Decision ID: de2ee0be-0de5-4c23-85cc-fe478454cdd7
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ a) X.Y., St. Gallen, ist Staatsangehöriger von Italien. Er ist im Juni 1988 in
Deutschland geboren. Am 17. Februar 1989 reiste seine Mutter mit ihm in die Schweiz
ein. Sein Vater verblieb wegen einer Einreisesperre in Deutschland, wo er am 16. Juni
1992 verstarb. Da seine drogensüchtige Mutter nicht in der Lage war, für ihn zu sorgen,
wurden am 29. Juni 1989 Kindesschutzmassnahmen angeordnet und das Kleinkind
fremdplatziert. Mit Beschluss vom 19. Februar 1999 wurde der Mutter die elterliche
Sorge entzogen und ein Amtsvormund eingesetzt.
b) In der Folge wuchs X.Y. bei einer Privatperson und in einer Grossfamilie auf.
Nachdem er dort mit elf Jahren untragbar geworden war, konnte er am 24. Januar
2000 in eine Aussenwohngruppe des Berghofs Stärenegg in Bagard, Südfrankreich,
wechseln, wo er von Schweizer Pflegeeltern betreut und beschult wurde. Im Oktober
2001 stellte sein Vormund den Antrag, den nunmehr 13-Jährigen in der geschlossenen
Abteilung des Kantonalen Jugendheims Platanenhof, Oberuzwil, zurückzubehalten, wo
er ihn vorsorglich eingewiesen hatte. Der Grund für seine Einschliessung war, dass er
an seinem Aufenthaltsort in Frankreich ein unberechenbares, gefährliches und teilweise
perverses Verhalten an den Tag gelegt hatte und dabei andere ernsthaft gefährdete.
Das Fass zum Überlaufen brachte, dass er seine Pflegemutter auf den Boden gedrückt
und mit Fusstritten traktiert hatte. Diese konnte sich dabei nicht mehr allein aus der
misslichen Lage befreien. Zudem wertete er Frauen sexistisch ab, quälte Tiere,
bezichtigte seinen Pflegevater des sexuellen Übergriffs, verursachte mit Schwarzpulver
Explosionen, zündete eine Hütte an und ging mit einer Grillgabel auf eine Betreuerin
los. Die Vormundschaftsbehörde ordnete mit Beschluss vom 31. Oktober 2001 die
Zurückbehaltung in der geschlossenen Abteilung des Platanenhofs an und liess den
Jugendlichen begutachten (Vorakten Migrationsamt act. 400 ff.).
c) Im Januar 2002 kehrte er zu seiner Pflegefamilie in Frankreich zurück, wo die
Situation nach kurzer Zeit erneut eskalierte. Die nächsten Jahre verbrachte er deshalb
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in anderen Aussenwohngruppen der Stärenegg Stiftung in Ungarn und Kroatien.
Gemäss Schlussbericht seines Vormunds vom 6. Juli 2006 wollte X.Y. sodann über
seine Volljährigkeit hinaus in Kroatien bleiben und dort das Leistungsniveau eines
regulären Schulabgängers nachholen. Das Sozialamt der Stadt St. Gallen erklärte sich
daraufhin bereit, die entsprechenden Kosten zu übernehmen, zumal er in der Schweiz
von seiner schwerst drogensüchtigen Mutter abgesehen, die mittlerweile auf der Gasse
lebte, niemanden hatte, von dem er Unterstützung erwarten konnte und auch sonst in
der Schweiz über kein familiäres Netz verfügte. Kurz darauf änderte er seine Meinung
und kehrte gleichwohl zu seiner Mutter in die Schweiz zurück, wo sich umgehend das
Sozialamt, die Gassenarbeit und das UFO seiner annahmen. Eine Zusammenarbeit mit
ihm erwies sich dabei allerdings als unmöglich, weil er keinerlei Termine einhielt. Wenig
später war er ebenfalls drogensüchtig. Am 4. November 2006 trat er deswegen für
einen Schnupperaufenthalt in die Drogentherapiestation Camarco in Pudergna, Tessin,
ein. Am 16. Februar 2007 äusserte er gegenüber dem Vormundschaftsamt, dass er
eine Therapie begonnen habe, die zwei Jahre lang dauere. In dieser Zeit hätte er den
Schulabschluss nachholen und anschliessend eine Lehre absolvieren können. Nach
erfolgreichem Therapieabschluss hätte er zudem die Möglichkeit gehabt, in eine
begleitete Wohngruppe zu wechseln (Vorakten Migrationsamt act. 396 ff.). Bereits am
30. April 2007 war er aber im RIPOL zur Aufenthaltsnachforschung ausgeschrieben.
Der Anlass war, dass ihm Bussenverfügungen nicht zugestellt werden konnten
(Vorakten Migrationsamt act. 2).
d) Nach seiner Rückkehr in die Schweiz im Sommer 2006 wurde X.Y. mehrfach
straffällig. Seine ersten Verurteilungen wegen Vergehen am 27. August 2006 und
31. Oktober 2006 datieren vom 24. Mai 2007. Bis am 25. August 2011 kamen so 22
Verurteilungen zusammen. Nebstdem, dass er fortlaufend gegen das
Betäubungsmittelgesetz verstiess, musste er mehrmals wegen Diebstahls,
Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs, Raubes und anderen Delikten verurteilt und
bestraft werden. Am 25. August 2011 verurteilte ihn das Bezirksgericht Zürich wegen
Raubes, Diebstahls, Hausfriedensbruchs und Vergehens gegen das
Betäubungsmittelgesetz. Dabei versetzte ihn das Gericht in den Vollzug der bereits am
20. Mai 2010 ausgefällten Freiheitsstrafe von 164 Tagen zurück und bestrafte ihn unter
Einbezug dieses Strafrests mit einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten und einer Busse.
Die Freiheitsstrafe sprach das Gericht unbedingt aus, und die Busse war zu bezahlen
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bzw. in eine Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Tagen umzuwandeln. Das beschlagnahmte
Messer wurde eingezogen und vernichtet.
e) Vom 4. Dezember 2009 bis zur bedingten Entlassung am 31. Oktober 2010 sass X.Y.
in der Strafanstalt Saxerriet, Salez, ein. Nach einer Untersuchungshaft vom 5. Februar
2011 bis 18. April 2011 befand er sich bis am 11. Dezember 2012 in der
Justizvollzugsanstalt Pöschwies, Regensdorf, zuerst im vorzeitigen und anschliessend
im ordentlichen Strafvollzug. Am 18. Mai 2012 entwich er, konnte anderntags bei einer
Personenkontrolle in Zürich aber wieder verhaftet und in die Strafanstalt zurückgeführt
werden. Sein Antrag um vorzeitige Entlassung wurde in der Folge abgewiesen, da die
Vollzugsanstalt zum Schluss gelangt war, dass die Freiheitsstrafe unter
Berücksichtigung der belastenden Legalprognose, der nötigen Therapiedauer und der
fehlenden gelungenen Lockerungsschritte zu vollziehen sei (Vorakten Migrationsamt
act. 366).
B./ Auf Grund der zahlreichen Vorstrafen verwarnte ihn das Migrationsamt des Kantons
Zürich am 19. März 2012. Am 16. Mai 2012 hob das Amt die Verfügung mangels
Zuständigkeit wiedererwägungsweise auf (Vorakten Migrationsamt act. 357 f.).
Stattdessen stellte das Migrationsamt des Kantons St. Gallen am 11. Mai 2012 den
Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung in Aussicht und widerrief diese mit
Verfügung vom 7. Juni 2012. Die Ausreise wurde auf den Tag seiner Entlassung aus
dem Strafvollzug festgelegt. Das Migrationsamt begründete seine Wegweisung mit
dem schweren strafrechtlichen Verschulden und dem Umstand, dass er sich weder von
den laufenden Probezeiten noch vom Strafvollzug von neuen Straftaten abhalten liess.
Nachdem er kurz nach seiner bedingten Entlassung aus dem Gefängnis wieder
straffällig geworden war, während des ersten bewilligten Urlaubs Drogen konsumiert
hatte und beim letzten bewilligten Urlaub nicht zum ersten Mal entwichen war, sah es
die Behörde als bewiesen an, dass er sich in Freiheit nicht bewähren könne. Seine
Wegweisung erachtete es als zumutbar, auch wenn er selber noch nie in Italien gelebt
hatte. Zum Einen seien die soziokulturellen und ökonomischen Rahmenbedingungen in
Italien mit den hiesigen Verhältnissen vergleichbar. Zum Anderen könne er sich auch
dort einer Drogentherapie unterziehen.
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C./ Gegen die Wegweisungsverfügung liess der Betroffene am 12. Juni 2012 beim
Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen Rekurs erheben. Dieses
bestätigte mit Entscheid vom 28. November 2012 den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung. Die Rekursbehörde kam ebenfalls zum Schluss, dass der
mehrfach Verurteilte eine schwere und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen
Ordnung darstelle und seine Wegweisung auf Grund seines Verhaltens
verhältnismässig sei. Er sei praktisch mit seiner Einreise in die Schweiz drogensüchtig
geworden und habe hier noch nie gearbeitet. Seine Sucht finanziere er sich mit
Vermögens- und Drogendelikten bzw. indem er sich prostituiere. Ernsthafte
Anstrengungen zur Drogenabstinenz habe er trotz gegenteiliger Beteuerungen und
trotz zahlreicher Hilfestellungen durch Fachpersonen keine unternommen. Seine
sozialen Kontakte in der Schweiz beschränkten sich ausschliesslich auf das
Drogenmilieu.
D./ Am 27. August 2012 verfügte die Vomundschaftsbehörde St. Gallen eine
Beistandschaft auf eigenes Begehren. Dagegen erhob X.Y. Rekurs, worauf die
errichtete Beistandschaft am 26. September 2012 widerrufen wurde (Vorakten
Vorinstanz act. 8a, 10a und 12a).
E./ Gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements liess der Rekurrent
am 14. Dezember 2012 beim Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen mit dem
Antrag Beschwerde erheben, der Rekursentscheid sei kostenpflichtig aufzuheben und
auf den Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei zu verzichten. Er macht unter
anderem geltend, mit der letzten Verurteilung sei erstmals eine ambulante Massnahme
angeordnet worden. Er befinde sich in einer HIV-Therapie und einer ambulanten
Suchtberatung. Er sei gewillt, die Entzugstherapie fortzusetzen. Er könne nach
erfolgreichem Drogenentzug resozialisiert werden. Ein Widerrufsgrund bestehe
demnach nicht. Die Wegweisung sei aber auch unverhältnismässig. Sein Vertreter
macht dabei geltend, das Verhalten seines Mandanten sei zwar nicht akzeptabel. Auch
sei richtig, dass er im Verlauf der Zeit stets schwerwiegendere Delikte begangen habe
und sich durch die ausgesprochenen Strafen nicht habe davon abhalten lassen, weiter
zu delinquieren. Ein solches Verhalten sei bei Drogensüchtigen aber geradezu normal.
Für einen solchen stehe die Sucht im Vordergrund, alles andere trete in den
Hintergrund. Nun befinde er sich erstmals in einer Entzugstherapie. Solange er diese
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Therapie fortführe, bestünde keine Rückfallgefahr mehr. Er spreche nur Deutsch, den
Grossvater in Italien kenne er nicht. Von diesem könne nicht erwartet werden, dass er
seinen Enkel bei sich aufnehme. Demgegenüber lebten in der Schweiz seine
Grossmutter und ein Onkel, mit denen er in regelmässigem Kontakt stehe. Eine
Drogentherapie sei zwar auch in Italien möglich. Mangels Sprachkenntnissen dürfte
eine solche in Italien aber wenig erfolgreich verlaufen, zumal die Gesprächstherapie
dabei einen wichtigen Faktor darstelle.
F./ Mit Verfügung vom 20. Dezember 2012 bewilligte der Verwaltungsgerichtspräsident
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung.
G./ Die Vorinstanz beantragt am 4. Januar 2013, die Beschwerde kostenpflichtig
abzuweisen und verzichtet ansonsten auf eine Stellungnahme.
H./ Am 18. März 2013 übermittelte das Migrationsamt einen weiteren Strafbefehl vom
2. Februar 2013 und die Einstellungsverfügung vom 8. Februar 2013, beide der
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl. Mit dem ersteren verurteilte ihn die Strafbehörde
wiederum wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs, wofür sie
ihn mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 30 Tagen bestrafte. Gleichzeitig verfügte
sie die Sicherstellung einer auf ihm gefundenen fremden Bankkarte der PostFinance.
Das andere Verfahren stellte sie ein, weil der Bestohlene zwar sein Handy zurückhaben
wollte, gleichzeitig aber eine Desinteresseerklärung an der weiteren Strafverfolgung
unterzeichnet hatte.
I./ Am 4. April 2013 übermittelte das Migrationsamt den Vollzugsauftrag des Amtes für
Justizvollzug vom 21. März 2013 sowie die Verfügung der Kantonspolizei Zürich vom
22. März 2013. Demnach musste der Beschwerdeführer für den Vollzug der 30-tägigen
Freiheitsstrafe am 21. März 2013 verhaftet werden. Die Strafe sass er alsdann im
Gefängnis Limmattal ab.
J./ Am 11. April 2013 übermittelte das Migrationsamt die Verfügung des Amtes für
Justizvollzug des Kantons Zürich vom 25. März 2013, womit dieses die gerichtlich
angeordnete ambulante Massnahme wegen Aussichtslosigkeit aufgehoben hatte. Die
Aufhebung wurde nötig, weil der Beschwerdeführer nach seiner Entlassung aus der
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Strafanstalt nicht mehr gewillt war, die angeordnete Massnahme fortzuführen und
tatsächlich auch keine Therapieeinheiten mehr stattgefunden hatten. Der Aufhebung
lag der jährliche Therapiebericht vom 31. Oktober 2012 zu Grunde. Gemäss diesem
fällt die Legalprognose des Beschwerdeführers schlecht aus (deutliches Rückfallrisiko
für das Zieldelikt Raub, dies auch mit erheblicher Gewaltanwendung oder
Waffeneinsatz, sehr hohes Risiko für Verstösse/Vergehen gegen das
Betäubungsmittelgesetz und Eigentumsdelikte wie Diebstahl etc.). Der Therapeut
verwies dabei auf mehrere in der Berichtsperiode offengelegte, zum Teil massive
Dunkelfelddelikte und auf ausgeprägte Gewaltphantasien des Beschwerdeführers. Dem
Therapeuten äusserte er zudem unmissverständlich, dass er nach seiner Entlassung
weiterhin Drogen konsumieren werde und dass er sein Rückfallrisiko selbst als sehr
hoch einschätze.
K./ X.Y. delinquierte sodann ungerührt weiter: Am 6. Mai 2013 überwies das
Migrationsamt die Polizeirapporte vom 24. April und 25. April 2013 betreffend
unbewaffnetem Raub. Dem Rapport liegt ein Überfall in einem Schuhgeschäft zu
Grunde, wobei er unter Vorhalt eines aufgeklappten Sackmessers von einem Kunden
Geld verlangte. Ein Schuhverkäufer konnte den Täter jedoch überwältigen. Der zweite
Polizeibericht hat einen Raubversuch in einem Coiffeursalon zum Inhalt. Dabei forderte
der Beschwerdeführer kurz vor dem genannten Überfall im Schuhladen ebenfalls mit
aufgeklapptem Messer Geld von einer Angestellten. Das Untersuchungsamt St. Gallen
sprach ihn deswegen mit Strafbefehl vom 26. April 2013 des mehrfachen Raubs
schuldig und bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von 180 Tagen unbedingt. Mit
Vollzugsauftrag vom 5. Juni 2013 ordnete das Amt für Justizvollzug des Sicherheits-
und Massnahmenvollzugs den Eintritt in die Strafanstalt Saxenrriet per 12. Juni 2013
an. Mit Blick auf die zu vollziehende Freiheitsstrafen sowie diverse
Ersatzfreiheitsstrafen endet der Vollzug am 10. Dezember 2013.
L./ Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,

soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
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2.
2.1. Für ausländische Personen gilt das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer (SR 142.20; abgekürzt AuG), soweit keine anderen Bestimmungen des
Bundesrechts oder von der Schweiz abgeschlossene völkerrechtliche Verträge zur
Anwendung gelangen. Für Angehörige der EU- und EFTA-Staaten und ihre
Familienmitglieder sowie gewisse Dienstleistungserbringer kommt es subsidiär zur
Anwendung, soweit nicht das Abkommen zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, abgekürzt FZA)
bzw. die entsprechenden Assoziierungsabkommen mit den EFTA-Staaten
abweichende Bestimmungen enthalten oder wenn es günstigere Bestimmungen
vorsieht (Art. 2 AuG; Spescha/Thür/ Zünd/Bolzli, Migrationsrecht, 3. Auflage, Zürich
2012, Rz. 2 zu Art. 2 AuG).
2.2. Auf den italienischen Beschwerdeführer ist nach dem Gesagten das FZA
anwendbar. Die Niederlassungsbewilligung EU/EFTA wird dabei nach Massgabe des
nationalen Rechts erlassen und entzogen (vgl. Art. 2 Abs. 2 AuG, Art. 5 und Art. 23
Abs. 2 der Verordnung über die schrittweise Einführung des freien Personenverkehrs
[SR 142.203]). Mit Blick auf das FZA ist aber zu berücksichtigen, dass eine
strafrechtliche Verurteilung nur insoweit als Anlass für einen Bewilligungswiderruf
herangezogen werden darf, als die ihr zu Grunde liegenden Umstände ein persönliches
Verhalten erkennen lassen, das eine gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen
Ordnung darstellt. Art. 5 Anhang I FZA steht aufenthaltsbeendenden Massnahmen -
anders als das Landesrecht - entgegen, die aus generalpräventiven Gründen allein
verfügt werden (BGer 2C_221/2012 vom 19. Juni 2012 E. 3.3.2). Damit kommt es
wesentlich auf das Rückfallrisiko an. Verlangt wird eine nach Art und Ausmass der
möglichen Rechtsgüterverletzung zu differenzierende, hinreichende Wahrscheinlichkeit,
dass der Ausländer auch künftig die öffentliche Sicherheit und Ordnung stören wird. Je
schwerer die möglichen Rechtsgüterverletzungen wiegen, desto niedriger sind die
Anforderungen, welche an die hinzunehmende Rückfallgefahr zu stellen sind (BGer
2C_839/2011 vom 28. Februar 2012 E. 2.3). Zwar sieht Art. 121 Abs. 3 der
Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV) neu vor, dass ein Ausländer unabhängig
von seinem ausländerrechtlichen Status sein Aufenthaltsrecht sowie alle
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Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz verliert, wenn er wegen eines
vorsätzlichen Tötungsdelikts, wegen einer Vergewaltigung oder eines anderen
schweren Sexualdelikts, wegen eines anderen Gewaltdelikts wie Raub, wegen
Menschenhandels, Drogenhandels oder eines Einbruchdelikts rechtskräftig verurteilt
worden ist oder wenn er missbräuchlich Leistungen der Sozialversicherungen oder der
Sozialhilfe bezogen hat. Diese Bestimmung ist aber nicht direkt anwendbar, weil zuerst
über die gesetzliche Umsetzung dieser Verfassungsbestimmung befunden werden
muss. Mit Blick auf die Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK) muss trotz dieser
Verfassungsbestimmung eine Interessenabwägung vorgenommen und dabei den
Aspekten Rechnung getragen werden, die mit den Auswirkungen der
Aufenthaltsbeendigung auf das Privat- und Familienleben verbunden sind (BGer
2C_828/2011 vom 12. Oktober 2012 E. 4.3.4 und 5.3).
3. Die Niederlassungsbewilligung kann unter anderem widerrufen werden, wenn der
Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe, das heisst zu einer solchen von mehr
als einem Jahr verurteilt worden ist, wobei mehrere unterjährige Strafen nicht kumuliert
werden (Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 lit. b AuG; BGE 137 II 297 E. 2). Dabei spielt
es keine Rolle, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen
wurde (BGer 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Ein Widerruf ist zudem
zulässig, wenn der Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese
gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Das ist regelmässig dann der Fall, wenn er durch
seine Handlungen besonders hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr bringt;
der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung ist aber auch dann zulässig, wenn der
Ausländer sich von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit
zeigt, dass er auch künftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu
halten, was jeweils im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu prüfen ist (BGer
2C_839/2011 vom 28. Februar 2012 E. 2.1).
3.1. Die genannten Widerrufsgründe gelten selbst bei Niederlassungsbewilligungen
ausländischer Personen, die sich seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und
ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten (Art. 63 Abs. 2 AuG). Auch bei einem
Ausländer, der bereits hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben in der
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Schweiz verbracht hat (Ausländer der zweiten Generation), sind fremdenpolizeiliche
Massnahmen nicht ausgeschlossen; bei schweren bzw. wiederholten Straftaten,
insbesondere bei Gewalt-, Sexual- und Betäubungsmitteldelikten, besteht hieran ein
wesentliches öffentliches Interesse (BGer 2C_371/2012 vom 20. Dezember 2012 E. 2.3
mit Hinweisen).
3.2. Der Beschwerdeführer kehrte nach seinem mehrjährigen Auslandaufenthalt Mitte
des Jahres
2006, zwischenzeitlich volljährig geworden, in die Schweiz zurück. Nunmehr
eigenverantwortlich begann er unverzüglich Heroin und teilweise zusätzlich Kokain zu
konsumieren und wurde dabei drogensüchtig. Seine Sucht finanzierte er mit seinen
Bezügen vom Sozialamt und vor allem mit Vermögens- und Drogendelikten und indem
er sich prostituierte. Obwohl er sich erst seit wenigen Jahren wieder in der Schweiz
aufhält, sind bereits mehr als 22 Verurteilungen aktenkundig. Unter anderem verurteilte
ihn das Bezirksgericht Zürich am 25. August 2011 zu einer Freiheitsstrafe von 22
Monaten. Allein mit dieser längerfristigen Strafe im Sinn des Gesetzes ist ein
Widerrufsgrund gegeben. Unter diesen Umständen muss entgegen der Argumentation
in der Beschwerde nicht weiter geprüft werden, ob er mit seinem Fehlverhalten zudem
im Sinn von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese
gefährdet. An dieser Stelle sei aber trotzdem erwähnt, dass er innert kürzester Zeit über
20 Verurteilungen erwirkt hat und dabei praktisch alle Geldstrafen von total 555
Tagessätzen in Ersatzfreiheitsstrafen umgewandelt werden mussten.
4. Da vorliegend das FZA zur Anwendung gelangt, muss zusätzlich geprüft werden, ob
beim Beschwerdeführer ein Rückfallrisiko besteht bzw. ob seine Wegweisung aus
Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigt ist (Art. 5
Anhang I FZA).
4.1. Der Beschwerdeführer hat unmittelbar nach seiner Rückkehr in der Schweiz zu
delinquieren begonnen, und ein Ende ist nicht absehbar. Von seinem Fehlverhalten
lässt er sich durch nichts abhalten, obwohl er seit seiner Rückkehr in die Schweiz vom
Sozialamt unterstützt wird und ihm jede nur erdenkliche Hilfestellung durch sämtliche
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Fachstellen angeboten wurde. Einen Beistand akzeptiert er ebenfalls nicht. Trotz all
dieser staatlichen Massnahmen und Unterstützungen, trotz der zahlreichen
Verurteilungen und Probezeiten und obgleich er bereits mehrere, zum Teil längere
Freiheitstrafen abgesessen hat, fährt er unbeeindruckt fort, gegen das Gesetz zu
verstossen. Die in der Beschwerdeschrift vom 14. Dezember 2012 geltend gemachte
ambulante Therapie hat er boykottiert. Die gerichtlich angeordnete ambulante
Massnahme musste zwischenzeitlich aufgehoben werden, weil er sich an keine
Abmachungen hielt, sondern stattdessen untertauchte. Selbst der Widerruf seiner
Niederlassungsbewilligung und das nachfolgende noch hängige Rechtsmittelverfahren
vermochten ihn nicht daran zu hindern, sich immer wieder strafbar zu machen. Bei der
bisher letzten Verurteilung vom 26. April 2013 erwog die Staatsanwältin denn auch,
dass nicht der Hauch einer günstigen Prognose gestellt werden könne, weshalb die
ausgesprochene Freiheitsstrafe zu vollziehen sei.
4.2. Der Hauptgrund für sein deliktisches Verhalten liegt zweifelsohne in seiner
Drogensucht. Der Beschwerdeführer ist aber nicht bereit, an diesem Umstand etwas zu
ändern, sondern gibt unumwunden zu, dass er weiterhin Drogen konsumieren werde
(act. 14). Auch im letzten Therapiebericht vom 31. Oktober 2012 wird festgehalten, die
Prognose, dass er sich fortan wohlverhalten werde, sei schlecht ("deutliches
Rückfallrisiko für das Zielkonflikt Raub, dies auch mit erheblicher Gewaltanwendung
oder Waffeneinsatz / sehr hohes Rückfallrisiko für Verstösse/Vergehen gegen das
BetmG und Eigentumsdelikte wie Diebstahl etc."). Er unterzieht sich weder einer
Entzugs- noch einer Substitutionstherapie. Ohne Schulabschluss und Lehre bzw. allein
mit den Geldern der Sozialhilfe wird der Beschwerdeführer somit auch weiterhin nicht
in der Lage sein, seinen Lebensunterhalt in der Schweiz als Süchtiger legal zu
finanzieren. Damit ist das Rückfallrisiko im Sinn von Art. 5 Anhang I FZA klar
ausgewiesen.
5. Liegt ein Widerrufsgrund vor, müssen die Behörden darüber hinaus prüfen, ob die
Wegweisung verhältnismässig ist (Art. 5 Abs. 2 BV, BGer 2C_828/2011 vom
12. Oktober 2012 E. 5.3). Dabei berücksichtigen sie nach Art. 96 Abs. 1 AuG die
öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der
Integration.
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5.1. Der Beschwerdeführer hatte unbestrittenermassen keinen leichten Start ins Leben.
Dem steht allerdings gegenüber, dass ihm das Gastland ab seinem ersten Lebensjahr
jede nur erdenkliche Hilfestellung geboten und ihm sämtliche notwendigen
Unterstützungen und Therapien sowie seine Aufenthalte und Betreuung im Ausland
finanziert hat. Alsdann wäre das Sozialamt sogar bereit gewesen, ihm den weiteren
Aufenthalt in Kroatien und seine Ausbildung über seine Volljährigkeit hinaus zu
bezahlen, wie er sich das anfänglich gewünscht hatte. Auch als er entgegen seinen
ursprünglichen Plänen und Vereinbarungen in die Schweiz zurückgekehrt ist, waren
wiederum sämtliche Betreuungs- und sozialen Einrichtungen zur Stelle, ihm die nötige
Unterstützung zu geben und seinen Aufenthalt hier zu finanzieren. Schliesslich war es
aber sein freier Entschluss, keine der zahlreich angebotenen Möglichkeiten und
Chancen zu ergreifen und zu nutzen. Zwar hat er - wie jedermann - Anspruch darauf,
dass die Gemeinschaft ihm das soziale Existenzminimum gewährleistet und
notwendige Hilfestellungen bietet. Im Gegenzug darf vom Unterstützten aber erwartet
werden, dass er sich an die hiesige Rechtsordnung hält, die herrschende öffentliche
Ordnung, Sicherheit und Gesundheit nicht gefährdet bzw. zumindest nicht wie
vorliegend entgegen besserem Wissen verletzt.
5.2. Der Beschwerdeführer lässt in diesem Zusammenhang geltend machen, für einen
Drogenabhängigen sei es geradezu normal, dass dieser im Verlauf der Zeit immer
schwerwiegendere Delikte begehe und sich selbst von ausgesprochenen Strafen nicht
davon abhalten lasse. Dies mag früher das Schicksal eines Drogensüchtigen gewesen
sein. Die Schweiz verfolgt aber schon seit einigen Jahren erfolgreich eine
fortschriftliche Drogenpolitik. Deren Massnahmen orientieren sich am sogenannten
Würfelmodell, das auf der Viersäulenpolitik (Prävention, Therapie, Schadensminderung
und Repression) aufbaut. Dazu gehören unter anderem substitutionsgestützte
Behandlungen mit Methadon und Heroin. Demnach ist es dank der staatlichen Abgabe
von Methadon und Heroin heute selbst einem Schwerstsüchtigen ohne Weiteres
möglich, trotz seiner Sucht straffrei zu leben. Dies zeigt sich unter anderem auch darin,
dass in der Schweiz die Beschaffungskriminalität in den letzten Jahren massiv
zurückgegangen ist (vgl. dazu www.bag.admin.ch/themen/drogen/00042/index.html?
lang=de).
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5.3. Beim Beschwerdeführer fällt massgeblich ins Gewicht, dass er mit
Betäubungsmitteln gehandelt und mehrere Raubüberfälle begangen und damit andere
Personen ernsthaft in Gefahr gebracht hat. Seine diesbezüglich schlechte
Legalprognose hat sich insofern bestätigt, als er vor kurzem, also während des
hängigen Rechtsmittelverfahrens betreffend seine Wegweisung, wiederum zwei
Raubüberfälle versucht hat. Hinsichtlich Drogenhandels und Delikten gegen die
körperliche und sexuelle Integrität verfolgt das Bundesgericht in Übereinstimmung mit
der in Europa herrschenden Rechtsüberzeugung generell eine strenge Praxis, wobei
selbst ein geringes Rückfallrisiko nicht hingenommen werden muss (BGer
2C_695/2012 vom 28. Januar 2013 E. 3.2.1 und 2C_109/2012 vom 12. Dezember 2012
E. 3.2). In solchen Fällen besteht ein erhebliches öffentliches Interesse an der
Fernhaltung der ausländischen Person (BGer 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.2
mit Hinweisen). Dies ist zu berücksichtigen, auch wenn im Anwendungsbereich des
FZA generalpräventiven Gesichtspunkten keine Beachtung geschenkt wird. Dazu
kommt, dass Raub und Drogenhandel in Art. 121 Abs. 3 BV genannte Anlasstaten sind,
die nach dem Verfassungsgeber dazu führen sollen, dass der Ausländer aus der
Schweiz ausgewiesen und mit einer Einreiseverbot belegt wird. Diese
Verfassungsbestimmung ist zwar wie gesagt nicht direkt anwendbar. Deren Wertung ist
aber im Rahmen der Interessenabwägung insoweit Rechnung zu tragen, als dies zu
keinem Widerspruch zu übergeordnetem Recht bzw. zu Konflikten mit dem
Beurteilungsspielraum führt, den der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den
einzelnen Konventionsstaaten bei der Umsetzung ihrer Migrations- und
Ausländerpolitik im Rahmen des Rechts auf Schutz des Privat- und Familienrechts
belässt (BGer 2C_348/2012 vom 13. März 2013 E. 3.2).
5.4. Vorliegend kommt erschwerend dazu, dass der Beschwerdeführer nicht bereit ist,
seine Sucht in den Griff zu bekommen oder wenigstens mit den dafür spezialisierten
Fachstellen zusammenzuarbeiten. Stattdessen fährt er unbeeindruckt fort zu
delinquieren. Damit legt er eine beispiellose Geringschätzung der hiesigen Gesellschaft
und ihrer Rechtsordnung gegenüber an den Tag und gefährdet damit die Sicherheit,
das Leben und die Gesundheit einer grossen Anzahl Menschen, was nicht akzeptabel
ist.
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5.5. Das grosse strafrechtliche Verschulden des Beschwerdeführers hat sich in der
mehrjährigen Freiheitsstrafe und in der beispiellosen Häufung und zunehmenden
Schwere der Delikte sowie seiner völligen Unbelehrbarkeit niedergeschlagen. Seine
kriminelle Energie, seine Unverbesserlichkeit, seine völlige Gleichgültigkeit dem
Gastland und der hiesigen Gesellschaft gegenüber, die er willentlich schädigt, obwohl
sie für ihn aufkommt, müssen daher nicht nur in strafrechtlicher, sondern auch in
ausländerrechtlicher Hinsicht als schweres Verschulden gewertet werden, auch wenn
er drogensüchtig ist. Selbst während des Strafvollzugs nützte er jede Gelegenheit,
gegen die Regeln zu verstossen. So missbrauchte er seinen Erstausgang für eine
siebentägige Flucht, während der er Heroin, Kokain und Cannabis konsumierte
(Vorakten Migrationsamt act. 276). Beim zweiten Strafvollzug wurde er wiederum beim
ersten Urlaub strafbar, weil er erneut Drogen konsumierte. Sodann entwich er
abermals, dieses Mal während eines begleiteten Hafturlaubs (Vorakten Migrationsamt
act. 362, 366 f.).
5.6. Das Gericht verkennt nicht, dass der Beschwerdeführer ein grosses Interesse
daran hat, in der Schweiz verbleiben zu können, und dass der Widerruf der
Niederlassungsbewilligung ihn hart treffen wird.
5.6.1. Der Beschwerdeführer hat keine Ausbildung und kein eigenes Einkommen.
Stattdessen bezieht er Fürsorgeleistungen und wird hier medizinisch optimal betreut.
Die soziokulturellen und ökonomischen Rahmenbedingungen in Italien, einem
langjährigen EU-Mitgliedland, und insbesondere die medizinische Grundversorgung
dort sind aber mit den hiesigen vergleichbar, wie die Vorinstanz zu Recht ausführt
(BGer 2C_41/2011 vom 30. Juni 2011 E. 3.3). Selbst Methadon- und
Buprenorphinbehandlungen sind in Italien möglich (www.indroonline.de/italien.htm).
Der Beschwerdeführer gibt zwar an, kein Italienisch zu sprechen. Allerdings ist er auf
Grund seines ausgeprägt eigenständigen Lebenswandels alles andere als unbeholfen
und wird rasch Italienisch lernen bzw. mit Hilfe der dortigen staatlichen Fachstellen sich
in kurzer Zeit wiederum soweit integrieren, wie er es in der Schweiz auch konnte.
Zudem hat er bereits mehrere Jahre in Frankreich, Ungarn und Kroatien und damit im
fremdsprachigen Ausland gelebt. Folglich wird er in der Lage sein, auch in Italien
diejenigen staatlichen Unterstützungen abzurufen, die ihm wegen seiner Drogensucht
und seiner HIV-Ansteckung nötig erscheinen. Nebst den zuständigen Sozialstellen wird
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ihm auch sein in Italien lebender Grossvater Anlaufstelle sein können, selbst wenn
dieser nicht bereit sein sollte, ihn bei sich aufzunehmen, wie der Beschwerdeführer
vermutet. Zumindest im Verkehr mit den Behörden wird sein Grossvater ihm behilflich
sein können. Dass seine sprachlichen Anfangsschwierigkeiten einer Drogentherapie in
Italien hinderlich wären, wie sein Rechtsvertreter vermutet, spielt insofern keine Rolle,
als er sowieso nicht bereit ist, eine solche Therapie zu machen. Allerdings ist auch
nicht ersichtlich, weshalb eine Suchttherapie in Italien nicht möglich sein sollte, falls
sich der Beschwerdeführer dereinst zu einer solchen entschliessen sollte. Davon
abgesehen, dass die entsprechenden Fachleute meist mehrsprachig sind, der
Beschwerdeführer im italienischen Sprachraum schon einmal einen Entzug angefangen
hat, wird er bis dahin genügend Italienischkenntnisse erwerben können, wenn er sich
bemüht.
5.6.2. Auch wenn der Beschwerdeführer während seiner ersten elf Jahre in der Schweiz
gelebt hat, ist er hier nicht verwurzelt. Die prägenden Jugendjahre bis zur Volljährigkeit
hat er im Ausland verbracht, wo er schliesslich auch etwas Geld verdienen konnte
(Vorakten Migrationsamt act. 398). In die Schweiz zurückgekehrt, nahm er keine
Erwerbstätigkeit mehr auf, kümmerte sich aber auch um keine Ausbildung oder darum,
seinen fehlenden Schulabschluss nachzuholen. Er suchte sich nicht einmal eine
Wohnung, wobei ihm das Sozialamt ebenfalls behilflich gewesen wäre. Auch sonst
liess er sich von niemandem helfen, sofern damit eine Bedingung verknüpft war. Damit
sind keinerlei Anhaltspunkte erkennbar, die auf eine geglückte Eingliederung in die
schweizerischen Verhältnisse schliessen lassen würden. Dass er stattdessen ins Milieu
abtauchte, drogensüchtig wurde, permanent delinquierte und dementsprechend als
Erwachsener einen wesentlichen Teil seiner Aufenthaltsdauer in der Schweiz im
Gefängnis verbringen musste und sonst von der Sozialhilfe lebte, spricht ebenfalls für
keine gelungene Integration. Allein der Umstand, dass er einwandfrei
Schweizerdeutsch spricht, kann bei einem in der Schweiz aufgewachsenen bzw. von
Schweizern im Ausland aufgezogenen Ausländer als normal vorausgesetzt werden.
Jedenfalls kann nicht bloss gestützt darauf auf eine gelungene Integration geschlossen
werden, wenn - wie vorliegend - die übrigen Verhältnisse vielmehr auf das Gegenteil
hindeuten (BGer 2C_348/2012 vom 13. März 2013 E. 3.3).
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5.6.3. Von einer Grossmutter und einem Onkel, die in der Schweiz leben sollen und mit
denen er in Kontakt stehen soll, war bis anhin keine Rede. So war das Sozialamt unter
anderem deshalb bereit, seinen Aufenthalt in Kroatien über seine Volljährigkeit hinaus
zu finanzieren, weil er in der Schweiz keine Bezugsperson hatte. Mangels einer solchen
Person konnte ihm auch kein Gefängnisurlaub gewährt bzw. musste er dabei durch
das Anstaltspersonal beaufsichtigt werden, nachdem er sich von seiner damaligen,
ebenfalls drogensüchtigen Freundin getrennt hatte und ausser ihr niemanden sonst
angeben konnte, den er kannte (Vorakten Migrationsamt act. 274). Folgerichtig ging
auch die Vorinstanz davon aus, dass er nach dem Tod seiner drogensüchtigen Mutter
in der Schweiz nunmehr keine näheren Familienangehörigen mehr habe. Tatsächlich
konnten die im Beschwerdeverfahren geltend gemachten Verwandten nichts zu seiner
Integration in der Schweiz beitragen und auch sonst ist nicht ersichtlich, inwiefern er in
ihnen eine Stütze haben sollte. An dieser Beurteilung können auch Briefe, die der
Beschwerdeführer gegebenenfalls nachreichen will, nichts ändern. Es kann deshalb
darauf verzichtet werden, den Beschwerdeführer aufzufordern, solche Briefe
nachzureichen (zur antizipierten Beweiswürdigung siehe BGer 2C_28/2012 vom 18. Juli
2012 E. 3.5.3).
5.7. Der Beschwerdeführer rügt schliesslich, dass die Wegweisung auch unter dem
Aspekt der EMRK unverhältnismässig sei.
5.7.1. Das in Art. 8 Ziff. 1 EMRK verankerte Recht auf Achtung des Privat- und
Familienlebens kann verletzt sein, wenn einem Ausländer, dessen Familienangehörige
hier weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das Familienleben vereitelt wird. Das
geschützte Familienleben beschränkt sich dabei grundsätzlich auf die Kernfamilie, bzw.
die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern (BGE 129 II 11 E. 2.).
Demnach kann der volljährige Beschwerdeführer allein aus dem Umstand, dass eine
Grossmutter und ein Onkel angeblich ebenfalls in der Schweiz leben, nichts zu seinen
Gunsten ableiten. Davon abgesehen lässt sich den Akten auch nichts darüber
entnehmen, dass sich diese um ihn gekümmert bzw. bei seiner Rückkehr in die
Schweiz oder während seiner zahlreichen Gefängnisaufenthalte oder seines
selbstbestimmten Lebens im Milieu für ihn je eine Bedeutung gehabt hätten. Eine
tragende verwandtschaftliche Beziehung liegt jedenfalls nicht vor, selbst wenn er mit
ihnen in der Zwischenzeit in Kontakt getreten sein sollte, wie er behauptet.
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5.7.2. Auch aus dem ebenfalls von Art. 8 Ziff. 1 EMRK gewährleisteten Anspruch auf
Schutz des Privatlebens ergibt sich ein Recht auf Verbleib im Land nur unter
besonderen Umständen. Einzig die lange Anwesenheit und die damit verbundene
normale Integration genügen hierzu nicht; erforderlich wären besonders intensive
Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur (BGer 2C_160/2009 vom 1. Juli
2009 E. 4.1., BGer 2C_135/2007 vom 26. Juni 2007 E. 4.4.). Solche vertieften sozialen
Beziehungen sind beim Beschwerdeführer nicht gegeben. Allein die Umstände, dass er
teilweise hier aufgewachsen bzw. im Ausland von Schweizern aufgezogen wurde und
Schweizerdeutsch spricht, reichen dafür nicht. Der Beschwerdeführer hat weder die
obligatorische Schule vollendet bzw. nachgeholt, noch hat er in der Schweiz in Freiheit
je gearbeitet. In die Schweiz zurückgekehrt lebte er in erster Linie auf der Gasse und im
Milieu, wobei er ständig mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Seine einzige engere
Beziehung hatte er mit einer ebenfalls Drogensüchtigen, mit der er ein knappes halbes
Jahr zusammengelebt hat. Die Beziehung endete, als sie ihn wegen Gewaltanwendung
und Sachbeschädigung angezeigt hatte (Vorakten Migrationsamt act. 182 ff.). Während
er im Zeitpunkt des Entscheids der Vorinstanz in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies
einsass, war sein Aufenthalt während des Beschwerdeverfahrens unbekannt. Offiziell
war er an der Notschlafstelle St. Gallen gemeldet, wo er aber nur unregelmässig
anzutreffen. Gemäss Vollzugauftrag für Strafen vom 5. Juni 2013 sitzt er seit heute
wieder ein, dieses Mal in der Strafanstalt Saxerriet.
5.7.3. Selbst wenn der Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK berührt und demnach
eine Verhältnismässigkeitsprüfung im Sinn von Art. 8 Ziff. 2 EMRK durchzuführen wäre,
könnten die Erwägungen der vom Beschwerdeführer herangezogenen Entscheide des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) nicht unbesehen
herangezogen werden. Bei den angeführten Fällen geht es um straffällige Ausländer,
die, anders als der Beschwerdeführer, ihre ganze Kindheit und Jugend im
entsprechenden Konventionsstaat verbracht haben. In Sachen Maslov gegen
Österreich vom 23. Juni 2008 (Beschwerde Nr. 1638/03) handelte es sich sodann um
typische Beispiele von Jugenddelinquenz, die mit einer Ausnahme keine
Gewalttätigkeiten umfassten. Jener Straftäter beging seine Delikte bereits im Alter von
14 bzw. 15 Jahren und damit in der schwierigen Phase der Pubertät. Der
Beschwerdeführer dagegen hat sämtliche ihm zur Last gelegten Straftaten als
Volljähriger begangen, wofür er unter anderem eine mehrjährige Freiheitsstrafe erhalten
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hat. Ebenso wenig vergleichbar ist das Urteil des EGMR in Sachen Emre gegen die
Schweiz vom 22. Mai 2008 (Beschwerde Nr. 42034/04). Jener Ausländer wurde zu
insgesamt lediglich achtzehneinhalb Monaten verurteilt. Ausschlaggebend war zudem,
dass die Delikte je einzeln keine Ausweisung rechtfertigten und der Ausländer
psychisch krank war (Persönlichkeitsstörung mit emotionaler Labilität und Elementen
von Impulsivität bzw. von einer Borderlinestörung in Kombination mit einer
Angststörung). Aus diesem Grund war er weiterhin auf seine Familie in der Schweiz
angewiesen (vgl. dazu VerwGE B 2009/198 vom 24. Februar 2010 E. 4.2.3., bestätigt in
BGer 2C_318/2010 vom 16. September 2010 E. 3.3.3). Beides trifft auf den
Beschwerdeführer nicht zu. Im Fall Nasri gegen Frankreich vom 13. Juli 1995
(Beschwerde Nr. 19465/92) handelte es sich um einen gehörlosen Beschwerdeführer,
der ein Minimum an psychologischem und sozialem Gleichgewicht lediglich innerhalb
seiner Familie erhalten konnte, wobei die Familienangehörigen französische
Staatsangehörige ohne nähere Bindungen zu Algerien waren (BGer 2C_695/2012 vom
28. Januar 2012 E. 3.3.4). Im Fall Moustaquim gegen Belgien vom 18. Februar 1991
(Beschwerde Nr. 12313/86) beging der Beschwerdeführer seine Delikte wiederum,
bevor er 18 Jahre alt war und innerhalb von lediglich elf Monaten. Zwischen seiner
letzten Verurteilung und dem Ausweisungsentscheid verstrichen über drei Jahre, was
vom EGMR als relativ lang bezeichnet wurde, und der Beschwerdeführer lebte
während ungefähr 23 Monaten in Freiheit. Zudem hielt der Gerichtshof fest, alle seine
nahen Verwandten würden seit langem in Belgien wohnen und eines der älteren
Geschwister habe die belgische Staatsbürgerschaft erworben. Im Fall Beldjoudigegen
Frankreich vom 26. März 1992 (Beschwerde Nr. 12083/86) hatte der Beschwerdeführer
über vierzig Jahre in Frankreich gelebt. Der Gerichtshof hielt fest, er scheine ausser
seiner Staatsbürgerschaft keinerlei Beziehungen zu Algerien zu haben und kein
Arabisch zu sprechen. Seine Ehefrau sei Französin, Tochter französischer Eltern, in
Frankreich geboren und habe immer dort gelebt. Wenn sie gezwungen wäre, ihrem
Ehemann zu folgen, müsste sie sich voraussichtlich in Algerien niederlassen, einem
Staat, dessen Sprache sie wahrscheinlich nicht kenne, was ihr grosse Schwierigkeiten
bereiten würde und wofür praktische und eventuell sogar rechtliche Hindernisse
bestehen würden. Im Fall Radovanovic gegen Österreich vom 22. April 2004
(Beschwerde Nr. 42703/98) war entscheidend, dass der Beschwerdeführer einerseits
die ihm vorgeworfenen Delikte als Jugendlicher - im Alter von 18 Jahren - verübte und
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die unbedingte Gefängnisstrafe auf bloss sechs Monate lautete, während 24 Monate
bei einer Probezeit von drei Jahren aufgeschoben wurden, sowie dass er andererseits
bei seiner Familie wohnte und keine Verwandten in Serbien und Montenegro hatte
(BGer 2C_318/2010 vom 16. September 2010, E. 3.3.3).
5.8. Aus dem Gesagten folgt, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz nicht
integriert ist. Von einer überdurchschnittlichen Integration, die nach der EGMR-
Rechtsprechung für den Verbleib in der Schweiz notwendig wäre, kann erst Recht
keine Rede sein. Ausser den Kontakten zum Sozialamt und den medizinischen
Fachstellen hat er weder persönliche noch berufliche oder andere Bindungen zur
Schweiz, die über eine normale Integration hinausgehen würden. Dem ledigen und
kinderlosen Beschwerdeführer, der seit seiner Rückkehr aus dem Ausland vor sieben
Jahren aus freien Stücken im Milieu lebt, ist es somit zumutbar, die Schweiz wieder zu
verlassen und in seinem Heimatland, wo er immerhin einen Grossvater hat, Fuss zu
fassen bzw. seinen Leben fortzuführen, wie er es in der Schweiz gelebt hat. Italien kann
ihm dafür vergleichbare Rahmenbedingungen bieten wie die Schweiz. Selbst wenn dort
im Vergleich zur Schweiz verminderte Resozialisierungschancen bestehen sollten, wäre
dies kein Kriterium (Nägeli/Schoch, a.a.O., Rz. 22.194). Die italienische Sprache wird er
vor Ort lernen müssen und als erst 25-Jähriger auch können, sofern er sie tatsächlich
noch nicht verstehen und sprechen sollte. Dabei werden dem jungen Mann die
Fachstellen vor Ort behilflich sein, sofern er deren Hilfe - anders als in der Schweiz -
annehmen will. Nachdem er zwischenzeitlich wiederum für mehrere Monate einsitzt,
wird er diese Zeit nutzen können, die italienische Sprache zu lernen oder zu verbessern
(vgl. VerwGE B 2009/198 vom 24. Februar 2010 E. 4.2.6, abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch, bestätigt in BGer 2C_318/2010 vom 16. September 2010
E. 3.3.2). Die medizinische Grundversorgung ist im Nachbarland ebenfalls
gewährleistet. Soweit ihm nicht die gleichen wirtschaftlichen Perspektiven offen- und
namentlich nicht die gleichen Sozialleistungen zustehen sollten, wäre dies mit Blick auf
sein unbelehrbares kriminelles Verhalten hinzunehmen. Insgesamt überwiegt das
öffentliche Interesse an der Wegweisung des Beschwerdeführers seine privaten
Interessen am weiteren Verbleib in der Schweiz. Der vorinstanzliche Entscheid erweist
sich damit als verhältnismässig.
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6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers sowohl im Sinn des nationalen
Rechts als auch nach dem FZA zu Recht bestätigt hat. Die Beschwerde ist folglich
abzuweisen. Da der Beschwerde aufschiebende Wirkung zukam, war der
Beschwerdeführer vorderhand weiterhin berechtigt, sich in der Schweiz aufzuhalten
(Art. 59 Abs. 2 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR
142.201). Nachdem die angesetzte Ausreisefrist zwischenzeitlich abgelaufen ist, wird
das Migrationsamt ihm eine neue angemessene Ausreisefrist ansetzen (Art. 66 Abs. 2
AuG).
7. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht