Decision ID: e6e26b49-5739-4d22-8e70-1b48c38fbbb3
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1959, war Bauarbeiter bei der
Y._
und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherung (SUVA) unfallversichert (
Urk.
10/4) Am 1
1.
Januar 2006 wurde er von herunterstürzen
den Gestein
s
brocken getroffen und zog sich dabei eine dislozierte
Femurschaft
fraktur
rechts, eine distale Unterarmfraktur rechts sowie eine laterale
Malleo
larfraktur
links zu (
Urk.
10/759). Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistun
gen (Heilbehandlungen, Taggelder).
Mit
Verfügung vom 3
0.
Oktober 2012 sprach die SUVA eine
Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsunf
ähigkeit von 40
%
mit Wirkung
ab
1.
Oktober 2012
(
Urk.
10/807) und mit weiterer Verfügung vom 1
9.
November 2012 eine
Integ
ritätsentschädigung
von
Fr.
13‘350.-- entsprechend einer Integritätseinbusse von 12,5
%
zu (
Urk.
10/814).
Gegen die rentenzusprechende Verfügung vom 3
0.
Oktober 2012 liess der Versi
cherte Einsprache erheben. Diese hiess die SUVA mit Entscheid vom 1
8.
Juni 2013 gut
und sprach dem Versicherten die Invalidenrente ab
1.
Oktober 2012 gestützt auf eine Erwerbsunfähigkeit von 48
%
zu (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am 1
7.
Juli 2013
Beschwerde erheben und beantra
gen, es sei ihm eine höhere Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung zurückzuweisen. In prozessuale
r Hinsicht liess er um
unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
ersuchen (
Urk.
1 S. 2). Die SUVA schloss in der Beschwerdeantwort vom
1
3.
September 2013 auf Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Zu prüfen ist
vorliegend einzig
die
Höhe der
dem Beschwerdeführer zustehen
den
Invalidenrente.
I
m
Einspracheentscheid
sind
die für Ansprüche auf eine Invalidenrente massgeblichen Bestimmungen und Grundsätz
e zutreffend darge
legt. D
arauf
wird
verwiesen.
2.
Die SUVA führte im
Einspracheentscheid
gestützt auf die Beurteilung des Kreis
arztes
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für Chirurgie, aus, dem Beschwerdeführer sei die bisherige Tätigkeit als Bauarbeiter nicht mehr möglich. In einer
leidensan
g
epassten
Tätigkeit bestehe
hingegen
eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
. Gestützt auf die
vom Bundesamt für Statistik
herausgegebene
Lohnstrukturerhebung
(LSE
, Tabelle TA1
)
ermittelte die SUVA
bei einem 80%-Pensum ein Einkom
men von
Fr.
49‘936.--. Davon nahm sie einen leidensbedingten Abzug von 10
%
vor
, was
ein massgebliches
hypothetisches
Invalideneinkommen von
Fr.
44‘942.--
ergab
. Verglichen mit dem
Valideneinkommen
von
Fr.
86‘850.-- resultierte ein Invaliditätsgrad von 48
%
(
Urk.
2).
3.
3.1
Strittig ist einzig die Höhe des Invalideneinkommens. Das
Valideneinkommen
ist zu Recht unbestritten geblieben (vgl. dazu die Angaben der
A._
vom 1
6.
April 2013,
Urk.
10/823).
Der Beschwerdeführer macht geltend, im
Einspracheentscheid
werde von einer Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit von 80
%
ausgegangen. Gemäss der kreisärztlichen Beurteilung seien aber noch 20
%
gestützt auf einen erhöhten Pausenbedarf geschuldet. Diese zusätzlichen 20
%
seien unberück
sichtigt geblieben. Im Weiteren bemängelt er die Höhe des leidensbedingten Abzugs. Seiner Ansicht nach ist dieser auf 25
%
festzusetzen (
Urk.
1)
.
3.2
Der Kreisarzt h
ielt zur
Frage der
Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit
Folgendes fest:
„Bei dem Versicherten besteht ab dem Untersuchungstag, 02.05.2012 wieder eine 80%ige Arbeitsfähigke
it mit folgendem unfallbedingtem
Zumutbarkeits
pr
ofil
:
Leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten, überwiegend im Sitzen (80
%
) ohne repetitives Treppengehen, ohne das Besteigen von Leitern und Gerüsten, ohne das Gehen oder gar Tragen von Lasten auf unebenem Gelände, ohne hockende, kniende und kauernde Arbeiten mit einer Gewichtsbelastung von 10 kg auf ebenem Gelände, mit einer Gehstrecke ohne Gewichtsbelastung von selten bis 500 m und repetitiv bis 30 m sind zu 80
%
zumutbar. Für die rechte Hand ergeben sich die obengenannten
Gewichtseinschränkungen und es müssen häufige
Umwendbewegungen
unter Last (z.B. Ein- und Ausdrehen schwergängiger Schrauben) vermieden werden. Ausserdem sind abstützende Arbeiten bei dorsal flektiertem Handgelenk nicht zumutbar. Die fehlenden 20
%
sind noch einem erhöhten Pausenbedarf geschuldet.“
Aus dieser Beurteilung geht
hervor,
dass die A
rbeitsfähigkeit
in
leidens
angepass
ter
Tätigkeit
80
%
beträgt.
Dieses Ergebnis wird bereits im ein
leitenden Satz klargestellt.
Darauf ist abzustellen.
Eine volle Einsatzfähigkeit für leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit ist deshalb nicht zumut
bar, weil ein erhöhter Pausenbedarf im Umfang von 20
%
besteht.
Der Beschwerdeführer
scheint aus der Verwendung des Wortes „noch“ im letzten Satz der kreisärztlichen Beurteilung abzuleiten, dass
ausgehend von der Arbeitsfähigkeit von 80
%
zusätzlich ein
Abzug von 20
%
wegen des erhöhten Pausenbedarfs
vorzunehmen wäre.
Dass
diese Interpretation aber nicht der Mei
nung des Kreisarztes entspricht,
ergibt sich mit hinreichender Klarheit aus dem Gesamtzusammenhang.
3.3
Wird das Invalideneinkommen - wie hier - auf der Grundlage der LSE ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Ohne für jedes zur Anwendung gelangende Merkmal separat quantifizierte Abzüge vorzunehmen, ist der Einfluss aller Merkmale auf das Invalideneinkommen (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäf
ti
gungs
grad) unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflicht
gemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Der Abzug darf 25
%
nicht über
steigen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327 f.;
Bundesgerichtsurteil 8C_91/2013 vom 2
2.
August 2013 E. 3.1). Die Frage nach der Höhe
des (im konkreten Fall grundsätzlich angezeigt
en) Leidensabzuges
ist
eine
Ermessensfrage
.
Das kanto
nale Sozialversicherungsgericht darf sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen, sondern muss sich auf Gege
benheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE
137 V 71 E. 5.1,
126 V 75 E. 6
i.f
. mit Hinweis).
Die SUVA gewährte einen leidensbedingten Abzug von 10
%
unter Hinweis auf die leidensbedingte Einschränkung und das reduzierte Arbeitspensum
durch den erhöhten Pausenbedarf
(
Urk.
2 S. 5).
Dazu ist festzuhalten, dass
der Beschwer
deführer in seiner Leistungsfähigkeit zufolge des Gesundheitsschadens auch im Rahmen einer geeigneten leichteren Tätigkeit beeinträchtigt ist und deshalb möglicherweise ein
en geringeren
Lohn in Kauf nehmen muss. Dem ist aber bereits durch die Annahme einer um 20
%
reduzierten Arbeitsfähigkeit infolge erhöhten Pausenbedarfs Rechnung getragen worden. Ein zusätzlicher Abzug wegen der leidensbedingten Einschränkung kann daher, wenn überhaupt, nur noch in geringem Masse erfolgen (Bundesgerichtsurteil 9C_678/2008 vom 2
9.
Januar 2009 E. 4.4, Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom
9.
Dezember 2002 U 200/01 E. 4.2.3). Der Beschwerdeführer vermag eine geeig
nete Tätigkeit im Rahmen eine
s Rendements
von 80
%
ganztags auszuüben, weshalb ein Abzug wegen Teilzeitbeschäftigung entfällt
(
vgl. etwa bereits
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 332/01
vom
5.
November 2003
E.
3.2.4
; vgl. ferner Bundesgerichtsurteil 8C_20/2012 vom
4.
April 2012 E. 3.2 und 3.3
). Ebe
nfalls zu keinem Abzug führen
der Ausländerstatus und das Alter. Der Be
schwerdeführer war im Zeitpunkt des Re
ntenbeginns 53
Jahre alt und er
verfügt über die Niederlassungs
bewilligung C
(
Urk.
10/138)
. Beides fällt hin
sichtlich der Lohnhöhe
tendenziell
positiv ins Gewicht (LSE 2004 Tabellen TA9 und TA12; Bundesgerichtsurteil U 11/07 vom 2
7.
Febr
uar 2008 E. 8.4). Umge
kehrt ver
hält
es sich hinsichtlich der
Dienstjahre. Diesem
Aspekt kommt aber nur untergeordnete Bedeutung zu, da im privaten Sektor die Bedeutung der Dienstjahre abnimmt, je niedriger das Anforderungsprofil ist (vgl. etwa
Bundes
gerichtsurteil
U 11/07 vom 2
7.
Februar 2008 E. 8.
4). Vor diesem Hintergrund ist der von der SUVA
gesamt
haft
gewährte
Abzug von 10
%
nicht zu beanstanden.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
4.
Das Gesuch um
unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
ist mangels hinreichender Substantiierung der Bedürftigkeit abzuweisen.
Gemäss eigenen Angaben erhält der Beschwerdeführer Rentenleistungen von
Fr.
3‘037.-- monatlich
. Der im glei
chen Haushalt lebende volljährige Sohn leistet monatlich
Fr.
1‘379.-- an die Haushaltkosten. Insgesamt ist dem Beschwerdeführer somit ein monatliches Einkommen von
Fr.
4‘416.-- anzurechnen. Dem stehen an
monatlichen Ausla
gen
der
Grundbetrag von
Fr.
1‘700.--,
Fr.
1‘392.-- für die Wohnungsmiete,
Fr.
500.-- für Steuern und
Fr.
39.-- für die
Billag
gegenüber
(
Urk.
8/1-3), was
Fr.
3‘631.-- macht
. Weitere Ausgaben sind nicht ausgewiesen. Damit ist die Bedürftigkeit zu verneinen.