Decision ID: 15a378ae-6a4c-4b1d-8de1-62253ef04e89
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2017 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
einer Viertelsrente der Invalidenversicherung an (act. G 5.1.27), die ihm mit einer
Verfügung vom 9. Oktober 2017 rückwirkend per 1. März 2015 zugesprochen worden
war (act. G 5.3.3). Der EL-Ansprecher gab an, er lebe zusammen mit seiner Ehefrau,
zwei Söhnen (Jahrgang 19_ und 19_) sowie einer Tochter (Jahrgang 19_). Seine
Ehefrau arbeite im Stundenlohn. Der Anmeldung lagen ein Lohnausweis für das Jahr
2016, laut dem die Ehefrau einen Bruttojahreslohn von 8’781 Franken erzielt hatte, und
Lohnabrechnungen für die Monate Juli bis und mit September 2017 bei, laut denen die
Ehefrau im Juli 2017 einen Bruttolohn von 706 Franken, im August 2017 keinen Lohn
und im September 2017 einen Bruttolohn von 1’481 Franken erzielt hatte (act. G
5.1.29). Am 3. Februar 2018 wies die EL-Durchführungsstelle den EL-Ansprecher
darauf hin, dass sie die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der
Ehefrau prüfen müsse und dass diese dazu einige Fragen zu beantworten habe (act. G
5.1.24). Die Ehefrau des EL-Ansprechers beantwortete die Fragen der EL-
Durchführungsstelle am 12. Februar 2018 wie folgt: Sie habe keine berufliche
Ausbildung absolviert; sie arbeite seit dem 1. Juni 2015 auf Abruf als Reinigungshilfe;
sie sei mit dem eigenen Haushalt eigentlich ausgelastet und sie habe sich deshalb
nicht um weitere Arbeitsstellen bemüht (act. G 5.1.21). Eine Sachbearbeiterin der EL-
Durchführungsstelle notierte im März 2018 (act. G 5.1.19), die Ehefrau des EL-
Ansprechers habe im Jahr 2015 einen Lohn von 7’065 Franken (auf ein ganzes Jahr
hochgerechnet), im Jahr 2016 einen Lohn von 5’781 Franken und im Jahr 2017 einen
Lohn von 9’650 Franken erzielt. Da die Kinder erwachsen und nicht mehr
betreuungsbedürftig seien, könne der Ehefrau ein Vollpensum zugemutet werden.
Folglich sei ihr ein hypothetisches Einkommen anzurechnen. Dessen Betrag belaufe
A.a.
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sich ausgehend vom Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne im Jahr 2013 von 51’792
Franken unter Berücksichtigung eines Abzugs von zehn Prozent („Grossregion
Ostschweiz“) und eines Abzugs von 6,225 Prozent für Sozialversicherungsbeiträge auf
43’711 Franken.
Mit einer Verfügung vom 16. März 2018 sprach die IV-Stelle dem EL-Ansprecher
rückwirkend ab dem 1. August 2017 eine Kinderrente für die volljährige, sich aber noch
in der Erstausbildung befindende Tochter zu (act. G 5.1.20). Am 23. März 2018 forderte
die EL-Durchführungsstelle den EL-Ansprecher auf, weitere Angaben zur Ausbildung
und zu allfälligen Arbeitseinsätzen seiner Tochter zu machen (act. G 5.1.18). Im April
2018 reichte der EL-Ansprecher diverse Unterlagen ein, denen sich entnehmen liess
(act. G 5.1.17), dass seine Tochter ab August 2014 eine kaufmännische Ausbildung
absolviert hatte, dass sie das sechste Semester der Ausbildung repetieren musste, so
dass sich die Ausbildung bis Juli 2018 verlängerte, dass sie von Februar 2016 bis und
mit Januar 2017 ein kaufmännisches Praktikum absolviert hatte und dass sie von
September 2017 bis und mit Januar 2018 eine Arbeitslosenentschädigung bezogen
hatte.
A.b.
Mit einer Verfügung vom 18. April 2018 sprach die EL-Durchführungsstelle dem
EL-Ansprecher für den Monat Januar 2016 eine der kantonalen Durchschnittsprämie
für die obligatorische Krankenpflegeversicherung als sogenannte Minimalgarantie
entsprechende und direkt der obligatorischen Krankenpflegeversicherung ausbezahlte
Ergänzungsleistung von 1’086 Franken sowie für die Zeit ab dem 1. Februar 2018 eine
ebenfalls der Minimalgarantie entsprechende, direkt der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung ausbezahlte Ergänzungsleistung von 1’172 Franken pro
Monat zu (act. G 5.1.14). Den Berechnungsblättern zur Verfügung liess sich entnehmen
(act. G 5.1.4 ff.), dass die EL-Durchführungsstelle für die Zeit von März bis und mit
Dezember 2015 die kantonale Durchschnittsprämie für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung des EL-Ansprechers, der Ehefrau und der Tochter, drei
Fünftel des Mietzinses (wegen der zwei im selben Haushalt lebenden, keinen
Kinderrentenanspruch begründenden Söhne) und die Lebensbedarfspauschale für ein
Ehepaar mit einem Kind als Ausgaben sowie ein hypothetisches Erwerbseinkommen
der Ehefrau, Ausbildungszulagen für die Tochter, die Rentenleistungen der
Invalidenversicherung und der beruflichen Vorsorge sowie Krankentaggeldleistungen
A.c.
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als Einnahmen angerechnet hatte, was einen Einnahmenüberschuss ergeben hatte. Für
den Monat Januar 2016 hatte trotz der Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens des EL-Ansprechers, das der um einen Drittel erhöhten
Pauschale für den Lebensbedarf einer alleinstehenden Person entsprochen hatte, ein
Ausgabenüberschuss resultiert, weil der EL-Ansprecher keine
Krankentaggeldleistungen mehr erhalten hatte. Für den Monat Februar 2016 hatte
wieder ein Einnahmenüberschuss resultiert, weil die Tochter ab Februar 2016 im
Rahmen ihres Praktikums ein Erwerbseinkommen erzielt hatte. Für die Zeit von März
2016 bis und mit Dezember 2017 hatte die EL-Durchführungsstelle keine Ausgaben für
die obligatorische Krankenpflegeversicherung berücksichtigt, weil die Prämien von der
Sozialhilfe übernommen worden waren; das hatte den Einnahmenüberschuss
zusätzlich erhöht. Für die Zeit von Februar bis und mit Juli 2017 hatte ein tieferer
Einnahmenüberschuss resultiert, weil die Tochter in jener Zeit kein Erwerbseinkommen
erzielt hatte. Für die Zeit ab August 2017 hatte die EL-Durchführungsstelle die
Ausgaben- und Einnahmenpositionen der Tochter nicht mehr berücksichtigt, weil der
EL-Bezüger in jenem Zeitraum keine Kinderrente für seine Tochter erhalten hatte. Da
die kantonale Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung
ab Januar 2018 wieder als Ausgabe hatte berücksichtigt werden müssen und da die
Tochter ab Februar 2018 wieder in die Anspruchsberechnung mit einbezogen worden
war, weil der EL-Bezüger ab Februar 2018 wieder eine Kinderrente für sie erhalten
hatte, hatte für die Zeit ab Februar 2018 wieder ein Ausgabenüberschuss resultiert.
Am 17. Mai 2018 liess der nun anwaltlich vertretene EL-Bezüger eine Einsprache
gegen die Verfügung vom 18. April 2018 erheben (act. G 5.2.19). Sein Rechtsvertreter
beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Zusprache von
Ergänzungsleistungen und die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
für das Einspracheverfahren. Zur Begründung führte er aus, der jüngere Sohn sei im
Oktober 2017 aus der Wohnung der Eltern ausgezogen. Bis zur Vollendung des 25.
Altersjahres müsse er aber in die Anspruchsberechnung mit einbezogen werden. Die
Tochter müsse für die Zeit von August 2017 bis und mit Januar 2018 ebenfalls in die
Anspruchsberechnung mit einbezogen werden. Für gewisse Zeiträume habe die EL-
Durchführungsstelle vergessen, die kantonale Durchschnittsprämie für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung als Ausgabe anzurechnen. Die Annahme,
A.d.
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dass sich die Kinder an den Mietkosten hätten beteiligen können, sei nicht realistisch.
Ausserdem sei die Wohnung nicht von allen Familienmitgliedern gleich intensiv genutzt
worden, weshalb der Mietzins nicht nach Köpfen aufgeteilt werden dürfe. Bei der
Festsetzung der Lebensbedarfspauschale hätte ein Anteil für den jüngeren Sohn
berücksichtigt werden müssen. Der Ehefrau dürfe kein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet werden, da sie tatsächlich erwerbstätig gewesen sei
und dabei einen Stundenlohn von 19.72 Franken erzielt habe. Die EL-
Durchführungsstelle hätte vorgängig auf die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens der Ehefrau hinweisen müssen. Dem EL-Bezüger dürfe ebenfalls
kein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet werden, da er eine halbe Rente
und eine Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung beziehe.
Da die Tochter des EL-Bezügers ihre Ausbildung im Juli 2018 abschloss, erliess
die EL-Durchführungsstelle am 3. Juli 2018 eine Verfügung (act. G 5.2.16), mit der sie
die laufende Ergänzungsleistung per 31. Juli 2018 aufhob. Sie wies darauf hin, dass sie
sich die Möglichkeit von Anpassungen der Verfügung aufgrund der Ergebnisse des
hängigen Einspracheverfahrens vorbehalte. Am 3. September 2018 liess der EL-
Bezüger auch gegen diese Verfügung eine Einsprache erheben (act. G 5.2.13). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung respektive Anpassung der Verfügung und
die Zusprache von Ergänzungsleistungen. Zur Begründung wies er auf das hängige
Einspracheverfahren hin. Er beantragte die gemeinsame Behandlung der beiden
Einsprachen. Am 24. September 2018 forderte die EL-Durchführungsstelle den EL-
Bezüger auf (act. G 5.2.12), allfällige Ausbildungsnachweise des jüngeren Sohnes
einzureichen, damit die Ausrichtung einer Kinderrente für die Zeit bis zur Vollendung
des 25. Altersjahres und damit ein Einbezug des jüngeren Sohnes in die EL-
Anspruchsberechnung geprüft werden könne. Im Oktober 2018 teilte der jüngere Sohn
des EL-Bezügers der EL-Durchführungsstelle mit, dass er in den Jahren 2015 und 2016
keine Ausbildung absolviert habe; in den letzten Jahren habe er gearbeitet (act. G
5.2.10). Am 23. Oktober 2018 erliess die IV-Stelle eine Verfügung, mit der sie die
Kinderrente für die Tochter für die Zeit von August 2017 bis und mit Januar 2018
zurückforderte (act. G 5.4.13). Mit einem Entscheid vom 23. Januar 2019 wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprachen gegen die Verfügungen vom 18. April 2018 und
vom 3. Juli 2018 ab (act. G 5.2.8). Zur Begründung führte sie an, der EL-Bezüger sei als
A.e.
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B.
Bezüger einer Viertelsrente durchaus in der Lage, ein Erwerbseinkommen zu erzielen.
Laut dem Gutachten der SMAB AG, auf der die rentenzusprechende Verfügung der IV-
Stelle in medizinischer Hinsicht beruhe, sei ihm ein Pensum von 50 Prozent zumutbar.
Besondere Einschränkungen bestünden nicht. Der Ehefrau könne ein Vollpensum
zugemutet werden. Die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens habe
nicht angedroht werden müssen. Der EL-Bezüger habe für den jüngeren Sohn keine
Kinderrente bezogen, weshalb dieser Sohn bei der EL-Anspruchsberechnung nicht
habe mit einbezogen werden dürfen. Da in der Zeit von August 2017 bis und mit Januar
2018 auch für die Tochter keine Kinderrente ausgerichtet worden sei, habe auch diese
in jenem Zeitraum nicht in die Anspruchsberechnung mit einbezogen werden dürfen.
Der Wohnungsmietzins sei nach Köpfen aufzuteilen. Da das Sozialamt die
Krankenkassenprämien für die Zeit von März 2016 bis und mit Dezember 2017 bezahlt
habe, habe die Prämienpauschale für jenen Zeitraum nicht als Ausgabe berücksichtigt
werden müssen. Die beiden Verfügungen erwiesen sich folglich in jedem Punkt als
rechtmässig. Ein Anspruch auf eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung bestehe
nicht, weil eine solche nicht erforderlich gewesen sei.
Am 22. Februar 2019 erhob der EL-Bezüger (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 23. Januar 2019 (act. G 1). Er
machte geltend, die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin)
sei von falschen Sachverhaltsannahmen ausgegangen. So habe sie unter anderem den
Mietzins fälschlicherweise anteilsmässig auf fünf Personen aufgeteilt, obwohl sie
lediglich zwei Personen hätte berücksichtigen dürfen, weil besondere Umstände
vorgelegen hätten. Der Beschwerdeführer wies darauf hin, dass diese Beschwerde
unvollständig sei. Er beantragte die Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren, die Einsetzung eines
Rechtsvertreters und die Ansetzung einer Nachfrist zur Ergänzung der
Beschwerdebegründung. Am 13. März 2019 liess der nun wieder anwaltlich vertretene
Beschwerdeführer den folgenden Antrag stellen: „Der Einspracheentscheid vom 23.
Januar 2019 sei aufzuheben und es seien die nach den gesetzlichen Bestimmungen
zustehenden Ergänzungsleistungen ab dem 1. März 2015 auszurichten“ (act. G 3). Zur
Begründung machte sein Rechtsvertreter geltend, die Familienwohnung sei nicht
B.a.
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Erwägungen
1.
durchgehend von fünf Personen bewohnt gewesen. Die Tochter habe ihre Berufslehre
erst im Sommer 2018 abgeschlossen. Sie sei aber fälschlicherweise ab dem 1. August
2017 nicht mehr in die Anspruchsberechnung mit einbezogen worden. Der ältere Sohn
studiere bis mindestens zum Sommer 2019 Soziale Arbeit. Es handle sich dabei um ein
Vollzeitstudium und um eine Erstausbildung. Der jüngere Sohn habe sein 25. Altersjahr
erst im Oktober 2016 beendet, weshalb er bis zu jenem Zeitpunkt bei der
Anspruchsberechnung berücksichtigt werden müsse. Dem Beschwerdeführer sei die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zumutbar. Im März 2019 stehe eine
Schulteroperation an. Es sei ungewiss, wie sich der Gesundheitszustand nach der
Operation entwickeln werde. Invaliditätsbedingt könne der Beschwerdeführer im
Haushalt nicht mithelfen, weshalb seine Ehefrau den ganzen Haushalt besorgen
müsse. Der Ehefrau könne aus diesem Grund keine vollzeitige Erwerbstätigkeit
zugemutet werden. Für die aktuell ausgeübte Tätigkeit erhalte sie einen Stundenlohn
von 19.72 Franken, was angemessen sei. Ein Verzicht auf Erwerbseinkünfte liege nicht
vor. Im Übrigen hätte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die Anrechnung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens vorgängig androhen müssen. Die Kinder
könnten keinen Beitrag zur Wohnungsmiete leisten, weil sie sich in Ausbildung
befänden. Der Mietzins dürfe deshalb nicht auf fünf Köpfe aufgeteilt werden. Die
Lebensbedarfspauschale müsse höher angesetzt werden.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 25. März 2019 unter Hinweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 5).
B.b.
Der angefochtene Einspracheentscheid enthält bei genauer Betrachtung drei
voneinander unabhängige Entscheide, die lediglich aus verfahrensökonomischen
Gründen gemeinsam eröffnet worden sind, nämlich die Zusprache einer
Ergänzungsleistung für den Monat Januar 2016 und für die Zeit ab Februar 2018, die
Aufhebung dieser Ergänzungsleistung (unter Anpassungsvorbehalt) per 31. Juli 2018
und die Abweisung des Gesuchs um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Einspracheverfahren. Die gemeinsame Eröffnung hat nichts daran geändert, dass jeder
1.1.
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dieser Entscheide eigenständig geblieben ist, d.h. ein eigenes rechtliches Schicksal
gehabt hat. Dem Beschwerdeführer hat es also freigestanden, beispielsweise nur einen
oder aber zwei oder sogar alle drei Entscheide anzufechten. Zwar hat er pauschal die
Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheides beantragt, aber weder die
Beschwerdeschrift noch die Beschwerdeergänzung bezieht sich auf die Abweisung des
Begehrens um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren.
Das Begehren des Beschwerdeführers kann also nicht so ausgelegt werden, dass darin
eine Anfechtung der Verneinung eines Anspruchs auf eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren enthalten wäre. Der entsprechende
Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin ist folglich unangefochten in formelle
Rechtskraft erwachsen.
Bei der am 3. Juli 2018 verfügten Aufhebung der Ergänzungsleistung per 31. Juli
2018 kann es sich angesichts des damals noch hängigen Einspracheverfahrens nach
dem Willen der Beschwerdegegnerin nur um eine vorsorgliche Massnahme für die
Dauer des Einspracheverfahrens gehandelt haben, wie sich dem Vorbehalt einer
„Anpassung“ dieser Verfügung entsprechend dem (damals noch zukünftigen) Ergebnis
des Einspracheverfahrens entnehmen lässt. Mit dieser vorsorglichen Massnahme hat
die Beschwerdegegnerin auf eine Gefahr in Verzug reagiert: Da die Tochter des
Beschwerdeführers ihre Ausbildung im Juli 2018 abgeschlossen hat, haben ihre
Ausgaben und ihre Einnahmen ab August 2018 bei der Anspruchsberechnung nicht
mehr berücksichtigt werden dürfen; weil die Ausgaben der Tochter höher als ihre
Einnahmen gewesen sind, hat mit einer Reduktion des Gesamt-
Ausgabenüberschusses respektive mit einer Verwandlung des Gesamt-
Ausgabenüberschusses in einen Gesamt-Einnahmenüberschuss gerechnet werden
müssen, weshalb zu befürchten gewesen ist, dass ohne die vorsorgliche
Leistungseinstellung ab August 2018 bis zum Abschluss des Einspracheverfahrens
unrechtmässige Ergänzungsleistungen ausgerichtet und die entsprechende
Rückforderung aufgrund der wirtschaftlichen Situation des Beschwerdeführers
uneinbringlich sein würden. Die am 3. Juli 2018 verfügte vorsorgliche Aufhebung der
Ergänzungsleistung per 31. Juli 2018 erweist sich somit als rechtmässig.
1.2.
Weil sich der Streit um die erstmalige Zusprache einer Ergänzungsleistung dreht,
sind sämtliche Anspruchsvoraussetzungen und Berechnungspositionen zu prüfen.
Massgebend ist der Zeitraum vom 1. März 2015 (Rentenbeginn) bis zum 18. April 2018
(verfahrensabschliessende Verfügung). Entgegen der bundesgerichtlichen Auffassung
gehört die Entwicklung der anerkannten Ausgaben und der anrechenbaren Einnahmen
während des Einspracheverfahrens nicht zum Streitgegenstand des
1.3.
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2.
Die IV-Stelle hat dem Beschwerdeführer im Oktober 2017 rückwirkend ab dem 1. März
2015 eine Rente der Invalidenversicherung zugesprochen. Damit sind die persönlichen
Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug von Ergänzungsleistungen gemäss dem Art.
4 Abs. 1 lit. c ELG erfüllt gewesen. Da sich der Beschwerdeführer weniger als einen
Monat nach der Eröffnung der rentenzusprechenden Verfügung der IV-Stelle zum
Bezug von Ergänzungsleistungen angemeldet hat, hat laut dem Art. 12 Abs. 4 ELG in
Verbindung mit dem Art. 22 Abs. 1 ELV ein Nachzahlungsanspruch für die Zeit ab dem
1. März 2015 bestanden. In personeller Hinsicht hat sich der Anspruch gemäss dem
Art. 9 Abs. 2 ELG auf den Beschwerdeführer, auf die Ehefrau und auf jene Kinder
beschränkt, für die der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine Kinderrente gehabt
hat. Weil für die beiden Söhne im gesamten hier massgebenden Zeitraum keine
Kinderrenten ausgerichtet worden sind, können diese zum Vorneherein nicht in die
Anspruchsberechnung mit einbezogen werden. Die Tochter hat ab dem 1. August 2018
keinen Anspruch mehr auf eine Kinderrente begründet, weil sie ihre Berufsausbildung
im Juli 2018 abgeschlossen hat. Da sie ihre Ausbildung von August 2017 bis und mit
Januar 2018 hatte unterbrechen müssen, hat auch für jenen Zeitraum kein Anspruch
auf eine Kinderrente bestanden. Das bedeutet, dass die Ausgaben und die Einnahmen
der Tochter gestützt auf die formell rechtskräftigen Verfügungen der IV-Stelle
betreffend den Kinderrentenanspruch nur für die Periode 1. März 2015 bis zum 31. Juli
2017 und für die Zeit ab 1. Februar 2018 berücksichtigt werden dürfen.
Beschwerdeverfahrens, denn das hätte zur Folge, dass im Einspracheentscheid nicht
nur die angefochtene Verfügung auf ihre Richtigkeit überprüft, sondern auch die
Entwicklung der anerkannten Ausgaben und der anrechenbaren Einnahmen zwischen
der Verfügungseröffnung und dem Abschluss des Einspracheverfahrens – originär –
gewürdigt werden müsste. Ein die Zeit zwischen der Eröffnung der Verfügung und der
Eröffnung des Einspracheentscheides betreffender rechtsgestaltender Entscheid hätte
deshalb seinem Wesen nach nur Verfügungscharakter, aber dem Adressaten würde
rechtsmissbräuchlich die Einsprachemöglichkeit vorbehalten, weil diese Verfügung
formal als Einspracheentscheid eröffnet würde. Die Ausdehnung des
Streitgegenstandes des Einspracheverfahrens auf die Entwicklung der anerkannten
Ausgaben und der anrechenbaren Einnahmen in der Zeit bis zum Verfahrensabschluss
würde also zu einer offenkundig gesetzwidrigen Verkürzung des Rechtsmittelweges
führen, weshalb der bundesgerichtlichen Auffassung nicht gefolgt werden darf (vgl.
zum Ganzen auch den Entscheid EL 2016/34 des St. Galler Versicherungsgerichtes
vom 21. November 2017, E. 1.1, mit Hinweisen).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/18
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3.
Als Ausgaben sind die Pauschale für den Lebensbedarf, die Mietkosten und die
kantonale Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung zu
berücksichtigen.
3.1.
Die Lebensbedarfspauschale für ein Ehepaar mit einem Kind hat sich im
massgebenden Zeitraum auf 39’015 Franken, jene für ein Ehepaar ohne Kind auf
28’935 Franken belaufen. Für die Zeit vom 1. März 2015 bis zum 31. Juli 2017 sowie für
die Zeit vom 1. Februar 2018 bis zum 31. Juli 2018 ist folglich ein Betrag von 39’015
Franken und für die Zeit vom 1. August 2017 bis zum 1. Februar 2018 (sowie für die
Zeit ab dem 1. August 2018) ein Betrag von 28’935 Franken für den allgemeinen
Lebensbedarf anzurechnen.
3.2.
Der Wohnungsmietzins hat 19’572 Franken betragen. Die Wohnungsbewohner
sind alle erwachsen gewesen, weshalb mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass sie alle die Wohnung mit der gleichen
Intensität genutzt haben. Folglich besteht keine Veranlassung, von der im Art. 16c Abs.
2 ELV vorgesehenen Regel der Mietzinsaufteilung nach Köpfen abzuweichen, weshalb
für die Zeit vom 1. März 2015 bis zum 31. Juli 2017 ein Anteil von drei Fünfteln des
Mietzinses angerechnet werden muss; der massgebende Betrag beläuft sich für diesen
Zeitraum also auf 11’744 Franken. Für die Zeit ab dem 1. August 2017 darf zufolge des
Wegfalls der Kinderrente für die Tochter nur noch ein Anteil von zwei Fünfteln (7’829
Franken) angerechnet werden. Der Beschwerdeführer hat angegeben, dass einer der
beiden Söhne im Oktober 2017 aus der Familienwohnung ausgezogen sei. Aus nicht
nachvollziehbaren Gründen ist die Beschwerdegegnerin diesem Hinweis nicht weiter
nachgegangen. Sie hat diesbezüglich keinerlei Abklärungen getätigt und sie hat auch
für die Zeit nach dem 31. Oktober 2017 weiterhin zwei beziehungsweise drei Fünftel
des Mietzinses als Ausgabe angerechnet, ohne eine Begründung dafür zu liefern,
weshalb sie den Sohn, der ausgezogen ist, weiterhin als Mitbewohner berücksichtigt
hat. Diesbezüglich erweist sich der Sachverhalt als ungenügend abgeklärt, weshalb der
angefochtene Einspracheentscheid in Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43
Abs. 1 ATSG) ergangen ist. Er müsste an sich als rechtswidrig aufgehoben werden.
Allerdings spielt es unter Berücksichtigung der nachfolgenden Ausführungen für das
Ergebnis keine Rolle, ob bei der Anspruchsberechnung für die Zeit ab dem 1.
November 2017 weiterhin zwei respektive drei Fünftel des Mietzinses oder zwei
respektive drei Viertel des Mietzinses als Ausgabe berücksichtigt werden. Die Sache
kann deshalb definitiv materiell beurteilt werden, ohne dass sie zur Vervollständigung
der Sachverhaltsermittlung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/18
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müsste. Wenn der Sohn entgegen der Angabe des Beschwerdeführers nicht aus der
elterlichen Wohnung ausgezogen wäre, hätte für die Monate November 2017,
Dezember 2017 und Januar 2018 weiterhin ein Anteil von zwei Fünftel des Mietzinses
berücksichtigt werden dürfen; ab Februar 2018 hätte wieder ein Anteil von drei Fünftel
berücksichtigt werden müssen, weil der Beschwerdeführer ab Februar 2018 wieder
eine Kinderrente für die im selben Haushalt lebende Tochter bezogen hat. Wenn der
Sohn aber tatsächlich im Oktober 2017 aus der elterlichen Wohnung ausgezogen wäre,
hätte für die Monate November 2017, Dezember 2017 und Januar 2018 ein Anteil von
zwei Viertel des Mietzinses berücksichtigt werden müssen, also 9’786 Franken (statt
7’829 Franken); ab Februar 2018 hätte ein Anteil von drei Viertel berücksichtigt werden
müssen, also 14’679 Franken (statt 11’744 Franken).
Die kantonalen Durchschnittsprämien für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung des Beschwerdeführers, der Ehefrau und der Tochter
haben im Jahr 2015 insgesamt 12’684 Franken, im Jahr 2016 insgesamt 13’032
Franken, im Jahr 2017 insgesamt 13’656 Franken und im Jahr 2018 insgesamt 14’064
Franken betragen. Für die Zeit vom 1. August 2017 bis zum 31. Dezember 2017 darf
nur ein Betrag von 9’384 Franken berücksichtigt werden, weil die Tochter für diesen
Zeitraum nicht in die Anspruchsberechnung mit einbezogen werden darf; dasselbe gilt
für den Monat Januar 2018, für den folglich nur ein Betrag von 9’648 Franken
berücksichtigt werden darf. Die Beschwerdegegnerin hat für den Zeitraum von März
2016 bis und mit Dezember 2017 keine Ausgaben für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung berücksichtigt, weil die Prämien von der Sozialhilfe bezahlt
worden waren. Gemäss dem Art. 11 Abs. 3 lit. b ELG dürfen Unterstützungen der
öffentlichen Sozialhilfe aber bei der Berechnung des EL-Anspruchs nicht berücksichtigt
werden, weil die Ergänzungsleistungen allfälligen Sozialhilfeleistungen nach dem Willen
des Gesetzgebers vorgehen müssen. Zwar bezieht sich der Art. 11 Abs. 3 lit. b ELG -
entgegen seinem offenkundig zu engen Wortlaut und entgegen seiner klar falschen
systematischen Einordnung unter den Art. 11 ELG - nur auf die Einnahmenseite der EL-
Anspruchsberechnung, aber vom eindeutigen Sinn und Zweck dieser Bestimmung her
muss sie (mit „umgekehrtem Vorzeichen“) auch auf der Ausgabenseite berücksichtigt
werden. Mit Blick auf den in den lit. b und c des Art. 11 Abs. 3 ELG unmissverständlich
zum Ausdruck gebrachten, im weitesten Sinn koordinationsrechtlichen Grundsatz, laut
dem die Ergänzungsleistungen allfälligen Sozialhilfeleistungen vorgehen, darf es
offenkundig keine Rolle spielen, ob allfällige Sozialhilfeleistungen in der Form von
Geldzahlungen an den Bezüger oder aber als (direkte) Übernahme von existenziellen
Ausgaben ausgerichtet werden (vgl. dazu auch den Entscheid EL 2015/31 des St.
Galler Versicherungsgerichtes vom 11. Oktober 2016, E. 1.2). Bei der
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/18
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4.
Anspruchsberechnung müssen folglich die kantonalen Durchschnittsprämien für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung auch für den Zeitraum vom 1. März 2016 bis
zum 31. Dezember 2017 als anrechenbare Ausgaben berücksichtigt werden. Nur so
kann sichergestellt werden, dass die Ergänzungsleistung für jenen Zeitraum die
gesetzlich anerkannten Ausgaben für die obligatorische Krankenpflegeversicherung
abdeckt. Die Frage, ob die Sozialhilfebehörde ihre bereits für jenen Zeitraum
erbrachten Leistungen zurückfordern kann, gehört offensichtlich nicht zum Gegenstand
dieses Beschwerdeverfahrens.
Das Ausgabentotal für die Zeit vom 1. März 2015 bis zum 31. Dezember 2015
beläuft sich folglich auf 39’015 + 11’744 + 12’684 = 63’443 Franken, für die Zeit vom 1.
Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2016 auf 63’791 Franken, für die Zeit vom 1.
Januar 2017 bis zum 31. Juli 2017 auf 64’415 Franken und für die Zeit vom 1. August
2017 bis zum 31. Oktober 2017 auf 46’148 Franken. Für die Monate November und
Dezember 2017 hat sich das Ausgabentotal entweder (wenn der Sohn die elterliche
Wohnung nicht im Oktober 2017 verlassen hat) weiterhin auf 46’148 Franken belaufen
oder es hat 48’105 Franken betragen (wenn der Sohn tatsächlich im Oktober 2017 aus
der elterlichen Wohnung ausgezogen ist). Für den Monat Januar 2018 ergibt sich ein
Ausgabentotal von 46’412 Franken oder von 48’369 Franken. Für die Monate Februar
bis und mit Juli 2018 resultiert ein Ausgabentotal von 64’823 Franken oder ein solches
von 67’785 Franken.
3.5.
Als Einnahmen haben dem Beschwerdeführer einerseits Versicherungsleistungen
und andererseits Erwerbseinkünfte zur Verfügung gestanden. Als
Versicherungsleistungen sind die Ausbildungszulagen für die Tochter von 3’000
Franken pro Jahr, die Rente der Invalidenversicherung samt der dazu gehörenden
Kinderrente für die Tochter von 8’136 Franken (bzw. von 5’808 Franken für jenen
Zeitraum, in dem für die Tochter keine Kinderrente ausgerichtet worden ist) pro Jahr,
die Rente der beruflichen Vorsorge von 1’375 Franken (bzw. von 1’146 Franken) pro
Jahr und – für die Zeit vom 1. März 2015 bis zum 31. Dezember 2015 – ein
Krankentaggeld von 31’904 Franken zu berücksichtigen.
4.1.
4.2.
Die tatsächlich zugeflossenen Erwerbseinkünfte sind von der Ehefrau des
Beschwerdeführers und – während eines Praktikums – von der Tochter des
Beschwerdeführers erzielt worden. Der von der Tochter in der Zeit von Februar 2016
4.2.1.
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bis und mit Januar 2017 erzielte Praktikumslohn hat 14’256 Franken (2016)
beziehungsweise 15’352 Franken (2017) pro Jahr betragen. Das Erwerbseinkommen
der Ehefrau hat sich im Jahr 2015 auf 7’065 Franken, im Jahr 2016 auf 5’781 Franken
und im Jahr 2017 auf 9’650 Franken belaufen. Der Beschwerdeführer hat trotz einer
verbliebenen Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent (vgl. act. G 5.3.3) kein
Erwerbseinkommen erzielt.
Da die Ergänzungsleistung die Deckung des jeweils aktuellen tatsächlichen
Bedarfs (respektive der Summe der gesetzlich anerkannten Ausgaben) unter
Berücksichtigung der jeweils aktuellen tatsächlichen (anrechenbaren) Einnahmen
bezweckt (vgl. Art. 9 Abs. 1 ELG), müsste die Ergänzungsleistung grundsätzlich unter
Berücksichtigung dieser effektiven Einnahmen berechnet werden. Allerdings kann die
Ergänzungsleistung als Versicherungsleistung nicht die Deckung jenes Teils eines
Ausgabenüberschusses bezwecken, den eine anspruchsberechtigte Person
zumutbarerweise aus eigenen Kräften tragen könnte. Verzichtet eine
anspruchsberechtigte Person auf zumutbarerweise erzielbare Einkünfte, sieht der Art.
11 Abs. 1 lit. g ELG deshalb vor, dass bei der Anspruchsberechnung die Erzielung jener
Einkünfte fingiert wird. Dadurch wird verhindert, dass jener Teil des finanziellen Bedarfs
(bzw. des versicherten „Schadens“), den die anspruchsberechtigte Person mit eigenen
Mitteln respektive aus eigenen Kräften decken könnte, durch Ergänzungsleistungen
finanziert werden muss. Da der Beschwerdeführer kein Erwerbseinkommen und seine
Ehefrau nur ein sehr tiefes Erwerbseinkommen erzielt hat, muss bei beiden geprüft
werden, ob ein Verzicht auf (höhere) Erwerbseinkünfte im Sinne des Art. 11 Abs. 1 lit. g
ELG vorliegt. Massgebend für die Beantwortung der Frage nach einem allfälligen
Verzicht auf die Erzielung von (höheren) Erwerbseinkünften sind die Arbeitsfähigkeit,
allfällige Betreuungs- oder Haushaltspflichten, die der Aufnahme oder Ausdehnung
einer Erwerbstätigkeit im Wege stehen könnten, und die Chancen auf dem
tatsächlichen Arbeitsmarkt, eine Arbeitsstelle zu finden.
4.2.2.
Die Ehefrau des Beschwerdeführers ist gemäss den Akten uneingeschränkt
arbeitsfähig. Sie hat keine Betreuungspflichten zu erfüllen, da die Kinder erwachsen
und selbständig sind und da auch der Beschwerdeführer nicht gepflegt oder betreut
werden muss. Die (unrichtige) Behauptung des Rechtsvertreters, der Beschwerdeführer
beziehe eine Hilflosenentschädigung, dürfte auf eine unsorgfältige Lektüre des
Anmeldeformulars (act. G 5.1.27–7) zurückzuführen sein. Auch das Argument, die
Ehefrau müsse den gesamten Haushalt besorgen, überzeugt nicht, da es sich um einen
Zweipersonenhaushalt in einer Mietwohnung gehandelt hat, der nur einen
verhältnismässig geringen Aufwand verursacht hat und deshalb trotz einer
4.2.3.
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Erwerbstätigkeit im Vollpensum noch hätte besorgt werden können. Der Ehefrau des
Beschwerdeführers hat also im hier massgebenden Zeitraum die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit in einem Vollpensum zugemutet werden können. Indem die Ehefrau
nur auf Abruf stundenweise in einem kleinen Pensum gearbeitet hat, hat sie folglich
(teilweise) auf die Erzielung von Erwerbseinkünften verzichtet. Weil sie keine
ausreichend ernsthafte, aber erfolglose Bemühungen bezüglich der Ausdehnung der
Erwerbstätigkeit oder der Aufnahme einer anderen Erwerbstätigkeit nachgewiesen hat,
kann nicht davon ausgegangen werden, dass sie unverschuldet bloss in einem sehr
tiefen Pensum erwerbstätig gewesen ist. Angesichts der prekären finanziellen
Verhältnisse hätte die Ehefrau des Beschwerdeführers seit dem Eintritt der
voraussichtlich langanhaltenden Teilarbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers und
damit lange vor dem Anspruchsbeginn bestrebt sein müssen, ihren
Beschäftigungsgrad auf 100 Prozent zu erhöhen oder, wenn dies nicht möglich
gewesen wäre, eine Vollzeitstelle anzutreten. Das hat sie unterlassen. Damit hat sie im
Sinne des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG in Verbindung mit dem Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG auf
Erwerbseinkünfte verzichtet. Die Beschwerdegegnerin hat der Ehefrau des
Beschwerdeführers deshalb zu Recht von Beginn weg ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet. Dasselbe gilt auch in Bezug auf den
Beschwerdeführer selbst, der lediglich eine Viertelsrente bezieht, weil ihm bei einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50 Prozent die Ausübung einer Hilfsarbeit (ohne
besondere qualitative Einschränkungen) in einem Pensum von 50 Prozent zugemutet
werden kann und weil auch er keinerlei Bemühungen unternommen hat, ein
Erwerbseinkommen zu erzielen.
Bleibt die Frage nach dem Betrag der hypothetischen Erwerbseinkommen des
Beschwerdeführers und der Ehefrau zu beantworten. Bezüglich der Ehefrau ist die
Beschwerdegegnerin vom statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne
ausgegangen, was grundsätzlich richtig gewesen ist. Wohl weil keine aktuelleren
Zahlen vorgelegen haben, hat sie auf den Betrag für das Jahr 2013 abgestellt, der für
den hier massgebenden Zeitraum von März 2015 bis und mit April 2018 aber nicht
relevant sein kann. Der statistische Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne hat sich im
Jahr 2015 auf 54’055 Franken, im Jahr 2016 auf 54’581 Franken und im Jahr 2017 auf
54’783 Franken belaufen (vgl. die von der Informationsstelle AHV/IV herausgegebene
Textausgabe des IVG, 10. Aufl. 2019, Anh. 2). Im Jahr 2018 hat sich der Zentralwert
des standardisierten Monatslohns für Hilfsarbeiterinnen auf 4’371 Franken belaufen
(Bundesamt für Statistik, Monatlicher Bruttolohn nach Wirtschaftszweigen,
Kompetenzniveau und Geschlecht, TA1 2018, alle Branchen, Kompetenzniveau 1).
4.2.4.
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Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden im Jahr
2018 (Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen,
alle Branchen) ergibt sich für das Jahr 2018 ein Jahreslohn von 54’681 Franken als
Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne. Von diesen Beträgen ist der
Beschwerdegegnerin folgend ein Abzug von zehn Prozent zu machen, weil die Löhne in
der Grossregion Ostschweiz notorisch etwa zehn Prozent tiefer als die
gesamtschweizerischen Löhne sind. Schliesslich sind die hypothetischen
Sozialversicherungsbeiträge abzuziehen. Die Beschwerdegegnerin hat einen
Gesamtabzug von 6,225 Prozent berücksichtigt. Dieser Abzug enthält aber weder die
obligatorischen Beiträge an die Unfallversicherung noch die obligatorischen Prämien an
die berufliche Vorsorge. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
berücksichtigt (entgegen der nicht begründeten und damit nicht nachvollziehbaren
Auffassung des Bundesgerichtes) gestützt auf die ihm bekannten Vergleichswerte
jeweils einen hypothetischen Gesamtabzug von neun Prozent, der auch die Beiträge an
die obligatorische Nichtberufsunfallversicherung und an die berufliche Vorsorge enthält
(vgl. etwa den Entscheid EL 2019/53 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 5.
November 2019, E. 2.2). Damit ergeben sich die folgenden massgebenden Beträge für
das hypothetische Erwerbseinkommen der Ehefrau: 44’271 Franken für das Jahr 2015,
44’702 Franken für das Jahr 2016, 44’867 Franken für das Jahr 2017 und 44’784
Franken für das Jahr 2018. Für den Beschwerdeführer ist dieselbe Berechnung
ausgehend von den massgebenden statistischen Zentralwerten der Hilfsarbeiterlöhne
durchzuführen, denn die im Art. 14a Abs. 2 ELV vorgesehenen Pauschalbeträge für das
hypothetische Erwerbseinkommen sind gemäss dem klaren Wortlaut des Art. 14a Abs.
2 ELV nur jene Beträge, die „mindestens“ anzurechnen sind. Der statistische
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne hat sich im Jahr 2016 auf 66’803 Franken und im
Jahr 2017 auf 67’102 Franken belaufen (vgl. die von der Informationsstelle AHV/IV
herausgegebene Textausgabe des IVG, 10. Aufl. 2019, Anh. 2). Im Jahr 2018 hat sich
der Zentralwert des standardisierten Monatslohns für Hilfsarbeiter auf 5’417 Franken
belaufen (Bundesamt für Statistik, Monatlicher Bruttolohn nach Wirtschaftszweigen,
Kompetenzniveau und Geschlecht, TA1 2018, alle Branchen, Kompetenzniveau 1).
Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden im Jahr
2018 ergibt sich für das Jahr 2018 ein Jahreslohn von 67’767 Franken. Von diesen
Beträgen ist ein Abzug von zehn Prozent zu machen (Grossregion Ostschweiz); vom
Restbetrag ist aufgrund des Arbeitsfähigkeitsgrades des Beschwerdeführers von 50
Prozent für leidensadaptierte Tätigkeiten nur die Hälfte zu berücksichtigen. Schliesslich
sind die Sozialversicherungsabzüge von neun Prozent zu berücksichtigen. Damit
ergeben sich die folgenden massgebenden Beträge für das hypothetische
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5.
Der Vergleich zwischen dem jeweils massgebenden jährlichen Ausgabentotal und dem
jeweils massgebenden jährlichen Einnahmentotal ergibt für die Zeit vom 1. März 2015
bis zum 31. Dezember 2015 einen Einnahmenüberschuss von 9’486 Franken, für den
Monat Januar 2016 einen Ausgabenüberschuss von 4’241 Franken, für die Zeit vom 1.
Februar 2016 bis zum 31. Dezember 2016 einen Einnahmenüberschuss von 5’263
Franken, für den Monat Januar 2017 einen Einnahmenüberschuss von 5’561 Franken,
für die Zeit vom 1. Februar 2017 bis zum 31. Juli 2017 einen Ausgabenüberschuss von
4’674 Franken und für die Zeit vom 1. August 2017 bis zum 31. Oktober 2017 einen
Einnahmenüberschuss von 8’036 Franken. Für die Monate November und Dezember
2017 resultiert ein Einnahmenüberschuss von 8’036 Franken (wenn der Sohn die
elterliche Wohnung im Oktober 2017 nicht verlassen hat) oder ein solcher von 6’079
Erwerbseinkommen des Beschwerdeführers: 27’356 Franken für das Jahr 2016, 27’478
Franken für das Jahr 2017 und 27’751 Franken für das Jahr 2018.
Die Beträge der tatsächlichen Erwerbseinkommen der Tochter und der
hypothetischen Erwerbseinkommen des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau sind zu
addieren. Von der resultierenden Summe ist ein Freibetrag von 1’500 Franken
abzuziehen und von dieser Differenz ist lediglich ein Anteil von zwei Dritteln
anzurechnen (sog. „Privilegierung“ des Erwerbseinkommens gemäss dem Art. 11 Abs.
1 lit. a ELG). Folglich ist für die Zeit vom 1. März 2015 bis zum 31. Dezember 2015 ein
Gesamtbetrag von 28’514 Franken (= [44’271 – 1’500] Franken × 2 ÷ 3), für die Zeit
vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Januar 2016 ein solcher von 47’039 Franken, für die
Zeit vom 1. Februar 2016 bis zum 31. Dezember 2016 ein solcher von 56’543 Franken,
für die Zeit vom 1. Januar 2017 bis zum 31. Januar 2017 ein solcher von 57’465
Franken, für die Zeit vom 1. Februar 2017 bis zum 31. Dezember 2017 ein solcher von
47’230 Franken und für die Zeit ab dem 1. Januar 2018 ein solcher von 47’357 Franken
anzurechnen.
4.2.5.
Damit ergibt sich ein Einnahmentotal von 72’929 Franken für die Zeit vom 1. März
2015 bis zum 31. Dezember 2015, von 59’550 Franken für die Zeit vom 1. Januar 2016
bis zum 31. Januar 2016, von 69’054 Franken für die Zeit vom 1. Februar 2016 bis zum
31. Dezember 2016, von 69’976 Franken für die Zeit vom 1. Januar 2017 bis zum 31.
Januar 2017, von 59’741 Franken für die Zeit vom 1. Februar 2017 bis zum 31. Juli
2017, von 54’184 Franken für die Zeit vom 1. August 2017 bis zum 31. Dezember 2017,
von 54’311 Franken für die Zeit vom 1. Januar 2018 bis zum 31. Januar 2018 und von
59’868 Franken für die Zeit vom 1. Februar 2018 bis zum 31. Juli 2018.
4.3.
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Franken (wenn der Sohn im Oktober 2017 tatsächlich aus der elterlichen Wohnung
ausgezogen ist). Für den Monat Januar 2018 resultiert ein Einnahmenüberschuss von
7’899 Franken oder von 5’942 Franken. Für die Monate Februar bis und mit Juli 2018
ergibt sich ein Ausgabenüberschuss von 4’955 Franken oder von 7’890 Franken und
damit (so oder anders) ein Anspruch auf eine den kantonalen Durchschnittsprämien für
die obligatorische Krankenpflegeversicherung als sogenannter Minimalgarantie von
14’064 Franken entsprechende Ergänzungsleistung. Zusammenfassend hat der
Beschwerdeführer also für den Monat Januar 2016 einen Anspruch auf eine der
Minimalgarantie entsprechende Ergänzungsleistung von 1’086 Franken, für die Zeit
vom 1. Februar 2017 bis zum 31. Juli 2017 auf eine ebenfalls der Minimalgarantie
entsprechende Ergänzungsleistung von 1’138 Franken pro Monat und für die Zeit vom
1. Februar 2018 bis zum 31. Juli 2018 eine ebenfalls der Minimalgarantie
entsprechende Ergänzungsleistung von 1’172 Franken pro Monat.
6.
Da der Beschwerdeführer mit seinem Hauptanliegen, nämlich der Korrektur des von
ihm als rechtswidrig erachteten Einspracheentscheides, vollumfänglich
durchgedrungen ist, ist hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen von einem
Obsiegen des Beschwerdeführers auszugehen. Die Beschwerdegegnerin hat dem
Beschwerdeführer eine Parteientschädigung auszurichten. Da der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers nur eine Rechtsschrift erstellt hat, ist von einem deutlich
unterdurchschnittlichen Vertretungsaufwand auszugehen. In den Beschwerdeverfahren
betreffend eine Ergänzungsleistung spricht das Versicherungsgericht bei einem
durchschnittlichen Vertretungsaufwand regelmässig eine Parteientschädigung von
3'000 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu. Dem hier
unterdurchschnittlichen Vertretungsaufwand entsprechend wird die
Parteientschädigung auf 2'400 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festgesetzt. Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a
ATSG).