Decision ID: b9c2ee3b-6313-429f-bdb1-aef86dff1c58
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

5. In der Folge klärte die IV-Stelle den Sachverhalt ab. Dabei holte sie
verschiedene Arztberichte ein:
Dr. med. F._, Facharzt für Anästhesiologie sowie Facharzt für
Intensivmedizin, diagnostizierte in seinem Verlaufsbericht vom
29. Juli 2015 eine chronische Lumbalgie und lumboradikuläre Schmerzen
L5 links, welche zunächst mittels Infiltrationen behandelt wurden. Nachdem
die konservativen Möglichkeiten ausgiebig ausgeschöpft worden waren
und A._ keinerlei Beschwerdelinderung mehr bemerkt hatte, stellten
die Dres. med. G._ und H._, Fachärzte für orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, in ihrem Bericht
vom 27. September 2016 eine operative Sanierung zur Diskussion. Sie
diagnostizierten Lumboischialgien bei hochgradigen Osteochondrosen
L4/5 und L5/S1 mit tieflumbaler Spondylarthropathie. Zudem attestierten
sie eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 1. Oktober 2016. Zuvor hatte
bereits Dr. med. F._ eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom
14. Juni 2016 bis zum 30. September 2016 attestiert.
Am 6. April 2017 wurden bei A._ eine Dekompressions-Operation und
Spondylodese L5/S1 mit Distraktion und Relordosierung
(Stellungskorrektur) in TLIF-Technik sowie eine dynamische dorsale
Pedikel-Stabilisierung des Segmentes L4/5 mit dem HPS-System
durchgeführt. Danach bestand eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Gemäss dem Bericht des operierenden Arztes Dr. med. I._, Facharzt
für Neurochirurgie, vom 4. Oktober 2017 persistierten in der Folgezeit
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hochgradige Beschwerden mit Ischialgie und Lumboglutealgien bei hohem
Analgetikabedarf. Daraufhin wurde bei A._ am 7. Dezember 2017
eine operative Revision mit intersomatischer Fusion LW4-5 in TLIF-Technik
sowie eine Reinstrumentierung L4-S1 beidseits vorgenommen. Danach
bestand wiederum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In seinem Bericht zur
Nachkontrolle vom 22. Januar 2018 stellte Dr. med. I._ fest, dass
A._ weiterhin einen deutlichen Leidensdruck zeige.
Im Verlaufsbericht vom 9. Mai 2018 äusserte Dr. med. I._ den
Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung bei therapieresistenten
lumbovertebralen Beschwerden nach zweifacher Operation. Die
gesundheitliche Störung von A._ wirke sich gravierend auf dessen
bisherige Tätigkeit aus. So sei er nicht in der Lage, längere Zeit zu sitzen
oder zu stehen. Ausserdem leide er unter schmerzbedingten
Konzentrationsstörungen. Auch sei ihm keine andere Tätigkeit zumutbar.
6. Daraufhin liess die IV-Stelle A._ polydisziplinär
(allgemeininternistisch, neurologisch, psychiatrisch und rheumatologisch)
durch die MEDAS Oberaargau begutachten (Untersuchungen am 11., 16.
und 18. Oktober 2018). Im Gutachten vom 29. Januar 2019 (nachfolgend:
MEDAS-Gutachten) kamen die untersuchenden Ärzte zum Schluss, dass
aus internistischer, neurologischer und psychiatrischer Sicht (insbesondere
bei remittierter depressiver Symptomatik und Ausschluss einer
somatoformen Schmerzstörung) keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
vorliege. Hingegen bestehe aus rheumatologischer Sicht eine massiv
reduzierte Belastbarkeit der Wirbelsäule, welche eine erhebliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sowohl in der bisherigen als auch in
einer adaptierten Tätigkeit zur Folge habe. Als Diagnose mit Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit wurde hauptsächlich eine limitierende,
überwiegend linksbetonte Lumboischialgie im Sinne neuropathischer und
vertebragener Beschwerden ausgewiesen. Die bisherige Tätigkeit sei aus
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rheumatologischer Sicht seit ca. Oktober 2016 nicht mehr zumutbar. Eine
leichte wechselbelastende Tätigkeit sei seit Oktober 2016 höchstens noch
zu 30 % (2.5 bis 3 Stunden täglich) zumutbar. Zudem könne es
phasenweise auch zu weiteren Leistungseinbussen bei der notwendigen
Suche nach Entlastungspositionen und zufolge wiederkehrender
Schmerzexazerbation kommen.
7. Dr. med. J._, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) Ostschweiz,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Facharzt für physikalische Medizin
und Rehabilitation sowie Facharzt für Rheumatologie, gelangte in seiner
Abschlussbeurteilung vom 21. Februar 2019 zum Schluss, dass auf das
MEDAS-Gutachten abgestellt werden könne. Er präzisierte die darin
beschriebene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit allerdings insofern, als für die Zeit nach dem zweiten operativen
Eingriff vom 7. Dezember 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für drei
bis max. vier Monate bestehe.
8. Mit Vorbescheid vom 7. März 2019 stellte die IV-Stelle A._ die
Zusprache einer abgestuften Invalidenrente in Aussicht: Eine halbe Rente
vom 1. Juni 2017 (Ablauf des Wartejahres) bis 28. Februar 2018, eine
ganze Rente vom 1. März 2018 bis 31. Juli 2018 und wiederum eine halbe
Rente ab dem 1. August 2018 (Ablauf der dreimonatigen Wartefrist).
Hiergegen erhob A._ am 4. April 2019 Einwand.
9. Am 15. Juli 2019 verfügte die IV-Stelle wie vorbeschieden. Hinsichtlich der
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit stellte sie auf das MEDAS-Gutachten
und die Präzisierung von RAD-Arzt Dr. med. J._ in dessen
Abschlussbeurteilung ab. Das Valideneinkommen errechnete sie gestützt
auf den Durchschnittsverdienst der Jahre 2011 bis 2015 gemäss den
Einträgen im individuellen Konto (IK), womit ein Valideneinkommen von
Fr. 40'710.-- resultierte. Für die Bemessung des Invalideneinkommens zog
- 6 -
sie die Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016 heran, was einen Betrag von
Fr. 20'526.-- ergab. Darüber hinaus erachtete sie – abweichend vom
Vorbescheid – einen Leidensabzug von 10 % vom Invalideneinkommen als
angemessen, da zufolge Teilzeitarbeit mit einem Minderverdienst zu
rechnen sei, was am Ergebnis allerdings nichts änderte.
10. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
5. September 2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Er stellte folgende Rechtsbegehren:
1. Die Verfügung der IV-Stelle vom 15. Juli 2019 sei insofern aufzuheben, als ihm für die Zeit vom 1. Juni 2017 bis 28. Februar 2018 und ab dem 1. August 2018 nur eine halbe Invalidenrente samt Kinderrenten zugesprochen wurde.
2. Die IV-Stelle sei zu verpflichten, ihm für die Zeit vom 1. Juni 2017 bis 28. Februar 2018 und ab dem 1. August 2018 eine ganze Invalidenrente samt Kinderrenten zuzusprechen.
3. Unter vollumfänglicher Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. MWST zulasten der IV-Stelle.
Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, es gehe nicht an, als
Valideneinkommen ein bereits infolge gesundheitlicher Probleme
reduziertes Einkommen anzunehmen. Zudem werde die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt bestritten. Falls
diese trotzdem bejaht werde, sei ihm ein Leidensabzug von 20 % vom
Invalideneinkommen zu gewähren. Aus einer Gegenüberstellung des so
berechneten Invalideneinkommens und des im Jahr 1999 erzielten, auf das
Jahr 2019 aufindexierten Einkommens als Valideneinkommen resultiere
ein Invaliditätsgrad von gerundet 71 %, was einen Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente begründe.
11. In ihrer Vernehmlassung vom 26. September 2019 schloss die IV-Stelle auf
Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zulasten des
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Beschwerdeführers. Zur Begründung verwies sie auf die angefochtene
Verfügung vom 15. Juli 2019.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden vom 15. Juli 2019, worin dem Beschwerdeführer
eine abgestufte Invalidenrente (eine halbe Rente vom 1. Juni 2017 bis
28. Februar 2018, eine ganze Rente vom 1. März 2018 bis 31. Juli 2018
und wiederum eine halbe Rente ab dem 1. August 2018) zugesprochen
wurde. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Als kantonales Versicherungsgericht ist das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden für die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde sowohl örtlich als auch sachlich zuständig (Art. 1
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 lit. a
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Der
Beschwerdeführer ist Adressat der angefochtenen Verfügung, weshalb er
durch die angefochtene Verfügung unmittelbar betroffen ist und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Er ist
demnach zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m.
Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 1 Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 60 und Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit
einzutreten.
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2. Streitgegenstand bildet vorliegend der Rentenanspruch des
Beschwerdeführers ab dem 1. Juni 2017. Unbestritten sind dabei die dem
Beschwerdeführer vom 1. März 2018 bis zum 31. Juli 2018 zugesprochene
ganze Invalidenrente sowie die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, wonach
dem Beschwerdeführer seine bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar und
er in einer leidensadaptierten Tätigkeit seit Oktober 2016 nur noch zu 30 %
arbeitsfähig sei. Umstritten sind demgegenüber die Bemessung des
Valideneinkommens, die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sowie der
Leidensabzug vom gestützt auf die LSE-Tabelle ermittelten
Invalideneinkommen.
3.1. Mit Bezug auf das Valideneinkommen hält der Beschwerdeführer fest, es
sei nicht statthaft, für die Bemessung des Valideneinkommens auf den
Durchschnitt der IK-Einträge der Jahre 2011 bis 2015 (einzeln aufindexiert
auf das Jahr 2019) abzustellen. Denn die in jenen Jahren ausgeübte
Tätigkeit entspreche weder in der Art noch im Umfang der Tätigkeit, welche
er als Gesunder ausgeübt hätte. So habe er bereits im Jahr 1998 aus
gesundheitlichen Gründen den erlernten Beruf als Schriften- und
Reklamegestalter aufgeben müssen. Im Jahr 1999 bzw. 2000 habe er
sodann eine reine Bürotätigkeit, welche ihm in sehr reduziertem Pensum
medizinisch-theoretisch wohl auch heute noch möglich wäre, bei der Firma
C._ in einem 80%-Pensum ausgeübt und dabei ein Einkommen von
Fr. 42'071.-- erzielt. Weil er diese Anstellung aus invaliditätsfremden
Gründen verloren habe, habe er sich mit einer Kommunikationsagentur
sowie einem Tattoo- und Piercing-Studio selbständig gemacht. Bereits ab
dem Jahr 2010 seien die ersten gesundheitlichen Beschwerden
aufgetreten, die nun zur definitiven Aufgabe dieser Tätigkeit geführt hätten.
Parallel dazu habe sich das Einkommen aufgrund seiner gesundheitlichen
Probleme stetig reduziert. Im Vergleich zum erlernten Beruf und zu der vor
Auftreten der gesundheitlichen Probleme ausgeübten Tätigkeit hätten
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immer Einschränkungen bestanden. Er habe seine Dienstleistungen seit
dem Ausbruch seiner Krankheit jeweils seinen Möglichkeiten angepasst,
womit er unfreiwillig auf die Erzielung des früheren, verhältnismässig hohen
Einkommens "verzichtet" habe. Demnach sei auf das Einkommen von
Fr. 42'071.-- im Jahr 1999 abzustellen, was aufindexiert im Jahr 2017 ein
Valideneinkommen von Fr. 54'902.-- und im Jahr 2019 ein solches von
Fr. 56'006.-- ergebe. Falls das Gericht dem nicht zu folgen vermöchte, wäre
das Valideneinkommen auf der Basis der LSE 2016, Kompetenzniveau 2,
festzulegen, womit im Jahr 2019 ein Valideneinkommen von Fr. 73'415.--
resultierte.
3.2. Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die
versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns
überwiegend wahrscheinlich als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Die
Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Da nach
empirischer Erfahrung in der Regel ohne gesundheitliche Beeinträchtigung
die bisherige Tätigkeit weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für
die Bestimmung des Valideneinkommens grundsätzlich der letzte vor
Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und
der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst. Ausnahmen
müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_109/2020 vom 17. November 2020 E.2.2.2 m.H.a.
BGE 139 V 28 E.3.3.2 und 134 V 322 E.4.1).
3.3.1. Soweit der Beschwerdeführer das Valideneinkommen gestützt auf das im
Jahr 1999 bei der Firma C._ erzielte Jahreseinkommen von
Fr. 42'071.-- bemessen haben will (vgl. den IK-Auszug [IV-act. 17]), kann
ihm nicht gefolgt werden. Abgesehen davon, dass derart lange
zurückliegende Einkünfte kaum eine verlässliche Aussage über eine
aktuelle Lohnsituation zulassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_797/2018 vom 10. September 2019 E.4.1.2) und er die Tätigkeit bei der
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Firma C._ nach eigenen Angaben aus invaliditätsfremden Gründen
aufgegeben bzw. verloren hatte (vgl. vorstehende Erwägung 3.1), ist nicht
ersichtlich, dass er in den ab dem Jahr 2001 ausgeübten Tätigkeiten (in
den teilweise selbst gegründeten Einzelunternehmungen) aus
gesundheitlichen Gründen eingeschränkt gewesen wäre. So bestätigten
denn auch die MEDAS-Gutachter in ihrer Konsensbeurteilung vom
29. Januar 2019, dass es aufgrund der Ende der 90er Jahre
diagnostizierten multiplen Osteochondrosis dissecans am Ellbogen und an
beiden Kniegelenken zu keinen anhaltenden Einschränkungen gekommen
sei (vgl. IV-act. 117 S. 5). Zudem gab der Beschwerdeführer im
Fragebogen für Arbeitgebende vom 8. Oktober 2016 selber an, seit
Oktober 2007 44 Stunden pro Woche gearbeitet zu haben (vgl. IV-act. 29
S. 2). Insofern ist entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht
davon auszugehen, dass er damals aufgrund von gesundheitlichen
Beeinträchtigungen einen reduzierten Verdienst erwirtschaftet hätte (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_630/2019 vom 14. Januar 2020 E.4.3).
3.3.2. Zum Gesundheitszustand bzw. zur Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers für den Zeitraum ab dem Jahr 2010 lässt sich den
medizinischen Akten im Wesentlichen Folgendes entnehmen: Dr. med.
K._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, welche den
Beschwerdeführer von November 2010 bis Oktober 2012 behandelte, hielt
in ihrem Bericht vom 11. Oktober 2016 fest, dass beim Beschwerdeführer
bei diagnostizierter schwerer, erosiver Osteochondrose Typ Modic 1
LWK5/SWK1 mit Retrolisthesis und Seitenversatz von LWK5 gegen SWK1
nach rechts ab Ende 2010/Anfang 2011 eine intensive Behandlung mit
Infiltrationen zur Schmerzlinderung eingeleitet wurde (vgl. IV-act. 33).
Dr. med. F._, bei welchem der Beschwerdeführer seit 2012 in
Behandlung war, berichtete am 29. Juli 2015, dass die durchgeführten
Infiltrationen jeweils eine Schmerzreduktion bewirkt hätten (vgl. IV-act. 19
S. 1). Dass anamnestisch seit mehreren Jahren tieflumbale
- 11 -
Rückenschmerzen bestanden haben, bestätigten unter anderem auch die
Dres. med. G._ und H._ in ihrem Bericht vom 27. September
2016 (vgl. IV-act. 23), Dr. med. F._ in seiner Überweisung vom
16. September 2016 (vgl. IV-act. 24 S. 11) sowie der RAD-Arzt Dr. med.
J._ in seinen Feststellungen zum medizinischen Sachverhalt (vgl. IV-
act. 144 S. 10). Auch im MEDAS-Gutachten wurde festgehalten, dass es
im Jahr 2010 zu lumbalen Beschwerden gekommen sei (vgl. IV-act. 117
S. 5 und S. 66), deren Zunahme letztlich zu einer limitierenden,
überwiegend linksbetonten Lumboischialgie im Sinne neuropathischer und
vertebragener Beschwerden führten, gestützt auf welche der
rheumatologische Gutachter ab Oktober 2016 die bisherige Tätigkeit nicht
mehr und eine adaptierte Tätigkeit höchstens zu 30 % als zumutbar
erachtete (vgl. IV-act. 117 S. 7 ff.).
Zwar legt die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 15. Juli 2019
zutreffend dar, dass Dr. med. F._ in seiner Überweisung vom
16. September 2016 namentlich befand, es sei in den letzten Monaten zu
einer erheblichen Verschlechterung gekommen, so dass der
Beschwerdeführer seine Arbeit als selbständiger Tätowierer nicht mehr
ausüben könne, zumal er auf wiederholte Therapieversuche mittels
Infiltrationen nicht mehr anspreche (vgl. IV-act. 24 S. 11 f.). Daraus
indessen zu schliessen, der Beschwerdeführer habe seine selbständige
Tätigkeit bis Juni 2016 voll ausüben können, überzeugt angesichts der
übrigen medizinischen Aktenlage nicht. Denn bereits im Mai 2012
berichtete Dr. med. I._, dass aufgrund des diagnostizierten
Bandscheiben-Kollapses L5/S1 mit Retrolisthese und Bandscheibenvorfall
medio lateral rechts bzw. Spinalkanal-Stenose L4/5 bei breiter
Bandscheibenvorwölbung rechts betont eine relative neurochirurgische
Operationsindikation bestehe. Da der Beschwerdeführer gegenwärtig aber
nicht an einer Nervenkompressions-Symptomatik leide, die ausstrahlenden
Beschwerden deutlich im Hintergrund stünden und die Rückenschmerzen
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nicht so ausgeprägt seien, dass die Arbeitsfähigkeit massiv vermindert
würde, sei er mit der Indikationsstellung noch zurückhaltend. Zudem fügte
er in Klammern hinzu, dass das Bild auch stärkere Beschwerden erklären
würde (vgl. IV-act. 19 S. 3).
Vor diesem Hintergrund ist es somit überwiegend wahrscheinlich, dass es
beim Beschwerdeführer bereits vor Juni 2016 aus gesundheitlichen
Gründen zu Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit und damit – als
Einzelunternehmer bzw. als Selbständigerwerbender – zu
Einkommenseinbussen gekommen ist. So geht denn auch aus einzelnen
Einträgen im Bericht von Dr. med. K._ vom 11. Oktober 2016 hervor,
dass der Beschwerdeführer aufgrund starker Schmerzen zeitweilig nicht
arbeiten konnte bzw. in seiner Arbeit eingeschränkt war (vgl. Eintrag vom
24. April 2012 [IV-act. 33 S. 2 unten] und 4. Oktober 2012 [IV-act. 33 S. 3
oben]). Insoweit erscheint es durchaus plausibel, wenn der
Beschwerdeführer festhält, er habe seit dem Jahr 2010 immer wieder
krankheitsbedingte Ausfälle zu gewärtigen gehabt und seine
Dienstleistungen entsprechend dem Krankheitsverlauf angepasst (vgl.
Fragebogen Arbeitgebende vom 8. Oktober 2016 [IV-act. 29 S. 1 f.] und
Fragebogen Selbständigerwerbende vom 8. Oktober 2016 [IV-act. 30 S. 2];
vgl. auch MEDAS-Gutachten [IV-act. 117 S. 62], Beschrieb
Krankheitsverlauf [IV-act. 6] und ähnlich Früherfassung [IV-act. 2]). Dies
widerspiegelt sich denn auch in den im IK-Auszug eingetragenen
Einkommen, bei denen vom Jahr 2010 auf das Jahr 2011 ein deutlicher
Einbruch zu verzeichnen ist (vgl. IK-Auszug vom 27. September 2016 [IV-
act. 17 S. 3] mit insgesamt Fr. 56'444.-- im Jahr 2010 und Fr. 42'004.-- im
Jahr 2011). Unter den gegebenen Umständen rechtfertigt es sich daher, für
die Bemessung des Valideneinkommens auf das Einkommen vor dem
Jahr 2010 – und nicht auf den Durchschnittsverdienst der Jahre 2011 bis
2015 – abzustellen, da es überwiegend wahrscheinlich ist, dass jener
- 13 -
Verdienst demjenigen vor Eintritt der zur Invalidität führenden
Gesundheitsschädigung entspricht.
3.3.3. Vorliegend steht fest, dass der Beschwerdeführer im Oktober 2007 die
D._ GmbH gründete, deren Geschäftsführer und alleiniger
Gesellschafter er war (vgl. IV-act. 5, IV-act. 29 S. 1 und IV-act. 30 S. 5 ff.).
Daneben eröffnete er weitere Geschäftsfelder (Textillabel und
Tätowierungen; vgl. IV-act. 5, IV-act. 30 S. 4 und Beschwerde S. 4). Dabei
erzielte er im Jahr 2008 ein Jahreseinkommen von Fr. 66'652.--, im Jahr
2009 ein solches von Fr. 58'735.-- und im Jahr 2010 ein solches von
Fr. 56'444.-- (vgl. IK-Auszug [IV-act. 17]). Weist das zuletzt erzielte
Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung
getretene Schwankungen auf, ist gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten
Durchschnittsverdienst abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_225/2019 vom 11. September 2019 E.4.2.1 m.w.H). Je nach
Berechnungsweise resultieren vorliegend folgende
Durchschnittsverdienste: Beim Abstellen auf das im Jahr 2009 erzielte
Einkommen von Fr. 58'735.-- resultiert aufindexiert auf das Jahr 2017 ein
Verdienst von Fr. 62'104.65 (= Fr. 58'735.-- x 1.008 x 1.01 x 1.008 x 1.007
x 1.008 x 1.004 x 1.007 x 1.003995), beim Abstellen auf den Durchschnitt
der in den Jahren 2008 und 2009 erzielten Einkommen von Fr. 66'652.-- im
Jahr 2008 und Fr. 58'735.-- im Jahr 2009 resultiert aufindexiert auf das Jahr
2017 ein Verdienst von Fr. 67'030.25 (= [[Fr. 66'652.-- x 1.021 x 1.008 x
1.01 x 1.008 x 1.007 x 1.008 x 1.004 x 1.007 x 1.003995 = Fr. 71'955.85] +
Fr. 62'104.65] : 2) und beim Abstellen auf den Durchschnitt der in den
Jahren 2008 bis 2010 erzielten Einkommen von Fr. 66'652.-- im Jahr 2008,
Fr. 58'735.-- im Jahr 2009 und Fr. 56'444.-- im Jahr 2010 resultiert
aufindexiert auf das Jahr 2017 ein Verdienst von Fr. 64'423.-- (=
[Fr. 71'955.85 + Fr. 62'104.65 + [Fr. 56'444.-- x 1.01 x 1.008 x 1.007 x 1.008
x 1.004 x 1.007 x 1.003995 = Fr. 59'208.55]] : 3). Vorliegend kann
- 14 -
angesichts der nachstehenden Erwägung 5.3 letztlich offenbleiben, welche
Berechnungsweise für die Festlegung des Valideneinkommens
anzuwenden ist. Fest steht, dass auf eine Bemessung des
Valideneinkommens gestützt auf die LSE-Tabellen verzichtet werden kann.
4.1. Sodann stellt der Beschwerdeführer die Verwertbarkeit seiner
Restarbeitsfähigkeit in Abrede. Er hält im Wesentlichen fest, dass der
ausgeglichene Arbeitsmarkt zwar ein theoretischer und abstrakter Begriff
sei und die konkrete Arbeitsmarktlage nicht berücksichtige. Er fingiere
allerdings nur einen konjunkturell ausgeglichenen Arbeitsmarkt. In der
heutigen Zeit lasse sich feststellen, dass Minipensen (in casu 30 %) mit
Stellenbeschrieben, die dem Anforderungsprofil des Beschwerdeführers
entsprächen, für Männer praktisch nicht mehr angeboten würden.
4.2. Referenzpunkt für die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit ist der
hypothetisch ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG). Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts handelt es sich dabei um einen
theoretischen und abstrakten Begriff, der dazu dient, den Leistungsbereich
der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung
abzugrenzen. Der Begriff beinhaltet einerseits ein gewisses Gleichgewicht
zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften; andererseits
impliziert er einen Arbeitsmarkt, der einen Fächer verschiedenster
Tätigkeiten aufweist und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten
beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des
körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im
Einzelfall, ob die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche
Erwerbsfähigkeit zu verwerten (vgl. BGE 110 V 273 E.4b und ZAK 1/1991
S. 320 f. E.3b; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_473/2019 vom
25. Februar 2020 E.5.1.1). Daraus folgt, dass für die Invaliditätsbemessung
nicht darauf abzustellen ist, ob eine invalide Person unter den konkreten
Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf,
- 15 -
ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte,
wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften
entsprechen würden (AHI-Praxis 6/1998 S. 291; vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts 8C_30/2020 vom 6. Mai 2020 E.4.2 m.w.H.).
Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen
Invalide mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers
rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann jedoch dann nicht
mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt
praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und
das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_253/2017 vom 6.
Juli 2017 E.2.2.1 m.w.H.). Art und Mass dessen, was einem Versicherten
an Erwerbstätigkeit noch zugemutet werden kann, richtet sich nach seinen
besonderen persönlichen Verhältnissen einerseits und nach den allgemein
herrschenden Anschauungen andererseits. Für die Beurteilung der
Zumutbarkeit ist letztlich insofern eine objektive Betrachtungsweise
massgebend, als es nicht auf eine bloss subjektiv ablehnende Bewertung
der infrage stehenden Erwerbstätigkeit durch den Versicherten ankommt
(MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 28a Rz. 28 m.w.H.).
4.3. Im vorliegenden Fall haben die MEDAS-Gutachter für den
Beschwerdeführer ein Anforderungsprofil definiert (vgl. IV-act. 117 S. 10
und S. 69). Demzufolge erweisen sich leichte wechselbelastende
Tätigkeiten während 2.5 bis 3 Stunden pro Tag (nach wie vor) als
zumutbar. Dabei schlossen die Gutachter nicht aus, dass es zu weiteren
Leistungseinschränkungen kommen könnte. Auch wenn Letzteres eine
- 16 -
Erschwernis darstellt, kann nicht gesagt werden, dass die zumutbare
Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der
ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt. So umfasst das
vorliegend (bei der Ermittlung des Invalideneinkommens) anwendbare
Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder
handwerklicher Art) typischerweise leichte wechselbelastende Tätigkeiten,
die durchaus auch in einem (kleinen) Teilzeitpensum ausgeübt werden
können. Zudem kann auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit einem
sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers gerechnet werden
(vgl. vorstehende Erwägung 4.2).
Schliesslich räumt denn auch der Beschwerdeführer ein, er könne praktisch
nur (aber immerhin) für Bürotätigkeiten eingesetzt werden (vgl.
Beschwerde S. 10 unten und S. 7 Mitte). Dass er letztmals im
Jahr 1999/2000 Büroarbeiten verrichtet habe und er hierfür somit wenig
geeignet sei, erweist sich als aktenwidrig, gab er doch noch am
8. Oktober 2016 auf dem Fragebogen für Arbeitgebende bzw. dem
Fragebogen für Selbständigerwerbende an, im Rahmen seiner Tätigkeit bei
der E._ GmbH Büroarbeiten zu erledigen (vgl. IV-act. 29 S. 2 und IV-
act. 30 S. 2). Zudem fallen solche Büroarbeiten in einem
Einzelunternehmen (vgl. dazu IV-act. 30 S. 1) regelmässig an. Aus den
Fragebogen geht ferner hervor, dass er auch nach Eintritt der medizinisch
ausgewiesenen Verschlechterung seiner Rückenbeschwerden immer noch
in der Lage war, bis auf das Tätowieren alle übrigen Tätigkeiten, d.h. Grafik,
Beschriftungen, Textildruck, Gestaltungsarbeiten und Organisation von
Produktionsausführungen, wenn auch in reduziertem Pensum, auszuüben
(vgl. IV-act. 29 S. 3 unten und IV-act. 30 S. 2). Wenngleich sich der
Zustand des Beschwerdeführers postoperativ noch verschlechtert haben
soll, so ist dennoch davon auszugehen, dass er aufgrund seiner breiten
Berufskenntnisse über viele Ressourcen verfügt. Insofern stehen dem
Beschwerdeführer auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend
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Einsatzmöglichkeiten in einer leidensadaptierten Tätigkeit offen, sodass er
seine Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwerten
kann. Weiterungen zu den vom Beschwerdeführer angemerkten
Vorbringen arbeitslosenversicherungsrechtlicher Natur erübrigen sich.
5.1. Schliesslich erachtet der Beschwerdeführer einen Leidensabzug von 20 %
vom Invalideneinkommen als angemessen, was er mit seinen erheblichen
Einschränkungen begründet und dem Umstand, dass er nur noch in einem
eingeschränkten Umfang teilzeitlich erwerbstätig sein kann.
5.2. Ein leidensbedingter Abzug kommt auch bei Heranziehen der LSE zur
Bestimmung des Invalideneinkommens nicht generell und in jedem Fall zur
Anwendung. Ein Abzug soll nicht automatisch, sondern dann erfolgen,
wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte
Person wegen eines oder mehrerer einkommensbeeinflussender
Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem
Erfolg verwerten kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2019 vom
2. September 2019 E.4.2 m.H.a. BGE 126 V 75 E.5a/bb und E.5b/aa).
Praxisgemäss soll mit dem Abzug vom Tabellenlohn der Tatsache
Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale,
wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre,
Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad je nach
Ausprägung Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können. Der Abzug ist
unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_114/2017 vom 11. Juli 2017 E.3.1 m.H.a.
BGE 135 V 297 E.5.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_447/2019
vom 8. Oktober 2019 E.3.1 m.w.H.).
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Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen
körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeiten in ihrer Leistungsfähigkeit
eingeschränkt ist. Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der
Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche
Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten
Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben
Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2014
vom 22. Januar 2015 E.4.1.1 m.w.H.).
5.3. Vorliegend kann die Frage, ob ein Leidensabzug von 20 % vom
Invalideneinkommen gerechtfertigt wäre, offenbleiben. Denn selbst wenn
vom tiefsten, in der vorstehenden Erwägung 3.3.3 ermittelten
Valideneinkommen von Fr. 62'104.65 ausgegangen wird, resultiert bei
einem von der IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung als angemessen
erachteten Leidensabzug von 10 % vom Invalideneinkommen, d.h. bei
einem Invalideneinkommen von Fr. 18'109.-- (= Fr. 5'340.-- [LSE 2016,
TA1, Kompetenzniveau 1, Männer] x 12 : 40 x 41.7 x 1.003995 [aufindexiert
auf das Jahr 2017] x 0.3 [Restarbeitsfähigkeit] x 0.9) ein Invaliditätsgrad
von über 70 %, womit der Beschwerdeführer Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente ab dem 1. Juni 2017 hat.
6. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde somit als begründet, weshalb sie
gutzuheissen ist. Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und dem
Beschwerdeführer ist ab dem 1. Juni 2017 eine ganze Invalidenrente samt
Kinderrenten zuzusprechen.
7.1. Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig (vgl. Art. 83 ATSG). Die
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Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend
rechtfertigt es sich, die Kosten auf Fr. 700.-- festzulegen. Diese sind von
der unterliegenden IV-Stelle zu tragen (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).
7.2.1. Die unterliegende IV-Stelle hat den Beschwerdeführer zudem
aussergerichtlich zu entschädigen (Art. 61 lit. g ATSG). Die
Parteientschädigung wird gemäss Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die
Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
(Honorarverordnung, HV; BR 310.250) i.V.m. Art. 19 des kantonalen
Anwaltsgesetzes (BR 310.100) durch die urteilende Instanz nach
Ermessen festgesetzt. Ausgangspunkt bildet die Kostennote (Art. 2 Abs. 2
HV). Dabei hat insbesondere der vereinbarte Stundensatz üblich
(vgl. Art. 3 Abs. 1 HV) und der geltend gemachte Aufwand angemessen
und für die Prozessführung erforderlich zu sein. Praxisgemäss wird bei
Nichteinreichung einer Honorarvereinbarung der in der Kostennote geltend
gemachte Stundenansatz, höchstens aber ein Stundenansatz von Fr. 240.-
-, übernommen, da die Höhe des Stundenansatzes mangels
Honorarvereinbarung nicht verifiziert werden kann (vgl. auch Art. 4 Abs. 1
HV). Geltend gemachte Pauschalspesen werden maximal im Umfang von
3 % des festgelegten Honorars nach Zeitaufwand zugesprochen.
7.2.2. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte dem Gericht eine
Honorarnote über Fr. 2'870.30 ein (bestehend aus 7.5833 Arbeitsstunden
à Fr. 270.-- für die Vertretung im Beschwerdeverfahren [Fr. 2'047.50],
2 Arbeitsstunden à Fr. 270.-- für Studium und Besprechung des
vorliegenden Urteils [Fr. 540.--], 3 % Spesen [Fr. 77.60] und 7.7 % MWST
[Fr. 205.20]). Der geltend gemachte Stundenansatz von Fr. 270.-- ist üblich
und es liegt eine entsprechende Honorarvereinbarung im Recht.
Demgegenüber ist der ausgewiesene Aufwand von insgesamt
9.5833 Arbeitsstunden um eine Stunde zu reduzieren, da das Studium des
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Urteils und die Besprechung mit dem Klienten praxisgemäss höchstens mit
einer Stunde abzugelten ist (vgl. dazu Urteile des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden S 18 81 vom 18. Februar 2020 E.7.1 und S 19 43
vom 28. Mai 2020 E.7.2). Die IV-Stelle hat dem Beschwerdeführer somit
eine Parteientschädigung von Fr. 2'570.80 (= 8.5833 h à Fr. 270.-- zzgl.
3 % Spesen und 7.7 % MWST) zu bezahlen.