Decision ID: 8d6036a4-3b10-4b68-944d-2132a0096427
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Am 1. Juli 2015 ging der AHV/IV-Zweigstelle B._ eine Anmeldung von A._ zum
Bezug einer Ergänzungsleistung zu einer Altersrente der AHV zu (act. G 3.1.16). Im
bereits im März 2015 ausgefüllten Beiblatt 5 zum Anmeldeformular
(„Auslandaufenthalt“) hatte der EL-Ansprecher angegeben (act. G 3.1.16–16), dass er
sich vom 5. März 2014 bis November 2014 in seinem Herkunftsland aufgehalten habe.
Als Zweck hatte er einen „Besuch“ angegeben, bei dem es sich um eine „Ausnahme“
gehandelt habe, die vom Migrationsamt bewilligt worden sei. Vom 14. Juni 2015 bis
„ca.“ 15. Juli 2015 werde er sich nochmals für „Ferien/Besuch“ in seinem
Herkunftsland aufhalten. Im Anmeldeformular hatte er vermerkt, dass er bereits seit
März 1986 in der Schweiz lebe (act. G 3.1.16–1). Seine Ehefrau lebe seit Januar 1995 in
der Schweiz (act. G 3.1.16–2); sie habe sich in den vergangenen zehn Jahren nicht im
Ausland aufgehalten (act. G 3.1.16–15). Die EL-Durchführungsstelle teilte dem EL-
Ansprecher am 3. Juli 2015 mit, dass sie die Anmeldung erhalten habe und dass sie
diese nun prüfen werde (act. G 3.1.15). Mit einer Verfügung vom 22. Juli 2015 trat die
EL-Durchführungsstelle nicht auf die Anmeldung zum Bezug von Ergänzungsleistungen
ein (act. G 3.1.14). Zur Begründung führte sie an, mangels eines
Sozialversicherungsabkommens zwischen der Schweiz und dem Herkunftsland des
EL-Ansprechers müsse dieser eine Karenzfrist von zehn Jahren erfüllen, um einen
Anspruch auf eine Ergänzungsleistung haben zu können. Mit dem rund neun Monate
dauernden Besuchsaufenthalt in seinem Herkunftsland im Jahr 2014 habe der EL-
Ansprecher seinen massgebenden Aufenthalt in der Schweiz unterbrochen, weshalb
die Karenzfrist nicht erfüllt sei. Folglich könne er keinen Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung haben. Im Januar 2016 erkundigte sich der EL-Ansprecher nach
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dem Stand des Verfahrens (act. G 3.1.12). Die EL-Durchführungsstelle stellte ihm in der
Folge die Verfügung vom 22. Juli 2015 nochmals zu (act. G 3.1.11).
A.b Am 16. Februar 2016 erhob der EL-Ansprecher eine Einsprache gegen diese
Verfügung (act. G 3.1.7). Er beantragte, auf seine Anmeldung zum
Ergänzungsleistungsbezug sei einzutreten. Zur Begründung führte er aus, sein
„vorwiegend gesundheitlich bedingter“ Auslandsaufenthalt könne die Karenzfrist nicht
unterbrochen haben. Das Migrationsamt des Kantons St. Gallen habe im November
2014 erwogen, das Erlöschen der Niederlassungsbewilligung festzustellen. Im Rahmen
dieses Verfahrens habe er unter anderem geltend gemacht, dass er nie seinen
Wohnsitz in der Schweiz habe aufgeben wollen. Er habe die Wohnungsmiete und die
Krankenkassenprämien weiterhin bezahlt. Der Zweck des Auslandsaufenthaltes habe
darin bestanden, verschiedene medizinische Behandlungen in Anspruch zu nehmen,
die in seinem Herkunftsland deutlich billiger als in der Schweiz seien. Der Aufenthalt
habe vor allem mit dem Gesundheitszustand seiner Ehefrau zusammengehängt. Das
Migrationsamt habe in der Folge mitgeteilt, dass die Niederlassungsbewilligungen
weiterhin gültig blieben. Das Kriterium des „ununterbrochenen Aufenthaltes“ im Art. 5
Abs. 1 ELG könne nicht anders als migrationsrechtlich interpretiert werden. Da das
Migrationsamt von einem ununterbrochenen Aufenthalt in der Schweiz ausgegangen
sei, könne auch die Karenzfrist des Art. 5 Abs. 1 ELG nicht unterbrochen sein. Der
Einsprache lag eine Eingabe an das Migrationsamt vom 16. Januar 2015 bei (act. G
3.1.9), in welcher der EL-Ansprecher unter anderem geltend gemacht hatte, er habe
sich vom 5. März 2014 bis „ca.“ Dezember 2014 für „Ferien“ in seinem Herkunftsland
aufgehalten. Während dieser Ferien hätten er und seine Ehefrau medizinische
Behandlungen in Anspruch genommen, die in der Schweiz viel teurer gewesen wären.
In der Klinik C._ seien verschiedene Kuren absolviert worden. Entsprechende Belege
seien vorhanden. Mit einem Entscheid vom 4. April 2016 wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache ab (act. G 3.1.4). Zur Begründung führte sie aus,
die Karenzfrist des Art. 5 Abs. 1 ELG gelte als unterbrochen, wenn sich ein EL-
Ansprecher ohne einen triftigen oder zwingenden Grund länger als drei Monate im
Ausland aufhalte. Hier liege weder ein triftiger noch ein zwingender Grund für den
Auslandsaufenthalt im Jahr 2014 vor. Eine medizinische Behandlung, die auch in der
Schweiz durchgeführt werden könnte, rechtfertige rechtsprechungsgemäss keine
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Verlängerung der „Toleranzfrist“. Die migrationsrechtliche Beurteilung sei nicht
massgebend.
A.c Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hiess eine gegen diesen
Einspracheentscheid der EL-Durchführungsstelle erhobene Beschwerde mit einem
Urteil vom 3. Oktober 2017 (EL 2016/30) gut (vgl. act. G 3.2.2). Es hielt fest, die EL-
Durchführungsstelle habe die Anmeldung zum Leistungsbezug ganz offensichtlich
materiell geprüft. Sie sei folglich de facto auf die Anmeldung eingetreten und hätte
deshalb keinen Nichteintretensentscheid mehr erlassen dürfen. Richtigerweise hätte sie
das Leistungsbegehren also abweisen müssen. Im Einspracheverfahren habe sie ihren
Fehler nicht korrigiert, sondern das Nichteintreten bestätigt. Da der
Einspracheentscheid nicht in einen abweisenden Entscheid uminterpretiert werden
könne, müsse er aufgehoben werden. Im Sinne eines obiter dictum sei festzuhalten,
dass der EL-Ansprecher die zehnjährige Karenzfrist im Jahr 2014 wohl tatsächlich
unterbrochen habe. Die Sache sei jedenfalls zur materiellen Entscheidung an die EL-
Durchführungsstelle zurückzuweisen.
A.d Mit einer Verfügung vom 4. Dezember 2017 wies die EL-Durchführungsstelle das
Leistungsbegehren mangels Erfüllung der Karenzfrist ab (act. G 3.2.1). Am 19. Januar
2018 erhob der EL-Ansprecher eine Einsprache gegen die Verfügung vom 4. Dezember
2017 (act. G 3.3.6). Er beantragte die Zusprache einer Ergänzungsleistung spätestens
ab Juni 2015. Zur Begründung führte er an, er weise zweifellos eine ausreichende
Affinität zur Schweiz auf. Immerhin lebe er seit dem Jahr 1986 hier in der Schweiz. Er
habe hier seine Kinder grossgezogen und gearbeitet. Bei der Anmeldung zum Bezug
einer Ergänzungsleistung dürften nicht die gleich strengen Kriterien wie bei einem
Auslandsaufenthalt während eines laufenden EL-Bezuges zur Anwendung kommen.
Der Eingabe lagen zwei Rechnungen des C._ bei (act. G 3.3.8). Eine der beiden
Rechnungen betraf den EL-Ansprecher. Sie datierte vom 17. Januar 2017. Der
Rechnungsbetrag lautete auf 10 × 22 = 220 Euro für den Zeitraum vom 10. bis zum 20.
November 2014. Die andere Rechnung betraf die Ehefrau des EL-Ansprechers. Sie
datierte vom 17. Januar 2018. Der Rechnungsbetrag lautete auf 10 × 22 = 220 Euro
und betraf ebenfalls den Zeitraum vom 10. bis zum 20. November 2014. Mit einem
Entscheid vom 6. März 2018 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (act. G
3.3.3). Zur Begründung führte sie aus, nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
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werde die Karenzfrist bei einem mehr als drei Monate dauernden Auslandsaufenthalt
nur dann nicht unterbrochen, wenn dieser entweder auf zwingende krankheits- oder
unfallbedingte Gründe oder aber auf „höhere Gewalt“ zurückzuführen sei. Der EL-
Ansprecher habe keine solchen Gründe geltend gemacht. Sein Kuraufenthalt und auch
jener seiner Ehefrau seien nicht zwingend erforderlich gewesen. Eine entsprechende
Kur hätte auch in der Schweiz durchgeführt werden können.
B.
B.a Am 23. April 2018 liess der EL-Ansprecher (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 6. März 2018 erheben (act. G
1). Er liess die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheides und die
Zusprache einer Ergänzungsleistung mit Wirkung ab Juni 2015 beantragen. Zur
Begründung liess er anführen, das Migrationsamt habe den Auslandsaufenthalt
bewilligt. Er befinde sich seit dem Jahr 1986 in der Schweiz. Er habe hier seine Kinder
grossgezogen und auch „immer“ gearbeitet. Die besondere Affinität zur Schweiz sei
ausgewiesen. Aus finanziellen Gründen hätten die Badekuren und Meerbäder nicht in
der Schweiz absolviert werden können. Die Diagnose hätte wohl nicht für die
Bewilligung einer Badekur auf Kosten der Krankenkasse ausgereicht, zumal seine
Ehefrau und er ja nicht mehr erwerbstätig gewesen seien. Die Dreimonatsfrist gemäss
der Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV (WEL) sei nicht
massgebend, da der Auslandsaufenthalt nicht während eines laufenden EL-Bezuges,
sondern vor der Anmeldung zum EL-Bezug erfolgt sei.
B.b Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am

8. Mai 2018 unter Verweis auf die Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid
die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.c Der Beschwerdeführer liess keine Replik einreichen (vgl. act. G 4).
Erwägungen
1.
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Den Gegenstand des mit dem angefochtenen Entscheid abgeschlossenen
Einspracheverfahrens und des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens hat die Frage
gebildet, ob der Beschwerdeführer (erstmals) einen Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung zu seinerAltersrente der AHV gehabt hat. Diese Frage hat
umfassend geprüft werden müssen. Das Dispositiv des Rückweisungsurteils EL
2016/30 des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 3. Oktober 2017 hat
sich nämlich auf die Verpflichtung der Beschwerdegegnerin zur materiellen Prüfung der
am 1. Juli 2015 bei der AHV/IV-Zweigstelle eingegangenen Anmeldung zum EL-Bezug
beschränkt. Jenes Urteil hat deshalb für das nun hängige Beschwerdeverfahren keine
massgebende (bzw. präjudizierende) Bedeutung. Auch in diesem Beschwerdeverfahren
muss folglich umfassend geprüft werden, ob der Beschwerdeführer im massgebenden
Zeitraum ab Juni 2015 einen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung gehabt hat.
2.
2.1 Laut dem klaren Wortlaut des Art. 5 Abs. 1 ELG haben Ausländer nur dann einen
Anspruch auf Ergänzungsleistungen, wenn sie sich rechtmässig in der Schweiz
aufhalten und wenn sie sich unmittelbar vor dem Zeitpunkt, ab dem die
Ergänzungsleistung verlangt wird, während zehn Jahren ununterbrochen in der
Schweiz aufgehalten haben. Zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und
dem Herkunftsland des Beschwerdeführers besteht kein
Sozialversicherungsabkommen, das eine vom Art. 5 Abs. 1 ELG abweichende
Regelung zur sogenannten Karenzfrist enthielte. Der Sinn und Zweck der Karenzfrist
besteht offenkundig darin, jene Personen vom Bezug einer Ergänzungsleistung
auszuschliessen, die zwar die allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen des Art. 4 ELG
erfüllen, aber keine intensive Bindung zur Schweiz aufweisen (vgl. Ralph Jöhl/Patricia
Usinger, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, Rz. 32). An sich
müsste die Prüfung der Frage, ob eine ausreichende Affinität zur Schweiz vorliegt,
anhand sämtlicher Umstände des konkreten Einzelfalls geprüft werden. Wohl aus
Beweiserleichterungsgründen hat der Gesetzgeber sich aber gegen eine solche
umfassende Prüfung des Einzelfalles entschieden und stattdessen ein weitgehend
formalisiertes Kriterium aufgestellt, indem er entweder die Schweizer
Staatsangehörigkeit oder aber einen ununterbrochenen Aufenthalt in der Schweiz
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vorausgesetzt hat, der unmittelbar vor der Anmeldung mindestens zehn Jahre
angedauert haben muss. Die hohe Hürde eines ununterbrochenen zehnjährigen
Aufenthaltes in der Schweiz unmittelbar vor der Anmeldung zum Leistungsbezug, die
nur von Ausländern gemeistert werden muss, verletzt das Gleichbehandlungsgebot
und erweist sich somit als verfassungswidrig. Gemäss dem Art. 190 BV sind aber auch
verfassungswidrige Bestimmungen eines Bundesgesetzes für die Gerichte und für die
rechtsanwendenden Behörden verbindlich. In der Lehre ist für eine Auslegung des Art.
5 Abs. 1 ELG plädiert worden, die immerhin die schwerwiegendste
Ungleichbehandlung beseitigen würde: „Wer sich bereits seit zehn Jahren oder mehr
ununterbrochen in der Schweiz aufgehalten und damit eine ausreichende Affinität zur
Schweiz entwickelt hat, der soll sich mit einem triftigen Grund bis zu einem Jahr im
Ausland aufhalten können (...) In diesen Fällen ist der Begriff ‚unmittelbar‘ nicht wörtlich
zu nehmen“ (Jöhl/Usinger, a.a.O., Rz. 33). Ausgehend vom Sinn und Zweck des Art. 5
Abs. 1 ELG (ausreichende Affinität zur Schweiz) und im Interesse einer möglichst
verfassungskonformen Auslegung ist diese Auffassung zwar nachvollziehbar, aber der
eindeutige Wortlaut des Art. 5 Abs. 1 ELG, der die Erfüllung der Karenzfrist ohne jede
Ausnahme unmittelbar vor der Anmeldung zum Leistungsbezug verlangt, schliesst eine
solche Interpretation aus, denn diese hätte zur Folge, dass dieser Teil des Art. 5 Abs. 1
ELG völlig ignoriert werden müsste. Bei der Anspruchsprüfung darf es also einzig
darauf ankommen, ob sich ein EL-Ansprecher, der kein Schweizer Staatsangehöriger
ist, in den zehn Jahren vor dem Zeitpunkt, ab dem die Ergänzungsleistungen verlangt
werden, ununterbrochen in der Schweiz aufgehalten hat.
2.2 Würde man den Wortlaut des Art. 5 Abs. 1 ELG auch in Bezug auf das Wort
ununterbrochen als absolut klar betrachten, müsste jedes Verlassen der Schweiz, auch
nur für wenige Stunden oder sogar Minuten, den Lauf der Karenzfrist unterbrechen, so
dass diese zehnjährige Frist wieder von Neuem zu laufen begänne. Nähme man das
Wort ununterbrochen völlig ernst, wären die EL-Ansprecher also gezwungen, sich
selbst in der Schweiz „einzusperren“, und zwar bereits zu einer Zeit, in der sie noch gar
nicht wissen könnten, dass sie einmal in die Lage kommen würden, ihren
Existenzbedarf nur noch dank Ergänzungsleistungen decken zu können. Angesichts
des Zweckes der Karenzfrist, durch deren Erfüllung die Fiktion einer ausreichenden
Affinität zur Schweiz entstehen zu lassen, kann das Wort ununterbrochen nicht dem
wahren Willen des Gesetzgebers entsprechen, denn die Affinität zur Schweiz geht nicht
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verloren, nur weil die betreffende Person einige Stunden ins Ausland geht, um dort
einzukaufen, weil sie einige Tage im Ausland verbringt, um Verwandte oder Bekannte
zu besuchen, oder weil sie zwei oder drei Wochen im Ausland Ferien macht. Das Wort
ununterbrochen ist also teleologisch so zu interpretieren, dass der Gesetzgeber damit
eigentlich ohne längeren Unterbruch gemeint hat (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
3. Aufl. 2015, Art. 13 N 27: „[...] dass Art. 13 Abs. 2 ATSG unter gewöhnlichem
Aufenthalt den effektiven Aufenthalt versteht, der nach dem Willen der versicherten
Person während einer gewissen Zeit aufrechterhalten bleiben soll“). Anders als beim
Erfordernis der Erfüllung der Karenzfrist unmittelbar vor dem möglichen
Anspruchsbeginn wird das Wort ununterbrochen durch diese Abweichung von seinem
engsten Begriffskern nicht zum toten Buchstaben, denn dem entsprechenden Anliegen
des Gesetzgebers wird in einer dem Sinn und Zweck der Karenzfrist Rechnung
tragenden Interpretation vollumfänglich nachgekommen. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers kann diese teleologische Interpretation des Wortes ununterbrochen
nicht in einer analogen Anwendung der migrationsrechtlichen Regelung bestehen, denn
diese verfolgt einen anderen Zweck als der Art. 5 Abs. 1 ELG und enthält
dementsprechend andere Vorgaben bezüglich der Dauer des Unterbruchs des
Aufenthaltes in der Schweiz, die eine Niederlassungsbewilligung erlöschen lässt (vgl.
Art. 61 Abs. 2 AIG). Das Bundesamt für Sozialversicherungen als Aufsichtsbehörde hat
den EL-Durchführungsstellen eine Interpretation des Wortes ununterbrochen
vorgegeben, indem es in seiner Wegleitung über die Ergänzungsleistungen (WEL) eine
analoge Anwendung der Weisungen im Zusammenhang mit der Aufhebung einer
laufenden Ergänzungsleistung bei einem Unterbruch des gewöhnlichen Aufenthaltes in
der Schweiz vorgesehen hat (Rz. 2410.02 WEL). Diese Weisungen ordnen an (Rz.
2330.01 ff. WEL), dass eine laufende Ergänzungsleistung aufzuheben sei, wenn sich ein
EL-Bezüger ohne einen triftigen oder zwingenden Grund mehr als drei Monate (bzw.
wenigstens 92 Tage am Stück) im Ausland aufhalte. Als triftige Gründe kämen nur
berufliche Zwecke oder eine Ausbildung in Frage; als zwingende Gründe gälten nur
gesundheitliche Gründe oder andere Formen höherer Gewalt, die eine Rückkehr in die
Schweiz verunmöglichten. Diese Verwaltungsweisung ist zwar das Ergebnis einer sehr
versichertenfreundlichen Interpretation des Wortes ununterbrochen durch das
Bundesamt für Sozialversicherungen, dürfte aber durch den Sinn und Zweck des Art. 5
Abs. 1 ELG abgedeckt sein; zumindest entspricht das einer langjährigen
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höchstrichterlichen Rechtsprechung. Für den hier zu beurteilenden Fall ist deshalb
davon auszugehen, dass die Interpretation des Bundesamtes für Sozialversicherungen,
laut der erst ein Auslandsaufenthalt von mehr als drei Monaten zu einem Unterbruch
der Karenzfrist führt, sofern nicht triftige oder zwingende Gründe eine frühere Rückkehr
in die Schweiz verunmöglicht haben, im Einklang mit dem Sinn und Zweck der
gesetzlichen Regelung steht. Die höchstrichterliche Rechtsprechung hat nicht nur die
Maximaldauer von drei Monaten, sondern auch die Fiktion, dass jeder
Auslandsaufenthalt von weniger als drei Monaten den Aufbau einer ausreichenden
Affinität zur Schweiz nicht zu hindern vermöge, als mit dem Sinn und Zweck des Art. 5
Abs. 1 ELG konform akzeptiert. Diese Auffassung überzeugt, da die Karenzfrist selbst
ja ebenfalls eine Fiktion, nämlich das Bestehen einer ausreichenden Affinität zur
Schweiz nach einem zehnjährigen Aufenthalt in der Schweiz, aufstellt. Der
Beschwerdeführer hat zwar geltend gemacht, für die Karenzfrist müsse eine
grosszügigere Regelung als für den Unterbruch einer laufenden Ergänzungsleistung zur
Anwendung kommen, aber eine überzeugende Begründung für diese noch weiter vom
Begriffskern des Wortes ununterbrochen entfernte Interpretation hat er nicht zu liefern
vermocht. Bei einem Auslandsaufenthalt von mehr als drei Monaten muss nach dieser
Interpretation davon ausgegangen werden, dass in Fällen wie dem hier zu
beurteilenden ein EL-Ansprecher an seinem ausländischen Aufenthaltsort eine
„gewisse Zeit“ bleiben will, dass er also dort, wenn auch nur vorübergehend seinen
gewöhnlichen Aufenthalt haben will. Da ein EL-Ansprecher nach dem Sinn und Zweck
des Art. 5 Abs. 1 ELG seinen gewöhnlichen Aufenthalt nicht gleichzeitig in der Schweiz
und im Ausland haben kann, muss der gewöhnliche Aufenthalt in der Schweiz
notwendigerweise am Reisetag enden, denn am folgenden Tag hat der EL-Ansprecher,
der sich mehr als drei Monate an einem bestimmten Ort im Ausland aufhalten will,
seinen gewöhnlichen Aufenthalt an diesem neuen Ort.
2.3 Der Beschwerdeführer hat sich gemäss den Akten von März bis Dezember 2014 in
seinem Herkunftsland aufgehalten. Dieser Auslandsaufenthalt hat also etwa neun
Monate und damit deutlich länger als drei Monate gedauert. Der Beschwerdeführer hat
keinen triftigen oder zwingenden Grund für diesen langen Auslandsaufenthalt anführen
können. Zunächst hat er (auch gegenüber dem Migrationsamt) angegeben, es habe
sich um einen Ferien- und Besuchsaufenthalt gehandelt. Später hat er zwar ergänzend
geltend gemacht, er und seine Ehefrau hätten im Herkunftsland auch medizinische
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Behandlungen in Anspruch genommen, die sie sich in der Schweiz nicht hätten leisten
können. Aber das bedeutet nicht, dass der Beschwerdeführer und seine Ehefrau sich
zwingend ununterbrochen neun Monate lang aus rein medizinischen Gründen hätten im
Herkunftsland aufhalten müssen. Immerhin hat der Beschwerdeführer ja selbst
eingeräumt, dass weder er noch seine Ehefrau an einer Gesundheitsbeeinträchtigung
gelitten hätten, die von der Krankenkasse als behandlungsbedürftig qualifiziert worden
wäre. Es mag zwar in Einzelfällen vorkommen, dass die Krankenkasse eine
Kostengutsprache verweigert, obwohl eine gewisse Behandlungsbedürftigkeit besteht,
aber es ist undenkbar, dass die Krankenkasse eine Kostengutsprache verweigert,
obwohl medizinisch zwingend eine ununterbrochen neun Monate dauernde
Behandlung notwendig wäre. Wenn eine derart intensive medizinische Behandlung
erforderlich gewesen wäre, dann hätte zumindest eine teilweise Kostengutsprache der
Krankenkasse erwartet werden können. Im Anwendungsbereich des KVG spielt die
Frage, ob eine versicherte Person erwerbstätig ist, übrigens keine Rolle. Wenn die
Krankenkasse eine Kostengutsprache für einen Kuraufenthalt erteilt hätte, hätte das
Ehepaar lediglich die Kostenbeteiligung gemäss dem Art. 64 KVG selbst tragen
müssen. Die Kosten wären also auch bei einer Behandlung in der Schweiz
überschaubar gewesen. Da der Beschwerdeführer selbst angegeben hat, dass der
Auslandsaufenthalt nicht nur der medizinischen Behandlung, sondern auch Besuchs-
und Ferienzwecken gedient habe, da er eingeräumt hat, dass weder er noch seine
Ehefrau an einer Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten hätten, die eine Leistungspflicht
der obligatorischen Krankenpflegeversicherung hätte begründen können, und da die
von ihm eingereichten – nicht übersetzten – Unterlagen lediglich einen zehntägigen
Kuraufenthalt des Ehepaares im November 2014 belegen, steht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Dauer des
Auslandsaufenthaltes nicht zwingend medizinisch begründet gewesen ist. Der
Beschwerdeführer hat sich folglich im Jahr vor der Anmeldung zum
Ergänzungsleistungsbezug aus freiem Willen für deutlich mehr als drei Monate
ausserhalb der Schweiz aufgehalten. Die Karenzfrist ist damit unterbrochen worden
und hat am Rückreisetag neu zu laufen begonnen. Da die zehnjährige Frist am Tag, ab
dem der Beschwerdeführer Ergänzungsleistungen beansprucht hat, offensichtlich noch
nicht erfüllt gewesen ist, hat kein Anspruch auf eine Ergänzungsleistung bestanden.
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Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich folglich als rechtmässig, weshalb
die Beschwerde abzuweisen ist.
3.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Der unterliegende
Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.