Decision ID: 0a4cbdc4-f5e7-5ec6-b23f-5e74d9a0dd33
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- A X-Y wohnt zusammen mit ihrem Ehemann B X in S/GR. Mit öffentlich
beurkundetem Kaufvertrag vom 29. Januar 2009 erwarb sie von ihrem Vater C Y das
mit dem Wohnhaus und dem Gartenhaus Vers.-Nrn. 007 und 008 überbaute
Grundstück Nr. 003, das nicht überbaute Grundstück Nr. 002 sowie ein Baurecht für
die Doppelgarage Vers.-Nr. 009 auf dem Grundstück Nr. 003 in der Gemeinde W/SG.
Der Kaufpreis von Fr. 713'000.-- wurde durch die Übernahme der effektiv bestehenden
Grundpfandschulden von Fr. 50'000.-- und die Anrechnung eines dem Veräusserer und
seiner Ehefrau eingeräumten kapitalisierten Wohn- und Gartenmitbenützungsrechts im
Wert von Fr. 184'968.-- sowie eines Erbvorbezugs von Fr. 478'032.-- beglichen.
Gemäss dem zwischen A X-Y und ihren Eltern gleichzeitig mit dem
Grundstückkaufvertrag abgeschlossenen und öffentlich beurkundeten
Personaldienstbarkeitsvertrag umfasst einerseits das Wohnrecht die 4-Zimmer-
Wohnung im 1. Obergeschoss und die 3-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss des
Wohnhauses mit Mietwerten von Fr. 15'000.-- und Fr. 10'200.-- gemäss amtlicher
Schätzung vom 28. Februar 2000. Das Gartenmitbenützungsrecht bezieht sich auf das
Gartenhaus und den bestehenden Garten auf dem Grundstück Nr. 003. Die Rechte
gelten lebenslänglich und sind weder übertrag- noch vererbbar, wobei das Wohnrecht
nicht durch die Vermietung der Räume genutzt werden darf. Hingegen beinhaltet es
das Recht, Familienangehörige und Hausgenossen in die Wohnung aufzunehmen. Die
Wohnrechtsberechtigten zogen im Lauf des Jahres 2009 ins Pflegeheim und übten
seither ihr Wohnrecht nicht mehr aus.
Die Eigentumsübertragungen und die Dienstbarkeiten wurden am 29. Januar 2009 ins
Grundbuch eingetragen. Ebenfalls am 29. Januar 2009 vereinbarte A X-Y mit ihren
Eltern die Abtretung der Einnahmen aus der Vermietung der Wohnung im Erdgeschoss
und der Garage. Im Jahr 2010 beliefen sich diese Mieteinnahmen auf Fr. 15'600.--.
B.- Für 2010 reichte A X-Y der Veranlagungsbehörde des Kantons St. Gallen die am
5. Februar 2011 für den Kanton Graubünden ausgefüllte Steuererklärung ein. Der
Aufforderung vom 17. Februar 2011, eine Kopie des Liegenschaftsverzeichnisses, eine
Detailaufstellung über die Mietzinseinnahmen und eine Zusammenstellung mit Belegen
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zu den tatsächlichen Liegenschaftsunterhaltskosten einzureichen, kam sie nicht nach.
Die Veranlagungsbehörde zog die Veranlagung von A X-Y durch die Steuerverwaltung
Graubünden vom 21. März 2011 mit der Steuerausscheidung bei. Sie berücksichtigte
im Kanton Graubünden nicht erfasste Einkünfte aus dem Grundstück Nr. 003 in W von
Fr. 25'800.--, nämlich die tatsächlich eingenommenen Mietzinsen von Fr. 15'600.-- und
den Eigenmietwert der Wohnung im Dachgeschoss von Fr. 10'200.--. A X-Y wurde in
der Folge im Kanton St. Gallen für die Staats- und Gemeindesteuern 2010 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 19'600.-- zum Satz von Fr. 119'500.-- und mit einem
steuerbaren Vermögen von Fr. 629'000.-- zum Satz von Fr. 1'755'000.-- veranlagt. Das
kantonale Steueramt wies die dagegen erhobene Einsprache am 30. Mai 2011 ab.
C.- Gegen den Einspracheentscheid vom 30. Mai 2011 erhob A X-Y durch ihren
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 21. Juni 2011 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid
sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und die Einkommenssteuer im
Kanton St. Gallen und die daraus resultierenden direkten Bundessteuern auf Fr. 0.00
festzulegen.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 28. Juli 2011 die kostenfällige
Abweisung des Rekurses. Der Rechtsvertreter nahm dazu am 23. August 2011 Stellung
und reichte gleichzeitig eine Kostennote ein.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Angefochten ist
der Einspracheentscheid vom 30. Mai 2011, mit welchem die Rekurrentin mit
Hauptsteuerdomizil im Kanton Graubünden aufgrund ihres Grundeigentums in der
politischen Gemeinde W für die st. gallischen Staats- und Gemeindesteuern 2010
veranlagt wurde. Die Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig
(Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG). Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben, soweit die Aufhebung des angefochtenen Entscheides
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und die Festlegung des im Kanton St. Gallen steuerbaren Einkommens der Rekurrentin
im Jahr 2010 auf Fr. 0.00 beantragt wird. Hingegen ist die Rekurrentin durch den
angefochtenen Entscheid nicht beschwert, soweit ihr Rechtsbegehren die aus den
kantonalen Einkommenssteuern "resultierenden direkten Bundessteuern" betrifft. Für
die Veranlagung der direkten Bundessteuer ist entsprechend Art. 105 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (SR 642.11, abgekürzt: DBG) einzig die
Veranlagungsbehörde am Hauptsteuerdomizil zuständig. Die weiteren
Eintretensvoraussetzungen – der Rekurs vom 21. Juni 2011 ist rechtzeitig eingereicht
worden und entspricht in formeller und inhaltlicher Hinsicht den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 StG; Art. 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP) – sind erfüllt, so dass im Übrigen
auf den Rekurs einzutreten ist.
2.- Im Rekurs ist unbestritten, dass die Rekurrentin als Eigentümerin von Grundstücken
in der politischen Gemeinde W entsprechend Art. 14 Abs. 1 lit. b StG aufgrund
wirtschaftlicher Zugehörigkeit im Kanton St. Gallen steuerpflichtig ist. Ebenso ist
unbestritten, dass sich die Steuerpflicht nach Art. 15 Abs. 2 StG auf diese Teile des
Einkommens und Vermögens der Rekurrentin beschränkt. Einigkeit besteht auch
darüber, dass die Steuerausscheidung entsprechend Art. 16 Abs. 1 StG im Verhältnis
zu anderen Kantonen und zum Ausland nach den Grundsätzen des Bundesrechts über
das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung erfolgt und Steuerpflichtige, die im
Kanton nur für einen Teil ihres Einkommens und Vermögens steuerpflichtig sind, die
Steuern für die im Kanton steuerbaren Werte nach dem Steuersatz, der ihrem
gesamten Einkommen und Vermögen entspricht, entrichten, wobei steuerfreie Beträge
anteilmässig gewährt werden (Art. 18 Abs. 1 StG). Nicht einig sind sich die
Verfahrensbeteiligten über die Ermittlung der steuerbaren Einkünfte der Rekurrentin aus
ihren Grundstücken in der politischen Gemeinde W im Jahr 2010.
3.- Die Rekurrentin wendet sich gegen die Erfassung des Mietwerts der Wohnung im
Dachgeschoss des Wohnhauses auf dem Grundstück Nr. 003 von Fr. 10'200.--
(vgl. dazu nachfolgend E. 3b) und der tatsächlichen Mietzinserträge aus der Vermietung
der Wohnung im Erdgeschoss und der Garage auf dem Grundstück Nr. 003 (vgl. dazu
nachfolgend E. 3c).
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a) Gemäss Art. 34 Abs. 1 StG sind die Erträge aus unbeweglichem Vermögen,
insbesondere alle Einkünfte aus Vermietung, Verpachtung, Nutzniessung oder
sonstiger Nutzung (lit. a) und der Mietwert von Grundstücken, soweit sie dem
Steuerpflichtigen aufgrund von Eigentum oder aufgrund eines unentgeltlichen
Nutzungsrechts für den Eigengebrauch zur Verfügung stehen (lit. b), steuerbar. Diese
Regelungen entsprechen den Vorgaben von Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (SR 642.14) und
decken sich inhaltlich mit Art. 21 Abs. 1 lit. a und b DBG).
b) aa) Von der in Art. 34 StG geregelten Frage, welche Erträge aus unbeweglichem
Vermögen steuerbar sind, ist die Frage zu unterscheiden, bei welchem Steuersubjekt
diese Erträge zu erfassen sind. Damit Erträge aus unbeweglichem Vermögen bei einem
Steuerpflichtigen besteuert werden können, muss dieser grundsätzlich über dingliche
Rechte (Sachenrechte, die im Gegensatz zu Forderungsrechten, d.h. obligatorischen
Rechten stehen) verfügen. Das Zivilrecht zählt sie abschliessend auf. Sie umfassen das
(Grund-) Eigentum (Art. 655 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches; SR 210,
abgekürzt: ZGB) und die beschränkten dinglichen Rechte (Art. 730 ff. ZGB).
Steuerrechtlich sind neben dem Eigentum auch ein Teil der beschränkten dinglichen
Rechte an Grundstücken zum unbeweglichen Vermögen des Steuerpflichtigen zu
rechnen, sofern die Rechte wirtschaftlich einer Nutzung der Grundstücke selbst
gleichkommen. Zum unbeweglichen Vermögen gehören dabei die Nutzungsrechte – im
Gegensatz zu den Verwertungsrechten – an Grundstücken. Die als unbewegliches
Vermögen wichtigsten beschränkten dinglichen Rechte sind die Dienstbarkeiten,
welche sich dadurch auszeichnen, dass durch deren Einräumung ein Grundstück einer
andern Person als dem Eigentümer dienstbar gemacht wird. Die Dienstbarkeiten
umfassen die Grunddienstbarkeiten (Art. 730-744 ZGB) sowie die Nutzniessung
(Art. 745-775 ZGB) und anderen Dienstbarkeiten (insbesondere das Wohnrecht gemäss
Art. 776-778 ZGB und das Baurecht gemäss Art. 779-779l ZGB). Der
Dienstbarkeitsberechtigte ist im Besitz einer beschränkten unmittelbaren
Sachherrschaft (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG,
2. Aufl. 2009, N 19 ff. zu Art. 21 DBG).
Das Wohnrecht ist ein auf eine spezielle Nutzungsart (nämlich das Wohnen)
beschränktes Nutzniessungsrecht. Die Bestimmungen über die Nutzniessung sind auf
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das Wohnrecht ebenfalls anwendbar. Der durch das Wohnrecht Berechtigte hat die
Befugnis, ein Gebäude oder einen Teil davon zu bewohnen. Auch beim Wohnrecht sind
– wie bei der Nutzniessung – zwei Nutzungsebenen auseinanderzuhalten. In den
seltenen Fällen, in denen der Grundeigentümer für die Einräumung eines Wohnrechts
eine periodische Entschädigung erhält, ist diese nach Art. 34 Abs. 1 lit. a StG
steuerbar, während die Einräumung gegen eine Einmalleistung steuerfrei bleibt. Eine
Besteuerung des Wohnberechtigten nach Art. 34 Abs. 1 lit. a StG ist dagegen
ausgeschlossen: Da der Wohnberechtigte nur selbst nutzen kann, kommt nur eine
Besteuerung nach Art. 34 Abs. 1 lit. b StG (Eigennutzung) in Frage (vgl. Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 60 f. zu Art. 21 DBG). Eigennutzung des
Grundeigentümers liegt deshalb nicht vor, wenn an seinem Grundstück ein
unentgeltliches Nutzungsrecht, insbesondere eine Nutzniessung oder ein Wohnrecht
begründet worden ist, wobei sich die Unentgeltlichkeit auf die Zeitdauer der Nutzung
bezieht, nicht aber auf den Zeitpunkt der Einräumung des Nutzungsrechts. Unter
solchen Umständen hat der Nutzungsberechtigte den Wert der Eigennutzung zu
versteuern (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 75 zu Art. 21 DBG).
bb) An den Grundstücken Nrn. 003, 002 und 003, Grundbuch W, bestanden im Jahr
2010 die folgenden dinglichen Rechte: Die Rekurrentin war nach dem Erwerb durch
den öffentlich beurkundeten Kaufvertrag vom 29. Januar 2009 und dem
Grundbucheintrag vom gleichen Tag Eigentümerin der Grundstücke Nrn. 002 und 003
sowie Baurechtsberechtigte an der Doppelgarage Vers-Nr. 009 auf dem Grundstück
Nr. 003. Den Eltern der Rekurrentin stand entsprechend dem ebenfalls am 29. Januar
2009 abgeschlossenen und öffentlich beurkundeten Personaldienstbarkeitsvertrag an
den Räumen im 1. Obergeschoss und im Dachgeschoss des Wohnhauses Vers.-
Nr. 007 ein Wohnrecht sowie am Gartenhaus Vers.-Nr. 008 und am bestehenden
Garten auf dem Grundstück Nr. 003 ein Gartenmitbenützungsrecht zu. Diese
beschränkten dinglichen Rechte gelten lebenslänglich und wurden am 29. Januar 2009
im Grundbuch eingetragen. Die Berechtigten sind gemäss Ziff. 2 der weiteren
Vertragsbestimmungen des Dienstbarkeitsvertrags verpflichtet, das Recht
entschädigungslos im Grundbuch zu löschen, wenn sie das Wohnrecht während mehr
als zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeübt haben.
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Das Wohnrecht und das Gartenmitbenützungsrecht waren während des gesamten
Jahres 2010 im Grundbuch eingetragen. Eine Vermietung der beiden Wohnungen im
1. Obergeschoss und im Dachgeschoss des Wohnhauses Vers.-Nr. 007 war unter
diesen Umständen nicht möglich. Einerseits schloss der Personaldienstbarkeitsvertrag
vom 29. Januar 2009 eine solche Vermietung durch die Nutzungsberechtigten aus.
Anderseits war die Rekurrentin als Eigentümerin an die Einräumung des mit dinglicher
Wirkung im Grundbuch eingetragenen Wohnrechts gebunden, also aus eigenem Recht
ebenfalls nicht zur Vermietung der Wohnungen berechtigt. Bis zum Ende des Jahres
2010 hatten die Nutzungsberechtigten auch noch nicht während mehr als zwei Jahren
ihr Wohnrecht aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeübt, so dass auch die
Frist von zwei Jahren gemäss Ziff. 2 der weiteren Vertragsbestimmungen des
Dienstbarkeitsvertrags zur entschädigungslosen Löschung des Rechts im Grundbuch
nicht abgelaufen war. Aus den Akten ergibt sich auch nicht, dass die Parteien den
Dienstbarkeitsvertrags im Jahr 2010 vorzeitig auflösten. Das Wohnrecht und das
Gartenmitbenützungsrecht waren dementsprechend grundsätzlich als Ertrag aus einem
Nutzungsrecht im Sinn von Art. 34 Abs. 1 lit. b StG bei den Dienstbarkeitsberechtigten
steuerbar. Ob die Eigennutzung trotz des Aufenthalts der Berechtigten im Pflegeheim
auch im Jahr 2010 steuerbar ist, ist nicht Gegenstand der Veranlagung der Rekurrentin
und kann deshalb offen bleiben (vgl. dazu Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 78
zu Art. 21 DBG).
Die grundsätzliche Steuerbarkeit der Eigennutzung bei den Dienstbarkeitsberechtigten
schliesst eine Besteuerung desselben Nutzens bei der Rekurrentin und Eigentümerin
aus. Daran ändert auch nichts, wenn der Rekurrentin – wie die Vorinstanz geltend
macht – die Wohnung im Dachgeschoss zur Verfügung stand. Das Wohnrecht
umfasste gemäss Dienstbarkeitsvertrag vom 29. Januar 2009 nämlich ausdrücklich das
Recht der Berechtigten, Hausgenossen und insbesondere Familienangehörige in die
Wohnung aufzunehmen. Soweit also die Rekurrentin Räumlichkeiten im Wohnhaus
Vers.-Nr. 007 selbst nutzte, tat sie dies nicht als Eigentümerin, sondern weil ihr – als
Tochter der Dienstbarkeitsberechtigten – diese im Dienstbarkeitsvertrag vorgesehene
Möglichkeit eingeräumt wurde.
cc) Dementsprechend bleibt kein Raum, der Rekurrentin im Jahr 2010 den amtlich
geschätzten Mietwert der Wohnung im Dachgeschoss von Fr. 10'200.-- im Rahmen der
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Eigennutzung ihres unbeweglichen Vermögens steuerlich anzurechnen. Insoweit
erweist sich der Rekurs deshalb als begründet.
c) Im Rekurs ist auch die von der Vorinstanz vorgenommene Besteuerung der
Mietzinseinkünfte aus der Wohnung im Erdgeschoss und aus der Garage von
Fr. 15'600.-- im Jahr 2010 umstritten.
Der Mietvertrag über die Wohnung im Erdgeschoss bestand nach dem Verkauf des
Grundstücks Nr. 003 an die Rekurrentin zwischen ihr als Eigentümerin und Vermieterin
einerseits und dem Mieter anderseits. Dies ergibt sich ausdrücklich aus Ziff. 12 der
weiteren Vertragsbestimmungen des Kaufvertrags vom 29. Januar 2009, worin die
Käuferin bestätigte, Kenntnis vom Mietverhältnis bezüglich der Wohnung zu haben,
und festgehalten wurde, dass dieses Mietverhältnis von Gesetzes wegen mit der
Eigentumsübertragung auf sie übergehe. Sie war deshalb als Vermieterin Partei dieses
Mietvertrags und Gläubigerin der monatlichen Mietzinsforderungen. Die in der Höhe
unbestrittenen Mietzinsen von Fr. 15'600.-- im Jahr 2010 sind deshalb auch
steuerrechtlich ihr zugeflossen und gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. a StG bei der Rekurrentin
steuerbar.
Die zwischen der Rekurrentin und ihren Eltern als früheren Grundeigentümern
getroffene Abtretungsvereinbarung und der Umstand, dass der Zins nach wie vor
unmittelbar auf das Konto der früheren Grundeigentümer einbezahlt wurde, ändert an
diesen steuerrechtlichen Verhältnissen nichts. Die Abtretung einer Forderung gemäss
Art. 164 ff. des Schweizerischen Obligationenrechts (SR 220, abgekürzt: OR) ändert
nichts daran, dass die Rekurrentin als Vermieterin abtretende und damit ursprüngliche
Gläubigerin (vgl. D. Girsberger, in: Basler Kommentar, Obligationenrecht I,
5. Aufl. 2011, N 1 der Vorbemerkungen zu Art. 164-174) der monatlichen
Mietzinsforderungen gegenüber dem Mieter bleibt und ihr die Zinsen steuerlich
zufliessen. Die Abtretung der Mietzinsforderungen an die Eltern der Rekurrentin steht
sodann im Zusammenhang mit der Ausgleichung ihres Erbvorbezugs und nicht etwa
mit der Deckung von Schuldzinsen oder Unterhaltskosten der übernommenen
Liegenschaften durch die früheren Eigentümer, so dass auch kein Raum für die
Berücksichtigung der Abtretung der Zinseinnahmen als Gewinnungskosten im Sinn von
Art. 44 Abs. 2 StG besteht.
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Die Vorinstanz hat dementsprechend die aus den Grundstücken erzielten
Mietzinseinnahmen von Fr. 15'600.-- zu Recht steuerlich der Rekurrentin zugerechnet.
Insoweit als diese Aufrechnung beanstandet wird, erweist sich der Rekurs deshalb als
unbegründet.
d) Insgesamt ergeben sich damit für das Steuerjahr 2010 den Mietzinseinnahmen
entsprechende steuerbare Einkünfte der Rekurrentin aus ihren Grundstücken in der
politischen Gemeinde W von Fr. 15'600.--. Da die Grundstücke, denen der Mietertrag
zuzurechnen ist, Privatvermögen der Rekurrentin sind und vorwiegend Wohnzwecken
dienen, können gemäss Art. 44 Abs. 4 StG in Verbindung mit Art. 29 Abs. 1 der
Steuerverordnung (sGS 811.11, abgekürzt: StV) anstelle der tatsächlichen
Unterhaltskosten und Prämien pauschal 20% des Bruttomietertrags ohne
Nebenkosten, d.h. Fr. 3'120.-- abgezogen werden. Hingegen sind entgegen der
Einspracheveranlagung der Eigenmietwert der Wohnung im Dachgeschoss von
Fr. 10'200.-- und der damit verbundene Pauschalabzug für die Unterhaltskosten und
Prämien von Fr. 2'040.-- nicht bei der Rekurrentin zu erfassen. Die gesamten
Nettovermögenseinkünfte reduzieren sich dementsprechend um Fr. 8'160.--. Die
Verlegung der Schuldzinsen richtet sich nach der Lage der Aktiven und bleibt
unverändert, so dass der Kanton St. Gallen Fr. 184.-- zu übernehmen hat. Für den
Kanton St. Gallen ergeben sich damit steuerbare Nettoeinkünfte aus dem
unbeweglichen Vermögen von Fr. 12'296.--. Die Prämien für Personenversicherungen
sind im Verhältnis der Nettoeinkünfte zu verlegen. Die gesamten Nettoeinkünfte
reduzieren sich von Fr. 124'321.-- gemäss Einspracheveranlagung um Fr. 8'160.-- auf
Fr. 116'161.--. Davon entfallen Fr. 12'296.-- oder 10,59% auf den Kanton St. Gallen.
Vom Abzug von Fr. 4'800.-- für Personenversicherungsprämien sind dementsprechend
Fr. 508.-- zu berücksichtigen. Damit ergibt sich für den Kanton St. Gallen ein
steuerbares Einkommen der Rekurrentin für die Staats- und Gemeindesteuern 2010
von Fr. 11'700.-- zum Satz von Fr. 111'300.--.
4.- Der Rekurs ist, soweit darauf einzutreten ist, teilweise gutzuheissen. Der
angefochtene Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 30. Mai 2011 ist aufzuheben
und die Rekurrentin ist für die Staats- und Gemeindesteuern 2010 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 11'700.-- zum Satz von Fr. 111'300.-- zu veranlagen.
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Die Veranlagung mit einem steuerbaren Vermögen von Fr. 629'000.-- zum Satz von
Fr. 1'755'000.-- ist unbestritten und bleibt unverändert.
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten zu drei Fünfteln
der Rekurrentin aufzuerlegen; zwei Fünftel der Kosten trägt der Staat (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 800.-- ist bis
zum Betrag von Fr. 480.-- zu verrechnen. Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, der
Rekurrentin Fr. 320.-- zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf die Entschädigung
ausseramtlicher Kosten (vgl. Art. 98 und 98 VRP; R. Hirt, Die Regelung der Kosten
nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, 2003, S. 183).