Decision ID: 8e69a651-5227-5dde-ae31-ff6575354bb9
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Eheleute W. und C. K. sind in O. wohnhaft. Der Ehemann ist als
Haustechnikplaner selbständigerwerbend und war daneben im Jahr 2002 als
Bezirksschulrat und Prüfungsexperte beim Schweizerischen Spenglermeister- und
Installateurenverband (SSIV, heute Suissetec) nebenamtlich tätig. Die Ehefrau ist
Teilzeitangestellte bei einer Bank.
Für das Steuerjahr 2002 deklarierten die Eheleute K. ein steuerbares Einkommen von
Fr. 73'701.-- und ein steuerbares Vermögen von Fr. 208'829.--. Mit
Einspracheentscheid vom 23. Mai 2004 legte das kantonale Steueramt das steuerbare
Einkommen auf Fr. 83'700.-- und das steuerbare Vermögen auf Fr. 208'000.-- fest.
B./ Gegen den Einspracheentscheid erhoben die Pflichtigen mit Eingabe vom 29.
August 2004 Rekurs.
Die Verwaltungsrekurskommission hiess den Rekurs mit Entscheid vom 27. April 2005
teilweise gut und veranlagte die Steuerpflichtigen für das Jahr 2002 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 82'600.-- und einem steuerbaren Vermögen von Fr.
208'000.--. Die amtlichen Kosten von Fr. 1'200.-- wurden zu 5/6 den Pflichtigen und zu
1/6 dem Staat auferlegt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/99
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C./ Mit Eingabe vom 11. Mai 2005 erhoben W. und C. K. Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Sie beantragten die Gewährung eines zusätzlichen Abzuges für die
nebenamtlichen Tätigkeiten des Ehemannes und einen Verzicht auf die Erhöhung des
deklarierten Privatanteils an den Geschäftsaufwendungen sowie eine Erhöhung des
Kinderabzugs. Weiter beanstanden die Beschwerdeführer die Befangenheit eines
Mitglieds der Verwaltungsrekurskommission. F. B. sei Gemeinderat von O. und hätte in
den Ausstand treten müssen. Auf die weiteren Vorbringen wird, soweit wesentlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz und das kantonale Steueramt beantragen in ihren Vernehmlassungen
vom 2. bzw. 22. Juni 2005 die Abweisung der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 196 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die Beschwerdeführer sind zur
Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert, und die Beschwerdeschrift vom 11. Mai 2005
enhält, zumindest formal, einen Antrag und eine Begründung (Art. 196 Abs. 1 und 161
StG in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Insoweit sind die
Eintretensvoraussetzungen erfüllt.
2./ Zu prüfen ist zunächst die Rüge der Befangenheit von F. B..
a) Gemäss Art. 30 Abs. 1 der Schweizerischen Bundesverfassung (SR 101) sowie Art. 6
Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101) hat der Einzelne
Anspruch darauf, dass seine Sache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen
und unbefangenen Richter entschieden wird. Liegen bei objektiver Betrachtungsweise
Gegebenheiten vor, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der
Voreingenommenheit begründen, so ist diese Garantie verletzt (BGE 131 I 26 und 127 I
198 mit weiteren Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung).
b) Persönliche Befangenheit im Sinn von Art. 55 Abs. 1 lit. c des Gerichtsgesetzes (sGS
941.1, abgekürzt GerG) ist anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind,
Misstrauen in die Unparteilichkeit eines Richters zu erwecken. Solche Umstände
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/99
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
können in einem bestimmten persönlichen Verhalten des Richters begründet sein.
Dabei ist dieser nicht erst dann von der Mitwirkung ausgeschlossen, wenn er
deswegen tatsächlich befangen ist. Es genügt das Vorliegen von Umständen, die den
Anschein der Befangenheit zu begründen vermögen. Dabei kann nicht auf das
subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden; das Misstrauen in die
Unvoreingenommenheit muss vielmehr in objektiver Weise begründet erscheinen (vgl.
Kölz/Bosshart/Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons
Zürich, 2. Aufl., Zürich 1999, N 11 zu § 5a mit Hinweisen).
Neben einem bestimmten persönlichen Verhalten können Befangenheitsgründe auch
dann gegeben sein, wenn ein Richter in der selben Angelegenheit in einer anderen
Funktion Entscheidungen getroffen oder wenn er sich in einem früheren Verfahren mit
der konkreten Streitsache schon einmal befasst hat (BGE 131 I 24 ff.; 126 I 73). Eine
Befangenheit kann sich aber auch dann ergeben, wenn Richter noch andere
behördliche Funktionen ausüben. Ein unabhängiges Gericht zeichnet sich namentlich
durch die personelle Unabhängigkeit seiner Mitglieder aus. Untersagt sind deshalb alle
Konstellationen personeller Identität von verschiedenen Staatsorganen, was durch
entsprechende Unvereinbarkeitsregeln sicherzustellen ist (vgl. Regina Kiener,
Richterliche Unabhängigkeit, Bern 2001, S. 249).
Art. 57 der Kantonsverfassung (sGS 111.1) bestimmt, dass die Mitglieder der
Regierung sowie der Staatssekretär und die vom Gesetz bezeichneten Mitglieder der
Staatverwaltung nicht einer richterlichen Behörde angehören dürfen. Art. 40 Abs. 1 lit. a
GerG untersagt hauptamtlichen Richtern die Tätigkeit als Anwalt oder Treuhänder, und
Art. 40 Abs. 1 lit. c GerG verbietet Richtern der Verwaltungsrechtspflege die Tätigkeit
im gleichen Sachgebiet der Staatsverwaltung, für welches das entsprechende Gericht
zuständig ist. Weiter bestimmt Art. 55 Abs. 1 lit. c GerG, dass Richter in den Ausstand
treten, wenn sie befangen erscheinen.
c) Es fragt sich, ob ein Richter eines kantonalen Gerichts gleichzeitig in einem
Gemeindeparlament sitzen oder ein kommunales Exekutivmandat innehaben darf, wie
dies bei Richter F. B. der Fall ist, der nebenamtliches Mitglied der
Verwaltungsrekurskommission ist und daneben dem Gemeinderat O. angehört.
Verfassung und Gesetz verbieten eine solche Kombination eines kantonalen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/99
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Richteramtes mit einem kommunalen Exekutivamt nicht. In der Literatur wird die
Zulässigkeit danach beurteilt, ob wegen des Mehrfachmandats sachfremde Einflüsse
auf die Rechtsprechung zu befürchten sind (Kiener, a.a.O., S. 253).
Ein Gemeinderat oder Stadtrat vermittelt zwar in der Oeffentlichkeit das Bild eines
Politikers bzw. einer nach politischen Kriterien gewählten und nach politischen Kriterien
handelnden Person. Als Angehöriger des obersten Leitungs- und Verwaltungsorgans
der Gemeinde erscheint er als Funktionsträger, der den Interessen der Gemeinde
verpflichtet ist. Die Veranlagung der Einkommens- und Vermögenssteuer wird indessen
nicht von einer kommunalen Behörde vorgenommen, sondern vom kantonalen
Steueramt. Die kantonale Veranlagung ist zwar auch für die Gemeindesteuern
massgebend. Beim Rechtsmittelentscheid über eine Einkommens- und
Vermögenssteuerveranlagung sind daher grundsätzlich auch die finanziellen Interessen
der Wohngemeinde des Pflichtigen betroffen. Eine einzelne Veranlagung hat im
Regelfall aber keine erhebliche Bedeutung für die Gemeinde. Wirkt nun ein
Gemeinderat der Wohngemeinde des Steuerpflichtigen bei der Beurteilung von dessen
Veranlagung als Richter mit, so lässt sich nicht generell sagen, dass er den Interessen
des Fiskus' näher steht als jenen des Steuerpflichtigen. Die Rüge der Befangenheit
erweist sich somit als unbegründet.
3./ Die Beschwerdeführer beanstanden weiter, das kantonale Steueramt habe in seiner
Rekursvernehmlassung die streitige Veranlagung fälschlicherweise als solche des
Jahres 2001 anstatt des Jahres 2002 bezeichnet. Im Rekursentscheid hätten sich
darüber keine Erwägungen gefunden. Wenn die Beschwerdeführer diesen Fehler
gemacht hätten, wäre der Rekurs wegen Formfehlern abgewiesen worden.
Diese Einwendungen sind unbehelflich. Die fehlerhafte Bezeichnung in der
Rekursvernehmlassung beruhte auf einem Versehen des kantonalen Steueramts. Eine
rechtlich relevante Bedeutung hatte diese Bezeichnung nicht, zumal aus dem Inhalt der
Vernehmlassung klar und zweifelsfrei ersichtlich war, welche Veranlagung sie betraf. Im
übrigen trifft es nicht zu, dass die Beschwerdeführer bei einem ähnlichen Versehen
irgendwelche Rechtsnachteile erlitten hätten. Die fehlerhafte Bezeichnung war
bezüglich der Rechtmässigkeit der Veranlagung bedeutungslos.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/99
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4./ In materieller Hinsicht fochten die Beschwerdeführer die Bemessung der Abzüge für
die unselbständige Nebenerwerbstätigkeit des Ehemannes sowie die Aufrechnung
eines Privatanteils an den Aufwendungen aus der selbständigen Erwerbstätigkeit sowie
den Kinderabzug an. Ob die Beschwerde in diesen Punkten den gesetzlichen
Anforderungen genügt, ist fraglich.
Die Beschwerde hat einen Antrag, eine Darstellung des Sachverhalts und eine
Begründung zu enthalten (Art. 161 StG in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 VRP). Im Antrag haben die Beschwerdeführer darzutun, inwiefern der
angefochtene Entscheid aufgehoben oder abgeändert werden soll, und in der
Begründung haben die Beschwerdeführer darzulegen, in welchen Punkten der
angefochtene Entscheid auf einem fehlerhaft festgestellten Sachverhalt oder einer
unrichtigen Rechtsanwendung beruht (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 914 ff.).
Die Beschwerdeführer bemängeln die angefochtenen Punkte der Veranlagung, ohne
sich im einzelnen mit den Erwägungen im angefochtenen Entscheid
auseinanderzusetzen. Insoweit ist fraglich, ob die Eintretensvoraussetzungen erfüllt
sind. Da die Einwendungen unbegründet sind, kann diese Frage offen bleiben.
a) Der Ehemann ist im Hauptberuf selbständig tätig. Daneben übte er eine
Behördentätigkeit als Bezirksschulrat aus und ist zudem Prüfungsexperte beim
Schweizerischen Spenglermeister- und Installateurenverband (SSIV). Die
Nettoeinkünfte als Bezirksschulrat betrugen im Jahr 2002 Fr. 3'952.-- und jene als
Prüfungsexperte Fr. 8'158.--.
Nach Art. 30 StG sind auch Einkünfte aus nebenberuflichen Tätigkeiten steuerbares
Einkommen. Nach Art. 22 der Steuerverordnung (sGS 811.11) werden bei
unselbständiger Nebenerwerbstätigkeit die notwendigen Berufskosten nach den für die
direkte Bundessteuer massgebenden Pauschalansätzen abgezogen. Dieser
Pauschalabzug beträgt 20 % der Nettoeinkünfte, mindestens Fr. 700.-- und höchstens
Fr. 2'200.-- (Anhang zur eidg. Verordnung über den Abzug von Berufskosten der
unselbständigen Erwerbstätigkeit bei der direkten Bundessteuer, SR 642.118.1). Nach
der Praxis der st. gallischen Steuerbehörden wird darüber hinaus für die nebenamtliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/99
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Behördentätigkeit ein zusätzlicher Abzug für Sitzungsgelder gewährt, indem
entsprechende Entschädigungen bis zu Fr. 2'400.-- pro Jahr oder Fr. 60.-- pro Sitzung
als reiner Auslagenersatz von der Besteuerung ausgenommen werden (Steuerbuch StB
39, Nr. 4).
Entsprechend diesen Weisungen rechnete die Veranlagungsbehörde von den
Einkünften als Bezirksschulrat einen Betrag von Fr. 900.--, was 15 Sitzungsgeldern à
Fr. 60.-- entspricht, als zusätzlichen Aufwandersatz ab. Dies ergab einen steuerbaren
Anteil von Fr. 3'052.--.
Die Beschwerdeführer beanspruchen auch bei den Einkünften aus dem SSIV einen
zusätzlichen Abzug von 20 % mit der Begründung, diese Tätigkeit sei einer
behördlichen Funktion gleichgestellt. Die Vorinstanz hat diesen Abzug verweigert. Sie
hat die Tätigkeit beim SSIV nicht als Behördentätigkeit qualifiziert und hielt fest, die
Durchführung der höheren Fachprüfungen im Heizungsgewerbe könne nicht als
Wahrnehmung einer öffentlichen Aufgabe betrachtet werden, insbesondere weil ein
entsprechender gesetzlicher Auftrag fehle. Im weiteren rechtfertige sich die Anwendung
der privilegierenden Abzugsregelung nicht, weil die Tätigkeit beim SSIV einen engen
Zusammenhang mit dem Hauptberuf des Beschwerdeführers aufweise und ihm damit
einen beruflichen Vorteil bringe.
Die Weisung des kantonalen Steueramtes bezieht sich ausdrücklich auf die
Behördentätigkeiten. Es ist unter rechtlichen Gesichtspunkten nicht zu beanstanden,
dass die Vorinstanz den Begriff der behördlichen Tätigkeit relativ eng fasst und nur für
solche Behörden bzw. Gremien anwendet, welche unmittelbar hoheitliche Befugnisse
ausüben. Dies ist bei einem Berufs- bzw. Fachverband in der Regel nicht der Fall. Dies
bedeutet nicht, dass die Ausbildung von jungen Berufsleuten nicht öffentlichen
Bedürfnissen entspricht oder nicht im öffentlichen Interesse liegt. Dies brachte die
Vorinstanz in ihren Erwägungen auch gar nicht zum Ausdruck. Entscheidend ist, dass
der Verband bzw. die Verbandstätigkeit keine unmittelbare hoheitliche Funktion
darstellt. Unter diesen Umständen ist die Verweigerung des für die Behördentätigkeit
vorgesehenen Abzuges nicht rechtswidrig.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/99
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nicht ausschlaggebend ist, dass ein entsprechender Abzug vor dem Steuerjahr 2002
gewährt wurde. Die Veranlagungsbehörde ist berechtigt, die Zulässigkeit der einzelnen
Abzüge in jeder Veranlagung bzw. für jedes Steuerjahr neu zu überprüfen. In der
Praxisänderung im Jahr 2002 kann daher keine Rechtsverletzung erblickt werden.
Nicht entscheidend ist im übrigen, ob der Beschwerdeführer aus der Tätigkeit für einen
Berufs- oder Fachverband einen beruflichen Nutzen zieht. Zum einen kann auch die
Mitgliedschaft in einer hoheitlich tätigen Behörde einen beruflichen Nutzen bringen,
und zum anderen fehlt dieses Kriterium sowohl in den gesetzlichen Vorschriften als
auch in den Weisungen des kantonalen Steueramtes.
b) Weiter beanstanden die Beschwerdeführer den Privatanteil an den
Geschäftsauslagen. Nach Art. 47 lit. a StG sind die Aufwendungen für den Unterhalt
des Pflichtigen und seiner Familie sowie der durch die berufliche Stellung des
Pflichtigen bedingte Privataufwand nicht von den Einkünften aus selbständiger
Erwerbstätigkeit abziehbar.
Werden in den Geschäftsunkosten aus selbständiger Erwerbstätigkeit auch solche
Auslagen aufgeführt, denen ganz oder teilweise privater Charakter zukommt, so kann
der Privatanteil in aller Regel nicht ziffernmässig genau ausgeschieden werden,
sondern ist ermessensweise festzusetzen. Dem Verwaltungsgericht steht die Befugnis
zur Ermessenskontrolle nicht zu; es ist lediglich zur Rechtskontrolle befugt (Art. 161
StG in Verbindung mit Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Das Verwaltungsgericht hat somit
den Ermessensspielraum des kantonalen Steueramtes bzw. der Vorinstanz zu
respektieren, wenn sich diese auf sachliche Kriterien stützten und ihr Ermessen nicht
überschritten bzw. missbrauchten.
Die Vorinstanz hat aufgrund der massgebenden Richtlinien (StB 29 Nr. 3) den
Privatanteil für Heizung, Energie und Haushalt für die vierköpfige Familie der
Beschwerdeführer auf Fr. 4'560.-- festgelegt. Demgegenüber deklarierten diese von
den gesamten Ausgaben von Fr. 7'540.10 für diese Bereiche einen Anteil von lediglich
Fr. 1'650.-- als Privatanteil. Dies erachtete die Vorinstanz aufgrund des nach den
Richtlinien ermittelten Wertes als zu gering und bestätigte die von der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/99
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Veranlagungsbehörde vorgenommene Erhöhung des deklarierten Anteils von Fr.
1'650.-- um Fr. 1'000.-- auf Fr. 2'650.--.
Die Beschwerdeführer wenden ein, das von der Vorinstanz verwendete Merkblatt habe
keine Gültigkeit bei Büros als Hauptgewerbe. Die prozentuale Festlegung der Kosten
sei unzulässig und entspreche nicht dem Steuergesetz. Inwiefern sie gesetzwidrig ist
bzw. welche Rechtsgrundsätze damit verletzt werden, legen die Beschwerdeführer
allerdings nicht dar. Die Anwendung der Weisungen ist nicht auf bestimmte Branchen
beschränkt, obwohl in den Beispielen ausschliesslich Gewerbebetriebe aufgeführt sind.
Das schliesst aber nicht aus, die Privatanteile auch bei freiberuflich Tätigen bzw. bei
Planungs- oder Ingenieurbüros nach diesen Richtlinien zu bestimmen. Die
Beschwerdeführer legen auch gar nicht dar, inwiefern die Anwendung der Richtlinien in
ihrem Fall zu einem sachwidrigen Ergebnis führt.
Die Vorinstanz hat das Begehren der Beschwerdeführer um Aenderung des
Privatanteils materiell behandelt, weshalb es nicht ausschlaggebend ist, ob die
Beschwerdeführer in der Einsprache die übrigen Bestandteile des Privat-anteils
akzeptierten oder nicht.
c) Nach Art. 49 Abs. 1 lit. b StG kann für ein unter der elterlichen Sorge stehendes
Kind, das in der schulischen oder beruflichen Ausbildung steht, vom Reineinkommen
Fr. 6'000.-- abgezogen werden. Muss sich das Kind, für dessen Unterhalt die Eltern
aufkommen, für die schulische oder berufliche Ausbildung an einem auswärtigen
Ausbildungsort aufhalten, können Fr. 10'000.-- in Abzug gebracht werden (Art. 49 Abs.
1 lit. c StG).
Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid zutreffend darauf hingewiesen, dass der
Aufenthalt an einem auswärtigen Ausbildungsort entscheidend ist, ob der höhere
Abzug von Fr. 10'000.-- gewährt werden kann. Massgebend ist also nicht, ob die
Ausbildung an einem auswärtigen Ort stattfindet, sondern ob sich das Kind für die
Ausbildung auch am auswärtigen Ort aufhalten, also dort wohnen muss. Die
unterschiedliche Behandlung von Kindern, die am Wohnort zur Schule oder
Ausbildungsstätte gehen, stützt sich auf sachliche Gründe, da der auswärtige
Wochenaufenthalt in der Regel höhere Kosten verursacht als der Aufenthalt am Domizil
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/99
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Eltern. Längst nicht alle Kinder können im Kanton St. Gallen eine Mittelschule am
Wohnort besuchen. Somit fallen bei einem Grossteil der Eltern von Mittelschülern
Aufwendungen für Bahnfahrt und auswärtige Mittagsverpflegung an. Der Gesetzgeber
wollte diesbezüglich keine Unterscheidung mit Eltern treffen, deren Kinder am Wohnort
zur Mittelschule gehen, sondern lediglich jenen Eltern einen zusätzlichen Abzug
gewähren, deren Kinder an einem auswärtigen Ausbildungsort wohnen und daher
wesentlich höhere Kosten tragen müssen.
Fehl geht der Einwand, in anderen Gemeinden werde diese Bestimmung anders
gehandhabt, und in der Gemeinde Diepoldsau werde der höhere Abzug gewährt. Für
diese Behauptung wurden keine Beweismittel beigebracht, und aus einer einzelnen
dem Gesetz widersprechenden Veranlagung könnten die Beschwerdeführer ohnehin
nichts zu ihren Gunsten ableiten. Die Voraussetzungen für eine Gleichbehandlung im
Unrecht sind nicht erfüllt.
d) Unbegründet ist schliesslich der Einwand, das steuerbare Einkommen sei von Fr.
81'300.- auf Fr. 82'300.- erhöht worden, obwohl der Rekurs teilweise geschützt worden
sei. Im Einsprache-Entscheid war das Einkommen auf Fr. 83'700.-- festgesetzt und im
Rekursentscheid auf Fr. 82'600.-- reduziert worden. Der von den Beschwerdeführern
genannte Betrag von Fr. 81'300.- betrifft das Einkommen für die direkte Bundessteuer,
welches nicht Gegenstand des Rekurs- und Beschwerdeverfahrens ist.
5./ Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
Dementsprechend sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens den
Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr.
1'500.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Sie ist mit dem
geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen. Die Beschwerdeführer sind
unterlegen (Art. 98bis VRP), und der Beschwerdegegner hat keinen Anspruch auf
Kostenersatz (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 176).