Decision ID: 495a5507-f77c-530d-ad19-76fd24aee158
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961
,
meldete sich am 2
2.
Juli 2003
unter Hinweis auf
psychische Probleme
bei der Invalidenversicherun
g zum Leistungsbezug an
(Urk. 10/5
Ziff.
7.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach ihm
mit Verfügung vom 1
8.
Juni 2004
b
ei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze
R
ente ab
1.
Juni 2003
zu (Urk. 10/25
).
Am
3
1.
Juli 2008
und am
6.
September 2011
teilte die IV-Stelle dem Versicher
ten mit, der Rentena
nspruch sei unverändert (
Urk.
10/59
,
Urk.
10/91
).
1.2
Nach Eingang eines am
4.
September 2012
ausgefüllten Revisio
nsfragebogens (Urk. 10/101
) holte die IV-Stelle unter anderem
ein psychiatrisches Gutachten
ein, das am
4.
August 2013 erstattet wurde (Urk. 10/109). Nach er
gangenem Vor
bescheid (
Urk.
10/117
)
stellte
di
e IV-Stelle mit Verfügung vom 1
8.
Februar 2015
die bisher ausgerichtete Rente auf
Ende des der Zustellung folgenden Mo
nats ein
(Urk. 10/122
= Urk. 2).
2.
Der
Versicherte erhob am 2
3.
März 2015
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
8.
Februar 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
. Eventuell sei er einer weiteren medizinischen Untersuchung zu unterziehen und gestützt darauf ein neuer Entscheid zu fällen.
Weiter sei seiner Beschwerde die aufschiebende
Wirkung
zuzusprechen
(
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom
7.
Mai 2015 (
Urk.
9
) die
Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer
am 1
6.
Juni 201
5
zur Kenntnis geb
racht (
Urk.
11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen
guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Fest
zustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Person so
zial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich
gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in
seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
des
gerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003
E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte
rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditätsbe
messung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a,
122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete in ihrer Verfügung (
Urk.
2) die Einstellung der seit 2003 ausgerichteten Invalidenrente damit,
e
ine psychiatrische Diagnose von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer könne nicht fest
gestellt werden. Aus dem Gutachten sei ersichtlich, dass der Beschwerdeführer über ein genügend breites Spektrum an Ressourcen verfüge. So unternehme er längere Spaziergänge und tätige Einkäufe. Somit sei auch ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens zu verneinen. Des Weiteren sei aufgrund der
Ab
klärungsmassnahmen
ersichtlich geworden, dass der Beschwerdeführer die ver
schriebenen Medikamente ohne Absprache mit dem Behandler sistiert habe. Da
her könne festgehalten werden, dass gewisse Rückschläge auf eine nicht regel
mässige medikamentöse Therapie zurückzuführen seien. Eine Invalidität im Sinne
des Gesetzes sei nicht ausgewiesen (S. 2).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
s
eine
gesundheitliche
Situation habe sich seit dem Jahr 2002 nicht verändert
und
es bestehe nach wie vor eine vollständige Invalidität
(S.
4 f.
Ziff.
3
, S.
8
Ziff.
10-11
)
.
Es sei nirgends von einer vollständigen Remission der Depression be
richtet und auch im psychiatrischen Gutachten vom März 2011 sei von einer
rezidivierenden depressiven Störung ausgegangen worden. Auch der behan
deln
de Psychiater
sei
von einer mittelschweren Depression mit massiven Ein
schrän
kungen sowohl im psychischen als auch im physischen Bereich und von einer
weitgehend fehlenden Belastbarkeit aus
gegangen
. Es sei unter anderem ein schwe
rer sozialer Rückzug bestätigt worden (S. 5 f.
Ziff.
4
, S. 6 f.
Ziff.
6
).
Es
treffe nicht zu, dass er über ein breites Spektrum an Ressourcen verfüge, was auch
im Widerspruch zu dem aktuell eingeholten psychiatrischen Gutachten stehe. Zudem sei nicht zutreffend, dass gewisse Rückschläge auf eine nicht re
gel
mässige medikamentöse Therapie zurückzuführen seien. Er nutze seine
Rest
arbeitsfähigkeit
aus (S. 6 f.
Ziff.
7-8).
2.3
Strittig und zu prüfen ist,
ob die
von der Beschwerdegegnerin angenomme
ne Verbesserung des
Gesundheitszustand
es
im Sinne eines Revisionsgrundes ge
mäss
Art.
17 ATSG ausgewiesen ist.
3.
Die letzte eingehende Prüfung
und hernach Bestätigung des Rentenanspruches mit Mitteilung vom
6.
September 2011 (
Urk.
10/91)
erfolgte
im Rahmen der im März 2010 eingeleiteten Rentenrevision (
Urk.
10/67). In diesem Zusammenhang holte
die Beschwerdegegnerin das
folgende
psychiatrische Gutachten
ein:
Dr.
med.
Y._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte
in seinem psychiatrischen Gutachten
vom
2
5.
März 2011 (
Urk.
10/83)
als Di
agnose eine
über die letzten acht Jahre verfolgbare rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F32.1),
die ihren Anfang im Verlust der körperlichen Integrität habe und dem später die Arbeitslosigkeit und damit der Verlust eines
hochrele
vanten
Lebensaspektes und sinnvermittelnden Lebensinhaltes gefolgt sei. Die affektive Erkrankung erreiche, wie in
der Vergangenheit wiederholt von
Be
handler
n
bestätigt, auch heute einen mittleren bis schweren Grad und verun
mögliche dem Exploranden die freie Gestaltung seines alltäglichen Lebens und auch die Ausübung einer ber
uflichen Tätigkeit. Nach Jahren
in denen die Er
kran
kung mehrheitlich in gleich bleibender Qualität persistiert habe, müsse von einer
Chronifizierung
und damit von einer bleibenden Schädigung der psychi
schen Gesundheit gesprochen werden. Gemäss ICD-10 bedeute eine depressive Erkrankung mittleren Grades, dass der Erkrankte nur unter erheblichen Schwie
rigkeiten soziale, häusliche und
berufliche Aktivitäten aufrecht
erhalten könne. Dies treffe beim Exploranden zu. Auch könne im vorliegenden Fall zusätzlich von einem somatischen Syndrom gesprochen werden, das die depressive Kom
ponente begleite und die Auswirkung der negativen Grundstimmung auf die Vitalgefühle
unterstreiche
(S. 7
f.
Ziff.
1)
.
Die ursprünglich im Jahr 2002 als Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion beurteilte psychische Erkrankung habe vor allem bezüglich der depressiven Grundstimmung über die letzten Jahre persistiert und imponiere heute psycho
pathologisch als rezidivierende depressive Affekterkrankung. Die diversen psy
chiatrisch-psychotherapeutischen und
psychopharmakotherapeutischen
Inter
ventionen hätten die Erkrankung in der Vergangenheit nur begrenzt und auch zeitlich nur beschränkt positiv zu beeinflussen vermocht.
Dr.
Y._
führte aus, für das Vorliegen einer
schizoaffektiven
Störung, wie sie anlässlich des stationären Aufenthaltes in der
Z._
diagnostiziert worden sei, fehlten bei Berücksichtigung des Krankheitsverlaufes und der aktu
ell
en Psychopathologie die diagnostischen Kriterien. Anamnestisch lasse sich beim
Exploranden zudem von einer Panikstörung mit Agoraphobie (ICD-10 F
40.0) sprechen, die jedoch mit grösster Wahrscheinlichkeit in den letzten Jah
ren abgeklungen sei. Diesbezügliche Beschwerden seien vom Exploranden jeden
falls verneint worden. Darüber hinaus leide er an einer Essstörung mit Adiposi
tas per magna (S. 8
Ziff.
1).
Aufgrund der Ausprägung der vorliegenden psychischen Erkrankung sei beim Exploranden unter Berücksichtigung des Verlaufes beziehungsweise der
Chro
nifizierung
nicht davon auszugehen, dass er heute in der Lage wäre, einer gere
gelten Arbeit, wie er sie vor zehn Jahren noch verrichtet habe, nach
zugehen
. Die
residuierenden
körperlichen, wie auch psychischen Ressourcen würden dies nicht zulassen. Demzufolge müsse beim Exploranden von einem vollständigen Fehlen der Arbeitsfähigkeit gesprochen werden (S.
8. Ziff.
2).
Zum Grad der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit führte
Dr.
Y._
aus, der Explorand habe bis 2007 noch über ein körperliches und geistig-intellektu
elles Potential verfügt, welches ihm die Verrichtung einer Arbeit im geschützten Rahmen über 30 Stunden pro Monat ermöglicht habe. Dieses Leistungsniveau sei aufgrund der vorliegenden Psychopathologie
heute nicht mehr gegeben (S. 8
Ziff.
3).
Die psychische Erkrankung des Exp
loranden habe ab 2001 zu einer v
ollständi
gen
Arbeitsunfähigkeit und seit 2003 zu einer Berentung geführt. Der Verlauf der Erkrankung sei seit 2007 als progredient einzustufen. Auch unter geschütz
ten
Bedingungen sei es ihm schlussendlich nicht mehr möglich gewesen, den nieder
schwelligen Anforderungen ger
echt zu werden. Dass der Explor
and jemals ein
Funktions- beziehungsweise Leistungsniveau zurückgewinnen könnte, wel
ches das
heutige übersteige, sei
vor diesem Hintergrund aus psychiatrisch-medi
zinischen Gesichtspunkten unwahrscheinlich (S. 9
Ziff.
4).
Die in der Vergangenheit beim Exploranden durchgeführten Massnahmen zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit seien sowohl im stationären Kontext als auch später ambulant mehrheitlich abortiv verlaufen. Bei jetzt
erneut akzentuierten psychopath
ologischen Befunden sei es unwahrscheinlich, dass die Durchfüh
rung weiterer Interventionen heute erfolgreicher wäre.
Zu gering seien die Res
sourcen beim
Exploranden, welche notwendig wären, um eine anhaltende Ver
besserung seiner Arbeitsfähigkeit erzielen zu können (S. 9
Ziff.
5).
Dr.
Y._
führte aus, zwischen den medizinischen Beurteilungen in den
zur Verfügung stehenden Akten und den in dieser Untersuchung erhobenen Befun
de
n
bestünden hinsichtlich des psychischen Gesundheitszustandes des Explo
randen und der daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit keine nennenswerten Differenzen (S. 10
Ziff.
7).
4.
4.1
Im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens holte die IV-Stelle die folgen
den ärztlichen Berichte ein:
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie
,
nannte in seinem
Bericht vo
m
3.
Oktober 2012 (
Urk.
10/102) als Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
c
hronifizierte
Depression mit wech
selnd starker Ausprägung,
teils bis ins Suizidale
,
bei einer
Persönlichkeitsstö
run
g
mit gemischten Anteilen
bei
einem
einfach strukturiertem Süditaliener mit
minimalen Ressourcen
(
S. 2
Ziff.
5.4).
Dr.
A._
führte aus, e
ine Tätigkeit sei
aktuell im Rahmen von höchstens drei Stunden an drei Tagen in der Woche möglich
,
bei einer Arbeitsfähigkeit von insgesamt 25
%
. Der Patient verrichte ein
fache Haus- und Gartenarbeiten bei einer Privatfamilie, wo er auch angelei
tet und unterstützt werde. Es sei zur Wi
e
deraufnahme dieser Tätigkeit nach län
gerem Auslandaufenthalt
gekommen, wo der Beschwerdeführer
gehofft habe,
dass es ihm
im Herkunftsumfeld besser gehen
würde, er zugleich aber seine Med
ikation sistiert habe
(S.
2 f.
Ziff.
5.5)
.
Der Beschwerdeführer sei seit dem
8.
Juli
2011 bei ihm in Behandlung
,
und es fänden etwa zweiwöchentliche Kon
sul
tationen statt. Wegen eines
Italienaufenthaltes sei es von Mitte Dezember 2011 bis Anfang September 2012 zu einem Therapieunterbruch
gekommen (S. 1
Ziff.
5.1).
Dr.
A._
führte aus, in der psychiatrisch-psycho
therapeutischen Be
gleitung würden
die nach wie vor schwer belastenden Beziehungs- und Eheer
fahrungen aufzuarbeiten versucht, andererseits
werde
vermehrt eine Struktu
rie
r
ung des Alltags angestrebt mit dem Ziel einer psychischen Stabilisierung. Dass hiermit die Arbeitsfähigkeit wesentlich verändert werden könnte, sei je
doch un
wahr
scheinlich. Eine an und für sich indizierte Tagesklinikbehandlung sei auf
grund der bestehenden Sprachschwierigkeiten kaum möglich. Das aktu
elle
Zu
stands
bild
zeige bei mittelschwerer Depression sowohl im psychischen wie im physischen Bereich massive Einschränkungen und eine weitgehend feh
lende Be
lastbarkeit. Die Kontakte seien von schwerem sozialem Rückzug und fehlendem Interesse, fehlendem Antrieb, Freud- und Sinnlosigkeit geprägt (S. 2
Ziff.
5.2).
Dr.
A._
führte aus, er könne sich dem Gutachten von
Dr.
Y._
aus dem Jahr 2011
und des
sen prognostisch pessimistischer
Eins
chätzung
anschliessen. Die im Gutachten aus dem Jahr 2008 geäusserte gute Prognose erscheine im Rückblick als allzu optimistisch und habe nicht realisiert werden können (S.
3
Ziff.
5.6).
4.2
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Psych
iatrie und Psychotherapie
,
stellte
in seinem
p
sychiatrischen
Gutachten v
om
4.
August 2013 (
Urk.
10/109)
fol
gende
Diagnose
n (S. 14 Mitte):
rezidivierende depressive Störung, anamnestisch mittel- bis
schwergra
dig
, bestehend seit etwa 2002,
aktuell mittelgradig (ICD-10 F33
.10)
Differenzialdiagnose: andauernde Persönlichkeitsveränderung nach psy
chischer Krankheit (ICD-10 F62.1) oder andauernde
Persönlich
keitsveränderung
bei Verdacht auf Schlafapnoe-Syndrom (ICD-10 F07.9)
Abhängigkeitssyndrom von Tabak (ICD-10 F 17.25)
Adipositas bei seit Jahrzehnten bestehendem ungesundem Essverhalten, BMI etwa 39
Status nach Kniegelenkdistorsion links am
3.
Juli 2001 und Status nach Meniskusteilresektion am 2
8.
Januar 2002; damals seien auch leichte degenerative Gelenksve
ränderungen festgestellt worden
Dr.
B._
führte aus, der Beschwerdeführer sei in seiner angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiter auf dem Bau, in der Zimmerei, in der Metallindustrie sowie als Reiniger seit 2001 zu 100
%
arbeitsunfähig. Vom
1.
Februar bis 2
2.
September 2008 habe er in einer angepassten Tätigkeit als
Gärtner
bei einem sehr toleran
ten Patron eine maximale Belastbarkeit
von 30 Stunden pro Monat gehabt
. Seit dem
1.
Juli 2012 sei er erneut an derselben Stelle
mit demselben Pensum
tätig
. Nach der zweiten
Anstellung habe sein Patron grosse Milde wal
ten lassen, da der Explorand von
Januar bis Ende Juli 2012 wieder unentschuldigt seiner Ar
beit ferngeblieben sei.
Dr.
B._
führte aus, er betrachte diese Arbeit als Tätigkeit in einer Art geschützten Werkstätte
.
Ohne diese Stelle betrachte er den Explo
randen als zu 100
%
arbeitsu
nfähig in der freien Wirtschaft
(S.
1
6.
Mitte).
Dr.
B._
führte aus
,
es bedürfte primär einer gründliche
n
somatischen Abklä
rung, insbesondere einer Untersuchung im
Schlaflabor
,
um eventuell organische Ursachen der chronischen Müdigkeit und Tagesschläfrigkeit des Exploranden
ausschliessen zu können. Eine Gewichtsabnahme sei sicher indiziert. Er mache sich aber keine Hoffnung, dass dies bei diesem Exploranden ohne chirurgische Eingriffe erreichbar wäre.
Jahrelange Therapien mit verschiedenen Antidepres
siva hätten keine Remission der Depression zustande gebracht (S
. 16 unten).
Dr.
B._
führte aus, der Längsschnitt der Symptomatik zeige einen ununterbro
chenen depressiven Zustand seit 200
2.
Er falle mit seinem psychopathologi
schen
Befund im 2013 nicht aus der Reihe aller bisheriger Behandler und Gut
achter. Von einem Mann in diesem Zustand könne keine Steigerung der Ar
beits
fähig
keit erwartet werden (S.
19 unten). Unter der Berücksichtigung, dass alle bishe
rigen Behandlungen keine Remission seines depressiven Zustandes ge
bracht hätten,
sei die Willigkeit und das Vertrauen
des Beschwerdeführers
zu weiteren Behandlungen anerkennenswert.
Dr.
B._
führte aus, er erachte den Beschwer
de
führer nicht als geeignet für eine Psychotherapie im engeren Sinne. Sofern ein Apnoe-Syndrom vorliegen sollte, wären die bisherigen Therapien nicht so ganz störungsspezifisch gewesen. Er erachte die gegenwärtige thera
peutische Be
ziehung zu
Dr.
A._
als belastet und nicht optimal. So habe der Explorand Angst vor den Konsultationen, sei blockiert und erzähle dem Kolle
gen wichtige Ereignisse wie die neue Eheschliessung nicht
.
Der Explorand habe nach einem I
talienisch sprechenden Therapeuten ge
f
ragt. Anzeichen für eine
Selbstlimi
tie
rung
bestünden nicht (S. 20 Mitte). Der Explorand pflege die Bezie
hungen zu seiner Herkunftsfamilie, vor allem die zu seiner Mutter und zu seiner neuen Ehefrau. Ausserhalb dieses Rahmens bestünden keine Interessen und Ak
tivitäten (S. 21
Ziff.
7).
4.3
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte
in ihrem Bericht vom
1
5.
Janu
ar 2015 (
Urk.
10/123) als Dia
g
n
ose eine
rezidi
vierende depress
ive Störung, gegenwärtig mittel- bis
schwergradige
Epi
sode mit somatis
chem Syndrom (ICD-10 F32.11-2). Der Beschwerdeführer sei seit dem
2
3.
September 2013 bei ihr in regelmässiger psychiatrisch-psychothe
rapeuti
scher
Therapie. Die therapeutischen Sitzungen f
änden alle ein bis zwei Wochen s
tatt. Der psychische Zustand des Patienten habe sich leicht ver
schlechtert und die Prognose sei nicht günstig.
5.
5.1
Die letztmalige Bestätigung des Rentenanspruchs mit Mitteilung vom
6.
Septem
ber 2011
(
Urk.
10/11
) erfolgte im Wesentlichen gestützt auf die psy
chiatrische Einschätzung
von
Dr.
Y._
vom März 2011 (vorstehend E. 3)
, welcher
bei
diagnostizierter
chronifizierter
rezidivierende
r
depressive
r
Störung (ICD-10 F32.1)
eine Arbeitsfähigkeit verneinte.
Zu prüfen ist, ob sich der mass
gebliche medizi
nische Sachverhalt seither in revisionsrelevanter Weise verän
dert hat
(vgl. vor
stehend E. 1.3)
.
5.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte in Abweichung zum psychiatrischen Gutach
ten von
Dr.
B._
vom August 2013 (vorstehend E. 4.2) sowie de
r Einschätzung
der behandelnde
n Psychiater
Dr.
A._
und
Dr.
C._
(vorstehend E.
4.1
und
E.
4.3)
das Vorliegen eine
r
psychiatrischen Diagnose von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer
und verwies auf ein vorhandenes breites Spek
trum von Ressourcen und auf einen mangelnden sozialen Rückzug
(vor
stehend E. 2.1).
Dieser Standpunkt vermag jedoch nicht zu überzeugen. Zum einen erfüllt das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
vom
August
2013 die Anforderungen an eine beweiskräft
ige Expertise (vorstehend E. 1.4
), indem es für
die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Un
tersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit
diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinandersetzt. Zudem ergin
g es
in
Kenntnis der
Vorakten
, leuchtet in der Darlegung der medizini
schen Situation ein und die Schlussfolgerungen
des Experten
sind begründet.
Zum anderen ergab die übrige medizinische Aktenlage keinerlei Anhaltspunkte dafür, an der Einschätzung von
Dr.
B._
zu zweifeln.
Sämtliche behandelnden Psy
chia
ter und
die
Gutachter sprachen von einer
chronifizierten
depressiven Stö
rung
und verneinten eine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Ein verbesserter Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der letzten
Ren
tenrevision
beziehungsweise seit der Begutachtung durch
Dr.
Y._
vom März 2011 ist demnach nicht ausgewiesen, womit es an einer
revisionsrelevan
ten
Sachverhaltsänderung im Sinne von
Art.
17 ATSG fehlt.
5.3
Aufgrund des Gesagten erweist sich die Einstellung der Invalidenrente mangels ausgewiesenem verbesserten Gesundheitszustand
und damit Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17 ATSG
als unzulässig.
In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
1
8.
Febru
a
r 2015 (
Urk.
2
) daher aufzuhebe
n mit der Feststellung, dass der Be
schwerdeführer
weiterhin Anspruch auf die Ausrichtung der bisherigen ganzen Invalidenrente hat.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist auch d
as Gesuch des Beschwerdeführers
seiner Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren (
Urk.
1 S. 2)
,
als ge
gen
standslos zu betrachten.
6
.
6
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Unter diesen Umständen erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um un
entgeltliche Prozessführung (
Urk.
1 S. 2) als gegenstandslos.
6
.2
Nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das
Sozial
ver
sicherungsgericht
hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person An
spruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Be
deutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitauf
wand und den
Barauslagen festzusetzenden Ersatz der Parteikosten. Unter Be
rücksich
tigung dieser
Grundsätze ist dem Beschwerdeführer
ein
e
Prozessent
schädigung
von Fr. 3'2
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzu
sprechen.