Decision ID: 0f1ca5df-02b0-4c3b-833a-5fb2acb0ba20
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1983,
war seit dem 1
7.
November
2014
bei der
Y._
,
Z._
,
als
Laborantin
in einem
Pensum von 100
%
tätig
, als die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis am
4.
Juli 2017 wegen einer seit dem
1.
Februar 2017
andauernden Krankheit per
Ende
Oktober 2017
kündigte
(
Urk.
12/44
Ziff.
1-3,
Ziff.
6,
Ziff.
10-12,
Urk.
12/48
,
Urk.
12/57
)
.
B
is Ende Feb
ruar 2018
bezog die Versicherte von der Krankentaggeldversicherung
Taggeld
leistungen basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und ab
1.
März 2018 basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
(vgl.
Urk.
12/43)
.
Am 2
8.
Februar 2018
meldete sie sich bei der
Arbeitslosenversicherung zum Leis
tungsbezug
an
und stellte sich
im Umfang eines
50%-Pensum
s
respektive ganz
tags zur Arbeitsvermittlung zur Verfügung
(
Urk.
12/51
,
Urk.
12
/61
)
.
Mit Verfü
gung vom
8.
Juni 2018
(
Urk.
12
/33)
verneinte die
Arbeitslosenkasse
syndicom
eine Anspruchsberechtigung
ab
1.
März 2018
mangels anrechenbaren Arbeits
ausfalles
. Die dagegen von der Versicherten am 1
3.
Juni 2018
erhobene Einspra
ch
e (
Urk.
12/28)
wies die Arbeitslosenkasse
syndicom
mit
Einspracheentscheid
vom 2
5.
Juni 2018 ab
(
Urk.
12/24
=
Urk.
2).
2.
Die
Versicherte
erhob am 2
4.
August 2018 Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
der
synd
icom
vom 2
5.
Juni 2018 (
Urk.
2)
und beantragte, dieser sei auf
zuheben und es seien ihr die gesetzlichen Taggelder ab dem Zeitpunkt der An
meldung Ende Februar 2018 bis auf weiteres auszurichte
n
basierend auf einem Vollzeitpensum mit einer Arbeits
fähigkeit von 50
%
. In prozessualer Hinsicht er
suchte sie um
Beizug der Akten der Invalidenversicherung
sowie um Bestellung von Rechtsanwältin
Fiona Carol
Forrer
zur unentgeltlichen
Rechtsbeiständin
(
Urk.
1 S. 2).
Die Arbeitslosenkasse
syndicom
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
Sep
tember 2018 die Abw
eisung der Beschwerde (
Urk.
11), was der Beschwerdeführe
rin am
9.
Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt unter anderem voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslos ist (
Art.
8
Abs.
1 lit. a
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
venzentschädigung; AVIG
). Als ganz arbeitslos gilt, wer in keinem Arbeitsver
hältnis steht und eine Vollzeitbeschäftigung sucht (
Art.
10
Abs.
1 AVIG). Als teil
weise arbeitslos gilt, wer eine Teilzeitbeschäftigung hat und eine Vollzeit- oder eine weitere Teilzeitbeschäftigung sucht (
Art.
10 Abs.
2
lit. b AVIG).
Zu den gesetzlichen Anspruchsvoraussetzungen gehört ferner, dass die versi
cherte Person einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (
Art.
8
Abs.
1 lit. b AVIG).
Arbeitsausfall heisst Ausfall an normaler Arbeitszeit
. Dieser ist nach der Rechtsprechung in der Regel aufgrund der im Beruf oder Erwerbszweig der ver
sicherte
n
Person allgemein üblichen Arbeitszeit zu ermitteln (Thomas Nussbau
mer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR],
3
. Auflage,
Basel 2015, S. 2310
Rz 151). Nach
Art.
11
Abs.
1 AVIG ist der Arbeitsausfall anrechenbar, wenn er einen Verdienstausfall zur Folge hat und mindestens zwei aufeinanderfolgende volle Arbeitstage dauert. Kumulativ erfor
derlich ist damit ein Verdienstausfall und ein Mindestarbeitsausfall (
Thomas
Nussbaumer, a.a.O.,
S. 2311
Rz 153). Als voller Arbeitstag gilt der fünfte Teil der wöchentlichen Arbeitszeit, die der Versicherte normalerweise während seines letzten Arbeitsverhältnisses geleistet hat (
Art.
4
Abs.
1
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung; AVIV
).
Der anrechenbare Arbeitsausfall erfüllt eine doppelte Funktion. Als allgemeine Anspruchsvoraussetzung bedeutet er ein gewisses Mindestmass an ausgefallenen Arbeitstagen. Zum anderen bildet er eine zentrale Bemessungsregel, weil sich der Entschädigungsanspruch in masslicher Hinsicht grundsätzlich nach dem anre
chenbaren Arbeitsausfall während einer Kontrollperiode richtet (
Thomas
Nuss
baumer, a.a.O.,
S. 2311
Rz
154).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Einspracheentscheid (
Urk.
2) damit, es liege kein anrechenbarer Arbeitsausfall vor. Die unterzeichnete Anmeldebestäti
gung zur Arbeitsvermittlung vom 2
2.
März 2018 bescheinige einen Vermittlungs
grad von 50
%
. Ebenfalls habe
die Beschwerdeführerin
mit der Einreichung des Antrages auf Arbeitslosenentschädigung bestätigt, dass sie höchstens im Ausmass von 50
%
in der Lage sei zu arbeiten. Da
sie
von ihrer Krankentaggeldversiche
rung Taggelder im Umfang von 50
%
erhalte, sei der Arbeits-/Verdienstausfall nicht anrechenbar (S. 1).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführer
in
in ihrer Beschwerde (
Urk.
1)
geltend, sie habe seit dem 1
4.
Juli 2014 bis ins Jahr 2017 zu 100
%
beim gleichen Arbeitgeber gearbeitet
,
als sie erkrankt und per 2
1.
Oktober 2017 gekündigt worden sei. Seit
her erhalte sie Krankentaggelder ausbezahlt. Seit dem
1.
März 2018 sei sie wieder zu 50
%
arbeitsfähig, weshalb sie sich per Ende Februar 2018 beim RAV ange
meldet habe. Sie erfülle die Rahmenfrist gemäss
Art.
13 AVIG
,
indem sie vor ihrer Krankheit vom 1
4.
Juli 2014 bis 3
1.
Oktober 2017
für die
Y._
gearbeitet habe und bis heute Krankentaggelder beziehe und daher von ihrer Beitragspflicht befreit sei. Der versicherte Verdienst richte sich ebenfalls nach dem letzten Arbeitsverhältnis
(S. 3
Ziff.
1-3)
.
2.3
Streitig
und zu prüfen
ist der Anspruch der Beschwerdeführerin
auf Arbeitslo
senentschädigung ab
1.
März 2018
.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete einen nichtanrechenbaren Arbeitsausfall der Beschwerdeführerin im Wesentlichen damit, dass
sie
in der Anmeld
e
bestätigung zur Arbeitsvermittlung
vom 2
2.
März 2018 (vgl.
Urk.
12
/61
) einen Vermittlungs
fähig
keitsgrad von 50
%
angegeben habe
, welches Pensum bereits durch die
Krankentaggelder abgedeckt sei
(vgl. vorstehend E. 2.1)
.
3
.
2
Diesen Ausführungen
der Beschwerdegegnerin
kann nicht gefolgt werden.
Der anrechenbare Arbeitsausfall bestimmt sich grundsätzlich im Verhältnis zum letz
ten Arbeitsverhältnis vor Eintritt der (Teil-) Arbeits
losigkeit. Es kommt darauf an, w
as die versicherte Person «an Verdienst einbringender Arbeitszeit verloren hat» und in welchem zeitlichen Umfang sie bereit, berechtigt und in der Lage ist, eine zumutbare Arbeit aufzunehmen.
Arbeitnehmende
, die nach dem Verlust ihrer Vollzeitbeschäftigung, aus welchen Gründen auch immer, lediglich noch teilzeit
lich erwerbstätig sein wollen oder können, erwerben bloss einen teilweisen Ar
beitsausfall (Thomas Nussbaumer, a.a.O., S. 2312 Rz 158).
Die Beschwerdegegnerin liess de
n
Umstand, dass die Beschwerdeführerin in ihrem letzt
en Arbeitsverhältnis bei der
Y._
als Laborantin vor Eintritt ihrer Krankheit ein Vollzeitpensum absolviert hat
(vgl.
Urk.
12/44
Ziff.
3 und
Ziff.
5-6
,
Urk.
12/57
Ziff.
7
)
,
vollständig ausser Acht
.
Aus dem Antrag
der Beschwerdeführerin
auf Arbeitslosenentschädigung geht klar hervor, dass
sie
in
der Lage ist
,
50
%
zu arbeiten und für die anderen 50
%
krank
geschrieben ist (vgl.
Urk.
12/51
Ziff.
3-4), was sie mit dem Arbeitsunfähigkeits
zeugnis von
Dr.
A._
m
it
vom
8.
Februar 2018
belegte
(vgl.
Urk.
12/58).
Dass sich
die Beschwerdeführerin
ab dem 2
8.
Februar 2018
zunächst
zu 50
%
zur Arbeitsvermittlung
zur Verfügung stellte
(vgl.
Urk.
12/61)
,
rührt
von
dem Umstand
her
, dass sie infolge ihrer Erkrankung lediglich ein solches Pensum absolvieren konnte
.
Zuvor war sie während mehreren Jahren vollzeitig erwerbs
tätig gewesen (
Urk.
12/44).
Es liegen insgesamt keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Beschwerdeführerin
unabhängig von ihrer Erkrankung nur
ein 50%-Pensum
hätte absolvieren wollen
,
für welches sie gleichzeitig krankgeschrieben
war.
Das Anspruchskriterium eines anrechenbaren Arbe
itsausfalles ist damit zu bejah
en.
3.3
Aufgrund des Gesagten
ist die gegen den Einspracheentscheid vom 2
5.
Juni 2018 (
Urk.
2)
erhobene Beschwerde
(
Urk.
1)
in dem Sinne gutzuheissen, als festgestellt wird, dass die Beschwerdeführerin
die Anspruchsvoraussetzung des
anrechenba
r
en
Arbeitsausfall
s erfüllt,
und die Sache ist
an die
Beschwerdegegnerin
zurück
zuweisen, damit sie die ü
brigen Anspruchsvoraussetzungen
prüfe und hernach über den Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf Arbeitslosenentschädigung ab
dem
1.
März 2018
neu befinde.
4.
4.1
Bei diese
m Ausgang des Verfahrens hat die
Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung.
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversi
cherungsgericht (GSVGer) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozes
ses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Ge
mäss § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der seit 1. Juli 2011 in Kraft stehenden Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialver
sich
erungsgericht (
GebV
SVGer
) wird
namentlich für unnötigen
Aufwand
kein Ersatz gewährt.
4.2
Der von Rechtsanwältin
Fiona
Carol
Forrer
mit Eingabe vom 2
.
Oktober 2018 (Urk. 14-15
) geltend gemachte
Aufwand
von 1
5
Stunden ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
nicht
angemessen
.
Namentlich erscheinen ein
Aufwand
von rund 6
St
unden für die Beschwerdeschrift, rund
5
Stunden für Aktenstudium
und ein Korrespondenz
aufwand
von rund 3
.
5
Stunden als überhöht.
Angesichts der zu studierenden Aktenstücke der Beschwer
degegnerin, der etwa
sechs
seitigen
Rechtsschrift, den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Ge
such um unentgeltliche Rechtsverbeiständung sowie der in ähnlichen Fällen zu
gesprochenen Beträge ist die
Prozessentschädigung
bei Anwendung des
für An
wälte
gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuz
üglich Mehrwert
steuer) auf Fr. 2‘000
.-- (inklusive Barauslagen un
d Mehrwertsteuer) festzusetzen
.
Das
Gesuch
der Beschwerdeführerin um
unentgeltlich
e Rechtsvertretung
(
Urk.
1 S. 2)
erweist sich damit als
gegenstandslos
.