Decision ID: e7ad73af-4f22-5ebd-b527-92968daccc72
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) befand sich vom 22. August 2013 bis 11. März
2014 in tagesklinischer Behandlung im Psychiatrie-Zentrum B._ (IV-act. 34). In deren
Rahmen wurde am 14. und 15. Oktober 2013 eine psychodiagnostische Untersuchung
durchgeführt, die ergab, dass bei der Versicherten im Kindesalter profunde
Schwierigkeiten, wie sie für eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
typisch seien, bestanden hätten. Ausserdem wurde ein adultes ADHS
(Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom) festgestellt (IV-act. 165 S. 9 ff.). Im
November 2013 erfolgte seitens des Psychiatrie-Zentrums B._ eine Meldung zur
Früherfassung der Versicherten bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend:
IV-Stelle) (IV-act. 1). Nach einem Früherfassungsgespräch (vgl. IV-act. 2) teilte die IV-
Stelle der Versicherten am 6. Dezember 2013 mit, dass nach aktuellem Kenntnisstand
derzeit kein erhebliches Invaliditätsrisiko bestehe. Von einer formalen IV-Anmeldung sei
abzusehen. Im Falle der Verschlechterung des Gesundheitszustandes könne sich die
Versicherte erneut anmelden (IV-act. 3). Im Austrittsbericht vom 7. April 2014 nannten
die behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrums B._ als Diagnosen eine
A.a.
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rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, soziale Phobien, eine
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung, Essattacken bei anderen
psychischen Störungen, einen Hirsutismus und eine reine Hypercholesterinämie (IV-
act. 34). Nach Beendigung der tagesklinischen Behandlung führte die Versicherte
zunächst eine ambulante Therapie bei Dr. med. C._, Psychiatrie-Zentrum B._,
weiter (vgl. IV-act. 33). Ab August 2014 begab sie sich zu Dr. med. D._, Fachärztin
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in ambulante Therapie (IV-act. 23).
Am 25. August 2014 reichte die Versicherte eine Anmeldung für berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen bei der IV-Stelle ein (IV-act. 7). Sie gab an, seit ca.
März 2013 an einer psychischen Erkrankung zu leiden (IV-act. 7 S. 5).
A.b.
In einem Bericht vom 26. November 2014 nannte Dr. D._ als Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
(Erstdiagnose 2013, bestehend seit Jahren) sowie soziale Phobien (bestehend seit
mehreren Jahren) (IV-act. 23 S. 2). Weiter hielt sie fest, dass die Versicherte motiviert
an der Behandlung teilnehme und gegenwärtig in einem recht guten psychischen
Zustand sei. Sie arbeite daran, mit den Folgen der Aufmerksamkeitsstörung im Alltag
adäquat umzugehen. Ihr sei ab sofort ein Arbeitspensum von 100 % zumutbar, jedoch
mit einem vermehrten Pausenbedarf. Auch müsse sich die Versicherte Strategien
aneignen, um ihre Ablenkbarkeit und die Konzentrationsproblematik in den Griff zu
bekommen. Auf den Tag verteilt betrage daher die Einschränkung der
Leistungsfähigkeit 20 %. Aus psychiatrischer Sicht sei es wichtig, der Versicherten die
Möglichkeit einer begleiteten Berufsausbildung zu geben (IV-act. 23).
A.c.
Am 22. Dezember 2014 berichtete Dr. med. E._, FMH Dermatologie und
Venerologie, Medical Center F._, dass die Versicherte seit über einem halben Jahr
rezidivierend an Schwellungen und teilweise auch an Quaddeln am ganzen Körper
leide. Die Flecken seien jeweils zuerst rot. Die Versicherte kratze dann und danach
würden die Flecken wie zu Hämatomen. Die Versicherte merke auch, dass sie nach
körperlicher Belastung Schwellungen bekomme, die schmerzhaft seien. Auch sei sie in
den geschwollenen Bereichen empfindlich in Bezug auf warmes Wasser. Als Diagnose
nannte Dr. E._ eine chronische Urtikaria mit physikalischer Komponente –
Druckurtikaria (IV-act. 57 S. 9).
A.d.
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Mit Mitteilung vom 1. April 2015 gewährte die IV-Stelle der Versicherten eine
Berufsberatung mit Abklärung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten (IV-act. 53).
A.e.
Am 18. Juni und 2. Juli 2015 wurde die Versicherte aufgrund starker
Gewichtszunahme, chronischer Müdigkeit, Muskelbeschwerden und Abnahme der
Leistungsfähigkeit von Dr. med. G._, Innere Medizin FMH, Spez. Endokrinologie/
Diabetologie, Z._-Kompetenzzentrum, untersucht. Dieser hielt in einem Bericht vom
10. Juli 2015 fest, dass der endokrinologische Work up unauffällig ausgefallen sei.
Seiner Meinung nach sei das Problem der Müdigkeit und Abnahme der
Leistungsfähigkeit auf eine absurd schlechte Ernährung und auf fehlende Bewegung
sowie den Nikotinkonsum zurückzuführen (IV-act. 57 S. 3 ff.).
A.f.
In der Zeit vom 5. bis 13. August 2015 wurde die Versicherte von Dr. med. H._,
FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, Ärzte & Physio I._, untersucht, welche
anamnestisch und klinisch keine Zeichen für eine rheumatischentzündliche Erkrankung
erkannte. Sie interpretierte die von der Versicherten gezeigten Bilder, auf denen
Gelenksschwellungen ersichtlich waren, im Rahmen der Urtikaria. Im
Untersuchungsbericht hielt sie weiter fest, dass die Laborbefunde zwar auf eine
mögliche rheumatische Komponente hindeuteten, jedoch nicht genügend Fakten
vorhanden seien, um die Diagnose einer rheumatischen Erkrankung stellen zu können
(IV-act. 57 S. 6 ff.).
A.g.
Am 11. Dezember 2015 berichtete die Hausärztin Dr. med. J._, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin, Ärztezentrum K._, dass in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Reinigungskraft seit dem 15. Dezember 2014 bis auf weiteres eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Als Ursachen für die Arbeitsunfähigkeit gab sie
eine chronische Urtikaria mit physikalischer Komponente - Druckurtikaria (seit
Dezember 2014) sowie eine reaktive Depression (seit Dezember 2010) an. Bei der
Versicherten sei im November 2014 ein Nesselfieber aufgetreten. Seither persistiere die
chronische Urtikaria ohne jegliches Ansprechen auf eine Therapie. Als ärztlichen
Befund nannte sie eine Rötung und Schwellung der rechten Fusssohle sowie
urtikarielle Herde unterhalb des Büstenhalters und am Rücken. Bei jeglicher Belastung,
also auch beim Stehen, träten Schwellungen im Bereich der Fersen oder Knie auf.
Beim Hantieren mit einer Schere träten beispielsweise Schwellungen im Bereich des
A.h.
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Handballens auf. Bei körperlicher Anstrengung leide die Versicherte überdies an
Rücken- und Nackenschmerzen. Ausserdem liege eine extreme Müdigkeit vor. In einer
behinderungsangepassten Tätigkeit in wechselnder Körperstellung könne die
Versicherte ab sofort versuchsweise zwei bis drei Stunden pro Tag arbeiten (IV-act. 57
S. 1 f.).
In einem Bericht vom 26. Januar 2016 hielt Dr. D._ fest, dass seit Langem keine
Suizidalität mehr bestehe, sondern nur noch eine von familiären Problemen
beeinflusste punktuelle Subdepressivität vorliege. Aus psychiatrischer Sicht bestehe
keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Da die Versicherte jedoch schon lange
nicht mehr gearbeitet habe, sollte im ersten Monat mit einem Arbeitspensum von 50 %
begonnen werden, welches danach sukzessive gesteigert werden könne. Eine
berufliche Eingliederung sei sinnvoll. Davor sollte gegebenenfalls eine adäquate
Eignungsabklärung durchgeführt werden (IV-act. 60).
A.i.
Am 4. Februar 2016 hielt eine Berufsberaterin der IV-Stelle fest, dass sich die
Versicherte durch die gesundheitliche und private Situation sehr belastet fühle.
Gesundheitlich berichte sie von einem neuen Ausschlag, Durchschlafstörungen
aufgrund von Juckreiz, von teilweise extremer Atemnot und ganz generell sei sie
körperlich und psychisch angeschlagen. Die Versicherte möchte arbeiten, sei jedoch
unsicher, welches Pensum für sie zu bewältigen wäre. Subjektiv sehe sie sich sicher
nicht zu 100 %, allenfalls ca. zu 50 % arbeitsfähig. Sie fühle sich aktuell nicht in der
Lage, eine Ausbildung zu absolvieren (IV-act. 62). In einer Stellungnahme vom 9.
Februar 2016 ging der regionale ärztliche Dienst (RAD) von einem instabilen
Gesundheitszustand mit behandelbarer Urtikaria aus (IV-act. 64). Im Schlussbericht
vom 19. Februar 2016 erwähnte die Berufsberaterin der IV-Stelle, dass aktuell ein
instabiler Gesundheitszustand bestehe. Auch wünsche sich die Versicherte nach
Klärung der medizinischen Situation Unterstützung in der Form der Arbeitsvermittlung
und keine berufliche Ausbildung (IV-act. 67). Am 22. Februar 2016 teilte Dr. J._ auf
eine entsprechende Anfrage der IV-Stelle (vgl. IV-act. 65 i.V.m. 64) mit, dass eine IgE-
Wert-Bestimmung bei der Versicherten im Januar 2015 erfolgt sei, wobei der IgE-Wert
jedoch nur mässig erhöht gewesen sei. Aktuell scheine sich die Urtikaria zu bessern,
weshalb zurzeit keine diesbezügliche Therapie geplant sei (IV-act. 70).
A.j.
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In einer E-Mail vom 21. März 2016 berichtete Dr. D._, dass sie die Versicherte
am selben Tag gesehen habe. Aus ausschliesslich psychiatrischer Sicht sei dieser ein
Arbeitsversuch zu 50 % ab sofort zumutbar und dann nach Massgabe ihrer
Leistungsfähigkeit und besonders der Hautproblematik stufenweise steigerbar (IV-
act. 73).
A.k.
Am 3. Mai 2016 unterzeichnete die Versicherte einen Eingliederungsplan der IV-
Stelle mit dem Ziel der Steigerung der Arbeitsfähigkeit von 50 % auf 100 % und
Vermittlung auf dem ersten Arbeitsmarkt (IV-act. 81). Mit Mitteilung vom 10. Mai 2016
informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass sie die Kosten für eine vom 2.
Mai bis 31. Juli 2016 dauernde berufliche Abklärung bei der L._ übernehme (IV-
act. 83). Mit Verfügung vom 13. Mai 2016 sprach die IV-Stelle der Versicherten für die
Dauer der beruflichen Massnahme IV-Taggelder zu (IV-act. 86). Mit Mitteilung vom 7.
Juli 2016 verlängerte die IV-Stelle die berufliche Abklärung gestützt auf eine neue
Zielvereinbarung (vgl. IV-act. 92) bis zum 31. Oktober 2016 (IV-act. 94) und sprach der
Versicherten für diese Zeit wiederum Taggelder zu (IV-act. 96). Im Schlussbericht der
L._ wurde festgehalten, dass die Versicherte seit dem 17. Mai 2016 in der Küche
eingesetzt worden sei. Bei einem Pensum von 80 % sei die Leistungsfähigkeit gut
gewesen (IV-act. 110 S. 3). Am 8. November 2016 unterzeichnete die Versicherte einen
Eingliederungsplan der IV-Stelle mit dem Ziel der Eingliederung in den ersten
Arbeitsmarkt (IV-act. 123). Mit Mitteilung vom 15. November 2016 gewährte die IV-
Stelle Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 124). Am 5. Dezember
2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie einen Anspruch auf einen vom
25. November 2016 bis 23. Februar 2017 stattfindenden Arbeitsversuch in der M._
habe (IV-act. 135). Mit E-Mail vom 8. Dezember 2016 informierte die Versicherte die IV-
Stelle darüber, dass sie seit dem 7. Dezember 2016 krankgeschrieben sei, weil sie
ihren Kopf plötzlich nicht mehr habe bewegen können und einen bis in die Schulter
einschiessenden Schmerz verspürt habe. Auch habe sie mittlerweile wieder täglich
Schwellungen. Sie könne nicht sagen, warum diese wieder aufgetreten seien (IV-
act. 139). Sie reichte ein Arztzeugnis von Dr. med. N._, Anästhesie FMH,
Naturmedizin, vom 7. Dezember 2016 ein, welche ihr für die Zeit vom 7. bis
12. Dezember 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hatte (IV-act. 140).
Am 18. Januar 2017 wurde die Versicherte von Dr. N._ für die Dauer vom 17. bis 21.
A.l.
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Januar 2017 zu 100 % krankgeschrieben (IV-act. 145). Für die Dauer vom 17. bis 25.
Januar 2017 attestierte ausserdem auch Dr. med. O._, Klinik P._, der Versicherten
am 23. Januar 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 154). Mit Mitteilung vom
31. Januar 2017 beendete die IV-Stelle die berufliche Massnahme per 25. Januar 2017
(IV-act. 161). In einem Bericht vom 10. Februar 2017 hielt Dr. N._ fest, dass die
Versicherte ihr über eine Urtikaria, die durch Druck ausgelöst werden könne und mit
Schmerzen begleitet sei, berichtet habe. Weiter habe sie über Kopfschmerzen,
Müdigkeit sowie über eingeschränkte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit geklagt.
Auf Druck als Untersuchungsmassnahme sei ein starkes vegetatives positives
Reflexzeichen mit einer überschiessenden Reaktion im Sinne einer Schwellung
eingetreten. Die Versicherte habe ihres Erachtens auch einen hohen Selbstanspruch in
Bezug auf ihre Leistungen. Sie sei momentan nicht in der Lage, mehr als fünf Stunden
pro Tag zu arbeiten. In diesem Rahmen bestehe zudem ein erhöhter Pausenbedarf (IV-
act. 163). Am 27. Februar 2017 berichtete Dr. O._, dass die Versicherte seit dem 31.
Oktober 2016 bei ihm in Behandlung sei. Insbesondere während des Arbeitsversuchs
bei der M._ habe die Versicherte über Juckreiz und täglich schmerzhafte
Schwellungen an den Händen berichtet. Im Gespräch sei es ihr kaum gelungen, für
einen Moment ruhig zu sitzen. Sie habe sich an wechselnden Körperstellen kratzen
müssen. Nach der Aufgabe dieses Arbeitsversuchs sei eine deutliche Besserung des
Zustandes eingetreten. Obwohl die Versicherte einen erheblichen Leidensdruck
verspüre, sei ihre Symptomatik nur schwer fassbar und schlecht zu behandeln. Die
Versicherte möchte arbeiten und könne dies in einem wohlwollend-unterstützenden
Rahmen im Umfang von 50 %. Das Erreichen einer darüber hinausgehenden
Leistungsfähigkeit sei auch auf längere Frist nicht realistisch. Die bisherige Tätigkeit sei
der Versicherten seit Herbst 2014 noch in einem Pensum von 50 % möglich. Bei
diesem Pensum bestehe wahrscheinlich keine verminderte Leistungsfähigkeit. Da die
Versicherte jedoch seit längerem nur noch im geschützten Bereich gearbeitet habe,
könne dazu keine sichere Aussage gemacht werden. Als Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit nannte Dr. O._ eine soziale Phobie, eine einfache Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung, eine rezidivierende depressive Störung, aktuell kompensiert,
eine Pruritus/Urtikaria, differentialdiagnostisch eine Druckurtikaria, sowie ein
rezidivierendes Cervico- und Lumbovertrebralsyndrom (IV-act. 165 S. 1 ff.).
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Im Juli 2017 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von der
Begutachtungsstelle PMEDA polydisziplinär (internistisch, rheumatologisch,
dermatologisch und psychiatrisch) untersucht (IV-act. 176 S. 3). Der rheumatologische
Gutachter schätzte die Arbeitsfähigkeit in einer ideal angepassten Tätigkeit aus der
Sicht seiner Fachdisziplin auf 100 % (IV-act. 176 S. 26). Der internistische Gutachter
konnte in seinen Untersuchungen ebenfalls keinen hinreichenden Beleg für eine
Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit finden, wobei er darauf hinwies, dass
die Beschwerden auch aus der Sicht der anderen Fachrichtungen zu beurteilen seien
(IV-act. 176 S. 18). Der dermatologische Sachverständige nannte in seinem
Teilgutachten als Diagnosen eine chronische Urtikaria sowie eine Druckurtikaria. Weiter
hielt er fest, dass Tätigkeiten, die mit einer höheren mechanischen Belastung der Haut
verbunden seien, auf Dauer überwiegend wahrscheinlich ausfallen würden und somit
auch die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Reinigungskraft (IV-act. 176 S. 30). Für
körperlich leichte, wechselbelastend ausgeübte Tätigkeiten lasse sich aus den
erhobenen Befunden, der Anamnese und den Aktendaten bisher noch nicht mit
hinreichender Wahrscheinlichkeit eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ableiten.
Gegen die anamnestisch geäusserte starke Empfindlichkeit bei mechanischer
Belastung sprächen der unauffällige, nicht urtikarielle, sondern rote Dermographismus
sowie die Tatsache, dass weder an klassischen Körperdruckstellen noch am Gesäss
(nachdem die Versicherte im Rahmen der Begutachtung ca. eineinhalb Stunden
gesessen sei) Schwellungen oder Quaddeln erkennbar gewesen seien. Die Ausprägung
der tatsächlichen Beeinträchtigung bleibe somit fraglich. Objektive Tests zur
Verifizierung einer Druckurtikaria seien technisch und zeitlich aufwändig. Die Haut
müsse an verschiedenen Stellen mit unterschiedlichen Gewichten belastet werden, die
für unterschiedliche Zeiten auf der Haut belassen würden. Zudem seien mehrfache
Ablesungen erforderlich, die nach Minuten, Stunden und Tagen erfolgen müssten. Eine
solche Abklärung sei mithin nur im Rahmen einer stationären Begutachtung möglich,
die empfohlen werde, um gegebenenfalls auch eine geeignete Tätigkeit näher
definieren zu können. Die berichteten Arbeitsversuche seien in Tätigkeiten mit hoher
händischer Belastung erfolgt, seien also eher nicht auf eine ausreichend
belastungsarme Arbeit zentriert und deshalb wohl ungeeignet gewesen (IV-act. 176
S. 31). Der psychiatrische Sachverständige nannte als Diagnose ein ADS
(Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) und ein Fehlgebrauch eines Benzodiazepin-
A.m.
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Analogons (IV-act. 176 S. 39). Zusammenfassend kam er zum Schluss, dass aus
psychiatrischer Sicht sowohl in der zuletzt ausgeübten als auch für jede andere dem
Ausbildungsstand entsprechende Tätigkeit keine Verminderung der Arbeitsfähigkeit zu
attestieren sei. Eine Arbeit sei aus psychiatrischer Sicht zu befürworten und
therapeutisch sinnvoll. Aufgrund des ADS sollten lediglich Tätigkeiten mit einer hohen
Monotonie vermieden werden (IV-act. 176 S. 42). Im polydisziplinären Konsens ihres
Gutachtens vom 27. Oktober 2017 kamen die Sachverständigen zum Schluss, dass die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der zuletzt ausgeübten sowie in jeder
vergleichbaren Tätigkeit aufgrund der Urtikaria 0 % betrage. Die Arbeitsfähigkeit in
angepassten Tätigkeiten (wechselbelastende, körperlich leichte Arbeiten mit geringem
händischem Einsatz) könne jedoch angesichts der anlässlich der Begutachtung
erhobenen dermatologischen Befunde nicht als überwiegend wahrscheinlich limitiert
angesehen werden, da die Ausprägung und Behinderungsrelevanz der Urtikaria bislang
zweifelhaft geblieben seien. Zu empfehlen sei eine stationäre Diagnostik zur Definition
einer geeigneten Tätigkeit. Aus rheumatologischer Sicht würden Tätigkeiten mit
erhöhter Belastung der linken Schulter ausscheiden, jedoch kämen solche Tätigkeiten
auch bereits aufgrund der dermatologischen Gesundheitsstörung nicht in Betracht. Aus
internistischer Sicht ergäbe sich keine Erkrankung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Aus psychiatrischer Sicht lasse sich ebenfalls keine namhafte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit erkennen. Das ADS erscheine gut kompensiert (IV-act. 176 S. 43). In
einer Stellungnahme vom 17. November 2017 hielt der RAD fest, dass auf das
Gutachten vollumfänglich abgestellt werden könne. Die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Reinigungskraft und in vergleichbaren Tätigkeiten betrage 0
%. Für körperlich leichte und wechselbelastende Tätigkeiten mit geringem händischen
Einsatz betrage die Arbeitsfähigkeit 100 %. Die empfohlene stationäre dermatologische
Abklärung sei aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht indiziert, da eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit in einer klar definierten angepassten Tätigkeit vorliege und die
aufwändige stationäre Begutachtung somit nicht verhältnismässig wäre (IV-act. 177
S. 3).
Am 11. Dezember 2017 informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass das
Begehren um berufliche Massnahmen abgewiesen werde, da gemäss RAD
A.n.
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B.
vollumfänglich auf das PMEDA-Gutachten abgestellt werden könne und für adaptierte
Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe (IV-act. 180).
Mit Vorbescheid vom 23. Januar 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 0 % in Aussicht, da in
leidensadaptierten Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben sei (IV-act. 187).
A.o.
Dagegen wandte die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. A. Cantieni,
Chur, am 15. Februar bzw. 13. März 2018 ein, dass die von der IV-Stelle
angenommene vollständige Arbeitsfähigkeit jeglicher Grundlage entbehre. Nach
Ansicht des dermatologischen Gutachters lasse sich nur aufgrund einer stationären
Begutachtung bestimmen, welche Tätigkeiten und in welchem Umfang jene Tätigkeiten
zumutbar seien. Weiter betreue Dr. O._ sie seit dem 31. Oktober 2016 und sei zum
Schluss gekommen, dass sie nur noch zu 50 % arbeitsfähig sei. Zu Recht habe Dr.
O._ darauf hingewiesen, dass die PMEDA-Gutachter die bisherigen Arbeitsversuche
nicht mitberücksichtigt hätten (IV-act. 189 i.V.m. 192). Den Bericht von Dr. O._ vom
4. März 2018 legte die Versicherte ihrem Einwand bei (IV-act. 193).
A.p.
In einer Stellungnahme vom 28. März 2018 hielt der RAD im Wesentlichen fest,
aus der Empfehlung des dermatologischen Gutachters gehe hervor, dass durch eine
stationäre Begutachtung eine angepasste Tätigkeit näher definiert werden könnte. Der
Gutachter habe aber nicht geschrieben, dass dies auch zur prozentualen Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit notwendig sei. Ausserdem hätten die
behandelnden Ärzte eine solche Abklärung veranlassen können, wenn diese zur
weiterführenden Diagnostik und Evaluierung der Therapieoptionen notwendig gewesen
wäre (IV-act. 194). Mit gleichentags erlassener Verfügung wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren im Sinne des Vorbescheids ab (IV-act. 195).
A.q.
Gegen diese Verfügung erhob die weiterhin durch Rechtsanwalt Cantieni
vertretene Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 26. April 2018
Beschwerde. Sie beantragte, die Verfügung vom 28. März 2018 sei aufzuheben und die
Sache sei an IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen, um weitere
medizinische Abklärungen vorzunehmen und ihre Leistungsfähigkeit in einer BEFAS
B.a.
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Erwägungen
1.
Strittig und zu prüfen ist in diesem Verfahren, ob die Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung vom 28. März 2018 einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt hat.
2.
(gemeint wohl: beruflichen Abklärungsstelle) detailliert abzuklären; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 30. Mai 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
B.b.
Mit Schreiben vom 5. Juni 2018 verzichtete die Beschwerdeführerin auf eine
einlässliche Replik (act. G 6).
B.c.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/17
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3.
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
2.2.
Der im Sozialversicherungsprozess herrschende Untersuchungsgrundsatz
schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als
im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Beweislosigkeit ist
jedoch erst anzunehmen, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b und 138 V 222 E. 6; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 4 f. und
55).
2.3.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Ablehnung des Rentenanspruchs in
erster Linie auf das PMEDA-Gutachten sowie die Stellungnahmen des RAD. Sie ist der
Ansicht, dass der medizinische Sachverhalt ausreichend abgeklärt worden sei und mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit feststehe, dass die Beschwerdeführerin in einer
leidensangepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei (vgl. IV-act. 195; act. G 4).
Demgegenüber bestreitet die Beschwerdeführerin das Vorliegen einer 100%igen
3.1.
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Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit (vgl. act. G 1 S. 5). Sie vertritt den
Standpunkt, dass die Gutachter die Ausprägung und Behinderungsrelevanz der
Urtikaria nicht hätten beurteilen können. Sie würden hierfür eine stationäre Diagnostik
empfehlen, weswegen die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen sei (vgl. act. G 1 S. 2 und 5 ff.).
Zunächst zu prüfen ist demnach, ob aufgrund der gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung und der gesamten medizinischen Aktenlage das Vorliegen
einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer optimal adaptierten Tätigkeit mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht.
3.2.
Der dermatologische Sachverständige ist in seinem Fachgutachten zum Schluss
gekommen, dass sich eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte,
wechselbelastend ausgeübte Tätigkeiten aus den erhobenen Befunden, der Anamnese
und den Aktendaten noch nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ableiten lasse.
Objektive Tests zur Verifizierung einer Druckurtikaria seien technisch und zeitlich
aufwändig. Eine solch aufwändige Abklärung sei nur im Rahmen einer stationären
Begutachtung möglich, die empfohlen werde, um gegebenenfalls auch eine geeignete
Tätigkeit näher definieren zu können (IV-act. 176 S. 31). Damit übereinstimmend haben
die Gutachter im polydisziplinären Konsens festgehalten, dass die Arbeitsfähigkeit in
angepassten Tätigkeiten angesichts der dermatologischen Befunde nicht als
überwiegend wahrscheinlich limitiert angesehen werden könne, da die Ausprägung und
Behinderungsrelevanz der Urtikaria bislang zweifelhaft geblieben seien. Zu empfehlen
sei eine stationäre Diagnostik zur Definition einer geeigneten Tätigkeit (IV-act. 176
S. 43). Sowohl im dermatologischen Teilgutachten als auch im polydisziplinären
Konsens des PMEDA-Gutachtens kommt somit zum Ausdruck, dass der Urtikaria
gestützt auf die vorhandene Aktenlage bzw. gestützt auf die bisher durchgeführten
Untersuchungen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit beigemessen werden könne. Daraus lässt sich aber entgegen der
Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht ableiten, dass in leidensangepassten
Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit besteht. Vielmehr sind die Auswirkungen der
Urtikaria entsprechend den gutachterlichen Ausführungen noch zweifelhaft und somit
eben noch ungeklärt (vgl. IV-act. 176 S. 43). Der vom RAD in seiner Stellungnahme
vom 28. März 2018 geäusserten Ansicht, die Sachverständigen hätten eine
Begutachtung lediglich zur genauen Definition der Adaptionskriterien empfohlen,
während sie von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen seien (vgl. IV-act. 194
S. 2; vgl. ferner IV-act. 177 S. 3), kann nicht gefolgt werden, zumal der Grad der
Arbeitsfähigkeit immer in Bezug auf umschriebene Tätigkeitsprofile festzusetzen ist und
3.3.
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nicht davon losgelöst beurteilt werden kann. Welche Tätigkeiten bzw. Tätigkeitsprofile
vorliegend in Frage kommen, können die Gutachter gerade nicht sagen, weshalb sie
eine stationäre Begutachtung empfohlen haben. Sie haben entgegen der Behauptung
des RAD kein Tätigkeitsprofil definiert, in welchem der Beschwerdeführerin eine
Arbeitsleistung zumutbar ist (vgl. IV-act. 194 S. 2 i.V.m. 177 S. 3), sondern lediglich
angegeben, in welchem Rahmen (leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne grossen
händischen Einsatz) eine Arbeitsfähigkeit nicht ausgeschlossen ist (vgl. IV-act. 176
S. 31 und 43). Gegen eine volle Arbeitsfähigkeit sprechen auch die Berichte der
behandelnden Ärzte, die der Urtikaria mindestens phasenweise einen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit beigemessen haben (vgl. IV-act. 57, 70, 73, 163, 193 und 165 S. 1 ff.).
Zwar trägt grundsätzlich die Beschwerdeführerin die Beweislast hinsichtlich des
Vorliegens einer Arbeitsunfähigkeit, jedoch kommt die Beweislast erst dann zum
Tragen, wenn ein medizinischer Sachverhalt als beweislos anzusehen ist (vgl. E. 2.3).
Angesichts dessen, dass die Gutachter aus nachvollziehbaren Gründen eine stationäre
Begutachtung zur Abklärung der Urtikaria empfohlen haben, kann diesbezüglich aktuell
noch keine Beweislosigkeit angenommen werden. Vielmehr sind von der empfohlenen
stationären Begutachtung weitere Erkenntnisse hinsichtlich der Ausprägung und der
funktionellen Auswirkungen der Urtikaria zu erwarten. Dass die Gutachter nicht explizit
ausgeführt haben, die stationäre Begutachtung sei zur prozentualen Festlegung der
Arbeitsfähigkeit notwendig (vgl. IV-act. 194 S. 2, oben), vermag daran nichts zu ändern.
Die PMEDA-Gutachter haben jedenfalls zum Ausdruck gebracht, dass sie selber nicht
in der Lage sind, genaue Angaben dazu zu machen, inwiefern die Urtikaria die
Arbeitsfähigkeit einschränkt. Sie können lediglich mit ausreichender Sicherheit sagen,
dass aktuell eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit noch nicht ausgewiesen ist
(vgl. IV-act. 176 S. 31 und 43). Weiter kann dem RAD nicht gefolgt werden, soweit er
behauptet, es wäre Aufgabe der behandelnden Ärzte gewesen, eine stationäre
Behandlung in die Wege zu leiten (IV-act. 194 S. 2). Aus dem Gutachten geht nicht
hervor, dass die stationäre Begutachtung zur Evaluierung der Therapieoptionen
erforderlich ist, sondern zur Abklärung, welche beruflichen Tätigkeiten der
Beschwerdeführerin möglich sein könnten (vgl. IV-act. 176 S. 31 und 43). Nach dem
Gesagten drängt sich die gutachterlich empfohlene stationäre Abklärung der Urtikaria
grundsätzlich auf, es sei denn die dermatologische Problematik habe sich seit der
Begutachtung massiv verbessert, sodass eine wesentliche Beeinträchtigung der
Arbeitsleistung ohnehin nicht mehr gegeben ist. Diesfalls wäre eine aufwändige,
stationäre Begutachtung unverhältnismässig. Vor diesem Hintergrund drängt sich
zunächst eine Rückfrage bei behandelnden Ärzten und eine Vorlage entsprechender
Berichte an den RAD auf. Möglicherweise könnte auch eine Untersuchung durch den
RAD oder eine Rückfrage an die Beschwerdeführerin zur Evaluierung der
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persistierenden Beschwerden nützlich sein. Je nach Abklärungsergebnis wäre sodann
die stationäre Begutachtung in Auftrag zu geben.
Zusammenfassend sind aus versicherungsrechtlicher Sicht hinsichtlich der
Urtikaria weitere Abklärungen vorzunehmen. Da die Beschwerdegegnerin diese
Abklärungen unterlassen hat, ist die angefochtene Verfügung in Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes ergangen (Art. 43 ATSG), weshalb sie als rechtswidrig
aufzuheben ist. Die Sache ist demnach zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. An dieser Stelle ist auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung im Bereich der Invalidenversicherung hinzuweisen,
wonach die Versicherungsgerichte grundsätzlich selber ein Gutachten in Auftrag zu
geben haben, wenn sie im Rahmen der Beweiswürdigung zum Schluss kommen, ein
bereits erhobener medizinischer Sachverhalt müsse noch gutachterlich geklärt werden
oder eine Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht
beweiskräftig. Eine Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung kommt
gemäss der höchstrichterlichen Rechtsprechung allerdings für eine Rückfrage an die
Gutachter oder für gänzlich ungeklärte Fragen in Betracht (Urteil des Bundesgerichts
vom 9. Februar 2018, 8C_580/2017, E. 3.1 mit Hinweisen). Vorliegend hat die
Beschwerdegegnerin zwar eine dermatologische Begutachtung in Auftrag gegeben, in
deren Rahmen auch die Urtikaria hätte abgeklärt werden sollen (vgl. IV-act. 171 ff.). Da
der dermatologische Gutachter das Vorliegen einer Urtikaria und deren Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit aber selber nicht hat beurteilen können und daher eine
anderweitige, stationäre Abklärung empfohlen hat (vgl. IV-act. 176 S. 31), ist
diesbezüglich noch von einer ungeklärten Fragestellung auszugehen, was eine
Rückweisung, wie von der Beschwerdeführerin denn auch explizit beantragt,
rechtfertigt. Dies muss vorliegend umso mehr gelten, als nicht anzunehmen ist, dass
das Bundesgericht bei seiner Rückweisungsrechtsprechung Fälle vor Augen hat, bei
welchen die IV-Stelle trotz anderslautender Empfehlung der eigens beauftragten
Gutachter den Fall vorschnell abschliesst. Würde in einem solchen Fall eine
Rückweisung aufgrund der genannten Rechtsprechung als nicht zulässig erachtet,
könnte dies Verletzungen der Untersuchungspflicht begünstigen, was nicht die
Intention der höchstrichterlichen Rechtsprechung sein kann. Wie bereits dargelegt, ist
im vorliegenden Fall aber ohnehin auch noch nicht klar, ob eine stationäre
Begutachtung notwendig sein wird. Vielmehr drängen sich zunächst anderweitige
Abklärungen auf. Auch aus diesem Grund ist die Sache an die Beschwerdegegnerin,
welcher in erster Linie die Sachverhaltsabklärung obliegt (vgl. Art. 43 ATSG),
zurückzuweisen. Überdies sollte im vorliegenden Fall der medizinische Sachverhalt
nach der stationären Abklärung der Urtikaria gesamthaft neu eingeschätzt werden (sei
3.4.
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4.
dies durch eine RAD-Beurteilung, eine Verlaufsbegutachtung oder das Einholen
anderweitiger ärztlicher Einschätzungen), da die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer Gesamtschau aller gesundheitlichen Einschränkungen
festzulegen ist. Das Einholen eines Gerichtsgutachtens hinsichtlich der Urtikaria
vermöchte den medizinischen Sachverhalt demnach vermutungsweise nicht
abschliessend abzuklären. Schliesslich ist eine Rückweisung auch deshalb notwendig,
da die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde eine BEFAS-Abklärung beantragt
(vgl. act. G 1). Auch wenn sie die Mitteilung der IV-Stelle vom 11. Dezember 2017, mit
welcher ein Anspruch auf berufliche Massnahmen abgelehnt worden ist (vgl. IV-
act. 180), nicht ausdrücklich beanstandet (vgl. act. G 1), geht aus der beantragten
BEFAS-Abklärung gleichwohl sinngemäss ein Antrag um Prüfung beruflicher
Massnahmen nach Abschluss der medizinischen Abklärungen hervor. Im Zeitpunkt der
Beschwerdeerhebung ist seit der Mitteilung bezüglich beruflicher Massnahmen auch
noch kein Jahr verstrichen, sodass eine Rechtskraftswirkung der Mitteilung nicht klar
ausgewiesen ist (vgl. dazu BGE 134 V 150 E. 5.2). Unabhängig der Anträge der
Beschwerdeführerin gilt im Sozialversicherungsrecht jedenfalls der Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
3. Aufl. Zürich/ Basel/Genf 2015, Vorbemerkungen N 81 ff.), sodass sich im
vorliegenden Fall nach den weiteren medizinischen Abklärungen auch eine erneute
Prüfung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten und damit eine Rückweisung an
die Beschwerdegegnerin aufdrängt.
Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne
der vorstehenden Erwägungen und zur anschliessenden neuen Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung als volles Obsiegen der
beschwerdeführenden Person zu werten (vgl. BGE 132 V 235 E. 6.2).
Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
4.2.
bis
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