Decision ID: 864be847-7f52-5e19-949c-a43532345bb4
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden, eine afghanische Staatsangehörige (nachfol-
gend die Beschwerdeführerin) und ihre zwei Kinder, suchten erstmals am
29. Juli 2014 in der Schweiz um Asyl nach. Mit Verfügung vom 13. Januar
2015 wurden sie in der Schweiz vorläufig aufgenommen. Da die Beschwer-
deführenden ab Mai 2015 unbekannten Aufenthalts waren, wurde ihre vor-
läufige Aufnahme am 11. November 2015 aufgehoben.
B.
B.a Am 14. Februar 2020 gelangten die Beschwerdeführerin und ihre Kin-
der erneut in die Schweiz, wo die Beschwerdeführerin wieder um Asyl
nachsuchte.
B.b Anlässlich der Personalienaufnahme erklärte die Beschwerdeführerin,
sie brauche dringend psychologische Hilfe für sich und ihren älteren Sohn.
Sie wurde darauf hingewiesen, sich ans Pflegepersonal zu wenden.
B.c Am 28. Februar 2020 erklärte die Beschwerdeführerin im Rahmen ei-
nes persönlichen Gesprächs, sie habe 2015 in der Schweiz eine vorläufige
Aufnahme erhalten. Plötzlich sei aber ihr Ehemann aufgetaucht, weshalb
sie und die Kinder zwangsweise mit ihm nach Griechenland hätten zurück-
kehren müssen, woraufhin sie dort im November 2015 Schutz erhalten
habe. Nach ungefähr einem Jahr habe sich ihre Situation wegen ihres Ehe-
mannes zunehmend verschlechtert. Er habe sie bedroht und geschlagen,
worunter auch die Kinder gelitten hätten. Die Rechtsvertretung beanstan-
dete, die Beschwerdeführerin habe nicht alle relevanten Aussagen zu ihrer
Situation in Griechenland machen können, woraufhin der Befrager darauf
hinwies, der für die Zuständigkeit massgebliche Sachverhalt sei aufgenom-
men worden. Sie könne im Rahmen des rechtlichen Gehörs noch weitere
Ausführungen machen.
C.
C.a Die Vorinstanz ersuchte die griechischen Behörden am 28. Februar
2020 gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen
und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger
Drittstaatsangehöriger (Rückführungsrichtlinie) und auf das Abkommen
zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Helleni-
schen Republik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem
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Aufenthalt vom 28. August 2006 um Rückübernahme der Beschwerde-
führenden.
C.b Die griechischen Behörden stimmten dem Ersuchen am 6. März 2020
zu.
D.
Am 5. März 2020 ersuchte die Rechtsvertretung zusätzlich zum bereits
mündlich gestellten Antrag, schriftlich erneut um psychologische Abklärung
der Beschwerdeführerin und des älteren Sohnes.
E.
E.a Am 20. März 2020 gewährte die Vorinstanz schriftlich das rechtliche
Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Wegweisung
nach Griechenland. Darin wurde der Standpunkt vertreten, das von der
Rechtsvertretung beantragte Nachgespräch sei nicht notwendig.
E.b Die Rechtsvertretung nahm am 9. April 2020 schriftlich Stellung und
teilte mit, die Beschwerdeführerin habe angegeben, sie sei 2015 nicht frei-
willig nach Griechenland zurückgekehrt, sondern von ihrem Ehemann un-
ter Drohungen abgeholt und zur Rückkehr gezwungen worden. Sie habe
am Gespräch vom 28. Februar 2020 keine Angaben zu ihren Erfahrungen
betreffend Unterstützung seitens der griechischen Behörden im Zusam-
menhang mit der häuslichen Gewalt machen können. Die Frage, inwiefern
die Beschwerdeführerin diesbezüglich Schutz erhalten habe und wie ihre
Lebensumstände nach einer Rückkehr aussähen, sei für die Beurteilung
der Zumutbarkeit der Wegweisung nach Griechenland von Bedeutung. Die
schriftliche Stellungnahme könne ein persönliches Gespräch für die Sach-
verhaltsermittlung nicht ersetzen. Ferner sei allgemein bekannt, dass die
Situation selbst anerkannter Flüchtlinge in Griechenland alarmierend sei.
Der Antrag auf medizinische Abklärung des älteren Sohnes sei bisher nicht
behandelt worden. Die Beschwerdeführerin sei psychisch in einer schlech-
ten Verfassung. Bei einer Rückkehr sei sie auf sich alleine gestellt und be-
fürchte zudem, erneut Gewalt durch ihren Ehemann zu erfahren. Die Frau-
enhäuser in Griechenland seien komplett ausgelastet und es sei schwierig,
überhaupt Zugang zu solchen Institutionen zu finden. Die Überstellung der
Beschwerdeführenden nach Griechenland bringe eine tatsächliche Gefahr
einer Verletzung von Art. 3 EMRK mit sich. Zudem sei sie aufgrund der
individuellen Situation der Beschwerdeführenden und angesichts der pre-
kären Lebensumstände nicht zumutbar.
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E.c Mit Schreiben vom 22. Mai 2020 ersuchte die Rechtsvertretung erneut
um psychiatrische Abklärung der Beschwerdeführenden. Die Beschwerde-
führerin habe massive häusliche Gewalt erlebt und sei zusammen mit den
Kindern regelmässig vom Ehemann eingesperrt worden. Die Kinder hätten
nicht zur Schule gehen können. Die Beschwerdeführerin sei vor den Kin-
dern vom Ehemann geschlagen und mit dem Tode bedroht worden. In Grie-
chenland habe die Polizei sie weggeschickt, obwohl ihr Gesicht verletzt
und ihr gesamter Körper voller Narben gewesen sei. Eine andere Familie
aus der Unterkunft müsse den Ehemann über den Aufenthaltsort der Be-
schwerdeführenden informiert haben. Die Beschwerdeführerin erhalte ak-
tuell ständig Drohungen des Ehemannes. Es wurde um Einleitung der not-
wendigen Schritte ersucht, damit sich die Beschwerdeführenden wieder si-
cher fühlen könnten.
E.d Die Vorinstanz leitete das Schreiben dem zuständigen Amt im Aufent-
haltskanton weiter, mit der Bitte, allenfalls die notwendigen Schritte einzu-
leiten.
E.e Am 18. Juni 2020 teilte die Rechtsvertretung dem SEM mit, die Be-
schwerdeführenden seien ab dem (...).
E.f Am 24. Juni 2020 ersuchte die Rechtsvertretung erneut dringend um
medizinische Abklärung der Beschwerdeführerin und ihres älteren Sohnes.
Da ausschliesslich das SEM berechtigt sei, medizinische Fachpersonen
beizuziehen, seien der Rechtsvertretung die Hände gebunden. Die ge-
sundheitlichen Probleme seien aber auch bei der Durchführbarkeit einer
Wegweisung nach Griechenland zu berücksichtigen. Es sei auf das Asyl-
gesuch einzutreten und die Asylgründe der Beschwerdeführenden zu be-
urteilen.
E.g Am 11. September 2020 ersuchte die Rechtsvertretung um Auskunft
über den Verfahrensstand und teilte mit, die Beschwerdeführerin und der
ältere Sohn seien in intensiver psychotherapeutischer Behandlung. Eine
Rückkehr nach Griechenland sei nicht vertretbar, weshalb der Selbsteintritt
beantragt werde.
E.h Mit Eingabe vom 14. Oktober 2020 reichte die Rechtsvertretung den
Bericht des D._ vom 9. Oktober 2020 zu den Akten und stellte me-
dizinische Berichte der behandelnden Therapeutinnen in Aussicht.
E.i Die Vorinstanz setzte der Rechtsvertretung am 23. Oktober 2020 Frist
zur Einreichung aller medizinischen Unterlagen bis zum 30. Oktober 2020.
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E.j Am 30. Oktober 2020 reichte die Rechtsvertretung den Kinderpsycho-
logischen Befund der E._ vom 7. Oktober 2020 und am 5. Novem-
ber 2020 den Bericht der Sozialarbeiterin des D._ vom 4. Novem-
ber 2020 die Beschwerdeführerin betreffend zu den Akten. Am 17. Novem-
ber 2020 reichte die Rechtsvertretung das am 13. November 2020 erhal-
tene vom 22. Oktober 2020 datierenden Gutachten der E._ über die
Beschwerdeführerin ein.
F.
F.a Am 7. Januar 2021 stellte das SEM der Rechtsvertretung den Entschei-
dentwurf zur Stellungnahme zu.
F.b Gleichentags nahm die Rechtsvertretung Stellung und wies darauf hin,
der Entscheid verletze die Untersuchungs- und Begründungspflicht. Die
genauen Vorfälle in Griechenland sowie der tatsächliche Zugang der Be-
schwerdeführerin zu allfälligen Schutzeinrichtungen in Griechenland seien
vom SEM nicht abgeklärt worden. Es sei nicht erkennbar, inwiefern das
SEM die griechischen Behörden über die besondere Situation der Be-
schwerdeführenden informiert habe, damit allfällige Vorkehrungen getrof-
fen werden könnten. Damit werde in Kauf genommen, dass die Beschwer-
deführerin bei ihrer Rückkehr umgehend erneut Opfer von Gewalt werden
könnte. Weiter sei das Kindeswohl im Entscheid nicht berücksichtigt wor-
den. Inwiefern diesbezüglich Abklärungen vorgenommen worden seien, sei
den Akten nicht zu entnehmen. Die Beschwerdeführenden hielten sich in
D._ auf, wo die Beschwerdeführerin in gewissen Belangen Hilfe er-
halte. Es sei damit zu rechnen, dass sie bei einer Rückkehr nach Griechen-
land den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht werden könnte und diese
der Gewalt des Vaters schutzlos ausgeliefert wären. Vom SEM sei auch
nicht berücksichtigt worden, inwiefern die Wegweisung nach Griechenland
bei den Kindern eine Retraumatisierung auslösen könnte. Aus den vorlie-
genden Berichten sei aber klar erkennbar, dass eine Wegweisung nach
Griechenland gravierende Auswirkungen auf den Zustand der Kinder ha-
ben werde. Es wurde beantragt, das Asylgesuch in der Schweiz zu prüfen
und eventualiter den Sachverhalt abschliessend zu erstellen und ange-
messen zu prüfen.
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Seite 6
G.
Mit Verfügung vom 7. Januar 2020 – eröffnet am 8. Januar 2021 – trat die
Vorinstanz auf die Asylgesuche nicht ein, verfügte die Wegweisung der Be-
schwerdeführenden aus der Schweiz nach Griechenland und beauftragte
den zuständigen Kanton mit dem Vollzug.
H.
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 15. Januar 2021 liessen die Be-
schwerdeführenden dagegen Beschwerde erheben und beantragen, die
Verfügung des SEM vom 7. Januar 2021 sei vollumfänglich aufzuheben
und das Amt anzuweisen, auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin und
ihrer beiden Söhne einzutreten und in der Schweiz ein materielles Asylver-
fahren durchzuführen. Eventualiter sei die Verfügung zur rechtsgenügli-
chen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. Es sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme der vorliegen-
den Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugs-
behörde sei unverzüglich anzuweisen, von einer Überstellung der Be-
schwerdeführenden nach Griechenland abzusehen, bis das Bundesver-
waltungsgericht über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschie-
den habe. Es sei den Beschwerdeführenden die unentgeltliche Prozess-
führung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu
verzichten.
I.
Mit Verfügung vom 20. Januar 2021 stellte die Instruktionsrichterin fest,
dass der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu-
komme (Art. 55 VwVG) und diese nicht entzogen worden sei, womit die
Beschwerdeführenden den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar-
ten dürften, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und
lud die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
J.
Am 25. Januar 2020 ging bei Gericht eine kurze Aktennotiz der behandeln-
den Therapeutin betreffend die Beschwerdeführerin ein. Das Gericht liess
diese gleichentags dem SEM zukommen.
K.
Mit Vernehmlassung vom 4. Februar 2021 hielt die Vorinstanz unter Ergän-
zungen, die soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen Erwähnung
finden, vollumfänglich an ihrem Entscheid fest.
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Seite 7
L.
Auf die Ausführungen in der Replik vom 23. Februar 2021 wird, soweit
diese entscheidwesentlich sind, in den Erwägungen näher eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
in der Regel – so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen
Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31‒33 VGG;
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführerin und ihre beiden minderjährigen Kinder haben am Verfahren vor
der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung be-
sonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung beziehungsweise Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Be-
schwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie
Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf diese ist einzutreten.
2.
2.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Demnach enthält sich die Beschwerdeinstanz
– sofern sie den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig erachtet – ei-
ner selbstständigen materiellen Prüfung, hebt die angefochtene Verfügung
auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück
(vgl. BVGE 2014/39 E. 3 m.w.H.).
2.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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2.3 Bezüglich der Frage der ausländerrechtlichen Wegweisung und des
Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorge-
nommen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht diesen Punkt ohne Ein-
schränkung beurteilt.
3.
3.1 Das SEM begründete seinen Entscheid im Wesentlichen damit, es trete
gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf Asylgesuche in der Regel dann
nicht ein, wenn Asylsuchende in einen vom Bundesrat bezeichneten siche-
ren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kön-
nen, in dem sie sich vorher aufgehalten hätten. Der Bundesrat habe Grie-
chenland als sicheren Drittstaat bezeichnet. Aus den Aussagen der Be-
schwerdeführerin und den Aufenthaltstiteln gehe zudem hervor, dass sie in
Griechenland subsidiären Schutz erhalten hätten. Griechenland habe sich
am 6. März 2020 bereit erklärt, die Beschwerdeführerin und ihre Kinder
zurückzunehmen. Demzufolge könnten sie nach Griechenland zurückkeh-
ren.
3.2 Im vorliegenden Fall würden zwar Anzeichen bestehen, dass die Be-
schwerdeführerin die Bedingungen für eine vorläufige Aufnahme nach
Art. 83 AIG (SR 142.20) erfülle, da sie und ihre Kinder in Griechenland sub-
sidiären Schutz erhalten hätten. Für ein allfälliges Ersuchen um Wiederer-
wägung ihres Asylentscheides sei jedoch nicht die Schweiz, sondern Grie-
chenland zuständig. Dem Begehren um Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft oder von Wegweisungshindernissen in den Heimatstaat in der
Schweiz sei nur dann zu entsprechen, wenn jemand ein schutzwürdiges
Interesse nachweisen könne. Dieser Nachweis könne offensichtlich nicht
gelingen, wenn bereits ein Drittstaat Schutz vor Verfolgung gewährt habe.
Dies sei vorliegend der Fall. Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder könn-
ten nach Griechenland zurückkehren, ohne eine Rückschiebung in Verlet-
zung des Non-Refoulement-Prinzips zu befürchten. Somit sei auf das Asyl-
gesuch nicht einzutreten. Da auf das Asylgesuch nicht eingetreten werde,
seien die Beschwerdeführerin und ihre beiden Kinder zur Ausreise aus der
Schweiz verpflichtet (Art. 44 AsylG). Die am 13. Januar 2015 in der
Schweiz gewährte vorläufige Aufnahme sei am 25. November 2015 aufge-
hoben worden, weil sie am 5. Mai 2015 spurlos aus der Unterkunft ver-
schwunden seien. Die Konsultation der Vorakten habe keine Hinweise auf
Eheprobleme und eine unter Zwang erfolgte Rückkehr nach Griechenland
ergeben.
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Seite 9
3.3 Die Einwände der Beschwerdeführerin, sie habe nicht vollumfänglich
Stellung nehmen können und der Sachverhalt sei nicht vollständig erstellt,
seien nicht zu hören. Es sei ihr schriftlich das rechtliche Gehör gewährt
worden und sie habe in mehreren Eingaben ihre Situation dargelegt.
Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs sei festzustellen, dass die Be-
schwerdeführerin und ihre Kinder in einen Drittstaat reisen könnten, in dem
sie Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG fänden.
Demzufolge sei das Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder
Herkunftsstaates nicht zu prüfen. Zudem würden weder die in Griechen-
land herrschende Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit
der Wegweisung in diesen Staat sprechen. Griechenland sei eine stabile
Demokratie und ein Rechtsstaat mit funktionierendem Justizsystem, des-
sen Polizei- und Gerichtsbehörden in der Lage seien, Straftaten zu verfol-
gen, zu verurteilen und Schutz zu gewähren. Die Tätlichkeiten und Drohun-
gen, die sie seitens ihres Ehemannes erlitten habe, stellten Straftatbe-
stände dar und würden auch vom griechischen Staat nicht toleriert und von
den Behörden im Rahmen ihrer Möglichkeiten strafrechtlich verfolgt. Wie
die Schweiz habe auch Griechenland das Übereinkommen des Europara-
tes zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusli-
che Gewalt (Istanbul-Konvention) unterzeichnet und ratifiziert. Griechen-
land habe auch die UNO-Kinderrechtskonvention ratifiziert, worin das Kin-
deswohl als oberste Maxime gelte und dessen Prinzipien ohne Einschrän-
kungen gelten würden.
Die Beschwerdeführerin habe von der Untätigkeit der lokalen Polizeior-
gane gesprochen. Es könne nie ausgeschlossen werden, dass sich Behör-
den bei häuslicher Gewalt in gewisser Weise passiv verhielten. Eine solche
Untätigkeit stelle aber klar eine amtsmissbräuchliche Handlung dar, die mit
rechtsstaatlichen Mitteln angegangen werden könne. Ferner gebe es in
Griechenland Einrichtungen, die Opfer häuslicher Gewalt schützten und
berieten. Angesichts der zahlreichen Möglichkeiten, die sie in Griechenland
als Opfer häuslicher Gewalt hätten, gebe es keinen Grund, weshalb sie auf
den Schutz der Schweiz angewiesen sein sollten. Die Inanspruchnahme
des funktionierenden und umfassenden staatlichen Schutzsystems sei den
Beschwerdeführenden objektiv zugänglich und individuell zumutbar. Das
SEM werde ihrem Schutzanspruch als Opfer häuslicher Gewalt bei der Or-
ganisation der Überstellung Rechnung tragen, indem es die griechischen
Behörden vor der Überstellung über den konkreten Fall häuslicher Gewalt
und die in der Schweiz in Anspruch genommenen Vorsichtsmassnahmen
informiere und die entsprechenden Unterlagen mitgebe.
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Seite 10
Die von der Rechtsvertretung erwähnten schwierigen Lebensumstände in
Griechenland beträfen die ganze Bevölkerung. Es obliege nicht den
Schweizer Behörden, sicherzustellen, dass Personen, die über einen
Schutzstatus verfügten, nach der Überstellung über ausreichende Lebens-
grundlagen verfügten. Sollte Griechenland seinen Verpflichtungen nicht
nachkommen, sei zu empfehlen, ihre Rechte gerichtlich geltend zu ma-
chen.
Was die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin und
des älteren Sohnes betreffe, sei Griechenland durch die Richtlinie
2011/95/EU des Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 (sog.
Qualifikationsrichtlinie) gebunden. Danach besässen Personen, die
Schutzstatus genössen, dieselben Rechte wie griechische Staatsbürgerin-
nen und -Bürger bezüglich des Zugangs zu medizinischer Versorgung, zum
Wohnungs- und Arbeitsmarkt und zu den Sozialversicherungen. Daran än-
dere auch das am 11. März 2020 in Griechenland in Kraft getretene Gesetz
4647/2020 nichts. Es lägen keine Hinweise dafür vor, dass Griechenland
den Beschwerdeführenden eine medizinische Behandlung verweigern
würde. Die gesundheitlichen Probleme seien nicht als lebensbedrohlich zu
betrachten, so dass bei einer Überstellung auf eine gesundheitliche Ge-
fährdung zu schliessen wäre, welche die Rückführung als nicht zulässig
oder zumutbar erscheinen liesse. Die Weiterbehandlung könne auch in
Griechenland adäquat fortgeführt werden. Für das weitere Verfahren sei
einzig die Reisefähigkeit massgebend, die erst kurz vor der Überstellung
beurteilt werde. Des Weiteren seien die mit dem Ausbruch des Corona-
Virus einhergehenden Einschränkungen von vorübergehender Dauer und
stelle die Prämisse, dass in Griechenland die Gesundheitsversorgung
grundsätzlich gewährleistet sei, nicht in Frage.
4.
4.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf Asylgesuche in der Regel
nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen sicheren Drittstaat nach
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren können, in welchem sie sich vor-
her aufgehalten haben.
4.2 Die Beschwerdeführerin und ihre beiden Kinder haben sich vor ihrer
Einreise in die Schweiz in Griechenland aufgehalten, wo ihnen im Novem-
ber 2015 Schutz gewährt wurde. Zudem haben die griechischen Behörden
ihrer Rückkehr ausdrücklich zugestimmt. Griechenland ist vom Bundesrat
als sicherer Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet
worden. Die Voraussetzungen für ein Nichteintreten auf das Asylgesuch
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gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG sind mithin erfüllt. Die Vorinstanz
ist somit zu Recht gestützt auf diese Bestimmung auf das Asylgesuch der
Beschwerdeführenden nicht eingetreten.
5.
5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
5.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG).
6.
6.1 Nachfolgend ist der angeordnete Vollzug der Wegweisung nach Grie-
chenland einer Prüfung zu unterziehen.
6.2 In der Beschwerde wird diesbezüglich im Wesentlichen vorgebracht,
der entscheidrelevante Sachverhalt sei insbesondere im Hinblick auf das
Kindeswohl und die alarmierenden Lebensumstände für Schutzsuchende
in Griechenland, nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden. Das SEM habe
zwar die vorhanden medizinischen Berichte bei den entsprechenden Stel-
len eingefordert, aber die zahlreichen Anträge der Rechtsvertretung auf
eine psychologische Abklärung nicht behandelt. Der Vorinstanz sei be-
kannt, dass die Beschwerdeführenden in Griechenland Opfer häuslicher
Gewalt geworden seien, sie habe aber die genauen Vorfälle und den tat-
sächlichen Zugang zu allfälligen Schutzeinrichtungen in Griechenland nicht
abgeklärt.
In Bezug auf das Kindeswohl habe es das SEM trotz Kenntnis des Befun-
des der E._ vom 7. Oktober 2020 und des Berichts des D._
vom 4. November 2020 gänzlich unterlassen, eine Gesamtbetrachtung der
Lage vorzunehmen. Es sei in der angefochtenen Verfügung mit keinem
Wort auf das Kindeswohl eingegangen worden. Die kinderpsychologische
Abklärung habe ergeben, dass der ältere Sohn an einer (...) leide und einer
intensiven (...) Behandlung bedürfe. Die Psychologinnen seien zusam-
menfassend zum Schluss gekommen, dass sich aufgrund des kindesge-
rechten Milieus in der Schule und dem sicheren Aufenthalt im D._
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Seite 12
bereits Anpassungs- und Entwicklungsleistungen gezeigt hätten, die wei-
tere seelische Entwicklung des älteren Sohnes im Falle einer Ausweisung
aus der Schweiz aber in hohem Masse gefährdet wäre. Auch die Sozialar-
beiterin sei zum Schluss gekommen, dass das Kindeswohl beider Söhne
bei einer Ausreise aus der Schweiz ernsthaft gefährdet wäre. Die Mutter
als einzige Bezugsperson wäre bei einer Rückführung nach Griechenland
sehr belastet bis suizidal und damit in ihrer Erziehungs- und Betreuungs-
funktion eingeschränkt. Es entspreche nicht dem Kindeswohl, die Be-
schwerdeführenden nach Griechenland zurückzuschicken. Die Schweiz
sei durch Art. 19 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die
Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) verpflichtet, weiteren Schaden von
den Kindern abzuwenden, was vorliegend bedeute, sie von ihrem Vater
fernzuhalten und zu schützen. Die Fachspezialisten der E._ hätten
ebenfalls von einer Rückführung nach Griechenland abgeraten, weil eine
Re-traumatisierung zu erwarten sei. Die Vorinstanz hätte ferner die Situa-
tion der Beschwerdeführerin als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern
besonders prüfen müssen. Eine angemessene Schutzinfrastruktur sei
nicht gegeben und von einer Gleichstellung mit griechischen Staatsbürge-
rinnen könne keine Rede sein.
6.3 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie
Griechenland, der als solcher vom Bundesrat bestimmt worden ist – die
Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen, darunter im
Wesentlichen das Refoulement-Verbot und grundlegende menschenrecht-
liche Garantien, einhalten – so wie gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG ferner
die Vermutung besteht, dass eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-
Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt der betroffenen Person, diese
Legalvermutungen umzustossen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltspunkte
dafür vorzubringen, dass die Behörden des in Frage stehenden Staates im
konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz
gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen
würden respektive dass sie im in Frage stehenden Staat aufgrund von in-
dividuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art
in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. statt vieler das Urteil des
BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4).
Allerdings wird das Verwaltungs- respektive Asylverfahren auch vom Un-
tersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wo-
nach die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä-
rung des rechtserheblichen Sachverhaltes im konkreten Einzelfall zu sor-
gen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die
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Seite 13
rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber
Beweis zu führen hat (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2). Die Sachverhaltsfest-
stellung ist unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher, aktenwidriger oder
nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig
ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungs-
maxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn
nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt
wurden (vgl. dazu CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG],
Zürich/St. Gallen 2019, Rz. 15 zu Art. 12). Das SEM ist demnach nicht nur
befugt, sondern auch verpflichtet, zu ermitteln, ob trotz grundsätzlicher Er-
füllung der Tatbestandsvoraussetzungen für einen Nichteintretensent-
scheid angezeigt ist, auf das Asylgesuch einzutreten. Demzufolge hat das
Bundesverwaltungsgericht einzugreifen, wenn das SEM sein Ermessen
nicht gesetzeskonform ausübt und damit Bundesrecht verletzt (vgl. zum
Ganzen Urteil des BVGer D-6144/2015 vom 27. November 2017 E. 5.3.2
m.w.H.).
7.
7.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Gericht zum Schluss, dass das
SEM im vorliegenden Fall der Untersuchungs- und Begründungspflicht im
Hinblick auf das Vorliegen von Wegweisungsvollzugshindernissen nicht
ausreichend nachgekommen ist.
Bezüglich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist vorliegend so-
wohl der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin als auch das Kin-
deswohl zu berücksichtigen. Im vorinstanzlichen Verfahren war bereits be-
kannt, dass die Beschwerdeführerin und der ältere Sohn wegen der erfah-
renen Gewalt durch den Ehemann beziehungsweise Vater psychische
Probleme haben. In der Verfügung finden sich lediglich allgemeine Ausfüh-
rungen zur Kinderrechtsrechtskonvention. Auch in der Vernehmlassung
beschränkte sich die Vorinstanz darauf, allgemeine Hinweise zur Kinder-
rechts- und Istanbul-Konvention und deren Gültigkeit in Griechenland zu
machen, ohne sich dabei konkret auf die Situation der Beschwerdeführen-
den zu beziehen. Anstelle einer Aufzählung der rechtlichen Grundlagen
hätte eine Auseinandersetzung mit der spezifischen Situation der Be-
schwerdeführenden erfolgen müssen. Im kinderpsychologischen Befund
wird über den älteren Sohn berichtet, in Gesprächen werde immer wieder
deutlich, dass sowohl er als auch seine Mutter und sein Bruder grosse
Angst um ihr Leben hätten, falls der Vater ihren Aufenthaltsort herausfände.
Bei B._ liege eine (...) gekennzeichnet sei (SEM-Akten 1062130-
E-191/2021
Seite 14
59/5 S. 2). Sobald er äusseren Unsicherheiten ausgesetzt wäre, sei davon
auszugehen, dass die Stresssymptome reaktiviert würden. Würde der Va-
ter den Aufenthaltsort der Familie herausfinden, sei eine Kindeswohlge-
fährdung als sehr wahrscheinlich einzuschätzen. Die Beschwerdeführerin
und der ältere Sohn würden in Griechenland aufgrund ihrer Traumaerfah-
rungen getriggert, was sich negativ auf den Genesungsprozess von
B._ auswirken würde. Aus kinderpsychologischer Sicht wäre die
weitere seelische Entwicklung von B._ im Falle einer Ausweisung
in hohem Masse gefährdet (a.a.O. S. 3). Welche Auswirkungen eine Rück-
führung nach Griechenland – mithin das Herausreissen von B._
aus dem aktuell offenbar stabilisierenden Setting – auf seine Gesundheit
hätte, wurde von der Vorinstanz weder weiter abgeklärt noch wurde dieser
Aspekt erkennbar in die Würdigung einbezogen.
Zwar trifft es zu, dass für eine Überstellung grundsätzlich lediglich die Rei-
sefähigkeit von Bedeutung ist und diese erst kurz davor abschliessend be-
urteilt wird. Die Vorinstanz liess dabei aber ausser Betracht, dass die Be-
schwerdeführerin die alleinige Verantwortung für ihre beiden noch sehr jun-
gen Kinder trägt. Die behandelnden Psychologen und die Sozialarbeiterin
warnten vor einer Exazerbation bis hin zu einer zu befürchtenden Suizida-
lität der Beschwerdeführerin, sähe sich diese konkret mit einer Ausweisung
konfrontiert (SEM-Akten 1062130-64/9 S. 7). Eine Traumatherapie sei nur
wirksam, wenn sich die Patientin möglichst sicher fühle. Eine Genesung in
Griechenland sei so gut wie ausgeschlossen (SEM-Akten 1062130-55/12
S. 8). Selbstverständlich kann niemand durch eine Berufung auf eine
Selbstmordgefahr die Behörden zum Einlenken zwingen. Indes ist auch
diesem Aspekt vor dem Hintergrund des Kindeswohls der beiden Söhne
Rechnung zu tragen.
8.
8.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist (vgl. Urteil des BVGer E-6031/2019 vom 27. Dezember 2019 E. 6.4,
m.w.H.). Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz-
lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden,
wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht er-
scheint; sie muss dies aber nicht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen
der ARK [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 7.1).
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8.2 Im vorliegenden Fall ist die Sache im Wegeweisungsvollzugspunkt an
die Vorinstanz zurückzuweisen, zumal die Erstellung des Sachverhalts
weiterer Abklärungen, insbesondere zu den konkreten Auswirkungen einer
drohenden Rückführung der Beschwerdeführenden auf den Gesundheits-
zustand aller Beteiligten, unter besonderer Berücksichtigung des Kindes-
wohls bedarf, und diese den Rahmen des Beschwerdeverfahrens spren-
gen würden.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass das SEM den rechtserheblichen
Sachverhalt betreffend die Beurteilung des Vollzugs der Wegweisung nach
Griechenland unvollständig erstellt, seine Begründungspflicht und damit
Bundesrecht verletzt hat (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist daher
teilweise gutzuheissen. Die Dispositivziffern 3 und 4 der angefochtenen
Verfügung sind aufzuheben und die Sache ist zur Vornahme ergänzender
Abklärungen und neuem Entscheid an das SEM zurückzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist von einem hälftigen Obsiegen
der Beschwerdeführenden auszugehen.
10.2 Demnach wären den Beschwerdeführenden die hälftigen Verfahrens-
kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Mit Verfügung vom
20. Januar 2021 wurde ihnen die unentgeltliche Prozessführung gewährt,
weshalb ihnen keine Kosten auferlegt werden.
10.3 Teilweise obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteient-
schädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig
hohen Kosten. Auf das Einfordern einer Kostennote kann verzichtet wer-
den, da sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Akten hin-
reichend zuverlässig abschätzen lässt (vgl. Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE).
Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13
VGKE) ist der Beschwerdeführerin zu Lasten der Vorinstanz eine hälftige
Parteientschädigung von Fr. 750.– (inkl. Auslagen) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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