Decision ID: c3a49ae4-7161-42fd-a563-5ee2ada80b02
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Die EL-Durchführungsstelle sprach A._ mit einer Verfügung vom 12. April 2006
mit Wirkung ab dem 1. April 2006 eine Ergänzungsleistung zu einer Rente der Alters-
und Hinterlassenenversicherung zu. Am 23. April 2014 meldete sie der AHV/IV-
Zweigstelle ihrer Wohngemeinde (EL-act. 40), sie habe am 9. April 2014 auf ein
lebenslängliches Wohnrecht verzichtet und dafür eine einmalige Entschädigung von
50’000 Franken erhalten. Am 15. Mai 2014 forderte die EL-Durchführungsstelle sie auf,
verschiedene Fragen zu diesem der EL-Durchführungsstelle bis zu diesem Zeitpunkt
nicht bekannten Wohnrecht zu beantworten (EL-act. 39). Die EL-Bezügerin teilte Ende
Mai 2014 mit (EL-act. 38), es habe sich um ein unentgeltliches Wohnrecht an zwei
Zimmern und einem Bad (ohne Küche) in einem Einfamilienhaus gehandelt. Aus
Platzgründen und aufgrund von Unstimmigkeiten mit den Hauseigentümern sei das
Wohnrecht nie in Anspruch genommen worden. Die Küche mit verstrittenen Parteien zu
teilen, sei unzumutbar. Der Antwort lag unter anderem eine Bewertung des Wohnrechts
durch einen Immobilienschätzer bei, laut der sich der Barwert auf 55’100 Franken
respektive auf 56’800 Franken (bei Anwendung eines abstrakten
Kapitalisierungszinsfusses von 3,5 Prozent statt des objektbezogenen Zinsfusses von
3,95 Prozent) belaufen hatte. Dieser Bewertung lag ein massgebender jährlicher
Nettomietzins von 5’064 Franken pro Jahr (nach Abzug der anteiligen
Bewirtschaftungskosten) zugrunde. Am 22. Juli 2014 erkundigte sich die EL-
Durchführungsstelle bei der EL-Bezügerin nach dem Grund für die Differenz zwischen
dem Wert des Wohnrechts von 56’800 Franken und der Entschädigung von 50’000
Franken (EL-act. 37). Diese antwortete Ende Juli 2014 (EL-act. 33), die
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Hauseigentümerin habe Druck auf sie ausgeübt, indem sie einen Anwalt mit einer
ominösen Forderung auf sie gehetzt habe. In der Folge hätten sich die Parteien auf eine
Barauszahlung von 50’000 Franken und auf einen Verzicht auf die anwaltlich geltend
gemachte Forderung geeinigt. Der Antwort lag ein Schreiben eines Rechtsanwaltes
vom 14. Februar 2014 bei, mit dem dieser im Auftrag der Hauseigentümerin von der
EL-Bezügerin die Nachzahlung der Verbrauchskosten für die letzten zehn Jahre im
Gesamtbetrag von 18’200 Franken sowie für die Zukunft eine jährliche Zahlung von
1’820 Franken für die Verbrauchskosten gefordert hatte.
A.b Mit einer Verfügung vom 18. September 2014 setzte die EL-Durchführungsstelle
die Ergänzungsleistung rückwirkend ab Oktober 2009 neu fest (EL-act. 31). Sie führte
aus, sie habe die Differenz zwischen dem kapitalisierten Wert des Wohnrechts von
56’800 Franken und der Barauszahlung von 50’000 Franken rückwirkend ab April 2014
als einen Vermögensverzicht angerechnet. Für die Zeit von Oktober 2009 bis April 2014
habe sie die Einnahmen aus dem Wohnrecht von 5’064 Franken angerechnet. Die
Gegenleistung für die Löschung des Wohnrechts habe sie für den Monat April 2014
beim Vermögen angerechnet, indem sie diese zum Vermögensstand Ende März 2014
addiert habe. Ab Mai 2014 habe sie den Vermögensstand Ende April 2014 und den
Vermögensverzicht von 6’800 Franken als Vermögen berücksichtigt. Die
Neuberechnung habe für die Zeit vom 1. Oktober 2009 bis zum 30. September 2014
einen um insgesamt 23’417 Franken tieferen Ergänzungsleistungsanspruch ergeben.
Diesen Betrag habe die EL-Bezügerin zurückzuerstatten. Ab Oktober 2014 betrage der
Ergänzungsleistungsanspruch (ohne die direkt der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung ausbezahlte Prämienpauschale) 633 Franken pro Monat.
A.c Am 24. September 2014 ging der EL-Durchführungsstelle eine Einsprache gegen
die Verfügung vom 18. September 2014 zu (EL-act. 19). Die EL-Bezügerin hatte geltend
gemacht, sie habe das Wohnrecht aus Platzgründen nie ausüben können, weshalb kein
„Verzicht im Betrag von 5’014 Franken“ angerechnet werden dürfe. Zudem habe sie ja
bereits dargelegt, wie der Betrag der Entschädigung zustande gekommen sei. Sie habe
nicht auf 6’800 Franken verzichtet. Die Barauszahlung von 50’000 Franken sei
umgehend gemeldet worden. Sie wäre damit einverstanden, wenn dieser Betrag ab
dem 1. März 2014 bei der Berechnung des Ergänzungsleistungsanspruchs
berücksichtigt würde. Am 4. Oktober 2014 wies sie ergänzend darauf hin (EL-act. 18),
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dass ein nicht bezahlter oder nicht geforderter Mietzins gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht in die Berechnung des Existenzminimums
miteinbezogen werden dürfe. Dies ergebe sich aus den BGE 121 III „Zoff“ und 112 II 22
ff. Dem Schreiben lag ein Auszug aus dem BGE 99 V 110 bei, laut dem ein aus
gesundheitlichen Gründen nicht mehr nutzbares Wohnrecht bei der Berechnung der
Ergänzungsleistung nicht als Einnahme angerechnet werden dürfe (EL-act. 17). Am 30.
Oktober 2014 forderte die EL-Durchführungsstelle die EL-Bezügerin auf anzugeben
(EL-act. 14), wer ihr im Jahr 1980 das lebenslängliche Wohnrecht eingeräumt habe, ob
sie je in jenem Haus gewohnt habe und, falls ja, wann sie ausgezogen sei, wer bis zum
Verkauf in der Liegenschaft gewohnt habe und ob es sich dabei um Verwandte der EL-
Bezügerin gehandelt habe. Die EL-Bezügerin antwortete am 16. November 2014 (EL-
act. 13), das Wohnrecht sei im Testament ihres am 13. Juli 1995 verstorbenen
Ehemannes eingeräumt worden. Sie habe nie in diesem Haus gewohnt. Die
Liegenschaft sei vom Sohn ihres Ehemannes bewohnt worden. Nach dessen Tod
hätten dessen Frau und Kinder das Haus bewohnt. Die Schwiegertochter sei keine
Verwandte. Mit einem Entscheid vom 16. Januar 2015 wies die EL-Durchführungsstelle
die Einsprache ab. Zur Begründung führte sie aus, das Wohnrecht sei unabhängig von
der Ausübung als Vermögensertrag zu qualifizieren. Der Hinweis auf den BGE 99 V 110
helfe der EL-Bezügerin nicht weiter, da jener Entscheid den Fall einer Person betroffen
habe, die das Wohnrecht aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr habe ausüben
können. Unrechtmässig bezogene Ergänzungsleistungen seien zurückzufordern. Dabei
sei die fünfjährige Verwirkungsfrist zu beachten. Vorliegend sei insofern rechtmässig
vorgegangen worden. Die Erfüllung der Melde- und Kontrollpflicht sei diesbezüglich
irrelevant. Die EL-Bezügerin werde aber ein Erlassgesuch stellen können, in dem zu
prüfen sein werde, ob sie ihre Melde- und Kontrollpflicht erfüllt habe. Bereits jetzt
könne aber festgehalten werden, dass ein Erlassgesuch wohl kaum Aussichten auf
Erfolg haben werde.
B.
B.a Am 26. Januar 2015 erhob die EL-Bezügerin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 16. Januar
2015 (act. G 1). Sie führte aus, sie sei mit der Beurteilung des Wohnrechts nicht
einverstanden und ersuche um eine Prüfung der Zumutbarkeit durch das Gericht. Am
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27. März 2015 liess die nun anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin ergänzend
ausführen (act. G 3), sie habe ihr Wohnrecht nie ausgeübt und auch gar nicht gewusst,
dass sie ein solches besitze. Ihr Ehemann habe ihr nämlich nichts davon gesagt,
nachdem er das Haus seinem Sohn (ihrem Stiefsohn) verkauft gehabt habe. Auch im
Testament vom 30. August 1993 sei das Wohnrecht nicht erwähnt gewesen. Erst Ende
2013, Anfang 2014 habe die Beschwerdeführerin vom Wohnrecht erfahren. Ihr
Stiefsohn sei überraschend verstorben und die Schwiegertochter habe in der Folge das
Haus verkaufen wollen, wofür sie das Wohnrecht habe löschen lassen wollen. Sie habe
der Beschwerdeführerin zunächst eine Entschädigung von 36’780 Franken angeboten.
Nach diversen Verhandlungen hätten sich die Parteien auf eine Entschädigung von
50’000 Franken geeinigt. Darin könne kein Verzicht erblickt werden. Die
Beschwerdeführerin hätte das Wohnrecht nie ausüben können, weil dieses Räume im
Untergeschoss betroffen habe und weil die Beschwerdeführerin gemäss einem
ärztlichen Zeugnis aufgrund von Kniebeschwerden keine Treppen mehr überwinden
könne.
B.b Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte

am 20. April 2015 unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen
Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 6).
B.c Am 1. Juni 2016 wies das Gericht die Beschwerdeführerin darauf hin (act. G 10),
dass die allfällige Anrechnung des Wohnrechtes nicht zu einer Erhöhung der
anrechenbaren Einnahmen, sondern vielmehr zur Senkung der anerkannten Ausgaben
führen müsste. Im Ergebnis würde die Beschwerdeführerin dadurch schlechter gestellt,
weshalb ihr die Gelegenheit zur Stellungnahme oder zum Rückzug der Beschwerde
gegeben werde. Am 9. Juni 2016 liess die Beschwerdeführerin antworten (act. G 11),
die Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV sehe eindeutig die
Anrechnung des Eigenmietwertes eines Wohnrechtes und nicht eine Berücksichtigung
auf der Ausgabenseite vor. Die Ansicht des Gerichtes überzeuge folglich nicht, da sie
der Wegleitung widerspreche. Die Beschwerdeführerin habe zudem nachgewiesen,
dass ihr die Ausübung des Wohnrechtes gar nicht zumutbar gewesen sei. Ein Rückzug
der Beschwerde komme deshalb nicht in Frage.
Erwägungen
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1.
Die Beschwerdegegnerin hat es einmal mehr versäumt, sich zur Korrektur ihrer formell
rechtskräftigen Verfügungen zu äussern, die zur angefochtenen Rückforderung (und
Neufestsetzung der Ergänzungsleistung für die Zukunft) geführt hat. Da ein lange vor
der erstmaligen Zusprache einer Ergänzungsleistung eingeräumtes Wohnrecht den
Grund für die nachträgliche Korrektur der bereits formell rechtskräftigen
Leistungsverfügungen gebildet hat und da folglich bereits die erste Verfügung vom 12.
April 2006, mit der der Beschwerdeführerin ab dem 1. April 2006 eine
Ergänzungsleistung zugesprochen worden ist, wegen des Fehlens des Wohnrechtes in
der Anspruchsberechnung unrichtig gewesen ist, kann es sich bei der Korrektur, die
zur nun angefochtenen Rückforderung geführt hat, nicht um eine (rückwirkende)
Revision im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG per 1. Oktober 2009 gehandelt haben. Als
Korrekturinstrument kommt aber auch keine so genannt prozessuale Revision der
erstmaligen Leistungszusprache vom 12. April 2006 (Art. 53 Abs. 1 ATSG) in Frage,
denn obwohl im Wohnrecht eine neue Tatsache im Sinne des Art. 53 Abs. 1 ATSG
erblickt werden könnte, ist ausschlaggebend, dass das Wohnrecht ohne weiteres
bereits bei der ursprünglichen Leistungszusprache hätte berücksichtigt werden
können, wenn die Beschwerdeführerin ihre Auskunftspflicht vollumfänglich erfüllt hätte.
Die Existenz des Wohnrechtes ist also keine im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG
qualifiziert neue Tatsache gewesen. Bei der Korrektur der formell rechtskräftigen
Verfügungen kann es sich demnach nur um eine Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2
ATSG) gehandelt haben. Da die Wiedererwägung nur die vollständige Beseitigung
eines qualifizierten Fehlers bezwecken kann, muss ihr Wirkungszeitpunkt dem
Wirkungszeitpunkt der Verfügung vom 12. April 2006 entsprechen. Jeder andere
Wirkungszeitpunkt würde dazu führen, dass der qualifizierte Fehler nicht vollständig
behoben würde, womit die Wiedererwägung ihren Zweck verfehlen würde und womit
ein gesetzwidriger und die Gleichbehandlungspflicht verletzender Zustand bewusst
beibehalten würde. Der von der Beschwerdegegnerin gewählte Wirkungszeitpunkt, der
1. Oktober 2009, kann folglich nicht korrekt sein, denn der Fehler ist bereits bei der am
12. April 2006 erfolgten ursprünglichen Leistungszusprache begangen worden. Der
korrekte Wirkungszeitpunkt kann nur der 1. April 2006 sein. Die Beschwerdegegnerin
hat sich bei der Festlegung des Wirkungszeitpunktes der Wiedererwägung offenbar
von der absoluten fünfjährigen Verwirkungsfrist der aus der Wiedererwägung
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resultierenden Rückforderung beeinflussen lassen (1. Oktober 2009 – 30. September
2014; vgl. Art. 25 Abs. 2 ATSG). Bei der Wiedererwägung darf aber nicht bereits auf die
Rückforderung „geschielt“ werden. Das verfahrensrechtlich korrekte Vorgehen besteht
darin, die Wiedererwägung in einem ersten Schritt korrekt – das heisst ex tunc –
durchzuführen und anschliessend in einem zweiten Schritt jene infolge der
Wiedererwägung unrechtmässig gewordenen Leistungen zurückzufordern, die noch
nicht verwirkt sind. Das insofern verfahrensrechtlich falsche Vorgehen der
Beschwerdegegnerin wirkt sich allerdings nicht auf das Ergebnis aus, da die Korrektur
des Wirkungszeitpunktes der Wiedererwägung in Bezug auf die Höhe der
Rückforderung irrelevant ist. Den Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens bilden
jedenfalls die Wiedererwägung der ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung
vom 12. April 2006 und die daraus resultierende Rückforderung der ab dem 1. Oktober
2009 zu Unrecht ausgerichteten Ergänzungsleistungen. Auf die Ausführungen der
Beschwerdegegnerin zu einem allfälligen Erlass, bei denen es sich nur um ein obiter
dictum handeln kann, ist nicht einzugehen.
2.
2.1 Praxisgemäss wird ein nicht ausgeübtes unentgeltliches Wohnrecht als eine
Einnahme behandelt, indem der Eigenmietwert des Wohnrechtes als Ertrag aus
unbeweglichem Vermögen bei der Anspruchsberechnung berücksichtigt wird. Diese
Praxis dürfte das Ergebnis einer unreflektierten Übernahme der steuerrechtlichen
Vorschriften zur Behandlung von unentgeltlichen Wohnrechten sein. Im Bereich der
direkten Steuern muss einerseits dem Umstand Rechnung getragen werden, dass ein
unentgeltliches Wohnrecht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen
Person erhöht, weil diese keine Wohnkosten bezahlen muss. Andererseits orientiert
sich die Berechnung der direkten Steuer nur an den Einnahmen; die Ausgaben werden
grundsätzlich nicht berücksichtigt. Die Berücksichtigung eines unentgeltlichen
Wohnrechtes ist im Steuerrecht deshalb nur indirekt möglich, nämlich indem die
eingesparten Kosten für das Wohnen als fiktive Einnahmen zum Steuersubstrat addiert
werden. Nur so ist es steuerrechtlich möglich, eine steuerpflichtige Person, die von
einem unentgeltlichen Wohnrecht profitiert, hinsichtlich der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit jenen steuerpflichtigen Personen gleich zu stellen, die die Kosten für
das Wohnen selbst tragen müssen. Da für die Berechnung der Ergänzungsleistung
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nicht nur die Einnahmen, sondern auch die Ausgaben zu berücksichtigen sind, besteht
kein Grund dafür, den steuerrechtlichen Umweg zu beschreiten und ein Wohnrecht als
fiktive Einnahme zu berücksichtigen. Im Ergänzungsleistungsrecht kann ein
unentgeltliches Wohnrecht direkt so berücksichtigt werden, wie es sich tatsächlich auf
die finanzielle Situation des EL-Bezügers auswirkt, nämlich als ausgabensenkendes
Recht. Faktisch hat die Einräumung eines unentgeltlichen Wohnrechtes nämlich nicht
zur Folge, dass dem Berechtigten zusätzliche Einnahmen zufliessen, die er zur
Deckung seines Lebensbedarfs verwenden kann. Vielmehr reduzieren sich die
Ausgaben des Berechtigten, weil er kostenfrei wohnen kann. Ein unentgeltliches
Wohnrecht wirkt sich also nicht einnahmensteigernd, sondern ausgabensenkend aus.
Die Erzielung von Einnahmen aus einem unentgeltlichen Wohnrecht ist
ausgeschlossen, denn ein unentgeltliches Wohnrecht darf nicht vermietet werden (BSK
ZGB II-MICHEL MOOSER, 5. Aufl. 2015, Art. 776 N 6, mit zahlreichen Hinweisen).
Selbstverständlich kann ein EL-Bezüger, der ein unentgeltliches Wohnrecht nicht
ausübt, auch nicht verpflichtet werden, den Hauseigentümer mit der Drohung zu
erpressen, er werde das Wohnrecht ausüben (und den Hauseigentümer nötigenfalls
terrorisieren), wenn ihm dieser nicht regelmässig eine Abfindung in der Höhe des
Wertes des Wohnrechtes ausrichte. Wenn es aber nicht möglich ist, ein unentgeltliches
Wohnrecht zu einer Einnahmenquelle zu machen, ist es gesetzwidrig, eine
entsprechende fiktive Einnahme anzurechnen (vgl. zum Ganzen auch die – vom
Bundesgericht aufgehobenen – Entscheide EL 2013/23 und EL 2013/14 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 1. Juli 2014 bzw. vom 28. April 2015, welche sich zur
vergleichbaren gesetzwidrigen Praxis beim Eigenmietwert äussern). Diesbezüglich
erweist sich deshalb auch die Wegleitung zu den Ergänzungsleistungen zur AHV/IV als
rechtswidrig. Die einzig richtige Vorgehensweise zur Berücksichtigung eines
unentgeltlichen Wohnrechtes bei der EL-Anspruchsberechnung besteht demnach
darin, die damit einhergehende Möglichkeit einer Reduktion der anerkannten Ausgaben
zu berücksichtigen. Da der Berechtigte gemäss dem Art. 778 ZGB die gewöhnlichen
Unterhaltskosten zu tragen hat (vgl. auch BSK ZGB II-MOOSER, a.a.O., Art. 778 N 1
ff.), beschränken sich seine Ausgaben für das Wohnen folglich auf die
Nebenkostenpauschale des Art. 16a ELV, die sich pauschal auf 1’680 Franken pro Jahr
beläuft. Wird ein unentgeltliches Wohnrecht nicht ausgeübt, so ist in Anwendung des
Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG also nicht zu prüfen, ob der EL-Bezüger auf die Erzielung einer
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Einnahme verzichtet, sondern ob ein Verzicht in der Form überhöhter beziehungsweise
vollumfänglich unnötiger, grundsätzlich aber abzugsfähiger Mietausgaben vorliegt.
2.2 Vorliegend ist also die Frage zu beantworten, ob Gründe vorliegen, die es
rechtfertigen, die Kosten der Mietwohnung der Beschwerdeführerin der Allgemeinheit
(die die Ergänzungsleistungen mittels Steuern finanziert) aufzuerlegen, obwohl die
Beschwerdeführerin kostenlos wohnen könnte. Die Beschwerdeführerin hat zunächst
geltend gemacht, sie habe ihr Wohnrecht nicht ausüben können, weil es unmöglich sei,
die Küche mit Parteien zu teilen, mit denen man zerstritten sei. Ausserdem hätte sie
nicht über genügend Platz verfügt, wenn sie ihr Wohnrecht ausgeübt hätte. Erst
nachdem die Beschwerdegegnerin darauf hingewiesen hatte, dass die Ausübung eines
Wohnrechts wohl nur dann als unzumutbar qualifiziert werden könnte, wenn
gesundheitliche Gründe dies verunmöglichten, hat die Beschwerdeführerin geltend
gemacht, sie sei auch gesundheitlich nicht in der Lage gewesen, das Wohnrecht
auszuüben. Als Beleg hat sie ein Attest ihres Hausarztes eingereicht, laut dem ihr die
Überwindung von Treppen (und damit die Nutzung der Räume im Untergeschoss des
Einfamilienhauses) aufgrund von Kniebeschwerden nicht zumutbar gewesen sei. Das
Argument betreffend die Platzverhältnisse ist nicht stichhaltig, denn die Bewohnung
eines „nur“ zwei Zimmer und ein Bad umfassenden Hausteils durch eine alleinstehende
Person kann nicht als unzumutbar qualifiziert werden. Zwar ist grundsätzlich
verständlich, dass die Beschwerdeführerin über mehr Platz verfügen wollte, doch
rechtfertigt es dieser Wunsch allein nicht, die Kosten der Mietwohnung der
Allgemeinheit aufzuerlegen. Das gilt auch in Bezug auf den angeblichen Streit mit den
Eigentümern des Hauses. Mit beidseitigem Entgegenkommen und geeigneten
Arrangements muss es zumutbar gewesen sein, die Küche gemeinsam zu benutzen,
zumal die Briefe der Hauseigentümerin belegen, dass diese durchaus
kompromissbereit gewesen ist. Jedenfalls rechtfertigt es auch die zwangsweise
Mitbenutzung der Küche nicht, die Kosten der Mietwohnung der Allgemeinheit
aufzuerlegen. Bezüglich der angeblichen Unfähigkeit, Treppen zu überwinden, ist
festzuhalten, dass die entsprechenden Angaben der Beschwerdeführerin nicht
überzeugend sind. Wäre sie tatsächlich nicht in der Lage gewesen, Treppen zu steigen,
hätte sie schon bei der ersten Rückfrage der Beschwerdegegnerin darauf hingewiesen,
denn hätte es sich so verhalten, wäre dies der augenscheinlichste Grund für die
Nichtausübung des Wohnrechtes betreffend die Räume im Untergeschoss des Hauses
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gewesen. Das im Beschwerdeverfahren eingereichte Attest des Hausarztes enthält
zwar keine Ausführungen zum genauen Zeitpunkt des Eintrittes der angeblichen
Unfähigkeit, Treppen zu überwinden („... seit mindestens 2003 ...“) und auch keine
Diagnose und Befunde. Der Hausarzt hat nur auf eine unspezifische „chronische und
schmerzhafte Bewegungseinschränkung beider Knie“ hingewiesen. Deshalb ist zwar
möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich, dass es der Beschwerdeführerin
gesundheitlich nicht zumutbar gewesen ist, ihr Wohnrecht auszuüben. Diesbezüglich
erweist sich der Sachverhalt folglich als ungenügend abgeklärt, weshalb der
angefochtene Einspracheentscheid in Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43
Abs. 1 ATSG) ergangen ist und als rechtswidrig aufgehoben werden muss. Die Sache
ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, die abzuklären haben wird, ob die
Beschwerdeführerin im massgebenden Zeitraum tatsächlich aufgrund ihrer
Kniebeschwerden überhaupt nicht hat Treppen steigen können. Zur Beantwortung
dieser medizinischen Frage wird die Beschwerdegegnerin dem Mediziner anzugeben
haben, welche Treppen die Beschwerdeführerin überwinden müsste, wenn sie ihr
Wohnrecht ausüben würde. Der Vollständigkeit halber wird die Beschwerdegegnerin
auch in Erfahrung zu bringen haben, ob die Beschwerdeführerin zur Benutzung ihrer
Mietwohnung Treppen überwinden muss.
2.3 Sollten die Abklärungen ergeben, dass die Beschwerdeführerin ihr Wohnrecht
zumutbarerweise hätte ausüben können und dass folglich ein Verzicht im Sinne des
Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG in der Form von überhöhten Wohnkosten vorliegt, erwiese sich
die leistungszusprechende Verfügung vom 12. April 2006 als zweifellos unrichtig,
weshalb sie wiedererwägungsweise zu korrigieren wäre. Der
Ergänzungsleistungsanspruch müsste dann rückwirkend per 1. April 2006 unter
Berücksichtigung von Wohnkosten im Umfang der Nebenkostenpauschale (1’680
Franken) neu berechnet werden. Anschliessend müssten die im Zeitraum vom 1.
Oktober 2009 bis zum 30. September 2014 zu viel bezogenen Ergänzungsleistungen
zurückgefordert werden. Rechtsprechungsgemäss bleibt der durch die Verfügung vom
18. September 2014 bewirkte Verwirkungsstopp nämlich trotz der Aufhebung der
Verfügung und des Einspracheentscheides gewahrt.
2.4 In der Differenz zwischen dem Kapitalwert des Wohnrechtes von 55’100 Franken
(der überwiegend wahrscheinlich zutreffender als der von der Beschwerdegegnerin
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berücksichtigte Betrag von 56’800 Franken ist, wie sich dem Bericht zur Bewertung
des Wohnrechts entnehmen lässt) und dem effektiven Verkaufspreis des Wohnrechtes
von 50’000 Franken kann entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin kein Verzicht
im Sinne des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG erblickt werden. Der Verkaufspreis liegt im
Rahmen des im Geschäftsverkehr üblichen Ermessens. Möglicherweise hätte die
Beschwerdeführerin die Hauseigentümerin gerichtlich verpflichten können, einen leicht
höheren Verkaufspreis zu bezahlen. Dafür hätte sie aber ein langwieriges Verfahren mit
unsicherem Ausgang und einem hohen Kostenrisiko anstrengen müssen. Dass sie
davon abgesehen hat, war also vernünftig, kann also nicht als Verzicht im Sinne des
Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG qualifiziert werden. Diesbezüglich ist bei der Neuberechnung
des Ergänzungsleistungsanspruchs folglich kein Vermögensverzicht zu
berücksichtigen.
3.
Rechtsprechungsgemäss gilt die Rückweisung zur weiteren Abklärung hinsichtlich der
Kosten- und Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen der Beschwerde
führenden Partei. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin deshalb eine
Parteientschädigung auszurichten. Der Aktenumfang ist bescheiden, der
entsprechende Aufwand des Rechtsvertreters also gering gewesen. Zudem ist nur ein
Schriftenwechsel durchgeführt worden, wobei der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin nur eine Beschwerdeergänzung verfasst hat. Allerdings hat er sich
mit der vom Gericht angedrohten reformatio in peius auseinander setzen müssen.
Insgesamt ist deshalb von einem leicht unterdurchschnittlichen Vertretungsaufwand
auszugehen, weshalb die Parteientschädigung praxisgemäss auf 2’500 Franken
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt wird. Gerichtskosten sind
keine zu erheben.