Decision ID: deae287e-60aa-4386-9a6f-31a664e1d993
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X._, geboren 1942, wurde am 23. April 1991 der Führerausweis der Kategorien B
und BE und der Unterkategorien D1 und D1E sowie am 23. Dezember 2003 ein solcher
der Kategorie A erteilt (act. 6/16/44 f.). Am 12. Mai 2009 und 16. Mai 2012 entzog ihm
das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich wegen mittelschweren Widerhandlungen
gegen die Strassenverkehrsvorschriften (mangelnde Aufmerksamkeit, Nichtanpassen
der Geschwindigkeit an die gegebenen Verhältnisse) den Führerausweis jeweils für
einen Monat (act. 6/16/24-30). Am 22. Juli 2016 entzog ihm das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (nachfolgend: SVSA) wegen einer Kollision mit
einer Fussgängerin auf dem Fussgängerstreifen (schwere Widerhandlung) den
Führerausweis für sechs Monate und am 12. Januar 2017 wegen sichthemmender
Ladung auf der Beifahrerseite (leichte Widerhandlung) für einen Monat (act. 6/16/4-9).
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B. Gemäss Rapport der Kantonspolizei St. Gallen vom 7. Februar 2019 parkierte X._
seinen Personenwagen mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000_ am 15. Januar 2019
auf dem Parkplatz der Liegenschaft Nr. 001_ an der A._-strasse in Q._, welcher eine
seitliche Neigung von 4% und 90° zur Fahrbahn ein Gefälle von 12% aufweist.
Nachdem er das Fahrzeug verlassen hatte, ohne die Handbremse anzuziehen und
mutmasslich ohne die Automatikstellung auf die Position "P" zu stellen, setzte sich sein
Personenwagen selbständig in Bewegung, rollte rückwärts aus dem Parkfeld über die
A._-strasse und kam anschliessend beim Zaun am Strassenrand zum Stillstand
(act. 6/16/14-19). Gestützt auf den Polizeirapport büsste ihn das Untersuchungsamt
Y._ mit Strafbefehl vom 27. Februar 2019 wegen einfacher Verletzung der
Verkehrsregeln mit CHF 300 (act. 6/16/10 f.). Auf eine dagegen von X._ am
2. April 2019 erhobene Einsprache trat der Einzelrichter der ersten Abteilung des
Kreisgerichts Z._ mit Entscheid vom 18. Juni 2019 nicht ein. Mit Verfügung vom
2. Juli 2019 wies das Untersuchungsamt Y._ ein Gesuch von X._ vom 16. April 2019
um Wiederherstellung der Einsprachefrist gegen den Strafbefehl vom 27. Februar 2019
ab (act. 10). Dies Verfügung wurde unangefochten rechtskräftig.
C. Wegen des Vorfalls vom 15. Januar 2019 verbot das SVSA X._ am 28. März 2019
vorsorglich das Führen von Motorfahrzeugen und entzog ihm den Führerausweis
(act. 6/16/20-22). Mit Verfügung vom 17. April 2019 entzog ihm das SVSA den
Führerausweis aller Kategorien für unbestimmte Zeit, mindestens aber für zwei Jahre.
Für die Wiedererteilung des Führerausweises nach Ablauf der Sperrfrist verlangte es
den Nachweis der Fahreignung mittels verkehrspsychologischer Begutachtung
(act. 6/16/46-49). Dagegen rekurrierte X._ am 9./10. Mai 2019 an das SVSA (act. 6/2).
Am 15. Mai 2019 (act. 6/1) überwies das SVSA den Rekurs zuständigkeitshalber an die
Verwaltungsrekurskommission (nachfolgend: VRK). Am 3. Juni 2019 überwies das
Sicherheits- und Justizdepartement ein Gesuch von X._ um unentgeltliche
Rechtspflege vom 27. Mai 2019 zuständigkeitshalber an die VRK (act. 6/7). Mit
Entscheid vom 26. September 2019 wies die VRK den Rekurs ab und entzog einer
allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Der zuständige Abteilungspräsident
der VRK wies das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab, soweit
es nicht gegenstandslos geworden sei (act. 2/1).
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D. Gegen den Entscheid der VRK (Vorinstanz) vom 26. September 2019 (versandt am
1. Oktober 2019) erhob X._ (Beschwerdeführer) durch seine Rechtsvertreterin am
16. Oktober 2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, der
angefochtene Entscheid sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben.
Eventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen. Ihm sei die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren (act. 1). Mit Zwischenverfügung vom
17. Oktober 2019 bewilligte der Abteilungspräsident das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege und bestimmte Rechtsanwältin lic. iur. Caroline B. Ferber, LL.M., zur
unentgeltlichen Rechtsbeiständin (act. 4). Mit Vernehmlassung vom 18. Oktober 2019
schloss die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde (act. 5). Am 28. Oktober 2019
verzichtete das SVSA (Beschwerdegegner) auf eine Vernehmlassung (act. 8.1).

Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (vgl. Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP, und
BGer 1C_346/2009 vom 6. November 2009 E. 4.3 f. mit Hinweisen). Der
Beschwerdeführer ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde wurde rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz den Rekurs gegen den vom Beschwerdegegner
gegenüber dem Beschwerdeführer am 17. April 2019 verfügten Sicherungsentzug auf
unbestimmte Zeit mit einer Sperrfrist von zwei Jahren zu Recht abgewiesen hat.
2.1. Laut Art. 37 Abs. 3 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, SVG) in Verbindung
mit Art. 22 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, VRV) muss der Führer das
Fahrzeug vor dem Verlassen angemessen sichern (vgl. dazu BGE 118 Ib 524 E. 3b und
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BGE 91 IV 207 E. 2 je mit Hinweis[en], BGer 6B_613/2011 vom 25. November 2011
E. 2, in: P. Weissenberger, Tatort Strasse, in: R. Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2012, S. 479 ff., S. 494 f., Urteil des Obergerichts Zürich
SU150078 vom 22. Februar 2016 III. Materielles E. 1 ff. sowie SJZ 61/1965, S. 295 f.,
siehe auch BGer 513/2011 vom 28. November 2011 resp. VerwGE B 2011/115 vom 18.
Oktober 2011, www.gerichte.sg.ch). Gemäss dem rechtskräftigen Strafbefehl des
Untersuchungsamtes Y._ vom 27. Februar 2019 (act. 6/16/10 f.) hat der
Beschwerdeführer am 15. Januar 2019 diese Pflicht verletzt. Der Beschwerdeführer
rügt in dieser Hinsicht (act. 1, S. 2 f. Ziff. IIa), der Sachverhalt sei von der Polizei
ungenügend abgeklärt worden. Die Strafverfolgungsbehörden hätten es unterlassen,
den entlastenden Umständen mit der gleichen Sorgfalt nachzugehen wie den
belastenden. Es seien keine Spuren gesichert und der Diebstahl seines
Navigationsgerätes trotz seines Hinweises nicht weiterverfolgt worden. Er habe sein
Fahrzeug samt Autoschlüssel verlassen. Sein Fahrzeug könne unmöglich von selber
weggerollt sein, da der Autoschlüssel nicht aus der Fassung entfernt werden könne,
wenn der Schalthebel nicht auf Parking (P) gestellt sei.
Die urteilende Behörde, die über einen Führerausweisentzug entscheidet, darf von den
Sachverhaltsfeststellungen eines rechtskräftigen Strafurteils nur abweichen, wenn sie
Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt
waren oder die er nicht beachtet hat, wenn sich die Erhebung zusätzlicher Beweise
aufdrängt, wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter eindeutig im Widerspruch
zur Tatsachenlage steht oder wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere jene nicht,
welche die Verletzung der Verkehrsregeln betreffen (vgl. BGE 139 II 95 E. 3.2, in:
Pra 2013 Nr. 83, und BGE 124 II 103 E. 1c/aa je mit Hinweisen, VerwGE B 2016/248
vom 6. Dezember 2017 E. 2, aufgehoben mit BGer 1C_33/2018 vom 6. Juli 2018, und
VerwGE B 2016/163 vom 18. Oktober 2017 E. 3.2, bestätigt mit BGer 1C_625/2017
vom 24. November 2017, je mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch, sowie
P. Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz,
2. Aufl. 2015, Vorbemerkungen zu Art. 16 ff. Rz. 10).
Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers geht aus dem Rapport der
Kantonspolizei vom 7. Februar 2019 (act. 6/16/14-18) zunächst hervor, dass die Polizei
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seinem am 15. Januar 2019 geäusserten Verdacht, Drittpersonen hätten seinen
Personenwagen "manipuliert", nachgegangen ist. Damit kann nicht gesagt werden,
dieser Verdacht sei dem Strafrichter unbekannt gewesen oder er habe ihn nicht
beachtet. Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer nachträglich am
2. April 2019 präzisierte, anlässlich des Vorfalls vom 15. Januar 2019 sei sein
Navigationsgerät – angeblich von einem Bekannten resp. dessen zwei Kollegen
(act. 6/16/35) – aus seinem nicht abgeschlossenen Auto (siehe zur Pflicht zur Sicherung
des Fahrzeugs gegen Verwendung durch Unbefugte Art. 22 Abs. 1 Satz 2 VRV)
gestohlen worden (act. 6/16/31-34, act. 2/2, Schreiben vom 23. Juli 2019). Weiter sagte
der Beschwerdeführer am 15. Januar 2019 gegenüber der Polizei aus, er sei "ziemlich
sicher" die Automatikstellung auf "P" gestellt zu haben (act. 6/16/15). Damit steht die
Annahme des Strafrichters im Strafbefehl vom 27. Februar 2019 (act. 6/16/10 f.), der
Beschwerdeführer habe die Automatikstellung mutmasslich nicht auf "P" gestellt, nicht
eindeutig im Widerspruch zur Tatsachenlage, wenngleich der Beschwerdeführer nicht
wegen Verlassens des Fahrzeuges, ohne den Zündungsschlüssel wegzunehmen (Art. 1
und Anhang 1 Ziff. 317 der Ordnungsbussenverordnung; SR 741.031, OBV), gebüsst
wurde. Ob der Zündungsschlüssel gemäss dem Beschwerdeführer nur in der
Automatikstellung "P" abgezogen werden konnte, kann im Übrigen dahingestellt
bleiben. Der Beschwerdeführer bestreitet die Sachverhaltsfeststellungen im Strafbefehl
vom 27. Februar 2019 nicht, wonach der Parkplatz auf der Liegenschaft Nr. 001_ an
der A._-strasse in Q._ eine seitliche Neigung von 4% und 90° zur Fahrbahn ein
Gefälle von 12% aufweist. Bei dieser Sachlage wäre er so oder anders verpflichtet
gewesen, das Fahrzeug vor dem Verlassen zusätzlich mittels der Handbremse gegen
das Wegrollen zu sichern (vgl. Art. 22 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 VRV), was er jedoch
unbestrittenermassen unterliess. Unter diesen Umständen besteht kein Anlass, von
den tatsächlichen Feststellungen im Strafbefehl vom 27. Februar 2019 abzuweichen.
Danach hat der Beschwerdeführer am 15. Januar 2019 seinen Personenwagen (erste
Inverkehrsetzung: 1. August 1994) mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000_ auf dem
Parkplatz der Liegenschaft Nr. 001_ an der A._-strasse in Q._, welcher eine seitliche
Neigung von 4% und 90° zur Fahrbahn ein Gefälle von 12% aufweist, parkiert, ohne die
Handbremse anzuziehen und mutmasslich ohne die Automatikstellung auf "P" zu
stellen. Darauf setzte sich sein Personenwagen selbständig in Bewegung, rollte
rückwärts aus dem Parkfeld über die A._-strasse und kam anschliessend beim Zaun
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am Strassenrand zum Stillstand. Die Vorinstanz und der Beschwerdegegner durften
gestützt darauf im Ergebnis davon ausgehen, der Beschwerdeführer habe am
15. Januar 2019 seinen Personenwagen beim Parkieren ungenügend gesichert und
damit gegen Art. 37 Abs. 3 SVG und Art. 22 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 VRV verstossen.
2.2. Nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03, OBG) ausgeschlossen ist,
wird gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG der Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Bei der Festsetzung der Dauer des Entzugs sind gemäss Art. 16
Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen;
die Mindestentzugsdauer darf jedoch, von einer hier nicht interessierenden Ausnahme
abgesehen (Art. 100 Ziff. 4 SVG), nicht unterschritten werden (vgl. BGE 143 II 699
E. 2.3 und BGer 1C_204/2017 vom 18. Juli 2017 E. 2.1 mit Hinweis auf
BGer 1C_424/2012 vom 15. Januar 2013 E. 2.1). Alle Umstände sind dabei gesamthaft
zu würdigen, und es ist im Einzelfall die Entzugsdauer so festzusetzen, dass die mit der
Massnahme beabsichtigte erzieherische und präventive Wirkung am besten erreicht
wird (vgl. BGer 1C_320/2018 vom 14. Januar 2019 E. 3.1 und BGer 1C_312/2018 vom
30. Oktober 2018 E. 4 mit Hinweisen). Das SVG regelt den Entzug des
Führerausweises im sog. Kaskadensystem (vgl. BGer 1C_89/2017 vom
22. Dezember 2017 E. 2.4.2 mit Hinweisen). Es unterscheidet zwischen der leichten,
mittelschweren und schweren Widerhandlung (Art. 16a-c SVG). Gemäss Art. 16a
Abs. 1 SVG begeht eine leichte Widerhandlung unter anderen, wer durch Verletzung
von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn
dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (lit. a). Eine mittelschwere Widerhandlung
begeht unter anderen, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Leichte
und mittelschwere Widerhandlungen werden als einfache Verkehrsregelverletzungen
von Art. 90 Abs. 1 SVG erfasst. Die mittelschwere Widerhandlung gemäss Art. 16b
Abs. 1 lit. a SVG stellt einen Auffangtatbestand dar. Sie liegt vor, wenn nicht alle
privilegierenden Elemente einer leichten Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1
lit. a SVG und nicht alle qualifizierenden Elemente einer schweren Widerhandlung
gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG gegeben sind. Die Annahme einer schweren
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Widerhandlung setzt kumulativ eine qualifizierte objektive Gefährdung und ein
qualifiziertes Verschulden voraus. Ist die Gefährdung gering, aber das Verschulden
hoch, oder umgekehrt die Gefährdung hoch und das Verschulden gering, liegt eine
mittelschwere Widerhandlung vor. Eine Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinne von
Art. 16a-c SVG ist bei einer konkreten oder auch bei einer erhöhten abstrakten
Gefährdung zu bejahen. Eine erhöhte abstrakte Gefahr besteht, wenn in Anbetracht der
jeweiligen Verhältnisse des Einzelfalls die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder
gar Verletzung naheliegt (vgl. BGer 1C_566/2018 vom 14. Mai 2019 E. 2.1,
BGer 1C_634/2017 vom 10. April 2018 E. 5.1, BGer 1C_656/2015 vom 8. April 2016
E. 2.1 f., BGer 1C_20/2013 vom 28. Mai 2013 E. 4.3 f. und BGer 1C_83/2010 vom
12. Juli 2010 E. 4 je mit Hinweisen). Laut Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG wird der
Führerausweis nach einer mittelschweren Widerhandlung auf unbestimmte Zeit,
mindestens aber für zwei Jahre entzogen, wenn in den vorangegangenen zehn Jahren
der Ausweis dreimal wegen mindestens mittelschweren Widerhandlungen entzogen
war, ausser die betroffene Person hat während mindestens fünf Jahren nach Ablauf
eines Ausweisentzugs keine Widerhandlung begangen, für die eine
Administrativmassnahme ausgesprochen wurde. Die zehnjährige Rückfallfrist beginnt
mit dem Ablauf des Ausweisentzugs (vgl. BGer 1C_180/2010 vom 22. September 2010
E. 2.2, allerdings in Bezug auf Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG). Ein auf unbestimmte Zeit
entzogener Ausweis kann unter den Voraussetzungen von Art. 17 Abs. 3 SVG
wiedererteilt werden.
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass es sich vorliegend um einen
mittelschweren Verstoss handelt (vgl. dazu zutreffende E. 5b des angefochtenen
Entscheids, act. 2/1, S. 5 f., siehe dazu auch SOG 2007 Nr. 21). Ebenso ist nicht
umstritten, dass dem Beschwerdeführer der Führerausweis in den letzten zehn Jahren
dreimal wegen zumindest mittelschweren Widerhandlungen entzogen wurde und er
nicht während mindestens fünf Jahren nach Ablauf eines Ausweisentzugs keine
Widerhandlung, für die eine Administrativmassnahme ausgesprochen wurde, begangen
hat. Damit sind die Voraussetzungen von Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG erfüllt. Der
Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt (act. 1, S. 3 f. Ziff. IIb), der
Mindestentzug des Führerausweises für zwei Jahre sei aufgrund des vorliegenden,
nicht vollständig abgeklärten Sachverhalts nicht verhältnismässig. Er sei vor allem im
Winter aus gesundheitlichen Gründen auf den Führerausweis angewiesen. Die ganze
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Familie sei dringend auf den Führerausweis angewiesen, müsse er doch seine Ehefrau
mangels Verbindungen des öffentlichen Verkehrs in der Nacht von deren Arbeitsort
abholen. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Mindestentzugsdauer vorliegend nicht
unterschritten werden darf (Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG). Dessen ungeachtet ist der
Sacherhalt, wie bereits unter Erwägung 2.1 hiervor ausgeführt, von der Vorinstanz nicht
unvollständig festgestellt worden. Sodann hat der Beschwerdeführer in seinem Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege vom 27. Mai 2015 (act. 6/7) sowie in der von ihm
eingereichten Steuererklärung vom 23. Juli 2019 (act. 2/4) angegeben, seine Ehefrau
sei gar nicht erwerbstätig. Seit wann seine Ehefrau indes nun doch, und wo einer Arbeit
nachgeht, hat er demgegenüber weder aufgezeigt, noch nachgewiesen. Im Weiteren ist
der von der Vorinstanz bestätigte Führerausweisentzug geeignet, den
Beschwerdeführer von weiteren Widerhandlungen abzuhalten. Eine mildere
Massnahme, die der Erreichung dieses Ziels dienlich wäre, ist nicht ersichtlich, zumal
die in der Vergangenheit erfolgten Warnungsentzüge den Beschwerdeführer nicht von
weiteren Widerhandlungen abzuhalten vermochten. Obwohl der Führerausweisentzug
den Beschwerdeführer aufgrund seines offenbar schlechten Gesundheitszustands
(act. 1, S. 5 Ziff. IIc/4) schwer trifft, ist er ihm nach der vom Gesetzgeber selber in den
Art. 16 ff. SVG getroffenen Konkretisierung des Verhältnismässigkeitsprinzips
zumutbar. Die Beschwerde ist abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12,
GKV). Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gehen die Kosten vorläufig
zulasten des Staates (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 lit. b der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO).
Der Staat hat die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers zufolge unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung für die ausseramtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens zu
entschädigen (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 122 Ingress und Abs. 1
lit. a ZPO). Die Rechtsvertreterin hat keine Kostennote eingereicht, weshalb die
Entschädigung nach Ermessen festzusetzen ist (Art. 30 Ingress und lit. b Ziff. 2 und
Art. 31 Abs. 1 des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG, Art. 6 und Art. 19 der
Honorarordnung; sGS 963.75, HonO). Eine Entschädigung von CHF 2'500 für das
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Beschwerdeverfahren erscheint angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO). Der Staat hat
somit die Rechtsvertreterin mit 80% (vgl. Art. 31 Abs. 3 AnwG) von CHF 2'500
zuzüglich CHF 100 Barauslagen (vier Prozent von CHF 2‘500, vgl. Art. 28
Abs. 1 HonO) und Mehrwertsteuer von 7,7% (Art. 29 HonO), insgesamt mit
CHF 2'261.70 zu entschädigen. Die Rechtsvertreterin darf von ihrem Mandanten kein
zusätzliches Honorar fordern (Art. 11 HonO). Der Beschwerdeführer wird darauf
hingewiesen, dass er je nach Prozessausgang zur Nachzahlung von Gerichts- und
Anwaltskosten verpflichtet werden kann, wenn sich seine wirtschaftlichen Verhältnisse
entsprechend verbessern (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 123 Abs. 1 ZPO).