Decision ID: 8cc0cd59-c232-4dc8-b45e-f792e8552a0b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1965 geborene
X._
, Mutter dreier 1988, 1992 und 1994 geborener Kinder, reiste im September 1988 aus der
Z._
in die Schweiz ein
und war zulet
zt bis Juni 2003 als Mitarbeiterin
in der P
roduktion bei der
A._
tätig
(
Urk.
7/13/2
,
Urk.
7/33/2,
Urk.
7/16
/3
).
Zwischenzeitlich
bezog sie
Leistungen der Arbeitslosenversicherung
resp. Sozialhilfe
(
Urk.
7/16)
.
Mit Datum
vom 9.
Januar 2013 meldete sie sich unter Hinweis a
uf eine schwere De
pres
si
on
/
psychische Krankheit zum Leistungsbezug bei der Eidgenössischen In
va
li
den
versicherung an (
Urk.
7/13).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog einen Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug vom
8.
Februar
2013,
Urk.
7/16) bei und tätigte medizinische Abklärungen. Ins
be
son
dere veranlasste sie
bei
Dr.
med. B._
, Facharzt FMH für Psy
chiatrie
und Psychotherapie,
das psychiatrische Gutachten vom 2
1.
Juni
2014 (
Urk.
7/31/1-20
).
Zu
dem beauftragte sie ihren Abklärungsdienst mit der Abklä
rung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit im Haushalt (Abklärungsbericht
e
vom 1
6.
September 2013 und
4.
September
2014,
Urk.
7/27,
Urk.
7/33)
sowie
de
r Hilfsbedürftigkeit (Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
vom
2.
Okto
ber 2014,
Urk.
7/35). Mit Verfügung vom 1
8.
November 2014 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versicherten auf
Hilflosenentschädigung
(
Urk.
7/37)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom
2
8.
November 2014
,
Urk.
7/39; Einwand vom 1
7.
Dezember
2014, mit nach
träglicher
Einwand
begründung
vom 2
6.
Januar 2015,
Urk.
7
/
42,
Urk.
7/47
)
wies
die IV-Stelle
das
Rent
enbegehren
der Versicherten
mit
Verfügung vom 3
1.
Juli 2015 ab
(
Urk.
2
).
Zwischenzeitlich stellte die
Versicherte
ein Gesuch um erneu
te Prüfung ihres
Anspruchs auf
Hilflosenentschädigung
(
vgl.
Gesuch vom 2
3.
Februar
2015,
Urk.
7/54
).
2.
Gegen die Verfügung vom 3
1.
Juli
2015
erhob
X._
am 1
9.
August 2015
Beschwerde
und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuhe
ben und ihr eine Rente sowie
Hilfl
osenentschädigung
zuzusprechen
(
Urk.
1 S.
2)
. Mit
Be
schwerdeantwort
vom 15.
September 2015 schloss die
Beschwerde
gegnerin
auf
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin am 1
6.
Septem
ber
2015 (Urk.
8) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob eine seelische Abwegigkeit mit Krankheitswert besteht, welche die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130
V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
be
r 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychia
trische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 2
5.
Februar 2014 E. 5.3.3.3 und 8C_1/2016 vom 22. Februar 2016 E. 2.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem
Ausmass
bestimmt sein.
Es ist nach einem weitgehend objektivierten
Massstab
zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-
prak
tisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.
3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c
;
vgl. Urteile des Bundesge
richtes
8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 1
8.
April 2016
E. 4.1).
Das Bundesgericht hat in BGE 141 V 281 seine ständige Rechtsprechung bestä
tigt, wonach psychische Störungen grundsätzlich nur als invalidisierend gelten, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr)
angehbar
sind (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_111/2016 vom 9. Mai 2016 E. 5 und 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2, je mit Hinweisen).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.
7
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zu
stän
dige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung be
ziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit
bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den
beschwer
deweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn un
d insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergang
en ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, gemäss ihren Abklärungen sei die Beschwerdeführerin in ihrem Aufgabenbereich seit 2011 zu 50
%
arbeitsunfähig. Unter Berücksichtigung der Mitwirkungspflicht der im gleichen Haushalt lebenden Familienmitglieder bestehe jedoch keine Einschrän
kung im Haushaltsbereich und damit kein Rentenanspruch (
Urk.
2).
2.2
Die
Beschwerdegegnerin brachte
unter Hinweis auf ihre paranoide Schizophre
nie, welche
für sie selbst un
d ihre Umgebung sehr gefährlich und
nicht heilbar
sei
,
und
darüber hinaus
mit der Zeit schlimmer
werde
,
sinngemäss vor, die Ver
weigerung einer
Hilflosenentschädigung
sowie die Annahme ei
ner 50%igen Arbeitsfähigkeit in ihrem Aufgabenbereich
seien völlig absurd
(
Urk.
1
).
3.
3.1
Die angefochtene Verfügung vom 3
1.
Juli 2015, welche ausschliesslich den An
spruch
der Beschwerdeführerin
auf eine Invalidenrente zum Inhalt
hat
(
Urk.
2, vgl. Titel)
,
bildet den Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens und stellt die Sachurteilsvoraussetzung dar (BGE 125 V 413 E. 1a).
3.2
Der Anspruch der Beschwerdeführerin auf
eine
Hilflosenentschädigung
wurde mit unangefochten gebliebener Verfügung vom 1
8.
Nov
ember 2014 (
Urk.
7/37)
ab
gewiesen.
Eine
erneute
Anspruchsprüfung
(vgl.
Gesuch vom 2
3.
Februar 2015
,
Urk.
7/54
, E. 1
)
war
jedenfalls
im Zeitpunkt
der Besc
hwerdeerhebung bei der IV-Stelle
anhängig
.
3.3
Soweit
die
Beschwerdeführer
in
im vorliegenden Beschwerdeverfahren eine
Hilf
losenentschädigung
beantragt, liegt
ihr
Rechtsbegehren folglich ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes u
nd ist diesbezüglich auf die Be
schwerde nicht ein
zutreten.
3.4
Strittig und zu prüfen ist somit, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
hat
.
Aufgrund der vorliegenden Akten hatte sie sich bereits im Jahre 1992 zum Leistungsbezug bei der Eidgenössischen Invali
denversicherung angemeldet. Diesbezüglich
sind mit Ausnahme der
Verfügung
vom 1
5.
Juli
1993
, womit das Leistungsbegehren abgewiesen w
u
rde
(
Urk.
7/1)
,
keine weiteren
Akten vorhanden
.
D
ie
vorliegend relevante
Anmel
dung datie
rend
vom
9.
Januar
2013
qualifiziert demnach
als Neuanmeldung. Aufgrund der
me
di
zinischen Aktenlage
ist
offensichtlich, dass jedenfalls
mit der im Jahre 2011
manifest gewordenen
Verschlechterung der psychischen Gesund
heit eine wesent
liche Veränderung
im Sinne von
Art.
17 ATSG
eingetreten
ist
(vgl. E. 1.5
)
.
4
.
Die zur Invaliditätsbemessung relevanten Unterlagen stellen sich folgendermas
sen dar:
4.1
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht vom
1
1.
Mai
2013 diag
nos
tizi
erte
der seit Mai 2011 behandelnde Ha
usarzt
Dr.
med. C._
eine paranoide Schizophrenie (
Urk.
7/21/1).
Die Beschwerdeführerin habe
seit me
hreren Monaten paranoide Ideen, woraufhin er sie
im August 2011
zur wei
teren Beurteilung und Behandlung an das Medizinische Zentrum
D._
überwiesen habe (vgl.
7/21/6).
Die Prognose sei wahrscheinlich un
günstig. Seit Sommer 2012 bestehe keine v
erwertbare Arbeitsfähigkeit
in der freien Wirtschaft
. Die Belastbarkeit sei aus psychischer Sicht deutlich einge
schränkt. Im Übrigen verwies
Dr.
C._
auf die Berichterstattung de
r behan
delnden Fachärzte des
D._
(Urk.
7/21/2
, vgl. nachfolgend E. 4.2
).
4.2
Im Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin vom
7.
März 2013 diagn
ostizierte
Dr.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
D._
, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) eine paranoide Schizophrenie (ICD-10, F20.0) sowie (2) eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (
Urk.
7/
18/5).
Die Beschwerdeführerin sei seit August 2011 im
D._
in ambulanter Behand
lung.
Es bestehe eine deutlich
therapierefraktäre und
chronifizierte
Störung trotz
Einnahme von
Neuroleptika (
Zyprexa
und
Abilify
).
Sta
ti
o
näre Behandlun
gen seien bisher nicht erfolgt.
Die
wetterfühlige
Beschwerdeführerin habe Angst vor Dunkelheit und davor
,
auf die Strasse zu gehen
sowie
verfolgt zu werden. Ausserdem bestünden optische Halluzinationen.
Weiter beklage sie rheumati
sche Schmerzen. Sie habe Schmerzen in den Händen und Schultern sowie im Kopf. Ferner leide sie unter Schwindel, Erbrechen und Schweissausbrüchen. Die Beschwerdeführerin sei nach eigenen Angabe
n
aus somatischer Sicht seit 2003
zu
100
%
arbeitsunfähig.
Dr.
E._
hielt weiter fest, a
ufgrund ihrer Hallu
zinatio
nen könne
letztere
keine gerichtete Tätigkeit ausführen und sei sie weder
reise
fähig
noch in der Lage, regelmässig einem Arbeitsprozess nachzugehen. Ihr Alltag sei selbstbestimmt und ohne Fremdeinflüsse (keine anderen Menschen) noch knapp
bewältigbar
. Die Prognose sei hingegen schlecht. An eine Arbeits
fähigkeit sei langfristig nicht zu denken (
Urk.
7/18/5 f.).
4.3
Am 2
0.
August 2013 erfolgte erstmals eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushal
t. Im Abklärungsbericht vom 16.
Septem
ber 2013 (
Urk.
7/27/1-7) notie
rte die Abklärungsperson F._
zusam
men
fassend,
die Beschwerdeführerin (
aktuell
in Wohngemeinschaft mit ihrem Ehe
mann und zwei von drei erwachsenen Kindern)
sei von 1991 bis 2003 mit
Un
ter
brüchen
und
in
unterschiedlichen
Pensen
bei der Grossbäckerei
A._
er
werbstätig gewesen.
Dabei habe sie zeitweise gleichzeitig Arbeitslosengelder be
zogen. S
eit der Kündigung der
A._
im Jahre 2003 bis zum Eintritt des Gesundheitsschadens 2011
habe die Beschwerdeführerin
keine Erwerbstätigkeit mehr aufgenommen.
Von 2006 bis 2010 sei
sie
von der Sozialhilfe unterstützt worden. Die Beschwer
deführerin habe, nachdem sie aus
gesundheitsfremden Gründen die Kündigung erhalten habe, bis zum Eintritt ihres
Gesundheitsscha
dens
viel Zeit gehabt, sich um eine neue Arbeitsstelle zu bemühen. Offensicht
lich hätten die finanziellen Verhältnisse der Familie ausgereicht, so dass eine Arbeitsaufnahme der Beschwerdeführerin nicht notwendig gewesen sei. Auf
grund dieses Sachverhaltes sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie auch bei guter Gesundheit vollumfänglich im Haushalt tä
tig wäre (
Urk.
7/27/3).
Die Abklärungsperson notierte die konkreten Aufgabenbereiche, deren zeitliche Gewichtung und die jeweiligen Einschränkungen und kam zum Schluss, die Beschwerdeführerin
sei
im Haushalt nicht eingeschränkt (
Urk.
7/27/5 ff.).
4.4
In seinem psychiatrischen Gutachten vom 2
1.
Juni 2014
stellte
Dr.
B._
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anhalten
d
wahnhafte Störung (ICD-10
F22.0
) sowie differenzialdiagnostisch eine paranoid
halluzinatorische
Schizo
phre
nie mit spätem Beginn (ICD-10 F20.0)
fest
. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähi
gkeit
notierte
er eine frag
liche Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45,
Urk.
7/31/13).
Dr.
B._
hielt
fest,
die Beschwerdeführerin sei wach und zu allen Qualitäten orientiert. Es hätten sich keine kognitiven Einschränkungen gezeigt. Im forma
len Denken sei sie leicht umständlich, habe aber kohärent Bericht erstattet und Fragen adäquat beantwortet. Formale Denkstörungen wie Verlangsamung, Be
schleunigung, Einengung, Gedankenabreissen oder Gedankenkreisen
seien nicht vorhanden
. Ebenso wenig seien sprunghaftes Denken, Vorbeireden, Ideenflucht
oder assoziative Lockerungen feststellbar gewesen. Ferner habe keine
Wahn
wahr
neh
mung
bestanden. Die
Stimmungslage sei eher aufgelockert, die
Schwing
ungs
fähigk
eit
jedoch eingeschränkt
. Ein affektiver Rapport habe nur stark er
schwe
rt hergestellt werden können
.
Anamnestisch habe die Beschwer
deführerin von Wahnwahrnehmungen sowie Personen in der Wohnung, welche entweder
tot
seien oder weit weg wohnten, berichtet. Zudem habe sie über
Vergif
tungs
ideen
gesprochen.
Sie höre
St
immen und Geräusche im Kopf. Aus
serdem
sei
sie
sehr lärmempfindlich. Dabei habe
die Beschwerdeführerin
das Gefühl, der Lärm der Leute sei in ihrem Kopf.
Ferner
habe
sie
Gedankeneinge
bungen und erlebe
sie sich oft fremdgesteuert
(
Urk.
7/21/10).
Aufgrund eines Mini-ICF-APP (Mini-ICF-Rating für Aktivitäts- und
Partizipati
onsstörungen
bei psychischen Erkrankungen) stellte
Dr.
B._
eine vollstän
dige B
eeinträchtigung hinsichtlich d
er Fähigkeit
der Beschwerdeführerin
zur Planung und Strukturierung von Aufgaben (Fähigkeit, den Tag und/oder an
stehende Aufgaben zu planen und zu strukturieren, das heisst angemessene Zeit für Aktivitäten [Arbeit, Haushaltsführung, Erholung und andere Tages- und
Frei
zeitaktivitäten
] aufzuwenden, die R
eihenfolge der Arbeitsabläufe si
nnvoll zu strukturieren, diese wie geplant durchzuführen und zu beenden)
fest
.
Weiter notierte
Dr.
B._
eine schwere
Beeinträchtigung
ihrer Flexibilität und
Um
stellungsfähigkeit
sowie Entscheidungs-, Urteils- und Durchhaltefähigkeit. Eine mittelgradige Einschränkung
bestehe sodann hinsichtlich
Spontan-Ak
tivitäten sowie der Gruppenfähigkeit, der
Fähigkeit familiäre bzw. intime Beziehungen aufzunehmen und aufrechtzuerhalten, der Kontaktfähigkeit zu Dritten sowie der Anpassungs
fähigkeit
an Regeln und Routinen.
Hinsichtlich d
er
Verkehrsfähig
keit
der Beschwerdeführerin
notierte
Dr.
B._
eine leichte E
inschränkung. Demgegenüber sei
ihre Fähi
gkeit
zur Selbst
fürsorge und Selbst
pflege uneinge
schränkt (
Urk.
7/31/11 f.)
.
In seiner Beurteilung
führte
Dr.
B._
aus
,
i
nnerhalb der letzten Jahre hätten sich
bei der Beschwerdeführerin
wahnhafte Symptome entwickelt.
Diese
würden eher als anhaltend wahnhaft denn als paranoid
halluzinatorisch
imponieren. Die Wahninhalte seien begrenzt auf V
ergiftungsideen, indem die Beschwerdefüh
rerin
glaube, ihre Kleider und Haare seien giftig, sowie
optische Halluzinationen im Sinne von Sehen von
Personen in der eigenen Wohnung, welche wiederum Gift hinterlassen würden, welches stinke. Die Symptome hätten sich erst vor vier Jahren ausgebildet.
Gemäss Angaben ihres Ehemannes sowie des Haus
arztes käme es immer wieder dazu, dass die Beschwerdeführerin ihre Medi
kamente nicht einnehme, was zu einer starken Akzentuierung der psychotischen Symp
tome führe.
Diagnostisch sei eine anhaltend wahnhafte Störung von einer para
noid
halluzinatorischen
Schizophrenie schw
er
abzugrenzen. Jedenfalls sei eine
neuroleptische
Behandlung absolut indiziert. Offenbar liege eine einge
schränkte
Medikamentencompliance
vor. Die bestehende Behandlung inklusive Me
d
ika
tion sei dringend weiterzuführen. Allenfalls sei ein teilstationärer
Klinik
aufent
halt
in einer Tagesklinik sinnvoll und hilfreich zur Verbesserung der Tages
struktur
(
Urk.
7/31/14 f.)
.
Mit Bezug auf den ersten Arbeitsmarkt sowie hinsichtlich ihrer
angestammten Tätigkeit als Fabrikarbeiterin bestehe
seit 2011
eine volle Arbeitsunfähigkeit.
Weiter könne der Beschwerdeführerin z
ufolge
ihrer
psychotischen Symptomatik (Wahnwahrnehmungen, Stimmenhören, optische Halluzinationen und Ich-Stö
rungen)
in ihrer Tätigkeit
als Hausfrau
eine 50%ige Arb
eits
un
fähigkeit attestiert werden
(
Urk.
7/31/15 f.).
4.
5
Am
2
6.
August 2014
erfolgte
erneut
eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeits
fähigkeit in Beruf und Haush
alt.
Unter Berücksichtigung der von der Be
schwerdeführ
erin geklagten Leiden, der Wohn
verhältnisse
(
nach wie vor
Wohn
gemeinschaft mit ihrem Ehemann und zwei von drei erwachsenen Kin
dern)
sowie der Mitwirkungspflicht der Familienmitglieder ermittelte die
Ab
klärungs
person
G._
eine Einschränkung von 50
%
für die Ernährung (gewichtet 22.5
%
), von
50
%
für
die Wohnungspflege (gewichtet 10
%
),
von 30
%
(ge
wich
tet 3
%
) für Einkäufe und weitere Besorgungen
sowie
v
on 50
%
für die Wäsch
e und Kleiderpflege (gewichtet 10
%
) und errechnete infolgedessen eine
Einschränkung von insgesamt 45
,5
%
(Abklärungsbericht vom
4.
September 201
4,
Urk.
7/33/1-6
).
4.6
Mit Eingabe vom 2
4.
April 2015 reichte die Beschwerdef
ührerin den
Austritts
bericht
des
beurteilenden Facharztes der
H._
vom 2
5.
Februar
2015
, worin der Verdacht auf eine paranoide Schizo
phrenie diagnostiziert
wurde
,
zu den Akten (
Urk.
7/63,
Urk.
7/64).
Aufgrund eines häus
lichen Zwischenfalles, anlässlich welchem die Beschwerdeführerin zunächst ihre Tochter und hernach sich selbst in einem Zimmer eingeschlossen hatte,
sei
erstere durch den herbeigerufenen Notfallpsychiater zufolge nicht auszu
schliessender Selbstgefährdung per Fürsorgerische Unterbringung
(FU)
der
Akut
psy
chia
terie
der
H._
zugeführt
worden.
Beim Eintrittsgespräch habe die Be
schwer
deführerin über starke Kopfschmerzen und Müdigkeit geklagt.
Akusti
sche und visuelle Halluzinationen habe sie verneint. Sie habe sich im Schlaf
zimmer eingeschlossen, um ihre Ruhe zu haben.
Von akuter Suizidalität habe sie sich glaubhaft distanziert.
Aus dem
Bericht erhellt ferner, d
ie Beschwerde
führerin habe sich anlässlich ihres s
tationären Aufenthaltes vom 29.
Dezember 2014 bis 2
7.
Februar 2015 bezüglich ihrer Symptomatik bedeckt gehalten und diese dissi
muliert. Sie habe keine Krankheitseinsicht gezeigt.
Die
Eintrittsmedi
kation
sei weitergeführt resp. im Verlauf erhöht worden, womit sich das
Zu
standsbild
verbessert habe. Weiter
hätten mehrere Familiengespräche stattge
funden, an
lässlich
welcher
die Bedeutung der regelm
ässigen
Medikamentenein
nahme
, der
ambulanten Therapie sowie einer klaren Tagesstru
ktur verdeutlicht worden seien
. Ferner
sei eine psychiatrische Spitex für die abendliche
Medika
mentenabgabe
installiert worde
n
. Die morgendliche Medikation sei von der Be
schwerde
füh
rerin mit Unterstützung durch die Angehörigen selbständig einzu
nehmen. Die ambulante Anschlussbeha
ndlung erfolge weiterhin im
D._
(
Urk.
7/64).
4.7
Im Bericht zu Händen der Beschwerdegegnerin vom
5.
Mai 2015
, worin erneut der Verdacht auf eine paranoide Schizophrenie (F20.0) diagnostiziert
wurde
,
hielt die beurteilende Fachärztin der
H._
zusätzlich
fest,
es
hätten anlässlich der
Hospi
talisation
keine deutlichen Hinweise für Wahn, Sinnestäuschungen und Ich-Störungen festgestellt werden können. Vor diesem Hintergrund sowie ange
sichts der erheblich eingeschränkten Kooperationsbereitschaft und –
fähigkeit
der Beschwerdeführerin sei es während der ganzen Behandlungsdauer nicht möglich gewesen, eine klare Diagnose zu stellen. Zu den Fragen hinsichtlich der Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin vermochte die beurtei
lende Fachärztin nach eigener Einschätzung keine validen Angaben zu machen und verwies hierfür auf die (nach-)behandelnden Ärzte (
Urk.
7/66/1 ff.).
5.
5.1
Festzuhalten ist zunächst, dass
Dr.
B._
die
bestehenden
Behandlungs
mass
nahmen
insofern als optimierungsfähig
resp. –bedürftig
taxierte
, als dass er auf
grund der erschwerten
Medikamentencompliance
einerseits
eine
Depot-Ap
pli
ka
-
tion
der
Neuroleptikatherapie
in Erwägung zog und
andererseits
ein
teil
statio
närer
Klinikaufenthalt im Rahmen einer Ta
gesklinik als sinnvoll
und hilfreich
erachtete
(
Urk.
7/31/18).
Auch
der
behandelnde Haus
arzt
Dr.
C._
hielt
dafür, es seien
jedenfalls
die
bestehende
Psychotherapie und die
Einnahme der verordneten Neuroleptika weiterzuführen (
Urk.
7/21/2).
Demge
gen
über nahm
die Beschwerdeführerin gemäss
übereinstimmenden An
gaben
von
Dr.
C._
(vgl. auch Serumspiegel vom 2
9.
Januar 2013,
Urk.
7/21/7)
sowie ihres
Ehemannes
die verordneten
Me
dikamente nicht
bzw.
nicht zuverlässig
ein, welcher Umstand
denn auch jeweils
zu einer starken Ak
zentuierung der ps
y
chotischen
Symptome führ
t
e
(Urk.
7/31/15).
Darüber hinaus
hat die Beschwer
de
führerin bis zu ihrer Einweisung
ins
H._
per FU
im
Dezember 2014 (vgl. E. 4.6) nie eine stationäre
oder zumindest
teilstationäre
Behandlung in Anspruch ge
nommen. Gleichzeitig erweist sich die e
inmal monatlich
fre
quentierte ambu
lante Psychotherapie
im
D._
in Anbetracht der
besagte
n
Symptomatik
sowie nach eigener
Einschätzung
der Beschwerdeführerin
als zu wenig intensiv
(
Urk.
7/33/2
)
.
Sodann ist aufgrund der Berichterstattung der beurteilenden Fachärzte des
H._
ausgewiesen, d
ass unter konsequenter Medikamentene
innahme, gegebenenfalls mitunter Erhöhung der Dosierung
,
eine Verbesserung
d
es Zustandsbildes
erzielt werden k
o
nn
te
(vgl. E.
4.6, E.
4.7).
Aus den Berichten erhellt ferner, dass
die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer
Hospitalisation
auch
vom interdisziplinä
ren Therapieangebot und einer Tagesstrukturierun
g profitieren
konnte
, so dass die Belastungsurlaube zu Hause zunehmend besser verliefen
(
Urk.
7/64/3, Urk.
7/66/2).
Bereits
Dr.
B._
wies
betreffend die von ihm festgestellte voll
ständige Beeinträchtigung der Fähigkeit der Beschwerdeführerin, den Tag sowie anstehende (Haushalts-)Aufgaben zu planen und zu strukturieren (
Urk.
7/31/11), darauf hin, dass letztere unter konsequenter Einnahme der adäquaten
neurolep
tischen
Medikation durchaus in der Lage sein sollte, einfache Arbeiten zu strukturieren und auszuführen (
Urk.
7/31/19).
Damit im Einklang
gab
schliess
lich
auch der Ehemann der Beschwerdeführerin im Rahmen der Fremdanamnese bei
Dr.
B._
an
, m
it den Medikamenten „gehe es okay“ (
Urk.
7/31/8)
.
Soweit
in
Folge niederschwelliger therapeutischer Behandlungsbemühungen
bisher
kein
e
Besserung eintrat, lässt dies
entgegen der Auffassung
von
Dr.
E._
jedenfalls
nicht auf eine Therapieresistenz der fraglichen psychischen Leiden schliessen (vgl. E. 4.2).
Ganz
zu schweigen
davon, dass
es d
em Bericht
von
Dr.
E._
an einer
Darlegung
objektivierbarer Befunde
sowie diffe
renzierten Auseinan
der
setzung
mit den beklagten Beschwer
den mangelt.
Zusammenfassend kann u
nter Hinweis auf das unter E.
1.2
Gesagte
zufolge
un
ausgeschöpfter
Behandlungsressourcen
sowie
in Anbetracht der ausgewiesenen
grundsätzlichen
Behandelbarkeit der
vorliegenden
psychischen Symptomatik
von einer invalidisierenden Leidensresistenz nicht die Rede sein.
Vor diesem Hintergrund
kommt der
fraglichen
Diagnose
keine ergebnisrelevante Bedeutung zu und kann diese folge
dessen offen gelassen werden
. Bleibt im
merhin
festzuhalten
, dass sowohl die Berichte von
Dr
es
.
C._
und
E._
als auch das Gutachten von
Dr.
B._
hinreichende
objektive Befunde vermissen lassen und sich letztere bezüglich ihre
r
Diagnosen
vielmehr
vornehmlich auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin stützen.
Kommt hinzu, dass auch
die beurteilenden Fachärzte des
H._
–
selbst
im Nachgang eines zweimonatigen Beobachtungszeitraums
- m
angels deutlicher Hinweise für Wahn, Sinnestäu
schung
en und Ich-Störungen
keine klare Diagnose zu stellen vermochten und
dass
der blosse Verdacht auf eine paranoide Schizophrenie vor dem im Sozial
versicherungsrecht massgeblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit selbstredend nicht Stand hält.
5.
2
Zusammenfassend ist
überwiegend wahrschein
lich
erstellt, dass es der Beschwer
deführerin bei Aufbietung allen guten Willens (BGE 131 V 49 E.
1.2 mit Hin
weisen) und in Nachachtung des im Sozialversicherungsrecht allgemein gelten
den Grundsatzes der Schadenminderungspflicht zuzumuten ist,
sich einer adä
quaten therapeutischen und medikamentösen Behandlung zu unterziehen und
ihre
psychischen Lei
den zu überwinden
.
Bei diesem Ergebnis erübrig
en
sich
weitere Ausführungen zur Statusfrage und
zur
Invaliditätsbemessung.
Der angefochtene Entscheid erweist sich
damit
im Ergebnis als rechtens, was zur
Abweisung der Beschwerde führt, soweit darauf einzutreten ist.
6.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der
Invalidenversiche-rung
vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--
festge
-legt.
Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
600.-- als angemessen. Ausgangsgemäss ist diese der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.