Decision ID: b6b8edc9-a82e-5dd0-88cb-9911f17293fe
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde im März 1999 unter Hinweis auf ein psycho-organisches Syndrom
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 2). Im April
1999 berichtete der Kinderarzt Dr. med. B._ (IV-act. 3), beim Versicherten liege ein
Geburtsgebrechen im Sinne der Ziff. 404 Anh. GgV vor. Dieses äussere sich in einer
Beeinträchtigung der Affektivität und der Kontaktfähigkeit, in Stimmungs- und
Leistungsschwankungen, in einer Aggressivität, in einer übermässigen
Geschwisterrivalität, in Regressionstendenzen mit schweren Affektdurchbrüchen, in
einer massiven Hyperaktivität und in einer stark gestörten Konzentrationsfähigkeit. Der
Versicherte befinde sich bereits in einer logopädischen Therapie. Zudem sei er in der
Einführungsklasse eingeschult worden. Aufgrund seines Verhaltens sei er dort aber nur
knapp tragbar. Mit einer Verfügung vom 11. Mai 1999 anerkannte die IV-Stelle das
Vorliegen des Geburtsgebrechens Ziff. 404 Anh. GgV (IV-act. 5).
A.a.
Im Februar 2001 berichtete Dr. B._ (IV-act. 8), dass der Versicherte seit der
letzten Berichterstattung im April 1999 gewisse Fortschritte erzielt habe. Wegen seiner
massiven Sprachprobleme habe er allerdings in eine Kleinklasse wechseln müssen; die
Angehörigen hätten einen Wechsel in eine Sprachheilschule abgelehnt. Im Februar
2003 teilte Dr. B._ mit (IV-act. 12), der Versicherte leide weiterhin unter seinen
Teilleistungsstörungen und seiner Unkonzentriertheit. Sein Sozialverhalten sei stark
auffällig. Selbst in der Psychomotorik-Therapie sei es keine leichte Aufgabe gewesen,
ihn in eine Zweiergruppe zu integrieren. Im Juni 2004 hielt die Schulpsychologin lic.
phil. C._ fest (IV-act. 25), der Versicherte sei aufgrund von Disziplinproblemen und
eines aggressiven Sozialverhaltens kurzfristig vom Schulbesuch dispensiert und zur
A.b.
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schulpsychologischen Abklärung angemeldet worden. Schon bei der letzten
schulpsychologischen Abklärung im Jahr 2000 sei dringend eine interne
Sonderschulung empfohlen worden, was aber von den Angehörigen des Versicherten
vehement abgelehnt worden sei. Bereits damals hätten sich schon
Verwahrlosungstendenzen in der erzieherischen Situation gezeigt. Zwischenzeitlich
hätten sich nun die ungünstigen Entwicklungen sowohl im sozial-emotionalen als auch
im intellektuellen Bereich gezeigt. Der Versicherte habe nur ungenügende
Entwicklungsfortschritte machen können. In der Untersuchung sei ein kaum adäquates
Sozialverhalten mit einem „recht flegelhaften“ Benehmen aufgefallen. Unter einer
strikten, klaren Führung habe der Versicherte zur Mitarbeit motiviert werden können.
Die Konzentration und die Ausdauer seien trotzdem gering gewesen. Der Versicherte
habe wenig Impulskontrolle gezeigt und es sei ihm kaum gelungen, Aufgaben reflektiert
zu lösen. Der Selbstwert erscheine als labil, was der Versicherte durch provokatives
und aggressives Verhalten zu kompensieren versuche. Es hätten sich auch deutliche
Zeichen einer emotionalen Verwahrlosung gezeigt. Auch die kognitive Entwicklung sei
nicht altersgemäss. Die Auffassungsgabe sei langsam und schwerfällig. Angesichts
dieser Befunde sei eine interne Sonderschulung im Sonderschulheim für
verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche zu empfehlen. Im Auftrag der IV-Stelle
erstattete die Kinderpsychiaterin Dr. med. D._ im September 2004 ein fachärztliches
Gutachten (IV-act. 41). Sie hielt fest, der Versicherte leide an einem frühkindlichen
psycho-organischen Syndrom mit einer zentralen Sprachschwäche und mit
Beeinträchtigungen im Bereich der Motorik, der auditiven Erfassungsspanne sowie der
Verhaltenssteuerung. Angesichts der massiv ausgeprägten Symptomatik sei ein
Volksschulbesuch des Versicherten weder jetzt noch in naher Zukunft denkbar. Die
Sonderschulbedürftigkeit sei also ausgewiesen. Mit einer Mitteilung vom 24. Januar
2005 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für interne Sonderschulmassnahmen
(IV-act. 47).
Im August 2006 berichtete Dr. med. E._ (IV-act. 53), der Versicherte leide an
einem psycho-organischen Syndrom mit einer verminderten Aufmerksamkeit und
Ausdauer bei einer gesteigerten Impulsivität. Er sei vom Alltag und dessen
Anforderungen rasch überfordert, weiche gerne aus und flüchte sich in Alkohol, Kiffen
oder Aggressivität. Im August 2007 begann der Versicherte mit einer Maurer-Anlehre
A.c.
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(vgl. IV-act. 56). Eine Berufsberaterin der IV-Stelle empfahl einen begleitenden
Stützunterricht (IV-act. 59), der von der IV-Stelle mit einer Mitteilung vom 19. Juli 2007
bewilligt wurde (IV-act. 62). Im November 2008 teilte die Unterrichtsperson mit (IV-act.
63), seit Februar 2008 sei der Versicherte nur noch selten zum Unterricht erschienen. Er
habe immer wieder auf die Termine aufmerksam gemacht werden müssen.
Telefongespräche mit seinem Vater und dem Lehrmeister hätten die Situation jeweils
nur vorübergehend verändert. Seit dem 23. August 2008 sei der Versicherte gar nicht
mehr zum Unterricht erschienen. Diese Situation sei unbefriedigend, weshalb die
Unterrichtsperson den Unterricht nicht weiterführen wolle. Eine
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle versuchte im September 2009 ohne Erfolg,
den Versicherten zu erreichen. Sie schloss die Berufsberatung deshalb am 25.
September 2009 mit der Annahme ab, dass der Versicherte die Anlehre erfolgreich
abgeschlossen habe und dass er nun rentenausschliessend eingegliedert sei (IV-act.
65 und 67).
Am 30. April 2010 meldete sich der Versicherte zum Leistungsbezug bei der IV-
Stelle an (IV-act. 68). Im Anmeldeformular wies er darauf hin, dass er die Anlehre im Juli
2009 erfolgreich abgeschlossen habe. In einem Begleitschreiben bat er um
Massnahmen zur Erhaltung seines aktuellen Arbeitsplatzes in einem
Landwirtschaftsbetrieb (IV-act. 69–1). Sein Arbeitgeber hatte festgehalten (IV-act. 69–
2), angesichts der schwankenden Arbeitsmotivation und der sehr unregelmässigen, von
einem Tag bis zu mehreren Wochen dauernden Absenzen liege die Arbeitsleistung des
Versicherten nur bei rund 20 Prozent. Der Lohn sei deshalb auf 1’300 Franken plus
Kost und Logis festgesetzt worden. Nachdem der Versicherte auf mehrere Rückfragen
der IV-Stelle nicht reagiert hatte, forderte diese ihn mit einem Schreiben vom 3.
Dezember 2010 auf (IV-act. 82), die verlangten Auskünfte bis spätestens am 17.
Dezember 2010 zu erteilen. Andernfalls werde sie sein Leistungsbegehren wegen einer
Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung nicht behandeln. Der
Arbeitgeber des Versicherten teilte der IV-Stelle am 10. Dezember 2010 telefonisch mit
(IV-act. 83), aufgrund der Persönlichkeit des Versicherten sei es jeweils sehr schwierig,
Informationen von ihm zu bekommen. Im täglichen Umgang mit dem Versicherten
ergäben sich gravierende Probleme. Der Arbeitgeber könne sich nicht vorstellen, dass
der Versicherte in einem anderen Berufsfeld besser tragbar sei. Im Januar 2011 gab
A.d.
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der Arbeitgeber des Versicherten telefonisch an (IV-act. 85), er habe mehrere Ärzte
angefragt, den Versicherten mit Blick auf das laufende IV-Verfahren zu untersuchen.
Die angefragten Ärzte hätten wenig Begeisterung gezeigt, weil ihnen die Situation zu
komplex gewesen sei. Im Februar 2011 informierte der Arbeitgeber die IV-Stelle
darüber, dass Dr. med. F._ bereit sei, den Versicherten zu untersuchen (IV-act. 86).
Am 10. Februar 2011 gab Dr. F._ Dr. med. G._ vom IV-internen regionalen
ärztlichen Dienst (RAD) telefonisch an (IV-act. 89), bisher sei keine dem auffälligen
Verhalten des Versicherten zugrunde liegende Diagnose gestellt worden. Offenbar
befinde sich der Versicherte nicht in einer fachärztlichen Behandlung. Allerdings
bestehe der Verdacht auf eine Minderintelligenz. Bezüglich einer allfälligen
Suchtproblematik stehe lediglich allenfalls ein „Quartalssäufertum“ zur Diskussion.
Gemäss den Angaben des Arbeitgebers sei der Versicherte sozial auffällig, das heisst
sozial nicht integrierbar, deutlich verlangsamt, unzuverlässig und eingeschränkt
leistungsfähig. Zudem benötige er eine enge Führung. Er, Dr. F._, wisse jedoch
nichts über besondere Auffälligkeiten des Versicherten in der Kindheit. Die RAD-Ärztin
Dr. G._ notierte, aus ihrer Sicht liege kein medizinischer Gesundheitsschaden vor (IV-
act. 88). Im März 2011 teilte der Arbeitgeber des Versicherten mit (IV-act. 93), dass der
Versicherte die Arbeitsstelle gewechselt habe und dass er jegliche Kommunikation mit
dem bisherigen Arbeitgeber verweigere. Ein Eingliederungsverantwortlicher der IV-
Stelle hielt im Mai 2011 fest (IV-act. 97), es sei kaum möglich gewesen, mit dem
Versicherten zu kommunizieren, weil dieser nicht verstanden habe, was gesagt worden
sei. Während des Gesprächs habe er nur ständig mit der Visitenkarte des
Eingliederungsverantwortlichen gespielt. Auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen
habe er nur gelacht, den Eingliederungsverantwortlich gross angeschaut und gesagt,
dass er keine habe. Weiter habe er angegeben, dass er nie als Maurer gearbeitet habe.
Er wolle arbeiten und genug Geld zum Leben verdienen. Er könne klar strukturierte
Tätigkeiten unter enger Anleitung korrekt ausführen. Aktuell erhalte er 300 Franken
Lohn pro Woche als Hilfsarbeiter in einem Landwirtschaftsbetrieb. Er könne bei seinem
Arbeitgeber essen. Der Arbeitgeber habe angegeben, dass er nicht mehr als 300
Franken pro Woche bezahlen könne, weil dieser Lohn der effektiven Arbeitsleistung
entspreche. Im Juli 2011 führte eine Berufsberaterin der IV-Stelle einen IQ-Test durch
(vgl. IV-act. 101). Sie notierte (IV-act. 102), die fluide Intelligenz, die die kognitive
Leistungsfähigkeit widerspiegle, liege im deutlich unterdurchschnittlichen Bereich. Die
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kristalline Intelligenz, die das Sachwissen und die sprachliche Leistungsfähigkeit
widerspiegle, liege ebenfalls im unterdurchschnittlichen Bereich. Es sei von einem sehr
tiefen IQ-Wert von maximal 54 auszugehen. Die Bearbeitungsgeschwindigkeit liege
ebenfalls im tief unterdurchschnittlichen Bereich (IQ-Wert von 56), weshalb auch bei
praktischen Arbeiten eine enorme Einschränkung vorliege. Die IV-Stelle verglich das im
Art. 26 IVV für Frühinvalide vorgesehene Einkommen mit dem vom Versicherten effektiv
erzielten Lohn von 14’400 Franken pro Jahr, was einen Invaliditätsgrad von 73 Prozent
ergab (IV-act. 103). Mit einer Verfügung vom 13. März 2012 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten mit Wirkung ab dem 1. Februar 2011 eine ausserordentliche ganze Rente
zu (IV-act. 114). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
Im Juni 2015 erhielt die IV-Stelle einen anonymen telefonischen Hinweis. Der
Hinweisgeber führte aus (IV-act. 120), der Versicherte arbeite an zwei Arbeitsstellen: Er
arbeite schwarz in einer Autogarage; zudem arbeite er in einem Bauernbetrieb. Er habe
sich in die Garage eingemietet und richte dort Autos, erledige Reparaturen, kaufe und
verkaufe Autos. Teilweise arbeite er selbständig und teilweise arbeite er im Auftrag des
Garagenbetriebs. Montags bis freitags halte er sich jeweils bis 21 oder 22 Uhr,
teilweise sogar bis 23 Uhr in der Garage auf. Er arbeite auch samstags und sonntags.
Der Bauernbetrieb, in dem er den Stall ausmiste, befinde sich am selben Standort wie
die Garage. Der Versicherte wohne nur 500 Meter entfernt. Ihm sei der Führerausweis
entzogen worden, aber er fahre trotzdem Auto. In einem Fragebogen zur Überprüfung
des Rentenanspruchs gab der Versicherte mit der Hilfe seines Beistandes an (IV-act.
123), sein Gesundheitszustand habe sich nicht verändert. Er sei bei einem Landwirt
angestellt. Die Präsenzzeit betrage etwa 35 Stunden pro Woche. Die Arbeitsleistung
belaufe sich geschätzt auf 25 Prozent. Körperlich bestünden keine Einschränkungen.
Er verfüge aber nur über eine geringe Konzentrationsfähigkeit und über eine
ungenügende Konstanz respektive Ausdauer. Seine Auffassungsgabe sei
eingeschränkt, weshalb er im Arbeitsprozess sehr eng begleitet werden müsse. Er sei
deutlich verlangsamt und unzuverlässig. Aktuell stehe eine weitere Lohnreduktion im
Raum, weil der Versicherte immer mehr Begleitung benötige. Es sei wohl nur noch eine
Frage der Zeit, bis das Arbeitsverhältnis aufgelöst werde. Danach komme nur noch ein
geschützter Rahmen mit einer professionellen Begleitung in Frage. Der Versicherte
führe seinen eigenen Haushalt in einer Wohnung. Dabei komme es seitens der
A.e.
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Hausverwaltung immer wieder zu Beanstandungen. Er habe keine Hobbies, aber er
reise gern. Das Strassenverkehrsamt habe dem Versicherten mit einer Verfügung vom
18. August 2014 den Führerausweis entzogen. Auch das Führen von
landwirtschaftlichen Fahrzeugen sei ihm untersagt worden, obwohl dies praktisch
einem Berufsverbot gleichkomme. Im Juli 2015 sei der Versicherte Vater geworden;
das Kind stamme aus einer eher losen Beziehung. Die Kindsmutter wohne bei ihren
Eltern. Der Versicherte könne nicht beschreiben, welche Rolle er als Kindsvater spiele.
Oft sei der Versicherte zu gutmütig und zu leichtgläubig. Gegen ihn sei noch ein
Strafverfahren aus dem Jahr 2013 wegen mehrfachen Diebstahls, mehrfacher
Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruchs offen. Mit einer Mitteilung
vom 14. September 2015 gab die IV-Stelle dem Versicherten bekannt, dass er
weiterhin einen unveränderten Anspruch auf die bisherige Invalidenrente habe (IV-act.
128).
Am 30. September 2015 erhielt die IV-Stelle einen zweiten anonymen Hinweis (IV-
act. 130). Der Hinweisgeber teilte mit, dass der Versicherte zusammen mit einem
Kollegen einen Autohandel führe. Aktuell stünden etwa 40 Fahrzeuge vor der Garage
zum Verkauf. Der Versicherte arbeite jeweils von 11 Uhr bis 15 Uhr dort. Daneben
arbeite er noch auf einem Bauernhof. Eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle notierte am
28. Januar 2016 (IV-act. 135), das Unternehmen K._ sei beauftragt worden, einen
Augenschein vor Ort zu nehmen und den Betrieb des Versicherten zu lokalisieren. Eine
Fotodokumentation zeigte Aufnahmen vom Abstellplatz mit zahlreichen Fahrzeugen
(IV-act. 133). Im Januar 2016 brannte das Gebäude nieder (vgl. IV-act. 134). Am 28.
Januar 2016 nahm ein Mitarbeiter der IV-Stelle einen Augenschein der Brandstelle vor.
Er hielt fest (IV-act. 137), gemäss den Aussagen eines Feuerwehrmannes und eines
Anwohners hätten zwei junge Männer aus dem Dorf im abgebrannten Gebäude einen
„Chlütteribetrieb“ geführt; sie hätten dort an Autos herumgebastelt. Dabei habe sich
Benzin entzündet, was als die Ursache des Grossbrandes anzusehen sei. Im März
2016 füllte der Versicherte (wieder mit der Hilfe seines Beistandes) einen weiteren
Fragebogen zur Überprüfung des Rentenanspruchs aus. Er gab an (IV-act. 142), sein
Gesundheitszustand habe sich nicht verändert. Er arbeite immer noch im selben
Landwirtschaftsbetrieb. Sein Lohn sei im August 2015 von 1’200 Franken auf 600
Franken gekürzt worden. Zum Zeitvertrieb bastle er an Autos, damit er „keinen Mist
A.f.
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baue“. Die RAD-Ärztin Dr. med. H._ notierte am 31. Mai 2016 (IV-act. 145), es sei
bemerkenswert, dass der Versicherte trotz seines niedrigen IQ in der Lage gewesen
sei, einen Führerschein zu erwerben, da dies doch gewisse intellektuelle Fähigkeiten
und ein gutes Konzentrationsvermögen vorausgesetzt habe. Ausserdem erstaune es,
dass der Versicherte an Autos bastle, denn auch diese Tätigkeit setze intellektuelle und
praktische Fähigkeiten voraus. Es sei schwer vorstellbar, dass der Versicherte mit den
von seinem Beistand angeführten Einschränkungen in der Lage sei, das in diesem
Zusammenhang notwendige mechanische Verständnis und Geschick aufzubringen,
gleichzeitig aber nicht fähig sei, selbständig einfache Arbeiten in der Landwirtschaft
auszuführen. Die medizinische Sachlage müsse angesichts dieser Ungereimtheiten
eingehend abgeklärt werden. Am 21. Juni 2016 wurde der Versicherte von einem
Mitarbeiter der IV-Stelle befragt (IV-act. 146). Er gab an, ihm gehe es gut. Er sei zu faul,
um zu arbeiten. Ihm fehle momentan die Lust. Manchmal sei er einfach müde. Er
schlafe zehn Stunden und sei immer noch müde. Er könne nicht erklären, weshalb ihm
gewisse Dinge schwer fielen. Viele Arbeiten erforderten eine hohe Konzentration. Er
brauche länger, um entsprechende Arbeiten auszuführen. Wenn beispielsweise ein
Kälbli nicht recht trinke, werde er aggressiv. Früher habe er viel „Scheisse gebaut“. Er
sei ohne Ausweis gefahren, habe „e bitzeli“ etwas gestohlen und habe aus Versehen
„öpis angezündet“. Den Führerschein habe er im Jahr 2012 erworben. Er habe viel
geübt und sowohl die theoretische als auch die praktische Prüfung beim ersten
Versuch bestanden. Man könne schon sagen, dass bei ihm eher die Motivation als das
Können das Problem sei. Insgesamt arbeite er pro Tag sieben Stunden. Der Lohn sei
aber aus für ihn unerklärlichen Gründen halbiert worden, sodass er nur noch 600
Franken pro Monat verdiene. Er würde eigentlich schon gerne eine andere Arbeit
verrichten, „mal was anderes sehen“, aber er wisse nicht, was er arbeiten könnte. Auf
die Frage des IV-Sachbearbeiters, welche Arbeiten er selbständig ausführen könne,
antwortete der Versicherte, dass er den Boden wischen könne. Auf die Entgegnung, er
könne mehr, erwiderte er, dass er schon einige Dinge könne, aber er müsse überlegen,
was das sei. Komplizierte Sachen könne er nicht. Aber zum Beispiel Räder wechseln
oder ein Auto waschen könne er. Er könnte auch einen Service an einem Auto machen.
Das habe er auch schon gemacht. Er sei an einer „Clubgarage“ beteiligt gewesen:
Sieben Personen hätten gemeinsam eine Garage mit zwei Autoliften und einer
Spritzkabine gemietet; jeder habe dort „sein Zeug“ machen können. Dabei habe
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niemand etwas verdient. Arbeitsmässig sei vielleicht einmal pro Woche etwas gelaufen.
Die übrige Zeit habe man mit Spielkonsolen gespielt, etwas getrunken und
„abgehängt“. Er wisse, dass man ihn bei der IV „verpfiffen“ habe. Er sei aber kein
Autohändler. Er kaufe vielleicht zweimal pro Monat ein Auto. Das sei eine
Freizeitbeschäftigung, die ihn davon abhalte, Blödsinn zu machen. Er habe auch nie
schwarz für eine andere Garage gearbeitet. Ab und zu habe er in einer anderen Garage
sein Auto reparieren dürfen. Im Gegenzug habe er etwas geholfen, zum Beispiel Reifen
gewechselt oder andere kleinere Dinge erledigt. Die Clubgarage habe man seit August
2015 betrieben. Es sei hauptsächlich darum gegangen, mit Kollegen zusammen zu
sein. So habe man seine Ruhe gehabt. Strategiespiele habe der Versicherte nie
gespielt. Lesen könne er zwar, aber er lese nur den „Blick“, um zu wissen, was gerade
so passiert sei. Von den Artikeln verstehe er jeweils nur den Anfang. Gegen den
Schluss „checke“ er es oft nicht mehr. Er habe dann ein Durcheinander.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der Psychiater Dr. med. I._ am 31. Oktober
2016 ein psychiatrisches Gutachten, das auch die Ergebnisse einer von Dr. phil. J._
durchgeführten neuropsychologischen Testung enthielt (IV-act. 155). Letzterer hatte
festgehalten, der Versicherte habe bereitwillig Auskunft erteilt, die Aufgabenstellungen
aber meist nicht zuverlässig auf Anhieb verstanden. Teilweise habe er bereits während
der Instruktion mit der Bearbeitung begonnen. Beim Abruf von Wörtern sei die
Bearbeitungszeit hoch gewesen. Das Vorgehen sei oft suboptimal gewesen; wiederholt
hätten Korrekturen vorgenommen werden müssen. Bei einer Reaktionszeitaufgabe
habe der Versicherte etwas gelangweilt gewirkt. Bei den Übungen zur phasischen
Alertness habe er bereits häufiger schon auf das Tonsignal reagiert. Zeitweise habe er
mit dem Fuss gewippt. Teilweise habe er sich derb ausgedrückt. Er habe
Schwierigkeiten bemerkt, oft jedoch nicht zuverlässig. Die
Beschwerdevalidierungstests hätten unauffällige Ergebnisse gezeitigt. Die Ergebnisse
der Tests zur Aufmerksamkeitsleistung seien teilweise unterdurchschnittlich gewesen.
Die Testergebnisse zum verbalen Lernen und zum Gedächtnis seien
unterdurchschnittlich gewesen. Die Fähigkeiten des Versicherten bezüglich des visuell-
figurativen Lernens und des Gedächtnisses seien leicht unterdurchschnittlich, jene zur
räumlich-perzeptiven Analyse und zur räumlich-konstruktiven Verarbeitung teilweise
unterdurchschnittlich gewesen. Die Tests betreffend die komplexe Denkleistung und
A.g.
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die Exekutivfunktionen hätten überwiegend unterdurchschnittliche Ergebnisse
gezeitigt. Die Intelligenzleistung des Versicherten habe im Verbalteil einem IQ von 64,
im Handlungsteil einem IQ von 69, hinsichtlich des Sprachverständnisses einem IQ von
65, bezüglich der Wahrnehmungsorganisation einem IQ von 71, betreffend das
Arbeitsgedächtnis einem IQ von 62 und mit Blick auf die Arbeitsgeschwindigkeit einem
IQ von 81 entsprochen. Der Gesamt-IQ betrage 64. Dies stimme mit dem klinischen
Eindruck und mit den anamnestischen Angaben überein. Die kognitive Leistung des
Versicherten liege damit im Bereich einer leichten Intelligenzminderung (IQ 50–69).
Gesamthaft seien auch die Kriterien für das Vorliegen einer Aufmerksamkeitsdefizit-
und Hyperaktivitätsstörung knapp erfüllt. Die aktuellen Befunde fielen besser aus als
das Resultat der Voruntersuchung durch eine Eingliederungsverantwortliche der IV-
Stelle. Damals sei aber das Prüfsystem für die Schul- und Bildungsberatung zum
Einsatz gebracht worden, das für die Testung der Intelligenzleistung einer erwachsenen
Person nicht optimal geeignet sei. Die Differenz zwischen den Resultaten der
Voruntersuchung und der aktuellen Untersuchung sei nicht gravierend. Es sei jedoch
auch möglich, dass es im Zeitraum zwischen den beiden Untersuchungen zu gewissen
Leistungsveränderungen gekommen sei. Die Befunde legten den Schluss nahe, dass
die Mindestvoraussetzungen zum sicheren Führen eines Fahrzeugs nicht gegeben
seien. Im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit sei zu bedenken, dass der Versicherte aus
neuropsychologischer Sicht Anleitung und Begleitung benötige, da er aufgrund der
verminderten Intelligenzleistungen und der weiteren Einschränkungen nicht zuverlässig
in der Lage sei, selbständig Arbeitsaufträge zu erfassen und auszuführen. Die
Arbeitsaufträge sollten beim unmittelbaren Behalten bei Bedarf wiederholt gegeben
werden und nur wenige Informationseinheiten beinhalten. Einfache Arbeitsaufträge, die
nur wenige Arbeitsschritte beinhalteten, könne der Versicherte in der Regel gut
erfassen. Die Lernanforderungen sollten insgesamt leicht unterdurchschnittlich sein.
Handlungsanweisungen sollten einfach und klar formuliert sein. Erwerbliche Tätigkeiten
sollten geringe intellektuelle und sprachliche Anforderungen mit sich bringen.
Mathematische Anforderungen sollten leicht unterdurchschnittlich sein. Aufgrund der
verminderten Fähigkeit zur Fehlerkontrolle sei eine gewisse Fehlertoleranz erforderlich.
Die Tempoanforderungen sollten leicht unterdurchschnittlich sein. Besondere
Schwierigkeiten seien zu erwarten, wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig bearbeitet
werden müssten oder wenn auf mehrere Reize gleichzeitig geachtet werden müsse.
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Hinsichtlich der Präsenzzeit bestünden keine Einschränkungen. Der psychiatrische
Sachverständige führte aus, aus psychiatrischer Sicht seien die vom
Neuropsychologen gestellten Diagnosen – leichte Intelligenzminderung sowie
Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung – zu bestätigen. Für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung seien insbesondere die damit einhergehenden
neuropsychologischen Defizite ausschlaggebend. Auch in der psychiatrischen
Exploration hätten keine Anzeichen für eine Aggravation oder für eine Simulation
vorgelegen. Invaliditätsfremde Faktoren spielten keine Rolle. Eine Suchterkrankung
liege nicht vor. Eine psychiatrische Behandlung finde zwar nicht statt, eine solche hätte
aber auch keinen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht spreche
nichts gegen eine ganztägige Präsenz an einem Arbeitsplatz. Für die erlernte Tätigkeit
als Maurer müsse von einer verminderten Leistungsfähigkeit ausgegangen werden, weil
der Versicherte ein deutlich erhöhtes Mass an Anleitung und Begleitung benötige, weil
er nur gewisse Arbeiten ausführen könne und weil eine gewisse Fehlertoleranz
einkalkuliert werden müsse. Der Arbeitsfähigkeitsgrad sei auf 50 Prozent zu schätzen.
Als leidensadaptiert seien Tätigkeiten zu qualifizieren, bei denen Arbeitsaufträge bei
Bedarf wiederholt erteilt würden und bei denen diese Aufträge auch nur wenige
Informationseinheiten beinhalteten. Die Lernanforderungen sollten insgesamt leicht
unterdurchschnittlich sein. Die Handlungsanweisungen sollten einfach und klar
formuliert sein. Die erwerblichen Tätigkeiten sollten nur geringe intellektuelle und
sprachliche Anforderungen mit sich bringen. Eine gewisse Fehlertoleranz sei
erforderlich. Die Tempoanforderungen sollten insgesamt leicht unterdurchschnittlich
sein. Am besten geeignet sei ein strukturiertes Arbeitssetting mit wenig wechselnden,
einfachen und repetitiven Arbeitsabläufen. Sofern all diese Kriterien erfüllt seien,
bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Anforderungen an einen
leidensadaptierten Arbeitsplatz seien „recht hoch“, aber es sei die Sache der IV-Stelle
zu entscheiden, welches Einkommen in einer solchen Tätigkeit erzielt werden könne.
Die beschriebenen Einschränkungen bestünden unverändert seit der beruflichen
Ausbildung. Die RAD-Ärztin Dr. med. H._ qualifizierte das Gutachten als
überzeugend (IV-act. 156).
Am 28. Februar 2017 fand eine weitere Befragung des Versicherten statt. Dieser
gab an (IV-act. 164), er sei nicht direkt „faul“; für ihn seien gewisse Dinge einfach zu
A.h.
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anstrengend. Für solche anstrengenden Dinge fehle ihm die Motivation. Er arbeite
immer noch im selben Betrieb, schraube aber nur noch an einem Auto. Im Betrieb
könne er gewisse Arbeiten selbständig ausführen, nämlich jene, die er schon lange
verrichte. Der Betriebsleiter sei jeweils nur nachmittags anwesend. Dann sage er dem
Versicherten, was dieser zu tun habe. Jede Stunde tauche er einmal auf, um den
Versicherten zu kontrollieren. Bei gewissen Arbeiten sage ihm der Versicherte, dass er
diese Arbeiten nicht ausführen könne. Das seien Arbeiten, die der Betriebsleiter zu
kompliziert erkläre. Dann sage der Versicherte einfach, dass er das nicht könne. Das
habe er auch schon gesagt, wenn er keine Lust gehabt habe. Aber wenn der
Betriebsleiter viele Sachen gleichzeitig sage, bekomme der Versicherte ein
Durcheinander. Nur bei Dingen, die immer gleich seien, gehe es gut. Bei der
neuropsychologischen Testung sei er vielleicht nicht ganz auf die Sache konzentriert
gewesen, denn diese sei an einem Morgen durchgeführt worden und morgens sei er
einfach nicht konzentriert. Auf die Nachfrage des IV-Sachbearbeiters, ob das bedeute,
dass er folglich morgens auch nicht Auto fahren könne, erwiderte der Versicherte, dass
er keine Lust auf diese Tests gehabt habe. Der IV-Sachbearbeiter konfrontierte den
Versicherten daraufhin mit der Aussage, dass sich der Versicherte nun in einer
Zwickmühle befinde, und er frage den Versicherten, worin diese Zwickmühle bestehe.
Der Versicherte antwortete, die Zwickmühle heisse „Führerschein oder IV-Rente“. Auf
die Frage, mit welchem Verhalten der Versicherte versucht habe, das Testergebnis zu
verfälschen, antwortete der Versicherte, dass er bei einigen Tests Worte habe im Kopf
behalten müssen; er habe ein Durcheinander im Kopf bekommen und dann habe er die
schwierigen Worte nicht mehr aussprechen können. Auf weitere Nachfragen hin gab
der Versicherte an, er habe beim Zeichnen eines Hauses extra ein wenig „gehudelt“.
Bei den Reaktionstests habe er einfach unkonzentriert gedrückt, wann er Lust gehabt
habe.
Mit einem Vorbescheid vom 22. August 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass sie die Aufhebung der laufenden Rente vorsehe (IV-act. 165). Dagegen liess
der nun vertretene Versicherte am 22. September 2017 einwenden (IV-act. 169), das
Gutachten der Dres. I._ und J._ belege eindeutig eine Intelligenzminderung mit
einer tiefen Leistungsfähigkeit. Die Anstellungen in der Vergangenheit zeigten, dass der
Versicherte nur durch starke Führung eine verwertbare Arbeitsleistung an einem
A.i.
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B.
Nischenarbeitsplatz erbringen könne. Die Affinität zum Hobby „Auto“ habe es dem
Versicherten nicht erlaubt, wirtschaftliche Erfolge zu erzielen. Der Grossbrand spreche
gegen eine Professionalität im Umgang mit Autos. Die Offenheit des Versicherten in
den beiden Verhören durch die IV-Stelle spreche ebenfalls für die Minderintelligenz des
Versicherten, denn keiner normal intelligenten Person wäre es in den Sinn gekommen,
sich wiederholt als faul zu bezeichnen. Zu bemängeln sei auch, dass die IV-Stelle im
zweiten Verhör versucht habe, den Versicherten dazu zu bringen, entgegen der klaren
Ausführungen im Gutachten eine Simulation zu bestätigen. Zwischenzeitlich habe der
Versicherte seine Arbeitsstelle verloren, weil die Situation am Arbeitsplatz unzumutbar
geworden sei. Sein sozial eingestellter ehemaliger Arbeitgeber habe ihm aber einen
Praktikumsplatz in der Gipserunternehmung angeboten, bei der er Mitinhaber sei. Am
27. September 2017 gab der Arbeitgeber an (IV-act. 174), dass der Versicherte
einfache Tätigkeiten ausführen könne, dass er aber ständig genau überwacht werden
müsse. Arbeiten unter Druck seien unmöglich. Auf dem freien Arbeitsmarkt könnte der
Versicherte ganz klar nicht bestehen. Was er aktuell mache, sei ein Nischenarbeitsplatz
mit sozialen Hintergedanken. Die Leistungsfähigkeit sei äusserst gering. Man müsse
ihn als eine Hilfskraft eines Hilfsarbeiters bezeichnen. Mit einer Verfügung vom 29.
September 2017 hob die IV-Stelle die laufende Rente auf (IV-act. 176). Bezugnehmend
auf die Einwände des Versicherten führte sie aus, zum Vorwurf, der Versicherte sei
„verhört“ worden, werde sie sich nicht äussern. Angesichts der Intensität, mit der der
Versicherte Autos gehandelt und repariert habe, könne nicht von einer
Freizeitbeschäftigung gesprochen werden. Letztlich fehle es nur an der Motivation des
Versicherten.
Am 26. Oktober 2017 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. September 2017 erheben (act. G 1 und
G 3). Seine Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung,
die Weiterausrichtung der ganzen Rente und eventualiter die Rückweisung der Sache
zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). Zur
Begründung führte sie aus, es liege kein Revisionsgrund im Sinne des Art. 17 ATSG
vor. Das Gutachten von Dr. I._ bestätige einen unveränderten Gesundheitszustand.
B.a.
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Erwägungen
1.
Bei der angefochtenen Verfügung vom 29. September 2017 scheint es sich auf den
ersten Blick um eine Revisionsverfügung im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG zu handeln,
denn die Beschwerdeführerin hat mit dieser Verfügung die am 13. März 2012 formell
rechtskräftig zugesprochene Rente mit Wirkung für die Zukunft aufgehoben. Der
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 5. Februar 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, die Korrektur des
Rentenanspruchs umfasse hier verfahrensrechtlich Aspekte der Wiedererwägung im
Sinne des Art. 53 Abs. 2 ATSG und der Anpassung im Sinne des Art. 17 ATSG. Die
ursprüngliche Rentenzusprache habe nämlich wesentlich auf den Aussagen des
damaligen Arbeitgebers des Beschwerdeführers und auf dem Ergebnis einer IQ-
Testung basiert. Der Arbeitgeber habe den Beschwerdeführer zu einem sehr tiefen
Lohn beschäftigt. Er habe folglich ein Interesse daran, dass sich nichts ändere. Seine
Aussage habe daher kaum einen Beweiswert. Die IQ-Testung sei nicht durch eine
Fachperson durchgeführt worden. Damit habe keine verlässliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung vorgelegen. Der Sachverhalt sei offensichtlich unzureichend
abgeklärt worden, weshalb die ursprüngliche Rentenzusprache offensichtlich unrichtig
sei. Folglich sei es zulässig gewesen, den IV-Grad im Rahmen einer Wiedererwägung
ex nunc et pro futuro neu festzusetzen. Gleichzeitig seien auch die Voraussetzungen
für eine Anpassung gegeben, denn der erwerbliche Sachverhalt habe sich mit der
Aufnahme einer Nebenerwerbstätigkeit wesentlich verändert; zudem seien die Kriterien
für die Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung nur noch
knapp erfüllt. Die gutachterlich umschriebenen Adaptionskriterien seien nicht so eng
umschrieben, dass die Arbeitsfähigkeit nur in einem geschützten Rahmen verwertet
werden könnte.
B.b.
Der Beschwerdeführer liess am 28. Februar 2018 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 8). Am 4. April 2018 liess er darauf hinweisen, dass die Fahreignung verneint
worden sei (act. G 12).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 16. April 2018 ebenfalls an ihrem
Antrag fest (act. G 14).
B.d.
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Verfügungsbegründung lässt sich allerdings entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin
diese Rentenaufhebung nicht mit einer für die Anwendung des Art. 17 Abs. 1 ATSG
erforderlichen Sachverhaltsveränderung, sondern mit ihrer Verletzung der gesetzlichen
Untersuchungspflicht bei der ursprünglichen Rentenzusprache begründet hat. Sie hat
explizit darauf hingewiesen, dass dieser Umstand eine Wiedererwägung im Sinne des
Art. 53 Abs. 2 ATSG rechtfertige. Eine solche wiedererwägungsweise Korrektur der
ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung vom 13. März 2012 hätte zwar mit
Wirkung ex tunc erfolgen müssen, weil nur eine solche rückwirkende Korrektur den
gesetzmässigen Zustand wiederherstellen und eine Gewähr für die gesetzmässige
Anwendung des Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG bieten kann, aber die Beschwerdegegnerin
hat hinsichtlich des Wirkungszeitpunktes auf die – nicht überzeugend mit einem
Verweis auf den Art. 88 IVV (bei dem es sich um eine Ausführungsbestimmung zum
Art. 17 ATSG, aber nicht um eine Ausführungsbestimmung zum Art. 53 Abs. 2 ATSG
handelt) begründete – bundesgerichtliche Auffassung verwiesen, wonach es im freien
Belieben der IV-Stellen stehe, eine Wiedererwägung lediglich ex nunc wirken zu lassen.
Die Beschwerdegegnerin hat also keine Revisions-, sondern eine
Wiedererwägungsverfügung erlassen. Ihr nachträglicher, in der Beschwerdeantwort
vorgebrachter Hinweis, die Verfügung vom 29. September 2017 enthalte auch
Elemente einer Revision im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG, ändert daran nichts, da es
sich dabei offensichtlich um den Versuch einer nachgeschobenen Uminterpretation der
Verfügung vom 29. September 2017 handelt. Massgebend ist jedenfalls, dass die
Beschwerdegegnerin ihre ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung vom 13. März
2012 wiedererwägungsweise hat korrigieren wollen, auch wenn sie dafür einen
atypischen Wirkungszeitpunkt – ex nunc et pro futuro statt ex tunc – gewählt hat. In
diesem Beschwerdeverfahren ist deshalb nur zu prüfen, ob es rechtmässig gewesen
ist, die ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung vom 13. März 2012
wiedererwägungsweise durch eine Abweisung des Rentenbegehrens des
Beschwerdeführers zu ersetzen.
2.
bis
Laut dem Art. 53 Abs. 2 ATSG kann ein Versicherungsträger auf eine formell
rechtskräftige Verfügung zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig ist und wenn
ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Sowohl der Wortlaut als auch der Sinn
und Zweck des Art. 53 Abs. 2 ATSG erfordern bei der Prüfung, ob die
Wiedererwägungsvoraussetzungen im konkreten Einzelfall erfüllt sind, einen Vergleich
zwischen der Rechtsfolgeanordnung der ursprünglichen, formell rechtskräftigen
rentenzusprechenden Verfügung und jener Rechtsfolgeanordnung, die richtigerweise
2.1.
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aus einer sorgfältigen Subsumtion des Sachverhaltes unter die massgebenden
Gesetzesbestimmungen hätte resultieren müssen. Denn nur wenn die richtige
Rechtsfolgeanordnung anders als die in der ursprünglichen Verfügung angeordnete
Rechtsfolge ausfällt, kann die ursprüngliche Verfügung unrichtig sein; auch kann eine
Berichtigung nur in diesem Fall von erheblicher Bedeutung sein. Ist eine allfällige
Unrichtigkeit der ursprünglichen Rechtsfolgeanordnung auf eine falsche
Rechtsanwendung zurückzuführen, handelt es sich ohne Weiteres um eine zweifellose
Unrichtigkeit, denn das Recht kann nur entweder richtig oder aber falsch angewendet
werden, weshalb jede falsche Rechtsanwendung zweifellos unrichtig sein muss. Ist der
Fehler dagegen auf der Sachverhaltsebene zu verorten, kann nicht jeder Fehler als eine
zweifellose Unrichtigkeit qualifiziert werden, denn die Sachverhaltsermittlung und die
Sachverhaltswürdigung sind in aller Regel mit gewissen Unsicherheiten verbunden,
weshalb sich die Rechtsanwendung im Sozialversicherungsrecht auch nicht auf einen
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststehenden Sachverhalt stützen
muss, sondern sich mit einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit begnügen darf. Das
Bundesgericht bedient sich zur Abgrenzung zwischen einer „gewöhnlichen“ und einer
zweifellosen sachverhaltlichen Unrichtigkeit der Formel, dass die Annahme einer
zweifellosen Unrichtigkeit ausscheide, wenn „ermessensgeprägte Teile der
Anspruchsprüfung vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der
Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer
Weise beurteilt worden“ seien (BGE 141 V 405 E. 5.2 S. 414 f. mit Hinweisen).
Für die Beantwortung der Frage, ob die ursprüngliche rentenzusprechende
Verfügung vom 13. März 2012 zweifellos unrichtig im Sinne des Art. 53 Abs. 2 ATSG
gewesen ist, ist ausschlaggebend, wie hoch das zumutbarerweise erzielbare
Invalideneinkommen gewesen ist. Diesbezüglich ist auf das Gutachten der Dres. I._
und J._ abzustellen. Die beiden Sachverständigen haben den Beschwerdeführer
nämlich umfassend persönlich untersucht und sie haben die relevanten Vorakten
eingehend gewürdigt, sodass sie über eine umfassende Kenntnis des medizinischen
Sachverhaltes verfügt haben. Beide Sachverständigen haben ein besonderes
Augenmerk auf die Prüfung der Zuverlässigkeit der Angaben und der präsentierten
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers gelegt: Dr. J._ hat mehrere
Symptomvalidierungstests durchgeführt und Dr. I._ hat sich eingehend mit der Frage
nach Inkonsistenzen oder Diskrepanzen befasst. Beide Sachverständigen sind
übereinstimmend zum Ergebnis gelangt, dass die Angaben des Beschwerdeführers
und die von ihm demonstrierte Leistungsfähigkeit zuverlässig respektive authentisch
gewesen sind. Daran ändert das Protokoll der Beschwerdegegnerin zur zweiten
Befragung des Beschwerdeführers vom 28. Februar 2017 nichts, weil es aus den
2.2.
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folgenden Gründen als ein untaugliches Beweismittel qualifiziert werden muss: Bereits
das Protokoll zur ersten Befragung vom 21. Juni 2016, die vom selben Sachbearbeiter
wie die zweite Befragung durchgeführt worden war, erweckt den Anschein, dass der
Sachbearbeiter nicht durchwegs versucht hat, mit seinen Fragen zur Ermittlung des
objektiven Sachverhaltes beizutragen, denn die Gesprächsführung scheint teilweise
(einseitig) darauf abgezielt zu haben, dem Beschwerdeführer dessen „Faulheit“
nachzuweisen. Am Ende der Befragung hat der Sachbearbeiter festgehalten:
„Entschuldigen Sie, ich kann mir diese Frage nicht verkneifen; ich möchte es als Frage
formulieren: Sind Sie ein fauler Kerl?“ (IV-act. 146–20). Offenbar hat er den
Beschwerdeführer also für einen „faulen Kerl“ gehalten und das auch so zum Ausdruck
bringen wollen, aber – wohl aus beweistaktischen Gründen – diese Meinung nicht als
Aussage, sondern als Frage formuliert („ich will es als Frage formulieren“). Bei der
zweiten Befragung vom 28. Februar 2017 hat der Sachbearbeiter – dieses Mal für einen
kritischen Leser eindeutig erkennbar – versucht, dem Beschwerdeführer eine
Aggravation oder eine Simulation bei der vorgängigen Begutachtung nachzuweisen.
Der Sachbearbeiter hat dem Beschwerdeführer nicht nur Suggestivfragen gestellt,
sondern er hat mit der Wahl und der Reihenfolge seiner Fragen und
Zwischenbemerkungen offensichtlich von Beginn des Gespräches weg versucht, den
Beschwerdeführer dahin zu bringen, eine bewusste Verfälschung der Ergebnisse der
Begutachtung einzugestehen. Dabei hat er sich eines Druckmittels bedient, nämlich der
wiederholten Hinweise auf die im Gutachten erwähnte fragliche Fahreignung des
Beschwerdeführers. Das Protokoll vom 28. Februar 2017 lässt darauf schliessen, dass
der Sachbearbeiter der Beschwerdegegnerin bereits vor dem Gespräch mit dem
Beschwerdeführer davon überzeugt gewesen ist, dass dieser bei der Begutachtung
bewusst ein zu tiefes Funktionsniveau gezeigt habe. Das Ziel der Befragung ist nicht
eine Erhellung des objektiven Sachverhaltes, sondern die Bestätigung der im Voraus
gefassten Überzeugung gewesen. Diese Überzeugung hat aber keine Grundlage in den
vorgängigen Akten gefunden, denn sowohl Dr. I._ als auch Dr. J._ hatten mehrfach
und überzeugend darauf hingewiesen, dass eine Aggravation oder eine Simulation bei
der Begutachtung hätten ausgeschlossen werden können. Der Sachbearbeiter der
Beschwerdegegnerin hat sich also nicht ausschliesslich von sachlichen Motiven,
sondern teilweise auch von seiner eigenen Voreingenommenheit leiten lassen, weshalb
zusammenfassend der objektive Anschein einer Befangenheit des Sachbearbeiters
besteht. Das Protokoll vom 28. Februar 2017 muss folglich als ein untaugliches
Beweismittel qualifiziert werden. Bezüglich der Frage nach einer allfälligen bewussten
Verfälschung der Gutachtensergebnisse ist deshalb allein auf die Aussagen der Dres.
I._ und J._ im Gutachten abzustellen. Dr. I._ hat darauf hingewiesen, dass eine
Simulation zwar theoretisch möglich, aber extrem unwahrscheinlich sei. Dr. J._ hat
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angegeben, dass der Beschwerdeführer bei den Reaktionstests vor allem dann versagt
habe, wenn ein Warnsignal seine Reaktionsgeschwindigkeit hätte verbessern sollen: In
diesen Situationen hat der Beschwerdeführer nicht „wahllos nach Lust“ auf den Knopf
gedrückt, sondern jeweils schon dann, wenn das Warnsignal ertönt ist. Dr. J._ hat
also bei den Reaktionstests keine Beliebigkeit im Verhalten des Beschwerdeführers,
sondern vielmehr eine Art „systematisches“ Defizit festgestellt. Zusammenfassend
deutet also nichts darauf hin, dass die Überzeugung des Sachbearbeiters der
Beschwerdegegnerin, die Angaben des Beschwerdeführers oder die von diesem
gezeigten Leistungen in der psychiatrischen Exploration und in der
neuropsychologischen Testung seien unzuverlässig gewesen, berechtigt gewesen
wäre. Sowohl Dr. J._ als auch Dr. I._ haben gestützt auf die von ihnen erhobenen
objektiven Befunde und unter Berücksichtigung der Vorakten mit einer überzeugenden
Begründung dargelegt, dass der Beschwerdeführer an einer leichten
Intelligenzminderung und an einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung
leidet. Ebenso überzeugend haben die Sachverständigen aufgezeigt, dass keine
wesentliche Diskrepanz zum Ergebnis einer früheren, von einer
Eingliederungsverantwortlichen der Beschwerdegegnerin durchgeführten IQ-Testung
bestand; die Abweichung war auf die Verwendung von unterschiedlichen Testverfahren
zurückzuführen. Zu berücksichtigen ist diesbezüglich auch, dass gemäss dem ICD-10
eine leichte Intelligenzminderung laut den Ausführungen von Dr. J._ zu
diagnostizieren ist, wenn der IQ zwischen 50 und 69 liegt, und dass sowohl die aktuelle
Testung (IQ 64) als auch die frühere Testung (IQ 54) ein innerhalb dieses Bereichs
liegendes Ergebnis gezeitigt haben. Die beiden Sachverständigen haben ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung ebenfalls überzeugend anhand der von ihnen erhobenen
objektiven klinischen Befunde begründet. Auch diesbezüglich besteht eine
weitgehende Übereinstimmung mit den Angaben in den Vorakten. Es besteht folglich
kein Grund zur Annahme, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
ideal leidensadaptierten Tätigkeit eingeschränkt sein könnte. Als ideal leidensadaptiert
sind gemäss den Ausführungen der Dres. I._ und J._ Tätigkeiten zu qualifizieren,
bei denen Arbeitsaufträge bei Bedarf wiederholt erteilt werden und bei denen diese
Aufträge auch nur wenige Informationseinheiten beinhalten. Die Lernanforderungen
sollten insgesamt leicht unterdurchschnittlich sein. Die Handlungsanweisungen sollten
einfach und klar formuliert sein. Die erwerblichen Tätigkeiten sollten nur geringe
intellektuelle und sprachliche Anforderungen mit sich bringen. Eine gewisse
Fehlertoleranz ist erforderlich. Die Tempoanforderungen sollten insgesamt leicht
unterdurchschnittlich sein. Am besten geeignet ist ein strukturiertes Arbeitssetting mit
wenig wechselnden, einfachen und repetitiven Arbeitsabläufen. Der Sachverständige
Dr. I._ hat kommentierend angefügt, dass diese Anforderungen doch „recht hoch“
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seien und dass die nicht-medizinische Frage zu beantworten bleibe, welchen Lohn ein
Arbeitnehmer unter diesen Voraussetzungen erzielen könne. Diese Frage muss aus
betriebswirtschaftlich-ökonomischer Sicht beantwortet werden. Der ökonomische
Mehrwert, den der Beschwerdeführer in einem strukturierten Arbeitssetting mit wenig
wechselnden, einfachen und repetitiven Arbeitsabläufen erzielen könnte, dürfte wohl
durchaus im üblichen Rahmen liegen, denn der Beschwerdeführer leidet an keinen
somatischen oder psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen, die seine
Arbeitsleistung wesentlich einschränken würden. Ein strikt betriebswirtschaftlich-
ökonomisch denkender, selbst dem rauen Wind der Marktwirtschaft ausgesetzter
Arbeitgeber muss allerdings auch die Kosten einkalkulieren, mit denen dieser Mehrwert
„erkauft“ werden muss. Diese Kosten dürften im vorliegenden Fall wohl sehr hoch sein,
denn der Beschwerdeführer benötigt nicht nur eine überdurchschnittlich intensive
Einarbeitung in eine neue Tätigkeit, sondern auch eine lohnkostenintensive ständige
Begleitung und Überwachung bei der Ausführung der Arbeiten. Das ergibt sich nicht
nur aus dem Gutachten der Dres. I._ und J._, sondern auch aus den Angaben
betreffend die bisherigen Arbeitsverhältnisse des Beschwerdeführers, bei denen es
sich gemäss den Akten de facto um „geschützte Arbeitsplätze“ bei
überdurchschnittlich sozial eingestellten Arbeitgebern gehandelt haben dürfte: Der
Beschwerdeführer ist an seinen bisherigen Arbeitsplätzen nicht einmal in der Lage
gewesen, sämtliche Hilfsarbeiten auszuführen, obwohl Hilfsarbeiten definitionsgemäss
nach einer kurzen Einarbeitungszeit grundsätzlich von jedermann ausgeführt werden
können. Er hat nur die einfachsten Tätigkeiten ausführen können und selbst dafür hat
er eine überdurchschnittlich intensive Einarbeitung benötigt. Aufträge betreffend
„komplexere“ Hilfsarbeiten hat er nicht ausführen können, weil er die Anweisungen
nicht verstanden hat. Das hat er in den Befragungen durch die Beschwerdegegnerin als
ein „Durcheinander im Kopf“ bezeichnet, das entstanden sei, wenn der Chef oder die
Chefin „viel zu kompliziert“ erklärt habe. Die Schilderung des letzten Arbeitgebers
betreffend das Verhalten des Beschwerdeführers in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Hilfskraft in einer Gipserunternehmung bestätigt ebenfalls, dass der Beschwerdeführer
nur für einfachste Tätigkeiten eingesetzt werden kann, in den Worten des Arbeitgebers
als „Hilfskraft eines Hilfsarbeiters“. Entgegen der Behauptung der Beschwerdegegnerin
besteht kein Grund, den Aussagen des Arbeitgebers mit einem grundsätzlichen
Misstrauen zu begegnen, zumal sie sich mit den Aussagen der früheren Arbeitgeber
und mit den Angaben in den übrigen Akten decken. Aus ökonomischer Sicht dürfte
aber der ständige Überwachungsbedarf noch stärker ins Gewicht fallen als der
überdurchschnittlich hohe Einarbeitungsbedarf, denn die notwendige ständige
Überwachung und Kontrolle der Arbeitsleistung des Beschwerdeführers wird wohl den
Einsatz von erheblichen personellen Ressourcen erfordern, was bedeutet, dass ein
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(besser qualifizierter) Arbeitskollege des Beschwerdeführers einen nicht unerheblichen
Teil seiner Arbeitszeit dafür aufwenden muss, den Beschwerdeführer bei der
Arbeitsausführung zu überwachen. Ohne eine solche Überwachung würde die
Arbeitsleistung des Beschwerdeführers wohl rasch auf ein sich ökonomisch nicht mehr
rechnendes Niveau fallen. Auf eine intensive Überwachung hat offenbar nur dort
verzichtet werden können, wo der Beschwerdeführer einfachste Tätigkeiten verrichtet
hat, die er bereits seit Jahren ausgeführt hatte. Die betriebswirtschaftlich-ökonomisch
zwingend zu berücksichtigenden Kosten für die intensive Instruktion und Überwachung
des Beschwerdeführers dürften den ökonomischen Mehrwert der Arbeitsleistung des
Beschwerdeführers wohl weitgehend aufheben, weil für die Instruktion und für die
Überwachung besser qualifiziertes Personal eingesetzt werden muss, das während der
Instruktion und der Überwachung des Beschwerdeführers nicht produktiv tätig sein
kann. Betriebswirtschaftlich-ökonomisch betrachtet dürfte die Anstellung des
Beschwerdeführers für einen potentiellen Arbeitgeber wohl sogar ein „Verlustgeschäft“
darstellen, weil die Instruktions- und Überwachungsmehrkosten den Mehrwert der
Arbeitsleistung des Beschwerdeführers übersteigen könnten. Damit stimmt der
Umstand überein, dass der offensichtlich überdurchschnittlich sozial eingestellte
Arbeitgeber den Lohn des Beschwerdeführers nach Jahren halbiert hat, weil die
Arbeitsleistung des Beschwerdeführers ökonomisch gesehen nicht einmal 1’200
Franken pro Monat wert gewesen ist. Daran ändert der Umstand, dass der
Beschwerdeführer über eine gewisse Zeit hinweg an Autos „gebastelt“ hat, nichts,
denn entgegen der von der Beschwerdegegnerin offenbar vertretenen Ansicht besteht
kein Grund zur Annahme, dass der Beschwerdeführer dabei komplexere Arbeiten
verrichtet hätte. Zwar hat er behauptet, er habe auch schon einen Service an einem
Auto ausgeführt, aber diese Behauptung widerspricht der gesamten objektiven
Aktenlage. Möglicherweise hat es sich dabei um eine blosse Prahlerei gehandelt. Zu
berücksichtigen ist diesbezüglich, dass der Beschwerdeführer nie alleine an Autos
„gebastelt“ hat. Es ist anzunehmen dass er jeweils bloss die einfacheren Arbeiten wie
Radwechsel oder Autowäsche ausgeführt hat. Angesichts der Offenheit, mit der der
Beschwerdeführer die Fragen der Beschwerdegegnerin beantwortet hat, besteht auch
kein Grund, seine Aussage anzuzweifeln, dass man in der Garage häufiger getrunken,
gespielt und „abgehängt“ als gearbeitet hat. Die einzige Unstimmigkeit, die sich aus
den Akten ergibt, ist der Umstand, dass es dem Beschwerdeführer gelungen ist, einen
Führerausweis zu erlangen. Dabei dürfte allerdings eine gehörige Portion Glück im
Spiel gewesen sein, denn immerhin ist dem Beschwerdeführer zwischenzeitlich – bei
einer unveränderten medizinischen Sachlage – die Fahreignung definitiv abgesprochen
worden. Zusammenfassend bestehen erhebliche Zweifel daran, dass der
Beschwerdeführer seine Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft verwerten kann. Die
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3.
Die Rückweisung einer Sache zu weiteren Abklärungen gilt rechtsprechungsgemäss als
ein vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei. Die Gerichtskosten von
600 Franken sind folglich der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Dem
Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine
Parteientschädigung auszurichten. Angesichts des als durchschnittlich zu
qualifizierenden erforderlichen Vertretungsaufwandes ist die Parteientschädigung auf
3’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.