Decision ID: 414b1525-bcd9-46e1-b8b8-e2a848b62671
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der unter Beistandschaft (vgl. Urk. 7/25,
Urk.
7/50) stehende
X._
, geboren 1965, meldete sich unter Hinweis auf psychische Beschwerden am 23. Januar 2013 zur Früherfassung (Urk. 7/1) und am 11. März 2013 bei der In
validenversicherung zum Leistungsbezug (Urk. 7/9) an. Die
Sozialversiche
rungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische (Urk. 7/3
, Urk. 7/27-28, Urk. 7/31)
und erwerbliche
(Urk. 7/4-5, Urk. 7/13-19, Urk. 7/23)
Situation ab und gewährte
im Rahmen einer Frühintervention
am 11. Juni 2013 Unterstützung bei der Stellensuche (Arbeitsvermittlung, Urk. 7/12).
Nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/39, Urk. 7/49), in welchem weitere me
dizinische Berichte eingingen (Urk. 7/58, Urk. 7/60), sprach die IV-Stelle
dem Versicherten
mit Verfügung vom 28. August 2015 ab 1. Dezember 2013 eine halbe Invalidenrente zu (Urk. 7/66 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 24. September 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 28. August 2015 (Urk. 2) und beantragte im Hauptantrag, diese sei dahin
gehend zu ändern, dass ihm ab Dezember 2013 eine ganze Invalidenrente zu
zusprechen sei (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 26. Oktober 2015 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde
, was dem Be
schwerdeführer am 2. November 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Mit Beschluss vom 12. Januar 2016 (Urk. 9) wurde
n
antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S 2) die unentgeltliche Prozessführung
und Rechtsvertretung bewilligt
und
dem Beschwerdeführer
die Gelegenheit eingeräumt, um zu der vom Gericht in Aus
sicht gestellten Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur ergän
zenden Abklärung
und der damit verbundenen möglichen Abänderung der an
gefochtenen Verfügung zu
sein
em Nachteil (
reformatio
in
peius
) Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen.
Dazu nahm der Beschwerdeführer
mit Eingabe vom 1. Februar 2016 (Urk. 11) Stellung, was der
Beschwerdegeg
nerin
am 2. Februar 2016 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.4
Jede psychogene Störung, ob einfache oder neurotische Form, kann im Einzel
fall Krankheitswert haben, weshalb jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein entsprechendes fachärztliches Gutachten sowie die Abklärung der erwerblichen
Umstände (AHI 1997 S. 43 E. 5c). Dabei müssen psychiatrische Berichte in der Regel auf einer persönlichen Untersuchung beruhen (RKUV 2001 Nr. U 438 S.
345, Urteile des Bundesgerichts 9C_602/2007 vom 11. April 2008 E. 5.3 und I 169/06 vom 8. August 2006 E. 4.4 mit Hinweisen). Für die verlässliche Beurtei
lung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E.
2.2.3., Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit Hinweisen).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bun
desgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwer
deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im
Ver
waltungsverfahren
anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch ent
scheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig
ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung
vom
28. August 2015
(
Urk. 2)
ging die
Be
schw
erdegegnerin
davon aus, dass dem
Beschwerdeführer nach Ablauf der ein
jährigen Wartezeit per 20. Dezember 2013 und weiterhin sowohl die bisherige Tätigkeit als Kom
missionierer als auch jede andere angepasste Tätigkeit
im Um
fang von 50 % zumutbar sei, womit in der Invaliditätsbemessung ein
Invalidi
tätsgrad
von 50 % resultiere, weshalb ein Anspruch auf eine halbe Rente aus
ge
wiesen sei.
2.2
Der Beschwerdeführer bringt
hiegegen
vor
(Urk. 1)
,
er sei schon seit Dezember 2013 auf dem freien Arbeitsmarkt vollumfänglich arbeits
un
fähig, was sich unter anderem aus dem Verlaufs- und Schlussbericht
der
Eingliederungs
beratung
ergebe. Auch in den medizinischen Berichten werde eine vollständige Wieder
her
stellung der Arbeitsfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt als sehr un
wahr
scheinlich beurteilt und eine berufliche Tätigkeit mit geringem psychi
schem
Be
lastungsniveau
vorausgesetzt. Demzufolge liege eine dauerhafte, voll
umfäng
liche
Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit vor, weshalb der
Einkommens
vergleich
einen Invaliditätsgrad von 100 % ergebe (S. 7 ff.).
In der Stellungnahme zu einer vom Gericht als möglich erachteten Rückweisung der Sache an die IV-Stelle zu weiteren Abklärungen (vgl. Urk. 9) führte der Be
schwerdeführer
erneut
an, aus dem medizinischen Sachverhalt gehe hervor, dass er seit Dezember 2013 auf dem freien Arbeitsmarkt nicht mehr arbeitsfähig sei (Urk. 11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
der
Invaliditätsgrad des
Beschwerdeführer
s
.
3.
3.1
Die Ärzte der
Y._
nannten
mit Be
richt vom
31. März 2014 (Urk. 7/27)
die folgenden Diagnosen mit Auswirk
un
gen auf die Arbeitsfähigkeit
:
bipolare affektive Störung, gegenwärtig hypomanische Episode (ICD-10 F31.0)
asthenische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak:
Abhängigkeitssyn
drom
(ICD-10 F17.2)
vorwiegend Zwangsgedanken und
Grübelzwang
(ICD-10 F42.0)
pathologisches Spielen (ICD-10 F63.0)
sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (ICD-10 F63.8)
Sie führten aus, es bestünden keine körperlichen Einschränkungen, jedoch ein intellektuelles Leistungsniveau im unteren Normbereich. An psychischen Ein
schränkungen bestünden Konzentrationsstörungen, Stimmungsstörungen, Im
puls
kontrollstörungen und eine Zwangssymptomatik sowie eine eingeschränkte Belastbarkeit. A
nhand anamnestischer Angaben sowie in Zusammenschau mit de
n
bisherigen
Hospitalisationen
würden sie beim Beschwerdeführer von einer bipo
lar affektiven Störung ausgehen. Wegen dieser langjährig bestehenden Stö
rung mit unzureichender medikamentöser Einstellung sei eine Prognose ak
tuell nicht möglich. Die
komorbiden
Störungen, insbesondere die
Impulskon
troll
stö
rung
sowie die Persönlichkeitsstörung und die Zwangsstörung
,
würden die Prog
nose einschränken. Eine vollständige Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit für den ersten Arbeitsma
rkt sei sehr unwahrscheinlich. Zudem werde der Beschwer
deführer ein flexibles und tolerantes Arbeitsumfeld benötigen, was eine beruf
liche Tätigkeit mit geringem psychischen Belastungsniveau sowie ei
nem Pensum
von aktuell 50 % voraussetze (S. 4
f
).
Es bestehe eine 50%ige Ar
beitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit seit dem 3. Januar 2014 und eine sol
che von 50 % in angepasster Tätigkeit seit dem 15. Mai 2012 im Umfang von 5 Stunden pro Tag (S. 5 f.).
3.2
Im Verlaufsbericht vom 29. Oktober 2014 (Urk. 7/28) ergänzten die Ärzte der
Y._
ihre früher gestellten Diagnosen um eine Störung der Sexualpräferenz (ICD-10 F65.9) und präzisierten die bipolare affektive Störung mit
einer
gegen
wärtig leichte
n
oder mittelgradige
n
depressive
n
Episode (ICD-10 F31.3). Ferner
wiesen sie auf eine klinische Besserung hin (S. 2) und empfahlen berufliche Mass
nahmen (S. 3).
Ergänzend hielten sie im Bericht vom 26. November 2014 (Urk. 7/31) hinsicht
lich des Belastungsprofils fest, der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, kon
zentriert über einen längeren Zeitraum zu arbeiten. Ausserdem bestehe eine Einschränkung in der kognitiven Leistungsfähigkeit, die sich auf die Anpas
sungsfähigkeit und die Belastbarkeit auswirke. Eine Arbeitsfähigkeit sei auf
grund der bestehenden Erkrankung langfristig zu 100 % nicht gegeben. In einer
ideal angepassten Tätigkeit sollte die Arbeitstätigkeit in einem toleranten
Ar
beits
umfeld
mit geringem psychische
n
Belastungsniveau (z.B. keine Schichtar
beit) erfolgen, idealerweise 4-5 Stunden täglich (S. 1 f.).
3.3
Pract
. med.
Z._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, Regionaler Ärztlicher
Dienst (RAD), erachtete in seiner Stellungnahme vom 28. Februar 2015 (Urk. 7/33
S. 5) aus medizinsicher Sicht eine Steigerung der Leistungsfähigkeit des Be
schwerdeführers mittels adäquater Therapie für möglich.
Somit sei weder die
aktuell
e
noch die zukünftige Arbeitsfähigkeit/funktionelle Leistungsfähig
keit mit
absoluter Sicherheit zu
beantworten
, der Gesundheitszustand könne durchaus
gewissen Schwankungen unterworfen sein. Daher sei zu empfehlen, die Leis
tungs
fähigkeit des Beschwerdeführers nach Durchführung von medizi
nischen Massnahmen erneut zu beurteilen. Auf Grund der bestehenden Diag
nosen und den beschriebenen Einschränkungen sei aus
versicherungsmedizini
scher
Sicht
da
von auszugehen, dass eine Wiedereingliederung im 1. Arbeitsmarkt aus gesund
h
eitlichen Gründen erschwert sei.
Die in seiner Ein
schätzung vom 3. Dezem
ber 2014 (Urk. 7/33 S. 4 f.) ausgewiesene Arbeitsfähig
keit
von
50 %
gelte für die freie Wirtschaft (1. Arbeitsmarkt).
3.4
Mit Stellungnahme vom 22. April 2015 (Urk. 7/48) wies Dr. med.
A._
, Oberärztin,
Y._
, ergänzend darauf hin, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage sei, konzentriert über einen längeren Zeitraum zu arbeiten, so dass ihm bei der letzten Arbeitstätigkeit wieder gekündigt worden sei. Die Arbeits
un
fähigkeit betrage aktuell und bis auf
weiteres
100 %.
3.5
Die zu ihrer Stellungnahme vom 22. Ap
ril 2015 (vgl. vorstehend E. 3.4
) entstan
de
nen Rückfrage
n
der Beschwerdegegnerin beantwortete Dr.
A._
am 15. Juli 2015 (Urk. 7/58).
Sie liess wissen,
die von
i
hr
attestierte Arbeitsunfähigkeit gelte seit dem 24. November 201
4.
Der Beschwerdeführer habe sich dort mit ei
nem
er
neuten
hypomanen
Zustandsbild (Schlafstörungen, psychomotorische Agi
tiert
heit, An
triebssteigerung,
Libidoerhöhung
und e
norme Konzent
rations
störungen) vorgestellt (Ziff. 1).
Durch die pharmakologische und psychothera
peutische Be
handlung habe ein erneuter stationärer Aufenthalt bei rezidivieren
den schweren depressiven und manischen Phasen verhindert werden können. Depressive und
manische Phasen seien weiterhin vorhanden, jedoch in gerin
gerem Ausmass.
Dies
bezüglich sei es zu einer klinischen Besserung gekommen. In der Zwi
schen
zeit seien beim Beschwerdeführer eine Antriebsminderung sowie eine deut
liche Verschlechterung der Konzentration und Aufmerksamkeit vor
handen. Da
durch resultiere eine Abnahme der Durchhaltefähigkeit. Zudem sei
s
eine Fähig
keit zur Anpassung an Regeln und Routine am Arbeitsplatz bei weiter besteh
ender Im
pul
sivität deutlich eingeschränkt (Ziff. 2).
Die Verschlechterung der Leistungsfähigkeit sei bei persistierender bipolarer Stö
rung als dauerhaft anzusehen (Ziff. 3).
Hinsichtlich der Arbeitstätigkeit sollte eine Tätigkeit im geschützten Rahmen angestrebt werden (Ziff. 6). Ein
Belas
tungsprofil
könne nicht erstellt werden
. Eine Begutachtung der Leistungsfähig
keit bedinge Wiedereingliederungsmassnahmen (Ziff. 7).
3.6
Am 23. Juli 2015 fand eine neuropsychologische Testung in der
Y._
statt, über welche am 30. Juli 2015 berichtet wurde (Urk. 7/60). Die Ärzte führten
eine bi
polare affektive Störung (ICD-10 F32.0) sowie eine Störung der Impulskontrolle (ICD-10 F63.8) als Diagnosen auf (S. 1). Zusammenfassend ergebe sich ein
neu
rokognitives
Profil mit ausgeprägten Defiziten in verschiedenen Bereichen. Der
Bildungsstand des Beschwerdeführers liege deutlich unterhalb der Norm, den
noch
sei das eingeschätzte Intelligenzniveau durchschnittlich
(geschätzter IQ = 93)
. Die visuell-räumliche Wahrnehmung und Kognition sei stark einge
schränkt. Lernen und Abruf seien deutlich reduziert. Die konzentrierte Bearbei
tung einer Aufgabe falle dem Beschwerdeführer schwer. Gesamthaft liege eine starke Beeinträchtigung der Exekutivfunktionen vor, wobei die
Selbstwahrneh
mung
, -organisation und –
einschätzung
stark eingeschränkt seien.
3.7
RAD-Arzt
Z._
verneinte in seiner Stellungnahme vom 18. August 2015 (Urk. 7/63 S. 3) Anhaltspunkte für eine gesundheitliche Verschlechterung. Ge
mäss Bericht der
Y._
vom 15. Juli 2015
(vgl. vorstehend E. 3.5)
sei es zu einer
klinischen Besserung bezüglich der depressiven und manischen Phasen gekom
men.
4.
4.1
Zum umstrittenen psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ge
ben aus ärztlicher Sicht lediglich die Berichte der
Y._
Auskunft (
vgl. vorste
hend E. 3.1
-3.
6
).
D
arin sind als psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine bipolar
e
affektive Störung
, eine asthenische
Persön
lich
keitsstörung
, psychische und Verhaltensstörungen sowie sonstige abnorme Ge
wohnheiten und Störungen der Impulskontrolle genannt.
Diese Berichte sind
hinsichtlich der attestierten Arbeitsfähigkeiten
äusserst
widersprüchlich und nicht
nachvollziehbar. So attestierten die Ärzte de
r
Y._
mit Bericht vom März 2014 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sowohl in ange
stammter wie auch in angepasster Tätigkeit, wiesen aber gleichzeitig aufgrund der lang
jährig bestehenden bipolaren Störung mit unzureichender medikamen
töser Einstel
lung darauf hin, dass eine Prognose aktuell nicht möglich und eine voll
stän
dige Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt unwahr
scheinlich sei (vgl. vorstehend E. 3.1).
Im April 2015 wurde von einer
seit November 2014 bestehende
n
vollstä
ndigen
Arbeitsunfähigkeit berichtet, hin
gegen
sei es
gemäss
ergänzender Stellungnahme der behandelnden Ärztin
vom Juli 2015 zu einer klinischen Besserung des Gesundheitszustandes (hin
sichtlich der depressive
n und manischen Phasen) gekommen, ohne aber die Ar
beitsfähig
keit zu verbessern
(vgl. vorstehend E. 3.3
und E. 3.5
)
.
Ebenso
wenig
lässt sich aus der im Juli 2015
(vgl. vorstehend E. 3.6)
durchgeführten neu
ropsycholo
gischen Testung eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähig
keit erstellen. Eine pathologische Minderintelligenz (IQ unter 69, vgl. Klinisch-diagnostische Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störun
gen der Weltge
sundheitsorganisation, ICD-10 Kapitel V (F),
Dil
ling
/
Mombour
/Schmidt (Heraus
geber), 9. Aufl., Bern 2014, S. 308 ff.) wurde nicht nachgewiesen.
Demgegenüber hat der RAD-Arzt
lediglich
gestützt auf die von den behandeln
den Ärzten
der
Y._
attestie
rte Arbeitsunfähigkeit
, mithin
ohne
eine
eigene Un
ter
suchung
durchzuführen
beziehungsweise medizinische Abklärungen zu ver
anlassen
,
im Umfang
von 50 %
abgestellt, ohne dies näher zu begründen
(vgl. vorstehend E. 3.
3)
. Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medi
zinischer Sicht
gewissermassen
als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben, den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder an
dere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Im vorliegenden Fall hatte der RA
D-Arzt trotz der zuletzt von der
behandelnden Ärzt
i
n de
r
Y._
attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers auf die zuvor festgestellte 50%ige Arbeitsunfä
higkeit abge
stellt, obwohl er in seiner Beurteilung vom 28. Februar 2015 mit konsequent durch
geführter Therapie eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit er
wartete
und gar eine erneute Prüfung von beruflichen
Massnahmen
empfahl
(vgl. vorstehend E. 3.
3
).
Die Widersprüche der
Y._
-Berichte löste er damit nicht auf und es wäre an ihm gelegen, eine eigene
Untersuchung vorzunehmen
be
ziehungsweise
vor
nehmen zu lassen
, um eine aussagekräftige
Entscheid
grundlage
zu erhalten.
Da
rüber hinaus ist a
uf die
Stellungnahmen des medizi
nischen Dienstes nur ab
zu
stellen, wenn diese den allgemeinen
beweisrechtli
chen
Anforderungen an einen
ärztlichen Bericht genügen und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit be
steh
en (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_1063/2009 vom 22. Januar 2010 E. 4.2.3
), was vorliegend gerade nicht zu
treffend ist.
Bei der sich präsentierenden medizinischen Aktenlage findet
auch der vom
Be
schwerdeführer vertretende Standpunkt
, wonach
gemäss
Y._
-Berichte
n sowie dem
Schlussbericht
Arbeitsvermittlung vom
9. Januar 2014
(Urk. 7/23)
keine Erwerbsfäh
i
gkeit im ersten Arbeitsmarkt be
stehe (vgl. Urk. 1 und Urk. 11),
keine genügende
S
tütze
.
Nach dem Gesagten lässt sich
somit
eine abschliessende medizinische Beurtei
lung aufgrund der vorliegenden Akten nicht vornehmen. Die
Beschwerdegeg
nerin
hätte aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 ATSG) insbeson
dere eine psychiatrische Begutachtung veranlassen müssen.
4.2
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschlies
sen
de Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sach
verhalt als unzulänglich, weshalb die angefochtene Verfügung vom 28. August 2015 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen ist
, damit diese nach ergänzender psychiatrischer Abklärung eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
5.2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), auf Fr. 6
00.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.3
Der Antrag auf Bestellung eines
unentgeltliche
n Rechtsvertreters erweist sich angesichts des Ausgangs des Verfahrens als gegenstandslos. Aufgrund seines
Ob
siegens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der Parteikosten.
Rechts
anwalt
Dr.
Peter Stadler
machte in seiner Honorarnote vom
11.
Februar 201
6
einen Aufwand von
14
Stunden und Barauslagen von Fr.
92.40
geltend (Urk. 1
3
).
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Gemäss
§ 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnöti
gen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der von
Dr. Peter Stadler
mit Eingabe vom
11. Februar 2016
geltend ge
machte Aufwand von
14
Stunden ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwie
rig
keit des Prozesses nicht angemessen
. Namentlich erscheint der
für das Verfassen der Beschwerdeschrift geltend gemachte Aufwand v
on über neun Stunden (550
Minuten)
als
überhöht
.
Angesichts der zu studierenden gut
79
Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der etwa
12
-seitigen Beschwerdeschrift und der weiteren 1
-seitigen Stellung
nahme (Urk. 11
)
sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträge ist die Parteientschädigung bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 2‘
6
00.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen.