Decision ID: 231b5189-5317-4f24-a477-8ef9a97d65b0
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 07.12.2017 Art. 43 Abs. 1 ATSG. Die IV-Stelle ist verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und den medizinischen Sachverhalt soweit abzuklären, dass die Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht. Die IV-Stelle ist dieser Pflicht nicht rechtsgenüglich nachgekommen, so dass die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen zurückgewiesen wurde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Dezember 2017, IV 2015/280).
Entscheid vom 7. Dezember 2017
Besetzung
räsident Joachim Huber, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider und a.o.
Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei,
a.o. Gerichtsschreiberin Loriana Krattiger
Geschäftsnr.
IV 2015/280
Parteien
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller,
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Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
Rente (Abklärung)
Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 5. September 2013 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (berufliche Integration/Rente) bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen an (IV-act. 3). Als gesundheitliche Beeinträchtigung gab sie
Schwangerschaftsbeschwerden und schwere Komplikationen bei der Geburt des
zweiten Kindes an. Die Versicherte war seit 1. März 2008 als Reinigungsmitarbeiterin
bei Z._ in einem Pensum von 70 % angestellt. Sie gab an, seit 26. Januar 2012 zu
100 % arbeitsunfähig zu sein (vgl. dazu diverse Arbeitsunfähigkeitszeugnisse, IV-act. 4
f.).
A.b Am 13. Mai 2012 war die Versicherte - nach der Geburt des zweiten Kindes mit
Sectio caesarea am _ 2012 - einer Laparotomie mit Dünndarmresektion am Ileum
unterzogen worden (vgl. Operationsbericht der Klinik B._ vom 13. Mai 2012, IV-act.
20-5, und Austrittsbericht betreffend die Hospitalisation vom 10. bis 28. Mai 2012, IV-
act. 30-7 f.). Seither litt die Versicherte unter persistierender Diarrhoe mit
Unterbauchschmerzen (vgl. IV-act. 20, 24-2, 30-11 und 30-13). Eine Koloskopie und
Gastroskopie im Oktober 2012 waren unauffällig; bei der Abdomensonographie am 21.
Dezember 2012 und der Magnetresonanztomographie des Beckens am 15. Januar
2013 wurden ein wandverdickte und dilatierte Dünndarmschlinge mit hypoechogener
Raumforderung und eine Ovarialzyste festgestellt (IV-act. 30-11 ff.). Gemäss dem
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Bericht der Frauenklinik des Kantonsspitals St. Gallen vom 8. Juni 2013 hatte sich der
rechtsseitige Adnexbefund erneut verifizieren lassen (IV-act. 30-13 ff.).
A.c In einem undatierten Bericht (eingegangen bei der IV-Stelle am 5. November 2013)
diagnostizierte Dr. med. C._, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe,
invalidisierende Unterbauchschmerzen seit Mai 2012 (IV-act. 20).
A.d Dr. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, bei welcher die
Versicherte seit 3. Januar 2013 in Behandlung war, stellte im Arztbericht vom 15.
Januar 2014 folgende Diagnosen, welchen sie Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
beimass: eine Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt
(differenzialdiagnostisch längere depressive Reaktion), mit Verdacht auf eine
somatoforme autonome Funktionsstörung des unteren Verdauungssystems (IV-act.
24).
A.e Der die Versicherte seit 20. August 2009 behandelnde Dr. med. E._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, diagnostizierte im Arztbericht vom 10. Februar 2014 chronische
Unterbauchschmerzen rechtsbetont bei/mit persistierender Diarrhoe, zystisch
vergrössertem Adnex rechts 42x30 cm, erstmaliger Metrorrhagie sowie (aktuell)
Verdacht auf Adhäsionssitus sowie Depression und chronische Anämie (vgl. im
Weiteren: Bericht der Frauenklinik des KSSG vom 24. Januar 2014, IV-act. 30-19 ff.).
Dr. E._ beschrieb andauernde Bauchschmerzen, allgemeine Schwäche/
Kraftlosigkeit, Antriebslosigkeit, mangelnde Ausdauer sowie
Grundstimmungsschwankungen (IV-act. 30-1 ff.).
A.f Am 19. März 2014 wurde die Versicherte im Rahmen einer stationären Behandlung
vom 18. bis 29. März 2014 (IV-act. 63-3) in der Klinik für Chirurgie des KSSG einer
offenen Adhäsiolyse, einer Appendectomie, einer intraoperativen gynäkologischen
Beurteilung und einer Probeentnahme der peritonealen Auflagerungen unterzogen
(Operationsbericht der Klinik für Chirurgie des KSSG, IV-act. 39).
A.g Am 14. Juli 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es seien momentan auf
Grund ihres Gesundheitszustandes keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich. Die medizinische Behandlung stehe im Vordergrund (IV-act. 56).
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A.h Dr. C._ berichtete am 6. August 2014 über einen stationären
Gesundheitszustand bei gleichbleibenden Diagnosen (IV-act. 59).
A.i Die Klinik für Chirurgie des KSSG nahm am 13. August 2014 Stellung zuhanden der
IV-Stelle. Diagnostiziert wurden u.a. persistierende Unterbauchschmerzen median und
ein Verdacht auf sekretorische Diarrhoe mit Gallenverlustsyndrom. Die Patientin habe
nach dem Essen ein epigastrisches Druckgefühl. Der Stuhlgang sei vier- bis fünfmal
tagsüber, gelegentlich auch nachts. Trotz Einnahme von Imodium bzw. Quantalan sei
keine Änderung in der Stuhlfrequenz eingetreten, weswegen der Patientin eine Tätigkeit
ausser Haus nicht zumutbar sei. Es sollte zunächst die Entscheidung der Patientin zur
indizierten offenen Hysterektomie und Adhäsiolyse abgewartet werden, um mögliche
Eingliederungsmassnahmen und die Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit zu
erörtern (IV-act. 63). Nach dieser Konsultation hat sich die Patientin nicht mehr in der
Klinik für Chirurgie des KSSG vorgestellt (vgl. IV-act. 83-2: Antwortschreiben der Klinik
vom 21. Mai 2015).
A.j Dr. E._ hielt in einem Bericht vom 24. Oktober 2014 einen stationären bzw.
verschlechterten Zustand bei gleichbleibender Diagnose fest. Die Beschwerdeführerin
leide an andauernden Bauchbeschwerden, Kraftlosigkeit, verminderter Ausdauer sowie
an psychischen Probleme mit Grundstimmungsschwankungen, Schlafstörungen usw.
(IV-act. 68-1 ff.).
A.k Am 28. Januar 2014 hatte die Versicherte eine Behandlung beim Ambulatorium
des Psychiatrischen Zentrums F._ aufgenommen. In einem Bericht vom 1. Dezember
2014 diagnostizierte Dr. med. G._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Oberärztin und Leiterin, eine somatoforme autonome Funktionsstörung des unteren
Verdauungssystems. Dieser Störung mass sie negativen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit zu. Seit der Einstellung auf Remeron und Cipralex zeige sich eine
leichte Besserung der depressiven Symptomatik, weshalb längerfristig von einer guten
Prognose auszugehen sei (IV-act. 74).
A.l Dr. C._ schätzte in einem Bericht vom 23. Dezember 2014 den Gesundheits-
zustand als stationär ein. Der Verlauf sei unverändert schlecht (IV-act. 75).
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A.m RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt für Chirurgie, führte in seiner Stellungnahme
vom 3. Juni 2015 aus, dass die Arbeitsfähigkeit spätestens seit dem letzten
Kontrolltermin vom „24.11.2014“ 100 % betrage (IV-act. 84).
A.n Die IV-Stelle stellte der Versicherten daraufhin die Ablehnung des Rentengesuchs
aufgrund eines Invaliditätsgrades von 0 % (vgl. IV-act. 86) in Aussicht (Vorbescheid
vom 8. Juni 2015, IV-act. 87). Die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. D.
Ehrenzeller, Teufen, erhob mit Schreiben vom 8. Juli 2014 Einwand (IV-act. 91). Mit
Verfügung vom 29. Juli 2015 entschied die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (IV-act. 93).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 10.
September 2015. Die Beschwerdeführerin lässt die Aufhebung der Verfügung vom 29.
Juli 2015 und die Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab März 2014 beantragen;
eventualiter sei die Verfügung vom 29. Juli 2015 aufzuheben und die Angelegenheit im

Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; die Kosten- und
Entschädigungsfolgen habe die Beschwerdegegnerin zu tragen. Zur Begründung führt
der Rechtsvertreter an, es liege ein beschwerdeerzeugendes Gesamtbild vor. Es werde
bestritten, dass nicht habe angegeben werden können, welche Funktionsstörungen mit
Relevanz auf die Arbeitsfähigkeit bestünden. Ausserdem obliege es dem RAD, die
notwendigen Schlussfolgerungen aus dem medizinischen Befund zu ziehen. Die
Beschwerdeführerin befinde sich nach wie vor in regelmässiger Behandlung beim
Hausarzt, dem Gynäkologen und beim Ambulanten Psychiatrischen Dienst. Die
medizinischen Akten liessen eine Gesamtbeurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht zu. Eine
isolierte Betrachtung der einzelnen medizinischen Fachbereiche helfe nicht weiter, da
es sich um ein internistisches Beschwerdebild handle, welches nach einer
entsprechenden Abklärung rufe. Wenn die momentan leicht- bis mittelschwere Störung
versicherungsmedizinisch und -rechtlich keine Arbeitsunfähigkeit begründen sollte, so
sei doch zu klären, inwieweit der Beschwerdeführerin Ressourcen zur Verfügung
stünden, um diese zu überwinden. Es könne nicht einfach auf die "Diagnosen" von
Gynäkologen und Psychiatern abgestellt werden. Sollte nicht der Einschätzung des
Hausarztes gefolgt werden, so sei eine polydisziplinäre Begutachtung durchzuführen
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und dabei seien auch die konkreten Auswirkungen der Darmbeschädigung anlässlich
des Kaiserschnittes abzuklären (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 23. Oktober 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Dr. G._ habe unbestrittenermassen keine Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Die psychiatrische Befundlage sei
unproblematisch. Aus dem Arztbericht des KSSG lasse sich keine invalidisierende
körperliche Erkrankung der Beschwerdeführerin ableiten. Gemäss Arztbericht von Dr.
C._ liege keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor. Wenn Dr. C._ in
der Folge ausführe, die Leistungsfähigkeit sei voll eingeschränkt, stütze sich diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung - wie diejenige von Dr. E._ - schwergewichtig auf die
Schilderungen der Beschwerdeführerin ab. Die Arbeitsfähigkeit sei jedoch auf Grund
von objektiven Faktoren zu bestimmen. Geltend gemachte Schmerzen bzw.
Einschränkungen dürften nur insofern in die Beurteilung einbezogen werden, als diese
durch entsprechende Befunde hinreichend erklärbar seien. Dies sei bei der
Beschwerdeführerin nicht der Fall. Weitere medizinische Untersuchungen seien nicht
angezeigt, weil die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Einschränkungen
ausführlich abgeklärt worden seien (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 15. Dezember 2015 hält die Beschwerdeführerin an den in der
Beschwerde gestellten Anträgen fest und legt weitere, von ihrem Rechtsvertreter bei
den behandelnden Ärzten eingeholte Arztberichte zu den Akten, nämlich den Bericht
der Klinik für Chirurgie des KSSG vom 22. April 2014, das Schreiben von Dr. C._ vom
9. September 2015 sowie das Schreiben von Dr. E._ vom 16. September 2015 (act.
G 8 und G 8.1-3).
B.d Mit Eingabe vom 26. Januar 2016 legt die Beschwerdeführerin den Bericht des
Psychiatrischen Zentrums F._ vom 19. Januar 2016 (act. G 10.1) ins Recht. Sie weist
darauf hin, dass darin neu eine eigenständige Diagnose einer mittelgradigen
depressiven Episode gestellt werde, welche die Tatsache berücksichtige, dass die
Verwachsungen im Bauchbereich nach mehreren Operationen und einer
Dünndarmresektion erneut aufträten und wohl massgeblich für die Schmerzen
verantwortlich seien. Demnach sei nicht mehr davon auszugehen, dass die psychische
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Störung die somatischen Beschwerden auslöse, sondern das Gegenteil sei der Fall
(act. G 10).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G
12).
Erwägungen
1.
Umstritten ist vorliegend das Bestehen eines Rentenanspruchs und insbesondere, ob
der medizinische Sachverhalt ausreichend abgeklärt ist.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Nach Art. 28
Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
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zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
256 E. 4, mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
351 E. 3a, mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung ist es dem
Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die
(versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen Fällen sind an
die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinn zu stellen, dass bei
auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind. Ein Anspruch auf eine
versicherungsexterne Begutachtung besteht gemäss Rechtsprechung nicht (BGE 135
V 465).
2.
2.1 Der angefochtenen Verfügung liegt die ohne eigene Untersuchung am 3. Juni 2015
erfolgte Beurteilung des RAD zugrunde, wonach die von der Psychiaterin Dr. G._
angegebenen Diagnosen aus versicherungsmedizinischer Sicht keinen relevanten
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben. Auch von gynäkologischer Seite liege keine
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor. In dieser RAD-Stellungnahme (IV-act.
84) wurde zum Verlaufsbericht des Gynäkologen vom 30. Dezember 2014 ausgeführt,
Dr. C._ habe angegeben, dass keine Diagnose mit einem Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit vorliege, also bestehe wieder eine volle Arbeitsfähigkeit spätestens seit
dem letzten Kontrolltermin vom 24. November 2014 (richtig: 9. Dezember 2014; vgl. IV-
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act. 75-2). Am 5. November 2014 hatte Dr. I._ vom RAD noch festgehalten, die Höhe
der medizinisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit in angestammter und adaptierter Tätigkeit
sei unklar (IV-act. 70).
2.2 In der Klinik für Chirurgie des KSSG wurden gemäss Arztbericht vom 13. August
2014 persistierende Unterbauchbeschwerden median bei bekanntem Status mit
Verdacht auf sekretorische Diarrhoe mit Gallenverlustsyndrom diagnostiziert. Es wurde
eine offene Revision im Spital J._ vorgeschlagen, weil die Adhäsionssituation zu den
Beschwerden führen könne, wobei der Zusammenhang mit der Regelblutung bei
bekannter pelviner Endometriose zusätzlich eine Rolle spielen könne. Die genannten
Beschwerden würden sich negativ auf die Arbeitsfähigkeit auswirken und es seien der
Beschwerdeführerin aufgrund des trotz medikamentöser Behandlung vier- bis
fünfmaligen Durchfalls keine Tätigkeiten ausser Haus zumutbar (IV-act. 63). Der RAD
listet am 3. Juni 2015 diesen Operationsbericht und die darin festgehaltenen
Diagnosen, Befunde und Prognosen zwar auf, geht aber in keiner Weise weiter darauf
ein. So bleibt unklar, aus welchen Gründen die vorgeschlagene offene Revision nicht
erfolgte (vgl. IV-act. 83-2). Offenbar entschloss sich die Beschwerdeführerin für eine
medikamentöse Behandlung (vgl. IV-act. 73). Dazu hielt Dr. C._ im Verlaufsbericht
vom 23. Dezember 2014 fest, dass aus gynäkologischer Sicht für die Zeit ab 6. August
2014 keine Änderung der Diagnose vorliege. Die Beschwerdeführerin befinde sich in
einem unverändert schlechten Gesundheitszustand, wobei er als therapeutische
Massnahme das Medikament Visanne einsetze. Aufgrund der permanenten
intraabdominalen Schmerzen sei die Leistungsfähigkeit weiter zu 100 % eingeschränkt
(IV-act. 75). Wohl vermerkte Dr. C._ bei der Frage nach dem Einfluss der Diagnosen
auf die Arbeitsfähigkeit „keine“ (IV-act. 75-2). Indessen wird aus dem Kontext klar, dass
er damit eine Änderung der Diagnosen verneinte. Andernfalls wäre unverständlich,
wieso Dr. C._ im gleichen Bericht festhielt, es bestehe eine zu 100 % eingeschränkte
Leistungsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (IV-act. 75-4) und auch einen
unverändert schlechten Verlauf angab (IV-act. 75-2). Für diese Interpretation spricht im
Weiteren, dass Dr. C._ bereits in seinem Verlaufsbericht vom 6. August 2014 keine
Änderung der Diagnose bei stationärem Gesundheitszustand feststellte. Dazu hielt er
fest, dass die Leistungsfähigkeit vermindert und die bisherige Tätigkeit nicht mehr
zumutbar gewesen sei (IV-act. 59-3). Bereits im vorangehenden Arztbericht (Datum
Eingangsstempel SVA SG: 5. November 2013) hielt Dr. C._ invalidisierende
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Unterbauchschmerzen seit Mai 2012 fest und stellte eine ungünstige Prognose.
Aufgrund der Schmerzen bei jeder Belastung sei der Beschwerdeführerin die bisherige
Tätigkeit aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar und es bestehe eine
verminderte Leistungsfähigkeit im Ausmass von 100 %. Auch eine
behinderungsangepasste Tätigkeit sei nicht möglich (IV-act. 20). Dr. C._ ergänzt in
seinem ausführlichen Schreiben vom 9. September 2015 an den Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin, dass die erfolgte Operation im Frühjahr 2014 nicht den
gewünschten Erfolg gebracht habe. Die Durchfälle und Schmerzen seien weiterhin
vorhanden und es sei nicht anzunehmen, dass sich die Situation verbessern lasse. Die
Verwachsungen, welche wohl massgeblich für die Schmerzen verantwortlich seien,
würden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder auftreten. Die
Beschwerdeführerin sei aktuell, aber wohl auch in Zukunft nicht in der Lage, einen
Beruf auszuüben (act. G 8.2). Diese Einschätzung widerspricht jener des RAD
diametral. Obwohl die behandelnden Ärztinnen und Ärzte von somatischen Befunden
und von einem unverändert schlechten Gesundheitsverlauf ausgehen, ging der RAD in
einer knappen Aktenbeurteilung neu von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit aus. Er
begründet seine Einschätzung lediglich mit dem Verlaufsbericht vom 23. Dezember
2014 von Dr. C._. Doch wie bereits dargelegt, ist der entsprechende Verlaufsbericht
bei näherem Betrachten nicht dahingehend zu verstehen, dass (neu) keine Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestanden, sondern dass keine Änderung der
Diagnose vorlag. Der RAD weicht damit ohne fundierte Erklärung und ohne
differenzierte Auseinandersetzung mit den im Recht liegenden Akten von sämtlichen
Einschätzungen der behandelnden Ärztinnen und Ärzte ab. Betreffend die somatischen
Beschwerden kann somit nicht auf die Beurteilung des RAD abgestützt werden.
Allerdings vermögen auch die Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte kein
umfassendes Gesamtbild der somatischen Beschwerden und deren Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit abzugeben.
2.3 Dr. G._ hielt in ihrem Bericht vom 1. Dezember 2014 fest, dass sich eine
somatoforme autonome Funktionsstörung des Verdauungssystems (ICD-10 F45.32) auf
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirke. Es zeige sich eine leichte
Besserung seit der Einstellung auf Remeron und Cipralex, weshalb längerfristig von
einer guten Prognose ausgegangen werde. Aus psychiatrischer Sicht sei ihr die
bisherige Tätigkeit weiterhin zumutbar, wobei ab Januar 2015 ein Pensum von 50 % -
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70 % vorstellbar sei. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei im Umfang von ca. 4 -
5 Stunden pro Tag möglich. Gleichzeitig hielt sie fest, dass in einer adaptierten
Tätigkeit ebenfalls von einer Arbeitsfähigkeit in der Höhe von 50 % - 70 %
ausgegangen werden könne. Da der Schwerpunkt der Erkrankung im somatischen
Bereich liege, seien aus psychiatrischer Sicht keine Spezifikationen der Tätigkeit
notwendig. Damit ist anzunehmen, dass Dr. G._ aus psychiatrischer Sicht in
sämtlichen Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 50 % - 70 % für zumutbar hielt. Die
Höhe der Leistungsfähigkeit bei der Arbeit könne sie nicht beurteilen (IV-act. 74).
Weder im Arztbericht von Dr. G._ noch in der Aktenbeurteilung des RAD wird
erläutert, weswegen von der jeweiligen Arbeitsfähigkeit ausgegangen wird. Ausserdem
hängt die psychiatrische Diagnose entscheidend von der somatischen Einschätzung
ab. So stellt Dr. G._ im ausführlichen Arztbericht vom 19. Januar 2016 neu die
Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode ohne somatische Syndrome
(ICD-10 F32.10). Zu dieser Diagnoseänderung sei es gekommen, da nun von den
Spezialärzten festgehalten worden sei, dass wohl die Verwachsungen im Bauchbereich
massgeblich für die Schmerzen verantwortlich seien. Aus psychiatrischer Sicht und
aufgrund der chronischen somatischen Beschwerden gehe sie davon aus, dass die
Beschwerdeführerin keine Tätigkeiten mehr ausführen könne (act. G 10.1). Damit sind
auch aus psychiatrischer Sicht weitere Abklärungen zu treffen, insbesondere zur
abschliessenden Diagnose und der daraus resultierenden Funktionsstörungen samt
ihren Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
2.4 Die im Recht liegenden Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte stellen
nach dem Gesagten eine insgesamt nicht genügende medizinische Grundlage der
angefochtenen Verfügung dar. Damit fehlt es an einer grundlegenden Abklärung der
geklagten Beschwerden und einer ausreichend begründeten Einschätzung der Arbeits-
und Leistungsfähigkeit in der angestammten und einer adaptierten Tätigkeit. Dies
rechtfertigt eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung des
medizinischen Sachverhalts, insbesondere zur Vornahme einer polydisziplinären
Begutachtung. Angezeigt erscheint eine Begutachtung namentlich in den Gebieten der
inneren Medizin, Gastroenterologie, Gynäkologie und Psychiatrie. Dabei wird auch der
zeitliche Verlauf der Beschwerden bzw. der Arbeitsfähigkeit zu prüfen sein.
3.
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3.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 10. September
2015 dahingehend gutzuheissen, dass die Angelegenheit zur Vornahme weiterer
Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zur neuen Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6, mit Hinweisen). Die unterliegende Beschwerdegegnerin
hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
3.3 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 HnoO (sSG 963.75) pauschal Fr. 1‘000.-- bis Fr. 12‘000.--. Im vorliegenden Fall
erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3‘500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.