Decision ID: 3f758b80-bfc2-4430-afa0-772748c5b81b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahre
1973 geborene
X._
ist gelernte Schreinerin sowie diplomierte Betriebswirtin und war zuletzt
bei der
Y._
als Sach
bearbeiterin angestellt (
Urk.
5/9 S. 1-4). Aufgrund eines seit Mai 2014 bes
te
hen
den depressiven Geschehens
begab
sich die Versicherte in der Zeit vom 1
6.
bis 2
6.
Juni 2014 ein erstes Mal in stationäre Behandlung (
Urk.
5/16 S. 23). Eine zweite stationäre, teilstationäre und tagesklinische Behandlung fand ohne wes
entliche Unterbrüche in der Zeit vom 1
0.
November 2014 bis 2
5.
Februar 2015 statt (
Urk.
5/26 S. 3,
Urk.
5/33 S. 5); die Anmeldung bei der Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug erfolgte am 2
9.
November 2014, die Auflösung des Arbeitsverhältnisses per 3
1.
Januar 2015 (
Urk.
5/9 S. 4).
Ab dem 2
6.
Februar 2015 nahm die Versicherte ein erstes Mal eine Ausbildung in Chinesischer Medizin in Angriff (
Urk.
5/126 S. 1
). Mit Vorbescheid vom 2
2.
Juni 2015 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
5/35). Die begonnene Ausbildung
brach
die Versicherte
bereits im August 2015 wieder ab (
Urk.
5/125).
1.2
In der Zeit vom
2.
September 2015 bis 1
1.
März 2016 stand die Versicherte wiede
rum ohne wesentliche Unterbrüche in stationärer und teilstationärer Behandlung (
Urk.
5/52,
Urk.
5/56,
Urk.
5/59). Am 1
3.
März 2016 kam es zu einem Suizid
ver
such, wobei die Versicherte in der Zeit vom 1
5.
b
is 2
1.
März 2016
infolge eines
Nierenversagens
im
Z._
hospitalisiert werden musste (
Urk.
5/91 S. 1)
. In der Zeit vom 2
2.
März bis 2
1.
April 2016 erfolgte eine weitere stationäre Unterbringung im
A._
(
Urk.
5/59 S. 1).
Ab dem 2
6.
Mai 2016 unternah
m die Versicherte einen Versuch
,
die abgebrochene Ausbildung in Chinesischer Medizin
wieder aufzunehmen
(
Urk.
5/126 S.
2
f.); der erneute Abbruch erfolgte dabei im S
eptember 2016 (
Urk.
5/125).
1.3
Ab dem
7.
Oktober 2016 wurde
wiederum
eine stationäre Unterbringung nötig,
welche ohne wesentliche Unterbrüche bis zum 2
5.
April 2017 andauerte (
Urk.
5/91,
Urk.
5/94). Im Verlauf der weiteren Abklärungen liess die IV-Stelle die Versicherte
im August 2017
polydisziplinär abklären (
B._
-Gutachten vom 1
2.
Februar 2018, Urk. 5/108).
Am
7.
Dezember 2017 musste sich die Versicherte einer Schulter
ope
ration unterziehen, mit anschliessender mehrmonatiger Rehabilitation (
Urk.
5/108
S. 15).
Mit Schreiben vom 1
7.
Oktober 2018 nahmen die
B._
-G
utachter zu den Zusatzf
ragen zum erstatteten Gutachten
Stellung
(
Urk.
5/124).
Mit Verfügung vom
5.
Februar 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten ab (
Urk.
5/140 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin der Versicherten am 1
0.
März 2019 Beschwerde und beantragte, es sei der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab
1.
Juni 2015 eine ganze Rente zuzusprechen, im Übrigen sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie über den Anspruch auf berufliche Massnahmen neu verfüge; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde
gegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
April 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4), was der Beschwerdeführerin mit Ver
fü
gung vom 1
5.
April 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
6). Der mit Schreiben vom 2
6.
August 2019 eingereichte Arztbericht (
Urk.
7 f.) wurde der Beschwerde
gegnerin mit Mitteilung vom 2
3.
Oktober 2019 zugestellt (
Urk.
9).
Mit Verfügung vom 1
8.
Juni 2020 wurde die Helvetia Schweizerische Lebensver
sicherungsgesellschaft AG als zuständige Vorsorgeeinrichtung (Urk. 5/1) zum vorliegenden Verfahren beigeladen (
Urk.
10). Mit Schreiben vom 1
6.
April 2019
(eingegangen am
2.
Juli 2020) verzichtete die Beigeladene auf eine Stellung
nahme
(
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversic
herungsrechts: ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten
Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mut
bar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des stritti
gen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi
zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die ange
fochtene Verfügung damit, dass
die vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen überwindbar seien. Mit einer zumutbaren Willensanstrengung sei in der angestammten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
auszugehen. Aus somatischer Sicht habe nach der Operation im Dezember 2017 eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit von maxi
mal 6 Monaten bestanden, aus psychiatrischer Sicht sei eine solche nur während den stationären Behandlungen gegeben gewesen und teilweise kurz darüber hinaus. Auch die neu geltend gemachten Rückenbeschwerden würden sich in der angestammten, körperlich leichten Tätigkeit nicht einschränkend auswirken. Insgesamt bestehe weder ein Rentenanspruch noch
e
in solcher auf berufliche Ein
gliederungsmassnahmen (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass
aufgrund der ärztlichen Berichte für die Zeit vom 1
6.
Mai bis 2
3.
Oktober 2014 von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 100
%
auszugehen sei, für die Zeit
danach bis mindestens Juli 2018 habe eine 100%ige Arbeitsun
fähig
keit bestanden (
Urk.
1 S. 4).
D
as
B._
-Gutachten
gebe
ein nicht genügend diffe
renziertes und fundiertes Bild des Krankheitsverlaufes wieder, vielmehr seien die zahlreichen Berichte der involvierten Kliniken sowie behandelnden Fachärzte in die Beurteilung mit einzubeziehen. Weiter sei das Teil-Gutachten von med.
pract
.
C._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, dahingehend zu ver
stehen, dass entsprechend der Beurteilung der Leistungsfähigkeit in der Ver
gan
genheit ab Mai 2014 von einer teilweisen bis ganzen und ab Oktober 2014 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (S. 5). Die Aussage im
B._
-Gutachten, dass aus psychiatrischen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit nur während der Dauer der stationären Behandlungen und teilweise kurz darüber hinaus bestanden habe, finde im ausführlichen und differenzierten Teilgutachten von med.
pract
.
C._
keine Stütze. Die genannte Aussage widerspreche
weiter auch der gesamten sonstigen medizinischen Aktenalge (S. 6).
Nachdem die Anmeldung am
4.
Dezember 2014 bei der Beschwerdegegnerin ein
gegangen sei und bis heute im ersten Arbeitsmarkt von einer vollen Erwerbs
unfähigkeit auszugehen sei, ergebe sich ab dem
1.
Juni 2015 ein Anspruch auf eine ganze Rente (S. 8). Hinsichtlich des Anspruchs auf berufliche Eingliederung sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen (S. 9).
3.
3.1
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diag
nos
ti
zierte in ihrem Bericht vom 2
2.
Juni 2016 eine bipolar affektive Störung, gegen
wärtig hypomanische Episode (ICD-10 F31.1), DD: rezidivierende depressive Störung, chronischer Verlauf (ICD-10 F33) sowie einen Status nach Tabletten
intoxikation in suizidaler Absicht am 1
3.
März 2016 (
Chloroquin
), in der Folge akutes Nierenversagen (
Urk.
5/59 S. 1).
Ihrer Einschätzung nach sei die Beschwerdeführerin weder in ihrem jetzigen
hypomanen
noch im depres
siven Zustand arbeitsfähig. Depr
essiv sei sie
anhe
do
nisch
antriebslos, suizidal, aktuell sei sie distanzlos, könne sich nicht an Struk
turen anpassen, sei nicht in der Lage über eine längere Zeit bei einer Tätigkeit zu bleiben und sei nicht introspektionsfähig (S. 3).
3.2
Die für das
B._
-Gutachten vom 1
2.
Februar 2018 verantwortlichen Fachärzte
stellten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die folgenden Diagnosen (Urk. 5
/108 S. 10):
-
Bipolare affektive Störung, gegenwärtig hypomanische Episode (ICD-10 F31.0), mit absichtlicher Selbstbeschädigung, Status nach schwerem Suizidvers
u
ch 2016 (ICD-10 X84)
-
Labrum LBS-Komplex-Läsion (ICD-10 M75.8) sowie PASTA-Läsion des
Supraspinatus
der rechten Schulter (ICD-10 M75.1) bei
-
Kernspintomographisch stationärer bekannter PASTA-Läsion mit kleinem
gelenkseitigem Unterflächeneinriss der
Supraspinatussehne
ansatznah und ausgedehnter SLAP-Läsion mit Ausbildung einer
para
labralen
Zyste dorsal, im Verlauf zunehmende Degeneration des
Bizeps
sehnenankers
mit neu kleinem Längsriss der langen
Bizepssehne
ansatznah (
Arth
r
o
-MRI der rechten Schulter vom 1
6.
August 2016)
-
Klinisch normal erhaltener Beweglichkeit des rechten Schultergelenks mit positivem
Jobe
-Test rechtsseitig
-
Zusätzlich
myotend
inotischen
V
erspannungen der Schultergürtel-
mus
kulatur, vor allem der
Musculi
trapezii
-
Status nach Schulterarth
r
oskopie rechts am
7.
Dezember 2017 mit SLAP-
Débridement
,
Bicepstenodese
im
Sulcus
,
Débridemen
t
der P
ASTA-Läsion,
subakromial
ausgedehn
t
e
r
Bursektomie
,
Akromioplastik
bei SLAP-Läsion Typ KK rechts,
sublabraler
Zyste, gelenkseitiger Teilruptur der
Supraspinatussehne
rechts (PASTA-Läsion)
< 50
%
,
Bicepsten
dino
pathie
mit
Pulley
-Erweiterung,
subakromialer
Bursitits
und
Akromion
sporn
rechts
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gingen die Fachärzte von den folgenden Diagnosen aus (S. 10 f.):
-
Undi
fferenzierte Somatisierungsstör
ung (ICD-10 F45.1)
-
Sonstige Kontaktanlässe mit Bezug auf Kin
d
heitserlebnisse (ICD-10 Z61)
-
Andere Kontaktanlässe mit Bezug auf den engeren Familienkreis (ICD-10 Z63)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf die wirtschaftliche Lage (ICD-10 Z56)
-
Episodischer Spannungskopfschmerz nach ICHD-III
beta
(ICD-10 G44.2)
-
Myotendinotische
Verspannungen der zervikalen Muskulatur (ICD-10 M
77.9)
-
Lumbovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5)
-
Ligamentäre
Hyperlaxität
(ICD-10 M35.7)
-
Bilateral Senk-/Spreizfüsse (ICD-10 M22.6)
Eine Arbeitsunfähigkeit habe aus psychiatrischen Gründen während den statio
nären Behandlungen bestanden, teilweise kurze Zeit darüber hinaus. Aus rheu
matologischer,
neurologischer und medizinischer Sicht habe bis zum Gutach
tens
zeitpunkt keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit bestanden. Im Anschluss an die Schulteroperation sei von einer 3- bis maximal 6-monatigen 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Für eine körperlich leichte Tätigkeit ohne die Notwendigkeit Lasten über 10 kg zu heben,
zu
tragen oder
zu
stossen, ohne repetitive Überkopfarbeiten und mit der Möglichkeit zu sitzen, zu stehen und zu gehen, bestehe in Zukunft voraussichtlich keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 14).
Aus psychiatrischer Sicht sollte die Arbeitsfähigkeit mittels eines Arbeits- und Belastungstrainings, beginnend mit 40
%
sukzessive wieder aufgebaut werden. Ohne eine erneute Dekompensation könne davon ausgegangen werden, dass eine monatliche
Pensumssteigerung
von 5-10
%
(bis auf 100
%
) möglich sein sollte (innerhalb der nächsten 6-8 Monate; S. 16).
3.3
Dr.
med.
E._
, Oberarzt Wirbelsäulenchirurgie und Orthopädie
am
F._
, diagnostizierte in seinem Bericht vom 3
0.
Oktober 2018 einen Status nach multiplen akuten Lumbalgien (Hexenschuss) seit 1991, eine
Discopathie
L5/S1 mit
beginnendem
Segmentkollaps und
Modic
-Veränderungen (MRI LWS 2
4.
Oktober 2018) sowie eine
Bandscheibenprotrusion
L5/S1 links mit Affektion der S1-Wurzel links. Das gesamte Ausmass der Beschwerden, ins
be
sondere der nächtlichen Schmerzen
,
könne aus seiner Sicht durch die objektiven Befunde nicht vollständig erklärt werden; es bestehe keine Indikation für ein wirbelsäulenchirurgisches Vorgehen. In Bezug auf den Gesamtkontext mit mög
licher psychosozialer Affektion empfehle er die Anbindung an eine Schmerz
klinik, gerne auch in ihrem Haus (
Urk.
5/137).
4.
4.1
Bezüglich der ergänzenden Ausführungen der
B._
-Gutachter vom 1
7.
Oktober 2018 (
Urk.
5/124), welche insbesondere die diagnostische Einschätzung der Be
schwerden betraf
en
, ist darauf hinzuweisen, dass die diagnostische Einordnung für die Beurteilung des Leistungsanspruches in der Invalidenversicherung nicht massgebend ist, sondern allein deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urteil des Bundes
gerichts 9C_786/2009 vom 24. Februar 2010 E. 4.2.3). Vor
diesem Hintergrund
kann letztlich offen bleiben, ob die Beschwerdeführerin neben
der
bipolaren Störung auch noch an ein
er posttraumatischen Belastungsstörung leidet, wie dies erstmals einem fachärztlichen Bericht vom
8.
Juni
2017 zu entnehmen ist (
Urk.
5/94).
4.2
Hinsichtlich der Einschätzung der Leistungsfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht
im Zeitpunkt des
B._
-Gutachtens vermögen die Ausführungen der involvierten Fachärzte zu überzeugen.
Insbesondere erscheint der für nötig befundene lang
same Wiedereinstieg aufgrund der langen Krankengeschichte der Beschwerde
führerin angemessen.
Dass nun eine gewisse Stabilisierung der gesundheitlichen Situation eingetreten ist
, ergibt sich dabei auch aus dem Bericht von
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
2.
Juni 2018, welcher für eine berufliche Massnahme ebenfalls von einer Belastungsfähigkeit von 30 bis 40
%
ausgeht (
Urk.
5/116 S. 4). Daraus kann aber entgegen der Auf
fassung der Beschwerdegegnerin nicht auf sofortige 100%ige Arbeitsfähigkeit geschlossen werden. Dass eine solche verlässlich möglich ist, wird sich erst nach Zunahme der Belastungen im Rahmen des Aufbaus zeigen. Weiter ist aufgrund der Schulterrehabilitation im Anschluss an die Operation vom
7.
Dezember 2017 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit bis maximal zum
7.
Juni 2018 aus
zugehen
, sodass spätestens ab diesem Zeitpunkt in einer leichten Tätigkeit von einer 40%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen ist.
Dass die Leistungsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit durch die im Oktober 2018 objektivierten lumbalen Be
schwerden weiter eingeschränkt wurde, erscheint dabei aufgrund des vorliegen
den Berichts von
Dr.
E._
nicht überwiegend wahrscheinlich.
4.3
Hinsichtlich der Einschätzung der retrospektiven Arbeitsfähigkeit, insbesondere derjenigen in der Zeit vom
1.
Juni 2015
(
frühstmöglicher
Rentenbeginn)
bis zum Gutachtenszeitpunkt, vermögen die Ausführungen
der
B._
-Gutachter nicht zu überzeugen. Die
Einschätzung
, dass eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen nur während den stationären Behandlungen bestanden habe, teilweise kurze Zeit darüber hinaus,
trägt
weder den vorliegenden medizinischen
Vorakten
in genügender Weise
Rechnung
noch erfolgt eine Würdigung unter Berück
sic
h
tigung der gestellten Diagnose; weiter erscheint es fraglich, ob die Aussage im psychiatrischen Teilgutachten eine Stütze findet.
Aus dem Verlauf der zahlreichen
Hospitalisationen
der Beschwerdeführerin ist ersichtlich, dass diese im rentenrelevanten Zeitraum insbesondere in zwei Phasen nicht in engmaschiger ärztlicher Betreuung gestanden hat, dies vom 2
6.
Februar bis
1.
September 2015 und vom 2
2.
April bis
6.
Oktober 2016 (vgl. Sachverhalt 1.).
Dr.
D._
diagnostizierte dabei in ihrem Bericht vom 2
2.
Juni 2016
erstmals
eine bipolar affektive Störung und führte weiter aus, dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Einschätzung weder in ihrem jetzigen
hypomanen
noch im depressiven Zustand
arbeitsfähig sei (
Urk.
5/
59 S. 3). Diese Einschätzung erfolgte echtzeitlich und findet auch im Beschrieb der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) eine Stütze. So ist dem Standardwerk insbesondere zu ent
neh
men, dass manische Episoden in der Regel abrupt beginnen und zwischen 2
Wochen und 4 bis 5 Monaten andauern (ICD-10, 1
0.
Auflage, S. 164). Dabei führt eine manische Episode zu einer vollständigen Unterbrechung der beruf
lichen und sozialen Funktionsfähigkeit (S. 162). Auch
eine Hypomanie kann zu einer deutlichen Beeinträchtigung der B
erufstätigkeit führen (S. 161).
Hinzuweisen ist dabei auf die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin in den zwei
manischen/hypomanischen Phasen eine Ausbildung in Chinesischer Medizin aufnahm, bei äusserst geringer Stundenbelastung (
Urk.
5/126 S. 1 ff.), sodass
gestützt
darauf nicht auf eine Arbeitsfähigkeit in einem strukturierten Rahmen geschlossen werden kann. Der Abbruch der Behandlungen erfolgte dabei (krank
heitstypisch) abrupt und ohne
gezielten
Aufbau einer Leistungsfähigkeit. So ist
etw
a dem Bericht von
Dr.
med.
H._
, Oberärztin am
I._
, vom 2
9.
Mai 2019 zu entnehmen, dass es sinnvoll wäre, mit einem geringeren Arbeitspensum zu starten, da andernfalls ein erhöhtes Rückfallrisiko bestehe. Das aktuelle psychische Zustandsbild sei ihnen aufgrund des Austritts
aus der tagesklinischen Behandlung per 2
5.
Februa
r
2015 nicht bekannt (Ur
k.
5/33 S.
4). Der Abbruch der Ausbildung erfolgte dabei bereits im August 2015 (
Urk.
5/125). Gleiches gilt für die Wiederaufnahme der Ausbildung im April 2016, welche nur rund einen Monat nach dem Suizidversuch mit somatischen Kompli
kationen erfolgte (
Urk.
5/59 S. 1-3). Weiter ist auch dem psychiatrischen Teil
gutachten von med.
pract
.
C._
zu entnehmen, dass ab dem 2
3.
November 2014 von den behandelnden Fachärzten keine Arbeitsfähigkeit mehr attestiert worden sei. Die aktuelle Arbeitsunfähigkeit und die in der Vergangenheit attestierte Arbeitsunfähigkeit basier
t
e
n
im Wesentlichen auf der bipolaren affektiven Stö
rung, die erst nach einigen schwerwiegenden depressiven Episoden als solche identifiziert worden sei. Eine leitliniengerechte und suffiziente Behandlung der bipolaren Störung sei inzwischen eingeleitet worden, sodass mit einer Wiederein
gliederung zum jetzigen Zeitpunkt mit noch leicht hypomanischem Zustandsbild bereits begonnen werden könne (Urk. 5/108/55).
In einer abschliessenden Würdigung der vorliegenden Umstände ist retrospektiv von zwei manischen/hypomanischen Phasen auszugehen, wobei aufgrund der gestellten Diagnose, der echtzeitlichen ärztlichen Einschätzungen sowie den Aus
führungen im psychiatrischen Teilgutac
hten von med.
pract
.
C._
dav
on aus
zugehen ist, dass die
Beschwerdeführerin auch in diesen Perioden
für eine Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt keine Arbeitsfähigkeit erreichen konnte. Dies gilt auch für die Zeit ab Mai 2017 bis zur Begutachtung bei der
B._
. So ist etwa dem Bericht der Fachärzte der
J._
vom
8.
Juni 2017 zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin aktuell im
1.
Arbeitsmarkt zu 100
%
arbeitsunfähig
sei
und die therapeutischen Massnahmen dringend im Vordergrund st
ünd
en (
Urk.
5/94 S. 7).
4.4
Zusammenfassend führt dies zur folgenden Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten (wie der bisherigen) Tätigkeit: In der Zeit vom 1
6.
Mai bis 2
1.
Oktober 2014 war die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit noch effektiv erwerbstätig, bei einer attestierten Arbeitsfähigkeit zwischen 0 und 50
%
und einem stationären Aufenthalt in der Zeit vom 1
6.
bis 2
6.
Juni 2014 (Urk. 5/4/1
ff.,
Urk.
5/16 S.
23). Eine zweite stationäre, teilstationäre und tages
klinische Behandlung fand ohne wesentliche Unterbrüche in der Zeit vom 1
0.
November 2014 bis 2
5.
Februar 2015 statt (
Urk.
5/26 S. 3,
Urk.
5/33 S. 5), mit einer durchgehend vollen Arbeitsunfähigkeit. Aufgrund der obgenannten Aus
führung (E. 4.3) ist dabei auch in der Z
eit bis zur nächsten stationären und teilstationären
Behandlung in der Zeit vom
2.
September 2015 bis 1
1.
März 2016
von einer andauernden vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (
Urk.
5/52, Urk.
5/56,
Urk.
5/59). Am 1
3.
März 2016 kam es zu einem Suizidversuch, wobei die Versicherte in der Zeit vom 1
5.
bis 2
1.
März 2016 infolge eines Nieren
ver
sagens im
Z._
hospitalisiert werden musste (
Urk.
5/91 S. 1). In der Zeit vom 2
2.
März bis 2
1.
April 2016 erfolgte eine weitere stationäre Unterbringung im
A._
(
Urk.
5/59 S. 1). Auch für die anschlies
sende Zeitperiode ist aufgrund der Ausführungen unter 4.3 bis zur erneuten stationären Unterbringung ab dem
7.
Oktober 2016, welche ohne wesentliche Unterbrüche bis zum 2
5.
April 2017 andauerte (
Urk.
5/91,
Urk.
5/94)
,
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Gleiches gilt für die Zeitperiode bis zum Zeitpunkt des Gutachtens, wobei sich die Phase der vollständigen Arbeits
unfähigkeit aufgrund der Schulterrehabilitation noch bis zum
7.
Juni 2018 ver
längerte; ab diesem Zeitpunkt ist von der im
B._
-Gutachten attestierten 40%igen Arbeitsfähigkeit in
angestammter wie auch angepasster
Tätigkeit auszugehen.
5.
5.1
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regel
fall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281)
hat das Bundesgericht wie folgt systemati
siert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funktioneller Schweregrad
»
(E. 4.3)
-
Komplex «
Gesundheitsschädigung
»
(E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «
Persönlichkeit
»
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «
Sozialer Kontext
»
(E. 4.3.3)
-
Kategorie «
Konsistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/
2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
5.2
Für die Zeitperiode vom
1.
Juni 2015 (
frühstmöglicher
Rentenbeginn) bis zum
7.
Juni 2018 ist aufgrund der psychischen Probleme sowie der Schulterreha
bili
tation von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin auszu
gehen. In Anbetracht der Dauer der stationären, teilstationären und tagesklini
schen Behandlungen in der dieser Zeit
periode (vgl. Sachverhalt E. 1)
erübrigt sich eine detaillierte Prüfung der Standardindikatoren.
5.3
5.3
.1
Für die Zeit ab dem
7.
Juni 2018 ist die angenommene Leistungsfähigkeit von 40 % unter Berücksichtigung der massgebenden Standardindikatoren zu über
prüfen.
Auch wenn nunmehr von den
B._
-Gutachtern für den Wiedereinstieg eine Arbeitsfähigkeit von 40
%
attestiert wird, ergibt sich aus den durchlaufenen Behandlungen, dem schweren Suizidversuch und der berechtigten Angst eines Rückfalls (vgl.
Urk.
5/108/54 unten) doch eine deutliche
Ausprägung der
Grund
erkrankung. Auch wenn die
diagnoser
elevanten psychiatrischen Befunde
aktuell nicht mehr ausgeprägt sind (reduzierte Durchhaltefähigkeit, leicht
hypomaner
Restzustand,
Urk.
5/108/53 f.), ist d
er von den Gutachtern e
mpfohlene länger
fristige Aufbau,
beginnend mi
t einer Arbeitsfähigkeit von 40
%
,
vor diesem
Hintergrund
einleuchtend
.
Bezüglich der Komorbidität ist vorauszuschicken, dass l
aut BGE 143 V 418 Stö
rungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht
fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hem
mende Wirkung zukommt (E. 8.1, Präzisierung der Rechtsprechung; vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.1 und E.
7.2 mit Hin
weis).
Aufgrund des
B._
-Gutachtens ist dav
on auszugehen, dass die Arbeits
fähigkeit sowohl durch die
bipolare
Erkrankung
als auch die Schulterbe
schwer
den
eingeschränkt ist
. Weiter ist spätestens seit Oktober 2018 von objektivierten LWS-Beschwerden, und damit
insgesamt
von einer Komorbidität auszugehen.
5.3.2
Was den Komplex
«
Persönlichkeit
»
betrifft, hielten die
B._
-
Gutachter fest, dass
die Beschwerdeführerin über ausgesprochen viele Fähigkeiten und Ressourcen
verfüge (Ausbildung trotz widriger Umstände, aufgenommene Ausbildung), wobei
die ungewisse berufliche Zukunft und die hierdurch bedingte finanzielle Situation eine Belastung darstelle (
Urk.
6/108/54).
5.3.
3
Im Rahmen der Konsistenzprüfung hielten die
B._
-Gutachter fest, dass
die An
gaben der Beschwerdeführerin insgesamt authentisch wirken würden und nicht
aggraviert
seien. Ihre Angst
,
plötzlich wieder eine depressive Episode zu erleiden, sei angesichts des Krankheitsverlaufs der letzten drei Jahre nachvollziehbar (
Urk.
5/108/54), sodass weiterhin auf einen gewissen Leidensdruck
geschlossen werden kann
.
5.4
In einer Gesamtwürdigung der massgebenden Standardindikatoren ist die Ein
schätzung des Leistungsvermögens durch die
B._
-Gutachter nicht zu be
an
stan
den. Zu beachten ist d
abei, dass initial von einer 4
0%igen
Arbeitsfähigkeit
aus
gegangen wird. Diese Einschätzung
ist eine Folge der hartnäckigen Erkrankung mit einer Vielzahl von therapeutischen Unterbringungen in den letzten Jahren, der damit verbundenen
Dekonditionierung
und der Angst eines Rückfalls. Zudem ist die vorhandene Komorbidität bei weiterhin gegebenem Leiden
s
druck zu be
rücksichtigen.
Zum andern trägt sie
der spätestens ab dem Zeitpunkt der Be
gut
achtung eingetretenen Stabilisierung des Gesundheits
zustandes und den grund
sätzlich vorhandenen Ressourcen der Beschwerdeführerin Rechnung.
Der von den
B._
-Gutachtern postulierte Einstieg mit einem Pensum von 40
%
bei konti
nuier
licher Steigerung des Pensums über längere Zeit, ist vor diesem Hintergrund nicht zu beanstanden.
6.
6.1
Nachdem die Anmeldung zum Leistungsbezug am
4.
Dezember 2014 bei der Beschwerdegegnerin einging (
Urk.
5/9 S. 1) ergibt sich entsprechend den Ausfüh
rungen der Vertreterin der Beschwerdeführerin ein
frühstmöglicher
Rentenbeginn per
1.
Juni 201
5.
Aufgrund der vollständigen Arbeitsunfähigkeit bis zum
7.
Juni 2018 ergibt sich für die Zeit ab
1.
Juni 2015 bis zum 3
0.
September 2018 ein Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
88a
Abs.
1
der
Verordnung
über die Inva
lidenversicherung;
IVV
).
6.2
Ab dem 7. Juni 2018 ist von einer 40%ig
en Arbeitsfähigkeit auszugeben.
Gestützt auf die Angaben des ehemaligen Arbeitgebers der Beschwerdeführerin ist per 2014 von einem mögl
ichen Einkommen von Fr. 80'600.--
auszugeben, was unter Berücksichtigung der seither eingetretenen Nominallohnentwicklung (Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939 = 100], Frauen, Stand 2014: 2673, Stand 2018: 2732; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten, Lohnentwicklung) per 2018 zu einem
Validenein
kommen
von Fr. 82'379.05 führt.
Das Invalideneinkommen ist praxisgemäss anhand der statistischen Durchschnittswerte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE 2018) zu ermitteln. Aufgrund der höheren Ausbildung der Beschwerdeführerin sind dabei die Durchschnittseinkommen des Kompetenzniveaus 3 heranzuziehen, was im Sektor 3, Dienstleistungen, einem durchschnittlichen monat
lichen Einkommen von Fr. 6'249.--
entspricht (LSE 2018 TA1
tirage
skill
level
). Nach Berücksichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden pro Woche (www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten, Nominalarbeitsstunden) führt dies per 2018 zu einem massgebenden
Jahreseinkommen von Fr. 78'175.--
. Bei einem zunächst massgebenden Pensum von 40 % ergibt sich ein zumutbares Inv
alideneinkommen von Fr. 31'270.--.
Ausgehend von einem
Valideneinkommen
von Fr. 82'379.05 ergibt sich ein Invaliditätsgrad von rund 62 % ([Fr. 82'379.05 - Fr. 31'270.--] x 100 / Fr. 82'379.05 = 62.04). Ab dem l. Oktober 2018 hat die Beschwerdeführerin demnach Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
. Insofern die
B._
-Gutachter eine Steigerung der Leistungsfähigkeit in Aussicht stellen, stellt dies allein eine Prognose dar, die es im Rahmen der Eingliederung zu verifizieren gilt. Da nunmehr von einem IV-relevanten Gesundheitsschaden auszugeben ist, ist die Sache antragsgemäss zur Prüfung der beruflichen Massnahmen an die Beschwerdegegnerin zu überweisen.
6.3
Zusammenfassend ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen, als die Beschwer
de
führerin vom
1.
Juni 2015 bis 3
0.
September 2018 Anspruch auf eine ganze Rente und ab
1.
Oktober 2018 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat, was zur Auf
hebung der angefochtenen Verfügung führt.
Ferner ist die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese die Durchführung beruflicher Massnahmen prüfe.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde
führerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
,
auf
Fr.
2'200.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.