Decision ID: 199c9ad8-14a5-4b75-b9ee-82b31fc0923a
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1948, war in den 80-er Jahren über die Firma,
Y._
, für welche ihr Ehemann als
einzelzeichnungsberech
tigter
Direktor im Handelsregister eingetragen war (
Urk.
10/2),
bei der
“W
in
terthur
“
- Stiftung für die obligatorische berufliche Vorsorge (heute: AXA Stiftung Berufliche Vorsorge, Winterthur;
nach
folgend AXA) angeschlossen (
Urk.
6/1). Im Mai 1988 erfolgte die Umfirmierung der
Y._
in die
Z._
(
Urk.
10/2). Am 6. Oktober 1988 ersuchte
X._
um Übertragung der Freizügigkeitsleistungen an die
Providentia
Sammel
stiftung
BVG (
Providentia
, später: PKG Sammelstiftung BVG,
Urk.
10/7
S. 3
). Im Dezember 1988 lehnte die AXA die Übertragung der
Freizügigkeitsleis
tungen
vorerst ab (
Urk.
6/7 S. 4), überwies diese dann aber – nach eigener Darstellung - am 30. Juni 1989
(Valuta 30. April 1988)
doch auf ein Konto der
Providentia
zugunsten der
Z._
(vgl.
Urk.
10/4) und löste den Anschlussvertrag per 30. April 1988 auf (
Urk.
10/5). Das verwendet Konto bei der
Providentia
war indes nicht ein solches der beruflichen sondern der privaten Vorsorge (
Urk.
10/7 S. 2
Ziff.
2).
Trotz Mahnungen wurde der per
1.
Mai 1988 eröffnete Anschlussvertrag bei der
Providentia
Sammelstiftung BVG für die
Z._
weder unterschrie
ben noch zurückgesandt. Freizügigkeitsleistungen konnte die
Providentia
für die Jahre 1988 und 1989 nicht verbuchen und nach weiteren
erfolglosen
Mahnungen für ausstehende Beiträge seit Eröffnung des Anschlussvertrages wurde dieser rückwirkend per
1.
Mai 1988 storniert (
Urk.
10/7 S. 3).
Im Jahr 2012 ersuchte sie die AXA und die
Providentia
um Ausrichtung ihrer Freizügigkeitsleistung. Nach mannigfaltigen Abklärungen und Briefwechseln verneinten beide einen entsprechenden Anspruch, da das Geld nicht bei ihnen vorhanden sei (
Urk.
6/16,
Urk.
6/
1
1—12).
2.
Mit Eingabe vom
9.
Februar 2015 (
Urk.
5) liess
X._
Klage gegen die AXA erheben mit folgenden Rechtsbegehren:
„1.
Es sei die Beklagte zu verpflichten, zweifelsfrei nachzuweisen die
Freizü
gigkeitsleistungen
für Herrn
A._
(gemeint wohl Frau
X._
) aus der Police mit der Nummer
B._
an die
Providentia
überwiesen zu haben. Dies muss anhand eines offiziellen Dokumentes erfolgen und nicht durch einen internen Buchungsbeleg der beklagten Partei.
2.
Wenn die Beklagte den Nachweis führen kann, dass die Zahlung defini
tiv an die
Providentia
ausgeführt wurde, muss erläutert werden aus wel
chem Anlass sie die Überweisung getätigt hat.
3.
Wenn dies der Beklagten nicht möglich ist, sei diese zu verpflichten, ent
standene
n
Leistungen aus der Police über
Fr.
12'021.20 nebst 6.5
%
Zinsen seit 01.10.2010, sowie
Fr.
100.-- Betreibungskosten anzuerken
nen und an den Kläger (recte: die Klägerin) zu bezahlen.“
Am
vom 1
3.
April 2015 (
Urk.
9) ersuchte die Beklagte um Abweisung der Klage. Mit Verfügung vom
1.
Dezember 2016 (
Urk.
12) wurde
der
Klägerin
Frist angesetzt, um
vom Gericht bezeichnete Beweismittel einzureichen. Hierzu äusserte sich die Klägerin mit Eingabe vom
1.
März 2017 (
Urk.
15 und
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Klägerin
macht geltend,
sie
habe bei der Beklagten eine obligatorische Berufliche Vorsorge
,
gültig ab
1.
Januar 1987
,
abgeschlossen, wobei die De
tails dem persönlichen Ausweis vom
2.
Dezember 1986 zu entnehmen
seien. Am
6.
Oktober 1988 hätten sie (Klägerin und Ehegatte)
einen Antrag gestellt, ob die Freizügigkeitsleistung
en
bei der Beklagten an die
Providentia
über
wiesen werden könnten. Diese
n
Antrag habe die Beklagte am 5.
Dezember 1988 abgelehnt. Am 1
7.
Oktober 2002 habe
sie
bei der Ausgleichskasse nachgefragt, an wen
sie
sich wenden solle, um nähere Auskünfte zu erhalten, habe mit verschiedenen Stellen telefoniert und sei immer mit fadenscheini
gen Aussagen vertröstet worden. Die Aussage sei schlussendlich gewese
n, dass ihr
Geld nicht auffindbar sei. Von der Beklagten sei mitgeteilt worden, dass sie in größeren Zeitabständen beim Sicherheitsfonds BVG Suchläufe gemacht hätten, um den Verbleib des Geldes in Erfahrung zu bringen, doch diese seien ergebnislos geblieben. Aufgrund der vielen erfolglosen Abklärun
gen über den Verbleib des Geldes, hätten
sie
sich erneut an die Beklagte ge
wandt. Diese habe darauf hin im Jahr 2012 mitgeteilt, dass sich das Geld bei der
Providentia
befinde. Dies stehe aber im Widerspruch zur Ablehnung vom
5.
Dezember 1988 wonach sie eine Auszahlung der Freizügigkeitsleistung an die
Providentia
abgelehnt habe. Als Beweis habe die Beklagte einen internen Buchungsbel
eg beigebracht. Daraufhin sei sie
erneut mit der
Providentia
in
Kontakt getreten. Diese habe mitgeteilt, dass sie auf das angegebene Konto an dem entsprechenden Datum keinen Zahlungseingang
hätten
verbuchen k
önne
n. Da die Beklagte keine Zahlung an die
Providentia
nachweisen könne, sei sie zur Zahlung der Austrittsleistungen zu verpflichten (vgl.
Urk.
5 S. 2).
1.2
Die Beklagte vertritt demgegenüber den Standpunkt, sie habe auf Ersuchen
der Klägerin
mit Schreiben vom
5.
Dezember 1988 die Übertragung der
Frei
zügigkeitsleistungen
vorerst abgelehnt, da kein Kündigungsgrund vorgelegen habe, dann aber per Valuta 3
0.
April 1988 die Übertragung an die
Providen
tia
vorgenommen und daraufhin den Anschlussvertrag Nr.
C._
rückwir
kend per 3
0.
April 1988
aufgelöst. Dies nachdem mit der
Kläger
in
und
ihrem Ehemann
die letzten beiden versicherten Personen aus dem Vorsorgewerk der
Z._
ausgeschieden
seien
. Der Sachverhalt sei zum einen aus den internen Systemdaten der Vertragsverwaltungs-Software der Beklagten er
sichtlich. Zum andern sei am 2
3.
Dezember 2013 ein Kontoauszug mit den Zahlungsbewegungen des Vorsorgewerks Nr.
C._
erstellt worden. Auf dem Auszug sei sowohl die Auszahlung der Freizügigkeitsleistung per Valuta 3
0.
April 1988 ersichtlich als auch die mit
selbe
m
Datum angefallenen Ver
tragsauflösungskosten. Die Auszahlung der Freizügigkeitsleistung sei über ein Postcheck-Konto getätigt worden, wobei die Schweizerische Post mitge
teilt habe, dass sie keine Nachforschungen über die damalige Überweisung mehr betreiben könne, da sie aufgrund der verjährten
Aktenaufbewahrungs
frist
über keine Belege dieser Zahlung mehr verfüge. Die weitere Nachfrage habe ergeben, dass die
Providentia
den Anschluss unter der Nr.
D._
für die
Z._
geführt habe, ohne dass die
Z._
je eine
Anschluss
vereinbarung
oder ein Kassenreglement unterzeichnet habe. Die Aufnahme des Klägers in die Vorsorge der
Providentia
sei am
6.
Oktober 1988 beantragt worden und
-
nachdem keine Freizügigkeitsleistungen eingegangen seien und die
Z._
auch keine Beiträge bezahlt habe
–
sei
,
nachdem sie am 2
4.
August 1990 zum zweiten Mal erfolglos gemahnt habe, der Anschluss letztlich rückwirkend per
1.
Mai 1988 storniert worden (
Urk.
9 S. 3 ff.).
In der Zeit, in welcher
die Klägerin
bei der Beklagten vorsorgeversichert gewe
sen sei, sei kein Leistungsfall eingetreten, die Beklagte könne daher nicht aufgrund eines Vorsorgefalls leistungspflichtig werden. Sei die Forde
rung
der Klägerin
so zu interpretieren, dass
sie
eine Freizügigkeitsleistung geltend mache, sei die Beklagte mit der Übertragung dieser
Freizügigkeits
leistung
an die
Providentia
ihrer Leistungspflicht nachgekommen. Dass der Anschlussvertrag der
Providentia
in Wirklichkeit nicht zustande gekommen
sei bzw. dass der Anschluss storniert worden sei, dürfe der Beklagten nicht zum Nachteil gereichen und ebenso habe sie keinen Einfluss darauf gehabt, ob die
Providentia
der Klägerin
bei der Stornierung des Anschlusses irgend
welche Leistungen ausgerichtet habe. Auch könne die
Providentia
zum heu
tigen Zeitpunkt nicht mit Sicherheit nachweisen, dass sie keine
Freizügig
keitsleistung
von der Beklagten erhalten habe. Die Beklagte habe demgegen
über nachweisen können, dass sie die Freizügigkeitsleistung an die
Provi
dentia
erbracht habe. Die Mobiliar (Nachfolgerin der
Providentia
)
habe
in ihrem Schreiben vom 1
6.
Januar 2014
erwähnt
, dass es sich beim Konto, welches auf dem internen Zahlungsbeleg der Beklagten angegeben sei, in ihrem System nicht um ein Konto der beruflichen Vorsorge, sondern um ei
nes der privaten Vorsorge handle. Dies könne der Beklagten auch nicht ent
gegengehalten werden, da sie weder einen Anlass noch eine Möglichkeit ge
habt habe, die wirtschaftliche Bestimmung des Kontos, welches ihr angege
ben worden sei, zu überprüfen (
Urk.
9 S. 6).
Da
die Klägerin
den Nachweis fordere, dass
ihre
Freizügigkeitsleistungen am 3
0.
Juni 1989 (Valuta 3
0.
April 1988) an die
Providentia
überwiesen worden seien und diese Überweisung knapp 26 Jahre zurückliege, stelle sich die Frage, ob die Beklagte verpflichtet werden könne, diesen Nachweis zu er
bringen. Für die Aufbewahrung von Unterlagen habe damals die
Aufbewah
rungsfrist
von zehn Jahre gegolten (Art. 962
des
Obligati
onenrecht
s
, OR). Diese sei am 1.
Januar 2000, zehn Jahre nach Ablauf des Kalenderjahrs 1989, abgelaufen und die Beklagte sei berechtigt gewesen, die Akten in Zusam
menhang mit der Auszahlung der Freizügigkeitsleistung
der Klägerin
zu ver
nichten. Auch nach der seit dem
1.
Januar 2005 in Kraft getretenen Regelung wäre die Beklagte nicht verpflichtet gewesen, diese Akten länger als zehn Jahre aufzubewahren. Der Anschlussvertrag Nr.
C._
, infolge dessen
die Klägerin
bei der Beklagen vorsorgeversichert
gewesen sei
, sei am 3
0.
Juni 1989 rückwirkend per 3
0.
April 1988 vollständig aufgelöst worden. Aus die
sem Anschlussvertrag
hätten folglich
seit dem Auflösungsdatum keine An
sprüche auf Vorsorgeleistungen mehr geltend gemacht werden können, son
dern nur noch Ansprüche auf Freizügigkeitsleistungen, solange diese noch nicht auf eine andere Vorsorge- oder Freizügigkeitseinrichtung übertragen worden seien. Im Freizügigkeitsfall ende die Aufbewahrungspflicht der mass
gebenden Vorsorgeunterlagen bei der bisherigen Vorsorgeeinrichtung zehn Jahre nach der Überweisung der Austrittsleistung der versicherten Person auf die neue Vorsorgeeinrichtung oder auf eine Einrichtung, welche
Freizügig
keitskonten
oder -policen führe. Nach den neuen gesetzlichen Bestimmungen
habe die Aktenaufbewahrungsfrist sogar schon am 3
0.
Juni 1989 (gemeint wohl 1999) geendet, zehn Jahre nach der Überweisung der
Freizügigkeits
leistung
(
Urk.
9 S. 6 ff.).
Art. 41
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlasse
nen
-
und Invalidenvorsorge (BVG) sehe die Unverjährbarkeit von
Leistungs
ansprüchen
vor, sofern die Versicherten im Zeitpunkt des Versicherungsfalles die Vorsorgeeinrichtung nicht verlassen hätten. Diese Bestimmung sei im vorliegenden Fall nicht anwendbar, da der Kläger bereits am 3
0.
April 1988 (Datum der Auflösung des Anschlussvertrags Nr.
C._
) die Beklagte ver
lassen habe. Der Anspruch auf eine Freizügigkeitsleistung, sei somit seit dem 3
0.
April 1998 verjährt (
Urk.
9 S. 8).
2
.
2
.1
Aufgrund der Aktenlage steht
in
masslich
er
Hinsicht
fest und ist unbestritten, dass die Klägerin bei der AXA per 3
0.
April 1988 über Austrittsleistungen
von
Fr.
12‘021.2
0 verfügte. Strittig ist der Verbleib dieses Guthabens. Wäh
rend die Beklagte vorbringt den Anschlussvertrag aufgelöst und die
Aus
t
rittsleistungen
auf Begehren der Klägerin
an die neue Vorsorgeeinrichtung übertragen zu haben und sich in Bezug auf die Beweispflicht auf eine zehn
jährige Aktenaufbewahrun
gspflicht beruft, bestreitet die
Kläger sinngemäss den Austritt aus der Vorsorgeeinrichtung bei der AXA und die Übertragung der Leistungen.
2
.2
Die fragliche Auszahlung der Austrittsleistungen und die Auflösung des
An
schlussvertrages
erfolgte — nach Darstellung der Beklagten — am 3
0.
Juni 1989 rückwirkend per 3
0.
April 1988 (
Urk.
10/4). Der Anschlussvertrag bei der
Z._
und die Aufnahme
der Klägerin
in die Vorsorgeeinrichtung der
Providentia
wurde rückwirkend per
1.
Mai 1988 storniert, nachdem trotz einer zweiten erfolglosen Mahnung vom 2
4.
August 1990 keine Beiträge entrichtet w
o
rden
waren
(
Urk.
10/7 S. 3). Zumindest diese letzten beiden Vorgänge, wie auch das Ausscheiden aus der Vorsorgeeinrichtung bei d
er Beklagten, mussten der Klägerin und ihrem Ehegatten bekannt gewesen sein
,
da
dieser
als einzelzeichnungsberechtigter Direktor der
Y._
wie auch als einzelzeichnungsberechtigter Direktor der
Z._
(
Urk.
10/2)
fungierte
und
er wie auch
seine Ehegattin als letzte und einzige Arbeitnehmer der
Z._
zufolge Konkurs
es
der Firma
im Jahr 1995
aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden waren.
2
.3
Strittig ist damit der Sachverhalt betreffend die Übertragung der
Freizügig
keitsleistungen
im Jahr 1989
,
wobei sich diesbezüglich die Frage der
Be
weislastverteilung
stellt.
3
.
3
.1
Der Berufsvorsorgeprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 73
Abs.
2 BVG), welcher besagt, dass das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen hat. Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne ei
ner Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Berufsvorsorgeprozess tra
gen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten
wollte
. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich er
weist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer
Beweiswür
digung
einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b, vgl. auch BGE 139 V 185 E. 5.2). Eine Umkehr der Beweislast tritt ein, wenn die
be
weisbelastete
Partei den Beweis aus Gründen nicht zu erbringen vermag, welche die Gegenpartei zu verantworten hat (BGE 92 I 257 E. 3; vgl. auch BGE 124 V 375 f. E. 3).
3
.
2
3
.
2
.1
Vor der ersten BVG-Revision galt für die Aufbewahrung von Unterlagen die allgemeine Verjährungsregel des Artikels 962
a
OR
. Verliess also ein Versi
cherter eine Vorsorgeeinrichtung, ohne sein Guthaben einzufordern, war die Einrichtung dazu verpflichtet, die ihn betreffenden Daten während zehn Jahren aufzubewahren (seine Personendaten und die im Zusammenhang mit seiner Austrittsleistung stehenden Informationen). Nach Ablauf dieser Frist durfte die Einrichtung die Unterlagen vernichten, so dass es dem Versicher
ten nicht mehr möglich war, seine Ansprüche geltend zu machen (Sylvie
Pétremand
in Schneider/Geiser/
Gächter
, Handkommentar zum BVG und FZG
,
Art. 41 N 38).
3
.
2
.2
Gemäss
alt
Art. 962 OR (in der von Juli 1976 bis Mai 2002 g
ültig gewesenen
Fassung) hat
,
wer zur Führung von Geschäftsbüchern verpflichtet ist, diese, die Geschäftskorrespondenz und die Buchungsbelege während zehn Jahren
aufzubewahren (
Abs.
1). Die Aufbewahrungsfrist beginnt mit dem Ablauf des Kalenderjahres, in dem die letzten Eintragungen vorgenommen wurden, die Geschäftskorrespondenz ein- oder ausgegangen ist und die Buchungsbelege entstanden sind (
Abs.
3).
Bei Inkrafttreten der (marginal)
revidierten Bestim
mungen des OR per Juni 2002 war die Verjährungsfrist jedenfalls abgelaufen.
3
.
3
Mit Blick auf die bestrittenen Zahlungsvorgänge im Jahr 1989 war die Be
klagte nach Austritt der Klägerin aus ihrem Vorsorgewerk lediglich ver
pflichtet, die Zahlungsbelege bis Ende 1999 aufzubewahren. Nachdem die Klägerin innerhalb dieser Frist nicht an die Beklagte gelangte und die Belege nach Fristablauf vernichtet wurden, kann ihr ein fehlender Nachweis i
n dem
Sinne, dass sie den Zahlungsnachweis nicht mehr restlos erbringen kann, nicht entgegen gehalten werden. Die Beweiserschwernis hat die Klägerin durch ihr
unterbliebenes Tätigwerden
selber zu verantworten, was zu einer Umkehr der Beweislast führen muss (
Spühler
/
Dolge
/
Gehri
, Schweizerisches Zivilprozessreicht,
9.
Auflage 2010
Rz
. 67). Dementsprechend hat die Kläge
rin, welche die Ausrichtung von Austrittsleistungen aus dem Vorsorgewerk der Beklagten verlangt, nachzuweisen, dass das entsprechende Guthaben (ihr) nicht bereits ausgerichtet wurde.
3
.
4
Mit
Verfügung vom
1.
Dezember 2016 (
Urk.
12) wurde
d
er
Klägerin
Gelegen
heit gegeben,
verschiedene Beweismittel einzureichen und damit den
von ihr dargestellten
Sachverhalt soweit zu belegen, dass dieser
„
zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen
“ (vgl. E. 3.1
hievor
)
. Namentlich hätte
sie
mittels Vorsorgeausweise der “Winterthur“- Stiftung für die obligatorische berufliche Vorsorge „Persönlicher Ausweis“ gültig ab Januar 1988 und Folgejahre, belegen können, dass die Beklagte das Konto weiter führt
e
. Nähere Anhaltspunkte hierzu hätten sich allenfalls auch aus der vollständigen Korrespondenz von Mai 1988 bis Juni 1990, die z
wi
schen der “Winterthur“ und der
Kläger
in
respektive der Firma
Y._
oder der umfirmierten
Z._
geführt wurden, ergeben. Rückschlüsse zur Übertragung der Freizügigkeitsleistungen auf ein Konto d
er privaten Vorsorge der Klägerin
wären möglicherw
eise auch dem Gesuch vom 6.
Oktober 1988 zur Übertragung der Freizügigkeitsleistungen an die
Provi
dentia
zu entnehmen gewesen oder den weiteren Unterlagen (
Aufnahmege
such
, Anschlussvereinbarung, Kassenreglement, Vorsorgeausweise, Mahnun
gen, Annullierung, etc.) betreffend den ab
1.
Mai 1988 eröffneten
Anschluss
vertrag
mit der
Providentia
bis zu dessen rückwirkender Stornierung. Mit zusätzlichen Belegen aus der damaligen Zeit (über das Jahr 1989 hinaus) be
züglich Bestand/Auszahlung von Frei
zügigkeitsleistungen hätte die Klägerin
allenfalls belegen können, dass
sie
weiterhin über ein entsprechendes
Aus
trittsguthaben
verfügt. Auch hätte
sie
mittels der vollständigen Steuererklä
rungen der Jahre 1988, 1989, 1990 mit den entsprechenden Kontoauszügen und den vollständigen persönlichen Kontoauszüge von August 1990 bis De
zem
ber 1992 dartun können, dass ihr
Vorsorgeleistungen nicht bereits zuge
flossen sind.
Die
Klägerin
legte keinen einzigen der verlangten Belege auf, welcher die Auffassung stützen könnte, dass die Beklagte die
Austrittsleis
tungen
nicht bereits mit befreiender Wirkung geleistet hat. D
ass es trotz in
tensiver Nachforschung nach zweimaligen Umzügen nicht mehr möglich sei, die gewünschten Unterlagen nachzureichen (vgl.
Urk.
15)
,
hat sie selber zu vertreten.
Demgegenüber legte die Beklagte aufgrund noch vorhandener interner Be
lege nachvollziehbar dar, dass sie am
5.
Dezember 1988 die Übertragung der Freizügigkeitsleistungen zwar vorerst ablehnte, da mit der blossen Umfir
mierung der
Y._
in die
Z._
kein Kündigungsgrund vorgelegen habe, dann aber am 3
0.
Juni 1989 die Übertragung an die
Provi
dentia
trotzdem vorgenommen und daraufhin den Anschlussvertrag Nr.
C._
rückwirkend per 3
0.
April 1988 aufgelöst ha
t,
nachdem mit
der Klä
gerin und ihrem Ehegatten
die letzten beiden versicherten Personen aus dem Vorsorgewerk der
Z._
ausgeschieden waren. Aus dem
Kontoa
uszug
der Beklagten (
Urk.
10/6)
ergibt sich einerseits die Auszahlung der
Freizügig
keitsleistung
per Valuta 3
0.
April 1988 als auch die mit selben Datum ange
fallenen Vertragsauflösungskosten. Ebenso nachvollziehbar ist, dass
,
da
die Auszahlung der Freizügigkeitsleistung über ein Postcheck-Konto getätigt wurde, auch die Post über die damalige Überweisung aufgrund der verjährten Aktenaufbewahrungsfrist keine Nachforschungen mehr betreiben kann und damit keine Belege dieser Zahlung erhältlich sind. Für diese
Beweis
unmög
lichkeit
hat nicht die Beklag
te
,
sondern die Klägerin
einzustehen
, welche Rechte ableiten will.
4
.
Aufgrund vorstehender Erwägungen ergibt
sich zusammenfassend, dass die
Kläger
in
als beweisbelastete Partei
nicht mit dem Beweismass der überwie
genden Wahrscheinlichkeit darzulegen vermochte
, dass die Beklagte die Austrittsleistung nicht bereits mit befreiender Wirkung geleistet hat.
Sie
hat demnach die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen, was zur Abweisung der
Klage
führt.