Decision ID: e6431078-38b6-4a74-9c6b-28d61d52a40e
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie B am 17. Oktober 2011. Am
26. März 2014 lenkte er ein Motorfahrzeug unter Drogeneinfluss (Cannabis), weshalb
ihm das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen mit Verfügung
vom 26. Mai 2014 den Führerausweis vorsorglich ab sofort entzog. Gestützt auf ein
verkehrsmedizinisches Gutachten, welches die Fahreignung wegen eines
verkehrsmedizinisch relevanten Cannabismissbrauchs verneinte, entzog das
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Strassenverkehrsamt X den Führerausweis mit Verfügung vom 18. August 2014 auf
unbestimmte Zeit.
B.- Mit Verfügung vom 23. Februar 2015 hob das Strassenverkehrsamt den
Führerausweisentzug vom 18. August 2014 auf und versah den Führerausweis mit der
Auflage, dass X unter fachlicher Betreuung (Arzt und Suchtfachstelle) eine vollständige,
kontrollierte Cannabisabstinenz mittels monatlicher Urinproben einzuhalten habe mit
halbjährlichen Berichterstattungen jeweils im Juli und Januar. Am 3. März 2016 wurden
die Auflagen gelockert, indem auf die Besuche bei der Suchtberatung verzichtet wurde.
Gleichzeitig behielt sich das Strassenverkehrsamt vor, weitere Massnahmen zu
ergreifen, wenn die Urinproben künftig nicht lückenlos vorliegen sollten, nachdem für
die Monate August und Dezember 2015 Kontrollergebnisse fehlten.
C.- Mit Verfügung vom 5. September 2016 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis vorsorglich ab sofort, nachdem für die Monate April und Juli 2016 der
Abstinenznachweis nicht eingereicht worden war. Einem dagegen erhobenen Rekurs
erteilte der Verfahrensleiter am 19. Oktober 2016 die aufschiebende Wirkung (vgl.
ZV-2016/130). Mit Verfügung vom 5. Dezember 2016 hob das Strassenverkehrsamt
den vorsorglichen Führerausweisentzug vom 5. September 2016 vollumfänglich auf,
worauf das entsprechende Rekursverfahren als erledigt abgeschrieben wurde (vgl.
VRKE IV-2016/130).
D.- Am 25. Oktober 2016 stellte X ein Gesuch um Aufhebung der Auflagen. Nach
Gewährung des rechtlichen Gehörs wies das Strassenverkehrsamt das Gesuch am
1. Dezember 2016 ab und verlängerte die mittels monatlicher Urinproben zu prüfende
Cannabisabstinenzauflage mit halbjährlichen Berichterstattungen bis mindestens
Januar 2018. Mit Verfügung vom 29. Dezember 2016 wurde ihm der Führerausweis
wegen der wiederholten Missachtung der Auflagen für die Dauer eines Monats
entzogen.
E.- X erhob am 19. Dezember 2016 gegen die Verfügung vom 1. Dezember 2016
(Auflagen; Verfahren IV-2016/184) und am 5. Januar 2017 gegen die Verfügung vom
29. Dezember 2016 (Warnungsentzug; Verfahren IV-2017/3) Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit den sinngemässen Anträgen, die Auflagen seien
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aufzuheben und von einem Warnungsentzug sei abzusehen. Die Vorinstanz verzichtete
am 17. Januar 2017 in beiden Verfahren auf eine Vernehmlassung. Auf die

Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 19. Dezember 2016 (IV-2016/184)
gegen die Verfügung vom 1. Dezember 2016 (Auflagen) sowie der Rekurs vom
5. Januar 2017 gegen die Verfügung vom 29. Dezember 2016 (Warnungsentzug) sind
rechtzeitig eingereicht worden und erfüllen in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die Rekurse ist einzutreten.
Da die Rechtsmittelverfahren in einem engen sachlichen Zusammenhang stehen,
erscheint es sachgerecht, die Rekurse IV-2016/184 und IV-2017/3 in einem Entscheid
zu behandeln.
2.- Streitig ist zunächst, ob die Auflage der Cannabisabstinenz im Hinblick auf die
Sicherstellung der Fahreignung nach wie vor erforderlich ist.
a) Gemäss Art. 17 Abs. 3 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
kann der auf unbestimmte Zeit entzogene Führerausweis bedingt und unter Auflagen
wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte Sperrfrist
abgelaufen ist und die betroffene Person die Behebung des Mangels nachweist, der
die Fahreignung ausgeschlossen hat. Die Behörde kann somit den Führerausweis im
Interesse der Verkehrssicherheit bedingt und unter Auflagen wiedererteilen, wenn zwar
der Nachweis der Mangelbehebung erbracht ist, jedoch Zweifel bestehen, ob die
Fahreignung auch künftig nachhaltig sichergestellt ist. Solche Auflagen, die mit der
Wiedererteilung von Ausweisen nach Sicherungsentzügen verbunden werden, dienen
der Kontrolle, ob Erkrankungen, Süchte oder Charaktermängel, welche die
Fahreignung ausschliessen, tatsächlich nicht mehr vorhanden sind. Wie alle
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Nebenbestimmungen müssen auch Auflagen, die gestützt auf Art. 17 Abs. 3 SVG
verfügt werden, vor dem Verhältnismässigkeitsprinzip standhalten. Demnach muss eine
Auflage geeignet, das heisst auf die konkreten Umstände angepasst sowie zwecks
Überwachung der Fahreignung auch notwendig und für die betroffene Person
zumutbar sein; zudem muss sie erfüllt und kontrolliert werden können (BSK SVG-
Rütsche/Weber, Basel 2014, Art. 17 N 28 f.).
b) Im verkehrsmedizinischen Gutachten vom 30. Januar 2015 wurde die Fahreignung
bejaht unter der Auflage, dass der Rekurrent mit fachlicher Betreuung (Arzt und
Suchtfachstelle) eine vollständige, kontrollierte Cannabisabstinenz mittels monatlicher
Urinproben einzuhalten habe mit halbjährlichen Berichterstattungen. Die Gutachter
hielten fest, dass die anlässlich der verkehrsmedizinischen Untersuchung entnommene
Urinprobe auf alle getesteten Drogen inklusive Cannabis negativ sei. Eine
Cannabisabstinenz könne somit für den untersuchten Zeitraum nachvollzogen werden.
Aufgrund des Berichts der Fachtherapie sei ausserdem eine Verhaltensänderung
nachgewiesen. Schliesslich seien die beim Hausarzt monatlich durchgeführten
Urinkontrollen von Juli bis November 2014 ebenfalls negativ auf Cannabis gewesen
(vgl. act. 10/42 f.). In der Folge verfügte die Vorinstanz am 23. Februar 2015 eine
entsprechende Cannabisabstinenzauflage (vgl. act. 10/65).
Aus den Akten ergibt sich, dass die Urinproben vom 30. März, 27. April, 28. Mai,
28. Juli, 3. September, 9. Oktober und 18. November 2015 sowie 29. Januar, 18. März,
13. Mai, 8. Juni, 20. Juli, 12. August, 19. September, 13. Oktober, 15. November 2016
alle negativ verliefen (act. 10/9, 74, 97-100, 104, 128 f. und 131). Die Vorinstanz wirft
dem Rekurrenten vor, die Abstinenzauflage für die geforderten zwei Jahre sei aufgrund
des fehlenden Abstinenznachweises für die Monate August und Dezember 2015 sowie
April 2016 verletzt worden. Mit Schreiben vom 8. Februar 2016 wies der Rekurrent die
Vorinstanz darauf hin, dass er in den letzten sechs Monaten lediglich viermal zur
Urinprobe aufgefordert worden sei. Als er bei der Arztpraxis nachgefragt habe, sei er
darauf hingewiesen worden, dass der Termin durch diese bestimmt werde (vgl.
act. 10/76). Am 8. September 2016 bestätigte der Arzt, dass sich der Rekurrent stets
kooperativ verhalten habe und zu den bekannt gegebenen Terminen – ausser im April
2016 – immer erschienen sei (act. 10/109). Gemäss Info-Blatt Abstinenznachweis
werden die unregelmässigen Termine vom Hausarzt festgelegt (abrufbar unter:
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www.stva.sg.ch). Vor diesem Hintergrund kann dem Rekurrenten nicht vorgeworfen
werden, dass für die Monate August und Dezember 2015 keine Urinproben vorliegen.
Zu berücksichtigen ist ausserdem, dass von März bis Juli 2015 die Termine für die
Urinproben jeweils auf Ende Monat festgesetzt wurden. Die nächste Kontrolle fand am
3. September 2015 statt und damit lediglich ein paar wenige Tage nach Ende August
2015, weshalb hier nicht von einer Lücke im Abstinenznachweis gesprochen werden
kann. Zur fehlenden Urinprobe vom April 2016 führte der Rekurrent bereits im
Verfahren um den vorsorglichen Führerausweisentzug glaubhaft aus, der Hausarzt
habe auf der Combox eine Nachricht hinterlassen, die er jedoch aufgrund eines
damaligen Ersatzmobiltelefons erst am 28. April 2016 habe abhören können. Er habe in
der Folge die Praxis angerufen, um einen Termin zu vereinbaren. Die eingereichten
Verbindungsnachweise belegen, dass der Rekurrent zunächst am 4. April 2016
versucht zu haben scheint, seinen Hausarzt zu erreichen, wohl aber kein Gespräch
stattgefunden hat (Dauer: zehn Sekunden). Am 28. April 2016 hörte er sodann gemäss
eigenen Angaben und aufgrund des Verbindungsnachweises um 9.29 Uhr seine
Sprachnachrichten ab und telefonierte gleichentags um ca. 15.30 Uhr der Arztpraxis
(vgl. ZV-2016/120 act. 11/1). Da er für April 2016 keinen Termin mehr vereinbaren
konnte, gab er die nächste Urinprobe am 13. Mai 2016 ab; diese verlief negativ auf
Cannabis (act. 10/98). Es ist daher nicht davon auszugehen, dass sich der Rekurrent
der Urinkontrolle im April 2016 nicht unterzogen hat, weil er ein ungünstiges Ergebnis
zu erwarten gehabt hätte.
c) Zusammengefasst ergibt sich, dass der Rekurrent in der Zwischenzeit bis auf zwei
Monate (Dezember 2015 und April 2016) den Nachweis für eine zweijährige
Cannabisabstinenz seit Wiedererteilung des Führerausweises erbracht hat. Mittlerweile
liegt ausserdem die Urinprobe vom 10. Januar 2017 vor, in welcher ebenfalls kein
Cannabis nachgewiesen wurde (act. 10/156). Hinzu kommt, dass die Angabe, wonach
er seit Juni 2014 kein Cannabis mehr konsumiert habe, nicht widerlegt wurde und
durch entsprechende Urinkontrollen belegt ist (vgl. act. 10/31, 42 und 74). Schliesslich
wurde die Aufhebung der Auflagen nicht von einer die Fahreignung bejahenden
verkehrsmedizinischen Untersuchung abhängig gemacht. Unter diesen Umständen
besteht für die Anordnung von Auflagen im Zusammenhang mit dem Cannabiskonsum
kein Raum mehr. Entsprechend ist der Rekurs im Verfahren IV-2016/184 gutzuheissen
und die Verfügung der Vorinstanz vom 1. Dezember 2016 aufzuheben.
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3.- Umstritten ist weiter, ob die Vorinstanz wegen Missachtung der
Cannabisabstinenzauflage den Führerausweis zu Recht für einen Monat entzogen hat.
Wie dargelegt, kann dem Rekurrenten keine wiederholte Missachtung der Auflagen
vorgeworfen werden. Damit ist der Rekurs im Verfahren IV-2017/3 ebenfalls
gutzuheissen und die angefochtene Verfügung vom 29. Dezember 2016 aufzuheben.
Im Übrigen ist fraglich, ob im vorliegenden Verfahren aufgrund der (zu Unrecht)
vorgeworfenen Missachtung der Cannabisabstinenzauflage überhaupt ein
Warnungsentzug hätte ausgesprochen werden dürfen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Da die Rekursverfahren IV-2016/184 und IV-2017/3 in
einem Entscheid behandelt werden, erscheint eine Entscheidgebühr von insgesamt
Fr. 1'200.– angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Dem Rekurrenten ist der Kostenvorschuss von Fr. 800.– zurückzuerstatten.