Decision ID: cbf8075e-b039-5e4f-ae71-eaeeb4457249
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 15. November 2013 (Eingangsdatum) bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) wegen Depressionen zum Leistungsbezug
an (IV-act. 7). Zuletzt war der Versicherte vom 1. Juli 2005 bis 30. Juni 2013 bei der
Gemeinde B._ als C._ tätig gewesen. Das Arbeitsverhältnis hatte er aufgrund der
Konflikte am Arbeitsplatz gekündigt (IV-act. 14-19). Vom 4. November bis
22. November 2013 war er in der psychotherapeutischen Tagesklinik und vom
22. November bis 9. Dezember 2013 auf der Kriseninterventionsstation des
Psychiatriezentrums D._ behandelt worden. Dr. med. E._, Oberarzt, und
med. pract. F._, Assistenzärztin, diagnostizierten beim Versicherten im
Austrittsbericht vom 10. Dezember 2013 eine rezidivierende depressive Störung mit
einer gegenwärtig mittelgradigen Episode (ICD-10: F33.1) sowie eine
Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen und dissozialen Anteilen (IV-
act. 137-50-52). Vom 16. Dezember 2013 bis 21. März 2014 erfolgte wiederum ein
stationärer Aufenthalt in der Tagesklink und im Anschluss daran eine ambulante
Behandlung bei Dr. med. G._ (IV-act. 34). Im Bericht vom 30. Januar 2014 stellten
Dr. med. H._, Leiterin Psychotherapeutische Tagesklinik, und lic. phil. I._,
Psychologin FSP, als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11) sowie eine nicht näher bezeichnete
Angststörung (IV-act. 20). Im Austrittsbericht vom 21. März 2014 diagnostizierten sie
schliesslich eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
mit somatischem Syndrom sowie eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10:
A.a.
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F43.1) und attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von 50% nach Austritt (IV-act. 24).
Dr. G._ hielt im Bericht vom 20. August 2014 fest, der Versicherte leide an einer
posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) sowie an einer rezidivierenden
depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgraden Episode (ICD-10: F33.1). Die
aktuelle Arbeitsunfähigkeit sei schwierig zu bestimmen; Aufschluss könne ein
Aufbautraining geben (IV-act. 34).
Mit Mittelung vom 8. April 2015 bewilligte die IV-Stelle dem Versicherten ein
dreimonatiges Belastbarkeitstraining vom 7. April bis 6. Juli 2015 (IV-act. 50). Der
Einsatzbetrieb berichtete am 13. Juli 2015, der Versicherte zeige sich als zuverlässiger
Mitarbeiter. Er verfüge über gute Umgangsformen, sein Auftreten wirke unsicher und er
neige dazu, in den Hintergrund zu treten. Er scheine es zu bevorzugen, alleine zu
arbeiten. Der Versicherte habe seine Präsenzzeit bis zum Ende des
Belastbarkeitstrainings auf vier Stunden pro Tag an vier Tagen pro Woche erweitern
können. Es werde empfohlen, dass im Anschluss an das Belastbarkeitstraining ein
Aufbautraining von sechs Monaten angeordnet werde (IV-act. 68). Mit Mitteilung vom
29. Juli 2015 bewilligte die IV-Stelle dem Versicherten ein sechsmonatiges
Aufbautraining (IV-act. 70).
A.b.
Dr. G._ berichtete am 2. Februar 2016, mittelfristig bis langfristig könne mit einer
Steigerung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Wichtig sei, dass dem Versicherten
genügend Zeit gegeben werde. Sobald er zu viel Druck verspüre, verstärke sich seine
Symptomatik, was sich kontraproduktiv auswirken könne (IV-act. 104). Der
Einsatzbetrieb erachtete die berufliche Integration auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
aufgrund der sehr schwankenden körperlichen und psychischen Stabilität und
Belastbarkeit des Versicherten derzeit nicht als sinnvoll. Dieser habe an psychisch und
körperlich ausgewogenen Tagen bei wöchentlich zwölf Stunden Arbeitszeit im
Immobilienunterhalt (3 Tage à 4 Stunden) einen Leistungsgrad von lediglich 70%
erreicht (Schlussbericht vom 4. Februar 2016; IV-act. 111-2 und 111-8).
A.c.
Mit Mitteilung vom 18. Februar 2016 verlängerte die IV-Stelle das Aufbautraining
um drei Monate (IV-act. 110). Dr. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom regionalen ärztlichen Dienst (nachfolgend: RAD) der IV-Stelle hielt in der Folge aus
versicherungsmedizinischer Sicht eine Steigerung der Präsenzzeit für unabdingbar. So
A.d.
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sei über einen erfreulicheren Verlauf berichtet worden, wobei die subjektive und
deutlich tiefere Selbsteinschätzung einem Eingliederungserfolg im Wege stehe.
Therapeutisch erscheine diese Diskrepanz nicht vollständig ausgeräumt. Derzeit liege
die Arbeitsfähigkeit angestammt und adaptiert bei ca. 40%. Die Arbeitsfähigkeit sei
weiterhin steigerbar (Stellungnahme vom 14. März 2016; IV-act. 115). Gestützt auf
diesen Bericht wurde die Präsenzzeit des Beschwerdeführers von 50% auf 70%
erhöht. Obwohl die Erhöhung der Präsenzzeit vermehrte Absenzen und ein verändertes
Verhalten des Versicherten im Arbeitsalltag zur Folge hatte (vgl. IV-act. 125-11), wurde
sie beibehalten (IV-act. 120).
Mit Arztzeugnis vom 14. April 2016 attestierte Dr. G._ eine 70%ige
Arbeitsunfähigkeit. Zudem ersuchte er im genannten Arztzeugnis, keine weiteren
Veränderungen der Arbeitsfähigkeitsbescheinigung ohne Rücksprache mit ihm
vorzunehmen (IV-act. 122). Mit Schlussbericht vom 11. Mai 2016 teilte der
Einsatzbetrieb schliesslich mit, dass an eine nachhaltige Integration im ersten
Arbeitsmarkt aufgrund der stark schwankenden körperlichen und psychischen
Stabilität und Belastbarkeit gegenwärtig nicht zu denken sei (IV-act. 124-8). Da der
Versicherte seine Belastbarkeit nicht weiter steigern konnte, wurden die Akten zur
Klärung der Leistungsansprüche der zuständigen Abteilung weitergeleitet.
A.e.
Im Rahmen der Rentenprüfung wurde der Versicherte am 25. August 2016 durch
Dr. med. K._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. Mit
Gutachten vom 22. September 2016 wurde dem Exploranden unter Hinweis auf eine
rezidivierende depressive Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode eine
Arbeitsfähigkeit von 50% für die angestammte als auch adaptierte Tätigkeit attestiert
(IV-act. 137).
A.f.
RAD-Arzt Dr. J._ notierte am 28. September 2016, das monodisziplinäre
Gutachten sei umfassend und weise keine formellen Mängel auf. Die Leistungsfähigkeit
des Versicherten sei demnach zu etwa 50% reduziert und Eingliederungsmassnahmen
seien ab sofort zumutbar. Die Laborabklärungen hätten ergeben, dass die angegebene
Medikation nicht habe nachgewiesen werden können. Diesbezüglich solle eine
therapeutische Evaluation erfolgen, mit dem Ziel herauszufinden, ob der Versicherte die
Medikamente einnehme oder aufgrund einer individuellen Stoffwechselsituation eine
A.g.
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B.
Änderung der antidepressiven Medikation angezeigt wäre. Unbestritten sei eine
effiziente antidepressive Medikation sinnvoll. Andere therapeutische Optionen seien
vom Versicherten nicht vernachlässigt worden (IV-act. 138).
Mit Verfügung vom 1. Februar 2017 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche
Massnahmen ab (IV-act. 148). Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.h.
Der Rechtsdienst der IV-Stelle kam in der Stellungnahme vom 27. März 2017 zum
Schluss, dass nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von
einer Therapieresistenz ausgegangen werden könne. So habe der Versicherte die
Behandlungsmöglichkeiten nicht in kooperativer Weise nachhaltig ausgeschöpft,
nachdem er sich keiner im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht zumutbaren,
adäquaten psychotherapeutischen Therapie mit antidepressive Medikation unterzogen
habe (IV-act. 160). Daraufhin stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 31. März 2017
die Abweisung des Gesuchs auf Rentenleistungen in Aussicht (IV-act. 161). Dagegen
liess der Versicherte durch Rechtsanwalt Pascal Christen von der CAP Rechtsschutz-
Versicherungsgesellschaft AG am 18. April 2017 Einwand erheben (IV-act. 163), den er
am 23. Mai 2017 ergänzend begründete (IV-act. 166). Mit Schreiben vom 20. Juni 2017
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie gestützt auf den Einwand ergänzende
Abklärungen getroffen und Detailrechnungen der Krankenkasse L._ eingefordert
hätte. Dennoch würde sie am bisherigen Entscheid festhalten (IV-act. 170). Mit
Schreiben vom 20. Juli 2017 nahm der Rechtsvertreter des Versicherten nochmals
Stellung und führte aus, dass es weder nachvollziehbar noch begründbar sei, weshalb
die IV-Stelle von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgehe (IV-act. 172). Am 25. Juli
2017 verfügte die IV-Stelle schliesslich die Abweisung des Rentengesuchs (IV-
act. 173).
A.i.
Gegen die Verfügung vom 25. Juli 2017 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 12. September 2017. Der in der Zwischenzeit mandatierte Rechtsvertreter,
Fürsprecher Daniel Küng, beantragt darin deren Aufhebung und die Zusprache einer
ganzen Invalidenrente. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung macht der Rechtsvertreter im Wesentlichen
B.a.
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geltend, das Gutachten sei nicht beweiskräftig, da das Vorliegen einer
posttraumatischen Belastungsstörung ohne sachliche Gründe verneint worden sei. Der
Gutachter habe verkannt, dass der Austrittsbericht der Tagesklinik D._ vom 21. März
2014 von wiederholten traumatischen Erfahrungen von physischer Gewalt und
Demütigung durch den Vater sowie von sozialer Ausgrenzung in Peergruppen und
Übergriffshandlungen durch einen ehemaligen Arbeitskollegen während der Lehre mit
16 Jahren spreche. Hinzu komme, dass die Symptome, wie etwa die Flashbacks, nicht
einzig durch eine Depression erklärbar seien (act. G1-6-7). Weiter führt der
Rechtsvertreter aus, dass der Beschwerdeführer selbst wenn dem Gutachten voller
Beweiswert zukommen würde, Anspruch auf eine Rente hätte. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdegegnerin zu einem anderen Schluss gelange
mit der Begründung, der Beschwerdeführer sei nicht austherapiert und der
Leidensdruck sei nicht gross genug. So nehme er die Medikamente regelmässig ein,
was aus der Blutprobe vom 3. Juli 2017 auch hervorgehe. Sodann habe der
Beschwerdeführer auch nachvollziehbar ausgeführt, dass die antidepressive
Behandlung zeitweise wegen starker Nebenwirkungen vorübergehend habe eingestellt
werden müssen. Auch der RAD-Arzt habe der Beschwerdegegnerin nahegelegt, eine
therapeutische Evaluation durchzuführen, um herauszufinden, ob der
Beschwerdeführer die Medikamente einnehme oder ob eine Änderung der Medikation
aufgrund der individuellen Stoffwechselsituation angezeigt wäre, was sie nicht getan
habe. Schliesslich sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdegegnerin zur
Bestimmung des Valideneinkommens nicht auf den Lohn der früheren Arbeitsstelle
abgestellt habe (act. G1).
Mit Beschwerdeantwort vom 5. Januar 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie hält die gutachterliche Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit für beweiskräftig. Aus rechtlicher Sicht sei indessen zu beachten, dass
sich der Beschwerdeführer inkonsistent verhalten habe, was auf einen nicht allzu
grossen Leidensdruck schliessen lasse. So habe der Beschwerdeführer die ihm
verordneten Antidepressiva trotz der Notwendigkeit einer medikamentösen
Behandlung nicht eingenommen. Wenn der Beschwerdeführer mit der Blutprobe vom
3. Juli 2017 versuche nachzuweisen, dass er seine Medikamente einnehme, sei zu
bedenken, dass sich dieses Beweismittel nicht zu der damals fragwürdigen Medikation
B.b.
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äussere. Sodann lasse auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer mit längeren
Autofahrten keinerlei Probleme habe, auf eine Inkonsistenz schliessen. Alsdann würden
die Berichte der Eingliederungsmassnahmen aufzeigen, dass beim Beschwerdeführer
keine tiefgreifenden, schweren Einschränkungen des eigenen Antriebes, der
Intentionalität, der Affektsteuerung oder der Urteilsbildung vorlägen. Dies werde auch
durch den Gutachter bestätigt, da der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben froh
sei, dass er auf dem Bauernhof des Schwagers mithelfen könne. Ferner sei davon
auszugehen, dass das soziale Umfeld und die regelmässige Tagesstruktur beim
Beschwerdeführer weitere mobilisierbare Ressourcen und positive
Leistungssteigerungen annehmen liessen. Demzufolge könne nicht auf das Vorliegen
einer invalidisierenden depressiven Erkrankung geschlossen werden. Mithin sei von
einer vollen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen (act. G6).
In der Replik vom 28. Februar 2018 hält der Beschwerdeführer unverändert an
seinen Anträgen fest. Es bestehe kein Anlass, weshalb nicht – sollte dem
Beschwerdeführer in der Hauptsache nicht gefolgt werden – auf die vom Gutachter
attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit abgestellt werden könne. Weshalb bei einer
Depression die Arbeitsfähigkeit nicht auch teilweise aufgehoben werden könne,
sondern nur vollumfänglich, wie dies die Beschwerdegegnerin anzunehmen scheine,
sei unverständlich. In diesem Zusammenhang sei auch zu sehen, dass der
Beschwerdeführer gar nicht behaupte, über keinerlei Ressourcen zu verfügen. Die
vorhandenen Symptome und Ressourcen würden zu einer mittelgradigen und nicht zu
einer schweren Depression führen. Im Übrigen gehe die Beschwerdegegnerin selber
davon aus, dass der Gutachter schlüssig begründet habe, die Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers sei eingeschränkt, aber nicht vollständig aufgehoben.
Bezugnehmend auf die Ausführungen der Beschwerdegegnerin zur nachgereichten
Blutprobe führt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers aus, die Blutuntersuchung
anlässlich der Begutachtung sage einzig aus, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum
vor der Blutabnahme – bestrittenermassen – die Medikamente nicht in der
angeordneten Dosis eingenommen habe; nicht mehr und nicht weniger. Die
gesundheitlichen Störungen und deren invalidenversicherungsrechtlichen
Auswirkungen seien sodann im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung, d.h. am
B.c.
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Erwägungen
1.
25. Juli 2017, zu beurteilen. Das nachgereichte Blutbild sei am 23. Juni 2017
angeordnet worden und somit zu berücksichtigen (act. G14).
Mit Schreiben vom 7. März 2018 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer Duplik (act. G16).
B.d.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3.
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2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4.
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Fachpersonen begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; BGE 125
V 351 E. 3a mit Hinweisen).
1.5.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_73/2011, E. 4.1). Wenn der entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt wurde, kann das Gericht die Angelegenheit zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen.
1.6.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich in medizinischer Hinsicht auf das
psychiatrische Gutachten von Dr. K._ vom 22. September 2016 (IV-act. 137). Es ist
zunächst die Frage zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif abgeklärt
worden ist.
2.1.
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2.2.
Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte eine rezidivierende depressive
Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode (ICD-10: F33.1). Die Diagnose
einer posttraumatischen Belastungsstörung wurde vom Gutachter verworfen. Einerseits
bestehe keine entsprechende Symptomatik, andererseits sei kein entsprechendes
Trauma beim Exploranden bekannt, welches diese Diagnose rechtfertigen würde. Nach
ICD-10 entstehe die posttraumatische Belastungsstörung als eine verzögerte
(protrahierte) Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation
aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses (kurz- oder
langanhaltend), das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Hierzu
gehörten eine durch Naturereignisse oder von Menschen verursachte Katastrophe, eine
Kampfhandlung, ein schwerer Unfall oder Zeuge des gewaltsamen Todes anderer oder
selbst Opfer von Folter, Terrorismus, Vergewaltigung oder anderer Verbrechen zu sein.
Die Kündigung einer Arbeitsstelle, eine Mobbingsituation oder auch die Krankheit eines
Kindes würden nicht dazu gehören, auch wenn all diese Dinge sehr belastend sein
könnten (IV-act. 137-39).
2.2.1.
Der Gutachter führte zur Diagnose der rezidivierenden depressiven Störung mit
einer gegenwärtig mittelgradigen Episode aus, anlässlich der Untersuchung sei die
Grundstimmung des Exploranden deutlich zum depressiven Pol hin verschoben
gewesen, die affektive Modulationsfähigkeit sei eingeschränkt gewesen. Er habe eine
Ambivalenz, Schuldgefühle der Familie gegenüber, Insuffizienzgefühl, eine innere
Unruhe, Zukunftsängste sowie Hoffnungslosigkeit beschrieben. Zudem habe er von
Affektarmut, einer Minderung der Vitalgefühle, Ratlosigkeit sowie von einer gewisse
Hypomimie berichtet. In der Hamilton Depressionsskale habe der Explorand insgesamt
19 Punkte erreicht. Da diese depressive Verstimmung nun schon eine lange Zeit
anhalte, könne nicht mehr von einer Episode gesprochen werden (IV-act. 137-38).
Hinsichtlich der Darstellung der Funktionseinschränkungen und Ressourcen kam der
Gutachter zum Schluss, dass insgesamt eine verminderte Belastbarkeit bestehe. Auf
Seiten vorhandener Ressourcen nannte der Gutachter die Unterstützung durch die
Familie. So habe sich der Explorand ein Stück weit wieder selber eingliedern können.
Zudem habe er keine Probleme mit dem Autofahren, habe er doch zur Untersuchung
nach L._ mit dem Auto fahren können. Dies weise auf eine gewisse (auch
neuropsychologische) Leistungsfähigkeit hin. Auf Seiten der Ausschlussgründe
(hemmende Kriterien) nannte der Gutachter die mangelnde Bereitschaft zur Medikation,
führte jedoch aus, dass der Explorand sich gegenüber den bisherigen Therapien
kooperativ gezeigt habe (IV-act. 137-41). Gestützt auf seine Befunde attestierte der
2.2.2.
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Gutachter eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in
jedwelchen leidensadaptierten Tätigkeiten bezogen auf ein 100% Pensum. Er führte
diesbezüglich aus, dass es dem Beschwerdeführer in zeitlicher Hinsicht möglich sei,
sechs Stunden pro Tag zu arbeiten, jedoch ein erhöhter Pausenbedarf und eine rasche
Ermüdbarkeit bestehe, weshalb ein Pensum von 50% angemessen erscheine (IV-
act. 137-46 f.).
Der Beschwerdeführer rügt, der Gutachter habe die posttraumatische
Belastungsstörung zu Unrecht unberücksichtigt gelassen. So hätten die behandelnden
Ärzte am 21. März 2014 neben einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer
gegenwärtig mittelgradigen Episode mit somatischem Syndrom auch eine
posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Dem entsprechenden
Austrittsbericht sei zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer wiederholte
traumatische Erfahrungen von physischer Gewalt und Demütigung durch den Vater
sowie Übergriffshandlungen durch einen ehemaligen Arbeitskollegen während der
Lehre mit 16 Jahren gemacht habe. Auch die weiteren involvierten Fachpersonen
hätten beim Beschwerdeführer eine posttraumatische Belastungsstörung festgestellt.
Zudem seien die Flashbacks nicht nur durch eine Depression erklärbar (vgl. act. G1).
2.3.
Dieser Einwand des Beschwerdeführers überzeugt vorliegend nicht. Das
psychiatrische Gutachten von Dr. K._ wurde in Kenntnis der vollständigen Aktenlage
und in Berücksichtigung des gesamten Leidensbildes erstellt. Dabei hat er auch den
Austrittsbericht vom 21. März 2014 wortgetreu übernommen und dieser ist
vollumfänglich in die Beurteilung eingeflossen (IV-act. 137-7-10). Ausserdem fällt ins
Gewicht, dass das Gutachten auf eigenen Abklärungen beruht und für die streitigen
Belange umfassend ist. Es bestehen entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt
worden wären. Der Gutachter führt nachvollziehbar aus, weshalb die Diagnose der
posttraumatischen Belastungsstörung beim Beschwerdeführer nicht vorliegt (vgl. IV-
act. 137-39). Es ist sodann nicht zu beanstanden, dass der Gutachter auf die vom
Beschwerdeführer geltend gemachten traumatischen Erfahrungen in der Kindheit und
Jugend nicht näher eingegangen ist, wie sich nachfolgend zeigt.
2.4.
Eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) setzt unter anderem
voraus, dass der Beginn der Störung mit einer Latenz von wenigen Wochen bis
Monaten zum Trauma einsetzt. Üblicherweise wird eine Latenzdauer von sechs
Monaten nicht überschritten (Wolfgang Hausotter, Begutachtung somatoformer und
funktioneller Störungen, 3. Aufl., München 2013, S. 209). Eine besondere Begründung
2.4.1.
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braucht es dabei in jenen Fällen in denen ganz ausnahmsweise aus bestimmten
Gründen ein späterer Beginn berücksichtigt werden soll, wobei ein nur gelegentliches
Auftreten von Flashbacks oder Alpträumen nicht genügt, um eine posttraumatische
Belastungsstörung zu begründen (BGE 142 V 347 E. 5.2.2). Der Fachliteratur kann
diesbezüglich entnommen werden, dass in rund 10% der Fälle eine Latenz von Jahren
bis Jahrzehnten nach dem Ereignis festgestellt werden könne. Dies sei meist auf eine
nicht korrekte Diagnose des Krankheitsbildes zurückzuführen (vgl. Felix Harder/Werner
Tschan, Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) in der hausärztlichen Praxis,
Schweizerisches Medizin Forum, 2004, 4: 392-397). Ein Teil der Fachliteratur geht
ferner davon aus, dass einzelne PTBS-Symptome, die über Jahre hinweg gar nicht
oder nur gering ausgeprägt waren, sich durch Veränderung der Lebensumstände
verstärken können (sog. Traumareaktivierung). So könne sich im Verlauf des Lebens
eine vollständige posttraumatische Belastungsstörung erst herausbilden (Andreas
Maercker/Tanja Michael, Posttraumatische Belastungsstörungen, in: Jürgen Margraf/
Silvia Schneider (Hrsg.), Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Bd. 2, 3. Aufl., Heidelberg
2009, S. 107). Damit in Einklang gilt rechtsprechungsgemäss, dass die Diagnose nicht
bereits aufgrund einer längeren Latenzzeit verworfen werden könne. So bezeichnete es
das Bundesgericht als denkbar, dass ein Leben unter falscher Identität und latenter
Gefahr, entdeckt und erneut inhaftiert und unmenschlich behandelt zu werden, den
Ausbruch der PTBS-Symptomatik möglicherweise verzögern könne (Urteil des
Bundesgerichts vom 24. November 2015, 9C_195/2015, E. 3.3.3).
Gemäss Beschwerdeführer ist die posttraumatische Belastungsstörung auf die in
der Kindheit und Jugend gemachten traumatischen Erfahrungen zurückzuführen.
Symptome einer psychischen Störung seien jedoch erst im Jahr 2011 aufgetreten.
Früher habe er nie unter psychischen Problemen gelitten (vgl. IV-act. 137-23). Gestützt
auf die Aussage des Beschwerdeführers selbst ist somit von einer Latenzzeit zwischen
initialer Belastung und Auftreten der Störung von mindestens 15 Jahren auszugehen.
Hinsichtlich der langen Latenzzeit der möglichen posttraumatischen Belastungsstörung
sind bei objektiver Betrachtung keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche den Schluss
auf eine Retraumatisierung als naheliegend erscheinen lassen. Wie aus den Akten
hervorgeht, wies der Beschwerdeführer erste Anzeichen für eine psychische
Erkrankung erst wegen der Krankheit des Sohnes und schliesslich der Konflikte am
Arbeitsplatz (Mobbing) auf. Dass die Erkrankung des Sohnes sowie das zuletzt
schwierige Arbeitsverhältnis geeignete Traumata zur – um viele Jahre verzögerten –
Auslösung einer posttraumatischen Belastungsstörung waren, erscheint nicht als
überwiegend wahrscheinlich.
2.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
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3.
Im Übrigen stehen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht die exakte
Diagnosestellung, sondern vielmehr die durch das Leiden bedingten
Beeinträchtigungen (insbesondere unter Berücksichtigung der Flashbacks) im
Vordergrund. So attestierten auch Dr. H._ und lic. phil. I._ im Austrittsbericht vom
21. März 2014 unter Hinweis auf eine rezidivierende depressive Störung sowie eine
posttraumatische Belastungsstörung eine Arbeitsunfähigkeit von lediglich 50% (IV-
act. 24-1). Der vom Beschwerdeführer vorgeworfene Mangel an der Beurteilung des
psychiatrischen Gutachters erweist sich daher als unbegründet. Vor diesem
Hintergrund besteht kein Anlass, die Beweiskraft des Administrativgutachtens in Frage
zu stellen oder weitere Abklärungen durchzuführen.
2.6.
Zu prüfen ist im Folgenden, ob das Abweichen der Beschwerdegegnerin von der
Arbeitsfähigkeitsschätzung des Gutachters zulässig war. Mit Urteil 8C_841/2016 vom
30. November 2017 entschied das Bundesgericht im Sinne einer Praxisänderung, es
sei sach- und systemgerecht, depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur
ebenfalls einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen.
Dieses bleibe entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine
Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint werde und allfälligen
gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen
Gründen kein Beweiswert beigemessen werden könne (E. 4.5). Mit Urteil 8C_130/2017
gleichen Datums änderte das Bundesgericht seine bisherige Praxis insofern ab, als es
feststellte, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem
strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien (E. 6 f.).
Weiter stellte es klar, es gehe fehl, ein Leiden als leicht einzustufen, weil diagnostisch
kein Bezug zum Schweregrad desselben gefordert sei, und ihm bereits deshalb eine
versicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit abzusprechen (E.
5.2). Fortan sei E. 4.3.1.3 von BGE 141 V 281 so zu verstehen, dass Störungen
unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in
Betracht fielen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung
beizumessen sei (E. 8.1). Diese neue Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der
Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle (Urteile des Bundesgerichts vom 7. März
2018 8C_756/2017 E. 4 mit weiterem Hinweis und vom 16. September 2019
8C_245/2019 E. 5) und somit auch im vorliegenden Fall massgebend.
3.1.
Die Beschwerdegegnerin hatte die invalidisierende Wirkung der
Depressionserkrankung des Beschwerdeführers am 25. Juli 2017 noch unter alter
Rechtsprechung unter anderem mit dem Hinweis auf die fehlende Therapieresistenz
3.2.
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verneint (IV-act. 173 sowie Stellungnahme des Rechtsdienstes vom 27. März 2017, IV-
act. 160). In der Beschwerdeantwort vom 5. Januar 2018 begründet sie dies unter
Berufung auf BGE 141 V 281 und führt aus, der Beschwerdeführer leide zwar unter
physischen und psychischen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit, diese würden aber
keinen ausgereiften Schweregrad aufweisen. So werde der Beschwerdeführer im
Abschlussbericht des Aufbautrainings als zuverlässiger, motivierter und kollegialer
Teilnehmer bezeichnet. Im gleichen Bericht werde er in den Schlüsselqualifikationen
"Persönliche Kompetenz" und "Berufliches Können und Arbeitsleistung" überwiegend
positiv, in "Soziale Kompetenz" und "Arbeitsverhalten und methodische Kompetenz"
ausschliesslich positiv bewertet. Sodann sei der Beschwerdeführer nach eigenen
Angaben verheiratet und lebe mit seinen beiden Söhnen in einem gemeinsamen
Haushalt. Spezielle innerfamiliäre Konflikte habe der Beschwerdeführer während der
Begutachtung nicht genannt. Dies weise auf ein durchaus intaktes Familienleben hin.
Ferner verfüge der Beschwerdeführer über einen intakten Tagesablauf, helfe er doch im
Bauernhof des Schwagers aus. Es sei davon auszugehen, dass das soziale Umfeld und
die regelmässige Tagesstruktur weitere mobilisierbare Ressourcen und positive
Leistungssteigerungen annehmen liessen. Alsdann zeige der Beschwerdeführer ein
inkonsistentes Verhalten, würden dem Beschwerdeführer längere Autofahrten doch
keinerlei Probleme bereiten (act. G6).
Die vom psychiatrischen Gutachter aus objektiver Sicht bescheinigte 50%ige
Arbeitsunfähigkeit gründet auf einer umfassenden Diskussion der Befunde,
Funktionseinbussen und Ressourcen und erfolgte unter Einbezug einer
Konsistenzprüfung aus versicherungsmedizinischer Sicht (IV-act. 137-33). Dabei hat er
schlüssig dargelegt, dass trotz sozialer Ressourcen und gewisser Leistungsfähigkeiten
(IV-act. 137-42) eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliegt (IV-act. 137-41-45).
Bezüglich der Komplexe "Persönlichkeit" und "Sozialer Kontext" ist dem Gutachten ein
zuverlässiges Bild des Beschwerdeführers zu entnehmen, welches im Einklang mit den
übrigen Akten steht. Während sich die guten sozialen Kontakte zur Familie sowie die
Tätigkeit auf dem Bauernhof des Schwagers positiv auswirken, besteht gemäss
psychiatrischer Einschätzung dennoch aufgrund der mittelgradigen depressiven
Episode insgesamt eine verminderte Belastbarkeit (IV-act. 137-41). Nicht
nachvollziehbar erscheinen in diesem Zusammenhang die Vorbringen der
Beschwerdegegnerin, wonach der Abschlussbericht des Aufbautrainings aufzeigen
würde, dass beim Beschwerdeführer keine tiefgreifenden, schweren Einschränkungen
des eigenen Antriebes, der Intentionalität, der Affektsteuerung oder der Urteilsbildung
vorlägen (act. G6 III. Konsistenz 8.). Es trifft zwar zu, dass der Beschwerdeführer als
zuverlässiger, motivierter und kollegialer Teilnehmer bezeichnet und in den
3.3.
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Schlüsselqualifikationen überwiegend positiv bewertet wurde. Diese Aussagen sind
jedoch nicht losgelöst von den übrigen Ausführungen zu lesen, kommen die
Verantwortlichen im genannten Bericht doch zum Schluss, dass die körperliche
Stabilität und Belastbarkeit des Beschwerdeführers derzeit im Hinblick auf eine
berufliche Integration im ersten Arbeitsmarkt nur sehr eingeschränkt gegeben sei (IV-
act. 111-7). Hinzu kommt, dass sich der Gutachter mit diesem Bericht eingehend
auseinandergesetzt hat und dies in seine Beurteilung eingeflossen ist (IV-
act. 137-41-42). Bezüglich der von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten
Inkonsistenz aufgrund der Möglichkeit des Autofahrens unter Berufung auf die Urteile
des Bundesgerichts vom 9. Mai 2016, 8C_925/2015, und vom 17. Februar 2016,
8C_569/2015, ist darauf hinzuweisen, dass in den zitierten Entscheiden eine erhebliche
Diskrepanz zwischen dem Verhalten der Versicherten und den gegenüber den
Gutachtern gemachten Aussagen bestand. So wird im zitierten Urteil, 8C_925/2015,
ausgeführt, dem Versicherten werde nicht das Autofahren als solches vorgeworfen.
Massgeblich sei vielmehr, dass zwischen dem gezeigten Verhalten (Autofahren usw.)
und den gegenüber dem psychiatrischen Gutachter gemachten Aussagen
(Unmöglichkeit des Autofahrens usw.) eine erhebliche Diskrepanz bestehe (E. 4.2). Im
vorliegenden Fall liegt das anders. Anlässlich der Begutachtung hat der
Beschwerdeführer von sich aus erzählt, dass er Auto fahre und auch mit dem Auto
angereist sei (IV-act. 137-30). Der Gutachter berücksichtigte sodann bei seiner
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit den Umstand, dass der Beschwerdeführer "keine
Probleme mit dem Autofahren" hat und somit "eine gewisse Leistungsfähigkeit"
vorhanden ist (IV-act. 137-41).
Die Beschwerdegegnerin begründet die Abweichung von der
Arbeitsfähigkeitsschätzung des Gutachters ausserdem mit der schlechte Compliance
bei der antidepressiven medikamentösen Therapie (act. G6 III. Konsistenz 10.).
3.4.
Der Gutachter hat mehrfach auf die nicht zuverlässige Medikamenteneinnahme
hingewiesen (IV-act. 137-40, 43, 44 und 45), womit davon auszugehen ist, dass er
diesen Umstand bei seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch berücksichtigt hat.
In der Stellungnahme vom 28. September 2016 nannte RAD-Arzt Dr. J._ gestützt auf
die Laborbefunde des Gutachters die Möglichkeit einer fehlerhaften Medikation
aufgrund der individuellen Stoffwechselsituation des Beschwerdeführers (IV-act. 138).
Auch die Beschwerdegegnerin anerkennt in der Beschwerdeantwort die Möglichkeit,
dass der Beschwerdeführer einer falschen Medikation unterlag (act. G6 III. Konsistenz
10.). Aus den Akten geht sodann hervor, dass die antidepressive Behandlung mit
Wellbutrin zu unerwünschten Nebenwirkungen (Butdruckschwankungen,
3.5.
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Schweissausbrüche, Kopfschmerzen, Schwindel sowie Sehstörungen) geführt hatte,
weshalb die antidepressive Behandlung im Herbst 2015 mit Seralin Mepha und
Sequase weitergeführt wurde (Bericht Dr. G._ vom 23. Juni 2017; IV-act. 172-3).
Diese Umstellung brachte jedoch auch mehrere unerwünschten Nebenwirkungen mit
sich (vgl. IV-act. 82-2, 94-3). Unterlag der Beschwerdeführer einer falschen, für ihn
allenfalls nicht zumutbaren Medikation, kann entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin (vgl. IV-act. 160-2) nicht von einer Verletzung der
Selbsteingliederungspflicht ausgegangen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
30. Oktober 2013, 9C_254/2013, E. 3.2). Ob der Beschwerdeführer die ihm
angeordnete Medikation nun im Zeitpunkt der Begutachtung vernachlässigt hatte oder
es aufgrund etwaiger anderer Gründe zu einer Fehlinterpretation der Laborbefunde
gekommen oder die Medikation ihm nicht zumutbar gewesen war, kann jedoch
offenbleiben, wie sich nachfolgend ergibt.
Gemäss Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG liegt eine Erwerbsunfähigkeit nur vor, wenn sie
aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. Die versicherte Person muss an allen
zumutbaren Massnahmen, die zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben dienen,
insbesondere auch an medizinischen Behandlungen, aktiv teilnehmen (Art. 7 Abs. 2
lit. d IVG). Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren
Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung
der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, so können ihr die
Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss
vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine
angemessene Bedenkfrist einzuräumen. Behandlungs- oder
Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind
nicht zumutbar (Art. 21 Abs. 4 ATSG).
3.6.
Die Beschwerdegegnerin hatte bislang kein Mahn- und Bedenkzeitverfahren
durchgeführt. Sie durfte deshalb nicht von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aufgrund
der geltend gemachten schlechten Compliance bei der antidepressiven Therapie
ausgehen, zumal der Gutachter darauf hinwies, dass sich der Beschwerdeführer
kooperativ bei den bisherigen Therapien gezeigt hatte und in den Akten nichts auf ein
inkonsistentes Verhalten hingedeutet hat (IV-act. 137-45). Ferner blieb
unberücksichtigt, dass der RAD-Arzt eine therapeutische Evaluation für angezeigt
erachtete, um die Frage der Medikation zu klären (IV-act.138).
3.7.
Zusammenfassend erlaubt das Gutachten von Dr. K_ eine schlüssige
Beurteilung im Lichte der massgebenden Indikatoren (vgl. BGE 141 V 309 E. 8). Es
berücksichtigt die vorhandenen Unstimmigkeiten im Gesamtbild, indem nicht eine
3.8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
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4.
volle, sondern nachvollziehbarerweise eine 50%ige Arbeitsfähigkeit angenommen
wurde. Für eine abweichende juristische Beurteilung bleibt daher kein Raum. Es ist
auch aus rechtlicher Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von 50% in angestammter und
adaptierter Tätigkeit auszugehen. Der Beschwerdegegnerin bleibt es jedoch
unbenommen, den medizinischen Sachverhalt zu aktualisieren und die Rente danach
gegebenenfalls nach Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens
anzupassen.
Schliesslich ist der Invaliditätsgrad auf Grund obiger Arbeitsunfähigkeit zu prüfen.4.1.
Der Beschwerdeführer hat zuletzt als C._ bei der Gemeinde B._ gearbeitet. Zu
seinen Aufgaben gehörte unter anderem die Reinigung der Strassenschächte, der
Unterhalt von Fahrzeugen, der Unterhalt und die Überwachung der Bäche, das
Zurückschneiden von Bäumen und Hecken entlang der öffentlichen Strassen und die
Kontrolle der Personenunterstände bei Bus-Haltestellen (vgl. IV-act. 14-19). Diese
Tätigkeiten sind ihm aus psychiatrischer Sicht weiterhin zu 50% zumutbar. Die
Invalidenkarriere entspricht somit der Validenkarriere und das Invalideneinkommen
dem Valideneinkommen, weshalb der Invaliditätsgrad anhand eines sogenannten
Prozentvergleichs berechnet werden kann. Er entspricht also dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen allfälligen Abzug vom Tabellenlohn. Daran
vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass der Beschwerdeführer nach eigenen
Angaben aufgrund seiner aussergewöhnlichen Leistung bei der Gemeinde B._ ein
höheres (Validen)-Einkommen erzielt hatte und aufgrund seiner Leistungsbereitschaft
auch bei einem anderen Arbeitgeber erzielt hätte. Aus den Akten geht mehrfach hervor,
dass der Beschwerdeführer im Rahmen des Aufbautrainings, welches er im
Immobilienunterhalt absolviert hatte, durch seine genaue und sorgfältige Arbeitsweise
aufgefallen war (vgl. IV-act. 90-2, 94-2, 98-2). Daher ist entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers (act. G1-7) nicht zu beanstanden, dass der Gutachter zum Schluss
gekommen ist, der Beschwerdeführer sei sowohl in der angestammten als auch in der
adaptierten Tätigkeit gleichermassen arbeitsunfähig. Da der Beschwerdeführer jedoch
aufgrund der Notwendigkeit, immer wieder Pausen einlegen zu müssen, seine
Arbeitsleistung nicht konstant zuverlässig und auch nicht hinreichend flexibel erbringen
können dürfte, könnte sich praxisgemäss höchstens ein Tabellenlohnabzug von zehn
Prozent rechtfertigen. Da der psychiatrische Gutachter diesem Umstand bereits
genügend Rechnung getragen hat, indem er eine Arbeitsfähigkeit von 50% unter
Berücksichtigung eines erhöhten Pausenbedarfs und einer raschen Ermüdbarkeit
attestierte (IV-act. 137-46), ist folglich kein Tabellenlohnabzug mehr zu berücksichtigen.
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
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5.
Hinsichtlich des Beginns der attestierten Arbeitsunfähigkeit führt der Gutachter aus,
dass für die Zeit der Klinikaufenthalte aus formalen Gründen eine 100%ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe. Ansonsten habe in der Regel
höchstens eine mittelgradige depressive Episode vorgelegen. Daher sei davon
auszugehen, dass seit Beginn der Behandlung im psychiatrischen Zentrum (Aufenthalt
vom 22. November bis 9. Dezember 2013) eine 50%ige Einschränkung der
Leistungsfähigkeit bestanden habe, mit Ausnahme der Klinikaufenthalte (IV-
act. 137-47). Damit im Einklang steht die im Austrittsbericht vom 21. März 2014
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50% ab 21. März 2014 (IV-act. 24-1). Eine
retrospektive Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit vor November 2013 kann dem
Gutachten hingegen nicht entnommen werden. In den Akten liegen indessen diverse
Arztzeugnisse für den Zeitraum vom 2. April 2013 bis 30. Juni 2013, die eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers bescheinigen (IV-act. 14-10, act. 14-16-17).
Dem Arztbericht vom 9. Dezember 2013 ist sodann zu entnehmen, dass die
Arbeitsunfähigkeit seit mindestens Juni 2013 bestanden habe (IV-act. 17). Da der
Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ab 2. April 2013 zu 100%
eingeschränkt war und seit 9. Dezember 2013 zu 50% – mit Ausnahme der
Klinikaufenthalte – arbeitsunfähig ist, war am 1. April 2014 das Wartejahr gemäss
Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG abgelaufen, womit der Rentenbeginn unter Berücksichtigung
der sechsmonatigen Frist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG auf den 1. Mai 2014 fällt.
6.
Weitere Anhaltspunkte, die einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen würden, sind
nicht ersichtlich. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50% resultiert damit ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 50%.
Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 25. Juli 2016 aufzuheben und dem
Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Mai 2014 eine halbe Rente zuzusprechen. Die
Beschwerde ist somit teilweise gutzuheissen. Die Sache ist zur Berechnung der
Invalidenrente an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Bei der Ausrichtung der
Rentenleistungen wird die Beschwerdegegnerin zu beachten haben, dass der
Beschwerdeführer während des Belastbarkeits- und Aufbautrainings bei der M._ vom
7. April 2015 bis 6. Juli 2015, vom 7. Juli 2015 bis 6. Februar 2016 und vom 7. Februar
2016 bis 6. Mai 2016 IV-Taggeldleistungen bezog (vgl. IV-act. 47, 53, 72, 103). Dies
führt – unter Vorbehalt von Art. 20ter Abs. 1 IVV – dazu, dass für die IV-Taggeldperiode
keine Rentenleistungen geschuldet sind bzw. der Rentenanspruch unterbrochen wird
6.1.
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