Decision ID: 64eb8d96-43ca-44a4-bcf0-cf3014b842ea
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1978 geborene
X._
bezog bereits in der Kindheit und Jugend
zeit
wegen
diverser
Störung
en
(unter anderem
von
Sozialverhalten und Emotio
nen
)
verschieden
e
Leistungen der Invalidenversicherung (Sonderschulung
sowie
Massnahmen
medizinische
r
,
pädagogisch-therapeutische
r
und
berufliche
r Art
;
Urk. 7/14, Urk. 7/33, Urk. 7/
35, Urk. 7/46)
.
Nach
Absolvierung
einer zwe
ijähri
gen IV-Anlehre
ohne Erlangung
eines
Attestes
arbeitete
er
temporär
an ver
schiedenen
S
tellen
, bis er im November 2007 eine Festanstellung in der Ge
päckabfertigung
der Firma Y._
fand
. Z
wei Jahre später
gab er diese Stelle
unter Angabe von
gesundheitlichen Gründen auf
. Danach war er bis 2010 für eine Bäckerei als
Speditionsleiter
tätig
(Urk. 7/52
-54
, Urk. 7/63, Urk. 7/67
).
A
m 7. Oktober 2010
meldete er sich
unter Hinweis auf Bandscheibenprobleme
erneut bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
(Urk. 7/59)
. Daraufhin tätigte die IV-Stelle Abklärungen in medizini
scher und erwerblicher Hinsicht und zog
insbesondere die medizini
schen Akten des Krankentaggeld
v
ersicherers bei
(Urk. 7/17
, Urk. 7/73
)
.
Unter
Angabe von
hindernde
n
gesundheitliche
n
Gründe
n
schloss sie mit Mitteilung vom 13. Juni 2012 die Arbeitsvermittlung ab (Urk. 7/87)
.
In der Folge beauf
tragte sie die MEDAS mit einer polydisziplinären Begutachtung (MEDAS-Gutachten vom 21. März 2013, Urk. 7/111) und holte eine Stellungnahme der Berufsberatung ein (Urk. 7/113). Gestützt darauf teilte sie dem Versicherten mit Vorbescheid vom 16. April 2013 die beabsichtigte Zusprechung einer ganzen Rente ab 1. September 2011 und deren Herabsetzung auf eine halbe Rente
per 1. Februar 2013
mit (Urk. 7/116)
. Nach Eingang der Stellungnahme des Versicherten vom 17. Mai 2013 (Urk. 7/126) verfügte sie am
25. Juli
und
22. August 2013
im angekündigten Sinne
(Urk. 2
, Urk. 7/138
).
2.
Gegen die am 22. August 2013 erlassenen Verfügungen
erhob
X._
am 25. September 2013 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Zusprechung einer ganzen Rente vom
1. Februar bis 30. April 2013 sowie um
Dur
chführung weiterer medizinischer
Abklärungen bei einem Visze
ralchirurgen und an
schliessende
r
Neubeurteilung des Rentenanspruches ab 1. Mai 2013 (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 31. Oktober 2013 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde und stellte den Eventualantrag
auf
eine reformatio in peius (
das heisst spätestens ab Datum der Begutachtung vom 7. Januar 2013 kein Anspruch auf eine Invalidenrente mehr;
Urk. 6). Replicando hielt der Beschwerdeführer am 3. Dezember 2013 an den gestellten Anträgen fest (Urk. 10).
Am 23. Dezember 2013
verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine
Duplik (Urk. 13), worüber der Beschwerdeführer am 6. Januar 2014 orientiert wurde (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1
.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einan
der gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen
Berichtes
ist
ent
scheidend, ob
der Bericht
für die
streitigen Belange
umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchun
gen beruht,
auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt in Kenntnis der Vorak
ten
(Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der
Expertise
begründet sind
(BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E.
3a, 122 V 157 E. 1c)
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/dd mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Ver
gleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Renten
beginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blei
ben (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat viel
mehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeit
raum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
2
.
Gestützt auf das
MEDAS-Gutachten
vom 21. März 201
3
begründet
e
die Beschwer
degegnerin
die
verfügungsweise zugesprochene
abgestufte Rente
(be
fristete ganze Rente ab 1. September 2011 bis 31. Januar 2013 und unbefristete halbe Rente ab 1. Februar 2013)
damit, dass
der
Beschwerdeführer
vom 24. September 2010 bis zum 9. November 2012
für jegliche
Arbeitstätigkeit
ar
beits
unfähig gewesen sei
. A
nschliessend
wäre ihm
eine
leidens
angepasste Tätig
keit zu
einem Pensum von
50 %
wieder
zumutbar
gewesen
(Urk.
7/
130 S. 2).
Der Beschwerdeführer stellt
e
sich demgegenüber auf den Standpunkt,
auf die Schluss
folgerungen des viszeralchirurgischen Gutachters
der MEDAS
könne nicht abgestellt werden, weshalb eine erneute Beurteilung nötig sei
. Weiter hätten Untersuchungen und Konsensbesprechung in der MEDAS erst im Januar 2013 stattgefunden, weshalb eine Besserung frühestens ab dem 1. Mai 2013 berücksichtigt werden
dürf
e
(Urk. 1 S. 3 f.).
Im Beschwerdeverfahren
macht
e
die Beschwerdegegnerin
neu
geltend, die
im MEDAS-Gutachten vom 21. März 2013 gestellten
psychiatrischen Diagnosen
vermöchten
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht keine Einschränkung de
r Arbeitsfähigkeit zu begründen
, weshalb spätestens ab dem Datum der Be
gutachtung
,
7. Januar 2013
,
kein Anspruch auf eine Invalidenrente mehr aus
gewiesen sei
und entsprechend eventualiter eine reformatio in peius bean
tragt werde
(Urk. 6).
Replicando
stellt sich der
Beschwerdeführer
auf den Standpunkt, dass von der Arbeitsfähigkeitseinschätzung der MEDAS-Gutachter mit Bezug auf die psychi
schen Beschwerden nicht ab
gewichen werden dürfe
(Urk. 10).
3
.
Im MEDAS-Gutachten vom 21. März 2013 (Urk. 7/111) wurden folgende Diag
no
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt
(S. 34 f.)
:
-
Status nach gastric banding 2008
-
Status nach offener Adhäsiolyse, Entfernung des Magenbandes und proximalem Magenbypass am 19.01.2012 mit schweren septischen Komplikationen
:
-
Status nach Relaparotomie am 26.01.2012 wegen Sepsis und diffuser Peritonitis durch Nekrose des Restmagens und Leck der pouch-jejunalen Anastomose: Gastrektomie des Restmagens, Splenektomie und Übernähung der Anastomose
-
Status nach erneuter Relaparotomie am 27.01.2012 wegen Anastomose
n
insuffi
zi
enz: Resektion und Neuanlage der pouch-jejunalen Anastomose
-
Rezidivierende Obstipation respektive Koprostase mit assoziierten Bauchschmer
zen
-
Unklares, lage- und aktivitätsabhängiges Schmerzsyndrom im linken Oberbauch
-
Chronisches lumbales Schmerzsyndrom bei
-
Status nach interlaminärer Fensterung L4/5 beidseits, Foraminotomie und Discektomie beidseits am 24.09.2010 bei
-
Mediolateraler Discushernie L4/5 bei Segmentdegeneration L4/5 und Recessusste
nose beidseits
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode
-
Unterdurchschnittliche intellektuelle Leistungsfähigkeit im Sinne einer Minderin
telligenz
-
Nicht näher bezeichnete Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten nach Son
derschulung, Heimaufenthalt, Abbruch einer IV-geschützten Anlehre bei emotionaler Deprivation und a
kzentuierten, passiv-aggressiven
, selbstunsicheren Persönlichkeitszügen
Keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
massen die Gutachter folgenden wei
teren Diagnosen bei (S. 35):
-
Postoperatives Dumping-Syndrom: Sowohl Früh- wie Spätdumping
-
Flatulenz
-
Verdacht auf ISG-Dysfunktion rechts
-
Costovertebraldysfunktion thoracal
-
Adipositas, aktuell BMI 34
Weiter führten sie aus,
beim Beschwerdeführer sei
seit der Kindheit eine Min
der
intelligenz bekannt. Wegen Adipositas sei 2008
eine
Magenbandingo
pe
ra
tion
durchgeführt
worden. Zwei Jahre später sei eine Discushernie L4/5 links diagnostiziert worden, welche ebenfalls zu einer Operation geführt habe.
Infolge weiterer Zunahme des Kör
pergewichts sei das Magenband
entfernt und eine Bypass-Operation durchgeführt worden. Diese Operation habe zu verschie
denen Komplikationen geführt, weswegen der Beschwerdeführer mehrmals habe reoperiert werden müssen. Danach habe er rezidivierende Bauchbeschwerden entwickelt. Dazu beklage er auch eine chronische Verstopfung trotz regelmässi
ger Defäkation, weswegen er mehrmals im Spital habe behandelt werden müs
sen. Trotz der bariatrisch-chirurgischen Operationen habe der Beschwerdeführer sein Körpergewicht nicht im Griff. Ferner sei er depressiv geworden und habe psychiatrisch behandelt werden müssen. Im Vordergrund der aktuellen Situation stünden einerseits die Bauchbeschwerden, andererseits das psychiatrische Krankheitsbild
(S. 35 f.).
Was die
am 2
4. September 2010 durchgeführte
Operation an der Lendenwirbel
säule
angehe,
habe der Beschwerdeführer
davon
gut profitiert. Hingegen seien seither rechtsseitige Beinbeschwerden vorhanden
;
der laterale Fussanteil sowie die lateralen Unterschenkel- und Oberschenkelanteile seien zu zirka 60 % sensi
bilitätsvermindert. Zudem
komme
es regelmässig zu
rechtsseitigen
Fussblocka
den. Klinisch
habe
die Fussuntersuchung
einen
unauffällig
en Befund ergeben
. Die Muskeleigenreflexe seien symmetrisch links zu rechts. Der Muskelumfang rechts sei
im Vergleich zu links
nicht vermindert, so dass keine relevante Schon
haltung erfolge. Entsprechend könnten die subjektiv geklagten Beschwer
den nur unvollständig objektiviert werden (S. 36).
Der
viszeralchirurgischen
Beurteilung lässt sich weiter entnehmen, dass
das Dum
ping-Syndrom eine bekannte Folge nach proximalem Magen-Bypass sei. Das Frühdumping könne durch Nahrungsaufnahme im Liegen,
durch
geeignete Zusammensetzung der Kost und
die
Einnahme möglichst zuckerfreier Getränke zwischen den Mahlzeiten gemildert werden. Bei der Befragung
se
i
der Eindruck
entstanden
, dass der Beschwerdeführer in seinem Ess- und Trinkverhalten nicht sehr diszipliniert sei (S. 24).
Aus psychiatrischer Sicht falle auf, dass der Beschwerdeführer, bereits als er
zehnjährig
in die Schweiz eingereist sei,
eine
massive intellektuelle und geistige Minderentwicklung aufgewiesen habe und deswegen nur Sonderschulungen habe in Anspruch nehmen können. Er habe auch eine Störung des Sozialver
haltens und der Emotionen gezeigt. Trotz Sonderschulungen und Spezialthera
pien sei es nicht gelungen, die geistigen Defizite wesentlich zu beheben. Als
sich
der Beschwerdeführer in der Pubertät einem Beruf hätte zuwenden müssen, habe die Invalidenversicherung eingeschaltet werden müsse
n
. Er habe in der Folge nur als Hilfsarbeiter gearbeitet.
Im Laufe des Jahres 2012 sei er depressiv
geworden und habe eine psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen. Er sei erschwert bildungsfähig sowie erschwert fähig, sich intellektuell mit den durchgemachten Operationen adäquat auseinanderzusetzen und die Folge
erschei
nungen adäquat zu verarbeiten.
Auch
dürfte
er
kognitiv und intellektuell erschwert fähig sein, sich
auf
angepasste Tätigkeiten einzulassen, weswegen es schwierig werden würde, ihn auf dem freien Arbeitsmarkt
einzugliedern
. Aktuell zeige er eine komplexe psychiatrische Problematik mit unspezifischen Ängsten, die allerdings nicht einer vollumfänglichen Angststörung entsprächen. Auch hier könne davon ausgegangen werden, dass er wegen seiner Minderintelligenz überfordert und erschwert fähig sei, mit Ängsten adäquat umzugehen. Gleich
zeit
ig
zeige er eine Depressivität mit auch unspezifischer Lethargie,
dem
Auf
ge
ben der Sozialkompetenz und
mit
dysphorischen Verhaltensweisen. Eine ein
deu
tige
diagnostische
Einordnung
gemäss ICD-10 dürfte
schwierig sein
, da er aus eini
gen Problemkreisen einige unspezifische Symptome aufweise.
Als g
esichert
müssten neben den emotionalen Entwicklungsdefiziten auch akzentuierte, pas
siv-aggressive, selbstunsichere
Persön
lichkeitszüge ausgemacht werden (S. 36
ff.).
Mit Bezug auf
das Leistungsvermögen
gaben die Gutachter an, a
us orthopädi
scher Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit für körperlich schwere Tätigkeiten wie auch für Arbeiten auf Leitern un
d Gerüste
n
.
L
eichte bis mittelschwere Tä
tig
keiten
seien dem Beschwerdeführerin vollumfänglich zumutbar.
Aus viszeral
chi
rurgischer und internistischer Sicht seien dem Beschwerdeführer körperlich schwere Tätigkeiten nicht zumutbar. Das Dumpingssyndrom habe keine Aus
wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit. Körperlich leichte, vorwiegend sitzende Tätig
keiten seien
dem Beschwerdeführer
zumutbar.
Aus p
sychiatrisch
er Sicht
bestehe insgesamt eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit in allen Tätigkeiten. Die zu
letzt ausgeübte Tätigkeit als Magaziner in einer Bäckerei sei sowohl aus soma
tischer wie auch aus psychiatrischer Sicht nicht mehr zumutbar
. Der Beschwer
deführer könne in vielen Tätigkeit
sbereich
en nicht eingesetzt werden. Er dürfte verlangsamt
und
vermindert stressbelastungs- und teamfähig sein
. Er sei nicht hektikresistent und vermindert kritikfähig. Seine Frustrationstoleranz sei
gering und seine intellektuelle Leistungsfähigkeit
aus strukturellen Gründen deutlich reduzi
ert. Insgesamt sei von einer 50
%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptier
ten Tätigkeit auszugehen
. Seit der Rückenoperation sei der Beschwerdeführer als arbeitsunfähig zu betrachten. Die Entwicklung der psychiatrischen Problematik sei weder vom Beschwerdeführer noch anhand der Akten exakt zu rekonstruie
ren, so dass der Beginn der Arbeitsfähigkeit in anderweitiger Tätigkeit ab Gut
achten
s
datum festzusetzen sei
(S. 38
f
f.
).
4
.
4
.1
Das
MEDAS-Gutachten vom
21. März 2013 erfüllt
die Anforderungen an eine beweistaugliche beziehungsweise beweiskräftige medizinische Entscheidungs
grundlage: Es beruht auf einer eingehenden
internisti
schen,
orthopädischen,
vis
zeral
chirurgischen
und psychiatrischen Untersuchung, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, setzt sich mit diesen und dem Verhalten
des Beschwer
deführers
auseinander und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zu
stän
de und Zusammenhänge ein.
4
.2
Auch besteht eine weitgehende Übereinstimmung zwischen den Schluss
fol
ge
run
gen der Gutachter und den Angaben
von behandelnden und be
gutachtenden Ärzte
n
in den früheren medizinischen Akten. So
attestierte
auch
der
vom Krankenversicherer
mit einem
Gutachten
beauftragte
Prof. Dr. med
.
Z._
, Facharzt für Neurologie,
mit Bezug auf das Rückenleiden
eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit bis mindestens vier Wochen nach der geplanten Rücken
operation
(Gutachten vom 13. September 2010; Urk. 7/65/1-13)
. Im Gutachten vom 11. Februar 2011 (Urk. 7/73) ging er sodann von einer 100%igen Arbeits
fähigkeit für Tätigkeiten mit leichter und mittelschwerer körperlicher Wechsel
belastung
aus
.
Er k
onnte jedoch keine ab
schliessende Einschätzung abge
ben, weil bildgebende Untersuchungen noch ausstehend
waren.
Dem MEDAS-Gut
achten widersprechende Angaben lassen sich auch nicht
den
zwischen Septem
ber und Dezember 2010 verfassten
Berichten der
Klinik A._
(Urk. 7/64/5, Urk. 7/64/6-7, Urk. 7/66, Urk. 7/69) entnehmen.
Sodann weisen die Berichte der behandelnden Ärzte des Spitals
B._
(Urk. 7/89/5-24), insbesondere
der
Bericht
vom 13. Juni 2012 (Urk. 7/89/12-13), in keiner Weise auf Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit infolge der Bauchbe
schwerden
hin
, welche
über die Einschätzung der MEDAS-Gutachter hinausge
hen
würden
.
Mit genauer Befolgung der ärztlichen Instruktionen
bezüglich
Ess
verhalten sowie korrekte
r
Einnahme
der verschriebenen Medikamente
und Nahrungsergänzungspräparate l
ie
ssen sich
das
vom Beschwerde
führer geklagte
Dumpingssyndrom und
der
Vitamin- beziehungsweise Mineralienmangel
(Urk. 1 S. 3 f)
mildern
. Für
die Annahme
eine
r
dauerhafte
n
, über den 30. Juni 2012 hin
ausgehende
n
(Urk. 7/89/12-13)
Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit
aus vis
zeralchirurgischer Sicht
bestehen somit
keinerlei Anhaltspunkte
.
A
uch diesbe
züglich
liegen
keine
den Schlussfolgerungen im MEDAS-Gutachten widerspre
chende medizinische Stellungnahmen vor.
Von zusätzlichen fachärztlichen
Ab
klärungen sind keine weiterführenden
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf verzichtet werden kann.
4.3
Mit Bezug auf die im MEDAS-Gutachten attestierte
50
%ige
Arbeitsunfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht
besteht bei der gegebenen besonderen Konstellation
kein Grund
für ein
Abweichen von der
nachvollziehbaren
gutachterlichen Ein
schätzung.
Der Beschwerdegegnerin
(Urk. 6) ist
zwar
insoweit
beizupflichten
,
als
keine der psychiatrischen Diagnosen für sich alleine eine
n
dauernde
n
,
invalidenversiche
rung
srechtlich
erhebliche
n
Gesundheitsschaden mit Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit darzustellen
vermag
(zu den Diagnosen gemäss der
ICD-10-Z-Kodierung
vgl.
u.a. die Bundesgerichtsurteile 9C_474/2013 vom 20. Februar 2014 E. 5.4 so
wie 8C_810/2013 vom 9. April 2014 E. 5.2.2, je mit Hinweisen
;
zur Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode
u.a. das
Bundesgerichts
u
rteil
8C_759/2013
vom 4.
März 2014
E. 3.6.1
).
Im v
orliegend
en Kontext
ist
jedoch
an der im MEDAS-Gutachten vorgenommenen
fachärztlichen
Einschätzung
ei
ner 50
%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht seit der Begutach
tung
nicht
(auch nicht mit Blick auf BGE 140 V 193)
zu zweifeln
;
denn diese beruht auf einer Gesamtbetrachtung des psychischen Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers vor dem Hintergrund seiner Vorgeschichte
und berücksich
tigt
namentlich
die infolge
der
massiven kognitiven und intellektuellen Leis
tungseinbussen inadäquate Verarbeitung der
diversen somatischen Eingriffe sowie den erschwerten
Umgang
des Beschwerdeführers
mit
seinen
Ängsten
(Urk. 7/111 S. 30,
S. 37 f.).
Weiter wurde d
ie bei Dr. med.
C._
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, durchgeführte psychiatrische Behandlung von den
MEDAS-
Gutachtern als genügend erachtet (Urk. 7/111 S. 26, S. 31, S. 39; Urk. 7/127), weshalb von einem
(
eigenständigen
) jedenfalls
zur Zeit noch
therapieresistenten Leiden auszugehen ist
.
5
.
In erwerblicher Hinsicht ging die Beschwerdegegnerin bei der Bemessung des hypothetischen Valideneinkommens
v
om gemäss Angaben der letzten Arbeitge
berin
zuletzt erzielten Lohn aus
. Das Invalideneinkommen ermittelte sie anhand des Tabellenlohnes für Hilfsarbeiten unter Vornahme eines
leidensbedingten Abzuges von 10
% (LSE 2010, Tabelle TA1,
Ziff.
1-96, Anforderungsniveau 4,
Männer
;
Urk. 7/63, Urk. 7/113, Urk. 7/130
)
. Dieses Vorgehen gibt zu keinen Bemerkungen Anlass und wurde
vom Beschwerdeführer
denn auch nicht gerügt. Die
Zusprechung einer ganzen Rente ab 1. September 2011 ist
nicht zu beanstanden.
Der Zeitpunkt für die
im Grundsatz zu bestätigende
Rentenherabsetzung ist indes
sen auf den 1.
Mai
2013 zu verschieben,
nachdem
sowohl die Begutach
tung in der MEDAS als auch die Konsenskonferenz unter den beteiligten Gut
achtern im Januar 2013 erfolgt
war
en
beziehungsweise
kein Grund für die Annahme einer bereits im November 2012 eingetretenen Besserung besteht
(Urk. 7/111 S. 1, Urk. 7/128; vgl. dazu
Art. 29 Abs. 3 IVG in Verbindung mit
Art. 88a Abs. 2
der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV
; zur Drei
monats
frist
regel vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 8C_670/2011 vom 10. Februar 2012 E. 5.1
)
.
6
.
Zusammenfassend sind die Verfügungen vom 22. August 2013 in teilweiser Gutheissung der Beschwerde insoweit abzuändern
,
als festzustellen ist,
dass
der Beschwerdeführer
ab 1. September 2011 bis 30
.
April
201
3
Anspruch auf eine ganze
(und ab 1. Mai 2013 auf eine halbe)
Invalidenrente hat. Im Übrigen
ist
die Beschwerde ab
zuw
e
i
sen.
Grundsätzlich anzumerken bleibt, dass nach der Rechtsprechung von der Möglichkeit einer reformatio in peius (wie sie von der Beschwerdegegnerin mit Beschwerdeantwort eventualiter beantragt wurde; Urk. 6) nur zurückhaltend Gebrauch zu machen ist (vgl. etwa Bundesgerichts
urteil 8C_592/2012 vom 23. November 2012 E. 3.5 mit Hinweisen).
7
.
Die
Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
800.-- festzulegen und aus
gangsgemäss von dem nicht überwiegend (beziehungsweise nur in sehr kleinem Umfang) ob
siegenden Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Da der Beschwer
deführer nur in sehr
geringem
Umfang obsiegt, ist ihm keine Prozessentschädi
gung zuzusprechen.