Decision ID: ed755578-d676-50f0-b27b-b97cb1394f0a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin ersuchte zusammen mit ihrem Lebenspartner
(Verfahrensnummer F-4497/2021) am 13. August 2021 in der Schweiz um
Asyl. Ein Abgleich ihrer Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerab-
druck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass sie am 10. August 2021 in Slowe-
nien um Asyl ersucht hatte.
B.
Das SEM gewährte der Beschwerdeführerin am 3. September 2021 das
rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der
Möglichkeit der Überstellung nach Slowenien, dessen Zuständigkeit für die
Behandlung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. Die Be-
schwerdeführerin führte aus, nicht dorthin zurückkehren zu wollen. Sie
habe in Slowenien kein Asylgesuch stellen wollen. Ihr seien die Fingerab-
drücke zwangsweise abgenommen worden. Sie sei in Slowenien sexuell
belästigt worden. Da sie in Quarantäne gewesen sei, sei die Polizei nur
einmal pro Tag gekommen und sie habe die Sprache nicht beherrscht, wes-
halb sie es nicht habe melden können. Auch habe sie keinen Zugang zu
einer Rechtsvertretung gehabt. Die Lage dort sei schlimmer als in Grie-
chenland. Zu ihrem Gesundheitszustand führte sie aus, an Juckreiz zu lei-
den. In Griechenland habe sie Nierenschmerzen gehabt, welche sich auf
der Reise in die Schweiz verschlimmert hätten. Dank der Einnahme von
Tabletten seien die Schmerzen aber nicht mehr vorhanden. Ferner sei sie
schwanger.
C.
Die slowenischen Behörden hiessen das Gesuch der Vorinstanz vom
30. August 2021 um Übernahme der Beschwerdeführerin gemäss Art. 18
Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-
staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-
gend: Dublin-III-VO), am 7. September 2021 gut.
D.
Am 5. Oktober 2021 (eröffnet am selben Tag) trat das SEM auf das Asyl-
gesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, ordnete ihre Überstellung nach
Slowenien an und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der
Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aushändigung
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der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde
gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
E.
Am 12. Oktober 2021 (Poststempel) gelangte die Beschwerdeführerin an
das Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylge-
such einzutreten. Eventualiter sei die Sache zwecks rechtsgenüglicher
Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Im Sinne vorsorglicher Massnahmen sei der Beschwerde die auf-
schiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörde sei anzuweisen,
von einer Überstellung nach Slowenien abzusehen, bis das Bundesverwal-
tungsgericht über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden
habe. Des Weiteren ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Schliesslich seien die Akten ihres Lebenspartners beizuziehen.
F.
Am 13. Oktober 2021 ordnete die Instruktionsrichterin einen superproviso-
rischen Vollzugsstopp an.
G.
Neben den vorinstanzlichen Akten der Beschwerdeführerin zog das Bun-
desverwaltungsgericht die Akten ihres Lebenspartners (F-4497/2021) bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 31 ff.
VGG). Die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs.
1 VwVG], Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG] sind offen-
sichtlich erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
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2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1. Die Beschwerdeführerin moniert, der Vorinstanz würden die erforder-
lichen Kenntnisse über Diagnosen zu ihrem gesundheitlichen Zustand und
über die notwendigen Behandlungen fehlen, um abschliessend beurteilen
zu können, ob in Slowenien eine angemessene medizinische Behandlung
gewährleistet wäre. Die von der Vorinstanz vorgenommene antizipierte Be-
weiswürdigung könne bei einer vulnerablen Person wie ihr nicht genügen.
3.2. Sofern die Beschwerdeführerin damit eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs in Form einer unzulässigen antizipierten Beweiswürdigung geltend
machen will, gilt es festzuhalten, dass die Vorinstanz ihrem Gesundheits-
zustand Rechnung getragen hat. Sie hat medizinische Abklärungen vor-
nehmen lassen, dank welcher die Erkrankungen der Beschwerdeführerin
(Posttraumatische Belastungsstörung [PTBS], Nierenschmerzen und Juck-
reiz) diagnostiziert werden konnten (vgl. Arztberichte vom 25. August 2021,
vom 17. September 2021 und vom 30. September 2021). Damit konnte
deren Bedeutung für das vorliegende Verfahren gewürdigt sowie abge-
schätzt werden, ob weitere Abklärungen notwendig sind. Entsprechend
durfte die Vorinstanz auf die Erhebung weiterer Beweise (d.h. einen weite-
ren Arztbericht) verzichten, ohne durch diese antizipierte Beweiswürdigung
den Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV zu verletzen
(vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3).
3.3. Die Beschwerdeführerin bringt vor, trotz der geltend gemachten sexu-
ellen Belästigung von einem bezüglich des Geschlechts gemischten Team
befragt worden zu sein.
3.4. Bei diesem Vorbringen handelt es sich – entgegen der Zuordnung zum
Untersuchungsgrundsatz durch die Beschwerdeführerin – um eine Ge-
hörsrüge (Art. 29 ff. VwVG; Urteil des BVGer D-3797/2017 vom 17. Januar
2019 E. 3.1.1). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin schreibt das
Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau
vom 18. Dezember 1979 (CEDAW; SR 0.108) nicht vor, dass Anhörungen
im Rahmen des Dublin-Verfahrens bei Vorbringen von sexuellem Miss-
brauch durch die Beschwerdeführenden von Personen desselben Ge-
schlechts durchgeführt werden müssen. Eine solche Pflicht ergibt sich im
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Übrigen auch nicht aus der Dublin-III-VO. Eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs liegt somit nicht vor.
4.
4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des
Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich
keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr
statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
Nachdem die slowenischen Behörden innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-
III-VO festgelegten Frist dem Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz zu-
gestimmt haben, ist die Zuständigkeit Sloweniens grundsätzlich gegeben.
4.3. Erweist es sich als unmöglich, eine antragstellende Person an den zu-
nächst als zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es we-
sentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemi-
sche Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen o-
der entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grund-
rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mit-
gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest-
zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden
kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund
der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten
Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so
wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitglied-
staat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
4.4. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
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er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-
siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-
manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-
VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche
Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE
2015/9 E. 8.2.1).
5.
5.1. Das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Slowenien wei-
sen nach konstanter Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
keine systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und
3 Dublin-III-VO auf (vgl. Urteile des BVGer D-715/2021 vom 19. Februar
2021, F-4659/2020 vom 24. September 2020 E. 4.1 und F-3660/2020 vom
22. Juli 2020 E. 4.1). Für eine Änderung der Rechtsprechung besteht auch
in Würdigung der von der Beschwerdeführerin gemachten Äusserungen zu
ihrer Behandlung in Slowenien sowie der von ihr angeführten Verweise auf
verschiedene Berichte von Nichtregierungsorganisationen zur Lage Asyl-
suchender in Slowenien keine Veranlassung.
5.2. Folglich ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht ge-
rechtfertigt.
6.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob das Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1
erster Satz Dublin-III-VO, konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 der Asylverord-
nung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311), auszuüben ist.
6.1. Die Beschwerdeführerin macht geltend, als schwangere und psy-
chisch angeschlagene Frau besonders vulnerabel zu sein. Die Ursache ih-
rer psychischen Beschwerden müsse mindestens zum Teil von der sexu-
ellen Belästigung in Slowenien stammen. Aus diesem Grund wäre bei ihrer
Überstellung dorthin eine Verschlechterung ihres Zustandes zu erwarten.
Dies gelte insbesondere, da sie nach dem Vorfall keine Unterstützung er-
halten habe. Sie habe sich nicht an die Polizei wenden und habe auch nicht
die benötigte gesundheitliche Unterstützung einfordern können. Mangels
einer Rechtsvertretung habe sich auch niemand für ihre Rechte einsetzen
können. In Slowenien seien die Bedingungen schlimmer als in Griechen-
land.
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6.2. Slowenien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) und kommt seinen entsprechenden völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nach. Es ist somit anzunehmen, dass dieser Staat die Rechte, die
sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments
und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren
für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog.
Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung
von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz
beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben, anerkennt und schützt. Die
Beschwerdeführerin vermag in Bezug auf die angeblich unzumutbaren Zu-
stände in Slowenien nicht darzutun, dass die sie bei einer Rückführung zu
erwartenden Bedingungen derart schlecht sind, dass sie zu einer Verlet-
zung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta bzw. Art. 3 EMRK führen könn-
ten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihr zustehen-
den Aufnahmebedingungen könnte sie sich im Übrigen nötigenfalls an die
slowenischen Behörden wenden und ihre Rechte auf dem Rechtsweg ein-
fordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). In Bezug auf die geltend gemachte
sexuelle Belästigung kann sich die Beschwerdeführerin an die zuständige
Polizeibehörde wenden. Slowenien ist ein funktionierender Rechtsstaat
und die Behörden sind grundsätzlich gewillt und fähig, staatlichen Schutz
zu gewähren. Zudem haben – entgegen den Ausführungen der Beschwer-
deführerin – Asylsuchende in Slowenien während des Asylverfahrens Zu-
gang zu einer Rechtsvertretung (Asylum Information Database [AIDA],
Country Report: Slovenia [2019 update], < https://asylumineurope.org/wp-
content/uploads/2020/03/report-download_aida_si_2019update.pdf >,
S. 27, abgerufen am 14.10.2021), mit deren Hilfe die Beschwerdeführerin
ihre Rechte geltend machen kann.
6.3. Ferner liegen keine konkreten Anhaltspunkte vor, wonach die Gesund-
heit der Beschwerdeführerin bei einer Überstellung ernsthaft gefährdet
würde. Sie befindet sich ungefähr in der 14. Schwangerschaftswoche und
die Schwangerschaft wurde gemäss Arztbericht vom 17. September 2021
als intakt bezeichnet. In Bezug auf die geltend gemachten Nierenschmer-
zen und den Juckreiz wurde sie in der Schweiz bereits umfassend medizi-
nisch versorgt, was zu einer Stabilisation ihres Gesundheitszustandes ge-
führt hat. So konnten die Schmerzen gemäss ihren eigenen Aussagen
dank der Einnahme von Tabletten beseitigt werden. Im Übrigen verfügt Slo-
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wenien entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin über eine ausrei-
chende medizinische Infrastruktur. Vulnerable Personen haben insbeson-
dere Zugang zu einer psychotherapeutischen Betreuung (AIDA, Country
Report: Slovenia [2019 update], < https://asylumineurope.org/wp-con-
tent/uploads/2020/03/report-download_aida_si_2019update.pdf >, abge-
rufen am 14.10.2021, S. 58), weshalb auch die diagnostizierte PTBS in
Slowenien einer Behandlung zugänglich sein dürfte. Es liegen ferner keine
Hinweise vor, wonach Slowenien der Beschwerdeführerin eine adäquate
medizinische Behandlung verweigern würde. Die von ihr angeführte Tarak-
hel-Rechtsprechung (Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschen-
rechte Tarakhel vs. Schweiz vom 4. November 2014, Nr. 29217/12) findet
auf Familien Anwendung, die im Rahmen des Dublin-Verfahrens nach Ita-
lien überstellt werden sollen, weshalb sie daraus nichts zu ihren Gunsten
ableiten kann. Der Verweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-5927/2015 vom 28. Januar 2016 ist im Übrigen unbehelflich, stellte sich
doch der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im zi-
tierten Urteil wesentlich gravierender dar als vorliegend.
6.4. Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten
Verfügung beauftragt sind, werden den medizinischen Umständen bei der
Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Beschwerde-
führerin Rechnung tragen und die slowenischen Behörden vorgängig in ge-
eigneter Weise über die spezifischen medizinischen Umstände informieren
(vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO und Dokument «Überstellungsmodalitäten»
des SEM, vorinstanzliche Akten 40/1).
6.5. Die Vorinstanz hat somit das Selbsteintrittsrecht von Art. 17 Dublin-III-
VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist die
Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch
liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen wür-
den.
7.
Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten und
hat die Wegweisung nach Slowenien angeordnet.
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-
den Urteil fällt der am 13. Oktober 2021 angeordnete Vollzugsstopp dahin.
Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegenstandslos
geworden.
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9.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65
Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorste-
henden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Ver-
fahrenskosten sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
10.
Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
(Dispositiv nächste Seite)
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