Decision ID: 2dcf6eb9-fc1e-495b-831e-fb9404290b6e
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, Jahrgang 1960, wohnhaft in B._, war für die C._ AG
tätig und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch unfallversichert, als er
am 13. November 2018 mit dem Fahrrad stürzte. Er verletzte sich dabei
am linken Knie, an der Lendenwirbelsäule (LWS), an der rechten Hüfte
und erlitt oberflächliche Hautschürfungen. Die SUVA anerkannte ihre
Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen
(Taggeld und Heilbehandlung). Die Versicherungsleistungen für das linke
Knie und die LWS wurden am 15. August 2019 durch die SUVA
unbeanstandet per 30. April 2019 bzw. 13. Mai 2019 eingestellt.
2. Mit Verfügung vom 8. Juni 2020 stellte die SUVA die
Versicherungsleistungen für die rechte Hüfte rückwirkend per
25. Dezember 2018 ein, ohne aber die über diesen Zeitpunkt hinaus
bereits erbrachten Versicherungsleistungen zurückzufordern.
3. Gegen diesen Entscheid erhob A._ am 23. Juni 2020 Einsprache, die
mit Einspracheentscheid vom 6. August 2020 abgewiesen wurde.
4. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am
11. September 2020 (Poststempel) beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden Beschwerde. Er beantragte sinngemäss die Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids und die Ausrichtung der
gesetzlichen Versicherungsleistungen über den verfügten Zeitpunkt
hinaus. Der Beschwerdeführer monierte im Wesentlichen die
rückwirkende Leistungseinstellung und die Aussage, dass seine hohen
sportlichen Ambitionen schuld an seinen Beschwerden sein sollen, treibe
er doch keinen Spitzensport, sondern einfach gern und gelenksschonend
Sport, seine defekte Hüfte mit Arthrose habe ihn denn auch bis zum Unfall
nie beeinträchtigt.
- 3 -
5. In der Beschwerdeantwort vom 23. September 2020 schloss die SUVA
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) unter Verweis auf den
Einspracheentscheid vom 6. August 2020 auf Abweisung der
Beschwerde. Sie führte ergänzend an, dass der Beschwerdeführer selbst
die kreisärztliche Beurteilung, wonach der Status quo sine spätestens
nach sechs Wochen erreicht gewesen sei, nicht in Abrede stelle, sondern
vielmehr bestätige, dass auch die ärztliche Zweitmeinung zum selben
Ergebnis geführt habe. Der Beschwerdegegnerin obliege die Pflicht zur
Leistungsüberprüfung. Sie habe mehrere Monate über die verfügte
Leistungsterminierung hinaus Versicherungsleistungen erbracht, welche
nun nicht zurückgefordert würden. Da keine Rückforderung der
Versicherungsleistungen erfolge, sei die rückwirkende Terminierung
rechtsprechungsgemäss nicht zu beanstanden. Der Kreisarzt habe die
festgestellte Bursitis trochanterica lediglich "eher" den hohen sportlichen
Aktivitäten des Versicherten zugeschrieben, ohne dies abschliessend zu
beurteilen. Der Beschwerdeführer könne im Weiteren aus dem Umstand,
dass ihn die Arthrose bis zum Unfall nicht beeinträchtigt habe, nichts zu
seinen Gunsten ableiten. Diese Behauptung reiche beweisrechtlich nicht
aus, um eine Unfallkausalität medizinisch-objektiv nachweisen zu können.
Auf die weiteren Ausführungen in den Beschwerdeschriften, den
angefochtenen Entscheid sowie die übrigen Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
- 4 -

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 6. August 2020. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m.
Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann
gegen einen Einspracheentscheid innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung
Beschwerde an das Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben
werden, in welchem die versicherte Person im Zeitpunkt der
Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Der Beschwerdeführer wohnt
im Kanton Graubünden, womit die örtliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden gegeben ist. Dessen
sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2
lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100). Als formeller und materieller Adressat des angefochtenen
Einspracheentscheids ist der Beschwerdeführer davon überdies berührt
und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen gerichtlicher
Überprüfung auf (Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 60 und 61 ATSG).
2. Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin die aufgrund des Unfalls vom
13. November 2018 erbrachten Leistungen betreffend die
Hüftbeschwerden rechts am 8. Juni 2020 zu Recht rückwirkend per
25. Dezember 2018 eingestellt hat.
3.1. Die Unfallversicherung erbringt gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG grundsätzlich
Leistungen für Berufsunfälle, Nichtberufsunfälle und Berufskrankheiten.
Sie erbringt Leistungen auch bei Körperschädigungen, sofern sie nicht
vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Art. 6
Abs. 2 UVG). Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht
beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren
- 5 -
Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur
Folge hat. Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat der Versicherte Anspruch auf die
zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist der
Versicherte infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat er
Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 6 ATSG).
3.2. Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und der gesundheitlichen
Schädigung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im
Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne
deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder
nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten
gedacht werden kann. Entsprechend ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige
oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt,
dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die
körperliche oder geistige Integrität des Versicherten beeinträchtigt hat, der
Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch
die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem
schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber im
Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der freien Beweiswürdigung nach
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse
Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (vgl. BGE 142 V 435 E.1, 129 V 177 E.3; Urteil
des Bundesgerichts 8C_269/2017 vom 13. September 2017 E.4.1).
3.3. Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des
Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate
- 6 -
Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch
und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu,
wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitsschaden, wie er unmittelbar
vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige
Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines
krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt
hätte (Status quo sine), erreicht ist. Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden
Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine vel ante noch nicht
wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1
UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und
Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die
Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_781/2017 vom 21. September 2018 E.5.1,
8C_715/2016 vom 6. März 2017 E.4.2 f. m.H.). Der vom Unfallversicherer
zu beweisende Wegfall des Kausalzusammenhanges muss ebenfalls mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (Status quo sine vel ante;
vgl. BGE 146 V 51 E.5.1 und E.8.5; Urteile des Bundesgerichts
8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3, 8C_689/2019 vom 9. März 2020 E.5.3,
8C_421/2018 vom 28. August 2018 E.3.2 [dazu SVR 2019 IV Nr. 9 S. 26],
8C_17/2017 vom 4. April 2017 E.2.2, SVR 2016 UV Nr. 18 S. 55,
8C_331/2015 vom 21. August 2015 E.2.1.1, RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46
E.2). Dabei hat der Unfallversicherer indes nicht den Beweis für
unfallfremde Ursachen zu erbringen. Welche Ursachen (Krankheit,
Geburtsgebrechen oder degenerative Veränderungen) ein nach wie vor
geklagtes Leiden hat, ist an sich unerheblich. Entscheidend ist allein, ob
die unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale
Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_58/2017 vom 9. Juni 2017 E.6.3 m.w.H.; RKUV 1994
Nr. U 206 S. 329 E.3b). Ebenso wenig muss der Unfallversicherer den
negativen Beweis erbringen, dass kein Gesundheitsschaden mehr
- 7 -
vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_68/2020 vom 11. März 2020 E.3.2,
8C_840/2019 vom 14. Februar 2020 E.3.2 m.H.; SVR 2008 UV Nr. 11
S. 34 E.3.3 [U 290/06]; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 8C_548/2019
vom 10. Januar 2020 E.3.2, 8C_570/2014 vom 9. März 2015 E.6.2 und
8C_17/2007 vom 4. April 2017 E.2.2).
3.4. Vorliegendenfalls kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten
ableiten mit dem Argument, er habe noch nie irgendwelche Probleme oder
Beeinträchtigungen mit der rechten Hüfte gehabt. Dies kommt der
unzulässigen Beweismaxime "post hoc ergo propter hoc" gleich, nach
deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch
den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist (vgl. BGE
119 V 335 E.2b/bb; Urteile des Bundesgerichts 8C_672/2020 vom
15. April 2021 E.4.2, 8C_331/2015 vom 21. August 2015 E.2.2.3.1). Es ist
vorliegend überwiegend wahrscheinlich – und vom Beschwerdeführer
unbestritten geblieben –, dass ein "stummer" (schmerzfreier)
degenerativer Vorzustand vorgelegen hat, welcher durch den Unfall
vorübergehend aktiviert wurde (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_257/2017 vom 11. Mai 2017 E.3.1 und 3.2.3, 8C_1029/2012 vom 22.
Mai 2013 E.3.2.2).
4. Gemäss Art. 61 lit. c ATSG stellt das kantonale Versicherungsgericht unter
Mitwirkung der Parteien die für den Entscheid erheblichen Tatsachen fest;
es erhebt die notwendigen Beweise und ist in der Beweiswürdigung frei.
Der damit statuierte Untersuchungsgrundsatz zählt zu den wesentlichen
Verfahrensvorschriften. Das Gericht hat dabei das gesamte
Beweismaterial objektiv zu würdigen und bei sich widersprechenden
medizinischen Berichten die Gründe anzugeben, warum es auf die eine
oder andere medizinische These abstellt (vgl. BGE 143 V 124 E.2.2.2, 125
V 351 E.3a). Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs bzw.
von dessen Wegfall ist in erster Linie mit den Angaben medizinischer
- 8 -
Fachpersonen zu führen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_80/2021
vom 7. Juli 2021 E.2.2, 8C_331/2015 vom 21. August 2015 E.2.2.3.1).
Arztberichte unterliegen wie sämtliche Beweismittel in
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der freien Beweiswürdigung
(vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Nachfolgend sind deshalb die einzelnen im Recht
liegenden medizinischen Berichte durch das Gericht zu würdigen.
5. Nach den Akten der Beschwerdegegnerin hat sich der Beschwerde- und
Behandlungsverlauf wie folgt zugetragen:
5.1. Am 13. November 2018 erlitt der Beschwerdeführer einen
Nichtberufsunfall, indem er in B._ mit dem Fahrrad stürzte. Dabei
erlitt er insbesondere an der rechten Hüfte eine Kontusion mit
oberflächlicher Exkoriation (vgl. beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 1
und 6).
5.2. Am 19. November 2018 stellte Dr. med. D._, Radiologin am Spital
E._, bezüglich Becken/rechter Hüfte folgenden Befund fest: „Kein
Nachweis einer ossären Läsion. Coxa vara bds. Offset-Störung bds.,
rechts mit anteriorem Bump. Bilaterale deutliche, annehmbar sekundäre,
Coxarthrose mit verstärkter Sklerosierung acetabulär, exzentrische zentral
betonte Gelenkspaltverschmälerung bds. und subchondrale
Geröllzystenbildung femurseitig. Bds. Verkalkungen im Bereich des
Labrums. Enthesitiden im Bereich beider Schambeinästeˮ (vgl. Bg-act. 7;
siehe dazu auch Röntgenbild Dr. med. Niedermaier vom 23. Mai 2014 von
Femur ap/seitl rechts mit Befund nach Fahrrad-Sturz auf Mallorca: "Keine
frische ossäre Läsion. Anzunehmend beginnende
Gelenksspaltverschmälerung in der Hüfte medial, whs. auf dem Boden
einer Dysplasie, osteophytäre Anlagerungen am Pfannendach
dorsolateral und Femurkopf medial. Im mittleren Femurbereich
polyzyklische Verkalkung [vgl. Bg-act. 43 und 46]).
- 9 -
5.3. Im Kurzbericht ambulant Chirurgie/Orthopädie vom 20. November 2018
befundete Dr. med. F._, Co-Chefarzt Chirurgie/Orthopädie, Spital
E._, an der rechten Hüfte eine ca. 2 x 2 cm messende Exkoriation mit
beginnender Wundgranulation, ein grosses Hämatom über die gesamte
Seite des äusseren Oberschenkels, isolierte Druckdolenz über Trochanter
major, sowie Wirbelsäule und Becken indolent (vgl. Bg-act. 6).
5.4. Am 16. Januar 2019 stellte Dr. med. F._ anamnestisch fest, in der
rechten Hüfte bestünden keine Beschwerden mehr; er befundete keine
Druckdolenzen und in der passiven Testung der Bewegungsumfänge
sowie bei axialer Kompression keine Schmerzauslösung (vgl. Bg-act. 11).
5.5. Am 26. März 2019 stellte Dr. med. F._ folgenden Befund:
„Inspektorisch unauffällige Hüfte rechts bei bekannten
Hautveränderungen nach Exkoriationen vom vergangenen August (recte:
November). Keine Druckdolenz über dem Trochanter major, Druckdolenz
unmittelbar dorsal davon sowie über der Glutealmuskulatur. Keine
Druckdolenz entlang des Tractus iliotibialis. Das Gangbild ist hinkfreiˮ. Er
plante ein MRI der Hüfte rechts zum Ausschluss einer Bursitis
trochanterica rechts, welche eine Infiltration zur Diskussion stellen würde
(vgl. Bg-act. 15).
5.6. Am 2. April 2019 schloss Dr. med. F._ nach einem MRI der Hüfte
rechts eine Bursitis trochanterica aus, ebenso eine Ansatztendinose der
Glutealmuskulatur. Nachweisbar waren jedoch eine Bone bruise im
Pfannendach sowie eine degenerative Labrum-Läsion hier sowie eine
Offset-Störung rechts und eine Osteitis pubis links. Bei der
Hüftgelenksuntersuchung liess sich ein femoroacetabuläres Impingement
nicht auslösen. Es persistierte eine Druckdolenz dorsal des Trochanter
major sowie im Seitenvergleich ein deutlicher positiver Lasègue-Test,
hingegen keine Druckdolenz über der Symphyse (vgl. Bg-act. 16 und v.a.
auch MRI-Bericht von Dr. med. D._ vom 2. April 2019, wonach u.a.
- 10 -
eine ausgeprägte CAM-Deformierung rechts [Offset-Störung] mit
sekundärer aktivierter Coxarthrose vorliegt [Bg-act. 21]).
5.7. Am 2. Juli 2019 untersuchte Dr. med. F._ den Beschwerdeführer
erneut, wobei der Befund praktisch identisch mit dem Vorbefund war und
das Gangbild hinkfrei (vgl. Bg-act. 29). Da der Beschwerdeführer sich
aufgrund der anhaltenden Schmerzen im Alltag erheblich eingeschränkt
fühlte, führte Dr. med. F._ am 4. Juli 2019 eine Infiltration über dem
Trochanter major rechts durch (vgl. Bg-act. 30).
5.8. Der Kreisarzt med. pract. G._, Facharzt für Chirurgie, stellte am
31. Juli 2019 fest, dass die Hüfte rechts mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit schon vor dem Unfall in stummer oder manifester
Weise durch ein angeborenes CAM-Impingement beeinträchtigt gewesen
sei, und der Unfall nur vorübergehende Traumatisierungen o.g.
Vorzustände i.S. vorübergehender Verschlimmerungen verursacht habe.
Strukturelle Läsionen seien klinisch-radiologisch ausgeschlossen worden
(vgl. Bg-act. 32).
5.9. Am 6. August 2019 befundete Dr. med. F._ beim Beschwerdeführer
erneut, was beschwerdegegnerischerseits mit "schwere Coxarthrosen
beidseits bei angeb. CAM-Impingement beidseits" kommentiert wurde.
Gleichentags erfolgte eine erneute Infiltration der Hüfte rechts durch Dr.
med. H._, Oberarzt Orthopädie E._ (vgl. Bg-act. 33 und 34).
5.10. Am 19. August 2019 stellte der Kreisarzt med. pract. G._ fest, der
behandelnde Arzt Dr. med. F._ beschreibe eine rechtsseitige
Coxarthrose, die beim Unfall vorübergehend traumatisiert worden sei.
Nach drei Monaten sei der Status quo sine erreicht worden und die
Beschwerden seien Teil der symptomatischen Coxarthrose (vgl. Bg-act.
41 S. 2).
- 11 -
5.11. Der Kreisarzt Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, beurteilte die Beschwerden des
Beschwerdeführers am Hüftgelenk am 29. August 2019 bzw.
4. September 2019 aufgrund der Aktenvorlage wie folgt: Der
Beschwerdeführer habe sich beim Fahrradsturz im November 2018 eine
Prellung des rechten Hüftgelenkes mit oberflächlicher Hautverletzung
zugezogen. Die Hautverletzung sei unter konservativer Therapie
abgeheilt. Es seien Beschwerden im Bereich des rechten Hüftgelenkes
verblieben. Radiologisch sei eine geringe Bursitis trochanterica festgestellt
worden, anfänglich mit einer Hämatombildung. Zudem habe man ein
CAM-Impingement am rechten Hüftgelenk mit bereits deutlicher
Coxarthrose und degenerativen Veränderungen des Labrums identifiziert.
Die Folgen der Hüftprellung seien zweifelsfrei als unfallkausal einzustufen.
[...] Die später festgestellte Bursitis trochanterica könne ab der vierten bis
sechsten Woche nach dem Ereignis nicht mehr als unfallkausal betrachtet
werden, sondern sei eher den hohen sportlichen Aktivitäten des
Versicherten zuzuschreiben. Die mittels MRI festgestellten
Veränderungen am Hüftgelenk seien eindeutig als Degeneration
einzustufen. Neben coxarthrotischen Veränderungen des Hüftgelenkes
selber bestehe auch eine Veränderung des Pfannenrandes mit
Osteophytenbildung, CAM-Impingement und Labrumdegeneration. Die
Gesundheit des Versicherten an der rechten Hüfte sei überwiegend
wahrscheinlich schon vor dem Unfall in stummer oder manifester Weise
beeinträchtigt gewesen aufgrund der Coxarthrose rechts mit Labrum-
Degeneration und CAM-Impingement. Richtunggebende strukturelle
Unfallfolgen seien am rechten Hüftgelenk nicht festgestellt worden.
Unfallursächlich sei eine Kontusion des rechten Hüftgelenkes
möglicherweise mit temporärer Bursitis trochanterica gewesen. Die
Hüftgelenkkontusion sei als vorübergehende Traumatisierung zu werten
und der Vorzustand sei innerhalb von 4–6 Wochen nach dem Ereignis
erreicht gewesen (vgl. Bg-act. 48 S. 2).
- 12 -
5.12. Die Verlaufskontrolle vom 24. September 2019 durch Dr. med. H._
zeigte einen identischen Befund zum Vorbefund (vgl. Bg-act. 52).
5.13. Mit formlosem Schreiben vom 19. September 2019 stellte die
Beschwerdegegnerin die Leistungen bezüglich der rechten Hüfte
rückwirkend per 25. Dezember 2018 ein und hielt mit Verfügung vom
8. Juni 2020 daran fest (vgl. Bg-act. 53 und 59). Mit Einspracheentscheid
vom 6. August 2020 wies sie schliesslich die dagegen erhobene
Einsprache ab (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.]1, Bg-act. 65).
6.1. Aus den Akten erweist sich der medizinische und therapeutische
Sachverhalt im Zeitraum von November 2018 bis September 2019 als
orthopädisch und radiologisch genügend abgeklärt, so dass es keiner
weiteren Abklärungen bedarf. Die orthopädischen und radiologischen
Berichte der behandelnden Ärztin und Ärzte im Zeitraum von November
2018 bis September 2019 äussern sich nicht zur Unfallkausalität. Der
Beurteilung des Kreisarztes Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 29. August
2019 resp. 4. September 2019, wonach die Gesundheit des Versicherten
an der rechten Hüfte mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon vor dem
Unfall in stummer oder manifester Weise aufgrund der Coxarthrose rechts
mit Labrum-Degeneration und CAM-Impingement beeinträchtigt war und
keine richtunggebenden strukturellen Unfallfolgen am rechten Hüftgelenk
festgestellt wurden, kann gefolgt werden (vgl. Bg-act. 48). Unfallursächlich
war somit eine Kontusion des rechten Hüftgelenkes möglicherweise mit
temporärer Bursitis trochanterica des rechten Hüftgelenks mit
oberflächlicher Hautverletzung, welche aber als vorübergehende
Traumatisierung nach vier bis sechs Wochen abgeklungen war, so dass
der Vorzustand innerhalb von vier bis sechs Wochen nach dem Ereignis
erreicht war. Die im MRI festgestellten Veränderungen am Hüftgelenk sind
damit eindeutig als Degeneration einzustufen (vgl. Bg-act. 48 S. 2). Der
kreisärztlichen Beurteilung kommt voller Beweiswert zu, weil sie aufgrund
- 13 -
der gesamten Aktenlage als schlüssig erscheint, nachvollziehbar
begründet sowie in sich widerspruchsfrei ist und keine Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit bestehen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b/ee m.H.). Bestünden
auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit ihrer
Feststellung, so wären weitere Abklärungen notwendig, was verneint
werden kann (vgl. BGE 139 V 225 E.5.2, 135 V 465 E.4.4 ff.; Urteil des
Bundesgerichts 8C_131/2021 vom 2. August 2021 E.3.2 m.w.H.). Auf
Aktenberichte – wie diejenigen der Kreisärzte med. pract. G._ und Dr.
med. I._ – kann abgestellt werden, wenn ein lückenloser Befund
vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an
sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_646/2019 vom 6. März 2020 E.4.3), mithin die direkte
ärztliche Befassung mit dem Versicherten in den Hintergrund rückt (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3), was
vorliegend unbestrittenermassen der Fall ist.
6.2. Es liegen keine anderslautenden ärztlichen Einschätzungen bei den
Akten. Der Beschwerdeführer selbst stellt die Einschätzung des
beschwerdegegnerischen Arztes explizit nicht in Frage, wonach die
unfallbedingten Beschwerden nach maximal zwei Monaten so gut wie
abgeklungen gewesen seien (siehe Beschwerde vom 11. September
2020, S. 1). Insbesondere habe auch eine Zweitmeinung, die er eingeholt
habe, die Beurteilung des Kreisarztes bestätigt. Für den
Beschwerdeführer "mögen die schriftlichen Beurteilungen des SUVA-
Arztes medizinisch stimmen", er weist hingegen die Aussage, wonach
seine hohen sportlichen Ambitionen daran schuld sein sollten,
entschieden zurück. Hierzu ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten,
dass der Kreisarzt die Bursitis trochanterica "eher" den hohen sportlichen
Aktivitäten des Beschwerdeführers zuschrieb, ohne dies aber
abschliessend zu beurteilen. Dies ist nicht zu beanstanden, ist doch die
Beschwerdegegnerin nicht verpflichtet, unfallfremde Ursachen zu
- 14 -
beweisen bzw. nach den Ursachen (Krankheit, Geburtsgebrechen oder
degenerative Veränderungen) eines nach wie vor geklagten Leidens zu
suchen. Ebenso wenig muss der Unfallversicherer den negativen Beweis
erbringen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die
versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei. Entscheidend ist allein,
ob die unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale
Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind. In casu ist davon
auszugehen, dass keine unfallbedingte strukturelle Schädigung der
rechten Hüfte vorliegt. So anerkennt der Beschwerdeführer nicht nur
selbst die medizinische Stichhaltigkeit der kreisärztlichen Beurteilung und
damit den Wegfall der unfallbedingten Ursachen seiner Hüftbeschwerden,
sondern es sind auch keine Anhaltspunkte ersichtlich, die daran zweifeln
liessen.
6.3. Gegen die rückwirkende Leistungseinstellung von Taggeldern und
Heilbehandlung ist nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung –
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – nichts einzuwenden, kann
der Versicherungsträger die vorübergehenden Leistungen – und dazu
gehören Taggelder und Heilbehandlung – doch ohne Berufung auf einen
Wiedererwägungs- oder Revisionsgrund "ex nunc et pro futuro" einstellen,
etwa mit dem Argument, bei richtiger Betrachtung liege kein versichertes
Ereignis vor (vgl. BGE 130 V 380 E.2.3.1), oder der
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem
leistungsbegründenden Gesundheitsschaden sei dahingefallen. Eine
solche Einstellung kann auch rückwirkend erfolgen, sofern der
Unfallversicherer keine Leistungen zurückfordern will (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_270/2020 vom 1. September 2020 E.3.1, 8C_22/2019
vom 24. September 2019 E.3, nicht publ. in BGE 146 V 51; 8C_487/2017
vom 9. November 2017 E.3.3.1 mit Verweis auf BGE 133 V 57 E.6.8).
6.4. Es ist somit rechtskonform, dass die Beschwerdegegnerin am 8. Juni 2020
die Einstellung der Versicherungsleistungen betreffend die
- 15 -
Hüftbeschwerden des Beschwerdeführers per 25. Dezember 2018
verfügte und dies mit Einspracheentscheid vom 6. August 2020 bestätigte.
Der Einspracheentscheid ist somit nicht zu beanstanden, was zur
Abweisung der Beschwerde vom 11. September 2020 führt.
7. Gemäss aArt. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 82a ATSG ist das Verfahren –
vorbehältlich der mutwilligen oder leichtsinnigen Verfahrensführung – für
die Parteien kostenlos, weshalb vorliegend keine Kosten erhoben werden.
Ein Parteikostenersatz wird der obsiegenden Beschwerdegegnerin nicht
zugesprochen (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).