Decision ID: e9a452eb-885d-4153-8cd1-73864a2b881b
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente und berufliche Massnahmen
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 24. April 2009 zum Bezug von IV-Leistungen an (act.
G 14.1.5). Der behandelnde Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete am
25. Mai 2009, der Versicherte leide an einem CPT2-Mangel und einer
Anpassungsstörung mit Angst und Depression (ICD-10: F43.22). Es bestehe der
Verdacht auf eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1; act. G 14.18; vgl. zudem
den Bericht von Dr. med. C._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 6. Mai
2009, act. G 14.1.18-9 ff.). Dr. med. D._, Oberärztin am Muskelzentrum des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG), diagnostizierte im Bericht vom 22. Juni 2009 mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit belastungsabhängige Muskelschmerzen bei
Nachweisen einer noch nicht beschriebenen heterozygoten Mutation im CPT2-Gen
sowie ein Restless legs-Syndrom. Für die zuletzt ausgeübte körperlich schwere
Tätigkeit (Lagerarbeiten, Mithilfe in der Matratzenfertigung, act. G 14.1.19-2) bestehe
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 14.1.22).
A.b Am 22. Juli 2009 gewährte die IV-Stelle Beratung und Unterstützung bei der
Stellensuche (act. G 14.1.29). Die IV-Stelle schloss die Eingliederungsbemühungen am
18. Dezember 2009 ab, da sich der Versicherte nicht arbeitsfähig fühle (act. G 14.1.42).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (vgl. act. G 14.1.48) verfügte sie am
4. März 2010 den Abschluss der Arbeitsvermittlung (act. G 14.1.51). Mit Vorbescheid
vom 8. Juni 2010 stellte sie dem Versicherten in Aussicht, das Rentenbegehren
abzuweisen (act. G 14.1.59). Dagegen erhob der Versicherte am 12. August 2010
Einwand (act. G 14.1.69; vgl. ferner die Stellungnahme zum Vorbescheid des
behandelnden Dr. med. E._, Facharzt für Innere Medizin FMH, vom 11. Juni 2010,
act. G 14.1.62).
A.c Im Verlaufsbericht vom 2. September 2010 gab Dr. C._ an, der Gesundheits
zustand des Versicherten sei seit Mai 2009 stationär geblieben. Eine leidensangepasste
Tätigkeit sei dem Versicherten maximal 4 Stunden pro Tag zumutbar (act. G 14.1.72).
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Dr. D._ berichtete am 13. September 2010 ebenfalls über einen stationär
gebliebenen Gesundheitsverlauf. Sie könne allerdings nur die Zeit zwischen Juni 2009
und Dezember 2009 beurteilen; sie habe den Versicherten letztmals am 7. Dezember
2009 untersucht. Eine leidensangepasste Tätigkeit mit wenig körperlicher Belastung sei
vermutlich voll zumutbar. In diesem zeitlichen Rahmen bestehe eine verminderte
Leistungsfähigkeit. Denn neben der muskulären Störung mit belastungsabhängigen
Schmerzen bei heterozygoter Mutation im CPT2-Gen bestehe auch ein Restless legs-
Syndrom. Eine lang sitzende Tätigkeit werde vermutlich zu einer Unruhe in den Beinen
führen. Der Versicherte müsse die Möglichkeit haben, gelegentlich aufzustehen, um
Pausen zu machen. Der Umfang der Pausen und das Ausmass der
Leistungseinschränkung könnten zum heutigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden (act.
G 14.1.73). Nach Sichtung dieser Verlaufsberichte kam der RAD zum Schluss, eine
MEDAS-Begutachtung sei erforderlich (Stellungnahme vom 6. Oktober 2010, act.
G 14.1.75-2).
A.d Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 11. Januar 2011 in der ABI
Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH polydisziplinär (internistisch, psychiatrisch
und neurologisch) untersucht. Im Gutachten vom 21. März 2011 diagnostizierten die
Experten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine wahrscheinlich metabolische
Myopathie (adulte Form eines CPT-2-Mangels; ICD-10: G72.8), ein Restless legs-
Syndrom (ICD-10: G25.8) sowie eine leichte depressive Episode (ICD-10: F33.0). Für
leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigten die Gutachter dem Versicherten eine
80%ige Arbeitsfähigkeit. Die je mit 20% bezifferte Arbeitsunfähigkeit aus
neurologischer und psychiatrischer Sicht könne nicht kumuliert werden, da dieselben
Zeitabschnitte für die vermehrt notwendigen Pausen genutzt werden könnten.
Körperlich schwere und andauernd mittelschwere Tätigkeiten seien ihm nicht mehr
zumutbar (act. G 14.1.82).
A.e Gestützt auf das ABI-Gutachten ermittelte die IV-Stelle einen 24%igen
Invaliditätsgrad und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 30. Mai 2011 in
Aussicht, das Rentenbegehren abzuweisen (act. G 14.1.89). Mit separatem
Vorbescheid vom gleichen Tag orientierte sie den Versicherten, sie beabsichtige, das
Leistungsbegehren betreffend Umschulung und Arbeitsvermittlung abzuweisen, da er
sich nicht arbeitsfähig fühle und über keinen in der Schweiz anerkannten
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Berufsabschluss verfüge (act. G 14.1.90). Gegen beide Vorbescheide erhob der
Versicherte am 5. Juli 2011 Einwand (act. G 14.1.94). In den Verfügungen vom
7. September 2011 wies die IV-Stelle die Leistungsbegehren ab (act. G 14.1.96 f.).
A.f Gegen die Verfügungen vom 7. September 2011 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 12. Oktober 2011. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung, die Zusprache einer
Invalidenrente und eine Kostengutsprache für berufliche Massnahmen. Zur
Begründung stellt er sich auf den Standpunkt, dass die von der Beschwerdegegnerin
ermittelte Erwerbseinbusse nicht der Realität entsprechen könne. Entgegen der
Auffassung der Gutachter habe das Restless legs-Syndrom erhebliche Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit. Eine 80%ige Restarbeitsfähigkeit sei nicht nachvollziehbar. Bei
der Bestimmung des Invalideneinkommens sei ein Tabellenlohnabzug zu gewähren
(act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 20. März 2012 bringt er vor, dass das
ABI-Gutachten nicht beweiskräftig sei (act. G 12). Der Eingabe legt er einen Bericht von
Dr. C._ vom 22. November 2011 (act. G 12.1), von Dr. E._ vom 12. Dezember 2011
(act. G 12.4) und Berichte von Dr. D._ vom 15. Dezember 2011 (act. G 12.2 f.) bei.
A.g Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 7. Mai 2012
die Abweisung der Beschwerde. Sie hält das ABI-Gutachten für beweiskräftig. Die von
den Gutachtern für das psychische Leiden diagnostizierte Arbeitsunfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten hält sie für falsch, da leichte depressive Episoden nicht
invalidisierend seien. Dem Beschwerdeführer sei ein Leidensabzug von 10%
zuzubilligen. Es resultiere ein nicht rentenbegründender 31%iger Invaliditätsgrad. Eine
Umschulung würde sich vorliegend als unverhältnismässig erweisen. Mangels
subjektiver Eingliederungsfähigkeit bestehe auch kein Anspruch auf eine
Arbeitsvermittlung (act. G 14).
A.h In der Replik vom 13. Juli 2012 hält der Beschwerdeführer unverändert an seinen
Anträgen fest. Der zugebilligte 10%ige Leidensabzug werde den Umständen nicht
gerecht (act. G 22). Zur Unterstreichung seiner beruflichen Qualifikationen reicht der
Beschwerdeführer Zeugnisse über seine berufliche Ausbildung als Schlosser im
ehemaligen Jugoslawien vom 1. November 1985 (act. G 22.3) sowie über seine
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Tätigkeit als Mitarbeiter in der Metallrohrverarbeitung bei der letzten Arbeitgeberin vom
30. November 2009 ein (act. G 22.3).
A.i Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 24).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist zunächst der Rentenanspruch des Beschwerdeführers
umstritten.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
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Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_73/2011, E. 4.1). Wenn der entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt wurde, kann das Gericht die Angelegenheit zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen.
2.
Zu beantworten ist vorweg die Frage, ob der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht
rechtsgenüglich abgeklärt wurde. Die Beschwerdegegnerin stützte sich in den
angefochtenen Verfügungen auf das polydisziplinäre ABI-Gutachten vom 21. März
2011. Der Beschwerdeführer hält die gutachterliche Einschätzung für nicht
beweiskräftig (act. G 1, G 12 und G 22).
2.1 In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass ein den
Beweisanforderungen grundsätzlich genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V
351 f. E. 3a und b) nicht in Frage gestellt werden kann und Anlass zu weiteren
Abklärungen besteht, wenn und sobald die behandelnden medizinischen
Fachpersonen nachher zu einer unterschiedlichen Beurteilung gelangen oder an
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vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich
nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, welche im
Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer
anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juli 2008,
9C_830/07, E. 4.3 mit Hinweisen). Ferner kann eine psychiatrische Exploration von der
Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet der begutachtenden
psychiatrischen Fachperson daher praktisch immer einen gewissen Spielraum,
innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich,
zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte oder die Expertin lege artis
vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 2009, 8C_694/2008, E. 5.1.1).
2.2 Der Beschwerdeführer hält der gutachterlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
diejenige des behandelnden Psychiaters entgegen, der eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt habe. Bei der gutachterlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit könne es sich
nur um das absolute Minimum und überdies um eine Momentaufnahme handeln (act.
G 12, S. 4).
2.2.1 Im Bericht vom 6. Mai 2009 diagnostizierte der behandelnde Dr. C._ eine
Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt (ICD-10: F43.22) sowie einen
Verdacht auf eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1). Eine Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit nahm er nicht vor (act. G 14.17). In der zuhanden des
Krankentaggeldversicherers verfassten Stellungnahme vom 29. Oktober 2009 gelangte
er zum Schluss, aus rein psychiatrischer Sicht bestünden keine Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit (act. G 14.2). Im Verlaufsbericht vom 2. September 2010 hielt Dr. C._
bei seit Mai 2009 als stationär bezeichnetem Gesundheitszustand eine
leidensangepasste Tätigkeit maximal 4 Stunden pro Tag zumutbar. Im Verlauf über die
letzten Monate sei eine leichte psychische Dekompensation feststellbar (act.
G 14.1.72-3). Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte eine leichte depressive
Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.0), der er
eine 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zumass (act. G 14.82-10 f.). Er setzte
sich im Rahmen seiner Einschätzung mit dem Bericht von Dr. C._ vom 2. September
2010 auseinander und begründete plausibel seine davon abweichende
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung (act. G 14.1.82-12).
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2.2.2 Hinzu kommt, dass Dr. C._ in der Stellungnahme vom 22. November
2011 die vom psychiatrischen Gutachter vorgenommene Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit nachvollziehen konnte und keine Gesichtspunkte benennt, die auf eine
mangelhafte gutachterliche Beurteilung hinweisen. Eine seit der Begutachtung
eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustands lässt sich der Stellungnahme
vom 22. November 2011 nicht entnehmen (act. G 12.1). Im Licht dieser Umstände
besteht kein Anlass, von der Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen
Gutachters abzurücken.
2.3 Am neurologischen Teil des Gutachtens bemängelt der Beschwerdeführer, dass
darin der CPT2-Mangel lediglich als möglich, aber nicht als gesichert beurteilt werde.
Nachdem der Gutachter selbst die relativ schnelle Veränderung der gesundheitlichen
Situation für die Diagnose eines CPT2-Mangels als atypisch beurteile, gleichzeitig aber
keine verbindlichen Aussagen zu den Auswirkungen der von Dr. med. F._, FMH/
FAMH Medizinische Genetik, gemachten Diagnose machen könne, erweise sich der
medizinische Sachverhalt als offensichtlich unvollständig abgeklärt (act. G 12, S. 6;
zum Ergebnis der molekulargenetischen Untersuchung vom 9. Januar 2009 siehe act.
G 14.1.82-21). Schliesslich stehe auch für die behandelnden Dres. D._ und E._
ausser Zweifel, dass ein CPT2-Mangel vorliege (act. G 12, S. 6 f.). Dr. D._
bescheinige eine Arbeitsunfähigkeit von 40 bis 50% (act. G 22, S. 4).
2.3.1 Zunächst ist zu bemerken, dass im ABI-Gutachten u.a. eine
wahrscheinliche metabolische Myopathie (adulte Form eines CPT2-Mangels, ICD-10:
G72.8) diagnostiziert (act. G 14.1.82-16) und damit dem vom Beschwerdeführer
geklagten Leiden Rechnung getragen wurde. Die im Vergleich zu Dr. D._
vorgenommenen Abweichungen bei den Formulierungen scheinen eher akademischer
Natur zu sein und gründen auf der Interpretation von Dr. F._ ("diagnostische
Restzweifel", act. G 14.1.82-15). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
stellt es keinen Mangel dar, wenn der neurologische Gutachter die Diagnose eines
CPT2-Mangels gestützt auf die Vorakten als wahrscheinlich und nicht als gesichert
erachtete, zumal Dr. D._ in den Berichten vom 7. Dezember 2009 (act. G 14.1.82-22)
und 15. Dezember 2011 (act. G 12.3) ebenfalls einen (lediglich) "wahrscheinlichen"
CPT2-Mangel diagnostizierte. Entscheidend ist vorliegend weiter, dass die Diskussion
der Diagnose für sich allein keinen unmittelbaren Einfluss auf die Bemessung der
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Arbeitsunfähigkeit gehabt hat. Die Diagnose sagt denn für sich allein regelmässig noch
nichts über deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aus. Entscheidend sind vielmehr die
Ausprägungen der Befunde. Diesbezüglich ist weder ersichtlich noch dargetan, dass
die Befunderhebung durch den neurologischen Experten mangelhaft gewesen wäre. Im
Übrigen legte er der Würdigung der Restarbeitsfähigkeit einen (wahrscheinlichen)
CPT2-Mangel zugrunde (act. G 14.1.82-14 f.).
2.3.2 Was den vom Beschwerdeführer ins Feld geführten Bericht von Dr. F._
anbelangt, so ist auf dessen vage Ausführung hinzuweisen, wonach sich mit dem vor
liegenden Resultat der molekulargenetischen Untersuchung vom 9. Januar 2009 die
Diagnose eines CPT2-Mangels formalgenetisch zwar nicht bestätigen, aber auch nicht
ausschliessen lasse (act. G 14.1.82-21). Diese Einschätzung widerspricht dem
Gutachten nicht.
2.4 Der Beschwerdeführer bestreitet weiter die gutachterlichen Aussagen, dass die
vormalige gute körperliche Leistungsfähigkeit, die Zunahme der Symptome in relativ
kurzem Zeitraum und die sehr kräftig entwickelte Extremitätenmuskulatur gegen eine
metabolische Myopathie sprächen, und dass die Ruheschmerzen auf eine
Symptomausweitung hindeuteten (act. G 22, S. 3). Diese Aussagen bilden Bestandteil
der abwägenden gutachterlichen Würdigung und spiegeln lediglich die - der
Komplexität der Beschwerden entsprechenden - Unsicherheiten bei der Beurteilung
der Restarbeitsfähigkeit wider. Deshalb und da der neurologische Gutachter der in
angemessen kritischer Diskussion des Leidensbilds erfolgten Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit eine "wahrscheinliche metabolische Myopathie" zugrunde legte, ist ein
Mangel an der Begutachtung weder ersichtlich noch dargetan.
2.5 An der vom neurologischen Gutachter für leidensangepasste Tätigkeiten
bescheinigten 80%ige Arbeitsfähigkeit (act. G 14.1.82-15) wecken die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Dr. D._ und E._ keine Zweifel.
2.5.1 Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch Dr. D._ ist
anzumerken, dass sie für rein "sitzende" Tätigkeiten im Bericht vom 22. Juni 2009 eine
100%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigte (act. G 14.1.22-5). Im Verlaufsbericht vom
13. September 2010 ergänzte sie diese Einschätzung dahingehend, als aufgrund des
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Restless legs-Syndroms vermutlich eine "gewisse" Leistungseinschränkung bestehe,
deren Ausmass derzeit nicht bezifferbar sei (act. G 14.1.73-4). Diese vor dem ABI-
Gutachten ergangenen Stellungnahmen sind damit ohne weiteres mit der
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung des neurologischen Gutachters vereinbar. Der
Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass auch Dr. B._ im Bericht vom
25. Mai 2009 angab, für rein sitzende Tätigkeiten verfüge der Beschwerdeführer über
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (act. G 14.1.18-5). Aus den Stellungnahmen vom
15. Dezember 2011 ergeben sich keine Aspekte, welche die vom neurologischen
Experten vorgenommene Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in Zweifel zu ziehen
vermögen. Wenn Dr. D._ von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit spricht (act. G 12.2,
S. 1), so ist mit Blick auf die Voraktenlage (act. G 14.1.22-3) davon auszugehen, dass
diese Einschätzung wohl die angestammte Tätigkeit betrifft. Dr. D._ kritisiert zudem
hauptsächlich die gesamtgutachterliche Bemessung der Restarbeitsfähigkeit. Diese
widerspreche einer ganzheitlichen Betrachtung der Situation (act. G 12.2, S. 1). Im
Übrigen weist sie auf den belastungsabhängigen Charakter der Schmerzsituation hin
(act. G 12.2 und G 12.3), weshalb sich mangels gegenteiliger Gesichtspunkte keine
wesentlichen Einschränkungen für leidensangepasste Tätigkeiten ergeben, die eine
über der vom neurologischen Gutachter bescheinigten 20%igen Arbeitsunfähigkeit
nahe legen würden.
2.5.2 Im Bericht vom 11. Juni 2010 gibt Dr. E._ lediglich die von Dr. D._
bescheinigte 50%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. hierzu act. G 14.1.22-3) wieder (act.
G 14.1.62) und in der Stellungnahme vom 12. Dezember 2011 äussert er sich nicht zur
aus somatischer Sicht bestehenden Arbeitsunfähigkeit, sondern rügt einzig deren
gesamtgutachterliche Festsetzung (act. G 12.4). Zweifel am neurologischen Teil des
Gutachtens entstehen dadurch nicht.
2.6 Schliesslich weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass Dres. D._ und E._
davon ausgingen, eine Kumulation der körperlich und psychisch bedingten
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit sei angezeigt (act. G 12, S. 8).
2.6.1 Eine einfache Addition verschiedener Teilarbeitsunfähigkeiten kann je nach
den konkreten Fallmerkmalen ein zu hohes oder aber auch zu niedriges Ergebnis
zeitigen (SVR 2008 IV Nr. 15 S. 44 E. 2.1). Entsprechend vermag bei mehreren
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fachärztlich ausgewiesenen Teilarbeitsunfähigkeiten das isolierte Abstellen lediglich auf
die Teilarbeitsunfähigkeit einer Fachdisziplin ohne nähere Auseinandersetzung und
Diskussion des Verhältnisses zu den übrigen Teilarbeitsunfähigkeiten nicht zu
überzeugen.
2.6.2 Die ABI-Gutachter hielten im Rahmen der gesamtgutachterlichen
Bemessung der für leidensangepasste Tätigkeiten bestehenden Arbeitsfähigkeit fest,
die Arbeitsunfähigkeit aus neurologischer und psychiatrischer Sicht könnten nicht
kumuliert werden, da dieselben Zeitabschnitte für die vermehrt notwendigen Pausen
genutzt werden könnten (act. G 14.1.82-17). Mit Blick darauf, dass Dr. D._ von einem
primär belastungsabhängigen Schmerzgeschehen ausgeht ("belastungsindizierte
Myalgie", "klinische Beschwerden unter Belastung der Muskulatur", "anhaltende
Schmerz nach Belastung", act. G 12.2, S. 1, und G 12.3), sowohl sie wie auch Dr. E._
über keine fachpsychiatrische Ausbildung verfügen, und die Depression lediglich
leichtgradig ist (act. G 12.1 und G 14.1.82-16), besteht kein Anlass, von der
gesamtgutachterlichen Einschätzung abzuweichen.
2.7 Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt schliesslich ins Gewicht, dass
das ABI-Gutachten auf umfassender Aktenkenntnis sowie interdisziplinären eigenen
Untersuchungen beruht, das gesamte Leidensbild des Beschwerdeführers
berücksichtigt und die auf dieser Grundlage gezogenen Schlüsse nachvollziehbar sind.
Es besteht daher kein Anlass für weitere medizinische Abklärungen, wie sie etwa vom
Beschwerdeführer beantragt wurden (vgl. act. G 12 und G 22).
3.
Gestützt auf das ABI-Gutachten und die darin bescheinigte 80%ige Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten ist der Invaliditätsgrad zu bestimmen.
3.1 Aus den Akten ergibt sich hinsichtlich des Valideneinkommens, dass der
Beschwerdeführer im Jahr 2007 einen Jahreslohn von Fr. 63'993.-- erzielt hat (act.
G 14.1.108). Angepasst an die Nominallohnentwicklung resultiert für das Jahr 2009 ein
Valideneinkommen von Fr. 66'775.-- ([Fr. 63'993.-- / 2047] x 2136).
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3.2 Bezüglich der Bestimmung des Invalideneinkommens ist auf die LSE-
Tabellenlöhne abzustellen. Der entsprechende Jahreslohn betrug 2009 Fr. 61'240.--
(vgl. Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV,
Ausgabe 2012). Unter Berücksichtigung der 80%igen Restarbeitsfähigkeit resultiert ein
Einkommen von Fr. 48'992.-- (Fr. 61'240.-- x 0.8). Selbst wenn dem Beschwerdeführer
ein Abzug wegen Teilleistungsfähigkeit zugestanden und den vorgebrachten
leidensbedingten Nachteilen (etwa höheres Risiko krankheitsbedingter Absenzen,
weniger flexibel, keine Überstunden möglich, vgl. act. G 1) Rechnung getragen würde,
fiele - wenn überhaupt - höchstens ein Abzug von 15% in Betracht. Denn der
Beschwerdeführer war im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung erst X._ Jahre alt,
verfügt über solide Deutschkenntnisse (act. G 22, S. 6) und das ihm zumutbare
berufliche Anforderungsprofil (körperlich leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit,
ganztags verwertbar, ohne körperlich schwere und andauernd mittelschwere
Tätigkeiten, act. G 14.1.82-18) lässt noch ein ausreichend breites Tätigkeitsspektrum
zu. Selbst wenn der ihm von der Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren
zugestandene 10%ige Abzug um 5% erhöht würde, resultierte ein Invalideneinkommen
von Fr. 41'643.-- (Fr. 48'992.-- x 0.85), der zu keinem rentenbegründenden
Invaliditätsgrad führte (vgl. nachstehende E. 3.3).
3.3 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 66'775.-- und einem Invalideneinkommen
von Fr. 41'643.-- ergibt sich eine Erwerbseinbusse von Fr. 25'132.-- und damit ein
Invaliditätsgrad von aufgerundet 38% ([Fr. 25'132.-- / Fr. 66'775.--] x 100). Die
Beschwerdegegnerin hat damit das Rentengesuch zu Recht abgewiesen.
4.
Zu prüfen bleiben noch die Ansprüche des Beschwerdeführers auf Arbeitsvermittlung
und Umschulung. Die Beschwerdegegnerin begründete den Abschluss der beruflichen
Massnahmen bzw. die abweisende Verfügung vom 7. September 2011 vorweg damit,
dass sich der Beschwerdeführer nicht arbeitsfähig fühle. Er verfüge auch nicht über
einen in der Schweiz anerkannten Berufsabschluss (act. G 14.1.97).
4.1 Art. 8 Abs.1 IVG räumt Invaliden oder von einer Invalidität bedrohten Versicherten
einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen ein, soweit: diese notwendig und
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geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, wieder hierzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b).
Versicherte haben Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die
Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit
voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Gemäss
Art. 18 Abs. 1 lit. a IVG haben arbeitsunfähige Versicherte, die eingliederungsfähig sind,
Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes.
4.2 Voraussetzung für die Gewährung von Eingliederungsmassnahmen ist zunächst
die subjektive Eingliederungsfähigkeit. Die subjektive Eingliederungsfähigkeit wiederum
bezieht sich auf die Eingliederungsbereitschaft der versicherten Person (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 6. Mai 2008, 9C_494/2007, E. 2.2), d.h. auf ihren Willen, an der in
Betracht gezogenen Eingliederungsmassnahme mitzuwirken.
4.3 Aus dem Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung vom 18. Dezember 2009
ergibt sich, dass der Versicherte beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
abgemeldet sei (Notiz vom 23. September 2009) und er sich selbst für eine sehr leichte
Tätigkeit oder ein Einsatzprogramm nicht arbeitsfähig fühle (act. G 14.1.41 f.).
Anlässlich der Begutachtung gab er an, sich nicht mehr arbeitsfähig zu fühlen (act.
G 14.1.82-9 und 12). Im knapp begründeten Einwand vom 5. Juli 2011 brachte der
Beschwerdeführer nichts Gegenteiliges vor (act. G 14.1.94-1). Vor diesem Hintergrund
ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es dem
Beschwerdeführer bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 7. September
2011 an der Eingliederungsbereitschaft fehlte, weshalb die Abweisung des Anspruchs
auf Arbeitsvermittlung und Umschulung nicht zu beanstanden ist.
5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vom 12. Oktober 2011 gegen die Verfügungen
vom 7. September 2011 abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die
Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie
vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP