Decision ID: 3cd8bdbf-fe59-5f6e-b092-b1b13e6dc426
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich erstmals im Mai 2009 wegen Panikattacken und Schwindel bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 4 f.). Er gab
an, eine Berufsausbildung als B._ absolviert zu haben. Am 18. August 2009
berichtete Dr. phil. C._, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, Klinik für
Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG), die von ihr durchgeführte
neuropsychologische Untersuchung habe leichte bis mittelschwere und schwerst
gestörte Befunde ergeben. Die Anstrengungsbereitschaft des Versicherten sei aus
neuropsychologischer Sicht als auffällig bzw. nicht genügend gegeben zu bewerten
gewesen (IV-act. 32). Am 4. August 2010 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
er keinen Anspruch mehr auf berufliche Eingliederungsmassnahmen habe, da er durch
das RAV optimal betreut werde (IV-act. 60). Am 18. Oktober 2010 notierte der RAD-
Arzt Dr. med. D._, der Versicherte sei sowohl in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Betriebshandwerker als auch in einer adaptierten Tätigkeit in einem 100% Pensum zu
80% leistungsfähig (IV-act. 66). Das Rentengesuch wurde am 14. Januar 2011 bei
einem Invaliditätsgrad von 20% abgewiesen (IV-act. 70).
B.
Am 5. September 2014 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 75). Er gab an, wegen einer rezidivierenden depressiven Episode
und einer Panikstörung seit dem 1. August 2014 und bis auf weiteres voll
arbeitsunfähig zu sein. Zuletzt habe er zu 100% als Automonteur/Allrounder in einer
Garage gearbeitet. Med. pract. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
berichtete der IV-Stelle am 16. September 2014 (IV-act. 81), der Versicherte leide an
einem Asperger-Syndrom (ICD-10: F84.5), DD oder zusätzlich an einer narzisstischen
B.a.
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Persönlichkeitsstörung (F60.80), an einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig leichtgradige depressive Episode (F30.0), und an einer Panikstörung
(F41.0). Die Arbeitsfähigkeit sei auch in einer angepassten Tätigkeit zu 20%
eingeschränkt. Mit einer Verfügung vom 12. November 2014 (IV-act. 89) trat die IV-
Stelle nicht auf das Leistungsbegehren ein. Am 27. November 2014 erhob der
Versicherte Beschwerde gegen die Nichteintretensverfügung vom 12. November 2014
(vgl. IV-act. 93). Daraufhin widerrief die IV-Stelle die angefochtene Verfügung (IV-act.
115). Das Versicherungsgericht schrieb das Beschwerdeverfahren in der Folge am 19.
Februar 2015 ab (IV 2014/554, IV-act. 121).
Am 22. September 2016 erstattete Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, ein monodisziplinäres Gutachten (IV-act. 181-1 ff.). Er gab keine
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an. Als Diagnose ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
remittiert (ICD-10: F33.4). Er führte unter anderem aus (IV-act. 181-51), Dr. C._ habe
in ihrem Bericht vom 18. August 2009 konkrete Angaben zur Leistungsfähigkeit
gemacht. Bei einer ungenügenden Anstrengungsbereitschaft hätte Dr. C._ aber
lediglich die Aussage machen können, dass sie anhand der neuropsychologischen
Abklärung keine Aussage zur neuropsychologischen Leistungsfähigkeiten des
Versicherten machen könne. Aussagen über eine allfällige Persönlichkeitsstörung fielen
nicht in den Bereich einer neuropsychologischen Abklärung. Dr. E._ sei nicht klar
gewesen, woran der Versicherte leide; er hätte daher nicht zur Arbeitsfähigkeit Stellung
nehmen dürfen. Weiter gab Dr. F._ an, die neuropsychologische Untersuchung vom
11. August 2016 durch Dr. phil. G._, Neuropsychologe (IV-act. 181-69 ff.), habe eine
leichte bis mässige Hirnfunktionsstörung ergeben. Weshalb diese Auffälligkeiten
bestünden, sei jedoch nicht klar. Dr. G._ habe insgesamt keine sehr hohen
Anforderungen an eine ideal adaptierte Tätigkeit gestellt. Mit den
neuropsychologischen Auffälligkeiten liessen sich auch deshalb keine Einschränkungen
begründen, weil diese nicht klar einer psychischen Störung zugeordnet werden
könnten. Dr. F._ führte sowohl für die angestammte sowie für adaptierte Tätigkeiten
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit an. Der RAD-Psychiater Dr. med. H._ hielt am 29.
September 2016 fest, auf das Gutachten von Dr. F._ könne abgestellt werden (IV-
act. 182).
B.b.
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Mit einer Verfügung vom 3. Januar 2017 (IV-act. 190) wies die IV-Stelle das
Gesuch um berufliche Eingliederungsmassnahmen ab. Mit einem Vorbescheid vom 12.
Januar 2017 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des
Rentenbegehrens an (IV-act. 193).
B.c.
Gegen die Verfügung vom 3. Januar 2017 betreffend die Abweisung des
Begehrens um berufliche Massnahmen liess der Versicherte am 6. Februar 2017 beim
Versicherungsgericht des Kantons St.Gallen Beschwerde erheben (IV-act. 200). Am 17.
Februar 2017 liess der Versicherte Einwand gegen den Vorbescheid vom 12. Januar
2017 betreffend die Invalidenrente erheben (IV-act. 199). Er legte eine Kopie der
Beschwerdeschrift gegen die Abweisungsverfügung betreffend die beruflichen
Massnahmen bei. Er führte aus, die in der Beschwerdeschrift genannten Äusserungen
seien auch für das Rentenverfahren integral. Solange seine Arbeitsversuche nicht
abgeschlossen seien, könne auch nicht über die Invalidität befunden werden. Am 9.
März 2017 zog die IV-Stelle den Vorbescheid vom 12. Januar 2017 mit dem Hinweis
zurück (IV-act. 204), eine erneute Prüfung des Rentenanspruchs werde nach Abschluss
des laufenden Beschwerdeverfahrens betreffend die beruflichen Massnahmen erfolgen.
B.d.
Am 18. Dezember 2017 hiess das Versicherungsgericht die Beschwerde gegen die
Verfügung vom 3. Januar 2017 teilweise gut; es hob die angefochtene Verfügung auf
und wies die Sache zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden Neuverfügung im
Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle zurück (IV 2017/61; IV-act. 215). Es erwog, dass
die von Dr. F._ gestellte Diagnose und die daraus abgeleitete
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht den erforderlichen Beweisgrad erreichten, da Dr.
F._ sich kaum mit dem auffälligen Verhalten und der schlechten Arbeitsleistung des
Versicherten im Rahmen der beruflichen Eingliederungsmassnahmen und mit der
verzerrten Selbstwahrnehmung auseinandergesetzt bzw. diese zu würdigen versucht
habe. Ausserdem habe Dr. phil. G._ eine leichte bis mässige Hirnfunktionsstörung
festgestellt, welche Dr. F._ nicht habe erklären können. Eine somatische,
insbesondere wohl neurologische (Kopf- und Ohrendruck, allfällige weitere somatische
Symptome) Abklärung und eine anschliessende erneute psychiatrische Begutachtung
seien unerlässlich. Dabei sei sicherzustellen, dass dem noch zu beauftragenden
psychiatrischen Gutachter die Berichte über die (teil-)stationären psychiatrischen
B.e.
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Hospitalisationen und, sofern möglich, die Krankengeschichte der vorbehandelnden
Psychiaterin vorlägen.
Am 13. März 2018 gab die Psychiatrie I._ gegenüber der IV-Stelle an (IV-act.
226), für den Aufenthalt vom 2. bis 6. Juni 2014 sei aufgrund der Kürze der Behandlung
kein Austrittsbericht erstellt worden. Dem Schreiben lagen ein Austrittsbericht der
Krisenintervention vom 6. August 2014 (IV-act. 225) und ein Austrittsbericht der
Tagesklinik vom 11. November 2014 bei (IV-act. 224-2 ff.). Der Versicherte war vom 2.
bis 31. Juli 2014 in der Krisenintervention hospitalisiert gewesen. Die Ärzte hatten als
Diagnose eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F90.0), anamnestisch
mit rezidivierend depressiven Episoden und einer Panikstörung, angegeben. Der
tagesklinische Aufenthalt hatte vom 30. Juli bis zum 9. Oktober 2014 gedauert. Die
Ärztinnen hatten die Verdachtsdiagnose ADHS im Erwachsenenalter (F90.1) gestellt.
B.f.
Das Spital J._ hatte am 7. März 2018 gegenüber der Hausärztin Dr. med. K._
berichtet (IV-act. 228), dass beim Beschwerdeführer am 26. Februar 2018 eine
laparoskopische Cholezystektomie vorgenommen worden sei. Dr. K._ führte in ihrem
Bericht vom 3. April 2018 aus (IV-act. 232), aus somatischer Sicht sei der Versicherte in
seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt.
B.g.
Med. pract. E._ berichtete am 10. April 2018 (IV-act. 235), der Versicherte leide
an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, und einer nicht näher
bezeichneten organischen oder symptomatischen psychischen Störung, und an
verschiedenen neuropsychologischen Defiziten (neuropsychologische Untersuchung
von Dr. phil. G._). Er hielt fest, dass die Kombination aus den neuropsychologischen
Defiziten und der narzisstischen Persönlichkeitsstörung dazu führe, dass der
Versicherte immer wieder Fehler mache, diese aber nur teilweise oder nicht einsehe.
Wenn er sich kritisiert fühle oder eine Reizüberflutung auftrete, werde er relativ rasch
innerlich angespannt, unruhig und nervös, was zu zwischenmenschlichen Problemen
führen könne. Die zwischenmenschlichen Probleme könnten dann eine depressive
Episode auslösen oder eine bestehende depressive Episode aufrechterhalten. Der
Versicherte sei in einer angepassten Tätigkeit noch zu maximal 50% arbeitsfähig.
Eventuell könne die Arbeitsfähigkeit langfristig gesteigert werden; eine Beurteilung,
B.h.
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welche Arbeiten dem Versicherte noch mit welchem Arbeitspensum zumutbar seien,
könnte am besten anhand von Arbeitsversuchen vorgenommen werden. Der RAD-
Psychiater Dr. H._ notierte am 18. Mai 2018 (IV-act. 241-2 f.), die Ausführungen von
med. pract. E._ seien weitschweifig und wenig substanziell fassbar, was keine valide
Einschätzung ermögliche. Auch sei die zeitliche Einschränkung des Arbeitspensums
unzureichend begründet worden. Aufgrund des Entscheids des Versicherungsgerichts
müsse ein polydisziplinäres Gutachten in den Fachdisziplinen Allgemeine Innere
Medizin, Neurologie, ORL und Psychiatrie eingeholt werden.
Am 2. Juli 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, zur Kärung der
Leistungsansprüche sei eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung notwendig
(IV-act. 238). Der Rechtsvertreter antwortete am 16. Juli 2018 (IV-act. 239), er habe
keine Ergänzungsfragen. Er führte aber aus, dass sich der Versicherte "krankhaft"
persönlich überschätze und seine Selbstwahrnehmung völlig verzerrt sei. Deshalb habe
der Versicherte in der Vergangenheit an verschiedenen Arbeitsplätzen Probleme
gehabt. Eine Stellungnahme der Gutachter hierzu wäre zu begrüssen.
B.i.
Am 15. August 2018 informierte die IV-Stelle den Versicherten über die
Begutachtungsstelle (PMEDA AG) und die Personalien der Gutachter (IV-act. 246). Sie
räumte dem Versicherten die Gelegenheit ein, triftige Einwendungen gegen die
Gutachter einzureichen. Am 25. Oktober 2018 teilte der Rechtsvertreter der IV-Stelle
mit (IV-act. 251), der Versicherte habe nach Ablauf der Frist erfahren, dass gegen die
PMEDA AG offenbar ein Strafverfahren wegen unsauberer Gutachterpraxis laufe. Der
Versicherte habe damit jegliches Vertrauen in die Gutachter verloren und ziehe daher
seine Zustimmung zu den Gutachtern zurück. Die Begutachtung werde er aber
aufgrund seiner Mitwirkungspflicht dennoch fortsetzen.
B.j.
Die PMEDA AG erstattete am 23. Januar 2019 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-
act. 257). Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (F33.4), und eine
Agoraphobie mit Panikstörung (F40.01) an. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit gaben sie u.a. eine psychische und Verhaltensstörung durch
Benzodiazepine: Abhängigkeitssyndrom (F13.2) an (vgl. für die vollständige
Diagnoseliste: IV-act. 257-8 f.). Der allgemein-internistische Gutachter Dr. med. L._
B.k.
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hielt fest, in seinem Fachgebiet hätten sich aufgrund der Akten, der Anamnese und der
Befunderhebung keine Hinweise auf Funktions- oder Fähigkeitsstörungen oder
Einschränkungen der Ressourcen des Versicherten ergeben. Inkonsistenzen hätten
sich nicht gezeigt. Aus internistischer Sicht sei der Versicherte daher in der bisherigen
Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig. Der neurologische Gutachter Dr. med. M._
erklärte, dass der neurologische Befund bis auf eine angegebene Überempfindlichkeit
nach einem Trauma am rechten Ringfinger regelrecht gewesen sei. Für einen peripher-
vestibulären oder zentralen Schwindel ergebe sich anamnestisch und klinisch kein
Anhalt. Am ehesten sei von einem ungerichteten psychogenen oder phobischen
Schwindel auszugehen. Für eine namhafte kognitive Störung habe sich kein
ausreichender Anhalt ergeben. Die Auffassung sei jedoch möglicherweise gestört
gewesen. Angesichts des leitlinienwidrigen Benzodiazepin-Konsums
(Langzeitverordnung, keine erkennbare Indikation) sei eine kognitive Beeinträchtigung
auch in diesem Kontext denkbar. Ohne eine Entgiftung und Entwöhnung von
Benzodiazepinen lasse sich eine nicht-reversible kognitive Beeinträchtigung nicht
abgrenzen. Hinweise für eine Epilepsie seien nicht vorhanden. Der "Kopfdruck"
entspreche am ehesten einem episodischen Spannungskopfschmerz, welcher in der
Regel einfach behandelbar sei. Für einen symptomatischen Kopfschmerz ergebe sich
kein Anhalt. Auch aus neurologischer Sicht bestehe daher keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Die ORL-Sachverständige Prof. Dr. med. N._ führte aus, aktuell
bestünden keine Hinweise für eine Arbeitsunfähigkeit. Der psychiatrische Gutachter Dr.
med. O._ notierte, dass der Versicherte bei der psychiatrischen Untersuchung keine
Zeichen mnestischer oder konzentrativer Defizite gezeigt habe. Die Auffassungsgabe
und die geistige Spannkraft seien nicht beeinträchtigt gewesen und der Versicherte
habe während der ausführlichen Exploration keine Zeichen einer vorzeitigen
Ermüdbarkeit gezeigt. Die Stimmung sei situationsadäquat unauffällig und die affektive
Modulationsfähigkeit sei nicht beeinträchtigt gewesen. Der Antrieb sei normal
gewesen. Psychomotorisch sei der Versicherte ruhig gewesen und habe keine Zeichen
einer vegetativen Anspannung gezeigt. Das formale Denken sei leicht beschleunigt
gewesen. Es bestünden gelegentlich auftretende Panikattacken sowie Zukunfts- und
Existenzängste. Die vom Versicherten geschilderten agoraphoben Ängste hätten eine
wenig handlungsleitende Konsequenz und seien offenbar durchaus überwindbar.
Hinweise für Halluzinationen, Wahnerleben, Ich-Störungen und eine hirnorganische
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Wesensänderung seien nicht vorhanden. Interaktiv hätten sich Hinweise für eine
narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung mit einer erhöhten Kränkbarkeit und einem
verstärkten Bedeutungserleben gefunden, die jedoch nicht die Intensität einer
manifesten Persönlichkeitsstörung erreichten. Obwohl es in der Vergangenheit
aufgrund eines problematischen Interaktionsverhaltens des Versicherten offenbar
mehrfach Probleme am Arbeitsplatz gegeben habe, sei der Versicherte dennoch in der
Lage gewesen, seine Lehre erfolgreich abzuschliessen und über viele Jahre hinweg
einer regelmässigen Arbeitstätigkeit nachzugehen. Die hier also durchaus
aufscheinende Sozialkompetenz spreche gegen eine manifeste Persönlichkeitsstörung,
die per definitionem bereits seit dem Jugend- bzw. dem frühen Erwachsenenalter
bestehen und entsprechende Probleme zur Folge gehabt haben müsste. Ausserdem
lebe der Versicherte bereits seit etwa vier Jahren in einer stabilen und fürsorglich
erlebten Partnerschaft, was zusätzlich für soziale Kompetenzen spreche und auch mit
einem aktenkundig diskutierten Asperger-Syndrom nicht ohne Weiteres zu vereinbaren
sei. Aufgrund des psychopathologischen Untersuchungsbefundes, der
Verhaltensbeobachtung sowie der Angaben zur Alltagsgestaltung lasse sich eine die
qualitativen Aspekte überschreitende Minderung der Arbeitsfähigkeit nicht begründen.
Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte in der Lage, zumindest Arbeiten mit
einfachen Ansprüchen an die geistige und psychische Belastbarkeit, an die
Umstellungs- und Anpassungsfähigkeit sowie an die geistige Flexibilität, die
idealerweise gut strukturiert und planbar sowie ohne besondere Ansprüche an die
soziale Interaktionsfähigkeit und Konfliktfähigkeit gestaltet sein sollten, zu 100% zu
verrichten. Für die Vergangenheit sei davon auszugehen, dass es aufgrund einer
höhergradigen Depressivität vorübergehend Zeiten der Arbeitsunfähigkeit gegeben
habe. Angesichts der gut bekannten, potenziell depressiogenen Wirkung der gemäss
den Angaben des Versicherten seit Jahren eingenommenen Benzodiazepin-Medikation
sei eine schrittweise Reduktion dieser Medikation mit dem Ziel einer kompletten
Abstinenz unter suchttherapeutischer Supervision zu empfehlen. Das Labor sei jedoch
im Urinscreening für Benzodiazepine negativ gewesen, was wiederum Zweifel an den
anamnestischen Angaben (2.5 mg Temesta zur Nacht bzw. nach Bedarf [IV-act.
257-169]; 5 mg Temesta zur Nacht [IV-act. 257-44]; 2.5-5 mg zur Nacht seit Januar
2018 [IV-act. 257-84]), auch hinsichtlich der reklamierten Ausprägung der
Beschwerden, begründe. In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung kamen die
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Gutachter zum Schluss, dass in der bisherigen Tätigkeit wie auch in einer angepassten
Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe. Die Gutachter hielten
ausserdem fest, dass die IV-Stelle keine neuropsychologische Begutachtung in Auftrag
gegeben habe, eine solche grundsätzlich (angesichts der aktenkundig miterwogenen
kognitiven Beeinträchtigung) jedoch als sinnvoll erscheine. Ohne stabile Abstinenz sei
jedoch keine verlässliche, von einem Benzodiazepin-Effekt abgrenzbare Beurteilung
möglich. Zu empfehlen sei also eine neuropsychologische Zusatzbegutachtung unter
dokumentierten Abstinenz-Bedingungen, um die Diagnostik abschliessend verlässlich
zu komplettieren. Der RAD-Psychiater Dr. H._ notierte am 1. Februar 2019, dass auf
das ausführliche und umfassende polydisziplinäre Gutachten der PMEDA AG aus
medizinischer Sicht abgestellt werden müsse (IV-act. 263).
Mit einem Vorbescheid vom 8. Februar 2019 (IV-act. 266) stellte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung seines Gesuchs um berufliche Eingliederungsmassnahmen
in Aussicht. Zur Begründung hielt sie fest, dass gemäss ihren Abklärungen und unter
Berücksichtigung des Gutachtens kein Gesundheitsschaden mit einer relevanten
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Dagegen liess der Versicherte am 13.
März 2019 einwenden (IV-act. 270), dass offenbar noch mindestens ein Strafverfahren
gegen die PMEDA AG wegen fahrlässig unrichtig erstellter Gutachten laufe. Das
Gutachten sei bereits deshalb in Frage zu stellen. Zudem sei der Hinweis des RAD im
Zeitpunkt der Einleitung eines Gutachtens, dass der behandelnde Psychiater
unschlüssige, langfädige Berichte verfasse, unzulässig gewesen. Des Weiteren seien
die Differenzen zwischen der Beurteilung des behandelnden Psychiaters und den
Gutachtern nicht diskutiert worden. Ein Mitarbeiter der Abteilung Recht der IV-Stelle
hielt in einer Stellungnahme vom 1. April 2019 bezüglich der formellen Einwände des
Versicherten gegen das Gutachten fest (IV-act. 272), dass gemäss der Sendung
Kassensturz vom 16. Oktober 2018 gegen Dr. med. P._, Chefarzt der PMEDA AG,
eine Strafuntersuchung eingeleitet worden sei. Dr. P._ sei bei der Begutachtung des
Versicherten nicht beteiligt gewesen, weshalb es von vornherein keinen Grund gebe,
das PMEDA-Gutachten aus formellen Gründen in Zweifel zu ziehen. Im Übrigen gelte
gegenüber Dr. P._ die Unschuldsvermutung. Der RAD habe bezüglich des Berichts
von med. pract. E._ einzig wiederholt, was bereits das Versicherungsgericht
verbindlich und aktenkundig festgestellt habe. Eine unzulässige Vorbeeinflussung der
B.l.
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PMEDA AG durch den RAD sei nicht erkennbar. Der RAD-Psychiater Dr. H._ setzte
sich in seiner Stellungnahme vom 5. April 2019 mit den medizinischen Einwänden des
Rechtsvertreters auseinander (IV-act. 273). Er führte aus, dass akzentuierte
Persönlichkeitszüge keine Diagnose im Sinne einer Erkrankung darstellten. Es stelle
deshalb formal-medizinisch keinen Mangel dar, wenn der Gutachter diese
beschreibenden Elemente erwähne, aber nicht in die Diagnoseliste aufnehme. Der
psychiatrische Gutachter habe sich detailliert mit den vom psychiatrischen Behandler
angeführten diagnostischen Eventualitäten auseinandergesetzt. Es könne jedoch nicht
sein, dass sich die Gutachter immer wieder mit bereits aufwändig geklärten Fragen
auseinandersetzen müssten. Der psychiatrische Gutachter habe auch die
Adaptionskriterien beschrieben. Insbesondere weil sich der psychiatrische Gutachter
ausführlich zu den akzentuierten Persönlichkeitsanteilen geäussert habe, müsse davon
ausgegangen werden, dass er sie weder übersehen noch unbeachtet gelassen habe,
sondern aufgrund seiner fachlichen Analyse letztlich davon ausgegangen sei, dass
diese nicht Eingang in die Diagnose fänden. Zusammenfassend seien die Einwände
des Rechtsvertreters aus fachlicher Sicht nicht nachvollziehbar. Mit einer Verfügung
vom 11. April 2019 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche
Eingliederungsmassnahmen wie angekündigt ab (IV-act. 274). Zum Einwand hielt sie
fest, dass zwar gegenwärtig ein Strafverfahren gegen Dr. P._ laufe, dieser aber an
der Begutachtung des Versicherten nicht beteiligt gewesen sei. Das psychiatrische
Teilgutachten stelle aus medizinischer Sicht eine klare und umfassende Beurteilung
dar.
Der Versicherte liess am 28. Mai 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 11.
April 2019 betreffend berufliche Massnahmen erheben (IV-act. 285). Er beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung beruflicher
Eingliederungsmassnahmen. Zur Begründung machte er geltend, dass das laufende
Strafverfahren gegen die PMEDA AG Grund genug sei, das Gutachten in formeller
Hinsicht in Frage zu stellen. Der Aufbau des Gutachtens sei fragwürdig, weil alle vier
Gutachter denselben Text zur Vorgeschichte herangezogen hätten. Daher sei nicht
nachgewiesen, dass die Vorakten auch von allen Gutachtern studiert worden seien.
Ausserdem sei der sich wiederholende "Vorspann" unvollständig und teilweise auch
aktenwidrig: Zum Beispiel habe der Versicherte die Stelle bei den R._ nicht
B.m.
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aufgegeben, sondern sei vorzeitig aus dem Arbeitsversuch entlassen worden. Beim
Hinweis, der behandelnde Arzt verfasse unschlüssige, langfädige Berichte, habe es
sich um eine letztlich suggestive Vorbeeinflussung der Gutachter gehandelt. Die IV-
Stelle habe sich im Vorbescheidsverfahren gar nicht mit den Einwänden
auseinandergesetzt. Die faktische Unfähigkeit des Beschwerdeführers, sich an einem
Arbeitsplatz (ohne weiteres) zu integrieren, sei bei der Begutachtung nicht
berücksichtigt worden. Es sei nicht nachvollziehbar, dass keine Berichte von
ehemaligen Arbeitgebern eingeholt worden seien. Weiter hätten sich die Gutachter
nicht mit den Diagnosen des behandelnden Psychiaters auseinandergesetzt. Obwohl
die Laborbefunde den Temesta-Missbrauch nicht nachgewiesen hätten, habe der
psychiatrische Gutachter einen Missbrauch von Medikamenten diagnostiziert. Die
Tatsache, dass der Versicherte nicht (mehr) in einer Partnerschaft lebe, sei ausser Acht
gelassen worden. Auch seien die neuropsychologischen Defizite, die bei einer früheren
Untersuchung festgestellt worden seien, vom psychiatrischen Gutachter nicht beurteilt
worden. Dass der Versicherte bei Belastungen nicht nur depressive Symptome
entwickle, sondern auch Ängste und Panikattacken habe, sei im Gutachten zwar
erwähnt worden, eine Diagnose sei jedoch nicht gestellt worden. Der Rechtsvertreter
hielt abschliessend fest, dass ein neues Gutachten zu erstellen sei.
Die IV-Stelle beantragte am 9. Juli 2019 die Abweisung der Beschwerde vom 28.
Mai 2019 gegen die Abweisungsverfügung vom 11. April 2019 betreffend die
beruflichen Massnahmen (IV-act. 293). Zur Begründung führte sie aus, es sei
aktenkundig, dass der Versicherte den Arbeitsversuch abgebrochen habe. Im Übrigen
sei nicht erkennbar, inwiefern dies Auswirkungen auf die gutachterliche
Diagnosestellung und die Arbeitsfähigkeitsschätzung gehabt haben sollte. Bezüglich
der anderen Rügen verwies die IV-Stelle auf die Stellungnahme der Abteilung Recht
vom 1. April 2019 und die Stellungnahme des RAD vom 5. April 2019. Demnach sei
vollumfänglich auf das schlüssige PMEDA-Gutachten abzustellen. Die IV-Stelle verwies
schliesslich noch auf ihre Ausführungen in Ziff. III./2. der Beschwerdeantwort vom 10.
April 2017 im Verfahren IV 2017/61 (IV-act. 207), wonach die an einem Arbeitsplatz
gezeigte Leistung für die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht relevant sei; die
Arbeitsfähigkeit sei ausschliesslich medizinisch-theoretisch zu bestimmen.
B.n.
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C.
Bereits am 1. Juli 2019 hatte die IV-Stelle dem Versicherten mit einem
Vorbescheid die Abweisung des Rentenbegehrens aufgrund des errechneten IV-Grads
von 0% angekündigt (IV-act. 290). Sie hatte ausgeführt, sie sei gestützt auf das
PMEDA-Gutachten zum Schluss gekommen, dass kein Gesundheitsschaden mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Am 9. September 2019 erhob der
Versicherte Einwand gegen den Vorbescheid vom 1. Juli 2019 und beantragte
mindestens die Zusprache einer halben IV-Rente. Eventualiter machte er die Sistierung
des Verfahrens bis zum rechtskräftigen Entscheid des Versicherungsgerichtes im
Verfahren betreffend die beruflichen Massnahmen geltend (IV-act. 295). In der
Begründung verwies er insbesondere auf die bereits eingereichten Stellungnahmen/
Meinungsäusserungen im Verfahren betreffend die beruflichen Massnahmen. Am 12.
September 2019 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt die Abweisung des
Rentenbegehrens (IV-act. 296). Sie führte aus, die Abklärungen hätten ergeben, dass
kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege. Deshalb komme der Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" nicht zum Zug, so dass das Verfahren nicht zu sistieren sei.
B.o.
Am 14. Oktober 2019 liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
vom 12. September 2019 erheben (act. G 1). Er beantragte die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Zusprache mindestens einer halben Invalidenrente.
In der Begründung brachte er im Wesentlichen das Gleiche vor wie bereits in der gegen
die Verfügung betreffend berufliche Massnahmen vom 11. April 2019 erhobenen
Beschwerde vom 28. Mai 2019 (vgl. vorstehend Bst. B.m). Ergänzend führte er lediglich
aus, dass der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Einkommensvergleich
unzutreffend sei. Das Erzielen eines Bruttomonatslohns von Fr. 5'125.00 sei mit der
Ausbildung des Beschwerdeführers wenig realistisch. Fr. 4'500.00 dürften realistisch
sein. Auf dem Arbeitsmarkt selbst dürfte der Beschwerdeführer Fr. 2'000.-- erzielen.
C.a.
Am 25. November 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung verwies sie auf die Beschwerdeantwort vom 9.
Juli 2019 im Verfahren IV 2019/137 betreffend berufliche Massnahmen (IV 2019/137,
IV-act. 293).
C.b.
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D.
Am 4. Dezember 2019 verzichtete der Beschwerdeführer auf die Einreichung einer
Replik (act. G 6). Weiter ersuchte er um die Vereinigung der beiden ihn betreffenden
Verfahren IV 2019/137 und IV 2019/274. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 10.
Dezember 2019 teilte das Versicherungsgericht dem Beschwerdeführer mit (act. G 7),
dass sie keine Notwendigkeit sehe, die beiden Verfahren zu vereinigen. Das Verfahren
betreffend berufliche Massnahmen (IV 2019/137) werde − wie grundsätzlich alle
Eingliederungsfälle − vorgezogen. Das Rentenverfahren (IV 2019/274) werde im
normalen Verlauf erledigt.
C.c.
Im Beschwerdeverfahren betreffend die beruflichen Massnahmen (IV 2019/137)
fragte das Gericht am 12. Dezember 2019 den RAD-Psychiater Dr. H._ an, ob
gestützt auf das Gutachten der PMEDA AG eine neuropsychologische
Zusatzbegutachtung (unter den von den Gutachtern angegebenen Abstinenz-
Bedingungen) notwendig gewesen wäre (IV 2019/137, act. G 9). Dr. H._ antwortete
am 10. Januar 2020 (IV 2019/137, act. G 10), weil bereits eine neuropsychologische
Untersuchung vorliege, seien weitere Abklärungen zu den aktenkundig und
anamnestisch erwähnten kognitiven Einschränkungen zur Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit nicht notwendig gewesen. Dr. phil. G._ habe Kriterien formuliert,
unter denen die Ausübung beruflicher Tätigkeiten möglich seien. Diese Kriterien
entsprächen der bisherigen Tätigkeit als Automonteur. Die Gutachter der PMEDA AG
hätten zwar eine neuropsychologische Untersuchung vorgeschlagen, ihre
abschliessende Beurteilung aber nicht vom Ergebnis einer neuerlichen
neuropsychologischen Untersuchung abhängig gemacht. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers erklärte am 3. Februar 2020 (IV 2019/137, act. G 12), dass nur mit
einer erneuten neuropsychologischen Untersuchung abgeklärt werden könne, welche
qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aus den neuropsychologischen
Defiziten resultierten. Zudem sei die Untersuchung von Dr. phil. G._ nach über
dreieinhalb Jahren zu wiederholen. Des Weiteren gehe es auch um das
Zusammenwirken der neuropsychologischen Defizite mit den anderen Diagnosen. Das
Hauptproblem des Beschwerdeführers im Berufsleben sei nämlich vor allem die
narzisstische Persönlichkeitsstörung. Deshalb müssten Berichte von früheren
Arbeitgebern eingeholt werden, um zu erfahren, wie sich der Beschwerdeführer dort
D.a.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/26
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St.Galler Gerichte
gegenüber anderen Menschen verhalten habe. Nur längere Arbeitsversuche würden
das effektive Defizit des Beschwerdeführers aufzeigen.
Am 5. Mai 2020 wies das Versicherungsgericht die Beschwerde betreffend die
beruflichen Massnahmen (IV 2019/137) ab. In seiner Begründung führte es aus, dass
die Einholung von Berichten von früheren Arbeitgebern in antizipierter
Beweiswürdigung unterbleiben könne (Erw. 2). In den Akten liege nämlich ein
Schlussbericht des dem Beschwerdeführer zur Seite gestellten Coachs der Q._ AG
vom 12. April 2016 (IV 2019/137, IV-act. 173), in welchem die
Persönlichkeitseigenheiten des Beschwerdeführers und seine Schwierigkeiten im
zwischenmenschlichen Bereich deutlich zum Ausdruck kämen. Welche zusätzlichen
Erkenntnisse Aussagen von früheren Arbeitgebern bringen könnten, sei nicht
ersichtlich. Zwar seien die im Rahmen von Arbeitsversuchen oder im Rahmen eines
Anstellungsverhältnisses gemachten Beobachtungen in die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit miteinzubeziehen. Einen direkten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
könnten diese Beobachtungen jedoch nicht haben, da das gezeigte Verhalten
wesentlich durch Faktoren wie die Motivation und die Willenskraft einer versicherten
Person mitbestimmt werde, da das Verhalten einer versicherten Person, bei der
zumindest Hinweise auf eine narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung gefunden
worden seien, erheblich vom Arbeitsumfeld abhänge und da die Aussagen bzw. die
Wahrnehmungen von (ehemaligen) Vorgesetzten sehr subjektiv seien. Bezüglich der
Einwände zum Gutachten der PMEDA AG führte das Gericht aus, dass
rechtsprechungsgemäss die für eine Gutachterstelle tätigen Personen, nicht jedoch die
Gutachterstelle als solche befangen sein könnten (mit Verweis auf Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Dezember 2015, 8C_599/2014 E. 3.3 und Urteil vom 30. März
2017, 9C_19/2017 E 5.1). Gegen die PMEDA AG und P._ laufe mindestens eine
Strafuntersuchung wegen falschen ärztlichen Zeugnissen (mit Verweis auf www.srf.ch/
news/schweiz/gutachten-fuer-versicherungen-gutachter-schreibt-falsches-arztzeugnis-
rente-weg, abgerufen am 10. März 2020). P._, der Leiter der PMEDA AG, sei am
Gutachten vom 23. Januar 2019 nicht als Gutachter beteiligt gewesen. Gegen die am
Gutachten beteiligten Sachverständigen habe der Beschwerdeführer keine konkreten
Befangenheitsgründe geltend gemacht. Der Beschwerdeführer habe ausgeführt, dass
die Gutachter durch den Hinweis des RAD, der behandelnde Psychiater verfasse
D.b.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/26
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unschlüssige, langfädige Berichte, vorbeeinflusst gewesen seien. Der RAD-Psychiater
Dr. H._ habe in seiner Stellungnahme vom 18. Mai 2018 (IV 2019/137, IV-act. 242)
unter anderem festgehalten, dass die Ausführungen des behandelnden Psychiaters
weitschweifig und wenig substanziell fassbar gewesen seien, was bereits der
Vorgutachter Dr. F._ erwähnt und was bemerkenswerterweise auch im Gerichtsurteil
Eingang gefunden habe. Um eine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung abgeben
zu können, müssten die Gutachter über die gesamten Vorakten verfügen, welche oft
sich widersprechende ärztliche Beurteilungen der Leistungsfähigkeit der versicherten
Person und kritische Stellungnahmen des RAD zu Berichten von behandelnden Ärzten
enthielten. Für die Beurteilung des Leistungsanspruchs sei zentral, dass die involvierten
Fachpersonen, insbesondere die Gutachter, ihre Meinung frei und unabhängig äussern
könnten (mit Verweis auf Art. 59 Abs. 2 Satz 3 IVG). Es sei die Aufgabe der
Gutachter, die im Recht liegenden medizinischen Beurteilungen anhand ihrer eigenen
Untersuchungen und Beobachtungen unabhängig und kritisch zu würdigen und
gegebenenfalls zu einer anderen Einschätzung zu gelangen. Der Rechtsvertreter habe
den Gutachtern sinngemäss unterstellt, unfähig zu sein, die Einschätzung und die
Angaben des behandelnden Psychiaters objektiv zu würdigen. Das sei ein schwerer
Vorwurf, der vom Rechtsvertreter durch nichts belegt worden sei. Im Übrigen habe der
RAD-Arzt lediglich zusammengefasst die Worte des Versicherungsgerichts in dessen
Entscheid vom 18. Dezember 2017 wiedergegeben. Damit seien keine Gründe
vorhanden, die den Verdacht der Befangenheit und damit der Voreingenommenheit der
Gutachter zu wecken vermöchten (Erw. 4.4). Der Einwand, dass der Gutachtensaufbau
fragwürdig sei, weil alle Sachverständigen standardmässig denselben Text zur
Vorgeschichte abgedruckt hätten, sei ebenfalls nicht stichhaltig (Erw. 4.5). Die
Gutachter seien nicht verpflichtet, die Vorakten selber zusammenzufassen, zumal dies
auch nicht effizient wäre. Auch individuell erstellte Aktenauszüge stellten noch keinen
Beweis dafür dar, dass der Gutachter die Vorakten studiert habe. Hier weise nichts
darauf hin, dass die einzelnen Gutachter das von der Beschwerdegegnerin
zusammengestellte Aktendossier nicht in allen Teilen gründlich geprüft und damit die
Anforderungen an eine medizinische Begutachtung in krasser Weise missachtet hätten.
Auch der Vorspann im Gutachten erwecke keine Zweifel am Gutachten (Erw. 4.6), denn
bei der Frage, ob der Arbeitsversuch von der Beschwerdegegnerin oder dem
Beschwerdeführer abgebrochen worden sei, handle es sich nicht um ein
bis
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/26
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entscheidrelevantes Sachverhaltselement. Entscheidend sei vielmehr, dass die
Gutachter über das Verhalten und die ungenügenden Leistungen des
Beschwerdeführers im Rahmen des Arbeitsversuchs informiert gewesen seien, was der
Fall gewesen sei (mit Verweis auf den Schlussbericht der Q._ AG vom 12. April 2016).
Auch der Vorwurf, dass der psychiatrische Sachverständige sich nicht mit den von
med. pract. E._ gestellten Diagnosen auseinandergesetzt habe, sei nicht
gerechtfertigt. Im Gegenteil überzeuge die Beurteilung des psychiatrischen Gutachters,
dass der Beschwerdeführer weder an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung noch
an einem namhaften Asperger-Syndrom, an einem klinisch relevanten
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder an einer gegenwärtig mittelgradigen depressiven
Störung leide (vgl. Erw. 4.7 mit weiteren Hinweisen). Für die Arbeitsfähigkeitsschätzung
sei im Weiteren nicht relevant, ob beim Beschwerdeführer eine Benzodiazepin-
Abhängigkeit vorliege oder nicht, denn auch wenn er an einer solchen leiden würde,
hätte sie gemäss den Gutachtern keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im
erlernten Beruf als B._; der neurologische Gutachter habe nämlich keine namhafte
kognitive Störung erwähnt und der psychiatrische Gutachter habe keine Störung der
Kognition festgestellt (Erw. 4.8). Der psychiatrische Gutachter habe, entgegen der
Behauptung des Beschwerdeführers, die Diagnose einer Agoraphobie mit Panikstörung
angegeben, diese jedoch als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eingestuft (Erw.
4.9). Eine erneute neuropsychologische Untersuchung würde keine weiteren
Erkenntnisse hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers liefern (Erw.
4.10), denn es liege bereits eine neuropsychologische Untersuchung (von Dr. phil.
G._ vom 11. August 2016) vor und die Gutachter der PMEDA AG hätten ihre
abschliessende Beurteilung nicht vom Ergebnis einer neuerlichen
neuropsychologischen Untersuchung abhängig gemacht. Die Gutachter der PMEDA
AG hätten keine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, wenn weitere Abklärungen
(insbesondere eine erneute neuropsychologische Untersuchung) notwendig gewesen
wären, um die Arbeitsfähigkeit mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit festlegen zu können. Zusammenfassend sei der Beschwerdeführer
sowohl aus psychiatrischer als auch aus somatischer Sicht in seiner angestammten
Tätigkeit voll arbeitsfähig. Da der Beschwerdeführer weder invalid noch von einer
Invalidität bedroht sei (Art. 8 Abs. 1 IVG), habe er keinen Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/26
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 12. September
2019 einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem IV-Grad von 0%
verneint. Strittig ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat den Beweisantrag gestellt, dass auch
Berichte von früheren Arbeitgebern eingeholt werden müssten, um zu erfahren, wie
sich der Beschwerdeführer dort gegenüber anderen Menschen verhalten habe. Bei den
Akten liegt ein Schlussbericht des dem Beschwerdeführer zur Seite gestellten Coach
der Q._ AG vom 12. April 2016 (IV-act. 173), in welchem die
Persönlichkeitseigenheiten des Beschwerdeführers und dessen Schwierigkeiten im
zwischenmenschlichen Bereich deutlich zum Ausdruck kommen. Welche zusätzlichen
Erkenntnisse Aussagen von früheren Arbeitgebern bringen könnten, ist nicht
ersichtlich. Zwar sind die im Rahmen von Arbeitsversuchen oder im Rahmen eines
Anstellungsverhältnisses gemachten Beobachtungen in die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit miteinzubeziehen. Einen direkten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
können diese Beobachtungen jedoch nicht haben: Erstens wird das im Rahmen eines
Arbeitsverhältnisses oder Arbeitsversuchs gezeigte Verhalten wesentlich durch
Faktoren wie die Motivation und die Willenskraft einer versicherten Person
mitbestimmt. Zweitens dürfte das Verhalten einer versicherten Person, bei welcher sich
zumindest Hinweise für eine narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung finden (IV-
act. 257-175), erheblich vom jeweiligen Arbeitsumfeld abhängen. Und drittens handelt
es sich bei den Aussagen respektive Wahrnehmungen von (ehemaligen) Vorgesetzten
um stark subjektiv geprägte Aussagen. Die Verhaltensbeobachtungen im Rahmen
eines Arbeitsversuchs oder im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses vermögen demnach
kaum etwas über die Arbeitsleistung auszusagen, die einer versicherten Person aus
medizinisch-theoretischer Sicht objektiv betrachtet noch zumutbar ist. Der
Beweisantrag des Rechtsvertreters, dass Berichte von früheren Arbeitgebern über das
Verhalten des Beschwerdeführers gegenüber anderen Menschen einzuholen seien, ist
deshalb, wie bereits im Beschwerdeentscheid betreffend berufliche Massnahmen
festgehalten worden ist (IV 2019/137, Erw. 2), in antizipierender Beweiswürdigung
abzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/26
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3.
Eine versicherte Person hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
3.1.
Der IV-Grad wird anhand eines Vergleichs des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens mit dem Valideneinkommen ermittelt (Art. 16 ATSG). Der Renten
anspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der
Geltendmachung des Leistungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1 IVG). Anspruch auf eine
Rente haben Versicherte, die unter anderem während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind
(Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG).
3.2.
Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führerin in der angestammten Tätigkeit sowie in einer optimal adaptierten Tätigkeit mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Zur Klärung der
verbleibenden Arbeitsfähigkeit hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer
durch die PMEDA AG begutachten lassen. Nachfolgend gilt es daher zu prüfen, ob
dem Gutachten der PMEDA AG voller Beweiswert zukommt, d.h., ob es die
Arbeitsfähigkeit mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt.
3.3.
Wie das Versicherungsgericht bereits im Urteil vom 5. Mai 2020 im Verfahren IV
2019/137 betreffend die beruflichen Massnahmen ausgeführt hatte (vgl. im Sachverhalt
Bst. D.b), überzeugt das PMEDA AG Gutachten aus den folgenden Gründen:
3.4.
Der Beschwerdeführer hat Zweifel an der Fähigkeit bzw. Objektivität der
Gutachterstelle moniert. Er hat ausgeführt, dass nach seinen Informationen gegen die
Gutachterstelle mindestens ein Strafverfahren wegen fahrlässig unrichtig erstellter
3.4.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/26
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Gutachten laufe. Rechtsprechungsgemäss können die für eine Gutachterstelle tätigen
Personen, nicht jedoch die Gutachterstelle als solche, befangen sein (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Dezember 2015, 8C_599/2014 E. 3.3; vgl. Urteil vom 30. März
2017, 9C_19/2017 E 5.1, vgl. Urteil vom 12. April 2017 8C_106/2017). Gemäss einem
Beitrag des Kassensturzes vom 16. Oktober 2018 läuft gegen die PMEDA AG und
P._ mindestens eine Strafuntersuchung wegen falschen ärztlichen Zeugnissen
(www.srf.ch/news/schweiz/ gutachten-fuer-versicherungen-gutachter-schreibt-
falsches-arztzeugnis-rente-weg, abgerufen am 20. Mai 2021). P._, der Leiter der
PMEDA AG, ist am Gutachten vom 23. Januar 2019 nicht als Gutachter beteiligt
gewesen. Gegen die am Gutachten beteiligten Sachverständigen hat der
Beschwerdeführer keine konkreten Befangenheitsgründe geltend gemacht. Sein
Rechtsvertreter hat allerdings argumentiert, dass die Gutachter durch den Hinweis des
RAD, der behandelnde Psychiater fasse unschlüssige, langfädige Berichte,
vorbeeinflusst worden seien. Der RAD-Psychiater Dr. H._ hat in seiner Stellungnahme
vom 18. Mai 2018 (IV-act. 241) unter anderem festgehalten, dass die Ausführungen des
behandelnden Psychiaters weitschweifig und wenig substanziell fassbar seien, was
bereits der Vorgutachter Dr. F._ erwähnt und bemerkenswerterweise auch im
Gerichtsurteil Eingang gefunden habe. Um eine überzeugende
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben zu können, müssen die Gutachter über die
gesamten Vorakten verfügen. Diese beinhalten oft sich widersprechende ärztliche
Beurteilungen der Leistungsfähigkeit der versicherten Person und kritische
Stellungnahmen des RAD zu Berichten von behandelnden Ärzten. Für die Beurteilung
des Leistungsanspruchs ist zentral, dass die involvierten Fachpersonen, insbesondere
die Gutachter, ihre Meinung frei und unabhängig äussern können (vgl. Art. 59 Abs. 2
Satz 3 IVG). Es ist die Aufgabe der Gutachter, die im Recht liegenden medizinischen
Beurteilungen anhand ihrer eigenen Untersuchungen und Beobachtungen unabhängig
und kritisch zu würdigen und gegebenenfalls zu einer anderen Einschätzung zu
gelangen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat den Gutachtern sinngemäss
unterstellt, unfähig zu sein, die Einschätzung und die Angaben des behandelnden
Psychiaters objektiv zu würdigen. Dies stellt ein schwerer Vorwurf dar, der vom
Rechtsvertreter durch nichts belegt worden ist. Im Übrigen hat der RAD-Arzt lediglich
zusammengefasst die Worte des Versicherungsgerichts in dessen Entscheid vom 18.
Dezember 2017 (IV 2017/61) wiedergegeben. Das Gericht hatte die Ausführungen des
behandelnden Psychiaters damals als "sehr weitschweifig, teils vage und unklar und
sich wiederholend" bezeichnet (Erw. 4.5). Zusammengefasst liegen keine Gründe vor,
die den Verdacht der Befangenheit und damit der Voreingenommenheit der Gutachter
zu wecken vermöchten.
bis
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/26
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Weiter hat der Beschwerdeführer eingewendet, der Aufbau des PMEDA-
Gutachtens sei fragwürdig, weil alle vier beteiligten Sachverständigen standardmässig
denselben Text zur Vorgeschichte abgedruckt hätten. Dadurch sei nicht nachgewiesen,
dass die Vorakten von allen Gutachtern studiert worden seien. Die einzelnen Gutachter
sind nicht verpflichtet, die Vorakten selber zusammenzufassen. Dies wäre auch nicht
effizient. Abgesehen davon sind auch individuell erstellte Aktenauszüge kein Beweis
dafür, dass die Gutachter die Vorakten studiert haben. Im vorliegenden Fall weist nichts
darauf hin, dass die einzelnen Gutachter das von der Beschwerdegegnerin
zusammengestellte Aktendossier nicht in allen Teilen gründlich geprüft und damit die
Anforderungen an eine medizinische Begutachtung in krasser Weise missachtet hätten
(vgl. IV-act. 257-16/57/101/140). Der Einwand des Rechtsvertreters ist somit nicht
stichhaltig.
3.4.2.
Der Beschwerdeführer hat daneben vorgebracht, dass der "Vorspann" des
Gutachtens (gemeint wohl Ziff. 3 der interdisziplinären Gesamtbeurteilung, IV-act.
257-2-ff.) unvollständig und teilweise auch aktenwidrig sei. Zum Beispiel sei
festgehalten worden, der Beschwerdeführer habe die Stelle bei den R._ aufgegeben,
dabei sei der Beschwerdeführer "vorzeitig entlassen" worden. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat nicht dargelegt, welche entscheidrelevanten Informationen
nicht im "Vorspann" enthalten sein sollen. Beim "Vorspann" handelt es sich denn auch
lediglich um eine Wiedergabe der von der Beschwerdegegnerin erstellte
Zusammenfassung des Kontexts des Auftrags, die naturgemäss nicht den gesamten
Sachverhalt wiedergeben kann. Die Gutachterstelle ist von der Beschwerdegegnerin
dazu angehalten worden, diesen Teil ins Gutachten zu übernehmen resp.
hineinzukopieren (vgl. IV-act. 242-1, 243-2). Tatsächlich hat die Beschwerdegegnerin in
der Zusammenfassung des Kontexts des Auftrags aktenwidrig festgehalten, dass der
Beschwerdeführer den Arbeitsversuch abgebrochen habe (IV-act. 257-2, IV-act.
165-3). Den Gutachtern hat jedoch der Schlussbericht der Q._ AG vom 12. April 2016
(IV-act. 173) vorgelegen, woraus hervorgeht, dass der Beschwerdeführer den
Arbeitsversuch nicht von sich aus abgebrochen hatte. Abgesehen davon handelt es
sich bei der Frage, ob der Arbeitsversuch von der Beschwerdegegnerin oder dem
Beschwerdeführer abgebrochen worden ist, nicht um ein entscheidrelevantes
Sachverhaltselement. Entscheidend ist vielmehr, dass die Gutachter über das
Verhalten und die ungenügenden Leistungen des Beschwerdeführers im Rahmen des
Arbeitsversuchs informiert gewesen sind. Dies ist aufgrund der Kenntnis des
Schlussberichts der Q._ AG vom 12. April 2016 der Fall gewesen. Der Fehler im
3.4.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 21/26
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"Vorspann" des Gutachtens ist somit nicht geeignet, Zweifel an der gutachterlichen
Beurteilung zu wecken.
Inhaltlich hat der Rechtsvertreter kritisiert, dass der psychiatrische Gutachter
sich nicht mit den Diagnosen des behandelnden Psychiaters med. pract. E._
auseinandergesetzt habe. Die Gutachter haben in der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung unter der Fallführung des psychiatrischen Gutachters (IV-act.
257-6) korrekt festgehalten, dass med. pract. E._ die Diagnosen eines Asperger-
Syndroms und einer ADHS zuletzt (vgl. Bericht vom 10. April 2018; IV-act. 235) nicht
mehr gestellt habe. Bezüglich der Diagnose einer (narzisstischen)
Persönlichkeitsstörung haben sie festgehalten, dass med. pract. E._ diese Diagnose
lediglich mit der Ausprägung von Persönlichkeitseigenheiten des Beschwerdeführers
begründet habe. Die Biographie und die weitere psychiatrische Exploration deuteten
jedoch nicht auf eine in der Kindheit oder Jugend begonnene psychische und mit
erheblichen negativen sozialen Folgen störende Auffälligkeit hin, worauf die ICD-10-
Definition abstelle (IV-act. 257-6/9). Der psychiatrische Gutachter der PMEDA AG hat
im Rahmen der gutachterlichen Untersuchung Hinweise für eine narzisstische
Persönlichkeitsakzentuierung mit einer erhöhten Kränkbarkeit und einem verstärkten
Bedeutungserleben gefunden, die jedoch nicht die Intensität einer manifesten
Persönlichkeitsstörung erreichten. Zwar habe es in der Vergangenheit aufgrund eines
problematischen Interaktionsverhaltens des Beschwerdeführers offenbar mehrfach
Probleme am Arbeitsplatz gegeben. Dennoch sei der Beschwerdeführer in der Lage
gewesen, seine Lehre erfolgreich abzuschliessen und über viele Jahre hinweg einer
regelmässigen Arbeitstätigkeit nachzugehen. Die hier also durchaus aufscheinende
Sozialkompetenz spreche gegen eine manifeste Persönlichkeitsstörung. Ausserdem
lebe der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben bereits seit etwa vier Jahren in
einer stabilen und fürsorglich erlebten Partnerschaft, was zusätzlich für soziale
Kompetenzen spreche und auch mit einem (sozialmedizinisch relevanten) aktenkundig
diskutierten Asperger-Syndrom nicht ohne weiteres zu vereinbaren sei. So seien weder
die diagnostischen Kriterien einer Persönlichkeitsstörung, eines namhaften Asperger-
Syndroms noch eines klinisch relevanten Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit hinreichend erfüllt. Der Vorwurf des
Rechtsvertreters, der psychiatrische Gutachter habe ausser Acht gelassen, dass der
Beschwerdeführer nicht (mehr) in einer Partnerschaft lebe, ist nicht nachvollziehbar.
Der Gutachter hat sich zum Beziehungsende nicht äussern können, da die
Partnerschaft im Zeitpunkt der Begutachtung gemäss den Angaben des
Beschwerdeführers noch bestanden hatte. Die Trennung ändert auch nichts daran,
3.4.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 22/26
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dass der Beschwerdeführer in der Lage gewesen ist, während etwa vier Jahren eine
Partnerschaft zu führen. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der psychiatrische
Gutachter eingehend und verständlich begründet hat, weshalb die diagnostischen
Kriterien einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung entgegen der Beurteilung des
behandelnden Psychiaters nicht erfüllt sind (vgl. IV-act. 257-175). Des Weiteren hat er
sich auch zum auffälligen Verhalten des Beschwerdeführers im Rahmen des
Arbeitsversuchs geäussert und das Vorliegen eines namhaften Asperger-Syndroms
und eines klinisch relevanten Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms verneint. Der
psychiatrische Gutachter hat auch die von med. pract. E._ angegebene Diagnose
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive
Episode, aktuell nicht bestätigen können. Er ist jedoch davon ausgegangen, dass in der
Vergangenheit vorübergehende Phasen höhergradiger Depressivität bestanden haben
(vgl. IV-act. 257-181). Die Diagnose einer rezidivierend depressiven Störung,
gegenwärtig remittiert, erscheint angesichts des vom psychiatrischen Gutachter
erhobenen psychopathologischen Befundes als begründet: Der Gutachter hat keine
Zeichen mnestischer oder konzentrativer Defizite, keine Beeinträchtigung der
Auffassungsgabe und der geistigen Spannkraft, keine Zeichen einer vorzeitigen
Ermüdbarkeit und keine Beeinträchtigung der affektiven Modulationsfähigkeit erheben
können. Der Stimmung sei situationsadäquat unauffällig und der Antrieb normal
gewesen. Der Beschwerdeführer sei psychomotorisch ruhig gewesen und habe keine
Zeichen einer vegetativen Anspannung gezeigt. Einzig das formale Denken sei leicht
beschleunigt gewesen (IV-act. 257-175). Der Vorwurf des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers, der psychiatrische Gutachter habe sich nicht mit den von med.
pract. E._ gestellten Diagnosen auseinandergesetzt, ist somit nicht gerechtfertigt. Im
Gegenteil überzeugt die Beurteilung des psychiatrischen Gutachters, dass der
Beschwerdeführer weder an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung noch an einem
namhaften Asperger-Syndrom, an einem klinisch relevanten
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder an einer gegenwärtig mittelgradigen depressiven
Störung leidet.
Med. pract. E._ hat als Diagnose ausserdem eine nicht näher bezeichnete
organische oder symptomatische psychische Störung, verschiedene
neuropsychologische Defizite, erwähnt. In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
haben die Gutachter festgehalten, dass die im Rahmen der Begutachtung im MRI des
Gehirns vom 8. November 2018 dargestellte Läsion eine kognitive Störung nicht
eigenständig zu belegen vermöge (IV-act. 257-7). Der neurologische Gutachter hat
zwar eine leicht verminderte Auffassung für möglich gehalten (IV-act. 257-88). Für eine
3.4.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/26
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namhafte kognitive Störung hat er jedoch keinen ausreichenden Anhalt gesehen.
Allerdings hat er eine kognitive Beeinträchtigung im Rahmen des leitlinienwidrigen
Benzodiazepin-Konsums (Langzeitverordnung, keine erkennbare Indikation) als
denkbar erachtet (IV-act. 257-91). Der psychiatrische Gutachter hat demgegenüber
keine Störung der Kognition feststellen können (IV-act. 257-7). Er hat als Diagnose
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aber eine psychische und Verhaltensstörung
durch Benzodiazepine: Abhängigkeitssyndrom, angegeben. Diese Diagnose hat er
gestützt auf die Anamnese und die Angaben des Beschwerdeführers gestellt. Obwohl
er sich offenbar bewusst gewesen ist, dass der aktuelle Laborbefund, welcher keine
Benzodiazepine im Urin gezeigt hat, Zweifel an den anamnestischen Angaben
begründet hat (IV-act. 257-176), hat er an dieser Diagnose festgehalten. Zwar erscheint
die Diagnose einer Benzodiazepin-Abhängigkeit angesichts der negativen
Laborbefunde aus der Sicht eines medizinischen Laien etwas widersprüchlich. Für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist es jedoch nicht relevant, ob nun tatsächlich eine
Benzodiazepin-Abhängigkeit vorliegt oder nicht, denn auch wenn der
Beschwerdeführer an einer solchen leiden würde, hätte sie gemäss den Gutachtern
keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im erlernten Beruf als B._.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat weiter geltend gemacht, dass
die Ängste und Panikattacken im Gutachten zwar erwähnt, aber nicht in die
Diagnoseliste aufgenommen worden seien. Diese Behauptung ist falsch, denn der
psychiatrische Gutachter hat als Diagnose eine Agoraphobie mit Panikstörung
angegeben. Einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat er jedoch mit der − insbesondere
auch angesichts des Aktivitätenniveaus des Beschwerdeführers (IV-act. 257-170 f.) −
überzeugenden Begründung, dass die Ängste wenig handlungsleitende Konsequenz
hätten und offenbar durchaus überwindbar seien, verneint. Zu kritisieren ist das
psychiatrische Teilgutachten der PMEDA AG insoweit, als daraus nicht hervorgeht, wie
sich eine Panikattacke beim Beschwerdeführer äussert. Damit bleibt unklar, ob der
Gutachter einfach die Angabe des Beschwerdeführers, er leide an Panikattacken,
übernommen hat, oder ob er die Diagnose durch gezieltes Nachfragen der Symptome
hergeleitet hat. Im Übrigen hat der behandelnde Psychiater med. pract. E._ im
Bericht vom 10. April 2018 (IV-act. 235) keine Angst- oder Panikstörung erwähnt.
3.4.6.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat schliesslich noch moniert, dass
eine erneute neuropsychologische Untersuchung hätte durchgeführt werden müssen.
Die Gutachter der PMEDA AG haben in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
festgehalten, dass eine neuropsychologische Begutachtung (angesichts der
aktenkundig miterwogenen kognitiven Beeinträchtigung) grundsätzlich sinnvoll
3.4.7.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 24/26
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erscheine, um die Diagnostik abschliessend verlässlich zu vervollständigen. Eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung haben sie trotzdem abgegeben. Das Gericht hatte den
RAD-Psychiater Dr. H._ im Verfahren IV 2019/137 betreffend die beruflichen
Massnahmen am 12. Dezember 2019 angefragt (IV 2019/137, act. G 9), ob eine
neuropsychologische Zusatzbegutachtung tatsächlich nicht notwendig gewesen sei.
Der RAD-Arzt hatte am 10. Januar 2020 zusammengefasst geantwortet (IV 2019/137,
act. G 10), dass die aktenkundig und anamnestisch erwähnten kognitiven
Einschränkungen zwar weiter abgeklärt werden könnten, dies zur Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit jedoch nicht notwendig sei, insbesondere weil bereits eine
neuropsychologische Untersuchung (von Dr. phil. G._ vom 11. August 2016) vorliege.
Eine neuerliche neuropsychologische Beurteilung könnte aber auch deshalb nichts an
der Gesamtbeurteilung ändern, weil die Gutachter der PMEDA AG ihre abschliessende
Beurteilung nicht vom Ergebnis einer weiteren neuropsychologischen Untersuchung
abhängig gemacht hätten. Die Antwort des RAD-Psychiaters überzeugt. Die Gutachter
der PMEDA AG hätten keine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, wenn weitere
Abklärungen (insbesondere eine erneute neuropsychologische Untersuchung)
notwendig gewesen wären, um die Arbeitsfähigkeit mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit festlegen zu können. Die Aussage der Gutachter ist
so zu interpretieren, dass eine neuropsychologische Zusatzbegutachtung zwecks
abschliessender Diagnostik für die zukünftige therapeutische Behandlung zwar sinnvoll
wäre. Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben die Gutachter eine weitere
neuropsychologische Untersuchung jedoch nicht als notwendig erachtet. Demnach ist
in antizipierender Beweiswürdigung davon auszugehen, dass eine erneute
neuropsychologische Abklärung keine weiteren Erkenntnisse hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bringen würde.
Der psychiatrische Gutachter der PMEDA AG ist zum Schluss gekommen, dass
der erlernte Beruf als B._ den von ihm aufgestellten Adaptionskriterien entspreche
(siehe Erw. 3.4.5) und dem Beschwerdeführer zu 100% zumutbar sei. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugt angesichts der vom psychiatrischen Gutachter
erhobenen geringen pathologischen Befunde und den daraus abgeleiteten
psychiatrischen Diagnosen (siehe Erw. 3.4.4-3.4.6). Zusammenfassend ist festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht in der angestammten Tätigkeit
als B._ mit überwiegender Wahrscheinlichkeit uneingeschränkt arbeitsfähig ist.
3.4.8.
Die Gutachter der PMEDA AG und die Hausärztin Dr. K._ (Bericht vom 3. April
2018; IV-Act. 232) sind sich einig darüber, dass der Beschwerdeführer aus somatischer
Sicht voll arbeitsfähig ist. Anlässlich der Begutachtung hat der Beschwerdeführer
3.4.9.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 25/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die
Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 600.-- ist dem unterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung; das entsprechende Begehren ist abzuweisen.