Decision ID: ba80d404-4066-476f-9bed-bd7235f7cef2
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Veruntreuung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung - Ein-
zelgericht, vom 9. Juni 2015 (GG140272)
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Anklage:
Die Anklageschrift bzw. Abänderung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
28. Oktober 2014 bzw. 8. Januar 2016 (Urk. 23 und Urk. 77) sind diesem Urteil
beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von
Art. 138 Ziffer 1 StGB.
2. Von den Vorwürfen des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 StGB,
des mehrfachen betrügerischen Konkurses im Sinne von Art. 163 Ziff. 1
StGB, der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB, der unge-
treuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 StGB, der Misswirtschaft
im Sinne von Art. 165 StGB sowie der Veruntreuung im Sinne von Art. 138
Ziff. 1 StGB bezüglich des Nebendossiers 5 wird der Beschuldigte freige-
sprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 12 Monaten Freiheitsstrafe und einer
Busse in der Höhe von Fr. 2'500.–.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 25 Tagen.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 (B._ AG) Scha-
denersatz von Fr. 8'522.80 zuzüglich 5% Zins ab 31. Mai 2010 zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin 1
(B._ AG) abgewiesen.
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7. Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers 2 (C._) wird abgewie-
sen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 3 (D._) Schaden-
ersatz in der Höhe von Fr. 377'400.– zuzüglich 5% Zins ab 25. Juni 2009 zu
bezahlen.
9. Der Privatkläger 4 (E._) wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'600.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. 1'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten zu drei Vierteln auferlegt und zu einem Viertel auf die
Gerichtskasse genommen.
12. Dem Beschuldigten wird eine Parteientschädigung von Fr. 4'270.– für an-
waltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen und mit den
dem Beschuldigten auferlegten Kosten gemäss Ziffern 9 und 10 hiervor ver-
rechnet.
13. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Vertretung des Privatklägers 3 eine
Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 4'500.– (inkl. MWSt. und Baraus-
lagen) zu bezahlen.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 85 S. 1)
1. Der vorinstanzliche Entscheid des Bezirksgerichts Zürich vom 9. Juni
2015 sei mit Ausnahme der Ziffern 2, 7 und 9 des Urteilsdispositives
aufzuheben;
2. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen;
3. Es seien die Zivilklagen der Privatklägerin 1 sowie der Privatkläger 1, 2
und 4 vollumfänglich abzuweisen;
4. [...]
5. Es seien die Kosten der Untersuchung sowie des erst- und zweitin-
stanzlichen Verfahrens, einschliesslich der Kosten der amtlichen Ver-
teidigung, ausgangsgemäss auf die Staatskasse zu nehmen und es
seien dem Beschuldigten daraus eine Entschädigung in der Höhe von
mindestens CHF 50'000 sowie eine Genugtuung nach richterlichem
Ermessen auszurichten.
c) Des Vertreters des Privatklägers 3:
(Urk. 86 S. 1)
1. In Ablehnung der vom Berufungskläger gestellten Anträge Ziff. 1 und 3
(Berufung vom 1. Juli 2015) seien die Ziff. 8 und 13 im Dispositiv des
angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. Juni 2015
vom Obergericht zu bestätigen;
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2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen z.L. des Berufungsklä-
gers.
_

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung
1. Der Prozessverlauf vor erster Instanz ergibt sich aus dem angefochtenen
Urteil und es kann darauf verwiesen werden (Urk. 59 S. 6 f.).
2. Gegen das eingangs im Dispositiv erwähnte Urteil des Bezirksgerichtes Zü-
rich, 1. Abteilung, Einzelgericht, vom 9. Juni 2015 (Urk. 59), das den Parteien
schriftlich, in begründeter Fassung, am 11. Juni 2015 zugestellt worden war
(Prot. I S. 54 ff.; Urk. 56/1-6), reichte der Verteidiger mittels schriftlicher Begrün-
dung vom 1. Juli 2015 rechtzeitig direkt die Berufungserklärung ein (Urk. 57 =
Urk. 60; im Folgenden Urk. 60), was gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
genügt (BGE 138 IV 157 E. 2). Auf sein Gesuch vom 1. bzw. 23. Juli 2015
(Urk. 60 S. 2 und 13; Urk. 62; Urk. 63/1-21) wurde der Verteidiger des Beschuldig-
ten als amtlicher Verteidiger bestellt (Urk. 64). Innert angesetzter Frist gemäss
Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO verzichtete die Anklagebehörde mit Eingabe vom
11. August 2015 auf eine Anschlussberufung und ersuchte um Dispensation von
der Teilnahme an der Berufungsverhandlung, was ihr am 19. Oktober 2015 ge-
währt wurde (Urk. 66). Der Privatkläger 3 verzichtete mit Eingabe vom 4. Sep-
tember 2015 ebenfalls auf Anschlussberufung (Urk. 67), was infolge Fristablaufs
am 20. August 2015 (Urk. 64 und Urk. 65/4; Art. 89 Abs. 2 StPO) unberücksichtigt
zu bleiben hat. Die übrigen Privatkläger liessen sich nicht vernehmen. Mit Vorla-
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dung vom 16. Oktober 2015 wurde die Berufungsverhandlung auf den 12. Januar
2016 angesetzt (Urk. 68).
Mit Beschluss vom 10. Dezember 2015 wurden die Akten DG100021 des Be-
zirksgerichts Winterthur i.S. Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland gegen
F._ betreffend Veruntreuung etc. als Beweismittel zu den Akten erhoben
(Urk. 72 und 74 [drei Aktentheks I-III]). Gestützt auf die beigezogenen Akten wur-
de in der Folge die Staatsanwaltschaft eingeladen, die Anklage bezüglich ND 1 zu
ergänzen resp. zu ändern, und der Termin vom 12. Januar 2016 für die Beru-
fungsverhandlung wurde abgenommen (Urk. 75). Mit Eingabe vom 8. Januar
2016 machte sie fristgerecht davon Gebrauch (Urk. 76/5; Urk. 77). Die geänderte
Anklageschrift wurde den Parteien mit Beschluss vom 11. Januar 2016 zugestellt
(Urk. 78). Innert der angesetzten Frist äusserten sich der amtliche Verteidiger und
der Rechtsvertreter des Privatklägers 3; Beweisanträge stellten sie keine (Urk. 79
- 82). Die Berufungsverhandlung wurde neu auf den 1. Juli 2016 angesetzt
(Urk. 68).
Zur Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte mit seinem amtlichen
Verteidiger und der Vertreter des Privatklägers 3 (Prot. II S. 6 ff.).
II. Prozessuales
1. Teilrechtskraft
1.1 Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO).
Auch wenn das Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt
es am Ende ein insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzuge-
ben hat, welche Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (Urteile des
Bundesgerichtes 6B_254/2015 vom 27. August 2015 E. 3.2 mit Hinweisen und
6B_482/2012 vom 3. April 2013 E. 5.3.).
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1.2 Der Beschuldigte hat von seiner Berufung formell nur die Dispositivziffern 2
(Freisprüche), 7 (Abweisung der Zivilforderung des Privatklägers 2) und 9 (Ver-
weis der Zivilforderung des Privatklägers 4 auf den Zivilweg) ausgenommen und
beantragt einen vollumfänglichen Freispruch unter entsprechender Regelung der
Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates (Urk. 60 S. 2; Urk. 85
S. 1). Die Staatsanwaltschaft verzichtete ausdrücklich auf einen Antrag in der Sa-
che (Urk. 66). Damit sind die Dispositivziffern 2, 7 und 9 – Letztere angesichts der
unmissverständlichen Formulierung von Ziffer 1 der Berufungserklärung ungeach-
tet der Tatsache, dass der Beschuldigte in Ziffer 3 seiner Berufungserklärung mit-
unter die vollständige Abweisung der Zivilforderung des Privatklägers 4 beantrag-
te, die mit ebendieser vorinstanzlichen Dispositivziffer 9 lediglich auf den Zivilweg
verwiesen wurde (Urk. 49 S. 80) – des vorinstanzlichen Urteils von allen Parteien
unangefochten geblieben, so dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang
rechtskräftig geworden ist, was vorab mit Beschluss festzustellen ist.
III. Schuldpunkt – eingeklagter Sachverhalt
A. Grundsätze der Beweiswürdigung und Beweismittel
1. Da der Beschuldigte die Anklagesachverhalte bezüglich der Anklagepunkte
ND 1 (Veruntreuung), ND 3 (Veruntreuung) und ND 4 (Veruntreuung) auch im Be-
rufungsverfahren bestreitet respektive bestreiten lässt (Urk. 60; Prot. II S. 12 ff.;
Urk. 85 S. 2 ff.), ist nachfolgend aufgrund der vorhandenen Beweismittel zu prü-
fen, ob sich der im Berufungsverfahren zu beurteilende Anklagesachverhalt
rechtsgenügend erstellen lässt.
2.1 Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten, ist der Sachver-
halt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argu-
mente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus
Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime "in
dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten,
dass der einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (BGE 137 IV 219,
E. 7.3. mit Hinweisen; BGE 127 I 38, E. 2a; Urteile des Bundesgerichts
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6B_617/2013 vom 4. April 2014 E. 1.2. und 6B_116/2016 vom 1. Juni 2016
E. 1.2). Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der
verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbe-
standselemente nachzuweisen (Niklaus Schmid, Handbuch des schweizerischen
Strafprozessrechts, 2. A., Zürich/St. Gallen 2013, N 216) und nicht der Beschul-
digte seine Unschuld (BGE 127 I 38, E. 2a). Als Beweiswürdigungsregel besagt
die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Be-
schuldigten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objekti-
ver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob
sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE 138 V 74, E. 7; BGE 128 I 81, E. 2
mit Hinweisen). Die Überzeugung des Richters muss auf einem verstandesmäs-
sig einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter
nachvollziehbar sein (Hauser/Schweri/ Hartmann, Schweizerisches Strafprozess-
recht, 6.A. Basel 2006, § 54 Rz 11 ff.).
2.2 Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind die-
se frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher Umstände, die
sich aus den Akten und den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche
Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt
der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben er-
folgten. Nach neueren Erkenntnissen kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit der
befragten Person kaum mehr Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahr-
heitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkre-
ten Aussagen, welche durch eine methodische Analyse ihres Inhaltes darauf zu
überprüfen sind, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben ei-
nem tatsächlichen Erleben des Befragten entspringen. Damit eine Aussage als
zuverlässig gewürdigt werden kann, ist sie insbesondere auf das Vorhandensein
von Realitätskriterien und umgekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen zu
überprüfen. Dabei wird zunächst davon ausgegangen, dass die Aussage gerade
nicht realitätsbegründet ist, und erst wenn sich diese Annahme (Nullhypothese)
aufgrund der festgestellten Realitätskriterien nicht mehr halten lässt, wird ge-
schlossen, dass die Aussage einem wirklich Erlebten entspricht und wahr ist
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(BGE 133 I 33 E. 4.3. mit Hinweisen; Niklaus Ruckstuhl/Volker Dittmann/Jörg
Arnold, Strafprozessrecht, Zürich - Basel - Genf 2011, § 9 N 505).
Die wichtigsten Realitätskriterien sind dabei die "innere Geschlossenheit" und
"Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehensablaufs", "konkrete und an-
schauliche Wiedergabe des Erlebnisses" sowie die "Schilderung des Vorfalles in
so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten ist, der den
Vorfall selber miterlebt hat", "Kenntlichmachung der psychischen Situation von
Täter und Zeuge bzw. unter Mittätern", "Selbstbelastung oder unvorteilhafte Dar-
stellung der eigenen Rolle", "Entlastungsbemerkungen zugunsten des Beschul-
digten" und "Konstanz der Aussage bei verschiedenen Befragungen, wobei sich
aber sowohl Formulierungen als auch die Angaben über Nebenumstände verän-
dern können" (Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozessrecht mit Be-
rücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316; Bender/Nack/Treuer, Tat-
sachenfeststellung vor Gericht, Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Verneh-
mungslehre, 3. A. München 2007, N 310 ff.). Andererseits sind wie erwähnt auch
allfällige Phantasiesignale zu berücksichtigen. Als Indizien für falsche Aussagen
gelten "Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen",
"Zurücknahme oder erhebliche Abschwächungen in den ursprünglichen Anschul-
digungen", "Übersteigerungen in den Beschuldigungen im Verlaufe von mehreren
Einvernahmen", "unklare, verschwommene oder ausweichende Antworten" sowie
"gleichförmig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussagen". Als allgemeine Phan-
tasiesignale nennen Bender/Nack/Treuer die "Schwarz-Weiss-Malerei", die "Ver-
armung der Aussage", das "Flucht- und Begründungssignal" und die "behauptete
Akzeptanz gegenüber bezweifelbaren Rechtsverkürzungen", wobei weiter festge-
halten wird, den "Phantasiebegabten" falle es ganz allgemein leichter, von eige-
nen Aussagen und Aktivitäten zu berichten, als die Antworten und Reaktionen der
Gegenseite zu erfinden. Wenn das eine oder andere Phantasiesignal auftritt,
braucht die Aussage nicht verworfen zu werden. Es ist dann aber eine ausrei-
chende Zahl von erstklassigen Realitätskriterien zu fordern. Bei häufigem Auftre-
ten von Phantasiesignalen sollten an die Zahl und Qualität der Realitätskriterien
strenge Anforderungen gestellt werden, damit eine Aussage als zuverlässig ein-
gestuft werden kann (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 427 ff. und N 350 ff.).
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2.3 Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein
indirekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen,
die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu
beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl
von Indizien, welche für sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf
die Täterschaft oder die Tat hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des
Andersseins offen lassen, können einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer
Gesamtheit ein Bild erzeugen, das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel be-
stehen lässt, dass sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Das ist mithin auch der
Fall, wenn sich die als belastend gewerteten Indizien zu einer Gewissheit verdich-
ten, welche die ausser Acht gelassenen entlastenden Umstände als unerheblich
erscheinen lassen (Urteil des Bundesgerichts 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014
E. 3.3. mit Hinweisen).
2.4 Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel keine Anwen-
dung, wenn der Beschuldigte eine ihn entlastende Behauptung aufstellt, ohne
dass er diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt nämlich in-
soweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene Schutz-
behauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis wider-
legt werden muss (Niklaus Schmid, Praxiskommentar, a.a.O., Art. 10 N 2a; BSK
StPO-Tophinke, 2. Aufl. Basel 2014, Art. 10 N 21).
2.5 Aufgabe des Richters ist es demzufolge, seinem Gewissen verpflichtet, in
objektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von ei-
nem bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an des-
sen Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 Abs. 3 StPO; Max Guldener, Be-
weiswürdigung und Beweislast, S. 7; BGE 124 IV 88, 120 1a 31 E. 2c). Es liegt in
der Natur der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Si-
cherheit in der Beweisführung erreicht werden kann. Daher muss es genügen,
dass das Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist. Bloss ab-
strakte oder theoretische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche
immer möglich sind (BGE 138 V 74 E. 7 mit Hinweisen). Es genügt, wenn ver-
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nünftige Zweifel an der Schuld ausgeschlossen werden können. Hingegen darf
ein Schuldspruch nie auf blosser Wahrscheinlichkeit beruhen.
3. Zusätzlich zu den von der Vorinstanz korrekt aufgeführten Beweismitteln
(vgl. Urk. 59 S. 9 [ND1], S. 29 f. [ND 3], S. 36 [ND 4]) liegen die Akten des Be-
zirksgerichts Winterthur im Strafverfahren DG100021 in Sachen Staatsanwalt-
schaft Winterthur/Unterland gegen F._ betreffend Veruntreuung etc. im
Recht (Urk. 74).
4. Auf die Argumente des Beschuldigten bzw. der Verteidigung und der Vertre-
tung der Privatklägerin zur Sache ist im Rahmen der nachstehenden Erwägungen
einzugehen. Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, dass die Be-
hörde die Vorbringen des von einem Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffe-
nen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Entscheidfindung berücksichtigt.
Nicht erforderlich ist, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann
sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Es müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde
hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1.;
BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2; je mit Hinweis).
B. Anklagepunkt ND 1 (Veruntreuung)
1. Anklagesachverhalt
1.1 Der Anklagepunkt des ND 1 betrifft Handlungen des Beschuldigten als Ge-
schäftsführer mit Einzelzeichnungsberechtigung für die G._ GmbH, Zürich,
bezüglich des Mercedes-Benz R 320 CDI, Stamm-Nr. ..., Chassis-Nr. ..., 1. In-
verkehrsetzung 18.05.2006. Der Beschuldigte hatte im Januar 2005 die G._
GmbH mit einem Stammkapital von Fr. 20'000.– gegründet (Eintragung im Han-
delsregister am 14. Januar 2005), wobei er immer als einziger über eine Einzelun-
terschriftsberechtigung verfügte. Über die Firma wurde am 22. März 2011 der
Konkurs eröffnet, woraufhin sie nach Einstellung des Konkurses mangels Aktiven
am 14. August 2012 im Handelsregister gelöscht wurde (Urk. 71).
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1.2 Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 28. Oktober 2014
(Urk. 23 S. 2 f.) im Wesentlichen vorgeworfen, das von ihm geleaste Fahrzeug
während des mit der H._ Leasing, resp. deren Rechtsnachfolgerin, der
B._ AG, laufenden Leasingvertrages zu einem unbekannten Preis an I._
verkauft zu haben, welcher das Fahrzeug am 28. September 2006 auf seinen
Namen einlöste. Nach Beendigung des Leasingvertrages sei das Fahrzeug weder
der Leasinggeberin zurückgegeben worden noch sei es gemäss Restwertofferte
aus dem Leasingvertrag ausgekauft worden.
1.3 In der mit Eingabe der Staatsanwaltschaft vom 8. Januar 2016 hinsichtlich
ND 1 geänderten und nunmehr massgeblichen Anklage (vgl. Urk. 77 S. 1 f.) wird
dem Beschuldigten zusammengefasst das Folgende vorgeworfen:
Obschon der mit der H._ Leasing über den genannten Mercedes-Benz R 320
CDI geschlossene Leasingvertrag Nr. ... am 31. Mai 2010 geendet habe, habe
der Beschuldigte vertragswidrig weder das Fahrzeug zurückgegeben noch es
gemäss Restwertofferte des Leasinggebers zurückgekauft, sondern stattdessen
unerlaubterweise über das Fahrzeug verfügt, wodurch er sich mindestens im Um-
fang des vereinbarten Restwertes bereichert habe.
2. Sachzusammenhang mit dem Strafverfahren DG100021 i. S. Staatsanwalt-
schaft Winterthur/Unterland gegen F._ betreffend Veruntreuung etc.
Da die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland gegen den im vorliegenden
Sachverhalt vorkommenden und als Auskunftsperson befragten F._ (Urk. ND
1/3/3), welcher mit dem Beschuldigten im vorliegenden Verfahren nicht verwandt
ist (Urk. ND 1/3/2 S. 2), ein separates Strafverfahren betreffend Veruntreuung etc.
geführt hatte (vgl. Urk. 74, Beizugsakten) und je separat Anklage erhoben wurde,
drängt es sich für das Verständnis des Gesamtzusammenhangs auf, vorab die
Beziehungen der Beteiligten und den zeitlichen Bezug kurz darzulegen:
F._ war vom 1. April 1998 bis zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses per
30. April 2008 bei der J._ AG als Verkaufsberater/Autoverkäufer angestellt
(Urk. ND 1/3/2 S. 1 f., S. 4 [Beschuldigter]; Urk. 74 act. 1 S. 3 [Strafanzeige der
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J._ AG gegen F._]; Urk. 74 act. 6 S. 4 [K._, Geschäftsleiter der
J._ AG]; Urk. 74 act. 14 S. 3 [F._]; Urk. 74 act. 40 S. 2 [Anklage]). Ge-
stützt auf die Strafanzeige der J._ AG vom 1. September 2008 wurden die
Ermittlungen gegen F._ betreffend Veruntreuung etc. aufgenommen (Urk. 74
act. 1 und 4), in deren Verlauf F._ am 12. November 2008 festgenommen
wurde und bis am 19. Mai 2009 in Untersuchungshaft blieb (Urk. 74 act. 40 S. 1
[Anklage]). Gemäss Schlussbericht der Kantonspolizei Zürich vom 14. April 2009
hatte F._ bei neun Fahrzeugen fingierte Kaufverträge erstellt und zugege-
ben, dass er den Verkaufserlös zur Tilgung von Schulden verwendet hatte
(Urk. 74 act. 12 S. 5 ff.). Gestützt auf die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland vom 19. März 2010, die F._ Veruntreuung in 19 Fällen,
Urkundenfälschung in sieben Fällen und Betrug in einem Fall, jeweils im Zusam-
menhang mit Autoverkäufen, vorwarf (Urk. 74 act. 40), wurde F._ sodann
vom Bezirksgericht Winterthur mit (unbegründetem) Urteil vom 23. Juni 2010
rechtskräftig der mehrfachen Veruntreuung, der mehrfachen Urkundenfälschung
und des Betruges schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 30 Mona-
ten bestraft, wobei der Vollzug im Umfang von 24 Monaten aufgeschoben und die
Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt wurde (Urk. 74 act. 56 S. 2 und act. 62; Urk.
69/1).
Der im vorliegenden Verfahren relevante Mercedes-Benz R 320 CDI, Stamm-Nr.
..., Chassis-Nr. ..., 1. Inverkehrsetzung 18.05.2006, war ebenfalls Gegenstand
des Untersuchungsverfahrens gegen F._ (Urk. 74 act. 14 S. 3 f. [dort zu ND
3]), wie dieser in seiner Befragung vom 17. September 2012 bezüglich des vorlie-
genden Verfahrens bestätigte (Urk. ND 1/3/3). Schliesslich wurde jedoch das
Strafverfahren bezüglich des damaligen Nebendossiers 3 eingestellt (Urk. 74
act. 36). Dennoch sind die im dortigen Verfahren deponierten Aussagen und er-
mittelten Unterlagen bezüglich des fraglichen Mercedes Benz R 320 CDI für das
vorliegende Verfahren von Bedeutung, wie nachfolgend zu zeigen sein wird.
3. Unbestrittener Sachverhalt
Unbestritten und gemäss Untersuchung erstellt ist folgender Sachverhalt bezüg-
lich des Mercedes-Benz R 320 CDI, Stamm-Nr. ..., Chassis-Nr. ..., 1. Inverkehr-
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setzung 18.05.2006, was der Übersichtlichkeit halber zunächst schematisch auf-
gezeigt wird (vgl. Urk. ND 1//1; Urk. ND 1/2/3; Urk. ND 1/2/5/2-7; Urk. ND 1/3/5
Blätter 2-9):
Der obgenannte Mercedes-Benz R 320 CDI wurde gemäss Rechnung vom
27. Januar 2006 gleichentags von der ... Schweiz AG gegen einen Kaufpreis von
Fr. 102'446.95 an die J._ AG geliefert (Urk. ND 1/3/5 Blätter 8 und 9
["RECHNUNG"]; Urk. ND 1/3/3 S. 1 f.; Urk. 74 act. 14 [F._]). Wie und unter
welchen Umständen das Fahrzeug anschliessend in die Verfügungsgewalt des
Beschuldigten, resp. der G._ GmbH, Zürich, geriet, wird im vorliegenden Ver-
fahren zu klären sein. Jedenfalls schloss die G._ GmbH am 17. Mai 2006 mit
der H._ Leasing in Zürich als Eigentümerin des Fahrzeugs einen Kaufvertrag
mit Rückübernahmeverpflichtung über besagten Mercedes-Benz R 320 CDI
gleichzeitig und unter Bezug auf den Leasingvertrag Nr. ... vom gleichen Tag
über dasselbe Fahrzeug mit der H._ Leasing Zürich ab, wobei der Kaufpreis
inklusive Mehrwertsteuer auf Fr. 117'000.– und die Leasingraten auf Fr. 2'615.05,
beginnend am 1. Juni 2006, endend am 31. Mai 2010, festgelegt wurden (Urk. ND
1/2/1-3; Sale and lease back). Entsprechend stellte die G._ GmbH der
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H._ Leasing den Kaufpreis am 18. Mai 2006 in Rechnung (Urk. ND 1/2/4),
welchen letztere fristgemäss bezahlte (Urk. ND 1/1 S. 7). Die Leasingraten wur-
den der H._ Leasing resp. ihrer Rechtsnachfolgerin, der B._ AG, bis
zum 16. September 2009 bezahlt, so dass bei Vertragsende Fr. 8'522.80 ausste-
hend waren (Urk. ND 1/1 S. 6; Urk. ND 1/2/8/1-3; Urk. ND 1/2/9). Mittels einge-
schriebenem Brief vom 23. September 2010 forderte die B._ AG als Lea-
singgeberin und Eigentümerin des fraglichen Leasingfahrzeuges den Beschuldig-
ten bzw. die G._ GmbH auf, den Mercedes-Benz R 320 CDI infolge Ablaufs
des Leasingvertrages ... und des nicht erfolgten Auskaufs zum Restwert (Urk. ND
1/2/9) am 30. September 2010 vertragsgemäss zurückzugeben (Urk. ND 1/2/10),
was aber nicht geschah.
Gemäss Halterauskunft war besagter Mercedes-Benz R 320 CDI vom 18. bis
22. Mai 2006 auf die Firma L._ AG, Dübendorf, als Halter eingelöst, vom 22.
Mai 2006 bis 26. September 2006 auf die G._ GmbH und vom
28. September 2006 bis 3. April 2007 auf I._ (Urk. ND 1/2/5/4-7).
Gemäss dem Übergabeprotokoll zum Leasing-Vertrag Nr. ... zwischen der ... Fi-
nancial Services Schweiz AG, Schlieren, und der M._ AG, Zug, wurde be-
sagter gleicher Mercedes-Benz R 320 CDI mit derselben Stamm- und Chassis-
Nummer am 5. April 2007 der Leasingnehmerin, der M._ AG, vom Lieferan-
ten, der J._ AG, übergeben (Urk. ND 1/3/5 Blatt 2). Dafür stellte die J._
AG der Leasinggeberin, der ... Financial Services Schweiz AG, mit Datum vom
10. April 2007 Rechnung über Fr. 117'200.– inklusive Mehrwertsteuer (Urk. ND
1/3/5 Blätter 3-5), über welchen Betrag eine Gutschrift der J._ AG vom 11.
Mai 2007 in den Akten liegt, die aber nicht gestempelt ist (Urk. ND 1/3/5 Blatt 6).
Gemäss Halterauskunft wurde der Mercedes-Benz R 320 CDI vom 3. April 2007
bzw. 9. Juli 2007 bis 4. Dezember 2007 auf die M._ AG, Zug, als Halter ein-
getragen (Urk. ND 1/2/5/2-3 und Urk. ND 1/3/5 Blatt 10).
Schliesslich liegt von der G._ GmbH eine Rechnung über einen Verkaufs-
preis von Fr. 98'286.65 (inkl. MwSt.) bezüglich des fraglichen Mercedes-Benz R
- 17 -
320 CDI an die J._ AG, Herrn F._, vom 13. April 2007 im Recht, welche
den Stempel "GEBUCHT 10. Mai 2007" trägt (Urk. ND 1/3/5 Blatt 7).
4. Argumente der Verteidigung
Die Verteidigung wendet gegen den Schuldspruch durch die Vorinstanz im We-
sentlichen ein, der Beschuldigte habe zwar den Leasingvertrag mit der H._
Leasing im Namen der G._ GmbH abgeschlossen, jedoch grundsätzlich als
Gefallen für F._. Diesem habe er auch das Fahrzeug zur Verfügung gestellt,
um einen Käufer zu finden, da F._ für eine Mercedes-Garage gearbeitet ha-
be, wohingegen der Beschuldigte vor allem mit US-Importen gehandelt habe. Die
Leasingraten seien von F._ und – wie sich für den Beschuldigten erst später
herausgestellt habe – von I._ übernommen worden. Dieser sei am 28. Sep-
tember 2006 als neuer Halter eingetragen worden, jedoch habe der Beschuldigte
vom Verkauf des Fahrzeugs keine Kenntnis gehabt. Der Beschuldigte habe zum
Zeitpunkt des Verkaufs des Fahrzeugs auch keinen Besitz am Fahrzeug gehabt,
da dieses vereinbarungsgemäss bei F._ gestanden sei und er habe F._
auch den Fahrzeugausweis übergeben (Urk. 60 S. 4 und S. 7; Urk. 85 S. 2).
F._ habe das Fahrzeug an I._ verkauft, anstatt diesen Kaufinteressen-
ten dem Beschuldigten zwecks Auskaufs aus dem Leasing zu melden. Die Vor-
instanz interpretiere I._s Aussagen willkürlich, wenn sie davon ausgehe,
F._ habe I._ das Fahrzeug nur vermittelt (Urk. 60 S. 5 f.). F._ habe
dem Beschuldigten gegenüber bestätigt, dass er das Fahrzeug ausgekauft habe
und der Beschuldigte habe zum damaligen Zeitpunkt nicht davon ausgehen müs-
sen, dass das nicht zutreffe, denn ihm sei erst nach den ganzen Geschäftskontak-
ten mit F._ zugetragen worden, dass dieser wegen mehrerer "Autogeschich-
ten" vor Gericht habe gehen müssen. Ohne Kenntnis dieser Strafverfahren sei
nun aber unklar, ob die Vorinstanz den Beschuldigten für dasselbe Delikt verurtei-
len wolle, wie F._ als tatsächlicher Täter mutmasslich bereits selber verurteilt
worden sei (Urk. 60 S. 6 f.). Ausserdem habe auch keine Bereicherungsabsicht
seitens des Beschuldigten bestanden, habe er doch keinen Nutzen aus dem Lea-
singvertrag gezogen, sondern habe F._ nur einen Gefallen getan (Urk. 60
S. 7; Urk. 85 S. 2 f.).
- 18 -
5. Beweiswürdigung und Sachverhaltserstellung
Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten (Urk. ND 1/3/2; Urk. 7 S. 2;
Urk. 8 S. 2 f.; Prot. I S. 15-18) und jene der als Auskunftspersonen befragten
F._ (Urk. ND 1/3/3) und I._ (Urk. ND 1/3/1 S. 4 f.) korrekt wiedergege-
ben, so dass vorab – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – auf die dies-
bezüglichen vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden kann (Urk. 59 S. 10-
12; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.1 Bezüglich der Prüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen dieser direkt betei-
ligten Auskunftspersonen und des Beschuldigten selbst drängen sich allerdings
folgende Bemerkungen auf, da die Beziehung der drei Protagonisten untereinan-
der im konkreten Geschäft mit dem Mercedes-Benz R 320 CDI (Beschuldigter,
F._, I._) näher zu beleuchten ist. Zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit ih-
rer Aussagen ist dabei soweit irgendwie möglich auf objektive Anhaltspunkte und
auf Aussagen von nicht unmittelbar beteiligten, jedenfalls nicht oder weniger be-
lasteten, Drittpersonen abzustellen, da die Aussagen aller drei Protagonisten kri-
tisch und mit Vorsicht zu würdigen sind, wie die Vorinstanz zutreffend erwog (Urk.
59 S. 12 f.).
5.2 Gemäss der im Strafverfahren gegen F._ in Bezug auf den fraglichen
Mercedes-Benz R 320 CDI befragten Auskunftsperson N._, Mitarbeiter der
... Financial Services Schweiz AG – ehemals ... Financial Services Schweiz AG –
, löste seine Firma das Leasing (Vertrag vom 10. April 2007; vgl. Urk. ND 1/3/5
Blätter 3-6) im Oktober 2007 auf, nachdem die O._ AG, ... [Ort], Unstimmig-
keiten betreffend den Kilometerstand des Autos festgestellt hatte. I._ habe
am 5. Februar 2008 ein Email an F._ geschickt, worin er bestätigt habe, dass
er das Fahrzeug mit +/- 10'000 km übernommen habe (vgl. Urk. 74 act. ND 3/9/12
= Urk. ND 1/3/5 Blatt 1). Bei diesem Herrn I._ hätten sie sodann das Auto
auch sicherstellen können (Urk. 74 act. ND 3/8 S. 4 f.). Auf die Frage, ob er wisse,
wer das Fahrzeug gelenkt habe, gab die Auskunftsperson N._ an, laut Anga-
be des Verwaltungsrates P._ der Firma M._ AG, Zug, habe das Fahr-
zeug bei einem Herrn Q._, Emmenbrücke, sein sollen. Dieser habe jedoch
- 19 -
angegeben, dass das Fahrzeug von einem Rechtsanwalt I._, ... [Ort], ge-
lenkt werde (Urk. 74 act. ND 3/8 S. 5 f.).
5.3 Seine glaubhaften Aussagen belegte die Auskunftsperson N._ sodann
mit diversen Unterlagen, namentlich dem Email der von seiner Firma beauftragten
R._ Inkasso GmbH an ihre Mitarbeiterin S._ vom 23. Oktober 2007, wo-
nach das Fahrzeug aus dem Leasingvertrag 655'089 damals aktuell von Herrn
I._ gefahren worden war (Urk. 74 act. ND 3/9/7-9). Aus dem Fahrzeugüber-
gabeprotokoll der ... Financial Services Schweiz AG geht hervor, dass der Mer-
cedes-Benz R 320 CDI am 30. Oktober 2007 von der Leasinggeberin mit ca.
88'000 km zurückgenommen wurde (Urk. 74 act. ND 3/9/9).
5.4 Der in seiner Funktion als Geschäftsleiter / Verkauf-Marketing der J._
AG im von ihm via Strafanzeige initiierten Verfahren gegen F._ als Aus-
kunftsperson befragte K._ (Urk. 74 act. 2/1, act. 6 S. 1 und act. 9 S.1) gab
an, dass sie das Fahrzeug hätten zurücknehmen müssen, nachdem die ... Finan-
cial Leasingfirma betreffend Unstimmigkeiten wegen des Kilometerstandes auf sie
zugekommen sei. Weil F._ falsche Angaben hinsichtlich des Kilometerstan-
des gemacht habe, hätten sie einen Schaden von ca. Fr. 35'000.– erlitten (Urk. 74
act. 9 S. 14). K._ bezeichnete I._ als "Pseudoanwalt von F._".
I._ habe der J._ AG gedroht, TeleTop und RadioTop mitzuteilen, wie sie
mit ihren Mitarbeitern umgehen würden, wenn sie gegen F._ Anzeige erstat-
ten würden (Urk. 74 act. 9 S. 11).
5.5 Diese ebenfalls plausible Aussage passt zu dem der Strafanzeige beigeleg-
ten Email von I._ an die Herren K._ vom 3. April 2008, das in den bei-
gezogenen Akten des Strafverfahrens gegen F._ vorliegt (Urk. 74 act. 3/20).
Darin bezeichnete I._ F._ als seinen "Freund". Weiter wies er darauf
hin, dass er selbst in dieser Sache "gut orientiert" sei. Insgesamt versuchte er mit
einer "kurzen und schonungslosen Analyse der Situation" und einer vorgeschla-
genen Mehrpunktevereinbarung die J._ AG von einer Strafanzeige gegen
F._ abzuhalten. Als erstes verlangte er, es müsse sichergestellt werden,
dass F._ überhaupt wirtschaftlich weiter funktionieren könne, und forderte
weiter eine Schweigepflicht und die ausdrückliche Zusage, dass F._ weiter-
- 20 -
hin über Drittfirmen mit Fremdmarken handeln dürfe. Angesichts des Umfangs der
Delikte, die Gegenstand der damaligen Strafanzeige waren (Urk. 74 act. 2/1 und
13 [Deliktsverzeichnis]), zeigt dieses Email deutlich auf, dass I._ F._ als
Freund unterstützen wollte und dabei keine neutrale Sicht auf die Dinge hatte.
Diese Einschätzung wird noch dadurch verstärkt, dass I._ offensichtlich
selbst durch die Machenschaften seines Freundes tangiert wurde, war dieser
doch unter dem Besitzer "I._" mit einen Fehlbetrag von Fr. 18'272.75 für ei-
nen E 320 unter dem Datum vom 23. Februar 2006 auf der Zusammenstellung
der Autoverkäufe durch F._ aufgelistet. Gemäss dieser Liste hatte F._
nach eigenen Angaben den Betrag selbst einkassiert, statt ihn seinem Arbeitge-
ber abzuliefern (Urk. 74 act. 3/12; auch Urk. 74 ND 3/2 S. 1 f.).
K._ sagte alsdann bezüglich dieses Fehlbetrages als Auskunftsperson aus,
mit I._ sei eine Zahlungsvereinbarung gemacht worden. I._ habe zudem
behauptet, das Auto sei ihm gestohlen worden, wobei er (I._) keine Anzeige
erstattet habe. Er werde sich aber bemühen, den Restbetrag zurückzuzahlen
(Urk. 74 act. 9 S. 11 f.).
5.6 I._ hat gegenüber dem ermittelnden Polizeibeamten gemäss Polizei-
rapport vom 18. September 2012 angegeben, er habe den Mercedes über einen
F._ vermittelt bekommen und er habe das Fahrzeug, das in einem Leasing-
vertrag gewesen sei, ebenso übernommen wie die Zahlung der Leasingraten
(Urk. ND 1/3/1 S. 5). Diese Angaben sind an sich nicht unglaubhaft. Im Strafver-
fahren gegen F._ erschien die Auskunftsperson I._ allerdings zur Befra-
gung als Zeuge nicht und schickte auch kein Arztzeugnis ein, welches die Verhin-
derung an der Teilnahme hätte bestätigen können (Urk. 74 act. ND 3/11; vgl. auch
Urk. 74 act. 36 S. 2 f.).
Weiter liegt das bereits zitierte Email von I._ an die J._, F._, vom 5.
Februar 2008 in den Akten, in welchem I._ ausdrücklich bestätigt, den Mer-
cedes R 320 seinerzeit mit einem Kilometerstand von +/- 10'000 km übernommen
und seinerseits gut 80'000 km zurückgelegt zu haben (Urk. 74 act. ND 3/9/12 =
Urk. ND 1/3/5 Blatt 1).
- 21 -
5.7 Die Auskunftsperson F._ erklärte als Beschuldigter im gegen ihn selber
geführten Strafverfahren wegen Veruntreuung gegenüber der Polizei am
9. Februar 2009 zunächst widersprüchlich, der Mercedes-Benz R 320 CDI sei –
soviel er wisse – zwischen der 1. Inverkehrsetzung und dem 10. April 2007 (d.h.
dem Verkauf an ... Financial Services Schweiz AG) von keiner Person gelenkt
worden, obwohl er zuvor als Fahrer dieses Autos klar I._ bezeichnet hatte
(Urk. 74 act. ND 3/4 S. 1 f.). Darauf angesprochen, das Fahrzeug sei vom
28. September 2006 bis 3. April 2007 von I._ benützt worden, wollte er hier-
von indessen nichts wissen (Urk. 74 act. ND 3/4 S. 2). Solch schwankendes Aus-
sageverhalten wirkt alles andere als zuverlässig. Abklärungen rund um I._
wollte F._ offensichtlich ausweichen (siehe auch nachfolgende Erwägungen),
was umgekehrt auch aus I._s Auftreten hervorgeht.
Überdies gab er auf Vorhalt des Fahrzeughalters L._ AG, Dübendorf, an,
dass das Fahrzeug auf diesen Namen wegen des Flottenrabatts eingelöst worden
sei. In seinem eigenen Strafverfahren hatte er anschaulich und plausibel darge-
legt, dass er das öfters so handhabte, obwohl das Fahrzeug für einen andern
Kunden vorgesehen gewesen war (Urk. 74 act. 10/5 S. 2 und act. 14 S. 21 f.).
Auch angesichts der Tatsache, dass es sich bei dieser Firma um eine Kundin von
F._ bei der J._ AG handelte, die ihre Fahrzeuge dort in den Service zu
geben pflegte, sowie der vielschichtigen engen Beziehung von F._ zu einer
Mitarbeiterin der L._ AG (vgl. Urk. 74 act. 7 S. 7 und S. 21-23; Urk. 74 act.
25/7), erweist sich diese Begründung als nachvollziehbar, zumal die Firma gerade
mal während 4 Tagen als Halter eingetragen war. Ausserdem hält der Leasingver-
trag zwischen der G._ GmbH und der H._ Leasing einen massgeblichen
Kilometerstand von 100 fest (Urk. ND 1/2/1-2), was ein weiteres Indiz dafür dar-
stellt, dass es sich beim fraglichen Mercedes um einen Neuwagen handelte, der
wohl anschliessend an I._ übergeben worden war.
Die G._ GmbH habe anschliessend das Auto gekauft und auch bezahlt, so
F._ weiter. Die J._ AG habe dann das Auto wieder zurückgekauft, und
zwar mit einem Gewinn von Fr. 9'000.–. Anschliessend hätten sie es an die
M._ AG verkauft (Urk. 74 act. ND 3/4 S. 2). Die Anschlussfrage, dann habe
- 22 -
er ja das Auto von I._ übernommen, verneinte F._ allerdings und wich
bezüglich der Nutzung des Mercedes-Benz durch I._ wiederum aus (Urk. 74
act. ND 3/4 S. 3). Einen Monat später, am 17. März 2009, räumte er dann aber
ein, gewusst zu haben, dass das Auto von I._ benützt wurde. Er habe jedoch
bei Vertragsunterzeichnung (Leasingvertrag der ... Financial Services Schweiz
AG mit der M._ AG; vgl. Urk. ND 1/3/5 Blätter 3-6) nicht gewusst, dass
I._ mit dem Auto 80'000 km fahren würde (Urk. 74 act. 11/5 S. 4 = Urk. 74
act. ND 3/5 S. 4).
Gegenüber der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland sagte F._ am
23. April 2009 im gegen ihn geführten Strafverfahren schliesslich aus, er nehme
an, I._ sei vor dem Leasingvertrag mit der M._ AG Besitzer des Merce-
des-Benz R 320 CDI gewesen und habe das Fahrzeug gefahren und ihm im Zu-
sammenhang mit dem Leasingvertrag mit der M._ AG den Kilometerstand
von 5'000 angegeben (Urk. 74 act. 14 S. 3 f. und S. 7 f.). Die J._ AG habe
ursprünglich das Fahrzeug vom Importeur gekauft und zwecks Erhältlichmachung
des Flottenrabatts auf die L._ AG eingelöst. Dann habe man das Fahrzeug
der G._ GmbH verkauft, welche es dann nicht mehr gewollt habe, und dann
sei die M._ gekommen, der man das Auto habe verleasen können (Urk. 74
act. 14 S. 9).
Als Auskunftsperson im vorliegenden Verfahren gegen den hiesigen Beschuldig-
ten gab F._ bezüglich des fraglichen Mercedes-Benz R 320 CDI auf die
meisten Fragen an, er wisse nichts (mehr) darüber (Urk. ND 1/3/3 S. 1 ff.). Er
brachte zur Befragung jedoch die – schon mehrfach zitierten – Unterlagen bezüg-
lich dieses Fahrzeuges mit und reichte diese ein (Urk. ND 1/3/3 S. 3; Urk. ND
1/3/5 Blätter 1-10). Zur Rechnung der G._ GmbH an die J._ AG vom
13. April 2007 über einen Verkaufspreis von Fr. 98'286.65 (Urk. ND 1/3/5 Blatt 7)
für das besagte Fahrzeug führte er aus, der Betrag sei von der J._ AG an die
G._ GmbH überwiesen und die Zahlung am 10. Mai 2007 verbucht worden.
Auf die Frage, wie das Fahrzeug damals zur J._ AG gekommen sei, erklärte
er einerseits, dies nicht mehr sagen zu können, doch mit Vorbehalt denke er,
dass es danach noch immer bei I._ gewesen und auch von diesem benützt
- 23 -
worden sei (Urk. ND 1/3/3 S. 3). Er verneinte, Kenntnis darüber gehabt zu haben,
dass das Fahrzeug von der G._ GmbH geleast worden sei, fügte aber auf
den Vorhalt, das Fahrzeug sei gemäss dem Beschuldigten für ihn (F._) ge-
least worden, an, er sei nie im Besitz des R 320 gewesen und er "denke" heute,
wenn I._ den Wagen schon so früh gehabt habe, dass dieser dann auch für
die Leasingraten aufgekommen sei. Er gehe nicht davon aus, dass man ihm ein
Fahrzeug gratis geben würde. Die Frage, ob er selber jemals eine Rechnung der
Firma G._ GmbH für eine oder mehrere Leasingraten erhalten habe, beant-
wortete er mit "Das weiss ich nicht" (Urk. ND 1/3/3 S. 4), womit er es auch nicht
bestritt. Auf die gegen ihn selbst durchgeführte Strafuntersuchung angesprochen
räumte F._ sodann ein, sechs Monate bis Mai 2009 in Haft gewesen zu sein.
Dem Beschuldigten gegenüber habe er sicher nicht erzählt, dass er wegen Auto-
geschichten habe vor Gericht gehen müssen (Urk. ND 1/3/3 S. 4). Am Schluss
der Befragung gab F._ zu Protokoll, er wisse es nicht, aber es sei vielleicht
so, dass der Beschuldigte ihm einmal ein Couvert für Herrn I._ mitgegeben
habe, aber er sei sich einfach nicht mehr sicher (Urk. ND 1/3/3 S. 5). Damit deutet
er an, als Bindeglied zwischen dem Beschuldigten und I._ agiert zu haben.
5.8 Gegenüber der Polizei sagte der Beschuldigte zum Ablauf betreffend Kauf
und Leasing des Mercedes-Benz R 320 CDI von allem Anfang an aus, das Auto
sei von einem F._ von der J._ AG gekommen, der ihn gebeten habe, für
dieses Auto ein Leasing zu machen, wobei er ihm versichert habe, dass er das
Fahrzeug aus dem Leasing herauskaufen wolle. Er sei das Auto wieder holen ge-
kommen mit der Begründung, er habe dafür einen Kunden. Die Abmachung sei
gewesen, dass F._ das Auto aus dem Leasing herauskaufen würde, wenn er
einen Kunden habe. Für ihn (Beschuldigten) sei die Sache damit erledigt gewe-
sen, weil auch die Raten für das Fahrzeug immer von F._ bezahlt worden
seien (Urk. ND 1/3/2 S. 1 f.). Man habe eine geschäftliche Beziehung gehabt und
– auf entsprechende Vorhalte – I._ müsse der fragliche Kunde gewesen und
der Leasingvertrag durch F._ aufgelöst worden sein, wie von diesem mehr-
mals versichert (Urk. ND 1/3/2 S. 2). Er habe lediglich aus reinem Gefallen seinen
Namen für das Leasing gegeben; selber gebraucht habe er das Fahrzeug nicht.
Wie es bei einem Leasingvertrag so sei, sei das Fahrzeug mit seinem Kontroll-
- 24 -
schild eingelöst gewesen. Aber das Fahrzeug sei nie bei ihm gestanden, gehabt
habe es immer F._. Auch sämtliche Einzahlungsscheine für das Leasing ha-
be F._ gehabt. Er habe keine Kenntnis gehabt und höre zum ersten Mal von
schleppenden Zahlungen (Urk. ND 1/3/2 S. 2 f.). Sämtliche Korrespondenz im
Zusammenhang mit dem Leasingvertrag sei gemäss klarem Auftrag an seine Mit-
arbeiter an F._ weitergeleitet worden. Ob die Korrespondenz geöffnet wor-
den sei, wisse er nicht. Jedenfalls sei alles, was mit diesem Leasing zusammen-
gehangen habe, an F._ weitergeleitet worden. In dem Moment, als dieser
ihm mitgeteilt habe, dass er einen Kunden habe, habe er gewusst, dass das
Fahrzeug verkauft worden sei. So habe er es damals von F._ vernommen,
und er betonte erneut, dass das Auto nie bei ihm gestanden sei (ND 1/3/2 S. 3 f.).
Auf die Frage, ob er sich nie gewundert habe, dass mehrfach Post der H._
bzw. B._ AG in seine Firma gekommen sei, erwiderte er, an diese Post ver-
möge er sich definitiv nicht zu erinnern. Und wenn das so sei, dann habe er es si-
cher an F._ weitergeleitet mit dem Auftrag, dies sofort zu erledigen. Ganz
klar habe er keine Kenntnis gehabt, dass nach dem Verkauf des Fahrzeuges an
einen Kunden weiterhin die Leasingraten bezahlt und auch entsprechende Mah-
nungen eingegangen und bezahlt worden seien (ND 1/3/2 S. 3 und 5). Wenn es
so sei, dann sei die Korrespondenz von seinen Mitarbeitern an F._ weiterge-
leitet worden. Er selber habe diese Korrespondenz nie gesehen. Ein Brief der
B._ vom 23. September 2010 an die G._ GmbH betreffend Fahrzeug-
rückgabe (Urk. ND 1/2/10) entziehe sich seiner Kenntnis (ND 1/3/2 S. 4 f.). Gegen
Ende der Befragung führte der Beschuldigte indessen aus, das Fahrzeug sei si-
cher bei ihnen gestanden, als die Finanzierung damals gemacht worden sei; Lie-
ferant sei aber sicher die J._ AG gewesen. Damals habe er keine Mercedes
importiert, solche seien alle von F._ gekommen (Urk. ND 1/3/2 S. 5). Er ver-
neinte, dieses Fahrzeug jemals persönlich oder durch die G._ GmbH weiter
verkauft zu haben. Das alles habe F._ in der Hand gehabt (Urk. ND 1/3/2
S. 4). Sie (der Beschuldigte und F._) hätten verschiedene schwebende Ge-
schäfte gehabt und der Mercedes sei sicher mit einem anderen Geschäft ver-
rechnet worden (Urk. ND 1/3/2 S. 5).
- 25 -
In den weiteren Befragungen bei der Staatsanwaltschaft und vor Vorinstanz ver-
wies der Beschuldigte im Wesentlichen auf seine bisherigen Aussagen, wollte
sich nicht weiter äussern oder gab – z.B. auch auf Vorhalt von durch ihn unter-
zeichneten oder an die G._ GmbH gesandten Dokumente wie Leasingver-
trag, Restwertofferte oder Mahnungen für ausstehende Leasingraten – an, sich
nicht (mehr) zu erinnern (Urk. 7; Urk. 8; Prot. I S. 15 ff.). Auf die Frage ob es zu-
treffe, dass das Fahrzeug weder zum Rückkaufswert gekauft noch zurückgege-
ben worden sei, bemerkte der Beschuldigte, er bezweifle das, könne es nicht
glauben. Denn jedes [geleaste] Fahrzeug habe einen Code 178 im Fahrzeugaus-
weis [offensichtlich gemeint den Vermerk: "Halterwechsel verboten"; vgl. Urk. ND
1/2/1/2 Allgemeine Leasingbedingungen Ziff. 1.2.; Urk. ND 1/2/5/5; ferner Urk. ND
1/3/5 Blatt 10 betreffend den Leasingvertrag ... Schweiz AG - M._ AG], der
erst gelöscht werde, wenn das Geld bezahlt worden sei (HD Urk. 7 S. 2). Entge-
gen der Ersteinvernahme (vgl. Urk. ND 1/3/2 S. 1 Frage 4) erklärte er schliesslich
vor Vorinstanz, es habe betreffend dieses Mercedes zwischen ihm und F._
keine Abmachung gegeben (Prot. I S. 17).
Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung vermochte sich der sich sichtlich in
einem schlechten gesundheitlichen Zustand befindende Beschuldigte nicht mehr
an die relevanten Geschehnisse zu erinnern. Er verwies lediglich pauschal darauf,
F._ habe alles gemacht (Prot. II S. 13).
5.9 Durchaus plausibel ist die Aussage des Beschuldigten, wonach das Fahr-
zeug gar nie, bzw. nur anfänglich im Zusammenhang mit der Finanzierung, bei
ihm gewesen sei. Dies ergibt sich aus der Halterhistorie, dem Umstand, dass
F._ im Gegensatz zum Beschuldigten in einer Mercedes Garage arbeitete
und daher einfacher einen Kunden für das Fahrzeug finden konnte als dieser, so-
wie dem engen freundschaftlichen Kontakt zwischen F._ und I._. Die
Aussage wird auch dadurch gestützt, dass der Beschuldigte den von F._ ge-
fundenen Kunden offenbar nicht kannte, sondern – wovon auszugehen ist (vgl.
nachfolgend Ziff. 5.10.1) – die Einzahlungsscheine an F._ zuhanden des
Kunden übergab, wobei das Fahrzeug von Anfang an durch I._ gefahren
wurde.
- 26 -
5.10 Für den zu beurteilenden Tatvorwurf irrelevant und daher offen gelassen
werden kann, ob das Fahrzeug von F._ verkauft und der Leasingvertrag –
wie vom Beschuldigten wiederholt versichert – durch diesen aufgelöst wurde,
womit die Sache für ihn (Beschuldigten) erledigt gewesen sei.
5.10.1 Gemäss Unterlagen der B._ AG, der Nachfolgerin der Leasinggebe-
rin H._ Leasing gegenüber der G._ GmbH, waren die vereinbarten Lea-
singraten zum Leasingvertrag Nr.... von Fr. 2'615.05 inkl. MWST betreffend den
fraglichen Mercedes-Benz R 320 CDI bis zum 16. September 2009 (Zahlungsein-
gang) weiter durch die G._ GmbH bezahlt worden (Urk. ND 1/1 S. 6 und Urk.
ND 1/2/8/1-3). Das spricht dafür, dass zu diesem Zweck die auf den Namen der
G._ GmbH ausgestellten Einzahlungsscheine verwendet wurden. Die Zah-
lungen erfolgten mehr oder weniger regelmässig. Bei Zahlungsverzögerungen
umfassten die Beträge teilweise mehrere Leasingraten einschliesslich (mehrerer)
Mahngebühren. Fraglich ist, von wem die Raten tatsächlich bezahlt wurden.
Da F._ am 12. November 2008 festgenommen worden war und bis am
19. Mai 2009 in Untersuchungshaft blieb (Urk. 74 act. 30/9 und 30/20), ergibt sich,
dass er jedenfalls als Auslöser für die Zahlung der vier Raten in dieser Zeitspanne
nicht in Frage kommt, zumal gleichzeitig auch seine Bankkonten gesperrt waren
(Urk. ND 1/3/1 S. 6 [Polizeirapport Stadtpolizei Zürich vom 18. September 2012]).
Auch darüber hinaus fehlt es an entsprechenden Hinweisen und bestand kein An-
lass für eine Begleichung durch ihn, da er das Fahrzeug selber nicht benützte.
Aufgrund der oben zitierten Aussagen drängt sich der Schluss auf, dass die Ra-
tenzahlungen durch I._ – aber nicht lückenlos (vgl. nachfolgende Ziff. 5.10.2)
– vorgenommen wurden, welcher die Einzahlungsscheine von F._ erhalten
haben muss. Die diesbezügliche Aussage des Beschuldigten betreffend Überga-
be sämtlicher Einzahlungsscheine an F._ erscheint dadurch glaubhaft. Aus-
serdem bestätigte F._ schliesslich die Darstellung des Beschuldigten zwar
etwas zögerlich, aber letztlich spontan und von sich aus und in eigenen Worten
(Übergabe eines Couverts; Urk. ND 1/3/3 S. 5), was ein Realitätskriterium dar-
stellt. Letzteres gilt auch für den Hinweis von F._, er nehme nicht an, dass
man ihm (gemeint: I._) ein Fahrzeug gratis geben würde. Ferner deckt sich
- 27 -
das mit den Angaben von F._ und den Feststellungen von N._, dass
das Fahrzeug von I._ gelenkt worden war und mit Hilfe der R._ Inkasso
GmbH bei diesem – mit Kilometerstand ca. 88'000 – auch sichergestellt werden
konnte (Urk. 74 act. 3/9/7 - 3/9/9).
5.10.2 Die Nachfrage seitens der Polizei bei der B._ AG zur Kontoverbin-
dung, über welche die Leasingraten bezahlt wurden, ergab für die drei Zahlungs-
eingänge mit Valutadatum 19. Juni 2009 (Fr. 7'845.15), 15. September 2009
(Fr. 7'895.15) und 4. Dezember 2008 (Fr. 2'615.05) als Auftraggeber die G._
GmbH und als Auslöser die ZKB ..., und zwar aufgrund der Rückverfolgung der
ESR-Referenznummern (Urk. ND 1/3/6).
Die Belastungen mit Valutadatum 19. Juni 2009 (Fr. 7'845.15) und 15. September
2009 (Fr. 7'895.15) erscheinen entsprechend in den bei der ZKB ... beigezoge-
nen Kontoauszügen für die Zeit vom 1. Juni 2009 bis 31. Dezember 2009 über
das Firmenkonto ... (IBAN ...) lautend auf die G._ GmbH. Die Beschreibun-
gen der zwei Geschäftsvorgänge lauten folgerichtig und zutreffend "H._ für
B._ AG 8810 Horgen 8070 Zürich" bzw. "B._ AG ... [Adresse]" (Urk. 39;
vgl. Urk. ND 1/2/8/1-3).
Die Ratenzahlung vom 4. Dezember 2008 in der Höhe des vereinbarten Leasing-
zinses fällt in die Zeit, als F._ inhaftiert war, und bei den Überweisungen vom
19. Juni 2009 (Fr. 7'845.15) und 15. September 2009 (Fr. 7'895.15) handelt es
sich um die zwei letzten Zinszahlungen überhaupt, welche nach der Haftentlas-
sung von F._ noch beglichen wurden. Damit ist erstellt, dass zumindest die-
se letzten zwei je zu einem grösseren Paket zusammengefassten Ratenzahlun-
gen samt Mahngebühren nachweislich durch die G._ GmbH an die Leasing-
firma überwiesen wurden. Diese Zahlungen erfolgten über die Zürcher Kantonal-
bank, welche das einzige Finanzinstitut war, zu dem die konkursite Gesellschaft
Geschäftsbeziehungen – das besagte Konto – unterhielt (vgl. die beigezogenen
Akten, Thek I, Inventar im Konkurs Nr. ... vom 25. April 2012 S. 4).
Gleichzeitig resultiert daraus, dass der Beschuldigte als Geschäftsführer und stets
einzige Person mit Einzelzeichnungsberechtigung für die G._ GmbH nicht
- 28 -
die Wahrheit gesprochen haben kann, als er dezidiert behauptete, F._ habe
die Leasingraten immer bezahlt, er selber habe keine Kenntnis gehabt von
schleppenden Zahlungen und höre zum ersten Mal davon, der Leasingvertrag
müsse durch F._ (wie durch diesen mehrmals versichert) nach dem Autover-
kauf an I._ (wie er es von F._ vernommen habe) – I._ wurde am
28. September 2006 als Halter des Fahrzeuges eingetragen – aufgelöst worden
sein (Urk. ND 1/3/2 S. 1 ff.).
Die geltend gemachte Unkenntnis ist umso unglaubhafter, als diese letzten bei-
den Zahlungen grössere Beträge einschliesslich Mahngebühren beinhalteten und
nicht bloss den einst vereinbarten monatlichen Leasingzins von Fr. 2'615.05 (vgl.
Urk. ND 1/2/1). Selbst wenn man dem Beschuldigten noch abnehmen würde,
dass seine Mitarbeiter gemäss seinem klaren Auftrag jeweils sämtliche Korres-
pondenz im Zusammenhang mit diesem Leasingvertrag (unbesehen) an F._
weitergeleitet haben, so kann nicht ernsthaft angenommen werden, dass die Mit-
arbeiter als blosse Befehlsempfänger des Beschuldigten von sich aus, ohne ihren
Chef zu konsultieren, vom üblichen Zins abweichende Zahlungen in derartiger
Höhe und just im fraglichen Umfang tätigten. Die Leasing-Korrespondenz muss
nur schon angesichts dieser Überweisungen geöffnet und auch dem Beschuldig-
ten unterbreitet worden sein, entgegen der offensichtlich vorgeschobenen Ah-
nungslosigkeit des Beschuldigten (Urk. ND 1/3/2 S. 3). Dies auch deshalb, weil
das Nachsenden der Einzahlungsscheine an F._ (und damit auch dessen
mutmassliche Weitergabe an I._) infolge von F._s Inhaftierung (ab 12.
November 2008) nicht mehr wie bis dahin funktioniert haben dürfte, weshalb der
Beschuldigte bzw. seine Firma diesbezüglich agieren musste. Dass sich dies oh-
ne Kenntnis des Beschuldigten als Geschäftsleiter und Firmeninhaber abgespielt
haben könnte, erscheint als lebensfremd.
Aus den gleichen Überlegungen erscheint unglaubhaft, dass der Beschuldigte die
von der B._ zugesandte Restwert-Offerte vom 3. Mai 2010 und namentlich
die per Einschreiben vom 23. September 2010 geschickte Aufforderung zur Fahr-
zeugrückgabe (Urk. ND 1/2/9 und Urk. ND 1/2/10) nie gesehen haben will bzw.
dies alles zur Erledigung seinen Mitarbeitern überliess.
- 29 -
Übersteigerte Antworten, wie sie der Beschuldigte in der Ersteinvernahme wie-
derholt vorbrachte, z.B. er möge sich definitiv nicht zu erinnern bzw. ganz klar ha-
be er keine Kenntnis (auf Vorhalt weiterer Postsendungen der Leasinggeberin
bzw. fortdauernder Zahlung von Leasingraten nach dem angeblichen Fahrzeug-
verkauf), erweisen sich zudem als Lügensignale und sind auch aus diesem Grund
nicht glaubhaft.
5.10.3 Offenbar liess der Beschuldigte F._ frei über das offiziell von ihm ge-
leaste Fahrzeug verfügen, sei es aus reinem Gefallen oder wegen verschiedener
schwebender und verrechenbarer Geschäfte mit F._, was dahin gestellt blei-
ben kann. Aufgrund der beigezogenen Akten ist dagegen auch denkbar, dass der
Beschuldigte quasi "nur" als Vermittler des Leasingvertrages fungierte, da das
Leasing effektiv zwischen I._ und der Leasinggeberin, der H._, resp. der
B._ AG, "vollzogen" wurde. Darauf deutet das – hinsichtlich des zeitlich en-
gen Bezugs frappante – Indiz, wonach am 29. Mai 2006 der Betrag von
Fr. 112'384.95 zulasten der G._ GmbH dem Konto "Auto" der Ehefrau von
F._ gutgeschrieben wurde (Urk. 74 act. 25/17, Blatt 7). Diese Summe ist
identisch mit dem Restbetrag des Kaufpreises von Fr. 117'000.–, der der G._
GmbH vertragsgemäss von der Leasinggeberin kurz davor ausbezahlt worden
war (Kaufpreis abzüglich der bei Fahrzeugübergabe von der G._ GmbH als
Lieferantin und an die G._ GmbH als Leasingnehmerin fälligen Fr. 4'615.05
für Kaution und erste Leasingrate; vgl. Urk. ND 1/2/1; Urk. ND 1/2/4; ND 1/1 S. 7).
5.11 Dass das Fahrzeug nicht verkauft worden war und der Leasingvertrag noch
lief, musste dem Beschuldigten noch aus weiteren Gründen klar sein.
Entsprechend dem schriftlichen Leasingvertrag war als Halter des Mercedes ab
dem 22. Mai 2006 die G._ GmbH eingetragen, und wie bei Leasings üblich
enthielt der Fahrzeugausweis den Code 178 "Halterwechsel verboten", was wie
gesehen auch dem Beschuldigten bekannt war (Urk. ND 1/2/5/5; Urk. 7 S. 2). Der
Vorinstanz ist darin zuzustimmen, dass für den Halterwechsel von der G._
GmbH an I._ der Fahrzeugausweis beigebracht werden musste (Urk. 59
S. 14). Aufgrund übereinstimmender und glaubhafter Aussagen befand sich die-
ser bei F._, der den Wagen an I._ übergab. Dennoch musste auch da-
- 30 -
mals schon für die Löschung des Codes 178 das entsprechende amtliche Formu-
lar von der Leasinggeberin unterzeichnet werden. Dies war jedoch denkbar ein-
fach, wie sich aus den Akten ergibt, wurde doch der G._ GmbH aufgrund ih-
rer damaligen Anfrage am 1. September 2006 eine Leasing-Auskaufofferte zuge-
stellt, welcher ein bereits ausgefülltes und unterzeichnetes Löschungsformular
178 beigelegt worden war (Urk. ND 1/2/6). Augenfällig ist aber weiter, dass ein
solches ausgefülltes und unterzeichnetes Löschungsformular 178 als Beilage zu
einer angefragten Auskaufofferte von der Leasinggeberin auch an die T._
AG, Zug, verschickt worden war (Urk. ND 1/2/7) und sich somit bei einer Drittper-
son befand, die ausserhalb des Leasingvertrages stand. Aufgrund der hand-
schriftlichen Notizen je auf dem internen Blatt zur Auflösungskalkulation des vor-
liegend relevanten Leasinggeschäfts ... durch die H._ Leasing ist davon
auszugehen, dass die Leasinggeberin mit dem dort namentlich erwähnten Be-
schuldigten Kontakt hatte und die Offerten gar vorab per Fax an die Nummer ...
sandte (Urk. ND 1/2/6 Blatt 3 und ND 1/2/7 Blatt 3), welche der G._ GmbH
gehörte (Urk. ND 1/2/4 [Adresszeile Briefpapier der G._]; ND 1/2/5/5 Faxzei-
le). Diese Auskaufofferten wurden jedoch nicht angenommen und der jeweils of-
fene Betrag für die Übernahme des Eigentums am Leasingfahrzeug der H._
Leasing nicht bezahlt, weshalb der fragliche Mercedes-Benz R 320 CDI in deren
Eigentum verblieb.
Damit ist als erstellt anzusehen, dass der Beschuldigte aktiv dabei mitwirkte, den
Mercedes-Benz R 320 CDI einem Kunden von F._ zur Verfügung zu stellen,
unter Weiterleitung des von der Leasinggeberin erhaltenen Kaufpreises an die
Ehefrau von F._ und unter Übergabe der Einzahlungsscheine für das Lea-
sing an Letzteren. Die Aussagen des Beschuldigten, er habe geglaubt, F._
habe für das Fahrzeug einen Käufer gefunden, sind jedoch nicht glaubhaft, zumal
er im Gegenteil einerseits anhand seiner Kontoauszüge der B._ betreffend
Fahrzeugfinanzierung von den (vorwiegend durch I._) bezahlten Leasingra-
ten wusste und zudem selber bzw. über seine Firma G._ GmbH auch grös-
sere Ratenzahlungen vornahm bzw. erbringen liess. Damit hatte er Kenntnis da-
von, dass das Auto noch geleast war. Aufgrund der bis 16. September 2009 be-
zahlten Leasingraten war sich der Beschuldigte im Klaren, dass das Fahrzeug
- 31 -
entgegen dem Leasingvertrag (Urk. ND 1/2/1/2 Ziff. 5.5) weder von ihm noch von
jemandem aus seiner Firma oder von einer mit ihm im gleichen Haushalt leben-
den Person gefahren wurde, sondern von einer Drittperson. Obwohl die Belastun-
gen für die Leasingzinsen weiterhin auf dem auf seine Firma lautenden Leasing-
konto aufschienen, gab er stattdessen wahrheitswidrig an, der Angabe von
F._ vertraut zu haben, dieser habe das Auto aus dem Leasing ausgekauft.
5.12 Nach all dem Gesagten ist auch nicht zweifelhaft, dass der Beschuldigte
bzw. seine Firma die an die G._ GmbH gerichtete Restwert-Offerte der
B._ für den Auskauf des Mercedes vom 3. Mai 2010 zum Betrag von
Fr. 8'522.80, zahlbar bis 31. Mai 2010, sowie das Einschreiben vom 23. Sep-
tember 2010 mit der Aufforderung zur Fahrzeugrückgabe bis am 30. September
2010 (Urk. ND 1/2/9 und 10) erhalten und zur Kenntnis genommen hat. Dass der
Betrag innert Frist bezahlt oder das Fahrzeug termingerecht zurückgebracht wur-
de, wird vom Beschuldigten zu Recht nicht behauptet. Vielmehr quittierte er die
entsprechenden Vorhalte mit fehlender Erinnerung, womit er im Ergebnis nicht
bestritt, dass weder Bezahlung noch Rückgabe erfolgten (u.a. Prot. I S. 17 f.).
5.13 Der Vollständigkeit halber ist nochmals zu betonen, dass das Verfahren ge-
genüber F._ betreffend den hier gegenständlichen Mercedes-Benz einge-
stellt wurde (vgl. vorne Ziffer III. B. 2.). Damit ist klargestellt, dass der Beschuldig-
te mit dem vorliegenden Verfahren nicht für dasselbe Delikt ins Recht gefasst wird
(vgl. Urk. 60 S. 5 f.).
6. Als Fazit ist festzuhalten: Der Beschuldigte gab vertragswidrig weder das
Fahrzeug Mercedes-Benz R 320 CDI zurück, noch kaufte er es gemäss der
Restwert-Offerte der Leasinggeberin aus. Vielmehr verfügte er entgegen des
Leasingvertrages, den er Kraft seiner Tätigkeit als Geschäftsführer, ausgestattet
mit Einzelzeichnungsberechtigung, für die G._ GmbH geschlossen hatte,
über das Fahrzeug, indem er es einer Drittperson überliess und sich in der Folge
nicht weiter kümmerte. Der eingeklagte Sachverhalt ist damit erstellt.
- 32 -
C. Anklagepunkt ND 3 (Veruntreuung)
1. Dieser Anklagepunkt betrifft den Vorwurf der Veruntreuung, wonach der Be-
schuldigte, resp. die G._ GmbH, vereinbarungsgemäss das Importfahrzeug
Toyota Highlander SUV Hybrid, Fahrgestell-Nr. ..., Stamm-Nr. ..., für den Ge-
schädigten U._ in Kommission nahm und zum Betrag von Fr. 66'000.– hätte
verkaufen sollen, dieses jedoch am 9. Juni 2011 zum Preis von Fr. 43'800.– ver-
kaufte, ohne dem Geschädigten den vereinbarten Anteil am Verkaufserlös weiter-
zugeben. Der genaue Wortlaut der Anklage ergibt sich aus der Anklageschrift
vom 28. Oktober 2014, die bezüglich der Übernahme resp. des Erhalts des Fahr-
zeugs eine Eventualdarstellung des Sachverhalts enthält (Urk. 23 S. 4 f.).
2. Die vorhandenen Beweismittel sind von der Vorinstanz korrekt aufgelistet,
weshalb auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen werden kann (Urk. 59
S. 29 f. Ziff. 6.1.1.).
3. Im Berufungsverfahren unstrittig und durch die Akten mehrfach belegt ist
(vgl. Urk. ND 3/4 und 3/5), dass sich der Beschuldigte und der Geschädigte
U._ von der Firma V._, Kanada, seit 2005 geschäftlich kannten und
durchaus erfolgreich zusammenarbeiteten. Konkret exportierte der Geschädigte
Fahrzeuge aus Kanada in die Schweiz und stellte sie unter anderem dem Be-
schuldigten bzw. dessen Firma G._ GmbH zum Verkauf zur Verfügung. Der
Geschädigte spricht von mehr als einem Dutzend Fahrzeugen (Urk. ND 3/4 S. 3
f.), während der Beschuldigte jedenfalls einräumt, vielleicht ein Dutzend mal
Fahrzeuge beim Geschädigten bestellt und in die Schweiz eingeführt zu haben,
darunter auch Fahrzeuge, die der Firma G._ GmbH vom Geschädigten in
Kommission zur Verfügung gestellt wurden (Urk. ND 3/3 S. 1 f.). Vorliegend geht
es anerkanntermassen um das in der vorstehenden Ziff. 1 genannte Fahrzeug
Toyota Highlander SUV Hybrid, welches vom Beschuldigten als Neuwagen (Urk.
ND 3/3 S. 2) übernommen wurde und (ursprünglich) für Fr. 66'000.– verkauft wer-
den sollte. Ein schriftliches Dokument gibt es dazu nicht. Fakt und unbestritten ist,
dass das Fahrzeug erst nach mehr als 3 1⁄2 Jahren (43 Monaten), im Juni 2011,
zum Preis von Fr. 43'800.– eine Abnehmerin (W._) fand (Urk. ND 3/5/2).
- 33 -
Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass er dem Geschädigten grundsätzlich ver-
einbarungsgemäss einen Anteil am Verkaufserlös hätte auszahlen sollen, dies je-
doch nicht tat. Er macht geltend bzw. lässt durch seinen Verteidiger vorbringen,
der Verkaufspreis habe ziemlich genau der Höhe der Kosten entsprochen, die ihm
im Zusammenhang mit dem Fahrzeug entstanden seien (Urk. ND 3/3 S. 3 f.). Er
sei dem Geschädigten nach dem Verkauf des Fahrzeuges deswegen nichts mehr
schuldig gewesen und habe diesem auch keinen Geldbetrag überwiesen (Urk. 60
S. 8; Urk. 85 S. 3 f.).
4. Der Geschädigte gesteht dem Beschuldigten für die Importkosten (Zoll und
Transport, rund Fr. 6'100.– [Urk. ND 3/5/5]) und die Verkaufsbemühungen  Fr. 14'000.– zu. Zudem liess er durchblicken, dass er mit dem Verkaufspreis
von Fr. 44'000.– bzw. Fr. 43'800.– leben konnte, indem er die Situation als nicht
so schlimm umschrieb, zumal der Dollarkurs sehr tief gewesen sei (Urk. ND 3/4
S. 5 f.). Hinsichtlich des erzielten Verkaufserlöses ist daher vom Einverständnis
des Geschädigten und somit von Fr. 43'800.– auszugehen, zumal auch der Be-
schuldigte plausibel schilderte, er habe dem Geschädigten zugesagt, das Fahr-
zeug zum bestmöglichen Preis zu verkaufen, wogegen dieser zum Zeitpunkt, als
das Auto schon dreijährig gewesen sei, nichts einzuwenden gehabt habe
(Urk. ND 3/3 S. 3).
5.1 Zur Behauptung des Beschuldigten, seine Kosten für das Fahrzeug und der
Verkaufserlös hätten sich ungefähr die Waage gehalten, führte die Vorinstanz aus
(vgl. Urk. 59 S. 32 f.), es wirke nicht sehr glaubhaft, dass jemand ein Fahrzeug
zum Verkauf in Kommission gebe und von diesem im Endeffekt infolge anfallen-
der Zoll-, Wartungs- und Transportkosten in der Höhe des Verkaufspreises in kei-
ner Weise profitiere. Die Aussage des Beschuldigten, seine Auslagen hätten ge-
rade dem Verkaufspreis entsprochen, wirkten demnach eher unwahrscheinlich.
Dies gerade auch, weil der Beschuldigte lediglich pauschal angebe, es habe kein
Mehrbetrag resultiert, den er dem Geschädigten hätte zahlen können. Der Be-
schuldigte könne ferner keine Aufstellung über die ihm angefallenen Kosten bei-
bringen (Urk. ND 3/3 S. 5). Er führe lediglich aus, es seien ihm Kosten von rund
Fr. 8'000.– angefallen (inkl. Kosten für Vorführung), dazu kämen noch Kapitalzin-
- 34 -
sen, Standkosten und rund Fr. 3'000.– für die zwei Jahresgarantien (Urk. 7
S. 5 f.). Zu berücksichtigen gelte diesbezüglich, dass das Fahrzeug am 23. Okto-
ber 2007 in den Besitz der G._ GmbH gelangt sei und bei dieser bzw. der
AA._ Zürich AG bis zum Verkauf am 9. Juni 2011 verblieben sei (vgl. zur
Übergabe Urk. ND 3/5/5 S. 8 und zum Verkauf Urk. ND 3/5/2). In dieser Zeit seien
den jeweiligen Firmen ohne Weiteres Lager- bzw. Standkosten angefallen. Falls
das Fahrzeug bereits eingelöst gewesen sei, seien auch Kosten für die Abgas-
kontrolle zu übernehmen, wobei Fahrzeuge, welche bei Autohändlern zum Ver-
kauf stünden, lediglich mit "Garagennummern" ausgestattet seien, mit welchen
kurzzeitig Überprüfungsfahrten unternommen werden könnten. Eingelöst seien
diese Fahrzeuge demnach nur selten, weshalb die entsprechenden Abgaswar-
tungskosten, Versicherungskosten etc. nicht anfallen würden. Der Beschuldigte
habe über diesen Punkt keine konkrete Auskunft gegeben, sondern anlässlich der
Hauptverhandlung lediglich ausgeführt, falls das Fahrzeug als Neuwagen verkauft
worden sei, sei es nicht eingelöst gewesen (Prot. I S. 28). Gemäss Kaufvertrag
vom 9. Juni 2011 hat W._ den Toyota Highlander SUV Hybrid als Vorführ-
wagen gekauft. Als Vorführwagen seien Fahrzeuge anzusehen, die auf den Händ-
ler zugelassen seien und als Ausstellungs- oder Probewagen benutzt würden.
Diese seien demnach gerade nicht auf den üblichen Verkehr eingelöst, weshalb
die oben erwähnen Kosten entfielen.
5.2 Diese Erwägungen der Vorinstanz sind zu teilen.
Zusammenfassend und teilweise ergänzend ergibt sich, dass mit Ausnahme der
ausgewiesenen Importkosten der AB._ International AG im Betrag von rund
Fr. 6'100.– (Urk. ND 3/5/5) keinerlei Belege zur Art und Höhe der ins Feld geführ-
ten Kosten – gemäss Aufzählung des Beschuldigten nebst Verzollung ferner Au-
tomobilsteuer, Lagerkosten, Versicherung, besonders aufwendige Homogalisati-
on, Umrüstung, Lärmmessung, Abgaswartung, Kapitalkosten etc. (Urk. ND 3/3
S. 3; Urk. 85 S. 4) – vorliegen. Es kann daher nicht ansatzweise festgestellt wer-
den, in welchem Bereich und allenfalls Umfang tatsächlich Kosten entstanden
sind und ob es sich um notwendige (etwa werterhaltende oder zulassungsbeding-
te) Auslagen sowie – darüber hinaus – mit dem Geschädigten abgesprochene In-
- 35 -
vestitionen handelte. Das Argument der Verteidigung, im Zeitpunkt der polizeili-
chen Befragung [August 2012, Urk. ND 3/3] habe der Fahrzeugverkauf schon
über ein Jahr zurückgelegen und die G._ GmbH sei längstens nach einem
Konkursverfahren liquidiert gewesen (Urk. 60 S. 9) verfängt aus mehreren Grün-
den nicht. Einerseits hatte der Beschuldigte den Toyota Highlander SUV Hybrid
bzw. das betreffende Geschäft – wozu auch die zugehörigen Papiere und Aufstel-
lungen über allfällige Auslagen und Investitionen zählen – in sein neues Unter-
nehmen, das AA._ Zürich AG, übernommen (Urk. 51 S. 15). Darüber hinaus
musste dem Beschuldigten als langjährigem Automobilhändler mit eigenem Un-
ternehmen und der Erfahrung aus mehreren hundert Verkaufsgeschäften klar
sein, dass Rechnungstellungen in vier- und fünfstelliger Höhe zu belegen sind.
Das gilt erst recht bei Kommissionsfahrzeugen, wo Gewinn und Gewinnanteile
von zentraler Bedeutung sind. Es wäre ein Leichtes gewesen, die tatsächlichen
Kosten fortwährend aufzulisten bzw. – sofern vorhanden – die fraglichen Doku-
mente aufzubewahren. Der Beschuldigte hätte umso mehr Anlass dazu gehabt,
als sich – wie er vorbringen lässt (Urk. 60 S. 8) – der Verkauf des Fahrzeuges als
schwierig herausstellte, diese "missliebige Eiterbeule" über mehrere Jahre hinweg
eine Belastung darstellte und ihm, über die Importkosten hinaus, "sehr hohe Kos-
ten" anfielen. Wenn der Beschuldigte ausführt, eine heute nicht mehr vorhandene
Aufstellung über die durch dieses Fahrzeug verursachten Kosten habe er dem
Geschädigten zwar nicht geschickt, aber diesem mehrfach bei sich im Büro prä-
sentiert, ob schriftlich oder mündlich wisse er nicht mehr (Urk. ND 3/3 S. 5), so
hilft ihm das nicht weiter, abgesehen davon, dass diese Erklärung als Ausflucht
erscheint und in den Akten nirgends eine Stütze findet. Es kann nicht angehen,
anstelle gänzlich unbelegter Aufwendungen blosse (theoretische) Schätzungen
heranzuziehen, zumal bei behaupteten Aufwendungen in der hier fraglichen
Grössenordnung.
Es kommt hinzu, dass grundsätzlich entweder Lagerungs- bzw. Standkosten oder
tatsächlich angefallene (variable und fixe) Betriebskosten wie Treibstoffkosten,
Wartung, Versicherung, Verkehrsabgaben, Amortisation etc. verrechenbar sind,
nicht jedoch beides. Wie die Vorinstanz richtig konstatierte, wurde der fragliche
Toyota Highlander SUV Hybrid der Käuferin als Vorführwagen verkauft (vgl. Urk.
- 36 -
ND 3/5/2), was bedeutet, dass er lediglich auf den Beschuldigten als Händler zu-
gelassen war und als Ausstellungs- oder Probewagen diente, ohne auf den übli-
chen Verkehr eingelöst gewesen zu sein, was der Beschuldigte auch nicht be-
hauptet. Aus diesem Grund konnten auch keine Betriebskosten wie Versicherung,
Abgaswartung etc. angefallen sein. Eine Einlösung vor dem Verkauf im Juni 2011
erscheint auch deshalb als ausschliessbar, weil das Fahrzeug im Vertragszeit-
punkt einen Stand von lediglich 900 km aufwies und im schriftlichen Kaufvertrag
in den Spalten "1. Inv." und "MFK" je der Vermerk "neu" steht (Urk. ND 3/5/2). Die
Käuferin übernahm somit ein zwar ca. 3 1⁄2-jähriges Fahrzeug, welches zuvor je-
doch nicht in Verkehr gesetzt und daher mit nicht einmal 1'000 gefahrenen Kilo-
metern praktisch wie neu war.
5.3 Was die angerufenen Positionen Wertverminderung und Amortisation des
kaum gebrauchten und daher insoweit neuwertigen Fahrzeuges betrifft (Urk. 60
S. 9), ist sodann mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass diese bereits im
deutlich tieferen Verkaufspreis (Preisnachlass im Bereich eines Drittels) ihren
Niederschlag gefunden haben.
5.4 Wenn die Vorinstanz zum Ergebnis gelangt, die vom Beschuldigten geltend
gemachten Kosten für das Fahrzeug inklusive die eigenen Verkaufsbemühungen
und die Provision würden den Betrag des Verkaufserlöses von Fr. 43'800.– nicht
erreichen, so ist auch dem ohne weiteres zuzustimmen (Urk. 59 S. 33 f.).
Die im angefochtenen Urteil geschätzten monatlichen Kosten von Fr. 280.– (43
mal) für Stand und Lagerung erscheinen wohlwollend, auch wenn sie von der Ver-
teidigung als völlig unzureichend angesehen werden. Daran ändert der Umstand
nichts, dass das Fahrzeug zuweilen einen "höchst wertvollen Schaufensterpark-
platz" eingenommen haben mag (Urk. 60 S. 10; Urk. 51 S. 15). Objektive An-
haltspunkte dafür gibt es nicht. Wie die Verteidigung selber darlegt, rechnet der
TCS mit Garagierungskosten von Fr. 125.– (Urk. 60 S. 9). Ein Ansatz von
Fr. 494.– pro Monat, wie von Verteidigerseite vorgebracht (Urk. 60 S. 10), ist je-
denfalls in keiner Weise nachvollziehbar und muss als Spekulation bezeichnet
werden. Selbst unter Addition der erwiesenen rund Fr. 6'100.– für Zollgebühren
und Transportkosten (ND 3/5/5 S. 3) verbliebe der Gesamtbetrag mit Fr. 18'140.–
- 37 -
noch sehr deutlich entfernt vom Verkaufspreis vom Fr. 43'800.–. Nähme man
noch die vom Beschuldigten geltend gemachten Kosten für die zwei Jahresgaran-
tien in der Höhe von Fr. 3'000.– sowie Fr. 1'900.– für die Vorführung (Differenz
zwischen Fr. 8'000.– [Urk. 7 S. 5] und Fr. 6'100.–) sowie den von der Verteidigung
geltend gemachten Betrag von Fr. 4'500.– für die Umrüstung der Navigationsan-
lage (Urk. 51 S. 15; Urk. 60 S. 10) hinzu – notabene alles Positionen, die nicht
ansatzweise substanziiert und schon gar nicht dokumentiert sind –, würde der Be-
trag von Fr. 43'800.– dennoch bei weitem nicht erreicht. Selbst bei Berücksichti-
gung der Kosten für die Verkaufsbemühungen des Beschuldigten bzw. die Kom-
missionsgebühr (Provision) von einigen Tausend Franken würden die Kosten des
Beschuldigten noch klar unter dem erzielten Verkaufspreis liegen. Die sinnge-
mässe Behauptung des Beschuldigten, er habe die Forderung des Geschädigten
vollumfänglich mit Gegenforderungen verrechnen können, ist demnach mit der
Vorinstanz als Schutzbehauptung zu würdigen. Gleiches gilt für die in der Beru-
fungsverhandlung zum ersten Mal gehörte Argumentation, wonach der Geschä-
digte dem Beschuldigten als Ausgleich für seine Bemühungen einen Aufschub der
Rückzahlung von vier Jahren gewährt und den geschuldeten Betrag in dieser Zeit
als "working capital" zur Verfügung überlassen habe (Urk. 85 S. 4). Nicht nur wur-
de dies von keinem Beteiligten je so ausgesagt, sondern beisst sich diese Argu-
mentation auch mit der von der Verteidigung gleichzeitig geltend gemachten Ver-
rechnungsthese, gemäss welcher es gar keine Forderung des Geschädigten gab,
deren Rückzahlung hätte aufgeschoben werden können.
6. Damit ist der noch strittige Hauptsachverhalt bezüglich ND 3 (Veruntreuung),
nämlich dass der Beschuldigte dem Geschädigten dessen Anteil am Verkaufser-
lös des Kommissionsfahrzeuges Toyota Highlander SUV Hybrid im Ergebnis vor-
enthielt, rechtsgenügend erstellt.
D. Anklagepunkt ND 4 (Veruntreuung)
1. Zusammengefasst wird dem Beschuldigten in diesem Anklagepunkt vorge-
worfen, den ihm resp. seiner G._ GmbH von der B._ AG gestützt auf
den Kaufvertrag mit Rücknahmeverpflichtung zum Leasingvertrag Nr. ... (D2) als
- 38 -
Verkäufer und Leasingnehmer des dem Privatkläger 3 gehörenden Aston Martin
DBS 6.0 Touchtronic 2 ausbezahlten Kaufpreis von Fr. 377'400.– für die Bedürf-
nisse der G._ GmbH verwendet zu haben. Dies habe er getan, obwohl er
gemäss Vereinbarung mit dem Privatkläger 3 diesem als Eigentümer des Aston
Martin den Betrag hätte weiterleiten sollen. Die Details dieses Anklagesachverhal-
tes sind der Anklageschrift zu entnehmen (Urk. 23 S. 5), worauf verwiesen wer-
den kann.
2. Unbestritten ist, dass der Privatkläger 3 den obgenannten Aston Martin in
der Slowakei kaufte und bezahlte, woraufhin der Beschuldigte das Fahrzeug im
Auftrag des Privatklägers 3 in die Schweiz überführte. Weiter blieb bis zur heuti-
gen Berufungsverhandlung unbestritten, dass der Beschuldigte auf Wunsch des
Privatklägers 3, welcher zu Bargeld kommen wollte (Aufbau seiner eigenen Arzt-
praxis für Neurochirurgie [Urk. ND 4/1 S. 4]), diesem einen Leasingvertrag mit der
B._ AG über dieses Fahrzeug "vermittelte", indem er seitens der G._
GmbH – als indirekter Stellvertreter des Privatklägers 3 – den Aston Martin an die
B._ AG zu einem Preis von Fr. 377'400.– verkaufte und als Lieferant des
Fahrzeugs im Zusammenhang mit dem Leasingvertrag Nr. ... zwischen der
B._ AG und dem Privatkläger 3 auftrat, sodass die B._ AG den Kaufbe-
trag auf das Konto der G._ GmbH bezahlte (sale and lease back-Geschäft;
Fr. 377'400.– abzüglich der vom Privatkläger 3 direkt dem Beschuldigten als Lie-
feranten bezahlten ersten Leasingrate von Fr. 6'406.50, somit Fr. 370'993.50 [Urk.
ND 4/9/4-6; Urk. ND 4/9/18; Urk. 39 Auszug per 30.6.2009 S. 2/5 = Urk. 50/2]).
Den erhaltenen Kaufpreis von Fr. 377'400.– hätte der Beschuldigte wiederum
vereinbarungsgemäss und anerkanntermassen an den Privatkläger 3 weiterleiten
sollen (Urk. ND 4/5 S. 2 f. [Beschuldigter]; Urk. ND 4/6 S. 3 ff. [Privatkläger 3];
Urk. ND 4/9/4 [Kaufvertrag mit Rückübernahmeverpflichtung zum Leasingvertrag
Nr. 15299177]; Urk. ND 4/9/5 [Leasingvertrag Nr. 15299177]; Urk. ND 4/9/7
[Rechnung G._ GmbH an B._ AG]; Urk. ND 4/9/18 [Zahlung B._
AG]; Urk. ND 4/2/4; Urk. ND 4/8/3-6). Der Beschuldigte bestätigte bereits in der
Untersuchung, das Geld nicht wie vereinbart dem Privatkläger 3 weitergeleitet,
sondern für eigene Zwecke verwendet zu haben und diesen Betrag noch schuldig
zu sein (Urk. ND 4/5 S. 2 ff.).
- 39 -
3.1 Die Vorinstanz hat die Aussagen des Privatklägers 3 und des Beschuldigten
korrekt und umfassend wiedergegeben sowie einlässlich und nachvollziehbar ge-
würdigt (Urk. 59 S. 37-40 Ziff. 8.3). Sie setzte sich mit den Aussagen im Detail
auseinander und erwog in Auslegung der Parteierklärungen zwischen dem Privat-
kläger 3 und dem Beschuldigten, dass letzterer als von den Parteien gewollter
Verkäufer / Lieferant des eigentlich dem Privatkläger 3 bereits gehörenden Aston
Martin gegenüber der B._ AG auftrat und der angeklagte Sachverhalt im üb-
rigen erstellt sei (Urk. 59 S. 40). Überdies habe der Beschuldigte zugegeben, das
erhaltene Geld für andere Zwecke der G._ GmbH verwendet zu haben,
schliesslich habe er ausdrücklich erklärt, man habe einfach denjenigen bezahlt,
der als nächstes dran gewesen sei (Urk. 59 S. 59).
3.2 Die Vorinstanz ging davon aus, es seien die Emails, der Leasingvertrag zwi-
schen der B._AG und dem Privatkläger 3 sowie der Brief der B._ AG mit
Kontoauszug betreffend Überweisung des Kaufpreises, die dem Beschuldigten
nicht vorgehalten worden seien, nur zu dessen Gunsten verwertbar (Urk. 59 S. 36
f.). Dem ist nicht zu folgen, zumal es sich bei den Emails um solche handelt, bei
welchen der Beschuldigte selbst Absender oder Empfänger und somit unmittelbar
beteiligt gewesen war, womit seine Kenntnis des Inhalts als gegeben zu betrach-
ten ist. Zudem ist dem Beschuldigten, der amtlich verteidigt ist, die Kenntnis der
sich im vorliegenden Verfahren befindlichen Urkunden entgegenzuhalten, welche
bereits Gegenstand des vorinstanzlichen Gerichtsverfahrens waren und in die er
Einsicht hatte (Urk. 27, 28, 42/2, 54; Prot. I S. 37 f.), so dass ein allfälliger Mangel
des Untersuchungsverfahrens durch das erstinstanzliche Gerichtsverfahren je-
denfalls geheilt wurde. Einer vollumfänglichen Verwertung der vom Privatkläger 3
nach seiner Befragung eingereichten Urkunden sowie der diversen danach noch
beigezogenen oder an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung eingereichten Un-
terlagen steht nichts im Wege.
4. Der Beschuldigte lässt im Wesentlichen einwenden, es sei nicht vereinbart
worden, dass der Beschuldigte den von der B._ AG ausbezahlten Betrag so-
fort an den Privatkläger 3 weiterleite. Ausserdem habe für den Beschuldigten nie
Veranlassung daran bestanden zu zweifeln, dass er dem Privatkläger 3 das Geld
- 40 -
ausbezahlen könne, da seine Umsätze auf dem Bankkonto in einer Grössenord-
nung gewesen seien, die eine jederzeitige Verfügbarkeit solcher Summen erlaubt
habe (Urk. 60 S. 12; Urk. 85 S. 5 f.).
5. Diese Argumentation des Beschuldigten geht an der Sache vorbei. Die Ge-
genüberstellung von Gutschriften und Belastungen auf dem Firmenkonto der
G._ GmbH (Urk. 60 S. 12) betrifft den Zeitraum Januar 2010 bis Juni 2010
und vermag daher nichts über die finanzielle Lage des Beschuldigten im relevan-
ten Zeitpunkt des Juni 2009 auszusagen, in welchem Monat der Kauf mit Leasing
betreffend den Privatkläger 3 stattfand. Ganz abgesehen davon bildet eine solche
Gegenüberstellung auch kein taugliches Mittel, die Liquidität einer Firma zu be-
stimmen. Gemäss dem Kontoauszug der Zürcher Kantonalbank betreffend das
Firmenkonto der G._ GmbH des Beschuldigten (Konto-Nr. ...) stellen sich die
Kontobewegungen in Schweizer Franken zusammengefasst folgendermassen dar
(Urk. 39):
Monat Anfangssaldo Gutschriften
(total)
Belastungen
(total) Schlusssaldo 2 grösste
Gutschriften
2 grösste
Belastungen
Juni 2009 13'470.61 597'904.35 598'309.05 13'065.91 370'993.50 200'000.00
48'580.00 60'800.00
Juli 2009 13'065.91 278'738.60 290'349.85 1'454.66 71'885.00 100'000.00
60'269.25 82'079.75
August
2009
1'454.66 413'181.75 323'150.30 91'486.11 128'000.00 101'021.90
84'000.00 42'635.65
September
2009
91'486.11 419'268.75 495'794.85 14'960.01 142'900.00 70'990.95
107'000.00 60'000.00
- 41 -
Oktober
2009
14'960.01 204'075.25 211'514.75 7'520.51 125'000.00 125'811.95
55'000.00 53'949.25
Diese Übersicht verdeutlicht, dass es dem Beschuldigten keinesfalls "jederzeit"
möglich gewesen wäre, dem Privatkläger 3 den Kaufpreis von Fr. 377'400.– zu
erstatten, verfügte er doch ausgenommen unmittelbar nach der Bezahlung der
Fr. 370'993.50 durch die B._ AG nicht mehr auch nur annähernd über die ge-
forderte Liquidität, was sich einerseits an den Saldoständen, aber auch an den
einzelnen Belastungen und Gutschriften, insbesondere an jenen mit den grössten
Beträgen, deutlich zeigt. Zur fehlenden Liquidität trugen aber auch die namhaften
Auszahlungen ab dem Firmenkonto bei, zum Beispiel jene drei vom 12. Juni 2009
über Fr. 200'000.–, Fr. 60'800.– und Fr. 7'000.– (Urk. 39, Auszug per 30. Juni
2009, S. 3/5) oder jene vom 13. Juli 2009 über Fr. 64'000.– (Urk. 39, Auszug per
31. Juli 2009, S. 2/3) und vom 5., 7. und 17. August 2009 von zusammen
Fr. 80'500.– (Urk. 39, Auszug per 31. August 2009, S. 1 und 2). Das belegt, dass
der Beschuldigte nicht nur andere Rechnungen (vorab) beglich, sondern darüber
hinaus die Liquidität zusätzlich schmälerte. Ein ähnliches Bild der Finanzlage
vermitteln im Übrigen die letzten zwei Monate 2009 (Urk. 39).
Schliesslich bleibt festzuhalten, dass die Behauptung des Beschuldigten, es sei
nicht vereinbart worden, dass er dem Privatkläger 3 den Kaufpreis sofort nach Er-
halt durch die B._ AG weiterleiten müsse, ebenso als reine Schutzbehaup-
tung zu qualifizieren ist wie die so von der Verteidigung erstmals an der Beru-
fungsverhandlung aufgestellte Behauptung, der Beschuldigte bzw. die G._
GmbH habe den Aston Martin vom Privatkläger 3 zu Eigentum erworben (Urk. 85
S. 6). Die gesamten Umstände machen nämlich deutlich, dass es sich beim be-
treffenden Geschäft um ein klassisches Verkaufskommissionsgeschäft einerseits
und andererseits um einen Auftrag zur Vermittlung eines Leasinggeschäfts han-
delte (vgl. dazu nachfolgende Erw. IV./D.1.1.), bei welchen das Eigentum am Auto
beim Privatkläger 3 als Kommittenten verblieb und welche den Beschuldigten –
und dies ist vorliegend wesentlich – als Kommissionär und direkten Stellvertreter
- 42 -
des Privatklägers 3 beim Verkauf und Rückleasing des Autos zur direkten Weiter-
leitung des Verkaufserlöses an den Privatkläger 3 verpflichteten. Dies ergibt sich
insbesondere aus dem Verhalten des Beschuldigten, welcher dem Privatkläger 3
im Email vom 6. Mai 2009 hinsichtlich des Leasingangebotes "Offerte B._"
schrieb, dass ihm (dem Privatkläger 3) innert 5 Tagen nach Auslieferung der
Kaufpreis von Fr. 370'000.– gemäss seinen Angaben überwiesen werde (Urk. ND
4/2/4 S. 2 = Urk. ND 4/8/2 S. 2) und ihm am 28. Mai 2009 mitteilte, dass die Fi-
nanzierung von der B._ AG rasch und ohne Auflagen bewilligt worden sei
(Urk. ND 4/8/3 S. 2). Auf das Email des Privatklägers 3 vom 5. Juli 2009, worin
dieser mitteilte, er wäre nicht unglücklich, wenn die grosse Liquidität wieder zu
ihm käme und der finanzielle Teil bis Ende Woche erledigt wäre, wobei er zu-
gleich seine Bankverbindung deponierte (Urk. ND 4/8/4 S. 1), antwortete der Be-
schuldigte am 10. Juli 2009 (nebst diversen weiteren Erklärungen), er habe am
Freitag, 26. Juni 2009 den Auftrag zur Überweisung des Guthabens des Privat-
klägers 3 an diesen erfasst, die Zahlung sei aber wegen eines anderen Kunden
und dessen Rücktritt vom Kaufvertrag noch pendent und die Umstände dieser Si-
tuation hätten einen zwischenzeitlichen finanziellen Engpass verursacht. Er versi-
cherte dem Privatkläger 3, mit Hochdruck an einer Lösung der Situation zu arbei-
ten, garantierte ihm eine raschmöglichste Zahlung zuzüglich angemessenem Zins
und entschuldigte sich gleich zweimal aufrichtig für dessen Umstände (Urk. ND
4/8/5 S. 2). Der Wortlaut dieses Email-Verkehrs lässt den eindeutigen Schluss zu,
dass der Beschuldigte und der Privatkläger 3 sich einig waren, dass die Weiterlei-
tung des von der B._ AG bezahlten Kaufpreises für den Aston Martin innert
fünf Tagen, zumindest aber sehr rasch, in nützlicher Frist erfolgen sollte und dass
sich der Beschuldigte auch nach eigener Auffassung damit in Verzug befand,
weshalb er dem Privatkläger 3 auch die Zahlung von Zinsen versprach. Diese
Folgerung wird einerseits durch die Aussage des Beschuldigten selbst gestützt,
die Angelegenheit habe sich verzögert / verschleppt und er habe dem Privatkläger
3 bei einem persönlichen Besuch an dessen Arbeitsort mitgeteilt, dass die
G._ GmbH zur Zeit kein Geld habe, er aber alles daran setzen werde, ihm
dies wenn immer nur möglich auszuzahlen (Urk. ND 4/5 S. 2 f.), und andererseits
in allen Aspekten durch die Ausführungen des Privatklägers 3 (Urk. 4/6 S. 4). Da-
- 43 -
von, dass sich die Beteiligten quasi über eine "gewisse Wartefrist" geeinigt hätten,
wie die Verteidigung moniert (Urk. 60 S. 12), kann in keiner Weise die Rede sein.
Der Beschuldigte, der den vom Privatkläger gekauften und bezahlten Aston Mar-
tin in die Schweiz einführte, wusste um die Eigentumsverhältnisse und kannte
auch den Beweggrund des Privatklägers 3 für das Eingehen eines Leasingvertra-
ges über ein von ihm bereits gekauftes und bezahltes Fahrzeug, bot er diesem
doch zur Erlangung von liquiden Mitteln das Leasing zum Spezialzinssatz via die
B._ AG an (Urk. ND 4/5 S. 2; Urk. ND 4/2/4 S. 2). Aufgrund der Kontoauszü-
ge des Firmenkontos der G._ GmbH drängt sich zudem der Schluss auf,
dass der Beschuldigte trotz des Wissens um diese Verpflichtung gegenüber dem
Privatkläger 3 erhebliche Geldbeträge vom Firmenkonto abzog und auch nicht
ansatzweise sein schriftliches Versprechen einzulösen versuchte, das Geld so
bald wie möglich weiterzuleiten, sondern es zu eigenen Zwecken verwendete
(Urk. 39, Auszug per 30. Juni 2009).
6. Zusammen mit dem Ergebnis der Beweiswürdigung durch die Vorinstanz
(Urk. 39 S. 37 ff.) verbleiben aufgrund des soeben Dargelegten keinerlei Zweifel,
dass der nach dem Teilfreispruch der Vorinstanz verbleibende Sachverhalt dieses
Anklagepunktes ebenfalls mittels Beweisen und Indizien vollumfänglich als erstellt
zu betrachten und der rechtlichen Würdigung zugrunde zu legen ist.
IV. Schuldpunkt – rechtliche Würdigung
A. Allgemeines
1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten bezüglicher aller drei noch strittigen
Sachverhalte in ND 1, ND 3 und ND 4 der Veruntreuung im Sinne von Art. 138
Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen (Urk. 59 S. 46, 56 und 60).
2. Eine Veruntreuung nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB begeht, wer sich eine
ihm anvertraute fremde bewegliche Sache aneignet, um sich oder einen andern
damit unrechtmässig zu bereichern.
- 44 -
Der Veruntreuung nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB macht sich schuldig, wer ihm
anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem oder eines anderen Nut-
zen verwendet.
B. ND 1 (Veruntreuung)
1. Objektiver Tatbestand
1.1 Wie die Vorinstanz richtig erkannt hat, stellt der Mercedes-Benz R 320 CDI
als bewegliche Sache vorliegend das Tatobjekt dar.
1.2 Ob eine Sache im Sinne von Art. 138 StGB fremd ist, beurteilt sich nach zi-
vilrechtlichen Kriterien (BGE 133 IV 5 E. 3.3). Entscheidend für die Eigentumsver-
hältnisse ist der zwischen den Parteien abgeschlossene Vertrag (BGE 132 IV 5, 8
ff., 118 II 150 E. 6c; Urteile des Bundesgerichts 6B_586/2010 vom 23. November
2010 E. 4.3.1 und 6B_827/2010 vom 24. Januar 2011 E. 5.4). In Ziff. 1.2. der All-
gemeinen Leasingbedingungen (Urk. ND 1/2/1/2) des zwischen der H._ Lea-
sing und dem Beschuldigten abgeschlossenen Leasingvertrages ist klar geregelt,
dass der Leasingnehmer das Fahrzeug lediglich in Besitz nimmt, Eigentümer
bleibt während der ganzen Vertragsdauer und auch nach Beendigung des Vertra-
ges die H._ Leasing, welche allein darüber verfügungsberechtigt ist. Mangels
Auskaufs des Fahrzeugs aus dem Leasingvertrag ist es damit als fremd im Sinne
von Art. 138 StGB zu werten.
1.3 Nach herrschender Lehre ist anvertraut, was jemand mit der besonderen
Verpflichtung empfängt, es dem Treugeber zurückzugeben oder es für diesen an
einen Dritten weiterzuleiten, wobei der Treugeber seine Verfügungsmacht über
das Anvertraute aufgibt (BSK StGB II-Niggli/Riedo, 3. Aufl. Basel 2013, Art. 138
N 45). Der Beschuldigte hat den in Frage stehenden Personenwagen zum Ge-
brauch überlassen erhalten, mithin die Verfügungsmacht darüber erlangt, dies je-
doch mit der Verpflichtung, das Fahrzeug nach einer bestimmten Vertragsdauer
an die H._ Leasing zurückzugeben (Urk. ND 1/2/1). Letztere als Leasingge-
berin hat entsprechend ihre Verfügungsmacht über das Fahrzeug aufgegeben,
denn mit Abgabe des Mercedes Benz R320 CDI war ihr fortan jeglicher Zugriff
- 45 -
verwehrt. Ist somit die Leasinggeberin Eigentümerin geblieben, war der Leasing-
nehmerin, hier der G._ GmbH bzw. dem Beschuldigten als deren Organ der
Mercedes-Benz R 320 CDI mit der Übergabe als fremde Sache anvertraut.
1.4 Mit der Weitergabe des Fahrzeugs an F._ in Kenntnis von dessen Ver-
kaufsabsichten hat der Beschuldigte wie ein Eigentümer darüber verfügt und sich
das Fahrzeug angeeignet. Dass das Fahrzeug letztlich (wohl) nicht verkauft wur-
de ist ohne Belang. Eine Manifestation des Aneignungswillens ist dann zu beja-
hen, wenn der Täter wie hier nach aussen erkennbar seinen Willen bekundet,
über die Sache zu verfügen wie ein Eigentümer. Entsprechend liegt Aneignung
schon im Angebot zum Verkauf (vgl. Urk. ND 1/3/5 Blatt 7; Urk. ND 1/3/3 S. 3)
bzw. im Überlassen des Fahrzeugs zwecks Verkaufs (vgl. Urk. ND 1/3/2 S. 1 und
3), und nicht erst im Verkauf selbst (BSK StGB II-Niggli/Riedo, a.a.O., Art. 138 N
104 mit Hinweisen). Die Aneignung offenbarte sich zudem in der Weigerung, das
geleaste Auto am vereinbarten Rückgabedatum der B._, der Rechtsnachfol-
gerin der H._ Leasing, zurückzugeben (BSK StGB II-Niggli/Riedo, a.a.O.,
Art. 138 N 19 mit Hinweisen).
Bei seinem Handeln hat sich der Beschuldigte überdies in mehrfacher Hinsicht
vertragswidrig verhalten, da gemäss den Ziff. 1.2., 4.3., 5.5. und 9.3. der Allge-
meinen Leasingbedingungen nur der Leasingnehmer Fahrzeughalter ist, im Fahr-
zeugausweis der Code 178 "Halterwechsel verboten" vermerkt ist, dem Beschul-
digen aus dem Leasingvertrag jede entgeltliche oder unentgeltliche Überlassung
an Dritte – ausgenommen an mit ihm im gleichen Haushalt lebende Personen
oder seine Angestellten – untersagt war und er der Rückgabepflicht nach Ver-
tragsbeendigung nicht nachkam (Urk. ND 1/2/1/2 und ND 1/3/5 Blatt 10).
1.5 Die objektiven Tatbestandsmerkmale von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sind
damit erfüllt.
- 46 -
2. Subjektiver Tatbestand
2.1 Subjektiv wird Vorsatz – der sich auf die Fremdheit der Sache sowie die
dauernde Enteignung und die zumindest vorübergehende Aneignung beziehen
muss – und die Absicht unrechtmässiger Bereicherung verlangt.
2.2 Der Beschuldigte wusste aufgrund des durch ihn abgeschlossenen Leasing-
vertrages, dass er nicht Eigentümer des Mercedes-Benz R320 CDI war und über
diesen auch nicht im Sinne eines Eigentümers verfügen durfte. Das Verkaufsge-
schäft lag wie oben erwähnt im Einflussbereich des Beschuldigten, weshalb er
sich das Fahrzeug auch aneignen wollte. Damit ist direkter Vorsatz gegeben.
2.3 Die Absicht unrechtmässiger Bereicherung ist sodann regelmässig – auch
hier – mit der Aneignung selbst gegeben (BGE 114 IV 133, 137). Vorliegend ist
sie insbesondere darin zu sehen, dass weder der Ertrag eines allfälligen Verkaufs
noch sonst erlangte wirtschaftliche Vorteile an den Eigentümer herausgegeben
worden sind. Ob der Beschuldigte oder F._ den Ertrag einer allfälligen Ver-
äusserung des Mercedes Benz R320 CDI erhalten hat, blieb unklar und kann
auch offen bleiben. Jedenfalls hat der Beschuldigte gemäss seinen eigenen An-
gaben von F._ – mit welchem er offenbar in einer regen geschäftlichen Be-
ziehung stand (alle Mercedes seien von F._ gekommen [Urk. ND 1/3/2 S. 5])
– nicht näher beschriebene bzw. quantifizierbare Vorteile als Gegenleistung für
das Fahrzeug erhalten: Man habe damals verschiedene schwebende Geschäfte
gehabt, der Mercedes sei sicher mit einem andern Geschäft verrechnet worden
(Urk. ND 1/3/2 S. 5) bzw. F._ habe alles organisiert und ihm dafür (gemeint:
für den Mercedes) die Ausstellung der Mercedes Fahrzeuge seiner Arbeitgeberin
zur Verfügung gestellt (Prot. I S. 16 f.) oder mit andern Worten, unentgeltlich di-
verse Mercedes-Fahrzeuge als Ausstellungsobjekte überlassen und habe ihm zu-
dem temporär einen Autolift ausgeliehen (Prot. II S. 13 und S. 15). Nachdem Ver-
rechnungen und Gegenleistungen im Raum standen und offensichtlich vom Be-
schuldigten auch angestrebt wurden, ist die Absicht unrechtmässiger Bereiche-
rung klarerweise zu bejahen.
- 47 -
2.4 Damit ist auch der subjektive Tatbestand erfüllt.
3. Fazit
Der Tatbestand der Veruntreuung ist in allen Teilen erfüllt. Rechtfertigungs- und
Schuldausschlussgründe sind keine ersichtlich, weshalb der Beschuldigte in Be-
stätigung des angefochtenen Urteils der Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen ist.
C. ND 3 (Veruntreuung)
1. Vorbemerkung
Der Veruntreuung nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB macht sich schuldig, wer ihm
anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem oder eines anderen Nut-
zen verwendet. Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz und ein Handeln in
unrechtmässiger Bereicherungsabsicht.
2. Objektiver Tatbestand
2.1 Als Vermögenswert wird jeder konkrete spezifische Vermögensbestandteil
verstanden (BSK StGB II-Niggli/Riedo, a.a.O., Art. 137 N 62). Zu den Vermö-
genswerten werden auch Bank- und Postguthaben, einschliesslich allfällige damit
verbundene Forderungen, gerechnet (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Kom-
mentar Schweizerisches Strafgesetzbuch, 19. Aufl. Zürich 2013, Art. 138 N 13).
Es wird dabei vom Begriff des "wirtschaftlich fremden Vermögens" ausgegangen
(BSK StGB II-Niggli/Riedo, a.a.O., Art. 138 N 25). Geschützt ist entsprechend je-
weils der obligatorische Anspruch auf eine Geldleistung (BSK StGB II-Niggli/Rie-
do, Art. 137 N 66).
Vorliegend steht klarerweise ein Vermögenswert im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
Abs. 2 StGB zur Debatte. Der Beschuldigte und der Geschädigte U._ haben
einen Vertrag über einen Kommissionsverkauf geschlossen. Wie die Verteidigung
richtig ausführte (vgl. Urk. 51 S. 14), verkauft bei einem solchen Geschäft jeweils
der Kommissionär (hier der Beschuldigte) die vom Kommittenten (hier der Ge-
- 48 -
schädigte) gelieferte Ware an einen Käufer und erhält von diesem den Kaufpreis.
Der Kommissionär bezahlt nach dem Verkauf den Kaufpreis (abzüglich einer
Kommissionsgebühr/Provision) an den Kommittenten. Der Erlös fliesst sodann auf
das Konto des Kommissionärs und wird dort – wie es die Verteidigung richtig be-
merkte – mit dessen Gelder vermischt. Der Kommittent hat in der Folge einen ob-
ligatorischen Anspruch auf den Erlös bzw. den vereinbarten Restbetrag. Dem Ge-
schädigten steht demnach ein obligatorischer Anspruch auf den vorliegenden
Verkaufspreis in der Höhe von Fr. 43'800.– zu, abzüglich der tatsächlich vorlie-
genden Verrechnungsforderung und der Provision des Beschuldigten.
2.2 Anvertraut sind Vermögenswerte im Sinne der Rechtsprechung dann, wenn
dem Täter die Verfügungsmacht über die Vermögenswerte mit der Massgabe
übergeben wurde, sie ständig zur Verfügung des Treugebers zu halten oder für
diesen in einem bestimmten Sinn zu verwenden, insbesondere sie zu verwahren,
zu verwalten oder abzuliefern (vgl. BSK StGB II-Niggli/Riedo, 3. Aufl. Basel 2013,
Art. 138 N 40; BGE 124 IV 9, 10 ff.; BGE 133 IV 21, 28). Nach der Rechtspre-
chung genügt, dass der Täter ohne Mitwirkung des Treugebers über die Werte
verfügen kann, ihm mithin Zugriff auf das fremde Vermögen eingeräumt worden
ist. Der Verkaufserlös von Fr. 43'800.– für den Toyota Highlander SUV Hybrid ist
unbestritten dem Beschuldigten zugekommen. Gemäss dem Kaufvertrag vom
9. Juni 2011 geschah dies anlässlich der Fahrzeugübernahme und damit am glei-
chen Tag (Urk. ND 3/5/2). Ebenfalls am 9. Juni 2011 erfolgte über den Einzah-
lungsautomaten mit der ZKB Maestro Karte Nr. ... eine Einzahlung von
Fr. 38'000.– auf das ZKB Firmenkonto der AA._ Zürich AG (der "Nachfolge-
firma" der G._ GmbH [vgl. Urk. ND 2]), Konto-Nr. ... (vgl. die Kontoauszüge
in Urk. ND 2/16/6/30), auf welches der Beschuldigte gemäss der aktenkundigen
Unterschriftenregelung Zugriff hatte (Urk. ND 2/16). Da mit derselben ZKB Maest-
ro Karte sehr regelmässig auch grössere und kleiner Bezüge getätigt wurden, ist
davon auszugehen, dass der Beschuldigte am 9. Juni 2011 die fragliche grosse
Einzahlung vornahm.
Zur Ermittlung, ob eine Werterhaltungspflicht beim Beschuldigten bestand, ist das
Grundgeschäft zwischen dem Beschuldigten und dem Geschädigten U._
http://www.rwi.uzh.ch/elt-lst-wohlers/strafrechtbt/bgeReader/index.php?q=BGE%20124%20IV%209
- 49 -
massgeblich. Gemäss Art. 425 Abs. 2 OR kommen für das Kommissionsverhält-
nis die Vorschriften über den Auftrag (Art. 394 ff. OR) zur Anwendung, soweit
nicht die Bestimmungen über die Kommission etwas anderes enthalten. Die Re-
gelungen zur Kommission enthalten keine Vorschrift zur Handhabung des Erlöses
aus der Kommissionsware. Art. 400 Abs. 1 OR besagt jedoch, dass der Beauf-
tragte alles, was ihm infolge der Geschäftsführung aus irgendeinem Grund zuge-
kommen ist, dem Auftraggeber zu erstatten hat. Der Beauftragte muss in Bezug
auf den ihm zugekommenen Vermögenswert immer ablieferungsbereit und -fähig
sein (BSK OR I-Weber, 5. Aufl., Art. 400 N 15; Gehrer/Giger, Handkommentar
zum Schweizer Privatrecht, 2. Aufl., Art. 400 N 13). Das gilt auch für den vorlie-
genden Fall. Der Erlös floss zwar ins Geschäftsvermögen der AA._ Zürich
AG, gehörte indessen wirtschaftlich zum Vermögen des Geschädigten U._,
worauf dieser einen obligatorischen Anspruch hatte.
Sofern aber auch dem Beauftragten Ansprüche zustehen (z.B. Honorar, Verwen-
dungs- und Schadensersatz), hat er das Recht, gegenseitige Geldforderungen zu
verrechnen. Abzuliefern ist diesfalls der geschuldete Saldo (BSK OR I-Weber,
a.a.O., Art. 400 N 18). Gestützt auf den erstellten Sachverhalt betreffend ND 3
ergibt sich, dass der Erlös aus dem Verkauf des Toyota Highlander SUV Hybrid
abzüglich der dem Beschuldigten effektiv angefallenen Kosten sowie abzüglich
einer Kommissionsgebühr dem Beschuldigten ohne Weiteres anvertraut war.
2.3 Nach der Rechtsprechung bereichert sich bei der Veruntreuung von Vermö-
genswerten unrechtmässig, wer die Vermögenswerte, die er dem Berechtigten je-
derzeit zur Verfügung zu halten hat, in seinem oder eines andern Nutzen verwen-
det, ohne fähig und gewillt zu sein, sie jederzeit sofort zu ersetzen (BGE 133 IV
21 E. 6.1.2 S. 27 mit Hinweisen). Durch sein Verhalten muss der Täter mit andern
Worten eindeutig seinen Willen bekunden, den obligatorischen Anspruch des
Treugebers zu vereiteln (BGE 121 IV 23, 25). Der Beschuldigte hat dem Geschä-
digten die Auszahlung jeweils mit der Begründung verweigert, der Erlös aus dem
Verkauf des Fahrzeugs habe gerade seinen Auslagen entsprochen. Gemäss dem
erstellten Sachverhalt konnte der Beschuldigte zwar tatsächlich einen gewissen
Betrag verrechnen, keinesfalls aber entsprachen seine Auslagen dem gesamten
- 50 -
Erlös von Fr. 43'800.–. Der Saldo wäre demnach geschuldet gewesen. Indem
sich der Beschuldigte jeweils auf eine Gesamtverrechnung berief, bekundete er
klar und eindeutig den Willen, den obligatorischen Anspruch des Geschädigten
U._ zu vereiteln. Dem steht auch nicht das von der Verteidigung vorgebrach-
te "Feuerwehrprinzip" (irgendwann kommt jeder einmal an die Reihe [Prot. I
S. 39]) entgegen. Bei einem Kommissionsgeschäft muss der Kommissionär bzw.
der Beauftragte in Bezug auf den ihm zugekommenen Vermögenswert wie darge-
legt immer ablieferungsbereit und -fähig sein. Das "Feuerwehrprinzip" greift gera-
de nicht.
2.4 Der objektive Tatbestand von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB ist damit erfüllt.
3. Subjektiver Tatbestand
Wie die Vorinstanz zu Recht ausführte, wusste der Beschuldigte zweifellos, dass
seine Verrechnungsforderung nicht die Höhe des Erlöses aus dem Verkauf des
Toyotas erreichte. Indem er das immer wieder behauptete, ohne die – über die
Zoll- und Transportkosten hinaus – schlagwortartig aufgezählten Positionen plau-
sibel zu begründen, geschweige denn auch nur im Ansatz Belege dafür zu prä-
sentieren, brachte er klar zum Ausdruck, dass er den Erlös gerade unrechtmässig
in seinem Nutzen verwenden wollte. Ein direkter Vorsatz des Beschuldigten ist zu
bejahen. Dasselbe gilt für die Absicht unrechtmässiger Bereicherung, welche
durch Bejahung des Willens der unrechtmässigen Verwendung ebenfalls als ge-
geben zu erachten ist. In der Tilgung anderweitiger Verbindlichkeiten offenbarte er
auch seine Absicht unrechtmässiger Bereicherung.
4. Fazit
Das führt zum Schuldspruch wegen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
Abs. 2 StGB bezüglich ND 3.
- 51 -
D. ND 4 (Veruntreuung)
1. Objektiver Tatbestand
Mit der Vorinstanz (Urk. 59 S. 58 f.) ist der objektive Tatbestand von Art. 138
Ziff. 1 Abs. 2 StGB auch in diesem Anklagepunkt in allen Teilen als erfüllt zu be-
trachten.
1.1 Wie schon zu ND 3 ausgeführt (vorne Ziff. IV. C. 1.; BSK StGB II-Niggli/Rie-
do, a.a.O., Art. 138 N 25), zählen zu den Vermögenswerten auch Bank- und
Postguthaben, einschliesslich allfällige damit verbundene Forderungen. Geschützt
ist jeweils der obligatorische Anspruch auf eine Geldleistung. Der Beschuldigte
und der Privatkläger 3 haben einerseits einen Verkaufskommissionsvertrag und
andererseits einen Auftrag zur Vermittlung eines Leasinggeschäfts (Mäklerver-
trag) geschlossen. Auf dieses Geschäft findet das Auftragsrecht Anwendung. Der
Verteidigung ist zuzustimmen, dass der Erlös aus dem Verkauf des Fahrzeugs in
das Geschäftsvermögen bzw. Umlaufvermögen des Beschuldigten geflossen ist.
Das Geld gehörte entgegen der Argumentation der Verteidigung (Urk. 85 S. 6) in-
dessen wirtschaftlich zum Vermögen eines andern, nämlich des Privatklägers 3;
es ist trotz Vermischung "wirtschaftlich fremd". Der Kommittent, vorliegend der
Privatkläger 3, hat einen obligatorischen Anspruch aus Art. 400 Abs. 1 OR auf
den Erlös bzw. den vereinbarten Restbetrag (Erlös abzüglich Provision). Es han-
delt sich dabei klarerweise um einen Vermögenswert im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
Abs. 2 StGB.
1.2 Anvertraut sind Vermögenswerte – wie schon erwähnt – dann, wenn dem
Täter die Verfügungsmacht über die Vermögenswerte mit der Massgabe überge-
ben wurde, sie ständig zur Verfügung des Treugebers zu halten oder für diesen in
einem bestimmten Sinn zu verwenden, insbesondere sie zu verwahren, zu ver-
walten oder abzuliefern. Der Beschuldigte hatte das Geld auf das Konto seiner
Firma überwiesen erhalten und konnte im Gegensatz zum Privatkläger 3 darüber
verfügen, hatte alleinigen Zugriff darauf. Dem Beschuldigten oblag aus Art. 400
Abs. 1 OR aber die Pflicht zur Ablieferung des Erlöses aus dem Verkaufsge-
- 52 -
schäft, was er auch anerkannte. Dabei ist erneut zu betonen, dass der Beauftrag-
te, hier der Beschuldigte, den ihm zugekommenen Vermögenswert zwar nicht ge-
sondert aufbewahren muss, er muss indes immer ablieferungsbereit und -fähig
sein (BSK OR I-Weber, 5. Aufl., Art. 400 N 15; Gehrer/Giger, Handkommentar
zum Schweizer Privatrecht, 2. Aufl., Art. 400 N 13). Dem Vertreter des Privatklä-
gers (vgl. Prot. I S. 49) ist darin beizupflichten, dass man das Geld, welches ei-
nem im Rahmen eines Auftragsverhältnisses zukommt, nicht anrühren darf. Der
Verkaufserlös war dem Beschuldigten damit ohne Weiteres anvertraut.
1.3 Unrechtmässige Verwendung im Nutzen des Täters oder eines andern be-
steht in einem Verhalten, durch welches der Täter eindeutig seinen Willen bekun-
det, den obligatorischen Anspruch des Treugebers zu vereiteln (BGE 121 IV 23,
25). Sie liegt regelmässig darin, dass der Täter das Empfangene weisungswidrig
verwendet (BGE 129 IV 259), es insbesondere zu seinen Gunsten oder im Inte-
resse eines Dritten verbraucht, ohne dem Treugeber aus andern Mitteln jederzeit
entsprechende Werte zur Verfügung zu halten (BGE 129 IV 260). Der Beschuldig-
te hat anlässlich der Hauptverhandlung vor Vorinstanz am 19. Mai 2015 nochmals
ausgeführt, dass damals so viel Geld hin und her gegangen sei, man habe ein-
fach denjenigen bezahlt, der als nächster dran war. Das lässt sich auch aus den
Bewegungen des ZKB-Kontos ablesen (Urk. 39). Im Nachhinein wäre sicherlich
auch Herr D._ drangekommen – so der Beschuldigte –, das sei unbestritten
(Prot. I S. 30). Gerade in diesem Vorgehen liegt die unrechtmässige Verwendung
des Vermögenswerts. Der Beschuldigte ist aufgrund des durch ihn eingegange-
nen Auftragsgeschäftes verpflichtet gewesen, den Vermögenswert jederzeit und
damit unmittelbar dem Privatkläger 3 zur Verfügung zu halten, zumal er diesen
während der Auftragsausführung erlangten Erlös für die Vertragserfüllung nicht
mehr benötigte. Mangels anderer vertraglicher Abrede war der Vermögenswert
dem Auftraggeber, mithin dem Privatkläger 3, sofort nach dem Erwerb herauszu-
geben (Urteil des Bundesgerichts 4C.125/2002 vom 27. Februar 2002 E. 3.1;
Bühler, OR-Orell Füssli Kommentar, Art. 400 N 5). Indem der Beschuldigte den
Verkaufserlös unberechtigterweise nicht unmittelbar nach Empfang herausgege-
ben hat, sondern damit sein Geschäft finanzierte, indem er Rechnungen beglich
und auch grosse Barbezüge tätigte – wie die Analyse des Kontoauszugs (Urk. 39)
- 53 -
zeigte –, sowie den Privatkläger 3 mit Versprechungen hinhielt und schliesslich
nicht mehr zahlungsfähig war, stand der Vermögenswert nicht mehr für den Pri-
vatkläger 3 zur Verfügung. So vereitelte der Beschuldigte dessen obligatorischen
Anspruch.
2. Subjektiver Tatbestand
2.1 In subjektiver Hinsicht wird Vorsatz und die Absicht unrechtmässiger Berei-
cherung vorausgesetzt.
2.2 Auch hier ist im Einklang mit der Vorinstanz (Urk. 59 S. 59 f.) festzustellen:
Indem der Beschuldigte ausdrücklich erklärte, man habe einfach denjenigen be-
zahlt, der als nächstes dran war (Prot. I S. 30, 39 ["Feuerwehrprinzip"]), gab er
deutlich zum Ausdruck, dass er das dem Privatkläger 3 zustehende Geld wissent-
lich und willentlich für andere Verpflichtungen und Bedürfnisse eingesetzt, mithin
zu seinem eigenen Nutzen verwendet hat. So ist auch anhand der Tabelle bei der
Sachverhaltserstellung nachgewiesen, dass er – entgegen der Verteidigung
(Urk. 60 S. 13; Urk. 85 S. 5 f.) – nicht in guten Treuen davon ausgehen konnte,
dem Privatkläger 3 jederzeit die Fr. 370'000.– überweisen zu können; ganz im
Gegenteil ergibt sich aus dem Kontoauszug über das Firmenkonto (Urk. 39), dass
der Beschuldigte ganz bewusst das Geld anders verbrauchte, wohl wissend, dass
er es hätte weiterleiten müssen. Der Beschuldigte handelte daher direktvorsätz-
lich.
In der Tilgung anderer Schulden als derjenigen gegenüber dem Privatkläger 3 of-
fenbarte er auch seine Absicht unrechtmässiger Bereicherung.
3. Fazit
Da alle objektiven und subjektiven Tatbestandselemente erfüllt sind und weder
Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vorliegen, ist der Beschuldigte
auch bezüglich ND 4 der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
schuldig zu sprechen.
- 54 -
E. Zusammenfassung
Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte der mehrfachen Veruntreuung im
Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht hat (ND 1, ND 3 und ND 4).
V. Strafzumessung und Vollzug
1. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln
Der hier massgebliche Strafrahmen sowie die allgemeinen Regeln und Kriterien
der Strafzumessung wurden von der Vorinstanz unter Hinweis auf die Lehre und
Rechtsprechung korrekt und umfassend wiedergegeben (Urk. 59 S. 62-64). Auf
diese Ausführungen im angefochtenen Entscheid kann verwiesen werden.
2. Strafhöhe
2.1 Mit der Vorinstanz ist bei der Bemessung der Strafe von der Veruntreuung
zu Lasten des Privatklägers 3 (ND 4) als schwerstes Delikt auszugehen und ist
die für dieses Delikt festzusetzende Einsatzstrafe aufgrund der weiteren Verun-
treuungen zum Nachteil der Privatklägerin 1 und des Geschädigten U._ in
Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen (Urk. 59 S. 64).
Der Vorinstanz ist auch zu folgen, wenn sie bei der Beurteilung der objektiven
Tatschwere der Veruntreuung gemäss ND 4 zunächst den veruntreuten Betrag
von Fr. 377'400.– als massiv bezeichnet und daraus eine hohe kriminelle Energie
des Beschuldigten ableitet (Urk. 59 S. 64). Bereits die hohe Deliktssumme lässt
das objektive Verschulden des Beschuldigten in den mittleren Bereich zu liegen
kommen. Auch den weiteren Erwägungen im angefochtenen Erkenntnis ist zuzu-
stimmen: So ist kein besonders raffiniertes Vorgehen des Beschuldigten zu be-
obachten. Er hatte solches aber auch nicht nötig, zumal er mit dem Privatkläger 3
schon früher problemlos geschäftete und berechtigterweise von einem gewissen
Vertrauensverhältnis zwischen den Beteiligten gesprochen werden kann. Dieses
Vertrauen machte sich der Beschuldigte zunutze. Das objektive Tatverschulden
des Beschuldigten wiegt insgesamt mittelschwer.
- 55 -
Subjektiv ist mit der Vorinstanz und gemäss den vorstehenden Erwägungen von
einem direktvorsätzlichen Handeln des Beschuldigten auszugehen. Der Beschul-
digte schädigte den Privatkläger 3 aus rein egoistischen Motiven und offenbarte
dabei gerade angesichts des hohen Deliktsbetrags und seines Wissens darum,
dass der Privatkläger 3 auf den Betrag angewiesen war, eine erhebliche Rück-
sichtslosigkeit. Leicht verschuldensmindernd kann dem Beschuldigten zugute ge-
halten werden, dass er zum Tatzeitpunkt unter einem erheblichen finanziellen
Druck gestanden war, da insbesondere der Konkurs der G._ GmbH bereits
absehbar war. Es ist denn auch nicht zu widerlegen, dass der Beschuldigte mit
dem veruntreuten Geld vorweg bestehende Verbindlichkeiten dieser seiner GmbH
beglich. Nichtsdestotrotz vermag das subjektive Verschulden das objektive nicht
merklich zu relativieren. In Abweichung der vorinstanzlichen Qualifikation des
Verschuldens als nicht mehr leicht (Urk. 59 S. 65) ist somit hinsichtlich der Tat
gemäss ND 4 von einem insgesamt erheblichen Verschulden des Beschuldigten
auszugehen.
Entsprechend erweist sich auch die von der Vorinstanz festgesetzte Einsatzstrafe
von 10 Monaten angesichts des anwendbaren Strafrahmens von 1 bis 360 Ta-
gessätzen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren als deutlich zu
tief. Bei einem erheblichen Verschulden des Beschuldigten ist die Einsatzstrafe
vielmehr bei rund 18 Monaten festzusetzen.
2.2 Auf die Erwägungen der Vorinstanz zur objektiven und subjektiven Tat-
schwere der beiden weiteren vom Beschuldigten begangenen Veruntreuungen
(ND 1 und ND 3) kann – um Wiederholungen zu vermeiden – vollumfänglich ver-
wiesen werden (Urk. 59 S. 65 f.). Es ist zutreffend, dass das Verschulden des Be-
schuldigten bei diesen Veruntreuungshandlungen deutlich leichter wiegt als bei
derjenigen zu Lasten des Privatklägers 3. Die Erhöhung der Einsatzstrafe um drei
Monate, wie sie von der Vorinstanz vorgenommen wurde, erscheint dennoch nur
knapp als angemessen.
2.3 Die ansonsten korrekten Erwägungen der Vorinstanz zu den persönlichen
und finanziellen Verhältnissen sowie zum Nachtatverhalten des Beschuldigten
- 56 -
(Urk. 59 S. 66) gilt es dahingehend zu aktualisieren, dass der Beschuldigte mitt-
lerweile eine IV-Rente von monatlich Fr. 2'350.– und zudem aus der beruflichen
Vorsorge monatlich Fr. 4'000.– erhält. Seine Frau verdient monatlich Fr. 1'600.–
bis Fr. 1'800.– dazu. Die Miete der gemeinsamen Wohnung kostet Fr. 2'554.– im
Monat, die Krankenkasse des Beschuldigten Fr. 1'300.– pro Quartal und diejenige
seiner Frau monatlich Fr. 300.– (Prot. II S. 11). Das gegen den Beschuldigten ge-
führte Verfahren der eidgenössischen Oberzolldirektion wegen Vergehens gegen
das Automobilsteuergesetz wurde inzwischen mit rechtskräftigem Schuldspruch
der erkennenden Kammer beendet, was dem Beschuldigten aufgrund des vorge-
lagerten Zeitpunkts der vorliegend zu beurteilenden Taten jedoch nicht als Vor-
strafe angelastet werden darf. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung trat
die schlechte gesundheitliche Verfassung des Beschuldigten sodann augen-
scheinlich zu Tage. Der Beschuldigte sprach von einem erneut erlittenen Rückfall
(Prot. II S. 10).
Insgesamt kommt den persönlichen Verhältnissen und dem Nachtatverhalten des
Beschuldigten lediglich insoweit Strafzumessungsrelevanz zu, als der schlechte
Gesundheitszustand des Beschuldigten unter dem Titel Strafempfindlichkeit eine
leichte, aber spürbare Strafreduktion rechtfertigt.
2.4 Unter Berücksichtigung aller relevanten Strafzumessungsfaktoren wäre der
Beschuldigte jedenfalls mit einer deutlich höheren Strafe als die von der Vor-
instanz festgesetzten 12 Monate Freiheitsstrafe zu bestrafen. Da lediglich der Be-
schuldigte in Berufung ging und von keiner Seite Anschlussberufung erhoben
wurde, verbietet Art. 391 Abs. 2 StPO die Erhöhung der vorinstanzlich festgesetz-
ten Strafe (Verschlechterungsverbot). Es hat mithin bei der Bestrafung des Be-
schuldigten mit 12 Monaten sein Bewenden.
3. Strafart
Zur Strafzumessung gehört vorliegend nicht nur die Bestimmung des Masses,
sondern auch der Art der Strafe. Bei einer Strafe von 12 Monaten wäre neben ei-
ner Freiheitsstrafe auch die Ausfällung einer Geldstrafe möglich. Für die Wahl der
- 57 -
Strafart gelten dieselben Kriterien wie bei der Strafzumessung, namentlich das
Gewicht der Tat und das Verschulden des Täters. Ein wichtiges Kriterium ist die
Zweckmässigkeit der Sanktion, ihre Auswirkung auf den Täter und sein soziales
Umfeld, sowie die präventive Effizienz (BGE 134 IV 82, 85 E. 4.1; BGE 134 IV 97,
100 E. 4.2). Zu berücksichtigen ist deshalb namentlich das Vorleben des Täters.
Vorstrafen, v.a. einschlägige, und ausgefällte Freiheitsstrafen sprechen meist da-
für, dass die nötige präventive Wirkung durch eine blosse Geldstrafe nicht erzielt
werden kann.
Vorliegend ist vorweg zu berücksichtigen, dass die schuldangemessene Strafe
des Beschuldigten über der ausgesprochenen Strafhöhe von 12 Monaten und
damit in einem Bereich zu liegen kommen würde, in dem eine Freiheitsstrafe von
Vornherein die einzig mögliche Sanktion wäre. Erschwerend hinzu kommen die
mehrfache Tatbegehung über Jahre hinweg – womit der Beschuldigte einige kri-
minelle Energie offenbarte – und die Verurteilung des Beschuldigten auch im pa-
rallelen Strafverfahren der eidgenössischen Oberzolldirektion, welches zahlreiche
über ebenfalls lange Zeitdauer geübte Verhaltensweisen im Rahmen der selb-
ständigen Berufstätigkeit des Beschuldigten beschlug (vgl. Urk. 83). Es rechtfer-
tigt sich mithin sowohl unter dem Gesichtspunkt des Verschuldens als auch unter
dem Aspekt der präventiven Effizienz – für den Beschuldigten kommt wohl nur
und wenn überhaupt eine selbständige Erwerbstätigkeit in Betracht – die Ausfäl-
lung einer Freiheitsstrafe.
4. Fazit
Der Beschuldigte ist nach den vorstehenden Erwägungen mit 12 Monaten Frei-
heitsstrafe zu bestrafen.
5. Vollzug
5.1 Unter Verweis auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 59
S. 67 f.) ist festzustellen, dass die Voraussetzungen für die Gewährung des be-
dingten Vollzugs der auszufällenden Freiheitsstrafe sowohl in objektiver als auch
- 58 -
in subjektiver Hinsicht gegeben sind. Die Strafe ist daher unter Ansetzung einer
zweijährigen Probezeit bedingt aufzuschieben.
5.2 Entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen ist auf die Verbindung der be-
dingten Freiheitsstrafe mit einer Busse zu verzichten. Es ist einerseits davon aus-
zugehen, dass von der ausgesprochenen Strafe eine genügende Warnwirkung für
den Beschuldigten ausgehen wird. Andererseits liegt auch kein Fall an der Gren-
ze einer unbedingten Busse und einer bedingten Geldstrafe (sog. "Schnittstellen-
problematik", vgl. BGE 134 IV 1 E. 4.5.1., 134 IV 60 E. 7.3.1.) vor, der eine Ver-
bindungsbusse für angebracht erscheinen liesse.
VI. Zivilforderungen
1.1 Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, der Privatklägerin 1 Scha-
denersatz von Fr. 8'522.80 zuzüglich 5% Zins ab 31. Mai 2010 zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wurde das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin 1 abgewiesen
(Urk. 59 S. 79). Der Beschuldigte beantragt im Zuge seines Antrags auf Frei-
spruch mit seiner Berufung die ausgangsgemässe vollumfängliche Abweisung der
Forderung der Privatklägerin 1 (Urk. 85 S. 1).
1.2 Die Vorinstanz erwog mit zutreffender Argumentation, auf die verwiesen
werden kann, dass ein Schaden in der geltend gemachten Höhe von Fr. 8'522.80
nachgewiesen sei, der natürliche und adäquate Kausalzusammenhang zwischen
dem schädigenden Verhalten des Beschuldigten und dem bei der Privatklägerin 1
eingetretenen Schaden zu bejahen sei, das schädigende Verhalten des Beschul-
digten in einem Verstoss gegen Art. 138 StGB bestanden habe und daher wider-
rechtlich gewesen sei und der Beschuldigte die Tat vorsätzlich begangen habe
(Urk. 59 S. 71 ff.). Die von der Vorinstanz gestützt auf Art. 41 OR folgerichtig er-
kannte Verpflichtung des Beschuldigten zur Leistung von Schadenersatz an die
Privatklägerin 1 ist daher im Berufungsverfahren zu bestätigen.
2.1 Weiter verpflichtete die Vorinstanz den Beschuldigten, dem Privatkläger 3
Schadenersatz in der Höhe von Fr. 377'400.– zuzüglich 5% Zins ab 25. Juni 2009
zu bezahlen. Der Beschuldigte beantragt im Zuge seines Antrags auf Freispruch
- 59 -
mit seiner Berufung die ausgangsgemässe vollumfängliche Abweisung der Forde-
rung des Privatklägers 3 (Urk. 85 S. 1).
2.2 Wiederum ist den vorinstanzlichen Erwägungen beizupflichten (Urk. 59
S. 74 ff.). Dem Privatkläger 3 ist ein zum widerrechtlichen (Verstoss gegen
Art. 138 StGB) und vorsätzlichen Handeln des Beschuldigten natürlich und adä-
quat kausaler Schaden in Höhe des Verkaufserlöses des Aston Martin, entspre-
chend Fr. 377'400.–, entstanden, weshalb der Beschuldigte gestützt auf Art. 41
OR zu verpflichten ist, dem Privatkläger 3 diesen Schaden zu ersetzen. An die
Adresse des Vertreters des Privatklägers 3 sei ergänzend angefügt, dass entge-
gen seiner diesbezüglichen Argumentation (Urk. 86 S. 2) keine Rede von einer
Anerkennung der Schadenersatzpflicht durch den Beschuldigten sein kann, zumal
vorliegend lediglich Ansprüche zu prüfen sind, die aus der Straftat abgeleitet wer-
den (Art. 119 Abs. 2 lit. b StPO), nicht jedoch solche beispielsweise auf vertragli-
cher Grundlage. Was die vom Privatklägervertreter geltend gemachte Korrektur
des Beginns des Zinsenlaufs angeht (Urk. 86 S. 4 f.), so ist insoweit zuzustim-
men, als es sich in der vorinstanzlichen Formulierung um ein Versehen gehandelt
haben dürfte. Eine Korrektur ist dem Berufungsgericht jedoch aus formellen
Gründen versagt: Mangels eigener (Anschluss-)Berufung des Privatklägers 3
wirkt auch hier das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO, wes-
halb es bei der Verpflichtung des Beschuldigten zur Leistung von Schadenersatz
an den Privatkläger 3 in der Höhe von Fr. 377'400.– zuzüglich 5% Zins ab 25. Ju-
ni 2009 zu bleiben hat.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1 Bei diesem Ausgang ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungs-
dispositiv (Ziff. 10-13) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Kosten des Beru-
fungsverfahrens sind dem mit seinen Anträgen zum überwiegenden Teil unterlie-
genden Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
1.2 Der von der amtlichen Verteidigung geltend gemachte Aufwand (vgl.
Urk. 84) erscheint – unter Berücksichtigung der nicht aussergewöhnlichen Bedeu-
- 60 -
tung des Falles, der durchschnittlichen Schwierigkeit des vor Obergericht strittigen
Sachverhalts und der Verantwortung des Verteidigers (§ 2 Abs. 1 lit. b, c und d
AnwGebV), aber auch unter Berücksichtigung des erhöhten Aufwandes, den der
im Berufungsverfahren erfolgte Aktenbeizug mit sich gebracht hat – in einigen
Positionen überhöht. So sind insbesondere für die Vor- respektive Nachbereitung
der Berufungsverhandlung und die Teilnahme an dieser sowie für die Redaktion
der keine wesentlich neue Argumentation enthaltenden Berufungsbegründung
und des Plädoyers entsprechende Abzüge zu machen. Für den notwendigen
Aufwand erscheint die Festsetzung einer Entschädigung von pauschal Fr. 8'500.–
(inkl. MwSt und Auslagen) angemessen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung
sind, unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO, auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Der Beschuldigte ist sodann zu verpflichten, dem Privatkläger 3 für den Auf-
wand seiner Vertretung im Berufungsverfahren (inkl. MwSt und Auslagen) eine
Prozessentschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 2'500.– zu bezahlen.