Decision ID: 214b5485-c2e9-57d1-8c39-42979a355a20
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
SWICA Krankenversicherung AG, Rechtsdienst, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,
Beschwerdeführerin,
und
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. oec. Fritz Dahinden, Blumenbergplatz 1,
9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als Gesellschafter und Geschäftsführer der B._ GmbH bei der Suva
unfallversichert, als er gemäss Schadenmeldung vom 9. November 2011 am 19.
September 2011 beim Abladen von Benzin vom Tank-Lastwagen einen ca. 50kg
schweren Deckel anhob und dabei Schmerzen im unteren Bereich des Rückens
verspürte (UV-act. 1). Dr. med. C._, FMH für Allgemeine Medizin, bei welchem die
Erstbehandlung am 20. September 2011 stattgefunden hatte, diagnostizierte im Bericht
vom 18. November 2011 ein lumboradikuläres Schmerzsyndrom links (UV-act. 13).
Nach Befragung des Versicherten zum Unfallhergang (UV-act. 19) und Durchführung
von ärztlichen Behandlungen eröffnete ihm die Suva mit Verfügung vom 7. Februar
2012, ein Anspruch auf Versicherungsleistungen für die gemeldeten
Rückenbeschwerden sei nicht gegeben. Es liege weder ein Unfall noch eine
unfallähnliche Körperschädigung vor. Aufgrund der medizinischen Unterlagen stünden
vielmehr krankhafte Veränderungen im Vordergrund, welche für die Beschwerden
verantwortlich seien (UV-act. 28).
A.b Gegen diese Verfügung erhoben die Swica Krankenversicherung AG am 5. März
2012 (UV-act. 34) und Rechtsanwalt lic. oec. HSG F. Dahinden, St. Gallen, für den
Versicherten am 7. März 2012 Einsprachen (UV-act. 37, 41). Mit Entscheid vom 19.
März 2012 wies die Suva die Einsprachen ab.
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Swica Krankenversicherung AG am
2. Mai 2012 Beschwerde (UV 2012/37) mit den Rechtsbegehren, in Aufhebung des
Entscheids und der Verfügung vom 7. Februar 2012 sei die Beschwerdegegnerin zu
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verpflichten, die gesetzlichen Leistungen aus UVG - insbesondere Heilkosten - zu
erbringen. Eventuell sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme weiterer
Abklärungen und zum Neuentscheid zurückzuweisen. Zur Begründung legte die
Beschwerdeführerin unter anderem dar, die Beschwerdegegnerin vernachlässige
erstens, dass der Versicherte mit der linken Hand nicht irgendeinen, sondern einen sehr
schweren Schachtdeckel (ca. 50kg wiegend) angehoben habe. Ebenso vernachlässige
sie, dass das gleichzeitige Tasten nach einem unter dem Boden situierten Metallhaken
mit der rechten Hand eine ergonomisch sehr ungünstige Körperposition zur Folge
gehabt habe. Es habe ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf den Körper des
Versicherten eingewirkt. Das von hinten mit quietschenden Reifen herannahende
Fahrzeug sowie die wirbelsäulenbelastende Körperposition hätten in ihrer Kombination
eine gesundheitliche Schädigung bewirkt, welche überwiegend wahrscheinlich nicht
auf eine krankheitsbedingte Ursache zurückgeführt werden könne. Es erscheine wenig
wahrscheinlich, dass der doppelte Bandscheibenprolaps mit gravierendster
Komplikation in Form eines Cauda equina Syndroms durch degenerative Vorzustände
verursacht worden sei. Für vorbestehende Beschwerden gebe es keine Anhaltspunkte.
Sie habe die Akten ihrem Vertrauensarzt PD Dr. med. D._, Facharzt für Chirurgie,
vorgelegt (Bericht vom 1. Mai 2012; act. G 1.4). Gegen den Einspracheentscheid vom
19. März 2012 erhob sodann Rechtsanwalt Dahinden für den Versicherten am 3. Mai
2012 Beschwerde (UV 2012/38) mit den Rechtsbegehren, der Entscheid sei
aufzuheben, und es seien dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen -
Heilbehandlung, Taggeld, Rente, Integritätsentschädigung - zu gewähren. Eventuell
seien weitere Abklärungen zum Unfallhergang zu tätigen und/oder eine medizinische
Expertise durchzuführen. Es sei die Streitsache zur Festlegung der
Leistungsansprüche, eventualiter zur Durchführung von Abklärungen und/oder einer
Expertise, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Es sei eine mündliche
Verhandlung mit Parteibefragung, eventualiter auch mit Zeugenbefragungen,
durchzuführen. Zur Begründung führte der Rechtsvertreter unter anderem aus,
nachdem der Beschwerdeführer den Tankdeckel angehoben habe, habe sich ihm ein
anderes Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit und quietschenden Bremsen genähert,
so dass er geglaubt habe, dass es zu einem Aufprall kommen werde. Er habe sich
ruck- und reflexartig herumgedreht und sich dabei das Verhebe-Trauma zugezogen.
Das herannahende Fahrzeug sei auch vom Tankstellenleiter an der Kasse und einer
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weiteren Person vor dem Kiosk-Eingang wahrgenommen worden (act. G 1.5, 1.6). Das
mit hoher Geschwindigkeit heranbrausende und den Beschwerdeführer gefährdende
Motorfahrzeug erweise sich als offensichtlich aussergewöhnlich und nicht zum
Berufsalltag gehörend. Die daraus resultierende Abwehrbewegung des
Beschwerdeführers vermöge das Kriterium der Ungewöhnlichkeit zu erfüllen. Der
Nachweis eines Unfalls lasse sich auch über die medizinischen Fakten erbringen. Die
Abwehrbewegung habe unmittelbar zu massiven Schmerzen und Einschränkungen
geführt. Der Beschwerdeführer habe durchgehend medizinische Behandlung in
Anspruch nehmen müssen. Die nach dem Ereignis vom 19. September 2011
aufgetretenen Beschwerden und Einschränkungen seien derart massiv gewesen, dass
zwingend auf eine schwere vorgängige Einwirkung habe geschlossen werden müssen.
Der Beschwerdeführer sei vor dem Schadenereignis völlig beschwerdefrei und voll
leistungsfähig gewesen. Sodann erscheine als offensichtlich, dass derart schwere
Schädigungen ohne eine äussere Einwirkung gar nicht eintreten könnten. Zur
Begründung eines Leistungsanspruchs genüge bereits eine Teilursächlichkeit des
Schadenereignisses.
B.b In den Beschwerdeantworten vom 4. Juni 2012 (UV 2012/37 und 2012/38)
beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerden und Bestätigung
des angefochtenen Einspracheentscheids. Zur Begründung verwies sie auf die
Ausführungen im Einspracheentscheid. Sie hielt unter anderem fest, dass die vom
Beschwerdeführer beschriebene Tankdeckelentfernung (UV-act. 19), welche gemäss
Unfallmeldung starke Rückenschmerzen bewirkt habe, den Unfallbegriff nicht erfülle.
Es liege kein ungewöhnlicher äusserer Faktor vor. Auf die späteren, von der
Unfallmeldung wesentlich abweichenden Angaben des Beschwerdeführers (UV-act. 19)
könne nicht abgestellt werden. Auch aus den vom Beschwerdeführer aufgelegten
Zeugenbescheinigungen könne nichts zu seinen Gunsten abgeleitet werden. Selbst bei
Annahme einer schreckbedingten, reflexartigen Drehbewegung im Sinn der
nachträglichen Angaben des Beschwerdeführers könne nicht von einem Unfall im
Rechtssinn ausgegangen werden. Die Beschwerdegegnerin wäre sogar bei Annahme
eines Unfalls nicht leistungspflichtig, weil die Leistungsvoraussetzung des natürlichen
Kausalzusammenhangs zwischen diesem und den Diskushernien fehle. Im Weiteren sei
bemerkt, dass die Leistungspflicht auch einen sofortigen Eintritt der Diskushernien-
Symptome unmittelbar nach dem Unfall voraussetzen würde. Vorliegend sei diese
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Voraussetzung nicht erfüllt. Neurologische Auffälligkeiten seien erst einige Wochen
nach dem Ereignis am 31. Oktober 2011 aufgetreten. Schliesslich sei darauf
hinzuweisen, dass eine richtunggebende unfallbedingte Verschlimmerung einer
degenerativen Erkrankung der Wirbelsäule nur als nachgewiesen gelten könnte, wenn
ein plötzliches Zusammensinken der Wirbel sowie das Auftreten und Verschlimmern
von Verletzungen radiologisch erstellt wären (UV-act. 24 und 10). Vorliegend wären
diese höchstrichtlichen Vorgaben (Urteil des Bundesgerichts vom 29. November 2010,
8C_416/2010, E. 3.1) nicht erfüllt. Der von der Beschwerdeführerin aufgelegte Bericht
ihres Vertrauensarztes vom 1. Mai 2012 widerspreche medizinischen
Erfahrungstatsachen, welche nach der Rechtsprechung zwingend als Massstab für die
Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit gelten müssten.
B.c Mit Replik vom 16. August 2012 (UV 2012/37) bestätigte die Beschwerdeführerin
ihren Standpunkt und reichte eine weitere Stellungnahme des Vertrauensarztes Dr.
D._ vom 16. Juli 2012 (act. G 8.1) ein. Mit Replik vom 27. August 2012 (UV 2012/38)
reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers weitere medizinische Unterlagen
ein (act. G 9.1-9.5) und bestätigte seine Anträge und Ausführungen (act. G 9).
B.d In den Dupliken vom 5. September 2012 (UV 2012/37 und 2012/38) hielt die
Beschwerdegegnerin an ihrem Standpunkt fest.

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin beantragte die Vereinigung der beiden Beschwerdeverfahren
UV 2012/37 und UV 2012/38. Da beiden Verfahren derselbe Sachverhalt zu Grunde
liegt und sich dieselbe Rechtsfrage stellt, rechtfertigt es sich, die Verfahren zu
vereinigen und in einem einzigen Urteil zu erledigen (vgl. BGE 128 V 124 E. 1 und 128 V
192 E. 1, je mit Hinweisen).
2.
2.1 Zu prüfen ist, ob hinsichtlich des Ereignisses vom 19. September 2011 von einem
Unfall auszugehen ist. - Art. 4 ATSG umschreibt als Unfall die plötzliche, nicht
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beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper. Gemäss Unfallmeldung verspürte der Beschwerdeführer am 19.
September 2011 beim Abladen von Benzin vom Tank-Lastwagen Schmerzen im
lumbalen Rücken, nachdem er für den Ablad zuvor einen ca. 50kg schweren Deckel
angehoben hatte. Danach habe er sich ca. eine halbe Stunde lang nicht bewegen
können (UV-act. 1). Der erstbehandelnde Arzt hielt diesbezüglich fest, dass es
anscheinend zu einem Verhebetrauma gekommen sei (UV-act. 13). Die Ärzte des
Spitals Grabs stellten am 11. November 2011 die Diagnosen eines akuten Cauda
equina Syndroms bei Massenprolaps L4/5 links mit grosser Diskushernie und
deutlicher Einengung der Cauda equina sowie im Verlauf progredienten neurologischen
Ausfällen mit beginnender Urin- und Stuhlinkontinenz (UV-act. 10). Anlässlich einer
Besprechung vom 16. Dezember 2011 legte der Beschwerdeführer unter anderem dar,
am 19. September 2011 habe er seinen Tank-Lastwagen neben den in den Boden
eingelassenen, mit Schachtdeckeln von ca. einem Meter Durchmesser und ca. 50kg
Gewicht verschlossenen Tänken einer Tankstelle platziert. In der Mitte eines
Schachtdeckels befinde sich ein versenkter Griff, den er mit der linken Hand bzw. den
Fingern gefasst und ca. 20cm in die Höhe gehoben habe. Mit der rechten Hand habe er
unter dem Deckel einen Feststellhaken gelöst. Dies sei alles gut gelungen. In diesem
Moment sei aber rechts von ihm ein Auto herangebraust. Immer noch in halb kniender/
gebückter Stellung habe er sich abrupt und reflexartig nach rechts umgedreht, den
Schachtdeckel immer noch mit der linken Hand haltend. Sein Gefühl, dass das Auto zu
spät bremse, habe sich nicht bewahrheitet. In dieser abgedrehten Stellung habe ihn
jedoch eine Art Kältegefühl durchzuckt und er habe einen schmerzhaften Stich im
Rücken und ein Ziehen in das linke Bein verspürt. Er habe den Schachtdeckel
schmerzbedingt nicht mehr halten können und ihn zu Boden fallen lassen. Circa 20
Minuten habe er sich nicht mehr bewegen können und sei in der halb kniend/
gebückten Stellung verharrt. Langsam habe er dann auf die Knie absinken können. Ein
Passant habe ihm geholfen, die Schläuche zu versorgen. Er habe sich nur noch
behutsam und vorsichtig bewegen können. Mühsam habe er sich in die Fahrerkabine
bewegen können. Er sei eher hineingekrochen wie gestiegen. Er sei dann mit dem
Lastwagen nach Hause gefahren. Seine Frau habe bereits am Parkplatz gewartet und
ihm beim Aussteigen aus der Kabine geholfen. Am nächsten Tag (20. September 2011)
sei die Situation leicht besser gewesen, weshalb er zur Arbeit gegangen sei. Nach zwei
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Abladungen hätten sich jedoch zu starke Beschwerden gezeigt. Vor dem Ereignis vom
19. September 2011 sei er am Rücken beschwerdefrei gewesen. Er habe oft und
regelmässig Sport betrieben und sei in den letzten 6-7 Jahren nie krankheits- oder
unfallbedingt ausgefallen (UV-act. 19).
2.2 Nachdem beim Beschwerdeführer am 3. November 2011 im Kantonsspital St.
Gallen eine Diskushernien-Operation durchgeführt worden war (UV-act. 24), hielt er
sich vom 9. November bis 29. Dezember 2011 in der Rehaklinik Walenstadtberg auf. Im
Austrittsbericht der Rehaklinik wurde festgehalten, der Patient habe in gebessertem
Zustand nach Hause entlassen werden können. Die Physio- und Ergotherapie sei
fortzusetzen. Bis Ende Januar 2012 bestehe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit. Die
weitere Beurteilung habe durch den Hausarzt zu erfolgen (UV-act. 21). Die Ärzte des
Kantonsspitals St. Gallen diagnostizierten am 3. Januar 2012 einen Zustand nach
lumbaler Diskushernien-Operation L4/5 am 3. November 2011 bei bestehender Cauda-
Symptomatik. Es zeige sich nach der Operation ein erfreulicher Verlauf, wobei dem
Beschwerdeführer hinsichtlich der Wiederaufnahme der Tätigkeit empfohlen worden
sei, zunächst die Verordnungen zur Physiotherapie und Ergotherapie auszuschöpfen
(UV-act. 23). Im Schreiben vom 23. Februar 2012 schilderte der Inhaber der Tankstelle,
bei welcher der Beschwerdeführer am 19. September 2011 Benzin abgeladen hatte,
den Hergang des Ereignisses. Beim Schliessen des Bodendeckels habe sich ein
Fahrzeug dem Beschwerdeführer von hinten genähert. Wegen des starken
Bremsmanövers hätten dessen Bremsen gequietscht und der Beschwerdeführer habe
sich erschreckt dem Fahrzeug zugewendet. Der Deckel sei auf den Boden geknallt.
Durch das Gewicht des Metalldeckels von ca. 40-50kg habe der Beschwerdeführer
zusätzlich das Gleichgewicht verloren und sei seitlich auf das Knie gefallen. Er habe
sich aufgerappelt und sich hingesetzt. Ein junger Mann habe danach den Deckel
geschlossen und den grossen Benzinschlauch des Lastwagens versorgt. Der
Beschwerdeführer sei rund zwanzig bis dreissig Minuten sitzen geblieben und sei
danach weggefahren (UV-act. 36).
3.
3.1 Nach der Rechtsprechung hat die versicherte Person die Umstände des als Unfall
gemeldeten Ereignisses glaubhaft zu machen. Unvollständige, ungenaue oder
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widersprüchliche Angaben zum Geschehensablauf können die Verneinung der
Leistungspflicht der Unfallversicherung zur Folge haben. Im Streitfall hat das
Sozialversicherungsgericht zu entscheiden, ob die einzelnen Merkmale des
Unfallbegriffs, insbesondere die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors, gegeben
sind. Hierzu hat es im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes die notwendigen
Beweise zu erheben. Spricht der rechtserhebliche Sachverhalt nicht wenigstens mit
Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen der einzelnen Begriffsmerkmale - die blosse
Möglichkeit genügt nicht -, ist ein Unfall im Rechtssinn zu verneinen (Urteil des
Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG]
vom 23. November 2006, U 258/04, E. 3.1).
3.2
3.2.1 Vorab ist festzuhalten, dass die Schilderung des Ereignisses durch den
Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Unfall (UV-act. 1) in wesentlichen Einzelheiten
von seinen späteren Schilderungen (UV-act. 19, 50 [Aktuelle Anamnese]) abweicht bzw.
durch letztere ergänzt wurde. In der Unfallmeldung (UV-act. 1: "... musste ich einen ca.
50kg schweren Deckel aufheben. Dabei spürte ich etwas im unteren Rücken, einen
sehr starken und stechenden Schmerz ...") und im Bericht des erstbehandelnden
Arztes (UV-act. 13) fehlt vorab ein Hinweis auf ein Schreckereignis mit reflexartiger
Drehbewegung, wie es vom Beschwerdeführer erstmals am 16. Dezember 2011
erwähnt wurde (UV-act. 19). Immerhin lässt sich die Sachverhaltsschilderung des
Tankstelleninhabers (UV-act. 36 S. 6; UV 2012/38, act. G 1.5) mit den nachträglich
ergänzten Angaben des Beschwerdeführers grundsätzlich vereinbaren, wobei der
Tankstelleninhaber allerdings nach seinen Angaben die Kasse hüten musste und damit
den Vorgang nicht aus unmittelbarer Nähe beobachtet haben dürfte. Im Weiteren ist
nicht ersichtlich, inwiefern die nur sinngemäss verständliche Bestätigung von M.L. vom
Februar 2012 (UV 2012/38, act. G 1.6) etwas zusätzlich Beweisbildendes zum
vorliegenden Sachverhalt beitragen könnte.
3.2.2 Erhebliche Zweifel an der nachträglichen Sachverhaltsergänzung ergeben sich
durch die gegenüber Dr. med. E._, Klinik Valens, im Rahmen eines psychiatrischen
Konsiliums abgegebene Unfallschilderung vom 8. Dezember 2011. Dort legte der
Beschwerdeführer den Unfallhergang inhaltlich übereinstimmend mit der
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ursprünglichen Unfallmeldung dar, indem er festhielt, dass er einen Gullideckel
einhändig gehoben, gleichzeitig den Abfüllschlauch gezogen habe, wobei es zu einem
plötzlich einschiessenden Schmerz "wie ein Kältefühl die Beine abwärts" gekommen
sei. Er sei zu Boden gefallen und habe rund eine halbe Stunde gebraucht, bis er sich in
die Fahrerkabine zurückgequält und weitergearbeitet habe. Zuhause habe die
Ehepartnerin auf einen Arztbesuch gedrängt. Die Beschwerden seien in den
Folgewochen nicht besser, sondern eher schlechter geworden Schliesslich habe er am
31. Oktober 2011 notfallmässig das Spital Grabs aufgesucht (UV 2012/38, act. G 9.1).
Von einem Schreckereignis mit einem heranbrausenden Auto ist hier nicht die Rede.
Eine Ergänzung in diesem Sinn schilderte der Beschwerdeführer gegenüber Dr. E._
erst am 15. Dezember 2011 wie folgt: Er habe wie immer seine Arbeit erledigt, doch
plötzlich sei ein PKW von hinten relativ forsch auf ihn zugefahren, habe abrupt
gebremst und sei rund zwei Meter von ihm entfernt mit quietschenden Reifen zum
Stillstand gekommen. Er sei erschrocken und habe eine ruckartige Bewegung
gemacht; genau in diesem Augenblick sei der Unfall geschehen. Dr. E._ bekundete
seine Überraschung über diese Sachverhaltsentwicklung und empfahl dem
Beschwerdeführer, anlässlich des für den Folgetag vorgesehenen Besuchs des
Casemanagers der Beschwerdegegnerin bei der Unfallschilderung den
"Schreckensmoment" nicht zu vergessen (act. G 9.2). Wie dargelegt beinhaltet der
hierauf verfasste Suva-Bericht die Unfallschilderung den "Schreckensmoment" (vgl.
UV-act. 19). Ob dies die Folge der Empfehlung von Dr. E._ war oder nicht, braucht
nicht untersucht zu werden.
3.2.3 Auch wenn es unter diesen Umständen nicht gänzlich ausgeschlossen ist, dass
der nachträglich ergänzte Sachverhalt zutrifft, erscheint diesbezüglich eine
überwiegende Wahrscheinlichkeit nicht ausgewiesen. Andernfalls wäre der Sachverhalt
einschliesslich Ergänzung spätestens gegenüber dem Psychiater Dr. E._ am 8.
Dezember 2011 spontan geschildert worden. Aber selbst wenn die
Sachverhaltsergänzung zuträfe, spräche die Tatsache, dass der Beschwerdeführer den
"Schreckensmoment" sowohl in der Unfallmeldung als auch in der Schilderung
gegenüber dem Psychiater am 8. Dezember 2011 "vergass", dafür, dass der Schreck
für den Verlauf des Ereignisses vom 19. September 2012 überhaupt keine Bedeutung
hatte bzw. der für das Ereignis wesentliche Verlauf so war, wie er ihn gegenüber Dr.
E._ am 8. Dezember 2011 (UV 2012/38, act. G 9.1) geschildert hatte. Ein
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Kausalzusammenhang zwischen einer schreckbedingten Reflexbewegung und dem
Schmerzeintritt wäre diesfalls nicht überwiegend wahrscheinlich. Wie es sich damit im
Einzelnen tatsächlich verhielt, kann jedoch offenbleiben, denn es steht fest, dass der
Beschwerdeführer beim fraglichen Ereignis weder gestürzt oder ausgerutscht noch
angestossen oder gestolpert ist. Auch eine Abwehrbewegung zur Verhinderung eines
Sturzes oder Ausgleitens steht nicht zur Diskussion. Das vom Beschwerdeführer erst
nachträglich geschilderte Herannahen eines anderen Fahrzeugs mit quietschenden
Bremsen löste nach seiner Schilderung Angstgefühle aus und veranlasste ihn, sich
reflexartig dem Fahrzeug zuzuwenden mit der Folge, dass er im Rücken einen
schmerzhaften Stich verspürte und den Bodendeckel bedingt durch diesen Schmerz
fallen liess (UV-act. 19 und 36 S. 6). Im Tankstellenbereich, wo der Beschwerdeführer
seine berufliche Tätigkeit unter anderem ausübt, muss jedoch stets mit zu- und
wegfahrenden Fahrzeugen und allenfalls quietschenden Bremsen gerechnet werden.
Was die mit der linken Hand ausgeübte Ziehbewegung des Beschwerdeführers bei der
Anhebung des nach Lage der Akten 40-50kg schweren Schachtdeckels betrifft, so ist
festzuhalten, dass diese Bewegung in Verbindung mit dem rechtshändigen Lösen des
Feststellhakens (vgl. UV-act. 19) im Alltag eines Tanklastwagenchauffeurs auch vom
Kraftaufwand her für sich allein nichts Ungewöhnliches oder "Programmwidriges"
darstellt (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts vom 15. Januar 2003, U 421/01
[Pflegehilfe bettet Patientin um], vom 13. Dezember 2002, U 65/02 [Jurist hebt
Lautsprecherbox], vom 14. Oktober 2002, U 403/01 [Polizeieinsatz], und vom 30.
August 2001, U 277/99 [Ablad auf der Baustelle]). Von der Rechtsprechung wurde eine
den Unfallbegriff erfüllende Überanstrengung nur bei Lasten von mehr als 100 kg
bejaht (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2009, 8C_319/2009, E. 3.3 mit
Hinweis auf Urteil des EVG vom 9. Oktober 2003, U 360/02). In Fällen, in welchen eine
den Unfallbegriff erfüllende Überanstrengung verneint wurde, waren die zu hebenden
Lasten zwischen 50 und 100 kg schwer (Urteil U 360/02, a.a.O., E. 3.4 mit Hinweisen;
vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 11. Januar 2010, 8C_1029/2009, E. 2.1, und
vom 25. August 2011, 8C_246/2011, E. 4.4).
3.2.4 Der geschilderte Hergang (E. 3.2.3) spricht gegen das Vorliegen eines
ungewöhnlichen Ereignisses, wie es in den vom Beschwerdeführer angeführten
Entscheiden für die jeweilige Tätigkeit bejaht worden war (RKUV 1993 U 162, 53:
Bauarbeiter gleitet aus, während er versucht, eine schwere, auf nassem und leicht
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geneigtem Boden ins Rutschen geratene Schachtröhre aufzuhalten; RKUV 1994 U 185,
79: Krankenschwester bewahrt einen schwergewichtigen Patienten mit übermässigem
Kraftaufwand vor einem unvermuteten Sturz; Urteil vom 28. Juli 2009, 8C_333/2009:
Versicherter rutscht beim Tragen einer 15kg schweren Fräse auf einer Öllache aus und
stürzt beinahe). Auch das vom Vertrauensarzt Dr. D._ angeführte Beispiel (RKUV
1994 U 180, 37) erscheint schon aufgrund des dort in Frage stehenden Gewichts von
150kg, welches der Betroffene gehoben hatte, hier nicht einschlägig. Zu beachten ist in
diesem Zusammenhang auch, dass der Beschwerdeführer nach dem 19. September
2011 wieder mehrere Wochen in seiner angestammten Tätigkeit gearbeitet hatte (dazu
im Einzelnen nachstehende E. 3.3.2). Das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren
Faktors ist auch nicht bereits deshalb zu bejahen, weil die Bewegung reflexartig
ausgeführt wurde (Urteil des EVG vom 23. Mai 2006 [reflexartiges Hochreissen eines
Oleanders], U 144/06, E. 2.2 mit vielen Hinweisen). Weitere Abklärungen zum
Unfallhergang würden überwiegend wahrscheinlich nicht zu neuen Erkenntnissen
führen, zumal die in Betracht kommenden Personen bereits befragt wurden (E. 3.2.1)
und kein Zeuge zur Verfügung steht, der den Ablauf aus nächster Nähe im Detail
beobachten konnte; auch liegt das Ereignis im heutigen Zeitpunkt eineinhalb Jahre
zurück.
3.3
3.3.1 Nach der Rechtsprechung kann unter Umständen aufgrund des medizinischen
Befunds erstellt sein, dass eine Schädigung auf eine ungewöhnliche äussere
Einwirkung und somit auf einen Unfall zurückzuführen ist. Der mangelnde Nachweis
lässt sich zwar nur selten durch medizinische Feststellungen ersetzen. Diese dienen
mitunter aber als Indizien im Beweis für oder gegen das Vorliegen eines Unfalles (Urteil
des Bundesgerichts vom 1. März 2012, 8C_50/2012, E. 5.2 mit Hinweis auf BGE 134 V
72 E. 4.3.2.2). Im Bereich des Unfallversicherungsrechts entspricht es einer
medizinischen Erfahrungstatsache, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen
degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur
ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in
Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden,
wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung
der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales
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oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit auftreten
(Urteile des Bundesgerichts vom 3. Januar 2005, U 332/03, E. 1 mit Hinweisen, und
vom 18. September 2002, U 60/02, E. 2.2; zur Berücksichtigung medizinischer
Erfahrungssätze vgl. BGE 126 V 189 E. 4c). - Der Vertrauensarzt Dr. D._ hielt im
Bericht vom 1. Mai 2012 zuhanden der Beschwerdeführerin fest, das bei der Operation
vom 3. November 2011 gefundene Verletzungsbild sei vereinbar mit dem
Unfallmechanismus. Den Kausalzusammenhang von Verletzungsfolgen und
Unfallmechanismus erachte er als überwiegend wahrscheinlich. Die Drehung der
Wirbelsäule nach rechts unter massiver muskulärer Spannung (infolge Belastung durch
den schweren Tankdeckel) habe zur Sprengung des anulus Fibrosus der Bandscheibe
L4/5 geführt, welche sofort zum Massenprolaps und dadurch zur Neurokompression
geführt habe. Trotz des Intervalles von knapp sechs Wochen zwischen Unfallereignis
und Operationsdatum könne seines Erachtens nicht von einem Diskushernienschub
gesprochen werden, sondern die traumatische Bandscheibenschädigung habe zu einer
sofortigen Symptomatik geführt, welche sich während des Zeitintervalls bis zur
Operation kontinuierlich verschlimmert habe (UV-act. 51).
3.3.2 Nachdem der Beschwerdeführer am Folgetag des hier in Frage stehenden
Ereignisses, d.h. am 20. September 2011, aufgrund einer leicht besseren Situation
wieder zur Arbeit gegangen war, hierdurch jedoch Beschwerden auftraten (vgl. UV-act.
19 S. 2), suchte er Dr. C._ auf. Dieser bestätigte ein lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom, wobei er neurologische Auffälligkeiten verneinte (UV-act. 13).
Danach arbeitete der Beschwerdeführer offenbar wieder, denn er gab der
Beschwerdegegnerin zu Protokoll, dass ihm das Arbeiten mehr und mehr Mühe
gemacht habe, er jedoch nicht so schnell habe aufgeben wollen, weil er einen eigenen
Betrieb habe. Die weitere Zeit habe er Schmerzmittel eingenommen und habe so
einigermassen arbeiten können. Am Morgen des 1. November 2011 habe er beim
Aufstehen sehr starke Rückenschmerzen verspürt (UV-act. 19 S. 2). Ein MRI der
Wirbelsäule vom 2. November 2011 (UV-act. 9) ergab in den Bereichen LWK4/5 und
LWK5/SWK1 das Vorliegen einer Dehydratation und Höhenminderung der
Bandscheibe bzw. einen Bandscheibenprolaps mit Nervenwurzelaffektion (Bereich
LWK4/5) bzw. ohne Nervenwurzelaffektion (Bereich LWK5/SWK1). Prof. Dr. med. F._,
Facharzt FMH für Neurologie, berichtete am 4. November 2011, dass sich in der
klinisch-neurologischen Untersuchung ein höhergradiges motorisches und sensibles
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Defizit der Wurzeln L5 und S1 beidseits gezeigt habe und Hinweise auf eine
beginnende Harn- und Stuhlinkontinenz vorlägen (UV-act. 18). Bei dem von diesem
Arzt bestätigten akuten Cauda equina-Syndrom (UV-act. 18) handelt es sich um eine
Folgeerscheinung der Diskushernie und eine (seltene) Notfallsituation (A.M. Debrunner,
Orthopädie/Orthopädische Chirurgie, 4. A. 2002, S. 879 und 885).
3.3.3 Der medizinische Sachverhalt mit der Diagnose eines lumboradikulären
Schmerzsyndroms, welches eine Diskushernien-Operation erforderlich machte (UV-act.
24), kann mit Blick auf den geschilderten Hergang nicht als Indiz für die Einwirkung
eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf die Wirbelsäule und damit ein
Unfallereignis im Rechtssinn gelten. Insbesondere kann nicht ein Unfallereignis von
besonderer Schwere, welches geeignet gewesen wäre, eine Schädigung der
Bandscheibe herbeizuführen, angenommen werden, zumal der Beschwerdeführer wie
dargelegt nach dem 19. September 2011 - wenn auch unter Schmerzmitteleinahme
und mehrmaliger chiropraktischer Behandlung und kurzen ärztlichen Kontrollen (act. G
1.8-1.10) - noch über einen Monat gearbeitet hatte und eine sofortige
Arbeitsunfähigkeit (vgl. dazu E. 2.3.1) somit nicht dargetan ist. Freilich war dieser
Arbeitseinsatz auch erwerblich motiviert (selbständige Erwerbstätigkeit). Dass ein
solcher Einsatz überhaupt möglich war, spricht jedoch klar gegen das Vorliegen eines
Unfallereignisses von besonderer Schwere. Dr. C._ hatte denn auch erst ab 1.
November 2011 eine volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (UV-act. 13). Wenn Dr. D._
festhielt, dass trotz des Intervalles von knapp sechs Wochen zwischen Unfall und
Operationsdatum seines Erachtens von einer sofortigen Symptomatik der
traumatischen Bandscheibenschädigung auszugehen sei (UV-act. 51), so vermag diese
Auffassung an der Tatsache des über einmonatigen Arbeitseinsatzes im Rahmen der
angestammten Tätigkeit, welche auch weiterhin das Anheben von schweren
Bodendeckeln, das Ein- und Aussteigen aus dem Lastwagen und das Versorgen des
relativ schweren Schlauches umfasste, nichts zu ändern. In der weiteren
Stellungnahme vom 16. Juli 2012 räumte Dr. D._ überdies ein, dass ein Cauda
equina Syndrom im Zusammenhang mit einem schweren Bandscheibenprolaps im
Rahmen eines degenerativen Prozesses auftreten könne. Die Schädigung müsse nicht
zwingend Folge einer ungewöhnlichen äusseren Einwirkung sein (act. G 8.1).
Angesichts dieser Umstände ist festzuhalten, dass beim Ereignis vom 19. September
2011 überwiegend wahrscheinlich eine degenerative innere Ursache in Verbindung mit
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einer alltäglichen Körperbewegung die Rückenschmerzen manifest werden liess, zumal
es wie dargelegt an "besonders sinnfälligen Umständen", z.B. einem Ausgleiten oder
einem Schlag, fehlte (vgl. dazu die bereits erwähnten Urteile des Bundesgerichts U
144/06 E. 2.2, U 360/02 E. 3.4, 8C_1029/2009 E. 2.1 und U 277/99 E. 3c). Die
nachträglich behauptete Drehbewegung allein hätte keine Bandscheibenverletzung zu
bewirken vermocht (Urteil des EVG vom 6. September 2006, U 3/06, E. 1.2; vgl. dazu
auch RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45). Hierbei ist überdies zu beachten, dass für eine
allfällige Verschlimmerung eines degenerativen Gesundheitsschadens dieselben
(vorliegend nicht erfüllten) Kriterien gelten würden (Urteil U 3/06, a.a.O., E. 1.2).
Angesichts dieser Umstände lässt auch der Gesundheitsschaden als solcher keinen
Rückschluss auf einen ungewöhnlichen Geschehensablauf zu.
4.
Eine unfallähnliche Körperschädigung steht nicht (mehr) zur Diskussion (act. G 1 S. 3
Ziff. 4). Den Akten lässt sich denn auch keine der in Art. 9 Abs. 2 UVV aufgeführten
Schädigungen, etwa eine Muskelzerrung (Art. 9 Abs. 2 lit. e UVV), entnehmen. Nach der
Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts vom 27. Februar 2009, 8C_1000/2008,
E. 2.3 mit Hinweisen) erfasst Art. 9 Abs. 2 lit. b UVV nur eigentliche
Gelenksverrenkungen (Luxationen), nicht aber unvollständige Verrenkungen
(Subluxationen) oder Torsionen (Verdrehungen) und Distorsionstraumen
(Verstauchungen). Eine Luxation läge nur vor, wenn die durch ein Gelenk verbundenen
Knochenenden verschoben sind, was konkret nach Lage der medizinischen Akten nicht
der Fall ist. Bandscheiben zwischen den Wirbelsäulenkörpern erfüllen keine
Gelenksfunktion. Ebenfalls sind Schädigungen der Bandscheiben im Bereich der
Rückenwirbel nicht von Art. 9 Abs. 2 lit. g UVV (Bandläsionen) erfasst (vgl. Urteil
8C_1029/2009, a.a.O., E. 2.2.1).
5.
Nach dem Gesagten sind die Beschwerden unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 19. März 2012 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerden werden abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 18.03.2019 Art. 4 ATSG. Frage des Vorliegens eines Unfallereignisses als Auslöser/Ursache eines lumboradikulären Schmerzsyndroms (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. März 2013, UV 2012/37+38).
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