Decision ID: c43fcb03-944b-55f8-8a06-f1189c1ab3e8
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
avanex Versicherungen AG, Versicherungsrecht, Postfach, 8081 Zürich Helsana,
Beschwerdeführerin,
und
A._,
Beigeladener,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1977, war als Werkstattleiter bei der B._ tätig und dadurch bei
der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen Unfälle
versichert. Am 27. November 2008 wurde dieser gemeldet, der Versicherte habe sich
am 18. November 2008 beim Anheben einer Seitenplatte der Druckanlage zwei Risse in
der Bandscheibe am Rücken zugezogen (UV-act. 1). Auf Nachfrage durch die
Unfallversicherung schilderte der Versicherte den Hergang des Ereignisses vom
18. November 2008 (UV-act. 3). Er führte aus, er habe mit einem seiner Mitarbeiter um
ca. 10 Uhr eine schwere Grundplatte, 2.20m lang und 1.40m breit, tragen müssen, um
sie auf eine andere Grundplatte zu montieren. Die Platten seien sehr schwer und
ausserdem sei der Boden genau dort, wo sie die Platte hätten montieren müssen, fettig
gewesen. Er sei ausgerutscht und habe gleichzeitig die Platte nicht fallen lassen wollen.
Dabei habe er einen Zwick in den Rücken bekommen. Er habe sofort starke Schmerzen
gespürt und sei dann am Mittag nach Hause gegangen. Am nächsten Tag sei er trotz
der Schmerzen in die Firma gegangen. Arbeiten habe er aber nicht können, weshalb
ihn der Geschäftsführer ins Kantonsspital gebracht habe. Laut Austrittsbericht des
Kantonsspitals St. Gallen vom 21. November 2008 wurde eine akute Lumbago
diagnostiziert und der Versicherte mit intravenöser Schmerztherapie vom 19. bis
21. November 2008 stationär behandelt. Im Magnetresonanztomogramm (MRI) vom
19. November 2008 wurden lumbale Diskopathien, mehrere Diskushernien und Einrisse
zweier Anuli fibrosi festgestellt (UV-act. 4). Der nachbehandelnde Arzt, Dr. med. C._,
Facharzt FMH für Innere Medizin, berichtete am 10. Dezember 2008 über eine
protrahierte Besserung der anhaltenden Lumbalgie, verneinte neurologische Ausfälle
und stellte den Abschluss der Behandlung Ende Dezember 2008 in Aussicht (UV-act.
5). Der Versicherte war ab 19. November 2008 100% arbeitsunfähig; am 9. Januar
2009 attestierte ihm Dr. C._ für körperlich leichte Arbeit ab 11. Januar 2009 100%
Arbeitsfähigkeit (UV-act. 2 und 9).
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A.b Wegen verschiedener Unklarheiten wurde der Versicherte persönlich befragt. Zum
Hergang am 18. November 2008 wiederholte er am 21. Januar 2009 seine schriftlichen
Angaben vom 8. Dezember 2008 (UV-act. 12). Der Mitarbeiter, der mit dem
Versicherten zusammen die Platte getragen hatte, D._, bestätigte dem
Aussendienstmitarbeiter der Suva am 23. Januar 2009, dass der Versicherte während
des Tragens auf einmal über Rückenschmerzen geklagt habe. Er hielt ein Wegrutschen
des Versicherten für möglich, konnte sich daran aber nicht mehr erinnern (UV-act. 12).
Der Geschäftsführer der B._ gab an, ihm sei bestätigt worden, dass der Versicherte
zusammen mit dem Mitarbeiter die Platte getragen und nicht, wie sonst üblich, zum
Transport auf einen Wagen gelegt hätte. Die Kündigung des Versicherten noch in der
Probezeit sei erfolgt, weil er für die vorgesehene Tätigkeit nicht qualifiziert gewesen sei;
sie habe mit dem Ereignis vom 18. November 2008 nichts zu tun (UV-act. 12).
A.c Mit Verfügung vom 12. Februar 2009 lehnte die Suva ihre Leistungspflicht für das
Ereignis vom 18. November 2008 ab, da das Ausrutschen nicht als aussergewöhnlich
im Sinn der Rechtsprechung zu betrachten sei. Es liege daher kein Unfall im
Rechtssinn vor, weshalb die Suva nicht leistungspflichtig sei (UV-act. 15).
A.d Gegen diese Verfügung erhob die Krankenversicherung des Versicherten, die
avanex Versicherungen AG (avanex), am 23. Februar 2009 vorsorglich Einsprache (UV-
act. 18). Mit Schreiben vom 8. April 2009 hielt die avanex an ihrer Einsprache vom
23. Februar 2009 fest und begründete diese (UV-act. 20). Am 12. Mai 2009 wies die
Suva die Einsprache ab.
B.
B.a Dagegen richtet sich die Beschwerde der avanex vom 26. Mai 2009 mit den
Anträgen, die Beschwerde sei gutzuheissen, der Einspracheentscheid vom 12. Mai
2009 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin habe die gesetzlichen UVG-Leistungen
zu erbringen. Zur Begründung wird angeführt, wegen der unkoordinierten
Körperbewegung des Versicherten beim Ausgleiten und gleichzeitigen Auffangen der
Platte müsse ein ungewöhnlicher äusserer Faktor und damit ein Unfallereignis bejaht
werden.
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B.b Der Versicherte ist mit Schreiben des Versicherungsgerichts vom 2. Juni 2009
zum Prozess beigeladen und ihm die Möglichkeit gegeben worden, zur Beschwerde
der avanex Stellung zu nehmen (act. G 2). Am 8. Juni 2009 hat er den Hergang des
Vorfalls vom 18. November 2008 nochmals beschrieben und ausgeführt, weshalb der
Boden in der Werkstatt fettig war (act. G 3).
B.c Mit Beschwerdeantwort vom 9. September 2009 hat die Suva die Abweisung der
Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 12. Mai 2009
beantragt. Zur Begründung hat sie angeführt, das Wegrutschen und damit ein Unfall
seien nicht mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Diese Schädigung
im Körperinnern müsse nach der Rechtsprechung unter besonders sinnfälligen
Umständen gesetzt worden sein, sollte ein Unfall als Ursache in Frage kommen.
Andernfalls bestehe eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine rein krankheitsbedingte
Ursache. Da das Ausrutschen des Versicherten seinem Mitarbeiter nicht in Erinnerung
geblieben sei, könne es höchstens sehr gering gewesen sein, weshalb nicht von einer
unkoordinierten Bewegung und damit von einem Unfall gesprochen werden könne.
B.d Replizierend hat die Beschwerdeführerin am 22. September 2009 an ihren
Anträgen in der Beschwerde festgehalten (act. G 10).
B.e Der beigeladene Versicherte hat in seiner 2. Stellungnahme vom 22. September
2009 zur Begründung der Beschwerdeantwort ausgeführt, er habe im Spital ganz
genau geschildert, wie es passiert sei. Auch das Wegrutschen habe er klar und deutlich
mehrmals erwähnt. Da er hier aufgewachsen sei, sollte sein Deutsch für eine solche
Befragung genügend sein. D._ spreche hingegen sehr wenig Deutsch, weshalb er
Mühe gehabt habe, sich mit ihm zu verständigen. Er sei sich sicher, dass dieser das
Wort "Wegrutschen" nicht verstehe und es daher auch nicht habe bestätigen können.
Er habe keinen Grund gehabt, dieses Wegrutschen einfach so zu erfinden.
B.f Die Suva hat am 15. Oktober 2009 auf das Einreichen einer Duplik verzichtet.
C.
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Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der weiteren
Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Unfall des
beigeladenen Versicherten am 18. November 2008 und damit die Grundlage für ihre
Leistungspflicht verneint hat.
1.2 Die Beschwerdegegnerin hat im Einspracheentscheid zutreffend dargelegt, was
als Unfall im Sinn von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) und der dazugehörenden Rechtsprechung
gilt (E. 1). Darauf kann verwiesen werden. Ergänzend ist BGE 134 V 72 und die dortigen
Ausführungen zum Unfallbegriff und zum äusseren Faktor heranzuziehen (E. 3 und 4
S. 75ff. mit weiteren Hinweisen).
1.3 Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der Person, die eine
Leistung verlangt, glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach,
indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das
Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen,
besteht keine Leistungspflicht der Unfallversicherung. Im Streitfall obliegt es dem
Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind.
Dem Untersuchungsgrundsatz entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen
Beweise zu erheben und kann zu diesem Zweck auch die Parteien heranziehen. Wird
auf Grund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens
mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht -, hat dieses als
unbewiesen zu gelten. Das wirkt sich zu Lasten der Person aus, die den Anspruch
erhebt (vgl. BGE 116 V 136 E. 4b S. 140f. und RKUV 1990 U 86 S. 50).
2.
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2.1 Der beigeladene Versicherte hatte bei der ersten Befragung zum Hergang am
8. Dezember 2008 ausgeführt, er sei auf dem fettigen Boden ausgerutscht. Gleichzeitig
habe er die 2.20m lange und 1.40m breite Platte nicht fallen lassen wollen und es habe
ihm einen Zwick in den Rücken gegeben (UV-act. 3). Diese Angaben bestätigte er am
21. Januar 2009 gegenüber dem Aussendienstmitarbeiter der Suva. Er ergänzte, die
fragliche Platte sei aus Aluminium und ca. 2.0cm dick gewesen (UV-act. 12). Auch in
seinen Stellungnahmen ans Gericht vom 8. Juni 2009 und vom 22. September 2009
hob er diesen Hergang hervor (act. G 3 und G 11). Damit schilderte er glaubwürdig und
deckungsgleich ein Rutschen bzw. Ausrutschen und damit eine Programmwidrigkeit im
Sinn des Unfallbegriffs.
2.2 Die Tatsache, dass in der Meldung vom 27. November 2008 durch seine
Arbeitgeberin mit "Anheben einer Seitenplatte der Druckanlage" kein Rutschen
beschrieben wird, vermag nicht zu ändern, dass der Versicherte eine
Programmwidrigkeit glaubhaft machte. Auch die Angaben von D._ können die
Schilderung des Hergangs nicht umstossen, hielt er doch das Wegrutschen des
Ansprechers für möglich (UV-act. 12). Der Geschäftsführer schilderte das Ereignis am
23. Januar 2009 nicht aufgrund eigener Wahrnehmung. Das erhellt aus der Tatsache,
dass er sich bestätigen lassen musste, wie die Mitarbeiter die Platte transportiert
hatten (UV-act. 12). Aus seinen Angaben kann daher nichts zum eigentlichen Hergang
abgeleitet werden. Dr. med. E._, Assistenzärztin Neurochirurgie am Kantonsspital
St. Gallen, berichtete am 21. November 2008 zuhanden der Nachbehandlung über die
stationäre Behandlung vom 19. bis 21. November 2008 (UV-act. 4). Dass sie in ihrem
Bericht kein Rutschen erwähnte, vermag nicht zu widerlegen, dass ein solches
stattgefunden hatte.
2.3 Bei der diagnostizierten akuten Lumbago handelt es sich um eine Schädigung im
Körperinnern. Rechtsprechungsgemäss muss die unmittelbare Ursache einer solchen
Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt worden sein. Andernfalls
besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für rein krankheitsbedingte Ursachen (vgl. BGE
134 V 72 E. 4.1.1 S. 76f. und Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
U 166/05 vom 24. Mai 2006 mit Hinweisen). Der Rücken des Versicherten war
unbestritten vorgeschädigt (vgl. Austrittsbericht Kantonsspital St. Gallen vom
21. November 2008 [UV-act. 4], besonders MRI vom 19. November 2008). Beim Heben
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und Tragen der beschriebenen Aluminiumplatte (mehrfach bestätigt 2.20m lang, 1.40m
breit, 2.0cm dick und ca. 50kg schwer) mussten der Versicherte und sein Mitarbeiter
den Rücken verdrehen. In dieser Situation genügte die minimste Abweichung im Ablauf
für die Auslösung von Schmerzen. Das Rutschen des Versicherten ist eine minime
Abweichung und kann daher nicht als besonders sinnfälliger Vorgang im Sinn der
zitierten Rechtsprechung beurteilt werden. Sonst wäre es von D._ bemerkt und bei
der Befragung am 23. Januar 2009 bestätigt worden. Die Schilderungen in der
Unfallmeldung und im provisorischen Austrittsbericht des Kantonsspitals St. Gallen
sind zusätzliche Indizien dafür, dass nichts besonders Sinnfälliges geschehen ist.
2.4 Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin lässt sich aus der Stellungnahme
des Kreisarztes vom 16. Dezember 2008 (UV-act. 6) nichts für eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin herleiten. Er beurteilte die Kausalität als mindestens
wahrscheinlich nur dahingehend, dass ein degeneratives Wirbelsäulen-Leiden manifest
geworden sei. Die administrative Beurteilung, ob ein Unfallereignis vorliege, behielt er
jedoch ausdrücklich vor.
2.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Ursache für die akute Lumbago
nicht unfallmässig gemäss Art. 4 ATSG und der einschlägigen Rechtsprechung gesetzt
worden war. Diesbezüglich hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht zu Recht
abgelehnt.
3.
Eine unfallähnliche Körperschädigung wird von der Beschwerdegegnerin ebenfalls
verneint. Die Beschwerdeführerin stimmte dieser Beurteilung zu. Da eine Lumbago
keine Körperschädigung im Sinn von Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) darstellt und keine andere Diagnose vorliegt,
kann die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin unter diesem Aspekt ohne weiteres
ausgeschlossen werden (vgl. BGE 116 V 145).
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen hat die Beschwerdegegnerin eine
Leistungspflicht für das Ereignis vom 18. November 2008 zu Recht abgelehnt, weshalb
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die Beschwerde abzuweisen ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a
ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG