Decision ID: 3f3812dc-508c-531a-8f95-0e4cf2720552
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
war
seit deren Eintragung im Handelsregister des Kantons Zürich am 1
7.
Mai 2001
bis zum 1
9.
Mai 2010
(Tagebucheintrag)
einzige
s Mit
glied des
Verwaltungsrat
es
der
Y._
(
Urk.
6/316)
.
Die
Y._
schloss mit der
Z
._
im November
2002 einen Vertrag (
Urk.
6/307)
.
Für ihre Dienste
, zu welchen na
mentlich das Orga
nisieren eines Symposiums für die
Z._
gehörte,
wurde die
Y._
mit
monatlichen Zahlung
en
und einer Beteiligung
an den Ein
nahmen der
Z._
entschädigt
(
Urk.
6/307/9,
Urk.
6/307/13)
.
In
einer
Zusatz
vereinbarung
wurde zudem vorgesehen,
dass die
Y._
als „
executive
office
“
der
Z._
sämtliche Tätigkeiten und Aufgabe
n
im Zusammenhang mit der Geschäftsführung der
Z._
übernehme (
Urk.
6/307/17).
Die
Z._
kündigte mit Schreiben vom 14. August 2009
den Vertrag mit der
Y._
per 3
0.
November 2009
(
Urk.
6/308).
Am 1
9.
Mai 2010
trat
A._
in den
Verwaltungsrat
der
Y._
ein
(
Urk.
6/316)
.
Mit Verfügung
vom
2.
Juni 2010 eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts
B._
über die Gesell
schaft den Konkurs (Urk.
6/260).
Das Konkursverfahren wurde mit Verfügung des
selben Richters vom 23. Juni 2010 mangels Aktiven eingestellt (
Urk.
6/283).
Laut Beitragsübersicht vom 1. Juni 2012 (
Urk.
6/317) und
Konto
auszug vom 4. Juni 2012
(
Urk.
6/318)
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, welcher die
Y._
als beitragspflichtige Arbeit
geberin angeschlossen war, blieben
Lohn
beiträge
zuzüglich Inkassokosten
im Betrag von Fr. 9‘105.70 unbezahlt.
Die Ausgleichskasse forderte mit Verfügungen vom 6. Juli 2011 von
X._
und
A._
in solidarischer Haftung Schadenersatz für ent
gan
ge
ne Sozialversicherungsbeiträge in der Höhe von Fr. 9‘105.70 (Urk. 6/293-294)
. Während die Ausgleichskasse
die Schadenersatzverfügung gegenüber
A._
mit
Einspracheentscheid
vom 25. Januar 2012
ersatzlos aufho
b
(
Urk.
6/304),
wies sie die Einsprache von
X._
vom 3
1.
Au
gust 2011 (
Urk.
6/302) m
i
t
Einsprachee
ntscheid
vom 2
5.
Januar
(richtig: 2
2.
März)
2012
ab (
Urk.
2).
2.
Gegen
diesen
Einspracheentscheid
führte
X._
am
3.
Mai 2012 Beschwerde und beantragte sinngemäss, in Aufhebung des angefochtenen
Ein
spracheentscheids
vom 2
5.
Ja
nuar
(richtig: 2
2.
März)
2012 sei festzustellen, dass
er der Beschwerdegegnerin keinen Schaden
ersatz zu
leisten
habe (
Urk.
1 S. 2).
Mit
Be
schwerdeantwort
vom
5.
Juni 2012 ersuchte die
Beschwerde
geg
nerin
um Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
5, unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
6/1-
318
).
Die Parteien hielten
replicando
(
Urk.
11
, unter Beilage von
Urk.
12
) und
dupli
cando
(
Urk.
15) jeweils an ihren Anträgen fest. Dem Beschwerdeführer wurde
am 1
9.
September 2012 eine Kopie der Duplik zur Kenntnisnahme zugestellt
(
Urk.
16)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2
.1
Nach
Art.
52
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenver
sicherung
(AHVG)
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder
grobfahrläs
sige
Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der
Aus
gleichskasse
zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Person, so kön
nen subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe in Anspruch genommen werden (BGE 123 V 12 E. 5b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5).
2
.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener
Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenver
sicherungs- (
Art.
66
des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Erwerbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolven
zentschädi
gung
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bun
desgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c). Gleiches gilt für die bis 3
1.
Dezember 2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab
1.
Januar 2008 bis 3
0.
Juni 2009 gültig gewesenen Kinderzulagengesetzes; nicht publiziertes Urteil des Bundes
gerichts 2P.251/19
96 vom 3
0.
Juni 1997).
3
.
3
.1
Voraussetzung für eine Haftung nach
Art.
52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
deter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in
Art.
14
Abs.
1 AHVG normierte Beitrags- und
Abrech
nungspflicht
des Arbeitgebers gehören auch die
Arbeitge
berbeiträge
zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
3
.2
Die Beschwerdegegnerin macht geltend, ihr seien Sozialversicherungsbeiträge, die von der
Konkursitin
hätten abgeliefert werden sollen, entgangen. Der Scha
den von Fr. 9‘105.70 ist
insbesondere
aufgrund der Jahresabrechnung 2009 (
Urk.
6/276)
,
der
Verfügungen
vom 2
6.
Februar 2010
betreffend
Veranlagung
der Lohnbeiträge
(zuzüglich Mahngebühren, Zahlungs
befehl- und
Veran
la
gungs
kosten
und Zinsen)
für den Juli (Urk. 6/244),
August
(Urk. 6/243)
,
September (Urk. 6/246)
und
Oktober
2009
(
Urk.
6/245)
,
der Rechnung vom 14. Mai 2010 be
treffend
die
Mahnung zur Einreichung der Jahresabrechnung
2009
(Urk. 6/259)
,
de
s
Bericht
s
über die
Arbeitge
ber
kontrolle
vom 30
. Juni 2010 (Urk.
6
/2
74) sowie der
eingereichten Beitragsübersicht
vom
1.
Juni 2012 (
Urk.
6/317)
und de
s
Kontoauszug
s
vom
4
.
Juni
2012
(
Urk.
6/318)
ausgewiesen und setzt sich aus den un
bezahlt gebliebene Lohnbeiträgen (inklusive
Inkasso
kosten
)
für den September
200
9 von
Fr.
476.15 (Pos. 2009 0016
des Konto
aus
zugs vom
4.
Juni 2012,
Urk.
6/318
), den Oktober 2009 von
Fr.
2‘920.65 (Pos.
2009 0017), den November 2009 von
Fr.
2‘834.45 (Pos. 2009 0018) sowie den Dezember 2009 vo
n
Fr.
2‘834.45 (Pos. 2009 0019)
und der unbezahlt geblie
be
nen Mahngebühr vom 1
4.
Mai 2010 von
Fr.
40.-- (Pos. 2010 0001)
zu
sammen.
Im Übrigen wurde der Schaden
als solcher
vom Beschwerde
führer nicht bestrit
ten.
4
.
4
.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei je
der Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zu
sam
men mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeit
geber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die
von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine ge
setzlich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffent
lichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vor
schriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4
.2
Dem Kontoauszug vom
4.
Juni 2012 (Urk. 6
/
318
) kann entnommen werden, d
ass die
Konkursitin
bereits ab
In-Rechnung-Ste
llung der
Akontobeiträge
für
den
Mai 2002
regelmässig gemahnt und
für die Monatspauschalen ab Mai 2009
betrieben werden musste.
Ebenso
musste sie am 1
4.
Mai 2010 zur Einreichung der Jahresabrechnung für das Jahr 2009 gemahnt werden (
Urk.
6/259).
Die dabei erhobene Mahngebühr blieb unbezahlt.
Nicht bezahlt wurden ferner
Akontobeiträge
für die Monate Juli bis Dezember 2009, wobei die
Beschwerde
gegnerin
die Ausstände betreffend die Monate Juli und August 2009 sowie teil
w
ei
se für den Monat September 2009
gemäss deren Kontoauszug vom 4.
Juni 2012
durch Verrechnung
bzw. Anrechnung der Gutschrift aus der Schluss
ab
rechnung für das Jahr 2009
ausgleichen konnte
(Pos. 2009 0012 bis 0014, Pos.
2009 0016)
.
Dies ändert indes nichts daran, dass
die
Konkursitin
ihren Pflichten als Arbeitgeberin
spätestens
ab Juli 2009
nicht
mehr
nachge
kommen
ist
und
bereits früher
öffentlich
recht
liche
Vorschriften missachtet
hat
.
Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der dadurch entstandene Schaden auf qualifi
ziert schuldhaftes Verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen ist.
5
.
5
.1
5
.1.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatz
pflicht besteht nach dem Wortlaut des
Art.
52 AHVG darin, dass der Arbeit
geber absichtlich oder grobfahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Schaden verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens.
Art.
52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in
vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatz
pflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
5
.1.2
Nicht jedes einer Firma als
solcher anzulastende Ver
schulden
muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und in
wieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person über
tragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei ein
fa
chen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktienge
sellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in
Organstel
lung
zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesent
lichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitgehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einziges Verwaltungsorgan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
5
.1.3
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorg
faltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss (BGE 112 V 156 E. 4 mit Hinweisen; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
5
.1.4
Die verantwortlichen Organe haben gerade in wirt
schaftl
ich schwierigen Ver
hält
nissen
darauf zu achten, dass auf den Lohn
zahlungen die von Gesetzes we
gen ge
schuldeten Beiträge entrichtet werden können (Urteil des Bundesgerichts H 63/05 vom 25.
Mai 2007, E. 6.4, mit Hin
weisen).
Für die Beurteilung der Verschuldensfrage ist nicht entscheiden, was die verant
wortl
ichen Organe zur Aufrechterhaltung des Betriebes oder der Vermeidung eines Konkurses allenfalls unternommen haben, sondern ob sie (nach aussen erkennbar) der Pflicht, für eine ordnungsgemässe Bezahlung der Sozialversicherungsbeiträge zu sorgen, nachgekommen sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_117/2011 vom 2
9.
März 2011, E. 5; Urteil des Bundesgerichts 9C_463/2011 vom 1
4.
Juli 2011, E. 6.2,
je mit
Hinweisen
)
.
5
.2
5
.2.1
Der Beschwerdeführer führte in seiner Einsprache vom 31. August 2011 aus, dass die
Konkursitin
„mehr oder weniger“ ausschliesslich als
Administrations
stelle
der
Z._
tätig gewesen sei (
Urk.
6/302/3
).
Die Geschäftsbeziehung der
Y._
mit der
Z._
bestand seit November 2002 (Urk. 6/307).
Wenn es sich bei
den aufgrund des Vertrages geschuldeten
Zahlungen der
Z._
nicht gar um die einzige Einnahmequelle der
Y._
handelte
,
so
ist doch
davon auszugehen, dass
diese Einnahmen für den Fortbestand der
Y._
von entscheidender Bedeutung war
en.
Die
Entschädigung
der
Y._
bestand
in einer Beteiligung am Umsatz sowie Gewinn- und Verlust der
Z._
(
Ziff.
6.1 des Vertrages
,
Urk.
6/307/
13).
In einer Zusatzvereinbarung wurde überdies fest
gehalten, dass die
Y._
auf sämtlichen Einnahmen eine Provision von 25
%
erhalte (
Urk.
6/307/17). Solche
Vereinbarung
en
bedeuteten
naturgemäss,
je nach Geschäftsjahr
der
Z._
,
grössere oder geringere Ein
nahmen bzw. – im
Falle einer
Verlust
beteili
g
ung
–
gar
einen zusätz
lichen finanziel
len Aufwand für die
Y._
. Wie es sich
damit
in den einzelnen Jahren der Zusam
men
ar
beit
tatsächlich verhielt,
kann
mangels ent
sprechender Belege nicht
nachvollzo
gen werden
. Allfällige
Abrechnungen
zwischen der
Z._
und
der
Y._
fehlen ebenso wie deren Erfolgsrechnungen und Bilanzen.
Zu
sätzlich zu den
erwähnten variablen Einnahmen
wurde die
Konkursitin
durch
die
Z._
für ihre Dienste
mit einem monatlichen Fixum
in der Höhe von
Fr.
10‘000.
--
entschä
digt
(
Ziff.
6.1 des Vertrages,
Urk.
6/307/13)
.
D
ie
Y._
verfügte
gemäss Beschwerde
führer
über eine Vollmacht
für
die
Z._
-
Bank
konti
und
konnte
dort
ihre
Honorar
e
selbst
beziehen
(
Urk.
6/302
/
3).
Wie ausgeführt (E.
4
.
2
) war die
Y._
trotzdem
praktisch während der ganzen Dauer der Geschäftsbezie
hung mit der
Z._
nicht in der Lage, die Sozialversicherungsbeiträge ordnungs
gemäss zu
entrichten
.
D
ie
Akontob
eiträge
, welche grund
sätzlich innert zehn Tagen nach Ablauf der Zahlungsperiode
zu bezahlen sind (
Art.
34
Abs.
3 AHVV)
, wurden
regelmässig
erst nach
ein bis
drei Monate
n
geleistet
.
Die
Y._
musste vielfach gemahnt
werden und Verzugszinsen bezahlen. S
chon in den Jahren 200
3, 2004 und 2
005
musste sie
für Beitragsausstände
betrieben werden
(
insbes. Urk. 6/25, Urk.
6/28-30,
Urk. 6/33-42,
Urk.
6/50-52,
Urk.
6/83,
Urk.
6/87-88,
Urk.
6/108,
Urk.
6/112
)
.
Als einziges Mit
glied des Ver
waltungsrats hatte sich der Beschwerdeführer regelmässig über die Aus
stände ins Bild zu set
zen und nötigenfalls Massnahmen für eine fristgerechte Bezahlung der Beiträge in die Wege zu leiten (Urteil des Bundesgerichts H 26/04 vom 19. Juli 2004, E.
3.2.2). Er hatte jedoch keine nach aussen sichtbaren Massnahmen ergriffen, um die ordnungsgemässe Bezahlung der Sozialversicherungsbeiträge sicherzu
stel
len.
Auf weitere
namhafte
finan
zielle Reserven konnte
,
soweit er
sichtlich,
nicht zurückgegriffen werden.
In das
Konkurs
inventar
wurden
,
neben einer For
derung gegenüber
der
Z._
,
keine
weiteren Aktiven aufgenommen
(Urk. 6/299).
Laut den
Behauptungen des Beschwer
deführers hatte die
Y._
die von ihr benötigten finanziellen Mittel jeweils „à
conto
ihrer Guthaben“ direkt von den
Konti
der
Z._
bezogen (Urk. 6/302/4),
was dann zur Folge hatte, dass der
Y._
durch
die Verweigerung
des Zugriffs auf
die
Bankkonti
der
Z._
(
nach Angaben des Beschwerdeführers
)
im Juni 2009
i
m eigentlichen Sinn
„die Liquidität entzogen“
wurde
(Urk. 6/302/3)
.
Zwar war es
d
er
Y._
während
der Zusammenarbeit mit der
Z._
durch
diese
direkte
n
Bezüge
vo
n
deren
Konti
möglich
, d
ie Sozialversicherungs
beiträge –
wenn auch mit Verspätung
– zu bezahlen.
E
s
hätte jedoch
jedem verständigen Men
schen in der Lage des Beschwer
de
führers einleuchten müssen, dass
die
Y._
,
falls diese
Bezugsm
öglichkeit ent
fiele, bereits innert kurzer Zeit
dazu
nicht mehr in der Lage wäre.
Der Beschwerdeführer ging
diesbezüglich
also
ein beträchtliches Risiko ein.
Gerade in einem solchen Fall hätten Mass
nahmen ergriffen werden müssen, welche die fristgerechte Entrichtung der So
zialversicherungsbeiträge gewährleiste
t hätten
.
Vor diesem Hintergrund war es
grob
fahrlässig, ge
setzliche Forderungen nicht innert Frist zu begleichen,
da
bei unvermittelter Illiqui
dität, die bei einer derartigen Abhängigkeit von einem ein
zigen Kunden durchaus
plötzlich und total sein kann –
zumal offenbar we
nig liquide Reserven vorhanden war
en –
Beitragsausstände
unumgänglich
war
en
.
Es kommt hinzu, dass d
ie
Z._
selber offensichtlich mit Zahlungs
schwie
rig
keiten zu kämpfen hatte. Laut
Be
schwer
deführer belief sich d
a
s Guthaben
der
Y._
Ende des Jahres 2009 auf beinahe Fr. 900‘000.-- (Urk. 12).
In der
vom
Treasurer
der
Z._
mit
unterzeichneten
Er
klärung vom Septem
ber/Oktober 2009
wird festgehalten
, dass seit dem 14. Novem
ber 2002 Geld
leistungen der
Z._
an die
Y._
auf
gelaufen
seien
und mangels Liqui
dität der
Z._
nicht ausbezahlt werden kö
nnten (Urk. 6/310/2).
Angesichts dessen
musste
der B
eschwerde
führer
jederzeit mit einer Zahlungs
un
fähigkeit der
Y._
rech
nen. Unter den gegebenen Umständen war es daher grobfahrlässig, die Bei
träge jeweils erst zwei bis drei Monate nach deren Fälligkeit zu begleichen.
5
.2.2
Dem Beschwer
deführer kann zu Gute gehalten werden, dass er zu
mindest nach Er
halt der Kündigung des Vertrages durch die
Z._
im August 2009 Massnah
men
zur Kostensenkung
ergriff.
Bei der Arbeitgeberkontrolle
vom 3
0.
Juni 2010
(Urk. 6/274)
wurde festgestellt, dass die Löhne mit einer Ausnahme nur bis August 2009
ausbezahlt wurden (
Urk.
6/276). Nur
für eine Arbeitnehmerin wurde der Lohn bis Oktober 2009 entrichtet (
Urk.
6/276).
Für die
gemieteten Geschäftsräumlichkeiten,
fand
der Beschwerdeführer per
1.
Dezember
2009 einen Nachmieter
(
Urk.
6/300/9)
, wodurch die
Miet
kosten
wegfiel
en
. Zudem hat
der Be
schwerdeführer im Oktober 2009 die Gläubiger informiert (
Urk.
6/300/8) und sich um die Durch
setzung der Forderungen gegenüber der
Z._
bemüht (insbes. Urk. 6/310/2 und
Urk.
12).
Fraglich
ist, ob die Arbeitsverträge
, wie vom Be
schwerde
führer sinn
gemäs
s geltend gemacht, auf den
frühe
st
möglichen Zeit
punkt hin aufgelöst worden sind.
Den Akten ist zu entnehmen
, dass zumindest dem Mitarbeiter
C._
seitens der Arbeitgeberin erst am 28. September 2009 gekündigt wurde, wobei
dieser das
Arbeits
verhältnis am 30. Oktober 2009 seinerseits – allenfalls wegen Lohngefährdung im Sinne von Art. 337b des Obli
gationen
rechts (OR) – fristlos auflöste (vgl. Weisung des Friedensr
ichteramtes der Gemeinde D._
vom 25. November 2009; Urk. 6/231)
.
Der Beschwerde
führer macht geltend, dass lediglich die Sozialversicherungs
beiträge für das
4.
Quartal 2009, mithin diejenigen, welche während der Kün
digungsfrist bis Ende 2009 noch anfielen, unbezahlt geblieben seien (Urk. 1 S. 5).
Das durchaus schadenmindernde Verhalten des Beschwerdeführers nach der Aufkündigung des Geschäfts
beziehungen mit der
Z._
konnte jedoch aufgrund der über Jahre geduldeten Situation (vgl. E.
5
.2.1) nicht verhindern, dass infolge der durch die Kündigung absehbaren Zahlungsunfähigkeit die Beschwerdegegnerin mit bereits überfälligen Beitragsforderungen zu Verlust kam. Das vorwerfbare Verhalten ist nicht in den letzten Monaten des Bestehens der
Y._
zu suchen, son
dern – wie bereits ausgeführt – in den Jahren zuvor, als unter den gegebenen Umständen (wirtschaftliche Abhängigkeit, keine finanziellen Reserven) die Bei
träge jeweils mit erheblicher Verspätung abgeliefert wurden.
5
.2.3
Zu verneinen ist
daher
auch der Rechtfertigungsg
rund des „Liquiditätseng
pas
ses“, auf welchen sich der Beschwerdeführer sinngemäss abstützt (
Urk.
1 S.
3).
Der Beschwer
deführer legte keinerlei Belege für seine Behauptung auf, im 4. Quartal 2009 hätten gute Gründe zur An
nahme bestanden, dass die
Vertrags
be
ziehungen
mit der
Z._
fortge
führt würden (Urk. 11 S. 3)
.
Es
war auch nicht zu erwarten, dass der Liq
uiditätseng
pass bald durch
i
n einem
Forderungs
prozess
gegen die
Z._
allenfalls erlangte
Gelder hätten über
wun
den werden können.
Schliesslich konnte der Beschwerde
führer auch dadurch, dass er die ausstehen
den Guthaben essentiell reduzieren und eine ratenweise Abzahlung akzeptieren wollte (Urk. 11 S. 5), die
Z._
nicht zu einer Zahlung bewegen, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass die
Z._
selbst im Herbst 2009 illiquide war (vgl. Urk. 6/310/2).
Es bestanden keine konkreten Hinweise dafür, dass der Konkur
sitin in absehbarer Zeit von der
Z._
weitere Gelder – sei es durch die Wieder
aufnahme der geschäftlichen Be
ziehungen oder die (teilweise) Zahlung von der ihr gegenüber geltend ge
machten Geld
forderungen – zufliessen würden.
Weitere Sanierungs
massnah
men, welche es der
Y._
ermöglicht hätten, zu neu
en finan
ziellen Mitteln zu gelangen oder vo
rhandene Mittel dafür einzuset
z
en, um
die
ausstehenden
Sozialversicherungs
beiträge zu bezahlen, wurden vom Beschwer
de
führer nicht ergriffen.
Im Zeitpunkt, in welchem die Zahlung
erfol
gen sollte, konnte der Beschwerdeführer nicht damit rechnen, dass er die
Be
trags
schuld
innert nützlicher Frist tilgen könnte (Urteil des Bundesgerichts H
201/01 vom 2. Juli 2002, E. 5 b).
Es kann somit nicht davon gesprochen wer
den, dass er sich als einziger Verwaltungsrat der
Konkursitin
zu einer vorüber
ge
henden Nichtbe
zahlung der Sozialversicherungs
beiträge entschieden hätte, um einen Liquiditätsengpass zu überbrücken und so das Unternehmen zu retten.
Von einer kurzfristigen Liquidität kann nicht die Rede sein. Daher sticht auch das Argument des
Beschwerdeführer
s
,
die
Ausstandsdauer
habe
im Fall der
Kon
kur
sitin
lediglich
vier Mon
ate betragen (Urk. 1 S. 6)
, nicht.
Der
Exkulpations
grund
der kurzen Dauer des Beitragsausstandes ge
mäss BGE 121 V 243 E. 4 und 5
ist nur auf Fälle anzuwenden, in denen in den letzten Monaten vor Konkurs nichts mehr bezahlt wurde, die Zahlungsmoral der Gesellschaft aber vorher
immer klaglos war (Urteil des Bundesgerichts H 141/01 vom 8. Juli 2003, E.
3.3).
Letz
te
re
s
war
im Fall der
Y._
gerade
nicht gegeben
(E.
4
.2
und E.
5
.2.1
).
6
.
6
.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52
Abs.
1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereig
nis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hin
wei
sen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
6
.2
Das vorwerfbare Verhalten führte zum Schaden der Beschwerdegegnerin. Wären nur soweit Löhne ausbezahlt worden, als die darauf geschuldeten Abgaben bei Fälligkeit hätten beglichen werden können, wäre der Schaden nicht entstanden.
7
.
Diese Erwägungen führen zur vollumfänglichen Abweisung der Beschwerde.