Decision ID: b981bfe5-f801-46da-bc98-222b00d4d9ed
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Nico Gächter, Rosenbergstrasse 42, 9000 St.
Gallen,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (Observation)
Sachverhalt:
A.
A._ war vom 18. Juni 1990 bis 21. Dezember 2005 als Bauarbeiter mit
Fachkenntnissen im Strassenbau für die B._ AG tätig (IV-act. 13). Am 28. August
2006 meldete er sich zum Leistungsbezug (Umschulung, medizinische
Eingliederungsmassnahmen, Rente) bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-
act. 1). Gestützt auf die Berichte des Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeinmedizin,
vom 19. September 2006 (IV-act. 10) und der Klinik D._ vom 3. Oktober 2006 (IV-act.
14) hielt der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) Ostschweiz am 23. Februar 2007 dafür,
dem Versicherten sei eine Arbeit in der bisherigen schweren Tätigkeit nicht mehr
zumutbar. Er sei unter Berücksichtigung einer (bestmöglichen) ergonomischen
Körperhaltung und mit der Möglichkeit zum Positionswechsel in einer leichten bis
mittelschweren Tätigkeit als vollständig arbeitsfähig einzustufen (IV-act. 21).
B.
B.a Mit Verfügung vom 12. April 2007 lehnte die IV-Stelle das Gesuch um medizinische
Massnahmen (Physiotherapie) ab (IV-act. 24). Mit zwei separaten Vorbescheiden vom
16. Mai 2007 teilte sie dem Versicherten mit, dass sie sowohl das Leistungsbegehren
um berufliche Massnahmen sowie um Rente abweisen werde (IV-act. 27-29). Gegen
beide Vorbescheide legte der Versicherte am 15. Juni 2007 Widerspruch ein (IV-act.
30-1/8) und verwies auf ein laufendes Verfahren bei seiner Krankenkasse. In Berichten
zuhanden des Krankenversicherers vom 26. Mai 2007 und der IV-Stelle vom 19.
November 2007 ging Frau Dr. med. E._, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
von einer psychiatrisch-somatisch, auch für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten,
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begründeten Arbeitsunfähigkeit von 100% aus. Sie schlug namentlich berufliche
Massnahmen vor (IV-act. 30/4-6 und 37/6-9). Der RAD regte in der Folge am
18. Dezember 2007 eine interdisziplinäre Begutachtung durch das Medizinische
Gutachten Zentrum St. Gallen (MGSG) an (IV-act. 38).
B.b Gestützt auf eine gemeinsame orthopädisch-psychiatrische Beurteilung mit
Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, erstattete Dr. med. G._,
Spezialarzt für Orthopädie FMH, am 18. März 2008 das MGSG-Gutachten. Die
Gutachter stellten die Diagnosen "massige" mediorechtsseitige Diskushernie L4/5 und
Spondylarthrose mit rechtsrezessaler Enge und leichter Kompression der Nervenwurzel
L5 rechts rezessal sowie leichte relative diskogene und spondylogene Spinalkanalenge
L4/5; mässige Spondylarthrose L2 bis 4 und L5/S1; Präadipositas; mittelgradige
depressive Episode seit ca. Mai 2006; und vermehrte Kyphose der Brustwirbelsäule. In
der bisherigen schweren Tätigkeit als Bauarbeiter sei der Versicherte seit Mitte 2006 zu
65% arbeitsunfähig. Die quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit betrage gesamthaft 40% (IV-act. 43/5-7).
B.c Da bei der Beurteilung des psychischen Status im psychiatrischen MGSG-
Teilgutachten des Dr. F._ vom 13. März 2008 Sprachbarrieren erwähnt worden waren
(IV-act. 43/11), ersuchte die IV-Stelle am 16. April 2008 das MGSG um Überprüfung
der gutachterlichen Abklärung unter Beizug eines Dolmetschers (IV-act. 48). Mit
Beurteilung vom 15. Mai 2008 bestätigte Dr. F._ die Ergebnisse seiner ersten
Begutachtung (IV-act. 47).
B.d Nach Einsicht in die Ergänzung des psychiatrischen Teilgutachtens hielt RAD-Arzt
Dr. H._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in einer undatierten
Stellungnahme fest, Unsicherheiten durch Verständigungsschwierigkeiten seien nun
ausgeschlossen. Die Einschränkung in der bisherigen Tätigkeit entspreche einer
65%igen Arbeitsunfähigkeit seit September 2005. Seitdem bestehe in einer dem
somatischen Leiden adaptierten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit. In einer dem
körperlichen und dem seit Mai 2006 aufgetretenen psychischen Leiden adaptierten
Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 49). Dem hielt Frau Dr. E._ am
23. Februar 2009 entgegen, der Versicherte sei nicht imstande 50% zu arbeiten,
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dessen Gesundheitszustand habe sich seit ihrem Bericht vom 19. November 2007
verschlechtert (IV-act. 53/1).
B.e Gemäss Schlussbericht der beruflichen Eingliederung vom 22. April 2009 gab der
Versicherte an, er fühle sich gesundheitsbedingt nicht arbeitsfähig und wünsche sich
deshalb zurzeit keine Arbeitsvermittlung bzw. keine Unterstützung durch die
Eingliederungsberatung (IV-act. 56).
C.
C.a Am 31. August 2009 beauftragte die IV-Stelle ein Ermittlungsbüro mit der Über
wachung des Versicherten (IV-act. 58). In der Folge wurde der Versicherte am 1., 11.,
12., 25. und 28. September 2009 sowie am 2. Oktober 2009 observiert. Die Ergebnisse
wurden in den Observationsberichten vom 14. September 2009 und vom 6. Oktober
2009 festgehalten (IV-act. 61 und 62). Zwei CDs mit Videoaufnahmen der Observation
wurden zu den Akten gelegt (act. G 4).
C.b Bezugnehmend auf die Berichte von Frau Dr. E._ und der Eingliederungsbe
ratung hielt RAD-Arzt Dr. H._ am 22. Oktober 2009 fest, daraus gingen zirkuläre
Schlüsse hervor, die aus versicherungsrechtlicher Sicht keine objektiven
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit auf psychischer Ebene darstellten.
Zukunftsängste, Selbstvorwürfe, Affektinkontinenz im Zusammenhang mit
ausweglosen Situationen seien nachvollziehbar. Angesichts der angebotenen Hilfe zum
Wiedereinstieg und damit hin zu einer Lösung der geltend gemachten Probleme sei
hingegen das Festhalten an der subjektiv aufgehobenen Arbeitsfähigkeit nicht
nachvollziehbar. In einer dem somatischen Leiden angepassten Tätigkeit bestehe keine
nennenswerte Einschränkung. Die Hauptsymptomatik beruht auf psychiatrischer
Grundlage und werde durch die Stellenlosigkeit begründet. Aus Sicht des RAD
müssten die geklagten psychischen Beschwerden nach Antreten einer adaptierten
Tätigkeit vollständig wegfallen, woraus sich schliessen lasse, dass keine dauerhafte
medizinische Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege (IV-act. 57).
C.c Am 27. November 2009 nahm RAD-Arzt Dr. H._ aus medizinischer Sicht
Stellung zu den erstatteten Ergebnissen der Observation. Gestützt darauf hegte er aus
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psychiatrischer Sicht erhebliche Zweifel am Vorliegen einer mittelgradigen depressiven
Episode. Die Observation belege eine übliche, zu erwartende Leistungsbereitschaft
ohne Inanspruchnahme von Pausen. Die in der subjektiven Beschwerdeschilderung
vorgebrachte Symptomatik sei dabei nicht ersichtlich. Dadurch werde die im Gutachten
aus psychiatrischer Sicht geschätzte Leistungseinschränkung relativiert, sodass die
Arbeitsunfähigkeit in einer Gesamteinschätzung als nicht überzeugend ausgewiesen zu
betrachten sei (IV-act. 63).
C.d Am 15. Dezember 2009 konfrontierte die IV-Stelle den Versicherten mit den
Ergebnissen der Observation (IV-act. 65; vgl. IV-act. 64).
D.
Nach Durchführung eines erneuten Vorbescheidverfahrens (IV-act. 68, 73, 76 und 78)
lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 25. Mai 2010 das Rentengesuch ab, weil die
gutachterlich erhobenen Diagnosen mit wesentlicher Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit dadurch widerlegt worden seien, dass während der unbemerkten
Überwachung des Versicherten keine signifikanten körperlichen Einschränkungen
bestanden hätten. Der Versicherte sei zumindest in einer körperlich leichten Tätigkeit
voll arbeitsfähig. Gestützt auf das Bildmaterial der Observation könne die psychiatrisch
begründete Arbeitsunfähigkeit nicht bestätigt werden. Die Observation sei aufgrund
des sehr demonstrativen Verhaltens des Versicherten durchgeführt worden. Bereits im
Konsiliarbericht der Klinik D._ vom 3. Oktober 2006 werde auf eine manifeste
Selbstlimitierung hingewiesen. Sodann seien die Schilderungen des Versicherten
gegenüber den Psychiatern, aber auch gegenüber der Eingliederungsberaterin derart
dramatisiert, dass ernsthafte Zweifel an deren Richtigkeit aufgekommen seien. Der
Einwand, die Observation sei eigenmächtig fortgesetzt worden, verkenne, dass
ergänzende Anweisungen im Rahmen des Auftrags nicht formbedürftig seien und
deshalb telefonisch erfolgen könnten. Es seien in Bezug auf die Zeit vor der
Observation keine ergänzenden Abklärungen vorzunehmen, weil es sich vorliegend um
eine erstmalige Rentenprüfung handle bzw. eine Veränderung des
Gesundheitszustandes keinen Beweisgegenstand bilde, so dass nur der Istzustand von
Bedeutung sei. Da Anhaltspunkte für wesentliche Schwankungen im Verlauf fehlen
würden, bleibe auch kein Raum für die Annahme, bis September 2009 habe eine
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40%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Auf ergänzende medizinische Abklärungen sei
zu verzichten, weil das Observationsergebnis schlüssig sei und auf die Angaben des
Versicherten in einer allfälligen neuen psychiatrischen Begutachtung kein Verlass sei.
Ein Anspruch auf Umschulung, welche einer erstmaligen Ausbildung gleichkäme,
bestehe nicht. Der Versicherte könne ohne ergänzende Ausbildung jede der
somatischen Einschränkung angepasste Hilfstätigkeit ausüben und so ein
rentenausschliessendes Einkommen erzielen (IV-act. 82).
E.
E.a Gegen diese leistungsverweigernde Verfügung richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 28. Juni 2010 unter Beilage von verschiedenen Unterlagen. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt - unter Kosten- und
Entschädigungsfolge - die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache
einer ganzen Rente, eventualiter einer Viertelsrente ab April 2006 oder subeventualiter
die Zusprache einer Viertelsrente von April 2006 bis September 2009. Eventualiter sei
die Angelegenheit zu ergänzenden medizinischen und beruflichen Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
führt zur Begründung im Wesentlichen aus, die Observationsberichte und die darauf
gestützten Arztberichte seien nicht verwertbar oder, zumindest, nicht rechtsgenüglich
aussagekräftig. Die Beschwerdegegnerin sei bei den von ihr veranlassten
medizinischen Einschätzungen zu behaften. Nach der Rechtsprechung seien
Observationsergebnisse - soweit überhaupt verwertbar und unabhängig davon, ob es
um eine Erstanmeldung oder um eine Rentenrevision gehe - all denjenigen Ärzten,
welche dem Versicherten beschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert und dementsprechend
seit Einreichung des Leistungsbegehrens Bericht erstattet hätten, zur Prüfung
vorzulegen. Selbst wenn auf die Observationsergebnisse abzustellen wäre, wäre
gestützt auf die medizinischen Unterlagen eine Viertelsrente von April 2006 bis
10. September 2009 zuzusprechen (act. G 1).
E.b Die Beschwerdegegnerin erstattet am 12. Oktober 2010 Beschwerdeantwort mit
Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Sie bringt im Wesentlichen vor, die
medizinische Beurteilung habe sich vor allem auf im Rahmen der Begutachtung kaum
überprüfbare innere Tatsachen gestützt. Da die Feststellung des psychischen Leidens
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gemäss psychiatrischem Teilgutachten vom 13. März 2008 mit einem nicht
objektivierbaren Schmerzgeschehen zusammenhänge, habe eine wesentliche
Unsicherheit bestanden, die sinnvollerweise nur mit fremdanamnestischen Erhebungen
habe behoben werden können. Die aufgenommenen Alltagssituationen würden
hinreichend belegen, dass die Darstellungen des Beschwerdeführers im
Abklärungsverfahren mit den beobachteten Verhaltensweisen nicht übereinstimmten,
weshalb nicht glaubwürdig sei, dass die Schmerzen zu einer depressiven Belastung
geführt hätten. Vielmehr sei es der Stellenverlust, der eine Verstimmung zur
Hauptsache ausgelöst habe. Nachdem die Observationsergebnisse medizinisch
gewürdigt worden seien, seien ergänzende Abklärungen weder notwendig noch
sinnvoll, da wesentliche neue und vor allem besser verwertbare Erkenntnisse nicht zu
erwarten wären (act. G 4).
E.c Mit Replik vom 29. November 2010 stellt sich der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers insbesondere auf den Standpunkt, eine Arbeitsunfähigkeit in
leidensadaptierter Tätigkeit von 40-50% sei vor Ansetzung der Observationen
ausgewiesen. Weshalb der RAD sich am 22. Oktober 2009 ohne offizielle Kenntnisse
der angeordneten Observationen gegen eigene und andere fachärztliche frühere
Einschätzungen gestellt habe, sei nicht begründet worden. Die Auswertung der
Observationsberichte und der bildlichen Darstellungen durch die Beschwerdegegnerin
sei fehlerhaft und lasse jene Momentaufnahmen ausser Acht, die Schmerzen
dokumentieren würden (act. G. 10).
E.d Mit Duplik vom 21. Januar 2011 macht die Beschwerdegegnerin unter anderem
geltend, die RAD-Stellungnahme vom 22. Oktober 2009 stütze sich auf die Rechtslage,
wonach Krankheiten nur als invalidisierend gälten, wenn sie eine Arbeitsunfähigkeit
herbeiführten, wobei reversible Reaktionen auf eine Stellenlosigkeit und auf andere
soziale Belastungsfktaoren nicht dazu gehörten (act. G 12).
F.
Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
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Erwägungen:
1.
Die angefochtene Verfügung stützt sich bei der Verneinung des Leistungsanspruchs
insbesondere auf die Observationsberichte vom 14. September 2009 und vom 6.
Oktober 2009 sowie auf deren Auswertung durch RAD-Arzt Dr. H._ in einer
Stellungnahme vom 27. November 2009. Deshalb ist streitig und zu prüfen, ob und
inwiefern diese Beweisstücke eine zuverlässige Beurteilung des Rentengesuchs
gestatten.
2.
Zunächst drängt sich die Vorfrage der Verwertbarkeit der vorliegenden
Observationsergebnisse auf.
2.1 Die Observation durch einen Privatdetektiv ist nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung nur dann ein geeignetes und erforderliches Mittel im Hinblick auf eine
wirksame Missbrauchsbekämpfung, wenn die unmittelbare Wahrnehmung aufgrund
der Umstände objektiv geboten sei, um Erkenntnisse in Bezug auf das Ausmass der
tatsächlichen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zu erlangen, welche eine weitere
Begutachtung nicht bringen könne. Objektiv geboten sei eine Überwachung, wenn
genügend Anhaltspunkte bestünden, die trotz umfassender Begutachtung Zweifel an
den geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend gemachten
Arbeitsunfähigkeit aufkommen liessen. Solche Anhaltspunkte könnten bei
widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person Zweifel an deren Redlichkeit
(eventuell gestützt auf Angaben und Beobachtungen Dritter), Inkonsistenzen anlässlich
der medizinischen Untersuchung, Aggravation, Simulation oder Selbstschädigung
gegeben sein (BGE 137 I 327 f. E. 5.4.1 und 5.4.2; vgl. BGE 136 III 410 E. 4.2.1).
2.2 Die angefochtene Verfügung begründete die objektive Gebotenheit der
Observation damit, dass eine Selbstlimitierung bereits am 3. Oktober 2006 in der Klinik
D._ festgestellt worden sei und der Beschwerdeführer gegenüber den Psychiatern
und der Eingliederungsberaterin sein Leiden derart dramatisiert dargestellt habe, dass
Zweifel aufgekommen seien (IV-act. 82). Dem ist entgegenzuhalten, dass die MGSG-
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Untersuchungen vom 25. Januar und 13. März 2008 (IV-act. 43/1 und 9) und die auf
das MGSG-Gutachten vom 18. März 2008 gestützte Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr. H._ vom 10. Juli 2008 (IV-act. 49) in Kenntnis der bereits drei Jahre
zurückliegenden Berichterstattung der Klinik D._ erfolgten. Ausserdem ist im
Gutachten von Dr. G._/Dr. F._ kein auffällig demonstrierendes Verhalten des
Beschwerdeführers dokumentiert. Auch die Beschwerdegegnerin hat bis zur Erteilung
des Observationsauftrags am 31. August 2009 keine spezifischen Verdachtsmomente
aktenkundig aufgezeichnet. Nach der grosszügigen Rechtsprechung des
Bundesgerichtes dürfte die Anordnung der Observation dennoch zulässig sein,
weshalb die Observationsberichte vom 14. September 2009 und vom 6. Oktober 2009
sowie die darauf gestützten Akten grundsätzlich als verwertbar bezeichnet werden
können.
2.3 Daran vermag nichts zu ändern, dass der Auftrag vom 31. August 2009 am Anfang
lediglich für eine bis zweitägige Überwachung erteilt und nicht in gleicher schriftlicher
Form ausgedehnt worden ist, zumal die Schriftlichkeit für diese Vertragsart nicht
gesetzlich vorgeschrieben ist (vgl. Art. 11 Abs. 1 i.V.m. Art. 394 ff. OR) und die
Anwendung einer solchen Form für seine zeitliche Ausdehnung vorliegend nicht
vorbehalten wurde (e contrario Art. 16 Abs. 1 OR). Ob ein bloss mündlich erteilter
Folgeauftrag ohne jede Aktennotiz mit der Aktenführungspflicht des
Versicherungsträgers in Übereinstimmung gebracht werden kann, ist allerdings mehr
als fraglich (vgl. Art. 46 ATSG). Immerhin kann nicht ohne Weiteres angenommen
werden, dass die Kontrahenten bei der mündlich erteilten zeitlichen Ausdehnung des
Auftrags von einer rechtswidrigen Entbindung der gesetzlichen Datenschutzvorgaben
ausgegangen wären. Die Behauptung, die Auftragnehmerin sei bereits vor der
Auftragserteilung aktiv geworden, ist nicht belegt und erscheint realitätsfremd. Ebenso
wenig bestehen Indizien dahingehend, dass das Bildmaterial manipuliert worden wäre.
Die Bekanntgabe aller möglichen Nebenbeteiligten an der Observation erscheint nicht
von Belang, hat die Auftragnehmerin doch den Namen der verantwortlichen Person
offengelegt. Den formellen Einwänden des Beschwerdeführers gegen die Durchführung
der Observation kann gesamthaft betrachtet nicht gefolgt werden
3.
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Im Rahmen der Invaliditätsbemessung sind die ärztlichen Auskünfte eine unabdingbare
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist.
(BGE 125 V 261 E. 4; vgl. BGE 105 V 158 E. 1 und ZAK 1982 S. 34). Die
Observationsergebnisse bilden keine fachärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung. Es
handelt sich nur um fremdanamnestische Erhebungen, die zu einer abschliessenden
und umfassenden medizinischen Beurteilung beitragen können.
3.1 Die Observationsberichte vom 14. September 2009 und vom 6. Oktober 2009 be
legen eine erhebliche Diskrepanz zwischen den anamnestischen Angaben und dem
Alltagsverhalten des Beschwerdeführers. Ein solcher Vergleich stellt zwar einen
wichtigen Anhaltspunkt für die Beurteilung des Leistungsanspruchs dar. Massgebend
ist aber, welche Schlüsse aus medizinischer Sicht daraus gezogen werden können und
müssen.
3.1.1 Auf eine medizinische Berichterstattung, die sich darauf beschränkt, ohne
Plausibilitätsprüfung die subjektiven Empfindlichkeiten der versicherten Person zu
übernehmen, besteht kein Verlass. Deshalb sind die Arztberichte von Frau Dr. E._
vom 5. Juli 2007 (IV-act. 30/4-6), 19. November 2007 (IV-act. 37/6-9) und 23. Februar
2009 (IV-act. 53/1), die von einer 100% Arbeitsunfähigkeit auf somatischer und
psychischer Grundlage ausgehen, nicht zuverlässig. Deshalb lassen sich aus den
Observationsergebnissen keine neuen Einsichten gewinnen, soweit diese die
pauschale Übernahme der geklagten Beschwerden durch die therapierende Ärztin
widerlegen.
3.1.2 Die behandelnden Ärzte der Klinik D._ erkennen einerseits im
Konsiliarbericht vom 3. Oktober 2007 die Selbstlimitierung des Beschwerdeführers, die
im Zusammenhang mit der Anpassungsstörung stehe, und schätzen andererseits aus
somatischer, rheumatologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100% in einer leichten
bis mittelschweren Tätigkeit (IV-act. 14/5f.). Anders gesagt gehen sie von
Belastungsobergrenzen von maximal 10 bis 15 kg aus. Sie äussern sich aber nicht über
die Auswirkungen der psychischen Problematik auf die Arbeitsfähigkeit.
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3.1.3 Auf der Basis des MGSG-Gutachtens vom 18. März 2008 (IV-act. 43),
ergänzt am 15. Mai 2008 (IV-act. 47), besteht insgesamt eine Arbeitsunfähigkeit von
40% in einer adaptierten Tätigkeit. Gemäss MGSG-Gutachten vom 18. März 2008
können die vom Beschwerdeführer beklagten lumbalen Schmerzen (beim Sitzen,
Laufen sowie Bücken und Heben und Tragen von Lasten) und die abnormen
Untersuchungsbefunde der Lendenwirbelsäule grösstenteils auf die im MRI sichtbaren
degenerativen Veränderungen zurückgeführt werden. Aufgrund der radiologisch nur
leichtgradigen Kompression der Nervenwurzel L5 rechts sei die festgestellte
Hyposensibilität des gesamten rechten Beins nicht nachvollziehbar. Das Ausmass der
Beschwerden im Bereich der Brustwirbelsäule könne bei nur leicht kyphotischer BWS
und sonst unauffälligem Befund nicht nachvollzogen werden. Nach diesen
Feststellungen sollte der Beschwerdeführer körperlich leichten, abwechslungsreichen
(Wechsel zwischen Sitzen und Stehen) Tätigkeiten mit einem Arbeitspensum von 100%
und reduzierter Arbeitsleistung von 90% nachgehen können. Zu vermeiden seien
häufige inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen sowie das Heben und
Tragen von Lasten über 10 kg (IV-act. 43/5-7). Die chronische Schmerzsymptomatik
und die damit einhergehende Arbeitslosigkeit hätten zu Anpassungsstörungen mit
Angstzuständen (existentiellen Ängsten, Angst um die Familie) und seit etwa Mai 2006
zu einer persistierenden mittelgradigen depressiven Episode geführt. Aufgrund dieser
mittelgradigen depressiven Störung sei auch eine gestörte Schmerzwahrnehmung und
Schmerzverarbeitung bei zugrunde liegenden körperlichen Beschwerden anzunehmen.
Der Beschwerdeführer fühle sich lustlos, freudlos und antriebslos, wirke
psychomotorisch stark unruhig und bringe vor, er leide unter Selbstvorwürfen,
Insuffizienzgefühlen, Konzentrationsstörungen, Unsicherheit, Verzweiflung, mangelnden
Zukunftsperspektiven sowie Schlafstörungen. Deshalb seien aus psychiatrischer Sicht
geistig leichte Tätigkeiten mit einem Arbeitspensum von 100% und einer
Arbeitsleistung von 60% zu empfehlen, vorausgesetzt, dass dabei keine psychische
Belastung, kein erhöhter Zeitdruck, keine erhöhte Konzentrationsfähigkeit, keine
Schicht- und Nachtarbeit bestünden; empfehlenswert seien kleine Teams ohne
vermehrte Mitarbeiter- und Kundenkontakte (IV-act. 43/12-14). Diese Einschätzung
beruht auf interdisziplinärer Grundlage und legt differenziert und nachvollziehbar dar,
weshalb die Einschränkungen nicht im vom Beschwerdeführer vorgebrachten Ausmass
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bestehen. Sie bildet den einschlägigen Referenzpunkt für den Vergleich mit den
Ergebnissen der durchgeführten Observationen.
3.2 Die Observationsergebnisse wurden RAD-Arzt Dr. H._ vorgelegt. Er hält in
seiner Aktenbeurteilung vom 27. November 2009 fest, die Behauptung, keine Lasten
heben zu können, werde anhand der Film- und Fotodokumente widerlegt. Es sei
deutlich, dass der Beschwerdeführer imstande sei, Lasten zu heben und zu stossen,
obwohl einmal seine Begleiterin und ein anderes Mal die ihn begleitenden Jugendlichen
diese Aufgabe hätten übernehmen können. Die von Frau Dr. E._ als ultimativ
limitierend angeführten Belastungszeiten seien angesichts der beobachtbar
beschwerdefreien Rückkehr nach den Einkaufstouren zurückzuweisen. Der
Beschwerdeführer sei zu keinem Zeitpunkt mit mimischen Anzeichen von Schmerz
oder Erschöpfung zu beobachten und zeige gemäss den aufgenommenen Aktivitäten
keine schwerwiegende Antriebsschwäche. Aufgrund der Observationsergebnisse
bestünden aus medizinischer Sicht keine Hinweise darauf, dass die Feststellungen in
der Begutachtung zu einer groben Fehleinschätzung geführt hätten. Es stelle sich
allerdings die Frage, ob gestützt auf die medizinischen Fakten eine psychiatrisch
begründete Arbeitsunfähigkeit von 40% vorliege, was angesichts der in den
Observationsberichten dargestellten, durchschnittlichen Vitalität zu verneinen sei.
Phasenhafte Aufhellungen der depressiven Episoden wären während der nun schon
langen Dauer der Erkrankung zu erwarten, jedoch seien sie beim Beschwerdeführer in
den medizinischen Unterlagen nie dokumentiert worden. Demgegenüber sei von einer
stetigen Verschlechterung die Rede gewesen. Das beobachtete Alltagsverhalten zeige,
dass der Beschwerdeführer bei der Therapie und der Begutachtung seine
Alltagsleistungen deutlich defizitärer dargestellt habe. Im Lichte der
Observationsergebnisse sei eine mittelgradige depressive Episode aktuell nicht
ausgewiesen (IV-act. 63/3).
3.3 Die Aktenbeurteilungen des RAD-Arztes erscheinen insgesamt wenig konsistent
und nachvollziehbar: Zunächst geht er in der undatierten Stellungnahme angeblich
gestützt auf das MGSG-Gutachten von einer lediglich 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit aus (IV-act. 49). In einer weiteren Aktenbeurteilung vom 22.
Oktober 2009 ändert er seine Meinung, ohne sich mit der früheren Einschätzung
auseinanderzusetzen und ohne Bezug auf das Gutachten zu nehmen (IV-act. 57). Wäre
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jene Beurteilung schlüssig, bleibt unerfindlich, wieso eine Observation durchgeführt
worden ist. Schliesslich bestätigt er in der Beurteilung vom 27. November 2009 bereits
Bekanntes, nämlich dass der Beschwerdeführer nicht im Ausmass der vorgebrachten
Beschwerden eingeschränkt sei. Das wurde bereits im MGSG-Gutachten festgestellt,
wurde doch dort in somatischer Hinsicht von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen. Gleichzeitig hält Dr. H._ dafür, dass die Begutachtung im Lichte der
Observationsergebnisse zu keiner "groben Fehleinschätzung" geführt habe. Fraglich
sei höchstens, ob ausreichende medizinische Fakten vorliegen würden, die eine
40%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht plausibel
machten. Aufgrund der im Rahmen der Observation offenbar zum Ausdruck
gelangenden durchschnitttlichen Vitalität bezweifelt er schliesslich, dass aktuell eine
mittelgradige Episode bestehe (IV-act. 63-3). Wie es sich im zeitlichen Verlauf verhält,
bleibt offen. Insgesamt vermögen die verschiedenen, teils widersprüchlichen
Aktenbeurteilungen nicht zu überzeugen. Sie reichen für eine Beurteilung der
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht nicht aus, umso
weniger, als der RAD-Arzt den Beschwerdeführer nicht selber untersucht und sich auch
in zeitlicher Hinsicht nicht eindeutig geäussert hat.
3.4 Entscheidend bleibt, ob die MGSG-Gutachter auch bei Kenntnis der
Observationsergebnisse an der interdisziplinären Beurteilung festhalten. Wenn die
Feststellungen der Gutachter einerseits gemäss RAD-Arzt nicht weit von den
Observationsergebnissen liegen und andererseits auf eine gestörte
Schmerzwahrnehmung und Schmerzverarbeitung hinweisen, ist anhand der
Observationsberichte (eingeschlossen Bildmaterial bzw. CDs mit Videoaufnahmen) und
der gesamten Akten eine neue Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit seit 2006 namentlich durch den Psychiater Dr. F._ angezeigt. Ob dazu eine
neue klinische Untersuchung erforderlich bzw. zielführend wäre, ist den Gutachtern zu
überlassen. Insbesondere Dr. F._ wird nachvollziehbar zu begründen haben, ob bzw.
inwieweit er an seiner Einschätzung festhält. Sollte Dr. F._ auch unter
Berücksichtigung der Observationsergebnisse von einer mittelgradigen depressiven
Episode ausgehen, wird er auch die Frage zu beantworten haben, welche Bedeutung
er dem Faktor "Stellenlosigkeit" bei seiner Einschätzung zumisst.
4.
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4.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
25. Mai 2010 aufzuheben. Die Sache ist zur ergänzenden Abklärung und zu neuer
Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt vollumfänglich. Sie hat
deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete
Kostenvorschuss des Beschwerdeführers von Fr. 600.-- ist ihm zurückzuerstatten.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
vorliegend eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP