Decision ID: 53e2d095-7603-441e-8cac-5ab1988b0c8b
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1987 geborene
X._
, ohne abgeschlossene Berufsausbildung, reiste im Juli 2008 in die Schweiz ein
und war zuletzt bei
der A._,
vom
1.
Dezember 2015 bis zur Geschäftsaufgabe am 1
7.
Oktober 2017 als Werbeverteiler
angestellt
(
Urk.
12/3/3
, Urk.
12/3/6
). Am 1
0.
Juni 2015
– damals arbeitslos -
stürzte
X._
mit dem Kopf auf eine Tischkante und zog sich dabei Verletzungen
am rechten Auge
, den Zähnen und am Gesicht zu (
Urk.
12/1/10). Am
6.
Oktober 2017 (Eingan
g
sdatum) meldete sich
X._
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Verweis auf die beim Unfallereignis erlittene Gesundheitsschädigung zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/3).
Zur Abklärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse zog die IV-Stelle die Akten des Unfallversicherers (
Urk.
12/6) und einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug [
Urk.
12/8])
bei und holte einen Arbeit
geberbericht (
Urk.
12/9)
sowie Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
12/11
Urk.
12/14) ein.
Zum einen verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
7.
April 2018 einen Anspruch des Versicherten auf
Hilflosenentschädigung
(
Urk.
12/35), wobei diese Verfügung unangefochten in Rechtskraft trat. Zum anderen verneinte die IV-Stelle n
ach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Vorbescheid vom 9.
Februar 2018 [
Urk.
12/20], Einwand vom 1
2.
März 2018 [
Urk.
12/25]
, begrün
deter Einwand vom 1
2.
April 2018 [
Urk.
12/31])
mit Verfügung vom 9.
Mai 2018 einen Anspruch
des Versicherten
auf berufliche Massnahmen sowie auf eine Invalidenrente (
Urk.
12/38 =
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
am 1
1.
Juni 2018 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es sei ihm eine ganze Invalidenrente auszurichten, eventuell seien Eingliederungsmassnahmen zu treffen, subeventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2).
Mit Eingabe vom
3.
Juli 2018 (
Urk.
7) reichte der Beschwerdeführer einen Bericht des Universitätsspitals
B._
, Augenklinik, vom 2
4.
April 2018 zu den Akten (
Urk.
8).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
6.
August 2018 beantragte die Be
schwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11)
, was dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom 2
0.
August 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeg
liche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % bes
teht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, nach dem Un
fallereignis vom 1
0.
Juni 2015 sei der Beschwerdeführer in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen. Die Augenklinik habe jedoch ausdrücklich festgehalten, dass seit dem 3
0.
Januar 2016 in angepassten Tätigkeiten wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Eine Erwerbseinbusse erleide der Beschwerdeführe
r
hierdurch nicht
. Es bestehe damit weder Anspruch auf Rentenleistungen noch auf berufliche Massnahmen
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, aus dem Bericht vom
8.
Januar 2018 ergebe sich, dass er wegen seiner Augenverletzung
pro Tag
lediglich noch zwei bis drei Stunden arbeitsfähig sei.
Angesichts dessen, dass er auf einem Auge blind sei, habe die Beschwerdegegnerin das Invalideneinkommen zu hoch bemessen. Er könne w
egen seiner Behinderung nicht mehr das gleiche Einkommen erzielen wie ein gesunder Arbeitnehmer, weshalb sich ein Leidensabzug von 25
%
rechtfertige. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von deutlich über 70
%
. Ob die verbleibende Arbeitsfähigkeit überhaupt verwertbar wäre, habe die Beschwerdegegnerin in Verletzung der Abklärungspflicht nicht abgeklärt
und insbesondere zu dieser Frage kein
Gutachten eingeholt
(
Urk.
1)
.
3.
3.1
Dem Bericht des
B._
,
Augenklinik,
vom
1.
November 2017
zu Händen der Be
schwerdegegnerin
(
Urk.
12/11
=
Urk.
12/13
)
kann folgende
Diagnose
entnommen werden
(
Urk.
12/11/1):
-
Status nach penetrierender Bulbus
-V
erletzung mit ausgeprägter Horn
haut- und
Skleraverletzung
am
9.
Juni 2015 mit/bei:
-
Status nach Wundinspektion, Primärversorgung mit Sklera- und Horn
h
autdraht, Lidkantennaht Unterlid temporal (
Dr.
C._
,
B._
) am 10
.
Jun
i 2015
-
Status nach 23G
-
ppV,
Endolaser
,
Retinektomie
,
Endodiathermie
,
Sili
konöl
, Z
e
iss 5000CS am 1
9.
Juni 2015 (
Dr.
D._
,
B._
) bei totaler
Amotio
, PVR 3,
Aphakie
, partielle
Aniridie
-
Status nach 23G
-
ppV, Silikonölentfernung, SF6 25
%
am
8.
Januar 2016 (
Dr.
D._
)
-
Stat
u
s
post
transskleraler
Laser-
Zyklophotokoagulation
(
ts
-CPC) bei Druckdekompensation
(2
1.
Juli 2017,
Dr.
E._
)
-
aktuell: erneute Druckdekompensation, Erstdiagnose 2
1.
August 2017
Im Bericht wurde sodann festgehalten, in der letzten Untersuchung
(13. Oktober 2017)
habe sich das rechte Auge mit einem
Visus
von Handbewegungen in 1m
Entfernung
gezeigt. Der Bulbus sei deutlich prominent, die Lider geschwollen, das Auge tränend. Die Bindehaut sei injiziert, die Hornhaut deutlich eingetrübt und es zeigten sich ausgeprägte Narbenbildungen in den vorderen Augenabschnitten. Als We
r
beverteiler bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Der Beschwerdeführer sei bis am 2
3.
Januar 2016 arbeitsunfähig gewesen. Der Beschwerdeführer sei auf dem rechten Auge visuell deutlich eingeschränkt, ansonsten bestünden k
eine Ein
schränkungen. Er verfüg
e über eine verminderte Sehschärfe auf dem rechten Auge, wobei
der
Visus
im
linke
n
Auge 100
%
sei, er habe ein vermindertes bino
kulares Gesichtsfeld. Es sei nicht nötig, eine behinderungsangepasste Tätig
keit auszuüben. Ab dem 3
0.
Januar 2016 könne der Beschwerdeführer
eine beruf
liche Tätigkeit
wieder zu 100
%
aufnehmen (
Urk.
12/11/2).
3.
2
Dem Bericht von
Dr.
F._
, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom
8.
Januar 2018 zu Händen der Beschwerdegegnerin (
Urk.
12/14) ist zu entneh
men, der Status nach penetrierter Bulbus-Verletzung vom
9.
Januar 2015 habe einen
Visusverlust
des rechten Auges und eine praktisch 100%ige Arbeitsun
fähigkeit seit dem Unfall bewirkt
. Es seien keine Arbeiten mehr möglich
, welche über zwei Stunden täglich hinausgingen
(
Urk.
12/14/1-2).
Die bisherige Tätigkeit sei wegen des Auftretens von Schmerzen in Hitze, Kälte oder Dampf nicht mehr und eine angepasste T
ä
tigkeit sei im Umfang von zwei Stunden, möglicherweise auch drei Stunden pro Tag
,
zumutbar (
Urk.
12/14/3).
3.3
Im beschwerdeweise aufgelegten Bericht des
B._
, Augenklinik, vom 2
4.
April 2018 zu Händen des Beschwerdeführers (
Urk.
8) wurde festgehalten, der Be
schwerdeführer habe angegeben, Dämpfe in der Küche würden die Schmerz
symptomatik verschlechtern. Dies klinge glaubhaft.
Als weitere Option bezüglich der Behandlung der Augenschmerzen und somit auch eines Wiedereinstieges in die Arbeit gebe es die operative Bindehautabdeckung der Hornhaut zur sympto
matischen Schmerzbekämpfung oder aber das Einsetzen einer Verbands-Kontakt-Linse und Wechsel derselben alle drei bis vier Wochen.
E
s bestehe keine Indi
kation zur Verlängerung oder Neu-Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeit bezieh
ungsweise einer arbeitsplatzbezogenen Arbeitsunfähigkeit, sofern die Schmerzen gut kontrolliert würden. Alternativ wäre eine Arbeit an einem Ort mit geringer Belastung durch Küchendämpfe wahrscheinlich bereits jetzt uneingeschränkt möglich
(
Urk.
8 S. 1)
.
4.
4.1
4.
1.
1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 1
6.
August 2018 davon aus, dass der Beschwerdeführer in ein
er angepassten Tätigkeit zu 100
% arbeitsfähig ist. Sie stützte sich dabei im Wesentlichen auf die Berichte der Augenklinik des
B._
(E. 3.1, E. 3.3-3.4).
4.1
.2
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass der – bei erstmaliger Rentenprüfung von der versicherten Person zu erbringende (BGE 139 V 547 E. 8.1) - Nachweis einer Invalidität nach der Rechtsprechung eine gesundheitlich bedingte, erhebliche und evidente, dauerhafte und objektivierbare Beeinträchtigung voraussetzt. Dieser Massstab gilt für sämtliche Leiden gleichermassen (BGE 139 V 547 E. 9.4).
4.2
4.2.1
Auf die Berichte des
B._
vom
1.
November 2017 und 2
4.
April 2018 kann abgestellt werden. So geht daraus klar hervor, dass die Aufnahme einer angepassten Tätigkeit, bei welcher der Beschwerdeführer keinen Küchendämpfen ausgesetzt
ist
, als zumutbar zu erachten
ist. Dieses
Belastungsprofil
schliesst somit
die Tätigkeit als Küchenarbeiter
aus
, wobei die Augenärzte auf mögliche Schmerzbehandlungen hinwiesen
. Ansonsten bestehen
keine Einschränkungen (E.
3.2 und E.
3.4).
Diese Beurteilung erscheint
angesichts der weiteren Feststel
lungen der Ärzte des
B._
nachvollziehbar.
4.2.2
Nichts daran zu ändern vermag
der
einzige aktenkundige Bericht, der dieser Einschätzung entgegensteht, zumal der
Internist
Dr.
F._
(E. 3.3)
seine Ein
schätzung einer lediglich zwei bis drei stündigen Arbeitsfähigkeit selbst in einer angepassten Tätigkeit nicht begründet respektive mit
objektiven
Befunden und
weitergehenden
funktionellen Einschränkungen untermauert.
Dr.
F._
gab lediglich an, dass sich die Schmerzen bei Hitze oder Kälte oder Dampf verstärken würden. Weitere Angaben zum Belastungsprofil wurden nicht gemacht. Dieses Zumutbarkeitsprofil berücksichtigten auch die Ärzte des
B._
, indem sie die Tätigkeit als Küchenhilfe für
wahrscheinlich schmerzauslösend
erklärten
.
Inwie
fern auch eine d
e
n
genannten
Einschränkungen Rechnung tragende Tätigkeit nich
t zumutbar sein soll, ist nicht ersichtlich. Entgegen den Angaben des Beschwerde
führers besteht keine Blindheit auf dem rechten Auge, sondern lediglich eine
Visusbeeinträchtigung
durch
verminderte Sehschärfe (
Urk.
12/13/2).
Dr.
F._
äusserte sich als Internist zu den ophthalmologischen Diagnosen ausserdem fach
fremd un
d
es ist bei
behandelnde
n
Arztpersonen
und Hausärzten sodann
auf
grund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
zu beachten, dass diese
eher zugunsten ihrer Patienten aussagen, weshalb ihre Berichte mit
Vorbehalt zu würdigen sind (Urteile des Bundesgerichts 8C_104/2017 vom 13. Juni 2017 E. 6.2 und 8C_31/2017 vom 30. März 2017 E. 7.2 jeweils mit Hin
weis auf BGE 135 V 465 E. 4.5).
4.3
Nach dem Gesagten steht mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerde
führer
bei Exposition von Küchendampf und Hitze
zu 100
%
arbeitsunfähig, hingegen in
jeder anderen seinem Bildungsstand und seiner beruflichen Erfah
rung angepassten
Tätigkeit
zu
100
%
arbeitsfähig ist.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer machte geltend, es sei fraglich, ob Verweistätigkeiten zu
mutbar, respektive die Restarbeitsfähigkeit verwertbar sei.
5.2
Es trifft zu, dass von einer versicherten Person rechtsprechungsgemäss nur Vor
kehren verlangt werden können, die unter Berücksichtigung der gesamten objek
tiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Kon
kretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind praxisge
mäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen; diese hat vielmehr nur so weit zu gehen, als im Einzelfall eine zuverlässige Ermittlung des Invaliditätsgrades gewährleistet ist. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf abzustellen, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nützen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S.
290 f. E.
3b; Urteile des Bundesgerichts I 273/04 vom 29. März 2005, I 591/02 vom 5. Mai 2004, I 285/99
vom 13. März 2000 und U 176/98 vom 17. April 2000). Der ausgeglichene Arbeits
markt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeits
angebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von
seiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteile des Bundesgerichts 9C_95/2007 vom 29. August 2007 E. 4.3 und 9C_98/2014 vom 22. April 2014 E. 3.1, je mit Hinweisen).
5.3
Das von den Ärzten formulierte Anforderungsprofil an eine angepasste Tätigkeit lautet folgendermassen: Tätigkeit ohne Beeinträchtigung durch Dämpfe (E. 3.
4
).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers darf vorliegend angenommen wer
den
, dass auf dem hypothetischen Arbeitsmarkt genügend Tätigkeiten existieren, welche diesem
Anforderungsprofil entsprechen; dies selbst dann, wenn das von
Dr.
F._
formulierte
weitergehende
Anforderungsprofil übernommen würde (
k
ein
Arbeitsumfeld mit
Dämpfe
n
, Hitze oder Kälte).
Es gibt in Industrie und
Gewerbe einfache Hilfsarbeiten, die den obigen Anforderungen zu genügen ver
mögen, zu denken ist dabei an Kontroll- und Überwachungsarbeiten. Inwiefern solche Arbeiten nicht zumutbar sind, ist nicht ersichtlich und wird vom Be
schwerdeführer nicht begründet. Als unzumutbar schlossen die
B._
-Ärzte
einzig
die
Tätigkeit
in einer Küche als Hilfskoch respektive Küchenarbeiter
aus. Es ist diesbezüglich keinesfalls von realitätsfremden und in diesem Sinn unmöglichen oder unzumutbaren Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Zwar sind die ausgewie
senen Einschränkungen des Beschwerdeführers –
betreffend seine
Visuseinschränkung
– erheblich, doch kann nicht gesagt werden, dass die zumutbare Tätig
keit
nurmehr
in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der aus
geglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausge
schlossen erscheint (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2009 vom 9. Oktober 2009 E. 5.5 mit Hinweisen; ZAK 1989 S. 322 E. 4a).
6.
Die Invaliditätsbemessung der Beschwerdegegnerin
mittels Einkommensvergleich
ergab
keine Erwerbseinbusse und somit
einen Invaliditätsgrad von
0
%
, was
bei einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit
im
Ergebnis nicht Anlass zur Korrektur gibt.
Dem Beschwerdeführer ist aufgrund der
ophthalmologischen
Einschränkungen nur eine adaptierte Tätigkeit zumutbar. Die qua
li
tative Einschränkung
(Vermei
dung von Dämpfen)
be
trifft vorwiegend die Tätigkeit als Hilfskoch, in ange
passten Tätigkeiten ist der Beschwerdeführer
vollständig
arbeitsfähig
(vgl. E.
4.2
). Demnach ist grundsätzlich kein Leidensabzug vorzunehmen. Würde
– was sich nicht rechtfertigt -
gleichwohl ein Leidensabzug vorgenommen, ergäbe sich da
raus nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers.
7.
Die Verwertbarkeit der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit hängt auch nicht von der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen
ab. I
n Frage stehen grundsätzlich Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (Art. 14a IVG) sowie Massnahmen beruflicher Art, insbesondere Arbeitsvermittlung (Art. 18 IVG).
Anspruch auf eine Umschulung oder erstmalige berufliche Ausbildung ist nicht gegeben, weil der hierfür notwendige Invaliditätsgrad von mindestens 20 % nicht eingetreten ist
– vielmehr fehlt es an einer Erwerbseinbusse
(vgl. auch E. 6)
–
und der Beschwerdeführer in den ihm offenstehenden Tätigkeitsgebieten ohne spezi
fische Ausbildung arbeitsfähig ist. Besteht kein Anspruch auf Massnahmen zur beruflichen Eingliederung, sondern ist der Beschwerdeführer in
jeder seinen Fähigkeiten
zumutbaren Tätigkeit arbeitsfähig, braucht es keine Integrations
massnahmen mehr, um die Eingliederungsfähigkeit herzustellen, und fallen Inte
grationsmassnahmen nach Art. 14a IVG ausser Betracht (vgl. BGE 137 V E. 7.2.3).
Eine für die Arbeitsvermittlung massgebende Invalidität liegt ferner nur dann vor, wenn der Versicherte bei der Suche nach einer geeigneten Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen Schwierigkeiten hat, das heisst es muss für die Bejah
ung einer Invalidität im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Satz 1 IVG zwischen dem Gesundheitsschaden und der Notwendigkeit der Arbeitsvermittlung ein Kausal
zusammenhang bestehen (vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG). Gesundheitliche Schwierigkeiten bei der Suche einer neuen Arbeitsstelle erfüllen den leistungsspezifischen Invaliditätsbegriff, wenn die Behinderung bleibend oder während voraussichtlich längerer Zeit (Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG) Probleme bei der – in einem umfassenden Sinn verstandenen –
Stellensuche selber verursacht. Zur Arbeitsvermittlung nach Art. 18 Abs. 1 Satz 1
IVG ist im Weiteren berechtigt, wer aus invaliditätsbedingten Gründen spezielle Anforderungen an den Arbeitsplatz (z.B. Sehhilfen) oder den Arbeitgeber (z.B. Toleranz gegenüber invaliditätsbedingt notwendigen Ruhepausen) stellen muss und demzufolge aus invaliditätsbedingten Gründen für das Finden einer Stelle auf das Fachwissen und entsprechende Hilfe der Vermittlungsbehörden ange
wiesen ist (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_966/2011 vom 4. Mai 2012 E.
3.2 mit Hinweisen). Diese Voraussetzungen erfüllen die beim Beschwerdeführer noch verbliebenen, medizinisch begründeten Einschränkungen nicht
– er ist mit Ausnahme von Arbeiten in dampfreichen Umgebungen vollständig arbeitsfähig
. Insbesondere bringt er nicht vor, eine Sehhilfe zu benötigen, er klagt hauptsäch
lich über Schmerzen nach penetrierender Bulbus-Verletzung
, weshalb
auch ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung
entfällt.
Damit hat die Beschwerdegegnerin zu Recht den Anspruch auf
berufliche Mass
nahmen
abgewiesen.
8
.
8
.1
Mit seiner Beschwerde vom 1
1.
Juni 2018 beantragte der Beschwerdefüh
rer ausserdem, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und es sei ihm ein unentgeltlicher Rechtsvertreter für das Beschwerdeverfahren zu bestellen (Urk. 1 S. 2). Mit Eingabe vom 2
3.
Juli 2018 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er über keine Rechtsschutzversicherung verfüge (
Urk.
10). Zur Substantiierung seiner Bedürftigkeit reichte er das Auszahlungsbudget der Sozialbehörde seiner Wohngemeinde zu den Akten (
Urk.
3/5).
8
.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur gewährt werden, wenn die Rechts
vor
kehr nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen).
8
.3
Vorliegend sind die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Pro
zessführung und zur Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters gemäss § 16 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversi
cherungsgericht (
GSVGer
) nicht erfüllt, liegen doch
eindeutige
Berichte der Ärzte der Augenklinik des
B._
bei den Akten, welche dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
attestieren
,
und stellt lediglich
der Hausarzt
des Beschwer
deführers, ohne Nennung objektiver Befunde und ohne Begründung
,
fachfremd eine
hiervon abweichende
Einschätzung
.
Es liegen keine Anhaltspunkte vor,
welche ein Abweichen von den Bericht
en
der Ophthalmologen zuliessen.
Dem
entsprechend
best
eht eindeutig
auch kein Anspruch auf berufliche Massnahmen. Es rechtfertigt sich somit die
Annahme, ein sol
venter
Beschwerdeführer würde diesen Prozess bei vernünftiger Überlegung nicht führen.
Das Gesuch des Be
schwerdeführers um Gewährung der unentgelt
lichen Rechtspflege ist daher wege
n Aussichtslosigkeit abzuweisen.
8
.4
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.
--
bis Fr. 1'000.
--
festgelegt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten in Höhe von Fr.
6
00.
--
dem
Beschwerdeführer
aufzuerle
gen
.