Decision ID: c5313f34-de1e-4a0b-96fb-66675f3fda32
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Verbrechen gegen das aBetmG
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 22. Dezember 2011 (DG070450)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Bezirksanwaltschaft II für den Kanton Zürich vom 1. Juli
2002 (Urk. 2/5C/18) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig des Verbrechens im Sinne von Art. 19
Ziff. 1 Abs. 3, 4 und 5 in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a altBetmG (Ankla-
geziffer 2; Drogenlieferung vom 26. November 2001).
2. Der mit Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich, I. Strafkammer, vom
24. Februar 2003 ausgefällte Freispruch hinsichtlich Anklageziffer 1 (Dro-
genlieferung vom 21. Oktober 2001) wird bestätigt.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 27 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 215
Tage durch Haft erstanden sind.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
5. Die mit Verfügung der Bezirksanwaltschaft II für den Kanton Zürich vom
9. Januar 2002 beschlagnahmten Fr. 11'830.– (Barkaution ...) werden ein-
gezogen. Fr. 800.– werden zur Kostendeckung herangezogen. Der Rest ver-
fällt dem Staat.
6. Die mit Verfügung der Bezirksanwaltschaft Zürich vom 13. Juni 2002 be-
schlagnahmten Betäubungsmittel (Lagernummer ...) werden eingezogen
und der Kantonspolizei Zürich zur Vernichtung überlassen.
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7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 9'795.50 Auslagen Untersuchung
Fr. 22'329.60 amtliche Verteidigung (RA Y._)
Fr. 7'303.90 amtliche Verteidigung (RAin X._)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Dem Beschuldigten werden die Kosten der Untersuchung zur Hälfte und die
des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen derjenigen der amtlichen Ver-
teidigung, vollumfänglich auferlegt, aber erlassen. Die übrigen Kosten der
Untersuchung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-
ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 72/1 S. 1 f.).
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen Widerhandlung ge-
gen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3, 4 und 5 in Verbindung mit Ziff. 2 lit. a BetmG
freizusprechen.
2. Es seien sämtliche Kosten auf die Staatskasse zu nehmen.
3. Es sei dem Beschuldigten eine Entschädigung für Verdienstausfall in
der Höhe von Fr. 30'000.– zzgl. 5% Zins seit dem auf die Haftentlas-
sung folgenden Tag (29. Juni 2002) zuzusprechen.
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4. Es sei dem Beschuldigten eine Genugtuung in der Höhe von
Fr. 20'000.– zzgl. 5% Zins seit dem auf die Haftentlassung folgenden
Tag (29. Juni 2002) zuzusprechen.
5. Es sei dem Beschuldigten eine zusätzliche Genugtuung in der Höhe
von Fr. 1'000.– zuzusprechen.
6. Es sei dem Beschuldigten die beschlagnahmte Summe von Fr. 800.–
zurückzuerstatten.
7. Die Kosten dieses Verfahrens sowie diejenigen der amtlichen Verteidi-
gung seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:
(schriftlich, Urk. 66)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Das Gericht erwägt:
I. Verlauf und Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 22. Dezember 2011,
wurde der Beschuldigte schuldig gesprochen des Verbrechens im Sinne von
Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3, 4 und 5 in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a altBetmG be-
treffend Anklageziffer 2 (Drogenlieferung vom 26. November 2001) und wurde der
mit Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich, I. Strafkammer, vom 24. Februar
2003 ausgefällte Freispruch betreffend Anklageziffer 1 (Drogenlieferung vom
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21. Oktober 2001) bestätigt. Der Beschuldigte wurde bestraft mit einer unbeding-
ten Freiheitsstrafe von 27 Monaten unter Anrechnung von 215 Tagen erstandener
Haft.
Gegen das Urteil hat der Beschuldigte mit Eingabe vom 23. Dezember 2011 frist-
gerecht Berufung angemeldet (Urk. 52) und mit Eingabe vom 10. April 2012 die
Berufungserklärung eingereicht (Urk. 62). Er ficht das vorinstanzliche Urteil mit
Ausnahme von Dispositiv-Ziffer 2 vollumfänglich an und beantragt einen Frei-
spruch. Ferner stellt er verschiedene Beweisanträge (Urk. 62 S. 2).
Die Staatsanwaltschaft hat keine Berufung erhoben und auf Anschlussberufung
verzichtet. Sie beantragt die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und hat um
Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung ersucht (Urk. 66).
Am 11. Oktober 2012 wurde das Dispensationsgesuch der Staatsanwaltschaft
durch den Präsidenten der II. Strafkammer des Obergerichtes bewilligt und wur-
den die Beweisanträge der Verteidigung mit Präsidialverfügung vom 11. Oktober
2012 einstweilen abgewiesen (Urk. 69).
Das vorinstanzliche Urteil blieb betreffend Dispositiv-Ziffer 2 (Bestätigung des mit
Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich, I. Strafkammer, vom 24. Februar
2003 ausgefällten Freispruches hinsichtlich Anklageziffer 1), Dispositiv-Ziffern 5
und 6 (Beschlagnahmung von Betäubungsmitteln) und Dispositiv-Ziffer 7 (Kosten-
festlegung) unangefochten (Urk. 72/1 S. 1-2; Prot. II S. 6) und ist in diesen Punk-
ten in Rechtskraft erwachsen. Davon ist vorab Vormerk zu nehmen.
II. Prozessgeschichte
Mit Bezug auf die umfangreiche Prozessgeschichte kann zur Vermeidung von
Wiederholungen auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 61 S. 3 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Aus dieser Darstellung der Pro-
zessgeschichte geht hervor, dass Ausgangspunkt der Neubeurteilung im vorlie-
genden Verfahren der Beschluss des Kassationsgerichtes des Kantons Zürich
vom 3. April 2006 bildet, mit welchem der Beschluss der Revisionskammer des
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Obergerichtes des Kantons Zürich vom 30. Mai 2005 aufgehoben wurde und die
Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
gewiesen wurde. Die Revisionskammer des Obergerichtes ihrerseits hielt fest,
dass infolge Bindung an die Rechtsauffassung der oberen Instanz der neue Ent-
scheid nur auf Gutheissung des Wiederaufnahmegesuches lauten könne, wes-
halb sie in Gutheissung des Wiederaufnahmegesuches das Urteil der I. Straf-
kammer des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 24. Februar 2003 aufhob und
den Prozess an das Bezirksgericht zurückwies.
III. Grundlage für die Neubeurteilung
1. Beschluss des Kassationsgerichtes des Kantons Zürich vom 3. April 2006
Da der Beschluss des Kassationsgerichtes des Kantons Zürich vom 3. April 2006
die Grundlage für die Gutheissung des Wiederaufnahmegesuches des Beschul-
digten und die Aufhebung des Urteils des Obergerichtes des Kantons Zürich vom
24. Februar 2003 bildet, ist nachfolgend vorweg darzulegen, welche neuen Tatsa-
chen nebst den bereits im Zeitpunkt der Fällung des Urteils des Obergerichtes
vom 24. Februar 2003 bekannten und vom Obergericht bei der Entscheidfindung
berücksichtigten Tatsachen in die Beweiswürdigung einzubeziehen sind.
Das Kassationsgericht erwog, der Beschuldigte habe sein Wiederaufnahmege-
such damit begründet, dass er zwischenzeitlich von einem Strafverfahren in
B._ [Staat in Osteuropa] gegen einen C._ erfahren habe. Dieser habe
im Verfahren in B._ ausgesagt, am 2. Dezember 2001 einem Fahrer einer
Buslinie, welche regemässig die Strecke D._-Zürich [Stadt im Staat B._]
bediene, ein Paket mit Drogen übergeben zu haben, wobei er dem Fahrer ange-
geben habe, dass es sich um Lebensmittel handle, die sein Bruder in Zürich
übernehmen werde und dass er dem Fahrer DM 30.– für die Transportkosten
übergeben habe. Schon früher habe er zwei- oder dreimal solche Pakete mittels
Busunternehmen "E._" sowie "F._" verschickt. Der Beschuldigte mache
geltend, das Busunternehmen "E._" gehöre ihm (Urk. 2/4 S. 7).
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Das Kassationsgericht kam zum Schluss, bei den Aussagen von C._ handle
es sich um ein neues Beweismittel, welches im Zeitpunkt der Urteilsfällung vom
24. Februar 2003 noch nicht bekannt gewesen sei (Urk. 2/4 S. 7). Die Aussagen
von C._ würden aufgrund der Übereinstimmung in verschiedenen Punkten
mit denjenigen des Beschuldigten die Annahme nahelegen, dass es sich bei ihm
tatsächlich um denjenigen handle, der dem Beschwerdeführer in B._ den
Plastiksack mit Drogen übergeben habe. Sofern die Aussagen von C._ als
glaubhaft zu beurteilen seien, seien sie geeignet, die Aussagen des Beschwerde-
führers zu stützen (Urk. 2/4 S. 9). Die Aussagen von C._ seien folglich ge-
eignet, die tatsächliche Grundlage des Urteils vom 24. Februar 2003 zu erschüt-
tern (Urk. 2/4 S. 10). Durch das in der Sache zuständige Gericht sei die Frage zu
prüfen, ob die Aussagen von C._ glaubhaft seien, für das Revisionsverfahren
seien seine Aussagen genügend glaubhaft (Urk. 2/4 S. 11).
Aus den dargelegten Erwägungen des Kassationsgerichtes geht hervor, dass ein-
zig die neuen Aussagen von C._ Gegenstand der Prüfung durch das Kassa-
tionsgericht waren. Dagegen wurden weitere Beweisanträge des Beschuldigten,
welche mit Beschluss der Revisionskammer vom 30. Mai 2005 abgewiesen wur-
den (Urk. 2/3 S. 8 ff), vom Kassationsgericht nicht beurteilt. Ferner ist festzuhal-
ten, dass das Kassationsgericht sich nicht mit der Frage der Echtheit der Unterla-
gen, welche die Aussagen von C._ beinhalten, befasst hat, bzw. von deren
Echtheit ausgegangen ist.
2. Beweisanträge
Die Verteidigung stellte im vorliegenden Berufungsverfahren Beweisanträge
(Urk. 62 S. 2; Urk. 72/1 S. 2). Sie beantragt den Beizug der Akten des Kreisge-
richtes D._ in der Strafsache gegen C._, die Zeugeneinvernahme von
C._, G._, H._, I._ sowie von J._.
Der Antrag um Einvernahme von H._ und I._ wird vom Beschuldigten
damit begründet, dass sie bestätigen können, dass Buschauffeure regelmässig
Pakete transportieren, ohne deren Inhalt zu kennen (Urk. 62 S. 6). Von der Ein-
vernahme dieser Zeugen ist abzusehen, da nicht behauptet wurde, die Einver-
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nahme dieser Zeugen hätte nicht bereits im Rahmen des ursprünglichen Verfah-
rens gestellt werden können und da das Obergericht bereits in seinem Urteil vom
24. Februar 2003 zutreffend zugunsten des Beschuldigten festhielt, dass er als
Carchauffeur eines konzessionierten und regelmässigen Busbetriebes zwischen
der Schweiz und [dem Staat] B._ systembedingt Personen und Güter trans-
portiere, wobei es normalerweise um den Transport legaler Güter gehe. Ausser-
dem wurde dem Einwand der Verteidigung, wonach die Möglichkeit bestehe, dass
Carchauffeure bzw. deren Reisecars als Transportbehältnisse für illegales Gut
missbraucht werden können, gefolgt (Urk. 2/2 S. 9 f.). Vorliegend besteht im
Rahmen der Revision keine Veranlassung und wohl auch keine gesetzliche
Grundlage, von dieser Einschätzung zu Ungunsten des Beschuldigten abzuwei-
chen.
Die Beweisanträge betreffend Aktenbeizug und Einvernahme weiterer Zeugen
wurden von der Verteidigung im Zusammenhang mit der Prüfung der Echtheit der
neuen Beweismittel (zwei Protokolle der Aussagen von C._ und Urteil des
Kreisgerichtes D._ vom 19. April 2002 in Sachen C._) gestellt. Die Vo-
rinstanz hat darauf hingewiesen, dass die Echtheit und Authentizität der vom Be-
schuldigten eingereichten Unterlagen fragwürdig erscheine (Urk. 61 S. 7 ff.).
Nachfolgend ist daher vorweg auf diese Frage einzugehen.
3. Echtheit der neuen Beweismittel
Der Beschuldigte liess zur Begründung seines Wiederaufnahmegesuches ein
Protokoll über das Verhör des Angeklagten C._ vom 4. Dezember 2001, ein
Protokoll über die Hauptverhandlung i.S. C._ vom 19. April 2002 und ein Ur-
teil des Kreisgerichtes D._ vom 19. April 2002 i.S. C._ einreichen (Urk.
2/5B/1 und Urk. 2/5B/2/2-4). Auf Antrag der Staatsanwaltschaft stellte die Vo-
rinstanz am 30. März 2009 auf dem Rechtshilfeweg ein Aktengesuch betreffend
die Akten des Kreisgerichtes D._ betreffend das Strafverfahren gegen
C._ und betreffend die entsprechenden Untersuchungsakten der Staatsan-
waltschaft D._ (Urk. 6-9). Nach diversen Mahnungen auf dem Rechtshilfe-
weg wurde das Aktengesuch mit Schreiben des Justizministeriums [des Staats]
B._ vom 31. März 2011 beantwortet. Die angeforderten Akten wurden nicht
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eingereicht, da sie gemäss Auskunft der ... Behörden [des Staats B._] kei-
nen Bezug zu vorliegenden Verfahren haben. Gemäss Auskunft der Staatsan-
waltschaft D._ bezieht sich die Akte KT Nr. 273/01 und KT Nr. 1973/01 nicht
auf A._ als Beschuldigten und bezieht sich die Akte K Nr. 88/02 des Kreisge-
richtes D._ auf die Beschuldigten K._ und L._ (Urk. 23/5). Diese
Auskunft der ... Behörden [des Staats B._] wirft die Frage nach der Authentizi-
tät der vom Beschuldigten eingereichten Beweismittel auf.
Die Vorinstanz hat diese Frage letztlich offen gelassen, da sie abstellend auf die
vom Beschuldigten eingereichten Unterlagen (somit ausgehend von deren Echt-
heit) zu einem Schuldspruch gelangte (Urk. 61 S. 9).
Die Auskunft der Staatsanwaltschaft D._, wonach die Akte KT Nr. 273/01
und KT Nr. 1973/01 sich nicht auf den Beschuldigten A._ beziehe, erstaunt
zwar, zumal dies gar nicht der Fragestellung im Rechtshilfeersuchen entsprach,
jedoch lässt sich aus dieser unklaren Beantwortung des Rechtshilfeersuchens
nichts betreffend die Echtheit der entsprechenden Urkunden ableiten. Dagegen
lässt die Auskunft, wonach die Akte K Nr. 88/02 sich auf die Beschuldigte
K._ und die Beschuldigte L._ beziehe, Zweifel an der Echtheit des vom
Beschuldigten eingereichten Urteils des Kreisgerichtes D._ vom 19. April
2002 aufkommen. Denn es handelt sich bei der Geschäftsnummer K Nr. 88/02
um die auf dem vom Beschuldigten eingereichten Urteil gegen C._ aufge-
führte Nummer (Urk. 2/5B/2/4). Entsprechend sind auch Zweifel an der Echtheit
der vom Beschuldigten eingereichten Protokolle betreffend Einvernahmen von
C._ angebracht.
Darüber hinaus sind die Umstände, unter welchen der Beschuldigte in den Besitz
der Dokumente aus einem Strafverfahren gegen eine ihm unbekannte Drittperson
(C._) gekommen sein will, sehr ungewöhnlich. Gemäss seinen Aussagen in
der Untersuchung kannte er die Person mit dem Namen "C._", welche ihm
die Pakete für den Transport in die Schweiz übergeben hatte, nicht näher. Im
Wiederaufnahmegesuch liess er erklären, er habe nach seiner Verurteilung Re-
cherchen durch seine Verwandten in B._ anstellen lassen. Diese hätten er-
fahren, dass in D._ ein gewisser C._ verurteilt worden sei. Seine Ver-
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wandten hätten alsdann die von ihm eingereichten Unterlagen erhältlich gemacht
(Urk. 2/5B/1 S. 4). In der Befragung vor Vorinstanz machte er diesbezüglich gel-
tend, er habe nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft mit allen Kräften
untersuchen wollen, wie es überhaupt zu diesem Fall habe kommen können. Sein
Vater sei Polizist gewesen und seine Familie, zu der auch weitere Polizisten und
Inspektoren gehören würden, sei in den Besitz dieser Dokumente gekommen und
habe sie ihm übergeben (Urk. 46 S. 4). Diese Erklärung des Beschuldigten er-
scheint zusammen mit seiner Aussage in der Untersuchung, wonach er diesen
C._ nicht näher gekannt habe, als wenig glaubhaft, macht er doch damit gel-
tend, er habe nach seiner Haftentlassung seine Verwandten in B._ abklären
lassen, ob gegen eine ihm unbekannte Person mit dem Vornamen "C._" ir-
gendwo in B._ eine Untersuchung wegen Betäubungsmitteldelikten geführt
wurde, bzw. eine Verurteilung erfolgte. Widerlegt werden kann die Darstellung
des Beschuldigten beim derzeitigen Aktenstand jedoch nicht. Es wären weitere
Abklärungen erforderlich, der Beschuldigte stellt denn auch entsprechende Be-
weisanträge.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Zweifel an der Echtheit der vom Be-
schuldigten eingereichten neuen Beweismittel bestehen. Diese lassen sich ohne
weitere Abklärungen über die ... Behörden [des Staats B._] bzw. Einver-
nahme der vom Beschuldigten angerufenen Zeugen nicht ausräumen. Angesichts
des Umstandes, dass die Beantwortung des ersten Rechtshilfeersuchens 2 Jahre
auf sich warten liess und die angeklagten Delikte über 10 Jahre zurückliegen, ist
auf weitere Abklärungen unter dem Aspekt des Beschleunigungsgebotes zu ver-
zichten. Zugunsten des Beschuldigten ist von der Echtheit der entsprechenden
Beweismittel auszugehen und ist von der Abnahme der weiteren vom Beschuldig-
ten zum Beweis der Echtheit angerufenen Beweismittel abzusehen.
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IV. Schuldpunkt
1. Standpunkt des Beschuldigten
Unbestritten und erstellt ist, dass der Beschuldigte am 25. November 2001 in der
ehemaligen ... B._ von einem Unbekannten die in der Anklageschrift aufge-
führten Drogen (695 Gramm reines Heroin und 1,19 kg reines Kokain) entgegen-
genommen und in dem von ihm gelenkten Reisecar am 25. November 2001 nach
Zürich transportiert hat, wo er die Drogen am 26. November 2001 M._ über-
gab und von diesem einen Plastiksack entgegennahm, in welchem sich ein Geld-
betrag von insgesamt Fr. 11'030.– befand.
Der Beschuldigte bestreitet jedoch den Vorsatz mit Bezug auf Transport und
Übergabe von Drogen. Er macht geltend, er habe keine Kenntnis davon gehabt,
dass sich in dem von ihm transportierten und übergebenen Sack Drogen befan-
den. Er habe den Sack von einem Unbekannten namens "C._" in B._
erhalten. Dieser habe ihm gesagt, der Sack enthalte Lebensmittel (insbesondere
Käse) und werde von seinem (C._s) Bruder in der Schweiz abgeholt. Für den
Transport habe er dem Beschuldigten DM 30.– bezahlt.
2. Beweiswürdigung
2.1. Aussagen des Beschuldigten
2.1.1. Widersprüchliche Aussagen
Das Obergericht des Kantons Zürich, I. Strafkammer, hat in seinem Entscheid
vom 24. Februar 2003 zutreffend festgehalten (Urk. 2/2 S. 17 ff.), dass der Be-
schuldigte betreffend die Übernahme des Sackes mit den Drogen und seine
Kenntnisse über den Inhalt widersprüchliche Aussagen machte. Im Rahmen der
ersten Befragung nach seiner Inhaftierung sagte er aus, er habe den Sack von ei-
nem Mann in ... erhalten und an der ... Tankstelle einem anderen Mann überge-
ben müssen. Für den Transport hätte er von "C._" Fr. 1'000.– erhalten, er
habe lediglich vermutet, dass es sich beim Inhalt des Sackes um Drogen oder et-
was anderes handeln könnte (Urk. 2/5C/3/6 S. 1). In der Einvernahme vom 3. De-
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zember 2001 wurde er zu den Gepflogenheiten betreffend die Fahrten mit dem
Reisebus und die Mitnahme von Passagieren und Gepäck von und nach B._
befragt. Auch in dieser Einvernahme hielt er daran fest, dass er den Sack von
C._ erst in der Schweiz übernommen habe und für den Transport Fr. 1'000.–
erhalten hätte (Urk. 2/5C/4/2 S. 4 f.). Noch in der Einvernahme vom 13. Dezem-
ber 2001 sagte er aus, er habe die Tasche mit Sicherheit nicht aus B._ mit-
gebracht, sondern an der Tankstelle ... von C._ übernommen (Urk. 2/5C/3/7
S. 3 f.). Erst in seiner Einvernahme vom 18. Dezember 2001 änderte er seine
Aussagen grundlegend und machte geltend, er sei bei der Rückfahrt in B._
von einem Mann namens "C._" angesprochen worden, der ihm einen Sack
mit Lebensmitteln und Käse für seinen Bruder mitgegeben habe und ein Couvert,
welches angeblich einen Geburtsschein enthalten habe. Für den Transport habe
er DM 30.– erhalten und der Unbekannte habe ihm gesagt, dass sein Bruder ihm
(dem Beschuldigten) Geld für B._ mitgeben werde. Mit diesem Bruder habe
er dann beim Zollfreilager abgemacht und hätte den von diesem erhaltenen Plas-
tiksack nach D._ bringen müssen. Er habe nicht gewusst, dass es um Dro-
gen gegangen sei.
Dieses widersprüchliche Aussageverhalten des Beschuldigten betreffend zentrale
Punkte wie Ort der Übernahme des Sackes, in Aussicht gestelltes Entgelt und
Angaben des Übergebers des Sackes betreffend den Inhalt lässt am Wahrheits-
gehalt seiner Aussagen zweifeln. Daran hat sich auch nach der Gutheissung des
Wiederaufnahmegesuches nichts geändert.
2.1.2. Erklärung für die Änderung der Aussagen
Als Erklärung für die Kehrtwende in seinen Aussagen betreffend die Entschädi-
gung von Fr. 1'000.–, die er für den Transport des Sackes in Aussicht gestellt er-
halten hätte, sowie betreffend seine Vermutung über den Inhalt des Sackes
machte der Beschuldigte geltend, er habe nach der Verhaftung Angst bekommen
und deshalb nicht die Wahrheit gesagt. Darauf beruft sich auch die Verteidigerin
in ihrem Plädoyer (Urk. 72/1 S. 5-9). Sie weist auf die ausweglose Situation des
Beschuldigten hin und darauf, dass sich dieser aufgrund seiner Verhaftung und
den Vorwürfen gegen ihn in einem grossen Schockzustand befunden habe. Der
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Beschuldigte selbst beantwortete heute die Frage nach der Änderung seiner Aus-
sagen nicht, sondern antwortete ausweichend (Urk. 71 S. 5).
Das Obergericht kam in seinem Entscheid vom 24. Februar 2003 zum Schluss, es
sei glaubhaft, dass der Beschuldigte durch seine Verhaftung und deren Tragweite
schockiert gewesen sei. Ein solcher Schock könne durchaus eine Erklärung für
widersprüchliche oder gar falsche Aussagen sein (Urk. 2/2 S. 22), jedoch lasse
auch ein Verhaftungsschock eine Person nicht die einfachste Wahrheit vergessen
(Urk. 2/2 S. 22) und es stelle sich die Frage, weshalb der Beschuldigte nicht sofort
von transportiertem Käse gesprochen habe (Urk. 2/2 S. 23). Das Aussageverhal-
ten des Beschuldigten wäre dagegen nachvollziehbar, wenn er gewusst hätte,
dass im Sack Drogen waren. Dann liesse sich seine Aussage, er habe zwar ver-
mutet aber nicht gewusst, dass Drogen im Sack waren, als geradezu vorbildliche
Abschwächung erklären (Urk. 2/2 S. 23). Der Beschuldigte habe nicht plausibel
erklären können, weshalb er einen Lohn von Fr. 1'000.– überhaupt erwähnt habe.
Diese Überlegungen, welche dem obergerichtlichen Entscheid vom 24. Februar
2003 zugrunde lagen, beanspruchen nach wie vor Gültigkeit. Es widerspricht der
Lebenserfahrung und ist unglaubhaft, dass eine Person aufgrund eines Schockes
wegen einer ungerechtfertigten Verhaftung eine sie völlig zu Unrecht belastende
wahrheitswidrige Geschichte erfindet, an dieser über mehrere Einvernahmen hin-
weg festhält und erst nach rund drei Wochen Haft die sie entlastende Wahrheit
erzählt.
Zu prüfen bleibt jedoch, ob die neu eingereichten Unterlagen betreffend Aussagen
von C._ zu einer abweichenden Beweiswürdigung führen.
2.2. Neue Beweismittel
Dem vom Beschuldigten beigebrachten Protokoll über die Einvernahme von
C._ vom 4. Dezember 2001 als Beschuldigter in einer Strafuntersuchung
wegen Betäubungsmitteldelikten in B._ ist zu entnehmen, dass C._
aussagte, er habe am 2. Dezember 2001 in B._ ein Paket übernommen und
habe den Auftrag gehabt, dieses einem Busfahrer zu übergeben. Für den Trans-
port hätte er von seinem Auftraggeber DM 1000.– erhalten. Er habe das Paket
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dem Busfahrer gegeben, für die Transportkosten DM 30.– bezahlt und dem Fah-
rer gesagt, das Paket enthalte Lebensmittel, Käse, Rahm, Schnaps und Schinken
und dass sein Bruder in Zürich warten werde. Er habe das nicht das erste Mal
gemacht, habe dies vielmehr auch früher schon getan mit anderen Transportun-
ternehmen wie E._ (Urk. 2/5B/2/2). In der Hauptverhandlung vor Kreisgericht
D._ vom 19. April 2002 erklärte C._, er bleibe bei diesen Aussagen. Im
Protokoll betreffend diese Hauptverhandlung wird sodann festgehalten, dass der
Zeuge G._ angegeben hat, dass er als Busfahrer einer Linie nach Zürich von
C._ ein Päckchen übernommen habe, dass C._ dafür DM 30 bezahlt
habe, dass er gesagt habe, sein Bruder werde es in Zürich übernehmen und dass
er (G._) keine Zeit gehabt habe, den Inhalt des Päckchens zu überprüfen, da
er habe aufpassen müssen, dass ihm das Reisegepäck nicht abhanden komme
(Urk. 2/5B/2/3).
In der Begründung des Urteils des Kreisgerichtes D._ vom 19. April 2002
wird festgehalten, dass der Angeklagte C._ gestanden habe, das Paket mit
Drogen dem Busfahrer übergeben und gesagt zu haben, dass er Lebensmittel
schicke, die sein Bruder übernehmen werde, dass er DM 30.– Transportkosten
bezahlt habe und dass er früher schon zwei- dreimal die Pakete über das Busun-
ternehmen E._ sowie F._ geschickt habe (Urk. 2/5B/2/4).
Den Aussagen von C._ ist somit zu entnehmen, dass er vor der Übergabe
des Drogen enthaltenden Paketes an G._ am 2. Dezember 2001 schon in
gleicher Weise einem Chauffeur des Busunternehmens E._ ein Drogenpaket
übergeben hat, für den Transport des Paketes DM 30.– bezahlt hat und dem
Chauffeur gesagt hat, dass das Paket Lebensmittel enthalte und von seinem Bru-
der in Zürich abgeholt werde. Insofern stützt die Aussage von C._ die Dar-
stellung der Geschehnisse wie sie der Beschuldigte in der Einvernahme vom
18. Dezember 2001 und in späteren Einvernahmen abgab. Indessen ist auch zu
beachten, dass Gepäcktransporte aus B._ in die Schweiz zum üblichen An-
gebot des Busunternehmens E._ des Beschuldigten gehörte. Er hat in der
Einvernahme vom 13. Dezember 2001 (also vor der Kehrtwende in seinen Aus-
sagen) ausgesagt, dass der Transport einer Tasche zwischen Fr. 30.– und
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Fr. 50.– gekostet habe, ein Fernsehgerät oder gar Möbel hätten mehr gekostet
(Urk. 2/5C/4/4 S. 2). Der vom Beschuldigten angegebene Preis für den Transport
der inkriminierten Tasche von DM 30 entsprach somit dem üblichen Tarif für den
Transport einer Tasche/eines Paketes. Daher ist aus der übereinstimmenden An-
gabe von C._ und dem Beschuldigten betreffend den Transportpreis von
DM 30 allein nichts zugunsten des Beschuldigten abzuleiten. Insbesondere ist
damit die ursprüngliche Aussage des Beschuldigten nicht widerlegt, wonach er für
den Transport und die Übergabe der Tasche von seinem Auftraggeber (welcher
nicht identisch ist mit C._) Fr. 1'000.– erhalten hätte. Diese Aussage findet
ebenfalls eine Entsprechung in den Aussagen von C._, welcher seinerseits
erklärte, er hätte von seinem Auftraggeber DM 1'000.– erhalten.
Betreffend die Frage, ob der Beschuldigte Kenntnis vom Inhalt des Sackes bzw.
der Tragtasche hatte, lassen sich den Aussagen von C._ keine konkreten
Angaben entnehmen. Er sagte einzig aus, dass er dem Fahrer bei der Übergabe
vom 2. Dezember 2001 gesagt habe, das Paket enthalte Lebensmittel, Käse,
Rahm, Schnaps und Schinken und dass sein Bruder in Zürich das Paket über-
nehme und dass es nicht das erste Mal gewesen sei, dass er es auch früher mit
anderen Transportunternehmen wie E._ getan habe. Selbst wenn davon
ausgegangen wird, dass es C._ war, der dem Beschuldigten die Drogen in
B._ übergeben hat und dass er ihm sagte, in der Tasche seien Lebensmittel,
ist daraus nicht zu schliessen, dass der Beschuldigte keine Kenntnis oder Vermu-
tungen betreffend den wahren Inhalt der Tasche haben konnte bzw. musste. Hier
spielen die weiteren Indizien eine Rolle. Insbesondere fällt ins Gewicht, dass der
Beschuldigte im Austausch gegen den Sack mit den Drogen einen Sack mit einer
Geldsumme von insgesamt Fr. 11'030.– entgegennahm. Der Beschuldigte wusste
nach eigener Zugabe, dass er einen Sack mit Geld erhalten würde. Es ging also
nicht nur um den Transport und die Ablieferung eines im Bus transportierten Pa-
ketes, vielmehr auch um die Entgegennahme von Geld. Auf Vorhalt eines TK-
Gesprächsprotokolles betreffend ein Gespräch vom 25. November 2001, 19.44
Uhr, zwischen ihm und einem "N._", in welchem es darum geht, dass die
Übergabe auf den nächsten Tag verschoben werden müsse, und dem Beschul-
digten die ihm geschuldeten Fr. 2'350.– gegeben werden, bestätigte der Beschul-
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digte, dass ihm C._ Fr. 2'350.– geschuldet habe für einen Möbeltransport,
den er ausgeführt habe aber noch keine Zahlung erhalten habe (Urk. 5C/3/14
S. 11). Auf Vorhalt des sichergestellten Betrages von Fr. 11'030.– aus dem Plas-
tiksack, den er bei der Verhaftung mit sich trug, erklärte der Beschuldigte, er hätte
dieses Geld nach B._ schicken sollen (Urk. 2/5C/3/14 S. 11/12). Aus diesen
Erklärungen und aus den dokumentierten telefonischen Kontakten zwischen dem
Beschuldigten und "N._" im Hinblick auf die Übergabe und die Telefonate am
26. November 2001 zwischen dem Beschuldigten und M._ am 26. November
2001 (Urk. 2/5C/3/14 S. 17 f.) geht hervor, dass der Beschuldigte vor dieser
Übergabe mit Drittpersonen in Kontakt stand, welche ihm Geld schuldeten und
dass er bei der Übergabe des Sackes, den er in B._ übernommen hat, auch
Geld übernehmen sollte. Der Beschuldigte machte sodann selber geltend, bereits
vor dem Transport vom 25./26. November 2001 mit diesem C._ Kontakt ge-
habt zu haben und für ihn einmal Möbel nach B._ und einmal ein Couvert
aus B._ transportiert zu haben (Urk. 5C/3/8 S. 7). C._ habe die Trans-
portkosten für die Möbel nicht bezahlen können und habe gesagt, er werde den
Mann in der Schweiz anrufen, der ihm die geschuldeten Fr. 2'350.– geben wer-
den. Der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt unterscheidet sich demzufolge in
verschiedenen Punkten von demjenigen vom 2. Dezember 2001, zu welchem
C._ im Verfahren gegen ihn in B._ aussagte. Anders als der Buschauf-
feur in jenem Verfahren, hatte der Beschuldigte schon vor dem Transport vom
25./26. November 2001 mit diesem C._ Kontakt und hatte für diesen andere
Transporte ausgeführt. Ausserdem wurde dem Beschuldigten am Zielort Geld
übergeben, welches unbestrittenermassen zu einem Teil für ihn bestimmt war.
3. Schlussfolgerung
3.1. Sachverhalt
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussage des Beschuldigten in sei-
ner ersten Einvernahme, wonach er nicht gewusst aber vermutet habe, dass sich
in dem von ihm übergeben Sack Drogen befanden, authentisch und überzeugend
erscheint. Das Gleiche gilt bezüglich des ihm in Aussicht gestellten Entgeltes von
Fr. 1'000.–. Seine Erklärung für eine Änderung der Darstellung im Sinne der Aus-
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sagen in der Einvernahme vom 18. Dezember 2001 ist lebensfremd und unglaub-
haft. An dieser Beurteilung vermögen entgegen der Auffassung der Verteidigerin
(Urk. 72/1 S. 11 ff.) auch die neu eingereichten Beweismittel nichts zu ändern. Es
bestehen keine Zweifel daran, dass der Beschuldigte zumindest in Kauf genom-
men hat, Drogen zu transportieren. Mit der Vorinstanz ist daher zu schliessen,
dass auch der subjektive Sachverhalt erstellt ist.
3.2. Rechtliche Würdigung
Bezüglich des intertemporalen Rechtes ist festzuhalten, dass sich das neue Be-
täubungsmittelgesetz vorliegend nicht als das mildere Recht erweist, zumal vor-
liegend weder ein Anstalten Treffen noch Betäubungsmittelabhängigkeit des Be-
schuldigten eine Rolle spielen, welche nach neuem Recht fakultative Strafmilde-
rungsgründe darstellen (Art. 19 Abs. 3 BetmG). Demzufolge ist diesbezüglich das
alte Recht anwendbar und braucht an dieser Stelle nicht weiter auf die Problema-
tik der lex mitior im Revisionsverfahren eingegangen zu werden (vgl. dazu nach-
folgende Erwägungen V.1.).
Demzufolge ist der Beschuldigte betreffend Anklageziffer 2, Drogenlieferung vom
26. November 2001, des Verbrechens im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3, 4 und 5
in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a altBetmG schuldig zu sprechen.
V. Strafzumessung und Strafvollzug
1. Anwendbares Recht
Vorweg ist betreffend die auszufällende Strafe festzuhalten, dass aufgrund des
Verschlechterungsverbotes die Ausfällung einer höheren als mit Urteil des Ober-
gerichtes vom 24. Februar 2003 ausgefällten Strafe von 27 Monaten ausser Be-
tracht fällt. Mit Bezug auf die auszufällende Sanktion erweist sich somit der am
1. Januar 2007 in Kraft getretene allgemeine Teil des Strafgesetzbuches vorlie-
gend als das mildere Recht, da bei einer Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren die Mög-
lichkeit des teilbedingten Strafvollzuges besteht.
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Es stellt sich jedoch die Frage, ob Art. 2 Abs. 2 StGB in Revisionsverfahren zur
Anwendung kommt. Die Vorinstanz hat betreffend diese Frage auf einen Bundes-
gerichtsentscheid aus dem Jahre 1943 verwiesen (Urk. 61 S. 15; BGE 69 IV 225).
Das Bundesgericht hat sich in diesem Entscheid mit der Frage befasst, unter wel-
chen Voraussetzungen Art. 2 Abs. 2 StGB im Verfahren um die Revision eines
vor dem Inkrafttreten des Strafgesetzbuches gefällten Urteils anzuwenden ist. Es
kam zum Schluss, dass Art. 2 Abs. 2 StGB im Revisionsverfahren nur zur An-
wendung gelangt, wenn sich der Tatbestand, der dem ersten Urteil zugrunde lag,
durch das Revisionsverfahren als falsch oder unvollständig herausgestellt hat und
die Abweichung das damalige Urteil beeinflusst hätte, wenn sie bekannt gewesen
wäre (BGE 69 IV 227). Das Bundesgericht verwies zur Begründung auf die unter-
schiedlichen Regelungen in den kantonalen Prozessordnungen betreffend die
Auswirkungen der Einreichung eines Revisionsgesuches auf Aufhebung oder
Weitergeltung des früheren Urteils bis zum neuen Entscheid hin. Insbesondere
wies es darauf hin, dass es auch kantonale Rechtsordnungen gibt, nach denen
eine materielle Vorprüfung des Revisionsgesuches unterbleibt und die Einrei-
chung des Gesuches genügt, damit die Wiederaufnahme des Verfahrens bewilligt
und ein neues Sachurteil gefällt werden muss und dass in solchen Fällen Miss-
bräuche möglich wären, indem der Verurteilte durch Einreichung eines Revisions-
gesuches eine Neubeurteilung nach neuem milderem Recht bewirken könnte, un-
bekümmert darum, ob sich der Tatbestand gegenüber dem früheren Urteil verän-
dert hat oder nicht. Diese Problematik stellt sich mit Inkrafttreten der Schweizeri-
schen Strafprozessordnung nicht mehr. Das Berufungsgericht tritt auf offensicht-
lich unzulässige oder unbegründete Revisionsbegehren nicht ein (Art. 412 Abs. 2
StPO). Gemäss Art. 413 Abs. 2 StPO prüft das Berufungsgericht die geltend ge-
machten Revisionsgründe und hebt den angefochtenen Entscheid ganz oder teil-
weise auf, wenn es die geltend gemachten Revisionsgründe als gegeben erachtet
(Art. 413 Abs. 2 StPO) bzw. weist im gegenteiligen Fall das Revisionsgesuch ab
(Art. 413 Abs. 1 StPO). Missbräuchlicher Einreichung von Revisionsgesuchen im
Hinblick auf die Anwendung neuen milderen Rechts kann aufgrund dieser gesetz-
lichen Regelungen entgegengetreten werden. Ausserdem ist klargestellt, dass bei
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Gutheissung des Revisionsgesuches eine Aufhebung des angefochtenen Ent-
scheides und eine Neubeurteilung zu erfolgen hat.
Vorliegend entsprach das Vorgehen bei der Prüfung der Revisionsgründe durch
die Revisionskammer dem Vorgehen gemäss Art. 413 Abs. 2 StPO. Mit Be-
schluss vom 23. Juni 2006 bejahte die Revisionskammer des Obergerichtes des
Kantons Zürich (gestützt auf den Beschluss des Kassationsgerichtes des Kantons
Zürich vom 3. April 2006) das Vorliegen von Revisionsgründen, hob das Urteil der
I. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich vom 24. Februar 2003 auf
und wies das Verfahren an die erste Instanz zurück zur Fällung eines neuen Ent-
scheides. Formell ist ein neues Urteil zu fällen und hat eine Neubeurteilung der
Tat zu erfolgen. Im Sinne von Art. 2 Abs. 2 StGB erfolgt die Beurteilung der Tat
nach Inkrafttreten des neuen Allgemeinen Teils des StGB. Trotz Tatbegehung un-
ter der Herrschaft des alten Rechtes ist daher in Abweichung von der Auffassung
der Vorinstanz das neue Recht als milderes Recht anwendbar.
2. Strafzumessung
Bezüglich der Strafzumessung kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 61 S. 16 ff; Art. 82 Abs. 4 StPO). Insbesondere ist
der Vorinstanz darin zu folgen, dass der Sinn des Revisionsverfahrens in der
Überprüfung der materiellen Richtigkeit des früheren Urteils besteht und nicht in
der Berücksichtigung neuer allein durch Zeitablauf entstandener Umstände.
Ebenfalls zu folgen ist den theoretischen Ausführungen der Vorinstanz im Zu-
sammenhang mit der von der Verteidigung geltend gemachten Verletzung des
Beschleunigungsgebotes (Urk. 61 S. 18 f.).
Kurz zusammengefasst ist nochmals festzuhalten, dass der Beschuldigte eine
reine Drogenmenge von 695 Gramm Heroin und 1,19 kg Kokain transportierte,
somit eine Menge, welche die Grenze zum schweren Fall um ein Mehrfaches
überschritt. Er leistete mit seinem Handeln einen wichtigen Beitrag im internatio-
nalen Drogenhandel, war aber nur als reiner Transporteur tätig, also nicht auf ei-
ner hohen Hierarchiestufe. Er war nicht drogensüchtig und handelte aus rein fi-
nanziellen Motiven. Zu seinen Gunsten fällt ins Gewicht, dass es sich um einen
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einzigen Vorfall handelte und dass ihm nicht direkter Vorsatz sondern eventual-
vorsätzliches Handeln vorzuwerfen ist. Die erwirkte Vorstrafe vom 8. Oktober
1999 betreffend Hehlerei wirkt sich leicht straferhöhend aus. Strafminderungs-
gründe, Strafmilderungsgründe oder Strafschärfungsgründe liegen nicht vor.
Zu berücksichtigen ist vorliegend jedoch der Umstand, dass das Verfahren nach
der Ausfällung des Revisionsentscheids aussergewöhnlich lange dauerte. Insbe-
sondere die lange Zeitdauer bis zur Beantwortung des Rechtshilfeersuchens in
B._ wurde nicht durch den Beschuldigten verschuldet. Obwohl grundsätzlich
die Verhältnisse zum Zeitpunkt des früheren Urteils, somit des Jahres 2003 mas-
sgebend sind, kann dieser lange Zeitablauf nicht vollends ausgeblendet werden
und rechtfertigt sich deshalb eine leichte Senkung der Strafe.
Die vom Obergericht in seinem Urteil vom 24. Februar 2003 ausgefällte Freiheits-
strafe von 27 Monaten ist somit leicht zu reduzieren und die Strafe auf 24 Monate
festzusetzen. An diese Strafe anzurechnen sind 215 Tage erstandener Haft.
3. Strafvollzug
Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB kann das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe
von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren aufschieben, wenn
eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um dem Verschulden des Tä-
ters angemessen Rechnung zu tragen.
In objektiver Hinsicht sind die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten
Strafvollzuges gegeben.
In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte im Zeitpunkt der
Tatbegehung eine nicht einschlägige Vorstrafe aufwies. Er war mit Urteil des Be-
zirksgerichtes Zürich vom 8. Oktober 1999 wegen Hehlerei zu einer bedingten
Freiheitsstrafe von 8 Monaten verurteilt worden unter Ansetzung einer Probezeit
von 2 Jahren (Urk. 2/5C/15/2) und hat die heute zu beurteilende Straftat kurz
nach Ablauf dieser Probezeit begangen. Da diese Vorstrafe jedoch nicht ein-
schlägig ist, der Beschuldigte in jenem Verfahren nicht in Untersuchungshaft war
und davon auszugehen ist, dass er sich durch die im vorliegenden Verfahren er-
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standene Haft von 215 Tagen hat beeindrucken lassen, kann ihm eine günstige
Legalprognose gestellt werden und steht der Gewährung des bedingten Strafvoll-
zuges nichts entgegen.
Angesichts der seit der Delinquenz verstrichenen langen Zeitdauer ist die Probe-
zeit auf das Minimum von 2 Jahren festzulegen.
VI. Beschlagnahmungen
Bezüglich des beschlagnahmten Geldes kann auf die zutreffenden Ausführungen
des Urteils der I. Strafkammer vom 24. Februar 2003 verwiesen werden (Urk. 2/2
S. 32). Die mit Verfügung der Bezirksanwaltschaft II für den Kanton Zürich vom
9. Januar 2002 beschlagnahmten Fr. 11'830.– (Barkaution ...) aus Drogenerlös
sind einzuziehen (Art. 70 Abs. 1 StGB). Das beim Beschuldigten beschlagnahmte
Bargeld von Fr. 800.– ist zur Deckung der Verfahrenskosten heranzuziehen
(Art. 268 Abs. 1 StPO).
VII. Kostenfolgen
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenregelung (Dispositiv-Ziffer 8) zu
bestätigen.
Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit Bezug auf seinen Hauptan-
trag auf Freispruch und obsiegt im Eventualstandpunkt in geringem Umfang. Die
Kosten des Berufungsverfahrens sind ihm daher gestützt auf Art. 428 Abs. 1
StPO zu drei Vierteln aufzuerlegen und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Die Kosten der amtlichen Vereidigung für das Berufungsverfahren sind
auf die Gerichtskasse zu nehmen, vorbehalten bleibt eine Nachforderung im Um-
fang von drei Vierteln (Art. 135 Abs. 4 StPO).
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