Decision ID: b001e7e0-88e6-41ed-97bb-325702eeedef
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1982,
Mutter
von zwei Kindern (Jahrgang 2010 und 2012; Urk. 9/7 Ziff. 3.1),
war
seit 4. November 2013
in einem Pensum von 40 % als Kassiererin tätig (
Urk. 9/7 Ziff. 5.4;
Urk.
9/
14
Ziff.
2.1)
, als sie sich am
4. Dezember
2014 unter Hinweis auf eine Brustkrebserkrankung bei der Inva
liden
versicherung
zum Leistungsbezug
anmeldete (Urk. 9/
7
Ziff.
6.2
).
Die Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte
in der Folge
die medi
zi
nische
(Urk. 9/15-16, Urk. 9/20, Urk. 9/25, Urk. 9/27-28, Urk. 9/31)
und erwerb
li
che
(Urk. 9/12, Urk. 9/14)
Situation
ab und zog Akten der Krankentaggeld
ver
sicherung bei (Urk. 9/22). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 9/33-34, Urk. 9/
37, Urk. 9/39) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 29. Juni 2017 einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 9/42 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
24. August 2017
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
29. Juni 2017
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und
die Sache sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie weitere Abklärungen tätige, insbesondere eine externe psychiatrische Begutachtung in Auftrag gebe
(Urk.
1 S.
1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2. Oktober 2017
(Urk.
8
) die Abweisung der Beschwerde. Mit Gerichtsverfügung vom
30. Oktober 2017
wurde antragsgemäss (vgl. Urk.
1
S. 1
) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk.
10
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Wartezeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit einge
treten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen). Unter relevanter Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Bestimmung ist eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss arbeits
rechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungs
vermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entspre
chender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitsgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Mit anderen Worten: Die Leistungseinbusse muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Umgekehrt ist eine in der beruf
lichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Person tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeugenden) medizinischen Einschät
zung, die
ordentlicherweise
echtzeitlicher Natur ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nach
weis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annahmen
und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2012 vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befan
gen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versiche
rungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versiche
rungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung vom 29. Juni 2017 (Urk. 2) aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 21. August 2014 arbeits
unfähig geschrieben (S. 1). Das Wartejahr sei zwar erreicht worden, jedoch liege aus versicherungsmedizinischer Sicht kein langandauernder und erheblicher Ge
sundheitsschaden vor. Die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradig, könne nicht
nach
vollzogen werden, da die Beschwer
deführerin vor der Tumorerkrankung psychisch nicht eingeschränkt gewesen sei. Aus den medizinische
n
Unterlagen sei zu entnehmen, dass es immer wieder zu einer leichten Verbesserung gekommen sei (Juni sowie Oktober 2016). Die von den Ärzten attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit könne
ebenfalls
nicht nach
vollzogen werden (S. 2).
Im Rahmen der Beschwerdeantwort (Urk. 8) machte die Beschwerdegegnerin weiter geltend, aufgrund der somatischen Leiden bestehe seit Mitte Juli 2015 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Arbeitsunfähigkeit mehr in einer ange
passten Tätigkeit. Bezüglich der psychischen Leiden bestehe eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode. Aus den vorlie
gen
den medizinischen Berichten gehe hervor, dass es sich hierbei um eine reaktive Depression auf die Brustkrebserkrankung handle. Eine reaktive Depression stelle nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung keinen Gesundheitsschaden dar, der eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit und damit eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG auszulösen vermöge. Selbst wenn jedoch die rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode unterdessen einen selbständigen Krankheitswert erlangt hätte, gelte sie
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung als grundsätzlich therapierbar. Denn
die Erfahrungen aus der Psychiatrie zeigten, dass sich Depressionen gut behan
deln lassen würden. Es sei keine Therapieresistenz ausgewiesen worden. Die Beschwerdeführerin habe
sich
noch nie
stationär
in einer
psychiatrischen Klinik aufgehalten
. Das reaktive depressive Geschehen stelle somit keinen invalidisie
renden Gesundheitsschaden dar. Aufgrund der eingeholten Arztberichte lasse sich der Sachverhalt klar bestimmen und die Einholung eines externen psychia
tri
schen Gutachtens erweise sich als nicht notwendig. Nach dem Gesagten könne ergänzt werden, dass da
s
Wartejahr aus somatischer Sicht nicht erfüllt sei. Bei der Beschwerdeführerin liege kein invalidisierender psychischer Gesundheits
schaden vor und sie sei seit Mitte Juli 2015 wieder arbeitsfähig in einer körperlich angepassten Tätigkeit. Somit sei der Einwand, das Wartejahr sei erfüllt, unbe
gründet (S. 3 Ziff. 4).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (Urk. 1), vor ihrer Erkran
kung sei sie, auch nach der Geburt ihres ersten Kindes, in einem Pensum von
100 % im Verkauf tätig gewesen. Nach einer Brustkrebserkrankung hätten psy
chische Beschwerden eingesetzt, die zu einer langandauernden Arbeits
unfähig
keit geführt hätten. Da die psychische Erkrankung bereits im April 2015 erstmals diagnostiziert worden sei, könne davon ausgegangen werden, dass es sich dabei nicht nur um eine mittelgradige depressive Episode handle, sondern um eine langandauernde depressive Störung (S. 1). Es gebe auch einzelne Episoden, die durchaus sehr lange andauern könnten, ohne dass es zu einer vollständigen Remission komme (S. 1 f.). In diesem Fall könne auch eine mittelgradige depres
sive Episode invalidisierend sein. Insofern spiele es keine Rolle, ob die depressive
Erkrankung schon vor der Tumorerkrankung vorgelegen habe. Sie befinde sich i
n regelmässiger wöchentlicher Therapie und werde zudem medikamentös behan
delt. Sie sei auch schon in stationärer Behandlung gewesen und trotzdem sei es zu keiner Besserung der psychischen Erkrankung gekommen. Es sei davon auszu
gehen, dass eine Therapieresistenz im Sinne der Rechtsprechung vorliege. Die Abklärungen der Beschwerdegegnerin seien unvollständig, insbesondere habe diese den psychischen Gesundheitszustand durch keinen Facharzt abklären lassen (S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach der Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin und dabei insbesondere die Frage
n der soz
i
alversicherungsrechtlichen Qualifika
tion und
des Erfüllens des
Wartejahr
s
.
3.
3.1
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditäts
bemessung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhält
nisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben,
wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beur
teilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
3.2
Die Beschwerdegegnerin äusserte sich zwar weder in der angefochtenen Ver
fü
gung vom 29. Juni 2017 (Urk. 2) noch in der Beschwerdeantwort vom 2. Oktober 2017 (Urk. 8) zur Statusfrage, qualifizierte die Beschwerdeführerin im Feststel
lungs
blatt vom 22. November 2016 jedoch als zu 40 % erwerbstätig (Urk. 9/32 S. 6). Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei vor ihrer Erkrankung, auch nach der Geburt des ersten Kindes, in einem Pensum von 100 % im Verkauf tätig gewesen (Urk. 1 S. 1). Dies
e Aussage
wird einerseits durch den Auszug aus dem individuellen Konto der Beschwerdeführerin
gestützt
, gemäss welchem sie in den Jahren 2008 bis 2013 trotz der Geburten der beiden Kinder in den Jahren 2010 und 2012 im Wesentlichen gleichbleibende Einkommen erzielte (Urk. 9/12 S. 1). Andererseits meldete sich die Beschwerdeführerin am 27. Juni 2013 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
Y._
zur Arbeits
vermittlung einer Vollzeitstelle
an
(Urk. 3).
Insgesamt ist daher ohne Weiteres davon auszugehen, dass die Beschwerde
füh
rerin im Gesundheitsfall in einem Pensum von 100 % erwerbstätig wäre.
4.
4.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Medizinische Onkologie und
für Allgemeine
Innere Medizin, diagnostizierte in seinem Bericht vom 3. Dezember 2014 (Urk. 9/
6) ein wenig differenziertes multifokales Mammakarzinom rechts und attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
vom
21. August 2014 bis auf weiteres. Post
operativ nach
Ablatio
mammae
rechts und
Axilladissektion
stehe die Beschwer
de
führerin aktuell unter einer Chemotherapie. Im Anschluss daran solle die Beschwerdeführerin auch noch bestrahlt werden. Da die Behandlung in einem Heilungsansatz erfolge, werde auch angestrebt, dass die Beschwerdeführerin nach Abschluss der
adjuvanten
Therapie wieder arbeiten könne. Mit einer Arbeits
aufnahme sei aufgrund des aktuellen Verlaufes aber kaum vor nächstem Sommer zu rechnen. Auch eine Umschulung scheine im Moment nicht sinnvoll (S. 1).
4.2
In seinem Bericht vom 23. Februar 2015 (Urk. 9/15) führte Dr.
Z._
weiter aus, die Beschwerdeführerin leide unter massiver Müdigkeit, rezidivierender Nausea, einer Geschmacksstörung sowie der zeitlichen Beanspruchung durch die Chemo
therapie (Ziff. 1.7). Aktuell seien die medizinischen Therapien die Ursache der Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.8). Grundsätzlich könne ab zirka Mai oder Juni 2015 mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden (Ziff. 1.9).
4.3
Am 29. Mai 2015 hielt Dr.
Z._
bei unveränderten Diagnosen (Urk. 9/16 Ziff. 1.2) fest, der Gesundheitszustand sei stationär (Ziff. 1.1). Die belastenden Therapien würden fortgeführt (Ziff. 1.3). Unter der bisherigen Therapie (
adjuvante
Chemotherapie,
adjuvante
Radiotherapie) sei keine Berufstätigkeit vorstellbar. Eine Wiederaufnahme der Berufstätigkeit in aufbauendem Masse könne ungefähr ab Mitte Juli 2015 realistisch sein. Eine angepasste Tätigkeit müsse insbesondere die eingeschränkte Belastbarkeit im Bereich des rechten Armes berücksichtigen. Die Beschwerdeführerin könne mit diesem Arm nicht mehr schwer tragen, heben
oder schwere Gewichte ziehen (Ziff. 2.1). Die Leistungsfähigkeit sei einge
schränkt
, aber noch nicht definitiv abschätzbar (Ziff. 2.2).
4.4
In seinem Verlaufsbericht vom 23. Oktober 2015 (Urk. 9/20) diagnostizierte Dr.
Z._
zu
sätzlich zur bekannten Diagnose
eine Anpassungsstörung mit de
pres
siver Entwicklung (ICD-10 F43.2). Die
adjuvante
Chemotherapie und die
adju
vante
Radiotherapie seien in der Zwischenzeit abgeschlossen, die
adjuvante
Antikörpertherapie werde fortgeführt. Bisher bestünden keine klaren Hinweise für eine Persistenz der Tumorerkrankung. Die psychische Verfassung der Beschwer
deführerin sei in den letzten Monaten sehr schwierig, sie werde in der psycho
onkologischen Praxis der Krebsliga betreut (Ziff. 1.3). Angesichts des aktuellen psychischen Zustandes scheine eine Arbeitstätigkeit im Moment nicht vorstellbar. Eine rein sitzende Tätigkeit könne im Verlauf wohl angestrebt werden. Eine erneute Tätigkeit im Verkauf mit entsprechenden körperlichen Belastungen sei aus aktueller Sicht nach der durchgemachten Operation und Therapie eher nicht vorstellbar (Ziff. 2.1). Grundsätzlich erfolge die Behandlung in kurativer Inten
tion, es bestehe jedoch eine Hochrisiko-Tumorsituation. Auch von Seiten der psychischen Situation bestehe die Hoffnung, dass die Beschwerdeführerin sich wieder erholen könne (Ziff. 3.3). Die Tumorbehandlungen mit ihren Belastungen
seien vorläufig abgeschlossen, die psychologisch-psychiatrische Behandlung brauc
he noch Zeit (Ziff. 4.1). Aktuell bestehe eher noch keine Belastbarkeit für Massnahmen der Wiedereingliederung, dieser Entscheid liege aber bei der behan
delnden Psychiaterin (Ziff. 4.2).
4.5
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie
und
Psychotherapie
sowie für
Neurologie, sowie
lic
. phil.
B._
, Psychologin FSP, nannten in ihrem Bericht
vom 20. Dezember 2015 (Urk. 9/25) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2) bei
-
wenig differenziertem multifokalem Mammakarzinom rechts
-
Status nach
Ablatio
mammae
rechts
-
adjuvanter
Radio- und Chemotherapie und
Herceptinmedikation
-
DD: mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), reaktiv bei oben genannter onkologischer Erkrankung
Nachdem die onkologischen Behandlungen abgeschlossen seien, leide die Be
schwer
deführerin
unter zunehmender
Progredienzangst
und Traurigkeit (Ziff. 1.4).
Seit dem 26. Mai 2015
würden unterstützende Gespräche im Abstand von zwei Wochen geführt (Ziff.
1.2 und
1.5). Die Krankschreibung sei bis anhin durch Dr.
Z._
erfolgt (Ziff. 1.6). Aktuell sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsunfähig, wobei psychische Einschränkungen aufgrund der depressiven Symp
tomatik bestünden (Ziff. 1.7). Genauere zeitliche Angaben zur Wiederauf
nahme der beruflichen Tätigkeit könnten nicht gemacht werden. Es sei davon auszugehen, dass sich bei erfreulichem onkologischen Krankheitsverlauf die aktuelle depressive Symptomatik nach und nach bessern werde und die Erwerbs
fähigkeit schrittweise
wieder aufgenommen
werden könne. Es werde eine Über
prü
fung der Arbeitsfähigkeit in ungefähr drei bis vier Monaten empfohlen (Ziff. 1.9).
4.6
Am 29. April 2016 führten Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
bei unveränderten Diag
nosen (Urk. 9/27 Ziff. 1.2) aus, anlässlich des letzten Gespräches am 15. Januar 2016 hätten im Vergleich zum letzten Bericht keine veränderten Befunde festgestellt werden können (Ziff. 1.3). Zurzeit sei keine Arbeitstätigkeit möglich, die Beschwerdeführerin sei zu 100 % arbeitsunfähig (Ziff. 2.1-2). Am 26. Januar 2016 sei die Beschwerdeführerin zur teilstationären Behandlung an das
C._
überwiesen worden. Sie habe lange Zeit gezögert, die empfohlene Behandlung aufzunehmen. Ihres Wissens sei die Beschwerdeführerin aber mittlerweile in die Tagesklinik
C._
eingetreten (S. 3).
4.7
Die
Fachpersonen
des
C._
diagnostizierten in ihrem Bericht vom 6. Juni 2016 (Urk. 9/28) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Störung (ICD-10 F33.1), bestehend seit April 2015 (Ziff. 1.1). Die De
pression habe bisher ungenügend reduziert werden können, allerdings werde jetzt versucht, die Behandlungsfrequenz zu steigern (S. 1
lit
. b). Seit April 2015 leide die Beschwerdeführerin unter Ängsten und Schwäche. Sie habe Angst vor Tumor
rezidiven, Angst, dass von medizinischer Seite Fakten übersehen würden. Es könn
e mit einer leichten Besserung des Zustandes gerechnet werden, aufgrund der
komorbiden
somatischen Erkrankung sei eine vorsichtige Prognose zu stellen
(Ziff. 1.4). Die Beschwerdeführerin sei in tagesklinischer Behandlung und absol
viere ein achtwöchiges Programm mit einmal wöchentlich Einzelpsychotherapie, viermal wöchentlich Gruppentherapie, medikamentöser Behandlung, Sport- und Ergotherapie (Ziff. 1.5). Aufgrund der dysfunktionalen Verhaltensweisen wie Gedankenkreisen, ständigem Weinen, Traurigkeit, Rückzug, Konzentrations
stö
rungen, Vergesslichkeit, Sinnlosigkeitsgedanken, Müdigkeit und Schlafstörungen könne die Beschwerdeführerin ihren Arbeitsaufgaben nicht erfolgreich nach
gehen. Die Leistungsfähigkeit sei zu 100 % eingeschränkt. Auch behinderungs
angepasste Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin derzeit unzumutbar. Nach Abschluss der intensiven Behandlung sei die Arbeitsfähigkeit beziehungsweise die Zumutbarkeit von angepassten Tätigkeiten wieder zu evaluieren (Ziff. 1.7). Der Beginn und der Umfang einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit sei in einem späteren Zeitpunkt (Ende Juli 2016) zu beurteilen (Ziff. 1.9).
Im Wesentlichen dieselben Angaben machten die Ärzte auch im Bericht vom 18. Oktober 2016 (Urk. 9/31), wobei die Behandlung auf wöchentlich
e Gespräche sowie eine medikamentöse Therapie
reduziert worden war (Ziff. 3.1).
4.8
Dipl.-med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Prävention und Gesundheitswesen, RAD, führte am 1. November 2016 aus, Aus
löser der Arbeitsunfähigkeit sei zunächst eine Tumorerkrankung der Brust ge
we
sen. Bezüglich der Tumorerkrankung werde eine erfreuliche Prognose attestiert, unterhaltend für die Arbeitsunfähigkeit sei momentan eine psychische Erkran
kung. Die Beschwerdeführerin leide unter einer depressiven Anpassungsstörung, zwischenzeitlich sei die Diagnose revidiert worden und eine rezidivierende de
pres
sive Störung, gegenwärtig mittelgradig, festgestellt worden. Aus versiche
rungsmedizinischer Sicht könne diese Diagnose nicht ohne Weiteres nach
voll
zogen werden, da die Beschwerdeführerin zuvor psychisch nicht krank gewesen sei. Bereits im Juni 2016 sei eine leichte Besserung des Gesundheitszustandes festgestellt, eine weitere Verbesserung im Oktober 2016 in Aussicht gestellt worden. Weshalb die Behandler bei einer mittelgradigen Depression trotzdem an einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit festhalten würden, könne nicht nachvoll
zo
gen werden. Es werde einerseits im Juni 2016 von einer eingeschränkten Reise
fähigkeit berichtet, andererseits aber von einem Ferienaufenthalt in Mazedonien, welcher die depressive Symptomatik verbessert habe. Seitens des
C._
sei wiederholt der Rückzug auf die somatische Diagnose erfolgt, obwohl aus Sicht der Tumorerkrankung ein erfreulicher Verlauf beschrieben werde ohne Rezidiv. In Anbetracht der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin auch vor Auftreten der Tumore
rkrankung lediglich in einem 40
%-Pensum beschäftigt gewesen sei, und dass bei mittelgradiger depressiver Episode die Arbeitsfähigkeit nicht dauerhaft
und vollständig aufgehoben sei, sowie bei vorhandenen Ressourcen im Freizeit
bereich sei die Aufrechterhaltung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus ver
sicherungsmedizinischer Sicht nicht mehr zu rechtfertigen. Der Urlaubsaufenthalt und die Besserung würden im Juni 2016 berichtet. Aus versicherungs
medi
zi
ni
scher Sicht könne also davon ausgegangen werden, dass spätestens zu diesem Zeitpunkt der Einsatz im bisherigen Pensum wieder möglich gewesen sei, also keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestanden habe (Urk. 9/32 S. 5).
5.
5.1
Für die Erfüllung des Wartejahres ist eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von 40 % vorausgesetzt, wobei darunter eine Einbusse an funktionellem Leis
tungs
vermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen ist, welche durch eine (überzeugende) medizinische Einschätzung
festgestellt wurde
(vgl. vorstehend E. 1.3).
Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, wonach das Wartejahr aus somatischer Sicht nicht erfüllt sei, nachdem mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit Mitte Juli 2015 in einer angepassten Tätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestehe (E. 2.1), vermag
aus nachfolgenden Gründen
nicht zu überzeugen.
5.2
Den Akten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin zunächst ab 21. August 2014 aufgrund einer Brustkrebserkrankung vollständig arbeitsunfähig war, was auch von der Beschwerdegegnerin anerkannt wurde (vgl. E. 2.1
,
E. 4.1). Der behandelnde Onkologe Dr.
Z._
hielt nach Abschluss der
adjuvanten
Chemo- sowie Radiotherapie eine Wiederaufnahme der Berufstätigkeit in aufbau
endem Masse ungefähr ab Mitte Juli 2015 für realistisch (E. 4.3), führte jedoch am 23. Oktober 2015 aus, eine erneute Tätigkeit im Verkauf mit entsprechenden körperlichen Belastungen sei aus aktueller Sicht nach der durchgemachten Ope
ration und Therapie eher nicht vorstellbar (E. 4.4). Im Anschluss an die Arbeits
unfähigkeit aufgrund der Brustkrebserkrankung attestierten Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
sowie die Ärzte des
C._
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen (E. 4.5-7).
Daraus ergibt sich, dass
Dr.
Z._
eine Wiederaufnahme der Berufstätigkeit ab Mitte Juli 2015 zwar für realistisch
hielt
, dies jedoch nur in aufbauendem Masse.
Genauere Angaben dazu machte er nicht.
D
ass ab diesem Zeitpunkt gar keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestanden hätte
, kann aus diesen Angaben jedoch nicht geschlossen werden
. Hinzu kommt, dass Dr.
Z._
auch im Oktober 2015 eine erneute Tätigkeit im Verkauf mit den entsprechenden körperlichen Belastungen für eher nicht vorstellbar hielt. Selbst die Beschwerdegegnerin ging von einer anhaltenden Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit im Verkauf aus,
hielt sie im Rahmen der Beschwerdeantwort doch ausdrücklich fest, seit Mitte Juli
2015 bestehe keine Arbeitsunfähigkeit mehr in einer angepassten Tätigkeit (E. 2.1
). Damit ist das Wartejahr bereits aus somatischen Gründen erfüllt, wird dafür doch lediglich eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich verlangt.
Der Vollständigkeit halber ist
sodann
darauf hinzuweisen, dass es für die Erfüllung des Wartejahres im Sinne von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG genügt, wenn
eine Arbeitsunfähigkeit fachärztlich attestiert ist, wie dies vorliegend nach Abschluss
der Tumorbehandlung aufgrund des psychischen Gesundheits
zu
stan
des der Beschwerdeführerin durch die Ärzte des
C._
geschehen ist (E. 4.5-7). Ob diese Arbeitsunfähigkeit auch zu einer Invalidität im Sinne von Art. 8 ATSG und damit zu einem Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung führt, ist in einem weiteren Schritt zu prüfen.
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen aus versicherungsmedizinischer
Sicht langandauernden und erheblichen
Gesundheitsschaden und verwies insbesondere darauf, dass die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradig, nicht nachvollzogen werden könne, da die Beschwerdeführerin vor der Tumorerkrankung psychisch nicht eingeschränkt gewesen sei (vgl. E. 2.1).
Aufgrund der medizinischen Akten erscheint es durchaus als wahrscheinlich,
dass die bei der Beschwerdeführerin diagnostizierte depressive Störung als Reaktion auf die Brustkrebserkrankung zu qualifizieren ist. Dies schliesst jedoch eine zwischenzeitlich eingetretene Verselbständigung der psychischen Erkrankung
nicht aus, weshalb sie nicht von vornherein als «nicht invalidisierend» gelten kann
.
6.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung
allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kommen
zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
a
us (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6).
Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
geh
end objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141
V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht
erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
6.3
Was den psychischen Gesundheitszustand betrifft, liegen ausschliesslich Berichte von behandelnden Ärzten vor, so der erstbehandelnden Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
(E. 4.5-6) sowie der aktuell behandelnden Ärzte des
C._
(E. 4.7). Gestützt
auf die übereinstimmenden Berichte erscheint ausgewiesen, dass die Beschwer
de
führerin an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittel
gra
dige Episode, leidet (E. 4.5-7). Alle Ärzte
attestierten
sodann
auch in einer leidens
angepassten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (E. 4.5-7)
.
Demgegenüber ging die RAD-Ärztin
dipl.-med.
D._
davon aus, dass die Diagnose nicht ohne Weiteres nachvollzogen werde könne, nachdem die Be
schwerdeführerin vor der Brustkrebserkrankung psychisch nicht krank gewesen sei. Zudem sei bereits im Juni 2016 eine leichte Besserung des Gesund
heits
zustandes festgestellt worden
, eine weitere Verbesserung sei im Oktober 2016 in Aussicht gestellt worden.
In Anbetracht der Tatsache, dass die Beschwerde
füh
rerin auch vor A
uftre
ten der Tumore
rkrankung lediglich in einem 40
%-Pensum beschäftigt gewesen sei, und dass bei mittelgradiger depressiver Episode die Arbeitsfähigkeit nicht dauerhaft und vollständig aufgehoben sei, sowie bei vor
handenen Ressourcen im Freizeitbereich sei die Aufrechterhaltung einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht
mehr zu recht
fertigen (E. 4.8).
6.4
Am 26. Mai 2015 begab sich die Beschwerdeführerin in psychiatrische Behand
lung, wobei zunächst
unterstützende Gespräche im Abstand von zwei Wochen statt
fanden
(E. 4.5)
.
Im Januar 2016 wurde die Beschwerdeführerin zur teilsta
tionären Behandlung an das
C._
überwiesen und nahm in der Folge
an einem
achtwöchigen Programm mit Einzelpsychotherapie, Gruppentherapie, medika
men
töser Behandlung, Sport- und Ergotherapie teil
. Seit Abschluss des Pro
gramms finden
nebst der medikamentösen Behandlung
noch wöchentliche Gespräche statt
(E. 4.7). Trotzdem ist
der Beschwerdeführerin
die Wiederaufnahme einer Berufs
tätigkeit bislang nicht gelungen.
Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts begründet d
ie bei der Beschwer
deführerin gestellte Diagnose zwar nicht ohne Weiteres einen invaliden
versi
che
rungsrechtlichen Leistungsanspruch.
Die bei den Akten liegenden medizini
schen Bericht
e
genügen jedoch nicht, um das gemäss der neuen bundesgericht
lichen Rechtsprechung für alle
psychischen Erkrankungen vorgesehene strukturierte, ergebnisoffene Beweisverfahren anhand von Standardindikatoren durchzuführen (vgl. vorstehend E.
6.2
)
und damit die Frage nach einer allfälligen relevanten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu beantworten
.
6.5
Insgesamt erweist sich der medizinische Sachverhalt als nicht genügend abgeklärt und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweise
n, damit diese eine um
fassende
Begutachtung veranlasst, gestützt auf welche die Auswirkungen der festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen unter Berücksichtigung der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung anhand der verschiedenen Standard
indikatoren einzelfallgerecht und ergebnisoffen beurteilt werden können. Nach Vorliegen der notwendigen Angaben wird über den Leistungsanspruch der Be
schwerdeführerin neu zu befinden sein.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf
Fr. 700.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung einer Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.