Decision ID: 13e1393f-5f57-5b9d-81a6-5dd1d9a47bce
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 10. April 2007 erstmals zum Bezug von IV-Leistungen an
(IV-act. 1). Infolge erfolgloser Abmahnungen (vgl. IV-act 36, 37, 43, 45) bezüglich der
Zustellung von Buchhaltungsunterlagen bzw. Buchhaltungsabschlüssen der Jahre
2002 bis 2007 bzw. 2005 bis 2007 der B._ GmbH (in welcher der Versicherte
Gesellschafter und Geschäftsführer war) trat die IV-Stelle am 2. Dezember 2008 nicht
auf das Leistungsbegehren ein (IV-act. 48). Gegen diese Nichteintretensverfügung
erhob der Versicherte am 29. Dezember 2008 Beschwerde, welche vom
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen am 26. August 2009 gutgeheissen wurde
(IV 2009/12; IV-act. 80). Das Versicherungsgericht hob die Verfügung vom 2. Dezember
2008 auf und wies die IV-Stelle an, das Leistungsgesuch materiell zu behandeln. Die
IV-Stelle wies das Rentenbegehren mit einer Verfügung vom 4. Januar 2010 ab (IV-act.
99). Hiergegen liess der Versicherte am 2. Februar 2010 Beschwerde erheben und
beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei eine Viertelsrente
zuzusprechen (IV-act. 105). Mit einem Urteil vom 17. Juli 2012 wies das
Versicherungsgericht des Kantons St.Gallen die Beschwerde ab (IV 2010/41; IV-act.
126). Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.a.
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Am 20./27. September 2010 ersuchte Dr. C._, Facharzt für Innere Medizin FMH,
im Auftrag des Versicherten um eine erneute Prüfung eines allfälligen Rentenanspruchs
(IV-act. 114 und 116). Die IV-Stelle eröffnete ein entsprechendes Verwaltungsverfahren.
Am 21. Januar 2013 teilte sie dem Versicherten mit, dass sie eine umfassende
medizinische Untersuchung als notwendig erachte (IV-act. 136). Die MEDAS Interlaken
Unterseen GmbH erstattete am 29. Oktober 2013 ein polydisziplinäres Gutachten
(Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Psychiatrie und Psychotherapie,
Kardiologie, Pneumologie, Allergologie und klinische Immunologie; IV-act. 158). Ihre
Sachverständigen gaben an, aus rheumatologischer Sicht lägen ein leichtes
Schmerzsyndrom im linken lumbosakralen Übergang mit einer ischialgiformen
Schmerzprojektion in die linke untere Extremität sowie eine erhebliche muskuläre
Dysbalance des Beckengürtels mit deutlichen Muskelverkürzungen vor. Trotz der
langjährigen Schmerzen weise die Wirbelsäule nahezu normale Verhältnisse (ohne
Entwicklung von degenerativen Diskopathien, ohne auffällige Fehlhaltung und ohne
Pathologie an den Iliosakralgelenken) auf. In den nächsten Jahren sei keine
Verschlechterung der funktionellen Kapazität am Achsenskelett zu erwarten. In
rheumatologischer Hinsicht werde damit eine leichte Verminderung der zumutbaren
mechanischen Belastbarkeit der Lendenwirbelsäule begründet; diese Einschränkung
betrage maximal 15 bis 20 Prozent (8.4 Stunden pro Tag mit einer medizinisch-
theoretisch korrigierbaren Leistungsminderung von 15 bis 20 Prozent) für die bisherige
und jede andere mechanisch leichte bis mittelschwere Arbeitstätigkeit mit der
Möglichkeit zu Wechselpositionen. Aus kardiologischer Sicht lägen eine koronare und
dilatative Kardiopathie und ein leicht dilatierter linker Ventrikel vor. Die Ergometrie habe
bis zu einer Intensität von 92 Watt durchgeführt werden können, was einer
mittelschwer eingeschränkten Leistungsfähigkeit entspreche. Typische pektanginöse
Beschwerden oder ischämiespezifische EKG-Veränderungen seien nicht aufgetreten.
Eine Progression der koronaren Herzkrankheit sei unwahrscheinlich, eine manifeste
Herzinsuffizienz liege nicht vor. Gewisse Einschränkungen seien durch die deutliche
linksventrikuläre Dysfunktion (LV-Dysfunktion) erklärbar. Die angestammte Tätigkeit als
Plattenleger sei seit Januar 2010 nicht mehr zumutbar. In einer körperlich nicht bis
höchstens leicht belastenden Verweistätigkeit sei eine Arbeitsfähigkeit von 75 Prozent
gegeben, wobei eine gewisse Tagesmüdigkeit durch die LV-Dysfunktion und die
Herzinsuffizienzmedikamente zu erklären sei. Aus pneumologischer Sicht liege eine
A.b.
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lungenfunktionell mittelschwere, obstruktive Ventilationsstörung vor; man könne von
einer COPD sprechen, bei welcher die CO-Diffusionskapazität mittelstark vermindert
sei. Deshalb sei die Tätigkeit als Plattenleger nicht mehr zumutbar. Für körperlich
leichte Arbeiten in einer allergen- und staubarmen Umgebung bestehe eine volle
Arbeitsfähigkeit. Der allergologische und immunologische Sachverständige führte aus,
dass die akut rezidivierende, wahrscheinlich spontane Urtikaria zurzeit das
Hauptproblem bilde. Der Beschwerdeführer erhalte bereits die "most promising"-
Therapie in Form von Omalizumab (Xolair). Bei der Nasenpolypese handle es sich um
einen chronisch entzündlichen Prozess, der in der Folge zum Beispiel nach Infekten
oder Stress zusätzlich eine intermittierende Verschlechterung des Asthmas nach sich
ziehen könne. Eine atopische Veranlagung bestehe nicht. Aus allergologischer Sicht
habe bezüglich der beruflichen Tätigkeit höchstens die Respirationssymptomatik einen
Einfluss, wobei mit den heutigen Therapiemöglichkeiten, bei dem vorliegenden
Schweregrad und Verlauf weder das Asthma noch die COPD ausreichten, um eine
längerfristige Arbeitsunfähigkeit auszusprechen (ausser bei Exazerbationen). Auch
andere Krankheiten/Syndrome wie die rezidivierende Anaphylaxie oder die
rezidivierende oder chronische Urtikaria führten jeweils nur zu befristeten
Arbeitsunfähigkeiten. Eine psychiatrische Diagnose wurde nicht gestellt. Interdisziplinär
listeten die Sachverständigen folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit auf: Koronare Herzkrankheit, chronisch obstruktive Lungenerkrankung,
rezidivierende Urtikaria, rezidivierende Anaphylaxien, chronische eosinophil-
entzündliche Respirationssymptomatik unklarer Denomination und leichtgradiges
Schmerzsyndrom im linken lumbosakralen Übergang mit ischialgiformer
Schmerzprojektion und muskuläre Dysbalance des Beckengürtels mit deutlichen
Muskelverkürzungen. Sie konstatierten, aus interdisziplinärer Sicht sei der Versicherte
für die angestammte Tätigkeit als Plattenleger spätestens seit Januar 2010 voll
arbeitsunfähig. In einer angepassten, leichten, zum Teil wechselbelastenden Tätigkeit,
ohne staubvolle Umgebung bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 75 Prozent. Bei einem
angepassten Arbeitsplatz handle es sich um eine leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit
mit der Möglichkeit zu gelegentlichen Wechselpositionen. Das Heben und Tragen von
Lasten über 5kg, Tätigkeiten, die Zwangshaltungen des Kopfes oder des Rückens
erforderten, langdauernde Überkopftätigkeiten oder Tätigkeiten in kniender oder
kauernder Körperstellung seien zu vermeiden.
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Mit einem Vorbescheid vom 12. Februar 2014 kündigte die IV-Stelle die
Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 163). Der Versicherte liess am 10. März/1.
April 2014 insbesondere einwenden (IV-act. 165 und 168), es seien weitere
medizinische Abklärungen, insbesondere eine Begutachtung mit Blick auf die
allergischen Reaktionen sowie eine Spiro-Ergometrie, vorzunehmen und dann sei neu
zu entscheiden. Zur Begründung liess er ausführen, das MEDAS-Gutachten vom 29.
Oktober 2013 bestehe aus einzelnen Teilgutachten, wobei der Blick für das Ganze bzw.
die Gesamtschau der interdisziplinären Krankheit fehle. Es bestehe zumindest die
Möglichkeit einer Kumulation der einzelnen, in den unterschiedlichen Teilgutachten
angegebenen Prozentzahlen betreffend die Arbeitsunfähigkeit; dies sei nicht
thematisiert bzw. darüber sei keine Stellungnahme abgegeben worden. Ferner sei
keine Spiro-Ergometrie durchgeführt worden, obwohl damit – zumindest ansatzweise –
eine Gesamtschau der effektiven Leistungsfähigkeit bzw. Arbeitsfähigkeit hätte
erfolgen können. Das allergologische und immunologische Teilgutachten vom 24.
September 2013 sei nicht korrekt, zumal der Versicherte in der Vergangenheit extreme
allergische Reaktionen gezeigt habe. In diesem Bereich seien daher weitere
Abklärungen bzw. Gutachten zu erstellen. Die allergischen Reaktionen wirkten sich auf
die Psyche des Versicherten aus; er erlebe Todesängste. Letztere seien neuerer Art
und deshalb im psychologischen Teilgutachten vom 30. Mai 2013 nicht berücksichtigt
worden. Weiter reichte der Rechtsvertreter des Versicherten nachträglich die Berichte
des Spitals D._ vom 13. Dezember 2013 und 10. März 2014, des Universitätsspitals
Zürich (USZ) vom 18. Februar 2014 sowie des Hausarztes Dr. C._ vom 22. März 2014
ein (IV-act. 168-11 ff.). Am 13. Mai 2014 nahm die MEDAS Stellung (IV-act. 173) zu den
Einwänden des Versicherten. Sie führte aus, eine Spiroergometrie würde keine neuen
Erkenntnisse bringen. Die beim Kardiologen durchgeführte Ergometrie sei bei 92 Watt,
in erster Linie wegen Beinschwäche und Hyperventilation, abgebrochen worden; bei
der Spiroergometrie wäre keine bessere Compliance zu erwarten. Eine Spiroergometrie
wäre nur dann sinnvoll, wenn dem Versicherten noch eine körperlich aktive Tätigkeit
zumutbar wäre, was klar verneint werde. Der Versicherte sei als Plattenleger zu 100
Prozent arbeitsunfähig. Der Pneumologe habe in Ruhe eine Sauerstoffsättigung von 95
Prozent gemessen, was der Norm entspreche und für eine sitzende Tätigkeit voll und
ganz ausreiche. Das allergologische und immunologische Teilgutachten gehe nicht
fehl. Darin und auch in dem vom USZ eingereichten Bericht vom 18. Februar 2014
A.c.
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seien eine rezidivierende Urtikaria, rezidivierende Anaphylaxien und eine chronische
eosinophilentzündliche Respirationssymptomatik angegeben worden. Der
Sachverständige Dr. med. E._ habe dargelegt, dass eine Beruhigung respektive
Kontrolle der Symptomatik durch eine Omalizumab-Behandlung (mit Xolair) erzielt
werden könne. Darauf habe der Versicherte gemäss dem Bericht des USZ vom 18.
Februar 2014 auch angesprochen und darunter lediglich zweimal leichte urtikarielle
Schübe aufgewiesen, die keiner Behandlung bedürft hätten. Weshalb eine Absetzung
erfolgt sei, wisse die MEDAS nicht. Danach seien erneut urtikarielle Schübe mit
Hospitalisationen im Spital D._ im Dezember 2013 und März 2014 aufgetreten. Diese
Hospitalisationen seien notwendig gewesen, weil die Omalizumab-Behandlung
abgesetzt worden sei. Bis zumindest Mitte März 2014 sei nicht mehr mit dieser
Therapie begonnen worden, obwohl eine Kostengutsprache der Krankenkasse
vorgelegen habe und das Medikament gut toleriert worden sei, die Therapie damit
zumutbar gewesen sei und auch einen positiven therapeutischen Effekt gezeigt habe.
Unter einer erfolgreichen Behandlung sei deshalb in einer angepassten leichten
Verweistätigkeit nach wie vor ein zeitliches Pensum vom 100 Prozent zumutbar. Der
Versicherte sei auch psychiatrisch fundiert exploriert worden. Während der
Teilbegutachtung und auch während der Beobachtung bei den anderen Teilgutachten
sowie bei der internistischen Untersuchung seien keine Anhaltspunkte für ein
krankhaftes pathologisches psychiatrisches Bild aufgetreten bzw. psychische
Auffälligkeiten beobachtet worden. Der Versicherte stehe nicht in psychiatrischer
Behandlung und nehme keine Antidepressiva oder Benzodiazepine ein. Bezüglich der
Leistungseinschränkungen werde aus versicherungsrechtlicher und bundesrechtlicher
[gemeint wohl: bundesgerichtlicher] Sicht gestützt, dass die jeweiligen
Leistungseinschränkungen nicht kumuliert würden, sondern dass die höchste
Leistungseinschränkung überwiege. Daher werde an der bisherigen interdisziplinären
Beurteilung festgehalten. Der RAD-Arzt Dr. F._ hielt am 3. Juni 2014 fest, dass die
MEDAS mit ihrer Stellungnahme vom 13. Mai 2014 die Einwände des Rechtsvertreters
mit fachlich fundierten Argumenten widerlegt habe. Damit könne auch an den im
Gutachten dargelegten versicherungsmedizinischen Einschätzungen festgehalten
werden. Die IV-Stelle verfügte am 7. August 2014 die Abweisung des Rentengesuchs
(IV-act. 182). Sie führte aus, dass aufgrund der eingeholten Abklärungen weiterhin auf
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das MEDAS-Gutachten und die darin vorgenommenen medizinischen Einschätzungen
abgestellt werden könne. Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Dr. C._ ersuchte die IV-Stelle am 20. Januar 2015 (IV-act. 183), erneut einen
Leistungsanspruch des Versicherten zu prüfen, da diesem sicherlich eine halbe IV-
Rente zukomme. Am 19. März 2015 wies die IV-Stelle den Versicherten darauf hin (IV-
act. 185), dass sie nicht beabsichtige, ein neues Verfahren zu eröffnen. Es stehe ihm
aber frei, bis zum 15. April 2015 neue Berichte einzureichen, falls sich medizinisch in
der Zwischenzeit etwas verändert habe. Am 13. April 2015 (eingegangen am 15. April
2015) ersuchte der Versicherte unter Beilage diverser ärztlicher Berichte um eine
"Wiedereröffnung" des IV-Verfahrens (IV-act. 187), da sein Gesundheitszustand nach
wie vor schlecht sei. Die Atemnot habe sich verschlechtert und er leide an allergischen
Reaktionen, an einer schweren Müdigkeit und an einem hohen Blutdruck sowie
unterdessen infolge der Krankheit auch an einem "depressiven Verhalten". Der RAD-
Arzt Dr. F._ notierte am 7. Mai 2015 (IV-act. 192), dass die Verschlechterung auf eine
Malcompliance des Versicherten (zufolge Absetzung des Xolair) zurückzuführen sei. Mit
einem Vorbescheid vom 17. Juli 2015 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten an, dass
sie beabsichtige, nicht auf sein neues Leistungsbegehren einzutreten (IV-act. 195). Am
29. September 2015 erliess sie dann eine Nichteintretensverfügung (IV-act. 196).
Dagegen liess der Versicherte Beschwerde erheben (IV-act. 205) und beantragen, die
angefochtene Verfügung vom 29. September 2015 sei aufzuheben und die IV-Stelle sei
anzuhalten, auf die Neuanmeldung vom 22. Januar 2015 einzutreten. Am 21. Januar
2016 reichte Dr. G._ der IV-Stelle ein Ergometrie-Protokoll ein (IV-act. 213 bis 215).
Der RAD-Arzt Dr. F._ notierte, dass aufgrund dieses Ergometrie-Protokolls eine
relevante Veränderung des Gesundheitszustandes des Versicherten nicht
ausgeschlossen werden könne (IV-act. 222). Am 22. Januar 2016 verfügte die IV-Stelle
den Widerruf der Verfügung vom 29. September 2015 (IV-act. 226). Am 15. Februar
2016 (IV 2015/346) schrieb das Versicherungsgericht des Kantons St.Gallen das
Beschwerdeverfahren ab (IV-act 235).
A.d.
Am 17. Mai 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie zur Klärung der
Leistungsansprüche eine umfassende medizinische Verlaufsuntersuchung (Allgemeine
Innere Medizin, Kardiologie, Pneumologie, Allergologie, Rheumatologie, Psychiatrie) als
notwendig erachte (IV-act. 241). Am 11. November 2016 erstatteten die
A.e.
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Sachverständigen der MEDAS Interlaken Unterseen GmbH ihr Gutachten (IV-act. 257).
Der kardiologische Sachverständige gab an, dass der echokardiographische Befund im
Wesentlichen unverändert sei. Die Spiroergometrie sei durch extrakardiale Ursachen
beeinflusst worden, weshalb ein Vergleich mit der Ergometrie der Erstbegutachtung
nicht möglich sei. Beim Versicherten liege eine mittelschwere Schädigung der
linksventrikulären systolischen Funktion bei einem Status nach einem Infarkt vor. Eine
Herzinsuffizienz sei nicht gegeben (IV-act. 257-84). Dass die linksventrikuläre
Funktionseinschränkung zu einer Leistungseinschränkung führe, sei denkbar, habe
aber in der Spiroergometrie nicht erhoben werden können, da diese aus anderen
Gründen abgebrochen worden sei. Unverändert sei der Versicherte als Plattenleger voll
arbeitsunfähig. Für eine angepasste Tätigkeit könne der genaue Grad der
Arbeitsfähigkeit nicht angegeben werden, da die Spiroergometrie aus nicht-kardialen
Gründen vor Erreichen der Leistungsgrenze abgebrochen worden sei. In
pneumologischer Hinsicht leide der Versicherte an einer COPD GOLD Stadium II bis III
(IV-act. 257-98 f.). Das Asthma bronchiale sei im Zusammenhang mit einem chronisch-
eosinophilen Entzündungsprozess der oberen und unteren Atemwege zu sehen. Das
Erstsekundenvolumen habe sich nicht verschlechtert. Eine Messung der CO-
Diffusionskapazität oder eine FE-NO-Messung habe aufgrund der mangelnden
Kooperation des Versicherten nicht durchgeführt werden können. Subjektiv habe sich
die respiratorische Situation des Versicherten seit der Erstuntersuchung zwar
verschlechtert, das habe aber nicht objektiviert werden können; seit der
Erstuntersuchung liege keine relevante Verschlechterung vor. Aus pneumologischer
Sicht sei der Versicherte als Plattenleger weiterhin arbeitsunfähig; für eine leichte
körperliche Arbeit in einer rauch- und allergenarmen Umgebung bestehe eine volle
Arbeitsfähigkeit. Der psychiatrische Sachverständige berichtete, dass keine
Bewusstseinsstörungen, keine Orientierungsstörungen, keine kognitiven Störungen,
kein psychosenahes Erleben und keine Antriebsstörungen vorlägen. Störungen der
Emotionalitäten träten im Sinne von Niedergedrücktheit oder Aggressivität, Wut, Ärger
oder Reizbarkeit durchaus auf, jedoch nicht als durchgängige Störung im Sinne einer
affektiven Störung. Verhaltensauffälligkeiten liessen sich nicht objektivieren. Ein
Gesundheitsschaden, der zu einer bleibenden oder längerdauernden Beeinträchtigung
der mentalen, emotionalen und kognitiven Funktionen führen würde und sich nicht
durch therapeutische Massnahmen beheben oder einschränken liesse, läge nicht vor.
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Hinweise für eine Anpassungsstörung seien gegeben, eine schwerwiegende
psychiatrische Erkrankung oder eine schwerwiegende Form einer solchen Störung sei
jedoch nicht vorhanden. Die Anpassungsstörung habe keine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit. Der allergologische und immunologische Sachverständige legte dar,
dass (nach wie vor) das nicht kontrollierte Asthma der Hauptgrund für die
Arbeitsunfähigkeit und die Allergie-Episoden des Versicherten sei (IV-act. 257-120). Die
Urtikaria trete bei akuten Ereignissen auf, was nicht ungewöhnlich sei. Sie bilde jedoch
keinen Grund für eine Arbeitsunfähigkeit. Der rheumatologische Facharzt gab an (IV-
act. 257-128 f.), beim Versicherten bestehe prädominant ein generalisiertes
myofasciales Schmerzsyndrom mit weitgehend symmetrisch angeordneten
Weichteildruckdolenzen am Schultergürtel, um beide Ellenbogengelenke, entlang der
Wirbelsäule sowie am gesamten Beckengürtel. Das Weichteilschmerzsyndrom sei
Ausdruck eines myofascialen Schmerzsyndroms bei einer muskulären Dysbalance
sowohl des Schulter- als auch des Beckengürtels mit einem symptomatischen
Piriformis-Syndrom linksbetont. Daneben leide der Versicherte an einem chronifizierten
lumbospondylogenen Syndrom mit ischialgiformer Schmerzausstrahlung in das linke
Bein. Daher sei in rheumatologischer Hinsicht eine leichte Reduktion der zumutbaren
Belastbarkeit des Achsenskeletts für sämtliche rückenbelastende Tätigkeiten und eine
leichtgradige, medizinisch-theoretisch korrigierbare Leistungsminderung infolge des
chronischen Weichteilschmerzsyndrom gegeben. Am Bewegungsapparat hätten sich
seit der Erstbegutachtung keine Veränderungen eingestellt. An der vollen
Arbeitsunfähigkeit als Plattenleger könne festgehalten werden. Auch sei in einer
leidensangepassten Tätigkeit weiter eine Restarbeitsfähigkeit von 100 Prozent
gegeben, jedoch mit einer Leistungsminderung von etwa 15 Prozent. Diese erkläre sich
durch eine allgemeine Dekonditionierung, die aber nicht nur durch die
Schmerzsymptomatik am Bewegungsapparat, sondern auch durch die
kardiopulmonalen Defizite zu erklären seien. Die Sachverständigen der MEDAS
Interlaken Unterseen GmbH listeten interdisziplinär folgende Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit auf: Chronisch obstruktive Lungenerkrankung, koronare
Herzkrankheit, generalisiertes myofasciales Schmerzsyndrom mit muskulären
Dysbalancen sowohl des Schulter- als auch des Beckengürtels mit symptomatischem
Piriformis-Syndrom linksbetont, keine Hinweise auf inflammatorische Grundlage der
Beschwerden und chronifiziertes lumbospondylogenes Syndrom mit ischialgiformer
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Schmerzausstrahlung in das linke Bein bei einer leichten Chondrose L4/5 radiologisch.
Sie führten weiter aus, in der angestammten Tätigkeit als Boden-/Plattenleger bestehe
weiterhin eine volle Arbeitsunfähigkeit, da der Versicherte wegen seiner kardio-
pulmonalen Leistungsfähigkeit keine schweren körperlichen Tätigkeiten mehr
ausführen könne. Gemäss dem interdisziplinären Konsens sei dem Versicherten eine
angepasste leichte bis mittelschwere Arbeit während 8 Stunden pro Tag an 5 Tagen
pro Woche zumutbar. Dabei bestehe eine Leistungseinschränkung von 20 Prozent,
woraus eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent resultiere. Begründet sei diese
Leistungseinbusse durch eine allgemeine Dekonditionierung, ein verlangsamtes
Arbeitstempo wegen der Einhaltung von ergonomischen Haltungen sowie von Pausen
für Dehn- und Lockerungsübungen. Die angepasste Arbeitsfähigkeit müsse in einer
rauch- und allergenarmen Umgebung ausgeführt werden können. Rückbelastende
Tätigkeiten wie Lastenheben über 10kg, rezidivierendes Bücken oder Arbeiten in einer
kontinuierlichen Vorneigehaltung seien ebenfalls zu vermeiden. Wechselpositionen mit
Stehen und Sitzen seien am besten geeignet. Interdisziplinär fänden sich keine
objektiven Anhaltspunkte, welche für eine Verschlechterung der Leistungsfähigkeit seit
der letzten Begutachtung im Jahre 2013 sprechen würden. Der Gesundheitszustand
habe sich seit der letzten Begutachtung nicht relevant verändert. Der RAD-Arzt Dr.
F._ gab am 30. Dezember 2016 an (IV-act. 260), auf das polydisziplinäre MEDAS-
Verlaufsgutachten vom 11. November 2016 könne abgestellt werden; es sei äusserst
sorgfältig, umfassend, widerspruchsfrei und hinsichtlich der
versicherungsmedizinischen Konklusionen plausibel und nachvollziehbar.
Mit einem Vorbescheid vom 13. März 2017 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten
die Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 266). Sie stützte sich dabei
insbesondere auf das Ergebnis des Gutachtens vom 11. November 2016. Am 11. April
2017 liess der Versicherte einwenden (IV-act. 267-1 ff.), dass ihm aus kardiologischer
Sicht nur noch ganz leichte körperliche Tätigkeiten teilzeitlich und in einem geschützten
Rahmen zumutbar seien, sodass das Invalideneinkommen Fr. 0.-- betrage. Im Weiteren
verwies er auf die Ausführungen von Dr. G._ vom 23. März 2017 und von Dr. H._
vom 12. Januar 2017. Dr. G._ hatte am 23. März 2017 berichtet, dass das
Verlaufsgutachten teilweise einseitig, parteiisch und ungenau sei (IV-act. 267-4 ff.). Er
hatte diesbezüglich im Wesentlichen ausgeführt, die vom kardiologischen
A.f.
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Sachverständigen Dr. I._ verwendete dreidimensionale EF (ejection fraction =
Auswurfsfraktion des linken Ventrikels) sei nicht genügend validiert und habe keinen
Platz in einer Begutachtung. Weiter führe das Aneurysma zu einer Verschlechterung
der Kinetik des linken Ventrikels, was mit reinen Zahlen nicht richtig erfasst werden
könne; die Pumpfunktion sei wahrscheinlich eher schwer eingeschränkt. Eine
eindeutige Stellungnahme zur EF fehle. Der Versicherte erhalte Procorolan, welches auf
die Herzfrequenz den gleichen Effekt habe wie Betablocker; dies sei vom
Hauptgutachter bei der Verlaufs-Ergometrie ignoriert worden. Der fehlende Anstieg des
Blutdrucks beim Belastungsanstieg bis immerhin fast zur Hälfte des Solls sei keine
normale Kreislaufreaktion. Am 12. Januar 2017 hatte Dr. med. H._, Innere Medizin
und Pneumologie FMH, berichtet, für körperlich nicht belastende Arbeiten bestehe eine
Restarbeitsfähigkeit von 20 Prozent (IV-act. 267-31 f.). Das Asthma bronchiale könne
mit einer Behandlung durch Mepolizumab (Nucala) stabilisiert werden; dies habe einen
Einfluss auf die Lebensqualität des Versicherten, nicht aber auf die Arbeitsfähigkeit. Am
20. April 2017 liess der Versicherte mitteilen, dass er ab sofort zu 30 Prozent bei der
J._ AG arbeite, die unter anderem Platten-, Natur- und Kunststeinarbeiten ausführe.
Die IV-Stelle ersuchte die MEDAS Interlaken Unterseen GmbH am 19. Juni 2017, zu
diesen medizinischen Einwänden Stellung zu nehmen. Am 4. Juli 2017 führte der
kardiologische Sachverständige der MEDAS Interlaken Unterseen GmbH aus (IV-act.
271-4 ff.), es bestehe die Lehrbuchmeinung, falls möglich dreidimensionale
echokardiographische Messungen für die Auswurfsfraktion zu verwenden, da dort
keine geometrischen Annahmen zu machen seien und da die Messungen genauer und
besser reproduzierbar seien als bei der zweidimensionalen Messung. Dies werde auch
in internationalen Richtlinien der Fachgesellschaft empfohlen. Da die Kardiologie
Interlaken seit fast 15 Jahren routinemässig dreidimensionale Messungen der
Auswurfsfraktion durchführe, sei die geforderte Erfahrung vorhanden. Die Bildqualität
bei der Untersuchung des Versicherten sei gut gewesen. Gestützt auf die
Auswurfsfraktion dürfe keine Aussage zur Leistungsfähigkeit gemacht werden. Der
Grund liege darin, dass die Leistungsfähigkeit von vielen Faktoren abhänge und die
Funktion des Herzens nur eine davon sei. Ausserdem gebe die Auswurfsfraktion als
Messwert für die systolische Funktion nur einen Teilaspekt der kardialen Funktion
wieder. Weiter führten Dr. med. K._, Facharzt FMH Allgemeine Innere Medizin, und
Dr. med. L._, Ärztlicher Leiter der MEDAS Interlaken Unterseen GmbH, am 4. Juli
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B.
2017 aus (IV-act 271-1 ff.), die Aussagekraft des Leistungstests sei wegen des
Nichterreichens der Ausbelastung zu diskutieren. Procorolan könne eine
herzfrequenzsenkende Wirkung haben, dann sei allerdings auch eine Senkung des
Ruhepulses zu erwarten. Falls nur noch ein Maximalpuls von 111 erreicht werden
könne, wäre das ein Grund für eine verminderte maximale Leistungsfähigkeit, was
bedeute, dass das Medikament überdosiert, die Therapie also zu optimieren sei. Der
RAD-Arzt Dr. F._ notierte am 23. August 2017, dass die MEDAS-Sachverständigen,
insbesondere Dr. I._, die von Dr. G._ vorgebrachten Punkte mit überzeugenden
Argumenten widerlegt hätten (IV-act. 272). Am 17. Oktober 2017 verfügte die IV-Stelle
die Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 277).
Am 2. November 2017/20. März 2018 liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 17. Oktober 2017 erheben (act. G 1 und 9). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab wann rechtens, spätestens ab September
2015. Der Rechtsvertreter führte im Wesentlichen (ergänzend zum Einwand vom 11.
April 2017) aus, das MEDAS-Verlaufsgutachten vom 11. November 2016 weise
erhebliche Mängel auf, weshalb nicht auf es abgestellt werden könne. Die Behandlung
mit Xolair habe dem Beschwerdeführer nichts gebracht. Auch treffe es nicht zu, dass er
500m hin- und zurückgehen könne.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. Mai 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 12). Sie machte geltend, die vom behandelnden Kardiologen Dr.
G._ am 23. März 2017 vorgebrachte Kritik am MEDAS-Verlaufsgutachten sei durch
die Stellungnahmen der MEDAS-Experten entkräftet worden. Auch Dr. H._ erwähne
in seinem Bericht vom 12. Januar 2017 keine objektiv fassbaren Gesichtspunkte, die
Zweifel am Ergebnis der Begutachtung auslösen könnten. Der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers habe sich seit der ersten MEDAS-Begutachtung im Jahr 2013 nicht
relevant verändert. Damit könne davon ausgegangen werden, dass keine
revisionserhebliche Veränderung des Gesundheitszustands seit der am 7. August 2014
rechtskräftig verfügten Rentenablehnung eingetreten sei. Massgebend bleibe daher die
B.b.
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Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 17. Oktober 2017 hat die Beschwerdegegnerin
das Rentenbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen. Da das
Beschwerdeverfahren die Prüfung der Rechtmässigkeit dieser Verfügung zum Ziel hat,
muss es sich auf den in der Verfügung enthaltenen Gegenstand beschränken. Folglich
ist nur zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
gehabt hat.
2.
im MEDAS-Gutachten vom 29. Oktober 2013 attestierte Arbeitsfähigkeit von 75
Prozent für angepasste Tätigkeiten. Deshalb bestehe kein Anlass, erneut einen
Einkommensvergleich vorzunehmen.
Am 28. Mai 2018 wurde das Gesuch des Beschwerdeführers um die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung) bewilligt (act. G 13).
B.c.
Mit einem Schreiben vom 16. Oktober 2018 verzichtete der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers sinngemäss auf eine Replik (act. G 21).
B.d.
Gemäss dem Art. 65 Abs. 1 IVV hat sich mit einem amtlichen Formular
anzumelden, wer Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung erhebt. Der
Hausarzt Dr. C._ hat die Beschwerdegegnerin am 20. Januar 2015 aufgefordert (IV-
act. 183), erneut eine Beurteilung des Beschwerdeführers vorzunehmen, da diesem
sicherlich eine halbe IV-Rente zukomme. Am 19. März 2015 hat die
Beschwerdegegnerin der ehemaligen Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
mitgeteilt (IV-act. 185), dass sie aufgrund unveränderter Verhältnisse kein IV-Verfahren
eröffnen werde. Es stehe dem Beschwerdeführer aber frei, bis zum 15. April 2015 neue
Berichte einzureichen, falls sich medizinisch in der Zwischenzeit etwas verändert habe.
Danach hat die bisherige Rechtsvertreterin der Beschwerdegegnerin am 27. März 2015
mitgeteilt, dass sie den Beschwerdeführer nicht mehr vertrete (IV-act. 186). Am 13.
April 2015 (eingegangen am 15. April 2015) hat der Beschwerdeführer unter Beilage
diverser ärztlicher Berichte die Eröffnung eines IV-Verfahrens beantragt, da sein
2.1.
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3.
Gesundheitszustand nach wie vor schlecht sei (IV-act. 187). Die Beschwerdegegnerin
ist mit Verfügung vom 29. September 2015 nicht auf das neue Leistungsbegehren vom
Januar 2015 eingetreten (IV-act. 196). Sie hat diese Verfügung am 29. September 2015
widerrufen (IV-act. 226), worauf das Versicherungsgericht des Kantons St.Gallen das
Beschwerdeverfahren am 15. Februar 2016 abgeschrieben hat (IV 2015/346; IV-act.
235). In der Folge hat die Beschwerdegegnerin weitere medizinische Abklärungen in
die Wege geleitet und am 17. Oktober 2017 die Abweisung des Leistungsbegehrens
verfügt (IV-act. 277).
Das Gesuch um Ausrichtung einer IV-Rente ist im Januar 2015 durch den Hausarzt
Dr. C._ eingereicht worden. Innert der von der Beschwerdegegnerin angesetzten
Frist hat der Beschwerdeführer Arztberichte eingereicht. Mit diesem Schreiben hat der
Beschwerdeführer das von seinem Hausarzt eingereichte Gesuch genehmigt. Obwohl
diese Wiederanmeldung nicht unter Verwendung des amtlichen Formulars (Art. 65 Abs.
1 IVV) erfolgt ist, ist die Beschwerdegegnerin auf sie eingetreten. Der
Beschwerdeführer ist von der Beschwerdegegnerin nicht aufgefordert worden, das
amtliche Formular auszufüllen und einzureichen. Damit hat die Beschwerdegegnerin
die "formlose" Anmeldung des Beschwerdeführers akzeptiert. Nun zu argumentieren,
die Anmeldung sei nicht in der vorgeschriebenen Form erfolgt, weshalb nicht auf sie
hätte eingetreten werden dürfen, so dass die Abweisungsverfügung aufzuheben und
durch den Entscheid zu ersetzen sei, nicht auf die Neuanmeldung einzutreten, wäre
überspitzt formalistisch und würde gegen den Grundsatz von Treu und Glauben
verstossen. Da die Voraussetzung des Art. 87 Abs. 3 IVV erfüllt gewesen ist, ist im
Ergebnis davon auszugehen, dass der (formlose) Entscheid der Beschwerdegegnerin,
auf die Neuanmeldung einzutreten, rechtmässig gewesen ist.
2.2.
Eine versicherte Person hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
3.1.
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jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
Der Beschwerdeführer hat sich im Januar 2015 zum Leistungsbezug angemeldet.
In seiner bisherigen Tätigkeit als Plattenleger ist er seit dem Februar 2005 stets zu
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen (vgl. bspw. IV-act. 1, 158-41, 158-60
und 194 mit Hinweisen). Unter Berücksichtigung der Regelungen, dass ein
Rentenanspruch frühestens sechs Monate nach der Anmeldung (Art. 29 Abs. 1 IVG)
und erst nach einer einjährigen Arbeitsunfähigkeitsphase (sog. Wartejahr, Art. 28 Abs. 1
lit. b IVG) entstehen kann, fällt der potentielle Rentenbeginn auf den 1. Juli 2015. Basis
für den Einkommensvergleich bilden somit die Verhältnisse im Jahr 2015.
3.2.
Bei der Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens kommt
den Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit eine
zentrale Rolle zu. Zur Abklärung des Gesundheitszustandes hat die
Beschwerdegegnerin bei der MEDAS Interlaken Unterseen GmbH im Oktober 2013 ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 158) und im November 2016 (Auftrag vom 1. Juni
2016; IV-act. 248) ein polydisziplinäres Verlaufsgutachten (IV-act. 257) eingeholt. Im
ersten Gutachten vom Oktober 2013 ist angegeben worden, dass dem
Beschwerdeführer seit Januar 2010 eine angepasste Verweistätigkeit zu 75 Prozent
zumutbar sei (IV-act. 158-60). In der Verlaufsbegutachtung vom November 2016 haben
die Sachverständigen aus interdisziplinärer Sicht festgehalten, der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers habe sich seit der letzten Begutachtung nicht verändert.
Trotzdem sind sie interdisziplinär davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer eine
angepasste, leichte bis mittelschwere Arbeit während acht Stunden pro Tag an fünf
Tagen in der Woche ausführen könne, wobei eine Leistungseinschränkung von 20
Prozent gegeben sei; somit betrage die Arbeitsfähigkeit 80 Prozent.
3.3.
Zunächst ist zu prüfen, ob diese beiden Gutachten die vom Bundesgericht
vorgegebenen Anforderungen an medizinische Gutachten erfüllen. Ein Gutachten hat
einen ausreichenden Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und die
Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 125 V 351, E. 3a). In beiden
Gutachten sind die relevanten Vorakten gewürdigt worden (IV-act. 158- 2 ff. und IV-act.
257-3 ff.), die Sachverständigen haben beim Beschwerdeführer dessen subjektive
Klagen auf- und die notwendigen Untersuchungen vorgenommen und sie haben im
Rahmen der Anamnese und der objektiven Befunderhebung die entsprechenden
3.4.
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Ergebnisse festgehalten (IV-act. 158- 40 ff. und IV-act. 257-56 ff.). Die objektiven
Untersuchungsbefunde sind in ihrer Art und Schwere gewürdigt worden (IV-act. 158-51
ff. und IV-act. 257-59 ff.). Die Hinweise auf eine mögliche Aggravation (etwa der
vorzeitige Abbruch der Ergometrie im Rahmen der kardiologischen Untersuchung oder
die Angabe seit langem bestehender Schmerzen bei im Röntgenbild erkennbaren
beinahe normalen Verhältnissen im Rahmen der rheumatologischen Untersuchung)
sind berücksichtigt worden. Auch die verbleibenden Ressourcen sind aufgezeigt
worden (IV-act. 158-50 ff. und IV-act. 257-69 ff.). Weiter haben sich die
Sachverständigen mit den bisherigen Behandlungen auseinandergesetzt (IV-act.
158-51 ff., IV-act 158-61 und IV-act. 257-71 f.). Abschliessend ist in beiden Gutachten
gestützt auf umfassende Untersuchungen eine fundierte interdisziplinäre Beurteilung
über die Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer
leidensadaptierten Tätigkeit abgegeben worden (IV-act. 158-59 ff. und IV-act. 257-74
f.). Damit haben die Gutachter sowohl im Erst- als auch im Verlaufsgutachten den
gutachterlichen Fragenkatalog (vgl. auch IV-act. 247), der die vom Bundesgericht
vorgegebenen Standardindikatoren (BGE 141 V 281) mitumfasst, beantwortet. Sowohl
das Erstgutachten vom 29. Oktober 2013 als auch das Verlaufsgutachten vom 11.
November 2016 erfüllt also die Anforderungen an ein medizinisches Gutachten.
Zu prüfen bleibt, ob die Einwände des Beschwerdeführers einen erheblichen
Zweifel am Beweiswert der beiden Gutachten zu wecken vermögen.
3.5.
Der Beschwerdeführer hat insbesondere eingewendet, dass das im Rahmen der
Verlaufsbegutachtung erstellte kardiologische Teilgutachten teilweise einseitig, nicht
objektiv und ungenau sei. Er sei nur noch für ganz leichte körperliche Tätigkeiten und
auch dort nur noch teilzeitlich in einem geschützten Rahmen arbeitsfähig. Diese
Ansicht werde auch von Dr. G._ geteilt; dies gehe insbesondere aus dessen
Stellungnahme vom 23. März 2017 (IV-act. 267-4 ff.) hervor. Dr. G._ hat gestützt auf
seine fachliche Kritik am kardiologischen Teil des Verlaufsgutachtens (vgl. dazu
vorstehend Bst. A.f) die Auffassung vertreten, es liege eine schwere koronare
Herzkrankheit vor. Die Gutachter hätten zwar angegeben, der Beschwerdeführer sei
nur noch in einer körperlich sehr leichten Tätigkeit arbeitsfähig, aber er frage sich allen
Ernstes, was das für eine Arbeit sei. Dies dürfte so zu interpretieren sein, dass Dr.
G._ eine allfällige medizinisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit als auf dem ersten
Arbeitsmarkt nicht mehr verwertbar betrachtet hat. Am 4. Juli 2017 (IV-act. 271-4 ff.)
hat der kardiologische Gutachter einlässlich Stellung zur Kritik von Dr. G._
genommen (vgl. dazu vorstehend Bst. A.f. a.E.). Gemäss der überzeugenden
Würdigung durch den RAD-Arzt Dr. F._ hat der kardiologische Sachverständige in
3.5.1.
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seiner Stellungnahme die Kritik von Dr. G._ widerlegen können. Die Ausführungen
von Dr. G._ vom 23. März 2017 zum Verlaufsgutachten vom November 2016
vermögen damit keine Zweifel an der Beweiskraft des kardiologischen Teilgutachtens
und damit an der interdisziplinären Arbeitsfähigkeitsschätzung zu wecken.
Der Beschwerdeführer hat weiter eingewendet, dass der Dr. H._ am 12. Januar
2017 "unter Berücksichtigung von sämtlichen Teilerkrankungen" (IV-act. 267-31) eine
Restarbeitsfähigkeit in einer nicht belastenden Tätigkeit von lediglich 20 Prozent
attestiert habe. Dem entsprechenden Bericht von Dr. H._ lässt sich keine fachliche,
insbesondere keine spezifisch rheumatologische Begründung für diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung entnehmen. Damit ist der Bericht von Dr. H._ nicht
geeignet, begründete Zweifel am rheumatologischen Verlaufsgutachten und damit an
der interdisziplinären Arbeitsfähigkeitsschätzung in den beiden Gutachten zu wecken.
3.5.2.
Im Übrigen ist bei der Würdigung der Überzeugungskraft der Berichte von Dr.
G._ und Dr. H._ der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass die
behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel
eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen und dazu neigen, die
pessimistischen Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu
qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b.cc; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2). Zusammenfassend ist
deshalb festzuhalten, dass die Einwände des Beschwerdeführers gegen die MEDAS-
Gutachten keine Zweifel an den Diagnosen und an den Arbeitsfähigkeitsschätzungen
zu wecken vermögen.
3.5.3.
Im Gutachten von 2013 hat die rheumatologische Untersuchung eine spezifische
Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 15-20% ergeben. Aus der
kardiologischen Begutachtung hat eine spezifische Arbeitsunfähigkeit für eine
adaptierte Tätigkeit von 25% resultiert. Bei der psychiatrischen, der pneumologischen
und der allergiologisch-immunologischen Begutachtung ist keine Arbeitsunfähigkeit
festgestellt worden. Die interdisziplinäre Abwägung hat mit einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 25% geendet (IV-act. 158-62). Als ausschlaggebend ist
also die im kardiologischen Teilgutachten ermittelte Arbeitsunfähigkeit qualifiziert
worden; die Gutachter sind davon ausgegangen, dass die rheumatologischen und die
kardiologischen Beeinträchtigungen nicht zu kumulieren seien. Im Verlaufsgutachten
von 2016 hat der rheumatologische Gutachter explizit festgehalten, dass am
Bewegungsapparat keine Veränderung gegen 2013 festzustellen gewesen sei; die
Arbeitsunfähigkeit belaufe sich auf etwa 15%. Diese Arbeitsunfähigkeit sei auf eine
allgemeine Dekonditionierung zurückzuführen, die sich wahrscheinlich in erster Linie
3.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/23
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durch die kardiopulmonalen Defizite und nicht durch die Schmerzsymptomatik des
Bewegungsapparates erklären lasse (IV-act. 257-129). Der kardiologische Gutachter
hat einen nicht wesentlich veränderten echokardiographischen Befund erhoben. Die
Spiroergometrie hat, als der unzureichenden Mitwirkung des Beschwerdeführers
zuzuschreibend, kein aussagekräftiges Resultat geliefert, so dass kein Vergleich mit der
Ergometrie hat erfolgen können. Aus diesem Grund hat der kardiologische Gutachter
die Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht angeben können (IV-act.
257-84). Die allergologisch-immunologische, die psychiatrische und die
pneumologische Verlaufsbegutachtung haben keine Arbeitsunfähigkeit (in einer jeweils
angepassten Tätigkeit) ergeben (IV-act. 257-62 f.). Als Resultat der interdisziplinären
Besprechung haben die Gutachter für eine in jeder Hinsicht angepasste Tätigkeit eine
Arbeitsunfähigkeit von 20% angegeben. Sie haben dies mit einer Leistungseinbusse
durch die allgemeine Dekonditionierung und durch ein verlangsamtes Arbeitstempo
wegen der Einhaltung von ergonomischen Haltungen und wegen der Dehn- und
Lockerungsübungen notwendigen Pausen begründet (IV-act. 257-74). Trotz des von
allen Gutachtern (mit Ausnahme des Kardiologen, der keine ausreichende
Untersuchung hat durchführen können) als unverändert bezeichneten
Gesundheitszustandes hat also ein tieferer Arbeitsunfähigkeitsgrad (20% statt 25%)
resultiert. Eine Begründung dafür fehlt im Verlaufsgutachten. Diese Abweichung dürfte
darauf zurückzuführen sein, dass die im ersten Gutachten ermittelte Arbeitsunfähigkeit
von 25% massgeblich durch das Resultat der damaligen kardiologischen Abklärung
begründet war, während die kardiologische Verlaufsbegutachtung als Folge des
Verhaltens des Beschwerdeführers weder die Frage nach einer allfälligen kardiologisch
relevanten Veränderung noch die Frage nach der kardiologisch begründeten
Arbeitsunfähigkeit hat beantworten können. Die interdisziplinäre
Arbeitsfähigkeitsschätzung im Verlaufsgutachten dürfte also ohne die spezifisch
kardiologische Arbeitsfähigkeitsschätzung erfolgt sein und sich weitgehend auf das
Ergebnis der rheumatologischen Verlaufsbegutachtung abgestützt haben, die
allerdings keine spezifische Veränderung seit 2013 ergeben hatte. Damit vermag die
interdisziplinäre Arbeitsfähigkeitsschätzung im Verlaufsgutachten nicht zu überzeugen,
denn es fehlt sowohl eine Antwort auf die Frage, ob sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers in kardiologischer Hinsicht verändert hat, als auch eine Antwort auf
die Frage nach der spezifisch kardiologischen Arbeitsunfähigkeit. Da dieser Mangel auf
die unzureichende Mitwirkung des Beschwerdeführers bei der kardiologischen
(Verlaufs-) Abklärung zurückzuführen ist, liegt eine Verletzung der Mitwirkungspflicht
bei der Sachverhaltsermittlung vor. Die Beschwerdegegnerin hätte den
Beschwerdeführer in Anwendung von Art. 43 Abs. 3 ATSG auffordern müssen, bei der
(nachzuholenden) kardiologischen Verlaufsbegutachtung uneingeschränkt mitzuwirken.
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4.
Der massgebende medizinische Sachverhalt steht also nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Die Sache ist deshalb zur notwendigen
Abklärung des medizinischen Sachverhalts (und damit des Grades der Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Das ausschlaggebende Sachverhaltselement bei der Anwendung des Art. 28a Abs.
1 IVG (i.V.m. Art. 16 ATSG), der Arbeitsfähigkeitsgrad in einer der
Gesundheitsbeeinträchtigung bestmöglich angepassten Erwerbstätigkeit, steht zwar
nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad fest, so dass das massgebende
Invalideneinkommen nicht ermittelt werden kann. Aber das ändert nichts daran, dass
die angefochtene Verfügung in Bezug auf die übrigen Teilelemente des
Einkommensvergleichs auf ihre Rechtmässigkeit geprüft werden muss. Basis für den
Einkommensvergleich bilden die Verhältnisse im Jahr 2015 (vgl. die vorstehende
Erwägung 2.1 f.).
4.1.
Für das Valideneinkommen ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen und persönlichen Umstände im massgebenden Zeitpunkt des
allfälligen Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16
ATSG; BGE 135 V 59 E. 3.1 und 139 V 30 E. 3.3.2, je mit Hinweisen).
4.2.
Bei der Berechnung des Valideneinkommens kann nicht auf das Einkommen
abgestellt werden, das die B._ GmbH als Arbeitgeberin des Beschwerdeführers bei
der AHV-Ausgleichskasse abgerechnet hat. Dem Handelsregisterauszug der B._
GmbH (IV-act. 32) lässt sich nämlich entnehmen, dass der Beschwerdeführer der
Inhaber von 90% der Stammanteile und damit der beherrschende Gesellschafter
gewesen ist. Ausserdem ist er alleiniger Geschäftsführer mit Einzelunterschrift der
B._ GmbH gewesen. Die im individuellen Beitragskonto (IK) verbuchten
beitragspflichtigen Jahreslöhne sind sehr unterschiedlich gewesen (IV-act. 8 und IV-
act. 145). Dies allein weckt schon Zweifel daran, dass diese Jahreslöhne die valide
Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers in der Vergangenheit wiedergeben. Hinzu
kommt, dass der Beschwerdeführer als beherrschender Gesellschafter der B._
GmbH die Höhe des abzurechnenden Lohnes hat beeinflussen können, etwa um den –
im Gegensatz zum Lohn nicht beitragspflichtigen – Unternehmensgewinn höher
ausfallen zu lassen. Das dürfte in der vorangegangenen B._ AG nicht anders
gewesen sein, d.h. der Beschwerdeführer dürfte auch dort eine beherrschende Stellung
eingenommen haben. Die von der B._ AG bzw. B._ GmbH bei der AHV-
Ausgleichskasse deklarierten und im IK des Beschwerdeführers verbuchten
4.2.1.
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Jahreslöhne geben deshalb nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit die valide Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers
vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung wieder. Das Valideneinkommen kann
deshalb nicht ausgehend von den im IK des Beschwerdeführers verbuchten Löhnen
ermittelt werden. Die effektiv durch die jeweils erbrachte Arbeitsleistung
gerechtfertigten Jahreslöhne bei der B._ AG bzw. B._ GmbH könnten wohl nur
durch eine betriebswirtschaftliche Analyse der Buchhaltungsunterlagen (inklusive
Arbeitsrapporte usw.) ermittelt werden. Da dieses Unternehmen nicht mehr existiert
(Löschung am 20. Januar 2010, vgl. die im Handelsregister des Kantons St.Gallen unter
der Firmennummer XXXXXX erfolgte Eintragung), dürften diese Unterlagen nicht mehr
vorhanden sein. In antizipierender Beweiswürdigung ist deshalb auf eine solche
Abklärung zu verzichten.
Der Beschwerdeführer hat gemäss seinen eigenen Angaben ab dem Jahre 1986
in der Schweiz als Plattenleger gearbeitet (IV-act. 145, IV-act. 257-56), obwohl er keine
entsprechende Berufsausbildung absolviert hat. Ob er sich in der über 20-jährigen
Erwerbstätigkeit die beruflichen Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen erarbeitet
hat, über die ein gelernter Plattenleger gleichen Alters verfügt hat, lässt sich den Akten
nicht entnehmen. Diesbezüglich erweist sich der Sachverhalt als unzureichend
abgeklärt. Da die Beschwerdegegnerin über die berufsberaterische Fachkompetenz
verfügt, um die beruflichen Fähigkeiten des Beschwerdeführers zu ermitteln und
anschliessend das diesen Fähigkeiten entsprechende durchschnittliche
Erwerbseinkommen ab 2015 zu bestimmen, ist die Sache auch diesbezüglich an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2.2.
Als Plattenleger ist der Beschwerdeführer aus medizinischen Gründen vollständig
arbeitsunfähig. Diese Tätigkeit kann also nicht die Invalidenkarriere sein. Der
Beschwerdeführer kann seine Restarbeitsfähigkeit nur noch in einer der
Gesundheitsbeeinträchtigung angepassten Erwerbstätigkeit verwerten. Das bedeutet,
dass er seine beruflichen Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen nicht mehr
verwerten kann. Deshalb steht ihm nur noch eine (adaptierte) Hilfstätigkeit offen. Seine
Invalidenkarriere besteht also in einer sog. Hilfsarbeit, wobei keine Beschränkung auf
eine bestimmte Branche besteht, da eine Hilfsarbeit definitionsgemäss keine berufliche
Ausbildung, sondern höchstens eine kurze Einarbeitung am konkreten Arbeitsplatz
erfordert. Der Beschwerdeführer kann seine Restarbeitsfähigkeit also nicht nur in der
Baubranche verwerten. Der Ausgangswert zur Ermittlung des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens entspricht demnach praxisgemäss dem statistischen
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne aller Branchen im Jahr 2015; er beträgt Fr. 66'633.--
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/23
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(vgl. den Anhang 2 der von der Informationsstelle AHV/IV herausgegebenen
Textausgabe des IVG, 10. Aufl. 2019). Die Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für
Statistik (LSE) enthält keinen Hinweis darauf, dass Hilfsarbeiten, die den beim
Beschwerdeführer medizinisch vorgegebenen Einschränkungen Rechnung tragen,
generell unterdurchschnittlich entlöhnt würden. Würde man dementsprechend den
statistischen Zentralwert von Fr. 66'633.-- einfach um den (noch zu ermittelnden)
Arbeitsunfähigkeitsanteil reduzieren, würde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit –
zum Nachteil des Beschwerdeführers – ein Soziallohnanteil in das Invalideneinkommen
einfliessen, d.h. der Einkommensvergleich würde nicht den massgebenden
Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers ergeben. Ein sich strikt betriebswirtschaftlich-
ökonomisch verhaltender potentieller Arbeitgeber, der selbstverständlich nicht bereit
wäre, einen Soziallohnanteil auszurichten, würde nur dann dem Beschwerdeführer den
lediglich um den Arbeitsunfähigkeitsgrad reduzierten Zentralwert von Fr. 66'633.-- als
Lohn ausrichten, wenn der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit in jeder
Hinsicht so verwerten könnte, dass der Wert seiner Arbeitsleistung
betriebswirtschaftlich-ökonomisch betrachtet jenem eines gesunden, durchschnittlich
leistungsfähigen Hilfsarbeiters entsprechen würde, der im selben Pensum angestellt
wäre. Besteht bei einem nur teilsarbeitsfähigen Hilfsarbeiter aber die Gefahr, dass die
Arbeitsleistung dauernd oder auch nur phasenweise krankheits- oder unfallbedingten
Schwankungen unterliegen könnte, ist der nur teilsarbeitsfähige Hilfsarbeiter also nicht
in der Lage, seine Arbeitsleistung konstant zuverlässig und damit im Voraus planbar zu
erbringen oder besteht sogar das Risiko von vermehrten unerwarteten
krankheitsbedingten Absenzen, entstehen dem Arbeitgeber indirekte Kosten. Dasselbe
gilt, wenn es dem nur teilarbeitsfähigen Hilfsarbeiter nicht möglich ist, bei einem
entsprechenden betrieblichen Bedarf vorübergehend über das zumutbare Mass hinaus
zu arbeiten, d.h. Überstunden zu leisten, oder vorübergehend an einem anderen, nicht
adaptierten Arbeitsplatz tätig zu sein, oder wenn der nur teilarbeitsfähige Hilfsarbeiter
besondere Rücksichtnahme seitens der Vorgesetzten, der Kollegen usw. benötigt, so
dass sich deren Arbeitsleistung reduziert. Berücksichtigt der Arbeitgeber diese Kosten
bei der vertraglichen Festsetzung des Lohns des nur teilarbeitsfähigen Hilfsarbeiters
nicht, verhält er sich nicht konsequent betriebswirtschaftlich-ökonomisch, d.h. er
richtet einen Soziallohnanteil aus. Ein derartiger lohnrelevanter Konkurrenznachteil
eines nur teilarbeitsfähigen Hilfsarbeiters lässt es nicht zu, das zumutbare
Invalideneinkommen dadurch zu ermitteln, dass der Zentralwert nur um den
Arbeitsunfähigkeitsanteil reduziert wird. Der Zentralwert resultiert nämlich aus der
Summe der Löhne gesunder Hilfsarbeiter. Der Zentralwert muss also um den
Konkurrenznachteil der nur teilsarbeitsfähigen Hilfsarbeiter reduziert werden, wobei zu
beachten ist, dass dieser Nachteil einzelfallspezifisch ist, d.h. das Ausmass der
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5.