Decision ID: c106d6e5-bc66-54e9-9516-de072c2848c4
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
F._,
Beschwerdeführer,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Selbstkündigung)
Sachverhalt:
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A.
A.a F._, geboren 1950, war gemäss seinen Angaben (vgl. act. G 3.1/21) im Anschluss
an das Studium der Rechts- und Betriebswissenschaften als Rechtsdienstleiter einer
Rechtsschutzversicherung, als Leiter legal and claims einer
Rückversicherungsgesellschaft und schliesslich während 10 Jahren als
budgetverantwortlicher Leiter des Schadencenters Ostschweiz der E._
Versicherungs-Gesellschaft tätig. Infolge betrieblicher Umstrukturierungen wurde dem
Versicherten diese Stelle per Mitte 2006 gekündigt. Im Jahr 2007 arbeitete der
Versicherte Teilzeit und erledigte ein befristetes Mandat. Ab 1. Januar 2008 war er als
sog. Financial Coach in einem neu geschaffenen Geschäftsfeld für die G._ tätig (act.
G 3.1/2) und erzielte dabei ein monatliches Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 10'500.--
inklusive Spesen; gemäss den Lohnabrechnungen wurde gegenüber der AHV lediglich
ein Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 7'875.-- abgerechnet (act. G 3.1/10.1-10.8). Mit
Schreiben vom 26. November 2008 kündigte die G._ dem Versicherten die besagte
Funktion per 31. Dezember 2008, bot ihm aber gleichzeitig eine neue Anstellung als
Vorsorgeberater mit einem im Jahr 2009 garantierten monatlichen
Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 7'500.-- an, wobei gegenüber der AHV lediglich ein
Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 5'625.-- abgerechnet wurde (act. G 3.1/3,
10.11-10.12). Der Versicherte trat diese Stelle zwar per 1. Januar 2009 an, kündigte sie
aber bereits mit Schreiben vom 3. Februar 2009 wieder per 30. April 2009 (act.
G 3.1/5).
A.b Mit Formular vom 14. April 2009 beantragte der Versicherte
Arbeitslosenentschädigung ab 1. Mai 2009. Die von seiner Seite erfolgte Kündigung
begründete er sinngemäss damit, dass die Anstellung als Vorsorgeberater im Hinblick
auf seinen bisherigen Werdegang unzumutbar gewesen und ihm darüberhinaus durch
eine Änderungskündigung aufgezwungen worden sei (act. G 3.1/7). Diese
Kurzbegründung ergänzte er mit Stellungnahme vom 24. Juni 2009 dahingehend, dass
ein derartiger Berufswechsel auch mit Blick auf sein Alter unzumutbar gewesen wäre.
Ausserdem hätte ihm die Tätigkeit als Vorsorgeberater, insbesondere die Aufgabe, per
Telefon, schriftlich oder durch unangemeldete Besuche Kunden zu akquirieren,
Schlafstörungen verursacht (act. G 3.1/21).
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A.c Mit Verfügung vom 25. Juni 2009 stellte die Kantonale Arbeitslosenkasse St. Gallen
(nachfolgend: Arbeitslosenkasse) den Versicherten ab 1. Mai 2009 wegen
selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für 28 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Das
Verschulden des Versicherten stufte die Arbeitslosenkasse unter Berücksichtigung der
von ihm aufgeführten Kündigungsgründe als mittelschwer ein (act. G 3.1/22).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Schreiben vom 1. Juli 2009 form-
und fristgerecht Einsprache und beantragte, die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung von 28 Tagen sei aufzuheben, eventualiter auf höchstens 10
Tage zu reduzieren. Alles unter Kostenfolge. Die Begründung entspricht im
Wesentlichen der bereits dargelegten. Ergänzend äusserte sich der Versicherte
dahingehend, dass die Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen der von ihm
vorgenommenen Selbstkündigung bereits deshalb nicht gerechtfertigt sei, weil keine
Einstellung erfolgt wäre, wenn er die Änderungskündigung nicht akzeptiert hätte und in
der Folge bereits per 1. Januar 2009 arbeitslos geworden wäre (act. G 3.1/25).
B.b Mit Entscheid vom 22. Juli 2009 wies die Arbeitslosenkasse die Einsprache ab. Sie
stellte sich auf den Standpunkt, dass im vorliegenden Fall keine Unzumutbarkeit
vorgelegen habe, die eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch den Versicherten
ohne Zusicherung einer Anschlussstelle zu rechtfertigen vermöge. So seien die vom
Versicherten behaupteten Schlafstörungen nicht bewiesen. Die Tatsache, dass der
Versicherte für die von ihm ausgeübte Erwerbstätigkeit überqualifiziert gewesen sei,
begründe ebenfalls keine Unzumutbarkeit, wäre es dem Versicherten doch zumutbar
gewesen, die Stelle als Vorsorgeberater zumindest vorübergehend zu behalten, um
sich aus dem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus nach einer Folgestelle umzusehen.
Obwohl eine Selbstkündigung in der Regel ein schweres Verschulden begründe, sei
vorliegend unter Berücksichtigung der Schwierigkeiten am Arbeitsplatz lediglich von
einem mittelschweren Verschulden auszugehen. Schliesslich äusserte sich die
Arbeitslosenkasse dahingehend, dass eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung
entgegen der Ansicht des Versicherten auch dann erfolgt wäre, wenn letzterer die ihm
angebotene neue Stelle überhaupt nicht angetreten hätte (act. G 3.1/26).
C.
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C.a Gegen diesen Einspracheentscheid der Arbeitslosenkasse richtet sich die von
F._ mit Schreiben vom 10. August 2009 ans Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen erhobene Beschwerde. Darin beantragt der Beschwerdeführer erneut eine
Aufhebung der Einstellung in der Anspruchsberechtigung, eventualiter eine Reduktion
auf höchstens 10 Einstelltage unter Kostenfolge. In der Begründung rügt der
Beschwerdeführer, dass die Beschwerdegegnerin den von ihm vorgebrachten
Sachverhalt nur marginal rechtlich gewürdigt habe. Seine im Verwaltungsverfahren
bereits vorgebrachten Standpunkte ergänzte er dahingehend, dass er als
Vorsorgeberater völlig ungeeignet gewesen sei. Auch sei es weltfremd, wenn die
Beschwerdegegnerin davon ausgehe, dass es ihm möglich gewesen wäre, im Alter von
58 Jahren und im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld noch eine nur einigermassen
adäquate Arbeitsstelle zu finden und es ihm deshalb zumutbar gewesen wäre, die
Tätigkeit als Vorsorgeberater zumindest überbrückungsweise weiterhin auszuüben (act.
G 1).
C.b Die Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 17. August 2009 entspricht im
Wesentlichen der Begründung des Einspracheentscheides vom 22. Juli 2009. Darüber
hinaus äussert sich die Beschwerdegegnerin dahingehend, dass die Schwierigkeiten
bei der Jobsuche im Alter des Beschwerdeführers gerade dafür sprechen, ein
Arbeitsverhältnis auch bei schwierigen Umständen so lange zu behalten, bis man eine
geeignetere Stelle gefunden habe (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 16. September 2009 stellt sich der Beschwerdeführer auf den
Standpunkt, dass ihn die Tätigkeit als Vorsorgeberater, insbesondere die Pflicht, durch
sogenannte kalte Telefonanrufe pro Tag drei bis vier Kundentermine mit ihm völlig
unbekannten Leuten zu vereinbaren, entgegen den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin nicht unter-, sondern überfordert habe. Darin sei auch die
Unzumutbarkeit begründet. Würde er heute noch in besagter Tätigkeit arbeiten, würde
ihm die G._ ausserdem aufgrund seiner schlechten Leistungen einen Lohn unter dem
Existenzminimum bezahlen, da die Aussendienstmitarbeiter ihren Arbeitslohn gänzlich
abverdienen müssten. Hätte er länger beim vormaligen Arbeitgeber ausgeharrt, wäre er
früher oder später zum Sozialfall geworden, weshalb ihm nichts anderes übrig
geblieben sei, als zu kündigen (act. G 5).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 7).
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Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann,
wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne
dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der
Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b der Verordnung über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR
837.02]). Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe findet demnach das
sozialversicherungsrechtliche Schadenminderungsprinzip seine Grenze bei der
Zumutbarkeit. So kann es der versicherten Person nicht zugemutet werden, eine Stelle,
die im Sinn von Art. 16 Abs. 2 AVIG unzumutbar und damit von der Annahmepflicht
ausgenommen ist, beizubehalten.
1.2 Nach der Konzeption von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV wird die Zumutbarkeit des
Verbleibens an der Arbeitsstelle vermutet. Die Beweislast dafür, dass ein Verbleiben an
der Arbeitsstelle unzumutbar war, liegt demnach bei der versicherten Person, wobei
kein strikter Nachweis erbracht werden muss. Bestehen aufgrund der Akten
Anhaltspunkte für eine Unzumutbarkeit, sind die rechtsanwendenden Organe und
Behörden im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes (vgl. BGE 122 V 158 E. 1a mit
Hinweisen) verpflichtet, allenfalls weitere Abklärungen zum Arbeitsverhältnis und zu
den Umständen seiner Auflösung vorzunehmen (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 10. Februar 2003, C 135/02, E. 2.1.2; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 f. E.
7b).
1.3 Im Weiteren ist bei der Prüfung der Frage, ob eine Sanktion wegen Selbstaufgabe
der Stelle im Sinn von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zulässig ist, das Übereinkommen
Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung
und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend
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Übereinkommen; SR 0.822.726.8) zu beachten, das für die Schweiz am 17. Oktober
1991 in Kraft getreten ist. Nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens können Leistungen
der Arbeitslosenversicherung verweigert, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden,
wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre
Beschäftigung freiwillig ("volontairement") ohne triftigen Grund ("sans motif légitime")
aufgegeben hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und klar ist, ist
sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht den nationalen Bestimmungen über den
Erlass einer Einstellungsverfügung vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Damit dürfen bei einer
völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten
Anforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden;
insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der
versicherten Person zu berücksichtigen (Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 80). Es kann nicht von einer freiwilligen
Beschäftigungsaufgabe im Sinn des Übereinkommens gesprochen werden, wenn eine
versicherte Person nicht von sich aus, sondern vom Arbeitgeber oder durch die
Entwicklung am Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird. Gleiches gilt für den Fall, da
die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen vermag
(BGE 124 V 238 E. 4b/aa).
2.
Dem Beschwerdeführer ist darin zuzustimmen, dass es stossend wäre, ihn für die
Aufgabe der Tätigkeit als Vorsorgeberater in der Anspruchsberechtigung einzustellen,
falls er die besagte Tätigkeit wegen Unzumutbarkeit von Vornherein nicht hätte
annehmen müssen. Wäre dies anders, würde der Beschwerdeführer dafür bestraft,
dass er den Eintritt des versicherten Ereignisses (der Arbeitslosigkeit) durch die
versuchsweise Annahme einer ihm unzumutbaren Tätigkeit in einem seine
Schadenminderungspflicht übersteigenden Ausmass zu verhindern versuchte.
Nachfolgend ist deshalb zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer bereits die Annahme der
Tätigkeit als Vorsorgeberater unzumutbar war.
3.
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3.1 Gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. b AVIG ist eine Arbeit unzumutbar, die nicht angemessen
auf die Fähigkeiten oder auf die bisherige Tätigkeiten des Versicherten Rücksicht
nimmt. Diese Vorschrift bezweckt den Schutz des Arbeitnehmers vor Überforderung.
Eine Unterbeanspruchung begründet demgegenüber keine Unzumutbarkeit des
Arbeitsverhältnisses (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; ab 1.
Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 10. Februar 2003,
C 135/02, E. 2.2.1 mit Hinweisen). Zu beachten ist ausserdem, dass die Zumutbarkeit
des Verbleibens am bisherigen Arbeitsplatz im Allgemeinen strenger zu beurteilen ist
als die Zumutbarkeit der Annahme einer neuen Stelle (BGE 124 V 238 E. 4b/bb; Urteil
des EVG vom 21. Februar 2001, C 348/00, E. 2d; Gerhard Gerhards, Kommentar zum
Arbeitslosenversicherungsrecht, N 13 zu Art. 30 AVIG; Chopard, a.a.O., S. 116).
3.2 Aus den Vorbringen des Beschwerdeführers wird ersichtlich, dass er die Tätigkeit
als Vorsorgeberater einerseits als seiner Ausbildung unangemessen und deshalb
unzumutbar erachtet. Anderseits bringt der Beschwerdeführer aber auch vor, dass ihm
die für die Ausübung dieses Berufes nötigen Fähigkeiten gefehlt hätten, er durch den
Berufswechsel also nicht unter-, sondern überfordert gewesen sei, was ein Verbleiben
an besagter Stelle unzumutbar gemacht habe. Während eine Überqualifizierung des
Beschwerdeführers die Unzumutbarkeit einer (zumindest vorübergehenden) Anstellung
im Allgemeinen nicht zu rechtfertigen vermag, ist nachfolgend näher auf die vom
Beschwerdeführer behauptete Überforderung einzugehen.
3.3 Der Beschwerdeführer behauptet nicht, durch die Tätigkeit als Vorsorgeberater in
fachlicher Hinsicht überfordert gewesen zu sein. Eine so gelagerte Überforderung wäre
im Hinblick auf die berufliche Laufbahn des Beschwerdeführers, insbesondere aber mit
Blick auf seine vorherige Tätigkeit als Financial Coach, auch nicht glaubhaft, setzt das
finanzielle Coaching potenzieller Kunden ab Alter 50 doch zweifellos fundierte
Kenntnisse im Vorsorgebereich voraus. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachte
Überforderung betrifft vielmehr den Umstand, dass er als Vorsorgeberater dazu
gezwungen gewesen sei, ihm gänzlich unbekannte Leute telefonisch, schriftlich oder
mittels unangemeldeter Besuche zu kontaktieren und auf diese Weise täglich drei bis
vier Verkaufstermine zu vereinbaren. Die Tätigkeit als Vorsorgeberater sei damit
vergleichbar mit derjenigen gewöhnlicher Call Agenten, die den Leuten jeweils abends
irgendwelche Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen suchten.
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3.4 In der Tat geht sowohl aus der Einsprache- als auch aus der Beschwerdeschrift
hervor, dass der Beschwerdeführer in seiner früheren Funktion als Financial Coach
offenbar nicht gezwungen war, sich selber um Termine mit potenziellen Kunden zu
bemühen, sondern dass die erste Kontaktaufnahme durch Call Agenten erfolgte (act.
G 3.1/25 & G 1). Nichtsdestotrotz darf dabei nicht unberücksichtigt bleiben, dass die
Tätigkeit eines Vorsorgeberaters - entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers
- nicht alleine darin besteht, wie ein "gewöhnlicher Call Agent" Beratungsgespräche zu
vereinbaren. Die Hauptaufgabe eines Vorsorgeberaters besteht vielmehr darin, im
Rahmen von Beratungsgesprächen möglichst vorteilhafte und individuell auf die
Bedürfnisse potenzieller Kunden zugeschnittene Vorsorgelösungen zu erarbeiten,
deren jeweilige Vor- und Nachteile klar und verständlich darzulegen und der beratenen
Person so eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Wahl der für sie günstigsten
Vorsorgelösung zu schaffen. Wenn es dem Beschwerdeführer zuwider lief, ihm bislang
unbekannte Leute zu kontaktieren und sie zu einem Beratungsgespräch zu überreden,
ist dies zwar nachvollziehbar, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Zumutbarkeit
einer solchen Anstellung, zumal die vom Beschwerdeführer behaupteten
gesundheitlichen Beschwerden nicht erwiesen sind. Die Schwierigkeiten des
Beschwerdeführers am Arbeitsplatz können aber in die Qualifikation des Verschuldens
einfliessen, was vorliegend bereits geschehen ist, hätte die Beschwerdegegnerin sonst
doch gemäss Art. 45 Abs. 3 AVIV von einem schweren Verschulden ausgehen müssen.
4.
Nach Art. 16 Abs. 2 lit. i AVIG ist eine Arbeit finanziell unzumutbar, wenn sie der
versicherten Person einen Lohn einbringt, der geringer ist als 70% des versicherten
Verdienstes und wenn ausserdem keine Kompensationsleistungen nach Art. 24 AVIG
(Zwischenverdienst) zur Auszahlung gelangen. Da die Ausrichtung von
Kompensationsleistungen im vorliegenden Fall aufgrund von Art. 41a Abs. 2 lit. b AVIV
ausgeschlossen war, wäre dem Beschwerdeführer die Annahme der Stelle als
Vorsorgeberater demnach finanziell unzumutbar gewesen, wenn er im Rahmen dieser
Tätigkeit einen Lohn erwirtschaftet hätte, der geringer gewesen wäre als 70% des
versicherten Verdienstes im Zeitpunkt der Stellenablehnung. Dies ist nicht der Fall, war
dem Beschwerdeführer als Vorsorgeberater doch ein monatliches
Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 5'625.-- und damit von rund 71,43% des
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versicherten Verdienstes von Fr. 7'875.-- garantiert. Schuldmildernd zu berücksichtigen
ist aber, dass der Lohn des Beschwerdeführers als Vorsorgeberater geringer war als
das Taggeld, das er von der Arbeitslosenversicherung erhalten hätte, falls ihm die
Stelle als Vorsorgeberater erst gar nicht angeboten worden wäre. Ein Verbleib in der
Tätigkeit als Vorsorgeberater hätte zudem in finanzieller Hinsicht eine stetige Reduktion
des versicherten Verdienstes im Falle einer künftigen Arbeitslosigkeit nach sich
gezogen. Auch aus diesem Grund erscheint die Aufgabe der Tätigkeit als
Vorsorgeberater zumindest zu einem gewissen Grad als entschuldbar.
5.
Der Beschwerdeführer begründet die Unzumutbarkeit der Tätigkeit als Vorsorgeberater
schliesslich damit, dass sich sein Erwerbseinkommen aufgrund seiner schlechten
Leistungen regelmässig reduziert und sein Verdienst deshalb irgendwann nicht einmal
mehr zur Deckung des Existenzminimums ausgereicht hätte. Dabei verkennt er, dass
vorliegend lediglich zu prüfen ist, ob ihm die Annahme resp. Beibehaltung der
Anstellung als Vorsorgeberater vorübergehend - bis er eine adäquate Anschlussstelle
gefunden hätte - zumutbar gewesen wäre. Dies ist in Anbetracht der Tatsache, dass
dem Beschwerdeführer im Jahr 2009 ein Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 90'000.--
inklusive Spesen garantiert war, ohne Weiteres zu bejahen.
6.
Eine zumindest vorübergehende Weiterführung der Erwerbstätigkeit als
Vorsorgeberater wäre dem Beschwerdeführer nach den obigen Erwägungen zumutbar
gewesen. Damit steht fest, dass der Beschwerdeführer seine Arbeitslosigkeit selber
verschuldet hat (Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG i.V.m. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Die
Beschwerdegegnerin handelte deshalb korrekt, wenn sie den Beschwerdeführer in der
Anspruchsberechtigung einstellte. Das Verschulden des Beschwerdeführers ist aber
aufgrund der gesamten Umstände, insbesondere unter Berücksichtigung der oben
dargelegten Gründe, im unteren Bereich eines mittelschweren Verschuldens
anzusiedeln und die von der Beschwerdegegnerin verfügte Einstellung in der
Anspruchsberechtigung auf 18 Tage zu reduzieren.
7.
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Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen. Der Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin vom 22. Juli 2009 ist aufzuheben und der Beschwerdeführer für
18 Tage in der Anspruchsberechtigung einzustellen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin vom 22. Juli 2009 aufgehoben und der Beschwerdeführer für
18 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
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2021-09-19T18:25:18+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen