Decision ID: cb5f5a81-06d8-560d-95df-2dcb7e5bd9c9
Year: 2012
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, geboren 1979, irakischer Staatsangehöriger, reis-
te am 30. Januar 2003 in die Schweiz ein. In der Folge stellte er ein Asyl-
gesuch. Das BFM lehnte dieses mit Entscheid vom 28. Oktober 2005 ab
und verfügte die Wegweisung. Wegen Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs wurde der Beschwerdeführer vorläufig aufgenommen. Eine
dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit
Urteil vom 19. November 2008 ab.
B.
Mit Strafmandat des Untersuchungsrichteramtes IV Berner Oberland,
Thun vom 14. Februar 2005 wurde der Beschwerdeführer wegen eines
geringfügigen Vermögensdeliktes (Diebstahl) und Hehlerei mit sieben Ta-
gen Gefängnis, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von zwei Jahren,
und einer Busse von Fr. 300.-- bestraft.
C.
Am 25. Mai 2007 verurteilte das Kreisgerichts VIII Bern-Laupen den Be-
schwerdeführer wegen der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmit-
telgesetz, mehrfach und mengenmässig qualifiziert begangen, sowie we-
gen Pornographie zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, bedingt voll-
ziehbar bei einer Probezeit von drei Jahren.
D.
Das BFM hob am 10. Dezember 2008 die vorläufige Aufnahme des Be-
schwerdeführers auf und ordnete die Wegweisung an. Dieser Entscheid
wurde am 20. Januar 2009 rechtskräftig.
E.
Am 9. Januar 2009 heiratete der Beschwerdeführer eine Schweizer Bür-
gerin, geboren 1965. Gestützt auf diese Ehe ersuchte er beim Amt für
Migration und Personenstand des Kantons Bern (MIP) um eine Aufent-
haltsbewilligung. Am 27. Juli 2009 verweigerte das MIP dem Beschwerde-
führer die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung und setzte ihm eine Aus-
reisefrist bis zum 31. August 2009. Gegen diese Verfügung erhob der Be-
schwerdeführer mit Eingabe vom 27. August 2009 Beschwerde bei der
Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern, welche das Rechtsmittel
mit Entscheid vom 26. November 2009 abwies und eine neue Ausreise-
frist ansetzte. Mit Urteil vom 8. November 2010 wies das Verwaltungsge-
richt des Kantons Bern eine dagegen erhobene Beschwerde ab.
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F.
Die Vorinstanz verhängte am 24. Februar 2011 gegen den Beschwerde-
führer ein Einreiseverbot für die Dauer von zehn Jahren, gültig ab 15.
März 2011, und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende
Wirkung. Zur Begründung führte sie unter Bezugnahme auf Art. 67 Abs. 2
Bst. a des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20)
aus, wegen Pornografie, Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz
und mehrfachen Diebstahls sowie Hehlerei liege ein Verstoss gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung vor und der Beschwerdeführer ge-
fährde diese.
G.
Mit Rechtsmittel vom 15. April 2011 an das Bundesverwaltungsgericht
beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung des Einreiseverbots,
eventualiter die Begrenzung desselben auf ein Jahr. In prozessualer Hin-
sicht ersucht er um Einvernahme seiner Ehefrau als Zeugin. Er bringt im
Wesentlichen vor, er beabsichtige seine Ehe aufrecht zu erhalten. Seine
Ehefrau prüfe, in welchem Drittland sie arbeiten könne. Auch ein Umzug
der Ehefrau in den Irak werde ins Auge gefasst. Seine Ehefrau habe je-
doch Angst, dass sie nach zehn Jahren Landesabwesenheit in der
Schweiz keine Arbeit mehr finden und ihr Haus verlieren würde. Das ihm
hauptsächlich angelastete Delikt müsse zwar als schwerwiegend be-
zeichnet werden, liege jedoch bereits fünf Jahre zurück. Mit Ausnahme
von zwei Strafmandaten habe er sich seither klaglos verhalten. Er habe
geheiratet, Deutsch gelernt, im Takeaway seiner Ehefrau als Geschäfts-
führer gearbeitet und sich in die Familie seiner Ehefrau integriert. Die
Mutter seiner Ehefrau sei alt und habe ihren Ehemann verloren. Zudem
sei es für ihn – den Beschwerdeführer – schwierig, eine Erwerbstätigkeit
zu finden.
H.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 14. Juni 2011 auf
Abweisung der Beschwerde. Sie führt aus, aufgrund der Schwere der De-
likte (Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten) überwiege
das öffentliche Interesse an der Fernhaltung des Ausländers das private
Interesse, die Ehegemeinschaft in der Schweiz weiterzuführen. Daran
vermöge auch die Tatsache nichts zu ändern, dass der Beschwerdeführer
sich in den letzten Jahren nichts zu Schulden habe kommen lassen und
gemäss Aussage der Rechtsvertreterin integriert sei. Es bestehe zudem
die Möglichkeit, das Einreiseverbot für Familienbesuche auf Gesuch hin
für eine bestimmte Zeit zu suspendieren.
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Seite 4
I.
Mit Replik vom 30. August 2011 hält der Beschwerdeführer an den Anträ-
gen und den Ausführungen in der Beschwerde fest. Er führt weiter aus,
ein Einreiseverbot von zehn Jahren sei unangemessen lang und unver-
hältnismässig. Seiner Ehefrau würden nach zwei Wochen Ferien in der
Türkei im Jahr 2011 kaum noch Ferientage verbleiben um ihn treffen zu
können. Sie hätten in der Türkei bei der Schweizerischen Botschaft ange-
fragt, ob das Einreiseverbot für einen Familienbesuch für eine bestimmte
Zeit suspendiert werden könne und hätten eine mündliche Absage erhal-
ten. Da er bei seinen Eltern wohne und noch keine Arbeit gefunden habe,
könne seine Ehefrau ihre Erwerbstätigkeit nicht aufgeben um für ein paar
Jahre zu ihm zu ziehen. Zudem sei die Mutter seiner Ehefrau gemäss ei-
nem Arztzeugnis auf das Zusammenleben mit ihrer Tochter angewiesen.
J.
Am 2. April 2012 suspendierte die Vorinstanz das Einreiseverbots gegen
den Beschwerdeführer für die Dauer von 14 Tagen (15. bis 28. April
2012). Der Beschwerdeführer verzichtete jedoch auf eine Reise in die
Schweiz, woraufhin die Vorinstanz die Suspension stornierte.
K.
Mit Verfügung vom 11. Mai 2012 bewilligte die Vorinstanz erneut die Sus-
pension des Einreiseverbots für die Dauer von 14 Tagen (16. bis 29. Mai
2012).
L.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwä-
gungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Aus-
nahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33
VGG genannten Behörden. Dazu gehört auch das BFM, welches mit der
Anordnung eines Einreiseverbotes eine Verfügung im erwähnten Sinne
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und daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnah-
me nach Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts an-
deres bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat legitimiert (Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (vgl. Art. 49 ff. VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als
Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage
zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2, BVGE
2007/41 E. 2 und Urteil des BVGer A-2682/2007 vom 7. Oktober 2010
E. 1.2 und 1.3).
3.
3.1 Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer als Beweismassnahme bean-
tragten gerichtlichen Befragung seiner Ehefrau ist Folgendes festzuhal-
ten: Der Behörde kommt grundsätzlich die Pflicht zu, den rechtserhebli-
chen Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln (Art. 12 VwVG). Die Be-
hörden sind verpflichtet, die von den Parteien angebotenen Beweise ab-
zunehmen, sofern diese geeignet sind, den rechtserheblichen Sachver-
halt zu erhellen. Kommt die Behörde bei pflichtgemässer Beweiswürdi-
gung zur Überzeugung, die Akten erlaubten die richtige und vollständige
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts oder die behauptete
Tatsache sei für die Entscheidung der Streitsache nicht von Bedeutung,
kann sie auf die Erhebung weiterer Beweise verzichten, ohne durch diese
antizipierte Beweiswürdigung den Anspruch auf rechtliches Gehör ge-
mäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge-
nossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) zu verletzen (vgl. zum
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Ganzen BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236 mit Hinweis). Überdies handelt es
sich bei der Zeugeneinvernahme gemäss Art. 14 VwVG um ein subsidiä-
res Beweismittel; eine solche darf – der besonderen Voraussetzungen
und Folgen wegen – nur ausnahmsweise angeordnet werden (vgl. dazu
Urteil des Bundesgerichts 1C_427/2008 vom 2. Februar 2009 E. 2.2). Bei
nicht anfechtbaren Entscheiden kann der Entscheid über die Beweisan-
träge im Endurteil erfolgen (BERNHARD WALDMANN/JÜRG BICKEL, in: Pra-
xiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Zürich 2009,
Art. 33 N 36).
3.2 Der entscheiderhebliche Sachverhalt erschliesst sich, wie nachfol-
gend zu zeigen sein wird, in hinreichender Weise aus den Akten. Von der
beantragten Zeugeneinvernehme kann daher in antizipierter Beweiswür-
digung ohne Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör abgesehen
werden. Das Verwaltungsrechtspflegeverfahren ist sodann vom Grund-
satz der Schriftlichkeit geprägt (siehe ANDRÉ MOSER/MICHAEL
BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht, Lausanne/Zürich/Bern 2008, Rz. 3.85/3.86 S. 143 ff.) und
ein Anspruch auf mündliche Anhörung besteht nicht (BGE 134 I 140
E. 5.3 S. 148). Zudem hat sich der Beschwerdeführer zu den relevanten
strittigen Fragen wiederholt schriftlich äussern können. Dem Antrag auf
Zeugeneinvernahme ist deshalb nicht stattzugeben.
4.
4.1 Wird gegen eine Person, welche nicht Angehörige eines Staates ist,
der durch eines der Schengen-Assoziierungsabkommen (vgl. Anhang 1
Ziffer 1 AuG) gebunden ist, ein Einreiseverbot nach Art. 67 AuG verhängt,
wird diese Person gestützt auf Art. 94 Abs. 1 und Art. 96 des Überein-
kommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens
betreffend den schrittweisen Abbau der Kontrollen an den gemeinsamen
Grenzen (Schengener Durchführungsübereinkommen [SDÜ], Abl. L 239
vom 22. September 2000, S. 19-62) und Art. 16 Abs. 2 und 4 des Bun-
desgesetzes vom 13. Juni 2008 über die polizeilichen Informationssyste-
me des Bundes (BPI, SR 361) normalerweise im SIS (vgl. dazu Art. 92 ff.
SDÜ) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben. Eine solche Ausschrei-
bung einer Person im SIS zur Einreiseverweigerung aufgrund einer vom
BFM verhängten Fernhaltemassnahme bewirkt, dass ihr die Einreise in
das Hoheitsgebiet der Schengen-Mitgliedstaaten verweigert wird (vgl.
Art. 13 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Par-
laments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftsko-
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dex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [Schengener
Grenzkodex bzw. SGK, Abl. L 105 vom 13. April 2006, S. 1-32]).
4.2 Der Beschwerdeführer ist nicht Bürger eines Schengenstaates, wes-
halb das fragliche Einreiseverbot im SIS ausgeschrieben wurde (Art. 96
SDÜ). Das in Art. 25 SDÜ vorgesehene Konsultationsverfahren regelt,
wann der ausschreibende Vertragsstaat die Einreiseverweigerung ge-
genüber einem Drittstaatsangehörigen im SIS wieder löscht. Dies wäre
dann der Fall, wenn ein anderes Schengenland dem Beschwerdeführer
eine Aufenthaltserlaubnis erteilte oder zusicherte. Ein solcher Aufenthalts-
titel wird aber nur bei Vorliegen gewichtiger Gründe erteilt, insbesondere
wegen humanitärer Erwägungen oder infolge internationaler Verpflichtun-
gen (Art. 25 SDÜ; vgl. hierzu auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
C-4342/2010 vom 9. Mai 2011 E. 3.2). Einzelfallweise bestehen weitere
Lockerungsmöglichkeiten (bezogen auf Einreisen in die Schweiz siehe
beispielsweise die Möglichkeit der Suspension des Einreiseverbots ge-
mäss Art. 67 Abs. 5 AuG). Vorliegend wurde die Schweiz von keiner an-
deren Vertragspartei konsultiert und der Beschwerdeführer besitzt derzeit
auch kein Aufenthaltsrecht in einem Schengenstaat. Die Ausschreibung
im SIS erfolgte daher zu Recht.
5.
5.1 Das in Art. 67 AuG geregelte Einreiseverbot entspricht der alt-
rechtlichen Einreisesperre des Art. 13 des Bundesgesetzes vom 26. März
1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG, BS 1
121). Auf den 1. Januar 2011 trat als Folge der Weiterentwicklung des
Schengen-Besitzstandes eine neue Fassung in Kraft (zum Ganzen vgl.
BBl 2009 8881 und AS 2010 5925). Nach Art. 67 Abs. 1 AuG wird ein Ein-
reiseverbot vom BFM unter Vorbehalt von Abs. 5 nun gegenüber wegge-
wiesenen Ausländerinnen und Ausländern verfügt, wenn die Wegweisung
nach Art. 64d Abs. 2 Bst. a – c AuG sofort vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1
Bst. a AuG) oder die betroffene Person der Ausreiseverpflichtung nicht
nachgekommen ist (Art. 67 Abs. 1 Bst. b AuG). Es kann nach Art. 67
Abs. 2 AuG sodann gegen ausländische Personen erlassen werden, die
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Aus-
land verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a), Sozi-
alhilfekosten verursacht haben (Art. 67 Abs. 2 Bst. b) oder in Vorberei-
tungs-, Ausschaffungs- oder Durchsetzungshaft genommen werden
mussten (Art. 67 Abs. 2 Bst. c). Das Einreiseverbot wird für eine Dauer
von höchstens fünf Jahren verhängt. Es kann für eine längere Dauer ver-
fügt werden, wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für
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die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG).
Schliesslich kann die verfügende Behörde aus humanitären oder anderen
wichtigen Gründen von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen
oder ein Einreiseverbot vollständig oder vorübergehend aufheben (Art. 67
Abs. 5 AuG).
5.2 Wie bereits die altrechtliche Einreisesperre ist das Einreiseverbot kei-
ne Sanktion für vergangenes Fehlverhalten, sondern eine Massnahme
zur Abwendung einer künftigen Störung der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung (siehe Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen
und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3813). Die öffentliche Sicher-
heit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG (welcher der al-
ten Fassung von Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG entspricht) bildet den Ober-
begriff für die Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter. Sie umfasst unter
anderem die Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der
Rechtsgüter Einzelner (BBl 2002 3809; vgl. auch RAINER J. SCHWEI-
ZER/PATRICK SUTTER/NINA WIDMER, in: Rainer J. Schweizer [Hrsg.], Si-
cherheits- und Ordnungsrecht des Bundes, SBVR Bd. III/1, Basel 2008,
Teil B, Rz. 12 und 13 mit Hinweisen). In diesem Sinne liegt nach Art. 80
Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung,
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) ein Verstoss gegen
die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter anderem dann vor, wenn ge-
setzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet werden.
Somit können die vorliegenden Rechtsgüterverletzungen als Teil der ob-
jektiven Rechtsordnung ein Einreiseverbot nach sich ziehen, allerdings
nicht als Sanktion, sondern als Massnahme zum Schutz künftiger Störun-
gen (vgl. BBl 2002 3813).
5.3 Mit Urteil des Kreisgerichts VIII Bern-Laupen vom 25. Mai 2007 wurde
der Beschwerdeführer wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungs-
mittelgesetz, mehrfach und mengenmässig qualifiziert begangen, sowie
wegen Pornographie zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, bedingt
vollziehbar bei einer Probezeit von drei Jahren, verurteilt.
5.4 Ausländische Straftäter, die durch Verbreitung harter Drogen die Ge-
sundheit anderer gefährden oder beeinträchtigen, sind während einer
gewissen Zeit von der Schweiz fernzuhalten. Damit soll der weiteren
Ausbreitung des verbotenen Handels mit Betäubungsmitteln entgegen-
gewirkt werden. Aufgrund der Zunahme solcher Taten ist zum Schutz der
Allgemeinheit durch eine kontinuierliche und strenge Verwaltungspraxis
zu verdeutlichen, dass schwere Widerhandlungen gegen das Betäu-
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bungsmittelgesetz mit langjährigen Fernhaltemassnahmen geahndet
werden. Der Schutz der öffentlichen Sicherheit und Gesundheit ist dabei
durch Abschreckung nicht nur des jeweiligen Straftäters, sondern auch
anderer potenzieller Rechtsbrecher weitest möglich zu gewährleisten (vgl.
BGE 131 II 352 E. 4.3.1 S. 359 f. mit Hinweis; Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts C-1379/2011 vom 15. Mai 2012 E. 5.2 mit Hinweisen). Ver-
urteilungen zu Freiheitsstrafen wegen Drogendelikten führten denn auch
nach altem Recht regelmässig zur Anordnung einer Fernhaltemassnahme
(siehe Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-254/2012 vom 29. August
2012 E.4.4 mit Hinweisen). Was die Verurteilung aufgrund des Sexualde-
likts der harten Pornografie (mit Kindern und Tieren) anbelangt, so muss
– angesichts der von diesem Delikt ausgehenden potentiellen Gefahr für
die Gesellschaft – selbst ein relativ geringes Rückfallrisiko nicht hinge-
nommen werden (vgl. BGE 122 II 433 E. 2c mit Hinweisen). Aufgrund der
schweren Verfehlungen (vgl. dazu BGE 135 II 377 E. 4.2) sind die Vor-
aussetzungen für ein Einreiseverbot gemäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG
zweifelsohne erfüllt.
5.5 Weiter wurde der Beschwerdeführer mit Strafmandat des Untersu-
chungsrichteramtes IV Berner Oberland, Thun vom 14. Februar 2005 we-
gen eines geringfügigen Vermögensdeliktes (Diebstahl) und Hehlerei mit
sieben Tagen Gefängnis, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von zwei
Jahren, und einer Busse von Fr. 300.-- bestraft. Mit diesen Delikten hat
der Beschwerdeführer ebenfalls gegen die öffentliche Sicherheit und
Ordnung in der Schweiz verstossen, was es im Sinne der Rückfälligkeit
zu berücksichtigen gilt.
5.6 Demzufolge hat der Beschwerdeführer in mehrfacher Hinsicht gegen
die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a
AuG verstossen.
6.
Es bleibt zu prüfen, ob die Massnahme in richtiger Ausübung des Ermes-
sens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhältnismäs-
sigkeit steht dabei im Vordergrund. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine
wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem öffentlichen Interesse
an der Massnahme einerseits und den von der Massnahme beeinträchtig-
ten privaten Interessen des Betroffenen andererseits. Die Stellung der
verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ord-
nungswidrigen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse des Verfü-
gungsbelasteten bilden dabei den Ausgangspunkt der Überlegungen
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(vgl. statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungs-
recht, 6. vollständig überarbeitete Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 613
ff.).
6.1 Mit Blick auf die Dauer der verhängten Massnahme von Belang er-
scheint, dass der Beschwerdeführer selbst nicht drogensüchtig ist und
sich nicht auf der untersten Hierarchiestufe im Drogenhandel (in der Höhe
der siebenfachen Menge eines schweren Falles sowie Besitz von porno-
graphischem Material [sexuelle Handlungen mit Kindern und zwischen
Menschen und Tieren]) befand, sowie aus rein finanziellen Motiven bereit
war, durch Drogenhandel die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen
erheblichen Gefahren auszusetzen. Mitzuberücksichtigen gilt es ferner,
dass er nicht selbständig vom Drogenhandel Abstand nahm, sondern erst
infolge seiner Verhaftung. Sein Fehlverhalten wiegt aus präventivpolizeili-
cher Sicht sehr schwer. Unter dem spezifischen Aspekt des Ausländer-
rechts (vgl. dazu BGE 137 II 233 E. 5.2.2) muss er daher über Jahre hin-
weg als Risikofaktor für die öffentliche Sicherheit und Ordnung betrachtet
werden, was grundsätzlich eine Fernhaltemassnahme von mehr als fünf
Jahren rechtfertigt (vgl. Art. 67 Abs. 3 in fine AuG). Obwohl der Be-
schwerdeführer in den Genuss des bedingten Strafvollzugs kam und sich
– soweit bekannt – seit den Straftaten im Jahr 2005 und 2006 nichts Wei-
teres zu Schulden kommen liess, lassen die näheren Umstände der Straf-
taten auf ein aktuelles, durch die vergleichsweise kurze Bewährungszeit
(Probezeit bis Mai 2010) seit der Tatbegehung, nicht entscheidend relati-
viertes Rückfallrisiko schliessen (vgl. eben zitiertes Bundesgerichtsurteil).
6.2 An persönlichen Interessen macht der Beschwerdeführer in seiner
Rechtsmitteleingabe geltend, er habe mit seiner Ehefrau in der Türkei bei
der Schweizerischen Botschaft angefragt, ob das Einreiseverbot für einen
Familienbesuch für eine bestimmte Zeit suspendiert werden könne und
sie hätten eine mündliche Absage erhalten. Da er bei seinen Eltern woh-
ne und noch keine Arbeit gefunden habe, könne seine Ehefrau ihre Er-
werbstätigkeit nicht aufgeben und für ein paar Jahre zu ihm ziehen. Zu-
dem sei die Mutter seiner Ehefrau gemäss einem Arztzeugnis auf das
Zusammenleben mit ihrer Tochter angewiesen. Die familiäre Beziehung
werde durch das Einreiseverbot massiv eingeschränkt.
6.3 Die Pflege regelmässiger persönlicher Kontakte zu seiner Ehefrau
scheitert bereits an einem fehlenden Anwesenheitsrecht hierzulande.
Somit stellt sich nunmehr die Frage, ob das über die Verweigerung des
Aufenthaltsrechts hinausgehende, durch das Einreiseverbot zusätzlich
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bewirkte Erschwernis vor Art. 8 Ziff. 1 der Konvention vom 4. November
1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK,
SR 0.101) und Art. 13 Abs. 1 BV standhält. Der Beschwerdeführer darf
sich derzeit nur zu Besuchszwecken in der Schweiz aufhalten. Eine Auf-
hebung des Einreiseverbots führte demnach lediglich dazu, dass er den
allgemein geltenden Einreisebestimmungen (insbesondere der Visums-
pflicht) unterstünde (vgl. Art. 4 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober
2008 über die Einreise und die Visumserteilung [VEV, SR 142.204] mit
Verweis auf die Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März
2001, welche im Anhang II (bzw. Anhang I) eine Liste von Drittländern
enthält deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen
der Schengen-Mitgliedstaaten im Besitze eines Visums sein müssen). Er
könnte somit ohnehin nicht bewilligungsfrei in die Schweiz einreisen. Die
Wirkungen des Einreiseverbots bestehen zudem nicht darin, dass dem
Beschwerdeführer während dessen Geltungsdauer Besuchsaufenthalte
bei seinen Familienangehörigen in der Schweiz schlichtweg untersagt
wären. Es steht ihm vielmehr die Möglichkeit offen, aus wichtigen Grün-
den – worunter auch familiäre Gründe fallen – mittels begründetem Ge-
such die zeitweilige Suspension der angeordneten Fernhaltemassnahme
zu beantragen (Art. 67 Abs. 5 AuG). Die Suspension wird aber praxisge-
mäss nur für eine kurze und klar begrenzte Zeit gewährt (vgl. zum Gan-
zen wiederum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-4509/2009 vom
7. Januar 2010 E. 7.4. mit Hinweisen). Den Akten ist zu entnehmen, dass
der Beschwerdeführer von dieser Möglichkeit bereits Gebrauch gemacht
hat. Die Vorinstanz hat bereits zwei Mal eine Suspension des Einreise-
verbots bewilligt. Beim ersten Mal hat der Beschwerdeführer jedoch auf
eine Reise in die Schweiz verzichtet.
6.4 Der Vollständigkeit halber sei sodann darauf hingewiesen, dass im
Zusammenhang mit der Verweigerung der Erteilung einer Aufenthaltsbe-
willigung bereits festgehalten worden ist, dass dem Ehepaar zum Zeit-
punkt der Eheschliessung bewusst gewesen sein muss, dass wegen der
Straffälligkeit des Beschwerdeführers die Verweigerung der Aufenthalts-
bewilligung drohte. Somit wurden die damit einhergehenden Einschrän-
kungen in Kauf genommen. Selbst wenn von einem unter dem Gesichts-
punkt von Art. 13 Abs. 1 BV und Art. 8 EMRK relevanten Eingriff ausge-
gangen würde, wäre ein solcher unter den konkreten Begebenheiten ge-
stützt auf Art. 8 Ziff. 2 EMRK als gerechtfertigt zu qualifizieren. Gilt es
doch bei der vorzunehmenden Interessenabwägung ordnungs- und si-
cherheitspolizeilichen Interessen besonderes Gewicht beizumessen (vgl.
im Verfahren betreffend das Anwesenheitsrecht, Urteil des Bundesge-
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Seite 12
richts 2C_295/2011 vom 30. August 2011 E. 3 mit Hinweisen). Zweifellos
erreicht sein Verhalten die notwendige Schwere, um einen Eingriff in das
Privat- und Familienleben zu rechtfertigen.
7.
Eine wertende Gewichtung der sich entgegenstehenden Interessen führt
das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das auf zehn Jahre
verhängte Einreiseverbot unter Berücksichtigung der gängigen Praxis in
vergleichbaren Fällen sowohl dem Grundsatz nach als auch in der zeitli-
chen Wirkung eine verhältnismässige und angemessene Massnahme
zum Schutz der öffentlichen Ordnung darstellt.
8.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wird der unterliegende Be-
schwerdeführer kostenpflichtig (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3
Bst. b des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem
Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR
173.320.2]).
9.
Das vorliegende Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
(Dispositiv nächste Seite)
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