Decision ID: d09fe5c5-5f53-5901-a710-9ffc11675f88
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
J._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Gemperli, advokatur am brühl, Scheffel-
strasse 2, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a J._ meldete sich am 31. Mai 2006 zum Bezug von IV-Leistungen (besondere
medizinische Eingliederungsmassnahmen, eventuell Rente) an. Er erwähnte, an
Schmerzen im Nacken, im Rücken, in den Achseln, Armen und Beinen, depressiven
Phasen, Kältegefühl und Atembeschwerden zu leiden (act. G 6.1).
A.b Der behandelnde Dr. med. A._, Facharzt FMH für Chirurgie, diagnostizierte im
Bericht vom 28. Juni 2006 eine Cervicobrachialgie mit Foraminalstenose C5/6 und
C6/7 und eine Lumboischialgie bei Spinalkanalstenosen L3/4 und L4/5. Ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe eine Osteopenie. Seit 1. März 2006 bis auf
weiteres sei der Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit als Maurer (vgl. act.
G 6.7-1) zu 100% arbeitsunfähig. Möglicherweise könne er eine leichte,
abwechslungsweise stehende und sitzende Arbeit während der halben Arbeitszeit
erledigen (act. G 6.8-1 ff.). Ab 1. Juli 2006 versuchte der Versicherte, seine bisherige
Tätigkeit im Umfang eines 50%igen Pensums wieder aufzunehmen (act. G 6.7-3).
Dieser Arbeitsversuch musste nach kurzer Zeit abgebrochen werden (act. G 6.34-8).
A.c Der den Versicherten seit 22. Mai 2006 behandelnde Dr. med. B._, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte im Bericht vom 12. September 2006
folgende Diagnosen: rezidivierende, depressive Störung, mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11); Angst und depressive Reaktion gemischt bei
einer Anpassungsstörung nach Unfall (ICD-10: F43.22); psychische Überlagerung der
körperlichen Beschwerden (ICD-10: F54). Die Frage der Leistungsfähigkeit könne er
erst in 2 bis 3 Monaten genauer beurteilen. Er rechne damit, dass die
Arbeitsunfähigkeit zunächst auf 50% reduziert und im weiteren Verlauf eine volle
Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne (act. G 6.22).
A.d Am 21. November 2006 verfügte die IV-Stelle, dass sie keine Kostengutsprache für
medizinische Massnahmen erteilt (act. G 6.23).
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A.e Im Verlaufsbericht vom 23. Februar 2007 erwähnte Dr. B._, dass der Versicherte
psychotherapeutisch nicht beeinflussbar sei. Die in Aussicht gestellte 50%ige
Arbeitsfähigkeit habe nicht erreicht werden können. Der Gesundheitszustand sei
stationär. Unter dem von ihm auf den Versicherten ausgeübten Druck, sich für eine
Arbeitsaufnahme bereit zu stellen, habe dieser mit einem Tränenausbruch und
Selbstmorddrohungen reagiert. Die Prognose scheine ungünstig (act. G 6.26).
A.f Der Versicherte wurde am 30. Januar 2008 im Auftrag der ABI Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH (nachfolgend: die ABI) interdisziplinär (internistisch,
rheumatologisch und psychiatrisch) begutachtet. Mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostizierten die Experten ein chronisches Panvertebralsyndrom (ICD-10: M53.8)
bei massiven degenerativen Veränderungen der unteren HWS ohne Hinweise für eine
Neurokompromittierung, bei Fehlform der LWS mit rechtskonvexer Torsionsskoliose
sowie Lateroposition L3/4 nach rechts und bei degenerativer Lumbalkanalstenose L3/4
und L4/5; eine leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0) sowie eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Aus psychiatrischer Sicht wurde dem
Versicherten für die angestammte sowie andere Tätigkeiten eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 20% bescheinigt. Der rheumatologische Gutachter kam zum
Schluss, dass aus rein rheumatologischer Sicht für körperlich schwere und
mittelschwere Tätigkeiten mit starker und mittelstarker Rückenbelastung keine
Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Für eine körperlich leichte Tätigkeit mit auch nur leichter
Rückenbelastung, ohne längeres Gehen über ca. 30 Minuten, mit Möglichkeit zu
Wechselpositionen, ohne monoton repetitive Haltungen oder Bewegungen und ohne
Überkopftätigkeiten bestehe eine Leistungseinschränkung von 20%. Aus
polydisziplinärer Sicht beurteilten die Gutachter den Versicherten für körperlich leichte,
angepasste Tätigkeiten seit Januar 2006 zu 80% arbeitsfähig. Diese Arbeitsfähigkeit
könne vollschichtig umgesetzt werden (act. G 6.34).
A.g Gestützt auf das Gutachten der ABI stellte die IV-Stelle dem Versicherten im
Vorbescheid vom 11. Juni 2008 bei einem Invaliditätsgrad von 38% in Aussicht, einen
Rentenanspruch zu verneinen (act. G 6.44).
B.
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B.a Im dagegen gerichteten Einwand vom 29. August 2008 beantragte der Versicherte,
es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, namentlich eine Invalidenrente, zu gewähren.
Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass die psychiatrische Beurteilung
des ABI-Gutachtens mangelhaft und nicht beweistauglich sei (act. G 6.54). Am
12. September 2008 reichte der Versicherte bei der IV-Stelle eine Stellungnahme von
Dr. B._ vom 27. August 2008 zum ABI-Gutachten ein und machte geltend, für die
psychiatrische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei auf dessen Einschätzung
abzustellen (act. G 6.57). In der Stellungnahme vom 27. August 2008 führte Dr. B._
aus, die vom psychiatrischen ABI-Gutachter gemachte Feststellung, die Ausführungen
des Versicherten anlässlich der Begutachtung seien differenziert gewesen, habe ihn
(Dr. B._) überrascht. Ferner habe sich der psychiatrische Gutachter in Widerspruch
gesetzt, wenn er in seiner Beurteilung einerseits von depressiven Verstimmungen rede,
andererseits kurz darauf eine leichte bis mittelgradige depressive Episode mit
depressiven Verstimmungen diagnostiziere. In Abweichung zur Gutachtermeinung sehe
er die somatoformen Beschwerden vorwiegend als Ausdruck einer depressiven
Störung. Die körperlichen Beschwerden, wenn auch nicht von starker Ausprägung,
seien depressiv überlagert. Die vom psychiatrischen Gutachter vorgenommene
Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit mit 20% sei eine eindeutige Fehleinschätzung.
Aufgrund des gegenwärtigen psychischen Zustands bescheinigte Dr. B._ dem
Versicherten eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 6.58).
B.b Am 13. November 2008 äusserte sich der psychiatrische ABI-Gutachter zum
Einwand vom 29. August 2008 und zur Stellungnahme von Dr. B._ vom 27. August
2008. Es sei lediglich der Einwand von Dr. B._ berechtigt, dass unter Ziff. 4.1.3 die
Diagnose einer leichten depressiven Episode aufgeführt, aber unter Ziff. 4.1.4 dann
einmalig von einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode gesprochen worden
sei, was einen Widerspruch darstelle. Beim genauen Lesen des Gutachtens sei aber
ersichtlich, dass die unter Ziff. 4.1.4 aufgeführten Befunde einer leichten depressiven
Episode nach ICD-10 entsprechen und dass sonst stets von einer leichten depressiven
Episode die Rede sei. Daraus ergebe sich, dass es sich bei der unter Ziff. 4.1.4
erwähnten leichten bis mittelgradigen depressiven Episode um einen Schreibfehler
handle und dort ebenfalls eine leichte depressive Episode stehen sollte. Die übrigen
Vorbringen des Beschwerdeführers und von Dr. B._ gegen das ABI-Gutachten seien
haltlos (act. G 6.61).
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B.c Der RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt FMH für Chirurgie, hielt in der
Stellungnahme vom 28. November 2008 fest, dass das ABI-Gutachten durch die
Vorbringen des Versicherten nicht in Frage gestellt werde (act. G 6.62).
B.d Am 23. Januar 2009 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid vom
11. Juni 2008, dass aufgrund des ermittelten Invaliditätsgrades von 38% kein Anspruch
auf Rentenleistungen bestehe (act. G 6.63).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 23. Januar 2009 richtet sich die Beschwerde vom
25. Februar 2009. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Ausrichtung der gesetzlichen
Leistungen, namentlich einer Invalidenrente. Ferner ersucht er um Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 30. März
2009 rügt der Beschwerdeführer, dass sich die Einschätzungen von Dr. B._ und des
psychiatrischen ABI-Gutachters bezüglich seiner Differenzierungs- und
Ausdrucksfähigkeit widersprechen und auch mit Blick auf die Einschätzung der
Konzentrationsfähigkeit eine unterschiedliche Auffassung von den beiden Medizinern
vertreten werde. Ferner sei die psychiatrische Begutachtung viel zu kurz gewesen.
Selbst die vom psychiatrischen ABI-Gutachter als Regeldauer angegebenen
45 Minuten seien zu kurz, um mehr als einen oberflächlichen Eindruck zu erlangen. Zu
den notwendigen Voraussetzungen für den Erfolg einer Exploration gehöre auch, dass
keine Unterbrechungen durch Anrufe erfolgten. Der psychiatrische ABI-Gutachter habe
eingeräumt, während des Explorationsgesprächs einen Handyanruf entgegen
genommen zu haben. Dies stelle ein Indiz gegen die Seriosität des Gutachters dar.
Unter diesen Umständen seien die ausführlichen Darlegungen von Dr. B._ vom
27. August 2008 zur Entscheidgrundlage zu erheben, worin er eine 70%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert habe (act. G 4). Mit der Beschwerdeergänzung reicht der
Beschwerdeführer eine Aktennotiz vom 24. Februar 2009 betreffend die telefonische
Besprechung mit Dr. B._ vom 17. Februar 2009 ein. Sie enthält Bemerkungen von
Dr. B._ zur Stellungnahme der ABI vom 13. November 2008 (act. G 4.3f).
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C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2009
die Abweisung der Beschwerde. Im Wesentlichen macht sie geltend, dass das ABI-
Gutachten beweistauglich sei. Die Vorbringen des Beschwerdeführers und von
Dr. B._ vermöchten daran nichts zu ändern. Gestützt auf die medizinische
Einschätzung der ABI sei ein Rentenanspruch zu Recht verneint worden (act. G 6).
C.c Mit Präsidialverfügung vom 25. Mai 2009 wird dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Rechtspflege bewilligt (act. G 7).
C.d Der Beschwerdeführer hält in der Replik vom 3. November 2009 unverändert an
den gestellten Anträgen fest (act. G 15).
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer begründeten Duplik
(act. G 17).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Rentenleistungen
streitig.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
23. Januar 2009 (act. G 6.63) ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor
dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den
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allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der
für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
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demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
2.
2.1 Zu prüfen ist zunächst die Frage, welche medizinische Grundlage der
Invaliditätsbemessung zugrunde zu legen ist. In den Akten liegen im Wesentlichen das
ABI-Gutachten vom 4. März 2008 (act. G 6.34), die ergänzende Stellungnahme der
ABI-Gutachter vom 13. November 2008 (act. G 6.61) sowie die Stellungnahme von
Dr. B._ vom 27. August 2008 (act. G 6.58) und die Aktennotiz vom 24. Februar 2009
betreffend die telefonische Stellungnahme von Dr. B._ zum Schreiben der ABI vom
13. November 2008 (act. G 4.3f). Die Beschwerdegegnerin legte der angefochtenen
Verfügung vom 23. Januar 2009 die medizinische Beurteilung der ABI zugrunde (act.
G 6.63). Der Beschwerdeführer hält (lediglich) die psychiatrische Beurteilung des ABI-
Gutachtens für nicht beweistauglich, da sie auf erheblichen Mängeln beruhe (act. G 4).
Der Beweiswert der internistischen und rheumatologischen Beurteilungen des ABI-
Gutachtens ist demgegenüber unbestritten geblieben.
2.2 Der Beschwerdeführer rügt an der Beurteilung des psychiatrischen ABI-
Gutachters, dass sich dieser widerspreche, indem er zwar nur eine leichte depressive
Episode diagnostiziere, in der Begründung dann aber von einer leichten bis
mittelgradigen depressiven Episode mit depressiven Verstimmungen, nächtlichen
Schlafschwierigkeiten, Antriebsstörung, teilweisen Ängsten und negativen
Zukunftsperspektiven spreche (act. G 6.54-3; vgl. auch die entsprechende Kritik von
Dr. B._, act. G 6.58-2). Diesen Einwand bezeichnet der psychiatrische ABI-Gutachter
als "berechtigt", hält ihn jedoch nicht für wesentlich, da es sich bei der Angabe einer
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mittelgradigen depressiven Episode lediglich um einen "Schreibfehler" handle (act.
G 6.61-2). Ob die widersprüchliche Diagnosestellung auf einem blossen Schreibfehler
beruht, ist fraglich. Da die ABI-Gutachter praxisgemäss keine Teilgutachten (mehr)
erstellen, kann insbesondere auch nicht nachvollzogen werden, ob der Widerspruch
erst im Zusammenhang mit der gesamtgutachterlichen Beurteilung entstanden ist.
Letztlich kann aber die Entstehung des Widerspruchs offen gelassen werden. Denn der
Widerspruch beschlägt unabhängig seiner Ursache einen wesentlichen Punkt einer
psychiatrischen Begutachtung, nämlich die Diagnose und stellt ein Indiz gegen die
Zuverlässigkeit der Gutachtenserstellung dar.
2.3 Der Beschwerdeführer wendet gegen die psychiatrische ABI-Begutachtung weiter
ein, dass der psychiatrische ABI-Gutachter während des Explorationsgesprächs einen
Telefonanruf entgegen genommen habe (act. G 4, S. 5), was dieser ausdrücklich
anerkennt und mit "dem internen Ablauf der Untersuchungen im ABI" rechtfertigt (act.
G 6.61-2). Eine notwendige Voraussetzung für eine den anerkannten Regeln
entsprechende psychiatrische Begutachtung bildet das Erfordernis, dass die
Exploration nicht durch Anrufe unterbrochen wird (Ulrike Hoffmann-Richter, Die
psychiatrische Begutachtung, Stuttgart 2005, S. 99; zum Erfordernis der ruhigen
Umgebung vgl. auch Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für
Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung psychischer Störungen, in:
Schweizerische Ärztezeitung, 2004;85: Nr. 20, S. 1050). Des Weiteren kontrastiert die
Entgegennahme von Telefonanrufen durch den Experten anlässlich einer
psychiatrischen Exploration erheblich mit der gebotenen Achtung gegenüber den zu
untersuchenden Personen. Wenn der psychiatrische Experte die Entgegennahme des
Anrufs während der Exploration durch organisatorische Probleme gerechtfertigt sieht,
so kann ihm nicht gefolgt werden. Vielmehr stellt diese Begründung die Seriosität der
Begutachtungsvorbereitungen generell in Frage. Es sind keine sachlichen Gründe
ersichtlich, weshalb organisatorische Belange nicht auch vor oder nach einer
Exploration besprochen oder per E-Mail geregelt werden können. Aus den MEDAS-
Gutachterstellen sind dem Gericht im Übrigen keine Fälle bekannt, in denen während
psychiatrischen Explorationen vom Experten telefonische Anrufe bezüglich
organisatorischer Vorkehren entgegen genommen worden sind.
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2.4 Vom Beschwerdeführer wird auch bemängelt, dass die psychiatrische
Untersuchung in der ABI zu kurz gewesen sei (act. G 4, S. 5). Vorab ist festzustellen,
dass das ABI-Gutachten - obschon wünschbar (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts
vom 3. Juni 2008, 9C_531/07, E. 2.2.4) - keine Zeitangabe bezüglich der
psychiatrischen Explorationsdauer enthält (act. G 6.34) und der psychiatrische Experte
sich auch im Schreiben vom 13. November 2008 nicht konkret zur Dauer der
psychiatrischen Begutachtung des Beschwerdeführers äussert (act. G 6.61). Da die
psychiatrische ABI-Begutachtung bereits aus anderen Gründen als nicht
beweistauglich anzusehen ist (vgl. vor allem nachstehende E. 2.5), kann diese Frage
offen gelassen werden, zumal Dr. B._ in dieser Hinsicht eine Fehleinschätzung des
Beschwerdeführers annimmt (act. G 6.58).
2.5 Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt entscheidend ins Gewicht,
dass sich die Einschätzungen des behandelnden Psychiaters und jene des
psychiatrischen Gutachters nebst der Beurteilung der Leistungsfähigkeit in weiteren
Punkten (wie ausführliche und differenzierte Antworten [vgl. hierzu nachfolgende
E. 2.5.1] sowie betreffend Konzentrationsfähigkeit und teilweise auch bezüglich der
Diagnosen; vgl. act. G 6.58) diametral widersprechen, so dass es für das Gericht offen
bleibt, welche Einschätzung der Beurteilung zugrunde zu legen ist (vgl. Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. Mai 2007, IV 2006/91, E. 2c).
2.5.1 Beim psychopathologischen Befund hielt Dr. D._ fest, dass der
Beschwerdeführer die Fragen "sehr ausführlich" beantwortet habe und seine
Ausführungen "differenziert" gewesen seien (act. G 6.34-11). Demgegenüber nahm
Dr. B._ den Beschwerdeführer wie folgt wahr: "Einfacher Mann mit nicht
abgeschlossener Elementarschule, wenig differenziert, wenig äusserungsfähig, mit
einfachem Wortschatz, unfähig in seiner Muttersprache einen Gedanken in einem Satz
vollständig zu formulieren, statt dessen bedient er sich der Körpersprache, Gestik und
Schütteln der Hände. Diffuse Beschreibung der Krankheit, Unfähigkeit vor allem wegen
dem schwachen Wortschatz seine psychische Befindlichkeit zu beschreiben, sich
auszudrücken. In einer solchen Situation reagiert er mit Aufregung, Ratlosigkeit,
Hilflosigkeit, Tränen" (act. G 6.58-2). Diese unterschiedliche Wahrnehmung des
Beschwerdeführers lässt sich nach Auffassung des Gerichts nicht plausibel damit
erklären, dass Dr. D._ den kulturellen Hintergrund und die Schulbildung des
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Beschwerdeführers mit berücksichtigt hatte, wie er in seiner Stellungnahme vom 13.
November 2008 als Möglichkeit erwähnt (act. G 6.76-1). Wesentlich plausibler
erscheint die Annahme, dass im Rahmen der durch einen Dolmetscher geführten und
damit lediglich mittelbaren verbalen Kommunikation zwischen dem ABI-Experten und
dem Beschwerdeführer wesentliche Gesichtspunkte betreffend die Ausdrucks- und
Kommunikationsfähigkeit des Beschwerdeführers - wie von Dr. B._ fassbar
beschrieben - übersehen wurden. Damit lässt sich möglicherweise auch erklären, dass
Dr. D._ keine "deutliche(n) Störungen der Konzentration" feststellen konnte (act. G
6.76), während Dr. B._ eine stark herabgesetzte Konzentrationsfähigkeit festhielt (act.
G 6.58-2).
2.5.2 Fragwürdig erscheint schliesslich auch, dass Dr. D._ in seiner Stellungnahme
zu früheren ärztlichen Einschätzungen (act. G 6.34-12), explizit die optimistische
Prognose von Dr. B._ aus dem Jahr 2006 anführt, nicht aber dessen Bericht vom
23. Februar 2007, in dem diese Prognose revidiert und u.a. festgehalten wurde, der
Beschwerdeführer habe auf den Druck zur Wiederaufnahme einer Tätigkeit mit
Tränenausbruch und Selbstmordgedanken reagiert. Auf die Frage der Suizidalität
erklärte Dr. D._ folgendes: "Wäre der Explorand ausserdem zum Zeitpunkt der
Untersuchung suizidal gewesen, hätte er gar nicht zur Untersuchung kommen können,
sondern er wäre zu seinem eigenen Schutze, eben wegen der Suizidalität, in einer
Klinik hospitalisiert gewesen" (act. G 6.61-3). Eine derartige Aussage eines
fachpsychiatrischen Gutachters weckt Bedenken und Befremden.
2.6 Einem Gutachten kommt rechtsprechungsgemäss schon dann kein voller
Beweiswert zu, wenn Indizien gegen seine Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht
feststehen, dass das Gutachten effektiv nicht den Tatsachen entspricht, was nicht mit
medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden oft nicht beurteilen können (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober 2002, I 779/01, E. 4.2). Vorliegend
bestehen mehrere Indizien gegen die Zuverlässigkeit der psychiatrischen Beurteilung
des ABI-Gutachtens, weshalb sie keine aussagekräftige Grundlage zur Beurteilung des
Rentenanspruchs darstellt. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann
jedoch auch nicht unbesehen auf die Beurteilung des behandelnden Dr. B._ vom
27. August 2008 abgestellt werden. So beschränkt sie sich im Wesentlichen auf eine
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Kritik an der psychiatrischen ABI-Begutachtung. Es handelt sich nicht um eine
umfassende gutachterliche Beurteilung. Nach dem Gesagten ist die Sache daher an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie eine erneute psychiatrische
Begutachtung vornehme. Der zu beauftragende Experte wird dabei die gesamte
bislang ergangene medizinische Aktenlage einzubeziehen und hernach die Frage nach
der verbliebenen Restleistungsfähigkeit des Beschwerdeführers, auch im zeitlichen
Verlauf, zu beantworten haben.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Verfügung
vom 23. Januar 2009 aufzuheben und die Sache zur Anordnung ergänzender
psychiatrischer Abklärung und zu entsprechender neuer Verfügung im Sinn der
Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb die
gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
3.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers hat am 3. November 2009 eine Kostennote im Umfang von
Fr. 4'311.95 (wovon Fr. 3'925.-- Honorar) eingereicht (act. G 15.2). Mit Blick auf die
Bedeutung und Komplexität der Streitsache sowie in Berücksichtigung des Umstands,
dass dem Rechtsvertreter durch das unvollständige Aktendossier der
Beschwerdegegnerin ein Mehraufwand entstanden ist (vgl. hierzu act. G 15, S. 2; vgl.
auch act. G 4, S. 3), erscheint die geltend gemachte Parteientschädigung von
Fr. 4'311.95 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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