Decision ID: a1cd4c90-484f-5eb8-93e2-904c4cec2f20
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde am 15. Dezember 2011 unter Hinweis auf ein Geburtsgebrechen zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 1). Das
Ostschweizer Kinderspital berichtete am 23. Januar 2012 (IV-act. 9), die Versicherte
leide an den Geburtsgebrechen Ziff. 247, 494 und 497 Anh. GgV. Am 24. Februar 2012
und am 22. März 2012 teilte die IV-Stelle den Eltern der Versicherten mit (IV-act. 11 ff.
und 19), dass sie die bis zum Abschluss der Intensivbehandlung anfallenden Kosten für
die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 497 Anh. GgV, die bis zum 31. Dezember
2013 anfallenden Kosten für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 247 und die
bis zum Erreichen eines Gewichtes von 3000 Gramm anfallenden Kosten für die
Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 494 Anh. GgV übernehme. Nachdem das
Ostschweizer Kinderspital in einem Bericht vom 18. April 2012 (IV-act. 20) darauf
hingewiesen hatte, dass die Versicherte auch am Geburtsgebrechen Ziff. 395 Anh. GgV
leide, teilte die IV-Stelle den Eltern am 7. Mai 2012 mit, dass sie auch die Kosten für die
Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 395 Anh. GgV (bis zum 10. Dezember 2013)
übernehme (IV-act. 22). Am 27. August 2013 berichtete das Ostschweizer Kinderspital,
zwischenzeitlich sei festgestellt worden, dass die Versicherte auch am
Geburtsgebrechen Ziff. 390 Anh. GgV leide (IV-act. 48). Am 19. Dezember 2013 teilte
die IV-Stelle der Beiständin der Versicherten mit (IV-act. 66), dass sie die im Zeitraum
vom 28. Juni 2013 bis zum 30. Juni 2018 anfallenden Kosten für die Behandlung des
Geburtsgebrechens Ziff. 390 Anh. GgV vergüten werde.
A.b Im April 2015 wurde die Versicherte im Ostschweizer Kinderspital operiert. Laut
dem Austrittsbericht vom 21. April 2015 (IV-act. 155–5 f.) waren eine Varisations-
Osteotomie am proximalen Femur beidseits und eine Tenotomie des Musculus psoas
infrainguinal und des Musculus adductor longus beidseits durchgeführt worden; der
Versicherten war anschliessend ein Beckenbein-Gips mit Fusseinschluss angelegt
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worden. Im August 2015 notierte Dr. med. B._ vom IV-internen regionalen ärztlichen
Dienst (RAD), die Operation habe in einem engen kausalen Zusammenhang mit dem
Geburtsgebrechen Ziff. 390 Anh. GgV gestanden, weshalb die Behandlungskosten
durch die Invalidenversicherung zu vergüten seien (IV-act. 157). Am 10. September
2015 ersuchte die Beiständin der Versicherten um die Vergütung der Kosten einer
medizinischen Pflege durch die Kinderspitex (IV-act. 161). Sie führte aus, die
Versicherte habe bis Mai 2015 einen Gips tragen müssen, der vom Bauch bis zu den
Füssen gereicht habe. Da die Pflege der Versicherten höchst aufwendig gewesen sei,
habe die Kinderspitex beigezogen werden müssen. Die gesamten Kosten für die
Spitexleistungen beliefen sich auf 9’493.05 Franken. Die IV-Stelle antwortete am 22.
September 2015 (IV-act. 162), aus den Rechnungen der Spitex gehe hervor, dass es
sich bei den erbrachten Pflegeleistungen um Grundpflegeleistungen gehandelt habe,
die nicht von der Invalidenversicherung zu übernehmen seien. Die
Invalidenversicherung könne nur die Kosten für eine Behandlungspflege vergüten.
A.c Am 15. März 2016 ersuchte die Kinderspitex Ostschweiz um eine
Kostengutsprache für Spitexleistungen (IV-act. 230). Die dem Gesuch beigelegte
Spitexverordnung (IV-act. 231) sah einen Zeitaufwand von fünf Stunden pro Jahr für die
Abklärung und die Dokumentation des Pflegebedarfs, von 60 Stunden pro Jahr für die
Beratung und die Instruktion der nichtberuflich an der Krankenpflege Mitwirkenden,
von zehn Minuten pro Einsatz für die Beurteilung des Allgemeinzustandes (14 Einsätze
pro Woche) und von zehn Minuten pro Einsatz für die Verabreichung von
Medikamenten (28 Einsätze pro Woche) beziehungsweise einen Gesamtaufwand von
sieben Stunden pro Woche für die Untersuchung und die Behandlung, von zwölf
Stunden pro Woche für die Grundpflege und von 5,5 Stunden pro Monat für die
Abklärung und die Beratung vor. Eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle notierte am 24.
März 2016 (IV-act. 236), die Kinderspitex führe gar keine Behandlungsmassnahmen
durch, sondern erbringe nur Grundpflegeleistungen. Das gehe auch aus den
eingereichten Rechnungen hervor. Die Invalidenversicherung sei folglich nicht
leistungspflichtig. Mit einem Vorbescheid vom selben Datum teilte die IV-Stelle der
Mutter der Versicherten mit, dass sie die Abweisung des Leistungsbegehrens
betreffend Spitexleistungen vorsehe (IV-act. 237). Am 26. Mai 2016 verfügte die IV-
Stelle gemäss diesem Vorbescheid (IV-act. 256).
B.
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B.a Am 27. Juni 2016 liess die durch den Schweizerischen Kinderspitexverein
vertretene Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen
die Verfügung vom 26. Mai 2016 erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreter beantragten
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die gerichtliche Feststellung, dass
die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) ab April 2015 „medizinische
Massnahmen im vollen Umfang“ schulde, beziehungsweise (act. G 6) die gerichtliche
Feststellung, dass die Beschwerdegegnerin die für die Beschwerdeführerin von April
2015 bis zur Beendigung der Pflege am 31. März 2016 ärztlich angeordneten und
tatsächlich geleisteten Pflegestunden schulde, dass zur Bestimmung der
medizinischen Qualifikation „die Verordnung 325.11“ massgebend sei und dass nicht
auf die Tarife des Bundesamtes für Sozialversicherungen abzustellen sei, sondern dass
die effektiven Kosten vergütet werden müssten. Zur Begründung führten sie aus, die
Beschwerdegegnerin habe den massgebenden Sachverhalt gar nicht abgeklärt. Sie
habe die vom Kinderspitexverein eingereichten Belege nicht gewürdigt. Die tatsächlich
geleisteten Pflegestunden seien mittels Monatsrapporten dokumentiert worden (vgl.
act. G 1.5). Darauf sei abzustellen.
B.b Am 13. September 2016 notierte eine Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin
(IV-act. 324), anlässlich eines Telefongesprächs mit der Pflegemutter der
Beschwerdeführerin habe sich ergeben (vgl. IV-act. 326), dass die Medikamente jeweils
von der Spitex verabreicht worden seien. Folglich müsse „zumindest für einen kleinen
Teil“ eine Kostengutsprache erteilt werden. Die angefochtene Verfügung könne direkt
ersetzt werden. Dieselbe Sachbearbeiterin notierte gleichentags, die Kostengutsprache
sei für 15 Minuten pro Einsatz zu erteilen (IV-act. 327). Ebenfalls noch am selben Tag
eröffnete die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit einem Vorbescheid,
dass sie den Widerruf der angefochtenen Verfügung vom 26. Mai 2016 und die
Vergütung der Kosten für die geleisteten medizinischen Massnahmen im Umfang von
15 Minuten pro Einsatz vorsehe (IV-act. 328). Am 31. Oktober 2016 verfügte die
Beschwerdegegnerin gemäss diesem Vorbescheid (IV-act. 345). Am 3. November 2016
ersuchte sie das Versicherungsgericht um eine Abschreibung des
Beschwerdeverfahrens wegen Gegenstandslosigkeit (act. G 10).
B.c Am 11. November 2016 teilte das Versicherungsgericht der Beschwerdeführerin
mit (act. G 11), dass die neu ergangene Widerrufsverfügung nicht vollumfänglich dem
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Beschwerdebegehren entspreche. Das Beschwerdeverfahren werde deshalb
fortgesetzt; die Beschwerdeführerin habe die Möglichkeit, eine Replik einzureichen.
B.d Die Beschwerdeführerin liess am 1. Dezember 2016 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 12). Sie machte geltend, die neue Verfügung entspreche noch immer nicht dem
ärztlich verordneten und tatsächlich geleisteten Pflegeaufwand. Vorliegend sei – wie in
vergleichbaren Fällen auch – „willkürlich, zu spät und nicht dem effektiven Anspruch
entsprechend“ verfügt worden. Abschliessend ersuchten die Rechtsvertreter um eine
Entschädigung für den Vertretungsaufwand, den sie auf 5’184 Franken bezifferten
(act.G 12.1).
B.e Die Beschwerdegegnerin beantragte am 5. Januar 2017 (act. G 14), dass die
Leistungen gemäss der Verfügung vom 31. Oktober 2016 festzusetzen seien und dass
bezüglich des Tarifs nicht auf die Beschwerde einzutreten sei. Zur Begründung führte
sie aus, die ärztliche Verordnung sehe nur zwei Leistungsarten vor: Die Beurteilung des
Allgemeinzustandes und das Verabreichen der Medikamente. Auch in den
Pflegedokumentationen würden nur diese beiden Leistungen im Raster
„Behandlungspflege“ aufgeführt. Der Aufwand habe jeweils neun Minuten betragen,
nämlich zwei Minuten für die Beurteilung des Allgemeinzustandes, vier Minuten für das
Richten der Medikamente und drei Minuten für das Verabreichen der Medikamente.
Dieser Aufwand sei in der Verfügung vom 31. Oktober 2016, laut der maximal 15
Minuten pro Einsatz vergütet werden könnten, vollumfänglich anerkannt worden.
Bezüglich des Tarifs sei auf den Entscheid des Schiedsgerichtes IVSCH 2013/2 zu
verweisen.

Erwägungen
1.
1.1 Die vorliegend zu behandelnde Beschwerde richtet sich gegen die widerrufene und
damit nicht mehr existente Verfügung vom 26. Mai 2016. Der Anfechtungsgegenstand
für dieses Beschwerdeverfahren ist folglich nach der Beschwerdeerhebung dahin
gefallen, weshalb das Beschwerdeverfahren an sich zufolge einer Gegenstandslosigkeit
abgeschrieben werden müsste. Die Beschwerdeführerin hätte die Verfügung vom 31.
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Oktober 2016, die jene vom 26. Mai 2016 ersetzt hat, anfechten müssen. Das hat sie
nicht getan. Allerdings hat sie noch während der laufenden Rechtsmittelfrist der
Verfügung vom 31. Oktober 2016 gegenüber dem Versicherungsgericht ihr
Nichteinverständnis bezüglich dieser Verfügung erklärt, was bei einer formal korrekten
Vorgehensweise als eine neue Beschwerde gegen die Verfügung vom 31. Oktober
2016 zu qualifizieren wäre. Aus verfahrensökonomischen Gründen ist aber kein neues
Beschwerdeverfahren eröffnet, sondern das (an sich gegenstandslos gewordene)
Beschwerdeverfahren betreffend die nicht mehr existente Verfügung vom 26. Mai 2016
weitergeführt worden. Jedenfalls wird der Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens
nun ausschliesslich durch die Verfügung vom 31. Oktober 2016 definiert.
1.2 Die Verfügung vom 31. Oktober 2016 betrifft unter anderem Pflegeleistungen, die
von der Kinderspitex im Zeitraum von März bis Juli 2015 erbracht worden sind. Bereits
am 22. September 2015 hatte die Beschwerdegegnerin aber die Vergütung dieser im
Zeitraum von März bis Juli 2015 erbrachten Leistungen – formlos – verweigert. Die
Beschwerdeführerin hat diesbezüglich bis heute keine anfechtbare Verfügung verlangt.
An sich könnte deshalb die Auffassung vertreten werden, jene Abweisung sei
zwischenzeitlich verbindlich geworden (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
2015, Art. 51 N 26, mit Hinweisen). Das würde bedeuten, dass in diesem
Beschwerdeverfahren nicht erneut darüber entschieden werden dürfte. Allerdings hat
die Beschwerdeführerin bereits am 15. März 2016 erneut (auch) um die Vergütung der
im Zeitraum vom März bis Juli 2015 erbrachten Leistungen der Kinderspitex ersucht.
Die Beschwerdegegnerin hat sich materiell mit diesem Begehren auseinandergesetzt,
was nur bedeuten kann, dass sie auf ihre noch nicht verbindlich gewordene formlose
Abweisung vom 22. September 2015 zurückgekommen ist. Das ist zulässig gewesen,
weshalb der Mitteilung vom 22. September 2015 für dieses Verfahren keine Bedeutung
mehr zukommt.
2.
2.1 Bei der angefochtenen Verfügung vom 31. Oktober 2016 handelt es sich um eine
Feststellungsverfügung im Sinne des Art. 49 Abs. 2 ATSG, denn sie hat das
Verwaltungsverfahren, das ein Begehren um die Vergütung der Kosten für eine
medizinische Pflege im Zeitraum von März 2015 bis März 2016 zum Gegenstand hatte,
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nicht abgeschlossen, sondern nur eine Höchstgrenze für jenen (Zeit-) Aufwand
definiert, der grundsätzlich vergütungsfähig ist. Dabei hat es sich also um ein
„Kostendach“ und nicht um die tatsächlich zu vergütenden Kosten gehandelt. Der
angefochtenen Verfügung vom 31. Oktober 2016 kommt deshalb keine
rechtsgestaltende Wirkung zu. Solche „Kostendach“-Verfügungen sind grundsätzlich
zulässig, aber das ihre Zulässigkeit begründende schützenswerte
Feststellungsinteresse besteht nur darin, dass es solche Verfügungen den versicherten
Personen (und den Leistungserbringern) ermöglichen, ihr Verhalten in jenem Zeitraum
zu planen, der von diesen „Kostendach“-Verfügungen erfasst ist und der
typischerweise im Zeitpunkt der Verfügungseröffnung noch in der Zukunft liegt (vgl.
zum Ganzen den Entscheid IV 2015/352 des St. Galler Versicherungsgerichts vom 29.
November 2016, E. 1.1, mit Hinweisen). Für einen in der Vergangenheit liegenden
Zeitraum kann dagegen offensichtlich kein schutzwürdiges Interesse an einer solchen
Feststellungsverfügung bestehen. Der massgebende tatsächliche medizinische
Pflegeaufwand kann nämlich für die Vergangenheit mit dem erforderlichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermittelt werden, was zum Erlass einer
rechtsgestaltenden Verfügung zwingt. Vor diesem Hintergrund muss die Verfügung
vom 31. Oktober 2016 bereits deshalb als rechtswidrig qualifiziert werden, weil sie nur
eine Feststellung enthält, an der kein schutzwürdiges Interesse mehr bestanden haben
kann, respektive weil sie rechtswidrigerweise keinen rechtsgestaltenden Entscheid
bezüglich des medizinischen Pflegeaufwandes im Zeitraum von März 2015 bis März
2016 enthält.
2.2 Das formell korrekte Vorgehen in dieser Situation bestünde in der Aufhebung der
Verfügung vom 31. Oktober 2016, verbunden mit einer Rückweisung der Sache zur
weiteren Abklärung und zum anschliessenden Erlass einer rechtsgestaltenden
Verfügung an die Beschwerdegegnerin. Angesichts der besonderen Umstände des
vorliegenden Einzelfalls rechtfertigt es sich aber aus verfahrensökonomischen
Gründen, stattdessen den Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens auszudehnen
und die Verfügung vom 31. Oktober 2016 direkt durch einen rechtsgestaltenden
gerichtlichen Entscheid zu ersetzen. Bei der Aktenwürdigung zeigt sich nämlich, dass
die für einen rechtsgestaltenden Entscheid relevanten Tatsachen mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen und dass
darüber hinaus die Höhe des medizinischen Pflegeaufwandes zwischen den Parteien
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unstrittig ist: Die Beschwerdeführerin hat gestützt auf die verbindliche Mitteilung vom
19. Dezember 2013 im hier massgebenden Zeitraum einen Anspruch auf die zur
Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 390 Anh. GgV notwendigen medizinischen
Massnahmen gehabt. Die im April 2015 durchgeführte Operation hat gemäss den
überzeugenden Ausführungen der RAD-Ärztin Dr. B._ der Behandlung dieses
Geburtsgebrechens gedient. Folglich haben auch die postoperativen medizinischen
Massnahmen zur Behandlung dieses Geburtsgebrechens gehört. Gemäss der
ärztlichen Verordnung für Spitex-Leistungen vom 24. Februar 2016 hat die
Beschwerdeführerin ab dem Spitalaustritt am 24. März 2015 eine medizinische Pflege
von sieben Stunden pro Woche für die Untersuchung und die Behandlung (Beurteilung
des Allgemeinzustandes und Verabreichung von Medikamenten), von zwölf Stunden
pro Woche für die Grundpflege und von 5,5 Stunden pro Monat für die Abklärung und
die Beratung benötigt. Gemäss dem Pflegenachweis (act. G 1.4) haben die Beurteilung
des Allgemeinzustandes zwei, das Richten der Medikamente vier, das Verabreichen
der Medikamente drei und die Bestimmung des Pflegebedarfs zwei Minuten pro Tag in
Anspruch genommen, was einem täglichen Aufwand von neun Minuten pro Tag für die
Behandlungspflege und zwei Minuten pro Tag für die Abklärung und die Beratung
entsprochen hat. Für die – nicht vom Art. 14 Abs. 1 lit. a IVG erfasste – Grundpflege ist
ein Aufwand von 109 Minuten pro Tag angefallen. Ein dem gesamten Pflegeaufwand
entsprechender Einsatz hat folglich jeweils zwei Stunden (= 109 + 9 + 2 Minuten)
gedauert. Aus den Monatsrapporten (act. G 1.5) ergibt sich, dass die Einsätze
tatsächlich mehrheitlich – abgesehen von einigen neun Stunden dauernden
Nachteinsätzen – 1,5–2,5 Stunden und damit im Schnitt wohl rund zwei Stunden
gedauert haben. Das rechtfertigt es, pro Einsatz einen vom Art. 14 Abs. 1 lit. a IVG
erfassten Aufwand von neun beziehungsweise – „für die Rechnungsstellung
gerundet“ (vgl. Art. 7a Abs. 2 KLV) – 15 Minuten zu berücksichtigen. Dieser Aufwand ist
zwischen den Parteien unbestritten. Laut den Monatsrapporten haben im
massgebenden Zeitraum 110 Einsätze stattgefunden, wobei die zusätzlichen neun
„Einsätze“ für die Beratung nicht dazuzuzählen sind, weil dieser Aufwand bereits in den
zu berücksichtigenden 15 Minuten pro Einsatz enthalten ist. Der im hier massgebenden
Zeitraum angefallene Zeitaufwand beläuft sich somit auf total 1’650 Minuten. Die
Beschwerdeführerin hat folglich einen Anspruch auf die Vergütung der Kosten für eine
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medizinische Pflege im Zeitraum von März 2015 bis März 2016 im Umfang von 1’650
Minuten.
3.
In aller Regel lautet das Dispositiv einer rechtsgestaltenden Verfügung auf einen
bestimmten Frankenbetrag. Deshalb läge es hier auf den ersten Blick nahe, den oben
ermittelten Anspruch mittels eines Stundenansatzes auf eine Geldsumme umzurechnen
und das Dispositiv entsprechend zu formulieren. Bei genauer Betrachtung würde es
sich dabei aber um mehr als um eine blosse mathematische Operation handeln. Bei
der medizinischen Pflege handelt es sich nämlich um eine Sachleistung. Die
Beschwerdeführerin hat also nicht etwa einen Anspruch auf einen bestimmten
Geldbetrag, sondern vielmehr einen Anspruch auf eine Dienstleistung auf Kosten der
Invalidenversicherung. Ihrem Leistungsbegehren ist vollständig Rechnung getragen,
wenn definiert wird, welche Dienstleistung sie in welchem Umfang (und zu welchen
Bedingungen) in Anspruch nehmen kann. Die kostenpflichtige Invalidenversicherung
hat anschliessend die Aufgabe, diese Dienstleistung bei einem geeigneten
Leistungserbringer „einzukaufen“. Dafür muss sie mit einem Leistungserbringer in ein
vertragsrechtliches Verhältnis treten. Dieses ist rein privatrechtlicher Natur, denn
gegenüber einem Leistungserbringer handelt die Invalidenversicherung nicht hoheitlich,
weshalb sie auch die essentialia negotii nicht einseitig festlegen kann. Für die
versicherte Person ist es irrelevant, zu welchem Preis die Invalidenversicherung die
geschuldete Dienstleistung einkauft. Der Tarif für eine medizinische Pflege gehört
folglich weder zum Rechtsverhältnis zwischen der versicherten Person und der
Invalidenversicherung noch überhaupt zum öffentlichen Recht. Dementsprechend kann
das Versicherungsgericht den im Einzelfall zur Anwendung gelangenden Tarif nicht
überprüfen. Es ist allein die Sache der Beschwerdegegnerin und des Schweizerischen
Kinderspitex Vereins, sich auf einen Tarif zu einigen (vgl. dazu auch den Entscheid des
St. Galler Versicherungsgerichtes IVSCH 2013/2 vom 18. August 2016, den Entscheid
des Zürcher Sozialversicherungsgerichtes SR.2013.00005 vom 17. Dezember 2014
und das Urteil des Bundesgerichtes 8C_62/2015 vom 26. August 2015, je mit
zahlreichen Hinweisen). Aus diesem Grund darf das Versicherungsgericht die oben
erwähnte „Umrechnung“ des in Zeiteinheiten festgesetzten Aufwandes in einen
Geldbetrag nicht vornehmen. Eine solche „Umrechnung“ ist denn auch gar nicht
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erforderlich, denn das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin zielt offenkundig
nicht auf eine Geld-, sondern auf eine Sachleistung ab. Anders als eine Geldleistung
muss eine Sachleistung nicht zwingend mit einem auf einen Frankenbetrag lautenden
Dispositiv zugesprochen werden, denn idealtypisch wird einem entsprechenden
Leistungsbegehren mit der Abgabe der anbegehrten Sachleistung – und eben nicht mit
der Vergütung der Kosten für die Anschaffung jener Sachleistung – entsprochen. Der
Preis, den die Invalidenversicherung für die Beschaffung der Sachleistung bezahlen
muss, ist für die versicherte Person irrelevant. Diesbezüglich kann folglich auch nicht
auf die Beschwerde eingetreten werden.
4.
Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung vom 31. Oktober 2016 durch die
Zusprache einer Sachleistung in der Form einer medizinischen Pflege im Umfang von
1’650 Minuten für die Zeit von März 2015 bis und mit März 2016 zu ersetzen. Bei
diesem Ausgang und unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die Beschwerde
sich ursprünglich gegen eine leistungsverweigernde Verfügung gerichtet hat,
rechtfertigt es sich, die Gerichtskosten von 600 Franken der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von
600 Franken zurückerstattet. Die Beschwerdeführerin ist weder durch eine im
kantonalen Anwaltsregister eingetragene Anwältin noch durch eine Vertreterin einer
Selbsthilfe- oder gemeinnützigen Organisation vertreten worden. Das schliesst die
Zusprache einer Parteientschädigung aus.