Decision ID: 06ac237e-787b-5925-b26d-bb2b3966dbc2
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 13. September 2002 erstmals zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Dr. med. B._, Arzt für Allgemeine Medizin,
hatte am 29. August 2002 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Hemifibromyalgie rechts, ein Zervikobrachial-Syndrom und ein Lumboischialgie-
Syndrom rechts aufgelistet (IV-act. 5). Dr. med. C._, Rheumatologie FMH, beurteilte
am 24. März 2003, die Versicherte sei in einer adaptierten Tätigkeit zu maximal 20%
arbeitsfähig (IV-act. 13). Mit Verfügung vom 13. August 2003 sprach die IV-Stelle der
Versicherten mit Wirkung ab 1. Februar 2002 bei einem Invaliditätsgrad von 80% eine
ganze Invalidenrente sowie eine Zusatzrente für ihren Ehepartner und Kinderrenten zu
(IV-act. 20, vgl. IV-act. 22).
A.a.
Im Rahmen von amtlichen Rentenrevisionen holte die IV-Stelle Verlaufsberichte
von Dr. B._ ein (vgl. IV-act. 27, 36). Gestützt darauf teilte sie der Versicherten am 5.
April 2006 und 19. Juni 2007 mit, es bestehe weiterhin Anspruch auf die bisherige
Invalidenrente (IV-act. 30, 42).
A.b.
Infolge der sechsten Revision der Invalidenversicherung prüfte die IV-Stelle den
Rentenanspruch erneut. Dr. med. D._, Arzt für Allgemeinmedizin, listete in seinem
Bericht vom 26. August 2012 als Diagnosen eine Fibromyalgie, ein chronisches
Zervikalsyndrom, ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom und eine
Depression auf. Eine Tätigkeit müsste rückenschonend, wechselbelastend und in
Teilzeit (maximal vier Stunden täglich) sein (IV-act. 54-2 f.).
A.c.
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Mit Vorbescheid vom 30. Oktober 2012 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Aufhebung der Rente in Aussicht, da ein syndromales Leiden vorliege, welches keinen
Anspruch auf Rentenleistungen begründe (IV-act. 61). Nach erhobenem Einwand (IV-
act. 66) verfügte die IV-Stelle am 4. Januar 2013 entsprechend dem Vorbescheid (IV-
act. 68). Dagegen erhob die Versicherte am 1. Februar 2013 Beschwerde (IV-act. 72).
Mit Entscheid vom 23. Januar 2015 hob das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen die angefochtene Verfügung vom 4. Januar 2013 auf und wies die Sache zur
weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle zurück. Es erwog,
sowohl im Zeitpunkt der erstmaligen Rentenzusprache als auch im Revisionszeitpunkt
habe der Arbeitsunfähigkeit der Versicherten ausschliesslich ein unklares
Beschwerdebild zu Grunde gelegen. Es fehle jedoch eine psychiatrische Beurteilung
bezüglich der Frage der zumutbaren Willensanstrengung (IV-act. 93).
A.d.
Im Auftrag der IV-Stelle (IV-act. 113) wurde die Versicherte im Dezember 2015
durch Ärzte der Medas Zentralschweiz bidisziplinär (psychiatrisch-rheumatologisch)
abgeklärt. Diese listeten in ihrem Gutachten vom 19. Januar 2016 als Hauptdiagnosen
ein chronifiziertes, diffuses, therapierefraktäres zervikales Schmerzsyndrom mit
spondylogener Komponente, DD (Differentialdiagnose) chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), eine mittelschwere
depressive Episode (ICD-10: F32.1), eine gemischte dissoziative Störung (ICD-10:
F44.7) sowie Übergewicht auf. Aus rheumatologischer Sicht bestehe für eine adaptierte
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100%. Aus psychiatrischer Sicht sei eine
zuverlässige Aussage zur aktuellen Leistungsfähigkeit nicht möglich (IV-act. 123).
A.e.
Nach Einholen einer Stellungnahme von Dr. med. E._, zertifizierte medizinische
Gutachterin SIM, Mitarbeiterin der IV-Stelle, wurde die Versicherte im Auftrag der IV-
Stelle im Zeitraum vom 22. März bis 11. Mai 2016 mehrfach observiert (IV-act. 137, vgl.
IV-act. 127 ff.). Auf Veranlassung der IV-Stelle (IV-act. 147) wurde die Versicherte im
November 2016 durch Dr. med. F._ psychiatrisch abgeklärt. In seinem Gutachten
vom 26. Januar 2017 stellte er keine Diagnosen und erachtete die Versicherte aus
psychiatrischer Sicht als in der Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (IV-act. 160). Er
berücksichtigte dabei die am 14. Januar 2017 von Dr. phil. G._ erstellte
neuropsychologische Beurteilung, in welcher dieser eine Antwortverzerrung
festgehalten hatte (IV-act. 161).
A.f.
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B.
Mit Vorbescheid vom 20. Juni 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten erneut die
Aufhebung der Rente in Aussicht (IV-act. 163). Nachdem die Versicherte Einwand
erhoben hatte (IV-act. 166), verfügte die IV-Stelle am 20. November 2017 entsprechend
dem Vorbescheid (IV-act. 168).
A.g.
Gegen die Verfügung vom 20. November 2017 erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) die vorliegende Beschwerde vom 8. Januar 2018. Sie beantragte
darin deren Aufhebung und es sei ihr weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten.
Weiter sei der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen. Die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei anzuweisen, ihr für die Dauer des
Beschwerdeverfahrens die bisherige Rente auszurichten. Eventuell sei die Streitsache
zur weiteren Abklärung und zu anschliessender neuer Beurteilung bzw. Verfügung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Sie brachte vor, sie habe zum Revisionszeitpunkt unter einem
eigenständigen psychischen Leiden gelitten und es habe nicht ausschliesslich ein
unklares Beschwerdebild vorgelegen. Das Gutachten von Dr. F._ sei nicht
beweiskräftig (act. G1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 7. März 2018 die Abweisung der
Beschwerde. Sie machte geltend, es sei auf das Gutachten von Dr. F._ abzustellen.
Das Versicherungsgericht habe bereits verbindlich festgestellt, dass ausschliesslich ein
unklares Beschwerdebild vorliege (act. G4).
B.b.
Mit Replik vom 14. Mai 2018 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest.
Sie führte aus, es liege kein Fall im Sinne der "IV-Revision 6a" vor. Das
Versicherungsgericht habe diesbezüglich noch nicht verbindlich entschieden (act. G8).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G10).B.d.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies das Gesuch um
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde mit Entscheid vom 20.
Juli 2018 ab (act. G11).
B.e.
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Erwägungen
1.
Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin bzw. dessen Aufhebung gestützt auf lit. a der
Schlussbestimmungen der Änderung vom 18. März 2011 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20; nachfolgend Schlussbestimmungen). Die
Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Rentenaufhebung einzig auf lit. a der
Schlussbestimmungen, wonach Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage
(PÄUSBONOG) gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten
dieser Änderung neu überprüft werden. Sind die Voraussetzungen nach Art. 7 Abs. 1
und 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1; Erwerbsunfähigkeit) nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder
aufgehoben, auch wenn der Tatbestand von Art. 17 Abs. 1 ATSG (Revision) nicht
verwirklicht ist.
1.1.
Ausgangspunkt für die Bemessung der Invalidität bildet die Frage, ob und in
welchem Ausmass es einer versicherten Person zumutbar ist, trotz ihres
Gesundheitsschadens ein Erwerbseinkommen zu erzielen. In Art. 7 Abs. 2 ATSG, der
mit der fünften IVG-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft getreten ist, wird festgelegt,
dass eine Erwerbsunfähigkeit nur vorliegt, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist. Damit wurde gesetzlich verankert, dass die Zumutbarkeit nicht nach
dem subjektiven Empfinden der versicherten Person, sondern nach objektiven
Gesichtspunkten zu beurteilen ist. Art. 7 Abs. 2 ATSG schreibt somit auf Gesetzesstufe
das Erfordernis der Objektivierbarkeit fest.
1.2.
Das Bundesgericht hat mit BGE 141 V 281 vom 3. Juni 2015 seine die
Bestimmung von Art. 7 Abs. 2 ATSG beschlagende Rechtsprechung zu den
Voraussetzungen, unter denen anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden eine rentenbegründende Invalidität zu
bewirken vermögen, geändert. Es hat die von ihm geschaffene
Überwindbarkeitsvermutung und den sich an den Foersterkriterien orientierenden
Prüfungsraster aufgegeben. Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell wurde durch ein
"strukturiertes" Beweisverfahren ersetzt. Nach der geänderten Rechtsprechung hat die
Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Störungen den Aspekt der funktionellen
Auswirkungen zu berücksichtigen, was sich schon in den diagnostischen
Anforderungen niederschlagen muss. Zu beachten seien in Schweregrad und
1.3.
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2.
Konsistenz der funktionellen Auswirkungen eingeteilte Standardindikatoren. Die
Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrads sei nur zulässig, wenn die
funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und
widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen
seien (BGE 141 V 307 f. E. 6; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2015,
8C_421/2015, E. 5.2).
Aufgrund dessen, dass die Vorschrift von lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen
eine Überprüfung bisheriger Rentenansprüche in Nachachtung von Art. 7 ATSG
verlangt und die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 auch auf laufende Verfahren
Anwendung findet (Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2015, 8C_421/2015,
E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 137 V 266 E. 6), ist diese auch für die Prüfung der
vorliegenden Renteneinstellung massgebend.
1.4.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu beurteilen, ob die
ursprüngliche Rentenzusprache aufgrund eines PÄUSBONOG (zum Begriff vgl. oben E.
1.1) im Sinne von lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen erfolgte.
2.1.
Vom Anwendungsbereich von lit. a der Schlussbestimmungen sind laufende
Rentenansprüche auszunehmen, wenn und soweit sie auf erklärbaren Beschwerden
beruhen. Lassen sich unklare Beschwerden von erklärbaren Beschwerden trennen,
können die Schlussbestimmungen der 6. IV-Revision auf erstere Anwendung finden
(BGE 140 V 197).
2.2.
Wie das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bereits im Entscheid vom 23.
Januar 2015 (IV 2013/50) erwog, erfolgte die ursprüngliche Rentenzusprache gestützt
auf die Berichte von Dr. B._ vom 29. August 2002 und von Dr. C._ vom 24. März
2003 (IV-act. 5, 13). Diese diagnostizierten eine (Hemi-)Fibromyalgie rechts bzw. vor
allem im Bereich des rechten oberen Körperquadranten. Dabei handelt es sich um ein
einschlägiges Beschwerdebild im Sinne von lit. a der Schlussbestimmungen, also um
ein PÄUSBONOG. Dr. B._ attestierte der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit
von 100%, Dr. C._ in einer adaptierten Tätigkeit eine solche von 80% (vgl. dazu
ausführlich E. 3.1 des genannten Entscheids; IV-act. 93). Die Beschwerdeführerin
macht vorliegend wie bereits im vorherigen Beschwerdeverfahren geltend, die
ursprüngliche Rentenzusprache sei nicht nur wegen der Fibromyalgie, sondern auch
wegen des von Dr. B._ diagnostizierten Zervikobrachial- und Lumboischialgie-
Syndroms zugesprochen worden (vgl. act. G1). Das Versicherungsgericht kam im
2.3.
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3.
Die Aufhebung der Rentenleistungen gemäss lit. a der Schlussbestimmungen setzt
voraus, dass auch im Revisionszeitpunkt ausschliesslich ein unklares Beschwerdebild
vorliegt. Diesbezüglich ist zu prüfen, ob der im Revisionsverfahren ermittelte
Sachverhalt spruchreif ist und die Beschwerdegegnerin zu Recht davon ausging, dass
keine rentenbegründende Invalidität besteht. Die Beschwerdegegnerin legte der
verfügten Renteneinstellung aus medizinischer Sicht das rheumatologische
Teilgutachten der Medas sowie das psychiatrische Gutachten von Dr. F._ zu Grunde.
Das psychiatrische Medas-Teilgutachten erachtete sie im Gegensatz zur
Beschwerdeführerin als nicht beweiskräftig (vgl. act. G1, G4, IV-act. 168).
Entscheid vom 23. Januar 2015 zum Schluss, bei den damals im Bereich der
Wirbelsäule erhobenen Bewegungseinschränkungen, Druckdolenzen sowie
Verhärtungen der Muskulatur handle es sich überwiegend wahrscheinlich um
Begleitsymptome der Fibromyalgie bzw. die Syndrome beschrieben das
Beschwerdebild der Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Fibromyalgie. Hinweise auf
eine organische Grundlage bestünden nicht (vgl. ausführlich E. 3.2; IV-act. 93). Es
besteht kein Anlass, vorliegend von dieser Feststellung abzuweichen.
Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, sie habe bereits bei der ursprünglichen
Rentenzusprache auch unter einer eigenständigen psychischen Erkrankung gelitten
(act. G1), ergeben sich aus den echtzeitlichen medizinischen Akten keine Hinweise
darauf (IV-act. 5, 13). Die Medas-Gutachter berichteten zwar von einer ab 2001
aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht (IV-act. 123-40). Wie sich
nachfolgend ergibt, sind die im Gutachten erwähnten psychiatrischen Diagnosen und
die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit jedoch nicht nachvollziehbar.
2.4.
Entsprechend ergibt sich, dass die der Rentenzusprache zu Grunde liegende
Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten ausschliesslich auf einem
PÄUSBONOG basierte, womit der Tatbestand von lit. a der Schlussbestimmungen
erfüllt ist. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb die Rentenleistungen zu Recht einer
Überprüfung im Sinn der Schlussbestimmungen unterzogen.
2.5.
Der rheumatologische Medas-Teilgutachter Dr. med. H._, Facharzt FMH
Rheumatologie, listete als Diagnosen ein chronifiziertes, diffuses, therapierefraktäres
zervikales Schmerzsyndrom mit spondylogener Komponente auf (123-57). Aus dem
rheumatologischen Gutachten ergeben sich keine wesentlichen organischen Ursachen
für das Schmerzsyndrom. Dr. H._ berichtete einzig über eine Fehlstatik mit
Haltungsinsuffizienz, eine zervikale Streckhaltung und leichtgradige Skoliose sowie
3.1.
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leichte Segmentdegenerationen initial C6/7 und leichtgradig C5/C6 mit
Osteochondrose und Unkose sowie leichte, degenerativ bedingte, segmentale
Gefügelockerung C5/C6 und angedeutet C6/7 (IV-act. 123-35). Er hielt weiter fest, die
Beschwerdeführerin habe in erster Linie ein äusserst auffälliges Schmerzverhalten bei
herabgesunkener Schmerzschwelle gezeigt (IV-act. 123-59). Die rheumatologischen
Diagnosen sind zudem vorliegend insofern nicht relevant, als Dr. H._ der
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100%
attestierte (IV-act. 123-39, 123-61). Auch den übrigen Akten lassen sich keine
objektivierbaren Begründungen für die beklagten Beschwerden entnehmen.
Weiter ist die Beurteilung allfälliger eigenständiger psychischer Erkrankungen der
Beschwerdeführerin streitig. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass das
Versicherungsgericht in seinem Entscheid vom 23. Januar 2015 beim damaligen
Aktenstand davon ausging, dass die depressiven Beschwerden der
Beschwerdeführerin nicht als eigenständige Krankheit, sondern als Symptom der
Fibromyalgie bzw. der Schmerzsyndrome zu betrachten seien (vgl. E. 4.3.3; IV-act. 93).
3.2.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Gutachten von Dr. F._ sei nicht
beweiskräftig, weil es sich auf Ergebnisse der unzulässigen Observation stütze (act.
G1). Mit Urteil vom 14. Juli 2017 hat jedoch das Bundesgericht bezüglich der
Verwertbarkeit von (im Falle der Veranlassung durch Sozialversicherungsträger
widerrechtlich gewonnenen) Observationsergebnissen sowie der gestützt darauf
ergangenen weiteren Beweise im Rahmen der Invalidenversicherung erkannt, diese sei
grundsätzlich zulässig, wenn die tangierten öffentlichen Interessen, namentlich die
Verhinderung von Versicherungsmissbrauch, die privaten Interessen überwögen (BGE
143 I 377, E. 5). Vorliegend zweifelte die Beschwerdegegnerin aufgrund der im
psychiatrischen Medas-Teilgutachten enthaltenen Inkonsistenzen und Diskrepanzen
daran, ob tatsächlich Einschränkungen im von der Beschwerdeführerin geschilderten
Ausmass bestanden. Sie gab deshalb eine Observation in Auftrag (IV-act. 127 ff.). Die
Beschwerdeführerin wurde im Zeitraum vom 22. März bis 11. Mai 2016 an fünf Tagen
überwacht, verliess ihre Wohnung aber an zwei dieser Tage nicht. Die Aufnahmen
wurden an öffentlich zugänglichen bzw. aus der Öffentlichkeit einsehbaren Orten
getätigt (vgl. IV-act. 137). Die privaten Interessen der Beschwerdeführerin wurden
damit nicht erheblich tangiert, weshalb die Observationsergebnisse als verwertbar zu
erachten sind. Folglich ist auch nicht zu beanstanden, dass sie von Dr. F._ und Dr.
phil. G._ in ihren Beurteilungen berücksichtigt wurden (vgl. IV-act. 160 f.).
3.2.1.
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Die psychiatrische Medas-Teilgutachterin Dr. med. I._, Psychiatrie/
Psychotherapie FMH, diagnostizierte eine chronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), eine mittelschwere depressive Episode
(ICD-10: F32.1) und eine gemischte dissoziative Störung (ICD-10: F44.7) (IV-act.
123-35). Diese Diagnosestellung ist jedoch nicht überzeugend. Wie sich aus dem
Gutachten ergibt, war die Exploration der Beschwerdeführerin schwierig (vgl. IV-act.
123-10 ff.). Dr. I._ hielt dazu selbst fest, es sei der Beschwerdeführerin trotz ihrer
aufwändigen Bemühungen nicht möglich gewesen, einen verstehenden Zugang zu
ihren Beschwerden, ihrem Krankheitskonzept, ihren Symptomen, aber auch ihren
Erwartungen ans Leben und ihren Perspektiven zu finden. Sie habe sich nicht öffnen
können und sei allenfalls ansatzweise in der Lage gewesen über sich und ihre Situation
nachzudenken. Ihre Antworten hätten wiederholt als Ausweichen oder Ablenken
imponiert. Manchmal habe sie auch Antworten gegeben, die mit der gestellten Frage
nichts zu tun gehabt hätten. Dieses Antwortverhalten sei so ausgeprägt gewesen, dass
der Übersetzer sich anfangs bemüssigt gefühlt habe, auf eigene Initiative nachzuhaken,
wenn keine und auch bei der Wiederholung keine ausreichend plausible Antwort auf
eine Frage gekommen sei. Dr. I._ befand, "eine solche Art von Verbreitung von
Nebel" wäre problemlos mit einer schwereren dissoziativen Störung vereinbar. Zudem
beschrieb sie Beschwerden und Symptome der Beschwerdeführerin, welche allenfalls
als eine dissoziative Symptomatik verstanden werden könnten (IV-act. 123-33 f.). Als
weitere mögliche Erklärungen für die Verhaltensweise der Beschwerdeführerin erwog
Dr. I._ jedoch auch sinngemäss eine übertriebene Schilderung der Einschränkungen
im Alltag oder eine Regression als Ausweg aus einem schweren Rollenkonflikt
innerhalb der Ehe und/oder der Familie oder auch zwischen familiärer und beruflicher
Situation (IV-act. 123-34). Trotz dieser Mutmassungen und offensichtlichen
Unsicherheiten bei der Diagnostik legte sich Dr. I._ auf die Diagnose einer
gemischten dissoziativen Störung fest, was nicht überzeugend erscheint. Weiter
diagnostizierte sie eine mittelschwere depressive Episode. Bei den Kriterien für diese
Diagnose stützte sich Dr. I._ wesentlich auf die von ihr selbst als teilweise fraglich
erkannten Angaben der Beschwerdeführerin bzw. Vermutungen (vgl. IV-act. 123-31).
Wie Dr. E._ bemängelte, ging Dr. I._ zudem von einer Durchschlafstörung aus,
obwohl eine solche gemäss der Beschwerdeführerin nur bei Nichteinnahme der
verordneten Medikamente besteht. Weiter ging sie trotz dazu fehlender bzw.
abweichender Aussagen der Beschwerdeführerin von einer verminderten Appetenz und
Libido aus (vgl. IV-act. 123-10, 123-23, 123-45, 127). Es ist damit nicht
nachvollziehbar, dass Dr. I._ genügend Kriterien für die Diagnose einer
mittelschweren depressiven Episode als erfüllt erachtete. Bezüglich der Diagnose einer
3.2.2.
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chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren hielt Dr. I._
zu mehreren Kriterien fest, diese könnten erfüllt sein oder es sei trotz Nachfragen
nichts dazu zu erfahren gewesen. Zusammenfassend hielt sie fest, die Kriterien einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren seien nicht
ganz überzeugend, aber formal doch in ausreichendem Mass erfüllt (IV-act. 123-32 f.).
Demnach war selbst Dr. I._ nicht restlos überzeugt bezüglich des Vorliegens dieser
Diagnose. Das psychiatrische Medas-Gutachten ist zudem in Bezug auf die
vorzunehmende Beurteilung insofern unvollständig, als Dr. I._ zuverlässige Aussagen
zur Leistungsfähigkeit als nicht möglich erachtete (IV-act. 123-39). Insgesamt ist mit Dr.
F._ (vgl. IV-at. 160-75 f.) nicht nachvollziehbar, weshalb Dr. I._ trotz der zahlreichen
festgestellten Widersprüche bzw. Diskrepanzen, Unklarheiten und einer starken
Aggravation der Beschwerdeführerin die erwähnten Diagnosen stellte. Fehlende
eindeutige Angaben der Beschwerdeführerin ergänzte Dr. I._ zudem teilweise mit
Vermutungen und stützte sich wiederholt auf Angaben der Beschwerdeführerin, welche
sie selbst als widersprüchlich bzw. nicht plausibel empfand.
Im Gegensatz dazu stellte Dr. F._ keine psychiatrische Diagnose (IV-act.
160-70). Er berichtete wie schon Dr. I._ und Dr. E._ (Wahrnehmungsprotokoll eines
Gesprächs der Parteien vom 19. April 2016; IV-act. 134) über erhebliche Diskrepanzen
bzw. Widersprüche. Bereits die Beschwerdeschilderung sei völlig unklar, vage und
widersprüchlich. Dies lasse sich eigentlich nur damit erklären, dass die
Beschwerdeführerin nicht wirklich unter einer psychischen Erkrankung leide, über
welche sie konsistent berichten könnte (IV-act. 160-80). Entgegen den Ausführungen
der Beschwerdeführerin (act. G1) stützte sich Dr. F._ bei seinen Einschätzungen nicht
im Wesentlichen auf die Ergebnisse der Observation. Er hielt fest, die
Observationsergebnisse allein liessen keine psychiatrische Diagnostik oder
Stellungnahme zu, sie seien im Gesamtzusammenhang aber ein wichtiger Baustein,
der berücksichtigt werden müsse (IV-act. 160-82 f.). Er hielt zu Recht fest, aus dem
Observationsmaterial lasse sich ablesen, dass die Beschwerdeführerin in der Lage sei,
Auto zu fahren und mit Mitmenschen zu kommunizieren sowie sich längere Zeit in
grossen Menschenmengen aufzuhalten (vgl. IV-act. 137). Dies widerspreche dem
berichteten sozialen Rückzug (IV-act. 160-84). Zusammen mit dem auffälligen
Verhalten der Beschwerdeführerin anlässlich der beiden Begutachtungen sowie der
Einschätzung von Dr. phil. G._, welcher eine Antwortverzerrung festgestellt hatte (IV-
act. 161-13), ist somit plausibel, dass Dr. F._ von keiner psychiatrisch bedingten
Beeinträchtigung ausging. Damit erübrigen sich weitere Ausführungen zur Prüfung der
Standardindikatoren im Sinne von BGE 141 V 307 f. Dr. J._ hatte am 25. Mai 2015
3.2.3.
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4.
Das ausschlaggebende Element der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens - und damit indirekt des Invaliditätsgrads - ist in aller Regel der
Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdeführerin hat keinen Beruf
erlernt, so dass sie als Hilfsarbeiterin einzustufen ist. Es ist ihr deshalb ohne weiteres
zumutbar, im Ausmass ihrer verbliebenen Arbeitsfähigkeit einer Hilfsarbeit
nachzugehen. Es muss sich um eine der Behinderung optimal gerecht werdende
Hilfsarbeit handeln, damit die verbleibende Arbeitsfähigkeit - der allgemeinen
Schadenminderungspflicht Rechnung tragend - bestmöglich verwertet werden kann.
Wenn in Art. 6 Satz 1 ATSG von der durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung bewirkten
Einschränkung bei der Fähigkeit, im bisherigen Beruf zumutbare Arbeit zu leisten, die
zwar unter anderem über eine chronische Depression berichtet. Er hatte diese
Diagnose jedoch nicht ausführlich begründet und die Beschwerdeführerin zudem nur
zu drei Therapiesitzungen gesehen, dies bereits im Frühjahr 2013 (vgl. IV-act. 106).
Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt weiter ins Gewicht, dass das
rheumatologische Medas-Teilgutachten vom 30. Dezember 2015 (IV-act. 123-50 ff.)
und das psychiatrische Gutachten von Dr. F._ vom 26. Januar 2017 (IV-act. 160) auf
umfassender Aktenkenntnis sowie eigenen Untersuchungen beruhen, das gesamte
Leidensbild der Beschwerdeführerin berücksichtigen und die auf dieser Grundlage
gezogenen Schlüsse nachvollziehbar sind. Aus den von der Beschwerdeführerin
vorgebrachten medizinischen Einschätzungen ergeben sich zudem keine objektiven
Gesichtspunkte, welche in den genannten Gutachten ausser Acht gelassen worden
wären. Der behandelnde Dr. D._ attestierte der Beschwerdeführerin am 15.
September 2016 weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (IV-act. 150). Er
begründete dies jedoch nicht nachvollziehbar, setzte sich nicht mit dem Medas-
Gutachten auseinander und hatte soweit erkennbar keine Kenntnis von den
Ergebnissen der Observation. Dieser Bericht ist damit nicht geeignet, die Gutachten in
Zweifel zu ziehen. Schliesslich wurden auch zwischen den beiden Gutachten und der
umstrittenen Verfügung vom 20. November 2017 (IV-act. 168) eingetretene
massgebliche Veränderungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht
substantiiert geltend gemacht und solche ergeben sich auch nicht aus den Akten.
Weitere medizinische Abklärungen erübrigen sich damit.
3.3.
Zusammenfassend ergibt sich, dass bei der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der
Rentenrevision ausschliesslich ein unklares Beschwerdebild vorlag, welches zudem
keine Auswirkungen auf die quantitative Arbeitsfähigkeit hatte (vgl. IV-act. 123-61, 160).
3.4.
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Rede ist, so kann damit im Zusammenhang mit der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens der Beschwerdeführerin also nur die Arbeitsunfähigkeit in einer
behinderungsadaptierten Hilfsarbeit gemeint sein (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts
vom 17. August 2012, IV 2010/400 E. 1.1). Ausgehend von einer 100%igen
Arbeitstätigkeit in der angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin im Validenfall und
einer solchen von 100% im Invalidenfall erübrigen sich die Vornahme eines konkreten
Einkommensvergleichs und insbesondere die Festsetzung eines Tabellenlohnabzugs,
da ohnehin kein rentenbegründender Mindestinvaliditätsgrad von 40% resultiert. Die
Beschwerdegegnerin hat die Rente damit zu Recht aufgehoben.
5.