Decision ID: 4a497069-6e31-4c09-a976-170324ef6ef3
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ absolvierte bei der B._ eine Lehre als Köchin und war dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch unfallversichert, als sie
am 28. Juli 2008 beim Klettern an einer Kletterwand aus ca. zwei Metern Höhe zu
Boden stürzte (UV-act. 1a). Anlässlich der Hospitalisation in der Clinica Santa Chiara
vom 28. bis 29. Juli 2008 wurde eine Commotio cerebri unter Angabe eines
Bewusstseinsverlusts von ca. einer Minute und verbunden mit Kopf-
Nackenbeschwerden diagnostiziert (UV-act. 34). Eine Röntgenuntersuchung der
Halswirbelsäule (HWS) ergab keine ossären Läsionen. Nach Klinikaustritt erfolgte die
Weiterbehandlung durch den Hausarzt, Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeinmedizin
FMH. Laut dessen Zwischenbericht vom 26. September 2008 konnte die Versicherte
die Arbeit am 4. September 2008 wieder aufnehmen, nachdem der
Behandlungsabschluss am 3. September 2008 erfolgt war (UV-act. 3). Eine in der
Clinica Santa Chiara durchgeführte Computertomographie der HWS vom 5. August
2008 hatte keine besonderen Auffälligkeiten gezeigt (UV-act. 36). Die Suva erbrachte
die gesetzlichen Leistungen (Heilkosten- und Taggeldleistungen).
A.b Am 28. Oktober 2008 wurde die Versicherte wegen Kopfschmerzen vom
Spannungstyp sowie Sensibilitätsstörungen in den Fingerkuppen links in der Klinik für
Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) untersucht. Dieser Untersuchung
folgten am 4. und 5. November 2008 eine weitere kranio-cerebrale
kernspintomographische Untersuchung sowie eine extrakranielle
Ultraschalluntersuchung der hirnzuführenden Gefässe (UV-act. 8). Am 3. Februar 2009
konsultierte die Versicherte Dr. med. D._, Facharzt für Innere Medizin, Swica
Gesundheitszentren AG, (UV-act. 33). Mit Schreiben vom 14. April 2009 ersuchte
dieser die Suva um Kostenübernahme für eine Eiseninfusion wegen einer allfällig
indirekt bedingten Anämie durch die unfallbedingte Einnahme von nichtsteroidalen
Antirheumatika (NSAR; UV-act. 16). Kreisarzt Dr. med. E._ teilte Dr. D._ darauf am
22. April 2009 mit, dass er die Kostenübernahme mangels überwiegend
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wahrscheinlicher Kausalität des Eisenmangels zum Unfall vom 28. Juli 2008 nicht
empfehlen könne (UV-act. 18).
A.c Am 22. Juli 2009 erfolgte durch die Arbeitgeberin eine mit Rückfall zum Unfall vom
28. Juli 2008 bezeichnete Schadenmeldung unter Angabe einer Arbeitsunfähigkeit vom
10. bis 17. Juni 2009 (UV-act. 1b).
A.d Nach Durchführung einer HNO-Untersuchung in der Hals-Nasen-Ohrenklinik des
KSSG (UV-act. 26) sowie nach Einholung einer neurologischen Beurteilung von
Dr. med. F._, Facharzt Neurologie FMH, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie,
Zertifizierter Medizinischer Gutachter SIM, Abteilung Versicherungsmedizin der Suva,
(UV-act. 37), eröffnete die Suva der Versicherten mit Verfügung vom 15. Juni 2010,
dass auf Grund der medizinischen Unterlagen kein sicherer oder wahrscheinlicher
Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 28. Juli 2008 und den gemeldeten
Kopfschmerzen bestehe. Die Suva sei demzufolge nicht leistungspflichtig. Ab 1.
Oktober 2008 könnten keine Leistungen mehr erbracht werden. Die
Heilbehandlungskosten habe sie bis 23. November 2009 übernommen. Auf eine
Rückforderung der zu Unrecht bezahlten Rechnungen werde jedoch verzichtet (UV-act.
40).
B.
Die gegen diese Verfügung von der Versicherten erhobene Einsprache (UV-act. 46)
wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 27. August 2010 ab (UV-act. 51). Eine vom
Krankenversicherer, der Swica Gesundheitsorganisation, vorsorglich erhobene
Einsprache wurde wieder zurückgezogen (UV-act. 41, 44).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 27. August 2010 erhob die Versicherte mit
Eingabe vom 22. September 2010 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, der
angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, der Beschwerdeführerin auch über den 1. Oktober 2008 bzw. 23.
November 2009 hinaus aus dem Unfallereignis vom 28. Juli 2008 Leistungen zu
erbringen.
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C.b In der Beschwerdeantwort vom 11. Oktober 2010 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde.
C.c Mit Replik vom 25. September 2010 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem Antrag
fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik.
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen
in den medizinischen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid die
Bestimmung über die Leistungspflicht des Unfallversicherers nach Art. 6 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) zutreffend dar. Gleiches
gilt in Bezug auf die Ausführungen über die gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG geltende
Voraussetzung des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem
Unfallereignis und dem Gesundheitsschaden (BGE 129 V 181 f. E. 3 mit Hinweisen)
sowie die Ausführungen zu Beweisregeln und Beweiswürdigung. Darauf kann
verwiesen werden. Zu ergänzen ist, dass die Adäquanz bei physischen Unfallfolgen als
rechtliche Eingrenzung aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden
Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle spielt. Klar fassbare physische
Befunde nach einem Unfall sind ohne weiteres diesem zuzuordnen (BGE 118 V 291 f.
E. 3a mit Hinweis, BGE 117 V 365 E. 5d/bb mit Hinweis).
2.
Die Beschwerdeführerin erlitt am 28. Juli 2008 unbestrittenermassen einen Unfall,
wobei sie aus ca. zwei Metern Höhe von einer Kletterwand zu Boden stürzte und mit
dem Steissbein, dem Rücken und dem Hinterkopf aufschlug. Anlässlich der
Hospitalisation in der Clinica Santa Chiara vom 28. bis 29. Juli 2008 wurde eine
Commotio cerebri diagnostiziert unter Angabe eines Bewusstseinsverlusts von ca.
einer Minute und verbunden mit Kopf- und Nackenbeschwerden (UV-act. 34).
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Nachfolgend wurde die Beschwerdeführerin durch ihren Hausarzt Dr. C._ behandelt
und es bestand eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 1a, 3). Die
Beschwerdegegnerin erbrachte für die gesundheitlichen Störungen sowie die
Arbeitsunfähigkeit Heilkosten- und Taggeldleistungen und anerkannte damit die
Unfallkausalität zwischen dem am 28. Juli 2008 vorgefallenen Ereignis und den in der
Folge aufgetretenen gesundheitlichen Störungen. Am 3. September 2008 wurde die
Behandlung bei Dr. C._ abgeschlossen, worauf die Beschwerdeführerin die Arbeit
am 4. September 2008 wieder aufnahm (UV-act. 3). Die Versicherungsleistungen
wurden entsprechend eingestellt, wobei aus den Akten nicht ersichtlich ist, dass
diesbezüglich ein formeller Fallabschluss in Form einer schriftlichen Mitteilung im Sinn
von Art. 51 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) oder eine schriftliche Verfügung (Art. 49
Abs. 1 ATSG) stattgefunden hat. Rund zwei Monate später, d.h. am 28. Oktober 2008,
wurde die Beschwerdeführerin wegen Kopfschmerzen vom Spannungstyp sowie
Sensibilitätsstörungen in den Fingerkuppen links in der Klinik für Neurologie des KSSG
untersucht (UV-act. 8). Mit Schreiben vom 14. April 2009 ersuchte Dr. D._ die
Beschwerdegegnerin wie bereits erwähnt (Sachverhalt A.b) um Kostenübernahme für
eine Eiseninfusion wegen einer allfällig indirekt bedingten Anämie durch die
unfallbedingte Einnahme von NSAR (UV-act. 16). Am 22. Juli 2009 folgte durch die
Arbeitgeberin die besagte, mit Rückfall zum Unfall vom 28. Juli 2008 bezeichnete
Schadenmeldung unter Angabe einer Arbeitsunfähigkeit vom 10. bis 17. Juni 2009 (UV-
act. 1b). Mit Verfügung vom 15. Juni 2010 bzw. Einspracheentscheid vom 25. August
2010 entschied die Beschwerdegegnerin, dass zwischen dem Unfall vom 28. Juli 2008
und den gemeldeten Kopfschmerzen kein sicherer oder wahrscheinlicher natürlicher
Kausalzusammenhang bestehe und ab 1. Oktober 2008 keine Leistungen mehr
erbracht werden könnten, wobei auf eine Rückforderung der bis 23. November 2009
erbrachten Heilkostenleistungen verzichtet werde (UV-act. 40, 51). Die
Beschwerdegegnerin holte damit den formellen Fallabschluss per 1. Oktober 2008
nach und ging davon aus, dass die am 28. Juli 2008 erlittene Commotio cerebri per
Einstellungsdatum ausgeheilt war bzw. die nachfolgend geltend gemachten
Kopfschmerzen nicht auf den Unfall zurückgeführt werden können.
3.
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Streitig und zu prüfen ist somit, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht ihre
Leistungspflicht ab 1. Oktober 2008 abgelehnt hat.
4.
4.1 Von organisch-strukturell objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann erst dann
gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden
Abklärungen bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 121 E. 9, 117 V 363 E. 5d/aa; SVR 2007
UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]). Diese Untersuchungsmethoden
müssen zudem wissenschaftlich anerkannt sein (BGE 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen;
Urteil des Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006 Eidgenössisches
Versicherungsgericht, EVG] vom 17. Oktober 2008 i/S B. [8C_124/2008] E. 6 mit vielen
Hinweisen sowie vom 7. Februar 2008 i/S D. [U 13/07] E. 3.2 und 3.3).
4.2 Die Röntgenabklärung der HWS in der Clinica Santa Chiara vom 29. Juli 2008
zeigte keine posttraumatischen Läsionen (UV-act. 36). Auch die dort am 5. August
2008 durchgeführte computertomographische Untersuchung des Kopfs sowie das
Elektroenzephalogramm (EEG), die cranio-cerebrale kernspintomographische
Untersuchung und die Ultraschalluntersuchung der hirnzuführenden Gefässe in der
Klinik für Neurologie des KSSG vom 28. Oktober sowie 4. und 5. November 2008
ergaben unauffällige altersentsprechende Befunde, insbesondere ohne Nachweis einer
traumatisch bedingten Hirnparenchymschädigung oder von Blutungsfolgen,
Herdbefunden, epilepsietypischen Potentialen, postkontusionellen kortikalen Defekten,
Glioseherden oder Hämosiderinablagerungen (UV-act. 8, 36). Im Untersuchungsbericht
der Klinik für Neurologie des KSSG vom 4. November 2008 war festgehalten worden,
dass von einem posttraumatisch induzierten Spannungskopfschmerz ausgegangen
werden müsse, sollten sich bildgebend keine pathologischen Befunde zeigen (UV-act.
9). Dr. F._ führte in seiner neurologischen Beurteilung vom 23. April 2010 aus, dass
das Kopftrauma der Beschwerdeführerin nach der klinischen Klassifikation der
Europäischen Vereinigung der Neurologischen Gesellschaften EFNS (Vos et al.,
European Journal of Neurology 2002 [1]) in eine leichte traumatische Hirnverletzung der
klinischen Kategorie 1 eingeordnet werden könne. Leichte traumatische
Hirnverletzungen (MTBI) der klinischen Kategorien 0 bis 2 zeigten im Allgemeinen keine
dauerhaften neurologischen Folgen und unspezifische Beschwerden würden innerhalb
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weniger Tage bis höchstens weniger Wochen abklingen, insbesondere wenn (wie im
Falle der Beschwerdeführerin) keine Schädel- oder Hirnverletzung nachgewiesen
werden könne. Spätestens mit den umfangreichen Untersuchungen im KSSG im
Oktober und November 2008 könnten die Kopfschmerzen der Beschwerdeführerin
nicht als organisch begründet und unfallkausal eingeschätzt werden. Neben einer
Mitverursachung durch die Erkrankung an Eisenmangel könnten ab September 2008
(spätestens ab November 2008) vielfältige unfallunabhängige psychosoziale Einflüsse
ein Kopfschmerzleiden bei der Beschwerdeführerin erklären (UV-act. 37). Die
Beurteilung von Dr. F._ entspricht der medizinischen Erfahrungstatsache, dass der
typische posttraumatische Verlauf nach einem leichten Schädelhirntrauma einer
Erholung innert sechs bis zwölf Wochen entspricht. Ungewöhnlich lang dauernde und
schwere Verläufe nach einem leichten Schädelhirntrauma würden bei Fehlen der
klinischen Kriterien einer traumatischen Hirnschädigung nach einer Interpretation
ausserhalb einer hirnorganischen Schädigung rufen (Gerhard Jenzer, Klinische Aspekte
bei HWS-Belastungen durch Kopfanprall oder Beschleunigungsmechanismus;
Grenzbereich zum leichten Schädel-Hirn-Trauma, in: SZS 1996 S. 462 ff; vgl. auch
Bogdan P. Radanov, Über den Stellenwert der neuropsychologischen Diagnostik bei
Patienten nach HWS-Distorsion, in: SZS 1996 S. 471 ff. und S. 475). Für die
Kausalitätsbeurteilung ist im Übrigen von Bedeutung, dass eine gesundheitliche
Schädigung nicht schon dann als durch den Unfall verursacht gelten kann, wenn sie
zeitlich nach diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 341 f.).
4.3
4.3.1 Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist jedoch bekannt,
dass bei Schleudertraumaverletzungen sowie äquivalenten Verletzungen wie
Distorsionen der HWS sowie Schädelhirntraumata (vgl. Urteil des EVG vom 17. August
2004 i/S G. [U 243/03]; RKUV 2000 Nr. U 395 S. 316, E. 3; BGE 117 V 369) auch ohne
nachweisbare pathologische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle
verschiedenster Art auftreten können. Der Umstand, dass die für ein Schleudertrauma,
eine Distorsion der HWS oder ein Schädelhirntrauma typischen Beschwerden nicht mit
entsprechenden Untersuchungsmethoden (Röntgen, Computertomogramm, EEG)
objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die diesbezüglichen Beschwerden
in Abrede zu stellen (BGE 117 V 363 E. 5d/aa). Die Kausalitätsprüfung hat bei Vorliegen
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einer schleudertraumaähnlichen Verletzung nach den Grundsätzen der so genannten
Schleudertrauma-Praxis zu erfolgen (vgl. dazu BGE 134 V 109, 117 V 359). Im
konkreten Fall lässt jedoch die Aktenlage nicht den Schluss zu, die Beschwerdeführerin
habe anlässlich des Unfalls vom 28. Juli 2008 ein Schädelhirntrauma erlitten, welches
Langzeitbeschwerden zur Folge hätte und die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis
rechtfertigte.
4.3.2 Das Vorliegen eines Schädelhirntraumas, worunter sämtliche
Hirnfunktionsstörungen mit oder ohne morphologisch fassbare Schädigung des
Gehirns und seiner Hüllen, einschliesslich Gehirnschädel und Kopfschwarte subsumiert
werden (Trentz/Bühren, Checkliste Traumatologie, Stuttgart/New York 2001, S. 122 ff.),
rechtfertigt die analoge Anwendung der Schleudertrauma-Praxis, wenn die erlittene
Hirnerschütterung mindestens im Grenzbereich zwischen einer Commotio und
Contusio cerebri liegt. Leichte Hirnerschütterungen hingegen reichen hierfür nicht aus
(Urteil des EVG i/S K. vom 6. Mai 2003 [U 6/03]). Die Schwere eines Schädel-
Hirntraumas wird üblicherweise nach dem Punktwert in der Glasgow-Coma-Skala
(GCS) eingeteilt. In dieser Skala erhält der Patient für bestimmte Reaktionen (wie
Augenöffnung, Reaktion auf Schmerzreize und sprachliche Äusserungen) eine Anzahl
von Punkten, welche zum Schluss addiert werden. Der schlechteste Wert beträgt 3, der
beste 15. Von einem leichten Schädel-Hirntrauma spricht man bei einem – anlässlich
der Eintrittsuntersuchung bestimmten - GCS-Wert von 13 bis 15 (mittelschwer: 9 bis
13, schwer: 3 bis 8; vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 262. Aufl., Berlin/New
York 2011, S. 260 zu "Bewusstseinsstörung", S. 1839 zu "Schädelhirntrauma"; Trentz/
Bühren, a.a.O., S. 123; Urteil des EVG vom 13. Juni 2005 i/S S. [U 276/04] E. 2.2.1). -
Die Clinica Santa Chiara stellte im Austrittsbericht vom 6. August 2008 die Diagnose
einer Commotio cerebri bei einem GCS-Wert von 15 (UV-act. 34). Das erlittene Trauma
ist damit als leicht anzusehen, womit sich die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis
nicht rechtfertigt (vgl. dazu Urteil des EVG vom 13. Juni 2005 i/S S. [U 276/04]).
4.4 Laut Schreiben von Dr. D._ vom 14. April 2009 wurde bei der
Beschwerdeführerin ein Eisenmangel als möglicher Mitverursacher von Kopfweh
festgestellt. Er stellte dazu die Frage, ob die wegen der Kopfschmerzen erfolgte
Einnahme von NSAR den Eisenmangel bewirkt haben könnte (UV-act. 16), womit eine
indirekte Unfallfolge formuliert wird. Abgesehen davon, dass spätestens ab 1. Oktober
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2008 die Kopfschmerzen nicht mehr natürlich kausal zum Unfall zu betrachten sind,
ergibt sich nachfolgend, dass auch die Kausalität zwischen Medikamenteneinnahme
und Eisenmangel ohnehin zu verneinen ist (und eine indirekte Unfallkausalität damit
doppelt ausser Betracht fällt): Mit Schreiben vom 22. April 2009 teilte der Suva-
Kreisarzt, Dr. med. E._, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Allgemein- und
Unfallchirurgie, Dr. D._ mit, aus der Anamnese gehe hervor, dass die
Beschwerdeführerin nur über eine Niere verfüge. Zudem sei aus der
Aktendokumentation nebst der Einnahme von Tryptizol als Therapie nicht klar
ersichtlich, wie lange und in welchem Ausmass die Einnahme von NSAR stattgefunden
habe. Frischblutabgang, Bluterbrechen und schwarzer Stuhl seien von der
Beschwerdeführerin verneint worden. Auch habe sie zwischen Juli und Dezember 2008
keine Menstruation gehabt. Aus diesen Darlegungen erscheine ein natürlicher
Kausalzusammenhang wegen einer allfällig indirekt bedingten Anämie aus Unfallfolgen
nicht überwiegend wahrscheinlich.
Eisenmangelanämie trete bei jüngeren und älteren Frauen häufig auf und sei auch im
konkreten Fall wahrscheinlich eher im Rahmen unfallfremder Genese zu interpretieren
(UV-act. 18). Laut Dr. F._ kann auch aus neurologischer Perspektive kein
Kausalzusammenhang zwischen einer Eisenmangelanämie und dem Unfall vom 28. Juli
2008 hergestellt werden. Eine neurologische Erklärung für die von der
Beschwerdeführerin angegebenen fehlenden Menstruationsblutungen von Juli bis
Dezember 2008 sei nicht erkennbar (UV-act. 37).
4.5 Die kernspintomographisch erhobenen Auffälligkeiten in den Nasennebenhöhlen -
Mucusretentionszysten sino-maxillär beidseits sowie in der Concha bullosa rechts und
Teilbelegung der Ethmoidalzellen ohne Niveaubildung - konnten von neurologischer
Seite nicht hinreichend beurteilt werden. Hierfür wurde von der Klinik für Neurologie
des KSSG - für den Fall, dass die Kopfschmerzen unverändert persistierten - eine
HNO-Untersuchung empfohlen (UV-act. 8, 24). In der HNO-Untersuchung vom 23.
November 2009 in der Hals-Nasen-Ohrenklinik des KSSG liessen sich aber keine
pathologischen Befunde mit Krankheitswert feststellen. Im Untersuchungsbericht vom
24. November 2009 wurden entsprechend chronische Kopfschmerzen ohne
Anhaltspunkt für eine Ätiologie im HNO-Bereich diagnostiziert und festgehalten.
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Insofern könne eine Kausalität zum Unfall vom 28. Juli 2008 durch einen HNO-Arzt
weder bestätigt noch in Abrede gestellt werden (UV-act. 26).
4.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass den medizinischen Akten keine
Anhaltspunkte zu entnehmen sind, wonach die von der Beschwerdeführerin
nachfolgend an die Leistungseinstellung ab 1. Oktober 2008 geklagten Kopfschmerzen
mit klar ausgewiesenen organischen Befunden erklärbar wären. Es ist demnach mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
beim Unfall vom 28. Juli 2008 erlittene Commotio cerebri spätestens ab 1. Oktober
2008 vollständig abgeheilt war und demzufolge die natürliche Kausalität zwischen den
später geklagten Kopfschmerzen und dem fraglichen Unfall im Sinn des Vorliegens von
organischen Restfolgen der Hirnerschütterung zu verneinen ist. Die Adäquanz des
Kausalzusammenhangs braucht daher nicht geprüft zu werden.
5.
Hinsichtlich der Sensiblitätsstörungen in den Fingerkuppen links ist ein natürlich
kausaler Zusammenhang mit dem Unfall vom 28. Juli 2008 gleichfalls mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu verneinen. Die in der Klinik für
Neurologie des KSSG am 28. Oktober 2008 durchgeführte detaillierte klinische Prüfung
hatte einen unauffälligen Status ergeben. Im Untersuchungsbericht vom 4. November
2008 wurde festgehalten, dass sich die berichteten Sensibilitätsstörungen ätiologisch
nicht zuordnen liessen. Ein Carpaltunnelsyndrom oder eine radikuläre Symptomatik
seien aufgrund des klinischen Befunds unwahrscheinlich (UV-act. 9). Dr. F._ legt in
seiner neurologischen Beurteilung vom 23. April 2010 (UV-act. 37) angesichts obiger
Sachlage überzeugend und schlüssig dar, dass nach den fachärztlich-neurologischen
Untersuchungen und Zusatzuntersuchungen im Oktober und November 2008 am
KSSG festgestellt werden könne, dass keine organischen und strukturellen
Schädigungen im Bereich des peripheren oder zentralen Nervensystems als Folge des
Unfalls vom 28. Juli 2008 erkennbar seien, nachdem zeitnah zum Unfall keine
objektivierbaren oder reproduzierbaren neurologischen Ausfälle bei der
Beschwerdeführerin vorgelegen hätten.
6.
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind gemäss Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht