Decision ID: be21496c-938b-4568-b7b6-4644729b336a
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. Bei A._, Jahrgang B._, wurde im Januar 2018 eine
Autismusspektrumsstörung im Sinne eines frühinfantilen Autismus
diagnostiziert. Aufgrund dessen wurde sie im März 2018 zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung für Minderjährige sowie zum Bezug medizinischer
Massnahmen bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-
Stelle) angemeldet. Letztere anerkannte die diagnostizierte Störung als
Geburtsgebrechen Ziffer 405 und erteilte namentlich Kostengutsprache für
Ergotherapie. Nachdem anlässlich der Abklärung vor Ort am
12. September 2018 in den alltäglichen Lebensverrichtungen An- und
Auskleiden, Essen, Verrichten der Notdurft und Fortbewegung ein
regelmässiger und erheblicher Bedarf an Dritthilfe festgestellt worden war,
sprach die IV-Stelle A._ mit Verfügung vom 18. Oktober 2018 eine
Hilflosenentschädigung mittleren Grades zu. Zudem führte sie aus, die
dauernde persönliche Überwachung könne ab dem sechsten Altersjahr
geprüft werden.
2. Am 9. Februar 2020 wurde A._ aufgrund eines aufgetretenen
Krampfereignisses notfallmässig im Spital H._ hospitalisiert, wo ein
fokaler Status epilepticus bei Fieber diagnostiziert wurde. Auch in der
Folge erlitt sie Krampfanfälle, die jeweils in Zusammenhang mit
fieberhaften Infekten auftraten und mit Notfallmedikamenten behandelt
werden mussten.
3. Ab August 2020 besuchte A._ den heilpädagogischen Kindergarten
des C._.
4. Anfang Dezember 2020 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein. Im
entsprechenden Revisionsfragebogen gab A._ bei allen alltäglichen
Lebensverrichtungen an, auf Unterstützung angewiesen zu sein, und
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verneinte die Frage, ob es möglich sei, für mindestens ein bis zwei
Stunden während des Tages alleine zu sein. Anlässlich der Abklärung vor
Ort am 21. Juni 2021 wurde eine erhebliche und regelmässige
Hilfsbedürftigkeit in den alltäglichen Lebensverrichtungen An- und
Auskleiden, Essen, Körperpflege, Verrichten der Notdurft und
Fortbewegung festgestellt sowie insgesamt ein Mehraufwand von 2
Stunden und 28 Minuten für die Intensivpflege festgehalten. Ein Bedarf an
persönlicher Überwachung wurde verneint.
5. Mit Vorbescheid vom 10. September 2021 stellte die IV-Stelle A._
einen unveränderten Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung für
Minderjährige in Aussicht. Zum Abklärungsergebnis hielt sie fest, A._
sei in fünf Lebensverrichtungen auf regelmässige und erhebliche Hilfe
angewiesen; einzig in der Verrichtung Aufstehen, Absitzen und Abliegen
sei sie selbstständig. Eine dauernde persönliche Überwachung liege nicht
vor. Auf Intensivpflegezuschlag bestehe kein Anspruch, da der
Betreuungsaufwand unter Berücksichtigung des Mehrbedarfs an
Hilfestellungen zu einem nicht behinderten Kind weniger als vier Stunden
pro Tag betrage. Dagegen liess A._ am 27. September 2021
Einwand erheben. Mit Verfügung vom 26. November 2021 entschied die
IV-Stelle wie vorbeschieden und sprach A._ weiterhin eine
Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit ohne Intensivpflegezuschlag
zu.
6. Hiergegen liess A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
17. Januar 2022 (Poststempel) Beschwerde beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden erheben. Dabei beantragte sie was folgt:
1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 26. November 2021 sei aufzuheben.
2. Der Beschwerdeführerin seien eine Hilflosenentschädigung mindestens mittleren Grades sowie ein Intensivpflegezuschlag für einen
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behinderungsbedingten Mehraufwand von über 4 Stunden pro Tag zuzusprechen ab dem frühest möglichen Zeitpunkt.
3. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin.
Zur Begründung führte sie namentlich aus, bei ihr lägen aufgrund der
Autismusspektrumsstörung ein allgemeiner Entwicklungsrückstand sowie
eine deutliche Beeinträchtigung im Sozialverhalten und in den
kommunikativen Fähigkeiten vor. Sie habe keine Sprache, rede nicht und
reagiere weder auf ihren Namen noch auf Zurufen. Sie sei
bewegungsfreudig, quirlig, wendig, blitzschnell in ihrem Tun und
unberechenbar. Leidensbedingt sei sie nicht in der Lage, Gefahren im
altersgemässen Rahmen einzuschätzen. Sie werfe mit Gegenständen um
sich, leere Flüssigkeiten aus und nehme Dinge in den Mund. Sie sei über
Vernunft nicht ansprechbar. Ein eigenes Schmerzempfinden habe sie
genauso wenig wie ein Bewusstsein für Schmerzen anderer. Daher sei
eindeutig ein dauernder persönlicher Überwachungsbedarf
anzuerkennen. Unter Berücksichtigung der hierfür vorgesehenen
zweistündigen Überwachungspauschale bestehe ein Anspruch auf einen
Intensivpflegezuschlag. Da eine Eins-zu-eins-Betreuung, ständige
Interventionsbereitschaft und erhöhte Aufmerksamkeit notwendig seien,
rechtfertige es sich sogar, eine besonders intensive Überwachung
anzuerkennen. Auch seien die im Abklärungsbericht ausgewiesenen
Minutenwerte zu tief. Sie würden dem Einzelfall nicht Rechnung tragen
und der behinderungsbedingte Mehraufwand bleibe unberücksichtigt.
7. In ihrer Vernehmlassung vom 25. Februar 2022 schloss die IV-Stelle auf
Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten der
Beschwerdeführerin. Dabei verwies sie primär auf die in der
angefochtenen Verfügung angeführte Begründung, an der sie
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vollumfänglich festhielt. Zudem äusserte sie sich zu den in der
Beschwerde enthaltenen Ausführungen betreffend die im
Abklärungsbericht ausgewiesenen Minutenwerte.
8. Die Beschwerdeführerin reichte trotz der ihr eingeräumten Frist für eine
freigestellte Stellungnahme keine Replik ein.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und die übrigen
Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 26. November 2021, worin der
Beschwerdeführerin weiterhin eine Entschädigung wegen mittlerer
Hilflosigkeit ohne Intensivpflegezuschlag zugesprochen wurde. Gemäss
Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor
dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Als kantonales
Versicherungsgericht ist das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde sowohl
örtlich als auch sachlich zuständig (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Die
Beschwerdeführerin ist Adressatin der angefochtenen Verfügung,
weshalb sie durch die angefochtene Verfügung unmittelbar betroffen ist
und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat.
Sie ist demnach zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 59 ATSG). Auf
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die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 und Art. 61 ATSG)
eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob die IV-Stelle der
Beschwerdeführerin zu Recht weiterhin eine Entschädigung wegen
mittlerer Hilflosigkeit ohne Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag
zugesprochen hat.
3.1. Der vorliegende Rechtsstreit gründet auf einer revisionsrechtlichen
Fragestellung, weshalb nach Art. 17 ATSG vorzugehen ist. Die Erhöhung,
Herabsetzung oder Aufhebung einer Hilflosenentschädigung gestützt auf
Art. 17 Abs. 2 ATSG setzt einen Revisionsgrund voraus. Darunter ist jede
wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, u.a.
Verbesserung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes oder
Verwendung neuer Hilfsmittel, zu verstehen, die geeignet ist, den Grad der
Hilflosigkeit und damit den Umfang des Anspruchs zu beeinflussen (Urteil
des Bundesgerichts 8C_592/2020 vom 15. April 2021 E.3). Zeitlicher
Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung
bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen
Prüfung des Leistungsanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung beruht (vgl. BGE 133 V 108;
Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2014 vom 9. September 2014 E.3.2
und E.3.3). Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Anspruch
auf Hilflosenentschädigung in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht
umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere
Beurteilungen besteht (vgl. BGE 141 V 9 E.2.3 und E.6.1; Urteile des
Bundesgerichts 9C_561/2018 und 9C_631/2018 vom 8. Februar 2019
E.3, 8C_72/2017 vom 23. Mai 2017 E.1).
3.2. Wie nachfolgend noch aufzuzeigen sein wird, steht vorliegend die Frage
der dauernden persönlichen Überwachung im Vordergrund, welche in der
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rechtskräftigen Verfügung vom 18. Oktober 2018 noch unberücksichtigt
geblieben ist. Denn die IV-Stelle führte darin aus, die dauernde
persönliche Überwachung könne (erst) ab dem 6. Altersjahr geprüft
werden (vgl. IV-act. 31 S. 2). Obgleich die Eltern schon mit Stellungnahme
vom 15. Oktober 2018 vorgebracht hatten, dass sie bei der
Beschwerdeführerin bereits damals einen erheblichen Mehraufwand im
Vergleich zu Gleichaltrigen beobachtet hätten (vgl. IV-act. 29), dürfen die
dannzumal in diesem Zusammenhang unberücksichtigt gebliebenen
Umstände nicht in den Bestand derjenigen Tatsachen einbezogen
werden, anhand derer zu ermitteln ist, ob eine anspruchserhebliche
Änderung des Sacherhalts eingetreten ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_262/2019 vom 23. März 2020 E.3.2 und E.4.3 f., 9C_468/2009 vom
9. September 2009 E.2.3.2). Vielmehr sind die nachfolgend noch zu
diskutierenden Gegebenheiten bei der im massgebenden Zeitpunkt bei
Erlass der angefochtenen Verfügung etwas weniger als sieben Jahre alten
Beschwerdeführerin als nunmehr vorliegend zu betrachten und im
Rahmen des Überwachungsbedarfs zu prüfen, weshalb insofern von einer
anspruchsrelevanten Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen
auszugehen ist, die – auch weil die Ausrichtung eines
Intensivpflegezuschlags zur Hilfslosenentschädigung in Frage steht –
geeignet sind, den Umfang des Anspruchs zu beeinflussen.
4.1.1. Gemäss Art. 42 Abs. 1 IVG haben Versicherte mit Wohnsitz und
gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz, die hilflos (Art. 9
ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Als hilflos gilt eine
Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen
Überwachung bedarf (Art. 9 ATSG). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E.3a
m.w.H.) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen
massgebend (BGE 133 V 450 E.7.2, 127 V 94 E.3c, 125 V 297 E.4a):
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Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen, Absitzen, Abliegen; Essen;
Körperpflege; Verrichtung der Notdurft; Fortbewegung (im oder ausser
Haus), Kontaktaufnahme.
4.1.2. Art. 37 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Art. 37 Abs. 2 IVV gilt die
Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der
Abgabe von Hilfsmitteln: (lit. a) in den meisten alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter
angewiesen ist; (lit. b) in mindestens zwei alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter
angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung
bedarf; oder (lit. c) in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Artikel 38
angewiesen ist. Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit
mittelschweren Grades nach Art. 36 (seit 1. Januar 2004: Art. 37) Abs. 2
lit. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen
Lebensverrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E.3b, 107 V 145 E.2). Sodann
gilt die Hilflosigkeit gemäss Art. 37 Abs. 1 IVV als schwer, wenn die
versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen
alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die
Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der
persönlichen Überwachung bedarf.
4.2. Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines
Leistungsanspruches unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle
vornehmen. Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter
dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs
folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin wirkt eine
qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen
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Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten
Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder
deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen
an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern
notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu
berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im
Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext muss schliesslich plausibel,
begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen
Lebensverrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erfordernissen der
dauernden Pflege, der persönlichen Überwachung und der
lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung
mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht
greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im
eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung
tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen
vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich
kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das
im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E.3.2.1; Urteile des
Bundesgerichts 9C_98/2020 vom 8. April 2020 E.2.3, 8C_573/2018 vom
8. Januar 2019 E.3.2, 8C_756/2011 vom 12. Juli 2012 E.3.2). Diese
Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit
unter dem Aspekt des Intensivpflegezuschlags (Urteile des
Bundesgerichts 8C_741/2017 vom 17. Juli 2018 E.5.1, 8C_308/2016 vom
6. September 2016 E.5.1, 8C_756/2011 vom 12. Juli 2012 E.3.2; vgl. zum
Intensivpflegezuschlag nachstehende Erwägungen 6.2.1.1 ff.).
Festzuhalten ist sodann, dass es beim erwähnten "Ermessen der die
Abklärung tätigenden Person" nicht um Ermessen im Sinn der
verwaltungsrechtlichen Terminologie, mithin um die Abgrenzung der
Entscheidsbefugnis des Gerichts gegenüber der Zuständigkeit der
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Verwaltung unter dem Gesichtspunkt der Zweckmässigkeitsprüfung,
sondern um eine Frage der Beweiswürdigung geht (Urteile des
Bundesgerichts 8C_741/2017 vom 17. Juli 2018 E.5.1, 8C_756/2011 vom
12. Juli 2012 E.4.4 m.w.H.).
5.1. In der angefochtenen Verfügung vom 26. November 2021 hielt die IV-
Stelle primär gestützt auf den Bericht vom 22. Juni 2021 über die
Abklärung an Ort und Stelle fest, die Beschwerdeführerin habe mangels
anspruchsbeeinflussender Änderung weiterhin Anspruch auf die bisherige
Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit. Dabei bejahte sie das
Angewiesensein auf regelmässige und erhebliche Hilfe in den alltäglichen
Lebensverrichtungen An- und Ausziehen, Essen, Körperpflege, Verrichten
der Notdurft sowie Fortbewegung und Kontaktaufnahme. Zudem führte sie
aus, die Beschwerdeführerin sei in der Verrichtung Aufstehen, Absitzen
und Abliegen selbstständig. Demgegenüber verneinte sie das Vorliegen
einer dauernden persönlichen Überwachung und befand, es bestehe
weiterhin kein Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag (vgl. IV-act. 90
S. 2).
5.2. Dagegen bringt die Beschwerdeführerin in der Beschwerde vor, es liege
ein dauernder persönlicher Überwachungsbedarf vor. Unter
Berücksichtigung der hierfür vorgesehenen zweistündigen
Überwachungspauschale bestehe ein Anspruch auf einen
Intensivpflegezuschlag. Gestützt auf die vorhandenen Berichte und
nachdem eine Eins-zu-eins-Betreuung, ständige Interventionsbereitschaft
und erhöhte Aufmerksamkeit notwendig seien, rechtfertige es sich sogar,
eine besonders intensive Überwachung anzuerkennen. Die
Beschwerdeführerin beantragte dabei insbesondere, ihr seien eine
Hilflosenentschädigung mindestens mittleren Grades sowie ein
Intensivpflegezuschlag für einen behinderungsbedingten Mehraufwand
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von über vier Stunden pro Tag zuzusprechen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen.
5.3. Obschon die Beschwerdeführerin nach dem Gesagten unter anderem die
Zusprechung einer Entschädigung wegen schwerer Hilflosigkeit
anbegehrt ("Hilflosenentschädigung mindestens mittleren Grades";
Hervorhebung durch das Gericht), stellt sie die beschwerdegegnerische
Feststellung, wonach sie in der alltäglichen Lebensverrichtung Aufstehen,
Absitzen und Abliegen selbstständig und somit nicht hilfsbedürftig sei,
nicht in Abrede. Eine abweichende Beurteilung drängt sich angesichts der
Ergebnisse der Abklärung vor Ort denn auch nicht auf (vgl. IV-act. 78 S. 3
sowie Rz. 8015 ff. Kreisschreiben des BSV über die Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], Stand: 1. Januar 2021).
Da die Hilflosigkeit indes erst dann als schwer gilt, wenn die versicherte
Person namentlich in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (vgl. vorstehende
Erwägung 4.1.2), entfällt ein entsprechender Anspruch auf eine solche
Entschädigung von vornherein. Im Zentrum steht somit vielmehr die
Frage, ob die Beschwerdeführerin der dauernden persönlichen
Überwachung bedarf. Denn bei Minderjährigen kommt dem Aspekt der
Überwachungsbedürftigkeit – anders als bei Erwachsenen (vgl. BGE 107
V 136 E.1b) – auch bei mittlerer Hilflosigkeit nicht bloss untergeordnete
Bedeutung zu, weil eine dauernde Überwachung einen Anspruch auf
einen Intensivpflegezuschlag begründen kann (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_573/2018 vom 8. Januar 2019 E.3.1.4, 8C_562/2008
vom 1. Dezember 2008 E.2.3; vgl. zum Intensivpflegezuschlag
nachstehende Erwägungen 6.2.1.1 ff.). Der Überwachungsbedarf ist
daher gesondert zu prüfen.
6.1.1. Die dauernde persönliche Überwachung (vgl. Art. 37 Abs. 1, Abs. 2 lit. b
und Abs. 3 lit. b IVV), welche auch beim Intensivpflegezuschlag relevant
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ist (Art. 39 Abs. 3 IVV; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_393/2021 vom
13. Oktober 2021 E.3.2.2.1, 8C_741/2017 vom 17. Juli 2018 E.3.3.1; vgl.
zum Intensivpflegezuschlag nachstehende Erwägungen 6.2.1.1 ff.), ist ein
eigenständiges Bemessungskriterium, das sich nicht auf die alltäglichen
Lebensverrichtungen bezieht. Sie umfasst vielmehr Hilfeleistungen, die
nicht bereits als direkte oder indirekte Hilfe in einer Lebensverrichtung
berücksichtigt werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_393/2021 vom
13. Oktober 2021 E.3.2.2.1, 8C_533/2019 vom 11. Dezember 2019
E.3.2.5 m.w.H.).
6.1.2. Eine dauernde persönliche Überwachungsbedürftigkeit darf angenommen
werden, wenn die versicherte Person infolge ihres physischen und/oder
psychischen Gesundheitszustands ohne Überwachung mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit sich selbst oder andere Personen
gefährden würde (Urteile des Bundesgerichts 8C_393/2021 vom
13. Oktober 2021 E.3.2.2.2, 8C_533/2019 vom 11. Dezember 2019
E.3.2.5; Ziff. 8035 KSIH). Die Überwachung ist z.B. erforderlich, wenn eine
versicherte Person wegen geistiger Absenzen nicht während des ganzen
Tages allein gelassen werden kann oder wenn eine Drittperson mit
kleineren Unterbrüchen bei der versicherten Person anwesend sein muss,
da sie nicht allein gelassen werden kann (BGE 107 V 136 E.1b, 106 V 153
E.2a; Urteil des Bundesgerichts 9C_831/2017 vom 3. April 2018 E.3.1
m.w.H.). Um als anspruchsrelevant zu gelten, muss die persönliche
Überwachung ein gewisses Mass an Intensität aufweisen. "Dauernd"
heisst nicht rund um die Uhr, sondern ist als Gegensatz zu
"vorübergehend" zu verstehen. Dies kann nach der Rechtsprechung erfüllt
sein, wenn bei einer versicherten Person z.B. Anfälle zuweilen nur alle
zwei bis drei Tage auftreten, diese aber unvermittelt und oft auch täglich
oder täglich mehrmals erfolgen, sodass tägliche Überwachung vonnöten
ist. Das Erfordernis der Dauer bedingt auch nicht, dass die betreuende
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Person ausschliesslich an die überwachte Person gebunden ist. Ob Hilfe
und persönliche Überwachung notwendig sind, ist objektiv nach dem
Zustand der versicherten Person zu beurteilen (Urteile des
Bundesgerichts 8C_393/2021 vom 13. Oktober 2021 E.3.2.2.2,
8C_573/2018 vom 8. Januar 2019 E.3.1.3 m.w.H.).
6.1.3. Bei behinderten Minderjährigen ist nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und
persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht behinderten
Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen (Art. 37 Abs. 4 IVV).
Diese Sonderregelung trägt dem Umstand Rechnung, dass bei
Kleinkindern eine gewisse Hilfs- und Überwachungsbedürftigkeit auch bei
voller Gesundheit besteht. Für die Bestimmung der Hilflosigkeit
Minderjähriger dienen die im Anhang III KSIH enthaltenen Richtlinien zur
Bemessung der massgebenden Hilflosigkeit bei Minderjährigen (BGE 137
V 424 E.3.3.3.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_393/2021 vom
13. Oktober 2021 E.3.2.2.3, 9C_75/2020 vom 9. Februar 2021 E.4.2 und
E.6.4.3; zur Tragweite von Weisungen der Aufsichtsbehörde BGE 136 V
16 E.5.1.2 in fine, 133 V 257 E.3.2). Danach ist die persönliche
Überwachung vor dem sechsten Altersjahr in der Regel nicht in Betracht
zu ziehen; die Überwachung kann jedoch bei Kindern mit frühkindlichem
Autismus sowie Kindern mit medikamentös nicht einstellbarer Epilepsie je
nach Schweregrad und Situation schon ab vier Jahren anerkannt werden
(vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_393/2021 vom 13. Oktober 2021
E.3.2.2.3). Rechtsprechungsgemäss sind autistische Kinder je nach
Schweregrad ihrer Erkrankung zu beurteilen. Die autistische Störung kann
dabei eine grosse Variationsbreite aufweisen, weshalb das Ausmass der
Überwachungsbedürftigkeit auf Grund der konkreten Umstände des
Einzelfalls zu beurteilen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_158/2008 vom
15. Oktober 2008 E.5.2.2. m.w.H.)
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6.2.1.1. Gemäss Art. 42ter Abs. 3 IVG wird die Hilflosenentschädigung für
Minderjährige, die zusätzlich eine intensive Betreuung brauchen, um einen
Intensivpflegezuschlag erhöht; dieser Zuschlag wird nicht gewährt bei
einem Aufenthalt in einem Heim. Der monatliche Intensivpflegezuschlag
beträgt bei einem invaliditätsbedingten Betreuungsaufwand von
mindestens acht Stunden pro Tag 100 %, bei einem solchen von
mindestens sechs Stunden pro Tag 70 % und bei einem solchen von
mindestens vier Stunden pro Tag 40 % des Höchstbetrages der
Altersrente nach Art. 34 Abs. 3 und 5 des Bundesgesetzes über die Alters-
und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10). Der Zuschlag
berechnet sich pro Tag. Der Bundesrat regelt im Übrigen die Einzelheiten.
6.2.1.2. Nach Art. 39 IVV liegt eine intensive Betreuung im Sinne von Art. 42ter
Abs. 3 IVG bei Minderjährigen vor, wenn diese im Tagesdurchschnitt
infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzliche Betreuung von
mindestens vier Stunden benötigen (Abs. 1). Anrechenbar als Betreuung
ist der Mehrbedarf an Behandlungs- und Grundpflege im Vergleich zu
nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters. Nicht anrechenbar ist
der Zeitaufwand für ärztlich verordnete medizinische Massnahmen,
welche durch medizinische Hilfspersonen vorgenommen werden, sowie
für pädagogisch-therapeutische Massnahmen (Abs. 2). Bedarf eine
minderjährige Person infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzlich
einer dauernden Überwachung, so kann diese als Betreuung von zwei
Stunden angerechnet werden. Eine besonders intensive
behinderungsbedingte Überwachung ist als Betreuung von vier Stunden
anrechenbar (Abs. 3).
6.2.1.3. Der Anspruch auf einen pauschalen Intensivpflegezuschlag im Sinn des
vorgenannten Art. 39 Abs. 3 IVV entsteht gemäss den bundesrätlichen
Erläuterungen zur Verordnungsänderung vom 21. Mai 2003 nicht bereits
dann, wenn ein Kind bloss während bestimmter Stunden am Tag
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pflegerische Unterstützung benötigt. Abgegolten werden soll vielmehr die
für die Eltern extrem belastende Tatsache, dass das Kind darüber hinaus
rund um die Uhr invaliditätsbedingt überwacht werden muss – sei es aus
medizinischen Gründen (z.B. Gefahr epileptischer Anfälle), sei es infolge
spezifischer geistiger Behinderung oder bei Autismus. Der "gewöhnliche"
Überwachungsbedarf (wie er für den Anspruch auf eine leichte
Hilflosenentschädigung definiert ist [Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV]; vgl. dazu
vorstehende Erwägungen 6.1.1 - 6.1.3), ist mit zwei Stunden Pflege zu
gewichten. Eine besonders grosse, mit vier Stunden zu gewichtende
Überwachungsintensität ist beispielsweise anzunehmen in schweren
Fällen von Autismus, bei denen ein Kind keine fünf Minuten aus den Augen
gelassen werden kann und die Eltern permanent intervenieren müssen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_741/2017 vom 17. Juli 2018 E.3.3.1).
6.2.2.1. Nach Ziff. 8079 KSIH liegt eine besonders intensive dauernde
Überwachung vor, wenn von der Betreuungsperson eine
überdurchschnittlich hohe Aufmerksamkeit und ständige
Interventionsbereitschaft gefordert wird. Dies bedeutet, dass sich die
Betreuungsperson permanent in unmittelbarer Nähe der versicherten
Person aufhalten muss, da eine kurze Unachtsamkeit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit lebensbedrohliche Folgen hätte oder zu einer
massiven Schädigung von Personen und Gegenständen führen würde.
Aufgrund der geforderten Eins-zu-eins-Überwachung/Betreuung kann
sich die Betreuungsperson kaum anderen Aktivitäten widmen. Zudem
müssen zum Schutz der versicherten Person und ihrer Umgebung bereits
geeignete Massnahmen zur Schadenminderung getroffen worden sein,
wobei es diesbezüglich nicht zu einer unzumutbaren Situation der
Umgebung kommen darf. Das KSIH (Stand: 1. Januar 2017, Ziff. 8079)
illustrierte dies zunächst mit dem Beispiel eines autistischen Kinds, das
erhebliche Probleme habe, seine Umwelt wahrzunehmen und mit ihr zu
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kommunizieren. Dies zeige sich in seinem alltäglichen Umgang mit
Gegenständen (z.B. Ausleeren von Behältern, Herumwerfen beliebiger
Gegenstände, Beschädigung von Möbeln etc.). Auch könne das Kind
keine Gefahren erkennen: So könne es z.B. unvermittelt aus dem Fenster
steigen. Es sei allenfalls auch nicht in der Lage, auf verbale Rufe oder
Warnungen entsprechend zu reagieren. In bestimmten Situationen könne
es beispielsweise zu selbstverletzendem oder fremdaggressivem
Verhalten kommen. Die Betreuungsperson müsse deshalb dauernd mit
erhöhter Aufmerksamkeit in unmittelbarer Nähe des Kindes bleiben und
jederzeit bereit sein einzugreifen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
8C_741/2017 vom 17. Juli 2018 E.3.3.3).
6.2.2.2. Gemäss Anhang III KSIH ist eine besonders intensive Überwachung vor
dem achten Altersjahr in der Regel nicht in Betracht zu ziehen.
Rechtsprechungsgemäss kann ein Bedarf an besonders intensiver
Überwachung allerdings auch vor acht Jahren gegeben sein.
Entscheidend ist, wie sich die versicherte Person unbeaufsichtigt ohne
vertraute Personen in unmittelbarer Nähe verhält; dabei ist nicht nur den
konkreten Verhältnissen, sondern auch dem Aufwand für gesunde Kinder
gleichen Alters Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_332/2021 vom 29. September 2021 E.4.3.1 m.w.H.).
6.2.2.3. Im Urteil des Bundesgerichts 9C_666/2013 vom 25. Februar 2014 wurde
eine besonders intensive Überwachung bejaht bei einem sechsjährigen
autistischen Mädchen. Dieses dürfe im Alltag nie aus den Augen gelassen
werden, weil es ansonsten blitzschnell Sachen zerstöre oder
durcheinander bringe und nicht in der Lage sei, Gefahren und das
Geschehen um sich herum einzuschätzen. Auch müsse es ausserhalb der
Wohnung oder der Schule stets an der Hand geführt werden, weil es keine
Berührungsängste gegenüber Fremden kenne und mit diesen auch
mitgehen würde. Wo es nicht möglich und auch nicht sinnvoll sei, das Kind
- 17 -
an der Hand zu nehmen, etwa auf Spielplätzen, müsse die Begleitperson
besonders aufmerksam und ständig bereit sein einzugreifen, um zu
verhindern, dass es weglaufe, sich bei der Benutzung von Spielgeräten
verletze oder Sachen Dritter beschädige (Urteil des Bundesgerichts
9C_666/2013 vom 25. Februar 2014 E.8.2.2.2). Demgegenüber wurde im
Urteil des eidgenössischen Versicherungsgerichts I 684/05 vom
19. Dezember 2006 ein dauernder Überwachungsbedarf von zwei
Stunden als angemessen erachtet bei einem rund fünfjährigen
Versicherten, der an einer angeborenen cerebralen Lähmung und
angeborenen Herz- und Gefässmissbildungen litt und von den Eltern rund
um die Uhr überwacht wurde. Die Überwachung sei notwendig wegen
epileptischer Anfälle und weil der Versicherte seinen jüngeren Bruder
dauernd plage, ihn umstosse und ihm mit den Fingern in die Augen greife.
Zudem höre er nicht auf Verbote und weise einen Entwicklungsstand eines
zweieinhalb- bis dreijährigen nichtbehinderten Kinds auf. Die Eltern
müssten sich daher stets in Sicht- und Hörkontakt aufhalten (Urteil des
eidgenössischen Versicherungsgerichts I 684/05 vom 19. Dezember 2006
E.4.3). Ebenso schloss das Bundesgericht im Urteil 8C_741/2017 vom
17. Juli 2018 bei einem rund zwölfjährigen Jungen, der u.a. an Epilepsie
und einem schweren kognitiven Entwicklungsrückstand litt, auf einen
dauernden Überwachungsbedarf von zwei Stunden. Der Versicherte sei
ruhiger geworden und fühle sich nicht mehr durch jeden gefährlichen
Gegenstand angezogen. Auch müssten Türen und Schränke nicht mehr
zusätzlich verriegelt werden. Er könne im Zimmer nebenan spielen oder
fernsehen, während sich die Eltern in der Küche aufhalten; die Eltern
müssten den Versicherten aber weiterhin ständig hörend und mit
Kontrollblicken überwachen. Damit seien die Voraussetzungen einer
besonders intensiven dauernden Überwachung, bei der der Betroffene
nicht aus den Augen gelassen werden darf und die Eltern permanent
intervenieren müssen, nicht (mehr) erfüllt (Urteil des Bundesgerichts
- 18 -
8C_741/2017 vom 17. Juli 2018 E.5.3 und E.5.4). Schliesslich verneinte
das Bundesgericht im Urteil 9C_332/2021 vom 29. September 2021 bei
einem knapp sechs Jahre alten Jungen, welcher an einer Autismus-
Spektrum-Störung leidet, das Vorliegen einer besonders intensiven
behinderungsbedingten Überwachungsbedürftigkeit. Nach den für das
Bundesgericht verbindlichen vorinstanzlichen Feststellungen habe die
Kinderärztin eine ununterbrochene Überwachungs- und
Beaufsichtigungsnotwendigkeit während mehr als acht Stunden pro Tag
unter Hinweis auf eine Selbstgefährdung betont. Die bei der Sonderschule
arbeitende Heilpädagogin habe Aggressionsausbrüche geschildert, die
sich über kürzere und längere Zeitphasen erstrecken könnten. Das passe
zu den Angaben gemäss Abklärungsbericht. Danach fehle es dem
Versicherten an Feinfühligkeit. Er werde anderen gegenüber auch
aggressiv und schlage sie; er sei unberechenbar, kenne keine Gefahren
und könne die Konsequenzen seines Handelns nicht einschätzen; auch
könne er in Gefahrensituationen nicht adäquat reagieren. Nach den
Schilderungen der Mutter des Versicherten benötige dieser vor allem beim
nach draussen Gehen eine erhöhte Aufmerksamkeit und Eins-zu-eins-
Überwachung. Im normalen Tagesablauf genüge während des Kochens
sowie nach dem Mittag- und Abendessen eine Überwachung in
regelmässigen Abständen und ein Eingreifen wenn nötig. Daraus schloss
das Bundesgericht, weder aus den Angaben der Mutter noch aus jenen
der Kinderärztin oder der Schule ergebe sich, dass – ausser beim
Aufenthalt im Freien – schon bei einer kurzen Unachtsamkeit regelmässig
mit lebensbedrohlichen Folgen oder mit einer massiven Schädigung von
Personen oder Gegenständen gerechnet werden müsste. Insofern sprach
es sich gegen das Vorliegen einer besonders intensiven
behinderungsbedingten Überwachung aus (Urteil des Bundesgerichts
9C_332/2021 vom 29. September 2021 E.4.4 f.), wies aber darauf hin,
dass die Vorinstanz bereits einen Bedarf an dauernder Überwachung im
- 19 -
Umfang von täglich zwei Stunden anerkannt hatte (E.4.1 des besagten
Urteils).
7.1.1.1. Die IV-Stelle stellte in der angefochtenen Verfügung hinsichtlich der
persönlichen Überwachung genauso wie für die Hilfe in den alltäglichen
Lebensverrichtungen insbesondere auf die Erkenntnisse der Abklärung
vor Ort ab. Aus dem entsprechenden Bericht vom 22. Juni 2021 geht zur
persönlichen Überwachung hervor, es werde beschrieben, dass die
Beschwerdeführerin sämtliche Gegenstände vom Tisch auf den Boden
werfe: von Gläsern über Dekoration bis hin zu Lebensmitteln. Weiter
werde durch die Mutter beschrieben, dass die Beschwerdeführerin gerne
klettere und sämtliche Schubladen öffne. In der Wohnung seien keine
schadenmindernde Massnahmen ersichtlich gewesen, um eine allfällige
Gefährdung und Zerstörung von Gegenständen zu minimieren. Die
ca. eineinhalb Meter hohen Regale im Wohnzimmer seien nicht gesichert.
Im Rahmen des Abklärungsgesprächs sei die Familie über die
Schadenminderungspflicht orientiert worden. Die Mutter habe geltend
gemacht, dass schadenmindernde Massnahmen wie beispielsweise
Tischkantenschütze oder Kindersicherungen an den Schubladen eine
Gefahr für die Beschwerdeführerin darstellten. Sie versuche diese
aufzubeissen und wegzukratzen bis sie blutige Hände habe. Aus diesem
Grund werde die Beschwerdeführerin nicht alleine gelassen. So gehe die
Mutter z.B. nur dann eine Zigarette rauchen, wenn sich die
Beschwerdeführerin im Wohnzimmer vor der Fensterfront des Balkons
befinde. Die Abklärungsperson hielt schlussfolgernd fest, die Kriterien für
eine persönliche Überwachung seien aus obenerwähnten Gründen nicht
erfüllt (vgl. IV-act. 78 S. 7).
7.1.1.2. Dagegen brachte der Vater der Beschwerdeführerin in der dem Einwand
beigefügten Nachricht vom 9. September 2021 vor, die Abklärungsperson
habe sich auf ihre Beobachtungen im Wohnzimmer verlassen und nicht
- 20 -
nach Massnahmen in anderen Räumen gefragt. Wie die von ihm
aufgelegten Bilder zeigten, seien Massnahmen zur Schadenminderung
ergriffen worden. Diese seien bereits beim Besuch der Abklärungsperson
vorhanden gewesen (vgl. IV-act. 86 S. 5).
7.1.1.3. Dem hielt die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom
26. November 2021 entgegen, dass der Schadenminderungspflicht in
jedem Wohnraum nachgekommen werden müsse. Eines der
eingereichten Bilder zeige, dass auf dem Badezimmermöbel eine
Sicherung angebracht worden sei, welche das Öffnen des Möbels
verhindere. Es stelle sich daher die Frage, weshalb im Badezimmer eine
Kindersicherung habe angebracht werden können und in den anderen
Wohnräumen hingegen nicht. Mit dieser Erkenntnis scheine die Aussage
nicht nachvollziehbar zu sein, dass die Beschwerdeführerin
Kindersicherungen manipuliere und sich so selbst verletze (vgl. IV-act. 90
S. 2 f.).
7.1.2.1. Soweit die IV-Stelle damit die krankheitsbedingte Ursache für die
Manipulation der Schutzvorrichtungen und die damit einhergehende
Selbstgefährdung verneint, ohne sich mit der medizinischen Aktenlage
auseinanderzusetzen und – bei allfälligen Unklarheiten – gegebenenfalls
Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen zu stellen, kann ihr nicht
gefolgt werden. Vielmehr diagnostizierte Dr. med. D._, Leitender Arzt
für Kinder- und Jugendmedizin sowie Neuropädiatrie am Spital H._,
bereits Anfang 2018 eine Autismusspektrumsstörung im Sinne eines
frühkindlichen Autismus. Anhand von spezialärztlichen
Untersuchungsverfahren stellte er eine tiefgreifende Entwicklungsstörung
fest mit einem hohen Symptomlevel im autistischen Spektrum (Bericht
vom 1. Mai 2018 [IV-act. 12 S. 4 f.]). Im Vordergrund stünde der
frühinfantile Autismus und die daraus resultierenden Probleme mit
Störungen der Kommunikation mit praktisch ausgebliebener
- 21 -
Sprachentwicklung sowie Störungen der sozialen Interaktion. Es liege
auch ein gemischter Entwicklungsrückstand mit insbesondere
psychointellektueller Retardierung vor (Bericht vom 1. Mai 2018 [IV-act. 13
S. 2]). Bereits damals äusserte die Mutter der Beschwerdeführerin
anlässlich der Anamneseerhebung, dass ihre Tochter kein eigentliches
Schmerzempfinden habe: So stürze sie, weine aber nie (vgl. IV-act. 12
S. 3). Gleichermassen tat die Mutter anlässlich der Abklärung vor Ort am
12. September 2018 kund, dass die Beschwerdeführerin kaum
Schmerzempfindungen zeige: Sie weine nicht, wenn sie sich den Kopf am
Tisch stosse und eine grosse Beule erhalte (vgl. IV-act. 26 S. 1). Darüber
hinaus hielt Dr. med. D._ in seinem Bericht vom 1. Mai 2018 ein
repetitives, restriktives und stereotypes Verhalten fest, wobei die
Beschwerdeführerin ungewöhnliche sensorische Interessen zeige (vgl. IV-
act. 12 S. 4 f.; vgl. auch den Bericht von Dr. med. E._, Oberärztin für
Kinder- und Jugendmedizin am Spital H._, vom 11. Juni 2021, welche
bei der Beschwerdeführerin wiederholt stereotype Wedelbewegungen mit
den Armen beobachtete [IV-act. 89 S. 3]). Aus diesen Gründen erscheint
es entgegen der Auffassung der IV-Stelle plausibel, dass sich die
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer eingeengten Interessen und speziellen
Verhaltensweisen für Schutzvorrichtungen, wie Schubladensicherungen,
interessiert und diese zu manipulieren versucht, bis sie blutige Finger hat,
zumal sie die fehlende bzw. eingeschränkte Schmerzempfindung nicht
davon abhält.
7.1.2.2. Dass die Eltern der Beschwerdeführerin aufgrund dessen zurückhaltend
sind, in ihrer Wohnung insbesondere an Schubladen und Schränken
Schutzvorrichtungen anzubringen, erweist sich daher als nachvollziehbar.
Zwar handelt es sich bei der Schadenminderungspflicht um einen
allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts (BGE 141 V 642
E.4.3.2, 129 V 460 E.4.2). Danach sind geeignete Massnahmen zur
- 22 -
Vermeidung einer Selbst- oder Fremdgefährdung zu treffen, was
vorliegend beispielsweise – mangels gegenteiliger Anhaltspunkte in den
Akten –durch ein Befestigen der Regale an der Wand erreicht werden
kann, um ein Umkippen zu verhindern, sollte die Beschwerdeführerin
darauf klettern. Dasselbe gilt mit Blick auf das Verriegeln von Türen und
Fenstern, damit die Beschwerdeführerin daran gehindert werden kann,
Gegenstände aus dem Fester oder vom Balkon zu werfen (vgl. Nachricht
vom Vater vom 9. September 2021 [IV-act. 86 S. 5]). Zudem ist der IV-
Stelle darin beizupflichten, dass (potenziell) gefährliche Gegenstände an
einem Ort zu platzieren sind, wo sie für das Kind nicht erreichbar sind. Die
Schadenminderungspflicht gilt indes nicht uneingeschränkt, sondern wird
vielmehr durch das Zumutbarkeitsprinzip begrenzt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts I 578/06 vom 16. Juli 2007 E.4.1 m.H.a. LANDOLT, Das
Zumutbarkeitsprinzip im schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Diss.
Zürich 1995, S. 47 und 84; vgl. zudem Rz. 1048 KSIH). Stellt die
schadenmindernde Massnahme – wie vorliegend die
Schubladensicherungen – mithin selbst eine Gefahr für eine
Selbstverletzung der Beschwerdeführerin dar, ist eine
Interessenabwägung vorzunehmen. Dabei erscheint es aufgrund der
davon ausgehenden Verletzungsgefahr für die Beschwerdeführerin
nachvollziehbar, dass Schrank- oder Schubladensicherungen nur dort
angebracht werden, wo sich diese als absolut notwendig erweisen, um
eine noch grössere Selbstgefährdung zu vermeiden. Insofern leuchtet es
ein und ist entgegen der Ansicht der IV-Stelle nicht widersprüchlich, wenn
eine Schutzvorrichtung an einem Badezimmermöbel angebracht wird, um
zu verhindern, dass die Beschwerdeführerin die sich darin befindlichen
Medikamente, Gels und Salben (vgl. hierzu Beschwerde S. 5) einnimmt.
Denn aus den Akten geht hervor, dass sich die Beschwerdeführerin nach
wie vor Gegenstände in den Mund steckt (vgl. Bericht von Dr. med.
D._ vom 1. Mai 2018 [IV-act. 12 S. 3 f.] und Bericht des C._ vom
- 23 -
9. September 2021 [IV-act. 86 S. 11]), wobei sie auch Tuben öffnet und
den Inhalt in den Mund nimmt (vgl. Nachricht des Vaters vom
9. September 2021 [IV-act. 86 S. 5]). Insofern durfte die IV-Stelle es nicht
beim Hinweis auf die Schadenminderungspflicht bewenden lassen, um der
Beschwerdeführerin einen Bedarf an persönlicher Überwachung
abzusprechen.
7.2.1. Die IV-Stelle setzte sich in der angefochtenen Verfügung des Weiteren mit
der Situation ausserhalb der Wohnung auseinander und äusserte sich zu
den aufgelegten Berichten des C._. Dabei stellte sie unterschiedliche
Schilderungen fest: Im Bericht vom 25. Januar 2021 werde die
Beschwerdeführerin als offenes Mädchen beschrieben, das auf alle
Personen zugehe, lache und diese umarme. Im Bericht vom 9. September
2021 werde die Beschwerdeführerin hingegen als unberechenbare Person
beschrieben, welche anderen Kindern an den Haaren ziehe und damit
Schmerzen auslöse. Im Bericht vom Januar 2021 werde beschrieben,
dass sie überall hoch und wieder runter klettere, wohingegen im Bericht
vom September 2021 gesagt werde, dass sie sich nach dem Hochklettern
runterfallen lasse. Stimmig sei die Angabe, dass die Beschwerdeführerin
eine Eins-zu-eins-Betreuung benötige, was in beiden Schulberichten
vermerkt sei. Die im Kollektiv geleistete Eins-zu-eins-Betreuung, welche
im C._ ausgeübt werde, sei nicht den Anspruchsvoraussetzungen
einer persönlichen Überwachung gleichzusetzen und entspreche nicht der
geforderten Intensität. Die Verwertbarkeit der Aussagen aus dem
Schulbericht vom September 2021 sei aufgrund der Diskrepanzen zu
hinterfragen. In diesem Zusammenhang sei auf den Arztbericht von Dr.
med. E._ vom 11. Juli 2021 verwiesen, in welchem die Mutter der
Beschwerdeführerin ein fremdaggressives Verhalten negiert habe, was
einen deutlichen Widerspruch zu den Beschreibungen im Schulbericht
vom September 2021 darstelle (vgl. IV-act. 90 S. 3).
- 24 -
7.2.2.1. Soweit die IV-Stelle dem nach dem Arztbericht von Dr. med. E._
erstellten Schulbericht vom 9. September 2021 aufgrund der darin
enthaltenen Schilderung der fremdgefährdenden Verhaltensweisen der
Beschwerdeführerin den Beweiswert abspricht, weil er – wie sie
anzudeuten scheint (vgl. auch die Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. med.
F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 16. November
2021 [IV-act. 91 S. 3]) – von versicherungsrechtlichen Überlegungen
motiviert sein könnte, kann ihr nicht gefolgt werden. Vielmehr wurde
bereits in dem von der IV-Stelle selbst erstellten Abklärungsbericht vom
22. Juni 2021 festgehalten, dass sich bei der Beschwerdeführerin nach
wie vor aggressive Verhaltensweisen zeigten in Form von Kneifen, an den
Haaren ziehen oder Fäkalien durch den Raum werfen (vgl. IV-act. 78
S. 1). In ähnlicher Weise wurde anlässlich der Abklärung vor Ort vom
12. September 2018 berichtet, dass die Beschwerdeführerin im
Sandkasten die Erde über den Kopf anderer Kinder leere und sie teilweise
an den Haaren reisse (vgl. IV-act. 26 S. 1). Zudem wurde in weitgehender
Übereinstimmung mit dem Bericht des C._ vom 9. September 2021
auch in jenem vom 25. Januar 2021 ausgeführt, dass sich die
Beschwerdeführerin auf den Boden werfe und schreie, wenn ihr etwas
nicht passe, wobei es manchmal sogar vorkomme, dass sie jemanden aus
Wut oder Eifersucht an den Haaren ziehe; das Mädchen sei sehr impulsiv
(vgl. IV-act. 69 S. 1). Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin im
Schulbericht vom 25. Januar 2021 auch als offenes Mädchen beschrieben
wird, das auf alle Personen zugehe, lache und diese umarme (vgl.
ebenfalls IV-act. 69 S. 1), – was zwar in einem gewissen
Spannungsverhältnis zu den Befunden von Dr. med. D._ in seinem
Bericht vom 1. Mai 2018 steht (vgl. IV-act. 12 S. 4: eingeschränktes
soziales Lächeln, fehlender sozial gerichteter mimischer Ausdruck,
ungewöhnlicher Blickkontakt, eingeschränkte gemeinsame Freude an der
Interaktion etc.) – schliesst somit ein gelegentlich auftretendes
- 25 -
fremdgefährdendes Verhalten der Beschwerdeführerin nicht aus. Des
Weiteren steht auch die im Bericht von Dr. med. E._ vom 11. Juni
2021 wiedergegebene Aussage der Mutter der Beschwerdeführerin,
welche ein fremdaggressives Verhalten verneinte, nicht in einem
Widerspruch zum Schulbericht vom 9. September 2021, zumal in diesem
Kontext weiter ausgeführt wurde, die Beschwerdeführerin sei insgesamt
gut führbar und könne nur in wenigen Einzelmomenten plötzlich
unerwartet die Kontrolle verlieren und mit Dingen um sich schmeissen,
wobei nicht immer ein klarer Auslöser erkennbar sei (vgl. IV-act. 89 S. 2).
Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts wurde damit zum Ausdruck
gebracht, dass die Beschwerdeführerin nicht durchgehend oder
grundsätzlich ein fremdaggressives Verhalten zeige bzw. – wie
beschwerdeweise vorgebracht – nicht "bösartig" im landläufigen Sinn sei,
was denn auch seine Stütze in den Akten findet. Daraus gehen vielmehr
gelegentliche, plötzlich auftretende Wut- oder Eifersuchtsanfälle mit
fremdgefährdendem Verhalten hervor, was die Beschwerdeführerin
unberechenbar macht, wobei deren Intensität mit Haare reissen, kneifen
und Gegenstände bzw. Fäkalien werfen eine persönliche Überwachung
erfordert, welche über das Ausmass hinausgeht, welches bei
gleichaltrigen Minderjährigen ohne Invalidität erforderlich ist. Die
gegenteilige Auffassung der IV-Stelle verfängt nicht. Vielmehr kommt
erschwerend hinzu, dass die Beschwerdeführerin nachweislich
krankheitsbedingt nicht auf Zurufe ihres Namens (vgl. Bericht von Dr. med.
D._ vom 1. Mai 2018 [IV-act. 12 S. 3] und Abklärungsbericht vom
22. Juni 2021 [IV-act. 78 S. 4]) bzw. nur manchmal auf ein lautes Nein
reagiert (vgl. Bericht zur Abklärung vor Ort am 12. September 2018 [IV-
act. 26 S. 1]) und über Vernunft nicht ansprechbar ist (vgl. Bericht des
C._ vom 9. September 2021 [IV-act. 86 S. 11]), was eine
engmaschige Betreuung erfordert.
- 26 -
7.2.2.2. Des Weiteren übersieht die IV-Stelle die zahlreichen übereinstimmenden
Aussagen in den Berichten des C._ vom 25. Januar 2021 und
9. September 2021. So wird in beiden Berichten darauf hingewiesen, dass
die Beschwerdeführerin mit dem Taxi zum C._ gefahren werde,
wobei sie immer wieder versuche, den Gurt zu lockern und sich aus dem
Sitz zu befreien, was gefährlich werden könne. Sie müsse überall
hinbegleitet werden und kenne keine Gefahren (weder in den
Innenräumen noch draussen), weshalb sie ständig unter Beobachtung
stehe, ansonsten es für sie gefährlich werden könne. Insofern brauche sie
eine Eins-zu-eins-Betreuung (IV-act. 69 S. 1 und 86 S. 11). In ähnlicher
Weise äusserte sich auch der Vater der Beschwerdeführerin, wenn er zur
Überwachung ausserhalb der Wohnung ausführte, der
Beschwerdeführerin fehle ein Verständnis für Gefahren. Sie müsse immer
an die Hand genommen werden, ansonsten sie teilweise unvermittelt
loslaufe. Sie verstehe den Zweck von Trottoirs, Fussgängerstreifen und
Fahrbahn noch nicht und halte vor dem Überqueren der Strasse nicht
selbstständig an. Auf dem Spielplatz laufe sie unvermittelt vor die
Schaukel oder Rutschbahn, wenn andere Kinder diese benutzten
(Nachricht vom 9. September 2021 [IV-act. 86 S. 5 f.]; vgl. auch
Revisionsfragebogen vom 23. Dezember 2020 [IV-act. 66 S. 3]).
Angesichts dieser, aufgrund der diagnostizierten
Autismusspektrumsstörung mit gemischtem Entwicklungsrückstand und
psychointellektueller Retardierung plausiblen Ausführungen (vgl. hierzu
auch Bericht von Dr. med. D._ vom 1. Mai 2018 [IV-act. 13 S. 2]) kann
entgegen der Ansicht der IV-Stelle nicht angenommen werden, die
notwendige Überwachung erschöpfe sich in reiner Präsenz der
Überwachungsperson im Sinne einer allgemeinen oder kollektiven
Aufsicht (etwa im Rahmen eines Heims oder einer Klinik) (vgl. hierzu
Urteile des Bundesgerichts 8C_912/2008 vom 5. März 2009 E.3.2.3,
8C_158/2008 vom 15. Oktober 2008 E.5.2.1). Vielmehr ist eine
- 27 -
personenbezogene Überwachung mit aktivem Eingreifen bei einer Gefahr
einer Selbstverletzung der Beschwerdeführerin erforderlich, die den
Bedarf eines gesunden Kindes gleichen Alters übersteigt und die für die
Annahme einer persönlichen Überwachung geforderte Intensität erreicht.
Diese Überwachung und Begleitung im Freien kann entgegen der Ansicht
der IV-Stelle auch nicht als über die alltägliche Lebensverrichtung
Fortbewegung abgegolten gelten. Zwar geht dazu aus dem
Abklärungsbericht vom 22. Juni 2021 hervor, die Beschwerdeführerin
werde ausserhalb der Wohnung stets begleitet. Sie werde an der Hand
gehalten, da sie ansonsten wegrenne und sich gefährde. Auf Zurufen
reagiere die Beschwerdeführerin nicht. Es werde zusätzlich auch ein
Laufgurt eingesetzt (vgl. IV-act. 78 S. 4). Die Notwendigkeit, die
Beschwerdeführerin ausser Haus an der Hand oder am Laufgurt zu
führen, und die von der Begleitperson notwendige, ständig erhöhte
Aufmerksamkeit auf der Strasse oder dem Spielplatz, stellen
rechtsprechungsgemäss indessen keine Form direkter oder indirekter
Dritthilfe in der Lebensverrichtung "Fortbewegung und Kontaktaufnahme"
im Sinne von Art. 37 IVV dar (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_224/2019 vom 27. Juni 2019 E.5.2, 9C_666/2013 25. Februar 2014
E.8.1).
7.3. Bei einer Gesamtwürdigung der dargelegten, konkreten Umstände des
vorliegenden Falls ergibt sich somit, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund ihrer Autismusspektrumsstörung auf dauernde persönliche
Überwachung angewiesen ist (vgl. Art. 37 Abs. 1, Abs. 2 lit. b und Abs. 3
lit. b IVV sowie Art. 39 Abs. 3 IVV). Davon gingen denn auch die
behandelnden (Fach-)Ärztinnen und Ärzte übereinstimmend aus (vgl.
Bericht von Dr. med. D._ vom 1. Mai 2018 [IV-act. 13 S. 2] und
Bericht von dipl. med. G._, Fachärztin für Kinder- und
Jugendmedizin, vom 15. März 2019 [IV-act. 40 S. 2]). Dass hier eine
- 28 -
besonders intensive Überwachung geboten wäre, ist angesichts der
hiervor wiedergegebenen Kasuistik indes zu verneinen. Zwar gehen die
aktenkundigen Ausprägungen der Autismusspektrumsstörung, wie
Gegenstände auf den Boden werfen (z.B. Gläser, Mobiltelefone),
verstecken, auspacken, auseinandernehmen oder kaputt machen oder
Lebensmittel verschmieren (vgl. hierzu Nachricht des Vaters vom
9. September 2021 [IV-act. 86 S. 5]; vgl. auch Abklärungsbericht vom
22. Juni 2021 [IV-act. 78 S. 7]), mit einem nicht unwesentlichen
Betreuungsaufwand einher. In diesem Zusammenhang ist jedoch auch zu
berücksichtigen, dass sich die Beschwerdeführerin nach Angaben ihrer
Mutter zu Hause mitunter alleine beschäftigen könne, indem sie eine Art
Rollenspiel spiele (vgl. Bericht von Dr. med. E._ vom 11. Juni 2021,
wonach die Beschwerdeführerin auch anlässlich der Untersuchung kleine
Rollenspiele mit den Puppen spielte [IV-act. 89 S. 2 f.]; vgl. auch den
Schulbericht vom 25. Januar 2021, wonach sich die Beschwerdeführerin
sehr gut alleine beschäftigen könne, insbesondere mit Rollenspielen [IV-
act. 69 S. 1]). So beschreibt denn auch der Vater der Beschwerdeführerin,
dass sich Letztere drinnen im Gegensatz zu draussen lediglich in Hörweite
aufhalten müsse (vgl. Nachricht vom 9. September 2021 [IV-act. 86 S. 6]),
wobei aufgrund der vorgenannten Verhaltensweisen wohl davon
auszugehen ist, dass gelegentliche Kontrollblicke notwendig sind.
Hinsichtlich der Umstände, dass die Beschwerdeführerin auf Stühle und
Tische hochklettert, sowie bewegungsfreudig und quirlig ist (vgl. Nachricht
vom Vater vom 9. September 2021 [IV-act. 86 S. 5], Bericht des C._
vom 9. September 2021 [IV-act. 86 S. 11], Abklärungsbericht vom 22. Juni
2021 [IV-act. 78 S. 7], Bericht von Dr. med. D._ vom 1. Mai 2018 [IV-
act. 13 S. 2] sowie Beschwerde S. 5), kommt ihr ihre motorische
Geschicklichkeit zugute (vgl. Bericht des C._ vom 25. Januar 2021
[IV-act. 69]), welche entsprechend Abhilfe schaffen kann. Insofern kann
nicht gesagt werden, dass die Beschwerdeführerin – zumindest zu Hause
- 29 -
– nicht aus den Augen gelassen werden darf und ihre Eltern ständig
intervenieren müssten, was Voraussetzung für die Annahme einer
besonders intensiven dauernden Überwachung bildet (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_741/2017 vom 17. Juli 2018 E.5.4). Ebenso wenig
ergibt sich aus den Akten, dass – ausser beim Aufenthalt im Freien –
schon bei einer kurzen Unaufmerksamkeit regelmässig mit
lebensbedrohlichen Folgen oder mit einer massiven Schädigung von
Personen oder Gegenständen gerechnet werden müsste (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_332/2021 vom 29. September 2021 E.4.4). Dies trifft
denn auch nicht auf die von der Beschwerdeführerin erlittenen
Krampfanfälle zu, welche bisher jeweils in Zusammenhang mit
fieberhaften Infekten auftraten (vgl. IV-act. 77 und 89). Vielmehr ist
aufgrund der vorerwähnten konkreten Gegebenheiten ein Bedarf an
dauernder persönlicher Überwachung anzuerkennen, der mit täglich zwei
Stunden zu veranschlagen ist (vgl. Art. 39 Abs. 3 Satz 1 IVV). Dieser
vermag somit – zusätzlich zu dem bereits mit Abklärungsbericht vom
22. Juni 2021 ausgewiesenen behinderungsbedingten Mehraufwand von
zwei Stunden und 28 Minuten (vgl. IV-act. 78 S. 7) – einen
Intensivpflegezuschlag von mindestens vier Stunden pro Tag zu
begründen (vgl. Art. 42ter Abs. 3 IVG). Da es sich vorliegend um eine am
1. Dezember 2020 eingeleitete Revision von Amtes wegen handelt (vgl.
IV-act. 62), erfolgt die Erhöhung der Hilflosenentschädigung ab diesem
Zeitpunkt (Art. 35 Abs. 2 i.V.m. Art. 88bis Abs. 1 lit. b IVV).
7.4. Da die Beschwerdeführerin somit insoweit mit ihrem Hauptbegehren
durchdringt, als die Beschwerde auf die Ausrichtung eines
Intensivpflegezuschlags zur Hilflosenentschädigung für einen
behinderungsbedingten Mehraufwand von über vier Stunden am Tag
abzielte, erübrigt es sich, auf ihre weiteren Vorbringen einzugehen.
Lediglich der Vollständigkeit halber wird mit Bezug auf ihr Vorbringen,
- 30 -
wonach bei der Ermittlung des behinderungsbedingten Mehraufwandes in
den einzelnen Lebensverrichtungen die Angaben der Eltern zu
berücksichtigen seien, auf das Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden [VGU] S 19 13 vom 17. November 2020 E.5.5
hingewiesen.
8. Die Beschwerde erweist sich somit als begründet. Sie ist gutzuheissen
und die angefochtene Verfügung vom 26. November 2021 ist insoweit
aufzuheben, als der Beschwerdeführerin eine Entschädigung wegen
mittlerer Hilflosigkeit mit Intensivpflegezuschlag für einen
behinderungsbedingten Mehraufwand von über vier Stunden pro Tag ab
dem 1. Dezember 2020 zusteht.
9.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest. Infolge des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens sind diese der IV-
Stelle zu überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).
9.2. Die Beschwerdeführerin hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten zu Lasten der IV-Stelle. Die Bemessung der
Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses,
wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig durch die
Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird die
Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Satz 1 ATSG nach
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dem kantonalen Recht bestimmt (siehe Urteile des Bundesgerichts
9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 E.9.2, 9C_321/2018 vom
16. Oktober 2018 E.6.1, 9C_688/2009 vom 19. November 2009
E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die
Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
(Honorarverordnung, HV; BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach
Ermessen des Gerichts festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der
Honorarnote geltend gemachten (und als angemessen zu betrachtenden)
Aufwand sowie (üblichen) Stundenansatz ausgeht. Die Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin macht in ihrer Honorarnote vom 2. März 2022 ein
Honorar von CHF 2'071.70 (11.45 Stunden à CHF 160.-- zzgl. 5 %
Spesenpauschale und 7.7 % MWST) geltend. Diese berücksichtigt zwar
den praxisgemäss geltenden, reduzierten Stundenansatz für
Hilfsorganisationen, zu denen auch die Procap Schweiz zu zählen ist
(PVG 2010 Nr. 31 und Nr. 32). Indes sind die Barauslagen mit der
rechtsprechungsgemäss anzuerkennenden Spesenpauschale von 3 %
des Honorars zu veranschlagen (vgl. VGU S 21 117 vom 25. Januar 2022
E.9 und S 2020 67 vom 8. Dezember 2020 E.7). Insgesamt erweist sich
somit eine Entschädigung von CHF 2'032.25 (11.45 Stunden à CHF 160.--
[CHF 1'832.--] zzgl. 3 % Barauslagen [CHF 54.95] und 7.7 % MWST
[CHF 145.30]) als angemessen.