Decision ID: 675d3cec-cdd0-50a1-b273-3c3525c37e1e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die politische Gemeinde B. _ bewilligte am 24. Mai 2013 das An-
schlussgesuch von A. _ für eine neue Photovoltaik-Anlage (nach-
folgend: PV-Anlage) mit einer Anschlussleistung von 65 kWp und gelangte
am 26. Juni 2013 mit einer Voranfrage betreffend auszuführenden An-
schlussvarianten an das Fachsekretariat der Eidgenössischen Elektrizi-
tätskommission (nachfolgend: Fachsekretariat). Aus der Voranfrage geht
hervor, dass nebst einer PV-Anlage auf dem Grundstück Nr. [...] von
A. _ solche auch auf dem Nachbargrundstück Nr. [...] geplant war.
Das Fachsekretariat äusserte sich am 14. August 2013 zu den verschiede-
nen, vorliegend nicht näher interessierenden Anschlussvarianten und an-
erkannte die grundsätzliche Notwendigkeit einer Netzverstärkung. Die
Netzverstärkung für den Anschluss der beiden PV-Anlagen wurde mit einer
Anschlussleistung von 130 kWp berechnet. Die politische Gemeinde
B. _ erstellte entsprechend die Erschliessungsleitung und führte die
Netzverstärkung aus. Daraufhin installierten A. _ die PV-Anlage auf
den Dachflächen ihres landwirtschaftlichen Betriebs und nahmen sie am
6. Dezember 2013 mit einer Anschlussleistung von 66.55 kWp in Betrieb.
B.
Rund dreieinhalb Jahre später bewilligte die politische Gemeinde
B. _ am 14. Dezember 2016 ein Anschlussgesuch von A. _
für die Erweiterung der 2013 bewilligten PV-Anlage mit einer Anschluss-
leistung von zusätzlichen 125 kWp. Nach Verstärkung der Erschliessungs-
leitung erfolgte am 31. März 2017 die Inbetriebnahme der erweiterten PV-
Anlage auf dem Grundstück Nr. [...] mit einer Anschlussleistung von
125.24 kWp, was entsprechend einer am 13. April 2017 vorgenommenen
Prüfung von einer akkreditierten Inspektionsstelle beglaubigt wurde. Auf
dem Nachbargrundstück Nr. [...] wurde – entgegen dem ursprünglichen
Vorhaben – bis dato keine PV-Anlage errichtet.
C.
Am 28. Mai 2019 ersuchte die politische Gemeinde B. _ die Eidge-
nössische Elektrizitätskommission (EICom) um die Vergütung der Kosten
für die notwendig gewordenen Netzverstärkungen im Zusammenhang mit
dem Anschluss der erweiterten PV-Anlage von A. _ (Grundstück Nr.
[...]), woraufhin das Fachsekretariat in dieser Sache am 20. Juni 2019 ein
Verfahren eröffnete. Mit Schreiben vom 6. August 2019 stellte das Fach-
sekretariat das Gesuch der nationalen Netzgesellschaft (nachfolgend:
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Swissgrid AG) an die Adresse in Frick zur Stellungnahme zu und mit
Schreiben vom 21. August 2019 wiederholte es die Zustellung, diesmal an
deren Adresse in Aarau. Das Fachsekretariat informierte die politische Ge-
meinde B. _ mit Schreiben vom 21. August 2019 darüber, dass
durch die erneute Zustellung die Frist der Swissgrid AG zur Stellungnahme
entsprechend verlängert worden sei. Mit Eingabe vom 4. Oktober 2019 er-
hob die Swissgrid AG die Einrede der Verjährung. Die politische Gemeinde
B. _ hielt mit Eingabe vom 8. November 2019 an ihrem Rückerstat-
tungsgesuch fest und reichte weitere Unterlagen nach. Mit Eingabe vom
20. Dezember 2019 hielt die Swissgrid AG ebenfalls vollumfänglich an ih-
ren Ausführungen fest, insbesondere der erhobenen Verjährungseinrede.
Anschliessend wies die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom)
das Gesuch um Rückerstattung der Netzverstärkungskosten der politi-
schen Gemeinde B. _ mit Verfügung vom 6. April 2020 ab. Zur Be-
gründung führt sie mit Verweis auf die Regeln des Subventionsgesetzes
vom 5. Oktober 1990 (SuG, SR 616.1) im Wesentlichen aus, dass der
Rückerstattungsanspruch für eine Netzverstärkung einer fünfjährigen Ver-
jährungsfrist unterliege, die im Fall der politischen Gemeinde B. _
bereits abgelaufen und der Rückerstattungsanspruch daher als verjährt zu
betrachten sei.
D.
Gegen diesen Entscheid der ElCom (nachfolgend: Vorinstanz) erhebt die
politische Gemeinde B. _ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit
Eingabe vom 19. Mai 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
Sie beantragt, die angefochtene Verfügung der ElCom vom 6. April 2020
sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben und ihr Gesuch
um Rückerstattung für die Netzverstärkung der PV-Anlage auf dem Grund-
stück Nr. [...] sei gutzuheissen; es sei eine Vergütung gemäss den Ge-
suchsunterlagen in der Höhe von Fr. 64'577.75 auszubezahlen. Zur Be-
gründung führt sie zusammengefasst an, mit der doppelten Zustellung an
die Swissgrid AG, welche die Verjährungseinrede erhob, seien die Regeln
eines fairen Verfahrens missachtet worden. Die sinngemässe Anwendung
der Regeln des Subventionsgesetzes verletze zudem das Rückwirkungs-
verbot, denn die Verjährung von Netzverstärkungskosten unterliege in An-
wendung der obligationenrechtlichen Regeln korrekterweise einer zehnjäh-
rigen Verjährungsfrist, die vorliegend gewahrt sei.
E.
Die Swissgrid AG (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragt mit Be-
schwerdeantwort vom 29. Juni 2020 die Abweisung der Beschwerde unter
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Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdeführerin. Sie
führt darin unter anderem aus, dass von einem unfairen Verfahren keine
Rede sein könne. Sie habe erst das zweite Schreiben des Fachsekretariats
vom 21. August 2019 mit der Adresse in Aarau erhalten; das erste Schrei-
ben vom 6. August 2019 sei wohl an ihre alte Adresse in Frick geschickt
worden. Bereits früher habe die ElCom entschieden gehabt, dass die Rück-
vergütung von Netzverstärkungskosten einer fünfjährigen Verjährungsfrist
unterliege. Es handle sich vorliegend nicht um eine Praxisänderung der
Vorinstanz. Die Netzverstärkungskosten seien mit Blick auf die Regeln des
Subventionsgesetzes als verjährt zu betrachten, weswegen der Entscheid
der Vorinstanz zu bestätigen sei.
F.
Mit Vernehmlassung vom 17. Juni 2020 beantragt die Vorinstanz die Ab-
weisung der Beschwerde und bringt zusammengefasst vor, die zweifache
Zustellung sei auf einen Adressierungsfehler zurückzuführen. Auch sei sie
bei der Verfahrensleitung und ihrem Entscheid reglementsgemäss be-
schlussfähig gewesen. Netzbetreiberinnen seien zudem nicht verpflichtet,
Gesuche um Rückerstattung von notwendigen Netzverstärkungskosten
einzureichen. Wie in der angefochtenen Verfügung dargelegt, käme in
sinngemässer Anwendung des Subventionsgesetzes eine fünfjährige Ver-
jährungsfrist für die Rückerstattung von Netzverstärkungskosten zur An-
wendung; die Regeln des Obligationenrechts seien hierbei nicht weiter von
Belang.
G.
Die Beschwerdeführerin hält in ihrer Stellungnahme vom 27. August 2020
vollumfänglich an den eingangs gestellten Anträgen vom 19. Mai 2020 fest.
H.
Auf die weiteren Vorbringen und die sich bei den Akten befindlichen Doku-
mente wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfolgenden Erwägun-
gen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), soweit diese von einer Vor-
instanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen worden sind und kein Ausnah-
megrund im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt.
Entscheide der EICom sind beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar
(Art. 23 des Stromversorgungsgesetzes vom 23. März 2007 [StromVG,
SR 734.7] in Verbindung mit Art. 33 Bst. f VGG; vgl. Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts [BVGer] A-1225/2020 vom 24. Juni 2020 E. 1.1). Eine in
Art. 32 VGG genannte Ausnahme betreffend das Sachgebiet ist vorliegend
nicht gegeben. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Ge-
mäss Art. 48 Abs. 1 VwVG ist zur Beschwerde berechtigt, wer vor der
Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teil-
nahme erhalten hat (Bst. a), durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
oder Änderung hat (Bst. c).
Die Beschwerdeführerin hat sich am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt
und ist als Adressatin der vorinstanzlichen Verfügung vom 6. April 2020,
mit welcher ihr Gesuch um Vergütung der getätigten Netzverstärkungskos-
ten abgelehnt wurde, sowohl formell als auch materiell beschwert, weshalb
sie zur Beschwerdeerhebung legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.3 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl.
Art. 50 und Art. 52 VwVG) ist folglich einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf
Rechtsverletzungen, einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Aus-
übung des Ermessens (Art. 49 Bst. a und b VwVG) sowie auf Angemes-
senheit hin (Art. 49 Bst. c VwVG). Zudem gelten im Beschwerdeverfahren
vor Bundesverwaltungsgericht die Untersuchungsmaxime, wonach der
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Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen ist, sowie der Grundsatz der
Rechtsanwendung von Amtes wegen (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG). Das Bun-
desverwaltungsgericht ist angesichts dieser beiden Rechtsgrundsätze ver-
pflichtet, auf den – unter Mitwirkung der Verfahrensbeteiligten – festgestell-
ten Sachverhalt die einschlägigen Rechtsnormen anzuwenden (BGE 132
II 113 E. 3.2, 131 II 200 E. 4.2). Dies bedeutet, dass es eine Beschwerde,
falls mit Blick auf die Umstände des konkret zu beurteilenden Falles gebo-
ten, auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen
oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung be-
stätigen kann, die von jener der Vorinstanz abweicht (sog. Motivsubstitu-
tion, vgl. statt vieler: BVGE 2007/41 E. 2 mit Hinweisen; ferner das Urteil
des BVGer A-5624/2018 vom 19. Juli 2019 E. 2.1). Soll sich dabei dieser
neue Entscheid auf Rechtsnormen stützen, mit deren Anwendung die Par-
teien nicht rechnen mussten, so ist ihnen Gelegenheit zu geben, sich
hierzu vorgängig zu äussern (BGE 124 I 49 E. 3c).
3.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin die Verlet-
zung von verschiedenen Verfahrensfehlern, die zu einem unfairen Verfah-
ren geführt haben sollen.
3.1 Zunächst gilt es zu prüfen, ob die zwei Mal versandte Aufforderung zur
Stellungnahme an die Beschwerdegegnerin rechtmässig erfolgte.
3.1.1
3.1.1.1 Die Beschwerdeführerin bringt unter anderem vor, die Vorinstanz
habe der Swissgrid AG die Einladung zur Stellungnahme zu Unrecht zwei
Mal zukommen lassen. Das erste Schreiben habe das Fachsekretariat der
Vorinstanz mit Schreiben am 6. August 2019 nach Frick versandt. Weshalb
das Schreiben der Swissgrid AG am 21. August 2019 erneut zugestellt wor-
den sei, begründe die Vorinstanz nicht. Es werde seitens der Vorinstanz
lediglich darauf hingewiesen, dass durch die erneute Zustellung die Frist
zur Stellungnahme verlängert worden sei. Mit Schreiben vom 17. Septem-
ber 2019 habe die Swissgrid AG um eine Fristerstreckung ersucht, die vom
Fachsekretariat genehmigt worden sei. Erst mit Schreiben vom 4. Oktober
2019 habe die Swissgrid AG inhaltlich Stellung genommen und die Einrede
der Verjährung erhoben. Dieses Vorgehen einer wiederholten Zustellung
und der damit verbundenen faktischen Verlängerung der Frist zur Stellung-
nahme durch die Swissgrid AG sowie die zusätzliche Fristerstreckung führ-
ten dazu, dass das Verfahren insgesamt als unausgewogen und unfair zu
bezeichnen sei. Die Vorinstanz habe mit ihrem Verhalten und dem Hinweis
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an die Swissgrid AG, sie möge sich zu diesem Verfahren vernehmen las-
sen, diese faktisch zur Erhebung der Einrede der Verjährung ermuntert.
Die Einrede der Verjährung sei denn auch erst mit Eingabe vom 8. Oktober
2019 erhoben worden.
3.1.1.2 Die Beschwerdegegnerin erachtet die beschwerdeführerischen
Ausführungen in verschiedener Hinsicht als falsch: Zum einen sei der erste
Zustellversuch an die (nicht länger korrekte) Adresse der Swissgrid AG in
Frick am 6. August 2019 vorgenommen worden, also rund einen Monat
nach Erlass beziehungsweise Versand der Verfügung Nr. 236-01041 vom
4. Juli 2019, welche wegen der Frage der Verjährung auch für das vorlie-
gende Verfahren von Bedeutung sei. Die Beschwerdeführerin habe somit
erwiesenermassen seit längerem – und bereits vor dem ersten Zustellver-
such – Kenntnis der neu begründeten vorinstanzlichen Praxis gehabt. Zum
anderen habe die Beschwerdegegnerin bereits in obgenanntem Verfahren
Nr. 236-01041 die Einrede der Verjährung erhoben gehabt. Ohne die Er-
hebung dieser Einrede durch die beschwerdegegnerische Swissgrid AG
hätte die Vorinstanz gar nicht über die Verjährung des Anspruchs auf Rück-
erstattung von Netzverstärkungskosten entscheiden können. Die Be-
schwerdeführerin gehe somit falsch in der Annahme, wenn sie behaupte,
dass die Vorinstanz die Swissgrid AG geradezu zur Erhebung der Einrede
der Verjährung eingeladen beziehungsweise sie darauf aufmerksam ge-
macht habe. Fakt sei, dass die Swissgrid AG nur das zweite Schreiben vom
21. August 2019 an die (nun korrekte) Adresse in Aarau erhalten habe und
eine Stellungnahme nach gewährter – und in der Praxis durchaus üblicher
sowie prozessual zulässiger – Fristerstreckung fristgerecht bei der
Vorinstanz eingereicht habe. Inwiefern die Beschwerdeführerin darin ein
unfaires und unausgewogenes Verfahren erblicke, sei nicht nachvollzieh-
bar und werde von Seiten der Beschwerdeführerin auch nicht weiter sub-
stanziiert.
3.1.1.3 Die Vorinstanz gibt zu bedenken, dass es sich bei der Adresse der
Swissgrid AG in Frick um den bisherigen Sitz der Beschwerdegegnerin
handle. Deren neuer Sitz in Aarau sei seit 2018 im Handelsregister einge-
tragen. Es sei dem vorinstanzlichen Fachsekretariat ein Adressierungsfeh-
ler unterlaufen, bei dem es nicht habe davon ausgehen dürfen, dass der
Beschwerdegegnerin das Schreiben vom 6. August 2019 an die neu gel-
tende Adresse weitergeleitet werde. Die Zustellung an die aktuelle Adresse
sei daher wiederholt worden und der Beschwerdegegnerin eine neue Frist
zur Stellungnahme gewährt worden. Dieses Vorgehen führe nicht zu einem
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unausgewogenen und unfairen Verfahren, wie die Beschwerdeführerin be-
haupte. Ganz im Gegenteil führe dieses Vorgehen dazu, dass die Be-
schwerdegegnerin trotz des Adressierungsfehlers ebenfalls vom Gesuch
der Beschwerdeführerin vom 28. Mai 2019 Kenntnis erhalten habe und ihr
eine ungeschmälerte Frist für das Ausarbeiten einer Stellungnahme zur
Wahrung ihrer Parteirechte zur Verfügung stand. Die einmalige Verlänge-
rung der angesetzten Frist entspreche dem üblichen Vorgehen der EICom
beim Schriftenwechsel. Die Beschwerdegegnerin habe in ihrer ersten Stel-
lungnahme vom 4. Oktober 2019 fristgerecht die Einrede der Verjährung
erhoben, wozu sie als Verfahrenspartei unbestritten berechtigt sei.
3.1.2 Für Verfahren in Verwaltungssachen, die durch Verfügungen von
Bundesverwaltungsbehörden in erster Instanz oder auf Beschwerde zu er-
ledigen sind, regeln Art. 34 ff. VwVG die Voraussetzungen an eine korrekte
Eröffnung einer Verfügung an die Parteien, darunter etwa die Schriftlichkeit
einer Verfügung. Zudem sieht das Geschäftsreglement der Eidgenössi-
schen Elektrizitätskommission vom 12. September 2007 (nachfolgend: GR
ElCom, SR 734.74) in Art. 11 explizit vor, dass für das Verfahren vor der
ElCom die Bestimmungen des VwVG zur Anwendung gelangen. Diese Re-
geln sind auch mit Blick auf den einer Verfügung vorgelagerten Schriften-
wechsel zu berücksichtigen, unter anderem wenn das Gesetz bestimmt,
dass den Parteien aus mangelhafter Eröffnung kein Nachteil erwachsen
darf (vgl. Art. 38 VwVG; ebenso Art. 49 des Bundesgesetzes vom 17. Juni
2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG, SR 173.110]).
Es handelt sich hierbei um einen allgemeinen Rechtsgrundsatz, der in en-
gem Konnex mit dem verfassungsrechtlich geschützten Anspruch des
rechtlichen Gehörs nach Art. 29 Abs. 2 BV steht (vgl. BGE 122 I 97
E. 3a/aa; ferner Urteil des BGer 4A_141/2015 vom 25. Juni 2015 E. 3;
siehe ferner Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV).
3.1.3 Die ElCom hatte der Swissgrid AG im Zuge des vorliegenden Verfah-
rens im August 2019 die Möglichkeit gegeben, zur Sache Stellung zu neh-
men. Die Stellung der Beschwerdegegnerin als Verfahrenspartei leitet sich
dabei aus den Bestimmungen der Stromversorgungsverordnung vom
14. März 2008 (StromVV, SR 734.71) ab. Einerseits sieht Art. 22 Abs. 3
StromVV vor, dass Netzverstärkungen, die notwendig werden zur Einspei-
sung von elektrischer Energie aus Anlagen nach den Art. 15 und Art. 19
des Energiegesetzes vom 30. September 2016 (EnG, SR 730.0), Teil der
Systemdienstleistungen der nationalen Netzgesellschaft sind. Mit anderen
Worten fallen Netzverstärkungen in den Kompetenz- und Aufgabenbereich
der Swissgrid AG, die als nationale Netzgesellschaft amtet. Andererseits
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bedürfen Vergütungen für notwendige Netzverstärkungen gemäss Art. 22
Abs. 4 StromVV einer Bewilligung der ElCom. Weiter bestimmt Art. 22
Abs. 5 StromVV, dass die nationale Netzgesellschaft dem Netzbetreiber
gestützt auf die Bewilligung der ElCom die Kosten für die notwendigen
Netzverstärkungen nach Abs. 3 derselben Bestimmung vergütet. Die im
vorliegend zu beurteilenden Fall gebaute PV-Anlage generiert Elektrizität
aus Sonnenenergie und stellt somit eine Energiequelle im Sinn des oben
erwähnten Art. 19 EnG dar. Dabei kommt nicht nur der Netzbetreiberin be-
ziehungsweise der betroffenen politischen Gemeinde, die bei der ElCom
ein Kostenrückerstattungsgesuch eingereicht hat, Parteistellung – und da-
mit einhergehend das Recht, sich zur Sache vernehmen zu lassen – zu,
sondern ebenfalls der potenziell leistungspflichtigen Swissgrid AG, die not-
wendige Netzverstärkungskosten rückvergütet.
3.1.4 Unbestrittenermassen wollte die ElCom vorliegend der potenziell
rückerstattungspflichtigen Swissgrid AG mit Schreiben vom 6. August 2019
die Möglichkeit einräumen, sich zum Kostenrückerstattungsgesuch der po-
litischen Gemeinde B. _ zu äussern. Dass dieses Schriftstück bei
der Beschwerdegegnerin einging oder es ihr weitergeleitet worden sei,
macht die Beschwerdeführerin nicht geltend. Die Swissgrid AG äussert
sich denn auch dahingehend, sie habe lediglich das zweite Schreiben vom
21. August 2019 erhalten. Wie die ElCom der Beschwerdeführerin in einem
ebenfalls vom 21. August 2019 datierenden Orientierungsschreiben mit-
teilt, konnte die Einladung zur Stellungnahme vom 6. August 2019 der
Swissgrid AG aufgrund eines Adressierungsfehlers nicht zugestellt werden.
Deshalb sei sie erneut zur Stellungnahme eingeladen und ihr die Frist dafür
entsprechend bis zum 22. September 2019 verlängert worden. Dass be-
schwerdeführerische Vorbringen, die ElCom habe für die wiederholte Zu-
stellung keinen Grund angegeben, erweist sich vor diesem Hintergrund als
unzutreffend. Der erwähnte Adressierungsfehler ist, wie die Vorinstanz und
die Beschwerdegegnerin übereinstimmend in nachvollziehbarer und glaub-
würdiger Art und Weise vorbringen, auf die Sitzverlegung der Swissgrid AG
von Frick nach Aarau zurückzuführen.
3.1.5 Zwar handelt es sich bei der strittigen Einladung zur Stellungnahme
nicht um die Eröffnung einer Verfügung, weshalb nicht unbesehen auf die
ständige Rechtsprechung des Bundesgerichts zu den Eröffnungsmängeln
einer Verfügung zurückgegriffen werden kann (siehe dazu LORENZ KNEU-
BÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2019 [nachfolgend: Kommentar VwVG],
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Rz. 11 ff. zu Art. 38 VwVG mit Rechtsprechungshinweisen). Jedoch ist so-
wohl beim Schriftenwechsel während des Verfahrens als auch beim Eröff-
nen einer Verfügung, die das Verwaltungsverfahren in der Regel zum Ab-
schluss bringen soll, von Verfassungs wegen das rechtliche Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV) zu wahren. Für das verwaltungsrechtliche Beschwerdeverfah-
ren sieht Art. 57 Abs. 1 VwVG hinsichtlich der Durchführung des Schriften-
wechsels daher ausdrücklich vor, dass die Beschwerdeinstanz eine nicht
zum vornherein unzulässige oder unbegründete Beschwerde ohne Verzug
der Vorinstanz und allfälligen Gegenparteien des Beschwerdeführers oder
anderen Beteiligten zur Kenntnis bringt, ihnen Frist zur Vernehmlassung
ansetzt und gleichzeitig die Vorinstanz zur Vorlage ihrer Akten auffordert.
Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung kann sie die Parteien auf jeder Stufe
des Verfahrens zu einem weiteren Schriftenwechsel einladen. Dasselbe
muss entsprechend auch für das vorinstanzliche Verfahren vor der ElCom
gelten, nicht zuletzt, weil der Anspruch auf rechtliches Gehör als zentrale
Garantie das Mitwirkungsrecht aller Verfahrensparteien umfasst, ihren
Standpunkt im Verfahren – wie vorliegend beispielsweise durch die Erhe-
bung der Verjährungseinrede – wirksam zur Geltung zu bringen (vgl.
ANDRÉ MOSER, in: Kommentar VwVG, Rz. 1 zu Art. 57 m.w.H.). Das Mitwir-
kungsrecht der Parteien bedingt, dass die Entscheidbehörde deren Vor-
bringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfin-
dung angemessen zu berücksichtigen hat. Dies gilt namentlich für alle
form- und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klä-
rung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen (statt
vieler: BGE 142 II 49 E. 9.2 und 136 I 184 E. 2.2.1; siehe auch GEROLD
STEINMANN, in: Die schweizerische Bundesverfassung, Kommentar,
3. Aufl. 2014, Rz. 42 zu Art. 29 BV; RHINOW ET AL., Öffentliches Prozess-
recht, 3. Aufl. 2014, Rz. 323, 327 f.; ferner KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013,
Rz. 1112 ff., 1118).
3.1.6 Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass das vorinstanzliche
Schreiben vom 6. August 2019 der Swissgrid AG infolge eines Adressie-
rungsfehlers nicht zugestellt werden konnte. Mit Blick auf das Prinzip der
Verfahrensfairness und den Grundsatz der Waffengleichheit erweist sich
das Vorgehen der Vorinstanz, das inhaltsgleiche Schreiben am 21. August
2019, welches die Swissgrid AG auf ihr Teilnahme- und Äusserungsrecht
hinweist, wiederholt zu verschicken, als verfahrensrechtlich geboten und
rechtskonform.
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Seite 11
3.1.7 Nach dem Gesagten ebenso nicht zu beanstanden – und in verfah-
rensrechtlicher Hinsicht nicht ungewöhnlich – ist die erneute Fristanset-
zung durch die Vorinstanz mit der Möglichkeit zur Stellungnahme bis zum
22. September 2019 und der in der Folge bis zum 4. Oktober 2019 bewil-
ligten Fristverlängerung, da deren Gewährung vor Ablauf der Frist auf ent-
sprechend begründetes Gesuch hin der Usanz von Verwaltungsbehörden
und Gerichten entspricht (vgl. Art. 22 Abs. 2 VwVG).
3.2 Weiter ist zu prüfen, ob die angefochtene Verfügung der ElCom vom
6. April 2020 in ordentlicher Besetzung ergangen ist oder nicht, und ob die
Beschwerdeführerin mit weiteren formellen Rügen betreffend das ihrer An-
sicht nach unfaire Verfahren vor der Vorinstanz durchdringt.
3.2.1
3.2.1.1 Die Beschwerdeführerin rügt nebst dem bereits Ausgeführten, die
angefochtene Verfügung stelle ein Präjudiz im Sinn einer Praxisänderung
dar und die Vorinstanz habe diesen Entscheid nicht in gehöriger Besetzung
gefällt. Zwar sehe das Geschäftsreglement der EICom die Beschlussfähig-
keit vor, wenn mindestens zwei Drittel der Kommissionsmitglieder anwe-
send seien. Diese von der Vorinstanz selber in Kraft gesetzte Bestimmung
widerspreche jedoch dem im Verwaltungsrecht geltenden Grundsatz, wo-
nach ein Gericht in voller Besetzung zu urteilen habe. Bei Praxisänderun-
gen gelte dies im Besonderen. Auch wenn zuvor ein analoger Entscheid
(Verfahren Nr. 236-01041, Verfügung vom 4. Juli 2019) ergangen sei, wo-
nach Ansprüche betreffend die Rückerstattung von Netzverstärkungskos-
ten einer fünfjährigen Verjährungsfrist unterlägen, werde mit dem ange-
fochtenen Entscheid diese Praxisänderung für die Beschwerdeführerin
erstmals ersichtlich. Was die EICom in offenbar vollständiger Besetzung
von sieben Mitgliedern schon am 4. Juli 2019 erstmals entschieden habe,
sei der Beschwerdeführerin im Zuge der vorgängigen Gesuchseinreichung
unbekannt gewesen. Dieser Entscheid sei erst später publik gemacht wor-
den. Die Verfügung vom 4. Juli 2019 im Verfahren Nr. 236-01041 sei zum
Zeitpunkt der Einreichung des Rückerstattungsgesuchs (noch) nicht vor-
gelegen. Die ElCom habe den Entscheid frühestens am 4. Juli 2019 publi-
zieren können.
3.2.1.2 Die Vorinstanz hält dem entgegen, die angefochtene Verfügung
vom 6. April 2020 sei zulässigerweise von sechs Kommissionsmitgliedern
verabschiedet worden, was der Beschwerdeführerin in einem Begleitbrief
so mitgeteilt worden sei. Die ElCom sei reglementsgemäss beschlussfähig,
wenn mindestens zwei Drittel der Kommissionsmitglieder anwesend seien.
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Seite 12
Weiter handle es sich bei der Beurteilung der Verjährung des Anspruchs
auf Vergütung von Netzverstärkungskosten nicht um eine Praxisänderung,
unter anderem da die EICom sich anlässlich des Verfahrens Nr. 236-01041
mit Verfügung vom 4. Juli 2019 erstmals mit der Verjährungsthematik be-
fasst und dort in vollständiger Besetzung von sieben Mitgliedern entschie-
den habe. Die Verjährung öffentlich-rechtlicher Ansprüche sei ein allgemei-
ner Rechtsgrundsatz, den es zu beachten gelte.
3.2.1.3 In Übereinstimmung damit äussert sich die Beschwerdegegnerin
dahingehend, dass die Vorinstanz bereits im Verfahren Nr. 236-01041 mit
Verfügung vom 4. Juli 2019 erstmals die Frage der Verjährung des An-
spruchs auf Rückerstattung von Netzverstärkungskosten entschieden
habe. Dies in Normalbesetzung beziehungsweise in Anwesenheit von sie-
ben Kommissionsmitgliedern. Demnach handle es sich bei der vorliegend
angefochtenen Verfügung nicht um ein Präjudiz. Ebenso gehe die Be-
schwerdeführerin fehl, wenn sie die gegenständlich angefochtene Verfü-
gung (wiederholt) als Praxisänderung bezeichne und gleichzeitig einen
Entscheid fordere, der in vollständiger Besetzung zu ergehen habe. Die
angefochtene Verfügung, welche in Abweichung der Normalbesetzung mit
sechs und nicht mit sieben Mitgliedern verabschiedet worden sei, entspre-
che den Vorgaben des Geschäftsreglements der ElCom und sei in dieser
Form zulässig.
3.2.2 Das Geschäftsreglement der ElCom sieht bezüglich der Beschluss-
fassung vor, dass die Vorinstanz beschlussfähig ist, wenn mindestens zwei
Drittel der Kommissionsmitglieder anwesend sind (Art. 15 Abs. 1 GR El-
Com). Sie fasst ihre Beschlüsse mit einfachem Mehr der Stimmenden. Der
Präsident oder die Präsidentin stimmt mit; bei Stimmengleichheit gibt er
oder sie den Stichentscheid (Art. 15 Abs. 3 GR ElCom). Zwar hat sie ihr
Geschäftsreglement selbst beschlossen, was in Art. 21 Abs. 4 StromVG
allerdings formell-gesetzlich so vorgesehen ist. Danach erlässt die ElCom
ein Reglement über ihre Organisation und Geschäftsführung, das der Ge-
nehmigung des Bundesrates bedarf. Dieses wurde am 21. November 2007
vom Bundesrat genehmigt. Inwiefern bei dieser Ausgangslage eine ausrei-
chende Delegationsnorm fehlen soll, ist nicht ersichtlich und wird von der
Beschwerdeführerin nicht weiter dargelegt. Auch existiert entgegen den
Ausführungen der Beschwerdeführerin kein allgemeiner Rechtsgrundsatz,
wonach ein Entscheid einer Verwaltungsbehörde oder eines Gerichts nur
in Gesamtbesetzung der maximal möglichen Zahl von Mitgliedern eines
Spruchkörpers zu ergehen hat. Zu beachten ist zudem, dass das Ge-
A-2593/2020
Seite 13
schäftsreglement der ElCom hinsichtlich der Besetzung keine Sonderre-
geln für eine allfällige Entscheidfindung von Fällen mit besonderer Trag-
weite oder für die Beantwortung von Fragen von grundsätzlicher Bedeu-
tung im Sinn eines Präjudizes vorsieht (vgl. dazu beispielsweise Art. 21
VGG oder Art. 20 BGG). Angesichts dessen ist der Umstand, dass die El-
Com die angefochtene Verfügung vom 6. April 2020 – unbesehen der mög-
lichen Tragweite – nicht mit sieben Kommissionsmitgliedern in Vollbeset-
zung erlassen, sondern zu sechst darüber befunden hat, nicht zu bean-
standen.
3.2.3 Sodann ist hinsichtlich der geltend gemachten Mangelhaftigkeit der
Publikation der Verfügung vom 4. Juli 2019 im Verfahren Nr. 236-01041
2019 darauf hinzuweisen, dass in Verwaltungsverfahren gemäss den Vor-
gaben der Verfassung der Grundsatz der Parteiöffentlichkeit vorherrscht.
Dies im Gegensatz zu Justizverfahren, die grundsätzlich einer breiteren
Publikums- und Medienöffentlichkeit zugänglich sein müssen (vgl. Art. 29
respektive Art. 30 Abs. 3 BV). Der Anspruch auf öffentliche Gerichtsver-
handlung und Urteilsverkündung gilt nur für Justizverfahren (vgl. STEIN-
MANN, a.a.O., Rz. 4 f. zu Art. 30 BV; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allge-
meines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 30 N 17 f.). In Übereinstimmung
damit findet das Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwal-
tung vom 17. Dezember 2004 (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ, SR 152.3) für
den Zugang zu amtlichen Dokumenten betreffend Verfahren der Staats-
und Verwaltungsrechtspflege keine Anwendung (vgl. Art. 3 Abs. 1 Bst. a
Ziff. 5 BGÖ). Art. 9 GR ElCom regelt sodann die Berichterstattung. Die El-
Com hat einen jährlichen Tätigkeitsbericht zu verfassen. Dieser wird von
der ElCom auf Antrag des Präsidenten oder der Präsidentin genehmigt und
anschliessend dem Bundesrat zur Kenntnis gebracht. Der Bericht befasst
sich insbesondere mit den im Berichtsjahr behandelten wichtigen Fragen
und Entscheidungen sowie den Zielen der ElCom. Die ElCom bestimmt
über Form und Umfang der Veröffentlichung. Weitere Normen zur Trans-
parenz finden sich nicht. Dennoch hat die ElCom die Verfügung vom 4. Juli
2019 im Verfahren Nr. 236-01041 auf ihrer Website veröffentlicht (abrufbar
unter: <https://www.elcom.admin.ch/elcom/de/home/dokumentation/ver-
fuegungen/verfuegungen-2019.html>). Sie verschafft damit dem Transpa-
renzgebot Nachachtung (vgl. Art. 1 BGÖ), ohne dazu in dieser Form ver-
pflichtet zu sein. Insofern besteht seitens der Beschwerdeführerin kein be-
dingungsloser Anspruch auf Orientierung, zumal es für sie im Ergebnis kei-
nen Unterschied macht, ob die ElCom die Frage der Verjährung von Netz-
verstärkungskosten bereits in einem anderen Fall entschieden hat oder
A-2593/2020
Seite 14
nicht, weil im Rahmen der Rechtsanwendung jeweils eine Prüfung des kon-
kreten Einzelfalls unter Gewährung des rechtlichen Gehörs aller involvier-
ten Verfahrensparteien erfolgt.
3.2.4 Im Zusammenhang mit den dargelegten Publikationsvorschriften ver-
bleibt der Vollständigkeit halber zur ebenfalls gerügten Praxisänderung zu
ergänzen, dass eine solche voraussetzt, dass überhaupt eine gefestigte
Praxis einer Verwaltungs- oder Gerichtsbehörde besteht, diese bei unver-
ändertem Wortlaut der Rechtsnorm einer Neubeurteilung unterzogen und
alsdann die bisherige Auslegung revidiert wird (vgl. Urteil des BGer
2C_509/2013 vom 8. Juni 2014 E. 2.4.2). Die Vorinstanz hat die Frage der
Verjährung von Netzverstärkungskosten erstmals mit Verfügung vom
4. Juli 2019 im Verfahren Nr. 236-01041 entschieden. Die darin begründete
Praxis hat sie in der angefochtenen Verfügung inhaltlich unverändert wei-
tergeführt, also ohne eine Abweichung in ihrer Rechtsauslegung vorzuneh-
men. Eine Praxisänderung kann bei einer solchen Ausgangslage per defi-
nitionem nicht vorliegen, da nach Fällung eines einzigen Entscheids zur
Frage der Verjährung weder von einer gefestigten Praxis noch von einer
Änderung derselben die Rede sein kann.
3.3 Zusammenfassend erweisen sich die von der Beschwerdeführerin vor-
gebrachten formellen Rügen als unbegründet; in verfahrensrechtlicher Hin-
sicht ist das von der ElCom durchgeführte vorinstanzliche Verfahren nicht
zu beanstanden.
4.
In materieller Hinsicht ist zwischen den Verfahrensparteien umstritten,
nach welchen Regeln sich die Verjährung des Anspruchs auf Rückvergü-
tung von Netzverstärkungskosten bemisst und, abhängig vom anwendba-
ren Recht, ob die Verjährungsfrist fünf oder zehn Jahre beträgt.
4.1
4.1.1 Mit Blick auf die Frage, welches Recht bei der Beurteilung des vorlie-
genden Sachverhalts anzuwenden ist, erwog die Vorinstanz in der ange-
fochtenen Verfügung vom 6. April 2020 zunächst in intertemporaler Hin-
sicht, dass das Anschlussgesuch betreffend die streitbetroffene PV-Anlage
am 17. Mai 2013 gestellt und von der politischen Gemeinde B. _
am 24. Juni 2013 bewilligt worden sei. Nach Ausführung der ersten Baue-
tappe sei die PV-Anlage am 6. Dezember 2013 in Betrieb genommen wor-
den. Die damit verbundenen Kosten für die Erstellung der Erschliessungs-
leitung und der Netzverstärkungen stammten aus dem Zeitraum zwischen
A-2593/2020
Seite 15
dem 11. Dezember 2013 und dem 5. März 2014. Für die Beurteilung des
Kostenrückerstattungsgesuchs komme daher das zu diesem Zeitpunkt gel-
tende Recht zur Anwendung.
4.1.2 Weiter seien in materieller Hinsicht unter Berücksichtigung mehrerer
energierechtlicher Gesetzesverweisungen die Regeln des Subventionsge-
setzes einschlägig. Dies begründet die Vorinstanz in der angefochtenen
Verfügung damit, dass das Stromversorgungs- und Energierecht keine
Vorgaben zur Verjährung enthalte, öffentlich-rechtliche Ansprüche aber
selbst beim Fehlen einer ausdrücklichen Gesetzesbestimmung der Verjäh-
rung und Verwirkung unterlägen. Würden diesbezügliche Vorschriften feh-
len, sei auf Regeln abzustellen, die der Gesetzgeber im öffentlichen Recht
für verwandte Tatbestände aufgestellt habe. Als solcher falle vorderhand
Art. 17d der Energieverordnung vom 7. Dezember 1998 in der Fassung
vom 1. Juni 2011 (aEnV, AS 2011 1955; in dieser Fassung in Kraft gewesen
bis zum 31. Mai 2015) betreffend die Entschädigung für Sanierungsmass-
nahmen bei Wasserkraftwerken in Betracht. Nach dessen Abs. 1 könne der
Inhaber eines Wasserkraftwerks für Sanierungsmassnahmen nach
Art. 83a des Gewässerschutzgesetzes vom 24. Januar 1991 (GSchG,
SR 814.20) oder solche nach Art. 10 des Bundesgesetzes vom 21. Juni
1991 über die Fischerei (BGF, SR 923.0) bei der zuständigen kantonalen
Behörde ein Gesuch um Erstattung der Sanierungskosten einreichen. Eine
ausdrückliche Verjährungsregelung enthalte zwar auch Art. 17d aEnV
nicht. Gemäss Abs. 8 dieser Norm werde aber im Übrigen für das Verfahren
bei der Entschädigung für Sanierungsmassnahmen von Wasserkraftwer-
ken auf 3. Kapitel des Subventionsgesetzes verwiesen. Dieses regele mit-
unter die Frage der Verjährung und bestimme, dass Forderungen aus Fi-
nanzhilfe- und Abgeltungsverhältnissen bereits nach fünf Jahren verjährten
(Art. 32 Abs. 1 SuG).
4.1.3 Im Rahmen des Schriftenwechsels vor Bundesverwaltungsgericht
hielt die Vorinstanz an der soeben dargelegten Rechtsauffassung fest und
verwies dazu auf die entsprechenden Erwägungen der angefochtenen Ver-
fügung vom 6. April 2020.
4.2
4.2.1 Die Beschwerdeführerin ihrerseits vertritt in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz die Auffassung, die einschlägigen energierechtlichen Rechts-
quellen enthielten keine Regeln zur Verjährung und Verwirkung.
A-2593/2020
Seite 16
4.2.2 In intertemporaler Hinsicht hebt die Beschwerdeführerin hervor, dass
die Vorinstanz diejenigen Normen anzuwenden habe, die im Zeitpunkt gal-
ten, in dem sich der massgebliche Sachverhalt verwirklichte. Dies müsse
denn auch für die Regeln zur Verjährung gelten. Sie selbst habe am
28. Mai 2019 das Gesuch um Erstattung der Netzverstärkungskosten ein-
gereicht. Die Vorinstanz habe die Frage der Verjährung von Netzverstär-
kungskosten im Rahmen einer erstmaligen Praxisänderung in Form einer
vom 4. Juli 2019 datierenden Verfügung in einem anderen Fall im Verfah-
ren Nr. 236-01041 beantwortet und sei dabei von einer fünfjährigen Verjäh-
rungsfrist ausgegangen; also erst nach der Gesuchseinreichung durch die
Beschwerdeführerin, die am 28. Mai 2019 erfolgt sei. Dass die Vorinstanz
die Abweisung des vorliegenden Rückerstattungsgesuchs nun gestützt auf
die Begründung des erst am 4. Juli 2019 ergangenen Entscheids abstütze,
verstosse gegen das Verbot der Rückwirkung und die von der Vorinstanz
selbst zitierten Ausführungen. Eine verbotene Rückwirkung liege hier vor,
weil zum Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs der Beschwerdeführerin
der Entscheid der Praxisänderung noch gar nicht gefällt gewesen sei. Ent-
scheidend sei einerseits das Datum der Praxisänderung und andererseits
dasjenige der Einreichung des Gesuchs. Wäre das Gesuch unmittelbar
nach Einreichung bearbeitet worden, hätte vor dem 4. Juli 2019 ein positi-
ver Entscheid erfolgen können. Die Dauer der Bearbeitung des Gesuchs
dürfe aber keinen Einfluss auf den Verfahrensausgang zeitigen. Es sei
zwingend auf das Datum der Einreichung des Gesuchs abzustellen und
nach dannzumal geltendem Recht und dannzumal geltender Praxis zu ent-
scheiden. Dies hätte vorliegend zur Gutheissung des Kostenrückerstat-
tungsgesuchs geführt. In der Praxis werde z.B. bei Gesetzesänderungen
im Baurecht immer auf dasjenige Recht abgestellt, das bei Einreichung des
Baugesuchs in Kraft gewesen sei. In analoger Anwendung sei auf die Ver-
jährungspraxis abzustellen, die bei Einreichung des Gesuchs gegolten
habe.
4.2.3 In materieller Hinsicht ist die Beschwerdeführerin ferner der Ansicht,
es existierten keine mit der Rückerstattung von Netzverstärkungskosten
verwandten Tatbestände. Namentlich könne zwischen der Sanierung von
Wasserkraftwerken und der Rückerstattung von Netzverstärkungskosten
keine Parallele gezogen werden, da es sich hierbei um völlig unterschied-
liche Sachverhalte handle, die sich inhaltlich nicht miteinander vergleichen
liessen. Eine sinngemässe Anwendung des Subventionsgesetzes sei so-
mit ausgeschlossen. Vielmehr seien mangels entsprechender Regelungen
die allgemeinen zivilrechtlichen Grundsätze über die Verjährung gemäss
A-2593/2020
Seite 17
Art. 127 f. des Bundesgesetzes vom 30. März 1911 betreffend die Ergän-
zung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationen-
recht, OR, SR 220) heranzuziehen, wonach für einmalige Leistungen eine
zehnjährige und für periodische eine fünfjährige Verjährungsfrist gelte. Vor-
liegend handle es sich bei der Rückerstattung von Netzverstärkungskosten
unstreitig um eine einmalige Leistung, weswegen die Vorinstanz hätte zum
Schluss kommen müssen, dass eine zehnjährige Verjährungsfrist Anwen-
dung finde, zumal sie über keine Rechtssetzungskompetenz für eine davon
abweichende Regelung verfüge. Diese Frist beginne denn auch erst mit
Abschluss der Arbeiten der zweiten Bauetappe im Jahr 2017 zu laufen.
4.2.4 Im Übrigen bringt die Beschwerdeführerin vor, sie habe keinerlei An-
haltspunkte gehabt, eine Verjährungsfrist von fünf Jahren anzunehmen, da
sich aus den regelmässig erscheinenden Weisungen der ElCom nichts
habe entnehmen lassen, was auf die explizite oder analoge Anwendung
einer Verjährungsfrist von fünf Jahren deuten würde. Sie habe auf die An-
wendung der allgemeinen Grundsätze und damit die Verjährungsfrist von
zehn Jahren vertrauen dürfen.
4.3
4.3.1 Die beschwerdegegnerische Swissgrid AG bringt dagegen vor, der
Verweis der Beschwerdeführerin auf eine unzulässige Rückwirkung sei
verfehlt, da sich die Thematik der Rückwirkung ausschliesslich auf Erlasse
beschränke. Dass die Vorinstanz ihre mit Verfügung vom 4. Juli 2019 be-
gründete Praxis zur Verjährung von Rückvergütungskosten für Netzver-
stärkungen auch auf andere, gleichgelagerte Gesuche anwende, stelle kei-
nesfalls eine unzulässige Rückwirkung dar, sondern stehe im Einklang mit
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, denn eine neue Rechtspraxis
sei sofort und überall anzuwenden. Sie gelte nicht nur für künftige, sondern
für alle im Zeitpunkt der Änderung noch hängigen Fälle. Demzufolge wirke
sich die erstmalig mit Verfügung vom 4. Juli 2019 festgelegte Praxis zur
Verjährung von Netzverstärkungskosten unmittelbar auf alle nachfolgen-
den und noch nicht rechtskräftig entschiedenen Sachverhalte – ein-
schliesslich der Beurteilung des am 28. Mai 2019 durch die Beschwerde-
führerin eingereichten Kostenrückerstattungsgesuchs – aus.
4.3.2 Ferner gibt die Swissgrid AG zu bedenken, dass sowohl die bundes-
gerichtliche Rechtsprechung als auch die herrschende Lehre vorsähen,
dass bei Fehlen gesetzlicher Bestimmungen über Verjährungsfristen pri-
mär auf öffentlich-rechtliche Regelungen für verwandte Sachverhalte ab-
zustellen sei. Bei der Findung der anwendbaren Verjährungsfrist handle es
A-2593/2020
Seite 18
sich nicht um einen gesetzgeberischen Akt, sondern um Rechtsanwen-
dung, weshalb die Ausführungen der Beschwerdeführerin zur fehlenden
Gesetzgebungskompetenz der Vorinstanz nicht zielführend seien. Die pri-
vatrechtlichen Verjährungsfristen – insbesondere die Verjährungsfrist von
zehn Jahren bei einmaligen Leistungen – kämen nur subsidiär zu Anwen-
dung. Die mit Verfügung vom 4. Juli 2019 im Verfahren Nr. 236-01041 be-
gründete Praxis der Vorinstanz zur Anwendung einer fünfjährigen Verjäh-
rungsfrist für Forderungen um Rückvergütung von Netzverstärkungskosten
sei sowohl nachvollziehbar als auch sachgerecht und bewege sich inner-
halb des vorinstanzlichen Ermessensspielraums. Der Vorinstanz sei zu fol-
gen, wenn sie ausführe, dass wie der Inhaber eines Wasserkraftwerks für
Sanierungsmassnahmen nach Art. 17d aEnV auch der Netzbetreiber für
notwendige Netzverstärkungen im Sinne von Art. 22 Abs. 3 StromVV um
Erstattung der Kosten ersuchen könne, welche ihm aufgrund einer gesetz-
lichen Verpflichtung vorzunehmenden Aufwendung entstünden. Die beiden
Sachverhalte seien durchaus vergleichbar, weshalb es sachgerecht er-
scheine, auf Vergütungsforderungen für Netzverstärkungen analog zu
Art. 17d aEnV eine fünfjährige Verjährungsfrist anzuwenden. Die von der
Beschwerdeführerin vorgebrachte Argumentation, wonach keine gleichge-
lagerten Sachverhalte vorliegen würden, überzeuge nicht. Unterschiedli-
che Restriktionen in Bezug auf Natur- oder Tierschutz führten nicht dazu,
Sachverhalte betreffend die Erstattung von Kosten unterschiedlich zu be-
urteilen. Ebenso wenig führe der andersartige Verfahrensablauf – bei Sa-
nierungsmassnahmen von Wasserkraftwerken obliege der erstinstanzliche
Entscheid einer kantonalen Behörde, bei Netzverstärkungskosten hinge-
gen einer Bundesbehörde – zu einer begründeten Divergenz. Tatsache sei,
dass sowohl die Bestimmungen zur Vergütung von Sanierungsmassnah-
men bei Wasserkraftwerken als auch die Regelungen zur Abgeltung von
Netzverstärkungskosten bei Erstellung von PV-Anlagen ihre Rechtsgrund-
lage in einem Bundesgesetz hätten, weshalb die Vorinstanz in der Folge
zu Recht von einer fünfjährigen Verjährungsfrist ausgegangen sei.
4.3.3 Hinsichtlich der Frage eines allfälligen Vertrauensschutztatbestands
führt die Beschwerdegegnerin aus, dass sowohl die Weisung 2/2015 als
auch die Weisung 1/2019 keine Erwägungen zur Thematik der Verjährung
beinhalten würden und entsprechend auch keine Anhaltspunkte hinsicht-
lich der Verjährungsfrist aufweisen könnten. Die in der Weisung 2/2015 er-
wähnten Jahresangaben würden anderweitige Themenbereiche regeln
und könnten demzufolge nicht als Vertrauensgrundlage in Bezug auf die
Verjährungsfrist herangezogen werden. Aufgrund der zeitlichen Abfolge sei
sodann einleuchtend, dass die vom 4. Juli 2019 datierende Verfügung im
A-2593/2020
Seite 19
Verfahren Nr. 236-01041 der Vorinstanz (noch) keinen Eingang in die er-
wähnten und für die Netzverstärkung einschlägigen Weisungen vom Jahr
2015 beziehungsweise 2019 gefunden habe. Erst in diesem Verfahren
habe sich die Vorinstanz erstmals mit der Einrede der Verjährung konfron-
tiert gesehen und habe zu dieser Thematik einen Entscheid fällen müssen.
Aufgrund der fehlenden Regelung zur Verjährung in der Stromversor-
gungsgesetzgebung habe sie im Einklang mit der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung und der herrschenden Lehre eine fünfjährige Verjäh-
rungsfrist angewandt.
4.4 Gemäss den vom Bundesgericht entwickelten intertemporalrechtlichen
Grundsätzen ist die Rechtmässigkeit von Verwaltungsakten mangels einer
anderslautenden Regelung grundsätzlich nach der Rechtslage im Zeit-
punkt ihres Ergehens zu beurteilen. Massgebend ist mit anderen Worten
das zum Zeitpunkt der erstmaligen verwaltungsrechtlichen Beurteilung in
Kraft stehende Recht. Dieser Grundsatz greift allerdings erst dann, wenn
eine anderslautende Regelung fehlt (vgl. BGE 139 II 243 E. 11.1; siehe
ferner Urteile des BGer 2D_10/2020 vom 14. Januar 2020 E. 2.2 und
1C_23/2014 vom 24. März 2015 E. 7.4.2 f., je m.w.H.). Weder die StromVV
noch das StromVG enthalten entsprechende Regeln betreffend die Rück-
vergütung von Netzverstärkungskosten. Für das Vorliegen einer möglich-
erweise anderslautenden Regelung ist indes das Subventionsgesetz zu
konsultieren. Laut Art. 36 SuG werden Gesuche um Finanzhilfen und Ab-
geltungen nach dem im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung geltenden
Recht beurteilt, wenn die Leistung vor der Erfüllung der Aufgabe verfügt
wird (Bst. a), oder nach dem zu Beginn der Aufgabenerfüllung geltenden
Recht, wenn die Leistung nachher zugesprochen wird (Bst. b). Vor diesem
Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Rückerstattung von Netzverstär-
kungskosten eine Finanzhilfe oder eine Abgeltung im Sinn des Subventi-
onsgesetzes darstellt, was im Folgenden näher zu prüfen ist.
4.4.1 Das Subventionsgesetz erwähnt den Begriff Subvention nur im Titel
und verwendet ihn als Oberbegriff für die im Gesetz vorgesehenen beiden
Formen der Subvention, nämlich die Finanzhilfen und die Abgeltungen
(Art. 2 Abs. 1 SuG). Nach dem allgemeinen Sprachgebrauch zeichnen sich
Subventionen dadurch aus, dass es sich um Zuwendungen handelt, wel-
che beim Empfänger eine Einnahme bilden und über die er damit verfügen
kann. An diesen normalen Sprachgebrauch lehnen sich die Ausführungen
in der Botschaft vom 15. Dezember 1986 zum Bundesgesetz über Finanz-
hilfen und Abgeltungen (nachfolgend: Botschaft SuG) an, wonach der in
der Botschaft verwendete Begriff der Subvention alles umfasse, was im
A-2593/2020
Seite 20
Bundesrecht "als Beitrag, Finanzhilfe, Abgeltung, Beihilfe, zinsfreies oder
zinsvergünstigtes Darlehen, Subvention, Prämie, Stipendien, Unterstüt-
zung und ähnliches bezeichnet" werde (BBl 1987 I 369 ff., 371). Es handelt
sich bei der Subvention also um einen wirtschaftlichen Begriff. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zielt der Subventionsgeber mit der
Gewährung der Subvention nicht auf die Herstellung eines bestimmten Zu-
standes ab, sondern er will damit beim Subventionsempfänger ein be-
stimmtes Verhalten hervorrufen oder unterstützen. Für die Subvention ist
wesentlich, dass sich der Empfänger in einer Weise verhält und Aufgaben
erfüllt, die dem mit der Subventionierung verfolgten öffentlichen Zweck ent-
sprechen und zur Verwirklichung dieses Zweckes geeignet scheinen. Ab-
gesehen von dieser Verhaltensbindung steht der Subvention aber keine
entsprechende, wirtschaftlich gleichwertige Gegenleistung gegenüber. Aus
diesem Grund fallen Leistungen, die im Rahmen eines Austauschverhält-
nisses erbracht werden wie z.B. eines Kaufvertrags, Werkvertrags oder
Auftrags nicht unter den Begriff der Subvention. Ob ein bestimmter Mittel-
fluss unter diesen Begriff fällt, ist im Einzelfall und unabhängig von der Be-
zeichnung des Mittelflusses zu entscheiden (vgl. BGE 141 II 182 E. 3.5 und
140 I 153 E. 2.5.4; Urteile des BGer 2C_233/2019 vom 29. August 2019
E. 5.4 und 2C_105/2008 vom 25. Juni 2008 E. 3.2, je m.w.H.; ferner Urteil
des BVGer A-2798/2016 vom 30. Mai 2017 E. 3.6.3 f.).
4.4.1.1 Art. 3 Abs. 1 SuG definiert Finanzhilfen als geldwerte Vorteile, die
Empfängern ausserhalb der Bundesverwaltung gewährt werden, um die
Erfüllung einer vom Empfänger gewählten Aufgabe zu fördern oder zu er-
halten. Nur wenn der Subventionsempfänger die Tätigkeit freiwillig ausübt,
liegt nach dem Subventionsgesetz eine Finanzhilfe vor. Das kommt im
Wortlaut von Art. 3 Abs. 1 SuG zum Ausdruck, wonach die Finanzhilfe "die
Erfüllung einer vom Empfänger (selbst) gewählten Aufgabe zu fördern oder
zu erhalten" sucht. Freiwillig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der
Empfänger aus rechtlicher Sicht frei ist, zu entscheiden, ob er die Tätigkeit
ausüben will oder nicht; er ist nicht vertraglich oder gesetzlich verpflichtet,
bestimmte Leistungen zu erbringen (vgl. Urteil des BGer 2A.273/2004 vom
1. September 2005 E. 2.2). Die Subventionierung erfolgt vielmehr, weil der
Empfänger eine im öffentlichen Interesse liegende Tätigkeit oder Aufgabe
wahrnimmt, die das Gemeinwesen fördern oder erhalten will. Diese Ver-
haltensbindung ist ein für die Subvention charakteristisches Merkmal (vgl.
Botschaft SuG, BBl 1987 I 382 f., siehe ferner LIVIO BUNDI, System und
wirtschaftsverfassungsrechtliche Zulässigkeit von Subventionen in der
Schweiz und von Beihilfen in der EU, Luzerner Beiträge zur Rechtswissen-
schaft Bd. 105, Diss. Luzern, Zürich/Basel/Genf 2016, S. 10 f.).
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Seite 21
4.4.1.2 Als Abgeltungen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 SuG gelten Leistungen
an Empfänger ausserhalb der Bundesverwaltung zur Milderung oder zum
Ausgleich von finanziellen Lasten, die sich entweder aus der Erfüllung von
bundesrechtlich vorgeschriebenen Aufgaben ergeben (Bst. a) oder bei de-
nen öffentlich-rechtliche Aufgaben dem Empfänger vom Bund übertragen
worden sind (Bst. b). Im Unterschied zu den Finanzhilfen bezwecken Ab-
geltungen nicht eine Verhaltensbindung, sondern die Entschädigung von
finanziellen Lasten einer rechtlichen Verpflichtung. Dabei muss die Ver-
pflichtung zur Erfüllung einer öffentlich-rechtlichen Aufgabe oder die Über-
tragung derselben in einem Gesetz vorgesehen sein, wobei die Übertra-
gung selbst auf verschiedene Arten, etwa durch Rechtsetzung, Schaffung
einer Institution des öffentlichen Rechts im Gesetz sowie durch Vertrag
oder Konzession, erfolgen kann. Wie bei der Finanzhilfe ist auch für Abgel-
tungen kennzeichnend, dass ihnen kein Leistungsaustausch zugrunde
liegt. Die Abgeltung ist nicht das Entgelt für eine Leistung, sondern sie soll
die finanziellen Lasten ausgleichen oder mildern, die dem Empfänger aus
der Verpflichtung zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben erwachsen (vgl. Urteil
des BGer 2C_826/2016 vom 6. April 2018 E. 2.3, siehe ferner BUNDI,
a.a.O., S. 12 f.).
4.4.2 Bei der Beurteilung der Frage, ob die Rückvergütung von Netzver-
stärkungskosten eine Subvention darstellen, gilt es weitere Aspekte zu be-
rücksichtigen:
4.4.2.1 Hinsichtlich des öffentlichen Interesses an der Rückvergütung von
Netzverstärkungskosten, die notwendigerweise anfallen, um die Netzein-
speisung einer grösseren Menge von Sonnenenergie zu ermöglichen, ist
auch der übergeordnete Rechtsrahmen zu beachten, der allgemein für die
Förderung erneuerbarer Energien gilt. Laut Art. 89 Abs. 1 BV setzen sich
der Bund und die Kantone im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für eine um-
weltverträgliche Energieversorgung ein. Überdies legt der Bund Grund-
sätze fest über die Nutzung einheimischer und erneuerbarer Energien und
über den sparsamen und rationellen Energieverbrauch (Art. 89 Abs. 2 BV).
In Umsetzung dessen ist per 1. Januar 2018 mit der Revision des EnG, der
Energieverordnung vom 1. November 2017 (EnV, SR 730.01) und mit Er-
lass der Verordnung über die Förderung der Produktion von Elektrizität aus
erneuerbaren Energien vom 1. November 2017 (Energieförderungsverord-
nung, EnFV, SR 730.03) das erste Massnahmenpaket zur Energiestrategie
2050 in Kraft getreten. So statuiert Art. 1 Abs. 2 Bst. c EnG als Ziel die
verstärkte Nutzung von einheimischen und erneuerbaren Energien. Laut
Art. 19 Abs. 1 EnG sind Netzbetreiber grundsätzlich – unter Beachtung hier
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Seite 22
nicht näher interessierender Vorgaben – verpflichtet, in ihrem Netzgebiet
die gesamte Elektrizität, die aus Neuanlagen durch die Nutzung von Was-
serkraft, Sonnenenergie, Windenergie, Geothermie und Biomasse gewon-
nen wird, in einer für das Netz geeigneten Form abzunehmen und zu ver-
güten, sofern sich diese Neuanlagen für den Betrieb am betreffenden
Standort eignen.
4.4.2.2 Gemäss Art. 10 Abs. 3 Satz 3 EnV richtet sich die Vergütung der
Kosten für notwendige Netzverstärkungen nach Art. 22 Abs. 3 StromVV.
Wie vorgängig bereits dargelegt (siehe vorne E. 3.1.3), sieht Art. 22 Abs. 3
StromVV vor, dass Netzverstärkungen, die zur Einspeisung von elektri-
scher Energie notwendig werden, zu den Systemdienstleistungen der na-
tionalen Netzgesellschaft, der Swissgrid AG, gehören. Die Ausbezahlung
der Vergütungen für notwendige Netzverstärkungen setzen laut Art. 22
Abs. 4 StromVV eine Bewilligung in Form einer durch die ElCom zu erlas-
senden Verfügung voraus. Sind die materiellen Voraussetzungen für eine
Rückvergütung erfüllt, bestimmt Art. 22 Abs. 5 StromVV, dass die nationale
Netzgesellschaft dem Netzbetreiber gestützt auf die Bewilligung der ElCom
die Kosten für die notwendigen Netzverstärkungen vergütet.
4.4.2.3 Es steht der jeweiligen Grundeigentümerin frei, ob sie sich zum Bau
einer PV-Anlage entscheidet oder nicht. Anders verhält es sich hingegen
beim Ausführen der Netzverstärkung. Sind die materiellen Voraussetzun-
gen für die Netzverstärkung gegeben – was vorliegend unstrittig ist und
auch nicht Teil des Streitgegenstands bildet –, besteht kein Entscheidungs-
spielraum des Netzbetreibers, ob die Netzverstärkung tatsächlich erfolgen
soll oder nicht. Die Netzbetreiber sind verpflichtet, die Energieerzeugungs-
anlage mit dem technisch und wirtschaftlich günstigsten Netzanschluss-
punkt so zu verbinden, dass die Einspeisung und der Bezug von Energie
sichergestellt sind (Art. 10 Abs. 3 Satz 1 EnV in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2
StromVG). Es handelt sich dabei um eine ihnen übertragene öffentlich-
rechtliche Aufgabe, die sich auf das öffentliche Interesse der Gewinnung
und Nutzung erneuerbarer Energien stützt (siehe dazu vorne E. 4.4.2.1).
4.4.2.4 Ebenso wenig wie die Netzbetreiberin bei der Ausführung der Netz-
verstärkung verfügt die nationale Netzgesellschaft über einen Ermessens-
spielraum bei der Rückvergütung, wenn die hierfür geltenden materiellen
Voraussetzungen erfüllt sind (siehe Näheres dazu in der Weisung 1/2019
der ElCom vom 15. Januar 2019 betreffend Netzverstärkungen). Gestützt
auf eine Bewilligung der ElCom hat die Swissgrid AG der Netzbetreiberin
die Kosten für die notwendigen Netzverstärkungen zu vergüten (vgl. Art. 22
A-2593/2020
Seite 23
Abs. 3 und Abs. 5 StromVV). Sinn und Zweck dieser Regelung stimmen
insofern mit den soeben beschriebenen Netzanschlusspflichten seitens der
Netzbetreiberinnen überein, da es sich in beiden Fällen nicht um einen Er-
messensentscheid handelt.
4.4.3 Im konkreten Fall zeigt sich bei der subventionsrechtlichen Einord-
nung der Rückvergütung von Netzverstärkungskosten Folgendes:
4.4.3.1 Die politische Gemeinde B. _ bildet selbstredend nicht Teil
der Bundesverwaltung. Als Betreiberin des Elektrizitätswerks B. _
nimmt die Beschwerdeführerin die Stellung einer Netzbetreiberin ein, wel-
che die eidgenössischen Vorgaben zur Netzanschlusspflicht zu beachten
hat. Es handelt sich dabei nicht um eine freiwillige Ausübung einer Tätig-
keit, die im öffentlichen Interesse liegt, sondern um den Vollzug bundes-
rechtlicher Vorgaben. Mangels Freiwilligkeit beim Erfüllen der Netzan-
schlusspflicht kann die Rückvergütung der Netzverstärkungskosten nicht
als Finanzhilfe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 SuG gelten.
4.4.3.2 Vielmehr dient die Rückvergütung der Netzverstärkungskosten
dazu, die Netzbetreiberin bei den ihr bundesrechtlich auferlegten öffentlich-
rechtlichen Aufgaben finanziell zu unterstützen, indem ihr die ausgelegten
Kosten, die für die Netzverstärkung notwendigerweise bereits anfielen, auf
entsprechendes Gesuch hin nach Bewilligung durch die ElCom von der
Swissgrid AG zurückzuerstatten. Dies führt, subventionsrechtlich gespro-
chen (vgl. Art. 3 Abs. 2 SuG), zu einer "Milderung" der von ihr als Netzbe-
treiberin zu tragenden Kosten. Die Rückerstattung von Netzverstärkungs-
kosten stellt einen finanziellen Ausgleich für die Erfüllung der ihr übertra-
genen Netzanschlusspflicht dar, sodass die Netzbetreiberin im Endeffekt
die Netzverstärkung zwar administrativ zu begleiten und auszuführen, nicht
aber wirtschaftlich zu tragen hat. Aus diesem Grund ist eine auf Art. 22
Abs. 3 und Abs. 5 StromVV basierende Rückerstattungszahlung als Abgel-
tung im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Bst. a SuG zu qualifizieren.
4.4.4 Die rechtliche Qualifikation der Rückerstattung von Netzverstär-
kungskosten als Abgeltung im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Bst. a SuG hat ei-
nerseits zur Folge, dass der Anwendungsbereich des Subventionsgeset-
zes mit Blick auf Art. 2 Abs. 1 SuG eröffnet ist, und andererseits, dass das
auf den vorliegenden Sachverhalt anwendbare Recht mangels anderslau-
tender spezialgesetzlicher Regeln (vgl. Art. 2 Abs. 2 SuG) gestützt auf
Art. 36 SuG zu ermitteln ist.
A-2593/2020
Seite 24
4.4.5 Die Netzverstärkung wurde ausgeführt, bevor die Rückvergütung der
Beschwerdeführerin zugesichert beziehungsweise verweigert wurde. Die
ElCom entschied erst mit Verfügung vom 6. April 2020 über die Leistung
der Rückvergütung beziehungsweise die Nichtgewährung der Abgeltung.
Gemäss Art. 36 Bst. b SuG werden Gesuche um Finanzhilfen und Abgel-
tungen nach dem zu Beginn der Aufgabenerfüllung geltenden Recht beur-
teilt, wenn die Leistung – wie vorliegend – nachher zugesprochen (bezie-
hungsweise verweigert) wird.
4.5 In materiell-rechtlicher Hinsicht verbleibt die Frage zu beantworten,
nach welchen Regeln sich die Verjährung der Rückerstattung von Netzver-
stärkungskosten bemisst.
4.5.1 Gemäss der von allen Verfahrensparteien zitierten bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung ist die Verjährung ein allgemeiner Rechtsgrundsatz
des öffentlichen Rechts, weshalb öffentlich-rechtliche Ansprüche selbst
beim Fehlen einer ausdrücklichen Gesetzesbestimmung der Verjährung
oder Verwirkung unterliegen. Fehlen Vorschriften zur Verjährung, so hält
sich der Richter vorab an die Regeln, die der Gesetzgeber im öffentlichen
Recht für verwandte Tatbestände aufgestellt hat; mangels entsprechender
Regelungen sind die allgemeinen (zivilrechtlichen) Grundsätze über die
Verjährung heranzuziehen, wonach für einmalige Leistungen eine zehnjäh-
rige, für periodische eine fünfjährige Frist gilt (statt vieler: BGE 140 II 384
E. 4.2 m.w.H.).
4.5.2 Zwar ist die Verjährung der Rückerstattung von Netzverstärkungs-
kosten unbestritten nirgends ausdrücklich geregelt. Zu beachten ist jedoch,
dass die Rückerstattung von Netzverstärkungskosten als Abgeltung im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Bst. a SuG zu qualifizieren ist und sich ihre Verjäh-
rung aufgrund der integralen Anwendbarkeit des Subventionsgesetzes
(vgl. Art. 2 Abs. 1 SuG) nach Art. 32 SuG bemisst.
4.5.3 Laut Art. 32 Abs. 1 SuG verjähren Forderungen aus Finanzhilfe- und
Abgeltungsverhältnissen – abweichend von den allgemeinen zivilrechtli-
chen Verjährungsfristen im Sinne von Art. 127 f. OR – nach fünf Jahren
(siehe dazu auch BUNDI, a.a.O., S. 77 f.). Dasselbe gilt entsprechend im
vorliegenden Fall für das am 28. Mai 2019 von der politischen Gemeinde
B. _ eingereichte Gesuch um Rückerstattung der Netzverstär-
kungskosten in der Höhe von Fr. 64'577.75.
A-2593/2020
Seite 25
4.5.4 Die Bestimmung von Art. 32 Abs. 1 SuG gilt seit Inkrafttreten des
Subventionsgesetzes im Jahr 1990 unverändert (AS 1991 857 ff., 867). Auf
die von der Beschwerdeführerin erhobenen Rügen des Rückwirkungsver-
bots ist damit nicht näher einzugehen, zumal sich das Rückwirkungsverbot
gegen die Anwendung neuer Gesetzesbestimmungen auf Sachverhalte,
die vor Inkrafttreten des Erlasses abgeschlossen waren, richtet (vgl.
BGE 130 I 26 E. 8.1; Urteil des BGer 2C_340/2020 vom 16. September
2020 E. 6.1; siehe ferner HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwal-
tungsrecht, 8. Aufl. 2020, N 268; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemei-
nes Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 24 N 23) und vorliegend keine
Rechtsänderung erfolgte, sondern lediglich eine strittige Rechtsfrage im
Sinn der Rechtsanwendung zu klären ist. Zudem sind – gerade auch mit
Blick auf die von der Beschwerdeführerin zitierten Weisungen der ElCom
(siehe dazu vorne E. 4.3.3) – keine Zusicherungen oder andere Vertrau-
ensgrundlagen ersichtlich, aufgrund derer die Beschwerdeführerin von
einer zehnjährigen Verjährungsfrist hätte ausgehen dürfen.
4.5.5 Damit gelangt das Bundesverwaltungsgericht hinsichtlich der an-
wendbaren Verjährungsfrist von fünf Jahren zum selben Ergebnis wie die
Vorinstanz, auch wenn es diese Rechtsauffassung nicht gestützt auf den
Vergleich zwischen der Rückerstattung von Netzverstärkungskosten und
derjenigen für die Sanierung von Wasserkraftwerken abstützt, sondern ba-
sierend auf der Qualifikation der Rückerstattungszahlung als subventions-
rechtliche Abgeltung herleitet. Es handelt sich dabei um eine rechtspre-
chungsgemäss zulässige Motivsubstitution, zumal die Parteien sich sowohl
einlässlich zur Anwendbarkeit des SuG als auch zu derjenigen des OR
äussern konnten und insofern mit dem vorliegenden Entscheid rechnen
mussten (siehe dazu vorne E. 2).
4.6 Schliesslich ist zu prüfen, auf welchen Zeitpunkt hin die fünfjährige Ver-
jährungsfrist für die Rückerstattung von Netzverstärkungskosten zu laufen
beginnt.
4.6.1
4.6.1.1 Die Vorinstanz vertritt verkürzt dargestellt die Ansicht, die Verjäh-
rung habe mit Kenntnisnahme der letzten Rechnung, die vom 5. März 2014
datiere und am 10. März 2014 bei der Beschwerdeführerin eingegangen
sei, zu laufen begonnen. Die Beschwerdegegnerin teilt diese Auffassung
in ihrer Beschwerdeantwort vom 29. Juni 2020.
A-2593/2020
Seite 26
4.6.1.2 Die Beschwerdeführerin ist dementgegen zusammengefasst der
Ansicht, das Abstellen auf den Zeitpunkt der Kenntnisnahme der letzten
Rechnung sei untauglich, weil damals noch nicht absehbar gewesen sei,
dass beim Bau der PV-Anlage eine zweite Bauetappe erfolgen werde. Erst
ab dem 13. Dezember 2016 habe man die mögliche Berechnung der er-
warteten Spannungserhöhung im Netz im Rahmen der zweiten Bauetappe
abschätzen können. Für den Beginn des Fristenlaufs dürfe daher nicht auf
den 10. März 2014, sondern frühestens auf den 13. Dezember 2016 abge-
stellt werden, womit die Verjährung bei Einreichung des Rückerstattungs-
gesuchs am 28. Mai 2019 selbst bei Anwendung einer Verjährungsfrist von
fünf Jahren noch nicht eingetreten wäre. Es sei daher willkürlich, wenn auf
das Datum der letzten Rechnung abgestellt werde.
4.6.2 Das Subventionsgesetz selbst regelt den Beginn des Fristenlaufs
nicht. Ebenso wenig kann den Gesetzesmaterialien ein sachdienlicher Hin-
weis hierzu entnommen werden. Wie bereits unter Verweis auf die gefes-
tigte bundesgerichtliche Rechtsprechung erwähnt (siehe vorne E. 4.5.1),
gilt als allgemeiner Rechtsgrundsatz, dass öffentlich-rechtliche Forderun-
gen auch beim Fehlen einer ausdrücklichen Gesetzesbestimmung der Ver-
jährung unterliegen. Regelt der massgebende Erlass die Verjährung nicht,
sind die gesetzlichen Fristenregelungen anderer Erlasse für verwandte An-
sprüche heranzuziehen. Dabei ist in erster Linie auf die Ordnung, die das
öffentliche Recht für verwandte Fälle aufgestellt hat, zurückzugreifen. Beim
Fehlen entsprechender gesetzlicher Vorschriften ist die Verjährungsfrist
schliesslich nach allgemeinen Grundsätzen festzulegen. Dies gilt nicht nur
für Dauer der Verjährungsfrist, sondern auch für den Beginn des Fristen-
laufs (vgl. BGE 119 V 298 E. 2 und 108 Ib 150 E. 4a).
4.6.3 Nicht nur fehlt im Subventionsgesetz eine Regelung, die den Beginn
des Fristenlaufs festlegt, auch ist kein verwandter Tatbestand ersichtlich,
auf welchen gestützt eine entsprechende Rechtsnorm herbeigezogen wer-
den könnte. Es ist darum die Anwendung von Art. 130 Abs. 1 OR in Be-
tracht zu ziehen, wonach die Verjährung einer Forderung mit deren Fällig-
keit zu laufen beginnt. Dabei gilt eine Forderung als fällig, wenn der Gläu-
biger sie verlangen kann und der Schuldner erfüllen muss (vgl. BGE 143
III 348 E. 5.3.2 und 136 V 73 E. 2.2; Urteil des BGer 4A_325/2010 vom
1. Oktober 2010 E. 4.2; weiterführend zum Begriff der Fälligkeit siehe EMA-
NUEL BITTEL, Die Rechnungsstellung im schweizerischen Obligationen-
recht, Diss. Bern, Zürich 2020, Rz. 49 ff.). Zwar bedarf es für die Fälligkeit
einer Forderung normalerweise keiner Rechnungsstellung, jedoch kann
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Seite 27
die Situation eintreten, in der gemäss Art. 75 OR die Zeit der Erfüllung we-
der durch Vertrag noch durch die Natur des Rechtsverhältnisses bestimmt
ist und darum die Erfüllung sogleich geleistet und gefordert werden kann.
In einer solchen Situation kann die Fälligkeit mit dem Zeitpunkt der Rech-
nungsstellung zusammenfallen (vgl. BITTEL, a.a.O., Rz. 54, 57).
4.6.4 Mit Blick auf den vorliegenden Fall gilt es zu beachten, dass nicht die
Fälligkeit der Forderung des Rechnungsstellers umstritten ist, sondern die
Fälligkeit der Rückforderung der Netzverstärkungskosten. Um Letztere ge-
genüber der Swissgrid AG in Form eines Rückforderungsgesuchs geltend
machen zu können, bedarf es der Kenntnis der effektiv anfallenden Netz-
verstärkungskosten seitens der Netzbetreiberin. Sie waren der Beschwer-
deführerin mit dem letzten Rechnungseingang am 10. März 2014 vollstän-
dig bekannt. Demnach kosteten die tatsächlich ausgeführten Arbeiten für
die Netzverstärkung gesamthaft Fr. 64'577.75. Die Inbetriebnahme der im
ersten Bauabschnitt gebauten PV-Anlage war bereits am 06. Dezember
2013 – und damit vor Eingang der letzten Rechnung – erfolgt. Später war
keine Netzverstärkung mehr nötig, sondern nur eine Erweiterung der Er-
schliessungsleistung. Demzufolge hätte die Netzbetreiberin angesichts der
bereits erfolgten Inbetriebnahme und in Kenntnis der effektiven Netzver-
stärkungskosten die Rückerstattung der Netzverstärkungskosten ab dem
10. März 2014 beantragen können. Mit Blick auf Art. 75 OR in Verbindung
mit Art. 130 Abs. 1 OR ist der Beginn des Fristenlaufs der Verjährung daher
auf den Zeitpunkt der Kenntnisnahme der letzten Rechnung der effektiv
anfallenden Netzverstärkungskosten, den 10. März 2014, festzusetzen.
4.7 Als die Beschwerdeführerin am 28. Mai 2019 ein Gesuch um Rücker-
stattung der Netzverstärkungskosten stellte, war ihr Rückforderungsan-
spruch folglich bereits verjährt.
5.
Zusammengefasst erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
5.1 Dem Verfahrensausgang entsprechend gilt die Beschwerdeführerin als
unterliegend und hat die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1
VwVG). Sie sind vorliegend auf insgesamt Fr. 2'000.– festzusetzen (Art. 1
ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in
gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Ver-
fahrenskosten verwendet.
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5.2 Der Beschwerdeführerin steht als unterliegende Partei keine Parteient-
schädigung zu (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 Abs. 1 VGKE). Ebenso wenig
haben die obsiegende Beschwerdegegnerin oder die Vorinstanz einen An-
spruch auf eine Entschädigung (vgl. Art. 7 Abs. 3 VGKE).