Decision ID: 988b210e-2ad5-4723-bebe-719b87d3007c
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968, war von
1.
Juni 2013 bis 3
1.
Januar 2015 bei der
Y._
AG
(
Urk.
9/23) und von
1
7.
August 2015
bis
2
5.
September 2015
bei
der
Z._
AG
als
Sachbearbeiter Innendienst
tä
tig, wobei der letzte Arbeitstag am
1
1.
September 2015
war (
Urk.
9/19
)
.
Unter Hinweis auf
eine bipolare Störung
meldete sich
der Versicherte
am
2
3.
Februar 2016
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/6
). Die
So
zialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten des Krankentaggeldversicherers bei (
Urk.
9/7-8) und
verneinte
in der Folge
nach
durchgeführtem Vorbescheidver
fahren (
Urk.
9/27
;
Urk.
9/28
,
Urk.
9/30
) mit Verfügung vom
2
4.
Januar 2017
einen
A
nspruch
auf Leistungen der Invalidenversicherung
(
Urk.
9/39
=
Urk.
2)
.
2.
Der Versicherte erhob am
2
3.
Februar 2017
(Datum des Poststempels)
Be
schwerde
gegen die Verfügung vom
2
4.
Januar 2017
(
Urk.
2) und beantragte
sinngemäss
,
diese sei aufzuheben und es seien ihm
Arbeitsvermittlung respek
tive Integrationshilfe
massnahmen
zuzusprechen
(
Urk.
1 S. 1)
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3.
April 2017
(
Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde, was dem
Beschwerdeführer am
1
1.
Mai 2017
zur Kenntnis gebracht
wurde
(
Urk.
10
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die ver
sicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30.
No
-
vember
2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.
4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.
5
Den
Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig er
scheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
bb
/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen
Be
weiseignung
kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer
Fach
personen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Ein
holung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die
Beweis
würdigung
strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zwei
fel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztli
chen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_348/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 2.4).
1.
6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren
überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen, insbesondere die Stellungnahmen des Re
gionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom
3.
Oktober 2016
(
Urk.
9/25/4-5)
sowie vom 2
0.
Januar 2017
(
Urk.
9/35/2-3)
, davon aus, dass keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würden. Lediglich von September 2015 bis Ende Februar 2016 sei der Beschwerdeführer aufgrund einer leichten depressiven Episode vorübergehen
d
in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ge
wesen. Diese Episode sei als leicht zu bezeichnen und durch die psychosozialen Belastungsfaktoren verursacht worden (S. 1 unten). Keinem der vorliegenden Arztberichte aus den vergangenen Jahren sei die vom behandelnden Psychiater neu gestellte Diagnose einer Persönlichkeitsstörung zu entnehmen, so dass diese Diagnose nicht berücksichtigt werden könne (S. 2 oben). Es bleibe die leichte depressive Episode bei rezidivierender Depression, welche in der Regel nicht zu einer anhaltenden Arbeitsunfähigkeit führe (S. 2 Mitte). Es bestehe somit kein Anspruch auf IV-Leistungen.
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlich
en auf den Stand
punkt (
Urk.
1), er sei seit über einem Jahr arbeitsunfähig und der
Wieder
einstieg
in den ersten Arbeitsmarkt sei für ihn eine hohe Hürde,
welche
er ohne Wiedereingliederungsprogramm mit professioneller Unterstützung nicht bewäl
tigen könne. Er fühle sich nicht in der Lage
,
sich
im ersten Arbeitsmarkt zu be
werben und aus eigener Initiative seine Berufskenntnisse aufzufrischen. Zu
hause gelinge es ihm nicht konstant einer regelmässigen Tagesstruktur nachzu
gehen und die täglichen Aufgaben im Haushalt und des Alltags zu erledigen, um seine Frau, die arbeite
,
zu unterstützen. Er brauche die Unterstützung der IV, damit er wieder eine Chance habe
,
in den freien Arbeitsmarkt zu kommen. Deshalb wäre es für ihn wichtig an einem Arbeitsintegrationsprogramm, das von der IV finanziert werde, teilzunehmen. Das Ziel sei, dass er nach einer ge
wissen Zeit wieder in der Lage sei
,
sich selbständig im freien Arbeitsmarkt zu bewerben und einer geregelten Tagesstruktur nachzugehen.
2.3
Strittig und zu prüfen ist
, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit des
Beschwer
-
defüh
rers
verhält und ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen
in
validi
-
sierenden
Gesundheitsschaden verneint hat.
3.
3.1
Die Ärzte der
A._
AG führten im Bericht vom 2
4.
September 2015 (
Urk.
9/17/16-18) aus, beim Beschwerdeführer liege eine depressive Episode leicht bis mittelgradig am ehesten im Rahmen einer bipolaren affektiven Stö
rung mit somatischem Syndrom vor. Zudem bestehe eine Somatisierungsstö
rung. Es werde eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung empfohlen.
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im Bericht vom 1
5.
Dezember 2015 (
Urk.
9/8/8-9) als Diagnose eine schwere agitierte depressive Episode (
Ziff.
1.1). Dazu führte er aus, der Be
schwerdeführer leide an Unruhe, Nervosität, Panikattacken, diffusen
und hypo
chondrischen
Ängsten, diversen psychosomatischen Beschwerden, Schlafstö
rungen, Insuffizienzgefühlen und Gedankenkreisen
, der
en Schweregrad er als
stark ausgeprägt
beurteile
(
Ziff.
1.3). Die Konzentration, Ausdauer und Belast
barkeit seien stark reduziert (
Ziff.
1.4). Der Beschwerdeführer sei in der ange
stammten Tätigkeit seit September 2015 und bis auf weiteres zu 10
0
%
arbeits
unfähig (
Ziff.
4.1).
3.3
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für pharmazeutische Medizin, nannte im psychiatrischen Untersuchungsbericht vom 2
9.
Dezember 2015
(
Urk.
9/8/2-5)
zuhanden der
Krankentaggeldversiche
rung
als Diagnose eine bipolare affektive Störung, aktuell mittelgradige depres
sive Episode (ICD-10 F31.3)
, die weiterhin
floride
sei. Differentialdiagnostisch
sei aber auch denkbar, dass es sich um eine gemischte Episode (ICD-10 F31.6) handle, die mit gleichzeitigem Vorhandensein manischer und depressiver Symptome auftrete. Näheres müsse diesbezüglich ein Längsschnittverlauf zeigen (S. 3 unten f.). Er führte weiter aus, die fachärztliche Behandlung erfolge durch
Dr.
D._
, der den Beschwerdeführer bereits vor längerer Zeit psychiatrisch be
treut habe. Angesichts des weiterhin
floriden
Krankheitsbildes und erhöhter Vulnerabilität sei eine Arbeitsunfähigkeit mindestens bis Ende Februar 2016 ausgewiesen. In Anbetracht einer offenbar seit bald drei Jahrzenten bestehen
den psychiatrischen Anamnese rate er dazu, vorsorglich eine IV-Anmeldung vorzunehmen. Möglicherweise müsse eine berufliche Wiedereingliederung unter Zuhilfenahme entsprechender Reintegrationsmassnahmen erwogen werden
, so
fern das Symptombild als solches zwar remittiert, jedoch abzusehen sei, dass eine berufliche Neuorientierung auf dem ersten Arbeitsmarkt krankheitsbedingt erschwert sei (S. 4 oben). Die Prognose einer bipolaren affektiven Störung sei auch unter sachgerechter Behandlung prinzipiell nicht durchgehend vorherseh
bar. Vorliegend müsse der Verlauf der kommenden Wochen abgewartet werden, um abzuschätzen, in welchem Umfang eine Arbeitsfähigkeit wieder erreicht werden könne (S. 4 Mitte).
3.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte in seinem Bericht vom
2
3.
März 2016
(
Urk.
9/17/1-4
) aus, er
habe den Be
schwerdeführer erstmals vor zirka 29 Jahren behandelt und
behandle ihn neu wieder seit dem
9.
November 2015 (
Ziff.
1.2). Als Diagnosen
(
Ziff.
1.1)
nannte er
eine leichte bis mittelschwere depressive Episode seit zirka sieben Monaten (ICD-10 F31.3) bei seit 1990 bekannter Bipolarität sowie Spannungen in der Ehe durch Depressivität der Ehefrau und Egozentrizität und chaotisches Verhalten des Beschwerdeführers (ICD-10 Z63.0). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen Status nach Hodenkrebs-Behandlung im Jahr 2013 mit Parästhesien an den Fuss-Sohlen nach Chemotherapie, differential
diagnostisch
könne auch
eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
vorliegen
.
In der angestammten Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter bestehe seit dem
9.
November 2015 bis auf weiteres eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6).
3.5
Dipl.-Med.
E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin
sowie
für Prävention und Gesundheitswesen, RAD, führte in der Stellungnahme vom
3.
Oktober 2016 (
Urk.
9
/25/4-5) aus, es liege keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Die aktuelle Krankheitsentwicklung bei bipolarer Störung werde als leicht beschrieben. Diese sei durch psychosozi
ale Belastungsfaktoren (Überlastung am neuen Arbeitsplatz, wiederholter
Ar
beitsplatzverlust
, psychischer Erkrankung der Ehefrau) ausgelöst worden. Ein
Gesundheitsschaden, welcher sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auswirke, habe nicht festgestellt werden können. Eine leichte depressive Episode beeinträchtige die Arbeitsfähigkeit aus
versiche
rungsmedizinisch-theoretischer
Sicht nicht wesentlich. Ein Verlauf der Arbeits
fähigkeit/Arbeitsunfähigkeit ab März 2016 sei nicht dokumentiert.
3.6
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.4) führte in seiner Stellungnahme vom
8.
Dezember 2016 (
Urk.
9/28
=
Urk.
9/33
) zum Vorbescheid vom 2
9.
November 2016 (
Urk.
9/27) aus, er sei ganz dezidiert der Auffassung, dass die Störung eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers habe. Zudem habe er der IV-Stelle Bericht
e
über die früheren
Hospitalisationen
geschickt, in denen Diagnosen aufgeführt werden, die erfahrungsgemäss die Arbeitsfähigkeit sehr stark belasten würden. Darüber sei leichtfertig hinweggegangen worden.
Allein medizinische Massnahmen würden den Beschwerdeführer nicht wieder zurück in den freien Arbeitsmarkt bringen. In der Zeit seit seinem Bericht vom 2
3.
März 2016 sei er zusätzlich zur Erkenntnis gekommen, dass beim Beschwer
deführer auch eine Persönlichkeitsstörung vorliege mit
histrionischen
und ego
zentrischen Zügen (ICD-10 F60.9). In der Beurteilung des Sanatoriums
F._
im Jahr 1988 sei bereits auf eine Charakterstruktur mit hysterischen und hypo
chondrischen Anteilen hingewiesen worden. Die depressive Erkrankung der Ehefrau sei auch hier typisch für die Partner von Patienten mit Bipolarität und Persönlichkeitsstörungen. In seinem Bericht habe er auch auf die zwanghaft anmutenden Grübeleien des Beschwerdeführers hingewiesen. Obwohl der Be
schwerdeführer seit längerem nicht schwer depressiv sei und wirke, habe diese Tendenz nicht abgenommen. Er könne stundenlang tranceartig in diese
n
Rumi
nationen
verharren und lasse dadurch eine gesunde Tagesstruktur vermissen. Seine Grübeleien würden thematisch um aktuelle und vergangene persönliche Insuffizienzsituationen oder um Situationen in Welt und Umwelt kreisen, die ihn beunruhigen und ängstigen würden. Seine diesbezügliche
Verdrängungs
leistung
sei so begrenzt, dass er nicht einmal mehr TV-Nachrichten ansehen könne. Ein wachsendes Vermeidungs- und Rückzugsverhalten erschwere eine selbständige Integration zurück in die Arbeit (S. 1).
Die eingesetzte
Psychiatrie
pflegerin
der Spitex, die als Hilfe zur Tagesstrukturierung gedacht gewesen sei, habe sich bald zurückgezogen, weil sie angesichts der
Ruminationen
nichts habe erreichen können. Diese Verhaltenswiese des Beschwerdeführers sei als unbewusster Modus zu interpretieren, um sich den Anforderungen, die an einen Ehemann und Vater normalerweise gestellt werden, zu entziehen. Ohne intensi
vere Hilfe bei der Integration sei er der Ansicht, dass der Beschwerdeführer diese Hürde nicht nehmen könne. Zu einer Hospitalisation habe er den Be
schwerdeführer nicht überreden können, eine ambulante Arbeitstherapie habe er
nicht finden können. Er erachte ein Assessment zur Detektion der Fähigkeit im kaufmännischen Bereich - etwa bei der
G._
- als zielführend. Entsprechend dem Ergebnis könnte die Integration angegangen werden (S. 2).
3.7
Dipl.-Med.
E._
führte ihrerseits in der Stellungnahme vom 2
0.
Januar 2017 (
Urk.
9/35/2-3) aus, keinem der vorliegenden Arztberichte aus den vergangenen Jahren sei die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung zu entnehmen, so dass diese Diagnose aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht berücksichtigt wer
den könne. Es bleibe die leichte depressive Episode bei rezidivierender Depres
sion, welche in der Regel nicht zu einer anhaltenden Arbeitsunfähigkeit führe.
3.8
Dr.
D._
führte in seiner Stellungnahme vom 1
5.
Februar 2017 (
Urk.
3) unter anderem aus, de
n
Grund für eine Leistungspflicht der IV für die Wiedereinglie
derung sehe er in einem seit zwei Jahren dauernden Zustand, der Züge einer maligne
n
Regression (Passivität und Unfähigkeit zu einer eigenen fruchtbaren Tagesstruktur) zeige. Ohne institutionelle Integrationshilfe sehe er schwarz be
züglich einer Rückkehr in den freien Arbeitsmarkt.
In der Stellungnahme vom 2
9.
März 2017 (
Urk.
5) führte
Dr.
D._
mit Verweis auf das Gutachten von
Dr.
C._
weiter aus, dass die depressive Verstimmung des Beschwerdeführers während der ganzen Therapie seit dem
9.
November 2015 das kleinste Problem gewesen sei. Viel grössere Schwierigkeiten seien Persönlichkeitseigenarten und -
verhaltensweisen
des Beschwerdeführers, die die Reintegra
tion erschweren würden. Es sei
nun über zwei Jahre her, seit der Be
schwerdeführer nicht mehr fähig sei, auf dem freien Arbeitsmarkt zu arbeiten. Seine letzte längere Arbeitsstelle sei ihm gekündigt worden. Nach Aussage der Ehefrau seien dem Beschwerdeführer bis auf eine Stelle alle bisherigen Stellen gekündigt worden. Er sei immer noch der Ansicht, dass der Beschwerdeführer ein berufliches Handicap habe, das von der IV abgeklärt werden müsse.
4.
4.1
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer, bei wel
chem eine bipolare affektive Störung und zum Teil auch eine
Persönlichkeits
störung
diagnostiziert wurde, deswegen bereits im Jahr 1987/1988, im Jahr 1990
und nun erneut
seit September 2015
in ärztlicher Behandlung steht. Die behandelnden Ärzte attestierten ihm aufgrund der
Ausprägung
des Krankheits
bildes seit
September 2015 bis auf weiteres eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorstehend E. 3.2-4).
4.2
Trotz
übereinstimmender aktueller
medizinischer
Berichte (vgl. vorstehen
d E. 3.1-3.4, E. 3.6, E. 3.8) und
ausführlichen Berichten von früheren stationären
Hospitalisationen
(vgl.
Urk.
9/17/6-9,
Urk.
9/17/10-13,
Urk.
9/17/14-15)
,
ver
neinte die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Stellungnahme von
dipl.-med.
E._
des RAD (vgl. vorstehend E. 3.5, E. 3.7)
das Vorliegen einer invalidi
sierenden Gesundheitsbeeinträchtigung
(vgl.
Urk.
2 S. 1)
.
In Bezug auf die Beurteilung durch
dipl.-med.
E._
des RAD
gilt es
zunächst
zu berücksichtigen, dass diese als
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Prävention und Gesundheitswesen
nicht über eine für die Beurteilung des vorliegend im Streite stehenden psychischen Leidens angezeigte
fachmedizi
ni
sche
Spezialisierung als Fachärztin für Psychia
trie und Psychotherapie verfügt
, weshalb auf ihre Beurteilung
s
chon aus diesem Grunde nicht abgestellt werden kann.
Ohne Auseinandersetzung mit der Erwerbsbiographie oder den medizini
schen Berichten hielt sie ohne eigene Untersuchung und entgegen sämtlicher fachärztlicher Ausführungen fest, dass keine Diagnose mit dauerhafter Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege und die aktuelle Krankheitsaktivität durch psychosoziale Belastungsfaktoren ausgelöst worden sei. Weiter hielt sie trotz bereits in den Berichten aus den Jahren 1988 und 1990 (vgl.
Urk.
9/17/6-9,
Urk.
9/17/10-13) ersichtlichen (teils deutlichen) Anhaltspunkten einer auffäl
ligen Persönlichkeits- und Charakterstruktur ohne nachvollziehbare Begrün
dung fest, dass
die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nic
ht berücksichtigt werden könne
.
Angesichts der Dauer und Ausprägung der bipolaren affektiven Störung, welche von sämtlichen Fachärzten diagnostiziert wurde, sowie der
vorhandenen
Hin
weise auf eine Persönlichkeitsstörung,
für welche sich
möglicherweise
auch in der Erwerbsbiographie mit den häufigen Stellenwechseln Anhaltspunkte finden lassen
(vgl.
Auszug aus dem individuellen Konto [IK],
Urk.
9/1,
Urk.
9/14), kann ein invalidisierender Gesundheitsschaden nicht von vornherein und ohne wei
tere Abklärungen verneint werden.
Damit
hat d
ie Beschwerdegegnerin den massgeblichen Sachverhalt
nur unzureichend abgeklärt.
4.3
Rechtsprechungsgemäss ist auf der anderen Seite ebenfalls zu berücksichtigen, dass
die behandelnden Ärztinnen und Ärzte in einem auftragsrechtlichen Ver
hältnis zur versicherten Person
stehen
und sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren
haben
. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen des
halb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte – beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom 2. April 2007 E.
4.2) – mitunter im Hinblick
auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig ge
stützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_1055/2010 vom 17. Februar 2011 E. 4.1).
4.4
Insgesamt fehlt es vorliegend an verlässlichen medizinischen Grundlagen zur Beurteilung der gesundheitlichen Situation und der Arbeitsfähigkeit
des
Be
schwerdeführer
s
und damit an der Grundl
age für
einen Entscheid.
Zur Be
urtei
lung
seiner
invalidenversicherungsrechtlichen Ansprüche bedarf es daher zu
sätzlicher medizinischer Abklärungen in
Form eines psychiatrischen Gut
ach
tens, welches sich zur der Frage, ob
der
Beschwerdeführer an einer invaliden
versicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsstörung leidet und wie sich diese auf
seine
Arbeitsfähigkeit auswirkt, äussert.
Dabei wird sich der psychiatrische Gutachter ebenfalls zur Eingliederungsfähigkeit des Beschwerdeführers
respek
tive zur Fähigkeit zur Bewältigung von Integrationsmassnahmen
zu äussern ha
ben
. In diesem Zusammenhang wird auch die Frage zu klären sein, ob der Be
schwerdeführer aufgrund seines Leidens einem Arbeitgeber überhaupt (noch) zumutbar ist
(vgl. vorstehend E. 1.2)
.
Angesichts des Verzichts der Beschwerdegegnerin auf eine
jegliche fachärztliche Beurteilung
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens rechtfertigt sich eine gericht
liche Begutachtung nicht
(vgl. vorstehend E. 1.6)
.
Die angefochtene Verfügung vom
2
4.
Januar 2017
(Urk. 2) ist folglich aufzuheben und die Sache zur Vor
nahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu erneutem Ent
scheid über den
Leistungsanspruch
des
Beschwerdeführer
s
an die
Beschwerde
gegnerin
zurüc
kzuweisen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen und, da die Rückweisung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen gilt (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts U 199/02 vom 10. Februar 2004 E. 6, mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3),
ausgangs
gemäss
von der
Beschwer
degegnerin
zu tragen (Art. 69 Abs. 1bis IVG).