Decision ID: 7218a781-8cee-455f-931a-faeee8d764bf
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde am 21. September 2000 zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet
(IV-act. 293). Gemäss einem Bericht der Pädiatrischen Klinik des Ostschweizer
Kinderspitals vom 2. Januar 2003 lagen u.a. die folgenden Diagnosen vor: Syndromale
Krankheit unklarer Genese mit subcorticaler Atrophie, cerebrale Bewegungsstörung
und psychomotorische Entwicklungsstörung (V-act. 283). In einem Protokoll über eine
Abklärung der Hilflosigkeit vom 19. Januar 2011 wurde festgehalten (IV-act. 93), die
Versicherte könne nicht sprechen; sie gebe nur Laute von sich. Das Sprachverständnis
sei vorhanden; die Versicherte verstehe kleinere Aufträge (Aufforderungen). Am 27.
November 2013 erkundigte sich die Mutter nach der Möglichkeit, der Versicherten ein
Kommunikationsgerät abzugeben (IV-act. 49). Am 22. Januar 2014 ersuchte sie um die
Abgabe eines iPad mit der App MetaTalk und der entsprechenden Einführung und
Unterstützung durch die Firma B._ AG (IV-act. 46). Sie führte zur Begründung dieses
Antrags insbesondere aus, die Versicherte könne nicht sprechen. Sie mache zwar
einzelne Laute, die jedoch kaum zu interpretieren seien. Sie benutze zudem auch
Handzeichen. Sie könne etwa zehn Handzeichen gezielt einsetzen. Diese könnten nur
sehr beschränkt ausgebaut werden. Vor Jahren habe man begonnen, mit
Piktogrammen und Symbolen zu arbeiten. Diese würden von der Versicherten gut
verstanden. Die Versicherte setze auch den GoTalk9 ein, den sie auf diversen Ebenen
benutzen könne. Dieses Gerät verfüge aber über ein zu kleines Vokabular. Die
Versicherte benötige einen wesentlich grösseren Wortschatz. Sie sei in der Lage, die
Bedeutung eines Symbols zu verstehen und dieses adäquat einzusetzen und sie könne
auf verschiedenen Ebenen navigieren und entsprechende Symbole finden. Sie sei auf
ein dynamisches Gerät angewiesen. Ein iPad mit der entsprechenden App sollte
genügen. Man brauche aber Hilfe bei der Anpassung dieses Hilfsmittels (Schulung,
Anpassung Vokabular etc.). Deshalb werde ein iPad mit der App MetaTalk und der
entsprechenden Einführung und Unterstützung durch die Firma B._ AG beantragt.
Damit könnte die Versicherte wesentlich besseren Kontakt zu anderen Menschen
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haben, weil sie sich differenzierter ausdrücken und auch einmal fremde Personen
ansprechen könnte.
A.b Die IV-Stelle wandte sich am 11. Februar 2014 mit einem Fragenkatalog an die
Heilpädagogische Schule C._ (IV-act. 43). Ausserdem ersuchte sie um die Zustellung
der beiden letzten Schulberichte. Im Schulbericht 2011/12 war u.a. festgehalten
worden (IV-act. 42-4), die Versicherte zeige grundsätzlich eine recht hohe Bereitschaft
zur Kommunikation. Sie kenne bereits viele Piktogramme und Fotos, die Aktivitäten
und Bezugspersonen aus ihrem Alltag repräsentierten. Auf Nachfrage zeige sie meist
das richtige Bild. Das gezielte Zeigen auf Gegenstände, Fotos oder Piktogramme sei
nach wie vor nur unterstützt möglich. Im Schulbericht 2012/13 war u.a. ausgeführt
worden (IV-act. 41-9), die im letzten Jahr eingeführte Tasche mit den aktuellen
Piktogrammen und Gegenständen helfe der Versicherten nach wie vor, sich im Alltag
zu orientieren. Der neu eingeführte GoTalk9 werde von der Versicherten genutzt. Von
sich aus greife sie allerdings noch nicht auf dieses Kommunikationsgerät zurück. Der
GoTalk9 komme im Schulalltag und zuhause zum Einsatz (IV-act. 41-5). Die
Heilpädagogin der Schule berichtete am 18. Februar 2014 (IV-act. 41-2 ff.), die
Versicherte bewege sich in Bezug auf die Spielentwicklung im sensomotorischen
Bereich, in Bezug auf die sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten am Anfang
des präoperativen Bereiches. Sie kommuniziere aktuell mit etwa zehn Gebärden. Die
Menge der Gebärden sei durch die körperliche Einschränkung sehr beschränkt, so
dass keine sinnvolle Kommunikation möglich sei. Seit dem letzten Frühling werde der
GoTalk9 eingesetzt. Die Versicherte habe begonnen, ihre Wünsche zu äussern. Sie sei
aber nach wie vor für die Kommunikation von den Betreuungspersonen abhängig.
Inzwischen seien die Möglichkeiten des GoTalk9 ausgeschöpft. Dieser werde zwar im
Alltag nach wie vor eingesetzt, aber das Bedürfnis der Versicherten, mehr zu erzählen,
zu erklären oder zu kommunizieren, sei gestiegen. Die Auswahl von 45 Möglichkeiten,
die bei GoTalk vorgeschlagen würden, hätten klare Grenzen erreicht. Auch in Bezug auf
die Handlichkeit stosse die Versicherte mit dem GoTalk an Grenzen. Da sie
feinmotorisch eingeschränkt sei, könne sie die verschiedenen Blätter nicht wechseln,
um eine andere Ebene zu erreichen. Das wäre auch mit einem GoTalk20 nicht möglich.
Der GoTalk9 und andere Hilfsmittel würden nicht hauptsächlich als sprachfördernde
Massnahmen eingesetzt. Vielmehr werde der Versicherten damit die Möglichkeit
gegeben, sich differenzierter auszudrücken. Das schnelle Auffassen bei GoTalk9 und
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die motorische Einschränkung würden dazu zwingen, nach anderen Möglichkeiten zu
suchen. In der Logopädie werde ein iPad eingesetzt. Die Versicherte komme damit gut
zurecht. Sie könne ein Hauptthema anwählen. Wenn eine neue Seite aufgehe, schaue
sie sich diese genau an und wähle das gewünschte. Wenn die Therapeutin eine
weniger gewünschte Seite öffne und der Versicherten den Weg zurück zur Hauptseite
zeige, wisse die Versicherte schnell, diesen selbst zu drücken. Sie könne den
Zeigefinger isoliert ausstrecken und sie treffe das gewünschte Feld gut. Sie reagiere
sehr flexibel auf einen Wechsel des Geräts oder der Symbole und sie habe keine
Angewöhnungszeit an das iPad benötigt. Zur Selbständigkeitsentwicklung benötige sie
dringend eine persönliche Kommunikationshilfe, die sie immer bei sich haben könne.
A.c Dr. med. D._ vom RAD notierte am 7. April 2014 (IV-act. 35-4), die Versicherte
zeige eine schwere kognitive Leistungseinschränkung; sie agiere auf einer sehr frühen
vorsprachlichen Entwicklungsstufe. Deshalb müsse davon ausgegangen werden, dass
ein elektronisches Kommunikationsgerät vorwiegend der therapeutisch-agogischen
Förderung diene, dass die praktische Anwendung für die Kommunikation im Alltag also
nicht im Vordergrund stehe. Mit einem Vorbescheid vom 8. Mai 2014 kündigte die IV-
Stelle dem Vater der Versicherten unter sinngemässer Wiedergabe der Stellungnahme
von Dr. D._ die Abweisung des Leistungsgesuchs an (IV-act. 33). Die B._ AG hatte
der IV-Stelle am 29. Januar 2014 einen Kostenvoranschlag eingereicht (IV-act. 32).
Dieser wies vier Positionen aus, nämlich ein iPad 16 GB WiFi mit Ladegerät (Fr. 564.-),
ein Schutzgehäuse für das iPad (Fr. 53.20), eine symbolbasierte App MetaTalk DE (Fr.
180.-) und eine Pauschale für Dienstleistungen wie Vorabklärung, Gebrauchstraining,
Schulung, Installation und Garantiereparaturen inkl. Reisezeit (Fr. 5‘340.-). Die Eltern
der Versicherten liessen am 2. Juli 2014 einwenden (IV-act. 24), gemäss der Eingabe
der Heilpädagogischen Schule C._ vom 26. Mai 2014 benötige die Versicherte das
Kommunikationsgerät iPad MetaTalk im Gesamtbetrag von Fr. 6‘628.20 für die
Kommunikation mit der Umwelt. Es handle sich nicht um ein Spracherwerbsgerät. Im
Bericht der Schule vom 21. Februar 2014 sei ausdrücklich erwähnt worden, dass die
Kommunikationsgeräte nicht zur Hauptsache der Sprachförderung dienten, sondern
eine differenziertere Ausdrucksmöglichkeit erlaubten. Am 17. Juli 2014 reichte der
Rechtsvertreter der Versicherten den Bericht der Schule vom 26. Mai 2014 nach (IV-
act. 21). Gemäss diesem Bericht hatte die Versicherte die Sprache entdeckt, um sich
mitzuteilen, ihre Ziele zu verfolgen und ihren Willen kundzutun. Das zeige, dass sie
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durch ihre Sprechbehinderung an einer adäquaten Kommunikation gehindert sei. Es sei
sorgfältig geprüft worden, welches Gerät für die Versicherte geeignet sei. Das iPad sei
favorisiert worden. In der Schule würden bei der pädagogischen und bei der
pädagogisch-therapeutischen Arbeit iPads eingesetzt. Seit einem halben Jahr übe die
Versicherte intensiv die Kommunikation mittels iPad. Die schuleigenen Geräte könnten
aber kein persönliches Hilfsmittel ersetzen, das in ausserschulischen Lebensbereichen
eingesetzt werden könne. Die Versicherte sei mit ihren kognitiven Fähigkeiten durchaus
in der Lage, ein iPad zu bedienen, wenn dieses richtig ausgerüstet sei. Der kognitive
Entwicklungsstand der Versicherten bedinge eine grosse Trainingsphase, vor allem bei
der Einführung von neuen Aufgaben. Dieses Training werde zuhause und in der Schule
ausgeführt. Ziel sei die Erweiterung der Selbständigkeit. Die Schule wäre bereit, den
Umgang mit einem persönlichen Gerät einzuüben. Das wäre für die
Invalidenversicherung nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden. Die Familie der
Versicherten verfüge zwar über ein iPad. Dieses werde aber auch von den anderen
Familienmitgliedern eingesetzt. Ein Kommunikationsgerät müsse einer versicherten
Person aber zwingend jederzeit zur Verfügung stehen. Ein persönliches
Kommunikationsgerät hätte für die Versicherte einen erheblichen Gewinn an
Kommunikationsmöglichkeiten zur Folge. Die Fachpersonen der Heilpädagogischen
Schule C._ schätzten den Entwicklungsstand und die Fähigkeiten der Versicherten
so ein, dass ein iPad gewinnbringend eingesetzt werden könne. Ohne diesen Bericht
der RAD-Ärztin vorgelegt zu haben, erliess die IV-Stelle am 15. August 2014 eine
Abweisungsverfügung (IV-act. 13). Sie begründete diesen Entscheid sinngemäss damit,
dass die Versicherte massgebend an einer Sprachentwicklungsstörung und nicht in
erster Linie an einer Sprechstörung leide. Sie sei nämlich auf einer sehr frühen
vorsprachlichen Entwicklungsstufe. Es lägen keine hinreichenden Hinweise vor, die
eine zuverlässige und ausdauernde Kommunikationsbereitschaft für ein elektronisches
Gerät belegen würden, obwohl man in der Schule mit einem iPad
Förderungsmassnahmen durchführe. Solange ein Sprachcomputer in der Schule nicht
gewinnbringend angewendet werden könne, könne man auch nicht von einer
erfolgreichen Anwendung ausserhalb der Schule ausgehen. Aktuell sei weder die
Anspruchsvoraussetzung der schweren Sprechbehinderung noch diejenige der
ausreichenden geistigen Ressourcen für eine zuverlässige interaktive Kommunikation
erfüllt. Aufgrund der Schulberichte müsse davon ausgegangen werden, dass ein
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elektronisches Kommunikationsgerät vorwiegend der therapeutisch-agogischen
Förderung der Versicherten diene, die praktische Anwendung im Alltag also nicht im
Vordergrund stehe. Gemäss dem Bericht vom 26. Mai 2014 würden mit dem iPad zwar
die Grundfähigkeiten der Kommunikation eingeübt. Aber es lägen nach wie vor keine
Hinweise für eine zuverlässige und ausdauernde Kommunikation mit einem
elektronischen Gerät vor. Zudem sei in diesem Bericht ausgeführt worden, dass die
kognitiven Einschränkungen eine grosse Trainingsphase bedingten und dass das Ziel in
einer Erweiterung der Selbständigkeit bestehe. Dies belege die Einschätzung, dass
Sprachförderungsmassnahmen im Vordergrund stünden und dass die Fähigkeiten
(Spracherwerb, Wille, Antrieb) noch fehlten, um eine zuverlässige interaktive
Kommunikation mit einem elektronischen Gerät zu ermöglichen.
B.
B.a Die Eltern der Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liessen am 18.
September 2014 Beschwerde erheben und die Zusprache einer
Kommunikationsgerätes iPad MetaTalk im Betrag von Fr. 6‘628.20 beantragen (act. G
1). Zur Begründung machte der Rechtsvertreter geltend, aufgrund der klaren Aussage
der heilpädagogischen Schule werde das beantragte Gerät vorwiegend für die
Kommunikation eingesetzt. Dass daneben auch eine gewisse pädagogische Förderung
erfolge, sei im Bereich der Kommunikationsgeräte gar nicht auszuschliessen. Diese
Förderung stehe aber nicht im Vordergrund.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 19. November
2014 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Sie machte geltend, ihre Abklärungen
hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin noch nicht über die intellektuellen
Fähigkeiten verfüge, die nötig wären, um das Gerät zu bedienen und damit zu
kommunizieren. Das beantragte Gerät werde also (noch) nicht als situationsbezogenes
Kommunikationsgerät eingesetzt, mit dem sich die Beschwerdeführerin spontan
mitteilen könnte. Dass das Gerät aus pädagogisch-therapeutischer Sicht sinnvoll sei,
werde damit nicht in Abrede gestellt. Selbst wenn die Abgabe des beantragten Gerätes
zulässig wäre, könnte die Pauschale von Fr. 5‘340.- für die Installation und das
Gebrauchstraining nicht übernommen werden, da dies dem Grundsatz der Einfachheit
und Zweckmässigkeit nicht entsprechen würde. Die Beschwerdeführerin arbeite
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nämlich schon mit dem Gerät. Dazu seien weder grosse Abklärungen noch
Installationen durch die B._ AG nötig gewesen, zumal die Beschwerdeführerin die
Schaltflächen ohne weiteres bedienen könne. Es sei auch keine wie auch immer
geartete technische Installation nötig gewesen.
B.c Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin wandte am 9. Januar 2015 ein (act. G
6), weder der Fachmitarbeiter noch die RAD Ärztin seien mit der Situation vor Ort
vertraut. Deshalb könnten sie eigentlich keine Aussage über die
Kommunikationsfähigkeit der Beschwerdeführerin machen. Die Heilpädagogische
Schule C._, die täglich mit der Beschwerdeführerin arbeite, habe am 26. Mai 2014
ausdrücklich bestätigt, dass diese ein Kommunikationsgerät benützen könne bzw. über
die kognitiven Fähigkeiten verfüge, um ein entsprechend ausgerüstetes iPad zu
bedienen. Inwieweit die Kosten von Fr. 6‘600.- dem Grundsatz der Einfachheit und
Zweckmässigkeit nicht entsprechen sollten, sei nicht verständlich. Die
Beschwerdegegnerin habe weder im Vorbescheidsverfahren noch in der
angefochtenen Verfügung mit diesem Argument gearbeitet. Deshalb müsse es als
Schutzbehauptung abgelehnt werden.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 19. Januar 2015 auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen
1.
Gemäss Art. 8 Abs. 2 i.V.m. Art. 21 Abs. 2 IVG haben Versicherte, die infolge ihrer
Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder
für die Selbstsorge kostspielige Geräte benötigen, im Rahmen einer vom Bundesrat
aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit einen Anspruch auf
solche Hilfsmittel. Diese Hilfsmittel sind in einfacher und zweckmässiger Ausführung
abzugeben (Art. 21 Abs. 3 Satz 1 IVG). Gemäss Art. 14 Abs. 1 IVV bildet die Liste der
abzugebenden Hilfsmittel den Gegenstand einer Verordnung des EDI. Dieses hat die
Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI)
erlassen. Diese Verordnung enthält in einem Anhang die Liste der abzugebenden
Hilfsmittel. Gemäss Art. 2 Abs. 4 HVI besteht nur ein Anspruch auf Hilfsmittel in
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einfacher, zweckmässiger und wirtschaftlicher Ausführung. Durch eine andere
Ausführung bedingte zusätzliche Kosten hat die versicherte Person selbst zu tragen.
Einen Anspruch auf die leihweise Abgabe eines elektronischen Kommunikationsgerätes
haben schwer sprech- und schreibbehinderte Versicherte, die zur Pflege des täglichen
Kontakts mit der Umwelt auf ein solches Gerät angewiesen sind und über die
notwendigen intellektuellen und motorischen Fähigkeiten zur Bedienung eines solchen
Gerätes verfügen (Ziff. 15.02 der Liste im Anhang zur GgV).
2.
2.1 Die Hilfsmittel dienen in aller Regel der Kompensation eines
behinderungsbedingten Ausfalls oder einer behinderungsbedingten erheblichen
Beeinträchtigung einer Körperfunktion. Beim elektronischen Kommunikationsgerät
betrifft das die fehlende oder stark beeinträchtigte Sprechfähigkeit. Da die sprachliche
Kommunikation auch mittels der Schrift erfolgen kann, geht der Verordnungsgeber in
der Ziffer 15.02 der Liste im Anhang zur HVI davon aus, dass es zumutbar sei, die
fehlende Sprechfähigkeit durch die Fähigkeit, schriftlich zu kommunizieren, zu
ersetzen. Ein Anspruch auf ein elektronisches Kommunikationsgerät besteht deshalb
nur, wenn der versicherten Person behinderungsbedingt auch die Schreibfähigkeit
fehlt. Die in der Ziffer 15.02 der Liste im Anhang zur HVI verwendete Formulierung
„Pflege des täglichen Kontakts mit der Umwelt“ ist sehr weit und deckt an sich den
täglichen Kontakt in allen Lebensbereichen, also zuhause, am Arbeitsplatz, in der
Freizeit und auch in der Schule, ab. Besucht eine sprech- und schreibunfähige
versicherte Person eine Normalschule, gehört auch der tägliche Kontakt mit den
Lehrpersonen, den Mitschülern und anderen im schulischen Umfeld tätigen Personen
zum täglichen Kommunikationsbedarf, der grundsätzlich durch ein persönliches
elektronisches Kommunikationsgerät abzudecken ist. Etwas anderes gilt dort, wo es zu
einer unerwünschten Leistungskumulation käme, wenn die Invalidenversicherung ein
persönliches elektronisches Kommunikationsgerät abgeben würde, weil die Schule zu
pädagogischen und/oder therapeutischen Zwecken ein elektronisches
Kommunikationsgerät zur Verfügung stellt und es der versicherten Person erlaubt,
dieses Gerät auch ausserhalb des Schulbetriebes einzusetzen. In einem solchen Fall
kann kein Anspruch auf die Abgabe eines weiteren Geräts, diesmal durch die
Invalidenversicherung, bestehen, denn die Abgabe eines zweiten Geräts hätte eine
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unverhältnismässige Überversorgung zur Folge. Gemäss den überzeugenden Angaben
der Heilpädagogischen Schule C._ wird der Beschwerdeführerin nur in der Schul-
oder Therapiesituation ein elektronisches Kommunikationsgerät in der Form eines
Tablet zur Verfügung gestellt. Dieses Tablet steht der Beschwerdeführerin also nicht
zur Pflege des Kontakts mit der Umwelt zur Verfügung. Die Abgabe eines
entsprechenden persönlichen elektronischen Kommunikationsgerätes würde demnach
keine Überversorgung bewirken. Grundsätzlich kann somit ein Bedarf nach einem
elektronischen Kommunikationsgerät in der Form eines Tablet mit der entsprechenden
Software bestehen.
2.2 Dass die Beschwerdeführerin behinderungsbedingt nicht sprech- und schreibfähig
ist, steht aufgrund der überzeugenden Angaben der Heilpädagogischen Schule C._
fest und ist von der Beschwerdegegnerin auch nicht in Frage gestellt worden. Auch
diese zweite Voraussetzung eines Anspruchs auf die Abgabe eines Tablet mit einer
angepassten Software ist also erfüllt. Das gilt auch für die dritte Voraussetzung,
nämlich für die (motorische) Fähigkeit, ein entsprechend ausgerüstetes Tablet zu
bedienen. Die Heilpädagogische Schule C._ hat nämlich in ihrem Bericht vom 18.
Februar 2014 (vgl. IV-act. 41-3) ausgeführt, die Beschwerdeführerin könne den
Zeigefinger isoliert ausstrecken und gut nur das gewünschte Feld treffen. Damit steht
fest, dass die Beschwerdeführerin rein motorisch mit dem beantragten Tablet mit
MetaTalk (oder mit einer entsprechenden anderen Software) umgehen kann.
2.3 Die Beschwerdegegnerin hat ihre Verneinung eines anspruchsbegründenden
Bedarfs der Beschwerdeführerin nach einem Tablet mit MetaTalk sinngemäss damit
begründet, dass die Beschwerdeführerin nicht über die nötigen intellektuellen
Fähigkeiten und – damit im Zusammenhang stehend – auch nicht über die sprachlichen
Möglichkeiten verfüge, die eine Kommunikation im Alltag mittels eines Tablet mit
MetaTalk erlauben würden. Die Beschwerdegegnerin hat sich dabei auf die
Einschätzung von Dr. D._ vom 11. März 2014 (vgl. IV-act. 35-4) gestützt. Dr. D._
hatten die Schulberichte 2011/12 und 2012/13 (vgl. IV-act. 41-7 ff und 42) sowie der
Bericht vom 18. Februar 2012 (vgl. IV-act. 41-2 ff.) vorgelegen. Die beiden
Schulberichte waren aber als Grundlage der Beurteilung der intellektuellen und
sprachlichen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin bereits veraltet. Im von der
Beschwerdegegnerin angeforderten Bericht der Heilpädagogischen Schule C._ vom
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18. Februar 2014 ist nämlich darauf hingewiesen worden, dass die Beschwerdeführerin
im Jahr 2013 noch ausschliesslich mit Gebärden und dem Hinführen von Personen
kommuniziert habe, ein Jahr später aber bereits die Möglichkeiten eines GoTalk9
ausgeschöpft habe, so dass dieses Gerät ihrem Kommunikationsbedarf nicht mehr
genügt habe (zumal es, anders als das beantragte Tablet, der feinmotorischen
Einschränkung nicht angepasst gewesen sei). Die Beschwerdeführerin hat also in ihrer
Kommunikationsfähigkeit so erhebliche Fortschritte gemacht, dass die beiden
Schulberichte nicht geeignet sind, ihre Fähigkeiten zum Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung zu belegen. Im Bericht vom 18. Februar 2014 hat die
Heilpädagogische Schule C._ zwar angegeben, die Beschwerdeführerin sei in Bezug
auf ihre sprachlichen Fähigkeiten am Anfang des präoperativen Entwicklungsbereiches.
Daraus kann aber entgegen der Auffassung von Dr. D._ nicht der Schluss gezogen
werden, dass die Beschwerdeführerin in ihren sprachlichen Fähigkeiten gar nicht der
Lage sei, mit einem Tablet mit MetaTalk sinnvoll umzugehen. Es kann aber auch nicht
davon ausgegangen werden, dass für die Beschwerdeführerin nur ein Tablet beantragt
worden sei, weil diese aufgrund ihrer körperlichen Beeinträchtigung nicht in der Lage
ist, eine grosse Zahl von Gebärden auszuführen. Sowohl im Bericht vom 18. Februar
2014 als auch in demjenigen vom 26. Mai 2014 (vgl. IV-act. 21) ist nämlich festgehalten
worden, dass die im GoTalk9 zur Verfügung stehenden Mitteilungen ausgeschöpft
seien und dass eine mit mehr Mitteilungen ausgestattete Ausführung des GoTalk-
Gerätes nicht in Frage komme, weil dieses aufgrund der Behinderung nur schlecht zu
bedienen sei. Dass die Beschwerdeführerin die ihr mit dem Tablet mit MetaTalk zur
Verfügung stehenden Kommunikationsmöglichkeiten aufgrund ihres zwar verbesserten,
aber immer noch bescheidenen Sprachvermögens bei weitem nicht hat ausschöpfen
können (und vielleicht auch nie vollumfänglich wird nutzen können), ist nicht relevant,
denn ein Tablet mit einem Programm, das eine kleinere Auswahl von Mitteilungen zur
Verfügung stellen würde, wäre weder leichter zu bedienen noch billiger. Dass die
Beschwerdeführerin über ein persönliches Gerät verfügen muss, das sie ihrer
Kommunikationsfähigkeit und ihrem Kommunikationsbedarf entsprechend jederzeit
und überall einsetzen kann, ist ohne weiteres nachvollziehbar, denn nur so wird ihr der
tägliche Kontakt mit ihrer gesamten Umwelt ermöglicht. Zusammenfassend ist
festzustellen, dass die Beschwerdeführerin alle persönlichen Anforderungen für die
Abgabe eines Tablet mit einer geeigneten Software erfüllt.
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3.
Laut der Offerte der B._ AG vom 29. Januar 2014 (vgl. IV-act. 32) hatten sich die
Kosten für das iPad, das Schutzgehäuse und das Programm MetaTalk auf insgesamt
Fr. 797.20 belaufen. Die B._ AG hatte aber zusätzlich eine Pauschale für die
Vorabklärung, die Schulung, das Gebrauchstraining und die Garantiereparaturen von
Fr. 5‘340.- in der Kostenvoranschlag aufgenommen. Die Kosten für das iPad mit
Schutzgehäuse und MetaTalk erfüllen die in Art. 2 Abs. 4 HVI geregelte Bedingung der
Wirtschaftlichkeit. Für die Pauschale von Fr. 5‘340.- gilt das offensichtlich nicht, zumal
die Vorabklärung durch die Heilpädagogische Schule C._ erfolgt ist und diese auch
die Schulung und das Gebrauchstraining übernommen hätte, ohne der
Beschwerdegegnerin den entsprechenden Aufwand in Rechnung zu stellen. Mit der
Pauschale von Fr. 5‘340.- wären also im Ergebnis nur allfällige Reparaturkosten
abgedeckt gewesen (wobei eine Reparatur eines iPad wohl zum Vornherein nicht
wirtschaftlich gewesen wäre). Trotzdem hat die Beschwerdeführerin der
Beschwerdegegnerin die Übernahme der gesamten Kosten von Fr. 6‘137.20
beantragen lassen und auch das Beschwerdebegehren lautet auf die Abgabe des iPad
samt Schutzgehäuse, MetaTalk und Pauschale. Wäre dieses Beschwerdebegehren
absolut ernst zu nehmen, müsste die Beschwerde abgewiesen werden, da kein
Anspruch auf eine völlig unwirtschaftliche Hilfsmittelversorgung bestehen kann. Nun
beruhte die Offerte der B._ AG vom 29. Januar 2014 – und damit im Ergebnis auch
das Beschwerdebegehren – aber auf einem Vertrag zwischen dem Bundesamt für
Sozialversicherungen (BSV) und der B._ AG, der für jedes von der B._ AG gelieferte
iPad mit MetaTalk eine solche Pauschale vorsah, wobei der konkrete Bedarf des
jeweiligen Anspruchsberechtigten nach den Leistungen, die von der Pauschale
abgedeckt sein sollten, immer ausser Acht gelassen wurde. Dieser Vertrag ist
inzwischen aufgelöst worden (vgl. die Ziffer 2 des IV-Rundschreibens Nr. 342 vom 14.
Dezember 2015). Die Zusatzleistungen des Lieferanten eines elektronischen
Kommunikationsgerätes, die früher durch die Pauschale abgedeckt sein sollten,
werden nun (nach der seit dem 1. Januar 2016 geltenden Fassung der Ziffer 15.02 der
Liste im Anhang zur HVI) nach dem effektiven Aufwand des Lieferanten entschädigt.
Als einzige Kostenpauschale verbleibt eine Handlingpauschale von Fr. 190.- pro
Hilfsmittelabgabe. Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nicht auf
einer Hilfsmittelabgabe gemäss einer nicht mehr existenten vertraglichen Vereinbarung
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zwischen der B._ AG und dem BSV beharrt, da sie kein Interesse an einer nur der
B._ AG dienenden Vergütung einer Pauschale von Fr. 5‘340.- haben kann. Weiter
kann angenommen werden, dass die Beschwerdeführerin auf der Abgabe eines ihrem
konkreten Kommunikationsbedarf ausreichend Rechnung tragenden elektronischen
Kommunikationsgerätes beharrt, wobei allerdings zu beachten ist, dass sich sowohl
das Kommunikationsvermögen und der Kommunikationsbedarf der
Beschwerdeführerin als auch der technische Stand (zumindest im Hinblick auf die
Software) seit dem Erlass der angefochtenen Verfügung verändert haben. Deshalb
kann die Beurteilung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf ein elektronisches
Kommunikationsgerät – abweichend vom Normalfall – nicht anhand des Sachverhalts
zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung erfolgen. Die Zusprache
eines Gerätes nach dem Bedürfnis der Beschwerdeführerin im Sommer 2014 und nach
dem damaligen Stand der Softwareentwicklung hätte nämlich mit grosser
Wahrscheinlichkeit eine deutlich suboptimale Hilfsmittelversorgung zur Folge. Deshalb
ist die Sache zur Abgabe eines iPad mit einer dem aktuellen Stand des Bedürfnisses
und der technischen Möglichkeiten entsprechenden Kommunikationssoftware an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
Im Hinblick auf die Verfahrenskosten ist von einem vollumfänglichen Obsiegen der
Beschwerdeführerin auszugehen. Deshalb hat die Beschwerdegegnerin die
Gerichtskosten von Fr. 600.- zu bezahlen. Zudem hat die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Der Vertretungsaufwand
war deutlich tiefer als bei einem durchschnittlichen Rentenfall, weil weniger Akten zu
studieren waren und weil nur eine einzige Rechtsfrage zu beantworten war. Die
Parteientschädigung wird deshalb ermessensweise auf Fr. 2‘500.- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt.