Decision ID: 04eef917-870b-5aa9-abb8-6e2fb802b099
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 19.01.2012 Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG; Die schwierigen persönlichen Umstände des Beschwerdeführers sind bei der Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung verschuldensmindernd zu berücksichtigen. Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung wird von 23 auf 5 beziehungsweise auf 2 Tage reduziert (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Januar 2012, AVI 2011/37).Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider und Marie-Theres Rüegg Haltinner; a.o. Gerichtsschreiberin Beatrice RohnerEntscheid vom 19. Januar 2012in SachenA._,Beschwerdeführer,vertreten durch Regionales Beratungszentrum Rapperswil-Jona, Alte Jonastrasse 24, 8640 Rapperswil SG,gegenRAV Rapperswil-Jona, Neue Jonastrasse 59, Postfach, 8640 Rapperswil,Beschwerdegegner,vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,betreffendEinstellung in der Anspruchsberechtigung (Arbeitsbemühungen)Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 6. November 2009 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Rapperswil-Jona zur Arbeitsvermittlung an (act. G
3.1/B13) und stellte am 23. November 2009 einen Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung. Er gab an, bereit und in der Lage zu sein, in einem 50%-
Pensum zu arbeiten. Ausserdem habe er sich bei der Invalidenversicherung (IV)
angemeldet (act. G 3.1/B15 und B3). Die letzte Arbeitgeberin hatte das
Arbeitsverhältnis am 30. Januar 2009 per 30. April 2009 gekündigt (act. G 3.1/B18). Der
Versicherte erlitt im Februar 2009 einen cerebrovaskulären Insult, worauf Dr. med.
B._, Facharzt für Innere Medizin FMH, für die Zeit vom 16. Februar bis 31. Dezember
2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte, mit Ausnahme des Monats Oktober,
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in welchem er den Versicherten zu 50% arbeitsfähig einschätzte (act. G 3.1/B1, B7, B8,
B12 und B32). Die CSS Versicherung richtete in der Folge Taggeldleistungen aus (vgl.
Leistungsabrechnung für Oktober, November und Dezember 2009, act. G 3.1/B16 und
B29). Die Unia Arbeitslosenkasse (folgend Unia) ging von einem Vermittlungsgrad von
50% aus und informierte den Versicherten, er habe ab dem 6. November 2009
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (act. G 3.1/26).
A.b Die kantonale IV-Stelle teilte dem Versicherten am 22. Januar 2010 mit, sie
gewähre ihm Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (act. G 3.1/B33).
Gemäss Eingliederungsplan beziehungsweise Zielvereinbarung vom 14./29. Januar
2010 im Rahmen der interinstitutionellen Zusammenarbeit (IIZ) zwischen dem
Versicherten, der IV-Stelle, dem RAV Rapperswil-Jona und dem Beistand des
Versicherten sei ein passendes Einsatzprogramm mit vorgängigem Abklärungsteil
geplant. Während dieser Zeit müsse er weniger Stellenbewerbungen nachweisen (act.
G 3.1/A4). Das Einsatzprogramm absolvierte er vom 2. März bis am 2. Juli 2010 bei
C._ in einem 50% Pensum (act. G 3.1/A5, A12 und A20). Am 7. Mai 2010 stellte das
RAV Rapperswil-Jona den Versicherten für 7 Tage in der Anspruchsberechtigung ein,
weil dieser den Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen für den Monat März
nicht eingereicht habe (act. G 3.1/A13). Mit Verfügung vom 24. Juni 2010 wurde er für
15 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt, weil der Nachweis der persönlichen
Arbeitsbemühungen für die Kontrollperiode April 2010 nicht innert Frist eingereicht
worden sei und die Arbeitsbemühungen in qualitativer Hinsicht zu bemängeln seien
(act. G 3.1/A23). Am 8. Juli 2010 verfügte das RAV Rapperswil-Jona erneut eine
Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 27 Tagen für die Kontrollperiode Mai
2010, weil die verspätet eingereichten Nachweise für persönliche Arbeitsbemühungen
nicht mehr berücksichtigt werden könnten (act. G 3.1/A24).
A.c Die CSS Versicherung hielt im Schreiben vom 12. Juli 2010 daran fest, dass ab
dem 1. Januar 2010 keine Leistungen mehr erbracht würden. Gemäss dem Gutachten
des Medizinischen Zentrums D._ könne ab dem 1. Januar 2010 eine Arbeits
unfähigkeit nicht mehr begründet werden (act. G 3.1/B55). Die IV-Stelle widerrief am
19. Juli 2010 die am 14. Juli 2010 mitgeteilte Kostengutsprache für eine bis am 25.
September 2010 verlängerte berufliche Abklärung bei C._ und stellte dem
Versicherten gleichzeitig einen abweisenden Rentenentscheid in Aussicht. Die
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Arbeitsunfähigkeit sei vor allem durch ein Abhängigkeitsverhalten begründet, weshalb
keine Invalidität vorliege (act. G 3.1/B56 und B57). Mit Schreiben vom 21. September
2010 gab die Unia dem Versicherten bekannt, er habe aufgrund der Vorleistungspflicht
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung auf der Basis von 100%, weil die
Restarbeitsfähigkeit über 20% liege. Sie habe ihm die Taggelder ab dem 1. März 2010
nachbezahlt (act. G 3.1/B68). Am 14. Oktober 2010 hielt die Personalberaterin des RAV
Rapperswil-Jona fest, sie werde spätestens ab November 2010 mindestens fünf
persönliche Arbeitsbemühungen pro Monat verlangen (act. G 3.1/A43).
A.d Mit Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen für den Monat November 2010
(Posteingang: 29. November 2010) wies der Versicherte zwei Arbeitsbemühungen aus
(act. G 3.1/A53). Mit Nachweis für den Monat Dezember 2010 (Posteingang: 28.
Dezember 2010) gab er vier Arbeitsbemühungen an (act. G 3.1/A55). Am 30. Dezember
2010 machte ihn das RAV Rapperswil-Jona auf die fehlende Datierung und Unterschrift
des Nachweises für die Kontrollperiode Dezember 2010 aufmerksam. Er werde ge
beten, den Nachweis rasch nochmals einzureichen (act. G 3.1/A56).
A.e Mit Verfügungen vom 24. Januar 2011 stellte das RAV Rapperswil-Jona den Ver
sicherten für den Monat November und Dezember 2010 für je 23 Tage in der
Anspruchsberechtigung ein. In der Kontrollperiode November 2010 habe der
Versicherte anstatt fünf nur zwei und im Dezember 2010 nur vier Arbeitsbemühungen
getätigt. Zusätzlich wurde darauf hingewiesen, dass bei weiteren Pflichtverletzungen
die Vermittlungsfähigkeit verneint werde (act. G 3.1/A57 und A58).
A.f Am 23. Februar 2011 erhob der Beistand des Versicherten Einsprache gegen die
Verfügungen vom 24. Januar 2011 und beantragte deren Aufhebung. Eventualiter
beantragte er eine angemessene Reduktion der Einstelltage. Der Versicherte leide sehr
stark unter seiner persönlichen Situation (Ungewissheit über die berufliche Zukunft, das
Erleben der durch den Hirnschlag verursachten Defizite am Arbeitsplatz und die
Belastung durch die pflegebedürftige Ehefrau). Die Gründe, welche zur
Leistungseinstellung geführt hätten, seien unter Berücksichtigung dieses Hintergrunds
zu sehen und keinesfalls auf eine willentliche Verletzung der Sorgfalts- und
Schadenminderungspflicht zurückzuführen (act. G 3.1/A67).
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A.g Die IV-Stelle widerrief am 2. März 2011 die abweisende Verfügung vom 17.
Dezember 2010 betreffend berufliche Massnahmen, nachdem der Versicherte beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen gegen diese Verfügung Beschwerde
erhoben hatte (act. G 3.1/B78 und B89).
B.
Mit Einspracheentscheiden vom 9. Mai 2011 wies das RAV Rapperswil-Jona die
Einsprachen gegen die Verfügungen vom 24. Januar 2011 ab. Die geltend gemachten
Gründe rechtfertigten nicht, dass der Versicherte nur zwei beziehungsweise vier statt
fünf Arbeitsbemühungen erbracht habe. Er sei in den Kontrollperioden Juni bis Oktober
2010 sowie Januar bis April 2011 trotz den persönlichen Umständen in der Lage ge
wesen, genügende Arbeitsbemühungen nachzuweisen. Erschwerend komme hinzu,
dass dies bereits die vierte beziehungsweise fünfte Sanktion sei (act. G 3.1/A77 und
A78).
C.
C.a Gegen diese Einspracheentscheide richtet sich die vom Beistand des Versicherten
erhobene Beschwerde vom 8. Juni 2011. Er beantragt die Aufhebung der
Einspracheentscheide vom 9. Mai 2011. Eventualiter seien die Einstelltage angemessen
zu kürzen. Die schwierige Situation des Beschwerdeführers sei in die Beurteilung der
Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu berücksichtigen. Ausserdem sei er sehr
bemüht gewesen, die von ihm verlangten Arbeitsbemühungen zu erbringen und habe
stets das für ihn Mögliche getan, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Die
negativen Auswirkungen des Hirnschlags würden vermehrt in Stresssituationen
auftreten, weshalb gerade diese Schwankungen die unterschiedlichen
Arbeitsbemühungen erklären würden (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort beantragt der Beschwerdegegner, vertreten durch das
Amt für Arbeit des Kantons St. Gallen, die Abweisung der Beschwerde vom 8. Juni
2011 und verweist bezüglich des Sachverhalts und der Begründung auf die
Einspracheentscheide vom 9. Mai 2011 (act. G 3).

Erwägungen:
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1.
1.1 Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenent
schädigung ist die Vermittlungsfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 lit. f AVIG). Die arbeitslose
Person ist vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine
zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen (Art.
15 Abs. 1 AVIG). Nach Abs. 2 derselben Bestimmung gilt die körperlich oder geistig
behinderte Person als vermittlungsfähig, wenn ihr bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage,
unter Berücksichtigung ihrer Behinderung, auf dem Arbeitsmarkt eine zumutbare Arbeit
vermittelt werden könnte. Art. 15 Abs. 3 AVIV präzisiert dies dahingehend, dass
Vermittlungsfähigkeit bis zum Entscheid der anderen Versicherung angenommen wird,
wenn die behinderte Person nicht offensichtlich vermittlungsunfähig ist und sich bei der
IV oder einer anderen Versicherung angemeldet hat. Damit statuiert Art. 15 Abs. 3 AVIV
- von Fällen offensichtlicher Vermittlungsunfähigkeit abgesehen - eine
Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung (Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, 2. Aufl., Basel
2007, Rz 283).
1.2 Vorliegend ist unbestritten, dass sich der Beschwerdeführer zum Bezug von IV-
Leistungen bei der IV-Stelle angemeldet hat (vgl. dazu act. G 3.1/B3; die IV-Stelle
bezieht sich in diesem Schreiben ausdrücklich auf die Anmeldung vom 28. Juli 2009).
Unbestritten ist ausserdem, dass die IV-Stelle am 2. März 2011 die abweisende
Verfügung betreffend berufliche Massnahmen vom 17. Dezember 2010 widerrufen hat
und dem Beschwerdeführer nach den notwendigen Abklärungen erneut eine
beschwerdefähige Verfügung zustellen wird (act. G 3.1/B89 und act. G 1). Die Unia
nahm entsprechend einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung auf der Basis von
100% an (act. G 3.1/B68). Folglich ist grundsätzlich davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer im Sinn von Art. 15 Abs. 3 AVIV vermittlungsfähig ist, weil eine
offensichtliche Vermittlungsunfähigkeit aufgrund der Aktenlage nicht auswiesen ist und
ein IV-Entscheid noch nicht vorliegt. Mithin ist die grundsätzliche Leistungspflicht der
Arbeitslosenversicherung unstreitig gegeben.
2.
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2.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsbe
rechtigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit
bemüht. Im Rahmen der in Art. 17 Abs. 1 AVIG verankerten Schadenminderungspflicht
muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit
Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um
Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet,
Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufs. Dabei hat sie
alle sich bietenden und zumutbaren Möglichkeiten voll auszuschöpfen (vgl. Gerhard
Gerhards, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], Bd. I, Bern/
Stuttgart 1987, Art. 17 N 12). Sie muss ihre Bemühungen nachweisen können. Bei der
Beurteilung, ob diese Bemühungen genügend oder ungenügend sind, kommt es nicht
auf deren Erfolg an, sondern auf die Tatsache und die Intensität des Bemühens. Zu
berücksichtigen ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Bemühungen
(BGE 124 V 231 E. 4a mit Hinweis).
2.2 Die Sanktion für fehlende oder ungenügende Arbeitsbemühungen einer
versicherten Person ist nach Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung. Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des
Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt je Einstellungsgrund 1 bis 15 Tage bei
leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem
Verschulden (Art. 45 Abs. 2 AVIV).
2.3 Nach kantonalen Vorgaben werden 5-8 Bewerbungen pro Monat verlangt, wobei
das Hauptgewicht auf der Qualität, nicht auf der Quantität liegt. Für Personen, deren
Leistungsfähigkeit in einem IIZ-Programm in erster Linie abzuklären ist, sollen nicht
mehr als vier Bewerbungen verlangt werden. Die Anzahl Bewerbungen, die monatlich
verlangt sind, wird im Einzelfall im Beratungsgespräch vereinbart. Der Beschwerde
führer leidet an den Folgen eines Hirnschlages und befand sich vom 2. März bis 2. Juli
2010 in einem IIZ-Einsatzprogramm, in dem seine Leistungsfähigkeit abgeklärt werden
sollte (vgl. act. G 3.1/A5 und A12). Das Einsatzprogramm der Arbeitslosenversicherung
wurde schliesslich am 14. Juli 2010 von der Invalidenversicherung übernommen und
sollte vom 1. Juli bis 25. September 2010 fortgesetzt werden (act. G 3.1/B56). Kurz
darauf, am 19. Juli 2010 wurden die Massnahmen offenbar nach einem Alkoholvorfall
abrupt beendet und erst wieder im März 2011 aufgenommen (vgl. act. G 3.1/B57, A32,
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A72f.). Während des IIZ-Programms genügten drei Arbeitsbemühungen pro Monat. Im
September erbrachte der Beschwerdeführer fünf und im Oktober 2010 vier Arbeits
bemühungen (act. G 3.1/A40 und A46). Im Gesprächsprotokoll vom 14. Oktober 2010
hielt die Personalberaterin fest, dass es dem Beschwerdeführer zur Zeit besser gehe.
Gemäss aktuellem Arztbericht werde die Arbeitsfähigkeit versuchsweise auf 100%
gesetzt; der Beschwerdeführer sei auch etwas intensiver auf Stellensuche. Sie werde
nun ab November mindestens fünf Arbeitsbemühungen verlangen (act. G 3.1/A43). Es
kann davon ausgegangen werden, dass die Personalberaterin bei der Festsetzung der
Anzahl Arbeitsbemühungen den persönlichen Umständen grundsätzlich Rechnung
getragen hat. Angesichts des Leistungsdefizits des Beschwerdeführers und der
unklaren beruflichen Situation sind jedoch fünf Arbeitsbemühungen eher im oberen
Rahmen seiner Möglichkeiten einzuordnen. Auch der behandelnde Arzt nahm nur
versuchsweise eine Arbeitsfähigkeit von 100% an. Im Februar 2011 reduzierte die
Personalberaterin denn auch die Anzahl der Arbeitsbemühungen auf vier und im März
wieder auf drei, nachdem auch die Arbeitsfähigkeit wieder auf 50% gesetzt worden
und berufliche (Abklärungs-) Massnahmen in der IV erneut aufgenommen worden
waren (vgl. act. G 3.1/A59 und A70).
2.4
2.4.1 In der Kontrollperiode November 2010 hat sich der Beschwerdeführer bei
zwei Firmen beworben (act. G 3.1/A53). Darauf stellte ihn der Beschwerdegegner für 23
Tage ab 1. Dezember 2010 in der Anspruchsberechtigung ein, unter anderem auch
deshalb, weil es sich bereits um die vierte Sanktion handle (act. G 3.1/A58). Nachdem
der Beschwerdeführer ab November mindestens fünf Arbeitsbemühungen pro Monat
nachweisen musste, sind zwei Bewerbungen quantitativ klar ungenügend. Insoweit ist
die Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu Recht erfolgt. Zu prüfen ist die Höhe
der Sanktion.
2.4.2 Der Beschwerdegegner ging von einer vierten Sanktion in der laufenden
Rahmenfrist aus und verfügte dementsprechend mehr Einstelltage. Es trifft zu, dass der
Beschwerdeführer nacheinander für die Kontrollperioden März, April und Mai 2010
mangels (rechtzeitig) nachgewiesener Arbeitsbemühungen in der
Anspruchsberechtigung eingestellt wurde (act. G 3.1/A13, A 23 und A 24). In der letzten
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Verfügung wurde die Überprüfung der Vermittlungsfähigkeit angedroht, sollte der
Beschwerdeführer die Arbeitsbemühungen für Juni 2010 erneut nicht rechtzeitig
einreichen. In der Folge klappten die Arbeitsbemühungen. Im Beratungsgespräch vom
8. Juli 2010 hat die Personalberaterin den Beschwerdeführer aufgeklärt, was er konkret
beachten müsse und weshalb es trotz seiner Bemühungen für die Monate April und
Mai nochmals Einstelltage gebe. Der Beschwerdeführer gab an, dass er keine
schriftlichen Bewerbungen verfassen könne, er sich aber im Einsatzprogramm helfen
lassen werde (act. G 3.1/A26). Aus dem Abklärungsbericht des Einsatzprogrammes
vom 30. Juni 2010 geht hervor, dass sich der Beschwerdeführer alle Mühe gegeben
hat, sein Bestes zu geben, er aber trotzdem maximal eine Leistungsfähigkeit von
schliesslich maximal 40% im letzten Monat erreichen konnte. Schwierigkeiten traten
vor allem beim Erkennen auf bzw. in der geistigen Leistungsfähigkeit (act. G 3.1/A29).
Vor diesem Hintergrund können die ungenügenden Arbeitsbemühungen in den ersten
drei Kontrollmonaten im Einsatzprogramm nicht als drei unabhängige Verfehlungen
aufgefasst werden, zumal sich der Beschwerdeführer in dieser Hinsicht kontinuierlich
verbesserte bzw. entsprechende Hilfeleistung anfordern konnte. Die ungenügenden
bzw. nicht rechtzeitig eingereichten Arbeitsbemühungen sind offensichtlich auf die
Leistungsdefizite bzw. die Schwierigkeiten des Beschwerdeführers mit den
Anforderungen an eigene Bewerbungen zurück zu führen. Es rechtfertigt sich deshalb,
in Bezug auf die umstrittenen Einstellungen nicht von einer vierten Sanktion, sondern
gesamthaft betrachtet von zweitmalig ungenügenden Bemühungen auszugehen.
2.4.3 Der Einstellraster des seco (vgl. KS ALE, Rz D72) sieht bei zweitmals
ungenügenden Arbeitsbemühungen 5 bis 9 Einstelltage vor. Nachdem in diesem Raster
eine Steigerung der Sanktion bei wiederholten Verfehlungen bereits berücksichtigt ist,
lässt sich eine zusätzliche Erhöhung für dieselbe Verfehlung im Sinne von Art. 45 Abs.
2bis AVIV kaum rechtfertigen, zumal der Einstellraster maximal 19 Einstelltage für
wiederholt ungenügende oder fehlende Arbeitsbemühungen und bei fortgesetzten
Verfehlungen die Überprüfung der Vermittlungsfähigkeit vorsieht. Mit den
angefochtenen Einstellverfügungen hat die Verwaltung praktisch die
Vermittlungsfähigkeit im November (und Dezember) 2010 verneint. Indessen geht aus
der Aktenlage hervor, dass sich der Beschwerdeführer nach seinen Möglichkeiten und
Ressourcen tatsächlich um eine Arbeitsstelle bemühte und dazu auch Dritthilfe in
Anspruch nahm, um den Anforderungen immer wieder zu genügen. Auch im
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Bewerbungskurs, der vom 2. bis 11. November 2011 stattgefunden hat, wurde dem
Beschwerdeführer ein gutes, interessiertes Verhalten attestiert. Als Schwierigkeiten für
die berufliche Eingliederung wurden im Aktionsplan insbesondere sein Alter und seine
gesundheitlichen Einschränkungen festgehalten. Die letzten drei Tage fehlte der
Beschwerdeführer wegen Krankheit, weshalb der Aktionsplan mit ihm nicht vollständig
durchgesprochen werden konnte (act. G 3.1/A50). Ein eigentlich pflichtvergessenes
bzw. schuldhaftes Verhalten ist in den Akten nicht dokumentiert, auch nicht für den
Monat November 2010. Die Versäumnisse bezüglich Bewerbungen liegen offenbar zur
Hauptsache in objektiven Umständen. Insgesamt ist dem Beschwerdeführer höchstens
ein leichtes Verschulden anzurechnen und sind die Einstelltage für die Kontrollperiode
November 2010 von 23 auf 5 Einstelltage zu reduzieren.
2.5
Für die Kontrollperiode Dezember 2010 wurde der Beschwerdeführer ebenfalls für
23 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt. Bei der Festlegung der Dauer der
Einstellung in der Anspruchsberechtigung wurde offensichtlich nicht berücksichtigt,
dass der Beschwerdeführer immerhin vier von fünf geforderten Bewerbungen
nachgewiesen hat. Nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip ist die Sanktion von 23
Einstelltagen für lediglich eine fehlende Arbeitsbemühung eindeutig zu hoch, auch
wenn es um ein wiederholtes Versäumnis geht. Es gilt zu berücksichtigen, dass sich
der Beschwerdeführer im Monat Dezember 2010 wieder erheblich mehr bemühte, und
zwar auch ohne vorgängige Sanktion. Mit Schreiben vom 30. Dezember 2010 wies die
Personalberaterin den Beschwerdeführer darauf hin, dass die eingereichten
Arbeitsbemühungen noch zu datieren und unterschreiben sind (act. G 3.1/A56).
Offensichtlich trat die Unbeholfenheit des Beschwerdeführers immer wieder zu Tage.
Werden alle massgebenden Umstände berücksichtigt, so ist auch im Dezember 2010
von einem leichten Verschulden auszugehen und lässt sich namentlich im Vergleich
zum Monat November 2010 eine Einstelldauer von nicht mehr als zwei Tagen ab dem
1. Januar 2011 rechtfertigen.
3.
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3.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise
gutzuheissen und die Einstelldauer ab dem 1. Dezember 2010 von 23 auf 5 Tage und
ab dem 1. Januar 2011 von 23 auf 2 Tage zu reduzieren.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht