Decision ID: 049914fb-754d-4d03-8a22-06b21c8aff2c
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1970
, ist der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als
Selbs
tändigerwerbende
angeschlossen
. Mit Nachtr
agsverfügung vom 1
2.
Juni 2015
forderte die A
usgleichskasse von
X._
persönliche Beiträge für das Jahr 2012
in der Höhe von Fr.
5‘612.40
(einschliesslich V
erwaltungskosten; vgl.
Urk.
10/5
). Der Beitragsverfügung lag die Steuermeldung des Steueramtes des Kantons Zürich, Abteilung Direkte Bund
essteuer, vom
2.
Juni 2015
zu Grunde, womit der Ausgleichskasse - gestützt auf eine steuerliche Ermessenstaxation
- ein Einkommen von
Fr.
60‘000
.-- sowie ein im Betrieb investiertes Kapital von
Fr.
25
0
‘000.-
- gemeldet worden war (
Urk.
10/1
). Gegen dies
e Verfügung erhob
X._
Einsprache (
Urk.
10/16
), welche die Ausgleichskasse mit
Einspr
acheentscheid
vom 1
7.
Juli 2015
abwies (
Urk.
2).
2
Dagegen liess
X._
mit Eingabe vom
2.
August 2015
Beschwerde
erheben
mit dem Antrag,
das beitragspflichtige Einkommen sei auf
Fr.
0.--, eventualiter auf
Fr.
43‘859.-- festzusetzen (
Urk.
1 S. 2). Die Ausgleichskasse beantragte in der Vernehmlassung vom 1
0.
November 2015 eine teilweise Gutheissung der Be
schwerde. Zur Begründung verwies sie
auf die
zwischen
zeitlich erlassene
Verfügung vom 3
0.
Oktober 2015, mit der sie die von
X._
zu leistenden persönlichen Beiträge
auf
Fr.
5‘278.80 korrigiert hatte
(
Urk.
9, 10/47
).
X._
liess in der Replik vom
1.
Februar 2016 an ihren Anträgen festhalten (
Urk.
14). Die Ausgleichskasse verzichtete auf eine Duplik (
Urk.
17).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Gemäss Art. 22 der Verordnung über die
Alters- und
Hinterlassenen
ver
siche
rung
(AHVV) werden die Beiträge vom Eink
ommen aus selbständiger Erwerbs
tätigkeit für jedes Beitragsjahr festgesetzt, wobe
i das Kalenderjahr als
Beitrags
jahr gilt. Die Beiträge bemessen sich aufgrund des im Beitragsjahr tatsächlich erzielten Erwerbseinkommens und des am 31. Dezember im Betrieb investierten Eigenkapitals.
2.2
Nach Art. 23 Abs. 1 AHVV obliegt es in der Regel den Steuerbehörden, das
für die Bemessung der Beiträge
Selbständigerwerbender
massgebende
Erwerbs
ein
kommen aufgrund der rechtskräftigen Veranlagung für die direkte Bundessteuer und das im Betrieb investierte Eigenkapital auf
grund der entsprechenden rechts
kräftigen kantonalen Veranlagung u
nter Berück
sichtigung der inter
kantonalen Repartitionswerte zu ermitteln. Die Angaben der Steuerbehörden hierüber sind für die Ausgleichskassen verbindlich (Art. 23 Abs. 4 AHVV).
2.3
Nach der Rechtsprechung begründet jede rechtskräftige Steuerveranlagung die nur mit Tatsachen widerlegbare Vermutung, dass sie der Wirklichkeit ent
spreche. Da die Ausgleichskassen an die Angaben der Steuerbehörden gebunden sind und das Sozialversicherungsgericht grundsätzlich nur die
Kassen
verfügung
auf ihre Gesetzmässigkeit zu überprüfen h
at, darf das Gericht von rechts
kräftigen Steuertaxationen bloss dann abweichen, we
nn diese klar ausge
wiesene Irrtümer enthalten, die ohne weiteres richtig gestellt werden können, oder wenn sachliche Umstände gewürdigt werden müssen, die steuerrechtlich belanglos, sozialversicherungsrechtlich aber bedeutsam sind. Blosse Zweifel an der Richtigkeit einer Steuertaxation genügen
hiezu
nicht; denn die ordentliche Einkommensermittlung obliegt den Steuer
behörden, in deren Aufgabenkreis das Sozialversicherungsgericht nicht mit eigen
en Veranlagungsmassnahmen einzu
greifen hat. Die
selbständiger
werben
den
Versicherten haben demnach ihre Rechte, auch im Hinblick auf die AHV
rechtliche Beitragspflicht, in erster Linie im Steuerjustizverfahren zu wahren (BGE 110 V 83 E. 4 und 370 f., 106 V 129 E. 1, 102 V 27 E. 3a; AHI 1997 S. 25 E. 2b mit Hinweis).
2.4
Die Grundsätze betreffend die Verbindlichkeit von Steuermeldungen gelten auch hinsichtlich einer steuerlichen Ermessenstaxation. Die auf einer rechts
kräftigen Ermessensveranlagung beruhende Steuermeldung ist somit für das AHV-Durchführungsorgan beziehungsweise das Sozialversicherungsgericht eben
falls verbindlich, obschon die Ermessenseinschätzung einer im ordentli
chen Veranlagungsverfahren ergangenen, aufgrund von konkreten Posi
tionen errechneten Taxation an Genauigkeit nachsteht (ZAK 1988 S. 298 E. 3 mit Hinweisen).
2.5
Zu beachten ist, dass Steuermeldungen bet
reffend Gesamteinkommen die Ver
bindlichkeit abgeht, da die Steuerbehörde
n zwischen Einkommen aus unselb
ständiger und selbständiger Tätigkeit sowi
e Erwerbseinkommen des Beitrags
pflichtigen und anderweitigen, steuerbaren Einkünften nicht unter
scheiden. Im Falle einer solchen Meldung ist die Ausgleichskasse gegeben
enfalls gehalten, das Einkommen aufgrund aller ihr zur Verfügung stehenden U
nter
lagen selbst einzuschätzen (BGE 101 V 252 E
. 4,
98 V 243 E.
3; ZAK 1986 S. 55 E
. 3c
), wobei sie jedoch die Steuermeldung
praxisgemäss
zum Aus
gangspunkt ihrer eigenen Einkommensermittlung nehmen kann
, wie sie zutreffend geltend macht (
Urk.
9 S. 2)
.
3.
3.1
Beim vom kantonalen Steueramt gemeldeten steuerbaren Einkommen
für 2012
von
Fr.
60‘000.-- handelt
e es sich um ein Gesamteinkommen
, denn d
ie Beschwerdeführerin
war
sowohl selbständig als auch
unselbständig erwerbstätig. Im Jahr 2012 erzielte sie aus unselbständiger Erwerbstätigkeit ein Einko
mmen von
Fr.
7‘200.-- (
Urk.
10/
37/1). Davon zog die
Ausgleichs
kasse
die Sozialversicherungsbeiträge von 6.25
%
(
Fr.
450.--) ab. Den daraus resul
tierenden Restbetrag von
Fr.
6‘750.-- brachte sie vom gemeldeten Gesamt
einkommen von
Fr.
60‘000.-- in Abzug. Dies ergab ein reines Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit von
Fr.
53‘
250.-- (U
rk.
10/3).
In der - durch den
Einspracheentscheid
vom 1
7.
Juli 2015 bestätigten - Ver
fügung vom 3
0.
Juni 2015
addierte
die Ausgleichskasse
zum Einkommen von
Fr.
53‘250.-- die aufzurechnenden AHV
/IV/EO-Beiträge
(
Fr.
5‘157.--), was
Fr.
58‘407.-- ergab. Davon
zog sie den Zins des im Betrieb investierten
Eigen
kapitals
(Fr.
2‘500.-- [=1
%
von
Fr.
250‘000.--]
)
ab. Daraus resultierte
ein (gerundete
s
) beitragspflichtiges Einkommen von
Fr.
55‘900.-- (
Urk.
10/5).
3.2
Die Beschwerdeführerin mach
te in der Beschwerde
geltend, bei der
B
etrags
bemessung
dürfe nicht auf
die
mittels
Erme
ssenstaxation
veranlagten Ein
kommen
abgestellt werden. Vielmehr seien bloss die effektiven Einkommen zu berücksic
htigen. Weiter stellte sie sich auf den Standpunkt, dass es sich bei der Erwerbstätigkeit, welche sie
- nebst weiteren Erwerbs
tätigkeiten -
bei der
Y._
ausführe, um eine unselbständige handle. Die Ausgleichskasse habe aber die die Einkommen aus dieser Tätigkeit als Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit behandelt, was nicht angehe. Schliesslich monierte die Beschwerdeführerin
im Rahmen der
Beitrags
festsetzung
die
Vorgehensweise bei der
Aufrechnung der
AHV/IV/EO-Bei
träge
(
Urk.
1).
In der Replik hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest. Sie pflichte
te aber - angesichts der
in Hinblick auf die Erstattung der
Beschwer
deantwort
getätigten Abklärungen durch die Ausgleichskasse -
dieser
nun
mehr
bei
, dass
die
Einkommen aus der Tätigkeit bei der
Y._
als
Einkommen aus selbständiger Tätigkeit
zu
verabgaben
seien
. Im Weiteren beanstandete
sie
die Aufrechnung der AHV
/IV/EO-
Beiträge, wie sie in der Nachtragsverfügung vom 3
0.
Oktober 2015 vorgenommen worden war, nicht mehr
(
Urk.
14).
4.
Nach
Art.
53
Abs.
3
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozial
versicherungsrechts
(
ATSG
)
kann der Versicherungsträger eine Ver
fügung oder einen
Einspracheentscheid
, gegen die Beschwerde erhoben wurde, so lange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt. Die neue Verfügung oder der neue
Einspracheentscheid
beendet den Streit insoweit, als damit den Anträgen der
beschwerde
führen
den
Partei entsprochen wird (ZAK 1989 S. 563 E. 2a, vgl. a
uch ZAK 1989 S.
310).
Von dieser Möglichkeit machte die Ausgleichskasse Gebrauch. Mit
Nach
trags
verfügung
vom 3
0.
Oktober 2015
- also vor Erstattu
ng der
Beschwer
deantwort
-
korrigierte sie die Beitr
agsfestsetzung. Dabei trug sie der neuesten bunde
sgerichtl
ichen
Rechtsprechung (BGE 141 V 433 [
Bundes
gerichtsurteil
9C_13/2015 vom 1
1.
August 2015])
Rechnung, wonach
vom Netto
einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit zunächst der Zins des im Betrieb eingesetzten Eigenkapitals abzuziehen
ist
. Erst in einem zweiten Schritt sind beim Restbetrag die persönlichen Beiträge gemäss
Art.
9
Abs.
4 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG) aufzurechnen.
Dadurch errechnete die Ausgleichskasse
neu
ein (gerundetes) beitragspflichtiges Einkommen von 55‘400.--
beziehungsweise gestützt darauf zu entrich
tenden Beiträge von
Fr.
5‘275.80
(
Urk.
10/47).
5.
5.1
Die Ausgleichskasse hat im angefochtenen
Einspracheentscheid
zutreffend aus
geführt, dass die Grundsätze betreffend die Verbindlichkeit von
Steuer
meldungen
gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung
auch hin
sichtlich einer steuerlichen Ermessenst
axation gelten
, weshalb die selb
ständig
er
werbenden Versicherten ihre Rechte im Hinblick auf die AHV
recht
liche Beitragspflicht auch bei einer steuerlichen Ermessenstaxation in erster Linie im Steuer(
justiz
)verfahren zu wahren haben (E. 2.2
und E. 2.4
hievor
). Dies gilt auch im Falle der Beschwerdeführerin, weshalb es
nicht Aufgabe der Ausgleichskasse
oder des hiesigen Gerichts sein kann, das beitragspflichtige Einkommen losgelöst von der steuerlichen Ermessenstaxation zu ermitteln; vielmehr
hat sich
die Beschwerdeführerin grundsätzlich
die infolge der nicht eingereichten Steuererklärung ergangene
Ermessenstaxation
entgegenhalten zu lassen
.
Eine nachträgliche Berücksichtigung der geltend gemachten
Abzugs
p
osten (
Urk.
1 S. 8) im AHV-Beitragsverfahren ist aus diesem Grunde nicht möglich.
Sodann hat die Ausgleichskasse zutreffend erkannt, dass die Steuermeldung ein Gesamteinkommen betraf (vgl. Urk.
10/3
),
weshalb
sie
die Steuer
meldung, ohne gänzlich daran gebunden zu sein, nur - aber immer
hin
als Ausgangspunkt für die kasseneigene Einschätzung nehmen durfte (E.
2.5
hievor
).
Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die Ausgleichskasse vom gemeldeten Erwerbseinkommen von
Fr.
60'000.-- ausging und davon das unselbständige Erwerbseinkommen in der Höhe von
Fr.
6‘750.-- abzog, woraus ein selbständiges Erwerbseinkommen von Fr.
53‘250.-- resultierte.
Soweit die Beschwerdeführerin daran Kritik übt (Urk.
1 S. 5), scheint sie zu
verkennen, dass dieses Vorgehen der Rechtsprechung
und ständigen Praxis
entspricht
(vgl. E. 2.5).
5.2
Aufgrund der Abklärungen der Ausgleichskasse ist nunmehr unbestritten, dass
das Einkommen aus der Tätigkeit
bei der
Y._
als
Ein
kommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
zu
verabgaben
ist
(Urk.
10/
35+50
, 14
). Die in der Nachtragsverfügung vom 3
0.
Oktober 2015 vorgenommen
e
Auf
rechnung der
AHV/IV/EO-Beiträge entspricht den Vorgaben von BGE
141 V 43
3.
Auch dies bestritt
die Beschwerdeführerin in der Replik nicht mehr.
Im Lichte dieser Erwägungen ist
die Beschwerde abzuweisen, soweit
nicht den darin gestellten Anträgen mit der Nachtragsverfügung vom 3
0.
Oktober 2015 entsprochen worden ist.
Die Beschwerdeführerin ist folglich ver
pflichtet, für das Jahr 2012 persönliche Beiträge aus selbständiger Erwerbs
tätigk
eit in der Höhe von
Fr.
5‘275.80
zu leisten.
6.
Ursprünglich verfügte die Ausgleichskasse zu entrichtende Beiträge von
Fr.
5‘612.40.-- (
Urk.
10/5). Mit Verfügung vom
3
0.
Oktober 2015 korrigierte sie diese auf
Fr.
5‘275.60 (
Urk.
10/47). Die Beschwerdeführerin obsiegt mith
in im Umfang von
Fr.
336.60.
Nach
§
34
Abs.
1
des
Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
(
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Da die Beschwerdeführerin in
masslicher
Hinsicht nur in
sehr
gering
fügigem
Umfang
respektiv
in einem Nebenpunkt
, den die Beschwerdegegnerin von sich aus - gestützt auf die neuste bundesgerichtliche Rechtsprechung (vorne E. 4) -
geändert hat
,
obsiegt, ist
keine Prozessentschädigung
zuzusprechen
.