Decision ID: 73b60e96-dbb1-4f8e-a78a-aea9e179aca3
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. A und B deklarierten in der Steuererklärung 2008 unter "Bemerkungen"
einen Erlös von Fr. 454'600.- mit dem Vermerk "Verkauf privater Hausrat". Insgesamt
gaben sie für die Staats- und Gemeindesteuern ein steuerbares Einkommen von Fr.
30'904.- bzw. steuerbares Vermögen von Fr. 1'314'000.- sowie für die direkte Bundes-
steuer ein steuerbares Einkommen von Fr. 30'654.- an.
Mit Auflage vom 18. März 2010 und Mahnung vom 18. Mai 2010 führte der
Steuerkommissär eine Untersuchung u.a. über die verkauften Gegenstände durch. Die
Pflichtigen reichten diverse Unterlagen ein. Am 15. Juni 2010 schätzte sie der Steuer-
kommissär für die Staats- und Gemeindesteuern 2008 mit einem steuerbaren Ein-
kommen von Fr. 367'500.- und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 2'814'000.- sowie
für die direkte Bundessteuer 2008 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 367'200.-
ein. Darin qualifizierte er den Verkauf der Einrichtungs- und Kunstgegenstände als
selbstständige Erwerbstätigkeit und schätzte den Gewinn daraus auf Fr. 334'600.-;
dabei ging er vom deklarierten Erlös von Fr. 454'600.- aus und schätzte die Gewin-
nungskosten gestützt auf Art. 130 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bun-
dessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) bzw. § 139 Abs. 2 des Steuergesetzes vom
8. Juni 1997 (StG) nach pflichtgemässem Ermessen auf Fr. 120'000.- sowie den Wert
der verbleibenden Gegenstände per 31. Dezember 2008 auf Fr. 1'500'000.-. Die Bun-
dessteuerrechnung/Veranlagungsverfügung wurde am 28. Juni 2010 versandt.
B. Gegen die Staats- und Gemeindesteuereinschätzung liessen die Pflichtigen
am 30. Juni 2010 Einsprache erheben und beantragen, sie mit einem steuerbaren Ein-
kommen von Fr. 32'900.- und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 1'314'000.- einzu-
schätzen. Die Voraussetzungen für die Annahme einer selbstständigen Erwerbstätig-
keit des Pflichtigen seien nicht gegeben.
Das kantonale Steueramt nahm diese Einsprache auch als solche gegen die
Bundessteuerveranlagung entgegen, reduzierte mit Entscheid vom 25. August 2010
die Schätzung des Werts der verbliebenen Einrichtungs- und Kunstgegenstände auf
Fr. 500'000.- und setzte das steuerbare Vermögen für die Staats- und Gemeinesteuern
entsprechend auf Fr. 1'814'000.- herab; im Übrigen wies es die Einsprachen ab.
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C. Die Pflichtigen reichten am 23. September 2010 dagegen Rekurs bzw. Be-
schwerde ein und wiederholten die Einspracheanträge. Der Pflichtige sei bis zur Liqui-
dation der D 1994 bei dieser Gesellschaft, welche seiner ersten Ehefrau gehört habe,
angestellt gewesen. Er sei zu keiner Zeit selbstständig erwerbender Antiquität-
enhändler gewesen und habe auch nie entsprechendes Geschäftsvermögen beses-
sen. Die fraglichen Einrichtungsgegenstände habe er damals mit Mitteln des Privat-
vermögens erworben und zur Einrichtung, Ausstattung und Dekoration seines Eigen-
heims verwendet. Seit der Liquidation der D habe er als Versicherungsvermittler
gearbeitet und wegen seines schlechten Gesundheitszustands bis zum Erreichen des
Pensionsalters 2004 eine IV-Rente bezogen. Unter dem Eindruck seiner fortschreit-
enden Invalidität habe er ab 2005 mit Verkäufen von einzelnen Einrichtungsgegenstän-
den begonnen. Zukäufe seien nach 1994 keine erfolgt. Weiter machten die Pflichtigen
eingehende Ausführungen zu den Kriterien der Rechtsprechung für die Annahme einer
selbstständigen Erwerbstätigkeit.
Das kantonale Steueramt schloss mit Beschwerde-/Rekursantwort vom
21. Oktober 2010 auf Abweisung der Rechtsmittel. Darin listete es die Verkäufe von
Gegenständen der Pflichtigen seit 1999 auf. Die Eidgenössische Steuerverwaltung
liess sich nicht vernehmen.
Am 18. November 2010 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Die
Pflichtigen hielten in ihrer Replik vom 2. Dezember 2010 und das kantonale Steueramt
in seiner Duplik vom 17. Dezember 2010 an ihren bisherigen Anträgen fest.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. Die bisherigen Steuerrekurskommissionen sind per 1. Januar 2011 zum
Steuerrekursgericht mutiert (vgl. §§ 112 - 118a und §§ 147 - 153 StG in der alten und
neuen Fassung vom 8. Juni 1997 bzw. 13. September 2010). Das vorliegende, noch
bei der Steuerrekurskommission I eingegangene Geschäft ist als Folge dieser Ände-
rung der 1. Abteilung des Steuerrekursgerichts zugeteilt worden und wird unter den
bisherigen Geschäftsnummern weitergeführt.
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2. a) Nach der Generalklausel von Art. 16 Abs. 1 DBG und § 16 Abs. 1 StG
unterliegen der Einkommenssteuer alle wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte.
Gemäss Art. 18 DBG bzw. § 18 StG sind insbesondere alle Einkünfte aus einem Han-
dels-, Industrie-, Gewerbe-, Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf
sowie aus jeder anderen selbstständigen Erwerbstätigkeit steuerbar (Abs. 1); zu den
Einkünften aus selbstständiger Erwerbstätigkeit zählen sodann auch alle Kapitalgewin-
ne aus Veräusserung, Verwertung oder buchmässiger Aufwertung von Geschäftsver-
mögen (Abs. 2). Steuerfrei sind nach Art. 16 Abs. 3 DBG bzw. § 16 Abs. 3 StG – bei
den Staats- und Gemeindesteuern vorbehältlich der Grundstückgewinnsteuer –
demgegenüber Kapitalgewinne aus der Veräusserung von Privatvermögen.
b) Das Bundesgericht hat bei der direkten Bundessteuer zur Frage der Ab-
grenzung einer selbstständigen Erwerbstätigkeit von einer privaten Tätigkeit im Ergeb-
nis erklärt, dass von einem weiten Begriff der selbstständigen Erwerbstätigkeit auszu-
gehen sei; in diesem Sinn sei eine Tätigkeit, welche die schlichte Verwaltung von
Privatvermögen übersteige, als eine Form der selbstständigen Erwerbstätigkeit aufzu-
fassen. Die Steuerfreiheit von Kapitalgewinnen beschränke sich demnach auf die
schlichte Verwaltung privaten Vermögens. Somit sei die bisherige (d.h. die in Anwen-
dung des Beschlusses über die Erhebung einer direkten Bundessteuer vom
9. Dezember 1940 [BdBSt] ergangene) Praxis beizubehalten, wonach Veräusserungs-
gewinne steuerbar seien, wenn sie in einer über die schlichte Vermögensverwaltung
hinausgehenden Tätigkeit erzielt würden, auch wenn keine in einem eigentlichen Un-
ternehmen organisierte Aktivität oder keine nach aussen sichtbare Teilnahme am wirt-
schaftlichen Verkehr vorliege (BGE 125 II 113).
Nach der unter dem BdBSt entwickelten bundesgerichtlichen Rechtsprechung,
die demnach auch unter dem DBG Anwendung findet, beurteilt sich die Frage, ob eine
Erwerbstätigkeit vorliegt, nach der Gesamtheit der Umstände (BGE 112 Ib 79;
BGE 122 II 446). Als Indizien für eine über die blosse private Vermögensverwaltung
hinausgehende Tätigkeit fallen etwa die Planmässigkeit des Vorgehens, die Häufigkeit
von Geschäften, der enge Zusammenhang eines Geschäfts mit der beruflichen Tätig-
keit des Steuerpflichtigen, spezielle Fachkenntnisse, die Besitzesdauer, der Einsatz
erheblicher fremder Mittel zur Finanzierung des Geschäfts oder die Verwendung des
erzielten Gewinns bzw. dessen Wiederanlage in gleichartige Vermögensgegenstände
in Betracht. Nicht vorausgesetzt ist die nach aussen gerichtete Teilnahme am Wirt-
schaftsverkehr (BGr, 12. November 2001 = StE 2002 B 23.1 Nr. 50 mit Hinweisen).
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Jedes dieser Indizien kann zusammen mit anderen, im Einzelfall jedoch unter
Umständen auch allein zur Annahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit im Sinn
von Art. 18 DBG ausreichen (vgl. BGE 125 II 113 E. 3c). Dass einzelne typische Ele-
mente im Einzelfall nicht erfüllt sind (z.B. die grosse Häufigkeit von Transaktionen),
kann durch andere Elemente kompensiert werden, die mit besonderer Intensität vorlie-
gen (z.B. durch besondere wertvermehrende Tätigkeiten: BGr, 8. September 2004,
2A.74/2003 E. 3.2). Entscheidend ist mithin, dass die Tätigkeit in ihrem gesamten Er-
scheinungsbild bzw. in ihrer Gesamtheit auf Erwerb ausgerichtet ist
(BGr, 12. November 2001 = StE 2002 B 23.1 Nr. 50 E. 2b mit zahlreichen Hinweisen).
Die Besteuerung von Kapitalgewinnen als Einkünfte aus selbstständiger Er-
werbstätigkeit gemäss Art. 18 DBG setzt voraus, dass der veräusserte Gegenstand
dem Geschäftsvermögen angehört hat. Auf Geschäftsvermögen ist zu schliessen,
wenn die Kriterien der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Vorliegen von ge-
werbsmässigem Handeln erfüllt sind (BGE 125 II 113). So ist z.B. aus dem engen Zu-
sammenhang einer Liegenschaft mit der Tätigkeit des Steuerpflichtigen als Bauunter-
nehmer und Liegenschaftenhändler zu schliessen, dass die Liegenschaft im
Geschäftsvermögen des Steuerpflichtigen stand. Der Gewinn aus deren Veräusserung
stellt daher einen nach Art. 18 Abs. 2 DBG steuerbaren Kapitalgewinn dar (BGE 125 II
113).
Diese Rechtsprechung wurde vorerst im Bereich des Liegenschaftenhandels
entwickelt, danach aber auch auf Fälle des Wertschriften-/Devisen- und Edelmetall-
handels ausgedehnt.
c) Noch kein höchstrichterliches Präjudiz existiert – soweit ersichtlich – zum
vorliegend streitigen Verkauf von historischen Einrichtungs- und Kunstgegenständen.
In einem Fall wurde indessen die Teilveräusserung einer Weinsammlung als Erwerbs-
tätigkeit qualifiziert (BGr, 17. September 2002 = StE 2003 B 23.1 Nr. 51 = StR 2003
S. 122). Nach dem Bundesgericht sind die für die Qualifikation als gewerbsmässige
Tätigkeit beim Liegenschaften- und Wertschriftenhandel aufgestellten Kriterien allge-
meiner Natur, so dass es keinen Grund gibt, sie nicht auch hier anzuwenden. Zu be-
rücksichtigen sind indessen die damit verbundenen Besonderheiten.
Der Einsatz von Fremdmitteln beim Erwerb von Kunst- oder Einrichtungsge-
genständen ist im privaten Bereich nicht alltäglich, sondern stellt eine Ausnahme dar.
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Solche Gegenstände werden entweder zur Verschönerung bzw. Ausstaffierung der
eigenen Wohnräume/Liegenschaft oder zu Sammlerzwecken erworben und regelmäs-
sig mit vorhandenen Eigenmitteln finanziert. Fremdkapital wird demgegenüber eher
von Spekulanten eingesetzt, denen es primär um die gewinnbringende Weiterveräus-
serung der Kunstobjekte geht und nicht um deren Erwerb zu den genannten Zwecken.
Solches Tun übersteigt die schlichte Verwaltung eigenen Vermögens klar. Mithin ist die
Unterlage eines Kaufgeschäfts mit fremden Mitteln ein starkes Indiz für das Vorliegen
von gewerbsmässigem Handeln.
Was die Häufigkeit von Kauf- und Verkaufsgeschäften angeht, genügt im
Kunst- oder Antiquitätenhandel eine weit weniger grosse Anzahl von Transaktionen als
z.B. im Wertschriftenhandel, um auf Gewerbsmässigkeit zu schliessen. So wechseln
Kunstgegenstände viel weniger oft die Hand als Wertpapiere, da letztere viel markt-
gängiger sind und von einer wesentlich breiteren Schicht von Personen gehandelt wer-
den. Entsprechend muss im Kunsthandel unter Umständen schon bei wenigen Ge-
schäften von Gewerbsmässigkeit ausgegangen werden, erst recht, wenn dabei
wertvolle Gegenstände umgesetzt werden (Steuerrekurskommission des Kantons
Waadt, 10. Dezember 1985 = StR 1987, 385). Die Dinge liegen ähnlich wie beim Lie-
genschaftenhandel, bei dem allenfalls schon der Verkauf eines einzigen Objekts genü-
gen kann, um von einer selbstständigen Erwerbstätigkeit auszugehen.
Fachkenntnisse bzw. die berufliche Nähe des Erwerbers zum betroffenen
Handelsbereich sind bei jeder Art von Handel ein massgebliches Kriterium, das die
Vermutung von Gewerbsmässigkeit relativ rasch aufkommen lässt. So setzt derjenige,
welcher einen Handel in irgendeiner Form schon beruflich ausübt, die dabei gewonne-
nen Erkenntnisse naturgemäss auch im privaten Bereich ein und überschreitet daher
die Schwelle der schlichten Verwaltung des Privatvermögens wesentlich schneller als
eine Nicht-Fachperson. Ein professioneller Kunsthändler darf demnach zwar Kunstge-
genstände zu Privatzwecken besitzen und diese mit Gewinn veräussern, ohne dass er
diesen Gewinn automatisch als Einkunft aus selbstständiger Erwerbstätigkeit zu ver-
steuern hätte. Indessen müssen es jedenfalls Kunstgegenstände sein, die er entweder
zu eigenen Wohnzwecken erworben und über eine längere Zeit entsprechend verwen-
det oder die er ebenfalls über eine gewisse Zeit in seiner privaten Sammlung gehalten
hat oder die für ihn zumindest einen immateriellen Wert ("valeur sentimental") aufwei-
sen (Steuerrekurskommission des Kantons Waadt, 13. Februar 1987 = StR 1990, 208).
Veräussert er jedoch solche Objekte mit einer gewissen Regelmässigkeit und Häufig-
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keit, handelt er trotz des an sich unschädlichen Verwendungszwecks aufgrund seiner
Zugehörigkeit zum professionellen Kunsthandel gewerbsmässig und übt damit eine
Erwerbstätigkeit aus (Jolles/Simonek/Waldburger, Kunst und Steuern, 2007, in: Schrif-
tenreihe der AXA Art Versicherung AG, S. 81).
Kunstgegenstände wechseln – wie erwähnt – nicht gleich oft die Hand wie
z.B. Wertpapiere oder andere marktgängige Ware. Im privaten Bereich bleiben sie zu-
dem dem Verwendungszweck entsprechend regelmässig für eine längere Zeit beim
Erwerber. Beträgt daher die Besitzesdauer nur Wochen oder Monate bzw. weniger als
ein Jahr, stellt dies ein Indiz für das Vorliegen von gewerbsmässigem Handel dar (Jol-
les/Simonek/Waldburger, S. 81).
d) Der Begriff der selbstständigen Erwerbstätigkeit in Art. 18 Abs. 1 und
2 DBG lautet gleich wie in § 18 Abs. 1 und 2 StG. Er entspricht zudem dem in den
Art. 7/8 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kanto-
ne und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (StHG) verwendeten Begriff. Für seine
Auslegung im StHG stellt die Auslegung im DBG ein beachtliches Element dar
(BGr, 13. Oktober 2004 = StR 2004, 346 E. 6). Damit kann dieser Begriff im kantonalen
Recht aber nicht anders ausgelegt werden als im Bereich des DBG, würde doch sonst
dem Anliegen der vertikalen Steuerharmonisierung nicht Rechnung getragen und die
mit dem Erlass des StHG angestrebte Vereinfachung der Rechtsanwendung vereitelt
(vgl. BGE 128 II 66 sowie BGr, 2. Februar 2005 = StE 2005 A 23.1 Nr. 10; a.M. Markus
Reich, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. A., 2002, Art. 8
N 9 ff. StHG; Neuhaus/Agner/Steinmann, Der gewerbsmässige Wertschriftenhandel
nach dem Stabilisierungsprogramm, ST 1999, 593).
3. a) Mit der Steuererklärung 1998 reichte der Pflichtige eine Aufstellung über
seine Antiquitäten ein. Demnach befanden sich folgende Gegenstände in seinem Be-
sitz:
 1 Salon, 8-teilig
 1 Salon, 14-teilig
 4 Kommoden
 3 Vitrinen
 1 Pendule mit Sockel
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 2 Pendulen
 3 Tischuhren
 2 Carteluhren
 1 Standuhr
 12 Spiegel
 20 Gemälde
 10 Leuchter mit Wandlampen
 10 Läufer und Teppiche
 15 Kerzenstöcke, Vasen etc.
Übrige Wertgegenstände:
 18 Gemälde und Lithographien
Schmuck:
 3 Armbanduhren (Gold)
 2 Colliers
 2 Damenringe.
Nach Sachdarstellung der Pflichtigen stammen diese Gegenstände einerseits
aus einem 1989 von einem Hrn. E übernommenen Bestand an Uhren, Porzellan und
Einrichtungsgegenständen und andrerseits aus der 1994 erfolgten Liquidation der D.
Hierzu liegt eine Liste "E, Inventar Kunstgegenstände" sowie ein Kaufvertrag vom ...
1989 vor. Aus den Steuerakten ergeben sich folgende Verkäufe:
1999 private Dekorationsgegenstände für 30'000.-
14. August 2000 Pendule, Uhr und Standuhr an F für Fr. 170'000.-; Verkauf
weiterer Gegenstände an "G" für Fr. 30'000.- .
2005 privater Hausrat für Fr. 142'000.-
2006 privater Hausrat für Fr. 72'000.-
25. Mai 2007 Meissen-Porzellan Service an H für Fr. 75'000.-
16. Juni 2007 Gemälde an I für Fr. 58'500.-
2. November 2007 Prunk Konsole 1740 an I für Fr. 38'000.-
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21. November 2007 Gemälde Paul Cartier an I für Fr. 28'000.-
11. Januar 2008 8 Oel Gemälde an K für Fr. 25'600.-
29. Januar 2008 Gemälde Paul Cartier an I für Fr. 32'500.-
28. März 2008 Saphir-Ring an L für Fr. 25'500.-
23. Juni 2008 2 Bronze Figuren an I für Fr. 68'000.-
3. September 2008 Armbanduhr Andy Warhol an K für Fr. 38'000.-
30. September 2008 Louis XVI Pendule mit Flötenspielwerk an K für Fr. 170'000.-
Louis XVI Pendule mit Glockenspielwerk an K für Fr. 95'000.-
17. September 2009 Herrenarmbanduhr an M für Fr. 20'000.-
25. November 2009 Ölgemälde an I für Fr. 33'000.-
Dies ergibt im Zeitraum 1999 bis 2009 Verkäufe von Gegenständen im Wert
von total Fr. 1'151'100.-.
b) aa) Aus den Akten ist nicht ersichtlich, ob es sich bei den Verkäufen 2005
und 2006 um einzelne Verkäufe oder um den jeweiligen Totalbetrag von mehreren
Verkaufsvorgängen handelt. Insgesamt ergibt sich aber, dass die Verkaufstätigkeit des
Pflichtigen vor 2005 nur sporadisch erfolgte, ab 2005 hingegen eine gewisse Stetigkeit
aufwies. Betragsmässig ist der Umsatz beachtlich und erlaubt einen substanziellen
Beitrag an die Lebenshaltungskosten. Damit liegt eine Häufigkeit von Transaktionen
vor, welche den Grad einer Gewerbsmässigkeit erreicht, sofern auch weitere Indizien
dafür sprechen.
bb) Der Kreis der Käufer ist begrenzt, treten doch insgesamt nur sechs Na-
men in Erscheinung (G, H, I, K, L, M). Nach Sachdarstellung des Pflichtigen handelt es
sich hierbei um langjährige Bekannte, bei M zudem um einen seiner Söhne; die K ih-
rerseits wird von diesem Sohn geführt, und habe die betreffenden Gegenstände nicht
als Vermittler, sondern in eigenem Namen für eigene Vermögensanlage gekauft. Die
Kontakte ergaben sich demnach nicht aus einem aktiven Marktauftritt des Pflichtigen;
dieser führt denn auch kein eigentliches Verkaufslokal, noch betreibt er Werbung oder
sucht sonst durch öffentliche Bekanntmachung nach Käufern. Dies spricht gegen eine
selbstständige Erwerbstätigkeit.
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cc) Gegen eine Erwerbstätigkeit spricht weiter die lange Besitzesdauer, sind
die Gegenstände doch bereits 1989 und 1994 erworben worden. Auch sind seither
keine Zukäufe mehr erfolgt, und der Gewinn aus den Verkäufen wurde demnach auch
nicht mehr in gleichartige Vermögensgegenstände angelegt. Beim Erwerb der Kunst-
gegenstände kam soweit ersichtlich auch kein Fremdkapital zum Einsatz. All dies
spricht gegen eine Gewerbsmässigkeit des Vorgehens. Einschränkend ist hierzu aller-
dings anzufügen, dass aufgrund der Sachdarstellung der Pflichtigen – welche vom kan-
tonalen Steueramt akzeptiert wurde – sämtliche Geldtransaktionen in bar abgewickelt
wurden und damit in Bezug auf die Geldflüsse und finanziellen Verhältnisse der Pflich-
tigen letztlich keine Transparenz besteht.
dd) Der Pflichtige mit Jahrgang 1939 war bis zur Liquidation "seiner" (Einspra-
che vom 30. Juni 2010) bzw. seiner ersten Ehefrau gehörenden D 1994 bei dieser an-
gestellt. Über seine beruflichen Qualifikationen und Fachkenntnisse ist nichts bekannt,
doch ist er – wie der Name seiner damaligen Arbeitgeberin und deren Handelsregister-
auszug zeigt – im Bereich des Antiquitätenhandels tätig gewesen und verfügt damit
über berufliche Kenntnisse in diesem Bereich. Hingegen war er gemäss seiner Sach-
darstellung nie als selbstständig erwerbender Kunsthändler tätig. Nach der Aufgabe
der D war er im Rahmen seiner Arbeitsfähigkeit bis 2007 Versicherungsvermittler. Aus
diesen rudimentären Angaben kann immerhin geschlossen werden, dass er aus seiner
früheren unselbstständigen Erwerbstätigkeit über spezifische Fachkenntnisse und wohl
auch über Kontakte zur Branche verfügte. Das Kriterium des Einsatzes von Fach-
kenntnissen ist daher erfüllt, und es besteht ein Zusammenhang mit seinem früheren
Beruf. Dies wird weiter dadurch untermauert, dass ein Teil der Gegenstände aus der
Liquidation der D übernommen wurde und daher einen Zusammenhang mit seiner frü-
heren unselbstständigen Erwerbstätigkeit aufweist.
ee) Bei den Gegenständen handelt es sich um Möbel, Standuhren, Gemälde
und Schmuck. Gemäss ihrer Sachdarstellung haben die Pflichtigen das Eigenheim mit
diesen Gegenständen eingerichtet. Die hierzu als Beweis vorgelegten Fotos zeigen
mehrere mit historischen Möbeln und Bildern eingerichtete Privaträume; hierzu reichten
die Pflichtigen eine Liste ein, gemäss welcher sich der Bestand – soweit erkennbar –
weitgehend mit dem aus den anderen Listen hervorgehenden Gegenständen deckt.
Mithin ist als belegt zu betrachten, dass ein beträchtlicher Teil der Gegenstände zur
Wohnungseinrichtung verwendet wurde. Es ist damit davon auszugehen, dass diese
für die Pflichtigen auch einen affektiven Wert haben bzw. hatten und sie nicht als reine
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Investitionsobjekte betrachtet wurden. Dies spricht gegen eine selbstständige Erwerbs-
tätigkeit, während zum Beispiel eine Aufbewahrung in einem Lager für eine gewerbs-
mässige Absicht gesprochen hätte.
ff) Gemäss den Akten bezieht der Pflichtige neben der AHV-Rente keine Vor-
sorgeleistungen, insbesondere auch nicht aus Einrichtungen der 2. Säule. Mithin stellte
er seine Altersvorsorge lediglich im Rahmen der 1. Säule sowie durch Selbstvorsorge
sicher. Offenkundig stellt demnach die Sammlung Teil seiner Altersvorsorge dar. Die-
ser Schluss wird vorliegend durch den Gang der Ereignisse untermauert. 1985 trat eine
krankheitsbedingte Invalidität des Pflichtigen ein, welche sich über die Jahre zuneh-
mend verschlechterte und IV-Leistungen auslöste. Die ab 2005 – und somit nach einer
langen Haltedauer – regelmässig einsetzenden Verkäufe sind nach der Sachdarstel-
lung der Pflichtigen unter dem Eindruck der fortschreitenden Invalidität, welche zu einer
kontinuierlichen Reduktion des Einkommens aus Versicherungsvermittlung führte, so-
wie angesichts der nicht mehr vermeidbaren Aussicht auf einen Umzug in eine Alters-
residenz erfolgt. Selbst wenn deshalb beim Kauf der Gegenstände bereits geplant ge-
wesen sein sollte, diese dereinst zwecks Bestreitung der Lebenshaltungskosten im
Alter wieder zu veräussern, ist diese geplante Gewinnerzielung nicht allzu schwer im
Sinn einer selbstständigen Erwerbstätigkeit zu gewichten, stellt doch dies den norma-
len Vorgang im Rahmen einer privaten Selbstvorsorge durch Anschaffung von Anla-
gewerten dar. Damit lag aber den Verkäufen nicht die Absicht der Erzielung eines Er-
werbseinkommens durch nachhaltige und planmässige Teilnahme am
Wirtschaftsverkehr zugrunde, sondern erfolgten diese unter dem Druck der Verhältnis-
se aufgrund von Alter und Invalidität. Dies spricht ebenfalls gegen eine selbstständige
Erwerbstätigkeit.
c) Insgesamt erscheint das Vorgehen der Pflichtigen nicht als selbstständige
Erwerbstätigkeit. Die Einrichtungs- und Kunstgegenstände waren seit 1990 bzw. 1994
und damit über einen langen Zeitraum im Eigentum der Pflichtigen. Sie wurden sodann
in ihrem Einfamilienhaus als Einrichtung verwendet und damit auch gebraucht.
Schliesslich fand ein Marktauftritt nicht statt, kam kein Fremdkapital zum Einsatz und
wurden die Erlöse nicht wieder investiert. Die Verkäufe erfolgten zudem in einem Alter,
in welchem andere Personen üblicherweise berufliche Vorsorgeleistungen beziehen,
über welche der Pflichtige nicht verfügt. Dass bei der Auflösung einer "privaten Samm-
lung von Kunst- und Einrichtungsgegenständen" zum Einen hohe Beträge umgesetzt
werden und zum Anderen auch Fachkenntnisse zur Anwendung gelangen, liegt in der
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Natur der Sache und vermag für sich alleine keine selbstständige Erwerbstätigkeit zu
begründen. Eine Würdigung aller Umstände ergibt demnach, dass diese mehrheitlich
gegen eine selbstständige Erwerbstätigkeit sprechen. Die beim Verkauf der Kunstge-
genstände erzielten Kapitalgewinne erweisen sich demnach als einkommenssteuerfrei.
4. a) Streitig ist ferner der Wert der Gegenstände per 31. Dezember 2008 bei
der Vermögenssteuer. Das kantonale Steueramt hat im Einschätzungsentscheid vom
15. Juni 2010 den Wert der Einrichtungs- und Kunstgegenstände – als Geschäftsver-
mögen – auf Fr. 1'500'000.- festgesetzt, im Einspracheentscheid hingegen auf
Fr. 500'000.- reduziert. Die Pflichtigen machen geltend, es handle sich um steuerfreien
Hausrat nach § 38 Abs. 4 StG.
b) Hausrat und persönliche Gebrauchsgegenstände werden nicht besteuert
(§ 38 Abs. 4 StG). Hausrat ist, was Wohnzwecken dient, sich im Haus (inkl. Garten und
Garage, aber auch einer Zweitwohnung) befindet und zur üblichen Einrichtung einer
Wohnung gehört (StRK I, 30. Januar 1996 = StE 1997 B 52.1 Nr. 3, RB 1979 Nr. 39;
Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz,
2. A., 2006, § 38 N 14 ff StG, auch zum Folgenden). Persönliche Gebrauchsgegen-
stände sind all jene Gegenstände, die dem persönlichen Gebrauch des Steuerpflichti-
gen und nicht als Kapitalanlage dienen und nicht zum Hausrat gehören. Hierzu gehö-
ren die persönlichen Effekten, namentlich Kleider, Uhren, Schmuck, Foto- und
Filmapparate, Geräte der Unterhaltungselektronik, Arbeitsgeräte, Küchen- und Garten-
geräte, Geschirr sowie Sportgeräte. Vom steuerfreien Hausrat und den steuerfreien
persönlichen Gebrauchsgegenstanden abzugrenzen sind Werte, die überwiegend der
Kapitalanlage dienen. Objekte wie Bilder, Teppiche oder Schmuck können sowohl
steuerfreier Hausrat als auch Sammlung sein, d. h. Teil des steuerbaren Vermögens.
Abzustellen für die Qualifizierung ist regelmassig auf die aktuelle tatsächliche Nutzung
der Gegenstände; dienen sie Wohnzwecken bzw. dem persönlichen Gebrauch, sind
sie primär dem steuerfreien Hausrat zuzuordnen, herrscht dagegen der Kapitalanlage-
charakter vor, fallen sie in das steuerbare Vermögen (RB 1979 Nr. 39). In Zweifels-
fällen ist darauf abzustellen, ob sich der Wert der Objekte – unter Berücksichtigung der
wirtschaftlichen Verhältnisse des Steuerpflichtigen – im Bereich des Üblichen bewegt
oder diesen übersteigt (StRK, 30. Januar 1996, StE 1997 B 52.1 Nr. 3; in concreto
wurden Bilder und Kunstgegenstände im Wert von Fr. 2,2 Mio. trotz der guten wirt-
schaftlichen Verhältnisse des Steuerpflichtigen als das übliche Mass übersteigend und
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somit nicht als Hausrat eingestuft). Ein Kriterium für die Würdigung eines Objekts als
Hausrat oder als Kapitalanlage ist, ob die Möglichkeit besteht, dass das Objekt erheb-
lich an Wert gewinnen kann (z.B. Bilder oder sonstige Kunstgegenstände: RB 1979
Nr. 39).
c) Auch wenn nach dem Gesagten kein Geschäftsvermögen vorliegt, bedeutet
dies nicht, dass es sich automatisch um steuerfreien Hausrat handelt; vielmehr ist des-
sen Vorliegen anhand der einschlägigen Kriterien zu prüfen. Gemäss dem Inventar per
31. Dezember 2008, welches dem Schreiben vom 6. April 2010 beilag, verfügten die
Pflichtigen noch über folgende Gegenstände:
 1 Salon, 8-teilig
 1 Salon, 13-teilig
 4 Kommoden
 3 Vitrinen
 1 Pendule
 2 Tischuhren
 12 Spiegel
 16 Gemälde
 10 Leuchter mit Wandlampen
 10 Läufer und Teppiche
 6 Kerzenstöcke, Vasen etc.
 9 Gemälde und Lithographien
 1 Armbanduhr (Gold)
Die aufgelisteten Gegenstände weisen weitgehend eine Doppelnatur auf, indem
sie einerseits der Einrichtung der Wohnung bzw. dem persönlichen Gebrauch dienen,
ihr Wert aber den Wert des Üblichen weit übersteigt. Zu berücksichtigen ist insbeson-
dere, dass die per 31. Dezember 2008 noch vorhandenen Gegenstände nur noch den
Rest des ursprünglichen Bestands darstellen, wofür der Pflichtige bisher einen Erlös
von insgesamt Fr. 1'151'100.- erzielt hat. Nach dem Gesagten war ihre Anschaffung
zudem mit der Absicht der Selbstvorsorge und damit als Kapitalanlage motiviert und
stellen sie einen wesentlichen Teil des Vermögens der Pflichtigen dar. Die wirtschaftli-
chen Verhältnisse der Pflichtigen sind – was die Einkünfte betrifft – als bescheiden zu
bezeichnen, bestehen ihre Einkünfte doch lediglich aus einer AHV-Rente. Bei diesen
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1 DB.2010.212 1 ST.2010.294
Verhältnissen erfüllen die Gegenstände aber nicht mehr die Funktion von Hausrat oder
persönlichen Gebrauchsgegenständen, sondern kommt ihnen eine Bedeutung zu, wel-
che weit darüber hinausgeht. Sie unterstehen deshalb bei den Staats- und Gemeinde-
steuern der Vermögenssteuer.
d) Zur Höhe der Schätzung auf Fr. 500'000.- äussern sich die Pflichtigen nicht.
Es ist deshalb davon auszugehen, dass dieser Teil nicht angefochten wird. Zudem ist
die Schätzung angesichts der Versicherungssumme von 690'000.- ohne weiteres ver-
tretbar und die Einschätzung insofern zu bestätigen (vgl. Versicherungspolice über
eine Versicherungssumme von Fr. 690'000.-, sowie Schreiben vom 23. Juni 2010).
5. Gestützt auf diese Erwägungen ist der Rekurs teilweise und die Beschwer-
de vollständig gutzuheissen. Aufgrund des nahezu vollständigen Unterliegens sind die
Verfahrenskosten dem Rekursgegner bzw. der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
(Art. 144 Abs. 1 DBG und § 151 Abs. 1 StG).
Die Pflichtigen haben keine Parteientschädigung verlangt, sodass ihnen hin-
sichtlich des Rekursverfahrens eine solche versagt bleiben muss (vgl. RB 1968 Nr. 4).
Für das Beschwerdeverfahren ist ihnen jedoch gleichwohl eine angemessene Partei-
entschädigung zuzusprechen, da sie darauf von Amts wegen Anspruch haben
(Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungs-
verfahren vom 20. Dezember 1968).