Decision ID: 145d3a21-4772-4eb4-8744-471093852c54
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Entscheid Verwaltungsgericht, 19.02.2015 Sozialhilfe, Rückerstattungspflicht des Heimatkantons, Verlust und Begründung eines Unterstützungswohnsitzes; Art. 4, 5 und 9 ZUG.Die volljährige Tochter ist aus dem Haushalt ihrer Mutter ausgezogen und hat sich gleichentags auf dem Einwohneramt der Politischen Gemeinde abgemeldet. Eine Woche später hat sie ihren Zuzug dem Einwohneramt des neuen Aufenthaltsortes, wo sie – bevor sie die Wohnsituation dauerhaft regeln konnte – während knapp drei Wochen bei einer Bekannten und anschliessend während zehn Monaten in einer betreuten Wohngemeinschaft lebte, gemeldet. Daraus ist zu schliessen, dass sie sich am neuen Wohnort vom Zeitpunkt des Zuzugs an mit der Absicht des dauernden Verbleibens aufgehalten hat (Verwaltungsgericht, B 2014/12).Entscheid vom 19. Februar 2015 BesetzungPräsident Eugster; Verwaltungsrichter Heer, Rufener, Bietenharder; Ersatzrichterin Gmünder; Gerichtsschreiber ScherrerVerfahrensbeteiligteKanton Appenzell Ausserrhoden, vertreten durch das Departement Inneres und Kultur, Obstmarkt 1, 9100 Herisau,Beschwerdeführer,gegenKanton St. Gallen, vertreten durch das Departement des Innern, Regierungsgebäude, 9001 St. Gallen,Beschwerdegegner / Vorinstanz,GegenstandInterkantonale Zuständigkeit für die Unterstützung BedürftigerDas Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. (geb. 1994) ist Bürgerin von A. AR. Seit 1. April 2004 lebte sie bei ihrer
Mutter an der W.-strasse 00 in der Politischen Gemeinde B. SG. Weder sie noch ihre
Mutter bedurften dort der Sozialhilfe. Nach einer konfliktreichen Zeit zog X.Y. am 8.
April 2013 aus der Wohnung ihrer Mutter aus und meldete sich am selben Tag
persönlich beim Einwohneramt B. ab.
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Vom 9.-27. April 2013 wohnte X.Y. bei K.S. an der T.-strasse 01 in St. Gallen. Von dort
aus suchte sie nach einer eigenen Wohnung (act. 2/7). Am 15. April 2013 meldete sie
ihren Zuzug dem Einwohneramt der Stadt St. Gallen (act. 5/12). Da die Suche nach
einer eigenen Wohnung zunächst erfolglos blieb und sie nicht für längere Zeit bei K.S.
leben konnte, trat sie am 28. April 2013 in die betreute Wohngemeinschaft der Stiftung
Q. an der U.-gasse 02 in St. Gallen ein. Seit 1. März 2014 wohnt sie zusammen mit E.R.
an der Z.-strasse 03 in St. Gallen. X.Y. absolviert in C. eine Lehre zur Fotofachfrau. Da
der Lehrlingslohn für die Finanzierung des Lebensunterhalts nicht ausreicht, wird sie
seit Mai 2013 von den Sozialen Diensten der Stadt St. Gallen ergänzend mit Sozialhilfe
unterstützt.
B. Im Hinblick auf die Rückerstattung der Kosten zeigte der Kanton St. Gallen
dem Heimatkanton Appenzell Ausserrhoden am 22. Mai 2013 die Unterstützung von
X.Y. an (act. 2/1). Dagegen erhob der Kanton Appenzell Ausserrhoden am 31. Mai 2013
Einsprache mit der Begründung, es bestehe keine Rückerstattungspflicht des
Heimatkantons, weil X.Y. ihren Unterstützungswohnsitz in B. nie verloren habe. Das
Departement des Innern des Kantons St. Gallen wies die Einsprache am 19. Dezember
2013 ab im Wesentlichen mit der Begründung, X.Y. habe ihren Unterstützungswohnsitz
in B. endgültig aufgegeben und weder bei K.S. noch in der betreuten
Wohngemeinschaft der Stiftung Q. einen neuen begründet, was zur Kostenersatzpflicht
des Heimatkantons führe (act. 2/7).
Der Kanton Appenzell Ausserrhoden (Beschwerdeführer) erhob mit Eingabe seines
Departements Inneres und Kultur vom 17. Januar 2014 gegen den Entscheid des
Departements des Innern des Kantons St. Gallen (Vorinstanz) vom 19. Dezember 2013
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Einsprache
des Kantons Appenzell Ausserrhoden vom 31. Mai 2013 anzuerkennen.
Mit Vernehmlassung vom 4. Februar 2014 beantragte die Vorinstanz die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge. Der Beschwerdeführer
brachte dazu am 14. Februar 2014 vor, weil X.Y. keiner Betreuung bedürfe, habe die
Wohngemeinschaft der Stiftung Q. für sie keinen Heimcharakter. Sie habe dort deshalb
einen neuen Unterstützungswohnsitz begründet. Die Vorinstanz hielt in der
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Stellungnahme vom 25. Februar 2014 mit Hinweis auf die verschiedenen Arten von
Betreuungsformen und -intensitäten am Heimcharakter der Wohngemeinschaft fest.
Der Beschwerdeführer beharrte am 5. März 2014 seinerseits auf seinem Standpunkt.
Nach dem Umzug von X.Y. am 1. März 2014 an die Z.-strasse 03 erging am 7. März
2014 eine weitere Unterstützungsanzeige an den Kanton Appenzell Ausserrhoden,
nach welcher der Anspruch auf Kostenersatz am 28. Februar 2016 – zwei Jahre nach
der Wohnsitznahme – endet (act. 14). Auch gegen diese Anzeige erhob der Kanton
Appenzell Ausserrhoden Einsprache (act. 17.2). Das Verfahren ruht bis zum
rechtskräftigen Entscheid über die Unterstützungsanzeige vom 22. Mai 2013 (act.
17.1).
Auf die Begründung des angefochtenen Entscheides, die weiteren Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die Akten wird, soweit

wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache befugt (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Kanton
Appenzell Ausserrhoden, von dem der Kanton St. Gallen die Rückerstattung von
Unterstützungskosten verlangt, ist zur Beschwerde legitimiert; die Beschwerde wurde
vom zuständigen Departement Inneres und Kultur (vgl. Art. 39 lit. g des
ausserrhodischen Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetzes
[Organisationsgesetz, bGS 142.12] in Verbindung mit Art. 42 Abs. 8 Ingress und lit. der
Verordnung zum Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetz, bGS 142.121) mit
Eingabe vom 17. Januar 2014 rechtzeitig erhoben und entspricht in formaler und
inhaltlicher Hinsicht den gesetzlichen Anforderungen (Art. 34 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger
[Zuständigkeitsgesetz; SR 851.1, ZUG], Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1
VRP). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Im vorliegenden Verfahren ist zu klären, ob der Kanton St. Gallen als zur
Unterstützung verpflichteter Aufenthaltskanton im Sinn von Art. 12 Abs. 2 ZUG vom
Heimatkanton von X.Y. zu Recht gestützt auf Art. 15 ZUG die Rückerstattung der für
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sie erbrachten Unterstützungskosten verlangt. Die Verfahrensbeteiligten sind sich einig,
dass X.Y. am Wohnsitz ihrer Mutter in der Politischen Gemeinde B. am 1. April 2004
einen abgeleiteten (Art. 7 Abs. 2 ZUG) und mit dem Eintritt der Mündigkeit im Jahr 2012
einen selbständigen Unterstützungswohnsitz (Art. 5 ZUG) begründete, auch wenn
weder sie noch ihre Mutter dort der Sozialhilfe bedurften. Uneinigkeit besteht darüber,
ob X.Y. mit dem Wegzug aus der Wohnung ihrer Mutter und der Abmeldung beim
Einwohneramt B. am 8. April 2013 diesen Unterstützungswohnsitz aufgegeben (dazu
nachfolgend Erwägung 3) und in der Stadt St. Gallen unmittelbar anschliessend einen
neuen begründet hat (dazu nachfolgend Erwägung 4).
3.
3.1. Den bisherigen Unterstützungswohnsitz verliert gemäss Art. 9 Abs. 1 ZUG,
wer aus dem Wohnkanton wegzieht. Da dem Unterstützungswohnsitz gemäss Art. 4
ZUG begriffsimmanent eine räumliche und persönliche Beziehung einer Person zu einer
bestimmten Gemeinde zugrunde liegt, verliert eine Person ihren bisherigen
Unterstützungswohnsitz nicht nur, wenn sie aus dem Wohnkanton wegzieht, sondern
auch dann, wenn sie aus dem Ort wegzieht, zu dem sie bis dahin die
wohnsitzbegründenden räumlichen und persönlichen Beziehungen hatte (vgl. BGer
8C_530/2014 vom 7. November 2014 E. 3.3; 2A.420/1999 vom 2. Mai 2000 E. 4b).
Dass X.Y. mit den Wechseln ihrer Aufenthaltsorte am 9. April 2013 und am 28. April
2013 den Kanton St. Gallen nicht verlassen hat, schliesst den Verlust des
Unterstützungswohnsitzes im Sinn des Zuständigkeitsgesetzes deshalb nicht aus.
3.2.
3.2.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird der
Unterstützungswohnsitz mit der polizeilichen Abmeldung und dem tatsächlichen
Wegzug aufgegeben (BGer 8C_223/2010 vom 5. Juli 2010 E. 3.2). Solange die
betreffende Person weder in einem anderen Kanton noch im bisherigen Wohnkanton
einen neuen Wohnsitz begründet, besitzt sie in der Regel keinen
Unterstützungswohnsitz mehr (BGer 8C_530/2014 vom 7. November 2014 E. 3.3).
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X.Y. verliess nach einer offenbar längeren konfliktreichen Zeit am 8. April 2013 die
Wohnung ihrer Mutter in B., wo sie bisher gelebt hatte, und meldete sich gleichentags
beim Einwohneramt der Gemeinde polizeilich ab. Sie brachte damit insbesondere vor
dem Hintergrund der Vorgeschichte – soweit sie aus den Akten bekannt wird –
unmissverständlich zum Ausdruck, dass sie ihren Lebensmittelpunkt nicht mehr mit
jenem ihrer Mutter teilen, sondern sich ein eigenes Zentrum ihrer "massgeblichen
Beziehungen" (vgl. E. Bucher, in: Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht,
Band I/2/1, Bern 1976, N 12 der Vorbemerkungen vor Art. 22-26 ZGB) ausserhalb der
Politischen Gemeinde B. schaffen wollte. Die polizeiliche Abmeldung am 8. April 2013
und die Anmeldung am 15. April 2013 beim Einwohneramt der Stadt St. Gallen (act.
5/12) zeigen, dass die Aufgabe des Lebensmittelpunktes in der Politischen Gemeinde
B. überlegt war und von Dauer sein sollte.
3.2.2. Der Beschwerdeführer macht mit Hinweis auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung (BGer 8C_223/2010 vom 5. Juli 2010) geltend, es dürfe nicht leichthin
von einer Beendigung eines Unterstützungswohnsitzes ausgegangen werden.
Nachdem sie aus der Wohnung ihrer Mutter weggezogen sei und den Haushalt von
K.S. nach einem Kurzaufenthalt verlassen habe, sei für X.Y. aufgrund ihres Alters und
der Lebensumstände lediglich eine Wohnform mit institutionellem Charakter in Frage
gekommen. Die Zeit nach dem Verlassen der Wohnung in B. habe der Vorbereitung
des Eintritts in die Wohngemeinschaft der Stiftung Q. gedient, so dass sie nach der
verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung (VerwGE B 2011/154 vom 20. März 2012,
www.gerichte.sg.ch) den Unterstützungswohnsitz in B. nicht verloren habe.
Im Entscheid 8C_223/2010 vom 5. Juli 2010 hielt das Bundesgericht (mit Hinweis auf
BGer 2A.253/2003 vom 23. September 2003 E. 2.3) ausdrücklich fest, selbst wenn der
Bedürftige seinen Unterstützungswohnsitz verlasse, um sich in einem anderen Kanton
niederzulassen, nach kurzer Zeit aber bereits wieder an seinen früheren Wohnsitz
zurückkehre, bleibe der Unterstützungswohnsitz nicht erhalten; vielmehr werde er
allenfalls neu begründet. Weil das Fehlen eines Unterstützungswohnsitzes auf Dauer
nicht leichthin angenommen werden dürfe, könne das bei drogenabhängigen Personen
typischerweise Fehlen gefestigter sozialer und ökonomischer Beziehungen für die
Beurteilung, ob ein neuer Unterstützungswohnsitz begründet werde, für sich allein nicht
ausschlaggebend sein, andernfalls solche Personen kaum je in der Lage wären, einen
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Unterstützungswohnsitz zu begründen (vgl. bereits BGer 2A.420/1999 vom 2. Mai 2000
E. 6a). Die vom Beschwerdeführer angeführte bundesgerichtliche Rechtsprechung will
einen längerfristig fehlenden Unterstützungswohnsitz vermeiden, indem nicht
Anforderungen an die Begründung eines neuen verlangt werden, die eine bestimmte
Kategorie typischerweise von der Sozialhilfe abhängige Personen regelmässig nicht
erfüllen.
Der Entscheid VerwGE B 2011/154 vom 20. März 2012 (E. 2.3.1, www.gerichte.sg.ch)
betraf eine drogenabhängige Person, die ihren bisherigen Unterstützungswohnsitz
verliess, um den im Hinblick auf eine Drogenentzugstherapie für eine Woche später
vereinbarten Klinikeintritt vorzubereiten. Demgegenüber diente der vorübergehende
Aufenthalt von X.Y. in der Wohnung von K.S. nicht der Vorbereitung eines geplanten
Heimaufenthalts. Vielmehr verliess sie die Wohnung ihrer Mutter, um sich aus deren
Obhut zu lösen und eine selbständige Lebensführung in Angriff zu nehmen. Ihr Alter –
sie war volljährig – und ihre Lebensumstände – sie befand sich in der Ausbildung zur
Fotofachfrau – deuten nicht daraufhin, dass sie einer betreuten Wohnform bedurfte. In
die Wohngemeinschaft der Stiftung Q. trat sie lediglich ein, weil sie nicht länger bei
K.S. leben konnte und noch keine andere dauerhafte Lösung ihrer Wohnsituation
gefunden hatte. Daran ändert nichts, dass sie – wie dies bei Personen in Ausbildung
regelmässig der Fall ist – noch auf finanzielle Unterstützung angewiesen war.
3.2.3. Der Beschwerdeführer macht geltend, X.Y. sei in eine betreute
Wohngemeinschaft und damit in eine Einrichtung eingetreten, welche einen
bestehenden Unterstützungswohnsitz nicht beendige. Gemäss Art. 9 Abs. 3 ZUG
beendigen der Eintritt in ein Heim, ein Spital oder eine andere Einrichtung sowie die
behördliche Unterbringung einer volljährigen Person in Familienpflege den
bestehenden Unterstützungswohnsitz nicht. Als andere Einrichtungen kommen
insbesondere therapeutische Wohngemeinschaften und vergleichbare andere
Wohnformen in Frage (vgl. Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die
Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger, in: BBl 1990 S. 49 ff., S. 59).
X.Y. ist nicht aus der Wohnung ihrer Mutter in B. weggezogen, um in ein Heim oder
eine andere Einrichtung einzutreten, sondern um umgehend den bestehenden
persönlichen Konflikten zu entgehen und eine selbstbestimmte Wohnform zu finden.
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Aus der sofortigen Abmeldung beim Einwohneramt B. wird auch deutlich, dass sie
nicht die Absicht hatte, nach einer Phase des grösseren Abstandes zu ihrer Mutter
wieder in deren Wohnung zu ziehen. Sie hat – wenn auch bloss für kurze Zeit –
zunächst bei einer Bekannten gewohnt. Dass sie nach diesem sehr kurzen Aufenthalt
für eine weitere Übergangszeit in einer betreuten Wohngemeinschaft lebte, kann
deshalb nicht dazu führen, dass gestützt auf Art. 9 Abs. 3 ZUG ihr
Unterstützungswohnsitz in der Politischen Gemeinde B. weiter bestand.
3.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass X.Y. mit der polizeilichen Abmeldung am
Ort ihres bisherigen Wohnsitzes und ihrem Wegzug aus B. die klare Absicht bekundet
hat, mit der Suche nach einer neuen Unterkunft eine eigenständige Lebensführung in
Angriff zu nehmen. Damit hat sie ihren Unterstützungswohnsitz nach Art. 9 Abs. 1 ZUG
aufgegeben. Weder ihr Alter und ihre Lebensumstände noch der spätere Eintritt für
einen vorübergehenden Aufenthalt in eine Einrichtung des betreuten Wohnens stehen
dieser Beurteilung entgegen.
4.
4.1. Gemäss Art. 4 ZUG hat der Bedürftige seinen Unterstützungswohnsitz in dem
Kanton, in dem er sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält (Abs. 1 Satz 1);
die polizeiliche Anmeldung gilt als Wohnsitzbegründung, wenn nicht nachgewiesen ist,
dass der Aufenthalt schon früher oder erst später begonnen hat oder nur
vorübergehender Natur ist (Abs. 2). Der Unterstützungswohnsitz entspricht nicht
zwingend dem zivilrechtlichen Wohnsitz. Er knüpft aber wie Art. 23 Abs. 1 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) am Ort an, wo sich eine Person mit
der Absicht dauernden Verbleibes aufhält. Weniger stark als im Zivilrecht kommt es auf
den Willen des Betroffenen als auf die gesamten Lebensverhältnisse an (BGer
8C_530/2014 vom 7. November 2014 E. 3.1). Im Gegensatz zum zivilrechtlichen
Wohnsitz (vgl. Art. 24 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches; SR 210, ZGB)
bleibt der einmal begründete Unterstützungswohnsitz nicht bis zum Erwerb eines
neuen bestehen. Dass eine Person auf Dauer keinen Unterstützungswohnsitz hat, ist
nach der Konzeption des Zuständigkeitsgesetzes zwar grundsätzlich möglich, darf aber
nicht leichthin angenommen werden. Dies würde nicht nur dem Sinn und Zweck der
Fürsorgegesetzgebung, sondern auch den richtig verstandenen Interessen der
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bedürftigen Person und der betroffenen Gemeinwesen widersprechen. Das mit der
Gesetzesrevision angestrebte Ziel, im Fürsorgewesen zum Wohnsitzprinzip
überzugehen, gebietet und rechtfertigt, die Tatbestände der Ersatzpflicht des
Heimatkantons einschränkend auszulegen (vgl. BGer 8C_223/2010 vom 5. Juli 2010 E.
4.1). Dies gilt umso mehr, als die Ersatzpflicht des Heimatkantons gemäss Art. 16 ZUG
zwei Jahre über den Zeitpunkt der Begründung eines neuen Unterstützungswohnsitzes
hinaus fortbesteht.
4.2.
4.2.1. Bei der Beurteilung der Frage, ob X.Y. in der Stadt St. Gallen am 9. April 2013,
als sie zu K.S. zog, oder aber am 28. April 2013, als sie ein Zimmer in der
Wohngemeinschaft der Stiftung Q. bezog, einen Unterstützungswohnsitz in der Stadt
St. Gallen begründete, sind sich die Verfahrensbeteiligten einig, dass das objektive
Element des tatsächlichen Aufenthalts in der Stadt St. Gallen erfüllt ist.
4.2.2. X.Y. hat sich unmittelbar nach dem Wegzug von B. in die Wohnung von K.S. an
der T.-strasse 01 in der Stadt St. Gallen begeben. Bereits am 15. April 2014 meldete
sie ihren Zuzug dem Einwohneramt der Stadt St. Gallen. Selbst wenn eine formelle
polizeiliche Anmeldung mangels fester Wohnadresse noch nicht möglich gewesen sein
sollte, brachte X.Y. mit dieser Mitteilung doch im Sinn von Art. 4 Abs. 2 ZUG ihre
Absicht zum Ausdruck, ihren neuen Lebensmittelpunkt dauerhaft in der Stadt St. Gallen
zu begründen. Wenn sie zudem bereit war, für den Wohnsitz in der Stadt St. Gallen
selbst den vorübergehenden Aufenthalt in der betreuten, ihre Freiheiten
einschränkenden Wohngemeinschaft der Stiftung Q. an der U.-gasse 02 in Kauf zu
nehmen, ist dies ein weiteres Indiz dafür, dass sie am 8. April 2013 mit der Absicht
eines dauernden Verbleibens in die Stadt St. Gallen gezogen war. Auch die mittlerweile
gefundene dauerhafte Wohnsituation an der Z.-strasse 03 bestätigt diese Absicht.
Dass sich diese Absicht zunächst nicht auf eine konkrete Adresse beziehen konnte, ist
deshalb bedeutungslos, zumal die Anforderungen an die Begründung eines neuen
Unterstützungswohnsitzes mit Blick auf die während zweier Jahre nach der
Begründung des neuen Unterstützungswohnsitzes noch fortdauernde
Rückerstattungspflicht des Heimatkantons nicht überspannt werden dürfen.
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4.2.3. Der Beschwerdegegner begründete den angefochtenen Entscheid damit, der
Eintritt in die betreute Wohngemeinschaft der Stiftung Q. schliesse die Begründung
eines Unterstützungswohnsitzes aus. In der Vernehmlassung führt der
Beschwerdegegner demgegenüber aus, X.Y. sei auf eine Betreuung nicht angewiesen
gewesen.
Gemäss Art. 5 ZUG begründen der Aufenthalt in einem Heim, einem Spital oder einer
anderen Einrichtung und die behördliche Unterbringung einer volljährigen Person in
Familienpflege keinen Unterstützungswohnsitz. Als andere Einrichtung fallen
therapeutische Wohngemeinschaften und vergleichbare andere Wohnformen in
Betracht, wobei den rasch sich wandelnden Verhältnissen Rechnung zu tragen ist. Als
Beurteilungskriterien kommen etwa die Art und das Mass der angebotenen
Dienstleistungen, der Grad der feststellbaren Fremdbestimmung sowie der
Abhängigkeitsgrad der betroffenen Person in Frage (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 59). Als
unter Art. 5 ZUG fallende Formen des begleiteten Wohnens wurden die Aussenstelle
einer Grossfamilie mit Grundprogramm, Therapiekonzept und Hausordnung (ZBl 1997
S. 414 E. 2c), die Austrittswohnung einer Therapiegemeinschaft mit einem erheblichen
Fremdbestimmungsgrad hinsichtlich obligatorischer Gruppensitzungen,
Freizeitgestaltung und Umgang mit Alkohol, Medikamenten und Drogen (BGer 2A.
300/1999 vom 17. Januar 2000) und eine Wohngemeinschaft, die sich an Personen
wendet, denen die Fähigkeit zu selbständiger Lebensführung in einem ungeschützten
Wohnumfeld fehlt, und die eine auf die Bedürfnisse des Einzelfalls ausgerichtete von
einer Hausverwaltungsfunktion bis zu regelmässiger sozialarbeiterischer Betreuung
reichende Begleitung umfasst (BGer 2A.603/1999 vom 7. Juni 2000), behandelt.
Dementsprechend können auch Einrichtungen, welche ihr Angebot in erster Linie auf
die Wohnsituation und nicht auf die Betreuung ausrichten, trotz des geringeren
Fremdbestimmungsgrades unter Art. 5 ZUG fallen.
Die Stiftung Q. bietet verschiedene Formen des begleiteten und betreuten Wohnens
an. Die Betreuungsintensität wird auf den individuellen Bedarf ausgerichtet. Die
betreute Wohngemeinschaft der Stiftung Q. ist grundsätzlich geeignet, als
therapeutische Wohnform in den Geltungsbereich von Art. 5 ZUG zu fallen. Indessen
hielt sich X.Y. nicht deshalb in dieser Wohngemeinschaft auf, weil sei auf eine
Betreuung angewiesen war. Vielmehr nahm sie – um ihren Lebensmittelpunkt in der
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Stadt St. Gallen festigen zu können – gewisse Einschränkungen ihrer Freiheiten – so
die Pflicht zur Teilnahme am wöchentlichen WG-Abend, zur Einhaltung einer
Zimmerordnung, von Nachtruhezeiten und des "Ämtliplans" sowie ein beschränktes
Recht, Besuch zu empfangen (vgl. act. 5/6a) – in Kauf. Sie hielt sich also in der
betreuten Wohngemeinschaft der Stiftung Q. nicht auf, weil, sondern obwohl es sich
um eine besondere Einrichtung im Sinn von Art. 5 ZUG handelte.
5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass X.Y. durch die polizeiliche
Abmeldung und den Wegzug von B. am 8. April 2013 ihren Unterstützungswohnsitz
dort nach Art. 9 Abs. 1 ZUG aufgegeben hat. Seither hält sie sich – zunächst mit
vorübergehender, seit 1. März 2014 mit dauerhafter Regelung ihrer Wohnsituation – mit
der Absicht dauernden Verbleibens in der Stadt St. Gallen auf. Die Beschwerde ist
dementsprechend gutzuheissen und der angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom
19. Dezember 2013 aufzuheben. Die Unterstützungsanzeige vom 22. Mai 2013 fällt
damit dahin.
6. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdegegner aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist nicht zu verzichten, da
der Beschwerdegegner finanzielle Interessen verfolgt (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Beim Beschwerdeführer handelt es sich um ein Gemeinwesen, dem nach der
verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung kein Anspruch auf ausseramtliche
Entschädigung zukommt (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen SZ/St. Gallen 2004, S. 176 ff.; VerwGE B
2008/163 vom 21. April 2009 in Sachen Kanton Bern gegen Kanton St. Gallen und
VerwGE B 2009/132 vom 28. Januar 2010 in Sachen Kanton Aargau gegen Kanton St.
Gallen, www.gerichte.sg.ch).