Decision ID: 3155fd59-1f91-4d6f-a450-312539e64ce1
Year: 2010
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1. X._, geboren 1962, ist gelernter Metallbauschlosser und arbeitete auf diesem Beruf zuletzt vom 29. Juni 2003 bis am 24. November 2003 bei der Firma Y._ Metallbau, Z._ (Urk. 8/12). Am 18. August 2005 meldete er sich wegen psychischer Störungen (Schizophrenie/Borderline) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte Auskünfte zur erwerblichen und medizinischen Situation ein (u.a. Arbeitgeberberichte [Urk. 8/10 und Urk. 8/12]; IK-Auszüge [Urk. 8/9] und ärztliche Berichte [Urk. 8/14 und Urk. 8/18]) und liess bei Dr. med. A._, Fachärztin FMH für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten erstellen (vom 10. Februar 2008, Urk. 8/28). Gestützt auf diese Unterlagen teilte die IV-Stelle dem Versicherten mittels Vorbescheid vom 19. September 2008 mit, sie beabsichtige, sein Leistungsbegehren abzuweisen, da er nie während eines Jahres durchschnittlich zu 40 % arbeitsunfähig gewesen sei (Urk. 8/36). Nachdem der Versicherte keine Einwände vorgebracht hatte, verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. November 2008 den Anspruch auf eine Rente (Urk. 2).
2. Hiergegen liess X._ durch Rechtsanwältin Barbara Heer, Support Sozialdepartement, Stadt Zürich, mit Eingabe vom 10. Dezember 2008 Beschwerde erheben und eine IV-Rente ab 1. November 2004, eventualiter Rückweisung der Sache zu weiteren Abklärungen beantragen. Im Weiteren sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 2. Februar 2009 ersuchte die Beschwerdegegnerin um Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Mit Replik vom 8. April 2009 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht des Psychotherapeuten Dr. phil. E._ sowie Lohnunterlagen des Jahres 2008 ein (Urk. 13/1-9). Im Weiteren machte er für das Jahr 2008 den Anspruch auf eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 84 % geltend und hielt im Übrigen an den gestellten Anträgen fest (Urk. 12). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf Duplik (Urk. 17).
3. Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Strittig und vorab zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer das Anspruchserfordernis der bestandenen einjährigen Wartezeit ohne wesentlichen Unterbruch gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; zutreffend wiedergegeben in der angefochtenen Verfügung) erfüllt.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin gelangte aufgrund ihrer Abklärungen zum Resultat, beim Beschwerdeführer habe nie eine Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich 40 % während eines Jahres bestanden. Ausgewiesen seien Zeiten von Arbeitsunfähigkeit von März bis Juni 2003 und wieder ab Dezember 2003. Im Laufe des Jahres 2004 sei es ihm indessen wieder möglich gewesen, über das Eingliederungszentrum F._ mit einer Arbeit zu beginnen. Ab Mitte 2004 sei deshalb davon auszugehen, dass er in der Lage sei, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (vgl. Urk. 2).
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei - nach mehrmonatiger vollständiger Arbeitsunfähigkeit ab März 2003 - auch während der Anstellungszeit bei der Firma Y._ gesundheitlich sehr angeschlagen gewesen, weshalb das Arbeitsverhältnis per 24. November 2003 aufgelöst worden sei. Das Wartejahr sei somit Ende November 2004 erfüllt gewesen (Urk. 1 S. 6). Im Weiteren Verlauf sei er zwar ab dem Jahr 2006 wieder teilweise erwerbstätig gewesen, allerdings habe er ein wesentlich tieferes Einkommen erzielt als in gesunden Zeiten, zudem sei er ab Oktober 2007 teilweise krank gewesen (Urk. 1 S. 6 und Urk. 12).
2.2 Nach dem Bericht von Dr. B._ vom 16. Januar 2006 (Urk. 8/14) leidet der Beschwerdeführer bereits seit längerer Zeit an einer schizoaffektiv-aggressiven Psychose und Angststörung. Unter Belastung bestehe eine Aggressionsgefahr mit Fremdgefährdung. Dr. B._ erachtet dem Beschwerdeführer seit dem 1. Dezember 2003 keine Tätigkeit mehr als zumutbar. Auch der Psychiater Dr. C._ geht in seinem Bericht vom 16. Februar 2006 (Urk. 8/16) bei der Diagnose Schizophrenie (ICD-10 F 20.0) davon aus, dass der Beschwerdeführer seit dem 1. Juni 2004 (Behandlungsbeginn) dauernd für jede Tätigkeit arbeitsunfähig ist. Laut seinen Angaben stehen anamnestisch schwere, kaum im Zaume zu haltende Aggressionsdurchbrüche, Schlaflosigkeit, Schwermutsphasen, Aussichtslosigkeit, Hilflosigkeit und Vereinsamungsgefühle im Vordergrund. An therapeutischen Massnahmen empfiehlt er vor allem intensive Begleitung in Form einer stützenden Gesprächstherapie, wobei er in Bezug auf die grundlegende Verbesserung der psychischen Struktur keine günstige Prognose zu stellen vermag.
Die psychiatrische Gutachterin, Dr. A._, welche den Beschwerdeführer am 6. Juli 2007 untersuchte, diagnostizierte in ihrer Expertise vom 10. Februar 2008 (Urk. 8/28) eine leicht ausgeprägte paranoide Schizophrenie. Zur Arbeitsfähigkeit führte sie aus, nachdem es offenbar im Rahmen der Grunderkrankung im März 2003 zu einer Exazerbation und schweren depressiven Episode mit Kündigung der Arbeitsstelle und sozialem Rückzug gekommen sei, habe sich die gesundheitliche Situation wieder langsam gebessert, sodass er im Jahr 2004 im Eingliederungszentrum F._ wieder habe berufstätig sein können. Allerdings liessen sich diese Fragen aufgrund der vorliegenden Unterlagen und der Angaben des Beschwerdeführers nicht schlüssig klären. Aufgrund seiner eigenen Angaben sei aber davon auszugehen, dass er im Zeitpunkt der Untersuchung seit einem Jahr ganztags als Metallbauer in temporärer Anstellung berufstätig sei. An einer 100%igen Arbeitsfähigkeit könne trotz der psychiatrischen Erkrankung auch für die Zukunft festgehalten werden, sofern mit einer prophylaktischen antipsychotischen Behandlung und regelmässiger psychiatrischer Betreuung eine erneute Exazerbation der Grunderkrankung erkannt und entgegengewirkt werde.
2.3 Unbestritten ist, dass sich die psychische Erkrankung, soweit sie allenfalls bereits vor dem Jahr 2003 bestand, sich bis Ende März 2003 (Kündigung der Anstellung bei der Firma G._, vgl. Urk. 8/10) nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkte. Gemäss den lediglich anamnestisch erhobenen Angaben von Dr. A._ verschlechterte sich anschliessend der Gesundheitszustand massiv und es bestand während mehrerer Monate eine schwere Depression. Erstaunlicherweise finden sich dazu im Bericht von Dr. B._, der den Beschwerdeführer seit 1994 behandelte, keine Angaben (vgl. Urk. 8/14). Der Arzt geht denn auch erst ab 1. Dezember 2003, also nach Beendigung der von Juni bis November dauernden Anstellung bei der Firma Y._ Metallbau, von einer Arbeitsunfähigkeit aus.
Wie sich der Gesundheitszustand anschliessend entwickelte, ist aufgrund der Aktenlage völlig unklar und wird auch durch das Gutachten von Dr. A._ nicht schlüssig beantwortet, wie sie selber einräumt (vgl. vorne Erw. 2.2). Einerseits attestierte Dr. C._ ab 25. Mai 2004 eine andauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit, andererseits spricht Dr. A._ für diesen Zeitraum von einer langsamen Besserung, habe der Beschwerdeführer doch im Jahr 2004 beim Eingliederungszentrum F._ wieder zu arbeiten begonnen. RAD-Arzt Dr. D._ wiederum geht von einer Arbeitsfähigkeit ab Mitte 2004 aus, ebenfalls mit der Begründung, der Beschwerdeführer sei im Eingliederungszentrum F._ tätig gewesen (vgl. Feststellungsblatt vom 19. September 2008, Urk. 8/34/3). Aus den Akten geht indessen einzig hervor, dass der Beschwerdeführer ab 1. September 2005 an einem Qualifizierungsprojekt zur beruflichen Integration, angeboten vom Sozialdepartement der Stadt Zürich, teilnahm (Urk. 3/4) und anschliessend einen Arbeitsvertrag für den ergänzenden Arbeitsmarkt erhielt (Urk. 3/6). Gemäss IK-Auszug dauerte dieser Einsatz sechs Monate bis Juni 2006, anschliessend war der Beschwerdeführer in temporären Arbeitsverhältnissen tätig (vgl. IK-Auszug, Urk. 8/38).
2.4 Die Annahme der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer sei ab Mitte 2004 wieder arbeitsfähig gewesen, basiert einzig auf einer durch die Akten nicht belegten und auch nicht näher umschriebenen Arbeitstätigkeit im Eingliederungszentrum F._. Angesichts des Berichts von Dr. C._, der den Beschwerdeführer für den gleichen Zeitraum aufgrund dessen breitgefächerter Persönlichkeitsstörung plausibel als in sämtlichen Bereichen psychisch stark beeinträchtigt beschrieb (vgl. Urk. 8/16/5), hätte die Beschwerdegegnerin nicht allein auf die Einschätzung der Gutachterin Dr. A._ abstellen dürfen, zumal diese zum Verlauf der gesundheitlichen Entwicklung lediglich Vermutungen äusserte ("... es scheint zu einer langsamen Besserung des psychischen Befundes gekommen zu sein ..."; vgl. Urk. 8/28/4). Andererseits kann aber auch aus dem fehlenden Verdienst in den Jahren 2004 und 2005 nicht ohne Weiteres geschlossen werden, der Beschwerdeführer sei vollumfänglich arbeitsunfähig gewesen, noch kann der Minderverdienst (durch Temporärarbeit, teilw. Arbeitslosigkeit etc.) in den Folgejahren 2006 bis 2008 einer Teilinvalidität gleichgesetzt werden, wie dies der Beschwerdeführer geltend macht (vgl. Urk. 1 und insbesondere Urk. 12).
3. Es erweist sich somit, dass aufgrund der vorliegenden Unterlagen die Frage, wann der Beschwerdeführer das Wartejahr erfüllt hat, nicht beantwortbar ist. Namentlich fehlen konkrete Angaben über seine angebliche Beschäftigung im Eingliederungszentrum F._ im Jahr 2004, womit die Beschwerdegegnerin die Arbeitsfähigkeit ab Mitte 2004 begründet. Sie hat dort abzuklären, worum es sich bei dieser Tätigkeit handelte und ob daraus Erkenntnisse in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt möglich sind. Allenfalls könnten auch die Krankengeschichte des Hausarztes oder weitere Rückfragen bei Dr. C._ nähere Aufschlüsse zur gesundheitlichen Entwicklung in den Jahren 2004 und 2005 und damit zur Arbeitsfähigkeit geben. Im Weiteren ist auch der Beschwerdeführer unter Hinweis auf seine Mitwirkungspflicht zu allfälligen medizinischen Behandlungen und Tätigkeiten in den Jahren 2004 und 2005 genau zu befragen. Sollte es sich als unmöglich erweisen, den medizinischen Sachverhalt genauer und objektiver zu ermitteln, etwa weil der Beschwerdeführer gar nicht mehr in ärztlicher Behandlung stand (vgl. seine Äusserungen gegenüber der Gutachterin, Urk. 8/28/3), und ergeben sich auch aus den Angaben des Eingliederungszentrums F._ keine zusätzlichen Erkenntnisse, so müsste die behauptete Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers als unbewiesen gelten, was sich zu seinen Ungunsten auswirken würde (vgl. BGE 115 V 142 Erw. 8a).
Die Sache ist demnach an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre und über den Rentenanspruch des Beschwerdeführer neu entscheide.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) von Fr. 600.-- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.