Decision ID: f5ef1c57-d454-46d2-8cca-8afd05bf4bfc
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Veruntreuung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung - Einzelgericht, vom 7. Juli 2015 (GG150114)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich (Urk. HD 24) ist
diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1
StGB,
− des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB, teilweise
i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB,
− der Fälschung von Ausweisen im Sinne von Art. 252 Abs. 1 und 2
StGB,
− der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1
StGB,
− des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern im Sinne von Art. 97
Ziff. 1 Abs. 5 i.V.m. Art. 100 Ziff. 1 aSVG.
2. Vom Vorwurf des Diebstahls (HD 1.3 Sachverhalt 2) wird der Beschuldigte
freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
CHF 150.– als Zusatzstrafe zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Zürich-Sihl vom 11. März 2010 ausgefällten Strafe.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei
Jahre festgesetzt.
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5. Der Beschuldigte wird bestraft mit 9 Monaten Freiheitsstrafe.
6. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf drei
Jahre festgesetzt.
7. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich
vom 7. Mai 2015 beschlagnahmten Gegenstände (HD 21 S. 2):
− Blauer Ordner (POLIS G-Nr. ..., act. 2.4), Akten aus Schlafzimmer:
− Nr. 1, 7, 9, 10, 12, 14, 15, 16, 18, 19, 23, 24, 28, 35, 37, 42, 46,
47 sowie
− Nr. 20 (act. 20/2/7/2 in Kopie),
− Blauer Ordner (POLIS G-Nr. ..., act. 2.4), Akten aus Wohnzimmer Nr.
1, 2, 3,
− Blauer Ordner (POLIS G-Nr. ..., act. 2.4), Akten aus Eingangsallee Nr.
1, 2, 3, 4,
werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlan-
gen herausgegeben. Bei Nichtabholung werden sie nach Ablauf von drei
Monaten nach Eintritt der Rechtskraft bei den Akten belassen.
8. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich
vom 7. Mai 2015 beschlagnahmten Gegenstände (HD 21 S. 2):
− Blauer Ordner (POLIS G-Nr. ..., act. 2.4), Akten aus Schlafzimmer, Nr.
2, 3, 5, 6, 25, 31, 33, 38,
− Blauer Ordner (POLIS G-Nr. ..., act. 2.4), Akten aus Eingangsallee Nr.
5,
werden der Privatklägerin B._ nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes
Verlangen herausgegeben. Bei Nichtabholung werden sie nach Ablauf von
drei Monaten nach Eintritt der Rechtskraft bei den Akten belassen.
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9. Die übrigen mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
7. Mai 2015 beschlagnahmten Gegenstände (HD 21 S. 2) werden bei den
Akten belassen.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._
− Schadenersatz in der Höhe von CHF 2'600.– zuzüglich Zins seit
10. Mai 2010 sowie
− Schadenersatz in der Höhe von CHF 5'000.– zuzüglich Zins seit
22. Juli 2010
zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird sie mit ihrem Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
11. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, der Privat-
klägerin C._ Versicherung Schadenersatz in der Höhe von
CHF 31'328.– zuzüglich 5 % Zins seit 19. Dezember 2018 zu bezahlen.
12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'500.00 Gebühr Strafuntersuchung
Fr. Kanzleikosten
Fr. 10'570.00 Auslagen Untersuchung
Fr. 18'352.85 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
13. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten mit CHF 18'352.85 (inkl. 8 % MwSt.) aus der
Gerichtskasse entschädigt.
14. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
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15. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 63 S. 1 f.)
1. Ziffer 1 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abtei-
lung, Einzelgericht vom 7. Juli 2015 sei anzupassen und die Beschul-
digte lediglich der folgenden Anklagepunkte für schuldig zu sprechen
- der Veruntreuung zum Nachteil der D._ AG, Zürich (Anklageziff.
I.1.1.)
- des Betrugs zum Nachteil der C._ Versicherung (Anklageziff.
I.1.2.)
- der Irreführung der Rechtspflege (Anklageziff. I.1.2.)
- der Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz (Anklageziff.
II., ND)
Sämtlicher Tatbestände z.N. der Privatklägerin Dr. med. dent. B._
(mehrfache Veruntreuung, Diebstahl und Betrug gemäss Anklageziff.
I.1.13.) sowie der Urkundenfälschung bzw. Fälschung von Ausweisen
(Anklageziff. I.1.4. und I.1.5.) und des Betrugsversuchs (Anklageziff.
I.1.5.) sei die Beschuldigte hingegen freizusprechen.
2. Dispositivziffern 3-6 seien aufzuheben und die Beschuldigte sei statt-
dessen mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu CHF 50 als Zu-
satzstrafe zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
vom 11. März 2010 ausgefällten Strafe zu bestrafen; dies unter Ge-
währung des bedingten Strafvollzuges und Ansetzung einer Probezeit
von zwei Jahren.
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3. In Abänderung von Dispositivziffern 8-9 seien die (meisten der) weite-
ren beschlagnahmten Gegenstände gemäss HD 21 S. 2 ebenfalls auf
erstes Verlangen der Beschuldigten herauszugeben.
4. Dispositivziffer 10 sei aufzuheben und auf die Zivilansprüche der Pri-
vatklägerin B._ sei stattdessen nicht einzutreten.
5. In Abänderung von Dispositivziffer 14 sei der Beschuldigten maximal
die Hälfte der Verfahrenskosten, exklusive der Gutachtenskosten des
FOR, aufzuerlegen.
6. In Abänderung von Dispositivziffer 15 sei eine maximal hälftige Nach-
forderung der Kosten der amtlichen Verteidigung vorzubehalten.
7. Die Kosten des obergerichtlichen Verfahrens (inklusive Kosten der
amtlichen Verteidigung) seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu
nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:
(Urk. 58, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
_
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Erwägungen:
I.
Verfahrensgang
1. Was den Gang des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Verfahrens an-
belangt, kann auf die zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil verwie-
sen werden (Urk. 52 S. 8-12; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Mit Urteil vom 7. Juli 2015 sprach das Bezirksgericht Zürich, 9. Abteilung -
Einzelgericht, den Beschuldigten A._ schuldig der mehrfachen Veruntreuung
im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, des mehrfachen Betruges im Sinne von
Art. 146 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, der Urkun-
denfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB, der Fälschung von Ausweisen
im Sinne von Art. 252 Abs. 1 und 2 StGB, der Irreführung der Rechtspflege im
Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie des Missbrauchs von Ausweisen und
Schildern im Sinne von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 5 in Verbindung mit Art. 100 Ziff. 1
aSVG. Vom Vorwurf des Diebstahls (HD 1.3., Sachverhalt 2) wurde der Beschul-
digte freigesprochen. Das Einzelgericht bestrafte den Beschuldigten mit einer
Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 150.– als Zusatzstrafe zu der mit Strafbe-
fehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 11. März 2010 ausgefällten Strafe,
wobei der Vollzug der Geldstrafe aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre
festgesetzt wurde. Ausserdem wurde der Beschuldigte mit 9 Monaten Freiheits-
strafe bestraft, wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe aufgeschoben und die Pro-
bezeit auf drei Jahre festgesetzt wurde. Des Weiteren wurde angeordnet, ver-
schiedene beschlagnahmte Dokumente dem Beschuldigten nach Eintritt der
Rechtskraft auf erstes Verlangen herauszugeben, wobei die Unterlagen bei Nicht-
abholung nach Ablauf von drei Monaten in den Akten zu belassen seien. Bezüg-
lich weiterer beschlagnahmter Unterlagen wurde angeordnet, diese der Privatklä-
gerin Dr. med. dent. B._ nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen
herauszugeben, wobei die Dokumente bei Nichtabholung nach Ablauf von drei
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Monaten in den Akten zu belassen seien. Bezüglich der übrigen beschlagnahm-
ten Dokumente wurde eine Belassung bei den Akten angeordnet. Des Weiteren
wurde der Beschuldigte verpflichtet, der Privatklägerin Dr. med. dent. B._
Schadenersatz von Fr. 2'600.– zuzüglich Zins seit 10. Mai 2010 sowie Fr. 5'000.–
zuzüglich Zins seit 22. Juli 2010 zu bezahlen, wobei die Privatklägerin im Mehrbe-
trag mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwie-
sen wurde. Ausserdem wurde der Beschuldigte gemäss seiner Anerkennung ver-
pflichtet, der Privatklägerin C._ Versicherung Schadenersatz von
Fr. 31'328.– zuzüglich 5% Zins seit 19. Dezember 2018 [recte: 2008] zu bezahlen.
Letztlich wurden die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens,
ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten aufer-
legt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung wurden - unter Vorbehalt der Nach-
forderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO - auf die Gerichtskasse genommen, wo-
bei Rechtsanwalt lic. iur. X._ für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidi-
ger des Beschuldigten mit Fr. 18'352.85 (inkl. 8% MWSt) aus der Gerichtskasse
entschädigt wurde (Urk. 52, insb. S. 160 ff.).
3. Gegen das zunächst per Fax und anschliessend am 9. Juli 2015 schriftlich
im Dispositiv eröffnete Urteil liess der Beschuldigte innert Frist mit Eingabe vom
9. Juli 2015 Berufung anmelden (Prot. I S. 11, HD Urk. 44, Urk. 45/1-2, Urk. 46/1-
3, Urk. 48). Mit Eingabe vom 14. August 2015 reichte die Verteidigung rechtzeitig
die Berufungserklärung ein (HD Urk. 51/2, Urk. 54). Ausserdem erneuerte die
Verteidigung die bereits im Vorverfahren und vor Vorinstanz gestellten Beweisan-
träge; des Weiteren wurde um Verlängerung der amtlichen Verteidigung bis zum
Abschluss des Berufungsverfahrens ersucht (Urk. 54 S. 3).
4. Mit Präsidialverfügung vom 20. August 2015 wurde Rechtsanwalt lic. iur.
X._ als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten für das Berufungsverfahren
bestellt. Zudem wurde die Berufungserklärung der Staatsanwaltschaft II des Kan-
tons Zürich sowie den Privatklägerinnen zugestellt, und es wurde ihnen Frist an-
gesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben werde, oder um begrün-
det ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Der Beschuldigte wurde
zudem aufgefordert, das 'Datenerfassungsblatt' sowie verschiedene Unterlagen
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zu seinen finanziellen Verhältnissen dem Gericht einzureichen (Urk. 56). Fristge-
recht teilte der Vertreter der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich mit Eingabe
vom 25. August 2015 mit, auf Anschlussberufung zu verzichten, und er beantrag-
te die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. Für den Fall, dass den Beweisan-
trägen des Beschuldigten im Berufungsverfahren statt gegeben werde, stellte der
Vertreter der Staatsanwaltschaft einen Eventual-Beweisantrag (Urk. 58). Die Pri-
vatklägerinnen äusserten sich nicht. Mit Eingabe vom 10. September 2015 liess
der Beschuldigte das ausgefüllte 'Datenerfassungsblatt' sowie verschiedene Un-
terlagen zu seinen finanziellen Verhältnissen und seinen Lebenshaltungskosten
einreichen (Urk. 59, Urk. 60/1-6).
5. Am 22. Oktober 2015 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf
den 2. Februar 2016 vorgeladen (vgl. Urk. 61). Zur Berufungsverhandlung er-
schienen der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers sowie die
Privatklägerin Dr. med. dent. B._ (Prot. II S. 3).
II.
Prozessuales / Umfang der Berufung
A. Beweisergänzung
1. Die amtliche Verteidigung beantragte in ihrer Berufungserklärung vom
14. August 2015, es seien die Verfahrensakten betreffend die Privatklägerin Dr.
med. dent. B._ (Halterin) und Frau Dr. med. dent. E._ (geb. tt.01.1961,
Meldeadresse: ..., vermeintliche Lenkerin) beim Strassenverkehrsamt des Kan-
tons Zürich, Abteilung Administrativmassnahmen, wegen Verletzung der Ver-
kehrsregeln von 2013 beizuziehen, sowie es sei Herr F._ (geb. tt.07.1950, ...
[Adresse]) zu den Gründen für die Kündigung und zu den Vorfällen am Tag der
Kündigung des Arbeitsverhältnisses des Beschuldigten durch die Privatklägerin
B._ als Zeuge zu befragen (Urk. 54 S. 3). Daran hielt die Verteidigung an-
lässlich der Berufungsverhandlung fest (Prot. II S. 17; Urk. 63 S. 2). Als Begrün-
dung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die gesamte vorinstanzliche Argumenta-
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tion basiere darauf, dass es sich bei der ehemaligen Arbeitgeberin des Beschul-
digten um eine unbescholtene Person handle, welche angeblich keinen ersichtli-
chen Grund gehabt haben soll, den Beschuldigten übermässig oder gar falsch zu
belasten. Die Frage, ob die im E-Mail vom 6. Juli 2015 zuhanden der Verteidigung
nachgeschobene Geschichte, wonach sich die Privatklägerin B._ angeblich
gar selber bei der Polizei gemeldet und die Sachlage klargestellt habe, wäre mit
dem Aktenbeizug leicht nachzuprüfen. Allein der Umstand, dass der Beschuldigte
die (ganze) Geschichte erst in seiner dritten Einvernahme ausführlich geschildert
habe, sei kein Beweis dafür, dass er gelogen habe. Würde sich herausstellen,
dass der Beschuldigte (und nicht die Privatklägerin B._) die Wahrheit gesagt
habe und er tatsächlich im Auftrag von Frau Dr. med. dent. E._ den Admi-
nistrativbehörden kurz nach dem 22. Juli 2015 [recte wohl: 2010] mitgeteilt habe,
dass nicht Frau E._, sondern die Privatklägerin B._ selbst damals den
Mini gelenkt habe, würde dies am geltend gemachten Rachemotiv der Privatklä-
gerin und an deren Glaubwürdigkeit sehr wohl etwas ändern. Wenn die Privatklä-
gerin im Stande gewesen sei, die Rechtspflege irrezuführen und noch später in ih-
ren Einvernahmen sowie in ihrem E-Mail vom 6. Juli 2015 mehrfach weiter die
Unwahrheit zu sagen, dann dürfe und könne nicht einfach ihren Aussagen gefolgt
werden, zumal der Anklagevorwurf letztlich allein auf den Angaben der Privatklä-
gerin beruhe, welche dem Beschuldigten die Behändigung von Geld unterstelle,
ohne dies selber gesehen zu haben. Ausserdem habe die Privatklägerin sich an-
lässlich der Schlüsselrückgabe am Abend des 22. Juli 2015 [recte wohl: 2010]
derart abschätzig und beschämend gegenüber dem Beschuldigten geäussert und
diesem gar offen gedroht, ihn zu ruinieren und fertig zu machen. Diese deutliche
Voreingenommenheit sei dazu geeignet, erhebliche Abstriche an der Glaubwür-
digkeit der Privatklägerin aufkommen zu lassen, was die Vorinstanz gänzlich aus-
ser Acht gelassen habe (Urk. 54 S. 4 f.). Diese Argumentation wiederholte die
Verteidigung auch anlässlich der Berufungsverhandlung (Urk. 63 S. 6 ff.).
2. Grundsätzlich beruht das Rechtsmittelverfahren auf den Beweisen, die im
Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind
(Art. 389 Abs. 1 StPO). Beweisabnahmen, die bereits durch das erstinstanzliche
Gericht erfolgt sind, werden nur wiederholt, wenn Beweisvorschriften verletzt wor-
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den sind, die Beweiserhebungen unvollständig waren oder die Akten über die
Beweiserhebungen unzuverlässig erscheinen (Art. 389 Abs. 2 StPO). Aufgrund
der Untersuchungsmaxime (Art. 389 Abs. 3 StPO) hat das Berufungsgericht je-
doch das Recht und die Pflicht, auf Antrag, aber auch von Amtes wegen, diejeni-
gen Beweise zu erheben, die zur Beurteilung des Sachverhaltes sowohl in tat-
sächlicher als auch in rechtlicher Hinsicht notwendig sind. Dies ist beispielsweise
der Fall, wenn sich während des Verfahrens ergibt, dass erheblichen Tatsachen
weder in der Untersuchung noch im erstinstanzlichen Verfahren nachgegangen
worden ist (zum früheren kantonalen Recht: Kass.-Nr. AC050089 vom 23. Januar
2006, E. III.5.e.aa, mit Hinweisen). Auf die Abnahme von (weiteren) Beweisen
kann dagegen verzichtet werden, wenn es um offenkundige oder gerichtsnotori-
sche Tatsachen oder rechtlich nicht erhebliche Tatsachen geht oder wenn mit Si-
cherheit gesagt werden kann, dass die Beweisabnahme auch dann an der richter-
lichen Überzeugung nichts mehr ändern könnte, wenn ihr Ergebnis die vom An-
tragsteller aufgestellte Behauptung stützen würde (Kass.-Nr. AC060039 vom
27. Juni 2007, E. II.7.2.a, mit Hinweisen; vgl. auch Art. 139 Abs. 2 StPO; Urteile
des Bundesgerichts 6B_61/2013 vom 21.02.2013, E. 1.3; 6B_702/2012 vom
11.04.2013, E. 2.2; 6B_111/2013 vom 13.05.2013, E. 2.1.1; 6B_681/2012 vom
12.03.2013). Beweisanträge sind - auch im Berufungsverfahren - zu begründen
(Art. 379 StPO i.V.m. Art. 331 Abs. 2 StPO; Hug/Scheidegger, in: Kommentar zur
Schweizerischen StPO, Zürich 2014, N 13 zu Art. 399 StPO).
3. Die Verteidigung stellte bereits im erstinstanzlichen Verfahren - wie im Übri-
gen auch gegenüber der Staatsanwaltschaft (vgl. HD Urk. 15/38) - denselben
Beweisergänzungsantrag (vgl. HD Urk. 28; Prot. I S. 7). Die Vorinstanz hat sich
einlässlich mit dem Antrag der Verteidigung auseinandergesetzt und ihn abge-
lehnt, insbesondere auch deshalb, weil sie - gestützt auf das Aussageverhalten
des Beschuldigten - dessen Version als unglaubhaft einstufte (Urk. 52 S. 15 ff.).
Den vorinstanzlichen Erwägungen kann vollumfänglich beigepflichtet werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO). In Ergänzung dazu ist zu bemerken, dass der Beschuldigte
bisher nicht geltend machte, er habe dann tatsächlich gegenüber dem Amt für
Administrativmassnahmen im Auftrag von Dr. med. dent. E._ mitgeteilt, diese
ziehe ihre Zugabe zurück (vgl. HD Urk. 11/5 S. 4: 'hätte wahrnehmen sollen').
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Dies brachte er anlässlich der Berufungsverhandlung das erste Mal vor (Prot. II S.
16), hätte er aber wohl früher geltend gemacht, wäre dem so gewesen, weshalb
seine Aussage unglaubhaft erscheint. Aus den entsprechenden Akten des Amtes
für Administrativmassnahmen liesse sich deshalb nichts entnehmen, was die Dar-
stellung des Beschuldigten stützen könnte. Darüber hinaus scheint vielmehr Dr.
med. dent. B._ gegenüber der Polizei gesagt zu haben, sie übernehme die
Verantwortung (vgl. HD Urk. 42/1 und Prot. II S. 20). Damit ist der Beweisergän-
zungsantrag des Beschuldigten abzuweisen.
B. Verwertbarkeit der erhobenen Beweismittel
Das Bezirksgericht hat zutreffend erwogen, dass sämtliche, von den Untersu-
chungsbehörden erhobenen Beweismittel verwertbar sind (Urk. 52 S. 21 f.). Dies
wird von der Verteidigung auch nicht in Zweifel gezogen. Weiterungen dazu erüb-
rigen sich (Art. 82 Abs. 4 StPO).
C. Umfang der Berufung
1. Mit seiner Berufung verlangt der Beschuldigte einen vollumfänglichen Frei-
spruch mit Bezug auf alle im Zusammenhang mit seiner ehemaligen Arbeitgeberin
und Privatklägerin Dr. med. dent. B._ stehenden Anklagepunkte (Urk. 54
S. 5). Seine Berufung richtet sich somit gegen den Schuldspruch wegen mehrfa-
cher Veruntreuung zum Nachteil der Privatklägerin B._ (Anklageziffer HD
I/1.3), wegen Betrugs bzw. des Versuchs dazu zum Nachteil der Privatklägerin
B._ (Anklageziffer HD I/1.3 und 1.5), wegen Urkundenfälschung (Anklagezif-
fer HD/1.4) und wegen Fälschung von Ausweisen (Anklageziffer HD/1.5), gegen
die ausgefällte Sanktion, die Herausgabe beschlagnahmter Dokumente an die
Privatklägerin Dr. med. dent. B._, die Belassung beschlagnahmter Unterla-
gen bei den Akten, die Schadenersatzregelung zu Gunsten der Privatklägerin Dr.
med. dent. B._ sowie die Kostenauflage (vgl. Urk. 54 S. 2 f. und S. 6). Gänz-
lich nicht angefochten ist somit der Schuldspruch wegen Irreführung der Rechts-
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pflege und wegen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern sowie wegen Ver-
untreuung gemäss Anklageziffer I.1.1 und Betrugs gemäss Anklageziffer I.1.2, der
vorinstanzliche Freispruch vom Vorwurf des Diebstahls, die Herausgabe be-
schlagnahmter Unterlagen an den Beschuldigten, die Schadenersatzregelung zu
Gunsten der Privatklägerin C._ Versicherung, die Kostenfestsetzung und die
Entschädigung der amtlichen Verteidigung (vgl. auch Urk. 54 S. 2 und S. 6).
2. Somit ist mit Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil vom
7. Juli 2015 bezüglich der Dispositivziffern 1 teilweise (Schuldsprüche wegen Irre-
führung der Rechtspflege und Missbrauchs von Ausweisen und Schildern sowie
Veruntreuung gemäss Anklageziffer I.1.1 und Betrug gemäss Anklageziffer I.1.2),
2 (Freispruch betreffend Diebstahl), 7 (Herausgabe beschlagnahmter Dokumente
an den Beschuldigten), 11 (Zivilanspruch der Privatklägerin C._ Versiche-
rung), 12 (Kostenfestsetzung) und 13 (Entschädigung der amtlichen Verteidigung)
in Rechtskraft erwachsen ist.
III.
Schuldpunkt
A. Zur Beurteilung verbliebene Anklagevorwürfe
1. Bezüglich der noch zur Beurteilung stehenden Anklagepunkte wird dem Be-
schuldigten zusammengefasst zunächst zur Last gelegt, während seiner Anstel-
lung als kaufmännischer Angestellter und in seiner Funktion als Leiter Administra-
tion/Buchhalter bei der Zahnarztpraxis Dr. med. dent. B._ in der Zeit von ca.
Mitte September 2009 bis zum 22. Juli 2010 Bargeld von Patienten im Gesamtbe-
trag von Fr. 7'600.– entgegen genommen und zunächst in einem Schrank, zu
welchem er den Schlüssel gehabt habe, deponiert zu haben und - statt die Gelder
an die Praxisinhaberin weiterzuleiten - in der Zeit zwischen 3. Mai 2010 und
10. Mai 2010 Bargeld in Höhe von Fr. 2'600.– und in der Zeit zwischen 20. Juli
2010 und 22. Juli 2010 Bargeld in Höhe von Fr. 5'000.– an sich genommen zu
haben, um es für eigene Zwecke zu verwenden, wozu er - wie er gewusst habe -
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nicht berechtigt gewesen sei, wobei der Beschuldigte aufgrund seiner fehlenden
finanziellen Leistungsfähigkeit nicht in der Lage gewesen sei, für das Bargeld je-
derzeit Ersatz zu leisten (HD Urk. 24 S. 4 f., Anklageziffer HD/1.3.).
2. Des Weiteren wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, kurz vor dem
25. März 2010 Dr. med. dent. B._ über zu bezahlende Kreditorenforderungen
getäuscht zu haben, indem er eine eigene private Rechnung der G._ GmbH
für Fahrradteile über Fr. 2'399.– über das Geschäftskonto der Zahnarztpraxis ha-
be bezahlen lassen. Dies habe er getan, indem er den Einzahlungsschein der ei-
genen privaten Kreditor-Rechnung in den Stapel der Einzahlungsscheine der Pra-
xis-Kreditoren eingefügt und diesen der Praxisinhaberin zusammen mit dem
Sammel-Zahlungsauftrag zur Freigabe der Zahlung über das Geschäftskonto vor-
gelegt habe. Dadurch sei die Rechnung über Fr. 2'399.– beglichen worden,
wodurch Dr. med. dent. B._ im genannten Betrag geschädigt und der Be-
schuldigte entsprechend bereichert worden sei (HD Urk. 24 S. 6, Anklageziffer
HD/1.3.).
3. Sodann wird dem Beschuldigten vorgeworfen, zwischen dem 22. Juli 2010
und dem 2. September 2010 ein als "Arbeitsplatzbestätigung" betiteltes Dokument
erstellt zu haben, indem er auf dem von ihm auf Original-Briefpapier der Zahn-
arztpraxis verfassten Schreiben die echte Unterschrift der Praxisinhaberin
Dr. med. dent. B._ aus einem Arbeitsvertrag der Zahnarztpraxis kopiert ha-
be, so dass diese als vermeintliche Ausstellerin der "Arbeitsplatzbestätigung" er-
schienen sei. Dieses Dokument habe der Beschuldigte im Hinblick auf seinen
Stellenantritt bei der H._ AG eingereicht (HD Urk. 24 S. 7, Anklageziffer
HD/1.4.).
4. Letztlich wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, als Kläger im Rahmen des
arbeitsrechtlichen Forderungsprozesses AN100776 vor Arbeitsgericht Zürich eine
angeblich von seiner ehemaligen Arbeitgeberin unterzeichnete Saldobestätigung
über Fr. 9'500.– dem Arbeitsgericht eingereicht zu haben, um damit seine einge-
klagte Forderung über Fr. 22'396.55 belegen zu können, wobei der Prozess
schliesslich mit einem Vergleich geendet habe. Dabei habe der Beschuldigte die
Saldobestätigung selber erstellt, indem er die echte Unterschrift der Praxisinhabe-
- 15 -
rin Dr. med. dent. B._ von einer Freistellungsverfügung kopiert und in die
Saldobestätigung, welche er auf Original-Briefpapier der Zahnarztpraxis erstellt
habe, als Unterschrift eingefügt habe. Dies habe der Beschuldigte in der Absicht
getan, das Gericht über die ihm tatsächlich zustehenden arbeitsrechtlichen Forde-
rungen zu täuschen, um ein für ihn günstiges Urteil zu erlangen, gestützt auf wel-
ches seine ehemalige Arbeitgeberin zur Zahlung von Fr. 22'396.55 verpflichtet
worden wäre, wodurch diese im genannten Betrag geschädigt worden und der
Beschuldigte unrechtmässig bereichert gewesen wäre. Die Saldobestätigung ha-
be der Beschuldigte u.a. in der Absicht erstellt, dadurch von ihm vermeintlich ge-
tätigte Zahlungen für Zahnarztbehandlungen belegen zu können (HD Urk. 24 S. 8,
Anklageziffer HD/1.5.).
B. Standpunkt des Beschuldigten
1. Der Beschuldigte bestreitet, das Bargeld im Umfang von Fr. 7'600.– behän-
digt bzw. für eigene Zwecke an sich genommen zu haben (HD Urk. 11/1 S. 7 f.,
HD Urk. 11/7 S. 4; HD Urk. 43 S. 8; Prot. II S. 10 f. und S. 14).
2. Er stellt sodann in Abrede, Dr. med. dent. B._ die an ihn privat adres-
sierte Rechnung über Fr. 2'399.– in den Stapel der Kreditorenrechnungen der
Praxis gelegt zu haben, um mittels dem von Dr. med. dent. B._ zu erteilen-
den Sammel-Zahlungsauftrag eine Freigabe der Zahlung zu deren Lasten zu er-
wirken. Diese habe vielmehr die Zahlung freiwillig ausgelöst, um ihn für seine
Verdienste, d.h. seine Inkassoleistungen, mit einem Bonus zu belohnen (HD
Urk. 11/5 S. 10 f., HD Urk. 11/7 S. 4; HD Urk. 43 S. 9 f.; Prot. II S. 14).
3. Der Beschuldigte anerkennt, die Arbeitsplatzbestätigung ausgefertigt und
Dr. med. dent. B._ zur Unterschrift vorgelegt zu haben (HD Urk. 11/3 S. 2;
Prot. II S. 15). Er stellt in Abrede, die Unterschrift von Dr. med. dent. B._ in
die Arbeitsplatzbestätigung hineinkopiert zu haben (HD Urk. 11/5 S. 14, HD
Urk. 11/7 S. 5; HD Urk. 43 S. 11 f.). Der Beschuldigte bestreitet mit Hinweis da-
rauf, das Original der Arbeitsplatzbestätigung mit der Unterschrift von B._
- 16 -
gehabt zu haben, auch, eine gefälschte Bestätigung der H._ AG eingereicht
zu haben (HD Urk. 11/5 S. 14, HD Urk. 11/6 S. 17).
4. Der Beschuldigte räumt ein, die Saldobestätigung über Fr. 9'500.– verfasst
zu haben. Er macht jedoch geltend, Dr. med. dent. B._ habe die Bestätigung
unterzeichnet (HD Urk. 11/7 S. 5; HD Urk. 43 S. 12).
C. Grundsätze der Beweiswürdigung
Die Vorinstanz hat sich zutreffend zu den Grundsätzen der Beweiswürdigung,
insbesondere zur Würdigung von Aussagen befragter Personen, verbreitet
(Urk. 52 S. 22 ff.); auf diese zutreffenden Erwägungen, die keiner Ergänzung be-
dürfen, kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
D. Sachverhalt Anklage I/HD1.3. (Anklage S. 4 f.; 'Veruntreuung')
1. Mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 26) ist unbestritten, dass der Beschuldigte in
der Zahnarztpraxis von Dr. med. dent. B._ im Zeitraum der vorgeworfenen
Tathandlungen in einer leitenden Funktion tätig war und er im Rahmen seiner Tä-
tigkeit Zugang zum Bargeldverkehr hatte, für das Schlüsselwesen und die (Per-
sonal-)Administration zuständig war und sich um die Debitoren- und Kreditoren-
verwaltung kümmerte [HD Urk. 11/2 S. 2 ff., HD Urk. 11/5 S. 6 f.; Arbeitsbestäti-
gung vom 13. September 2010 und Arbeitsvertrag ('Leitung Administration') im
Ordner blau, Abgriff 17 und 20; HD Urk. 12/2 S. 4 f. und S. 6; vgl. auch HD
Urk. 11/1 S. 6 und HD Urk. 12/5 S. 4].
2. Der Beschuldigte räumte ein, am 3. Mai 2010 Bargeld in Höhe von Fr. 600.–
von einem Patienten gegen Quittung entgegen genommen zu haben (HD
Urk. 11/1 S. 7 f. und HD Urk. 11/2 S. 4; Quittung in HD Urk. 4/1 = Beilage 4a zu
HD Urk. 11/1). Der Beschuldigte bestätigte im Vorverfahren, dass seine schriftli-
che Aufzeichnung, wonach er am 9. Mai 2010 festgestellt habe, dass im mittleren
Schrank ein Couvert mit Einnahmen von Patienten von Fr. 2'600.– gefehlt habe
- 17 -
(HD Urk. 2/6), der Wahrheit entspreche (HD Urk. 11/2 S. 6). Letztlich gab der Be-
schuldigte vor Vorinstanz auch zu, um den 20./22. Juli 2010 Fr. 5'000.– (Quittung
in HD Urk. 4/3) aus Patientenzahlungen von der Praxisangestellten I._ ent-
gegen genommen und im Schrank deponiert zu haben (HD Urk. 43 S. 8; im Ge-
gensatz dazu noch bestritten in HD Urk. 11/1 S. 8 bzw. keine konkrete Erinnerung
in HD Urk. 11/2 S. 9 f.).
3. Da die Bargeldbeträge innerhalb der Zahnarztpraxis aus einem verschlos-
senen Schrank [Schrank 'B._', der 'mittlere' bzw. - obwohl unbestritten und
nachweislich K._ (vgl. HD Urk. 4/11, S. 4, untere Foto) - auch der 'rote'
Schrank genannt] abhanden kamen, hat sich die Vorinstanz (Urk. 52 S. 28 ff.) zu-
nächst mit dem Schliessplan zur Schliessanlage Kaba Star ... und den dazugehö-
rigen 21 Clipschüssel ... (Zugang zur Praxis und zum Schrank 'B._') befasst
bzw. auseinandergesetzt. Sie hat dabei zutreffend den Schlüsselbestand, die Än-
derungen im Schlüsselbestand sowie Schlosswechsel und die Einsatzfähigkeit
der einzelnen Schlüssel, insbesondere jene für den Schrank 'B._', nämlich
die Schlüssel 'Pass', 'B._' und 'B._ neu', im Zeitraum 2004 bis 2010 auf-
gezeigt (vgl. dazu auch die staatsanwaltschaftlichen Vorhalte in HD Urk. 11/6
S. 7-11). Das Einzelgericht hat auch darauf hingewiesen, dass am 23. Dezember
2009 zwei Zylinder an zwei Eingangstüren zur Praxis im 3. Obergeschoss mon-
tiert wurden und für diese neue Schliessanlage Kaba Star ... (neusilberne, ohne
farbige Clips) Standardschlüssel ... bezogen wurden (HD Urk. 10/30 S. 26 f. und
Urk. 10/39/4/1). Die Vorinstanz hat dann zutreffend geschlossen, dass die mehr-
fachen Schloss- und Schlüsselwechsel nur insofern einen Einfluss auf die (ur-
sprüngliche) Schliessanlage Kaba Star ... gehabt hätten, als die zu dieser
Schliessanlage gehörigen Schlüssel (allesamt Clipschlüssel ...) spätestens ab
dem 23. Dezember 2009 nicht mehr dazu hätten verwendet werden können, die
Praxis-Eingangstüren im 3. Obergeschoss zu öffnen (ausser - wenn auch äus-
serst unwahrscheinlich - allenfalls mit dem Pass-Schlüssel der Anlage ...) und
hierfür seit jenem Zeitpunkt die rein neusilbernen Standardschlüssel ... hätten
verwendet werden müssen, wobei die Standardschlüssel ... nicht zur Öffnung von
Praxisschränken hätten verwendet werden können. Damit hätten - so die Vo-
rinstanz zutreffend - im Zeitraum der vorliegend zu beurteilenden Vorfälle (3. Mai
- 18 -
2010 bis 22. Juli 2010) lediglich fünf Schlüssel existiert, mit welchen der Schrank
'B._' habe geöffnet werden können [Schliessanlage ..., Clipschlüssel ...:
zweimal 'Hellrot', zweimal 'Hellviolett', einmal 'Hellgelb'; vgl. auch HD Urk. 10/38
S. 1 und S. 2 sowie die von der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich im
Nachgang zur Konfrontationseinvernahme vom 20. März 2015 (HD Urk. 11/6) er-
stellte Übersicht in HD Urk. 10/29/1], wobei es nicht möglich gewesen sei, sich mit
einem einzigen Schlüssel sowohl zur Praxis als auch zum Schrank 'B._' Zu-
gang zu verschaffen (ausser - wenn auch wie erwähnt äusserst unwahrscheinlich
- allenfalls mit dem Pass-Schlüssel der Anlage ...). Gemäss den glaubhaften
Aussagen von Dr. med. dent. B._ wurden an den Clipschlüsseln ... der Pra-
xis die Farbkappen nie ausgewechselt (HD Urk. 11/6 S. 8).
4. Sodann hat die Vorinstanz die Aussagen des Beschuldigten, der Privatklä-
gerin Dr. med. dent. B._ sowie der Zeuginnen J._ und K._ in den
einzelnen Einvernahmen zum vorliegend zu beurteilenden Anklagesachverhalt
zutreffend zusammengetragen und wiedergegeben (Urk. 52 S. 31-48). Darauf
kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Ausserdem hat das Einzelgericht
diverse schriftliche Unterlagen (v.a. Handnotizen von Praxismitarbeiterinnen) kor-
rekt wiedergegeben (Urk. 52 S. 48-51; Art. 82 Abs. 4 StPO). In eingehender Wür-
digung dieser Beweismittel ist die Vorinstanz - teils auch in Ausschliessung ande-
rer Personen als Täter - zum Schluss gelangt, die einzig plausible Variante sei,
dass der Beschuldigte das Geld behändigt habe (Urk. 52 S. 51-68). Den vo-
rinstanzlichen Erwägungen und der getroffenen Folgerung ist beizupflichten
(Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Ausführungen haben vor allem zusam-
menfassenden, teils auch präzisierenden und ergänzenden Charakter.
4.1. Zu Recht hat die Vorinstanz (Urk. 52 S. 56) die Aussagen des Beschuldigten
in entscheidenden Punkten als widersprüchlich, teilweise wider besseres Wissen
deponiert, und als teils in der Absicht getätigt, den Tatverdacht auf Dritte zu len-
ken, bezeichnet und damit im Ergebnis sinngemäss als wenig verlässlich erach-
tet.
4.1.1. Zu erwähnen ist vorab der Grund für seine Freistellung am 22. Juli 2010.
Während dem Beschuldigten in der ersten (polizeilichen) Befragung am 19. Janu-
- 19 -
ar 2012 vorgehalten wurde, der Vorfall im Zusammenhang mit der Entgegennah-
me von Fr. 5'000.– von einer Patientin habe zu seiner sofortigen Freistellung ge-
führt und er dies unwidersprochen so stehen liess (vgl. HD Urk. 11/1 S. 10), de-
ponierte er erst in der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 17. Oktober 2014
eine Geschichte, wonach er gegenüber dem Amt für Administrativmassnahmen
die tatsachenwidrige Behauptung von Dr. E._, sie habe eine Geschwindig-
keitsüberschreitung mit dem Mini von B._ begangen, hätte richtig stellen sol-
len, und bezeichnete dieses Vorhaben bzw. Rache seiner ehemaligen Arbeitge-
berin als wahres Motiv für die Freistellung (HD Urk. 11/5 S. 4 f.). Auch die Vertei-
digung machte anlässlich der Berufungsverhandlung geltend, die Freistellung sei
aus Rache dafür erfolgt, dass der Beschuldigte Dr. E._ hinter dem Rücken
der Privatklägerin Dr. med. dent. B._ half (Urk. 63 S. 4 ff.). Hätte solches zu-
getroffen, wäre zu erwarten gewesen, dass der Beschuldigte dies bereits bei der
ersten Befragung im Januar 2012 richtig gestellt hätte, zumal die Privatklägerin
Dr. med. dent. B._ eine solche Episode mit dem Entreissen eines Doku-
ments in ihrer ersten Befragung ebenfalls geschildert hatte [vgl. HD Urk. 12/1 S. 2
("versuchte mir, ein Dossier aus den Händen zu reissen"); vgl. auch HD Urk. 4/8].
Kommt hinzu, dass der Beschuldigte im Juli 2010 ohnehin in gekündigter Position
stand (B._ in HD Urk. 12/1 S. 2) und eine Freistellung ohne Weiteres auch im
Einklang mit einem Vertrauensverlust, resultierend aus dem Verdacht einer Delin-
quenz, stand. Angemerkt sei, dass der Beschuldigte auch im arbeitsrechtlichen
Prozess im Herbst 2010 kein Rachemotiv als Freistellungsgrund ins Feld führte.
Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 63 S. 7) sind sodann die dem
Beschuldigten vorgeworfenen Taten zu komplex, als dass sie die Privatklägerin
Dr. med. dent. B._ hätte konstruieren können, nur um sich zu rächen.
4.1.2. Die Vorinstanz (Urk. 52 S. 52) hat zutreffend darauf hingewiesen, dass der
Beschuldigte, nachdem er jeweils geltend gemacht habe, sich nicht mehr genau
erinnern zu können, auf Vorhalt von Aussagen von weiteren Verfahrensbeteiligten
oder weiteren Beweismitteln sich plötzlich wieder an irgendwelche Details habe
erinnern können. So habe er zunächst angegeben, das Bargeld sei 'irgendwo',
mitunter auch in Schubladen, verstaut worden (vgl. HD Urk. 11/1 S. 6). Dann ha-
be er angegeben, das Geld in 'irgendeinem' Schrank, allenfalls auch in mehreren
- 20 -
verschiedenen Schränken, deponiert zu haben (vgl. HD Urk. 11/2 S. 3). Als ihm
sein eigens erstelltes Protokoll, in welchem vom 'mittleren Schrank' die Rede sei,
vorgehalten worden sei, seien ihm gar Details zum Schliessmechanismus des
Schranks eingefallen ('abschliessbarer Rundverschluss'; HD Urk. 11/2 S. 6).
4.1.3. Das vorinstanzliche Einzelgericht (Urk. 52 S. 52) hat auch bemerkt, dass
weitere, oftmals ausweichende oder abstreitende Antworten des Beschuldigten
darauf schliessen liessen, er vermöge sich eigentlich noch zu erinnern, obwohl er
das Gegenteil geltend mache. Exemplarisch dazu ist sein Aussageverhalten im
Zusammenhang mit der Entgegennahme der schliesslich verschwundenen
Fr. 5'000.–. Während er zunächst bestritt, die Fr. 5'000.– entgegen genommen zu
haben (HD Urk. 11/1 S. 8), bestätigt er dann doch, die Summe von I._ emp-
fangen (und in Absprache mit B._ im Schrank deponiert) zu haben (HD
Urk. 11/1 S. 10). Anlässlich einer späteren Befragung gab dann der Beschuldigte
wiederum vor, sich nicht mehr erinnern zu können (HD Urk. 11/2 S. 9). Als ihm
dann das wohl gut im Erinnerungsvermögen haftende Detail mit dem auffälligen in
die Luft-Werfen des Geldes vorgehalten wurde, wich er aus ('es würde zu meiner
Person passen') und schloss nicht aus, dass es so gewesen sein könnte (vgl. HD
Urk. 11/2 S. 9 f.). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung gab der Be-
schuldigte dann zu Protokoll, sich erinnern zu können (HD Urk. 43 S. 8), was er
auch anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte (Prot. II S. 13). Erstaunlich
und im Kontrast dazu ist sein in derselben Befragung vom 15. Januar 2014 an
den Tag gelegtes stupendes Erinnerungsvermögen bezüglich Auswechseln der
Zylinder an den Eingangstüren nach dem Weggang von Dr. L._ und dessen
Gehilfin (vgl. HD Urk. 11/2 S. 8 'ich glaube, er hiess Schlüssel M._ am
...platz'; vgl. auch die detaillierte Schilderung des Beschuldigten in der Konfronta-
tionsbefragung HD Urk. 11/6 S. 11 f.). Gemäss einer schriftlichen Notiz des Be-
schuldigten (vgl. HD Urk. 2/6) hielt sich der Beschuldigte am 9. Mai 2010, einem
Sonntag, ca. um 23.30 Uhr, in der Zahnarztpraxis auf und stellte fest, dass ein im
mittleren Schrank deponiertes Couvert mit Fr. 2'600.– (aus Kundenzahlungen)
fehlte. Angesprochen auf seinen damaligen Aufenthalt in der Praxis, konnte der
Beschuldigte erstaunlicherweise nicht schildern, was damals vorgefallen war (vgl.
HD Urk. 11/1 S. 9, Antworten 65 und 66; HD Urk. 11/2 S. 7). Dies ist um so be-
- 21 -
merkenswerter, als dass das Verschwinden dieses Bargeldes ein (damals) einma-
liger Vorgang darstellte, war doch vor und nach der Anstellung des Beschuldigten
in der Praxis nie Geld abhanden gekommen (vgl. dazu Dr. med. dent. B._ in
HD Urk. 12/1 S. 5 und S. 6, J._ in HD Urk. 12/5 S. 8, K._ in HD
Urk. 12/6 S. 9). Daher wäre zu erwarten gewesen, dass dieser Vorfall dem Be-
schuldigten noch in bester Erinnerung gewesen wäre. Auffällig ist auch, dass der
Beschuldigte in jener, um 10.42 Uhr begonnenen Befragung - nach 11.15 Uhr -
um 12.26 Uhr bereits das zweite Mal eine Toilettenpause benötigte (vgl. HD
Urk. 11/1 S. 5 und S. 9). Thema der Befragung vor der ersten Toilettenpause war
die (zentrale) Frage der Zugänglichkeit der Räume und Schränke für die einzel-
nen Mitarbeiter in der Zahnarztpraxis. Solche Ungereimtheiten in den Depositio-
nen lassen auf ein ausgesprochen selektives Aussageverhalten des Beschuldig-
ten - je nachdem, ob dies aus seiner Sicht zu seinem Vorteil erschien - schlies-
sen.
4.1.4. Mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 53) erweist sich auch die Behauptung des
Beschuldigten, wonach er von Patienten geleistete Bargeldzahlungen statt im
Schrank zu deponieren auf die Bank habe bringen wollen, was B._ abgelehnt
habe (HD Urk. 11/1 S. 6, Antwort 47, und S. 8, Antwort 58; in diesem Sinne auch
in HD Urk. 11/2 S. 3 und S. 9; vgl. auch Prot. II S. 12), als wenig glaubhaft. Einer-
seits hat dies Dr. med. dent. B._ mit einer einleuchtenden Begründung in Ab-
rede gestellt (HD Urk. 12/2 S. 6: 'Vor seiner Anstellung hatte man die Patienten-
zahlungen eingenommen und direkt auf der Post auf das Praxiskonto einbezahlt
oder sie als Barzahlung eingebucht. Herr A._ sagte mir dann, man solle die-
ses Geld so bar aufbewahren und als Kassaeingang verbuchen'). Anderseits hat
der Beschuldigte gemäss übereinstimmender Aussagen von Dr. med. dent.
B._ Barzahlungen von Patienten forciert (HD Urk. 12/2 S. 7; Prot. II S. 19)
bzw. sind die Barzahlungen nach der Anstellung des Beschuldigten gemäss
K._ merklich angewachsen (HD Urk. 12/6 S. 6 f.) und so Bedarf für Bargeld-
deponierungen geschaffen.
4.1.5. Auch ist - wie die Vorinstanz unter Anfügung diverser Beispiele, auf die
verwiesen sei, zutreffend festgestellt hat (Urk. 52 S. 53-56; Art. 82 Abs. 4 StPO) -
- 22 -
offensichtlich, dass der Beschuldigte mit seinen differierenden, teils inhaltlich auch
klar falschen Aussagen versuchte, den möglichen Täterkreis möglichst weit zu
halten bzw. den Verdacht von sich weg auf andere Personen zu lenken.
4.1.5.1. Dr. L._ scheidet als Täter aus, da mit seinem Weggang im Januar
2010 (vgl. dazu Ordner blau, Abgriff 33, Kündigung des Miet- und Infrastrukturbe-
nützungsvertrages) die Schlösser zu den Eingangstüren im dritten Stock ausge-
wechselt wurden (HD Urk. 11/2 S. 8 f.). Dr. L._ und dessen Gehilfin gaben
zudem ihren (mit einem schwarzen Clip versehenen) Schlüssel zum Schrank dem
Beschuldigten zurück (HD Urk. 11/1 S. 5, Antwort 34; HD Urk. 11/2 S. 9). Dass
dieser Schlüssel im Übrigen - entgegen der Behauptung des Beschuldigten (HD
Urk. 11/2 S. 9) - nicht zum 'roten' Schrank passte, wurde bereits dargelegt (vgl.
dazu auch Übersicht Schliessanlage in HD Urk. 10/29/1).
4.1.5.2. Auch die von Oktober 1985 bis Januar 2010 für Dr. med. dent. B._
tätige Dentalassistentin K._ kann als Täterin ausgeschlossen werden, auch
wenn der Beschuldigte in einem Schreiben vom 24. September 2010 den Ver-
dacht auf K._ bzw. eine Person, an welche K._ den Schlüssel weiterge-
geben haben soll, lenkte (vgl. entsprechendes Schreiben in HD Urk. 8/6). Die Be-
hauptung des Beschuldigten in der Einvernahme vom 15. Januar 2014, die Gehil-
fin K._ habe einen 'Pass'-Schlüssel gehabt, welchen sie jemandem weiter-
gegeben habe, und dieser Schlüssel sei nie mehr aufgetaucht (HD Urk. 11/2 S. 7
und S. 8), entspricht nicht den Tatsachen. Dasselbe gilt für seine Behauptung in
seinem Schreiben vom 24. September 2010, K._ habe einen Schlüssel der
im Dezember 2009 installierten Anlage einer unbekannten Person weitergegeben
(vgl. entsprechendes Schreiben in HD Urk. 8/6). Einerseits hatte es "in der Praxis"
nie einen 'Pass'-Schlüssel gegeben [vgl. HD Urk. 10/29/1; zum Aufbewahrungsort
des ab Januar 2010 existenten 'Pass'-Schlüssels mit hellgelbem Clip (vgl. HD
Urk. 10/39/2/1-4) Dr. med. dent. B._ in HD Urk. 11/6 S. 9]. Anderseits sagte
K._ als Zeugin aus, dass sie ihren Praxiseingangsschlüssel jeweils - aus
dem nachvollziehbaren Grund, weil der Beschuldigte schlichtweg zu wenig
Schlüssel für alle Praxismitarbeiter bestellt hatte (vgl. zur Nachbestellung HD
Urk. 10/39/5/1) - derjenigen Mitarbeiterin, welche die Praxis als letzte zu verlas-
- 23 -
sen gehabt habe, kurzzeitig abgegeben, jedoch stets wieder zurückerhalten habe
(HD Urk. 12/6 S. 10 f.). K._ und J._ erklärten übereinstimmend, es sei
ihnen nicht bekannt, dass je ein Schlüssel der im Dezember 2009 installierten An-
lage abhanden gekommen wäre (HD Urk. 12/6 S. 10, HD Urk. 12/5 S. 10).
4.1.5.3. Auch die Behauptung des Beschuldigten gegenüber der Polizei, er wisse,
dass in der Praxis bereits früher Geld abhanden gekommen sei (HD Urk. 11/1
S. 10), ist angesichts der gegenteiligen Aussagen von Dr. med. dent. B._
(HD Urk. 12/1 S. 5 und S. 6), J._ (HD Urk. 12/5 S. 8) und K._ (HD
Urk. 12/6 S. 9) ebenfalls im Konnex mit der Strategie des Beschuldigten, den
Verdacht von sich zu lenken, zu sehen.
4.1.5.4. So erstaunt es dann auch wenig, dass der Beschuldigte anlässlich seiner
fünften Befragung plötzlich noch eine weitere Person - den Treuhänder des be-
nachbarten Büros (Untermieter eines Teils der Praxisräumlichkeiten) - ins Spiel
brachte, der (bzw. eine Drittperson) durch eine eingedrückte Pavatexwand von
seinen Räumlichkeiten in die Zahnarztpraxis hätte gelangen können (vgl. HD
Urk. 11/6 S. 12). Selbst wenn ein solcher Zugang bestanden hätte, ist auszu-
schliessen, dass dieser Treuhänder bzw. eine Drittperson einen Schlüssel zum
mittleren ('roten') Schrank hatte. Ausserdem gab Dr. med. dent. B._ glaub-
haft zu Protokoll, dass nach Ausweisung des Treuhänders dessen Bürotür mit ei-
ner Eisenstange gesichert und zudem von innen ein Schlüssel stecken gelassen
worden sei (HD Urk. 11/6 S. 13).
4.1.6. Das wenig verlässliche Aussagenverhalten des Beschuldigten illustrieren
folgende Depositionen. So gab der Beschuldigte in der polizeilichen Befragung
vom 19. Januar 2012 auf die Frage, ob er praktische Erfahrung als Buchhalter
besitze, zu Protokoll, seit Jahren als Buchhalter zu arbeiten (HD Urk. 11/1 S. 3).
Demgegenüber deponierte er am 17. Oktober 2014 bei der Staatsanwaltschaft,
kein Buchhalter zu sein (HD Urk. 11/5 S. 7). Die Frage, ob er Arbeitsutensilien
oder Gegenstände aus der Zahnarztpraxis nach Hause genommen habe, vernein-
te der Beschuldigte (HD Urk. 11/1 S. 5). Erstellt ist demgegenüber, dass in der
Wohnung des Beschuldigten beispielsweise mehrere Bogen Papier mit dem Logo
- 24 -
der Zahnarztpraxis oder eine Auflistung der Behandlungskosten diverser Patien-
ten sichergestellt wurden (vgl. Ordner blau, Abgriff 2 und 3).
4.2. Das Einzelgericht (Urk. 52 S. 56-60) hat die Aussagen von Dr. med. dent.
B._ einer eingehenden Würdigung unterzogen. Es ist zum Schluss gelangt,
dass ihre - teils kargen - Aussagen zum langjährigen Umgang mit Bargeld, resul-
tierend aus Zahlungen zahnärztlicher Leistungen durch Patienten, als wenig
glaubhaft zu qualifizieren seien, und führte als Grund dafür das Bestreben von
B._ an, drohenden Schaden von der Praxis bzw. von ihr abzuwenden als
Folge einer allfälligen (steuerlichen) Aufdeckung des in der Praxis geherrschten
Umganges mit Bargeld. Dieser vorinstanzlichen Einschätzung kann ohne Weite-
res beigepflichtet werden (Urk. 52 S. 56 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Insbesondere ist
davon auszugehen, dass bereits vor der Anstellung des Beschuldigten die lang-
jährige Usanz herrschte, kleinere Bargeldbeträge in der Praxis zu deponieren. Die
Deponierung höherer bzw. hoher Beträge ging indes - wie bereits erwogen - auf
die Idee des Beschuldigten zurück. Auch die Ausführungen von Dr. med. dent.
B._ zur Anzahl für den mittleren ('roten') Schrank passenden Schlüssel er-
weisen sich mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 58 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO) als im Er-
gebnis wenig verlässlich; indes erfolgten die Angaben von B._ - wie die Erst-
instanz zu Recht geschlossen hat - nicht wider besseres Wissen bzw. böswillig,
sondern aufgrund eigenen Unvermögens und weil sie sich offenkundig nie ein-
lässlich mit dem Schliesssystem ihrer Zahnarztpraxis vertraut gemacht hatte -
wohl auch weil sie die entsprechende Charge delegiert hatte (an K._ und
später an den Beschuldigten, vgl. HD Urk. 12/1 S. 1, Urk. 12/2 S. 6). Im Übrigen
erweisen sich mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 59 f.) die Ausführungen von Dr. med.
dent. B._ als im Wesentlichen gleichbleibend und kohärent. Insbesondere
hielt sie fest, dass während der Tathandlungen lediglich sie, der Beschuldigte so-
wie J._ bzw. Frau N._ (Treuhänderin) Zugang zum mittleren ('roten')
Schrank gehabt hätten (vgl. auch J._ in HD Urk. 12/5 S. 8). Mit dem Einzel-
gericht und entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 63 S. 7 ff.) sind die
Aussagen von Dr. med. dent. B._ zu den Ereignissen um den Vorfall in der
Zeit vom 3. bis 10. Mai 2010 und 20. bis 22. Juli 2010 teilweise vage, aber letzt-
- 25 -
lich konstant, in sich geschlossen und entsprechend glaubhaft (Urk. 52 S. 59 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.3. Die Vorinstanz hat die Ausführungen von J._ - soweit sie sich vier Jah-
re später noch an die Umstände der Vorfälle vom 3. bis 10. Mai 2010 und vom 20.
bis 22. Juli 2010 zu erinnern vermochte - als glaubhaft eingestuft (Urk. 52
S. 61 f.). Dieser Einschätzung ist beizupflichten (Art. 82 Abs. 4 StPO). Das Ein-
zelgericht (Urk. 52 S. 61) hat zu Recht darauf hingewiesen, es erscheine auf den
ersten Blick etwas seltsam, dass J._ nicht gewusst haben wolle, dass das
Bargeld im mittleren ('roten') Schrank aufbewahrt worden sei, obwohl sie auf die-
sen - wegen der darin befindlichen Ordnern mit Kreditoren (vgl. HD Urk. 12/5 S. 9)
- Zugriff gehabt habe. Werde jedoch in Betracht gezogen, dass es nach dem Ver-
schwinden der Fr. 5'000.– zunächst eines Telefonats an den Beschuldigten be-
durft habe, um diesen nach dem Verbleib des Geldes zu fragen, und erst dann
aufgrund seiner Angaben im mittleren Schrank danach gesucht worden sei, er-
scheine die Angabe von J._ durchaus glaubhaft. Ansonsten hätte sie auch
direkt und ohne Telefonat an den Beschuldigten im mittleren Schrank nachsehen
können. Dafür, dass sie nicht gewusst habe, wo das Bargeld normalerweise de-
poniert werde, spreche auch der Umstand, dass sie es anlässlich des Vorfalls
vom 9. Juli 2010 (Vorwurf des Diebstahls), als weder Dr. med. dent. B._
noch der Beschuldigte in der Praxis anwesend gewesen seien, nicht im Schrank
eingeschlossen habe, sondern auf den Tisch der Privatklägerin gelegt habe.
4.4. Hinsichtlich der Notiz des Beschuldigten über das Abhandenkommen der
Fr. 2'600.– (HD Urk. 2/6) wäre zu erwarten, dass der Beschuldigte zumindest über
die Deponierung des Couverts mit dem Geld im mittleren Schrank informiert war
(vgl. dazu auch den Vorhalt vor Vorinstanz in HD Urk. 43 S. 8). Dessen ungeach-
tet gab er in der polizeilichen Befragung zu Protokoll, sich nicht mehr an den Vor-
fall erinnern zu können (HD Urk. 11/1 S. 9). Auch in der späteren staatsanwalt-
schaftlichen Befragung sah sich der Beschuldigte ausser Stande zu sachdienli-
chen Angaben (HD Urk. 11/2 S. 2 und S. 7). Erst auf Nachfrage gab der Beschul-
digte vor Vorinstanz zu Protokoll, nicht mehr zu wissen, ob er das Geld entgegen
genommen und dort deponiert habe oder ob dies jemand anders gewesen sei
- 26 -
(HD Urk. 43 S. 8 f.). Gestützt auf den Wortlaut der Notiz ist anzunehmen, dass
der Beschuldigte jedenfalls über die Deponierung des Bargeldes im mittleren
Schrank im Bilde war. Das Einzelgericht (Urk. 52 S. 63) hat im Zusammenhang
mit dieser Notiz des Beschuldigten zu Recht bemerkt, es lasse sich nicht restlos
erklären, weshalb der Beschuldigte in seiner Notiz von einem fehlenden Schlüssel
ausgehe, da nach seinen eigenen Angaben nie eine Schlüsselkontrolle geführt
worden sei und er daher kaum mit Sicherheit habe feststellen können, dass tat-
sächlich ein Schlüssel gefehlt habe. Der Beschuldigte versuche den Tatverdacht
auf eine Drittperson zu lenken und dies gleich in einer derart unbestimmten Wei-
se, dass eine Nachverfolgung von vornherein als kaum möglich erscheinen solle,
wobei als einzige bekannte frühere Mitarbeiterin, welche einen zum mittleren
Schrank passenden Schlüssel gehabt habe, K._ in Frage käme. Deren
Schlüssel sei jedoch aufgrund der übereinstimmenden Aussagen von Dr. med.
dent. B._ sowie K._ und J._ nach dem Ausscheiden von K._
an J._ gegangen. Dass sich der Beschuldigte - so das Einzelgericht zu Recht
- zudem als Opfer darstelle, wobei kaum zu erklären sei, weshalb ein Dieb einen
wohl wertlosen Ordner - und nicht etwa Computer, Bildschirme etc. - behändigen
sollte, weise eine Parallelität zum Vorgehen der vom Beschuldigten schliesslich
eingestandenen Sachverhalte 'HD 1.1' und 'HD 1.2' auf, bezüglich welcher der
Beschuldigte (bis zu seinem Geständnis erfolgreich) den Tatverdacht auf Drittper-
sonen gelenkt und sich selber als Opfer dargestellt habe.
4.5. Mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 65) ist davon auszugehen, dass nach dem
Wechsel der beiden Schlösser der Eingangstüren zur Praxis im 3. Stock im De-
zember 2009 auch K._, welche ihre Stelle dann Ende Januar 2010 aufgab,
einen neuen Praxiseingangsschlüssel ... erhielt. Entgegen der wenig glaubhaften
Behauptung des Beschuldigten, K._ habe einen solchen Schlüssel einer
nicht mehr eruierbaren Person weitergegeben, ist anzunehmen, K._ habe ih-
ren Schlüssel stets wieder zurückerhalten und es habe anlässlich der Tatzeit-
punkte keiner der neuen Praxiseingangsschlüssel als vermisst gegolten. Den
'roten' Schlüssel (für den mittleren Schrank) hatte K._ gemäss übereinstim-
mender Aussage von Dr. med. dent. B._ (HD Urk. 12/3 S. 4), K._ (HD
- 27 -
Urk. 12/6 S. 9) und J._ (HD Urk. 12/5 S. 8 f.) zufolge nach ihrem Ausschei-
den aus der Praxis an J._ übergeben.
4.6. Hinsichtlich des Vorfalles im Mai 2010 hatte zum mittleren ('roten') Schrank
nachweislich der Beschuldigte, Dr. med. dent. B._ und J._ mittels je ei-
nem passenden Schrankschlüssel Zugang. Wo sich der vierte Schlüssel befand,
ist mit der Vorinstanz unklar. Sowohl der Beschuldigte wie auch Dr. med. dent.
B._ - letztere gestützt auf die Behauptung des Beschuldigten - gingen davon
aus, dass ein Schlüssel für den mittleren Schrank gefehlt habe (HD Urk. 2/6; HD
Urk. 12/1 S. 4 und HD Urk. 12/2 S. 10), wobei der Beschuldigte in der ersten Be-
fragung noch deponiert hatte, nicht zu wissen, wie viele Schlüssel es zu den
Schränken gegeben habe (HD Urk. 11/1 S. 4, Antwort 33). Auch K._ gab an,
es habe während ihrer Anstellung lediglich drei Schlüssel für den roten Schrank
gegeben, wovon einer bei ihr, einer bei Dr. med. dent. B._ und einer im mitt-
leren Schrank gelagert worden sei, bevor der Beschuldigte diesen letzten erhalten
habe (HD Urk. 12/6 S. 9). Anderseits sagten J._ und K._ übereinstim-
mend aus, nach ihrem Wissen habe nie ein Schlüssel gefehlt (HD Urk. 12/5 S. 10
und HD Urk. 12/6 S. 10), mit anderen Worten wurde nie ein Schrankschlüssel
vermisst.
4.7. Die Vorinstanz (Urk. 52 S. 66) hat dann zu Recht die Täterschaft einer na-
mentlich nicht bekannten Person bzw. einer nicht mehr eruierbaren Praxisange-
stellten bzw. von K._, die beispielsweise im Rahmen der Beschaffung zweier
neuer hellvioletter Schlüssel im April 2008 einen Schlüssel für den Zugang zum
mittleren Schrank behändigt hätte, und im Dezember 2009 einen neuen Schlüssel
für die Praxiseingangstüren erhalten hätte, ausgeschlossen. Es wäre nicht zu er-
warten, dass eine solche Person über zwei Jahre zuwartet, um dann Geld zu be-
händigen. Ausserdem wussten lediglich Dr. med. dent. B._, der Beschuldig-
ten und K._, dass im mittleren Schrank zeitweise Bargeld aufbewahrt wurde.
Hinzu kommt, dass der Täter wohl auch um das tatsächlich im Mai 2010 und Juli
2010 im mittleren Schrank deponierte Geld gewusst haben müsste. K._ war
jedoch im Tatzeitpunkt nicht mehr in der Zahnarztpraxis tätig und wusste deshalb
nicht um die Entgegennahme von Bargeld und dessen Deponierung im mittleren
- 28 -
Schrank. Sie scheidet auch aus diesem Grund als Täterin aus. Gegen die Version
einer Person, die unberechtigt in den Besitz eines Zugang zum mittleren Schrank
verschaffenden Schlüssels gelangt ist, spricht auch der Umstand, dass der an-
geblich vermisste (hell-)rote Schlüssel beim Entdecken des Bargeldverlusts im
Schloss des (mittleren) Schranks gesteckt haben soll (vgl. HD Urk. 2/6). Ein Täter,
welcher sich den ungehinderten Zugang zur Praxis und zum mittleren Schrank zu
Nutze macht, würde sein bestes Werkzeug wohl kaum nach einem allerersten
Zugriff auf den Schrank zurücklassen und zudem eine Fährte legen, obwohl er
doch seine Tat mit dem Schlüssel beliebig wiederholen könnte.
4.8. Wenn eine vierte unbekannte Person als Täter für den Vorfall vom Mai 2010
ausgeschlossen werden kann, verblieben nebst dem Beschuldigten J._ und
Dr. med. dent. B._ als mögliche Täter. Wäre die Version mit dem angeblich
vermissten und dann aufgetauchten Schlüssel zutreffend, könnte zumindest für
den Vorfall vom Juli 2010 der (vierte) Schlüssel nicht mehr als vermisst gelten, da
der Täter diesen beim ersten Vorfall im Mai 2010 im mittleren Schrank stecken
liess. Mit der Vorinstanz kommen jedoch Dr. med. dent. B._ und J._
nicht als Täterinnen in Frage. Erstere scheidet als Praxisinhaberin vernünftiger-
weise aus, macht es doch wenig Sinn bzw. ist kein Motiv erkennbar, weshalb sich
Dr. med. dent. B._ selber bestehlen und anschliessend den Beschuldigten
als 'Sündenbock' hinstellen sollte, dem sie mit der Anstellung in der Praxis eine
Chance für den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben bieten wollte (vgl. HD Urk. 12/1
S. 6, Urk. 12/2 S. 5). Dr. med. dent. B._ war - wie bereits angetönt - darauf
bedacht, allfällige Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem Bargeldverkehr in
ihrer Praxis möglichst unter dem Deckel zu halten, da sie bei einer strafrechtli-
chen Untersuchung aufgrund der gelebten Usanzen damit rechnen musste, selbst
ins Visier staatlicher Untersuchungen zu geraten. Die Konstruktion eines Dieb-
stahls mit der damit einhergehenden Ermittlungstätigkeit wäre damit diametral zu
ihren Interessen gestanden. Auch J._ scheidet vernünftigerweise als mögli-
che Täterin aus. Einerseits konnte sie glaubhaft darlegen, nicht gewusst zu ha-
ben, in welchem Schrank das Bargeld jeweils aufbewahrt wurde. Andererseits
spricht das Indiz, wonach (gemäss Aussagen von Dr. med. dent. B._ und
K._, aber auch von ihr selbst) weder vor noch nach der Anstellung des Be-
- 29 -
schuldigten jemals Gelder abhanden kamen, dafür, dass sich die seit 1988 in der
Praxis tätige J._ nichts zu Schulden hat kommen lassen. Somit verbleibt mit
der Vorinstanz als einzige plausible Variante diejenige einer Täterschaft des Be-
schuldigten, nachdem die rein theoretisch auch denkbaren anderen Versionen
derart abwegig bzw. als derart unwahrscheinlich erscheinen. Der Anklagesach-
verhalt kann deshalb in diesem Punkt als erstellt gelten.
E. Sachverhalt Anklage I/HD 1.3. (Anklage S. 6; 'Betrug')
1. Mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 26) ist unbestritten, dass der Beschuldigte in
der Zahnarztpraxis von Dr. med. dent. B._ im Zeitraum der vorgeworfenen
Tathandlungen in einer leitenden Funktion tätig war und er im Rahmen seiner Tä-
tigkeit Zugang zum Bargeldverkehr hatte, für das Schlüsselwesen und die (Per-
sonal-)Administration zuständig war und sich um die Debitoren- und Kreditoren-
verwaltung kümmerte [HD Urk. 11/2 S. 2 ff., HD Urk. 11/5 S. 6 f.; Arbeitsbestäti-
gung vom 13. September 2010 und Arbeitsvertrag ('Leitung Administration') im
Ordner blau, Abgriff 17 und 20; HD Urk. 12/2 S. 4 f. und S. 6; vgl. auch HD
Urk. 11/1 S. 6 und HD Urk. 12/5 S. 4].
2. Unbestritten und erwiesen ist, dass eine (praxisfremde) Rechnung der
G._ GmbH über Fr. 2'399.– für Fahrradbestandteile, welche an den Beschul-
digten privat adressiert war (HD Urk. 10/25), von Dr. med. dent. B._ bzw.
über deren Praxis bezahlt wurde (HD Urk. 12/2/2; HD Urk. 12/2 S. 23, HD
Urk. 12/3 S. 10 f., HD 11/5 S. 10 f.).
3. Das Einzelgericht hat die Aussagen des Beschuldigten, der Privatklägerin
Dr. med. dent. B._ sowie von K._ in den einzelnen Einvernahmen zum
vorliegend zu beurteilenden Anklagesachverhalt zutreffend zusammengetragen
und wiedergegeben (Urk. 52 S. 72-76). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO). Ausserdem hat das Einzelgericht diverse schriftliche Unterlagen
(Rechnung der G._ GmbH vom 3. März 2010, div. E-Mail-Korrespondenz,
schriftliche Korrespondenz) korrekt wiedergegeben (Urk. 52 S. 76-78; Art. 82
- 30 -
Abs. 4 StPO). In Würdigung dieser Beweismittel ist die Vorin-stanz zum Schluss
gelangt, es habe kein Grund für Dr. med. dent. B._ bestanden, dem Be-
schuldigten einen Bonus für seine hervorragenden Leistungen zu bezahlen, und
sie erachtete es als erstellt, dass der Beschuldigte sich eine private Rechnung
durch seine Arbeitgeberin zahlen liess, indem er den entsprechenden Einzah-
lungsschein in den Stapel der Einzahlungsscheine der Praxis-Kreditoren einfügte
und so Dr. med. dent. B._ zusammen mit dem Zahlungsauftrag zur Freigabe
der Zahlung vorlegte (Urk. 52 S. 78-81). Die vorinstanzlichen Erwägungen ver-
mögen zur Gänze zu überzeugen, weshalb ihnen beizupflichten ist (Art. 82 Abs. 4
StPO). Die nachfolgenden Ausführungen haben vor allem zusammenfassenden,
teils auch präzisierenden und ergänzenden Charakter.
3.1. Bereits der Inhalt der aktenkundigen Korrespondenz zwischen dem Be-
schuldigten und Dr. med. dent. B._ im Zeitraum Dezember 2009 und Februar
2010 steht im Widerspruch zur Behauptung des Beschuldigten, offenbart vielmehr
eine Vielzahl erheblicher Differenzen zwischen ihm und seiner Arbeitgeberin und
ist Beleg dafür, dass seine Tätigkeit immer wieder zu Beanstandungen Anlass
gegeben hat (u.a. Ordner blau, Abgriff 23, E-Mail von Dr. med. dent. B._ an
den Beschuldigten vom 31. Dezember 2009). In diesem E-Mail wirft seine Arbeit-
geberin ihm u.a. vor, sich nicht an Anweisungen zu halten, nicht diskret zu sein,
zu intrigieren und die übrigen Mitarbeiter durch sein dauerndes Geschwätz von
der Arbeit abzuhalten. Dr. med. dent. B._ bringt klar ihr Missfallen zum Aus-
druck ('Ich akzeptiere dies nicht mehr und sage es Ihnen jetzt zum letzten Mal')
und erteilt ihm einen Verweis. Dass sich die Arbeitsleistungen des Beschuldigten
in der Folge nicht besserten bzw. seine Arbeitgeberin mit ihm nach wie vor nicht
zufrieden war, belegt die Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch Dr. med.
dent. B._ (Beizugsakten Prozess AN100776: vgl. Urk. 6 S. 2; Ordner blau,
Abgriff 19, Beilage 3). Die Kündigung datiert vom 26. März 2010 (ebd.). Wie bei
dieser zeitlichen Koinzidenz zwischen Begleichung der Rechnung am 25. März
2010 und der Kündigung am 26. März 2010 diese Zahlung als Belohnung oder
Bonus für herausragende Leistungen des Beschuldigten interpretiert werden
kann, muss sein Geheimnis bleiben. So führte die Privatklägerin B._ auch
anlässlich der Berufungsverhandlung aus, sie habe keinen Grund gehabt, ihn zu
- 31 -
honorieren, da sie zu diesem Zeitpunkt schon längstens darauf gewartet hätten,
dass er endlich draussen sei (Prot. II S. 21).
3.2. Die Vorinstanz (Urk. 52 S. 78) hat zu Recht die unter Bezugnahme auf
K._ aufgestellte Behauptung des Beschuldigten verworfen, Dr. med. dent.
B._ habe immer alles 'penibel' angeschaut und es sei daher nicht erklärbar,
weshalb sie eine solche Zahlung trotzdem getätigt habe (vgl. HD Urk. 11/6 S. 5).
Weder B._ noch K._ haben sich entsprechend geäussert; vielmehr hat
K._ - im Einklang mit B._ (HD Urk. 12/3 S. 9 f.) - deponiert, dass nach
erfolgter Absprache mit B._ jeweils der Zahlungsauftrag inklusive der ge-
sammelten Einzahlungsscheine B._ zur Unterschrift vorgelegt und danach
'das Ganze' zur Bank geschickt worden sei (HD Urk. 12/6 S. 16). Eine eigentliche
Kontrolle durch Dr. med. dent. B._ fand damit im Rahmen der Vorlage des
Zahlungsauftrages nicht mehr statt; von einer 'peniblen' Kontrolle kann schon gar
keine Rede sein. Die Kontrolle durch Dr. med. dent. B._ beschränkte sich
entsprechend ihrer Aussage auf die Kontrolle der Rechnungen beim Posteingang
inklusive einer allfälligen kurzen Rücksprache mit Angestellten, bevor die Rech-
nungen in die Ablage gelangten (vgl. HD Urk. 12/3 S. 9). Nach Ablage der von ihr
für korrekt befundenen Rechnungen fand durch sie somit - wie auch der Beschul-
digte unschwer feststellen konnte - keine Kontrolle mehr statt, sondern sie ver-
traute ihren Angestellten, d.h. K._ und später dem Beschuldigten. Dass die-
ser seine Arbeitgeberin zu Beginn seiner Anstellung zum Durchzählen der Ein-
zahlungsscheine aufforderte (vgl. HD Urk. 12/3 S. 10), ändert nichts daran, dass
Dr. med. dent. B._ die Einzahlungsscheine nicht mehr auf deren Inhalt kon-
trollierte. Mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 79) ist auch das reine Durchzählen als
nutzlose Kontrolle anzusehen: Damit konnte sie nur kontrollieren, ob die Anzahl
der ihr vom Beschuldigten vorgelegten Einzahlungsscheine mit der Anzahl der auf
dem ebenfalls vom Beschuldigten erstellten Zahlungsauftrag übereinstimmte.
3.3. Glaubhaft gab Dr. med. dent. B._ auch zu Protokoll, dass sie eine sol-
che Rechnung niemals über die Praxis bezahlt hätte. Nachvollziehbar erklärte sie,
inwiefern gewisse, prima vista 'privat' erscheinende Auslagen über die Praxis ver-
bucht wurden (Arbeitskleider, Praxistücher etc.), dass jedoch für definitiv als privat
- 32 -
zu taxierende Auslagen ein Privatanteil in der Buchhaltung ausgeschieden wurde
(vgl. HD Urk. 11/6 S. 5 und S. 6). Die Vorinstanz (Urk. 52 S. 79 f.) hat mit zutref-
fender Begründung den Einwand der Verteidigung verworfen, wonach eine solche
private Rechnung spätestens bei der Verbuchung durch den Buchhalter oder
beim Treuhänder aufgeflogen wäre, und der Beschuldigte im Wissen darum nicht
so dumm gewesen wäre, trotzdem so zu handeln. Sie hat darauf hingewiesen,
dass private Rechnungen teilweise unter Ausscheidung eines Privatanteils über
die Praxis bezahlt wurden, und dies dagegen spreche, dass eine solche Rech-
nung überhaupt aufgefallen wäre. Ausserdem habe der Beschuldigte damit rech-
nen können, dass nichts auffliege, solange er als für die Buchhaltung zuständige
Person bei Dr. med. dent. B._ gearbeitet habe. Die Rechnung sei einzig
deshalb aufgefallen, weil diese im Nachgang zu den Vorfällen und der Entlassung
des Beschuldigten entsprechende Nachforschungen getätigt habe.
3.4. Somit ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte kurz vor dem 25. März
2010 den entsprechenden Einzahlungsschein der an ihn adressierten Rechnung
der G._ GmbH vom 3. März 2010 in den Stapel der Einzahlungsscheine der
Praxis-Kreditoren legte, diesen Stapel zusammen mit dem von ihm erstellten
Sammel-Zahlungsauftrag Dr. med. dent. B._ unterbreitete, welche ihn ohne
Kontrolle der einzelnen Einzahlungsscheine unterzeichnete und so die Rechnung
des Beschuldigten über Fr. 2'399.– zur Zahlung freigab. Dabei nutzte der Be-
schuldigte das ihm von seiner Arbeitgeberin entgegen gebrachte Vertrauen aus,
indem sie, wie vom Beschuldigten aufgrund der bislang gepflegten Usanz vorher-
gesehen werden konnte, die einzelnen Rechnungen und Einzahlungsscheine
nicht mehr kontrollierte, sondern den Zahlungsauftrag ohne grössere Nachkontrol-
le unterzeichnete. Der Sachverhalt ist anklagegemäss erstellt.
F. Sachverhalt Anklage I/HD 1.4. (Anklage S. 6 f.; 'Urkundenfälschung')
1. Die Vorinstanz hat zunächst die anlässlich einer Hausdurchsuchung in den
Wohnräumlichkeiten des Beschuldigten sichergestellten und für die Beurteilung
des vorliegenden Anklagesachverhaltes relevanten Dokumente (u.a. Original
- 33 -
Schreibpapier mit Logo der Zahnarztpraxis von Dr. med. dent. B._, Ordner
blau, Abgriff 2; dem Arbeitsgericht durch den Beschuldigten eingereichte Arbeits-
platzbestätigung, Ordner blau, Abgriff 20, Urk. 2/7/1; Arbeitsplatzbestätigung Fax,
Ordner blau, Abgriff 19, Beilage 14; Arbeitsplatzbestätigung Original, HD
Urk. 11/4; div. Arbeitsverträge bezüglich des Beschuldigten sowie einer Drittper-
son, Ordner blau, Abgriff 23, HD Urk. 19/6/11; Arbeitsvertrag und Kündigung
H._ AG, HD Urk. 10/7 und 10/8; Arbeitsbestätigung, Ordner blau, Abgriff 17)
erwähnt und sich zu den Besonderheiten der einzelnen Unterlagen zutreffend
verbreitet (Urk. 52 S. 81-85). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO). Hinsichtlich der dem Arbeitsgericht eingereichten Arbeitsplatzbestätigung
ist zusätzlich zu erwähnen, dass das Dokument neben Rechtschreibefehler auch
diverse Kasus-Fehler aufweist ('Ich habe Herr A._ eingestellt'; 'Betreuung
und Schulung vom Personal'; 'Sicherstellung von einem geordneten Praxisablauf';
Ordner blau, Abgriff 20, Urk. 2/7/1). Festzuhalten ist, dass die Unterschriften auf
den Dokumenten 'Arbeitsplatzbestätigung Arbeitsgericht' und 'Arbeitsplatzbestäti-
gung Fax' nicht identisch sind (vgl. Ordner blau, Abgriff 20, Urk. 2/7/1 und Abgriff
19, Beilage 14). Ausserdem hat das vorinstanzliche Einzelgericht die wichtigsten
Feststellungen und Folgerungen des Schriftgutachtens des Forensischen Instituts
Zürich vom 23. Februar 2015 zusammengefasst (Urk. 52 S. 83 f.). Auch darauf
kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Das Einzelgericht hat die Aussagen des Beschuldigten, der Privatklägerin
Dr. med. dent. B._ sowie von O._ in den einzelnen Einvernahmen zum
vorliegend zu beurteilenden Anklagesachverhalt zutreffend zusammengetragen
und wiedergegeben (Urk. 52 S. 85-90). Darauf sei verwiesen (Art. 82 Abs. 4
StPO). In Würdigung der Beweismittel erachtete es die Vorinstanz zusammenge-
fasst als erstellt, dass einerseits der Beschuldigte die an die H._ AG gesand-
te Arbeitsplatzbestätigung via Kopieren einer Unterschrift aus einem Arbeitsver-
trag mit einer Unterschrift von Dr. med. dent. B._ versah und er anderseits
das so erstellte Dokument der H._ AG zukommen liess. Als Tatzeitraum er-
achtete das vorinstanzliche Einzelgericht die Zeitspanne zwischen dem 25. Juni
2010 und dem 2. September 2010 als gegeben (Urk. 52 S. 91-96). Den überzeu-
genden vorinstanzlichen Erwägungen ist beizupflichten (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die
- 34 -
nachfolgenden Ausführungen haben vor allem zusammenfassenden, teils auch
präzisierenden und ergänzenden Charakter.
2.1. Gestützt auf die Ausführungen im Schriftgutachten des Forensischen Insti-
tuts Zürich vom 23. Februar 2015 ist wohl, zu Gunsten des Beschuldigten, davon
auszugehen, dass Dr. med. dent. B._ das vom Beschuldigten anlässlich der
Einvernahme vom 21. Januar 2014 zu den Akten gegebene Dokument 'Arbeits-
platzbestätigung' unterzeichnete (vgl. HD Urk. 19/10 S. 17). Dieses Dokument ist
indes nicht Gegenstand des Anklagevorwurfes.
2.2. Mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 92 f.) ist auch bezüglich dieses Anklagevor-
wurfes auf das Aussagemuster des Beschuldigten hinzuweisen, welcher versuch-
te, den Kreis möglicher Täter möglichst weit zu halten. Jedoch wird allein mit Hin-
weis auf die Interessenlage der Kreis möglicher Täter faktisch auf den Beschul-
digten begrenzt. Dass er die Mittel zur Manipulation hatte (Original Schreibpapier;
Zugang zu Arbeitsverträgen, versehen mit Originalunterschriften von Dr. med.
dent. B._), ist unbestritten. Gestützt auf das Schriftgutachten des Forensi-
schen Instituts Zürich vom 23. Februar 2015 ist davon auszugehen, dass bei der
'Arbeitsplatzbestätigung Fax' (Ordner blau, Abgriff 19, Beilage 14) der Unterschrif-
tenübertitel 'Der Arbeitgeber:' mittels Kopiermontage schräg zur untersten Zeile
appliziert wurde, wobei der Unterschriftenübertitel samt Unterschrift aus einem
Arbeitsvertrag der Zahnarztpraxis stammte (HD Urk. 19/10 S. 17 f.). Dr. med.
dent. B._ hat denn auch in einer E-Mail vom 26. Oktober 2014 an die Staats-
anwaltschaft darauf hingewiesen, dass im Personalordner bei zwei (älteren) Ver-
trägen die jeweils letzte Seite mit ihrer Originalunterschrift gefehlt habe (HD
Urk. 19/4). Es ist vorab auch kein Grund ersichtlich, weshalb Dr. med. dent.
B._ das inhaltlich identische Dokument 'Arbeitsplatzbestätigung' zweimal -
und dann noch mit unterschiedlicher Unterschrift - unterzeichnen sollte. Dafür hat-
te auch der Beschuldigte keine plausible Erklärung (vgl. HD Urk. 11/2 S. 15). Ge-
mäss Schriftgutachten ergeben sich keine Hinweise dafür, dass die Faxzeile '2.
Sep. 2010 12:18 H._ AG ... Nr. ... S. 1/1' manipulativ in das Dokument ein-
gefügt wurde (HD Urk. 19/10 S. 17 f.). Abwegig ist die vom Beschuldigten aufge-
stellte These, wonach Dr. med. dent. B._ selbst eine 'Arbeitsplatzbestäti-
- 35 -
gung' mit einer hineinkopierten Unterschrift aus einem der Arbeitsverträge der
Praxis erstellt haben soll, um diese dann der H._ AG zukommen zu lassen.
Auch hier ist kein plausibles Interesse der ehemaligen Arbeitgeberin des Be-
schuldigten auszumachen. Dasselbe gilt für die Hypothese der Verteidigung vor
Vorinstanz und anlässlich der Berufungsverhandlung, wonach Dr. med. dent.
B._ das Dokument mit der hineinkopierten Unterschrift selbst unter Änderung
der Absenderadresse per Fax verschickt haben soll (vgl. HD Urk. 41 S. 16 f.; Urk.
63 S. 18).
2.3. Es bestehen keine Zweifel, dass der Beschuldigte, welcher der H._ AG
ein Bewerbungsdossier einreichte (HD Urk. 11/2 S. 16) - entgegen seiner Bestrei-
tung (HD Urk. 11/5 S. 14) - die 'Arbeitsplatzbestätigung Fax' (Ordner blau, Abgriff
19, Beilage 14) bei der H._ AG im Rahmen seiner Bewerbung einreichte. Ei-
ne andere Person kommt vernünftigerweise nicht in Frage.
2.4. Das vorinstanzliche Einzelgericht (Urk. 52 S. 94) hat zutreffend auch darauf
hingewiesen, dass der Beschuldigte ein Motiv für sein Tun hatte. So war ihm auf-
grund seiner Fehlleistungen offenbar bewusst, dass er nicht mit einem für ihn
günstigen Arbeitszeugnis rechnen durfte. Dies wurde ihm auch vom Rechtsvertre-
ter seiner Arbeitgeberin mit Schreiben vom 27. August 2010 unmissverständlich in
Erinnerung gerufen [Ordner blau, Abgriff 17, entsprechendes Schreiben: '(...). Es
versteht sich von selbst, dass vor diesem Hintergrund weder ein gutes Zeugnis
ausgestellt noch eine brauchbare Referenz für Ihre vergangene Tätigkeit bei mei-
ner Klientin erteilt werden kann. Ich gehe davon aus, dass Sie sich freiwillig mit
einer einfachen Arbeitsbestätigung begnügen werden (...)']. Der Beschuldigte
versuchte denn auch im Ende September 2010 angestrengten arbeitsgerichtli-
chen Prozess ein umfassendes Arbeitszeugnis zu erhalten (beigezogene Akten
AN100776: Urk. 1 und Urk. 1a). Der Beschuldigte war damit offenkundig bestrebt,
mit der ihn begünstigend darstellenden 'Arbeitsplatzbestätigung' sein berufliches
Fortkommen zu sichern bzw. zu fördern.
2.5. Mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 95; Art. 82 Abs. 4 StPO) ist der Tatzeitraum
auf die Zeitspanne zwischen 25. Juni 2010 (mutmassliches Ausstelldatum der
Bestätigung) und 2. September 2010 einzugrenzen bzw. im Verhältnis zur Ankla-
- 36 -
geumschreibung auszudehnen. Dabei ist eine Verletzung des Anklageprinzips,
wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. 52 S. 95 f.; Art. 82 Abs. 4
StPO), nicht auszumachen. Dem Beschuldigten war in den Befragungen immer
klar, gegen welchen Vorwurf er sich mit Bezug auf die 'Arbeitsplatzbestätigung
Fax' zu verteidigen hatte.
2.6. Zusammengefasst ist der Anklagesachverhalt mit der erwähnten Korrektur
im Sinne der Anklage erstellt.
G. Sachverhalt Anklage I/HD 1.5. (Anklage S. 7 f.; 'Betrugsversuch', 'Ur-
kundenfälschung')
1. Die Vorinstanz hat zunächst die anlässlich einer Hausdurchsuchung in den
Wohnräumlichkeiten des Beschuldigten sichergestellten und für die Beurteilung
des vorliegenden Anklagesachverhaltes relevanten Dokumente (u.a. Saldobestä-
tigung mit Datum vom 2. Februar 2010, Ordner blau, Abgriff 4 sowie Beizugsakten
AN100776: Urk. 1c; drei Post-Einzahlungsquittungen, Ordner blau, Abgriff 4; Frei-
stellungsverfügungen mit Datum vom 22. Juli 2010, Ordner blau, Abgriff 8, und
Abgriff 20, Urk. 2/8 sowie HD Urk. 2/7; Rechnung vom 27. August 2010 und Leis-
tungsnachweis, Ordner blau, Abgriff 7) erwähnt und sich zu den Besonderheiten
der einzelnen Unterlagen zutreffend verbreitet (Urk. 52 S. 97-100). Darauf kann
verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Ausserdem hat das vorinstanzliche Ein-
zelgericht die wichtigsten Feststellungen und Folgerungen des Schriftgutachtens
des Forensischen Instituts Zürich vom 23. Februar 2015 zusammengefasst
(Urk. 52 S. 98 f.). Auch darauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Des
Weiteren hat sich das vorinstanzliche Einzelgericht zu einzelnen im arbeitsgericht-
lichen Prozess eingereichten Dokumenten sowie dem Ausgang jenes Prozesses
(mittels Vergleich) verbreitet (Urk. 52 S. 99 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Das vorinstanzliche Einzelgericht hat die Aussagen des Beschuldigten, der
Privatklägerin Dr. med. dent. B._ sowie von K._ und J._ in den ein-
zelnen Einvernahmen zum vorliegend zu beurteilenden Anklagesachverhalt zu-
- 37 -
treffend zusammengetragen und wiedergegeben (Urk. 52 S. 100-106). Darauf sei
verwiesen (Art. 82 Abs. 4 StPO). Ausserdem hat es auf ein Schreiben an das Be-
treibungsamt Zürich und den Parteistandpunkt des Rechtsvertreters von Dr. med.
dent. B._ im arbeitsrechtlichen Verfahren sowie das in der Zahnarztpraxis in-
stallierte Patientensystem 'P._' hingewiesen (Urk. 52 S. 100 und S. 104;
Art. 82 Abs. 4 StPO). In Würdigung der Beweismittel erachtete es die Vorinstanz
als erstellt, dass einerseits der Beschuldigte - mittels manipulativer Kopierung der
Unterschrift seiner Arbeitgeberin von der Freistellungsverfügung - die Saldobestä-
tigung mit dieser Unterschrift versah und anderseits die gemäss Einzahlungsquit-
tungen über Fr. 5'000.– und Fr. 3'500.– belegten Einzahlungen nicht auf Bargeld-
Akonto-Zahlungen des Beschuldigten zurückzuführen sind, und der Beschuldigte
auch aus der Akonto-Zahlung über Fr. 1'000.– infolge geleisteter zahnärztlicher
Leistungen keinen Rückvergütungsanspruch hatte, so dass der Beschuldigte dem
Arbeitsgericht Zürich eine gefälschte Saldobestätigung einreichte, um dieses zu
einer entsprechenden Zahlungsverpflichtung von Dr. med. dent. B._ zu ver-
anlassen, obwohl er auf diesen Betrag keinen Anspruch hatte (Urk. 52 S. 106-
110). Die vor-instanzlichen Erwägungen vermögen zu überzeugen, weshalb ihnen
beizupflichten ist (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Ausführungen haben
vor allem zusammenfassenden, teils auch präzisierenden und ergänzenden Cha-
rakter.
2.1. Da der Beschuldigte unstrittig am 22. Juli 2010 freigestellt wurde, kann da-
von ausgegangen werden, dass die Freistellungsverfügung von Dr. med. dent.
B._ an jenem Datum unterzeichnet wurde. Die Saldoerklärung mit Datum
vom 2. Februar 2010 trägt die deckungsgleiche Unterschrift, welche Dr. med.
dent. B._ auf der Freistellungsverfügung vom 22. Juli 2010, welche beim Be-
schuldigten anlässlich der Hausdurchsuchung vorgefunden wurde, angebracht
hatte. Gemäss dem Schriftgutachten des Forensischen Instituts Zürich vom
23. Februar 2015 ist es nicht möglich, dass zwei spontan erstellte Namenszüge
einer Person in ihren Abmessungen und Proportionen derart übereinstimmen,
dass sie eine vollständige Kongruenz aufweisen. Die Unterschriften von Dr. med.
dent. B._ auf den in den Wohnräumlichkeiten des Beschuldigten vorgefun-
denen Freistellungsverfügungen vom 22. Juli 2010 sind deckungsgleich mit der
- 38 -
Unterschrift auf der Saldobestätigung mit Datum vom 2. Februar 2010. Dabei
kann die fragliche Unterschrift mittels Kopiermontage von der Freistellungsverfü-
gung auf die Saldobestätigung übertragen worden sein (HD Urk. 19/10 S. 17). Die
Vorinstanz hat den Einwand der Verteidigung, wonach es auch umgekehrt gewe-
sen sein könnte, zu Recht verworfen (Urk. 52 S. 106), macht es doch schlichtweg
keinen Sinn, dass Dr. med. dent. B._ anlässlich der Freistellung des Be-
schuldigten ihre Unterschrift auf die Freistellungsverfügung kopiert hätte. Die
schlichte originale Unterzeichnung der Verfügung war bedeutend einfacher. Auch
eine Herstellung der Freistellungsverfügung mittels kopierter Unterschrift von der
Saldobestätigung durch den Beschuldigten ist abwegig, ist doch der Nutzen eines
solchen Dokuments für den Beschuldigten äusserst gering. Es ist vielmehr davon
auszugehen, dass der Beschuldigte, der einräumt, die Saldobestätigung verfasst
zu haben (HD Urk. 11/1 S. 9), und dem das Original-Briefpapier der Zahnarztpra-
xis zur Verfügung stand, die Bestätigung nach dem 22. Juli 2010 (und vor dem
24. September 2010) erstellte und mittels Kopiermontage mit der Unterschrift von
Dr. med. dent. B._ von der Freistellungsverfügung versah. Diese Saldobestä-
tigung verfasste der Beschuldigte, um im arbeitsrechtlichen Prozess seine angeb-
liche Vorauszahlung für künftige Zahnbehandlungen gegenüber Dr. med. dent.
B._ belegen zu können.
2.2. Die Angaben des Beschuldigten betreffend die der Saldobestätigung zu-
grundliegenden Begebenheiten betreffend der Postquittungsbelege über
Fr. 5'000.– (einbezahlt am 30. November 2009; Ordner blau, Abgriff 4) und über
Fr. 3'500.– (einbezahlt am 23. Dezember 2009; Ordner blau, Abgriff 4) sind nicht
zutreffend. Unstrittig brachte der Beschuldigte den Vermerk 'A._ acconto' an
(HD Urk. 11/2 S. 14). Gemäss den übereinstimmenden Aussagen von Dr. med.
dent. B._, K._ und J._ stammt die Handschrift betreffend des ein-
bezahlten Betrages von K._. Damit kommt als Empfängerin des jeweiligen
Bargeldbetrages, den der Beschuldigte entweder J._ oder K._ überge-
ben haben will, wohl nur K._ in Frage. Diese erklärte jedoch glaubhaft, nie
Bargeld vom Beschuldigten im Hinblick auf zahnärztliche Behandlungen empfan-
gen zu haben. Zudem vermochte sie - noch bevor sie wusste, dass die Postquit-
tungen beim Beschuldigten in seiner Wohnung sichergestellt werden konnten -
- 39 -
überzeugend darzulegen, wie sie mit von der Post quittierten Einzahlungsbelegen
verfuhr: Nach Barzahlungen wurden den Patienten nie die Postquittungen ausge-
händigt, sondern stets vom System generierte Quittungen ausgestellt. Anders
vorzugehen, erscheint denn auch nicht praktikabel, hätten dann doch die barzah-
lenden Patienten jeweils auf ihre Quittung warten müssen, bis die Einzahlung
durch eine Praxisangestellte getätigt worden war. Ausserdem wäre in diesem Fall
der jeweilige Patient als Einzahler auf der Quittung zu vermerken gewesen - und
nicht Dr. med. dent. B._. Die vom Beschuldigten deponierte Version ergibt
somit wenig Sinn. Vielmehr ist mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 108) anzunehmen,
dass er die Quittungen aus der Praxis behändigte und seinen Namen mit schwar-
zer Schrift auf den beiden Quittungen anbrachte. Entsprechend basieren die bei-
den Posteinzahlungen nicht auf Bargeld-Akonto-Zahlungen des Beschuldigten.
2.3. Mit seiner arbeitsrechtlichen Klage verfolgte der Beschuldigte u.a. das Ziel,
die behauptete Akonto-Zahlung über insgesamt Fr. 9'500.– von Dr. med. dent.
B._ zurückerstattet zu erhalten (Beizugsakten AN100776: Urk. 1 S. 2 und
Urk. 1c). Auch wenn von den in der Saldoerklärung aufgeführten Fr. 9'500.–
Fr. 1'000.– gemäss Einzahlungsquittung vom 29. Oktober 2009 (Ordner blau, Ab-
griff 4) vom Beschuldigten einbezahlt worden sind, vermag dies nichts daran zu
ändern, dass er auch auf diesen Teilbetrag wohl keinen Rückerstattungsanspruch
besass. Die Fr. 1'000.– leistete der Beschuldigte mutmasslich als Anzahlung an
zahnärztliche Leistungen, ausgeführt ab Ende Januar 2009 (bis April 2010), und
dann in Rechnung gestellt mit Rechnung Nr. ... vom 27. August 2010 über Fr.
5'005.90 (vgl. Ordner blau, Abgriff 7). Weshalb diese Anzahlung in der erwähnten
Rechnung nicht aufscheint, muss offen bleiben. Jedenfalls können entgegen der
Vorinstanz (Urk. 52 S. 110) dem Beschuldigten keine Manipulationen im Patien-
tensystem 'P._' unterstellt werden. Diese wären hier denn auch zu seinem
Nachteil gewesen. Wird zudem mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 109 f.) in Betracht
gezogen, dass auch noch nach dem 29. Oktober 2009 zahnärztliche Leistungen
im Umfang von ca. Fr. 1'650.– erbracht wurden, hatte der Beschuldigte wohl kei-
nen Anspruch auf Rückvergütung der Fr. 1'000.–. Dies kann aber letztlich mit
Hinweis auf die rechtliche Würdigung offen bleiben.
- 40 -
2.4. Zusammengefasst reichte der Beschuldigte eine von ihm verfasste und mit
der Unterschrift von Dr. med. dent. B._ versehene Saldobestätigung beim
Arbeitsgericht Zürich ein, um eine gerichtliche Verpflichtung von B._ zur Zah-
lung von Fr. 9'500.– zu seinen Gunsten zu bewirken, obwohl er auf diesen Betrag
zumindest grösstenteils keinen Anspruch hatte. Da er seine Klage im Zusammen-
hang mit dem geschlossenen Vergleich zurückzog, kam es nicht zu einer ent-
sprechenden Zahlungsverpflichtung. Der Sachverhalt ist anklagegemäss erstellt.
H. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz hat sich eingehend zu den Tatbeständen der Veruntreuung,
des Betruges sowie der Urkundenfälschung bzw. der Fälschung von Ausweisen
und auch zur Konkurrenz zwischen Betrug und Urkundenfälschung verbreitet und
ist zum Schluss gekommen, der Beschuldigte habe sich bezüglich der noch zur
Beurteilung stehender Anklagesachverhalte der mehrfachen Veruntreuung im
Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Anklageziffer HD 1.3., Tatbegehung Mai
2010 und Juli 2010), des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Anklagezif-
fer HD 1.3., Tatbegehung März 2010), der Fälschung von Ausweisen im Sinne
von Art. 252 Abs. 1 und 2 StGB (Anklageziffer HD 1.4., Tatbegehung Ju-
ni/September 2010), der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB
(Anklageziffer 1.5., Tatbegehung Juli/September 2010) sowie des versuchten Be-
truges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 StGB (Anklageziffer 1.5.,
Tatbegehung September 2010) schuldig gemacht (Urk. 52 S. 112-130). Auf diese
Ausführungen, denen auch seitens der Verteidigung vor Vorinstanz und im Beru-
fungsverfahren keine als substantiell zu bezeichnenden Einwände entgegen ge-
setzt wurden (vgl. dazu HD Urk. 41 S. 20 f.; Urk. 63) und die keiner Ergänzung
bedürfen, kann vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Der Beschuldigte ist zusätzlich zu dem bereits in Rechtskraft erwachsenen
Schuldspruch somit schuldig zu sprechen der mehrfachen Veruntreuung im Sinne
von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, des mehrfachen, teilweise versuchten Betrugs im
Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 StGB, der Ur-
- 41 -
kundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB sowie der Fälschung von
Ausweisen im Sinne von Art. 252 Abs. 1 und 2 StGB.
- 42 -
IV.
Sanktion
A. Vorinstanzlich ausgesprochene Sanktion/Parteistandpunkte
1. Das vorinstanzliche Einzelgericht bestrafte den Beschuldigten mit einer
Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 150.– als Zusatzstrafe zu der mit Strafbe-
fehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 11. März 2010 ausgefällten Strafe,
wobei der Vollzug der Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jah-
ren aufgeschoben wurde. Zusätzlich wurde der Beschuldigte mit 9 Monaten Frei-
heitsstrafe bestraft, wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe unter Ansetzung einer
Probezeit von drei Jahren aufgeschoben wurde (Urk. 52, insb. S. 160 f.). Wäh-
rend die Staatsanwaltschaft die Bestätigung dieses Strafmasses beantragt
(Urk. 58), lässt der Beschuldigte - entsprechend seinem reduziert beantragten
Schuldspruch - beantragen, er sei mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 50.– als Zusatzstrafe zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
vom 11. März 2010 ausgefällten Strafe zu bestrafen, wobei der Vollzug der Geld-
strafe unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufzuschieben sei
(Urk. 54; Urk. 63).
2. Zum Strafmass führt die Verteidigung im Berufungsverfahren im Wesentli-
chen aus, sie überlasse dem Gericht den Spielraum, was den angemessenen Ta-
gessatz für die von ihr beantragte Geldstrafe von 90 Tagessätzen als Zusatzstrafe
zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft anbelange. Sie sei allerdings der Mei-
nung, dass der Tagessatz mit Fr. 150.– nicht den tatsächlichen wirtschaftlichen
Verhältnissen des Beschuldigten entspreche, weshalb er auf Fr. 50.– gekürzt
werden sollte (Urk. 63 S. 19).
B. Anwendbares Recht
Die Vorinstanz hat sich bezüglich der 2002 und 2003 begangenen und nunmehr
bereits in Rechtskraft erwachsenen Veruntreuungen bzw. der Widerhandlung ge-
- 43 -
gen das Strassenverkehrsgesetz zutreffend zum anwendbaren Recht geäussert
(Urk. 52 S. 130 f.); zwecks Vermeidung von Wiederholungen kann auf diese Er-
wägungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
C. Strafrahmen
Das Bezirksgericht hat die Grundsätze für die Bestimmung des massgeblichen
Strafrahmens zutreffend wiedergegeben und hat den zur Anwendung gelangen-
den Strafrahmen korrekt bestimmt (Urk. 52 S. 131 f. und S. 138). Auf die entspre-
chenden Erwägungen sei verwiesen (Art. 82 Abs. 4 StPO). Auszugehen ist somit
von der (identischen) Strafandrohung, wie sie sowohl für eine Veruntreuung, als
auch für einen Betrug oder eine Urkundenfälschung statuiert wird, mithin von
Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe von einem bis zu 360 Tagessät-
zen. Dabei hat die Vorinstanz zu Recht bemerkt, dass ungeachtet allfälliger Straf-
schärfungsgründe bzw. Strafmilderungsgründe vorliegend dieser ordentliche
Strafrahmen massgeblich ist (Urk. 52 S. 138; Art. 82 Abs. 4 StPO).
D. Allgemeine Grundsätze der Strafzumessung/Retrospektive Konkurrenz (Zusatzstrafe)/Teilweise retrospektive Konkurrenz
Die Vorinstanz hat sich einlässlich zu den allgemeinen Grundsätzen der Strafzu-
messung, dann auch zur retrospektiven Konkurrenz im Zusammenhang mit der
Ausfällung einer Zusatzstrafe sowie der teilweisen retrospektiven Konkurrenz ver-
breitet (Urk. 52 S. 131 ff.). Auf diese umfangreichen Ausführungen, die keiner Er-
gänzung bedürfen, kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
- 44 -
E. Umsetzung auf den konkreten Fall
E.a. Zusatzstrafe
1. Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
vom 11. März 2010 wegen betrügerischem Konkurs und Pfändungsbetrug, be-
gangen in der Zeit von Juni 2004 bis März 2008 und vom Januar 2008 bis No-
vember 2009, mit einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 100.–
sowie einer Busse von Fr. 500.– bestraft (HD Urk. 17/1). Die Veruntreuung ge-
mäss HD 1.1. sowie den Betrug und die Irreführung der Rechtspflege gemäss
HD 1.2. beging der Beschuldigte vor dem Erlass des Strafbefehls, nämlich in den
Jahren 2002/2003 und 2008. Bezüglich dieser Delikte ist die Ausfällung einer Zu-
satzstrafe grundsätzlich möglich, wobei aufgrund der erforderlichen Gleichartigkeit
der Strafen bei jeder (hypothetischen) Einsatzstrafe grundsätzlich auf eine Geld-
strafe zu erkennen ist.
2. Das vorinstanzliche Einzelgericht hat sodann zunächst mit Bezug auf die Ta-
ten gemäss HD 1.1. und HD 1.2. eine Zusatzgeldstrafe zum erwähnten Strafbe-
fehl festgesetzt und in der Folge für die nach der Verurteilung mit Strafbefehl be-
gangenen Taten (gemäss HD 1.3., HD 1.4. und HD 1.5.) auf eine separate (Ge-
samt-)Freiheitsstrafe erkannt (Urk. 52 S. 139 ff.). Dieses Vorgehen ist nicht zu
beanstanden und das Ergebnis erweist sich als sachgerechter Entscheid.
3. Hinsichtlich der Zusatzstrafe sind mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 139) wegen
des sehr engen Zusammenhangs des Betruges mit der Irreführung der Rechts-
pflege diese beiden Delikte gesamthaft zu betrachten. Hinsichtlich Tatkomponen-
te ist bei der objektiven Tatschwere zu beachten, dass der verursachte Schaden
mit über Fr. 30'000.– als erheblich zu bezeichnen ist. Dabei zeugt das Vorgehen
des Beschuldigten von einiger krimineller Energie, waren doch sein fingierter Ein-
bruchdiebstahl und seine nachfolgenden Vertuschungshandlungen gut geplant,
durchgeführt - offenbar war am Boden des Schlafzimmerschrankes noch der
Standort des abtransportierten Tresors erkennbar (vgl. HD Urk. 10A/2 S. 4) - und
abgestimmt und führten zum angestrebten Ziel. Betreffend subjektive Tatschwere
- 45 -
ist festzuhalten, dass der Beschuldigte direktvorsätzlich handelte. Motiv seines
Tuns war ein finanzielles und damit ein egoistisches. Es mag sein, dass der Be-
schuldigte Liquiditätsprobleme hatte. Indes waren diese wohl selbstverschuldet,
bezog er doch bereits 2008 eine Rente (1. und 2. Säule) und verfügte somit über
ein ausreichendes Einkommen (vgl. auch HD Urk. 10/51). Insgesamt ist das Ver-
schulden für den Betrug und die Irreführung der Rechtspflege mit der Vorinstanz
als insgesamt nicht mehr leicht einzustufen und eine hypothetische Einsatzstrafe
im Bereich von 240 Tagessätzen Geldstrafe erscheint als angemessen.
4. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere der Veruntreuung ist zu beachten,
dass der Beschuldigte nach Behändigung des Geldes den Tatverdacht offensicht-
lich erfolgreich auf andere Angestellte richtete, was eine gewisse Hinterhältigkeit
und Abgeklärtheit sowie eine erhebliche kriminelle Energie offenbart. Anderseits
war die Höhe des Schadens mit Fr. 3'000.– relativ gering. In subjektiver Hinsicht
handelte der Beschuldigte direktvorsätzlich, wobei sein Motiv wiederum ein finan-
zielles war. Insgesamt ist das Verschulden noch als leicht anzusehen. Bei isolier-
ter Betrachtung erschiene für die Veruntreuung mit der Vorinstanz (Urk. 52
S. 140) eine hypothetische Einsatzstrafe von ca. 60 Tagessätzen Geldstrafe als
angemessen.
5. Es wurde aufgezeigt, dass für den Betrug und die Irreführung der Rechts-
pflege eine Einsatzstrafe im Bereich von 240 Tagessätzen Geldstrafe angemes-
sen erscheint. Es ist nun unter Einbezug der anderen Strafen die Einsatzstrafe
angemessen zu erhöhen. Allerdings können und dürfen die vorhandenen Strafen
nicht einfach zusammengezählt werden; vielmehr ist das Asperationsprinzip ge-
mäss Art. 49 StGB zu beachten. Aufgrund der gesamten Tatschwere erscheint
eine hypothetische Einsatzstrafe im Sinne einer Gesamtstrafe im Bereich von ca.
300 Tagessätzen Geldstrafe durchaus angemessen.
6. Was die Täterkomponente sowie das Nachtatverhalten anbelangt, ist Nach-
folgendes zu erwähnen:
6.1. Aus den Akten und den Ausführungen anlässlich der Berufungsverhandlung
ergibt sich Folgendes zum Vorleben und zu den persönlichen Verhältnissen des
- 46 -
Beschuldigten (HD Urk. 11/7 S. 8 und S. 9; HD Urk. 43 S. 1 ff.; HD Urk. 10/43; HD
Urk. 10/55; Urk. 60/1 bis 60/6; beigezogene Akten Unt.-Nr. 16310/1999 i.S. BAZ
ca. A._: Urk. 16/1; Prot. II S. 6 ff.): Der heute 46jährige Beschuldigte wuchs
zusammen mit einer knapp ein Jahr jüngeren Schwester bei seinen Eltern in
.../SG auf, wo er die Primar- und Sekundarschule besuchte. Sein Vater hatte ein
Geschäft für Innenisolationen, während seine Mutter den Haushalt besorgte.
Nach der obligatorischen Schulzeit begann der Beschuldigte eine kaufmännische
Ausbildung, die er jedoch vorzeitig abbrach. In der Folge hielt er sich mit diversen
Jobs über Wasser und absolvierte auch verschiedene Weiterbildungen im Bereich
Psychiatrie, Personal, Buchhaltung und Sprachen. Einige Zeit arbeitete der Be-
schuldigte als Psychiatriepfleger. Der Beschuldigte war kinderlos verheiratet. Im
Jahre 2010 kam es - nach einer längeren Trennungszeit - zur Scheidung. Der Be-
schuldigte erlitt in Deutschland einen Motorradunfall. Seither ist er berentet. Über
eine Anstellung bei Dr. med. dent. B._ versuchte er mit Hilfe der SUVA im
Sommer/Herbst 2009 wiederum im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen, was jedoch -
auch wegen der heute zu beurteilenden Delinquenz - misslang. Danach machte
er einen weiteren Versuch bei der Q._, welchem Vorhaben wiederum kein
Erfolg beschieden war. Am 29. Oktober 2010 wurde über den Beschuldigten der
Konkurs eröffnet; das summarische Verfahren wurde am 20. April 2011 geschlos-
sen. Es resultierten Verlustscheine in Höhe von mehreren zehntausend Franken.
Gemäss eigener Aussage zufolge ist der Beschuldigte nunmehr daran, seine
Vergangenheit 'aufzuräumen'. Gemäss eigenen Angaben wurde er als Kind von
seinem Vater über mehrere Jahre missbraucht. Auch wurde beim Beschuldigten
ein ADHS diagnostiziert. Aktuell bezieht der Beschuldigte eine IV-Rente von mo-
natlich Fr. 2'172.– sowie eine monatliche BVG-Rente von Fr. 4'008.–. Der Be-
schuldigte verfügt über kein Vermögen, hingegen - gemäss eigener Schätzung -
Schulden im Umfang von ca. Fr. 72'000.–. Der Mietzins seiner Wohnung (inkl. Ga-
rage) beträgt Fr. 1'520.–, die monatliche Krankenkassenprämie ca. Fr. 500.–. An
laufenden Steuern hat der Beschuldigte pro Jahr ca. Fr. 8'500.– zu entrichten.
Diese persönlichen Verhältnisse wirken sich strafzumessungsneutral aus.
6.2. Das Bundesgericht hat im Entscheid BGE 121 IV 202 in E. 2d.cc darauf hin-
gewiesen, dass ein positives Nachtatverhalten zu einer Strafreduktion im Bereich
- 47 -
von einem Fünftel bis zu einem Drittel führen könne. Gemäss Bundesgericht kann
jedoch nur ein ausgesprochen positives Nachtatverhalten zu einer Strafreduktion
von einem Drittel führen. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis
von allem Anfang an und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vor-
würfe hin oder nach Vorlage entsprechender Beweise. Ferner gehört kooperatives
Verhalten in der Untersuchung dazu, wie beispielsweise, dass aufgrund des Ver-
haltens eines Beschuldigten weitere Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechen-
schaft gezogen werden können, was ohne sein kooperatives Mitwirken nicht mög-
lich gewesen wäre. Schliesslich gehört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue da-
zu. Nur wenn all diese Faktoren erfüllt sind, kann eine Strafreduktion von einem
Drittel erfolgen. Fehlen einzelne Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger
stark zu reduzieren. Mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 141) wirkt sich das Geständnis
des Beschuldigten bezüglich der Taten gemäss HD 1.1. und HD 1.2. strafmin-
dernd aus. Da das Geständnis nicht vollends aus eigenem Antrieb erfolgte, son-
dern erst anlässlich der Schlusseinvernahme und nach Vorhalt der bei ihm vorge-
fundenen Entschuldigungsschreiben, erscheint lediglich eine Minderung im Um-
fang von ca. 15% angemessen. Der Umstand, dass die Veruntreuung gemäss HD
1.1. kurz vor der Verfolgungsverjährung stand, ist ebenfalls leicht strafmindernd
zu veranschlagen. Diese beiden Minderungsgründe reduzieren die eingangs er-
wähnte Strafe um ca. 25%.
6.3. Das Bezirksgericht hat kurz den sich über mehrere Jahre hinziehenden Ver-
fahrensgang nachgezeichnet und ist zum Schluss gekommen, während der ge-
samten Dauer der Ermittlungs-und Untersuchungsphase von insgesamt vierein-
halb Jahren sei es während insgesamt über zwei Jahren zu erheblichen Unter-
brüchen gekommen, die für sich alleine betrachtet allerdings nicht über ein Jahr
gedauert hätten. Gleichwohl seien diese Verzögerungen so nicht zu rechtfertigen
und stellten eine erhebliche Verletzung des Beschleunigungsgebotes dar, wel-
chem Umstand durch eine Strafreduktion um bis zu 25% Rechnung zu tragen sei
(Urk. 52 S. 141 f.).
6.3.1. Gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 29 Abs. 1 BV hat jedermann Anspruch
darauf, dass seine Sache innert einer angemessenen Frist ("within a reasonable
- 48 -
time" beziehungsweise "dans un délai raisonnable") gehört wird (ZR 98 Nr. 56).
Diese Bestimmungen verankern das strafprozessuale Beschleunigungsgebot,
welches den Behörden die Pflicht auferlegt, das Strafverfahren ohne Verzögerung
durchzuführen. Sie garantieren dem Einzelnen einen Anspruch auf Durchführung
und Abschluss eines Verfahrens innert angemessener (beziehungsweise vernünf-
tiger) Zeit (Villiger, Handbuch der EMRK, 2. Aufl., Zürich 1999, § 20 N 447). Ein
Anspruch auf Durchführung des Verfahrens innert einer Minimaldauer besteht je-
doch nicht. Vielmehr ist eine Konventionsverletzung nur dann gegeben, wenn die
(im Einzelfall nicht sachgerechte) Verzögerung wesentlich ist (Gollwitzer, in: Die
Strafprozessordnung und das Gerichtsverfassungsgesetz, 25. Aufl., Berlin/New
York 2001, N 78 zu Art. 6 EMRK/Art. 14 IPBPR; Proff Hauser, Die Bedeutung des
Beschleunigungsgebots im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK für das zürcherische
Strafverfahren, Diss. Zürich 1998, S. 149 f. m.w.H.). Primär bezweckt Art. 6 Ziff. 1
EMRK somit, dass das Strafverfahren insgesamt ohne unnötige beziehungsweise
unangemessene Verzögerungen durchgeführt wird. Das Beschleunigungsgebot
soll verhindern, dass ein Beschuldigter länger als notwendig den Belastungen ei-
nes Strafverfahrens, insbesondere der quälenden Ungewissheit über den Aus-
gang der Sache, ausgesetzt ist (Urteil des Bundesgerichts Nr. 1P.78/2001 vom
1. Juni 2001; BGE 124 I 139 m.w.H.). Insofern ist im Sinne einer Gesamtbetrach-
tung des ganzen Verfahrens zu beurteilen, ob das Beschleunigungsgebot verletzt
wurde (vgl. zur Spruchpraxis der Strassburger Organe die Fallbeispiele bei Peu-
kert, in: Frowein/ Peukert, Europäische Menschenrechtskonvention, 2. Aufl., Kehl/
Strassburg/Arlington 1996, N 144, N 153 f. zu Art. 6 EMRK; Villiger, a.a.O., § 20
N 462 ff.; Beispiele aus der schweizerischen Rechtsprechung: BGE 119 IV 107;
Kass.-Nr. 94/287 S vom 20. Januar 1995, E. 3. d).
Die Frist, deren Angemessenheit zu beurteilen ist, beginnt nach Art. 6 Ziff. 1
EMRK im Zeitpunkt der "Anklage". Hinsichtlich der Berechnung der Frist wird der
Anklagebegriff in der Praxis weit ausgelegt: Abgestellt wird regelmässig auf den
Zeitpunkt, in dem die zuständige Behörde dem Betroffenen erstmals offiziell mit-
teilt, welche Vorwürfe gegen ihn erhoben werden (BGE 119 Ib 323 f.; BGE 117 IV
124; Vogler, in: Internationaler Kommentar zur EMRK, Köln 1994, N 204 zu Art. 6
EMRK). Für den Endzeitpunkt kommt es auf die letzte Entscheidung in der Sache
- 49 -
an (Pra 1999 Nr. 4). Das Verfahren vor dem kantonalen Kassationsgericht zählt
trotz seines ausserordentlichen Charakters zum Strafverfahren und ist deshalb
bei der Berechnung seiner Gesamtdauer mit zu berücksichtigen (Hauser/Schweri/
Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel/Genf/München
2005, § 58 N 5). Verletzt ist der Grundsatz, wenn die Behörde bei einer objekti-
vierten Betrachtungsweise der Umstände des Einzelfalles in der Lage sein sollte,
den Fall innert wesentlich kürzerer Fristen abzuschliessen (Schmid, Strafprozess-
recht, 4. Aufl., Zürich 2004, N 226). Das Beschleunigungsgebot ist in allen Stadi-
en eines Strafverfahrens zu beachten. Weil das Strafverfahren bei rückwirkender
Betrachtung eine Einheit bildet, ist es allerdings schwierig, einzelne Verfahrens-
abschnitte zu beurteilen (Trechsel, Die Verteidigungsrechte in der Praxis zur
EMRK, in: ZStrR 96 [1979] S. 391).
Sind indessen in einem Verfahrensabschnitt grössere Verzögerungen vor-
gekommen - insbesondere Perioden, in denen die entsprechenden Behörden un-
tätig blieben -, kann darin ebenfalls eine Verletzung des Beschleunigungsgebots
liegen (Villiger, a.a.O., § 20 N 460; Gollwitzer, a.a.O., N 77 f. [insbesondere FN
221] zu Art. 6 EMRK/Art. 14 IPBPR). Die EMRK-Organe und die schweizerischen
Gerichte haben denn auch in verschiedenen Entscheiden geprüft, ob bezüglich
eines Verfahrensstadiums eine Verletzung von Art. 6 EMRK vorlag (Villiger,
a.a.O., § 20 N 460 m.w.H.; Proff Hauser, a.a.O., S. 146 f. m.w.H.; BGE 122 IV
111; Kass. G.-Nr. 97/412 S vom 3. Juni 1998, E. II/3.2). Hinsichtlich dieser Beur-
teilung ist eine Gesamtwürdigung des entsprechenden Verfahrensabschnitts vor-
zunehmen. Die Tatsache, dass eine Verfahrenshandlung um einige Wochen hätte
vorgezogen werden können, oder dass sich die Behörde mit der Sache nicht an-
dauernd befasste, begründet in der Regel noch keine Verletzung des Beschleuni-
gungsgebots (Pra 1998 Nr. 117). Eine in einem Verfahrensabschnitt eingetretene
Verzögerung kann unter Umständen dadurch ausgeglichen werden, dass die ent-
sprechende Behörde andere Verfahrenshandlungen rasch vornimmt (Proff Hau-
ser, a.a.O., S. 146 f. unter Verweis auf Kass.-Nr. 94/287 S vom 20. Januar 1995,
E. 3. d).
- 50 -
Für die Beurteilung der Verletzung des Beschleunigungsgebots sind die
Umstände des konkreten Einzelfalls massgebend. Von Bedeutung sind insbeson-
dere folgende Aspekte: Die Schwierigkeit beziehungsweise Komplexität des Fal-
les sowie das Verhalten der Behörden und des Beschuldigten. Es ist in Betracht
zu ziehen, inwiefern die Behörden oder der Beschuldigte mit ihrem Verhalten zur
Verfahrensverzögerung beigetragen haben (vgl. BGE 124 I 142; BGE 119 Ib 325;
Peukert, a.a.O., N 144 zu Art. 6 EMRK) und die besondere Bedeutung der Sache
für den Beschuldigten (Villiger, a.a.O., § 20 N 454 ff.; Peukert, a.a.O., N 144 ff. zu
Art. 6 EMRK; Gollwitzer, a.a.O., N 77 zu Art. 6 EMRK/Art.14 IPBPR; Pra 1998
Nr. 117; Kass.-Nr. 94/287 S vom 20. Januar 1995, E. 3.d; Kass. G.-Nr. 97/421 S
vom 3. Juni 1998, E. II/3.2). Bezüglich des letztgenannten Aspekts ist unter ande-
rem die Schwere des Schuldvorwurfs (Donatsch, Das Beschleunigungsgebot im
Strafprozess gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK in der Rechtsprechung der Konven-
tionsorgane, in: Aktuelle Fragen zur EMRK, Zürich 1994, S. 77 m.w.H.) sowie der
Umstand, dass sich der Beschuldigte während des Verfahrens (beziehungsweise
des beanstandeten Verfahrensabschnitts) in Haft befand (Villiger, a.a.O., § 20 N
455 m.w.H.; Pra 1998 Nr. 65), von Bedeutung.
Wird eine Verletzung des Beschleunigungsgebots festgestellt, ist diesem
Umstand angemessen Rechnung zu tragen. Nach der Rechtsprechung kommen
als Sanktionen folgende Möglichkeiten in Betracht (vgl. zum Ganzen das Urteil
des Bundesgerichts Nr. 6S.335/2004 vom 23. März 2005; BGE 130 IV 54; BGE
124 I 139; BGE 117 IV 124; Pra 1999 Nr. 4):
- die Berücksichtigung der Verfahrensverzögerung im Rahmen der Strafzu-
messung,
- die Einstellung des Verfahrens zufolge eingetretener Verjährung,
- die Schuldigsprechung des Täters unter gleichzeitigem Verzicht auf Strafe
sowie
- in extremen Fällen (mithin als ultima ratio) die Einstellung des Verfahrens.
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Bei der Frage nach der Sanktion einer Verletzung des Beschleunigungsge-
bots ist zu berücksichtigen, wie schwer der Beschuldigte durch die Verfahrens-
verzögerung getroffen wurde, wie gravierend die ihm vorgeworfenen Straftaten
sind und welche Strafe ausgesprochen werden müsste, wenn keine Verletzung
des Beschleunigungsgebots vorläge. Der Richter ist verpflichtet, die Verletzung
des Beschleunigungsgebots in seinem Urteil ausdrücklich festzuhalten und gege-
benenfalls darzulegen, in welchem Ausmass er diesen Umstand berücksichtigt
hat. Bei einem komplexen Strafverfahren beispielsweise reicht bei einer fünfjähri-
gen Verfahrensdauer eine leichte Strafminderung (Entscheid des Bundesgerich-
tes 6B_258/2009 vom 20. April 2009, E. 3.).
6.3.2. Als Zeitpunkt, in welchem der Beschuldigte erstmals mit den (An-
klage-)Vorwürfen konfrontiert wurde, ist die polizeiliche Befragung vom 19. Januar
2012 (HD Urk. 11/1) zu betrachten. Das Ermittlungs- und Untersuchungs- bzw.
Vorverfahren wurde mit der Anklageerhebung am 7. Mai 2015 abgeschlossen. Im
Rahmen dieses Verfahrens wurden neben dem Beschuldigten und der Privatklä-
gerin Dr. med. dent. B._ vier weitere Personen staatsanwaltschaftlich be-
fragt. Ausserdem wurden durch die Staatanwaltschaft diverse Akteneditionen an-
geordnet (HD Urk. 10/5 ff.) und im Oktober 2014 ein Schriftgutachten in Auftrag
gegeben (HD Urk. 19/6). Die zur Beurteilung angestandenen Vorwürfe können
nicht als sehr komplex bezeichnet werden, wobei zur Beibringung des Beweisfun-
daments - neben dem Schriftgutachten - vornehmlich auf Befragungen von in die
mutmasslich inkriminierten Vorgänge involvierten Personen zurückzugreifen war.
Dabei wurden neben der Befragung von Dr. med. dent. B._ am 24. Novem-
ber 2010 durch die Polizei staatsanwaltschaftliche Einvernahmen am 15. und 21.
Januar 2014 (Beschuldigter, HD Urk. 11/2+3), am 2. September 2014 (Zeuge
R._, HD Urk. 12/4), am 10. September 2014 (Zeuginnen J._ und
K._, HD Urk. 12/5+6), am 17. Oktober 2014 (Beschuldigter, HD Urk. 11/5),
am 22. April 2015 (Zeugin O._, HD Urk. 12/7), am 20. März 2015 (Konfronta-
tionseinvernahme Beschuldigter und Dr. med. dent. B._, HD Urk. 11/6) sowie
am 22. April 2015 (Schlusseinvernahme Beschuldigter, HD Urk. 11/7) durchge-
führt. Die Polizeirapporte datieren vom 29. November 2010, 30. November 2011
und 15. Februar 2013 (HD Urk. 1, 3 und 5). Auch wenn Ermittlungs- und Untersu-
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chungshandlungen vorgenommen wurden, welche keinen direkten Niederschlag
in den Akten fanden (z.B. Aktenstudium; Vorbereitung der Einvernahmen etc.),
fallen der zeitliche Unterbruch zwischen der ersten Befragung des Beschuldigten
und der Rapporterstellung durch den spezialisierten polizeilichen IT-Mitarbeiter im
November 2012 auf (vgl. HD Urk. 5 S. 7), als auf die Auswertung der Datenträger
gewartet wurde. Auch im Jahre 2013 kam es mit Ausnahme einer Editionsverfü-
gung (HD Urk. 10/5) und eines kurzen E-Mail-Verkehrs offenbar zu keinen nam-
haften Untersuchungshandlungen. Es trifft wohl zu, dass nach den Unterbrüchen
2012 und 2013 das Verfahren speziell gefördert wurde, indem 2014 die weiteren
Untersuchungshandlungen (Einvernahmen; Akteneditionen; Gutachtensauftrag)
speditiv an die Hand genommen und so die Verzögerungen zumindest teilweise
wettgemacht wurden. Indes ist nicht ersichtlich, weshalb die Befragungen nicht
bereits im Jahre 2013 an die Hand genommen wurden. Es sind auch keine Anzei-
chen erkennbar, wonach diese Verzögerungen auf das Verhalten des Beschuldig-
ten (oder dessen Verteidiger) zurückzuführen gewesen wären. Hinsichtlich der
erwähnten Verzögerungen in den anstehenden Untersuchungshandlungen ist ei-
ne Verletzung des Beschleunigungsgebots in leichtem Masse zu konstatieren,
was zu einer leichten Strafminderung im Bereich von ca. 10% führt. Hinsichtlich
des erst- und des zweitinstanzlichen Verfahrens ist keine Verletzung des Be-
schleunigungsgebots auszumachen.
6.4. Somit würde sich die Einsatzstrafe auf ca. 190 bis 200 Tagessätze Geldstra-
fe reduzieren. Angesichts der finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten (vgl.
oben Erw. IV/E/E.a/6.1.) erscheint eine Tagessatzhöhe von Fr. 100.– angemes-
sen.
6.5. Wie erwähnt, darf der Beschuldigte nicht schwerer bestraft werden, als wenn
die zur Beurteilung anstehenden strafbaren Handlungen gleichzeitig, also am
11. März 2010, beurteilt worden wären. Der Beschuldigte verfügte damals noch
über keine Vorstrafen. Aufgrund seiner doch ansehnlichen Rentenleistungen und
des dadurch resultierenden Einkommensüberschusses ist davon auszugehen,
dass die Verhängung einer Geldstrafe ihre Wirkungen (wie Konsumverzicht, Be-
schränkung des Lebensstandards) erzielen wird. Von der Gesamtstrafe von ca.
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190 bis 200 Tagessätzen Geldstrafe ist die Vorstrafe (60 Tagessätze Geldstrafe)
abzuziehen, so dass eine Geldstrafe von ca. 130 bis 140 Tagessätzen als Zu-
satzstrafe resultieren würde. Wegen des Verbotes der reformatio in peius hat es
indes bei der vorinstanzlich ausgesprochenen Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 100.– sein Bewenden.
E.b. Bildung einer Gesamtstrafe
1. Die übrigen, noch zur Beurteilung anstehenden Delikte beging der Beschul-
digte nach dem Erlass des Strafbefehls vom 11. März 2010. Nach der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 138 IV 120, Erw. 5.2) kann für die nach der
ersten Verurteilung begangenen Straftaten auf eine separate (Gesamt-)Freiheits-
strafe erkannt werden.
2. Bezüglich Tatkomponente und objektiver Tatschwere der Veruntreuungen
gemäss HD 1.3. ist die Deliktssumme von gesamthaft Fr. 7'600.– noch als relativ
gering einzustufen. Anderseits lenkte der Beschuldigte den Tatverdacht geschickt
auf andere Praxismitarbeiter oder Drittpersonen. Sein Vorgehen ist als voraus-
schauend geplant und gut durchgeführt zu qualifizieren. Obgleich ihm Dr. med.
dent. B._ eine Chance für einen Neueinstieg in die Berufswelt geben wollte,
nutzte er deren in ihn gesetztes Vertrauen schamlos aus. In subjektiver Hinsicht
liegt direktvorsätzliches Handeln vor, wobei das Motiv offenkundig ein finanzielles
ist. Insgesamt erweist sich das Verschulden des Beschuldigten als nicht mehr
leicht, so dass eine hypothetische Einsatzstrafe im Bereich von ca. sechs Mona-
ten Freiheitsstrafe als angemessen erscheint.
3. Was die Strafzumessung (objektive und subjektive Tatschwere) zu den übri-
gen Taten (Urkundenfälschung und Betrugsversuch gemäss HD 1.5.; Betrug ge-
mäss HD 1.3,; Fälschung von Ausweisen gemäss HD 1.4.) sowie die als ange-
messen betrachteten einzelnen hypothetischen Einsatzstrafen betrifft, kann voll-
umfänglich auf die überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz hingewiesen wer-
den (Urk. 52 S. 144 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
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4. Was die Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz anbelangt, ging
die Vorinstanz zu Recht von einer fahrlässigen Tatbegehung aus. Das Ausmass
der Pflichtwidrigkeit ist gering. Offenbar löste sich ein Teil der schwarzen Farbe
der Ziffern des Kontrollschildes, nachdem versehentlich Kunststoffreiniger über
das Nummernschild geflossen war (vgl. ND 1 Urk. 1/5 S. 2). Das Verschulden ist
als sehr leicht einzustufen, eine hypothetische Einsatzstrafe in der Höhe von ca.
14 Tagen erscheint angemessen.
5. Es wurde aufgezeigt, dass für die mehrfache Veruntreuung eine Einsatzstra-
fe im Bereich von ca. sechs Monaten Freiheitsstrafe angemessen erscheint. In
Anwendung des Asperationsprinzips ist für die weiteren Delikte eine angemesse-
ne Straferhöhung vorzunehmen. Eine Einsatzstrafe nach Berücksichtigung der
Tatschwere von ca. 12 bis 13 Monaten Freiheitsstrafe erscheint angemessen.
6. Hinsichtlich Täterkomponente ist zu vermerken, dass sich die persönlichen
Verhältnisse des Beschuldigten auch hier strafzumessungsneutral auswirken. Mit
Bezug auf die Delikte gemäss HD 1.3., HD 1.4. und HD 1.5. weist der Beschuldig-
te eine Vorstrafe auf. Dieser Umstand sowie sein Handeln während laufender
Probezeit gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 11. März
2010 wirken sich leicht straferhöhend aus. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz
(vgl. Urk 52 S. 146) kann dem Beschuldigten dessen Uneinsichtigkeit bzw. das
Leugnen der ihm zur Last gelegten Delikte nicht straferhöhend angelastet werden.
7. Wiederum führt die Verletzung des Beschleunigungsgebots zu einer leichten
Strafminderung (vgl. oben Erw. IV/E/E.a/6.3.2.).
8. Insgesamt halten sich straferhöhenden und die strafmindernden Momente in
etwa die Waage.
9. Mit der Vorinstanz (Urk. 52 S. 146) erweist sich aufgrund der Tatsache, dass
sich der Beschuldigte von der am 11. März 2010 ausgefällten Geldstrafe offen-
kundig nicht im Geringsten beeindrucken liess - er delinquierte nur rund 14 Tage
später erneut -, die Verhängung einer Freiheitsstrafe im Hinblick auf die präventi-
ve Effizienz als notwendig und geboten. Angemessen erschiene damit eine Frei-
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heitsstrafe im Bereich von 12 bis 13 Monaten. Aus prozessualen Gründen (vgl.
Art. 391 Abs. 2 StPO) bleibt es beim vorinstanzlich verhängten Strafmass.
10. Mit zutreffender Begründung hat das vorinstanzliche Einzelgericht von der
Ausfällung einer (Verbindungs-)Busse abgesehen (Urk. 52 S. 149 f.; Art. 82
Abs. 4 StPO).
E.c. Zusammenfassung
Zusammengefasst ist der Beschuldigte zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 90
Tagessätzen zu Fr. 100.–, als Zusatzstrafe zu der mit Strafbefehl vom 11. März
2010 ausgesprochenen Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 100.–, sowie mit
einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten.
V.
Vollzug
Mit zutreffender Begründung, auf die verwiesen sei, hat die Vorinstanz dem Be-
schuldigten die Rechtswohltat des bedingten Strafvollzugs unter Ansetzung einer
Probezeit (zwei Jahre für die Geldstrafe und - wegen der Vorstrafe - drei Jahre für
die Freiheitsstrafe) zugebilligt (Urk. 52 S. 147-149; Art. 82 Abs. 4 StPO).
VI.
Zivilansprüche
Unter Hinweis auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen und nach
zweitinstanzlicher Bestätigung des entsprechenden Schuldspruches ist die erstin-
stanzliche Schadenersatzregelung mit Bezug auf die Privatklägerin Dr. med. dent.
- 56 -
B._ auch im Berufungsverfahren zu bestätigen (Urk. 52 S. 150-153; Art. 82
Abs. 4 StPO).
VII.
Beschlagnahme und Einziehung
Als Folge der Bestätigung des erstinstanzlichen Schuldspruches ist auch die
durch die Vorinstanz mit einlässlicher und zutreffender Begründung vorgenom-
mene Sicherungseinziehung im Berufungsverfahren zu bestätigen (Urk. 52
S. 153 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
VIII.
Kosten- und Entschädigungsfolgen
A. Allgemeines
1. Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird.
Ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung. Bei einem Freispruch
können der beschuldigten Person die Verfahrenskosten ganz oder teilweise aufer-
legt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens
bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 1 und Abs. 2
StPO).
2. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, hat sie
u.a. Anspruch auf Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer
notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (Art. 429 Abs. 1 lit. b
StPO). Die Behörde prüft den Anspruch von Amtes wegen und sie kann die be-
schuldigte Person auffordern, ihre Ansprüche zu beziffern und zu belegen
(Art. 429 Abs. 2 StPO).
- 57 -
3. Bei Freispruch ist die Frage der Kostenauflage für jede Verfahrensstufe und
bei Teilfreispruch für jeden Anklagekomplex gesondert zu prüfen (Niklaus Schmid,
Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009,
N 1791).
4. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
B. Kostenauflage
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die vorinstanzliche Kostenauflage
zu bestätigen und wird der Beschuldigte auch für das Berufungsverfahren - mit
Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung (vgl. Art. 426 Abs. 1 StPO) -
kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 5'000.–
festzusetzen.
2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche auf Fr. 8'500.– (inkl. 8 %
MWSt) festzusetzen sind, sind - unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO - auf die Gerichtskasse zu nehmen.