Decision ID: 2dc8b97a-0d0d-5bd7-8957-00a6352f9945
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter), arbeitete von 1977 bis Juli 2013 in
verschiedenen Festanstellungen als Z._ bzw. Vorarbeiter und danach gegen Kost
und Logis bei einem Freund in einem Restaurant. Den im Jahr 2015 gestarteten
Versuch, erneut als Z._ tätig zu sein, musste er nach kurzer Zeit gesundheitsbedingt
abbrechen (IV-act. 19, 22-1, 32-2/7, 37-1).
A.a.
Am 20. Juni 2016 meldete sich der Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen
(berufliche Integration/Rente) an. Als gesundheitliche Beeinträchtigung nannte er die
seit dem Jahr 2006 bestehenden Rückenprobleme (lumbale Arthrose,
Bandscheibenvorfälle) wegen Abnützung. Seit dem 25. Mai 2016 bestehe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 1; vgl. Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 25. Mai
2016 von Dr. med. B._, Allgemeinmedizin FMH, IV-act. 3). Die Abklärungen der IV-
Stelle ergaben, dass der Versicherte im Jahr 2002 wegen einer medio-links-lateralen
Diskushernie L4/5 hatte operiert werden müssen (IV-act. 10-3ff.). Am 10. Februar 2014
war wegen eines mittelvolumigen symmetrischen lateralen Diskushernienrezidivs L4/5
links mit Irritation der Nervenwurzel L5 links prärecessal eine CT-Infiltrationsanästhesie
der Nervenwurzel L5 links erfolgt (IV-act.10-6).
A.b.
Im Arztbericht vom 12. Juli 2016 diagnostizierte Dr. B._ ein chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei Status nach einer Diskushernienoperation L4/5
medio-links-lateral im Jahr 2002. Seit dem 25. Mai 2016 bestehe eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Z._. Leichte Arbeiten seien
aktuell zu 50 % sicher möglich (IV-act. 10-1f.). RAD-Arzt Dr. H._ ging in der
A.c.
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Stellungnahme vom 25. Juli 2016 hinsichtlich einer körperlich leichten
wechselbelastenden Tätigkeit ohne längere einseitige Körperhaltung, z.B.
vornübergeneigt, ohne Tätigkeiten, die eine freie Beweglichkeit der Wirbelsäule
erforderten, wie z.B. Dreh- und Streckbewegungen, sowie ohne häufiges Bücken,
Knien oder Kauern und ohne häufiges Besteigen von Treppen oder Leitern von einer
mindestens 80%igen Arbeitsfähigkeit aus (IV-act. 12). Die kernspintomographische
Untersuchung vom 22. Juli 2016 in der Radiologie Nordost, Diagnosezentrum Rheintal,
ergab im Vergleich zur Voruntersuchung vom 5. Februar 2014 (vgl. IV-act. 10-5) eine
grössenregrediente linkslaterale Diskushernie L4/5 mit fortbestehender Dekonfiguration
und mässiger Kompression der recessal eintretenden Nervenwurzel L5 links, eine im
Verlauf neu aufgetretene rechtslaterale Diskushernie L3/4 mit Dekonfiguration und
möglicher Kompression des prärecessalen Anteils der Nervenwurzel L4 rechts ohne
weiteren aktuellen Krankheitswert bei linksseitig angegebenen Beschwerden sowie ein
stationäres Ausmass der pansegmentären degenerativen LWS-Veränderungen
insbesondere akzentuiert auf Niveau L4/5 und L5/S1 (IV-act. 28). Die daraufhin
durchgeführten ambulanten Untersuchungen in der Klinik für Neurochirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 5. und 26. August 2016 ergaben eine
belastungs- und bewegungsabhängige Lumbago mit pseudoradikulärer
Schmerzausstrahlung beidseits (IV-act. 26-2f., 27, vgl. auch IV-act. 34).
Ab dem 24. November 2016 wurde der Versicherte zudem von Dr. med. C._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, behandelt (IV-act. 45).
A.d.
Am 17. Februar 2017 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
Frühinterventionsmassnahmen zu. Übernommen wurden die Kosten für ein
Belastbarkeitstraining vom 6. Februar bis 31. Juli 2017 (IV-act. 41). Gleichentags wurde
dem Versicherten auch Arbeitsvermittlung zugesprochen (IV-act. 42).
A.e.
Im Arztbericht vom 20. Februar 2017 diagnostizierte Dr. C._ eine depressive
Erkrankung, rezidivierend (ICD-10: F33.11), eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie eine Neurasthenie (ICD-10: F48.0). Er erachtete
die bisherige Tätigkeit als nicht mehr zumutbar (zurzeit 100%ige Arbeitsunfähigkeit; IV-
act. 45). Im Arztbericht vom 27. Februar 2017 diagnostiziert Dr. B._ ein chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom sowie eine depressive Entwicklung (IV-act. 46-1ff.).
A.f.
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Im Bericht über das Einsatzprogramm vom 19. Juli 2017 (betrifft das von der IV-
Stelle zugesprochene Belastungstraining bei der X._ [IV-act. 41]), durchgeführt im
Y._) wurde dem Versicherten für Tätigkeiten in einem angepassten Arbeitsumfeld, in
dem kein Termindruck und keine schnellen Arbeitsabläufe bestehen sowie keine
schweren Lasten zu tragen sind, ein Leistungsgrad von 20 % bei einer Beschäftigung
von ca. 50 % bescheinigt (IV-act. 49). Die MRT-Untersuchung der LWS in der
Radiologie Nordost vom 9. August 2017 ergab einen unveränderten Zustand zur
Voruntersuchung vom 22. Juli 2016 (IV-act. 54-4). Am 12. September 2017 berichtete
Dr. C._ über einen stationären Gesundheitszustand bei gleichbleibender Diagnose
(IV-act. 53-2ff.). Im Verlaufsbericht vom 25. September 2017 erachtete er Tätigkeiten
ohne körperlichen Einsatz und unter Beachtung von Flexibilität im Umfang von vier
Stunden pro Tag vielleicht als zumutbar (IV-act. 56). Im Verlaufsbericht vom
26. September 2017 berichtete Dr. B._ über anhaltende teils massive
Rückenschmerzen lumbal, häufig ausstrahlend ins rechte Bein. Er erachtete dem
Versicherten ähnliche Arbeiten wie in der Eingliederungsmassnahme im Umfang von
vier Stunden pro Tag als zumutbar (IV-act. 54).
A.g.
Die IV-Stelle veranlasste daraufhin eine polydisziplinäre medizinische
Begutachtung mit den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Orthopädie
(inkl. Untersuchung der arbeitsbezogenen körperlichen Leistungsfähigkeit [EFL]) und
Psychiatrie. Damit beauftragt wurde das MGSG Medizinische Gutachtenzentrum
Region St. Gallen GmbH, Rorschach (IV-act. 61). Die Untersuchungen fanden am 6.
Dezember 2017 (Innere Medizin, Psychiatrie, Orthopädie), am 16. Januar (bildgebende
Untersuchungen), am 23. und 24. Januar (EFL) sowie am 25. Januar und 5. Februar
2018 (Neurologie inkl. Laboruntersuchungen sowie weitere bildgebende
Untersuchungen) statt. Das polydisziplinäre Gutachten stammt vom 9. März 2018 (IV-
act. 73).
A.h.
Im orthopädischen Teilgutachten (IV-act. 73-3ff.; inklusive EFL, IV-act. 73-75ff.)
erhob Dr. med. D._, Spezialarzt Orthopädie FMH, als Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit eine Lumboischialgie links bei Osteochondrose L4/5 mit
Diskushernie und Tangierung der Nervenwurzel L5 links sowie eine Osteochondrose
L5/S1 und Diskushernie L3/4 mit Kontakt zur Nervenwurzel L4 rechts und Zustand
nach interlaminärer Fenestration, Sequesterentfernung und
A.i.
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Zwischenwirbelausräumung 7/2002 (IV-act. 73-7). Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus,
dass dem Versicherten die Tätigkeit als Z._ aus funktioneller Sicht nicht
vollumfänglich zumutbar sei. Das Heben von Lasten vom Boden sei nicht über 10 kg
zumutbar (IV-act. 73-10). Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Z._
betrage bei voller Stundenpräsenz seit Februar 2014 20 % (IV-act. 73-19). Eine
mittelschwere Arbeit – von Vorteil sei eine wechselbelastende, mehrheitlich stehende
und gehende Tätigkeit – sei dem Versicherten ganztags zumutbar, eventuell mit
zusätzlichen Pausen bei nachvollziehbarer Zunahme der Schmerzen. Die maximal
zumutbaren Gewichte unter optimalen Voraussetzungen seien beim Heben vom Boden
10 kg, Heben bis Kopfhöhe 12.5 kg, Heben horizontal und Tragen vorne 20 kg,
einhändiges Tragen rechts 12.5 kg und links 15 kg. Häufiges Bücken sei nicht und
vorgeneigtes Sitzen nur selten zumutbar. Schwer Ziehen und Stossen seien selten
zumutbar. Arbeiten über Kopfhöhe, vorgeneigtes Stehen, an Ort Stehen oder Sitzen
seien manchmal zumutbar. Mässige konditionelle Einschränkungen bestünden beim
Treppensteigen und bei wiederholten Kniebeugen. Feinkoordinierte Handarbeit sei
mässig verlangsamt (IV-act: 73-10f.). Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten
Räumen könnten dem Versicherten (in Beachtung der zuvor genannten
Einschränkungen) bei voller Stundenpräsenz seit Februar 2014 zu 100 % zugemutet
werden (IV-act. 73-19).
Im psychiatrischen Teilgutachten (IV-act. 73-20ff.) diagnostizierte Dr. med. E._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10:
F33.1; IV-act. 73-32), bestehend seit etwa November 2016 (IV-act. 73-34). Zu den
Befunden wurde ausgeführt, dass beim Versicherten eine bedrückte Stimmung mit
verminderter Lust, verminderter Freude und fehlender Unternehmenslust bestehe.
Hinzu kämen leichte Affektstörungen mit teils vermindertem affektivem Mitschwingen,
teils Mitschwingen mit Stimmungsaufhellung bei Ablenkung sowie eine Neigung zu
psychomotorischer Unruhe. Der Antrieb erscheine vermindert. Kognitive Störungen
liessen sich nicht erheben. Der Gedankenduktus sei kohärent, das Denken flüssig,
geordnet und es fänden sich keine Hinweise für inhaltliche Denkstörungen. Jedoch
wirke der Versicherte im Denken negativistisch auf seine körperlichen Beschwerden
und seine soziale Situation, vor allem mit finanziellen Problemen und Abhängigkeit vom
A.j.
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Sozialamt, eingeengt, mit fehlenden Zukunftsperspektiven und es würden
Zukunftsängste und Existenzängste geäussert. Auch liessen sich gelegentliche
Suizidgedanken erheben, ohne Hinweise für eine suizidale Einengung. Die Motivation
und Interessen erschienen vermindert. Es würden Schlafstörungen mit
Einschlafstörungen angegeben und es fänden sich Hinweise für vermehrte Müdigkeit
und Erschöpfung tagsüber. Es liessen sich keine Biorhythmusstörungen erheben. Das
Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen erschienen vermindert und es würden
Insuffizienzgefühle angegeben. Für eine Persönlichkeitsstörung fänden sich keine
Hinweise. Die Selbst- und Fremdwahrnehmung, Realitätsprüfung und Urteilsbildung,
Affektsteuerung, Impulskontrolle, Intentionalität und der Antrieb erschienen vor allem
durch die depressive Störung beeinträchtigt. Trotz der körperlichen Beschwerden
liessen sich keine Hinweise für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung finden,
bei der die Schmerzen durch eine organische Störung nicht vollständig erklärt werden
könnten und in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Problemen
stünden. Die körperlichen Beschwerden dürften überwiegend organisch erklärbar sein.
Jedoch könne eine psychogene Überlagerung der körperlichen Beschwerden im
Zusammenhang mit der depressiven Störung nicht ausgeschlossen werden. Dabei
habe der Versicherte zum Untersuchungszeitpunkt keine Verdeutlichung der
körperlichen Beschwerden und kein demonstratives Hinweisen auf die Beschwerden
gezeigt. Es fänden sich keine Hinweise für eine Aggravation oder einen sekundären
Krankheitsgewinn (IV-act. 73-34f.). Aus rein psychiatrischer Sicht könne in der
angestammten Tätigkeit als Z._ eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bei vollem
Stundenpensum seit etwa November 2016 angenommen werden. Aufgrund der
rezidivierenden depressiven Störung seien die emotionale Belastbarkeit, die geistige
Flexibilität, der Antrieb, die Interessen, Motivation und Dauerbelastbarkeit
beeinträchtigt (IV-act. 73-38). In einer leidensadaptierten Tätigkeit könne eine 70%ige
Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum seit etwa November 2016 angenommen
werden. Bei den adaptierten Tätigkeiten sollte es sich um solche ohne erhöhte
emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck (Stressbelastung), ohne erforderliche
geistige Flexibilität, ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche
Dauerbelastung handeln (IV-act. 73-39).
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Im neurologischen Teilgutachten (IV-act. 73-41ff.) stellte Dr. med. F._,
Spezialärztin Neurologie FMH, folgende Diagnosen, welchen sie Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit beimass: Ein sensomotorisches, sensibel betontes radikuläres
Schmerzsyndrom L4, L5 rechts, Erstmanifestation zirka 2011, signifikant progredient
seit Mitte/ Ende 2013, ein polyneuropathisches Syndrom: Large and Small Fiber-
Polyneuropathie, Erstmanifestation wahrscheinlich 2006, im Verlauf stetig progredient
sowie assoziiert mit Symptomen eines Restless legs-Syndroms (IV-act. 73-55f.). Dem
Versicherten seien keine statischen und insbesondere keine dynamischen,
wirbelsäulenbelastenden Bewegungen (entsprechende Tätigkeitsbereiche) zumutbar.
Zu beachten seien angesichts der Beeinträchtigungen der Stand- und
Gleichgewichtsfähigkeit (polyneuropathische sensible Ataxie) das Laufen, Stehen auf
unebenem Gelände und/oder in der Dämmerung/Dunkelheit (IV-act. 73-58).
Hinsichtlich der angestammten Tätigkeit als Z._ bestehe bei voller Stundenpräsenz
eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit spätestens seit Februar 2014. In einer
leidensangepassten Tätigkeit, die wirbelsäulenbelastende Aufgaben, statisch wie
dynamisch, gänzlich ausschliesse, wechselnd sitzend und stehend ausgeübt werde,
wie zum Beispiel Observations-/Kontrollarbeiten durch Monitorüberwachungen, die
kurze Rundgänge in Gebäuden einschliesse, vorzugsweise ohne Begehen von
Treppen/Leitern, betrage die Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum 100 % seit
Februar 2014. Dabei seien stunden-/tageweise Arbeitsausfälle wegen kurzfristig
auftretender Akutschmerzen zu berücksichtigen. Neurologisch sei die Prognose eher
ungünstig (IV-act. 73-59).
A.k.
Die internistische Beurteilung wurde durch Dr. med. G._, Spezialarzt für Innere
Medizin, vorgenommen (IV-act. 73-60ff.). Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit erhob er keine (IV-act. 73-62). Aus internistischer Sicht sei die
Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (IV-act. 73-64).
A.l.
In interdisziplinärer Hinsicht gingen die Gutachter in der angestammten Tätigkeit
als Z._ von einer Arbeitsfähigkeit bei voller Stundenpräsenz von 20 % und in einer
Verweistätigkeit (körperliche leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen,
abwechslungsweise sitzend und stehend, ohne häufige inklinierte, reklinierte und
rotierende Körperhaltungen, ohne regelmässiges Heben von Lasten vom Boden über
10 kg, Heben und Tragen von über 20 kg, einhändigem Tragen rechts über 12.5 kg und
A.m.
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links über 15 kg) bei voller Stundenpräsenz von 100 % seit Februar 2014 aus. Ab
November 2016 gingen die Gutachter aufgrund der psychiatrischen Diagnose für
Tätigkeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne
erforderliche geistige Flexibilität, ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne
überdurchschnittliche Dauerbelastung bei voller Stundenpräsenz von einer 70%igen
Arbeitsfähigkeit aus (IV-act. 73-71). Die Prognose sei aus orthopädischer Sicht
schlecht, aus psychiatrischer Sicht nur begrenzt günstig und neurologischerseits eher
ungünstig (IV-act. 73-72).
In der Stellungnahme vom 14. März 2018 erklärte RAD-Arzt Dr. med. H._, dass
das Gutachten umfassend und schlüssig sei. Die im Konsens abgeleiteten
medizinischen Schlussfolgerungen seien versicherungsmedizinisch nachvollziehbar.
Die wesentlichen Einschränkungen fänden in der Beurteilung Berücksichtigung. Die
Indikatoren gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung seien eingehend erörtert
worden. Aus versicherungsrechtlicher Sicht könne daher auf das Gutachten abgestellt
werden. Hinweise auf suboptimales Leistungsverhalten bzw. auf relevante
Inkonsistenzen gebe es keine. Ergänzend führte Dr. H._ aus, dass unter Fortsetzung
der therapeutischen Massnahmen innerhalb eines Jahres eine Besserung der
depressiven Störung mit Leistungssteigerung und gesamthaft etwa 80%iger
Arbeitsfähigkeit adaptiert im günstigen Fall medizinisch-theoretisch zu erwarten sei (IV-
act. 74).
A.n.
Am 27. März 2018 berichtete der Versicherte der für ihn zuständigen
Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle über einen weiteren gescheiterten
Arbeitsversuch als Z._ und erklärte, in einer adaptierten Tätigkeit sei er maximal
50 % arbeitsfähig (IV-act. 79). Mit Schreiben vom 3. April 2018 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen ab, da gemäss der Mitteilung der
Eingliederungsverantwortlichen der Versicherte sich nicht in der Lage fühle, an
Eingliederungsbemühungen mitzuwirken (IV-act. 82).
A.o.
Mit Vorbescheid vom 25. April 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens auf eine Invalidenrente in Aussicht. Zur
Begründung wurde angeführt, dass er gemäss der Lohnstrukturerhebung 2014 des
Bundesamtes für Statistik ohne gesundheitliche Einschränkungen ein Einkommen von
A.p.
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B.
Fr. 66'453.- (Valideneinkommen) und in einer leidensadaptierten Tätigkeit bei einer
70%ige Arbeitsfähigkeit ein solches von Fr. 46'517.- (Invalideneinkommen) erzielen
könne. Die Erwerbseinbusse betrage Fr. 19'936.- und der Invaliditätsgrad 30 %.
Folglich liege kein rentenbegründender Invaliditätsgrad vor (IV-act. 85).
Da der Versicherte keinen Einwand erhob, wies die IV-Stelle mit Verfügung vom
7. Juni 2018 und gleicher Begründung wie im Vorbescheid den Anspruch auf eine
Invalidenrente ab (IV-act. 86).
A.q.
Dagegen gelangte der Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur.
oec. David Zünd, St. Gallen, am 9. Juli 2018 mit Beschwerde ans Versicherungsgericht
(act. G 1). Beantragt wurde: 1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 7. Juni
2018 sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer seien die gesetzlichen Leistungen
auszurichten. 2. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zu gewähren. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wurde
insbesondere ausgeführt, dass der Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit nur
noch in Teilzeit und nur unter Berücksichtigung von zusätzlichen Einschränkungen
ausführen könne. Den im neurologischen Gutachten erwähnten nicht voraussehbaren
stunden-/tageweisen Arbeitsausfällen wegen der Akutschmerzexazerbationen und
Blockierungen im Bereich Lendenwirbelsäule müsse ebenfalls Rechnung getragen
werden. Insgesamt sei ein Tabellenlohnabzug von 25 % zu gewähren. Dies ergebe
einen Invaliditätsgrad von 47.5 % und einen Anspruch auf eine Viertelsrente. Zudem
sei, sofern nicht sowieso eine ganze Invalidenrente aufgrund der fehlenden
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit zuzusprechen sei, ab November 2020 (bzw. ab
dem 62. Altersjahr) eine ganze Invalidenrente zu gewähren.
B.a.
In der Beschwerdeantwort vom 2. August 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Begründet wurde der
Antrag insbesondere damit, dass eine Einschränkung von 30 % nicht nachvollziehbar
sei, da die Gesundheitsschädigungen gering bzw. nicht in erheblichen Ausmass
vorhanden seien und durch die vorhandenen Ressourcen gut kompensiert werden
könnten. Folglich sei bezüglich einer leidensadaptierten Tätigkeiten auf eine volle
B.b.
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Erwägungen
1.
Nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente.
2.
Arbeitsfähigkeit zu schliessen. Ein Tabellenlohnabzug sei nicht gerechtfertigt, da die
Einschränkungen bereits im Zumutbarkeitsprofil berücksichtigt worden seien und es
genügend Verweistätigkeiten gebe.
Am 20. August 2018 entsprach die verfahrensleitende Richterin dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung; act.
G 4).
B.c.
In der Replik vom 23. August 2018 hielt der Beschwerdeführer an den
Rechtsbegehren gemäss Beschwerde vom 9. Juli 2018 fest (act. G 8).
B.d.
In der Duplik vom 5. September 2020 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren
Ausführungen in der Beschwerdeantwort und an ihrem Antrag unverändert fest (act.
G 10).
B.e.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c).
2.1.
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach
Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), jedoch
frühestens im Monat der auf die Vollendung des 18. Altersjahrs folgt (Art. 29 Abs. 1
2.2.
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IVG). Die Rente wird vom Beginn des Monats ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch
entsteht (Abs. 3).
Art. 8 Abs. 1 ATSG umschreibt Invalidität als voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem
in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG). Nach
Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid ist.
2.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen, 115 V 134 E. 2).
2.5.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen, 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer
Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von
externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen
und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
2.6.
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3.
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4, 125 V 353 E. 3b/bb).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.7.
Sowohl die Beschwerdegegnerin als auch der Beschwerdeführer gehen vom
Vorliegen körperlich bedingter Einschränkungen – wie sie im Gutachten diagnostiziert
worden sind (act. G 1-6f, G 3-3, G 8-2) – aus. Hinsichtlich der aus orthopädischer Sicht
zu beachtenden Einschränkungen (nur körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten
Räumen, abwechslungsweise sitzend und stehend, ohne häufige inklinierte, reklinierte
und rotierende Körperhaltungen, Beachten von Gewichtsbeschränkungen beim Heben
und Tragen von Lasten [IV-act. 73-10f./18f.; vgl. auch Sachverhalt A.i]) wurden keine
Einwände erhoben. Unbestritten ist denn auch, dass dem Beschwerdeführer die
angestammte Tätigkeit als Z._ höchstens noch in geringfügigem Ausmass zumutbar
ist (gutachterlich erhobene Arbeitsunfähigkeit von 80 % seit Februar 2014, IV-act.
73-19/59).
3.1.
Die vom psychiatrischen Gutachter Dr. E._ erhobene Diagnose einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10:
F33.1; IV-act. 73-32), seit etwa November 2016 bestehend (IV-act. 73-34), ist ebenfalls
unbestritten (act. G 3-3, G 8-2). Die Parteien vertreten jedoch unterschiedliche
Ansichten in Bezug auf die psychisch bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Der
Beschwerdeführer geht entsprechend der gutachterlichen Einschätzung von einer
Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer leidensangepassten Tätigkeit (ohne erhöhte
emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität,
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/23
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4.
Einzugehen ist daher auf die Auswirkungen der psychischen Leiden auf die
Arbeitsfähigkeit.
ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung; IV-
act. 73-39/71) aus (act. G 1-6f., G 8). Die Beschwerdegegnerin ging zwar im
Vorbescheid vom 25. April 2018 (IV-act. 85) und in der Verfügung vom 7. Juni 2018 (IV-
act. 86) ebenfalls von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung aus, in der
Beschwerdeantwort vom 2. August 2018 (act. G 3) wird nun aber erstmalig geltend
gemacht, dass hinsichtlich einer leidensangepassten Tätigkeit gar keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit gegeben sei.
Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann nur relevant sein, wenn sie Folge
einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung ist (vgl.
Entscheid des Bundesgerichts vom 15. Mai 2017, 8C_95/2017; BGE 130 V 396). Da die
diagnostische Einordnung einer psychischen Störung allein das objektiv bestehende
tatsächliche Leistungsvermögen nicht festlegt, sind die funktionellen Folgen der
Gesundheitsschädigung qualitativ zu erfassen und quantitativ einzuschätzen (vgl. BGE
141 V 281 E. 3.1, 143 V 418 E. 4.1.2). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
(vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1f.) sind grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem jeweiligen
Beweisbedarf) sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten
Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Für die Beurteilung des
funktionellen Leistungsvermögens sind gemäss BGE 141 V 281 also in der Regel
diverse Standardindikatoren beachtlich. Diese hat das Bundesgericht wie folgt
systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie "funktioneller Schweregrad" mit den
Komplexen "Gesundheitsschädigung" (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
und Symptome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz;
Komorbiditäten), "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und
-struktur, grundlegende psychische Funktionen) und "sozialer Kontext" sowie
Kategorie "Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens) mit den Faktoren
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen und behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidensdruck.
4.1.
Das der angefochtenen Verfügung vom 7. Juni 2018 (IV-act. 86) zugrundeliegende
Gutachten vom 9. März 2018 (IV-act. 73) wurde nach dem in BGE 143 V 418
publizierten Entscheid vom 30. November 2017 erstellt. Die Beschwerdegegnerin
erklärte in der Beschwerdeantwort vom 2. August 2018, das Gutachten erfülle
4.2.
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sämtliche Anforderungen an eine beweiswertige ärztliche Entscheidungsgrundlage (act.
G 3-3f.). Der RAD erklärte bereits zuvor in der Stellungnahme vom 14. März 2018, dass
im Gutachten die Indikatoren gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
eingehend erörtert worden seien und aus versicherungsmedizinischer Sicht auf das
Gutachten abgestellt werden könne (IV-act. 74). Der Beschwerdeführer hat sich zu
dieser Frage nicht explizit geäussert. Es kann jedoch davon ausgegangen werden,
dass er die Anforderungen ebenfalls als erfüllt erachtet, denn er berief sich sowohl in
der Beschwerde vom 9. Juli als auch in der Replik vom 23. August 2018 (act. G 1, G 8)
auf das Gutachten bzw. auf die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung von 70 % für
leidensangepasste Tätigkeiten. Festzustellen ist, dass im Gutachten vom 9. März 2018
die vom Bundesgericht festgelegten Standardindikatoren behandelt wurden.
Zum psychiatrischen Teilgutachten ist vorab anzumerken, dass Dr. E._ oft das
Wort "erscheint" verwendet, um seine Erhebungen zu beschreiben und nicht etwa, um
geäusserte Zweifel oder Relativierungen des Gesagten anzubringen. Dies zeigt sich,
wenn jeweils der Kontext einbezogen wird, in welchem eine gutachterliche Aussage
steht.
4.3.
Bei der Würdigung der Standardindikatoren und insbesondere der Aussagen und
Folgerungen von Dr. E._ ist zu beachten, dass vorliegend nicht eine gänzliche
(100%ige Arbeitsunfähigkeit), sondern lediglich eine relativ tiefe Arbeitsunfähigkeit von
30% im Raum steht. Daher kann bspw. aus (wenigen) erhobenen Ressourcen und
Kontakten nicht bereits geschlossen werden, dass die Arbeitsfähigkeit gar nicht
eingeschränkt sei. Erst wenn die gutachterliche Einschätzung der vorhandenen
Ressourcen die schliesslich resultierende Arbeitsfähigkeitsschätzung unplausibel
erscheinen lässt, können – jedoch meist erst nach ergänzenden Abklärungen
(insbesondere durch Rückfragen bei der Gutachterin oder beim Gutachter) – Zweifel an
der gutachterlichen Würdigung angebracht sein. Entscheidend ist – wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt (vgl. act. G 3-4) – jedoch immer das
Gesamtbild (und nicht ein einzelner Aspekt/Indikator).
4.4.
In der Beschwerdeantwort vom 2. August 2018 (act. G 3) bringt die
Beschwerdegegnerin erstmals Kritik am psychiatrischen Gutachten und dabei
insbesondere an der Würdigung der Standardindikatoren und der attestierten
Arbeitsunfähigkeit an. So erachtet sie die Behandlungsmöglichkeiten als nicht
ausgeschöpft und verweist insbesondere darauf, dass der Beschwerdeführer keine
antidepressiven Medikamente einnehme bzw. solche im Blut nicht nachweisbar seien.
Im Weiteren werden Zweifel am Leidensdruck geäussert, denn der Beschwerdeführer
könne den Alltagsaktivitäten uneingeschränkt nachgehen. Schwerwiegende
4.5.
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Komorbiditäten seien nicht vorhanden, denn die somatischen Einschränkungen würden
weiterhin eine 100%ige Arbeitsfähigkeit adaptiert erlauben. Hinsichtlich der
Ressourcen wird erklärt, dass der Beschwerdeführer über gute Ressourcen verfüge.
Ausserdem sei er motiviert, denn er wolle arbeiten. Er habe sich in der Schweiz
integriert, spreche gutes Deutsch und sei sogar zum Vorarbeiter aufgestiegen. Dass
der Antrieb vermindert sei, werde bezweifelt, denn er koche, wasche, informiere sich
über Zeitungen und schaue fern. Er sei kontaktfähig. So habe er einmal pro Woche
Kontakt zu einer Kollegin und wolle künftig den Kontakt zum Enkelkind pflegen.
Insgesamt seien die Auswirkungen der Gesundheitsschädigung gering bzw. nicht im
erheblichen Ausmass vorhanden und könnten durch die vorhandenen Ressourcen gut
kompensiert werden. Im Weiteren wird gerügt, dass der Psychiater die psychosozialen
und soziokulturellen Belastungsfaktoren bei der Festsetzung der Arbeitsfähigkeit
gewürdigt habe. Eine Einschränkung von 30 % sei daher nicht nachvollziehbar.
Mangels Nachweises einer Einschränkung müsse auf eine volle Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit geschlossen werden. Weitere Abklärungen seien aufgrund des
erst kürzlich erstellten Gutachtens nicht angezeigt.
Der Beschwerdeführer entgegnet in der Replik vom 23. August 2018 (act. G 8),
dass die Begründung der Beschwerdegegnerin zum Leidensdruck nicht
nachvollziehbar sei. Aus der Aussage des Gutachters, die Therapiewirksamkeit werde
durch psychosoziale Faktoren mitbeeinflusst, könne nicht geschlossen werden, dass
der psychiatrische Gutachter ansonsten von einer höheren Arbeitsfähigkeit in einer
leidensadaptierten Tätigkeit ausgegangen wäre. Die Aussage der Beschwerdegegnerin,
dass es dem Beschwerdeführer aus der Fremdwahrnehmungsperspektive gut gehe, sei
unverständlich, zumal sie ihn weder persönlich gesehen, geschweige denn untersucht
habe. Aus der Aussage des Beschwerdeführers, dass er gerne arbeiten wolle, könne
nicht abgeleitet werden, es gehe ihm gut. Bei den angeführten Beispielen wie
Mahlzeiten zubereiten und Fernsehen handle es sich um Grundbedürfnisse, welche
auch kranke Menschen hätten. Eine einzige Kollegin mache den Beschwerdeführer
nicht zu einer kontaktfähigen Person. Wenn das Gutachten unklar sei, wie das die
Beschwerdegegnerin nun behaupte, so hätte sie weitere Abklärungen veranlassen
müssen.
4.6.
Der psychiatrische Gutachter Dr. E._ hat sich mit dem funktionellen
Schweregrad der Beeinträchtigung auseinandergesetzt.
4.7.
Im Gutachten erhob Dr. E._ die Gesundheitsschädigungen und deren
Ausprägungen (IV-act. 73-34ff.; vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1). Gestützt u.a. auf die
4.7.1.
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Aktenlage und eine ausführliche Anamnese stellte er die Diagnose einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1) seit etwa
November 2016 bestehend (IV-act. 73-32/34). Im Weiteren erklärte er, wieso er nicht
wie der behandelnde Psychiater Dr. C._ auch von einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und einer Neurasthenie ausgehe (vgl. IV-act. 45, 53); für diese seien
die Kriterien nicht erfüllt (IV-act. 73-33f./38). In Anbetracht der Aktenlage und des
fachärztlich erhobenen Befunds ist die diagnostische Beurteilung von Dr. E._ als
nachvollziehbar und schlüssig einzustufen. So setzte sich der Gutachter ausführlich mit
den Angaben des Beschwerdeführers auseinander, wies auf mögliche Ungereimtheiten
hin und stellte diese in einen Gesamtzusammenhang mit den Auswirkungen der
psychosozialen Belastungsfaktoren. Auch legte er dar, wieso er die vom behandelnden
Psychiater Dr. C._ erhobene Diagnose der Depression, jedoch nicht die weiteren von
ihm erhobenen Diagnosen bestätigen könne. In der Stellungnahme vom 14. März 2018
brachte der RAD keine Einwände oder Vorbehalte zum Gutachten an (IV-act. 74; vgl.
auch Erwägung 3.3). Dementsprechend ist auf die vom psychiatrischen Gutachter
erhobenen Befunde und die Diagnose abzustellen, zumal der Gutachter auch keine
Hinweise auf Aggravation oder einen sekundären Krankheitsgewinn fand (IV-act.
73-35).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit zeigte der psychiatrische Gutachter Dr. E._
detailliert und systematisch sowie nachvollziehbar und schlüssig auf, welche Faktoren
bzw. Störungen beim Beschwerdeführer leistungslimitierend sind. Er stellte den
Zusammenhang zwischen der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), bestehend seit etwa November 2016, und seiner
Einschätzung, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht um 30 % gemindert
sei, her. So befasste sich der Gutachter ausführlich mit den Angaben des
Beschwerdeführers, hinterfragte und würdigte Aspekte wie die im Blut nicht
nachweisebaren Antidepressiva, die nicht ganz ins Gesamtbild zu passen schienen. Als
beeinträchtigt erachtete Dr. E._ beim Beschwerdeführer die Selbst- und
Fremdwahrnehmung, die Realitätsprüfung und Urteilsbildung, die Affektsteuerung, die
Impulskontrolle, die Intentionalität und den Antrieb. Die Auswirkungen dieser
Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit stufte er jedoch im Vergleich zum
behandelnden Psychiater Dr. C._ als geringer ein. So ging er nicht auch von einer
50%igen, sondern nur von einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit adaptiert aus (IV-act.
73-32ff./39ff.).
4.7.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/23
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Nachfolgend ist auf die Kritik der Beschwerdegegnerin am Gutachten einzugehen.4.8.
Der Ansicht der Beschwerdegegnerin, dass der Gutachter die psychosozialen
und soziokulturellen Belastungsfaktoren bei der Festsetzung der Arbeitsfähigkeit
berücksichtigt habe (act. G 3-4), kann nicht gefolgt werden, denn der Gutachter
erklärte lediglich, dass diese Belastungsfaktoren nicht alleinig ursächlich seien und eine
weitere Besserung auch von psychosozialen Faktoren abhängig sei (IV-act. 73-36).
Diese Aussage ist verständlich und nachvollziehbar, wenn man beachtet, dass in der
Praxis regelmässig Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen
Belastungsfaktoren auftreten. Das Gutachten enthält jedoch weder Erklärungen noch
Hinweise dafür, dass der psychiatrische Gutachter die Auswirkungen der
psychosozialen und soziokulturellen Belastungsfaktoren bei der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit mitberücksichtigt hat und deswegen eine höhere Arbeitsunfähigkeit
attestiert hat.
4.8.1.
Die Aussage der Beschwerdegegnerin, dass der Beschwerdeführer über gute
Ressourcen verfüge (IV-act. G 3-4), ist aufgrund der Aktenlage nicht nachvollziehbar.
So berichtet der psychiatrische Gutachter lediglich über wenige vorhandene und
mobilisierbare Ressourcen (IV-act. 73-35/66). Ihm zufolge sind dem Beschwerdeführer
durchaus mehr Aktivitäten zumutbar (IV-act. 73-37). Damit brachte er aber wohl
lediglich zum Ausdruck, dass der Beschwerdeführer zwar die Ressourcen –
entsprechend einer 70%igen Arbeitsfähigkeit – besitzt, mangels einer Arbeitsstelle aber
noch nicht im ganzen Umfang ausnützen bzw. beanspruchen musste. Im Gutachten
gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer – wie von der
Beschwerdegegnerin wohl angenommen – über Ressourcen korrelierend mit einer
vollen Arbeitsfähigkeit verfügt. Zur von der Beschwerdegegnerin genannten Ressource
"Deutsch" ist zu ergänzen, dass er zwar Deutsch sprechen und verstehen (IV-act.
73-41), jedoch weder Deutsch lesen noch schreiben kann. Auch hat er keine Ahnung
vom Arbeiten mit einen PC (IV-act. 50-2). Die Beschwerdegegnerin nennt als weitere
Ressource den Aufstieg des Beschwerdeführers zum Vorarbeiter (act. G 3-4; vgl. IV-
act. 73-27). Ob aus einem beruflichen Aufstieg in einer körperlich anspruchsvollen
Tätigkeit, der vor Jahrzehnten stattgefunden hat, auf aktuelle Ressourcen geschlossen
werden kann, ist mehr als fraglich. Worin die entsprechende Ressource konkret liegen
sollte, erläutert die Beschwerdegegnerin nicht. Im Übrigen fällt auf, dass sie bei der
Festsetzung des Validenlohns anhand der Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik (LSE) selbst nicht von einer höheren Qualifikationsstufe,
sondern von einer ungelernten Arbeitskraft (Kompetenzniveau 1) ausging (IV-act. 83).
Dass der Beschwerdeführer in der Schweiz gut integriert ist, ergibt sich weder aus den
4.8.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/23
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Akten noch wurde dies von der Beschwerdegegnerin belegt. Nicht nachvollziehbar ist,
wie aus den Tätigkeiten Kochen und Waschen darauf geschlossen werden kann, der
Antrieb des Beschwerdeführers sei nicht vermindert, handelt es sich doch dabei um
Tätigkeiten der Grundversorgung, welche der alleine lebende Beschwerdeführer selbst
erledigen muss. Die wenigen aktenkundigen Interessen, die Bereitschaft zu arbeiten
und der Kontakt zu nur wenigen Personen lassen die Arbeitsfähigkeit von 70 % als
plausibel erscheinen. Die Aussage des Gutachters, es bestehe keine gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen, ist
nachvollziehbar. So ging der Beschwerdeführer zum Untersuchungszeitpunkt keiner
Erwerbstätigkeit nach, jedoch liessen sich immerhin einige wenige Aktivitäten in seinem
Tagesablauf erheben. Der Gutachter trug dem wie auch den weiteren aktivierbaren
Ressourcen Rechnung und ging von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit adaptiert aus. Die
gutachterliche Aussage, dass trotz der rezidivierenden depressiven Störung eine
zumutbare Willensanstrengung zur Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit mit
Verwertung der Restarbeitsfähigkeit (attestierte 70%ige Arbeitsfähigkeit) angenommen
werden kann (IV-act. 73-36f.), ist nachvollziehbar und vermag – auch in Anbetracht der
abweichenden Einschätzung der Beschwerdegegnerin (100%ige Arbeitsfähigkeit) –
soweit zu überzeugen.
Im Weiteren weist die Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit dem
Leidensdruck darauf hin, dass der Beschwerdeführer die Behandlungsmöglichkeiten
nicht ausgeschöpft habe. Dazu ist festzustellen, dass der Gutachter die
therapeutischen Massnahmen als lege artis erachtete. Er stellte in Kenntnis der nicht
nachweisbaren antidepressiven Medikamente im Blut die psychiatrische Diagnose und
äusserte die Arbeitsfähigkeitsschätzung (IV-act. 73-36ff.). Selbst der RAD erklärte –
ebenfalls in Kenntnis dieser Tatsache –, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht auf
das Gutachten abgestellt werden könne (IV-act. 74-2). Offensichtlich ist die
medikamentöse Behandlung im vorliegenden Fall nicht ausschlaggebend,
insbesondere nicht hinsichtlich der Beurteilung des Leidensdrucks und des Grads der
Arbeitsunfähigkeit. In Anbetracht der regelmässig durchgeführten
psychotherapeutischen Behandlungen ist durchaus von einem gewissen Leidensdruck
auszugehen, der in Angesicht der psychischen Beeinträchtigung (30%ige
Arbeitsunfähigkeit) angemessen erscheint.
4.8.3.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Gutachten in ausreichendem Masse
die nach neuer Rechtsprechung für sämtliche psychiatrischen Diagnosen erforderlichen
Indikatoren des strukturierten Beweisverfahrens berücksichtigt. Nach dem Gesagten
vermag die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer
4.9.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/23
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5.
leidensangepassten Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht von 70 % zu überzeugen. Auf
das Gutachten ist daher abzustellen. Für eine abweichende rechtliche Beurteilung
hinsichtlich der invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz der psychiatrischen
Diagnosen bleibt somit kein Raum. Bei dieser Ausgangslage erübrigen sich weitere
medizinische Abklärungen.
Die Arbeits-/Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers stellt sich somit wie folgt
dar: In der angestammten Tätigkeit als Z._ ist der Beschwerdeführer seit Februar
2014 nur noch eingeschränkt arbeitsfähig (20%ige Arbeitsfähigkeit; IV-act. 73-71). In
einer – wie im Gutachten definierten – leidensangepassten Tätigkeit besteht aufgrund
der psychiatrischen Diagnose seit November 2016 eine 70%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act.
73-71, zur Festsetzung des Beginns der Einschränkung vgl. IV-act. 73-39 unten,
73-26).
4.10.
Nachfolgend ist der Invaliditätsgrad zu ermitteln.5.1.
Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person im
Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige
Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1). Der
Beschwerdeführer war 30 Jahre lang mehrheitlich als Z._ und teilweise als
Vorarbeiter tätig. Vor der selbständigen Erwerbstätigkeit erzielte er um die
Jahrtausendwende bereits ein Einkommen von zirka Fr. 70'000.- und erreichte dieses
Niveau im Jahr 2011 beinahe wieder. Ohne die Rückenprobleme hätte der
Beschwerdeführer überwiegend wahrscheinlich weiterhin als Z._ gearbeitet. Daher ist
beim Valideneinkommen nicht auf Tabellenlöhne gemäss LSE, sondern auf den
erzielten Lohn des Jahres 2011 von Fr. 69'247.- (vgl. IK-Auszug, IV-act. 7) abzustellen
und diesen Wert auf das Jahr 2016 (allfälliger Rentenbeginn ist der 1. Dezember 2016,
vgl. nachfolgende Erwägung 5.8) hochzurechnen. Dies ergibt Fr. 71'416.- (Index
Männer 2011: 2171, 2016: 2239). Der ermittelte Wert erscheint plausibel, da gemäss
dem statistischen Lohnrechner des Bundesamtes für Statistik (Salarium) der
Durchschnittslohn (Median) in der vom Beschwerdeführer ausübten Tätigkeit im Jahr
2016 Fr. 79'548.- betrug (12 x Fr. 6'629.-; Tätigkeitsprofil: Ostschweiz, Hochbau, Bau-
und Ausbaufachkräfte, Stufe unteres Kader, 42 Wochenstunden, ohne abgeschlossene
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/23
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Berufsausbildung, Alter 58 Jahre, 30 Dienstjahre, Betrieb mit weniger als 20
Beschäftigten, Monatslohn, Niedergelassener [Kat. C]).
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht, sofern
kumulativ besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass die versicherte Person die ihr verbleibende Leistungsfähigkeit in zumutbarer
Weise voll ausschöpft und das Einkommen angemessen ist und nicht als Soziallohn
erscheint. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben,
namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine
oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist
auf Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten Person (nach zumutbarer
Behandlung und allfälliger Eingliederung) angesichts ihrer Ausbildung und ihrer
physischen sowie intellektuellen Eignung zugänglich wären. Rechtsprechungsgemäss
werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss LSE herangezogen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
Da der Beschwerdeführer nach Beendigung der letzten Festanstellung als Z._ im Juli
2013 keiner regelmässigen Erwerbstätigkeit mehr nachging und damit kein
Erwerbseinkommen vorliegt, auf welches abgestellt werden könnte, ist auf den
Tabellenlohn gemäss LSE 2016 von Fr. 66'803.- (TA1, Kompetenzniveau 1, Total,
Männer) abzustellen.
5.3.
Nach der Rechtsprechung hängen die Fragen, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen des konkreten Einzelfalls ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter
und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu
schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25 % festzusetzen ist. Eine
schematische Vornahme des Tabellenlohnabzugs ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b,
129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Die
Beschwerdegegnerin gewährte in der Verfügung vom 7. Juni 2018 (ohne dies zu
begründen) keinen Tabellenlohnabzug (IV-act. 85; vgl. IV-act. 83f.). Obwohl der
Beschwerdeführer in der Beschwerde vom 9. Juli 2108 (act. G 1) und in der Replik vom
23. August 2018 (act. G 8) einen Tabellenlohnabzug von 25% geltend machte, nahm
die Beschwerdegegnerin weder in der Beschwerdeantwort vom 2. August (act. G 3)
noch in der Duplik vom 5. September 2018 (act. G 10) dazu Stellung. Der
Beschwerdeführer begründet den geforderten Tabellenlohnabzug mit lohnmindernden
Faktoren (kurzfristige gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeiten, finanzielle Nachteile
durch die Teilzeitarbeit sowie körperlich bedingte Einschränkungen; act. G 1-5ff.) und
verweist dazu auf eine tabellarische Darstellung des standardisierten monatlichen
5.4.
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Bruttolohns nach Beschäftigungsgrad herausgegeben vom Bundesamt für Statistik
(act. G 1.1.6). Im vorliegenden Fall sind als lohnmindernde Faktoren zumindest zu
berücksichtigen: die spontan auftretenden stunden-/tageweisen Arbeitsausfälle wegen
Akutschmerz (vgl. die Ausführungen im neurologischen Teilgutachten, IV-act. 73-59),
das fortgeschrittene Alter des Beschwerdeführers (er war zum Verfügungszeitpunkt
vom 7. Juni 2018 bereits 591⁄2 Jahre alt; vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 7.
März 2017, 9C_677/2016, E. 4.3) und das die Flexibilität stark einengende
Anforderungsprofil an eine leidensangepasste Tätigkeit (IV-act. 73-71). In Würdigung
der einzelnen Faktoren sowie aller Faktoren gesamthaft erscheint vorliegend ein
Tabellenlohnabzug von (zumindest) 10 % als angemessen.
Bei einer Arbeitsfähigkeit von 70 % und einem Tabellenlohnabzug von 10 %
resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 42'086.- (Fr. 66'803.- x 0.7 x 0.9). Dies ergibt
eine Erwerbseinbusse von Fr. 29'330.- (Fr. 71'416.- - Fr. 42'086.-). Der Invaliditätsgrad
beträgt damit 41 % (Fr. 29'330.- / Fr. 71'416.-). Dieser berechtigt zum Bezug einer
Viertelsrente. Selbst bei Gewährung eines Tabellenlohnabzugs von 15 % würde kein
höherer Rentenanspruch (IV-Grad: 44 %) resultieren.
5.5.
Da ein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiert, stellt sich wiederum die
Frage nach der Eingliederungspflicht der IV. Diese ist vorliegend zu verneinen, da keine
das Invalideneinkommen relevant erhöhenden beruflichen Massnahmen erkennbar sind
und eine eigentliche Umschulung auch mit Blick auf das Alter und die Art der
Berufstätigkeit des Beschwerdeführers in der Schweiz (bisher handwerkliche Tätigkeit
im Bauhauptgewerbe) zu aufwändig und daher nicht mehr verhältnismässig ist. Auch
vor dem Hintergrund der Art der Beeinträchtigung (psychischer Natur kombiniert mit
körperlichen Einschränkungen) bestehen berechtigte Zweifel am Erfolg von
Eingliederungsmassnahmen.
5.6.
Die Forderung des Beschwerdeführers, ihm aufgrund seines fortgeschrittenen
Alters ab November 2020 (62. Altersjahr) eine ganze Invalidenrente auszurichten, ist
abzuweisen, da der Beschwerdeführer zum Verfügungszeitpunkt vom 7. Juni 2018
(massgebender Zeitpunkt) erst 591⁄2 Jahre alt war, denn gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung reicht selbst eine verbleibende Aktivitätsdauer von rund fünf Jahren
grundsätzlich aus, um eine neue einfache Erwerbstätigkeit aufzunehmen, sich
einzuarbeiten und die Arbeit auszuüben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März
2017, 9C_677/2016, E. 4.3). Anzufügen ist, dass eine Rentenrevision nur im Rahmen
der gesetzlichen Bestimmungen möglich ist (vgl. Art. 17 ATSG, Art. 87ff. der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Die Erreichung des 62.
Altersjahr ist (alleinig) kein Grund für eine Rentenrevision.
5.7.
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6.