Decision ID: bcd2b5dc-062b-4c8d-9f74-a04cb46f1fdc
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. Mit Urteil 8C_74/2022 vom 22. September 2022 hiess das Bundesgericht
die von A._ am 1. Februar 2022 gegen das Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 21 81 vom
16. November 2021 erhobene Beschwerde teilweise gut. Das
Bundesgericht änderte das Urteil des Verwaltungsgerichts vom
16. November 2021 und die Verfügung der IV-Stelle des Kantons
Graubünden vom 16. Juni 2021 insoweit ab, als dass es ab dem
1. Dezember 2018 einen Anspruch von A._ auf eine Dreiviertelsrente
feststellte. Im Übrigen wies es die Beschwerde ab (Dispositivziffer 1). Die
Gerichtskosten des bundesgerichtlichen Verfahrens von CHF 800.--
wurden A._ sowie der IV-Stelle des Kantons Graubünden je im
Betrag von CHF 400.-- auferlegt (Dispositivziffer 2). Ausserdem hat die IV-
Stelle des Kantons Graubünden A._ für das bundesgerichtliche
Verfahren reduziert mit CHF 1'400.-- zu entschädigen (Dispositivziffer 3).
Schliesslich wies das Bundesgericht die Sache zur Neuverlegung der
Kosten und der Parteientschädigung im vorangegangenen
verwaltungsgerichtlichen Verfahren an das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden zurück (Dispositivziffer 4).
2. Mit Schreiben vom 19. Oktober 2022 machte A._ im Wesentlichen
geltend, dass sich die im bundesgerichtlichen Verfahren vorgenommene
Kostenverteilung für das verwaltungsgerichtliche Verfahren nicht
rechtfertige. Am 20. Oktober 2022 wurde das Schreiben der IV-Stelle des
Kantons Graubünden zur Kenntnisnahme zugestellt.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten ganz oder teilweise gut, kann es reformatorisch
entscheiden, also in der Sache selbst Anordnungen treffen, oder aber
kassatorisch, mithin den angefochtenen Entscheid bloss aufheben oder
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die Angelegenheit an die Vorinstanz oder an die erstinstanzlich
verfügende Behörde zur Neubeurteilung zurückweisen (Art. 107 Abs. 2
des Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110]; vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013,
Rz. 1640; DORMANN, in: NIGGLI/UEBERSAX/ WIPRÄCHTIGER/KNEUBÜHLER
[Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl., Basel
2018, Art. 107 Rz. 12 ff.). Dabei kann das Bundesgericht nach Art. 67 und
Art. 68 Abs. 5 BGG auch die Kosten und/oder die Entschädigungen des
vorangegangenen Verfahrens anders verteilen. Es weist die
Angelegenheit dabei entweder an die Vorinstanz zurück, damit diese über
die (Kosten-)verteilung entscheidet oder entscheidet selbst
(KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1658; GEISER, in:
NIGGLI/UEBERSAX/WIPRÄCHTIGER/KNEUBÜHLER [Hrsg.], Basler Kommentar
zum Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl., Basel 2018, Art. 67 Rz. 5 und Art. 68
Rz. 24 f.). Bei einer Rückweisung sind die Vorgaben – insbesondere die
entscheidwesentlichen Erwägungen – des Bundesgerichts für die Vor-
instanz verbindlich bzw. die mit der Neubeurteilung befasste (kantonale)
Instanz hat die rechtliche Beurteilung, mit der die Zurückweisung
begründet wird, ihrer Entscheidung zugrunde zu legen (siehe
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1643; DORMANN, in:
Niggli/Uebersax/Wiprächtiger/Kneubühler, a.a.O., Art. 107 Rz. 18; vgl.
auch BGE 143 IV 214 E.5.3.3 m.H.a. 135 III 334 E.2.1; Urteile des
Bundesgerichts 8C_620/2021 vom 14. Januar 2022 E.4.1, 4A_197/2020
vom 10. Dezember 2020 E.3.2.1 f., 8C_824/2017 vom 27. März 2018
E.2.2, 2C_389/2013 vom 26. Oktober 2013 E.2.2.1, 2C_304/2013,
2C_305/2013 vom 22. Oktober 2013 E.2.1 und 2C_1071/2012 vom 7. Mai
2013 E.2).
2. Vorliegend wies das Bundesgericht die Angelegenheit unter Hinweis auf
Art. 68 Abs. 5 BGG einzig zur Neuverlegung der Kosten und der
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Parteientschädigung an das Verwaltungsgericht zurück. Über den
Rentenanspruch von A._ entschied es reformatorisch. Hinsichtlich
der Neuverlegung der Kosten sowie die Regelung der
Parteientschädigung vor Verwaltungsgericht machte das Bundesgerichts
in seinem Urteil 8C_74/2022 vom 22. September 2022 weder in den
Erwägungen noch im Dispositiv Vorgaben. Es bleibt also über die
Verlegung der im Verfahren S 21 81 gemäss Art. 69 Abs. 1bis des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) i.V.m.
Art. 61 lit. fbis des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) angefallenen
Gerichtskosten von CHF 700.-- sowie eine allfällige Parteientschädigung
gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG zugunsten von A._ zu befinden.
3. Betreffend die Verlegung der Gerichtskosten ist zu berücksichtigen, dass
A._ vor Bundesgericht insoweit obsiegte, als er dort mit seinem
bereits im verwaltungsgerichtlichen Verfahren S 21 81 gestellten Even-
tualantrag auf Ausrichtung einer höheren als die ihm bereits mit Verfügung
vom 16. Juni 2021 zugesprochenen halben Invalidenrente ab dem
1. Dezember 2018 durchgedrungen ist. Dabei ist er zwar hinsichtlich der
gestellten Rechtsbegehren in masslicher Hinsicht nur teilweise
durchgedrungen, indes liegt ein Obsiegen dem Grundsatz nach vor. Denn
er hat seine Position im Vergleich zur angefochtenen Verfügung vom
16. Juni 2021 doch massgeblich verbessern können (Zusprache einer
Dreiviertelsrente anstatt einer halben Invalidenrente). Insofern ist das
Obsiegen von A._ mit dem nun (ab dem 1. Dezember 2018
bestehenden) unbefristeten, höheren Rentenanspruch doch entscheidend
bedeutender zu bewerten, als etwa die im Rahmen einer rückwirkenden
Rentenzusprechung erst nach drei Monaten erfolgte Herabsetzung, die
blosse Verlängerung eines abgestuften Rentenanspruches um drei
Monate in Berücksichtigung von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) oder die vorgängig zu einer
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Aufhebung der Rente erfolgte Herabsetzung für einige Monate, was
rechtsprechungsgemäss im Hinblick auf eine Parteientschädigung
gemäss Art. 61 lit. g ATSG lediglich als (wesentliches) teilweises (aber
nicht grundsätzliches) Obsiegen zu beurteilen war (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 9C_254/2018 vom 6. Dezember 2018 E.3 und
9C_580/2010 vom 16. November 2010 E.4.1, vgl. auch Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 20 52 vom
24. März 2022 E.11.1 und 11.3 m.H.a Urteil des Bundesgerichts
9C_810/2010 vom 16. September 2011 E.5 sowie VGU S 21 76 vom
26. Oktober 2021 E.10, S 19 9 vom 15. April 2020 E.10 und S 19 22 vom
7. April 2020 E.6.1). Im Übrigen gilt gemäss Bundesgericht für die Frage
der Kostenverlegung und Parteientschädigung auch eine solche
Verbesserung als (vollständiges) Obsiegen, soweit eine Rückweisung für
neue Abklärungen (mit noch offenem Ausgang) erreicht werden konnte
(vgl. dazu BGE 141 V 281 E.11.1 und 137 V 210 E.7.1, 132 V 215 E.6.1
und 110 V 54 E.3a). Zudem gilt hinsichtlich der Parteientschädigung
gemäss Art. 61 lit. g ATSG praxisgemäss, dass das nicht vollständige
Durchdringen mit einem ziffernmässig bestimmten (Haupt-)Begehren
anstelle eines generellen Abänderungsbegehrens betreffend den
angefochtenen Entscheid bzw. die "Überklagung" in quantitativer Hinsicht
nur dann eine Reduktion der Parteientschädigung zu rechtfertigen
vermag, wenn das ziffermässig bestimmte Rechtsbegehren den
Prozessaufwand beeinflusst hat (siehe Urteile des Bundesgerichts
8C_449/2016 vom 2. November 2016 E.3.1.1, 9C_288/2015 vom
7. Januar 2016 E.4.2, 9C_178/2011 vom 20. Mai 2011 E.3.3.1 m.H.a.
8C_568/2010 vom 3. Dezember 2010 E.4.1 und 9C_580/2010 vom
16. November 2010 E.4.1; vgl. auch BGE 117 V 401 E.2c). Das
Hauptbegehren im Verfahren S 21 81 auf Zusprache einer ganzen
Invalidenrente hatte vorliegend keinen Einfluss auf den Prozessaufwand,
weshalb es sich praxisgemäss im Rahmen eines Obsiegens dem
Grundsatz nach rechtfertigt, – neben einer ungekürzten
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Parteientschädigung gemäss Art. 61 lit. g ATSG entsprechend der
erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung – auch die
Gerichtskosten ungeteilt der unterliegenden IV-Stelle des Kantons
Graubünden aufzuerlegen (vgl. PVG 2020 Nr. 7 E.9 sowie Urteile des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 21 89 vom
7. September 2022 E.8.1, S 20 27 vom 23. Februar 2021 E.12 und S 16
77 vom 18. Dezember 2018 E.11.1 und 11.3). Denn für die Verlegung der
Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1bis letzter Satz IVG vor dem kantonalen
Versicherungsgericht bei einem Obsiegen zumindest dem Grundsatz nach
besteht keine spezifische Rechtsprechung des Bundesgerichts, womit
sich die Verteilung dieser Gerichtskosten mangels gegenteiliger
Regelungen im Bundesrecht und in Nachachtung von Art. 61 Ingress
ATSG nach dem massgebenden kantonalen (Verfahrens‐)Recht und
somit nach Art. 72 ff. des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) richtet (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_176/2020 vom 9. April 2021 E.3, 9C_254/2018 vom
6. Dezember 2018 E.2.1, 8C_304/2018 vom 6. Juli 2018 E.4.2 und
8C_568/2010 vom 3. Dezember 2010 E.4.2; siehe PVG 2020 Nr. 7 E.9
sowie Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU]
S 20 27 vom 23. Februar 2021 E.12 und S 16 77 vom 18. Dezember 2018
E.11.1).
4. A._ hat aufgrund der vorstehenden Erwägung somit auch Anspruch
auf Ersatz der Parteikosten zu Lasten der IV-Stelle des Kantons
Graubünden. Die Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der
Rechtsvertretung regelmässig durch die Schwierigkeit des Prozesses
mitbestimmt wird. Im Übrigen wird die Bemessung der
Parteientschädigung gemäss Art. 61 Satz 1 ATSG nach dem kantonalen
Recht bestimmt (siehe Urteile des Bundesgerichts 9C_519/2020 vom
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6. Mai 2021 E.2.2, 9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 E.9.2, nicht
publ. in BGE 144 V 380, 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.1 und
9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG
i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV;
BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts
festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der Honorarnote geltend
gemachten (und als angemessen zu betrachtenden) Aufwand sowie
(üblichen) Stundenansatz ausgeht. Der Rechtsvertreter von A._
machte in seiner Honorarnote vom 4. Oktober 2021 für den Zeitraum vom
16. August 2021 bis zum 4. Oktober 2021 einen Aufwand von insgesamt
CHF 3'306.30 geltend (13.1 Stunden à CHF 230.-- zuzgl. CHF 56.90
Auslagen [Porto und 78 Kopien à CHF 0.50] und 7.7 % MWST). Das
Dokument "Auftrag und Vollmacht" vom 7. November 2013 enthält keine
Honorarvereinbarung im Sinne von Art. 4 Abs. 1 HV. Der geltend
gemachte Stundenansatz von CHF 230.-- überschreitet den
Maximalansatz von CHF 270.-- gemäss Art. 3 Abs. 1 HV hingegen nicht
und liegt auch unter dem bei fehlender Honorarvereinbarung
praxisgemäss anzuwendenden Ansatz von CHF 240.-- pro Stunde (siehe
Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 21 89
vom 7. September 2022 E.8.2, S 22 17 vom 31. Mai 2022 E.7.2, S 20 52
vom 24. März 2022 E.11.3 und S 18 72 vom 5. Oktober 2021 E.8.2.1).
Insofern kann praxisgemäss darauf abgestellt werden. Der zeitliche
Aufwand von 13.1 Stunden erscheint angesichts des doppelten
Schriftenwechsels und der sich stellenden Fragen als angemessen,
ebenso die geltend gemachten Auslagen, welche mit einem Betrag von
CHF 56.90 weniger als die praxisgemäss anzuerkennenden 3 %
Spesenpauschale auf das Honorar von CHF 3'013.-- ausmachen (siehe
dazu VGU S 20 52 vom 24. März 2022 E.11.3). Damit hat die IV-Stelle des
Kantons Graubünden A._ im Betrag von CHF 3'306.30 (inkl. Spesen
und MWST; 13.1 Stunden à CHF 230.-- zzgl. CHF 56.90 [Porto und
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Kopien] und 7.7 % MWST [CHF 236.40]) aussergerichtlich zu
entschädigen.
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