässigkeit bestimmter Eingliederungsmassnahmen. Zu
diesem Zweck können Berichte und Auskünfte verlangt, Gutachten eingeholt,
Abklärungen an Ort und Stelle vorgenommen sowie Spezialisten der öffentlichen und
privaten Invalidenhilfe beigezogen werden (Art. 69 Abs. 2 IVV). - Die
Beschwerdeführerin wendet sich zunächst aus formellen Gründen gegen das
eingeholte ABI-Gutachten, weil die Begutachtungsanordnung nicht von der Nennung
der involvierten Gutachter begleitet war. Allein die von der Beschwerdeführerin
angerufene Rechtsprechung (BGE 132 V 376 ff.) hat sich keineswegs in dieser
Richtung geäussert. Die Unterlassung der Mitteilung, wie sie bis in die jüngste Zeit die
Regel war, erscheint zwar als Formfehler, der auch nicht einfach hinzunehmen ist.
Freilich muss der betroffene Explorand spätestens mit dem konkreten Aufgebot zu
einer Begutachtung bei der zuständigen IV-Stelle die Bekanntgabe der
Gutachternamen verlangen. Tut er dies in diesem Zeitpunkt und verweigert die IV-Stelle
die Information, so kann er sich zur Durchsetzung seines Anspruchs an den Richter
wenden und die Begutachtungsvorkehr ohne Nachteil vorderhand verweigern. - Wo
indessen diese rechtzeitige Reaktion unterblieben ist und die Begutachtung trotz des
Formfehlers durchgeführt wurde, kann der Explorand aus der unterlassenen
rechtzeitigen Nennung der Gutachternamen nichts mehr für sich ableiten. Er hat sich -
bei Notwendigkeit - mit der Möglichkeit zu - rechtzeitigen - Ausstandsbegehren oder
zu Einwendungen gegen bestimmte Gutachter im Rahmen der materiellen
Fallbeurteilung bzw. Beweiswürdigung zur Wehr zu setzen. Der zweite Formfehler im
Gutachten, nämlich dass die eigenhändige Unterschrift in einem Teilgutachten fehlt
und durch jene des Co-Gutachters ersetzt worden und auch der multidisziplinäre
Konsens nicht von beiden beteiligten Gutachten unterschrieben worden ist, dürfte von
der IV-Stelle grundsätzlich nicht einfach hingenommen werden. Nachdem eine Rüge
fehlt und - wie zu zeigen ist - der Verfahrensausgang die Bedeutung des Gutachtens
relativiert, ist von einer Korrektur abzusehen.
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2.
Die Beschwerdeführerin hält dafür, dass zu früh und zu Unrecht, ohne dass vorgängige
Eingliederungsmassnahmen verfügt worden seien, über das Rentengesuch verfügt
worden sei. Tatsächlich bestehen aufgrund der nach Verfügungserlass weitergeführten
medizinischen Abklärungen und der gesamten medizinischen Aktenlage erhebliche
Zweifel, ob der rechtserhebliche Sachverhalt überhaupt korrekt hat gewürdigt werden
können, nachdem noch keine abgeschlossene medizinischen Entwicklung und keine
definitiven Aussagen über die Schmerzursachen möglich waren. Die Frage kann jedoch
offen bleiben, weil die Verfügung in jedem Fall aufzuheben ist, wie sich aus dem
Folgenden ergibt.
3.
Obwohl nach der medizinischen Aktenlage unzweifelhaft feststeht, dass die
Beschwerdeführerin seit dem 9. August 2003 bis jedenfalls "Sommer 2005" (IV-act.
30-19; IV-act. 28) 100% arbeitsunfähig war, hat die Beschwerdegegnerin übersehen,
dass nach Ablauf des Wartejahres im besagten Rahmen eine ganze Invalidenrente
hätte zugesprochen werden müssen. Die Sache ist daher zur näheren Festlegung der
Rentenberechtigung in zeitlicher und quantitativer Hinsicht an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.
Zweckmässigerweise wird die Beschwerdegegnerin vor der neuen Verfügung den
aktuellen Verlauf der Abklärungen und medizinischen Massnahmen genau verfolgen
und in geeigneter Weise überprüfen lassen, ob sich aus der nach dem ABI-Gutachten
vom August 2006 eingetretenen Entwicklung und den nachträglichen ärztlichen
Einschätzungen ihre bisherige Annahme einer nur 28%igen Invalidität wird
aufrechterhalten lassen. Hinzu kommt, dass die Schlussfolgerungen des ABI-
Gutachtens vom 31. August 2006 nicht in allen Teilen überzeugen. Die Verneinung
jeder somatischen Schmerzursache vor dem Hintergrund einer doch gravierenden
Rückenverletzung ist nicht ohne weiteres schlüssig. Auch kann man sich des Eindrucks
nicht erwehren, dass die orthopädische Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit mit 20%
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ohne triftige Begründung von den Annahmen des Unfallversicherers (25%) abweicht,
der darauf gestützt zu einer Invalidität von 36% gelangt ist und auf diesen Grundlagen
noch am 6. Januar 2006 verfügt hat, wobei erst noch eine allfällige psychiatrische
Invaliditätskomponente wegen bestrittener Unfallkausalität aus der
Invaliditätsberechnung herausfiel. Auch wenn im vorliegenden Fall eine förmliche
Bindungswirkung an Entscheidungen der Unfallversicherung aus verschiedenen
Gründen nicht zur Debatte stehen kann (BGE 133 V 549), so ist doch die Aussagekraft
des SUVA-Dossiers im IV-Verfahren zu überprüfen und zu würdigen, wenn man es wie
in diesem Fall schon unbedingt beiziehen muss. Schliesslich räumt auch die
Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort ein, dass weitere Untersuchungen
zeigen würden, ob mit einer Implantatentfernung eine Schmerzlinderung herbeigeführt
werden könnte. Sie hält also selber weder den medizinischen Erkenntnisstand über die
Schmerzursachen noch den Leidensverlauf für abschliessend geklärt. Daher kann es
sich allenfalls aufdrängen, eine weitere Begutachtung anzuordnen.
5.
Da die Beschwerdegegnerin unterliegt, sind ihr grundsätzlich die Gerichtskosten in
Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Die Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Der Verfahrensausgang, die Bedeutung der Streitsache und die
Schwierigkeiten des Prozesses rechtfertigen eine ungekürzte, durchschnittliche
Parteientschädigung, die auf pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen ist. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG