Decision ID: 8f03804f-e93a-48ef-a284-4320eba515f6
Year: 2004
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Am Fabrikationsgebäude Nr. xxxx auf dem Grundstück Nr. yyyy entstand am 19.
Juli 2001 ein Brandschaden. Der Schadenexperte schätzte ihn am 20. August 2001 auf
Fr. 27'100.-- (inkl. Nebenleistungen). Am 24. August 2001 anerkannte die
Gebäudeversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (abgekürzt GVA) gegenüber dem
Betreibungsamt O. eine Netto-Schadensumme von Fr. 26'800.--. Die B. AG stellte dem
Schadenexperten am 12. Juli 2002 eine Abrechnung für Instandstellungsarbeiten im
Betrag von Fr. 60'554.75 zu und ersuchte um Bezahlung des Betrags. Am 26. Juli 2002
teilte die GVA der B. AG mit, zum Zeitpunkt des Schadenereignisses sei die
Erbengemeinschaft H. B. Grundeigentümer gewesen. Weil sie das Objekt später
erworben habe, sei die Ausrichtung einer Versicherungsleistung nicht möglich.
Nachdem die B. AG die GVA am 5. August und am 18. September 2002 erneut
aufgefordert hatte, den Betrag von Fr. 60'554.75 gestützt auf die Verfügung vom 24.
August 2001 zu überweisen, wurde das Gesuch am 23. September 2002 abgewiesen.
Die Verfügung wurde im Wesentlichen damit begründet, der konkursamtliche
Steigerungskauf begründe nach Art. 37 Abs. 2 des Gesetzes über die
Gebäudeversicherung (sGS 873.1, abgekürzt GVG) keinen Anspruch auf Gleichstellung
mit dem Versicherten. Sodann liege kein Härtefall vor, der eine Gleichstellung
rechtfertigen würde. Die Liegenschaft sei im vorgefundenen Zustand ersteigert worden.
B./ Die B. AG erhob am 7. Oktober 2002 gegen die Ablehnung des Gesuchs um
Gleichstellung vom 23. September 2002 Rekurs bei der Verwaltungskommission der
GVA und stellte das Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Sie
begründete ihre Eingabe damit, im vorliegenden Fall seien die Versicherten verhindert
gewesen, Ansprüche gegenüber der GVA geltend zu machen. Sodann sei sie als neue
Eigentümerin der Liegenschaft in der Lage, "achtenswerte Gründe" im Sinn von Art. 37
Abs. 2 GVG nachzuweisen. Am 26. Februar 2004 wies die Verwaltungskommission der
GVA den Rekurs ab. Zur Begründung wurde vorab ausgeführt, der Erwerb eines
Gebäudes anlässlich einer öffentlichen Zwangsversteigerung begründe für sich allein
kein besonderes Verhältnis, das die Gleichstellung mit dem Versicherten rechtfertigen
würde.
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C./ Die B. AG erhob am 17. März 2004 gegen den Entscheid der
Verwaltungskommission der GVA vom 26. Februar 2004 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Innert erstreckter Frist stellte sie am 7. Mai 2004 das
Rechtsbegehren, der Entscheid sei aufzuheben. Zur Begründung wird geltend
gemacht, sowohl den vormaligen Eigentümern des Gebäudes als auch dem
Betreibungsamt O. sei es nicht möglich gewesen, ihre Ansprüche gegenüber der GVA
geltend zu machen. Sodann habe die B. AG die Wiederherstellung des ursprünglichen
Zustands für den bisherigen Zweck rechtzeitig innert drei Jahren beendet.
Die Verwaltungskommission der GVA beantragte am 24. Mai 2004, die Beschwerde sei
abzuweisen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid sachlich zuständig (Art. 56 GVG in
Verbindung mit Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 17. März 2004 und deren
Ergänzung vom 7. Mai 2004 erfüllen zeitlich, formal und inhaltlich die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Die B. AG hat das Grundstück Nr. 1934, M-strasse, O., am 19. September 2001
ersteigert, nachdem sich der Schadenfall ereignet und die GVA den Schaden
gegenüber dem Betreibungsamt O. in einem bestimmten Umfang anerkannt hatte.
Demnach ist sie zur Beschwerde gegen einen Entscheid legitimiert, mit welchem ihr
keine Gleichstellung mit dem Versicherten zuerkannt wird (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ Die Beschwerdeführerin beantragt, es sei beim Betreibungsamt O. eine
Amtsauskunft einzuholen und, soweit erforderlich, sei bezüglich des ihr entstandenen
Schadens eine Expertise zu erstellen.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör gebietet, dass rechtzeitig und formrichtig
angebotene Beweismittel abzunehmen sind, es sei denn, diese betreffen eine nicht
erhebliche Tatsache oder seien offensichtlich untauglich, über die streitige Tatsache
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Beweis zu erbringen (vgl. BGE 124 I 242 E. 2; 117 Ia 268 E. 4b). Die rechtserheblichen
Tatsachen ergeben sich im vorliegenden Fall aus den Akten, weshalb auf die Einholung
der beantragten Amtsauskunft und die Durchführung der Expertise verzichtet werden
kann. Zudem stellen sich vorliegend vor allem Rechtsfragen.
3./ Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin, die das Grundstück Nr. 1934, M-strasse,
O., am 19. September 2001 ersteigert hat, den vormaligen Eigentümern gleichzustellen
ist bzw. ob ihr von Seiten der GVA Versicherungsleistungen zustehen. Unbestritten ist,
dass das Betreibungsamt O. für die Verwaltung der Liegenschaft zuständig war,
seitdem eine Gläubigerin am 26. Juni 1998 ein Begehren um Pfandverwertung gestellt
hatte, somit auch am 19. Juli 2001, als sich der Schadenfall ereignete, und am 24.
August 2001, als die GVA den Schaden im Umfang von Fr. 26'800.-- (Schätzwert)
anerkannte.
a) Die Beschwerdeführerin beruft sich vorab darauf, sie habe aus Gründen des
Vertrauensschutzes Anspruch darauf, dass die GVA die Kosten, die ihr für die
Wiederherstellung des beschädigten Gebäudeteils erwachsen seien, übernehme. Der
Betreibungsbeamte habe ihrem einzigen Verwaltungsrat diesbezüglich eine inhaltlich
bestimmte Auskunft erteilt. Sie habe deshalb darauf vertrauen dürfen und müssen, die
GVA werde die Wiederherstellungskosten bezahlen. Sodann gehe aus der Verfügung
der GVA vom 24. August 2001 zweifelsfrei hervor, dass der Schadenfall auf ein
versichertes Ereignis zurückgehe und anerkannt werde. Sie enthalte keinen Hinweis
darauf, dass die Entschädigung entfalle, wenn die Liegenschaft versteigert werde.
aa) Vertrauensschutz bei der Rechtsanwendung setzt ein Verhalten oder eine
Aeusserung der Behörde voraus, die gegenüber einer bestimmten Person eine
Vertrauensgrundlage schafft (vgl. J.P. Müller, Grundrechte in der Schweiz, 3. Aufl.,
Bern 1999, S. 489 und Ehrenzeller/Mastronardi/ Schweizer/Vallender, Die
Schweizerische Bundesverfassung, Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2002, Rz. 51 zu
Art. 9 der Bundesverfassung [SR 101, abgekürzt BV]). Nach dem in Art. 9 BV
verankerten Grundsatz von Treu und Glauben hat der Bürger einen Anspruch auf
Schutz des berechtigten Vertrauens in bestimmte Erwartungen begründendes
Verhalten der Behörden, wobei sowohl Verwaltungsakte als auch behördliche
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Auskünfte und Zusagen eine Vertrauensgrundlage bilden können (vgl. B. Weber-Dürler,
Neuere Entwicklung des Ver-trauensschutzes, in: ZBl 6/2002, S. 288 ff. mit Hinweisen).
Der Verwaltungsakt ist eine besonders augenfällige Vertrauensgrundlage, weil es seine
Funktion ist, dem Bürger Klarheit über die konkreten Rechte und Pflichten zu
verschaffen (vgl. B. Weber-Dürler, Vertrauensschutz im öffentlichen Recht, Basel/
Frankfurt 1983, S. 183 mit Hinweisen). Der Schutz des Vertrauens in eine Zusicherung
oder Auskunft setzt voraus, dass sich die Angabe auf eine konkrete, den betreffenden
Bürger berührende Angelegenheit bezieht. In Betracht kommen nur behördliche
Aeusserungen, die inhaltlich einen gewissen Bestimmtheitsgrad aufweisen (vgl. Weber-
Dürler, a.a.O., ZBl 6/2002, S. 289 mit Hinweis). Sodann muss die Amtsstelle für die
Auskunftserteilung zuständig sein bzw. der Bürger muss sie aus zureichenden Gründen
als zuständig betrachten dürfen (vgl. BGE 127 I 36 mit Hinweisen und B. Weber-Dürler,
a.a.O., S. 107 mit Hinweisen). Weiter muss der Bürger gestützt auf sein Vertrauen eine
Disposition getätigt haben, die ohne Nachteil nicht mehr rückgängig gemacht werden
kann (vgl. Weber-Dürler, a.a.O., ZBl 6/2002, S. 288 mit Hinweis). Voraussetzung des
Vertrauensschutzes ist schliesslich das Fehlen der Kenntnis der Fehlerhaftigkeit der
Vertrauensgrundlage. Wer die Fehlerhaftigkeit der Vertrauensgrundlage kennt, kann
somit nicht in guten Treuen davon ausgehen, dass die durch die Behörden erweckten
Erwartungen erfüllt werden. Ein berechtigtes Vertrauen ist auch demjenigen
abzusprechen, der die Mangelhaftigkeit der Vertrauensgrundlage bei gehöriger Sorgfalt
hätte erkennen müssen. Dabei ist auf die individuellen Fähigkeiten und Kenntnisse der
sich auf Vertrauensschutz berufenden Person abzustellen (vgl. Häfelin/Müller,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2002, Rz. 657, Weber-
Dürler, a.a.O., S. 211 und Rhinow/Krähenmann, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel/Frankfurt am Main 1990, Nr. 75
B. III. b) 1. mit Hinweisen).
bb) Zutreffend ist, dass die GVA am 24. August 2001 eine Verfügung über eine
Versicherungsleistung in einem bestimmten Umfang erlassen hat. Adressatin dieser
Verfügung war indessen nicht die Beschwerdeführerin, sondern das Betreibungsamt
O., das die Liegenschaft zum damaligen Zeitpunkt verwaltete. Entgegen der Annahme
der Beschwerdeführerin kann daraus nicht geschlossen werden, als nachmalige
Eigentümerin des beschädigten Gebäudes habe sie aus Gründen des
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Vertrauensschutzes Ansprüche gegenüber der GVA. Sie beruft sich denn auch nicht
auf ein vertrauensbegründendes Verhalten der GVA ihr gegenüber sondern auf
Auskünfte des Betreibungsbeamten, eines Vertreters der Verfügungsadressatin. Dieser
ist zur Erteilung von Auskünften bezüglich der Ausrichtung von
Versicherungsleistungen der GVA gegenüber Dritten indessen nicht zuständig, was
dem einzigen Verwaltungsrat der Beschwerdeführerin bekannt sein musste. Somit kann
die Beschwerdeführerin aus einer Auskunft des Betreibungsbeamten keine Vorteile
gegenüber der GVA für sich ableiten.
b) Nach Art. 37 Abs. 1 GVG entspricht die Versicherungsleistung höchstens dem
Verkehrswert, wenn ein zerstörtes Gebäude nicht innert dreier Jahre vom Versicherten
oder von ihm gleichgestellten Personen für den bisherigen Zweck wiederhergestellt
wird. Dem Versicherten gleichgestellt sind nach Abs. 2 dieser Vorschrift Personen, die
im Zeitpunkt des Schadenereignisses einen Rechtstitel auf den Erwerb des Gebäudes
besassen oder die das Gebäude gemäss Erb- oder Familienrecht vom Versicherten
erworben haben, sowie Personen, die im Zeitpunkt des Schadenereignisses
Pfandgläubiger oder Bürgen waren und das Gebäude zur Wahrung ihrer Interessen
erworben haben. Ausnahmsweise können auch andere Personen dem Versicherten
gleichgestellt werden, wenn hierfür achtenswerte Gründe nachgewiesen werden.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, der angefochtene Entscheid sei rechtswidrig,
weil die Vorinstanz den unbestimmten Rechtsbegriff "achtenswerte Gründe", dessen
Anwendung uneingeschränkter richterlicher Ueberprüfung unterliege, in unzulässiger
Weise dahingehend konkretisiert habe, dass sie nicht als dem Versicherten
gleichgestellte Person gelte. Die Beschwerdeführerin stellt demnach nicht in Abrede,
dass keiner der Tatbestände erfüllt ist, die nach Art. 37 Abs. 2 GVG von Gesetzes
wegen eine Gleichstellung mit dem Versicherten bewirken. Zu prüfen ist somit, ob die
Beschwerdeführerin "achtenswerte Gründe" nachzuweisen vermag, die ihre
Gleichstellung mit dem Versicherten rechtfertigen würden.
aa) Zweck der Gleichstellung anderer als der gesetzlich vorgesehenen Personen mit
dem Versicherten ist es, Härtefälle zu vermeiden, welche die gesetzliche Regelung mit
sich bringen kann. Die Verwirklichung dieser Zielsetzung des Gesetzes muss auch bei
der Bewilligung der Ausnahme gewährleistet sein. Die rechtsanwendende Behörde hat
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die mit der generellen Regelung verfolgte Absicht weiterzuführen und im Hinblick auf
die Besonderheiten des Ausnahmefalls auszugestalten. Ob eine Ausnahmesituation
vorliegt, ist eine Rechtsfrage (vgl. Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 2546). Das in der Kognition
grundsätzlich auf die Rechtskontrolle beschränkte Verwaltungsgericht ist somit befugt,
die Konkretisierung der Ausnahmetatbestände durch die Vorinstanz frei zu überprüfen
(vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003,
Rz. 724 mit Hinweisen).
bb) Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz zu Unrecht vor, sie bestreite, dass
Dritte "achtenswerte Gründe" nachweisen können. Art. 37 Abs. 2 GVG hat die
Gleichstellung Dritter mit dem Versicherten zum Gegenstand, und der angefochtene
Entscheid setzt sich mit der Frage auseinander, ob die Beschwerdeführerin dem
Versicherten gleichgestellt werden könne.
cc) Die Beschwerdeführerin beruft sich auf eine Erläuterung zu Art. 37 GVG, die der
Kommissionspräsident im Rahmen der zweiten Lesung zum NG zum GVG (nGS
11-137), das auch eine Anpassung dieser Vorschrift zum Gegenstand hatte, gemacht
hat. Danach rechtfertige es sich, "die Personen gemäss der geltenden Fassung des
Gesetzes aufzuzählen, die einem Versicherten beim Wiederaufbau gleichgestellt sind.
Eine Ausweitung erfolgt insofern, als nicht nur der Versicherte, sondern auch Dritte,
z.B. die Gebäudeversicherungsanstalt, achtenswerte Gründe nachweisen können. Dies
kann erwünscht sein, wenn der an der Gleichstellung Interessierte verhindert ist, seine
Ansprüche selbst geltend zu machen" (vgl. Prot GrR 1976/80, Herbstsession 1976 (I),
S. 81). Die Beschwerdeführerin hält dafür, dies treffe in ihrem Fall zu, weil die
Schuldner und Pfandeigentümer zufolge der Verwaltung der Liegenschaft durch das
Betreibungsamt O. verhindert gewesen seien, ihre Ansprüche gegenüber der GVA
selber geltend zu machen. Sodann sei die Verfügung der GVA am 24. August 2001
ergangen und am 10. September 2001 in Rechtskraft erwachsen. Das Betreibungsamt
O. wäre somit gar nicht in der Lage gewesen, den Gebäudeschaden bis zum
Steigerungstag, dem 19. September 2001, beheben zu lassen. Weil ihr einziger
Verwaltungsrat vom Betreibungsbeamten zudem ausdrücklich auf die von der GVA in
Aussicht gestellte Versicherungs dürfen, dass der Schaden bezahlt werde. Aufgrund
der Ausführungen des Kommissionspräsidenten genüge es, dass sie "achtenswerte
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Gründe" nachweise, weil das an der Gleichstellung interessierte Betreibungsamt O.
verhindert gewesen sei, die Ansprüche selbst geltend zu machen.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend machen will, dieser Nachweis sei aus den von
ihr genannten Gründen erbracht bzw. es liege eine Ausnahmesituation vor, kann ihr das
Gericht nicht folgen. Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der
Bestimmung. Ist der Text nicht klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, so
muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Berücksichtigung aller
Auslegungselemente. Dabei kommt es namentlich auf den Zweck der Regelung, die
dem Text zugrunde liegenden Wertungen sowie auf den Sinnzusammenhang an, in
dem die Norm steht (vgl. BGE 130 II 53 mit Hinweisen). Gesetzesmaterialien können als
Auslegungshilfe herangezogen werden; ihre Bedeutung ist indessen unterschiedlich je
nach dem, ob es sich um neuere oder ältere Gesetze handelt (vgl. BGE 125 II 209 mit
Hinweis auf BGE 116 II 411). Abgesehen davon, dass das Votum des
Kommissionspräsidenten, auf das sich die Beschwerdeführerin beruft, aus dem Jahr
1976 stammt und deshalb als Auslegungshilfe kaum mehr geeignet ist, kann daraus
nicht geschlossen werden, "achtenswerte Gründe" seien bereits nachgewiesen, wenn
feststehe, dass der Versicherte verhindert gewesen sei, seine Ansprüche selber geltend
zu machen. Damit wird vielmehr zum Ausdruck gebracht, dass es unter bestimmten
Voraussetzungen erwünscht sein kann, einem Dritten die Möglichkeit einzuräumen, die
Gleichstellung mit dem Versicherten zu erwirken. Dies bedingt indessen in jedem Fall,
dass der Dritte besondere Umstände nachzuweisen vermag, die eine Ausnahme von
der allgemeinen Regelung rechtfertigen. Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt,
der Dritte vermöge nur dann "achtenswerte Gründe" nachzuweisen, wenn er bereits
zum Zeitpunkt des Schadenereignisses in einer Rechtsbeziehung zum Versicherten
gestanden habe, wie dies bei den gesetzlichen Gleichstellungssachverhalten der Fall
sei (Rechtstitel auf den Erwerb des Gebäudes, familien- oder erbrechtliches Verhältnis,
Pfandgläubiger, Bürge). Was den Verkauf bzw. Kauf eines beschädigten Gebäudes
anbetrifft, hält sie dafür, Art. 37 Abs. 2 GVG ermögliche sowohl im Fall, wo der
Verkäufer die Gefahr des zufälligen Untergangs des Gebäudes trage als auch im Fall,
wo der Käufer dafür einstehen müsse, einen sinnvollen Ausgleich. In beiden Fällen
werde dem Käufer die Wiederherstellung zu den Wiederherstellungskosten ermöglicht.
Nach dem Wortlaut von Art. 37 Abs. 2 Satz 2 GVG ist die Rechtsbeziehung zwischen
dem Versicherten und seinem Rechtsnachfolger zum Zeitpunkt des
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Schadenereignisses für den Nachweis "achtenswerter Gründe" indessen nicht
unabdingbar. Die Ausnahmeregelung knüpft nicht an eine rechtliche Bindung zwischen
dem alten und dem neuen Eigentümer des beschädigten Gebäudes an. Sie will eine
Gleichstellung mit dem Versicherten ausnahmsweise ermöglichen, wenn ein Härtefall
vorliegt, unabhängig davon, wie dieser entstanden ist. Diese Interpretation entspricht
überdies dem Votum des Komissionspräsidenten vom 18. Oktober 1976. Danach kann
es, wie erwähnt, erwünscht sein, dass Dritte, so auch die GVA, "achtenswerte Gründe"
nachweisen können, für den Fall, dass der an der "Gleichstellung Interessierte" dazu
nicht in der Lage ist.
Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin das beschädigte Gebäude im Rahmen
einer Betreibung auf Pfandverwertung ersteigert hat (vgl. dazu Art. 41 und Art. 151 ff.
des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs, SR 281.1, abgekürzt
SchKG) und dass sie nicht Grundpfandgläubigerin war, somit in keinem besonderen
Rechtsverhältnis zu den Schuldnern stand. Nicht in Frage gestellt wird sodann, wie
erwähnt, dass das Betreibungsamt O. das beschädigte Gebäude zum Zeitpunkt des
Schadenereignisses verwaltet hat (vgl. dazu Art. 102 Abs. 3 SchKG und Art. 16 der
Verordnung des Bundesgerichts über die Zwangsverwertung von Grundstücken, SR
281.42, abgekürzt VZG). Somit waren die Schuldner und Pfandeigentümer nicht in der
Lage, Ansprüche gegenüber der GVA durchzusetzen. Entgegen der Annahme der
Beschwerdeführerin kann indessen offen bleiben, ob das Betreibungsamt O. an ihrer
Stelle hätte tätig werden können bzw. müssen (vgl. dazu insb. Art. 17 und 18 VZG).
Gemäss Art. 229 Abs. 1 des Obligationenrechts (SR 220, abgekürzt OR) gelangt der
Kaufvertrag auf einer Zwangsversteigerung dadurch zum Abschluss, dass der
Versteigerungsbeamte den Gegenstand zuschlägt. Nach Art. 234 Abs. 1 OR findet bei
Zwangsversteigerung, abgesehen von besonderen Zusicherungen oder von
absichtlicher Täuschung der Bietenden, eine Gewährleistung nicht statt. Nach Abs. 2
dieser Vorschrift erwirbt der Ersteigerer die Sache in dem Zustand und mit den
Rechten und Lasten, die durch die öffentlichen Bücher oder die
Steigerungsbedingungen bekanntgegeben sind oder von Gesetzes wegen bestehen
(vgl. dazu auch Guhl/Koller/Schnyder/Druey, Das Schweizerische Obligationenrecht, 9.
Aufl., Zürich 2000, § 41 Rz. 112). Die Beschwerdeführerin behauptet zu Recht nicht, sie
habe aufgrund der Steigerungsbedingungen, die vom 17. bis 27. August 2001, somit
nach dem Schadenereignis, beim Betreibungsamt O. aufgelegen sind (vgl. ABl
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2001/1598) oder aber von Gesetzes wegen Ansprüche gegenüber der GVA. Sodann ist
Art. 37 Abs. 2 Satz 2 GVG eine typische "Kann-Bestimmung", die keinen
Rechtsanspruch auf Gleichstellung mit dem Versicherten gewährt.
4./ Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen
ist, die Beschwerdeführerin vermöge keine "achtenswerten Gründe" nachzuweisen,
welche ihre Gleichstellung mit dem Versicherten zu rechtfertigen vermöchten.
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).