Decision ID: 38a106cc-c469-5937-b8d5-11cfb9ae750d
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde am 24. Juli 2013 von ihrer Mutter wegen einer Frühgeburt bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen für medizinische Massnahmen angemeldet (IV-act. 1).
A.b Dr. med. B._ vom Ostschweizer Kinderspital (KISPI) gab am 17. September 2013
gegenüber der IV-Stelle die folgenden Diagnosen an (IV-act. 9):
· Frühgeborenes Mädchen der 27 6/7 SSW, Apgar 6/7/9, GG 930 g, NapH 7,44;
· primäre Sectio bei Präeklampsie der Mutter im Spital C._;
· Atemnotsyndrom bei hyaliner Membrankrankheit Grad II bis III;
· Late onset Sepsis (Nachweis E. coli, ED 23.07.13) mit schwerem septischem Schock
mit:
- Arterieller Hypotonie und Herz-Kreislaufstillstand am 23.07.13 (kardiopulmonale
Reanimation für 15 Minuten);
- disseminierter intravasaler Koagulopathie;
- Anämie und Thrombozytopenie;
- Neutropenie;
- akuter Niereninsuffizienz mit Hyperkaliämie und Hyperphoshatämie;
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- akuter Leberinsuffizienz mit Hypoglykämie;
- schwerer metabolischer Azidose;
- paralytischem Ileus mit iatrogener Leberverletzung im Rahmen einer Notfall
laparotomie;
- intrazerebraler Massenblutung links und cerebellärer Blutung links (ED 24.07.13);
- critical illness-related corticosteroid insufficiency.
Dr. B._ erklärte, dass aufgrund eines Platzmangels im Kantonsspital C._ am 17.
Juli 2013 die Verlegung in das KISPI erfolgt sei. Am 23. Juli 2013 sei es nach einem bis
dahin unauffälligen Verlauf zu einer akuten klinischen Verschlechterung im Rahmen
einer E. coli-Sepsis gekommen. Am 7. August 2013 sei die Rückverlegung in das
Kantonsspital C._ erfolgt. Wegen der schwerwiegenden Komplikation mit
intrazerebraler Massenblutung und Blutung im Kleinhirnbereich sei von einer
Einschränkung im zukünftigen Schul- und Arbeitsalltag auszugehen. Das genaue
Ausmass sei derzeit allerdings noch nicht abschätzbar. Die schwere intrazerebrale
Blutung werde mit einem hohen Risiko mit späteren kognitiven und motorischen
Einschränkungen (insbesondere der Entwicklung einer Cerebralparese) einhergehen. Es
lägen die Geburtsgebrechen Ziff. 247, 277, 494 und 497 vor.
A.c Das Kantonsspital C._ berichtete am 4. Dezember 2013 (IV-act. 11), dass die
Geburtsgebrechen Ziff. 497, 247, 313, 494, 495 und 395 vorlägen. Aufgrund der
deutlichen muskulären Hypotonie mit eingeschränkter Variabilität des
Bewegungsmusters benötige die Versicherte eine ambulante Physiotherapie und
entwicklungsneurologische Kontrollen im Alter von 3, 9 und 24 Monaten. Wegen der
hämorrhagischen Infarzierung im Stromgebiet der A. cerebri posterior seien
Verlaufskontrollen mit diagnostischen Bildgebungen notwendig. Die Leberverletzung
vom 23. Juli 2013 erfordere laborchemische Verlaufskontrollen. Die Ärzte gaben in der
Anamnese an, dass bei fehlenden mütterlichen Infektparametern und klinisch
diesbezüglich unauffälligem Kind initial auf eine antibiotische Behandlung verzichtet
worden sei. Im Verlauf hätten sich klinisch bei zunehmender Rekapillarisationszeit und
Sättigungsschwankungen Hinweise für einen Infekt gezeigt. Laborchemisch sei ein
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Anstieg des Procalcitonins nachweisbar gewesen, sodass eine antibiotische
Behandlung mit Gentamycin und Amoxicillin begonnen worden sei. Im Rahmen eines
Herz-Kreislaufstillstandes vom 23. Juli 2013 sei es zu einer hämorrhagischen
Infarzierung im posterioren Stromgebiet links mit Beteiligung des Cerebellums
gekommen. Die Verlaufs-Sonographie habe eine partielle Reorganisation der Blutung,
allerdings mit einem grossen Restdefekt, gezeigt. Neurologisch seien zu keiner Zeit
Krampfäquivalente festgestellt worden. Allerdings sei eine deutliche muskuläre
Hypotonie mit eingeschränkter Variabilität des Bewegungsmusters aufgefallen.
A.d RAD-Ärztin Dr. med. D._, Ärztin für Neurologie und Psychiatrie (D), Ärztin für
Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, hielt am 8. Januar 2013 fest (IV-act. 17),
das KISPI habe die schwersten Komplikationen als Folge der Sepsis aufgeführt. Die
Diagnose einer Sepsis sei am 12. Lebenstag gestellt worden. Im Rahmen der Sepsis
sei es zu einem schweren septischen Schock mit Herzkreislaufstillstand, disseminierter
intravasaler Koagulopathie, Anämie und Thrombozytopenie, paralytischem Ileus und
intracerebralen Massenblutung links sowie cerebellären Blutung links gekommen. Es
müsse damit gerechnet werden, dass die Versicherte als Folge der Hirnblutung auf
längere Sicht unter behandlungsbedürftigen neuromotorischen Problemen/cerebral
bedingten Bewegungsstörungen leiden werde. Hierbei handle es sich allerdings nicht
um cerebrale Bewegungsstörungen i.S. eines Geburtsgebrechens, da sie nicht bei
vollendeter Geburt bestanden hätten. Die Geburtsgebrechen Ziff. 395 und 390 lägen
daher nicht vor. Ausgewiesen seien dagegen die Geburtsgebrechen Ziff. 247 (Syndrom
der hyalinen Membranen) bei Status nach hyaliner Membrankrankheit Grad II-III, Ziff.
313 (angeborene Herz- und Gefässmissbildungen) bei persistierendem Foramen ovale
mit reinem Links-Rechts Shunt und bei offenem Ductus arteriosus Botalli sowie
Ziff. 494 (Neugeborene mit einem Geburtsgewicht unter 2000 g bis zur Erreichung
eines Gewichts von 3000 g) bei einem Geburtsgewicht von 930 g. Die Voraussetzungen
für das Geburtsgebrechen Ziff. 497 (schwere respiratorische Adaptionsstörungen,
sofern sie in den ersten 72 Lebensstunden manifest werden und eine
Intensivbehandlung begonnen werden muss) seien nicht erfüllt, da die respiratorischen
Probleme über das Geburtsgebrechen Ziff. 247 versichert seien. Nicht abschliessend
beurteilbar sei die Frage, ob die Zusprachekriterien für das Geburtsgebrechen Ziff. 495
(schwere neonatale Infekte, sofern sie in den ersten 72 Lebensstunden manifest
werden und eine Intensivbehandlung begonnen werden muss) ausgewiesen seien. Aus
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den Arztberichten gehe der genaue zeitliche Verlauf, insbesondere die
Erstmanifestation einer Infektion, nicht eindeutig hervor. Zudem sei unklar, ob die
Anspruchsvoraussetzungen für das Geburtsgebrechen Ziff. 277 (Neugeborenenileus)
erfüllt seien. Zur Klärung dieser Fragen müssten weitere Berichte von den
behandelnden Ärzten angefordert werden.
A.e Das Kantonsspital C._ reichte am 23. Januar 2014 je einen Austrittsbericht vom
17. Juli 2013 (IV-act. 24-14 ff.) und vom 18. September 2013 (IV-act. 24-1 ff.) sowie
einen Verlegungsbericht vom 15. September 2013 (IV-act. 24-8 ff.) ein. Dem
Austrittsbericht vom 17. Juli 2013 war zu entnehmen, dass bei den Blutkulturen vom
11. und 13. Juli 2013, den Trachealsekreten vom 13. und 15. Juli 013 und an der
Tubusspitze am 14. Juli 2013 kein Keimwachstum habe festgestellt werden können.
Wegen des Anstiegs des Procalcitonins seien der Versicherten ab dem 13. Juli 2013
die Antibiotika Amoxicillin und Gentamicin verabreicht worden. Am 16. Juli 2013 seien
an der Katheterspitze koagulase negative Staphylokokken nachgewiesen worden. Die
Ärzte hielten weiter fest, dass der Muskeltonus am Tag der Geburt altersentsprechend
gewesen sei. Zudem hätten sich am 1. und 3. Lebenstag sonographisch keine
Hinweise auf intrakranielle Blutungen gezeigt. Laut dem Austrittsbericht vom 18.
September 2013 hatte sich die Versicherte in der klinischen Untersuchung mit einer
deutlichen muskulären Hypotonie und einer eingeschränkten Variabilität des
Bewegungsmusters präsentiert. Die Ärzte hatten die Weiterführung der Physiotherapie
empfohlen und erklärt, dass sie der IV das Geburtsgebrechen Ziff. 395 nachmelden
würden. Das KISPI reichte am 23. Januar 2013 den Austrittsbericht vom 7. August
2013 ein (Hospitalisation vom 17. Juli bis 7. August 2013, IV-act. 26). Die Ärzte hatten
ausgeführt, dass bei weiter sterilen Blutkulturen die im Kantonsspital C._ begonnene
antibiotische Therapie wie geplant gestoppt worden sei. Im Verlauf habe sich
wiederholt ein unauffälliges Infektlabor gezeigt. Am 23. Juli 2013 habe die Versicherte
eine schwere Late onset Sepsis entwickelt und es seien E. coli in den Blutkulturen, im
Nabelabstrich und im Trachealsekret nachweisbar gewesen. Am Folgetag seien die
Infektparameter rasch angestiegen. Ursächlich für die schwere intraparenchymatöse
Hirnblutung links mit einer Mittellinienverlagerung sowie einer cerebellären Blutung
links erschienen die schwere Gerinnungsstörung und die reanimationsbedürftige
Hypoperfusion. Klinisch hätten sich keine eindeutigen Auffälligkeiten und keine
sicheren Hinweise auf eine Krampfaktivität gezeigt. Im aEEG ebenso wie im EEG habe
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sich ein hochpathologischer Befund mit langen Phasen von amplitudenreduzierten
Hirnströmen und Amplitudendifferenz zu Ungunsten der linken Seite gezeigt.
A.f RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin FMH, und RAD-
Ärztin Dr. D._ gaben in ihrer Stellungnahme vom 30. Januar 2014 (IV-act. 27) an,
dass die Geburtsgebrechen Ziff. 247 und 494 vorlägen. Das Geburtsgebrechen
Ziff. 313 könne wegen eines persistierenden offenen Ductus Botalli für zwei Jahre
zugesprochen werden. Nicht zugesprochen werden könne das Geburtsgebrechen Ziff.
277, da es sich beim Ileus um einen paralytischen Ileus im Rahmen der Sepsis
gehandelt habe. Auch liege kein Geburtsgebrechen Ziff. 495 vor, da die Infektion erst
am 12. Lebenstag aufgetreten sei. Very low birth weight-Frühgeborene (VLBW-FG)
hätten ein hohes Risiko, an einer Spätsepsis zu erkranken. Statistisch gesehen trete
eine solche, durch Erreger, die perinatal (von der Mutter) oder postnatal ins Blut
gelangten, in 18-20 % der VLBW-FG auf. Dies hänge einerseits mit dem noch sehr
unreifen Immunsystem und andererseits mit den notwendigen intensivmedizinischen
Massnahmen zusammen. Bei der Versicherten sei es am 12. Lebenstag zu einer
schweren Sepsis mit den erwähnten cerebralen Folgen, dem Herzstillstand und dem
Ileus gekommen.
A.g Mit drei Mitteilungen vom 26. Februar 2014 (IV-act. 29 ff.) erteilte die IV-Stelle der
Versicherten eine Kostengutsprache für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff.
247 (vom 11. Juli 2013 bis 31. Juli 2015), des Geburtsgebrechens Ziff. 494 (ab 11. Juli
2013 bis zum Erreichen des Gewichts von 3000 g) und des Geburtsgebrechens Ziff.
313 (ab 1. Juli 2013 bis 31. Juli 2015). Mit zwei Vorbescheiden vom 26. Februar 2014
(IV-act. 32 und 34) kündigte die IV-Stelle der Mutter der Versicherten die Ablehnung der
Kostenübernahme für die Geburtsgebrechen Ziff. 277, 495, 390 und 395 an. Zur
Begründung hielt sie fest, dass es sich beim Darmverschluss um einen paralytischen
Ileus im Rahmen der Sepsis gehandelt habe, dass die Infektion erst am 12. Lebenstag
aufgetreten sei und dass die neuromotorische/cerebrale Bewegungsstörung Folge der
Hirnblutung sei und somit nicht bei vollendeter Geburt bestanden habe. Die IV-Stelle
merkte zudem an, dass die gesamten Kosten des stationären Aufenthalts über die
Geburtsgebrechen Ziff. 247 und 494 abgedeckt seien. Gegen die beiden Vorbescheide
wendete die Mutter der Versicherten am 7. März 2014 ein (IV-act. 38), dass sie mit der
Ablehnung der Kostenübernahme für die Geburtsgebrechen Ziff. 277, 495, 390 und 395
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nicht einverstanden sei. Mit zwei Verfügungen vom 16. April 2014 (IV-act. 45 f.) wies die
IV-Stelle das Gesuch um Kostenübernahme für die Geburtsgebrechen Ziff. 277, 495,
390 und 395 aus den in den Vorbescheiden angegebenen Gründen ab.
B.
B.a Gegen diese Verfügungen liess die Mutter der Versicherten (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 27. Mai 2014 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre
Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der Verfügungen und die Erbringung der
gesetzlichen Leistungen. Zur Begründung der Beschwerde verlangte sie eine
Fristerstreckung. In der Beschwerdeergänzung vom 14. Juli 2014 (act. G 6) beantragte
die Rechtsvertreterin zusätzlich eventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren
Abklärung an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Zur Begründung
brachte sie vor, die Beschwerdegegnerin habe übersehen, dass bereits das
Kantonsspital C._ einen neonatalen Infekt diagnostiziert habe und dass dieser ab
dem 13. Juli 2014 mit Antibiotika behandelt worden sei. Die ersten 72 Lebensstunden
seien erst am 14. Juli 2013 abgelaufen. Offenbar habe der Infekt durch die
Antibiotikatherapie stabilisiert werden können. Er habe sich erst wieder verstärkt, als
diese Behandlung im KISPI abgesetzt worden sei. Somit seien die Voraussetzungen für
das Geburtsgebrechen Ziff. 495 klar erfüllt. Beim paralytischen Ileus handle es sich um
sekundäre Folgen des neonatalen Infekts. Daher sei auch das Geburtsgebrechen Ziff.
277 zu bejahen. Ausserdem könne nicht ohne weiteres angenommen werden, dass die
muskuläre Hypotonie und die eingeschränkte Variabilität des Bewegungsmusters auf
die Hirnblutung zurückzuführen seien. Nach der medizinischen Erfahrung sei ein
Entwicklungsrückstand häufig eine Folge einer extremen Frühgeburt. Die Frühgeburt
komme daher als Ursache für die neurologischen Defizite in Frage. Falls die
Einschränkungen als Folge der Hirnblutung betrachtet werden müssten, sei ebenfalls
von sekundären Folgen eines Geburtsgebrechens auszugehen; die Grundlage würde in
diesem Fall der neonatale Infekt bilden. Entsprechend seien auch die Voraussetzungen
für die Geburtsgebrechen Ziff. 390 und 395 erfüllt. Falls diesen Ausführungen nicht
gefolgt werden könne, seien weitere Abklärungen angezeigt, um den Beginn des
neonatalen Infektes und die Ursache für die neurologischen Einschränkungen
festzustellen.
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B.b Der Rechtsdienst fragte den RAD am 23. Juli 2014 an, ob trotz der Ausführungen
der Rechtsvertreterin in der Beschwerdeschrift am ablehnenden Entscheid festgehalten
werden könne (IV-act. 61). RAD-Ärztin Dr. D._ bejahte diese Frage am 6. August
2014. Zur Begründung erklärte sie, dass das Spital C._ nach der Geburt mangels
Infektzeichen beim Kind und bei der Mutter auf eine antibiotische Behandlung
verzichtet habe. Am 3. Lebenstag sei wegen des Anstiegs des Procalcitonins und des
Verdachts auf einen neonatalen Infekt eine antibiotische Behandlung durchgeführt
worden. Wiederholte Blutkulturen im Spital C._ in den ersten Lebenstagen seien
negativ gewesen. Am 16. Juli 2013 seien an der Katheterspitze koagulasenegative
Staphylokokken nachgewiesen worden. Dabei handle es sich nicht um den Erreger, der
am 23. Juli 2013 zu der schweren Late onset Sepsis mit E. coli geführt habe. Die
schwere Late onset Sepsis, die sich am 12. Lebenstag manifestiert habe, könne daher
nicht als Geburtsgebrechen Ziff. 495 angesehen werden. Der paralytische Ileus sei eine
Folge der schweren Late onset Sepsis und kein Neugeborenenileus im Sinne des
Geburtsgebrechens Ziff. 277. Ebenso sei der hämorrhagische Hirninfarkt im hinteren
Mediastromgebiet mit cerebellärer Beteiligung als Folge der Late onset Sepsis zu
beurteilen. Dieser Hirninfarkt habe zu einem grossen Hirngewebsdefekt geführt und
müsse mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als Ursache des neurologischen
Störungsbildes beurteilt werden, zumal das Neugeborene (vor der Sepsis mit
Hirninfarkt) klinisch neurologisch und in der Schädel-Sonographie unauffällig gewesen
sei (MRI des Schädels vom 15.10.13: Grosser encephalomalazischer zystischer
Hirnparenchymdefekt im hinteren Mediastromgebiet links). Demzufolge seien diese
neurologischen Störungen nicht als angeboren, sondern als erworben zu betrachten.
Die medizinischen Zusprachekriterien für die Geburtsgebrechen Ziff. 395 bzw. 390
seien daher nicht ausgewiesen.
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 18. September 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung verwies sie auf die RAD-Stellungnahme vom
6. August 2014, die sie zum integrierten Bestandteil der Beschwerdeantwort erklärte.
Ergänzend brachte sie vor, dass die Komplikationen im Rahmen des neonatalen Infekts
als äusseres Ereignis einzustufen seien. Die Behandlung von Gesundheitsschäden, die
eine Folge des Geburtsgebrechens darstellten, gingen zu Lasten der IV, wenn die
pathologischen Auswirkungen in enger Beziehung zum Symptomenkreis des
Geburtsgebrechens ständen und kein äusseres Ereignis bestimmend dazwischen trete
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(Rz. 11 des Kreisschreibens über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung, KSME, Version 5, gültig ab 1. März 2014). Im vorliegenden Fall
habe die Notfallpunktion zur Entstehung des Ileus geführt. Vor der Aufhebung des Art.
11 IVG hätte diese Massnahme von der IV übernommen werden können. Heute sei klar
zu unterscheiden, ob ein äusseres Ereignis vorliege oder nicht. Das Geburtsgebrechen
Ziff. 277 sei daher zu Recht nicht zugesprochen worden. Betreffend die
Geburtsgebrechen Ziff. 395 bzw. 390 sei festzuhalten, dass nur angeborene
spastische, ataktische und/oder dyskinetische Bewegungsstörungen als
Geburtsgebrechen anerkannt werden könnten (Rz. 390.1 KSME). Die RAD-Ärztin habe
festgestellt, dass die neurologischen Störungen nicht angeboren, sondern erworben
seien. Diese Feststellung werde dadurch gestützt, dass das Spital C._ keine
eigenständige Diagnose betreffend eine angeborene cerebrale Lähmung angegeben
habe.
B.d In ihrer Replik vom 16. Januar 2015 (act. G 15) machte die Rechtsvertreterin
ergänzend geltend, dass den Berichten des RAD praxisgemäss nicht dieselbe
Beweiskraft zukomme wie einem externen Gutachten. Bestünden auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Feststellungen des RAD, müssten
ergänzende Abklärungen vorgenommen werden. Die strittigen Geburtsgebrechen Ziff.
495 und 395 seien u.a. vom leitenden Arzt des Spitals C._ angemeldet worden.
Ergänzend habe das KISPI u.a. das Geburtsgebrechen Ziff. 277 angemeldet. RAD-
Ärztin Dr. D._ verfüge nicht über spezialisierte Fachkenntnisse im Bereich der
Neonatologie. Ihre Einschätzung könne die Beurteilungen des Spital C._ und des
KISPI daher nicht widerlegen. Zudem sei davon auszugehen, dass sich die RAD-Ärztin
nicht genügend mit den Akten auseinandergesetzt habe. Auch sei ihre Einschätzung
überaus kurz ausgefallen. Den Berichten der RAD-Ärztin könne daher kein genügender
Beweiswert für eine abschliessende Beurteilung beigemessen werden.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 17).
B.f Am 12. März 2015 reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine
Honorarnote über den Betrag von Fr. 6‘031.60 ein (act. G 19).
B.g Am 19. Oktober 2015 wurde das Gericht über einen kanzleiinternen
Anwaltswechsel informiert (act. G 21).
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Erwägungen
1.
Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss Art. 60
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung der
Verfügung einzureichen. Die strittigen Verfügungen datieren vom 16. April 2014 und
sind der Mutter der Beschwerdeführerin am 17. April 2014 zugestellt worden. Die Frist
hätte also eigentlich am 18. April 2014 zu laufen begonnen. Die Frist steht jedoch vom
siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern still (Art. 60 Abs. 2
i.V.m. Art. 38 Abs. 4 lit. a ATSG). Der Ostersonntag fiel im Jahr 2014 auf den 20. April.
Das bedeutet, dass die Frist vom Sonntag, 13. April bis Sonntag, 27. April 2014
stillgestanden hat. Die Frist hat daher erst am 28. April 2014 zu laufen begonnen. Der
dreissigste Tag fiel auf den Dienstag, 27. Mai 2014. Die Rechtsvertreterin hat am
selben Tag und damit rechtzeitig Beschwerde erhoben. Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.
2.
Mit zwei Verfügungen vom 16. April 2014 hat die Beschwerdegegnerin die
Kostenübernahme für medizinische Massnahmen bezüglich der Late onset Sepsis mit
schwerem septischem Schock und des paralytischen Ileus (Verfügung betreffend die
Geburtsgebrechen Ziff. 277 und 495, IV-act. 45) resp. bezüglich der neuromotorischen/
cerebralen Bewegungsstörungen (Verfügung betreffend die Geburtsgebrechen Ziff. 390
und 395, IV-act. 46) abgelehnt. Zwar bilden die beiden Verfügungen separate
Anfechtungsgegenstände. Da die Beschwerdeführerin aber gegen beide Verfügungen
Beschwerde erhoben hat und da die Streitgegenstände eng miteinander verknüpft
sind, sind die beiden Beschwerdeverfahren vereinigt worden. Zu prüfen ist
nachfolgend, ob die Sepsis, der Ileus und die neuromotorischen/cerebralen
Bewegungsstörungen einen Anspruch auf medizinische Massnahmen nach Art. 13 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (Anspruch bei Geburtsgebrechen; IVG,
SR 831.20) oder nach Art. 12 IVG (Anspruch im Allgemeinen) auszulösen vermögen.
3.
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3.1 Zunächst ist zu prüfen, ob es sich bei der Sepsis, dem Ileus und den
neuromotorischen/cerebralen Bewegungsstörungen um Geburtsgebrechen handelt.
Nach Art. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch
auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen notwendigen medizinischen
Massnahmen. Als Geburtsgebrechen im Sinn dieser Norm gelten diejenigen
Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG). Der Bundesrat
bezeichnet die Gebrechen, für welche die medizinischen Massnahmen gewährt werden
(Art. 13 Satz 1 IVG). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang der Verordnung
über Geburtsgebrechen (GgV; SR 831.232.21) aufgeführt (Art. 1 Abs. 2 GgV).
3.2 Gemäss Ziff. 495 des Anhangs zur GgV sind schwere neonatale Infekte als
Geburtsgebrechen anzuerkennen, sofern sie in den ersten 72 Lebensstunden manifest
werden und eine Intensivbehandlung begonnen werden muss. Die Beschwerdeführerin
hat gemäss den behandelnden Ärzten des KISPI am 23. Juli 2013 eine Late onset
Sepsis (deutsch: Spätsepsis) erlitten. Hierbei handelt es sich definitionsgemäss um
eine bakterielle Infektion des Neugeborenen, die nach dem 3. Lebenstag, d.h. mehr als
72 Stunden nach der Geburt, auftritt (siehe z.B. Kerbl/Kurz/Roos/Wessel, Checkliste
Pädiatrie, 4. Auflage, Stuttgart 2011, S. 262). Dass es sich im vorliegenden Fall um eine
Spätsepsis gehandelt hat, wird auch durch die übrigen medizinischen Unterlagen
gestützt. So hat das Kantonsspital C._ im Austrittsbericht vom 17. Juli 2013
angegeben, dass bei fehlenden mütterlichen Infektparametern und klinisch
diesbezüglich unauffälligem Kind initial auf eine antibiotische Behandlung verzichtet
worden sei. Im Verlauf hätten sich klinisch bei zunehmender Rekapillarisationszeit und
Sättigungsschwankungen Hinweise für einen Infekt gezeigt. Laborchemisch sei ein
Anstieg des Procalcitonins nachgewiesen worden, weshalb am 13. Juli 2013 eine
antibiotische Behandlung begonnen worden sei. Am 16. Juli 2013 seien koagulase
negative Staphylokokken an der Katheterspitze nachgewiesen worden (IV-act. 24-15
f.). Das KISPI hat in seinem Austrittsbericht vom 7. August 2013 angegeben, dass bei
weiter sterilen Blutkulturen die im Spital C._ begonnene antibiotische Therapie wie
geplant gestoppt worden sei. Im Verlauf habe sich wiederholt ein unauffälliges
Infektlabor gezeigt. Am 23. Juli 2013 habe die Beschwerdeführerin dann die Spätsepsis
entwickelt und es seien E. coli in den Blutkulturen, im Nabelabstrich und im
Trachealsekret nachweisbar gewesen (IV-act. 26). Gemäss den Arztberichten hat die
am _. Juli 2013 geborene Beschwerdeführerin somit innert ihren ersten 72
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Lebensstunden einen Infekt mit koagulasen negativen Staphylokokken entwickelt, der
jedoch durch Antibiotika erfolgreich hat behandelt werden können. Nach der
antibiotischen Behandlung wiederholt durchgeführte Tests haben nämlich keine
Infektionszeichen mehr gezeigt. Am 23. Juli 2013 ist es dann zu einer akuten klinischen
Verschlechterung im Rahmen einer E. coli-Sepis gekommen. Der erste Infekt mit
koagulasen negativen Staphylokokken ist somit entgegen der Behauptung der
Rechtsvertreterin nicht die direkte Ursache der Sepsis gewesen. Der zweite Infekt mit
E. coli, der ursächlich für die Sepsis und deren schwerwiegenden Folgen gewesen ist,
ist nach wiederholt unauffälligen Infektlaboren erst am 23. Juli 2013 und damit erst 12
Tage nach der Geburt erstmals nachgewiesen worden. Mit RAD-Ärztin Dr. D._ wie
auch den behandelnden Ärzten ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass die Infektion mit E. coli bei vollendeten Geburt noch nicht bestanden
hat. Diese Infektion kann daher nicht als Geburtsgebrechen im Sinne von Ziff. 495
anerkannt werden. Die Beschwerdegegnerin hat somit eine Übernahme von
Behandlungskosten gestützt auf das Geburtsgebrechen Ziff. 495 zu Recht abgelehnt.
3.3 Gemäss Ziff. 277 des Anhangs zur GgV handelt es sich beim Neugeborenenileus
(Darmverschluss bei Neugeborenen) um ein Geburtsgebrechen. Die behandelnden
Ärzte haben angegeben, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der Sepsis einen
paralytischen Ileus erlitten habe. Diese Einschätzung überzeugt, da der Ileus im
Rahmen der Sepsis aufgetreten ist und da eine Sepsis für einen paralytischen Ileus
ursächlich sein kann (siehe Arn/Stärkle/Soyka/Breitenstein, Ileus- Ursachen und
Therapieoptionen, in: Schweiz Med. Forum 2014(44): 813-819, S. 814). Um als
Geburtsgebrechen anerkannt zu werden, muss ein Ileus bei vollendeter Geburt
bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG und Art. 1 Abs. 1 Satz 1 GgV). Im vorliegenden Fall ist
der Ileus erst am 23. Juli 2013 durch die Sepsis ausgelöst worden und hat somit nicht
bereits bei vollendeter Geburt bestanden. Bei dem diagnostizierten paralytischen Ileus
handelt es sich daher, wie der RAD korrekt festgestellt hat, nicht um einen
Neugeborenenileus im Sinne des Geburtsgebrechens Ziff. 277.
3.4 Nach den Ziff. 390 und 395 des Anhangs zur GgV sind angeborene hirnbedingte
Lähmungen (krampfhaft, Fehlbewegungen, Koordinationsstörungen) und leichte
hirnbedingte Bewegungsstörungen (Behandlung bis Ende des 2. Lebensjahres) als
Geburtsgebrechen anerkannt. Das Kantonsspital C._ hat im Austrittsbericht vom 17.
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Juli 2013 angegeben, dass der Muskeltonus am Tag der Geburt altersentsprechend
gewesen sei. Zudem hätten sich am 1. und 3. Lebenstag sonographisch keine
Hinweise auf intrakranielle Blutungen gezeigt. Das Kantonsspital C._ hat am 4.
Dezember 2013 berichtet, dass es nach dem Herz-Kreislaufstillstand am 23. Juli 2013
zu einer hämorrhagischen Infarzierung im posterioren Stromgebiet links mit Beteiligung
des Cerebellums gekommen sei. Die Verlaufs-Sonographie habe eine partielle
Reorganisation der Blutung, allerdings mit einem grossen Restdefekt, gezeigt. Zudem
sei eine deutliche muskuläre Hypotonie mit eingeschränkter Variabilität des
Bewegungsmusters aufgefallen. Das KISPI hat am 17. September 2013 erklärt, dass
die schwere intrazerebrale Blutung mit einem hohen Risiko mit späteren kognitiven und
motorischen Einschränkungen (insbesondere der Entwicklung einer Cerebralparese)
einhergehen werde. Den Berichten der behandelnden Ärzte sind keine Hinweise darauf
zu entnehmen, dass bereits vor der am 23. Juli 2013 erlittenen Hirnblutung
hirnbedingte Lähmungen oder Bewegungsstörungen vorgelegen hätten. Das KISPI hat
vielmehr darauf hingewiesen, dass aufgrund der Blutung mit solchen Schäden
gerechnet werden müsse. Aus diesem Grund ist mit RAD-Ärztin Dr. D._ davon
auszugehen, dass die cerebralen Bewegungsstörungen mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit erst durch die Blutung ausgelöst worden sind und somit bei
vollendeter Geburt noch nicht bestanden hatten. Somit sind auch die Voraussetzungen
für die Übernahme von Behandlungskosten gestützt auf die Geburtsgebrechen Ziff.
390 und 395 nicht erfüllt.
3.5 Zum Vorbringen der Rechtsvertreterin, dass RAD-Ärztin Dr. D._ nicht über
spezialisierte Fachkenntnisse im Bereich der Neonatologie verfüge und ihre
Einschätzung deshalb die Beurteilungen des Kantonsspital C._ und des KISPI nicht
wiederlegen könne, ist folgendes anzumerken: Einerseits hat sich nicht nur RAD-Ärztin
Dr. D._, sondern auch RAD-Arzt Dr. E._ mit dem vorliegenden Fall befasst. In der
Stellungnahme vom 30. Januar 2014 hat er die Einschätzung von Dr. D._ bestätigt.
Bei Dr. E._ handelt es sich, im Gegensatz zu Dr. D._, um einen Facharzt für Kinder-
und Jugendmedizin, der über dieselben Fachkenntnisse verfügt wie die behandelnden
Ärzte. Andererseits divergieren die medizinischen Einschätzungen der RAD-Ärzte und
jene der behandelnden Ärzte nicht. Auch die behandelnden Ärzte haben die Sepsis als
Spätsepsis bezeichnet und den Ileus und die cerebralen Bewegungsstörungen als
Folge der Sepis angesehen. Somit gehen die Meinungen nur darüber auseinander, ob
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diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen als Geburtsgebrechen zu qualifizieren sind
oder nicht. Dabei handelt es sich um eine versicherungsmedizinische (und
insbesondere rechtliche) Frage, für deren Beantwortung die RAD-Ärzte berufsbedingt
wohl über das höhere Fachwissen verfügen als die behandelnden Ärzte. Das
Vorbringen der Rechtsvertreterin ist daher nicht stichhaltig. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin eine Pflicht zur Kostenübernahme für
medizinische Behandlungen gestützt auf die Geburtsgebrechen Ziff. 495, 277, 390 und
395 zu Recht abgelehnt hat, da die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der
Beschwerdeführerin die Anforderungen dieser Geburtsgebrechen nicht erfüllen.
4.
4.1 Zu prüfen bleibt, ob die Sepsis, der Ileus und die neuromotorischen/cerebralen
Bewegungsstörungen einen Anspruch auf medizinische Massnahmen nach Art. 12 IVG
auszulösen vermögen. Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch
auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich,
sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder den Aufgabenbereich
gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor
wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren (Art. 12 Abs. 1 IVG). Nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung hat die Invalidenversicherung bei Jugendlichen
nicht nur unmittelbar auf die Beseitigung oder Korrektur stabiler Defektzustände oder
Funktionsausfälle gerichtete Vorkehren zu übernehmen, sondern auch dann Leistungen
zu erbringen, wenn es darum geht, mittels geeigneter Massnahmen einem die
berufliche Ausbildung oder die künftige Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden
Defektzustand vorzubeugen (siehe z.B. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Mai 2015,
9C_912/2014 E. 1.2 mit Hinweisen).
4.2 Gemäss dem Austrittsbericht des KISPI vom 7. August 2013 hatten sich die
Laborwerte nach der Sepsis dank einer antibiotischen Therapie wieder normalisiert (IV-
act. 26-4). Aufgrund des Ileus (Darmverschlusses) hatte am 23. Juli 2013 während der
Reanimation eine notfallmässige Entlastungspunktion im rechten Oberbauch
vorgenommen werden müssen, bei der es zu einer iatrogenen Leberverletzung
gekommen war. Nach lokaler Blutstillung und Einlage einer Lasche zur Drainage im
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rechten Unterbauch war ein problemloser Bauchverschluss erfolgt. Im Verlauf war, bis
zur Verlegung überlappend mit parenteraler Ernährung, ein vorsichtiger enteraler
Nahrungsaufbau erfolgt. Gemäss den im Recht liegenden Akten war die Behandlung
der Sepsis und des paralytischen Ileus somit bereits im Rahmen der stationären
Behandlung vom 11. Juli 2013 bis 14. September 2013 abgeschlossen worden. Dies
bestätigt auch der Hinweis des KISPI, wonach für die Zukunft vor allem die
intrazerebrale Massenblutung auf der linken Seite sowie die Kleinhirnblutung links
bedeutsam sein dürften (IV-act. 9). Die Beschwerdegegnerin hat in der (angefochtenen)
Verfügung betreffend die Geburtsgebrechen Ziff. 277 und Ziff. 495 darauf hingewiesen,
dass die gesamten Kosten für den stationären Aufenthalt über die Geburtsgebrechen
Ziff. 247 und 494 abgedeckt seien. Die Kosten für die medizinische Behandlung der
Sepsis und des Ileus sind somit von der Invalidenversicherung bereits gedeckt,
weshalb sich die Prüfung der Kostenübernahme gestützt auf Art. 12 Abs. 1 IVG
erübrigt. Der Vollständigkeit halber ist dennoch darauf hinzuweisen, dass es sich bei
Vorkehren, die der kausalen oder symptomatischen Behandlung von Verletzungen,
Infektionen sowie inneren und parasitären Krankheiten dienen, nicht um medizinische
Eingliederungsmassnahmen handelt, sondern um sogenannte Behandlungen des
Leidens an sich (Rz. 40 des Kreisschreibens über die medizinischen
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung, KSME, Version gültig ab 1.
März 2014). Bei der Sepsis wie auch beim paralytischen Ileus hat es sich um akute
Leidensbehandlungen gehandelt, weshalb die Voraussetzungen für eine
Kostenübernahme gestützt auf Art. 12 Abs. 1 IVG nicht erfüllt sind. Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht keine Kostengutsprache für
medizinische Massnahmen bezüglich der Sepsis und des paralytischen Ileus
zugesprochen hat.
4.3 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin aufgrund der neuromotorischen/
cerebralen Bewegungsstörungen einen Anspruch auf medizinische
Eingliederungsmassnahmen nach Art. 12 Abs. 1 IVG hat. Das Spital C._ hat − wohl
am 23. September 2013 − wegen des Verdachts auf eine cerebrale Bewegungsstörung
eine Verordnung zur Physiotherapie ausgestellt (IV-act. 8). Als Physiotherapeut ist die
SRK-Therapiestelle für Kinder und Jugendliche in F._ angegeben worden. Dem
Bericht des Kantonsspital C._ vom 4. Dezember 2013 ist zudem zu entnehmen, dass
neben der ambulanten Physiotherapie im Alter von 3, 9 und 24 Monaten
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entwicklungsneurologische Kontrollen notwendig seien. Allerdings ist in den Akten die
Eingliederungsrelevanz all dieser Massnahmen nirgends begründet. Der Sachverhalt ist
somit nicht genügend erstellt, um über den Leistungsanspruch entscheiden zu können.
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie wird klären
müssen, ob die Beschwerdeführerin wegen der neuromotorischen/cerebralen
Bewegungsstörungen gestützt auf Art. 12 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf medizinische
Massnahmen hat.
4.4 Demnach ist die Beschwerde bezüglich der Verfügung betreffend die
Geburtsgebrechen Ziff. 277 und 495 abzuweisen. Die Beschwerde gegen die
Verfügung betreffend die Geburtsgebrechen Ziff. 390 und 395 ist dahingehend
gutzuheissen, dass die Verfügung aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung
an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird.
5.
5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Diese Gerichtsgebühr haben die Parteien je hälftig zu
tragen, da zwei Beschwerden zu beurteilen gewesen sind und da die Parteien in je
einem Beschwerdeverfahren unterlegen sind. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
600.-- wird der Beschwerdeführerin an die von ihr zu bezahlende Gerichtgebühr von Fr.
300.-- angerechnet und im Umfang von Fr. 300.-- zurückerstattet.
5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. In einem
durchschnittlichen IV-Fall spricht das Versicherungsgericht praxisgemäss eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- zu. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
hat eine Honorarnote über den Betrag von Fr. 6'031.60 für die beiden vereinigten
bis
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Beschwerdeverfahren eingereicht (act. G 19.1). Zur Begründung hat sie angeführt, dass
es sich vorliegend um einen aktenreichen und insbesondere in Bezug auf den
medizinischen Sachverhalt äusserst komplizierten Fall gehandelt habe. Da die
Beschwerdeführerin nur im Beschwerdeverfahren betreffend die Geburtsgebrechen
Ziff. 390 und Ziff. 395 (teilweise) obsiegt hat, hat sie lediglich für dieses
Beschwerdeverfahren Anspruch auf eine Parteientschädigung. Da anders als bei den
(im Hinblick auf die Höhe der Parteientschädigung praxisbildenden) durchschnittlichen
IV-Rentenfällen ein dünnes und überschaubares Aktendossier vorgelegen hat und
zudem nur eine klar definierte Rechtsfrage zu beantworten gewesen ist, wird die
Parteientschädigung auf Fr. 2‘000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festgesetzt.