Decision ID: 397c7106-e1a6-45f8-be4e-63bce1316651
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (Wiederanmeldung)
Sachverhalt:
A.
A.a M._ meldete sich am 15. Februar 2007 - knapp drei Monate nach der letzten in
Rechtskraft erwachsenen Abweisung eines früheren Rentengesuchs - erneut zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Rente; act. G 4.1/46). Die
Psychiatrische Poliklinik des Universitätsspitals Zürich diagnostizierte in ihrem Bericht
vom 1. Februar 2007 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) sowie eine
mittel- bis schwergradige depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2).
Die Poliklinik ging von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit aus (act. G 4.1/48.1). Der
Regionalärztliche Dienst Ostschweiz (RAD) erachtete eine Begutachtung zur Klärung
der Arbeitsfähigkeit bzw. der Diskrepanz zur letzten Begutachtung im April 2006 als
erforderlich (act. G 4.1/49).
A.b Am 5. März 2008 erstattete die Begutachtungszentrum BL GmbH (Begaz) ihr
psychiatrisch-rheumatologisches Gutachten. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit nannte sie ein Chronic wide spread pain syndrome seit 1993 mit/bei
degenerativer Diskopathie mit Diskusprotrusionen L4/5 und L5/S1 leicht progredient
von 2003 bis 2005, Spondylarthrosen L4/5 und L5/S1 rechtsbetont, Sakral- und
Wurzelzyste S1 sowie gemäss Akten Hyperlaxizität und muskulärer Dysbalance. Als
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte die Begaz eine
leichtgradige depressive Episode (F32.0), einen Status nach Inguinalhernienoperation
links 1996 sowie einen Status nach operativer Entfernung eines Lipoms am Rücken
2003. Wie bereits das rheumatologisch-psychiatrische Vorgutachten vom 25. April
2006 sei davon auszugehen, dass dem Versicherten eine leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende und rückenadaptierte Tätigkeit vollschichtig zumutbar sei. Arbeiten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
in Bückstellung oder vornüber gebeugter Haltung sowie repetitives Bücken seien
ausgeschlossen. Das Heben von Lasten bis 10 kg körperfern und 15 kg körpernah bis
auf Tischhöhe sei zumutbar. Für das Heben von Lasten über Schulterhöhe bestehe ein
Gewichtslimit von 5 kg. Körperlich schwere Tätigkeiten seien aus rheumatologischer
Sicht seit Februar 2003 nicht mehr zumutbar. Es bestehe anlässlich der aktuellen
Untersuchung nur noch eine leichte depressive Episode, so dass sich aus
psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergebe (act. G 4.1/62.28
ff.).
A.c Mit Stellungnahme vom 26. März 2008 führte der RAD aus, es sei von einem im
Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand auszugehen. Insbesondere könne
die im Bericht des Unispitals Zürich festgestellte mittel- bis schwergradige depressive
Störung mit einer generellen Arbeitsunfähigkeit von 100 % nicht mehr nachgewiesen
werden, was wohl auf die psychopharmakologische Behandlung zurückzuführen sei.
Der Versicherte sei damit in adaptierter Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig, jedoch sei er
aus psychischen Gründen bei der Stellensuche wohl eingeschränkt (act. G 4.1/63).
A.d Mit Vorbescheid vom 12. September 2008 stellte die IV-Stelle des Kantons St.
Gallen dem Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht. Dabei ging sie
von einem Valideneinkommen von Fr. 59'908.-- und einem Invalideneinkommen von
Fr. 53'917.--, somit von einem Invaliditätsgrad von 10 % aus (act. G 4.1/73). Mit
Einwand vom 13. Oktober 2008 machte der Versicherte geltend, er habe Anspruch auf
eine ganze IV-Rente. Dies werde sowohl durch das Arztzeugnis des Universitätsspitals
Zürich vom 1. Februar 2007 als auch durch zwei Zeugnisse des Hausarztes vom 1.
Dezember 2006 und vom 18. September 2008 bestätigt, die dem Versicherten jeweils
eine 100 %ige dauerhafte Arbeitsunfähigkeit attestierten (act. G 4.1/77). Mit Verfügung
vom 22. Oktober 2008 stellte die IV-Stelle wie angekündigt fest, dass kein Anspruch
auf eine Invalidenrente bestehe (act. G 4.1/80).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 24. November 2008 mit
dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Dem Beschwerdeführer sei
spätestens ab Februar 2007 mindestens eine halbe Invalidenrente auszurichten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eventualiter sei die Verfügung vom 22. Oktober 2008 aufzuheben und die

Angelegenheit im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Der Beschwerdeführer moniert das Begaz-Gutachten als nicht aussagekräftig. So sei
es in rheumatologischer Hinsicht versäumt worden, aktuelle MRI-Aufnahmen zu
machen. Obwohl die Rheumatologin einen progredienten Verlauf erkannt habe, habe
man auf Aufnahmen aus dem Jahr 2005 abgestellt. Es sei deshalb unumgänglich, dass
ein neues MRI, am besten ein neues FMRI angeordnet werde. Im Übrigen sei das
rheumatologische Teilgutachten widersprüchlich, wenn es degenerative
Veränderungen zwischen 2003 und 2005 verneine, in der Diagnose dann aber trotzdem
eine leichte Progredienz befürwortet werde. Im Weiteren mache es sich das Gutachten
etwas einfach, wenn es die durch den früheren Gutachter Dr. A._ gestellte Diagnose
der somatoformen Schmerzstörung einfach beiseite schiebe, habe doch Dr. A._ die
grössere Erfahrung als Dr. B._.
Im Weiteren überzeuge auch das psychiatrische Teilgutachten nicht. Abgesehen vom
Eindruck einer gewissen Befangenheit (psychiatrischer Gutachter als Duzfreund des
Medizinischen Leiters der Begaz) sei die Lebenssituation des Beschwerdeführers nicht
genügend berücksichtigt worden. So sei insbesondere die ernsthafte Erkrankung der
Ehefrau ausgeklammert worden. Überbetont worden sei auch der Umstand, dass keine
ausgeprägte Kindheitsbelastung nachgewiesen werden könne, weshalb die Diagnose
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ausgeschlossen werden könne.
Dass keine ernsthafte psychische Erkrankung vorliegen könne, werde zudem damit
begründet, dass bis heute nie eine psychiatrische Behandlung stattgefunden habe.
Dies obschon sowohl das Unispital Zürich als auch die Dres. A._ und C._ eine
somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert hätten. Das psychiatrische Teilgutachten
erscheine unsorgfältig und unvollständig. Es befasse sich nur vordergründig mit den
Diagnosen des Universitätsspitals Zürich und der früheren Gutachter. Die von Dr. A._
gestellte Diagnose der somatoformen Schmerzstörung werde damit verneint, dass Dr.
A._ das Vorhandensein von emotionalen Konflikten und psychosozialen Problemen
nur als wahrscheinlich hingestellt habe. Damit liege das Gutachten jedoch falsch, denn
die mehrjährige Erkrankung der Ehefrau und der Verlust des Selbstwertgefühls als auch
der Verlust der Selbsterhaltungsfähigkeit seien wohl psychosoziale Probleme genug,
die zwangsläufig zu emotionalen Konflikten führten. Dass der Beschwerdeführer und
seine Familie von der Fürsorge abhängig seien, stelle ebenfalls eine psychosoziale
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Belastung dar. Die Ausklammerung einer der wesentlichsten Lebensgrundlagen bzw.
deren Deckung stelle somit einen schweren Mangel dar (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 6. Januar 2009 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Beim Beschwerdeführer lägen in somatischer Hinsicht einzig
degenerative Veränderungen im Rückenbereich vor. Es hätten sich jedoch keine
radikulären Ausfälle gefunden. Wie bereits im rheumatologischen Gutachten von Dr.
D._ vom 25. April 2006 festgestellt worden sei, seien die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten Schmerzen auf Grund der harmlosen Befunde nicht erklärbar. Der
Beschwerdeführer zeige auch ein inkonsistentes Verhalten, indem er sich während der
Untersuchungssituation viel eingeschränkter gezeigt habe als dies bei den spontanen
Aktivitäten möglich gewesen sei. Es lägen einzig ätiologisch-pathogenetisch
unerklärliche syndromale Leidenszustände vor, denen infolge der fehlenden
Objektivierbarkeit jedoch keine invalidisierende Wirkung zukomme. Da demnach von
neuen MRI-Aufnahmen von vornherein keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten
gewesen seien, hätte die Begaz auch keine solchen mehr machen müssen.
Entscheidend für die Invaliditätsbemessung sei sodann nicht die Diagnose, sondern
vielmehr deren Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit. Es sei deshalb unerheblich, dass
das Gutachten keine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziere. Auch das im
Gutachten diagnostizierte wide spread pain syndrome sei wie die somatoforme
Schmerzstörung nur dann invalidisierend, wenn zusätzlich eine psychische
Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer vorliege. Dies sei beim
Beschwerdeführer nicht der Fall. Hingegen liege bei ihm eine Aggravation vor, wie sich
aus dem Gutachten ergebe. Im Weiteren sei die psychosoziale Belastung kein Grund,
von einer Invalidität aus psychischen Gründen auszugehen. Der Beschwerdeführer
bringe keine stichhaltigen Gründe vor, die das Gutachten zu erschüttern vermöchten.
Demgegenüber könne nicht auf den Bericht des Universitätsspitals abgestellt werden.
Dieser Bericht sei ohne Kenntnis der medizinischen Vorakten erstellt worden. Zudem
stelle er vor allem auf die vom Beschwerdeführer "dramatisch" präsentierte
Symptomatik ab. Die Arbeitsfähigkeit sei jedoch auf Grund objektiver Faktoren zu
bestimmen. Ausserdem enthalte der Bericht keine präzise Arbeitsfähigkeitsschätzung.
Vielmehr sei lediglich aus Behandlungsgründen eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
empfohlen worden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nachdem sich der Gesundheitszustand seit dem abweisenden Einspracheentscheid
nicht erheblich verändert habe und der Beschwerdeführer nach wie vor in einer
rückenadaptierten Tätigkeit voll erwerbsfähig sei, liege kein Revisionsgrund vor. Der
Beschwerdeführer habe schliesslich nichts gegen den Einkommensvergleich
eingewendet, sodass darauf nicht näher einzugehen sei, zumal nicht ersichtlich sei,
inwiefern dieser rechtsfehlerhaft sein sollte (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 22. Januar 2009 macht der Rechtsvertreter nochmals geltend, das
Begaz-Gutachten sei in psychiatrischer Hinsicht ungenügend. Die Schlüsse, ohne
Therapie und ohne ausgeprägte Kindheitsbelastung könnten kein psychischer Schaden
bzw. keine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vorliegen, seien fachlich nicht
vertretbar. Die Schwäche des Gutachtens liege auch darin, dass nur solchen Ansätzen
nachgegangen worden sei, nicht jedoch den effektiven und aktuellen belastenden
psychosozialen Umständen wie der schweren Erkrankung der Frau und dem Verlust
des Selbstwertgefühls infolge Verlusts der Selbsterhaltungsfähigkeit. Im Weiteren
werde gegen die Verharmlosung der Rückenbefunde protestiert. Wegen der
beschönigenden Darstellung und des nicht tragbaren Gutachtens habe der
Beschwerdeführer selber eine FMRI-Abklärung in die Wege geleitet. Daraus ergebe
sich bei L4/5 eine dynamische birezessale Stenose mit Kompression der
Nervenwurzeln L5 in Extension. Bei L5/S1 werde von einer degenerativen
Retrolisthesis, verminderter Stabilität, birezessaler Stenose mit Kompression der
Nervenwurzeln S1 gesprochen. Ebenso sei ersichtlich, dass L5 auf S1 um bis zu 5mm
verschoben sei, was sich in der Flexion noch verstärke. Die vom Beschwerdeführer
geklagten Schmerzen seien selbstredend als Ausstrahlungen von den eingeklemmten
Nerven zu werten. Die drei Jahre alten, im Liegen aufgenommenen MRI, die der Begaz
zur Verfügung gestanden hätten, seien nicht repräsentativ, spiele sich das reale Leben
doch nicht im Liegen ab, sondern im Stehen, Gehen und Sitzen. Dabei komme es
regelmässig zur Kompression der Nervenwurzel L5/S1. Das von der
Beschwerdegegnerin verneinte organische Korrelat sei damit sehr wohl vorhanden. In
psychischer Hinsicht sei von einer erheblichen psychosozialen Belastungssituation
auszugehen, die eine mittelgradige Depression ohne Weiteres mitbegründe, so dass
auch eine psychische Komorbidität vorhanden sei, welche die somatoforme
Schmerzstörung zusätzlich begründe. Primär sei aber von einer erheblichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsunfähigkeit nur schon gestützt auf die somatischen Befunde auszugehen (act. G
6). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 7).
B.d Mit Beweisbeschluss vom 22. September 2010 ordnete das Gericht an, das vom
Beschwerdeführer replicando eingereichte Schreiben des Upright MRI Zentrums Zürich
vom 13. Januar 2009 sowie das diesem zu Grunde liegende FMRI vom 12. Januar 2009
der Begaz zur ergänzenden Stellungnahme vorzulegen. Mit Schreiben vom 22.
November 2010 führte die Begaz dazu aus, dass auf Grund der funktionellen MRI-
Untersuchung vor allem in sitzender Position und gleichzeitiger Extension eine Reizung
der Nervenwurzel L5 beidseits, sowie sowohl bei Flexion wie auch bei Extension der
beiden Nervenwurzeln S1 möglich sei. Da der Beschwerdeführer anlässlich der
rheumatologischen Untersuchung keine Schmerzausstrahlungen in die Beine geltend
gemacht habe, und auch aus neurologischer Sicht keine sicheren Hinweise für eine
lumbale radikuläre Problematik bestanden hätten, seien die nun radiologisch neu
dokumentierten Veränderungen - sollten diese zum Untersuchungszeitpunkt schon
vorgelegen haben - damals klinisch nicht relevant gewesen. Ob diese Befunde aktuell
klinisch relevant seien, könne ohne erneute klinische Untersuchung nicht beurteilt
werden (act. G 13 und 13.1).
Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
E. 1b), sind für den bis Ende 2007 verwirklichten Sachverhalt die bis zum 31. Dezember
2007 gültig gewesenen materiellen Bestimmungen anzuwenden. Für den danach bis
zur Verfügung vom 22. Oktober 2008 verwirklichten Sachverhalt ist auf das aktuelle
materielle Recht abzustellen, wobei dieses in Bezug auf die
Anspruchsvoraussetzungen keine Änderung erfahren hat.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) in der bis am 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung (heute: Art. 28
Abs. 2 IVG) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch
auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch
auf eine Viertelsrente. Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist die
Invalidität grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und
nach der Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre.
2.2 Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist nach
der höchstrichterlichen Rechtsprechung entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a
mit Hinweis; RKUV 2000, 214).
3.
3.1 Vorliegend meldete sich der Beschwerdeführer nach der rechtskräftigen
Abweisung seines ersten Leistungsgesuchs am 15. Februar 2007 erneut bei der
Invalidenversicherung an. Dabei stützte er sich auf den Bericht der Psychiatrischen
Poliklinik des Universitätsspitals Zürich vom 1. Februar 2007. Diese diagnostizierte - in
Übereinstimmung mit dem psychiatrischen Gutachten vom 27. April 2006 - eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie zusätzlich eine mittel- bis
schwergradige depressive Episode ohne psychotische Symptome. Dieser Bericht
führte in der Folge zu einer weiteren gutachterlichen Abklärung. Das entsprechende
psychiatrische Gutachten vom 22. Januar 2008 stellte die Diagnose einer
leichtgradigen depressiven Episode (F32.0) ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(act. G 4.1/62.39). Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung verneinte der
Gutachter mit der Begründung, dass sich weder zum Zeitpunkt des erstmaligen
Auftretens der Schmerzen 1993 noch demjenigen der Intensivierung derselben vor drei
bis vier Jahren ausgeprägte psychosoziale Belastungen oder emotionale Konflikte
eruieren liessen, die schwer genug seien, die Schmerzentwicklung und
Aufrechterhaltung ursächlich zu erklären. Auch sei aus psychiatrischer Sicht keine
ausgeprägte Kindheitsbelastung nachgewiesen (act. G 4.1/62.40).
Demgegenüber macht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers geltend, die
Belastungssituation sei dadurch gegeben, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers
schwer erkrankt sei und der Beschwerdeführer infolge der Fürsorgeabhängigkeit unter
dem Verlust des Selbstwertgefühls leide. Das Wissen, die Kinder nur dank des
Sozialamtes mit entsprechenden Einschränkungen aufwachsen lassen zu können,
wecke in Eltern Schuldgefühle.
Zwar ist nachvollziehbar, dass die finanzielle Situation des Beschwerdeführers und eine
Erkrankung der Ehefrau belastend sein können. Indessen geht aus den Akten nicht
hervor, welcher Art die Erkrankung der Frau sein soll (gemäss Angaben des
Beschwerdeführers bei der rheumatologischen Gutachterin leide sie an Problemen mit
den Nieren, dem Blutdruck und dem Rücken; act. G 4.1/62.48). Auch kann nicht gesagt
werden, eine belastende finanzielle Situation mit Arbeitslosigkeit führe generell zu einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Diesbezüglich handelt es sich denn auch
lediglich um Interpretationen des Rechtsvertreters, die durch den Gutachter gerade
nicht bestätigt werden. Der Beschwerdeführer selber klagte anlässlich der vier
gutachterlichen Untersuchungen (zwei Mal psychiatrisch, zwei Mal rheumatologisch)
höchstens sehr vage über entsprechende Belastungen. Demgegenüber schilderte der
erste psychiatrische Gutachter, Dr. A._, den Beschwerdeführer als nicht besonders
besorgt-belastet wirkend (act. G 4.1/21.3). Mit dem zweiten psychiatrischen Gutachter,
Dr. E._, ist sodann festzustellen, dass die Annahme einer anhaltenden somatoformen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schmerzstörung durch Dr. A._ nicht näher begründet wurde. So bezeichnete er die
von ihm angenommenen emotionalen Konflikte und psychosozialen Probleme nicht
näher und betrachtete diese zudem nur als "wahrscheinlich" (act. G 4.1/21.4). Die
Psychiatrische Poliklinik des USZ begründete ihre Diagnose einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung ebenfalls nicht (act. G 4.1/48). Ob die behaupteten
Belastungen für die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
ausreichend sind, kann vorliegend jedoch offen gelassen werden. Selbst wenn man
vom Vorhandensein einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ausgehen
wollte, würde es für die normative Annahme der Unüberwindbarkeit einer solchen an
der Erfüllung der rechtsprechungsgemäss verlangten psychischen Komorbidität von
erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer fehlen (vgl. nachfolgende
Erwägung). Ebenso liegen keine chronische körperliche Begleiterkrankung mit
mehrjährigem Krankheitsverlauf oder ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen
Belangen des Lebens vor (vgl. BGE 130 V 352 E. 2.2.3).
3.2 Im Weiteren bemängelt der Rechtsvertreter, dass der psychiatrische Gutachter Dr.
E._ lediglich eine leichte depressive Episode diagnostiziert hat und von einem
gebesserten psychischen Gesundheitszustand ausgehe. Zwar kann dem
Rechtsvertreter darin beigepflichtet werden, dass nicht von einer fehlenden
psychotherapeutischen Behandlung bzw. von einer durchgeführten
Medikamenteneinnahme auf ein fehlendes psychisches Leiden geschlossen werden
kann. Indessen trifft nicht zu, dass der psychiatrische Gutachter einen solchen Schluss
gezogen hätte. Vielmehr schliesst der Gutachter auf Grund seiner Befunderhebung
darauf, dass zwar von einem depressiven Geschehen auszugehen sei, dieses jedoch
auf Grund der Umstände nur als leichtgradig zu bezeichnen sei. Insbesondere konnte
er bei seiner Exploration keine Konzentrationsstörung, keine Appetitlosigkeit, keinen
Interessenverlust, keine Schlafstörung, keine Suizidgedanken, keinen verminderten
Antrieb und auch keine psychomotorische Unruhe und Angespanntheit erkennen (act.
G 4.1/62.41). Erst aus dem Vergleich seines Befunds mit den Ausführungen des USZ
schloss er, dass sich der Zustand seit dem Untersuch durch die Poliklinik gebessert
haben muss.
Nachdem die erneute psychiatrische Begutachtung gerade deswegen durchgeführt
wurde, weil die Psychiatrische Poliklinik Zürich neuerdings von einem (gegenüber der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Erstbegutachtung verschlechterten) depressiven Krankheitsbild berichtet hatte, ist
deren Bericht vom 1. Februar 2007 von vornherein nicht geeignet, die nachher erfolgte
Begutachtung zu erschüttern, zumal die Poliklinik nicht näher begründet, inwiefern die
erhobenen Befunde (aktueller psychischer Status, wo lediglich [unter anderem]
aufgezählt wird, dass die Stimmung gedrückt, der Beschwerdeführer depressiv,
angespannt und dysphorisch bis gereizt sei) zur abgegebenen Diagnose einer mittel-
bis schwergradigen depressiven Episode führen (act. G 4.1/48.1). Vielmehr liess sich
die geltend gemachte Verschlechterung in der eigens durchgeführten Begutachtung
nicht erhärten. Aus diesem Grund leuchtet sodann auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung
des psychiatrischen Gutachters ein.
Zusammenfassend ergibt sich, dass das angefochtene Gutachten vom 5. März 2008 in
psychiatrischer Hinsicht (bzw. das psychiatrische Teilgutachten vom 22. Januar 2008)
nicht zu beanstanden ist.
3.3 Im Weiteren beanstandet der beschwerdeführerische Rechtsvertreter auch das
rheumatologische Teilgutachten vom 25. Januar 2008. Insbesondere wird bemängelt,
dass für die erneute Begutachtung kein neues MRI oder besser FMRI erstellt worden
sei. Der Beschwerdeführer habe deshalb selber eine FMRI-Abklärung in die Wege
geleitet. Die entsprechende Beurteilung durch das Upright MRI Zentrum Zürich vom
13. Januar 2009 ergebe bei L4/5 eine dynamische birezessale Stenose mit
Kompression der Nervenwurzeln L5 in Extension. Bei L5/S1 werde von degenerativer
Retrolisthesis, verminderter Stabilität, birezessaler Stenose mit Kompression der
Nervenwurzeln S1 gesprochen. Ebenso sei ersichtlich, dass L5 auf S1 um bis zu 5mm
verschoben sei, was sich in der Flexion noch verstärke. Es sei offensichtlich, dass die
vom Beschwerdeführer geklagten Schmerzen in den Beinen als Ausstrahlungen von
den eingeklemmten Nerven zu werten seien. Zudem seien die - drei Jahre alten - MRI-
Bilder liegend aufgenommen worden, während sich das reale Leben, insbesondere
auch die Erwerbstätigkeit, im Stehen, Sitzen und Gehen abspiele. Dabei komme es
regelmässig zur Kompression der Nervenwurzeln L5 und S1. Das von der
Beschwerdegegnerin bemängelte organische Korrelat sei damit sehr wohl vorhanden.
Vorliegend stützte sich die rheumatologische Gutachterin auf die selben MRI vom
6. Februar 2003 sowie vom 11. November 2005 wie bereits der Vorgutachter Dr. D._.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gestützt auf diese bildgebenden Verfahren gelangte sie zum Schluss, dass keine
Kompromittierung neuraler Strukturen vorliege. Ebenso konnte sie in der
neurologischen Untersuchung keine klaren radikulären Ausfälle erheben noch ergaben
sich Hinweise für eine radikuläre Reizproblematik (act. G 4.1/62.47 und 52). Mithin ging
die Gutachterin ursprünglich - wie bereits Dr. D._ - von einem weitgehend nicht
objektivierbaren Schmerzgeschehen aus, das sie unter die Diagnose eines Chronic
wide spread pain syndrome subsumierte. In ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 11.
November 2010 führt die Gutachterin zum FMRI vom 12. Januar 2009 aus, dass der
Beschwerdeführer anlässlich der klinischen Untersuchung auch auf mehrfache
Nachfrage keine Schmerzausstrahlungen in die Beine geltend gemacht habe, sondern
vielmehr über Schmerzen vom Kreuz bis in den Nacken, zudem über Kopfschmerzen
und diverse Gelenkbeschwerden, kalte Oberschenkel und warme Zehen geklagt habe.
Ausserdem seien vom Beschwerdeführer auf mehrfache Nachfragen keine spezifischen
Körperhaltungen oder Belastungen angegeben worden, welche die Schmerzen
verstärken oder zu Schmerzausstrahlungen in die Beine führen würden. In der
klinischen Untersuchung hätten sich auch keine Hinweise für eine radikuläre
Problematik im Bereich der unteren Extremitäten gefunden. Zwar sei das klassische
Lasègue-Manöver nicht durchführbar gewesen, jedoch sei der Slump-Test unauffällig
gewesen. Auch hätte der Beschwerdeführer den Langsitz mit vollständig
aufgerichtetem und im Verhältnis zu den Beinen 90° flektiertem Oberkörper einnehmen
können, ohne dass dabei Schmerzen in den Beinen geltend gemacht worden seien. Die
Befunde hätten somit gegen das Vorliegen einer lumbal relevanten radikulären Reizung
gesprochen.
In den nun vorliegenden MRI-Aufnahmen stelle sich wie bereits in den früheren
Aufnahmen eine degenerative Diskopathie auf der Höhe L4/5 und L5/S1 dar. Ebenso
vorbekannt seien die degenerativen Veränderungen der Intervertebralgelenke. Neu
zeige sich eine in Extension zunehmende Diskusprotrusion auf Höhe L4/5, die
zusammen mit den Spondylarthrosen zu einer beidseitigen rezessalen Einengung und
in Extension auch Kompromittierung der dort verlaufenden Nervenwurzel L5 führe
sowie eine neu beschriebene in Flexion sich verstärkende Retrolisthesis von LWK5 auf
SWK1, die zusammen mit den bereits beschriebenen Spondylarthrosen ebenfalls zu
einer beidseitigen rezessalen Stenose mit Kompromittierung der Nervenwurzel S1
führten. Auf Grund der funktionellen MRI-Untersuchung wären somit vor allem in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sitzender Position und gleichzeitiger Extension eine Reizung der Nervenwurzel L5
beidseits, sowie sowohl bei Flexion, wie auch bei Extension der beiden Nervenwurzeln
S1 möglich (act. G 13.1).
Nach Einsicht in die Dokumentation des Upright MRI Zentrums Zürich hält somit auch
die begutachtende Rheumatologin eine organische Ursache der geklagten
Beschwerden zumindest für den Zeitpunkt der Erstellung der FMRI-Aufnahme (12.
Januar 2009) für möglich. Wenn sie auch eine klinische Relevanz einer allfällig im
Zeitpunkt ihrer Untersuchung bereits bestehenden Stenose mit Kompromittierung der
Nervenwurzel S1 nach wie vor ausschliesst, so lässt sich auf Grund der neuen
Erkenntnisse nicht ausschliessen, dass die vom Upright MRI Zentrum dokumentierten
Befunde mindestens im massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses im Oktober
2008 bereits bestanden haben. Nachdem jedoch die begutachtende Rheumatologin
explizit ausführt, es könnten allein auf Grund der FMRI-Aufnahmen vom 12. Januar
2009 keine Rückschlüsse auf die klinische Relevanz der neuen radiologischen Befunde
- und damit auf die Arbeitsfähigkeit - gezogen werden (act. G 13.1 S. 3), erscheint das
angegriffene Gutachten diesbezüglich nicht vollständig. Dass keine Aussage darüber
gemacht werden kann, ob eine Progredienz der radikulären Reizproblematik seit den
MRI-Aufnahmen vom 6. Februar 2003 sowie vom 11. November 2005 bis zur
Begutachtung im Januar 2008, und von da bis zum Untersuch durch das Upright MRI
Zentrum im Januar 2009 vorliegt, ist denn auch darauf zurückzuführen, dass anlässlich
der Begaz-Begutachtung keine neuen MRI oder FMRI erstellt wurden.
Zusammengefasst kann nicht ausgeschlossen werden, dass auf Grund der zeitlichen
Nähe der FMRI-Untersuchung im Januar 2009 bereits zum Zeitpunkt des
Verfügungserlasses im Oktober 2008 degenerative Erscheinungen an der Wirbelsäule
bestanden haben, die die geklagte radikuläre Reizproblematik objektivieren könnten.
Es drängt sich deshalb auf, eine erneute rheumatologische Beurteilung durchzuführen.
Diese soll nach Ermessen der begutachtenden Person allenfalls durch eine
elektroneurologische Untersuchung ergänzt werden (vgl. Vorschlag Dr. B._; act. G
13.1 S. 3).
3.4 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die
angefochtene Verfügung vom 22. Oktober 2008 aufzuheben. Die Streitsache ist sodann
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zur ergänzenden Abklärung (rheumatologische Beurteilung) an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
4.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 E. 5a). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Zusätzlich gehen die Kosten der durch das Gericht eingeholten
Stellungnahme der Begaz zum FMRI des Upright MRI Zentrums Zürich von Fr. 800.--
( act. G 13.2) zu ihren Lasten. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem
Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
4.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. Im
vorliegenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht