Decision ID: e991606d-ceac-4a4a-97fe-678fc67d0b5b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964,
übte nach
seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 1990
(Urk.
7/60/1) verschiedene Hilfsarbeitertätigkeiten aus. Von
Januar
2009
bis
Oktober 2013 war er bei der
Y._
AG (heute
Z._
AG) als Weberei
mitarbeiter tätig (Urk.
7/134/3, Urk.
7/183
). Nach seinem Austritt bezog er Arbeitslosentaggelder bei der
Unia
Arbeitslosenkasse Horgen und war dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert (Urk.
7/1/1,
Urk.
7/134/3). Am 17. Dezember 2014 verletzte er sich beim Tragen und Ziehen eines grossen und schweren Schrankes an der rechten Schulter
und war fortan zu 100 % arbeitsunfähig
(Urk. 7/1/1
, Urk. 7/29
). Aufgrund der diagnostizierten voll
ständigen Ruptur der langen
Bizepssehne
sowie einer ausgedehnten
transmuralen
Läsion der gesamten
Supraspinatussehne
bei engem
Subacromialraum
und einer for
tgeschrittenen Arthrose de
s
Ac
r
omioc
lavi
c
ularg
elenks
(AC-Gelenks)
wurde er am
24. Dezember 2014
erstmals im
Spital A._
operiert
(Urk. 7/8/1).
Die Suva übernahm die Heil
behandl
ungskosten und richtete Taggelder aus (Urk. 7/1
2
, Urk. 7/229/2).
Die Behandler des
Spitals A._
berichteten in ihrem Ab
schlussbericht vom 4. Juni 2015 von klinisch günstigen Verhältnissen und attestierten dem Versicherten ab dem 6.
Juli 2015
wieder
eine volle Arbeitsfähig
keit (Urk. 7/30).
1.2
Der Versicherte war
in der Folge
wieder erwerbstätig
und bezog
ab März 2017
erneut
Arbeitslosentaggelder
(Urk. 7/134/3)
, als er am
9. Dezember 2017
auf einem Parkplatz ausrutschte und auf die rechte S
eite
stürzte (Urk. 7/34/3).
Infolge der erlittenen Schulter- und Ellenbogenkontusion
wurde ihm durch die Behandler erneut eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
(Urk. 7/36
, Urk. 7/194
).
Nach
dem
am
7.
Februar 2018
bildgebend eine partielle Re-Ruptur der
rechten
Supra
spinatussehne
festgestellt worden war (Urk. 7/35/1), wurde der Versicherte am 24. Mai 2018
und am 11. April 2019
erneut an der rechten Schulter operiert (Urk. 7/58
, Urk. 7/117)
.
Die Suva ging von einem Rückfall zum U
nfall vom 17. Dezember 2014 aus und
übernahm
wiederum
die
Heil
behandl
ungskosten und
gewährte
Taggelder (vgl. Urk. 7/47, Urk. 7/229/2 f.).
1.3
Bereits a
m
3. März 2019
war
der Versicherte sodann in der Badewanne aus
gerutscht
und
hatte
sich an der linken Schulter
verletzt
(Urk. 7/94). Er begab sich daraufhin am 5. März 2019 in die Notaufnahme der
C
hirurgischen Klinik des
Spitals A._
, wo eine Rippen- sowie eine Schulterkontusion links diagnostiziert wurden
, die mittels Analgesie behandelt wurden
(Urk. 7/149/1 f.).
Am 1
6.
Juli 2019
wurde beim Versicherten
laut Bericht der Kardiologen des
Spitals B._
aufgrund eines gleichentags erlittenen akuten Myokard
infarktes eine
Stentimplantation
vorgenommen
, nachdem er bereits im Februar 2017
mit Stents behandelt worden war (
Urk.
7/169/7-9).
1.4
Die Suva liess den
Versicherten
am
9. Dezember 20
19 kreisärztlich durch Dr. med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie, untersuchen (Urk. 7/192
-193, vgl. auch Urk. 7/204/1
sowie die Ergänzung vom
23. Januar 2020
,
Urk. 7/217).
Mit Schreiben vom 11. Dezember 2019 teilte die Suva dem Versicherten mit, sie werde die Taggelder per 31. Januar 2020 einstellen (Urk. 7/201/1). Schliesslich verneinte
sie
mit
Verfügung vom 15. Januar 2020 einen Anspruch auf eine I
nvalidenrente, da keine erhebliche un
fallbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit vorliege
.
Für die verbleibenden Unfallfolgen richtete sie
dem Versicherten eine Integritäts
entschädigung von Fr. 22'050.--, entsprechend einer Integritätseinbusse von 17.5 %
,
aus (Urk. 7/210/4).
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 7. Februar respektive 11. März 2020 Einsprache (Urk. 7/219, Urk. 7/225). Diese wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom 28. August 2020 ab (Urk. 7/232 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 23. September 2020 Beschwerde und bean
tragte, es sei der angefochtene
Einspracheentscheid
insoweit aufzuheben, als ihm keine weiteren gesetzlichen Leistungen mehr und keine 17.5 % übersteigende Integritätsentschädigung ausgerichtet würden. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten – allenfalls nach Vornahme der notwendigen Abklärungen – die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu gewähren, insbesondere habe sie weitere Taggelder und Heilbehandlungskosten zu übernehmen sowie eine 17.5 % über
steigende Integritätsentschädigung
auszurichten
. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Rechts
ver
tretung
(Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 20. Oktober 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Dies wurde dem Beschwerdeführer mit
Verfügung
vom 12. November 2020 mitgeteilt. Zugleich wurde ihm die
unentgeltliche
Rechtsvertretung
bewilligt und Rechtsanwalt Kaspar Gehrig als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (Urk. 11).
Mit Beschluss vom 2
2.
September 2021 wies das Gericht den Beschwerdeführer auf eine mögliche Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin und eine daraus allenfalls resultierende Schlechterstellung hin und räumte ihm Gelegen
heit ein, dazu Stellung zu nehmen oder
die
Beschwerde zurückzuziehen (
Urk.
13).
Mit Eingabe vom
4.
Oktober 2021 hielt der Beschwerdeführer an seiner Beschwerde fest und ersuchte nunmehr um Rückweisung der Sache an die Suva (
Urk.
15).
3.
In Gutheissung der Beschwerde im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren IV.2021.00309
in Sachen des Beschwerdeführers
hebt
das Sozialversicherungs
gericht mit heutigem Urteil
ausserdem
die Verfügung der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle,
vom 25. März 2021 auf
, mit der dem Beschwerdeführer eine vom
1.
März 2019 bis 3
1.
März 2020 befristete ganze Rente zugesprochen worden
ist
,
und
weist
die Sache an
die IV-Stelle
zur ergänzenden medizinischen Abklärung zurück.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1
UVG
ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invaliden
versicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heil
behandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht wer
den kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Wor
ten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Ist die Unfallkausalität einmal
mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfall
versicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheits
schadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglich
keit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweislast
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten mass
gebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leistungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen
Einspracheentscheid
, es könne auf die Beurteilung des Kreisarztes Dr.
C._
abgestellt werden
(Urk.
2
S. 7)
.
Betreffend die Beschwerden an der linken Schulter sei der Status quo sine per 8. Juli 2019 eingetreten (Urk.
2
S. 7 f.).
Bei der Rentenprüfung sowie der Beurteilung der Integritätsentschädigung seien daher einzig die unfallkausalen Beschwerden an der rechten Schulter zu berücksichtigen. Die unfallfremden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wie die koronare Herzerkrankung und auch allfällige psychische Beschwerden
,
seien demgegenüber nicht relevant. Im Übrigen
sei der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 17. Dezember 2014 und allfälligen psychischen Beschwerden ohnehin zu ver
neinen (Urk. 2 S. 8).
Mit Bezug auf
die unfallbedingten Folgen an der rechten Schulter
könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr mit einer nam
haften Besserung des Gesundheitszustandes gerechnet werden.
Sie, d
ie Suva
,
habe daher ihre Leistungen zu Recht per 31. Januar 2020 eingestellt und einen Rentenanspruch geprüft (Urk. 2 S. 9).
Sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen seien anhand der perio
disch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen des Bundes (LSE) zu ermitteln (Urk. 2 S.
12 f.). Aufgrund der Einschränkungen an der rechten Schulter recht
fertige sich kein höherer Leidensabzug als 5 %
auf dem Invalideneinkommen
. Die unfallbedingte Erwerbseinbusse betrage 5 %, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (Urk. 2 S. 14). Die Beurteilung des Kreisarztes betreffend die Integritätsentschädigung sei schlüssig und nachvollziehbar, weshalb darauf abzustellen sei. Die Suva habe die Integritätsentschädigung korrekt bemessen (Urk. 2 S. 16).
2.2
Der Beschwerdeführer
machte in formeller Hinsicht geltend, die Begründung des
Einspracheentscheids
setze sich nicht mit
seinen Vorbringen
auseinander
, was seinen
Anspruch auf rechtliches Gehör
verletze
(
Urk.
1 S. 4). Weiter
stellte
er
sich
zusammen
gefasst
auf den Standpunkt,
d
ie Beschwerdegegnerin stütz
e sich auf eine kreisärztliche Beurteilung, an welcher Zweifel bestünden
,
und schliesse vo
n
einer unzureichend abgeklärten und begründeten fiktiven Zumutbarkeits
beurteilung auf einen fiktiven Gesundheitsschaden bei einem fiktiven Arbeits
markt und fiktiven «invaliditätsfremden» Faktoren, ohne dass sie diese je ab
geklärt habe und ohne dass dazu die erheblich differenzierte
re
Rechtsprechung und Lehre berücksichtigt würde
n
(Urk. 1 S. 14). Auf den von der Beschwerde
gegnerin vorgenommenen Einkommensvergleich könne ebe
nfalls nicht abgestellt werden (Urk. 1 S. 15). Ein Tabellenlohnabzug von 5 % werde seinem Fall nicht gerecht (Urk. 1 S.
16
).
Es resultiere auf jeden Fall ein Invaliditätsgrad von erheb
lich mehr als 5 % (Urk. 1 S. 17).
2.
3
Strittig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt rechts
genügend abgeklärt hat und ihre Leistungen zu Recht per 31. Januar 2020 ein
gestellt hat
,
welches die unfallbedingten Folgen sind und
ob der Beschwerde
führer
Anspruch auf eine Rente
hat
sowie
die Höhe der
Integritätsentschädigung.
3.
3.1
Dem
Operations
bericht des
Spitals A._
vom
4.
Oktober 2012
lässt sich unter anderem die Diagnose
eines Karpaltunnelsyndroms beidseits und
einer
transmuralen
Rotatorenmanschettenläsi
on
der
Supraspinatussehne
links
ent
nehmen. Der Beschwerdeführer unterzog sich am 23. August 2012 einer
Karpal
tunnelspaltung links und einer
offenen
transossären
Reinsertion
der
Supra
spinatussehne
an der linken Schulter sowie einer
Acromioplastik
und einer lateralen
Clavicularesektion
(Urk. 7/
142
).
Dieser Eingriff wurde gemäss Akten
notiz der Beschwerdegegnerin über den Krankenversicherer abgerechnet (
Urk.
7/144).
3.2
Im Nachgang zum Unfall vom 14. Dezember 2014 wurde
n
beim Beschwerde
führer eine vollständige Ruptur der langen
Bizepssehne
im
Sulcus
intertuber
cularis
, eine ausgedehnte
transmurale
Läsion der gesamten
Supraspinatussehne
, ein äusserst enger
Subacromialraum
bei
Acromion
Typ
II sowie eine fortgeschrittene AC-Gelenksarthrose rechts festgestellt. In der Folge unterzog sich der Beschwerdeführer am 24. Dezember 2014 einer
Arthrotomie
sowie einer
Acromioplastik
, einer lateralen
Clavicularesektion
, einer
Tenodese
der langen
Bizepssehne
im
Sulcus
intertubercularis
und einer
transossären
Reinsertion
der
Supraspinatussehne
rechts (Operationsbericht
Spital A._
vom 5. Januar 2015, Urk.
7/8/1).
Mit Bericht vom 4. Juni 2015 zeigte sich der Behandler des
Spitals A._
sehr zufrieden mit dem postoperativen Verlauf (Urk. 7/30/1) und
bescheinigte
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 19. Dezember 2014 bis 5. Juli 201
5.
Ab dem 6. Juli 2015 sei der Beschwerdeführer wieder zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 7/30/2).
3.
3
Nachdem der Beschwerdeführer bei seinem zweiten Unfall vom 9. Dezember 2017 wiederum auf die rechte Schulter gefallen war
, litt er erneut unter Schulter- und Ellbogenschmerzen rechts
(Urk. 7/34/3)
. Anlässlich der bildgebenden Unter
suchung vom 7. Februar 2018 wurde
n
eine hochgradige partielle Re-Ruptur der
rechten
Supraspinatussehne
mit
einer
Sehnenretraktion bis in die
Humeruskopf
mitte
sowie eine leichte
Tendinose
der
Infraspinatussehne
festgestellt (Urk. 7/35/1).
Dem Operationsbericht vom 24. Mai 2018 lässt sich entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer gleichentags einer Supra-/
Infraspinatussehnen
-Re-Rekon
struktion an der rechten Schulter unterzog (Urk. 7/58/3). Bereits in der MRI-Untersuchung der rechten Schulter vom 4. Oktober 2018 wurde
n
jedoch
eine erneute komplette Re-Ruptur mit Retraktion der
Supraspinatussehne
sowie eine subtotale Ruptur der ventralen Anteile der
Infraspinatussehne
bei zusätzlich
vor
bestehender
Tendinopathie
zur Darstellung gebracht
(Urk. 7/67).
In der Schultersprechstunde der
Klinik D._
vom 10. Oktober 2018 beri
chtete der behandelnde Dr. med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, der Beschwerdeführer sei insgesamt massiv von der Situation mitgenommen, da er durchaus arbeitswillig und ein sehr aktiver Mensch sei. Es scheine, als ob ihm die Gesamtsituation sehr auf die Psyche drücke. Der Beschwerdeführer habe offenbar von seiner Ehefrau stimmungs
aufhellende Medikamente eingenommen, welche ihm nach eigener Aussage gut
täten. Er – Dr.
E._
– sei der Meinung, dass der Beschwerdeführer durchaus von einer antidepressiven Medikation profitieren könne
,
und bitte die Hausärztin, ihn diesbezüglich zu beraten (Urk. 7/68).
Auf Zuweisung durch den Arzt der
Klinik D._
wurde der Beschwerdeführer in der Schultersprechstunde
der Universitätsklinik
F._
untersucht.
Die
dortigen
Ärzte
berichteten am 6. Dezember 2018 über persistierende Schmerzen nach den Operationen.
Sie empfahlen eine Infiltration und eine konservative Behandlung oder eine
n
erneuten Rekonstruktionsversuch
mittels Patch-Augmentation
.
Der Beschwerdeführer sei aktuell zu 100 % krankgeschrieben (Urk. 7/
78
).
3.
4
Am 3. März 2019
rutschte
der Beschwerdeführer in
d
er Badewanne aus und
fiel
auf die linke Schulter (Urk. 7/94 f.). Am 5. März 2019 begab er sich deswegen in die Notaufnahme der
C
hirurgischen Klinik des
Spitals A._
(Urk. 7/149/1).
In der gleichentags vorgenommenen Bildgebung erkannte der Untersucher eine regelrechte Artikulation
glenohumeral
sowie kleine Geröllzysten im
Tuberculum
majus
und einen kleinen Hill-Sachs-Defekt. Zudem sah er eine Erweiterung im linken AC-Gelenk (differentialdiagnostisch: Erguss). Er befand, eine Luxation sei nicht ausgeschlossen. Ansonsten bestehe kein Hinweis auf eine
ossäre
Läsion oder Luxation. Im Übrigen sah er eine unauffällige Darstellung der knöchernen Strukturen (Urk. 7/165).
Basierend darauf stellten die Ärzte des
Spitals A._
in ihrem
ambulanten Notfallbericht
vom 5. März 2019
die Diagnosen einer Rippenkontusion des linken kranialen
Hemithorax
sowie einer Kontusion der linken Schulter
. Für das weitere Prozedere empfahlen die Ärzte die Einnahme von Analgesie und eine klinische Kontrolle bei der Hausärztin (Urk. 7/149/2). Sie attestierten dem Beschwerde
führer eine Arbeitsunfähigkeit vom
5.
bis zum 8. März 2019 (Urk. 7/149/3).
Dr.
E._
von der
Klinik D._
zog
am 22. März 2018
nach
der
Untersuchung der linken Schulter
ein traumatisches
Impingement
in Betracht
. Aufgrund der geplanten Operation an der rechten Schulter sei derzeit keine Infiltration zu setzen. Er verschrieb dem Beschwerdeführer Physiotherapie und sah eine weitere Kontrolle vor (Urk. 7/101/2).
3.
5
Nachdem konservative Massnahmen nicht zu einer
Minderung der Schmerzen und der Bewegungseinschränkung an der rechten Schulter geführt hatten
(Urk. 7/101/3), unterzog sich der Beschwerdeführer am 11. April 2019 einer dritten Operation an der rechten Schulter (Schulterarthroskopie rechts mit Re-Rekonstruktion der
Supraspinatus
-,
Infraspinatus
-
und
der
Subscapularissehne
)
sowie einem intraartikulären
Débridement
(Urk. 7/117/1). Im Austrittsbericht des Spitals
G._
über die
Hospitalisation
bis am 1
3.
April 2019
wurde über einen
unkomplizierten
postoperativ
en
Verlauf berichtet (Urk. 7/111/2).
Bereits in der MRI-Untersuchung des rechten Schultergelenks vom 9. Juli 2019 zeigte
n
sich eine erneute Re-Ruptur der
Supraspinatussehne
mit einer Re-Ruptur des Sehnenstumpfes sowie eine Ruptur des
superioren
Anteiles der
Infraspinatus
sehne
(Urk. 7/119).
3.
6
Am 8. Juli 2019 fand eine weitere MR-tomographische Untersuchung des linken Schultergelenks statt.
Der Radiologe erkannte dabei eine ausgeprägte
Tendino
pathie
der
Bizepssehne
mit zusätzlicher Subluxation derselben nach medial bei einer wahrscheinlichen
Pulley
-Läsion. Differentialdiagnostisch sei eine
Subluxation der
Subscapularissehne
bei deutlicher
Tendinopathie
nicht sicher ausgeschlossen. Zudem bestehe eine ansatznahe Ausdünnung der gelenkseitigen
S
u
praspinatussehne
, welche differentialdiagnostisch postoperativ bedingt sei. Eine zusätzliche Partialruptur sei nicht sicher ausgeschlossen. Des Weiteren bestehe eine
Ansatztendinopathie
der
Infraspinatussehne
(Urk. 7/205).
3.
7
Am 23. August 2019 wurde der Beschwerdeführer von der
Klinik D._
erneut für eine Zwei
t
meinung betreffend die Beschwerden in der rechten Schulter
an
die Universitätsklinik
F._
überwiesen. Die
dortigen
Ärzte stellten
im Bericht vom
5.
September 2019
die Diagnose einer irreparable
n
Re-Re-Ruptur der
Supra
spinatussehne
sowie einer partiellen Re-Ruptur de
s
Infraspinatus
der rechten Schulter. Sie hielten diesbezüglich fest, der Beschwerdeführer beklage eine ein
geschränkte Beweglichkeit der rechten Schulter. Die Schmerzen seien konstant und verstärkten sich beim Bewegen (Urk. 7/143/2). Auch auf der linken Seite bestehe eine ausgeprägte Schmerzproblematik bei einer Partialruptur des Supra- und
Infraspinatus
(Urk. 7/143/2 f.). Aktuell zeig
t
e
n
sich vor allem ein Rehabilitationsdefizit sowie ein Schmerzproblem. Zudem sei die letzte Operation erst viereinhalb Monate her. Aktuell zeige sich klar keine Indikation für einen Sehnentransfer
an der rechten Schulter
. Dies
aufgrund
der fr
ischen postoperativen Situation, des
- am 1
6.
Juli 2019 (vgl.
Urk.
7/169/7) -
erlittenen Myokardinfarktes
sowie der
Schmerzproblematik. Es seien die konservativen Massnahmen, wie Infiltrationen, auszuschöpfen (Urk. 7/143/3).
3.
8
Am 6. November 2019 erklärte Dr.
med.
H._
, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates von der
Klinik D._
, die Situation sei insgesamt schwierig bei Status nach beidseitigen Schultervoroperationen und einer zumindest rechtsseitig vorliegenden schmerz
haften Re-Ruptur. Im Grunde bl
e
ibe
als Rückzugsoption nur eine invers-prothetische Versorgung.
Zum einen sei der Beschwerdeführer jedoch für ein solches Prozedere noch sehr jung und zum anderen scheine die kardiale Situation sehr schwierig zu sein.
Es könnten
alternativ weder im konservativen noch im operativen Bereich erfolgsversprechende Therapiealternativen
angeboten werden
. Momentan
werde
die Arbeitsunfähigkeit bei 100 %
belassen
(Urk. 7/178).
Mit E-Mail vom 6. November 2019 an die Beschwerdegegnerin führte die Haus
ärztin
des Beschwerdeführers, Dr. med.
I._
, Praktische Ärztin,
aus,
der Beschwerdeführer sei aus kardiologischer Sicht mit einer koronaren 3-Gefäss
erkrankung als Risikopatient für eine Schulteroperation einzustufen. Sie glaube, es sei nicht sinnvoll, eine risikoreiche Operation durchführen zu lassen. Alternativ habe sie dem Beschwerdeführer vorgeschlagen, ihn beim Schmerzspezialisten in
G._
zur Optimierung seiner Schmerzmedikation anzumelden, da beim Schulterschaden, der ja nun chronisch bleibe, von dauerhaften Schmerzen aus
zugehen sei (Urk. 7/181/1).
3.
9
Am 10. Dezember 2019 erstattete der Kreisarzt Dr.
C._
seinen Bericht über die Abschlussuntersuchung vom 9. Dezember 2019 (Urk. 7/192).
Darin nannte er die Diagnosen einer Defektläsion der rechten
Rotatorenmanschette
bei Status nach dreimalige
r
Naht am 24. Dezember 2014, 24. Mai 2018 und 1
1.
April 2019 sowie Schulterbeschwerden links bei wahrscheinlicher Läsion der
Rotatoren
manschette
nach einer direkten Kontusion am 5. März 2019 (richtig: 3. März 2019, Urk. 7/94) und bei Status nach einer
krankheitsbedingten
Rotatore
n
manschettennaht
am 23. August 2012 (Urk. 7/192/7).
Bezüglich der rechten Schulter liege bildgebend bestätigt eine De
fektsituation der
Rotatorenmanschette
vor, wobei vorauszu
s
ehen gewesen sei, dass die Operation vom 11. April 2019 nicht erfolgreich habe sein können. Retrospektiv hätte
d
er
Beschwerdeführer
damals liebe
r
eine inverse Schulterprothese implantieren lassen sollen. Dieser Eingriff werde
von ihm
jetzt
aber
wegen des nicht garantierten Erfolgs und wegen der kardialen Risikosituation abgelehnt. Zudem hätten auch Dr.
H._
von der
Klinik D._
und die
Ärzte der
Universitätsklinik
F._
davon abgeraten.
Bezüglich der linken Schulter sei gemäss heutigem Wissensstand davon auszu
gehen, dass es am 5. März 2019 (richtig: 3. März 2019, Urk. 7/94) lediglich zu einer einfachen
,
direkten Kontusion der linken Schulter gekommen sei. Der damalige klinische Befund bei der notfallmässigen Beurteilung im
Spital A._
, die heute zugängliche Beurteilung und der heutige klinische Befund sprächen dafür, dass hier lediglich noch Residuen der früheren, zu Lasten der Krankenkasse durchgeführten Operation der linken Schulter aus dem Jahr 2012 vorlägen. Insbesondere der Hochstand der lateralen Clavicula mit angedeutetem Klaviertastenphänomen gehe auf die damals durchgeführte Resektion der lateralen Clavicula
(des AC-Gelenks) zurück.
Eine Schädigung des AC-Gelenks am 3. März 2019 könne anhand der damaligen Befunddokumentation aus
geschlossen werden. Er
– Dr.
C._
–
werde diese Beurteilung lediglich dann überdenken, wenn wirklich – wie der Beschwerdeführer ihm gesagt habe – eine MR-tomographische Untersuchung der linken Schulter erfolgt sei. Die Beurteilung der fehlenden Unfallfolgen bezüglich der linken Schulter sei für den Beschwerdeführer kaum nachteilig, da ja die Beurteilung der zumutbaren Arbeit für die rechte Schulter auch eine sehr erhebliche Entlastung für die linke Schulter darstelle (Urk. 7/192/7).
Bei fehlenden Therapieoptionen sei die Situation bezüglich der rechten Schulter stabil. Entsprechend sei der versicherungstechnische Abschluss durchzuführen. Rein bezogen auf das unfallkausale Schulterproblem und ohne Berücksichtigung der multiplen übrigen Beschwerden sei dem Beschwerdeführer eine leichte Arbeit mit Belastungen bis 10 Kilogramm vollzeitig und vollschichtig zumutbar. Dies ohne Berücksichtigung des Alters, der Ausbildung, der Sprache, der sozio
ökonomischen Verhältnisse und der krankheitsbedingten Beschwerden. Die manuelle Tätigkeit dürfe lediglich bis zur Schulterhöhe reichen und müsse körpernah durchgeführt werden. Im Übrigen seien Tätigkeiten, die zu starken Erschütterungen und massiven Vibrationen der Arme führten, nicht zumutbar (Urk. 7/192/7).
Betreffend die Höhe der Integritätsentschädigung merkte der Kreisarzt an,
es seien die Tabellen 1 und 5 über die Integritätsentschädigung anzuwenden. I
m vor
liegenden Fall
mit einer Defektläsion der rechten
Rotatorenmanschette
bestehe höchstens eine geringe Arthrose. Es sei vom Mittelwert der Angaben
für
eine mässige (10 %) und
eine
schwere (25 %)
Periarthrosis
humero-scapularis
auszu
gehen. Dies mit der Begründung, dass bei einem
chronifizierten
Schmerzsyndrom die Angaben des Beschwerdeführers nicht vollumfänglich berücksichtigt werden könnten, dass andererseits aber eine Defektsituation der
Rotatorenmanschette
mit ordentlicher Restbeweglichkeit aber auch medizinisch nachvollziehbare Beschwerden bestünden (Urk. 7/193/1).
3.
10
Nach Vorlage des MRI-Befundes vom 8. Juli 2019
des linken Schultergelenks
(Urk. 7/205
; vorstehend E. 3.6
) verfasste der Kreisarzt am 23. Januar 2020 eine ergänzende Aktenbeurteilung
betreffend die linke Schulter
.
Darin erklärte er, der Befund des besagten MRI
lasse
erkennen, dass es beim
bagatellären
Ereignis vom 3. März 2019 nicht zu einer zusätzlichen strukturellen Schädigung der linken Schulter gekommen sei. Die Befunde bei der MRI-Untersuchung entspräche
n
eine
m
typischen Verlauf nach
der
früheren Behandlung einer Läsion der
Rotatorenmanschette
. Spätestens zum Zeitpunkt der MRI-Untersuchung der linken Schulter am 8. Juli 2019 könne ein Status quo sine erkannt werden (Urk. 7/217/1 f.).
3.
11
Am 17. Februar 2020 fand eine weitere MR-tomographische Untersuchung der linken Schulter statt. Aus dem gleichentags verfassten Bericht geht hervor, dass weiterhin deutliche
Zeichen einer
Tendinopathie
der
Bizepssehne
mit leichter Subluxation derselben nach medial bei wahrscheinlicher
Pulley
-Läsion
bestünden
. Eine zusätzliche Läsion der
Subscapularissehne
bei einer Signal
alteration am
Oberrand
und einer
Tendinopathie
sei nicht sicher ausgeschlossen. Bei Status nach Supra- und
Infraspinatus
-Rekonstruktion
und deutlichen post
operativen Veränderungen
ergebe sich kein Anhaltspunkt für eine Re-Ruptur der
selben
(Urk. 7/235/2).
4.
4.1
Die Beschwer
degegnerin vertrat gestützt auf die kreisärztlichen Beurteilungen von Dr.
C._
vom 10. Dezember 2019 und vom 23. Januar 2020 die Ansicht, betreffend die linke Schulter sei der Status quo sine spätestens im Zeitpunkt der MRI-Untersuchung vom 8. Juli 2019 erreicht gewesen. Zudem verneinte sie
ihre
Leistungspflicht hinsichtlich
allfälliger
psychische
r
Beschwerden
sowie
einen Rentenanspruch
. Ferner
sprach
sie
dem Beschwerdeführer
eine
Integritäts
entschädigung
für einen Integritätsschaden
von 17.5 %
zu
(Urk. 2 S. 7
f., S. 14 und S. 16
, Urk.
7/192, Urk. 7/193, Urk. 7/217).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Ver
sicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
4.2
Betreffend
die
linke Schulter
legte der Kreisarzt dar, der Status quo sine
sei
spätestens
im
Zeitpunkt der MRI-Untersuchung vom 8. Juli 2019 eingetreten
gewesen
(Urk. 7/217/2). Zunächst fällt auf, dass
dem K
reisarzt offenbar weder bei seiner Beurteilung vom 10. Dezember 2019 noch vom 23. Januar 2020 sämtliche medizinischen
Akten vorlagen. So
verfügte er
insbesondere
nicht über den MRI-Befund
von
vor der Operation vom 23. August 2012 (
Arthrographie
des linken Schultergelenks vom 1. Februar 2012, Urk. 7/153). Dies, obwohl
der Kreisarzt Dr. med.
J._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
, am 18. September 2019 die Beschwerdegegnerin aufgefordert hatte, noch die präoperative Bild
gebung einzuholen (Urk. 7/144/2).
Ohne den genauen Verlauf seit der Bildgebung aus dem Jahr 2012 zu würdigen,
leuchtet
es daher
auch nicht ein, weshalb
der Kreisarzt Dr.
C._
in seiner Beurteilung vom 23. Januar 2020 zum Schluss kam,
der
Befund
aus
der MRI-Untersuchung vom 8. Juli 2019 entspreche einem typischen Verlauf nach einer früheren Behandlung einer
Läsion der
Rotatoren
manschette
(Urk. 7/217/2).
Auch
an der
Schlussfolgerung des Kreisarztes, wonach es am 3. März 2019 lediglich zu einer einfachen Kontusion
und nicht zu einer zusätzlichen strukturellen Schädigung
der linken Schulter gekommen sei (Urk. 7/192/7
, Urk. 7/217/2
),
bestehen zumindest geringe Zweifel.
Zwar stellten auch die Ärzte der Notfallstation des
Spitals A._
diese Diagnose (Urk. 7/149/2). Im
MRI-Befund vom 5. März 2019
wurde allerdings
festgehalten, eine Luxation sei nicht auszuschliessen (Urk. 7/165).
Auch im MRI-Befund vom 8. Juli 2019
konnte
der begutachtende Radiologe eine Oberrandläsion der
Sub
scapularissehne
differentialdiagnostisch nicht ausschliessen. Ferner konnte
er
auch eine zusätzliche Partialruptur der
Supraspinatussehne
nicht sicher
ver
neinen
und
er
hielt
eine
Pull
e
y
-Läsion für wahrscheinlich
(Urk. 7/205)
. Diese Befunde wurden im
aktuellsten
MRI vom 17. Februar 2020 bestätigt (Urk. 7/235/2)
. Wes
halb aus dem Befund vom 8. Juli 2019
demnach
ersichtlich sein sollte, dass die Beschwerden degenerativer und nicht unfallbedingter Natur sein sollten (Urk. 7/217/
2), erklärte der Kreisarzt nicht
.
Dies fällt hier umso mehr ins Gewicht, als
Dr.
C._
auch nicht erörterte, ob die Suva für diese Verletzungen allenfalls im Rahmen von
Art.
6
Abs.
2 UVG (in der sei
t
1.
Januar 2017 in Kraft stehenden Fassung) einzustehen hat.
Im Übrigen sprach auch Dr.
E._
in seinem Bericht vom 17. Dezember 2019 von einem traumatischen
Impingement
(Urk. 7/101/2), womit sich der Kreisarzt nicht auseinandersetzte
, obschon rechtsprechungs
gemäss mit Blick auf die Unfallkausalität in jedem Einzelfall zu prüfen ist,
welche Bedeutung de
m
Begriff
«(
post
)
traumatisch
»
beizumessen ist
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_856/2017 vom
2.
Mai 2018 E. 5.3).
Damit bestehen
zumindest geringe
Zweifel an der kreisärztlichen Beurteilung hinsichtlich der linken Schulter.
Aufgrund der derzeitigen Aktenlage lässt sich damit nicht beurteilen, ob die Beschwerden an der linken Schulter im massgeblichen Zeitpunkt des Fall
abschlusses per 31. Januar 2020 (Urk. 7/198/3) noch natürlich kausal
zum Unfall vom
3.
März 2019
waren
und inwieweit die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in
einer
alternativen Tätigkeit durch diese (allfälligen) natürlich unfall
kausale
n
Leiden eingeschränkt war. Diesbezüglich besteht weiterer Abklärungs
bedarf.
Insofern bestehen aber auch Zweifel am festgelegten Zumutbarkeitsprofil, in welchem der Kreisarzt die Beschwerden an der linken Schulter
ausdrücklich
ausschloss (Urk. 7/
192/7).
Es genügt
hierbei
insbesondere nicht, wenn der Kreis
arzt lediglich darauf verweist, die Beurteilung bezüglich der linken Schulter
sei
für den Beschwerdeführer kaum nachteilig, da ja die Beurteilung der zumutbaren Arbeit für die rechte Schulter auch eine sehr erhebliche Entlastung der linken Schulter darstelle (Urk. 7/192/7).
Diese Ausführung leuchtet nicht ein.
4.3
Sodann
bestehen aufgrund der Aktenlage Anhaltspunkte, dass
der Beschwerde
führer unter psychischen Unfallfolgen leidet.
Er
erwähnte
zwar gegenüber der
Beschwerdegegnerin ,
er brauche keine psychologische Betreuung
, welcher Aus
sage bei allenfalls fehlender Krankheitseinsicht
ohne
fach
ärztliche Beurteilung nicht ohne Weiteres gefolgt werden darf
.
Zudem
erklärte er auch, der Unfall belaste ihn und er könne nur schlecht schlafen (Urk. 7/147). Auch Dr.
E._
warf die Frage nach einer stimmungsaufhellenden Medikation auf
und der Beschwerdeführer gab gegenüber
dem Kreisarzt an, er nehme
Seropram
zur Beruhigung
(
U
rk. 7/68
, Urk. 7/192/5
). Der Kreisarzt sprach zudem von einem
chronifizierten
Schmerzsyndrom (Urk. 7/193/1).
Inwiefern der Beschwerdeführer unter psychischen Einschränkungen leidet
und ob diese ihn in der Leistungs
fähigkeit einschränken
, kann anhand der vorliegenden Aktenlage
genauso wenig
beurteilt werden
wie
die
allfällige Adäquanz eine
s allfälligen
natürlichen Kausal
zusammenhanges
, zumal die
B
eschwerdegegnerin dazu
keine Abklärungen ge
tätigt
und sich
dazu
nicht geäussert
hat.
In Anbetracht dieser offenen Fragen und der erforderlichen weiteren medizi
ni
schen Abklärungen erübrigt sich
eine abschliessende
Folgeabschätzung
durch das Gericht. Eine solche wird zunächst durch die medizinischen Gutachter nach Erhebung de
r
gesamten unfallbedingten Einschränkungen in Rahmen einer Gesamtschau vorzunehmen sein.
4.4
Vor diesem Hintergrund kann auch nicht abschliessend beurteilt werden, wie es sich mit der Integritätsentschädigung verhält. Es rechtfertigt sich daher, die Sache auch diesbezüglich zur ergänzenden Abklärung im Sinne der vorstehenden Erwägung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
5
Zusammenfassend bestehen
zumindest geringe
Zweifel an der kreisärztlichen B
eurteilung.
Die Beschwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass d
er
Ein
spracheentscheid
vom 28. August 2020 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
ist
, damit sie weitere medizinische Ab
klärungen tätige.
Da eine Rückweisung
aus materiellen Gründen
erfolgt, kann offenbleiben, ob die Rüge des Beschwerdeführers hinsichtlich der Verletzung des rechtlichen Gehörs
durch die Beschwerdegegnerin
(Urk. 1 S. 4) zutrifft.
5.
5.1
Nach Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (vgl. auch § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
)
.
Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Ab
klärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E. 11.1 mit Hinweis), weshalb
der
vertretene Beschwerde
führer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
.
Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
5.2
Der von
Rechtsanwalt
Kaspar Gehring mit Eingabe vom
4.
Oktober 2012 geltend gemachte Aufwand von 15.1 Stunden und
Fr.
135.90 Barauslagen (
Urk.
15) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht ange
messen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass er den Beschwerdeführer schon im
Einspracheverfahren
vertrat (
Urk.
7/225) und
ihm
die Akten somit bekannt waren. Sodann entspricht die Beschwerdeschrift teilweise der Einsprache vom 1
1.
März 202
0.
Daher ist der
Aufwand von
15.1
Stunden für die Beschwerde
schrift
, Abklärungen und das Aktenstudium als überhöht
zu betrachten
, zumal es entgegen
§
7
Abs.
2 der
GebV
SVGer
an einer überprüfbaren detaillierten Zusammenstellung über die Aufwendungen fehlt.
Unter diesen Umständen ist a
ng
esichts der zu studierenden
knapp 240
Akten
stücke der Beschwerdegegnerin, der
17-
seitigen
Beschwerdeschrift
, de
r
Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche
Rechts
verbeiständung
und mit der Stellungnahme
vom
4.
Oktober 2021 (
Urk.
15)
sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträge die Entschädigung von Rechts
anwalt
Kaspar Gehring
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
ermessensweise
auf
Fr.
2
'
9
00.--
(in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.