Decision ID: 8ec083c4-823f-5551-816f-53e5dd162be6
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1956, ist seit 2003 geschieden und Mutter eines Sohnes (geboren 1990).
Sie verfügt über keine
abge
schlos
sene
Ausbildung
, bezieht seit 1997 Sozialhilfe
und war zuletzt ab 1994 bis 2011 im
Y._
in einem Beschäftigungsprogramm integriert.
Unter Hinweis
auf gesundheitliche
Beschwerden meldete
sie sich am 31. Oktober 2016 bei der Invalidenversicherung zum Leist
ungsbezug an (Urk. 7/10). In medizinischer Hinsicht holte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, Berichte der behandelnden
Ärzte ein (Urk. 7/5; Urk. 7/17; Urk. 7/18), zu welchen der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) am 16. Januar 2017 Stellung nahm (Urk. 7/22/3-4).
In erwerblicher Hinsicht zog sie einen Auszug aus dem individuellen Konto der Versicherten
bei
(Urk.
7/15). Am
3
. Mai 2017
führte die IV-Stelle
bei der Versicherten eine Haushaltsabklärung vor Ort durch
(Urk. 7/21). Mit Vorbescheid vom 24. Mai 2017 stellte
sie
die Abweisung des Leistungsbegehrens
in Aussicht
(Urk. 7/23), wogegen die Be
schwerdeführerin mit Schreiben vom 21. Juni 2017
sowie ergänzend am 29. August 2017
Einwand erhob (Urk. 7/24
; Urk. 7/29
).
Mit Verfügung vom 16. Oktober 2017 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (Urk. 7/31
= Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 16. November 2017 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben (S. 2 Ziff. 1) und es sei ihr eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (S. 2
Ziff.
2).
Gleichzeitig stellte sie ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (S. 2
Ziff.
3; Urk. 3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
9. Januar 2017 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Mit gerichtlicher Verfügung vom 12. Januar 2018 wurde das Gesuch um unentgeltliche Pro
zessführung bewilligt (Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Versicherte mit vollendetem 20. Altersjahr, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, gelten nach Art. 5 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 3 ATSG als invalid, wenn eine Un
mög
lichkeit vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Art. 7 Abs. 2 ATSG ist sinngemäss anwendbar. Demnach sind für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist.
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
ben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entspre
chend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
1
.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
ten
revision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditäts
be
messung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b). Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungs
ver
gleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigung
en und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbs
tätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich
zusammengefasst
auf
folgende Standpunkte:
Gemäss dem
Arztbericht von Dr. med. Z._
, Facharzt für Psychia
trie und Psychotherapie FMH,
sei
ein invaliditätsrelevanter Ge
sundheitsschaden ausgewiesen. Im Hinblick auf die Qualifikation der Beschwerdeführerin sei auf
grund des Haushaltsabklärungsberichtes in keiner Weise nachvollziehbar, wes
halb sie als
vollerwerbs
tätig eingestuft werden sollte. Sie habe die Ausbildung zur
Coiffeuse
nicht abgeschlossen und selber angegeben, dass ihr dieser Beruf nicht zugesagt habe und sie sich eine geregelte Tätigkeit nicht vorstellen könne. Ausserdem habe
sie nie einer geregelten Tätigkeit nachgehen wollen und dies letztlich auch nicht getan.
Die Beschwerdeführerin sei deshalb als voll im Ha
us
halt Tätige zu qualifizieren
. Die Einschränkung
im Haushaltsbereich
sei
unter Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht ihres Lebenspartners
auf 28 %
beziffert worden.
Daraus resultiere ein Invaliditätsgrad von 28 %
, w
omit kein Anspruch auf e
ine
Invalidenrente
bestehe
(Urk. 2
/7/30
).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde geltend
,
die Ge
sund
heitsbeeinträchtigung
sei
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bereits im frühen
Erwachsenenalter eingetreten
beziehungsweise zu einem Zeitpunkt
,
als sie noch einer Erwerbstätigk
eit nachgegangen sei.
Gemäss IK-Auszug
habe sie ab
1974 über mehrere Jahre hinweg immer wieder versucht, im Erwerbsleben Fuss zu fassen. Dass ihr dies nicht gelungen
sei
, sei mit Blick auf die medizinischen Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf ihre Krankheit zurückzuführen. Zudem habe
sie
immer wieder an Teillohnprojekten – zuletzt im Jahr 2011 – teil
genommen. Dies gemäss IK-Auszug auch nach der Geburt des Sohnes (1990) und in der Zeit
,
als noch eine Kinderbetreuung erforderlich gewesen sei.
Ebenso seien gemäss IK-Auszug Einsätze während der Ehe zu verzeichnen. Zu berück
sichtigen sei zudem
ihre
aktuelle Lebenssituation. Sie sei geschieden und wäre im Gesundheitsfall gezwungen – auch wenn sie mit einem Lebenspartner zusammen
wohne – einer Erwerbstätigkeit zur Bestreitung des Lebensunterhalts nachzu
gehen, da im Konkubinat keine Unterstützungspflicht vorliegen würde und der Lebenspartner auch keiner Erwerbstätigkeit nachgehe.
Ihre Aussage
, dass sie sich aufgrund der Lebensumstände eine geregelte Erwerbstätigkeit erst gar nicht vor
stellen könne, bedeute nicht, dass sie im Gesundheitsfall keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde
,
und könne mithin nicht als «Aussage der ersten Stunde» zur Frage des Umfangs der hypothetischen Erwerbsfähigkeit im Gesundheitsfall her
an
gezogen werden
. Die objektiven Umstände würden aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung den Schluss nahelegen, dass
sie
im
Gesundheitsfall zumindest in einem Umfang einer Erwerbst
ätigkeit nachgehen würde, der es
ihr erlaube, ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Mangels einer beruflichen Ausbil
dung und fehlender Erfahrung müss
t
e sie mindestens ein Pensum im Umfang von 80
% ausüben, um dies erreic
hen zu können (Urk. 1 S. 9 f.).
Der Vollständigkeit halber sei darauf hi
nzuweisen, dass aufgrund ihres
schweren und seit langem bestehenden Leidens offensichtlich eine Unfähigkeit bestehe, für sich selber zu sorgen, weshalb es sich rechtfertige
,
von einer vollständigen oder zumindest
70
%
igen
Einschränkung
(auch)
im Aufgabenbereich auszugehen.
Sie
habe demnach – selbst unter der Annahme, dass sie im Gesundheitsfall nicht erwerbstätig gewesen wäre – Anspruch
auf eine ganze Rente (Urk. 1 S.
10 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht den Anspruch der Beschwerdeführerin auf
eine
Invalidenrente
,
ausgehend von einer voll im Haus
halt Tätigen
,
mit einem Invaliditätsgrad von 28 % verneint hat.
3.
3.1
Dr.
Z._
, der die Versicherte auf Aufforderung des Hausarztes Dr.
A._
untersuchte, stellte
in seinem Bericht vom
21. April 2015
(Urk. 7/17)
die folgen
den psychiatrischen Diagnosen
(Urk. 7/17/1)
:
-
Polytoxikomonie
(ICD-10: F 19.25)
-
Opiat
abhängigkeit: Methadonsubstitution seit 1982
-
Cannabisabhängigkeit
-
Benzodiazepinabhängigkeit
(
Dormicum
)
-
Abhängige Persönlichkeitsstörung
-
i
m Zusammenhang mit negativen Kindheitserlebnissen (ICD-10: Z 61.0; Z 61.1; Z 61.6)
-
Anamnestisch rezidivierende depressive Episoden (ICD-10: F 33.4)
.
Darüber hinaus stellte er der Beschwerdeführerin die somatische Diagnose einer substituierten Hypothyreose
und stellte einen
Status nach Hepatitis B und C
fest
, wobei keine V
irusreplikation nachweisbar sei (Urk. 7/17/1).
B
e
züglich
der Arbeitsfähigkeit führte er aus, dass der Schweregrad der Störung nicht mit
ein
er beruflichen Tätigkeit vereinbar sei. Es bestehe eine Beein
trä
chtigung in diversen Bereichen wie beispielsweise
bei ausdauerndem, fokus
sier
tem E
rledigen (auch einfacher) manueller Tätigkeiten, Zuverlässigkeit, Flexi
bilität und Anpassungsfähigkeit.
Die vollständige Arbeitsunfähigkeit habe sich zuletzt auch im Rahmen des Beschäftigungsprogrammes der Sozialhilfe gezeigt, wo
von
die Beschwerdeführerin schl
i
esslich dispensiert worden sei
(Urk. 7/17
/2
).
3.2
Dr. med. A._
, Facharzt Innere Medizin FMH,
stellte der Beschwerde
führerin in seinem Bericht vom
24. November 2016
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 7/18/1)
:
-
Status nach intravenösem
Drogenabusus
-
Methadonersatz seit 1982, Heroinabhängigkeit von 1977 bis 1982
-
Status nach Hepatitis B und C
-
Benzodiazepin-Abhängigkeit
Einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verneinte er bezüglich der folgenden Diag
nosen (Urk. 7/18/1):
-
Substituierte Hypothyreose
-
Status nach
Cholezystektomie
-
Adipositas
.
Die Beschwerdeführerin sei seit Dezember 2004 bei ihm in Behandlung und seit diesem Zeitpunkt bis auf Weiteres mindestens zu 20 % für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit arbeitsunfähig. Gleichzeitig führte er aus, dass die Arbeitsunfähigkeit seit Jahren und Jahrzehnten durch die psychiatrische Erkrankung der B
eschwer
deführerin bedingt sei
,
und v
erwies
auf den Bericht von Dr.
Z._
vom 21. April 2015
(Urk. 7/18/1-2).
3.3
Die
R
AD-Ärztin Dr. med. B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
nahm am
16. Januar 2017
zu den vorgelegenen Arztberichten (vgl. Urk. 7/5/2; Urk. 7/17; Urk. 7/18/1-5) Stellung
(Urk. 7/22/
3-4)
und
diag
nos
tizierte
mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 7/22/3)
:
-
Abhängige Persönlichkeitsstörung
-
Anamnestisch rezidivierende depressive Episoden (ICD-10 F 33.4)
-
Polytoxikom
anie
(ICD-10 F 19.25) mit Opiat
abhängigkeit: Methadon
substitution seit 1982, Cannabisabhängigkeit und
Benzodia
zepin
abhän
gig
keit
(
Dormicum
)
Ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte sie der Beschwer
deführerin folgende Diagnosen
(Urk. 7/22/3)
:
-
Negative Kindheitserlebnisse (ICD-10 Z 61.0; Z 61.1; Z 61.6)
-
Substituierte
Hypohyreose
-
Status nach Hepatitis B und C
-
Status nach
Cholecystektomie
-
Adipositas
-
Langjährige Abhängigkeit von Tabak (ICD-10 F 17.2) mit begleitender COPD
.
Die Beschwerdeführerin sei spätestens seit dem Zeitpunkt, an dem sie von dem
Beschäftigungsprogramm dispensiert worden sei – das heisst seit 2013
(recte: 2011
,
vgl. Urk. 7/15/5
)
– sowohl i
n der bisherigen wie auch in einer
angepassten Tätig
keit 100 % arbeitsunfähig.
Diese Arbeitsunfähigkeit lasse sich überwiegend wahr
scheinlich durch medizinische Massnahmen nicht verbessern. Eine niederschwel
lige Arbeitstätigkeit zur Etablierung einer Tage
sstruktur könne versucht werden (Urk. 7/22/4).
3.4
Bei dieser medizinischen Ausgangslage ist der in der angefochtenen Verfügung von der Beschwerdegegnerin gezogene Schluss, dass die 61jährige Beschwerde
führerin an einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschä
digung im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG leidet (Urk. 2), nicht zu beanstanden. Wie Dr.
Z._
überzeugend darlegte (Urk. 7/17/2), liegt bei der Beschwerde
füh
rerin nach einer desolaten Kindheit und Jugendzeit eine abhängige Persönlich
keitsstörung nach ICD-10 vor, die dazu führte, dass die Versicherte schon in jungen Jugendjahren durch den Konsum von Geborgenheit und Versorgung imi
tie
render Substanzen wie Cannabis und kurz nach dem 20. Altersjahr von Heroin in eine Drogensucht geriet, die seit 1982 mit Methadon substituiert wird, wobei die Versicherte zusätzlich auch
benzodiazepinabhängig
ist. Sämtliche Ärzte sind sich auch einig darin, dass deshalb bei der Versicherten seit Jahren keine verwert
bare Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt vorhanden ist; auch das ist unstrittig und dem ist zu folgen.
4.
4
.1
Strittig und zu prüfen ist
jedoch die
Qualifikation
der Beschwerdeführerin als Nichterwerbstätige
.
4.2
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder teilzeitlich erwerbstätig oder als nicht
erwerbstätig einzustufen ist, – was je zu einer anderen Methode der Inva
li
di
tätsbemessung (Einkommensvergleich, spezifische Methode, gemischte Metho
d
e) führt –, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (vorsteh
end E. 1.
2
).
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent
scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweis
grad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die
blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Ge
richt folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
4.3
Anlässlich der Abklärung im Haushalt vom 3. Mai 2017 (Urk. 7/21) gab die Beschwerdeführerin
–
auf die Frage, wie ihre berufliche Situation ohne
Gesund
heitsschaden wäre –
an,
dass sie nie einer
geregelten
Erwerbstätigkeit nachge
gangen sei. Sie habe eine Lehre als Fotografin machen wollen, dies sei aber von zu Hause aus nicht akzeptiert worden. Daher habe sie eine Lehre als
Coiffeuse
angefangen. Einen Abschluss habe sie jedoch nicht gemacht, da ihr der Beruf nicht zugesagt
habe
. Aufgrund ihrer Lebenssituation sei sie zunehmend in die Drogenszene gerutscht beziehungsweise geflüchtet und sei dadurch oft weg von zu Hause gewesen. Da sie sich eine geregelte Erwerbstätigkeit gar nicht erst vor
stellen könne, könne sie hierzu auch keine Angaben machen (Urk. 7/21/4).
Dass die Beschwerdeführerin
bei ihrer Drogenvergangenheit seit Jugendzeit
nie einer
geregelten
Erwerb
stätigkeit nachgegangen ist
,
sie
sich deshalb eine geregelte Erwerbs
tätigkeit nicht vorstellen kann, bede
utet nicht
– wie die Beschwerde
füh
rerin zu Recht geltend macht (vgl. Urk. 1 S. 9)
–
, dass
sie
im Gesundheitsfall nicht einer Er
werbstätigkeit nachgehen würde. Der Beschwerdeführerin war offenbar nicht bewusst, dass es bei der
gestellten
Frage um eine Aussage für den hypo
the
tischen Fall ohne Gesundheitsschaden ging.
Und von der Abklärungsperson wurde dies auch nicht
richtig gestellt
und es wurde auch nicht nachgehakt.
Weil
sich
die Versicherte
zu dieser entscheidenden Frage nicht äusserte
,
sind
ihre An
gaben anlässlich des Haushalsabklärungsberichtes für
ihre
Qualifikation
irrele
vant
.
Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, wonach die Beschwerdefüh
rerin selber angegeben habe, dass ihr der Beruf als
Coiffeuse
nicht zugesagt hab
e und sie sich eine geregelte Tä
tigkeit nicht vorstellen könne
(vgl. Urk. 2 S. 2), ver
mag daher
für
die
Qualifikation
der Beschwerdeführerin
als
zu
100 % im Haushalt Tätige nicht zu überzeugen.
4.4
Die Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin zeigt
auf
, dass die Versicherte gemäss
d
em Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, Urk. 7/15) ab 1974 – das heisst ab ihrem 1
9.
Lebensjahr – immer wieder
,
aber sehr
tiefe Einkommen erzielte.
Auch in der Zeit
nach der Methadonsubstitution, mit welcher sie im Jahr 1982 begann
(Urk. 7/18/1)
,
sowie
vor der Geburt
ihres Sohnes 1990 (Urk. 7/4/1),
erzielte die Beschwerdeführerin kein
e
tragfähig
en
Einkommen (Urk. 7/15/1-2).
Seit 1989 ist sie
Sozialhilfeempfängerin (vgl. Urk. 7/18/2)
und
nahm
zwischen
1994
und 2011
regelmässig
an dem Beschäftigungsprogramm
«
Y._
»
der Stadt Zürich teil, bei welchen sie jeweils ein geringes Einkommen
erzielte
.
Von 1999 bis 2003 war sie verheiratet
(vgl.
Urk.
7/28)
, lebt aber seit Jahren wieder mit
ihrem Lebenspartner – dem Kindsvater ihres Sohnes – zusammen
(vgl.
Urk.
7/21/4
)
.
Auch er bezieht Sozialhilfe
(vgl.
Urk.
7/21/2)
.
A
ufgrund des G
esagten
ist bei der Beschwerdeführerin lediglich von eine
r
kurzen
Zeit einer Vollständigen Erwerbsfähigkeit als gesunde Person
– nämlich
während des
Zeitraum
s
nach
Abschluss
der obligatorischen Schulzeit bis zum
Beginn
ihres
Heroinkonsums – a
uszugehen
.
Die Beschwerdeführerin absolvierte in dieser Zeit ein
Werkjahr
sowie ihre
nicht bestandene
Lehre als
Coiffeuse
und war damit voll erwerbstätig.
Im Übrigen spricht auch der Bericht von Dr.
Z._
(Urk. 7/17) dafür, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen bereits ab dem jungen Erwachsenenalter nicht in der Lage war, über einen längeren Zeitraum einer kontinuierlichen Arbeit nachzugehen.
So sei die Ent
wicklung einer autonomen und stabilen Persönlichkeit vor
dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin als Kind von ihren Eltern geschlagen
und
mit neun Jahren in ein Heim gegeben worden
sei
und schliesslich ihre Mutter –
als sie 13-jährig war – verstorben sei
, nicht gelungen
.
Der Konsum von Geborgenheit und Versorgung imitierender Drogen sei als Symptom einer abhängigen Persönlich
keitsstörung zu sehen und habe die Entwicklung einer reifen Persönlichkeit schon seit dem frühen Erwachsenenalter zusätzlich geschädigt.
Der Schweregrad der Störung sei nicht mit einer beruflichen Tätigkeit vereinbar (Urk. 7/17/2).
Im vor
liegenden Fall ist deshalb davon auszugehen, dass die Persönlichkeitsstörung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im frühen Erwachsenenalter
–
als die Be
schwer
deführer
in
demnach
erwerbstätig war –
verfestigt war.
Damit kann aus den über die Jahre tatsächlich erzielten, nachgewiesenen Einkommen, wenig auf
die hypothetisch zu ermittelnde Situation des Gesundheitsfalls geschlossen werden
. Immerhin ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin immer wieder auch gear
beitet hat und nicht nur nichterwerbstätig war.
Aus der Tatsache, dass die Versicherte während ihrer Ehe nicht gearbeitet hat, lässt sich vorliegend sodann nichts schliessen. Denn die Ehe dauerte nur gerade vier Jahre (Urk. 7/9), und im vorliegend massgeblichen Zeitpunkt war die Ver
sicherte nicht mehr verheiratet.
4.5
Die Beschwerdeführerin machte geltend, dass sie mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit als zumindest 80 % im Erwerbsbereich Tätige oder voll Er
werbstätige zu
qualifizieren sei
(Urk. 1 S. 10)
.
Massgebend für die
Qualifikation
ist
weiter,
ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die Beschwerdeführerin nach den per
sönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnissen erwerbstätig wäre, wenn sie in der
Gesundheit nicht be
einträchtig wäre
.
Zu beachten ist
, dass der Sohn der Beschwerdeführerin
(Jahrgang 1990) bereits ausgezogen
und in einem Pensum von 100 % berufstäti
g ist (
vgl.
Urk. 7/21/2
), weswegen er keine Betreu
ung mehr benötigt.
Weiter
lebt die Beschwerdeführerin im Konkubinat mit einem nicht erwerbstätige
n Mann.
Im Gesundheitsfall wäre sie demnach gezwungen, einer Erwerbstätigkeit zur Bestreitung des Lebensunterhalts nachzugehen.
Aus den erwähnten Tatsachen, dass die Versicherte immer wieder auch teiler
werbs
tätig war, aus persönlichen und finanziellen Umständen eine Erwerbstätig
keit möglich und gar zwingend notwendig wäre, ist zu folgern, dass die Ver
sicherte im Gesundheitsfall bei ansonsten gleichen Bedingungen erwerbstätig wäre. In Anbetracht der Tatsache, dass die Versicherte bereits über 60 Jahre alt ist, kann ihrem Vorbringen, sie würde in einem Teilzeitpensum von 80 % arbeiten, gefolgt werden. Dafür, dass sie hingegen nichterwerbstätig wäre, sprechen die Umstände mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht.
4.6
Bei dieser Qualifikation als teilerwerbstätige Person ist der Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode im Sinne von Art. 28 a Abs. 3 IVG zu bemessen. Da die Beschwerdeführerin auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt seit Jahren gänzlich arbeitsunfähig ist, steht ihr beim Verhältnis von 80 % Erwerbstätigkeit und 20 % Aufgabenbereich eine ganze Invalidenrente zu. Diese ist aufgrund der Anmeldung bei der Invalidenversicherung am 31. Oktober 2016 (eingegangen bei der Inva
lidenversicherung Anfang November 2016, Urk. 7/6) sechs Monate später ab 1.
Mai 2017 auszuzahlen (Art. 29 Abs. 1 und Abs. 3 IVG).
5
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1bis IVG) und a
uf Fr. 6
00.-- anzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.