Decision ID: 18c8a8e0-8324-45da-b265-d2a159e91600
Year: 2015
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2010 vom 18. September 2014 wurden die
vom Pflichtigen an seine geschiedene Ehefrau geleisteten Unterhaltsbeiträge in Höhe von Fr.
42‘000.-- zur Besteuerung proportional den Kantonen B._ und Basel-Landschaft zugewie-
sen.
2. Mit Eingabe vom 6. Oktober 2014 erhob die Vertreterin mit dem Begehren, die Unter-
haltsbeiträge seien bei der Festlegung des im Kanton Basel-Landschaft steuerbaren Einkom-
mens zu berücksichtigen, Einsprache. Zur Begründung führte sie aus, die von der Steuerver-
waltung vorgenommene Ausscheidung führe zu einer interkantonalen Doppelbesteuerung, was
unzulässig sei.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 26. Mai 2015 wies die Steuerverwaltung die Einsprache
ab. Zur Begründung führte sie aus, die Unterhaltsbeiträge seien proportional verlegt worden,
was steuerrechtlich korrekt sei.
4. Mit Eingabe vom 15. Juni 2015 erhob die Vertreterin mit dem Begehren, die Unterhalts-
zahlungen seien bei der Festlegung des im Kanton Basel-Landschaft steuerbaren Einkommens
zu berücksichtigen, Rekurs. Die Unterhaltszahlungen an die geschiedene Ehefrau des Pflichti-
gen hätten nichts mit der heutigen Ehefrau des Rekurrenten zu tun und seien deshalb von de-
ren Wohnsitzkanton B._ zu Recht dem Kanton Basel-Landschaft, d.h. dem Wohnsitzkanton
des Pflichtigen zur Besteuerung zugewiesen worden, wie dies im Übrigen bereits in den Steuer-
jahren 2008 und 2009 geschehen und vom Kanton Basel-Landschaft damals auch akzeptiert
worden sei.
5. Mit Vernehmlassung vom 29. Juli 2015 beantragte die Steuerverwaltung die Gutheis-
sung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, erfüllten Ehegatten die Voraussetzungen
der rechtlich und tatsächlich ungetrennten Ehe, weise aber jeder Ehegatte einen eigenen
Wohnsitz auf, finde gleichwohl eine Zusammenrechnung von Einkommen und Vermögen statt.
Gesamteinkommen und -vermögen seien grundsätzlich (unter Vorbehalt der speziellen inter-
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kantonalen Ausscheidungsregeln betreffend Spezialsteuerdomizile wie Grundeigentum, Ge-
schäftsort etc.) in der Regel je zur Hälfte den Ehegatten zuzuteilen und zum Gesamtsatz zu
versteuern. Bestreite jeder Ehegatte seinen Unterhalt im Wesentlichen jedoch selber, sei eine
individuelle Zuteilung der Einkommens- und Vermögensbestandteile an die Ehegatten unter
Besteuerung zum Gesamtsatz vorzunehmen. Dem Einsprache-Entscheid sei im Grundsatz so-
mit zwar Recht zu geben, wonach anorganische Abzüge (d.h. Abzüge, die nicht mit dem Ein-
kommen in direktem Zusammenhang stehen würden) im Verhältnis der den Steuerdomizilen
zugewiesenen Reineinkommen zu gewähren seien. Er lasse jedoch die Tatsache unberücksich-
tigt, dass vorliegend jeder Ehegatte für seinen Lebensunterhalt selber aufkomme und somit
auch eine individuelle und konkrete Zuweisung der Unterhaltszahlungen möglich sei. Da in sol-
chen Fällen, wie oben ausgeführt, auf eine Zusammenrechnung von Einkommen und Vermö-
gen mit anschliessender hälftiger Aufteilung verzichtet werde, rechtfertige es sich im vorliegen-
den Fall auch, die Unterhaltszahlungen dem sie tragenden Steuerpflichtigen voll zum Abzug
zuzulassen.
6. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Begehren fest.

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
ständig. Gemäss § 129 Abs. 2 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im
vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigt, vom Präsidenten und zwei Richte-
rinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs
zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten.
2. Vorliegend unterliegt der Beurteilung, ob die vom Pflichtigen an seine geschiedene Ehe-
frau geleisteten Unterhaltsbeiträge in Höhe von Fr. 42‘000.-- bei der interkantonalen Steueraus-
scheidung proportional auf die involvierten Kantone B._ und Basel-Landschaft aufzuteilen
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oder bei der Festlegung des im Kanton Basel-Landschaft steuerbaren Einkommens zu berück-
sichtigen sind.
3. Gemäss Art. 127 Abs. 3 Satz 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft vom 18. April 1999 (BV) ist die interkantonale Doppelbesteuerung untersagt. Eine
gegen dieses Verbot verstossende Doppelbesteuerung liegt nach langjähriger Rechtsprechung
des Bundesgerichts vor, wenn eine steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren Kantonen
für das gleiche Steuerobjekt und für die gleiche Zeit zu Steuern herangezogen wird (aktuelle
Doppelbesteuerung) oder wenn ein Kanton in Verletzung der geltenden Kollisionsnormen seine
Steuerhoheit überschreitet und eine Steuer erhebt, die einem anderen Kanton zustehen würde
(virtuelle Doppelbesteuerung) (Mäusli-Allenspach in: Zweifel/ Beusch/Mäusli-Allenspach [Hrsg.],
Kommentar zum Interkantonalen Steuerrecht, § 3 Abs. 1 ff.).
4. Bei verheirateten Personen gilt grundsätzlich die Ehegattenbesteuerung.
a) Leben Ehegatten in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe, wird ihr Einkommen oh-
ne Rücksicht auf den Güterstand zusammengerechnet (vgl. Art. 3 Abs. 3 des Bundesgesetzes
über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG] vom 14.
Dezember 1990, § 8 Abs. 1 StG).
b) In der Regel haben Ehegatten ein gemeinsames Steuerdomizil. Der Wohnsitz bestimmt
sich für jeden Gatten selbständig nach Art. 23 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom
10 Dezember 1907 (ZGB). Der selbständige Wohnsitz eines Ehegatten stellt ein Hauptsteu-
erdomizil dar. Am jeweiligen Hauptsteuerdomizil jedes Gatten besteht gleichzeitig ein sekundä-
res Steuerdomizil des anderen Ehepartners. Im interkantonalen Verhältnis sind Ehegatten nicht
bereits dann als getrennte Steuersubjekte zu behandeln, wenn sie im Wesentlichen getrennt
leben, sondern nur dann, wenn die Ehe nicht mehr gelebt wird und überdies keine Gemein-
schaftlichkeit der Mittel für Wohnung und Unterhalt besteht, d.h. die Unterstützung des einen an
den andern Ehegatten sich in ziffernmässig bestimmten Beiträgen erschöpft. Dagegen sind die
Grundsätze der Ehegattenbesteuerung zu beachten, d.h. die Steuerfaktoren beider Eheleute
zum Gesamtsteuersatz zu erfassen, wenn die Partner zwar über ein je eigenes Hauptsteu-
erdomizil verfügen, die eheliche Gemeinschaft aber nach dem Willen der Partner im Sinne von
Art. 159 ZGB gelebt wird (vgl. zum Ganzen: Entscheid des Bundesgericht [BGE] 2P.2/2003
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vom 7. Januar 2004, publ. in: Der Steuerentscheid [StE], 2004 A 24.24.3 Nr. 2, E. 2.4.1, mit
weiteren Hinweisen).
c) Bei getrennten Hauptsteuerdomizilen mit gleichzeitigem Weiterbestehen der ehelichen
Gemeinschaft ist das beiden Eheleuten zufliessende Erwerbseinkommen und das ihnen gehö-
rende bewegliche Vermögen (inkl. Erträgen) zwischen den betroffenen Kantonen aufzuteilen
(Repartition). Dabei werden die Faktoren gestützt auf die Ehegattenbesteuerung zusammenge-
zählt. In der Regel besteht diese Ausscheidung in einer quotenmässigen, zumeist hälftigen Tei-
lung der Steuerhoheit. Diese umfasst alle der Besteuerung unterliegenden Elemente mit Aus-
nahme ausserkantonaler Geschäftsbetriebe und Betriebsstätten und ausserkantonalen Grund-
eigentums (vgl. Art. 4 Abs. 1 StHG, § 6 Abs. 1 StG). Die hälftige Teilung rechtfertigt sich na-
mentlich für weitgehend getrennt lebende Ehegatten, welche die Kosten für Lebensunterhalt
und Wohnung indessen aus gemeinsamen Mitteln bestreiten. Dieselbe Ausscheidung scheint
angemessen, wenn einer der Gatten über kein Erwerbseinkommen verfügt (vgl. zum Ganzen:
BGE 2P.2/2003, a.a.O., E. 2.5, unter Verweis auf BGE 121 I 14, E. 6c).
d) Liegen besonderen Umstände vor, rechtfertigt sich keine hälftige Aufteilung der Steuer-
hoheit. Insbesondere dann, wenn keiner der beiden voll erwerbstätigen Ehepartner im Interesse
des andern gemeinsame Aufgaben, z.B. die Versorgung von Kindern, übernimmt. Ebenso
dann, wenn jeder seinen Unterhalt im Wesentlichen selbst bestreitet. In solchen Fällen er-
scheint es angebracht, das Erwerbseinkommen jedes Gatten vollumfänglich an dessen Haupt-
steuerdomizil zu besteuern, da es sich eindeutig dem einen oder anderen Anknüpfungspunkt
zuordnen lässt. Auch allfälliges bewegliches Vermögen (inkl. die daraus fliessenden Erträge)
beider Gatten ist dem jeweiligen Kanton (zum Gesamtsteuersatz) zuzuweisen (vgl. zum Gan-
zen: BGE 2P.2/2003, a.a.O., E. 3.2.2.3).
5. Vorliegend ist unbestritten, dass der Pflichtige im Kanton Basel-Landschaft und seine
Ehefrau im Kanton B._ leben. Aufgrund der getrennten Hauptsteuerdomizile ist zwischen
den beiden involvierten Kantonen eine Ausscheidung des Erwerbseinkommens beider Gatten
vorzunehmen. Weil die Ehegemeinschaft trotz Getrenntleben besteht, sind die Gatten nicht wie
Alleinstehende getrennt zu veranlagen. Es kommen weiterhin der Gesamtsteuersatz und der
Verheiratetentarif zur Anwendung. Es stellt sich vorliegend die Frage, ob die Ausscheidung
quotenmässigen vorzunehmen ist oder ob es angebracht erscheint, das Erwerbseinkommen
jedes Gatten vollumfänglich an dessen Hauptsteuerdomizil zu besteuern, da es sich eindeutig
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dem einen oder anderen Anknüpfungspunkt zuordnen lässt. Der Kanton B._ ist von letzte-
rem ausgegangen und hat die Unterhaltszahlungen des Pflichtigen an die geschiedene Ehefrau
vollumfänglich dem Kanton Basel-Landschaft zugewiesen. Der Kanton Basel-Landschaft hinge-
gen hat eine quotenmässigen Ausscheidung vorgenommen und die Unterhaltszahlungen pro-
portional den beiden involvierten Kantonen zugewiesen, mit der Folge, dass der dem Kanton
B._ zugewiesene Betrag in keinem Kanton zum Abzug zugelassen wurde, was zu einer
Doppelbesteuerung führte. Im vorliegenden Rekursverfahren beantragt die Steuerverwaltung
nunmehr mit der Begründung, es liege ein Ausnahmefall vor, die Gutheissung des Rekurses.
Da beide Ehegatten unbestrittenermassen ihren Unterhalt im Wesentlichen selbst bestreiten, ist
kein Grund ersichtlich, wieso vorliegend von der hiervor zitierten Praxis abzuweichen wäre.
Vielmehr rechtfertigt sich eine individuelle Zuteilung der Einkommensfaktoren und der Abzüge,
mithin auch des Abzuges der vom Pflichtigen an seine geschiedene Ehefrau geleisteten Unter-
haltszahlungen in Höhe von Fr. 42‘000.--.
Der Rekurs erweist sich damit als begründet und ist gutzuheissen.
6. Ausgangsgemäss sind dem Rekurrenten nach § 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des
Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung
(VPO) keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
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