Decision ID: 959172eb-8922-4947-8485-95d24efd52bf
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, war als Servicefachangestellte tätig (Urk.
2/
7/4). Am 27. Dezember 2005 brach sie sich bei einem Sturz beide Hand
gelenke (Urk.
2/
7/25/130) und meldete sich deswegen am 18. April 2007 bei der Inva
liden
versicherung an (Urk.
2/
7/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
und holte
ein polydisziplinäres Gutachten ein, welches am 8. November 2011 erstattet wur
de (Gutachten des
Y._
; Urk.
2/
7/77). Gestützt darauf sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 27. März 2012 (Urk.
2/
7/84) eine von Dezember 2006 bis November 2007 befris
tete ganze Rente zu (vgl. Urk.
2/
7/82). Die dagegen am 26. April 2012 erhobene Beschwerde (Urk.
2/
7/86/3-8) wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 21. Oktober 2013 in dem Sinne teilweise gutgeheissen, als es der Versicherten eine von Dezember 2006 bis Februar 2008 befristete ganze Rente zusprach (Prozess Nr. IV.2012.00448; Urk.
2/
7/96).
1.2
Mit Urteil vom 14. Januar 2013 im Verfahren 8C_244/2012 hob das Bundes
ge
richt das Urteil des hiesigen Gerichts vom 1. Februar 2012 im Verfahren UV.2010.00226, mit welchem die seitens der SUVA erfolgte
Zusprache
einer Inva
lidenrente entsprechend einem Invaliditätsgrad von 10 % ab 1. September 2009
und einer Integritätsentschädigung von 17.5 % bestä
tigt worden war, sowie den
Einspracheentscheid
der SUVA vom 24. Juni 2010 (Urk.
2/
7/53) auf und wies die Sache zu weiteren Abklärungen und Erlass einer neuen Verfügung an die SUVA zurück.
Mit Verfügung vom 9. Januar 2014 (Urk.
2/
7/98) sprach die Suva der Versicher
ten gestützt auf neue Abklärungen ab 1. September 2009 eine Rente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 61 % sowie eine Entschädigung für eine Integ
ri
tätseinbusse von 30 % zu.
1.3
Am 20. März 2014 (Urk.
2/
7/105) machte die Versicherte gestützt auf die Ergeb
nisse der neuen unfallversicherungsrechtlichen Abklärungen eine Verschlech
te
rung geltend (vgl. auch Urk.
2/
7/108). Die IV-Stelle veranlasste daraufhin eine erneute polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten (Gutachten des
Z._
, vom 14. Dezember 2014; Urk.
2/7/129) und
ver
neinte mit Verfügung vom 30. August 2016 einen Renten
anspruch der Versicherten (
Urk.
2/
2).
Das Gericht wies die dagegen
erhobene
Beschwerde
mit Urteil vom
4.
Januar 2018 ab (Prozess-Nr. IV.2016.01098;
Urk.
2/11).
Die dagegen am 2
6.
Oktober 2018 erhobene Beschwerde (
Urk.
2/15) hiess das Bundesgericht mit Urteil vom 1
9.
Oktober 2018 gut und wies die Sache zur Ein
holung eines Gerichtsgutachtens an das Gericht zurück (Urteil 8C_198/2018;
Urk.
2/16 =
Urk.
1).
2.
2.1
Das Gericht nahm mit Beschluss vom
2.
November 2018 in Aussicht, durch die
Medas
A._
oder die Gutachterstelle
B._
ein Gerichtsgutachten erstellen zu lassen (
Urk.
3). Dazu nah
men die Parteien am 2
6.
November 2018 (
Urk.
5) und 2
8.
November 2018 (
Urk.
7) Stellung. Mit Beschluss vom 3
0.
November 2018 nahm das Gericht eine Präzisie
rung der Fragestellung vor und beauftragte die
Medas
A._
mit der Begutachtung (
Urk.
8). Am 2
2.
Februar 2019 teilte die
Medas
A._
mit, die erforderliche handchirurgische Beurteilung nicht durchführen zu können (
Urk.
11). Mit Verfügung vom
5.
März 2019 (
Urk.
13) wurde der Begutachtungs
auftra
g deshalb an die
B._
vergeben.
Diese teilte am 2
0.
Mai 2019 die vorgese
henen
Gutachterinnen und Gutachter mit
.
Die Parteien erhoben dagegen keine Einwände (
Urk.
18; die Beschwerdeführerin liess sich nicht vernehmen). Der Begutachtungsauftrag wurde mit Beschluss vom
1.
Juli 2019 erteilt und die vor
gesehenen Gutachterinnen und Gutachter ernannt (
Urk.
19).
2.2
Das Gutachten wurde am
7.
April 2020 erstattet (
Urk.
25). Die Parteien erhielten mit Verfügung vom
4.
Mai 2020 Gelegenheit, sich dazu zu äussern (
Urk.
26). Während die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 2
7.
Mai 2020 auf Stellung
nahme verzichtete (
Urk.
29), äusserte sich die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 1
2.
August 2020 zum Gutachten (
Urk.
32). Mit Verfügung vom 1
8.
August 2020 wurde
n
den Parteien die Rechtsschriften
wechselseitig
zugestellt (
Urk.
33).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsgerichts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung
hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht.
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
die angefochtene Verfügung vom 3
0.
August 2016 (
Urk.
2/2)
wie folgt: Die Beschwerdeführerin habe vom 1. Dezember 2006 bis zum 29. Februar 2008 Anspruch auf eine befristete ganze Rente gehabt. Ab November 2007 habe sich ihr Zustand so verbessert, dass ihr leidensangepasste Tätigkeiten im Rahmen von 80 % zumutbar gewesen
seien
. Dies sei gerichtlich bestätigt worden. Die im März 2014 geltend gemachte Ver
schlechterung sei psychisch bedingt. Die Beschwerdeführerin verfüge jedoch über genügend Ressourcen, um die leichte bis mittelgradige depressive Störung zu überwinden. Aus somatischer Sicht habe sich der Gesundheitszustand nicht ver
ändert und es könne weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % für leidens
angepasste Tätigkeiten ausge
gangen werden. Dies entspreche dem bisherigen Invaliditätsgrad von 9 %. Gut
achterlich werde
bestätigt, dass die psychische Erkrankung noch behandelbar sei. Der Suva-Gutachter habe zudem nicht ange
geben, auf welche Akten und MRI-Befunde er sich stütze, und habe die
Gewichts
limite
nicht festgelegt. Für den Zeitraum bis November 2011 habe das hiesige Gericht auf das Gutachten des
Y._
vom November 2011 abgestellt (S. 2 f.).
2.2
Die
Beschwerdeführerin
stellte sich in ihrer Beschwerde
(Urk.
2/
1)
auf den Stand
punkt
, gemäss der von der Suva veranlassten handchirurgischen Begutachtung durch Dr.
C._
seien nur noch wenige Tätigkeiten zumutbar, weshalb die Suva ihr eine Rente von 61 % zuge
sprochen habe. Auf die Beurteilung durch die Ärzte des
Z._
könne dagegen nicht abgestellt werden, insbesondere die Beurteilung durch Dr.
D._
sei widersprüchlich und nicht genügend begründet. Auch verursache aus psychia
trischer Sicht bereits ihre Depression eine Arbeitsunfähig
keit von 50 % und diese Einschränkung werde durch eine somatoforme Schmerz
störung noch erhöht. Es sei eine
Indikatorenprüfung
vorzunehmen, welche zeige, dass die soma
toforme Schmerzstörung nicht überwindbar sei. Weiter sei aufgrund ihrer Einschränkungen der maximale Abzug vom Tabellenlohn zu gewähren. Sie habe Anspruch auf eine ganze Rente (S. 5 ff.).
Zum Gerichtsgutachten hielt die Beschwerdeführerin fest
(
Urk.
32)
, es könne selbstverständlich ein Tätigkeitsprofil kreiert werden, welches einer angepassten Tätigkeit entspreche. Wenn ihr damit nichts mehr möglich sei, liege schlussend
lich keine Arbeitsfähigkeit mehr vor. Das formulierte Profil zeichne keine realis
tische Arbeitsfähigkeit. Immerhin werde anerkannt, dass das Profil enger formu
liert sei als im Gutachten von 2014 (
S. 2). Auch die aus handchirurgischer Sicht noch mögliche leichte Bürotätigkeit sei mit dem formulierten Belastungsprofil, insbesondere mit dem nicht möglichen längeren Sitzen und Stehen, unmöglich. Zudem habe sie nie in einem Büro gearbeitet. Weiter treffe es aus näher darge
legten Gründen nicht zu, dass aus psychiatrischer Sicht keine Funktionsein
schränkung vorliege und es sei fraglich, ob die Gutachter ihre starken Schmerzen gewürdigt hätten. Es treffe zudem nicht zu, dass keine neuen Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würden, denn die Nacken- und Schul
terschmerzen seien erst
2019 festgestellt worden, ebenso seien die lumbalen Schmerzen neu (S. 3 f.). Das Gutachten sei widersprüchlich, und es erstaune doch sehr, dass wie bereits 2011 eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
vorliegen solle. Es sei klar, dass mit dem aktuell formulierten Belastungsprofil keine Tätigkeiten mehr möglich seien. Der psychiatrische Teil des Gutachtens sei nicht nachvollziehbar
(S. 5). Die Gutachter seien untereinander höchst uneinig und es habe keine Prü
fung der Standardindikatoren stattgefunden (S. 6).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob seit Erlass der Verfügung vom 27. März 2012 (Urk.
2/
7/84), mit der der Beschwerdeführerin eine vom 1. Dezember 2006 bis 30. November 2007 befristete ganze Rente zugesprochen wurde, beziehungs
weise seit dem Urteil des hiesigen Gerichts vom 21. Oktober 2013 (Urk.
2/
7/96), mit welchem der Anspruch bis 29. Februar 2008 verlängert wurde, eine anspruchs
re
le
vante Veränderung eingetreten ist. Dabei ist festzuhalten,
dass
i
m gegenseitigen Verhältnis zwischen Invaliden- und Unfallversicherung keine Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung des einen Versicherers für den jeweils anderen Sozial
versicherungszweig
besteht. Die IV-Stellen und die Unfallversicherer haben die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen Fall selbständig vorzunehmen. Sie dür
fen sich ohne weitere eigene Prüfung nicht mit der blossen Übernahme des Inva
liditätsgrades des jeweils anderen Sozialversicherers begnügen (BGE 133 V 549 E. 6.1).
Rechtskräftig abgeschlossene Invaliditätsschätzungen dürfen aber nicht unbeachtet bleiben. Vielmehr müssen sie als Indizien für eine zuverlässige Beur
teilung gewertet und als solches in den Entscheidungsprozess erst später verfü
gender Versicherungsträger miteinbezogen werden (BGE 133 V 549 E. 6.3 S. 554 mit Hinweis).
3.
3.1
Die für die
ursprünglich
befristete
Rentenzusprache
massgeblichen medizinischen Grundlagen wurden im Urteil des hiesigen Gerichts vom 21. Oktober 2013 in E. 3.2 ff. wie folgt wiedergegeben:
3.2
In seinem Bericht vom
3.
Mai 2007 (Urk.
2/
7/6) nannte Dr. med.
E._
, Praktischer Arzt FMH, als Diagnose beidseitige Radiusfrakturen mit Fehlstellung der Brüche sowie eine sekundäre depressive Entwicklung seit etwa Mitte 2006 (Ziff. 2.1). Er attestierte der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsunfähigkeit seit 2
7.
Dezember 2005 (Ziff. 3) und führte aus, dass eine Arbeitsfähigkeit in den nächs
ten ein bis zwei Jahren kaum in Frage komme (Ziff. 4.7).
3.3
Die Ärzte des
F._
, Klinik für Wiederherstellungs
chi
rurgie, nannten in ihrem Bericht vom 2. Mai beziehungsweise 1
9.
Juni 2007 (Urk.
2/
7/9/2-9) folgende Diagnosen (Ziff. 2.1):
-
chronische Schmerzen und Bewegungseinschränkung Handgelenk rechts
-
Status nach distaler Radiusfraktur beidseits am 2
4.
(richtig: 27.) De
zember 2005
-
Status nach je zweimaliger Reposition und Gipsretention, aktuell: Ver
heilung in Fehlstellung;
-
Status nach Korrektur-Osteotomie distaler Radius rechts, Interposition eines
tricor
ticalen
Spans plus Spongiosa vom Beckenkamm links und
palmarer
Platten
osteosyn
these vom 1
7.
November 2006 (vgl. Operati
onsbericht vom 2
4.
November 2006, Urk. 7/9/12-13)
Sie führten aus, bis heute habe eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. Für die Aus
übung handwerklicher Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin in Zukunft nicht mehr geeignet. Leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten, die mit beiden Hän
den ausgeübt werden, seien indes ganztägig möglich (Ziff. 1.2). Eine behinde
rungsan
gepasste Tätigkeit wäre ab sofort zumutbar (Ziff. 6.2).
3.4
Am
5.
September 2007 wurde die Beschwerdeführerin im
F._
, Klinik für Wie
der
herstellungschirurgie, operiert (Operationsbericht vom
6.
September 2007, Urk.
2/
7/25/32
). Die Operation beinhaltete die Entfernung des
Osteosynthesematerials
im distalen Radius rechts sowie das offene Spalten des
Retinaculum
flexorum
rechts.
3.5
Vom
8.
Oktober bis 1
4.
November 2007 weilte die Beschwerdeführerin in der
G._
, wo gemäss Austrittsbericht vom 19. November 2007 (Urk.
2/
7/27/1-5
) als aktuelle Probleme belastungsverstärkte Schmer
zen an beiden Handgelenken, Vorderarmen und Schultergelenken, eine Beweg
lichkeitseinschränkung beider Hand- un
d Ellbogengelenke, eine verminderte Mus
kelkraft der Hände beidseits sowie eine depres
sive Verstimmung erhoben wurden (S. 1 Mitte). Die Ärzte führten aus, als Haupt
ziel für die aktuelle Phase der Rehabilitation sei die allgemeine Vorbereitung auf die berufliche und schu
lische Reint
e
gration festgelegt worden (S. 2 Mitte). Die Tätig
keit als Mitarbei
te
rin im Service-Bereich sei der Beschwerdeführerin aktuell nicht zumutbar. Die Beschwerdeführerin befinde sich noch in der medizinischen Phase, weshalb weiter
hin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, und weshalb eine Beur
tei
lung der Zu
mutbar
keit anderer beruflicher Tätigkeiten
zur Zeit
noch nicht mög
lich sei (S. 2 oben, S. 3 oben).
3.6
Am 22. November 2007 (Urk.
2/
7/24) berichteten die Ärzte des
F._
, Klinik für Wiederherstellungschirurgie, die Beschwerdeführerin zuletzt am 2
3.
Oktober 2007 un
tersucht zu haben (S. 2
lit
. D.2). Ihr Gesundheitszustand sei stationär (
S. 1
lit
. C.1). Im Vergleich zu
Juni 2007 bestehe eine unveränderte Situation (S. 2 Mitte). Anam
nes
tisch bestünden belastungs- und bewegungsabhängige Hand
ge
lenksschmerzen beid
seits, rechtsbetont (S. 2
lit
. D.3). Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwer
deführerin nicht mehr zumutbar. In einer behinderungsange
passten Tätigkeit bestehe seit 2
0.
November 2007 eine ganztägige Arbeitsfähig
keit (S. 4 unten).
3.7
Am
9.
April 2008 berichtete
SUVA-Kreisarzt Dr. med. H._
, Fach
arzt FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation (Urk.
2/
7/35/8-12), wel
cher die Beschwerdeführerin gleichentags untersucht hatte. Er führte aus, bei der Unter
suchung habe sich eigentlich beidseitig eine relativ gute Beweglichkeit in den Hand
gelenken gezeigt (S. 4 unten). Die verbleibende Funktionsfähigkeit scheine aber durch ein sich mittlerweile ausbreitendes und
chronifiziertes
Schmerzsyn
drom erheblich einge
schränkt zu sein (S. 5 oben). Zur Verringerung der Schmer
zen empfehle er eine gezielte schmerztherapeutische Behandlung durch eine in der Schmerztherapie erfahrene am
bulante Einrichtung sowie be
gleitend dazu die Fortsetzung einer Physio
therapie mit wöchentlichen Terminen sicher für ein weiteres Jahr. Operative Massnah
men wie eine
Handgelenksarth
rodese
und Ar
throskopie erachte er als nicht wirklich erfolgverspre
chend (S. 5 Mitte). Es be
stehe keine Perspektive, dass die Beschwerde
führerin ihre Tätigkeit als Serviertochter jemals wieder ausüben können werde. Nach Durchführung ei
ner ambulanten Schmerztherapie werde es eventuell erforderlich sein, eine Evaluation der funk
tionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchzuführen, um die
Belastungslimite
bes
ser ausloten zu können, als dies im Rahmen einer kreisärzt
lichen Untersuchung mög
lich sei (S. 5 unten).
Am 2
6.
Mai 2009 berichtete SUVA-Kreisarzt Dr.
H._
über seine gleichen
tags durchgeführte Abschlussuntersuchung (Urk.
2/
7/44). Er führte aus, ein Jahr nach der vorausgegangenen kreisärztlichen Untersuchung habe sich vielleicht noch eine mini
male Besserung ergeben. Von weiteren Behandlungsmassnahmen erwarte er keine we
sentliche Änderung mehr, sodass er vom medizinischen End
zustand ausgehe (S. 5 oben). Die geklagten Beschwerden im Bereich der Handgelenke seien nicht vollumfäng
lich mit Unfallfolgen, welche sich radiolo
gisch durchaus zeigten, erklärbar. Hier sei eine Über
lagerung durch das soma
toforme Schmerzsyndrom anzunehmen. Entsprechend den objektivierbaren ra
diologischen Befunden, den heutigen Beobach
tungen des spon
tanen Einsatzes der Hände sowie den Untersuchungsbefunden sehe er folgende Zumut
barkeit für Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt als gegeben: leichte Tätigkei
ten mit beiden Händen ganztags, dabei kein repetitives kraftvolles Zupacken mit den Händen beiderseits sowie keine forcierten oder repetitiven Pro- und
Supina
ti
onsbewe
gungen
im Handgelenk rechts, keine Tätigkeiten mit Maschinen, wel
che Vibrationen und Schläge auf die Handgelenke übertragen würden sowie für beide Hände keine Tätigkeiten, bei welchen maximale Extensions- und Flexi
onsbewegungen repetitiv oder über einen län
geren Zeitraum erforderlich seien (S. 5 Mitte).
3.8
Am
8.
November 2011 erstatteten die Ärzte des
Y._
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk.
2/
7/77). Sie stützten sich auf die zur Verfügung gestell
ten und
nachträglich eingegangenen Akten (S. 3 ff. Ziff. 2) sowie die von ihnen am 2
3.
August und am 1
3.
September 2011 durchgeführte internis
tisch/ allgemeinmedi
zi
nische (S. 9 ff. Ziff. 3), psychiatrische (S. 11 ff. Ziff. 4.1) und handchirurgische (S. 16 ff. Ziff. 4.2) Untersuchung (vgl. S. 1).
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit (S.
24 Ziff. 5.1):
-
chronisches Schmerzsyndrom Handgelenke beidseits, rechtsbetont
-
Status nach distaler vollständig intraartikulärer Radiusfraktur beid
seits am 2
7.
Dezem
ber 2005
-
Status nach Korrekturosteotomie distaler Radius rechts mit Interposi
tion eines
kortikospongiösen
Beckenkammspans und Spongiosa am 1
7.
November 2006
-
Status nach Metallentfernung und Carpaltunnelspaltung rechts am
5.
September 2007
aktuell:
-
leichtgradiges
ulnocarpales
Impaction
-Syndrom bei
Ulnaplusvari
anz
und Verdacht auf TFCC-Läsion rechts
-
Verdacht auf posttraumatische leichtgradige Radiocarpalarthrose
ra
dioulnär
bzw. distales
Radioulnargelenk
rechts
-
klinisch dorsales Handgelenksganglion beidseits
Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie unter anderem eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ICD-10 F45.4 (S. 24 Ziff. 5.2).
Im Rahmen ihrer Gesamtbeurteilung führten die Gutachter aus, bei der hand
chirur
gi
schen Untersuchung hätten sich einige Inkonsistenzen bezüglich der sub
jektiv geäus
serten Schmerzangaben und der objektiven klinischen Befunde er
geben. Hin
weise auf ein durchgemachtes oder noch anhaltendes komplexes regionales Schmerz
syndrom (CRPS) hätten sich klinisch nicht ergeben. Die
Be
schwielung
beider Hände sei unauffäl
lig gewesen und es hätten sich keine Atro
phien der Haut, der Hautbinnen- sowie der Vorderarmmuskulatur beidseits ge
zeigt. Die Vorderarmumfänge seien symmetrisch gewesen. Die radiologische Be
ur
teilung habe anatomische Stellungsver
hältnisse des linken
Carpus
und ana
to
mische Gelenkwinkel der linken Handgelenke sowie nur leicht
gradige de
gene
rative Veränderungen im Bereich des rechten Radio
carpalgelenkes erge
ben. Beide Handgelenke wiesen radiologisch einen unauffälligen Mineralsalzgehalt auf ohne Hinweise auf eine
Inaktivitätsosteopenie
. Aus handchi
rurgischer Sicht bestehe für die angestammte Tätigkeit als Serviceangestellte seit dem 2
7.
De
zember 2005 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Tätigkeiten, welche Vibrati
onsbelastungen der Hände sowie das Tragen schwerer Gewichte
über 5 Kilo
gramm sowie Ar
beiten bei Kälte oder Hitze beinhalteten, seien nicht empfeh
lenswert, das Ar
beiten auf Leitern oder Gerüsten sei aufgrund der unzureichen
den Haltefunktion nicht statthaft. In behinderungsange
passten, leichten manu
ellen Tätigkeiten bestehe hinge
gen eine 80%ige Arbeitsfähigkeit (S. 24 unten, S. 25 oben).
Bei der psychiatrischen Untersuchung sei aufgefallen, dass das Ausmass der ge
klagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, nicht mehr ar
beiten zu
kön
nen, durch die somatischen Befunde nicht hinreichend objekti
viert werden könnten
. Es müsse eine psychische Verlagerung angenommen werden. Vor dem Hintergrund einer jahrelangen psychosozialen Belastungssitu
ation könne die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gestellt wer
den. Daneben könnten keine weite
ren psy
chiatrischen Diagnosen gestellt wer
den und die Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nicht ein
ge
schränkt (S. 25 Mitte).
Auch aus allgemein internistischer Sicht könne keine Diagnose mit Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Die multiplen, unspezifischen Be
schwerden seien organisch nicht zuordenbar und würden beschreibend einem
multilokulären
Schmerz
syndrom entsprechen (S. 25 Mitte).
Aus polydisziplinärer Sicht bestehe bei der Beschwerdeführerin in der ange
stam
mten Tätigkeit als Serviceangestellte seit 2
7.
Dezember 2005 eine bleibende Arbeitsun
fähig
keit.
Für angepasste, leichte manuelle Tätigkeiten bestehe ab dem 2
0.
November 2007 eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80 %.
Das Pensum könne vollschichtig
umge
setzt werden mit einem erhöhten Pausenbedarf von 10 Minuten pro Stunde (S. 25
Mitte und Ziff. 6.3, S. 26 Ziff. 6.9).
3.9
In seiner Stellungnahme vom 25. November 2011 (Urk.
2/
7/81/3-4) führte
Dr.
med.
I._
, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, aus, auf das
Y._
-Gutachten könne abgestellt werden. Ab 27. Dezember 2005 sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für die bisherige sowie für angepasste Tätigkeiten auszugehen. Für angepasste Tätigkeiten sei
ab 20. November 2007 (Arztzeugnis
F._
vom 22. November 2007) von einer 100%igen und ab August 2011 (Zeit
punkt der
Y._
-Begutachtung) von einer 80%igen (100 %-Pensum abzüglich 20 % für erhöhten Pausenbedarf) Arbeits
fähigkeit auszugehen
, unter Berück
sichti
gung des folgenden Belastungsprofils: körperlich leichte Arbeiten (Trage
arbeiten bis 5 Kilogramm) ohne Tätigkeiten mit Vibrationsbelastungen der Hände, keine Ar
bei
ten unter Hitze- und/oder Kälteeinfluss und aufgrund der eingeschränkten Hal
tefunktion keine Arbeiten auf Leitern und Gerüs
ten.
3.2
Das hiesige Gericht kam bei dieser Aktenlage zum Schluss, es bestünden ausser dem beidseitigen Handleiden keine weiteren invalidenversicherungsrechtlich re
le
vanten gesundheitlichen Beeinträchtigungen, was beschwerdeweise auch nicht geltend gemacht werde (E. 4.1). Die angestammte Tätigkeit als Servicean
gestellte sei der Beschwerdeführerin seit Dezember 2005 nicht mehr zumutbar (E.
4.2). Die
Y._
-Gutachter, auf deren Beurteilung abzustellen sei, hätten den
Zeit
punkt der Wiedererlangung einer relevanten Restarbeitsfähigkeit in Über
ein
stim
mung mit der Beurteilung der Ärzte des
F._
ebenfalls auf den 20. Novem
ber 2007 festge
legt, wobei die Einschätzung im
Y._
-Gutachten von einem Handchi
rurgen vor
genommen worden sei. Davon sei auszugehen; dass sich die Ärzte der
G._
ausserstande gesehen hätten, die Restarbeits
fähig
keit der Beschwerde
führerin zu beurteilen, stehe der Annahme einer revisions
relevanten Restarbeits
fähigkeit ab Ende November 2007 nicht entgegen (E. 4.3-4).
Dass die Unfallversi
cherung der Beschwerdeführerin per 1. September 2009 eine Rente zu
gesprochen habe, schliesse nicht aus, dass bereits vor Fallabschluss durch die Suva eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Restarbeitsfähig
keit gegeben gewesen sei, denn gemäss Art.
19
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallver
sicherung (UVG) entsteh
e
der Rentenanspruch, wenn von der Fort
setzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheits
zustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invaliden
versiche
rung abgeschlossen sind (E. 4.5). Die Verbesserung sei nach drei Monaten zu berücksichtigen, womit sich ein bis 29. Februar 2008 befristeter Anspruch ergebe (E. 4.7). Die
Restarbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit betrage per Ende November 2007 100
%
und
ab August 2011 80 % (E. 5.1).
Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
4.
4.1
In seinem Urteil vom
4.
Januar 2018 erachtete das Gericht das Gutachten von
Dr.
med.
C._
vom 1
8.
September 2013 (
Urk.
2/7/106/2-10), die Berichte von
Dr.
med. J._
vom
9.
April 2014 (
Urk.
2/7/113/3-4),
Dr.
med.
K._
und
Dr.
med.
L._
vom 1
4.
Mai 2014 (
Urk.
2/7/113/1-2),
Dr.
med.
M._
vom 1
2.
Juni 2014 (
Urk.
2/7/114),
Dr.
med.
N._
vom
2.
Juli 2014 (
Urk.
2/7/116)
und vom 1
5.
Juni 2015 (Urk.2/7/163) als zu wenig aussagekräftig (vgl. E. 5.1 bis 5.3 des genannten Urteils)
, weshalb auf eine Wiederholung verzichtet wird
.
In seinem Urteil vom 1
9.
Oktober 2018 kam das
Bundesgericht zum Schluss, dass
entgegen der Ein
schätzung des Sozialversicherungsgerichts
auch das Gutachten des
Z._
vom 1
4.
Dezember 2014 keine genügende Grundlage für die Einschätzung der Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin
bilde. Damit lägen
keine schlüssigen medizini
schen Ausführungen vor, die eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im nunmehr anzuwendenden strukturierten Beweisverfahren erlauben würden. Es sei ein entsprechendes Gutachten einzuholen, welches auch die somatischen Beschwerden, insbesondere an Rücken, Ellbogen und Schultern, berücksichtige (E. 3.5 des genannten Urteils).
4.2
Das von
den Gutachtern der
B._
am
7.
April 2020 erstattete Gerichtsgutachten (
Urk.
25) erging unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer internistischen, psychiatrischen, rheumatologischen und handchirurgischen Untersuchung. Zudem wurden bildgebende, laborchemische und ergotherapeutische Abklärungen veranlasst (vgl. S. 2-3 des Gutachtens).
4.2.1
Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 11 f.):
-
Radiokarpalarthrose beidseits mit rechts
Ulnaimpaktionsssyndrom
und DRUG (Distales
Radioulnargelenk
) Arthrose
-
Status nach intraartikulären Radiusfrakturen beidseits vom 2
7.
Dezem
ber 2005
-
Status nach Korrekturosteotomie
extraartikulär
rechts am 1
7.
Novem
ber 2006
-
Status nach Osteosynthese-Materialentfernung und Spaltung des Liga
mentum
carpi
transversum
(LCT)
-
Rhizarthrose
beidseits Grad 2, links mit
scapho-trapezio-trapezoidale
r
(STT) Arthrose
-
nicht klar
einordenbare
Sensibilitätsstörung
niedrigen Grades
N.
Medianus
beidseits (Differentialdiagnose: Karpaltunnelsyndrom)
-
chronisches
zervikovertrebrales
Schmerzsyndrom
-
nicht-
radikuläre
intermittierende Schmerzausstrahlung in den rechten Arm
-
klinisch allseitig schmerzhaft leicht eingeschränkte Halswirbelsäulen (HWS)- Beweglichkeit,
nuchale
muskuläre Verspannungen und
Dolenzen
-
konventionell-radiologisch deutliche Fehlhaltungen der HWS, deutli
che degenerative Veränderungen mit
Osteochondrosen
C5-C7, Band
scheibenraumverschmälerungen und
Spondylophytenbildungen
-
Magnetresonanztomographisch mehrsegmentale
Bandscheibenprotru
sionen
, Diskushernie C6/7 mit wurzelkompromittierender
Forami
nalstenose
C6/C7 links, mittelschwere
diskogene
Spinalkanalstenose ohne
Myelopathie-Signal C5/6 bei vorbestehend konstitutionell etwas engem Zentralkanal
-
Status nach Facettengelenksinfiltration C4/C5 und C5/C6 rechts am 1
9.
Februar 2019 mit Beschwerdeansprechen
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
intermittierende
peripelvine
Schmerzausstrahlung rechts, derzeit abge
klungene Trochanter-Sehnen-
Insertionsdolenz
rechts
-
klinisch freie Hüftgelenke ohne bildgebende
Coxarthrosezeichen
, kleiner Labrumriss rechts
-
LWS bildgebend mit
Osteochondrose
und Bandscheibenextrusion L5/S1, Facettengelenksarthrosen
Die folgenden Diagnosen hätten primär qualitativen Einfluss auf die Arbeits
fä
higkeit (S. 12):
-
intermittierend symptomatische, beginnende,
femoropatellär
deutliche Gonarthrose rechts mehr als links
-
klinisch reizlose freie Beweglichkeit zur Zeit beider Knie
-
konventionell-radiologisch aktuell keine signifikante degenerative Veränderung
rechtg
-
MR-tomographisch schwere
retropatelläre
Knorpelläsion rechts
-
Status nach mehreren Steroid-,
Hyaluronat
- und PRP-Injektionen
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 12):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.41)
-
rezidivierende depressive Störung, derzeit leichte Episode (ICD-10 F33.1)
-
chronische
Epicondylopathia
humeri
radialis
rechts
-
Status nach wahrscheinlich
myotendinotischen
Schultergürtelbeschwer
den beidseits gemäss Akten 2014 bis 2017
-
intermittierend Knöchelbeschwerden anamnestisch rechts
-
Fuss-Fehlstatik mit
Valgus
-Knick-Senkfussdeformität beidseits,
Hallux
valgus
suprapositus
rechts
-
Verdacht auf laterales Knöchel-
Impingement
-
Nikotinmissbrauch
4.2.2
Der internistische G
utachter hielt fest, die Beschwerdeführerin sei insgesamt aus internistischer Sicht in der Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt. Das führende Hauptproblem sei einerseits die Handgelenksschmerzen rechtsbe
tont sowie diverse andere Schmerzlokalisationen (Nacken, unterer Rücken, Becken und rechtes Knie). Diesbezüglich sei auf die rheumatologische und hand
chirurgische Beurteilung zu verweisen. Bezüglich psychiatrischer Problematik habe sich die
Beschwerdeführerin in der internistischen Untersuchung bedeckt gehalten, es sei auf das psychiatrische Gutachten zu verweisen (S. 7 f. des Teil
gutachtens).
4.2.3
Der psychiatrische Gutachter führte aus, die Beschwerdeführerin habe im freien Vortrag über Probleme in der Ehe berichtet. Auf strukturierte Nachfrage habe sie ihre Schmerzen beschrieben (S. 2 f.). Die Befunderhebung habe ergeben, dass die Beschwerdeführerin wach, bewusstseinsklar und zu allen
vier Qualitäten orien
tiert sei. Ihre Auffassungsgabe sei voll intakt, das Konzentrationsvermögen im Gespräch nicht beeinträchtigt. Die Merkfähigkeit sei unbeeinträchtigt. Flashbacks bezüglich des Unfalls und der Vergewaltigung im Alter von 16 Jahren (S. 3 des Teilgutachtens) träten nur noch sehr selten auf, Albträume nur noch ab und zu. Deutlich sei im Gespräch eine gewisse innere Unruhe und leicht erhöhte Anspan
nung spürbar. Eine formale Denkstörung liege nicht vor. Befürchtungen richteten sich auf die Zukunft der Ehe, ihre subjektiv erlebte finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann und die Entwicklung ihrer gesundheitlichen Situation
in Bezug auf den Schmerz (S. 7). Die Affektivität sei phasenweise im Gespräch beeinträchtigt durch Schuldgefühle und den Selbstwirksamkeitsverlust. Die Stimmung sei bei subde
pressiver Mittellage weitgehend
euthym
, Freudlosigkeit sei nicht beobachtbar. Das Interesse an anderen Personen sei vorhanden, ein sozialer Rückzug lasse sich nicht eruieren.
Der Antrieb sei normal, was sich in Gestik, Mimik, Psychomotorik wie auch im Sprechtempo und der Stimmmodulation abbilde. Die Beschwerde
führerin sei voll schwingungsfähig und könne Emotionen adäquat ausdrücken. Die Frage nach Suizidgedanken werde klar verneint. Es bestehe eine Einschlaf
störung und Durchschlafstörung mit einmaligem Erwachen
.
Laborchemisch
werde
Escital
opram
nachgewiesen.
(S. 8).
Im Gutachten von 2014 sei eine rezidivierende depressive Störung mit leichter bis mittelgradiger depressiver Episode diagnostiziert worden, was im Wesentli
chen als aktuell leichte depressive Symptomatik bestätigt werden könne. Dabei sei die damals phasenweise höhere Ausprägung der Depressivität (leicht bis mit
telschwer) im Rahmen der zeitnahen Belastungen nachvollziehbar, wie sie im Gutachten 2014 gut herausgearbeitet würden (nach dem Unfallereignis aufgetre
tene Partnerschaftsprobleme, Verlustereignisse durch Suizid der Freundin im Jahr 2013 und Tod des Sohnes einer Kollegin im Jahr 2014),
habe aber im Längsver
lauf nicht zu einer nachhaltigen Verschlechterung des psychischen Zustands geführt.
Nach vertiefter Exploration und seither zugenommener Therapieerfah
rung der Beschwerdeführerin seien die beklagten Beschwerden bezüglich Schmerz als besser verständlich einzuordnen als noch zum damaligen Zeitpunkt vor fünf Jahren.
Symptomausweitung und Selbstlimitierung seien nicht in dem Masse vor
handen, wie vom Kollegen beschrieben. Gegenüber 2014 finde sich eine gebes
serte depressive Symptomatik.
Die frühe Zuführung
in eine fachpsychiatrische Behandlung sei günstig gewesen. Durch die intensive, über einen langen Zeitraum durchgeführte Therapie sei es gelungen, die Beschwerdeführerin aus der phasen
weise als mitt
elgradig beschriebenen depressiven Symptomatik und dem teilweise ausgeprägten Opfererleben wieder in den aktuellen Zustand einer leichtgradigen depressiven Symptomatik zu bringen. Diese beeinflusse die Arbeitsfähigkeit nicht
(S. 12 oben).
4.2.4
Die rheumatologische Begutachtung ergab
, dass der Beschwerdeführerin gesamt
haft zusätzlich zur zweifellos vorhandenen deutlich reduzierten Belastbarkeit der Hände auch eine Belastbarkeitsminderung vor allem des oberen, teils auch des unteren Achsenskeletts zuzuerkennen sei. Weiter
e
muskuloskelettäre
Beschwer
delokalisationen am Ellenbogen rechts, am Knöchel rechts und am rechten Knie seien als frühdegenerative und wechselnde Beschwerden leichterer Ausprägung und als im Hintergrund stehend zu beurteilen. Die in den Akten von früher über die Jahre mehrheitlich 2014 bis 2017 rapportierten Schulterbeschwerden dürften eher
myotendinotischen
Sehnenansatz- und
muskulären Überlastungsbeschwer
den entsprochen haben, nicht aber umschriebenen Schultergelenksaffektionen. Diese Symptomatik stehe jetzt deutlich im Hintergrund, die muskulären
Dolenzen
des unteren Nackens und des medianen Schultergürtels dürften durch die dege
nerativen HWS-Veränderungen getriggert sein (S. 20 unten f.). Im Vergleich zur gutachterlichen orthopädischen Beurteilung 2014 sei derzeit bezüglich
Beweg
lichkeiten
am oberen Achsenskelett und im Schulterbereich sicherlich eine
etwas bessere Konstellation
attestierbar
, die Schultern zeigten keinen schmerzhaften Bogen mehr. Neu seien eine
Epikondylopathie
am rechten Ellenbogen und eine
gewisse Beschwerdesymptomatik am unteren Achsenskelett
hinzugekommen
, insgesamt dürfte aber der Gesundheitszustand, abgesehen von den Händen, in etwa vergleichbar geblieben sein. Die Kniebeschwerden schienen derzeit keinen leistungsmindernden Einfluss zu haben, diesbezüglich habe sich die Situation gegenüber 2014 gebessert. In jedem Fall dürfe das in früheren Akten verwendete Etikett einer chronischen Schmerzstörung respektive einer diffusen unspezifi
schen
muskuloskelettären
Schmerzsymptomatik oder gar einer Fibromyalgie zur
zeit nicht verwendet werden. Die Beschwerdeführerin präsentiere
lokoregionäre
Schmerzen, die mit den zu identifizierbaren klinischen und radiomorphologi
schen Befun
den weitgehend erklärbar seien (S. 21). Die anamnestische Schilde
rung der Beschwerdesymptomatik erfolge bereitwillig, präzise
und recht differen
ziert wirkend, es bestünden keine Hinweise auf eine Verdeutlichungstendenz und keine diffuse Beschwerdegeneralisierung. Im Motilitätsbild zeigten sich derzeit wenig Einschränkungen, auch der Kopf werde nicht
steif gehalten
. Lokal fänden sich die angegebenen Beschwerden weitgehend erklärende Befunde (S. 22).
4.2.5
Die handchirurgische Begutachtung ergab, dass seit der letzten Begutach
tung
un
abhängig zum Unfall eine zusätzliche Arthrose im Bereich der Daumen
sattelge
lenke festzustellen sei, die die Beschwerden der Explorandin intensiviere und die zusätzliche Krafteinbusse erkläre (S. 7 unten). Die erhobenen Befunde seien kon
sistent mit den Vorgutachten und zwischen ergotherapeutischen Messungen und klinischer Untersuchung durch den Gutachter.
Es bestehe grund
sätzlich eine gute Übereinstimmung bezüglich Beschwerdelokalisation und Art der Beschwerden im Abgleich zu den objektiven Befunden, jedoch sei das Aus
mass der beklagten Ein
schränkungen so nicht zwanglos nachvollziehbar. Die Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit orientiere sich an den effektiv vorliegenden, klinisch/radiologischen Befunden (S. 8). Die angestammte Tätigkeit im Service
müsse als besonders hand
gelenkbelastend gewertet werden und sei deshalb, wie von den handchirurgischen Vorgutachtern gesehen, bleibend nicht mehr möglich. Der Einschätzung einer 35%igen Arbeitsfähigkeit gemäss
Z._
könne nicht gefolgt werden, weil dies bei der gegebenen Handgelenksbelastung nicht realis
tisch umsetzbar sei (S. 9 oben).
Die Beurteilung durch
Dr.
C._
2013 gewichte die Schmerzen der Explo
randin höher, was zu einer weiteren Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit geführt habe. Rein aufgrund der hand
chirurgischen Befunde könne eine so hohe Einschränkung aber nicht begründet werden.
Es sei vielmehr davon auszugehen, dass in die damalige handchirurgi
sche Beurteilung auch Fak
toren der aktuell diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen und der rezidivieren
den depressiven Störungen mit eingeflossen seien. Diese Aspekte würden hier handchirurgisch ausgeklammert (S. 10).
4.2.6
In der interdisziplinären Konsensbeurteilung (S. 6 ff. des Hauptgutachtens)
kamen die Gutachter zum Schluss, dass die handchirurgische
Y._
-Beurteilung von 2011 weiterhin Gültigkeit habe. Die beklagten Beschwerden wie auch die objektiven Untersuchungsbefunde
seien weitgehend vergleichbar zu diesem Vorgutachten von 201
1.
Eine relevante Verschlechterung sei weder klinisch noch radiologisch nachweisbar. Es könne plausibel eine verminderte Belastbarkeit begründet wer
den. Diese wirke sich aber primär funktionell (qualitative Limitierungen) aus, wel
che
ihrerseits sicher eine Rückwirkung auf die möglichen beruflichen Tätigkeiten habe. So erscheine die bisherige Tätigkeit im Service nicht mehr möglich; die Annahme einer 35%igen Arbeitsfähigkeit in dieser Tätigkeit
im
Z._
-Gutachten sei gänzlich unrealistisch und widerspreche sowohl der aktuellen wie auch den Beurteilungen von 2011 und 201
3.
Die im
Z._
-Gutachten bestätigte Arbeits
fähigkeit von 80
%
in angepasster Tätigkeit, analog der Begutachtung 2011, sei aus handchirurgischer Sicht weiterhin zu bestätigen (S. 7).
Aus rheumatologischer Sicht bestehe vor allem aufgrund der zervikalen, weniger der lumbalen Beschwer
den mit nachweisbaren degenerativen Befunden eine Einschränkung der Belast
barkeit, welche jedoch, da die Handgelenksbeschwerden diese bereits massgeblich einschränkten, nicht zu einer darüber hinaus gehenden zeitlichen Limitierung führten.
Die funktionelle Auswirkung sei aus jetziger Perspektive formal nicht völlig vergleichbar zur orthopädischen Situation 2014, indem im dortigen ortho
pädischen Gutachtensteil die Einschränkung bezüglich Handgelenken nicht sepa
rat beurteilt worden sei. Insgesamt sei der Gesundheitszustand aus rheumatolo
gischer Sicht in etwa vergleichbar (S. 9 Mitte).
Aus psychiatrischer Sicht sei bezüglich der Diagnose der chronischen Schmerzstörung
festzuhalten, dass diese die vor allem in handchirurgischer Sicht doch recht grosse Diskrepanz zwischen den zwar vorhandenen objektiven Befunden gegenüber dem berichteten Beschwerdeausmass und der daraus subjektiv abgeleitet
en Einschränkung berücksichtige (S. 9). Zudem berücksichtige die Diagnose die neben den somatisch klar fassbaren Anteilen (Handgelenksfrakturen) vorhandenen, weit in die Biogra
phie zurückreichenden
traumatischen Erlebnisse und Belastungen, welche durch den Unfall reaktiviert worden seien mit anzunehmendem hohen
Arousal
und wel
che im Verlauf zu einer psychischen Überformung beigetragen hätten. Gegenüber 2014 finde sich eine gebesserte depressive Symptomatik
. Die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung sei aktuell bei klar gegebenem somatischen Kor
relat nicht zu stellen. Hingegen sei die Diagnose chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen bei der Interaktion somatischer Befunde und einer hohen biographischen Vorbelastung nachvollziehbar (S. 10).
2014 sei von einer durch die zeitnahen Belastungen nachvollziehbaren phasen
weisen Ver
schlechterung auszugehen. Im Gutachten
Z._
2014 sei entspre
chend eine gewisse Einschränkung gesehen worden, diese sei in der Integration jedoch nicht bereits über die somatisch begründbare Einschränkung hinausge
gangen. Im weiteren Verlauf sei aus psychiatrischer Sicht von einer erneuten Verbesserung auszugehen und es bestehe keine spezifische zusätzliche Einschrän
kung der Leis
tungsfähigkeit
. Aktuell seien die zu stellenden psychiatrischen Diagnosen, insbe
sondere auch bei teilremittierter,
aktuell noch leichtgradiger Depression, ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 11 oben).
Aufgrund der
muskuloskelettalen
Veränderungen am oberen und unteren Ach
senskelett mit nachgewiesenen degenerativen Prozessen der Wirbelsäule bestehe bleibend eine generell deutlich verminderte Belastbarkeit. Diese gehe im Ausmass aber nicht übe
r
die bereits handchirurgisch begründeten Limitierungen hinaus. Die Befunde an den Knien und die Fehlstatik der Füsse könnten potentiell bei inadäquater Belastung (beispielsweise wiederholtes Stufen- und Treppen
steigen, kniende Arbeiten, ausschliesslich stehende und gehende Tätigkeiten auf unebe
nem Untergrund) zu Beschwerden und Einschränkungen führen. Entspre
chend seien anhaltend mittelschwere und körperlich schwere sowie die unteren Extre
mitäten belastende Tätigkeiten bleibend nicht möglich. Solche Tätigkeiten würden jedoch schon wegen der Handgelenksproblematik ausscheiden, so dass diese Diagnosen als qualitative
Limite
geführt würden. Aus psychiatrischer Sicht sei nicht von einer Fun
ktionseinschränkung auszugehen (S. 13 oben).
4.2.7
Das Belastungsprofil für angepasste Tätigkeiten sei wie folgt:
Bezüglich der Handgelenke seien unbelastete Tätigkeiten links problemlos ganztags möglich und rechts bedingt. Durch eine äussere Ruhigstellung in einer Orthese sollten diese Beschwerden deutlich tolerabler werden. Repetitive Belastungen und solche mit grösserem Kraftaufwand seien
nicht möglich, das Tragen von schweren Gegenständen sei nur in einem geringen Ausmass möglich. Die Haltekraft der Hand sollte nicht über 1-2 kg hinausgehen.
Die zusätzliche Krafteinbusse beim Schlüsselgriff verstärke dieses Problem. Die Sensibilitätseinbusse führe zusätzlich zu Einschränkungen feinmotorischer Fähigkeiten mit vor allem Verlangsamung. Vibrationsbelastungen, Exposition zu Kälte und Hitze sei
e
n zu vermeiden, ebenso grössere Bewegungsausschläge und Arbeiten unter Gewichtsbelastung sowie Arbeiten, wo eine intakte Greiffunktion aus Sicherheitsgründen notwendig sei, wie bei Leitern oder Gerüsten. Zur Vermeidung grösserer Bewegungsausschläge und zur Stabilisierung und Reduktion der Belastung sei eine beidseitige sympto
matische Schienenversorgung der Hand- und
Daumensattelgelenke möglich.
In Bezug auf den übrigen Bewegungsapparat seien körperlich sehr leichte bis leichte Tätigkeiten zumutbar. Das rheumatologisch zumutbare Hantieren von Lasten nicht schwerer als 5 bis 7 kg sei wegen der handchirurgischen Einschränkungen auf 1-2 kg beschränkt. Es seien keine überkopf- oder repetitiv gebückt, kauernd oder kniend zu verrichtende Tätigkeiten möglich, keine
achsenskelettär
belas
tende Tätigkeiten, kein wiederholtes
Rotierenmüssen
mit dem Oberkörper, kein ausschliessliches Stehen und Geh
en, dies sei möglich bis zur Hälfte der Arbeits
zeit, aber am Stück nicht länger als 1 bis 2 Stunden, kein Gehen auf unebenem Untergrund. Wiederholtes Benutzen-Müssen von Treppen, Stufen oder Leitern sollte vermieden werden (S. 14). Gesamthaft sei aufgrund einer plausibel anzu
nehmenden
Schmerzexazerbation
über den Tag von einer Arbeits- und Leistungs
fähigkeit von 80
%
in optimal angepassten Tätigkeiten auszugehen
.
Es gelte somit weiterhin die Arbeitsfähigkeit von 80
%
in angepassten Tätigkeiten wie bereits i
m Gutachten von 2011 formuliert
(S. 15).
Im Zeitraum zwischen März 2012 bis 3
0.
August 2016 sowie seither habe sich keine nachvollziehbare Veränderung der möglichen Arbeitsfähigkeit ergeben
. Es sei von einem weitgehend identischen Gesundheitszustand auszugehen (S. 19
Ziff.
8 und 9). Das
Y._
-Gutachten von 2011 sei nach wie vor in der Schlussfol
gerung bezüglich Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar, wenn auch diagnostisch etwas anders gewichtet. Das
Z._
-Gutachten von 2014 sei bezüglich der Schlussfolgerungen der Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten nachvoll
ziehbar, nicht jedoch für die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit. Das handchirurgische Gutachten von
Dr.
C._
von 2013 habe andere Aspekte
als die handchirurgischen berücksichtigt und sei in der Schlussfolgerung so nicht nach
vollziehbar, da sich am objektiven Sachverhalt seit 2011 nichts verändert habe (S. 19).
5.
5.1
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist
oder
wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
Vorliegend besteht kein Grund, vom Gerichtsgutachten abzuweichen.
5.2
Die
Y._
-Gutachter erachteten im Jahr 2011 die Beschwerdeführerin
im Wesent
lichen aufgrund der Handgelenksbeschwerden in der angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte als nicht mehr arbeitsfähig. Für angepasste leichte Tätigkeiten bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80
%
. Die Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt. Das Gericht ging gestützt auf diese Beurteilung von einer Restarbeitsfähigkeit von 80
%
ab August 2011 aus (vorste
hend E. 3.1-2). Die Beschwerdeführerin machte in der Folge im März 2014 eine Verschlechterung geltend (
Urk.
2/7/105).
5.3
Im Vergleich dazu stellten die Gerichtsgutachter
gestützt auf ihre sorgfältige Befunderhebung
eine erheblich erweiterte Diagnose (vgl. vorstehend E. 4.2.1). Es ist jedoch festzuhalten, dass
i
nv
alidenversicherungsrechtlich
nicht die Diagnosen und deren Anzahl entscheidend
sind
, sondern die Auswirkungen der gesundheit
lichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit (BGE 136 V 279 E.3.2.1 S. 281 mit Hinweis auf BGE 127 V 294). Eine Änderung der erhobenen Diagnosen sagt als solche
somit
nichts aus über die Entwicklung des Invaliditätsgrades.
Die Gutachter legten
in
nachvollziehbarer und schlüssiger Weise dar, dass aus handchirurgischer Sicht die
Y._
-Beurteilung von 2011 weiterhin Gültigkeit habe, da die beklagten Beschwerden wie auch die objektiven Untersuchungsbefunde weitgehend vergleichbar seien. Diesbezüglich sei eine relevante Verschlechterung weder klinisch noch radiologisch nachweisbar
. Die Annahme einer 35%igen Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf gemäss
Z._
-Gutachten sei
jedoch
gänzlich unrealistisch und widerspreche allen
bisherigen wie auch den aktuellen
Beurteilungen. Die Arbeitsfähigkeit aus handchirurgischer Sicht betrage in ange
passten Tätigkeiten weiterhin 80
%
(vgl. vorstehend E. 4.2.6). Der Handchirurg hielt fest, dass grundsätzlich eine gute Übereinstimmung zwischen der Art und Lokalisation der Beschwerden und den objektiven Befunden bestehe, jedoch das Ausmass der Einschränkungen so nicht zwanglos nachvollziehbar sei, weshalb er sich an den effektiv vorliegenden Befunden orientiere. Er wies darauf hin, dass
Dr.
C._
2013 die Schmerzen fachfremd höher gewichtet habe und rein aufgrund der handchirurgischen Einschränkung keine so hohe Einschränkung begründet werden könne (vgl. vorstehend E. 4.2.5). Dies bestätigt aus ärztlicher Sicht die Zweifel, die das Gericht in seinem Urteil vom
4.
Januar 2018 am Gutachten von
Dr.
C._
nannte (vgl.
Urk.
2/11 E. 5.2).
Der rheumatologische Gutachter nahm eine genaue Abklärung der
neu hinzuge
kommenen
Schulter-, HWS-, Ellbogen-, Knöchel- und Kniebeschwerden vor, wobei
die drei Letztgenannten im Hintergrund stünden.
Dies gelte auch für die zwischenzeitlich rapportierten Schulterbeschwerden. Insgesamt sei der Zustand in etwa vergleichbar wie 201
4.
Eine chronische Schmerzstörung oder eine Fibro
myalgie sei nicht zu diagnostizieren, da die angegebenen Beschwerden durch die Befunde erklärt würden (E. 4.2.4). Da die Handgelenksbeschwerden die Belastbar
keit bereits massgeblich einschränkten, führten die rheumatologischen Befunde nicht zu einer darüber hinaus gehenden zeitlichen Limitierung (E. 4.2.6).
Aus psychiatrischer Sicht sei aktuell eine leichte depressive Symptomatik fest
stellbar. Die seit 2014 im Verlauf phasenweise höhere Ausprägung der Depressi
vität sei, wie im
Z._
-Gutachten gut beschrieben, im Rahmen zeitnaher Belas
tungen wie die nach dem Unfallereignis aufgetretenen Partnerschaftsprobleme und Verlustereignisse durch Todesfälle aufgetreten und habe im Längsverlauf keine nachhaltige Verbesserung des psychischen Zustandes bewirkt. Die beklag
ten Schmerzen seien nun besser verständlich einzuordnen und es finde sich eine seit 2014 gebesserte Symptomatik, was der Gutachter der intensiven Therapie zuschrieb. Diese beeinflusse die Arbeitsfähigkeit nicht (E. 4.2.3). Die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung erklärte der Gutachter
m
it dem Umstand, dass diese die
aus handchirurgischer Sicht
doch
recht grosse Diskrepanz zwischen dem Ausmass der Beschwerden und den vorhandenen Befunden sowie den subjektiv abgeleiteten Einschränkungen, aber auch die weit in die Biographie zurückrei
chenden traumatischen Erlebnisse und Belastungen, die durch den Unfall reakti
viert worden seien. Dies ist schlüssig. Soweit der rheumatologische Gutachter davon ausging, es sei keine chronische Schmerzstörung zu diagnostizieren (vgl. vorstehend E. 4.2.4), bezieht sich dies einzig auf die von ihm beurteilten rheuma
tologischen Beschwerden und nicht auf die Handgelenksproblematik. Zudem ist hinsichtlich psychiatrischer Diagnosen die Beurteilung durch den entsprechenden Facharzt massgeblich, und diese ist vorliegend überzeugend begründet.
5.4
Wie in BGE 145 V 361 dargelegt, ist in allen Fällen durch die Verwaltung bezie
hungsweise das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befun
den, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergeb
nisse
fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also
substanziiert
darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen. Der psychiatrische Sachverständige hat darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person (E. 4.3
).
Die Gutachter nahmen eine Beurteilung der Standardindikatoren vor (vgl. S. 12
Ziff.
4.3 des Hauptgutachtens) und hielten fest, es seien im Verlauf wiederholt psychische Überlagerungen diagnostiziert und unterschiedlich diagnostisch ein
geordnet worden. Aus gutachterlicher Sicht habe das psychische Störungsbild jedoch nie das Ausmass einer eigenständigen Einschränkung erreicht, weder 2011 noch aktuell, und aus integrativer Gesamtsicht 2014 nicht zu einer höheren Arbeitsunfähigkeit geführt (S. 16
Ziff.
4.9 des Hauptgutachtens). Insbesondere gestützt auf die ausführliche Beurteilung des psychiatrischen Gutachters ist nicht zu beanstanden, dass
den psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zugemessen wurde.
5.5
Gestützt auf das Gerichtsgutachten steht somit fest, dass die angestammte Tätig
keit bleibend nicht mehr zumutbar
ist
. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit ist weiterhin zu 80
%
zumutbar (vorstehend E. 4.2.7). Im Vergleich zur Situation, wie sie sich im Zeitpunkt des Urteils vom 2
1.
Oktober 2013 präsentierte, besteht somit keine Änderung. Die Arbeitsfähigkeit hat sich weder verbessert noch ver
schlechtert. Dass die Gutachter das
Belastungsprofil in angepassten Tätigkeiten nun
genauer fassten, ändert nichts daran, dass die Arbeitsfähigkeit unverändert ist.
Somit ist ein Revisionsgrund zu verneinen. Die Verfügung vom 3
0.
August 2016 ist rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
6.1
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
für das vorliegende Verfahren
sind auf Fr. 1‘0
00.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
der u
nterliegenden Beschwer
deführerin
aufzuerlegen.
6.2
Da gemäss Feststellung des
Bundesgerichts im Urteil 8C_198/2018
(Urk. 1) Zwei
fel an der Schlüssigkeit und Beweiskraft der Beurt
eilung der Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen
Verfügung
vom
3
0.
August 2016
(Urk. 2/2) bestanden, sind ihr die Kosten des Gerichtsgutachtens in der Höhe von Fr.
18'509.55
(Urk.
31
) aufzuerlegen
(BGE
139 V 496
).