Decision ID: f517cb3f-55f5-4cb3-8d0f-de4514fc49e4
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im November 2010 erstmals zum Bezug von IV-Leistungen an
(IV-act. 1). Dr. med. B._, Facharzt für physikalische Medizin und Rehabilitation und
Allgemeine Innere Medizin FMH, berichtete der IV-Stelle am 24./29. November 2010
(IV-act. 13), der Versicherte leide an einem chronischen lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom, an Durchblutungsstörungen im linken Arm durch TOS bei Halsrippe
links, an einer generalisierten Angststörung, an einer Anpassungsstörung (Angst und
Depression gemischt) und an funktionellen Herzbeschwerden bei
Sternocostalsyndrom. Der Versicherte sei voll arbeitsunfähig. Die C._ AG teilte am
18. Januar 2011 mit (IV-act. 20), der Versicherte sei bei ihr als Produktionsmitarbeiter
tätig und habe im Jahr 2009 ein Einkommen von Fr. 59‘796.-- erzielt. Dr. med. D._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und der Psychotherapeut E._ von der
Klinik F._ berichteten am 7. Oktober 2011 (IV-act. 38), der Versicherte leide an einer
leichten depressiven Episode mit somatischen Symptomen und an einer generalisierten
Angststörung. Ein Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung habe sich
nicht bestätigen lassen. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte nie zu mehr als
40% arbeitsunfähig gewesen; es sei von einer günstigen Prognose der
Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Am 18. Oktober 2011 fand eine
transaxilläre Resektion der ersten Rippe links statt (IV-act. 43). Gemäss dem
Sprechstundenbericht der Klinik für Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 47)
litt der Versicherte an einem ausgeprägten Schmerzsyndrom mit einer depressiven
Komponente; die thoraxchirurgische Behandlung war erfolgreich abgeschlossen
worden. Dr. med. G._ vom RAD untersuchte den Versicherten am 6. Februar 2012
(IV-act. 56). Er gab an, folgende Diagnosen erhoben zu haben: Chronisches zervikales
und lumbovertebrales spondylogenes Schmerzsyndrom mit einer depressiven
A.a.
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Komponente, Status nach transaxillärer Resektion der ersten Rippe links bei TOC
(folgenlos verheilt). Bei der Untersuchung hätten sich deutliche Inkonsistenzen gezeigt.
Der Versicherte habe den linken schmerzhaften Arm beim An- und Auskleiden
problemlos einsetzen können. Die vom Versicherten demonstrierten hochgradigen
Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule seien organisch nicht erklärbar gewesen;
sie seien Zeichen einer Symptomausweitung. Er empfahl eine polydisziplinäre
Begutachtung. Mit einer Verfügung vom 4. Juni 2012 verneinte die IV-Stelle einen
Anspruch auf berufliche Massnahmen (IV-act. 66). Am 13. August 2013 erstattete das
asim in Basel im Auftrag der IV-Stelle ein polydisziplinäres (Allgemeine Innere Medizin,
Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie und Rheumatologie) Gutachten (IV-act.
82). Die Sachverständigen führten aus, sie hätten folgende Diagnosen erhoben:
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom (bei Anpassungsstörung und akzentuierter Persönlichkeit, DD:
kombinierte Persönlichkeitsstörung), anhaltende somatoforme Störung (DD: Verdacht
auf Schmerzausweitung und Schmerzverarbeitungsstörung), chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom, chronisches zervikothorakales Schmerzsyndrom
und – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – chronische Spannungskopfschmerzen
und Störungen durch Tabak (IV-act. 82-25 f.). Hinweise auf ein TOS hätten gefehlt; man
habe auch keine venöse Kompression im Bereich der ersten Rippe links mehr eruieren
können (IV-act. 82-28 f.). Der vom Versicherten beschriebene blaue Arm sei nicht
objektivierbar gewesen. Massgebend für die Arbeitsfähigkeit sei die psychiatrische
Untersuchung. Die für eine dissoziative Störung notwendigen Kriterien hätten nicht
vorgelegen. Der Versicherte habe in der Adoleszenz mitansehen müssen, wie sein
Kamerad durch eine Granate getötet worden sei. Danach habe wohl eine schwere
Anpassungsstörung mit einer nachhaltigen Änderung der Persönlichkeit vorgelegen.
Aber die aktuellen Symptome seien nicht geeignet, eine andauernde
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung anzunehmen. Die Beschwerden seien
vom Versicherten katastrophisiert beschrieben worden, so dass eine
Verdeutlichungstendenz angenommen werden könne. In einer körperlich leichten
Verweistätigkeit ohne Zwangshaltung und der Möglichkeit einer wechselnden
Körperhaltung sei der Versicherte aus somatischer Sicht zu 100%, aus psychiatrischer
Sicht zu 60% arbeitsfähig (IV-act 82-30). Die IV-Stelle notierte am 3. September 2013,
sämtliche Foersterkriterien seien zu verneinen, so dass die psychischen
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B.
Am 10. Februar 2015 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 99). Dabei gab er an, sein Gesundheitszustand habe sich seit
2014 verschlechtert. In einem Austrittsbericht der Klinik H._ vom 12. Januar 2015 (IV-
act. 100) hatten die Fachpersonen angegeben, der Versicherte leide an einer
somatoformen Schmerzstörung mit Anzeichen einer dissoziativen Komponente, an
einer rezidivierenden depressiven Störung, an einem zervikalen Schmerzsyndrom, an
einem rezidivierenden lumbospondylogenen Schmerzsyndrom, an einer
Obstipationsneigung bei rezidivierenden Schmerzen am Colon ascendens rechts, an
einer ISG-Dysfunktion rechts und an einem Tinnitus. Der Versicherte habe trotz einer
Anpassung der Schmerzmedikation und trotz der Physiotherapie keine dauerhafte
Schmerzlinderung erfahren. Auch die psychotherapeutische Behandlung (ausgehend
von der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung) habe keine Besserung
bewirkt. Der RAD-Arzt Dr. med. I._ notierte am 25. Februar 2015 (IV-act. 105-2), der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich nicht verschlimmert. Mit einer
Verfügung vom 7. Juli 2015 trat die IV-Stelle nicht auf die Neuanmeldung ein, da keine
anspruchserhebliche Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht worden sei (IV-act.
110).
C.
Am 19. Januar 2017 meldete sich der Versicherte zum dritten Mal zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 115). Er legte wieder den Austrittsbericht der Klinik H._ vom
12. Januar 2015 bei (IV-act. 116). Die IV-Stelle wies ihn am 25. Januar 2017 darauf hin,
dass sie auf seine Neuanmeldung nur eintreten könne, wenn er eine
anspruchsrelevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft mache (IV-act. 117). Das sei
angesichts der eingereichten Unterlagen noch nicht der Fall. Sie gab dem Versicherten
die Gelegenheit, bis 8. Februar 2017 entsprechende Unterlagen nachzureichen. Am 31.
Einschränkungen als überwindbar zu gelten hätten. Es sei dem Versicherten somit
zumutbar, einer vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen (IV-act. 85-2). Mit einem
Vorbescheid vom 6. September 2013 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung seines Rentenbegehrens an (IV-act. 87). Mit einer Verfügung vom 24.
Oktober 2013 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 94).
Sie wies darauf hin, dass alle Einwände somatische Beschwerden beträfen. Diese
bewirkten aber keine Arbeitsunfähigkeit. Die Abweisungsverfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
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Januar 2017 berichteten E._ und Dr. med. D._ von der Klinik F._ (IV-act. 119), der
Versicherte stehe seit dem 6. September 2010 in regelmässiger ambulanter
psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Er leide an einer andauernden
Persönlichkeitsänderung; aufgrund der schweren Regression sei eine erneute
psychiatrische Abklärung dringend indiziert. Am 2. Februar 2017 berichtete Dr. B._
(IV-act. 120), aus somatischer Sicht stehe ein chronisches lumbospondylogenes
Syndrom mit intermittierenden radikulären Reizzeichen und einer Fazettenproblematik
im Vordergrund. Die Beschwerden seien an sich behandelbar, aber der psychische
Zustand des Versicherten verbiete bislang interventionelle Massnahmen. Insgesamt sei
trotz fehlender neuer Diagnosen von einer Zustandsverschlechterung auszugehen. Der
RAD-Arzt Dr. H._ hielt am 16. März 2017 fest (IV-act. 122), gegenüber dem
medizinischen Referenzzeitpunkt vom 13. August 2013 (asim-Gutachten) sei
zwischenzeitlich keine glaubhafte Veränderung des Gesundheitszustandes mit
Auswirkungen auf die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit dargelegt worden. Auf die
Beurteilung der psychologischen Psychotherapeutin an der Klinik H._ könne nicht
abgestellt werden. Nach einem Vorbescheidsverfahren (Vorbescheid vom 17. März
2017 [IV-act. 125], Einwand vom 25. April 2017 [IV-act. 128], Stellungnahme RAD-Arzt
Dr. I._ vom 4. Mai 2017 [IV-act. 130-3]), trat die IV-Stelle mit einer fälschlicherweise
als Vorbescheid betitelten Verfügung vom 9. August 2017 nicht auf die Neuanmeldung
ein (IV-act. 131). Der Versicherte erhob am 29. August 2017 Beschwerde gegen diese
Nichteintretensverfügung (IV-act. 135). Er führte aus, Dr. D._ sei im August 2013 von
einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit, der psychiatrische Sachverständige des asim von
einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. Das sei damals mit einer
rezidivierenden depressiven Störung mittelgradiger Ausprägung und mit einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung begründet worden. Aufgrund der
damaligen Rechtsprechung sei die IV-Stelle von einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Inzwischen habe sich der Gesundheitszustand
verschlechtert. Dr. D._ gehe jetzt von einer andauernden Persönlichkeitsänderung
und von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus. Aufgrund der Aufgabe der früheren
höchstrichterlichen Rechtsprechung habe er nun einen Anspruch auf eine seinem
konkreten Fall gerecht werdende Abklärung seines Leistungsvermögens. Die IV-Stelle
widerrief ihre Verfügung vom 9. August 2017 am 13. September 2017 (IV-act. 139), weil
ihr damals ein Formfehler unterlaufen sei. Sie führte gleichzeitig aus, es seien weiterhin
keine neuen medizinischen Erkenntnisse bekannt gemacht worden, so dass nach wie
vor keine Veränderung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht sei. Mit einer
Verfügung vom gleichen Tag trat sie nicht auf die Neuanmeldung ein (IV-act. 140). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen schrieb die gegen die Verfügung vom 9.
August 2017 erhobene Beschwerde am 27. September 2017 als gegenstandslos ab (IV
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2017/304; IV-act. 142). Der Versicherte erhob am 29. September 2017 Beschwerde
gegen die Verfügung vom 13. September 2017 (IV-act. 144). Der Antrag und die
Begründung entsprachen der ersten Beschwerde vom 29. August 2017. Die IV-Stelle
beantragte am 17. November 2017 die Abweisung der Beschwerde (IV-act. 147). Mit
einem Entscheid vom 8. März 2018 (IV 2017/356) hiess das Versicherungsgericht
St.Gallen die Beschwerde gut (IV-act. 150), hob die angefochtene Verfügung auf und
ersetzte sie durch den Entscheid, auf die Anmeldung zum Leistungsbezug vom 19.
Januar 2017 sei einzutreten und die Sache zur Durchführung des entsprechenden
Verwaltungsverfahrens an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zur Begründung führte es aus,
die IV-Stelle habe bei der Abweisung im Jahr 2013 angenommen, dass der Versicherte
die empfundenen Schmerzen willentlich überwinden könne, weil die Foersterkriterien
nicht erfüllt seien, um so die erhebliche Abweichung von der
Arbeitsunfähigkeitsschätzung der asim zu begründen. Inzwischen habe das
Bundesgericht diese Rechtsprechung aber aufgegeben. In seinem Urteil BGE 141 V
281 ff. habe es festgehalten, an die Stelle der Überwindungsvermutung trete ein
strukturiertes Beweisverfahren anhand von Standardindikatoren. Nach der aktuellen
Rechtsprechung habe der Versicherte also gute Aussichten darauf, dass bei der
Ermittlung seines zumutbaren Invalideneinkommens und damit bei der Berechnung
seines Invaliditätsgrades auf die von den Sachverständigen der asim ermittelte
Arbeitsunfähigkeit von 40% (oder sogar auf eine höhere Arbeitsunfähigkeit) abgestellt
werde. Dagegen spreche auch die mittlgradige depressive Störung nicht, denn
aufgrund der mittlerweile geänderten Rechtsprechung (mit Verweis auf das
Bundesgerichtsurteil vom 30 November 2017; BGer 8C_841/2016) sei nicht
auszuschliessen, dass bei einer erneuten Fallbeurteilung die Kombination aus der
rezidivierenden depressiven Störung, aus der anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und aus den übrigen Gesundheitsbeeinträchtigungen eine
Arbeitsunfähigkeit von 40% (oder inzwischen sogar von mehr als 40%) zur Folge haben
könnte. Die Systematik und der Sinn und Zweck von Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV liessen
keine Ausdehnung zu, womit diese nur das Eintreten auf Neuanmeldungen nach einer
vorausgegangenen Sachverhaltsveränderung regelten. Art. 87 Abs. 3 IVV erstrecke sich
damit nicht auf Neuanmeldungen nach einer vorausgegangenen Rechtsänderung.
Diese hätten also keine Glaubhaftmachungshürde zu überwinden, damit auf sie
eingetreten werden könne. Da die Neuanmeldung vom 19. Januar 2017 nach einer
Praxisänderung erfolgt sei, hätte die IV-Stelle voraussetzungslos auf sie eintreten
müssen. Der Entscheid des Versicherungsgerichts vom 8. März 2018 (IV 2017/356)
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
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D.
Am 6. Juni 2018 berichtete Dr. B._ (IV-act. 157), der Versicherte leide mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit an einem depressiven Zustandsbild, einer
somatoformen Schmerzstörung mit dissoziativen Komponenten,
Selbstwahrnehmungsstörungen sowie Veränderungen an der HWS/LWS [genaue
Diagnose in nicht leserlicher Handschrift notiert]. Sowohl die bisherige als auch eine
leidensangepasste Tätigkeit sei nicht zumutbar. Am 24. Juli 2018 gaben E._ und Dr.
D._ an (IV-act. 160), der Versicherte leide an einer andauernden
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastungen sowie an einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig teils remittiert. Der Versicherte sei voll
arbeitsunfähig; die Prognose sei schlecht.
D.a.
Am 28. August 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 161), zur
Klärung der Leistungsansprüche sei eine umfassende medizinische
Verlaufsuntersuchung (Allgemeine/Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie,
Psychiatrie und Neuropsychologie) notwendig. Am 29. Juli 2019 erstattete das asim ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 173). Die Sachverständigen erhoben folgende
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: Chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom, myotendinotisches zervikothorakales Schmerzsyndrom und
chronischer Spannungskopfschmerz. Als Diagnosen mit möglicher Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit nannten die Sachverständigen eine rezidivierende depressive Störung
anamnestisch und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren. Weiter gaben sie an, sie hätten folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit erhoben: Unzureichender Vitamin D-Spiegel, Schmerzen am linken
Arm ohne eindeutiges organisches Korrelat, leichtgradige neurokognitive Störung. Der
psychiatrische Sachverständige führte in seinem Teilgutachten aus (IV-act. 173-43 ff.),
er habe dem Versicherten mehrere präzisierende Fragen stellen müssen, bis eine
bestimmte Frage beantwortet worden sei. Die Antwortlatenzen seien insgesamt
auffallend lang gewesen. Phasenweise habe der Versicherte ununterbrochen
gesprochen. Insgesamt habe er lustlos gewirkt. Die Beschwerdenpräsentation sei nicht
authentisch erschienen, habe theatralisch und inkonsistent gewirkt. Der
Sachverständige habe kaum zuverlässige Angaben gewinnen können; der Zustand sei
schwer einschätzbar gewesen. Mehrere abgefragte psychiatrische Symptome seien
D.b.
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zunächst bejaht worden. Bei der Bitte, diese zu schildern bzw. näher zu beschreiben,
habe der Versicherte jedoch keine plausiblen Angaben machen können.
Zusammenfassend könnten infolge der zahlreichen Inkonsistenzen nur unsichere
Aussagen zu den vorliegenden psychiatrischen Diagnosen gemacht werden. Eine
somatoforme Schmerzstörung erscheine denkbar. Die Schmerzen ständen im
Vordergrund des subjektiven Erlebens. Es scheine auch ein somatisches
Krankheitskonzept vorzuliegen. Der Versicherte habe Freudlosigkeit angegeben, in der
Untersuchungssituation sei ein depressiv-dysphorischer Affekt wahrnehmbar gewesen.
Der exakte Ausprägungsgrad der depressiven Störung lasse sich jedoch zum
gegenwärtigen Zeitpunkt nicht feststellen. Die Diagnose einer Persönlichkeitsänderung
nach Extrembelastung könne weder bestätigt noch widerlegt werden, da das
Gesamtbild zu inkonsistent sei. Die nicht authentische Beschwerdeschilderung sei
möglicherweise durch eine misstrauische Haltung des Versicherten und seine
Regression zu erklären, auch könne eine dissoziative Komponente nicht
ausgeschlossen werden, jedoch werde durch die vorliegenden Inkonsistenzen die
versicherungsmedizinische Beurteilung stark eingeschränkt. Es sei denkbar, dass der
Versicherte im Rahmen der Schmerzstörung wenig belastbar sei und bei einer Tätigkeit
mehrere Pausen benötige. Aufgrund des Misstrauens und der Regression sei eine
Einschränkung der Team-, Interaktions- und Kommunikationsfähigkeit möglich. In
seiner Flexibilität und in der Umstellungsfähigkeit bestehe eine deutliche
Einschränkung. Die familiäre Unterstützung stelle eine wichtige Ressource dar.
Insgesamt sei eine reduzierte Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ohne
Zeitdruck und ohne höhere Anforderungen an die Teamfähigkeit bzw. Kundenkontakt
denkbar. Aufgrund der zahlreichen Inkonsistenzen (das widersprüchliche Verhalten des
Versicherten sei nicht durch eine psychische Störung zu erklären) könnten die
Einschränkungen und die Arbeitsfähigkeit nicht näher quantifiziert werden. Der
rheumatologische Sachverständige gab in seinem Teilgutachten an (IV-act. 173-57 ff.),
insgesamt fänden sich Hinweise auf eine multietagige degenerative Veränderung, aber
keine gravierenden Läsionen der Lendenwirbelsäule, welche das Ausmass der
subjektiv beklagten Beschwerden erklären könnten. Zeichen einer Einengung des
Spinalkanals oder eine foraminale Einengung im lumbalen Bereich seien nicht
vorhanden. Die degenerativen Veränderungen auf den Segmenten LWK 4/5 und LWK5/
SWK1 könnten für Schmerzen v.a. in Flexion verantwortlich sein (geringes Ödem an der
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rechten Endplatte LWK4, degenerative Endplattenveränderungen mit Ödem LWK5/
SWK1 Modic I und II); sie könnten allerdings das Ausmass der subjektiv beklagten
Beschwerden nicht erklären. Seit Jahren bestehe eine generalisierte
Schmerzsymptomatik, die mehrere Körperregionen betreffe, begleitet von einer
diffusen Kraftlosigkeit "am ganzen Körper" im Rahmen einer psychosozialen
Belastungssituation, die als Schmerzverarbeitungsstörung zu interpretieren sei. Auch
im zervikalen Bereich fänden sich keine Anhaltspunkte für eine segmentale Dysfunktion
der Halswirbelsäule aufgrund relevanter organisch bedingter Veränderungen. Die
Untersuchung des Neurostatus, der peripheren Gelenke und der unteren Extremitäten
sei unauffällig gewesen. Die Schmerzsymptomatik habe einen diffusen Charakter; ein
organisches Substrat am Bewegungsapparat, welches das Auftreten der
Schmerzsymptomatik im linken Arm erklären könnte, lasse sich nicht feststellen.
Insgesamt erklärten aber die objektivierbaren Veränderungen der Wirbelsäule das
Ausmass der subjektiv beklagten Beschwerden kaum: Der Versicherte habe z.B.
berichtet, dass er "wegen seines Rückens" maximal zweimal im Monat spazieren
gehen könne; dafür lasse sich in Anbetracht der Veränderungen am
Bewegungsapparat kein Grund finden. Hier stehe eine Selbstlimitierung im Rahmen
einer Schmerzverarbeitungsstörung im Vordergrund, was zu einer
Krankheitsüberzeugung führe. Die letzte Tätigkeit in der Fensterproduktion sei
körperlich schwer und daher nicht mehr zumutbar. Möglich seien körperlich leichte
Tätigkeiten, ohne die Notwendigkeit Lasten über 10kg zu heben, zu tragen oder zu
stossen, sich repetitiv nach vorne zu bücken und in monotonen oder ungünstigen
Körperhaltungen zu arbeiten. Ideal sei eine körperlich wechselhafte Tätigkeit im Gehen,
Stehen und Sitzen. Im Rahmen einer adaptierten Tätigkeit bestehe keine
Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Der Gesundheitszustand habe sich seit der
letzten Begutachtung im 2013 aus rheumatologischer Sicht nicht wesentlich verändert;
nach wie vor stehe eine Schmerzverarbeitungsstörung im Vordergrund. Die leicht
progredienten degenerativen Veränderungen im Bereich der HWS und der LWS hätten
keine versicherungsmedizinische Relevanz; dadurch habe sich die Arbeitsfähigkeit
kaum verändert. Der neurologische Sachverständige führte in seinem Teilgutachten aus
(IV-act. 173-74 ff.), der Versicherte habe auf Fragen verzögert geantwortet; eine
Verdeutlichungstendenz liege sicher vor. Inkonsistenzen seien neurologischerseits
keine vorhanden. Aufgrund der starken Schmerzen in LWS und HWS sei die Tätigkeit
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als Fenstermonteur nicht mehr zumutbar. Für eine leidensangepasste Tätigkeit betrage
die Arbeitsfähigkeit 100% (bei einer 100%igen Leistungsfähigkeit). Leidensangepasst
bedeute, dass der Versicherte eine Wechselbelastung haben und nicht mehr als 5kg
heben sollte. Der neuropsychologische Sachverständige gab in seinem Teilgutachten
an (IV-act. 173-85 ff.), die erzielten Kennwerte hätten keine Hinweise auf testwert-
verfälschende Antworttendenzen geboten. Jedoch hätten sich aus der klinischen
Untersuchung Hinweise auf eine insgesamt eher limitierte Kooperationsbereitschaft
ergeben, welche insbesondere bei der objektiven Erfassung des vom Versicherten
subjektiv erlebten und geäusserten Beschwerdeprofils (Ermüdbarkeit, Aufmerksamkeit)
zu entsprechenden Verzerrungen beitragen könne. Insgesamt seien beim Versicherten
klinisch diskrete Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit festgestellt
worden. Diese bezögen sich insbesondere auf die Aufmerksamkeits- und
Konzentrationsleistungen sowie auf die mentale Flexibilität des Versicherten und seien
in ihrer Gesamtheit als allenfalls leichtgradig zu interpretieren. Qualitativ sei das
erhobene Leistungsprofil am ehesten mit einer depressionsbedingten
Leistungsminderung zu vereinbaren. In der interdisziplinären Beurteilung gaben die
Sachverständigen an, die bisherige Tätigkeit als Fensterbauer sei nicht mehr zumutbar.
Bezüglich einer angepassten Tätigkeit führten sie aus, die Arbeitsfähigkeit könne
aufgrund der zahlreichen Inkonsistenzen nicht näher quantifiziert werden. In den
aktuellen Untersuchungen habe sich aber ein nahezu unveränderter
Gesundheitszustand zur Vorbeurteilung 2013 gezeigt. Psychiatrischerseits sei aufgrund
der Inkonsistenzen aktuell jedoch keine abschliessende Beurteilung möglich; die
Symptomatik könne weder in die eine noch in die andere Richtung bestätigt oder
entkräftet werden. Am 18. Oktober 2019 notierte der RAD-Arzt Dr. med. J._ (IV-act.
175), auf die somatischen Teilgutachten könne abgestellt werden; in den jeweiligen
Disziplinen sei eine plausibel nachvollziehbare Beurteilung des Gesundheitszustandes
und der Arbeitsfähigkeit erfolgt. Zur Klärung des psychischen Gesundheitszustandes
sei eine mehrtägige Verlaufsbeobachtung notwendig, weshalb eine stationäre
psychiatrische Begutachtung in Auftrag zu geben sei. Am 16. Oktober 2020 erstattete
Dr. med. K._ vom psychiatrischen Zentrum L._ ein psychiatrisches Gutachten (IV-
act. 185). Der Sachverständige gab an, er habe beim Versicherten folgende Diagnosen
erhoben: Anhaltende somatoforme Schmerzstörung, somatoforme autonome
Funktionsstörung des oberen und des unteren Gastro-Intestinaltraktes mit ausgeprägt
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abnormem Krankheitsverhalten und depressiv getönter Begleitverstimmung, Verdacht
auf dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, akzentuierte Persönlichkeit
mit emotional-instabilen, hypersensitiven und ängstlich-vermeidenden Zügen, Status
nach Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt, anamnestisch
Nikotinabhängigkeit, Übergewicht mit BMI von 29 kg/m2, chronisches spondylogenes
Schmerzsyndrom bei degenerativen Wirbelsäulenveränderungen und kongenital engem
Spinalkanal, Tinnitus, Status nach Halsrippenentfernung links bei Thoracic-Outlet-
Syndrom (resp. sterno-costal Syndrom) und Vitamin D3-Mangel. Eine posttraumatische
Belastungsstörung, eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung,
eine generalisierte Angststörung, eine rezidivierende depressive Störung mit
mittelgradiger Episode sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung bei negativen
Erlebnissen in der Adoleszenz hätten sich im Rahmen der Begutachtung nicht
bestätigen lassen. Heute stehe eine chronifizierte Schmerzstörung im Vordergrund. Es
lägen auffällig viele Inkonsistenzen vor, was subjektive und objektive Wahrnehmungen
bezüglich des Gesundheitszustandes betreffe. Die abgehandelte Inkonsistenzenliste
bei Schmerzen (von Widder et al. [2002]) ist vom Sachverständigen mehrheitlich mit "ja,
trifft zu bzw. trifft mehrheitlich zu" beantwortet worden. Unter anderem stimmten die
beklagten Beschwerden nicht mit den objektiven Befunden überein, bestehe eine
Diskrepanz zwischen subjektiven Beschwerden und körperlicher Beeinträchtigung in
der Untersuchungssituation, liege ein geringer Leidensdruck trotz als intensiv
geschilderter Beschwerden vor, sei eine vage und unpräzise Schilderung von
Beschwerden im Krankheitsverlauf gemacht worden, entstehe trotz appellativ,
demonstrativen Klagen kein Gefühl der Betroffenheit, fehlten eigene Strategien zur
Schmerzbewältigung und sachliche Diskussionen über mögliche Verweistätigkeiten
seien nicht gemacht worden. Dies spreche klar gegen die Authentizität der
präsentierten Symptomatik. Nach abgeschlossener Untersuchung erscheine klar, dass
die geklagten Symptomenkomplexe und die geltend gemachten Funktionseinbussen
nicht als vollständig authentisch aufgefasst werden könnten, so dass der Versicherte
ein aggravierendes Bild seiner gesundheitlichen Verfassung vermittle, welches nicht
habe durch organische Veränderungen plausibilisiert werden können. Bereits frühere
Untersuchungen hätten die Authentizität der präsentierten Beschwerden hinterfragt.
Alles in allem ergebe sich, dass die Befindlichkeitsstörung des Versicherten nicht
annähernd geeignet sei, eine derart langzeitige und vollumfängliche Arbeitsuntätigkeit
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medizinisch-psychiatrisch zu begründen, zumal auf die IV-fremden Faktoren und das
abnorme Krankheitsverhalten ein wesentlicher Teil der bedingenden Faktoren entfalle,
so dass nur ein relativ bescheidener Anteil dieses kompletten Leistungsausfalles auf
eine genuine Psychopathologie zurückzuführen sei. Dementsprechend könne der
Schweregrad der Störung nur als eher leicht bezeichnet werden. In seiner bisherigen
Tätigkeit als Fensterbauer könne er mindestens vier Stunden präsent sein. Die
Leistungsminderung betrage 10 bis 20%, dies aufgrund seiner Dekonditionierung und
seiner verminderten psychophysischen Belastbarkeit, was erst durch Gewöhnung und
Leistungsaufbau bewältigt werden müsse. Dementsprechend betrage die
Arbeitsfähigkeit in dieser Funktion maximal 50%. Aufgrund der Anamnese sei davon
auszugehen, dass das Leistungsniveau in den letzten Jahren weitgehend konstant
geblieben sei, sodass im Wesentlichen von einem horizontalen Verlauf der
Leistungskurve ausgegangen werden könne. In einer angepassten Tätigkeit sei eine
Präsenzzeit von 6 Stunden möglich. Initial sei hier allenfalls von einer 10%igen
Verminderung der Leistungsfähigkeit auszugehen, diese sei aber nach einer gewissen
Einarbeitungs- und Gewöhnungszeit überwindbar. In einer angepassten Tätigkeit sei
damit mindestens eine 70%ige Arbeitsfähigkeit gegeben. Auch hier sei von einem
horizontalen Verlauf der Leistungskurve auszugehen. Eine angepasste Tätigkeit müsse
wechselbelastend sein, d.h. kein allzu langes Sitzen und kein allzu langes Stehen
notwendig machen. In diesem Sinne seien insbesondere Zwangshaltungen zu
vermeiden, welche den Rücken beträfen. Angesichts des Naturells des Versicherten sei
auf eher wenige soziale Kontakte und Kommunikationserfordernisse zu achten. Die
Arbeit habe in einer reizarmen Umgebung stattzufinden; ausserdem sei ein
nachsichtiger Vorgesetzter zu bevorzugen, welcher tolerant gegenüber übermässigen
Leidensäusserungen sei. Der RAD-Arzt Dr. J._ notierte am 23. Oktober 2020 (IV-act.
186), auf das psychiatrische Gutachten von Dr. K._ vom 16. Oktober 2020 könne
abgestellt werden. Die Angaben zur Arbeitsfähigkeit, zum zeitlichen Verlauf und die
Adaptionskriterien könnten übernommen werden. Das bedeute, dass unter
Ausklammerung der stattgehabten Dekonditionierung in der angestammten Tätigkeit
von einer 50%igen und in einer ideal adaptierten Tätigkeit von einer 70%igen
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne.
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E.
Mit einem Vorbescheid vom 26. Oktober 2020 kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens bei einem IV-Grad von 31% an (IV-
act. 189). Am 27. November 2020/15. Januar 2021 wendete der Versicherte ein (IV-act.
192 und 196), er sei mit dem Vorbescheid nicht einverstanden; ihm sei eine Rente
zuzusprechen. Auf das Gutachten von Dr. K._ könne nicht abgestellt werden. Der
Versicherte reichte ein Schreiben des behandelnden Psychiaters Dr. D._ vom 8.
Januar 2021 ein (IV-act. 196-2). Dr. D._ hatte darin ausgeführt, das Verhalten des
Versicherten bei der Begutachtung durch Dr. K._ könne mit schwerwiegenden
strukturellen Persönlichkeitsdefiziten im Sinne einer Persönlichkeitsänderung erklärt
werden, die sich vordergründig im Verhaltensmuster und in den Störungen der sozialen
Interaktionen zeige. Der RAD-Arzt Dr. J._ hielt am 20. Januar 2021 fest (IV-act. 197),
auf das Gutachten von Dr. K._ könne nach wie vor abgestellt werden. Dr. K._ habe
die Diagnose einer Persönlichkeitsänderung explizit ausgeschlossen. Er habe eine
ausführliche Persönlichkeitsdiagnostik vorgenommen und sei zum Schluss gekommen,
dass lediglich akzentuierte Persönlichkeitszüge vorlägen. Am 21. Januar 2021 verfügte
die IV-Stelle wie angekündigt die Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 198).
D.c.
Am 10. Februar 2021 erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
fristgerecht Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 21. Januar 2021 (act. G 1). Er beantragte sinngemäss die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer Rente. Zur Begründung führte er
aus, er sei mit der von Dr. K._ festgestellten Arbeitsfähigkeit von 70% nicht
einverstanden. Weiter sei er gegenüber gesunden Mitbewerbern auf dem Arbeitsmarkt
benachteiligt und müsse sich zu einem unterdurchschnittlichen Lohn anbieten. Deshalb
sei ein Tabellenlohnabzug von mindestens 20% gerechtfertigt. Eine den von Dr. K._
genannten Adaptionskriterien entsprechende Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
gebe es nicht; daher sei nur noch eine geschützte Tätigkeit möglich.
E.a.
In einer Beschwerdeantwort vom 22. März 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Sie hielt daran fest,
dass auf das Gutachten von Dr. K._ abgestellt werden könne; die Verfügung sei
daher nicht zu beanstanden.
E.b.
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Erwägungen
1.
2.
Am 30. März 2021 hiess das Versicherungsgericht das Gesuch des
Beschwerdeführers um die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung
von Gerichtskosten) gut (act. G 6).
E.c.
Der Beschwerdeführer verzichtete am 9. April 2021 sinngemäss auf eine Replik
(act. G 8).
E.d.
Wurde ein Rentenbegehren wegen eines zu geringen Invaliditätgrades
abgewiesen, wird eine neue Anmeldung gemäss dem Art. 87 Abs. 3 IVV in Verbindung
mit dem Art. 87 Abs. 2 IVV nur geprüft, wenn die versicherte Person glaubhaft gemacht
hat, dass sich der für die Bemessung des Invaliditätsgrades massgebende Sachverhalt
in einer anspruchsrelevanten Weise verändert hat. Der Beschwerdeführer hat sich im
19. Januar 2017erneut zum Leistungsbezug angemeldet, nachdem die
Beschwerdegegnerin am 24. Oktober 2013 ein Leistungsgesuch abgewiesen hatte und
am 7. Juli 2015 auf ein Leistungsgesuch nicht eingetreten war. Mit einer Verfügung
vom 13. September 2017 trat die Beschwerdegegnerin nicht auf das Rentengesuch
vom 19. Januar 2017 ein (IV-act. 140). Das Versicherungsgericht des Kantons
St.Gallens hat am 8. März 2018 (IV 2017/356) entschieden, dass auf das Rentengesuch
vom 19. Januar 2017 einzutreten sei. Es hat die Nichteintretensverfügung vom 13.
September 2017 aufgehoben (vgl. dazu vorstehend im Sachverhalt Bst. C); der
Entscheid ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
1.1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 21. Januar 2021 hat die
Beschwerdegegnerin demnach ein Rentenbegehren des Beschwerdeführers im
Rahmen einer sogenannten „Neuanmeldung“ abgewiesen. Da das
Beschwerdeverfahren die Prüfung der Rechtmässigkeit dieser Verfügung zum Ziel hat,
muss es sich auf den in der Verfügung enthaltenen Gegenstand beschränken. Folglich
ist nur zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
gehabt hat.
1.2.
Eine versicherte Person hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
2.1.
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Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität wird gemäss
dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und
nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre.
Der Beschwerdeführer hat sich im Januar 2017 mit einem Leistungsbegehren
angemeldet. Spätestens seit der Erstbegutachtung im Jahre 2013 ist er als
Fensterbauer und gleichgearteten Hilfsarbeitertätigkeiten durchschnittlich zu mehr als
40% arbeitsunfähig gewesen (IV-act. 82). Unter der Berücksichtigung des sog.
Wartejahrs nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG und der sechsmonatigen Frist nach Art. 29
Abs. 1 IVG ist der potentielle Rentenbeginn auf den 1. Juli 2017 festzusetzen.
2.2.
Der Beschwerdeführer hat keine Ausbildung absolviert und er ist bis 2010 als
Hilfsarbeiter in einem Fensterbaubetrieb tätig gewesen. Er hat dabei einen
unterdurchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn erzielt. Die Akten enthalten keine Hinweise auf
eine (erheblich) über- oder unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung. Der Umstand,
dass er an seinem letzten Arbeitsplatz einen unterdurchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn
erzielt hat, ist auf Zwänge des invalidenversicherungsrechtlich nicht massgebenden
tatsächlichen Arbeitsmarktes zurückzuführen gewesen. Hätte sich dem
Beschwerdeführer eine entsprechende Gelegenheit geboten, hätte er eine besser
entlöhnte Arbeitsstelle angenommen und einen durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn
erzielt. Nach 2010 ist der Beschwerdeführer nicht mehr arbeitstätig gewesen; aufgrund
der mangelnden Ausbildung ist als fiktiver letzter Arbeitsplatz eine durchschnittlich
entlöhnte Hilfsarbeitertätigkeit anzunehmen. Die Validenkarriere besteht deshalb in der
Ausübung einer durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit.
2.3.
Die Beschwerdegegnerin hat zur Abklärung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers beim asim ein polydisziplinäres (internistisches,
neuropsychologisches, neurologisches, rheumatologisches und psychiatrisches)
Gutachten und bei Dr. K._ ein psychiatrisches Gutachten eingeholt. Es ist zu prüfen,
ob den Gutachten voller Beweiswert zukommt, die je angegebene Arbeitsfähigkeit also
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist. Ein Gutachten
2.4.
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hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und die
Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (vgl. etwa BGE 125 V 351, E. 3a).
Die asim-Sachverständigen haben den Anlass und den Umstand der
Begutachtung umschrieben; sämtliche Vorakten sind ihnen zur Verfügung gestanden.
Sie haben den Beschwerdeführer je persönlich untersucht, seine subjektiven Klagen
aufgenommen und die objektiven Befunde festgehalten. Weiter haben sie die von ihnen
erhobenen Diagnosen aufgelistet und im Rahmen einer Beurteilung deren Herleitung
genauer umschrieben. Auch ist jeweils ein Symptomvalidierungsverfahren durchgeführt
worden. Abschliessend haben die Sachverständigen eine Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit vorgenommen. Die internistische, neuropsychologische,
neurologische, rheumatologische Arbeitsfähigkeitsschätzung ist denn auch stimmig,
aufgrund der Herleitung nachvollziehbar und damit überzeugend. Demgemäss ist dem
Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Fensterbauer nicht mehr zumutbar;
diese Beurteilung ist aufgrund der rheumatologischen und neurologischen Beurteilung
erfolgt. In einer angepassten (körperlich leichten und wechselbelastenden) Tätigkeit hat
gemäss den somatischen Sachverständigen keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bestanden. Die psychiatrische Sachverständige hat aufgrund der diversen
Inkonsistenzen bezüglich der von ihr erhobenen Diagnosen nicht abschliessend
beurteilen können, ob diese nun Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben oder
nicht bzw. in welchem Ausprägungsgrad diese wirklich vorliegen. Folglich hat sie auch
die Arbeitsfähigkeit nicht quantifizieren können. Damit hat die psychiatrische
Begutachtung offensichtlich aufgrund der Inkonsistenzen nicht abschliessend
durchgeführt werden können. Die IV-Stelle hat daher im Nachgang zu Recht ein
weiteres psychiatrisches Gutachten eingeholt, welches von Dr. K._ im Rahmen einer
stationären Begutachtung erstellt worden ist. Zusammenfassend kann damit bezüglich
den somatischen Arbeitsfähigkeitsschätzungen auf das asim-Gutachten abgestellt
werden. Da die IV-Stelle für die psychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung auf das
Gutachten von Dr. K._ abgestellt hat, gilt es nachfolgend zu prüfen, ob das
Gutachten von Dr. K._ beweistauglich ist.
2.4.1.
Dr. K._ hat den Beschwerdeführer anlässlich der stationären Begutachtung
vom 8. Juni bis 12. Juni 2020 beobachtet und untersucht. Zu Beginn seines
Gutachtens hat Dr. K._ den Anlass sowie die Umstände der Begutachtung dargelegt.
Ihm haben sämtliche Vorakten vorgelegen. Er hat die Befragung des
2.4.2.
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Beschwerdeführers ausführlich dokumentiert, die von ihm festgestellten Befunde
wiedergegeben und die vom Pflegepersonal gemachten Beobachtungen
(auszugsweise) festgehalten. Weiter hat er die von ihm erhobenen Diagnosen
aufgelistet und deren Herleitung detailliert erklärt. Auch auf die vorhandenen
Inkonsistenzen ist Dr. K._ eingegangen. Er hat unter anderem eine
Inkonsistenzenliste abgehandelt; dabei ist die überwiegende Anzahl der Kriterien erfüllt
gewesen (vgl. dazu im Sachverhalt Bst. D.b). Anschliessend hat er sich zu Konsistenz
und Plausibilität geäussert. Insgesamt ist er zum überzeugenden Schluss gekommen,
dass der Beschwerdeführer ein aggravierendes Bild seiner gesundheitlichen
Verfassung vermittelt habe, welches nicht durch organische Veränderungen habe
plausibilisiert werden können. Schwerwiegende psychiatrische Diagnosen wie etwa
eine PTBS oder eine andauernde Persönlichkeitsänderung seien mit Blick auf die
anamnestischen Schilderungen (Kriegserlebnisse) des Beschwerdeführers gestellt
worden; diese seien jedoch aufgrund des zeitlichen Ablaufes und der klinischen
Symptomatik alles andere als plausibel. Alles in allem habe sich das Bild ergeben, dass
die Befindlichkeitsstörung des Beschwerdeführers nicht annähernd geeignet sei, eine
derart langzeitige und vollumfängliche Arbeitsuntätigkeit medizinisch-psychiatrisch zu
begründen. Bezüglich der Würdigung von Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen
hat der Sachverständige im Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdeführer habe die
Rückenschmerzen in den Vordergrund gestellt; psychiatrische Symptome wie etwa
eine langdauernde Verstimmung seien vom Beschwerdeführer weniger geltend
gemacht worden, wenn es um die Begründung seiner Arbeitsfähigkeit gegangen sei.
Die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers sei als eine Unterschätzung seiner
Möglichkeiten zu sehen; er sehe sich nur zu 20% arbeitsfähig, was aus klinischer Sicht
nicht nachvollziehbar sei. Die Kooperationsbereitschaft bestehe nur vordergründig;
wenn es um das Durchhalten - selbst einer reduzierten Arbeitszeit - gehe, mache er
regelmässig funktionelle Beschwerde geltend, welche einen längeren Arbeitseinsatz
subjektiv verunmöglichten. Diese massiven Einschränkungen erschienen mit Blick auf
die Befundlage nicht plausibel; auch liege beim Beschwerdeführer kein Fall vor, bei
dem mehrere leichte Behinderungen in Kombination eine schwere Beeinträchtigung
seiner Leistungsentfaltung schaffen würden. Dem Beschwerdeführer sei daher die
Tätigkeit im Fensterbau während einer Präsenzzeit von mindestens vier Stunden
möglich, dabei sei von einer 10-20%igen Leistungsverminderung auszugehen.
Dementsprechend betrage die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit maximal
50%. Dieses Leistungsniveau sei in den letzten Jahren konstant geblieben. Bei einer
adaptierten Tätigkeit betrage die maximale Präsenzzeit sechs Stunden; initial sei hier
von einer 10%igen Leistungsverminderung auszugehen, womit eine mindestens 70%
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Arbeitsfähigkeit resultiere. Aus den Formulierungen von Dr. K._ geht nicht klar hervor,
ob die Leistungsminderung zur Präsenzzeit zu addieren ist. Da er jedoch die zumutbare
Arbeitsfähigkeit als gesamtes sowohl bei der bisherigen als auch bei der adaptierten
Tätigkeit angegeben hat, kann im Umkehrschluss gefolgert werden, dass bei der
Präsenzzeit die Leistungsminderung bereits berücksichtigt worden ist. Im Hinblick auf
die Ausführungen von Dr. K._ zur Befundlage, deren Beurteilung, der erhobenen
Diagnosen und deren Herleitung überzeugt die von ihm abgegebene
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Aufgrund der Ausführungen im Gutachten hat Dr. K._ die
Inkonsistenzen, Diskrepanzen und Verdeutlichungstendenzen des Beschwerdeführers
erkennen und ausklammern können, sodass er trotz des aggravierenden Verhaltens
eine überzeugende und nachvollziehbare Arbeitsfähigkeitsschätzung hat abgeben
können. Der nach der Begutachtung eingereichte Bericht des behandelnden
Psychiaters Dr. D._ vom 8. Januar 2021 (IV-act. 196-2) vermag keine Zweifel am
Ergebnis des psychiatrischen Gutachtens von Dr. K._ zu erwecken. Dr. D._ hatte
darin ausgeführt, das Verhalten des Versicherten bei der Begutachtung durch Dr. K._
könne mit schwerwiegenden strukturellen Persönlichkeitsdefiziten im Sinne einer
Persönlichkeitsänderung erklärt werden, die sich vordergründig im Verhaltensmuster
und in den Störungen der sozialen Interaktionen zeige. Dr. K._ hat die Diagnose einer
Persönlichkeitsänderung aber explizit ausgeschlossen. Nach einer ausführlichen
Persönlichkeitsdiagnostik ist er zum Schluss gekommen, dass lediglich akzentuierte
Persönlichkeitszüge vorlägen; so hat dies auch der RAD-Arzt Dr. J._ am 20. Januar
2021 beurteilt (IV-act. 197). Aus dem Bericht von Dr. D._ ist gegenüber dem
Begutachtungszeitpunkt keine Sachverhaltsänderung und damit auch keine
Verschlechterung bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung ersichtlich. Im Übrigen
ist bei der Würdigung des Beweiswerts der Berichte behandelnder Ärzte der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
auszusagen pflegen und zudem dazu neigen, die pessimistischen
Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu qualifizieren (vgl.
etwa BGE 125 V 353 E. 3b.cc).
Aufgrund der beiden Gutachten ist damit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erwiesen, dass der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als Fensterbauer
(gestützt auf den somatischen Teil des asim-Gutachtens) voll arbeitsunfähig ist. Bei
einer adaptierten Tätigkeit ist hingegen (gestützt auf das psychiatrische Gutachten von
Dr. K._) noch eine 70%ige Arbeitsfähigkeit gegeben.
2.4.3.
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3.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Sie ist
vollumfänglich dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge
unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien. Eine Partei, der die
unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur Nachzahlung der Gerichtskosten
und zur Rückerstattung der Parteientschädigung verpflichtet, sobald sie dazu in der
Lage ist (Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP SG [sGS 951.1]).