Decision ID: 968479aa-c6bf-53ff-a16a-0ad416ef8f68
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Der tamilische Beschwerdeführer stellte am 21. November 2016 ein erstes
Asylgesuch in der Schweiz. Dieses wurde vom SEM mit Verfügung vom
15. Februar 2017 abgewiesen. Eine gegen diese Verfügung beim Bundes-
veraltungsgericht eingereichte Beschwerde vom 22. März 2017 wies die-
ses mit Urteil E-1748/2017 vom 20. Dezember 2018 in letzter Instanz ab.
II.
B.
B.a Am 1. Februar 2019 liess der Beschwerdeführer durch seine heutige
Rechtsvertretung unter dem Rechtstitel eines Wiedererwägungsgesuchs
beantragen, es sei ihm Asyl zu gewähren, eventuell sei auf den Vollzug der
Wegweisung zu verzichten; subeventuell wurde die Weiterleitung des Ge-
suchs vom 1. Februar 2019 an das Bundesverwaltungsgericht unter dem
Rechtstitel der Revision beantragt. Dem Beschwerdeführer sei das Abwar-
ten des Entscheids in der Schweiz zu gestatten, es sei ihm Gelegenheit
zum Einreichen weiterer Beweismittel zu gewähren sowie eine ergänzende
Nachbefragung durchzuführen.
B.b Am 4. Februar 2019 reichte der Beschwerdeführer dem SEM eine er-
gänzende Eingabe mit einem medizinischen Verlaufsbericht der Stationä-
ren Dienste B._ vom 31. Januar 2019 ein.
B.c Am 7. Februar 2019 informierte das SEM die zuständige kantonale Be-
hörde über den Eingang des Wiedererwägungsgesuchs und setzte den
Vollzug der Wegweisung einstweilen aus.
C.
C.a Am 13. Februar 2019 erhob das SEM gestützt auf Art. 111d AsylG (SR
142.31) einen Gebührenvorschuss mit der Androhung, bei Nichtleisten
desselben werde auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten.
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Seite 3
C.b Am 18. Februar 2019 wurde das Original einer Vorladung der Terrorist
Investigation Division (T.I.D.) der sri-lankischen Polizei vom (...) 2019 zu
den Akten des SEM gereicht.
C.c Der durch das SEM erhobene Gebührenvorschuss wurde am 21. Feb-
ruar 2019 fristgerecht geleistet.
C.d Das SEM teilte dem Rechtsvertreter am 4. März 2019 mit, dass das
Wiedererwägungsgesuch vom 1. Februar 2019 als Mehrfachgesuch ge-
mäss Art. 111c AsylG qualifiziert und entsprechend behandelt und geprüft
werde.
D.
Mit (am Folgetag eröffneter) Verfügung vom 28. März 2019 verneinte das
SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, wies das zweite
Asylgesuch vom 1. Februar 2019 ab, verfügte seine Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug an.
E.
E.a Mit Beschwerde vom 29. April 2019 liess der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen Asylentscheid erhe-
ben. Er beantragte, die Verfügung vom 28. März 2019 sei aufzuheben und
ihm sei Asyl zu gewähren; eventuell sei vom Vollzug der Wegweisung ab-
zusehen und er sei vorläufig aufzunehmen; subeventuell sei die Sache zur
vollständigen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
E.b In prozessualer Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung einschliesslich des Verzichts auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses und die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands in
der Person des unterzeichnenden Rechtsvertreters sowie die Befragung
von Psychologin C._ als Expertin beantragt.
F.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 10. Mai 2019 stellte der Instrukti-
onsrichter fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens
in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig forderte er den Beschwerdeführer
dazu auf, seine Bedürftigkeit nachzuweisen. Auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses wurde vorderhand verzichtet; der Entscheid über das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinn von
Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde für einen späteren Verfahrenszeitpunkt in Aus-
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Seite 4
sicht gestellt. Das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung wies der In-
struktionsrichter ab. Er überwies das Beschwerdedoppel der Vorinstanz
und lud diese zum Einreichen einer Vernehmlassung ein.
G.
Mit Eingabe vom 22. Mai 2019 liess sich das SEM zur Beschwerde ver-
nehmen.
H.
Mit Eingabe vom 4. Juni 2019 wurde seitens des Beschwerdeführers eine
Fürsorgebestätigung der Sozialen Dienste D._ zu den Akten ge-
reicht.
I.
Am 20. Juni 2019 reichte der Beschwerdeführer – auf Einladung des In-
struktionsrichters vom 5. Juni 2019 hin – seine Replik zu den Akten. Mit der
Stellungnahme wurden mehrere Bestätigungen aus Sri Lanka, Fotografien
einer Frau mit Verbänden und eine Stellungnahme B._ vom 16. Mai
2019 ins Recht gelegt.
J.
Am 18. Juli 2019 reichte der Beschwerdeführer ein englischsprachiges
Schreiben seiner Mutter und Schwestern vom 10. Juli 2019, einen in tami-
lischer Sprache verfassten handschriftlichen Brief der Mutter und Schwes-
tern und ein Schreiben der Polizei "T.I.D.-Branch E._" vom (...)
2019 zu den Akten. Die Übersetzungen der beiden letztgenannten Doku-
mente wurden am 29. Juli 2019 nachgereicht.
K.
Am 13. August 2019 teilte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer
mit, die Schweizer Botschaft in Colombo sei mit der Prüfung der Authenti-
zität der zu den Akten gereichten Police Message Form vom (...) 2019 be-
auftragt worden. Das Antwortschreiben der Botschaft vom 30. Juli 2019 sei
am 9. August 2019 beim Gericht eingegangen und habe sich mit dem Ver-
sand einer weiteren Mitteilung des Instruktionsrichters an die Botschaft ge-
kreuzt, mit welcher dieser das nachgereichte Beweismittel "T.I.D.-Branch
E._" vom (...) 2019 zugestellt worden sei. Zu dieser Korrespondenz
und zum Ergebnis der Dokumentenprüfung der Police Message Form vom
(...) 2019 – die ergab, dass es sich bei diesem Dokument um eine Fäl-
schung handle – wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör ge-
währt.
E-2030/2019
Seite 5
L.
Am 28. August 2019 reichte der Beschwerdeführer im Rahmen der Stel-
lungnahme weitere Unterlagen ins Recht: Ein Schreiben der Police-Station
F._ vom (...) 2019, ein persönliches Statement des Beschwerde-
führers, ein weiteres Schreiben der Mutter und Schwestern des Beschwer-
deführers mit englischsprachiger Übersetzung sowie einen Bericht
B._ vom 26. August 2019.
Am 6. Januar 2020 liess der Beschwerdeführer erneut ein von Mutter und
Schwestern verfasstes Schreiben mit englischsprachiger Übersetzung zu
den Akten reichen.
M.
Der Instruktionsrichter forderte den Beschwerdeführer am 31. Januar 2020
unter Hinweis auf seine gesetzliche Mitwirkungspflicht dazu auf, innert Frist
einen aussagekräftigen ärztlichen Bericht nachzureichen, der sich insbe-
sondere zum aktuellen Gesundheitszustand, zur Diagnose und zu allfälli-
gen Therapiemassnahmen seit August 2019 äussere.
Der Beschwerdeführer reichte am 17. Februar 2020 fristgerecht einen von
B._ erstellten "Verlaufsbericht seit August 2019" sowie eine persön-
liche Stellungnahme, datierend vom 13. Februar 2020, ein.
N.
Die B._ stellte dem Bundesverwaltungsgericht am 12. März 2020
kommentarlos eine Rechnung über Fr. 250.– (Randvermerk: "Gutach-
ten/Berichte/Zeugnisse an Behörden/Gerichte/Versicherungen") zu, wel-
che der Instruktionsrichter mit Schreiben vom 18. März 2020 retournierte.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
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Seite 6
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor,
weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
E-2030/2019
Seite 7
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz hielt in ihrer Verfügung vom 28. März 2019 Folgendes
fest:
4.1.1 Die Asylvorbringen im ersten Asylverfahren seien als unglaubhaft be-
urteilt worden. Weiter sei im Asylentscheid vom 15. Februar 2017 auch
festgehalten worden, dass der Beschwerdeführer kein asylrechtlich rele-
vantes Risikoprofil aufweise und der Wegweisungsvollzug daher durch-
führbar sei. Das Bundesverwaltungsgericht habe in seinem Urteil vom
20. Dezember 2018 diese Erwägungen bestätigt und die entsprechende
Beschwerde vom 22. März 2017 abgewiesen. Soweit in der Eingabe vom
1. Februar 2019 nunmehr diese Asylgründe wiederholt würden, werde voll-
umfänglich auf die besagte Verfügung des SEM vom 15. Februar 2017 und
das im Anschluss daran am 20. Dezember 2018 ergangene Urteil verwie-
sen.
4.1.2 Im Rahmen des zweiten Asylgesuchs sei es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen, aus den beschriebenen politischen Entwicklungen in Sri
Lanka im Herbst / Winter 2018 persönliche Nachteile darzulegen, insbe-
sondere inwiefern sich daraus eine intensivere Überwachung ehemaliger
LTTE-Leute und deren Umfeld hätte ergeben sollen. Entsprechend sei
nicht schlüssig, weshalb er per (...) 2019 hätte vorgeladen werden sollen.
Die diesbezüglichen pauschalen Hinweise, es sei im Rahmen der politi-
schen Entwicklungen im Norden Sri Lankas zu intensivierten Verfolgungs-
massnahmen gekommen, würden daran nichts ändern.
4.1.3 Ausserdem seien in der Zeit zwischen rechtskräftiger Verfügung vom
Februar 2017 und dem Abschluss des Beschwerdeverfahrens offenbar kei-
nerlei polizeiliche oder sonstige behördliche Unterlagen gegen den Be-
schwerdeführer produziert worden. Dass nun kurz nach dem Urteil vom
Dezember 2018 eine neue Vorladung für den Beschwerdeführer abgege-
ben worden sein solle, werfe berechtigte Fragen auf. Zudem sei die vorge-
legte "Police Message Form" eine Dokumentenvorlage, die als nicht fäl-
schungssicher gelte und von jeder beliebigen Person mit handschriftlichen
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Seite 8
Einträgen versehen werden könne. In diesem Sinn und nach den obigen
Erwägungen werde das Dokument keiner eigentlichen materiellen Prüfung
unterzogen.
4.1.4 Die eingereichte Fotografie des Vaters lasse ebenfalls nicht auf eine
individuelle Gefährdungslage des Beschwerdeführers schliessen. An die-
ser Schlussfolgerung könnten die schriftlichen Angaben der Mutter und ei-
ner Nachbarin vom 17. Januar 2019 nichts ändern. Den an die Schweizer
Regierung gerichteten Zeilen könne als Gefälligkeitsschreiben kein rele-
vanter Beweiswert zukommen. Dasselbe gelte für die Aussagen der Mutter,
die am (...) 2019 von der Human-Rights-Commission in Jaffna protokolliert
worden sein sollen. Ebenso wenig vermöchten die Schreiben des Anwalts
und Notars vom (...) Januar 2019 und das Affidavit des (...) vom (...) Ja-
nuar 2019 als Gefälligkeitsschreiben die Einschätzung des SEM in Bezug
auf ein allfälliges Gefährdungsprofil umzustossen. Dies gelte umso mehr,
als die beiden letztgenannten Schreiben nur auf die im ersten Asylverfah-
ren geltend gemachten Vorbringen Bezug nehmen würden (was sogar die
Frage aufwerfe, weshalb diese Bestätigungen nicht bereits früher eingeholt
worden seien).
4.1.5 Insgesamt würden die Vorbringen den Anforderungen an die Glaub-
haftigkeit nicht standhalten.
4.1.6 Der am 26. Oktober 2018 begonnene Machtkampf zwischen der Sri
Lanka Freedom Party (SLFP) von Maithripala Sirisena und der Sri Lanka
People's Party (SLPP) von Mahinda Rajapaksa sowie der United National
Party (UNP) von Rani Wickremesinghe vermöge die Einschätzung der
nicht erfüllten Flüchtlingseigenschaft nicht zu ändern und die Bejahung der
Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht umzustossen. Der vor-
nehmlich politisch und justiziell in Colombo geführte Machtkampf sei am
13. Dezember 2018 mit der durch das Verfassungsgericht beschlossenen
Auflösung des Parlaments zu einem Ende gekommen. Dies habe den
Rücktritt von Mahinda Rajapaksa als Premierminister und die Neuvereidi-
gung von Rani Wickremesinghe am 16. Dezember 2018 zur Folge gehabt.
Seither habe sich die allgemeine Situation in Sri Lanka beruhigt. Während
jener Phase und auch anschliessend sei keine Zunahme gezielter Verfol-
gungsmassnahmen zu verzeichnen gewesen, mithin sei im Kontext nicht
von einer generell erhöhten Gefährdung sri-lankischer Staatsangehöriger
auszugehen. Damit sei die Unbegründetheit der neuen Vorbringen, wo-
nach der Beschwerdeführer im Zuge der politischen Verschiebungen per-
sönliche Nachteile zu gewärtigen hätte, zusätzlich untermauert.
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Seite 9
4.1.7 Im Sinn des Referenzurteils E-1866/2015 sei zu prüfen, ob der Be-
schwerdeführer im Fall der Rückkehr nach Sri Lanka dennoch begründete
Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinn von Art. 3 AsylG haben müsse.
Wer illegal Sri Lanka verlassen habe und keine gültigen Identitätsdoku-
mente besitze sowie im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen habe,
müsse bei einer Einreise am Flughaften mit einer Befragung rechnen.
Allein diese Befragung sowie ein allfälliges Eröffnen eines Strafverfahrens
wegen illegaler Ausreise stelle keine asylrelevante Verfolgung dar. Die
Kontrollmassnahmen wie das regelmässige Erfassen am Herkunftsort
zwecks Registrieren, das Erfassen der Identität und Überwachen politi-
scher Aktivitäten würden grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass an-
nehmen.
Der Beschwerdeführer habe im rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfah-
ren nicht glaubhaft gemacht, vor der Ausreise asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Auch im vorliegenden Asylver-
fahren habe er keine objektiv begründete Furcht vor drohenden Nachteilen
im Sinn von Art. 3 AsylG darlegen können. Er sei bis (...) 2016 und damit
über sieben Jahre nach Kriegsende im Heimatstaat wohnhaft geblieben.
Allfällige im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten damit
kein Verfolgungsinteresse auf behördlicher Seite ausgelöst. Es sei bei die-
ser Aktenlage daher nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer nun-
mehr bei einer Rückkehr in den Fokus der Behörden geraten und asylrele-
vanter Verfolgung ausgesetzt werden sollte, mithin bestehe für den Fall ei-
ner Rückkehr kein begründeter Anlass zur Annahme vor künftig mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit drohender Verfolgung.
4.1.8 Insgesamt würden die Vorbringen im Rahmen des zweiten Asylver-
fahrens den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG und an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten.
Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein
zweites Asylgesuch sei abzuweisen.
4.2 In der Beschwerde vom 29. April 2019 wird Folgendes dargelegt:
4.2.1 Der Beschwerdeführer sei im März 2013 im Alter knapp (...) Jahren
von Sicherheitsleuten mitgenommen, drei Tage lang nach dem Vater
befragt und massiv gefoltert worden. Er sei damals in der Folge von der
Mutter nach G._ geschickt worden. Dort habe er bis 2016 gelebt.
Im Vertrauen auf eine Entspannung der Situation sei er nach Sri Lanka
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Seite 10
zurückgekehrt, jedoch bereits am (...) 2016 erneut von Sicherheitskräften
aufgegriffen, entführt und unter massiver Folter über den Verbleib des Va-
ters befragt worden.
4.2.2 Im Rahmen des zweiten Asylverfahrens habe die Vorinstanz in Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs den Sachverhalt ungenügend abgeklärt,
insbesondere habe sie weder die T.I.D.-Vorladung überprüft noch eine er-
gänzende Befragung zur erlebten Folter durchgeführt. Schon deswegen
sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und zur korrekten Verfahrens-
führung an das SEM zurückzuweisen.
4.2.3 Der Beschwerdeführer habe noch heute Mühe, die Foltererlebnisse
von 2013 und 2016 zu verarbeiten. Er habe bereits bei der ersten Befra-
gung ausgeführt, nach dem brutalen Foltererlebnis im Jahr 2013 an Suizid
gedacht zu haben. Die Fachärzte würden ihm eine Posttraumatische Be-
lastungsstörung (PTBS) mit stark depressiven Auswirkungen bescheini-
gen. Im Rahmen der SEM-Befragung habe er dies nicht unbelastet schil-
dern können; dazu hätte er vielmehr psychiatrischer Hilfe bedurft. Insofern
sei die in der angefochtenen Verfügung gezogene Schlussfolgerung, die
Vorbringen seien bereits im ersten Asylverfahren als unglaubhaft beurteilt
worden, unsachlich und "psychologisch sachfremd".
4.2.4 Der mit der Psychotherapeutin erarbeitete Bericht (Narrative Exposi-
tionstherapie 2017/18) sei – unabhängig vom Asylverfahren – im Verlauf
mehrerer Gespräche aus therapeutischen Gründen entstanden. Diesem
"im Winter bis März 2018" entstandenen Bericht komme eine qualifizierte
Bedeutung bei der Erarbeitung des Sachverhalts zu, zumal die Diagnose
PTBS die Vermutung erlittener Folterungen nahelege. Die Vorinstanz ver-
letze mit ihrer Nichtbeachtung und Nichterwähnung dieses Berichts das
rechtliche Gehör. Die Folter sei ein massiver Eingriff und die Schweiz als
Unterzeichnerstaat der Folterkonvention verletze diese völkerrechtliche
Vereinbarung, wenn sie bei geschilderter Folter "bewusst" wegsehe. Die
Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen und das SEM anzuweisen,
sich mit dem Dokument sorgfältig auseinanderzusetzen. Es werde zudem
eine Befragung der Psychotherapeutin als Expertin beantragt.
4.2.5 Das SEM verweigere auch die Prüfung der im Original vorliegenden
Vorladung vom (...) 2019. Ihre Begründung, es sei nicht schlüssig, weshalb
der Beschwerdeführer hätte vorgeladen werden sollen und eine solche
Vorladung sei auch nicht fälschungssicher, sei vor dem Hintergrund der
Recherchen gegen den Vater als ehemaligem (...) eines grossen LTTE-
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Seite 11
Führers unhaltbar. Es sei bekannt, dass Angehörige bekannter LTTE-
Kämpfer immer noch und immer wieder verfolgt und befragt würden.
4.2.6 Die damit durch das SEM begangene Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs rechtfertige eine Rückweisung an die Vorinstanz. Auf Beschwerde-
ebene könne der Mangel nur durch eine umfassende Abklärung sowohl
des Haftbefehls als auch der Entstehung des Psychiatrieberichts geheilt
werden.
4.2.7 Im März 2019 seien beim Beschwerdeführer weitere Dokumente ein-
gegangen, welche die anhaltende Suche nach ihm belegen würden; seine
Mutter sei deswegen einmal körperlich angegriffen worden. Die T.I.D. wür-
den nach Aussage der Mutter den Sohn suchen, weil er vermutungsweise
Unterlagen des verschollenen Vaters versteckt halte.
4.2.8 Die geltend gemachten Mitnahmen und Foltererlebnisse seien kausal
für die Flucht gewesen. Die Folgerung des SEM, bereits im ersten Asylver-
fahren hätten die Vorbringen nicht geglaubt werden können und dies gelte
auch nach den neu eingereichten Beweismitteln, sei nur bei einer unsach-
lichen Würdigung der Akten möglich. Der Beschwerdeführer benötige ef-
fektiv fachärztliche Hilfe zur Bewältigung seiner Erlebnisse. Die psychische
Entwicklungsgeschichte weise klar auf eine PTBS hin, die erlittene Folter
sei im psychiatrisch erarbeiteten Bericht detailreich und nachvollziehbar
beschrieben.
4.2.9 Es erstaune zudem, dass das SEM im ersten Asylentscheid die Folter
von 2013 nicht direkt bestritten, aber als nicht fluchtkausal eingestuft habe.
Wenn jemand 2013 gefoltert worden sei, sich anschliessend drei Jahre ins
Ausland abgesetzt habe und nach der Rückkehr 2016 aus dem nämlichen
Grund gefoltert werde, liege der Kausalzusammenhang zur definitiven Aus-
reise auf der Hand. Schwere Folter aus politischen Gründen – auch im
Rahmen einer "Aufklärung" bezüglich des Vaters – sei ein Fluchtgrund
nach Art. 3 AsylG. Der Beschwerdeführer sei daher als Flüchtling anzuer-
kennen und es sei ihm Asyl zu gewähren.
5.
Im Rechtsmittel wird gerügt, die Vorinstanz habe den Sachverhalt ungenü-
gend abgeklärt und Beweismittel nicht aufgenommen respektive gewürdigt
und dadurch das rechtliche Gehör verletzt.
5.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung
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Seite 12
ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Be-
weise falsch gewürdigt werden; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden.
5.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens An-
spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff.
VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der
Abklärung des Sachverhalts, auf der anderen Seite stellt er ein persönlich-
keitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtli-
ches Gehör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen der Be-
troffenen – zu denen nicht nur deren Aussagen, sondern auch die von
ihnen eingereichten Dokumente gehören – tatsächlich hört, sorgfältig und
ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich ent-
sprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss. Die ange-
messene und hinreichende Begründung ermöglicht es dem Betroffenen,
die Rechtmässigkeit der Entscheidung zu überprüfen und die Chancen ei-
ner Anfechtung zu beurteilen (vgl. statt vieler BGE 136 I 184 E. 2.2.1;
BVGE 2011/37 E. 5.4.1; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 24 E. 5.1 sowie KRAUS-
KOPF/EMMENEGGER/BABEY, in: Praxiskommentar VwVG, 2016, Art. 29
N. 102 f.).
5.3 Die eingereichten Beweismittel (die medizinischen Berichte und die po-
lizeiliche Vorladung vom [...] 2019) hat die Vorinstanz im Sachverhalt auf-
genommen und namentlich in den Erwägungen zum Wegweisungsvoll-
zugspunkt geprüft und beurteilt, mithin hat sie keine wesentlichen Sachver-
haltselemente übersehen.
5.4 Die Rüge, die Vorinstanz habe namentlich die im Rahmen der psycho-
therapeutischen Behandlung, insbesondere die im Narrativ detailliert be-
schriebenen Foltererfahrungen, nicht erwähnt und ungenügend berück-
sichtigt, ist ebenfalls nicht begründet: Es nicht erforderlich, dass sich eine
Begründung mit allen Parteistandpunkten im Detail auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen explizit erwähnt und beurteilt (vgl. BGE
136 I 184 E. 2.2.1 S. 188). Vorliegend sind die Vorbringen des Beschwer-
deführers im Sachverhalt erwähnt und in der Folge ist die gesundheitliche
Problematik im Rahmen der Wegweisung gewürdigt worden (vgl. ange-
fochtene Verfügung Ziff. III/2). Die Rüge der falschen Würdigung beschlägt
nicht die sich aus dem Untersuchungsgrundsatz ergebende Frage der
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts, sondern diejenige der
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Seite 13
rechtlichen Würdigung desselben. Die vom SEM vorgenommene (vom Be-
schwerdeführer als unrichtig betrachtete) Würdigung betrifft mithin die ma-
terielle Entscheidung über die vorgebrachten Asyl- und Wegweisungs-
gründe und ist entsprechend dort zu prüfen.
5.5 Zum Antrag des Beschwerdeführers, eine Ärztin B._ sei vom
Bundesverwaltungsgericht als Expertin anzuhören, ist Folgendes festzu-
stellen: Bei der Zeugenbefragung handelt es sich um ein subsidiäres Be-
weismittel im Verwaltungs(beschwerde)verfahren, das nach dem Willen
des Gesetzgebers nur zum Zug kommen soll, wenn sich der Sachverhalt
nicht auf andere Weise abklären respektive feststellen lässt (vgl. Art. 14
Abs. 1 VwVG). Im vorliegenden Verfahren liegen mehrere aussagekräftige
Berichte B._ bei den Akten, weshalb keine Veranlassung für die An-
hörung von Zeugen besteht.
5.6 Nach Prüfung der vorliegenden Akten ist insgesamt festzustellen, dass
die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt korrekt erhoben und sich
im angefochtenen Entscheid rechtsgenüglich mit den erfassten Vorbringen
auseinandergesetzt hat. Entsprechend ist in der Folge eine sachgerechte
Anfechtung des Asylentscheids offensichtlich möglich gewesen, wie dies
auch die ausführlich begründete Beschwerdeschrift bezeugt.
5.7 Die Rügen der Verletzung des rechtlichen Gehörs, namentlich des
Rechts auf Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts erweisen sich
nach dem Gesagten als unbegründet. Der Sachverhalt ist hinreichend
erstellt. Bei dieser Sach- und Aktenlage besteht keine Veranlassung, die
vorinstanzliche Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sa-
che zur Neubeurteilung zurückzuweisen.
6.
6.1 Die Vorinstanz hat das am 1. Februar 2019 formulierte "Wiedererwä-
gungsgesuch" als neues Asylgesuch entgegengenommen und ist materiell
darauf eingetreten.
Das erste Asylverfahren des Beschwerdeführers wurde mit Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts vom 20. Dezember 2018 rechtskräftig abgeschlos-
sen. Gegenstand eines neuen Asylverfahrens können nur vom Beschwer-
deführer vorgetragene Asylgründe sein, die sich seither verwirklicht haben
und gestützt auf welche das Erfüllen der Flüchtlingseigenschaft geltend ge-
macht wird. Soweit im zweiten Asylverfahren vor dem SEM und im Rahmen
des hier dazu zu behandelnden Beschwerdeverfahrens Kritik an seinem
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Seite 14
ersten Asylverfahren geübt oder mit seinen Vorbringen auf die Feststellung
einer ursprünglichen Fehlerhaftigkeit der im ersten Asylverfahren getroffe-
nen Entscheidungen abgezielt wird, ist darauf nicht weiter einzugehen.
6.2 Im Folgenden beschränkt sich der Prüfungsumfang des Bundesverwal-
tungsgerichts somit thematisch und rechtlich im Wesentlichen auf die
Frage, ob die nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. De-
zember 2018 aktenkundig gemachte Vorladung vom (...) 2019, die weite-
ren polizeilichen Dokumente vom (...) (recte [...]) 2019 und vom (...) 2019,
die Lageveränderung in Sri Lanka, und die seitherigen, mittels ärztlicher
Berichte untermauerten, gesundheitlichen Beeinträchtigungen einen An-
spruch auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Gewährung des Asyls
oder allenfalls Feststellung der Undurchführbarkeit des Wegweisungsvoll-
zuges begründen.
7.
7.1 Das SEM ist in seinen Erwägungen zum Schluss gekommen, die neu
geltend gemachten Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers wür-
den den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Be-
achtlichkeit nicht genügen. Einleitend hat die Vorinstanz zutreffend darauf
hingewiesen, dass die im erstinstanzlichen Verfahren vorgebrachten Asyl-
gründe als unglaubhaft beurteilt worden sind. Diese Feststellung bezieht
sich auf das Urteil E-1748/2017 des Bundesverwaltungsgerichts vom
20. Dezember 2018, in welchem die damals angefochtene Verfügung – un-
ter unmissverständlicher Feststellung der Unglaubhaftigkeit der geltend
gemachten Fluchtgründe (vgl. E. 7) – letztinstanzlich bestätigt worden war.
Im ersten Asylverfahren wurde ausserdem abschliessend festgestellt, dass
der Beschwerdeführer über kein asylrechtlich relevantes Risikoprofil ver-
füge, das einer Rückkehr entgegenstehe.
7.2 Soweit der Beschwerdeführer nun geltend macht, es sei im Rahmen
der politischen Entwicklungen im Herbst/Winter 2018 zu einer intensivier-
ten Überwachung ehemaliger LTTE-Leute und deren Umfelds gekommen,
kann daraus nicht bereits auf konkret zu erwartende flüchtlingsrechtliche
Nachteile für den Beschwerdeführer geschlossen werden. Dies gilt insbe-
sondere vor dem Hintergrund der Tatsache, dass das dazu zum Beleg ein-
gereichte Polizeidokument – die angebliche T.I.D.-Vorladung vom (...)
2019 – sich, wie nachfolgend dargelegt wird, durch die von der Schweizer
Botschaft durchgeführte Dokumentenprüfung als gefälscht erweist.
E-2030/2019
Seite 15
7.2.1 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs wendet der Beschwerdeführer
ein, das Dokument sei nicht in Jaffna überprüft worden, weshalb die von
der Botschaft festgestellten Fälschungsmerkmale nicht gesichert seien.
Sein Rechtsvertreter hält fest, er könne nicht beurteilen, ob die Dokumente
echt seien oder nicht. Es seien jedoch erneut T.I.D.- Funktionäre bei der
Mutter des Beschwerdeführers vorbeigekommen, hätten nach diesem ge-
fragt und die Familie bedroht. Es wäre sinnvoll, die Mutter persönlich zu
befragen. Nach dem (am 18. Juli 2019 eingereichten) Schreiben der Polizei
vom (...) 2019 sei zudem ein weiteres solches Schreiben, datierend vom
(...) 2019, eingetroffen. Gemäss diesem sei übrigens erkennbar, dass ers-
teres Dokument richtigerweise vom (...) 2019 hätte datieren müssen. Letzt-
lich dürfe der Beschwerdeführer selbst dann nicht zurückgeschickt werden,
wenn die Polizeidokumente nicht echt wären. Sein offensichtlich schlechter
psychischer Zustand sei nur mit erlebter Folter im Heimatland zu erklären.
7.2.2 Zuerst ist festzuhalten, dass der Einwand, das Dokument vom 16. Ja-
nuar 2019 sei von der Botschaft in Colombo nicht vor Ort (in Jaffna) über-
geprüft worden, die klaren Fälschungsmerkmale nicht zu entkräften ver-
mag.
7.2.3 Angesichts der zweifelsfrei festgestellten Fälschung des ersten Do-
kuments vom (...) 2019 können die beiden an dieses anschliessenden Ur-
kunden ebenfalls nicht authentisch sein. Im Übrigen sind auch diese Doku-
mente – abgesehen von einer offenbar fehlerhaften Datierung – von ver-
schiedenen Auffälligkeiten geprägt. So weist das Dokument vom (...) (oder
[...]) 2019 ähnliche formale Mängel auf, wie sie von der Botschaft im ge-
fälschten Dokument vom (...) 2019 festgestellt worden sind. Auffälliger-
weise weist das dritte Dokument (nach Kenntnisgabe dieser Fälschungs-
merkmale im Rahmen des rechtlichen Gehörs eingereicht) eine unübliche
Form mit neuem Briefkopf auf, obwohl sowohl das Dokument vom (...)
2019 als auch dasjenige vom (...) ([....]) 2019 von derselben T.I.D.-Branch
der Police Station F._ stammen und vom selben Officer unterzeich-
net worden sein soll. Augenfällig und wenig plausibel ist beim dritten Doku-
ment auch der Wechsel in die englische Sprache.
7.2.4 Insgesamt erweisen sich damit alle drei angeblich von polizeilicher
Behördenstelle ausgestellten Dokumente als nicht authentische Beweis-
mittel. Diese Feststellung betrifft zentrale Vorbringen und ist folglich von
ausschlaggebender Bedeutung, da damit die Glaubhaftigkeit der Gesuchs-
vorbringen – respektive die persönliche Glaubwürdigkeit des Beschwerde-
E-2030/2019
Seite 16
führers – nachhaltig erschüttert wird (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG). Die drei ge-
fälschten Dokumente sind in Anwendung von Art. 10 Abs. 4 AsylG zur Ver-
meidung weiteren Missbrauchs einzuziehen.
7.3 In Konsequenz ist der neu geltend gemachten Verfolgungssituation da-
mit der Boden entzogen. Bei der geschilderten Aktenlage können die zahl-
reichen Schreiben von privater Seite, namentlich der Angehörigen des Be-
schwerdeführers und Drittpersonen (auf Beschwerdeebene namentlich
Rechtsanwalt, Dorfvorsteher), keinen relevanten Beweiswert entfalten.
Diese Dokumente sind als Gefälligkeitsschreiben zu beurteilen. Auch die
Fotografien einer mit Armbandage und Halskrause verbundenen Frau –
gemäss den nicht verifizierbaren Angaben des Beschwerdeführers soll es
sich um seine Mutter handeln – lassen keine anderen Schlussfolgerungen
zu. Auch die verschiedenen persönlichen Statements des Beschwerdefüh-
rers können an diesen Feststellungen nichts ändern.
7.4 Was die Erwägungen des SEM zu den im zweiten Asylverfahren ein-
gereichten Beweismitteln betrifft, ist diesen zutreffenden Ausführungen
nichts Weiteres beizufügen.
7.5
7.5.1 Der Beschwerdeführer beruft sich weiter auf die jüngsten politischen
Entwicklungen in seinem Heimatstaat und einer daraus für ihn resultieren-
den Verfolgungsgefahr. Die Relevanz dieses Vorbringen ist vom SEM mit
zutreffender Begründung verneint worden.
7.5.2 Insbesondere gibt es keinen Grund zur Annahme, seit dem Macht-
wechsel in Sri Lanka seien ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Ver-
folgungsgefahr ausgesetzt. Vielmehr ist nach wie vor im Einzelfall zu prü-
fen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsident-
schaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. Ein
solcher Bezug ist vorliegend nicht konkretisiert worden. Den im Referenz-
urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 entwickelten Risikofaktoren hat das
Bundesverwaltungsgericht in seinem rechtskräftigen Urteil E-1748/2017
vom 20. Dezember 2018 Rechnung getragen und aufgrund der Unglaub-
haftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers festgehalten, dass er kei-
nen dieser Faktoren erfülle.
7.5.3 Zusammenfassend weist der Beschwerdeführer auch nach Ab-
schluss des zweiten Asylverfahrens keine neuen risikobegründenden Fak-
toren im Sinn der Rechtsprechung auf.
E-2030/2019
Seite 17
7.6
7.6.1 Der Beschwerdeführer macht schwerwiegende Foltererfahrungen
geltend. Gemäss seinen Angaben im ersten und zweiten Asylverfahren
(sowie der im medizinischen Therapieverlauf erstellten Berichte) datieren
diese Erlebnisse vom Jahr 2013 und 2016.
7.6.2 Das SEM kam dabei in seiner Verfügung vom 15. Februar 2017 zum
Schluss, dass die Vorbringen betreffend die beiden Entführungen vom
März 2013 und Juni 2016 weder asylrelevant noch glaubhaft seien. Das
Gericht stützte im Beschwerdeentscheid vom 20. Dezember 2018 diese
Schlussfolgerung der Vorinstanz in Kenntnis der im Urteilszeitpunkt vorlie-
genden Aktenlage und fachmedizinischen Unterlagen. Im Urteil wurde wei-
ter ausgeführt, dass die medizinischen Diagnosen massgeblich auf Schil-
derungen des Beschwerdeführers abstellen würden, die als unglaubhaft
beurteilt worden seien. Damit könnten diese ärztlichen Berichte die Flucht-
vorbringen nicht belegen. Weiter wurde festgestellt, der Beschwerdeführer
habe sich auffälligerweise erst nach Erhalt der erstinstanzlichen negativen
Verfügung in ärztliche Behandlung begeben (vgl. Urteil E-1748/2017
E. 7.8).
7.6.3 Die PTBS-Diagnose wird auch im zweiten Asylgesuch mit den Folter-
erfahrungen von 2013 und 2016 begründet. Insofern kann der Beschwer-
deführer damit nicht geltend machen, diese Diagnose bewirke, dass er
nunmehr im zweiten Asylverfahren die Anforderungen an die Flüchtlingsei-
genschaft erfülle. Die Feststellung der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbrin-
gen im ersten Asylverfahren und die damit verbundene Würdigung der ge-
sundheitlichen Aspekte ist nicht mehr Gegenstand des zweiten Asylverfah-
rens. Das seinerzeit als unglaubhaft erkannte Aussageverhalten muss sich
der Beschwerdeführer namentlich im Kontext der geltend gemachten ge-
sundheitlichen Problematik insofern anlasten lassen, als zwar aufgrund der
ärztlichen Berichte die PTBS als belegt zu erachten ist, jedoch die wahren
Ursachen der gravierenden Gesundheitsbeschwerden nicht bekannt – und
auch durch weitere Untersuchungsmassnahmen nunmehr vernünftiger-
weise nicht mehr eruierbar – sind. Die gesundheitliche Thematik und dazu
eingereichten fachärztlichen Unterlagen werden Gegenstand der nachfol-
genden Prüfung des Wegweisungsvollzugs bilden.
7.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Sachverhalt rechts-
genüglich erstellt ist und die Vorinstanz das Mehrfachgesuch zu Recht ab-
gewiesen hat. Es erübrigt sich, auf die weiteren Vorbringen des Beschwer-
deführers einzugehen.
E-2030/2019
Seite 18
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, verfügt es
in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an;
es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weiterhin weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den ge-
setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.3 Die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung
(Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind praxisgemäss alter-
nativer Natur – ist eine von ihnen erfüllt, erweist sich der Vollzug der Weg-
weisung als undurchführbar und die weitere Anwesenheit in der Schweiz
ist gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln
(vgl. etwa BVGE 2011/7 E.8).
10.
10.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
E-2030/2019
Seite 19
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen
Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewaltvorfälle in Sri
Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lankischen Regie-
rung verhängte Ausnahmezustand, der am 28. August 2019 wieder aufge-
hoben wurde, und die mit den Wahlen im November 2019 zusammenhän-
genden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern.
10.3 In individueller Hinsicht sind im Rahmen des vorliegenden zweiten
Asylgesuchs bezüglich der Frage nach sozialen Auffangstrukturen im Hei-
matland, namentlich die Existenz eines familiären Beziehungsnetzes,
keine relevanten neuen Vorbringen erfolgt. Die geltend gemachten Behel-
ligungen, denen die Angehörigen ausgesetzt seien, sind nach den vorste-
henden Ausführungen unglaubhaft. Unter Hinweis auf die entsprechenden
Ausführungen im Urteil E-1748/2019 vom 20. Dezember 2018 (E. 11.3.3)
kann daher auf (lediglich wiederholende) weitere Ausführungen verzichtet
werden.
10.3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei hoch traumatisiert und
stehe in engmaschiger medizinischer Behandlung mit intensiven regelmäs-
sigen Therapiemassnamen.
10.3.2 Nach konstanter Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
kann dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen
werden, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland
nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebens-
gefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen
Person führen würde. Als wesentlich wird die allgemeine und dringende
medizinische Behandlung erachtet, die zur Gewährleistung einer men-
schenwürdigen Existenz absolut notwendig ist, wobei Unzumutbarkeit je-
denfalls noch nicht vorliegt, wenn im Heimatstaat eine nicht dem schwei-
zerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist
(vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2).
10.3.3 Gemäss den vorliegenden medizinischen Berichten leidet der Be-
schwerdeführer an einer ausgeprägten PTBS und einer mittelgradigen De-
pression. Er steht deswegen seit Ende März 2017 in therapeutischer Be-
E-2030/2019
Seite 20
handlung. In ihrem letzten Bericht vom 17. Februar 2020 halten die behan-
delnden Ärzte B._, an deren Fachkompetenz und Objektivität zu
zweifeln keine Veranlassung besteht, zusammenfassend Folgendes fest:
Der medizinische Zustand ihres Patienten habe sich seit dem letzten Arzt-
bericht vom 28. August 2019 deutlich verschlechtert. Die dissoziativen Zu-
stände (Symptome im Rahmen der PTBS) würden aktuell mehrmals täglich
auftreten. Durch die regelmässigen, ein- bis zweimal wöchentlich stattfin-
denden psychiatrisch-psychotherapeutischen Termine und durch die im
Bericht aufgelisteten Psychopharmaka könne eine gewisse Stabilität auf
sehr tiefem Funktionsniveau sichergestellt werden. Trotzdem sei es seit
August 2019 aufgrund einer Zunahme der Suizidalität dreimal zur Intensi-
vierung des Behandlungsangebots gekommen, bei welchem der Be-
schwerdeführer mehrwöchige stationäre Aufenthalte in der Akutpsychiatrie
in Anspruch habe nehmen müssen. Durch das engmaschige Therapiean-
gebot schaffe er es, sich jeweils kurzfristig von akuten suizidalen Absichten
zu distanzieren, und die Absprachefähigkeit sei ebenfalls gegeben. Eine
Traumatherapie im engeren Sinne sei begonnen worden, habe aber auf-
grund der dissoziativen Zustände und der erhöhten Instabilität nicht weiter-
geführt werden können. (...).
10.3.4 Die Ursachen der Traumatisierung des Beschwerdeführers und sei-
ner ausserordentlich schweren psychischen Erkrankung sind letztlich – wie
im Asylpunkt erwähnt und festgestellt – nicht bekannt. Aufgrund der Akten
ist immerhin zu vermuten, dass das die PTBS auslösende traumatisierende
Ereignis sich vor der Einreise in die Schweiz abgespielt hat.
Angesichts der schlüssigen und nachvollziehbaren Ausführungen der bei-
den Fachärzte im Bericht vom 5. Februar 2020, die inhaltlich im Einklang
stehen mit mehr als einem Dutzend seit Beginn der Behandlung des Be-
schwerdeführers aktenkundig gemachten medizinischen Berichten, geht
das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass eine zwangsweise Rück-
führung des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat für ihn eine kon-
krete existenzielle Gefährdung bedeuten und auch die (geringen) bisheri-
gen Behandlungserfolge zunichtemachen würde. Unter diesen Umständen
erweist sich der Vollzug der Wegweisung zum heutigen Zeitpunkt als un-
zumutbar.
E-2030/2019
Seite 21
10.4 Nachdem den Akten keine Ausschlussgründe im Sinn von Art. 83
Abs. 7 AIG zu entnehmen sind, ist die Vorinstanz anzuweisen, den Be-
schwerdeführer in Anwendung von Art. 83 Abs. 4 AIG in der Schweiz vor-
läufig aufzunehmen.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung so-
weit die Fragen des Asyls und der Wegweisung betreffend, Bundesrecht
nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollstän-
dig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesag-
ten im Asyl- und Wegweisungspunkt abzuweisen. Soweit die Frage des
Wegweisungsvollzugs betreffend ist die Beschwerde wegen Verletzung
von Bundesrecht gutzuheissen und die angefochtene Verfügung aufzuhe-
ben.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem die Be-
schwerde nicht als von vornherein aussichtslos beurteilt werden konnte
und aufgrund der nach wie vor anzunehmenden prozessualen Bedürftig-
keit des Beschwerdeführers ist in Gutheissung des Gesuchs um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG
auf eine Kostenauflage zu verzichten.
13.
Dem Beschwerdeführer ist bei diesem Ausgang des Verfahrens eine redu-
zierte Parteientschädigung gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG zuzusprechen.
Vorliegend wurde am 28. August 2019 eine Kostennote zu den Akten ge-
reicht. Darin wird ein bisheriger zeitlicher Aufwand von zwölf Honorarstun-
den ausgewiesen. Bis zum Urteilszeitpunkt wurden am 6. Januar 2020 und
am 17. Februar 2020 zwei weitere Eingaben zu den Akten gereicht. Zu dem
in der Kostennote aufgeführten zeitlichen Aufwand ist – mangels einer ak-
tualisierten Kostennote von Amtes wegen (vgl. Art. 14 Abs. 2 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) – ein zusätzlicher
Aufwand von drei Honorarstunden hinzuzurechnen. Bei der Festlegung der
Parteientschädigung ist nach Durchsicht der Akten allerdings festzustellen,
dass der überwiegende Zeitaufwand des Rechtsvertreters die Thematik
des Asylpunkts und namentlich die juristische Auseinandersetzung mit sri-
lankischen Dokumenten betraf (die sich als nicht authentisch heraus-
gestellt haben). Der im Sinn von Art. 64 Abs. 1 VwVG für das Erreichen der
E-2030/2019
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Teilgutheissung notwendige Vertretungsaufwand ist für das vorliegende
Verfahren auf drei Honorarstunden zu schätzen. Als notwendig – respek-
tive entscheidend – für den Ausgang des Verfahrens erweist sich hingegen
der umfangreiche medizinische Verlaufsbericht vom 5. Februar 2020,
für den dem Beschwerdeführer eine Rechnung über Fr. 250.– gestellt wor-
den sein dürfte (vgl. das Schreiben des Instruktionsrichters an B._
vom 18. März 2020, actum 20 des Beschwerdeverfahrens); dieser notwen-
dige Ausgabenposten ist bei der Festlegung der Höhe der Entschädigung
mitzuberücksichtigen.
Die von der Vorinstanz zu vergütende reduzierte Parteientschädigung ist
demnach auf insgesamt Fr. 1000.– (inkl. hochgerechneter Auslagen- und
Mehrwertsteueranteil) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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