Decision ID: 07e1969e-8fe4-4d70-9edb-450bf3900920
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, studierte
von 1991 bis 1996 Germanistik, Filmwissenschaft und Religi
onswissenschaften und seit Okto
ber 1998 Ethnologie, Filmwissenschaft und Reli
gionsgeschichte (
Urk.
7/1 S. 1),
erlitt am 2
6.
Oktober 2005 einen Auffahrunfall (
Urk.
7/10
Ziff.
2.2) und meldete sich am 3
0.
Oktober 2006
wegen einer Distorsion der Halswirbelsäule (HWS)
bei der
Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug (Wiedereinschulun
g, Rente) an (
Urk.
7/2
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach der Versicherten nach Einholung eines polydisziplinären Gu
tachtens (
Urk.
7/26; Ergänzung vom
1.
Dezember 2008;
Urk.
7/50) mit Verfügung vom 2
6.
April 2010 eine von Oktober 2006 bis Januar 2007 befristete ganze Rente zu (
Urk.
7/68 in Verbindung mit
Urk.
7/72). Die dagegen
am 2
6.
Mai 2010 erhobene Beschwerde (
Urk.
7/75/3-24) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 3
0.
November 2011 ab (Prozess Nr. IV.2010.00507;
Urk.
7/
93). Dieser Entscheid wurde vom Bundesge
richt am 2
4.
Oktober 201
2
bestätigt (
Urk.
7/97).
1.2
Am 3
1.
März 2016 schloss die Versicherte ihr Studium der Ethnologie erfolgreich ab (
Urk.
7/99) und machte am 1
4.
Juli 2016 eine Verschlechterung ihres Gesund
heitszustandes geltend (
Urk.
7/101). Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medi
zinische Abklärungen und
veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten durch das
Z
entr
um
Y._
, dessen Gutachten am 2
3.
Februar 2018 erstattet wurde (
Urk.
7/140).
N
ach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/124,
Urk.
7/126
;
Urk.
7/141;
Urk.
7/150;
Urk.
7/158), in dessen Rahmen eine ergänzende Stellungnahme des
Y._
einge
holt wurde (
Urk.
7/156),
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
1.
Novem
ber 2018 einen Leistungsanspruch der Versicherten (
Urk.
7/163 =
Urk.
2).
2.
Am
7.
Januar 2019 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
1.
November 2018 (
Urk.
2) und beantragte
deren Aufhebung und die
Zusprache
einer ganzen Rente, eventuell die Anordnung eines psychiatrischen Obergutach
tens. Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
Februar 2019 (
Urk.
6) beantragte die Be
schwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
6.
März 2019 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich
des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen)
.
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4
).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer In
validität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom
15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) sinn
gemäss wie folgt: Neue medizinische Befunde würden nicht vorgebracht. Die po
lydisziplinäre Beurteilung sei beweiswertig, eine Befangenheit der Gutachterstelle bestehe nicht. Es sei keine Veränderung eingetreten (S. 1-2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (
Urk.
1), das Gutachten sei nicht schlüssig, was insbesondere aus den Stellungnahmen ihres behandeln
den Psychiaters hervorgehe. Sie sei in jeder Tätigkeit arbei
tsunfähig und
habe ihr Studium nur unter Miteinbezug von Hilfestellen und mittels Behindertenstatus beenden können. Insbesondere sei sie aufgrund einer komplexen posttraumati
schen Belastungsstörung arbeitsunfähig. Auf das polydisziplinäre Gutachten könne aus näher ausgeführten Gründen nicht abgestellt werden. Weiter hätten auch somatische Diagnosen Einfluss auf ihre Arbeitsfähigkeit (S. 3 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob seit Erlass der
- am 3
0.
November 2011 (
Urk.
7/93) und sodann 2
4.
Oktober 2012 (
Urk.
7/97) bestätigte
n
-
Verfügung vom 2
6.
April 2010 (
Urk.
7/72), mit der die Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin eine befristete ganze Rente zugesprochen
hatte
,
eine anspruchsrelevante Veränderung eingetreten ist (vgl. vorstehend E. 1.3).
3.
3.1
Die
Verfügung vom 2
6.
April 2010 (
Urk.
7/72) basierte im Wesentlichen auf dem polydisziplinären Gutachten
des
Z._
vom 1
8.
April 200
8 (
Urk.
7/26), worin keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gest
ellt wurden (S. 25
Ziff.
6.1).
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
wurden ge
nannt
(S. 25 Ziff. 6.2):
-
residuelles
cervikovertebrales
bis
cervikocephales
Schmerzsyndrom mit / bei:
-
Status nach HWS-Distorsionstrauma bei Auffahrkollision am 26. Ok
tober 2005
-
wenig ausgeprägter
myofaszialer
Schmerzkomponente
-
unspezifischer Schwindelsymptomatik
-
leichtgradige
Fehlform
und Fehlhaltung der Wirbelsäule
-
Panikstörung
-
allergisches Asthma bronchiale
Die Beschwerdeführerin beklage in erster Linie Schwindelbeschwerden, die sie im Alltag limitierten
,
und berichte erst in zweiter Linie über Schmerzen im Nacken rechtsbetont mit Ausdehnung in die Schulter beidseits und occipital (S. 13). Fer
ner erwähne sie eine Beeinträchtigung des Denkvermögens mit Stö
rungen des Kurzzeitgedächtnisses
wie
auch rasch nachlassender Konzentration (S. 14 oben).
Zusammenfassend wurde im Gutachten ausgeführt, aus internistischer Sicht hät
ten sich im klinischen Status keine Auffälligkeiten gefunden. Bei der neurologi
schen Untersuchung könne kein Schwindel provoziert werden. Aus inter
nistischer Sicht könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet wer
den (S. 27 Mitte).
In der rheumatologischen Untersuchung zeige sich eine leicht
skoliotische
Fehl
form der Wirbelsäule. Die HWS-Rotation sei lediglich endgradig bei HWS-Nor
malstellung eingeschränkt. Palpatorisch fänden sich Irritationszonen über den
Intervertebralgelenken
C4 bis C6 mit einem mässigen muskulären Hartspann und abgrenzbaren
Triggerpunkten
(S. 27 unten). Es bestehe ein
residueller
Zustand im Sinne eines
cervikovertebralen
bis
cervikocephalen
Schmerzsyn
droms bei, unter anderem, Status nach HWS-Distorsion. Aus rein rheumatolo
gischer Sicht könne durch diese objektivierbaren Befunde keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit begründet werden, auch nicht als Studentin der Ethnologie (S. 28 oben).
Bei der psychiatrischen Exploration liessen sich keine psychischen Störungen diagnostizieren. Die Beschwerdeführerin leide unter ihrem Schwindel und ihrer
belastenden psychosozialen Situation. Die körperlichen Reaktionen im Rahmen der Angst sowie das Verhalten im Zusammenhang mit den Schwindelattacken entsprächen einer Angststörung im Rahmen einer Panikstörung. Die Beziehungs
probleme zum Ehepartner sowie früher erlebte Verletzungen sprächen für eine Selbstunsicherheit, Dependenz und Abgrenzungsproblematik, welches für eine Charaktereigenschaft im Rahmen einer akzentuierten Persönlichkeit stehe, ohne dass die Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung erfüllt wären. Für eine Depres
sion ergäben sich keine Anhaltspunkte. Weder durch die Panikstö
rung noch die akzentuierten Persönlichkeitszüge könne aus psychiatrischer Sicht eine Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit begründet werden (S. 28 Mitte).
Zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei die Beschwerdeführerin in einer körperlich leichten, wechselbelas
tenden Tä
tigkeit und als Studentin zu 100 % arbeitsfähig (S. 28 Ziff. 7.4).
In den aktuellen Untersuchungen könne keine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit begründet werden; eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit könne aber zum jetzigen Zeitpunkt, insbesondere unmittelbar
posttraumatisch
bis Ende 2006 / Anfang 2007, nicht ausgeschlossen werden (S. 28 f. Ziff. 7.5).
3.2
Gestützt auf diese Beurteilung sprach die IV-Stelle der Versicherten eine von Ok
tober 2006 bis Januar 2007 befristete ganze Rente zu (vgl.
Urk.
7/68 S. 2 unten), was vom hiesigen Gericht wie auch vom Bundesgericht bestätigt wurde.
4.
4.1
Der Neuanmeldung vom 1
4.
Juli 2016 (
Urk.
7/1
01) lagen folgende medizinische
Berichte zu Grunde:
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie
, stellte mit
zuhanden der Krankenversicherung erstattetem
Bericht vom
3.
August 2016 (
Urk.
7/106/1-2) folgende Diagnosen (S. 1):
-
posttraumatische Belastungsstörung (protrahiert, komplex; ICD-10 F43.1)
-
gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
sonstige phobische Störung (ICD-10 F40.8)
-
dissoziative Störung (nicht näher bezeichnet; ICD-10 F44.9)
-
Ereignisse in Kindheit verbunden mit Verlust des Selbstwertgefühls (ICD-10 Z61.3)
-
körperliche Misshandlung (ICD-10 Z61.6)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge (selbstunsicher/abhängig)
-
anhaltende körperliche Schmerzzustände nach Unfall
Die Patientin habe weniger Flashbacks bezüglich ihres Unfalls, sie habe ihre Kon
zentrationsfähigkeit auf gegenwärtig 2-3 Stunden täglich erhöhen können, was ihr trotz seit Mai 2014 bestehendem
Supinatorsyndrom
ermöglicht habe, ihr Stu
dium im Behindertenstatus abzuschliessen. Nach einer Sistierung der Psychothe
rapie rund um den Studienabschluss habe sie sich wieder bei ihm angemeldet, da sich die Flashbacks mit sexuell gewalttätigem Inhalt wieder aufgedrängt hätten und sie zusätzlich
in eine körperliche Übergriffs
ituation geraten sei (S. 2).
4.2
Dr.
med.
B._
, Praktischer Arzt,
nahm mit Schreiben vom 1
8.
August 2016 (
Urk.
7/106/4-7) Stellung zur bisherigen Aktenlage und hielt fest, die Beschwer
deführerin sei im Jahr 2010, als er sie zum ersten Mal gesehen habe, in einem derart schlechten Zustand gewesen, dass sie ohne jeden Zweifel zu 100
%
arbeits
unfähig gewesen sei. Am grossen Zeitaufwand für den Abschluss des Studiums sei leicht zu erkennen, dass sie auf dem Arbeitsmarkt massiv benachteiligt sei. Sie sei zur Zeit zu 25
%
arbeitsfähig. Er finde, die Beschwerdeführerin habe we
nigstens anstandshalber ein Recht darauf, dass die Beurteilung des
Z._
aus dem Jahr 2008 durch wirklich unabhängige Experten überprüft und zusätzlich ein neues Gutachten erstellt werde, um die aktuelle Arbeitsfähigkeit zu bestimmen (S. 2-3).
4.3
Dr.
med.
C._
, Praktische Ärztin, nahm am 2
3.
August 2016 (
Urk.
7/106/8
10) Stellung und hielt fest, die Beschwerdeführerin sei aktuell in der freien Wirtschaft zu 25
%
arbeitsfähig und brauche dringend Hilfe für eine berufliche Integration. Die
relevanten
Diagnosen lauteten wie folgt (S. 2 unten f.):
-
posttraumatisches Belastungssyndrom
-
Status nach schwerem HWS-Distorsionstrauma am 2
6.
Oktober 2005 im Iran
-
Flashbacks
-
rezidivierender Drehschwindel
-
rezidivierender
Schwankschwindel
-
Dauerschmerzen im Schulter-Nacken-Bereich
-
chronische Verspannungen vor allem im Schulter-Nacken sowie Zwerchfellbereich
-
rezidivierende Kopfschmerzen
-
neuropsychologische Einschränkungen
-
rezidivierende depressive Phasen mit und bei
-
traumatischen Ereignissen in der Kindheit und in verschiedenen Bezie
hungen
-
mangelndem Selbstwertgefühl und Selbstwahrnehmung
-
Schlafstörung
-
dissoziative Störung
4.4
Mit einem weiteren Bericht vom 1
3.
Januar 2017 (
Urk.
7/111/1-5) stellte
Dr.
C._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Phasen mit und bei
-
traumatischen Ereignissen in der Kindheit und in verschiedenen Bezie
hungen
-
mangelndem Selbstwertgefühl und gestörter Selbstwahrnehmung
-
massiven Schlafstörungen, phasenweise Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus
-
Panikattacken
-
Konzentrationsstörungen
-
dissoziative Störung
-
rez
idivierende
Schwindelanfälle
-
Dauerschmerzen im Schulter-Nacken-Kieferbereich
-
rez
idivierende
Kopfschmerzen vom Spannungstyp
-
Supinatorsyndrom
rechts seit Mai 2014
Die Beschwerdeführerin sei nach Abschluss ihres Studiums sehr daran interes
siert, einen Einstieg in die Arbeitswelt zu finden. Ihr grösstes Handicap seien Schlafprobleme. Sie sei sehr intelligent, könne sich aber nur etwa zwei bis drei Stunden konzentrieren (
Ziff.
1.7).
4.5
Dr.
A._
nannte mit Bericht vom 3
1.
Januar 2016 (
Urk.
7/113/1-6) fol
gende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
komplexe PTBS (protrahierte PTBS auf dem Hintergrund von gravieren
den multiplen
Traumata
in der Kindheit; ICD-10 F43.1)
-
dissoziative Störung (ICD-10 F44.9)
-
rezidivierende depressive Störung mit massiven Schlafstörungen (ICD-10 F33.8)
-
sonstige phobische Störungen (ICD-10 F40.8)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge (selbstunsicher, ängstlich-vermeidend; ICD-10 Z73.1)
-
Ereignisse in Kindheit verbunden mit Verlust des Selbstwertgefühls (ICD-10 Z61.3)
-
körperliche Misshandlung (ICD-10 Z61.6)
Die Resilienz und Belastbarkeit sei im Moment noch erheblich reduziert und ohne Unterstützung sei ein Einstieg in die Erwerbstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht vorstellbar. Hier sei von Seiten der Invalidenversicherung eine wesentliche Unterstützung unabdingbar. Auch finanziell sei die Patientin im Moment noch absolut unterstützungsbedürftig und somit sei auch eine Rente angezeigt, länger
fristig vermutlich zu 50
%
, aufgrund der verschiedenen auch körperlichen
Schmerzen und Störungen im Bewegungsapparat (
Ziff.
1.4). Im Hinblick auf eine Integration bestehe seit Studienabschluss eine Arbeitsfähigkeit von 25
%
(Ziff.
1.6).
Diese Angaben wiederholte
Dr.
A._
in seinem Bericht vom 25.
Septem
ber 2017 (
Urk.
7/125).
4.6
Die Ärzte der Universitätsklinik
D._
, Abteilung für Handchirurgie, diagnosti
zierten mit Bericht vom 2
7.
Juni 2016 (
Urk.
7/117/6-7) ein
Supinatorsyndrom
rechts, ein
zervikozephales
Syndrom, Asthma bronchiale und eine
Ecofenac
-Un
verträglichkeit. Die neurophysiologische Untersuchung habe keine Hinweise für eine Nervenkompression ergeben. Eine Infiltration sei besprochen worden, werde jedoch aktuell von der Patientin nicht gewünscht.
4.7
4.7.1
N
ach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer psychiatrischen, orthopädischen, internistischen und neurologischen Unter
suchung
erstatteten die Gutachter des
Y._
am 2
3.
Februar 2018 ihr Gutachten (
Urk.
7/140) und stellten keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 12). Die folgenden Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin (S. 12):
-
dissoziative Störung gemischt (ICD-10 F44.7)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
akzentuierte Persönlichkeit mit
asthen-dependenten
, selbstunsicheren und ängstlich-vermeidenden Zügen (ICD-10 Z73.1)
-
chronisches
zervikovertebrales
,
zervikozephales
Syndrom mit freier Hals
wirbelsäulenfunktion, ohne Nachweis einer radikulären Defizitsymptoma
tik
-
rezidivierendes
Thorako
lumbalsyndrom
ohne wesentliche Funktionsein
schränkungen und ohne Nachweis einer radikulären Defizitsymptomatik
-
Myalgie rechter Unterarm bei Ausschluss eines
Supinator
-Syndroms rechts
-
Asthma bronchiale, saisonal
-
allergische
Rhinokonjunktivitis
-
chronisch-venöse Insuffizienz bei
Varikosis
beider Beine
-
Laktose-Intoleranz
-
Histamin-Intoleranz
-
Untergewicht (BMI 18.4 kg/m
2
)
-
chronisches Kopfweh vom Spannungstyp
4.7.2
Aus internistischer Sicht (S. 51-56) bestehe eine bekannte Laktoseintoleranz, die trotz entsprechender Ernährung immer noch eine Durchfallneigung bewirke. Die
allergische Rhinitis und das Asthma bronchiale bereiteten der Versicherten nur saisonal Beschwerden. Gegenwärtig bestehe Symptomfreiheit. Die bedarfsweise eingesetzte Medikation helfe rasch. Ausserdem bestehe eine chronisch-venöse Insuffizienz bei
Varikosis
beider Beine. Unter einer entsprechenden Therapie seien diese Beschwerden jedoch weniger stark ausgeprägt, so dass insgesamt aus allge
meininternistischer Sicht die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt sei und für eine leidensadaptierte Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe (S. 55).
4.7.3
Der psychiatrische Gutachter gelangte
nach ausführlicher Erhebung der Anam
nese (S. 24-32)
zum Schluss,
die vom behandelnden Psychiater genannte Diag
nose der PTBS sei nicht zu bestätigen. Zunächst sei fraglich, ob das Ereignis aus dem Jahr 2005 das Eingangskriterium für eine PTBS erfülle, da diese gemäss ICD-10 ein Ereignis voraussetze, welches bei fast jedem Menschen eine tiefgreifende Verzweiflung ausgelöst hätte. Ob eine Auffahrkollision ein solches Ereignis dar
stelle, sei fraglich. Das DSM 5 setze ein traumatisches Ereignis, welches mit töd
licher Bedrohung, schwerer Verletzung oder angedrohter, schwerer Verletzung einhergehe, vor
aus
. Dies möge mit Blick auf die Ereignisschilderung zutreffen. Das B-Kriterium, wonach das traumatische Ereignis in traumatischen Albträu
men, dissoziativen Reaktionen oder anderen, wiederkehrenden, unfreiwilligen und eindringlich belastenden Erinnerungen erlebt wird, lasse sich nicht bestäti
gen, zumal markante physiologische Reaktionen bei der Schilderung der Ereig
nisse nicht feststellbar seien. Weiter vermeide die Versicherte traumaassoziierte Gedanken oder Gefühle sowie traumaassoziierte externe Reize nicht in hinläng
lichem Ausmass, um das C-Kriterium feststellen zu können. Die negativen Ver
änderungen von Gedanken und Stimmung stünden nicht in Zusammenhang mit dem traumatisierenden Ereignis, sondern seien auch auf andere Belastungen im psychosozialen Umfeld der Versicherten zurückzuführen. Es bestehe auch kein markant vermindertes Interesse
a
n wichtigen, nicht traumaassoziierten Tätigkei
ten, Gefühle von Entfremdung lägen nicht vor, und eine deutlich eingeschränkte Affektregulation bestehe ebenfalls nicht. Auch das E-Kriterium, nämlich eine Veränderung der Reaktionsfähigkeit und der Erregung, sei nur
in geringem Um
fang vorhanden. Die Versicherte berichte zwar subjektiv über Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten, aber letztere spiegelten sich auf der Befund
ebene nicht wider, und die Versicherte sei auch offenkundig in der Lage gewesen, ihr Studium mit dem Master abzuschliessen (S. 36). Weiter hätten sich die ange
ge
benen Schlafstörungen anlässlich der Exploration nicht in Form von Tagesmü
digkeit gespiegelt. Anhaltendes selbstverletzendes oder leichtfertiges Verhalten liege nicht vor. Auffällige Reizbarkeit oder gar aggressives Verhalten bestehe nicht. Hinweise auf erhöhte Vigilanz oder übermässige Schreckreaktionen seien ebenfalls anamnestisch und auf der Befundebene nicht
hinlänglich nachgewie
sen. Vor diesem Hintergrund lasse sich eine PTBS ausschliessen. Hingegen liege eine gemischt dissoziative Störung vor. Diese führe zu psychogenem (dissoziati
vem) Schwindel mit entsprechenden, leichten Bewegungsstörungen sowie zu dis
soziativ anmutenden kognitiven Symptomen. Die diagnostischen Algorithmen einer depressiven Episode seien gegenwärtig nicht erfüllt; insoweit sei von einer Remission auszugehen. Da die Versicherte trotz ängstlich-vermeidender und
asthen-dependenter
Züge mit hinlänglicher Flexibilität in der Lage sei, auf das Gegenüber und die jeweilige Situation zu reagieren, könne auf der Basis der er
hobenen psychopathologischen Befunde auch eine Persönlichkeitsstörung von Krankheitswert nicht festgestellt werden. Die zu bestätigende Diagnose einer akzentuierten Persönlichkeit habe keine Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (S. 37 Mitte).
Festzuhalten sei ferner, dass die Versicherte über ausreichende Ressourcen in den komplexen Ich-Funktionen verfüge. Sie sei zur Realitätsprüfung und Urteilsbil
dung in der Lage. Beziehungsfähigkeit und Kontaktgestaltung sowie Affektsteu
erung und Impulskontrolle seien ausreichend erhalten. Intentionalität und An
trieb wiesen keine wesentliche Einschränkung auf
. Problematisch erscheine le
diglich die Selbstwertregulation mit reduziertem Selbstwertgefühl und eine doch eher fragile Abwehrorganisation. Dafür verfüge die Versicherte aber insgesamt über gute Willenskräfte, so dass die Annahme einer eingeschränkten oder gar aufgehobenen Willensfähigkeit nicht begründet sei. Aus psychiatrischer Sicht verfüge die Versicherte damit über ausreichende Ressourcen, um einer Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachzugehen. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei nicht zu begründen. Kognitive Einbussen von Krankheitswert liessen sich aus psychiatrischer Sicht nicht feststellen (S. 37 unten).
4.7.4
Der orthopädische Gutachter hielt fest, dass die heutige Wirbelsäulenfunktions
prüfung eine nur leichtgradige Einschränkung zeige. Hinweise auf eine radikuläre Defizitsymptomatik lägen nicht vor. Die Messungen der schlanken Extremitäten wiesen keine Seitendifferenz auf. Im Bereich des rechten Unterarms trage die Ver
sicherte eine volare Handgelenksschiene, die nach Ablage einen völlig unauffäl
ligen Unterarm zeige. Es bestehe eine diffuse
Druckdolenz
über der radialen dor
salen Rückseite des rechten Unterarms. Zeichen einer Sehnenscheidenentzündung liessen sich nicht objektivieren.
Eine
pathognomische
Druckdolenz
im Bereich der Ellenbeuge als Hinweis für das Vorliegen eines
Supinator
-Syndroms lasse sich nicht provozieren. Die Funktionen der Schulter-, Ellenbogen-, Hand- und Finger
gelenke se
ien frei. Die Versicherte sei in der Lage, körperlich leichte Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis zu 10 kg durchzuführen. Tätigkeiten in ständiger Zwangshaltung, über Kopf oder Vorneige sollten vermieden werden. Die
Einschränkung der körperlichen Arbeitsschwere sei der sehr zierlichen, asthe
nischen Konstitution der Versicherten geschuldet (S. 48).
Dass es sich gemäss
Dr.
C._
um eine schwere HWS-Distorsion gehandelt habe, könne aus orthopädisch-
traumatologischer
Sicht nicht nachvollzogen werden, Hinweise auf eine Strukturverletzung der Halswirbelsäule hätten zu keinem Zeit
punkt nachgewiesen werden können. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit liege nicht vor (S. 49).
4.7.5
Der
neurologische Gutachter hielt fest (S. 62), die Versicherte leide an
mus
kuloskelettalen
Beschwerden und unsystematischen Schwindelsensationen, wel
che keinem organischen Substrat zugeo
rdnet werden könnten. Es bestünden
eine allgemein niedrige Reizschwelle
sowie
Kopfschmerzen, welche in die Rubrik des Spannungskopfwehs gehörten und von Licht- und Lärmem
pfindlichkeit begleitet würden. In einem Bericht werde von Migräne gesprochen, dies treffe aber nicht zu. Die Tatsache allein, dass das Kopfweh mit Licht- und Lärmempfindlichkeit verbunden sei, rechtfertige die Diagnose einer Migräne nicht. Typisch für das Spannungskopfweh seien auch der erhebliche Bruxismus und die
Myarthropathie
im Bereich der Kiefergelenke, welche erfolgreich mit einer
Michiganschiene
be
handelt würden. Es gebe keinen neurologischen Grund für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
4.7.6
In ihrer Gesamtbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, dass die Beschwer
deführerin, auch unter Berücksichtigung der Beschwerden auf verschiedenen Fachgebieten,
zu 100
%
arbeitsfähig sei. Sie sei in der Lage, körperlich leichte Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis zu 10 kg durchzuführen, welche ihrem Ausbildungs- und Kenntnisstand entsprächen. Tätigkeiten in ständiger Zwangshaltung, Überkopf- oder Vorneigehaltung sollten vermieden werden. Die Einschränkung der körperlichen Arbeitsschwere sei im Wesentlichen der eher zierlich-asthenischen Konstitution der Versicherten geschuldet (S. 13). In der bis
herigen Tätigkeit als Studentin der Ethnologie und in akademischen
wie auch in allen anderen Tätigkeiten
bestehe eine Arbeit
sfähigkeit von 100
%
(S. 14 oben
).
Der Gesundheitszustand habe sich seit der letzten massgeblichen Entscheidung nicht wesentlich verändert. Insbesondere sei keine massgebliche Verschlechte
rung eingetreten (S. 20).
4.8
In einer
im Mai 2018 eingegangenen Stellung
nahme
zum
Y._
-Gutachten (
Urk.
7/151/1-12
=
Urk.
3/3
) führte
Dr.
A._
aus, es handle sich um eine krasse Fehlbeurteilung
(S. 1). Die Beschwerdeführerin mobilisiere alle Energie für den Schutz vor der momentanen Explorationssituation, um danach für Tage bis Wochen zusammenzubrechen in völliger Erschöpfung, depressiv verzweifelter Stimmung
und wiederholt auch Suizidalität
. Die
Traumageschichte
werde allen
falls nur beschreibend formuliert und die dissoziierten Gefühle, Flashbacks und sonstige Symptomatik der komplexen PTBS tunlichst überspielt, bis die Bedro
hung vorüber sei. Diese träten dann dafür verzögert umso heftiger auf
(S. 2
unten f.
).
Erst nach dem Vertrauensaufbau und der Erklärung seiner Rolle habe sich die Patientin überhaupt genügend sicher gefühlt, um sich für Inhalte hinter ihrer Fassade zu öffnen (S. 4). Die äusserlich wahrnehmbar dissoziative und PTBS-Symptomatik sei oft auch noch zusätzlich hinter der Fassade einer angeblich nor
malen Persönlichkeit verschanzt, was auch eine Form von struktureller Dissozia
tion der Persönlichkeit sei (S. 7).
Aus näher dargelegten Gründen erfülle der Auf
fahrunfall von
2005 das A-Kriterium einer PTBS, ebenso seien die weiteren Kri
terien erfüllt (S. 8 ff.).
4.9
Die Gutachter des
Y._
nahmen am 2
8.
August 2018 zu den Kritikpunkten Stel
lung (
Urk.
7/156) und hielten fest, dass die von
Dr.
A._
genannte Diag
nose einer komplexen PTBS bisher keinen Eingang in die derzeit g
ültigen
Diag
noseklassifikations
-Systeme
gefunden habe.
Die gutachterliche Beurteilung und Diagnosestellung könne nur auf der Basis gültiger und aktuell geltender
Diagno
seklassifikations-Systeme
erfolgen. In Übereinstimmung mit
Dr.
A._
seien
bei der Versicherten dissoziative Züge, aber auch Persönlichkeitsmerkmale mit
asthen-dependenten
, selbstunsicheren und ängstlich-vermeidenden Anteilen fest
zustellen. Uneinigkeit bestehe in der Frage, ob diese Störungsbilder Relevanz für die Arbeitsfähigkeit hätten. Zur Bewertung der Arbeitsfähigkeit sei jedoch nicht auf die Diagnosen abzustellen, sondern in erster Linie auf daraus resultie
rende Einschränkungen der Funktionsfähigkeit der betroffenen Person. Die Ver
sicherte verfüge über angemessene Ressourcen in den komplexen Ich-Funktionen wie Intentionalität, Realitätsprüfung, Urteilsbildung, Affektregulation und Inter
aktionskompetenz. Festzuhalten sei auch, dass sie ausreichende Fähigkeiten zur Anpassung an Regeln und Routinen, zur Planung und Strukturierung von Auf
gaben und auch Flexibilität und Umstellfähigkeit aufweise.
Es gelinge ihr, Ent
scheidungen zu fällen, und sie verfüge über eine ausreichende Durchhaltefähig
keit. Es bestünden insgesamt nur leichte Beeinträchtigungen, welche die Arbeits
fähigkeit nicht einschränkten (S. 2).
Es sei auch aus Sicht der weiteren beteiligten Disziplinen von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen (S. 3).
4.10
In seiner Stellungnahme vom
7.
Oktober 2018 (
Urk.
7/159
=
Urk.
3/4
) hielt
Dr.
A._
an seiner Beurteilung fest.
5.
5.1
Im Vergleich zur Situation im Jahr 2010,
als
bei einem Status nach HWS-Distorsionstrauma, wenig ausgeprägter
myofaszialer
Schmerzkomponente und unspezifischer Schwindelsymptomatik ein
residuelles
cervikovertebrales
bis
cer
vikocephales
Schmerzsyndrom, eine leichtgradige
Fehlform
und Fehlhaltung der Wirbelsäule, eine Panikstörung sowie ein allergisches Asthma bronchiale bestan
den (vgl. vorstehend E. 3.1), wurden nun zusätzlich im Wesentlichen eine disso
ziative Störung, rezidivierende depressive Episoden, eine akzentuierte Persönlic
h
keit
und seitens der
Behandlerinnen
und Behandler eine posttraumatische Belas
tungsstörung diagnostiz
iert (vgl. vorstehend E. 4.1-4.6
, zur Diagnose de
r PTBS siehe nachfolgende E. 5.4
). Es liegen somit zusätzliche Diagnosen vor. Diese sind für sich allein jedoch nicht
massgebend, sondern in erster Linie der psychopatho
logische Befund und der Schweregrad der Symptomatik. Aus einer anderen Diagnose oder einer unterschiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann somit nicht auf eine für den Invaliditätsgrad er
hebliche Tatsachenänderung geschlossen werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_602/2016 vom 1
4.
Dezember 2016 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
5.2
Das
Y._
-Gutachten erging unter Beachtung der massgeblichen Beweiskriterien (vgl. vorstehend E. 1.6), weshalb grundsätzlich darauf abgestellt werden kann. Die Gutachter kamen darin zum Schluss, dass keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorl
ä
gen. Auch unter Berücksichtigung der feststellbaren Beschwerden bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Die Beschwerdeführerin könne körperlich leichte Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis 10 kg durchführen, welche ihrem Kenntnis- und Ausbildungsstand entsprechen, wobei ständige Zwangshaltungen vermieden werden sollten. Es bestehe sowohl in der letzten akademischen wie auch in sämtlichen anderen geeigneten Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit. Der Gesundheitszustand habe sich seit der letzten Beurtei
lung nicht wesentlich verändert, insbesondere sei keine Verschlechterung
einge
treten (vorstehend E. 4.7.6
).
5.3
Diese Beurteilung vermag zu überzeugen.
Das
Y._
-Gutachten enthält eine ob
jektive Gesamtbeurteilung der Einschränkungen der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung sämtlicher somatischer und psychischer Beschwerden.
In somatischer Hinsicht ist festzuhalten, dass
aus internistischer Sicht keine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Beschwerde
n vorliegen (vorstehend E. 4.7.2
).
D
er orthopädische Gutachter
(vorstehend E. 4.7.4
)
fand
keine Zeichen einer Seh
nenscheidenentzündung und
konnte
auch das
Supinator
-Syndrom nicht bestäti
gen. Dies steht in Übereinstimmung mit einer handchirurgischen Beurteilung
vom 3
1.
Mai 2018
, wo zudem festgehalten wurde, dass die Beschwerdeführerin zwar
berichte, den rechten Arm seit 2014 schmerzbedingt kaum nutzen zu können, jedoch
einen symmetrischen maximalen Vorderarmumfang aufweise. Dies deute auf eine bessere Gebrauchsmöglichkeit hin, und es wäre anzunehmen gewesen, dass dieser Umfang mehr abgenommen hätte (vgl.
Urk.
7/153/9).
Andere ortho
pädische Einschränkungen fanden sich nicht. Der Gutachter wies zudem darauf hin, dass es bei dem - zum Gutachtenszeitpunkt bald 13 Jahre zurückliegenden - Auffahrunfall nicht zu einer schweren HWS-Distorsion gekommen war. Auch aus neurologischer Sicht fand sich kein Grund für eine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit (vorstehend E. 4.7.4).
5.4
In psychiatrischer Hinsicht leitete der Gutachter seine Einschätzung sehr sorgfäl
tig her (vgl. vorstehend E. 4.7.3), insbesondere hinsichtlich der Frage einer PTBS, welche Diagnose er unter genauer Abhandlung der notwendigen Symptome ver
warf, hingegen eine dissoziative Störung feststellte, welche auch den Schwindel erkläre. Es wurde schlüssig dargelegt, dass die Versicherte dennoch über ausrei
chende Ressourcen für eine Arbeitstätigkeit verfügt, zumal sich auch keine kog
nitiven Einschränkungen fanden.
Auch aus psychiatrischer Sicht hat sich somit der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin beziehungsweise dessen Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit nicht verschlechtert.
Festzuhalten ist, dass f
ür eine den heutigen Diagnosemanuals entsprechende PTBS gestützt auf die
Y._
-Beurteilung keine genügenden Anhaltspunkte vor
liegen
. Zu Recht wies der psychiatrische Gutachter darauf hin, dass bereits das auslösende Ereignis eines Auffahrunfalls als nicht geeignet erscheint, diese Stö
rung zu verursachen.
Selbst wenn man auf die Beschreibung
des Ereignisses
durch
Dr.
A._
(
Urk.
7/151/8) abstellen würde, vermag das als auslösend dargestellte Ereignis die Kriterien einer PTBS nicht zu erfüllen
:
Einen wenn auch eindrücklichen Auffahrunfall einem Ereignis wie Vergewaltigung, Folter oder Krieg
straum
a gleichzusetzen, vermag nicht zu überzeugen
und wirft bei aller Not
wendigkeit eines stabilen Vertrauensverhältnisses Fragen hinsichtlich der fachli
chen Distanz und der Objektivität des Therapeuten auf
.
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeu
tisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich be
stellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten
stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten blei
ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die an
derslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpreta
tion entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Ok
tober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I
514/06]).
Solche unerkannten Aspekte sind vorliegend
jedoch
nicht ersichtlich. Unerheb
lich ist, dass
Dr.
A._
seine Diagnose auf die erweiterte Klassifikation der komplexen PTBS stützt, denn diese ist, wie der psychiatrische
Y._
-Gutachter festhielt, in den aktuell geltenden Diagnosesystemen noch nicht genannt. Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Selbst e
ine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist zudem nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität, was
Dr.
A._
zu verkennen scheint. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivier
ten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG)
. Diesen objektiven Massstab lässt
Dr.
A._
vermissen, zumal er nicht schlüssig erklärt, weshalb der Beschwerdeführerin keine
rlei
substantielle Arbeits
tätigkeit zumutbar sei. Wie es sich damit verhält, kann jedoch offen bleiben, da ohnehin keine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit nachgewiesen wurden.
Es besteht weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
.
5.5
Ein Revisionsgrund ist somit zu verneinen, womit auch das strukturierte Beweis
verfahren (vgl. vorstehend E. 1.5) entfällt. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass
der Fähigkeit der Beschwerdeführerin, ein Studium - mit sehr guten Noten; vgl.
Urk.
7/99 - abzuschliessen, im Rahmen der beweisrechtlich massgeblichen Kon
sistenzprüfung selbst unter Berücksichtigung der gewährten
erleichterten Stu
dienb
edingungen ein erhebliches Gewicht zukommen würde.
Denn e
ntscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristi
scher
Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141
V 281 kann somit der Be
weis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfä
higkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der mass
geblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmi
ges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht ge
leistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
5.6
Die weiteren Berichte
(
Urk.
7/151/13-24,
Urk.
3/5-6)
vermögen - sei es mangels
relevanter
fachärztliche
r Qualifikation oder
mangels Erfüllung der praxisgemäs
sen Anforderungen
an einen Arztbericht
- an diesem Resultat nichts zu ändern.
Weshalb den
Beurteilungen durch den behandelnden Therapeuten
Dr.
A._
im Vergleich zum
Y._
-Gutachten
geringerer
Beweiswert zukommt, wurde bereits dargelegt.
Im Übrigen sind s
owohl
Dr.
B._
(vorstehend E. 4.2) als auch
Dr.
C._
(vorstehend E. 4.3 bis 4.4) keine Fachärzte für Psychiatrie, weshalb auf ihre Beurteilung nicht
entscheidwesentlich
abgestellt werden kann.
5.7
Der angefochtene Entscheid ist
somit
rechtens. Dies führt zur Abweisung der Be
schwerde.
6.
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 800.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
d
er unterliegenden Beschwerdeführ
erin aufzuerlegen.