Decision ID: df824c69-f82b-48eb-a872-30b603bdcc75
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob,
St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a Die im Jahr 19_ geborene A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am
24. Dezember 2009 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle)
zum Bezug von Invalidenversicherungsleistungen (berufliche Massnahmen, Rente) an
(IV-act. 75, 78). Seit 1. Januar 1990 war sie beim Kantonsspital St. Gallen vollzeitlich
als Pflegeassistentin angestellt gewesen (IV-act. 61/2).
A.b Vom 26. Mai bis 1. September 2009 wurde eine stationäre Behandlung in der
Klinik D._ durchgeführt (IV-act. 64, 59). Ab Mitte September 2009 stieg die
Versicherte wieder mit einem Pensum von 30% in der bisherigen Station ein. Ab
1. Oktober 2009 arbeitete sie zu 50%. Der Versuch, das Pensum auf 60% zu erhöhen,
scheiterte. Am 29. Dezember 2009 trat die Versicherte erneut stationär in die Klinik
D._ ein und hielt sich dort bis am 30. April 2010 auf (IV-act. 64, 59, 55, 45/5). Mit
Arztbericht vom 22. Januar 2010 diagnostizierte Dr. med. B._, Oberarzt/Leiter
Ambulatorium des Psychiatrischen Dienstes St. Gallen unter anderem eine
rezidivierende depressive Störung, aktuell schwere depressive Episode ohne
psychotische Symptome (IV-act. 64). Mit Arztbericht vom 2. April 2010 von Dr. med.
dipl.-Psych. C._, leitender Arzt der Privatklinik D._, wurde ebenfalls eine
rezidivierende depressive Störung, bei Eintritt mittelgradig bis schwere depressive
Episode, diagnostiziert (IV-act. 59). Im Mai 2010 nahm die Versicherte ihre bisherige
Tätigkeit als Pflegeassistentin mit einem Anfangspensum von 30% auf einer anderen
Station wieder auf (IV-act. 45-8 und 53f.) und steigerte die Anwesenheit im Verlauf auf
50% (IV-act. 27).
A.c Am 24. August 2010 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass aufgrund ihrer 50%-
igen Erwerbstätigkeit (bei 30% Leistungsfähigkeit; vgl. IV-act. 41, 27) im Kantonsspital
St. Gallen derzeit keine beruflichen Massnahmen notwendig seien (IV-act. 40).
A.d Dr. med. E._, Oberarzt/Leiter des Ambulatoriums des Psychiatrischen Zentrums
St. Gallen, berichtete am 9. und 13. September 2010, dass eine weitere Steigerung der
Arbeitsfähigkeit nicht möglich sei und die Versicherte ihre Arbeitsleistung deutlich
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überschätze. Aus medizinischer Sicht befinde sich die Versicherte bereits bei der
derzeitigen 50%-igen Tätigkeit an der äussersten Grenze ihrer Leistungsfähigkeit (IV-
act. 38). Mit Arztbericht vom 1. Oktober 2010 (IV-act. 18/11f.) vertrat Dr. med. F._,
Facharzt Pneumologie, die Ansicht, die Versicherte leide schwer an ihrer Depression,
dies könne auch ein Nichtpsychiater sehen. Die medizinischen Angaben seien plausibel
und einfühlbar. Er empfehle, dem Antrag auf Teilinvaliditätspensionierung
nachzukommen.
A.e Am 19. Oktober 2010 wurde durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eine
monodisziplinäre psychiatrische Begutachtung in die Wege geleitet (IV-act. 34f.). Das
psychiatrische Gutachten wurde am 28. Januar 2011 von med. pract. G._, Fachärztin
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zertifizierte medizinische Gutachterin SIM,
erstellt (IV-act. 29). Darin wird bei der Versicherten eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig leichte bis allenfalls mittelgradige depressive Episode als
deutliche Teilremission einer zuvor beschriebenen mittelgradigen bis schweren
depressiven Episode diagnostiziert. In der angestammten Tätigkeit als
Pflegeassistentin sei aus psychiatrischer Sicht aktuell eine Arbeitsunfähigkeit von ca.
30% bezogen auf ein volles Arbeitspensum ausgewiesen. Bei adäquater psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung sollte eine weitere Minderung der
Arbeitsunfähigkeit auf unter 20% möglich sein.
A.f Mit Beurteilung vom 12. April 2011 (IV-act. 26) befand RAD-Arzt Dr. med. H._ die
EKT-Serie (Elektrokrampftherapie) bei gleichzeitiger Arbeitstätigkeit der Versicherten
als Widerspruch zum Vorliegen einer schweren Depression. Die EKT-Behandlung sei
kein Beweis einer fortbestehenden gravierenden Gesundheitsschädigung. Dass die
Versicherte nun schon seit August 2010 durchgehend zu 50% arbeite, deute auf eine
erreichte Stabilisierung hin. Depressionen seien in der Regel keine Endzustände mit
bleibenden Defiziten.
A.g Mit Vorbescheid vom 2. August 2011 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an,
aufgrund einer verspäteten Anmeldung ab Juni 2010 eine ganze Rente, gestützt auf
einen Invaliditätsgrad von 70%, und ab September bis Dezember 2010, gestützt auf
einen Invaliditätsgrad von 50%, eine halbe Rente zuzusprechen (IV-act. 21). Per
31. Dezember 2010 werde die Rente wieder eingestellt.
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A.h Die Versicherte erhob dagegen am 8. August 2011 Einwand mit Begründung am
12. September 2011 (IV-act. 20, 18/1ff.).
A.i Am 22. Dezember 2011 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (act. G 1.1f.).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 18. Januar 2012 (act. G 1) liess die Versicherte durch
Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, St. Gallen, beantragen, die angefochtenen
Verfügungen seien aufzuheben, soweit sie eine weitergehende Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin verneinten. Ihr sei eine ganze Invalidenrente ab spätestens Mai
2010 zuzusprechen und zu entrichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme
weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen und alsdann seien ihr
verfügungsweise die beantragten Leistungen zuzusprechen und zu entrichten. Unter
gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Es
sei ihr zudem die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und Fürsprecher Küng zu
ihrem unentgeltlichen Rechtsbeistand zu ernennen. Die Beschwerden gegen die beiden
Verfügungen vom 22. Dezember 2011 seien zu vereinigen. Zur Begründung liess sie
insbesondere vorbringen, das Gutachten sei vage. Ein von den Ärzten des
Psychiatrischen Ambulatoriums festgestelltes persistierendes schweres depressives
Syndrom habe nicht überzeugend ausgeschlossen werden können. Nicht einmal die
zugesprochenen Leistungen fänden im Gutachten eine Grundlage, und auch die
Ablehnung von weitergehenden Ansprüchen lasse sich damit nicht begründen. Die
Beschwerdegegnerin hätte eine Verlaufsbegutachtung veranlassen sollen, da das
Gutachten selbst von einer möglichen (positiven) Schwankung in der Zukunft
ausgegangen sei. Das Gutachten setze sich nicht mit den seit drei Jahren bestehenden
Schlafstörungen und deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auseinander. Für die
zweimalige Besserung (August auf September 2010 und Dezember 2010 auf Januar
2011) des Gesundheitszustands liefere das Gutachten keine Begründung. Bei einer
Präsenzzeit von 50% und einer Leistung von 30% schöpfe die Beschwerdeführerin ihre
verbliebene Restarbeitsfähigkeit bestmöglich aus. Es bestehe daher bereits ab Mai
2010 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, die verspätete Anmeldung sei
entschuldbar.
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B.b Mit Schreiben vom 26. Januar 2012 hielt die Beschwerdeführerin nicht mehr am
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung fest (act. G 4).
B.c Am 1. März 2012 liess der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zwei Berichte
von med. pract. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 6. und
27. Februar 2012 zukommen, welche der Beschwerdegegnerin am 8. März 2012 zur
Kenntnisnahme zugestellt wurden (act. G 7f.).
B.d Mit Beschwerdeantwort vom 29. Februar 2012 schloss die Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (act. G 9). Zur Begründung verwies sie auf die
Ausführungen von Dr. H._ und führte im Wesentlichen an, das im Recht liegende
Gutachten halte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung stand. Eine leichte
depressive Episode sei im Übrigen nach gefestigter Rechtsprechung grundsätzlich
nicht geeignet, eine leistungsspezifische Invalidität zu begründen. Dass das der
Beschwerdeführerin verordnete Antidepressivum (Temesta) nicht habe nachgewiesen
werden können, spreche dafür, dass die Beschwerdeführerin sich selbst nicht als
besonders depressiv oder sonst wie psychisch beeinträchtigt erlebe. Bei einer auf
Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation gründenden Leistungseinschränkung
liege keine versicherte Gesundheitsschädigung vor. Aus all diesen Gründen sei die
Beschwerdeführerin aus IV-rechtlicher Sicht wohl eher als voll arbeitsfähig zu
betrachten. Der Rentenanspruch könne aufgrund der Anmeldung am 24. Dezember
2009 nicht bereits ab Mai 2010 entstehen.
B.e Mit Replik vom 29. März 2012 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem bisherigen
Standpunkt fest und reichte einen Bericht von med. pract. I._ vom 22. März 2012 ein
(act. G 13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik
(act. G 15).

Erwägungen:
1.
Den Verfügungen vom 22. Dezember 2011 liegt derselbe Sachverhalt zugrunde und es
stehen sich dieselben Parteien gegenüber. In der ersten Verfügung wurden Leistungen
vom 1. Juni bis 31. August 2010 zugesprochen, in der zweiten solche vom
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1. September bis 31. Dezember 2010. Der Verfügungsteil 2 hat allerdings die gesamten
(abgestuften) Leistungen vom 1. Juni bis 31. Dezember 2010 sowie die
Renteneinstellung per 31. Dezember 2010 zum Gegenstand (act. G 1.1). Insofern
rechtfertigt sich eine gemeinsame Behandlung beider Verfügungen in einem Verfahren.
2.
2.1 Zu prüfen sind Beginn und Höhe des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG) und kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie
körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinn von Art. 4 Abs. 1 IVG in
Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant
gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei
Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten,
abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv
bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur
soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die
Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-
praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 des IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
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besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung gestellt haben. Nach dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung
der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der
untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei psychischen
Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung
mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der
medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V 351
E. 3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).
3.
3.1 Zu klären ist vorweg die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
Für die Bemessung des Invaliditätsgrads stützte sich die Beschwerdegegnerin
insbesondere auf das psychiatrische Gutachten von med. pract. G._ (IV-act. 29) und
ging von einer ab Januar 2011 bestehenden Arbeitsunfähigkeit in der angestammten
und einer adaptierten Tätigkeit von ca. 30% aus, welche bei adäquater psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung auf unter 20% reduziert werden könne. Für die Zeit
davor stellte sie auf die echtzeitlichen medizinischen Berichte der behandelnden Ärzte
ab.
3.2 Seit der ersten stationären Behandlung in der Klinik D._ (26. Mai bis
1. September 2009) konnte die Beschwerdeführerin ihr Arbeitspensum den Akten
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zufolge nie auf über 50% steigern (IV-act. 64, 59, 45/5). Allerdings wurde insbesondere
nach dem zweiten stationären Aufenthalt in der Klinik D._ (29. Dezember 2009 bis
30. April 2010) für einen langsamen beruflichen Wiedereinstieg eine vorsichtig-günstige
Prognose gestellt und zumindest eine teilweise Remission der schweren depressiven
Erkrankung erreicht (IV-act. 59, 45). Dr. C._ berichtete gegen Ende des stationären
Aufenthalts über eine nach wie vor bestehende leichte depressive Symptomatik mit
deutlich verminderter Belastbarkeit und Stressresistenz, vermindertem Antrieb,
schneller Ermüdbarkeit, eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit, Ängsten, hohem
Leistungsdenken und Schlafstörungen, Angabe von rezidivierenden Schmerzen in den
Zehengrundgelenken und in den Fersen beidseits unklarer Genese (IV-act. 59/3).
Entsprechend nahm die Beschwerdeführerin die Arbeit auch gleich nach Beendigung
des stationären Aufenthalts im Mai 2010 im Rahmen von 30% wieder auf und steigerte
das Pensum auf 50% (bei einer Leistungsminderung um 25%; IV-act. 41). Auch zum
Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung am 17. Januar 2011 bei med. pract. G._
hatte die Beschwerdeführerin dieses Pensum inne. Die psychiatrische Gutachterin
diagnostizierte – wie alle behandelnden Ärzte – eine rezidivierende depressive Störung,
allerdings gegenwärtig eine leichte bis allenfalls mittelgradige depressive Episode als
deutliche Teilremission einer zuvor beschriebenen mittelgradigen bis schweren
depressiven Episode. Sie beobachtete zwar eine herabgesetzte Stimmungslage mit
Freudlosigkeit sowie eine verminderte emotionale Resonanzfähigkeit, befand jedoch
andere psychische Funktionen wie Antrieb, Psychomotorik, kognitive Funktionen
einschliesslich der Konzentration und Aufmerksamkeit für unauffällig. Insbesondere
wies sie auf eine etwas inkonsistente Beschwerdeschilderung sowie eine Diskrepanz
zwischen dem berichteten hohen Gebrauch des Benzodiazepins Temesta (Lorazepam)
und den Ergebnissen einer Blutlaboruntersuchung hin, bei der die festgestellte
Dosierung von Temesta deutlich unterhalb des therapeutischen Bereichs gelegen habe.
Am Anfang des Explorationsgesprächs habe sich eine leidende und müde wirkende
Frau gezeigt. Später habe die Beschwerdeführerin aber zunehmend lebendig und aktiv
gewirkt. Es entstehe über den Eindruck einer Verdeutlichungstendenz hinausgehend
auch teilweise der Eindruck von Aggravation. Zur Krankheitsanamnese lasse sich
eruieren, dass die Beschwerdeführerin während der ersten Partnerschaft vor ca. 15
Jahren depressive Beschwerden im Zusammenhang mit der Drogenabhängigkeit ihres
Partners entwickelt habe. Diese depressive Symptomatik habe aber nicht zu einer
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relevanten Arbeitsunfähigkeit geführt und sei spontan remittiert, ohne dass die
Beschwerdeführerin eine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch genommen
habe. Nachfolgend sei sie über viele Jahre symptomfrei geblieben. Die aktuelle
depressive Symptomatik habe nach Angaben der Beschwerdeführerin ihren Anfang vor
zwei bis drei Jahren in zeitlichem Zusammenhang mit dem Beginn ihrer Menopause
genommen. Vor dem Hintergrund eines langjährigen unerfüllten Kinderwunsches und in
Konfrontation mit der zeitgleichen Geburt des zweiten Kindes ihres Bruders sei es bei
der Beschwerdeführerin zur Entwicklung von depressiven Symptomen gekommen. Im
Juni 2010 sei zwar von einem mittelgradigen bis schweren depressiven Syndrom
berichtet worden, aber die Beschwerdeführerin habe vier Wochen Sommerferien im
J._ verbracht, was bei einer schweren depressiven Symptomatik nicht möglich
gewesen wäre. Daraus schloss die Gutachterin auf eine teilweise Remission der
depressiven Symptomatik. Auch die im September 2010 diagnostizierte schwere
depressive Symptomatik mit psychotischen Symptomen erscheine nicht ganz
nachvollziehbar, da die Beschwerdeführerin zu jenem Zeitpunkt eine Erhöhung des
Arbeitspensums von 30% auf 50% vorgenommen habe. Eine Steigerung des
Arbeitspensums wäre bei einem persistierenden schweren depressiven Syndrom mit
psychotischen Symptomen nicht möglich gewesen. Aus gutachterlicher Sicht sei im
Rückblick auf den Zeitraum Frühjahr 2009 bis Herbst 2010 von einem schwankenden
Verlauf mit leichten, mittelgradigen und zeitweise auch schweren depressiven
Symptomen auszugehen. Ein persistierendes schweres depressives Syndrom könne
nicht nachvollzogen werden.
3.3 Aufgrund der Aktenlage lässt sich der Verlauf der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin nahtlos eruieren. Eine volle Arbeitsunfähigkeit während der
stationären Behandlung in der Klinik D._ vom 26. Mai bis 1. September 2009 ist
medizinisch ausgewiesen. Bis zum Zeitpunkt der zweiten stationären Behandlung ab
29. Dezember 2009 erhöhte die Beschwerdeführerin zwar ihr Arbeitspensum
sukzessive bis auf 50-60%; insbesondere die Konfrontation mit derselben Abteilung,
auf welcher sie zuvor gearbeitet hatte, überforderte sie jedoch und führte zu einer
Belastung am Arbeitsplatz mit Scham- und Verlustgefühlen, Traurigkeit, ausgeprägten
Ängsten, insbesondere auch Existenzängsten und einer massiven Belastung des
Selbstwerts (IV-act. 59/2, 45/5). Dr. C._ ging während des zweiten stationären
Aufenthalts davon aus, dass ein langsamer beruflicher Wiedereinstieg bei einer
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weiteren stützenden Psychotherapie wahrscheinlich sei, und empfahl eine Tätigkeit als
Pflegeassistentin auf einer anderen Abteilung oder auch eine Tätigkeit in anderer
Funktion (IV-act. 59/2f.). Die im Rahmen des stationären Aufenthalts erfolgte
Entscheidung, nicht an die alte Arbeitsstelle zurückzukehren, habe zu einer deutlichen
Erleichterung, Druckabbau und Verbesserung des Zustandsbilds geführt. Zudem wird
über eine Zustandsverbesserung durch die Einleitung einer antidepressiven Medikation
mit Efexor, Erhöhung des Seroquel sowie unter zusätzlicher Gabe von Temesta
berichtet (IV-act. 45/7). Die zunächst zurückhaltende Prognose des RAD erscheint
unter diesen Umständen nicht nachvollziehbar, insbesondere da sich die
Beschwerdeführerin auf der neuen Station und im neuen Team wohlfühlte und im
August 2010 auch eine Erhöhung des Arbeitspensums auf 50% (trotz
Leistungsminderung um 25%) erfolgte (IV-act. 44, 41, 37). Der im psychiatrischen
Gutachten vom 28. Januar 2011 festgestellte schwankende Verlauf mit leichten,
mittelgradigen und zeitweise auch schweren depressiven Symptomen im Zeitraum
zwischen Frühjahr 2009 und Herbst 2010 ist damit aus den echtzeitlichen Akten gut
ersichtlich. Ausgewiesen ist aber auch eine schrittweise und stetige Verbesserung des
Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit Austritt aus
der zweiten stationären Behandlung im April 2010, welche zur Erhöhung des
Arbeitspensums im August 2010 führte. Das Gutachten setzt sich mit den
echtzeitlichen ärztlichen Berichten auseinander und begründet auch die ab Januar
2011 bestehende Arbeitsunfähigkeit von ca. 30% in nachvollziehbarer Weise anhand
der sorgfältig erhobenen Befunde. Auch die von der Beschwerdeführerin geschilderten
Schlafstörungen wurden in die Beurteilung einbezogen. Soweit sich der zurzeit
behandelnde Psychiater med. pract. I._ zur ambulanten Behandlung ab 1. Februar
2012 äussert, können seine Ausführungen im vorliegenden Verfahren nicht
berücksichtigt werden, da diese den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
nach Verfügungserlass (22. Dezember 2011) betreffen. Ohnehin verfolgt med. pract.
I._ als Arzt mit Behandlungsauftrag in erster Linie einen therapeutischen Ansatz, was
seine Sichtweise auch auf die therapeutische Ausrichtung seiner Patientin beschränkt.
Demgegenüber betrachtet ein Gutachter seinen Exploranden nach objektiven Kriterien
und unter Berücksichtigung der gesamten Aktenlage. Diese Vorgehensweise vermittelt
ihm ein umfassenderes, von der subjektiven Wahrnehmung des Exploranden freies Bild
zu dessen Arbeitsfähigkeit. Auf die Beurteilung von med. pract. G._ ist abzustellen.
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3.4 Eine zu durchschnittlich mindestens 70% bestehende Arbeitsunfähigkeit ist den
Akten zufolge seit Mai 2009 ausgewiesen, nachdem während der beiden stationären
Behandlungen in der Klinik D._ (26. Mai bis 1. September 2009 und 29. Dezember
2009 bis 30. April 2010) keine Arbeitsfähigkeit bestanden hatte, diese während der drei
dazwischenliegenden Monate (September bis Dezember 2009) nie auf über 50%, und
danach nicht über eine Leistungsfähigkeit von 30% gesteigert werden konnte. Das
sogenannte Wartejahr ist somit im Mai 2010 abgelaufen (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG).
Nachdem die Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung im
Dezember 2009 erfolgte und der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs
Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs entstehen kann (Art. 29
Abs. 1 IVG), liegt der frühestmögliche Rentenbeginn im Juni 2010.
4.
Da die Beschwerdeführerin nach wie vor in ihrer angestammten Tätigkeit als
Pflegeassistentin tätig ist und ihr diese Tätigkeit auch weiterhin zumutbar ist, kann als
Validen- und Invalideneinkommen ihr Jahreseinkommen 2008 von Fr. 66'356.-- gemäss
IK-Auszug für den Einkommensvergleich beigezogen und aufgrund derselben
Vergleichsgrösse ein sogenannter Prozentvergleich vorgenommen werden (IV-act. 67,
23). Zudem ist bei der Beschwerdeführerin ein Tabellenabzug vorzunehmen, da sie auf
besondere Rücksichtnahme des Arbeitgebers angewiesen ist, im Vergleich zu einer
gesunden Pflegeassistentin nicht gleich flexibel eingesetzt werden kann, bei ihr
überdurchschnittliche Krankheitsabsenzen resultieren könnten und sie bei
Teilzeittätigkeit eher nicht zur Leistung von Überstunden in der Lage ist. Diesen
Lohnnachteilen ist mit einem praxisgemäss pauschalen Abzug Rechnung zu tragen.
Vorliegend erscheint ein solcher von 10% angezeigt. Damit braucht die ab 1. Juni 2010
erfolgte Zusprache einer ganzen Rente bei einem Invaliditätsgrad von 73% (100% -
[30% x 0.9]) im Ergebnis nicht beanstandet zu werden. Allerdings kann aus der
Steigerung des Arbeitspensums auf 50% im August 2010 nicht auch auf eine
Arbeitsfähigkeit von 50% geschlossen werden, zumal seitens des KSSG stets eine
Leistung von nur 30% geltend gemacht und ein entsprechender Lohn ausbezahlt
wurde. Die im Januar 2011 festgestellte und erst ab Begutachtungszeitpunkt zu
berücksichtigende Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf 70%, die bei einem nicht
rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 37% (100% - [70% x 0.9]) zur Aufhebung der
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Rente führt, ist erst ab 1. Mai 2011 anspruchsbeeinflussend wirksam (Art. 88a Abs. 1
IVV; vgl. auch BGE 133 V 67 E. 4.3.4 mit Hinweisen).
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die
Verfügungen vom 22. Dezember 2011 aufzuheben sind und der Beschwerdeführerin
mit Wirkung ab 1. Juni 2010 eine ganze Rente zugesprochen wird. Per 30. April 2011
ist die Rente einzustellen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe und Ausrichtung der
Leistungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen ist
die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Ein
teilweises Obsiegen der Beschwerdeführerin ist einerseits auf die Dreimonatsfrist bei
der Berücksichtigung von Änderungen des Anspruchs (Art. 88a Abs. 1 IVV)
zurückzuführen, andererseits entfällt die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Abstufung auf eine halbe Rente. Insofern unterliegt die Beschwerdeführerin damit mit
ihren Anträgen ermessensweise zu drei Vierteln. Sie hat deshalb einen Anteil an die
Gerichtsgebühren von Fr. 450.--, die Beschwerdegegnerin von Fr. 150.-- zu bezahlen.
Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird an
diesen Betrag angerechnet und ihr werden Fr. 150.-- zurückerstattet.
5.3 Dem Ausmass des Obsiegens entsprechend hat die Beschwerdeführerin Anspruch
auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Bei vollem Obsiegen wäre – wie in
vergleichbaren Fällen – eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. Bei
einem Obsiegen zu einem Viertel ist die Beschwerdegegnerin folglich zu verpflichten,
der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 875.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39