Decision ID: 75455e4a-60da-400b-9d5c-a84e6e4e1212
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1.
Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten führte gegen A. eine Strafunter-
suchung wegen einer Widerhandlung gegen das Waffengesetz.
2.
Mit Verfügung vom 11. Mai 2022 stellte die Staatsanwaltschaft Muri-Brem-
garten das Strafverfahren gegen A. in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. b
StPO ein und verfügte gleichzeitig die Freigabe einer Handfeuerwaffe mit
Magazin, einer Export-Rechnung, eines Waffenbegleitscheins, einer Reini-
gungsanleitung, einer Anleitung zur Produkteverpackung und eines Spe-
zial-Waffenöls.
Die Einstellungsverfügung wurde am 13. Mai 2022 von der Oberstaatsan-
waltschaft des Kantons Aargau genehmigt und erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
3.
3.1.
Mit Eingabe vom 3. Juni 2022 gelangte A. (fortan: Beschwerdeführer) an
die Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aar-
gau und erhob "Aufsichtsbeschwerde" gegen Staatsanwalt C. (recte: C.)
sowie gegen die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten wegen Verweige-
rung des rechtlichen Gehörs in seiner Strafuntersuchung.
3.2.
Mit Beschwerdeantwort vom 22. Juni 2022 beantragte die Staatsanwalt-
schaft Muri-Bremgarten die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfol-
gen.
3.3.
Mit Schreiben vom 1. Juli 2022 reichte der Beschwerdeführer eine Stellung-
nahme ein.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Die Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft sind
mit Beschwerde anfechtbar (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Gemäss Art. 393
Abs. 2 lit. a i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO können ausserdem Rechts-
verweigerung und Rechtsverzögerung durch Strafverfolgungsbehörden mit
Beschwerde gerügt werden, wobei diese Beschwerde an keine Frist ge-
bunden ist (Art. 396 Abs. 2 StPO). Auf die Beschwerde wäre somit grund-
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sätzlich einzutreten, soweit die (verschiedenen) Anträge von einem aktuel-
len Rechtsschutzinteresse i.S.v. Art. 382 Abs. 1 StPO getragen sind. Ob
dies der Fall ist, ist für jeden Antrag gesondert zu prüfen.
2.
2.1.
Der Beschwerdeführer bringt in seiner als "Aufsichtsbeschwerde gegen
Staatsanwalt C. (recte: C.)" und "Aufsichtsbeschwerde gegen die Staats-
anwaltschaft Muri-Bremgarten" betitelten Eingabe im Wesentlichen vor,
dass im Rahmen einer Strafuntersuchung eine eingeführte Waffe beschlag-
nahmt worden sei. Von all diesen Vorgängen habe er keine Ahnung gehabt,
da er von den Behörden weder schriftlich noch mündlich informiert worden
sei. Datiert vom 9. Mai 2022 habe er zu seiner völligen Verblüffung die An-
kündigung der Verfahrenseinstellung erhalten. Das Ganze sei umso stos-
sender, als er mit Datum vom 6. April 2022 bereits eine neue Einfuhrbewil-
ligung erhalten habe. Der Beschwerdeführer habe daraufhin umgehend bei
der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten Akteneinsicht genommen und
eine vom 30. März 2022 datierte Beschlagnahmeverfügung gesehen. In der
darin enthaltenen Rechtsmittelbelehrung werde darauf hingewiesen, dass
man die Verfügung dem Angeschuldigten zu eröffnen habe. Mit E-Mail vom
25. Mai 2022 habe er von den Verantwortlichen eine Erklärung gefordert,
bis heute habe er allerdings keine Antwort erhalten. Er rüge daher eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs, da er nie über die gegen ihn laufende
Untersuchung informiert worden sei und sich zu keinem Zeitpunkt habe
äussern können. Ferner sei er nicht über die Beschlagnahmeverfügung in-
formiert worden, wie dies vom Gesetz zwingend erforderlich sei.
2.2.
Mit Beschwerdeantwort vom 22. Juni 2022 verweist die Staatsanwaltschaft
Muri-Bremgarten primär auf die Akten und die Begründung der Einstel-
lungsverfügung vom 11. Mai 2022. Ergänzend führt sie an, dass die fragli-
che Beschlagnahmeverfügung nach telefonischer Rücksprache des poli-
zeilichen Sachbearbeiters bei der Verfahrensleitung bewusst nicht ausge-
händigt worden sei, da aufgrund der vorgängig getätigten polizeilichen Er-
mittlungen keine Veranlassung mehr zur Beschlagnahme bestanden habe.
Die fraglichen Gegenstände seien damit nie von der Staatsanwaltschaft
Muri-Bremgarten beschlagnahmt, sondern von der Zollbehörde sicherge-
stellt worden.
2.3.
Mit Stellungnahme vom 1. Juli 2022 bringt der Beschwerdeführer vor, dass
er nicht die Beschlagnahme per se rüge, sondern, dass ihm weder die Er-
öffnung der Strafuntersuchung noch die Beschlagnahmeverfügung eröffnet
worden seien. Es sei ihm daher nicht möglich gewesen, zeitig Einsicht in
die Verfahrensakten zu nehmen, bei der Beweiserhebung mitzuwirken oder
Rechtsmittel gegen die Beschlagnahmeverfügung einzulegen. Als er durch
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die Parteimitteilung vom 9. Mai 2022 von der Strafuntersuchung erfahren
habe, sei die Rechtsmittelfrist gegen die Beschlagnahmeverfügung längst
abgelaufen gewesen. Dass die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten er-
kannt habe, dass an den Vorwürfen gegen ihn nichts dran sei, würde diese
nicht davon entbinden, nach den gesetzlichen Vorgaben vorzugehen. Es
gebe auch Indizien, welche darauf hindeuten würden, dass die Beschlag-
nahmeverfügung vorsorglich erlassen worden sei und zum Zeitpunkt des
Erlasses noch gar keine polizeilichen Erkenntnisse vorgelegen hätten, so
dass die angeblichen "vorgängigen polizeilichen Erkenntnisse" krass un-
wahr seien. Es liege zudem nicht in der Kompetenz der Staatsanwaltschaft
Muri-Bremgarten, über die Eröffnung einer Verfügung zu entscheiden, sie
habe das von Gesetzes wegen zu tun. Falls tatsächlich die Zollbehörde die
Waffen beschlagnahmt habe, dann sei die Beschlagnahmeverfügung der
Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten ohnehin überflüssig gewesen.
Schliesslich sei dem Staatsanwalt vorzuwerfen, dass er voreilig die Be-
schlagnahmeverfügung erlassen habe.
3.
Zur Beschwerde legitimiert ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes In-
teresse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheids hat (Art. 382
Abs. 1 StPO). Der Rechtsmittelkläger muss selbst und unmittelbar in seinen
Interessen tangiert sein (NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, in: Schweizeri-
sche Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N. 2 zu
Art. 382 StPO). Das Rechtsschutzinteresse muss dabei im Zeitpunkt des
Entscheids über die Beschwerde noch aktuell sein (MARTIN ZIEGLER/STE-
FAN KELLER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung,
2. Aufl. 2014, N. 2 zu Art. 382 StPO).
4.
4.1.
Der Beschwerdeführer betitelt seine Eingabe vom 3. Juni 2022 als "Auf-
sichtsbeschwerde gegen Staatsanwalt C. (recte: C.)" sowie als "Aufsichts-
beschwerde gegen die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten wegen der
Verweigerung des rechtlichen Gehörs in einer Strafuntersuchung".
Für die Aufsicht über die Strafverfolgungsbehörden und somit die Staats-
anwaltschaft Muri-Bremgarten ist der Regierungsrat des Kantons Aargau
zuständig (vgl. § 17 Abs. 1 i.V.m. § 18 Abs. 1 lit. e und f EG StPO
[SAR.251.200]), womit eine allfällige Aufsichtsbeschwerde an diesen zu
richten wäre und vorliegend auf eine allfällige Aufsichtsbeschwerde man-
gels sachlicher Zuständigkeit nicht einzutreten ist. Da der Beschwerdefüh-
rer in seiner Beschwerdebegründung aber ohnehin die Verletzung strafpro-
zessualer Normen (Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw. Rechtsverwei-
gerung) und nicht die eigentliche Amtsführung des fallführenden Staatsan-
walts moniert, ist nicht davon auszugehen, dass er vorliegend Aufsichtsbe-
schwerde erheben wollte, weshalb eine Weiterleitung der Eingabe vom
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3. Juni 2022 an den Regierungsrat des Kantons Aargau durch die Be-
schwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau
unterbleiben konnte.
4.2.
4.2.1.
Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw.
eine Rechtsverweigerung, weil er nicht über die laufende Strafuntersu-
chung gegen ihn informiert worden sei und sich nie habe dazu äussern
können.
4.2.2.
Das gegen den Beschwerdeführer geführte Strafverfahren wurde mit Ver-
fügung vom 11. Mai 2022 gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO eingestellt,
wobei dem Beschwerdeführer keinerlei Kosten auferlegt wurden. Die Ein-
stellungsverfügung vom 11. Mai 2022 ist in Rechtskraft erwachsen, womit
sie einem freisprechenden Endentscheid gleichkommt (vgl. Art. 320 Abs. 4
StPO). Nach dem Gesagten erhellt, dass der Beschwerdeführer kein aktu-
elles Rechtsschutzinteresse an der Beurteilung seiner Vorbringen aufweist,
zumal er nicht darlegt, inwiefern ihm aus dem - rechtskräftig eingestellten -
Strafverfahren ein Rechtsnachteil erwachsen sein soll. Ein Rechtsnachteil
ist sodann auch nicht ersichtlich, was der Beschwerdeführer implizit selber
eingesteht, indem er geltend macht, bis zur Parteimitteilung über die Ver-
fahrenseinstellung durch die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom
9. Mai 2022 nichts vom gegen ihn hängigen Strafverfahren gewusst zu ha-
ben (vgl. Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 1. Juli 2022, S. 1).
Soweit der Beschwerdeführer moniert, die Staatsanwaltschaft Muri-Brem-
garten habe bei seiner Einwohnergemeinde in der Steuererklärung "her-
umgeschnüffelt", indem sie mittels Editionsverfügung vom 30. März 2022
die Steuerunterlagen eingefordert habe, ist er nicht zu hören, da die Behör-
denmitglieder der Einwohnergemeinde dem Amtsgeheimnis unterstehen
und es dem Beschwerdeführer ferner freisteht, die entsprechende Behörde
über die Einstellung des Strafverfahrens zu informieren. Im Ergebnis ist auf
die Rüge mangels aktuellen Rechtsschutzinteresses des Beschwerdefüh-
rers nicht einzutreten.
4.2.3.
Auch wenn auf die Beschwerde hätte eingetreten werden können, wäre sie
abzuweisen gewesen. Dem Beschwerdeführer ist zwar im Grundsatz bei-
zupflichten, dass er im Strafverfahren u.a. das Recht hat, sich zur Sache
und zum Verfahren zu äussern (Art. 107 Abs. 1 lit. d StPO). Im vorliegenden
Fall eröffnete die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten das Verfahren mit
Verfügung vom 30. März 2022, wobei sie diese Verfügung weder zu be-
gründen noch zu eröffnen brauchte (Art. 309 Abs. 3 StPO). Gleichentags
erteilte die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten einen Ermittlungsauftrag
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an die Polizei und beauftragte diese, die beschlagnahmte Waffe zu foto-
grafieren und durch die SIWAS einzulagern, den Beschwerdeführer zur Sa-
che und zur Person einzuvernehmen sowie diesem den Beschlagnahme-
befehl auszuhändigen (vgl. delegierter Ermittlungsauftrag an die Polizei
vom 30. März 2022). Anlass für die Eröffnung des Strafverfahrens war die
Meldung des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (fortan: BAZG) vom
23. März 2022, wonach der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Einfuhr-
veranlagung über keine gültige Einfuhrbewilligung verfügt habe (vgl.
Schreiben des BAZG vom 23. März 2022). Nachdem das Strafverfahren
am 30. März 2022 eröffnet worden war, erfolgte gegenüber dem Beschwer-
deführer bereits am 9. Mai 2022 die Mitteilung, dass das Strafverfahren
gegen ihn eingestellt werde (vgl. Parteimitteilung/Verfahrensabschluss der
Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 9. Mai 2022). Folglich stellte sich
für die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten kurz nach der Verfahrenseröff-
nung am 30. März 2022 heraus, dass dem Beschwerdeführer kein strafba-
res Verhalten vorgeworfen werden konnte und das Verfahren gegen ihn
einzustellen ist (vgl. auch Bericht der Kantonspolizei Aargau vom 22. April
2022). Entsprechend wurde - entgegen dem ursprünglichen Ermittlungs-
auftrag vom 30. März 2022 - die Waffe nicht fotografiert, der Beschlagnah-
mebefehl nicht an den Beschwerdeführer ausgehändigt, dieser nicht ein-
vernommen und soweit den Akten zu entnehmen ist, wurden keine weite-
ren Untersuchungshandlungen oder Zwangsmassnahmen angeordnet.
Unter diesen Umständen und insbesondere im Hinblick auf den kurzen
Zeitraum zwischen Verfahrenseröffnung (30. März 2022) und Verfahrens-
einstellung (11. Mai 2022), musste der Beschwerdeführer weder über das
eröffnete Strafverfahren informiert noch zu den Vorwürfen angehört wer-
den, zumal es der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten in einem ersten
Schritt offensichtlich einzig darum ging, den Sachverhalt der Meldung vom
23. März 2022 des BAZG in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht insoweit
abzuklären, dass sie überhaupt beurteilen konnte, ob seitens des Be-
schwerdeführers ein strafbares Verhalten vorliegen könnte (vgl. Art. 308
Abs. 1 StPO), was in der Folge verneint werden musste. Im Ergebnis ist
weder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs noch eine Rechtsverweige-
rung durch die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten erkennbar, womit die
Beschwerde abzuweisen gewesen wäre, hätte darauf eingetreten werden
können.
4.3.
4.3.1.
Schliesslich beanstandet der Beschwerdeführer mit seiner Beschwerde
vom 3. Juni 2022, dass er nie über die Beschlagnahmeverfügung informiert
worden sei und deshalb kein Rechtsmittel dagegen habe erheben können.
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4.3.2.
Mit Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom
11. Mai 2022 wurden sämtliche Gegenstände des Beschwerdeführers frei-
gegeben und die Fachstelle SIWAS wurde angewiesen, die Rückgabe der
Gegenstände an den Beschwerdeführer vorzunehmen. Da die Einstel-
lungsverfügung unterdessen in Rechtskraft erwachsen ist, kann der Be-
schwerdeführer folglich die Herausgabe seiner Gegenstände verlangen,
wobei die Rückgabe ohnehin bereits erfolgt sein dürfte. Auch diesbezüglich
liegt kein aktuelles Rechtsschutzinteresse vor, zumal der Beschwerdefüh-
rer wiederum in keiner Weise darlegt, inwiefern ihm hieraus ein Rechts-
nachteil erwachsen ist. Folgerichtig ist auch auf diese Rüge nicht einzutre-
ten, wobei ihr auch im Falle des Eintretens auf die Beschwerde kein Erfolg
beschieden gewesen wäre (vgl. E. 4.3.3. und E. 4.3.4. hiernach).
4.3.3.
Die Beschlagnahme ist - mit hier nicht interessierenden Ausnahmen -
schriftlich anzuordnen und der entsprechende Befehl ist der betroffenen
Person direkt gegen Empfangsbestätigung auszuhändigen (vgl. Art. 199
i.V.m. Art. 263 Abs. 2 StPO), wobei frühestens am darauffolgenden Tag die
Rechtsmittelfrist zu laufen beginnt (vgl. Art. 90 Abs. 1 StPO). In den Akten
befindet sich ein unterzeichneter Beschlagnahmebefehl der Staatsanwalt-
schaft Muri-Bremgarten vom 30. März 2022. Wie den Akten weiter entnom-
men werden kann, wurde die Polizei am 30. März 2022 mit der Aushändi-
gung des Beschlagnahmebefehls an den Beschwerdeführer anlässlich sei-
ner Einvernahme beauftragt. Im vorliegenden Fall kam es unbestrittener-
massen weder zu einer Einvernahme des Beschwerdeführers noch wurde
ihm der Beschlagnahmebefehl ausgehändigt. Zum Zeitpunkt der Kenntnis-
nahme des Beschlagnahmebefehls durch den Beschwerdeführer anläss-
lich seiner Akteneinsicht am 10. Mai 2022 (vgl. schriftliche Bestätigung des
Beschwerdeführers in den Akten), hatte die Rechtsmittelfrist folglich noch
gar nicht zu laufen begonnen, womit er - unter Vorbehalt der Ausführungen
in E. 4.3.4. hiernach - grundsätzlich noch fristgerecht hätte Beschwerde
gegen den Beschlagnahmebefehl erheben können.
4.3.4.
Gemäss Art. 104 Abs. 1 Zollgesetz (ZG [SR.631.0]) kann das BAZG Ge-
genstände und Vermögenswerte vorläufig sicherstellen, wenn diese vo-
raussichtlich als Beweismittel gebraucht werden (lit. a) oder einzuziehen
sind (lit. b). Das BAZG übermittelt Gegenstände und Vermögenswerte un-
verzüglich der zuständigen Behörde, wobei diese über die Anordnung einer
Beschlagnahme entscheidet (vgl. Art. 104 Abs. 2 ZG). Innert welcher Frist
die zuständige Behörde über die Anordnung einer Beschlagnahme zu be-
finden hat, ist dem Gesetz indessen nicht zu entnehmen. Nach Eingang der
Verfahrenszuweisung durch die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aar-
gau am 29. März 2022 wäre die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten somit
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grundsätzlich gehalten gewesen, über die Anordnung einer Beschlag-
nahme zu befinden (vgl. Art. 104 Abs. 2 ZG), was sie mit der Ausfertigung
des Beschlagnahmebefehls grundsätzlich auch getan hat. Wie oben bereits
ausgeführt (vgl. E. 4.2.3. hiervor), hat die Staatsanwaltschaft Muri-Brem-
garten bereits kurze Zeit nach Verfahrenseröffnung (30. März 2022) dem
Beschwerdeführer die beabsichtigte Verfahrenseinstellung mitgeteilt
(9. Mai 2022) und das Strafverfahren schliesslich eingestellt (11. Mai 2022).
Aufgrund des geringen Zeitraums zwischen Verfahrenseröffnung und -ein-
stellung sowie der in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht anfangs noch
unklaren Verhältnisse ist gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Muri-
Bremgarten zu konstatieren, dass die entsprechenden Gegenstände bis
zur Einstellung des Strafverfahrens am 11. Mai 2022 nach wie vor durch
das BAZG sichergestellt und nicht durch die Staatsanwaltschaft Muri-Brem-
garten beschlagnahmt worden waren, da der Beschlagnahmebefehl ge-
mäss plausibler Darlegung der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten be-
wusst noch nicht an den Beschwerdeführer ausgehändigt worden war und
keine Veranlassung zur Beschlagnahme seitens der Staatsanwaltschaft
Muri-Bremgarten mehr bestand (vgl. Beschwerdeantwort der Staatsanwalt-
schaft Muri-Bremgarten vom 22. Juni 2022). Entsprechend hob die Staats-
anwaltschaft Muri-Bremgarten in ihrer Einstellungsverfügung vom 11. Mai
2022 auch nicht eine allfällige Beschlagnahme auf, sondern gab die sicher-
gestellten Gegenstände lediglich frei. Es rechtfertigt sich, der zuständigen
Behörde gemäss Art. 104 Abs. 2 ZG und somit vorliegend der Staatsan-
waltschaft Muri-Bremgarten eine angemessene Frist einzuräumen, innert
welcher sie über eine allfällige Anordnung der Beschlagnahme zu befinden
hat. Andernfalls besteht die Gefahr, dass in ähnlichen Fällen unbesehen
der jeweiligen Sachlage umgehend und vorsorglich eine Beschlagnahme
durch die Staatsanwaltschaft angeordnet werden würde, was ebenso we-
nig im Interesse der beschuldigten Person sein dürfte. Bezeichnenderweise
bringt der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom 1. Juli 2022 so-
dann selber vor, dass der fallführende Staatsanwalt "voreilig" über die Be-
schlagnahme entschieden habe. Entgegen dem Beschwerdeführer ist vor-
liegend unbeachtlich, welche Behörde die "tatsächliche Gewalt" über die
Gegenstände hatte (vgl. Stellungnahme des Beschwerdeführers vom
1. Juli 2022, S. 2). Denn Art. 104 Abs. 2 Satz 1 ZG verpflichtet das BAZG,
die Gegenstände und Vermögenswerte unverzüglich der zuständigen Be-
hörde zu übermitteln, wohingegen das Gesetz der zuständigen Behörde,
also vorliegend der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten, keine zeitlichen
Vorgaben für den Entscheid über eine (allfällige) Anordnung der Beschlag-
nahme macht (Art. 104 Abs. 2 Satz 2 ZG). Dass sich hier eine angemes-
sene Bedenkfrist rechtfertigt, welche vorliegend nicht überschritten worden
war, wurde bereits gesagt. Im Ergebnis hat die Staatsanwaltschaft Muri-
Bremgarten weder das rechtliche Gehör verletzt noch eine Rechtsverwei-
gerung begangen, indem sie den unterzeichneten Beschlagnahmebefehl
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dem Beschwerdeführer nicht mehr aushändigen liess und damit auf die Be-
schlagnahme verzichtet hatte. Die Beschwerde wäre folglich abzuweisen
gewesen, hätte darauf eingetreten werden können.
4.4.
Im Ergebnis weist der Beschwerdeführer bezüglich seiner Anträge kein ak-
tuelles Rechtsschutzinteresse auf, womit auf die Beschwerde nicht einzu-
treten ist.
5.
Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfah-
rens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). An-
spruch auf Entschädigung besteht nicht.