Decision ID: 72b508c4-fefe-526d-8008-d76450c9880f
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Sunrise Communications AG, Zürich, reichte am 25. April 2008 bei der
Bauverwaltung der Politischen Gemeinde Buchs ein Baugesuch für die Erstellung einer
Mobilfunkanlage auf dem Flachdach des Mehrfamilienhauses Vers.-Nr. .. .. in Räfis,
Politische Gemeinde Buchs, ein. Das Grundstück liegt in der südöstlichen Ecke der
Wohnzone W3. Unmittelbar südlich grenzt eine Wohnzone W2 an, während das östlich
angrenzende Gebiet der Wohn-Gewerbe-Zone WG3 zugeteilt ist. Östlich der Bahnlinie
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liegt die Bauzone Burgerau, die der Wohn-Gewerbe-Zone WG2 und der Wohnzone W2
zugeschieden ist. Die Antennen sollen auf drei Seiten des bestehenden technischen
Aufbaus (Antenne Nr. AU an der Ostseite, Antenne Nr. BU an der Südseite und
Antenne Nr. CU an der Westseite) montiert werden, während die technischen Geräte
für die Anlage im Untergeschoss des Wohnhauses untergebracht werden sollen.
Gegen das Baugesuch gingen insgesamt 248 Einsprachen ein. Mit Beschluss vom
18. Mai 2009 wies der Gemeinderat Buchs die öffentlich-rechtlichen Einsprachen ab
und verwies die privatrechtlichen Einsprachen auf den Zivilrechtsweg.
B./ Gegen den Einspracheentscheid des Gemeinderats vom 18. Mai 2009 erhob G.
durch seinen Rechtsvertreter mit Eingaben vom 5. Mai (recte Juni) und 13. Juli 2009
Rekurs beim Baudepartement. Er machte im wesentlichen geltend, die Antenne Nr. AU
stehe nicht in einer unmittelbaren funktionellen Beziehung zu Buchs und sei daher nicht
zonenkonform. Mit dieser Antenne solle vorab Nichtbaugebiet sowie das Fürstentum
Liechtenstein versorgt werden. Zudem fehle es in der Baubewilligung an einer
verbindlichen hoheitlichen Anordnung, die Mobilfunkanlage in das
Qualitätssicherungssystem einzubinden.
Das Amt für Umwelt und Energie erstattete auf Ersuchen des Baudepartements
am 26. Oktober 2009 einen Amtsbericht.
Am 24. November 2009 führte das Baudepartement einen Augenschein durch.
Mit Entscheid vom 13. Januar 2010 wies das Baudepartement den Rekurs ab, soweit
es darauf eintrat. Es erwog, die Angaben im Standortdatenblatt seien Teil der
Baubewilligung. Darin werde die Aufnahme der Anlage in das
Qualitätssicherungssystem der Baugesuchstellerin bestätigt, womit diese Zusage
verbindlich und eine Auflage in der Baubewilligung nicht notwendig sei. Im
vorliegenden Fall liege der Antennenstandort innerhalb des Siedlungsgebiets in der
Wohnzone W3. Die Antenne Nr. AU solle gemäss den von der Gesuchstellerin
eingereichten Abdeckungskarten das östliche Gebiet von Burgerau versorgen. Wie sich
am Augenschein gezeigt habe und vom Amt für Umwelt und Energie im Amtsbericht
bestätigt werde, seien die Karten nachvollziehbar und schlüssig. Mit der Antenne
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Nr. AU werde vorwiegend Baugebiet versorgt, womit der erforderliche funktionelle
Bezug zwischen Standort und Versorgungsgebiet erstellt sei. Selbst wenn mit der
Anlage ausschliesslich Nichtbaugebiet und Teile des Fürstentums Liechtenstein
abgedeckt werden sollten, wäre der Rekurs abzuweisen. Aus dem Grundsatz, dass für
Mobilfunkanlagen innerhalb von Bauzonen ein Bezug zur standörtlichen Zonenfläche
erforderlich sei, könne nämlich nicht der Schluss gezogen werden, dass
Mobilfunkanlagen, mit denen Nichtbaugebiet versorgt werden soll, grundsätzlich an
einem Standort ausserhalb der Bauzone zu errichten seien. Im übrigen fehle es für die
vom Rekurrenten verlangte Begrenzung des Versorgungsgebiets auf die östliche
Bauzone von Buchs an der erforderlichen gesetzlichen Grundlage. Solange die Anlage
alle öffentlich-rechtlichen Vorschriften und insbesondere die Anlage-Grenzwerte
einhalte, könne einem Mobilfunkbetreiber nicht vorgeschrieben werden, wie weit seine
Sendeleistung reichen dürfe.
C./ Mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 26. Januar und 19. Februar 2010 erhob
G. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid des
Baudepartements vom 13. Januar 2010 sei aufzuheben und die Baubewilligung für die
Panel Antenne Nr. AU sei zu verweigern, eventuell sei die Baubewilligung unter der
Auflage bzw. Bedingung zu erteilen, dass die Mobilfunkanlage, insbesondere die Panel
Antenne AU, nicht zur Versorgung des Gebietes des Fürstentums Liechtenstein
verwendet werden dürfe und die Sendeleistung und der Neigungswinkel so weit
reduziert werden müssten, dass damit im wesentlichen die Wohnzone von Buchs
versorgt werden könne, subeventuell sei der Entscheid des Baudepartements
aufzuheben und die Sache sei zur Neuabklärung des Sachverhalts und zu neuer
Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 24. Februar 2010 die
Abweisung der Beschwerde.
Die Politische Gemeinde Buchs verzichtete auf eine Vernehmlassung.
Die Sunrise Communications AG beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 12. März
2010, die Beschwerde sei abzuweisen und der Rekursentscheid des Baudepartements
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sowie die Baubewilligungs- und Einspracheentscheide des Gemeinderats Buchs seien
zu bestätigen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des
Beschwerdeführers.
Der Beschwerdeführer erhielt Gelegenheit, sich zu den Vernehmlassungen der
Verfahrensbeteiligten zu äussern. Dies tat er mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
14. April 2010.
Die von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten
Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
dargelegt und gewürdigt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 26. Januar und
19. Februar 2010 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind Mobilfunkantennen als
Infrastrukturbauten in Bauzonen nicht generell und unabhängig von ihrem
Verwendungszweck zulässig. Auch bei ihnen wird im ordentlichen
Baubewilligungsverfahren ein Bezug zu den Zonenflächen verlangt, auf welchen sie
erstellt werden sollen (Art. 22 Abs. 2 lit. a des Raumplanungsgesetzes, SR 700,
abgekürzt RPG). Innerhalb der Bauzonen können Mobilfunkantennen nur als
zonenkonform betrachtet werden, soweit sie hinsichtlich Standort und Ausgestaltung in
einer unmittelbaren funktionellen Beziehung zum Ort stehen, an dem sie errichtet
werden sollen, und im wesentlichen Bauzonenland abdecken. Die Zonenkonformität
einer Infrastrukturbaute kann unter Umständen auch bejaht werden, wenn sie der
Ausstattung der Bauzone als Ganzem und nicht nur speziell dem in Frage stehenden
Bauzonenteil dient (BGE 133 II 321 E. 4.3.1 und 4.3.2).
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2.1. Eine Verletzung von Bestimmungen der Verordnung über den Schutz vor
nichtionisierender Strahlung (SR 814.710, abgekürzt NISV) wird in der Beschwerde
nicht gerügt und ist aufgrund der Akten nicht ersichtlich. Es bestehen aufgrund der
vorliegenden Akten keine Anhaltspunkte, dass Grenzwerte dieser Verordnung
überschritten werden.
2.2. Der Beschwerdeführer bestreitet im wesentlichen, dass die Antenne Nr. AU einen
hinreichenden Bezug zum Bauzonenland von Buchs hat. Die Vorinstanz hat dazu im
Rekursverfahren einen Bericht des Amts für Umwelt und Energie eingeholt. Dieses hält
in seinem Amtsbericht vom 26. Oktober 2009 fest, die Netzwerkplanung eines UMTS-
Netzwerkes sei um einiges komplizierter als diejenige eines GSM-Netzwerkes. Die
Zellengrösse sei im Gegensatz zum GSM-Netzwerk nicht konstant. Man spreche in
diesem Zusammenhang von cell-breathing. Das Abdeckungsgebiet hänge einerseits
von der Benutzeranzahl und andererseits von der benötigten Datenrate dieser Benutzer
ab. Vereinfachend könne gesagt werden, dass bei einer bestimmten Auslastung (weit
entfernte) Teilnehmer mit ungenügender Signalstärke nicht mehr auf das Netz gelassen
werden, welche aber bei einer geringeren Auslastung eine Verbindung bekommen
hätten.
Die Baugesuchstellerin plane ihr UMTS-Netzwerk mit 2'100 W pro Sektor, um einen
optimalen Breitbandservice anbieten zu können (eine andere Mobilfunkanbieterin in der
Schweiz gehe sogar von 2'900 W aus). Würde nun der Sektor BU mit diesen 2'100
W betrieben, käme es beim OMEN 12 zu einer rechnerischen
Anlagegrenzwertüberschreitung. Darum habe hier die Baugesuchstellerin die Leistung
auf 1'800 W und den Tilt auf 0 bis -5 Grad reduzieren müssen. Genau so verhalte
es sich mit dem Sektor CU. Hier habe wegen des OMEN 9 die Leistung auf 600 W
und der Tilt auf 0 bis -5 Grad reduziert werden müssen. Beim Sektor AU hingegen
könne der Anlagegrenzwert beim OMEN 3 bei einer Leistung von 2'100 W
eingehalten werden, so dass keine Leistungs- und Tiltreduktion nötig gewesen sei.
Zur Berechnung und Darstellung der Abdeckungskarte sei die Software "ATOLL"
verwendet worden. Es sei bekannt, dass diese Software eher zu optimistisch kalkuliere,
d.h. in der Realität die Abdeckung etwas schlechter sei. Es sei aus der
Abdeckungskarte jedoch nicht ersichtlich, von welchem Tilt bei den Sektoren
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ausgegangen werde. Aufgrund der grossen Reichweite der Sektoren werde von einem
Tilt zwischen -1 und -2 Grad ausgegangen. 0 Grad seien aufgrund von möglichen
gegenseitigen Störungen fast nie anzutreffen. Die Karten zeigten die Signalstärke im
Gebäude.
Zusammenfassend lasse sich sagen, dass die Abdeckungskarten so gut es eben gehe
die Realität modellieren würden. Sie seien aus der Sicht des Amts für Umwelt und
Energie nachvollziehbar und stimmig.
2.3. Der Beschwerdeführer macht im wesentlichen geltend, er sei überzeugt, dass mit
der geplanten Antenne Nr. AU im wesentlichen Nichtbauland sowie das Gebiet des
Fürstentums Liechtenstein mit UMTS-Diensten versorgt werden solle. Die Antenne
Nr. AU habe im Vergleich zur Antenne Nr. BU trotz fast halber Distanz des zu
versorgenden Gebietes 300 W mehr Leistung. Die Hauptstrahlrichtung der Antenne
Nr. AU sei zudem direkt zur Landesgrenze zum Fürstentum Liechtenstein ausgerichtet.
Andernfalls liesse sich schwerlich erklären, dass die Antenne Nr. AU mit weitaus
höherer Sendeleistung betrieben werden solle als die beiden anderen Antennen BU
und CU, die bedeutend kleinere Teile der Bauzone von Buchs mit mobilen
Breitbanddiensten versorgen sollten.
2.4. Die Abdeckungsgebiete wurden im Rekursverfahren von der Beschwerdegegnerin
auf Karten dargestellt. Die Vorinstanz ersuchte das Amt für Umwelt und Energie darum,
"zum Rekurs einen Amtsbericht" zu verfassen. Konkrete Fragen wurden nicht gestellt.
Der Beschwerdeführer rügte, dass bei den verschiedenen Antennen unterschiedliche
Sendeleistungen vorgesehen seien, was aufgrund der zu versorgenden Gebiete nicht
nachvollziehbar sei. Diese Argumentation lässt sich nicht zum vornherein von der Hand
weisen. Auch die grafischen Karten klären in diesem Punkt den Sachverhalt nicht
hinreichend. Hinzu kommt, dass in den Bewilligungsunterlagen der
Beschwerdegegnerin bzw. im Standortdatenblatt offenbar Angaben zum
Neigungswinkel der Antenne fehlten. Im Amtsbericht wurde in der Folge von einer
bestimmten Annahme ausgegangen, wobei aber nicht klar ist, ob diese den realen
Verhältnissen entspricht. Auch ist nicht ersichtlich, weshalb in diesem Punkt keine
Ergänzung des Datenblattes verlangt wurde. Es trifft im übrigen zu, dass im Fürstentum
Liechtenstein Bestrebungen im Gange waren, den Mobilfunk rigoros einzuschränken,
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was die Argumentation des Beschwerdeführers in Bezug auf eine nahe der Grenze
stehende Antenne nicht zum vornherein völlig unbegründet erscheinen lässt. Das Amt
für Umwelt und Energie kam zum Schluss, dass die Karten "so gut es eben geht die
Realität modellieren" würden und dass sie "nachvollziehbar und stimmig" seien. Die
Vorinstanz erachtete den Bericht offenbar nicht in allen Teilen als überzeugend. Sie
begründete jedenfalls ausführlich, dass selbst dann, wenn mit der Antenne
ausschliesslich die Versorgung von Nichtbaugebiet und des Fürstentums Liechtenstein
beabsichtigt wäre, zunächst ein Standort innerhalb des Baugebietes zu suchen wäre,
wobei die Eventualerwägungen zum Ausdruck bringen, dass auch unter diesen
Umständen die Antenne zulässig sei. Wie es sich damit verhält, kann vorliegend aber
offen bleiben. Ob die Versorgung von Drittstaaten mit Mobilfunk ohne weiteres von der
Schweiz aus erfolgen darf, wie dies die Vorinstanz ohne nähere Begründung annimmt,
ist jedenfalls nicht nachvollziehbar.
Das Verwaltungsgericht kommt aufgrund der vorstehenden Ausführungen zum
Schluss, dass der Sachverhalt ungenügend geklärt ist. Aufgrund des
Standortdatenblattes und der Abdeckungskarten sowie des Berichts des Amts für
Umwelt und Energie können weder der Sendebereich der Antenne AU hinreichend
bestimmt noch die geltend gemachte Unmöglichkeit der Versorgung von Gebieten
ausserhalb der Schweiz nachvollzogen werden. Unter diesen Umständen sind
ergänzende Sachverhaltsfeststellungen vorzunehmen. Folglich ist der Rekursentscheid
vom 13. Januar 2010 aufzuheben. Die Angelegenheit ist gestützt auf Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP zur weiteren Feststellung des Sachverhalts im Sinn
der vorstehenden Erwägungen, gegebenenfalls zur Einholung eines Gutachtens, und
zur neuen Beurteilung und Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dies
entspricht einer Gutheissung der Beschwerde, da sowohl im Rekurs als auch in der
Beschwerde ausschliesslich die Bewilligung für die Antenne AU angefochten wurde.
2.5. Da der angefochtene Entscheid auch im Kostenpunkt aufzuheben ist, ist auf die
Rügen zur Entscheidgebühr und zur ausseramtlichen Entschädigung nicht weiter
einzugehen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
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Entscheidgebühr von Fr. 4'000.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 4'000.-- zurückzuerstatten.
Der Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98
Abs. 1 und Art. 98bis VRP). Für das Rekurs und das Beschwerdeverfahren ist eine
Entschädigung von Fr. 4'000.-- zuzügl. MWSt angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. a und b
der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75).
Demnach hat das Verwaltungsgericht