Decision ID: 686a2b07-468c-498e-af29-34f410311ff0
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Christof Steger, Kriessernstrasse 40,
9450 Altstätten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Taggeld
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Sachverhalt:
A.
A.a G._, Jahrgang 1978, wurde von der IV-Stelle mit Verfügung vom 30. Juni 2004
eine Umschulung in Form eines Arbeitsvolontariats und des berufsbegleitenden Kurses
'Interior Designer IBW' am Institut für berufliche Weiterbildung in Chur vom 16. August
2004 bis 31. Juli 2005 zugesprochen (IV-act. 93). Mit Verfügung vom 19. Juli 2004 legte
die IV-Stelle das Taggeld auf Fr. 123.20 fest (IV-act. 98). Nach Abschluss dieser ersten
Umschulungsetappe im Sommer 2005 zeichnete sich ab, dass der Versicherte erst im
Sommer 2006 mit der zweiten Etappe, einer Umschulung zum Designer FH
Innenarchitekt an der Fachhochschule für Gestaltung in Basel, würde beginnen
können. Entsprechend wurde am 11. August 2005 ein Unterbruch der Umschulung
verfügt (IV-act. 110). Auf Gesuch hin sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit
Verfügung vom 28. März 2006 die Fortsetzung der Umschulung in Form einer
Ausbildung zum Techniker TS Innenarchitektur an der Baugewerblichen Berufsschule
Zürich vom 20. Februar 2006 bis 28. Februar 2010 zu (IV-act. 133). Für diesen Zeitraum
gewährte sie mit Verfügung vom 4. April 2006 Taggeld in der Höhe von Fr. 123.20. Da
der Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit nicht zu mindestens 50%
arbeitsunfähig sei, werde ihm das Taggeld nur für drei Einzeltage pro Woche (zwei
Schultage und ein Lerntag) ausgerichtet (IV-act. 139). Eine weitere Verfügung vom
11. Mai 2006 legte das Taggeld auf Fr. 128.80 fest (IV-act. 141). Die Verfügungen
erwuchsen jeweils unangefochten in Rechtskraft.
A.b Im Wiedererwägungsgesuch vom 12. Juni 2007 bezog sich der Versicherte auf die
Verfügung vom 11. Mai 2006. Er machte geltend, an fünf Tagen pro Woche in der
Schule oder ausbildungsbezogen als Praktikant im Betrieb tätig zu sein. In seiner
angestammten Tätigkeit als Metallbauschlosser sei er unbestrittenermassen voll
arbeitsunfähig. Somit sei ihm das korrekte Taggeld vorenthalten worden. Er bitte
darum, die Rechtslage durch den Rechtsdienst prüfen zu lassen und die Verfügung im
Sinne der Wiedererwägung rückwirkend zu korrigieren (act. G 1.6). Mit Schreiben vom
31. Juli 2007 nahm die IV-Stelle Bezug auf die "Anfrage vom 12.06.2007". Gemäss
ihren medizinischen Unterlagen bestehe beim Versicherten keine mindestens 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit als Metallbauschlosser. Gemäss Rücksprache mit dem IV-
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Berufsberater sei die TS Ausbildung berufsbegleitend und so angelegt, dass die
Studenten nebenbei ihren Lebensunterhalt verdienen könnten. Die Ausrichtung der
Taggelder an drei Tagen pro Woche sei damit korrekt (act. G 1.5). Der Versicherte bat
die IV-Stelle daraufhin mit Schreiben vom 24. August 2007 erneut, die Angelegenheit
dem Rechtsdienst vorzulegen. Er wies zudem darauf hin, dass in seiner Schulklasse in
Zürich Kollegen von der IV bei gleichem Sachverhalt das volle Taggeld beziehen
würden (act. G 1.4). Auf nochmalige schriftliche Nachfrage am 7. November 2007
(act. G 1.3) teilte die IV-Stelle dem Beschwerdeführer in einem als Mitteilung
bezeichneten Schreiben vom 21. November 2007 mit, auf das Gesuch um
Wiedererwägung der Verfügung vom 11. Mai 2006 werde nicht eingetreten (act. G 1.2).
B.
B.a Mit einer als Beschwerde bezeichneten Eingabe vom 22. Dezember 2007 wandte
sich der Versicherte versehentlich an die IV-Stelle. Er beantragt die Aufhebung des
"Entscheids vom 21. November 2007". Die Taggeldverfügungen vom 19. Juli 2004,
4. April 2006 und 11. Mai 2006 seien wiedererwägungsweise aufzuheben und die
Taggeldansprüche gesetzeskonform neu festzusetzen. Ihm sei die unentgeltliche
Rechtspflege und die Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwalt Dr. Christof Steger,
Altstätten, zu bewilligen. Zudem sei ihm eine angemessene Nachfrist für eine
ergänzende Beschwerdebegründung anzusetzen, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Die IV-Stelle habe das Wiedererwägungsgesuch zu Unrecht
durch Nichteintreten erledigt. Sie sei nämlich auf das Gesuch eingetreten und habe es
geprüft. Im Verlaufe des Verfahrens habe sie mit dem Berufsberater Rücksprache
genommen, wie aus ihrem Brief vom 31. Juli 2007 hervorgehe. Sie habe die
Taggeldabrechnung aufgrund seiner Auskünfte als korrekt erachtet. Demnach sei
wunschgemäss eine materielle Neuüberprüfung erfolgt. Der Entscheid vom
21. November 2007 halte denn auch diese rechtliche Überprüfung der Richtigkeit fest
und bestätige die Richtigkeit der Taggeldberechnung. Der Entscheid hätte daher auf
Abweisung des Gesuchs lauten und als Verfügung ergehen müssen. Vom Vorliegen
einer solchen Verfügung mit Abweisung des Wiedererwägungsgesuchs sei
auszugehen, weshalb das Gericht die Beschwerde entgegennehmen müsse, auch
wenn nur eine "Mitteilung" ergangen sei. Der Versicherte macht geltend, er gehe davon
aus, dass die IV-Stelle bei der rechtlichen Überprüfung der Taggeldberechtigung den
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Rechtsdienst tatsächlich eingeschaltet habe. Der Verzicht hierauf wäre nicht vertretbar
gewesen, so der Versicherte (act. G 1.1).
B.b In der Beilage zum Schreiben vom 8. Januar 2008 sendete der Versicherte dem
Gericht die Beschwerde vom 22. Dezember 2007 mit dem Hinweis, er habe sie
versehentlich an die IV-Stelle geschickt (act. G 1). Rechtsanwalt Dr. iur. Christof Steger
kündigte dem Gericht mit Schreiben vom 12. Februar 2008 die Interessenwahrung für
den Beschwerdeführer an und teilte mit, dieser verfüge über eine
Rechtsschutzversicherung, weshalb sich das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
erübrige (act. G 4). Dennoch reichte der Beschwerdeführer dem Gericht am 15. Februar
2008 ein ausgefülltes Gesuchsformular für die unentgeltliche Prozessführung samt
Beilagen ein (act. G 6).
B.c In der Beschwerdeantwort vom 18. Februar 2008 beantragt die
Beschwerdegegnerin, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. Der Beschwerdeführer
verlange vom Gericht die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügungen vom
19. Juli 2004, 4. April 2006 und 11. Mai 2006. Im bisherigen Verfahren sei aber nur die
Wiedererwägung der Verfügung vom 11. Mai 2006 zur Diskussion gestanden. Damit
weite der Beschwerdeführer den Streitgegenstand in unzulässiger Weise aus. Auf das
Begehren, die Verfügungen vom 19. Juli 2004 und vom 4. April 2006 aufzuheben, sei
daher nicht einzutreten. Die Verfügung vom 11. Mai 2006 habe nur die mit Verfügung
vom 4. April 2006 rechtskräftig festgesetzten Leistungen in betraglicher Hinsicht per
1. Mai 2006 angepasst. Die Kognition bei der Überprüfung der Verfügung vom 11. Mai
2006 würde sich daher auf die Frage beschränken, ob die
Anpassungsvoraussetzungen erfüllt gewesen seien. Ohne auf eine materielle Prüfung
der Anspruchsvoraussetzungen einzutreten, sei darauf hinzuweisen, dass die IV-Stelle
dem Beschwerdeführer den zweiten Teil der Umschulung zugesprochen habe, obwohl
sie der Überzeugung gewesen sei, dass die Sache medizinisch nicht ausreichend
abgeklärt gewesen und die relevante Invalidität nicht nachgewiesen sei. Mit guten
Gründen habe sich nämlich die Auffassung vertreten lassen, dass nur ein
Arbeitsplatzproblem vorgelegen habe, und dass es dem Beschwerdeführer durchaus
möglich gewesen wäre, eine geeignetere Stelle zu suchen und seine weitere berufliche
Entwicklung auf leichtere Tätigkeiten auszurichten. Wenn der Beschwerdeführer also
auf einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% beharre und damit faktisch eine
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vertiefte medizinische Abklärung verlange, könnte sich zeigen, dass überhaupt keine
relevante Arbeitsunfähigkeit vorliege. Damit stünde sogar die Rechtmässigkeit der
Umschulung grundsätzlich in Frage (act. G 7).
B.d Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hält in der Replik vom 3. April 2008 an
dessen Antrag gemäss Beschwerde fest. Die Beschwerdegegnerin habe sich gestützt
auf das Wiedererwägungsgesuch auf eine materielle Prüfung eingelassen. Gemäss
ELAR-Notiz vom 23. Juli 2007 und Schreiben vom 31. Juli 2007 habe sie sich nämlich
mit dem dem Wiedererwägungsgesuch zugrunde liegenden Sachverhalt inhaltlich
auseinandergesetzt. Sie sei also auf das Gesuch eingetreten. Die in Wiedererwägung
gezogene Verfügung beruhe auf der falschen Sachverhaltsannahme, der
Beschwerdeführer sei in seiner bisherigen Tätigkeit als Metallbauschlosser zu mehr als
50% arbeitsfähig. Gemäss aktenkundigem Arztbericht vom 3. April 2003 sei er im
angestammten Beruf jedoch voll arbeitsunfähig. Die gesundheitliche Situation habe
sich seither nicht verbessert. Dem Gesuch vom 12. Juni 2007 des damals nicht
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführers sei zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer eine grundsätzliche Überprüfung der geleisteten Taggelder mit
Bezug auf die Anzahl der zu leistenden Taggelder pro Woche und deren Höhe verlangt
habe. Ein Gesuch sei in erster Linie nach Massgabe der Gesamtheit der im Gesuch
gemachten Ausführungen zu beurteilen. Es sei also nicht nur die Verfügung vom
11. Mai 2006 in Wiedererwägung gezogen worden. Dem Wiedererwägungsgesuch
liege nicht der rechtskräftig festgestellte Umschulungsanspruch, den die
Beschwerdegegnerin nun plötzlich in Zweifel ziehe, zugrunde, sondern die
Taggeldleistungen (act. G 9).
B.e Die Beschwerdegegnerin hält mit Schreiben vom 14. April 2008 an ihrem Antrag
fest und verzichtet im Übrigen auf eine Duplik (act. G 11).
B.f Auf weitere Vorbringen der Parteien wird, sofern entscheidwesentlich, im Rahmen

der Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
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1.1 Streitig und im vorliegenden Verfahren zu beurteilen ist, ob die
Beschwerdegegnerin auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers vom
12. Juni 2007 eingetreten ist. Wird dies bejaht, wird also davon ausgegangen, dass die
Beschwerdegegnerin eine Wiedererwägung vorgenommen hat, so ist diese materiell
auf ihre Rechtmässigkeit zu überprüfen.
1.2 Zum Streitgegenstand ist vorab festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer im
Wiedererwägungsgesuch vom 12. Juni 2007 explizit zwar nur auf die Verfügung vom
11. Mai 2006 bezog. Der Begründung ist aber zweifelsfrei zu entnehmen, dass er sich
gegen die grundsätzliche Taggeldberechnung für die zweite Umschulungsetappe
wendete und insbesondere die Anzahl der ausgerichteten Taggelder rügte. An die
Formulierung des Rechtsbegehrens des zu jenem Zeitpunkt nicht anwaltlich
vertretenen Beschwerdeführers dürfen keine allzu hohen Anforderungen gestellt
werden, zumal selbst die Beschwerdegegnerin die vom Beschwerdeführer
vorgebrachte Rüge nicht nur auf die Anpassungsverfügung vom 11. Mai 2006 bezog.
Somit ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin auf das Gesuch um Überprüfung des
Taggeldanspruchs für die zweite Umschulungsperiode insgesamt eingetreten ist. Von
Vornherein nicht nochmals befassen kann sich das Gericht jedoch mit der in der
Beschwerde erstmals erwähnten Verfügung vom 19. Juli 2004 betreffend die erste
Umschulungsetappe vom 16. August 2004 bis 31. Juli 2005, zumal in jenem Zeitraum
die Taggelder offenbar nicht nur an drei Wochentagen, sondern durchgehend
ausgerichtet wurden. Soweit die Beschwerde die wiedererwägungsweise Aufhebung
der Verfügung vom 19. Juli 2004 beantragt, ist darauf nicht einzutreten.
1.3 Zwar reichte der Beschwerdeführer dem Gericht am 15. Februar 2008 das am
6. Februar 2008 unterzeichnete Gesuchsformular für die unentgeltliche Prozessführung
ein (act. G 6). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wies jedoch mit Schreiben
vom 12. Februar 2008 darauf hin, sein Mandant verfüge über eine Deckung bei einer
Rechtsschutzversicherung, weshalb sich das Gesuch erübrige (act. G 4). Der
Gerichtskostenvorschuss wurde denn auch am 20. Februar 2008 bezahlt. Das Gesuch
hat somit als zurückgezogen zu gelten.
2.
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2.1 Die Beschwerdegegnerin ist mit einem als Mitteilung bezeichneten Schreiben vom
21. November 2007 auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers nicht
eingetreten (act. G 1.2). Dabei stützt sie sich wohl auf Rz. 3013 des vom Bundesamt für
Sozialversicherung (BSV) herausgegebenen Kreisschreibens über die Rechtspflege in
der AHV, der IV, der EO und bei den EL, die vom Bundesgericht als rechtmässig
bezeichnet wurde. In BGE 133 V 50 hatte das Bundesgericht offen gelassen, ob die
Verwaltung über das Nichteintreten auf ein Wiedererwägungsgesuch eine Verfügung zu
erlassen hat. Eine Beschwerdelegitimation gegen ein Nichteintreten hat es jedoch
jedenfalls verneint. Zwar weise Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) auf diese Ausnahme
vom Beschwerderecht nicht ausdrücklich hin. Sie ergebe sich aber ohne weiteres aus
dem Umstand, dass das Eintreten auf ein Wiedererwägungsgesuch im Ermessen des
Versicherungsträgers liege (Erw. 4.2.1). Dem Bundesgericht ist insofern zuzustimmen,
als dass die Verwaltung frei entscheiden kann, ob sie auf ein Wiedererwägungsgesuch
eintreten will (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Dies ist der erste von drei Schritten des
Wiedererwägungsverfahrens. Tritt sie im Rahmen ihres freien Ermessens auf ein
Wiedererwägungsgesuch ein, so überprüft sie die frühere Verfügung in einem zweiten
Schritt materiell; der gesamte Rechtsanwendungsakt wird wiederholt. Im dritten Schritt
erfolgt dann der Widerruf der früheren Verfügung verbunden mit dem neuen materiellen
Entscheid. Dieser kann auch in einer "Bestätigung" der früheren Verfügung bestehen.
Die Wiedererwägungsfreiheit der Verwaltung beschränkt sich auf die Eintretensfrage.
Entscheidet sie sich dafür, auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten, so hat sie den
zweiten und dritten Schritt des Wiedererwägungsverfahrens willkürfrei durchzuführen.
Wie beim Verwaltungsverfahren zur erstmaligen Überprüfung eines Leistungsgesuchs
hat sie die Offizialmaxime, den Untersuchungsgrundsatz, das Gesetzmässigkeitsprinzip
etc. zu beachten (zum Ganzen Ralph Jöhl, Zur Praxis der substituierten Begründung
der Wiedererwägung bei zu Unrecht ergangenen Anpassungsverfügungen, in: AJP
8/2004, S. 1002 f.).
2.2 Ist die Verwaltung auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten, hat die
entsprechenden Voraussetzungen geprüft und anschliessend erneut einen
ablehnenden Sachentscheid getroffen, so muss gerichtlich überprüfbar sein, ob die
ursprüngliche, formell rechtskräftige Verfügung tatsächlich zweifellos unrichtig und
damit der Wiedererwägung zugänglich war (so auch das Bundesgericht etwa im
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Entscheid H 51/04 vom 13. November 2006, Erw. 5.1). Führt man sich das Wesen der
Wiedererwägung mit ihren drei Schritten vor Augen, so wird deutlich, dass der
Versicherte ein Interesse daran hat, gerichtlich überprüfen zu lassen, ob die Verwaltung
auf ein Wiedererwägungsgesuch eingetreten ist oder nicht. Zur Illustration ein Beispiel:
Die IV-Stelle veranlasst aufgrund eines Wiedererwägungsgesuchs umfangreiche
medizinische Abklärungen. Eine dabei angewandte neue medizinische
Untersuchungsmethode beweist, dass eine frühere Arbeitsfähigkeitsschätzung
unzutreffend und in der Folge die ursprüngliche Verfügung zweifellos falsch war. Wäre
die Verwaltung nicht nur in der Frage des Eintretens auf ein Wiedererwägungsgesuch
frei, so könnte sie sich unter Berufung auf ihre Wiedererwägungsfreiheit auch zu
diesem Zeitpunkt des Verfahrens noch auf den Standpunkt stellen, sie trete nicht auf
das Wiedererwägungsgesuch ein. Dies liesse sich weder mit dem
Gesetzmässigkeitsprinzip noch mit dem Gleichbehandlungsgebot vereinbaren und
wäre schlicht willkürlich. Durch die von ihr in diesem Beispiel veranlassten
umfangreichen Abklärungen ist sie klarerweise auf das Wiedererwägungsgesuch
eingetreten, weshalb sie im Weiteren (im zweiten und dritten Schritt der
Wiedererwägung) willkürfrei zu verfahren hat. Der Versicherte muss gerichtlich
überprüfen lassen können, ob die Verwaltung auf ein Wiedererwägungsgesuch
eingetreten ist oder nicht; diesbezüglich ist er beschwerdelegitimiert. Der gerichtlichen
Überprüfung muss aber auch die Frage zugänglich sein, ob die Beschwerdegegnerin
bei der materiellen Neuprüfung gesetzmässig vorgegangen ist.
2.3 Vorliegend stellt sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, sie sei im
Rahmen ihrer Wiedererwägungsfreiheit nicht auf das Gesuch des Beschwerdeführers
eingetreten. Dieser macht demgegenüber geltend, die Beschwerdegegnerin habe das
Gesuch geprüft, sei eingetreten und habe erneut materiell entschieden. Die Frage, ob
die Beschwerdegegnerin auf das Gesuch eingetreten ist oder nicht, ist von
massgebender Bedeutung und vom Gericht zu überprüfen.
2.4 Die Nichteintretens-Mitteilung der Beschwerdegegnerin trägt das Datum des
21. Novembers 2007. Innert der Beschwerdefrist von 30 Tagen (Art. 60 Abs. 1 ATSG)
hat der Beschwerdeführer Beschwerde erhoben. Seine Beschwerdeschrift vom 22.
Dezember 2007 reichte er irrtümlich der IV-Stelle ein, bei der die Beschwerde offenbar
am 3. Januar 2007 und damit fristgerecht einging (IV-act. 160-1 ff.). Aus der
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Beschwerde ging klar hervor, dass eigentlich das Gericht um Beurteilung der
Streitfrage ersucht wurde. So machte der Beschwerdeführer etwa geltend, das Gericht
müsse die Beschwerde entgegennehmen, auch wenn nur eine "Mitteilung" ergangen
sei. Nach Art. 58 Abs. 3 ATSG überweist die Behörde, die sich als unzuständig
erachtet, die Beschwerde ohne Verzug dem zuständigen Versicherungsgericht, wobei
die Beschwerdefrist als gewahrt gilt, wenn die Partei rechtzeitig an den unzuständigen
Versicherungsträger gelangte (vgl. analog Art. 39 Abs. 2 ATSG; Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, Zürich 2003, Rz. 11 zu Art. 60). Die Beschwerdeerhebung erfolgte
vorliegend also rechtzeitig. Auf die Beschwerde ist insofern einzutreten.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, die Beschwerdegegnerin sei
auf sein Wiedererwägungsgesuch eingetreten und habe eine materielle Prüfung
vorgenommen. Sie habe sich gemäss ELAR-Notiz vom 23. Juli 2007 und Schreiben
vom 31. Juli 2007 mit dem Sachverhalt inhaltlich auseinandergesetzt (act. G 9, S. 2). In
der Beschwerde wird ausgeführt, die IV-Stelle habe mit dem Berufsberater und wohl
auch mit dem Rechtsdienst Rücksprache genommen (act. G 1.1, S. 2). In der internen
Notiz vom 23. Juli 2007 wurde wiedergegeben, dass die Ausbildung des
Beschwerdeführers berufsbegleitend und so angelegt sei, dass die Studenten
nebenbei ihren Lebensunterhalt verdienen könnten. Diesbezüglich wird auf die
gleichlautende Feststellung vom 24. März 2006 verwiesen (IV-act. 155; 133). Weiter
wird festgehalten, dass auch die Arbeitsfähigkeit im ursprünglichen Beruf höher liege
als 50%, weshalb kein Anspruch auf ein durchgehendes Taggeld bestehe. Die
Verfügung sei seit mehr als einem Jahr in Kraft und an der Ausgangslage habe sich
nichts verändert (IV-act. 155). Im Schreiben an den Beschwerdeführer vom 31. Juli
2007 hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass der Beschwerdeführer als
Metallbauschlosser nicht mindestens 50% arbeitsunfähig sei und dass die Umschulung
berufsbegleitend angelegt sei (act. G 1.5). Damit hat sie sich zu den für die
Taggeldbemessung massgebenden Überlegungen in kurzer Form geäussert. Fraglich
ist, ob sie damit auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten ist.
3.2 Um entscheiden zu können, ob sie auf ein Wiedererwägungsgesuch eintreten will
oder nicht, hat die Verwaltung ein bei ihr eingegangenes Wiedererwägungsgesuch
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summarisch zu überprüfen. In BGE 117 V 8 hielt das Bundesgericht fest, es sei oftmals
nicht einfach abzugrenzen, ob die Verwaltung auf ein Wiedererwägungsgesuch nicht
eingetreten sei (Fall a) oder ob sie die Wiedererwägungsvoraussetzungen zwar geprüft
habe, diese aber verneine und das Gesuch mit einem erneut ablehnenden
Sachentscheid beantworte (Fall b). Ein an sich klares Verfügungsdispositiv könne nicht
ausschlaggebend, sondern höchstens ein Indiz dafür sein, in welchem Sinne die
Verwaltung ein Wiedererwägungsgesuch behandelt habe. Verschiedentlich hielt das
höchste Gericht fest, dass keine materielle Neubeurteilung im Sinne von Fall b vorliege,
wenn die Verwaltung bloss die für die seinerzeitige Verfügung ausschlaggebend
gewesenen Gründe wiederhole und unter Hinweis darauf darlege, weshalb auf das
Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten werden könne. Eine bloss summarische
Prüfung führe also nicht ohne weiteres dazu, eine Gesuchserledigung im Sinne von Fall
b anzunehmen (BGE 117 V 8 Erw. 2b; vgl. auch die Urteile I 896/06 vom 19. März 2007,
Erw. 4.1; 9C_431/07 vom 27. Juli 2007, Erw. 3.2; H 51/04 vom 13. November 2006,
Erw. 5.2).
3.3 Im vorliegenden Fall tätigte die Beschwerdegegnerin keine neuen Abklärungen. Sie
verwies lediglich auf frühere Abklärungen, so auf den vor Erlass der Verfügung vom
4. April 2006 ergangenen Hinweis der Berufsberaterin, die Umschulung sei
berufsbegleitend konzipiert; die Studenten könnten sich daneben ihren
Lebensunterhalt verdienen (IV-act. 131; 117). Die Beschwerdegegnerin sah sich auch
nach Eingang des Wiedererwägungsgesuchs nicht veranlasst, auf diese Einschätzung
zurückzukommen, obwohl der Beschwerdeführer diese im Gesuch bestritt und
darlegte, umschulungsbedingt an fünf Tagen pro Woche beschäftigt zu sein. Auf eine
nochmalige Überprüfung dieser Frage liess sich die Beschwerdegegnerin nicht ein.
Durch die blosse Wiedergabe ihrer bereits vor Erlass der Verfügung vom 4. April 2006
geäusserten Einschätzung ist sie auf das Gesuch nicht eingetreten. Dasselbe hat
betreffend Arbeitsfähigkeit zu gelten. Diesbezüglich wiederholte sie im Schreiben vom
31. Juli 2007 lediglich, dass der Beschwerdeführer im angestammten Beruf nicht
mindestens 50% arbeitsunfähig sei; diese Beurteilung ist bereits in den ursprünglichen
Verfügungen vom 4. April und 11. Mai 2006 explizit wiedergegeben. Die Prüfung, die im
Schreiben vom 31. Juli 2007 Ausdruck findet, hat als äusserst summarisch zu gelten;
die Beschwerdegegnerin führte keine neuen Abklärungen durch und setzte sich mit
den Argumenten des Beschwerdeführers nicht auseinander. Auch der explizite
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Nichteintretensentscheid vom 21. November 2007 beinhaltet keine Indizien für eine
eingehende materielle Neubeurteilung. Den Akten kann auch nicht entnommen werden,
dass die Sache dem Rechtsdienst vorgelegt worden wäre. Doch selbst wenn dies der
Fall gewesen wäre, spräche dies nicht für ein Eintreten. Die Vorlage beim Rechtsdienst
allein, ohne dass dieser irgendwelche weiteren Abklärungen oder in erkennbarer Weise
eine rechtliche Beurteilung vornimmt, liesse nicht auf ein Eintreten schliessen.
4.
4.1 Damit ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin mit ihrer sehr summarischen
Prüfung des Falles nicht auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten ist, was wegen
ihrer Wiedererwägungsfreiheit nicht zu beanstanden ist. Ein Anspruch auf eine
gerichtliche Beurteilung der Wiedererwägungsvoraussetzungen besteht daher nicht.
Somit ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Sie ist dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der geleistete
Kostenvorschuss in derselben Höhe wird angerechnet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG