Decision ID: e55061a8-993e-57fe-b858-caeef6ec62c1
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein äthiopischer Staatsangehöriger tigrinischer
Ethnie – suchte am 27. Juni 2015 im damaligen Empfangs- und
Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in B._ um Asyl nach. Am
8. Juli 2015 wurde er zu seiner Person sowie zum Reiseweg befragt (Be-
fragung zur Person, BzP). Am 19. Juli 2016 hörte ihn das SEM einlässlich
zu den Asylgründen an (Anhörung).
B.
Anlässlich seiner Befragungen machte der Beschwerdeführer im Wesent-
lichen geltend, dass er in C._ (Region Tigray) geboren sei. Er sei
verheiratet und Vater dreier Töchter. Ab 1987/88 sei er Guerilla-Kämpfer
gewesen und habe beim Sturz des Derg-Regimes mitgewirkt. Ab 1995/96
sei er dann in D._ ([...] Region Tigray) registriert gewesen und habe
sich, mit Ausnahme der Zeit während der Grossoffensive gegen Eritrea,
meistens dort aufgehalten, wobei er fast immer in der Kaserne gelebt habe.
Er habe den militärischen Grad eines (...) innegehabt und sei einer öffent-
lichen Arbeit nachgegangen. Im Jahr 2008 habe er an der Universität
D._ einen Studiengang in (...) abgeschlossen. Er habe in Addis Ab-
eba im (...)departement, welches dem (...)ministerium unterstellt gewesen
sei, gearbeitet und an diversen Projekten innerhalb Äthiopiens mitgewirkt,
so dass er auch viel gereist sei. Er sei (...) gewesen. Im Januar/Februar
2009 habe er an einer Versammlung teilgenommen, wo über Korruption
gesprochen worden sei und an welcher er sich frei geäussert habe. Ab dem
(...) September 2009 sei er für sechs Monate in Haft genommen worden,
da man ihm unterstellt habe, Teil einer oppositionellen Partei zu sein. Die
Staatsanwälte hätten ihm bei der Freilassung gesagt, dass man bei ihm
nichts habe finden können und er dies seinem Arbeitgeber weiterleiten
solle. Er sei dann bei der Arbeit wieder eingesetzt worden, allerdings fortan
als (...). Als ihm sein Chef erneut vorgeworfen habe, Teil einer oppositio-
nellen Partei zu sein, sei er – aus Angst wieder in Haft zu kommen – aus-
gereist. Am 16. Dezember 2011 sei er im Sudan angekommen und habe
ebenda mit einer regulären Aufenthaltsbewilligung bis 11. Februar 2015
gelebt. Schliesslich sei er über Libyen nach Italien gelangt und am
27. Juni 2015 illegal in die Schweiz eingereist.
Der Beschwerdeführer reichte folgende Beweismittel zu den Akten: ein
Entlassungs- sowie ein Bezichtigungsschreiben seines Vorgesetzten in
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Kopie, das Schreiben eines Generals in Kopie, seinen Fahrausweis in Ko-
pie, ein Schreiben des Büros der Ethiopian People's Revolutionary De-
mocratic Front (EPRDF), Kopien von UNHCR Dokumenten, das Ab-
schlussjahrbuch seiner Universität sowie das Diplom im Original, seine
Heiratsurkunde und Geburtsdokumente der ältesten Tochter im Original so-
wie Kopien der Geburtsdokumente seiner weiteren Kinder.
C.
Mit Verfügung vom 30. November 2018 – eröffnet am 3. Dezember 2018 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und
ordnete den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29. Dezember 2018 (Datum
Poststempel) erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde gegen die Verfügung der Vorinstanz und beantragte in
materieller Hinsicht, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben, es sei
seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren.
Eventualiter sei die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des
Wegweisungsvollzugs festzustellen. In prozessualer Hinsicht beantragte
der Beschwerdeführer die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(einschliesslich des Verzichts auf Erhebung eines Kostenvorschusses) und
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer ein von ihm verfasstes,
sehr umfangreiches handschriftliches Manuskript in tigrinischer Sprache,
einen Artikel von Reuters vom 16. Dezember 2018 und einen Artikel der
Neuen Zürcher Zeitung vom 27. Dezember 2018 zu den Akten.
E.
Mit Schreiben vom 7. Januar 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.
F.
Mit Eingabe vom 17. Januar 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Für-
sorgebestätigung der Heilsarmee Flüchtlingshilfe Regionalstelle
E._ ein.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Januar 2019 hielt der Instruktionsrichter
fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
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Schweiz abwarten, hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und Rechtsverbeiständung gut und bestellte dem Be-
schwerdeführer antragsgemäss einen Rechtsbeistand in der Person sei-
nes Rechtsvertreters. Gleichzeitig forderte er den Beschwerdeführer auf,
bis zum 1. März 2019 seine Identitätskarte, seinen Militärausweis, seine
Haftbestätigung sowie die im Beweismittelcouvert der Vorinstanz in Ziffer
1 bis 4 genannten Beweismittel (Entlassungs- sowie Bezichtigungsschrei-
ben des Vorgesetzten, Schreiben des Generals, Schreiben des EPRDF
Büros) im Original einzureichen, ansonsten aufgrund der bestehenden Ak-
tenlage entschieden werde.
H.
Mit Eingabe vom 1. März 2019 ersuchte der Beschwerdeführer um die Ge-
währung einer Fristerstreckung, da sich ein identitätsbelegendes Doku-
ment sowie weitere Unterlagen nach wie vor auf dem Postweg befänden,
er jedoch damit rechne, dass sie in den nächsten Tagen eintreffen würden.
I.
Am 5. März 2019 gewährte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer
eine Fristerstreckung bis zum 11. März 2019.
J.
Mit Eingabe vom 8. März 2019 ersuchte der Beschwerdeführer erneut um
eine Fristerstreckung, da der Brief zwecks Überprüfung von den Zollbehör-
den einbehalten worden sei und er nicht wisse, wann dieser freigegeben
werde.
K.
Am 8. März 2019 gewährte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer
eine weitere Fristerstreckung bis zum 1. April 2019.
L.
Mit Eingabe vom 27. März 2019 teilte der Beschwerdeführer mit, dass die
Überprüfung der Briefpostsendung durch die eidgenössische Zollverwal-
tung nach wie vor nicht abgeschlossen sei, und ersuchte um eine weitere
Fristerstreckung bis zum 30. Juni 2019. Eventualiter seien die Dokumente
direkt von der Eidgenössischen Zollverwaltung beziehungsweise vom SEM
zu edieren.
M.
Mit Schreiben vom 4. April 2019 teilte der Instruktionsrichter dem Be-
schwerdeführer mit, dass seinem Fristerstreckungsgesuch dahingehend
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stattgegeben werde, dass ihm eine Fristerstreckung von 14 Tagen, laufend
ab Zustellung der Dokumente durch die Eidgenössische Zollverwaltung
oder das SEM, zur Einreichung der genannten Dokumente sowie zur Be-
schwerdeergänzung gewährt werde.
N.
Mit Eingabe vom 18. April 2019 reichte der Beschwerdeführer seine alte
Identitätskarte seiner Heimatgemeinde beziehungsweise seines Geburt-
sortes C._ in Kopie [Original durch die eidgenössische Zollverwal-
tung zuhanden des SEM eingezogen], zwei Fotografien von sich in Militär-
uniform, zwei Briefe von verschiedenen (...)firmen im Original sowie die
handschriftlichen Notizen eines in Äthiopien verfassten Buches im Original
als weitere Beweismittel zu den Akten.
O.
Mit Instruktionsverfügung vom 10. Januar 2020 wurde die Vorinstanz zur
Vernehmlassung eingeladen.
P.
Mit Vernehmlassung vom 27. Januar 2020 äusserte sich die Vorinstanz in
einigen Punkten zur Beschwerdeschrift und verwies im Übrigen auf ihre
Erwägungen in der angefochtenen Verfügung, an welchen sie vollumfäng-
lich festhielt.
Q.
Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 29. Januar 2020
zur Kenntnis gebracht und ihm wurde eine Frist bis zum 13. Februar 2020
zur Replik angesetzt.
R.
Mit Replik vom 11. Februar 2020 (Datum Poststempel) nahm der Be-
schwerdeführer zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung und reichte
ausserdem eine Kostennote seines Rechtsvertreters zu den Akten.
S.
Mit Schreiben vom 12. Juni 2020 (Datum Poststempel) erkundigte sich der
Rechtsvertreter nach dem Verfahrensstand und ersuchte um prioritäre Be-
handlung des Verfahrens, da sein Mandant erheblich unter den Folgen der
Perspektivlosigkeit und der Unsicherheit leide, die das lange Warten auf
einen Entscheid mit sich bringe.
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Dieses Schreiben wurde am 16. Juni 2020 vom Instruktionsrichter beant-
wortet.
T.
Mit Instruktionsverfügung vom 15. Januar 2021 wurde die Vorinstanz zur
Duplik eingeladen.
U.
Mit Duplik vom 11. Februar 2021 äusserte sich die Vorinstanz erneut in
einigen Punkten zur Beschwerde und verwies im Übrigen auf ihre Erwä-
gungen in der angefochtenen Verfügung, an welchen sie vollumfänglich
festhielt.
V.
Die Duplik wurde dem Beschwerdeführer am 18. Februar 2021 zur Kennt-
nis gebracht und ihm wurde eine Frist bis zum 5. März 2021 zur Triplik
angesetzt.
W.
Mit Triplik vom 1. März 2021 nahm der Beschwerdeführer zur Duplik der
Vorinstanz Stellung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist
als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG).
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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1.3 Am 1. Januar 2019 wurde zudem das Ausländergesetz vom 16. De-
zember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Auslän-
der- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwen-
dende Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG
übernommen worden.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer rügt, die
Vorinstanz habe den Untersuchungsgrundsatz dadurch verletzt, dass sie
keine Abwägung zwischen den für und gegen ihn sprechenden Sachver-
haltselementen vorgenommen habe. Sodann habe er rechtsgenügliche
Beweismittel, wie beispielsweise das Bezichtigungsschreiben seines Vor-
gesetzten, eingereicht. Indem das SEM solchen Beweismitteln pauschal
und ohne weitere Abklärungen jeglichen Beweiswert abspreche, verletze
es neben dem Untersuchungsgrundsatz auch die Begründungs- respektive
Abklärungspflicht.
3.2 Der vorinstanzliche Entscheid kam entgegen den Beschwerdevorbrin-
gen nicht unter Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes beziehungs-
weise des rechtlichen Gehörs zustande. Die Vorinstanz hat in der ange-
fochtenen Verfügung dargelegt, aufgrund welcher Überlegungen sie zum
Schluss gekommen ist, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den
Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhiel-
ten. Sie hat sich insbesondere auch ausreichend mit dem Beweiswert der
zu den Akten gereichten Dokumente befasst. Der Umstand, dass das SEM
den eingereichten Schreiben einen geringen Beweiswert zuerkannte, stellt
keine Verletzung der Begründungspflicht dar. Vielmehr führte die Vo-
rinstanz in der angefochtenen Verfügung aus, dass es sich bei den einge-
reichten Schreiben lediglich um Kopien handle und Dokumente wie diese
leicht käuflich erwerbbar seien, weshalb ihnen, auch in Anbetracht ihrer
leichten Fälschbarkeit, ein geringer Beweiswert zukomme, zumal sich der
Beschwerdeführer weder spontan zum Inhalt der Schreiben, noch über den
knappen Inhalt hinaus, geäussert habe, um eine Kontextualisierung zu er-
möglichen. Sodann war das SEM zwar gehalten, bei der Prüfung der
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Glaubhaftigkeit der Vorbringen eine Abwägung vorzunehmen. Eine Verlet-
zung dieser Abwägungspflicht kann aber nicht schon im Umstand, dass
das SEM in seinen Erwägungen insbesondere die aus seiner Sicht zentra-
len Gründe für die Unglaubhaftigkeit der Darlegungen explizit auflistete,
erblickt werden. Die Beschränkung auf die Auflistung lediglich entscheid-
wesentlicher Argumente erscheint vielmehr zulässig und schliesst eine vor-
gängige Auseinandersetzung mit Aspekten, welche allenfalls, wenn auch
nicht ausschlaggebend, für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen sprechen,
offensichtlich nicht aus. Der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer
die Beurteilung seiner Aussagen durch das SEM nicht teilt, spricht nicht für
eine ungenügende Abklärung und Feststellung des Sachverhaltes. Im Üb-
rigen sind den Akten auch sonst keine Hinweise zu entnehmen, dass die
Vorinstanz den Sachverhalt nicht ausreichend erstellt oder ihre Untersu-
chungspflicht beziehungsweise den Anspruch des Beschwerdeführers auf
rechtliches Gehör verletzt hätte, zumal sich die Sachbearbeiterin in der An-
hörung vom 19. Juli 2016 – entgegen der in der Beschwerde vertretenen
Auffassung – wiederholt mit (Nach-)Fragen betreffend die Versammlung
beziehungsweise das vom Beschwerdeführer verfasste Manuskript an den
Beschwerdeführer wandte. Schliesslich zeigt die vorliegende Beschwerde
auch, dass eine sachgerechte Anfechtung möglich war.
3.3 Zusammenfassend erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-
det. Es besteht deshalb keine Veranlassung, die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung ihres ablehnenden Entscheides führte die Vorinstanz
an, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten würden. Insofern er
geltend gemacht habe, für sechs Monate in Haft genommen und nach sei-
ner Haftentlassung erneut gesucht und durch eine erneute Inhaftierung be-
droht worden zu sein, seien seine Ausführungen dazu im Allgemeinen im-
mer wieder sehr ausweichend, unsubstanziiert, stereotyp und widersprüch-
lich ausgefallen. Bereits im Rahmen seines freien Berichts habe er bezüg-
lich der Begründung seiner Inhaftierung unterschiedliche Angaben ge-
macht. So habe er zuerst angegeben, man habe ihm vorgeworfen, Mitglied
der Partei F._ zu sein, da er mit den Geschwistern des (...)minis-
ters, welche Mitglieder der F._ seien, befreundet gewesen und auf-
gewachsen sei. Schliesslich habe er jedoch zu Protokoll gegeben, der
Hauptgrund sei gewesen, dass er kurz davor gestanden habe, ein Buch zu
veröffentlichen. An einer anderen Stelle wiederum habe er ausgeführt, sich
im Rahmen einer Versammlung im fünften Monat 2001 [äthiopischer Ka-
lender] – und somit neun Monate vor seiner Inhaftierung – betreffend die
Korruption im Land kritisch geäussert zu haben, weshalb man ihm die Mit-
gliedschaft in der F._ unterstellt habe. Es entstehe somit bereits an
dieser Stelle der Eindruck, dass er mit mehreren in den Raum geworfenen
Momenten versuche, eine Verfolgungsgeschichte zu konstruieren.
Keines der als Begründung angegebenen Momente vermöge jedoch, wie
nachfolgend aufgezeigt, zu überzeugen. Was die Versammlung betreffe,
so habe er sich trotz Rückfragen auf pauschale Angaben beschränkt. Un-
geachtet wiederholter Aufforderungen, sei es ihm nicht gelungen, den
Grund der genannten Versammlung zu erläutern. Zudem sei er anschlies-
send nicht in der Lage gewesen, nachvollziehbar und substanziiert auszu-
führen, weshalb ihm gerade diese Versammlung zum Verhängnis gewor-
den sei. Sodann sei es bei der pauschalen Behauptung geblieben, er sei
deshalb verdächtigt worden, weil er mit anderen Personen zusammen ge-
sehen worden sei. Auch seine Angaben zum Inhalt und der Form des eige-
nen Buches seien äusserst stereotyp und von Unkenntnis geprägt ausge-
fallen. So habe er weder detailliert darlegen können, welche konkrete
Struktur es aufweise, noch welche konkreten Quellen er dafür verwendet
oder welche Fragestellungen er aufgeworfen habe. Seine knappe Aussage
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zum Inhalt, er habe "über die schlechten Sachen des Staates" und über
Demokratiemangel, Menschenrechte und Korruption geschrieben, ver-
möchten nicht zu überzeugen. Von einer Person, die sich auf über vierhun-
dert Seiten mit den genannten Themen schriftlich auseinandergesetzt
habe, sei zu erwarten, dass sie mehr als nur oberflächliche Aussagen zu
den erwähnten Themen von sich geben könne. Es würden daher erhebli-
che Zweifel an der Existenz des angeblich von ihm geschriebenen Buches
bestehen. Nicht nachvollziehbar sei zudem der Umstand, dass er selbst
das Buch nicht unter seinem Namen habe veröffentlichen wollen, aus
Angst davor, inhaftiert zu werden, eine andere Person es jedoch hätte ver-
öffentlichen können, wenn diese eine Nutzen gesehen hätte. Zudem habe
er das Buch, dessen Inhalt gemäss seinen Angaben mit Sicherheit eine
Inhaftierung provozieren würde, bei der Arbeit aufbewahrt, um ab und zu
daran zu schreiben, obwohl die Büros "[...] ja so nahe beieinander [seien]".
Widersprüchlich sei zudem, dass er das Buch einerseits bereits vor seiner
Haft, im 9. Monat 2001 (gregorianischer Kalender: Mai/Juni 2009), als ver-
loren geglaubt und angegeben habe, dass er nicht gewusst habe, dass es
bereits in "deren Hände" gewesen sei, obwohl er es abgeschlossen aufbe-
wahrt habe. Dass man sein abgeschlossen aufbewahrtes Buch entwendet
habe, hätte ihm somit vor seiner Haft auffallen müssen. Gemäss dieser
Darstellung hätten die Behörden bereits vor seiner Haft Kenntnis vom Buch
und somit etwas Konkretes gegen ihn in der Hand gehabt. Die Staatsan-
wälte hätten jedoch erklärt, sie hätten nichts finden können. Dies entziehe
der nachfolgenden Suche nach ihm jegliche Grundlage. Er habe sie trotz
Rückfragen nicht konkret zu schildern vermocht.
An den vorangegangenen Erwägungen vermöchten die von ihm einge-
reichten Dokumente nichts zu ändern. Zu den eingereichten Schreiben,
namentlich das Entlassungs- und Bezichtigungsschreiben des Vorgesetz-
ten, das Schreiben des Generals und des EPRDF Büros, sei zu bemerken,
dass es sich lediglich um Kopien handle. Des Weiteren seien Dokumente
wie diese leicht käuflich erwerbbar und würden deshalb sowie angesichts
ihrer leichten Fälschbarkeit einen geringen Beweiswert aufweisen. Zudem
habe er keine Kontextualisierung vorgenommen. So habe er sich weder
spontan zum Inhalt der Schreiben, noch über den knappen Inhalt hinaus,
geäussert. Dies sei wiederum ein starker Hinweis dafür, dass er das Er-
zählte nicht selbst erlebt habe. Die im Original eingereichten Dokumente
würden sodann nicht im Zusammenhang mit seinen Asylvorbringen ste-
hen.
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Zusammenfassend sei festzustellen, dass es ihm mit seinen Ausführun-
gen, in einer Gesamtwürdigung, nicht gelinge, glaubhaft zu machen, er
habe kurz vor seiner Ausreise aus Äthiopien aufgrund seiner beruflichen
oder persönlichen Situation begründete Furcht vor einer Verfolgung seitens
der Behörden gehabt. Es erübrige sich daher, auf allfällige weitere Unge-
reimtheiten in seinen Ausführungen einzugehen.
5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe bringt der Beschwerdeführer dagegen
vor, seine Vorbringen seien entgegen den Ausführungen der Vorinstanz
nicht unglaubhaft. Er hätte nicht solch überaus genaue, schlüssige und wi-
derspruchsfreie Angaben machen können, wenn er das Geschilderte nicht
selbst erlebt hätte. Die Behauptung der Vorinstanz, dass er zu seiner In-
haftierung widersprüchliche Angaben gemacht habe, werde mit Nachdruck
bestritten. Es sei zwar richtig, dass er angegeben habe, verschiedene
Probleme gehabt zu haben. Entgegen der Darstellung der Vorinstanz habe
er aber nicht ausgeführt, dass er wegen aller Probleme verhaftet worden
sei. Er habe also nicht versucht, wie die Vorinstanz behaupte, mit mehreren
in den Raum geworfenen Momenten eine Verfolgungsgeschichte zu kon-
struieren. Er habe vielmehr die zeitliche Abfolge der Ereignisse vor und
nach seiner Verhaftung geschildert. Er habe ausgeführt, dass er offiziell
lediglich wegen des Verdachts, Mitglied der F._ zu sein, für sechs
Monate verhaftet worden sei. Überdies habe er angegeben, dass sicherlich
auch das Buch, welches sich in seinem Büroschliessfach befunden habe,
ein Grund für die Untersuchungshaft gewesen sei. Dies habe er allerdings
erst nach seiner Haft erfahren. Der Nachweis, dass er das Buch geschrie-
ben habe, habe von der Staatsanwaltschaft jedoch nicht erbracht werden
können, da es nicht mit seinem Namen versehen sei. Insofern sei seine
Aussage, wonach die Staatsanwaltschaft nichts gegen ihn in der Hand ge-
habt habe und er deshalb entlassen worden sei, sehr wohl nachvollziehbar.
Er habe überdies ausgeführt, dass er sich im Rahmen einer Versammlung
im fünften Monat 2001 betreffend die Korruption im Land kritisch geäussert
habe. Wie die Vorinstanz selber dargelegt habe, hätten diese kritischen
neun Monate vor der Inhaftierung gemachten Äusserungen noch nicht zur
Verhaftung, sondern dazu geführt, dass er ab diesem Zeitpunkt vom Re-
gime streng beobachtet worden sei, wie dies auch aus seinen klaren Aus-
sagen hervorgehe. Soweit die Vorinstanz geltend mache, er habe bezüg-
lich der Versammlung nur pauschale Angaben machen können, sei auf den
Untersuchungsgrundsatz zu verweisen. Er habe unter anderem dargelegt,
wann und wo die Versammlung stattgefunden habe und in welcher Form
sie kommuniziert worden sei. Wenn die Vorinstanz der Meinung gewesen
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sei, dass weitergehende Angaben nötig gewesen wären, hätte sie ihm wei-
tergehende Fragen stellen müssen, denn zum Untersuchungsgrundsatz
gehöre es auch, dass die Behörde weitergehende Fragen stelle, wenn der
Sachverhalt unklar erscheine. Es könne nicht angehen, dass die
Vorinstanz ihm nun ihr eigenes Versäumnis anlaste. Auch zu seinem Buch
habe er entgegen der Einschätzung der Vorinstanz hinreichende Angaben
gemacht. Er habe nicht behauptet, ein professioneller Schreiber zu sein.
Aus seinen Aussagen gehe deutlich hervor, dass er einfach seine Gedan-
ken niedergeschrieben habe und dabei auf seine Erfahrungen und das,
was er aus den Nachrichten vernommen habe, zurückgegriffen habe. Um
zu verdeutlichen, dass es sich bei ihm um eine Person handle, die ihre
Gedanken gerne aufs Blatt bringe, lege er hiermit ein neues Manuskript ins
Recht. Auch in diesem Manuskript, welches er in den nächsten Monaten
veröffentlichen wolle, äussere er sich kritisch gegenüber der äthiopischen
Regierung und nehme aus Überzeugung in Kauf, bei einer allfälligen Rück-
kehr nach Äthiopien unverhältnismässig bestraft zu werden. Er lebe von
der Sozialhilfe und könne es sich finanziell nicht leisten, das in tigrinischer
Sprache geschriebene Manuskript ins Deutsche übersetzen zu lassen. Er
werde überdies versuchen, Notizen des in Äthiopien verloren gegangenen
beziehungsweise entwendeten Buches zu beschaffen. Dies dürfte jedoch
ziemlich aussichtslos sein. Sollte er fündig werden, werde er die entspre-
chenden Dokumente nachreichen. Schliesslich gelte es festzuhalten, dass
er in Äthiopien als Soldat dem Verteidigungsministerium unterstanden und
den Rang eines (...) bekleidet habe. Durch seine Flucht habe er sich seiner
Militärdienstpflicht entzogen und sich der Desertion schuldig gemacht,
weshalb ihm bei der Rückkehr auch deswegen eine unverhältnismässige
Bestrafung drohe. Diese Tatsache sei von der Vorinstanz gänzlich unbe-
rücksichtigt geblieben.
5.3 In ihrer Vernehmlassung vom 27. Januar 2020 führt die Vorinstanz zu-
nächst aus, dass es sich bei der eingereichten äthiopischen Einwohner-
karte aufgrund fehlender Sicherheitsmerkmale nicht um ein rechtsgenügli-
ches Dokument handle, welches geeignet wäre, die Identität nachzuwei-
sen. Zusätzlich sei darauf hinzuweisen, dass eine Dokumentenprüfung der
eidgenössischen Zollverwaltung ergeben habe, dass die über zehn Jahre
alte Einwohnerkarte Hinweise einer Inhaltsverfälschung aufweise. Auch
stimme das äthiopische Geburtsdatum auf der Karte nicht mit der Angabe
des Beschwerdeführers überein.
Die nachgereichten fotografischen Aufnahmen vom Beschwerdeführer in
Militärkleidung stellten entgegen dessen Ausführungen keinen Nachweis
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dafür dar, dass er sich seiner Dienstpflicht durch seine Flucht entzogen
habe. So sei auf den Fotografien, zu welchen keine genauen Angaben (wie
etwa Entstehungsort oder –grund) gemacht worden seien, lediglich er
selbst in Form eines Portraits und in Militärkleidung erkennbar. Die Schul-
ter-Epauletten würden wohl den Grad eines (...) zeigen, doch alleine
dadurch könne weder auf eine aktuelle und aktive Dienstpflicht noch auf
eine Desertion und daraus resultierende asylrelevante Verfolgung ge-
schlossen werden. Abschliessend angemerkt sei ausserdem, dass die
Kopfpartie (Gesichtsausdruck, Rasur, Kopfhaltung, Halsneigung) offen-
sichtlich auf den beiden Fotos bei gewechseltem Hemd auffällig identisch
sei.
Betreffend die Schreiben der (...)firmen sei vorab darauf hinzuweisen, dass
Schreiben wie diese in Äthiopien leicht käuflich erwerbbar beziehungs-
weise selber herstellbar seien und aufgrund dessen grundsätzlich kaum
Beweiswert hätten. Die Dokumente der beiden (...)firmen (Einladungs- und
Dankesschreiben) datierten vom 10.07.1999 (19. März 2007) beziehungs-
weise 13.09.2000 (21. Mai 2008) und erlaubten höchstens Hinweise auf
einen möglichen Kontakt des Beschwerdeführers zu diesen Firmen.
Was das "verlorengegangene Buch" betreffe, so sei es aufgrund der Spra-
che des handschriftlichen Fliesstextes nicht möglich, zu den zahlreichen
Seiten inhaltlich Stellung zu nehmen. Nach wie vor habe es der Beschwer-
deführer jedoch unterlassen, genauere Angaben zu seinem in Äthiopien
verfassten "Buch", wie etwa eine kurze inhaltliche Zusammenfassung mit
den Hauptargumentationslinien oder einem Hinweis auf eigene "gefähr-
dende" Aussagen zu machen. Zudem habe er es unterlassen, auszufüh-
ren, wie er nun genau wieder in dessen Besitz gelangt sein wolle. Seine
knappe Angabe, er habe es über Verwandte beschaffen können, vermöge
nicht zu überzeugen, insbesondere nicht in Anbetracht dessen, da er in
seiner Anhörung im Juli 2016 betont habe, alle Dokumente beziehungs-
weise alles, was ihm gehört habe, sei mitgenommen worden, und der Aus-
sage, dass sich das "Buch" in "ihren Händen" befinde. Sodann werde in
der Beschwerde selbst zuerst die Aussichtslosigkeit der Beschaffung be-
tont.
Auch zum "neuen Buch" könne man sich inhaltlich nicht äussern. Der Be-
schwerdeführer habe dazu keine substanziierten Angaben gemacht, so
insbesondere auch nicht zur Frage, inwiefern seine persönlichen Notizen
Einfluss auf sein Asyl- beziehungsweise Beschwerdeverfahren nehmen
sollten.
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Was die vorgebrachte Desertion betreffe, so seien den Akten keine Hin-
weise zu entnehmen, die auf eine Desertion des Beschwerdeführers
schliessen lassen würden. Es sei nicht aktenkundig, dass er sich zum Zeit-
punkt seiner Ausreise im aktiven Dienst befunden hätte. Es lägen weder
Beweismittel vor, die einen Aktivdienst nachweisen würden (so zum Bei-
spiel ein Militärausweis oder weitere militärische Dokumente), noch seien
den Akten glaubhafte Ausführungen dazu zu entnehmen. Erschwerend hin-
zukomme der Umstand, dass er dieses Vorbringen nicht geltend gemacht
respektive lediglich am Ende der Bundesanhörung kurz und knapp erwähnt
habe, dass es «noch Verrat» gebe und ihm bekannt sei, dass sie ihn ins
Gefängnis bringen würden. Auch habe er es im Rahmen der Beschwerde-
schrift unterlassen, genauere und detailliertere Ausführungen, die über
eine einfache Behauptung hinausgingen, zu machen. Jedoch sei auch im
Falle einer erfolgten Desertion zu betonen, dass es sich bei diesem Tatbe-
stand, um ein militärrechtliches Delikt handle, welches grundsätzlich einer
legitimen Verfolgung durch die Militärbehörden unterstehe und gemäss
Art. 3 Abs. 3 AsylG keine Asylrelevanz entfalte. Aus aktueller Perspektive
scheine zudem fraglich, ob die heutige Regierung im Falle einer solchen
Konstellation ein Interesse an einer Sanktionierung hätte.
5.4 In seiner Replik vom 10. Februar 2020 bringt der Beschwerdeführer
vor, dass es sich bei den Dokumenten der zwei (...)firmen nicht um käuflich
erworbene beziehungsweise selber hergestellte Schreiben handle und die
eingereichte Einwohnerkarte sehr wohl ein rechtsgenügliches Dokument
darstelle, welches geeignet sei, die Identität nachzuweisen. Bei Dokumen-
ten, die in einem Drittweltstaat hergestellt würden, könne nicht erwartet
werden, dass sie dieselben Sicherheitsmerkmale aufweisen würden wie in
der Schweiz ausgestellte Dokumente. Es scheine so als würde neuerdings
von der Vorinstanz jedes Dokument aus einem afrikanischen Land pau-
schal als Fälschung qualifiziert. Diese mit starken Vorurteilen behaftete
Würdigung von Beweismitteln sei abzulehnen. Es stelle sich die Frage, wie
ein Asylsuchender in der Lage sein solle, bei einer solch willkürlichen Wür-
digung von Beweismitteln seine Fluchtgeschichte zu beweisen. Die Vo-
rinstanz verletze auch bezüglich dieser Beweismittel den Untersuchungs-
grundsatz beziehungsweise die Abklärungs- und Begründungspflicht,
wenn sie solchen Beweismitteln pauschal und ohne weitere Abklärungen
jeglichen Beweiswert abspreche.
Betreffend die Fotografien sei richtig, dass dadurch nicht der absolute Be-
weis hinsichtlich einer aktuellen und aktiven Militärdienstpflicht erbracht
D-7447/2018
Seite 15
werde. Allerdings werde im Asylverfahren nicht der absolute Beweis ver-
langt, sondern eine glaubhafte Aussage und wenn möglich Dokumente,
welche diese belegten. Aus den eingereichten Fotografien in Kombination
mit seinen Aussagen sowie den weiteren Beweismitteln gehe glaubhaft
hervor, dass er der Befehlsgewalt des Verteidigungsministeriums unter-
standen habe.
Im Rahmen der Beschwerde habe er hinsichtlich des in Äthiopien verloren
gegangenen Buches dargelegt, dass er versuchen werde, Notizen zu be-
schaffen. Es sei ihm denn auch gelungen, die Notizen – und nicht das Buch
– einzureichen. Er habe nicht behauptet, das Buch über Verwandte be-
schaffen zu können, sondern lediglich zu versuchen, Notizen des verloren
gegangenen beziehungsweise entwendeten Buches zu beschaffen. Wenn
die Vorinstanz keine Abklärungen hinsichtlich der von ihr bemängelten Be-
weismittel vornehmen und das Manuskript nicht querlesen wolle, was einer
Arbeitsverweigerung gleichkomme, wäre es das Mindeste, dass sie sich
die Mühe machen würde, die Beschwerde korrekt zu lesen.
Die Vorinstanz verletze den Untersuchungsgrundsatz und die Abklärungs-
pflicht auch hinsichtlich des neuen Manuskripts in gravierender Weise. Es
wäre ihr sehr wohl möglich, das Manuskript (sowie die Notizen zum alten
Buch) von einer dolmetschenden Person querlesen zu lassen, um festzu-
stellen, dass er sich auch im neuen Buch regimekritisch äussere. Entgegen
der Auffassung der Vorinstanz, sei das neue zur Veröffentlichung vorgese-
hene Buch sehr wohl asylrelevant, zumal es eine exilpolitische Aktivität dar-
stelle. Ausserdem verdeutliche das neue Manuskript, dass es sich bei ihm
durchaus um eine Person handle, die ihre Gedanken gerne aufs Blatt
bringe und es sei somit auch glaubhaft, dass er bereits in Äthiopien ein
Buch geschrieben habe.
5.5 In ihrer Duplik vom 11. Februar 2021 führt die Vorinstanz zunächst aus,
dass die vom Zoll während des Beschwerdeverfahrens abgefangene äthi-
opische Einwohnerkarte, lautend auf "G._", entgegen der Aussage
des Beschwerdeführers einer Prüfung unterzogen worden sei. Die Rechts-
vertretung sei sodann per Mail am 26. März 2019 über die laufende Kon-
trolle beziehungsweise Echtheitsprüfung im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens informiert worden. Die Prüfung habe sodann mehrere Anhalts-
punkte einer Inhaltsverfälschung, namentlich in Bezug auf das Format, den
Stempelort und das Bild ergeben. Es sei zudem ergänzend festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens
widersprüchliche Angaben zu seinem Identitätsdokument gemacht habe.
D-7447/2018
Seite 16
So habe er etwa einerseits in der BzP angegeben, es nach der Ausreise
verloren zu haben. Andererseits habe er in der Anhörung betont, man habe
ihm sein äthiopisches Identitätsdokument in Libyen weggenommen. Was
die "Bücher" betreffe, so sei vorweg darauf hinzuweisen, dass er gemäss
Art. 8 AsylG einer Mitwirkungspflicht unterstehe und sich trotzdem nach wie
vor in keiner Art und Weise zum Inhalt der auf Beschwerdeebene einge-
reichten handschriftlichen Dokumente geäussert habe. Es könne sodann
von einer Person mit dem geltend gemachten Hintergrund (unter anderem
Universitätsabschluss) erwartet werden, dass er über Form, Inhalt, Quellen
und seine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema – seines zur Veröf-
fentlichung geplanten Buches – detailliert und konkret Auskunft geben
könne. Auch habe er es nach wie vor unterlassen, Angaben dazu zu ma-
chen, wie er diese Schriftstücke habe erhältlich machen können. Ferner
habe er sodann pauschal behauptet, das SEM habe es unterlassen, die
handschriftlichen Dokumente übersetzen zu lassen, während er selbst
aber nicht die geringsten Angaben zu diesen Dokumenten gemacht habe.
Zudem sei abschliessend zu betonen, dass selbst eine Übersetzung des
Textes keine Rückschlüsse auf den Verfasser zulasse, zumal er auch keine
Angaben gemacht habe, die damit hätten abgeglichen werden können.
5.6 In seiner Triplik vom 1. März 2021 macht der Beschwerdeführer gel-
tend, dass die Vorinstanz mit keinem Wort auf die aktuelle politische Situ-
ation in Äthiopien eingegangen sei. In Äthiopien herrsche Krieg und zwar
in der Region Tigray, aus welcher er stamme. Die Kämpfe zwischen den
äthiopischen Bundestruppen und Einheiten der nördlichen Region Tigray,
zu denen auch er als Soldat gehört habe, seien anfangs November 2020
ausgebrochen. Er gehöre zur Volksgruppe der Tigray und sei ehemaliges
Mitglied der aktuell gegen die äthiopische Zentralregierung kämpfenden
Soldaten, weshalb er bei einer Rückkehr ernsthaften Verfolgungsmassnah-
men ausgesetzt wäre.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es dem Beschwer-
deführer entgegen der Beschwerde nicht gelungen ist, eine asylbeachtli-
che Verfolgung im Sinne von Art. 3 und 7 AsylG glaubhaft zu machen. Was
der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene gegen die vorinstanzliche Ar-
gumentation vorbringt vermag insgesamt nicht zu überzeugen, sondern er-
schöpft sich grösstenteils in Erklärungsversuchen und Wiederholungen
des aktenkundigen Sachverhaltes.
D-7447/2018
Seite 17
6.2 Zunächst schliesst sich das Bundesverwaltungsgericht der Einschät-
zung der Vorinstanz an, die Schilderungen des Beschwerdeführers seien
wenig substanziiert, widersprüchlich und ausweichend ausgefallen. Zur
Vermeidung von Wiederholungen kann in diesem Zusammenhang auf die
zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden, denen das
Gericht sich anschliesst (vgl. E. 5.1).
6.3 Die Erklärung des Beschwerdeführers, er habe lediglich die Ereignisse
vor und nach der Verhaftung geschildert beziehungsweise chronologisch
aufgezeigt, vermag angesichts seiner Erzählstruktur nicht vollends zu
überzeugen. So erwähnt er anlässlich der Anhörung in der freien Schilde-
rung der Asylgründe zunächst lediglich den Vorwurf der Zugehörigkeit zur
F._, das Verfassen des Manuskriptes jedoch erst als Antwort auf die
Frage, ob es noch weitere Gründe gebe, obwohl er in diesem Umstand
angeblich den Hauptgrund der Inhaftierung sieht ([...]). Und die Versamm-
lung, an welcher er sich kritisch geäussert haben will, spricht er wiederum
erst eine Frage später an, als er gefragt wird, ob er jetzt alle Gründe voll-
ständig habe nennen können ([...]). Insoweit der Beschwerdeführer rügt,
die Vorinstanz hätte ihn aufgrund des ihr obliegenden Untersuchungs-
grundsatzes vertiefter zu der von ihm erwähnten Versammlung befragen
beziehungsweise ihn darauf aufmerksam machen müssen, dass der Sach-
verhalt diesbezüglich unklar erscheine, ist auf seine Mitwirkungspflicht ge-
mäss Art. 8 AsylG zu verweisen. Es wäre mithin entgegen der in der Be-
schwerde vertretenen Ansicht seine Aufgabe gewesen, die Asylbehörden
substanziiert über seine Erlebnisse zu informieren, zumal ihm anlässlich
der Anhörung dazu durchaus Gelegenheit gegeben wurde. Sodann ver-
mag auch sein Einwand, er sei kein professioneller Schreiber, sondern ein-
fach eine Person, die ihre Gedanken gerne zu Papier bringe, nicht zu einer
anderen Einschätzung zu führen, da selbst dann zu erwarten wäre, er ver-
möchte zu Gedanken die er niedergeschrieben haben will, substanziiertere
Angaben zu machen. Schliesslich unterlässt er es auch auf Beschwerde-
ebene, konkrete Angaben zu den von ihm angeblich verfassten Texten,
etwa zum Aufbau oder heiklen Aussagen, zu machen. Solches hätte ange-
sichts seiner Mitwirkungspflicht und des Umstandes, dass ihn bereits das
SEM in der angefochtenen Verfügung auf das Fehlen substanziierter An-
gaben aufmerksam gemacht hat, erwartet werden dürfen. Wie bereits von
der Vorinstanz bemerkt, bleibt auch nach wie vor unklar, wie er die Notizen
des in Äthiopien geschriebenen Manuskripts erhältlich machen konnte. So
führte er in der Anhörung, danach gefragt, ob noch Mitschriften des Buches
vorhanden seien, selber aus, dass alles, was ihm gehört habe, mitgenom-
men worden sei, als seine Frau aus dem Haus geworfen worden sei ([...]),
D-7447/2018
Seite 18
und gibt am Schluss noch einmal zu Protokoll, dass er Originale von nir-
gendwoher beschaffen könne ([...]). Auch in der Beschwerdeschrift betonte
er zuerst, dass der Versuch, die Notizen zu beschaffen, ziemlich aussichts-
los sein dürfte (vgl. a.a.O. S. 5). Angesichts dieser Aussagen wäre vom
Beschwerdeführer zu erwarten gewesen, dass er konkret darlegt, wie es
ihm nun trotzdem gelungen sei, die Notizen zu beschaffen, und sich nicht
auf die oberflächliche Erklärung, es sei ihm beziehungsweise seinen Ver-
wandten (die Person bezeichnet der Beschwerdeführer auch nicht) mög-
lich gewesen, das Beweismittel beizubringen, beschränkt. Vor diesem Hin-
tergrund kann in antizipierter Beweiswürdigung auf eine Übersetzung der
eingereichten Dokumente verzichtet werden.
6.4 Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die Aussagen des Be-
schwerdeführers weitere Ungereimtheiten aufweisen. So hat er in der BzP
angegeben, er habe am 14. Dezember 2011 Addis Abeba verlassen und
sei am 16. Dezember 2011 in den Sudan eingereist ([...]), währenddessen
er in der Anhörung ausgeführt hat, er sei am 14. Dezember 2011 von
H._ aufgebrochen und am 16. Dezember 2011 ausgereist ([...]).
Sodann hat er in der BzP zu Protokoll gegeben, er habe (...) Schwestern
und (...) Brüder ([...]). Im Widerspruch dazu hat er jedoch in der Anhörung
ausgesagt, er habe (...) Brüder und (...) Schwestern. Die Erklärungen des
Beschwerdeführers, vielleicht liege ein Irrtum vor ([...]) beziehungsweise
"man" habe das wohl durcheinandergebracht, vermag angesichts des Um-
standes, dass das Protokoll der BzP ihm rückübersetzt worden ist und er
dessen Richtigkeit unterschriftlich bestätigt hat, nicht zu überzeugen. Wie
von der Vorinstanz zu Recht bemerkt, hat sich der Beschwerdeführer dar-
über hinaus in der Anhörung auch unterschiedlich zu seinen Identitätsdo-
kumenten geäussert, indem er einerseits angegeben hat, er habe alle
seine originalen Dokumente in Libyen verloren, nur um gleich anschlies-
send anzugeben, diese seien ihm in Libyen weggenommen worden ([...]).
Später hat der Beschwerdeführer demgegenüber ausgeführt, sein Militär-
ausweis sowie sein "anderer Ausweis" seien ihm im Sudan abgenommen
worden ([...]). Angesichts dieser Ausführungen vermag auch die auf Be-
schwerdeebene eingereichte äthiopische Einwohnerkarte nicht zu einer
anderen Einschätzung zu führen, zumal eine eingehende Überprüfung
durch die Fachstelle des Grenzwachtkorps (FADOK) Anhaltspunkte einer
Inhaltsverfälschung ergab, das äthiopische Geburtsdatum auf der Karte
nicht mit den Angaben des Beschwerdeführers übereinstimmt ([...]) und
der Beschwerdeführer diesen Erkenntnissen im Rahmen seiner Triplik
nichts entgegenzuhalten hat.
D-7447/2018
Seite 19
6.5 Wie von der Vorinstanz zu Recht festgestellt ist ferner nicht nachvoll-
ziehbar, warum die Behörden den Beschwerdeführer freigelassen haben,
wenn der Hauptgrund für die Inhaftierung das Manuskript war, welches sich
zu diesem Zeitpunkt bereits im Besitz der Behörden befand ([...]). Der Er-
klärungsversuch des Beschwerdeführers, der Nachweis seiner Urheber-
schaft habe durch die Staatsanwaltschaft nicht erbracht werden können,
da das Manuskript nicht mit seinem Namen versehen gewesen sei, wirkt
angesichts des Umstandes, dass das Manuskript aus dem Büro bezie-
hungsweise vom Arbeitsplatz des Beschwerdeführers verschwunden sein
soll ([...]), wenig überzeugend.
6.6 Bei den im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten, die ausreisebe-
gründenden Ereignisse betreffenden Beweismittel (Entlassungs- und Be-
zichtigungsschreiben des Vorgesetzten, Schreiben des Generals sowie
Schreiben des EPRDF Büros) handelt es sich lediglich um Kopien, die über
keinerlei Sicherheitsmerkmale verfügen und denen infolge der verhältnis-
mässig einfachen Möglichkeit zur Fälschung bloss ein geringer Beweiswert
zukommt. In Anbetracht dessen und insbesondere vor dem Hintergrund
der übrigen Unglaubhaftigkeitselemente (vgl. vorgängig) vermögen diese
Beweismittel nicht zu einer anderen Einschätzung zu führen.
6.7 In Übereinstimmung mit der Vorinstanz sind den Akten schliesslich
keine Hinweise zu entnehmen, die auf eine Desertion des Beschwerdefüh-
rers schliessen liessen, zumal dieser Umstand vom Beschwerdeführer im
vorinstanzlichen Verfahren nicht als zentraler Asylgrund thematisiert
wurde. So erwähnte er lediglich gegen Ende der Anhörung "Verrat", der
ihm vorgeworfen werden könnte ([...]). Aus seinen Vorbringen geht ferner
nicht hervor, dass er sich zum Zeitpunkt der ausreisebegründenden Vor-
fälle im aktiven Militärdienst befunden hätte. Die eingereichten Fotografien
wie auch die Schreiben der beiden (...)firmen, denen in Übereinstimmung
mit der Vorinstanz angesichts ihrer leichten Fälschbarkeit ein lediglich tiefer
Beweiswert zukommt, vermögen entgegen der Ansicht des Beschwerde-
führers keinen Beleg für eine (im Zeitpunkt der Ausreise) aktuelle und ak-
tive Dienstpflicht zu erbringen, zumal er es unterlässt, konkrete Angaben
zu den Entstehungsumständen dieser Beweismittel zu machen.
6.8 Entgegen der Triplik kann der Beschwerdeführer aus seiner Zughörig-
keit zur Ethnie Tigray auch im Lichte des gegenwärtigen Konfliktes nichts
zu seinen Gunsten abzuleiten, zumal nicht von einer Kollektivverfolgung
der tigrinischen Ethnie auszugehen ist.
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Seite 20
6.9 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz das Vorliegen der Flüchtlings-
eigenschaft zu Recht verneint und das Asylgesuch folgerichtig abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
8.2 Das SEM beurteilt den Wegweisungsvollzug in der angefochtenen als
zulässig, zumutbar und möglich. Das Bundesverwaltungsgericht kann sich
dieser Einschätzung zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgrund nachfolgen-
der Ausführungen nicht anschliessen.
Der Beschwerdeführer stammt ursprünglich aus der Region Tigray, wo im
November 2020 ein Konflikt zwischen der in der Region verankerten TPLF
(Tigray People's Liberation Front) und Regierungstruppen eskalierte, wel-
cher nach wie vor im Gange ist. Die Vorinstanz hat sich jedoch in ihrer
Duplik vom 11. Februar 2021 mit keinem Wort dazu geäussert, inwiefern
sich dieser anhaltende Konflikt auf den Vollzug der Wegweisung auswirkt.
Sodann finden sich im Asyldossier eine Bestätigung des Bevölkerungsam-
tes der Stadt I._ vom 21. Juli 2020, wonach ein den Beschwerde-
führer betreffendes Scheidungsurteil vom 12. Januar 2019 zwecks Vater-
schaftsanerkennung sichergestellt worden sei ([...]), ebenso wie Aktenein-
sichtsgesuche des Bevölkerungsamtes der Stadt I._ vom 5. Ap-
ril 2019 (Geburt [[...]]) beziehungsweise 16. November 2018 (Vater-
schaftsanerkennung [[...]). Ferner geht aus den Akten hervor, dass der Be-
schwerdeführer am 16. Mai 2019 (Datum Gesuchseingang) bei der Vo-
rinstanz ein Gesuch um Kantonswechsel eingereicht hat ([...]). In diesem
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Seite 21
Gesuch machte der Beschwerdeführer geltend, dass seine (neue) Partne-
rin am (...) 2019 den gemeinsamen Sohn geboren habe und er beabsich-
tige, sie zu heiraten. Das Kantonswechselgesuch wurde von der Vo-
rinstanz mit Verfügung vom 15. Oktober 2019 abgelehnt ([...]). Schliesslich
ist aus dem Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) ersichtlich,
dass die besagte Partnerin (N [...]) in der Schweiz über eine Aufenthalts-
bewilligung verfügt. Alle diese Umstände wurden im Rahmen der Prüfung
des Wegweisungsvollzuges bis anhin ebenfalls nicht berücksichtigt.
Um dem Beschwerdeführer hinsichtlich der Frage der Zulässigkeit und Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in seinen Heimatstaat Äthiopien den
vollen Instanzenzug zu gewähren und weil in diesem Zusammenhang
möglicherweise weitere Tatsachen festgestellt und zusätzliche Beweise er-
hoben werden müssen, erscheint es nach dem Gesagten angezeigt, die
Ziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung gestützt auf Art. 61 Abs. 1 in
fine VwVG aufzuheben und die Sache zwecks Abklärung von Wegwei-
sungsvollzugshindernissen ans SEM zurückzuweisen.
9.
Vor dem Hintergrund der obigen Erwägungen ist festzuhalten, dass die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht
verneint und sein Asylgesuch folgerichtig abgewiesen hat. Auch die Weg-
weisung wurde zu Recht angeordnet. In diesen Punkten ist die Be-
schwerde abzuweisen.
Bezüglich des Wegweisungsvollzugs ist die Beschwerde demgegenüber
gutzuheissen. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Ver-
fügung sind aufzuheben und die Sache in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 in
fine VwVG zwecks Abklärung von allfälligen Wegweisungsvollzugshinder-
nissen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
10.
10.1 Im Hinblick auf die Kostenliquidation ist der Ausgang des Verfahrens
als teilweises Unterliegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 Satz 2 VwVG) zu werten. Dem
Beschwerdeführer wären demnach reduzierte Verfahrenskosten aufzuer-
legen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Da ihm indessen mit der Zwischenver-
fügung vom 30. Januar 2019 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt
wurde und sich an den Voraussetzungen dazu nichts geändert hat, sind
ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
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Seite 22
10.2 Nachdem der Beschwerdeführer mit seiner Beschwerde teilweise ob-
siegt hat, ist er für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten hälftig durch
die Vorinstanz zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. VGKE).
Dem mit Verfügung vom 30. Januar 2019 beigeordneten Rechtsvertreter
ist sodann im Umfang des Unterliegens – ebenfalls hälftig – zu Lasten des
Gerichts ein amtliches Honorar auszurichten. Die Festsetzung des amtli-
chen Honorars erfolgt in Anwendung der Art. 8-11 sowie Art. 12 VGKE, wo-
bei das Bundesverwaltungsgericht bei amtlicher Vertretung in der Regel
von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nichtanwaltliche
Vertreter ausgeht (Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Der Rechtsvertreter
weist in seiner Kostennote vom 10. Februar 2020 einen zeitlichen Aufwand
von 18.5 Stunden aus und beziffert die Auslagen pauschal auf Fr. 60.–. Der
zeitliche Aufwand erscheint auch unter Berücksichtigung des seit der Ein-
reichung der Honorarnote erfolgten Aufwandes angemessen. Die Ausla-
genpauschale ist nicht zu kürzen, auch wenn an dieser Stelle festzuhalten
ist, dass grundsätzlich keine pauschalen, sondern nur konkrete Kosten zu
vergüten sind (Art. 9 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 11 VGKE). Nach dem Gesag-
ten ist das durch das Bundesverwaltungsgericht auszurichtende Honorar
wie auch die durch die Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung
demnach auf je Fr. 1'418.– (inklusive hälftige Auslagen) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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