Decision ID: 8cc4aa98-3577-4b59-af02-90107e2d241a
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 2. Juli 2014 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
seiner AHV-Rente an. Im EL-Anmeldeformular gab er an, kein Vermögen zu besitzen
und von September 2008 bis zum 28. März 2014 im Ausland gelebt zu haben (EL-act.
28). Seiner Anmeldung legte der Versicherte unter anderem eine Ausscheidung der
Kantons- und Gemeindesteuer 2013 (nach Ermessen) bei, laut welcher sein Vermögen
Fr. 900'000.-- (bewegliches Vermögen in B._) und Fr. 342'000.-- (gesamter
kantonaler Steuerwert; EL-act. 32) betragen hatte. In einem dem Anmeldeformular
beigelegten Schreiben vom 19. Mai 2014 hatte der Versicherte erklärt, dass er sein
Vermögen aufgrund einer Fehlinvestition in Höhe von ca. Fr. 500'000.-- in die Firma
C._ wegen des Kaufs eines Grundstückes in B._ für den Anbau von Kokosnüssen
sowie wegen der Finanzierung des Lebensunterhalts seiner ehemaligen
Lebenspartnerin und deren Tochter verloren habe. Ausser seiner AHV-Rente von
monatlich Fr. 1'045.-- erziele er keinerlei Einkommen (EL-act. 29 S. 1f.). Schliesslich
reichte er auch einen Mietvertrag, eine Zusammenstellung ausbezahlter
Zusatzleistungen zur AHV/IV von 1998-2008, diverse Akten betreffend seine
Liegenschaftskäufe und -verkäufe, einen Auszug aus seinem Kontokorrentkonto vom 1.
Mai 2013 bis 15. Mai 2014 sowie Dokumente betreffend seine Geschäftsbeziehungen
mit der C._ ein (EL-act. 29f.).
A.b Am 19. September 2014 forderte die EL-Durchführungsstelle weitere Unterlagen
und Angaben vom Versicherten. Dabei handelte es sich insbesondere um einen
aktuellen Zahlungsnachweis der Miete, Zahlungsnachweise der Erlöse aus den
Liegenschaftsverkäufen, eine Aufstellung über die Vermögensentwicklung der letzten
10 Jahre mit entsprechenden Belegen (Kontoauszüge Ende Jahr), eine Aufstellung inkl.
Belege über das ins Ausland geflossene Kapital, einen Zahlungsbeleg über die in die
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C._ investierten Fr. 500'000.-- sowie allfällige Verträge über Rückzahlungen (EL-act.
26). Nach mehreren Rückfragen reichte der Versicherte am 5. Dezember 2014 unter
anderem Akten betreffend die Liegenschaftskäufe und -verkäufe sowie betreffend die
C._, Kontoauszüge seines Liegenschafts- sowie seines Kontokorrentkontos vom 1.
Januar 2013 bis 1. Dezember 2014 bzw. vom 1. Januar 2013 bis 1. Dezember 2014
und ein Schreiben vom 28. November 2014 ein (EL-act. 22, 24). In Letzterem hatte er
festgehalten, dass er sein Geld seiner ehemaligen Lebenspartnerin in bar gegeben
habe, dass seine Investitionen in B._ über diese abgewickelt worden seien und dass
sich entsprechende Unterlagen bei ihr befänden. Da seine ehemalige Lebenspartnerin
jedoch nach der Trennung im Februar 2014 untergetaucht sei, könne er keine Belege
über seine Verluste in B._ liefern (EL-act. 24 S. 8f.).
A.c Die EL-Durchführungsstelle setzte dem Versicherten am 11. Dezember 2014 eine
Frist bis zum 20. Januar 2015 für die Einreichung der weiterhin fehlenden Unterlagen,
bei denen es sich insbesondere um einen Zahlungsnachweis der Miete, eine
Aufstellung der Vermögensentwicklung der letzten 10 Jahre, Barbezüge und
Kontoauszüge betreffend die finanziellen Ausgaben des Versicherten in B._, eine
Aufstellung über das ins Ausland geflossene Kapital sowie Verfügungen und
Berechnungsblätter der Ergänzungsleistungen in E._ handelte (EL-act. 23). Infolge
der Nichteinhaltung dieser Frist durch den Versicherten verfügte die EL-
Durchführungsstelle am 29. Januar 2015 ein Nichteintreten auf seine EL-Anmeldung
(EL-act. 21). Nachdem der Versicherte dagegen Einsprache erhoben und geltend
gemacht hatte, dass er das Schreiben vom 11. Dezember 2014 nicht erhalten habe,
hob die EL-Durchführungsstelle ihre Nichteintretensverfügung am 12. März 2015 auf
und liess dem Versicherten das Schreiben vom 11. Dezember 2014 abermals
zukommen. Sie setzte ihm eine letzte Frist bis zum 15. März 2015 (EL-act. 15, 18). Am
9. April 2015 erhielt die EL-Durchführungsstelle von der Stadt E._ Unterlagen mit
dem Vermerk "Irrläufer", die der Versicherte versandt hatte, um von der Stadt E._ die
von der EL-Durchführungsstelle geforderten EL-Akten für die Jahre 1998-2008 zu
erhalten (EL-act. 12).
A.d Mit einer Verfügung vom 21. April 2015 trat die EL-Durchführungsstelle nicht auf
die Anmeldung des Versicherten zum Bezug von Ergänzungsleistungen ein, da er die
Frist zur Einreichung der noch fehlenden Unterlagen erneut nicht eingehalten und damit
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seine Mitwirkungspflicht verletzt habe (EL-act. 11). In der dagegen am 20. Mai 2015
erhobenen Einsprache erklärte der Versicherte, dass der grösste Teil seiner Erbschaft
in einem am 8. Mai 2009 bei der Bank F._ gemieteten und für ihn 24 Stunden am Tag
ohne Beisein des Bankpersonals zugänglichen Tresorfach untergebracht gewesen sei,
weswegen auf den Kontoauszügen keine Barbezüge ersichtlich seien. Da die
verlangten Unterlagen nicht existierten, könne er seine Mitwirkungspflicht gar nicht
verletzt haben (EL-act. 10 S. 1f.). Dazu reichte er den Mietvertrag seines Tresorfaches
bei der Bank F._ und eine durch ihn ausgefüllte Steuererklärung für das Jahr 2014
ein (EL-act 10 S. 3f.). In einem weiteren Schreiben vom 28. Mai 2015 ergänzte der
Versicherte, dass er sich stets bemüht habe, seine finanzielle Situation offenzulegen,
jedoch keine Steuerveranlagungen der letzten 10 Jahren vorzuweisen habe, da er erst
seit April 2014 wieder in der Schweiz angemeldet sei. Aus der beigelegten
Veranlagungsverfügung für die Kantons- und Gemeindesteuer 2014 gehe jedoch
hervor, dass er von seiner AHV-Rente nicht leben könne (EL-act. 9).
A.e In einer internen Stellungnahme hielt die EL-Durchführungsstelle fest, dass es dem
Versicherten sehr wohl möglich sei, Steuerunterlagen der Jahre 2003 bis 2008,
Erbschaftsunterlagen, einen Zahlungsnachweis der Miete und auch Unterlagen über
die Geschäfte mit der C._ zu liefern (EL-act. 6). In diesem Sinne wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache des Versicherten in ihrem Einspracheentscheid
vom 19. Juni 2015 ab und erklärte, dass dem Versicherten mit den in den Schreiben
vom 19. September, 18. November, 11. Dezember 2014 und der Verfügung vom 12.
März 2015 angesetzten Fristen ausreichend Gelegenheit gegeben worden sei, die
geforderten Aufstellungen und Belege einzureichen. Da er über die Konsequenzen der
Nichtbefolgung der Mitwirkungspflicht informiert worden sei, sei das Nichteintreten auf
das Leistungsbegehren rechtmässig erfolgt (EL-act. 5).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid der EL-Durchführungsstelle (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) richtete sich die Beschwerde des Versicherten (nachfolgend
Beschwerdeführer) vom 17. Juli 2015, in der dieser erklärte, dass er sich in G._ ein
Zweifamilienhaus gekauft habe und nicht mehr zum Sozialamt habe gehen müssen,
nachdem seine verstorbene Mutter ihm Fr. 1'000'000.-- vererbt habe. Die eine Hälfte
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seines Vermögens, ca. Fr. 550'000.--, habe er in die Firma C._ investiert, die diesen
Betrag innert fünf Jahren hätte tilgen sollen. Die andere Hälfte habe er in eine Anlage
zum Anbau von Kokosnüssen in B._ investiert. Ausserdem habe er sich eine
Motoryacht und einen gebrauchten BMW gekauft, die Gemeinde H._ habe über 20
Jahre zurückliegende Steuerschulden in Höhe von Fr. 62'000.-- zurückgefordert, er
habe ein paar "Freunden" mit Geld ausgeholfen, welches er nie wieder gesehen habe,
und er habe als offizieller Beistand der Tochter seiner ehemaligen Lebenspartnerin Fr.
30'000.-- aufgewendet. Weil die C._ Insolvenz angemeldet habe, seien seine
Restforderungen in Höhe von ca. Fr. 250'000.-- verloren gewesen. Zudem seien seine
Kokosnussbäume in B._ durch Erdrutsche überspült worden. Seit sieben Jahren
habe er neben seiner AHV-Rente keine Einnahmen gehabt, dabei jedoch monatlich Fr.
6'000.-- bis 7'000.-- ausgegeben (was in sieben Jahren einer halben Million
entspreche), weshalb nicht fraglich sei, wo sein Geld geblieben sei. Er sei weder eine
Firma, noch besitze er eine, weshalb er keiner Buchhaltungspflicht unterliege. Über
weitere Unterlagen verfüge er nicht, da er bei der Räumung seiner vorherigen Wohnung
unter anderem Kartonkisten mit Papieren betreffend die C._, über die er keinen
Überblick mehr gehabt habe, entsorgt habe. Die hier aufgeführten Fakten würden
beweisen, dass er über kein Vermögen mehr verfüge (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 24. August 2015 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3).

Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat am 21. April 2015 gestützt auf Art. 43 Abs. 3 des
Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; ATSG) und mit der
Begründung, der Beschwerdeführer habe seine Auskunfts- und Meldepflichten verletzt,
ein Nichteintreten auf dessen Anmeldung für Ergänzungsleistungen verfügt (EL-act.
11). Mit dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 19. Juni 2015 hat sie dieses
Nichteintreten bestätigt. Art. 43 Abs. 3 ATSG sieht bei der unentschuldbaren
Verletzung der Auskunfts- oder Meldepflicht durch die versicherte Person nach der
Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens zwei alternative
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Sanktionsmöglichkeiten vor, nämlich einerseits den Entscheid aufgrund der
vorliegenden Akten und andererseits das Nichteintreten auf das Leistungsbegehren.
Von der Möglichkeit des Nichteintretens ist praxisgemäss zurückhaltend Gebrauch zu
machen, indem immer dann ein materieller Entscheid gefällt werden soll, wenn dieser
aufgrund der vorliegenden Akten möglich ist. Ein Nichteintreten hat hingegen
insbesondere dort Bedeutung, wo die nicht wahrgenommene Mitwirkungspflicht eine
Eintretensvoraussetzung betrifft (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015,
Art. 43 Rz 99f. mit Hinweisen). Der Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung wird
gemäss Art. 20 Abs. 1 der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (SR 831.301; ELV) durch eine schriftliche
Anmeldung geltend gemacht, wobei das Anmeldeformular laut Abs. 2 über die
Personalien und die Einkommens- und Vermögensverhältnisse aller in die Berechnung
der jährlichen Ergänzungsleistung eingeschlossenen Personen Aufschluss zu geben
hat (vgl. auch Art. 29 ATSG). Folgt man dem Wortlaut von Art. 20 Abs. 2 ELV, so muss
nur das Anmeldeformular über die Einnahmen und Ausgaben der versicherten Person
informieren, weshalb es für ein Eintreten auf die Anmeldung nicht nötig ist, dass die im
Anmeldeformular gemachten Angaben durch bereits vollständig eingereichte Akten
belegt werden. Dies würde denn auch dem im Verwaltungsverfahren geltenden
Untersuchungsgrundsatz widersprechen, nach dem die Behörde den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären hat (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG). Indem der
Beschwerdeführer also ein ausgefülltes und unterzeichnetes Anmeldeformular bei der
Beschwerdegegnerin eingereicht hat, hat er bereits die Eintretensvoraussetzungen
erfüllt. Die Beschwerdegegnerin hat daraufhin zwar keine entsprechende
verfahrensleitende Eintretensverfügung erlassen, da dies weder gesetzlich
vorgeschrieben noch üblich ist, doch hat sie dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass sie
für die Berechnung der Ergänzungsleistungen weitere Unterlagen und Angaben
benötige und eben diese ihr zukommen zu lassen seien (EL-act. 26). Indem sie damit in
Erfüllung des Untersuchungsgrundsatzes begonnen hat, den Sachverhalt abzuklären
bzw. nachzuweisen, was über die blosse Prüfung der Eintretensvoraussetzungen
hinausgeht, ist sie - zu Recht - faktisch auf die Anmeldung des Beschwerdeführers
eingetreten. Somit hat sie gar kein Nichteintreten mehr verfügen können, weshalb die
Nichteintretensverfügung vom 21. April 2015 und somit der angefochtene
Einspracheentscheid vom 19. Juni 2015 rechtswidrig ist. Die Beschwerdegegnerin
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hätte das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers allenfalls gestützt auf Art. 43
Abs. 3 ATSG und mit der Begründung, dass sie den Anspruch des Beschwerdeführers
auf Ergänzungsleistungen anhand der vorhandenen Akten nicht habe ermitteln können,
abweisen können, wenn tatsächlich eine unentschuldbare Verletzung der
Mitwirkungspflicht durch den Beschwerdeführer vorgelegen hätte.
2.
Da die Beschwerdegegnerin bereits auf das Leistungsbegehren des
Beschwerdeführers eingetreten ist und die Nichteintretensverfügung der
Beschwerdegegnerin vom 21. April 2015 daher rechtswidrig war, ist der
Einspracheentscheid vom 19. Juni 2015 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben.
Die Sache ist zur Fortführung des Verfahrens der Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.