Decision ID: 26b45a02-efae-4d2b-8901-5819b9f9a247
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1980 geborene X._ ist ausgebildete Juristin und Kriminalistin und arbeitete zuletzt als Fachspezialistin Strafvollzug beim Amt Y._ des Kantons
O._
bei einem 80%-Pensum (Urk. 7/6 und Urk. 7/12).
Am
30. Juli 2015
meldete sich die Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zur Früherfassung (Urk.
7
/1) und am
6. Oktober 2015
(Ein
gangsdatum) zum Leistungsbezug an (Urk.
7/6
).
Diese klärte die medizinischen und erwerblichen Verhältnisse ab. In der Folge wurden
Frühinterventionsmass
nahmen
(Arbeitsplatzerhalt [Urk. 7/17), Anpassung des Arbeitsplatzes mit Über
nahme diverser Hilfsmittel [Urk. 7/32] sowie Kostengutsprache für Wiedereinglie
derung im bisherigen Beruf [Urk. 7/35]) gewährt. Mit Mitteilung vom 18.
August 2016 (Urk. 7/40) wurden die beruflichen Massnahmen per 16. August 2016 abgebrochen, da X._ die Wiedereingliederungs-Massnahme aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig habe beenden müssen und auch ihre Arbeits
stelle kündigte (vgl. Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung, Urk. 7/41). Die IV-Stelle aktualisierte die medizinischen und erwerblichen Unterlagen und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung SWICA Krankenversicherung AG bei (Urk. 7/47). Letztere liess die Versicherte beim Insti
tut Z._ polydisziplinär (neurolo
gisch, internistisch, orthopädisch-chirurgisch und psychiatrisch) begutachten (Gutachten von Januar 2017, Urk. 7/53 S. 3-60). Mit Formular vom 10. Mai 2017 gab X._ - auf entsprechende Nachfrage hin - an, sich derzeit nur bei ihrer Hausärztin Dr. med. A._, Ärztin für Allgemeinmedi
zin/Naturheilkunde, in Behandlung zu befinden (Urk. 7/59).
Gestützt auf die gut
achterlichen Ausführungen
kündigte
die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbe
scheid vom
15. Mai 2017
die Abweisung des Leistungsbegehrens
an
(Urk.
7/61
). Dagegen erhob diese am
28.
Juni 2017
Einwand (Urk.
7/71
) und reichte weitere Unterlagen ein (Urk.
7/69-70
).
Mit Verfügung vom
11. September 2017
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren wie vorbeschieden ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am
13. Oktober 2017
Bes
chwerde und bean
tragte, es sei
ihr unter Aufhebung der Verfügung vom
11. September 2017
eine Invalidenrente auszurichten
, eventuell sei die Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Las
ten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schl
oss mit Beschwerdeantwort vom 14
.
November 2017
auf Abweisung der Beschw
erde
(Urk. 6
, unter Beilage ihrer Akten, Urk.
7/1-79
), was de
r
Beschwerdeführerin am
15. November 2017 mitgeteilt wurde (Urk. 8
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie
stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Ver
waltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweis
erhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entscheidenden –
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie
allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet
ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesge
richts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) auf den Standpunkt, dass gestützt auf die umfassenden gutachterlichen Abklärungen
keine objektiv feststellbaren Befunde und Diagnosen bestünden, die eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit begründen könnten. Somit liege keine dauer
hafte oder langandauernde gesundheitliche Beeinträchtigung vor. Auch die diag
nostizierte Endometriose begründe keine andauernde Arbeitsunfähigkeit, da diese nach medizinischer Sicht gut therapierbar sei. Unter der Voraussetzung, dass die Endometriose-Therapie weitergeführt werde, sei
nach erfolgreicher Heilung eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben.
2.2
Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Ansicht (Urk. 1),
auf das polydis
ziplinäre Gutachten von
Januar 2017 könne nicht abgestellt werden
, da es nicht
umfassend sei
.
So seien gewichtige Diagnosen unberücksichtigt geblieben. Insbe
sondere leide sie bereits seit langem an einer massiv einschränkenden Endomet
riose, welche bisher nicht adäquat therapiert worden sei. Erst nach erfolgter Hei
lung könne wieder von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Unter Umständen dränge sich aufgrund der neu gestellten Diagnosen eine
neu
ropelveologische
und gynäkologische Untersuchung auf.
3.
3.1
Im Bericht der Universitätsklinik B._, Abteilung für Wirbelsäulen-Chirurgie, vom 6. November 2015 (Urk. 7/14) zuhanden der Beschwerdegegnerin wurden folgende Diagnosen genannt:
-
Unklare Gangataxie mit intermittierender Schwindelsymptomatik und
generalisierter
Hyperreflexie
an oberen und unteren Extremitäten
-
Sakrococcygalgie
Bei der Beschwerdeführerin bestehe eine ausgeprägte Ataxie mit begleitender
Hyperreflexie
sowohl der oberen als auch der unteren Extremitäten und eine Schwindelsymptomatik, die mit den Bildern der LWS, BWS und HWS nicht erklärt werden könne. Bei dringendem Verdacht auf eine neurologische Grunderkran
kung sei eine neurophysiologische Untersuchung durchzuführen. Die lokalen Schmerzen, die im
sakrococcygealen
Bereich beständen, seien durch einen wir
belsäulenchirurgischen Eingriff derzeit nicht verbesserbar. Für die zuletzt ausge
übte Tätigkeit als Büroangestellte habe vom 15. September bis 11. Oktober 2015 eine 50%ige und vom 12. Oktober bis 8. November 2015 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit bestanden. Aufgrund der Schwindel- und
Gangataxiesymptomatik
bestehe eine um 100 % verminderte Leistungsfähigkeit. Zunächst sei die Ursache der Symptome abzuklären.
3.2
Die behandelnde Hausärztin Dr. A._, welche die Beschwerdeführerin seit dem 28. April 2015 behandelt, führte in ihrem Bericht vom 30. August 2016 (Urk. 7/43) zuhanden der Beschwerdegegnerin folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit auf:
-
Chronische Müdigkeit (ICD-10: G93.3)
-
lumbale und sonstige Bandscheibenschäden mit
Radikulopathie
(ICD-10:
M51.1)
-
Primäre Nebennierenrindeninsuffizienz (ICD-10: E27.1)
-
Protozoen
-
Lebensmittelallergie
-
GSTM-1-Mangel
-
Schmerzen rechter Oberbauch
-
Gelenkschmerzen
-
Gleichgewichtsstörungen
-
Gangstörungen
-
Konzentrationsstörungen
-
Eppstein-Barr-Virus
Die Prognose sei noch nicht absehbar. Dabei sei die Beschwerdeführerin seit dem 16. August 2016 in ihrem ausgeübten Beruf als Fachspezialistin Strafvollzug bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Es sei noch nicht absehbar, ob ihr die bisherige oder allenfalls eine angepasste Tätigkeit zumutbar sein werde.
3.3
D
ie
Beschwerdeführer
in
wurde im
Januar 2017
durch Ärzte
des Z._
neurologisch, int
ernistisch, orthopädisch-
chirurgisch und psychiatrisch
begutachtet
(Urk. 7/53 S. 3-60).
In deren Gutachten werden die
von der Kranken
taggeldversicherung eingeholten und
bis zur Begutachtung aktenkundigen medi
zinischen
Berichte zusammengefasst
, weshalb sie an dieser Stelle nicht noch ein
mal wiedergegeben werden.
3.3.1
Im neurologischen Teilgutachten vom 20. Januar 2017 (Urk. 7/53 S. 3-21) wur
den von Dr. med. C._, Facharzt für Neurologie, folgende Diagnosen und Funktionsstörungen festgehalten:
-
Schmerzen im Bereich des
Steiss
- und Kreuzbeines, ohne erklärendes
organpathologisches Korrelat
-
Diffuser Schwindel ohne Anhalt für eine peripher- oder zentral-vestibuläre
Störung
-
Bauchschmerzen und Bauchdruck im Ober- und Unterbauch bezie
hungsweise Becken, ohne Anhalt für eine erklärende neurologische Erkrankung
-
Subjektive Konzentrationsstörung und Vergesslichkeit, in der
Untersuchung ohne nervales Korrelat
-
Subjektive Erschöpfung und Antriebsminderung, in den
Untersuch-
ungsbefunden
nicht nachvollziehbar.
Als Hauptbeschwerden trage die Beschwerdeführerin eine Vielzahl von Sympto
men vor, die in Qualität und Schweregrad im Verlauf der letzten eineinhalb Jahre in wechselhafter Ausprägung und wechselnder Assoziation bestanden hätten. Derzeit fühle sie sich vor allem durch ihre Schmerzen im Steissbein, die Miss
empfindungen und Schmerzen im Bauch- und Darmbereich sowie ihre Erschöp
fung geplagt. Des Weiteren beklage sie eine diffuse Schwindelsymptomatik, Kon
zentrationsstörungen und Vergesslichkeit sowie Nahrungsmittelunverträglichkei
ten. Bereits die Vielzahl und Vielgestaltigkeit der beklagten Beschwerden lasse an eine
nichtorganische Genese des Beschwerdekomplexes denken. Auch die teil
w
eise bizarre Schilderung der Symptomatik, so etwa ihre Darmbeschwerden und Druckbeschwerden im Oberbauch, Unterbauch und den Beinen, sowie die Unschärfe der Beschreibung etwa in der Schwindelsymptomatik seien auch in der einzelnen Ausgestaltung und Schilderung der Beschwerden typisch für eine nicht-organische Genese. Die Beschwerdeführerin habe zahlreiche Spezialisten konsultiert, welche keine sichere organpathologische Diagnose hätten stellen können. Die neurologischen Untersuchungsbefunde seien in der Vergangenheit immer normal gewesen. Bereits in Schwindelzentrum des D._ sei die sehr wech
selhaft demonstrierte Gangstörung aufgefallen sowie auch eine rasche Änderung des Beschwerdebildes beziehungsweise das Sistieren der Gangstörung bei Ablen
kung. Alle diese Punkte seien bereits damals als Hinweis für eine funktionelle und
nicht-organische Genese der Störung gewertet worden. Entsprechend sei die Beschwerdeführerin zweimal in einer psychosomatischen Rehabilitationseinrich
tung gewesen. Die Neuroachse sei mittels MRI untersucht worden, wobei sich normale Befunde gezeigt hätten. Auch eine
Liquorpunktion
sei laut Aktenlage normal gewesen. Nichtsdestotrotz halte die Beschwerdeführerin an ihrem soma
tischen Krankheitskonzept fest. In der aktuellen Untersuchung seien Beschwerden vorgetragen worden, die gesamthaft keiner typischen neurologischen Erkrankung entsprächen. Die neurologische Untersuchung sei normal gewesen. Ein Teil der Beschwerden Schwindelsymptomatik (Schmerzen am Steissbein beim Sitzen) hät
ten sich in der Verhaltensbeobachtung nicht nachvollziehen lassen. Auch die beklagte Antriebsstörung und der subjektive Energiemangel sowie die
Konzent
rations
- und Gedächtnisstörung hätten sich in der etwa 2 Stunden dauernden Untersuchung nicht nachvollziehen lassen. Die Beschwerdeführerin sei energe
tisch gewesen, habe mit einem temporeichen Sprachfluss gesprochen und sei teil
weise gereizt und latent aggressiv gewesen. Eine erschöpfte und depressive Beschwerdeführerin habe sich nicht beobachten lassen. Auch eine
Konzentrati
ons
- und Gedächtnisstörung habe sich in der Exploration, dem psychopathologi
schen Befund und dem verhaltensneurologischen Befund nicht diagnostizieren lassen. Der Neurostatus sei normal gewesen. Das EEG sei ebenfalls normal, das heisst ohne pathologische Ermüdungszeichen, gewesen. Die aktuelle Serumdiag
nostik sei normal gewesen. Zusammenfassend sei festzustellen, dass sich bei der Beschwerdeführerin für die zahlreich vorgetragenen Beschwerden keine erklä
rende neurologische Diagnose stellen lasse. Es ergebe sich kein Anhalt für eine organpathologisch verstehbare neurologische Erkrankung. Entsprechend könne aus neurologischer Sicht der Beschwerdeführerin keine Arbeitsunfähigkeit attes
tiert werden.
Der bisherige Behandlungsverlauf sei protrahiert gewesen. Aus neurologischer Sicht sei die Diagnose gut, da sich keine neurologische Erkrankung diagnostizie
ren lasse. Die Beschwerdeführerin sei in der beruflichen Tätigkeit als Fachspezi
alistin Strafvollzug unter Berücksichtigung des bisherigen Arbeitspensums von 80 % aus rein neurologischer Sicht voll arbeitsfähig. Aufgrund der geschilderten subjektiven Schwindelsymptomatik sollte die Beschwerdeführerin nicht auf Arbeitsplätzen mit Sturzgefahr eingesetzt werden.
Wesentliche nicht-medizini
sche Probleme als beeinträchtigende Faktoren der Arbeitsfähigkeit hätten sich nicht ergeben.
3.3.2
Dr. med. E._, Fachärztin für Chirurgie/Unfallchirurgie, fasste
im orthopädisch-chirurgischen Teilgutachten vom 6. Januar 2017 (Urk. 7/53 S. 23-31) zusammen, dass bei der Beschwerdeführerin, die seit dem 30. März 2015 in unterschiedlichem Ausmass krankgeschrieben sei, multiple Diagnosen erwähnt
worden seien. Von Seiten des Bewegungsapparates (in den Unterlagen erwähnt: Wirbelsäulenbeschwerden, lumbale und sonstige Bandscheibenschäden mit
Radi
kulopathie
und
Sakrococcygoalgie
) hätten sich hinsichtlich der Funktion keine Befunde erheben lassen, die eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit hervorrie
fen. Von Seiten der festgestellten Knochendichteminderung sei eine Substituti
onsbehandlung eingeleitet worden. Ein typisches Beschwerdebild sei hierfür nicht geschildert worden; insbesondere bestehe an der Wirbelsäule keine Osteoporose, sondern lediglich eine Osteopenie. Unter Würdigung der vorgelegten Befunde hinsichtlich des Bewegungsapparates seien die geklagten Beschwerden mit dem organischen Befund nicht in Einklang zu bringen. Die Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit bei einem 100%-Pensum mit einer 100%igen Leistungsfä
higkeit sollte ab sofort ohne Wiedereingliederung möglich sein. Die bis dato attestierte Arbeitsunfähigkeit als Fachspezialistin Strafvollzug (leichte körperli
che Tätigkeit, die überwiegend im Sitzen ausgeführt werde beziehungsweise frei wechselbelastend sei) sei unter Wertung der vorgelegten Befunde und der aktu
ellen Untersuchung aufgrund der freien Funktion im Bereich des Bewegungsap
parates nicht nachvollziehbar. Nichtmedizinische Probleme seien von der Beschwerdeführerin auf Nachfrage verneint worden. Sie schildere das soziale Umfeld als intakt und fühle sich von ihrer Ursprungsfamilie gut unterstützt.
3.3.3
Dr. med. F._, Facharzt für Pneumologie und Innere Medizin, stellte im internistischen Teilgutachten vom 10. Januar 2017 (Urk. 7/53 S. 35-39) keine internistischen Diagnosen. Die Beschwerden hätten im Wesentlichen mit ausge
prägten Rückenschmerzen in die Beine ziehend begonnen. In der Folge habe die Beschwerdeführerin einerseits eine ausgeprägte
Fatiguesymptomatik
beklagt, wobei diese schwer nachvollziehbar sei. Per se sei es schwierig, diese Symptoma
tik zu objektivieren, doch vorliegend sei sie nicht vollständig nachvollziehbar. Andererseits berichte die Beschwerdeführerin von einer Lamblien-Infektion nach einer Reise nach Brasilien, welche durch Laborbefunde bestätigt werde. Diese Beschwerden und Erkrankung müsse man vom Übrigen trennen, wobei eine Aus
heilung durch Behandlung innerhalb eines halben Jahres sehr wahrscheinlich sei. Von internistischer Seite her sei keine Erkrankung, die eine Arbeitsunfähigkeit bedinge, erkennbar. Die Beschwerdeführerin sei unverheiratet, ohne Kinder und lebe allein. Es beständen keine nicht-medizinischen Gründe gegen eine normale Arbeitsfähigkeit, aber es bestehe kein angemessenes Netz von Beziehungen im Hintergrund, das sie ihrem Bedarf entsprechend auffange.
3.3.4
Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im psychiatrischen Teilgutachten vom 14. Januar 2017 (Urk. 7/53 S. 40-58) betref
fend Diagnostik fest, dass die einmalige - wenn auch ausgiebige und differen
zierte -
klinische Untersuchungssituation keine endgültige Lösung herbeizufüh
ren vermöge. Es lasse sich nach den Kriterien der ICD-10 und des DSM-5 psychi
atrisch keine Diagnose einer krankheitswertigen Störung stellen. Es beständen insbesondere in Hinsicht auf die Differentialdiagnostik beispielsweise psychoge
ner Gangstörungen, psychogener Schmerzstörungen oder einer Somatisierungs
störung keine Anhaltspunkte aus dem klinischen Erscheinungs- und Persönlich
keitsbild. So sei die Beschwerdeführerin insbesondere nicht mit histrionischen Persönlichkeitsanteilen behaftet. Auch eine somatoforme Schmerzstörung sei zunächst nicht positiv zu diagnostizieren. Eine dissoziative Störung lasse sich nicht diagnostizieren, da auch psychodynamische Hinweise etwa auf virulente neurotische Konflikte oder Traumata fehlten, die ihren möglichen insuffizienten gestalthaften Ausdruck in einem veränderten Gangbild oder einer bestimmten Bewegungshemmung finden könnten. Auch unter Anwendung der analytisch-psychotherapeutischen Diagnostik lasse sich bei der Beschwerdeführerin zunächst nur ein auffälliges Fehlen von differenzierten Emotionen feststellen. In dieser Richtung sei jedoch möglicherweise eine weitere Aufklärung zu finden. Im Gespräch sei deutlich geworden, dass die Beschwerdeführerin die hier beschrie
bene Störung als «fremdartig», angstmachend und unerklärlich empfinde. Ihr Kör
pergefühl scheine gekennzeichnet zu sein durch eine mangelnde Vertrautheit. Hinzu komme, dass Beziehungserfahrungen zurückliegender Jahre offenbar bei ihr eine gewisse Ratlosigkeit hinterlassen hätten und bei ihr Möglicherweise die Problematik bestehe, zwischen Gefühlen und Körpersensationen nicht deutlich genug unterscheiden zu können. Für das psychiatrisch-psychosomatische Fach
gebiet werde daher eine protrahierte Diagnostikphase vorgeschlagen. Der Beschwerdeführerin sei eine tiefenpsychologisch fundierte psychotherapeutische Beratung bei einem klinisch erfahrenen Therapeuten empfohlen worden. Damit sei klinisch die Hoffnung verbunden, dass es zu einer näheren Aufklärung, mög
licherweise in der Gutachtenssituation nicht hinreichend aufzuklärender, Emoti
onen und Beziehungserfahrungen betreffende Problematiken kommen könne. Eine Psychogenese stehe im Raum, sei gegenwärtig aber nicht hinreichend zu belegen. Bevor allerdings aus dem Aspekt der Naturheilkunde möglicherweise voreilig Zusammenhangsvermutungen (Protozoen, Immunsystem) angeboten würden, sollte berücksichtigt werden, dass organisch anmutende Kausal-Attribu
tionen möglicherweise die Annäherung an ein Psychogenese-Verständnis behin
dern könnten. Es sei sicher nicht nur für die Beschwerdeführerin schwer zu ertragen, dass eine «Ursache» im Sinne monokausalen Geschehens bisher nicht habe gefunden werden können. Das «Offenhalten» in der Diagnostikphase erscheine jedoch auch unter therapeutischen Gesichtspunkten notwendig.
Ausser der Kündigung des bisherigen Arbeitsplatzes seien weitere psychosoziale, in keinem Fall aber soziokulturelle Belastungsfaktoren zu erkennen. Noch sei keine definitive Diagnose gefunden, sodass die Prognose offen bleiben müsse, es bestehe jedoch bereits eine signifikante Besserungstendenz. Es lägen jedenfalls keine prognostisch prinzipiell ungünstigen Faktoren vor. Für das psychiatrische Fachgebiet sei eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit gegenwärtig nicht zu begründen, da keine Diagnose einer krankheitswertigen Störung nach den Krite
rien der ICD-10 oder DSM-5 gestellt werden könne.
3.4
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
gingen zwei weitere Berichte ein (Urk. 7/69-70).
3.4.1
Prof. Dr. med. H._, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, hielt in seinem Sprechstundenbericht vom 11. Mai 2017 (Urk. 7/69) zuhanden der behandelnden Hausärztin folgende Diagnose fest:
Chronic
Pelvic
Pain Syndrome (CPPS,
chronische
r
Beckenbodenschmerz
)
,
Status nach
Marsupialisation
2013.
Nicht alle von der Beschwerdeführerin angegeben Beschwerden liessen sich gynäkologisch und/oder
neuropelveologisch
erklären. Es sei jedoch davon aus
zugehen, dass die Beschwerdeführerin schon an einer Endometriose leide, zumin
dest eine
Adenomyosis
uteri liege vor. Eine tief infiltrierende Endometriose oder eine ovarielle Endometriose lägen nicht vor. Daher sei aus gynäkologischer Sicht lediglich eine Blockade der Menstruation mit
Kyleena
empfohlen. Eine Indikation für eine Laparoskopie bestehe nicht.
Neuropelveologisch
liege ohne Zweifel eine non-neurogene (keine
axonale
Läsion) sakrale
Radikulopathie
S1-S4 rechts vor, welche sowohl die sakralen als auch die Beinschmerzen erklärten (hintere Seite der Beine), aber auch die Blasen- und Darmfunktionsstörungen (es liege keine Reizblase vor, sondern ein Reiz der Nerven der Blase und des Darms). Auf dem MRI des Beckens vom 7. Dezember 2015 sei erkennbar, dass der
Musculus
pyrif
ormis
rechts etwas ausgeprägter sei als links, was schon zu einer Irritation des Plexus
sacralis
führen könne. Auch bei der Anamnese habe die Beschwerdefüh
rerin über eine Zunahme der Beinschmerzen rechts bei allen Aktivitäten und Situationen, die den Blutdruck des Beckens erhöhten berichtet. Dahingegen ver
ringere das Liegen die Schmerzen deutlich. Dies spreche für eine sogenannte «sak
rale
Radikulopathie
bei einem
vascular
entrapment
». Eine Pathologie des
Nervus
pudendus
liege nicht vor. Daher sei aus
neuropelveologischer
Sicht eine laparo
skopische Exploration/Dekompression des Plexus
sacralis
dexter
empfohlen. Somit müsse sich die Beschwerdeführerin zwischen zwei Möglichkeiten entschei
den: direkt die Laparoskopie mit Spiral-Einlage, oder zuerst die Spiral-Einlage und wenn es nach wenigen Monaten nicht besser werde, dann die Laparoskopie.
3.4.2
Dr. med. I._, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe FMH, attes
tierte in seinem Bericht vom 31. Mai 2017 (Urk. 7/70), dass die Beschwerdefüh
rerin vom 19. Februar bis 25. April 2017 zu 100% arbeitsunfähig gewesen und seit dem 26. April 2017 lediglich zu 20% arbeitsfähig sei. Hintergrund dieser Arbeitsunfähigkeit sei eine langandauernde, massiv einschränkende
Endomtriose
, die leider bis anhin nicht adäquat therapiert worden sei. Als neu behandelnder Arzt habe er nun eine ausgesprochen gute Endometriose-Therapie initiiert, in der Hoffnung die Lebensqualität der Beschwerdeführerin doch erheblich zu verbes
sern. Der Therapie-Effekt sei unbedingt während 2-3 Monaten abzuwarten, um das Ergebnis eindeutig beurteilen zu können. Auch Prof. H._ habe sehr stark den Eindruck einer Endometriose gehabt. Seine vorgeschlagene lokale Therapie würde der Beschwerdeführerin aber zu wenig bringen.
4.
4.1
Aus den im
Vorbescheidverfahren
eingereichten gynäkologischen Berichten ergibt sich, dass die Diagnose Endometriose vorliegt (vgl. E. 3.4). So hielt Prof. H._ fest, dass sich zwar nicht alle von der Beschwerdeführerin ange
gebenen Beschwerden gynäkologisch und/oder
neuropelveolgisch
erklären lies
sen, doch dass angesichts der vorliegenden non-neurogenen sakralen
Radikulo
pathie
S1-S4 sowohl die sakralen als auch die Beinschmerzen sowie die Blasen- und Darmfunktionsstörungen plausibel seien. Dabei verwies Prof. H._ auf das MRI des Beckens vom 7. Dezember 2015 (vgl. E. 3.4.1). Dr. I._ führte als behandelnder Gynäkologe aus, dass die Endometriose nun adäquat therapiert werde und nach 2-3 Monaten bereits ein Effekt zu erwarten sei. Erst dann könne eine weitere Beurteilung erfolgen. Dr. I._ berichtete weiter, dass die Beschwerdeführerin vom 19. Februar bis 25. April 2017 zu 100 % und seit dem 26. April 2017 zu 20 % arbeitsunfähig sei (vgl. E. 3.4.2).
Auch die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) aus, dass die diagnostizierte Endometriose gut therapierbar sei und dass - unter der Voraussetzung der weitergeführten Therapie - nach erfolgreicher Heilung eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben sei. Damit anerkannte auch die Beschwerde
gegnerin, dass sich die Endometriose auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh
rerin auswirkte, wenn auch nur bis zur erwarteten Heilung. Vorliegend fehlen aber Angaben zum Verlauf der Erkrankung, insbesondere auch zum retrospekti
ven Verlauf der Arbeitsunfähigkeit. Da gemäss Prof. H._ und Dr. I._ die bisher nicht adäquat therapierte Endometriose die von der Beschwerdeführe
rin geklagten Beschwerden zumindest teilweise zu erklären vermag und auch die
Beschwerdeführerin selbst anlässlich der polydisziplinären Begutachtung eine Zyklusabhängigkeit der Symptome geltend machte (Urk. 7/53 S. 36 und S. 48), ist nicht auszuschliessen, dass sich die erst neu festgestellte Diagnose bereits seit Längerem auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt. So hielt Prof. H._ fest, dass bereits im MRI des Beckens vom 7. Dezember 2015 erkennbar sei, dass der
Musculus
pyriformis
rechts etwas ausgeprägter sei als rechts, was zu einer Irritation des Plexus
sacralis
führen könne. Trotz dieser neu hinzugetretenen Diagnose unterliess die Beschwerdegegnerin weitere gynäkologische Abklärun
gen und verletzte dadurch ihre Untersuchungspflicht.
4.3
Aus diesen Gründen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin hat eine umfassende
gynäkologische/
neuropelveologische
je nach deren Ausgang weitere Abklärungen zu tätigen
und hernach neu über
den
Leistungsanspruch zu entscheiden.
5
.
5
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
, d
ie
ohne Rücksicht auf den Streitwert, nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens (§ 34 Abs. 3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgerichts,
GSVGer
) zu bemessen und beim
praxisgemässen
Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteue
r) auf Fr. 1‘700.-- (inklusive
Barauslagen und
Mehr
wertsteuer
) festzusetzen ist.