Decision ID: daeeac98-dac8-5313-ba87-42d6c61e866f
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._, Jahrgang 1965, wurde durch ihren Arbeitgeber B._, am 29. September
2011 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen für die Früherfassung angemeldet
(Eingang Anmeldung 3. Oktober 2011). Die Versicherte sei seit dem 10. Mai 2011
arbeitsunfähig und erhalte Taggeldleistungen der Krankentaggeldversicherung. Die
Arbeitsunfähigkeit betrage 100 % (IV-act. 1). Auf Empfehlung der IV-Stelle (IV-act. 3)
meldete sich die Versicherte am 10. Oktober 2011 ordentlich bei der IV zum
Leistungsbezug an. Sie führte im Anmeldeformular an, an einer Depression,
Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen zu leiden. Aus körperlicher Sicht sei sie
durch Schmerzen an den Muskeln und Gelenken sowie Kopfschmerzen und
Magenkrämpfen eingeschränkt (IV-act. 5). Mit der Anmeldung reichte sie einen Bericht
des C._, vom 21. Dezember 2004 über eine Röntgenaufnahme von
Lendenwirbelsäule und Kreuzbein, einen Kurzaustrittsbericht des Kantonsspitals D._,
betreffend eine Cholezystektomie am 17. April 2010 sowie einen provisorischen
Austrittsbericht der Klinik E._ über einen Klinikaufenthalt vom 4. bis 24. August 2011
ein (IV-act. 6, 7 und 8).
A.b Am 20. Oktober 2011 fand zwischen RAD-Arzt Dr. med. F._ und Dr. med.
G._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, der behandelnden Psychiaterin der
Versicherten, ein Gespräch statt. Dr. G._ schätzte die Arbeitsunfähigkeit bis auf
weiteres auf 100 % ein (IV-act. 17). Im Anschluss an das Gespräch liess sie der IV-
Stelle per Fax etliche ärztliche Berichte zukommen. Darunter befanden sich unter
anderem ein Bericht von Dr. med. H._, Fachärztin für Innere Medizin und
Rheumatologie FMH, vom 4. November 2010 (Diagnosen insbesondere rezidivierendes
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Zerviko- und Lumbovertebralsyndrom und leichtgradiges Karpaltunnelsyndrom; IV-
act. 18-20), der Austrittsbericht der Klinik E._ über den Klinikaufenthalt vom 4. bis 24.
August 2011 (Diagnosen insbesondere rezidivierende mittel- bis schwergradige
depressive Episode mit somatischem Syndrom, anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, Anpassungsstörung mit depressiv-ängstlicher Reaktion; IV-act. 18-9)
sowie ein Bericht des Gastroenterologen Dr. med. I._, vom 19. September 2011
(Diagnosen insbesondere unspezifische Abdominalbeschwerden und Status nach
Oberbauchkrämpfen; IV-act. 18-5).
A.c Im Arztbericht vom 21. Dezember 2011 nannte Dr. G._ mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit die Diagnosen rezidivierende depressive Störung, betont ängstlich,
gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F 33.11), auf
dem Hintergrund eines generellen Schmerzsyndroms sowie ängstlich-abhängiger
Persönlichkeitsstruktur (ICD-10: Z 73.1) und Panikstörung (ICD-10: F 41.0). Ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4). Die Versicherte sei ab dem 10. Mai 2011 zu 100 %
arbeitsunfähig gewesen. Zwischendurch sei sie vom 1. bis 30. Juni 2011 und vom 6.
bis 14. Juli 2011 50 % arbeitsunfähig gewesen, danach wieder zu 100 % (vgl. auch IV-
act. 18-4). Im Januar 2012 sei eine stationäre psychiatrische Behandlung geplant (IV-
act. 25). Neu reichte die Psychiaterin unter anderem einen Bericht des Departements
Innere Medizin, Rheumatologie/Rehabilitation des Kantonsspitals D._ vom 6. Oktober
2011 sowie einen Bericht des Departements Innere Medizin, Endokrinologie/
Diabetologie/Osteologie des Kantonsspitals D._ vom 7. November 2011 ein (IV-act.
26). In der Rheumatologie/Rehabilitation war die Möglichkeit des Vorliegens einer
Polymyalgia rheumatica abgeklärt worden, der Verdacht hatte sich aber nicht erhärtet
(IV-act. 26-10 ff.). Die Abteilung Endokrinologie/Diabetologie/Osteologie wies auf ein
Nebenniereninzidentalom hin. In der Beurteilung wurde festgehalten, dass sich klinisch,
anamnestisch und laborchemisch ein unauffälliger Befund gezeigt habe und sich keine
endokrinologische Stoffwechselstörung habe finden lassen (IV-act. 26-6 ff.).
A.d Mit Mitteilung vom 18. Januar 2012 wurde der Versicherten eröffnet, dass
aufgrund ihres Gesundheitszustandes derzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 31).
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A.e Am 23. Januar 2012 reichte der Arbeitgeber der Versicherten, B._, den
Fragebogen für Arbeitgebende ein. Dem Fragebogen wurden das
Kündigungsschreiben vom 6. Januar 2012, mit welchem das Arbeitsverhältnis mit der
Versicherten per 30. April 2012 aufgelöst worden war, und Lohnjournale der Jahre 2009
bis 2011 beigelegt (IV-act. 33).
A.f Im Auftrag der Krankentaggeldversicherung begutachtete das Zentrum J._,
die Versicherte. Die J._ übertrug die neuropsychiatrische Beurteilung Dr. med. K._,
FMH Psychiatrie/Psychotherapie, und Dr. med. L._, FMH Neurologie/
Verhaltensneurologie. Diese diagnostizierten in ihrem Bericht vom 17. Februar 2012
eine mittelschwere depressive Störung mit Krankheitswert und konsekutiv-
störungsbedingt eingeschränktem berufsbezogenem Funktionspotenzial sowie eine
komplexe, multifaktoriell bedingte Kopfschmerzsymptomatik. Für die Tätigkeit als
Raumpflegerin bestehe eine Einschränkung des berufsbezogenen Funktionspotenzials
von 50-60 % (act. G 4.2, Fremdakten Taggeldversicherung). Seitens der J._ wurden
am 10. April 2012 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit insbesondere ein chronisches
generalisiertes, lumbal sowie im Bereich beider unterer Extremitäten betontes
Schmerzsyndrom, eine komplexe, multifaktoriell bedingte Kopfschmerzsymptomatik
vom Spannungstyp und anhaltende mittelschwere depressive Episoden mit
somatischem Syndrom genannt. Aus rein rheumatologischer Sicht sei die
angestammte Tätigkeit als Reinigungsangestellte ganztags zumutbar bei einer
Leistungsminderung von 25%. Aus interdisziplinärer Sicht bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 60% (act. G 4.2, Fremdakten Taggeldversicherung).
A.g Am 18. Mai 2012 liess die M._ der IV-Stelle den Austrittsbericht der
Hospitalisation vom 29. Februar bis 8. Mai 2012 zukommen. Als Diagnose wurde eine
rezidivierte depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere Ausprägung mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11) bei/mit anhaltender somatoformer
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) festgehalten. Die Versicherte sei zur Reevaluierung der
Medikation und Behandlung des depressiven Syndroms eingetreten und habe in
stabilerem Zustand in die angestammten Verhältnisse entlassen werden können (IV-
act. 40). Im IV-Arztbericht vom 30. Mai 2012 wurde seitens der M._ insbesondere
festgehalten, die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten nicht mehr zumutbar. Eine
behinderungsangepasste Tätigkeit sei nicht möglich (IV-act. 45-5).
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A.h Im Juli 2012 erfolgten nochmalige Abklärungen betreffend berufliche
Eingliederungsmöglichkeiten. Eine Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle führte
mit der Versicherten am 25. Juli 2012 ein Gespräch und hielt fest, dass die Versicherte
sehr auf die Schmerzen fixiert sei, sich auch in einer beruflichen Abklärung im
geschützten Rahmen nicht arbeitsfähig sehe und berufliche Massnahmen deswegen
nicht angezeigt und abzuschliessen seien (IV-act. 55). Am 16. August 2012 wurde der
Versicherten mitgeteilt, dass ihr Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen
abgewiesen werde, da sie sich nicht in der Lage fühle, an Eingliederungsbemühungen
mitzuwirken (IV-act. 59).
A.i Dr. G._ erstattete am 7. September 2012 erneut Bericht über die
gesundheitliche Situation der Versicherten. Es liege eine zunehmende
Verschlechterung der Gesamtsituation vor (diverse Ängste, Anspannungszustände,
eine innere Unruhe, intensive Insuffizienzgefühle, eine chronisch depressive
Stimmungslage und Schlafstörungen mit Alpträumen). Die bisherige Tätigkeit sei der
Versicherten nicht zumutbar und aktuell seien ihr auch keine anderen Tätigkeiten
möglich (IV-act. 62).
A.j Im Auftrag der IV-Stelle begutachtete die Medas Ostschweiz die Versicherte im
Februar und April 2013 polydisziplinär. Das Gutachten datiert vom 8. Mai 2013. Med.
pract. N._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, stellte die
psychiatrischen Diagnosen rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige bis schwere Episode mit somatischem Syndrom, ohne psychotische
Syptome (ICD-10: F 33.11/2), Panikstörungen (ICD-10: F 41.0) und anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4). Er ging davon aus, dass die
Versicherte seit dem 10. Mai 2011 in der bisherigen wie in einer adaptierten Tätigkeit
aus psychiatrischer Sicht zu mindestens 70 % in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei
(IV-act. 74-33). Dr. med. O._, Facharzt und Oberarzt mbF, Klinik für Neurologie am
Kantonsspital D._ sowie Dr. med. P._, Assistenzärztin Klinik für Neurologie am
Kantonsspital D._, diagnostizierten ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lediglich ein
chronifiziertes muskuloskelettales Schmerzsyndrom (ICD-10: R 52.5). Die
Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Raumpflegerin schätzte er auf
100 % (IV-act. 74-39). Der Hauptgutachter Dr. med. Q._, Facharzt für Rheumatologie
und Innere Medizin FMH, führte als Diagnose ohne wesentliche Einschränkung der
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Arbeitsfähigkeit ein Fibromyalgiesyndrom mit Tendenz zur Entwicklung eines
generalisierten chronischen Schmerzsyndroms mit vielen vegetativen
Begleitbeschwerden an (IV-act. 74-41 f.).
A.k Der Rechtsdienst der IV-Stelle hielt in seiner Stellungnahme vom 3. Juni 2013
fest, es liege keine vom Schmerzempfinden und der psychosozialen
Belastungssituation abschichtbare eigenständige Depression vor. Ausserdem sei der
geltend gemachte soziale Rückzug zu wenig ausgeprägt und die Versicherte noch nicht
austherapiert. Insgesamt seien keine Faktoren vorhanden, die es der Versicherten bei
der vorausgesetzten zumutbaren vollen Willensanstrengung verunmöglichten, eine
Erwerbstätigkeit in einem vollen Arbeitspensum auszuüben. Damit sei die Versicherte
aus psychiatrischer Sicht voll arbeitsfähig (IV-act. 76).
A.l Mit Vorbescheid vom 4. Juni 2013 wurde der Versicherten in Aussicht gestellt,
dass das Rentenbegehren abgewiesen werde (IV-act. 79). Sie liess, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. S. Krauter, am 31. Juli 2013 Einwand erheben und die
Ausrichtung einer ganzen IV-Rente mit Wirkung ab dem 1. Mai 2012, eventualiter die
Tätigung weiterer Abklärungen, beantragen (IV-act. 86).
A.m Die IV-Stelle verfügte am 2. August 2013 die Abweisung eines Rentenanspruchs.
Die ergänzenden Abklärungen hätten ergeben, dass bei der Versicherten in rechtlicher
Hinsicht kein Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorhanden
sei. Es bestehe lediglich eine Invaliditätsgrad von 3 % und damit keine genügende
Einschränkung für die Gewährung einer Rente (IV-act. 87).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 2. September 2013 beantragte der Rechtsvertreter der
Versicherten für diese die Aufhebung der Verfügung vom 2. August 2013 und die
Ausrichtung einer ganzen IV-Rente ab dem 1. Mai 2012. Eventualiter sei die
Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zur
Begründung brachte er vor, das Gutachten der Medas Ostschweiz sei grundsätzlich
voll beweistauglich. Ausnahmsweise seien die sogenannten "Foerster-Kriterien" von
den Gutachtern als erfüllt angenommen worden und es sei von einer Arbeitsunfähigkeit
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von 70 % auch in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen worden. Die
Beschwerdeführerin leide nicht nur unter psychischen Beschwerden, sondern auch
unter chronischen somatischen Begleiterkrankungen. Sie lebe sozial äusserst
zurückgezogen und ziehe sich auch innerhalb der Familie stark zurück. Teilweise
verlasse sie ihr Zimmer bis zu drei Tage in Folge nicht. Bei der Beschwerdeführerin
lägen letztlich keine befriedigenden Behandlungsergebnisse vor, obwohl sie seit 2008
psychiatrisch behandelt werde (act. G 1). Als Beilage reichte er eine E-Mail der
behandelnden Psychiaterin Dr. G._ ein, in welcher diese ausführte, die Versicherte
sei in keinem Punkt eine klassische Schmerzpatientin. Sie sei am therapeutischen
Prozess sehr interessiert, motiviert und aktiv. Den Halt finde sie in der Familie und im
Glauben. Sie kämpfe aktiv gegen diverse psychophysische Beschwerden (act. G 1.3).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 29. Oktober 2013 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Dr. G._ diagnostiziere die
mittelgradig depressive Störung (auch) auf dem Hintergrund eines generalisierten
Schmerzsyndroms. Demnach handle es sich bei der diagnostizierten depressiven
Störung um eine reaktive Begleiterscheinung zur somatoformen Schmerzstörung.
Damit liege kein von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbarer
verselbständigter und pathologischer Gesundheitsschaden vor. Bei der
Beschwerdeführerin sei zudem eine psychosoziale Problematik vorhanden, da ihr
kranker Ehemann ihr im Haushalt und der Kinderbetreuung keine grosse Hilfe gewesen
sei. "Foerster-Kriterien" im notwendigen Schweregrad seien entgegen dem Medas-
Gutachten ebenfalls nicht gegeben. Der geltend gemachte soziale Rückzug sei zu
wenig ausgeprägt. Die Beschwerdeführerin sei bezüglich ihres Leidens auch noch nicht
austherapiert (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 3. Dezember 2013 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest. Ergänzend zur Beschwerde wurden ein ärztlicher Bericht von Dr. G._
vom 24. November 2013 sowie der Austrittsbericht der M._ vom 13. November 2013
eingereicht. Gemäss Austrittsbericht seien primär eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradiger Ausprägung mit somatischem Syndrom, und nur
sekundär eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, eine Panikstörung sowie eine
ängstlich-dependente Persönlichkeitsstruktur diagnostiziert worden. Die depressive
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Störung stehe damit im Vordergrund und die "Foerster-Kriterien" seien erfüllt (act. G 6,
G 6.4, G 6.5).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine weitere Stellungnahme.
B.e Mit Schreiben vom 24. Juli 2015 wurde der Beschwerdegegnerin im Nachgang
zur Praxisänderung des Bundesgerichts betreffend die Überwindbarkeitspraxis
nochmals das rechtliche Gehör gewährt (act. G 11). Diese nahm die Möglichkeit am 28.
Juli 2015 wahr, hielt jedoch an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest
(act. G 12).

Erwägungen
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin abgelehnt. Streitig und vorliegend zu prüfen
ist, ob dies rechtmässig ist.
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
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liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.
2.1 In medizinischer Hinsicht hat die Beschwerdegegnerin bei der Medas
Ostschweiz ein polydisziplinäres Gutachten eingeholt, das aus psychischen Gründen
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um mindestens 70% ab 10. Mai 2011
attestiert. Dieses Gutachten hat der RAD als überzeugend beurteilt (IV-act. 75). Der
Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin ist dennoch zum Schluss gekommen, „aus
psychiatrischer Sicht“ sei die Beschwerdeführerin voll
arbeitsfähig (IV-act. 76).
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2.2 Das Bundesgericht hat in BGE 141 V 281 seine sog. Überwindbarkeitspraxis
aufgegeben. Damit hat die von den Parteien im vorliegenden Verfahren geführte
Diskussion insbesondere darüber, ob die sog. Foerster-Kriterien erfüllt seien,
weitgehend an Bedeutung verloren. Wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen,
handelt es sich bei den gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin
jedoch ohnehin nicht um ein mit einer somatoformen Schmerzstörung vergleichbares
psychosomatisches Leiden im Sinn der Rechtsprechung. Vielmehr besteht mit der
depressiven Störung ein eigenständiges Krankheitsbild, das mit Blick auf seine
Entstehung, den Schweregrad und die Ausprägung nicht als rein reaktives Geschehen
zur somatoformen Schmerzstörung zu betrachten ist.
3.
3.1 Im Rahmen des Medas-Gutachtens ist in Bezug auf die im Gesamtgutachten
attestierte Arbeitsunfähigkeit die aus psychiatrischer Sicht festgestellte Einschränkung
ausschlaggebend. Med. pract. N._ stellte die Diagnosen rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode mit somatischem Syndrom,
ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.11/2), Panikstörungen (ICD-10: F41.0)
sowie anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Die
Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen wie in einer adaptierten Tätigkeit schätzte er auf
mindestens 70 % ein. Bereits die Dres. K._ und L._ hielten in ihrer Evaluation des
neuropsychiatrischen Funktionspotenzials fest, aus neuropsychiatrischer Sicht sei die
Belastbarkeit der Beschwerdeführerin plausibel und nachvollziehbar eingeschränkt. Für
die Tätigkeit als Raumpflegerin, bei der sie überwiegend körperliche Arbeiten unter
Zeitdruck verrichten müsse, bestehe eine Einschränkung des berufsbezogenen
Funktionspotentials von 50-60% (50-60%-ige Arbeitsunfähigkeit). Sie begründeten ihre
Einschätzung primär mit der erhobenen mittelschweren depressiven Störung mit
Krankheitswert. Die behandelnde Psychiaterin Dr. G._ stellte durchgehend die
gleiche Diagnose wie der psychiatrische Medas-Gutachter. Sie bezifferte die
Arbeitsunfähigkeit – abgesehen von zwei kurzen Zeitintervallen zwischen dem 1. Juni
und dem 14. Juli 2011 – mit 100 % (IV-act. 17, 25, 62). Die Klinik E._ und die M._
kamen gleichermassen zu übereinstimmenden Schlüssen. Sie äusserten sich zwar im
Wesentlichen nur für die Dauer der Klinikaufenthalte zur Arbeitsfähigkeit, stimmten aber
in ihren Diagnosen und der Befunderhebung im Wesentlichen mit dem psychiatrischen
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Teilgutachten überein (IV-act. 26-14 ff., 40, act. G 6.5). RAD-Arzt Dr. F._ kam in
seiner Stellungnahme vom 27. Mai 2013 zum Schluss, dass das polydisziplinäre
Gutachten vom 8. Mai 2013 überzeuge (IV-act. 75).
3.2 Damit stellten die involvierten behandelnden oder begutachtenden
medizinischen Fachpersonen bei der Beschwerdeführerin dieselben oder zumindest
ähnliche psychische Einschränkungen fest. Sie stimmten alle überein, dass bei ihr in
der Hauptsache eine rezidivierende depressive Störung vorliege, und qualifizierten
diese als mindestens mittelgradig ausgeprägt. Es handelt sich ausschliesslich um Ärzte
mit spezifischen Fachkenntnissen, die ihre Diagnosen und die daraus abgeleiteten
Einschätzungen auch begründeten. Der psychiatrische Medas-Teilgutachter beschrieb
die Grundstimmung der Beschwerdeführerin als deutlich nach unten geschoben, die
Schwingungsfähigkeit eingeschränkt. Auch Lebensfreude und Lebenslust seien stark
eingeschränkt. Im Antrieb wirke sie eingeschränkt, psychomotorisch ohne jegliche
Spannung und zum Teil wirke sie mechanisch gesteuert (IV-act. 74-29 f.). Auch die
Dres. K._ und L._ schilderten sie als stimmungsmässig depressiv limitiert, freudlos
und leidend. Sie sei in der affektiven Schwingungs- und Resonanzfähigkeit eingeengt,
der Spontanantrieb vermindert und es liege eine psychomotorische Verlangsamung vor
(act. G 4.2, Fremdakten). Von Seiten der Klinik E._ wurde sie als affektarm,
deprimiert, hoffnungslos, ängstlich, leicht gereizt, mittelschwer innerlich unruhig und
leicht klagsam-jammrig beschrieben (IV-act. 18-11). Auch die M._ nahm sie als
affektarm/starr, deprimiert, hoffnungslos und ängstlich wahr. Ausserdem liege eine
innere Unruhe vor und sei sie antriebsarm (IV-act. 40-1). Insgesamt sind die
diagnoserelevanten Befunde nachvollziehbar beschrieben und zeigen eine deutliche
Ausprägung. Relevante Anzeichen für Aggravation bestehen nicht. So klaffen etwa
Anamnese, Beschwerdeschilderungen und gezeigtes Verhalten nicht auseinander.
Keiner der Sachverständigen beschrieb das Verhalten als demonstrativ oder die Klagen
der Beschwerdeführerin als unglaubwürdig.
3.3 Die Beschwerdeführerin befindet sich seit 2008 in psychiatrischer Therapie bei
Dr. G._ (IV-act. 25). Sie begab sich dreimal zur stationären Behandlung in
psychiatrische Kliniken. Die erste fand vom 4. bis 24. August 2011 in der Klinik E._
(IV-act. 18-9, 26-14), die zweite vom 29. Februar bis 8. Mai 2012 in der M._ (IV-act.
40) und die dritte vom 4. September bis 2. Oktober 2013 abermals in der M._ statt
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(act. G 6.5). Im Rahmen der Medas-Begutachtung wurde die Medikamenteneinnahme
mittels Serumbestimmung überprüft (vgl. IV-act. 74-30 sowie 74-46 f.); offenbar
ergaben sich daraus keine Auffälligkeiten bzw. keine Hinweise auf eine nicht
regelrechte Medikamentencompliance. Bemühungen der Beschwerdeführerin, ihren
Zustand durch medikamentöse, Gesprächs- und weitere Therapien (vgl. etwa die
Hinweise auf kognitiv-verhaltenstherapeutische Einzeltherapie, Ergotherapie,
Maltherapie, progressive Muskelrelaxation nach Jacobson etc. im Bericht der M._
vom 24. Mai 2012, IV-act. 45-2) während Jahren positiv zu beeinflussen, sind
aktenkundig. Auch die Behandlungsdichte lässt auf einen subjektiven Leidensdruck der
Beschwerdeführerin schliessen. Ein nachhaltiger Behandlungserfolg blieb trotzdem
aus, sodass von einer gewissen Behandlungsresistenz auszugehen ist.
3.4 Im Austrittsbericht der Klinik E._ vom 16. September 2011 wurden ein sozialer
Rückzug, Zukunftsängste und eine Grübelneigung erwähnt (IV-act. 18-9). Gegenüber
der Eingliederungsverantwortlichen der Beschwerdegegnerin hielt die
Beschwerdeführerin fest, dass sie sich isoliere und zu Hause bleibe (IV-act. 55). Der
psychiatrische Medas-Teilgutachter hielt fest, die Beschwerdeführerin berichte, ihr sei
jeder Kontakt eine Belastung, sie sei lieber alleine und studiere nach (IV-act. 74-27).
Auch im Bericht der Dres. K._ und L._ ist zu lesen, dass die Beschwerdeführerin
dauernd traurig sei, sich sozial völlig zurückgezogen habe und sie sogar Geräusche
oder auch Gespräche ihrer Familie störten (act. G 4.2, Fremdakten). Die Schilderungen
ihrer Beschwerden erwecken damit einen homogenen, konsistenten Eindruck.
3.5 Nennenswerte persönliche Ressourcen zum Umgang mit ihren Beschwerden
und Einschränkungen sind bei der Beschwerdeführerin nach Lage der Akten nicht
vorhanden. Sie hat zwar in ihrem Mutterland R._ eine vierjährige Ausbildung zur
kommerziellen Technikerin absolviert (IV-act. 15-4), diese schliesslich aber nicht
verwertet, sondern zuhause in der elterlichen Landwirtschaft mitgeholfen bis zur Heirat
(IV-act. 74-22). 1992 sei sie in die Schweiz gekommen und habe ab 1994 im
Reinigungsdienst des B._ gearbeitet, zuerst Teilzeit und anschliessend mehrere
Jahre in einem Vollzeitpensum. Hinweise darauf, dass intellektuelle Ressourcen in
einem Ausmass vorhanden sind, das zu einer positiven Beeinflussung der Problematik
beitragen könnte, bestehen nicht. Sie wird vielmehr als schnell überfordert beschrieben
(IV-act. 25-2).
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3.6 Das Niveau der Aktivitäten der Beschwerdeführerin und ihre sozialen Kontakte
werden durchgehend als sehr reduziert beschrieben. Im Medas-Gutachten wurde
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin gemäss ihren eigenen Angaben zurzeit mit
niemandem Kontakt habe. Sie halte andere Personen nicht aus, sei am liebsten alleine
und ziehe sich so viel wie möglich zurück. Sie habe keinen Besuch und mache nicht
ab. Sie gehe nur am Abend ins Freie, wenn sie niemanden treffe und für sich sein
könne. Früher sei sie ein Familienmensch gewesen, habe alles genossen und an vielem
Freude gehabt. Heute sei ihr jeder Kontakt eine Belastung (IV-act. 74-27). Aufgrund der
Todesfälle in der Familie sei sie in den drei oder vier Jahren vor der Begutachtung auch
nicht mehr in ihrer Heimat gewesen. Es falle ihr schwer, an die Schwester
beziehungsweise die Mutter erinnert zu werden, so dass sie sich lieber hier zurückziehe
und für sich sei. Bereits die Dres. K._ und L._ schilderten, die Beschwerdeführerin
gebe an, sie habe sich sozial völlig zurückgezogen und wolle nur allein sein. Es störten
sie sogar Geräusche oder Gespräche ihrer Familie (act. G 4.2 Fremdakten). Im
Austrittsbericht der Klinik E._ vom 16. September 2011 findet sich die Angabe, die
Beschwerdeführerin habe sich sozial stark zurückgezogen und habe bei der Arbeit die
Pausen mit den Kolleginnen vernachlässigt. Sie wolle von niemandem besucht werden
und sich auch mit keinen Bekannten treffen (IV-act. 18-10). Auch im Austrittsbericht
über die zweite Hospitalisation in der M._ werden ein sozialer Rückzug und keine
soziale Umtriebigkeit festgestellt (act. G 6.5). Auch ihr Tagesverlauf gestaltet sich
eintönig und zurückgezogen. Sie nehme nach dem Aufstehen ihre Medikamente ein,
ziehe sich danach bei sehr starken Nacken- und Kopfschmerzen wieder ins
Schlafzimmer zurück, koche manchmal etwas für das Mittagessen, kümmere sich am
Nachmittag ein wenig um den Haushalt, gegen Abend gehe sie spazieren und um ca.
22 Uhr gehe sie wieder ins Bett (IV-act. 74-23, 74-27, act. G 4.2 Fremdakten
Beurteilung Dres. K._ und L._). Die Beschwerdeführerin erscheint also in Bezug auf
praktisch alle Lebensbereiche weitgehend inaktiv geworden zu sein. Über ihr
Aktivitätenniveau vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigungen enthalten die
Akten zwar wenig Hinweise. Sie selbst gab an, früher ein Familienmensch gewesen zu
sein. Offenbar bestand eine sehr gute Beziehung zur unterdessen verstorbenen
Schwester (IV-act. 3-4). Die Akten enthalten auch einen Hinweis auf einen Rückzug von
Arbeitskolleginnen kurz vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses (IV-act. 18-10).
Insgesamt ist in allen vergleichbaren Lebensbereichen von einer im Verhältnis zur Zeit
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vor Eintritt der gesundheitlichen Probleme deutlichen Verminderung des
Aktivitätenniveaus auszugehen.
3.7 Dass der psychiatrische Medas-Gutachter zum Schluss kam, die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei um mindestens 70% eingeschränkt, ist bei
der bestehenden Aktenlage plausibel und nachvollziehbar. Die übrigen Medas-
Gutachter haben denn auch nichts vorgebracht, was die Einschätzung ihres
psychiatrischen Kollegen in Frage stellen würde. Derartige Anhaltspunkte ergeben sich
auch sonst nicht aus den medizinischen Akten.
4.
4.1 Der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, die
Beschwerdeführerin sei „aus psychiatrischer Sicht“ voll arbeitsfähig. Die diagnostizierte
depressive Störung sei eine reaktive Begleiterscheinung zur somatoformen
Schmerzstörung. Es liege kein von depressiven Verstimmungszuständen klar
unterscheidbarer verselbständigter und pathologischer Gesundheitsschaden vor (act.
G 4). Diese Auffassung vermag nicht zu überzeugen. Den zum psychischen
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin vorhandenen Akten ist ohne jeden
Zweifel zu entnehmen, dass nicht lediglich von „depressiven Verstimmungszuständen“
auszugehen ist, sondern eine manifeste depressive Erkrankung vorliegt. Unstrittig
bestehen auch syndromale Schmerzzustände. Diese wurden im Medas-Gutachten
erhoben, diagnostisch eingeordnet und bewertet. Ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
wurde ihnen jedoch explizit nicht zugebilligt. Eindeutig im Vordergrund stehen die
psychischen Einschränkungen. Nur diese reduzieren die Arbeitsfähigkeit in
quantitativer und qualitativer Hinsicht.
4.2 Weiter betont die Beschwerdegegnerin, bei der Beschwerdeführerin sei eine
psychosoziale Problematik vorhanden. Ihr kranker Ehemann sei ihr im Haushalt und der
Kinderbetreuung keine grosse Hilfe gewesen. Eine zusätzliche Belastung sei der Tod
ihrer Mutter 2008 und derjenige ihrer Schwester 2011 gewesen. Es liege keine von den
psychosozialen Faktoren abschichtbare ausgeprägte psychische Störung vor. Auch
diese Ansicht überzeugt nicht. Dass die depressive Erkrankung „lediglich“ durch
ungünstige psychosoziale Umstände unterhalten wird, kann ohne weiteres
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ausgeschlossen werden. Die Kinder der Beschwerdeführerin waren im Zeitpunkt der
Erstattung des Gutachtens 17 und 21 Jahre alt und damit nicht mehr intensiv
betreuungsbedürftig (IV-act. 74-22). Die Beschwerdeführerin wird durch ihre Tochter
und ihren Ehemann im Haushalt unterstützt (act. G 4.2 Fremdakten Beurteilung Dres.
K._ und L._). Das Verhältnis zu ihrem Mann und ihren Kindern bezeichnete sie im
Gespräch mit der Eingliederungsverantwortlichen der Beschwerdegegnerin als gut (IV-
act. 55-3). Die finanzielle Situation wurde verschiedentlich so beschrieben, dass sie
zwar eng sei, dass es aber möglich sei, das Leben zu bestreiten und dass keine
Schulden vorlägen (IV-act. 3-3, 40-2, 55-3, 74-22). Es geht nicht vordergründig um
missliche oder schwierige Lebensumstände, welche die depressive Störung ausgelöst
haben. Die Ausführungen der psychiatrischen Fachpersonen deuten vielmehr darauf
hin, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer psychischen Grundproblematik mit
gewissen Gegebenheiten in ihrem sozialen Umfeld nicht zurechtkommt. So erscheint
als nachvollziehbar, dass etwa die Todesfälle von Mutter und Schwester pathologisch
fehlverarbeitet wurden. Dies als simplen „psychosozialen Belastungsfaktor“
abzustempeln und vom Krankheitswert auszunehmen, wird der Komplexität und
Schwere der Erkrankung in keine Weise gerecht.
4.3 Vor dem Hintergrund dieser Ausführungen ist gestützt auf das Gutachten der
Medas Ostschweiz von einer Arbeitsunfähigkeit von 70% auszugehen.
5.
5.1 Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt. Dabei wird das
Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
5.2 Zur Bemessung des Valideneinkommens wird in der Praxis regelmässig das vor
dem Eintritt der zur Invalidität führenden Arbeitsunfähigkeit erzielte Einkommen
beigezogen (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. Bern 2009, N 12 zu Art. 16, mit
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Hinweis). Massgebend ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen
Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns
(vorliegend im Jahr 2012) verdient hätte (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Dezember
2014, 9C_487/2014, E. 3.1.1).
5.3 Vorliegend ist zu Recht unstrittig, dass der Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin anhand eines Einkommensvergleichs zu bemessen ist. Im Jahr
2010, also vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, erzielte die Beschwerdeführerin gemäss
IK-Auszug ein Einkommen von Fr. 56'911.-- (IV-act. 16). Angepasst an die
Nominallohnentwicklung bis 2012, dem Jahr des Rentenbeginns, ergibt sich ein
Valideneinkommen von Fr. 58'036.-- (Nominallohnindex Frauen 2010: 2'579, 2012:
2'630).
5.4 Die Beschwerdeführerin, die zwar einen Abschluss als kommerzielle Technikerin
von R._ besitzt, die entsprechenden Kompetenzen im Rahmen ihrer Berufskarriere
aber nie einsetzen konnte, arbeitete seit 1994 im Reinigungsdienst des B._.
Demzufolge ist bei der Berechnung ihres Invalideneinkommens auf die Tabellenlöhne
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE), Kompetenzniveau 1, Frauen,
abzustellen. Im Jahr 2012 verdienten Frauen in diesem tiefsten Anforderungsniveau bei
der durchschnittlichen betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,7 Wochenstunden im
Durchschnitt Fr. 51'441.-- (vgl. Anhang 2 der von der Informationsstelle AHV/IV
herausgegebenen Textausgabe IVG, 2015). Ob und in welcher Höhe ein
Tabellenlohnabzug vorzunehmen ist, kann offen bleiben. Denn selbst ohne
Berücksichtigung eines solchen ergibt sich bei einem Invalideneinkommen von
Fr. 15'432.-- (Fr. 51'441.-- x 0.3) ein Invaliditätsgrad von abgerndet 73%.
5.5 Die Beschwerdeführerin war durch ihre behandelnde Psychiaterin seit dem 10.
Mai 2011 voll arbeitsunfähig geschrieben worden. Dieses Datum wurde von den
Medas-Gutachtern übernommen, was nachvollziehbar ist. Das Wartejahr (Art. 28 Abs.
1 IVG) begann also am 10. Mai 2011 zu laufen und lief am 9. Mai 2012 ab. Die
Beschwerdeführerin, deren IV-Anmeldung im Oktober 2011 erfolgte, hat damit ab
1. Mai 2012 (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG) Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
6.
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6.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 2. August 2013 in Gut
heissung der Beschwerde aufzuheben und der Beschwerdeführerin ist ab 1. Mai 2012
eine ganze Rente zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der
geschuldeten Leistung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGs 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.