Decision ID: 2fa8eb96-9058-45bc-9bac-080e67f3bca7
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ D.I., geboren 1982, ist mazedonischer Staatsangehöriger. Er gelangte 1991 im
Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz und liess sich bei seinen Eltern in Wil
nieder. Das Ausländeramt erteilte ihm eine Niederlassungsbewilligung.
Am 6. August 2001 wurde D.I. wegen Entwendung eines Motorfahrzeuges zum
Gebrauch und weiterer SVG-Delikte mit fünf Tagen Gefängnis und Fr. 500.-- Busse
bestraft.
Das Bezirksgericht Münchwilen sprach D.I. mit Urteil vom 30. September 2004 des
einfachen Raubes, des mehrfachen bandenmässigen Raubes, der Sachbeschädigung,
der mehrfachen Uebertretung des Betäubungsmittelgesetzes sowie der groben
Verletzung von Verkehrsregeln und weiterer SVG-Delikte schuldig und bestrafte ihn mit
30 Monaten Zuchthaus.
Mit Verfügung vom 25. Februar 2005 wies das Ausländeramt D.I. für die Dauer von fünf
Jahren aus der Schweiz aus. Zur Begründung wurde im wesentlichen angeführt, der
Betroffene habe zu schweren Klagen Anlass gegeben.
B./ Gegen die Ausweisung erhob D.I. durch seinen Rechtsvertreter Rekurs, der vom
Justiz- und Polizeidepartement mit Entscheid vom 26. Mai 2005 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 9. Juni 2005 erhob D.I. Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 26. Mai 2005 und die
Verfügung des Ausländeramts vom 25. Februar 2005 seien aufzuheben, auf die
Ausweisung sei zu verzichten und das Ausländeramt sei anzuweisen, ihm einen neuen
Ausländerausweis C auszustellen, eventualiter sei die Ausweisung anzudrohen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird im wesentlichen geltend
gemacht, die Ausweisung sei unverhältnismässig. Auf die einzelnen Vorbringen wird,

soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 7. Juli 2005 unter Hinweis auf die
Erwägungen des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der Beschwerde.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 9. Juni 2005
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2./ Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) kann ein Ausländer aus der Schweiz
ausgewiesen werden, wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich
bestraft wurde (lit. a) oder wenn sein Verhalten im allgemeinen und seine Handlungen
darauf schliessen lassen, dass er nicht gewillt oder nicht fähig ist, sich in die im
Gaststaat geltende Ordnung einzufügen (lit. b).
Die Ausweisung kann befristet, aber nicht für weniger als zwei Jahre, oder unbefristet
ausgesprochen werden (Art. 11 Abs. 1 ANAG). Sie soll nur verfügt werden, wenn sie
nach den gesamten Umständen angemessen erscheint (Art. 11 Abs. 3 Satz 1 ANAG).
a) Art. 10 Abs. 1 ANAG ist eine typische "Kann-Bestimmung". Das Gesetz schreibt
beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen nicht zwingend die Anordnung einer
Ausweisung vor, sondern es räumt der Verwaltung diesbezüglich einen
Ermessensspielraum ein. Das Verwaltungsgericht ist zur Ueberprüfung der
Angemessenheit einer Verfügung oder eines Entscheides nicht befugt (Art. 61 Abs. 1
und 2 VRP). Es darf daher auch bei der Prüfung der Angemessenheit im Sinne von Art.
11 Abs. 3 Satz 1 ANAG nicht sein eigenes Ermessen - im Sinne einer Prüfung der
Opportunität bzw. der Zweckmässigkeit der Massnahme - anstelle des Ermessens der
Verwaltung stellen (VerwGE vom 11. November 2003 i.S. M.B.A. mit Hinweis auf
VerwGE vom 17. August 1999 i.S. J. und S.R.; BGE 125 II 107). Es kann nur
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überprüfen, ob der Entscheid der Verwaltung auf einer Ueberschreitung bzw. einem
Missbrauch des Ermessens beruht und damit rechtswidrig ist (GVP 1996 Nr. 9 mit
Hinweisen).
Für die Beurteilung der Angemessenheit der Ausweisung im Sinne von Art. 11 Abs. 3
ANAG bzw. der Verhältnismässigkeit sind namentlich die Schwere des Verschuldens
des Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz sowie die ihm und seiner
Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 3 der Vollzugsverordnung
zum ANAG, SR 142.201).
b) Der Beschwerdeführer wurde rechtskräftig des einfachen und des mehrfachen
bandenmässigen Raubes sowie der mehrfachen Uebertretung des
Betäubungsmittelgesetzes und der groben Verletzung von Verkehrsregeln sowie
weiterer SVG-Delikte schuldig gesprochen und zu 30 Monaten Zuchthaus verurteilt.
Aufgrund dieser Verurteilung sind die Voraussetzungen für eine Ausweisung gemäss
Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG unbestrittenermassen erfüllt.
c) Im folgenden ist zu prüfen, ob die Ausweisung für die Dauer von fünf Jahren
verhältnismässig ist.
Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Verschuldens und die
fremdenpolizeiliche Interessenabwägung ist die vom Strafrichter verhängte Strafe (BGE
129 II 216).
Der Beschwerdeführer verübte mehrere Raubüberfälle auf kleine Ladengeschäfte. Nach
der Beurteilung des Strafgerichtes wiegt sein Verschulden schwer. Er habe in vollem
Bewusstsein Vorbereitungshandlungen getroffen und im Rahmen der von ihm verübten
Straftat bewusst auch in Kauf genommen, dass er die Ladenangestellten mit einer
ungeladenen, sonst aber echten Pistole in Angst und Schrecken versetzte. Das
Strafgericht hielt fest, die Opfer hätten nicht erkennen können, dass die vom
Beschwerdeführer mitgeführte Schusswaffe ungeladen war, womit ausgewiesen sei,
dass die Opfer um ihr Leben gefürchtet hätten. Strafmildernd wurde das Alter des
Beschwerdeführers berücksichtigt; strafmindernd seine grundsätzliche
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Geständnisbereitschaft. Straferhöhend wirkte sich die mehrfache Begehung sowie die
Deliktskonkurrenz aus.
Auch in fremdenpolizeilicher Hinsicht ist das Verschulden als schwer einzustufen.
Insbesondere ist bei Gewaltdelikten, also namentlich bei Raub, auch nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 II
526). Aufgrund der Verurteilung ist daher ein gewichtiges öffentliches Interesse an der
Ausweisung des Beschwerdeführers gegeben.
Eine Ausweisung setzt nicht mehrere Verurteilungen voraus. Bei schweren Straftaten ist
es zulässig, einem Ausländer aufgrund einer einmaligen Delinquenz die Berechtigung
zum Aufenthalt in der Schweiz abzusprechen. Die öffentliche Ordnung und Sicherheit
würde in unerträglicher Weise beeinträchtigt, wenn Ausländer, die ihr Gastrecht in
schwerer Weise missbraucht haben, nach Verbüssung der Strafe weiterhin in der
Schweiz bleiben dürften (VerwGE vom 6. Dezember 2002 i.S. S.D., bestätigt vom
Bundesgericht mit Urteil vom 31. Januar 2003, 2A.38/2003). Im vorliegenden Fall liegt
nicht eine einmalige Delinquenz vor; der Beschwerdeführer war bereits im Jahr 2001 zu
einer bedingten Gefängnisstrafe von fünf Tagen verurteilt worden und wurde während
der Probezeit erneut straffällig.
Zugunsten des Beschwerdeführers ist zu berücksichtigen, dass er bereits seit über
dreizehn Jahren in der Schweiz lebt. Die relativ lange Aufenthaltsdauer fällt ohne
Zweifel zu seinen Gunsten ins Gewicht. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass der
Beschwerdeführer wie erwähnt bereits im Jahr 2001 wegen Entwendung eines
Personenwagens zum Gebrauch und weiterer SVG-Delikte mit fünf Tagen Gefängnis
bestraft wurde und somit der Entscheid des Bezirksgerichts Münchwilen nicht die
einzige Verurteilung ist.
Der Beschwerdeführer lebt seit seiner Einreise in die Schweiz bei seinen Eltern. Er
anerkannt, dass er sich mündlich in der Muttersprache ausdrücken kann. Als
erwachsener junger Mann kann er sich jedenfalls ohne überdurchschnittliche
Schwierigkeiten in seinem Herkunftsstaat zurechtfinden. Der Beschwerdeführer ist
zudem unverheiratet und hat keine familiären Unterstützungspflichten. Auch in dieser
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Beziehung liegen keine besonderen Umstände vor, welche bei der
Interessenabwägung zu seinen Gunsten zu berücksichtigen sind.
Nicht entscheidend ins Gewicht fällt der Umstand, dass der Beschwerdeführer derzeit
über eine feste Anstellung verfügt. Der Arbeitsvertrag mit der Y. AG datiert vom 7. April
2005. Der Beschwerdeführer befindet sich somit erst relativ kurze Zeit an der besagten
Stelle. Gemäss dem polizeilichen Führungsbericht vom 22. April 2003 hat sich der
Beschwerdeführer an der Arbeitsstelle bei der X. AG nicht bewährt. Das Verhalten als
Arbeitnehmer fällt somit nur in geringfügigem Mass zugunsten des Beschwerdeführers
ins Gewicht.
d) Aufgrund der dargelegten Umstände durfte die Vorinstanz ohne Rechtsverletzung
dem Schutz der öffentlichen Ordnung und damit dem Interesse an der Ausweisung des
Beschwerdeführers höheres Gewicht zumessen als seinem privaten Interesse an einem
Verbleib in der Schweiz. Angesichts der Schwere der Straftaten ist die vom
Ausländeramt verfügte bzw. von der Vorinstanz bestätigte Dauer der Ausweisung von
fünf Jahren nicht zu beanstanden. Dem öffentlichen Interesse an der Fernhaltung des
Beschwerdeführers würde mit einer blossen Androhung einer Ausweisung nicht
Rechnung getragen. Die Dauer der Massnahme bewegt sich im Rahmen des
Ermessens der Verwaltungsbehörde. Eine Reduktion auf das gesetzliche Minimum
erscheint aufgrund der Art und der Schwere der Straftaten nicht gerechtfertigt. Die
Dauer der Ausweisung entspricht im übrigen der Praxis des Verwaltungsgerichts (vgl.
den zit. VerwGE vom 6. Dezember 2002 i.S. S.D.; daneben auch VerwGE B 2004/21
vom 23. April 2004 i.S. B.A., in: www.gerichte.sg.ch). Folglich ist die Beschwerde als
unbegründet abzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).