Decision ID: d1478a09-4cba-4e9c-b85e-86f7daecbca7
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der im Jahre 1977 geborene X._ besuchte in Pakistan die Grund
schule und erwarb einen Bachelortitel in Wirtschaft. 1995 kam er als Student in die Schweiz, wo er zunächst Hilfsarbeitertätigkeiten verrichtete; er ist seit 2004 verheiratet und mittlerweile Vater dreier Kinder (Urk. 7/123 S. 6, Urk. 7/5). Ab Juli 2005 war er als Produktionsmitarbeiter bei der Z._ erwerbs
tätig (Urk. 7/15). Am 5. Januar 2011 verletzte sich der Versicherte bei einer Heck
kollision und litt in der Folge an den typischen
Schleudertraumabeschwerden
(Urk. 7/123 S. 10), was zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses per 31. Juli 2011 führte (letzter effektiver Arbeitstag: 4. Januar 2011; Urk. 7/15). In diesem Zu
sammenhang meldete er sich am 3. Juli 2012 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/5 S. 7).
Mit Mitteilung vom 21. Februar 2013 erteilte diese Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining (Urk. 7/24); der Abschluss der beruflichen Massnahme erfolgte mit Mitteilung vom 15. Juli 2013, wobei von einer Weiterführung der Integrationsmassnahme abgesehen wurde (Urk. 7/36). Mit Verfügung vom 1. Oktober 2013 stellte die Suva die Versicherungsleistungen mangels Adäquanz per 30. Novem
ber 2013 ein und hielt daran mit
Einspracheentscheid
vom 31. Dezember 2013 fest (Urk. 7/39, Urk. 7/46). Mit Schreiben vom 10. Dezember 2013 klärte die IV-Stelle den Versicherten über die Notwendigkeit einer statio
nären Behandlung in einer psychiatrischen Klinik auf und wies ihn auf die be
stehende Schadenminderungspflicht hin (Urk. 7/42). In der Zeit vom 20. Mai bis 7. Juni 2014 weilte der Versicherte am Rehabilitationszentrum der A._ (Urk. 7/63). In der Folge leitete die IV-Stelle die polydiszi
plinäre Begutachtung des Versicherten in die Wege (B._-Gutachten vom 28. September 2015; Urk. 7/85)
und stellte mit Vorbescheid vom 14. Dezember 2015 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/93).
Zur Klärung des Leistungsanspruchs erachtete die IV-Stelle in der Folge eine umfassende Verlaufsuntersuchung als notwendig (Urk. 7/111); das entsprechende Gutachten datiert vom 30. Dezember 2016 (C._-Gutachten, Urk. 7/123). Mit Verfügung vom 21. März 2017 hielt die IV-Stelle am erlassenen Vorbescheid fest (Urk. 7/126 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin des Versicherten am 29. März 2017 Beschwerde und beantragte, es sei dem Beschwerdeführer ab Januar 2013 eine
Dreiviertels
rente
zuzusprechen, eventualiter sei ein Gerichtsgutachten anzuordnen; unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S.
2
).
Mit Beschwerdeantwort vom 19. Mai 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 22. Mai 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei
psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung
allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbsein
kommen
zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine
und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psy
chischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Ex
per
te oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass sich in den vorliegenden Gutachten auffällig viele Anmerkungen betreffend Aggra
vation finden würden, welche über die Grenzen einer blossen Verdeutli
chungs
tendenz hinausgingen. Aufgrund der aktuellen Rechtsprechung sei dabei kein Leistungsanspruch ausgewiesen, was ohne Durchführung eines Einkommens
ver
gleichs zur Abweisung des Leistungsbegehrens führe (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass im
somatischen Bereich ohnehin keine Einschränkung der Leis
tungsfähigkeit ausgewiesen sei, sodass allfällige diesbezügliche Inkonsistenzen nicht für die Annahme einer Aggravation genügen würden (Urk. 1 S. 5). Im psy
chischen Bereich liege demgegenüber ein krankheitstypisches demonstratives
Vor
bringen der Leistungsunfähigkeit vor. Das
C._
-Gutachten sei dabei auch vom
RAD als nachvollziehbar und plausibel erachtet worden (S. 6). Insgesamt sei ge
stützt auf das C._-Gutachten von einer Resterwerbsfähigkeit von maximal 40 % auszugehen, was zur
Zusprache
einer
Dreiviertelsrente
führe (S. 9).
3.
3.1
Med.
pract
. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (
Konsiliar
psychiater
der Suva), diagnostizierte anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 23. Oktober 2012 eine erhebliche Anpassungsstörung mit protrahiertem Verlauf (ICD-10 F43.21). Eine depressive Störung gemäss ICD-10 käme für ihn nur differentialdiagnostisch in Frage bei maximal leichtgradigem Ausmass (ICD-10 F32.0; Urk. 7/23/12 f.). Daneben ergebe sich der Verdacht auf eine komplexe Konversionsstörung im Sinne eines Ganser-Syndroms (ICD-10 F44.80). Eine solche Diagnose, wie auch jene einer Affektstörung, würde die vorhandene Ten
denz zur Aggravation selbstverständlich nicht ausschliessen (Urk. 7/23/13).
3.2
Die für den Austrittsbericht der A._ vom 3. Juli 2014 ver
antwortlichen Fachärzte diagnostizierten eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0), eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie rezidivierende Lumbalgien. Eine berufliche Reintegration erscheine ihnen anhand der kom
plexen Beschwerdeproblematik kurz- bis mittelfristig nicht realistisch (Urk. 7/63).
3.3
Die für das B._-Gutachten 28. September 2015 verantwortlichen Fachärzte konnten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit keine Diagnosen stellen (Urk. 7/85 S. 49). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien die folgenden Diagnosen gegeben:
-
Panvertebralsyndrom
zervikal und lumbal betont
-
Fehlhaltung der HWS im Sinne einer
Gestreckthaltung
-
Fehlhaltung der LWS im Sinne einer
Kyphosierung
auf L1/2, je ohne degenerative Veränderungen
-
Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10 F41.2)
-
Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73), akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen Antei
len
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf das Berufsleben (ICD-10 Z56), Arbeitslosig
keit
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf die wirtschaftliche Situation (ICD-10 Z59), Abhängigkeit vom Sozialamt
-
Gemischte
Hyperlipidämie
-
Status nach HWS-Beschleunigungstrauma am 5. Januar 2011
Zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei der Beschwerdeführer aktuell weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (S. 55).
3.4
Die für das C._-Gutachten vom 30. Dezember 2016 verantwortlichen Fachärzte gingen - mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit - von den folgenden Diagnosen aus (Urk. 7/123 S. 10):
-
Mittelschwere bis schwere depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
DD: anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
Verdacht auf dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörung (ICD-10 F44.6)
-
DD: chronisches Hyperventilationssyndrom
Aufgrund der im psychiatrischen Gutachten beurteilten Funktionseinschränkung werde aus psychiatrischer Sicht die Arbeitsfähigkeit mit 30 bis 40 % eingeschätzt. Aufgrund der hochgradigen Diskrepanzen in der somatischen Untersuchung er
scheine dabei eine Arbeitsfähigkeit von 40 %, also am oberen Rand des ge
nannten Spektrums, als zumutbar. Da im B._-Gutachten weder eine ausgeprägt vorhandene depressive Episode beschrieben worden sei, noch die klar zu
diag
nos-tizierende
somatoforme Schmerzstörung, lasse sich die grosse Diskrepanz zur aktu
ellen psychiatrischen Beurteilung erklären (S. 17).
4.
4.1
Bezüglich der Würdigung der medizinischen Akten ist vorab festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer im Juli 2012 zum Leistungsbezug angemeldet hatte, sodass sich ein
frühstmöglicher
Rentenbeginn per 1. Januar 2013 ergibt. Das C._-Gutachten vom 30. Dezember 2016 wurde von der Beschwerdegegnerin insbesondere zur Beurteilung des Verlaufs eingeholt (Urk. 7/111). Ohne vorerst eine abschliessende Würdigung vorzunehmen, ist zunächst zu prüfen, ob der Ver
lauf der Beschwerden verlässlich nachvollzogen werden kann.
Die Gutachter des C._ hielten anlässlich der Konsensbeurteilung fest, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der letzten Beurteilung 2015 nicht wesentlich verändert habe. Einzig die depressive Symptomatik scheine in der aktuellen psychiatrischen Untersuchung ausgeprägter zu sein, nämlich mittel- bis
schwergradig
. Zuvor sei immer nur eine mittelgradige depressive Sympto
matik beschrieben worden. Dies würde auch dazu passen, dass der Beschwerdeführer angebe, die Traurigkeit habe im letzten Jahr zugenommen. Die aktuell psychiatrisch beurteilte Arbeitsfähigkeit gelte ab Datum ihres Gutachtens, davor gelte die Einschätzung gemäss B._-Gutachter (Urk. 7/123 S. 16 f.).
Auch wenn es durchaus zulässig ist, auf die Beurteilung der B._-Gutachter zu verweisen, muss der Verlauf dennoch schlüssig beurteilbar sein, dies umso mehr, als das B._-Gutachten nur rund ein Jahr vor dem C._-Gutachten erstellt wurde. Dabei fällt auf, dass anlässlich der Begutachtung am B._ eben gerade keine mittelgradige depressive Episode festgestellt werden konnte (Urk. 7/85 S. 48). Vor diesem Hintergrund erscheint die Annahme der C._-Gutachter, dass vor ihrem Gutachten immer nur eine mittelgradige depressive Symptomatik beschrieben worden sei, nicht zuzutreffen. Vergleicht man die beiden Gutachten, ist der Schluss auf eine wesentliche Verschlechterung des gesundheitlichen
Zustandes in der Zwischenzeit nur möglich, sofern man nicht von einer erheblich anderen Einschätzung eines im wesentlichen gleiches Sachverhalts ausgehen will. Beide Möglichkeiten wären aber im Rahmen eines Verlaufsgutachtens einlässlich und nachvollziehbar zu begründen.
Schon allein deshalb erscheint es unumgänglich, die Sache an die Beschwer
de
gegnerin zur weiteren Abklärung im Sinne der Einholung eines ergänzenden Berichts bei den Gutachtern des C._ zurückzuweisen.
4.2
4.2.1
Hinzuweisen ist dabei zudem,
dassg
emäss
BGE 143 V 418 grundsätzlich sämt
liche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unter
ziehen (Änderung der Rechtsprechung
)
sind.
Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung
–
fest, dass eine invalidenver
siche
rungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz
auszuschliessen
sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensa
tions
potentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung
miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. zur Publikation in der Amtlichen Sammlung bestimmtes Urteil des Bundesgerichts 8C_409/2017 vom 2
1.
März 2018 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 20
18 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281
) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komple
x „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich
entscheidend
ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/
2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
4.2.2
Nachdem bezüglich des Verlaufs der Erkrankung ohnehin weitere Abklärungen nötig sind, erscheint es sinnvoll, angesichts der nun für alle psychischen Erkran
kungen massgebenden Standardindikatoren die Sache den C._-Gutachtern zur entsprechenden Beantwortung – auch unter Einbezug des depressiven Gescheh
ens – zu unterbreiten. Auch wenn aufgrund der neusten Rechtsprechung nicht mehr allein auf die fehlende Therapieresistenz hingewiesen werden kann, stellen
Verlauf und Ausgang von Therapien
dennoch
wichtige Schweregradindikatoren dar.
Es ist Aufgabe des
medizinischen
Sachverständigen, nachvollziehbar aufzu
zeigen, weshalb trotz
(zumindest)
mittelschwerer Depression und
gegebener
Thera
pierbarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle Leistungseinschränkungen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (BGE 143 V 409 E. 4.5.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
Eingehend zu diskutieren sein wird insbesondere der Themenbereich
Behand
lungs
- und Eingliederungserfolg oder
–
resistenz
. So wurde bereits von den B._-Gutachtern auf eine ungenügende Therapie hingewiesen (Urk. 7/85 S. 59). Auch die C._-Gutachter halten fest, dass weiterhin keine suffiziente antidepressive psychopharmakologische Behandlung bestehe. Darüber hinaus solle erneut ein stationärer Aufenthalt in einer psychosomatischen Fachklinik diskutiert werden (Urk. 7/123 S. 18).
4.3
Hinsichtlich des von der Beschwerdegegnerin ins Feld geführten Aggravations
tendenz ist – ohne eine abschliessende Würdigung des C._-Gutachtens vorzu
nehmen – anzumerken, dass die Einschätzung der Leistungsfähigkeit in Kenntnis und im Bewusstsein des hochgradig diskrepanten Verhaltens des Beschwerde
führers erfolgt ist. Dennoch wurde abschliessend ausgeführt, dass sich ein stimmiges Bild eines Beschwerdeführers mit einer chronischen Schmerzstörung aus dem somatoformen Formenkreis zeige (Urk. 7/123 S. 16). Vor diesem Hinter
grund bestehen nach Einschätzung der Gutachter mehrere von der Aggravation zu unterscheidende, sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkende Gesundheits
schäden, sodass allein unter Hinweis auf eine zweifelsohne bestehende Aggra
vation nicht sämtliche Leistungen der Invalidenversicherung zu verweigern sein dürften.
4.4
Zusammenfassend führt dies zur Rückweisung der Sache an die Beschwerde
gegnerin zur Stellung von Ergänzungsfragen an die für das C._-Gutachten verantwortlichen Fachpersonen. Dabei wird die nachvollziehbare Darstellung und Begründung des Verlaufs der Beschwerden seit Januar 2013 unter Berücksich
ti
gung der medizinischen
Vorakten
im Vordergrund stehen. Weiter sind die nun für alle psychischen Erkrankungen massgebenden Standardindikatoren zu be
rück
sichtigen, insbesondere der Themenkreis
Behandlungs- und Eingliederungs
erfolg oder
–
resistenz
. Die Beschwerde ist in Aufhebung der angefochtenen Verfügung in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr. 2'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.