Decision ID: 219a77dd-6f0d-550b-8e08-007be0b5198e
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ R. A. E. P., Staatsangehörige von Kamerun, geboren am 25. September 1975, hielt
sich in den Jahren 2001/02 unter Verwendung einer falschen Identität in der Schweiz
auf. Am 12. Januar 2004 reiste sie illegal in die Schweiz ein und stellte unter dem
Namen "S. E.", Staatsangehörige von Kamerun, geboren am 19. Dezember 1986, ein
Asylgesuch, das am 23. September 2004 abgewiesen wurde. In der Folge reiste R. A.
E. P. nicht aus und stellte ein Wiedererwägungsgesuch, auf das am 14. Dezember
2006 nicht eingetreten wurde. Am 11. August 2007 heiratete R. E. P. in Z. (Süd-
Kamerun) den seit dem 16. März 2007 geschiedenen Schweizer Bürger A. P., geboren
am 25. Oktober 1946, worauf ihr im Rahmen des Familiennachzugs eine
Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde. Diese wurde letztmals bis 20. April 2011
verlängert.
Am 11. Mai 2009 stellte R. A. E. P. ein Gesuch um Familiennachzug ihrer am 23. Juni
1999 geborenen Tochter B. A.. Am 10. Februar 2010 wies das Ausländeramt (heute:
Migrationsamt) das Gesuch ab. Die Verfügung wird im Wesentlichen damit begründet,
im Fall des Familiennachzugs von B. A. bestehe die Gefahr einer fortgesetzten und
erheblichen Fürsorgeabhängigkeit und der weitere Verbleib in Kamerun sei der Tochter
der Gesuchstellerin zuzumuten.
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B./ Am 25. Februar 2010 erhoben R. A. E. P., B. A. und A. P., alle vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. B. J., Zürich, gegen die Verfügung des Ausländeramtes vom
10. Februar 2010 Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement. Sie stellten
folgende Rechtsbegehren: die angefochtene Verfügung sei aufzuheben (Ziff. 1), B. A.
sei die Einreise zum Verbleib bei der Mutter und beim Stiefvater zu bewilligen und zu
diesem Zweck sei ihr eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen (Ziff. 2), es sei B. A. im
Sinn einer vorsorglichen Massnahme die Einreise in die Schweiz einstweilen zu
bewilligen und ihr Verbleib bei der Mutter für die Dauer des Verfahrens zu gestatten
(Ziff. 3). Am 12. März 2010 wies das Sicherheits- und Justizdepartement das Gesuch
um Erlass einer vorsorglichen Massnahme ab und am 6. Dezember 2010 wurde dem
Rekurs nicht entsprochen. Der Entscheid wird ebenfalls damit begründet, im Fall des
Familiennachzugs von B. A. bestehe eine erhebliche Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit
und das öffentliche Interesse an der Abweisung des Gesuchs überwiege gegenüber
dem privaten Interesse der Rekurrenten.
C./ Am 21. Dezember 2010 erhoben R. A. E. P. und B. A., wiederum vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. B. J., Zürich, gegen den Rekursentscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements vom 6. Dezember 2010 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie
stellten folgende Rechtsbegehren: der angefochtene Entscheid sei aufzuheben (Ziff. 1),
der Familiennachzug von B. A. sei zu bewilligen und es sei ihr eine Einreise- und
Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei der Mutter zu erteilen (Ziff. 2). Sodann sei den
Beschwerdeführerinnen die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und es sei auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten (Ziff. 3). Den Beschwerdeführerinnen
sei ein unentgeltlicher Rechtsbeistand in der Person des unterzeichnenden
Rechtsanwalts beizuordnen (Ziff. 4).
Das Sicherheits- und Justizdepartement nahm am 20. Januar 2011 Stellung und
beantragte, die Beschwerde sei unter Kostenfolge abzuweisen.
Am 21. Januar 2011 wurde die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung
aufgrund der nachgereichten Unterlagen bewilligt und Rechtsanwalt lic. iur. B. J.,
Zürich, wurde als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestimmt.
Am 7. Februar 2011 machten R. A. E. P. und B. A. von der Möglichkeit Gebrauch, sich
zu neuen tatsächlichen und rechtlichen Argumenten zu äussern.
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Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Sodann
sind R. A. E. P. und B. A. zur Beschwerde legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP). Weiter erfüllt die Beschwerdeeingabe vom 21. Dezember 2010
zeitlich, formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt
EMRK) und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV) gewährleisten
den Schutz des Privat- und Familienlebens und haben dieselbe Tragweite (Spescha, in:
Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Migrationsrecht, 2. Aufl., Zürich 2009, N 12 zu Nr. 18 mit
Hinweisen).
2.1. Auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK kann sich im Zusammenhang mit einer
ausländerrechtlichen Bewilligung berufen, wer nahe Verwandte (Ehegatte,
minderjährige Kinder) mit einem gefestigten Anwesenheitsrecht (Schweizer
Bürgerrecht, Niederlassungsbewilligung, Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung) hat oder wer selbst ein solches Anwesenheitsrecht in der
Schweiz hat, sofern die familiäre Beziehung tatsächlich gelebt wird und intakt ist (BGE
131 II 350 E. 5, 130 II 285 E. 3.1, Urteil des Bundesgerichts vom 14. Mai 2008
2C_8/2008).
Die Vorinstanz geht im angefochtenen Entscheid zu Recht davon aus, die
Beschwerdeführerin 1, die gestützt auf die Ehe mit einem Schweizer
Staatsangehörigen über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, habe ein gefestigtes
Anwesenheitsrecht, weshalb sie sich bezüglich des Familiennachzugs ihrer
minderjährigen Tochter auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen könne.
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2.2. Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV gewährleisten weder ein Recht auf
Einreise und Aufenthalt noch auf Wahl des für das Familienleben am geeignetsten
erscheinenden Ort (B. Ehrenzeller, in: St. Galler Kommentar zur Schweizerischen
Bundesverfassung, Zürich/Basel/Genf 2002, Rz. 23 und 25 zu Art. 13 BV; BGE 130 II
285 E. 3.1 mit Hinweis u.a. auf BGE 126 II 335 E. 3a). Art. 8 Ziff. 1 EMRK verschafft
namentlich dann kein vorbehaltloses Recht auf Nachzug von Kindern, wenn ein
Ausländer selbst die Entscheidung getroffen hat, von seiner Familie getrennt in einem
anderen Land zu leben (BGE 124 II 366 E. 3a mit Hinweis auf BGE 122 II 385 E. 4b, 119
Ib 81 E. 4a und 118 Ib 153 E. 2b). Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist ein Eingriff in das durch
Ziff. 1 geschützte Rechtsgut statthaft, soweit er gesetzlich vorgesehen und in einer
demokratischen Gesellschaft notwendig ist für die nationale oder öffentliche Sicherheit,
für das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zur
Verhütung von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz
der Rechte und Freiheiten anderer.
3. Die Beschwerdeführerinnen stellen sich auf den Standpunkt, die Vorinstanz habe
sich nicht dazu geäussert, auf welche innerstaatliche gesetzliche Grundlage sich die
Einschränkung des durch Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützten Rechtsguts stütze. In Frage
komme einzig Art. 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes (SR 142.20, abgekürzt AuG),
wonach der Anspruch auf Familiennachzug u.a. bei Vorliegen von Widerrufsgründen
nach Art. 63 AuG erlöschen könne. Der Widerrufsgrund nach Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG
sei vorliegend indessen nicht erfüllt.
Art. 42 AuG regelt den Familiennachzug von ausländischen Ehegatten und ledigen
Kindern unter 18 Jahren von Schweizerinnen und Schweizern. Ansprüche nach Art. 42
AuG erlöschen nach Art. 51 Abs. 1 AuG u.a. dann, wenn Widerrufsgründe nach Art. 63
AuG vorliegen. Ein Widerruf kann nach Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG erfolgen, wenn die
Ausländerin oder der Ausländer oder eine Person, für die sie oder er zu sorgen hat,
dauerhaft und in erheblichem Mass auf Sozialhilfe angewiesen ist. Der Nachzug von
weniger als 18 Jahre alten Kindern ausländischer Ehegatten von Schweizerinnen und
Schweizern aus einer früheren Beziehung richtet sich demgegenüber nach dem
Aufenthaltsrecht des ausländischen Ehegatten. Besitzt dieser eine
Niederlassungsbewilligung, gilt für den Nachzug Art. 43 AuG, besitzt er, wie im
vorliegenden Fall, eine Aufenthaltsbewilligung, gilt Art. 44 AuG (Uebersax/Rudin/Hugi
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Yar/Geiser, Ausländerrecht, Basel 2009, Rz, 16.36; vgl. auch Weisung 6
Familiennachzug des Bundesamtes für Migration, Version 1.7.09, Ziff. 6.2.6). Nach
Art. 44 AuG kann u.a. ledigen Kindern unter 18 Jahren von Personen mit
Aufenthaltsbewilligung eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden, wenn: sie mit ihnen
zusammenwohnen (lit. a); eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist (lit. b); und sie
nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind (lit. c). Im Gegensatz zu ledigen Kindern unter 18
Jahren von Personen mit Niederlassungsbewilligung haben Kinder unter 18 Jahren von
hier aufenthaltsberechtigten Personen nach innerstaatlichem Recht sodann keinen
Nachzugsanspruch (Spescha, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli,N 1 zu Art. 44 AuG). Art. 51
AuG regelt das "Erlöschen des Anspruchs auf Familiennachzug". Ansprüche aus Art.
43 AuG erlöschen nach Art. 51 Abs. 2 AuG, wenn sie rechtsmissbräuchlich geltend
gemacht werden, namentlich um Vorschriften dieses Gesetzes und seiner
Ausführungsbestimmungen über die Zulassung und den Aufenthalt zu umgehen (lit. a),
oder wenn Widerrufsgründe nach Artikel 62 vorliegen (lit. b). Bewilligungen, mit
Ausnahme der Niederlassungsbewilligung, können nach Art. 62 lit. e AuG widerrufen
werden, wenn die Ausländerin oder der Ausländer oder eine Person, für die sie oder er
zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist. Im Gegensatz zur Auffassung der
Beschwerdeführerinnen geht aus dem angefochtenen Entscheid hervor, dass er seine
Rechtsgrundlage in Art. 62 lit. e AuG hat, was somit nicht zu beanstanden ist. Die Rüge
der Beschwerdeführerinnen, es sei nicht ersichtlich, auf welcher innerstaatlichen
Rechtsgrundlage der angefochtene Entscheid beruhe bzw. es komme einzig Art. 51
Abs. 1 in Verbindung Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG in Frage, erweist sich somit als
unbegründet.
4. Die Beschwerdeführerinnen halten weiter dafür, die Argumentation der Vorinstanz
bezüglich der drohenden Fürsorgeabhängigkeit im Fall des Familiennachzugs der
Beschwerdeführerin 2 sei sachlich nicht haltbar. Sie begründen dies damit, die
Beschwerdeführerin 1 habe seit ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 2008 nie
Sozialhilfe beansprucht und auch ihr Ehemann habe zu keinem Zeitpunkt mit
öffentlichen Geldern unterstützt werden müssen, auch wenn er überschuldet sei.
Sodann werde die Beschwerdeführerin 1 im nächsten Jahr über ein eigenes
Erwerbseinkommen verfügen.
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4.1. Wie ausgeführt, kann die Behörde die Bewilligung gestützt auf Art. 62 lit. e AuG
widerrufen, wenn die Ausländerin oder der Ausländer oder eine Person, für die sie oder
er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist. Wenn, wie im vorliegenden Fall, ein
Anspruch auf Familiennachzug gestützt auf Art. 8 EMRK besteht, genügen nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung bloss finanzielle Bedenken für die Abweisung des
Gesuches nicht. Es muss konkret die Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen
Fürsorgeabhängigkeit gegeben sein. Dies ist nicht der Fall, wenn die Ehegatten keine
Fürsorgeleistungen beziehen, sondern beide ein Erwerbseinkommen erzielen, welches
das Existenzminimum der Familie deckt und ihnen darüber hinaus - in begrenztem
Umfang - die Sanierung der aufgelaufenen Schulden erlaubt (BGE 125 II 641). Mit Blick
auf die gegenseitige Unterhaltspflicht nach Art. 163 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt ZGB) ist das Einkommen des Angehörigen, der
an die Lebenshaltungskosten der Familie beitragen soll, daran zu messen, in welchem
Umfang es tatsächlich realisierbar ist (BGE 122 II 8 f.). Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung darf der Familiennachzug verweigert werden, wenn die
nachzuziehende Person umgehend wieder ausgewiesen werden dürfte (Urteil des
Bundesgerichts 2C_716/2007 vom 12. März 2008 E. 2.1 mit Hinweisen).
4.2. Der angefochtene Entscheid wird damit begründet, die finanziellen
Voraussetzungen für den Familiennachzug der Beschwerdeführerin 2 seien nicht erfüllt,
weil die Beschwerdeführerin 1 weder einer Erwerbstätigkeit nachgehe noch über
Vermögen verfüge. Sodann mache sie nicht geltend, es würden in dieser Hinsicht
Veränderungen bevorstehen. Weiter wäre die Zusage von A. P. vom 15. Juni 2009,
wonach er für den Lebensunterhalt seiner Stieftochter aufkommen werde, rechtlich
nicht durchsetzbar, abgesehen davon, dass er nicht über die finanziellen Mittel verfüge,
die dazu erforderlich seien. A. P. sei beim Betreibungsamt S. mit 61 Verlustscheinen im
Betrag von Fr. 245'097.75 verzeichnet, wobei zahlreiche Ausstände die öffentliche
Hand betreffen würden (Steuerämter, Sozialversicherungsanstalt, andere Kantone). Er
sei seit Jahren nicht in der Lage und nicht willens gewesen, den namhaften
Schuldenberg abzubauen. Dieses Finanzgebaren komme einem Verstoss gegen die
öffentliche Ordnung gleich.
4.3. Unbestritten ist, dass bisher weder die Beschwerdeführerin 1 noch ihr Ehemann
Sozialhilfeleistungen bezogen haben. Allerdings ging die rund 36 Jahre alte
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Beschwerdeführerin 1 seit ihrer im Anschluss an die Heirat mit A. P. erfolgten Einreise
in die Schweiz im Jahr 2008 keiner Erwerbstätigkeit nach, und sie verfügt auch nicht
über andere Einkünfte oder über Vermögen. Gemäss eigenen Angaben im
Zusammenhang mit dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung hat auch ihr Ehemann, der am Beschwerdeverfahren nicht
teilnimmt, keine substantiellen Reserven bzw. es fehlen ihm die Mittel zur Bezahlung
allfälliger Gerichtskosten. Im Jahr 2010 erzielte die Beschwerdeführerin 1 gemäss
eigenen Angaben kein Einkommen und A. P. ein solches von rund 4'050.-- netto.
Dementsprechend wurde die Bedürftigkeit bejaht und die unentgeltliche Rechtspflege
und Rechtsverbeiständung wurde bewilligt.
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens machen die Beschwerdeführerinnen neu
geltend, die Beschwerdeführerin 1 werde ab dem Jahr 2011 über ein eigenes
Einkommen verfügen, weil sie zufolge verbesserter Auftragslage im Betrieb ihres
Ehemannes als Hilfskraft bei Schreiner-, Maler- und Reinigungsarbeiten mitarbeiten
könne. Am 12. Januar 2011 wurde eine zwischen A. P. und der Beschwerdeführerin 1
getroffene Vereinbarung eingereicht, die am 29. Dezember 2010 abgeschlossen
worden ist, "damit seine Ehegattin über ein eigenes Einkommen verfügen kann".
Danach wird die Beschwerdeführerin 1 ab 1. Januar 2011 vorerst im Stundenlohn zu
den im Baugewerbe geltenden Ansätzen und später im Monatslohn von ihrem
Ehemann angestellt. Sie wird angelernt und eingearbeitet und soll später das Geschäft
übernehmen. Damit ist indessen nicht dargetan, dass die Beschwerdeführerin 1 heute
und in Zukunft in einem Ausmass eigene finanzielle Mittel erwirtschaften kann, die
geeignet sind, die Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit im Fall des Familiennachzugs
ihrer rund zwölf Jahre alten Tochter zu bannen. Mit ihrer Eingabe vom 7. Februar 2010
führen die Beschwerdeführerinnen zwar aus, die Auffassung der Vorinstanz, wonach
sich mit dieser Vereinbarung an der Finanzlage der Beschwerdeführerin 1 und ihres
Ehemanns nichts ändere, treffe nicht zu. A. P. erhalte mehr und mehr Aufträge und sei
deshalb auf eine Mitarbeiterin angewiesen, die zunehmend über praktische Kenntnisse
verfüge. Die Beschwerdeführerinnen verzichten aber darauf, die behauptete
Verbesserung der Auftragslage konkret zu belegen und Angaben dazu zu machen, ob
und wenn ja in welcher Höhe die Beschwerdeführerin seit Abschluss der Vereinbarung
mit ihrem Ehemann ein Erwerbseinkommen erzielt hat bzw. inwiefern sich die
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Einkommensverhältnisse des Ehepaars im Jahr 2011 insgesamt verbessert haben und
begründete Aussicht besteht, dass dies nicht nur kurzfristig der Fall sein wird.
4.4. Zu berücksichtigen ist weiter, dass bei der Berechnung der erforderlichen
finanziellen Mittel Zusagen von Drittpersonen nur dann berücksichtigt werden, wenn
diese im Rahmen der Verwandtenunterstützungspflicht nach Art. 328 ZGB effektiv zur
Unterstützung herangezogen werden können und wenn die Drittpersonen selber in
günstigen finanziellen Verhältnissen
leben (VerwGE 2006/185 vom 14. Dezember 2006 i.S. A.J. mit Hinweis auf VerwGE
2003/210 vom 19. Februar 2004 i.S. R.I. mit Hinweis auf BGE 119 Ib 7 und 119 Ib 88).
Zutreffend ist, dass gemäss Art. 278 Abs. 2 ZGB jeder Ehegatte dem andern in der
Erfüllung der Unterhaltspflicht gegenüber vorehelichen Kindern in angemessener Weise
beizustehen hat. Dementsprechend hat A. P. in den Monaten Oktober und Dezember
2010 jeweils Fr. 300.-- an S. E. (Aliasname der Beschwerdeführerin 1) in Kamerun
überwiesen. Weil Stiefeltern gegenüber Stiefkindern aber grundsätzlich nicht
unterstützungspflichtig sind bzw. weil Stiefkindern kein indirekter
Unterstützungsanspruch gegen den Stiefelternteil zusteht (vgl. Th. Koller, in: Basler
Kommentar, 3. Aufl., Basel 2006, N 6 zu Art. 328/329 ZGB), wäre es dem
Gemeinwesen nicht möglich, die finanzielle Unterstützung der Beschwerdeführerin 2
durch den Ehemann der Beschwerdeführerin 1 durchzusetzen. Hinzu kommt, dass die
finanziellen Mittel, die A. P. erwirtschaftet, nicht ausreichen, um auch den
Lebensunterhalt seiner Stieftochter in der Schweiz finanzieren zu können. Wie
ausgeführt, hat er im Jahr 2010 gemäss eigenen Angaben ein Nettoeinkommen von
lediglich rund Fr. 4'050.-- je Monat verdient und wäre deshalb nicht in der Lage,
allfällige Gerichtskosten im Zusammenhang mit dem Verfahren betreffend
Familiennachzug seiner Stieftochter zu bezahlen. Diese Einkünfte liegen denn auch
deutlich unter denjenigen von Fr. 5'000.--, die gemäss unbestritten gebliebenen
Berechnungen der Vorinstanz den Bedarf nach VOF-Richtlinien abdecken würden.
Gemäss Steuererklärung 2009 betrug das Nettoeinkommen sodann Fr. 38'926.--. In
Betracht fällt weiter, dass die damaligen Ehegatten gemäss Scheidungskonvention
vom 16. März 2007 (act. 237) davon ausgingen, das monatliche Nettoeinkommen des
Ehemannes der Beschwerdeführerin 1 belaufe sich auf Fr. 1'100.--. Aktenkundig ist
zudem, dass A. P. rund 65 Jahre alt ist und dass er im Jahr 2007 keiner Einrichtung der
beruflichen Vorsorge angehörte (act. 237). Schliesslich fällt in Betracht, dass beim
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Betreibungsamt S. 61 Verlustscheine im Gesamtbetrag von Fr. 245'097.75 verzeichnet
sind. Die Beschwerdeführerinnen machen zwar geltend, diese Verlustscheine könnten
erst dann zu einer Pfändung führen, wenn A. P. zu Vermögen komme, räumen aber
selber ein, davon sei nicht zuletzt zufolge seines Alters nicht auszugehen.
4.5. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Beschwerdeführerin 1 nicht in der
Lage ist, für den Lebensunterhalt der Beschwerdeführerin 2 in der Schweiz in
finanzieller Hinsicht aufzukommen und dass es auch ihrem Ehemann nicht möglich ist,
in diesem Zusammenhang regelmässig und über längere Zeit hinweg einen
substantiellen Beitrag zu leisten. Die Rüge der Beschwerdeführerinnen, es liege kein
Widerrufsgrund vor, erweist sich somit als unbegründet.
5. Zu prüfen ist weiter, ob die Verweigerung des Familiennachzugs verhältnismässig ist.
Die Beschwerdeführerinnen berufen sich in diesem Zusammenhang darauf, die
Beschwerdeführerin 1 sei alleinerziehende Mutter und über die Jahre hinweg die
wichtigste Bezugsperson der Beschwerdeführerin 2 geblieben. Die Betreuung durch
die Grossmutter, deren Gesundheitszustand unverändert schlecht sei, sei stets eine
Notlösung gewesen, weshalb die Verhinderung des Zusammenlebens von Mutter und
Tochter eine Verletzung von Art. 8 Ziff. 1 EMRK darstelle. Zudem verpflichte das
Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (SR 0.107,
abgekürzt KRK) die Behörden, vorrangig die Interessen des Kindes an einer
gesicherten Zukunft bei der Mutter zu berücksichtigen.
Aus den Bestimmungen der KRK, die zum Teil eher programmatischer Natur sind,
ergibt sich regelmässig kein unmittelbarer Anspruch auf die Erteilung einer
ausländerrechtlichen Bewilligung, doch sind die entsprechenden Vorgaben bei der
Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK bzw. Art. 13 BV zu berücksichtigen (BGE
135 I 157 E. 2.2.2 mit Hinweisen).
Die Beschwerdeführerin 1 hat vor Jahren den Entscheid getroffen, von der
Beschwerdeführerin 2 getrennt zu leben. Sie hielt sich bereits in den Jahren 2001/02
unter falschem Namen in der Schweiz auf, zu einem Zeitpunkt, als die
Beschwerdeführerin 2 rund 2 Jahre alt war. Im Jahr 2004 reiste sie sodann unter der
falschen Identität "S. E." in die Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Unbestritten
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geblieben ist, dass sie erst im Juni 2007 nach Kamerun zurückkehrte, um dort A. P. zu
heiraten und erneut in die Schweiz zu reisen, wo sie seither lebt. Die Behauptung der
Beschwerdeführerin 1, sie sei alleinerziehende Mutter und deshalb die wichtigste
Bezugsperson der in Kamerun lebenden Beschwerdeführerin 2, erscheint deshalb nicht
glaubwürdig, auch wenn sie geltend macht, sie kehre zeitweilig in die Heimat zurück.
Daran ändert nichts, dass die Tatsache, dass das Kind über Jahre hinweg durch
Drittpersonen betreut worden ist, aus Sicht der Beschwerdeführerin 1 eine Notlösung
darstellt. Die Beschwerdeführerin 2 ist in Kamerun unter der Obhut der Grossmutter
aufgewachsen, zu der sie die vorrangige persönliche Beziehung hat. Unbestritten ist,
dass die mittlerweise rund zwölf Jahre alte Tochter der Beschwerdeführerin 1, die über
keinen persönlichen Bezug zur Schweiz verfügt und die sich hier noch nie aufgehalten
hat, in Kamerun integriert ist und zur Schule geht. Zudem wird nicht behauptet, es sei
der Grossmutter nicht möglich, die Beschwerdeführerin 2 weiterhin zu betreuen. Weiter
ist zu berücksichtigen, dass eine restriktive Einwanderungspolitik im Hinblick auf ein
ausgewogenes Verhältnis zwischen schweizerischer und ausländischer
Wohnbevölkerung als zulässiges öffentliches Interesse im Sinn von Art. 8 Ziff. 2 EMRK
in Betracht fällt (Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, a.a.O., Rz. 16.68 mit Hinweis auf
BGE 120 Ib 1 E. 3b, 120 Ib 22 E. 4a und BGer 2A.428/2000 E. 2). Dementsprechend
besteht ein öffentliches Interesse daran, den Nachzug von Kindern, die - wie vorliegend
- mit erheblichen Integrationsschwierigkeiten kultureller, sprachlicher und
wirtschaftlicher Natur zu kämpfen hätten, restriktiv zu handhaben. In Betracht fällt
schliesslich, dass keine Anhaltspunkte bestehen, wonach sich die rund 36 Jahre alte
Beschwerdeführerin 1, die hier offenbar nie einer Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, in
der Schweiz gut integriert und mit den hier geltenden Gepflogenheiten vertraut sein
könnte. Aufgrund der Tatsache, dass sie unter falschen Identitäten eingereist war und
zudem unter prekären finanziellen Verhältnissen lebt, durfte sie nicht damit rechnen,
der Familiennachzug der Beschwerdeführerin 2 sei ohne weiteres möglich.
6. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Vorinstanz zu Recht angenommen
hat, die Voraussetzungen zum Familiennachzug der Beschwerdeführerin 2 seien nicht
erfüllt. Das öffentliche Interesse an der Fernhaltung der Beschwerdeführerin 2 von der
Schweiz überwiegt gegenüber dem privaten Interesse der Beschwerdeführerin 1, ihrer
Tochter in der Schweiz zu besseren Lebensbedingungen zu verhelfen. Es ist den
Beschwerdeführerinnen zumutbar, persönliche Kontakte wie bisher mittels Telefonaten
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und Besuchen der Beschwerdeführerin 1 in Kamerun aufrechtzuerhalten. Demzufolge
ist die Beschwerde abzuweisen.
Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens grundsätzlich zu Lasten der
Beschwerdeführerinnen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege trägt indessen der Staat die amtlichen Kosten. Eine Entscheidgebühr von
Fr. 2'000.-- erscheint angemessen (Art. 7, Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Auf die Erhebung der Kosten ist zu verzichten (Art. 99 Abs. 2 VRP in
Verbindung mit Art. 95 Abs. 1 und 2 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR
272).
Der unentgeltliche Rechtsbeistand der Beschwerdeführerinnen hat keine Kostennote
eingereicht. Das Gericht erachtet eine Entschädigung von Fr. 2'000.-- (inkl.
Barauslagen, zuzüglich MWSt) für das Beschwerdeverfahren als angemessen (Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75).
Demnach hat das Verwaltungsgericht