Decision ID: e0522fd3-a180-50e3-ac48-6e26ac392621
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 19. November 2015 in der Schweiz um
Asyl nach und machte dabei geltend, dass er aufgrund seines wegen Ter-
rorverdachts inhaftierten Bruders in den Fokus der sri-lankischen Behör-
den geraten sei.
B.
Dieses Asylgesuch lehnte das SEM mit Verfügung vom 15. September
2017 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug
an. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wurde mit Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts D-5940/2017 vom 20. September 2019
abgewiesen.
C.
Mit einer als neues Asylgesuch bezeichneten Eingabe, welche vom SEM
als Mehrfachgesuch respektive Wiedererwägungsgesuch entgegenge-
nommen wurde, gelangte der Beschwerdeführer am 11. November 2019
abermals ans SEM.
Darin machte er im Wesentlichen geltend, dass er seit 2017 exilpolitisch
aktiv sei. Er sei Mitglied des Swiss Council of Eelam Tamils (SCET) und
dort für die Öffentlichkeitsarbeit tätig. Fotos von ihm seien im Internet pu-
bliziert. Darauf sei er zusammen mit anderen Mitgliedern des SCET mit
einem ehemaligen Kadermitglied der Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE) zu sehen. Ferner ergebe sich aus der Ernennung des neuen Ar-
meechefs und weiteren Entwicklungen in Sri Lanka eine erhöhte Gefähr-
dung, weshalb ihm aufgrund seines Profils eine asylrelevante Verfolgung
drohe. Die in der Praxis definierten Risikofaktoren müssten im Lichte dieser
Entwicklung verstärkte Geltung haben.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er ein Urteil des Europäischen Ge-
richtshofs für Menschenrechte (EGMR), Länder- und Zeitungsberichte zur
allgemeinen Lage in Sri Lanka, eine Mitgliedschaftsbestätigung des SCET
vom 30. Oktober 2019 sowie einen Internetauszug ein.
D.
Mit Verfügung vom 11. Dezember 2019 (Eröffnung am 19. Dezember 2019)
trat das SEM auf das Mehrfachgesuch und das Wiedererwägungsgesuch
nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an
und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–.
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E.
Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechts-
vertreters vom 30. Dezember 2019 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er
beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz zur Behandlung als Mehrfachgesuch.
Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und zur erneuten Entscheidung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und eine vorläu-
fige Aufnahme anzuordnen.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 8. Januar 2020 forderte das Bundesverwal-
tungsgericht den Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss zu leisten
oder ein begründetes Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten mit den er-
forderlichen Belegen einzureichen.
G.
Am 23. Januar 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung, reichte eine Fürsorgebestätigung ein und
machte geltend, dass sich die Lage seit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa
zusätzlich verschärft habe.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 28. Januar 2020 wurde das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG
gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 27. Mai 2020 stellte das Bundesverwaltungs-
gericht fest, dass die Unterschrift des Sektionschefs auf der angefochtenen
Verfügung fehle und lud die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
J.
Mit Vernehmlassung vom 11. Juni 2020 nahm die Vorinstanz zur fehlenden
Unterschrift Stellung, worauf der Beschwerdeführer unter Hinweis auf die
neusten Entwicklungen in Sri Lanka am 1. Juli 2020 replizierte.
D-6941/2019
Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der
Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-
gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Prüfungsgegenstand ist im vorliegenden Verfahren die Frage, ob die
Vorinstanz zu Recht auf das neue Asylgesuch respektive das Wiedererwä-
gungsgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist. Die Beschwer-
deinstanz enthält sich – sofern sie den Nichteintretensentscheid als un-
rechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen Prüfung; sie hebt
die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entschei-
dung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 m.w.H.). Die Frage
der Wegweisung und des Vollzugs wird jedoch materiell geprüft.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer macht die Nichtigkeit der Verfügung aufgrund
eines Formfehlers geltend, da die Verfügung nur durch den Fachspezialis-
ten, nicht aber den ebenfalls auf der Verfügung aufgeführten Sektionschef
unterschrieben sei. Er habe begründete Hinweise, die Gültigkeit der Verfü-
gung anzuzweifeln. So sei es möglich, dass der Sektionschef entweder aus
Desinteresse nicht unterschrieben habe oder aber, weil er nicht hinter dem
Inhalt der Verfügung stehen könne. In dubio pro reo für den Sektionschef
sei davon auszugehen, dass er den Inhalt der Verfügung noch nicht gutge-
heissen habe, weshalb nicht klar sei, ob die Verfügung schon zur Eröffnung
bereit gewesen sei.
4.2 In seiner Vernehmlassung führte das SEM dazu aus, dass dem Be-
schwerdeführer aufgrund eines Versehens eine nicht durch den Sektions-
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chef mitunterschriebene Verfügung zugestellt worden sei. Dem Beschwer-
deführer werde jedoch nachträglich ein unterschriebenes Exemplar zuge-
stellt.
4.3 In der Replik erwiderte der Beschwerdeführer, dass aufgrund der in der
Beschwerde geltend gemachten groben Fehlerhaftigkeit der angefochte-
nen Verfügung davon auszugehen sei, dass sie damals noch nicht ent-
scheidreif gewesen sei. Das SEM wäre gehalten gewesen, diese Fehler-
haftigkeit in einer neuen, korrekten Verfügung zu beheben und diese Ver-
fügung formell korrekt zu eröffnen, damit das vorliegende Verfahren hätte
abgeschrieben werden können. Stattdessen nehme das SEM in einer ob-
soleten Vernehmlassung nicht einmal Stellung zur fehlenden Unterschrift,
sondern stelle dem Beschwerdeführer im Kern unkommentiert die mittler-
weile unterschriebene Verfügung vom 11. Dezember 2019 zu. Dieses Vor-
gehen könne den schweren formellen Mangel nicht korrigieren, weswegen
die angefochtene Verfügung aufgehoben werden müsse.
4.4 Die Frage, ob das Erfordernis der Schriftlichkeit auch die eigenhändige
Unterschrift der betreffenden Behörde beinhalten muss, wird in der Lehre
und der Rechtsprechung kontrovers beantwortet. So gilt einerseits, dass
Verfügungen, die keine oder eine ungültige Unterschrift tragen, grundsätz-
lich mangelhaft sind. Gemäss neuerer Rechtsprechung ist aber die Unter-
schrift kein Gültigkeitserfordernis, wenn – so wie vorliegend – das anwend-
bare Recht die Unterschrift nicht verlangt (vgl. FELIX UHLMANN, ALEXANDRA
SCHILLING-SCHWANK, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskom-
mentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Rz 8 zu Art. 34 VwVG m.w.H.). Auf die ent-
sprechenden Fragen braucht aber vorliegend nicht weiter eingegangen zu
werden, zumal die Vorgabe der Schriftlichkeit jedenfalls keine doppelte Un-
terschriftsverpflichtung der Behörde beinhalten kann. Daran ändert auch
nichts, dass dies der gelebten Praxis der entsprechenden Behörde ent-
spricht. Es liegt folglich eine rechtsgültige Eröffnung vor. Ferner wäre ein
möglicher Mangel ohnehin durch die Zustellung des unterschriebenen
Exemplars der Verfügung als geheilt zu erachten (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 644 mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts
C 30/06 vom 8. Januar 2007 E. 2.2).
4.5 Vorliegend ist denn auch aus der fehlenden Unterschrift offensichtlich
keine Irreführung oder Benachteiligung der beschwerdeführenden Person
erfolgt (vgl. Urteil des BVGer E-5841/2009 vom 2. Februar 2010 E. 2.2.2;
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FELIX UHLMANN, ALEXANDRA SCHILLING-SCHWANK, in: Waldmann/Weissen-
berger [Hrsg.], a.a.o., Rz 25 zu Art. 38 VwVG; LORENZ KNEUBÜHLER,
RAMONA PEDRETTI, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-
tungsverfahren [VwVG], 2019, Rz. 28 zu Art. 38). Der rechtlich vertretene
Beschwerdeführer hat die Tragweite der nicht unterschriebenen Verfügung
erkannt und auch rechtzeitig Beschwerde erhoben. Die Nichtigkeit ist folg-
lich zu verneinen und auch eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
ist nicht angezeigt.
5.
5.1 In der Beschwerdeschrift wird weiter ausgeführt, das SEM habe den
Anspruch auf rechtliches Gehör, insbesondere die Begründungspflicht ver-
letzt und den Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt.
5.2 Vorliegend ist weder auf eine Verletzung des rechtlichen Gehörs res-
pektive der Begründungspflicht (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.3, BVGE 2016/9
E. 5.1) noch auf eine unrichtige oder unvollständige Sachverhaltsfeststel-
lung (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3) zu schliessen.
5.3 In Bezug auf die Begründungspflicht gilt es anzumerken, dass das SEM
in seiner Verfügung hinreichend darlegt, wieso es das Mehrfachgesuch für
unzureichend begründet, die angerufenen Wiedererwägungsgründe für
unzulässig und den Wegweisungsvollzug für zulässig, zumutbar und mög-
lich erachtet.
5.4 Schliesslich wurde der Sachverhalt vom SEM auch vollständig und
richtig abgeklärt.
6.
Der in der Beschwerde erhobene Antrag, wonach abzuklären sei, ob bei
der Entführung einer schweizerischen Botschaftsmitarbeiterin am 25. No-
vember 2019 Daten des Beschwerdeführers respektive welche Daten im
Allgemeinen erpresst worden seien, ist abzuweisen, zumal eine Verbin-
dung des Beschwerdeführers zu dieser Botschaftsmitarbeiterin nicht sub-
stanziiert dargelegt wird und sich entsprechendes auch nicht aus den Ak-
ten ergibt.
7.
7.1 In seiner Verfügung erwog das SEM, der Beschwerdeführer mache gel-
tend, er sei wegen seines exilpolitischen Engagements gefährdet, da er
seit 2017 in exponierter Weise für den SCET tätig sei. Damit würden Tat-
sachen geltend gemacht, die sich bereits vor Rechtskraft des Urteils
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D-5904/2017 vom 20. September 2019 ereignet hätten. Es handle sich so-
mit um Revisionsgründe. Diese seien im Rahmen eines qualifizierten Wie-
dererwägungsgesuchs zu prüfen, da die Tatsache mit Beweismitteln (Mit-
gliedschaftsbestätigung des SCET vom 30. Oktober 2019 und einem Inter-
netauszug vom 31. Oktober 2019) belegt werde, welche erst nach Rechts-
kraft des Urteils entstanden seien.
Eine Wiedererwägung sei aber nicht beliebig zulässig und dürfe insbeson-
dere nicht dazu dienen, einen rechtskräftigen Entscheid immer wieder in
Frage zu stellen oder Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu um-
gehen. Namentlich dürfe ein Wiedererwägungsverfahren nicht als Ersatz
für eine wegen Fristversäumnis verpasste Beschwerdemöglichkeit dienen.
Gründe, die bereits im Zeitpunkt der verpassten Anfechtungsmöglichkeit
im ordentlichen Beschwerdeverfahren bestanden hätten, könnten somit
nicht als Wiedererwägungsgründe vorgebracht werden. Vorliegend sei
nicht ersichtlich, wieso der Beschwerdeführer sein exilpolitisches Wirken
im Zusammenhang mit seiner seit 2017 bestehenden Mitgliedschaft beim
SCET nicht bereits im ordentlichen Asylverfahren hätte geltend machen
und mit entsprechenden Beweismittel belegen können. Denn diese hätten
zweifelsohne bereits vor Rechtskraft des Urteils D-5940/2017 beschafft
werden können. Das exilpolitische Engagement sei somit nicht neu im
Sinne von Art. 111b Abs. 1 AsylG in Verbindung mit Art. 66 Abs. 1 Bst. a
VwVG, weshalb auf das Wiedererwägungsgesuch gemäss Art. 111b Abs. 1
AsylG in Verbindung mit Art. 66 Abs. 3 VwVG nicht eingetreten werde.
Angesichts der späten Geltendmachung dieser neuen Asylgründe seien
ohnehin Zweifel an deren Glaubhaftigkeit angebracht. Er bringe vor, in der
Öffentlichkeitsarbeit tätig gewesen zu sein, bei der Koordination von Ver-
anstaltungen mitgeholfen und an Demonstrationen teilgenommen zu ha-
ben. Seinen Ausführungen und den Akten seien aber keinerlei Hinweis zu
entnehmen, um welche Veranstaltungen und Demonstrationen es sich
konkret handle und welche Aufgaben und Funktionen er dabei genau wahr-
genommen habe. Diese Begründungsarmut erstaune angesichts des Um-
standes, dass die übrigen Vorbringen im Gesuch weitaus ausführlicher und
detaillierter dargelegt worden seien. Da weitergehende Belege für das an-
gebliche exilpolitische Wirken fehlen würden und es zudem erstmals im
Rahmen eines ausserordentlichen Rechtsmittels geltend gemacht werde,
vermöge auch die eingereichte Mitgliedschaftsbestätigung des SCET nicht
zu überzeugen, sondern sei als blosses Gefälligkeitsschreiben ohne Be-
weiswert einzustufen. Ebenso wenig könne aus dem eingereichten Inter-
netauszug, auf welchem er angeblich mit einem ehemaligen LTTE-Kader
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abgebildet sei, auf ein tatsächlich existierendes exilpolitisches Engage-
ment geschlossen werden. Es sei auch nicht anzunehmen, dass er deswe-
gen in den Fokus der sri-lankischen Behörden geraten sei, sofern sie über-
haupt Kenntnis von der Homepage und den dortigen Fotografien hätten,
wofür keine Hinweise bestünden.
Betreffend die geltend gemachte erhebliche Veränderung der objektiven
Gefährdungslage sei vorab festzuhalten, dass die Ernennung des neuen
Armeechefs wie auch die behauptete Erweiterung der Machtkompetenzen
des Militärs und der Sicherheitsbehörden bereits im Zeitpunkt des Urteils
D-5940/2017 vom 20. September 2019 bestanden hätten und darin auch
gewürdigt worden seien. Entsprechendes gelte für sämtliche vor dem Er-
lass des besagten Urteils entstandenen Beweismittel, auf welche im Mehr-
fachgesuch Bezug genommen werde.
Das Vorbringen, mehrere Risikofaktoren zu erfüllen und daher bei einer
Rückkehr gefährdet zu sein, sei bereits Gegenstand des Urteils
D-5940/2017 gewesen und somit allenfalls revisionsweise geltend zu ma-
chen. Auf diese Gründe sei mangels funktioneller Zuständigkeit gestützt
auf Art. 9 Abs. 2 VwVG nicht einzutreten.
Die geltend gemachten Ereignisse, die nach dem 20. September 2019 ein-
getreten seien, würden in keinem ersichtlichen Zusammenhang zur Person
des Beschwerdeführers stehen. Die Anforderungen an die Begründung ei-
nes Mehrfachgesuches seien daher nicht erfüllt, weshalb darauf gestützt
auf Art. 111c AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht einzutreten
sei.
7.2 In der Beschwerdeschrift wurde eingewendet, das SEM habe sein Vor-
gehen bewusst gewählt, um keine gesamthafte Prüfung vornehmen zu
müssen und möglichst einfach einen negativen Entscheid fällen zu können.
Dies sei willkürlich. Da die bisherigen und neuen Sachverhalte der Verfol-
gung liquid seien, müssten diese unabhängig von materiellen Fragen zu-
mindest bei der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der Annahme
der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs berücksichtigt werden.
Hinsichtlich des exilpolitischen Engagements wird eingebracht, dass der
Beschwerdeführer dieses erst jetzt geltend mache, da ihm die Reichweite
seiner Tätigkeit bisher nicht bewusst gewesen sei und es nicht unter die
Mitwirkungspflicht falle, das ganze Internet nach Fotos abzusuchen. Die
Bestätigung des SCET habe zwar wohl auch früher ausgestellt werden
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können. Da das Schreiben aber auf den 30. Oktober 2019 datiere, müsse
davon ausgegangen werden, dass keine Möglichkeit bestanden habe, die
Bestätigung früher beizubringen. Das kontinuierliche Weiterführen des exil-
politischen Engagements stelle eine veränderte Sachlage dar, welche im
Gesamtkontext hätte gewürdigt werden müssen. Es sei absurd, dass das
SEM auf die Vorbringen betreffend die Exilpolitik nicht eintrete, aber trotz-
dem deren Glaubhaftigkeit prüfe, da es dadurch faktisch auf das Gesuch
eingetreten sei.
Gegen den Nichteintretensentscheid betreffend das Mehrfachgesuch
wurde geltend gemacht, dass die neusten Entwicklungen, welche ausführ-
lich dargelegt und dokumentiert worden seien, zu einer markanten Erhö-
hung der Gefährdungslage für zurückkehrende abgewiesene Asylgesuch-
steller geführt hätten und folglich einen objektiven Nachfluchtgrund darstel-
len würden. Der Beschwerdeführer sei wegen seines Profils vor dem Hin-
tergrund der veränderten Lage asylrelevant gefährdet.
7.3 In der Replik wurde im Wesentlichen – unter Hinweis auf ein Länder-
update vom 26. Februar 2020 und einen Zusatzbericht vom 10. April 2020
– ergänzt, dass sich die Lage in Sri Lanka weiter verschärft habe.
8.
8.1 Mit dem Vorbringen, seit 2017 für den SCET exilpolitisch aktiv gewesen
zu sein, wird eine Tatsache angerufen, welche bereits vor Rechtskraft des
Urteils D-5940/2017 vom 20. September 2019 bestanden hat. Zur Stützung
dieser Tatsachenbehauptung werden jedoch Beweismittel eingebracht,
welche nach dem Urteilszeitpunkt entstanden sind, weshalb die Qualifika-
tion des SEM, diese Vorbringen im Rahmen eines qualifizierten Wiederer-
wägungsgesuchs zu prüfen, grundsätzlich nicht zu beanstanden ist (vgl.
BVGE 2013/22 E. 13.1). Dies rechtfertigt sich letztlich auch deshalb, weil
dem Beschwerdeführer durch die Prüfung durch zwei Instanzen jedenfalls
kein Rechtsnachteil erwächst.
8.2 Das SEM stellte in seiner Prüfung zu Recht fest, dass Gründe, die be-
reits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätten geltend gemacht wer-
den können, keine Revisionsgründe seien (vgl. Art. 66 Abs. 3 VwVG). Es
hätte am Beschwerdeführer gelegen, in seinem Wiedererwägungsgesuch
substanziiert aufzuzeigen, weshalb er die neu geltend gemachten Tatsa-
chen und Beweismittel bei zumutbarer Sorgfalt im ordentlichen Verfahren
nicht habe beibringen können (vgl. KARIN SCHERRER REBER, in: Wald-
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mann/Weissenberger [Hrsg.], a.a.o., Rz 45 zu Art. 66 VwVG). Im Wieder-
erwägungsgesuch finden sich keine diesbezüglichen Erklärungen, wes-
halb das SEM die angerufenen Gründe zu Recht als verspätet erachtete.
Der Einwand, das SEM behaupte pauschal, dass ein Beibringen im or-
dentlichen Verfahren möglich gewesen wäre, geht bereits deshalb an der
Sache vorbei, da es Aufgabe des Beschwerdeführers gewesen wäre, die
Entschuldbarkeit substanziiert darzulegen und es nicht am SEM liegt, nach
hypothetischen Erklärungen für die Verspätung zu suchen.
Auch seine erst auf Beschwerdeebene abgegebene Erklärung, wonach
dem Beschwerdeführer bisher nicht bewusst gewesen sei, dass seine exil-
politischen Tätigkeiten diese Reichweite hätten und es nicht in seine Mit-
wirkungspflicht falle, das ganze Internet nach Fotos von sich abzusuchen,
überzeugt nicht. Die exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers
waren bereits Gegenstand des ordentlichen Asylverfahrens, weshalb dem
rechtlich vertretenen Beschwerdeführer deren Relevanz hätte bekannt sein
müssen. Es ist folglich kaum erklärbar und mit einer sorgfältigen Prozess-
führung nicht vereinbar, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seines
ersten Asylgesuchs zwar geltend machte, an einer Demonstration im Jahre
2016 teilgenommen zu haben, darüber hinaus aber keinerlei Ausführungen
zum angeblich im Jahre 2017 aufgenommenen regelmässigen und expo-
nierten exilpolitischen Wirken machte. Ferner verfängt auch das Argument
nicht, es sei nicht Aufgabe des Beschwerdeführers, das Internet nach Fo-
tos von sich zu durchsuchen, zumal angenommen werden darf, dass das
Bild – sollte es tatsächlich den Beschwerdeführer zeigen – mit seinem Wis-
sen aufgenommen worden ist und somit wohl auch – über seine angebli-
chen Kollegen vom SCET – ohne grossen Aufwand hätte erhältlich ge-
macht werden können. Schliesslich ist selbst unter der Annahme, er habe
vom Foto nichts gewusst, nicht erklärbar respektive entschuldbar, wieso er
seine angeblichen Aktivitäten nicht substanziiert ins damalige Verfahren
einbrachte.
Auf die Frage, ob sich aus diesen verspäten Vorbringen Wegweisungsvoll-
zugshindernisse ergeben, ist zurückzukommen (vgl. E. 11.1 bis 11.3).
8.3 Auf die als Mehrfachgesuch entgegengenommenen geltend gemach-
ten neusten Entwicklungen in Sri Lanka ist das SEM zu Recht nicht einge-
treten. Denn im Kern wiederholte der Beschwerdeführer lediglich in geraff-
ter Form bereits bekannte Sachverhaltselemente, die bereits im ordentli-
chen Asylverfahren als nicht glaubhaft respektive nicht asylrelevant erach-
tet worden sind. Daraus zieht er am Ende kurzerhand und ohne weitere
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Subsumtion den Schluss, er sei aufgrund seines Profils gleich mehreren
Risikogruppen zuzuordnen, obwohl mit dem Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts D-5940/2017 vom 20. September 2019 rechtskräftig festge-
stellt wurde, dass er keiner asylrelevanten Gefährdung ausgesetzt sei.
Demnach hat das SEM in zutreffender Weise das Erfordernis einer ausrei-
chenden Begründung im Sinne von Art. 111c Abs. 1 AsylG als nicht erfüllt
erachtet und ist zu Recht in Anwendung von Art. 13 Abs. 2 VwVG in diesem
Punkt auf das Gesuch nicht eingetreten (vgl. zum Nichteintretensgrund der
mangelhaften Begründung BVGE 2014/39 E. 7).
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3
BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG).
Gemäss Art. 83 Abs. 4 AlG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund
von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
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Seite 12
scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung fest-
gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AlG – die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren.
Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der
Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen
Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2
AlG).
10.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
11.
11.1 Wie in Erwägung 8.2 festgestellt, erweist sich das Vorbringen hinsicht-
lich des exilpolitischen Engagements als verspätet.
11.2 Verspätet geltend gemachte Revisionsgründe sind aber trotzdem be-
achtlich, wenn aufgrund dieser Vorbringen offensichtlich wird, dass einem
Beschwerdeführenden Verfolgung oder menschenrechtswidrige Behand-
lung droht und damit ein völkerrechtliches Wegweisungshindernis gemäss
Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 3 EMRK sowie Art. 3 FoK besteht (vgl. EMARK 1995
Nr. 9 E. 7, insb. E. 7f und g). Vorausgesetzt wird jedoch, dass die in Frage
stehenden zwingenden Normen des Völkerrechts bei strikter Anwendung
der gesetzlichen Revisionsbestimmungen tatsächlich verletzt würden. Es
genügt daher nicht, dass ein Beschwerdeführender eine drohende Verlet-
zung von Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK lediglich behaup-
tet. Vielmehr muss die beachtliche Wahrscheinlichkeit einer aktuellen,
ernsthaften Gefahr schlüssig nachgewiesen werden. Ein Abweichen vom
Wortlaut von Art. 66 Abs. 3 VwVG rechtfertigt sich mit anderen Worten
nicht bereits bei Vorliegen von Tatsachen und Beweismitteln, welche ge-
eignet sein können, zu einem anderen Ergebnis als im vorangegangenen
ordentlichen Asylverfahren zu führen, sondern lediglich dann, wenn die Tat-
sachen und Beweismittel bei rechtzeitiger Geltendmachung zu einem an-
deren Beschwerdeentscheid – und zwar zu einer Gutheissung zumindest
bezüglich der Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs – geführt
hätten. Voraussetzung ist somit, dass eine materielle Beurteilung ergibt,
dass die genannten völkerrechtlichen Wegweisungsschranken tatsächlich
bestehen.
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Dass das SEM die behauptete exilpolitische Aktivität auch materiell prüft,
ist folglich – entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers – nicht zu
beanstanden.
11.3 Das Vorliegen eines solchen Vollzugshindernisses wurde vom SEM
im Ergebnis zu Recht verneint. So ist die Behauptung des Beschwerdefüh-
rers, für den SCET in exponierter Weise tätig zu sein, aus kaum nachvoll-
ziehbaren Gründen erst sehr spät vorgebracht worden. Hinzu kommt, dass
diese Behauptung auch zum jetzigen Zeitpunkt als nicht sonderlich sub-
stanziiert zu bezeichnen ist, zumal er weder seine Funktion noch sein (öf-
fentlichkeitswirksames) exponiertes Engagement weiter konkretisiert. Auf
den eingereichten Fotos aus dem Internet ist im Übrigen nicht ohne Weite-
res erkennbar, ob es sich bei einem der abgebildeten Personen tatsächlich
um den Beschwerdeführer handelt. Ferner bemerkte bereits das SEM zu
Recht, dass gegenüber dem Bestätigungsschreiben des SCET aufgrund
des möglichen Gefälligkeitscharakters erhebliche Vorbehalte angebracht
sind. In Würdigung dieser Elemente ist nicht als dargelegt zu erachten,
dass der Beschwerdeführer in einer derart exponierten Weise exilpolitisch
tätig ist, dass daraus eine Gefährdung resultieren würde.
11.4 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung somit zu Recht
erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschie-
bung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung fin-
det und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkenn-
bar sind. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der jüngsten politischen
Entwicklungen in Sri Lanka sowie des Vorbringens auf Beschwerdeebene,
es sei dem Umstand Rechnung zu tragen, dass nach Entführung einer An-
gestellten der schweizerischen Botschaft in Sri Lanka am 25. November
2019 zwischen der sri-lankischen und der schweizerischen Regierung eine
diplomatische Krise ausgebrochen sei. Es besteht keinerlei Grund zur An-
nahme, die allgemeinen politischen Entwicklungen in Sri Lanka könnten
sich zum heutigen Zeitpunkt auf den Beschwerdeführer auswirken. Der
Vollzug der Wegweisung ist folglich zulässig.
11.5 Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5904/2017 vom 20. Sep-
tember 2019 wurde der Vollzug der Wegweisung letztmals für zumutbar
befunden. An dieser Einschätzung vermögen die aktuellen Ereignisse in
Sri Lanka nichts zu ändern. Andere Gründe, welche gegen die Zumutbar-
keit sprechen würden, wurden weder substanziiert geltend gemacht noch
sind sie aus den Akten ersichtlich.
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11.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
11.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit Zwischen-
verfügung vom 28. Januar 2020 die unentgeltliche Prozessführung ge-
währt wurde, sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
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