Decision ID: 0cdc9348-3c51-53a3-9bdf-664d2f33c1c4
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Der Gemeinderat E. erteilte am 28. Februar 2008 der C. AG die Baubewilligung für
die Überbauung des Grundstücks Grundbuch E. Nr. 000 mit einem Terrassenhaus mit
drei Wohneinheiten und Garagengeschoss. Eigentümer des Grundstücks, das in der
Wohnzone W2 liegt, waren A. und B. Gegen die Baubewilligung erhoben X. und Y., die
Eigentümer des westlich angrenzenden Grundstücks Nr. XXX, Rekurs beim
Baudepartement. Das Verfahren wurde am 1. Juli 2008 infolge Vergleichs
abgeschrieben. Mit Schreiben ihres Rechtsvertreters vom 17. Juni 2009 teilten X. und
Y. dem Gemeinderat E. mit, auf dem Grundstück Nr. 000 sei in Abweichung von den
bewilligten Bauplänen die Westfassade nach Norden verlängert worden, weshalb sofort
ein Baustopp verfügt werden müsse. Der Gemeinderat E. verfügte am 19. Juni 2009
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gegenüber der Bauherrin C. AG die sofortige Einstellung der Bauarbeiten und verlangte
die Einreichung von Korrekturplänen zur Durchführung eines nachträglichen
Baubewilligungsverfahrens.
Ein erstes Korrekturgesuch wies der Gemeinderat mit Verfügung vom 6. Juli 2009 als
nicht bewilligungsfähig ab. Am 12. August 2009 bewilligte der Gemeinderat E. im
Meldeverfahren ein zweites Baugesuch und eröffnete seinen Entscheid unter anderem
X. und Y.
B./ Gegen die Erteilung der nachträglichen Baubewilligung erhoben X. und Y. mit
Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 27. August 2009 Rekurs beim Baudepartement
und beantragten, die Baubewilligung vom 12. August 2009 sei aufzuheben und die
Rekursgegnerin sei zu verpflichten, die illegal erstellte Dachverlängerung und die
Stützen zurückzubauen, ausserdem sei der Rekursgegnerin unter Androhung von
Strafe nach Art. 292 StGB zu verbieten, an der Projektänderung bzw. am "Anbau"
weiterzuarbeiten, bis das Rekursverfahren rechtskräftig abgeschlossen sei. Zur
Begründung machten die Rekurrenten im wesentlichen geltend, der Gemeinderat habe
das Baugesuch zu Unrecht im Meldeverfahren behandelt und dadurch ihren Anspruch
auf rechtliches Gehör verletzt. Das Dach des Neubaus werde nun mehr als 3 m über
die nördliche Fassade hinausgeführt und zusätzlich mit einer Betonmauer gestützt.
Dieser Bauteil könne nicht als Anbau betrachtet werden, sondern sei eine Fassaden-
und Gebäudeverlängerung, die nicht bewilligt werden könne, weil dadurch die
Grenzabstände verletzt würden. Neu sei die Westfassade die längste Fassade des
Gebäudes, weshalb der grosse Grenzabstand gegenüber ihrer Liegenschaft
einzuhalten sei. Auch eine Bewilligung als Vorbau komme nicht in Betracht.
Der Gemeinderat E. beantragte in seiner Stellungnahme vom 22. September 2009 die
Abweisung des Rekurses. Er machte geltend, kleinere bewilligungsfähige
Projektänderungen würden immer im Meldeverfahren bewilligt. Nach der Prüfung der
zweiten Korrekturpläne habe festgestanden, dass die Änderungen bewilligungsfähig
seien. Die Einfache Gesellschaft S., bestehend aus S. und T., welche neu als Bauherrin
auftrat, beantragte die Abweisung des Rekurses. Sie machte geltend, es handle sich
beim strittigen Bauteil um einen Anbau. Im übrigen sei den Rekurrenten aus der
Anwendung des Meldeverfahrens kein Rechtsnachteil erwachsen.
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Das Baudepartement führte am 29. Oktober 2009 einen Augenschein durch. An diesem
wurde eine einvernehmliche Lösung angeregt. Eine solche kam aber nicht zustande.
Mit Entscheid vom 22. Dezember 2009 wies das Baudepartement den Rekurs von X.
und Y. ab, soweit es darauf eintrat (Ziff. 1). Den Rekurrenten wurde eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- auferlegt (Ziff. 2a). Der Gemeinde E. wurden Kosten
von Fr. 1'000.-- auferlegt (Ziff. 2b). Das Begehren der Rekurrenten um Ersatz der
ausseramtlichen Kosten wurde teilweise gutgeheissen und die Politische Gemeinde E.
verpflichtet, die Rekurrenten mit Fr. 1'000.-- zuzügl. MWSt ausseramtlich zu
entschädigen (Ziff. 3a). X. und Y. ihrerseits wurden verpflichtet, die Einfache
Gesellschaft S. ausseramtlich mit Fr. 3'250.-- zuzügl. MWSt zu entschädigen (Ziff. 3b).
Das Baudepartement erwog, der Rückbau der Dachverlängerung und der Stützen sei
nicht Gegenstand des Baubewilligungsverfahrens. Darüber müsste erstinstanzlich die
zuständige Gemeindebehörde in einem separaten Wiederherstellungsverfahren
befinden. Gleiches gelte, soweit die Prüfung verlangt werde, ob der Keller im dritten
Geschoss isoliert und dadurch allenfalls die Ausnützungsziffer überschritten sei. Weiter
erwog das Baudepartement, der Gemeinderat habe zu Unrecht das Meldeverfahren
angewendet. Die Rekurrenten hätten zwar von der Erteilung der Bewilligung umgehend
Kenntnis erhalten und dagegen rechtzeitig rekurrieren können. Die Gehörsverletzung
könne aber im Rekursverfahren geheilt werden. In materieller Hinsicht erwog das
Baudepartement, es handle sich beim streitigen Bauteil um eine Anbaute, welche
keinen Einfluss auf die Gebäudelänge habe.
C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 15. Januar 2010 erhoben X. und Y.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom
22. Dezember 2009 sowie die Baubewilligung vom 12. August 2009 seien aufzuheben
und es sei die Baubewilligung zu verweigern, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wird im wesentlichen
vorgebracht, bereits im ersten Verfahren sei die Fassadenlänge der Westfassade ein
Thema gewesen. Es habe sich nämlich die Frage gestellt, ob die Westfassade die
längere Fassade sei, was Auswirkungen auf den Grenzabstand gehabt hätte. Gemäss
dem Plan Westfassade dürfe das Dach lediglich rund 60 cm über die nördliche
Fassade hinausreichen. Nun sei das Dach auf dem obersten Wohngeschoss rund 3 m
über die nördliche Fassade hinausgeführt und zusätzlich mit einer Betonmauer
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abgestützt worden. Dadurch werde die Baubewilligung vom 29. Februar 2008 verletzt.
Gleichzeitig würden die Grenzabstände zum nördlichen Grundstück verletzt. Der
Gemeinderat habe am 19. Juni 2009 einen Baustopp verfügt und angeordnet, die
Bauarbeiten am Vordach dürften nicht weitergeführt werden, bis eine rechtskräftige
Baubewilligung des Gemeinderates vorliege. Die Beschwerdegegner hätten sich in
keiner Weise um die Verfügung geschert. Die nicht bewilligungsfähige Projektänderung
sei nicht zurückgebaut worden, und die Beschwerdegegner hätten munter an der
Projektänderung weitergebaut. Die Qualifikation der Projektänderung als Anbau sei
falsch. Das gesamte Projekt sei mit der Dachverlängerung angehoben und verlängert
worden. Mit einem Anbau habe dies nichts zu tun. Gleichzeitig sei die Westfassade um
über 3 m verlängert worden. Die wesentlichen Kriterien für die Anerkennung als Anbau
seien nicht erfüllt.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 11. Februar 2010 die
Abweisung der Beschwerde. Der Gemeinderat E. verzichtete auf eine Vernehmlassung.
Die Beschwerdegegner beantragten mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 4. März
2010 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Sie halten fest, der umstrittene
Bauteil sei vom Baudepartement zu Recht als Anbaute qualifiziert worden.
Die Beschwerdeführer erhielten Gelegenheit, zu den Vernehmlassungen der Vorinstanz
und der Beschwerdegegner Stellung zu nehmen. Dies taten sie mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 22. März 2010.
Auf die weiteren Vorbringen der Beteiligten wird, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind grundsätzlich zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom
15. Januar 2010 wurde rechtzeitig eingereicht und entspricht formal und inhaltlich den
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gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist im Grundsatz einzutreten.
Das Baudepartement wies im Entscheid vom 22. Dezember 2009 den Rekurs ab,
soweit es darauf eintrat. Das Departement trat insoweit auf die im Rekurs gestellten
Rechtsbegehren nicht ein, als die Beschwerdeführer verlangten, die
Beschwerdegegner seien zu verpflichten, die Dachverlängerung und die Stützen
zurückzubauen. Ebenso trat das Baudepartement auf den Rekurs nicht ein, soweit die
Beschwerdeführer geltend machten, es sei zu prüfen, ob der Keller im 3. Geschoss
isoliert und dadurch allenfalls die Ausnützungsziffer überschritten worden sei. In diesen
beiden Punkten wird der Rekursentscheid in der Beschwerde nicht substantiiert
angefochten. Insoweit ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
Soweit die Beschwerdeführer das Verhalten der Beschwerdegegner im
Zusammenhang mit dem Baustopp kritisieren, ist nicht näher darauf einzutreten. Fest
steht, dass der Gemeinderat E. am 19. Juni 2009 einen Baustopp verfügte. Dieser
erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Nachdem die am 23. Juni 2009 eingereichten
Korrekturpläne als nicht bewilligungsfähig betrachtet wurden, erliess der Gemeinderat
am 6. Juli 2009 eine ablehnende Verfügung. Einen förmlichen Baustopp enthielt die
Verfügung aber nicht. Einerseits wurde festgehalten, die illegal erstellte
Dachverlängerung und die Stützen müssten zurückgebaut werden, anderseits wurde
vermerkt, bevor mit der bewilligungsfähigen zweiten Projektänderung, die noch
eingereicht werden müsse, begonnen werden dürfe, müsse die Baubewilligung des
Gemeinderates abgewartet werden. Damit enthielt die Verfügung einen Widerspruch.
Darauf ist aber vorliegend nicht weiter einzugehen. Welche Bauteile letztlich entfernt
werden müssen, ist im Wiederherstellungsverfahren zu entscheiden, welches nach
Rechtskraft des Bewilligungsverfahrens durchzuführen ist. Dabei ist der Umstand, ob
trotz des Baustopps die nicht bewilligten Arbeiten fortgesetzt wurden, genau
abzuklären und im Rahmen der Verhältnismässigkeit einer Rückbauanordnung zu
berücksichtigen. Im vorliegenden Bewilligungsverfahren ist hingegen ausschliesslich zu
beurteilen, ob die streitige Projektänderung zu Recht bewilligt wurde oder nicht.
2. Die Beschwerdeführer beantragen einen Augenschein.
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Der Augenschein ist die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die
entscheidende Instanz. Er dient dem besseren Verständnis des Sachverhalts. Ob ein
Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflichtgemässen Ermessen der urteilenden
Instanz. Unbestrittene Tatsachen brauchen nicht durch einen Augenschein überprüft zu
werden, sofern eine Nachprüfung nicht durch öffentliche Interessen geboten ist
(Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003,
Rz. 966).
Die tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich im vorliegenden Fall aus den
massgeblichen Plänen und den Fotografien sowie den übrigen Verfahrensakten. Auf
einen Augenschein ist daher zu verzichten.
3. Die Vorinstanz hat den Begriff der Anbaute entsprechend der Praxis des
Verwaltungsgerichts umschrieben. Das Baugesetz definiert Anbauten als
baubewilligungspflichtige Tatbestände (Art. 78 Abs. 2 lit. a des Baugesetzes,
sGS 731.1, abgekürzt BauG; B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern
2003, Rz. 686). Als Anbaute gelten gemäss gängiger baurechtlicher Definition an das
Hauptgebäude angebaute untergeordnete Bauten. Massgebende Kriterien sind
insbesondere die architektonische Gestaltung, die optische und/oder funktionale
Unterordnung, die konstruktive Trennung, die funktionale Eigenständigkeit sowie die
Beschränkungen im Baureglement betreffend Gebäudegrundfläche, First- und
Gebäudehöhe. Anbauten lehnen sich an die Fassade eines Hauptgebäudes an, sind
von diesem aber durch eine Innenwand getrennt. Sie müssen deutlich als Anbau
erkennbar sein und beseitigt werden können, ohne dass das Hauptgebäude konstruktiv
verändert werden muss. Anbauten werden wie Nebenbauten als untergeordnete oder
besondere Gebäude oder als Kleinbauten bezeichnet (VerwGE B 2007/10 vom 11. Juni
2007 mit Hinweis auf P. Dilger, Raumplanungsrecht der Schweiz, Zürich 1982, S. 230,
und A. Zaugg, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern vom 9. Juni 1985,
2. Aufl., Bern 1995, Rz. 10 zu Art. 12, in: www.gerichte.sg.ch).
3.1. Das Baureglement der Gemeinde E. (abgekürzt BauR) definiert in Art. 16 Abs. 1
Anbauten. Danach sind Anbauten Bauteile mit einem Vollgeschoss an Hauptbauten mit
einer Gebäudegrundfläche von höchstens 50 m , die nicht für Wohnen oder Arbeiten
genutzt werden und höchstens 2,5 m Gebäudehöhe und höchstens 5 m Firsthöhe
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aufweisen. Bei Anbauten kann der Grenzabstand nach Art. 16 Abs. 3 BauR auf 3 m
vermindert werden. Art. 14 Abs. 2 BauR hält unter dem Titel "Gebäudelänge" fest, dass
Anbauten, die eine Fassadenverlängerung von maximal 6 m bewirken, für die
Bemessung der Gebäudelänge sowie der Mehrlänge nicht in Betracht fallen.
3.2. Die tatsächlichen Umstände ergeben sich insbesondere aus den Plänen, dem
Augenscheinprotokoll und den in den Akten liegenden Fotografien. Die Nordfassade
des Terrassenhauses verläuft im östlichen Teil auf einer Länge von 9,86 m parallel zur
Grundstücksgrenze zum Nachbargrundstück Nr. .. und hält dort einen Grenzabstand
von 4,0 m ein. Im westlichen Teil knickt die Nordfassade leicht ein, so dass sie im
rechten Winkel zur Westfassade steht. Gemäss der erteilten Baubewilligung hätte das
Hauptdach mit einem Vorsprung von 0,7 m dem Verlauf der Nordfassade folgen
müssen. Das heute vorhandene Dach verläuft nun auf der ganzen Länge der
Nordfassade parallel zur Grenze des Grundstücks Nr. .. und hält gegenüber dieser
einen Abstand von 2,50 m ein. Im westlichen Teil überragt es die Nordfassade um
1,5 m, im Schnittpunkt von Nord- und Westfassade um 3,16 m. An der nordöstlichen
Ecke stützt sich das Dach auf einen 0,15 m dicken und 1,26 m breiten, an der
Westfassade ausgerichteten Betonpfeiler. Dieser Pfeiler verjüngt sich leicht von oben
nach unten. Der Bereich zwischen der Betonstütze und der nordwestlichen Hausecke
soll mit einer Glasschiebewand geschlossen werden. Gleiches soll im nördlichen Teil
auf einer Länge von 6,5 m erfolgen.
3.3. Die Vorinstanz erwog, der Bauteil schöpfe die nach Art. 16 Abs. 1 BauR zulässigen
Masse mit einer Grundfläche von rund 13 m , einer Gebäudehöhe von rund 2,4 m und
einer Firsthöhe von rund 3,2 m nicht aus. Auch sei der ostseitig offene Raum weder für
Wohnen noch für Arbeiten nutzbar. Gegenüber der Hauptbaute sei er durch dessen
südliche Aussenfassade konstruktiv getrennt und funktional als eine Art
"untergeordneter Seiteneingang" ausgestaltet. Den Rekurrenten sei allerdings
beizupflichten, dass eine vollkommene konstruktive Trennung nicht gegeben sei, weil
der Bauteil nicht über eine selbständige Dachkonstruktion verfüge, sondern das Dach
der Hauptbaute verlängert worden sei, um ihn abzudecken. Dies ändere jedoch nichts
daran, dass der Raum als funktional untergeordneter und von der Hauptbaute
konstruktiv abgetrennter Bereich in Erscheinung trete. Es wäre nicht gerechtfertigt,
allein wegen der Dachgestaltung den Bauteil als Teil der Hauptbaute zu betrachten,
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zumal die Verlängerung des Daches zu einem architektonisch sinnvollen Ergebnis
führe. Letztlich könne auch nicht gesagt werden, der Anbau könne nicht ohne
konstruktive Veränderung des Hauptgebäudes entfernt werden. Vielmehr müsste bei
einem Abbruch des Anbaus dessen Dach (und nicht das Dach der Hauptbaute) entfernt
werden. Das Dach wäre bei einem Rückbau lediglich im Bereich des Dachrands den
neuen Gegebenheiten leicht anzupassen.
3.4. Das Verwaltungsgericht kann dieser Auffassung nicht folgen. Der streitige
Gebäudeteil erscheint sowohl in bezug auf die Westfassade als auch in bezug auf die
Nordfassade als integraler Bestandteil des Hauptgebäudes. Sowohl bei der
Westfassade als auch bei der Nordfassade bildet der streitige Bauteil eine
Verlängerung, welche ohne deutlich wahrnehmbare Trennung zur Fassade des
Hauptgebäudes verläuft. Gleich verhält es sich mit dem Dach und der Dachrinne. Auch
diese Gebäudeteile verlaufen von der Hauptbaute ohne sichtbare Trennung zum
streitigen Gebäudeteil und unterstreichen den Anschein, dass dieser ein Teil des
Hauptgebäudes ist. Hinzu kommt, dass die bestehenden Öffnungen in der Wand bzw.
der Fassade nach den Feststellungen der Vorinstanz am Augenschein mit
Glasschiebewänden versehen werden sollen. Damit wird zusätzlich der Anschein
erweckt, es handle sich um eine zum Hauptgebäude gehörende Fassade. Hinsichtlich
der architektonischen Gestaltung kann jedenfalls nicht vom Merkmal eines Anbaus
gesprochen werden. Auch liegt keine optische Unterordnung vor, im Gegenteil. Optisch
erscheint der Anbau als Bestandteil des Hauptgebäudes. Inwiefern von einer
funktionalen Unterordnung gesprochen werden kann, erscheint aufgrund der
vorliegenden Akten fraglich. Immerhin dürfte es sich nicht um einen ständig bewohnten
Raum handeln, doch mit der Installation von Glasschiebewänden und der Möglichkeit,
auch im Bereich der Nordfassade den zusätzlich gewonnenen Raum abzutrennen,
erscheint der streitige Bauteil nicht mehr nur als überdachter offener Unterstand,
sondern als abgeschlossener Raum.
Auch das Merkmal der konstruktiven Trennung ist nicht gegeben. Namentlich ist der
streitige Bauteil in bezug auf die Dachkonstruktion integraler Bestandteil des Daches.
Dies ergibt sich insbesondere aus den Bildern, auf denen der entsprechende
Gratsparren sichtbar ist. Wohl könnte möglicherweise derjenige Teil des Daches, der
zur streitigen Baute gehört, entfernt werden, ohne dass das Dach des Hauptgebäudes
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konstruktiv verändert werden müsste. Bei einer Entfernung der streitigen Baute
müssten jedoch der Abschluss des Daches und die Dachrinne im fraglichen Bereich
neu gestaltet werden. Auch unter diesem Aspekt erscheint die Anbaute nicht als
untergeordnete, an die Fassade eines Hauptgebäudes angefügte, von diesem
konstruktiv getrennte Baute.
Zwar sind unbestrittenermassen die Dimensionen einer Anbaute nach Art. 16 BauR
nicht überschritten. Die Anbaute wird aber nicht ausschliesslich über die Ausmasse
definiert. Dass entgegen den Ausführungen in der Vernehmlassung der
Beschwerdegegner kein optisch und architektonisch untergeordneter Bauteil vorliegt,
ergibt sich aus den vorstehenden Ausführungen. Im übrigen mag es zutreffen, dass alle
nordseitigen Sparren des Daches inkl. der vom First zur nordwestlichen Gebäudeecke
verlaufende Gratsparren auf der nordseitigen Aussenmauer des Hauptgebäudes
aufliegen, nicht auf den äusseren Bauelementen des streitigen Gebäudeteils. Immerhin
wird auch von den Beschwerdegegnern anerkannt, dass eine Anpassung von
Dachtraufe und Dachrinne an den neuen Dachrandverlauf erfolgen müsste, falls die
streitige Baute entfernt würde.
3.5. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die
Beschwerde gutzuheissen ist, soweit darauf einzutreten ist. Der Rekursentscheid vom
22. Dezember 2009 ist in Ziff. 1, soweit der Rekurs materiell abgewiesen wurde, sowie
in Ziff. 2a und 3 aufzuheben, ebenso der Bewilligungsentscheid des Gemeinderates E.
vom 12. August 2009.
4. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdegegnern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622
Gerichtskostentarif, sGS 941.12). S. und T. haften solidarisch für den gesamten Betrag.
Die Gebühr ist bei S. zu erheben. Den Beschwerdeführern ist der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 3'000.-- zurückzuerstatten.
Von den amtlichen Kosten des Rekursverfahrens von Fr. 3'000.-- auferlegte die
Vorinstanz Fr. 1'000.-- der Gemeinde E. und Fr. 2'000.-- den Beschwerdeführern. Die
Kostenauflage zulasten der Gemeinde ist wegen der Gehörsverletzung gerechtfertigt
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(Art. 95 Abs. 2 VRP). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der
restliche Anteil von Fr. 2'000.-- ist dem Verfahrensausgang entsprechend den
Beschwerdegegnern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). S. und T. haften solidarisch für
den gesamten Betrag. Die Gebühr ist bei S. zu erheben.
S. und T. haben die Beschwerdeführer für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren
ausseramtlich zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und 2 und Art. 98bis VRP). Eine
Entschädigung von Fr. 4'000.-- zuzügl. MWSt für das Rekurs- und das
Beschwerdeverfahren erscheint angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. a und b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75). S. und T. haften
solidarisch für den gesamten Betrag.
Demnach hat das Verwaltungsgericht