Decision ID: e9bf9049-04c9-4435-97d3-0d9d2040ec95
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – gemäss Aktenlage ein Staatsangehöriger von
Kongo (Kinshasa) – ersuchte am 21. März 2022 um die Gewährung von
Asyl in der Schweiz. Das SEM nahm die Behandlung seines Gesuches im
Bundesasylzentrum (BAZ) B._ an die Hand.
Anlässlich der Gesuchseinreichung legte er eine auf einen Dritten lautende
und auf den 31. März 2022 (vor-)datierte Vertretungsvollmacht vor. Am
25. März 2022 erteilte er jedoch den Mitarbeitenden der im BAZ tätigen
Rechtsvertretungsorganisation Vollmacht, wobei er das ursprünglich aus-
gewiesene Vertretungsverhältnis später auch als beendet erklären liess.
Vor diesem Hintergrund verfügte er während des Verfahrens über den Bei-
stand der zugewiesenen Rechtsvertretung.
Das SEM nahm am 24. März 2022 einen Abgleich seiner Fingerabdrücke
mit Eurodac-Datenbank vor. Der Abgleich ergab, dass er am 24. Januar
2022 in Spanien wegen illegaler Einreise registriert worden war.
B.
Nachdem das SEM am 28. März 2022 die Personalien des Beschwerde-
führers aufgenommen hatte, fand am 1. April 2022 das sogenannte Dublin-
Gespräch statt. In diesem Rahmen bestätigte der Beschwerdeführer, dass
er am 24. Januar 2022 in Spanien registriert worden sei, wo er aber kein
Asylgesuch eingereicht habe. Dabei gab er an, er sei eigentlich schon am
15. Dezember 2021 dort eingereist, indem er als Teil einer Gruppe von
fünfzehn Personen nach Spanien gelangt sei. Nach ihrer Ankunft seien sie
in ein Dorf gebracht worden, wo er gearbeitet habe und schlecht behandelt
worden sei. Er habe sich deshalb entschlossen das Land zu verlassen und
in die Schweiz zu kommen, worauf er von Madrid per Bus über Frankreich
in die Schweiz gereist sei. Auf Nachfrage hin gab er an, er möchte nicht
nach Spanien zurückkehren, da es ihm dort nicht gefallen habe. Er möchte,
dass man sich seiner Sache hier annehme und sein Gesuch von der
Schweiz behandelt werde. Auf die Frage nach gesundheitlichen Beschwer-
den brachte er vor, er sei in Spanien geschlagen worden, weswegen er
Schmerzen am Körper verspüre und Narben habe. Er leide zudem an einer
in der Heimat bei einer Auseinandersetzung erlittenen Verletzung am lin-
ken Ohr. Er möchte auch untersucht werden, da er psychische Probleme
habe, sich Sorgen mache und Schwierigkeiten habe nachts zu schlafen.
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Aus den Akten geht hervor, dass sich der Beschwerdeführer während sei-
nes Aufenthalts im BAZ mehrmals in Behandlung begab. Vom SEM wurden
entsprechende ärztlichen Berichte zu den Akten genommen, worauf – so-
weit wesentlich – in den Erwägungen eingegangen wird.
C.
Gestützt auf den Eurodac-Abgleich und die Angaben des Beschwerdefüh-
rers im Rahmen des Dublin-Gesprächs sandte das SEM am 4. April 2022
ein Ersuchen um dessen Aufnahme an die Dublin-Behörde von Spanien;
dies gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung
der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in ei-
nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig
ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Eine Woche später – mit Erklärung vom 11. April 2022 – anerkannte Spa-
nien seine Zuständigkeit für die Prüfung des Antrags des Beschwerdefüh-
rers nach Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO und stimmte seiner Überstellung zu.
Dabei wurde angemerkt, dass der Beschwerdeführer in Spanien unter ei-
ner anderen Identität aufgetreten sei (vgl. dazu die Akten).
D.
Am 19. April 2022 ersuchte seine Rechtsvertretung um eine Anhörung des
Beschwerdeführers als potentielles Opfer von Menschenhandel, da er in
Spanien allenfalls das Opfer von Zwangsarbeit geworden sei. Das SEM
gab dem Ersuchen statt und hörte ihn am 11. Mai 2022 zu dieser Frage an.
Dabei brachte der Beschwerdeführer zur Hauptsache vor, er habe seine
Heimat am 3. April 2019 verlassen, indem er damals als Teil einer Gruppe
von 15 jungen Männern von einem General der kongolesischen Armee,
welcher auch Geschäftsmann sei, und dessen Soldaten, eine Gruppe von
10 bis 15 Mann, ausser Landes gebracht worden sei. Sie seien gemeinsam
über verschiedene Staaten bis nach Spanien gereist, wobei er und die an-
deren jungen Männer vom General unter anderem in Benin und Algerien
während Monaten als Zwangsarbeiter eingesetzt worden seien. Nachdem
sie alle von Algerien nach Spanien übergesetzt hätten, seien er und die
anderen auch dort vom General und seinen bewaffneten Soldaten zur
Zwangsarbeit eingesetzt worden. Ihm sei schliesslich die Flucht gelungen,
worauf er mit Hilfe von Dritten in die Schweiz gereist sei. Auf Nachfrage hin
sprach er sich wiederum gegen eine Rückkehr nach Spanien aus, zumal
er dort kein Asylgesuch gestellt habe und er sich bereits in der Schweiz
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befinde, weshalb sein Gesuch hier zu prüfen sei. Daneben wisse er auch
nicht, ob sich der General noch in Spanien aufhalte.
Im Nachgang zu dieser Anhörung räumte das SEM dem Beschwerdeführer
eine Erholungs- und Bedenkzeit von 30 Tagen im Sinne von Art. 13 des
Übereinkommens vom 16. Mai 2005 zur Bekämpfung des Menschenhan-
dels (SR 0.311.543) ein (vgl. zum Ganzen die Akten).
Am 9. Juni 2022 brachte der Beschwerdeführer über seinen Rechtsvertre-
ter ergänzende Angaben zum Aufenthalt in Spanien und den dort angeblich
erlebten Nachteilen ein (vgl. dazu die Akten).
Nachdem die Vorinstanz die Sache mit Zustimmung des Beschwerdefüh-
rers zur Prüfung im Hinblick auf ein mögliches Strafverfahren wegen Men-
schenhandels ans Bundesamt für Polizei (Fedpol) übermittelt hatte, teilte
diese Behörde dem SEM am 20. Juni 2022 mit, aufgrund der Aktenlage
würden von ihrer Seite keine weiteren Schritte eingeleitet.
E.
Das SEM trat mit Verfügung vom 16. August 2022 (eröffnet am 17. August
2022) in Anwendung der Bestimmungen zum Dublin-Verfahren und ge-
stützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers nicht ein und ordnete dessen Wegweisung nach Spa-
nien an, welches gemäss Dublin-III-VO der für die Behandlung seines Asyl-
gesuches zuständige Staat sei. Diese Anordnung erging verbunden mit der
Aufforderung an den Beschwerdeführer, die Schweiz am Tag nach Ablauf
der Beschwerdefrist zu verlassen. Daneben erklärte das SEM, der Kanton
C._ werde mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt, dem Be-
schwerdeführer würden die editionspflichtigen Akten gemäss Verzeichnis
ausgehändigte und einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung
komme keine aufschiebende Wirkung zu.
Die zugewiesene Rechtsvertretung erklärte nach der Entscheideröffnung
das Mandatsverhältnis als beendet.
F.
Gegen den vorgenannten Nichteintretens- und Wegweisungsentscheid hat
der Beschwerdeführer am 18. August 2022 (Poststempel) beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde erhoben. In seiner Eingabe beantragt er
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung (1.) und – dem wesentlichen
Sinngehalt nach – die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur ma-
teriellen Behandlung seines Asylgesuches (vgl. nachfolgend, E. 4.2). Der
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von ihm als Grundlage seiner Beschwerde verwendeten Vorlage gemäss
beantragt er zudem die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Ge-
währung von Asyl (2.), eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit, Un-
zumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzuges und Anord-
nung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz (3.). In prozessualer Hin-
sicht ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, Be-
freiung von der Kostenvorschusspflicht und Beiordnung einer amtlichen
Rechtsvertretung (4.).
G.
Nach Eingang der Beschwerde wurde der Vollzug der Wegweisung vom
Gericht per sofort einstweilen ausgesetzt (Art. 56 VwVG).
Die vorinstanzlichen Akten liegen dem Gericht seit dem 19. August 2022 in
elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vor-
liegend – endgültig (vgl. dazu Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Kognition des Gerichts und die zulässigen Rügen richten sich im
Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
1.4 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs.1 VwVG) und er hat
seine Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 3
AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde – vorbehältlich der
nachfolgenden Erwägungen (vgl. E. 2) – einzutreten ist.
1.5 Soweit auf die Beschwerde einzutreten ist, erweist sich diese – wie
nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich unbegründet, weshalb über die
Beschwerde im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung
eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin und mit summarischer
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Begründung zu entscheiden ist sowie auf die Durchführung eines Schrif-
tenwechsels verzichtet werden konnte (vgl. Art. 111 Bst. e sowie Art. 111a
Abs. 1 und 2 AsylG).
2.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM
ablehnt, das Asylgesuch auf seine materielle Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Kompetenz des Bundesverwal-
tungsgerichts grundsätzlich auf die Prüfung der Frage beschränkt, ob die
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Wenn das
Gericht den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig erachtet, hebt es
diesen auf und weist die Sache zur neuen Entscheidung ans SEM zurück;
einer selbständigen materiellen Prüfung der Gesuchsgründe enthält es
sich (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Vor diesem
Hintergrund ist auf die Begehren um Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft und Asylgewährung nicht einzutreten.
Im Rahmen des Dublin-Verfahrens – einem Überstellungsverfahren in den
für die Behandlung des Asylgesuches zuständigen Staat – besteht sodann
systembedingt kein Raum für die vom Beschwerdeführer eventualiter be-
antragte Ersatzmassnahme für den Wegweisungsvollzug (gemäss Art. 44
AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1–4 AIG [SR 142.20]). Die entsprechende Prü-
fung muss soweit notwendig bereits im Rahmen des Nichteintretensent-
scheides stattfinden (vgl. dazu nachfolgende Erwägungen), weshalb auch
auf den Antrag auf Anordnung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz
nicht einzutreten ist.
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
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3.3 Eine von den genannten Regeln abweichende Bestimmung des zu-
ständigen Staates kann sich ergeben, wenn das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Antragsteller im an sich zuständigen Staat syste-
mische Schwachstellen aufweisen (vgl. dazu Art. 3 Abs. 2 Satz 2 und 3
Dublin-III-VO). Auf weitere Erwägungen zu diesem Aspekt kann jedoch ver-
zichtet werden, da vorliegend eine Überstellung nach Spanien zu prüfen
ist und dieser Staat – wie auch nachfolgend aufgezeigt – keine solchen
Schwachstellen aufweist (vgl. E. 4.3)
3.4 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte
Selbsteintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom
11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Be-
stimmung kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch
dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zu-
ständig wäre. Nach der Konzeption des Gesetzes kommt dem SEM bei der
Frage der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 ein Ermessensspiel-
raum zu (BVGE 2015/9 E. 8.2.2). Liegen hingegen individuelle völkerrecht-
liche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (BVGE
2015/9 E. 8.2.1 und 2011/9 E. 4.1 m.w.H.).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer hat sich vor seiner Einreise und Antragstellung
in der Schweiz in Spanien aufgehalten, wo er gemäss Eurodac-Abgleich
am 24. Januar 2022 wegen illegaler Einreise registriert worden ist. Vor die-
sem Hintergrund hat das SEM zu Recht ein Ersuchen um Aufnahme seiner
Person an Spanien gesandt (vgl. Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 20 Abs. 1 sowie
Art. 21 Abs. 1 und 3 Dublin-III-VO). Spanien hat in der Folge mit Erklärung
vom 11. April 2022 seine Zuständigkeit für den Beschwerdeführer gemäss
der Bestimmung von Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO anerkannt, womit die
Grundlage für die Feststellung der Zuständigkeit Spaniens und somit für ei-
nen Nichteintretensentscheid in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG sowie die Anordnung der Wegweisung nach Spanien grundsätzlich
gegeben ist.
4.2 Vom Beschwerdeführer wird im Ergebnis nicht bestritten, dass Spanien
für die Behandlung seines Gesuches zuständig ist. Er macht jedoch dem
wesentlichen Sinngehalt nach geltend, in seinem Fall habe die Schweiz ihr
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Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO auszuüben. In
dieser Hinsicht führt er zunächst an, es gehe ihm körperlich und psychisch
schlecht und er wolle nicht nach Spanien zurück, weil sein aktueller Zu-
stand der Behandlung geschuldet sei, welche er in diesem Land erfahren
habe. Dabei hält er am Vorbringen fest, er sei in Spanien das Opfer von
Menschenhandel geworden, und er macht zugleich geltend, für Menschen
wie ihn sei es praktisch unmöglich, sich in Spanien an die Polizei zu wen-
den und sich gegen den Menschenhandel zur Wehr zu setzen. Dem SEM
hält er entgegen, dessen Vorhalte betreffend eine angeblich ungenügen-
den Substanziierung seiner Angaben und Ausführungen über die in Spa-
nien erlittenen Nachteile gingen fehl. Aufgrund seines Zustandes habe er
nämlich fast nicht sprechen und sich auch nicht konzentrieren können. Ab-
schliessend bringt er vor, er bedürfe aufgrund seines Zustandes der Erho-
lung in seinem sicheren Umfeld, zumal man gegen Menschenhandel nur
aus einem sicheren Kontext heraus vorgehen könne. In Spanien, wo er
Opfer von Menschenhandel geworden sei, stehe ihm ein solcher Kontext
nicht zur Verfügung, weshalb er nicht dorthin zurückgeschickt werden
dürfe.
4.3 Der Beschwerdeführer macht damit im Wesentlichen geltend, in Spa-
nien sei er nicht hinreichend sicher und gegen eine Wegweisung nach Spa-
nien spreche auch seine gesundheitliche Konstitution. Aufgrund der Akten-
lage sind jedoch insgesamt keine Gründe ersichtlich, welche für eine An-
wendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO
respektive für ein Eintreten auf das Asylgesuch unter dem Aspekt der hu-
manitären Gründe nach Art. 29a Abs. 3 AsylV 1sprechen würden.
In dieser Hinsicht bleibt zunächst festzuhalten, dass Spanien Signatarstaat
der EMRK (SR 0.101) und der Flüchtlingskonvention (FK, SR 0.142.30) so-
wie des Zusatzprotokolls der FK (SR 0.142.301) ist, wobei Spanien nach
Auffassung der Schweiz seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nachkommt. Die Schweiz geht gleichzeitig davon aus, Spa-
nien anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus
den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU
vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und
Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) und
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie), ergeben. Vor diesem Hintergrund ist mit dem SEM darin einig
zu gehen, dass dem Beschwerdeführer in Spanien ein geregeltes Verfah-
ren offen steht und er dort auch hinreichend versorgt wird. Voraussetzung
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ist, dass er seine Bedürfnisse gegenüber den dortigen Behörden ausweist
und er sich diesen auch zur Verfügung hält. Diesen Schluss vermag der
Beschwerdeführer auch nicht mit der Berufung auf seine gesundheitlichen
Beschwerden zu erschüttern. Zwar geht aus den Akten hervor, dass er
während des erstinstanzlichen Verfahrens wiederholt in ärztlicher Behand-
lung war. Die bei den Akten liegende Berichte lassen jedoch nicht auf das
Vorliegen einer Erkrankung schliessen, welche nicht auch ohne weiteres in
Spanien (weiter-)behandelt werden kann. Laut dem Bericht des Kantons-
spitals D._ vom 11. Juli 2022 litt er zu jenem Zeitpunkt weiterhin an
Schmerzen wegen einer vor zwei Jahren erlittenen Verletzung an seiner
Ohrmuschel, was mittels Operation gegebenenfalls einer Verbesserung
zugänglich wäre, und zudem an einem sanierungsbedürftigen Gebiss. Aus
den zeitlich nachfolgenden Berichten geht hervor, dass in der Folge eine
Zahnsanierung durchgeführt wurde. Ein weitergehender akuter Behand-
lungsbedarf ist nicht ersichtlich. Sollte der Beschwerdeführer nach seiner
Überstellung dennoch eine medizinische Behandlung benötigen, bleibt da-
rauf hinzuweisen, dass Spanien über eine ausreichende medizinische Inf-
rastruktur verfügt, zu welcher auch Asylantragsteller Zugang haben (vgl.
auch Art. 19 Abs. 1 und 2 Aufnahmerichtlinie).
Betreffend das Vorbringen über angeblich in Spanien erlittene Zwangsar-
beit ist in Übereinstimmung mit dem SEM darauf hinzuweisen, dass sich
der Beschwerdeführer als potentielles Opfer von Menschenhandel jeder-
zeit an die dafür zuständigen spanischen Behörden wenden kann, zumal
von deren diesbezüglichen Schutzwilligkeit und -fähigkeit auszugehen ist.
Sein anders lautendes Beschwerdevorbringen überzeugt nicht, weil es sich
in der blossen Behauptung einer angeblichen Schutzunwilligkeit der spani-
schen Behörden erschöpft, der Beschwerdeführer diese Behörden aller-
dings bis dahin noch gar nicht um Schutz ersucht hat. Gemäss der ange-
fochtenen Verfügung wird das SEM die spanischen Behörden im Zeitpunkt
seiner Überstellung darüber informieren, dass es sich bei der Person des
Beschwerdeführers um ein potentielles Opfer von Menschenhandel han-
delt und sich die geltend gemachte Zwangsarbeit seinen Angaben zufolge
unter anderem in Spanien ereignet habe. Damit ist hinreichend gesichert,
dass er auch in Spanien seine Rechte nach dem Übereinkommen zur Be-
kämpfung des Menschenhandels wahrnehmen kann. Vor diesem Hinter-
grund kann auf weitere Erwägungen zur Frage der Glaubhaftigkeit der Vor-
bringen über angeblich in Spanien vonseiten eines kongolesischen Gene-
rals und dessen bewaffneten Soldaten erlittene Nachteile verzichtet wer-
den.
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4.4 Nach dem Gesagten spricht insgesamt nichts dafür, dass dem Be-
schwerdeführer in Spanien eine mit Art. 3 EMRK unvereinbare Behandlung
drohen würde, weshalb die Schweiz nicht zu einem Selbsteintritt nach
Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflichtet ist. Vom SEM wurde die Sache
auch hinreichend unter dem Aspekt der humanitären Gründe nach Art. 29a
Abs. 3 AsylV 1 gewürdigt. Da die diesbezügliche Auseinandersetzung nicht
zu bemängeln ist, hält die angefochtene Verfügung auch unter dieser Optik
einer Prüfung stand (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/9).
5.
Diesen Erwägungen gemäss ist die angefochtene Verfügung zu bestätigen
und die Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
6.
Mit vorliegendem Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um Gewäh-
rung der aufschiebenden Wirkung (nach Art. 107a AsylG) und um Befrei-
ung von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) gegen-
standslos geworden.
7.
7.1 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) und amtlichen Verbeiständung (nach
102m Abs. 1 AsylG) sind abzuweisen, da sich die Beschwerde nach dem
Gesagten als von Anfang an aussichtslos erwiesen hat.
7.2 Dem Beschwerdeführer sind demnach die Kosten des Verfahrens, wel-
che auf Fr. 750.– zu bestimmen sind, aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG;
Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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