Decision ID: d64c1309-23bf-4bda-b07a-edfd1c531e2c
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Januar 2016 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe eine Anlehre zur
Textilverkäuferin gemacht; seit Mai 2010 arbeite sie in einem Pensum von 75 Prozent
als Wäscherei-Angestellte. Die Arbeitgeberin berichtete Ende Januar 2016 (IV-act. 11),
das Arbeitsverhältnis sei ungekündigt. Der Lohn belaufe sich seit dem 1. Januar 2002
auf 37’812.45 Franken pro Jahr bei einem Beschäftigungsgrad von 75 Prozent. Die
Allgemeinmedizinerin Dr. med. B._ teilte der IV-Stelle am 6. Februar 2016 mit (IV-act.
16), die Versicherte leide an lumbo-spondylogenen Schmerzen bei einer medio-rechts-
lateralen Discushernie L4/5 mit einer radiculären Reizsymptomatik L5 rechts. Im August
2015 sei sie vollständig, vom 1. September 2015 bis zum 13. September 2015 zu 50
Prozent, vom 14. September 2015 bis zum 22. September 2015 zu 30 Prozent und ab
dem 23. September 2015 wieder vollständig arbeitsunfähig gewesen. Am 23.
November 2015 habe sie einen Arbeitsversuch mit acht Stunden pro Woche begonnen.
Per 1. Februar 2016 habe sie das Pensum auf eine „Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent“
steigern können. Bei einem Assessmentgespräch gab die Versicherte am 23. Februar
2016 an (IV-act. 22), sie sei seit dem 8. Februar 2016 wieder vollständig arbeitsunfähig.
Man plane nun eine stationäre Rehabilitation. In Zukunft würde sie gerne in einem
Pensum von 60–70 Prozent arbeiten. Die Kliniken Valens berichteten am 25. April 2016
(IV-act. 24), die Versicherte leide an einem chronischen lumbo-spondylogenen
Syndrom. Sie habe sich vom 17. März 2016 bis zum 16. April 2016 in einer stationären
Behandlung befunden. Bei einer konsequenten Fortführung des instruierten
Heimübungsprogramms sowie einem regelmässigen aktiven und passiven
Therapieprogramm sei die Prognose günstig. Ab dem 18. April 2016 bestehe eine
Arbeitsfähigkeit für zwei Stunden pro Tag an fünf Tagen pro Woche. Nach zwei
A.a.
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Wochen könne das Pensum auf drei Stunden pro Tag gesteigert werden. Nochmals
eine Woche später sei eine Steigerung auf vier Stunden pro Tag möglich. Ab dem 16.
Mai 2016 sollte es der Versicherten zumutbar sein, wieder das volle Pensum von 75
Prozent zu verrichten. Am 16. Mai 2016 teilte Dr. B._ mit (IV-act. 31), die Versicherte
habe ihr Arbeitspensum nicht wie geplant steigern können. Aktuell arbeite sie während
drei Stunden pro Tag. Längere Einsätze führten zu einer ausgeprägten
Schmerzprovokation. Aus medizinischer Sicht sei es ungünstig, dass die Versicherte
häufig Lasten tragen und in einer vornübergeneigten Haltung stehen müsse. Für eine
Tätigkeit mit einer regelmässig wechselnden Körperhaltung ohne die am derzeitigen
Arbeitsplatz auftretenden Belastungen dürfte eine höhere Arbeitsfähigkeit bestehen.
Am 28. Juni 2016 notierte Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst
(RAD), diese Angaben seien medizinisch nachvollziehbar (IV-act. 33).
Ein Eingliederungsverantwortlicher der IV-Stelle notierte im Juli 2016 (IV-act. 35),
die Versicherte müsse sich beruflich neu orientieren. Das wolle sie aber nicht. Sie wolle
weiterhin an ihrem angestammten Arbeitsplatz tätig sein. Das Pensum könne sie nicht
mehr weiter steigern. Eine Unterstützung durch die Eingliederungsberatung sei daher
nicht möglich. Mit einer Mitteilung vom 18. Juli 2016 wies die IV-Stelle das Begehren
um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 38).
A.b.
Im Auftrag der Krankentaggeldversicherung erstellte die Zentrum für
Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene (AEH) AG am 14. November 2016 ein
medizinisches Gutachten (act. G 15.2.4–2 ff.). Die Sachverständigen hielten fest, bei
einer standardisierten Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit habe die
Versicherte eine Leistungsfähigkeit gezeigt, die es ihr erlaube, leichte bis
mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten ganztags auszuüben, wobei sie
allerdings auf zusätzliche Pausen von insgesamt etwa eineinhalb Stunden pro Tag
angewiesen sei und Tätigkeiten über Schulterhöhe oder in einer vornübergeneigten
Haltung nur während maximal bis drei Stunden pro Tag verrichten könne. Die
Leistungsbereitschaft in den Tests sei zuverlässig und die Konsistenz sei gut gewesen.
Aus medizinischer Sicht empfehle sich eine Intensivierung der bereits begonnenen
medizinischen Trainingstherapie sowie eine physiotherapeutische Begleitung des
Trainings. Unter einer konsequent durchgeführten Therapie sollte die Versicherte
innerhalb von sechs Monaten wieder die volle frühere Leistungsfähigkeit erreichen. Aus
A.c.
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psychiatrischer Sicht sei keine Arbeitsunfähigkeit zu diagnostizieren. Die RAD-Ärztin
Dr. C._ qualifizierte dieses Gutachten als überzeugend (IV-act. 40). Sie hielt fest, für
den Aufgabenbereich im Haushalt seien Einschränkungen für schwere
Haushaltsarbeiten und für Arbeiten in längeren Zwangshaltungen zu attestieren.
Mit einem Vorbescheid vom 3. Januar 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit
(IV-act. 43), dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe. Zur Begründung
führte sie an, gemäss dem Gutachten der AEH AG bestehe keine bleibende
Arbeitsunfähigkeit im Erwerbsbereich. Im Haushalt bestünden zwar gewisse
Einschränkungen, aber diese würden durch die Schadenminderungspflicht der Kinder
aufgefangen. Sowohl im mit 75 Prozent zu gewichtenden Erwerbsbereich als auch im
mit 25 Prozent zu gewichtenden Aufgabenbereich resultiere folglich ein
Teilinvaliditätsgrad von je null Prozent. Damit betrage auch der Gesamtinvaliditätsgrad
null Prozent. Dagegen wandte die Versicherte am 1. März 2017 ein (IV-act. 48), sie
hätte ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung nur bis Sommer 2017 teilerwerbstätig sein
wollen. Ihre Tochter werde dann ihre Ausbildung abschliessen. Die Versicherte habe
geplant, ihr Pensum auf 100 Prozent zu steigern und in den Pflegebereich zu wechseln.
Im Jahr 2009 habe sie einen Pflegehelferkurs absolviert. Nach der Begutachtung durch
die AEH AG habe sie ihre Therapie gemäss den Empfehlungen intensiviert, was aber
eine massive Schmerzzunahme zur Folge gehabt habe, die nicht einmal mit Opiaten
habe im Griff gehalten werden können. Ein Facharzt habe eine Versteifung der Wirbel
vorgeschlagen, was aber unter anderem aufgrund ihres Alters nicht in Frage komme.
Eine Infiltration habe keinen wesentlichen Erfolg gezeitigt. Im Januar 2017 sei eine
Illiosacralgelenksarthrose festgestellt worden. Am 23. Januar 2017 hatte die Klinik für
Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen berichtet (IV-act. 51), die neu präsentierte
Schmerzsymptomatik sei am ehesten mit einer muskulären Problematik zu
vereinbaren. Differentialdiagnostisch sei an ein ISG-Syndrom oder an ein Piriformis-
Syndrom zu denken. Das Schmerzzentrum des Kantonsspitals St. Gallen hatte am 28.
Februar 2017 mitgeteilt (IV-act. 52), bei der Versicherten habe sich eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen entwickelt. Gegenwärtig
leide die Versicherte auch an einer leichten depressiven Episode. Am 3. April 2017
berichtete die Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 53), die
Versicherte leide weiterhin unter ihren belastungsabhängigen Rückenschmerzen. Neue
A.d.
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B.
Befunde hätten sich nicht ergeben. Eine Spondylodese erscheine als wenig sinnvoll.
Die RAD-Ärztin Dr. C._ hielt am 21. April 2017 fest, dass sich in medizinischer
Hinsicht keine neuen Erkenntnisse ergeben hätten (IV-act. 54). Mit einer Verfügung vom
27. April 2017 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 55).
Am 29. Mai 2017 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine
Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der
Verfügung vom 27. April 2017, die Gewährung der gesetzlichen Leistungen und
eventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle
(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). Zur Begründung führte er aus, der Sachverhalt
sei ungenügend abgeklärt worden. Obwohl die Beschwerdegegnerin die sogenannte
„gemischte Methode“ angewendet habe, habe sie keine Haushaltsabklärung
durchgeführt. Der Rechtsvertreter beantragte unter Hinweis auf eine späte
Mandatierung die Ansetzung einer Nachfrist für die Ergänzung der Begründung. Am 3.
Juli 2017 beantragte er eine Fristerstreckung für die Begründungsergänzung (act. G 3).
Am 25. August 2017 beantragte er eine weitere Fristerstreckung (act. G 5). Der Eingabe
lag ein vorläufiger Austrittsbericht der Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals
St. Gallen betreffend eine im August 2017 durchgeführte Sequesterektomie L4/5 rechts
bei (act. G 5.1). Am 29. September 2017, am 30. November 2017 und am 9. Januar
2018 beantragte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin weitere
Fristerstreckungen (act. G 7, G 9 und G 12). Innerhalb der letztmals bis am 29. Juni
2018 erstreckten Frist ging dann allerdings keine Beschwerdeergänzung ein (vgl. act. G
14).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 19. März 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 15). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten der AEH AG
belege überzeugend, dass die Beschwerdeführerin wieder im bisherigen Pensum
arbeiten könne. Weitere Abklärungen sei nicht notwendig gewesen.
B.b.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragte am 8. Mai 2018 eine
Fristerstreckung für die Einreichung der Replik (act. G 17). Am 29. Mai 2018 beantragte
er eine weitere Fristerstreckung (act. G 19). Innerhalb der antragsgemäss erstreckten
B.c.
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Erwägungen
1.
Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu durchschnittlich mindestens 40 Prozent invalid ist, hat gemäss dem Art. 28
Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. In der Regel wird
laut dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG zur Bemessung der
Invalidität das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälligen Eingliederungsmassnahmen bei einer ausgeglichenen
Arbeitsmarktlage durch eine ihr zumutbare Tätigkeit erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre. Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und
denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird laut
dem Art. 28a Abs. 2 IVG für die Bemessung der Invalidität in Abweichung vom Art. 16
ATSG darauf abgestellt, in welchem Umfang sie unfähig geworden sind, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen. Bei Versicherten, die teilweise erwerbstätig und
teilweise im Aufgabenbereich tätig gewesen sind, wird der Invaliditätsgrad für beide
Bereiche nach der jeweiligen Methode berechnet; die Teilinvaliditätsgrade werden nach
den Anteilen der Bereiche „gewichtet“ und dann addiert (sog. gemischte Methode; Art.
28a Abs. 3 IVG).
2.
Die Beschwerdeführerin ist vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung
erwerbstätig gewesen und ihr hat angesichts des Alters ihrer Kinder die Aufnahme
einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit objektiv zugemutet werden können. Damit sind die
Voraussetzungen für die Anwendung des Betätigungsvergleichs oder der gemischten
Methode gemäss dem absolut klaren Wortlaut des Art. 28a Abs. 2 IVG, des Art. 5 Abs.
1 IVG und des Art. 8 Abs. 3 ATSG nicht erfüllt gewesen. Allerdings richtet sich die
Methodenwahl laut der den klaren Wortlaut und den Sinn und Zweck dieser
Gesetzesbestimmungen ignorierenden bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht
Frist ging keine Replik ein, weshalb der Schriftenwechsel am 24. Juli 2018
abgeschlossen wurde (vgl. act. G 21).
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nach der objektiven Zumutbarkeit einer Erwerbsaufnahme, sondern danach, wie sich
die versicherte Person im hypothetischen „Gesundheitsfall“ verhalten würde. Zur
Beantwortung dieser Frage wird in aller Regel eine Haushaltsabklärung durchgeführt,
bei der die versicherte Person unter anderem zu ihrem Verhalten im hypothetischen
„Gesundheitsfall“ befragt wird. Eine solche Abklärung ist aus nicht nachvollziehbaren
Gründen unterblieben. Allerdings hat die Beschwerdeführerin nachträglich angegeben,
sie wäre im hypothetischen „Gesundheitsfall“ bis zum Abschluss der Ausbildung ihrer
jüngsten Tochter im Sommer 2017 teilerwerbstätig geblieben; danach hätte sie eine
vollzeitliche Erwerbstätigkeit ausgeübt. Da die angefochtene Verfügung im April 2017
ergangen ist, ist für den gesamten hier massgebenden Zeitraum von einer
hypothetischen Teilerwerbstätigkeit in einem Pensum von 75 Prozent auszugehen.
Würde der Beschwerdeführerin eine Rente zugesprochen, müsste diese per August
2017 revidiert werden, denn ab diesem Zeitpunkt müsste von einer Validenkarriere in
der Form einer (hypothetischen) vollzeitlichen Erwerbstätigkeit ausgegangen werden,
sodass der Invaliditätsgrad anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu berechnen
wäre. Für den hier massgebenden Zeitraum ist die Beschwerdeführerin aber jedenfalls
als zu 75 Prozent erwerbstätig und zu 25 Prozent im Aufgabenbereich (Haushalt) tätig
zu qualifizieren, weshalb der Invaliditätsgrad anhand der gemischten Methode zu
berechnen ist.
3.
Die Beschwerdeführerin hat eine Anlehre zur Textilverkäuferin absolviert.
Angesichts der notorisch tiefen Löhne, die im Detailhandel bezahlt werden, hätte es
diese Ausbildung der Beschwerdeführerin im hypothetischen „Gesundheitsfall“ nicht
erlaubt, einen über dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne liegenden
Lohn zu erzielen. Effektiv hat die Beschwerdeführerin ziemlich genau einem dem
Durchschnittslohn für die Hilfsarbeiterinnen aller Branchen entsprechenden Lohn
erzielt. Das zeigt, dass sie ohne weiteres auch als Hilfsarbeiterin hätte tätig sein und
einen dem Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne über alle Branchen hinweg
entsprechenden Lohn hätte erzielen können. Das Valideneinkommen entspricht folglich
diesem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne aller Branchen.
3.1.
Die Bestimmung der zumutbaren Invalidenkarriere hängt davon ab, welche
Tätigkeiten der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht zugemutet werden
können. Sowohl die ambulant behandelnden Ärzte als auch jene der Kliniken Valens
haben im hier massgebenden Zeitraum bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung
keine objektiven klinischen Befunde erhoben, die die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin erheblich eingeschränkt hätten. Die Ärzte der Kliniken Valens
3.2.
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haben sogar die Rückkehr an den angestammten Arbeitsplatz als
Wäschereimitarbeiterin im vorherigen Pensum von 75 Prozent als zumutbar erachtet,
obwohl die Beschwerdeführerin dort wieder oft hätte Lasten tragen und in einer
vornübergeneigten Haltung stehend Arbeiten hätte verrichten müssen. Die
Sachverständigen der AEH AG haben allerdings nach einer eingehenden Testung der
funktionellen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin angesichts der von ihnen als
konsistent und zuverlässig qualifizierten Testergebnisse die angestammte Tätigkeit als
damals bloss noch während drei Stunden pro Arbeitstag zumutbar qualifiziert. Dieses
Attest überzeugt angesichts der ungünstigen Belastungen des angestammten
Arbeitsplatzes, was auch die RAD-Ärztin Dr. C._ bestätigt hat. Zwar haben die
Sachverständigen der AEH AG eine rasche Steigerung der Arbeitsfähigkeit unter einer
konsequenten Therapie prognostiziert, aber bei dieser Prognose kann es sich
naturgemäss nicht um eine überwiegend wahrscheinliche Angabe zur tatsächlichen
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, sondern nur um eine einigermassen plausible
Einschätzung der zukünftigen Entwicklung gehandelt haben, weshalb nicht darauf
abgestellt werden kann. Das mindert die Aussagekraft des Gutachtens bezüglich der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begutachtung aber nicht. Für
eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit haben die Sachverständigen einen zusätzlichen
Pausenbedarf von eineinhalb Stunden attestiert, was bei einer betriebsüblichen
wöchentlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden (über alle Branchen hinweg) einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von gerundet 18 Prozent entspricht (= 5 × 1,5 ÷ 41,7). Auch
bezüglich einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit haben die Sachverständigen eine
Steigerung der Arbeitsfähigkeit innerhalb der nächsten Monate prognostiziert, aber
auch dabei kann es sich nur um eine Einschätzung der zukünftigen Entwicklung
gehandelt haben. Folglich ist nicht auf die Prognose, sondern auf die zum
Begutachtungszeitpunkt attestierte Arbeitsfähigkeit von 82 Prozent für eine ideal
leidensadaptierte Tätigkeit abzustellen. Daran hat die im August 2017 erfolgte
Rückenoperation nichts geändert, denn gemäss dem Austrittsbericht vom 18. August
2017 (act. G 5.1) ist mit dieser nur eine vorübergehende Verschlechterung
(Schmerzexazerbation) behoben worden. Die von den Sachverständigen der AEH AG
attestierte Arbeitsfähigkeit kann in einer adaptierten Hilfsarbeit verwertet werden, was
bedeutet, dass der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne und
damit dem Valideneinkommen entspricht. Der Betrag kann bei der Berechnung des
Invaliditätsgrades mathematisch keine Rolle spielen; der Invaliditätsgrad ist also mittels
eines sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen. Er entspricht dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, der allenfalls um einen Tabellenlohnabzug zu korrigieren ist.
Praxisgemäss ist vorliegend ein Tabellenlohnabzug von zehn Prozent zu
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4.
Die RAD-Ärztin Dr. C._ hat unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Gutachtens
der AEH AG mit einer überzeugenden Begründung festgehalten, dass der
Beschwerdeführerin die körperlich schwer belastenden Tätigkeiten im eigenen
Haushalt nicht mehr zumutbar seien. Die Beschwerdegegnerin hat dann allerdings
keinen Betätigungsvergleich durchgeführt, anhand dessen sie die prozentuale
Einschränkung im Aufgabenbereich hätte festlegen können. Vielmehr hat sie pauschal
auf die Schadenminderungspflicht der Kinder der Beschwerdeführerin verwiesen und
geltend gemacht, diese kompensiere die Einschränkung der Beschwerdeführerin im
Aufgabenbereich unabhängig von deren konkreter Höhe. Damit hat sie ihre
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) verletzt. Zudem liegt dieser Ansicht
offensichtlich ein falsches Verständnis bezüglich des versicherungsrechtlich
massgebenden Schadens zugrunde, denn die Schadenshöhe bemisst sich nicht an der
(verbliebenen) Leistungsfähigkeit einer zufällig zusammengesetzten
Wohngemeinschaft, sondern allein an der (verbliebenen) Leistungsfähigkeit der
versicherten Person selbst. Allerdings spielt das für den vorliegenden Fall keine Rolle,
denn nur wenn die Beschwerdeführerin gänzlich unfähig wäre, sich weiter im
Aufgabenbereich zu betätigen, was gemäss den medizinischen Akten eindeutig nicht
der Fall ist, könnte insgesamt ein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren. Nur
in diesem Fall würde nämlich für den Aufgabenbereich ein gewichteter
berücksichtigen, da die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsleistung nicht konstant
zuverlässig, sondern angesichts der zu erwartenden Schmerzexazerbationen nur
schwankend und dementsprechend schlecht planbar wird verwerten können und da
sie von einem potentiellen Arbeitgeber nicht gleich flexibel wie eine gesunde
Arbeitnehmerhin eingesetzt werden kann, weil sie nur ideal leidensadaptierte
Tätigkeiten ausführen kann und weil sie nicht in der Lage sein wird, auch nur
vorübergehend mehr als das ihr zumutbare Pensum zu leisten. Ein
betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkender Arbeitgeber wird diesen Umständen bei
der Festsetzung des Lohnes Rechnung tragen müssen, das heisst er wird es sich aus
betriebswirtschaftlich-ökonomischer Sicht nicht leisten können, der
Beschwerdeführerin einen durchschnittlichen Lohn auszubezahlen, da ein solcher
notwendigerweise einen Soziallohnanteil enthalten würde. Damit ergibt sich für den
Erwerbsbereich ein Invaliditätsgrad von 26,2 Prozent (= 100% – 90% × 82%). Im
Rahmen der gemischten Methode ist dieser Teilinvaliditätsgrad mit dem prozentualen
Anteil des Erwerbsbereichs zu „gewichten“, sodass ein „gewichteter“
Teilinvaliditätsgrad von 19,65 Prozent (= 26,2% × 75%) für den Erwerbsbereich
resultiert.
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Teilinvaliditätsgrad von 25 Prozent (= 100% × 25%) resultieren, der zusammen mit dem
gewichteten Teilinvaliditätsgrad von 19,65 Prozent im Erwerbsbereich einen Gesamt-
Invaliditätsgrad von über 40 Prozent ergäbe. Wenn im Aufgabenbereich (Haushalt) eine
Teilinvalidität von 75 Prozent vorliegen würde (was gemäss den medizinischen Akten
ohne weiteres als deutlich zu hoch erscheint), würde lediglich ein gewichteter
Teilinvaliditätsgrad von 18,75 Prozent (= 75% × 25%) resultieren, was zusammen mit
dem gewichteten Teilinvaliditätsgrad im Erwerb von 19,65 Prozent nur einen nicht
rentenbegründenden Gesamt-Invaliditätsgrad von 38,4 Prozent ergäbe. Im Ergebnis
erweist sich die abweisende Verfügung vom 27. April 2017 damit als rechtmässig.
5.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind der
unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Diese Kosten sind durch den von ihr
geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Die unterliegende
Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.