Decision ID: 74b6e7c7-f0b9-48bf-ae75-db8b81fa8ce6
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 20. November 2010 wegen seit ca. 7 Jahren bestehenden,
starken Rückenschmerzen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 2).
A.b Im Bericht des Palliativzentrums des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 13.
Oktober 2010 wurde beim Versicherten ein chronisches thorakovertebrales
Schmerzsyndrom, eine koronare Herzkrankheit und ein Status nach Hepatitis A und B
diagnostiziert. Der Versicherte leide seit August 2003 unter Rückenschmerzen. Nach
einer Spondylodese L5-S1 im September 2003 sei es zu einem vollständigen Sistieren
der Beschwerden gekommen, im weiteren Verlauf seien jedoch zunehmende
Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule aufgetreten. Eine Spondylodese TH9/10 im
Juni 2007 habe keinerlei Linderung gebracht. Mit der Installation von
Neurostimulations-Sonden habe nur ein vorübergehender Beschwerderückgang
erreicht werden können, so dass der Versicherte über die Zeit immer mehr
Schmerzmedikamente eingenommen habe. Unter der Therapie mit 4x 40 mg Oxycontin
retard habe zwar eine Stabilisierung der Schmerzen erzielt werden können, bei
allerdings massiver Müdigkeit und verminderter Belastbarkeit als Nebenwirkung. Neu
sei die Schmerztherapie auf 2x 90-120 mg MST umgestellt worden. Für den
Versicherten seien nun die Schmerzen kontrollierbar bei gleichzeitigem deutlichen
Rückgang der Müdigkeit (IV-act. 24.5 ff.).
A.c Der behandelnde Psychiater, Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, diagnostizierte im Bericht vom 31. Januar 2011 eine Depression
(ICD-10: F32.0) seit November 2005 und attestierte dem Versicherten eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% vom 30. November bis 31. Dezember 2010. Die bisherige
Tätigkeit sei dem Versicherten noch zumutbar, wobei dies nach der Rückenoperation
Ende Januar 2011 besser eingeschätzt werden könne (IV-act. 24).
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A.d In der Neurochirurgie des KSSG wurden am 10. März 2011 eine operative
Implantation von 4 Quad plus-Elektroden subkutan paravertebral beidseits im Bereich
der mittleren und unteren Brustwirbelsäule und Konnektion an den bestehenden
Neurostimulator vorgenommen. Anlässlich der postoperativen Verlaufskontrolle gab
der Versicherte an, dass er grundsätzlich von der subcutanen Neurostimulation im
Sinne einer signifikanten Schmerzreduktion profitiere. Das weitere Ziel sei eine
schrittweise Reduktion der MST-Medikation (IV-act. 28). Im Bericht der Neurochirurgie
des KSSG vom 26. Juli 2011 wurde festgehalten, dass aus neurochirurgischer Sicht
eine Arbeitsunfähigkeitsschreibung zu 100% nur bis 30. Juni 2011 möglich sei, da sich
die Arbeitsunfähigkeitsschreibungen in diesem Fachgebiet auf den stationären
Aufenthalt und die unmittelbare postoperative Nachbetreuung beziehen würden,
welche nun abgeschlossen sei (IV-act. 34).
A.e Im Bericht des Schmerzzentrums des KSSG vom 30. März 2012 hielt Dr. med.
C._, Oberärztin Neurochirurgie fest, dass der Versicherte auf epidurale
Rückenmarkstimulation und hochdosierte Opiate angewiesen sei, wobei die Opiatdosis
auf 3x 100 mg MST und 20-40 mg Sevredol habe reduziert werden können. Eine
weitere Reduktion sei nicht zu erwarten. Bezüglich der Beantwortung der Fragen zur
Arbeitsfähigkeit und zumutbaren Tätigkeit empfahl sie eine Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL; IV-act. 46).
A.f Im von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen Gutachten der Medas Ostschweiz vom
16. Juli 2012 wurde keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden ein chronisches thorakovertebrales
Schmerzsyndrom, ein chronisch rezidivierendes ischialgiformes Schmerzsyndrom links,
ein Status nach Polytoxikomanie (ICD-10: F19) in der Jugendzeit, ein Verdacht auf
chronischen Alkoholkonsum (ICD-10: F10.24) sowie ein Verdacht auf
Opiatabhängigkeit (ICD-10: F11.22) iatrogen diagnostiziert (IV-act. 47).
A.g Mit Vorbescheid vom 25. Oktober 2012 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 57). Mit Einwand vom 26.
November 2012 machte der Versicherte mehrere Einwände gegen das Medas-
Gutachten geltend (IV-act. 61). Gestützt auf die Stellungnahme des RAD vom 16.
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Januar 2013 (IV-act. 67) wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten mit
Verfügung vom 23. Januar 2013 ab (IV-act. 68).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 25. Februar 2013. Der Beschwerdeführer beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen, die Verfügung vom 23. Januar 2013 sei aufzuheben, und es sei
die Beschwerdegegnerin anzuweisen, den Beschwerdeführer von unabhängiger Stelle
bidisziplinär (psychiatrisch und insbesondere neuropsychologisch) begutachten zu
lassen, mit anschliessender funktionsorientierter medizinischer Abklärung (FOMA) und
den Rentenspruch neu zu beurteilen. Eventualiter sei die beantragte Aktenergänzung
und die bidisziplinäre Begutachtung im gerichtlichen Verfahren zu veranlassen.
Subeventualiter sei die Verfügung vom 23. Januar 2013 aufzuheben, und es sei dem
Beschwerdeführer eine Rente nach Gesetz zuzusprechen. Er begründet dies
insbesondere damit, dass die Beschwerdegegnerin ihrer umfassenden
Abklärungspflicht nicht nachgekommen sei und bisher weder eine Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) noch eine neuropsychologische Abklärung
durchgeführt worden sei. Zudem sei das Medas-Gutachten widersprüchlich und
unvollständig (act. G 1).
B.b Mit Eingabe vom 12. April 2013 (Datum Postaufgabe) reichte der
Beschwerdeführer einen psychiatrischen Verlaufsbericht von Dr. med. D._ vom 25.
März 2013 (act. G 3.1) nach und machte eine massive Verschlimmerung des
Beschwerdebildes geltend (act. G 3).
B.c Mit Beschwerdeantwort vom 12. April 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass der Beschwerdeführer
von der Medas nicht umfassend und kompetent untersucht worden sei. Weil die
Notwendigkeit der Einnahme von Schmerzmitteln in hoher Dosis aufgrund der relativ
harmlosen körperlichen Befundlage objektiv nicht ausgewiesen sei, dürfte die
entsprechende Überdosierung bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung ohnehin nicht
berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang werde im Medas-Gutachten auch zu
Recht geltend gemacht, dass die beim Beschwerdeführer im Rückenbereich
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vorhandene erhebliche muskuläre Dekonditionierung bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht berücksichtigt werden dürfe. Eine
neuropsychologische Abklärung und eine EFL seien zudem nicht zielführend (act. G 4).
B.d Mit Replik vom 24. Juni 2013 hält der Beschwerdeführer unverändert an seiner
Beschwerde fest (act. G 9). Mit Eingabe vom 1. Juli 2013 reichte der Beschwerdeführer
zudem eine ärztliche Bescheinigung des Spitals E._ vom 21. Juni 2013 (act. G 10.1)
ein, wonach die Schmerzmedikation mit Morphin in der aktuellen Dosis notwendig sei
(act. G 10).
B.e Am 26. September 2013 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 14).
B.f Nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Parteien (act. G 19) beauftragte
das Versicherungsgericht am 15. September 2015 die Medas Zentralschweiz mit der
Erstellung eines polydisziplinären Gerichtsgutachtens in den Fachgebieten Allgemeine
Innere Medizin, Rheumatologie und Psychiatrie (act G 21). Der Gutachterauftrag wurde
auf Empfehlung der Begutachtungsstelle am 19. Oktober 2015 um eine
neuropsychologische Abklärung erweitert, wovon den Parteien Kenntnis gegeben
wurde (act. G 25).
B.g Der Beschwerdeführer wurde am 27. und 28. Oktober sowie am 23. November
2015 in den genannten Fachdisziplinen untersucht. Im Gerichtsgutachten vom 12.
Februar 2016 diagnostizierten die Gutachter mit Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit ein chronisches therapierefraktäres thorakovertebrales
Schmerzsyndrom und eine Neurasthenie (ICD-10: F48.0). Ohne wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie einen Status nach dorsaler
Sponylodese L5/S1, Adipositas (BMI 31), schädlichen Alkoholgebrauch (ICD-10: F10.1)
und Nikotinabhängigkeit, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10: F17.25). In der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Wohngruppenbetreuer sei dem Beschwerdeführer
medizinisch-theoretisch, soweit es sich dabei um eine körperlich ausschliesslich
leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne rückenhygienisch ungünstige Arbeitsposition
handle, lediglich noch eine Leistung von 50% (6 Stunden Präsenz mit 30%iger
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Leistungseinschränkung) zumutbar. Limitierend erweise sich diesbezüglich vor allem
die Minderbelastbarkeit des Achsenorgans in Kombination mit den unerwünschten
Arzneimittelwirkungen. Diese Einschätzung gelte auch für jede andere, allenfalls in
Frage kommende Verweistätigkeit. Diese Arbeitsfähigkeit gelte seit November 2010
(act. G 29).
B.h Der Beschwerdeführer hält das Gerichtsgutachten und die darin vorgenommene
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung für beweiskräftig (act. G 31). Die Beschwerdegegnerin hat
die Frist für eine Stellungnahme unbenützt verstreichen lassen.

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
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2.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren
sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
2.4 Bezüglich Gerichtsgutachten hat die Rechtsprechung ausgeführt, das Gericht
weiche „nicht ohne zwingende Gründe“ von den Einschätzungen des medizinischen
Experten ab. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat diesbezüglich
erwogen, der Meinung eines von einem Gericht ernannten Experten komme bei der
Beweiswürdigung vermutungsweise hohes Gewicht zu (BGE 135 V 465 E. 4.4 mit
Hinweisen).
3.
3.1 Das vorliegende Gerichtsgutachten erfüllt die Anforderungen an eine beweiskräftige
Expertise. Mängel, welche die Beweiskraft des Gerichtsgutachtens erschüttern, sind
weder ersichtlich noch werden solche von den Parteien geltend gemacht.
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3.2 Gemäss Gerichtsgutachten leidet der Beschwerdeführer mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit an einem chronischen therapierefraktären thorakovertebralen
Schmerzsyndrom und an einer Neurasthenie. Die vom Beschwerdeführer glaubhaft
geschilderten, seit der Operation 2007 (Spondylodese Th 9/10) anhaltenden thorakalen
Beschwerden seien auch in Berücksichtigung des Verlaufs mit diversen (erfolglosen)
Therapiemassnahmen - unter anderem Implantation eines epiduralen Neurostimulators
(Herbst 2007) und Implantation von 4 Quad-Plus-Elektroden im Bereich der
Brustwirbelsäule mit Konnektion an den bestehenden Neurostimulator (März 2011) -
am ehesten als ein failed back surgery syndrome einzustufen. Aufgrund der
Minderbelastbarkeit des Achsenorgans seien dem Beschwerdeführer lediglich noch
körperlich leichte, vorzugsweise wechselbelastende Tätigkeiten zu 50% der Norm, das
bedeute sechs Stunden täglich mit 30%iger schmerz- und opiatbedingter
Leistungseinschränkung, zumutbar. Keine zusätzliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit sei dem Beschwerdeführer aufgrund der psychiatrisch erhobenen
Befunde zu attestieren, wobei diesbezüglich diagnostisch die unerwünschten
Arzneimittelwirkungen bei therapeutischer Anwendung von Opiaten (Morphium) Y57
mit sekundär Opioidabhängigkeit, ständiger Substanzgebrauch F11.25 sowie eine
Neurasthenie F48.0 im Vordergrund stünden. Die damit zu begründende
Beeinträchtigung des Antriebs, der Ausdauer, des Selbstvertrauens, der
Konzentrationsfähigkeit und des Arbeitstempos sowie die vermehrte Müdigkeit und
Kraftlosigkeit mit mangelnder Stressresistenz würden zu einer nicht additiven
Arbeitsunfähigkeit von 45% in der angestammten Tätigkeit als Wohngruppenbetreuer
bzw. von 35% in einer sehr einfachen Tätigkeit ohne besonderen Anforderungen an die
psychische Belastbarkeit führen. Die neuropsychologische Begutachtung ihrerseits
habe keine Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit gezeigt, weshalb aus
dieser Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe (act. G 29, S. 17 ff.)
Insgesamt ist gestützt auf das Gerichtsgutachten beim Beschwerdeführer sowohl in
der angestammten Tätigkeit als Wohngruppenbetreuer, soweit es sich um eine
körperlich leichte rückenadaptierte Tätigkeit handelt, wie auch in jeder anderen
entsprechenden Verweistätigkeit ab November 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 50%
anzunehmen (act. G 29, S. 20).
4.
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4.1 Bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades ist zu berücksichtigen, dass es sich
gemäss dem Gerichtsgutachten bei der zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Wohngruppenbetreuer um eine adaptierte Tätigkeit handelt (act. G 29, S. 20). Somit
entspricht die Invalidenkarriere der Validenkarriere, weshalb der Invaliditätsgrad
vorliegend anhand eines Prozentvergleichs berechnet werden kann. Auch bei einem
Prozentvergleich ist zu prüfen, ob ein Abzug im Sinne eines Tabellenlohnabzugs
aufgrund einer zu erwartenden unterdurchschnittlichen Entlöhnung vorzunehmen ist.
4.2 Nach der Rechtsprechung hängen die Fragen, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen des konkreten Einzelfalls ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter
und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu
schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25% festzusetzen ist. Eine
schematische Vornahme des Tabellenlohnabzugs ist unzulässig (BGE 126 V 79 f. E. 5b
und 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
4.3 Die leidensbedingten Einschränkungen wurden bereits bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt und rechtfertigen vorliegend keinen weiteren
Abzug. Mit dem fortgeschrittenen Alter und dem eingeschränkten Spektrum
verbliebener Arbeitsmöglichkeiten des Beschwerdeführers liegen lohnsenkende
Faktoren vor, welche einen Tabellenlohnabzug von 10% rechtfertigen. Daraus resultiert
in Anwendung eines Prozentvergleichs bei einer Arbeitsfähigkeit von 50% ein
Invaliditätsgrad von 55% (50% + [50% x 0.1]). Damit hat der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
4.4 Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf
von sechs Monaten nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Der
Beschwerdeführer meldete sich vorliegend im November 2010 zum Bezug von
Leistungen der IV-Stelle an (IV-act. 2), somit ist ein Rentenanspruch frühestens per 1.
Mai 2011 entstanden. Das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG, welches mit
Eintritt der 50%igen Arbeitsunfähigkeit ab November 2010 ausgelöst wurde, war sechs
Monate nach der Anmeldung jedoch noch nicht erfüllt, weshalb der Rentenanspruch
per 1. November 2011 entstanden ist.
5.
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5.1 Nach dem Gesagten ist in Gutheissung der Beschwerde die Verfügung vom 23.
Januar 2013 aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. November
2011 eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Aufgrund der Einholung eines
Gerichtsgutachtens und des damit verbundenen Zusatzaufwands erscheint eine
Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als
angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.3 Die Kosten des Gerichtsgutachtens von Fr. 13'931.15 gemäss Rechnung der
Medas Zentralschweiz vom 12. Februar 2012 hat die Beschwerdegegnerin zu tragen
(BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).
5.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung
entsprechend der vom Rechtsvertreter eingereichten Honorarnote vom 30. März 2016
(act. G 33) von Fr. 5'678.20 (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen. Unter diesen Umständen erübrigt sich die Festsetzung einer
Entschädigung im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.