Decision ID: 7dc7eff5-905d-518d-89f6-6bef29e76177
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin (geb. 1983) ist bosnisch-herzegowinische Staat-
angehörige. Am 23. März 2008 heiratete sie in ihrer Heimat den Schweizer
Bürger B._ (geb. 1983) und am 6. September 2008 zog sie zu ihm
in die Schweiz, wo sie zunächst eine Aufenthalts- und später die Nieder-
lassungsbewilligung erhielt (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1)
B.
Am 7. Januar 2014 ersuchte die Beschwerdeführerin um erleichterte Ein-
bürgerung nach Art. 27 des bis zum 31. Dezember 2017 in Kraft gestande-
nen Bürgerrechtsgesetzes vom 29. September 1952 (altes Bürgerrechts-
gesetz, aBüG, AS 1952 1087) (SEM-act. 1).
Nachdem sie bereits am 7. Januar 2014 eine solche Bestätigung abgege-
ben hatten, unterzeichneten die Ehegatten am 19. August 2014 zuhanden
des Einbürgerungsverfahrens erneut eine Erklärung, wonach sie in einer
tatsächlichen, ungetrennten, stabilen ehelichen Gemeinschaft an dersel-
ben Adresse zusammenlebten und weder Trennungs- noch Scheidungs-
absichten bestünden. Gleichzeitig nahmen sie unterschriftlich zur Kennt-
nis, dass die erleichterte Einbürgerung nicht möglich ist, wenn vor oder
während des Einbürgerungsverfahrens einer der Ehegatten die Trennung
oder Scheidung beantragt hat oder keine tatsächliche eheliche Gemein-
schaft mehr besteht, und dass die Verheimlichung solcher Umstände zur
Nichtigerklärung der Einbürgerung führen kann (SEM-act. 1).
Mit Verfügung der Vorinstanz vom 26. August 2014 wurde die Beschwer-
deführerin erleichtert eingebürgert. Mit dem Schweizer Bürgerrecht erwarb
sie die Bürgerrechte des Kantons und der Gemeinde Bern (SEM-act. 1).
C.
Am 28. November 2014 trennte sich die Beschwerdeführerin von ihrem
Ehemann und zog nach St. Gallen, später nach Winterthur. Kurz nach der
Trennung, am 15. Dezember 2014, ersuchte die Beschwerdeführerin das
Bezirksgericht Uster um Eheschutz. Dem Ersuchen wurde am 25. Februar
2015 entsprochen (SEM-act. 34). Am 12. Mai 2016 schliesslich reichten die
Ehegatten ein gemeinsames Scheidungsbegehren ein, und mit Urteil des
Bezirksgerichts Uster vom 12. August 2016, rechtskräftig seit 6. September
2016, wurde ihre kinderlos gebliebene Ehe geschieden (SEM-act. 31).
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D.
Die Vorinstanz wurde bereits am 20. Februar 2015 von der Gemeinde
G._ ZH, der damaligen Wohngemeinde der Ehegatten, von deren
Trennung und der Abmeldung der Beschwerdeführerin nach St. Gallen ori-
entiert (SEM-act. 2).
Nachdem die Vorinstanz bei der Gemeinde G._ ZH und der Stadt
St. Gallen weitere Auskünfte eingeholt hatte (SEM-act. 5, 8, 10), zeigte sie
der Beschwerdeführerin am 8. Januar 2016 die Eröffnung eines Verfahrens
auf Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung an, unterbreitete ihr ei-
nen Fragenkatalog zur Beantwortung und gab ihr Gelegenheit zur Stellung-
nahme (SEM-act. 9).
Der Aufforderung zur Beantwortung der Fragen und zur Stellungnahme
kam die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 10. Juni 2016 nach
(SEM-act. 18). Mit einer weiteren Eingabe vom 15. Juli 2016 beantwortete
sie eine Reihe von Ergänzungsfragen (SEM-act. 20). Der ebenfalls ange-
fragte Ex-Ehemann äusserte sich am 26. August 2016 (SEM-act. 23) und
28. September 2016 (SEM-act. 25). Auf eine Stellungnahme hierzu ver-
zichtete die Beschwerdeführerin am 26. Oktober 2016 (SEM-act. 27).
Im weiteren Verlauf des Verfahrens nahm die Vorinstanz mit Zustimmung
der Beschwerdeführerin (SEM-act. 29) Einsicht in die Akten des Ehe-
schutzverfahrens EE140163-I (SEM-act. 34) und des Scheidungsverfah-
rens FE160116-I (SEM-act. 31) vor dem Bezirksgericht Uster.
E.
Am 13. Juli 2017 erteilte der Zivilstands- und Bürgerrechtsdienst des Kan-
tons Bern seine Zustimmung zur Nichtigerklärung der erleichterten Einbür-
gerung der Beschwerdeführerin (SEM-act. 36).
F.
Mit Verfügung vom 31. Juli 2017 erklärte die Vorinstanz die erleichterte
Einbürgerung der Beschwerdeführerin für nichtig und stellte fest, die Nich-
tigkeit erstrecke sich auf alle Familienmitglieder, deren Schweizer Bürger-
recht auf der nichtig erklärten Einbürgerung beruhe (SEM-act. 39).
G.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 13. September 2017 gelangte die Beschwer-
deführerin über ihren Rechtsvertreter an das Bundesverwaltungsgericht
und beantragte die ersatzlose Aufhebung der vorgenannten Verfügung,
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Seite 4
eventualiter deren Aufhebung und die Rückweisung an die Vorinstanz zu
neuer Entscheidung (Akten des Rechtsmittelverfahrens [Rek-act.] 1).
H.
Mit Vernehmlassung vom 22. November 2017 schloss die Vorinstanz auf
Abweisung der Beschwerde (Rek-act. 6).
I.
Mit Replik vom 14. März 2018 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem
Rechtsmittel fest (Rek-act. 12).
J.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Mit dem am 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Bürgerrechtsgesetz vom
20. Juni 2014 (BüG, SR 141.0) wurde der gleichnamige Erlass vom
29. September 1952 aufgehoben (vgl. Art. 49 BüG i.V.m. Ziff. I seines An-
hangs). Gemäss der Übergangsbestimmung des Art. 50 Abs. 1 BüG richten
sich Erwerb und Verlust des Schweizer Bürgerrechts nach dem Recht, das
bei Eintritt des massgebenden Tatbestandes in Kraft steht. Das ist in der
vorliegenden Streitsache das bisherige Recht, weshalb diese nach dem
alten Bürgerrechtsgesetz zu beurteilen ist.
2.
2.1 Verfügungen des SEM über die Nichtigerklärung einer erleichterten
Einbürgerung unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsge-
richt (Art. 51 Abs. 1 aBüG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
2.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG, vgl. auch Art. 2 Abs. 4 VwVG).
2.3 Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert.
Auf seine frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(Art. 48 ff. VwVG).
F-5196/2017
Seite 5
3.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
4.
4.1 Gemäss Art. 27 Abs. 1 aBüG kann eine ausländische Person nach der
Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch um erleichterte
Einbürgerung stellen, wenn sie insgesamt fünf Jahre in der Schweiz ge-
wohnt hat, seit einem Jahr hier wohnt und seit drei Jahren in ehelicher Ge-
meinschaft mit einem Schweizer Bürger lebt. In allgemeiner, für alle For-
men der erleichterten Einbürgerung geltender Weise setzt Art. 26 Abs. 1
aBüG voraus, dass die ausländische Person in der Schweiz integriert ist
(Bst. a), die schweizerische Rechtsordnung beachtet (Bst. b) und die in-
nere oder äussere Sicherheit der Schweiz nicht gefährdet (Bst. c). Sämtli-
che Einbürgerungsvoraussetzungen müssen sowohl bei Einreichung des
Gesuchs als auch anlässlich der Einbürgerungsverfügung erfüllt sein. Fehlt
es im Zeitpunkt des Einbürgerungsentscheids an der ehelichen Gemein-
schaft, darf die erleichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen werden
(BGE 140 II 65 E. 2.1 m.H.).
4.2 Der Begriff der ehelichen Gemeinschaft bedeutet nach der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung mehr als das formelle Bestehen einer Ehe. Ver-
langt wird vielmehr eine tatsächliche Lebensgemeinschaft, die vom beid-
seitigen Willen der Ehepartner getragen wird, ihre Ehe auch künftig auf-
recht zu erhalten. Zweifel am Willen der Ehegatten, die eheliche Gemein-
schaft aufrecht zu erhalten, können sich dann ergeben, wenn kurze Zeit
nach der erleichterten Einbürgerung die Trennung erfolgt oder die Schei-
dung eingeleitet wird (BGE 135 II 161 E. 2 m.H.), ein Ehegatte während
der Ehe ein aussereheliches Kind zeugt (vgl. Urteil des BGer 1C_27/2011
vom 21. März 2011 E. 6.4.1) oder eine Zweitehe schliesst, der Prostitution
nachgeht oder sich in einer anderen Weise verhält, die in grobem Wider-
spruch steht zum traditionellen Bild der Ehe als einer ungeteilten, von
Treue und Beistand getragenen Geschlechtergemeinschaft zwischen
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Seite 6
Mann und Frau (vgl. Urteil des BVGer F-2182/2015 vom 18. Oktober 2016
E. 3.2 m.H.).
5.
5.1 Nach Art. 41 Abs. 1 aBüG kann die Einbürgerung vom Bundesamt mit
Zustimmung der Behörde des Heimatkantons nichtig erklärt werden, wenn
sie durch falsche Angaben oder Verheimlichung erheblicher Tatsachen er-
schlichen worden ist. Das blosse Fehlen der Einbürgerungsvoraussetzun-
gen genügt nicht. Die Nichtigerklärung der Einbürgerung setzt voraus, dass
diese „erschlichen“, das heisst mit einem unlauteren und täuschenden Ver-
halten erwirkt worden ist. Andererseits ist keine Arglist im Sinne des Straf-
rechts erforderlich. Es genügt, dass die gesuchstellende Person bewusst
falsche Angaben macht bzw. die Behörde bewusst in einem falschen Glau-
ben lässt und so den Vorwurf auf sich zieht, es unterlassen zu haben, über
eine erhebliche Tatsache zu informieren (vgl. BGE 140 II 65 E. 2.2 m.H.).
5.2 Weiss die betroffene Person, dass die Voraussetzungen für die erleich-
terte Einbürgerung auch im Zeitpunkt der Verfügung vorliegen müssen, so
muss sie die Behörde unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung
der Verhältnisse orientieren, von der sie weiss oder wissen muss, dass sie
einer Einbürgerung entgegensteht. Die Pflicht dazu ergibt sich aus dem
Grundsatz von Treu und Glauben nach Art. 5 Abs. 3 BV und aus der ver-
fahrensrechtlichen Mitwirkungspflicht nach Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG. Die
Behörde ihrerseits darf sich darauf verlassen, dass die vormals erteilten
Auskünfte bei passivem Verhalten der gesuchstellenden Person nach wie
vor der Wirklichkeit entsprechen (vgl. BGE 140 II 65 E. 2.2 m.H.).
5.3 Die Täuschungshandlung der gesuchstellenden Person muss sich auf
einen erheblichen Sachverhalt beziehen. Erheblich im Sinne von Art. 41
Abs. 1 aBüG ist ein Sachverhalt nicht nur, wenn seine pflichtgemässe Of-
fenlegung dazu geführt hätte, dass die mit der Einbürgerung befasste Be-
hörde das Vorliegen einer Einbürgerungsvoraussetzung verneint und die
Einbürgerung verweigert hätte. Es genügt, wenn der Sachverhalt, wäre er
der Behörde bekannt gewesen, begründete Zweifel am Vorliegen einer sol-
chen Voraussetzung geweckt und die Einbürgerung ernsthaft in Frage ge-
stellt hätte bzw. eine solche nicht ohne weitere Beweismassnahmen hätte
verfügt werden können (vgl. Urteil des BVGer F-2375/2016 vom 29. März
2018 E. 5.3 m.H.).
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Seite 7
5.4 Die Möglichkeit der Nichtigerklärung geht durch Zeitablauf unter.
Art. 41 Abs. 1bis aBüG statuiert hierfür seit dem 1. März 2011 eine differen-
zierte Fristenregelung, die im Übrigen vom neuen Recht übernommen
wurde (vgl. Art. 36 Abs. 2 BüG). Demnach kann die Einbürgerung innert
zwei Jahren, nachdem das SEM vom rechtserheblichen Sachverhalt
Kenntnis erhalten hat, spätestens aber innert acht Jahren nach dem Er-
werb des Schweizer Bürgerrechts, nichtig erklärt werden. Nach jeder Un-
tersuchungshandlung, die der eingebürgerten Person mitgeteilt wird, be-
ginnt eine neue zweijährige Verjährungsfrist zu laufen. Während eines Be-
schwerdeverfahrens stehen die Fristen still (vgl. Urteil des BVGer
F-2182/2015 vom 18. Oktober 2016 E. 5).
6.
6.1 Das Verfahren auf Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung
richtet sich nach dem VwVG (vgl. Art. 1 Abs. 1 und 2 Bst. a VwVG). Es gilt
namentlich der Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG). Die Behörde hat
daher von Amtes wegen zu untersuchen, ob der betroffenen Person die
Täuschung über eine Einbürgerungsvoraussetzung vorgeworfen werden
kann, wozu insbesondere die Existenz eines beidseitig intakten und geleb-
ten Ehewillens gehört. Da die Nichtigerklärung in die Rechte der betroffe-
nen Person eingreift, liegt die Beweislast bei der Behörde. Allerdings geht
es in der Regel um innere, dem Kern der Privatsphäre zugehörige Sach-
verhalte, die der Behörde nicht bekannt und einem direkten Beweis natur-
gemäss kaum zugänglich sind. Sie können regelmässig nur indirekt durch
Indizien erschlossen werden. Die Behörde kann sich darüber hinaus auch
veranlasst sehen, von bekannten Tatsachen (Vermutungsbasis) auf unbe-
kannte (Vermutungsfolge) zu schliessen. Solche sogenannten natürlichen
bzw. tatsächlichen Vermutungen stellen eine besondere Form des Indizi-
enbeweises dar und können sich in allen Bereichen der Rechtsanwendung
ergeben, namentlich auch im öffentlichen Recht. Dabei handelt es sich um
Wahrscheinlichkeitsfolgerungen, die aufgrund der Lebenserfahrung gezo-
gen werden. Die betroffene Person ist bei der Sachverhaltsabklärung mit-
wirkungspflichtig (vgl. BGE 140 II 65 E. 2.2, BGE 135 II 161 E. 3 je m.H.).
6.2 Die natürliche Vermutung gehört zur freien Beweiswürdigung (Art. 19
VwVG i.V.m. Art. 40 BZP [SR 273]). Sie stellt eine Beweiserleichterung dar,
indem eine bereits vorhandene, aber nicht mit letzter Schlüssigkeit mögli-
che Beweisführung unterstützt wird. Eine Umkehr der Beweislast hat sie
nicht zur Folge. Wenn daher bestimmte Tatsachen – bspw. die Chronologie
der Ereignisse – die natürliche Vermutung begründen, dass die erleichterte
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Seite 8
Einbürgerung erschlichen wurde, muss die betroffene Person nicht den Be-
weis für das Gegenteil erbringen. Sie bringt die natürliche Vermutung be-
reits mit dem Gegenbeweis zu Fall (HANS PETER WALTER, Berner Kommen-
tar, 2012, N. 476 zu Art. 8 ZGB). Hierfür genügt es, dass die betroffene
Person einen Grund anführt, der es dem Gericht plausibel erscheinen lässt,
dass sie die Behörde nicht getäuscht hat. Bei diesem Grund kann es sich
um ein ausserordentliches, nach der erleichterten Einbürgerung eingetre-
tenes Ereignis handeln, das zum raschen Scheitern einer vormals intakten
Ehe führte, oder die betroffene Person kann plausibel darlegen, dass sie
die Ernsthaftigkeit der ehelichen Probleme nicht erkannte und den wirkli-
chen Willen hatte, mit dem Schweizer Ehepartner auch weiterhin in einer
stabilen ehelichen Gemeinschaft zu leben (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 m.H.;
Urteil des BVGer C-333/2012 vom 21. August 2014 E. 4.2).
7.
Vorliegend sind die Fristen von Art. 41 Abs. 1bis aBüG – sowohl die zwei-
jährige relative als auch die achtjährige absolute Verjährungsfrist – einge-
halten. Auch die von Art. 41 Abs. 1 aBüG verlangte Zustimmung des zu-
ständigen Heimatkantons liegt vor. Die formellen Voraussetzungen für die
Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung sind somit erfüllt.
8.
8.1 Zwischen der gemeinsamen Erklärung zum Zustand der ehelichen Ge-
meinschaft vom 19. August 2014 und der erleichterten Einbürgerung vom
26. August 2014 einerseits sowie der am 28. November 2014 erfolgten
Trennung der Ehegatten als äusserem Ausdruck des Scheiterns ihrer Ehe
andererseits vergingen gerade mal drei Monate. Etwas mehr als zwei Wo-
chen später, am 15. Dezember 2014, reichte die Beschwerdeführerin eine
Eheschutzklage ein, und 20 Monate später, am 12. August 2016, erging
das Scheidungsurteil des Bezirksgerichts Uster.
8.2 Die kurze Zeitspanne zwischen der Einbürgerung der Beschwerdefüh-
rerin und der Trennung der Ehegatten von gerade drei Monaten begründet
ohne weiteres die natürliche Vermutung, dass die Ehe zum Einbürgerungs-
zeitpunkt nicht intakt war (vgl. dazu statt vieler Urteil BGer 1C_220/2019
vom 30. Oktober 2019 E. 4.2 m.H.) und die Einbürgerungsbehörde über
diesen Umstand getäuscht wurde. Denn einerseits stellte das Scheitern ei-
ner intakten und auf die Zukunft ausgerichteten Ehe einen Prozess dar, der
– besondere Umstände vorbehalten – regelmässig wesentlich längere Zeit
in Anspruch nimmt, und andererseits kann davon ausgegangen werden,
dass den Ehegatten der Zustand ihrer Ehe in aller Regel bewusst ist. Die
http://links.weblaw.ch/BGE-135-II-161
F-5196/2017
Seite 9
Beschwerdeführerin irrt deshalb, wenn sie im Rahmen des Rechtsmittel-
verfahrens davon auszugehen scheint, die Beantwortung der Frage, ob die
Behörde von ihr getäuscht wurde, dürfe im Gegensatz zum Zustand der
Ehe nicht auf der natürlichen Vermutung beruhen, sondern die beweisbe-
lastete Behörde müsse in diesem Punkt den Vollbeweis erbringen.
8.3 Nach dem weiter oben Gesagten ist es an der Beschwerdeführerin, die
natürliche Vermutung zu erschüttern, indem sie ein ausserordentliches,
nach der erleichterten Einbürgerung eingetretenes Ereignis aufzeigt, das
den nachfolgenden raschen Zerfall einer zuvor intakten ehelichen Bezie-
hung plausibel erklärt oder, falls die Ehe zum Zeitpunkt der erleichterten
Einbürgerung nicht mehr intakt war, glaubwürdig darlegt, dass sie zum Zeit-
punkt der erleichterten Einbürgerung in guten Treuen von einer intakten
Ehe ausging und deshalb die Behörden weder aktiv noch passiv täuschte.
Die von der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung verwendete und
von der Beschwerdeführerin kritisierte Begrifflichkeit – wonach es ihr ob-
liege, den Gegenbeweis durch erhebliche Zweifel an der Vermutung zu
führen, bzw. überzeugende, nachvollziehbare Gründe für einen anderen
Ablauf der Ereignisse vorzutragen – ist wörtlich einer bundesgerichtlichen
Rechtsprechungslinie entnommen (BGE 130 II 482 E. 3.2; ferner Urteil
BGer 1C_236/2008 vom 27. August 2008 E. 2.1; vgl. auch Urteil BGer
2C_400/2015 vom 31. Mai 2016 E. 5.1), ohne dass damit etwas Anderes
zum Ausdruck gebracht worden wäre.
9.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin äusserte sich in seiner Stel-
lungnahme vom 10. Juni 2016 (SEM-act. 18/62) wie folgt zur Sache:
9.1 Die Beschwerdeführerin und ihr Ex-Ehemann hätten sich im Jahr 2000
in Bosnien und Herzegowina kennen gelernt und seit 2006 eine feste Be-
ziehung gehabt. Nach der Heirat und der Wohnsitznahme in der Schweiz
im Jahr 2008 habe sich das Eheleben schwieriger als erwartet gestaltet:
Der Ex-Ehemann sei in seinem Beruf als Vermögensberater wegen der Fi-
nanzkrise und einer intensiven Weiterbildung unter starkem Erfolgsdruck
gestanden. Die Beschwerdeführerin ihrerseits habe grössere Schwierigkei-
ten bei der ihr besonders wichtigen beruflichen Integration gehabt, als sie
aufgrund ihrer guten Ausbildung erwartet habe. Nach ihrem Studienab-
schluss in Betriebswirtschaft im Februar 2008 habe sie darauf gedrängt,
möglichst bald berufstätig zu werden. Aus sprachlichen Gründen habe sie
jedoch keine Arbeitsstelle finden können. Erst im Februar 2012 habe sie
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Seite 10
die Gelegenheit erhalten, bei der Firma E._ in H._ ein Prak-
tikum zu absolvieren, das in der Folge zu einer Festanstellung geführt
habe. Hierzu seien Schicksalsschläge getreten, die sie vor diesem Hinter-
grund besonders hart getroffen hätten. Im November 2010 sei ihr geliebter
Vater gestorben und im April 2013 ihre Tante, bei der sie in Bosnien und
Herzegowina vom 9. bis 24. Altersjahr gelebt habe. Nach bestandener Auf-
nahmeprüfung habe die Beschwerdeführerin ab September 2013 an der
Fachhochschule F._ studiert, um ein Schweizer Diplom zu erwer-
ben. Nach einem Semester sei ihr das Studium jedoch zu viel geworden,
weshalb sie es abgebrochen habe.
Beeinflusst durch zahlreiche persönliche und gesellschaftliche Schwierig-
keiten und Schicksalsschläge sei die Ehe der Beschwerdeführerin von Hö-
hen und Tiefen geprägt gewesen. Die Ehegatten hätten viele schwere Zei-
ten erlebt, aber durchaus auch bessere, so zum Zeitpunkt der gemeinsa-
men Erklärung vom August 2014 zum Zustand der Ehe. Kurz zuvor, im Juli
2014, hätten die Ehegatten – wie schon bei früheren Gelegenheiten –
schöne gemeinsame Ferien verbracht, und ihre Beziehung habe sich in
einem Hoch befunden. Die gemeinsame Erklärung, wonach sie in einer
intakten und stabilen Beziehung lebten, und sie keine Trennungs- oder
Scheidungsabsichten hegten, habe daher der Wahrheit entsprochen. Die
Beschwerdeführerin habe demnach die erleichterte Einbürgerung nicht er-
schlichen. Im Übrigen habe sie während der gesamten Dauer der eheli-
chen Gemeinschaft intensiv und ausdauernd an einer positiven Entwick-
lung der Beziehung gearbeitet. Ab Anfang 2011 habe sich der Ex-Ehemann
daran leider nicht mehr beteiligt, weil er – so seine Begründung – dafür
keine Zeit habe.
Nach der erleichterten Einbürgerung habe sich das Verhalten des Ex-Ehe-
mannes geändert und die Beschwerdeführerin damit zur Trennung ge-
drängt: Er habe ein «verstärktes» Drängen auf Nähe mit Anschreien, Bet-
teln und Kontrollieren des Aufenthaltsortes der Beschwerdeführerin ge-
zeigt. «Aufgrund seiner persönlichen Geschichte» habe die verbesserte
soziale Situation der Beschwerdeführerin seine starken Verlustängste ak-
tiviert, und er habe gerade nach der Einbürgerung «wieder mehr» Zwang
in der Beziehung ausgeübt, was die Beschwerdeführerin sehr verängstigt
und bei ihr Panikattacken ausgelöst habe. Zusätzlich habe das Drängen
des Ex-Ehemannes, sie solle ihre therapeutische Beziehung zu Frau
Dr. med. C._ abbrechen, bei ihr Angst ausgelöst. Denn sie habe die
psychotherapeutische Hilfe während fünf Jahren gerne und regelmässig in
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Seite 11
Anspruch genommen, um mit zahlreichen Belastungen besser zurechtzu-
kommen. Es sei zu vermuten, dass die verstärken Verlustängste des Ex-
Ehemannes auf ihre zunehmende Eigenständigkeit und Selbstsicherheit
zurückzuführen gewesen seien. Sie habe unter diesen Umständen zur Sta-
bilisierung ihrer persönlichen Situation und zur Rettung der Ehe keine an-
dere Möglichkeit gesehen, als sich durch Auszug aus der ehelichen Woh-
nung räumlich von ihrem Ex-Ehemann zu trennen. Für die Beschwerdefüh-
rerin sei das Verhalten ihres Ex-Ehemannes nicht ohne weiteres nachvoll-
ziehbar. Sie könne allerdings nicht ausschliessen, dass sein Verhalten
auch mit psychischen und/oder psychiatrischen Problemen zu erklären sei.
9.2 Als Beweis reichte der Rechtsvertreter den Bericht der langjährigen
Psychotherapeutin der Beschwerdeführerin, Dr. med. C._, Fach-
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 8. Juni 2016 zu den
Akten (SEM-act. 18/67). In diesem Bericht, dessen praktisch wörtlich über-
nommener Inhalt den zentralen Teil der Stellungnahme vom 10. Juni 2016
ausmacht, äussert sich die Psychotherapeutin aus ärztlicher Sicht zur Per-
son der Beschwerdeführerin und ihren Beweggründen, den Ex-Ehemann
drei Monate nach der Einbürgerung zu verlassen.
Dem Bericht kann zusätzlich entnommen werden, dass die Beschwerde-
führerin am 3. Juli 2009 gemeinsamen mit ihrem Ex-Ehemann wegen Ehe-
schwierigkeiten erstmals die Psychotherapeutin aufgesucht habe. Ansons-
ten nennt der Bericht die äusseren Belastungsfaktoren der Ehe (starker
Erfolgsdruck beim Ex-Ehemann, schwierige berufliche Integration der Be-
schwerdeführerin), erwähnt die Schicksalsschläge (Tod des Vaters und der
Tante der Beschwerdeführerin), äussert sich zu den gelungenen gemein-
samen Ferien im Juli 2014 und beschreibt mit denselben Ausdrücken das
Verhalten des Ex-Ehemannes nach der erleichterten Einbürgerung der Be-
schwerdeführerin, namentlich, dass er «verstärktes» Drängen auf Nähe mit
Anschreien, Betteln und Kontrollieren des Aufenthaltsorts der Beschwer-
deführerin gezeigt habe, dass die verbesserte soziale Position der Be-
schwerdeführerin aufgrund seiner «persönlichen Geschichte» beim Ex-
Ehemann starke Verlustängste aktiviert und er «wieder mehr» Zwang in
der Beziehung ausgeübt habe, ferner dass er darauf gedrängt habe, die
Beschwerdeführer solle die therapeutische Beziehung abbrechen.
Der Bericht bestätigt des Weiteren, im Rückblick habe die Beschwerdefüh-
rerin intensiv und ausdauernd an einer positiven Entwicklung der Bezie-
hung gearbeitet, während sich der Ex-Ehemann bereits ab Januar 2011
nicht mehr an dieser Arbeit beteiligt habe, vorgeblich weil er dafür keine
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Seite 12
Zeit gehabt habe, und schliesst, dass das Paar aus persönlichen und ge-
sellschaftlichen Gründen viele schwere Zeiten, aber durchaus auch bes-
sere Zeiten erlebt habe, so z.B. zum Zeitpunkt der Bestätigung vom August
2014, als es annahm, man lebe in einer «stabilen ehelichen Gemein-
schaft». Die Bedingungen, dass die Ehe «tatsächlich und ungetrennt» ge-
wesen sei und das Paar an derselben Adresse lebte, seien stets erfüllt ge-
wesen. Trennungsabsichten seien zwar in früheren Jahren, wie bei vielen
anderen Ehepaaren auch, zeitweise vorhanden gewesen, jedoch nicht
zum Zeitpunkt der Bestätigung.
9.3 Als weitere Beilage reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
eine Stellungnahme des geschiedenen Ex-Ehemannes vom 13. April 2016
ein (SEM-act. 18/69). Darin bestätigt Letzterer ohne irgendwelche Erläute-
rungen, dass die gemeinsame Erklärung zum Zustand der ehelichen Ge-
meinschaft vom 19. August 2014 den Tatsachen entsprochen habe, und
der Grund für die spätere Trennung Ende November 2014 in einer sich
zuspitzenden Ehekrise gelegen habe, die ihren Anfang erst nach der er-
leichterten Einbürgerung der Beschwerdeführerin genommen habe.
10.
In einer weiteren Eingabe vom 15. Juli 2016 (SEM-act. 20/82) beantwortete
der Rechtsvertreter die Ergänzungsfragen der Vorinstanz wie folgt:
10.1 Auf die Frage, wie der Ausdruck «aufgrund seiner persönlichen Ge-
schichte» im Zusammenhang mit dem Ex-Ehemann zu verstehen sei, ant-
wortete er, diese Formulierung sei wörtlich aus dem Bericht der Psycho-
therapeutin vom 8. Juni 2016 übernommen. Für die Beschwerdeführerin
sei das veränderte Verhalten Ihres Ex-Ehemannes nach ihrer Einbürge-
rung nur bedingt nachvollziehbar und erklärbar. Sie könne darüber nur mut-
massen. Sie gehe davon aus, dass die Verhaltensänderung ihres Ex-Ehe-
mannes nach der Einbürgerung in seiner persönlichen Geschichte und sei-
ner Persönlichkeitsstruktur begründet sei, ohne diese Vermutung konkreti-
sieren zu können. Sie verfüge lediglich über entsprechende Hinweise auf-
grund von Gesprächen mit ihren Schwiegereltern. Als sie sich im Zuge ei-
ner Beziehungskrise an ihre Schwiegereltern gewandt habe, hätten diese
ihr bzw. ihrem Sohn geraten, sich in ärztliche Behandlung zu begeben.
Diese erstaunliche Reaktion ihrer Schwiegereltern komme der Beschwer-
deführerin in den Sinn, wenn sie gehalten sei, das nicht ohne weiteres
nachvollziehbare Verhalten Ihres Ex-Ehemannes zu erklären.
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Seite 13
10.2 Auf eine weitere entsprechende Frage gab der Rechtsvertreter zur
Auskunft, die Ehegatten hätten im Jahr 2007 einmal und seither mehrmals
jährlich gemeinsame Ferien gebracht. Im Jahr 2014, dem Jahr der Einbür-
gerung und Trennung, seien sie zusammen in Wien (3. bis 6. April 2014),
auf Mallorca (3. bis 6. Juli 2014) und im Tirol (9. bis 13. Juli 2014) gewesen.
Für die Ferienaufenthalte im Jahr 2014 wurden verschiedene Beweismittel
ins Recht gelegt (Fotodokumentation, Kreditkartenabrechnung des Ex-
Ehemannes, Reiseplan für den Aufenthalt auf Mallorca).
10.3 Darauf angesprochen, warum die Beschwerdeführerin nach Auffas-
sung des Ex-Ehemannes die therapeutische Hilfe beenden sollte, antwor-
tete der Rechtsvertreter, auch darüber könne die Beschwerdeführerin letzt-
lich nur mutmassen. Sie gehe davon aus, dass er in ihrer Therapie einen
stabilisierenden, persönlichkeitsstärkenden Faktor erblickt habe. Die zu-
nehmende soziale und wirtschaftliche Selbstständigkeit der Beschwerde-
führerin sei aus seiner Sicht durch die Therapie zusätzlich gefördert wor-
den. Die Zunahme der Selbstständigkeit habe zu einer Abnahme der Ab-
hängigkeit geführt. Diese Dynamik habe wohl bei ihrem Ex-Ehemann Ei-
fersuchtsgefühle und Verlustängste ausgelöst. Gegenüber der Beschwer-
deführerin habe sich der Ex-Ehemann dahingehend geäussert, dass die
Therapie nichts nütze.
10.4 Die Frage, warum der Ex-Ehemann anfangs 2011 keine Zeit mehr für
die gemeinsame Arbeit an der Ehe gehabt habe, obwohl die Therapie zur
Überwindung der ehelichen Schwierigkeiten eingeleitet worden sei, und
welche Ersatzmassnahmen er anerboten habe, beantwortete der Rechts-
vertreter mit der Mehrbelastung des Ex-Ehemannes als Folge der Finanz-
krise. Die Mitarbeitenden seien unter Druck gestanden, mit grösserem Ar-
beitseinsatz rückläufige Umsatzzahlen zu kompensieren. Zudem seien bei
den Finanzinstituten viele Stellen gestrichen worden, was bei den Mitarbei-
tenden Ängste vor einem Verlust der Arbeitsstelle ausgelöst habe. Der Ex-
Ehemann habe der Beschwerdeführerin sodann keine Ersatzmassnahmen
angeboten, und es seien auch keine realisiert worden. Der Rechtsvertreter
stellte bei gleicher Gelegenheit klar, dass die Therapie bei Frau
Dr. C._ keine gemeinsame Ehetherapie gewesen sei. Es habe le-
diglich zu Beginn einige gemeinsame Therapiesitzungen gegeben. In der
Folge habe die Beschwerdeführerin Frau Dr. C._ im Rahmen einer
Einzeltherapie aufgesucht. Gegenstand der Therapie seien auch – aber bei
weitem nicht nur – Eheprobleme gewesen.
F-5196/2017
Seite 14
10.5 Zu weiteren Belastungen, die es neben den bereits erwähnten Prob-
lemen auch noch gegeben habe, führte der Rechtsvertreter aus, der Ex-
Ehemann der Beschwerdeführerin sei, wie bereits erwähnt, im Zug der Fi-
nanzkrise 2008/2009 unter grossem Arbeitsstress gestanden. Zusätzlich
habe er neben der 100%-Stelle als Bankangestellter eine Ausbildung mit
Abendkursen ausserhalb der Arbeitszeiten absolviert.
10.6 Der Rechtsvertreter bestätigte sodann ausdrücklich die Interpretation
der Vorinstanz, wonach es in der Zeit zwischen der erleichterten Einbürge-
rung und dem Auszug der Beschwerdeführerin aus dem ehelichen Haus-
halt zu keinem plötzlichen, unerwarteten Ereignis gekommen sei. Vielmehr
sei nach der erleichterten Einbürgerung ein Prozess in Gang gesetzt wor-
den, der eine Erosion des gegenseitigen Vertrauens und schliesslich die
Trennung zur Folge gehabt habe.
10.7 Die Beschwerdeführerin wurde unter Hinweis auf ihre Mutmassung,
wonach das Verhalten des Ex-Ehemannes nach der erleichterten Einbür-
gerung mit psychischen und/oder psychiatrischen Problemen zu erklären
sein könnte, gefragt, wann sie solche Probleme beim Ex-Ehemann erst-
mals festgestellt habe und wie sie sich diese geäussert hätten. Der Rechts-
vertreter führte dazu aus, die Beschwerdeführerin könne bis heute nicht mit
Sicherheit beurteilen, ob ihr Ex-Ehemann an einer psychischen und/oder
psychiatrischen Störung leide. Sie könne sich aber den Umstand, dass ihr
Ex-Ehemann mit grossem Nachdruck von ihr verlangte, die jahrelange Psy-
chotherapie zu beenden, nicht anders erklären. Nach dem Tod ihrer Tante,
die für sie wie eine Mutter gewesen sei, habe die Beschwerdeführerin oft
geweint. Ihr Ex-Ehemann habe von ihr in jener Zeit jeweils verlangt, nicht
mehr zu weinen, da er keine Tränen sehen könne. Auch darüber sei die
Beschwerdeführerin sehr erstaunt gewesen. Sie könne sich diese Haltung
ihres Ex-Ehemannes nicht erklären. Schliesslich hätten ihre Schwiegerel-
tern empfohlen, dass ihr Sohn wegen den Eheproblemen einen Arzt aufsu-
chen solle. Auch dieser Umstand deute darauf hin, dass ihr Ex-Ehemann
psychische Probleme haben könnte.
11.
Der Ex-Ehemann der Beschwerdeführerin wurde von der Vorinstanz zwei
Mal angeschrieben und um Beantwortung diverser Fragen zu der geschie-
denen Ehe gebeten.
In seinen Antwortschreiben vom 26. August 2016 (SEM-act. 23/123) und
28. September 2016 (SEM-act. 25/125) bestätigte er, dass zum Zeitpunkt
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Seite 15
der gemeinsamen Erklärung zum Zustand der ehelichen Gemeinschaft
eine tatsächliche und stabile eheliche Gemeinschaft bestanden habe. Er
verwahrte sich in aller Form gegen den Vorwurf, im Verfahren auf erleich-
terte Einbürgerung der Beschwerdeführerin falsche Angaben gemacht o-
der erhebliche Tatsachen verheimlicht zuhaben, und stellte fest, dass die
Beschwerdeführerin bzw. ihr Rechtsvertreter die ihnen gestellten Fragen
wahrheitsgemäss beantwortet hätten. Er habe dem nichts beizufügen.
Dazu sei er auch nicht bereit. Für ihn sei die Sache abgeschlossen, und er
wolle sich damit nicht mehr auseinandersetzen. Seiner Auffassung nach
sei das Verfahren auf Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung der
Beschwerdeführerin sinnlos und einzustellen.
12.
Den von der Vorinstanz beigezogenen Eheschutz- und Scheidungsakten
des Bezirksgerichts Uster (SEM-act. 31/139 ff. und 34/152 ff.) ist folgendes
zu entnehmen:
12.1 Am 15. Dezember 2014 gelangte die damalige Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin mit einem Eheschutzbegehren an das Gericht und bat
darum, dem Ex-Ehemann die Wohnadresse der Beschwerdeführerin nicht
bekannt zu geben. Diese habe nach wiederholten gewaltsamen Übergrif-
fen des Ex-Ehemannes die eheliche Wohnung verlassen. Da sie seit ihrem
Auszug mit unzähligen Telefonanrufen sowie Nachrichten bedrängt werde,
befürchte sie, dass er bei Bekanntwerden der Wohnadresse sie auch per-
sönlich an ihrem Wohnort aufsuchen und bedrängen könnte.
In ihren Plädoyer-Notizen zuhanden der Hauptverhandlung vom 12. Feb-
ruar 2015 führte die Rechtsvertreterin aus, die Beschwerdeführerin habe
am 29. November 2014 die eheliche Wohnung verlassen, nachdem sich
der Ex-Ehemann bei Differenzen wiederholt nicht habe beherrschen kön-
nen und ihr gegenüber tätlich geworden sei. Das Zusammenleben mit ihm
habe ihre physische und psychische Integrität tangiert. Des Weiteren habe
die Beschwerdeführerin das im Herbst 2013 angefangene Masterstudium
im Bereich Betriebsökonomie wegen der zunehmend unerträglichen eheli-
chen Situation nach einem Semester nicht mehr fortsetzen können und
sich im Februar 2014 wieder exmatrikulieren lassen.
12.2 Im Gesuch vom 12. Mai 2016 um Scheidung auf gemeinsames Be-
gehren mit umfassender Einigung führte die Rechtsvertreterin aus, dass
die Beschwerdeführerin einer Weitergabe ihrer Wohnadresse an den Ex-
F-5196/2017
Seite 16
Ehemann angesichts der mit ihm gemachten Erfahrungen nach wie vor ab-
lehnend gegenüberstehe. Dementsprechend hielt das Gericht in einer Ak-
tennotiz fest, es dürfe keine Weitergabe der Wohnadresse der Beschwer-
deführerin an den Ex-Ehemann erfolgen.
13.
Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung fest, der Beschwerde-
führerin sei es nicht gelungen, die gegen sie sprechende natürliche Vermu-
tung zu erschüttern. Es sei davon auszugehen, dass sie bereits im Einbür-
gerungszeitpunkt nicht mehr in einer stabilen ehelichen Beziehung gelebt
und ihre Einbürgerung durch falsche Angaben und Verheimlichung erheb-
licher Tatsachen im Sinne von Art. 41 Abs. 1 aBüG erschlichen habe. Die
Voraussetzungen für eine Nichtigerklärung seien daher erfüllt.
So habe die Beschwerdeführerin ausdrücklich erklärt, zwischen der er-
leichterten Einbürgerung und der Trennung sei es zu keinem plötzlichen,
unerwarteten Ereignis gekommen. Nach der Einbürgerung sei vielmehr ein
Prozess in Gang gesetzt worden, der zur Erosion des gegenseitigen Ver-
trauens geführt und schliesslich die Trennung der Ehegatten zur Folge ge-
habt habe. Diese Darstellung sei jedoch mit Blick auf die sehr kurze Zeit-
spanne zwischen der erleichterten Einbürgerung und der Trennung der
Ehegatten wenig nachvollziehbar. Es müsse im Gegenteil davon ausge-
gangen werden, dass der zur Trennung führende Prozess im Herbst 2014
nicht begonnen, sondern seinen Abschluss gefunden habe.
Die Vorinstanz erwähnt in diesem Zusammenhang das Eingeständnis der
Beschwerdeführerin, dass sich das Eheleben in der Schweiz schwieriger
gestaltet habe, als gedacht, und dass die Ehegatten im Jahr 2009 wegen
Schwierigkeiten eine Eheberatung in Anspruch genommen hätten, wobei
der Ex-Ehemann seit 2011 nicht mehr an dieser Arbeit teilgenommen habe.
Es sei jedoch wenig glaubhaft, dass sich das problematische, von der Be-
schwerdeführerin vermutungsweise auf zunehmende Verlustängste zu-
rückgeführte und mit dessen persönlicher Geschichte und Persönlichkeits-
struktur begründe Verhalten – wie behauptet – erst nach der erleichterten
Einbürgerung offenbart habe. Es werde sich spätestens mit der Einleitung
des Einbürgerungsverfahrens angebahnt haben.
Die Vorinstanz weist darauf hin, dass im Eheschutzbegehren vom 15. De-
zember 2014 der Wegzug der Beschwerdeführerin aus der ehelichen Woh-
nung mit wiederholten gewaltsamen Übergriffen des Ex-Ehemannes be-
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gründet wurde. Hätte es sich um eine neue Seite des Ex-Ehemannes ge-
handelt, hätte die Beschwerdeführerin im Verfahren auf Nichtigerklärung
der erleichterten Einbürgerung nicht ausgesagt, dass es nach ihrer Einbür-
gerung zu keinem plötzlichen unerwarteten Ereignis gekommen sei. Im
späteren Scheidungsbegehren sei vermerkt worden, dass aufgrund der in
der Vergangenheit gemachten Erfahrungen die Beschwerdeführerin ihre
Wohnadresse nicht ihrem Ex-Ehemann bekannt geben wolle. Die Ehegat-
ten hätten zwar im Sommer 2014 noch gemeinsame Ferien verbracht. Dort
hätte aber auch die Eheauflösung nach der Einbürgerung verabredet wor-
den sein können. Dafür spreche die sehr rasche Auflösung des ehelichen
Haushalts.
14.
Der Rechtsvertreter besteht in seiner Rechtsmittelschrift darauf, dass die
Beschwerdeführerin die erleichterte Einbürgerung nicht mit einem unlaute-
ren und täuschenden Verhalten erschlichen habe. Sie habe bei der Unter-
zeichnung der Erklärung am 19. August 2014 weder gelogen noch wesent-
liche Tatsachen verschwiegen. Vielmehr habe sie plausibel erklären kön-
nen, dass die Gründe, die relativ kurze Zeit nach der erleichterten Einbür-
gerung zur Trennung geführt hätten, erst nach Unterzeichnung der Erklä-
rung betreffend eheliche Gemeinschaft am 19. August 2014 und der am
26. August 2014 erfolgten erleichterten Einbürgerung eingetreten seien.
In diesem Zusammenhang wird auf die gemeinsamen Ferien der Ehegat-
ten kurz nach der Unterzeichnung der Erklärung verwiesen, ferner auf den
Bericht der langjährigen Psychotherapeutin der Beschwerdeführerin vom
8. Juni 2016, der sich zu den Ferienaufenthalten und der Qualität der ehe-
lichen Gemeinschaft im Zeitpunkt der Unterzeichnung der gemeinsamen
Erklärung äussere. Die Annahme, die gemeinsamen Ferien im Juli 2014
hätten den Ehegatten dazu gedient, die Eheauflösung nach der Einbürge-
rung zu verabreden, sei haltlos und finde in den Akten keine Stütze. Viel-
mehr liessen es die Umstände als plausibel erscheinen, dass die Be-
schwerdeführerin nicht gelogen habe, als sie am 19. August 2014 erklärt
habe, mit ihrem Ex-Ehemann in einer intakten und stabilen ehelichen Ge-
meinschaft ohne Trennungs- oder Scheidungsabsichten zu leben.
Die Beschwerdeführerin habe sodann im erstinstanzlichen Verfahren er-
klärt, wie die erleichterte Einbürgerung bei ihr selbst die Eigenständigkeit
und Selbstsicherheit gestärkt und beim Ex-Ehemann eine Zunahme der
Verlustängste und ein stärkeres Kontrollbedürfnis bewirkt habe. Die Psy-
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Seite 18
chotherapeutin beschreibe in ihrem Bericht vom 8. Juni 2016 die damit ein-
hergehende Verhaltensänderung des Ex-Ehemannes, die durch verstärk-
tes Drängen auf Nähe mit Anschreien, Betteln und Kontrollieren des Auf-
enthaltsorts der Beschwerdeführerin sowie durch vermehrte Ausübung von
Zwang geprägt gewesen sei. Auch diese Ausführungen liessen es als plau-
sibel erscheinen, dass die Ehekrise, die schliesslich zur Trennung geführt
habe, erst nach der erleichterten Einbürgerung eingetreten sei.
Weshalb sich die durch die erleichterte Einbürgerung bewirkte Verhaltens-
änderung des Ex-Ehemannes spätestens mit Beginn des Einbürgerungs-
verfahrens hätte angebahnt haben sollen, sei nicht einsichtig und finde in
den Akten keine Stütze. Vielmehr bestätige die Psychotherapeutin in ihrem
Bericht vom 8. Juni 2016 das Gegenteil. Die Beschwerdeführerin habe im
Übrigen zu keinem Zeitpunkt behauptet, das in der persönlichen Ge-
schichte und Persönlichkeit begründete Verhalten des Ex-Ehemannes
habe sich erst nach der erleichterten Einbürgerung offenbart. Sie habe
stets eingeräumt, dass sie mit ihm bereits vor der erleichterten Einbürge-
rung Höhen und Tiefen erlebt habe. Das problematische Beziehungsver-
halten des Ex-Ehemannes habe sich aber nach der erleichterten Einbür-
gerung derart verstärkt, dass es innert relativ kurzer Zeit zur Trennung ge-
kommen sei.
15.
In ihrer Vernehmlassung vom 22. November 2017 bezeichnet die Vor-
instanz ihre Vermutung, wonach die Ehegatten in den gemeinsamen Fe-
rien im Sommer 2014 die Auflösung der Ehe verabredet haben könnten,
mit Blick auf die sehr rasche Auflösung des ehelichen Haushalts und die
Aussage der Beschwerdeführerin, nach der erleichterten Einbürgerung sei
es zu keinem plötzlichen unerwarteten Ereignis gekommen, als durchaus
zulässig.
Die Akten des Eheschutzverfahrens (die Begründung des Eheschutzbe-
gehrens und die Plädoyer-Notizen der damaligen Rechtsvertreterin) deu-
teten im Übrigen auf ein vorbestandenes und fortwährendes, für die Be-
schwerdeführerin unerträgliches Verhalten des Ex-Ehemannes hin. Viel-
leicht sei sein Verhalten in der entspannten Ferienzeit weniger problema-
tisch gewesen, was jedoch ihre Ehe noch nicht zu einer stabilen und zu-
kunftsgerichteten ehelichen Gemeinschaft gemacht habe.
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Seite 19
Die Beschwerdeführerin mutmasse sodann selbst, dass das Verhalten des
Ex-Ehemannes auch in seiner persönlichen Geschichte und Persönlich-
keitsstruktur begründet sein könnte. Nachdem sich die Ehegatten seit Kind-
heit kennen würden und seit dem Jahr 2006 in einer festen Beziehung ge-
standen seien, sei es unter Berücksichtigung aller Argumente wenig glaub-
würdig, dass die Verhaltensänderung des Ex-Ehemannes erst nach der
Einbürgerung eingetreten und trotzdem unerwähnt geblieben sei. Der aus-
drückliche Hinweis der Beschwerdeführerin auf eine Verstärkung negativer
Verhaltensweisen bedeute, dass das Verhaltensmuster des Ex-Eheman-
nes vorbestanden habe.
Schliesslich werde in der angefochtenen Verfügung offengelassen, wann
das problematische Verhalten des Ex-Ehemannes begonnen habe. Auf-
grund der Reaktion der Beschwerdeführerin nach der Einbürgerung dürfte
es spätestens mit der Gesuchstellung eingesetzt haben. Die Beschwerde-
führerin erwähne zudem, dass sie sich im Zuge einer Beziehungskrise an
ihre Schwiegereltern gewandt habe und diese ihr resp. ihrem Sohn geraten
hätten, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Gemäss Auskunft der
Psychotherapeutin sei das Ehepaar am 3. Juli 2009 gemeinsam wegen
Eheschwierigkeiten zu einem ersten Gespräch in der Arztpraxis erschie-
nen.
16.
Der Rechtsvertreter trägt in der Replik vom 14. März 2018 vor, die Behaup-
tung der Vorinstanz, der Ex-Ehemann habe sich gegenüber der Beschwer-
deführerin fortwährend unerträglich verhalten, lasse sich mit den beigezo-
genen Akten aus dem Eheschutzverfahren nicht erhärten.
Es sei unstrittig und werde nicht in Abrede gestellt, dass der Ex-Ehemann
gegenüber seiner Ehefrau während der sieben Jahre dauernden ehelichen
Gemeinschaft auch problematische Seiten gezeigt habe, die zu vorüber-
gehenden Eheproblemen geführt hätten. Daraus lasse sich allerdings nicht
der Schluss ziehen, die Beschwerdeführerin habe am 19. August 2014 mit
ihrer Erklärung, wonach sie mit ihrem Ex-Ehemann in einer intakten eheli-
chen Gemeinschaft lebe, bewusst falsche Angaben gemacht bzw. bewusst
wesentliche Tatsachen verschwiegen.
Folgende Umstände sprächen entgegen der Ansicht der Vorinstanz dafür,
dass im Zeitpunkt der Erklärung betreffend eheliche Gemeinschaft vom
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19. August 2014 die Beschwerdeführerin von einer intakten, vom gemein-
samen Willen getragenen stabilen ehelichen Gemeinschaft habe ausge-
hen dürfen:
Kurz vor der Erklärung vom 14. August 2014 habe das Ehepaar im Juli
2014 gemeinsame Ferien auf Mallorca und im Tirol verbracht. Hätte sich
der Ex-Ehemann in jenem Zeitraum gegenüber der Beschwerdeführerin
«fortwährend unerträglich» verhalten, wäre es sicher nicht zu diesen ge-
meinsamen Ferienaufenthalten gekommen. Sie hätten im Übrigen bereits
zuvor teilweise mehrmals jährlich gemeinsame Ferien gemacht.
Ferner bestätige die Psychotherapeutin der Beschwerdeführerin in ihrem
Bericht vom 8. Juni 2016, dass die gemeinsamen Ferien im Juli 2014 – wie
bereits vorangegangene – gut verlaufen seien, das Paar schöne Ausflüge
auch in der Schweiz unternommen habe. Die Ehegatten hätten aus per-
sönlichen und gesellschaftlichen Gründen viele schwere Zeiten erlebt, aber
durchaus auch bessere, so zum Beispiel zum Zeitpunkt der Bestätigung im
August 2014, wonach man in einer stabilen ehelichen Gemeinschaft lebe.
Die Psychotherapeutin betreute die Beschwerdeführerin bereits seit Juli
2009. Sie habe das Eheleben der Beschwerdeführerin aus ärztlicher Sicht
während Jahren verfolgen können. Ihre fachärztlichen Erkenntnisse seien
deshalb als besonders zuverlässig zu werten.
Nach dem Gesagten beruhe die angefochtene Verfügung auf unbewiese-
nen Behauptungen, Mutmassungen und Thesen, die sich durch die Akten
nicht untermauern liessen. Es sei nicht von Belang, ob die Verhaltensän-
derungen des Ex-Ehemannes, die zur Trennung geführt hätten, auf einer
vorbestehenden Persönlichkeitsstruktur basierten oder nicht. Entschei-
dend sei einzig, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Erklärung
betreffend eheliche Gemeinschaft vom 19. August 2014 keine falschen
oder irreführenden Angaben gemacht habe. Sie habe in jenem Zeitpunkt in
guten Treuen von einer stabilen und zukunftsgerichteten ehelichen Ge-
meinschaft ausgehen können und müssen.
17.
Nach einer Prüfung der Sach- und Rechtslage teilt das Bundesverwal-
tungsgericht die Auffassung der Vorinstanz, wonach es der Beschwerde-
führerin nicht gelingt, die gegen sie sprechende natürliche Vermutung zu
erschüttern, dass ihre Ehe im massgebenden Zeitpunkt nicht intakt war und
sie die Behörden darüber täuschte.
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Seite 21
17.1 Die in dieser Hinsicht eindeutigen Akten zeichnen ein düsteres Bild
der Ehe der Beschwerdeführerin. Nach eigener Darstellung der Beschwer-
deführerin gestaltete sich das Eheleben von Anfang an schwerer als erwar-
tet, und nur etwas mehr als ein Jahr nach dem Zuzug der Beschwerdefüh-
rerin in die Schweiz nahmen die Ehegatten wegen Eheproblemen psycho-
therapeutische Hilfe in Anspruch. Während die Beschwerdeführerin nach
Darstellung ihrer Psychotherapeutin weiter an der Verbesserung ihrer Ehe
arbeitete, stellte der Ex-Ehemann seine Bemühungen bereits im Januar
2011 ein. Die beigezogenen Eheschutzakten lassen erahnen, wie sehr die
Ehe der Beschwerdeführerin auch in der Folgezeit belastet war. Die eheli-
che Situation wurde nach Darstellung in den Plädoyer-Notizen der damali-
gen Rechtsvertreterin dermassen unerträglich, dass die Beschwerdeführe-
rin im Februar 2014 ein Masterstudium der Betriebsökonomie nach nur ei-
nem Semester habe aufgeben müssen. Anzumerken ist an dieser Stelle,
dass die Beschwerdeführerin kurz zuvor, am 7. Januar 2014, zusammen
mit dem Einbürgerungsgesuch eine erste gemeinsame Erklärung zum Zu-
stand der Ehe abgab und dass die Stellungnahme der Beschwerdeführerin
vom 10. Juni 2016 und der Bericht der Psychotherapeutin vom 8. Juni 2016
die desolate eheliche Situation als Grund für den Studienabbruch ver-
schweigen. Etwas mehr als neun Monate nach dem Studienabbruch, Ende
November 2014, trennten sich die Ehegatten, dies jedoch erst, nachdem
die Beschwerdeführerin drei Monate zuvor erleichtert eingebürgert worden
war. Die Trennung wurde im Eheschutzbegehren und den Plädoyer-Noti-
zen damit begründet, der Ex-Ehemann sei gegenüber der Beschwerdefüh-
rerin wiederholt gewalttätig geworden. Das Zusammenleben mit ihm habe
ihre physische und psychische Integrität beeinträchtigt. Bezeichnend ist,
dass die Beschwerdeführerin das Gericht um Geheimhaltung ihrer aktuel-
len Wohnadresse ersuchte. Sie sei von ihrem Ex-Ehemann nach dem Aus-
zug mit unzähligen Telefonaten und Textnachrichten bedrängt worden und
befürchte, bei Bekanntwerden ihrer Wohnadresse von ihrem Ex-Ehemann
auch persönlich an ihrem Wohnort aufgesucht und bedrängt zu werden.
17.2 Die Beschwerdeführerin stellt unterstützt von ihrem Ex-Ehemann de-
zidiert in Abrede, dass nach ihrer erleichterten Einbürgerung etwas Beson-
deres geschehen sei. Sie spricht von einem nach der Einbürgerung in
Gang gesetzten Prozess, der zur Erosion des gegenseitigen Vertrauens
und schliesslich zur Trennung geführt habe. Gleichzeitig räumt sie ein,
dass der Ex-Ehemann, bedingt durch seine persönliche Geschichte und
Persönlichkeit, bereits vor der erleichterten Einbürgerung ein problemati-
sches Beziehungsverhalten an den Tag gelegt habe, das zu ehelichen
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Seite 22
Schwierigkeiten geführt habe. Ihre Ehe habe denn auch viele schwere Zei-
ten erlebt. Es habe aber auch bessere Zeit gegeben, so zum Beispiel im
August 2014 zum Zeitpunkt der gemeinsamen Erklärung zum Zustand der
ehelichen Gemeinschaft. Damals habe sich das Ehepaar, beeinflusst durch
die gelungenen Sommerferien im Juli 2014, in einem Hoch befunden, und
seine gemeinsame Erklärung habe den Tatsachen entsprochen. Das prob-
lematische Beziehungsverhalten des Ex-Ehemannes habe sich jedoch
nach der erleichterten Einbürgerung derart verstärkt, dass es innerhalb kur-
zer Zeit zur Trennung gekommen sei. Später modifizierte die Beschwerde-
führerin ihre Darstellung dahingehend, dass zumindest sie zum Zeitpunkt
der Erklärung in guten Treuen von einer intakten Ehe habe ausgehen kön-
nen und daher nicht bewusst irreführende Angaben gemacht habe. Die
Verhaltensänderung des Ex-Ehemannes habe darin bestanden, dass er
ein «verstärktes» Drängen auf Nähe mit Anschreien, Betteln und Kontrollen
gezeigt und «wieder mehr» Zwang in der Beziehung ausgeübt habe.
17.3 Die dargestellte Aktenlage lässt bei objektiver Betrachtungsweise kei-
nen anderen Schluss zu, als dass die Ehe der Beschwerdeführerin im mas-
sgebenden Zeitpunkt der gemeinsamen Erklärung und der wenige Tage
später erfolgten erleichterten Einbürgerung nicht (mehr) intakt war. Weder
die gemeinsam verbrachten Ferien im Jahr 2014 noch die Beurteilung
durch die Psychotherapeutin, die den Ex-Ehemann im Berichtszeitpunkt
offenbar bereits mehrere Jahre nicht gesehen hatte und sich knapp zu den
Anforderungen an eine intakte Ehe äussert, können an dieser Schlussfol-
gerung etwas ändern. Sie sind als Indizien von zu geringer Beweiskraft, als
dass sie gegen die ansonsten klare, auf einen desolaten Zustand der Ehe
weisende Beweislage aufkommen könnten. Es stellt sich daher nur die
Frage, ob die Beschwerdeführerin entgegen der natürlichen Vermutung zu-
mindest in guten Treuen von einer intakten Ehe ausgehen konnte. Hierzu
ist zunächst festzustellen, dass die Beschwerdeführerin bereits am 7. Ja-
nuar 2014 eine erste vorbehaltlose Erklärung zum Zustand der Ehe abgab,
obschon sie – so ihre Rechtsvertreterin im Eheschutzverfahren – im Fol-
gemonat das Masterstudium wegen der zunehmend unerträglichen eheli-
chen Situation nach nur einem Semester aufgeben musste. Dessen unge-
achtet hätte die Beschwerdeführerin die Probleme im Zusammenleben mit
ihrem Ex-Ehemann in Bezug auf Gründe, Art und Auswirkungen in sub-
stantiierter Weise offenlegen müssen. Das hat sie jedoch unter Verletzung
ihrer Mitwirkungspflicht nicht getan. Ihr augenfälliges Bestreben war es
stets, diesen belastenden Aspekt ihres ehelichen Zusammenlebens aus-
zuklammern beziehungsweise – wenn es nicht anders ging – mit Allge-
meinplätzen kleinzureden oder mit Nichtwissen zu überspielen. So erfuhr
F-5196/2017
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die Vorinstanz von der zunehmend unerträglichen ehelichen Situation als
Grund für den Studienabbruch im Februar 2014, der Gewalterfahrung wäh-
rend der Ehe und den Belästigungen durch den Ex-Ehemann nach dem
Auszug aus der ehelichen Wohnung erst durch Einsicht in die beigezoge-
nen Gerichtsakten, und die Beschwerdeführerin äusserte sich dazu – wenn
auch knapp und verharmlosend – erst in ihrer Replik. Konkret äusserte sie
sich jedoch dazu zu keinem Zeitpunkt. Der Abbruch des Studiums wurde
vor dem Beizug der Eheschutzakten gar allein damit begründet, das Stu-
dium sei der Beschwerdeführerin neben der Arbeit zu viel geworden.
18.
Der Beschwerdeführerin ist es somit nicht gelungen, die natürliche Vermu-
tung in Frage zu stellen, wonach zwischen ihr und ihrem Ex-Ehemann zum
Zeitpunkt der gemeinsamen Erklärung und der wenige Tage später erfolg-
ten erleichterten Einbürgerung keine stabile und auf Zukunft ausgerichtete
eheliche Gemeinschaft mehr bestand und sie die Behörde über diesen Um-
stand täuschte, sei es weil sie in der gemeinsamen Erklärung zum Zustand
der Ehe falsche Angaben machte, sei es weil sie eine Änderung des Sach-
verhalts nicht anzeigte. Sie hat demnach ihre erleichterte Einbürgerung im
Sinne von Art. 41 Abs. 1 aBüG erschlichen.
Gründe, die es rechtfertigten, ermessensweise von der Regelfolge der
Nichtigerklärung abzusehen, werden keine geltend gemacht und sind auch
nicht ersichtlich. Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass eheliche Gewalt-
erfahrung unter bestimmten Voraussetzungen einen solchen ermessens-
weisen Verzicht auf die Nichtigerklärung rechtfertigen könnte. Wie jedoch
bereits ausgeführt, unterlässt es die Beschwerdeführerin in Verletzung ih-
rer Mitwirkungspflicht, die problematische Beziehung zu ihrem Ex-Ehe-
mann und namentlich die offenbar erlittene eheliche Gewalt offen und sub-
stantiiert in das vorliegende Verfahren einzubringen.
19.
Die angefochtene Verfügung erweist sich solchermassen als rechtmässig
(Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
20.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird die Beschwerdeführerin
kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahrenskosten sind auf
Fr. 1'200.- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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