Decision ID: e508e109-0303-52c1-a00a-c694aff45505
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, eine iranische Staatsangehörige, verliess eige-
nen Angaben zufolge ihr Heimatland im April 2018 und sei im Mai 2018 auf
dem Seeweg von der Türkei nach Griechenland gereist. Am (...) 2018
stellte sie in Griechenland ein Asylgesuch. Am 17. Februar 2019 sei sie mit
gefälschten Dokumenten auf dem Luftweg über Ungarn in die Schweiz ein-
gereist und stellte gleichentags ein Asylgesuch. Mit Zuweisungsentscheid
vom 19. Februar 2019 wurde sie über die Zuweisung in das Testphasen-
verfahren in Kenntnis gesetzt (vgl. Art. 4 Abs. 3 der Verordnung über die
Durchführung von Testphasen zu den Beschleunigungsmassnahmen im
Asylbereich vom 4. September 2013 [TestV; 142.318.1]). Am 25. Februar
2019 wurde sie zu ihrer Person, zu ihrem Reiseweg und zum Verbleib ihrer
Identitätsdokumente befragt (BzP; A10/7). Am 16. Mai 2019 wurde sie zu
ihren Gesuchsgründen angehört (A29/29). Mit Verfügung vom 23. Mai
2019 wurde sie ins erweiterte Verfahren zugewiesen (A30). Am 25. Juni
2019 folgte eine ergänzende Anhörung (A39/17).
In Bezug auf ihren persönlichen Hintergrund machte sie geltend, sie sei in
B._ aufgewachsen. Nach ihrer Matura habe sie ein Jahr lang eine
Lehre gemacht und danach bis zu ihrer Ausreise in einem (...) gearbeitet.
Bis zu ihrer Flucht habe sie mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn in
B._ gelebt.
Zu ihren Gesuchsgründen brachte sie vor, sie habe jahrelang in einer Ge-
waltbeziehung gelebt, bis ihr Mann zum Christentum konvertiert sei. Er
habe an heimlichen Hauskirchentreffen teilgenommen, wobei zwei oder
drei dieser Anlässe in ihrer Wohnung stattgefunden hätten. Sie habe an
den Kirchenanlässen nicht teilgenommen, sondern nur im Nachgang dazu
Tee serviert und sich mit der Gruppe fotografieren lassen. Zwei Monate
nach seinem Glaubenswechsel habe ihr ihr Mann erzählt, dass der Anfüh-
rer der Hauskirche verhaftet worden sei. Zwei Tage darauf sei sie von ihrer
Nachbarin in der Arbeit angerufen und gewarnt worden, dass der Geheim-
dienst ihren Mann festgenommen habe und nach ihr suche. Daraufhin
habe sie sich eine Woche lang (...) bei ihrer Schwester versteckt. Sie be-
fürchte, dass die Fotos, auf denen sie abgebildet sei, an die Behörden ge-
langt seien. Die Familie ihres Mannes verdächtige sie, ihren Mann verraten
zu haben, und habe ihr mit der Auslieferung an die Behörden gedroht. Da-
raufhin habe sie illegal das Land verlassen. Zwei Wochen nach ihrer Aus-
reise habe die Familie ihres Mannes bei ihrer Schwester nach ihr gesucht.
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Zudem habe sie der Geheimdienst im Haus ihrer Mutter und ihres Bruders
gesucht.
Als Beweismittel reichte sie ihre Shenasnameh (Geburtsurkunde) und die
Karte Melli (Identitätsausweis) ein sowie eine Bestätigung ihrer Anzeige
gegen einen Mann, der sie vor fünf oder sechs Jahren erpresst habe. Im
Weiteren gelangten medizinische Berichte vom 19. Februar 2019, vom
17. April 2019 und vom 10. Mai 2019 zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 3. Juli 2019 – eröffnet am 8. Juli 2019 – stellte das SEM
fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 7. August 2019 liess die Beschwerdeführerin durch ihren
Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben und
beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei die Flücht-
lingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren, eventualiter sei
die vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeventualiter sei die Sache zur
rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und neuen Entscheidung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. In formeller Hinsicht ersuchte sie unter Vor-
lage einer Fürsorgebestätigung um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung, um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht sowie um Be-
stellung ihres Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand.
Zur Stützung ihrer Angaben legte sie Ausdrucke von Fotografien von drei
Dokumenten vor (ein ihren Mann betreffendes Registrierungsformular ei-
ner Hafteinrichtung und eine sie betreffende Vorladung sowie ein Urteil,
das in ihrer Abwesenheit ergangen sei). Wegen Mittellosigkeit beantragte
sie die Übersetzung der Dokumente auf Gerichtskosten und, für den Fall,
dass deren Authentizität angezweifelt werde, die Überprüfung mittels Bot-
schaftsanfrage.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 21. August 2019 verzichtete die Instruktions-
richterin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
E.
In seiner Vernehmlassung vom 25. September 2019 hielt das SEM an der
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angefochtenen Verfügung fest und äusserte sich zum Beweiswert der ein-
gereichten Beweismittel.
F.
In der Replik vom 15. Oktober 2019 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Beschwerdebegehren fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 und 2 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM begründete die Ablehnung des Asylgesuchs damit, dass die
Angaben der Beschwerdeführerin den Anforderungen an die Glaubhaft-
machung nicht genügten. Die Schilderung ihrer Ausreisegründe sei wider-
sprüchlich und substanzlos ausgefallen. Sie habe angegeben, dass wegen
der Verhaftung des Anführers der Hauskirche ein Foto von ihr an die Be-
hörden gelangt sei. Sie habe jedoch nicht erklären können, woher sie dies
wisse. Im Weiteren habe sie vorgebracht, dass sie die Verhaftung des An-
führers zunächst nicht interessiert habe. Dies erstaune jedoch, da sie ihren
Angaben zufolge noch vor der Verhaftung ihres Mannes gewusst habe, in
welcher Gefahr sie sich befänden. In der ergänzenden Anhörung habe sie
sodann angegeben, erst nach der Verhaftung ihres Mannes Informationen
über mögliche Gefahren im Zusammenhang mit dem Glaubenswechsel in
Erfahrung gebracht zu haben. Im Weiteren habe sie den Tag der Verhaf-
tung ihres Mannes nicht glaubhaft geschildert. Ihre Angaben zum Telefon-
gespräch mit der Nachbarin, die sie gewarnt habe, seien oberflächlich und
ohne persönlichen Bezug geblieben. Ähnlich substanzarm sei die Schilde-
rung des Zeitraums danach ausgefallen, in dem sie angeblich zwei bis drei
Stunden mit dem Auto durch B._ gefahren sei. Sodann seien ihre
Angaben über die spätere Suche durch den Geheimdienst in B._
widersprüchlich ausgefallen. In der ersten Anhörung habe sie gesagt, dass
die Mitglieder des Geheimdienstes mehrmals bei ihren Verwandten nach
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ihr gesucht hätten. In der ergänzenden Anhörung habe sie hingegen vor-
gebracht, dies sei nur einmal der Fall gewesen. Auf Vorhalt hin habe sie
sich in weitere Widersprüche verstrickt und angegeben, sie sei einmal bei
ihrer Familie und ein weiteres Mal in ihrer Wohnung gesucht worden. Auch
habe sie unterschiedliche Angaben zum Zeitpunkt gemacht, an dem sie
über die Suche bei ihren Verwandten erfahren habe. In der Anhörung habe
sie gesagt, sie sei danach in die Türkei geflohen, in der ergänzenden An-
hörung habe sie angegeben, sie sei zum Zeitpunkt der Ermittlungen bereits
in der Türkei gewesen. In der Anhörung habe sie gesagt, ausschliesslich
mit ihrem Bruder über die Ermittlungen des Geheimdienstes gesprochen
zu haben, in der ergänzenden Anhörung habe sie aber zunächst nicht ge-
wusst, ob sie von ihrer Mutter oder von ihrem Bruder über die Ermittlungen
benachrichtigt worden sei. Aufgrund der unglaubhaften Angaben zur Ver-
haftung ihres Mannes sei auch die Bedrohung durch dessen Familie als
unglaubhaft einzustufen. Schliesslich seien auch ihre Ausführungen dazu,
wie sie von der Verfolgung seitens der Schwiegerfamilie erfahren habe,
oberflächlich und floskelartig ausgefallen. Sie habe in direkter Rede an ihre
Familie gerichtete Drohungen wiederholt, sei aber nicht zu einer erlebnis-
basierten Nacherzählung dieser Ausnahmesituation in der Lage gewesen.
4.2 In der Beschwerde machte die Beschwerdeführerin geltend, in der Zwi-
schenzeit habe ihr Bruder durch den Rechtsanwalt ihres Mannes verschie-
dene Dokumente erhalten. Die eingereichten Dokumente würden ihre Vor-
bringen, wonach die Behörden über ihre Teilnahme an den Treffen der
Hauskirche in Kenntnis seien, untermauern. In der Wohnung seien verbo-
tene Bücher gefunden worden und Nachbarn hätten gegen sie ausgesagt.
Offenbar gingen die Behörden von ihrer Mitgliedschaft in der Kirche aus,
weshalb sie in Abwesenheit verurteilt worden sei. Aus dem vorgelegten Re-
gistrierungsformular der Hafteinrichtung gehe hervor, dass ihr Mann seit
10. Mai 2018 inhaftiert sei und ihm Propaganda gegen die Regierung, Kritik
am Propheten und Handlungen gegen die nationale Sicherheit vorgewor-
fen würden. Da sie einer gerichtlichen Vorladung vom 14. August 2018
nicht nachgekommen sei, sei sie mit Urteil vom 10. November 2018 in Ab-
wesenheit zu zehn Jahren Gefängnis verbunden mit einer Körperstrafe ver-
urteilt worden. Ihr würden Handlugen gegen die nationale Sicherheit sowie
Propaganda gegen die Regierung vorgeworfen.
Ihre Kernvorbringen seien zudem nicht widersprüchlich ausgefallen. Im
Gegensatz zum Vorwurf des SEM habe sie erklären können, woher sie
wisse, dass die Fotos an die Behörden gelangt seien. Aus dem Anhörungs-
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protokoll gehe unmissverständlich hervor, dass sie – nachdem sie behörd-
lich gesucht worden sei – selbst darauf gekommen sei, dass dies an den
Fotos liegen müsse. Dieser Schluss sei unabhängig von Kenntnissen über
die Umstände der Verhaftung des Anführers möglich. Im Weiteren werde
ihr in Verkennung des Länderkontextes vorgeworfen, sich zunächst nicht
für die Verhaftung des Anführers der Hauskirche interessiert zu haben, ob-
wohl sie von der Gefahr gewusst habe. Die Menschen im Iran seien sich
über Verbote und Strafen stets im Klaren. Aufgrund der scheinbaren Dul-
dung liberaler Lebensformen im Privaten würden jedoch Gefahren igno-
riert. So habe sie die Gefahr, in welcher sie und ihr Mann sich befunden
hätten, unterschätzen beziehungsweise ausblenden können. Erst als ihr
Mann verhaftet und sie gesucht worden sei, habe die Furcht konkrete Ge-
stalt angenommen, was im Kontext nicht als widersprüchlich anzusehen
sei. Auch sei sie davon ausgegangen, dass ihre Rolle als Frau des Gast-
gebers nicht ausreichen würde, das Interesse der Sicherheitsbehörden auf
sich zu ziehen. Sie habe beim religiösen Teil der Treffen nicht mitgemacht
und die Gruppe habe sich konkret nur zwei- oder dreimal bei ihr zuhause
getroffen.
Es sei auch nicht richtig, dass ihre Angaben zur Suche durch den Geheim-
dienst widersprüchlich ausgefallen seien. Sie habe nachvollziehbar erklärt,
dass mehrmals (in B._) nach ihr gesucht worden sei, ein erstes Mal
bei der Festnahme ihres Mannes, ein weiteres Mal, als sie bei ihrer
Schwester gewesen sei, und nach ihrer Ausreise bei ihrer Mutter. In der
ergänzenden Anhörung habe sie auf die konkrete Frage, wie oft bei ihrer
Mutter oder ihrem Bruder nach ihr gesucht worden sei, gesagt, nur das
eine Mal. Dabei sei aber kein Widerspruch zu ihrer vorigen Aussage zu
erkennen. Die einzige kleine Abweichung bestehe darin, dass sie gesagt
habe, dass der Geheimdienst die Adresse ihrer Mutter herausgefunden
habe und danach ein paarmal dort aufgetaucht sei. Ob dies an der Über-
setzung liege oder einer spontanen Übertreibung geschuldet sei, bleibe of-
fen. Dabei habe sie sich aber nicht grundsätzlich widersprochen, insbeson-
dere nicht bezüglich Anzahl und Zeitpunkt dieser Fahndungen. Die Vor-
instanz habe ihr in der ergänzenden Anhörung treu- und aktenwidrig vor-
gehalten, sie hätte in der ersten Anhörung nicht erwähnt, ein zweites Mal
zuhause gesucht worden zu sein, und dass ihr Bruder sie darüber infor-
miert habe. Auch werde ihr zu Unrecht vorgehalten, sie habe gesagt, nicht
mit ihrer Mutter über die Besuche der Behörden gesprochen zu haben.
Diese Schlussfolgerung sei aus ihrer Aussage, meistens mit dem Bruder
gesprochen zu haben, nicht abzuleiten. Daraus lasse sich auch kein Wi-
derspruch zu ihrer Aussage, sie wisse nicht mehr genau, ob sie zunächst
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von ihrem Bruder oder ihrer Mutter über die Ermittlungen gehört habe, her-
leiten.
Von Oberflächlichkeit und Substanzlosigkeit ihrer Aussagen könne keine
Rede sein. Ihre Aussagen, etwa zum Telefonat mit der Nachbarin, seien
auffallend detailliert und enthielten verschiedene persönliche Eindrücke.
Dies gelte auch für die Schilderung der anschliessenden Fahrt durch
B._. Da sich zudem in den 46 Seiten Anhörungsprotokoll keine Wi-
dersprüche fänden, seien ihre Vorbringen als glaubhaft zu betrachten.
4.3 In der Vernehmlassung machte das SEM geltend, die beschwerde-
weise vorgelegten Dokumente seien käuflich. Unterschiedliche formale
und inhaltliche Kriterien bei der Ausstellung verunmöglichten deren Über-
prüfung, weshalb aufgrund der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen der Be-
schwerdeführerin auf eine eingehende Würdigung verzichtet werde. Zu-
dem sei verwunderlich, dass sie die Beweismittel, die aus dem Jahr 2018
datierten, nicht zu einem früheren Zeitpunkt eingereicht habe.
4.4 In der Replik machte die Beschwerdeführerin geltend, die leichte Käuf-
lichkeit von Dokumenten entbinde die Behörden nicht, diese einer genau-
eren Prüfung zu unterziehen, da ihr bei deren Echtheit eine unmenschliche
Behandlung drohe, woran auch der Zeitpunkt der Einreichung der Doku-
mente nichts ändere. Da die Beschwerdeführerin rechtlich unvertreten ge-
wesen sei, habe sie sich erst nach Erhalt der abweisenden Verfügung Rat
geholt und es erst danach gewagt, sich mit ihren Angehörigen zwecks der
Beschaffung der Dokumente in Verbindung zu setzen.
5.
5.1 Im Iran ist es Angehörigen der christlichen Minderheit verboten, ihren
Glauben über den Kreis ihrer Familie und ihrer Gemeinde hinaus zu pro-
pagieren. Der Versuch, Muslime zum Christentum zu bekehren, ist streng
verboten. Jegliche missionarische Tätigkeit wird als Verstoss gegen die all-
gemein geltenden religiösen Grundprinzipien angesehen und als solcher
verfolgt (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.2.1). Gemäss dem Koran kommt der
Abfall vom Glauben dem Verrat an der islamischen Gemeinde gleich und
soll mit dem Tod bestraft werden. Das kodifizierte iranische Strafrecht kennt
jedoch die Apostasie als Tatbestand bisher nicht (vgl. BVGer D-6142/2017
vom 18. Juli 2018 E. 7.3.2 m.w.H.).
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Der Übertritt zu einer anderen Glaubensrichtung allein führt im Iran zu kei-
ner (individuellen) staatlichen Verfolgung. Eine Verfolgung durch den irani-
schen Staat kommt dann zum Tragen, wenn der Glaubenswechsel auf-
grund einer missionierenden Tätigkeit bekannt wird und zugleich Aktivitä-
ten der Konvertierten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat
angesehen werden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.4; BVGer D-4759/2019 vom
7. Oktober 2019 E.4.2.1; E-3923/2016 vom 24. Mai 2018; D-4798/2016
vom 15. März 2019 E. 6.2.1).
5.2 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen
an das Glaubhaftmachen nicht genügen. Daran vermögen auch die auf
Beschwerdeebene eingereichten Kopien von Dokumenten nichts zu än-
dern, zumal die angebliche Echtheit und inhaltliche Richtigkeit der zugrun-
deliegenden Originale zweifelhaft erscheinen.
5.2.1 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie sei wie ihr Mann durch
den Geheimdienst als Teilnehmerin von Kirchenanlässen identifiziert wor-
den, nachdem der Leiter der Hauskirche ihres Mannes verhaftet worden
sei, beruhen lediglich auf Hörensagen und Vermutungen. Die diesbezügli-
chen Angaben der Beschwerdeführerin blieben äusserst vage und speku-
lativ. Das SEM wertete ihre Annahme, der Kirchenleiter sei im Besitz jener
Fotos gewesen, auf denen sie mit Gläubigen abgebildet sei, als reine Mut-
massung. Diese Einschätzung ist entgegen den Ausführungen in der Be-
schwerdeschrift, wonach sie ihre Annahme einer Gefährdung habe erklä-
ren können, nicht zu beanstanden. Die blosse Vermutung, der Geheim-
dienst sei an Fotos, auf denen sie abgebildet sei, gelangt, reicht nicht aus,
eine objektiv nachvollziehbare Gefährdung ihrerseits aufgrund der Fest-
nahme des Hauskirchenleiters glaubhaft zu machen.
5.2.2 Zu den Treffen selbst bringt sie vor, sie habe sich nicht dafür interes-
siert, aber gesehen, dass die Teilnehmer gebetet und sich am Schluss der
Veranstaltung fotografiert und gefilmt hätten (vgl. A29/9 F58 und A39/5
F28). Wie das Bundesverwaltungsgericht bereits in einem anderen Fall be-
treffend Hauskirchenbesuche festgehalten hat, ist es – gerade vor dem
Hintergrund, dass Apostasie unter der Scharia streng verboten ist und mis-
sionarische Tätigkeiten als Angriff auf den Staat verfolgt werden – nicht
glaubhaft, dass sich die Teilnehmenden an heimlichen Zusammenkünften
von Konvertiten immer wieder gegenseitig fotografieren (vgl. D-6142/2017
vom 18. Juli 2018 E. 6.2.5). Vor diesem Hintergrund vermögen auch die
Angaben in der Beschwerdeschrift nicht zu überzeugen, wonach es im
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Länderkontext plausibel sei, dass die Gefährdung unterschätzt werde. Den
Angaben der Beschwerdeführerin zufolge müsste dies auf alle sieben bis
acht Teilnehmenden der Hauskirche einschliesslich den Hauskirchenleiter
zutreffen, der aufgrund der Verfolgung von missionarischen Tätigkeiten als
stark gefährdet erscheint. Im Länderkontext ist dies nur schwer nachvoll-
ziehbar, zumal die Gruppe den angeblichen Aussagen ihres Mannes zu-
folge auf ein vorsichtiges Verhalten bedacht gewesen sein soll (vgl. A39/7
F38).
Wie das SEM im Weiteren zutreffend ausgeführt hat, widerspricht sich die
Beschwerdeführerin am Ende der Anhörung auch in der Darlegung der Ge-
fährdungssituation im Vergleich zu ihren früheren Ausführungen. So er-
klärte sie zunächst, sie habe bei diesen Treffen überhaupt nicht an die Kon-
sequenzen gedacht (A29/18 F120, F130). Als sie von ihrem Mann erfahren
habe, dass der Kirchenleiter festgenommen worden sei, habe sie ihn ge-
fragt, ob er auch Probleme bekommen werde; das sei aber für sie nicht
wichtig gewesen, da sie in die Sache nicht involviert gewesen sei (A29/19
F128 - 130). Auf die Frage, weshalb sie so unbeteiligt gewesen sei, gab sie
an, die Anlässe hätten ja nur zwei- bis dreimal bei ihr in der Wohnung statt-
gefunden (A29/19 F133). Demgegenüber gab sie gegen Ende der Anhö-
rung an, oft in den Medien über vergleichbare Fälle gehört zu haben, über
Leute, die bei sich zuhause Kirchen organisierten, weshalb sie nach dem
Anruf der Nachbarin, die sie über die Verhaftung ihres Mannes informiert
habe, sogleich aus B._ geflohen sei (A29/21 F143, F144).
Wie bereits erwähnt, ist sie ihren Angaben zufolge an den religiösen Treffen
nie beteiligt gewesen und habe nur zweimal hinterher den Tee serviert. Da
es sich dabei um den zentralen Auslöser ihrer Probleme handelt, erstaunen
ihre vagen Angaben zu diesen gesellschaftlichen Begegnungen, welche
zwei- oder dreimal in ihrer Wohnung stattgefunden haben sollen, wobei sie
zweimal am Ende die Leute bewirtet habe (vgl. A39/7 F37). Es ist nicht
nachvollziehbar, dass sie weder über die Hauskirchentreffen noch über die
Umstände der Verhaftung des Hauskirchenleiters oder über die teilneh-
menden Personen etwas Substanzielles zu berichten vermochte. Ihr Aus-
sageverhalten, wonach sie jeweils auf Nachfragen über keinerlei Informa-
tionen verfüge, da sie sich für diese nicht interessiert habe, erweckt insge-
samt nicht den Eindruck, dass sie diese Personen tatsächlich getroffen ha-
ben kann (vgl. A29/18, F121 und F126; A29/19 F129 – F133; A39/5 F28;
A39/7 F39 – 41).
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Schliesslich erscheint auch das geltend gemachte Verfolgungsinteresse an
ihrer Person im Länderkontext nicht naheliegend (vgl. E. 5.1 hiervor). Dem-
nach vermögen missionarische Aktivitäten und Aktivitäten, die das Regime
als Angriff auf den Staat wertet, das Interesse der Behörden zu erwecken.
Aufgrund der dargestellten Rolle der Beschwerdeführerin ist aber nicht da-
von auszugehen, dass die Behörden ein Interesse daran haben, sie in
flüchtlingsrechtlich relevanter Weise zu verfolgen.
5.2.3 Im Weiteren konnte sie auch über die Verhaftung ihres Mannes nur
oberflächlich berichten. Sie gab an, lediglich kurz von der Nachbarin ge-
warnt worden zu sein und danach das Telefon abgestellt zu haben, obwohl
jene damals länger mit ihr habe sprechen wollen (vgl. A39/8 F44). Ihre An-
gaben, aufgrund ihrer Sorge, abgehört zu werden, nicht mehr an weitere
Informationen durch die Nachbarin gelangen zu können (A39/10 F57 ff.),
sind nicht nachvollziehbar. Mit ihrer Familie vermochte sie den Kontakt auf-
rechtzuerhalten und ihr Bruder hat ihren Angaben zufolge in B._ an
verschiedenen Stellen erfolglos versucht, Erkundigungen einzuholen (vgl.
A29/14 F85 und F86). Dass die hilfsbereite Nachbarin angeblich nicht kon-
taktiert werden könne, verwundert auch aufgrund des beschwerdeweisen
Vorbringens, wonach im Quartier unbemerkt Post gelandet beziehungs-
weise eine an die Beschwerdeführerin gerichtete Vorladung aufgehängt
worden sein soll. Dass abgesehen vom kurzen Anruf der Nachbarin keine
weiteren Informationen über den Verbleib des Mannes der Beschwerde-
führerin verfügbar gewesen seien und ihre Familie auch niemand mit Er-
kundigungen beauftragt habe (vgl A29/11 F60 – F64), erscheint angesichts
des auf Beschwerdeebene geltend gemachten Prozesses, bei dem ein An-
walt ihren Mann vertrete, nur schwer nachzuvollziehen. Mit ihrem Mann
stand sie ihren Angaben zufolge seit dessen Glaubensübertritt in einem
guten Einvernehmen. Sein Anwalt vertritt ihn und nicht die mit ihr verstrit-
tene Schwiegerfamilie. Der angebliche Konflikt zwischen den Familien hat
denn auch den Anwalt nicht davon abgehalten, dem Bruder der Beschwer-
deführerin nach Erlass der abweisenden Verfügung im Jahr 2019 Zugang
zu Dokumenten aus dem Jahr 2018 zu verschaffen. In der Anhörung vom
16. Mai 2019 hat das SEM der Beschwerdeführerin ausdrücklich vorgehal-
ten, es sei nicht nachvollziehbar, dass sie über die Verhaftung ihres Man-
nes nichts wisse und aufgrund von Mutmassungen geflohen sei. Damals
erklärte sie, «wenn Sie selber recherchieren, werden Sie erfahren, dass
man über viele von unseren politischen Gefangenen nichts mehr hört und
keiner mehr weiss, wo sie sind. Die letzte Information, die ich von meiner
Nachbarin bekam, war ja, dass Beamte in ziviler Kleidung meinen Mann
mitgenommen hatten. Und danach konnte ich ja nicht mal mehr nach
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Hause zurückkehren» (vgl. A29/25 F174). In der ergänzenden Anhörung
vom 25. Juni 2019 blieb sie dabei, dass sie nichts über ihren Mann wissen
könne und im Iran «keiner mehr über den Verbleib von Gefangenen etwas
weiss» (vgl. A39/4 F19).
Nach dem Gesagten ist angesichts der oberflächlichen Angaben die gel-
tend gemachte Verhaftung ihres Mannes und die dadurch entstandene Be-
drohung ihrerseits nicht als glaubhaft zu erachten. Insbesondere überzeu-
gen ihre Erklärungen, sie habe dazu keine weiteren Informationen erhalten
können, nicht.
5.2.4 An dieser Einschätzung vermögen auch die auf Beschwerdeebene
neu vorgelegten Dokumente nichts zu ändern. Hierzu gab die Beschwer-
deführerin an, ihr Bruder habe auf ihren Wunsch hin Kontakt zum Rechts-
anwalt ihres inhaftierten Mannes aufgenommen. Der Anwalt habe ihm das
Registrierungsformular der Hafteinrichtung, in der sich ihr Mann befinde,
ausgehändigt. Bei der Akteneinsicht habe er auch die Vorladung vom
14. August 2018 und das Gerichtsurteil vom 10. November 2018 (in Form
einer abgestempelten Kopie ohne Signatur) betreffend die Beschwerdefüh-
rerin abfotografieren können. Gleichzeitig wurde auf Beschwerdeebene
eine rudimentäre Übersetzung der Dokumente eingereicht.
Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass auf der angeblich nur abfotografier-
ten Vorladung vom 14. August 2018 ein original handschriftlicher Vermerk
enthalten ist, welcher mit schwarzem Kugelschreiber angebracht wurde
und sich auf die Rückseite des Papiers durchdrückt. Der Übersetzung der
Beschwerdeführerin zufolge handelt es sich dabei um eine Bestätigung
des Beamten, welcher die Vorladung am 18. August 2018 im Quartier auf-
gehängt habe. Es ist zwar denkbar, dass der Rechtsanwalt des Mannes
ein entsprechendes Dokument mit Vermerk über die Zustellung in den Ak-
ten vorfinden und abfotografieren könnte. Wie aber der original handschrift-
liche Vermerk des Beamten auf diese abfotografierte Kopie gelangen soll,
wird nicht ersichtlich. Im Weiteren ist das Dokument, welches erst am 14.
August 2018 ausgefertigt worden sei, laut Druckvermerk am unteren Rand
bereits am 15. Juni 2018 ausgedruckt worden. Nach dem Gesagten über-
wiegen die Hinweise, aufgrund derer das Dokument als gefälscht zu be-
trachten ist.
Dass die Beschwerdeführerin eine Kopie einer Vorladung vorlegt, welche
einen offensichtlich gefälschten Zustellvermerk enthält, beschlägt ihre
Glaubwürdigkeit. Damit steht auch der Beweiswert der von ihr gleichzeitig
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eingereichten Fotografie einer Kopie des Gerichtsurteils vom 10. Novem-
ber 2018, welches in ihrer Abwesenheit ergangen sein soll, in Zweifel.
Hierzu wird in der Beschwerdeschrift ausgeführt, die Beschwerdeführerin
sei gestützt auf die Artikel 498 – 500 des iranischen Strafgesetzbuches zu
einer Strafe von zehn Jahren Gefängnis verbunden mit einer Körperstrafe
verurteilt worden, wegen Handlungen gegen die nationale Sicherheit sowie
Propaganda gegen das Regime.
In einer englischen Übersetzung des Iran Human Rights Documentation
Center (IHRDC) des islamischen Strafgesetzes lauten Artikel 498 – 500
wie folgt (vgl. Iran Human Rights Documentation Center [IHRDC], Islamic
Penal Code of the Islamic Republic of Iran – Book Five, 15.07.2013,
https://iranhrdc.org/islamic-penal-code-of-the-islamic-republic-of-iran-
book-five/, abgerufen am 29.06.2020):
Article 498 – Anyone, with any ideology, who establishes or directs a group, society, or
branch, inside or outside the country, with any name or title, that constitutes more than
two individuals and aims to perturb the security of the country, if not considered as mo-
hareb, shall be sentenced to two to ten years’ imprisonment.
Article 499 – Anyone who joins, as a member, any of the groups, societies, or branches
aforementioned in article 498, shall be sentenced to three months to five years’ impris-
onment, unless it is proved that he had been unaware of its aims.
Article 500 – Anyone who engages in any type of propaganda against the Islamic Re-
public of Iran or in support of opposition groups and associations, shall be sentenced to
three months to one year of imprisonment.
Die geltend gemachte Gefängnisstrafe von zehn Jahren wäre zwar in voller
Ausschöpfung des Strafrahmens von Art. 498 gedeckt, die laut Be-
schwerde zusätzlich verhängte Sanktion der Körperstrafe ist aber nicht mit
den im Urteil zitierten Bestimmungen des Strafgesetzbuches vereinbar.
Dies bestärkt die Zweifel an der inhaltlichen Richtigkeit des vorgelegten
Dokuments. Selbst wenn davon auszugehen wäre, dass Revolutionsge-
richte strenge Urteile fällen, ist nicht anzunehmen, dass die Gerichte den
gesetzlich vorgesehenen Strafrahmen missachten und Subsumptionsfeh-
ler in ihre Urteile einbauen. Nach dem Gesagten ergibt eine erste Inhalts-
analyse der rudimentären Angaben der Beschwerdeführerin zum Strafur-
teil, dass es entweder mit einem schweren handwerklichen Fehler behaftet
ist oder sie sich nicht über die darin ausgesprochene Sanktion im Klaren
ist, was angesichts der Bedeutung des Urteils für sie nicht nachvollziehbar
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ist. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin im vorliegenden Fall als
Anführerin oder Gründerin einer staatsgefährdenden Gruppe, nämlich der
Hauskirche, gelten und in voller Ausschöpfung des Strafrahmens mit der
Höchststrafe belegt worden sein müsste. Dies erstaunt angesichts der äus-
serst knappen Erwägungen, welche nicht einmal eine halbe Seite umfas-
sen. Nach dem Gesagten überwiegen die Gründe, die gegen die angebli-
che Echtheit beziehungsweise den Beweiswert der abfotografierten Kopie
des Strafurteils sprechen.
Nachdem bereits die Dokumente betreffend die Beschwerdeführerin mit
hoher Wahrscheinlichkeit als nicht echt zu betrachten sind, bestehen auch
erhebliche Zweifel am Beweiswert der gleichzeitig vorgelegten Kopie des
Registrierungsformulars der Hafteinrichtung ihres Mannes. Laut Angaben
der Beschwerdeführerin geht aus dem Registrierungsformular hervor, dass
ihr Mann seit 10. Mai 2018 inhaftiert sei. Es bleibt offen, warum sie dann
bereits im April 2018 ausgereist sein soll. Da das Formular den Ehemann
betrifft und nicht auf eine individuelle Gefährdung der Beschwerdeführerin
schliessen lässt, erübrigen sich weitere Ausführungen dazu.
In einer Gesamtbetrachtung ist auf die unglaubhaften Angaben der Be-
schwerdeführerin hinzuweisen und auf die vorgenommene summarische
Prüfung der Dokumente abzustellen, welche erhebliche Zweifel an der
Echtheit und inhaltlichen Richtigkeit der Dokumente ergeben hat. Gemäss
vorstehenden Erwägungen ist davon auszugehen, dass sie gefälscht res-
pektive käuflich erworben worden sind (zweifelhafter Zustellvermerk auf
der Vorladung, handwerkliche Schwächen des Urteils, Angaben der Be-
schwerdeführerin zum Ausreisezeitpunkt im Vergleich zur angeblich re-
gistrierten Inhaftierung ihres Mannes). Hinzu kommt, dass die Erklärung für
die späte Einreichung der Dokumente nicht zu überzeugen vermag. Die
Beschwerdeführerin gab an, sie sei als rechtsunkundige Person erst bei
Beschwerdeerhebung im Gespräch mit ihrem Rechtsvertreter ausreichend
orientiert worden. Zum Zeitpunkt der ersten Anhörung war sie aber im Rah-
men des Testbetriebs rechtlich vertreten (vgl. A12 und A29/29). Sie wurde
im Merkblatt zur Vorladung aufgefordert, Dokumente einzureichen, und in
der Anhörung ausdrücklich mit der Frage konfrontiert, warum sie über keine
weiteren Informationen verfüge beziehungsweise warum ihre Familie nie-
manden mit Erkundigungen beauftragt habe (vgl. A28, A29/11 F60-F64).
Nach dem Gesagten ist das Gesuch um neuerliche Übersetzung der Do-
kumente auf Gerichtskosten abzuweisen und es ist auch keine Botschafts-
abklärung zwecks Prüfung der Authentizität durchzuführen.
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Seite 15
5.3 Zusammenfassend hat das SEM in zutreffender Weise festgehalten,
dass die Angaben der Beschwerdeführerin zur Verhaftung ihres Mannes
und zu ihrer Gefährdung wegen der angeblichen Festnahme eines Haus-
kirchenleiters unglaubhaft geblieben sind. Vom Ergebnis her ist damit auch
der geltend gemachten behördlichen Suche die Grundlage entzogen. In
der Beschwerde wurden zwar zu Recht einzelne Details zu den vorgehal-
tenen Widersprüchen betreffend die angebliche Suche durch den Geheim-
dienst bemängelt. So trifft es zu, dass die Beschwerdeführerin gesagt hat,
meistens mit ihrem Bruder über die Suche durch den Geheimdienst ge-
sprochen zu haben, woraus sich nicht schliessen lässt, dass sie nicht mit
ihrer Mutter darüber gesprochen habe. Ihre weiteren Darstellungen der Su-
che sind aber nicht frei von Widersprüchen geblieben. Wie auch in der Be-
schwerde zugestanden wird, bestehen bezüglich der Häufigkeit der Suche
bei ihrer Mutter Unstimmigkeiten (vgl. A29/14 F84 und A39/12 F71).
5.4 Demnach hat die Beschwerdeführerin keine Verfolgung im Sinne von
Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen vermocht.
Die Vorinstanz hat daher die Flüchtlingseigenschaft zutreffend verneint und
das Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
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wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der
Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in
den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-
sig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
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127 m.w.H.). Dies ist der Beschwerdeführerin unter Verweis auf die vorste-
henden Ausführungen zum Asylpunkt nicht gelungen. Es bestehen keine
hinreichenden Anhaltspunkte für eine ernsthafte und konkrete Gefährdung
der Beschwerdeführerin in ihrem Heimatstaat im Sinne von Art. 3 EMRK.
Die in der Beschwerde geltend gemachte Angst vor behördlichen Übergrif-
fen, vor einer Verhaftung und vor Folter, aufgrund derer sie im Iran unzu-
mutbarem psychischem Druck ausgesetzt sein würde, ist nicht glaubhaft
und vermag damit eine Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nicht zu
begründen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den
Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei-
nen.
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.5 Im Iran herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situation all-
gemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumutbar
wäre. Auch unter Berücksichtigung der Umstände, dass die Staatsordnung
als totalitär zu bezeichnen ist und die allgemeine Situation in verschiedener
Hinsicht problematisch sein kann, wird der Vollzug der Wegweisung in den
Iran nach konstanter Praxis grundsätzlich als zumutbar erachtet (vgl.
BVGer D-4759/2019 vom 7. Oktober 2019 E. 6.3.1, D-4350/2018 vom
15. Juli 2019 E. 9.5, E-2780/2019 vom 11. Juli 2019 E. 8.3, E-2889/2019
vom 10. Juli 2019 E. 9.5, E-6175/2017 vom 28. Mai 2019 E. 8.4.1)
Das SEM hat sodann zu Recht festgestellt, dass nicht davon auszugehen
ist, die Beschwerdeführerin würde bei einer Rückkehr in den Iran aus indi-
viduellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in
eine ihre Existenz gefährdende Situation geraten, die als konkrete Gefähr-
dung im Sinne der zu beachtenden Bestimmung zu werten wäre (Art. 83
Abs. 4 AIG).
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Die Beschwerdeführerin lebte eigenen Angaben zufolge immer in
B._. Sie verfügt über ein soziales Beziehungsnetz, hat ein beson-
deres Verhältnis zu ihrer Mutter und steht nach wie vor mit ihr und ihrem
Bruder in Kontakt (vgl. A39/3 F12). Es ist davon auszugehen, dass sie nach
der Rückkehr bei ihrer Familie Aufnahme und Unterstützung finden kann.
Sie verfügt über die Matura, eine berufliche Ausbildung und (...)-jährige Ar-
beitserfahrung in einem (...) (vgl. A29/2 F5 – F9). Es darf somit davon aus-
gegangen werden, dass ihr die soziale und wirtschaftliche Wiedereinglie-
derung im Heimatstaat gelingen und sie auch künftig in der Lage sein wird,
für den Lebensunterhalt aufzukommen.
In medizinischer Hinsicht geht aus den Akten hervor, dass die Beschwer-
deführerin in der Schweiz aufgrund von (...) beziehungsweise (...)-schmer-
zen (am ehesten [...]), (...) ([...]), Fraktur des (...), einschliesslich des (...),
(...), (...) sowie (...) in Behandlung stand. Sie erhielt (...) und wurde zur
Verlaufskontrolle in (...) aufgeboten (vgl. Ärztlicher Bericht vom 10. Mai
2019). Im Iran besteht Zugang zur medizinischen und psychotherapeuti-
schen Behandlung (vgl. World Health Organization [WHO], Mental Health
Atlas 2017 – Islamic Republic of Iran, 2017, https://www.who.int/men-
tal_health/evidence/atlas/profiles-2017/IRN.pdf?ua=1, abgerufen am 30.
Juni 2020; BVGer E-7009/2014 vom 23. März 2016 E. 7.4.3). Aus den Ak-
ten geht im Weiteren hervor, dass die Beschwerdeführerin bereits in ihrer
Heimat aufgrund ihrer Probleme (...) Behandlung erhalten hat (vgl. A29/25
F175 ff). Es ist demnach davon auszugehen, dass sie auch nach ihrer
Rückkehr die notwendige medizinische Betreuung vorfinden kann. Wie die
Vorinstanz im Weiteren in der angefochtenen Verfügung zutreffend ausge-
führt hat, steht der Beschwerdeführerin die Inanspruchnahme der medizi-
nischen Rückkehrhilfe offen.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
7.6 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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Seite 19
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da sie mit der Beschwerde
ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung stellte, ist
in Hinblick auf die vorgelegte Fürsorgebestätigung vom 26. Juli 2019 von
ihrer Bedürftigkeit auszugehen, wobei auf Grund der Akten anzunehmen
ist, dass diese auch noch zum heutigen Zeitpunkt gegeben ist. Da im Wei-
teren ihre Beschwerde nicht als aussichtslos zu bezeichnen war, sind ihr
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
9.2 Gleichzeitig war gestützt auf aArt. 110a Abs. 1 AsylG zum Zeitpunkt des
Anfallens der Prozesshandlungen das Gesuch um Beiordnung eines un-
entgeltlichen Rechtsbeistands gutzuheissen, weshalb ihrem Rechtsanwalt
Urs Ebnöther ein Honorar auszurichten ist (vgl. für die Grundsätze der Be-
messung der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gericht geht bei der Festlegung
des Honorars von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis 220.– für anwalt-
liche Vertreterinnen und Vertreter aus. Der Rechtsanwalt hat am 7. August
2019 eine Kostennote in der Höhe von Fr. 2'433.60. bei einem Stundenan-
satz von Fr. 300.- zu den Akten gereicht. Der zeitliche Aufwand von insge-
samt 7.45 Stunden erscheint als angemessen wie auch die Barauslagen in
der Höhe von Fr. 24.60. Das Honorar wird gestützt auf die vorgenannten
Kriterien auf Fr. 1’792.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) fest-
gesetzt.
(Dispositiv nächste Seite)
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