Decision ID: b1bc10e8-23b1-5df6-ab6f-980a367bfeb6
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1964 geborene
X._
, welche in ihrem Heimatland eine Berufsausbildung als
Coiffeu
se
absolviert hatte,
arbeitete bis zur Geburt ihres
Sohnes
im Jahr 2002 in verschiedenen Branchen, zuletzt
in einem Restaurant (Urk. 7/99/
9
)
. Am 8. September 2008 (Eingangsdatum) meldete sie sich unter Hinweis auf eine Diabeteserkrankung zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (Urk. 7/3). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten. Das
Y._
erstattet
e
das Gutachten am 5. Januar 2010 (Urk. 7/43).
M
it Verfügungen vom 17. März 2010
verneinte die IV-Stelle einen
Anspruch auf
eine Invalidenrente
und auf berufliche Massnahmen
(Urk. 7/48
f.
).
1.2
Am 12. September 2016
(Eingangsdatum)
meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 7/62). Die IV-Stelle veranlasste wiederum eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten (Urk.
7/66). D
as
Z._
erstattete das Gutachten am 16. Mai 2017 (Urk. 7/99).
Am 11. Juli 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass zurzeit nicht ab
schliessend beurteilt werden könne, ob die Einschränkung der Erwerbsfähigkeit bleibend sei oder zumindest längere Zeit andauere. Gemäss dem Gutachten könne der Gesundheitszustand mit einer stationären
endokrinologischen
Diabetesbe
handlung und einer Diabetesüberwachung über mehrere Wochen wesentlich ver
bessert werden. Infolge der Behandlung werde eine Arbeitsfähigkeit in behinde
rungsangepassten Tätigkeiten von 90 % erwartet. Während der Behandlung werde
kein Entscheid über einen allfälligen IV-Rentenanspruch gefällt, sondern erst danach. Die IV-Stelle auferlegte der Versicherten eine Mitwirkungs
pflicht/Scha
denminderungspflicht und gab ihr auf, bis am 14. August 2017 mitzuteilen, bei welcher Klinik und bei welchem Arzt oder bei welcher Ärztin
sie
die erwähnte Massnahme durchführen werde. Im Säumnisfall werde aufgrund der Akten ent
sch
ie
den oder es erfolge ein Nichteintreten (Urk. 7/100).
Nach zweifacher Frist
ers
treckung (Urk. 7/101 und 7/106)
teilte die Versicherte a
m 3. August 2017 mit, das
s die Behandlung bei Dr. med. A._
, Leitende Ärztin Endokri
no
lo
gie/Diabetologie
,
B._
,
durchgeführt werde (Urk. 7/109). Dr.
A._
informierte am 28. September 2017 kurz über den Verlauf und gab an, dass der Diabetes schlecht eingestellt sei
,
aber keine station
ären Aufenthalte geplant seien
(Urk. 7/116).
Mit
Schreiben vom 26. März 2018
forderte die IV-Stelle die Ver
sicherte
neuerlich zur Mitwirkung auf
und
setzte
ihr eine Frist bis zum 30. April 2018
an
um mitzuteilen, wie der Behandlungsplan laute (Urk. 7/121).
Am 19. Juni 2018
teilte
Dr.
A._
unter anderem
mit
, die Compliance der Versicherten sei ungenügend. Ein stationärer Aufenthalt würde zwar die Blutzuckereinstellung kurzfristig verbessern, ein langanhaltender Effekt und eine längerfristige Ver
besserung der Blutzuckereinstellung seien jedoch durch eine
Hos
pitalisation
nicht zu erwarten
(Urk. 7/134). Dr.
A._
wurde von der IV-Stelle daraufhin am 23. Juli 2018 mitgeteilt, dass eine stationäre Behandlung durchzuführen sei (Urk.
7/136). Am 5. November 2018 meldete Dr.
A._
unverändert, dass die
Compliance der Versicherten ungenügend sei. Eine stationäre Behandlung sei ni
cht geplant (Urk. 7/147). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk. 7/149
) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 1. Februar 2019 ab (Urk. 7/150).
2.
Dagegen erhob
X._
mit undatiertem Schreiben
(
Emp
fangsdatum:
27. Februar 2019)
an die IV-Stelle Beschwerde
(Urk. 1) und bean
tragte sinngemäss die
Zusprache
einer Invalidenrente
.
Die IV-Stelle überwies die Beschwerde mit Schreiben vom
4. Juli 2019
an das Gericht (Urk. 4).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 16. August 2019 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 20. August 2019 zur Kenntnis gebracht.
Mit Schreiben vom 16. September 2019
zeigte Rechtsanwältin Magdalena
Schaer
ihre Mandatierung durch die Beschwerdeführerin an und beantragte die unent
geltliche Prozessführung sowie ihre Einsetzung als unentgeltliche
Rechtsbei
ständin
der Beschwerdeführerin
(Urk. 12)
. Mit Verfügung vom 20. September 2019
wies das Gericht das Gesuch um Bestellung einer unentgeltlichen Rechts
vertretung ab und setzte eine 30-tägige Frist zur Substantiierung des Gesuchs um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 14). Die Beschwerdeführerin reichte innert dieser Frist keine weiteren Unterlagen ein.
Auf
die
Vorbringen
der Parteien wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
che
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beein
-
trächtigung
zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
mel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invalidi
tätsgrades auch
tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbe
grün
den
de Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.5
Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behand
lung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb
das
ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leis
tungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- oder Eingliederungs
massnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar (Art. 21 Abs. 4 ATSG).
Diese Bestimmung ist auch auf die Invalidenversicherung anwendbar (Art. 1 IVG), wird aber im IVG wie folgt ergänzt (zum Verhältnis der nachfolgenden Be
stimmungen zu Art. 21 Abs. 4 ATSG vgl. Urteil
des Bundesgerichts
8C_830
/2012 vom 13. März 2013 E. 2.2;
Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung [
IVG], 3. Aufl. 2014,
Rz
. 1 f.
S. 81)
: Die versicherte Person muss alles ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeits
unfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu verringern und den Eintritt einer Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhindern (Art. 7 Abs. 1 IVG). Sie muss an allen zumutbaren Mass
nahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Ein
glie
derung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufga
benbereich (Aufgabenbereich) dienen, aktiv teilnehmen. Dies sind insbesondere medizinische Behandlungen nach Art. 25
des
Bundesgesetz
es
über die Kranken
versicherung
(
KVG
)
(Art. 7 Abs. 2
lit
. b IVG). Als zumutbar gilt jede Massnahme, die der Eingliederung der versicherten Person dient; ausgenommen sind Mass
nahmen, die ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen sind (Art. 7a IVG). Die Leistungen können nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person insbesondere den Pflichten nach Art. 7 IVG
nicht nachgekommen ist
(Art. 7b Abs. 1 IVG). Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbeson
dere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (Art. 7b Abs. 3 IVG).
1.
6
1.6.1
Die Anforderungen an die Schadenminderungspflicht im Sinne von Art. 21 Abs. 4 ATSG sind streng, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht, namentlich wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren Rentenleistungen auslöst (SVR 2007 IV Nr. 34 S. 120,
Urteile des Bundesgerichts
I 744/06
vom 30. März 2007
E. 3.1 mit Hinweisen; 8C_128/2015 vom 25. Juni 2015 E. 1.2) resp. perpetuiert. Nach Art. 7a IVG gilt als Ausfluss einer verstärkten
Schadenminderungspflicht und Ausdruck des Prinzips "Eingliederung statt Rent
e" der Grundsatz der Zumutbarkeit jeder Massnahme, die der Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen Aufgabenbereich dient (BGE 145 V 2 E. 4.2.3; Urteile
des Bundesgerichts
8C_741/2018 vom 22. Mai 2019 E. 3.3; 8C_830/2012 vom 13.
März 2013 E. 2.2). Die Beweislast für die Unzumutbarkeit einer Massnahme im Sinne von Art. 7 Abs. 2 IVG liegt somit bei der versicherten Person (Urteil
des Bundesgerichts
8C_741/2018 vom 22. Mai 2019 E. 3.3). Nach dem Verhältnis
mässigkeitsprinzip müssen das Mass der Sanktion (Leistungskürzung oder
–
ver
weigerung
) und der voraussichtliche
Eingliederungserfolg (Verbesserung oder Erhaltung der Erwerbsfähigkeit) einander entsprechen. Die versicherte Person ist grundsätzlich so zu stellen, wie wenn sie ihre Schadenminderungspflicht wahrge
nommen hätte (Urteil
des Bundesgerichts
8C_830/2012 vom 13. März 2013 E. 2.2 mit Hinweisen; vgl. auch Art. 61 UVV [SR 832.202]). Für die Frage nach dem mutmasslichen Eingliederungserfolg bedarf es keines strikten Beweises, sondern es genügt eine - je nach den Umständen zu konkretisierende - gewisse Wahr
scheinlichkeit, dass die Vorkehr, der sich die versicherte Person widersetzt oder entzogen hat, erfolgreich gewesen wäre (SVR 2019 IV Nr. 16 S. 48,
Urteil des Bundesgerichts
8C_865/2017
vom 19. Oktober 2018
E. 3.3).
1.
6
.2
Die aus fachärztlicher Sicht indizierten und zumutbaren (ambulanten und statio
nären) Behandlungsmöglichkeiten hat die versicherte Person in kooperativer Weis
e optimal und nachhaltig auszuschöpfen (BGE 140 V 193 E. 3.3; 137 V 64 E. 5.2 mit Hinweis; SVR 2016 IV Nr. 52 S. 176,
Urteil des Bundesgerichts
9C_13/2016
vom 14. April 2016
E. 4.2 mit Hinweisen). Welche konkreten Behandlungs
mög
lichkeiten indiziert und zumutbar sind, bestimmt der Facharzt oder die Fach
ärztin. Solange aus fachärztlicher Sicht nicht oder nicht ausreichend genutzte zumutbare (ambulante oder stationäre) Behandlungsmöglichkeiten weiterhin indiziert sind, genügt es aus objektivem Blickwinkel nicht, dass die versicherte Person sämtliche Therapievorschläge des Hausarztes oder der übrigen behan
deln
den Ärzte in kooperativer Weise umgesetzt hat (vgl. BGE 137 V 64 E. 5.2).
1.
6
.3
Auch bei durchgeführtem Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
kann für die Zeit da
vor ein Rentenanspruch entstehen. Der Rentenanspruch dauert indessen nur so
lange, bis aufgrund des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
zur Sanktion des Ren
tenentzugs geschritten werden darf (vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_741/2018 vom 22. Mai 2019 E. 6 f.,
I 744/05 vom 30. März 2007 mit Hinweis auf AHI 1997 S. 36 E. 5a; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 8C_5/2017 vom 11. April 2017 E. 5.4 und 9C_391/2016 vom 4. November 2016 E. 3.5
;
Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4
. Auflage, Zürich 20
20
,
Rz
147
zu Art.
21
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass die Beschwerdeführerin zum zweiten Mal die Schadenminderungspflicht nicht umge
setzt habe. Ohne die Durchführung einer stationären Diabetesbehandlung könne nicht
bewiesen werden, dass eine längerdauernde Erkrankung mit relevanter Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit bestehe.
Sie
stelle die Beschwerdeführerin nun so, als ob die Beha
ndlung durchgeführt worden wäre
und
gehe von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepa
sst
en Tätigkeit aus. Damit sei ein Invaliditätsgrad von mindestens 40 % nicht gegeben und die Beschwerdeführerin habe keinen Anspruch auf eine Invalidenrente
(Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer Beschwerdeantwort vor, dass sie alle Termine entschuldigt verschoben
respektive
wahrgenommen
habe
. Sie ersuche daher um erneute Überprüfung ihres Falles (Urk. 1).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist mit dem angefochtenen Entscheid unbestrittener
massen auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 12. September 2016 (Urk. 7/62) eingetreten
.
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführerin ein
Anspruch auf eine Invalidenrente
zu Recht
abgesprochen wurde
.
3.
3.1
Die Verfügung vom
17. März 2010 (Urk. 7/48)
stütz
t
e sich auf das polydis
zi
pli
näre Gutachten
des
Y._
vom 5. Januar 2010
(Urk. 7/43).
Anlässlich des Gutachtens des
Y._
wurde die Beschwerdeführerin allge
mein
medizinisch, psychiatrisch und rheumatologisch begutachtet.
Es wurde
ein schlech
t eingestellter insulinpflichtiger Diabetes mellitus Typ II diagnostiziert
(Urk.
7/43/23)
. Gemäss gutachterlicher Beurteilung begründe
der schlecht ein
ge
stellte insulinpflichtige Diabetes bei guter Einstellung der Blutzuckerwerte keine Arbeitsunfähigkeit. Bei der Auswahl der
beruflichen
Tätigkeit solle jedoch auf folgende Aspekte geachtet werden:
-
Keine Tätigkeit mit möglicher Selbstgefährdung bei Arbeiten mit konkreter Abstu
r
zgefahr oder
an gefährlichen Arbeitsplätzen
-
Möglichkeit von regelmässigen Pausen zum Essen und Entspannen
-
Möglichkeit der Messung des Blutzuckers in gewohnter Weise
-
Die Arbeitsbelastung sollte planbar sein, zu viel Stress sollte vermieden werden.
-
Meiden von Arbeiten mit Wechsel des Tag-
Nach
t
r
ythmus
Gemäss
den beteiligten
Gutachter
n
seien
der Beschwerdeführerin seit Ablauf des Mutterschaftsurlaubes im Jahr 2002 sämtliche Arbeiten unter den genannten
Bedingungen zu 100 % zumutbar und es sei auch keine Einschränkung in der Haushaltstätigkeit begründet (Urk. 7/43/26).
3.2
D
er
angefochtene
n
Verfügung vom
1. Februar 2019
lagen i
m
Wesentlichen folgende Unterlagen zugrunde:
3.2.1
Dem
Z._
-
Gutachten vom 16. Mai 2017 (Urk. 7/99)
lagen
allgemeininternistisch
e
,
psychiatrisch
e
, rheumatologisch
e
, neurologisch
e
, neuropsychologisch
e
und
endo
krinologisch
e
Untersuchungen zugrunde
.
Es wurden folgende Diagnosen gestellt
(Urk. 7/99/29 f.)
:
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Diabetes mellitus Typ unklar (ICD-10 E14.11)
-
chronisch schlecht eingestellt (HbA1c 11.1%; Norm < 6.3 %)
-
initial als Typ 2 klassifiziert, im Verlauf als Insulinmangel-Diabetes
umklassifiziert
(Typ 1)
-
Spätkomplikationen:
P
olyneuropathie, mögliche Retinopathie, mögliche
Nephropathie, mögliche
Makroangiopathie
, kognitive Einschrän
kungen
-
Unter konventioneller Insulintherapie mit
NovoRapid
und
Levemir
-
Hypoglykämien: selten, leichte, Hypoglykämie-Wahrnehmungen erhal
ten
-
Impingementsyndrom
rechte Schulter (ICD-10 M75.4)
-
Klinisch keine Hinweise für
Rotatorenmanschettenläsion
-
Hyperadduktionstest negativ
-
Radiologisch unauffälliger Befund
-
Hypermobilität (ICD-10 M35.7)
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Psychologische Faktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten
(ICD-1
0 F54)
-
Chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.1)
-
Dysbalancen
der Schultergürtelmuskulatur
-
Klinisch keine Hinweise für
radikuläre
Symptomatik
-
Radiologisch unauffälliger Befund
-
Chronisch
thorakolumbospondylogenes
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5)
-
Myostatische
Insuffizienz mit den entsprechenden
musk
u
loliga
mentä
ren
Überlastungsreaktionen
-
ISG-Funktionsstörung links
-
Klinisch keine Hinweise für
radikuläre
Symptomatik
-
Generalisiertes
multilokuläres
Schmerzsyndrom (ICD-10 R52.9)
-
Ganzkörperschmerzen mit vegetativer Begleitsymptomatik
-
Klinisch, labortechnisch und radiologisch keine Hinweise für entzünd
lich-rheumatisches Geschehen
-
Hepatopathie unklarer Ätiologie (ICD-10 K76.9)
-
Am ehestens bei NASH (nicht alkoholische Fettleberhepatitis)
-
Kontrolle respektive weitere Abklärungen empfohlen
-
Metabolisches Syndrom
-
Adipositas, BMI 36 kg/m
2
(ICD-10 E66.0)
-
Diabetes mellitus, Typ unklar (ICD-10 E14.11)
-
Arterielle Hypertonie (ICD-10 I10)
-
Hyperlipidämie
(ICD-10 E78.0)
-
Chronischer Nikotinabusus, zirka 25
py
(ICD-10 F17.1)
Im allgemeininternistischen
Fach
gutachten hielt Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, fest, dass er keine Arbeitsunfähigkeit attestieren könne. Die allgemeininternistischen Diagnosen würden die Arbeitsfähigkeit
dem
nach
nicht relevant einschränken und die Beschwerdeführerin mache in erster Linie ihre Ganzkörperschmerzen für die Arbeitsunfähigkeit geltend
(Urk. 7/99/8)
.
Dr. med. D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychologie,
berichtete im psychiatrischen
Fach
gutachten, dass sich die Beschwerdeführerin
selbst
seit Jahren als nicht arbeitsfähig ansehe. Als Grund dafür habe sie ihre Schmerzen genannt, wobei die Schmerzschilderung sehr diffus sei. Das Ausmass der geklag
ten Schmerzen und die subjektive Krankheitsüberzeugung, nicht arbeiten zu können, könnten durch die somatischen Befunde
nicht
hinreichend objektiviert werden, weshalb eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse.
Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
könne
aber
nicht gestellt werden, da kaum Therapien durchgeführt würden, die Beschwerde
fü
h
rerin nicht klar über quälende
Schmerzen klage und kaum einen leidenden Ein
druck mache.
Es handle sich
vielmehr
um psychologische Faktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten. Eine weitere psychiatrische Diagn
ose könne nicht gestellt werden; die Beschwerdeführerin sei während der Untersuchung nicht depressiv gewesen
und die mangelnde Compliance bezüglich der Einstellung ihres Diabetes lasse sich nicht durch eine psychiatrische Störung erklären. Es sei zu vermuten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer ausgeprägten subjektiven Krankheitsüberzeugung, nicht arbeiten zu können, ihre Symptome verdeutliche, respektive sich nicht an die Behandlungsvorschläge halte, um dann mit den ein
tretenden Komplikationen ihren Rentenanspruch zu untermauern. Aus psychia
trischer Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % in der bisherigen Tätigkeit (Urk. 7/99/11 f.).
Im rheumatologischen
Fach
gutachten hielt Dr. med. E._
, Fachärztin für Rheumatologie, fest
, dass in der klinischen Untersuchung eine allgemeine Hyper
mobilität mit Überstreckbarkeit der Gelenke auffällig gewesen sei. Weiter bestehe eine
Imp
in
gementsymptomatik
der rechten Schulter, die überwiegend durch mus
kuläre
Dysbalancen
verursacht werde (Urk. 7/99/18). Aufgrund dieser Diagnosen seien der Beschwerdeführerin schwere und überwiegend mittelschwere Tätig
keiten nicht zumutbar. Für leichte bis selten mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Arbeiten mit dem rechten Arm über der Horizontalen bestehe aus Sicht des Bewegungsapparates aber eine volle Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/99/19).
Dr. med. F._
, Facharzt für Neurologie, diagnostiziert
e
im neurolo
gischen
Fachg
utachten eine Polyneuropathie, die Tätigkeiten mit ständige
m
Stehen oder Gehen oder mit besonderen Anforderungen an das Gleichge
wichts
vermögen
verunmögliche. Die Polyneuropathie sei aufgrund de
s
langjährigen und schlecht eingestellten Diabetes nicht überraschend. Leichte
A
rbeiten in sitz
ender Stellung könne die Beschwerdeführerin
jedoch
verrichten. Bei ganztägiger Präsenz könne bei einem etwas vermehrten Pausenbedarf hierbei jedoch nur die Leistung von sieben Stunden eines vergleichbaren Gesunden erwartet werden (Urk. 7/99/21 f.).
Im neuropsychologischen
Fach
gutachten konnte
l
ic
.
p
hil.
G._
keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit stellen
, w
obei er die Validität des erhobenen Testprofils in Frage stellte. Das eingesetzte
Screeningverfahren
habe
starke Hinweise auf Verdeutlichungstendenzen der Beschwerdeführerin gezeigt und die Motivation sei nicht gegeben gewesen. So habe die Beschwerdeführerin zwei Mal ihr Ergebnis verbessern können, nachdem sie vom Gutachter auf das unterdurchschnittliche Resultat hingewiesen worden war. Aufgrund der man
gelnden Validität der Untersuchungen könne aus neuropsychologischer Sicht kein
e valide Aussage zur Arbeitsfähigkeit gemacht werden. Es
lägen
jedoch keine objektivierbaren und reproduzierbaren Befunde vor, die eine Arbeitsunfähigkeit aus neuropsychologischer Sicht begründen würden (Urk. 7/99/26).
Im
endokrinologischen
Fach
gutachten stellte Dr. med. H._
, Facharzt FMH für
Endokrinologie
, fest, dass bei der Beschwerdeführerin seit Jahren ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus bestehe. Gemäss den Berichten sei die Blutzucker
einstellung schon immer schwierig gewesen und zufriedenstellende HbA1c-Res
ultate seien nirgends verzeichnet und auch nicht anamnestisch erreicht worden. Ein Grund hierfür sei unter anderem das mangelhafte Krankheitsverständnis der Beschwerdeführerin. So habe sie einfachste Fragen bezüglich ihrer Diabetesdiag
nose
und Behandlung nicht beantworten können
.
Dass die Einstellung trotz drei täglichen Besuchen der Spitex und regelmässiger ärztlicher Kontrollen nicht
gelungen sei,
sei gemäss Dr.
H._
aussergewöhnlich. Aus
diabetologischer
Sicht bestehe theoretisch bei Typ 1 oder Typ 2 Diabetes keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Bei der Beschwerdeführerin
liege
jedoch ein unbefriedigend eingestellter Diabetes mit offensichtlicher kognitiver Einschränkung
vor
. Bei deutlich schwerer Hyperglykämie und da sich die Beschwerdeführerin selber nicht korrigieren k
önne
, erachtete Dr.
H._
sie
zum Zeitpunkt der Untersuchung aus
diabetologischer
Sicht als deutlich eingeschränkt. Im Vordergrund stünden ein
deutig, dringend und zumutbar
,
medizinische Massnahmen. Durch eine i
ntensive Behandlung, am besten eine bis zwei
Wochen stationär, soll
t
e
eine volle
Arbeits
fähigkeit erreicht werden können
(Urk. 7/99/28
f.)
.
Inter
disziplinär wurde festgestellt, dass
bei schlecht eingestelltem Diabetes eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in sämtlichen Erwerbstätigkeiten bestehe
und kaum eine umsetzbare Arbeitsfähigkeit vorliege
. Nach guter Einstellung des Dia
betes könne eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 90 % in körperlich leichten, adaptierten Tätigkeiten erwartet werden. Diese Einschätzung gelte mit Sicherheit ab dem Zeitpunkt der Untersuchungen im März 2017
. Eine längerdauernde,
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit könne retrospektiv nicht festgestellt werden
(Urk. 7/99/31).
3.2.2
In einem Bericht vom 25. September 2017 stellte der
seit Juli 2014
behandelnde Psychiater der
Beschwerdeführerin, Dr. med.
I._
, Facharzt FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen
(Urk. 7/115/1)
:
-
Im Jahr 2002
postpartale
Depression mit psychotischen Symptomen, Stimmenhören, ICD-10 F32.3
-
Rezidivierende depressive Störung, mittelgradige bis schwere depressive Episode, ICD-10 F33.21, mit somatische
m
Syndrom
-
Status nach
metabolische
m
hypogl
y
k
ä
mische
m
Delir von 13.6.2012 bis zum 18.6.2012 und daraus resultierende organische dissoziative Störung, ICD-10 F06.5
-
Andauernde Persönlichkeitsstörung, ICD
-
10 F62.8
,
nach schweren organi
schen Erkrankungen mit
histrionischen
Anteilen
Die Beschwerdeführerin sei sowohl in der angestammten wie auch in einer ange
passten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig, da sie unter schweren Konzen
tra
tionseinbussen und rascher Ermüdbarkeit leide und einen vermehrten Erho
lungs
bedarf habe. Sie habe ein
e
sehr niedrige psychophysische Stresstoleranz
und
eine stark reduzierte geist
ig
e Flexibilität (Urk. 7/115/3).
Im Verlaufsbericht vom 1.
Februar
2018 bestätigte Dr.
I._
die obenge
nannten Diagnosen und die 100%ige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin sowohl in einer angestammten wie auch
in einer
adaptierten Tätigkeit (Urk.
7/120).
3.2.3
Im Austrittsbericht des
B._
vom 6. August 2018 wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin vom 2. bis 6. August 2018 hospitalisiert war.
Es wurden folgende Diagnosen genannt
(Urk. 7/145/1 f.)
:
-
Schulter recht
s
mit/bei
-
Rotatorenmanschettenruptur
(SS)
-
Bursitis
subacromialis
,
subacromiales
Impingment
-
SLAP I-II°
-
Pes
Planovalgus
beidseitig rechts betont mit/bei
-
Insuffizienz
Tibialis
posterior
Sehne und laterales
Impingement
rechts
-
Status nach
lap
a
roskopischer
Gastric-Sleeve
Operation am 21. März 2017
-
Arterielle Hypertonie
-
Diabetes Mellitus Typ 1 (Erstdiagnose 2005)
-
Schmerzhafte periphere Polyneuropathie
-
Ausgeprägte
Steatosis
hepatis
-
Anamnestische Leberzirrhose (diagnostiziert im
J._
)
-
Generalisiertes
myofasziales
Schmerzsyndrom
-
Thorakospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Bei ausgeprägter Hyperkyphose der Brustwirbelsäule
-
Rezidivierende depressive Störung
Am 2. August 2018 wurde eine
Rotatorenmanschettenrekonstruktion
, eine
Bur
sektomie
, eine
Akromioplastik
rechts und eine
Bicepstenotomie
durchgeführt.
Der Verlauf sei intra- und postoperativ komplikationslos gewesen und die Beschwer
deführerin
habe
bei subjektiven Wohlbefinden e
ntlassen werden
können
. Eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % wurde vom 2. August bis zum 12. September 2018 attestiert (Urk. 7/145/2).
4.
Unbestritten und aufgrund der medizinischen Aktenlage erstellt ist, dass sich der Gesundheitszustand de
r
Beschwerdeführer
in
insbesondere aufgrund de
s
schlecht
eingestellten Diabetes und de
ss
en Spätkomplikation,
der Polyneuropathie
und
des
Impingementsyndroms
der rechten Schulter
seit Erlass der Verfügung vom
17.
März 2010
(Urk.
7
/
48
) relevant verschlechtert hat.
5.
5.1
Das
Z._
-Gutachten vom
16. Mai
2017
(
Urk. 7/99
) beruht auf den notwendigen
allgemeinmedizinischen beziehungsweise internistischen, psychiatrischen, neuro
psychologischen,
rheumatologischen, neurologischen
sowie
endokrinologischen
Untersuchungen und erweist sich somit für die streitigen Belange als umfassend. Die Gutachter setzten sich detailliert mit den vo
n der
Beschwerdeführer
in
geklagten Beschwerden auseinander, erstellten ihre Beurteilung in Kenntnis der wesentlichen
Vorakten
und die daraus unter Nennung der medizinischen Zusam
menhänge gezogenen Schlussfolgerungen leuchten grundsätzlich ein.
5.2
5.2.1
Aus psychiatrischer Sicht konnte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit gestellt werden,
was
sich
aufgrund der gestellten
gutachterlichen
Be
funde
als
nachvollziehbar
erweist
. S
o habe sich die Beschwerdeführerin anlässlich der Untersuchung nicht depressiv gezeigt,
habe keine Konzentrationsschwäche oder Gedankenabreissen gezeigt. Wahnhaftes Denken sowie Wahnvorstellung waren nicht zu beobachten. Aus ihren Schilderungen hätten sich auch keine Hin
weise auf eine Veränderung der Stimmung und des Antriebes im Laufe des Tages gezeigt. Der psychiatrische Fachgutachter setzte sich auch mit den Vor
akten auseinander (Urk. 7/99/
10 f.)
so auch mit dem
Bericht von Dr. med.
K._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 12. Juli 2016. Darin
finde
n
sich die Diagnose
n
einer artifiziellen Störung (mit
komorbider
Persönlichkeitsstörung),
einer rezidivierenden affektiven Erkrankung,
eine
r
Essstörung und
eines
Ver
dacht
s
auf ein
Münchhausen
-
by
-proxy
-Syndrom (Urk. 7/55/25). Bei dem Bericht von Dr.
K._
handelt es sich um ein Aktengutachten, welches zu Händen der Sozialberatung der Stadt
L._
erstellt wurde. Weshalb die Unbeständig
keit
der
sozialen Beziehungen
der Beschwerdeführerin
mit mehreren Scheidungen und die Symptomproduktion
alleine
auf eine Persönlichkeitsstörung hinweisen sollen
(Urk. 7/55/22)
, ist nicht nachvollziehbar, auch wurde
der Verdacht
auf ein
Münchhausen
-
by
-p
roxy-Syndrom
(Urk. 7/55/25)
von Dr.
K._
nicht
näher
begründet und wurde von Dr.
D._
nachvollziehbar
als rein spekulativ ein
gestuft
(Urk. 7/99/13)
. Diese von Dr.
K._
in den Raum
gestellte,
schwer
wiegende psychiatrischen Verdachtsdiagnose widerspricht alsdann auch der Tat
sache, dass die Beschwerdeführerin sich seit Jahren alleine um ihren Sohn kümmert
, ohne dass dies zu Auffälligkeiten geführt hätte
. Gegen
die
Diagnose einer arti
fi
ziellen Störung spricht sodann, dass die Beschwerdeführerin durchaus in der Lage
scheint
, Selbstsorge zu betreiben. So unterzog
sie
sich
im März 2017
einer bariatrischen Operation und
im August 2018
einer Schulteroperation
(Urk.
7/145)
, um damit eine Verbesserung ihrer gesundheitlichen Situation zu erreichen.
Die Beurteilung von Dr.
K._
vom 12. Juli 2016 vermag dement
sprechend die gutachterliche Einschätzung von Dr.
D._
nicht in Zweifel zu
ziehen. Auch findet der vom behandelnden Psychiater Dr.
I._
am 23
.
Septem
ber 2017 erhobene Psychostatus mit unter anderem Pseudohalluzina
tionen, starker Affektlabilität mit Gereiztheit, Schreien, endloser Hoffnungs
losig
keit und Er
schöpfung, Antriebsminderung und Energiemangel (Urk. 7/115/2) im von Dr.
D._
erhobenen, im Wesentlichen unauffälligen Befund (Urk. 7/99/10 f.) keine Bestätigung. Abgesehen davon schenkte Dr.
I._
auch den neuropsy
chologisch festgestellten Inkonsistenzen (vgl. nachfolgende E. 5.2.2) keine Beach
tung, was Zweifel an seiner Objektivität aufkommen lässt.
B
ei Berichten von behandelnden Ärzten
ist
denn auch
auf die Er
fahrungstatsache hinzuweisen
, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V
465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc), weshalb
die Einschätzungen von Dr.
I._
das Fachgutachten nicht umzustossen
vermag
.
Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen, wie von Dr.
I._
attestiert (Urk. 7/120/3), kann
damit
nicht als gegeben erachtet werden.
Mangels Vorlie
gen
s
psychopathologischer Befunde ist denn auch die Durchführung eines struk
turierten Beweisverfahrens entbehrlich, zumal aus einer
Indikatorenprüfung
keine grössere Arbeitsunfähigkeit als die gutachterlich attestierte resultieren kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2019 vom 8. November 2019 E. 4.2.4).
5.2
.2
In
der neuropsychologischen Teilbegutachtung
konnte kein valides neuropsy
cho
logisches Testprofil erstellt werden, da die Beschwerdeführerin starke Hinweise auf
Verdeutlichungstendezen
gezeigt habe und zudem die Motivation
als
nicht gegeben
beurteilt wurde
(Urk. 7/99/26)
. Dieses Ergebnis ist aufgrund der Testver
läufe nachvollziehbar. So verbessert
e
die Beschwerde
führerin
beispielsweise ihr Ergebnis beim
Corsi
-Würfel-Test, nachdem ihr mitgeteilt
worden
war
, dass ihr erstes Ergebnis fast nicht möglich sei (Urk. 7/99/24), was sich beim Hamburg-Wechsler-Intelligenztest
wiederholt
e
(Urk. 7/99/23). Da
sich
bereits anlässlich einer neuropsychologischen Untersuchung vom 19. Juni 2015 in
der
M._
gar
eine bewusstseinsnahe Aggrava
tion
gezeigt hatte
(Urk. 7/55/70)
, ist in antizipierter Beweiswürdigung davon auszugehen, dass auch eine weitere Begutachtung zu keinem anderen Ergebnis führen würde, weshalb
vorliegend
auf die Einschätzung des neuropsycho
l
o
gi
schen Fachgutachters abzustellen ist, wonach
eine Arbeitsunfähigkeit aus ne
uro
psychologischer Sicht nicht erstellbar
ist
, was sich die Beschwerdeführerin selbst zuzuschreiben hat
(Urk. 7/99/26).
5.
2.
3
Die rheumatologischen
gutachterlichen
Befunde
führten zum Schluss auf ein
zum überwiegenden Teil durch muskuläre
Dysbalancen
verursachte
s
Impingement
syndrom
der rechten Schulter mit Einschränkungen der aktiven Schulterbe
weg
lichkeit (Urk. 7/99/18). Klinisch überzeugend konnte der rheumatologische
Fach
gutacher
auch eine allgemeine Hypermobilität mit Überstreckbarkeit der Gelenke feststellen (Urk. 7/99/18).
Zwar konnten im Gutachten
keine klinischen Hinweise auf eine
Rotatorenmanschettenläsion
fest
gestellt werden
, was sich
als unzu
tref
fend
erwies (vgl. Urk. 7/145), doch vermag dies die
Beurteilung
ingesamt
nicht zu d
i
skreditieren,
trug doch Dr.
E._
der Pathologie im rechten Schultergelenk auch ohne Kenntnis der Läsion mit der Einschränkung der Restarbeitsfähigkeit auf Tätigkeiten des rechten Armes nicht über der Horizontalen (Urk. 7/99/19) angemessen Rechnung
. Nachdem
sich
die Beschwerdeführerin
im August 2018
eine
r
operativen
Rotatorenmanschetten
rekonstruktion
mit gute
m Verlauf unter
zog (Urk. 7/145), ist zudem von einer
Verbesserung oder zumindest Stabilisierung dieser Beschwerden
auszugehen
.
Den Akten ist im Zusammenhang mit der Schulteroperation denn auch lediglich eine postoperative Arbeitsunfähigkeit vom 2. August bis 12. September 2018 zu entnehmen (Urk. 7/145/2).
Auch die
im Fachgutachten festgestellte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf leichte bis selten mittelschwere Tätigkeiten ohne Arbeiten mit dem rechten Arm über der Horizontalen ist
deshalb
nachvollziehbar
.
5.
2.
4
Aus neurologischer Sicht wurde im
Z._
-Gutachten eine
Polyneuropathie festge
stellt, welche Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin habe (Urk.
7/99/21). Diese Diagnose stützt Dr.
F._
nachvollziehbar auf
die erloschenen Achillessehnenreflexe
, wobei auch die anderen Reflexe nur noch
schwach auslösbar waren (Urk. 7/99/21).
Aufgrund der genannten neurologi
schen
Symptomatik
erscheint
die
darauf gestützte
Einschränkung der Arbeitstätigkeit nachvollziehbar, wonach die Beschwerdeführerin leichte
A
rbeiten i
n sitzender
Stellung bei ganztäg
iger Präsenz und
vermehrte
m
Pausenbedarf verrichten könne
, wobei von ihr die Leistung von
sieben
Stunden erwartet werden könne (Urk.
7/99/22).
5.
2.
5
Im
endokrinol
o
gischen
Fachgutachten wurde der
schlecht eingestellte
Diabetes mellitus diagnostiziert.
Dr.
H._
erh
iel
t
anlässlich der
endokrinologischen
Unter
suchung den Eindruck, dass die Beschwerdeführerin kognitiv deutlich einge
schrän
kt sei. So stellt
e
er fest, dass die Beschwerdeführerin ein mangelhaftes Krankheitsverständnis ha
be
und einfachste Fragen bezüglich ihrer Diabeteser
krankung und Behandlung nicht beantworten k
önne
(Urk. 7/99/27). Unter Be
rücksicht
ig
ung der verdeutlichenden Tendenzen
, die sich im neuropsycho
logi
schen Fachgutachten sowie im Bericht der
M._
zeigten,
rechtfertigt sich der Schluss auf ein
kognitive
s
Defizit
dagegen nicht
.
Bei der vorherrschenden
chro
nischen schweren
Hyperglykämie aufgrund mangelnder Einstellung erachtete Dr.
H._
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als deutlich eingeschränkt, was
auch angesichts
der wiederholten
ketoazidotischen
Entgleisungen mit
Hos
pitalisation
durchaus überzeugt.
Der Diabetes würde
jedoch,
wie im
endokrino
logischen
Fachgutachten
ebenfalls
überzeugend dargelegt, nach guter Einstellung
im Rahmen einer
stationären Behandlung
überwiegend wahrscheinlich
keine Arbeitsunfähigkeit mehr
nach sich ziehen
.
B
ei guter Einstellung de
s
Diabetes
wäre
vielmehr
eine volle Arbeitsfähigkeit zu erwarten
(Urk. 7/99/28
; Urteile des Bundesgerichts I 94/06 vom 23. August 2006 E. 3.4; 8C_903/2014 vom 13.
August 2015 E. 4.3
)
.
Diese Auffassung
wurde
bereits im
Y._
-Gutachten aus dem Jahr 2010
vertreten
(Urk. 7/43/26).
Auch nachvollziehbar ist die Be
handlungsempfehlung von Dr.
H._
für eine stationäre Therapie (Urk. 7/99/29), da die mehrmals tägliche
Assistierung
durch die Spitex
bis anhin
keine Ver
besserung
gebracht hat
und daher die
ambulanten
Möglichkeiten als aus
geschöpft zu betrachten sind.
In einem stationären Rahmen wäre jedoch aufgrund der Möglichkeit zur regelmässigen Beobachtung und Messung des Blutzucker
spiegels sowie
zur
eingehender Schulung der Beschwerdeführerin
zur richtigen Selbstbehandlung
eine langfristige Beseitigung der erwerbseinschränkenden un
mittelbaren Auswirkungen des Diabetes durchaus erfolgsversprechend
oder zumin
dest nicht auszuschliessen
.
5.
3
Zusammenfassend ist daher
der Schlussfolgerung des
Z._
-Gutachtens zu folgen, wonach eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in sämtlichen Erwerbstätig
keiten vorherrscht.
Eine genaue Be
zifferung
der Einschränkung lässt sich im Gut
achten nicht finden, ist aber
im Lichte der
gesamten Ausführungen als volle Arbeitsunfähigkeit zu werten, wie dies auch von Dr. med.
N._
, RAD-Arzt, getan wurde (Urk. 7/148/
4
).
Ebenfalls zu folgen ist
sodann
der Einschätzung im
Z._
-Gutachten, wonach die Beschwerdeführerin nach guter Einstellung des Diabetes eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 90 % in einer körperlich leichten, adaptierten Tätigkeit erreichen könnte (Urk. 7/99/31).
5.
4
Diese
Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat Geltung ab dem Zeitpunkt der Untersuchungen im März 2017. Eine Arbeitsunfähigkeit zu einem früheren Zeitpunkt retrospektiv zu beurteilen, sei
gemäss
den
Gutachter
n
aufgrund der Akten nur schwierig möglich (Urk. 7/99/31).
Wie bereits dargelegt, kann den Ausführungen von Dr.
K._
und Dr.
I._
, welche eine frühere Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen
attestierten
, nicht gefolgt wer
den. Andere Atteste
lang
an
dauernde
r
Arbeitsunfähigkeiten
finden sich nicht in den Akten.
Die Beschwerdeführerin war somit ab März 2017 unbestrittenermassen zu 100 % arbeitsunfähig in sämtlichen Tätigkeiten und
das damit beginnende Wartejahr ist
am 1. März 2018 abgelaufen. Ab dem 1. März 2018 hatte sich der Gesund
heits
zustand der Beschwerdeführerin jedoch mangels
adäquater
Einstellung ihres
Diabetes nicht
ge
bessert, womit ihre Arbeitsfähigkeit aufgrund de
s
Diabetes
grund
sätzlich
weiterhin als 100%ig eingeschränkt in sämtlichen Tätigkeiten ein
zustufen ist
.
6.
6.1
Beim Vorliegen einer vollen Arbeitsunfähigkeit kann auf einen Einkommens
ver
gleich verzichtet und von einem Invaliditätsgrad von 100 % ausgegangen werden. Vorbehalt für einen dauerhaften Leistungsanspruch ist jedoch, dass keine Schadenminderungs- oder Mitwirkungspflichten verletzt wurden
, welche einem Leistungsanspruch entgegenstehen
.
In Folge ist
daher
zu prüfen, ob
ein Renten
anspruch
nach Ablauf des Wartejahres
ab März 2018 zu Recht infolge schuld
hafter Verletzung der Schadenminderungspflicht verneint wurde.
6
.
2
Im
Gutachten des
Z._
wurde
eine stationäre Behandlung der Diabetes
dringend
empfohlen und als wahrscheinlich
zu einer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit führen
d
erachtet
,
worauf
die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 11. Juli 2017 aufge
fordert
wurde
bis 14.
August
2017 mitzuteilen, bei welcher Klinik oder bei welchem Arzt oder Ärztin
sie die Massnahme durchführen werde (Urk. 7/100/1). Diesem Schreiben wurde das Informationsblatt «Invalidenversicherung: Ihre Mit
wirkungspflicht»
sowie
das
Formular
«Schadenminderungspflicht: Angaben der Behandler und Einverständniserklärung» (Urk. 7/100/3)
beigelegt. Weiter wurde ausgeführt, dass eine
Nichtteilnahme an der Massnahme dazu führen könnte, dass aufgrund der Akten entschieden und ein Leistungsanspruch abgelehnt oder ge
kürzt werde
(
Urk.
7/100/2)
.
Nach zweimaliger Fristverlängerung
(Urk. 7/101, 7/106)
teilte die Beschwerde
führerin mit Schreiben vom 10. September 2017 mit, dass die Behandlung bei Dr.
A._
erfolgen würde
(Urk. 7/112)
.
Diese
hielt
mit Schreiben
an die Be
schwerdegegnerin
vom 28. September 2017
fest
, dass momentan kein stationärer Aufenthalt geplant, es jedoch nicht auszuschliessen sei, dass die Beschwerde
führerin zur Blutzuckereinstellung im Verlauf hos
pitalisiert werde (Urk. 7/116).
6.3
Damit wurde das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
formgültig durchgeführt. Die Folgen der Säumnis wurden der Beschwerdeführerin angemahnt und es wurde
ihr
eine angemessene
,
zwei Mal verlängerte
Bedenkzeit eingeräumt.
Vorliegend ist das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
mit Schreiben von Dr.
A._
vom 28. September 2017 (Urk. 7/116) als beendet zu betrachten. Dr.
A._
teilte der Beschwerdegegnerin bereits zu diesem Zeitpunkt – entgegen der klaren Auf
forderung der Beschwerdegegnerin - mit, dass kein stationärer Aufenthalt der Beschwerdeführerin geplant sei
. Womit sich
das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
am 28. September 2017
als
erfolglos durchgeführt
erwies
. Es gab vorliegend für die Beschwerdeführerin keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Beschwerdegegnerin aufgrund des anderslautenden Beh
andlungsplans von Dr.
A._
von der Auf
forderung einer stationären Behandlung abrücken würde
und daher
auch k
einen Grund an der Verbindlichkeit der angeordneten Massnahme zu zweifeln
(anders al
s
im Urteil des Bundesgerichts 8C_741/2018 vom 22. Mai 2019). Dass
daraufhin
ein zweites Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchgeführt wurde, ändert hieran nichts
, bestätigt doch das sodann gezeigte Verhalten der Beschwerdeführerin lediglich, dass sie zu keinem Zeitpunkt zur Durchführung der im Rahmen der Schadenminderungspflicht auferlegten stationären Behandlung bereit war und dass sie insgesamt eine ungenügende Compliance zeigte (vgl. insbesondere: Urk.
7/147).
Ob es sich bei der angeordneten Massnahme um eine solche im Rahmen der Mit
wirkungspflicht bei der Abklärung (Art. 7b Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 43 Abs. 2 ATSG) handelt
,
oder ob sie der Beschwerdeführerin unter dem Titel der Schadenminderungspflicht (Art. 7b Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 21 Abs. 4 ATSG) auferlegt wurden, spielt keine Rolle. Denn Art. 7b Abs. 1 IVG legt in beiden Fällen fest, dass Leistungen nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder verweigert werden können, wenn die auferlegten Massnahmen nicht erfüllt wurden.
6.4
Eine
vorübergehende oder dauernde Kürzung oder Verweigerung der Leistung wegen Verletzung der Schadenminderungspflicht
nach Art. 7b Abs. 1 IVG
setzt voraus, das
s
die der Beschwerdeführerin auferlegte stationäre Diabetesbe
hand
lung im Hinblick auf die Erfolgschancen und die in Frage stehenden Versiche
rungsleistungen zumutbar und
verhältnismässig
sowie geeignet ist, eine wesent
liche Steigerung der Arbeitsfähigkeit herbeizuführen.
6.4.1
Die Durchführung einer stationären
Therapie zur Einstellung d
es Diabetes wurde von Dr.
H._
im
Fachgutachten
explizit empfohlen und eine solche Therapie als dringend und zumutbar eingestuft
(Urk. 7/100/28 f.)
. Die Tragweite einer lediglich
ein
bis
zwei
wöchigen stationären Therapie ist für die nicht erwerbstätige Be
schwerdeführerin als gering anzusehen
und
auch die Organis
ation
der Betreuung,
welche ihr
im Jahr 2002 geborene
r
Sohn noch benötigte,
ist als durchaus
zu
mutbar einzustufen ist
, zumal
der stationären Behandlung
eine hohe Inanspruch
nahme von Versicherungsleistungen
in Form einer Invalidenrente
gegenüber
steht
.
6.4.2
Die Eignung der angeordneten Massnahme, eine Verbesserung der Erwerbstätig
keit zu erwirken, ist aufgrund der
deutlichen Empfehlung
von Dr.
H._
sowie d
er
Gesamtbeurteilung des polydisziplinären Gutachtens
ebenfalls nicht in Frage zu stellen.
Angesichts des Scheitern
s
sämtlicher bisherige
r
ambulante
r
Behandlungs- und Einstellungsversuche de
s
Diabetes erscheint der Versuch einer Behandlung in stationärem Rahmen, in welchem die mangelnde Compliance der Beschwer
deführerin (vgl. dazu unter anderem: Urk. 7/134) aufgrund der konstanten
Be
treuungs
- und Messmöglichkeiten einer Verbesserung der Blutzuckereinstellung nicht entgegenstünde und eine intensive Begleitung möglich wäre, als noch einzig
e
Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung zu stehen. Auch wenn Dr.
A._
hieraus ke
ine längerfristige Verbesserung
der Blutzuckereinstellung erwartet (Urk. 7/134), ist der angeordneten medizinische
n
Behandlung die Eig
nung keineswegs zum Vornherein abzusprechen. Dies gilt umso mehr, als sich die von Dr.
A._
für das mutmassliche Scheitern einer stationären Behand
lung verantwortlich erklärte psychische Verfassung gemäss
pychiatrischem
Fach
gutachten des
Z._
durch keine krankheitswertigen Befunde
(mehr)
auszeichnet (Urk. 7/99/13).
6.4.3
Zudem bedarf es für die Verweigerung oder Kürzung der Leistung das schuldhafte Nichtbefolgen der angeordneten Massnahme.
Unbestrittenermassen unterzog sich die Beschwerdeführerin zwischen der Einleitung des Mahn- und
Bedenkzeit
verfahrens
am 11. Juli 2017 (Urk. 7/100) und dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1. Februar 2019 (Urk. 2) keiner stationären
endokrinologischen
Diabetesbehandlung.
Den Einwänden der Beschwerde
führerin
, wonach sie alle Termine wahrgenommen oder entschuldigt verschoben habe (Urk. 1), kann
schon deshalb
nicht gefolgt werden,
weil
die Schadenminderungspflicht die stationäre Behandlung beinhaltet hätte und nicht lediglich den Besuch ambulanter Arzt
termine.
Was das Ausmass des Verschuldens der Beschwerdeführerin an der Nichterfüllung der – demnach zumutbaren sowie geeigneten und damit recht
mässigen Auflagen – betrifft, so geht Dr.
A._
in ihrem Schreiben vom 19.
Juni 2018 davon aus, dass die psychische Verfassung der Beschwerdeführerin das Hauptproblem sei, welche eine optimale Blutzuckereinstellung erschwere (Urk. 7/134).
Im psychologischen Fachgutachten
stellte
Dr.
D._
jedoch
über
zeugend
fest, dass die Beschwerdeführerin durch ihre fehlende Compliance ihre subjektive Krankheitsüberzeugung und ihren Rentenanspruch zu verdeutlichen versuch
e
(Urk. 7/99/13)
und auch das neuropsychologische Fachgutachten ergab deutliche Hinweise auf Verdeutlichungstendenzen der Beschwerdeführerin (Urk.
7/99/26)
. Es ist nicht erkennbar, dass die Beschwerdeführerin aufgrund eines psychischen Krankheitsbilds nicht dazu in der Lage gewesen wäre, die Konsequenzen ihrer unterbliebenen Handlungen einzuschätzen und
die Unter
lassung
daher krankheitsbedingt erfolgt
wäre
. Die Beschwerdeführerin muss sich daher eine schuldhafte Verletzung ihrer Schadenminderungspflicht
vorwerfen
lassen.
6.
5
Nach dem Gesagten steht fest, dass die Beschwerdeführerin die ihr auferlegte Schadenminderungspflicht schuldhaft verletzte und die Beschwerdegegnerin ihr somit nach durchgeführten Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
und damit ab dem 28. September 2017
die Leistung
kürzen oder verweigern
, respektive die Be
schwer
deführerin so stellen durfte, wie wenn sie ihre Schadenminderungspflicht wahrgenommen hätte
.
Entsprechend ist davon auszugehen, die Beschwerde
füh
rerin sei seit 28. September 2017 in einer angepassten Tätigkeit zu 90 % arbeits
fähig.
7.
7.1
Zu klären sind damit die erwerblichen Auswirkungen der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit.
7.2
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beschwerdeführerin als Vollerwerbs
tätige (Urk. 7/148/8).
Die
Beschwerdeführerin
lebte
nach der Trennung von ihrem Ehemann
im Jahr 2013 (Urk. 7/99/9
,
Scheidung
im Jahr 2018 vollzogen [
Urk.
7/132
]
), mit ihrem
im Jahr 2017 bereits 15-jährigen Sohn alleine. Gemäss
Aus
sagen der Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung des
Z._
, lebte sie 2017 zudem bereits seit vielen Jahren von Sozialhilfe. Unter Berücksichtigung der gelebten Wohnverhältnisse und der finanziellen S
ituation der Beschwerde
führerin
ist damit durchaus davon auszugehen, dass sie bei voller Gesundheit einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen würde, weshalb der von der Be
schwerdegegnerin getroffenen und von der Beschwerdeführerin nicht bestrittenen Qualifikation, gefolgt werden kann.
7.3
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkommens
vergleichs gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grund
sätzlich Vorrang zu.
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabel
lenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentvergleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
7.
4
Die Beschwerdeführerin war
bis zur
Geburt ihres Sohnes im Jahr 2002 arbeitstätig
und
hat
in verschiedenen Branchen gearbeitet
. S
o war sie in der
O._
als Mitarbeiterin für Muste
r
kollektionen und als Näherin tätig, zuletzt habe sie in einem Restaurant gearbeitet (Urk. 7/99/9). Der IK-Auszug der Beschwerdeführerin zeigt ein unregelmässiges Einkommen mit wiederholtem Bezug von Arbeits
losen
entschädigung Der zuletzt erzielte Jahreslohn bei der
P._
betrug
Fr.
28'710
.--
(Urk. 7/11). Gestützt au
f
den medizinischen Sachverhalt kann davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin
in
einer mit den bereits ausge
führten Tätigkeiten vergleichbare
n
Tätigkeit
(im 90%-Pensum) als ungelernte Hilfsmitarbeiterin bestmöglich eingegliedert wäre.
Damit erübrigt sich ein ordent
licher Einkommensvergleich und
es
kann für das Validen- und das Invaliden
einkommen
derselbe Tabellenlohn
herangezogen werden
, womit der Invaliditäts
grad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit von 10 % entspricht.
8
.
Damit bestand nach durchgeführten Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
ab dem 28.
September 2017
und damit vor Ablauf des Wartejahres am 1. März 2018
kein rentenrelevanter Invaliditätsgrad, womit die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine Invalidenrente zu Recht verneinte. Die Beschwerde ist damit abzuweisen.
9
.
9
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1bis IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
9
.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Vertretung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Mit Verfügung vom 20. September 2019 (Urk. 14) wies das Gericht
das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 16. September 2019 (Urk. 12) um
Bestellung
einer unentgeltlichen Rechtsvertretung mangels Notwendigkeit ab
und erklärte, dass die Beschwerdeführerin
ihr Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Hin
blick auf die erforderliche Bedürftigkeit zu substantiieren habe
,
wofür
ihr eine Frist von 30 Tagen zur Einreichung entsprechender Belege
angesetzt wurde
(Urk.
14 S. 5)
. Dieser Aufforderung kam die Beschwerdeführerin
jedoch
nicht nach, weshalb ihre Bedürftigkeit nicht nachgewiesen ist. Damit ist das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mangels
Substantiierung
abzuweisen.
Das Gericht beschliesst
:
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird abgewiesen.
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Magdalena
Schaer
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.