Decision ID: 46db339c-98cb-50df-adc0-1d5e640cd8c7
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1967 geborene A_ hatte sich am 18. Juni 2004 (Suva-act. 115, 141/208)
ein erstes Mal bei der Invalidenversicherung angemeldet. Gemäss Bericht von Internist
FMH med. pract. B_ vom 23. Juli 2004 (Suva-act. 115, 180/208) sei der Versicherte
anfällig auf Beschwerden aller Art. Er zeige eine Somatisierungstendenz ohne harte bzw.
mit ständig wechselnden Befunden. Wenn er eine Rente im Kopf habe, sei der Zug
abgefahren, da er dann unbewusst Krankheiten und Unfälle provoziere. Die Invaliden-
versicherung wies das Leistungsgesuch bei einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer
körperlich nicht zu anstrengenden Tätigkeit mit Verfügung vom 17. September 2004 (Suva-
act. 115, 154/208) ab.
B. B.1
Gemäss Schadenmeldung UVG der Appenzeller Bahnen AG vom 1. Mai 2014 (Suva-
act. 2) habe der bei ihr seit Oktober 1991 als Werkstattspengler tätige Versicherte am
29. April 2014 um 18.20 Uhr zwischen Heiden und Oberegg in seinem Lieferwagen in einer
Rechtskurve unverschuldet eine Frontalkollision erlitten und sich dabei wie folgt verletzt:
Quetschung von Rippen und Brustkorb, am rechten Fuss Bruch des ersten Zehs und
Seite 3
Auskugelung des zweiten sowie kleinere offene Wunden und Prellungen, am linken Fuss
Stauchung des Ballens und diverse Kratzer, am Kopf Beule an der Stirn vorn rechts sowie
an der linken Hand leichte Stauchung.
B.2
Aus dem Unfallrapport der Kantonspolizei Ausserrhoden vom 24. Juni 2014 (Suva-act. 102)
geht u.a. hervor, dass sich der Versicherte vom Spital aus an die Opferhilfestelle gewendet
und einen Strafantrag gegen die Unfallverursacherin wegen fahrlässiger Körperverletzung
gestellt habe.
B.3
Am 9. Juli 2014 (Suva-act. 115, 11/208) meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle
wegen unfallbedingten Beschwerden an. Mit Verfügung vom 27. Februar 2015 (Suva-
act. 199) wies diese das Leistungsbegehren ab, da er seit Januar 2015 wieder vollständig
erwerbstätig sei.
B.4
Gemäss Bericht von Orthopädin FMH Dr. C_ vom 17. Dezember 2015 (Suva-act. 283; s.
auch deren Bericht vom 26. Februar 2016 [Suva-act. 303], wonach Verdacht auf eine
Ulnaris-Läsion zufolge Überdehnung beim Unfall bestehe, bei allerdings fehlender
objektivierbarer peripherer neurologischer Störung) liege an den Fingern IV und V links eine
Sensibilitätsstörung bis zum Ellbogen nach dem Schlafen oder bei längerem Halten eines
Gegenstandes vor. Die Ellbogengelenke seien jedoch frei beweglich, der Faustschluss
beidseits komplett und die periphere Sensomotorik sowie Durchblutung regelrecht.
B.5
Gemäss Bericht von Neurologin FMH Dr. D_ vom 3. April 2016 (Suva-act. 311) verspüre
der Versicherte seit dem Unfall Schmerzen im linken Ellbogen mit Ausstrahlung entlang der
Ellenseite des linken Unterarms. Morgens seien die Finger IV und V links in Krallenstellung
und er verspüre an der Ellenseite des linken Unterarms ein "Krüseln" mit Taubheitsgefühl.
Entlang der ulnaren Seite des linken Unterarms und an den Fingern IV und V links volar
und dorsal bestehe eine Hyposensibilität. Elektrophysiologisch sei keine relevante
motorische Läsion des N. ulnaris links nachweisbar. Die Befunde seien vereinbar mit einem
Sulcus ulnaris-Syndrom links und einem leichtgradigen, rein sensiblen Carpaltunnel-
syndrom (CTS) links.
Seite 4
B.6
In dem seit Ende April 2014 geführten Schmerztagebuch erwähnte der Versicherte am
20. April 2016 erstmals Schmerzen im linken Ellbogen, während zuvor von Schmerzen an
Daumen, Hand und Arm links die Rede gewesen war (Suva-act. 334).
B.7
Mit Schreiben vom 15. April 2016 (Suva-act. 318) meinte Orthopädin FMH Dr. E_, dass
eine relative Indikation zur Dekompression des N. ulnaris mit Verlagerung am Ellbogen
mittels Operation vom 20. April 2016 bestehe.
B.8
Daraufhin meinte Suva-Kreisarzt und Orthopäde Dr. F_ mit Stellungnahme vom 18. April
2016 (Suva-act. 319), dass echtzeitlich und auch zwei Wochen nach dem Unfall vom
29. April 2014 keine Beschwerden am linken Ellbogen erwähnt worden seien, sondern nur
an der linken Hand, erstere also überwiegend wahrscheinlich nicht Folge dieses Unfalls
seien. Mit Schreiben vom 18. April 2016 (Suva-act. 322) verneinte die Suva deshalb eine
Leistungspflicht für die Beschwerden am linken Ellbogen. Gemäss Telefonnotiz gleichen
Datums (Suva-act. 323) habe der Versicherte gemeint, er wisse nicht, ob er den Ellbogen
beim Unfall angeschlagen habe. Obwohl dieser nicht verletzt gewesen sei, habe er seit
dem Unfall diese ausstrahlenden Schmerzen.
B.9
Der linke Ellbogen wurde am 20. April 2016 durch Dr. E_ mittels Verlagerungsplastik des
N. ulnaris operiert (Suva-act. 330). Mit Schreiben vom 9. Mai 2016 (Suva-act. 349, 3/8)
vertrat die Orthopädin gegenüber RA AA_ die Meinung, die Beschwerden am linken
Ellbogen seien überwiegend wahrscheinlich Folge des fraglichen Unfalls, da die starke
Quetschung und Einengung des N. ulnaris durchaus durch ein traumatisches Hämatom
bedingt sein könnten. In der Folge ersuchte der Versicherte die Suva mit Schreiben vom
15. Juni 2016 (Suva-act. 349, 1/8) um Anerkennung dieser Kausalität.
B.10
Nach einer Aktenbeurteilung durch Kreisarzt Dr. F_ vom 24. bzw. 27. Juni 2016 (Suva-
act. 352), wonach zwischen dem fraglichen Unfall und den Beschwerden am linken Ell-
bogen überwiegend wahrscheinlich kein Zusammenhang bestehe, lehnte die Suva dies-
bezügliche Leistungen mit Verfügung vom 28. Juni 2016 (Suva-act. 353) ab.
Seite 5
B.11
Mit Schreiben vom 3. Juli 2016 (Suva-act. 362) teilte Hausarzt und Internist FMH Dr. G_
der Suva mit, der ihm seit 2005 bekannte Versicherte habe nie über Beschwerden am
linken Ellbogen geklagt. Angesichts der eindrücklichen Unfallbilder dürfte der linke Arm im
Sinne einer Kontusion und Distorsion traumatisiert worden sein. Bekanntlich könnten sich
Schädigungen des N. ulnaris durch Narben etc. auch erst nach Monaten zeigen.
B.12
Mit Schreiben vom 6. Juli 2016 (Suva-act. 363) kündigten die Appenzeller Bahnen das
Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten auf Ende Oktober 2016.
B.13
Mit Schreiben vom 22. Juli 2016 (Suva-act. 364) liess der Versicherte Einsprache gegen
die erwähnte Verfügung der Suva (lit. B.10 hiervor) erheben.
B.14
Die IV-Stelle teilte ihm mit Schreiben vom 29. September 2016 (Suva-act. 375) mit,
berufliche Massnahmen seien nicht zielführend, da er sich subjektiv nicht mehr arbeitsfähig
fühle.
B.15
Mit Stellungnahme vom 7. Dezember 2016 (Suva-act. 387) machte Kreisarzt Dr. F_
geltend, Dr. E_ habe am 9. Mai 2016 zwar die Möglichkeit einer traumatischen
Schädigung des Nervs durch ein unfallbedingtes Hämatom erwähnt, doch fänden sich in
den Akten keine Angaben betreffend eine äusserliche Verletzung oder ein Hämatom am
linken Ellbogen. In der Literatur würden denn auch primär idiopathische Formen eines
Sulcus ulnaris-Syndroms aufgrund angeborener Normvarianten beschrieben.
B.16
Daraufhin erging seitens der Suva am 15. Dezember 2016 (Suva-act. 397) ein abweisender
Einspracheentscheid.
C. C.1
Gegen diesen erhob der Versicherte mit Schreiben vom 27. Januar 2017 (act. 1)
Beschwerde mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen. Auf die Begründung wird -
soweit erforderlich - in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.
Seite 6
C.2
Mit Beschwerdeantwort vom 3. April 2017 (act. 5) beantragte die Suva die Abweisung der
Beschwerde, und mit Replik vom 22. Juni 2017 (act. 10) sowie Duplik vom 18. August 2017
(act. 12) beharrten die Parteien auf ihrem jeweiligen Standpunkt.
C.3
Nach Ergehen des Urteilsdispositivs am 13. Februar 2018 (act. 14) ersuchte der
Beschwerdeführer mit Schreiben vom 22. Februar 2018 (act. 15) um dessen Begründung.

Erwägungen
1. Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justiz-
gesetzes vom 13. September 2010 (JuG; bGS 145.31) beurteilt das Obergericht
Beschwerden gegen Entscheide, die in Anwendung von Sozialversicherungsrecht
ergangen sind. Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. 2.1
Die am 1. Januar 2017 in Kraft getretene grössere Revision des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung vom 20. März 1981 (UVG; SR 832.20) gemäss Änderung vom
25. September 2015 (AS 2016 4375) ist im vorliegenden Zusammenhang ohne Bedeutung.
Nach Art. 4 ATSG gilt als Unfall also weiterhin die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Wirkung eines äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat ein Versicherter Anspruch auf zweckmässige Behandlung der
Unfallfolgen.
2.2
Die Leistungspflicht einer Unfallversicherung gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und den eingetretenen gesundheitlichen Beschwerden ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen in diesem Sinn sind alle Umstände,
ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in
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der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent-
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen-
hanges nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesund-
heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen
Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt
hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die ein-
getretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1). Das Vorliegen eines
natürlichen Kausalzusammenhanges ist eine Tatfrage und muss mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen werden, wobei diesbezüglich die versicherte Person beweisbelastet ist. Im
Falle der Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aber
erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des im Verwaltungsverfahren
wie auch im kantonalen Sozialversicherungsprozess geltenden Untersuchungsgrundsatzes
aufgrund
einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6; Urteil
des Bundesgerichts 8C_263/2016 vom 24. August 2016 E. 4.2). Bei Entscheiden gestützt
auf versicherungsinterne ärztliche Beurteilungen, die im Wesentlichen oder ausschliesslich
aus dem Verfahren vor dem Sozialversicherungsträger stammen, sind strenge
Anforderungen an die Beweiswürdigung zu stellen: Bestehen auch nur geringe Zweifel an
der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, ist eine
versicherungsexterne medizinische Begutachtung im Verfahren nach Art. 44 ATSG oder
ein Gerichtsgutachten anzuordnen (BGE 139 V 225 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts
8C_847/2016 vom 5. April 2017 E. 3.2).
2.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem
Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines
Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein
als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 140 V 346 E. 3.1; Urteil des
Bundesgerichts 8C_326/2017 vom 13. Oktober 2017 E. 3)
2.4
Seite 8
Bei der Kausalität ist noch zu beachten, dass nach der Rechtsprechung zu den mass-
gebenden Ursachen auch Umstände gehören, ohne deren Vorhandensein die gesund-
heitliche Beeinträchtigung nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Eine schadens-
auslösende traumatische Einwirkung wirkt also selbst dann leistungsbegründend, wenn der
betreffende Schaden auch ohne das versicherte Ereignis früher oder später wohl
eingetreten wäre, der Unfall somit nur hinsichtlich des Zeitpunkts des Schadenseintritts
eine unerlässliche Bedingung ("conditio sine qua non") darstellte. Anders verhält es sich,
wenn der Unfall nur Gelegenheits- oder Zufallsursache ist, welche ein gegenwärtiges
Risiko, mit dessen Realisierung jederzeit zu rechnen gewesen wäre, manifest werden lässt,
ohne im Rahmen des Verhältnisses von Ursache und Wirkung eigenständige Bedeutung
anzunehmen.
Einem Ereignis kommt demzufolge der Charakter einer anspruchsbegründenden
Teilursache zu, wenn das aus der potentiellen pathogenen Gesamtursache resultierende
Risiko zuvor nicht dermassen gegenwärtig war, dass der auslösende Faktor gleichsam
beliebig und austauschbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts 8C_337/2016 vom 7. Juli
2016 E. 4.1).
3. 3.1
Vorliegend ist in materieller Hinsicht einzig die Frage zu klären, ob die Beschwerden am
linken Ellbogen Folge des Unfalls vom 29. April 2014 sind. Diesbezüglich wurde im
Einspracheentscheid auf die Beurteilungen Dr. F_ vom 23. Juni 2016 und vom
7. Dezember 2016 verwiesen, wonach weder bei der Erstbehandlung noch bei den
Nachkontrollen im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) eine Verletzung am linken Ellbogen
erwähnt worden sei. Auch der Versicherte selber habe kein Anschlagen des linken Arms
bzw. Ellbogens während des fraglichen Unfallgeschehens erwähnt. Beschwerden am linken
Arm
seien erstmals von Dr. G_ im Schreiben vom 8. Dezember 2015 erwähnt worden, also
mehr als 1.5 Jahre nach dem Unfall. Dr. E_ habe zwar am 15. April 2016 über einen
schweren Anprall der oberen Extremität beim Unfall berichtet, doch habe der Versicherte
gemäss Telefonnotiz vom 18. April 2016 selber gemeint, er wisse nicht, ob er den Ellbogen
beim Unfall angeschlagen habe. Wenn er nun von einer Gewalteinwirkung auf den linken
Arm spreche, die durch die Fotos der zerstörten Führerkabine belegt werde,widerspreche
er sich selber. Ausserdem seien aus diesen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
Rückschlüsse auf erlittene Verletzungen zu ziehen, zumal echtzeitlich keine Verletzung des
linken Ellbogens dokumentiert worden sei. Da mithin kein natürlicher Kausalzusammen-
hang zwischen den dortigen Beschwerden und dem Unfall vorliege, müsse auch die
Adäquanz nicht mehr geprüft werden.
Seite 9
3.2
Dem hielt der Versicherte in der Beschwerde über die bereits in der Einsprache geltend
gemachten Argumente hinaus entgegen, in den von der Suva erwähnten Stellungnahmen
Dr. F_ würden sich keine genauen Angaben betreffend Ursache der Beschwerden am
linken Ellbogen finden. Diese widersprächen jedenfalls den Einschätzungen der Dres. E_
und G_, und Zweifel bestünden auch in Anbetracht der Fotos vom Unfall.
3.3
In der Beschwerdeantwort stellte sich die Suva auf den Standpunkt, der Versicherte könne
aus der unfallbedingten Verletzung des linken Handgelenkes nichts betreffend linken Ell-
bogen ableiten, wo erstmals Beschwerden mit grosser zeitlicher Latenz aufgetreten und
berichtet worden seien. Dr. E_ gehe von einem falschen Unfallhergang aus, da der
Versicherte nicht gefallen, sondern bei einer Frontalkollision verletzt worden sei. Es wirke
widersprüchlich, wenn sie behaupte, die Ellbogenbeschwerden seien überwiegend
wahrscheinlich unfallbedingt, während sie die Quetschung des Nervs durch ein
traumatisches Hämatom nur als möglich bezeichne. Auch hätten Dr. E_ und Dr. G_ -
anders als Dr. F_ - nicht in Kenntnis sämtlicher Akten Stellung genommen.
3.4
In der Replik entgegnete der Beschwerdeführer, der Unfall sei so schwer gewesen, dass er
durch die Feuerwehr aus der völlig zerstörten Führerkabine seines Lieferwagens habe
geschnitten werden müssen. Durch die heftige Frontalkollision sei der linke Arm wohl nach
seitlich hinten weggedrückt worden, wobei er samt Ellbogen gegen die linke Tür des
Lieferwagens geschlagen habe und eingeklemmt worden sei. Das KSSG habe denn auch
bereits am 7. Juli 2014 über in den linken Unterarm ziehende Schmerzen bei Belastung
berichtet, und aus den Akten sei keine andere Ursache der Ellbogenbeschwerden
ersichtlich.
4. 4.1
Angesichts der grossen Latenz zwischen dem Unfall vom 29. April 2014 und den im
Schmerztagebuch vom Versicherten selber erstmals am 20. April 2016 (Suva-act. 334)
erwähnten Schmerzen am linken Ellbogen erscheint ein Kausalzusammenhang als sehr
fraglich, zumal von solchen Beschwerden von Seiten des Versicherten erstmals kurz davor
in der Telefonnotiz der Suva seines Anrufs vom 12. April 2016 (Suva-act. 314), wonach ein
beim Unfall beim linken Ellbogen eingeklemmter Nerv operiert werden müsse, und im
Schreiben Dr. E_ an Dr. G_ vom 15. April 2016, wonach eine relative Indikation zur
Dekompression des N. ulnaris mit Verlagerung am Ellbogen links mit Operation am
20. April 2016 vorliege, nach dieser Operation aber regelmässig von Beschwerden am
linken Ellbogen die Rede war.
Seite 10
4.2
Daran ändert auch der Umstand nichts, dass es im Bericht des KSSG vom 7. Juli 2014
(Suva-act. 62) geheissen hatte, beim Unfall habe das Lenkrad die [linke] Hand und den
Daumen nach hinten gedrückt, weshalb seither Schmerzen in letzterem auf Höhe des
Metacarpophalangealgelenkes bestünden, wo eine deutliche Schwellung und
sonographisch eine Ruptur des ulnaren Kollateralbandes am distalen Ansatz sowie fraglich
ein kleines knöchernes Fragment feststellbar seien. Auf den Versuch der Suva gemäss
Schreiben vom 15. September 2015 (Suva-act. 253), die Leistungen mangels namhafter
Besserung der Beschwerden durch weitere Physiotherapie auf Ende Oktober 2015
einzustellen, ersuchte Dr. G_ mit Schreiben vom 23. September 2015 (Suva-act. 256)
um eine Untersuchung durch den Kreisarzt der Suva, da u.a. weiterhin weniger Kraft in der
linken Hand vorliege. Stattdessen wurde auf Anregung von Kreisärztin H_ die Orthopädie
am Rosenberg einbezogen. Dr. G_ sprach gegenüber der dortigen Orthopädin und
Schmerztherapeutin Dr. C_ am 8. Dezember 2015 (Suva-act. 281) u.a. von Schmerzen
im linken Arm, woraufhin diese am 17. Dezember 2015 über eine Sensibilitätsstörung des
vierten und fünften Fingers bis zum Ellbogen links nach dem Schlafen oder bei längerem
Halten eines Gegenstandes, jedoch über frei bewegliche Ellbogengelenke, einen beidseitig
kompletten Faustschluss sowie über eine regelrechte periphere Sensomotorik und Durch-
blutung berichtete und zu einer psychologischen Behandlung wegen einer
Schmerzverarbeitungsstörung und eines Unfalltraumas riet, wofür die Suva am 4. Januar
2016 (Suva-act. 288) in der Person von Dr. J_ Kostengutsprache leistete.
4.3
Trotz Fehlens einer objektivierbaren peripheren neurologischen Störung äusserte Dr. C_
mit Bericht vom 26. Februar 2016 dann den Verdacht auf eine Läsion des N. ulnaris zufolge
Überdehnung beim Unfall. Da die grobe Kraft weiterhin seitengleich und regelrecht war,
ebenso die Sensomotorik und Durchblutung sowie die Beweglichkeit der Schulter- und
Ellbogengelenke, sah sie zwar keine Zustandsverbesserung mehr bezüglich der diskreten
Sensibilitätsminderung an den beiden beugeseitigen ulnaren Fingern links, riet aber
trotzdem noch zu einer Abklärung durch Handchirurgin Dr. E_. Diese zog ihrerseits
Neurologin Dr. D_ bei, gemäss deren Bericht vom 3. April 2016 seit dem Unfall
Schmerzen im linken Ellbogen mit Ausstrahlung entlang der Ellenseite des linken
Unterarms bestünden - diese Behauptung läuft der dargestellten Aktenlage klar zuwider -,
die inzwischen schlimmer geworden seien. Trotz Hyposensibilität entlang der ulnaren Seite
des linken Unterarms und an den Fingern IV und V links volar und dorsal sei
elektrophysiologisch keine relevante motorische Läsion des N. ulnaris nachweisbar. Die
Befunde seien aber mit einem Sulcus ulnaris-Syndrom und einem leichtgradigen, rein
Seite 11
sensiblen CTS-Syndrom vereinbar, woraufhin Dr. E_ gegenüber Dr. G_ die bereits
erwähnte Operationsindikation erwähnte.
4.4
In Anbetracht dessen wies Kreisarzt und Orthopäde Dr. F_ mit Stellungnahme vom
18. April 2016 zu Recht darauf hin, dass echtzeitlich und auch zwei Wochen nach dem
Unfall keine Traumafolgen am linken Ellbogen festgehalten worden seien, sondern nur an
der linken Hand. Die Suva verneinte in der Folge richtigerweise eine Leistungspflicht für die
auf den 20. April 2016 geplante Operation des linken Ellbogens. Die anlässlich dieser beim
N. ulnaris festgestellten Befunde mit Verschmälerung und Sanduhrphänomen mit
aufgequollenem Anteil führte die Operateurin mit Schreiben vom 9. Mai 2016 mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurück, relativierte diese Einschätzung
allerdings gleich selber, indem sie meinte, die starke Einquetschung und Einengung des N.
ulnaris könne durchaus von einem traumatisch bedingten Hämatom herrühren.
4.5
Der Bemerkung Dr. G_ vom 3. Juli 2016, dass der ihm seit 2005 bekannte Versicherte
vorher nie über Beschwerden am linken Ellbogen geklagt habe, hielt die Suva zu Recht
entgegen, dass eine Beweismaxime im Sinne von post hoc, ergo propter hoc nicht zulässig
ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_230/2017 vom 22. Juni 2017 E. 6.2.2). Die Vermutung
bzw. der Schluss Dr. G_, dass in Anbetracht der eindrücklichen Unfallbilder der linke Arm
ebenfalls traumatisiert worden sei bzw. sein müsse, ist ebenso unzulässig. Vielmehr wurde
gemäss KSSG-Bericht vom 7. Juli 2014 beim Unfall die linke Hand mitsamt Daumen durch
das Lenkrad nach hinten gedrückt, weshalb seither Schmerzen im Daumen auf Höhe des
Metacarpophalangealgelenks bestünden. Der Einschätzung Dr. G_, dass sich eine
Schädigung des N. ulnaris durch Narben etc. auch erst nach Monaten zeigen könne,
entgegnete Kreisarzt Dr. F_ mit seiner dritten Stellungnahme vom 7. Dezember 2016 in
nachvollziehbarer und beweistauglicher Weise, dass bei sich intraoperativ zeigenden
Luxationen in der Literatur primär von idiopathischen Formen eines Sulcus ulnaris-
Syndroms ohne primär ersichtliche Ursache ausgegangen werde. Entgegen der Ansicht
des Beschwerdeführers muss die Suva keinen Grund für die Beschwerden am linken
Ellbogen nennen, sondern nur darlegen, dass ihm der Nachweis einer überwiegend
wahrscheinlichen Ursache des Unfalls vom 29. April 2014 für die Beschwerden am linken
Ellbogen misslingt, wovon nach dem Dargestellten vorliegend auszugehen ist. Die
Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
5. 5.1
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG).
Seite 12
5.2
Es ist keine Parteientschädigung auszurichten, da der Beschwerdeführer unterliegt (Art. 61
lit. g ATSG i.V.m. Art. 1 UVG e contrario) und da die obsiegende Suva eine staatliche
Einrichtung ist (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015, Art. 61 N 200).
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