Decision ID: ce030173-9a53-57cc-8f5a-bf62982e35d0
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 1. September 2020 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der "Eurodac"-Datenbank
durch das SEM ergab, dass er in den Jahren 2016 und 2017 unter anderem
in Rumänien und am (...) 2019 in Polen um Asyl ersucht hatte,
dass am 11. September 2020 – im Beisein der dem Beschwerdeführer zu-
gewiesenen Rechtsvertretung – das persönliche Gespräch gemäss Art. 5
der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur
Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO),
stattfand,
dass der Beschwerdeführer dabei im Wesentlichen vorbrachte, er sei vor
zirka drei Jahren von Rumänien nach Afghanistan ausgeschafft worden,
dass er sein Heimatland letztmals im Jahr 2019 verlassen habe und auf
dem Luftweg über B._, C._ sowie D._ nach Polen
gelangt sei,
dass er in Polen wegen illegaler Einreise insgesamt sechs Monate und eine
Woche in Haft gewesen sei,
dass er dort keinen Asylentscheid erhalten und nie einen Dolmetscher oder
eine Rechtsvertretung gehabt habe,
dass man nicht wisse, was mit einem passiere, und man völlig hilflos sei,
wenn man in Polen in einem Asylverfahren sei,
dass er mit einer Rückkehr nach Polen nicht einverstanden sei und in der
Schweiz bleiben wolle,
dass die Lebensbedingungen in Polen insbesondere für Flüchtlinge sehr
schlecht seien und man in den Flüchtlingscamps wie Tiere leben müsse,
dass man bei einer Dublin-Rücküberstellung als Bestrafung in noch
schlechtere Camps komme,
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dass ein Flüchtling in Polen wegen des schlechten Essens gestorben sei
und ein weiterer sich wegen der schlechten Lebensbedingungen das Le-
ben genommen habe,
dass er stark an psychischen Problemen leide, die drei Monate nach Be-
ginn seines Aufenthalts in Polen begonnen hätten,
dass er seit seiner ersten Ankunft in Europa insgesamt ein Jahr grundlos
im Gefängnis respektive in geschlossenen Flüchtlingscamps, in welchen
man wie in einem Gefängnis behandelt würde, gewesen sei und deswegen
Albträume habe,
dass er energie- und antriebslos sei,
dass er ausserdem eine stark eingeschränkte Nasenatmung habe,
dass die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers während des Dublin-
Gesprächs ein "Medizinisches Datenblatt für interne Arztbesuche" vom
3. September 2020 zu den Akten reichte,
dass das SEM die polnischen Behörden am 15. September 2020 um Wie-
deraufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO ersuchte,
dass die Rechtsvertretung mit Eingabe vom 17. September 2020 insbe-
sondere ein aktualisiertes "Medizinisches Datenblatt für interne Arztbesu-
che" vom 3. und 10. September 2020 einreichte,
dass die polnischen Behörden der Wiederaufnahme des Beschwerdefüh-
rers am 18. September 2020 zustimmten,
dass der Pflegedienst des Bundesasylzentrums E._ der Vorinstanz
– auf deren Nachfrage hin, ob über den Beschwerdeführer weitere ärztliche
Dokumente vorliegen würden – mit E-Mail vom 28. Oktober 2020 ein "Me-
dizinisches Datenblatt für interne Arztbesuche" mit Einträgen vom 17. Sep-
tember und 1. Oktober 2020 zustellte,
dass er dem SEM ausserdem mitteilte, der Beschwerdeführer habe seit
dem 7. Oktober 2020 regelmässige Gespräche in der psychiatrischen Kli-
nik in F._,
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dass die Medikation von den behandelnden Ärzten angepasst worden sei,
er (der Pflegedienst) von dort allerdings keine aktuellen Unterlagen habe,
dass das SEM mit Verfügung vom 12. November 2020 – tags darauf eröff-
net – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, dessen Wegweisung aus
der Schweiz nach Polen anordnete und ihn aufforderte, die Schweiz (spä-
testens) am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-
deführer verfügte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. November 2020 gegen
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und
dabei in materieller Hinsicht beantragte, die angefochtene Verfügung sei
vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, sich für
sein Asylgesuch für zuständig zu erachten, eventualiter sei die angefoch-
tene Verfügung zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neube-
urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen,
dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung (inkl. Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses) ersuchte,
dass im Sinne einer vorsorglichen Massnahme der Beschwerde die auf-
schiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden unverzüglich
anzuweisen seien, von einer Überstellung nach Polen abzusehen, bis das
Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung
entschieden habe,
dass die Verfahrensakten der Vorinstanz beizuziehen seien,
dass der Beschwerde ein ärztlicher Bericht der (...) vom 7. Oktober 2020
beilag,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
23. November 2020 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3
AsylG),
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und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG), und diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung
kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird,
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dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist,
einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-
deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet
eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe
der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO),
dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig-
keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zu-
ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den
eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grund-
rechte der Europäischen Union (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfol-
gend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den Regeln der
Dublin-III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden
kann,
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-
schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder
Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch
wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die
Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht zwingend auszuüben ist, wenn
die Durchsetzung einer Zuständigkeit gemäss Dublin-III-VO eine Verlet-
zung der EMRK bedeuten würde (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Ver-
ordnung, Wien 2014, K2 zu Artikel 17),
dass das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert
wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus hu-
manitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dub-
lin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass die Zuständigkeit Polens grundsätzlich gegeben ist, was in der Be-
schwerdeschrift auch nicht bestritten wird,
dass es – in Übereinstimmung mit dem SEM – keine wesentlichen Gründe
für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
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Antragsteller in Polen würden systemische Schwachstellen aufweisen, die
eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im
Sinne von Art. 4 EU-Grundrechtecharta mit sich bringen,
dass Polen Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen nachkommt,
dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben
(vgl. etwa Urteil des BVGer F-1287/2020 vom 3. September 2020 E. 6.1.
m.w.H.),
dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2
Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist,
dass der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge-
tan hat, die polnischen Behörden würden sich weigern ihn wieder aufzu-
nehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der
Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen,
dass jedenfalls aufgrund der Unsubstanziiertheit seines Vorbringens, wo-
nach er in Polen nie einen Dolmetscher oder eine Rechtsvertretung gehabt
habe, nicht darauf geschlossen werden kann, dass die polnischen Behör-
den ihn – trotz Erforderlichkeit – ohne Dolmetscher bereits angehört und
ihm die Kontaktaufnahme mit einer Rechtsvertretung verwehrt hätten (vgl.
Art. 12 Abs. 1 Bst. a-c Verfahrensrichtlinie),
dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind,
Polen werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missach-
ten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben
oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist
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oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land ge-
zwungen zu werden,
dass der Beschwerdeführer mit seinen unsubstanziierten Vorbringen im
Dublin-Gespräch zu den Lebensbedingungen für Flüchtlinge in Polen keine
konkreten Hinweise für die Annahme dargetan hat, Polen würde ihm dau-
erhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebens-
bedingungen vorenthalten, und er sich bei einer vorübergehenden Ein-
schränkung im Übrigen nötigenfalls an die polnischen Behörden wenden
und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg ein-
fordern könnte (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie),
dass in dem mit der Beschwerdeschrift eingereichten ärztlichen Bericht der
(...) vom 7. Oktober 2020 zwar festgehalten wird, der Beschwerdeführer
sei in Polen nach seiner Haftentlassung mit anderen Mitgefangenen in den
Wald gefahren worden, wo sie hätten leben müssen,
dass er solches jedoch gegenüber dem SEM nicht vorbrachte, weshalb
dieses Vorbringen als nachgeschoben und damit als unglaubhaft zu be-
zeichnen ist,
dass sich der Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift insbesondere
auf seinen psychischen Gesundheitszustand beruft, der einer Überstellung
entgegenstehe,
dass er mithin geltend macht, die Überstellung nach Polen setze ihn einer
Gefahr für seine Gesundheit aus und verletze damit Art. 3 EMRK,
dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen
Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK
darstellen kann,
dass dies insbesondere der Fall ist, wenn die betroffene Person sich in
einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in
Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rech-
nen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl.
BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäi-
schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]),
dass ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK gemäss neuerer Praxis des EGMR
aber auch vorliegen kann, wenn eine schwer kranke Person durch die Ab-
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schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel-
staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen
und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands
ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen
Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR
Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10,
§§ 180–193 m.w.H.),
dass dies – wie bereits sinngemäss in der angefochtenen Verfügung fest-
gehalten – im vorliegenden Fall für die Situation des Beschwerdeführers,
der gemäss den in den vorinstanzlichen Akten liegenden "Medizinischen
Datenblätter für interne Arztbesuche" im Wesentlichen an einer depressi-
ven Verstimmung, an Ein- und Durchschlafstörungen, an nächtlichem Zäh-
neknirschen und Angespanntheit seines Körpers im Schlaf, an einem Kon-
zentrationsmangel, an Kopf- sowie Muskelschmerzen und an Zahnschmer-
zen beim Kauen leidet, nicht zutrifft,
dass auch der mit der Beschwerde eingereichte ärztliche Bericht der (...)
vom 7. Oktober 2020, in welchem insbesondere Anpassungsstörungen mit
einer längeren depressiven Reaktion diagnostiziert wurden und festgehal-
ten wurde, dass der Beschwerdeführer zurzeit eine intensive ambulant-
psychiatrische Behandlung benötige und ihm ein Medikament verordnet
worden sei, nicht zu einer anderen Einschätzung zu führen vermag,
dass Polen über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt,
dass die Mitgliedstaaten den Antragstellern die erforderliche medizinische
Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforder-
liche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen
umfasst, zugänglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie),
und den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen die erforderliche me-
dizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich erforderlichenfalls einer ge-
eigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren haben (Art. 19 Abs. 2
Aufnahmerichtlinie),
dass – in Übereinstimmung mit dem SEM – keine Hinweise vorliegen, wo-
nach Polen dem Beschwerdeführer in der Vergangenheit eine medizini-
sche Behandlung verweigert hätte oder zukünftig verweigern würde,
dass sich insbesondere aus den unsubstanziierten Vorbringen des Be-
schwerdeführers während des Dublin-Gesprächs keine solchen konkreten
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Hinweise ergeben und – entgegen dem entsprechenden Beschwerdevor-
bringen – auch aufgrund des (behaupteten) Gesamtkontextes nicht ge-
schlossen werden kann, dass ihm dort der Zugang zu einer notwendigen
medizinischen Behandlung verwehrt worden wäre,
dass der Beschwerdeführer ausserdem aus dem in der Beschwerde zitier-
ten Bericht (AIDA Asylum Information Database, Country Report: Poland,
2019 Update), der gewisse Mängel im Zugang zur Gesundheitsversorgung
beschreibt, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag,
dass die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten
Verfügung beauftragt sind, den medizinischen Umständen bei der Bestim-
mung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Beschwerdeführen-
den Rechnung tragen und die polnischen Behörden vorgängig in geeigne-
ter Weise über die spezifischen medizinischen Umstände informieren wer-
den (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO; vgl. auch entsprechende Aufforderung in
der Übernahmeerklärung der polnischen Behörden [Akten SEM 1073778-
20/1]),
dass das SEM in der angefochtenen Verfügung denn auch festhielt, dass
die mit der Überstellung beauftragten Behörden den besonderen Bedürf-
nissen des Beschwerdeführers – einschliesslich die der notwendigen me-
dizinischen Versorgung, auch in Bezug auf die Corona-Problematik – be-
rücksichtigen werden, falls dies erforderlich sein sollte,
dass mithin der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers einer Über-
stellung nach Polen nicht entgegensteht,
dass vorliegend nicht zu beanstanden ist, dass sich das SEM – wie in der
Beschwerde gerügt – mit der Auskunft des zuständigen Pflegedienstes be-
gnügte und keinen ärztlichen Bericht der (...) einholte,
dass sich dem mit der Beschwerde eingereichten ärztlichen Bericht der (...)
vom 7. Oktober 2020 – ausser einer konkreten Diagnose und der Bezeich-
nung des benötigten Medikaments – denn auch keine wesentlichen neuen
Erkenntnisse hinsichtlich des Gesundheitszustands des Beschwerdefüh-
rers ergeben, zumal bereits der Hinweis des Pflegedienstes E._ in
der E-Mail vom 28. Oktober 2020 auf regelmässig stattfindende Gespräche
in der psychiatrischen Klinik die Notwendigkeit einer entsprechenden Be-
handlung nahelegte,
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dass sodann nicht ersichtlich ist, inwiefern ein aktueller Arztbericht der (...),
dessen Ausstellung im Übrigen vom Beschwerdeführer hätte angefordert
werden können, zu einer von der Vorinstanz abweichenden Einschätzung
führen könnte,
dass dem SEM mithin keine Verletzung der Untersuchungspflicht vorge-
worfen werden kann und im Übrigen – wie ebenfalls in der Beschwerde-
schrift gerügt – auch keine Verletzung der Begründungspflicht durch das
SEM vorliegt, weshalb der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz abzuweisen ist,
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen
zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.),
dass das Bundesverwaltungsgericht seine Beurteilung darauf beschränkt,
ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich korrekt und vollständig erho-
ben, allen wesentlichen Umständen Rechnung getragen und seinen Er-
messenspielraum korrekt ausgeübt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b
AsylG),
dass die angefochtene Verfügung unter diesem Blickwinkel – trotz der text-
bausteinartigen Formulierungen und entgegen der in der Beschwerdeein-
gabe vertretenen Auffassung – nicht zu beanstanden ist,
dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer
Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,
dass es nach dem Gesagten keinen Grund für eine Anwendung der Ermes-
sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO gibt und an dieser Stelle festzuhal-
ten bleibt, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3),
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-
oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die
Überstellung nach Polen angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss
Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das
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Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nicht-
eintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE
2015/18 E. 5.2 m.w.H.),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist und die Verfü-
gung des SEM zu bestätigen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung und
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegenstandslos
erweisen,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-
ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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