Decision ID: b7d6b536-92d5-44c7-803a-65ae7cd191b7
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Drohung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht
Strafsachen, vom 29. Januar 2016 (GG150090)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 27. No-
vember 2015 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 20).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der Drohung im Sinne von Art. 180
Abs. 1 StGB und der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten, wo-
von 170 Tage (12. August 2015 bis 29. Januar 2016) durch Haft erstanden
sind, sowie einer Busse von Fr. 400.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 1'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 12. August 2015 als Genugtuung zu bezahlen.
6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'400.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'500.00 Gebühr für das Vorverfahren;
Fr. 612.50 Auslagen Vorverfahren
Fr. 350.00 Kosten Kantonspolizei
Fr. 250.00 Gutachten/Expertisen
Fr. 19'126.10 Entschädigung amtliche Verteidigung
Fr. 6'861.90 Entschädigung unentgeltl. RV Privatklägerin (1/2)
Fr. 32'100.50 Total
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
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7. Die Kosten des Vorverfahrens (Gebühr Vorverfahren sowie Auslagen Vor-
verfahren, Auslagen Polizei, Gutachten/Expertisen) und des gerichtlichen
Verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung sowie der
Hälfte der Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin,
werden dem Beschuldigten auferlegt, diejenigen der amtlichen Verteidigung
sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin indessen
einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Art. 135 Abs. 4 StPO und
Art. 138 StPO bleiben vorbehalten.
8. Mitteilungssatz.
9. Rechtsmittel.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 68 S. 2)
1. In Abänderung des erstinstanzlichen Urteils sei der Berufungskläger
bezüglich Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB und Tätlichkei-
ten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB freizusprechen und Disp. Ziff. 1
aufzuheben.
2. Weiter seien die Disp. Ziff. 2-5 des erstinstanzlichen Urteils aufzuheben
und der Berufungskläger von jeglicher Strafe freizusprechen und zu
keiner Genugtuungszahlung zu verpflichten.
3. Dem Berufungskläger sei eine Genugtuungszahlung von
CHF 25'700.00 auszurichten.
4. Im Falle einer Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs sei der
Berufungskläger mit einer milden, bedingten Geldstrafe zu bestrafen.
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5. Die Kosten des Berufungsverfahrens inklusive jener der amtlichen Ver-
teidigung seien dem Berufungskläger im Falle einer Verurteilung nur
anteilsmässig aufzuerlegen, jedoch infolge Mittellosigkeit auf die
Staatskasse zu nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich (schriftlich, Urk. 61 bzw. sinngemäss)
Verzicht auf Anschlussberufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils.
b) Des Vertreters der Privatklägerin
Keine Vernehmlassung.
_

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung
1. Vorinstanzliches Urteil
1.1. Mit Urteil vom 29. Januar 2016 sprach das Einzelgericht am Bezirksgericht
Winterthur den Beschuldigten A._ der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
StGB und der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig und be-
strafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten, wovon 170 Tage bereits
durch Haft erstanden seien, sowie einer Busse von Fr. 400.–. Der Vollzug der
Freiheitsstrafe wurde aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
Demgegenüber wurde festgehalten, dass die Busse zu bezahlen sei, wobei die
schuldhafte Nichtbezahlung der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen
nach sich ziehen würde. Ferner wurde der Beschuldigte verpflichtet, der Privat-
klägerin Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 12. August 2015 als Genugtuung zu
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bezahlen. Die Kosten einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung sowie
der Hälfte der Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin,
wurden dem Beschuldigten auferlegt, wobei diejenigen der amtlichen Verteidi-
gung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin einstweilen –
unter dem Nachforderungsvorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO – auf die Gerichts-
kasse genommen wurden.
1.2. Gegen das Urteil wurde seitens der Verteidigung im Anschluss an die Ur-
teilseröffnung am 29. Januar 2016 und damit rechtzeitig Berufung angemeldet
(vgl. Prot. I S. 33). Mit Eingabe vom 18. August 2016 erstattete die Verteidigung
daraufhin rechtzeitig die schriftliche Berufungserklärung (Urk. 58; Empfangsbestä-
tigung betr. schriftlich begründetes Urteil: Urk. 54).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 29. August 2016 wurde der Staatsanwaltschaft
IV des Kantons Zürich (hernach Staatsanwaltschaft oder Anklagebehörde) sowie
der Privatklägerin unter Zustellung einer Kopie der Berufungserklärung der Ver-
teidigung Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten
auf die Berufung zu beantragen. Dem Beschuldigten wurde dieselbe Frist ange-
setzt, um das Datenerfassungsblatt einzureichen (Urk. 84; Empfangsscheine:
Urk. 60/1-3).
1.4. Seitens der Staatsanwaltschaft wurde mit Eingabe vom 1. September 2016
Verzicht auf Anschlussberufung erklärt und die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils beantragt (Urk. 61).
1.5. Die Privatklägerin liess sich demgegenüber innert der ihr angesetzten Frist
nicht vernehmen.
1.6. Mit Eingabe vom 14. September 2016 liess der Beschuldigte das Datener-
fassungsblatt einreichen (Urk. 62 u. 63).
1.7. Am 24. Oktober 2016 ergingen die Vorladungen an die Staatsanwaltschaft,
die Privatklägerin und den Beschuldigten zur heutigen Berufungsverhandlung
(vgl. Urk. 64).
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2. Umfang der Berufung
Die Verteidigung beantragt einen vollumfänglichen Freispruch sowie die vollstän-
dige Kostenauflage zulasten der Staatskasse. Die Kostenfestsetzung durch die
Vorinstanz (Dispositiv-Ziff. 6) wurde nicht beanstandet (Urk. 68 S. 2), weshalb
diese in Rechtskraft erwachsen ist, was vorab mit Beschluss festzustellen ist.
II. Prozessuales
1. Die seitens der Vorinstanz gemachten detaillierten Ausführungen zur seitens
der Verteidigung von B._ im vorinstanzlichen Verfahren monierten Unver-
wertbarkeit der polizeilichen Einvernahme seines Mandanten infolge unterlasse-
ner Übersetzung (GG150091 Urk. 60 S. 9) sind zutreffend und geben zu keinen
weiteren Bemerkungen Anlass, weshalb vollumfänglich auf diese verwiesen wer-
den kann (vgl. Urk. 57 E. II.2.). Die anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom
13. August 2015 (Urk. 8/1) von Seiten von B._ gemachten Aussagen sind
demnach verwertbar. Abgesehen davon ist diese Einvernahme für die Erstellung
des Anklagesachverhaltes auch nicht in erster Linie massgebend (vgl. hinten insb.
unter E. III.3.4.2.).
2. Seitens der Vorinstanz wurde überdies zutreffend erwogen (Urk. 57 E. II.1.),
dass in casu die erforderlichen Strafanträge vorliegen (Urk. 2).
3.1. Weiter wurde seitens der Verteidigung von B._ im vorinstanzlichen Ver-
fahren vorgebracht, dass dem Sohn der Privatklägerin und des Mitbeschuldigten
B._, C._, anlässlich seiner staatsanwaltlichen Einvernahme vom
20. Oktober 2015 (Urk. 9/2, Fragen 30, 38 u. 42) wie auch dem Mitbeschuldigten
B._ selbst in der staatsanwaltlichen Einvernahme vom 10. November 2015
(Urk. 8/4: Frage 16) Suggestivfragen bzw. unzulässige Fragen gestellt worden
seien (GG150091 Urk. 60 S. 10; Prot. GG150091 S. 26 f.), worauf der Vollstän-
digkeit halber auch im vorliegenden Verfahren einzugehen ist.
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3.2. In Art. 140 StPO findet sich eine Auflistung der verbotenen Beweiserhe-
bungsmethoden, worunter Zwangsmittel, Gewaltanwendung, Drohungen, Ver-
sprechungen, Täuschungen und Mittel, welche die Denkfähigkeit oder die Willens-
freiheit einer Person beeinträchtigen können, fallen. Art. 143 StPO schreibt vor,
wie eine Einvernahme durchzuführen ist, wobei in Absatz 4 festgehalten wird,
dass die einzuvernehmende Person sich zum Gegenstand der Einvernahme äus-
sern kann und in Absatz 5 vorausgesetzt wird, dass durch klar formulierte Fragen
und Vorhalte die Vollständigkeit der Aussagen und die Klärung von Widersprü-
chen angestrebt werden soll. Die Zulässigkeit von Suggestivfragen, die der einzu-
vernehmenden Person von vornherein eine bestimmte Antwort nahelegen, wird in
der Strafprozessordnung nicht ausdrücklich geregelt. Suggestivfragen sind in An-
betracht des Gebots der Verfahrensfairness (Art. 3 Abs. 2 lit. d i.V.m. Art. 140
StPO, Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK), der staatlichen Objektivitäts-
pflicht gemäss Art. 6 Abs. 2 StPO und des Grundsatzes von Treu und Glauben
gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. a StPO zu vermeiden. Verboten sind sie indessen nicht,
weshalb ein Spielraum für eine situationsangepasste Einvernahmetechnik bleibt.
Eine verbotene Untersuchungsmethode ist mittels Stellen von Suggestivfragen in
jedem Fall gegeben, wenn sie einer Täuschung im Sinne von Art. 140 StPO ent-
sprechen. Falls dem nicht so ist, können Suggestivfragen allenfalls den Beweis-
wert der daraufhin gemachten Angaben in Frage stellen (GODENZI in: DO-
NATSCH/HANSJAKOB/LIEBER, STPO KOMM., 2. A., Art. 140 StPO N 12 u. Art. 143
StPO N 33 m.w.H.; SCHMID, STPO PRAXISKOMMENTAR, 2. A., Zürich/St. Gallen
2013, ART. 140 StPO N 5). Das Verbot von Suggestivfragen wie auch Verstösse
gegen die in Art. 143 Abs. 4 und 5 StPO normierten Grundsätze sind jedenfalls
als Ordnungsvorschriften ausgestaltet, weshalb Antworten trotz suggestiver bzw.
unzulässiger Frageweise grundsätzlich verwertbar sind. Der Art, wie sie erlangt
wurden, ist bei der Würdigung der entsprechenden Aussagen Rechnung zu tra-
gen (Urteil des Bundesgerichts 6B_89/2014 vom 1. Mai 2014, E. 1.4.5.; BSK-
STPO-HÄRING, Art. 143 StPO N 36a u. 37). Zu beachten ist hierbei, dass Kinder
schon aufgrund ihres Alters erhöht suggestionsanfällig sind. Bei ihnen ist beson-
ders die Neigung ausgeprägt, immer – auch auf "unsinnige" Fragen – Antworten
geben zu wollen (MARTIN HUSSELS, Fragen der Vernehmungstechnik und -taktik
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bei der Einvernahme von Zeugen/Auskunftspersonen, Forum Poenale 2011,
S. 357 f. m.w.H.).
3.3. In casu ist offensichtlich, dass anlässlich der Befragung von C._, wel-
cher im Zeitpunkt seiner korrekt gemäss Art. 178 lit. b StPO erfolgten Einvernah-
me als Auskunftsperson erst knapp neunjährig war, aufgrund seines kindlichen Al-
ters eine besonders zurückhaltende Befragungstechnik anzuwenden war, um all-
fällige Beeinflussungen auszuschliessen. Allerdings tangieren die seitens der Ver-
teidigung gerügten Fragestellungen allesamt Ordnungsvorschriften und demnach
nicht die (prozessual relevante) Verwertbarkeit der Aussagen sondern – allenfalls
– bloss deren (materiell relevante) Würdigung, worauf später eingegangen wird
(s. hernach unter E. III.3.4.2.2.). Gleiches gilt für die Rüge der Verteidigung von
B._ hinsichtlich einer unzulässigen Frage anlässlich der Schlusseinvernahme
desselben (s. hernach unter E. III.3.4.3.2.).
4. Auf die Stellung von Beweisanträgen wurde seitens der Parteien verzichtet
(Prot. II S. 6 und S. 25). Eine vom Amtes wegen vorzunehmende erneute Be-
weisabnahme gestützt auf Art. 389 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 343 Abs. 3
StPO ist in vorliegender Konstellation ausserdem nicht erforderlich. So liegt in
casu insbesondere keine klassische "Aussage gegen Aussage"-Situation vor,
welche die unmittelbare Kenntnis eines der Beweismittel für die Urteilsfällung
notwendig erscheinen lassen würde (s. hierzu folgende Urteile des Bundesge-
richts: 6B_620/2014 vom 25. September 2014, E. 1.4.2. m.w.H., sowie
6B_98/2014 E. 3.8. vom 30. September 2014).
5. Ebenso wurden im Berufungsverfahren seitens der Parteien keine (weiteren)
prozessualen Einwendungen vorgebracht (vgl. dazu Prot. II S. 11).
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III. Sachverhalt
1. Unbestrittener Sachverhalt
Die Beschuldigte anerkannte, dass der Mitbeschuldigte B._ die Privatklägerin
festgehalten habe sowie dass jener von C._ gebissen worden sei, welcher
daraufhin von der Privatklägerin abgelassen habe (Urk. 6/1 S. 4 ff.; Urk. 6/2 S. 3.;
Urk. 6/3 S. 2 f.; Urk. 6/4 S. 2 ff.; Prot. I S. 9 ff.; Prot. II S. 23 f.).
2. Bestrittener Sachverhalt
2.1. Demgegenüber machte der Beschuldigte anlässlich der heutigen Beru-
fungsverhandlung wie auch bereits vor Vorinstanz und im Vorverfahren geltend,
dass er die Privatklägerin weder bedroht noch mit den Händen gepackt habe.
Vielmehr habe ihn die Privatklägerin beleidigt, bespuckt und geschlagen, worauf-
hin der Mitbeschuldigte B._ zu seinem Schutz dazwischen gegangen sei
(Urk. 6/1 S. 2 ff., Urk. 6/2 S. 2 ff., Urk. 6/3 S. 2 f., Urk. 6/4 S. 2 ff., Prot. I S. 9 ff.;
Prot. II S. 23 f.).
2.2. Nachfolgend ist zu prüfen, ob sich die beiden bestrittenen Anklagesachver-
halte vom Juli 2014 und August 2015 rechtsgenügend erstellen lassen. Dabei ge-
bietet es der Anspruch auf das rechtliche Gehör (Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO, Art. 29
Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK), dass das Gericht die Vorbringen des vom
Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in
der Entscheidfindung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist, dass es sich mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann es sich auf die für den Entscheid wesentli-
chen Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen ge-
nannt werden, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich sein
Entscheid stützt (BGer 6B_42/2016 vom 26. Mai 2016 E. 4.1.).
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3. Beweiswürdigung
3.1. Glaubwürdigkeit der Beteiligten
Die Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich aus deren prozessualen Stellung, ih-
ren wirtschaftlichen Interessen am Ausgang des Verfahrens sowie vor allem an-
hand ihrer persönlichen Beziehungen und Bindungen zu den übrigen Prozessbe-
teiligten. Die seitens der Vorinstanz gemachten Erwägungen zur Glaubwürdigkeit
des Beschuldigten (Urk. 57 E. III.5.1.a), des Mitbeschuldigten B._ (Urk. 57 E.
III.5.2.a), der Privatklägerin (Urk. 57 E. III.5.3.a), C._ (Urk. 57 E. III.5.4.a) so-
wie von D._ (Urk. 57 E. III.5.5.a), E._ (Urk. 57 E. III.5.5.a) und F._
(Urk. 57 E. III.5.5.a) sind zutreffend, weshalb vollumfänglich darauf verwiesen
werden kann. In casu ist offensichtlich, dass die persönlichen Beziehungen und
Bindungen zwischen insbesondere dem Beschuldigten, dem Mitbeschuldigten
und der Privatklägerin von nicht unbeträchtlicher Bedeutung und insbesondere
hinsichtlich der Motivlage der erwähnten Personen, so oder anders auszusagen,
aufschlussreich sind. Darauf ist im Rahmen der Würdigung der Aussagen insbe-
sondere zur Vorgeschichte zum Vorfall vom August 2015 näher einzugehen (s.
nachstehend unter E. III.3.4.1.). Weiter ist darauf zu verweisen, dass für den Be-
weiswert sämtlicher Aussagen der Beteiligten deren Glaubhaftigkeit das massge-
bende Kriterium bleibt.
3.2. Glaubhaftigkeit der Aussagen
3.2.1. Bei der Bewertung der Glaubhaftigkeit einer Aussage ist zu prüfen, ob die
Sachverhaltsdarstellungen in wesentlichen Punkten Widersprüche enthalten, ob
ihr Kerngehalt stimmig und ihr Ablauf logisch und schlüssig ist, sowie ob sie – so-
weit möglich – anhand objektiver Umstände verifizierbar sind. Zu achten ist insbe-
sondere auf Strukturbrüche innerhalb einer Aussage, Über- oder Untertreibungen,
das Vorhandensein einer hinreichenden Zahl von Realitätskriterien sowie das
Fehlen von Lügensignalen (BENDER, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung
von Zeugenaussagen, SJZ 81, S. 53 ff.). Als Kennzeichen wahrheitsgetreuer
Aussagen sind spontane, detailreiche Schilderungen zu werten, welche sich allen-
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falls auch mit bewiesenen, zur Tatzeit vorhandenen äusseren Umständen ver-
flechten lassen. Als Hinweis für unglaubhafte Aussagen gelten Strukturbrüche in
den Schilderungen des Aussagenden, welche in Widerspruch zu bereits erstellten
Fakten stehen. Entscheidend ist letztendlich der innere Gehalt der Aussagen,
verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Steht Aussage ge-
gen Aussage, so bedeutet dies also nicht, dass der Beschuldigte schon aus die-
sem Grund nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" freigesprochen werden muss.
Vielmehr ist auf die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussa-
gen abzustellen. Diese sind einer Analyse bzw. einer kritischen Würdigung zu un-
terziehen. Nur wenn weder in der einen noch in der anderen Richtung eine Über-
zeugung zu gewinnen ist, hat das Gericht im Zweifel für den Beschuldigten zu
entscheiden (BENDER, a.a.O., S. 53 ff.; BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststel-
lung vor Gericht, 4. Aufl., München 2014, S. 76 ff.).
3.2.2. Die wesentlichen, seitens des Beschuldigten, des Mitbeschuldigten
B._, der Privatklägerin, der Auskunftspersonen C._ und D._ sowie
der Zeugen E._ und F._ gemachten Aussagen wurden von der Vo-
rinstanz sehr ausführlich und korrekt wiedergegeben (s. Urk. 57 E. III.4.6.-4.10.),
weshalb vorab darauf – wie auch auf die zutreffenden theoretischen Ausführun-
gen zur freien richterlichen Beweiswürdigung und Aussagewürdigung (Urk. 57
E. III.3.1.-3.2.) – verwiesen werden kann. Im Rahmen der nachfolgenden konkre-
ten Würdigung der Beweise ist die Glaubhaftigkeit der seitens der Beteiligten ge-
machten massgeblichen Aussagen zu erörtern.
3.2.3. Weiter ist hier wiederzugeben, welche Aussagen der Beschuldigte an-
lässlich der Berufungsverhandlung machte. Er führte aus, am Abend vor dem Vor-
fall habe die Privatklägerin gesagt, er "sei Scheisse". Am Morgen des 12. August
2015 sei sein Sohn auf seinen Rat hin zu den Brüdern seiner Ehefrau gegangen.
Der Beschuldigte sei in der Wohnung geblieben, worauf die Privatklägerin ihn
nicht gefragt habe, ob er auch etwas essen wolle und ihn als "alten Schmarotzer"
bezeichnet habe. Bevor sie zur Arbeit gegangen sei, habe sie ihm einen Fusstritt
verpasst. Am Abend habe er geplant, ins Bett zu gehen, bevor sie von der Arbeit
zurückkehrte, aber sie sei früher als erwartet zurückgekommen. Sie sei auf den
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Balkon gegangen und als sie wieder reingekommen sei, habe sie gefragt, was er
da mache. Er habe sie beruhigen wollen und gefragt, wann sie diese im G._
[Staat in Südosteuropa] erwarten könnten, und sich ihr dabei auf etwa einen hal-
ben Meter genähert. Sein Sohn habe gedacht, sie wolle ihn angreifen, und habe
sie gepackt. Sie habe dem Beschuldigten in dieser Zeit Rötungen und etwa 7-8
Faustschläge gegen den Oberkörper zugefügt. Sie habe "Genug jetzt", auf ...
[Sprache des Staates G._] "...", gesagt. Sein Sohn habe die Faustschläge
nicht gesehen, da er sie zu dieser Zeit festhielt. Er habe sie ihm gegenüber auch
nicht erwähnt. Er habe die Privatklägerin weder bedroht noch angefasst (Prot. II
S. 21-25).
3.3. Weitere Beweismittel
Nebst den bereits erwähnten Beweismitteln liegen – wie von der Vorinstanz zu-
treffend erwähnt (Urk. 57 E. III.4.) – eine Fotodokumentation der Wohnung
(Urk. 3) sowie der Verletzungen der Privatklägerin und des Mitbeschuldigten
B._ (Urk. 4/1), ein Gutachten über die körperliche Untersuchung der Privat-
klägerin (Urk. 4/3), ein Spurenbericht des Forensischen Instituts Zürich (Urk. 4/5)
sowie ein ärztlicher Bericht betreffend einer psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung der Privatklägerin (Urk. 36) vor.
3.4. Konkrete Würdigung
3.4.1. Aussagen zur Vorgeschichte
3.4.1.1. In casu ist offensichtlich, dass zwischen der Privatklägerin und dem
Beschuldigten, ihrem Schwiegervater, im Allgemeinen wie auch im Speziellen
kurz vor dem fraglichen Vorfall im August 2015 erhebliche Animositäten bestan-
den und Feindseligkeiten ausgetauscht wurden.
Dies wird einerseits seitens des Mitbeschuldigten B._ bestätigt, welcher da-
von berichtete, dass es unter anderem am Vorabend und am Vormittag des
12. August 2015 Streitereien zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten
gegeben habe. Dem liege gemäss den Aussagen von B._ der Umstand zu-
grunde, dass die Privatklägerin mit dem Besuch des Beschuldigten nicht einver-
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standen gewesen sei und sich daran gestört habe, dass der Beschuldigte bei ei-
nem Nachbarn EUR 1'000.– ausgeliehen habe (Urk. 8/1 S. 1 ff.; Urk. 8/2 S. 2 ff.;
Urk. 8/3 S. 2; Prot. GG150091 S. 12 f.).
Auch die Privatklägerin bestätigte das Konfliktpotential in der Beziehung zum Be-
schuldigten (Urk. 7/1 S. 7 u. 7/2 S. 23; Urk. 34 S. 17, 23 u. 25): So sagte sie unter
anderem aus, mit dem Beschuldigten praktisch immer, wenn sie ihn sehe, Ausei-
nandersetzungen zu haben, was bereits elf Jahre so gehe. Aus ihren Aussagen
geht hervor, dass ihre Animositäten gegenüber ihrem Schwiegervater insbeson-
dere darin begründet sind, dass ihrem inzwischen verstorbenen Vater – im Ge-
gensatz zum Schwiegervater – der Kontakt zur Familie verwehrt worden sei (s.
Urk. 7/2 S. 8 f.) sowie dass ihre Schwiegereltern einen grossen Einfluss auf ihren
Mann hätten, was dazu führe, dass alles gemäss deren Wünschen geschehe.
Das Vermögen, das sie und ihr Ehemann gespart hätten, hätten die Schwiegerel-
tern erhalten. Sie erwähnte mehrere zehntausend Franken, die diesen überwie-
sen worden seien, wobei ein Teil hiervon ohne ihr Wissen transferiert worden sei
(Urk. 7/2 S. 9 f. u. 24). Die Privatklägerin bestätigte, auch am Vormittag des
12. August 2015 eine verbale Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten gehabt
zu haben, anlässlich welcher dieser sie beleidigt und gesagt habe, dass sie kei-
nen Respekt habe, sie die falsche Frau für seinen Sohn und eine schlechte Mutter
sei sowie dass sie schon noch etwas erleben werde (Urk. 7/2 S. 5 u. 18). Weiter
führte sie aus, dass A._ bei ihren Nachbarn Schulden habe machen wollen,
ohne sie oder ihren Ehemann zu informieren (Urk. 7/2 S. 7 u. 18).
Den Streit am Morgen des 12. August 2015 bestätigte auch der Beschuldigte. Al-
lerdings stellt er diese Auseinandersetzung anders als die Privatklägerin dar: Die
Privatklägerin habe ihn beschimpft, von hinten mit den Füssen getreten und be-
droht (Urk. 6/1 S. 2). Weiter führte er aus, dass er im August 2015 zum ersten Mal
in die Schweiz gekommen sei, und zwar, um seinen Sohn zu besuchen. In der
Vergangenheit habe es mit der Privatklägerin nie Probleme gegeben und wenn
sie ihn beleidigt habe, habe er das mit Zurückhaltung aufgenommen (Urk. 6/2
S. 5). Finanziell seien er und seine Ehefrau von der Privatklägerin noch nie unter-
stützt worden. Nicht einmal zur Beschneidung ihres Sohnes C._ habe sie et-
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was beigetragen. Seit ca. zwei bis drei Wochen vor der Beschneidung von
C._ habe die Privatklägerin nicht mehr mit ihm sprechen wollen (Urk. 6/2 S. 6
f.). Auch wenn der Beschuldigte damit mehrfach durchblicken lässt, dass die Pri-
vatklägerin und nicht er die Ursache für ihre belastete Beziehung sei, gehen die
sich kurz vor dem Vorfall noch erheblich intensivierenden Animositäten und
Spannungen zwischen ihnen beiden auch aus seinen Aussagen deutlich hervor.
3.4.1.2. Die Beziehung zwischen dem Mitbeschuldigten B._ und der Pri-
vatklägerin, welche verheiratet sind und zwei gemeinsame Kinder (geb. 2006 und
2011) haben, zeichnet sich dadurch aus, dass sie bereits seit mehreren Jahren
belastet erscheint. Aus den Akten geht hervor, dass die Polizei bereits mehrfach
wegen Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten ausrücken musste, wobei
es zu Gewaltschutzmassnahmen, nicht aber zu strafrechtlichen Verurteilungen
kam (SB160340 Urk. 17/1-3; Beizugsakten B-3/2009/6217 der Staatsanwaltschaft
Winterthur-Unterland im Verfahren SB160340: Urk. 7; Prot. GG150091 S. 23 f.).
Nach einer Auseinandersetzung im Jahre 2009, bei welcher die Polizei erschei-
nen musste, sei B._ laut der Privatklägerin für drei Monate ausgezogen (Urk.
7/3 S. 11; Urk. 8/4 S. 6; SB160340 Urk. 17/3). Seit dem Vorfall im Juli 2014, als er
im Streit mit der Privatklägerin einen Tisch vom Balkon in den Garten hinunterge-
worfen habe, hätten die Eheleute gemäss B._ einmal monatlich ein Ge-
spräch bei der KESB gehabt (Urk. 8/2 S. 6 f.). Die Nacht vor dem Vorfall hätten
sie getrennt voneinander geschlafen (Prot. GG150091 S. 12; s. zudem nachste-
hend unter E. III.3.4.1.3.). Aus diesen Erwägungen folgt, dass die Beziehung zwi-
schen B._ und der Privatklägerin zwar von erheblichen Schwierigkeiten be-
einträchtigt worden war, die Eheleute sich indes wiederholt zusammengerauft ha-
ben und im Zeitpunkt des Vorfalls vom 12. August 2015 mit behördlicher Unter-
stützung an ihrer Beziehung zu arbeiten schienen.
3.4.1.3. Die Beziehung zwischen B._ und dem Beschuldigten, seinem Va-
ter, welchen B._ freiwillig regelmässig finanziell unterstützt (s. Prot.
GG150091 S. 23), erscheint gut zu sein. Aus den Akten wie auch den gemachten
Erwägungen geht klar hervor, dass B._ in den Tagen vor dem Vorfall eine
durchaus schwierige Vermittlungsrolle und Scharnierfunktion zwischen seinem
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Vater und seiner Ehefrau zukam, deren Beziehung wiederum – wie bereits er-
wähnt – von Animositäten und Feindseligkeiten geprägt war. B._ legte mehr-
fach unmissverständlich dar, dass er der Meinung sei, dass es der Privatklägerin
in ihrem Verhalten gegenüber dem Beschuldigten an Respekt gemangelt habe
(Urk. 8/1 S. 2; Prot. GG150091 S. 11 f.). Die Nacht vor dem Vorfall hätten sie laut
seiner Aussage getrennt voneinander geschlafen, da es am Vortag Beleidigungen
seitens der Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten gegeben habe (Prot.
GG150091 S. 12). Demgegenüber lassen sich aus den Akten keine Aussagen
von B._ finden, in welchen er das Verhalten seines Vaters kritisiert. Gestützt
auf diese Ausgangslage erscheint es naheliegend, dass sich B._ in diesem
Loyalitätskonflikt zwischen den beiden ihm nahestehenden Personen im Zweifels-
falle auf die Seite des Beschuldigten schlägt, welchem er sich – zumindest für die
Tage dessen Besuchs in der Schweiz – offensichtlich mehr verpflichtet fühlt als
der Privatklägerin. Dies scheint nicht zuletzt auch in einem Schamgefühl gegen-
über seinem Vater für die sehr eigenständig auftretende Privatklägerin, welche
sich den hierarchischen Gepflogenheiten im familiären Verhältnis im Gegensatz
zu B._ nicht ohne Weiteres unterordnet, zu gründen. So gab B._ denn
auch zu Protokoll, dass er seinem Vater vorgängig nicht mitgeteilt habe, dass sei-
ne Ehefrau mit seinem Besuch nicht einverstanden sei, da er sich geschämt habe
(Urk. 8/2 S. 2).
3.4.1.4. Wie seitens der Vorinstanz ausgeführt wurde, dürfte sich C._ als
Sohn von B._ und der Privatklägerin sowie als Enkel des Beschuldigten auf-
grund dieser familiären Beziehungen zu den Parteien in einem Loyalitätskonflikt
befinden, weshalb von der Vorinstanz erwogen wurde, dass seine Aussagen trotz
eigentlich uneingeschränkter Glaubwürdigkeit mit gewisser Vorsicht zu würdigen
seien (Urk. 57 III.5.4.a), was nicht zu beanstanden ist.
3.4.1.5. Die erörterten Spannungen in den Beziehungen zwischen dem Be-
schuldigten, dem Mitbeschuldigten und der Privatklägerin geben in casu nicht un-
beträchtliche Aufschlüsse über ihr Aussageverhalten, was sich nicht zuletzt auch
daran zeigt, dass keine dieser drei Personen umfassend wahrheitsgemäss aus-
sagte. Darauf ist nachfolgend einzugehen.
- 16 -
3.4.2. Aussagen von C._ im Zentrum
3.4.2.1. Seitens der Vorinstanz wurde zutreffend festgehalten, dass C._
den ganzen Vorfall bildlich und nachvollziehbar zu schildern vermocht habe, wes-
halb seine Aussagen als glaubhaft eingestuft wurden und es als plausibel erachtet
worden ist, dass sich der Vorfall so abspielte, wie er ihn geschildert habe (Urk. 57
E. III. 5.4.b). Den Ausführungen der Verteidigung in der Berufungsverhandlung,
wonach den Aussagen von C._, die sie vor Vorinstanz noch als glaubhaft
bezeichnete (Urk. 37 S. 3), nur ein äusserst geringer Beweiswert zukomme (Urk.
68 S. 6 ff.), ist demgegenüber nicht zu folgen. Ferner ging auch B._ davon
aus, dass sein Sohn immer bei ihm gewesen sei und alles mitbekommen habe
(Urk. 8/1 S. 5). Seitens der Vorinstanz wurde deshalb richtigerweise auf die Schil-
derung von C._ abgestellt.
3.4.2.2. Wie von der Vorinstanz korrekt wiedergegeben wurde (Urk. 57
E. III.5.4.b), ist C._ lediglich einmal staatsanwaltlich – am 20. Oktober 2015 –
einvernommen worden (Urk. 9/2). Hinsichtlich der Glaubhaftigkeit seiner Einver-
nahmen wurde seitens der Vorinstanz zutreffend darauf hingewiesen, dass er zu-
vor direkt nach dem Vorfall mündlich polizeilich befragt wurde (Urk. 57 E.
III.5.4.b). Der Polizeirapport vom 13. August 2015 (Urk. 1 S. 4 f.) stellt grundsätz-
lich ein zulässiges und taugliches Beweismittel dar (vgl. BGer 6B_1057/2013 E.
23 und BGer 6B_721/2011 E. 9.2.1.). Auch wenn vorliegend dem Beschuldigten
das rechtliche Gehör nicht gewährt wurde, so ist der Rapport auf jeden Fall zu-
gunsten des Beschuldigten verwertbar. Da die anlässlich der staatsanwaltlichen
Einvernahme gemachten Aussagen mit denjenigen des Polizeirapports im We-
sentlichen übereinstimmen, wirken sie sich aber in casu nicht entlastend aus. Zu-
treffend wurde von der Vorinstanz ebenfalls erwogen (Urk. 57 E. III.5.4.b), dass
auch deshalb kein Anlass bestehe, an der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen zu
zweifeln, weil es – entgegen der Auffassung des Beschuldigten und B._s –
keine Hinweise dafür gebe, dass C._s Aussagen in irgendeiner Form beein-
flusst worden seien. Richtig verweist die Vorinstanz darauf, dass C._ mit sei-
nen Aussagen nicht nur seinen Vater und seinen Grossvater belastet, sondern
teilweise auch deutlich von der Sachverhaltsdarstellung seiner Mutter, der Privat-
- 17 -
klägerin, abweicht, weshalb die seitens der Verteidigung vorgebrachte bewusste
oder unbewusste Beeinflussung durch dieselbe (Urk. 37 S. 3 f; Prot. I S. 22; Urk.
68 S. 6 ff.) nicht verfängt. Von einer Wiederholung der seitens der Vorinstanz aus-
führlich wiedergegeben, auch auf jeweilige Konfrontation mit den anderslautenden
Antworten der Privatklägerin erfolgten Ausführungen von C._ kann deshalb
an dieser Stelle abgesehen und vollumfänglich auf diese verwiesen werden (Urk.
57 E. III.5.4.b) S. 51). Die von der Vorinstanz daraus gezogene Schlussfolgerung,
dass sein Aussageverhalten neutral wirkt und weder einseitig belastend noch
durch die Privatklägerin instruiert erscheint, ist deshalb richtig (Urk. 57 E. III.5.4.b)
S. 51).
Daran vermögen auch die seitens der Verteidigung von B._ vorgebrachten
Rügen hinsichtlich unzulässiger Suggestionen (GG150091 Urk. 60 S. 10; Prot.
GG150091 S. 26; s. auch vorstehend unter E. II.3.1.-3.3.) nichts zu ändern. So ist
in Bezug auf die vorliegend von der Verteidigung von B._ als suggestiv mo-
nierte Frage 30 seiner staatsanwaltlichen Einvernahme zu bemerken, dass das
Hinunterfallen der Privatklägerin vom Balkon bereits früher in derselben Einver-
nahme von der Auskunftsperson C._ im Kontext damit, wovor er Angst ge-
habt habe, selbst aufgebracht wurde (Antworten auf Fragen 13 und 14). In Frage
29 wurde C._ gefragt, ob er wisse, ob seine Mutter Angst gehabt habe, dass
ihr etwas passieren werde, was von C._ mit der Begründung bejaht wurde,
weil sie geweint habe. Die logische nächste Frage wäre diejenige gewesen, wo-
vor die Mutter aus seiner Sicht Angst gehabt habe. An deren Stelle wurde in der
Frage 30 die Angst der Privatklägerin mit dem vom Balkon Geworfenwerden ver-
knüpft. Da diese Möglichkeit aber – wie zuvor erwähnt – bereits von C._
thematisiert worden ist, ist eine unzulässige Beeinflussung zu verneinen. So oder
anders fällt die Antwort von C._ auf Frage 30 ("Weil sie traurig ist, wenn zum
Beispiel ihr Mann vom Balkon runter fallen sollte. Sie hat Gefühle...") dermassen
interpretationsbedürftig aus, dass ihr kein Beweiswert zukommt und sie weder
geeignet ist, den Beschuldigen zu belasten noch diesen zu entlasten. Auch die
nachfolgende Frage 31 ("Hat jemals die Gefahr bestanden, dass Deine Mutter
vom Balkon fallen könnte?") ist gestützt auf die vorherige Thematisierung dieser
Möglichkeit, nicht auf unzulässige Art und Weise gestellt worden.
- 18 -
Ebenso wenig ist die seitens der Verteidigung von B._ ferner monierte Frage
38 unzulässig, mittels welcher gefragt wurde, ob er gesehen habe, ob der Be-
schuldigte und der Mitbeschuldigte die Privatklägerin hin und her geschaukelt hät-
ten. Die Rüge des Verteidigers, dass diese Frage obsolet gewesen sei, nachdem
C._ bereits zuvor bestätigt gehabt habe, dass die Privatklägerin nie in die
Luft gehoben worden sei (Antwort auf Frage 26), geht fehl. Die Wiederholung von
auch anders formulierten Fragen zielt vielmehr dahin, die Konstanz des Aussage-
verhaltens zu überprüfen. So oder anders sagte C._ gleichlautend aus, wes-
halb dies die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen stützt.
Ferner rügt der Verteidiger von B._ Frage 42, mittels welcher C._ an
seine bei der Polizei gemachte – anderslautende – Aussage erinnert wurde. Es
erscheint jedenfalls nicht unzulässig, die einvernommene Person mit früheren
Aussagen zu konfrontieren, zumal C._ zu Beginn der staatsanwaltlichen Be-
fragung die Wahrheit seiner vor Polizei gemachten Aussagen bestätigte (Antwort
auf Frage 8). Die Frage erweist sich deshalb als zulässig. Aus der Würdigung der
Antwort von C._ ergeben sich allerdings Widersprüche in Bezug auf den letz-
ten Standort der Privatklägerin, bevor diese die Wohnung verliess. Diese Unklar-
heit ist so oder anders nicht zu Ungunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen
(s. nachstehend E. III.3.4.2.7.).
Im Nachfolgenden ist auf einige wesentliche Geschehnisse am Abend des
12. August 2015 bzw. die diesbezüglichen Schilderungen von C._ nochmals
näher einzugehen.
3.4.2.3. Die Vorgeschichte und Ausgangslage für das den beiden Beschuldig-
ten hernach folgende zur Last gelegte strafbare Verhalten schildert C._ de-
ckungsgleich mit seinem Vater (so auch die Vorinstanz: Urk. 57 E. III.5.4.b)
S. 48), wonach seine Mutter, nachdem sie zusammen ins Wohnzimmer gekom-
men seien, auf den Balkon gegangen sei, und durch Beleidigungen einen verba-
len Streit mit seinem Grossvater begonnen habe: Im Einzelnen habe sein Vater
erwähnt, dass sie am folgenden Tag einen Termin hätten, woraufhin seine Mutter
okay gesagt und ergänzt habe, dass er, der Grossvater, zum Glück nicht mit-
komme. Sie habe weiter ausgeführt, dass dieser für sie wie nicht am Leben sei,
- 19 -
woraufhin der Beschuldigte erwidert habe, sie sei nichts. Seine Mutter habe sich
dann gewehrt und sein Vater habe versucht einen (weiteren) Streit zwischen den
beiden zu verhindern und sei dazwischen gegangen (Urk. 9/2 S. 3 u. 5). Wie von
der Vorinstanz zutreffend erwogen wurde (Urk. 57 E. III.5.4.b) S. 48), wurde von
C._ lebensnah und nachvollziehbar beschrieben, wie aus einem Gespräch
und einer Bemerkung von seiner Mutter ein Streit zwischen ihr und seinem
Grossvater entstand. Daran vermag auch der Umstand, dass die Privatklägerin
bestritt, ihren Schwiegervater beleidigt zu haben, nichts zu ändern, weil ein Motiv
für eine Falschbelastung durch ihren Sohn nicht ersichtlich ist und ein entspre-
chender Irrtum über das Vorgefallene gestützt auf seine detaillierten Ausführun-
gen ausgeschlossen werden kann.
3.4.2.4. Auch die darauf folgende Beschreibung des Verhaltens seines Vaters
und seines Grossvaters durch C._, welcher während des Vorfalls auf der
Wohnzimmercouch gesessen sei (Urk. 9/2 S. 5 f.) – erscheint lebensnah. So sei
sein Vater dazwischen gegangen, um den Streit zu verhindern, woraufhin es dann
"losgegangen sei". Sein Vater und sein Grossvater hätten seine Mutter gepackt.
Seine Mutter habe dann "Lasst mich los" geschrien (Urk. 9/2 S. 3). Auf spätere
Nachfrage schilderte C._, dass sein Grossvater seine Mutter zuerst "irgend-
wie so am Bauch" und sein Vater sie an den Füssen gepackt habe (Urk. 9/2 S. 4
und 8). Er habe seinen Vater gefragt: "Machsch du das würklich jetzt?", woraufhin
dieser ihn böse angeschaut habe (Urk. 9/2 S. 4). Sie hätten seine Mutter nicht
mehr losgelassen und seien mit ihr zur Balkontür gegangen, welche offen gestan-
den sei. Dort habe er angefangen, seinen Vater zu beissen (Urk. 9/2 S. 5). Der
Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass diese Schilderungen eindrücklich und
bildlich vorstellbar erscheinen und sowohl seine bereits im Polizeirapport festge-
haltenen Aussagen (Urk. 1 S. 5) wie auch grundsätzlich diejenigen der Privatklä-
gerin bestätigen (Urk. 57 E. III 5.4.b) S. 49 f.). Es besteht demnach kein Anlass,
an der Richtigkeit seiner Ausführungen zu zweifeln.
3.4.2.5. Eindrücklich schilderte C._ überdies seine Emotionen während
des Vorfalls: Er sei erschrocken, als er das am Anfang gesehen habe. Er habe
gedacht, dass sie böse werden wollen zu seiner Mutter (Urk. 9/2 S. 5). Er habe
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Angst gehabt, Angst davor, dass seine Mutter in den Garten hinunterfalle
(Urk. 9/2 S. 4). Er sei deshalb auf seinen Vater losgegangen und habe ihn in den
Rücken gebissen. Dieser habe sich an die Bissstelle gefasst und seine Mutter
losgelassen (Urk. 9/2 S. 6). Sein Grossvater habe seine Mutter zu fangen ver-
sucht und sie dabei am Nacken gepackt bzw. mit den Händen am Hals gekratzt
(Urk. 9/2 S. 4 u. 7). Seine Mutter habe sich losreissen können, worauf sie zu-
sammen weg, nach draussen gegangen seien (Urk. 9/2 S. 3 f.). Auch die wieder-
gegebenen Schilderungen seiner Emotionen wirken sehr überzeugend und lassen
klar auf selbst Erlebtes schliessen.
3.4.2.6. C._ verneinte - worauf auch seitens der Verteidigung hingewiesen
wird (Urk. 37 S. 4; Urk. 68 S. 5) – indessen, dass seine Mutter vom Beschuldigten
und Mitbeschuldigten in die Luft gehoben und dabei hin und her geschaukelt wor-
den sei (Urk. 9/2 S. 5 f.; und auch bereits bei der Polizei: Urk. 1 S. 5), wie es sei-
tens der Privatklägerin vorgebracht wird (s. nachstehend E. III.3.4.5.2.). Diesbe-
züglich ist vorab zu beachten, dass dem Beschuldigten in der Anklage lediglich
zur Last gelegt wird, die Privatklägerin zusammen mit dem Mitbeschuldigten "in
der Luft tragend" "zur Balkontüre und von dort auf den Balkon" geschleppt zu ha-
ben, nicht aber, diese hin- und hergeschaukelt zu haben (Urk. 20 S. 2). Allerdings
bestätigte C._, dass sein Vater seine Mutter an den Füssen gepackt habe
(Urk. 9/2 S. 4), was mit seinen bei der Polizei gemachten Aussagen insofern
übereinstimmt, als dort protokolliert wurde, dass sein Vater versucht habe, seine
Mutter an den Füssen zu packen (Urk. 1 S. 5). Ausserdem führte C._ auf die
Frage, was der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte mit der Privatklägerin ge-
macht hätten, als sie sie gepackt gehabt hätten, dass sie diese dann nicht mehr
losgelassen hätten und mit ihr zur Balkontüre gegangen seien, wo er angefangen
habe, seinen Vater zu beissen (Urk. 9/2 S. 5). Aus seinen Aussagen geht demzu-
folge deutlich hervor, dass der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte die Privat-
klägerin gegen deren Willen zur Balkontüre verbrachten. Insofern ist der Anklage-
sachverhalt erstellt. Ob die Privatklägerin sich dabei zumindest teilweise in der
Luft befand, was angesichts des Packens am Oberkörper durch den Mitbeschul-
digten und an den Füssen durch den Beschuldigten logisch wäre, kann demge-
genüber offen bleiben.
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3.4.2.7. Nicht erstellt ist gestützt auf die Aussagen von C._, dass die Pri-
vatklägerin auf den Balkon verbracht wurde, sagte er doch aus, dass sie zur offe-
nen Balkontüre gegangen seien, wobei weder sein Vater noch sein Grossvater
jemals auf dem Balkon gestanden seien (Urk. 9/2 S. 5 f.). Entgegen der Auffas-
sung der Vorinstanz (Urk. 57 E. III.5.4.b) S. 51) machte C._ in Bezug auf den
Standort der Mutter konträre Aussagen: Nachdem er ausgesagt hatte, dass es in
der Wohnung drin gewesen sei, wo sie sich losgerissen habe, bestätigte er da-
raufhin seine bei der Polizei gemachte Aussage als richtig, wonach die Privatklä-
gerin mit dem rechten Fuss auf dem Balkon und mit dem linken Fuss noch im
Wohnzimmer gewesen sei (Urk. 9/2 S. 7 u. 9; Urk. 1 S. 5). Die Dynamik des vor-
liegenden Geschehens ist allerdings nicht zu unterschätzen, zumal sich die Pri-
vatklägerin laut den Aussagen von C._ auch noch an der Balkontüre festge-
halten habe (Urk. 9/2 S. 9), was durchaus plausibel erscheinen lässt, dass sich
die Privatklägerin zumindest mit einem Teil ihres Körpers noch im Wohnzimmer
befunden hat. Auch wenn die Aussagen von C._ zum Standort seiner Mutter
nicht einheitlich waren, lässt sich der vermeintliche Widerspruch auflösen. Erstellt
ist jedenfalls, dass die Privatklägerin zur Balkontüre, nicht aber auf den Balkon,
geschleppt worden ist.
3.4.2.8. Seitens der Verteidigung von B._ vorgebrachte Zweifel
(Prot. GG150091 S. 26) an der Aussage von C._, dass der der Mitbeschul-
digte dem Beschuldigten gesagt habe, dass sie nun beide zusammen auf die Pri-
vatklägerin losgehen würden (Urk. 9/2 S. 8), wirken überdies wenig überzeugend,
da das erstellte darauf folgende Handeln des Beschuldigten und des Mitbeschul-
digten genau eine solche Vorgehensweise aufzeigt, was die Aussage plausibel
erscheinen lässt. Ein blosses auf Schlichtung des Streits zwischen dem Beschul-
digten und der Privatklägerin mit anschliessender räumlicher Trennung der Strei-
tenden bedachtes Handeln des Mitbeschuldigten B._, wie es die Verteidi-
gung (Urk. 37 S. 6. u. 11; Prot. I S. 23) geltend macht – und auch diejenige von
B._ (GG150091 Urk. 60 S. 9 ff.) vorbringt –, erscheint auch deshalb ausge-
schlossen.
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3.4.2.9. Ferner ist mit der Vorinstanz (Urk. 57 E. III.5.6.a) und der Verteidigung
(Urk. 37 S. 4 u. 6) davon auszugehen, dass in casu nicht erstellt ist, dass der Be-
schuldigte der Privatklägerin mit den Worten drohte "du hast keinen Respekt, jetzt
ist fertig, jetzt werfen wir dich über den Balkon und bringen dich um", weil
C._ solche Aussagen seines Grossvaters nicht bestätigte (Urk. 9/2 S. 4 f. u.
8).
3.4.2.10. Die Verursachung des angeklagten Verletzungsbilds der Privatklägerin
ist unter Berücksichtigung der geschilderten Vorgehensweise des Beschuldigten
und des Mitbeschuldigten sowie der mehrfach vorgebrachten Aussage von
C._, wonach sein Grossvater die Privatklägerin am Hals gekratzt habe (Urk.
9/2 S. 4 f.), ebenfalls als erstellt anzusehen. Die seitens der Verteidigung von
B._ vorgebrachte Darstellung, wonach die Verletzungen der Privatklägerin
allein durch B._ beim Wegziehen derselben beigebracht worden seien
(GG150091 Urk. 60 S. 11), erscheint angesichts des klaren Aussageverhaltens
von C._ unrealistisch und geht deshalb fehl.
3.4.2.11. Schliesslich ist es aufgrund der Umstände und insbesondere der ag-
gressiven Vorgehensweise des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten als plau-
sibel zu erachten, dass C._ gestützt auf sein eigenes Erleben der Situation,
und nicht – wie seitens der Verteidigung unterstellt zu werden scheint (Urk. 37 S.
4; Prot. I S. 22; Urk. 68 S. 6 ff.) – aufgrund entsprechender Darstellungen der Pri-
vatklägerin davon ausging, dass sein Vater und sein Grossvater seine Mutter vom
Balkon hinunterwerfen würden. Obschon er anlässlich seiner staatsanwaltlichen
Einvernahme auch darauf verwies, dass seine Mutter gedacht habe, sie werde
"runter geschupft vom Balkon" (Urk. 9/2 S. 6), führte er nämlich davor aus, er ha-
be Angst gehabt, dass sie in den Garten hinunter falle (Urk. 9/2 S. 4). Für ein ei-
genes Erleben dieser Angst spricht auch sein eindrückliches und aussergewöhnli-
ches Einschreiten in die Auseinandersetzung mittels Beissens seines Vaters, wel-
ches für den Bestand einer hohen Gefährdungslage betreffend die Privatklägerin
spricht, welche er damit zu beseitigen suchte. Ferner ist erstellt, dass der Be-
schuldigte und der Mitbeschuldigte die Privatklägerin gegen ihren Willen zur offe-
nen Balkontüre verbrachten, an welcher sich die Privatklägerin festhielt, was nahe
- 23 -
legt, dass sie dadurch der Bewegungsrichtung etwas entgegensetzen wollte. Die-
ser Ablauf spricht klar dafür, dass die Privatklägerin auf den Balkon gebracht wer-
den sollte, was wiederum ein Hinunterwerfen der Privatklägerin bzw. ein entspre-
chendes Angsteinjagen bei der Privatklägerin im Sinne einer Lektionserteilung
beim vorliegenden Kräfteungleichgewicht und der Dynamik des Geschehens als
plausibel erscheinen lässt. Es ist naheliegend, dass das von C._ geschilderte
Rufen der Privatklägerin ("Lass mich los": Urk. 9/2 S. 3 u. 5) zu seiner ausserge-
wöhnlichen Reaktion zum Schutze der Privatklägerin beigetragen hat, wobei es
indes – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 37 S. 6 f.; Urk. 68 S. 7) – vor
dem Hintergrund des übrigen Geschehens eine blosse Mitursache für seine Re-
aktionsweise darstellte. Ob der frühere Vorfall, anlässlich welchem der B._
während eines Streits mit der Privatklägerin wütend einen Tisch vom Balkon ge-
worfen hat (s. Urk. 6/2 S. 6 f.), bei den Angstgefühlen von C._ eine Rolle
spielte (so die Verteidigung: Urk. 37 S. 4), ist nicht auszuschliessen, aber gleich-
zeitig auch nicht von Relevanz.
3.4.2.12. Gestützt auf die glaubhaften Aussagen von C._ ist – im Wesentli-
chen einhergehend mit der Vorinstanz (Urk. 57 E. III.5.6.a) – erstellt, dass die Pri-
vatklägerin von der Arbeit nach Hause kam und, nachdem sie zusammen mit ihm
ins Wohnzimmer gekommen sei, auf den Balkon ging. Von dort aus entstand ein
zunächst verbaler Streit zwischen ihr und dem Beschuldigten, in dessen Folge die
Privatklägerin auf den Beschuldigten zugegangen ist, worauf sie von ihm zuerst
am Oberkörper und sogleich von B._ an den Füssen gepackt wurde. Darauf
haben die beiden Beschuldigten die Privatklägerin nicht losgelassen und sie ge-
waltsam bis zur offenen Balkontür verbracht. C._ hat aufgrund dieser Vorge-
hensweise des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten dermassen Angst um
seine Mutter bekommen, dass er befürchtete, dass seine Mutter vom Balkon ge-
worfen werde, weshalb er sich veranlasst sah, seinen Vater in den Rücken zu
beissen, woraufhin dieser die Privatklägerin losliess, sie sich vom Beschuldigten
losreissen und mit C._ nach draussen flüchten konnte.
3.4.3. Aussagen von B._
- 24 -
3.4.3.1. Seitens der Vorinstanz wurden die Aussagen von B._ eingehend
und zutreffend gewürdigt, weshalb grundsätzlich vollumfänglich auf die von ihr
diesbezüglich gemachten Erwägungen verwiesen werden kann (Urk. 57
E. III.5.2.).
3.4.3.2. Erwähnenswert erscheinen indes die nachfolgenden Umstände: Auffäl-
lig ist – wie von der Vorinstanz korrekt erwogen (Urk. 57 E. III.5.2.b) S. 39) – dass
der Detaillierungsgrad bei B._ stark schwankte: Während der Beginn der
Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin ausführ-
lich und genau geschildert wird, erfolgten zum eigentlichen Kerngeschehen nur
vage Angaben: So wurde von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt, dass seine
Angaben hinsichtlich des "Losgehens" seiner Frau auf seinen Vater unterschied-
lich sind (Urk. 57 E. III.5.2.b) S. 36 betr. Urk. 8/1 S. 3; Urk. 8/4 S. 2; Prot.
GG150091 S. 11) wie auch diejenigen hinsichtlich der Beschreibung, auf welche
Weise er die Privatklägerin gepackt habe (Urk. 57 E. III.5.2.b) S. 36 f: betr.
Urk. 8/1 S. 3 f.; Urk. 8/2 S. 5; Urk. 8/3 S. 2; Urk. 8/4 S. 3; Prot. GG150091 S. 11).
Der Verteidiger von B._ bezeichnete allerdings eine anlässlich der
Schlusseinvernahme des Mitbeschuldigten gestellte Frage als aktenwidrig und
unzulässig, weil dieser – entgegen dem ihm gemachten Vorhalt (Urk. 8/4 Frage
16) – im Rahmen der staatsanwaltlichen Einvernahme vom 20. Oktober 2015
nicht zu Protokoll gab, die Privatklägerin lediglich und ausschliesslich an den Füs-
sen gepackt zu haben (Prot. GG150091 S. 26 f.). Dem Einwand der Verteidigung
ist zu folgen, da aus der bezeichneten früheren Einvernahme keine entsprechen-
de Aussage des Mitbeschuldigten hervorgeht. Die seitens von B._ gegebene
Antwort vermag sich indes so oder anders nicht zu seinen Ungunsten auszuwir-
ken, da er ein blosses Packen der Privatklägerin an deren Oberkörper zu Proto-
koll gab, was eine Beeinflussung seitens der Staatsanwaltschaft ausschliesst. Zu
Gunsten von B._ ist bezüglich seiner vor Polizei gemachten Aussage, ge-
mäss welcher er erwähnte, die Privatklägerin auf den Balkon gezogen zu haben,
um zu verhindern, dass sie seinen Vater schlage (Urk. 8/1 Frage 12), von einem
Protokollfehler auszugehen, da er in derselben Befragung mehrfach zu Protokoll
gab, nie auf dem Balkon gewesen zu sein (Urk. 8/1 Fragen 24, 32 u. 34).
- 25 -
3.4.3.3. Mit der Vorinstanz (Urk. 57 E. III.5.2.b) S. 38) ist zudem festzustellen,
dass die Angaben von B._ hinsichtlich des Zeitpunkts, in welchem er die Pri-
vatklägerin losgelassen habe, unpräzise erscheinen (Urk. 8/1 S. 3; Urk. 8/2 S. 5;
Prot. GG150091 S. 15). Klar widersprüchlich sagte er – wie es die Vorinstanz
richtig anführte (Urk. 57 E. III.5.2.b) S. 38) – in Bezug auf die Frage, ob die Bal-
kontüre im massgebenden Zeitpunkt offen oder geschlossen war, aus: Während
er zu Beginn ausführte, die Balkontür sei geschlossen gewesen, da er sie auf-
grund des lauter werdenden Streits geschlossen habe, damit die Nachbarn den
Streit nicht hörten (Urk. 8/1 S. 5, Urk. 8/2 S. 5), gab er anlässlich der vor-
instanzlichen Hauptverhandlung zu Protokoll, seine Frau nütze es aus, dass die
Balkontür offen gewesen sei (Prot. GG150091S. 18), was in Bezug auf die offene
Türe auch von C._ bestätigt wird (Urk. 9/2 S. 5). Der Vorinstanz ist darin bei-
zupflichten (Urk. 57 E. III.5.2.b) S. 38), dass sich dieser Widerspruch in den Aus-
führungen von B._ nicht begründen lasse, weshalb aufgrund des Gesagten
davon auszugehen sei, dass es sich bei den Aussagen des Beschuldigten zu Be-
ginn der Untersuchung um eine reine Schutzbehauptung handle.
3.4.3.4. Ferner wurde seitens der Vorinstanz richtig erwogen, dass die Aussa-
gen von B._ keinen endgültigen Schluss bezüglich des Tatbeitrags des Be-
schuldigten zulassen. Sie legte unter Bezugnahme auf die Aussagen von B._
zutreffend und ausführlich dar, dass seine entsprechenden Aussagen stark relati-
vierend, zurückhaltend und teilweise auch uneinheitlich erfolgten (Urk. 57 E.
III.5.2.b) S. 39 ff.). Hierfür bezeichnend erscheint seine Aussage anlässlich der
staatsanwaltlichen Einvernahme vom 20. Oktober 2015, wonach er die Privatklä-
gerin mit den Armen an den Hüften gepackt habe, selber aber nicht gesehen ha-
be, ob sein Vater die Privatklägerin irgendwo gepackt habe, woraufhin er die Pri-
vatklägerin dann mit Gewalt in Richtung der Balkontüre geschleppt habe (Urk. 8/3
S. 2), nachdem er in den ersten beiden Einvernahmen noch die klaren Aussagen
getroffen hatte, dass sein Vater seine Frau nicht gepackt, nicht einmal angefasst
oder gar berührt habe (Urk. 8/1 S. 3 f., Urk. 8/2 S. 5 f.). Ausserdem erscheint die
Unkenntnis über eine allfällige tätliche Beteiligung des Beschuldigten als vorge-
schoben und unglaubhaft. Es ist demnach offensichtlich, dass B._ den Be-
schuldigten nicht belasten will, was in ihrer verwandtschaftlichen Beziehung be-
- 26 -
gründet liegt. Ausserdem muss – wie bereits ausführlich dargelegt wurde (s.
E. 3.4.1.3. vorstehend) – davon ausgegangen werden, dass sich B._ – zu-
mindest für die Tage des Besuchs des Beschuldigten in der Schweiz – seinem
Vater gegenüber mehr verpflichtet fühlte als seiner Ehefrau, weshalb die Zurück-
haltung in den entsprechenden Aussagen naheliegend erscheint. Deshalb ist die
von der Vorinstanz aus der Würdigung der Aussagen von B._ zum Verhalten
seines Vaters gewonnene Schlussfolgerung, dass die Tendenz zu erkennen sei,
dass er seinen Vater in Schutz nehmen und aus dem Konflikt heraushalten wolle,
indem er nur zurückhaltende Äusserungen mache und den Tatbeitrag seines Va-
ter immer wieder als gering darstelle bzw. seinen Vater sogar als Streitschlichter
bezeichne, richtig (Urk. 57 E. III.5.1.b) S. 39).
3.4.3.5. Schliesslich wurde seitens der Vorinstanz auch zutreffend festgestellt,
dass B._ keine nachvollziehbare Begründung für die festgestellten Verlet-
zungen seines Vaters liefert (Urk. 57 E. III.5.2.b) S. 41). Als reine Schutzbehaup-
tung wirkt seine Darlegung, dass es vielleicht möglich sei, dass seine Frau und
sein Vater am Vormittag eine Auseinandersetzung gehabt hätten (Urk. 8/4 S. 4).
Dazu weist die Vorinstanz zutreffend darauf hin, dass nie jemand ausgeführt ha-
be, dass es am Vormittag des 12. August 2015 zu einer tätlichen Auseinanderset-
zung gekommen sei (Urk. 57 E. III.5.2.b) S. 40).
3.4.3.6. Unter Berücksichtigung dieser Erwägungen geben die Aussagen von
B._ keinen Anlass, die seitens seines Sohnes zum relevanten Kerngesche-
hen gemachten Ausführungen ernsthaft in Zweifel zu ziehen.
3.4.4. Aussagen des Beschuldigten
3.4.4.1. Auch in Bezug auf die seitens des Beschuldigten gemachten Aussagen
ist die – eingehende – Würdigung durch die Vorinstanz in keiner Weise zu bean-
standen, weshalb grundsätzlich vollumfänglich darauf verwiesen werden kann
(Urk. 57 E. III.5.1.b). Beizupflichten ist der Vorinstanz im Ergebnis darin, dass sei-
ne Aussagen – entgegen der Verteidigung, welche seine Ausführungen als zu-
meist widerspruchsfrei und nachvollziehbar bezeichnet (Urk. 37 S. 8; Urk. 68 S. 8)
– von Widersprüchen, Strukturbrüchen, Ungereimtheiten, Inkonstanz und teilwei-
- 27 -
se ausweichendem Verhalten geprägt sind, was gegen deren Glaubhaftigkeit
spricht (Urk. 57 E. III.5.1.b) S. 35). Im Nachfolgenden ist das Aussageverhalten
des Beschuldigten nochmals zu erörtern.
3.4.4.2. Zum Ausgangspunkt der Auseinandersetzung – das Beschimpfen
durch die Privatklägerin – äusserte sich der Beschuldigte insbesondere in Bezug
auf die seitens der Privatklägerin initiierte verbale Auseinandersetzung ähnlich
wie B._ und C._. Allerdings erwähnte er konstant, dass er von der Pri-
vatklägerin überdies bespuckt worden sei (Urk. 6/1 S. 4 f.; Urk. 6/2 S. 3; Urk. 6/3
S. 3; Prot. I S. 12), was allerdings von niemandem sonst bestätigt wurde. Wesent-
lich erscheint in diesem Zusammenhang, dass gestützt auf die Aussagen des Be-
schuldigten davon auszugehen ist, dass es die Privatklägerin war, welche den
Streit vom Zaun gebrochen und den Beschuldigten provoziert hat, was seinen
Niederschlag auch im übrigen Beweisergebnis findet. Mit der Vorinstanz als wenig
überzeugend ist aber die Begründung des Beschuldigten einzustufen, weshalb er
erst in der Schlusseinvernahme vom 10. November 2015 vorbrachte, dass die
Privatklägerin ihm fünf bis sechs sehr feste Boxschläge bzw. sechs bis zehn
Boxschläge zugefügt habe: So habe er dies verschwiegen, weil es ihm als Mann
nicht wohl sei zu sagen, dass er von einer Frau geschlagen worden sei (Urk. 6/4
S. 2 ff.). Seine weitere Behauptung, dass B._ diese Boxschläge nicht gese-
hen haben soll (Urk. 6/4 S. 4), teilweise mit der Begründung, weil er zu diesem
Zeitpunkt hinter ihm gestanden sein soll (Prot. I S. 11), erscheint bereits unter
Einbezug der behaupteten Vielzahl an Boxschlägen wie auch deren Heftigkeit
abwegig, war doch die Situation derart, dass die Privatklägerin durch ihr Herein-
stürmen in das Wohnzimmer die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben muss-
te. Ausserdem behauptete der Beschuldigte andernorts wiederum, dass B._
eingegriffen habe, weil er nicht gewollt habe, dass seine Frau seinen Vater schla-
ge (Prot. I S. 16), was vor dem Hintergrund, dass der Beschuldigte die Schläge
nicht gesehen habe, wenig Sinn ergibt. Den Umstand, dass auch C._ die
Schläge nicht gesehen habe, erklärt der Beschuldigte ferner ausschliesslich da-
mit, dass dieser kleiner sei als seine Mutter und auch als B._, weshalb er
nicht habe sehen können, was seine Mutter ihm angetan habe (Urk. 6/4 S. 7),
was unter Berücksichtigung der übrigen Erwägungen ebenso wenig überzeugend
- 28 -
erscheint. Ferner soll B._ der Privatklägerin nämlich noch gesagt haben "Ich
erdulde sogar deine Schläge, aber sei ruhig, nicht dass alle dies mitbekommen.
Schämst du dich nicht, dich so zu verhalten" (Urk.6/4 S. 4), was die Glaubhaf-
tigkeit seiner Aussagen nochmals herabsetzt, weil diese Äusserungen von nie-
mandem bestätigt werden und es sich dabei offensichtlich um einen – sehr plum-
pen – Versuch handelt, eine Erklärung zu liefern, weshalb niemand die (vermeint-
lichen) Schläge der Privatklägerin mitbekommen haben soll.
3.4.4.3. In Bezug auf das Eingreifen des Beschuldigten hielt die Vorinstanz zu-
treffend fest (Urk. 57 E. III.5.1.b) S. 32 f.), dass Ungereimtheiten bezüglich der
Position des Beschuldigten sowie hinsichtlich des Zeitpunkts seines Eingreifens
bestehen würden: Während der Beschuldigte anlässlich der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung zunächst angegeben habe, dass B._ im Zeitpunkt der
Schläge hinter ihm gestanden sei, hat er später ausgeführt, dass jener die Privat-
klägerin von hinten gepackt habe, und zwar noch bevor sie ihn, den Beschuldig-
ten, geschlagen habe (Prot. I S. 11). Die seitens der Vorinstanz daraus gezogene
Schlussfolgerung, dass es in diesem Fall schlicht unmöglich sei, dass B._
zugleich hinter dem Beschuldigten gestanden sei (Urk. 57 E. III.5.1.b) S. 32), ist
richtig.
3.4.4.4. Weitere Inkohärenzen ergeben sich auch aus seinen Aussagen zu den
weiteren Handlungen von B._. Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, dass
uneinheitlich und unbestimmt bleibt, wann und vor allem wie B._ die Privat-
klägerin gepackt haben soll (Urk. 57 E. III.5.1.b) S. 32 f.). So sagte der Beschul-
digte zunächst aus, dass B._ sich zwischen ihn und die Privatklägerin ge-
stellt habe bzw. diese von der Seite her kommend seitlich bzw. von hinten ge-
packt habe, nachdem sie auf ihn, den Beschuldigten, losgekommen sei und sich
ca. einen halben Meter vor ihm befunden habe. B._ habe sie über ihren
Oberarmen umklammert und sie dann nach hinten gezogen (Urk. 6/1 S. 4 f.).
Hernach gab er wiederum an, B._ habe sie seitlich mit den Armen umfasst
(Urk. 6/2 S. 3), demgegenüber er sich anlässlich der Schlusseinvernahme dahin-
gehend äusserte, dass B._ versucht habe, die Privatklägerin an der Taille,
den Schultern und am Nacken zu halten (Urk. 6/4 S. 4). Zusammen mit den zuvor
- 29 -
in Bezug auf die Position und den Zeitpunkt des Eingreifens des Beschuldigten
wiedergegebenen widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten im Rahmen
der vorinstanzlichen Hauptverhandlung (s. vorstehend unter E. III.3.4.4.3.) folgt,
dass sich aus der Darstellung des Beschuldigten kein kohärentes Bild des Ge-
schehens ergibt.
3.4.4.5. Bezüglich seiner eigenen Handlungen und seiner damaligen Emotions-
lage äusserte sich der Beschuldigte ebenfalls nicht kohärent. So wurde seitens
der Vorinstanz zutreffend darauf hingewiesen (Urk. 57 E. III.5.1.b) S. 33), dass
Relativierungen und Verharmlosungen erkennbar seien, weil er zunächst aussag-
te, perplex und sprachlos (Urk. 6/1 S. 5) gewesen und zurückgewichen zu sein
(Urk. 6/1 S. 7), wohingegen er später geltend machte, etwas auf die Privatklägerin
zugegangen zu sein, aber bei den Schlägen auf seine Brust ganz ruhig und still
dort gestanden (Urk. 6/4 S. 2 ff.) und auch sonst ruhig und besonnen (Prot. I
S. 12) gewesen zu sein (Urk. 57 E. III.5.1.b) S. 33). Dass sich diese Selbstdarstel-
lung mit den Aussagen von C._, wonach sein Grossvater wütend gewesen
sei (Urk. 9/2 S. 8), nicht deckt, ist offensichtlich, und erscheint im Übrigen ange-
sichts des behaupteten vorangehenden Angriffs der Privatklägerin mit Beleidigun-
gen, Bespucken und mehreren Boxschlägen – wie die Vorinstanz zutreffend her-
vorhebt (Urk. 57 E. III.5.1.b) S. 33) – völlig unglaubhaft und lebensfremd, was er
an anderer Stelle, wo er angibt, angesichts der üblen Schimpfworte seitens der
Privatklägerin wütend geworden zu sein (Urk. 6/2 S. 3), sinngemäss auch einge-
steht. Für des Bestehen einer wütenden Befindlichkeit sprechen zudem teilweise
auch seine Ausführungen, was er im damaligen Zeitpunkt zur Privatklägerin ge-
sagt haben soll. Auf die entsprechenden zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
zur Unterschiedlichkeit dieser Aussagen, welche sich nicht rational begründen
lassen würden (Urk. 57 E. III.5.1.b) S. 33 f.), kann vollumfänglich verwiesen wer-
den und bedürfen keiner Ergänzungen.
3.4.4.6. Auffällig ist zudem, wie offensiv der Beschuldigte der Privatklägerin im
Rahmen seiner Befragungen ein Motiv für eine Falschbelastung zuweist und ihr
überdies unterschiebt, C._ für ihre Zwecke instrumentalisiert zu haben (Urk.
6/1 S. 4). So machte der Beschuldigte mehrmals geltend, die Privatklägerin habe
- 30 -
durch die Falschbelastung die Ausgangslage für den am nächsten Tag anstehen-
den gerichtlichen Scheidungstermin bzw. für die bevorstehende Scheidung än-
dern wollen (Urk. 6/1 S. 6; Urk. 6/2 S. 5; Urk. 6/4 S. 2), was in den Akten keinen
Niederschlag findet, bzw. habe sie ihnen eine Falle stellen (Prot. I S. 10) und sich
rächen wollen (Urk. 6/4 S. 2). Es drängt sich auch deshalb die Vermutung auf,
dass der Beschuldigte seine entsprechenden Aussagen nach dem Motto "Angriff
ist die beste Verteidigung" traf.
3.4.4.7. Schliesslich bringt der Beschuldigte auch eine doch recht abenteuerli-
che und unglaubhafte Erklärung für die bei der Privatklägerin festgestellten Ver-
letzungen vor: So könne es sein, dass sie sich die Verletzungen beim Passieren
der Balkontüre zugezogen habe, welche nicht sehr breit, vielleicht ca. 70 cm breit
sei, als sie von der Küche auf den Balkon gegangen sei (Urk. 6/4 S. 5). Bezeich-
nend ist, dass er diese Behauptungen später relativierte, indem er auf die Frage,
ob B._ ihr die Verletzungen beigebracht habe, ausweichend ausführte, dass
seine Versuche [die von B._] in dieser Sache menschlicher Art gewesen sei-
en und er einen Exzess habe verhindern wollen (Prot. I S. 15 f.), was klarerweise
eine Zufügung (zumindest eines Teils) der Verletzungen durch B._ nahe legt.
3.4.4.8. Gestützt auf dieses Aussageverhalten des Beschuldigten kann, wie die
Vorinstanz – unter Anwendung erheblicher Zurückhaltung – richtig folgert (Urk. 57
E. III.5.1.b) S. 35), zur Sachverhaltserstellung nicht auf seine Aussagen abgestellt
werden.
- 31 -
3.4.5. Aussagen der Privatklägerin
3.4.5.1. Auch in Bezug auf die seitens der Privatklägerin gemachten Aussagen
ist die sorgfältige Würdigung der Vorinstanz im Wesentlichen zutreffend und nicht
zu beanstanden, weshalb auf diese verwiesen werden kann (Urk. 57 E. III.5.3.b).
Zutreffend wurde von der Vorinstanz vorab auch erwähnt, dass ihre Aussagen
insbesondere unter Berücksichtigung der belasteten Beziehung zu B._ und
des schlechten Verhältnisses zum Beschuldigten mit entsprechender Vorsicht zu
würdigen seien (Urk. 57 E. III.5.3.a). Auf die entsprechenden Animositäten und
Spannungen zwischen der Privatklägerin einerseits und dem Beschuldigten wie
dem Mitbeschuldigten andererseits wurde bereits ausführlich hingewiesen (s. vor-
stehend unter E. III.3.4.1.1.-2.). Ungeachtet dessen steht indes die Glaubhaf-
tigkeit ihrer Aussagen im Zentrum.
3.4.5.2. Der Vorinstanz ist darin beizupflichten (Urk. 57 E. III.5.3.b) S. 42 f.),
dass die Privatklägerin den grundlegenden Ablauf des Vorfalls stets gleich schil-
dert: Sie sei nach Hause gekommen und ins Schlafzimmer gegangen, um sich
umzuziehen, wohin ihr C._ gefolgt sei. Daraufhin sei sie ins Wohnzimmer in
Richtung Balkon gegangen, um zu rauchen, sei jedoch in der Mitte des Raumes
von hinten durch ihren Schwiegervater an den Schultern/Oberarmen und am Hals
gepackt und nach hinten gezogen sowie von ihrem Mann an den Füssen gepackt
und angehoben worden. Beide hätten sie mit Gewalt auf den Balkon gezerrt, an
ihr gerissen und sie dort hin und her geschwungen. Ihre rechte Schulter sei am
Balkongeländer angelehnt gewesen bzw. habe über das Geländer hinausgeragt.
Sie habe Todesangst gehabt. Sie habe sich gewehrt und versucht, sich loszureis-
sen. Sie habe dann plötzlich wieder Bodenkontakt erhalten, nachdem ihr Mann
sie losgelassen habe und habe sich dadurch losreissen und durch die Küche
flüchten können und sei dann mit dem Sohn C._ ins Treppenhaus gelaufen
und habe die Polizei verständigt (Urk. 57 E. III.5.3.b) S. 42 f. betr. Urk. 7/1 S. 4 ff.,
Urk. 7/2 S. 5 f. und 10 ff., Urk. 34 S. 5 ff. und 22).
3.4.5.3. Allerdings bestehen bei gewissen Ausführungen der Privatklägerin
nicht unerhebliche Zweifel (entsprechend auch die Verteidigung: Urk. 37 S. 5 ff.;
- 32 -
Urk. 68 S. 3 f.). In Bezug auf die angeblichen Drohungen und übrigen Äusserun-
gen, welche anlässlich des Vorfalls von Seiten des Beschuldigten ausgesprochen
worden seien, kann auf die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz verwie-
sen werden (Urk. 57 E. III.5.3.b) S. 43 ff.), wonach die anfänglich beschriebenen
Drohungen und übrigen Aussagen ihres Schwiegervaters später erheblich relati-
viert wurden. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass nicht erstellt ist, dass von
Seiten des Beschuldigten ausdrücklich Drohungen ausgesprochen wurden (Urk.
57 E. III.5.3.b) S. 44), ist jedenfalls nicht zu beanstanden und erweist sich insbe-
sondere auch vor dem Hintergrund des übrigen Beweisergebnisses – wobei den
glaubhaften Aussagen von C._, welcher keine Drohungen wahrgenommen
hat (s. vorstehend unter E. III.3.4.2.9.), eine bedeutende Rolle zukommt – als rich-
tig. Unsicherheiten bestehen aufgrund der uneinheitlichen Aussagen sowie der of-
fensichtlichen Tendenz der Privatklägerin zu Übertreibungen auch in Bezug auf
die übrigen von Seiten des Beschuldigten angeblich gemachten Äusserungen.
Vor dem Hintergrund der angespannten Lage zwischen der Privatklägerin und ih-
rem Schwiegervater am fraglichen Abend und den situativen Gegebenheiten ist
von einem verbalen Streit zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten
auszugehen, auch wenn im Einzelnen nicht wortwörtlich erstellt werden kann, was
gesprochen wurde.
3.4.5.4. Die Vorinstanz würdigte die Neigung der Privatklägerin zu Übertreibun-
gen – auf welche auch die Verteidigung hinweist (Urk. 37 S. 5; Urk. 68 S. 3) – ge-
stützt auf eine sorgfältige Analyse ihrer Äusserungen zutreffend, weshalb vollum-
fänglich auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden kann (Urk. 57
E. III.5.3.b) insb. S. 45 f.). Ergänzend ist festzustellen, dass ihre Äusserungen be-
züglich ihres Verbringens durch den Beschuldigten und B._ auf den Balkon
widersprüchlich erscheinen, was sich insbesondere an der Reihenfolge, in wel-
cher die drei Personen auf den Balkon hinausgegangen sein sollen, festmachen
lässt: Anfänglich sagte die Privatklägerin aus, ihr Schwiegervater sei voraus- und
ihr Ehemann hinterhergelaufen (Urk. 7/1 S. 5). Anlässlich ihrer zweiten Einver-
nahme sprach die Privatklägerin demgegenüber davon, dass B._ den Balkon
zuvorderst betreten, sie selbst dazwischen gewesen und der Beschuldigte zuletzt
gekommen sei (Urk. 7/2 S. 23). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung
- 33 -
gab die Privatklägerin zu Protokoll, sie wisse nicht mehr, wer den Balkon zuerst
betreten habe, wobei sie selbst zuerst mit dem Oberkörper auf dem Balkon gewe-
sen sei (Urk. 34 S. 9). Bereits angesichts dieser uneinheitlichen Angaben der Pri-
vatklägerin kann in casu nicht mit rechtsgenügender Sicherheit erstellt werden,
dass diese auf den Balkon verbracht worden ist. Da sie selbst davon ausgeht,
dass sie der Länge nach getragen worden sei (Urk. 34 S. 9), erscheint auch ein
nachvollziehbarer Irrtum über die vor und hinter ihr befindliche Person ausge-
schlossen, dass diese den Balkon – mit der Privatklägerin in der Mitte – allenfalls
auf etwa derselben Höhe betreten haben könnten. Abgesehen davon werden die-
se Angaben der Privatklägerin auch von C._ nicht bestätigt. Dieser befürch-
tete zwar, dass sein Vater und sein Grossvater seine Mutter vom Balkon hinun-
terwerfen würden, gab aber gleichzeitig an, nicht wahrgenommen zu haben, dass
die Privatklägerin tatsächlich auf den Balkon hinaus verbracht wurde (s. vorste-
hend unter E. III.3.4.2.7. u. 3.4.2.11). Ebenso wenig bestätigte C._ überdies
ihre Aussagen (Urk. 7/1 S. 4; Urk. 7/2 S. 11 u. 13; Urk. 7/3 S. 4; Urk. 34 S. 7 ff.),
dass sie vom Beschuldigten und B._ in der Luft, das heisst, ohne jeglichen
eigenen Bodenkontakt, getragen und hernach hin und her geschaukelt worden
sei, wohingegen der Anklagesachverhalt gestützt auf seine glaubhaften Aussagen
insofern erstellt ist, dass der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte die Privatklä-
gerin gegen deren Willen zur Balkontüre verbrachten (s. vorstehend unter
E. III.3.4.2.6. u. 3.4.2.7). Deshalb bestätigt sich die seitens der Vorinstanz vorge-
nommene Einschätzung, dass die Aussagen der Privatklägerin teilweise unein-
heitlich, ungenau und übertrieben erscheinen (Urk. 57 E. III.5.3.b) S. 43 ff.).
3.4.5.5. In Bezug auf die seitens der Privatklägerin vorgebrachte damalige Be-
fürchtung, vom Balkon hinuntergeworfen zu werden, kann gestützt auf ihre Aus-
sagen wie auch die gesamten Umstände davon ausgegangen werden, dass diese
Angst real war. Der Vorinstanz ist darin beizupflichten (Urk. 57 E. III.5.3.b)
S. 45 f.), dass sie glaubhaft machen konnte, dass sie bei diesem Vorfall in nicht
unerheblichem Masse in Angst und Schrecken versetzt wurde, was durch ihre
teils spontanen Gemütsbewegungen während diverser Einvernahmen (Urk. 7/2
S. 5, Urk. 7/3 S. 6), welche für tatsächlich Erlebtes sprechen würden, wie auch
durch den ärztlichen Bericht betreffend ihre psychiatrisch-psychotherapeutische
- 34 -
Behandlung (Urk. 36), aus dem hervorgehe, dass der Vorfall einen bleibenden
Eindruck hinterlassen habe, belegt würde. In Detaillierung dazu ist festzuhalten,
dass der Privatklägerin im erwähnten ärztlichen Bericht von Dr. med. H._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine posttraumatischen Belastungs-
störung diagnostiziert wird, wobei gestützt auf die Darlegungen im Bericht nahe
liegt, dass der Vorfall vom 12. August 2015 hierfür (zumindest überwiegend) kau-
sal war (s. hierzu auch die nachstehend unter E. VII.4. gemachten Erwägungen).
Weiter spricht auch die Dynamik des Handlungsgeschehens und die Aufge-
brachtheit des Beschuldigten und B._s für das Vorliegen der geschilderten
Angst: So wurde erstellt (vorstehend E. III.3.4.2.11.), dass der Beschuldigte und
der Mitbeschuldigte die Privatklägerin gegen ihren Willen zur offenen Balkontüre
verbrachten, an welcher sich die Privatklägerin festhielt, um der Bewegungsrich-
tung etwas entgegenzusetzen. Diesbezüglich wurde bereits erwogen, dass dieser
Ablauf klar dafür spricht, dass die Privatklägerin auf den Balkon gebracht werden
sollte, was wiederum ein Hinunterwerfen der Privatklägerin bzw. ein entsprechen-
des Angsteinjagen bei der Privatklägerin im Sinne einer Lektionserteilung beim
vorliegenden Kräfteungleichgewicht und der Dynamik des Geschehens als plau-
sibel erscheinen lässt (E. III.3.4.2.11.). Dass auch C._ Angst gehabt hatte,
dass seine Mutter vom Balkon gestossen werden sollte (E. III.3.4.2.5.), stellt
überdies ein weiteres Indiz für das Vorliegen derselben Befürchtung bei der Pri-
vatklägerin dar.
3.4.5.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass gestützt auf die gemachten
Erwägungen zum Aussageverhalten der Privatklägerin für die Erstellung des An-
klagesachverhalts im Wesentlichen weiterhin von der Sachdarstellung von
C._ auszugehen ist, wobei zusätzlich erstellt ist, dass die Privatklägerin in
Angst geriet, weil sie befürchtete, vom Balkon hinunter geworfen zu werden.
3.4.6. Aussagen von E._, F._ und D._
In Bezug auf die Befragungen von E._, F._ und D._ wurde seitens
der Vorinstanz zutreffend erwogen, dass sich aus ihren Aussagen wenig Relevan-
tes ableiten lasse, aber immerhin festzustellen sei, dass sie mit der Sachverhalts-
darstellung von C._ nicht im Widerspruch stehen würden (Urk. 57 E.
- 35 -
III.5.5.b). Ergänzend ist festzuhalten, dass aus dem Umstand, dass das Vorbrin-
gen der Verteidigung, wonach D._ ausgeführt habe, die Privatklägerin und
C._ hätten die Wohnung "normal" verlassen, was er durch den Türspion be-
obachtet habe (Urk. 37 S. 10 in Bezug auf Urk. 9/5 S. 5), nichts am Beweisergeb-
nis zu ändern vermag. So handelt es sich bei der entsprechenden Wahrnehmung
der Auskunftsperson um einen subjektiven Eindruck, welcher auf einer sehr kur-
zen Beobachtung mit eingeschränktem Blickfeld basiert. Ferner befanden sich die
Privatklägerin und C._ in diesem Augenblick bereits nicht mehr in der Woh-
nung, was deren Sicherheitsgefühl verstärkt und ihre Geschwindigkeit durchaus
gedrosselt haben könnte.
3.4.7. Übrige Beweismittel
Wie seitens der Vorinstanz zutreffend ausgeführt wurde, sind die Verletzungen
der Privatklägerin rechtsgenügend und auch gutachterlich dokumentiert (Urk. 4/1
u. 4/3), wobei – ebenso korrekt – diejenigen an ihren Füssen und Beinen B._
und diejenigen an ihrem Oberkörper dem Beschuldigten zuzurechnen sind (Urk.
57 E. III.4.2., 4.3. u. 5.6).
3.4.8. Ergebnis
Gestützt auf die Beweiswürdigung ist – im Wesentlichen einhergehend mit der
Vorinstanz (Urk. 57 E. III.5.6.a) – erstellt, dass die Privatklägerin von der Arbeit
nach Hause kam und, nachdem sie zusammen mit C._ ins Wohnzimmer ge-
kommen sei, auf den Balkon ging. Von dort aus entstand ein zunächst verbaler
Streit zwischen ihr und dem Beschuldigten, in dessen Folge die Privatklägerin auf
den Beschuldigten zugegangen ist, worauf sie von ihm zuerst am Oberkörper und
sogleich von B._ an den Füssen gepackt wurde. Darauf haben die beiden
Beschuldigten die Privatklägerin nicht losgelassen und sie gewaltsam bis zur of-
fenen Balkontür verbracht. C._ hat aufgrund dieser Vorgehensweise des Be-
schuldigten und des Mitbeschuldigten dermassen Angst um seine Mutter bekom-
men, dass er befürchtete, dass seine Mutter vom Balkon geworfen werde, wes-
halb er sich veranlasst sah, seinen Vater in den Rücken zu beissen, woraufhin
dieser die Privatklägerin losliess, sie sich vom Beschuldigten losreissen, mit
- 36 -
C._ nach draussen flüchten und die Polizei rufen konnte. Durch diesen Vor-
fall erlitt die Privatklägerin die in der Anklageschrift erwähnten Verletzungen, wo-
bei ihr diejenigen an ihren Füssen und Beinen von B._ und diejenigen an ih-
rem Oberkörper vom Beschuldigten zugefügt worden sind. Durch das gewaltsame
Verbringen in Richtung des Balkons geriet die Privatklägerin in Angst, weil sie be-
fürchtete, vom Balkon hinunter geworfen zu werden.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Würdigung der Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er habe sich durch sein Ver-
halten der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, der Drohung im Sinne von
Art. 180 Abs. 1 StGB und der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB
schuldig gemacht (Urk. 20).
2. Tätlichkeiten
2.1. Vorliegend ist von einer Tätlichkeit und nicht von mehreren Tätlichkeiten
auszugehen. Eine Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB ist gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung anzunehmen bei einer das allgemein übliche
und gesellschaftlich geduldete Mass überschreitenden physischen Einwirkung auf
einen Menschen, die keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur
Folge hat. Die Verursachung von Schmerzen ist nicht erforderlich (BGE 117 IV
16 f.; BGE 134 IV 191).
2.2. In casu ist erstellt, dass B._ die Privatklägerin an den Füssen und der
Beschuldigte sie am Oberkörper gepackt und gemeinsam gewaltsam bis zur offe-
nen Balkontür verbracht haben, wodurch die Privatklägerin die in der Anklage-
schrift umschriebenen Hautrötungen, Kratzverletzungen, Hautschürfungen am
Oberkörper bzw. eine Hautläsion am linken Fussrücken erlitt (E. III.3.4.8.). Wie
seitens der Vorinstanz zutreffend erwogen (Urk. 57 E. IV.1.1.), hat der Beschul-
digte damit den objektiven Tatbestand der Tätlichkeiten erfüllt. Da es lediglich zu
- 37 -
einer vorübergehenden Beeinträchtigung des Wohlbefindens der Privatklägerin
kam, wurde die Schwelle zur einfachen Körperverletzung durch sein Handeln
nicht überschritten.
2.3. Wie seitens der Vorinstanz zutreffend festgehalten wurde (Urk. 57
E. IV.1.2.), haben der Beschuldigte und B._ die Privatklägerin willentlich ge-
packt und gewaltsam zur Balkontür verbracht und dabei kleinere Verletzungen in
Kauf genommen. Die unmittelbar durch B._ verursachten Einwirkungen auf
den Körper der Privatklägerin waren vom Willen des Beschuldigten mindestens
eventuell mitumfasst. Der Tatbestand der Tätlichkeiten ist damit auch in subjekti-
ver Hinsicht erfüllt.
2.4. Die seitens der Verteidigung geltend gemachte Notwehrhandlung des Be-
schuldigten bzw. seines Mitbeschuldigten gemäss Art. 15 StGB (Urk. 37 S. 12)
entbehrt gestützt auf den erstellten Sachverhalt jeglicher Grundlage. Mangels
Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen hat sich der Beschuldigte dem-
nach der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
3. Nötigung
3.1. Gemäss Art. 181 StGB begeht eine Nötigung, wer jemanden durch Gewalt
oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner
Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Diese
Strafnorm schützt die freie Willensbildung und Willensbetätigung (BGE 129 IV 8;
BGE 129 IV 264; BGE 134 IV 221). Nicht vom geschützten Rechtsgut erfasst ist
dagegen die körperliche Integrität (BGE 99 IV 210). Unter Gewalt ist die physi-
sche Einwirkung auf den Körper eines Menschen zu verstehen. Ist die Nötigung
eine blosse Begleiterscheinung von Tätlichkeiten oder vorsätzlicher Körperverlet-
zung, so gehen diese Tatbestände demjenigen von Art. 181 StGB vor (DONATSCH,
Strafrecht III, 9. A., Zürich 2008, S. 415; BGE 104 IV 73). Art. 126 StGB konsu-
miert demnach nur (aber immerhin) die Nötigung, welche unmittelbar mit dem An-
griff gegen den Körper einhergeht (TRECHSEL/FINGERHUTH, in: TRECHSEL/PIETH
(HRSG.), StGB Praxiskommentar, 2. A., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 181 StGB
N 18).
- 38 -
3.2. In casu wurde die Privatklägerin vom Beschuldigten und B._ gepackt
und gewaltsam gegen ihren Willen zur offenen Balkontür verbracht, was sie dul-
den musste. Ihre Willensfreiheit wurde deshalb durch die Gewaltanwendung des
Beschuldigten und B._ klarerweise tangiert. Allerdings geht die Nötigungs-
handlung vorliegend nicht über die erstellten Tätlichkeiten hinaus, weshalb erstere
von letzteren konsumiert wird. Deshalb kann vorliegend offen bleiben, ob der Be-
schuldigte nebst den Tätlichkeiten auch den Tatbestand der Nötigung erfüllt hat.
Im Übrigen ist – mit der Vorinstanz (Urk. 57 E. IV.2.2.) – darauf zu verweisen,
dass die in Frage stehende gegen den Willen der Privatklägerin erfolgte Gewalt-
anwendung überdies in einer Handlungseinheit mit der – nachfolgend zu prüfen-
den – Drohungshandlung steht.
4. Drohung
4.1. Den Tatbestand der Drohung erfüllt, wer jemanden durch schwere Drohung
in Schrecken oder Angst versetzt (Art. 180 Abs. 1 StGB). Der Begriff der Drohung
bezieht sich auf das in Aussicht Stellen eines künftigen schweren Übels bzw.
Nachteils, dessen Verwirklichung vom Willen des Drohenden abhängig ist
(BGE 81 IV 106; BGE 99 IV 215; BGE 106 IV 128; TRECHSEL/FINGERHUTH, a.a.O.,
Art. 180 StGB N 1 f). Unter einer Drohung ist nicht nur eine blosse ausdrückliche
Erklärung des Drohenden zu verstehen, sondern jegliches Verhalten, durch wel-
ches das Opfer vom Drohenden bewusst in Schrecken und Angst versetzt wird.
Das in Aussicht gestellte Übel kann auf irgendeine Weise angekündigt werden, so
durch Wort, Schrift, Gesten oder konkludentes Verhalten. Der Tatbestand ist voll-
endet, wenn das Opfer in seinem Sicherheitsgefühl tatsächlich schwer beeinträch-
tigt bzw. "in Schrecken oder Angst versetzt" wird. Das Opfer muss die Verwirkli-
chung des angedrohten Übels befürchten, was bedeutet, dass es die Zufügung
für möglich hält oder tatsächlich damit rechnet, und andererseits, dass der ange-
drohte Nachteil von solcher Schwere ist, dass er Schrecken und Angst auszulö-
sen vermag (BSK STGB II-DELNON/RÜDY, Art. 180 StGB N 14, 24 u. 31). Die
Äusserung, das Gegenüber töten zu wollen, stellt einen schweren Nachteil dar
(BGer 6B_765/2010 vom 28. Februar 2011).
- 39 -
4.2. In casu ist erstellt, dass die Privatklägerin vom Beschuldigten und B._
am Oberkörper und an den Füssen gepackt gegen ihren Willen gewaltsam zur of-
fenen Balkontüre verbrachte wurde und dadurch in Angst geriet, weil sie befürch-
tete, dass sie vom Balkon hinunter geworfen werden sollte (s. vorstehend E.
III.3.4.5.5.). Diese Handlungsweise des Beschuldigten war denn auch ohne Wei-
teres geeignet, diese Angst bei der Privatklägerin zu verursachen, auch wenn es
zu keiner ausdrücklichen, sondern nur einer konkludenten Drohung kam. Wie be-
reits ausgeführt (E. III.3.4.5.5.), sind diesbezüglich auch die Dynamik des Hand-
lungsgeschehens, die Aufgebrachtheit des Beschuldigten bzw. seines Mitstreiters
und das Kräfteungleichgewicht zwischen den Kontrahenten von Bedeutung, wel-
che – nebst den entsprechenden Aussagen der Privatklägerin – dazu führen,
dass die Angst der Privatklägerin real erscheint. Mit der Vorinstanz ist festzustel-
len (Urk. 57 E. IV.3.1.), dass es nur darauf ankommt, dass die Privatklägerin zum
damaligen Zeitpunkt tatsächlich Angst hatte, vom Balkon hinuntergeworfen zu
werden, unabhängig davon, ob diese Angst effektiv berechtigt gewesen ist. Der
objektive Tatbestand der Drohung ist durch das Verhalten des Beschuldigten da-
mit erfüllt worden.
4.3. Der Vorinstanz ist ferner darin beizupflichten (Urk. 57 E. IV.3.2.), dass in
casu davon auszugehen ist, dass der Beschuldigte und B._ die Privatkläge-
rin gefügig machen wollten und ihr durch Angsteinflössen Respekt beibringen
bzw. demonstrieren wollten, dass sie ihren Schwiegervater mit Respekt zu be-
handeln habe. Der Beschuldigte handelte demzufolge mit direktem Vorsatz. Der
subjektive Tatbestand ist somit ebenfalls als erfüllt zu erachten.
4.4. Mangels Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen macht sich der
Beschuldigte folglich der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB schuldig.
5. Ergebnis
Der Beschuldigte machte sich demzufolge der Drohung im Sinne von Art. 180
Abs. 1 StGB und der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig.
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V. Sanktion
1. Strafrahmen
1.1. Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des or-
dentlichen Strafrahmens der schwersten anzuwendenden Strafbestimmung fest-
zusetzen. Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst
worden, um sämtlichen konkreten Umständen Rechnung zu tragen. Der ordentli-
che Rahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen
und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw.
zu milde erscheint. Entgegen einer auch in der Praxis weit verbreiteten Auffas-
sung wird der ordentliche Strafrahmen nicht automatisch erweitert, worauf dann
innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den üblichen Strafzumessungs-
kriterien festzusetzen wäre. Zwar ist auch in der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung darauf hingewiesen worden, das Gesetz sehe eine Strafrahmenerweite-
rung vor. Damit sollte aber nur ausgedrückt werden, dass der Richter infolge ei-
nes Strafschärfungs- bzw. Strafmilderungsgrundes nicht mehr in jedem Fall an die
Grenze des ordentlichen Strafrahmens gebunden ist. Der vom Gesetzgeber vor-
gegebene ordentliche Rahmen ermöglicht in aller Regel, für eine einzelne Tat die
angemessene Strafe festzulegen. Er versetzt den Richter namentlich in die Lage,
die denkbaren Abstufungen des Verschuldens zu berücksichtigen (BGE 136 IV 55
E. 5.8.).
1.2. Zutreffend erwogen hat die Vorinstanz denn auch, dass eine Erweiterung
des Strafrahmens vorliegend nicht in Betracht fällt (Urk. 57 E. V.1.2.).
1.3. Der vorliegend für die Drohung gemäss Art. 180 StGB massgebende Straf-
rahmen bemisst sich – wie seitens der Vorinstanz zutreffend festgestellt (Urk. 57
E. V.1.) – auf einen Tagessatz Geldstrafe bis drei Jahre Freiheitsstrafe.
1.4. Ebenso wurde von der Vorinstanz richtig festgehalten (Urk. 57 E. V.1.), dass
Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB mit Busse bestraft werden. Der an-
wendbare Strafrahmen für Übertretungen reicht gemäss Art. 106 Abs. 1 StGB von
Fr. 1.– bis Fr. 10'000.– Busse.
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2. Strafzumessungsfaktoren
Im Übrigen wurden seitens der Vorinstanz zu den Kriterien der Strafzumessung
die nötigen theoretischen Ausführungen gemacht. Darauf und auf die aktuelle
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Thema (BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.; 135
IV 130 E. 5.3.1; 132 IV 102 E. 8.1; je mit Hinweisen) kann vorab verwiesen wer-
den. Zutreffend wurde auch festgehalten, dass zwischen der Tat- und Täterkom-
ponente sowie der objektiven und subjektiven Tatschwere zu unterscheiden ist (s.
Urk. 57 E. V.2.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Konkrete Strafzumessung
3.1. Drohung
3.1.1. Von der Vorinstanz wurde im Zusammenhang mit der Tatkomponente aus-
geführt, dass hinsichtlich der objektiven Tatschwere ins Gewicht falle, dass der
Beschuldigte durch sein Verhalten die Privatklägerin in erhebliche Angst und
Schrecken versetzte (Urk. 57 E. V.3.1.). Die Privatklägerin fürchtete, dass sie vom
Balkon aus dem dritten Stock hinuntergeworfen werde, weshalb die Todesangst,
von der sie mehrfach sprach, nachvollziehbar erscheint. Ergänzend ist festzuhal-
ten, dass der Beschuldigte zusammen mit B._ – wobei die Tatbeiträge aus-
tauschbar waren – aggressiv vorging, das Kräfteungleichgewicht dafür sorgte,
dass sich die Privatklägerin kaum wehren konnte und der Beschuldigte nicht aus
freien Stücken von der Privatklägerin abliess, sondern erst nachdem C._
seinem Mitstreiter in den Rücken gebissen hatte und das gemeinsame Vorgehen
dadurch gestoppt wurde. Vor dem Hintergrund des weiten Strafrahmens ist die
objektive Tatschwere des Beschuldigten als gerade noch leicht einzustufen, wofür
eine Einsatzstrafe von 270 Tagessätzen Geldstrafe bzw. 9 Monaten Freiheitsstra-
fe angemessen erscheint.
3.1.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere wurde von der Vorinstanz zutref-
fend erwogen, dass sich der Beschuldigte direkten Vorsatz anzurechnen lassen
habe sowie dass durch sein Verhalten die in seinen Augen respektlose Privatklä-
gerin Angst bekommen und gefügig gemacht werden sollte (Urk. 57 E. V.3.2.). Zu
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seinen Gunsten ist in die Waagschale zu werfen, dass – sinngemäss einherge-
hend mit der Verteidigung (Urk. 37 S. 12; Urk. 68 S. 12) – davon auszugehen ist,
dass die Privatklägerin ihn verbal beleidigte und ihn damit herausforderte, auch
wenn dies seine darauf folgende Handlungsweise in keiner Weise rechtfertigt. Die
subjektive Tatschwere vermag die objektive Tatschwere angesichts dieser Um-
stände leicht zu reduzieren, weshalb es sich rechtfertigt, die Einsatzstrafe um 60
Tagessätze bzw. zwei Monate auf 210 Tagessätze Geldstrafe bzw. 7 Monate
Freiheitsstrafe zu senken.
3.1.3. Hinsichtlich der Täterkomponente ist festzustellen, dass zu den persön-
lichen Verhältnissen bzw. dem Vorleben des Beschuldigten auf die Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden kann (Urk. 57 E. V.4.2.). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung ergab sich, dass der Beschuldigte im G._ über ein monat-
liches Renteneinkommen von € 170.– verfügt, zu dem monatliche Mieteinkünfte
von € 150.– kommen. Zudem werde er durch seinen Sohn unterstützt. Ausser ei-
nem Haus im G._ verfüge er über kein Vermögen, habe aber einschliesslich
Hypothekarschulden von € 22'000.– insgesamt € 27'000.– Schulden (s. zum Gan-
zen: Prot. II S. 13 f.). Der Beschuldigte verfügt über keine Vorstrafen (Urk. 16/2).
In Bezug auf die Täterkomponente ist – mit der Vorinstanz (Urk. 57 E. V.4.3.) – zu
bemerken, dass sich aus den persönlichen Verhältnissen bzw. dem Vorleben des
Beschuldigten keine strafzumessungsrelevanten Umstände ableiten lassen.
Auf die seitens der Vorinstanz gemachten Erwägungen in Bezug auf die fehlende
besondere Strafempfindlichkeit sowie die mangelnde Reue und Einsicht des Be-
schuldigten kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 57 E. V.4.3.). Eine sich
strafmindernd auswirkende Kooperation bzw. ein sich entsprechend auswirken-
des Wohlverhalten des Beschuldigten liegt – entgegen der Verteidigung (Urk. 37
S. 13) – nicht vor. Sein Nachtatverhalten wirkt sich demnach insgesamt strafzu-
messungsneutral aus. Schliesslich vermag sich auch der von der Verteidigung
geltend gemachte "offenkundige Kulturkonflikt" (Urk. 37 S. 13) nicht strafmindernd
zu Gunsten des Beschuldigten auszuwirken.
3.1.4. Als Strafart für den Bereich der mittleren Kriminalität sieht das Gesetz die
Geld- und die Freiheitsstrafe vor. Nach der Konzeption des Allgemeinen Teils des
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Strafgesetzbuches stellt die Geldstrafe die Hauptsanktion dar. Freiheitsstrafen
sollen nur verhängt werden, wenn der Staat keine anderen Mittel hat, die öffentli-
che Sicherheit zu gewährleisten. Nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip soll bei
alternativ zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquiva-
lenten Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die
persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft
(BGE 134 IV 82 E. 4.1.; Botschaft vom 21. September 1998 zur Änderung des
Schweizerischen Strafgesetzbuches BBl 1999 S. 2043 f.). Die Geldstrafe ist ge-
genüber der Freiheitsstrafe die weniger eingriffsintensive Sanktion und gilt somit
als mildere Strafe (BGE 134 IV 97 E. 4.1.1.-2.). Mit Blick auf die bundesgerichtli-
che Rechtsprechung hat das Gericht konkret zu prüfen und auch zu begründen,
weshalb im Einzelfall eine Geldstrafe unzweckmässig und stattdessen eine Frei-
heitsstrafe auszusprechen ist, was seitens der Vorinstanz unterblieb. Die Begrün-
dungspflicht reicht nicht soweit, wie dies Art. 41 Abs. 2 StGB hinsichtlich der Aus-
fällung kurzer Freiheitsstrafen unter sechs Monaten verlangt. Allerdings sollten die
Beweggründe des Gerichts für die eine oder andere Sanktionsform aus dem Urteil
ersichtlich sein (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Februar 2010 6B_839/2009
E. 3.4.).
In casu spricht der Umstand, dass der Beschuldigte über kein Aufenthaltsrecht in
der Schweiz verfügt und als ... Bürger [des Staates G._] in seinem Heimat-
staat lebt, nicht gegen die Aussprechung einer Geldstrafe, ist doch die Vollzugs-
prognose sowohl hinsichtlich Freiheits- wie auch Geldstrafe als zumindest ähnlich
ungünstig einzustufen. Deshalb ist vorliegend auf die mildere Sanktionsart zu er-
kennen und eine Geldstrafe auszusprechen.
Als Tagessatzhöhe erweist sich angesichts der knappen finanziellen Verhältnisse
des Beschuldigten (s. vorstehend E. V. 3.1.3. und dortige Verweise) eine solche
von Fr. 30.– als angemessen. Auch wenn der Beschuldigte lediglich ein geringes
Einkommen erzielt, ist ebenso zu berücksichtigen, dass er über ein – zumindest
teilweise abbezahltes – Eigenheim, und somit über Vermögen, verfügt.
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2016&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-IV-82%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page82
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3.1.5. Nach Würdigung der Tat- und der Täterkomponente erweist sich eine
Geldstrafe von 210 Tagessätzen à Fr. 30.– (insgesamt Fr. 6'300.–) als angemes-
sen.
3.1.6. Der Beschuldigte befand sich ab dem 12. August 2015 bis zum 29. Januar
2016 in Haft. Es sind ihm daher 170 Tagessätze an die auszusprechende Geld-
strafe anzurechnen.
3.2. Tätlichkeiten
Bezüglich der Tätlichkeiten des Beschuldigten ist festzuhalten, dass insbesondere
seine aggressive Vorgehensweise und weniger die daraus bei der Privatklägerin
resultierenden Verletzungen im Vordergrund stehen. Insgesamt erscheint – auch
unter Berücksichtigung der finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten – eine
Busse im Betrag von Fr. 400.– als angemessen. Bezahlt der Beschuldigte die
Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Ta-
gen.
VI. Strafvollzug
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn ei-
ne unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung
weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Materiell ist
demnach das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt. Das heisst in
Anlehnung an die herrschende Praxis, dass auf das Fehlen von Anhaltspunkten
für eine Wiederholungsgefahr abgestellt wird. Die günstige Prognose wird also
vermutet. Bei der Beurteilung der Frage, ob die für die Gewährung des bedingten
Strafvollzuges erforderliche Voraussetzung des Fehlens einer ungünstigen Prog-
nose vorliegt, ist eine Gesamtwürdigung aller Umstände vorzunehmen, wobei
insbesondere Vorleben, Leumund, Charaktermerkmale und Tatumstände einzu-
beziehen sind.
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2. Die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvoll-
zuges sind angesichts der auszusprechenden Geldstrafe von 210 Tagessätzen
gegeben (Art. 42 Abs. 1 StGB).
3. Zum Vorleben des Beschuldigten ist festzuhalten, dass er nicht vorbestraft
ist. Angesichts des Umstands, dass der Beschuldigte erstmals mehrere Monate in
Untersuchungs- und Sicherheitshaft verbracht hat, ist aus heutiger Sicht zu erwar-
ten, dass er aus den angeklagten Vorfällen seine Lehren gezogen hat und sich in
Zukunft wohl verhalten wird. Es ist ihm daher eine günstige Prognose zu stellen
und der bedingte Vollzug zu gewähren.
4. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so be-
stimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1
StGB). Die von der Vorinstanz ausgesprochene Probezeit von zwei Jahren
(Urk. 57 E. VI.) ist nicht zu beanstanden.
VII. Genugtuung
1. Seitens der Vorinstanz wurden die erforderlichen rechtlichen Ausführungen
zu den Voraussetzungen für die Zusprechung von Genugtuung gemacht, weshalb
vollumfänglich auf diese verwiesen werden kann (Urk. 57 E. VII.).
2. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten (wie auch B._ im Ver-
fahren GG150091), der Privatklägerin eine Genugtuung in Höhe von (je)
Fr. 1'000.–, zuzüglich 5% Zins ab 12. August 2015, zu bezahlen (Urk. 57 Disposi-
tiv-Ziffer 5).
3. Seitens des Beschuldigten wird heute diesbezüglich vorgebracht, der ärztli-
che Bericht über die Verletzungen der Privatklägerin sei zweifelhaft (Urk. 68 S. 3
ff. und S. 11).
4. Der Vorinstanz ist beizupflichten (Urk. 57 E. VII.), dass in casu objektiv eine
erhebliche Verletzung der Persönlichkeitsrechte und insbesondere der psychi-
schen und in kleinerem Ausmass auch der physischen Integrität der Privatklägerin
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vorliegt, welche Todesangst hatte. Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie – welcher die Privatklägerin im Beurteilungszeitpunkt während
rund zwei Monaten anlässlich von vier Sitzungen therapierte und sich zudem auf
Angaben des Hausarztes der Privatklägerin stützte – diagnostizierte der Privat-
klägerin in seinem ärztlichen Bericht vom 20. Januar 2016 eine posttraumatische
Belastungsstörung (Urk. 36). Weiter führte er aus, dass die psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung erst begonnen habe und eine längerdauernde
Behandlung notwendig sei. Grundsätzlich sei die mittelfristige Prognose für die
Privatklägerin gut und die Arbeitsfähigkeit seit dem 1. Oktober 2015 zu 100% ge-
geben. Psychische Leiden, welche in den letzten zehn Jahren behandelt wurden,
seien keine bekannt. Nicht zu folgen ist dem Einwand der Verteidigung, dass die
psychischen Belastungen nicht direkt vom Vorfall vom 12. August 2015 herstam-
men würden, sondern insbesondere durch die Inhaftierungen des Ehemannes
und des Schwiegervaters verursacht worden seien, weshalb es am adäquaten
Kausalzusammenhang zum Vorfall mangle (Prot. I S. 23). So ist aus den weiteren
Ausführungen des Berichts von Dr. med. H._ herauszulesen, dass der Vorfall
vom 12. August 2015 mindestens überwiegend kausal war für die Probleme der
Privatklägerin, da er die Hauptursache für ihre Belastungen darstellt, auch wenn
im Bericht ebenfalls darauf hingewiesen wird, dass seitens der Schwiegereltern
ein langjähriger massiver Druck bestanden habe und die zur Zeit bestehenden
Unsicherheiten – das ganze Familiensystem sei erschüttert – sich belastend auf
die Privatklägerin auswirken würden. In Anbetracht der gesamten Umstände er-
scheint eine Genugtuung in der Höhe von (je) Fr. 1'000.– zuzüglich Zins ab dem
Schadensereignis, als gerade noch angemessen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten nebst den Kosten der Untersu-
chung und des erstinstanzlichen Verfahrens auch die Kosten des Berufungsver-
fahrens – ausgenommen die Kosten der amtlichen Verteidigung und, mangels
günstiger wirtschaftlicher Verhältnisse (Art. 426 Abs. 4 StPO), diejenigen der un-
entgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin – aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1
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StPO). Die Rückzahlungspflicht für die Kosten der amtlichen Verteidigung nach
Art. 135 Abs. 4 StPO und für diejenigen der unentgeltlichen Rechtsvertretung der
Privatklägerin gemäss Art. 138 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzuset-
zen.
3. Der amtliche Verteidiger ist für seine Bemühungen im Berufungsverfahren
mit Fr. 5'500.– zu entschädigen.
4. Die Rechtsvertretung der Privatklägerin ist für ihren Aufwand im vorliegen-
den Berufungsverfahren mit Fr. 560.– (die Hälfte der für dieses und für das Ver-
fahren SB160340 geforderten Entschädigung, vgl. Urk. 90 in SB160430) zu ent-
schädigen.