Decision ID: 6eef88cf-e9e4-4c49-bfdb-4e70bfb7352a
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 1. Juli 2013 wurden dem
Ehepaar
X._
und
Y._
ab 1. Mai 2013 Ergänzungsleistungen
zu ihren AHV-Renten
zuge
sprochen
(
Urk.
1 S. 1,
Urk.
8/10). Am 27. August 2014 reichten sie der Stadt
A._
, Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend: Durchführungsstelle)
, eine Rechnung vom 25. August 2014 in Höhe von Fr. 2‘410.-- für die zahnärztliche Behandlung von
Y._
im Zeitraum vom
5.
bis 14.
August 2014
auf Grund eines abgebrochenen Zahnes
ein
(
Urk.
6 S. 2,
Urk.
8/
2,
Urk.
8/
3,
Urk.
8/
5 S. 2). In der Folge liess die Durchführungsstelle den behandelnden Zahnarzt
Dr.
med.
dent
.
B._
das Zahnformular Sozialmedizin ausfüllen und holte Röntgenbilder ein (
Urk.
8/
5 S. 2-
5,
Urk.
9)
. Am
2.
Oktober 2014 nahm
Dr.
med.
dent
.
C._
,
der Vertrauenszahnarzt der Durchführungsstelle, zur Einfachheit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmässigkeit der Behandlung Stellung (
Urk.
8/5 S. 1). Gestützt auf die Stellungnahme ihres Vertrauenszahnarztes lehnte die Durchführungsstelle
mit Verfügung vom 27. Oktober 2014 (
Urk.
8/2; vgl. auch
Urk.
8/6) sowie – nachdem
X._
und
Y._
am 3. November 2014 Einsprache erhoben hatten (
Urk.
8/8)
–
mit
Einspracheentscheid
vom 13. November 2014 eine Übernahme der geltend gemachten Zahnbehandlungskosten ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhoben
X._
und
Y._
, vertreten
durch die
Schmidt Treuhand AG,
Z._
, mit Eingabe vom 1. Dezember 2014 Beschwerde und beantragten, es sei die Durchführungsstelle zu verpflichten, ihnen die Zahnarztkosten in Höhe von Fr. 2‘410.-- zu vergüten; eventuell sei ihnen ein Kostenbeitrag von Fr. 1‘500.-- zuzusprechen (
Urk.
1 S. 1
). Mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
Dezember 2014 beantragte die
Durchführungs
stelle
, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei (
Urk.
7).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Die Ergänzungsleistungen
zur Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenversiche
rung haben durch das am 1. Januar 2008 in Kraft getretene Bundes
gesetz vom 6. Oktober 2006 über die Schaffung von Erlassen zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA; AS 2007 5779) eine umfassende Neu
regelung erfahren. Die
vergütbaren
Krank
heits
- und Behinderungskosten - worunter auch zahnärztliche Behandlungen
fallen - sind seither im Rahmen
bundes
rechtlicher
Vorgaben (Art. 14 Abs. 1 und 3
des Bundes
gesetzes über
Ergän
zungsleistungen
zur Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
ver
siche
rung vom 6. Oktober 2006, ELG) durch die Kantone zu bezeichnen (Art. 14 Abs. 2 ELG). Die bisherige bundesrechtliche Regelung (Art. 3-18 der Ver
ordnung über die Vergütung von Krankheits- und
Be
hinde
rungs
kosten
bei den
Ergänzungs
leistungen
, ELKV) blieb während einer Dauer von höchstens drei Jahren ab 1. Januar 2008 anwendbar, solange der Kanton keine diesbe
züglichen Normen erlassen hatte (Art. 34 ELG; zum Ganzen: Urteil des Bundesge
richts 8C_147/2007 vom 27. Februar 2008 E. 2.1).
Im Kanton Zürich sieht der per 1. Januar 2008 revi
dierte § 9 des Gesetzes über die Zu
satzleistungen zur eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und In
vali
den
versi
cherung (ZLG) vor, dass die Vergütung von Krankheits- und
Behin
de
rungskosten
nach Art. 14 ELG auf eine wirt
schaftliche und zweck
mässige
Leis
tungs
erbringung
zu beschränken ist. Der Regierungsrat hat die Einzelheiten zur Vergütung der Krankheits- und Behinderungskosten ge
stützt auf Art. 9 Abs. 3 ZLG in den §§ 3 ff. der Zusatzleistungsverordnung (ZLV) vom 5. März 2008 geregelt (rückwirkend in Kraft seit 1. Januar 2008). In § 8 ZLV, der die Ver
gü
tung von Zahnbehandlungskosten betrifft, wurde die bisher gültige ent
spre
chende Bundesregelung von Art. 8 ELKV im We
sentlichen wört
lich über
nom
men. Gemäss der Weisung zum Än
derungs
antrag des Regierungsrates vom 18. April 2007, welche dem Kantonsrat bei Beschluss der Änderungen des ZLG vom 1. Januar 2008 (
ABl
2007, 898) vorge
legen hatte, bestand in Bezug auf § 9 ZLG die Absicht, den bisher (für die
Krank
heits
- und
Behinderungs
kosten
) praktizierten Leistungsumfang beizu
be
halten (
ABl
2007, 909). Es ist daher von einer im Vergleich zu den bisher gülti
gen bundesrechtlichen Bestimmungen in Art. 8 ELKV inhaltlich grundsätzlich unveränderten Regelung auszu
gehen, wes
halb auch die bisherige Rechtsprechung zu Art. 8 ELKV in Bezug auf die seit
1. Januar 2008 gültigen kantonalen Bestimmungen zur Vergütung der
Zahn
be
handlungskosten
(§ 9 Abs. 1 und 3
ZLG
in Verbindung mit § 8 ZLV) weiter
hin Gül
tigkeit hat.
2.2
Gemäss § 8 ZLV werden Kosten für einfache, wirtschaftliche und zweck
mässige Zahnbehandlungen vergütet (Abs. 1). Die Höhe der Vergütung richtet sich nach dem Tarif der Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung (UV/MV/IV-Ta
rif) über die Honorierung zahnärztlicher Leistungen und dem UV/MV/IV-Tarif für zahntechnische Arbeiten (Abs. 2). Betragen die Kosten einer Zahnbehandlung
einschliesslich La
borkosten voraussichtlich mehr als Fr. 3'000.--, so ist der
Durch
führungsstelle
vor der Behandlung ein Kostenvoranschlag einzureichen. Wurde eine Be
hand
lung von über Fr. 3'000.-- ohne genehmigten Kosten
voran
schlag durch
geführt,
können die
Fr. 3'000.
-- übersteigenden Kosten nur über
nommen werden, wenn die versicherte Person nachweist, dass die Behandlung einfach, wirtschaftlich und zweckmässig war
(Abs. 3). Die Kos
tenvoranschläge und Rech
nun
gen sind entsprechend den Tarifpositionen nach UV/MV/IV-Tarif einzu
reichen (Abs. 4).
2.3
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts zu Art. 8 Abs. 3 der per Ende 2007 aufgehobenen
ELKV
, wonach für eine zahnmedizinische Behandlung höchstens Fr. 3'000.-- zu vergüten war, wenn die Behandlung ohne vorgängig eingereichten und genehmigten Kostenvoranschlag durchgeführt wurde, han
delte es sich bei dieser Bestimmung um eine Ordnungsvorschrift, welche nicht ausschloss, dass auch ohne genehmigten Voranschlag höhere Kosten vergütet werden konnten, wenn
durch den
Bezüger oder die Bezügerin von
Ergänzungs
leistungen
nachgewiesen werden
konnte, dass eine einfache, wirtschaftliche und zweckmässige Behandlung mehr kostete (BGE 131 V 263 E. 5.3 und 5.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_36/2010 vom 7. April 2010 E. 2.2).
Das Erfordernis eines Voranschlags bei besonders kost
spieligen Behandlungen von über Fr. 3'000.-- will dem Umstand Rechnung tragen, dass es bei einer ab
geschlossenen Zahnbehandlung im Nachhinein oft schwierig ist,
sach
verhalts
mässig
festzustellen, ob sie einfach, wirtschaftlich und zweck
mässig war, und was allenfalls eine diesen Kriterien entsprechende Vorkehr gekostet hätte. Zu
dem soll vermieden werden, dass der Leistungsbezüger einen Teil der entstan
denen Kosten selbst tragen muss, weil sich im Nachhinein erweist, dass die Behandlung den Anforderungen nicht entspricht. In Bezug auf Be
handlungen, welche den Betrag von Fr. 3'000.-- nicht erreichen, besteht keine analoge Vor
schrift. Dementsprechend entfällt hier ein derartiger Schutz der Betroffenen. Diese haben für eine Zahnbehandlung, welche den Be
trag von Fr. 3'000.-- nicht erreicht, selbst aufzukommen, soweit die Kosten für eine einfache, wirtschaftli
che und zweckmässige Behandlung überschritten werden (zum bis Ende 2007 gültig gewe
senen Art. 8 ELKV: Urteil des Bundesgerichts 8C_609/2008 vom 18. Februar 2009 E. 4.1 mit Hinweisen
; vgl. auch
Carigiet
/Koch,
Er
gänzungs
leistungen
zur AHV/IV,
2.
Auflage, Zürich 2009, S. 21
1 f.
).
2.4
Nach der Rechtsprechung und Lehre gilt der in verschiedenen Sozialver
sicherungs
zweigen gültige Grundsatz der Austauschbefugnis auch für die Ver
gütung von Zahnbehandlungskosten durch Ergänzungsleistungen. Die
Aus
tauschbefugnis
besagt hier, dass die leistungsberechtigte Person dort, wo eine Behandlung zwar
zweckmässig
, aber nicht einfach und wirtschaftlich ist, immerhin Anspruch auf die Vergütung derjenigen Kosten hat, die bei der Wahl einer einfachen und wirtschaftlichen Behandlungsmethode angefallen wären
. Dies ist der Fall, wenn anstelle einer
Kompositfüllung
die Behandlung mit einer VMK-Krone vorgenommen wird. Die EL-berechtigte Person hat in diesem Fall nur Anspruch auf Vergütung der Kosten für eine
Kompositfüllung
(Urteil des Bundesgerichts P 59/05 vom 29. März 2006; SVR 2011 EL Nr. 1 S. 1, 9C_36/2010 E. 4-8 mit Hinweisen;
Carigiet
/Koch,
a.a.O.
, S. 214; vgl. auch
Jöhl
, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Schweizerisches
Bundes
ver
wal
tungsrecht
[SBVR], 2. Auflage, S. 1872
Rz
331).
2.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3
.
3
.1
Die Durchführungsstelle lehnt
e
die Übernahme
der geltend gemachten
Zahnbe
handlungskosten
ab mit der Begründung,
auf Seite 3 der
Zusatzleistungsverfü
gung
vom
1.
Juli 2013
(
Urk.
8/10 S. 3)
seien die Beschwerdeführenden darüber informiert worden, dass für Zahnbehandlungskosten über Fr. 1‘000.--
der Durchführungsstelle vor Behandlungsbeginn ein Kostenvoranschlag nach Suva-Tarif einzureichen sei
, um allfällige Unklarheiten zu vermeiden
.
Dies hätten sie
vor der fraglichen Behandlung nicht gemacht, vielmehr hätten sie dem Zahnarzt bestätigt, keine Ergänzungs- oder Fürsorgeleistungen zu beziehen
.
Ihr
Vertrau
enszahnarzt
Dr.
C._
sei sodann zur Beurteilung gelangt, dass die durchge
führte Behandlung wohl eine zweckmässige, nicht aber eine einfache und wirt
schaftliche Lösung sei. Neben dem abgebrochenen Zahn sei
nach Ansicht von
Dr.
C._
auch die restliche
Bezahnung
als nicht allzu stabil einzustufen. Eine Teilprothese bestehe bereits und es sei
laut
Dr.
C._
wirtschaftlicher, die Problemzähne in die Prothese einzugliedern, als sie aufwändig neu aufzu
bauen
. Die Kosten, die bei anderer Planung entstanden wären, könnten auch nicht pro
Forma angerechnet werden, weil gemäss
Dr.
C._
später wahr
scheinlich ohnehin eine Ergänzung der bestehenden Prothese nötig werde und jetzt nichts Wesentliches eingespart werde. Aus diesen Gründen könnten die entstandenen Zahnbehandlungskosten
– auch wenn diese unter der in der Zusatzleistungsverordnung festgelegten Höchstgrenze von Fr. 3‘000.-- lägen -
nicht von der Durchführungsstelle vergütet werden. Im Übrigen sei mangels einer detaillierten Aufstellung nicht nachvollziehbar, wie sich die von den
Beschwerdeführende
n eventuell beantragte Beteiligung an den Behandlungs
kosten in Höhe von Fr. 1‘500.-- zusammensetze
(
Urk.
2,
Urk.
7)
.
3
.2
Die Beschwerdeführenden machen demgegenüber geltend, sie hätten Anspruch auf die Vergütung der Zahnarztkosten von Fr. 2‘410.--, zumindest
aber eines Kostena
nteils in Höhe von Fr. 1‘500.--. Sie lebten in bescheidenen Verhältnis
sen und es sei für sie unverständlich, dass die Durchführungsstelle die Kosten nicht einmal teilweise übernommen habe, nachdem
ihr Vertrauenszahnarzt die Behandlung als zweckmässig bezeichnet habe. Zudem könne mit Blick auf die Stellungnahme des Vertrauenszahnarztes nicht nachvollzogen werden, weshalb dieser die Behandlung als nicht einfach und wirtschaftlich eingestuft habe (
Urk.
1,
Urk.
3/7,
Urk.
8/8).
4.
4.1
Zunächst ist festzuhalten, dass der Umstand, dass die Beschwerdeführenden entgegen dem Hinweis in Ziffer L. der Verfügung vom
1.
Juli 2013 (
Urk.
8/10
S. 3;
vgl. auch Ziffer 2 des Merkblatts „Zahnbehandlungskosten“ der
Durchfüh
rungsstelle
[
Urk.
11]) der Durchführungsstelle vor der Zahnbehandlung keinen Kostenvoranschlag eingereicht haben,
nichts daran ändert
, dass
die
Durchfüh
rungsstelle
die Kosten für die Behandlung zu übernehmen hat, soweit es sich um eine einfache, wirtschaftliche un
d zweck
mässige Zahnbehandlung
handelt
beziehungsweise soweit diese wegen der Austauschbefugnis vergütet werden können
(vorstehend E.
2.2-4
)
.
Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist nach
folgend zu prüfen.
4.2
4.2.1
Dem vom behandelnden Zahnarzt
Dr.
B._
am 1
1.
September 2014 ausgefüllten Zahnformular Sozialmedizin ist zu entnehmen, dass die
Erstunter
suchung
von
Y._
bei ihm am
5.
August 2014 wegen eines abge
brochenen Zahnes erfolgte.
Als Zähne mit Karies, Frakturen oder Substanzver
lust erwähnte
Dr.
B._
die Zähne 43 sowie 4
4.
Zusätzlich
hielt
er bei den Befunden
fest
, im Oberkiefer befinde sich eine Totalprothese, im Unterkiefer eine
Gussklammerteilprothese. Als Sofortmassnahmen seien, nebst der Untersu
chung und der Anfertigung von Röntgenbildern, die Zähne 43 und 44 mit Keramikkronen versehen und gereinigt worden
.
In den nächsten fünf Jahren sei eine Neuanfertigung der O
berkiefer-Totalprothese geplant (
Urk.
8/5 S. 2-4).
Gestützt auf die Angaben von
Dr.
B._
sowie die Röntgenbilder (
Urk.
8/5 S. 2-5) würdigte der Vertrauenszahnarzt der Durchführungsstelle
Dr.
C._
am
2.
Oktober 2014 die durchgeführte Zahnbehandlung speziell unter den Gesichtspunkten der Einfachheit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäs
sigkeit.
Er gelangte zur Beurteilung, die durchgeführte Behandlung sei wohl eine zweckmässige, nicht aber eine einfache und wirtschaftliche Lösung. Neben dem abgebrochenen Zahn sei auch die restliche
Bezahnung
als nicht allzu stabil einzustufen. Eine Teilprothese bestehe bereits und es sei wirtschaftlicher, die Problemzähne in die Prothese einzugliedern, als sie aufwändig neu aufzubauen. Die Kosten, die bei anderer Planung entstanden wären, sollten aber nicht pro
f
orma angerechnet werden, weil später wahrscheinlich ohnehin eine Ergänzung der bestehenden Prothese nötig werde und jetzt nichts Wesentliches eingespart werde. Aus diesen Gründen empfehle er der Durchführungsstelle, eine Beteili
gung an den Kosten abzulehnen (
Urk.
8/5 S. 1).
4.2.2
Gemäss Ziff. 2.4.4.3 der Weisungen des Kantonalen Sozialamtes zum Vollzug der Zusatzleistungen zur AHV/IV vom 27. März 2013 (
www.sozialamt.zh.ch
)
bestimmt sich die Frage, ob eine einfache, wirtschaftliche und zweckmässige Behandlung sowie Ausführung vorliegt, nach den Behandlungsempfehlungen sowie der
Konkordanzliste
zahntechnischer Arbeiten der Vereinigung der
Kan
tonszahnärztinnen
und Kantonszahnärzte
(VKZS; abrufbar unter www.kantonszahnaerzte.ch)
im Bereich EL sowie den Vorgaben des
Kantons
zahnärztlichen
Dienstes der Gesundheitsdirektion.
In der Einleitung zu den
Pla
nungs
- und Behandlungsempfehlungen der VKZS wird
für den
Behandlungs
ablauf
auf die Empfehlungen der Schweizerischen
Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) verwiesen. Gemäss den SKOS-Empfehlungen
ist zu unterscheiden zwi
schen
Notfall
-
behandlung und Sanierung
. Die Notfallbehandlung soll Pa
tientin
nen beziehungsweise Patienten schmerzfrei und
kaufähig
machen; diese Ziele können mit einfachen, zum Teil provisorischen zahnärztlichen Mitteln erreicht werden. Eine einfache und
zweckmässige
Sanierung besteht
in der Entfernung nicht erhaltungswürdiger Zähne und Wurzelreste, in der Erhal
tung strategisch wichtiger Zähne, im Legen von Füllungen und in der
zur
Erhaltung der länger
fristigen Kaufähigkeit nötigen Lückenversorgung mit
teilprothe
tischen
Metho
den (v.a. Modellguss). Kronen- und Brückenversorgung
en
fallen in der Regel nicht unter den Begriff der einfachen Sanierung, solange die
Gebiss
front
nicht
betro
ffen ist (SKOS-Richtlinien 12/12
H.2-1 zu Kapitel B.4.2
[vgl. www.skos.ch]
; vgl. auch
Carigiet
/Koch,
a.a.O.
, S. 209 f.).
Gemäss
den Behandlungsempfehlungen der VKZS (Empfehlung G Kronen, Brücken,
Im
plantatprothetik
,
Stand
Januar 2010; einsehbar unter
www.kantonszahn
aerzte.ch
) ist eine
Keramikkrone
grundsätzlich
nur
im
Aus
nahmef
all, nur bei sehr guter Mundhygiene und Patientenmitarbeit und nur bei einer Langzeitprognose von normalerweise mehr als zehn Jahren
bewilligungs
fähig
. I
m gepfleg
ten und kariesarmen Gebiss gebe es zunehmend
Behandlungs
situationen
, welche sich ohne festsitzende prothetische Mittel nicht vernünftig und nur mit
übermässigem
zusätzlichem Schaden für das Kausystem versorgen
liessen
.
Im Normalfall seien langfristig erprobte Behandlungsmittel
mit aner
kannter Indi
ka
tion und mit Evidenz für gleichbleibend gute Resultate
zu bewil
ligen
. Als Behandlungsindikation
en
fielen der Aufbau eines stark zerstörten Einzelzahnes, welcher nicht mittels Füllung
restaurierbar
sei, der Aufbau von stark zerstörten Ankerzähnen
für langfristigen abnehmbaren Zahnersatz sowie die Versorgung einer Einzelzahnlücke im gepflegten und kariesarmen Gebiss, welche sich nur
übermässig
invasiv und/oder funktionell unbefriedigend mittels abnehmbarem Zahnersatz versorgen lasse.
4.2.3
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Ent
scheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von
Verwaltungs
weisungen
ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen
(BGE 133 V 587
, E. 6.1 mit weiteren Hinweisen).
4.2.4
Aufgrund der
Stellungnahme des Vertrauenszahnarztes
Dr.
C._
vom
2.
Oktober 2014
ist
nicht klar, ob beide mit Keramikkronen versorgten Zähne 43 und 44 abbrachen oder, falls nein, welcher Zahn frakturierte und wieso der andere Zahn ebenfalls mit einer Krone versorgt werden musste.
Sodann
wird in der Stellungnahme nicht ausgeführt
, gestützt auf welche Befunde der
Vertrau
enszahnarzt
, der
die Beschwerdeführerin
offenbar nicht persönlich untersucht hat
te
, zum Schluss gelangt
e
, die restliche
Bezahnung
neben dem abgebrochenen Zahn sei nicht allzu stabil.
Unklar ist weiter, im Bereich welcher Zähne des Unterkiefers sich die von
Dr.
C._
erwähnte Teilprothese befindet, und wie er zum Schluss gelangte, diese Prothese müsse wahrscheinlich später ohnehin ergänzt werden.
Aus den Ausführungen von
Dr.
C._
geht auch nicht klar
hervor, ob
und weshalb
er
ungeachtet
des Abbruchs eines oder zweier Zähne eine Notfallbehandlung
zur Schmerzbefreiung und Erhaltung der Kaufähigkeit
für nicht indiziert hielt und eine Behebung des Zahnschadens erst im Rahmen der prognostisch erwarteten
Notwendigkeit, die bestehende Unterkieferprothese zu ergänzen, für wirtschaftlich hielt.
G
estützt auf seine Stellungnahme
kann
nicht bestimmt werden,
ob und bejahendenfalls
aus welchen Gründen im Behandlungszeitraum
welche
einfachen, zweckmässigen und wirtschaftlichen
Notfallmassnahmen
und allenfalls weitergehenden Sanierungsmassnahmen
indiziert gewesen wären
, und wie hoch die Kosten einer solchen Behandlung
aufgrund der anwendbaren Tarifpositionen (vorstehend E. 2.2) gewesen wäre
n
.
Deshalb kann auch nicht eruiert werden, ob und bejahendenfalls welcher Teil der angefallenen Behandlungskosten aufgrund einer allfälligen
Austauschbe
fugnis
übernommen werden kann.
Schliesslich
hat
Dr.
C._
in seiner Stel
lungnahme
nicht
auf die
Empfehlungen der VKZS Bezug genommen
, weshalb nicht klar ist, ob er diese konsultiert hat
.
Aufgrund dieser Unklarheiten kann die Schlussfolgerung von
Dr.
C._
, wonach es sich bei der erfolgten Zahnbehandlung nicht um eine einfache und wirtschaftliche Lösung hand
le
und auch nicht eine teilweise Übernahme der
Kosten in Frage komme,
nicht
auf ihre Schlüssigkeit
überprüft werden.
Mithin besteht weiterer Abklärungsbedarf.
4.2.5
Die Durchführungsstelle, an welche die Sache zurückzuweisen ist, wird in einem ersten Schritt die in der vorstehenden Erwä
gung 4.2.4
dargelegten Unklarheiten durch Einholen einer
ergänzenden
Stellungnahme bei ihrem Vertrauenszahnarzt
Dr.
C._
oder
einer Neubeurteilung im Sinn der vorstehenden Ausführungen durch einen
anderen Zahnarzt
zu beheben lassen haben, wobei der beauftragte Zahnarzt seine Schlussfolgerungen explizit unter Bezugnahme auf die Empfeh
lung G
Kronen, Brücken,
Im
plantatprothetik
des VKZS zu begründen
und allenfalls noch fehlende Informationen beim behandelnden Zahnarzt
Dr.
B._
einzufordern haben
wird
.
Hernach wird sie erneut darüber zu
verfü
gen haben
, ob
ein Anspruch auf Vergütung der
gesamten Kosten der Behand
lung von
Fr.
2‘410.-- oder, gestützt auf die
Austauschbefugnis (vorstehend E. 2.4), derjenigen Kosten,
die bei der Wahl einer einfachen und wirtschaftlichen Behandlungsmethode angefallen wären
, besteht. In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
Nach § 34
GSVGer
und
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdefüh
rende
Person Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens festzusetzenden Ersatz der Parteikosten.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretenen Beschwerdeführenden Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien ist die Parteientschädigung der Beschwerdeführenden ermessensweise auf
Fr.
500.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.