Decision ID: 9341ca37-96be-5612-9491-6a63e781dbf5
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Ehegatten A._ (der Beschwerdeführer) und B._ (die
Beschwerdeführerin) ersuchten am 20. April 2019 um die Gewährung von
Asyl in der Schweiz. Das SEM nahm die Behandlung ihrer Gesuche im
Bundesasylzentrum (BAZ) D._ an die Hand. Am 30. April 2019 er-
teilten sie den Mitarbeitenden der dort tätigen Rechtsvertretungsorganisa-
tion Vollmacht, womit sie während des Verfahrens im BAZ über den Bei-
stand der zugewiesenen Rechtsvertretung verfügten.
A.b Vom SEM wurde nach der Gesuchseinreichung aufgrund einer Abfra-
ge der Eurodac-Datenbank und des zentralen europäischen Visa-Informa-
tionssystems (VIS) festgestellt, dass die Ehegatten noch von keinem euro-
päischen Staat als Asylantragsteller oder wegen illegaler Einreise regis-
triert worden waren, sie aber im Verlauf der letzten (...) Jahre wohl schon
mehrfach europäische Staaten als Touristen bereist hatten. Gemäss Ver-
zeichnung im VIS waren ihnen (... [mehrmals]) Schengen-Visa erteilt wor-
den; dies jeweils von der E._ Botschaft in Teheran und auf der Basis
der gleichen, als formell echt erkannten Reisepässe. Die letzte Visa-Ertei-
lung war (...) 2018 erfolgt, wobei Visa erteilt worden waren, welche vom
(...) bis (...) und für mehrmalige Einreisen in den Schengen-Raum gültig
waren.
A.c Die Ehegatten wurden vom SEM am 2. Mai 2019 zunächst zu ihrer
Person, zu ihren Reise- und Identitätspapieren und zu ihrem Reiseweg be-
fragt (sog. Personalienaufnahme; PA). Am 20. Mai 2019 führte das SEM
mit ihnen die Anhörungen zu ihren Gesuchgründen durch. Dabei wurde
zuerst der Beschwerdeführer und anschliessend die Beschwerdeführerin
angehört. Da an diesem Tag die Anhörung der Beschwerdeführerin aus
zeitlichen Gründen unterbrochen werden musste, wurde diese am 17. Juni
2019 fortgesetzt. Am 24. Juni 2019 führte das SEM mit dem Beschwerde-
führer zusätzlich eine ergänzende Anhörung durch.
A.d Am 24. Juni 2019 gab das SEM den Ehegatten bekannt, dass ihre
Asylgesuche im erweiterten Verfahren gemäss Art. 26d AsylG (SR 142.31)
behandelt würden, weil es weiterer Abklärungen bedürfe, namentlich in Be-
zug auf die Plausibilität ihrer Vorbringen. Sie wurden in der Folge für den
weiteren Aufenthalt während des Verfahrens dem Kanton (...) zugewiesen.
Von der zugewiesenen Rechtsvertretung wurde im Anschluss daran das
Vertretungsverhältnis als beendet erklärt.
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B.
B.a Beim Beschwerdeführer und der Beschwerdeführerin handelt es sich
gemäss Aktenlage um Staatsangehörige des Iran, welche aus F._
stammen und seit (...) miteinander verheiratet sind. Sie verfügen beide
über eine universitäre Ausbildung; (...). Der Beschwerdeführer habe bis zur
Ausreise (... [eine Firma]) mit (...) Angestellten geführt. Gleichzeitig sei er
bei einer anderen Firma (...) angestellt gewesen. Die Beschwerdeführerin
habe seit (... [einigen Jahren]) für (... [eine Firma mit Kontakten auch zum
Ausland]) gearbeitet. In F._ hätten sie über eine eigene Wohnung
verfügt, die ihnen nach ihrer Hochzeit von der Familie (...) zur Verfügung
gestellt worden sei. Seit ihrer Heirat hätten sie zusammen schon eine
ganze Reihe von europäischen und vorderasiatischen Ländern bereist, da-
runter auch (...) die Schweiz. Die Schweiz hätten sie (...) 2018 besucht.
Den Iran hätten sie letztmals am (...) 2019 verlassen, wobei sie – anders
als bei ihren früheren Reisen – illegal ausgereist seien. Sie seien über den
Flughafen von G._ in die Türkei ausgereist, ausgestattet mit ihnen
nicht zustehenden iranischen Pässen. (...). Eigentlich sei vereinbart gewe-
sen, dass sie von der Türkei wiederum auf dem Luftweg weiterreisen könn-
ten. Sie hätten dann aber versteckt in einem Lastwagencontainer weiter-
reisen müssen. Ihre Ausreise sei von der Mutter der Beschwerdeführerin
organisiert worden, (...), zusammen mit dem Bruder des Beschwerdefüh-
rers. Für ihre Ausreise hätten ihre Familien insgesamt (...) US-Dollar auf-
gewendet.
B.b Vor dem Hintergrund dieser Angaben brachte der Beschwerdeführer
am 20. Mai 2019 auf die Frage nach den Gründen für sein Asylgesuch im
Wesentlichen vor, er ersuche um Asyl in der Schweiz, weil seine Ehefrau
von den Sepah-Kräften (Sepah-e Pasdaran-e Enqelab-e Eslami; die irani-
schen Revolutionsgarden) festgenommen, inhaftiert und [erst] nach Ab-
gabe einer Garantieerklärung respektive Geldzahlung wieder freigelassen
worden sei, ihr aber trotz ihrer Entlassung noch eine sehr schwere Bestra-
fung drohe. Dabei gab er an, das Ganze habe seinen Anfang genommen,
als seine Frau einmal kurz (...) von den Sepah-Kräften befragt worden sei.
Das sei gewesen, als sie von (... [einer Reise]) zurückgekommen sei. Sie
habe ja (... [für eine Firma mit Kontakten auch zum Ausland]) gearbeitet
und ihm davon erzählt, als sie nach Hause gekommen sei. Dazu führte er
auf verschiedene Nachfragen hin aus, von wo sie damals zurückgekehrt
sei, wisse er nicht, und auch das genaue Datum des Vorfalls wisse er nicht
mehr. Soviel er davon erfahren habe, habe es anscheinend irgendwelche
Gerüchte gegeben. An das, was ihm seine Ehefrau von der Anhaltung be-
richtet habe, könne er sich nicht mehr genau erinnern, da es schon lange
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her sei. Soweit er wisse, seien die Behörden seiner Frau gegenüber ein-
fach misstrauisch gewesen; dies wegen ihrer Missionierung. Dazu führte
er im weiteren Verlauf der Anhörung aus, seine Ehefrau habe sich dem
Christentum zugewandt, noch bevor sie sich kennengelernt hätten. Sie sei
aber immer sehr vorsichtig gewesen, mit wem sie darüber gesprochen
habe (vgl. SEM-Akte -25/17 F. 73 ff.). Zum erwähnten Vorfall brachte er
weiter vor, seine Ehefrau sei danach einfach sehr aufgeregt gewesen und
er habe sie damals beruhigen und trösten wollen. Schliesslich gab er auf
Nachfrage hin an, er könne sich gut vorstellen, dass seine Frau bei dieser
Gelegenheit wieder habe gehen können, weil sie (die Sepah-Kräfte) an-
scheinend nichts gefunden hätten. Die Behörden seien dann aber ein paar
Tage respektive ungefähr eine Woche später zu ihnen nach Hause gekom-
men und hätten seine Frau verhaftet. Zu diesem Ereignis machte er detail-
lierte Angaben, worauf – soweit wesentlich – nachfolgend eingegangen
wird. Der Beschwerdeführer machte sodann geltend, er habe nach der Ver-
haftung seiner Ehefrau während Tagen nicht gewusst, wo sie sei, bis er
schliesslich von einem Gerichtssekretär kontaktiert worden sei. Von die-
sem sei er aufgefordert worden, er solle sich wegen einer Garantiestellung
beim Gericht melden. Beim Gericht sei von ihm dann aber nicht wie üblich
die Leistung einer Garantie durch Stellung eines Grundpfandtitels, sondern
vielmehr die Zahlung von (...) Millionen Toman (Anm.: damals rund [...]) an
die Staatsanwaltschaft/Justizbehörden verlangt und ein Einzahlungs-
schein ausgehändigt worden. Erst einen Tag nachdem er diesen Betrag
überwiesen respektive erst nachdem er den entsprechenden Zahlungsbe-
leg beim Gericht vorgelegt habe, sei seine Ehefrau wieder freigelassen
worden. Anlässlich der Vorlage der Quittung bei Gericht habe er jedoch
einen Blick auf den Inhalt ihrer Akte erhaschen können und dabei ein Blatt
gesehen, das wie ein Urteil ausgesehen und die Unterschrift seiner Ehe-
frau getragen habe. Er sei schockiert gewesen, weil auf dem Blatt von Mis-
sionierung des Christentums, von Missionierung des israelischen Christen-
tums und von Aktivitäten gegen die Sicherheit des Landes die Rede gewe-
sen sei, wie auch noch von Respektlosigkeit gegenüber dem Propheten
und seinen Familienangehörigen. Nach der Entlassung seiner Ehefrau –
die seiner Erinnerung nach am (...) stattgefunden habe – habe er mit zwei
Anwälten gesprochen, die ihn über die schweren gesetzlichen Konsequen-
zen der gegen seine Ehefrau gerichteten Anklage aufgeklärt hätten. Er
habe das Ganze dann mit seiner Schwiegermutter besprochen und sich in
der Folge auf ihr Anraten zur Ausreise entschlossen, worauf diese zusam-
men mit seinem Bruder ihre Ausreise organisiert habe. Nach diesen Aus-
führungen merkte der Beschwerdeführer auf Nachfrage hin an, aufgrund
des Erlebten habe auch er sich innerlich vom Islam abgewandt, indem sich
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seither sein Interesse am Christentum zu einem inneren Glauben entwi-
ckelt habe.
B.c Die Beschwerdeführerin brachte am 20. Mai 2019 auf die Frage nach
dem Grund für ihr Asylgesuch im Wesentlichen vor, sie habe ihre Heimat
verlassen, weil sie dort aufgrund ihrer Konversion vom Islam zum Chris-
tentum das Ziel von Nachstellungen und Übergriffen vonseiten der Behör-
den geworden sei. Dabei berichtete sie zunächst über ihre Zuwendung
zum Christentum (...), wovon aber bis auf wenige enge Familienfreunde
und noch bis zu einem Vorfall vom (...) eigentlich niemand etwas gewusst
habe. Auf ihre Abwendung vom Islam und ihre Zuwendung zum Christen-
tum ging sie nochmals und sehr ausführlich im Verlauf des Fortsetzungs-
termins vom 17. Juni 2019 ein, wobei sie ausführlich über ihre Aktivitäten
in der Heimat berichtete und darüber hinaus vorbrachte, sie habe sich in
der Schweiz taufen lassen (vgl. SEM-Akte -27/33, F. 56–133). Zum er-
wähnten Vorfall führte sie beim ersten Anhörungstermin aus, sie sei am
(...) von H._ nach I._ zurückgekehrt, wo sie nach der An-
kunft (...) von einer Beamtin (...) einer individuellen Kontrolle zugeführt
worden sei. Im Verlauf dieser Kontrolle, die einen sehr gezielten Eindruck
gemacht habe, sei bei ihrer Durchsuchung von der Beamtin das Kreuz ge-
funden worden, das sie an einer Kette um ihren Hals getragen habe. Nach-
dem ihr von der Beamtin das Kreuz mit der Kette vom Hals gerissen wor-
den sei, habe sie ohne weitere Erklärungen zum Ganzen nach Hause ge-
hen können. Zuhause habe sie ihrem Ehemann von dem Vorfall und der
ihr dabei abgenommen Kette berichtet, zumal sie sich schlecht gefühlt
habe. Ihr Mann habe sie jedoch beruhigt. Sie sei aber schon am über-
nächsten Tag von ihrer Firma zu einer sofortigen Vorsprache einbestellt
worden, zu der sie von ihrem Ehemann begleitet worden sei. Ihrem Ehe-
mann sei jedoch von der Aufsichtsabteilung (...) geheissen worden, er
dürfe nicht an dem Gespräch teilnehmen. Bei der Vorsprache seien ihr
dann von der Aufsichtsabteilung (... [ihre Arbeitsmittel]) abgenommen und
unter Vorhaltungen wegen ihres Verhaltens angekündigt worden, dass sie
vorderhand nicht mehr arbeiten dürfe. Danach sei es ihr sehr schlecht ge-
gangen, auch wenn nicht nur ihr Mann, sondern auch ihre Mutter sie wie-
derum beruhigt hätten. So habe ihre Mutter gemeint, es gehe ja nur um
eine Halskette mit Kreuz, wie das überall in Schmuckgeschäften zu finden
sei. Einige Tage später sei dann aber ihre Wohnung am frühen Morgen von
vier Männern gestürmt worden, die Gewalt gegen ihren Mann ausgeübt,
die ganze Wohnung durchsucht und sie schliesslich unter Gewaltanwen-
dung mitgenommen hätten. Diese Männer hätten sie in einem Auto und mit
verbundenen Augen an einen ihr unbekannten Ort verbracht, wo sie erst
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ihre Kleider habe wechseln müssen und sie dann in eine Zelle gesteckt
worden sei. Den vorgebrachten Haftort beschrieb sie zu Beginn der Fort-
setzung ihrer Anhörung, worauf – soweit wesentlich – nachfolgend einge-
gangen wird. Sie habe sich in der Folge während mehreren Tagen an die-
sem Ort in Haft befunden, wobei sie in dieser Zeit dreimal befragt worden
sei. Dabei seien ihr aber kaum Fragen gestellt, sondern vielmehr vor allem
Vorhaltungen wegen ihrer Konversion zum Christentum, wegen angebli-
cher Missionierung und Aktivitäten für das Christentum und zudem wegen
angeblicher Missionierung für das israelische Christentum gemacht wor-
den. Auch sei ihr vorgehalten worden, sie habe zu Israelis Kontakt. Sie
habe jedoch noch nie missioniert, zumal sie immer sehr vorsichtig gewesen
sei. Sie habe aus Angst im Iran auch nie an Hauskreisen oder christlichen
Aktivitäten teilgenommen. Vom einen ihrer beiden Befrager sei sie vor al-
lem schwer beschimpft worden. Den andern Befrager habe sie zunächst
für freundlich gehalten, bis es zu Übergriffen von dessen Seite gekommen
sei. Im Verlauf der Fortsetzung der Anhörung machte sie zudem neu gel-
tend, während ihrer Befragungen sei von ihr insbesondere die Unterzeich-
nung eines bereits vorbereiteten Geständnisses verlangt worden. Dabei
gab sie an, sie sei geschlagen worden, um sie zur Unterzeichnung zu be-
wegen. Um freizukommen, habe sie das Geständnis schliesslich unter-
zeichnet (vgl. a.a.O., F. 52 [vierter und fünfter Absatz]). Gleichzeitig brachte
sie neu vor, sie habe ihrerseits die Befrager geschlagen und diesen gegen-
über überdies den Islam beleidigt (vgl. a.a.O., F. 53). Zur Dauer der Haft
gab sie im ersten Teil ihrer Anhörung an, sie sei während sieben oder acht
Tagen in Haft gewesen. Über die Umstände ihrer Entlassung berichtete sie
im Rahmen der Fortsetzungstermin vom 17. Juni 2019. Dabei brachte sie
vor, sie sei vor ihrer Entlassung zuerst einem Richter vorgeführt worden,
der sie unter anderem mit dem von ihr unterzeichneten Geständnis kon-
frontiert habe. Von diesem Richter sei ihr dann eine Entlassung auf Kaution
in Aussicht gestellt worden, falls sie eine solche stellen könne. Sie habe
dann dem Gerichtssekretär die Nummer ihres Mannes geben können, wo-
rauf der Sekretär ihren Mann kontaktiert habe. Ihr Mann sei kurz darauf bei
Gericht erschienen und habe ihr gesagt, sie solle sich keine Sorgen ma-
chen, er kümmere sich jetzt umgehend um die Kaution. Dann sei auch ihre
Mutter zum Gericht gekommen, die aber nicht habe verhindern können,
dass sie bis zur Zahlung der Kaution wieder ins Gefängnis gesteckt worden
sei. Sie habe daher nochmals eine Nacht in einem anderen Gefängnis ver-
bringen müssen, bevor ihr Mann und ihre Mutter sie am nächsten Tag vom
Gefängnis abgeholt hätten. Ihre Mutter habe schliesslich zur Ausreise ge-
raten, weshalb sie sich am zweiten Tag nach ihrer Entlassung mit ihrem
Ehemann nach J._ begeben habe, wo sie geblieben seien, bis der
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Bruder ihres Ehemannes ihre Ausreise organisiert habe. Gegen Ende der
Anhörung wurden der Beschwerdeführerin verschiedene Nachfragen ge-
stellt, wobei sie auf die Frage nach allfälligen Beweismitteln für die geltend
gemachte Haft respektive das vorgebrachte Verfahren angab, ihr Ehemann
habe über eine Kopie des Zahlungsbelegs verfügt und sie diesbezüglich
auch in der Heimat nachgefragt, die Kopie sei aber nicht mehr gefunden
worden. Gleichzeitig gab sie an, man erhalte im Iran aber von den Gerich-
ten ohnehin kaum Beweismittel und wegen der Zurücklassung ihrer irani-
schen SIM-Karten habe das Gericht ihrem Ehemann auch nicht mehr auf
elektronischem Weg kontaktieren können.
B.d Im Rahmen der ergänzenden Anhörung wurde dem Beschwerdeführer
unter anderem die Frage gestellt, ob er über eine Kopie des von ihm bei
Gericht eingereichten Zahlungsbelegs verfüge, was er bejahte. Leider
wisse er aber nicht mehr, wo diese Kopie sei. Daneben wurde er auf Wi-
dersprüche in seinem Sachverhaltsvortrag angesprochen, respektive auf
den Umstand, dass er über wesentliche Elemente nichts berichtet habe,
die ihm jedoch laut seiner Ehefrau bekannt sein sollten. Darauf wird – so-
weit wesentlich – in den Erwägungen zurückgekommen.
B.e Ihre Reise- und Identitätspapiere legten die Beschwerdeführenden an-
lässlich der Gesucheinreichung nicht vor. Die Beschwerdeführerin führte
dazu im Rahmen der PA aus, ihr Reisepass und ihre Identitätskarte seien
ihr vom Ettela'at (Wezarat-e Ettela'at-e Gomhuri-ye Eslami-ye Iran; das ira-
nische Ministerium für Nachrichtenwesen, mithin der iranische Nachrich-
tendienst) abgenommen worden. Sie verfüge aber noch über ihre Melli-
Karte. Diese Karte reichte sie im Verlauf des Verfahrens zu den Akten. Der
Beschwerdeführer machte in der PA – soweit ersichtlich mangels Nach-
frage – keine Angaben zum Verbleib seiner Papiere. Im Rahmen der An-
hörung brachte er auf Nachfrage hin vor, sein Pass sei eigentlich von den
Sepah-Kräften eingezogen worden. (...). Im weiteren Verlauf der Anhörung
beschrieb er dann, wie ihre sämtlichen Papiere von den Sepah-Kräften an-
lässlich der Verhaftung seiner Ehefrau behändigt worden seien (vgl. SEM-
Akte -25/17 F. 71 [zweiter Absatz Mitte]). Später reichte er seine Shenas-
nameh sowie seinen Militärausweis respektive seinen Ausweis über die
Beendigung seines Militärdienstes zu den Akten.
B.f Neben den vorgenannten Papieren reichten die Beschwerdeführenden
im erstinstanzlichen Verfahren eine Beweismittelsammlung ein, umfassend
verschiedene Unterlagen zur Tätigkeit der Beschwerdeführerin (...), einen
Gewerbeschein zur Firma des Beschwerdeführers und eine Kopie ihrer
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Eheurkunde. Am 27. Juni 2019 reichten sie zudem über ihre damalige
Rechtsvertreterin zwei aus der Schweiz stammende und vom 9. Juni 2019
datierende Taufurkunden zu den Akten.
B.g Aus den Akten geht schliesslich hervor, dass im Rahmen ihrer Anhö-
rungen sowohl der Beschwerdeführer als auch die Beschwerdeführerin
über das Vorliegen gesundheitlicher, insbesondere psychischer Probleme
berichtet hatten.
C.
Mit Verfügung vom 18. Juli 2019 (eröffnet am 22. Juli 2019) stellte das SEM
fest, der Beschwerdeführer und die Beschwerdeführerin erfüllten die
Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig
ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvoll-
zug an. Mit diesem Entscheid stellte es den Beschwerdeführenden die ge-
mäss Aktenverzeichnis editionspflichtigen Akten zu. Im Rahmen der Be-
gründung seines Entscheides gelangte das SEM im Wesentlichen zum
Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers und der Beschwerdefüh-
rerin über ihre Abwendung vom Islam und ihre Hinwendung zum Christen-
tum respektive über ihre Konversion seien nicht asylrelevant, da es sich
dabei um einen rein inneren Vorgang gehandelt habe. Soweit sie darüber
hinaus über angeblich wegen der schon in der Heimat erfolgten Konversion
der Beschwerdeführerin erlittene staatliche Verfolgung berichtet hätten,
seien ihre Vorbringen als unglaubhaft zu erkennen, da ihre diesbezügli-
chen Angaben und Ausführungen in den wesentlichen Punkten unlogisch,
widersprüchlich und substanzarm ausgefallen seien. Auf die vorinstanzli-
che Entscheidbegründung im Einzelnen wird – soweit wesentlich – nach-
folgend eingegangen.
D.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 21. August 2019 erho-
ben die Beschwerdeführenden – handelnd durch die rubrizierte Rechtsver-
treterin – gegen den vorgenannten Asyl- und Wegweisungsentscheid Be-
schwerde. In ihrer Eingabe beantragten sie zur Hauptsache die Aufhebung
der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Feststellung der Flüchtlings-
eigenschaft und Anordnung einer vorläufigen Aufnahme als Flüchtlinge,
subeventualiter die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme wegen Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges, subsubeventualiter die Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie
einerseits um Gewährung vollständiger Akteneinsicht, verbunden mit der
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Einräumung einer angemessenen Frist zur Beschwerdeergänzung von 30
Tagen, und andererseits um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht. Dabei machten sie in
ihrer Beschwerdeeingabe vorab geltend, sie hätten bis heute keine voll-
ständige Akteneinsicht erhalten, da ihnen das Protokoll zum zweiten Teil
der Anhörung der Beschwerdeführerin – aus unerklärlichen Gründen als
«bereits bekannten Akte» ediert – nicht zugestellt worden sei. Im Anschluss
daran hielten sie an ihren Gesuchsvorbringen vollumfänglich fest, wobei
sie ihre Angaben und Ausführungen im Rahmen des erstinstanzlichen Ver-
fahrens unter Verweis auf die Akten, soweit ihnen diese offengelegt worden
seien, als äusserst substanziiert, detailliert und lebensnah erklärten. Auf
die diesbezüglichen sowie die weiteren Beschwerdevorbringen und die mit
der Beschwerde vorgelegten Beweismittel wird – soweit wesentlich – nach-
folgend eingegangen.
E.
Nachdem das Bundesverwaltungsgericht vorab den Eingang der Be-
schwerde bestätigt hatte, reichten die Beschwerdeführenden am 26. Au-
gust 2019 über ihre Rechtsvertreterin eine aktuelle Fürsorgebestätigung
nach. Gleichzeitig bekräftigten sie ihr Gesuch um Gewährung vollständiger
Akteneinsicht.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 30. August 2019 wurde den Beschwerdefüh-
renden mitgeteilt, dass sie den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz
abwarten können. Da aufgrund der Aktenlage davon auszugehen war,
dass die Beschwerdeführenden die von ihnen ersuchten Akten nicht voll-
ständig erhalten hatten, wurden ihnen in Kopie – zusammen mit dem vor-
instanzlichen Aktenverzeichnis – alle Aktenstücke der Editionskategorien
"F" (gemäss SEM zur Edition freie Akten), "E" (gemäss SEM bereits be-
kannte Akten) und "D" (gemäss SEM unwesentliche Akten) zugestellt, wie
auch Kopien der von ihnen beim SEM eingereichten Beweismittel (inkl.
dem separatem Beweismittelverzeichnis). Gleichzeitig wurde ihnen eine
Frist zur Stellungnahme respektive Beschwerdeergänzung eingeräumt
(Art. 53 VwVG in Analogie). Für den Entscheid über die weiteren Anträge
wurde auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen.
G.
Nachdem die Beschwerdeführenden am 16. September 2019 die in Aus-
sicht gestellte Beschwerdeergänzung eingereicht hatten – auf deren Inhalt
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soweit wesentlich nachfolgend eingegangen wird –, wurde mit Zwischen-
verfügung vom 23. September 2019 dem Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) und um
Befreiung von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG)
entsprochen. Gleichzeitig wurde das SEM zur Vernehmlassung eingeladen
(Art. 57 Abs. 1 VwVG).
H.
In seiner Vernehmlassung vom 4. Oktober 2019 hielt das SEM an der an-
gefochtenen Verfügung fest. Auf die diesbezüglichen Ausführungen der
Vorinstanz wird nachfolgend eingegangen.
I.
In ihrer Stellungnahme (Replik) vom 24. Oktober 2019 bekräftigten die Be-
schwerdeführenden ihre Beschwerdevorbringen, worauf nachfolgend ein-
gegangen wird. Daneben gaben sie bekannt, dass die Beschwerdeführerin
schwanger sei, und baten um Berücksichtigung dieses Umstands.
J.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin (...) gaben die Beschwerdeführenden
bekannt, dass (...) ihr Kind C._ geboren worden sei. Dabei brach-
ten sie unter Vorlage von zwei Arztberichten vor, ihr Kind sei derzeit und
wohl auch zukünftig auf eine Behandlung angewiesen, die im Iran nicht
verfügbar sein dürfte.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorlie-
gend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht
(vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
1.4 Die Beschwerdeführenden sind legitimiert (Art. 48 Abs.1 VwVG) und
die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2
AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist.
1.5 Das im Verlauf des Beschwerdeverfahrens geborene Kind ist praxisge-
mäss ins Verfahren seiner Eltern miteinzubeziehen.
2.
2.1 Von den Beschwerdeführenden wurde anlässlich der Beschwerdean-
hebung vorab gerügt, dass sie das Protokoll zum zweiten Teil der Anhörung
der Beschwerdeführerin nicht erhalten hätten. Vor diesem Hintergrund er-
suchten sie um Zustellung dieses Aktenstücks und Einräumung einer Frist
zur Beschwerdeergänzung. Diesem Antrag wurde im Rahmen der Zwi-
schenverfügung vom 30. August 2019 entsprochen, worauf von den Be-
schwerdeführenden die in Aussicht gestellte Beschwerdeergänzung zu
den Akten gereicht wurde.
2.2 Von den Beschwerdeführenden wurde indes nicht nur das Vorgenannte
beantragt, sondern sie beantragen darüber hinaus auch ausdrücklich die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz. Dies im Sinne eines Eventualantrages respektive sinnge-
mäss für den Fall, dass ihren Hauptanträgen nicht schon aufgrund der be-
reits bestehenden Aktenlage entsprochen werden sollte. Dabei verlangen
sie eine Rückweisung der Sache zunächst deshalb, weil es sich bei der
Verletzung ihres Akteneinsichtsrechts um einen schweren Mangel handle,
der nicht heilbar sei. Eine Rückweisung der Sache verlangen die Be-
schwerdeführenden im Rahmen ihrer Beschwerde im Weiteren aber auch
deshalb, weil vom SEM ihre psychischen Beschwerden und die Überset-
zungsprobleme, zu denen es namentlich im Falle des Beschwerdeführers
gekommen sei (vgl. dazu auch E. 4.2 und 4.4), nicht genügend berücksich-
tigt habe, obwohl diese Elemente für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit
ihrer Vorbringen von zentraler Bedeutung seien. Es seien daher erneute
Anhörungen durchzuführen und die bestehenden Protokolle aus den Akten
zu verweisen.
2.3 Aufgrund der Aktenlage besteht kein Zweifel daran, dass das SEM den
Beschwerdeführenden das Protokoll zum zweiten Teil der Anhörung der
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Beschwerdeführerin nicht vorenthalten wollte, sondern das Aktenstück le-
diglich aufgrund eines administrativen Versehens beziehungsweise der
versehentlich falschen Edierung nicht zugestellt wurde. Vor diesem Hinter-
grund, und nachdem ihnen das ersuchte Aktenstück nach Beschwerdeer-
hebung zugestellt worden ist, verbunden mit der Einräumung der ersuch-
ten Frist zur Beschwerdeergänzung darf der vormalige Mangel ohne wei-
teres als geheilt erkannt werden. In entscheidrelevanter Hinsicht bleibt so-
dann festzuhalten, dass aufgrund der Aktenlage zu schliessen ist, die Be-
schwerdeführenden hätten sich im Rahmen ihrer Anhörungen zu allen As-
pekten ihrer Gesuchsgründe umfassend äussern können. Anlass zur An-
nahme, sie seien dazu aufgrund der von ihnen angerufenen psychischen
Beschwerden oder aufgrund der von ihnen geltend gemachten Überset-
zungsproblemen nicht in der Lage gewesen, besteht – wie gerade auch
nachfolgend aufgezeigt (vgl. E. 5.2) – nicht.
2.4 Da nach dem Gesagten keine Gehörsrechtsverletzung ersichtlich ist
und der rechtserhebliche Sachverhalt aufgrund der Aktenlage auch als hin-
reichend erstellt erscheint, fällt die eventualiter beantragte Rückweisung
der Sache ausser Betracht, womit das Gericht in der Sache zu entschieden
hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Anspruch auf Asyl hat demnach, wer im Zeitpunkt der Ausreise aus dem
Heimat- oder Herkunftsstaat aus asylrelevanten Gründen ernsthaften
Nachteilen bereits ausgesetzt war oder zu diesem Zeitpunkt solche Nach-
teile konkret zu fürchten hatte (sog. Vorfluchtgründe). Anspruch auf Asyl
hat ausserdem, wer aufgrund erst nach der Ausreise eingetretener äusse-
rer Umstände, auf die er keinen Einfluss nehmen konnte, bei einer Rück-
kehr in die Heimat aus einem asylrelevanten Grund ernsthafte Nachteile
befürchten müsste (sog. objektive Nachfluchtgründe). Wer sich hingegen
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darauf beruft, eine Gefährdungssituation sei erst durch sein persönliches
Verhalten nach der Ausreise entstanden (bspw. aufgrund einer illegalen
Ausreise oder aufgrund regimekritischer Aktivitäten im Ausland), macht so-
genannte subjektive Nachfluchtgründe geltend. Solche begründen zwar
die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch ge-
mäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, und zwar unabhängig da-
von, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden (vgl.
BVGE 2009/28 E. 7.1). Als Folge davon werden Personen, die subjektive
Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flücht-
linge vorläufig aufgenommen.
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
4.
4.1 Im Rahmen der Begründung der angefochtenen Verfügung stellt das
SEM zunächst fest, die von den Beschwerdeführenden vorgebrachte in-
nere Abwendung vom Islam und Hinwendung zum Christentum werde
nicht infrage gestellt. Diesem ausschliesslich inneren Vorgang komme je-
doch keine Asylrelevanz zu, woran auch die in der Schweiz erfolgte Taufe
nichts ändere. Im Anschluss daran gelangt es nach einer Auseinanderset-
zung mit den Angaben und Ausführungen der Beschwerdeführenden zum
Schluss, soweit diese jedoch über angeblich wegen der Konversion der
Beschwerdeführerin erlittene Verfolgungsmassnahmen berichtet hätten,
überzeuge ihr Sachverhaltsvortrag nicht. Ihre diesbezüglichen Vorbringen
seien daher als unglaubhaft zu erkennen. Dabei hält das SEM zunächst
insbesondere der Beschwerdeführerin entgegen, ihre Aussagen zum Kreis
der Personen, welchen die von ihr geltend gemachte Konversion bekannt
gewesen sein soll, und zu den einzelnen Personen, auf welche sich ihre
angeblichen Missionierungsbemühungen erstreckt haben sollen, seien in
vielen Punkten unlogisch, zudem widersprüchlich und schliesslich auch
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substanzarm geblieben. Auf der anderen Seite sei als nicht nachvollziehbar
zu bezeichnen, dass der Beschwerdeführer über ihre angeblichen Aktivitä-
ten kaum etwas zu berichten gewusst habe. Dies insbesondere auch da-
her, da ihm ihren Angaben zufolge sehr wohl bekannt gewesen sei, mit
welchen anderen Personen und worüber sie mit diesen gesprochen haben
wolle, wie beispielswiese auch, dass sie anderen Personen sogar Bibel-
Kopien abgegeben habe, zumal er auch noch dabei geholfen haben soll,
diese Kopien anzufertigen. Als dem Beschwerdeführer dazu das rechtliche
Gehör gewährt worden sei, sei er ausgewichen. Seine Beschreibungen
zum Verhalten seiner Ehefrau seien wiederum in sich widersprüchlich res-
pektive unlogisch ausgefallen, indem er sie einerseits als in ihrem Verhal-
ten sehr vorsichtig und ängstlich beschrieben habe, er anderseits aber gel-
tend gemacht habe, es sei ihr aber auch sehr wichtig gewesen, andere
vom Christentum zu überzeugen. Das SEM stellt sodann fest, dass der
Beschwerdeführer zudem wesentliche Elemente des Sachverhaltsvortra-
ges seiner Ehefrau, auf welche sie viel Gewicht gelegt habe, massgeblich
anders geschildert oder aber gar nicht erwähnt habe. Während die Be-
schwerdeführerin auf die Anhaltung (... [anlässlich ihrer Rückkehr von ei-
ner Reise]) sehr viel Gewicht gelegt habe, sei er in seinen diesbezüglichen
Ausführungen substanzarm und ausweichend geblieben. Er habe das Er-
eignis gar banalisiert, indem er vorgebracht habe, dass man seiner Ehefrau
lediglich ein paar kurze Fragen gestellt habe, weil man wegen ihrer Missi-
onierung misstrauisch geworden sei, weshalb man auch ihre Tasche durch-
sucht habe. Dieses Ereignis sei demgegenüber von der Beschwerdeführe-
rin viel einschneidender dargestellt worden. Das Kreuz, das man bei ihr
gefunden habe, habe der Beschwerdeführer schliesslich mit keinem Wort
erwähnt. Gemäss der Beschwerdeführerin habe sie ihm jedoch den Vorfall
genau geschildert, und dabei namentlich auch, dass man ihr das Kreuz
abgenommen habe. Angesprochen auf diesen Umstand habe der Be-
schwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs keine plausible Erklä-
rung für diesen Unterschied im Sachverhaltsvortrag gehabt. Ebenso uner-
wähnt gelassen habe er noch ein weiteres Ereignis, das von der Beschwer-
deführerin als für sie wesentlich dargestellt worden sei, nämlich die vonsei-
ten ihres Arbeitgebers erfolgte Vorladung und die dabei erfolgte Freistel-
lung. Auch diesen Unterschied habe er nicht plausibel machen können. In
seinen weiteren Erwägungen zur Sache erklärt das SEM schliesslich die
Beschreibungen der Beschwerdeführerin über ihr Verhalten vor ihrer an-
geblichen Verhaftung – auf der einen Seite wolle sie aus Angst und Vorsicht
nie an christlichen Aktivitäten wie etwa an einem Hauskreis teilgenommen
habe, auf der anderen Seite wolle sie missioniert und Bibeln verteilt haben
– als in sich widersprüchlich. Diesen Widerspruch habe sie nicht auflösen
D-4221/2019
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können. Der Beschwerdeführer sei schliesslich der Frage danach, was
nach der angeblichen Freilassung seiner Ehefrau noch passiert sei, zu-
nächst ausgewichen, um dann plötzlich geltend zu machen, sie sei gesucht
worden. Die Beschwerdeführerin wiederum sei in ihren diesbezüglichen
Ausführungen substanzarm und ausweichend geblieben. Die Beschwerde-
führenden hätten schliesslich eine ganze Reihe von Beweismitteln vorge-
legt, bezeichnenderweise jedoch kein einziges Dokument, das einen kon-
kreten Bezug zu ihren Gesuchsvorbringen hätte. So sei ausgerechnet jene
Quittung, die der Beschwerdeführer für seine angebliche Zahlung der Kau-
tion erhalten habe, angeblich unauffindbar.
4.2 Nachdem die Beschwerdeführenden schon in ihrer Beschwerdeschrift
vorgebracht hatten, der vorinstanzliche Vorhalt betreffend das Vorliegen
angeblich unlogischer, widersprüchlicher und substanzarmer Aussagen
könne nicht überzeugen, da ihre Vorbringen vielmehr äusserst substanzi-
iert, detailliert und lebensnah seien, bekräftigen sie diesen Ansatz in ihrer
Beschwerdeergänzung. In der Sache führen sie in ihren Eingaben zu-
nächst an, dass aufgrund der Art und Weise ihrer Erzählungen sofort ein
Bild der Erlebnisse entstehe, was ein starkes Zeichen für die Glaubhaf-
tigkeit darstelle. Zudem hätten sie Emotionen gezeigt, was ebenfalls als
klares Realkennzeichen gelte. Etwaige Ungenauigkeiten und Widersprü-
che – falls solche überhaupt gegeben wären – seien durch die damals ge-
gebenen Umstände, die einen grossen Einfluss auf ihre Psyche gehabt
hätten, sowie mit Problemen bei der Übersetzung zu erklären. Dabei ma-
chen sie unter Verweis auf eine Reihe von Arztberichten und -zeugnissen
geltend, vom SEM sei ihrem allgemeinen Zustand nicht hinreichend Rech-
nung getragen worden. Es hätten jedoch gerade beim Beschwerdeführer
die Ereignisse in der Heimat, die Trennung von seinem sozialen Umfeld
und die Flucht Spuren hinterlassen. Er habe denn auch schon frühzeitig
angegeben, dass er gerne psychologische Hilfe in Anspruch nehmen wür-
de, damals aber noch keinen Zugang zu einer solchen gefunden, obwohl
sich seine damalige Rechtsvertretung dafür eingesetzt habe und auch von
einem Arzt eine solche dringend empfohlen worden sei, nachdem dieser
beim Beschwerdeführer das Vorliegen einer posttraumatischen Störung
diagnostiziert habe. Der Beschwerdeführer sei daher aufgrund seiner psy-
chischen Verfassung gar nicht in der Lage gewesen, schon bei seinem ers-
ten Interview auf alle Details einzugehen. Aus den Protokollen gehe dar-
über hinaus hervor, dass ihm im Verlauf der Anhörung der Eindruck ent-
standen sei, von der übersetzenden Person sei nicht alles auf Deutsch
übersetzt worden. Da keine Videoaufzeichnung der Anhörung vorliege,
könne nicht mehr festgestellt werden, ob der Sachverhalt tatsächlich
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Seite 16
rechtsgenüglich festgestellt worden sei. In diesem Zusammenhang sei zu-
dem auch ein Hinweis auf die erfolgte Rückübersetzung völlig unbehelflich,
da diese ja von der gleichen Person gemacht worden sei, die schon die
fehlerhafte Übersetzung verursacht habe. Der Beschwerdeführer habe
darüber hinaus auch nicht klar denken können, weil er im Rahmen der An-
hörung an Hunger gelitten habe, was im Protokoll ausdrücklich vermerkt
sei. In ihren weiteren Ausführungen zur Sache erklären die Beschwerde-
führenden das Aussageverhalten des Beschwerdeführers auch im Ver-
gleich zu den Vorbringen der Beschwerdeführerin als durchaus schlüssig,
zumal vor dem Hintergrund der konkreten Einzelfallumstände, also etwa
seines Hungers, aber auch, da die Eheleute während einer gewissen Zeit
voneinander getrennt gewesen seien. Der Beschwerdeführer habe zudem
auch seine Mühe beschrieben, sich auf spezifische Details konzentrieren
zu können. Die weiteren Vorhalte des SEM an die Adresse des Beschwer-
deführers überzeugten nicht, weil sie entweder unwesentlich seien oder
aber der Beschwerdeführer im Verlauf der ergänzenden Anhörung die ihm
vom SEM vorgehaltenen Punkte habe erklären können. So sei beispiels-
weise völlig verständlich, dass er sich in der Anhörung auf die Verhaftung
seiner Ehefrau durch die Sepah-Kräfte konzentriert habe. In diesem Zu-
sammenhang sei auch die grundsätzliche Stresssituation der Anhörung zu
berücksichtigen wie auch die kulturellen Unterschiede namentlich in den
Geschlechterrollen zwischen Mann und Frau im Iran und der Umstand,
dass sich der Beschwerdeführer zum ersten Mal in einer solchen Anhö-
rungssituation befunden habe. Auch sei er vom Übersetzer immer wieder
unterbrochen worden, was ihm einen stringenten Vortrag zusätzlich er-
schwert habe. Auch sei ihm nicht bewusst gewesen, dass das Ereignis mit
dem Kreuz für das SEM von solcher Wichtigkeit sei. Im Rahmen ihrer Be-
schwerdeergänzung machen die Beschwerdeführenden sodann geltend,
die vorinstanzliche Argumentation betreffend angeblich unlogischer, wider-
sprüchlicher und substanzarmer Aussagen könnten schliesslich gerade vor
dem Hintergrund der Angaben und Ausführungen der Beschwerdeführerin
nicht überzeugen, zumal gerade in ihrem Fall die Art und Weise der Erzäh-
lung sehr erlebnisgeprägt und mit Realkennzeichen versehen ausgefallen
sei. So habe die Beschwerdeführerin auch sehr detailliert von ihrem Leben
in Iran berichtet und sich dabei nicht einmal widersprochen, obwohl ihr
mehrmals die gleiche Frage gestellt worden sei, offenkundig um sie in ei-
nen künstlichen Widerspruch zu verwickeln. Die Beschwerdeführerin habe
auch unter Tränen von Übergriffen berichtet, die im Gefängnis stattgefun-
den hätten. Sie sei dort geschlagen, bedroht, belästigt und somit auch ein-
geschüchtert worden, was auch ihren labilen Zustand erkläre. In ihren wei-
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Seite 17
teren Ausführungen erklären die Beschwerdeführenden sodann die Schil-
derungen der Beschwerdeführerin zu ihrem persönlichen Verhalten als ins-
gesamt nachvollziehbar.
4.3 In seiner Vernehmlassung hält das SEM fest, es sei zwar verständlich,
dass die Beschwerdeführenden währen den Anhörungen Emotionen ge-
zeigt hätten, diese könnten jedoch verschiedene Ursachen haben, weshalb
diese entgegen den Beschwerdevorbringen nicht als klares Realkennzei-
chen zu würdigen seien. Die Beschwerdeführenden hätten sodann in den
Anhörungen zu keinem Zeitpunkt den Eindruck erweckt, dass ihre psychi-
sche Angeschlagenheit und ihre Emotionalität einen Einfluss auf ihr Aus-
sageverhalten gehabt hätten.
4.4 Dem halten die Beschwerdeführenden in ihrer Replik entgegen, es sei
anmassend, dass das SEM in genereller Weise den Einfluss der psychi-
schen Verfassung und der Emotionen auf das Aussageverhalten ab-
schlage, hätten doch gerade diese beiden Faktoren immer einen entspre-
chenden Einfluss. Gleichzeitig könne ihre Rechtsvertreterin aufgrund der
immer noch fehlenden Videoaufzeichnungen den Grad ihrer Emotionalität
eben nicht prüfen, zumal eben auch nicht darauf abgestellt werden könne,
dass in dieser Hinsicht alles protokolliert worden sei. Da damit keine Waf-
fengleichheit zwischen den Parteien bestehe, seien die Ausführungen des
SEM vom Gericht als reine Parteibehauptungen zu qualifizieren. Im Ge-
genteil dazu hätten sie in ihrer Beschwerdeschrift ganz genau beschrieben,
in welchem Zustand sich der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung
befunden habe, worauf abzustellen sei. Im Anschluss daran bestreiten die
Beschwerdeführenden die Aussagekraft des Protokolls der ergänzenden
Anhörung des Beschwerdeführers, da dieses aufgrund der Abwesenheit
der Protokollführerin von der Befragerin selber geschrieben worden sei.
Der Beschwerdeführer habe sich darüber hinaus bei der ergänzenden An-
hörung von der Dolmetscherin unter Druck gesetzt gefühlt. Diese habe zu-
dem auch keinen neutralen Eindruck gemacht und der Beschwerdeführer
habe ihr daher nicht vertraut. Dass dieser Dolmetscherin die Neutralität ab-
gehe, sei im Übrigen auch schon in anderen Verfahren bemerkt worden.
Dass die Beschwerdeführenden schliesslich nicht mehr über die Ereig-
nisse in der Heimat seit ihrer Ausreise hätten berichten können, sei
schliesslich einzig dem Umstand geschuldet, dass ihre Mütter die seitheri-
gen Behelligungen gegenüber der Beschwerdeführerin nur angedeutet
hätten, um sie zu schützen.
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Seite 18
5.
5.1 Die Gesuche der Beschwerdeführenden basieren – verkürzt darge-
stellt – auf dem Vorbringen, die Beschwerdeführerin sei nach einer für sie
völlig überraschenden Anhaltung (... [anlässlich ihrer Rückkehr von einer
Reise]), bei der im Rahmen einer Leibesvisitation ihr Kreuz entdeckt wor-
den sei (1), zunächst von ihrem Arbeitgeber vorgeladen und per sofort frei-
gestellt worden (2), dann aber einige Tage später an ihrem Wohnort von
Sepah-Kräften verhaftet (3) worden, worauf sie mehrere Tage in Haft ver-
bracht und dabei auch Übergriffe erlitten habe (4), bis sie nach Zahlung
einer hohen Kaution wieder freigelassen worden sei (5), wobei sie aber
auch nach der Entlassung von einem Strafverfahren bedroht gewesen sei
(6), dem sie sich durch Flucht habe entziehen müssen. Den Beschwerde-
führenden ist zunächst darin Recht zu geben, dass ihre Ausführungen in
weiten Teilen äusserst detailliert ausgefallen sind, was grundsätzlich für de-
ren Glaubhaftigkeit spricht (vgl. dazu auch nachfolgend E.5.3). Auch wurde
von den Beschwerdeführenden übereinstimmend eine an sich klar be-
stimmte Ereigniskette vorgebracht. Hingegen lassen sich die einzelnen
Elemente dieser Kette nur mit grosser Mühe in einen hinreichend bestimm-
ten zeitlichen Rahmen fügen. So liegen zeitliche Angaben zu den einzelnen
Ereignissen durchwegs nur entweder vonseiten der Beschwerdeführerin
oder aber vonseiten des Beschwerdeführers vor, da zu keinem der geltend
gemachten Teilereignisse Angaben vorliegen, die von beiden übereinstim-
mend gemacht worden wären. Während die Beschwerdeführerin einzig
das Datum ihrer angeblichen Anhaltung (...) mit Bestimmtheit benennen
konnte (angeblich am [...]), nach welcher sie zwei Tage später von ihrem
Arbeitgeber vorgeladen worden sei, konnte der Beschwerdeführer einzig
das Datum ihrer angeblichen Haftentlassung angeben (angeblich am [...]).
Zur Dauer der angeblichen Haft machte weder die Beschwerdeführerin
noch der Beschwerdeführer exakte Angaben, da beide lediglich von meh-
reren respektive sieben oder acht Tagen berichteten. Konkreter wurden sie
nicht. Darüber hinaus wurde auch das Datum der geltend gemachten Ver-
haftung von beiden an keiner Stelle konkret benannt. Diese Umstände we-
cken erste, wenn auch nur wenig gewichtige Zweifel am Sachverhaltsvor-
trag der Beschwerdeführenden, zumal die geltend gemachten Ereignisse
im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung eben gerade nicht lange, sondern
tatsächlich nur wenige Wochen zurücklagen.
5.2 Aufgrund der Aktenlage ist sodann festzustellen, dass der Beschwer-
deführer – der vom SEM zuerst angehört wurde – in seinem Sachverhalts-
vortrag zwar grundsätzlich dem vorstehend beschriebenen Ablauf der Er-
eignisse gefolgt ist, dass er dabei Elemente, die von seiner Ehefrau als für
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den Gesamtzusammenhang zentral respektive als für sie persönlich unge-
mein wichtig dargestellt wurden, entweder erkennbar anders dargestellt
oder aber gar nicht erwähnt hat. Das betrifft – wie vom SEM zu Recht er-
kannt – zunächst die von der Beschwerdeführerin als zentrales Element
dargestellte Entdeckung ihres Kreuzes anlässlich ihrer Anhaltung (...), wo-
rüber sie ihm berichtet habe, im Weiteren aber eben auch die angeblich
schon am übernächsten Tag erfolgte Freistellung von ihrer Arbeit nach ei-
ner Vorladung durch die Aufsichtsabteilung, welche die Beschwerdeführe-
rin ihren Angaben zufolge persönlich sehr schwer getroffen habe. Die
Nichterwähnung dieses Ereignisses erscheint als bedeutend, weil der Be-
schwerdeführer seine Ehefrau deren Angaben zufolge zu dieser Vorspra-
che begleitet hatte, wobei ihm dann eine Teilnahme explizit verweigert wor-
den sein soll. Dem SEM ist beizupflichten, dass der Beschwerdeführer im
Rahmen der ergänzenden Anhörung – und dort angesprochen auf diese
Punkte – im Wesentlichen bloss ausweichend reagiert hat, was nicht über-
zeugt. An dieser Stelle bleibt zugleich festzuhalten, dass die Beschwerde-
vorbringen betreffend eine angeblich massgebliche Einschränkung des
Beschwerdeführers anlässlich seiner Anhörungen aufgrund der Aktenlage
nicht zu überzeugen vermögen. Tatsächlich liegt nicht ein mindester Hin-
weis dafür vor, dass er aus Gründen der Übersetzung, wegen psychischer
Probleme, persönlicher Anspannung oder Erschöpfung oder auch aus an-
deren Gründen gehemmt gewesen wäre. In diesem Zusammenhang ver-
mögen auch nicht die Rügen hinsichtlich des Fehlens von angeblich not-
wendigen Videoaufzeichnungen oder der angeblich ungenügenden Proto-
kollführung im Rahmen der ergänzenden Anhörung zu überzeugen. Auf-
grund der vorliegenden Protokolle ist vielmehr festzustellen, dass der Be-
schwerdeführer gerade im Rahmen der Anhörung zu einem sehr ausführ-
lichen und auch detaillierten Sachverhaltsvortrag in der Lage war, er sich
aber auch in der ergänzenden Anhörung umfassend äussern konnte. Allein
der Umstand, dass sein Sachverhaltsvortrag – wie vom SEM erwogen – in
wesentlichen Punkten deutliche Unterschiede zu jenem seiner Ehefrau
aufweist, spricht nicht gegen die Qualität der vorinstanzlichen Sachver-
haltsfeststellung. Der Gehalt der ersichtlichen Unterschiede ist hingegen
geeignet, die Zweifel am Sachverhaltsvortrag der Beschwerdeführenden
massgeblich zu verstärken.
5.3 Die Beschwerdeführerin hat zunächst im Rahmen des ersten Anhö-
rungstermins, im Weiteren aber insbesondere im Rahmen des Fortset-
zungstermins, zu einem sehr ausführlichen Sachverhaltsvortrag angeho-
ben. Dabei ist zu ihren Gunsten festzuhalten, dass ihren Angaben und Aus-
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führungen verschiedenste Detailangaben zu entnehmen sind, was wie er-
wähnt in der Regel für die Glaubhaftigkeit von Vorbringen spricht. Tatsäch-
lich basiert die Glaubhaftigkeit von Vorbringen gerade auf Kriterien wie De-
tailreichtum, Spontanität und Unmittelbarkeit der persönlichen Schilderun-
gen zu den Gesuchsgründen. Ist eine asylsuchende Person in der Lage,
ihren Sachverhaltsvortrag mit persönlich gefärbten Detailschilderungen zu
unterlegen, stellt dies in der Regel einen starken Hinweis auf ein persönli-
ches Erleben der geltend gemachten Sachverhaltsumstände dar. Auch de-
tailreiche Schilderungen müssen jedoch in sich stimmig und schlüssig blei-
ben. Vorliegend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin ihren zu Beginn
der Anhörung eingebrachten Sachverhaltsvortrag im Verlauf des Fortset-
zungstermins mit immer neuen Detailangaben angereichert und dadurch
kontinuierlich weiterentwickelt hat. Bei einer Gesamtbetrachtung der Ent-
wicklung ihrer Angaben und Ausführungen ist jedoch festzustellen, dass
sie damit zwar in der Lage war, immer noch weitere Details einzubringen,
ihr Vortrag dadurch aber auch immer weniger innere Übereinstimmung auf-
wies. So hat sie beispielsweise gerade die Begegnung mit ihren beiden
Befragern während ihrer angeblichen Haft ihm Verlauf der Fortsetzung ih-
rer Anhörung im Resultat massgeblich anders dargestellt, als noch am ers-
ten Termin. Gleichzeitig fällt auf, dass sie die vorgebrachten Sachverhalts-
elemente – jedenfalls soweit es die angeblich ausreiserelevanten Ereig-
nisse betrifft – praktisch in jedem Fall nur ein einziges Mal ansprach, indem
sie im Verlauf der Anhörung und deren Fortsetzung eben ständig neue Ele-
mente einbrachte. Zum angeblichen Haftort machte sie an genau einer
Stelle sehr detaillierte Angaben, auf spätere Rückfrage hin blieb sie in ihren
Beschreibungen hingegen sehr dünn. An dieser Stelle wäre ein Bericht in-
dividueller Färbung zu erwarten gewesen, ihre Angaben blieben jedoch
weitgehend substanzlos. Unter Berücksichtigung aller Elemente entsteht
daher insgesamt der Eindruck, die Beschwerdeführerin habe im Verlauf der
beiden Anhörungstermine durch den fortwährenden Ausbau ihrer Angaben
und Ausführungen nach und nach ein Konstrukt entwickelt. Dafür spricht
auch der Umstand, dass sie zu einem Sachverhaltsvortrag mit vielen De-
tails in der Lage war, jedoch gerade die Detailangaben zur angeblich er-
standenen Haft keine persönliche Färbung erkennen lassen, die auf ein
persönliches Erleben schliessen liesse. Für die Gesamtwürdigung ist ge-
rade dieser Aspekt von massgeblicher Bedeutung.
5.4 Zum bereits Gesagten kommt hinzu, dass die Beschwerdeführerin
zwar vom Erstehen von Haft angeblich an mehr als einem Ort, dann beide
Beschwerdeführenden von konkreten Terminen vor Gericht und bei Ge-
richtsbehörden und schliesslich auch beide von einem angeblich weiterhin
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Seite 21
laufenden Strafverfahren berichtet haben, sie in ihren diesbezüglichen
Ausführungen jedoch grundlegende Angaben schuldig geblieben sind. So
hätte zunächst erwartet werden dürfen, dass die Beschwerdeführerin zu-
mindest den Namen des Gefängnisses nennt, in das sie nach dem von ihr
beschriebenen Hafttermin vor einem Richter, dessen Name sie ebenfalls
nicht nannte, verbracht worden sein will. Der Beschwerdeführer wiederum
will in einem Gerichtsgebäude mit einem Gerichtssekretär in direktem Kon-
takt gestanden und dort angeblich auch einen Blick auf die Akten erhascht
haben. Er hat jedoch weder den Namen dieses Gerichts konkret benannt,
noch machte er irgendwelche andere Angaben zum gesamten Verfahren,
welche überprüfbar wären. Im Iran kann weiter in aller Regel auf den Bei-
stand von Anwälten zurückgegriffen werden, was von den Beschwerdefüh-
renden nicht bestritten wurde. Dazu machten sie lediglich geltend, sie wä-
ren in ihrer Auswahl beschränkt gewesen. Gleichzeitig ist die iranische Jus-
tiz auch schon bis zu einem gewissen Grad digitalisiert, was von ihnen im
Grundsatz auch bestätigt wurde. Sie machen aber dennoch geltend, sie
könnten keine Unterlagen zum angeblich laufenden Strafverfahren be-
schaffen. Das kann nach dem eben Gesagten nicht überzeugen. Auch
nicht überzeugen kann, dass ihren Angaben zufolge ausgerechnet ihr ein-
ziges Beweismittel – die angebliche Quittung respektive die Kopie davon –
in Verstoss geraten sein soll. Auch Bankunterlagen zur Überweisung der
ausgesprochen hohen Geldsumme konnten nicht eingereicht werden. Das
vollständige Fehlen von Beweismitteln zum geltend gemachten Verfahren
stellt einen ganz wesentlichen Mangel dar.
5.5 Insbesondere der Beschwerdeführer hat detailliert über das Miterleben
der Verhaftung seiner Ehefrau berichtet und seine diesbezüglichen Anga-
ben weisen durchaus eine gewisse innere Qualität auf. In deutlichem Kon-
trast dazu steht jedoch, dass seine Schilderungen zum an sich genau so
bedeutenden Ereignis des ersten Zusammentreffens mit seiner Ehefrau
nach deren Verhaftung keinerlei Substanz aufweist und zudem mit einem
klaren Widerspruch behaftet ist. So hatte er im Rahmen seiner Anhörung
sehr emotional davon berichtet, wie sehr er in Sorge um seine Ehefrau
gewesen sei, weil er sie über Tage nicht gesehen habe, dabei aber an kei-
ner Stelle etwas davon erwähnt, dass er sie tatsächlich noch vor ihrer end-
gültigen Entlassung einmal gesehen hätte. Die Beschwerdeführerin führte
hingegen anlässlich der Fortsetzung ihrer Anhörung genau eine solche
zwischenzeitliche Begegnung an, nach der sie aber nochmals eine Nacht
in einem anderen Gefängnis habe verbringen müssen. Dies in durchaus
lebendigen Schilderungen zum gemeinsamen Gespräch, zu welchen dann
auch ihre Mutter hinzugekommen sei (vgl. SEM-Akte -27/33 F. 52 [achter
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Seite 22
Absatz bzw. S. 9 unten]). Angesprochen auf diesen Unterschied konnte der
Beschwerdeführer in der ergänzenden Anhörung ohne zu zögern eine Ant-
wort geben, jedoch berichtete er dabei ausdrücklich über eine lediglich
flüchtige Begegnung, die bloss auf Distanz auf dem Gang und insbeson-
dere ohne jeden Wortwechsel stattgefunden habe (vgl. SEM-Akte -28/13
F. 21 f.). Dass sich die Beschwerdeführenden in ihren Schilderungen zu
ihrer angeblich ersten Wiederbegegnung nach einer angeblich für beide
emotional sehr belastenden Trennung in einen solchen Widerspruch ver-
wickelt haben, erschüttert ihre Vorbringen weiter.
5.6 Die Beschwerdeführenden haben unter anderem auch angeführt, sie
könnten ihre Reisepapiere nicht vorlegen, weil ihnen diese von den Behör-
den abgenommen worden seien. Die Beschwerdeführerin führte dazu an,
ihre Papiere seien ihr vom Ettela'at abgenommen worden. Der Beschwer-
deführer brachte demgegenüber vor, die Sepah-Kräfte hätten ihre Reise-
papiere behändigt. Dieser Unterschied ist als durchaus relevant zu be-
zeichnen, da es im Kontext von Iran eben eine massgebliche Rolle spielt,
ob man vom Ettela'at oder von den Sepah angegangen wird. Eine Ver-
wechslung dieser Behörden ist daher weitgehend auszuschliessen. Zu
dem kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Anhö-
rung detailliert beschrieben hat, wie die Sepah ihre sämtlichen Identitäts-
papiere behändigt hätten (vgl. SEM-Akte -25/17 F. 71 [zweiter Absatz]).
Dennoch legten die Beschwerdeführenden im Verlauf des Verfahrens nach
der originalen Melli-Karte der Beschwerdeführerin auch noch im Original
die Shenasnahme des Beschwerdeführers, ihren Eheschein und den Mili-
tärausweis des Beschwerdeführers zu den Akten, was erhebliche Zusatz-
fragen aufwirft. (...)
5.7 Wird das Vorgenannte einer Gesamtbetrachtung unterzogen, dann ver-
mögen die Vorbringen der Beschwerdeführenden trotz einiger Elemente
die für die Glaubhaftigkeit sprechen, einer Prüfung nicht standzuhalten. Es
besteht nach dem Gesagten insgesamt kein Anlass zur Annahme, die Be-
schwerdeführenden hätten ihre Heimat nach bereits erlittener Verfolgung
sowie vor dem Hintergrund einer konkreten Verfolgungssituation aus den
von ihnen geltend gemachten Gründen verlassen.
5.8 Nach der vorstehenden Feststellung kann auf eine Auseinanderset-
zung mit den Beschwerdevorbringen über die Asylrelevanz der angebli-
chen erlittenen Verfolgung verzichtet werden, wie auch auf eine Auseinan-
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Seite 23
dersetzung mit den Beschwerdevorbringen über die Reflexverfolgungssi-
tuation verzichtet werden kann, von welcher der Beschwerdeführer angeb-
lich wegen der Verfolgungssituation seiner Ehefrau bedroht gewesen sei.
6.
6.1 Von den Beschwerdeführenden wird weiter angeführt, aufgrund der be-
reits in der Heimat erfolgten und auch vom SEM als glaubhaft erachteten
Konversion der Beschwerdeführerin und der mittlerweile in der Schweiz
erfolgten Konversion auch des Beschwerdeführers hätten sie in ihrer Hei-
mat in Zukunft flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu gewärtigen, und
dies auch ohne die bereits erfolgte und fluchtauslösende Inhaftnahme. Im
Falle einer Rückkehr in den Iran wären sie mit Sicherheit an Leib und Le-
ben bedroht, zumal ihnen auch nicht zugemutet werden könne, ihre innere
Überzeugung tagtäglich zu unterdrücken. In dieser Hinsicht sei auf das Re-
ferenzurteil D-4952/2014 vom 23. August 2017 zu Religionsfreiheit und
Apostasie abzustellen. Im Rahmen ihrer Ausführungen verweisen sie auf
die bereits bei den Akten liegenden Taufurkunden. Zusätzlich legen sie ein
Bestätigungsschreiben vom 16. August 2019 vor, ausgestellt vom Pfarrer
der evangelischen Gemeinschaft, welchen sie während ihres Aufenthalts
im BAZ besuchten, zusammen mit einem Bestätigungsschreiben vom
18. August 2019, ausgestellt vom Pfarrer der evangelischen Gemein-
schaft, welchen sie an ihrem aktuellen Wohnort besuchen. Aufgrund ihres
daraus ersichtlichen Engagements weise ihr Fall starke Parallelen zu den
Verfahren D-4795/2016 und D-4798/2016 auf.
6.2 Betreffend diese Vorbringen bleibt zunächst festzuhalten, dass auch im
Iran der Übertritt zum Christentum für sich alleine zu keiner (individuellen)
staatlichen Verfolgung führt. Eine Verfolgung durch den iranischen Staat
kommt erst dann zum Tragen, wenn der Glaubenswechsel aufgrund einer
missionierenden Tätigkeit bekannt wird und zugleich Aktivitäten der
Konvertierten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angese-
hen werden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.4). Diese Beurteilung hat nach wie
vor ihre Gültigkeit (vgl. BVGer-Urteil D-1661/2019 vom 23. März 2021
E. 4.5 f.). Ebenso bleibt festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführenden
im Iran durch ihren christlichen Glauben nicht exponiert haben. Auch wenn
die Beschwerdeführerin teilweise ein weitergehendes Engagement be-
hauptet hat, erscheint nach vorstehenden Erwägungen einzig als überwie-
gend glaubhaft gemacht, dass sie sich bloss in ihrem engeren Familien-
und Freundeskreis zum Christentum bekannt hat. Sie hat sich ihren ur-
sprünglichen Angaben zufolge immer sehr vorsichtig verhalten, was von
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Seite 24
ihrem Ehemann bestätigt wurde, und nie an Aktivitäten wie einem Haus-
kreis teilgenommen. Gleichzeitig hat ihr persönliches Umfeld nicht negativ
auf ihre Hinwendung zum Christentum reagiert. Der Beschwerdeführer hat
soweit ersichtlich erst in der Schweiz einen ernsthaften Zugang zum Chris-
tentum gefunden. Damit sind die Vorbringen der Beschwerdeführenden
über ihre in der Schweiz durch ihre Taufe manifestierte Konversion aus-
schliesslich unter den Gesichtspunkt von subjektiven Nachfluchtgründen
zu prüfen.
6.3 Nach dem SEM stellt auch das Gericht die in der Schweiz mit der Taufe
formal vollzogene Konversion der Beschwerdeführenden nicht in Abrede.
Dennoch kommt es zum Schluss, dass die christliche Glaubensausübung
der Beschwerdeführenden nicht geeignet ist, flüchtlingsrechtlich relevante
Massnahmen im Iran auszulösen. Gemäss ständiger Rechtsprechung führt
eine Konversion im Ausland für sich alleine nicht zu einer staatlichen Ver-
folgung. Die Glaubensänderung vermag die Aufmerksamkeit der irani-
schen Behörden nur dann auf sich zu ziehen, wenn sie im Ausland aktiv
und nach aussen hin sichtbar praktiziert wird oder im Einzelfall davon aus-
gegangen werden muss, dass das heimatliche Umfeld von einer solchen
aktiven, allenfalls missionarische Züge annehmenden Glaubensausübung
erfährt. Deshalb ist neben der Glaubhaftigkeit der Konversion auch das
Ausmass der öffentlichen Bekanntheit der betroffenen Person in Betracht
zu ziehen (vgl. statt vieler BVGer-Urteil D-1754/2018 vom 16. Dezember
2020 E. 6.4 m.w.H. in Bestätigung von BVGE 2009/28 E. 7.3.4 ff.). Auf-
grund der Ausführungen der Beschwerdeführenden und namentlich der
von ihnen eingereichten Bestätigungen ergibt sich, dass sich ihre Aktivitä-
ten auf den Austausch anlässlich interner Anlässe der christlichen Gemein-
schaft an ihrem aktuellen Wohnort beschränken, nachdem sie in entspre-
chendem Umfang schon während ihres Aufenthalts im BAZ D._ ak-
tiv waren. Diese auf einen sehr überschaubaren Kreis beschränkten Akti-
vitäten in der Schweiz stellen keine aktive Glaubensausübung im Sinne der
genannten Rechtsprechung dar. Es ist jedenfalls nicht von einer missiona-
rischen Tätigkeit oder einem in exponierter Weise ausgelebten Glauben
auszugehen. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Beschwerdeführen-
den denn auch massgeblich von den von ihnen angerufenen Verfahren;
das Vorliegen starker Parallelen ist klar zu verneinen. Im Weiteren ist auch
nicht ersichtlich, dass die in der Schweiz erfolgte Taufe der Beschwerde-
führenden im Iran öffentlich bekannt geworden wäre. Zudem hat das en-
gere Umfeld der Beschwerdeführenden auch in der Vergangenheit nicht
negativ auf den schon im Iran erfolgten Glaubenswechsel der Beschwer-
deführerin reagiert. Abgesehen davon ist darauf hinzuweisen, dass selbst
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dann, wenn die iranischen Behörden von der Konversion bereits Kenntnis
erlangt haben sollten, die private Glaubensausübung im Iran grundsätzlich
möglich ist (vgl. BVGer-Urteil E-6349/2019 vom 29. Juni 2021 E. 7.4.1
m.w.H.). Nach dem bereits Gesagten ist in dieser Hinsicht festzustellen,
dass aufgrund der Aktenlage das aktive Missionieren für die Beschwerde-
führenden kein zentrales Element ihrer religiösen Identität darstellt, nach-
dem sie ihre religiöse Identität offenkundig ausschliesslich geborgen im
Kreis ihrer evangelischen Gemeinde leben, weshalb im Falle einer Rück-
kehr in den Iran die entsprechende Glaubensausübung für sie weiterhin
möglich und dementsprechend nicht von einem unerträglichen psychi-
schen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG auszugehen ist. Zusammen-
fassend spricht nichts dafür, dass die iranischen Behörden ein Interesse
daran hätten, die Beschwerdeführenden bei ihrer Rückkehr in ihre Heimat
aufgrund ihrer Konversion zu verfolgen. Demnach kann den Beschwerde-
führenden auch keine entsprechende, flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-
gungsfurcht zuerkannt werden.
6.4 Nach dem Gesagten liegen keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine
konkrete Bedrohung in der Heimat aufgrund der vorgebrachten Konversion
und der in der Schweiz erfolgten Taufe und damit keine subjektiven Nach-
fluchtgründe vor.
7.
Nach vorstehenden Erwägungen können die Beschwerdeführenden keine
im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Gefährdungslage nachweisen oder
glaubhaft machen. Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und die Ab-
lehnung der Asylgesuche sind daher zu bestätigen.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
[erster Satz] AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Anordnung der Wegweisung ist demnach zu
bestätigen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
D-4221/2019
Seite 26
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 [zweiter
Satz] AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1-4 AIG [SR 142.20]).
In diesem Zusammenhang bleibt festzuhalten, dass bezüglich der Geltend-
machung von Wegweisungsvollzugshindernissen gemäss ständiger Praxis
des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der
Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, allfällige Vollzugshindernisse sind
zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigs-
tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK [SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 FoK [SR 0.105] und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf so-
dann niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe
oder Behandlung unterworfen werden.
Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrecht-
lich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann
der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorlie-
genden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückführung in den Iran
ist demnach unter dem Aspekt dieser Bestimmung rechtmässig. Sodann
ergeben sich weder aus den Ausführungen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Rück-
führung in den Iran mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3
EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschen-
rechte (EGMR) und jener des UN-Anti-Folterausschusses müssten die Be-
schwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihnen im Falle einer Rückschiebung Folter oder
unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer, 37201/06, §§ 124-127
m.w.H.). In dieser Hinsicht ist jedoch aufgrund der Aktenlage nichts Stich-
haltiges ersichtlich. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran,
die weiterhin als schlecht zu bezeichnen ist, lässt den Wegweisungsvollzug
nicht als unzulässig erscheinen.
D-4221/2019
Seite 27
9.3
9.3.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren (vgl. zum Ganzen BVGE 2014/26 E. 7.3 ff.
m.w.H.).
9.3.2 Im Iran herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt.
Zwar sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Land schon seit Jahren an-
gespannt und es kommt im Iran – zumeist aus diesem Grund – auch im Ab-
stand von einigen Jahren immer wieder zu grösseren Demonstrationswel-
len, die von staatlicher Seite zumeist mit Härte beantwortet werden. Alleine
diese Umstände sprechen jedoch weder gegen eine Rückkehr in den Iran
noch eine Rückkehr an den Herkunftsort der Beschwerdeführenden. In die-
ser Hinsicht bleibt festzuhalten, dass der Beschwerdeführer und die Be-
schwerdeführerin beide aus F._ stammen, beide über einen hohen
Bildungsgrad verfügen und beide bis zur ihrer Ausreise einer Erwerbstätig-
keit nachgegangen sind. Aufgrund ihrer Angaben und Ausführungen zu ih-
ren persönlichen Verhältnissen darf sodann davon ausgegangen werden,
dass sie aus überdurchschnittlich guten wirtschaftlichen Verhältnissen
stammen, wie auch davon, dass sie in F._ weiterhin über ein breites
Verwandtschaftsnetz und damit über enge persönliche Anknüpfungs-
punkte verfügen. Die teils anderslautenden Beschwerdevorbringen über-
zeugen nicht. Damit liegt eine ganze Reihe von starken Faktoren vor, die
für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges sprechen.
9.3.3 Die Beschwerdeführenden wenden gegen den Wegweisungsvollzug
ein, sowohl sie als auch ihr Kind litten an erheblichen gesundheitlichen
Problemen, die in der Heimat nicht behandelbar sein dürften. Ihre diesbe-
züglichen Vorbringen vermögen jedoch aufgrund der Aktenlage nicht zu
überzeugen, woran auch die Berufung der Beschwerdeführenden auf ihren
christlichen Hintergrund nichts zu ändern vermag:
Der Beschwerdeführer hat im Rahmen seiner Beschwerde durch Vorlage
eines bis dahin nicht bei den Akten liegenden Formulars vom 27. Mai 2019
(Formular "F2: Zuweisungsblatt zur medizinischen Abklärung") und eines
kurzen Arztberichts vom 5. Juni 2019 aufzeigen können, dass er während
seines Aufenthalts im BAZ wegen psychischer Probleme einen Arzt auf-
suchte, von dem ihm in der Folge Medikamente verschrieben wurden.
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Diese zeigten laut Kurzbericht eine gute Wirkung. Vom Arzt wurde damals
zusätzlich eine möglichst baldige Aufnahme einer Psychotherapie empfoh-
len. Aus dem ebenfalls bereits mit der Beschwerde eingereichten Zeugnis
einer Fachärztin vom 12. August 2019 geht jedoch hervor, dass beim Be-
schwerdeführer in der Folge im Wesentlichen bloss eine mittelgradige re-
aktive depressive Episode (F32.1) diagnostiziert wurde, die zu diesem Zeit-
punkt weiterhin nur medikamentös behandelt wurde. Zwar wurde im Be-
richt vom 12. August 2019 ausgeführt, dass geplant sei, ab September
2019 eine Psychotherapie unter Einbezug eines Übersetzers aufzuneh-
men, mit Sitzungen durchschnittlich zweimal im Monat. Mangels Vorlage
entsprechender Berichte erscheint jedoch als offen, ob diese Behandlung
dann tatsächlich während längerer Zeit fortgeführt wurde, respektive ist
nicht einmal erstellt, ob die Behandlung überhaupt aufgenommen wurde.
Ersichtlich ist damit einzig, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner
Gesucheinreichung und in den folgenden Wochen an einer psychischen
Erkrankung litt, die sowohl von der damals gestellten Diagnose als auch
vom damals anvisierten Behandlungssetting her als mässig erscheint und
primär mit einem bewährten Antidepressivum in üblicher Dosierung ([...])
behandelt wurde. Da vergleichbare Medikamente grundsätzlich auch im
Iran verfügbar sind und sich der Beschwerdeführer diese aufgrund seiner
wirtschaftlichen Verhältnisse auch ohne weiteres dürfte leisten können, ist
nichts ersichtlich respektive überwiegend glaubhaft gemacht, was in
rechtserheblicher Weise gegen den Wegweisungsvollzug sprechen würde.
Auch die Beschwerdeführerin hat im Rahmen der Beschwerde durch Vor-
lage eines kurzen Arztberichts vom 21. Mai 2019 aufzeigen können, dass
sie während ihres Aufenthalts im BAZ bei einer Ärztin vorsprach. Dabei
stand soweit ersichtlich im Rahmen von drei Terminen (am 1., 7. und 14.
Mai 2019) zum einen die Behandlung gynäkologischer Probleme [im Fo-
kus]. Dieses Erkrankungsbild wurde mit entsprechenden Medikamenten
behandelt. Auf der anderen Seite berichtete die Beschwerdeführerin über
psychische Probleme. Die konsultierte Hausärztin diagnostizierte zunächst
"Angst", dann "Insomnia/schlechte Träume". Der Beschwerdeführerin wur-
de soweit ersichtlich ein angstlösendes Medikament verschrieben, worauf
es ihr laut dem Kurzbericht psychisch besser respektive viel besser gegan-
gen sei. Nach dem Beschwerdeführer hat auch die Beschwerdeführerin mit
der Beschwerde ein vom 12. August 2019 datierendes Zeugnis der glei-
chen Fachärztin vorgelegt. In diesem mittlerweile doch bereits 21⁄2-Jahre
alten Zeugnis wurde ihr attestiert, dass sie an einer posttraumatischen Be-
lastungsstörung (F. 43.1) leide, und zwar [1.] nach Verfolgung und Inhaftie-
rung im Iran wegen Konversion vom Islam zum Christentum sowie [2.] nach
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Seite 29
körperlicher Misshandlung im Gefängnis, mit [3.] somatischen Symptomen
sowie mit [4.] Flashbacks, Vermeidungsverhalten, Vigilanzsteigerung,
Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen. Zusätzlich wurde ihr attestiert, dass
sie an einer Angst- und Depressiven Störung, gemischt (F32.1) leide, dies
auf dem Boden einer psychosozialen Belastungssituation im Rahmen einer
Migrationsproblematik. Zur Behandlung wurde ausgeführt, dass die Be-
schwerdeführerin abends (... [ein Medikament]) einnehme und wöchentlich
eine 1-stündige Psychotherapiesitzung besuche (ärztlich delegierte Psy-
chotherapie beim Fachpsychologen). Die fachärztliche Diagnose betref-
fend das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)
wirft gewisse Fragen auf, da diese von der Fachärztin in einer sehr aus-
drücklichen Form in einen direkten Zusammenhang zu den vorstehend als
unglaubhaft erkannten Gesuchsvorbringen der Beschwerdeführerin ge-
stellt wird. Als wenig schlüssig erscheint zudem, dass dabei auf ein Ele-
ment abgestellt wird, das von der Beschwerdeführerin auch noch auf Be-
schwerdeebene nie angeführt worden ist. Auch wenn die Beschwerdefüh-
rerin aus einem anderen als dem geltend gemachten Grund an einer PTBS
leiden kann, weckt dieser Umstand doch deutliche Zweifel an der damali-
gen Diagnose. Deutlich schlüssiger erscheint dagegen die Zweitdiagnose,
da diese in einen ohne weiteres nachvollziehbaren Kontext gestellt wurde.
In entscheidrelevanter Hinsicht bleibt indes auch im Falle der Beschwerde-
führerin festzustellen, dass im Zeugnis vom 12. August 2019 zwar von ei-
nem soweit ersichtlich auf längere Dauer angelegten Behandlungssetting
berichtet wurde, jedoch als offen erscheint, ob die Behandlung dann auch
längerfristig fortgesetzt wurde. Ersichtlich ist damit einzig, dass die Be-
schwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Gesucheinreichung und in folgenden
Wochen an einer psychischen Erkrankung litt, die mit einem bewährten An-
tidepressivum mit bekanntermassen schlaffördernder Wirkung behandelt
wurde. Da vergleichbare Medikamente grundsätzlich auch im Iran verfüg-
bar sind und sich die Beschwerdeführerin diese aufgrund ihres wirtschaft-
lichen Hintergrundes auch ohne weiteres dürfte leisten können, ist nichts
ersichtlich respektive überwiegend glaubhaft gemacht, was in rechtserheb-
licher Weise gegen den Wegweisungsvollzug sprechen würde.
Die Beschwerdeführenden haben schliesslich nach der Geburt ihres Kin-
des über ihre Rechtsvertreterin bekannt gegeben, dass ihr Kind in seinen
ersten Lebenstagen wiederholt epileptische Anfälle erlitten habe, die sich
in unkontrollierten einseitigen Zuckungen am Arm und Bein geäussert hät-
ten. Dem Kind seien daher Antiepileptika verschrieben worden, die es re-
gelmässig einnehmen müsse, wie es nunmehr auch mehrmals jährlich ei-
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Seite 30
ner kinderärztlichen Untersuchung bedürfe, um die Entwicklung der Krank-
heit weiter beobachten zu können. Entgegen den anderslautenden Vorbrin-
gen ist jedoch auch damit nichts ersichtlich gemacht, was auf einen zwin-
genden Behandlungsbedarf in der Schweiz sprechen würde. Aufgrund der
beiden Spitalberichte vom (...) ist zwar erstellt, dass das Kind am vierten
Lebenstag eine bedenkliche Episode erlitt, worauf es auf die Kinderinten-
sivstation verlegt werden musste. Die Episode konnte aber unter Gabe von
entsprechenden Medikamenten rasch unter Kontrolle gebracht werden. Im
Berichtszeitpunkt ging es dem Kind gut, bei guter Gewichtszunahme, guter
Trinkmenge und ohne weitere epileptische Anfälle. Das Kind konnte daher
zu seinen Eltern nach Hause entlassen werden, auch wenn unter Mitgabe
von Medikamenten (zwei bekannte krampflösende Medikamente [eines
davon als Reserve] und von Vitamin D3). Nachdem das Kind mittlerweile
mehr als (...)-jährig ist und keine Berichte eingereicht wurden, die auf einen
andauernden Behandlungsbedarf hinweisen würden, der weit ausserhalb
der Norm liegen würde, ist auch im Falle des Kindes nichts ersichtlich res-
pektive überwiegend glaubhaft gemacht, was in rechtserheblicher Weise
gegen den Wegweisungsvollzug sprechen würde, zumal Epilepsie auch im
Iran behandelbar ist.
9.3.4 Nach dem Gesagten ist von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zuges auszugehen.
9.4 Schliesslich ist auch von der Möglichkeit des Wegweisungsvollzuges
auszugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), da die Beschwerdeführenden verpflichtet
sind, sich bei der zuständigen Vertretung ihres Heimatstaates die für eine
Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4
AsylG; BVGE 2008/34 E. 12).
9.5 Nach dem Gesagten hat das SEM den Wegweisungsvollzug zu Recht
als zulässig, zumutbar und möglich erklärt. Eine Anordnung der vorläufigen
Aufnahme fällt daher ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären den Beschwerdeführenden
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Seite 31
grundsätzlich Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da jedoch mit
Zwischenverfügung vom 23. September 2019 ihrem Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG)
entsprochen wurde und gleichzeitig kein Anlass zur Annahme besteht, ihre
finanziellen Verhältnisse hätten sich seither massgeblich geändert, sind
ihnen keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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