Decision ID: 1cb019bc-b49f-59c6-abc8-26ee34315442
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X u. Y (geb. 1959 bzw. 1966) sind verheiratet und wohnen in M. X war 2011
unselbständig tätig und beim Kanton Graubünden angestellt. Daneben ist er seit dem
1. November 2009 im Bereich Metallbau Selbständigerwerbender. Am 13. April 2010
wurde die A. GmbH mit Y als Gesellschafterin und Geschäftsführerin ins
Handelsregister des Kantons St. Gallen eingetragen. Y ist bei der A. GmbH
unselbständig erwerbstätig. X führt für die A. GmbH Arbeitsaufträge aus und erhielt
dafür in den Monaten Februar, Juni, August und September 2011 jeweils pauschal
Fr. 11'600.–.
Am 28. März 2011 bezog X eine Kapitalleistung der 2. Säule im Betrag von Fr.
158'903.55. Als Grund für die vorzeitige Auszahlung wurde die Aufnahme der
Selbständigkeit deklariert.
B.- Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG teilte dem Steueramt am 29. März 2011 mit,
dass X eine Kapitalleistung über Fr. 158'903.55 bezogen habe. In der Folge erliess das
kantonale Steueramt am 6. Mai 2011 gegenüber X u. Y eine gesonderte Veranlagung
für Kapitalleistungen. Die daraus errechnete Jahressteuer wurde auf Fr. 1'463.20 für die
direkte Bundessteuer 2011 festgelegt. Die Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
In der Steuererklärung vom 6. Dezember 2012 deklarierte das Ehepaar X u. Y für das
Jahr 2011 ein steuerbares Einkommen von Fr. 24'205.–. Am 18. Januar 2013
erkundigte sich das Steueramt bei den Steuerpflichtigen, wozu der Kapitalbezug aus
der beruflichen Vorsorge verwendet wurde. Mit Schreiben vom 22. Januar 2013 teilte X
mit, dass die Mittel für Steuern, eine Lebensversicherung und ein Prämien-Depot
verwendet worden seien. Die Veranlagungsbehörde teilte ihm daraufhin mit, dass die
Gelder zweckentfremdet wurden, aber bis zum 18. Februar 2013 an eine
Vorsorgeeinrichtung zurückgeführt werden könnten, um der ordentlichen
Einkommenssteuer zu entgehen.
Mit Veranlagungsverfügung vom 5. März 2013 wurde das Ehepaar X u. Y für die direkte
Bundessteuer 2011 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 181'500.– veranlagt.
Der Kapitalleistung wurde der Vorsorgecharakter abgesprochen und der Betrag von Fr.
158'904.– dem ordentlichen Einkommen zugerechnet.
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C.- Gegen die Veranlagungsverfügung für die direkte Bundessteuer 2011 erhoben die
Pflichtigen am 13. März 2013 Einsprache beim Gemeindesteueramt M. Mit der
Ergänzung der Einsprache brachte X einen Nachweis für die Rückführung der
Kapitalleistung im Umfang von Fr. 126'490.45 bei. Die Einsprache wurde am 7. August
2013 in diesem Umfang teilweise gutgeheissen und das steuerbare Einkommen für die
direkte Bundessteuer 2011 auf Fr. 55'000.– reduziert.
D.- Gegen den Einspracheentscheid erhoben X u. Y mit Eingabe vom 31. August 2013
Beschwerde beim Gemeindesteueramt M, welches die Beschwerde an die
Verwaltungsrekurskommission weiterleitete. Sie stellten den Antrag, den
Einspracheentscheid vom 7. August 2013 in Sachen direkte Bundessteuer 2011
aufzuheben, die Vermögenseinbussen, welche durch den Rückkauf der Vorsorgepolice
entstanden seien, zum Abzug zuzulassen und die Sache zur Neubeurteilung der
Steuerfaktoren an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Mit Vernehmlassung vom 23. Oktober 2013 beantragte die Vorinstanz, die Beschwerde
sei abzuweisen. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat stillschweigend auf eine
Stellungnahme zur Beschwerde verzichtet.
Die Beschwerdeführer erhielten Gelegenheit, zur Vernehmlassung der Vorinstanz
Stellung zu nehmen. Sie verzichteten stillschweigend auf eine Stellungnahme.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 31. August 2013 ist
rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte
Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz
über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die
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Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.- Umstritten ist die Besteuerung der von den Beschwerdeführern behaupteten
Vermögenseinbusse von Fr. 6'587.36, welche durch den Rückkauf der
Lebensversicherung und die erneute Anlage in einer Vorsorgestiftung entstanden sei.
a) Gemäss Art. 17 Abs. 1 DBG sind alle Einkünfte aus privat- oder öffentlich-
rechtlichem Arbeitsverhältnis mit Einschluss der Nebeneinkünfte steuerbar. Nach Art.
18 Abs. 1 DBG sind zudem alle Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-, Gewerbe-,
Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie aus jeder anderen
selbständigen Erwerbstätigkeit steuerbar. Der Einkommensbegriff nach diesen
Bestimmungen umfasst neben periodischen auch einmalige bzw. unregelmässig
wiederkehrende Leistungen. Die Einkommenssteuerpflicht entsteht bei einer Person, in
deren Vermögen ein Vermögensrecht fliesst und die über das zufliessende
Vermögensrecht tatsächlich verfügen kann (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 41 zu VB zu Art. 16-39). Nach Art. 17 Abs.
2 DBG werden Kapitalabfindungen aus einer mit dem Arbeitsverhältnis verbundenen
Vorsorgeeinrichtung nach Art. 38 DBG gesondert besteuert. Die
Besteuerungsgrundlage für Kapitalleistungen von Vorsorgeeinrichtungen liegt dabei in
Art. 22 Abs. 1 DBG. Art. 22 Abs. 1 DBG bestimmt, dass alle Einkünfte aus der Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, aus Einrichtungen der beruflichen Vorsorge
und aus anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsorge, mit Einschluss der
Kapitalabfindungen und Rückzahlungen von Einlagen, Prämien und Beiträgen
steuerbar sind.
b) Die Vorinstanz erfasste die Leistung als ordentliches Einkommen mit der
Begründung, es habe kein Barauszahlungsgrund bestanden. Sie stützte sich bei der
Beurteilung der Zulässigkeit der Barauszahlung vorwiegend auf das Bundesgesetz über
die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (SR
831.42, abgekürzt: FZG) und die dazu gehörende Praxis des Bundesgerichts bezüglich
der Steuerfolgen von Kapitalleistungen aus einer Vorsorgeeinrichtung, die ohne
gültigen Barauszahlungsgrund bezogen wurden.
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aa) Nach Art. 5 Abs. 1 FZG können Versicherte die Barauszahlung der Austrittsleistung
verlangen, wenn sie eine selbständige Erwerbstätigkeit aufnehmen und der
obligatorischen beruflichen Vorsorge nicht mehr unterstehen. Ein Vorsorgefall, der eine
Besteuerung gemäss Art. 38 DBG nach sich zieht, liegt auch vor, wenn die
Kapitalleistung nach Massgabe eines Barauszahlungsgrundes vorgenommen wurde (I.
Baumgartner, in: Zweifel/Athanas, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 2.
Aufl. 2008, N 6b zu Art. 38 DBG).
Ausschlaggebend ist somit, ob eine selbständige Erwerbstätigkeit aufgenommen
wurde oder nicht. Eine solche liegt nur dann vor, wenn die betreffende Person nicht als
Arbeitnehmer im Sinn von Art. 2 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (SR 831.40) gilt, was sich wiederum nach der
Praxis zum Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (SR 831.10)
richtet (BGE 115 Ib 37, E. 4d; Geiser/Senti, Kommentar zum BVG und FZG, Bern 2010,
N 43 zu Art. 5 FZG). Zudem muss eine selbständige Erwerbstätigkeit aufgenommen,
also neu begonnen werden.
bb) Vorliegend nahm die Steuerbehörde eine Zweckentfremdung der Vorsorgemittel
an. Der Rekurrent hat gemäss eigenen Angaben die Kapitalleistung für andere Zwecke
genützt als für die Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit. Die Mittel wurden
für Steuern, eine Lebensversicherung sowie ein Prämien-Depot verwendet. Erfolgt eine
Auszahlung unrechtmässig oder wird die Kapitalleistung nicht zweckkonform
verwendet, so ist die Zahlung rückgängig zu machen. Erfolgt dies nicht, so hat eine
ordentliche Besteuerung zu erfolgen. Ein rechtswidriges Vorgehen kann nicht noch
damit belohnt werden, dass eine steuerliche Privilegierung greift (Baumgartner, a.a.O.,
N 6c zu Art. 38 DBG).
Der Beschwerdeführer hat im März 2011 eine Kapitalleistung von Fr. 158'903.55
bezogen. Nachdem die Veranlagungsbehörde von einem fehlenden
Barauszahlungsgrund ausgegangen war, führte er einen Betrag von Fr. 126'490.45
wieder in eine Vorsorgeeinrichtung zurück. Er beantragt, gewisse Aufwendungen im
Zusammenhang mit der Rückführung von dem noch zu besteuernden Restbetrag
abzuziehen.
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cc) Im vorliegenden Fall handelte es sich bei der Vorsorgepolice Nr. 7.452.119 um eine
gemischte Kapitalversicherung mit Einmalprämie. Der Rückkaufswert dieser
Anlageform entspricht dem Deckungskapital, vermindert um den Rückkaufsabzug.
Dieser setzt sich aus dem Abzug der Risikoprämie für das während der Laufzeit
getragene Risiko, dem Abzug für noch nicht getilgte Abschlusskosten (Provisionen)
und dem Abzug für das Zinsrisiko zusammen (Jungo/Maute, Lebensversicherungen
und Steuern, Muri-Bern 2003, S. 38). Da es sich im vorliegenden Fall bei dem
verminderten Rückkaufswert um den Rückkaufsabzug handelt, können im vorliegenden
Fall die Kosten, welche durch die Auflösung der Versicherungspolice entstanden sind,
bzw. die Differenz zwischen Einmalprämie und Rückkaufswert nicht zum Abzug
zugelassen werden.
dd) Nach Art. 32 Abs. 1 DBG können bei beweglichem Privatvermögen die Kosten der
Verwaltung durch Dritte abgezogen werden. Nicht abzugsfähig sind die mit dem
Erwerb oder der Anlage von Vermögenswerten zusammenhängenden Kosten und
Auslagen. Diese Aufwendungen stellen nicht abzugsfähige Anlagekosten dar (vgl. R.
Cadosch, Kommentar Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, Zürich 2008, N 1
zu Art. 32; StB 44 Nr. 1). Anlagekosten bewirken eine Verschiebung innerhalb des
Vermögens, indem diese für die Ausgabe einen entsprechenden Gegenwert erhält. Zu
den Anlagekosten gehören auch die Auslagen für die Anschaffung oder Herstellung.
Die Ausgabekommission gehört daher zu den Anlagekosten und kann daher nicht vom
steuerbaren Einkommen abgezogen werden.
ee) Schliesslich sind auch Einkommenssteuern nicht abzugsfähig (Art. 34 lit. b DBG).
c) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Kapitalleistung in demjenigen Umfang, in
welchem sie ohne Barauszahlungsgrund bezogen und nicht der Vorsorge
zurückgeführt wurde, dem ordentlichen Einkommen hinzugerechnet wird. Die
Vermögenseinbusse, welche durch den Rückkauf der Lebensversicherung entstand, ist
nicht zu berücksichtigen, da der Rückkaufsabzug nicht abzugsfähig ist. Die erneuten
Aufwendungen für die Wiederanlage stellen Anlagekosten dar und sind daher auch
nicht abzugsfähig. Ebenso sind Einkommenssteuern nicht abzugsfähig. Folglich ist die
Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
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3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Verfahrens den
Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von Fr.
600.– ist angemessen (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der von den Beschwerdeführern geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.– ist zu verrechnen.