Decision ID: cbe7872f-3d6b-50c1-8adf-764394aac00a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess Sri Lanka gemäss eigenen Angaben am
5. August 2017. Am 8. September 2017 sei er in die Schweiz eingereist
und suchte am gleichen Tag um Asyl nach. Am 18. September 2017 wurde
er im Empfangs- und Verfahrenszentrum zur Person befragt (BzP). Die Vo-
rinstanz hörte den Beschwerdeführer am 5. September 2019 zu seinen
Asylgründen an.
Im Wesentlichen machte er geltend, er gehöre der tamilischen Ethnie an
und stamme aus B._, Bezirk C._, Distrikt D._, wo er
mit seinen Eltern und einer älteren Schwester gelebt habe. Zuletzt habe er
sich in E._ aufgehalten. Er habe die Schule bis zur (...) Klasse be-
sucht und besitze den (...) Abschluss, einen Beruf habe er zwar nicht er-
lernt, verfüge aber über mehrere Jahre Berufserfahrung als (...).
Sein Bruder sei vermutlich als (...) für die Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE) tätig gewesen und im Jahre 20(...) – als der Beschwerdeführer ein
erst (...)jähriges Kind war – verschollen. Sein Vater habe danach bis No-
vember 20(...) einer regelmässigen Meldepflicht unterstanden, wobei er
zum Aufenthalt seines verschollenen Sohnes, zu Waffen, den involvierten
Personen sowie möglichen Geldgebern befragt worden sei. Danach sei
dieser nur noch sporadisch befragt worden und habe den Behörden
schliesslich gar nicht mehr zur Verfügung stehen müssen.
Jahre später habe 20(...) auf einem Grundstück der Familie eine Wahlver-
anstaltung der Tamil National Alliance (TNA) stattgefunden. Er, der Be-
schwerdeführer, habe das Grundstück zur Verfügung gestellt und geholfen,
eine (...) aufzubauen sowie (...) zu verteilen. Die Behörden hätten diesen
Anlass beobachtet und er selber sei danach von einem (...) verfolgt wor-
den. Seine Schwester habe im November 20(...) an zwei tamilischen Ge-
denkanlässen teilgenommen und sei deshalb vom (...) November 20(...)
bis am (...) Dezember 20(...) in Haft genommen worden. Die Freilassung
sei aufgrund von (...) erfolgt. Während der Haft sei sie zum verschollenen
Bruder sowie zur Wahlveranstaltung der TNA im Jahre 20(...) auf dem Fa-
miliengrundstück verhört und dabei auch gefoltert worden. Hierbei habe sie
angegeben, der Beschwerdeführer könnte gegebenenfalls über den ver-
schollenen Bruder und die Wahlveranstaltung der TNA Auskunft geben.
Daraufhin sei er am (...) Dezember 20(...) das erste Mal einvernommen
worden. Bis im Juli 20(...) sei er zirka sieben oder acht Male verhört wor-
den. An den Verhören habe man ihn mit der Veranstaltung der TNA im
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Jahre 20(...), anlässlich welcher Aufnahmen von ihm gemacht worden
seien, und der Vergangenheit des verschollenen Bruders konfrontiert. An-
lässlich des letzten Verhörs am (...) Juli 20(...) sei er gefoltert und bedroht
worden. Bevor er am nächsten Tag bereits wieder entlassen worden sei,
habe man ihm noch mitgeteilt, dass er alsbald weitere Verhöre zu gewärti-
gen haben. Hierbei sei ihm mittels Gesten gedroht worden. Er habe nun
Angst bekommen und sich zur Ausreise entschlossen. Er habe sich vor der
Ausreise nach E._ begeben. Seine Mutter habe ihm mitgeteilt, dass
zu Hause nach ihm gesucht werde. Auch nach seiner Ausreise sei nach
ihm gesucht worden.
Als Beweismittel reichte er eine Geburtsurkunde sowie ein Schreiben eines
Parlamentariers zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 30. März 2020 stellte die Vorinstanz fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch
ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnetet den Vollzug
der Wegweisung an.
C.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 30. April 2020 Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, das Gericht habe unverzüg-
lich darzulegen, welche Gerichtspersonen mit der Behandlung der vorlie-
genden Sache betraut worden seien, und es sei gleichzeitig bekannt zu
geben, ob diese Gerichtspersonen zufällig ausgewählt worden, andernfalls
die konkreten objektiven Kriterien bekannt zu geben seien, nach denen
diese Gerichtspersonen ausgewählt worden seien. Sodann sei die ange-
fochtene Verfügung wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs beziehungs-
weise wegen Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben und die Sa-
che an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen
und richtigen rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die angefochtene Ver-
fügung aufzuheben und es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen
und ihm Asyl zu gewähren. Sub-subeventualiter sei die angefochtene Ver-
fügung aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit beziehungsweise die Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen.
Des Weiteren werde darum ersucht, dass das SEM darlege, aus welchen
Gründen die vorliegende Verfügung nicht in der Sprache eröffnet worden
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sei, welche am Wohnort des Beschwerdeführers Amtssprache sei und
weshalb im vorliegenden Fall ein zwingendes Erfordernis bestanden habe,
vom Regelfall abzuweichen. Sollte das Gericht keinen kassatorischen Ent-
scheid fällen, seien die von der Vorinstanz intern angelegten Akten beizu-
ziehen, welche Aufschluss über den persönlichen Eindruck der für die An-
hörung verantwortlichen Person bezüglich der Glaubhaftigkeit seiner Vor-
bringen geben könnten. Ferner sei ihm Frist zur Nachreichung weiterer Be-
weismittel anzusetzen. Ausserdem sei sein Gesundheitszustand von Am-
tes wegen abzuklären, andernfalls ihm eine angemessene Frist zur Einrei-
chung eines fachärztlichen Gutachtens einzureichen sei.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer die Beilagen 1 bis 30 in
physischer Form, darunter mehrere Fotografien sowie den provisorischen
Austrittsbericht des Universitätsspitals F._, Lungenkrebszentrum,
vom 16. März 2020 zu den Akten. Sodann liegt der Beschwerde eine CD-
ROM mit elektronischen Dokumenten bei.
D.
In einer weiteren Eingabe vom 15. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer
den Arztbericht von PD Dr. med. G._, Universitätsspital F._,
Lungenkrebszentrum, vom 13. Mai 2020 zu den Akten.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 19. Mai 2020 hielt der Instruktionsrichter fest,
der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in
der Schweiz abwarten, gab ihm den Spruchkörper bekannt und räumte ihm
die Möglichkeit ein, innert Frist aktuelle und ergänzende Arztberichte ein-
zureichen. Sodann forderte er ihn dazu auf, innert Frist einen Kostenvor-
schuss zu leisten.
F.
Innert der angesetzten Zahlungsfrist ersuchte der Beschwerdeführer mit
Eingabe vom 3. Juni 2020 um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung sowie Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. Ausserdem
reichte er die Fürsorgebestätigung vom 29. Mai 2020 zu den Akten.
G.
In seiner Eingabe vom 10. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer unter
anderem den Arztbericht von Dr. med. H._, Psychiatrische Klinik
I._, vom 2. Juni 2020 betreffend seine psychische Gesundheit zu
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den Akten. Ferner beantragt er, es sei eine erneute Anhörung durchzufüh-
ren, sollte das Gericht die Sache nicht an die Vorinstanz zurückweisen.
H.
Der Instruktionsrichter hiess das mit Eingabe vom 3. Juni 2020 gestellte
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit Zwischenverfügung vom
17. Juni 2020 gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
I.
Nach gewährter Fristverlängerung liess sich die Vorinstanz mit Schreiben
vom 13. Juli 2020 zu den Vorbringen in der Rechtmitteleingabe vernehmen.
Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 21. Juli 2020 zur
Kenntnisnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden. Das Gericht wird nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden.
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
– unter nachstehendem Vorbehalt – einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG
und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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2.2 Nicht einzutreten ist auf den Antrag, es sei die Zufälligkeit der Spruch-
körperbildung zu bestätigen beziehungsweise es seien die konkreten Aus-
wahlkriterien bekannt zu geben (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom
2. Mai 2018 E. 4.2 f.).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken.
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
5.
Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an
das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft nach Art. 3 AsylG stand.
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Einleitend hält sie fest, gestützt auf Art. 16 Abs. 3 AsylG sei von der allge-
meinen Sprachregelung im Sinne von Art. 16 Abs. 2 AsylG abgewichen
worden, weshalb die Verfügung in französischer Sprache abgefasst sei.
Zur Begründung ihres Entscheids führt die Vorinstanz aus, die Schilderun-
gen des Beschwerdeführers zu den Verhören zwischen Dezember 20(...)
und Juli 20(...) seien summarisch und ohne präzisen Details ausgefallen.
Zwar habe er Fragen aufzählen können, welche ihm anlässlich der Befra-
gungen gestellt worden sein sollen, aber abgesehen davon seien seine
Ausführungen als sehr knapp zu qualifizieren. Namentlich sei er nicht in
der Lage gewesen, substantiierte Angaben zu den ihn verhörenden Beam-
ten zu machen, obwohl es sich dabei immer um die gleichen beiden Per-
sonen gehandelt haben soll. Trotz mehrerer Aufforderungen, seine Vorbrin-
gen weiter zu substantiieren, seien diese sehr allgemein geblieben. Ferner
habe er nicht erklären können, weshalb ihn die Behörden (...) oder (...) Mal
zu seinem Bruder verhört haben sollen, obwohl er im Zeitpunkt dessen
Verschwindens ein gerade einmal (...)jähriges Kind gewesen sei. Auch sei
es erstaunlich, dass ihn die Behörden jedes Mal wieder freigelassen haben
sollen, ohne irgendwelche Sicherheiten zu verlangen. Weiter seien seine
Ausführungen zu seiner angeblichen Unterstützung der TNA lückenhaft so-
wie stereotyp ausgefallen und er habe keine konkreten Elemente darlegen
können, welche seine Vorbringen, er sei in der Folge überwacht worden,
stützen könnten. Insbesondere könne aus dem Umstand, dass er angeb-
lich ein (...) gesehen habe, das ihm gefolgt sei, nicht bereits abgeleitete
werden, er habe vermutlich im Fokus der Behörden gestanden. Zudem sei
er gemäss seinen Aussagen wegen der angeblichen Unterstützung der
TNA auch nie vorgeladen worden. Des Weiteren sei die Objektivität des
eingereichten parlamentarischen Schreibens zweifelhaft und die angebli-
chen Hausbesuche nach seiner Ausreise würden sich lediglich auf die Aus-
sagen seiner Eltern stützen. Insgesamt sei nicht glaubhaft, dass er das
Land wegen den von ihm vorgebrachten Gründen verlassen habe. Bei die-
ser Ausgangslage – auch unter Berücksichtigung der neuen politischen
Machtverhältnisse seit November 2019 – bestünden schliesslich auch
keine Hinweise dafür, der Beschwerdeführer weise Risikofaktoren im Sinne
der Rechtsprechung auf, welche ihn im Falle einer Rückkehr als besonders
gefährdet im Sinne von Art. 3 AsylG erscheinen liessen.
6.
Der Beschwerdeführer macht in der Rechtsmitteleingabe einleitend sinn-
gemäss geltend, die Voraussetzungen für die ausnahmsweise Abweichung
von der anzuwendenden Verfahrenssprache seien nicht erfüllt. Ferner
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habe die Vorinstanz die von ihr geltend gemachten Gründe auch nicht be-
legt. Sodann seien ihm aus der erwähnten Abweichung diverse Nachteile
entstanden, indem es für ihn beispielsweise schwierig gewesen sei, eine
französisch sprechende Rechtsvertretung zu mandatieren. Ferner habe
die entscheidverantwortliche Person über keine persönlichen Eindrücke
aus der Anhörung verfügt, weil diese von einer anderen Person durchge-
führt worden sei. Angesichts der geschilderten Umstände habe die Vo-
rinstanz durch ihre Vorgehensweise die Verfahrensrechte des Beschwer-
deführers, insbesondere seinen Anspruch auf rechtliches Gehör, verletzt.
Ausserdem sei anlässlich der Anhörung der Traumatisierung des Be-
schwerdeführers nicht Rechnung getragen worden. In diesem Zusammen-
hang habe es die Vorinstanz auch unterlassen die Zusammensetzung des
Anhörungsteams anzupassen. Sodann hätte sie seinen Gesundheitszu-
stand untersuchen beziehungsweise ihn auffordern müssen, ein Arztzeug-
nis einzureichen. Mit ihrem Vorgehen habe sie erneut die Pflicht zur sorg-
fältigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes sowie seinen
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Letzterer sei auch aufgrund des
grossen zeitlichen Abstandes zwischen BzP und Anhörung verletzt wor-
den. Sodann habe die Vorinstanz ihre Begründungspflicht dadurch verletzt,
indem sie die familiäre Beziehung zum verschollenen Bruder bei den Risi-
kofaktoren nicht gewürdigt habe. Des Weiteren schätze die Vorinstanz die
Lage in Sri Lanka falsch ein und verletze dadurch abermals die Pflicht zur
sorgfältigen Sachverhaltsabklärung sowie ihre Begründungspflicht. Zudem
gehe sie zu Unrecht davon aus, seine Fluchtvorbringen seien Unglaubhaft
und er erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Angesichts der gegenwärti-
gen Lage, welche insbesondere aus dem durch die Präsidentschaftswah-
len im Herbst 2019 erfolgten politischen Machtwechsel resultiere, sei der
Beschwerdeführer einer erhöhten Gefahr vor Verfolgung ausgesetzt.
Schliesslich sei der Sachverhalt auf Beschwerdeebene insoweit zu ergän-
zen, als der Beschwerdeführer an (...) erkrankt sei und deshalb medizini-
sche Behandlung benötige.
7.
In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, es sei nicht davon aus-
zugehen, der physische und psychische Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers werde sich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka inner-
halb kurzer Zeit in lebensgefährdender Weise verschlechtern. Zudem
könne seine Heimatregion die für ihn notwendigen medizinischen Behand-
lungen zur Verfügung stellen.
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8.
Die vom Beschwerdeführer erhobenen formellen Rügen – insbesondere
die Verletzung des rechtlichen Gehörs und der Begründungspflicht sowie
der unrichtigen Sachverhaltserstellung – sind vorab zu behandeln, da sie
geeignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu
bewirken.
8.1 Der Beschwerdeführer erblickt eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör unter anderem darin, dass zwischen BzP und Anhörung
ein zeitlicher Abstand von beinahe zwei Jahren liegt.
Eine zeitnahe Anhörung ist durchaus wünschenswert. Gemäss konstanter
Rechtsprechung ist daraus jedoch nicht auf eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs zu schliessen, zumal es sich dabei nicht um eine justiziable
Verfahrenspflicht handelt (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-1277/2018
vom 3. April 2018 E. 4.3). Die zwischen den Befragungen verstrichene Zeit
stellt keine Verletzung der Verfahrensrechte des Beschwerdeführers dar,
ist jedoch bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen ange-
messen zu berücksichtigen.
8.2 Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, unter anderem aufgrund
einer Beeinträchtigung seiner psychischen Gesundheit sei von einer ein-
geschränkten Einvernahmefähigkeit anlässlich der Anhörung auszugehen
(vgl. Eingabe vom 10. Juni 2020).
Aufgrund der Unterlagen kann nicht festgestellt werden, der Beschwerde-
führer habe im Zeitpunkt der Anhörung unter dem Einfluss von Medikamen-
ten gestanden. Sodann hat er damals auch keine psychischen Leiden gel-
tend gemacht. Insofern sind keine Umstände ersichtlich, welche bei der
Vorinstanz begründete Zweifel an der Befragungsfähigkeit des Beschwer-
deführers hätten wecken müssen (vgl. dazu EMARK 1993 Nr. 15 E. 7 so-
wie 2006 Nr. 28 E. 8.4). Bei dem im Arztbericht von Dr. med. H._,
Psychiatrische Klinik I._, vom 2. Juni 2020 nun erwähnten Wort-
kargheit des Beschwerdeführers scheint es sich – betrachtet man die Pro-
tokolle zur BzP und Anhörung – wohl um ein neu aufgetretenes Phänomen
zu handeln. Im Übrigen lassen sich den Protokollen auch keinerlei entspre-
chende Hinweise auf irgendwelche Auffälligkeiten im Aussageverhalten
des Beschwerdeführers entnehmen. Auch die anwesende Hilfswerksver-
tretung sah sich zu keinen entsprechenden Bemerkungen veranlasst.
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Aufgrund des Ausgeführten kann nicht festgestellt werden, der Beschwer-
deführer sei anlässlich der Anhörung nicht oder nur eingeschränkt befra-
gungsfähig gewesen.
8.3 Soweit der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe trotz entspre-
chender Hinweise keine Abklärungen über seinen Gesundheitszustand
vorgenommen ist festzuhalten, dass er anlässlich der BzP unmissverständ-
lich angab, er sei sowohl in physischer sowie in psychischer Hinsicht ge-
sund (vgl. SEM-Akten A6/13 Ziff. 8.02). Alleine aufgrund des Umstandes,
dass er im Rahmen der Anhörung vorbrachte, er sei in seinem Heimatland
anlässlich eines Verhörs einmal getreten und geschlagen worden, musste
die Vorinstanz noch nicht von einer Traumatisierung ausgehen. Sodann la-
gen auch keine anderweitigen Hinweise auf eine Beeinträchtigung der psy-
chischen Gesundheit des Beschwerdeführers vor. Entgegen der in der
Rechtsmitteleingabe vertretenen Auffassungen hatte der Beschwerdefüh-
rer gerade keine gesundheitliche Beeinträchtigung im Sinne von Art. 26a
Abs. 2 AslyG geltend gemacht.
Bei dieser Ausgangslage ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz in
Ermangelung entsprechender Anhaltspunkte den psychischen Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers nicht thematisierte beziehungsweise
keine entsprechenden Erhebungen einleitete. Ein entsprechendes Arzt-
zeugnis mit Verdacht auf eine (...) sowie schwere (...) wurde erst auf Be-
schwerdeebene eingereicht (vgl. den ärztlichen Bericht von Dr. med.
H._ der psychiatrischen Klinik I._ vom 2. Juni 2020).
Im Zusammenhang mit dem psychischen Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers kann im Ergebnis weder eine Verletzung der Untersu-
chungspflicht, der Pflicht zur sorgfältigen Sachverhaltsabklärung, noch der
Begründungspflicht durch die Vorinstanz festgestellt werden.
8.4 In der Rechtsmitteleingabe wird sinngemäss gerügt, die Voraussetzun-
gen für die Anwendung von Art. 16 Abs. 3 AsylG, welcher der Vorinstanz
die Abweichung von der anzuwendenden Verfahrenssprache gemäss
Art. 16 Abs. 2 AslyG erlaubt, seien nicht erfüllt.
Die angefochtene Verfügung ist in französischer Sprache verfasst und mit-
hin nicht in der (deutschen) Amtssprache des Wohnsitzkantons des Be-
schwerdeführers; einzig das Dispositiv wurde in deutscher Sprache redi-
giert. Das SEM beruft sich hierbei auf die Ausnahmeregelung von aArt. 16
Abs. 3 Bst. b AsylG und erklärt sein Vorgehen als temporäre Massnahme
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zur Bewältigung von Altlasten. Ob namentlich die gewählte Korrektivmass-
nahme (Dispositiv) als ausreichend anzusehen ist, um den in Art. 29a BV
und Art. 13 EMRK garantierten Anspruch auf effektiven Rechtsschutz ge-
nügend Rechnung zu tragen, kann hier offenbleiben. Dem Beschwerdefüh-
rer war es offensichtlich mit Hilfe der von ihm mandatierten Rechtsvertre-
tung möglich, fristgerecht eine in jeder Hinsicht rechtsgenügliche Be-
schwerde einzureichen, die sich mit allen Aspekten der vorinstanzlichen
Verfügung einlässlich auseinandersetzt. Anlass zur Kassation der ange-
fochtenen Verfügung besteht daher vorliegend nicht (vgl. hierzu auch den
in Entscheide und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2004 Nr. 29 publizierten
Grundsatzentscheid sowie das Urteil des BVGer E-5882/2019 vom 2. März
2020 E. 6.6 ff.). Die in diesem Zusammenhang erhobenen Rügen des Dis-
kriminierungs- und Willkürverbots sowie der Verletzung von Verfahrens-
rechten erweisen sich als unbegründet. Der Antrag auf detaillierte Offenle-
gung beziehungsweise Dokumentation der Gründe für die Abweichung von
der Amtssprachenregelung ist abzulehnen (vgl. dazu das Urteil des BVGer
E-2298/2020 vom 7. August 2020 E. 7.5.).
8.5 Der Beschwerdeführer erblickt sodann im Umstand, dass die für die
Anhörung zuständige Person und die entscheidverfassende Person nicht
identisch waren, eine Verletzung seiner Verfahrensrechte.
Ein Asylgesuch wird insbesondere aufgrund der Konsistenz, Schlüssigkeit
sowie Plausibilität der Vorbringen der Gesuchstellenden beurteilt (vgl.
BVGE 2012/5 E. 2.2). Somit bildet ein rechtskonform erstelltes Protokoll
grundsätzlich genügende Grundlage für einen Asylentscheid. Dass die Er-
hebung des Sachverhalts beziehungsweise der Beweise (Anhörungen
etc.) und die spätere Würdigung (Entscheidfällung) von derselben Person
vorgenommen werden müssen, lässt sich dem Gesetz nicht entnehmen
(vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-6586/2019 vom 12. Mai 2020, E. 4.2.)
Zum Hinweis in der Rechtsmitteleingabe auf eine Medienmitteilung vom
26. Mai 2014 ist sodann festzuhalten, dass die personelle Trennung als
einer von mehreren möglichen Faktoren für die damalige Fehleinschätzung
genannt wurde (https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/aktu-
ell/news/2014/2014-05-26.html; abgerufen am 12. August 2020). Allein aus
dem Hinweis, die entscheidverfassende Person habe keine persönlichen
Eindrücke über den Beschwerdeführer sammeln können, ergibt sich noch
keine erhöhte Gefahr einer Fehleinschätzung. Die Verfahrensführung der
Vorinstanz ist insofern nicht zu beanstanden. Zudem sind den Akten – ent-
gegen der Behauptung in der Rechtsmitteleingabe – keine Einschätzungen
der für die Anhörung verantwortlichen Person zu entnehmen, weshalb auf
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die Begründetheit des Antrags auf Beizug beziehungsweise Herausgabe
des entsprechenden Aktenstücks nicht weiter einzugehen ist (vgl. zum
Ganzen bereits Urteil des BVGer E-2298/2020 vom 7. August 2020 E. 7.7).
8.6 Der Beschwerdeführer rügt weiter, die Vorinstanz habe es unterlassen,
die Zusammensetzung des Anhörungsteams im Sinne von Art. 6 der Asyl-
verordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR
142.311) anzupassen, obwohl die Voraussetzungen vorgelegen hätten.
Gemäss Art. 6 AsylV 1 wird eine asylsuchende Person von einer Person
gleichen Geschlechts angehört, wenn konkrete Hinweise auf geschlechts-
spezifische Verfolgung vorliegen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 2 E. 5a und
b; BVGE 2015/42). Aus dem Schutzgedanken von Art. 6 AsylV 1 folgt, dass
jede Verfolgung, welche mit sexueller Gewalt einhergeht oder die ge-
schlechtliche Identität des Opfers treffen soll, darunter zu subsumieren ist.
Im Rahmen der Anhörung vom 5. September 2019 brachte der Beschwer-
deführer vor, er sei anlässlich der letzten heimatlichen Vernehmung am
(...) Juli 20(...) geschlagen worden. Zuerst habe der Beamte ihn nur ge-
ohrfeigt und ihm sitzend einen Fusstritt verpasst, so dass er zu Boden ge-
fallen sei. Der Beamte sei dann aufgestanden und auf ihn zugekommen.
Auf dem Boden liegend habe dieser ihn getreten, geschlagen, an den Füs-
sen gezerrt und in einen anderen Raum geschleift. Im Rahmen dieses ge-
samten Geschehensablaufs sei ihm dieser auch einmal auf den Unterleib
getreten (vgl. SEM-Akten A14/17 F25, S.7).
Ob der vom Beschwerdeführer geschilderte Geschehensablauf eine tatbe-
standliche Handlung im Sinn der vorgenannten Bestimmung darstellt, kann
offengelassen werden. Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerde-
führer anlässlich seiner Anhörung vom 5. September 2019 umgehend von
dem die Anhörung führenden Sachbearbeiter darüber belehrt wurde, dass
er die Möglichkeit habe die vorgenannten Sachaspekte in der Anhörung
auszuklammern und die entsprechenden Fragen erst später in einem rei-
nen Männerteam durchzuführen. Der Beschwerdeführer brachte hierzu je-
doch klar und unmissverständlich zum Ausdruck, dass er auf diese Mög-
lichkeit verzichte und gab explizit zu Protokoll, er habe «kein Problem» da-
mit auch in Anwesenheit der weiblichen Dolmetscherin Angaben zu ma-
chen (vgl. SEM-Akten A14/17 F26). Bevor er seine Schilderungen fort-
setzte, bekräftigte er sogar noch unaufgefordert ein zweites Mal, dass er
mit der Weiterführung der Anhörung in unveränderter Zusammensetzung
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des Anhörungsteams einverstanden sei («Ich kann es in dem Fall erzählen,
ich habe kein Problem» vgl. SEM-Akten A14/17 F27). Ferner hat die
Vorinstanz den Beschwerdeführer auch transparent darüber in Kenntnis
gesetzt, dass ein allfälliger Abbruch der Anhörung für ihn keinerlei Nach-
teile zur Folge hätte (vgl. A14, F27). Der Beschwerdeführer wurde im Rah-
men der Anhörung somit korrekt belehrt und er hat nachdrücklich auf eine
Befragung in einem reinen Männerteam verzichtet (vgl. hierzu: Urteil des
BVGer D-3871/2018 vom 27. Juli 2018, Seite 5). Ergänzend ist an dieser
Stelle darauf hinzuweisen, dass soweit der Beschwerdeführer rügt, die Vo-
rinstanz hätte trotz seines klaren und zweimalig geäusserten Verzichts die
Anhörung gleichwohl abbrechen und ihn in einem reinen Männerteam be-
fragen sollen, dies in offenem Widerspruch zu seinen Ausführungen in der
Beschwerdeergänzung vom 10. Juni 2020 steht. Hierin bringt er vor, an-
lässlich der Anhörung vom 5. September 2020 sei nicht die Anwesenheit
der weiblichen Dolmetscherin, sondern ausschliesslich die Anwesenheit
der männlichen Personen für ihn problematisch gewesen. Der Umstand,
dass an der Anhörung so viele Männer anwesend waren, sei für ihn nicht
leicht gewesen. Vor dem Hintergrund dieser Ausführungen in der Eingabe
vom 10. Juni 2020 erweist sich die Rüge des Beschwerdeführers, die
Vorinstanz habe fälschlicherweise die Anhörung nicht in einem reinen Män-
nerteam durchgeführt, nicht nur aufgrund seines Verzichts als unbegrün-
det, sondern auch inhaltlich als nicht nachvollziehbar.
8.7 Soweit der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe betreffend
seine Vorbringen mit dem verschollenen Bruder, der Wahlveranstaltung der
TNA sowie die Verhaftung seiner Schwester den Sachverhalt nicht korrekt
beziehungsweise vollständig erfasst, rügt er im Kern das Ergebnis der
Glaubhaftigkeitsprüfung der Vorinstanz. Es wird darauf unter E. 10.1 ein-
zugehen sein.
8.8 Der Beschwerdeführer rügt sodann, die Lageeinschätzung zu Sri
Lanka durch die Vorinstanz sei nachweislich falsch, aktenwidrig und unzu-
reichend begründet. Im Kern rügt er in diesem Zusammenhang die Würdi-
gung der diesbezüglichen Sachlage, was im Nachfolgenden unter
E. 10.2.1 zu behandeln ist.
8.9 Soweit der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe durch das
Nichterwähnen der verwandtschaftlichen Beziehung zum verschollen Bru-
der ihr Begründungspflicht verletzt, ist festzuhalten, dass die Vorinstanz
diesbezüglich im Kern ausführte, dass ihrer Meinung nach allfällige Risiko-
E-2294/2020
Seite 14
faktoren nicht zu einer Verfolgung geführt hätten, weshalb auch nicht da-
von auszugehen sei, diese würden bei einer Rückkehr dazu führen, er
werde in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise in den Fokus der heimatli-
chen Behörden geraten. Dass die Vorinstanz den möglichen Risikofaktor
der verwandtschaftlichen Beziehung vorliegend nur implizit prüfte, ist nicht
zu beanstanden und stellt keine Verletzung der Begründungspflicht dar
(vgl. ferner nachstehend E. 10.2.2). Gleiches gilt für das Vorbringen, die
Vorinstanz habe den Umstand, er stamme aus eine (...) Familie, nicht be-
rücksichtigt (vgl. auch hier nachstehen E. 10.2.2).
8.10 Sodann rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung der Pflicht zur
sorgfältigen und vollständigen Sachverhaltsabklärung durch die
Vorinstanz, weil sie seine (...) nicht berücksichtigt habe.
Gemäss den vorliegenden Akten wurde beim Beschwerdeführer im No-
vember 2019 ein (...) in der (...) festgestellt. Am 10. März 2020 wurde er
deshalb operiert. Somit wurde die (...) erst nach der Anhörung vom 5. Sep-
tember 2019 entdeckt. Den Akten kann nicht entnommen werden, dass die
Vorinstanz bis zur Entscheidfällung am 30. März 2020 über die Erkrankung
des Beschwerdeführers informiert worden wäre (vgl. diesbezüglich die Mit-
wirkungspflicht des Beschwerdeführers [Art. 8 AsylG] sowie der anlässlich
der Anhörung erfolgte Hinweis, die Vorinstanz über neueintretende ge-
suchsrelevante Ereignisse zu unterrichten).
Angesichts der dargelegten Sachlage kann der Vorinstanz keine Verlet-
zung der Pflicht zur sorgfältigen und vollständigen Sachverhaltsfeststellung
vorgehalten werden.
8.11 Die formellen Rügen erweisen sich insgesamt als unbegründet, wes-
halb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzu-
heben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen
Rechtsbegehren sind somit abzuweisen.
9.
9.1 Soweit der Beschwerdeführer beantragt, es sei sein Gesundheitszu-
stand durch das Gericht von Amtes wegen abzuklären, ist festzuhalten,
dass dem Beschwerdeführer – nachdem er bereits am 15. Mai 2020 wei-
tere medizinische Unterlagen einreichte – mit Zwischenverfügung vom
19. Mai 2020 Gelegenheit eingeräumt wurde, dem Gericht weitere ärztliche
Bericht zukommen zu lassen und er von dieser Möglichkeit mit Eingabe
E-2294/2020
Seite 15
vom 10. Juni 2020 Gebrauch gemacht hat (vgl. das oben zur Prozessge-
schichte Ausgeführte). Der medizinische Sachverhalt kann aufgrund der
vorliegenden Akten zuverlässig eingeschätzt werden, weshalb sich weitere
Abklärungen erübrigen.
9.2 Soweit der Beschwerdeführer ferner in vager und unpräziser Weise die
Beschaffung weiterer Beweismittel zu seinen Fluchtvorbringen sowie sei-
nem Risikoprofil in Aussicht stellt, ohne diese näher zu konkretisieren oder
bisherige Bemühungen der Beweisbeschaffung darzulegen, und zu deren
Beibringung die Einräumung einer angemessenen Frist beantragt (vgl. Be-
schwerdeschrift S. 37 f.), ist diesem Antrag nicht zu entsprechen, da er
keine gehörige Anerbietung tauglicher Beweise darstellt (vgl. Art. 33 Abs. 1
VwVG).
10.
10.1 Im Zusammenhang mit den Fluchtvorbringen macht der Beschwerde-
führer im Wesentlichen geltend, er sei wegen seines für die LTTE tätigen
Bruders, aufgrund einer Wahlveranstaltung der TNA auf einem Familien-
grundstück und wegen Aussagen seiner Schwester anlässlich eines Ver-
hörs in den Fokus der sri-lankischen Behörden geraten. Die Vorinstanz er-
achtet es für nicht glaubhaft, dass er vor seiner Ausreise in flüchtlingsrecht-
lich relevanter Weise verfolgt worden sein soll.
Wie bereits die Vorinstanz ausführte, war der Beschwerdeführer im Zeit-
punkt des Verschwindens seines Bruders ein gerade einmal (...) kleines
Kind. Der Beschwerdeführer bringt hierzu vor, gewisse Informationen über
den Bruder habe er von seinen Eltern, wobei auch diese nicht vollständig
über die Tätigkeiten des Bruders informiert gewesen seien. Die in diesem
Zusammenhang vom Beschwerdeführer vorgetragene Behauptung, die
heimatlichen Behörden könnten der Meinung verfallen sein, dass er als im
relevanten Zeitpunkt erst (...) Knabe, könnte effektiv Angaben zu Waffen-
lieferungen des Bruders machen, erscheint als sehr wenig lebensnah und
offenkundig konstruiert. Auch dass gerade der Beschwerdeführer aufgrund
eines auf Folter basierenden Geständnisses seiner Schwester in den Ver-
dacht geraten sein soll, nach all den Jahren relevante Informationen zu
besitzen, nicht jedoch die Eltern oder seine teilweise wesentlich älteren
Geschwister, ist ebenfalls kaum nachvollziehbar.
Sodann erscheint auch das Vorbringen, im Zusammenhang mit den Kund-
gebungen im Jahre 20(...) sei nur gerade die Schwester verhaftet worden
(weil die Behörden nach all den Jahren davon ausgegangen seien, sie
E-2294/2020
Seite 16
könnte relevante Informationen über die Tätigkeit des verschollenen Bru-
ders besitzen; SEM-Akten A14/17 F25 S. 6 am Anfang), als realitätsfremd.
Zudem ist nicht davon auszugehen, die Behörden hätten bei Annahme, bei
der Schwester relevante Informationen zu erhalten, mit der Einvernahme
zugewartet, bis sie an einer LTTE-nahen Kundgebung teilnehmen würde
beziehungsweise ein solches Ereignis als Vorwand benötigt.
Mit der Vorinstanz ist auch darin übereinzugehen, dass seine Schilderun-
gen im Zusammenhang mit der Schwester nach ihrer Freilassung ober-
flächlich und teilweise ausweichend ausgefallen sind (vgl. a.a.O. F52 ff.).
Sodann erstaunt, dass die Familie aufgrund der Meldepflicht des Vaters
angeblich Angst vor den Behörden gehabt und deshalb sogar bewusst auf
eine Verschollenenmeldung des Bruders verzichtet habe (vgl. SEM-Akten
A14/17 F34 ff.), dass sich der Beschwerdeführer im Alter von (...) Jahren
aber nichts dabei gedacht haben soll, der TNA für eine Wahlveranstaltung
Land zur Verfügung zu stellen. Das in diesem Zusammenhang einge-
reichte Schreiben eines sri-lankischen Parlamentariers scheint – unter An-
nahme der Authentizität dieses Dokuments – schon deshalb einen Gefäl-
ligkeitscharakter aufzuweisen, als darin erklärt wird, der Beschwerdeführer
hätte nach der Wahlveranstaltung im Jahre 20(...) Todesdrohungen erhal-
ten, wobei er selber solche erst anlässlich seines letzten Verhörs im Jahre
20(...) geltend macht.
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, er sei bei seinen Ausführungen
vom Sachbearbeiter unterbrochen worden, ist festzuhalten, dass ihn der
Sachbearbeiter dazu aufforderte, weniger die Geschehensabläufe zu schil-
dern und mehr die Umgebung und die involvierten Personen zu beschrei-
ben (vgl. a.a.O. F60 ff.). Der Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass diese
Beschreibungen über weite Strecken allgemein und wenig detailliert aus-
gefallen sind. Dass, wie in der Rechtsmitteleingabe geltend gemacht wird,
der Beschwerdeführer die diesbezügliche Fragestellung nicht verstanden
habe, scheint aufgrund der mehrfachen Wiederholung der Fragen als we-
nig wahrscheinlich (vgl. a.a.O. F60 ff.).
Insgesamt erscheinen die Fluchtvorbringen des Beschwerdeführers in den
zentralen Punkten als unplausibel, widersprüchlich und bisweilen konstru-
iert. Weiter konnte er trotz mehrfachen Aufforderungen relevante Elemente
seiner Fluchtgeschichte nicht in überzeugender und substantiierter Weise
sowie in angemessener Detaildichte schildern (vgl. die zitierten Stellen).
E-2294/2020
Seite 17
Dass seine Ausführungen in rein quantitativer Hinsicht mehrere Protokoll-
seiten einnahmen, vermag an dieser qualitativen Einschätzung im Ergeb-
nis nichts zu ändern. Sodann können auch der zeitliche Abstand zwischen
BzP und Anhörung sowie eine allfällige psychische Belastung die aufge-
zeigten Unstimmigkeiten nicht erklären. Zudem vermöchte Letztere an der
Beweisfolgenlast von Art. 7 AsylG schliesslich nichts zu ändern.
Aufgrund des Ausgeführten ist mit der Vorinstanz darin übereinzugehen,
dass es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, glaubhaft darzulegen, dass
er im Zeitpunkt seiner Ausreise in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise ver-
folgt wurde.
10.2
10.2.1 Soweit in der Beschwerdeschrift auf den Ausgang und die mögli-
chen Auswirkungen der Präsidentschaftswahlen vom November 2019 hin-
gewiesen wird, ist festzustellen, dass sich das Bundesverwaltungsgericht
dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst ist. Es beobachtet die Entwick-
lungen aufmerksam und berücksichtigt sie bei seiner Entscheidfindung.
Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Ak-
zentuierung der Gefährdungslage auszugehen, der Personen mit einem
bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher
ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disap-
peared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt
keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka
ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt
wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persön-
licher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom
16. November 2019 respektive deren Folgen besteht (vgl. dazu die Recht-
sprechung aus jüngster Zeit: Urteile des BVGer E-2669/2017 vom 8. Mai
2020 E. 7.4.3 f., D-4628/2017 vom 30. April 2020 E. 6.4 sowie E-1837/2020
vom 27. April 2020 E. 6.1).
10.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht hielt im Urteil E-1866/2015 vom 15.
Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert) fest, bestimmte Risikofaktoren (Ein-
trag in die „Stop-List“, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitä-
ten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im
Entscheid dargelegten Umständen zur Bejahung einer begründeten Furcht
führen könnten. Demgegenüber würden das Fehlen ordentlicher Identitäts-
dokumente, eine zwangsweise respektive durch die IOM begleitete Rück-
führung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegründende Faktoren
E-2294/2020
Seite 18
darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine genom-
men keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen ver-
möchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Ge-
samtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung der
konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem
Ziel, zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlings-
rechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. a.a.O. E. 8.5.5).
In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass insbesondere die Bezie-
hung zu dem angeblich vor über einem Jahrzehnt verschollenen und be-
hauptungsweise für die LTTE tätigen Bruder, der geltend gemachte (...) der
Familie sowie allfällige weitere Umstände nicht geeignet waren, vor der
Ausreise des Beschwerdeführers ein flüchtlingsrechtlich relevantes Inte-
resse an ihm zu begründen. Somit besteht aufgrund des Umstandes, dass
er sich während einer längeren Zeit im Ausland aufgehalten hat, keine Ver-
anlassung zur Annahme, er werde bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
hoher Wahrscheinlichkeit Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinne aus-
gesetzt sein.
11.
Aufgrund des in den vorstehenden Erwägungen Ausgeführten ist das Vor-
liegen von Vor- sowie Nachfluchtgründen zu verneinen. Zusammenfas-
send ist somit festzuhalten, dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt
hat.
12.
12.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf
nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit
der Familie (Art. 44 AsylG).
12.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
13.
13.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
E-2294/2020
Seite 19
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
13.2
13.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder un-
menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen
werden.
Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb-
liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in
Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-
den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des
Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von
Art. 5 AsylG rechtmässig.
13.2.2 Die zwangsweise Rücküberstellung von Personen mit gesundheitli-
chen Problemen kann nur dann einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstel-
len, wenn die betroffenen Personen sich in einem fortgeschrittenen oder
terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befinden (vgl.
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Seite 20
BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die Praxis des Europäischen Ge-
richtshofs für Menschenrechte [EGMR]), was vorliegend nicht der Fall ist.
13.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Zudem ergeben sich auch keine konkreten Hinweise darauf,
dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen sogenannten
"Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
wäre.
13.2.4 Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka für sich alleine
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht unzu-
lässig erscheinen (vgl. Urteil BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
E. 12.2). Auch der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick
auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem
europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt be-
fasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013,
Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen
Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. ge-
gen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08;
Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom
11. Juli 2017, Beschwerde Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichts-
hof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehren-
den Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Daran vermögen der
Regierungswechsel vom November 2019 sowie die aktuelle Situation in Sri
Lanka nichts zu ändern (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-2669/2017
vom 8. Mai 2020 E. 9.2).
13.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinn der flüchtlings- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zuläs-
sig.
E-2294/2020
Seite 21
13.3
13.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Bei der Frage des Vorhandens-
eins einer genügenden medizinischen Infrastruktur ist nicht erforderlich,
dass die Behandlung dort dem schweizerischen Standard entspricht (vgl.
BVGE 2009/2 E. 9.3.2 S. 21, EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und b).
13.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehen-
den Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundes-
verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvoll-
zug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen
Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä-
ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte
Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil
E-1866/2015 E. 13.2). In einem als Referenzurteil publizierten Entscheid
erachtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins
„Vanni-Gebiet“ als zumutbar (vgl. Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober
2017 E. 9.5).
13.3.3 Aufgrund der Aktenlage bestehen Hinweise auf eine (...) sowie ei-
ner aktuellen schweren (...) des Beschwerdeführers (vgl. der ärztliche Be-
richt von Dr. med. H._, Psychiatrische Klinik I._, vom 2. Juni
2020). Mit der Vorinstanz ist diesbezüglich jedoch übereinzugehen, dass
die Infrastruktur für die Behandlung allfälliger psychischer Leiden des Be-
schwerdefühers in seinem Heimatland vorhanden ist (vgl. dazu auch Urteil
des BVGer D-7355/2016 vom 11. Februar 2019 E. 11.5.2 m.w.H.).
Sodann litt der Beschwerdeführer an einem (...), welcher am 10. März
2020 operativ behandelt wurde. Seither wird ihm ein guter Allgemeinzu-
stand attestiert und die notwendige Verlaufskontrolle und unmittelbare Tu-
mornachsorge ist mittlerweile abgeschlossen. Jedoch wird während eines
Zeitraums von fünf Jahren jährlich ein Computertomogramm des Thorax
durchzuführen sein, was nach Ansicht der behandelnden Ärzte auch im
Heimatland des Beschwerdeführers möglich ist (vgl. Arztbericht von PD Dr.
med. G._, Universitätsspital F._, (...), vom 13. Mai 2020 so-
wie provisorischer Austrittsbericht der Universitätsklinik für (...) vom 16.
März 2020). Der Prognose für den weiteren Verlauf des behandelten (...)
E-2294/2020
Seite 22
ist insofern als günstig zu beurteilen. Das Bundesverwaltungsgericht ist so-
dann in seine Rechtsprechung wiederholt von der Behandelbarkeit von (...)
in Sri Lanka ausgegangen, insbesondere – wie vorliegend – bei günstigen
(...) Verhältnissen (vgl. Urteile des BVGer E-3371/2018 vom 9. Juli 2018
E. 5.3.7 sowie D-7181/2017 vom 7. Februar 2018 E. 10.2.5).
Die vorgebrachten Leiden stehen einem Vollzug der Wegweisung nach
dem Ausgeführten nicht entgegen. Nötigenfalls steht es dem Beschwerde-
führer offen, bei der Rückkehrberatungsstelle medizinische Rückkehrhilfe
gemäss Art. 93 AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August
1999 (AsylV 2, SR 142.312) zu beantragen.
In Bezug auf die weiteren individuellen Wegweisungsvollzugshindernisse
wird in der Rechtsmitteleingabe nichts vorgebracht und es kann auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Der Weg-
weisungsvollzug erweist sich auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
13.3.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Allfällig im Zusammenhang mit
dem Coronavirus verfügte Einreiseverbote und ähnliche Massnahmen
durch die sri-lankischen Behörden stehen angesichts ihres vorübergehen-
den Charakters dem Wegweisungsvollzug nicht entgegen (vgl. Urteile des
BVGer D-968/2020 vom 31. März 2020; E-1575/2020 vom 19. Mai 2020
E. 9.4.3).
13.4 Zusammenfassend ist der Wegweisungsvollzug als zulässig, zumut-
bar und möglich zu bezeichnen. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme
fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
14.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – ange-
messen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
15.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit Eingabe vom 3. Juni
2020 gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
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wurden jedoch mit Verfügung vom 29. Mai 2020 gutgeheissen, womit der
Beschwerdeführer von der Tragung der Gerichtskosten befreit ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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