Decision ID: d2d088c7-977e-5766-95ac-b383ff6b5c45
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Kanton Bern will für die Berner Fachhochschule an zentraler Lage in Biel/Bienne
auf dem «Feldschlössli-Areal» einen neuen Campus für die technischen Disziplinen
erstellen. Das fragliche Areal befindet sich seit der Teilrevision der Ortsplanung vom 24.
November 2013 in der Zone mit Planungspflicht (ZPP) 8.8 «Feldschlössli-Areal». Bezüglich
Nutzungsart handelt es sich um eine Zone für öffentliche Nutzungen (ZöN). Die für den
Campus benötigten Grundstücke sollen dem Kanton von der Beschwerdegegnerin im
Baurecht zur Verfügung gestellt werden. Von den Grundstücken, die für die erste Bauetappe
benötigt werden, steht die Parzelle Nr. C._ noch im Eigentum des
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Beschwerdeführers. Am 28. März 2018 stellte die Beschwerdegegnerin für dieses
Grundstück ein Enteignungsgesuch bei der Enteignungsschätzungskommission des
Kantons Bern (ESchK). Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.
2. Die Beschwerdegegnerin reichte am 13. August 2018 ein Baugesuch ein für den
Abbruch der Liegenschaften D._strasse 5a (Parzelle Biel/Bienne Grundbuchblatt
Nr. E._), D._strasse 13 (Parzelle Biel/Bienne Grundbuchblatt
Nr. F._) und D._strasse 15 (Parzelle Biel/Bienne Grundbuchblatt
Nr. G._) sowie H._strasse 14 und 16 (Parzelle Biel/Bienne Grundbuchblatt
Nr. C._). Das Baugesuch wurde im Amtlichen Anzeiger Biel/Bienne und
Evilard/Leubringen vom 12. und 19. Dezember 2018 publiziert.1 Es gingen weder
Einsprachen noch Rechtsverwahrungen ein. Mit Gesamtentscheid vom 6. Februar 2019
erteilte das Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne die Baubewilligung.
3. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 12. Juli 2019 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er stellt folgende
Rechtsbegehren:
«1. Es sei die Nichtigkeit des Gesamtbauentscheids des Regierungsstatthalteramtes Biel vom
6. Februar 2019 festzustellen.
2. Eventualier sei der Gesamtbauentscheid des Regierungsstatthalteramtes Biel vom 6. Februar
2019 aufzuheben und das von der Abteilung Liegenschaften der Stadt Biel am 13. August 2018
eingereichte Baugesuch betr. Abbruch der Gebäude auf den Parzellen Biel Gbbl.-Nrn.
E._, F._, G._ und C._ sei die Parzelle Biel Gbb1.-Nr.
C._ betreffend abzuweisen.
3. Subeventualiter sei der Gesamtbauentscheid des Regierungsstatthalteramtes Biel vom
6. Februar 2019 aufzuheben und die Sache sei zur erneuten Durchführung eines neuen,
ordnungsgemässen Verfahrens an die Vorinstanz zurück zu weisen.
4. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, vor Baubeginn ein Schutzkonzept für mein
Gebäude K._strasse 2, Biel (Grundstück L._) vorzulegen und sie sei zudem
zu verpflichten, mir sämtliche Schäden zu ersetzen, die sie durch den Abbruch der Gebäude
1 Einsehbar unter <https://www.jgk.be.ch>, Rubriken «Gemeinden, Gemeinderecht, Kantonales Recht, Amtliche Anzeiger»
https://www.jgk.be.chl
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K._strasse 14+16 (Biel Gbb1.-Nr. C._) und D._strasse 5 (Biel Gbb1.-
Nr. 6611) an meinem Gebäude verursacht.
5. Es sei der Beschwerdegegnerin zur Auflage zu machen, vor Beginn der Abbrucharbeiten durch
ein gemeinsam mit mir zu bezeichnendes, spezialisiertes Ingenieurbüro eine
Zustandsaufnahme der Liegenschaft K._strasse 2, Biel (Biel-Gbbl. Nr. L._)
vornehmen zu lassen und hierüber durch einen von mir bezeichneten Notar eine
Feststellungsurkunde zu erstellen.
6. Es sei Kenntnis zu nehmen und zu geben, dass das Bauprojekt der Beschwerdegegnerin in
mehrfacher Hinsicht meine Rechte verletzt und ich hierfür Rechtsverwahrung anmelde.
7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin.»
Zur Begründung macht er insbesondere geltend, er habe vom Bauvorhaben und dem
Bauentscheid erstmals am 12. Juni 2019 im Rahmen eines anderen Verfahrens vor
Bundesgericht Kenntnis erhalten.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, verzichtete auf die
Durchführung eines Schriftenwechsels.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Der Entscheid des Regierungsstatthalteramts ist ein Gesamtentscheid im Sinne von
Art. 9 KoG3. Er ist gestützt auf Art. 11 Abs. 1 KoG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 KoG mit
Baubeschwerde nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 bei der BVE anfechtbar. Die BVE ist somit zur
Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind unter anderem die Einsprecherinnen und Einsprecher
(Art. 10 KoG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer hat unbestritten
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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keine Einsprache erhoben, obwohl er als Grundeigentümer einer Nachbarparzelle und einer
vom Bauvorhaben erfassten Parzelle durch das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen
schutzwürdigen Interessen betroffen ist und deshalb gemäss Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG zur
Einsprache befugt gewesen wäre. Er macht aber geltend, er habe aufgrund von
Verfahrensmängeln zu Unrecht keine Möglichkeit zur Teilnahme am
Baubewilligungsverfahren erhalten. Einspracheberechtigte, die sich am
Baubewilligungsverfahren unverschuldet nicht beteiligen konnten, können sich
praxisgemäss innert 30 Tagen nach Kenntnis des massgebenden Sachverhalts mit
(nachträglicher) Baubeschwerde gegen die Baubewilligung zur Wehr setzen.5 Der
Beschwerdeführer ist somit zumindest insoweit zur Beschwerde legitimiert, als er geltend
macht, er habe sich unverschuldeterweise nicht am Baubewilligungsverfahren beteiligen
können. Seine materiellen Einwände gegen den Gesamtentscheid können hingegen nur
gehört werden, wenn diese Frage bejaht werden kann.
c) Die Nichtigkeit einer Verfügung ist jederzeit und von sämtlichen staatlichen Instanzen
von Amtes wegen zu beachten. Nichtigkeit wird indessen nur angenommen, wenn der
Mangel der Verfügung besonders schwer ist, wenn er offensichtlich oder zumindest leicht
erkennbar ist und wenn die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht
ernsthaft gefährdet wird. Nichtigkeitsgründe sind hauptsächlich schwerwiegende
Verfahrensfehler und die Unzuständigkeit der verfügenden Behörde. Inhaltliche Mängel
haben dagegen nur in seltenen Ausnahmefällen die Nichtigkeit einer Verfügung zur Folge.6
Auf die Nichtigkeit können sich die Betroffenen jederzeit berufen. Die Frage der Nichtigkeit
kann in Form eines Feststellungsbegehrens aufgeworfen werden.7 Auf ein Begehren um
Erlass einer Feststellungsverfügung ist einzutreten, wenn eine Person ein schutzwürdiges
Interesse daran hat und dartun kann, bestimmte Rechtsfolgen bloss feststellen zu lassen.
Dies gilt auch für ein Begehren um Feststellung der Nichtigkeit einer Verfügung.8 Zwar liegt
dabei in der Regel ein schutzwürdiges Interesse vor, den Schein einer zu befolgenden
Anordnung ausdrücklich zu beseitigen.9 Feststellungsbegehren sind indessen gegenüber
Leistungs- oder Gestaltungsbegehren subsidiär und damit nur zulässig, wenn das
5 Vgl. dazu Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40-41 N. 4; BVR 2010 S. 433 E. 4.1 6 BGE 138 II 501 E. 3.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 55 ff. 7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 61 8 Vgl. VGE 2013/80 vom 18.11.2013 E.1.2.1 mit weiteren Hinweisen 9 Vgl. BVR 2013 S. 536 E. 3.2
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schutzwürdige Interesse der das Feststellungsbegehren stellenden Partei mit einem
Leistungs- oder Gestaltungsbegehren nicht gewahrt werden kann.10 Es stellt sich daher die
Frage, inwiefern der Beschwerdeführer ein besonderes Feststellungsinteresse hinsichtlich
der Nichtigkeit der Verfügung hat. Der Beschwerdeführer legt in der Beschwerdeschrift kein
Feststellungsinteresse dar.11 Soweit seine Rügen im Rahmen der nachträglichen
Baubeschwerde geprüft werden können, dürfte es daran fehlen. Die Frage der Subsidiarität
bzw. des Feststellungsinteresses muss hier jedoch mit Blick auf die nachfolgenden
Ausführungen und den Ausgang der Verfahren nicht abschliessend geklärt werden.
d) Der Entscheid in der Sache ist ebenso wie das Beschwerdeverfahren grundsätzlich
auf den Streitgegenstand begrenzt. Dieser kann nicht über das hinausgehen, was die Vor-
instanz geregelt hat oder hätte regeln sollen.12 Gemäss Art. 2 Abs. 1 BauG hat die
Baubewilligungsbehörde in erster Linie festzustellen, ob ein ihr vorgelegtes Baugesuch mit
den öffentlichrechtlichen Rechtsregeln und insbesondere mit der Bau- und
Planungsgesetzgebung übereinstimmt. Die zivilrechtliche Zulässigkeit ist im
Baubewilligungsverfahren hingegen ebenso wenig zu prüfen, wie enteignungsrechtliche
Fragen. Soweit sie sich gegen den angefochtenen Gesamtentscheid richtet, kann somit
unter den oben ausgeführten Vorbehalten grundsätzlich auf die form- und fristgerecht
Beschwerde eingetreten werden. Hingegen können Rügen im Zusammenhang mit privat-
und enteignungsrechtlichen Fragen, wie beispielsweise der fehlende Schutz des
Nachbargebäudes oder die fehlende Verhältnismässigkeit der Enteignung, nicht gehört
werden, da diese ausserhalb des in der Verfügung geregelten Rechtsverhältnisses liegen.
Insoweit kann nicht auf die Beschwerde eingetreten werden.
2. Beteiligung am Baubewilligungsverfahren
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, unter Verletzung seines rechtlichen Gehörs und
unter Verstoss gegen das Recht auf ein faires Verfahren sei ihm weder das Baugesuch
unterbreitet, noch sei seine Unterschrift eingeholt worden, noch sei er je darüber informiert
worden, dass ein Baugesuch für den Abbruch seines Gebäudes eingereicht worden sei,
10 BVR 2016 S. 273 E. 2.2, 2014 S. 33 E. 1.4 mit Hinweisen; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 19 ff. 11 Vgl. zur Begründungspflicht im Zusammenhang mit dem Rechtsschutzinteresse BVR 2015 S. 534 E. 2.1 12 BVR 2017 S. 514 E. 1.2 mit zahlreichen Hinweisen
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noch sei er von der Baubewilligungsbehörde in das Verfahren einbezogen worden. Deshalb
sei es ihm bis heute verwehrt geblieben, seine Rechte zu wahren. Als ausserkantonal
Wohnender sei er nicht verpflichtet, den Bieler Anzeiger regelmässig zu kontrollieren, zumal
er als direktbetroffener Grundeigentümer behördenbekannt sei und direkt angeschrieben
werden müsste. Die Unterlassung der Information stelle einen schweren Verfahrensmangel
und eine Verletzung der bundesrechtlich geforderten Information gemäss Art. 33 Abs. 1
RPG13 dar. Im Baurecht seien die Informationspflichten der Bauherrschaft gegenüber den
Betroffenen zentral. Die Normen bestimmten, wie betroffene Nachbarn über das
Bauvorhaben zu informieren seien. Über betroffene Grundeigentümer, die selbst nicht
Bauherren seien, würden sich diese Normen jedoch ausschweigen. Wenn jedoch die
Nachbarn zu informieren seien, sei er als noch viel stärker betroffener Grundeigentümer erst
recht zu informieren, weshalb die Bestimmungen zumindest analog auf ihn anzuwenden
seien. Hinzu komme, dass vorliegend zwar das Enteignungsrecht eingeräumt, aber bis heute
noch nicht ausgeübt worden sei. Die Bauherrschaft sei noch nicht einmal (rechtskräftig) in
den vorzeitigen Besitz eingewiesen worden und die planungsrechtlichen Grundlagen
(Überbauungsordnung und Teiländerung der baurechtlichen Grundordnung «Feldschlössli
Areal, ZPP 8.8») seien im heutigen Zeitpunkt auch noch nicht rechtskräftig. Er habe daher
nicht damit rechnen müssen, dass vor diesem Hintergrund ein Gesuch um Abbruch seiner
Gebäude gestellt und ohne vorherige Information bewilligt werde. Im Enteignungsrecht sei
der Vorrang der persönlichen Anschrift gegenüber der öffentlichen Bekanntmachung
ausdrücklich enthalten. Dies ergebe sich auch aus Art. 44 VRPG14. Die öffentliche
Bekanntmachung sei stets ultima ratio. Die Beschwerdegegnerin wäre daher verpflichtet
gewesen, ihn persönlich zu kontaktieren und zu informieren, zumal ihr seine Adresse
bekannt sei. Es gehe nicht an und verletzt Art. 6 Ziff. 1 EMRK15, wenn im Raumplanungsrecht
ein betroffener ausserkantonaler Eigentümer einzig und alleine auf dem Wege der
öffentlichen Bekanntmachung orientiert werde, obwohl dessen Adresse bekannt sei und er
problemlos brieflich kontaktiert werden könnte. Dadurch, dass er nicht direkt angeschrieben
und informiert worden sei, sei sein Anspruch auf rechtliches Gehör und ein faires Verfahren
(Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 6 EMRK) verletzt worden. Erschwerend komme hinzu, dass
soweit ersichtlich auch nie eine ordnungsgemässe Profilierung erfolgt sei. Der
Beschwerdeführer macht weiter geltend, er habe am 2. November 2018 das
13 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 14 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 15 Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101)
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Mandatsverhältnis mit seinem Rechtsanwalt beendet. Dieser sei der Ehemann der
Stadtschreiberin der Beschwerdegegnerin und habe sich wiederholt nicht gemäss seinen
Instruktionen verhalten. Er habe ihn auch nie über die lediglich im Bieler Anzeiger
erschienenen Publikationen orientiert. Eine allfällige Kenntnis der Publikation durch seinen
(ehemaligen) Rechtsanwalt könne ihm nicht zugerechnet werden. Demnach sei ihm aus
rechtsstaatlichen Gründen eine Teilnahme am vorliegenden Baubewilligungsverfahren
durch Gutheissung der Beschwerde zu ermöglichen.
b) Nach Art. 22 RPG dürfen Bauten und Anlagen nur mit behördlicher Bewilligung
errichtet oder geändert werden. Das kantonale Recht darf den Kreis der nach dieser
Bestimmung bewilligungspflichtigen Bauten und Anlagen nicht einschränken. Art. 33 Abs. 3
Bst. a RPG verlangt, dass das Beschwerderecht Dritter (Nachbarn, Mieter,
Schutzorganisationen usw.) im Baubewilligungsverfahren tatsächlich gewährleistet ist.
Voraussetzung für die Gewährleistung des Beschwerderechts ist, dass die
Beschwerdeberechtigten über ein Bauvorhaben in Kenntnis gesetzt werden. Unterbleibt
dies, wird der nach Art. 33 Abs. 3 Bst. a RPG vorgeschriebene Rechtsschutz nicht
gewährleistet und diese Vorschrift verletzt.16 Dies kommt einer Verweigerung des
verfassungsrechtlich durch Art. 29 BV geschützten rechtlichen Gehörs gleich.17 Im Kanton
Bern wird die ordentliche Baubewilligung in einem Verfahren mit Veröffentlichung des
Baugesuchs erteilt (Art. 32a BauG). Eine (blosse) Mitteilung an die Nachbarinnen und
Nachbarn ist nur vorgesehen bei Bauvorhaben, die wegen ihrer beschränkten Auswirkungen
im vereinfachten Verfahren beurteilt werden (Art. 32b BauG i.V.m. Art. 27 BewD18). Die
Modalitäten der Bekanntmachung des Baugesuchs sind gemäss Art 35 Abs. 1 BauG im
BewD geregelt. In der Regel macht die Baubewilligungsbehörde das Gesuch durch
Veröffentlichung bekannt (Art. 26 Abs. 1 BewD). Die Veröffentlichung erfolgt in zwei
aufeinanderfolgenden Nummern des amtlichen Anzeigers (Art. 26 Abs. 2 BewD). Das
Gesuch, die dazugehörigen Pläne und die weiteren Unterlagen sind bis zum Ablauf der
Einsprachefrist bei der Gemeindeverwaltung zur Einsichtnahme aufzulegen (Art. 28 BewD).
Zudem hat die Bauherrschaft zugleich mit der Baueingabe die äusseren Umrisse des
Bauvorhabens im Gelände abzustecken und durch Profile kenntlich zu machen (Art. 16 Abs.
1 Satz 1 BewD). Die Profile sind stehenzulassen, bis über das Bauvorhaben endgültig
16 BGE 120 Ib 379 E. 3d mit Hinweisen 17 Vgl dazu BGer 1C_5/2019 vom 12. Juni 2019 E. 3.2.1 18 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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entschieden ist (Art. 16 Abs. 2 BewD). Wird das Gesuch publiziert, besteht keine Pflicht zur
Benachrichtigung auswärtiger Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer, auch nicht
aufgrund von Art. 29 Abs. 2 BV.19 Dass sich aus Art. 6 Ziff. 1 EMRK ein darüber hinaus
reichender Schutz ergeben würde, ist weder dargetan noch ersichtlich. Von
Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern wird erwartet, dass sie entweder die örtlichen
Publikationen selber verfolgen oder eine Drittperson damit beauftragen.20
c) Da es sich im vorliegenden Fall um ein Baubewilligungsverfahren handelt, sind die in
der bernischen Baugesetzgebung enthaltenen Vorschriften über die Bekanntmachung
einschlägig. Danach besteht keine Verpflichtung der Bauherrschaft, betroffene
Nachbarinnen und Nachbarn bzw. betroffene Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer
über ihr Bauvorhaben zu informieren. Mangels Informationsplicht kann der
Beschwerdegegnerin somit keine Verletzung von verfahrensrechtlichen Vorschriften
vorgeworfen werden. Soweit sich der Beschwerdeführer auf Bestimmungen des
Enteignungsrechts von Bund und Kanton, der Zivil- oder Strafprozessordnung, des
Schuldbetreibungs- und Konkursrechts oder der Verwaltungsrechtspflege von Bund und
Kanton bzw. auf die Rechtsprechung dazu stützt, ist ihm entgegenzuhalten, dass diese für
das Baubewilligungsverfahren nicht einschlägig sind. Art. 122 Abs. 2 BauV21, auf den sich
der Beschwerdeführer ebenfalls stützt, regelt die geringfügige Änderung von
Nutzungsplänen. Diese Bestimmung ist somit im Baubewilligungsverfahren nicht
anwendbar.
Im vorliegenden Fall wurde das Baugesuch am 12. und 19. Dezember 2018 entsprechend
den Vorschriften von Art. 26 BewD im Amtlichen Anzeiger Biel/Bienne und Evilard/Leu-
bringen publiziert. Dass die Baubewilligungsbehörde den Beschwerdeführer nicht noch
zusätzlich über das Baugesuch informierte, steht im Einklang mit den massgeblichen
Vorschriften und ist deshalb nicht zu beanstanden. Es wäre Sache des Beschwerdeführers
als Grundeigentümer gewesen, entweder den Amtlichen Anzeiger selber regelmässig zu
lesen oder jemanden damit zu beauftragen. Dies gilt umso mehr, als ihm bekannt ist, dass
seine Grundstücke einer ZPP zugewiesen sind, dass die Absicht besteht, in dieser Zone
einen Campus für die Berner Fachhochschule zu errichten und dass ein Enteignungsgesuch
19 BGE 127 II 227 E. 2b 20 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 7 21 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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für sein vom Bauvorhaben betroffene Grundstück eingereicht worden ist.22 Selbst wenn der
Rechtsanwalt des Beschwerdeführers den Auftrag gehabt haben sollte, den Amtlichen
Anzeiger zu lesen, könnte der Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass er von diesem
nicht über die Publikation orientiert wurde, im vorliegenden Verfahren nichts zu seinen
Gunsten ableiten. Der Beschwerdeführer löste das Mandatsverhältnis mit seinem Anwalt am
2. November 2018 und damit vor der Publikation des Baugesuchs auf. Es wäre somit seine
Sache gewesen, umgehend jemand anderes mit seiner Interessenwahrung zu beauftragen.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, es sei nie eine ordnungsgemässe Profilierung
erfolgt, ist ihm entgegenzuhalten, dass sich der Abbruch von Gebäuden schwerlich durch
Profile im Sinn von Art. 16 Abs. 1 BewD kenntlich machen lässt.
Die Rügen, ihm sei das Baugesuch zu Unrecht nicht mitgeteilt worden, es liege eine
Verletzung der behördlichen Mitteilungs- und Informationspflichten, des Ultima-ratio-
Grundsatz sowie des Anspruchs auf ein faires Verfahren vor, erweisen sich somit als
unbegründet.
3. Unterlassene bzw. fehlerhafte Publikation
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, eine Publikation sei einzig im Bieler Anzeiger
erfolgt. In unzulässiger Weise sei eine Publikation im Nidauer Anzeiger unterblieben, dies
obschon die Grenze zwischen Biel und Nidau unmittelbar entlang seiner Grundstücke
verlaufe und sich die K._strasse auf Nidauer Boden befinde, womit die Stadt Nidau
bzw. deren Bevölkerung und die direkten Anstösser von den Bauvorhaben und den damit
verbundenen Immissionen direkt betroffen seien. Weite Teile der effektiv betroffenen
Bevölkerung seien daher nicht rechtsgenüglich orientiert worden, was einen schweren
Verfahrensmangel und eine Verletzung der bundesrechtlich geforderten Information gemäss
Art. 29 Abs. 2 BV darstelle. Hinzu komme, dass die Publikation im Bieler Anzeiger wohl
bewusst während der Weihnachts- und Neujahrszeit erfolgt sei, wodurch die Rechtsmittelfrist
aufgrund der Feiertage in unzulässiger Weise eingeschränkt worden sei.
22 Vgl. dazu BGer 1C_137/2019 vom 5. Juli 2019; VGE 2018/380 vom 4. Oktober 2018
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b) Die Publikation hat in zwei aufeinanderfolgenden Nummern des amtlichen Anzeigers
der Standortgemeinde zu erfolgen (26 Abs. 2 BewD i.V.m. Art. 49b Abs. 1 GG23). Auch wenn
ein Bauvorhaben möglicherweise Nachbarinnen und Nachbarn in einer angrenzenden
Gemeinde berühren könnte, ist keine Publikation im amtlichen Anzeiger der
Nachbargemeinde erforderlich.24 Der Zeitpunkt der Bekanntmachung wird grundsätzlich von
der Behörde bestimmt. Sie kann damit bis nach der materiellen Prüfung des Gesuchs
zuwarten, falls die Bauherrschaft nicht auf einer früheren Bekanntmachung besteht (Art. 25
BewD). Im Sinne eines fairen Verfahrens sollte drauf geachtet werden, dass nicht die ganze
Einsprachefrist in die allgemeine Ferienzeit fällt oder zu einer Zeit beginnt oder endet, in der
die Auflagestelle mehrere Tage geschlossen ist (beispielsweise über Weihnacht/Neujahr).25
c) Dass das Vorhaben ausschliesslich im amtlichen Anzeiger der Einwohnergemeinde
Biel/Bienne und nicht in demjenigen der Einwohnergemeinde Nidau publiziert wurde,
entspricht den Vorschriften und ist deshalb nicht zu beanstanden. Die erste, fristauslösende
Publikation erfolgte am Mittwoch, 12. Dezember 2018. Die Einsprachefrist endete somit am
Freitag, 11. Januar 2019. In der Publikation wurde darauf hingewiesen, dass der Auflageort
vom 22. Dezember 2018 (Samstag) bis 2. Januar 2019 (Mittwoch) geschlossen sei. Die
Schliessung betraf somit nur vier Arbeitstage in der Mitte der Einsprachefrist. Vor und nach
den Feiertagen bestand somit genügend Zeit, die Baugesuchsunterlagen einzusehen und
gegebenenfalls Einsprache zu erheben. Soweit der Beschwerdeführer eine unterlassene
bzw. fehlerhafte Publikation rügt, ist die Beschwerde unbegründet.
4. Fehlende Unterschrift des Grundeigentümers
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, weder sei ihm das Baugesuch unterbreitet, noch
sei seine Unterschrift eingeholt, noch sei er überhaupt darüber informiert worden, dass ein
Baugesuch für den Abbruch seines Gebäudes auf seinem Grundstück eingereicht worden
sei, noch sei er von der Baubewilligungsbehörde in das Verfahren einbezogen worden. Als
Eigentümer eines vom Baugesuch betroffenen Grundstücks hätte er das Baugesuch
23 Gemeindegesetz vom 16. März 1998 (GG; BSG 170.11) 24 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 9 25 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 7
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mitunterzeichnen müssen. Die bundesgerichtliche Praxis, wonach die Mitunterzeichnung
durch den Grundeigentümer entbehrlich sei, wenn der Baugesuchsteller ein
Enteignungsrecht besitze, greife hier aus folgenden Gründen nicht. Erstens sei dem fragliche
Bundesgerichtsentscheid26 das inhaltlich unterschiedliche Bundesenteignungsrecht
zugrunde gelegen, während vorliegend kantonales Recht anwendbar sei. Zweitens sei
vorliegend die Enteignung noch gar nie auf ihre Grundrechtskonformität hin geprüft worden.
Weder bei der Erteilung des Enteignungsrechts noch bei der noch nicht rechtskräftigen
vorzeitigen Besitzeseinweisung sei die von ihm bestrittene Verhältnismässigkeit geprüft
worden. Ohne Überprüfung des Eingriffes in seine verfassungsmässig geschützten Rechte
fehle jegliche Legitimation der Beschwerdegegnerin zur Stellung eines Baugesuchs für den
Abbruch seines Gebäudes. Drittens gebe es für das unkoordinierte Vorgehen der
Beschwerdegegnerin, ohne ausgeübtes Enteignungsrecht, ohne vorzeitigen Besitz, ohne
Grundrechtsprüfung des Enteignungsrechts, ohne Information des Grundeigentümers und
ohne Zustimmung des Eigentümers den Abbruch eines seiner Gebäude zu ersuchen, keine
kantonale gesetzliche Grundlage. Weder das kantonale Enteignungsrecht noch die
kantonale Baugesetzgebung würden ein solches Vorgehen vorsehen, sodass der
Gesamtbauentscheid nichtig sei. Viertens sei der fragliche Bundesgerichtsentscheid unter
altem Bundesverfahrensrecht und vor dem Inkrafttreten der neuen Bundesverfassung
ergangen. Mit Inkrafttreten des BGG27 und der neuen Bundesverfassung sei der genannte
Entscheid ohnehin überholt, da die weitergehenden Informationspflichten gemäss Art. 29
Abs. 2 BV und die Voraussetzung einer klaren gesetzlichen Grundlage bei einem schweren
Grundrechtseingriff gemäss Art. 36 Abs. 1 BV nicht erfüllt seien. Fünftens liege bis heute
keine Enteignungsverfügung vor. Das Enteignungsverfahren sei immer noch hängig.
Angemerkt sei, dass er von der Beschwerdegegnerin und den involvierten Behörden nicht
zum ersten Mal über Vorgänge, die sein Eigentum beträfen, nicht informiert worden sei. Der
Beschwerdeführer macht weiter geltend, zwar sei der Beschwerdegegnerin auf
planungsrechtlicher Stufe ein Enteignungsrecht eingeräumt worden. Weder im
Planerlassverfahren noch im Verfahren um vorzeitige Besitzeseinweisung habe eine Prüfung
der Grundrechtskonformität dieses Eingriffs stattgefunden. Mangels Prüfung des
erheblichen Eingriffs in seine Grundrechte (Eigentumsgarantie und Wirtschaftsfreiheit, Art.
26 und 27 BV) fehle die Legitimation der Beschwerdegegnerin, ein Baugesuch für den
Abbruch der Gebäude K._strasse 14/16 auf seinem Grundstück zu stellen. Weder
26 BGE 121 II 121 27 Bundesgesetz vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110)
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das kantonale Enteignungsgesetz noch die kantonale Baurechtsgesetzgebung sähen die
Möglichkeit vor, einem Dritten den Abbruch fremder Gebäude auf fremden Grundstücken
bewilligen zu können, ohne vorgängige Prüfung der Eingriffe in die Grundrechte, ohne
Verfahrenskoordination, ohne (vorzeitigen) Besitz und ohne Einwilligung des betroffenen
Eigentümers, geschweige denn ohne diesen überhaupt den Abbruch seiner Gebäude zu
informieren. Mangels Legitimation der Beschwerdegegnerin sei der Gesamtbauentscheid
antragsgemäss aufzuheben.
b) Das bernische Baurecht regelt nicht näher, wer berechtigt ist, ein Baugesuch
einzureichen Für die Legitimation ist deshalb auf die allgemeinen Grundsätze nach Art. 50
Abs. 2 VRPG abzustellen. Danach ist auf ein Gesuch um Erlass einer Verfügung einzutreten,
wenn ein schutzwürdiges Interesse nachgewiesen wird. Das Rechtsschutzinteresse muss
aktuell, praktisch und genügend intensiv sein, damit es als schutzwürdig gelten kann. Es
handelt sich um eine personenbezogene und damit subjektive Vorbedingung für einen
Sachentscheid. Erforderlich ist demnach kein rechtlich geschütztes Interesse, ein rein
tatsächliches, wirtschaftliches oder ideelles Interesse genügt.28 Gemäss Art. 10 Abs. 2 BewD
ist bei Bauten auf fremdem Boden die unterschriftliche Zustimmung der Grundeigentümerin
oder des Grundeigentümers beizubringen. Diese Vorschrift will vermeiden, dass sich die
Baubewilligungsbehörden mit Baugesuchen befassen müssen, die aus zivilrechtlichen
Gründen nie verwirklicht werden können, weil ihnen der Grundeigentümer oder die
Grundeigentümerin nicht zustimmt. Sie zielt darauf ab, unnötigen Verwaltungsaufwand zu
vermeiden, bezweckt aber nicht, umstrittene private Rechte, die dem Bauvorhaben
entgegenstehen könnten, im Baubewilligungsverfahren statt im dafür vorgesehenen
Zivilprozess zu überprüfen.29 Nach der Rechtsprechung kann auf die Mitunterzeichnung
durch den Grundeigentümer oder die Grundeigentümerin verzichtet werden, wenn die
gesuchstellende Person ein eigenes schutzwürdiges Interesse an der Beurteilung des
Baugesuchs hat. Das kann etwa dann zutreffen, wenn sie als Baurechtsinhaberin bauliche
Massnahmen durchführen möchte, zu deren Vornahme sie aufgrund der
Baurechtsdienstbarkeit ohne Zustimmung der belasteten Grundeigentümerin oder des
belasteten Grundeigentümers befugt ist, oder wenn sie als Stockwerkeigentümerin ein
Bauvorhaben ausführen will, das nur ihr Sonderrecht betrifft, ebenso, wenn sie das
Enteignungsrecht am Grundstück besitzt. An einem schutzwürdigen Interesse fehlt es
28 vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 50 N. 5 und Art. 51 N. 6 f. 29 BVR 2005 S. 130 E. 3.1
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hingegen in jenen Fällen, in denen das Ergebnis des Baubewilligungsverfahrens von
vornherein ohne Belang ist, weil ein fremdrechtliches Hindernis das Bauvorhaben
offensichtlich verhindert oder die Realisierung des Bauvorhabens mangels fremdrechtlicher
Voraussetzung völlig ungewiss ist. Anders verhält es sich, wenn bloss unklar ist, dass bzw.
ob einem Vorhaben ein fremdrechtliches Hindernis entgegensteht. In diesem Fall ginge es
nicht an, der Gesuchstellerin oder dem Gesuchsteller allein schon wegen der fehlenden
Parteierklärung das Rechtsschutzinteresse abzusprechen.30
c) Die Baugrundstücke liegen im Perimeter einer rechtskräftig genehmigten ZöN. Die
Beschwerdegegnerin verfügt somit über das Enteignungsrecht (vgl. Art. 128 Abs. 1 Bst. a
BauG). Unter diesen Umständen ist die Unterschrift des Beschwerdeführers auf dem
Baugesuch nicht erforderlich. Aufgrund des Enteignungsrechts hat die Beschwerdegegnerin
ein hinreichendes schutzwürdiges Interesse an der Prüfung ihrer Baugesuchs. Daran ändert
der Umstand, dass eine allfällige rechtskräftige Baubewilligung erst nach der Übertragung
des Grundeigentums auf die Beschwerdegegnerin ausgeübt werden kann, nichts. Die
Rügen, die Zustimmung des Grundeigentümers fehle und die Beschwerdegegnerin sei gar
nicht legitimiert, ein Baugesuch einzureichen, sind unbegründet.
5. Nichtigkeit
a) Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass die Bekanntmachung des fraglichen
Baugesuchs korrekt erfolgte. Der Beschwerdeführer hat es sich selber zuzuschreiben, dass
er sich nicht als Einsprecher am erstinstanzlichen Verfahren beteiligen konnte. Die
Voraussetzungen für eine nachträgliche Baubeschwerde sind deshalb nicht erfüllt. Es kann
darauf nicht eingetreten werden. Mangels (schwerwiegender) Verfahrensfehler liegen in
dieser Hinsicht auch keine Nichtigkeitsgründe vor.
b) Die Frage, ob die Gesamtbewilligung vom 6. Februar 2019 an einem inhaltlichen
Nichtigkeitsgrund leidet, beurteilt sich nach den allgemeinen Grundsätzen der
Rechtsprechung. Danach sind fehlerhafte Verwaltungsakte in der Regel nicht nichtig,
sondern nur anfechtbar, und sie werden durch Nichtanfechtung rechtsgültig. Nichtigkeit, d.h.
absolute Unwirksamkeit, einer Verfügung wird nur angenommen, wenn sie mit einem
30 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N. 10 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
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tiefgreifenden und wesentlichen Mangel behaftet ist, wenn dieser schwerwiegende Mangel
offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und wenn zudem die Rechtssicherheit
durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird. Inhaltliche Mängel haben
nur in seltenen Ausnahmefällen die Nichtigkeit einer Verfügung zur Folge; erforderlich ist
hierzu ein ausserordentlich schwerwiegender Mangel.31 Derartige Mängel sind bei der
umstrittenen Gesamtbewilligung jedoch nicht ersichtlich. Insbesondere wurde die
Bewilligung nicht gestützt auf die zwar genehmigte, aber noch nicht rechtskräftige
Überbauungsordnung «Feldschlössli-Areal» erteilt. Sie stützt sich viel mehr auf Art. 93 Abs.
1 Bst. a BauG, wonach in einer ZPP vor dem Erlass der Überbauungsordnung einzelne
Vorhaben bewilligt werden können. Die Rüge der fehlenden planungsrechtlichen Grundlage
ist deshalb offensichtlich unbegründet. Das Gleiche gilt für die Rüge, die Koordinationspflicht
sei verletzt worden. Das Bundesrecht und das kantonale Recht verlangen eine formelle und
materielle Koordination, wenn die Errichtung oder Änderung einer Baute oder Anlage
Verfügungen mehrerer Behörden erfordert (Art. 25a Abs. 1 RPG, Art. 1 KoG). Die
Koordinationspflicht reicht bei Bauten und Anlagen allerdings nur soweit, als ein
Koordinationsbedarf besteht. Verlangt wird nicht, dass mehrere Bauvorhaben zwingend
koordiniert behandelt werden müssen, die einen gewissen Bezug zueinander aufweisen.
Eine Pflicht zur Koordination besteht einzig, wenn diese Vorhaben einen derart engen
sachlichen Zusammenhang haben, dass sie nicht sinnvoll getrennt voneinander beurteilt
werden können. Dies ist bei der vorliegenden Abbruchbewilligung offensichtlich nicht der
Fall. Somit ist die Nichtigkeit auch hinsichtlich der inhaltlichen Mängel zu verneinen.
c) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nichts vorbringt, das
geeignet wäre, den Gesamtentscheid nichtig oder rechtswidrig erscheinen zu lassen. Das
Rechtsbegehren Ziffer 1 ist deshalb abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Im
Übrigen kann auf seine nachträgliche Baubeschwerde nicht eingetreten werden, da die
Voraussetzungen dazu (unverschuldete Nichtbeteiligung am Baubewilligungsverfahren)
nicht erfüllt sind.
6. Kosten
31 Vgl. BGE 137 I 273 E. 3.1 S. 275 mit Hinweisen
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a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat deshalb
die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'600.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV32).
b) Die Beschwerdegegnerin ist nicht berufsmässig vertreten. Parteikosten sind somit
keine angefallen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
32 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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