Decision ID: 29a69d8d-735e-48d4-aed8-8987675593f6
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit
Urteil
des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 4. April 2012
(vgl. Urk. 2/1
; Prozess IV.2010.01129
)
wurden
X._
Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 8
00.-- auferlegt
.
Gleichzeitig wurde der unentgeltliche
Rechtsvertreter von
X._
, Rechtsanwalt Peter M. Saurer
, mit
Fr. 1'800.--
entschädigt.
Infolge
Gewährung de
r unentgelt
lichen Rechtspflege wurden die Gerichtskosten und die Kosten für die anwaltliche Vertretung
einst
weilen auf die Gerichtskasse genommen.
X._
wurde darauf hinge
wiesen, dass er gemäss §
16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungs
gericht (
GSVGer
) z
ur Erstattung der ihm einstweilen erlassenen Gerichtskosten und der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, wenn er in güns
tige wirtschaftliche Verhältnisse kommt.
2.
Mit
Eingabe
vom
17. April 2019
wandte sich die Zentrale Inkassostelle der Zür
cher Gerichte an das Sozialversicherungsgericht
und beantragte die Feststel
l
ung der Nachzahlungspflicht von
X._
für die Gerichtskosten von Fr. 800.--
und
für
die Entschädigung für den unentgeltlichen Rechtsve
rtreter in der Höhe von Fr. 1'800.--, das heisst total Fr. 2'600.-- (Urk. 1).
Mit Verfügung vom 2
5.
April 2019 wurde
X._
das
Formular zur Abklärung der finanziellen
Verhältnisse
zugestellt
, und es wurde ihm eine Frist von
30 Tagen
ab Erhalt der Verfügung angesetzt, um dieses dem Gericht, vollständig und wahr
heitsgetreu ausgefüllt sowie unter Beilage sämtlicher Belege zur aktuellen finan
ziellen Situation einzureichen und um schriftlich im Doppel zum Gesuch um Fest
stellung der Nachzahlungspflicht Stellung zu nehmen. Diese Fristansetzung war mit der Androhung verbunden, dass b
ei Säumnis Verzicht auf Stellungnahme angenommen
werde
und der Entscheid über die Nachzahlungspflicht aufgrund der Akten gefällt
werde
, was zur Verpflichtung zur Nachzahlung führen
könne
(
Urk.
3)
.
Am 2
2.
Mai 2019 reichte der Gesuchsgegner das ausgefüllte Formular zur Abklä
rung der finanziellen Verhältnisse mit Beilagen irrtümlicherweise der Gesuchstel
lerin ein (
Urk.
5,
Urk.
6/1-9); diese leitete das Formular an das Gericht weiter (
Urk.
7).
Die telefonische Anfrage des Gerichtsschreibers bei der Sozialabteilung
Y._
am 2
7.
Mai 2019 ergab, dass der Gesuchsgegner aktuell keine wirtschaftliche Sozialhilfe bezieht.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss § 16 Abs. 4 Satz 1
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
ist eine Partei
, der die unentgeltliche Rechts
pflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist.
Veränderte wirtschaft
liche Verhältnisse versetzen die zuvor mittellose Partei dann «in die Lage» zur Nachzahlung, wenn sie die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege aus
schliessen würden (zur gleichlautenden Regelung in der schweizerischen Zivil
prozessordnung vgl. Rüegg/Rüegg in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Schwei
zerische Zivilprozessordnung, 3. Auflage, Basel 2017, Art. 123 N 1).
1.2
Als bedürftig gilt eine Person, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhaltes nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (BGE 128 I 232 E. 2.5.1). Massgebend sind dabei die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Entscheidung über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (BGE 108 V 269 E. 4), wobei die Grenze für die Annahme von Bedürftigkeit praxisgemäss etwas höher anzusetzen ist als diejenige des betrei
bungsrechtlichen Existenzminimums (vgl. Kreisschreiben der Verwaltungskom
mission des Obergerichts des Kantons Zürich an die Bezirksgerichte und die Betreibungsämter über Richtlinien für die Berechnung des betreibungs-rechtlichen Existenzminimums vom 16. September 2009). Bei der Beurteilung der prozessualen Bedürftigkeit sind das Einkommen und das Vermögen beider Ehe
gatten zu berücksichtigen. Die familienrechtliche Verpflichtung des Ehegatten zur Bevorschussung von Prozesskosten geht der unentgeltlichen Rechtspflege grund
sätzlich vor (Urteil des Bundesgerichts 8C_665/2011, 8C_666/2011 vom 26. Januar 2012, E. 8.1).
2.
2.1
Laut den Angaben des Gesuchsgegners auf dem eingereichten Formular zur Abklärung der finanziellen Verhältnisse lebt er mit seiner Ehefrau vom monat
lichen Nettolohn der Gattin in Höhe von
Fr.
1
’
363.7
0.
Über weitere Einkünfte, insbesondere etwa wirtschaftliche Sozialhilfe, verfüge er nicht (
Urk.
5 S. 2 f.,
Urk.
6/2), ebenso wenig über Ausgaben mit Ausnahme der Krankenkassenprä
mien (
Urk.
5 S. 4). Weiter verfüge er aktuell über ein Vermögen aus einer Betei
ligung in Höhe von
Fr.
10'000.--, nicht aber über Guthaben auf Bank- und
Post
konti
(
Urk.
5 S. 5).
2.2
Die Angaben des Gesuchsgegners zu seinen finanziellen Verhältnissen sind offensichtlich unvollständig. In Anbetracht der üblichen Lebenshaltungskosten eines Ehepaars ist es selbst unter der Annahme eines bescheidenen Lebensstils unvorstellbar, dass er und seine Ehefrau ihren Lebensunterhalt einzig vom Lohn der Gattin in Höhe von
Fr.
1'363.70 bestreiten können, zumal sie auch keine Sozialhilfe erhalten (
Urk.
9).
Weiter ist schwer vorstellbar, dass die Eheleute wie im Formular angegeben keine Wohnkosten und kein Guthaben auf Bank- und Postkonti haben.
Wie in der Verfügung vom
2
5.
April 2019
angedroht, ist
der Entscheid über die Nachzahlungspflicht
deshalb
aufgrund der Akten
zu fällen.
Gestützt auf die
Akten lassen sich die
gesamten Einkünfte und Ausgaben
des Ehepaars zwar nicht
genau bestimmen; da die Eheleute keine Sozialhilfe erhalten,
kann
jedoch
davon ausgegangen werden
, dass
die Einkünfte zur Bestreitung des Lebensunterhalts
problemlos
ausreichen und damit deutlich höher sind als die angegebenen
Fr.
1'363.70
pro Monat. Bei dieser Aktenlage müsste ein Gesuch der Eheleute
um unentgeltliche Rechtsvertretung und Prozessführung mangels genü
gend substantiierter und belegter finanzieller Bedürftigkeit
abgewiesen werden.
Demnach muss auch
davon ausgegangen werden, dass sie aufgrund ihrer wirt
schaftlichen Verhältnisse in der Lage sind, die im Jahr 2012 auf die Gerichtskasse genommenen Gerichtskosten von Fr. 800.-- sowie die aus der Gerichtskasse erfolgte Entschädigung an den unentgeltlichen Rechtsvertreter von Fr. 1'800.-- nachzuzahlen.
2.3
Es ergibt sich, dass
der Gesuchsgegner
entsprechend dem Antrag des Gesuchstel
lers zu verpflichten ist, dem Gesuchsteller betreffend das Verfahren IV.2010.01129 des hiesigen Gerichts Fr. 2'600.-- nachzuzahlen.
3.
In analoger Anwendung von § 28 lit. a GSVGer in Verbindung mit Art. 119 Abs. 6 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) ist für das Nachzahlungs
verfahren weder eine Entscheidgebühr zu erheben noch eine Parteientschädigung zuzusprechen.