Decision ID: c25ee129-31ed-5962-a9f4-474d012e4f6b
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1977 geborene
X._
absolvierte eine
Ausbildung
zum Baugeräte
führer
(Urk. 9/1/3).
Er
arbeitete an verschiedenen Stellen, zuletzt vom
1. April 2009 bis zum 22. Februar 2011 bei der
Z._
(Urk. 9/8, Urk. 9/9/
1
).
Dieses
Arbeitsverhältnis löste er nach Spannungen am Arbeitsplatz
per 22.
Februar 2011
auf (Urk. 9/1/5).
Am 2. November 2012 meldete sich
X._
unter Hinweis auf eine emo
tionale Regulationsstörung
,
eine Belastungsstörung und einen
Motorradun
fall, den er
am 20. März 2012 erlitten
hatte
(vgl.
Urk. 9/13/13)
,
bei der Invali
den
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/2). Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte erwerbliche
Auskünfte
(Urk. 9/8 und
Urk.
9/9) und
medizinische
Unterlagen
(
Urk.
9/11/1-16
,
Urk.
9/13/1-35
,
Urk.
9/17/1-13
,
Urk.
9/22/1-10
,
Urk.
9/23 und
Urk.
9/24
)
ein.
Nach
weitere
n
Abklärungen zur beruflichen Situation (Urk. 9/26, Urk. 9/
28)
sicherte sie die Kosten
übernahme
für ein Aufbautraining bei der
A._
vom 14. Okto
ber 2013 bis zum 13. April 2014
zu
(Urk. 9/31
und
Urk.
9/37), das
aufgrund
eines
psychischen Zusammenbruchs
des Versicherten
jedoch
per 6. Dezember 2013 abgebrochen
wurde
(Urk. 9/40).
Nach Eingang weiterer medizinischer Akten
(Urk. 9/53
,
Urk. 9/73) forderte die IV-Stelle den Versicherten mit
Schreiben vom 6. Oktober 2014 auf, seiner Mit
wirkungspflicht nachzukommen und mindestens sechs Monate kontrolliert alko
hol
abstinent zu leben unter der Androhung, dass bei Säumnis auf ein erneutes Leistungsgesuch entweder nicht eingetreten werde oder aufgrund der Akten entschieden werden müsse und ein allfälliger Leistungsanspruch abgelehnt oder gekürzt werde (Urk. 9/77).
Mit
B
ericht vom 12. Juli 2015 teilte
der behandelnde Arzt
mit, dass der Versicherte die ihm auferlegte totale Abstinenz nicht
habe
einhalten
können
(Urk. 9/92/4).
Mit Vorbescheid vom 28. Juli 2015
liess die
IV-Stelle
den Versicherten wissen,
dass sie das Leistungsbegehren abzuweisen
ge
denke
(Urk. 9/94). Am 24.
September 2015 verfügte
s
ie im angekündigten Sinne (Urk. 9/95 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 24. September 2015 (Urk. 2) liess der Versicherte, ver
treten durch
die Stadt Zürich,
Soziale Dienste
,
am 15. Oktober 2015
Beschwerde erheben und beantragen, es sei die Verfügung aufzuheben und es seien
ihm
Leistungen der Invalidenversicherung zu gewähren. Auf die Auferlegung einer Schadenminderungspflicht in Form einer Alkoholabstinenz sei zu verzichten. Eventualiter sei der Gesundheitszustand mittels eines Gutachtens abzuklären. In
prozessualer Hinsicht
ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Pro
zess
führung.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Be
schwer
de
gegnerin
(Urk. 1 S.
2).
Mit Beschwerdeantwort vom 29. Dezember 201
5
schloss
die IV-Stelle
auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Mit Verfügung vom
7. Januar 2016 bewilligte das Gericht dem Beschwerdeführer die unent
gelt
liche Prozessführung und ordnete einen zweiten Schriftenwechsel an (Urk. 10). Am 18. Januar 2016 erstattete der Beschwerdeführer Replik (Urk. 11).
Die
Beschwerdegegnerin
verzichtete
auf eine Duplik
(Urk. 14), was dem Beschwerdeführer m
it Verfügung vom 9. Februar 2016
zur Kenntnis gebracht
wurde (Urk. 15).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch (wie auch Drogensucht) begründen nach ständiger Rechtsprechung keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Viel
mehr wird eine solche Sucht invalidenversicherungsrechtlich erst bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesund
heitsschaden eingetreten ist, oder aber wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem Krankheitswert zukommt (vgl.
BGE 124 V 265
E. 3c; AHI 2002 S. 30, I 454/99 E. 2a). Dabei ist das ganze für die Alkoholsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamt
würdigung einzubeziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung
zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung Rechnung
zu tragen ist. Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkoholsucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhängigkeit erforder
lich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilursache der Alkoholsucht darstellt. Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psy
chischen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit einschränkt. Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alkohol
sucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_906/2013 vom 23. Mai 2014 E. 2.2 und 9C_701/2012 vom 10. April 2013 E. 2 mit Hinweisen sowie 9C_706/2012 vom 1. Juli 2013 E. 3.2
mit Hinweis auf I
169/06 vom 8. August 2006 E. 2.2).
1.3
1.3.1
Wer Versicherungsleistungen beansprucht, muss unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versiche
rungsleistungen erforderlich sind (Art. 28 Abs. 2 ATSG).
Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG).
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspru
chen, den Auskunfts- und Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebung einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (Art. 43 Abs. 3 ATSG).
1.3.2
Gemäss Art. 7
Abs.
1 IVG muss die versicherte Person alles ihr Zumutbare unterneh
men, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit zu ver
ring
ern und den Eintritt einer Invalidität zu verhindern. Als zumutbar gilt jede Massnahme, die der Eingliederung der versicherten Per
son dient; ausge
nommen
sind Massnahmen, die ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen sind (Art. 7a
IVG).
Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behand
lung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare bei, so können ihr die Leistun
gen vorübergehend oder dauern
d
gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vor
her schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- oder Eingliede
rungs-
massnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar (Art. 21 Abs. 4 ATSG).
1.3.3
Gemäss Art. 7b Abs. 1 IVG können die Leistungen nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach Art. 7 IVG oder nach Art. 43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist.
Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (Art. 7b Abs. 3 IVG).
Wird die Mitwir
kungspflicht aus entschuldbaren Gründen verletzt, etwa weil die versicherte Person krankheitshalber oder aus anderen Gründen ihren Pflichten nicht nach
kommen kann, ist eine Leistungsverweigerung nicht zulässig (Urteil des Bun
des
gerichts 9C_370/2013 vom 2
2.
November 2013 E.4.1 mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind die Regelungen von
Art.
43
Abs.
3 ATSG (Nichteintreten oder Sachentscheid aufgrund der Akten) und
Art.
7b
IVG (Kürzung oder Verweigerung der Leistung
)
grundsätzlich nebeneinander anwendbar (Urteil des Bundesgerichts
9C_370/2013 vom 2
2.
November 2013 E.3 mit Hinweis).
2.
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung (Urk. 2) damit,
dass
der Beschwerdeführer die ihm auferlegte Pflicht, mindestens wäh
rend sechs Monaten alkoholabstinent zu sein, nicht erfüllt
habe
. Deshalb habe aufgrund der Akten entschieden werden müssen. Gemäss diesen sei aus medi
zinischer Sicht keine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit vorhanden
, weshalb
keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vor
liege
.
Dagegen lässt
der Beschwerdeführer einwenden, beim Alkoholabusus handle es sich um
die
Folge eines geistigen Gesundheitsschadens, welcher an sich eine
Inva
lidität begründe. Die Auferlegung einer Alkoholabstinenz sei daher unrech
t
mässig
,
und
es sei
einer
Wechselwirkung Rechnung zu tragen (Urk. 1)
.
3.
3
.1
Aufgrund der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 25. Juli 2014 (Urk. 9/93/7) auferlegte die IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 6. Oktober 2014 eine Mitwirkungspflicht im Sinne eines ärztlich begleiteten Alkoholentzuges (Urk. 9/77). Der RAD-Arzt h
atte
fest
gehalten
,
die Arztberichte wiesen keine invalidenversicherungsrechtlich relevante
Arbeitsun
fähig
keit aus. E
rst nach einer sechsmonatigen totalen Abstinenz könne definitiv entschieden werden, ob weitere Abklärungen dannzumal noch nötig und sinn
voll seien
(Urk. 9/93/7)
.
Obwohl die Beschwerdegegnerin im Vorbescheid vom 28. Juli 2015 (Urk. 9/94) und in der Verfügung vom 24. September 2015 (Urk. 2) von einer Schaden
min
derung
spflicht sprach
, handelt
e es sich
- wie sie im Schreiben vom
6.
Oktober 2014 zutreffend ausgeführt hatte -
um die
Auferlegung einer
Mitwirkungs
pflicht
zur Abklärung des Anspruchs auf die geltend gemachten Leistungen
.
3.
2
Unbestritten ist,
dass
die Beschwerdegegnerin das Mahn- und Bedenk
zeit
ver
fahren
korrekt
durchgeführt hat
.
Ebenfalls wird nicht bestritten,
dass der Be
schwerdeführer seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen ist, da er
die auferlegte totale
Alkoholabstinenz für die Dauer von mindestens sechs Monaten
nicht einhielt (vgl.
Urk. 9/92/4).
Es bleibt daher zu prüfen, ob die Auferlegung der
Mitwirkungspflicht zumutbar war und
ob
die IV-Stelle aufgrund der Akten verfügen
und das Leistungs
be
gehren abweisen
durfte.
3.3
Wie das Bundesgericht im Urteil 9C_370/2013 vom 2
2.
November 2013 in Erwä
g
ung 4.2.1 ausgeführt hat, kann die Anordnung einer Entzugsbehandlung
und der Nachweis einer Abstinenz bereits im Abklärungsverfahren unter dem Titel der Mitwirkungspflicht angezeigt sein, wenn es darum geht, einen invalidi
tätsfremden Alkoholkonsum bei der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit aus
zu
blenden. Besteht zwischen Alkoholsucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden ein Kausalzusammenhang, sind für die Frage der noch zu
mut
baren Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten Beeinträch
tigungen gesamthaft zu berücksichtigen. Einer allfälligen Wechselwirkung zwi
schen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung ist Rech
nung
zu tragen (vgl. Erwägung 1.2 hiervor). Hängt der Alkoholismus mit einer inva
lidisierenden Krankheit derart zusammen, dass ein
e
Abstinenz unabdingbar ist, um die Progression der zusätzlichen Kra
n
kheit zu verhindern, kann ein Ent
zug als Eingliederungsmassnahme unter dem Titel der Schadenminderungs
pflicht in Frage kommen
(Urteil des Bundesgerichts
9C_370/2013
vom 2
2.
November 2013 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
4
.
4
.1
Gemäss Auskunft des
den Beschwerdeführer seit 2006
behandelnden
Arztes
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin mit Fähigkeitsausweis für psychosoziale und psychosomatische Medizin, war die durch den Motorrad
un
fall vom 2
0.
März 2012 bedingte Behandlung im Dezember 2012 abgeschlossen und es resultierten keine massgeblichen, sich auf die Arbeitsfähigkeit aus
wirkenden somatischen Einschränkungen (Berichte ca. vom Juli 2013 und vom
1
2.
Juli 2015
;
Urk.
9/22/2 und 9/92/3).
4.2
In psychischer Hinsicht erg
ibt
sich aus den bei den Akten liegenden Arzt
berichten
(Berichte von
Dr.
B._
vom Juli 2013 [
Urk.
9/22/1] und vom 1
2.
Juli
2015 [
Urk.
9/92/1] sowie der
C._
vom
3.
Mai 2013
[
Urk.
9/22/7],
vom
3.
Februar [
Urk.
9/53/1] und vom 1
0.
Juni 2014 [
Urk.
9/73
/1])
übereinstimmend die Diag
nose
einer emotional-instabilen Persönlichkeits
stö
rung
vom Boderline-Typ
(ICD-10: F
60.31)
mit selbstverletzendem Verhalten und sekun
därem Substanzabusus
(Alkohol und Cannabinoide).
Gemäss den Ausführungen von
Dr.
B._
im Bericht vom 1
2.
Juli
2015 (
Urk.
9/92/2) war der Beschwerdeführer seit 2001 wegen
der Borderlinestörung mit Erregungszuständen unter Alkohol, mit Intoxikationen, polyvalentem Sub
stanzmissbrauch, selbstverletzendem Verhalten und Suizidalität
rund zwanzig
mal hospitalisiert. Trotzdem sei er sozial einigermassen integriert und insbe
sondere arbeitsfähig
gewesen
.
Aus dem Auszug aus dem individuellen Konto ergibt sich indes, dass der Beschwerdeführer immer wieder die Stelle wechselte, und auch die letzte Anstellung bei der
Y._
wurde nach wiederholten Konflikten aufgelöst (vgl.
Urk.
9/1/5). Als Folge der unfallbedingten langen Arbeitsun
fähigkeit
habe der Beschwerdeführer völlig dekompensiert
. Der Alkoholkonsum, der sich vorher primär als Absturztrinken bei psychischen Krisen geäussert habe, habe zugenommen
, ebenso hätten
die Konflikte zugenommen; es sei zum sozialen Abstieg gekommen (
Urk.
9/92/2).
Weiter führte
Dr.
B._
aus, er erachte die Prognose als sehr schlecht. Den bis
lang involvierten diversen Kliniken sei es nicht gelungen, ein therapeutisches
Konz
e
pt einzuführen, und der Beschwerdeführer habe sich als nicht genügend bündnisfähig erwie
sen, um ein DBT-/Traumatherapie
programm durchzuhalten
. Psychisch bestünden massive Beeinträchtigungen, vor allem in der zwischen
menschlichen Kommunikation mit ständig wiederkehrenden Konflikten, Erre
gungszuständen und massiv eingeschränkter Frustrationstoleranz. Teilweise be
stün
den auch paranoide Vorstellungen.
Die ihm auferlegte totale Alkoholabstinenz habe der Beschwerdeführer nicht einhalten können.
Angesichts der desolaten
soziale
n
Situation
ohne Arbeits
stelle, ohne Tagesstruktur, mit dem Verlust der Wohnung und dem Abbruch praktisch sämtlicher sozialer Kontakte
sei
es ihm nicht möglich gewesen, die geforderte Abstinenz auch nur annäherungsweise zu erreichen.
Grundsätzlich sei das Alkoholproblem ein Folgeproblem der Primärerkrankung. Auslöser für den Alkoholkonsum seien immer Problemsituationen gewesen, die dem Beschwerdeführer über den Kopf gewachsen seien
und dann zu selbst
schädigendem Verhalten mit Schnittverletzungen, Suizidversuchen oder eben Alkoholexzessen geführt hätten. Mit zunehmender Verschlechterung der Grund
erkrankung habe der Alkoholkonsum zugenommen und sich seinerseits negativ auf die Grunderkrankung ausgewirkt. Allerdings sei es illusorisch, die Alkohol
problematik isoliert von
der Grunderkrankung zu betrachten; der Beschwerde
führer könne den Alkohol nur in den Griff bekommen, wenn es ihm gelinge, seine emotionale Situation zu stabilisieren, was bisher nicht möglich gewesen sei (
Urk.
9/92/2-4).
4.3
Aus diesem Bericht von
Dr.
B._
, dem die übrigen medizinischen Akten nicht entgegenstehen, ergibt sich überzeugend und nachvollziehbar, dass die Haupt
problematik in der Persönlichkeitsstörung vom Boderline-Typ liegt, während der
Alkoholkonsum wie das weitere selbstschädigende Verhalten mit Selbst
ver
let
zungen und dem Konsum anderer Substanzen eine Folgeerscheinung der Grund
erkrankung darstellt. Gestützt auf die zitierten Ausführungen von
Dr.
B._
, dass der Beschwerdeführer insbesondere im zwischenmenschlichen Kontakt massive Beeinträchtigungen aufweise, die sich in ständigen Konflikten, Erre
gungszuständen und herabgesetzter Frustrationstoleranz äusserten,
kann entge
gen dem Vorgehen der IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung eine inva
li
denversicherungsrechtlich relevante gesundheitliche Beeinträchtigung nicht ohn
e
Weiteres verneint
werden,
z
umal die Borderline-Störung grundsätzlich als krank
heitswertige gesundheitliche Störung anerkannt ist
(vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_431/2016 vom
7.
Dezember 2016 E. 6.2.2 mit Hinweis).
Das genaue Ausmass der Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit und die Frage, ob dem Beschwerdeführer gegebenenfalls eine behinderungsangepasste Tätig
keit möglich ist (vgl. dazu unter anderem die Einschätzung von
Dr.
B._
im Bericht vom 1
2.
Juli 2015;
Urk.
9/92/3), kann aufgrund der vorliegenden Akten nicht schlüssig beurteilt werden und bedarf der weiteren Abklärung.
Dafür ist indes kein sechsmonatiger Alkoholentzug erforderlich.
Vielmehr ist aufgrund der medizinischen Berichte, insbesondere jener von
Dr.
B._
davon auszugehen, dass
zwischen dem Alkoholkonsum des Beschwerdeführers und
dem psychischen Gesundheitsschaden ein unmittelbarer Zusammenhang besteh
t, so dass für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_370/2013 vom 2
2.
November 2013 E. 4.2.1 mit Hin
weis).
4.
4.
Bei dieser Sachlage
wird
die Leistungsverweigerung wegen des Nichteinhaltens der auferlegten Mitwirkungspflicht
der medizinischen Situation nicht gerecht und sie erweist sich
als unverhältnismässig. Die angefochtene Verfügung ist dementsprechend aufzuheben und die Sache ist an die IV-Stelle zurück
zuweisen, damit sie die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerde
führers und die daraus resultierende Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit gesamt
haft abklären lasse und gestützt darauf über den Rentenanspruch verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen
.