Decision ID: 4c85a2ca-3baa-539d-b043-c1bfd659ae66
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ arbeitete seit 1. April 2017 bei der B._ AG (nachfolgend: Arbeitgeberin;
act. G3.1/65). Mit Schreiben vom 19. Dezember 2017 teilte die Arbeitgeberin dem
Versicherten mit, dass sie am 18. Dezember 2017 entschieden habe, die Bilanz zu
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deponieren. Auch eine noch so intensive Suche nach neuen Kapitalgebern sei leider
erfolglos verlaufen. Sie sei überschuldet. Bei einer Überschuldung kämen automatisch
die gesetzlichen Auflagen zum Tragen. Diese seien die sofortige Deponierung der
Bilanz beim Konkursrichter, Information an die Mitarbeiter, Aktionäre und Geldgeber
sowie Kündigung sämtlicher Verträge. Aus diesem Grund kündige die Arbeitgeberin
den Arbeitsvertrag per 31. März 2018. Sie zahle den Lohn weiterhin. Sollte sie wider
Erwarten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen, sei der Lohn über die
Insolvenzentschädigung sichergestellt. Sie bitte den Mitarbeiter, sie in dieser
schwierigen Zeit weiterhin tatkräftig zu unterstützen. Nur gemeinsam würden sie es
schaffen, diese unerfreuliche Situation für alle bestmöglich zu meistern (act. G3.1/54).
A.b Am 3. Januar 2018 forderte die Arbeitgeberin ihre Mitarbeitenden auf, sich
(zusätzlich zum Antrag auf Insolvenzentschädigung) bei ihrer Arbeitslosenkasse zum
Bezug von Arbeitslosenleistungen anzumelden. Zudem sollten die Mitarbeitenden ihre
Lohnforderungen für die Monate Januar, Februar und März 2018 schriftlich bei ihr
einfordern. Gestützt auf die heutige Barliquidität werde sie nicht in der Lage sein, die
Löhne schon diesen Monat zu decken ("based on the cash liquidity from today I must
warn you that we will not be able to cover the salaries already this month"; act.
G3.1/19). Am 18. Januar 2018 wurde über die Arbeitgeberin der Konkurs eröffnet (act.
G3.1/17). Am 22. Januar 2018 informierte sie ihre Mitarbeitenden, dass sie ab sofort
nicht mehr zur Arbeit erscheinen müssten (act. G3.1/21).
A.c Mit vom 16. Januar 2018 datierendem, nachträglich angepasstem Formular, das
am 5. Februar 2018 bei der kantonalen Arbeitslosenkasse (nachfolgend: Kasse)
einging, beantragte der Versicherte Insolvenzentschädigung. Als letzten geleisteten
Arbeitstag nannte er den 22. Januar 2018. Als offene Forderungen gab er den Lohn
Januar bis März 2018 inkl. Anteil 13. Monatslohn an (act. G3.1/47 f.).
A.d Am 14. Februar 2018 stellte die Kasse dem Versicherten eine Teilabrechnung zu,
aus der hervorgeht, dass ihm Insolvenzentschädigung vom 1. bis 3. Januar 2018
zugesprochen wird (act. G3.1/43).
A.e Am 6. März 2018 teilte der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Marc Wolfer,
der Kasse mit, dass er mit der Teilabrechnung vom 14. Februar 2018 nicht
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einverstanden sei, und ersuchte um Auszahlung einer Insolvenzentschädigung für den
Zeitraum vom 1. Januar 2018 bis zur Publikation des Konkurses oder um Erlass einer
anfechtbaren Verfügung (act. G3.1/35 ff.).
A.f Mit Verfügung vom 13. März 2018 hielt die Kasse an der Teilabrechnung fest. Zur
Begründung führte sie aus, die Arbeitgeberin habe am 3. Januar 2018 informiert, dass
die Löhne nicht mehr bezahlt werden könnten und sich alle Mitarbeitenden
unverzüglich beim RAV melden sollten. Wenn der Arbeitgeber seiner
Lohnzahlungspflicht nicht mehr nachkommen könne, seien die Mitarbeitenden
berechtigt, die Arbeit unverzüglich niederzulegen. Am 3. Januar 2018 seien somit alle
Mitarbeitenden über den drohenden finanziellen Schaden informiert gewesen, hätten
die Arbeit niederlegen und sich der Vermittlung auf dem RAV zur Verfügung stellen
können, sodass sie zum Bezug von Arbeitslosentaggeldern berechtigt gewesen wären
(act. G3.1/40).
A.g Die gegen diese Verfügung am 22. März 2018 erhobene Einsprache (act. G3.1/25
ff.) wies die Kasse mit Entscheid vom 10. April 2018 ab. Der Versicherte habe
spätestens ab 3. Januar 2018 nicht mehr in guten Treuen nichts vom drohenden
Kollaps wissen können. Damit habe die Deckung des Lohnausfalls durch die
Insolvenzentschädigung am 3. Januar 2018 geendet. Der Versicherte sei auch durch
die Arbeitgeberin und die Kasse unmissverständlich dazu aufgefordert worden, sofort
auf dem RAV zu erscheinen und sich einzuschreiben. Dann hätte ab dem 4. Januar
2018 Arbeitslosenentschädigung bezogen werden können (act. G3.1/22 ff.).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 10. April 2018 erhob A._ am 9. Mai 2018
Beschwerde. Er beantragt dessen Aufhebung und die Zusprache von
Insolvenzentschädigung in Höhe von Fr. 7'688.20 entsprechend 22/31 des
Monatslohns inkl. anteiligem 13. Monatslohn. Er erfülle die gesetzlichen
Anspruchsvoraussetzungen auf Insolvenzentschädigung, indem ihm offene
Lohnforderungen für den Zeitraum vom 1. bis 22. Januar 2018 zuständen, über seine
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Arbeitgeberin der Konkurs eröffnet worden sei und er alle Fristen eingehalten habe. Der
Anspruch könne nur entfallen, wenn ihm eine Pflichtverletzung bzw. eine Verletzung der
Schadenminderungspflicht vorwerfbar wäre. Für die Schaffung weiterer, im Gesetz
nicht vorgesehener Anspruchsvoraussetzungen bestehe kein Raum. Die Arbeitgeberin
habe sich schon längere Zeit in finanziellen Schwierigkeiten befunden, welche sich
Ende 2017/Anfang 2018 zugespitzt hätten. Die Löhne seien jedoch bis und mit
Dezember 2017 vollständig bezahlt worden. Nach Erhalt des E-Mails vom 3. Januar
2018 habe der Beschwerdeführer sich umgehend an verschiedene Auskunftsstellen
gewandt und widersprüchliche Antworten erhalten. Während die Beschwerdegegnerin
ihm empfohlen habe, die Arbeit niederzulegen, habe das RAV eine gegenteilige
Auskunft erteilt. Ein versierter Bekannter habe ihm dringend vom Verlassen der
Arbeitsstelle abgeraten. Sein Vorgesetzter habe ihn auf Nachfrage ausdrücklich dazu
angehalten, normal weiterzuarbeiten, da man nach wie vor bemüht sei, das
Unternehmen oder einen Teil davon zu retten und dafür auf den vollen Einsatz des
Teams angewiesen sei. Er habe dieser klaren Aufforderung Folge geleistet. In der
Hoffnung auf eine Rettung des Unternehmens und im Bestreben, Umsatz zu
generieren, habe er weiterhin konkrete Arbeitsleistungen erbracht. Es sei keineswegs
klar gewesen, dass das Unternehmen nicht gerettet werden könne. Unter anderem sei
für den 10. Januar 2018 ein Meeting mit potentiellen Investoren angesetzt und weitere
Rettungsbemühungen seien in vollem Gang gewesen. Die Lohnzahlung sei erst Ende
Monat geschuldet gewesen. Er als Arbeitnehmer sei vorleistungspflichtig gewesen.
Dementsprechend sei es ihm gar nicht möglich gewesen, die Arbeitgeberin in
Zahlungsverzug zu setzen. Daran ändere auch das E-Mail vom 3. Januar 2018 über die
angespannte Liquiditätslage nichts. In dieser Situation des Überlebenskampfes wäre
eine Niederlegung der Arbeit und erst recht eine fristlose Kündigung ein krasser
Verstoss gegen die Treuepflicht gewesen, zumal an eine fristlose Kündigung erhöhte
Anforderungen zu stellen seien, wenn das Arbeitsverhältnis bereits ordentlich
gekündigt sei. Eine ungerechtfertigte fristlose Kündigung hätte zu Einstelltagen bei der
Arbeitslosenversicherung geführt. Durch eine reine Arbeitsniederlegung wäre er nicht
vermittlungsfähig gewesen und hätte ebenfalls keinen Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung gehabt. Insgesamt könne ihm keine absichtliche oder
grobfahrlässige Verletzung seiner Schadenminderungspflicht vorgeworfen werden,
womit kein Raum für eine zeitliche Beschränkung des Anspruchs auf
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Insolvenzentschädigung verbleibe. Er habe vom Konkurs erst am 22. Januar 2018
endgültig Kenntnis erlangt (act. G1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 13. Juni 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Mit dem Kündigungsschreiben vom 19. Dezember 2017
habe der Beschwerdeführer bereits Kenntnis davon erhalten, dass seine Arbeitsstelle
akut gefährdet sei. Mit dem E-Mail vom 3. Januar 2018 habe die Arbeitgeberin
schriftlich wissen lassen, dass die Löhne ab 1. Januar 2018 nicht mehr bezahlt werden
könnten und sich alle Mitarbeitenden unverzüglich beim RAV melden sollten.
Ausserdem habe die Arbeitgeberin den Mitarbeitenden in Aussicht gestellt, ihnen in
den nächsten Tagen das teilweise ausgefüllte Formular zur Beantragung von
Insolvenzentschädigung zuzustellen. Somit habe die Arbeitgeberin am 3. Januar 2018
klar die Zahlungsunfähigkeit bestätigt. Die Unkenntnis vom drohenden finanziellen
Schaden habe am 3. Januar 2018 geendet (act. G3).
B.c Mit Replik vom 7. August 2018 bekräftigt der Beschwerdeführer seine
Ausführungen in der Beschwerde und erklärt im Wesentlichen, es sei nicht relevant, ob
er den baldigen Konkurs habe kommen sehen. Eine Verweigerung der
Insolvenzentschädigung könne sich nur auf eine Verletzung der
Schadenminderungspflicht stützen und eine solche könne ihm nicht vorgeworfen
werden. Ihm sei rechtlich gar keine andere Wahl geblieben, als weiter zu arbeiten,
zumal noch kein Lohn ausstehend gewesen und keineswegs passiv der Konkurs
abgewartet, sondern bis zuletzt versucht worden sei, das Unternehmen zu retten (act.
G5).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G7).

Erwägungen
1.
1.1 Beitragspflichtige Arbeitnehmende von Arbeitgebern, die in der Schweiz der
Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmende beschäftigen,
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haben unter anderem Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihren
Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen
zustehen (Art. 51 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Die
Insolvenzentschädigung deckt die Lohnforderungen für höchstens die letzten vier
Monate des Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag
nach Art. 3 Abs. 2 AVIG. Als Lohn gelten auch die geschuldeten Zulagen (Art. 52 Abs. 1
AVIG).
1.2 Die Insolvenzentschädigung deckt Lohnforderungen für bereits geleistete Arbeit.
Ob Ansprüche für geleistete Arbeit im Sinne von Art. 51 ff. AVIG bestehen, beurteilt
sich nicht danach, ob qualitativ und quantitativ vertragsmässig gearbeitet wurde. Es
geht vielmehr um Lohnansprüche für effektive Arbeitszeit, während der der Versicherte
der Arbeitsvermittlung nicht zur Verfügung stehen kann, weil er in dieser Zeit dem
Arbeitgeber zur Verfügung stehen muss (URS BURGHERR, Die
Insolvenzentschädigung, Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers als versichertes Risiko,
Zürich/Basel/Genf 2004, S. 89 f.). Deshalb hat die Rechtsprechung dem Tatbestand
der Lohnansprüche für geleistete Arbeit im Sinne von Art. 51 ff. AVIG diejenigen Fälle
gleichgestellt, in denen der Arbeitnehmer nur wegen Annahmeverzugs des
Arbeitgebers im Sinne von Art. 324 Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend die
Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR,
SR 220]) keine Arbeit mehr leisten konnte (BGE 111 V 269; Urteil des Bundesgerichts
vom 15. April 2005, C 218/04, E. 3.2). Dies gilt auch dann, wenn der Arbeitgeber den
Arbeitnehmer wegen Betriebsstörungen technischer, wirtschaftlicher oder behördlicher
Art nicht beschäftigen kann. Denn in einem solchen Fall steht der Arbeitnehmer
weiterhin in einem Arbeitsverhältnis, ist damit nicht arbeitslos und hat demzufolge auch
keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, sondern kann
Insolvenzentschädigung beantragen (vgl. BGE 132 V 82 E. 3.1 f. mit Hinweisen; Urteile
des Bundesgerichts vom 15. April 2005, C 214/04, C 215/04, C 217/04 und C 2018/04,
je E. 3.3).
1.3 Um zu verhindern, dass der Arbeitnehmer beliebig lange ohne Lohn beim
bisherigen Arbeitgeber bleibt, hat der Gesetzgeber in Art. 52 Abs. 1 AVIG eine zeitliche
Limite für die Bezugsdauer der Insolvenzentschädigung gesetzt. Spätestens nach vier
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Monaten ohne Lohn ist es dem Arbeitnehmer demnach aus
arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht nicht mehr zumutbar, beim insolventen
Arbeitgeber zu verbleiben (Urteil des Bundesgerichts vom 16. August 2005, C 49/05, E.
4.3). Schon vor Ablauf der maximalen Bezugsdauer kann die Geltendmachung von
Insolvenzentschädigung rechtsmissbräuchlich im Sinne von Art. 2 Abs. 2 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) sein. Dauert der Annahmeverzug an
und kann der Arbeitnehmer in guten Treuen nicht mehr mit einer Arbeitszuweisung
rechnen, liegt faktisch ein Fall von Arbeitslosigkeit vor (URS BURGHERR, a.a.O., S. 93
f.). Ab welchem Zeitpunkt die Geltendmachung einer Insolvenzentschädigung
missbräuchlich ist, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls. Kündigt ein
Arbeitgeber allen oder zumindest den meisten Arbeitnehmern, so kann daraus
geschlossen werden, dass die wirtschaftliche Lage des Arbeitgebers hoffnungslos ist
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 15. April 2005, C 214/04, C 215/04, C 217/04 und
C 218/04, je E. 5.4).
2.
2.1 Vorliegend sind die Voraussetzungen für eine Insolvenzentschädigung
grundsätzlich gegeben. Die Beschwerdegegnerin hat denn auch eine entsprechende
Berechnung gemacht und eine Teilzahlung an den Beschwerdeführer veranlasst.
Fraglich ist indes, für welche Dauer der Beschwerdeführer Anspruch auf
Insolvenzentschädigung hat. Der Beschwerdeführer will für den Zeitraum vom 1. bis 22.
Januar 2018 entschädigt werden, während die Beschwerdegegnerin ihm lediglich eine
Entschädigung vom 1. bis 3. Januar 2018 zugesteht.
2.2 Zur Begründung des kurzen Entschädigungszeitraums bezieht sich die
Beschwerdegegnerin nicht auf eine Verletzung der Schadenminderungspflicht gemäss
Art. 55 AVIG. In den Akten findet sich denn auch kein Hinweis auf eine Verletzung der
Schadenminderungspflicht durch den Beschwerdeführer. Die Beschwerdegegnerin
vertritt indes sinngemäss den Standpunkt, der Beschwerdeführer habe spätestens ab
dem 3. Januar 2018 wissen müssen, dass die Lage der Arbeitgeberin hoffnungslos war
und diese ihm keinen Lohn mehr würde zahlen können. Er habe sich deshalb
rechtsmissbräuchlich (Art. 2 ZGB analog) verhalten, indem er nicht per 4. Januar 2018
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die Arbeit niedergelegt und sich beim RAV bzw. bei der Kasse gemeldet habe, damit er
gestützt auf Art. 29 AVIG Arbeitslosenentschädigung hätte beziehen können.
3.
3.1 Gemäss Art. 29 Abs. 1 AIVG zahlt die Kasse Arbeitslosenentschädigung aus, wenn
sie begründete Zweifel darüber hat, ob der Versicherte für die Zeit des Arbeitsausfalls
gegenüber seinem bisherigen Arbeitgeber Lohn- oder Entschädigungsansprüche im
Sinne von Art. 11 Abs. 3 AVIG hat oder ob sie erfüllt werden.
3.2 Diese gesetzliche Bestimmung stellt eine Sonderregelung zu Art. 11 Abs. 3 AVIG
dar, wonach ein Arbeitsausfall nicht anrechenbar und damit nicht
entschädigungsberechtigt ist, wenn dem Arbeitslosen dafür Lohnansprüche oder
wegen vorzeitiger Auflösung des Arbeitsverhältnisses Entschädigungsansprüche
zustehen. Die Nichtanrechenbarkeit dieses Arbeitsausfalls, während welchem sich der
Versicherte durchaus als "arbeitslos" betrachtet und er der Arbeitsvermittlung zur
Verfügung steht, liegt darin begründet, dass der Arbeitsausfall nicht mit einem
entsprechenden Verdienstausfall verbunden ist, sondern ein Anspruch gegenüber dem
Arbeitgeber besteht. Da es andererseits Fälle gibt, in denen das Bestehen eines
Anspruchs gegenüber dem Arbeitgeber nicht sicher ist oder in denen trotz eindeutigen
Bestehens von Lohn- oder Entschädigungsansprüchen die Möglichkeit der
Durchsetzung solcher Ansprüche nicht sicher feststeht, wurde nicht zuletzt aus
sozialen Überlegungen die Sonderregel nach Art. 29 AVIG geschaffen. Die Regelung
von Art. 29 AVIG darf nicht verwechselt werden mit derjenigen über die
Insolvenzentschädigung. Bei der Insolvenzentschädigung wird nicht ein mit
Verdienstausfall verbundener Arbeitsausfall entschädigt, sondern ein Verdienstausfall
ohne entsprechenden Arbeitsausfall. Die Insolvenzentschädigung ersetzt grundsätzlich
Ansprüche für geleistete Arbeit (GERHARD GERHARDS, AVIG-Kommentar, Bd I, Rz 1
ff. zu Art. 29).
3.3 Vorliegend ist unstreitig, dass der Beschwerdeführer bis zur Konkurseröffnung bei
der Arbeitgeberin angestellt war. Auch die (in den Akten nicht weiter belegte, aber
glaubhafte) Parteibehauptung, er habe noch bis zum 22. Januar 2018 konkrete
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Tätigkeiten für die Arbeitgeberin ausgeführt, wird nicht bestritten. Die Arbeitgeberin
hatte ihn somit nicht freigestellt.
3.4 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist der Arbeitnehmer in analoger
Anwendung von Art. 82 OR befugt, die Arbeitsleistung zu verweigern, solange der
Arbeitgeber sich mit verfallenen Lohnzahlungen im Rückstand befindet (BGE 136 III
313 E. 2.3.1 mit Hinweisen). Die Arbeitgeberin befand sich vorliegend aber nicht in
Verzug. Die Löhne bis und mit Dezember 2017 hatte sie bezahlt und der Januarlohn
war bis zum 22. Januar 2018 noch nicht fällig. Mangels Lohnrückstandes durfte der
Beschwerdeführer die Arbeit ab dem 4. Januar 2018 nicht einfach niederlegen. Der von
der Beschwerdegegnerin genannte Art. 29 AVIG ist vorliegend somit nicht einschlägig.
4.
4.1 Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer sich rechtsmissbräuchlich verhielt,
indem er den Vertrag mit der Arbeitgeberin ab dem 4. Januar 2018 nicht fristlos
gekündigt hat.
4.2 Arbeit zu verrichten, wenn nicht Gewähr dafür besteht, dass diese auch bezahlt
wird, ist unzumutbar. Das Arbeitsverhältnis kann deshalb selbst nach einer
ordentlichen Kündigung noch aus wichtigem Grund fristlos aufgelöst werden, wenn die
Lohnansprüche gefährdet sind. Die Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers alleine ist
indes noch kein wichtiger Grund und berechtigt für sich nicht zu einer fristlosen
Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Hinzutreten muss eine erfolglose Aufforderung
des Arbeitnehmers an den Arbeitgeber, ihm für seine Forderungen innert
angemessener Frist Sicherheit zu leisten. Bei Lohngefährdung wird regelmässig eine
kurze Frist, mithin drei Tage bis maximal eine Woche, angemessen sein, innert welcher
die Sicherstellung der Ansprüche zu erfolgen hat (Art. 337a OR; vgl. ULLIN STREIFF/
ADRIAN VON KAENEL/ROGER RUDOLPH, Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art.
319-362 OR, 7. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2012, Art. 337a N 2 und N 5).
4.3 Auch wenn der Arbeitnehmer zur fristlosen Kündigung nach Art. 337a OR
berechtigt wäre, ist er dazu unter dem Blickwinkel der Schadenminderungspflicht
gemäss AVIG nicht verpflichtet und es existiert im AVIG auch keine Sanktion für eine
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nicht bestehende Pflicht. Ob der Schaden der Arbeitslosenversicherung mit einer
fristlosen Kündigung überhaupt gemindert würde, ist fraglich. Zwar ist die
Arbeitslosenentschädigung tiefer als die Insolvenzentschädigung, doch entstehen der
Verwaltung aus der Vermittlungstätigkeit ebenfalls Kosten. Können Lohnansprüche
während der Dauer des Arbeitsverhältnisses nicht erhältlich gemacht werden, bedeutet
das zudem nicht, dass dies auch im Konkursverfahren nicht möglich sein wird. Weder
Arbeitslosenversicherung noch Arbeitnehmer können in der Regel die wirtschaftliche
Lage und die Sanierungsmöglichkeiten einer sich in finanziellen Schwierigkeiten
befindenden Gesellschaft zuverlässig beurteilen, vor allem wenn die Arbeitgeberin mit
Hinweis auf Redimensionierungsbemühungen die Lage als weniger dramatisch
erscheinen lässt, als sie in Wirklichkeit ist. Es ist für die versicherte Person in einer
solchen Situation daher äusserst schwierig zu beurteilen, ab wann sie sich der
Arbeitslosenversicherung zur Verfügung zu stellen hat, ohne selber Nachteile zu
gewärtigen. Selbst wenn nach erhaltener Kündigung und aufgrund der konkreten
Umstände eine fristlose Kündigung durch die versicherte Person möglich, ja sogar
vernünftig gewesen wäre, ist sie zu einem solchen Schritt nach dem Gesagten nicht
verpflichtet. Zur Verhinderung von Missbräuchen sieht Art. 52 Abs. 1 AVIG die zeitliche
Limite für die Bezugsdauer vor. Spätestens nach vier Monaten ist es aus
arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht der versicherten Person nicht mehr
zumutbar, beim insolventen Arbeitgeber zu verbleiben. Sie handelt dann auf eigenes
Risiko, wenn sie sich nach dieser Zeit nicht nach einer neuen Beschäftigung umsieht
(ULLIN STREIFF/ADRIAN VON KAENEL/ROGER RUDOLPH, a.a.O., Art. 337a N5; ARV
2006 S. 73 E. 5.3; ARV 2007 S. 52 E. 4.2).
4.4 Vorliegend hat die Arbeitgeberin dem Beschwerdeführer zwar bereits mit
Schreiben vom 19. Dezember 2017 ihre Überschuldung angezeigt. Gleichzeitig hat sie
aber auch angekündigt, die Löhne weiterhin zu zahlen und am 22. Dezember 2017 den
vollständigen Lohn an ihn überwiesen, sodass keinerlei Lohnforderungen offen waren
(vgl. act. G3.1/54 und act. G3.1/56). Nachdem die Arbeitgeberin in der Vergangenheit
offenkundig bemüht war, die Lohnansprüche ihrer Angestellten zu erfüllen und ihren
Verantwortlichkeiten so gut wie möglich nachzukommen, musste der
Beschwerdeführer daher zu jenem Zeitpunkt nicht davon ausgehen, dass er keine
Lohnzahlungen mehr erhalten werde. Es bestand für ihn somit vorerst keine
Veranlassung, eine Sicherstellung seines Lohnes zu verlangen.
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4.5 Mit E-Mail vom 3. Januar 2018 informierte die Arbeitgeberin den Beschwerdeführer
zwar darüber, dass sie ihm den Januar-Lohn nicht werde auszahlen können. Als
Begründung gab sie jedoch die Barliquidität ("cash liquidity") an. Der
Beschwerdeführer konnte somit zu diesem Zeitpunkt schwerlich abschätzen, wie es
um die restliche finanzielle Situation der Arbeitgeberin bestellt war. Insbesondere sagte
die Arbeitgeberin in ihrem E-Mail vom 3. Januar nichts über allfällig gebundene Mittel
und Vermögenswerte aus, die in einem Konkursverfahren verwertet würden. Die
Lohnforderungen für die letzten sechs Monate vor der Konkurseröffnung sind im
Konkursverfahren privilegiert und fallen in die erste Klasse (vgl. Art. 219 Abs. 4 lit. a des
Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs [SchKG; SR 281.1]), sodass der
Beschwerdeführer hoffen durfte, dass seine Lohnforderung bei einem Konkurs aus
dem Liquidationserlös bezahlt würde. Hinzu kam, dass die Arbeitgeberin nach
Angaben des Beschwerdeführers versuchte, das Unternehmen oder zumindest einen
Teil davon zu retten. Der Beschwerdeführer selbst erbrachte nach eigenen Angaben
noch Arbeitsleistungen, welche auf die Fortführung des Unternehmens ausgerichtet
waren und Umsatz generieren sollten. Seinen Angaben nach habe der Konkurs schon
in der Vergangenheit abgewendet werden können, sodass er noch zu hoffen gewagt
habe, das Unternehmen könne noch einmal gerettet werden. Auch deshalb durfte der
Beschwerdeführer bis zur Konkurseröffnung davon ausgehen, dass sein Lohn bis zum
Ende der ordentlichen Kündigungsfrist im März 2018 verspätet noch bezahlt oder doch
im Konkursverfahren erhältlich sein würde. Mit E-Mail vom 4. Januar 2018 kam er der
Aufforderung der Arbeitgeberin nach, seinen Lohn schriftlich bei ihr einzufordern (act.
G3.1/52).
4.6 Dass die Arbeitgeberin ankündigte, den Mitarbeitern ein Antragsformular für
Insolvenzentschädigung vorzubereiten und zuzustellen, führt nicht zur
Rechtsmissbräuchlichkeit des Verhaltens des Beschwerdeführers. Die Arbeitgeberin
war offenbar bemüht, ihre Arbeitnehmer so gut wie möglich zu informieren und
schadlos zu halten. So forderte sie die Arbeitnehmer denn auch gleichzeitig auf, sich
bei dem für sie zuständigen RAV zu melden. Nachdem auch der Geschäftsbetrieb
vorerst aufrechterhalten wurde und das Team weiterarbeitete, musste der
Beschwerdeführer nicht davon ausgehen, seine Lohnforderung für den Januar 2018
werde nicht mehr erhältlich zu machen sein. Durch seine Arbeitsleistung konnte der
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Beschwerdeführer vielleicht sogar dazu beitragen, die Verluste der Arbeitgeberin
möglichst gering zu halten, was wiederum der Konkursmasse zugutegekommen wäre.
4.7 Eine andere Beurteilung würde sich aufdrängen, wenn der Beschwerdeführer von
der Arbeitgeberin offiziell freigestellt worden wäre, wenn ihm keine Arbeit mehr
zugewiesen worden wäre oder wenn er zwar zur Arbeit erschienen wäre, aber keinerlei
geordnete Geschäftstätigkeit mehr stattgefunden hätte. Dann wäre der
Beschwerdeführer faktisch arbeitslos gewesen und hätte ihm bewusst sein müssen,
dass die Situation der Arbeitgeberin hoffnungslos war, sodass er sich zur
Arbeitsvermittlung hätte melden müssen. In diesem Fall hätte keine unzulässige
Arbeitsniederlegung vorgelegen. Für eine fristlose Kündigung hätte der
Beschwerdeführer indes auch in dieser Konstellation der Arbeitgeberin zuerst eine
angemessene Frist zur Sicherstellung des Lohnes ansetzen und andernfalls die fristlose
Kündigung in Aussicht stellen müssen (vgl. E. 4.1 vorstehend). Unter den vorliegenden
Gegebenheiten war es jedoch nicht rechtsmissbräuchlich, dass der Beschwerdeführer
bis am 22. Januar 2018 nicht fristlos kündigte. Folgerichtig musste er sich vor dem 22.
Januar 2018 auch nicht beim RAV anmelden, da er weder faktisch arbeitslos noch
vermittlungsfähig war. Zur Verhinderung des Rechtsmissbrauchs ist die
Insolvenzentschädigung in zeitlicher Hinsicht auf vier Monate begrenzt. Dieser zeitliche
Rahmen wurde vorliegend bei weitem nicht ausgeschöpft, indem lediglich für einen
Zeitraum von gut drei Wochen kein Lohn bezahlt wurde.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen und der
Einspracheentscheid vom 10. April 2018 aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin hat
dem Beschwerdeführer für den Zeitraum vom 1. bis 22. Januar 2018
Insolvenzentschädigung zu entrichten. Zur Berechnung der Höhe der
Insolvenzentschädigung und zur Auszahlung wird die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1).
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5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten, welche vom Versicherungsgericht festgesetzt
und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach
der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. In der Verwaltungsrechtspflege
beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75; in der
vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe Art. 30bis HonO)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Im vorliegenden Fall erscheint eine
durchschnittliche pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) als angemessen.