Decision ID: 4160d429-9eda-5874-9f94-7378a77e8084
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer wurde seit 2013 mehrmals bei der Gemeinde vorstellig, wobei
er unter anderem geltend machte, die Verkehrssicherheit im F._weg bei der
Einfahrt in den G._weg sei nicht gewährleistet. Mit Wiederherstellungsverfügung
vom 13. März 2014 forderte die Gemeinde Spiez die Beschwerdegegner dazu auf, bis zum
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30. April 2014 sämtliche das Lichtraumprofil bzw. die Sichtberme tangierenden Pflanzen
auf eine Höhe von max. 60 cm zurückzuschneiden oder vollständig zu entfernen. Auf
Beschwerde des Beschwerdeführers hin hob die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE) die Wiederherstellungsverfügung mit Entscheid vom 29. Juli 2014
wegen Verfahrensfehlern auf und wies die zuständige Baupolizeibehörde an, das
Verfahren im Sinn der Erwägungen neu aufzunehmen.
2. Mit Wiederherstellungsverfügung vom 16. Februar 2015 forderte die Gemeinde Spiez
die Beschwerdegegner dazu auf, bis zum 30. April 2015 sämtliche das Lichtraumprofil bzw.
die Sichtberme tangierenden Pflanzen auf eine Höhe von max. 60 cm zurückzuschneiden
oder vollständig zu entfernen. Gleichzeitig wies sie auf die Straffolgen bei Nichtbefolgung
hin und drohte die Ersatzvornahme an.
3. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 13. März 2015
Beschwerde bei der BVE ein. Er beantragt, die in Beilage 1 zur angefochtenen
Wiederherstellungsverfügung dargestellte und ab der verfügten Höhe freizuhaltende
Sichtberme "Ausfahrt" sei räumlich angemessen zu vergrössern. Ferner sei den
Beschwerdegegnern jegliche Nutzung des Längsparkplatzes auf ihrer Parzelle entlang
dem G._weg zu verbieten, soweit sie im Bereich der Sichtberme eine Höhe von 60
cm ab Boden übersteige; insbesondere sei im Bereich der Sichtberme das Parkieren von
Fahrzeugen zu untersagen. Eventualiter seien andere, die Verkehrssicherheit
gewährleistende Massnahmen zu verfügen und subeventualiter sei die angefochtene
Wiederherstellungsverfügung aufzuheben und der Fall mit verbindlichen Anweisungen zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Beschwerdegegner beantragen
die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Die Gemeinde stellt keinen
Antrag zum Verfahrensausgang, sie beantragt jedoch die Durchführung eines
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Augenscheins und die Einräumung der Gelegenheit für Vergleichsverhandlungen unter den
Parteien.
Das Rechtsamt holte beim Tiefbauamt des Kantons Bern, Oberingenieurkreis I (OIK I)
einen Fachbericht ein und gab den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme
und zur Einreichung von Schlussbemerkungen. Sodann gab es dem OIK I Gelegenheit, zur
Kritik an seinem Fachbericht Stellung zu nehmen und stellte diese Stellungnahme den
Verfahrensbeteiligten zu.
5. Auf die Rechtsschriften und den Fachbericht sowie die Stellungnahme des OIK I
wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die BVE ist für die Behandlung der fristgerecht eingereichten Beschwerde zuständig.
b) Der Beschwerdeführer ist mit seiner baupolizeilichen Anzeige nicht vollständig
durchgedrungen. Er ist durch die angefochtene Wiederherstellungsverfügung beschwert
und als Nachbar zur Beschwerdeerhebung berechtigt. Auf die formgerecht eingereichte
Beschwerde wird eingetreten.
2. Streitgegenstand
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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a) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht
sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des Verfahrens nicht erweitern,
sondern nur einschränken.3
b) Wie der Titel der angefochtenen Wiederherstellungsverfügung festhält, bezieht sich
diese ausschliesslich auf "Parzelle H._, G._weg 29a, Gwatt (Spiez)". Der
Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde unter anderem auch vor, zur Gewährung
der Verkehrssicherheit seien verschiedene Massnahmen auf Parzelle Spiez
Grundbuchblatt Nr. I._ nötig. Diese Vorbringen beziehen sich nicht auf die
angefochtene Verfügung und liegen somit ausserhalb des Streitgegenstandes. Auf diese
Rügen wird nicht eingetreten.
3. Rechtliches Gehör
a) Der Beschwerdeführer rügt, die Baupolizeibehörde habe am 17. November 2014 die
Sichtbermen vom F._weg auf den G._weg überprüft, ohne ihm das
Teilnahmerecht zu gewähren.
b) Wie aus der angefochtenen Wiederherstellungsverfügung hervorgeht, hat die
Baupolizeibehörde am 17. November 2014 die Situation direkt vor Ort überprüft. Diese
Begehung erfolgte zur Feststellung des Sachverhalts, wobei es insbesondere darum ging
zu prüfen, ob die Sträucher auf der Parzelle der Beschwerdeführenden geschnitten oder
entfernt worden sind und wie sich die Situation in Bezug auf den Längsparkplatz
präsentiert. Die Gemeinde hat die Beschwerdegegner mittels eingeschriebenem Schreiben
vom 21. November 2014 über die Begehung vom 17. November 2014 und die getroffenen
Feststellungen informiert und ihnen das rechtliche Gehör gewährt. Der Beschwerdeführer
erhielt eine Kopie des Schreibens vom 21. November 2014, womit er ebenfalls sowohl über
die Begehung als auch über die getroffenen Feststellungen informiert war. Die Gemeinde
hat damit das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers nicht verletzt. Es ist auch nicht
ersichtlich und wird von keiner Seite geltend gemacht, dass die Beschwerdegegner
3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8
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vorgängig über die Begehung informiert worden wären oder dass sie daran hätten
teilnehmen können. Der Beschwerdeführer wurde gegenüber den Beschwerdegegnern
damit auch nicht benachteiligt.
4. Sichtberme und Strauch
a) Die Parzelle der Beschwerdegegner befindet sich unmittelbar am Knoten
G._weg F._weg. Die Gemeinde hat für einen Fahrzeugführer, der vom
F._weg in den G._weg einbiegen will, bei einer Beobachtungsdistanz von
3 m die erforderliche Knotensichtweite auf 25 m festgelegt. Daraus ergeben sich die über
die Parzelle der Beschwerdegegner verlaufende Sichtlinie und das Sichtfeld (bzw. die
Sichtberme), das gemäss dem Plan in Beilage 1 der angefochtenen
Wiederherstellungsverfügung freizuhalten ist.
Der OIK I, den das Rechtsamt im Beschwerdeverfahren beigezogen hat, beurteilt in
seinem Fachbericht die von der Gemeinde festgestellte Knotensichtweite von 25 m
gemäss den Normen des Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute
(VSS) als korrekt. Die VSS-Norm 640 273a lege die Abmessungen fest, die in Knoten
vorhanden sein müssten, damit ein vortrittsbelastetes Fahrzeug den vortrittsberechtigten
Verkehr kreuzen oder in diesen einbiegen könne. Anhand der Parameter
Beobachtungsdistanz und Knotensichtweite werde ein Sichtfeld definiert, das von allen
Hindernissen freizuhalten sei. Die Sichtbedingungen müssten sowohl in der Ebene als
auch im Raum erfüllt sein. Die Knotensichtweite sei vom Strassentyp und von der
massgebenden Zufahrtsgeschwindigkeit der vortrittsberechtigten Fahrzeuge abhängig. In
der Norm seien entsprechende Wertebereiche definiert. Die Beobachtungsdistanz betrage
innerorts 3 m. Bei einer Zufahrtsgeschwindigkeit von 30 km/h, von der auf dem
G._weg auszugehen sei, ergebe sich eine erforderliche Sichtweite zwischen 20
und 35 m. Der untere Wert, der der Anhaltesichtweite entspreche, sei auf
Erschliessungsstrassen wie dem G._weg einzuhalten. Auf dem Plan Beilage 1 zur
angefochtenen Wiederherstellungsverfügung sei eine Beobachtungsdistanz von 3 m und
eine Knotensichtweite von 25 m eingezeichnet. Die erforderliche Knotensichtweite sei
damit von 20 auf 25 m erhöht worden. Das eingezeichnete Sichtfeld im Bereich der
Parzelle der Beschwerdegegner entspreche den anwendbaren Vorschriften.
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b) Der Beschwerdeführer rügt, die Sichtberme gemäss Wiederherstellungsverfügung sei
offensichtlich falsch und berücksichtige die spezielle Situation beim F._weg zu
wenig. Der OIK I gehe bei der Beurteilung der Knotensichtweite fälschlicherweise von einer
geltenden Vortrittsregelung aus. Am Knoten G._weg F._weg gelte aber
Rechtsvortritt. Zudem habe der OIK I den Fachbericht erstellt ohne den Knoten zu
besichtigen, er habe das Verkehrsaufkommen lediglich geschätzt und die Steigung des
F._wegs nicht ausreichend berücksichtigt.
Die Beschwerdegegner bringen vor, der F._weg werde kaum befahren. Pro Tag
führen lediglich etwa zwei Autos vom F._weg in den G._weg. Aufgrund
des geringen Verkehrsaufkommens und des Charakters der betroffenen Strässchen, auf
denen die Fahrzeuglenker ohnehin mit äusserst geringer Geschwindigkeit unterwegs
seien, sei die Verkehrssicherheit gewährleistet.
c) Der OIK I hat den Knoten – wie er in seiner Stellungnahme vom 13. August 2015
klarstellt – am 28. Mai 2015 vor Ort besichtigt. Im Fachbericht führt er aus, beim
G._weg handle es sich um eine ca. 4 m breite Erschliessungsstrasse innerhalb
der Tempo 30-Zone. Er verlaufe weitgehend gerade und sei übersichtlich. Das
Verkehrsaufkommen werde auf ca. 500 Fahrzeuge geschätzt. Die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit werde nach seiner Einschätzung von einer grossen Mehrheit der
Fahrzeuge eingehalten. Der F._weg sei eine mehreren Eigentümern gehörende
Privatstrasse, die mit einem allgemeinen Fahrverbot, ergänzt mit der Zusatztafel
"Zubringerdienst gestattet", signalisiert sei. Der F._weg steige in Richtung
G._weg steil an. Er sei ca. 3 m breit und übersichtlich. Auf Grund der Bebauung
schätze der OIK I das Verkehrsaufkommen als sehr gering ein. Beide Wege seien in einem
guten Zustand und wiesen einen ihrem Zweck entsprechenden Ausbaugrad auf. Am
Knoten G._weg F._weg seien dem OIK I keine Unfälle bekannt.
Weiter führt der OIK I im Fachbericht und in der Stellungnahme vom 13. August 2015 aus,
die Einmündung des F._wegs sei auf dem G._weg kaum wahrnehmbar.
Auf dem G._weg bestehe ein durchgezogener Bundstein als Randabschluss.
Zudem falle bei der Wahrnehmung die Steigung des F._wegs ins Gewicht und es
bestünden erhebliche Differenzen im Ausbaugrad und in der Verkehrsbelastung. Der
Knoten werde bei der Beurteilung der Verkehrssicherheit aufgrund der tatsächlichen
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Begebenheiten als solcher mit signalisierter Vortrittsregelung betrachtet, obwohl rechtlich
gesehen Rechtsvortritt gelte.
d) Der OIK I hat gestützt auf seine Feststellungen vor Ort konkret die Situation am
Knoten G._weg F._weg beurteilt. Das Verkehrsaufkommen hat er auf 500
Fahrzeuge pro Tag geschätzt. Der Beschwerdeführer kritisiert pauschal, diese Zahl könne
nicht verifiziert werden. Er erklärt jedoch nicht, inwiefern die Annahme der Fachbehörde
nicht zutreffend sein sollte. Dies ist auch nicht ersichtlich. Der G._weg erschliesst
ein Wohngebiet mit Ein- und Mehrfamilienhäusern und es gilt Tempo 30. Die Einschätzung
des OIK I als zuständige Fachbehörde erscheint plausibel. Zusätzliche
Beweismassnahmen wie die vom Beschwerdeführer geforderte Verkehrszählung sind nicht
erforderlich.
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die Knotensichtweite sei offensichtlich falsch
festgestellt worden, da beim Knoten G._weg F._weg Rechtsvortritt gelte,
kann ihm nicht gefolgt werden. Zwar gilt – was auch der OIK I ausführt – beim Knoten
G._weg F._weg mangels einer Vortrittsregelung Rechtsvortritt. Der OIK I
hat aber nachvollziehbar und überzeugend dargelegt, dass die Wahrnehmbarkeit eines
Knotens und der geltenden Vortrittsregelung für die Einschätzung der
Konfliktwahrscheinlichkeit und damit der Verkehrssicherheit ausschlaggebend sind. Es
kommt daher nicht allein darauf an, welche Vortrittsregelung gilt, sondern auch, ob sie
tatsächlich erkannt und eingehalten wird. Die Beurteilung der Verkehrssicherheit hängt mit
anderen Worten entscheidend vom aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse
voraussehbaren Verhalten der Verkehrsteilnehmer ab. Da der geltende Rechtsvortritt nicht
erkannt werden kann und der durchgehende Bundstein sogar dazu führt, dass der Knoten
als solcher mit Vortrittsregelung wahrgenommen wird, ist es zutreffend, für die Bestimmung
der Knotensichtweite auf die tatsächlichen Verhältnisse abzustellen und von einem Knoten
mit Vortrittsregelung auszugehen.
Die erforderliche Knotensichtweite für Knoten mit Vortrittsregelung ergibt sich aus der
Tabelle auf Seite 8 der VSS-Norm 640 273a (Sichtverhältnisse Knoten). Sie beträgt bei
einer Anfahrtsgeschwindigkeit des vortrittsberechtigten Fahrzeuges von 30 km/h 20 bis 35
m. Wie der OIK I in seinem Fachbericht ausführt, ist auf Erschliessungsstrassen wie dem
G._weg der tiefere Wert einzuhalten. In der angefochtenen
Wiederherstellungsverfügung wurde die Knotensichtweite von gemäss VSS-Norm minimal
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erforderlichen 20 auf 25 m erhöht. Sie entspricht damit den Vorgaben der VSS-Norm 640
273a. Eine zusätzliche Erweiterung der Knotensichtweite ist nicht angezeigt, da keine
ungünstigen Verhältnisse vorliegen. Das Gefälle auf dem F._weg hat – wie
sogleich gezeigt wird – auf die Sichtweite keinen entscheidenden Einfluss. Die
Übersichtlichkeit ist nach den Feststellungen der Fachbehörde gut. Zusammenfassend
steht damit fest, dass die der angefochtenen Verfügung zu Grunde gelegte
Knotensichtweite von 25 m nicht zu beanstanden ist.
e) Das Sichtfeld ist trotz der Steigung auf dem F._weg auch räumlich
gewährleistet. Der OIK I hat nach der Kritik des Beschwerdeführers am Fachbericht mit
seiner Stellungnahme die räumliche Betrachtung in einem Schnitt nachgereicht.4 Dabei hat
er zwar nicht die über das Grundstück der Beschwerdegegner führende Sichtlinie
dargestellt, sondern diejenige über das Nachbargrundstück Spiez Grundbuchblatt Nr.
I._. Dies, weil es sich dabei um den "schlechteren" Fall handelt, da diese Sichtlinie
aufgrund des Gebots des Rechtsfahrens länger über das Grundstück führt als dies beim
Grundstück der Beschwerdegegner der Fall ist.5 Die Skizze 2 des OIK I zeigt, dass die
Sichtlinie frei ist, sofern die Sträucher etc. auf höchstens 60 cm gehalten werden. Dies gilt
aus den dargelegten Überlegungen auch für die Parzelle der Beschwerdeführenden. Aus
Skizze 2 ist sodann ersichtlich, dass das Gefälle des F._wegs nicht derart ins
Gewicht fällt, wie der Beschwerdeführer vorbringt. Entgegen der Darstellung des
Beschwerdeführers ist es nicht erforderlich, die Strasse (bzw. den Belag) zu sehen,
sondern es sollen die Verkehrsteilnehmer erkannt werden können. In Skizze 2 ist das
Fahrzeug mit einer Höhe von 1,5 m eingetragen. Wird die Sichtberme – wie in der
angefochtenen Verfügung verlangt – bis auf 60 cm freigehalten, so sind Fahrzeuge trotz
des Gefälles des F._wegs erkennbar. Das Sichtfeld ist damit auch in seiner
räumlichen Ausdehnung gewährleistet.
f) Zusammengefasst steht damit fest, dass die Knotensichtweite auf dem Grundstück
der Beschwerdegegner von der Vorinstanz korrekt festgestellt wurde. Mit der Anordnung,
wonach sämtliche das Lichtraumprofil bzw. die Sichtberme tangierenden Pflanzen auf eine
Höhe von maximal 60 cm zurückzuschneiden oder vollständig zu entfernen sind, ist die
Sichtlinie gewährleistet. Angesichts des Ausbaugrads von G._weg und
F._weg sowie der geringen Verkehrsmenge und Zufahrtsgeschwindigkeit ist die
4 vgl. Skizze 2 zur Stellungnahme vom 13. August 2015 5 vgl. dazu VSS-Norm 640 273a S. 4 Abb. 1
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Konfliktwahrscheinlichkeit als gering einzustufen. Die Verkehrssicherheit ist damit
gewährleistet und eine Vergrösserung der Sichtberme nicht angezeigt. Die Rüge des
Beschwerdeführers erweist sich als unbegründet. Die Gemeinde wird jedoch zu prüfen
haben, ob die Signalisation anzupassen ist.
5. Längsparkplatz
a) Auf der Parzelle der Beschwerdeführenden besteht entlang dem G._weg ein
Längsparkplatz für ein Motorfahrzeug. Der Beschwerdeführer bringt vor, ein darauf
abgestelltes Fahrzeug verunmögliche die Sicht auf den G._weg. Die
Bauverwaltung habe mit Schreiben vom 24. November 2014 bestätigt, dass für den
Parkplatz weder ein Baugesuch noch eine Bewilligung vorliege. Die Verkehrssicherheit
gehe dem Vertrauen auf die langjährige Nutzung des Längsparkplatzes vor.
Die Beschwerdegegner machen geltend, der Längsparkplatz entlang des G._wegs
bestehe seit dem Jahr 2000 unverändert. Ein Benützungsverbot würde eine
ungerechtfertigte Eigentumsbeschränkung bedeuten.
b) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme (Art.
46 Abs. 1 und 2 BauG). Die Wiederherstellungsverfügung muss im öffentlichen Interesse
liegen, verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen.6 Die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes kann nach Ablauf von fünf Jahren,
seitdem die Rechtswidrigkeit erkennbar war, nur verlangt werden, wenn zwingende
öffentliche Interessen es erfordern (Art. 46 Abs. 3 BauG).
c) Das Haus der Beschwerdegegner wurde mit Gesamtentscheid vom 17. April 2000
bewilligt. In den bewilligten Plänen ist der Längsparkplatz nicht eingezeichnet. Mit den
Akten hat die Gemeinde in einem separaten Mäppchen, angeschrieben mit "visierter Plan
Längsparkplatz", einen nicht unterzeichneten Plan mit Datum 28. September 2001
6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 49 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1
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eingereicht. Dieser Plan ist gestempelt mit "Bauverwaltung Spiez, Thunstrasse 6, 3700
Spiez" und dem Eingangsstempel der Bauverwaltung Spiez mit Datum vom 28. September
2001. Neben dem Stempel sind mit Bleistift das Datum 28. September 2001 und ein Visum
eingetragen. Auf diesem Plan ist der Längsparkplatz neben einer weiteren hier nicht
relevanten Änderung rot eingetragen. Zudem ist die Sichtlinie mit Bleistift eingetragen.
Die Beschwerdegegner bringen vor, der Längsparkplatz sei gemäss dem visierten Plan
bewilligt. Einen anderen Nachweis als den visierten Plan reichen sie für die Bewilligung
jedoch nicht ein. Der visierte Plan stellt keine Baubewilligung dar. Da sich in den von der
Gemeinde eingereichten und nach ihren Angaben kompletten Baubewilligungsakten weder
ein Baugesuch noch sonst ein Hinweis auf eine Bewilligung für den Längsparkplatz findet,
muss davon ausgegangen werden, dass für den Längsparkplatz kein Baugesuch und keine
Bewilligung vorliegt. Da Abstellplätze bewilligungspflichtig sind, ist der erstellte
Längsparkplatz formell rechtswidrig.
Der visierte Plan zeigt, dass die Gemeinde spätestens seit dem 28. September 2001
Kenntnis von diesem Längsparkplatz hatte. Da die Sichtlinie im genannten Plan mit Bleistift
eingetragen ist, wusste die Gemeinde zudem, dass dieser das Sichtfeld tangiert. Es steht
damit fest, dass der Gemeinde die Problematik der Verkehrssicherheit bewusst war. Die
Fünfjahresfrist ab Erkennbarkeit der Rechtswidrigkeit ist daher längst abgelaufen. Nach
Art. 46 Abs. 3 BauG kann die Wiederherstellung somit nur noch verlangt werden, wenn
zwingende öffentliche Interessen die Aufhebung des Längsparkplatzes gebieten. Solche
zwingenden öffentlichen Interessen können vorliegend Interessen der Verkehrssicherheit
darstellen.
d) Der fragliche Längsparkplatz tangiert das freizuhaltende Sichtfeld. Ist auf dem
Längsparkplatz ein Fahrzeug abgestellt, so reduziert sich die Knotensichtweite gemäss
Fachbericht des OIK I bei einer Beobachtungsdistanz von 3 m im ungünstigsten Fall auf
ca. 9 m; bei einer Beobachtungsdistanz von 1,50 m auf ca. 13 m. Die gemäss den VSS-
Normen verlangte Knotensichtweite von vorliegend mindestens 20 m ist damit nicht
eingehalten, wenn auf dem Längsparkplatz ein Fahrzeug abgestellt ist (vgl. Erwägung 4d).
Dies bedeutet jedoch noch nicht, dass die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet ist und
der Längsparkplatz aufgehoben werden müsste. Wie der OIK I in seinem Fachbericht
ausführt, ist die Einhaltung der Sichtweiten ein wichtiges, aber nicht das einzige Element
für die Beurteilung der Verkehrssicherheit. Zu berücksichtigen sind auch der Zustand und
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Ausbaugrad der Strasse im Verhältnis zur Verkehrsmenge und zur
Zufahrtsgeschwindigkeit sowie das Unfallrisiko. Aufgrund der äusserst geringen
Verkehrsmenge auf dem vortrittsbelasteten F._weg schätzt der OIK I die
Konfliktwahrscheinlichkeit als klein ein. Zudem gelte nach dem Strassenverkehrsgesetz
(SVG) das Prinzip, dass das Verkehrsverhalten immer den lokalen Verhältnissen
anzupassen sei. Der OIK I kommt zum Schluss, dass aufgrund des schwachen
Verkehrsaufkommens auf dem vortrittsbelasteten F._weg die
Konfliktwahrscheinlichkeit als gering einzustufen sei. Der Knoten könne mit den
Verhältnissen angepasster Geschwindigkeit ohne Gefahr befahren werden.
e) Auch diese Ausführungen des OIK I überzeugen. Vorliegend fällt insbesondere ins
Gewicht, dass der F._weg in Richtung G._weg äusserst selten befahren
wird. Die Beschwerdegegner machen geltend, es würden etwa zwei Fahrzeuge pro Tag
vom F._weg in den G._weg einbiegen. Diese Angabe erscheint plausibel
und ist nicht bestritten. Es handelt sich beim F._weg um eine Privatstrasse und die
Benützung erfolgt – abgesehen vom Zubringerdienst – ausschliesslich durch die wenigen
Dienstbarkeitsberechtigten am F._weg. Das Konfliktpotential ist bereits aus
diesem Grund als gering einzuschätzen und zudem weist auch der G._weg nicht
ein grosses Verkehrsaufkommen auf. Die Fahrgeschwindigkeit auf dem kurzen
ansteigenden F._weg ist tief und auf dem G._weg gilt Tempo 30. Bei
dieser Ausgangslage ist es auch bei Belegung des Längsparkplatzes möglich, gefahrlos
vom F._weg in den G._weg einzubiegen.
f) Zusammengefasst steht damit fest, dass die gemäss VSS-Norm 640 273a
vorgesehene Sichtweite zwar nicht eingehalten ist, wenn auf dem Längsparkplatz ein
Fahrzeug abgestellt ist, dass aufgrund der gesamten Umstände die Verkehrssicherheit
aber dennoch gewährleistet ist. Bei dieser Sachlage fehlt es an zwingenden öffentlichen
Interessen für die Aufhebung des Längsparkplatzes. Da die Fünfjahresfrist gemäss Art. 46
Abs. 3 BauG abgelaufen ist, hat die Gemeinde zu Recht darauf verzichtet, für den
Längsparkplatz ein Benützungsverbot zu erlassen. Die Beschwerde erweist sich auch in
diesem Punkt als unbegründet und ist abzuweisen.
6. Kosten
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Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV7).
Der Beschwerdeführer hat zudem den Beschwerdegegnern die Parteikosten zu ersetzen
(Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die (aktualisierte) Kostennote des Anwaltes der
Beschwerdegegner vom 10. August 2015 beträgt Fr. 8'383.50 (Honorar Fr. 7'500.00;
Auslagen/Spesen Fr. 262.50; Mehrwertsteuer Fr. 621.00). Die Parteikosten umfassen den
durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
Nach Art. 11 Abs. 1 PKV8 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG9).
Im vorliegenden Fall wurden nach dem Schriftenwechsel ein Fachbericht und eine
zusätzliche Stellungnahme des OIK I eingeholt und die Verfahrensbeteiligten erhielten
Gelegenheit zur Stellungnahme. Der gebotene Zeitaufwand wie auch die Schwierigkeit des
Prozesses sind als durchschnittlich zu werten, während die Bedeutung der Streitsache als
unterdurchschnittlich einzustufen ist. Daher erscheint ein Honorar von Fr. 6'000.00 als
angemessen. Der Beschwerdeführer hat den Beschwerdegegnern damit inkl.
Auslagen/Spesen und Mehrwertsteuer Parteikosten im Betrag von Fr. 6'763.50 zu
ersetzen.