Decision ID: 5ec8fe84-cadd-5784-86c2-2d4ea5558f01
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1986 und von Beruf Informatiker mit eidgenössischem Fachausweis (Fähigkeitszeugnis vom 18. August 2006, Urk. 7/4; Ausbildungsbestätigung vom Mai 2012,
Urk.
3/5), ist seit dem 1. April 2012
in einem Teilzeitpensum (80 %, ab 1. Februar 2015 60 %) als Consultant bei der
Y._
erwerbstätig (Urk. 7/26). Am 13.
Januar 2015 (Eingangsdatum) meldete er sich unter Hinweis auf
seit Oktober 2013 bestehende
Nackenbeschwerden
und Kopfschmerzen
zum Bezug von Leistungen der
Invali
denversicherung an (Urk.
7/5).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf beruflich-erwerbliche und medizinische Abklärungen, wo
bei sie das Gutachten der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS)
Z._
, vom 3. Juli 2017 (Urk. 7/62) einholte. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/66), anlässlich dess
en der Bericht von Dr. med.
A._
, Facharzt für Neurologie, Leiter
B._
, vom 9. Oktober 2017 (Urk. 7/81/1-2) und der Bericht von
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten,
D._
, vom 2. November 2017 (Urk. 7/81/3) eingereicht wur
den, verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. Dezember 2017 (Urk.
2) einen Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente.
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
5.
Januar 2018 Beschwerde (Urk. 1) beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die Verfügung vom 11. Dezember 2017 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflich
ten, ihm die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu erbringen, insbesondere ihm ab 1. Juli 2015, eventualiter ab 1. Februar 2016, eine Invalidenrente auszurich
ten.
Subeventualiter
sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weitere medizi
nische Abklärungen zu tätigen und gestützt darauf den Invaliditätsgrad zu bestimmen. Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
2.
März 2018 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, wovon dem Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom
5.
März 2018 (
Urk.
8) Kenntnis gegeben wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Bei einer hypothetisch im Gesundheitsfall lediglich teilerwerbstätigen versicher
ten Person
ohne
Aufgabenbereich im Sinne von
Art.
27
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
bemisst sich die Invalidität rechtsprechungsgemäss nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs oder einer Unter
variante (Schätzungs- oder Prozentvergleich, ausserordentliches Bemessungsver
fahren) davon. Dabei ist das
Valideneinkommen
nach Massgabe der ohne Gesundheitsschaden ausgeübten Teilerwerbstätigkeit festzulegen, wobei entschei
dend ist, was die versicherte Person als Gesunde tatsächlich an Einkommen erzielen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte. Wäre sie gesund
heitlich in der Lage, voll erwerbstätig zu sein, reduziert sie aber das Arbeitspen
sum, um mehr Freizeit zu haben, hat dafür nicht die Invalidenversicherung einzustehen. Das Invalideneinkommen bestimmt sich entsprechend den gesetzlichen Vorgaben danach, was die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte. Dabei kann das
–
ärztlich festzulegende
–
Arbeitspensum unter Umständen grösser sein als das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung geleistete (BGE 131 V
51 E. 5.1.2; wiedergegeben in BGE 142 V 290 E. 5).
In Präzisierung dieser Rechtsprechung hat das Bundesgericht in BGE 142 V 290 entschieden, dass bei teilerwerbstätigen Versicherten ohne Aufgabenbereich die anhand der Einkommensvergleichsmethode zu ermittelnde Einschränkung im (allein versicherten) erwerblichen Bereich proportional – im Umfang der hypo
thetischen Teilerwerbstätigkeit – zu berücksichtigen ist (E. 7.3).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers mit der Begründung, die vorhan
denen gesundheitlichen Einschränkungen begründeten keine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit. Es liege eine volle Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit vor, woran der im
Vorbescheidverfahren
aufgelegte Bericht von Dr.
A._
vom
B._
vom 9. Oktober 2017 nichts ändere. Dieser und der (neurologische) MEDAS-Gutachter seien sich über die objektivierbaren Befunde einig, jedoch werde die Arbeitsfähigkeit unterschiedlich bewertet. Die neu durch
geführten ORL-Abklärungen hätten sodann Normalbefunde ergeben.
2.2
Der Beschwerdeführer machte vorweg eine
Gehörsverletzung,
namentlich
eine Verletzung
der Begründungspflicht, geltend (Urk. 1 S. 12 f. Ziff. 20-21). Sodann kritisierte er insbesondere den neurologischen Teil des MEDAS-Gutachtens in verschiedener Hinsicht und postulierte, darauf könne nicht abgestellt werden (S. 13-19 Ziff. 23-32). Stattdessen sei mit Dr.
A._
eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit in der aktuellen, sowohl angestammten als auch ideal leidens
angepassten Tätigkeit anzunehmen. Da er nach wie vor dieselbe Tätigkeit bei demselben Arbeitgeber ausführe wie vor Eintritt des Gesundheitsschadens, resul
tiere anhand eines Prozentvergleichs ein Invaliditätsgrad von mindestens 40 %, sodass ihm ab 1. Februar 2016 (ein Jahr nach Attestierung einer Arbeitsunfähig
keit von 40 %) eine
Viertelsrente
zustehe. Der Umstand, dass er als Gesunder weit höhere Boni erzielen würde als er dies heute tue, spreche indes für einen durch Einkommensvergleich zu ermittelnden höheren Invaliditätsgrad, wobei
diesfalls
der Rentenanspruch ab 1. Juni 2013 (ein Jahr nach Beginn der Arbeitsunfähig
keit) respektive 1. Juli 2015 (sechs Monate nach Geltendmachung des Anspruchs) zu prüfen sei (S. 19-21 Ziff. 33-35).
3.
3.1
Vorweg zu prüfen ist die Rüge der Gehörsverletzung beziehungsweise der Ver
letzung der Begründungspflicht durch die Beschwerdegegnerin.
Der Beschwerdeführer bringt vor, die Beschwerdegegnerin habe sich in der ange
fochtenen Verfügung vom 11. Dezember 2017 (Urk. 2) weder
mit der überzeu
genden Einschätzung von Dr.
A._
(Berichte vom 14. November 2016 und 9. Oktober 2017) noch mit den luziden Ausführungen seiner vormaligen Rechts
vertreterin in der
Einwandergänzung
vom
8.
November 2017 in der gebotenen Weise auseinandergesetzt. Stattdessen habe sie lediglich die nicht nachvollzieh
bare Stellungnahme ihres regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom 29. Novem
ber 2017 als Begründung in die Verfügung hineinkopiert. Dieses Verhalten nähre Zweifel am guten Glauben der Beschwerdegegnerin, dem sie eigentlich verpflich
tet wäre, und werfe die Frage auf, ob sie überhaupt gewillt gewesen sei, sein Leistungsbegehren seriös zu prüfen. Mit ihren kurzen, nichts aussagenden Aus
führungen habe die Beschwerdegegnerin seinen Anspruch auf Begründung und damit sein rechtliches Gehör verletzt (Urk. 1 S. 12 f. Ziff. 20-21).
3.2
Die
aus dem Ge
hörsanspruch (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung, BV; Art.
42 Satz
1 ATSG) abgeleitet
e Begründungspflicht (Art. 49 Abs.
3 ATSG) erfordert nicht, dass sich die Behörde mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinan
dersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr darf sich die Begründung auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschrän
ken, so dass dieser sachbezogen angefochten werden kan
n (BGE 126 I 97 E. 2b,
124 V 180 E.
1a; Urteil des Bundesgerichts 8C_683/2018 vom 30. April 2019 E. 4.1.2).
Diese Grundsätze sind vorliegend gewahrt: So nannte die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 1
1.
Dezember 2017 (Urk. 2) die für ihren Ent
scheid wesentlichen Überlegungen. Dabei ging sie auch auf den Einwand des Beschwerdeführers vom 8. November 2017 und die damit eingereichten Arztbe
richte (
Urk.
7/81-82) ein und führte aus, weshalb sie am MEDAS-Gutachten vom
3.
Juli 2017 als
Entscheidgrundlage
festhielt und diesem gegenüber der abwei
chenden Einschätzung von
Dr.
A._
den Vorzug gab. Dass sie in diesem Zusammenhang auf die Stellungnahme des RAD vom 29. November 2017 (Urk. 7/83/2) zurückgriff, kann ihr nicht angelastet werden (zu den Aufgaben des RAD vgl. Art. 59 Abs. 2
bis
IVG und Art. 49 IVV). Ebenso wenig als
Gehörsver
letzung zu werten ist der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin dem Einwand inhaltlich keine Folge leistete. Schliesslich war es dem Beschwerdeführer offen
sichtlich möglich, den abschlägigen Rentenentscheid sachgerecht anzufechten. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör und insbesondere der Begründungspflicht durch die Beschwerdegegnerin liegt damit nicht vor. Im Übrigen wäre eine solche vorliegend als geheilt zu betrachten (
vgl
. dazu BGE 137 I 195 E. 2.3.2, 133 I 201 E.
2.2)
, kommt doch der hiesigen Rechtsmittelinstanz umfassende Kognition zu.
4.
4.1
4.1.1
Im MEDAS-Gutachten vom 3. Juli 2017 (
Urk. 7/62/2-20), beruhend auf allge
mein-internistischen, psychiatrischen, rheumatologischen und neurologischen Untersuchungen vom 30. und 31. Mai 2017, wurden folgende Diagnosen gestellt (Gutachten S. 17 Ziff. 5):
-
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
•
keine
-
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
•
Mischkopfschmerz (ICD-10 G44.8) mit Migräne (ICD-10 G43), anam
nestisch Spannungskopfschmerzen (ICD-10 G44.2), mögliche Sinusi
tis
•
Schmerzmittelübergebrauch (ICD-10 F55.3)
•
Status nach Velosturz 02/15 mit Schädelprellung und möglicher Commotio cerebri (ICD-10 S06.9)
•
Rhinitis
allergica
(ICD-10 J30.1)
•
Penicillin-Allergie (ICD-10 Z88.0)
•
Eierallergie (ICD-10 E78.1)
•
Abnorme Schilddrüsenwerte (ICD-10 R89.1)
4.1.2
Der allgemein-internistische Sachverständige hielt anamnestisch fest, befragt zum jetzigen Leiden habe der Beschwerdeführer vorweg eine Eierallergie beschrieben. Ebenso habe er einen Heuschnupfen mit Rhinitis bei Kontakt mit
Gräserpollen
, eine Penicillin-Allergie, eine bis in die Pubertät bestehende Neuro
dermitis sowie Nackenverspannungen beidseits mit Ausstrahlung in die Schulter
gegend beidseits, welche beim Sitzen länger als 3-4 Stunden aufträten, angege
ben. Erst am Schluss habe er seine Migräne erwähnt, welche spontan, ohne bestimmte Auslöser, auftrete. Die Migränekopfschmerzen seien frontal beidseits eher auf der linken Seite lokalisiert und manchmal mit Übelkeit
verbunden. Die Attacken dauerten zirka 1-4 Stunden, selten auch den ganzen Tag; in leichterem Ausmass träten sie praktisch täglich auf, in stärkerem Ausmass jedoch zirka zwei
mal pro Woche. Die Migränekopfschmerzen seien auch verbunden mit einer Lichtempfindlichkeit (Bildschirmarbeit). Draussen müsse er eine Sonnenbrille tra
gen. Gegen die Migränekopfschmerzen helfe
Tramal
, was jedoch Übelkeit verur
sache. Als weiteres Problem bestehe eine allgemeine Müdigkeit (Gutachten S. 4 Ziff. 3.1.1).
In seiner Beurteilung erwähnte der Gutachter einen unauffälligen allgemein-internistischen Status und vermerkte, in der Laboruntersuchung sei ein erhöhter TSH-Wert bei gleichzeitig erhöhtem ft3 und normalem ft4 aufgefallen. Dagegen weise der externe Laborbefund vom 27. Februar 2017 einen TSH-Wert im Norm
bereich aus. Aus allgemein-internistischer Sicht könne keine Diagnose mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Es bestehe eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit (Gutachten S. 6 Ziff. 3.4). Als Massnahme empfehle er eine Nachkontrolle der Schilddrüsenwerte (Ziff. 3.7).
4.1.3
Der psychiatrische Sachverständige führte aus, der Beschwerdeführer habe ange
geben, unter Migräne mit Schmerzen im Stirnbereich zu leiden. Im Jahr 2013 sei die Migräne «plötzlich da gewesen». Er habe ein Jahr lang versucht, die Beschwer
den selber in den Griff zu bekommen. Im Jahr 2014 seien sie schlimmer geworden und seine Leistung habe abgenommen, vor allem bei der Arbeit. Er arbeite zu 60 % als Informatiker im Aussendienst und sei dadurch flexibel. Tagsüber sei er oft müde. An Medikamenten nehme er
Orfiril
und bei Bedarf
Tramal
(1-2 Mal pro Woche, zuletzt vorletzte Woche und am Vortag der Begutachtung), was Übelkeit hervorrufe. Migräne habe er mehrmals in der Woche. Die Konzentration sei unter den Schmerzen schlecht und werde durch die Einnahme von
Tramal
auch nicht besser (Gutachten S. 6 Ziff. 4.1.1.2). Befragt zum Tagesablauf und zur Freizeitge
staltung habe der Beschwerdeführer berichtet, er fahre mit dem Auto zu Kunden und sei tageweise im Homeoffice beschäftigt, wo ihm ein von der IV finanziertes Stehpult zur Verfügung stehe. Er gehe ins «
E._
Training», das auch von der IV bezahlt werde, und absolviere den
Vita
Parcours. Es gebe aber auch Tage, an denen er praktisch die ganze Zeit nur im verdunkelten Zimmer liege. Die Haus
haltsarbeiten erledige er selber. Er habe eine Freundin und einige Kollegen, mit denen er gerne geschäftlich rede, vor allem bedingt durch die gemeinsamen beruflichen Interessen (Gutachten S. 8 Ziff. 4.1.1.2).
Der psychiatrische Gutachter beurteilte, er habe keine psychopathologischen Befunde für die Diagnose einer psychischen Störung mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit erheben können. Die Migräne und die Arbeitsfähigkeit müssten aus neurologischer Sicht beurteilt werden. Es bestehe eine mögliche Mitverursachung der Migräne durch Stress, wie der Beschwerdeführer im Untersuchungsgespräch angegeben habe. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit.
Die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers, nur noch eingeschränkt arbeiten zu können, könne mit objektiv
erhebbaren
psychiatrischen Befunden nicht begrün
det werden (Gutachten S. 8 f. Ziff. 4.1.3-4.1.6). Im Untersuchungsgespräch habe sich der Beschwerdeführer gut
konzentrieren können und keine Schmerzsympto
matik gezeigt. Er fahre nach wie vor selber Auto und sei auch beruflich mit dem Auto im Aussendienst unterwegs (Gutachten S. 11 Ziff. 4.1.10.4).
4.1.4
In rheumatologischer Hinsicht wurde zur Anamnese festgehalten, eigenen Anga
ben zufolge leide der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2013 unter Migräne, wobei zunächst Kopfschmerzen eingesetzt hätten und im weiteren Verlauf zunächst Lichtscheu und vor einigen Monaten auch Übelkeit hinzugekommen seien. Ende 2014 sei es zu einer deutlichen Verschlechterung der Symptomatik gekommen. Die Migräneattacken seien immer häufiger aufgetreten. Im Zusammenhang mit einem im Februar 2015 erlittenen Velosturz sei es vorübergehend zu einer Ver
schlechterung gekommen. Die ab dem Jahr 2013 durchgeführten Therapien (Osteopathie, Massagen, Physiotherapie, Akupunktur) hätten nur kurzfristig zu einer Linderung der Beschwerden geführt. Seit 2015 sei er im
B._
bei Dr.
A._
in Behandlung, welcher nach verschiedenen Abklärun
gen die Diagnose einer Migräne bestätigt habe. Aktuell verzeichne er im Schnitt zweimal pro Woche über einige Stunden hinweg starke Kopfschmerzen mit Licht
scheu und Übelkeit. Bei Auftreten dieser Symptomatik nehme er
Tramal
-Tropfen ein. Andere Schmerzmedikamente hätten keinen ausreichenden therapeutischen Effekt gehabt. Gelegentlich behelfe er sich bei Kunden mit Zomig Nasenspray. Die Schmerzsymptomatik trete häufig am Ende eines Arbeitstages auf. Er sei dadurch in seiner Konzentration und Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Seit April 2014 trainiere er zweimal pro Woche bei «
E._
», was ihm guttue (Gutachten S. 11 f. Ziff. 4.2.1).
Die rheumatologische Gutachterin hielt in ihrer Beurteilung fest, bezüglich der vom Beschwerdeführer angegebenen Migräne mit Kopfschmerzen, Lichtscheu und Übelkeit werde auf das neurologische Teilgutachten verwiesen. Hinweise auf ein chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom als Ursache der Beschwerdesymptomatik habe sie nicht gefunden. Bei der aktuellen klinischen Untersuchung sei die Halswirbelsäule (HWS) in sämtlichen Ebenen frei beweglich gewesen. Es hätten keine
Dysbalancen
der Schultergürtelmuskulatur vorgelegen. In Übereinstimmung mit dem unauffälligen klinischen Bild habe sich die HWS in der im August 2015 durchgeführten Kernspintomographie unauffällig dargestellt (Gutachten S. 13 Ziff. 4.2.4). Aus rheumatologischer Sicht bestünden keine Ein
schränkungen der Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Die angestammte Tätigkeit als Informatiker sei dem Beschwerdeführer demnach vollschichtig zumutbar (Gutachten S. 13 Ziff. 4.2.5). Es gebe aus Sicht des Bewegungsapparates keine Anhaltspunkte dafür, dass die Arbeits-
und Leistungsfähigkeit in den vergange
nen Jahren längerfristig relevant eingeschränkt gewesen sei (Gutachten S. 13 Ziff. 4.2.6).
4.1.5
Der neurologische Sachverständige hielt anamnestisch fest, laut Angaben des Beschwerdeführers sei die Migräne das Hauptproblem. Die Kopfschmerzen hätten im Oktober 2013 begonnen und bis Ende 2014 in der Häufigkeit zugenommen (tägliches Auftreten, Lokalisierung nach eher frontal links). Er habe verschiedene Behandlungsversuche unternommen (Neuraltherapie, Massagebehandlungen, Osteopathie, Physiotherapie, Akupunktur). Seit April 2015 betreibe er bei «
E._
» zweimal wöchentlich ein Gerätetraining zur Stärkung der gesamten Muskulatur, vor allem aber der Nacken-, Schulter und Rückenmuskulatur. Zusätzlich besuche er einmal pro Woche einen Vita Parcours und nehme verschiedene Medikamente ein (aktuell
Magnesiocard
,
Tramal
und
Orfiril
2 x 300 mg). Seit einem im Februar 2015 erlittenen Velounfall mit Aufschlagen des Hinterkopfes habe die Häufigkeit der Kopfschmerzen nochmals zugenommen. Leichte Kopfschmerzen habe er fast täglich, mittelschwere bis schwere Kopfschmerzen ein- bis zweimal pro Woche. Daneben leide er unter verschiedenen Allergien, einer Neurodermitis und einer Tagesmüdigkeit unter
Orfiril
(Gutachten S. 14 f. Ziff. 4.3.1.2).
In seiner Beurteilung führte der neurologische Gutachter aus, der 30jährige Explorand spreche in seiner Beschwerdeschilderung von einer fast täglich auftre
tenden Migräne, für welche eine Vielzahl von Behandlungsversuchen, vor allem physikalischer Natur, ohne Erfolg geblieben sei. Er habe betont, dass die Migrä
neattacken schon vor einem im Jahr 2015 erlittenen Velosturz bestanden hätten, aber nicht vor dem Jahr 2013, zumindest nicht in nennenswertem Umfang. Bei Durchsicht der Unterlagen falle auf, dass für die Jahre 2014 und 2015
der Bericht von
Dr.
med.
F._
vom Januar 2015
(Urk.
7/9) allein
von Spannungskopf
schmerzen bei
zervikospondylogenem
Syndrom spreche und hiermit kongruent verschiedene
Triggerpunkte
und Myalgien der Schulter-Nackenregion aufführe. In diese Richtung würden auch frühere Behandlungen wie Massagen und Physio
therapie sowie auch das bis heute durchgeführte «
E._
Training» hinweisen. Erst seit den Konsultationen bei Dr.
A._
im
B._
werde von einer Migräne gesprochen. Dieser habe im Bericht vom November 2015 erwähnt, dass sich der Patient von weiteren therapeutischen Optionen distanziert habe. Warum bei der angegebenen Linksbetonung und dem MRI-Befund auf eine mög
liche leichte Sinusitis eingegangen worden sei, ergebe sich jetzt nicht. Wie es zur Behandlung mit regelmässigem
Tramal
und
Orfiril
(letzteres immerhin mit einer Dosis von 600 mg täglich) gekommen sei, sei anhand der Berichte nicht vollstän
dig
nachvollziehbar. Die aktuelle neurologische Untersuchung sei regelrecht aus
gefallen, was – worauf schon
Dr.
A._
hingewiesen habe –
angesichts
der Diagnose nicht verwundere. Von der jetzt verfügbaren Anamnese sei der Kopf
schmerz als Mischkopfschmerz mit leichter Spannungskopfschmerz- und über
wiegender Migränekomponente zu werten, aber auch einem Schmerzmittelüber
gebrauch mit der Angabe von täglicher Einnahme von
Tramal
zuzuschreiben. Warum in der Vergangenheit nicht klassische vorbeugende Behandlungen durch
geführt worden seien
(zum Beispiel
mit
Metoprolol
oder
Topiramat
), erschliesse sich nicht. Hier bestünden auf jeden Fall noch Behandlungsoptionen. Eine wesentliche dauerhafte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sei durch das Kopf
schmerzsyndrom nicht begründbar. Im Einzelfall möge bei einer sehr schweren Kopfschmerzattacke für einen Tag eine Arbeitsunfähigkeit vorliegen, im Intervall oder bei den angegebenen leichten Kopfschmerzen aber sicher nicht. Die ange
gebenen Konzentrationsstörungen seien in der aktuellen Untersuchung nicht
fest
zustellen
gewesen (
Gutachten S. 16 Ziff.
4.3.4). Aus neurologischer Sicht ergäben sich qualitative Einschränkungen für Arbeiten im Schichtdienst mit Nachtschicht oder überlangen Tagesarbeitszeiten. Ein üblicher Arbeitstag als Informatiker mit acht bis neun Arbeitsstunden sei hingegen uneingeschränkt möglich (Gutachten S.
16 Ziff.
4.3.5).
Auch retrospektiv ergebe sich keine höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Gutachten S. 17 Ziff. 4.3.6).
Er – so der neurologische Sachver
ständige
weiter
– empfehle eine nochmalige Einleitung einer klassischen medikamentösen prophylaktischen Behandlu
ng entsprechend den Leitlinien, was
bei entsprechendem Leidensdruck durchaus zumutbar
sei
. Im Hinblick auf den MRI-Befund
empfehle er
bei Persis
tenz der Kopfschmerzen
eine HNO-ärztliche Mitbeurteilung. Die beklagte Müdigkeit könne auf die Einnahme von
Valproin
säure
bezogen werden, deren Indikation zu überprüfen sei
(Gutachten S. 17 Ziff. 4.3.8)
.
4.1.6
In ihrer Gesamtbeurteilung
wiederholten
die MEDAS-Gutachter
die wesentlichen Erkenntnisse aus den einzelnen Fachdisziplinen und hielten
fest, aus polydis
ziplinärer Sicht bestehe beim Beschwerdeführer für die angestammte Tätigkeit als Informatiker eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100 % (Gutachten S. 18 Ziff. 6.2). Die Selbsteinschätzung des Exploranden, nur noch reduziert arbeiten zu können, könne aufgrund der objektivierbaren Befunde nicht begründet werden (Gutachten S. 18 Ziff. 6.4).
4.2
Am 9. Oktober 2017 nahm der ab August 2015 mit dem Beschwerdeführer befasste
Dr.
A._
(vgl. auch Berichte vom 2. Oktober und 27. November 2015 [Urk. 7/35/6-8] sowie vom 14. November 2016 [Urk. 7/44]) zuhanden der dama
ligen Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers zum MEDAS-Gutachten Stellung (Urk. 7/81/1-2). Er führte aus, die aufgeführten Diagnosen seien korrekt (S. 1 Ziff. 1). Eine Migräne sei nicht objektivierbar, es sei denn, er sehe einen Patienten erbrechen (Teilobjektivierbarkeit; Ziff. 2). Befragt zur im MEDAS-Gutachten postulierten Anpassung der Therapie konstatierte er, es könnten weitere Prophy
laxen versucht werden, unter anderem durch die vorgeschlagenen Betablocker,
Topiramat
und anderes. Allerdings habe
Valproat
teilverbessernd gewirkt und sei einigermassen (bis auf die recht starke Tagesmüdigkeit) tolerierbar gewesen, so dass keine weiteren Prophylaxen gesucht worden seien. Die aktuelle Situation mit einer Arbeitsunfähigkeit von zirka 50
%
, der Möglichkeit der selbstdisponierten Arbeit und der Einnahme von
Valproat
scheine in einem recht guten Gleichge
wicht zu stehen (
Ziff.
3). Im Moment sei nicht mit einer Zustandsbesserung durch eine Therapieanpassung zu rechnen. Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten und einer angepassten Tätigkeit beurteile er «wie bisher», d.h. Teilarbeitsfähigkeit und freie Einteilbarkeit der Arbeit. Der Beschwerdeführer könne drei Tage pro Woche, mithin 60 % arbeiten, wobei ausser einer minimen Beeinträchtigung durch Müdigkeit keine Einbusse der Leistungsfähigkeit bestehe (S. 1 f. Ziff. 5 f.). Die aktuelle Situation mit Teilarbeitsfähigkeit und freier Arbeitsplanung sei bereits angepasst und habe sich bewährt (S. 2 Ziff. 6 f.).
Dr.
A._
bemerkte, es handle sich bei der Migräne um ein
Attacke
n
leiden
mit unberechenbarem Auf
treten von Attacken sowie starken Begleiterscheinungen, die in der Attacke zu voller Arbeitsunfähigkeit führen könnten. Typischerweise bestehe zwischen den Attacken volle Arbeitsfähigkeit. Die im Gutachten erwähnte HNO-Abklärung habe im November 2014 (gemeint wohl 2017, vgl. Urk. 7/81/3) keinen Hinweis auf eine Sinusitis ergeben. In Bezug auf das MEDAS-Gutachten sei zu bemängeln, dass in der neurologischen Beurteilung das unregelmässige Auftreten und die teilinvalidisierende Ausgestaltung der Migräne akzeptiert worden sei, nicht jedoch in der Schlussbeurteilung, wo von einer vollen Arbeitsfähigkeit ohne jeg
liche Einschränkung ausgegangen worden sei (S. 2 Ziff. 9).
5.
5.1
Das MEDAS-Gutachten vom 3. Juli 2017 (E. 4.1) entspricht den praxisgemässen Anforderungen an eine beweiswertige medizinische Entscheidungsgrundlage (E. 1.5). So tätigten die Sachverständigen sorgfältige und umfassende fachärztli
che Abklärungen und berücksichtigten die geklagten Beschwerden wie auch die
relevanten
Vorakten
. Ausserdem legten sie die medizinischen Verhältnisse ein
leuchtend dar und begründeten ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar. In die
sem Sinne erscheint die Expertise auch in inhaltlicher Hinsicht als schlüssig.
5.2
Der Beschwerdeführer dringt mit der
in verschiedener Hinsicht geäusserten Kritik insbesondere am neurologischen Teil des MEDAS-Gutachtens und der Berufung auf die abweichende Einschätzung des ihn behandelnden Facharztes Dr.
A._
nicht durch. In diesem Zusammenhang ist vorwegzuschicken
, dass
es die unter
schiedliche Natur von Behandlungs- und Begu
tachtungsauftrag nicht zulässt
,
ein Administrativ
gutachten stets in Frage zu stellen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich
eine klärende Ergänzung oder direkt
eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige
, nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende
Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach
tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind
(Urteile des Bundesgerichts 8C_143/2019 vom 21. August 2019 E. 4.4.1 und 8C_563/2019 vom 2
3.
Dezember 2019 E. 5.1). Die Berichte des Dr.
A._
, namentlich dessen Stellungnahme vom 9. Oktober 2017 (E. 4.2), beinhalten keine
solchen Gesichtspunkte
und vermögen die Einschätzung der MEDAS-Gutachter insbesondere der Arbeitsfähigkeit nicht in Frage zu stellen. Der behandelnde Neurologe führte keine nachvollziehbare Begründung für die attestierte Herabsetzung
der Arbeitsfähigkeit auf 60 % an und stützte sich im Wesentlichen auf die
subjektiven Angaben des Beschwerde
führers
. Entgegen dem Standpunkt des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 19 Ziff.
33)
kann darauf nicht abgestellt werden.
Die MEDAS-Gutachter
nahmen
wiederholt auf die Berichte von Dr.
A._
,
namentlich
au
f den in der Expertise als eines der «wichtigsten Vordokumente» bezeichneten Bericht vom 14. November 2016 (Urk. 7/44), Bezug (Gutachten S. 3 Ziff. 2.2; vgl. auch Gutachten S. 2 f. Ziff. 2.1, S. 14 Ziff. 4.3.1.1, S. 16 Ziff. 4.3.4 und S. 17 Ziff. 4.3.7) und konstatierten, Dr.
A._
sei von einem Migräneleiden ausgegangen (Gutachten S. 16 Ziff. 4.3.4). Selber stellten sie die Diagnose Misch
kopfschmerz (ICD-10 G44.8) mit Migräne (ICD-10
G43), wobei sie
die Beschwer
desymptomatik
teilweise
einem Schmerzmittelübergebrauch (ICD-10 F55.3) zuschrieben (E. 4.1.1 und 4.1.5).
Abgesehen davon, dass
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht die Diagnosen, sondern die daraus resultierenden funktio
nellen Einschränkungen entscheidend sind (vgl. etwa Urteil des Bun
desgerichts 9C_549/2017 vom 13.
F
ebruar 2018 E. 3.3 mit Hinweis), ist darauf hinzuweisen, dass Dr.
A._
in seiner Stellungnahme vom
9. Oktober 2017 (
E. 4.2
)
die
in der Expertise aufgeführten
Diagnose
n
als
«
korrekt
»
bezeichnete
.
Insofern erweist sich der vom Beschwerdeführer erhobene Vorwurf betreffend die gutachterliche Diagnosestellung (Urk. 1 S. 15 Ziff. 25) als nicht stichhaltig.
Was die Auswirkungen des Kopfschmerzleidens und im Besonderen der Migräne auf die Arbeitsfähigkeit anbelangt, brachte der Beschwerdeführer vor, die Aus
führungen des neurologischen Gutachters seien widersprüchlich und liessen bei korrekter Betrachtung auf eine Einschränkung von (mindestens) 40
%
schliessen (Urk. 1 S. 17 f. Ziff. 30). Dem kann nicht beigepflichtet werden. Der neurologi
sche Sachverständige hielt in seiner Beurteilung fest, im Einzelfall bei einer «sehr schweren Kopfschmerzattacke» möge für einen Tag eine Arbeitsunfähigkeit vor
liegen. Im Intervall oder bei den angegebenen leichten Kopfschmerzen sicher nicht (E. 4.1.5). In Anbetracht dessen, dass der Beschwerdeführer anlässlich der neurologischen Begutachtung angegeben hatte, ein- bis zweimal pro Woche ver
zeichne er mittelschwere bis schwere Kopfschmerzen (E. 4.1.5), liegt kein Wider
spruch vor, zumal der neurologische Gutachter erfolgversprechende Behand
lungsoptionen benannte (E. 4.1.5),
denen
Dr.
A._
grundsätzlich ebenfalls positiv gegenüberstand (E. 4.2),
was der Beschwerdeführer (Urk. 1 S. 19 Ziff. 32)
zu verkennen scheint
. Hinzu kommt, dass die Schmerzsymptomatik laut Angaben des Beschwerdeführers häufig am Ende eines Arbeitstages auftritt (E. 4.1.4). Bezüglich der Häufigkeit der Einnahme des Medikaments
Tramal
finden sich im Gutachten zwar unterschiedliche Angaben
(vgl. S. 5
Ziff.
3.1.3, S. 6
Ziff.
4.1.1.2,
S. 11 f.
Ziff.
4.2.1
und S. 16 Ziff. 4.3.4
).
Es ist indes nicht einzusehen, inwiefern dies
auf eine andere Befundlage schliessen liesse oder zu einer ander
e
n Arbeits
fähigkeitsschätzung führen sollte
, weshalb die diesbezügliche Rüge des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 15 ff.
Ziff.
27-28
) ins Leere geht. Dem
Vorwurf
, der neurologische
Sachverständige
habe keine Bestimmung des Medikamenten
spiegels vorgenommen (Urk. 1 S.
16
Ziff.
28), ist
entgegenzuhalten
, dass eine sol
che im
Zuge
der allgemein-internistischen
Begutachtung erfolgte (Gutachten S. 5 Ziff.
3.2.2) und die Konzentration des Wirkstoffs Tramadol unter dem
therapeu
tischen
Referenzbereich lag
. Im Umstand, dass gemäss der Gesamtbeurteilung des Gutachtens
im Einzelfall bei schweren Kopfschmerzattacken «passagere Arbeits
unfähigkeiten» auftreten könnten,
eine
Arbeitsunfähigkeit als Informatiker aus polydisziplinärer
Sicht
ab
er verneint wurde (Gutachten S. 18 Ziff.
6.2),
ist – e
nt
gegen der Auffass
ung des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 18 Ziff. 31) – kein grund
sätzlicher Widerspruch zu erblicken, bedeutet «p
assager» (in Bezu
g auf Symptome, Krankheiten und dergleichen
)
doch
«nur vorübergehend auftretend» (vgl. Duden, Suchbegriff «passager»).
Schliesslich trifft es zwar zu, dass der psy
chiatrische Gutachter die Prognose für eine Steigerung des Arbeitspensums «aufgrund des chronischen Verlaufs und der doch deutlichen subjektiven Beschwer
desymptomatik» als ungewiss bezeichnete (Gutachten S. 9 Ziff. 4.1.3). Jedoch verneinte der Sachverständige das Vorliegen einer psychiatrischen Diagnose und hielt explizit fest, die
Migräne und die Arbeitsfähigkeit müssten aus neurologi
scher Sicht beurteilt werden (E.
4.1.3
).
Insofern ist auch diesem Einwand des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 18 Ziff. 31) nichts abzugewinnen.
5.3
Schliesslich ist zu bemerken,
dass von der Rechtsprechung bisher offengelassen wurde, ob eine Migräne zu den objektivierbaren Krankheitsbildern zu zählen ist
(vgl. dazu Urk. 1 S. 19 ff. Ziff. 33 f.). Jedenfalls aber bedarf es
bei der Migräne im Hinblick auf die Folgenabschätzung eines konsistenten Nachweises mittels sorgfältiger Plausibilitätsprüfung
(BGE 140 V 290 E. 3.3.1, Urteil des Bundesge
richts 9C_81/2019 vom 11. November 2019 E. 4.3.1). Dabei ist
der Beweis für die Anspruchsgrundlage nicht geleistet und nicht
zu erbringen
, wenn die Auswir
kungen eines Leidens auf die Arbeitsfähigkeit
, sei es
objektivierbar
oder
(bildge
bend)
nicht
fassbar
,
trotz sorgfältiger und umfassender Abklärungen vage und
unbestimmt
bleiben
und
die Einschränkungen nicht anders als mit den subjekti
ven Angaben der versicherten Person begründet werden können. Die entspre
chende Beweislosigkeit wirkt sich zu Lasten der versicherten Person aus (BGE
140 V 290 Regeste Abs. 2 und E. 4.2).
So verh
ält es sich auch hier. Dr.
A._
stützt
e sich in seiner Beurteilung
aus
schliesslich auf die
subjektiven Angaben des Beschwerdeführers, insbesondere auf die von diesem
selbst
angegebene Häufigkeit der Kopfschmerzen beziehungsweise der Migräneanfälle
. Gestützt auf die Berichte des Dr.
A._
können die Auswir
kungen des
Kopfwehleidens
auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
nicht plausi
bilisiert werden
. Auch die übrigen Akten ermöglichen keine solche Plausibilisie
rung. Vielmehr lassen die Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Arbeits- und Freizeitverhalten auf ein relativ aktives Leben schliessen.
Beruflich berät
er, wie sein Arbeitgeber mitteilte,
oft, das heisst
zwischen drei bis rund
fünfeinviertel
(von acht) Stunden am Tag Kunden in technischen Belangen (
Urk.
7/26
S.
5
Ziff. 5
).
Sodann besucht er
zwei Mal wöchentlich das «
E._ T
raining» und einmal
pro
Woche
den Vita P
arcours.
Er erledigt die in seinem Einpersonenhaushalt anfallenden Arbeiten selber, ist in einer Beziehung und pflegt verschiedene soziale Kontakte (E. 4.1.3-4.1.5
)
.
5.4
Nach dem Ausgeführten
ist davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch das Kopfschmerzleiden nicht massgeblich beeinträch
tigt und ihm die Ausübung seiner bisherigen Tätigkeit als Informatiker und damit
vergleichbarer Tätigkeiten ohne wesentliche Einschränkung weiterhin zuzumuten ist.
Damit erweist sich die einen Rentenanspruch verneinende Verfügung vom 11. Dezember 2017 (Urk.
2)
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Selbst wenn von einer wie vom Beschwerdeführer unter Hinweis auf die Ein
schätzung durch
Dr.
A._
geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit ausgegangen würd
e
, führte dies nicht - wie nachfolgend gezeigt - zu einem Rentenanspruch:
Der Beschwerdeführer macht geltend, die gesundheitlichen Beschwerden seien nicht erst im Jahr 2013, sondern bereits 2012 aufgetreten und hätten dazu geführt, dass er im Juni 2012 sein infolge der Ausbildung auf 80
%
reduziertes Arbeitspensum nicht wieder habe erhöhen können (
Urk.
1 S. 4 f.
Ziff.
6-9).
6.2
Diese Darstellung findet in den Akten keine Stütze und steht im Widerspruch zu früheren Angaben des Beschwerdeführers. Den Beginn der Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise der Beschwerden datierte der Beschwerdeführer sowohl am 2. Dezember 2014 im Meldeformular zur Früherfassung als auch in der IV-Anmeldung vom 11. Januar 2015 auf Oktober 2013 (Urk. 7/1 S. 1 Ziff. 2 und Urk. 7/5 S. 6 Ziff. 6.3; vgl. auch Gesprächsleitfaden Früherfassung vom 23. Dezember 2014,
Urk.
7/3 S. 2
Ziff.
3). Auch im Rahmen der MEDAS-Begutachtung vom 30./31. Mai 2017 äusserte er sich entsprechend (vgl. Gutach
ten S. 6 Ziff. 4.1.1.2, S. 11 Ziff. 4.2.1 und S. 14 Ziff. 4.3.1.2). Es trifft zwar zu
(
Urk.
1 S. 8
Ziff.
14),
dass
dipl.
med.
G._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, am 30. März 2016 vermerkte, der Beschwerdeführer leide seit «ca. 2012» an einer Migräne ohne Aura (
Urk.
7/65/4). Unklar bleibt jedoch, worauf diese Aussage des RAD-Arztes beruht, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann.
6.3
Laut Angaben des Beschwerdeführers in der IV-Anmeldung dauerte die berufs
begleitende Ausbildung zum Informatiker mit eidgenössischem Fachausweis vom 1
2.
Mai 2011 bis 2. Februar 2012 (
Urk.
7/5 S. 5
Ziff.
5.3). Dies erscheint mit Blick darauf, dass die Prüfungsauswertung und Bekanntgabe der Ergebnisse bzw. Aushändigung der Ausbildungsbestätigung erfahrungsgemäss einige Zeit in Anspruch nimmt und letztere vom Mai 2012 datiert (
Urk.
3/5), durchaus als plausibel. Die Stelle als Consultant
bei der
Y._
trat er am
1.
April 2012 an (Urk. 7/1 S. 1 Ziff. 3, 7/5 S. 5 Ziff. 5.4, 7/26 S. 1 Ziff. 2.1 und S. 2 Ziff. 2.9). Dass er sich dabei wie von ihm geltend gemacht ausbildungsbe
dingt auf ein 80 %-Pensum beschränkt haben soll, ist mit Blick
auf die genannte Dauer der Ausbildung nicht nachvollziehbar, zumal auch die bei der vormaligen Arbeitgeberin
H._
erzielten Jahreseinkommen gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto (IK; Urk. 7/24 S. 2) nicht auf eine ausbildungsbe
dingte
Pensumsreduktion
von 20 % im Jahr 2011 hindeuten und der allgemein-internistische MEDAS-Gutachter festhielt, der Beschwerdeführer habe in den Jah
ren 2008 bis 2012 mit einem 100 %-Pensum bei der
H._
gearbeitet (Gutachten S. 4 Ziff. 3.1.2). Ebenso wenig ist mit Blick auf den doku
mentierten Beginn der Beschwerden (E. 6.2) erstellt, dass gesundheitliche Gründe für das Teilzeitpensum von 80 % verantwortlich waren. Infolgedessen ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in den rund eineinhalb Jahren zwischen dem Antritt der Stelle bei der
Y._
am
1.
April 2012 und dem Auftreten der Beschwerden im Oktober 2013 sich aus freien Stücken mit einem Beschäftigungsgrad von 80
%
(Urk. 7/26 S. 2 Ziff. 2.9) begnügte. Insofern wäre er in invalidenversicherungsrechtlichen Belangen in diesem Umfang als Teilzeiterwerbstätiger ohne Aufgabenbereich zu qualifizieren und die Invalidität anhand der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu bemessen (vgl. dazu
BGE 131 V 51 E. 5.1.2
), wobei
die Einschränkung im erwerblichen Bereich proportional
–
im Umfang des hypothetisch-erwerblichen Teilzeitpensums
– anzurechnen wäre
(
BGE 142 V 290 E.
7
.3; zum Ganzen vgl. E. 1.4
).
Selbst unter Berücksichtigung der per 1. Februar 2015 erfolgten Herabsetzung des Beschäfti
gungsgrades von 80 auf 60 % (Urk. 7/26 S. 2 Ziff. 2.9) und der von Dr.
A._
bescheinigten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im entsprechenden Umfang (Urk. 7/35/6-7, 7/44/3, 7/81/2), resultierte demnach auf der Grundlage eines Pro
zentvergleichs ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 16 % (= [80 - 60] x 0.8), womit die Beschwerde ebenfalls abzuweisen wäre. Dass dem Beschwerde
führer wegen gesundheitlicher Beeinträchtigung Bonuszahlungen in wesentlicher Höhe entgehen, ergibt sich nicht aus den Akten und wurde von ihm nicht sub
stantiiert geltend gemacht (Urk. 1 S. 21 Ziff. 35).
7.
Von ergänzenden Beweismassnahmen, namentlich der Befragung der offerierten Zeugen und weiteren medizinischen Abklärungen (Urk. 1 S. 9-11 Ziff. 17-19, S. 19 f. Ziff. 33, S. 21 Ziff. 34),
ist kein
entscheidrelevanter
Aufschluss zu erwar
ten. Entsprechend ist im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung davo
n abzu
sehen (BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 157 E.
1d).
8.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert innerhalb des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.