Decision ID: b3e4fa9a-2986-5174-a573-a3c5ecb1ee77
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato, Bellevuestrasse 1b, Postfach,
9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente (Wiedererwägung)
Sachverhalt:
A.
A.a Die [...] geborene A._ meldete sich am 6./13. November 2000 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich eine Rente. Sie sei
1990 in die Schweiz gekommen und hier ab 1995 als Produktionsmitarbeiterin tätig
gewesen. Seit März 1997 leide sie an chronischen Rückenschmerzen.
A.b Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, gab in seinem IV-Arztbericht
vom 22. November 2000 (act. 7) unter Beilage verschiedener Berichte der Klinik für
Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen an, es lägen eine unklare
Lumboischialgie bds. und rezidivierende Schmerzen im ISG-Bereich bds. vor. Die
Versicherte sei vom 4. März bis 4. Mai 1997 zu 100 % und anschliessend bis 21. Mai
1997 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen. Vom 9. Februar bis 8. März 1998 habe erneut
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vorgelegen. Vom 3. bis 28. November 1999 sei
wiederum eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % aufgetreten mit anschliessender
Arbeitsunfähigkeit von 50 % bis 10. Dezember 1999. Seither sei die Versicherte zu
100 % arbeitsunfähig. Sie könne auch nicht in eine andere Tätigkeit vermittelt werden.
A.c Die Arbeitgeberin bescheinigte am 23. November 2000 (act. 8), die Versicherte sei
vom 1. Februar 1995 bis 30. Juni 2000 als Betriebsangestellte beschäftigt gewesen. Ihr
letzter effektiver Arbeitstag sei der 2. November 1999 gewesen. Ihr Lohn habe seit dem
1. Januar 2000 Fr. 2'934.-- pro Monat bzw. Fr. 37'871.-- pro Jahr ausgemacht.
A.d Der Fachbereich Rheumatologie und Rehabilitation des Departements Innere
Medizin am Kantonsspital St. Gallen teilte im Arztbericht vom 24. April 2001 (act. 11)
mit, es bestehe bei der Versicherten eine leichtgradige bilaterale SIG-Arthritis (rechts >
links), HLA-B27-negativ, mit SIG-Dysfunktion rechts, ein chronisch unspezifisches
Lumbovertebralsyndrom mit muskulärer Dysbalance und ein chronisch unspezifisches
cervicovertebrales-/-cephales Schmerzsyndrom mit muskulärer Dysbalance. Ab dem
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15. November 2000 sei die Versicherte für die Dauer der Therapie für jede Arbeit zu
100 % arbeitsunfähig. Die angestammte Tätigkeit als Hilfskraft mit maximalen
Arbeitsgewichten von 35 bis 40 kg in sitzender Körperhaltung sei aus ärztlicher Sicht
und subjektiv nicht tolerabel. - Am 29. Juni 2001 (act. 14) gab der Fachbereich an, die
Arbeitsfähigkeit als Hilfsarbeiterin könne gegenwärtig nicht benannt werden. Nach
Physiotherapie/MTT und nach einem therapeutischen Versuch in einer Schmerzklinik -
begleitet von physiotherapeutischen Gesprächen zur Schmerzverarbeitung - sei ein
EFL-Test zu empfehlen. - Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der
Invalidenversicherung befürwortete eine Begutachtung.
A.e Im Gutachten vom 12. Februar 2002 (act. 20) gab die Klinik Valens als Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit an: einen Verdacht auf anhaltende
somatoforme Schmerzstörung mit ängstlicher und depressiver Anpassungsstörung und
ein chronifiziertes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links ohne pathologisch
anatomisch anhaltende Veränderungen. Seit dem 2. November 1999 bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Da es durch die chronische Schmerzerkrankung zu einer
ängstlichen und depressiven Anpassungsstörung gekommen sei, benötige die
Versicherte primär einen psychosomatisch ausgerichteten Zugang zur Behandlung,
bevor Rehabilitationsmassnahmen vorgesehen werden könnten. Die Versicherte sei
somatopsychisch nicht belastbar und brauche eine Abklärung und Behandlung durch
einen ihre Sprache sprechenden Psychotherapeuten. Aktuell sei sie auch für adaptierte
Tätigkeiten nicht arbeitsfähig. Die Diagnose der Anpassungsstörung bedürfe einer
weiteren Abklärung.
A.f Mit Vorbescheid vom 7. März 2002 (act. 23) stellte die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle des Kantons St. Gallen der Versicherten die Ausrichtung einer ganzen Rente
bei einem Invaliditätsgrad von 100 % (Valideneinkommen Fr. 37'870.--) ab November
2000 in Aussicht und verfügte am 6. Mai 2002 in diesem Sinne (act. 29).
B.
B.a Im Fragebogen für die Revision vom 18. Oktober 2004 (act. 30) gab die
Versicherte an, ihr Zustand sei gleich geblieben. - Dr. B._ bestätigte am
11. November 2004 (act. 31), ihr Zustand sei stationär und es habe sich keine
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Änderung der Diagnose ergeben. Die Versicherte besuche die Psychotherapie bei
Dr. med. C._. Daneben hätten ihr auch physiotherapeutische Therapien in der Heimat
etwas geholfen. Eine wesentliche Veränderung liege aber nicht vor. Im August 2004
habe die Versicherte über deutliche Magenschmerzen geklagt, doch seien keine
pathologischen Befunde erhoben worden. Sie benötige bei den täglichen
Haushaltarbeiten die Hilfe des Ehemannes und der Kinder. - In einer Notiz vom
24. November 2004 über ein Telefonat mit dem Arzt wurde festgehalten, die
Versicherte sei nur einmal im November 2002 bei Dr. C._ gewesen. Sie gehe
anscheinend regelmässig in ihre Heimat in die Psychotherapie und sei hier bei keinem
anderen Arzt in Behandlung. - Am 30. November 2004 (act. 34) wurde der Versicherten
mitgeteilt, es bleibe unverändert beim Anspruch auf die Rente
B.b Am 10. Dezember 2008 wurde ein weiteres Revisionsverfahren aufgenommen.
Die Versicherte gab im Fragebogen am 17. Dezember 2008 (act. 37) an, seit Januar
2006 habe sich der Gesundheitszustand verschlechtert. Es bestünden Schmerzen an
der gesamten Wirbelsäule, insbesondere zusätzlich an Brust- und Halswirbelsäule. Der
Hausarzt habe von einer Arbeit abgeraten. Haushaltstätigkeiten seien wegen der
Schmerzen kaum oder gar nicht möglich. Das alltägliche Leben wäre ohne familiäre
Hilfe nicht möglich.
B.c D._, Praktischer Arzt, gab in seinem Arztzeugnis vom 18. Februar 2009 (act. 42)
bekannt, es habe eine allgemeine Zunahme der Schmerzempfindung stattgefunden.
Zuvor seien die Schmerzen lumbovertebral zu verzeichnen gewesen, nun auch vor
allem im BWS-Bereich. Längeres Sitzen oder Stehen provoziere Schmerzen in der
Wirbelsäule.
B.d Der RAD hielt am 7. Mai 2009 (act. 46) fest, die Versicherte sei bis anhin nie gut
achterlich psychiatrisch exploriert worden und auch Berichte von behandelnden
Psychiatern lägen nicht vor. Eine weitere Abklärung, wie von der Klinik Valens als
notwendig erachtet, sei nicht erfolgt. Es sei eine rheumatologisch-psychiatrische
Begutachtung unter Beizug eines Dolmetschers zu veranlassen, unter anderem auch
zur Frage, ob es gerechtfertigt gewesen sei, dannzumal von einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung auszugehen.
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B.e Im Gutachten vom 18. November 2009 (act. 53) benannte die Spital Thurgau AG
als (Haupt-)Diagnosen eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ein leichtes
chronisches Lumbovertebralsyndrom und ein rezidivierendes zervikovertebrales und
zervikozephales Syndrom. Weder aus rheumatologischer noch aus psychiatrischer
Sicht bestünden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Eine adaptierte Tätigkeit sei zu
100 % möglich. Einschränkungen würden sich nur durch die aufgrund der langjährigen
Arbeitskarenz bestehende Dekonditionierung ergeben. Eine leidensangepasste
Tätigkeit sei körperlich eher leicht, ohne Zwangshaltung und Heben schwerer Lasten.
Das Arbeitsmilieu sollte eine verständnisvolle Leitung haben. Nach den allgemein
gültigen Kriterien könne von einer zumindest partiellen Überwindbarkeit des
Beschwerdebildes ausgegangen werden. Limitierend könnten sich die
Selbstlimitierungstendenzen bei chronifiziertem Schmerzsyndrom und maladaptivem
Krankheitsverhalten auswirken. Die Versicherte könnte von einer stufenweisen
Wiedereingliederung profitieren, um einer durch die lange Arbeitskarenz bestehenden
Dekonditionierung entgegenzuwirken. Unter prognostischem Aspekt wurde
festgehalten, im Vordergrund stehe vor allem die psychogene Leistungsblockade. Das
maladaptive Krankheitsverhalten und die bereits recht verfestigte
Selbstlimitierungstendenz könnten zusammen mit der Dekonditionierung ein
beträchtliches Hindernis bei der Rehabilitation bilden. Es könne insgesamt festgestellt
werden, dass hinsichtlich der diagnostischen Beurteilung keine wesentlichen
Diskrepanzen zu den früheren Berichten bestünden.
B.f Der RAD hielt am 30. Dezember 2009 (act. 54) dafür, aus somatischer Sicht habe
sich keine Veränderung ergeben. Die seinerzeit erwähnte Diagnose einer ängstlichen
und depressiven Anpassungsstörung habe nicht verifiziert werden können. Eine
Abklärung sei damals entgegen dem Vorschlag der Klinik Valens nicht erfolgt. Da diese
Störung damals nicht in einem konkreten Psychostatus belegt worden sei, dürfte es
schwierig sein, eine Besserung anzunehmen.
B.g Mit Vorbescheid vom 24. Februar 2010 (act. 57 f.) wurde der Versicherten eine
Wiedererwägung der Verfügung vom 6. Mai 2002 und eine Einstellung der Rente ab
dem ersten Tag des zweiten der Zustellung der neuen Verfügung folgenden Monats in
Aussicht gestellt. Auf eine Rückforderung werde ausnahmsweise verzichtet.
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B.h Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte am 11. April 2010 (act. 62)
Einwand erheben und beantragen, es sei von einer Renteneinstellung abzusehen. Das
Gutachten der Spital Thurgau AG, das eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
als einzige Diagnose erwähne, sei weder vollständig noch schlüssig und nicht
brauchbar. Wie sich einem beigelegten Bericht vom 29. März 2010 entnehmen lasse,
habe Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, die Versicherte
an jenem Tag eingehend untersucht und als Diagnosen eine andauernde
Persönlichkeitsänderung, nicht Folge einer Schädigung oder Krankheit des Gehirns, ein
larviertes, länger anhaltendes depressives Zustandsbild, das sich zum Grossteil über
somatische Schmerzen zeige, und den V. a. eine somatoforme Schmerzstörung,
zunehmend seit 1999, angegeben. Die Krankheiten seien nicht behandelbar. Sämtliche
bisherigen Behandlungen bei verschiedenen Psychiatern (Dr. C._, Dr. med. F._)
seien erfolglos geblieben. Therapeutisch und medikamentös seien die Möglichkeiten
ausgeschöpft. Die Arbeitsunfähigkeit betrage in angestammter wie leidensadaptierter
Tätigkeit 100 %. Da der Gutachter weder die Persönlichkeitsänderung noch das
offensichtliche depressive Zustandsbild erkannt habe, was unverständlich sei, seien die
gezogenen Schlüsse zur Arbeitsfähigkeit entsprechend falsch. Es habe offensichtlich
eine komplementäre Gegenübertragung stattgefunden. Übertriebene Schontendenzen
und ein katastrophisierender Wahrnehmungsstil, wie im Gutachten erwähnt, bestünden
nicht ansatzweise. Dass die Versicherte empfohlene Therapien nicht aufgenommen
habe, sei falsch. Das Krankheitsbild habe ferner nichts mit Willensanstrengung zu tun.
Die entsprechende Aussage mache ohnehin keinen Sinn, weil die
Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft seien. Eine deutliche Aggravation habe
Dr. E._ nicht festgestellt. Die Ausdrücke "Symptomausweitung", "Selbstlimitierung"
und "Verharren in der Krankenrolle" gehörten nicht in den üblichen
Befunderhebungswortschatz, belegten aber die Subjektivität des Gutachters. Die
Versicherte sei zu 100 % arbeitsunfähig.
B.i Der RAD stellte sich am 21. April 2010 (act. 64) auf den Standpunkt, der neue
Arztbericht führe weder Diagnosen noch Befunde auf, die bisher nicht bekannt
gewesen seien. Was die nicht bekannten Diagnosen des larvierten länger anhaltenden
depressiven Zustandsbilds und der Persönlichkeitsänderung betreffe, handle es sich
beim ersten um eine andere Beschreibung des Sachverhalts Depression und beim
zweiten um eine nicht nachvollziehbare Diagnose. Weitere Abklärungen seien aus
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psychiatrischer und versicherungsmedizinischer Sicht nicht notwendig. Das Gutachten
der Spital Thurgau AG sei weder unvollständig noch falsch. Es könne darauf voll
abgestützt werden.
B.j Mit Verfügung vom 22. April 2010 (act. 65) hob die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle die Verfügung vom 6. Mai 2002 wiedererwägungsweise auf, verzichtete auf
eine Rückforderung, stellte die Rente ab dem ersten Tag des zweiten der Zustellung
der Verfügung folgenden Monats ein und entzog einer allfälligen Beschwerde die
aufschiebende Wirkung.
C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato für die
Betroffene am 25. Mai 2009 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei ersatzlos aufzuheben.
Das psychiatrische Gutachten der Spital Thurgau AG sei nicht brauchbar. Die
Beschwerdeführerin sei zu 100 % arbeitsunfähig. Gemäss Dr. E._ habe die
antidepressive Medikation einen stabilisierenden Effekt, aber keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit. Der Gutachter habe offensichtlich ein negatives Bild der Explorandin
gehabt und dieses in seine Begutachtung einfliessen lassen. Es sei nicht bekannt, wie
er zu der Einschätzung gekommen sei, es hätten sich nebst der Schmerzstörung ein
abnormes Krankheitsverhalten mit körperlicher Selbstlimitierung durch übertriebene
Schontendenz und ein teils katastrophisierender Wahrnehmungsstil mit
Verdeutlichungstendenz bei einer über den Zeitablauf gleich bleibenden, wenn nicht
sogar sich verschlechternden Schmerzsymptomatik ausgebildet. Die Wahrnehmung
der Beschwerdeführerin sei kongruent mit dem Erleben der Schmerzen. Es werde
suggeriert, die Beschwerdeführerin habe ihre Pflicht zur Behandlung vernachlässigt.
Das sei falsch. Im Gutachten werde erwähnt, dass die Beschwerdeführerin in
psychiatrischer Behandlung gewesen sei. Dr. E._ habe keine deutliche Aggravation
feststellen können. Dass in seinem Arztbericht weder Diagnosen noch Befunde gestellt
worden seien, die vorher nicht bekannt gewesen seien, treffe nicht zu.
D.
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In ihrer Beschwerdeantwort vom 16. September 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zweifellose Unrichtigkeit der
ursprünglichen Verfügung könne auch bei unrichtiger Feststellung im Sinne einer
Würdigung des Sachverhalts gegeben sein, insbesondere bei unvollständiger
Sachverhaltsabklärung aufgrund einer klaren Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes. Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hätte
ursprünglich noch psychiatrisch beurteilt werden müssen. Die Klinik Valens habe
festgehalten gehabt, die Diagnose der ängstlichen und depressiven
Anpassungsstörung bedürfe einer weiteren Abklärung. Der rheumatologische
Gutachter hätte sich nicht zu den Auswirkungen der psychiatrischen Diagnosen auf die
Arbeitsfähigkeit äussern dürfen. Er habe ausserdem lediglich einen Verdacht auf eine
somatoforme Schmerzstörung festgestellt. Die Zusprechung einer ganzen Rente sei
somit auf keiner (nachvollziehbaren) fachärztlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
erfolgt. Eine psychiatrische Abklärung wäre unumgänglich gewesen. Die darauf
beruhende Invaliditätsbemessung sei somit von vornherein nicht rechtskonform
gewesen und die Verfügung wegen klarer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
zweifellos unrichtig. Gemäss dem neuen Gutachten der Spital Thurgau AG bestehe aus
psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bei ungeminderter
Leistungsfähigkeit. Das Gutachten entspreche den Anforderungen der
Rechtsprechung. Nach eindrücklicher Begründung des RAD könnten die Ausführungen
von Dr. E._ das Gutachten nicht entkräften oder widerlegen.
E.
Mit - nach zwischenzeitlicher Sistierung des Verfahrens eingereichter - Replik vom
29. April 2011 beantragt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ergänzend, es sei
ein Obergutachten in Auftrag zu geben. Dr. E._ nehme mit einem beigelegten Bericht
vom 14. April 2011 zur RAD-Beurteilung Stellung. Daraus gehe hervor, dass sich der
gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin nicht verbessert habe. Sie zeige
immer noch alle Merkmale der gestellten Diagnosen. Die Arbeitsunfähigkeit betrage
unverändert 80 %. Angesichts der Diagnosen und der beschriebenen Symptome sei es
völlig unerklärlich, wie das Gutachten der Spital Thurgau AG eine Arbeitsfähigkeit von
100 % attestieren könne. Die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin sei selbst für
einen medizinischen Laien erkennbar. Das Gutachten und der RAD-Bericht seien
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einmal mehr das Produkt der Sparpflicht, welche der Invalidenversicherung
aufgezwungen worden sei. Von einem neutral erstellten Gutachten könne keine Rede
sein. Für die IV dürfe die Beschwerdeführerin nicht krank sein. Es sei höchste Zeit,
dass die Rechtsprechung, wonach die IV-Gutachten per se zutreffend seien,
aufgegeben werde. Die kranken Menschen hätten ein Recht darauf, neutral beurteilt zu
werden. Davon sei man weit entfernt. Eine Rückweisung hätte lediglich zur Folge, dass
die gleichen, nicht neutralen IV-Gutachter ihre Beurteilung bestätigten. - Dr. E._ hatte
in einem Bericht vom 14. April 2010 (recte: 2011) zur RAD-Beurteilung Stellung
genommen und in einem zweiten Bericht vom selben Tag über den Verlauf berichtet
und eine nach wie vor mindestens 80-prozentige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt.
F.
Die Beschwerdegegnerin hat am 19. Mai 2011 an ihrem Antrag festgehalten und im
Übrigen auf die Erstattung einer Duplik verzichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die
Beschwerdegegnerin hat die angefochtene Verfügung am 22. April 2010, also unter der
Geltung des Rechts dieser Revision, erlassen. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie er
sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung entwickelt hat. Dieser
Sachverhalt reicht, da die Beschwerdegegnerin eine Verfügung vom 6. Mai 2002 in
Wiedererwägung zog, in eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück. Es
rechtfertigt sich, für die Beurteilung der Verhältnisse vor dem 1. Januar 2008 die bis
zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen (im Folgenden angeführt)
anzuwenden. Für die Invaliditätsbemessung hat sich im Übrigen keine Änderung der
Rechtslage ergeben.
1.2 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin die ursprüngliche,
eine ganze Rente zusprechende Verfügung vom 6. Mai 2002, welche in formelle
Rechtskraft erwachsen war, wiedererwägungsweise aufgehoben, die Rente eingestellt
und auf eine Rückforderung verzichtet.
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2.
Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige
Verfügungen zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre
Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Zweifellos unrichtig ist ein Entscheid nach
der Rechtsprechung, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass er
unrichtig ist; es ist ein einziger Schluss - eben derjenige auf eine Unrichtigkeit - möglich
(Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S E. vom 16. August 2005,
U 127/05; vgl. BGE 125 V 393; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A. 2009, N 31 zu Art.
53 ATSG). Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn
die gesetzwidrige Leistungszusprechung aufgrund falscher oder unzutreffender
Rechtsregeln erlassen wurde oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder
unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund
im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung in Bezug auf
gewisse Schritte und Elemente (z.B. Invaliditätsbemessung, Einschätzungen der
Arbeitsunfähigkeit, Beweiswürdigungen, Zumutbarkeitsfragen) notwendigerweise
Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung solcher Anspruchsvoraussetzungen
(einschliesslich ihrer Teilaspekte wie etwa die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit) vor
dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der
rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme
zweifelloser Unrichtigkeit aus (Bundesgerichtsentscheid i/S G. vom 10. Februar 2010,
9C_845/09).
3.
3.1 Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, sind medizinische Grundlagen
wesentlich. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
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Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4; ZAK 1982
S. 34; Rz 3047 f des vom Bundesamt für Sozialversicherung erlassenen
Kreisschreibens über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung =
KSIH).
4.
4.1 Grundlage der ursprünglichen, rentenzusprechenden Verfügung vom 6. Mai 2002
hatte in medizinischer Hinsicht das Gutachten der Klinik Valens vom 12. Februar 2002
gebildet. Als die Arbeitsfähigkeit einschränkende Diagnosen waren der Verdacht auf
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit ängstlicher und depressiver
Anpassungsstörung und ein chronifiziertes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
links ohne pathologisch anatomisch anhaltende Veränderungen bezeichnet worden.
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei ein Riss des Anulus fibrosus L5/S1. Von
Bedeutung seien eine deutliche kyphotische Haltung der gesamten Wirbelsäule mit
Kopf- und Schulterprotraktion, eine Druckdolenz vor allem im Bereich der Spina iliaca
posterior inferior und superior sowie im Bereich des Ligamentum iliolumbale und des
M. erector trunci links und eine Schmerzangabe lumbal bei Prüfung des
Schultergelenks und der Hüftgelenksbeweglichkeit, ferner eine
Hypersensibilitätsangabe im lateralen Bein ohne Dermatombezug, eine deutlich
herabgesetzte Handkraft und die Nichtüberprüfbarkeit des Lasègue- und Slump-Tests
wegen Schmerzen. Für den therapierefraktären Verlauf lägen keine sicheren klinischen
oder radiologischen Befunde vor. Die Beschwerdeführerin sei somatopsychisch nicht
belastbar und brauche eine Abklärung (der ängstlichen und depressiven
Anpassungsstörung) und Behandlung durch einen ihre Sprache sprechenden
Psychotherapeuten (Eröffnung eines psychosomatischen Zugangs zur Behandlung). Ihr
sei aktuell keine Arbeit zumutbar. - Die Begutachtung hatte auf einer Befragung und
Untersuchung der Beschwerdeführerin und auf einer Kenntnisnahme von den Akten
basiert. Dabei wurden die Anamnese und die Befunde (allgemein, Wirbelsäule,
Gelenke, Neurostatus, ergänzende Röntgenaufnahme des ISG vom 10. Dezember
2001) erhoben. Im Gutachten war dargelegt worden, bereits 1977 seien als akuter
Hexenschuss beginnende Schmerzen tieflumbal aufgetreten, die seither trotz breiter
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Abklärung an der Klinik für Orthopädische Chirurgie mit Lokalanästhesiemassnahmen
therapierefraktär gewesen seien. Auch ausgedehnte Abklärungen und Behandlungen
durch den Fachbereich Rheumatologie und Rehabilitation am Kantonsspital St. Gallen
hätten keinen Erfolg gebracht. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der
somatopsychischen und psychosomatischen Beschwerden und Symptome
arbeitsunfähig. Sie benötige die genannte Abklärung und Behandlung; es gebe zurzeit
keine andere sinnvolle und effektive Möglichkeit.
4.2 Wenn die Beschwerdegegnerin auf das Ergebnis dieses medizinischen
Gutachtens abstellte und von einer vollen Arbeitsunfähigkeit (und folglich
Erwerbsunfähigkeit) der Beschwerdeführerin ausging, was auch der RAD guthiess,
kann das jedenfalls nicht als zweifellos unrichtig betrachtet werden. Was dagegen
vorgebracht wird, vermag nicht durchzudringen, wie zu zeigen sein wird.
5.
5.1 Die Beschwerdegegnerin macht eine klare Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes bei Erlass der ursprünglichen Verfügung als nach dem
Bundesgerichtsentscheid i/S J. vom 29. April 2008, 9C_19/08, ausreichenden Grund
für die Wiedererwägung geltend. Gemäss diesem Entscheid kann zweifellose
Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung auch bei unrichtiger Feststellung im
Sinne der Würdigung des Sachverhalts, darunter insbesondere einer unvollständigen
Sachverhaltsabklärung aufgrund einer klaren Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes, gegeben sein. Das Bundesgericht hat allerdings auch
wiederholt zusätzlich vorausgesetzt, dass, um eine zugesprochene Rente
wiedererwägungsweise aufheben zu können, erstellt sein müsse, dass eine - nach
damaliger Sach- und Rechtslage - korrekte Invaliditätsbemessung hinsichtlich des
Leistungsanspruchs zu einem anderen Ergebnis geführt hätte (vgl. etwa die
Bundesgerichtsentscheide i/S R. vom 1. Februar 2010, 8C_768/09, i/S L. vom
7. August 2008, 8C_483/07, und i/S S. vom 18. Oktober 2007, 9C_575/07, mit
Hinweisen, u.a. auf den Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S L.
vom 28. Juli 2005, I 276/04). Hierauf ist abzustellen.
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5.2 Die Beschwerdegegnerin weist darauf hin, dass die Klinik Valens einen
Abklärungsbedarf festgestellt habe und der Gutachter (ein Rheumatologe) sich nicht zu
den Auswirkungen psychiatrischer Diagnosen hätte äussern dürfen. Eine
psychiatrische Abklärung wäre unabdingbar gewesen. Im Gutachten ist erwähnt
worden, prognostisch sei die Beschwerdeführerin hauptsächlich durch das
wahrscheinliche Vorliegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung geprägt.
Eine exakte Diagnose sei bis dahin aus sprachlichen Gründen nicht möglich gewesen.
Eine ängstliche depressive Anpassungsstörung im Rahmen einer chronischen
Schmerzerkrankung scheine aber dennoch vorzuliegen; diese Diagnose bedürfe einer
weiteren Abklärung. Wie dem Gutachten zu entnehmen ist, konnte sich die Klinik
Valens für Letzteres auf einen Bericht über ein psychosomatisches Konsilium des
Fachbereichs Psychosomatik am Kantonsspital St. Gallen vom 12. September 2001
stützen. Die Diagnose (der Anpassungsstörung im Rahmen der Schmerzerkrankung)
wurde somit fachärztlich psychiatrisch gestellt. Der Psychiater hatte erklärt, es sei trotz
sprachlicher Schwierigkeiten eruierbar gewesen, dass die Beschwerdeführerin seit ihrer
Schmerzerkrankung mit erheblichen depressiven Symptomen reagiert habe. Eine
konsequente psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung, unter Umständen mit
medikamentöser Therapie, sei indiziert (act. 20-8 f.). Das Gutachten hatte die Diagnose
übernommen und eindeutig festgestellt, dass der Beschwerdeführerin bei dem zum
damaligen Zeitpunkt bestehenden Gesundheitszustand keine Arbeit zumutbar gewesen
sei und dass erst eine Behandlung aus der (momentanen) vollen Arbeitsunfähigkeit
heraus führen könne. Auf dieses Resultat der fachärztlich rheumatologischen
Begutachtung in Kenntnis der umfassenden Sachlage abgestellt zu haben, erscheint
vertretbar, auch wenn einzuräumen ist, dass für das Schmerzsyndrom keine
pathologisch anatomisch anhaltenden Veränderungen gefunden wurden und
psychiatrisch keine Arbeitsfähigkeitsschätzung vorbestand. Hieran vermag nichts zu
ändern, dass sprachliche Gründe die Erhebung der Anamnese als Teil der
Begutachtung sehr schwierig gemacht hatten und dass hinsichtlich der
Diagnosestellung weitere Abklärungen für nötig gehalten worden waren. Von der
erforderlichen diagnostischen Klärung war eine zuverlässige
Arbeitsfähigkeitsschätzung offenbar nach ärztlicher Beurteilung nicht abhängig. Der
Abklärungsbedarf bedeutete keinen Vorbehalt gegenüber der
Arbeitsfähigkeitsschätzung.
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5.3 Die Aktenlage bei Erlass der vorliegenden ursprünglichen Verfügung war
angesichts des eingeholten medizinischen Gutachtens zumindest nicht offenkundig
unvollständig oder unklar, sondern liess einen rechtlichen Schluss nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit durchaus zu. Eine qualifiziert
rechtsfehlerhafte Ermessensbetätigung, wie sie von der Rechtsprechung für die
Annahme zweifelloser Unrichtigkeit verlangt wird (Bundesgerichtsentscheid i/S C. vom
2. Juli 2007, 9C_215/07 E. 3.2), kann im ursprünglichen Entscheid jedenfalls nicht
gesehen werden. Es liegen weder eine klar unzureichende Sachverhaltsgrundlage noch
Rechts- oder Ermessensfehler vor.
5.4 Auch das Gutachten der Spital Thurgau AG vom 18. November 2009 kann nicht
zur Untermauerung einer zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen Verfügung
dienen. Darin wurde im Gegenteil festgehalten, an der im Gutachten der Klinik Valens
gestellten Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (eigentlich:
Verdachtsdiagnose) könne nicht gezweifelt werden. Die weitere Diagnose einer
ängstlich-depressiven Anpassungsstörung könne damals durchaus vorgelegen haben.
5.5 Aus der Rechtsprechung gemäss BGE 130 V 352 vom 12. März 2004 zur
somatoformen Schmerzstörung lässt sich ebenfalls nichts für eine zweifellose
Unrichtigkeit der davor ergangenen ursprünglichen Verfügung ableiten (vgl. BGE
135 V 201 E. 5.2; Bundesgerichtsentscheid i/S T. vom 25. Juni 2007, I 138/07 E. 4.2).
5.6 Dass nur ein einziger Schluss, nämlich derjenige auf Unrichtigkeit der die ganze
Rente zusprechenden ursprünglichen Verfügung möglich sei, lässt sich vorliegend nicht
sagen. Eine Oberbegutachtung, wie sie beantragt wurde, ist für diese einzig zu
beurteilende Frage nicht erforderlich.
5.7 Die angefochtene Wiedererwägungsverfügung ist ersatzlos aufzuheben.
6.
Nicht Streitgegenstand bildet die Frage nach einer Anpassung der Verfügung vom
6. Mai 2002 aufgrund einer allfälligen nachträglichen Veränderung des Sachverhalts.
Angemerkt werden kann diesbezüglich, dass aus jüngerer Zeit das Gutachten der
Spital Thurgau AG und eine abweichende fachärztliche Beurteilung vorliegen. Das
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Gutachten attestiert der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsfähigkeit für adaptierte
Tätigkeiten, bei folgenden, die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Diagnosen:
anhaltende somatoforme Schmerzstörung, leichtes chronisches
Lumbovertebralsyndrom und rezidivierendes zervikovertebrales und zervikozephales
Syndrom. Demgegenüber liegen nach Auffassung von Dr. E._ eine andauernde
Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit, ein larviertes länger anhaltendes
depressives Zustandsbild (gemäss ICD-10: rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leichte Episode) und der V. a. eine somatoforme Schmerzstörung vor,
welche der Beschwerdeführerin eine Arbeitstätigkeit vollständig unzumutbar machen. -
Es fragte sich, ob angesichts der gutachterlichen Beschreibung von wenigen
Ressourcen, eines bereits recht verfestigten limitierenden Faktors der
Selbstlimitierungstendenz bei chronifiziertem Schmerzsyndrom und maladaptivem
Krankheitsverhalten und einer psychogenen Leistungsblockade sowie der Feststellung,
dass von einer lediglich "zumindest partiellen" Überwindbarkeit des Beschwerdebildes
auszugehen sei, tatsächlich kein die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
einschränkendes krankheitsbedingtes Leiden bestehe. Von Dr. E._ wurde ausserdem
eine andere Diagnose diskutiert und angenommen. Zur Entscheidung steht aber wie
erwähnt weder diese Beweiswürdigung noch die Frage, ob sich eine relevante
Sachverhaltsveränderung ergeben habe.
7.
7.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 22. April 2010 zu schützen.
7.2 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die
Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert
festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1
VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Der
Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten.
7.3 Die Beschwerdeführerin hat bei vollem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
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der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) erscheint als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP