Decision ID: e73176bc-eecd-4cd3-a055-f2423da974cb
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A. L., S., ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 000, Grundbuch S., L., F., das er im
August 2006 aus einer Konkursmasse erworben hat. Es ist mit einem im Jahr 1994
erstellten Gewächshaus (Vers.-Nr. 00.0000) überbaut. Am 23. Februar 2009 stürzten
rund 400 m der Dachkonstruktion ein.
Der Schaden (Schaden-Nr. 59241) wurde der Gebäudeversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen (abgekürzt GVA) am 24. Februar 2009 gemeldet. Gemäss
Schadenermittlungsprotokoll vom 1. April 2009 wurde er am 25. Februar, 27. Februar
und am 12. März 2009 besichtigt, und die GVA beauftragte die B. Partner AG, Oberriet,
die Tragkonstruktion des Gewächshauses statisch zu überprüfen (Gutachten B.).
Gemäss Gutachten B. vom 23. März 2009 können die Tragsicherheitsnachweise bei
Ansetzung der für S. vorgesehenen Schneelasten von 1.82kN/m bei weitem nicht
erfüllt werden. Am 7. April 2009 teilte die GVA A. L. mit, sie sei nicht leistungspflichtig,
weil der Schaden wegen Baumängeln bzw. fehlerhafter Konstruktion entstanden sei.
Am 14. Mai 2009 teilte A. L., nunmehr vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. K. S., der
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GVA mit, er könne sich dieser Argumentation nicht anschliessen. Am 14. Juli 2009
lehnte es die GVA ab, für den Schadenfall eine Versicherungsleistung zu erbringen.
B./ Am 4. August 2009 erhob A. L., vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. K. S., bei der
Verwaltung der GVA Einsprache gegen die Verfügung vom 14. Juli 2009. Er beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei eine Schadensumme zu ermitteln
und es sei dem Einsprecher die Behebung des Gebäudeschadens zuzüglich
Nebenleistungen nach Massgabe der Bestimmungen des Gesetzes über die
Gebäudeversicherung (sGS 873.1, abgekürzt GVG) und der bezüglichen Verordnung zu
vergüten. Die Einsprache wurde am 8. September 2009 abgewiesen. Der Entscheid
wird im wesentlichen damit begründet, die eigentliche Schadenursache liege im
Umstand begründet, dass das Gewächshaus nicht oder nicht genügend beheizt
worden sei.
C./ Am 22. September 2009 erhob A. L., wiederum vertreten durch Rechtsanwalt lic.
iur. K. S., gegen den Einspracheentscheid vom 8. September 2009 Rekurs bei der
Verwaltungskommission der GVA. Er stellte die Rechtsbegehren, der angefochtene
Entscheid sei aufzuheben, die Schadensumme sei zu ermitteln und es sei dem
Rekurrenten die Behebung des Gebäudeschadens zuzüglich Nebenleistungen nach
Massgabe der gesetzlichen Bestimmungen zu vergüten. Der Rekurrent hielt fest, das
Gewächshaus verfüge über eine taugliche Heizung, die zum Zeitpunkt des
Schadenereignisses in Betrieb gewesen sei. In diesem Zusammenhang beantragte er,
es seien verschiedene Beweise abzunehmen, u.a. sei eine Expertise zu erstellen. In der
Folge beauftragte die Verwaltungskommission der GVA die S. Bau-technologie, C., mit
der Erstellung eines ergänzenden Gut-achtens bezüglich der Schneehöhen in
Abhängigkeit zu ver-schiedenen Raumtemperaturen (Gutachten S.). Am 30. November
2009 wurde dieses Gutachten zusammen mit den anderen Verfahrensakten dem
Gutachter Dr. K. M. von der E. GmbH, D., zugestellt, und am 18. Dezember 2009 fand
ein Augenschein statt, an dem die Verfahrensbeteiligten und der Gutachter teilnahmen.
In der Folge unterbreitete die Verwaltungskommission der GVA Dr. Konrad M. einen
Fragenkatalog, der durch Fragen des Rekurrenten ergänzt worden war. Am 21. April
2010 wurde das Gutachten (Gutachten M.) erstattet. Grundlage des Gutachtens waren
die Akten der GVA, der Augenschein, Auskünfte des Erbauers des Gewächshauses,
meteorologische Daten der Messstation Vaduz und die einschlägigen SIA-Normen.
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Nachdem der Rekurrent am 28. Mai 2010 zum Gutachten Stellung genommen hatte,
wies die Verwaltungskommission der GVA den Rekurs am 20. August 2010 ab und
auferlegte dem Rekurrenten eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.-- und
Gutachtenskosten von Fr. 19'235.65.
D./ Am 14. September 2010 erhob A. L., wiederum vertreten durch Rechtsanwalt lic.
iur. K. S., gegen den Entscheid der Verwaltungskommission der GVA vom 20. August
2010 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er stellte die Rechtsbegehren, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben (Ziff. 1) und die Angelegenheit sei zwecks
Ermittlung der Schadensumme an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dem
Beschwerdeführer sei die Behebung des Gebäudeschadens zuzüglich
Nebenleistungen nach Massgabe der einschlägigen Bestimmungen zu vergüten. Er
machte geltend, die Vorinstanz habe die Beweise willkürlich gewürdigt und Recht
verletzt.
Die Verwaltungskommission der GVA nahm am 8. Oktober 2010 Stellung und
beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 56 GVG in
Verbindung mit Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS
951.1, abgekürzt VRP). Sodann ist A. L. zur Beschwerde berechtigt (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Im weiteren erfüllt die Beschwerdeeingabe vom
14. September 2010 zeitlich, formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art.
47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Der Beschwerdeführer vertritt den Standpunkt, die Vorinstanz habe sein rechtliches
Gehör verletzt, weil sie darauf verzichtet habe, die ehemaligen Mieter des
Gewächshauses, E. und M. B., als Zeugen dazu zu befragen, ob die Anlage über eine
taugliche Heizung verfüge, welche im Winter 2008/09 in Betrieb gewesen sei.
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Der Anspruch auf rechtliches Gehör gebietet, dass rechtzeitig und formrichtig
angebotene Beweismittel abzunehmen sind, es sei denn, diese betreffen eine nicht
erhebliche Tatsache oder seien offensichtlich untauglich, über die streitige Tatsache
Beweis zu erbringen (BGE 124 I 242 E. 2; 117 Ia 268 E. 4b).
Zutreffend ist, dass der Beschwerdeführer im Rahmen des Rekursverfahrens beantragt
hatte, die ehemaligen Mieter des Gewächshauses seien als Zeugen zu befragen. Er hat
der Vorinstanz am 1. Oktober 2009 zudem eine von E. und M. B. am 25. September
2009 unterzeichnete Erklärung eingereicht, wonach das Gewächshaus während des
Winters 2008/09 auf mindestens 8° C beheizt worden ist. Weil das Gutachten M. und
das Gutachten S. übereinstimmend davon ausgehen, ab einer Beheizung des
Gewächshauses auf 8° C wäre die Dachkonstruktion am 23. Februar 2009 schneefrei
gewesen (vgl. Ziff. 4.3. hienach), bestand indessen kein Anlass, die beantragte
Zeugeneinvernahme durchzuführen. Der Vorwurf, die Vorinstanz habe das rechtliche
Gehör des Beschwerdeführers verletzt, erweist sich deshalb als unbegründet. Bei
dieser Sachlage kann offen bleiben, welche Auswirkungen die sachgemässe Geltung
der Vorschriften der Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272) für den Beweis u.a.
durch Zeugenbefragung in der Verwaltungsrechtspflege hat (vgl. dazu Art. 13 VRP).
3. Die GVA erbringt gemäss Art. 31 Ziff. 3 GVG u.a. Versicherungsleistungen, wenn
Gebäudeschäden durch "Schneedruck" entstanden sind; ausgenommen sind
Schäden, die im wesentlichen auf andere Ursachen zurückgehen.
Das Vorliegen einer die Leistungspflicht ausschliessenden "anderen Ursache" ist
insbesondere dann anzunehmen, wenn der Schaden nicht unmittelbare Folge eines
Elementarereignisses ist. Unter den Begriff der "anderen Ursache" fallen somit
namentlich Ereignisse, welche zwar die Voraussetzungen eines Elementarereignisses in
qualitativer und quantitativer Hinsicht nicht erfüllen, jedoch den Schadeneintritt
begünstigen (VerwGE vom 8. Juni 2010 i.S. Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn
AG, in: www.gerichte.sg.ch mit Hinweis auf GVP 2006 Nr. 61).
3.1. Anspruch auf Versicherungsleistungen besteht nach Art. 45 der Verordnung zum
Gesetz über die Gebäudeversicherung (sGS 873.11, abgekürzt GVV), wenn ein
versichertes Ereignis vorliegt, ein Gebäudeschaden entstanden ist, der unmittelbar auf
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das versicherte Ereignis zurückgeführt werden kann und die Ereigniseinwirkung nicht
bestimmungsgemäss war. Eine Ereigniseinwirkung ist nach Art. 48 GVV
bestimmungsgemäss, wenn sie zufolge ordentlicher Abnützung oder ordentlicher
Erfüllung des Zwecks des Gebäudes oder Gebäudeteils eintritt. Geht der
Gebäudeschaden überwiegend auf das versicherte Ereignis zurück, wird er ihm
gemäss Art. 47 Abs. 1 GVV voll zugerechnet. Geht der Gebäudeschaden ganz oder
überwiegend auf andere Ereignisse zurück, wird er nicht entschädigt. Nicht vergütet
werden insbesondere Schäden, die auf fortgesetztes Einwirken zurückgehen oder die
nicht auf eine plötzliche, aussergewöhnlich heftige Einwirkung zurückzuführen sind, wie
unter anderem Schäden zufolge fehlerhafter Konstruktion (Art. 47 Abs. 2 GVV). Geht
der Gebäudeschaden weder überwiegend auf das versicherte Ereignis noch
überwiegend auf andere Ereignisse zurück, wird er dem versicherten Ereignis
anteilmässig zugerechnet (Art. 47 Abs. 3 GVV). Nach der Rechtsprechung hat ein
Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolgs zu gelten, wenn es nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist,
einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs
somit durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (VerwGE vom 8. Juni 2010
i.S. Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG, in: www.gerichte.sg.ch mit Hinweis
auf GVP 2006 Nr. 61, GVP 2005 Nr. 41, 2003 Nr. 42 und VerwGE vom 22. Januar 2002
i.S. W.K.).
3.2. Nach der allgemeinen Regel von Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR
210, abgekürzt ZGB) hat derjenige, der ein Recht behauptet, die Sachumstände zu
beweisen, die nach dem massgebenden Rechtssatz diese Rechtsfolge erzeugen. Auch
im Privatversicherungsrecht gilt der Grundsatz, wonach Personen, die gegenüber
einem Versicherer einen Versicherungsanspruch erheben, im Sinn von Art. 8 ZGB
bezüglich der Frage, ob ein Versicherungsfall eingetreten ist, grundsätzlich
behauptungs- und beweispflichtig sind. Behauptet der Versicherer indessen eine die
Leistungspflicht ausschliessende oder herabsetzende Tatsache, so ist es an ihm, diese
zu beweisen. Diese Beweislastverteilung gilt auch im öffentlichen
Gebäudeversicherungsrecht, namentlich bei der Anwendung von Art. 31 Ziff. 3 GVG
(VerwGE vom 8. Juni 2010 i.S. Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG, in:
www.gerichte.sg.ch mit Hinweis auf VerwGE vom 21. April 2009 i.S. E.D., GVP 2005
Nr. 41, GVP 2003 Nr. 42, A. Maurer,
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Schweizerisches Privatversicherungsrecht, 3. Aufl., Bern 1995, S. 381 und RB/ZH
1983, S. 171; vgl. auch GVP 2006 Nr. 61). Nach Art. 8 ZGB ist sodann zuungunsten
desjenigen zu entscheiden, der aus der unbewiesen gebliebenen (behaupteten)
Tatsache hätte Rechte ableiten können (GVP 2006 Nr. 61; vgl. dazu auch M. Joos, in:
Glaus/Honsell, Gebäudeversicherung, Systematischer Kommentar, Basel 2009, N 8.III.
6 mit Hinweisen).
3.3. Ziel der Beweiswürdigung ist die Feststellung des im Streitfall relevanten
Sachverhalts. Das Verwaltungsverfahren ist bestimmt vom Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Dieser be-deutet nicht, dass die entscheidende Instanz völlig frei
wäre in der Festlegung des Sachverhalts oder diesen gar willkürlich festlegen dürfte.
Der Entscheid darüber, ob sich der Sachverhalt so oder anders präsentiert, muss sich
vielmehr auf vernünftige, nachvollziehbare Gründe abstützen (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 616 mit
Hinweisen). Der Beweis gilt als erbracht, wenn das Gericht nach objektiven
Gesichtspunkten von der Richtigkeit einer Sachbehauptung überzeugt ist. Absolute
Gewissheit kann dabei nicht verlangt werden. Es genügt, wenn das Gericht am
Vorliegen der behaupteten Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr hat oder allenfalls
verbleibende Zweifel als leicht erscheinen. Im Versicherungsrecht betrachtet das
Bundesgericht eine "überwiegende Wahrscheinlichkeit" als ausreichend, wo ein strikter
Beweis nicht nur im Einzelfall, sondern der Natur der Sache nach nicht möglich oder
nicht zumutbar ist, insbesondere wenn die von der beweisbelasteten Partei
behaupteten Tatsachen nur mittelbar durch Indizien bewiesen werden können und
insofern eine "Beweisnot" besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 28. August 2006 4C.
136/2006 mit Hinweis auf BGE 130 III 324 E. 3.2; vgl. auch R. Schaer, in: Glaus/
Honsell, a.a.O., N 6.II.13). Nach dem Beweismass der "überwiegenden
Wahrscheinlichkeit" gilt ein Beweis als erbracht, wenn für die Richtigkeit der
Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten derart gewichtige Gründe
sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massgeblich in
Betracht fallen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. August 2006 4C.136/2006 mit
Hinweis auf BGE 130 III 325 E. 3.3).
4. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, die Annahme der Vorinstanz,
es sei von keinem versicherten Ereignis im Sinn von "Schneedruck" auszugehen,
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beruhe auf einer willkürlichen Beweiswürdigung und verletze Recht. Die Verneinung
von "Schneedruck" werde erstmals im angefochtenen Entscheid konstruiert, nachdem
im vorangehenden Verfahren unbestrittenermassen von einem derartigen
Elementarereignis ausgegangen worden sei. Die Annahme, es könne nicht von
"Schneedruck" ausgegangen werden, beruhe einzig auf einer Vermutung im Gutachten
M., es sei nicht ausgeschlossen, dass eine sog. Vorschädigung vorgelegen habe.
Damit habe die Vorinstanz den Beweis, es liege eine die Leistungspflicht
ausschliessende oder herabsetzende Tatsache im Sinn von Art. 47 Abs. 2 GVV vor,
aber nicht erbracht, zumal die GVA beim Eigentümerwechsel im Jahr 2006 keinen
entsprechenden Vorbehalt gemacht habe und für "erhöhtes Elementarrisiko" einen
Zuschlag von 640 % auf der Grundprämie erhebe.
4.1. Art. 31 Ziff. 3 GVG erläutert nicht näher, was unter dem Elementarereignis
"Schneedruck" zu verstehen ist. Elementarereignisse sind plötzlich auftretende, durch
geologische, physikalische oder meteorologische Ereignisse ausgelöste
Naturereignisse von ausserordentlicher Heftigkeit (vgl. D. Gerspach, in: Glaus/Honsell,
a.a.O., N 2.V.83). Schneedruckschaden entsteht durch Überlastung durch ruhende
Schneemassen (vgl. Gerspach, in: Glaus/Honsell, a.a.O., N 2.V.119 mit Hinweisen; vgl.
auch A. Kleiner, Das Recht der öffentlichen Gebäudeversicherungen, Separatdruck
aus: "Mitteilungen" Jahrgänge 1978/79 des Interkantonalen
Rückversicherungsverbands Bern und der Vereinigung Kantonaler
Feuerversicherungen, S. 73). Kommt es zu Schäden infolge Schneedrucks, ist oft
streitig, ob die Schneelast ein Ausmass erreicht hat, dass ein Elementarschaden
vorliegt. Nicht gedeckt sind Schäden, die auf eine Schneelast zurückgehen, die das
beschädigte Gebäude nach den einschlägigen Normen des SIA hätte tragen müssen.
Übersteigt die Schneelast diese Grenze, wird die durch den Schneedruck verursachte
Beschädigung des Dachs als Elementarschaden anerkannt (Gerspach, in: Glaus/
Honsell, a.a.O., N 2.V.120 mit Hinweis u.a. auf Kleiner, a.a.O., S. 173).
4.2. Die GVA hat das Vorliegen eines Elementarschadens und damit ihre
Leistungspflicht am 14. Juli 2009 gestützt auf die aus dem Gutachten B. gewonnenen
Erkenntnisse verneint. Danach können die Tragsicherheitsnachweise bei weitem nicht
erfüllt werden (1.82kN/m ) und der Erfüllungsgrad der Tragsicherheit muss noch weiter
reduziert werden, weil die Schweissverbindungen der Zugstreben schon vorher versagt
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hatten. Nach dem Gutachten kann nach den heute gültigen SIA-Normen praktisch
keine Schneelast (0.04 kN/m ) (mehr) aufgenommen werden. In der Verfügung vom
14. Juli 2009 wird weiter ausgeführt, es sei bekannt, dass Gewächshäuser im Winter
beheizt werden müssten, um fallenden Schnee möglichst schnell zum Schmelzen zu
bringen bzw. um zu verhindern, dass die statische Konstruktion beschädigt werde. Die
Ansammlung von Schnee, die nach dem Einsturz des Objekts auf den Dächern
vorhanden gewesen sei, zeige, dass auf die Beheizung des Gewächshauses verzichtet
worden sei, was zum Gebäudeschaden geführt habe. Auch der Einspracheentscheid
vom 8. September 2009 wird mit den Erkenntnissen aus dem Gutachten B. begründet.
Festgehalten wird ebenfalls, die Tatsache, dass der Schnee auf dem Dach des
Gewächshauses nicht geschmolzen sei, deute eindeutig auf eine ungenügende
Beheizung hin. Bei der GVA seien betreffend die Gemeinde S. und der umliegenden
Gemeinden denn auch keine weiteren Meldungen von Schäden infolge
"Schneedrucks" eingegangen. Die Vorinstanz schliesslich gelangte zum Ergebnis, es
liege kein Elementarereignis im Sinn von "Schneedruck" vor, weil sich nach den
übereinstimmenden Berechnungen im Gutachten S. und im Gutachten M. bei einer
Beheizung auf 8° Celsius auf dem Dach kein Schnee mehr befunden hätte. Letztlich
könne die Frage, ob das Gewächshaus beheizt gewesen sei, aber offen bleiben, weil es
bei geringer Schneehöhe (nach Angaben des Rekurrenten 5 cm Schnee, nach Angaben
im Gutachten M. 7 cm Schnee) eingestürzt sei, obschon es diesen Schnee mit oder
ohne Beheizung hätte tragen müssen.
4.3. Es ergibt sich somit, dass die Frage, ob zum Zeitpunkt, als das Gewächshaus
beschädigt wurde, "Schneedruck" im Sinn eines Elementarereignisses vorhanden
gewesen sei, in den Entscheiden vom 14. Juli 2009 und 8. September 2009 offen
gelassen worden ist. Die Entscheide beruhen auf der Annahme, der Schaden sei
ohnehin auf andere Ursachen im Sinn von Art. 31 Ziff. 3 GVG zurückzuführen. Es stand
der Vorinstanz indessen frei, zu prüfen, ob ein Elementarereignis im Sinn von
"Schneedruck" überhaupt vorhanden war, als der Schaden am 23. Februar 2009
entstand, auch wenn der Beschwerdeführer und nicht der Versicherer bezüglich der
Frage, ob ein Versicherungsfall eingetreten ist, behauptungs- und beweispflichtig ist,
wogegen der Versicherer die Leistungspflicht ausschliessende oder herab-setzende
Tatsachen zu beweisen hat (vgl. dazu Ziff. 2.2. hievor). Sodann trifft es nicht zu, dass
die Annahme der Vorinstanz, der Schaden sei nicht durch "Schneedruck" verursacht
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worden, der aufgrund seiner Intensität einem Elementarereignis gleichkomme, auf einer
blossen Vermutung des Experten M. beruht. Die Argumentation im angefochtenen
Entscheid hat ihre Grundlage in Erkenntnissen der Gutachter B., S. und M.. Daran ist
nichts auszusetzen, auch wenn die Gutachten dann, wenn unbestrittenermassen von
einem versichertes Ereignis auszugehen ist, auch dazu dienen können, die Frage zu
beurteilen, inwieweit der Schaden darauf zurückzuführen ist. Die Vorinstanz führt aus,
von "Schneedruck" im Sinn des GVG sei nicht auszugehen, weil die einwandfreie
Konstruktion des Gewächshauses ohne Beheizung in der Lage sein müsste, eine
Schneelast von 25 kg/m zu tragen, was der vom Gewächshausbauer üblicherweise
berücksichtigten Belastung von 50 kg/m nicht entspreche. Sie argumentiert weiter,
dass das Gewächshaus bei geringen Schneehöhen von 5 cm (gemäss Angaben des
Beschwerdeführers) bzw. 7 cm (gemäss Angaben im Gutachten M.) eingestürzt sei, die
es mit oder ohne Beheizung hätte tragen müssen. Davon durfte die Vorinstanz
ausgehen. Nach den Berechnungen im Gut-achten M., die unbestritten geblieben sind,
betrug die Schneelast auf dem (kalten) Gewächshaus am Einsturztag lediglich 7 kg/m ,
was 7 cm Neuschnee bzw. 3.5 cm Filzschnee entspricht [S. 13 und S. 22]. Hinzu
kommt, dass sowohl das Gutachten M. als auch das Gutachten S. davon ausgehen, ab
einer Beheizung des Gewächshauses auf 8° C wäre das Dach damals schneefrei
gewesen. Auch diese Annahme musste die Vorinstanz nicht ernsthaft in Zweifel ziehen,
auch wenn sich der Beschwerdeführer auf eine Erklärung der damaligen Mieter des
Gewächshauses vom 25. September 2009 berief, wonach das Gewächshaus im Winter
2008/09 ununterbrochen beheizt worden ist und die Innentemperatur mindestens 8° C
betragen hat. Die Vorinstanz stützt ihre Annahme, von einem Elementarereignis
"Schneedruck" könne nicht gesprochen werden, weiter darauf, das Gewächshaus
entspreche gemäss Gutachten B. dem von der einschlägigen SIA-Norm geforderten
Tragsicherheitsnachweis nicht. Auch diese Feststellung durfte die Vorinstanz treffen.
Dem Gutachten B. kann entnommen werden, dass die Tragsicherheitsnachweise bei
Ansetzung der für S. vorgesehenen Schneelasten von 1.82kN/m bei weitem nicht
erfüllt werden [Erfüllungsgrad ca. 0.17]. Weil die Schweissverbindungen schon vor dem
Schadenereignis versagt haben, muss der Erfüllungsgrad der Tragsicherheit nach dem
Gutachten zudem noch weiter reduziert werden. Der Vorwurf, die Vorinstanz habe das
Elementarereignis "Schneedruck" unter willkürlicher Beweiswürdigung verneint, erweist
sich deshalb als unbegründet.
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4.4. Zutreffend ist, dass die Vorinstanz im Sinn einer Alternativbegründung auch davon
ausgeht, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wäre der Schaden am Gewächshaus
im wesentlichen auf andere Ursachen als auf "Schneedruck" zurückzuführen, wenn
dieses Elementarereignis stattgefunden hätte. Sie begründet dies damit, das
Gewächshaus wäre zufolge sehr hoher Schneelasten in früheren Jahren längst
eingestürzt, wenn es nicht beheizt worden wäre bzw. das Gewächshaus sei nun trotz
geringem Schneedruck eingestürzt, weil es einerseits nicht beheizt und andererseits
durch die früher erfolgte reduzierte Beheizung vorgeschädigt gewesen sei. Diese
Annahme beruht auf einer Analyse der Klimadaten von 1996-2009 im Gutachten M..
Danach hätte ein auf 18° C erwärmtes Gewächshaus während der ganzen Periode
jeweils maximale Schneelasten von bis zu 22 kg/m tragen können. Demgegenüber
wäre ein auf 8°C geheiztes Gewächshaus in diesen Jahren eingestürzt, weil Lasten bis
zu 78 kg/m aufgetreten wären. Für ein ungeheiztes Gewächshaus errechnete der
Experte für die Jahre 1999-2004 Schneelasten von bis zu 170 kg/m und stellte fest,
dies hätte (bereits damals) zum Einsturz geführt. Daraus folgerte der Experte M., das
Gewächshaus sei früher, entsprechend seiner Bestimmung, mit einer Raumtemperatur
von rund 18° C betrieben worden. Offenbar sei die Temperatur später auf rund 8° C
verringert und im Anschluss daran, zumindest zeitweise, ausser Betrieb gesetzt worden
(S. 17), was zu einer Vorschädigung geführt habe. Im Gegensatz zur Auffassung des
Beschwerdeführers kann diese Folgerung des Experten nicht als "blosse Spekulation"
bzw. "unterstellte Theorie" abgetan werden. Es bestehen keine ernsthaften Zweifel,
dass es bei einwandfreier Konstruktion und Beheizung nicht zum Einsturz des
Gewächshauses zufolge geringer Schneelast gekommen wäre. An dieser Beurteilung
ändert nichts, dass der Beschwerdeführer geltend macht, das Gewächshaus verfüge
über eine taugliche Heizung und es sei im Winter 2008/09 ununterbrochen auf
mindestens 8° C beheizt worden, was gemäss Einspracheentscheid vom 8. September
2009 ausreiche, damit der Schnee schmelzen könne und die Tragkonstruktion nicht
überbelastet werde. Abgesehen davon, dass auch im Einspracheentscheid gestützt auf
das Gutachten B. davon ausgegangen wird, die Tragsicherheitsnachweise würden bei
weitem nicht erfüllt, hätte sowohl nach den Berechnungen im Gutachten M. als auch
nachdenjenigen im Gutachten S. bei einer Beheizung des Gewächshauses auf 8° C am
23. Februar 2009 kein Schnee auf dem Dach gelegen und es wäre somit nicht zum
Einsturz des Gewächshauses gekommen. Damals lagen indessen
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unbestrittenermassen bis zu 7 cm Schnee auf dem Dach, was einer Schneelast von 7
kg/m und einer Innentemperatur von 0° C entspricht (Gutachten M., S. 14). Im
weiteren bedeutet die Einstufung in ein erhöhtes Elementarrisiko lediglich, dass die
Konstruktion eines Gewächshauses verletzlicher ist als diejenige anderer Gebäude,
nicht aber, dass es den Regeln der Baukunde nicht entsprechen muss bzw. in baulich
schlechtem Zustand sein darf. Sodann ist die GVA insbesondere auch bei einer
Handänderung nicht verpflichtet, abzuklären, ob ein Gebäude Mängel aufweist, die
geeignet sind, ihre Leistungspflicht im Schadenfall auszuschliessen. Überdies ist es
Sache des Eigentümers, ein Gewächshaus insbesondere auch mittels Beheizung so zu
betreiben, dass die Tragkonstruktion nicht überbelastet wird und dadurch Schaden
nimmt.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist. Von einem
Elementarereignis im Sinn von "Schneedruck" ist nicht auszugehen. Überdies sprechen
die Umstände dafür, dass der Schaden im Wesentlichen auf andere Ursachen, d.h. auf
mangelnde Beheizung und eine beschädigte Tragkonstruktion, zurückzuführen ist.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 4'000.-- ist angemessen (Art. 7, Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie wird mit dem geleisteten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht