Decision ID: f154e2b8-5cac-5c69-b480-da699d7ec0ae
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 1. Oktober 2012 wegen einer
"Verletzung an der Wirbelsäule" nach einem Unfall vom 26. Mai 2012 bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an (IV-act. 1). Sie war 2007 in die
Schweiz eingereist und seither meist über die B._ temporär arbeitstätig (IV-act. 1, 24
und 88). Zum Unfallzeitpunkt bezog sie Arbeitslosenentschädigung und war dadurch
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die
Folgen von Unfällen versichert (Fremdakten 1-195). Aufgrund der Unfallfolgen bestand
zunächst eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. Fremdakten 5-46). Vom 20. September
bis 31. Oktober 2012 befand sie sich zur arbeitsorientierten Rehabilitation in der Klinik
Bellikon. Dem diesbezüglichen Austrittsbericht sind die Diagnosen Unfall vom 26. Mai
2012: PW-Heckaufprall, Anpassungsstörung mit vorwiegend psychotraumatologischer
Symptomatik, chronische Niereninsuffizienz Stadium II bei IgA-Nephropathie, arterielle
Hypertonie medikamentös behandelt sowie Adipositas zu entnehmen (IV-act. 20-1). Die
arbeitsrelevanten Probleme waren zum Zeitpunkt des Austritts noch
Nackenbeschwerden sowie Kopfschmerzen, wobei die Beschwerden den berichtenden
Ärzten zufolge durch eine mässige Symptomausweitung überlagert würden (IV-
act. 20-4). Sie attestierten der Versicherten für ihre berufliche Tätigkeit sowie für leichte
bis mittelschwere Arbeit aus unfallkausaler Sicht ab dem 12. November 2012 noch eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit mit sukzessiver Steigerung auf eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit Ende 2012 (IV-act. 20-2). Die Versicherte wurde jedoch in der Folge
von den behandelnden Ärzten über den 31. Dezember 2012 hinaus zu 50%
krankgeschrieben und die Suva richtete weiterhin ein 50%iges Taggeld aus (vgl.
A.a.
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Fremdakten 7-294 und 7-370; zur Leistungseinstellung mangels Adäquanz per 22. Juli
2013 seitens Suva vgl. die Verfügung vom 19. Juli 2013; Fremdakten 7-381 sowie den
Einspracheentscheid vom 11. Oktober 2013; Fremdakten 11).
Am 13. Mai 2013 führte eine IV-Eingliederungsberaterin mit der Versicherten ein
Assessment durch, welches das Ziel der Begleitung bei der Stellensuche ergab (IV-act.
34 und 35). Da jedoch noch medizinische Behandlungsmassnahmen im Vordergrund
standen, teilte die zuständige IV-Stelle St. Gallen der Versicherten am 2. Juli 2013 mit,
dass zurzeit aufgrund ihres Gesundheitszustandes keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 40). Die Versicherte wurde in der
Folge am 30. August 2013 bei der Diagnose eines therapieresistenten
zervikovertebrogenen- und zervikobrachialen Schmerzsyndroms rechts bei medianer
paramedianer Diskushernie C5/6 in der Klinik C._ von Dr. med. D._, Facharzt für
Neurochirurgie, operiert (mikrochirurgische vordere Diskektomie und Einsetzen einer
Bandscheibenprothese C5/6) und für mindestens vier Wochen vollständig
arbeitsunfähig geschrieben (IV-act. 49). Ab Dezember 2013 attestierte Dr. D._ der
Versicherten für eine leichtere Tätigkeit noch eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 52
für Dezember 2013, IV-act. 56 für Januar 2014, IV-act. 63 für Februar 2014). Am
21. Januar 2014 fand ein zweites Assessment mit der IV-Eingliederungsberaterin statt
(IV-act. 60) und am 25. Februar 2014 ein weiteres Gespräch, anlässlich welchem die
Versicherte erwähnte, dass sie eine selbständige Erwerbstätigkeit als Tagesmutter/
Pflegemutter anstrebe (IV-act. 62). Gestützt hierauf teilte ihr die IV-Stelle am 28. März
2014 mit, dass ihr Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen abgewiesen werde
(IV-act. 66).
A.b.
Mit Vorbescheid vom 30. April 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten unter
Bezugnahme auf die Einschätzung des zuständigen Arztes vom Regionalen Ärztlichen
Dienst (RAD) vom 23. Mai 2013 (vgl. IV-act. 67-1 in Verbindung mit IV-act. 36-2) in
Aussicht, ihren Rentenanspruch zu verneinen. Aus medizinischer Sicht habe bereits ab
Dezember 2012 wieder eine Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten bestanden,
welche nur durch die Operation unterbrochen worden sei (IV-act. 69). Die Versicherte
ersuchte mit Einwand vom 30. Mai 2014 durch ihren Rechtsanwalt um Anordnung
eines medizinischen Gutachtens und präzisierte, dass sie aus gesundheitlichen
Gründen nur im Rahmen eines 50%igen Pensums als Tagesmutter tätig sein werde.
A.c.
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Bei Ganztagesarbeit habe sie Nacken- und Armschmerzen beidseits (IV-act. 74 unter
Hinweis auf IV-act. 56). In der Folge ersuchte die IV-Stelle den behandelnden Arzt Dr.
D._ am 3. Juli 2014 (IV-act. 75), am 7. August 2014 (IV-act. 76), am 3. September
2014 (IV-act. 77), am 26. November 2014 (IV-act. 78), am 17. April 2015 (IV-act. 83), am
18. Mai 2015 (IV-act. 84) und am 7. März 2016 (IV-act. 93) um Zustellung eines
aktuellen Arztberichtes. Dieser ging am 22. März 2016 bei der IV-Stelle ein und nannte
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit Status nach Auffahrunfall,
schmerzbedingte Depression, lumbovertebrogenes Schmerzsyndrom seit fünf Jahren
mit Exazerbationen und Remissionen, Status nach fraktionierter periduraler Infiltration
auf Höhe C3/C4, C4/C5, C5/C6 und C6/C7 vom 15. bis 22. März 2013, Status nach
mikrochirurgischer vorderer Diskektomie und Einsetzen einer Bandscheibenprothese
C5/C6, Exazerbation der lumbovertebrogenen Schmerzsymptomatik im April 2015 und
Auftreten von Lumboischialgie links bei paramedianer DH L5/S1 links und medianer DH
L4/L5 sowie Spondylarthrose L3/L4, L4/L5 und L5/S1, Status nach fraktionierter,
periduraler Infiltration auf Höhe C3/C4, C4/C5, C5/C6 und C6/C7 vom 21. bis 25.
Februar 2015 bei Exazerbation der zervikovertebrogenen Schmerzsymptomatik, Status
nach mikrochirurgischer Diskektomie L5/S1 beidseits und L4/L5 rechts am 5. Mai
2015, arterielle Hypertonie seit April 2009, chronische Niereninsuffizienz Stadium II bei
Immunglobulin A-Nephropathie, sekundärer Hyperparatroydismus mit zusätzlicher
Hypovitaminose D3, Adipositas, Allergien auf AC-Hemmer, Katzenhaarallergie und
Diabetes Mellitus Typ II medikamentös behandelt (IV-act. 97-1). Der Neurochirurg
beurteilte die Versicherte als für eine leichtere Tätigkeit teilweise stehend, gehend und
sitzend ohne Überkopfarbeit 50% arbeitsfähig (IV-act. 97-4). Die IV-Stelle nahm in der
Folge auch die weiteren die Versicherte betreffenden medizinischen Berichte der
behandelnden Ärzte zu den Akten (IV-act. 102, 109 bis 112, 120, 123 sowie 126).
Zwischenzeitlich hatte die Versicherte der IV-Stelle am 1. März 2016 mitteilen lassen,
dass sie nicht mehr als Tagesmutter tätig sei (IV-act. 89-2).
Im April 2017 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle (IV-act. 131 und 135)
von der PMEDA Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen (nachfolgend: PMEDA) in
den Disziplinen Allgemeine/Innere Medizin, Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie und
Neuropsychologie abgeklärt (IV-act. 140). Die Gutachter diagnostizierten am 7. Juli
2017 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein metabolisches Syndrom (arterielle
A.d.
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Hypertonie, Adipositas Grad 2, Diabetes mellitus Typ 2), eine chronische
Niereninsuffizienz KIDGO Stadium G2 A3 bei IgA-Nephropathie, einen Zustand nach
mikrochirurgischer vorderer Diskektomie und Einsetzen einer Bandscheibenprothese
HWK 5 auf 6 in 2013 sowie einen Zustand nach mikrochirurgischer Diskektomie LWK 5
auf Os sacrum und LWK 4 auf 5 im Mai 2015 (IV-act. 142-55; zu den Diagnosen ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit siehe dasselbe Actorum). Sie kamen zum Schluss,
dass die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der zuletzt ausgeübten sowie jeder
vergleichbaren Tätigkeit, zumindest in einer anderen, körperlich überwiegend leichten,
wechselbelastend und mehrheitlich sitzend ausgeübten Tätigkeit, nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit dauerhaft limitiert sei. Das bestehende metabolische
Syndrom (Hypertonie, Diabetes mellitus, erhebliche Adipositas) bedinge zusammen mit
der im Begutachtungszeitpunkt kompensierten Niereninsuffizienz eine reduzierte
körperliche Belastbarkeit, sodass körperlich schwere Arbeiten auf Dauer ausschieden.
Mittels einer Gewichtsreduktion seien das metabolische Syndrom besserbar und die
Arbeitsfähigkeit stabilisierbar; hierfür sollte ein Zeitraum bis Ende 2017 eingeräumt
werden. Die derzeitige Arbeitsfähigkeit sei zeitlich limitiert bis Ende 2017 mit 20%
einzuschätzen. Die Mitarbeit bei einer Gewichtsreduktion sei medizinisch gut zumutbar,
stehe im Gesundheitsinteresse der Versicherten und dürfe auch als Mass des
subjektiven Leidensdrucks verstanden werden. Der Status nach den erfolgten spinalen
Eingriffen trage zur dauerhaften qualitativen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bei, da
die objektiven operativen Ergebnisse zwar als gut anzusehen seien, nach spinalen
Eingriffen jedoch regelhaft eine hohe spinale Belastung durch körperlich schwere
Arbeiten und Tätigkeiten mit häufigen Zwangshaltungen der Wirbelsäule dauerhaft
vermieden werden sollte. Die Bewertung könne auch retrospektiv gelten, spätestens
seit dem ersten spinalen Eingriff 2013 (IV-act. 142-57 ff.). Der zuständige Arzt vom
RAD, Dr. med. E._, Facharzt für Prävention und Gesundheitswesen, hielt am
8. August 2017 nach einer Besprechung mit einem Facharzt für Innere Medizin,
Rheumatologie sowie Physikalische Medizin und Rehabilitation vom RAD in Beurteilung
der PMEDA-Expertise fest, laut diesem Gutachten sei der Blutdruck nicht massiv
erhöht, der Diabetes mellitus zufriedenstellend behandelt und die chronische
Niereninsuffizienz in einem milden Stadium. Die Adipositas könne isoliert betrachtet
keine Einschränkung der adaptierten Arbeitsfähigkeit bewirken. Die Versicherte sei aus
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B.
versicherungsmedizinischer Sicht angestammt und adaptiert jeweils 100% arbeitsfähig
(IV-act. 143).
Gestützt auf diese Beurteilung des RAD erliess die IV-Stelle am 21. August 2017
einen Vorbescheid, welcher die Abweisung des Rentenbegehrens ankündigte (IV-act.
146). Dagegen liess die Versicherte am 25. September 2017 wiederum einen Einwand
erheben (IV-act. 151), woraufhin die IV-Stelle am 26. Oktober 2017 den Gutachtern
dem Rat Dr. E._s folgend eine Rückfrage betreffend die
Arbeitsfähigkeitseinschränkung alleine aufgrund der Adipositas stellte (IV-act. 152 und
153). Die Gutachter antworteten am 22. November 2017, der etablierte medizinische
Begriff des metabolischen Syndroms impliziere bereits eine negative Interaktion der
dieses Syndrom bildenden Einzeldiagnosen, eine theoretische Aufteilung sei
medizinisch nicht sinnvoll und irreführend. Für eine Stabilisierung des metabolischen
Syndroms sei eine Gewichtsreduktion führend notwendig. Diese bedürfe eines
angemessenen Zeitraumes, andernfalls seien instabile Blutdruck- und
Blutzuckerverhältnisse mit entsprechenden Komplikationen zu erwarten (IV-act. 154).
Nach Erhalt dieser Antwort gewährte die IV-Stelle der Versicherten das rechtliche
Gehör (IV-act. 155), woraufhin diese am 11. Dezember 2017 ausführen liess, gestützt
auf das PMEDA-Gutachten sei eine 20%ige Restarbeitsfähigkeit erstellt. Für den Fall
der Verfügung einer Schadenminderungs-/ Mitwirkungspflicht wäre der von den
Gutachtern genannte Zeitraum von sechs Monaten einzuhalten und sie wäre nach
Durchführung der Massnahme neu zu begutachten (IV-act. 156). Dr. E._ vom RAD
erklärte am 18. Januar 2018, die PMEDA-Gutachter würden darauf hinweisen, dass
ohne Gewichtsreduktion instabile Blutdruck / Blutzuckerverhältnisse zu erwarten seien.
Dies sei medizinisch möglich. Sollte dies der Fall sein, könne die Versicherte sich
jederzeit wieder anmelden. Aktuell bestehe eine solche Komplikation aber nicht. Von
daher sei die Arbeitsfähigkeit zumindest in einer adaptierten Tätigkeit nicht
eingeschränkt (IV-act. 157-2). Gleichentags verfügte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungsbegehrens (act. G 1.1).
A.e.
Mit Beschwerde vom 23. Februar 2018 beantragte die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) die Aufhebung der Verfügung vom 18. Januar 2018 und die
B.a.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist ein Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
2.
Zusprache der gesetzlichen Leistungen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur
Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, die Gutachter der PMEDA hätten klar
eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit für Verweistätigkeiten attestiert, womit sie Anspruch auf
eine ganze Rente habe. Eine Aufforderung, sich im Sinne einer Schadenminderungs-/
Mitwirkungspflicht den zumutbaren Massnahmen zur Gewichtsreduktion zu
unterziehen, sei bisher nicht erfolgt. Somit sei die ganze Rente auch über das Jahr
2017 hinaus auszurichten, eine Befristung auf Ende 2017 sei nicht zulässig (act. G 1).
Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte in der
Beschwerdeantwort vom 29. März 2018 die Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung führte sie aus, es liege nicht in der Kompetenz von medizinischen
Gutachtern, abschliessend und für die IV-Stellen oder Gerichte verbindlich festzulegen,
ob die festgestellten psychischen oder somatischen Leiden zu einer andauernden oder
vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit führten. Aus rechtlicher Sicht dürfe von der
Arbeitsfähigkeitsschätzung in einem medizinischen Gutachten abgewichen werden,
ohne dass dieses seinen Beweiswert in Bezug auf die erhobenen Befunde und die
daraus abgeleiteten Diagnosen verlöre. Die PMEDA habe ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung vorsorglich festgelegt, was invalidenversicherungsrechtlich
nicht zulässig sei (act. G 4).
B.b.
Die Beschwerdeführerin verzichtete stillschweigend auf die Erstattung einer Replik
(act. G 5 und 6).
B.c.
Anspruch auf eine Rente der IV haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können,
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
2.1.
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arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid
sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR
831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt
definiert. Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln.
Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.2.
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.3.
Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen zu
können, ist die Verwaltung - und im Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen
angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu
stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/17
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3.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich bezüglich Arbeitsfähigkeitsbeurteilung auf die
Einschätzung des RAD in Zusammenhang mit der Begutachtung durch die PMEDA und
die Beschwerdeführerin auf das PMEDA-Gutachten als solches. Es stellt sich also
vorrangig die Frage, ob dieses Gutachten vom 7. Juli 2017 (IV-act. 142-3 ff.) als
Grundlage für die Bemessung des Invaliditätsgrades beigezogen werden kann.
Dr. E._ vom RAD beurteilte das PMEDA-Gutachten dahingehend, dass das
neurologische, neuropsychologische, orthopädische und psychiatrische Teilgutachten
jeweils plausibel und nachvollziehbar seien. Versicherungsmedizinisch nicht
nachvollziehbar sei die im internistischen Teilgutachten beschriebene Arbeitsfähigkeit
von nur 20%, welche im interdisziplinären Konsens übernommen worden sei. Laut
Gutachten sei der Blutdruck nicht massiv erhöht, es liege also keine schwere
Hypertonie vor. Der Diabetes mellitus sei aktuell zufriedenstellend behandelt. Das von
den Gutachtern angegebene Stadium der chronischen Niereninsuffizienz bezeichne ein
mildes Stadium, d.h. die Niereninsuffizienz sei nur gering ausgeprägt und kompensiert.
Die Adipositas könne isoliert betrachtet keine Einschränkung der adaptierten
Arbeitsfähigkeit bewirken. Die Versicherte sei folglich aus versicherungsmedizinischer
Sicht angestammt und adaptiert 100% arbeitsfähig (IV-act. 143-2).
3.1.
3.2.
Vor diesem Hintergrund gilt es im Folgenden die bemängelte internistische
Begutachtung zu prüfen. Diese erfolgte durch Dr. med. F._, Fachärztin für Allgemeine
Innere Medizin, welche mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein metabolisches
Syndrom (arterielle Hypertonie, Adipositas Grad 2, Diabetes mellitus Typ 2) und eine
chronische Niereninsuffizienz KIDGO Stadium G2 A3 bei IgA-Nephropathie
diagnostizierte. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien ein sekundärer
Hyperparathyreoidismus mit zusätzlicher Hypovitaminose D3 sowie eine Gastritis (IV-
act. 142-16 und 142-55). Die Gutachterin kam bei ihrer Beurteilung zum Schluss, dass
Anamnese, die aktenkundigen Zusatzdaten und der aktuelle klinische
Untersuchungsbefund aus internistischer Sicht aufgrund des metabolischen Syndroms
und der renalen Erkrankung eine qualitative Minderung der Arbeitsfähigkeit mit einem
Ausschluss körperlich schwerer Arbeit ergeben würden, welche gesamthaft eine
qualitative Leistungsminderung gerechtfertigt erscheinen liessen. Die zum
Begutachtungszeitpunkt mit einem Pensum von 20% geleistete Arbeit sowie andere
körperlich überwiegend leichte Tätigkeiten seien jedoch als leistbar anzusehen, mittels
3.2.1.
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einer Gewichtsreduktion auch mit einem Pensum und Rendement von 100%. Für eine
Gewichtsreduktion auf einen BMI unter 30 kg/m könne ein Zeitraum bis Ende 2017
eingeräumt werden (IV-act. 142-17 f.).
3
Dieses Teilgutachten beruht auf eigenständigen Abklärungen (IV-act. 142-15
sowie 142-161 ff.) und beachtet die Vorakten (IV-act. 142-4 bis 142-11). Die von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden sind berücksichtigt worden (IV-act.
142-16 f.) und die bescheinigte vorübergehende Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 142-18 f.)
leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation ein. Dem Teilgutachten kommt folglich Beweiswert zu.
3.2.2.
3.3.
Die vorstehend in der Erwägung 3.2.1 erläuterte internistische Einschätzung
wurde in der Konsensbeurteilung von den vier weiteren Gutachtern und der
medizinischen Leitung übernommen (IV-act. 142-49 sowie 142-57) und es wurde von
den Experten gemeinsam polydisziplinär festgestellt, das bestehende metabolische
Syndrom (Hypertonie, Diabetes mellitus, erhebliche Adipositas) bedinge zusammen mit
der derzeit kompensierten Niereninsuffizienz eine reduzierte körperliche Belastbarkeit,
sodass körperlich schwere Arbeiten auf Dauer ausschieden. Mittels einer
Gewichtsreduktion seien das metabolische Syndrom besserbar und die
Arbeitsfähigkeit stabilisierbar, hierfür sollte ein Zeitraum bis Ende 2017 eingeräumt
werden. Die derzeitige Arbeitsfähigkeit sei zeitlich limitiert bis Ende 2017 mit 20%
einzuschätzen. Die Mitarbeit bei einer Gewichtsreduktion (auf einen Ziel BMI von unter
30 kg/m ) sei medizinisch gut zumutbar, stehe im Gesundheitsinteresse der
Versicherten und dürfe auch als Mass des subjektiven Leidensdrucks verstanden
werden. Der Status nach den erfolgten spinalen Eingriffen trage zur genannten
dauerhaften qualitativen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bei, da die objektiven
operativen Ergebnisse zwar als gut anzusehen seien, nach spinalen Eingriffen jedoch
regelhaft eine hohe spinale Belastung durch körperlich schwere Arbeiten und
Tätigkeiten mit häufigen Zwangshaltungen der Wirbelsäule dauerhaft vermieden
werden sollten (IV-act. 142-49). Neben den internistischen Diagnosen sind dem
polydisziplinären Konsensgutachten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
dementsprechend ein Zustand nach mikrochirurgischer vorderer Diskektomie und
Einsetzen einer Bandscheibenprothese HWK 5 auf 6 in 2013 und ein Zustand nach
mikrochirurgischer Diskektomie LWK 5 auf Os sacrum und LWK 4 auf 5 im Mai 2015 zu
entnehmen. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine residuelle
Wurzelläsion von S1 links und eine Migräne ohne Aura (IV-act. 142-55). Auf
3.3.1.
2
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Empfehlung des RAD-Arztes hin fragte die IV-Stelle bei der PMEDA nach, ob aus Sicht
der Gutachter die Adipositas allein die 80%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit begründe (IV-act. 152 und 153). Die fünf Gutachter und der
Medizinische Leiter der Abklärungsstelle antworteten dahingehend, dass der etablierte
medizinische Begriff des metabolischen Syndroms eine negative Interaktion der dieses
Syndrom bildenden Einzeldiagnosen impliziere. Die Gewichtsreduktion bedürfe eines
angemessenen Zeitraums, andernfalls seien instabile Blutdruck- und
Blutzuckerverhältnisse mit entsprechenden Komplikationen zu erwarten (IV-act. 154-2).
Auch das polydisziplinäre Konsensgutachten in Zusammenhang mit der
Beantwortung der Rückfrage der Beschwerdegegnerin ist umfassend, berücksichtigt
die geltend gemachten Beschwerden (IV-act. 142-49 bis 142-52) und begründet in
nachvollziehbarer Weise die Schlussfolgerungen der Experten (IV-act. 142-57 ff.).
Damit vermag das Gutachten den höchstrichterlich festgelegten, geltenden
Anforderungen an ein solches zu genügen, um vollen Beweiswert zu entfalten.
3.3.2.
Die Beschwerdegegnerin ist gestützt auf die Beurteilung von Dr. E._ vom RAD
der Ansicht, es rechtfertige sich, von der von den Sachverständigen im PMEDA-
Gutachten bescheinigten Arbeitsunfähigkeit von 80% aus internistischer Sicht in dem
Sinn abzuweichen, dass der Beschwerdeführerin ab drei Monaten nach der ersten
Operation vom 30. August 2013 eine volle Arbeitsfähigkeit zuzumuten sei, welche
einzig ab der zweiten Operation (welche am 5. Mai 2015 stattfand [IV-act. 112]) für drei
Monate unterbrochen worden sei. Dem kann jedoch nicht beigepflichtet werden. Zwar
vermögen Adipositas und Diabetes nach der Rechtsprechung grundsätzlich keine
Invalidität zu begründen (Urteil des Bundesgerichts vom 13. August 2015,
8C_903/2014, E. 4.3 mit weiteren Hinweisen). Aus dem Gutachten und der Ergänzung
geht jedoch explizit und nachdrücklich hervor, dass die Gutachter die bis 31.
Dezember 2017 attestierte 80%ige Einschränkung in der Erwerbsfähigkeit auf das
metabolische Syndrom in Zusammenhang mit der Niereninsuffizienz zurückführten,
und nicht alleine auf die Adipositas (IV-act. 142-49 und 154-2). Die vom RAD und der
Beschwerdegegnerin vorgenommene isolierte Betrachtung der das metabolische
Syndrom bildenden Einzeldiagnosen (Hypertonie, Diabetes mellitus, erhebliche
Adipositas) bezeichneten die Gutachter als "medizinisch nicht sinnvoll und irreführend".
Vielmehr impliziert der etablierte medizinische Begriff des metabolischen Syndroms
den Experten zufolge eine negative Interaktion der dieses Syndrom bildenden
Einzeldiagnosen (IV-act. 154-2). Diese medizinische Einschätzung der Gutachter
leuchtet wie gesagt sein. Es kann sodann nicht angehen, dass eine auf ein klinisch
festgestelltes Leiden zurückzuführende gutachterlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit
3.4.
https://www.koordination.ch/de/online-handbuch/medizinrecht/adipositas/
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vom Rechtsanwender bloss unter Hinweis auf den fehlenden invalidisierenden
Charakter einer Einzeldiagnose des diagnostizierten Syndroms korrigiert und als
invalidenversicherungsrechtlich irrelevant erklärt wird. Dem Bestreben der
Beschwerdegegnerin, eine im Rahmen eines metabolischen Syndroms diagnostizierte
Adipositas isoliert zu betrachten, fehlt es an einer rechtlichen Grundlage. Folglich
vermag die Einschätzung des Arztes vom RAD keine Zweifel am PMEDA-Gutachten
aufkommen zu lassen.
3.5.
Die Beschwerdeführerin erachtet ihrerseits die durch die Gutachter
vorgenommene Befristung der Arbeitsunfähigkeit von 80% bis Ende 2017 als nicht
anwendbar, weil die Beschwerdegegnerin ihr keine diesbezügliche
Schadenminderungs- oder Mitwirkungspflicht auferlegt habe. Es ist jedoch mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Gutachter die
Beschwerdeführerin bereits anlässlich der Begutachtung im April 2017 über ihre
Untersuchungsergebnisse und insbesondere über die notwendige Gewichtsreduktion
in Kenntnis gesetzt haben. Das ausformulierte Gutachten lag der Beschwerdeführerin
(bzw. deren Rechtsvertreter) spätestens Anfang September 2017 vor (vgl. IV-act. 149).
Gemäss Art. 7 IVG muss die versicherte Person ohnehin alles ihr Zumutbare
unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit zu verringern und
den Eintritt einer Invalidität zu verhindern und es stellt einen allgemeinen Grundsatz des
Sozialversicherungsrechts dar, dass einem Leistungsansprecher im Rahmen der
Schadenminderungspflicht Massnahmen zuzumuten sind, die ein vernünftiger Mensch
in der gleichen Lage ergreifen würde, wenn er keinerlei Entschädigung zu erwarten
hätte (BGE 133 V 509 E. 4.2). Vor diesem Hintergrund war die Beschwerdeführerin
auch ohne ausdrückliche Aufforderung von Seiten Beschwerdegegnerin bis Ende 2017
zur Gewichtsabnahme unter einen BMI von 30 kg/m verpflichtet. Dass diese
Gewichtsabnahme nicht zumutbar gewesen oder dass der Zeitraum dafür von den
Gutachtern zu kurz angesetzt worden wäre, macht die Beschwerdeführerin nicht
geltend und es sind den Akten auch keine dementsprechenden Anhaltspunkte zu
entnehmen. Folglich ist auch auf die von den Gutachtern festgelegte zeitliche
Limitierung der Arbeitsfähigkeitseinschränkung von 80% bis 31. Dezember 2017
abzustellen.
3.5.1.
2
Soweit die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort diesbezüglich die
Ansicht vertritt, die Gutachterstelle habe ihre pessimistische
Arbeitsfähigkeitsschätzung bezüglich einer adaptierten Tätigkeit bei der
3.5.2.
https://www.koordination.ch/fileadmin/files/bge/133/133V504.pdf
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4.
Beschwerdeführerin "quasi vorsorglich festgelegt", was invalidenversicherungsrechtlich
nicht zulässig sei, da damit eine versicherte Person präventiv (teilweise) arbeitsunfähig
geschrieben werde (act. G 4 III Ziff. 2), kann ihr nicht gefolgt werden. Denn die
Gutachter haben nicht - wie dies der RAD am 18. Januar 2018 gemäss
Strategieprotokoll der Beschwerdegegnerin festgestellt hat - darauf hingewiesen, dass
ohne Gewichtsreduktion instabile Blutdruck- und Blutzuckerverhältnisse mit
entsprechenden Komplikationen zu erwarten seien (IV-act. 157-2). Vielmehr haben sie
festgehalten, dass ohne Gewährung eines angemessenen Zeitraums für die
Gewichtsreduktion solche instabilen Verhältnisse mit entsprechenden Komplikationen
zu erwarten wären (IV-act. 154-2). Für das Bundesgericht spricht nichts dagegen, für
den Fall, dass eine versicherte Person nur bis zum Abschluss einer zumutbaren
Abmagerungskur in rentenbegründendem Ausmass invalid ist, das Mass und den
Beginn der ihr diesfalls bis zu diesem Zeitpunkt zustehenden, befristeten Rente
entsprechend der gutachterlichen Beurteilung ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit bis
zur Durchführung einer geeigneten Abmagerungskur festzusetzen (vgl. hierzu Urteil
vom 14. Juli 2000, I 53/00, E. 4b).
Zusammenfassend kann das PMEDA-Gutachten als medizinische Grundlage für
die Bemessung des Invaliditätsgrades beigezogen werden und es ist bei der
Beschwerdeführerin grundsätzlich ab dem 30. August 2013 bis 31. Dezember 2017 von
einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 80%
auszugehen. Mit dem RAD ist jedoch jeweils während drei Monaten nach den
operativen Eingriffen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit
anzunehmen, also vom 30. August bis 29. November 2013 und vom 5. Mai bis 4.
August 2015 (vgl. IV-act. 143-2 i.V.m. IV-act. 112).
3.6.
Die Versicherte hat sich bereits am 1. Oktober 2012 nach dem Unfall vom 26. Mai
2012 für Leistungen der IV angemeldet (IV-act. 1) und das Wartejahr am 25. Mai 2013
bestanden (Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% ab 26. Mai 2012 während eines
Jahres [vgl. Fremdakten 7-294 und 7-370]; vgl. hierzu Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG sowie
nachstehend Erwägung 5.4). Folglich käme der Beginn einer allfälligen Rente
vorliegend bereits auf den 1. Mai 2013 zu liegen (vgl. Art. 28 Abs. 1 und Abs. 3 sowie
Art. 29 Abs. 1 IVG). Deshalb gilt es im Folgenden die Arbeitsunfähigkeit auch für die
Zeit vom 26. Mai 2012 bis zum 25. Mai 2013 und nachfolgend bis zum 29. August 2013
die Erwerbsunfähigkeit festzulegen, für welche Zeiträume die Gutachter der PMEDA
keine Aussage getroffen haben.
4.1.
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Die Beschwerdeführerin war nach dem Unfall vom 26. Mai 2012 von den
behandelnden Ärzten (jeweils zuständiger Arzt der G._ als Hausarztpraxis,
zuständige Ärzte der Klinik Bellikon, Dr. D._) bis zum 11. November 2012 zu 100%
und ab dem 12. November 2012 bis zur Operation vom 30. August 2013 zu 50%
krankgeschrieben worden (IV-act. 20, Fremdakten 5-93, 7-303, 7-370). Die Suva
leistete bis zur Verneinung der Unfalladäquanz am 22. Juli 2013 Taggelder gestützt auf
diese 50%ige Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit (vgl. Fremdakten 7-381 sowie
Fremdakten 11). Der zuständige Arzt des RAD empfahl am 23. Mai 2013, weiterhin mit
der Suva zu koordinieren (IV-act. 36-2), und am 12. August 2013 nannte er - in
Abweichung von den behandelnden Ärzten - gestützt auf die Akten der Suva ab Juni
2013 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten (IV-act. 58-2). Weder die
HWS-Distorsion noch die Anpassungsstörung seien invalidisierend und die
neurologisch beschriebenen Gefühlsstörungen würden sich in einer
leidensangepassten Tätigkeit nicht auswirken, ebenso wie die leichten
Bewegungseinschränkungen und die anderen unfallfremden Gesundheitsschäden. Eine
Auseinandersetzung mit den abweichenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte
nahm er zu diesem Zeitpunkt nicht vor (IV-act. 58-1 f.). Am 21. Januar 2016 hielt die IV-
Stelle im Strategie-Protokoll wohl in Bezug auf den Vorbescheid vom 30. April 2014
betreffend Rente fest, "der Fall sei mit ungenügenden medizinischen Akten abgewiesen
worden" (IV-act. 86).
4.2.
Vor dem Hintergrund, dass dem RAD keine anderen Informationen betreffend den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin vorlagen als den behandelnden Ärzten
und der Suva, dass die Suva über den Juni 2013 hinaus auf die attestierte 50%ige
Arbeitsunfähigkeit abstellte und ihre Leistungen nicht mangels Erwerbsunfähigkeit,
sondern mangels Adäquanz zum Unfall vom 26. Mai 2012 eingestellt hat, und dass die
IV-Stelle selber nicht an dieser Einschätzung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit festgehalten hat (vgl. IV-act. 86), kann jedoch auf diese
Beurteilung des RAD nicht abgestellt werden. Auch die vom behandelnden
Neurochirurgen Dr. D._ am 18. März 2016 erwähnte vollständige Arbeitsunfähigkeit
vom 26. Mai 2012 bis 30. September 2015 (IV-act. 97-3) kann nicht berücksichtigt
werden, da sie augenscheinlich seinen jeweils echtzeitlich ausgestellten Arbeits- und
Erwerbsunfähigkeitszeugnissen im Umfang von 50% (vgl. beispielsweise Fremdakten
7-303 und 7-370 sowie IV-act. 52, 56 und 63) zuwiderläuft.
4.3.
Nach dem Gesagten ist für die Zeit vom 26. Mai bis 11. November 2012 von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen und für die Zeit vom 12. November 2012
bis zum 29. August 2013 ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gestützt auf die
4.4.
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5.
echtzeitlichen Einschätzungen der behandelnden Ärzte eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in
adaptierten Tätigkeiten anzunehmen.
Ausgehend von einer 100%igen Arbeits- resp. Erwerbsunfähigkeit vom 26. Mai bis
11. November 2012, vom 30. August bis 29. November 2013 und vom 5. Mai bis 4.
August 2015, von einer 50%igen Arbeits- resp. Erwerbsunfähigkeit vom 12. November
2012 bis 29. August 2013 und von einer 80%igen Erwerbsunfähigkeit vom
30. November 2013 bis 4. Mai 2015 und vom 5. August 2015 bis 31. Dezember 2017
bleiben die erwerblichen Auswirkungen der jeweiligen Leistungsbeeinträchtigung zu
prüfen. Dabei ist der Invaliditätsgrad anhand eines Einkommensvergleichs zu ermitteln
(vgl. Erwägung 2).
5.1.
Die Beschwerdeführerin war seit ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 2007 meist
über die B._ in Einsatzbetrieben tätig (IV-act. 88 sowie 32-1), am längsten wohl von
2010 bis Dezember 2011 in der H._ AG (vgl. IV-act. 32-3 sowie 142-14, 19, 34). Bis
ins Jahr 2016 hat sie noch Temporäreinsätze in 10 bis 20%igem Pensum absolviert
(vgl. IV-act. 142-19 und IV-act. 95). Vor diesem Hintergrund ist sowohl hinsichtlich des
hypothetischen Valideneinkommens als auch bezüglich des hypothetischen
Invalideneinkommens der Lohn für vollzeitlich ausgeübte Hilfsarbeiten zugrunde zu
legen. Dementsprechend kann der Einkommensvergleich anhand eines sogenannten
Prozentvergleichs vorgenommen werden. Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem
Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung eines Abzugs vom
Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75). Ob ein Tabellenlohnabzug vorzunehmen ist und
wenn ja, in welcher Höhe, kann vorliegend jedoch weitgehend offenbleiben. Denn
ausgehend von der 50%igen Erwerbsunfähigkeit vom 12. November 2012 bis zum
29. August 2013 beträgt der hieraus resultierende Invaliditätsgrad ohne
Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs 50% und unter Berücksichtigung eines bis
zu 15%igen Abzugs - welcher in der vorliegenden Konstellation sicher das Maximum
bildet - maximal 58% (100% - [50% x 0.85]). Und ausgehend von einer 100%igen
respektive 80%igen Erwerbsunfähigkeit in der Zeit vom 30. August 2013 bis zum
31. Dezember 2017 erreicht der gestützt darauf zu errechnende Invaliditätsgrad bereits
ohne Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs das für eine ganze Rente notwendige
Ausmass.
5.2.
Bei der rückwirkenden Zusprache einer abgestuften und/oder befristeten
Invalidenrente finden gemäss Rechtsprechung die für die Rentenrevision geltenden
Normen (Art. 17 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 88a der Verordnung über die
5.3.
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6.
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) analog Anwendung (Urteil des Bundesgerichts
vom 16. April 2013, 8C_93/2013, E. 2; BGE 121 V 275 E. 6b/dd mit Hinweis). Gemäss
Art. 88a IVV ist bei einer Verbesserung (Abs. 1) oder Verschlechterung (Abs. 2) der
Erwerbsfähigkeit die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berücksichtigen, sobald
sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat. Renten werden stets
für den ganzen Kalendermonat im Voraus ausbezahlt (Art. 19 Abs. 3 ATSG).
Die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin während des
Wartejahres (26. Mai 2012 bis 25. Mai 2013) gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG betrug
abgerundet 73% (170 Tage à 100% und 195 Tage à 50% geteilt durch 365 Tage). Eine
ganze Rente kann jedoch nur dann zugesprochen werden, wenn die durchschnittliche
Arbeitsunfähigkeit für das abgelaufene Jahr wenigstens 70% betragen hat und
weiterhin eine Erwerbsunfähigkeit von mindestens gleichem Ausmass besteht (ZAK
1980 S. 282). Da bei der Beschwerdeführerin bei Eintritt der Invalidität am 26. Mai 2013
noch eine 50%ige Erwerbsunfähigkeit vorlag, hat sie folglich ab dem 1. Mai 2013
Anspruch auf eine halbe Rente der IV (vgl. zum Invaliditätsgrad vorstehend Erwägung
5.2). In Anwendung der gemäss Art. 88a IVV zu beachtenden Anpassungszeit von
jeweils drei Monaten sowie unter Berücksichtigung von Art. 19 Abs. 3 ATSG hat sie
befristet mit Wirkung ab 1. Mai 2013 bis 30. November 2013 Anspruch auf die halbe
Invalidenrente und mit Wirkung ab 1. Dezember 2013 bis 31. März 2018 Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente.
5.4.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 18.
Januar 2018 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Mai 2013 bis
30. November 2013 eine halbe und mit Wirkung ab 1. Dezember 2013 bis 31. März
2018 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. In Anbetracht der
Tatsache, dass der Beschwerdeführerin statt der beantragten unbefristeten Rente nur
eine befristete Rente zugesprochen wird, ist ermessensweise von einem hälftigen
Obsiegen auszugehen. Entsprechend bezahlen die Beschwerdegegnerin und die
Beschwerdeführerin die Gerichtsgebühr im Umfang von je Fr. 300.--. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin im Umfang von Fr. 300.--
daran anzurechnen und im Umfang von Fr. 300.-- zurückzuerstatten.
6.2.
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