Decision ID: 4ceff76d-029f-55a0-97c8-1f348e0ccb83
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 19. Oktober 2020 in der Schweiz um
Asyl nach. Auf dem Personalienblatt gab er unter anderem an, beziehungs-
weise liess er von seinem Übersetzer angeben, am (...) geboren worden
und deshalb minderjährig zu sein. Den Einträgen in der «Eurodac»-Daten-
bank zufolge hatte er zuvor am (...) in Rumänien um Asyl nachgesucht
(Akten der Vorinstanz [nachfolgend SEM-act.] 1 ff.).
B.
Am 5. November 2020 führte die Vorinstanz eine Erstbefragung nach den
Vorgaben für unbegleitete Minderjährige durch. Zu seinem Geburtsdatum
befragt, behauptete der Beschwerdeführer zunächst erneut, er sei am (...)
zur Welt gekommen. Im Verlaufe der Befragung erklärte er dann, ein Dol-
metscher habe das Geburtsdatum in seinem Asylgesuch ausgefüllt (SEM-
act. 12). Am 10. November 2020 ersuchte die Vorinstanz die rumänischen
Behörden in Anwendung von Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU)
Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen o-
der Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) um Wiederauf-
nahme des Beschwerdeführers (SEM-act. 17). Die rumänischen Behörden
lehnten eine Rückübernahme des Beschwerdeführers am 23. November
2020 ab. Sie führten aus, der Beschwerdeführer habe in seinem Asylge-
such in Rumänien den (...) als Geburtsdatum angegeben, ohne dass er
zum Nachweis seines Alters Dokumente vorgelegt hätte. Für die Beurtei-
lung von Asylgesuchen Minderjähriger sei der Aufenthaltsstaat zuständig,
weshalb sie die Wiederaufnahme des Beschwerdeführers nicht akzeptier-
ten, es sei denn, eine medizinische Altersabklärung ergebe dessen Voll-
jährigkeit (SEM-act. 20). In der Folge veranlasste die Vorinstanz beim Insti-
tut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen die Erstellung eines
Altersgutachtens. In dem am 2. Dezember 2020 erarbeiteten Dokument
wurde festgehalten, die vorgenommenen Untersuchungen ergäben – ba-
sierend auf dem Geburtsdatum (...) – ein durchschnittliches Lebensalter
des Beschwerdeführers von 18 bis 22 Jahren. Basierend auf dem Median-
wert der radiologischen Untersuchung der Schlüsselbein-Brustbeinge-
lenke liege das wahrscheinlichste Alter bei 19 Jahren. Demnach sei mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Volljährigkeit auszugehen. In
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Zusammenschau aller Untersuchungsbefunde lasse sich beim Beschwer-
deführer zum Zeitpunkt der Untersuchung (26. November 2020) ein Min-
destalter von 17 Jahren ermitteln. Das angenommene chronologische Le-
bensalter von 18 Jahren und zehn Monaten könne somit aufgrund der Er-
gebnisse der forensischen Altersschätzung zutreffen (SEM-act. 24). Am 3.
Dezember 2020 ersuchte die Vorinstanz die rumänischen Behörden ge-
stützt auf das Altersgutachten um Remonstration (SEM-act. 25). Die rumä-
nischen Behörden stimmten der Wiederaufnahme des Beschwerdeführers
in Anwendung von Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO am 15. Dezember
2020 zu (SEM-act. 29).
C.
Mit Verfügung vom 28. Dezember 2020 trat die Vorinstanz in Anwendung
von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein,
ordnete die Wegweisung nach Rumänien an und forderte den Beschwer-
deführer auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-
lassen (SEM-act. 33).
D.
Gegen diesen Entscheid liess der Beschwerdeführer am 7. Januar 2021
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben. Er beantragte, die
Verfügung vom 28. Dezember 2020 sei aufzuheben und die Vorinstanz an-
zuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und in der Schweiz ein materi-
elles Asylverfahren durchzuführen. Eventualiter sei die vorinstanzliche Ver-
fügung aufzuheben und die Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs
zum Altersgutachten, zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zur
rechtsgenüglichen Anfrage an die rumänischen Behörden an die Vor-
instanz zurückzuweisen.
E.
Das Gericht stellte im Urteil F-72/2021 vom 2. Februar 2021 die Verletzung
des rechtlichen Gehörs hinsichtlich des am 2. Dezember 2020 angefertig-
ten Altersgutachtens fest, hob die angefochtene Verfügung vom 28. De-
zember 2020 auf und wies die Sache zur Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs, zur allfälligen ergänzenden Sachverhaltsabklärung und zum an-
schliessenden neuen Entscheid an die Vorinstanz zurück.
F.
Die Vorinstanz gewährte in der Folge mit Schreiben vom 15. Februar 2021
dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zum erwähnten Altersgutach-
ten. Mit Schreiben vom 23. Februar 2021 führte der Beschwerdeführer aus,
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es sei mit Verweis auf BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2 dem Altersgutachten kein
Beweiswert zuzumessen, da die Schlüsselbein- resp. Skelettanalyse und
die zahnärztliche Untersuchung ein Mindestalter unter 18 Jahren ergeben
hätten, zudem sei ein falsches chronologisches Lebensalter von 18 Jahren
und 10 Monaten der Untersuchung zugrundegelegt worden, was dazu
führe, dass das Gutachten nicht verwertet werden könne und daher ein
neues Gutachten in einem anderen Spital erstellt werden müsse. Im Wei-
teren sei in der zweimaligen konkludenten Ablehnung seiner Anträge auf
Durchführung einer Altersabklärung ein Paradoxon festzustellen, da es
nicht sein könne, dass ein Altersgutachten keinen Beweiswert zur Klärung
der Frage der Minder- respektive Volljährigkeit habe und auf der anderen
Seite einen Beweiswert zur Klärung der Frage der Minder- respektive Voll-
jährigkeit habe, wenn es die Wegweisung nach Rumänien begründen
könne. Mit Eingabe vom 23. März 2021 gab der Beschwerdeführer Foto-
kopien der Tazkiras seiner beiden Brüder zu den Akten. Als Folge des
rechtlichen Gehörs liess die Vorinstanz das Altersgutachten beim IFR ak-
tualisieren, welches neu auf dem Geburtsdatum (...) basiert. In dem am
31. März 2021 erarbeiteten Dokument wurde festgehalten, die vorgenom-
menen Untersuchungen ergäben wiederum ein durchschnittliches Lebens-
alter des Beschwerdeführers von 18 bis 22 Jahren. Das Mindestalter liege
bei der Schlüsselbeinanalyse bei 16.4 Jahren, bei der zahnärztlichen Ana-
lyse bei 17.0 bis 17.4 Jahren. In Zusammenschau aller Untersuchungsbe-
funde habe der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Untersuchung (26.
November 2020) das 17. Lebensjahr sicher vollendet. Das angenommene
chronologische Lebensalter von 16 Jahren und 1 Monat könne somit auf-
grund der Ergebnisse der forensischen Altersschätzung nicht zutreffen
(SEM-act. 55). Am 15. April 2021 erteilte die Vorinstanz dem Beschwerde-
führer das rechtliche Gehör (SEM-act. 58). Der Beschwerdeführer nutzte
dieses mit Schreiben vom 29. April 2021 und teilte darin dem SEM mit, er
bezweifle den wissenschaftlichen Wert des Altersgutachtens und spreche
diesem den Beweiswert ab. Im Weiteren erwähnte er erneut das bereits
angesprochene Paradoxon und beantragte unter anderem eine erneute
medizinische Altersabklärung von einem «unvoreingenommenen» Spital
(SEM-act. 60).
G.
Mit Verfügung vom 5. August 2021 – eröffnet am 10. August 2021 – trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Wegweisung aus
der Schweiz nach Rumänien an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag
nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig stellte es fest,
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Seite 5
dass sein Geburtsdatum im ZEMIS auf den (...) laute und einer allfälligen
Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zu-
komme.
H.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
17. August 2021 – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte dabei in materieller Hin-
sicht, die angefochtene Verfügung sei vollständig aufzuheben und das
SEM anzuweisen, sein Geburtsdatum auf den (...) zu ändern, auf das Asyl-
gesuch einzutreten und in der Schweiz ein materielles Asylverfahren
durchzuführen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei der
Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehör-
den seien im Sinne einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme
unverzüglich anzuweisen, von einer Überstellung nach Rumänien abzuse-
hen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der aufschieben-
den Wirkung entschieden habe. Ferner sei ihm die unentgeltliche Prozess-
führung zu gewähren und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses zu verzichten.
Auf die Begründung der Beschwerdebegehren wird – soweit für den Ent-
scheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer ein Foto sei-
ner Tazkira ein.
I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
18. August 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
J.
Die Instruktionsrichterin setzte mit superprovisorischer Massnahme vom
19. August 2021 den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
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Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Praxisgemäss ist das Beschwerdeverfahren um Datenbereinigung
(ZEMIS) vom Asylverfahren beziehungsweise Dublin-Verfahren zu tren-
nen, weshalb das Beschwerdeverfahren betreffend Nichteintreten auf das
Asylgesuch und Wegweisung nach Rumänien unter der Verfahrensnum-
mer E-3676/2021 weitergeführt und das Verfahren zur Datenbereinigung
abgetrennt und neu unter der Verfahrensnummer E-3683/2021 geführt
wird.
3.
3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
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Seite 7
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-
genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel
III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-
digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-
nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union
(2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist
zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-
ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän-
dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat
zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
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4.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-
deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet
eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe
der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO).
4.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht).
4.5 Gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO ist im Falle eines unbegleiteten
Minderjährigen ohne familiäre Anknüpfungspunkte (zu einem anderen
Mitgliedstaat) der Staat zuständig, in welchem er seinen Antrag gestellt hat.
Diese Bestimmung würde eine vorrangige Zuständigkeit der Schweiz be-
gründen (Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), da nach der genannten Bestimmung
von Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO unbegleitete Minderjährige von Wiederauf-
nahmeverfahren ausgenommen sind (vgl. ULRICH KOEHLER, Praxis-
kommentar zum Europäischen Asylzuständigkeitssystem, Berlin 2018,
N. 33 zu Artikel 8).
5.
5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung aus, der Be-
schwerdeführer habe vage und ungereimte Angaben zu seinem Alter und
seiner Biographie gemacht. Zudem lasse sein Erscheinungsbild Zweifel an
der geltend gemachten Minderjährigkeit aufkommen. Die forensische Al-
tersabklärung ziehe das vom Beschwerdeführer angegebene Alter eben-
falls in Zweifel. Somit sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
von ihm behauptete Minderjährigkeit glaubhaft zu machen. Die weiteren
Argumente, die er gegen eine Rückkehr nach Rumänien vorgebracht habe,
vermöchten die Zuständigkeit dieses Landes für sein Asylverfahren nicht
zu widerlegen. Es gebe keine wesentlichen Gründe für die Annahme, dass
das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Ru-
mänien Schwachstellen aufweisen würden, die eine der EU-Grund-
rechtecharte oder der EMRK widersprechende Behandlung mit sich brin-
gen würden. Es lägen auch keine Gründe nach Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO
vor, die die Schweiz zur Prüfung seines Asylgesuchs verpflichten würde.
Die Bedingungen für Asylsuchende in Rumänien vermöchten zudem eine
Anwendung der Souveränitätsklausel im Sinne von Art. 29a Abs. 3 der
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Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) und Art. 17
Abs. 1 Dublin-III-VO nicht zu begründen. Für seine geltend gemachten ge-
sundheitlichen Probleme werde davon ausgegangen, dass im Rahmen des
Dublin-Systems der zuständige Dublin-Staat angemessene medizinische
Behandlung gewähren werde. Somit lägen keine Umstände vor, die die
Schweiz veranlassen müssten, die Souveränitätsklausel anzuwenden.
5.2 Der Beschwerdeführer stellte in seiner Beschwerdeeingabe zunächst
fest, die beiden erstellten Altersgutachten seien keine Indizien für seine
Minder- respektive Volljährigkeit, dennoch lege das revidierte Altersgutach-
ten vom 31. März 2021 nahe, dass er sein 17. Lebensjahr vollendet habe
und gebe ein Mindestalter von 16,1 Jahren (Untersuchung der Hand), von
16,4 Jahren (Untersuchung der Schlüsselbeine) sowie von 17 bis 17,4 Jah-
ren (zahnärztliche Untersuchung) an. Diese Angaben würden seinem an-
gegebenen Alter nicht widersprechen, da nach konstanter Rechtsprechung
eine Abweichung zwischen dem Knochenalter und dem tatsächlichen Alter
von 2,5 bis 3 Jahren noch als innerhalb des Normalbereichs betrachtet
werden könne. Dass er sein Alter nur ungefähr benennen könne, sei ange-
sichts des kulturellen Hintergrunds nicht aussergewöhnlich, sondern im
Länderkontext nachvollziehbar. Weshalb er in Rumänien mit dem Geburts-
datum (...) erfasst worden sei, wisse er nicht mehr. Schliesslich sei für die
Vorinstanz sein Aussehen als Indiz für seine Volljährigkeit angesehen wor-
den. Dies sei nicht stichhaltig, da diese Feststellung lediglich einer subjek-
tiven Beurteilung entspreche und er im Übrigen ein sehr kleiner, feinglied-
riger Jugendlicher sei, der auch von der Gestik her nicht als typisch er-
wachsen erscheine. Seine eingereichte Tazkira bestätige, dass er zwi-
schen dem 21. März 2013 und dem 20. März 2014 zehn Jahre alt gewesen
sei. Die Vorinstanz habe im Weiteren bei der zweiten Anfrage an die rumä-
nischen Behörden vom 3. Dezember 2020 nicht das Standardformblatt im
Sinne von Art. 23 Abs. 4 Dublin-III-VO verwendet. Dies wäre aber aufgrund
von Beweiszwecken unabdingbar gewesen. Zudem habe es das SEM in
seiner zweiten Anfrage vom 3. Dezember 2020 unterlassen, die rumäni-
schen Behörden mindestens auf die gesamte zusammenfassende Beurtei-
lung des medizinischen Altersgutsachtens unter Punkt 6.5 und darauf,
dass das medizinische Altersgutachten abschliessend bestätige, dass
«das vom Betroffenen angegebene Geburtsdatum (chronologisches Le-
bensalter von 18 Jahren und 10 Monaten)» zutreffen könne, auf Englisch
hinzuweisen. Ebenfalls fehle der englischsprachige Hinweis hinsichtlich
der Tatsache, dass das Gutachten somit abschliessend eine Altersangabe
bestätige, welche der Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt gemacht
habe. Daraus würden ein Fristenproblem und das Problem der doppelten
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Lesung (siehe Bst. F «Paradoxon») folgen. Im Weiteren gebe es verschie-
dene Berichte nationaler und internationaler Organisationen, wonach Asyl-
suchenden in Rumänien systematisch grobe Gewalt durch die Behörden
zugefügt werde. Es bestehe für ihn im Falle seiner Überstellung nach Ru-
mänien ein "real risk" einer unmenschlichen Behandlung, welche Art. 3
EMRK verletzen würde. Hinsichtlich einer Prüfung der Voraussetzungen
von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO habe die Vorinstanz sich nicht einmal an-
satzweise mit der aktuellen Situation von Asylsuchenden in Rumänien und
den von ihm geschilderten eigenen Erlebnissen in diesem Land auseinan-
dergesetzt. Im Weiteren habe er sein Aufenthaltsrecht verwirkt, da er län-
ger als 72 Stunden in den Aufnahmezentren abwesend gewesen sei. Ihm
drohe folglich die Kettenabschiebung nach Afghanistan, welche Art. 3
EMRK verletzen würde.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer hat in Rumänien ein Asylgesuch eingereicht.
Wenn der Beschwerdeführer dies bestreitet oder behauptet, er habe nicht
verstanden, dass er ebenda ein Asylgesuch gestellt habe, ist dies nicht zu
hören, zumal aus den Einträgen in der «Eurodac»-Datenbank hervorgeht,
dass er am (...) in Rumänien um Asyl nachgesucht hat und die rumäni-
schen Behörden dies im Remonstrationsverfahren auch so bestätigt ha-
ben. Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, sind seine Vorbringen
auch nicht geeignet, an der Zuständigkeit dieses Staats etwas zu ändern.
6.2 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, aufgrund der von ihm
glaubhaft gemachten Minderjährigkeit sei gestützt auf Art. 8 Abs. 4 Dublin-
III-VO von der Zuständigkeit der schweizerischen Asylbehörden für sein
Asylgesuch auszugehen, ist Folgendes festzustellen:
6.2.1 Eine geltend gemachte Minderjährigkeit ist von der asylsuchenden
Person zu beweisen, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und andernfalls we-
nigstens glaubhaft zu machen, da sie die Beweislast dafür trägt, auch wenn
das SEM die entscheidrelevanten Sachverhaltsmomente von Amtes we-
gen festzustellen hat (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.3 m.w.H., Entscheidun-
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 2004 Nr. 30 E. 5.3.3). Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist
eine Abwägung aller Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der
betreffenden Altersangabe sprechen, vorzunehmen (vgl. BVGE 2009/54
E. 4.1). Wurde der Sachverhalt abschliessend festgestellt und ist es der
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betroffenen Person nicht gelungen, die behauptete Minderjährigkeit glaub-
haft zu machen, hat sie die Folgen zu tragen und wird als volljährig be-
trachtet (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 5.4).
6.2.2 Vorab ist festzuhalten, dass dem vom Beschwerdeführer zum Beleg
seines Alters eingereichten Identitätsdokument (Tazkira) praxisgemäss nur
ein geringer Beweiswert beigemessen werden kann. Dieser wird vorlie-
gend weiter dadurch geschmälert, dass sie nur in Kopie respektive in Form
einer Fotografie vorliegt, die Aussagen des Beschwerdeführers zum Ver-
bleib der Tazkira in der Erstbefragung wenig plausibel erscheinen und er
keine Angaben dazu machte, wie er in den Besitz des Dokuments gelangte.
6.2.3 Gemäss dem aktualisierten rechtsmedizinischen Gutachten vom
31. März 2021 liegt das Mindestalter des Beschwerdeführers sowohl bei
der Skelettaltersanalyse als auch bei der zahnärztlichen Untersuchung un-
ter 18 Jahren; praxisgemäss lässt sich deshalb anhand dieses Gutachtens
keine Aussage zu seiner Minder- respektive Volljährigkeit machen (vgl.
BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2). Immerhin lässt sich dem Gutachten aber ent-
nehmen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Untersuchung das
17. Altersjahr "sicher vollendet" habe. Das Gutachten geht zudem wiede-
rum von einem durchschnittlichen Lebensalter des Beschwerdeführers von
18 bis 22 Jahren aus (vgl. SEM-act. 55). Mit dieser Feststellung ist die Aus-
sage des Beschwerdeführers anlässlich der Erstbefragung vom 5. Novem-
ber 2020, sechzehn Jahre alt zu sein, zwar nicht gänzlich unvereinbar. Un-
gereimtheiten ergeben sich aber aus den Akten betreffend das vom Be-
schwerdeführer gegenüber den rumänischen Behörden angegebene Alter:
Einerseits gab er in der Erstbefragung zu Protokoll, gegenüber den rumä-
nischen Behörden kein Alter angegeben zu haben und lediglich mit dem
Namen registriert worden zu sein (vgl. SEM-act. 12 Ziff. 2.06). Im Gegen-
satz hierzu ist im abgelehnten Übernahmeentscheid der rumänischen Be-
hörden vom 23. November 2020 vermerkt, der Beschwerdeführer habe an-
gegeben, dass sein Name A._ sei und er am (...) in B._,
Afghanistan, geboren worden sei. Andererseits sind die Aussagen des Be-
schwerdeführers vor der Vorinstanz zu seinem Alter auffallend vage und
wenig plausibel ausgefallen. Im Weiteren wird auf die zutreffenden Ausfüh-
rungen in der Verfügung der Vorinstanz verwiesen, wonach insbesondere
nicht nachvollziehbar ist, weshalb der Beschwerdeführer zunächst, in
Übereinstimmung mit der eingereichten Tazkira, geltend machte, er sei am
(...) geboren, dann aber auf Vorhalt ausführte, dass das Geburtsdatum
falsch sei, da es sich dabei um einen Berechnungsfehler seines Dolmet-
schers gehandelt habe. Die beiden angegebenen Alter weichen deutlich
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voneinander ab und das Vorbringen, er sei Analphabet, kann als Erklä-
rungsversuch nicht herangezogen werden, da er einerseits ein exaktes Ge-
burtsdatum nannte und andererseits auch rechnerisch begründen konnte,
dass er in zwei Monaten 17 Jahre alt wird.
6.2.4 Dem Vorhalt, die Anfrage an Rumänien sei fehlerhaft, kann ebenfalls
nicht gefolgt werden. Zutreffend ist zwar, dass die Vorinstanz die rumäni-
schen Behörden im Remonstrationsgesuch vom 3. Dezember 2020 nicht
in englischer Sprache auf das in der zusammenfassenden Beurteilung fest-
gehaltene Mindestalter von 17 Jahren hingewiesen hat. Diese Information
wurde aber den rumänischen Behörden dennoch in überprüfbarer Weise
zur Verfügung gestellt. Dem Remonstrationsgesuch war das erste medizi-
nische Gutachten beigelegt, sodass die rumänischen Behörden davon
ohne Weiteres Kenntnis nehmen und dieses eingehend überprüfen konn-
ten. Im Weiteren ist auch nicht erkennbar, weshalb das aktualisierte Gut-
achten den rumänischen Behörden hätte übermittelt werden sollen, da
auch durch dieses die behauptete Minderjährigkeit des Beschwerdeführers
– und nur darum geht es vorliegend – nicht glaubhaft gemacht wird. Somit
hält das Gesuch der Vorinstanz an die rumänischen Behörden den Anfor-
derungen an Art. 23 Abs. 4 Dublin-III-VO i.V.m. Art. 2 Bst. a der Verordnung
(EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit Durch-
führungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates
(DVO Dublin) auch vor dem Hintergrund stand, dass dem Altersgutachten
gestützt auf BVGE 2018 VI/3 allenfalls ein nur eingeschränkter Beweiswert
zukommt. Die darauf gestützten weiteren Rügen erübrigen sich somit. Eine
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist somit unter diesem Aspekt
nicht angezeigt.
6.2.5 Nach dem Gesagten lassen weder die sich in den Akten befindenden
Beweismittel noch die widersprüchlichen und unsubstanziierten Aussagen
des Beschwerdeführers stichhaltige Rückschlüsse auf sein wahres Alter
und insbesondere auf die Frage seiner Minder- oder Volljährigkeit im Zeit-
punkt der Einreichung seines Asylgesuchs in der Schweiz zu.
Demnach gelangt das Gericht in Übereinstimmung mit der Vorinstanz im
Rahmen einer Gesamtwürdigung aller Umstände (vgl. BVGE 2018 VI/3
E. 4.2.2 i.f.; EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.4 S. 210) zum Schluss, dass es
dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die von ihm geltend gemachte
Minderjährigkeit zum Zeitpunkt seiner Gesuchseinreichung in der Schweiz
glaubhaft zu machen.
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Seite 13
6.3
6.3.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesent-
liche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Asylsuchende in Rumänien würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden.
6.3.2 Rumänien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Das Gericht geht – wie bereits die Vorinstanz – davon
aus, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutz-
suchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zu-
erkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfah-
rensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von
Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz bean-
tragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. Unter diesen Umständen ist die
Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
6.4
6.4.1 Der Beschwerdeführer fordert die Anwendung der Ermessensklausel
von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive der – das Selbsteintrittsrecht im
Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1,
gemäss welcher das SEM das Asylgesuch "aus humanitären Gründen"
auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer
Staat zuständig wäre. Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernst-
haftes Risiko dargetan, die rumänischen Behörden würden sich weigern,
ihn (wieder) aufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz
unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten
sind keine stichhaltigen Gründe für die Annahme zu entnehmen, Rumänien
werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und
ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder
seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder
in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-
gen zu werden. Ausserdem hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, die
ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Rumänien seien
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derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grund-
rechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Das Bundes-
verwaltungsgericht geht in konstanter Praxis davon aus, das rumänische
Asylsystem weise keine systemischen Mängel auf (vgl. in letzter Zeit etwa
die Urteile BVGer E-2591/2021 vom 3. August 2021 E. 7.4.2, F-3370/2021
vom 29. Juli 2021 E. 7.1, D-2325/2021 vom 12. Juli 2021 E. 7.2, F-
2677/2021 vom 14. Juni 2021 E. 5.2, F-2570/2021 vom 7. Juni 2021 E. 7.1
oder E-2412/2021 vom 31. Mai 2021 E. 6.2.2 f.). Im Weiteren hat er auch
keine konkreten Hinweise für die Annahme dargetan, Rumänien würde ihm
dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Le-
bensbedingungen vorenthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Ein-
schränkung könnte er sich im Übrigen nötigenfalls an die rumänischen Be-
hörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem
Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie).
6.4.2 Soweit der Beschwerdeführer das Vorliegen von "humanitären Grün-
den" geltend macht, ist festzuhalten, dass gemäss Praxis des Bundesver-
waltungsgerichts das SEM bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von
Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum verfügt (vgl.
BVGE 2015/9 E. 7 f.). Das Gericht beschränkt seine Beurteilung im We-
sentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich korrekt und
vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung getragen
und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a
und b AsylG). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel
nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf
einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des
Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zu-
sammenhang weiterer Äusserungen.
6.4.3 Nach dem Gesagten bestand und besteht kein Grund für eine
Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Voll-
ständigkeitshalber ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsu-
chenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber
auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3).
6.5 Somit bleibt Rumänien der für die Behandlung der Asylgesuche des
Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO.
Rumänien ist verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 23, 24, 25 und 29
wiederaufzunehmen.
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7.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da
der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Rumänien in An-
wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-
halb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als ge-
genstandslos erweist und der am 19. August 2021 angeordnete Vollzugs-
stopp dahinfällt.
9.
Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den
vorstehenden Erwägungen ergibt – aussichtlos waren, weshalb die Vo-
raussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Das Gesuch um
Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wird mit dem vorliegenden Ent-
scheid in der Sache gegenstandslos.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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