Decision ID: 74b4fae0-7695-5d0c-b2ab-d41abf6eeb7a
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 11. April 2008 bei der IV-Stelle zum Bezug von
Invalidenleistungen an. Am 15. Oktober 2007 hatte sie eine Auffahrkollision erlitten,
worauf sich Schmerzen im Nackenbereich eingestellt hatten (IV-act. 1). Vom 6. bis 21.
Dezember 2007 war die Versicherte in der Rehaklinik Bellikon hospitalisiert. Die
behandelnden Ärzte hielten im Austrittsbericht vom 8. Januar 2008 fest, es sei kein
therapeutischer Zugang zur Versicherten möglich gewesen. Sie konnten keine
psychiatrische Störung mit Krankheitswert feststellen, welche eine arbeitsrelevante
Leistungsminderung begründen könnte (IV-act. 76).
A.b Die behandelnde Psychiaterin Dr. med. B._ gab gegenüber der RAD-Ärztin
Dr. C._ am 22. April 2008 an, es bestehe ein Verdacht auf ein chronisches
Schmerzsyndrom sowie eine massive Symptomausweitung nach Autounfall mit
craniocervikalem Beschleunigungstrauma. Zurzeit sei die Versicherte zu 100%
arbeitsunfähig (IV-act. 12-1).
A.c Am 8. Juli 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es seien keine beruflichen
Massnahmen möglich (IV-act. 20).
A.d Vom 7. August bis 12. September 2008 war die Versicherte in der Psychiatrischen
Klinik D._ hospitalisiert. Die behandelnden Ärzte diagnostizierten eine mittelgradige
depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32.11), eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (F45.4) und einen Verdacht auf sonstige dissoziative Störungen
(Konversionsstörungen; F44.8; IV-act. 51-6).
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A.e Am 20. Februar 2009 fand eine Abklärung an Ort und Stelle statt. Die Versicherte
gab an, sie würde ohne die Behinderung aus finanziellen Gründen einer 100%igen
Erwerbstätigkeit nachgehen. Trotz ihrer 50%-Stelle sei sie immer auf der Suche nach
einer 100%-Stelle gewesen. Die Abklärungsperson ging daher von einer
Erwerbstätigkeit von 100% im Gesundheitsfall aus (IV-act. 44-7).
A.f Gestützt auf seine psychiatrische Untersuchung vom 23. Juni 2009 befand Dr. med.
E._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt FMH für
Pharmazeutische Medizin, im Gutachten vom 27. Juli 2009 zu Handen der Zürich
Versicherungsgesellschaft, die Versicherte leide unter einer mittelgradigen depressiven
Episode sowie einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, eventuell auch einer
dissoziativen Störung. Eine organisch bedingte Störung halte er nicht für überwiegend
wahrscheinlich. Einen Kausalzusammenhang zum Unfall im Jahre 2007 verneinte der
Gutachter. Das Krankheitsbild habe sich offensichtlich erst nach dem Aufenthalt in der
Rehaklinik Bellikon entwickelt. Sowohl im Beruf als Reinigungsangestellte als auch in
jeglicher berufsbezogenen Tätigkeit sei die Versicherte zu 100% arbeitsunfähig (IV-act.
66-8 f., 66-11, 66-16). Am 7. Januar 2009 hatte die Suva die Einstellung ihrer
Leistungen per 31. Januar 2009 verfügt. Da die Abklärungen ergeben hätten, dass die
noch geklagten Beschwerden organisch nicht hinreichend nachweisbar seien und nach
Prüfung der massgebenden Kriterien die Adäquanz zu verneinen sei, bestehe kein
Anspruch mehr auf Versicherungsleistungen (SUVA-act. 4-1). Die gegen diese
Verfügung durch Rechtsanwältin Dr. iur. B. Wyler, Frauenfeld, für die Versicherte
erhobene Einsprache wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 27. Februar 2009 ab
und die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde wurde vom
Versicherungsgericht mit Urteil vom 9. Dezember 2010 abgewiesen (IV-act. 90-6 ff.).
A.g Vom 1. Januar bis 21. Februar 2010 fand eine stationäre Behandlung der
Versicherten in der Rehaklinik X._ statt. Beim Austritt habe sie angegeben, keine
Veränderung zu sehen, da die Schmerzen gleichbleibend vorhanden seien (IV-act. 103).
A.h Im Bericht vom 28. April 2010 attestierte med. pract. F._, Neurologie FMH,
Neurolinguistik M.A., der Versicherten eine weiterhin bestehende 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 78-4).
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A.i Dr. med. G._, Oberärztin des Psychiatrischen Zentrums, in deren ambulanter,
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung sich die Versicherte seit September
2008 befand, diagnostizierte eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom (ICD-10 F32.11), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10
F45.4) und einen Verdacht auf eine dissoziative Störung (ICD-10 F44.8). Sie erachtete
die Versicherte auch weiterhin zu 100% arbeitsunfähig (Bericht vom 23. Dezember
2010, IV-act. 90-3 ff.).
A.j Dr. med. H._, zertifizierter medizinischer Gutachter, empfahl in seiner
Stellungnahme vom 23. Oktober 2012 die Durchführung einer Begutachtung, die
angesichts der Komplexität des Falles polydisziplinär sein und sich mit der Frage der
Überwindbarkeit der somatoformen Störung befassen müsse (IV-act. 127-6). In der
Folge wurde die Versicherte vom 15. bis 18. April 2013 im Zentrum für Medizinische
Begutachtung (ZMB) untersucht. Im Gutachten vom 10. Dezember 2013 hielten die
Gutachter fest, es könne gesichert davon ausgegangen werden, dass keine schwer
depressive Symptomatik vorliege. Trotz umfangreicher Aktenlage würden viele
Unklarheiten bestehen bleiben. Letztlich lasse sich kein eindeutiges psychiatrisches
Krankheitsbild festhalten, weswegen auch die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht
ganz einfach sei. Gesichert könne davon ausgegangen werden, dass die Versicherte
auf Grund ihrer Verhaltensstörung, der Regressionstendenz, der Selbstlimitierung, der
Symptomausweitung, dem Aufgeben sämtlicher Sozialkompetenz unter
Regressionsneigung zum kleinen Kind, das sich von der Familie versorgen lasse,
keinem Arbeitgeber zumutbar sei. Aus rein somatischer Sicht lasse sich keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen, aus psychiatrischer Sicht sei das
Zustandsbild weitgehend unklar und eine Diagnosestellung nach ICD-10 lasse sich
nicht eindeutig festlegen (IV-act. 149). RAD-Ärztin Dr. med. I._ hielt gestützt darauf
mit Stellungnahme vom 4. April 2014 fest, die Arbeitsfähigkeit könne zurzeit nicht
eingeschätzt werden, weil auf Grund von Aggravationstendenzen mit Verunmöglichung
einer neuropsychologischen Testung durch die Versicherte das tatsächliche
Funktionsniveau nicht ermittelt werden könne. Eine klare Diagnose könne nicht gestellt
werden (IV-act. 154).
A.k Mit Vorbescheid vom 21. Mai 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, das Rentenbegehren abzulehnen, da keine Krankheit von IV-rechtlicher
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Relevanz nachgewiesen sei (IV-act. 156). Dagegen liess die Versicherte durch
Rechtsanwältin Wyler am 19. Juni 2014 Einwand erheben (IV-act. 163).
A.l Mit Verfügung vom 9. Oktober 2014 lehnte die IV-Stelle einen Anspruch der
Versicherten auf Invalidenrente ab. Sie stützt sich dabei auf das polydisziplinäre
Gutachten des ZMB. Auch würden sich in den IV- und Suva-Akten zusätzliche
Hinweise auf eine Selbstlimitierung, Inkonsistenzen und eine schlechte Kooperation
finden. Zwar habe die Versicherte im Abklärungsverfahren einen stark leidenden
Eindruck hinterlassen. Gegen den grossen Leidensdruck spreche aber die Tatsache,
dass sie die von der Suva angebotenen Therapien nicht in Anspruch genommen habe.
Immer wieder habe sie neue fadenscheinige Ausreden gebracht, um die Therapien
nicht besuchen zu müssen. Sie habe angegeben, durch die Therapiemassnahmen
ohnehin keine gesundheitliche Verbesserung erreichen zu können. Zusammenfassend
sei hier eine Aggravation oder ähnliche Konstellation zweifellos gegeben. Für den
Nachweis eines invalidisierenden Leidens trage jedoch die Versicherte die Beweislast
und damit die Folge einer allfälligen Unschärfe im Abklärungsergebnis. Somit sei keine
Krankheit von IV-rechtlicher Relevanz nachgewiesen (IV-act. 165).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 10.
November 2014 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie
Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab 1. Oktober 2008; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Vorab bestreitet die Rechtsvertreterin die im Vorbescheid und
in der angefochtenen Verfügung enthaltene Behauptung, die Beschwerdeführerin habe
anlässlich des Unfalls vom 15. Oktober 2007 ein groteskes Verhalten auf der
Unfallstelle an den Tag gelegt, welches dazu geführt habe, dass das Dach des
Fahrzeugs abgetrennt worden sei, damit die Beschwerdeführerin aus dem Fahrzeug
habe gehievt werden können. Diese Behauptung sei persönlichkeitsverletzend.
Vielmehr habe eine am Unfall unbeteilligte „First Responderin“ der Rettung J._ das
Kommando an der Unfallstelle übernommen und von sich aus die Rettung alarmiert.
Zudem habe die Unfallversicherung bis 31. Januar 2009 die vollen Unfalltaggelder
ausgerichtet und sei somit von der natürlichen und adäquaten Kausalität der
Beschwerden der Beschwerdeführerin auf Grund des Unfalls vom 15. Oktober 2007
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ausgegangen. Sodann sei die Beschwerdeführerin am 23. Juni 2009 von Dr. E._
abgeklärt worden, auf dessen näher beim Unfall liegende Abklärungen abzustellen sei.
Dr. E._ sei auf Grund krankheitsbedingter Einschränkungen von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin als Reinigungsangestellte und Hausfrau
ausgegangen. Auch sei in diesem Gutachten keine Rede von mangelnder Kooperation
oder Aggravation gewesen. Wenn nun die Gutachter des ZMB erst im Jahr 2013 zum
Schluss kämen, es liege ein unklares psychisches Beschwerdebild seit dem Unfall vom
15. Oktober 2007 vor, so müsse das klar bestritten werden. Die psychiatrische
Situation der Beschwerdeführerin sei durch die Akten sehr gut belegt, da sie
durchgehend seit 18. Januar 2008 psychiatrisch behandelt werde. Entweder sei durch
einen anderen Gutachter eine neue psychiatrische Begutachtung durchzuführen oder
es müsse auf die aus den übrigen medizinischen Akten hervorgehenden Befunde
abgestellt werden, denn der psychiatrische Gutachter habe keine psychiatrische
Hauptdiagnose gestellt. Stelle man auf das Gutachten ab, sei davon auszugehen, dass
weder in der bisherigen noch in einer leidensadaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit
gegeben sei. Damit habe die Beschwerdeführerin ab Oktober 2008 Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente (act. G 1).
B.b Gestützt auf den Überwachungsauftrag durch die IV-Stelle vom 3. Dezember 2014
(IV-act. 173) wurde die Beschwerdeführerin in der Zeit vom 20. November bis 3.
Dezember 2014 überwacht (IV-act. 175).
B.c Dr. I._ stellte hinsichtlich des Observationsmaterials fest, es zeige eine aktive
Versicherte, die sich teilweise stundenweise ausser Haus in Begleitung des Ehemanns
oder der Familie bewege. Es lasse sich während der Beobachtungszeit keine
Regressionstendenz beobachten. Die kognitive Leistungsfähigkeit scheine - zumindest
für Alltagsaktivitäten - nicht signifikant eingeschränkt. Aus medizinischer Sicht wäre die
Beurteilung des Observationsmaterials durch den psychiatrischen Gutachter von 2013
wichtig. Unter Umständen könnte auch eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung mit
Berücksichtigung des Observationsmaterials zielführend sein (Stellungnahme vom 23.
Dezember 2014, IV-act. 177).
B.d Mit Beschwerdeantwort vom 30. Januar 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie verwies grundsätzlich auf die Begründung in der
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angefochtenen Verfügung. Zudem könne neu auch auf das Beweismittel aus erfolgter
Observation hingewiesen werden. Diese Ergebnisse zeigten, dass die
Beschwerdeführerin psychisch unauffällig sei und über ein gutes Funktionsniveau
verfüge. Allenfalls seien den Gutachtern des ZMB unter Vorlage des
Observationsmaterials Ergänzungsfragen zu stellen (act. G 7).
B.e Mit Verfügung der Abteilungspräsidentin vom 16. Februar 2015 wird dem Gesuch
der Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung
von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 8).
B.f Mit Replik vom 5. Mai 2015 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest
(act. G 12).

Erwägungen
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist im vorliegenden Verfahren die Frage, ob bei der
Beschwerdeführerin eine invaliditätsrelevante Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen ist. Die
Beschwerdegegnerin hat diese Frage gestützt auf das ZMB-Gutachten vom 10.
Dezember 2013 verneint. Die Beschwerdeführerin erachtet dieses Gutachten nur
bedingt als beweistauglich bzw. leitet daraus eine ärztlich bestätigte volle
Arbeitsunfähigkeit ab und beruft sich zusätzlich auf frühere Berichte der behandelnden
und begutachtenden Ärzte.
1.2 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder
länger dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Art. 28 Abs. 2 des
Bundesgesetztes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) hat die versicherte
Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie
mindestens zu 50%, oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid
ist.
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1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
1.4 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen
sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden
medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte
Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und
nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder
die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten. Dennoch hat es die
Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar
erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten
Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. Den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf
Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die
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Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. In Bezug auf
Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung
tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl.
BGE 125 V 351 mit Hinweisen).
1.5 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz (vgl. Art. 43 Abs. 1
und Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der Versicherungsträger bzw. im
Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen
abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein. Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus, da es - unter Vorbehalt der Mitwirkungspflichten der
versicherten Person (Art. 43 Abs. 3 ATSG) - Sache des Sozialversicherungsgerichts
(oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des
Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die
Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der
Entscheid zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn
es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund
einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b
S. 264).
2.
2.1 Im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung im ZMB wurde die
Beschwerdeführerin internistisch, orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch und
neuropsychologisch untersucht. Als Resultat der Konsenskonferenz hielten die
Gutachter fest, dass bereits 2005 bei der Beschwerdeführerin Röntgenbilder der
Wirbelsäule wegen Rückenschmerzen im Bereich der HWS und BWS gemacht worden
seien. Diese hätten nur minimale degenerative Veränderungen gezeigt. Anlässlich der
Auffahrkollision vom 15. Oktober 2007 seien die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann
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wegen Klagen über Beschwerden im Bereich der gesamten Wirbelsäule mit Hilfe der
Feuerwehr aus dem Fahrzeug herausgeschnitten worden. Gestützt auf die zahlreichen
bildgebenden Verfahren mit CT Neurocranium/Hals/Thorax/ganzes Abdomen/
Wirbelsäule hätten keine somatischen Schäden objektiviert werden können und die
beklagten Beschwerden seien als muskulär bedingt interpretiert worden. Im weiteren
Verlauf habe die Beschwerdeführerin über Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen
geklagt (IV-act. 149-45). Zusammenfassend kamen die Gutachter zum Schluss, dass
aus somatischer Sicht weder orthopädisch noch neurologisch Befunde mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit hätten erhoben werden können; klinisch hätten sich auch keine
Zeichen einer relevanten Schonung gezeigt (IV-act. 149-47 f.). Der psychiatrische
Gutachter Dr. med. K._ schickte voraus, dass wegen der psychiatrischen Störung
der Beschwerdeführerin mit deutlicher Pseudodemenz inkonstanten Ausmasses eine
Begutachtung gemäss den lege artis-Anforderungen überhaupt nicht möglich gewesen
sei. Obwohl das Gespräch mit einer Serbokroatisch sprechenden Dolmetscherin
stattgefunden habe, sei die Beschwerdeführerin ausserstande gewesen, die Fragen zu
beantworten. Immer wieder habe sie „pseudodement, dissoziativ abwesend“ reagiert,
habe keine Antwort gegeben oder angegeben, eine Antwort nicht zu wissen. Sie habe
ein ausgesprochen inkonstantes kognitives Leistungsverhalten gezeigt. So habe sie bei
fünfmaligem Befragen ihres Geburtsdatums nur einmal ihr Geburtsdatum richtig
wiedergeben können. Auch sei sie nicht imstande gewesen, eine auch nur
einigermassen differenzierte Antwort zu geben auf die Frage, wegen welchen
Befindlichkeitsstörungen sie sich so schlecht fühle. Dies obwohl aufgefallen sei, dass
sie beim Schildern der Körpersymptome unerwartet eloquent und zumindest etwas
kohärenter habe Antwort geben können, als über die biographischen Eckdaten. So
habe sie plötzlich beschreiben können, dass sie ab und zu das Bewusstsein verliere,
habe aber nicht weiter angeben können, was dann mit ihr passiere. Sie habe starke
Kopf- und Kreuzschmerzen mit Ausstrahlung ins rechte Bein beschrieben, welche sie
relativ kohärent habe vorbringen können. Zwischendurch habe sie begonnen,
affektlabil zu reagieren und habe gegen Ende der Sitzung nur noch geweint (IV-act.
149-38 f.). Als aktuelle Beschwerde habe sie Traurigkeit bejaht. Zudem sei sie oft
nervös und aufgeregt wegen der ständigen Kopfschmerzen. Sie habe Juckreiz auf den
Ohren, im Mund und im Gaumenbereich. Auch gehe sie nur noch in Begleitung nach
draussen, da sie sich wegen der Ohnmachtsanfälle nicht alleine traue (IV-act. 149-39).
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Dr. K._ befand, dass es sich bei der angeblichen Nicht-Orientiertheit der
Beschwerdeführerin um eine Pseudodesorientierung handle, gesichert nicht um ein
organisch-bedingtes Psychosyndrom, wie in den Akten festgehalten werde. Sie sei
nämlich durchaus zeitweilig imstande, die Antworten korrekt und adäquat
wiederzugeben, während sie in anderen Momenten in ratloses Schweigen verfalle, mit
einer zumindest dissoziativ anmutenden Pseudodemenz. Das Ausdrucksverhalten sei
bizarr, eingeengt, gebunden, gesperrt und inadäquat gewesen. Die Beschwerdeführerin
habe kaum eine Mimik gezeigt, habe unmoduliert und roboterhaft gewirkt. Trotzdem
sei nie der Eindruck aufgekommen, dass sie an einer Psychose leiden könnte, eine
solche sei vielmehr ausgeschlossen. Sprache und Stimmlage seien leise gewesen. Sie
habe manchmal verzögert oder gar keine Antwort gegeben und dann manchmal
plötzlich wieder prompte (z.B. wenn es um die Beschwerdeschilderung gegangen sei,
habe sie auf Serbokroatisch plötzlich loslegen können). Wahnvorstellungen hätten nicht
exakt eruiert werden können, seien höchstwahrscheinlich nicht vorhanden gewesen.
Phobien hätten nicht erfragt werden können, auch Wahrnehmungsstörungen und
Sinnestäuschungen seien schwer prüfbar sowie Ich-Störungen. Es liegen keine
Hinweise auf Persönlichkeitsstörungen vor, zumindest nicht in den Akten und auf
Grund der Biographieentwicklung. Stimmung und Affekt seien ausgesprochen
affektarm, affektlabil und die Beschwerdeführerin sei zeitweilig sogar affektstarr
gewesen. Sie habe irgendwie ängstlich gewirkt, deutlich mittelgradig depressiv. Sie sei
nur ernst gewesen, habe überhaupt keine aufhellenden Affekte gezeigt. Sie habe
verzweifelt und niedergeschlagen gewirkt, die mnestischen Funktionen seien kaum
prüfbar gewesen. Aufmerksamkeits- und Merkfähigkeit seien deutlich reduziert
gewesen. Sie habe auch müde, verlangsamt, auch hier nicht fassbar gewirkt, kaum
prüfbar und die Gedächtnisleistungen seien kaum vorhanden gewesen (IV-act.
149-40 f.). Anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung durch lic. phil. L._
konnte kein neuropsychologisches Testprofil erhoben werden, da die
Beschwerdeführerin in keiner Weise bereit gewesen sei, sich auf eine
neuropsychologische Untersuchung einzulassen (IV-act. 149-44).
2.2 Zusammenfassend hielten die Gutachter fest, es würden trotz umfangreicher
Aktenlage viele Unklarheiten bestehen bleiben. Letztendlich lasse sich ein eindeutiges
psychiatrisches Krankheitsbild nicht festhalten, weswegen auch die Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit nicht ganz einfach sei. Gesichert könne davon ausgegangen werden,
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dass die Beschwerdeführerin auf Grund ihrer Verhaltensstörung, der
Regressionstendenz, der Selbstlimitierung, der Symptomausweitung, dem Aufgeben
sämtlicher Sozialkompetenz unter Regressionsneigung zum kleinen Kind, das sich von
der Familie versorgen lasse, keinem Arbeitgeber mehr zumutbar sei. Es stelle sich
allerdings die Frage, ob das Verhalten der Beschwerdeführerin durchwegs 24 Stunden
an sieben Tagen pro Woche so durchgehalten werden könne, oder ob sie nicht
durchwegs zwischendurch funktioniere. Das könne letztlich durch die Gutachter nicht
beurteilt werden. Dazu bräuchte es eine Langzeitbeobachtung. Gesichert könne aber
davon ausgegangen werden, dass keine schwere depressive Symptomatik vorliege.
Die Beschwerdeführerin könne nämlich zwischendurch durchaus eloquent, mit
einigermassen kohärenter psychischer Spannkraft reagieren, werde auch vigiler, um in
anderen Momenten affektlabil abzutauchen und keine Antwort mehr zu geben.
Schliesslich sei eine Begutachtung, auch eine neuropsychologische Untersuchung,
nicht möglich zum Zeitpunkt der Untersuchung, weil die Beschwerdeführerin nicht
mitmachen könne, möglicherweise auch nicht mitmachen wolle. Letztendlich könne
auch diese Frage nicht beantwortet werden. Dass transkulturelle Phänomene mit eine
Rolle spielen dürften, liege auf der Hand. In diesem Fall dürften nicht-medizinische,
auch invaliditätsfremde Faktoren sowie sozialpsychologische Faktoren mit eine Rolle
spielen. Da von neuropsychologischer Seite keine adäquate Testung habe
durchgeführt werden können und die Beschwerdeführerin angegeben habe, gar nichts
zu wissen, bestehe ein eindeutiger Hinweis auf Aggravation (IV-act. 149-51 f.). Auch auf
Grund der im Vordergrund stehenden mangelhaften Kooperation der
Beschwerdeführerin im Gespräch, weil sie immer wieder auch auf einfachste Fragen
die Standardantwort „ich weiss nicht“ gesagt habe, entstehe ein gewisser Verdacht auf
Aggravation bzw. auf Rentenbegehren, so dass sich von ärztlicher Seite eine
eindeutige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit mit gutem Gewissen nicht formulieren lasse.
Gesamthaft betrachtet - unter Berücksichtigung der somatischen und psychischen
Aspekte - sei davon auszugehen, dass aktuell keine verwertbare Arbeitsfähigkeit
bestehe. Diese Einschätzung basiere jedoch nur auf den Angaben der
Beschwerdeführerin und der Beurteilung der Motivation im Rahmen der Begutachtung.
Es liege in diesem Fall ein ausserordentlich unklares psychisches Beschwerdebild vor,
indem die Beschwerdeführerin sich mehrheitlich denkunfähig und ohne vorhandene
Ressourcen präsentiere, so dass von ärztlicher Seite im Rahmen einer mehrtägigen
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Begutachtung beinahe keine gesunden Persönlichkeitsanteile festgestellt werden
könnten und dass von ärztlicher Seite der Gutachter vor dem Dilemma stehe, entweder
eine volle Arbeitsunfähigkeit zu attestieren, weil die Beschwerdeführerin - so wie sie
sich präsentiere - keinem Arbeitgeber zumutbar sei oder die Situation als derzeit nicht
beurteilbar einzustufen mit den folgenden Differentialdiagnosen: ätiologisch unklares
psychisches Beschwerdebild mit somatoformer Schmerzstörung mit gleichzeitigem
Vorhandensein einer depressiven Episode und/oder einer dissoziativen Störung. Diese
Diagnosen seien aber auch nicht eindeutig stellbar und auch dann wäre die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht einfach. Letztendlich müsste eine länger
dauernde Beobachtung stattfinden, um Klarheit zu verschaffen (IV-act. 149-53).
Schliesslich hielten die Gutachter daran fest, dass die Arbeitsfähigkeit nicht beurteilbar
sei und diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein unklares
psychisches Beschwerdebild seit dem Unfall vom 15. Oktober 2007 mit den
Differentialdiagnosen einer depressiven Fehlentwicklung, gegenwärtig mittelgradige
Episode mit grotesker Regressionstendenz, appellativ-hilflosem regressivem Verhalten
und Selbstlimitierung (F33.1), einer dissoziativen Störung, gemischt, sehr
wahrscheinlich, mit psychogener Pseudodemenz und demonstrierter Einschränkung
der kognitiven Leistungsfähigkeit (F44.7) sowie einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung möglich (F45.4; IV-act. 149-47).
2.3 Dieses Gutachten erscheint detailliert, formell korrekt sowie schlüssig und
nachvollziehbar. Dies führte auch Dr. I._ in ihrer Stellungnahme vom 4. April 2014
aus. Sie kam zum Schluss, dass auf Grund der Möglichkeit unbewusster Anteile,
bedingt durch eine vermutete dissoziative Störung, sich ein Kern mit Krankheitswert
nicht ausschliessen lasse. Allerdings stelle sich die Frage, ob die vom Gutachter als
Lösungsweg vorgeschlagene Langzeitbeobachtung tatsächlich zielführend sei, zumal
bereits anlässlich der Begutachtung die Inkonstanz der Ausprägung der
Pseudodemenz habe nachgewiesen werden können. Es werde wiederholt erwähnt,
dass die Beschwerdeführerin zum heutigen Zeitpunkt auf Grund ihrer
Verhaltensstörung (Pseudodemenz und Regression) einem Arbeitgeber nicht zumutbar
sei. Doch sei zu bemerken, dass nicht klar beantwortet werden könne, zu welchem
Anteil die Verhaltensstörung durch die gesicherte Aggravation bedingt sei und welche
Rolle der vermutete bewusstseinsferne Kern mit Krankheitswert (dissoziative Störung)
spiele (IV-act. 154-3).
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2.4 Bereits im Bericht der Rehaklinik Bellikon vom 28. Dezember 2007 wurde
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin während des Klinikaufenthaltes ein hilfloses
und aufmerksamkeitssuchendes Verhalten gezeigt habe. Der Therapieplan sei nicht
regelmässig wahrgenommen worden. Aus psychiatrischer Sicht bestünden
gegenwärtig keine Anhaltspunkte für eine psychische Störung von Krankheitswert (IV-
act. 12-8). Im Austrittsbericht vom 8. Januar 2008 attestierten die Behandler der
Beschwerdeführerin die berufliche Tätigkeit als Raumpflegerin (Leistungspensum
schwankend zwischen 75%-100%) ganztags als zumutbar (IV-act. 1-67). Auch diese
Einschätzung spricht somit gegen das Vorhandensein einer invalidisierenden
Arbeitsunfähigkeit.
2.5 Im Weiteren nahmen die ZMB-Gutachter auch Stellung zu anderslautenden Arzt
berichten. So dokumentierten sie, dass entgegen dem Bericht der Hausärztin Dr. med.
M._ vom 10. August 2009, welche eine hirnorganische Störung diagnostizierte (IV-
act. 59), eine solche nicht habe bestätigt werden können bzw. nicht vorliege (IV-act.
149-54). Auch die von Dr. G._ am 23. Dezember 2010 gestellte Diagnose eines
Psychosyndroms bei körperlich bedingten chronischen Schmerzen (vgl. IV-act. 90-3 ff.)
konnte von den ZMB-Gutachtern nicht nachvollzogen werden. Sie befanden, es könne
gesichert davon ausgegangen werden, dass kein organisches Psychosyndrom
vorliege, da die Beschwerdeführerin nicht an einem organischen Hirnschaden leide, der
ihre affektive Auslenkung erklären würde (IV-act. 149-50 und 54). Schliesslich habe Dr.
med. N._, der nachfolgende Hausarzt der Beschwerdeführerin, im Bericht vom 7.
Februar 2012 (IV-act. 113-1) "neurologische Defekte" (korrekt: neurokognitive Defekte)
erwähnt, obwohl solche bislang nicht hätten festgestellt werden können bzw. gar nicht
vorhanden seien. Gemäss den früheren psychiatrischen Berichten habe die
Beschwerdeführerin das gleiche Verhalten wie anlässlich der Begutachtung gezeigt
(Hinweis auf den Bericht von Dr. med. B._ vom 16. März 2008, IV-act. 12-1), sodass
gesamthaft davon ausgegangen werden müsse, dass schon damals die
Symptomausweitung und die Aggravation im Vordergrund gestanden hätten. Die von
zahlreichen Ärzten auf Grund der geklagten Beschwerden und der Regressionstendenz
der Beschwerdeführerin angenommene volle Arbeitsunfähigkeit basiere aber im
Grunde genommen auf dem Gesamteindruck von der Beschwerdeführerin, welche sich
wie bei der ZMB-Begutachtung als arbeits- und kooperationsfähig (wohl gemeint: -
unfähig) präsentiert habe, so dass davon ausgegangen werden müsse, dass die
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behandelnden Ärzte auch vor den oben erwähnten diagnostischen Schwierigkeiten
gestanden seien (IV-act. 149-54 f.). Eine Diagnose, welche bei der Beschwerdeführerin
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine invalidisierende Arbeitsunfähigkeit belegen
würde, ist demzufolge nicht erwiesen.
2.6 Nichts anderes lässt sich schliesslich aus dem von der Beschwerdeführerin im
Rahmen der Observation erhaltenen Bild schliessen. Wie nämlich Dr. I._ gestützt auf
das Observationsmaterial in ihrer Stellungnahme vom 23. Dezember 2014 festhielt,
zeigte es eine aktive Beschwerdeführerin, die sich teilweise stundenweise ausser Haus
in Begleitung des Ehemannes und der Familie bewegte. Sie war demnach durchaus in
der Lage, teilweise stundenlange Einkäufe zu tätigen, ohne dass sich ein Nachlassen
des Interesses oder der Konzentration beobachten liess. Eine vermehrte Erschöpfung
konnte ebenfalls nicht beobachtet werden. Nach einer längeren Einkaufstour oder
einem Besuch einer Autogarage mit Testfahrt liess sich nach zweieinhalb bzw. vier
Stunden kein Nachlassen einer aktiven Beteiligung oder des Interesses am Gespräch
äusserlich feststellen. Die Beschwerdeführerin beurteilte Kleider und Schuhe in
diversen Geschäften und vermittelte den Eindruck einer Person, die durchaus eine
sorgfältige Beurteilung und entsprechende Wahl treffen kann. Auch wenn sie meist mit
der Familie oder dem Ehemann unterwegs war, tätigte sie auch selbständig Einkäufe
und hielt sich allein in einem Modegeschäft auf. Dabei vermittelte sie keineswegs einen
desorientierten, hilflosen Eindruck. Auch ist mit Dr. I._ anzumerken, dass sich die
Beschwerdeführerin anlässlich des Besuchs der Autogarage sehr aktiv an der
Diskussion mit dem Ehemann und dem Sohn beteiligte und keineswegs gelangweilt
erschien. Zu keinem Zeitpunkt vermittelte sie einen antriebslosen/-armen,
verlangsamten Eindruck. Auch schien die kognitive Leistungsfähigkeit - zumindest für
Alltagsaktivitäten - nicht signifikant eingeschränkt. Gemäss Dr. I._ liess sich dieses
dokumentierte Verhalten nur schwer mit einer Pseudodemenz und einer
Regressionstendenz vereinbaren. Vielmehr werde dadurch der bereits im ZMB-
Gutachten festgehaltene Verdacht auf eine Aggravationstendenz mit demonstrativer
Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit bestätigt. Eindeutige positive
äusserlich erkennbare indirekte Hinweise für eine höhergradige Depression liessen sich
während der Beobachtungszeit ebenfalls nicht erkennen. Erwartungsgemäss liessen
sich auch keine Hinweise für ein invalidisierendes somatisches Leiden beobachten (IV-
act. 177-3). Damit ergeben sich ebenfalls keine Anhaltspunkte, welche Zweifel an der
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Beurteilung durch das ZMB-Gutachten wecken bzw. eine ergänzende Beurteilung
verlangen würden.
2.7 Insgesamt sind somit die Einwendungen der Rechtsvertreterin mit Verweis auf die
in den vielen Jahren seit dem Unfall vom Oktober 2007 bis zum ZMB-Gutachten vom
Dezember 2013 angehäuften Berichte der behandelnden Ärzte nicht geeignet, die
Beweiskraft des ZMB-Gutachtens in Frage zu stellen. Die Gutachter haben
nachvollziehbar festgehalten, dass die Arbeitsunfähigkeitseinschätzungen der
Behandler hauptsächlich auf dem Gesamteindruck der Beschwerdeführerin beruhten,
welche sich als arbeitsunfähig präsentierte. Vor diesem Hintergrund ist es
nachvollziehbar auch nicht möglich, eine psychiatrische Diagnose zu stellen. Dazu
kommen weitere Ungereimtheiten wie z.B. ihre Angaben, nichts alleine entscheiden
oder machen zu können, was sich nicht mit den Observationsergebnissen - v.a. den
Bildern beim Einkauf - vereinbaren lässt. Dr. K._ hat nachvollziehbar begründet,
weshalb das unklare psychiatrische Krankheitsbild gemäss ICD-10 definitiv nicht exakt
eingereiht werden kann. Damit bleibt die Behauptung der Beschwerdeführerin, dass sie
aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig sei, beweislos. Daran könnten auch
weitere medizinische Abklärungen nichts ändern. Der Rentenantrag der
Beschwerdeführerin ist daher zufolge Beweislosigkeit der von ihr behaupteten
Arbeitsunfähigkeit zu Recht abgelehnt worden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7.
August 2008, 9C_164/08, E. 4.3).
3.
3.1 Auf Grund obiger Ausführungen ist die Beschwerde gegen die Verfügung vom 9.
Oktober 2014 abzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in
der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von
der Bezahlung zu befreien.
bis
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3.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Die Rechtsvertreterin reichte am 26. November 2015 eine Kostennote in
Höhe von insgesamt Fr. 5‘974.25 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) ein. Mit
Blick auf die sich einzig auf die Frage einer bestehenden Arbeitsunfähigkeit beziehende
Streitsache erscheint jedoch ein Aufwand von 26.33 Stunden beträchtlich übersetzt. So
enthält insbesondere auch die achteinhalb-seitige Replik mit Ausnahme eines kurzen
Abschnitts zur fehlenden Aussagekraft der Observation bei psychischen Prozessen
keine neuen Begründungen oder Tatsachen. Der Bedeutung und dem Aufwand der
Streitsache bei einem doppelten Schriftenwechsel angemessen erscheint unter
Berücksichtigung der relativ grossen Aktenmenge für das Verfahren höchstens eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 3'200.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
3.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO/CH; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).