Decision ID: a1a39c7d-7b8a-4ae8-9aa2-f2a5c39ba55c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
gewerbsmässiger Betrug etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, III. Abteilung, vom 6. September 2017 (DG170004)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 9. Februar
2017 (Urk. 32) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 61 S. 75 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB − der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB − der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB
2. Vom Vorwurf des Fahrens ohne Haftpflichtversicherung im Sinne von Art. 96 Abs. 2
SVG in Verbindung mit Art. 63 SVG wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 81 Tage
durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu
Fr. 30.–.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Pro-
bezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 7. Dezember
2016 beschlagnahmten Barschaften von Fr. 10.– (HD 0/15/19 S. 4) und Fr. 20.–
(HD 0/15/19 S. 5), einbezahlt bei der Bezirksgerichtskasse Horgen, werden zur De-
ckung der Verfahrenskosten eingezogen.
6. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 7. Dezember 2016 beschlagnahmten Gegenstände (HD 0/15/19 S. 2f.), lagernd bei
der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, werden eingezogen und vernichtet: − 1 Festplatte weiss (A008'894'255), − 1 Festplatte OC2 schwarz/grün (A008'894'266), − 1 Festplatte Freecom schwarz (A008'894'357), − 1 USB Stick Verbatim (A008'894'391), − 1 USB Stick San Disk (A008'894'437), − 1 USB Stick Lenovo (A008'894'471), − 1 Festplatte OC2 schwarz/grün (A008'894'482), − 1 Festplatte Kingston schwarz (A008'894'506), − 1 Festplatte OC2 schwarz/grün (A008'894'540), − 1 Speicherkarte Sony (A008'894'573),
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− 1 Speicherkarte SanDisk (A008'894'595), − 1 Festplatte HP (A008'894'608), − Schlüsselbund (A008'894'766), − 1 Schlüssel KESO (A008'894'777), − 1 Schlüssel KABA (A008'894'788), − 2 Schlüssel SEA (A008'894'846), − 1 PC ASUS (A008'894'915), − 1 Notebock ASUS (A008'894'926), − 1 Server IBM (A008'895'907), − 1 Server Lenovo (A008'895'918), − 1 Server HP (A008'895'929), − 1 Server IBM (A008'895'930), − 1 Server Lenovo (A008'895'941), − 1 PC IBM (A008'895'952), − 1 Laptop ACER (A008'896'079), − 1 Laptop ACER (A008'896'080), − 1 PC Fujitsu (A008'896'091), − PC HP Compaq (A008'896'104), − 1 PC IBM (A008'896'115).
7. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
7. Dezember 2016 beschlagnahmten Gegenstände (HD 0/15/19 S. 1ff.), lagernd bei
der Bezirksgerichtskasse Horgen (act. 36), werden eingezogen und vernichtet: − 1 Bundesordner grün (A008'894'131), − Schreiben ... (A008'894'620), − Schreiben ....ch, − 1 Bundesordner B'._ MWST 04/2014 (A008'894'868), − Diverse schriftliche Unterlagen (A008'894'879), − Diverse schriftliche Unterlagen (A008'894'880), − Diverse schriftliche Unterlagen (A008'894'904), − Liste betr. Bankverbindungen (A008'895'963), − Blätter «C._@....de (A008'895'974), − E-Mail D._ (A008'895'985), − 9 Sichtmappen «...» (A008'895'996), − Rechnung Nr. ... (A008'896'002), − Mail D._ (A008'896'013), − 2 Briefe (A008'896'024), − Brief «Verzollung» (A008'896'035), − 2 Bundesordner «B'._» (A008'896'046), − ... [Bank] Unterlagen E._ (A008'896'126), − Kontoauszug Steuerverwaltung (A008'896'137), − 2 Mahnungen (A008'896'159), − Zahlungsauftrag F._ [Bank] (A008'896'160), − Unterlagen «....com» (A008'896'171), − Schreiben Post (A008'896'182), − 1 Bundesordner blau «Rückerstattungen» (A008'896'193), − 2 Bundesordner weiss «F._» (A008'896'206), − 1 Bundesordner rot «Lieferung ab Lager» (A008'896'217), − 1 Brief «Mahnung» (A008'896'228), − 1 Bundesordner blau «B'._ Online Debitoren» (A008'896'239), − 1 Bundesordner grün «... Bank» (A008'896'240), − Diverse Sichtmappen «...» (A008'896'251), − Schreiben «D._-Angebot» (A008'896'262), − 1 Bundesordner schwarz «B'._ Streitfälle» (A008'896'273), − 1 Bundesordner grau «Frau G._» (A008'896'284), − 1 Bundesordner blau «Betreibungsamt Streitfälle» (A008'896'295),
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− 1 Bundesordner schwarz «H._ Kasse» (A008'896'308), − 1 Bundesordner grau «I._» (A008'896'319), − 1 Mappe rot (A008'896'320), − Lose Blätter «B._» (A008'896'331), − Diverse Schreiben (A008'896'342), − Unterlagen «B'._ MWST 01/2015» (A008'896'353), − Unterlagen «MWST A._ B'._» (A008'896'364), − Unterlagen «B'._ A._ Online» (A008'896'375), − Schreiben «letzte Mahnung J._» (A008'896'386).
8. a) Die Schadenersatzbegehren der nachgenannten Privatkläger werden im fol-
genden Umfang gutgeheissen: − Privatkläger 1 (D18): Schadenersatz von Fr. 181.25
− Privatkläger 2 (D2): Schadenersatz von Fr. 334.50
− Privatkläger 4 (D146): Schadenersatz von Fr. 153.35
− Privatkläger 8 (D286): Schadenersatz von Fr. 501.33
− Privatkläger 9 (D252): Schadenersatz von Fr. 109.20
− Privatkläger 10 (D86): Schadenersatz von Fr. 152.05
− Privatkläger 12 (D39): Schadenersatz von Fr. 258.15
− Privatkläger 18 (D255): Schadenersatz von Fr. 191.00
− Privatkläger 27 (D239): Schadenersatz von Fr. 122.08
− Privatkläger 39 (D213): Schadenersatz von Fr. 193.65
− Privatkläger 42 (D119): Schadenersatz von Fr. 114.60
− Privatkläger 46 (D112): Schadenersatz von EUR 116.95
− Privatkläger 47 (D288): Schadenersatz von Fr. 623.50
− Privatkläger 48 (D285): Schadenersatz von Fr. 97.95;
− Privatkläger 49 (D194): Schadenersatz von Fr. 112.80;
− Privatkläger 51 (D125): Schadenersatz von Fr. 109.00
− Privatkläger 53 (D99): Schadenersatz von Fr. 121.55
− Privatkläger 57 (D266): Schadenersatz von Fr. 60.95
− Privatkläger 63 (D16): Schadenersatz von Fr. 459.35
− Privatkläger 66 (D203): Schadenersatz von Fr. 88.20
− Privatkläger 73 (D51): Schadenersatz von Fr. 610.00
− Privatkläger 74 (D72): Schadenersatz von Fr. 122.30
− Privatkläger 76 (D156): Schadenersatz von EUR 338.40
− Privatkläger 77 (D25): Schadenersatz von Fr. 438.05
− Privatkläger 81 (D236): Schadenersatz von Fr. 246.00
− Privatkläger 82 (D216): Schadenersatz von Fr. 331.50
− Privatkläger 87 (D188): Schadenersatz von Fr. 204.38
− Privatkläger 88 (D114): Schadenersatz von Fr. 134.38
− Privatkläger 90 (D74): Schadenersatz von Fr. 665.30
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− Privatkläger 92 (D90): Schadenersatz von Fr. 148.75
− Privatkläger 93 (D28): Schadenersatz von Fr. 215.30
− Privatkläger 94 (D199): Schadenersatz von Fr. 302.90
− Privatkläger 95 (D45): Schadenersatz von Fr. 255.80
− Privatkläger 98 (D11): Schadenersatz von Fr. 114.25
− Privatkläger 105 (D291): Schadenersatz von EUR 258.90
− Privatkläger 106 (D159): Schadenersatz von Fr. 476.75
− Privatkläger 108 (D92): Schadenersatz von Fr. 137.98
− Privatkläger 111 (D224): Schadenersatz von Fr. 89.90
− Privatkläger 116 (D128): Schadenersatz von Fr. 207.34
− Privatkläger 118 (D137): Schadenersatz von Fr. 88.86
− Privatkläger 120 (D75): Schadenersatz von EUR 208.15
Im Mehrbetrag werden die Schadenersatzbegehren der obengenannten Privat-
kläger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
b) Die Schadenersatzbegehren der Privatkläger 3 (D87), 5 (D94), 6 (D118), 7
(D4), 11 (D245), 14 (D160), 15 (D251), 16 (D185), 17 (D35), 19 (D235), 20 (D77),
23 (D116), 24 (D184), 25 (D219), 26 (D105), 28 (D101), 29 (D27), 30 (D258), 31
(D232), 32 (D79), 33 (D172), 34 (D145), 35 (D135), 36 (D111), 37 (D31), 38
(D150), 40 (D181), 41 (D180), 43 (D161), 44 (D76), 45 (D65), 52 (D202), 54 (D37),
55 (D50), 58 (D174), 59 (D182), 60 (D34), 61 (D124), 62 (D98), 64 (D122), 65
(D187), 67 (D96), 68 (D189), 69 (D113), 70 (D207), 71 (D19), 72 (D59), 75 (D123),
78 (D171), 79 (D48), 80 (D163), 83 (D259), 84 (D106), 91 (D208), 96 (D244), 97
(D47), 99 (D73), 100 (D215), 101 (D177), 102 (D67), 103 (D170), 104 (D36), 107
(D205), 109 (D175), 110 (D230), 112 (D80), 115 (D40), 117 (D281) und 119 (D68)
werden auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
c) Die Genugtuungsbegehren der Privatkläger 1 (D18), 3 (D87), 7 (D4), 9
(D252), 11 (D245), 12 (D39), 14 (D160), 16 (D185), 17 (D35), 26 (D105), 27
(D239), 30 (D258), 32 (D79), 38 (D150), 41 (D180), 52 (D202), 54 (D37), 59
(D182), 61 (D124), 63 (D16), 64 (D122), 70 (D207), 80 (D163), 83 (D259), 84
(D106), 85 (D225), 90 (D74), 94 (D199), 95 (D45), 96 (D244), 97 (D47), 105
(D291), 110 (D230), 118 (D137) und 119 (D68) werden abgewiesen.
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9. Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. X._, wird für seine Bemühun-
gen und Auslagen mit Fr. 26'719.40 (inkl. Fr. 1'979.20 MwSt.) aus der Gerichtskas-
se entschädigt.
10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 6'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 930.00 Kosten Kantonspolizei Zürich
Fr. 150.80 Zeugenentschädigung
Fr. 46.20 Auslagen Untersuchung
Fr. 26'719.40 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt
(Art. 426 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichts-
kasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
12. (Mitteilung)
13. (Rechtsmittel) "
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 63 S. 1 f.; Urk. 79 S. 1 f.; Prot. II S. 5 f.)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf
− des gewerbsmässigen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB,
− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB und − der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB freizusprechen.
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2. Es sei dem Beschuldigten für die Haft von 81 Tagen eine Haftentschä-
digung von Fr. 12'150.– zuzusprechen.
3. Die beschlagnahmten Barschaften von Fr. 10.– und Fr. 20.–, die be-
schlagnahmten Gegenstände wie Festplatten etc. (Ziff. 6) und die be-
schlagnahmten Gegenstände wie Bundesordner etc. (Ziff. 7) seien dem
Beschuldigten herauszugeben.
4. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Beschuldigte seine zivil-
rechtliche Schadenersatzpflicht gegenüber den Privatklägern dem
Grundsatz nach anerkennt. Im Übrigen seien die Schadenersatz-
forderungen auf den Zivilweg zu verweisen. Für den Eventualfall einer
Verurteilung des Beschuldigten werden die Schadenersatzansprüche
der Privatkläger anerkannt.
5. Die Kosten der Untersuchung, des gerichtlichen Verfahrens und der
amtlichen Verteidigung seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 67 S. 1)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die Erwägungen der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 61 S. 11).
1.2. Gegen das vorstehend wiedergegebene schriftlich eröffnete Urteil des Be-
zirksgerichts Horgen, III. Abteilung, vom 6. September 2017 (Prot. I S. 62 ff.) liess
der Beschuldigte durch seine amtliche Verteidigung am 20. September 2017 (Da-
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tum Poststempel) fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 57). Nach Zustellung des
begründeten Urteils am 12. Januar 2018 (Urk. 60/2) reichte die Verteidigung mit
Eingabe vom 1. Februar 2018 – ebenfalls fristgerecht – dem Obergericht die Be-
rufungserklärung ein. Gleichzeitig stellte die Verteidigung Beweisanträge
(Urk. 63). Mit Präsidialverfügung vom 6. Februar 2018 wurde die Berufungserklä-
rung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der Staatsanwaltschaft sowie
den Privatklägern zugestellt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben
oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen, sowie Frist angesetzt, um
zu den vom Beschuldigten gestellten Beweisanträgen Stellung zu nehmen
(Urk. 65). Mit Eingabe vom 9. Februar 2018 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf
eine Anschlussberufung, beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
und liess sich zu den Beweisanträgen des Beschuldigten vernehmen (Urk. 67).
Die Privatkläger K._ und L._ liessen sich mit Eingaben vom 25. Februar
2018 (Urk. 68) respektive vom 7. März 2018 (Urk. 70) vernehmen. Mit Präsidial-
verfügung vom 22. März 2018 wurden die Beweisanträge des Beschuldigten ab-
gewiesen (Urk. 72; vgl. dazu auch untenstehende Erw. 4).
1.3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Beglei-
tung seiner amtlichen Verteidigung (Prot. II S. 4). Vorfragen waren keine zu ent-
scheiden. Die Einvernahme des Beschuldigten (Urk. 78) konnte ordnungsgemäss
durchgeführt werden. Das Urteil wurde im Anschluss an die Berufungsverhand-
lung mündlich eröffnet und schriftlich im Dispositiv mitgeteilt (Prot. II S. 13 ff.;
Urk. 82).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldspruch we-
gen gewerbsmässigen Betruges, Urkundenfälschung und Beschimpfung, den
Strafpunkt, die Beschlagnahmungen, die Zivilforderungen, wobei der Beschuldigte
diese für den Verurteilungsfall im Sinne der vorinstanzlichen Dispositivziffer 8
eventualiter anerkennt, sowie die Kostenauflage. Zudem verlangt der Beschuldig-
te eine Entschädigung für die erlittene Haft (Urk. 63 S. 1 f.; Urk. 79).
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2.2. Dementsprechend ist das vorinstanzliche Urteil in den Dispositiv-Ziffern 2
(Freispruch vom Vorwurf des Fahrens ohne Haftpflichtversicherung), 9 (Entschä-
digung amtliche Verteidigung) und 10 (Kostenfestsetzung) nicht angefochten und
damit in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist
(Art. 404 Abs. 1 StPO). Im übrigen Umfang steht der angefochtene Entscheid im
Rahmen des Berufungsverfahrens unter Vorbehalt des Verschlechterungsver-
botes gesamthaft zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
3. Anklagegrundsatz
3.1. Die Verteidigung machte anlässlich der Berufungsverhandlung zusam-
mengefasst geltend, dass die Anklage das Anklageprinzip verletze, indem in der
Anklageschrift nicht genügend unterschieden werde, welche der 292 Geschädig-
ten nicht vollständig zu Verlust gekommen seien, sondern einen Teil ihrer bestell-
ten Waren erhalten hätten. Entsprechend sei die Deliktssumme von Fr. 56'182.09
nicht um jenen Teil der gelieferten Waren reduziert worden (Urk. 79 S. 3 f.).
3.2. Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklageschrift möglichst
kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfene Tat mit Beschrei-
bung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Die Anklage hat die
der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzi-
se zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht ge-
nügend konkretisiert sind. Durch eine detaillierte Angabe des Anklagevorwurfs
werden insbesondere die durch das Anklageprinzip angestrebte Umgrenzungs-
und Informationsfunktion erfüllt. Zum einen soll die beschuldigte Person Kenntnis
erlangen, welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten
rechtlich qualifiziert wird, so dass sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten
kann, und garantiert damit auch den Anspruch auf rechtliches Gehör (BGE 133
IV 235 E. 6.2 f.; Urteil des Bundesgerichts 6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015
E. 2.2 mit Hinweisen, nicht publ. in BGE 141 IV 437). Zum anderen soll auch das
Gericht durch die Anklageschrift in die Lage versetzt werden, sich eine präzise
Vorstellung des Anklagevorhalts zu machen. Es genügt demgemäss nicht, wenn
pauschale Vorwürfe erhoben werden (BSK StPO-HEIMGARTNER/NIGGLI, Art. 325
N 18). Eine Verletzung des Anklageprinzips liegt aber nur vor, wenn der Beschul-
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digte nicht in genügender Weise über den ihm vorgeworfenen Sachverhalt infor-
miert worden ist.
3.3. Die Verteidigung übersieht bei ihrer Kritik, dass die an die Geschädigten
erfolgten Teillieferungen bei der Berechnung der Deliktssumme bereits berück-
sichtigt sind und es sich bei den Fr. 56'182.09 damit um die effektive Deliktssum-
me handelt. Sodann umschreibt die Anklage kurz, aber präzise das dem Beschul-
digten vorgeworfene Verhalten. Sie nennt dabei für die einzelnen Geschädigten
Zeit, Deliktsort, Deliktssumme sowie den Gegenstand, welcher nicht geliefert
worden sein soll. Es ist bei dieser Sachlage nicht ersichtlich, wie die Staats-
anwaltschaft das vorgeworfene Verhalten konkreter hätte umschreiben sollen.
Schliesslich gilt es sich auch den Zweck des Anklagegrundsatzes in Erinnerung
zu rufen: Es geht sowohl darum, dass sich das Gericht eine präzise Vorstellung
des vorgeworfenen Sachverhaltes machen kann als auch, dass der Beschuldigte
Kenntnis erlangt, welcher konkreter Handlungen er beschuldigt und wie sein Ver-
halten rechtlich qualifiziert wird, so dass er sich in seiner Verteidigung richtig vor-
bereiten kann. Aus den Befragungen des Beschuldigten, aber auch aus den Aus-
führungen der Verteidigung ergibt sich, dass dem Beschuldigten sehr wohl be-
wusst ist, was ihm konkret vorgeworfen wird. Dass und inwiefern dem Beschuldig-
ten eine wirksame Verteidigung unter diesen Umständen nicht möglich gewesen
sein sollte, ist unter dem Gesichtspunkt des Anklagegrundsatzes nicht nachvoll-
ziehbar. Der Anklagegrundsatz ist nicht verletzt.
4. Beweisanträge des Beschuldigten
4.1. Die Verteidigung stellte anlässlich der Berufungsverhandlung erneut den
Antrag, es sei die Buchhaltung der I._ für die Jahre 2014/2015, insbesondere
auch die Belege für die jeweilige Umrechnung Schweizerfranken-Euro und die
Belege für die rückerstattete deutsche Mehrwertsteuer beizuziehen (Prot. II S. 6).
4.2. Der Beschuldigte macht in diesem Zusammenhang geltend, M._ habe
seit längerer Zeit ihm überwiesene Gelder abgezweigt, was sich mit den Buchhal-
tungen der I._ belegen lasse (vgl. Prot. II S. 13). Diese Behauptung erweist
sich – wie später eingehender zu zeigen sein wird – als unglaubhaft und ist als
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Schutzbehauptung zu qualifizieren. Bereits an dieser Stelle ist darauf hinzuwei-
sen, dass wenn es sich tatsächlich so zugetragen hätte, dass M._ Gelder,
welche für Warenkäufe gedacht gewesen wären, abgezweigt hätte, es aus die-
sem Grund zwangsläufigerweise nicht zu den entsprechenden Warenlieferungen
gekommen wäre. Das hätte den Beschuldigten jedoch zu einer zeitnahen Reakti-
on veranlassen müssen, wäre der Konnex doch offensichtlich gewesen: Der Be-
schuldigte hätte gemäss seiner Darstellung den Kaufpreis ja überwiesen und die
Bestellungen gegenüber dem Distributor ausgelöst. Wenn dann die Ware beim
Kunden nicht ankommt, weil M._ das Geld in seine eigene Tasche hätte
fliessen lassen und der Distributor damit unbezahlt geblieben wäre, so wäre dies
für den Beschuldigten leicht zu erkennen gewesen. Dann wäre jedoch auch eine
zeitnahe Reaktion des Beschuldigten zu erwarten gewesen; das vom Beschuldig-
ten geltend gemachte "Abzweigen" von Geldern durch M._ hätte nicht im
Verborgenen geschehen können. Aufgrund der Tatsache, dass solche Reaktio-
nen jedoch ausgeblieben sind, erscheint die Behauptung des Beschuldigten als
nicht glaubhaft. Bei dieser klaren Sachlage kann auf den Beizug der Buchhaltung
der I._ verzichtet werden. Im Übrigen mit der zutreffenden Begründung der
Vorinstanz (Urk. 61 S. 13) ist der Beweisantrag des Beschuldigten demgemäss
abzuweisen.
4.3. Sodann stellte die Verteidigung erneut den Antrag, es sei von einem Ex-
perten zu prüfen, "ob der Beschuldigte von seiner Persönlichkeit her nur ein Op-
timist sei, der seine Kunden weder schädigen wollte noch deren Schädigung in
Kauf genommen habe, oder ob der Beschuldigte ein Betrüger sei". Die Vertei-
digung liess dem Antrag keine weitere Begründung folgen (Prot. II S. 6).
4.4. Wie bereits in der Präsidialverfügung vom 22. März 2018 erwogen (Urk. 72
S. 2), besteht kein Anlass, die Beantwortung der Frage nach dem subjektiven
Tatbestand an einen Experten zu delegieren. Es wird vielmehr nachfolgend allein
Sache des Gerichtes sein, diese Frage unter Würdigung der Beweismittel zu be-
antworten. Deshalb ist auch dieser Beweisantrag des Beschuldigten abzuweisen.
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5. Vorwurf der Befangenheit der Vorinstanz
5.1. Die Verteidigung führte anlässlich der Berufungsverhandlung aus, die Vor-
instanz befasse sich mit dem Beschuldigten als aussagende Person und dessen
Glaubwürdigkeit. Die Vorinstanz bezeichne die Glaubwürdigkeit des Beschuldig-
ten als "doch merklich eingeschränkt", weil gegen den Beschuldigten bzw. seine
damaligen Firmen 2010/2011 und 2012 Untersuchungen wegen Betrugs im Onli-
ne-Business gelaufen seien. In keinem dieser Fälle habe es jedoch eine Verurtei-
lung des Beschuldigten gegeben. Wenn die Vorinstanz aus diesen Fällen ohne
nähere Begründung die Folge ziehe, die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten sei
merklich eingeschränkt, liege ein massiver Anschein von Befangenheit vor. Die
Vorinstanz habe damit den Grundsatz des fair trial nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK, den
Grundsatz des rechtlichen Gehörs nach Art. 29 Abs. 2 BV und die Garantie der
gerechten Verhandlung nach Art. 29 Abs. 1 BV und den Grundsatz des unpartei-
ischen Gerichts nach Art. 30 Abs. 1 BV verletzt. Der Entscheid sei aus diesem
Grund ohne weiteres aufzuheben (Urk. 79 S. 4 f.).
5.2. Verfahrens- oder Einschätzungsfehler, sogar auch eigentliche Fehlent-
scheide in der Sache der in der Strafbehörde tätigen Person begründen für sich
keine Befangenheit. Aus Art. 30 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff.1 EMRK lässt sich keine
Garantie fehlerfreien richterlichen Handelns ableiten. Ein Rückschluss aus Ver-
fahrensfehlern auf mangelnde Objektivität zulasten der einen oder anderen Partei
ist an sich nicht zulässig, denn Verfahrensfehler oder Fehleinschätzungen können
auf allen Ebenen der Justiz vorkommen. Ein Ausstandsgrund liegt auch nicht da-
rin, wenn der Richter einen für die Partei ungünstigen Entscheid erlässt, in recht-
licher Hinsicht eine dieser nicht genehme Ansicht vertritt, in seinem Aufgaben-
bereich Verfahrens- oder Ermessensfehler begeht, ja selbst willkürliche Prozess-
handlungen trifft. Es darf allein daraus nicht gefolgert werden, dass es dem ent-
sprechenden Funktionsträger an Objektivität fehlt. Für die Annahme der Vorein-
genommenheit muss es sich vielmehr um besonders schwere oder wiederholte
Fehlleistungen bzw. Irrtümer handeln, die als schwere Verletzung der Richter-
pflichten gelten müssen (zum Ganzen: KELLER, in Donatsch/Hansjakob/Lieber,
StPO, Art. 56 N 40 f. mit Hinweisen). Solche besonders schweren oder wieder-
- 13 -
holten Fehlleistungen durch den vorinstanzlichen Spruchkörper sind nicht auszu-
machen. Ohnehin leitet die Vorinstanz ihre Einschätzung der Glaubwürdigkeit des
Beschuldigten keineswegs alleine aus den früheren Verfahren ab, sondern ver-
weist noch auf weitere Umstände. Und vor allem relativiert sie ihre Erwägungen
zur Glaubwürdigkeit – zutreffenderweise – gleich selbst wieder dahingehend, als
es primär ohnehin auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen der betroffenen Person
ankommt (Urk. 61 S. 16; vgl. auch nachfolgende Erw. II.1.2). Eine Voreinge-
nommenheit ist deshalb zu verneinen, zumal auch sonst keine Anhaltspunkte für
eine Befangenheit auszumachen sind.
6. Formelles
6.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet.
6.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1
mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken.
II. Schuldpunkt
Nachfolgend wird zwecks einfacherer Verständlichkeit im Wesentlichen dem
schematischen Aufbau des vorinstanzlichen Urteils im Zusammenhang mit der
Abhandlung des gewerbsmässigen Betruges gefolgt.
1. Tatvorwurf des gewerbsmässigen Betrugs
1.1. Dem Beschuldigten wird mit Anklageschrift vom 9. Februar 2017 zusam-
mengefasst vorgeworfen, er habe zusammen mit †N._ in betrügerischer
Weise mehrere Online-Shops betrieben. In diesem Zusammenhang sollen von
292 Geschädigten Bestellungen bei den jeweiligen Online-Shops eingegangen
- 14 -
sein, wobei die Geschädigten den geschuldeten Kaufpreis jeweils per Vorauskas-
se auf ein von den Beschuldigten angegebenes Bankkonto überwiesen, in der
Folge aber die Ware nicht oder nur einen Teil der Waren erhalten hätten. Die Be-
schuldigten hätten dabei in Kauf genommen, dass sie finanziell gar nicht in der
Lage seien, die bezahlte Ware zu liefern oder alternativ den Kaufpreis zurückzu-
erstatten.
1.2. Was die Vorinstanz zu den massgebenden Grundsätzen der Sachverhalts-
erstellung, den Beweiswürdigungsregeln (dabei insbesondere zur Aussage-
würdigung) ausführt, ist nicht zu beanstanden (Urk. 61 S. 14 f.). Zur Vermeidung
von Wiederholungen kann darauf verwiesen werden. Sodann kann bereits an die-
ser Stelle vorausgeschickt werden, dass die vorinstanzlichen Erwägungen ganz
grossmehrheitlich zutreffend sind und deshalb darauf verwiesen werden kann,
ohne dass dies jeweils im Einzelnen wiederholt werden müsste. Wenn im Folgen-
den eine andere Auffassung als die Vorinstanz vertreten wird, ergibt sich dies aus
den Erwägungen.
Da die Verteidigung mehrfach die vorinstanzliche Würdigung der Glaubwürdigkeit
der involvierten Personen kritisiert (Urk. 79 S. 4 und 7 f.), sei an dieser Stelle in
Erinnerung gerufen, dass beim Abwägen von Aussagen zwischen der Glaub-
würdigkeit einer Person und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden
ist. Während die erstere Grundlage dafür liefert, ob einer Person getraut werden
kann, ist die letztere für die im Prozess massgebende Entscheidung bedeutungs-
voll, ob sich der Sachverhalt zur Hauptsache so zugetragen hat oder nicht (Hau-
ser, Der Zeugenbeweis im Strafprozess, Zürich 1974, S. 312 ff.). Grundsätzlich
kommt der Glaubwürdigkeit im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft
bei der Aussageanalyse keine wesentliche Bedeutung zu, sondern vielmehr der
Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche durch methodische Analyse ihres
Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen
Angaben einem tatsächlichen Erleben entspringen. Damit eine Aussage als zu-
verlässig gewürdigt werden kann, ist sie insbesondere auf das Vorhandensein
von Realitätskriterien (BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht,
4. Auflage 2014, S. 76 ff.) und umgekehrt auf das Fehlen von Fantasiesignalen
- 15 -
(BENDER/NACK/ TREUER, a.a.O., S. 82 f.) zu überprüfen (vgl. Urteil 6B_390/2014
vom 20. Oktober 2014, BGE 133 I 33 E. 4.3.S. 45, BGE 129 I 49).
1.3. Unbestrittener Sachverhalt
1.3.1. Unbestritten geblieben ist auch vor dem Berufungsgericht, dass der Be-
schuldigte zusammen mit †N._ im Zeitraum vom ca. 1. Januar 2014 bis 5.
November 2015 mehrere Online-Shops betrieben hat, über welche sie Unterhal-
tungselektronik, IT- und Kommunikationsprodukte sowie Bürobedarf und Haus-
haltsprodukte verkauften. Weiter unbestritten ist, dass das Geschäftsmodell so
aufgebaut war, dass die auf den Online-Shops angebotenen Produkte nicht be-
reits vorgängig an Lager gekauft wurden, sondern lediglich die effektiv von Kun-
den gekauften und per Vorauskasse bezahlten Produkte bei in Deutschland an-
sässigen Lieferanten bestellt wurden. Mit der Distribution an die Käufer und der
Verzollung der in Deutschland bestellten Produkte wurde die Firma I._ mit
Sitz in ... [Stadt in Deutschland] beauftragt. Der "Gewinn" am Verkauf der Produk-
te bestand jeweils in der dem Beschuldigten und †N._ zurückerstatteten
deutschen Mehrwertsteuer. Der Beschuldigte und †N._ führten die Online-
Shops jeweils arbeitsteilig, wobei der Beschuldigte zuständig war für das Zusam-
menstellen der Bestellungen der Kunden, die Korrespondenz mit den Kunden und
die Mehrwertsteuerabrechnungen. †N._ war zuständig für das Auflisten der
Zahlungseingänge der Kunden, für die Bestellung der Produkte bei den deut-
schen Lieferanten, das Ausstellen der Lieferscheine sowie die Überweisung
der notwendigen Geldbeträge für die Spedition an die I._. Weiter unbestritten
geblieben ist, dass die 292 in der Anklageschrift einzeln aufgeführten Geschädig-
ten im oben genannten Zeitraum Waren auf den Online-Shops www.B._.ch,
www.O._.ch und www.P._.ch bestellt und den geschuldeten Kaufpreis
per Vorauskasse auf das Bankkonto bei der F._, für alle Geschädigten ins-
gesamt Fr. 56'182.09, überwiesen haben sowie die Geschädigten in der Folge die
bestellte Ware entweder gar nicht oder lediglich einen Teil der bestellten Waren
erhalten haben (vgl. Urk. 78 S. 5 ff.).
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass sich dieser Betrag auch
aus den edierten Kontounterlagen der F._ (IBAN ...) ergibt. Insgesamt haben
- 16 -
678 natürliche und juristische Personen zwischen dem 1. Juli 2014 und dem 5.
November 2015 Zahlungen getätigt. Aus den diesen Personen zugeschickten
Fragebögen ergibt sich, dass per 19. Februar 2016 insgesamt 273 Personen ei-
nen finanziellen Schaden erlitten haben, indem sie entweder die bestellte und be-
zahlte Ware gar nicht erhalten, die bestellte und bezahlte Ware nur teilweise er-
halten oder das einbezahlte Geld nicht in vollem Umfang zurückerhalten haben.
Dies macht in Bezug auf die versendeten Briefe einen Anteil von 41% aller ant-
wortenden Kunden aus, welcher durch das Verhalten des Beschuldigten Einbus-
sen erlitten hat. Legt man dem schliesslich ermittelten Schaden einen Umrech-
nungskurs Euro-Schweizerfranken von 1.14 zugrunde, ergibt eine Zusammen-
rechnung die Deliktssumme von Fr. 56'182.09 (vgl. dazu die Vorinstanz in Urk. 61
S. 40/41).
1.3.2. Als richtig erweisen sich die Erwägungen der Vorinstanz zum Vorwurf der
Mittäterschaft (Urk. 61 S. 20). Der Beschuldigte gab klar zu Protokoll, dass
†N._ keine Entscheidungsgewalt gehabt habe. Dieser habe sehr zuverlässig
gearbeitet und immer seine Instruktionen strikt befolgt (HD Urk. 0/5/1 S. 8 F/A 57).
Bestellungen habe dieser in seinem Auftrag und er selber getätigt (HD Urk. 0/5/1
S. 25 F/A 200). †N._ habe alleine auf seine Anweisungen hin gehandelt.
Dieser habe alle Arbeiten fehlerfrei ausgeführt, welche er ihm aufgetragen habe
(HD Urk. 0/5/3 S. 7 F/A 44). †N._ sei ihm blind gefolgt (HD Urk. 0/5/4 S. 8
F/A 47) und habe immer genau nach seinen Vorschriften gehandelt (HD Urk. 0/6
S. 5). Dessen Arbeitsleistung habe nur etwa 30% am Ganzen ausgemacht. Das
sei aber nur bis ca. August 2014 gewesen. Danach sei dieser krank geworden
und ausgefallen (HD Urk. 0/6 S. 6). Gemäss Angaben des Beschuldigten verfügte
†N._ auch nur gerade über das Wissen, welches er brauchte, um die Arbei-
ten auszuführen. Dieser habe nur am Rande von den Lieferschwierigkeiten mit-
bekommen (vgl. HD Urk. 0/6 S. 8).
†N._ selbst erklärte ebenfalls, nicht massgeblich an der Geschäftstätigkeit
beteiligt gewesen zu sein (HD Urk. 0/6 S. 10). Er sei bloss "ein Angestellter bei
A._" gewesen (HD Urk. 0/11/2 S. 29 F/A 276). So wurde ihm beispielsweise
auch konkret durch den Beschuldigten vorgegeben, welche Beschaffungen bei
- 17 -
Geldknappheit getätigt werden sollten (HD Urk. 0/11/6 S. 17 F/A 137 f.). Aus den
Aussagen von †N._ ergibt sich auch ohne Weiteres, dass dieser über die
konkreten Geschäftsabläufe gar nicht im Bilde war und deswegen zu einzelnen
Vorgängen keine Angaben machen konnte, sei es aufgrund Abwesenheit wegen
Krankheit, sei es deswegen, weil es nicht seinen Aufgabenbereich berührt hat.
Das Vorliegen einer Mittäterschaft ist deshalb zu verneinen.
1.4. Sachverhaltsabschnitt: Verwendung des einbezahlten Geldes zwecks
Deckung der Lebenshaltungskosten
1.4.1. Gemäss Anklageschrift hätten die Kunden ihre Waren deshalb nicht oder
nicht vollständig erhalten, weil die Beschuldigten das von den Geschädigten ein-
bezahlte Geld in der Höhe von Fr. 56'182.09 nicht zum Kauf der bestellten und
bezahlten Waren bei den Lieferanten in Deutschland verwendet hätten, sondern
zur teilweisen Deckung ihres Lebensunterhaltes sowie zur Deckung der Kosten
der Infrastruktur ihres Betriebs wie z.B. Kosten für die Dienstleistungen der
I._ und Kosten für Suchmaschinen im Internet. Weiter hätten die Beschuldig-
ten die Gelder zum Bezahlen des Telefonanschlusses, Internetanschlusses sowie
der Stromrechnungen verwendet, wobei Telefon, Internet und Strom von den Be-
schuldigten sowohl privat als auch geschäftlich genutzt worden seien. Ohne die
Gelder der Kunden sei es den Beschuldigten nicht möglich gewesen, ihren ge-
samten Lebensunterhalt zu decken, weshalb sie beim Wegfall dieser Einnahmen
von der Fürsorge abhängig gewesen wären (Urk. 32 S. 3).
1.4.2. Die Verteidigung macht vorab geltend, es sei nicht der Kunde, der dem
Verkäufer vorschreiben könne, mit welchem Geld der Verkäufer die vom Kunden
bestellte Ware kaufen müsse. Dies sei Sache des Verkäufers. Es sei zudem nicht
realisierbar, dass der Beschuldigte eine bei ihm bestellte Pulsuhr für Fr. 120.– aus
diesen Fr. 120.– in Deutschland kaufe (Urk. 79 S. 5).
Sicher richtig ist es, dass der Verkäufer nicht dazu verpflichtet ist, einen per
Vorauskasse bezahlten Artikel mit genau diesem Geld zu bestellen und seiner-
seits zu bezahlen. Hierfür darf er auch anderes Geld, beispielsweise auch Zah-
lungen anderer Kunden, verwenden. Entscheidend ist jedoch, dass der Verkäufer
- 18 -
die Ware überhaupt bestellt, diese innert der von ihm versprochenen Frist liefert
und es nicht etwa deshalb zu Nichtlieferungen kommt, weil der Verkäufer schlicht
kein Geld mehr für Bestellungen hat, weil er dieses für geschäftsfremde Zwecke
verwendet hat. Nachfolgend wird zu prüfen sein, ob dies beim Beschuldigten der
Fall war.
1.4.3. Erhellend ist in diesem Zusammenhang die Aussage von †N._, wel-
cher ausführte, sie hätten immer nur für so viel Waren bestellt, wie sie Geld ge-
habt hätten (HD Urk. 0/6 S. 11). Bei genauer Betrachtung hätten die Beschuldig-
ten also immer Bestellungen tätigen können müssen, da sie ja auf Vorauskasse
arbeiteten und so den Kaufpreis der Ware für sämtliche Bestellungen eigentlich
immer zur Verfügung gehabt hätten. Dies hat selbst dann zu gelten, wenn die Wa-
re des Kunden A nicht mit der Vorauszahlung des Kunden A bezahlt werden
muss. Die Ware wurde jedoch teilweise erst Monate nach dem Zahlungseingang
bestellt. Dies bildet ein gewichtiges Indiz dafür, dass nicht sämtliche Zahlungen
von Kunden für die Bestellung von Waren verwendet worden sind, sondern eben
für die Deckung der Lebenshaltungskosten des Beschuldigten und †N._s. An
der Berufungsverhandlung mit diesem Umstand konfrontiert, gab der Beschuldig-
te nur eine ausweichende Antwort (Urk. 78 S. 5 f.). Weiter führte †N._ aus,
das Geld, welches von Kunden auf das Konto der F._ einbezahlt worden sei,
sei dazu bestimmt gewesen, Waren einzukaufen. Sie hätten dieses Geld aber
auch dazu verwendet, um ihren Lebensunterhalt zu decken, was sie mit den
Rückerstattungen wieder hätten kompensieren sollen (vgl. HD Urk. 0/6 S. 18).
Dass sie die Zahlungen auch für Lebensmittel verwendet haben, räumte auch der
Beschuldigte ein (HD Urk. 0/5/4 S. 12 und 20 F/A 74 und 139). Sodann gab
†N._ zu Protokoll, dass sie Kundengelder dazu verwendet hätten, um Unkos-
ten wie Miete etc. zu bezahlen (HD Urk. 0/11/6 S. 4 F/A 28 f.). Offensichtlich
reichten die Rückerstattungen dann nicht aus, um das Konto auszugleichen.
Wenn auf dem Konto der F._ das Geld gefehlt habe, hätten sie gewartet, bis
wieder neues Geld darauf gewesen sei; es sei ja täglich neues Geld hereinge-
kommen (HD Urk. 0/11/6 S. 16 F/A 129). Auch der Beschuldigte bestätigte, dass
die Rückerstattungen nicht ausreichten, um das Konto auszugleichen (HD Urk.
0/5/1 S. 5 F/A 25). Eine solche Vorgehensweise gleicht schon fast einem
- 19 -
Schneeballsystem und zeigt auf, dass das Geschäft der Beschuldigten völlig un-
geeignet war, einen genügenden Gewinn zu erwirtschaften.
1.4.4. Dass der Beschuldigte gemäss Angaben von †N._ dabei genau er-
rechnen konnte, "wie viel man zu Gute hat" (HD Urk. 0/6 S. 19) ist nicht richtig,
zeigte sich doch in der ganzen Untersuchung immer wieder, dass dieser keinen
Überblick über die einzelnen Geldflüsse hatte und sich auch nicht erklären konn-
te, weshalb sie keinen Gewinn verbuchten. Exemplarisch hierfür ist auch, dass
dem Beschuldigten gemäss eigenen Angaben nicht bewusst war, dass er für Bar-
geldbezüge eine Gebühr von EUR 5.98 bezahlen musste, wobei sich der Ge-
samtbetrag der Gebühren auf total EUR 1'309.62 belief (HD Urk. 0/5/4 S. 13
F/A 83 ff.). Auch dass der Beschuldigte gemäss seinen Angaben nichts mit-
bekommen haben will, wie das Konto der F._ ins Minus geraten ist, obwohl
er selber die Transaktionen vorgenommen hat, spricht dieselbe Sprache (HD Urk.
0/5/4 S. 20 ff. F/A 141 ff.).
1.4.5. Die Firmen des Beschuldigten waren – entgegen dessen Behauptung an-
lässlich der Berufungsverhandlung (Urk. 78 S. 7 f.) – nicht rentabel. Dies erhellt
sich auch aus der Aussage des Beschuldigten, dass es ihm um einiges besser
gegangen wäre, wenn er kein Geschäft betrieben hätte (HD Urk. 0/5/4 S. 30
F/A 212). Die Firma habe ihm nie eine Gewinn gebracht. Vielleicht habe er sich
mal "ein Sandwich kaufen können, aber mehr nicht" (HD Urk. 0/5/2 S. 4 F/A 19).
Auf Vorhalt dieser Aussage erklärte der Beschuldigte anlässlich der Berufungs-
verhandlung, er sei vielleicht depressiv gewesen. Er sei heute anderer Meinung.
Er könne beweisen, dass das Geschäft funktioniert hätte (Urk. 78 S. 8). Wenn der
Beschuldigte dann allerdings vorbringt, er hätte nur den Umsatz verdoppeln müs-
sen, womit er weit über den Kosten gelegen wäre (Urk. 78 S. 11), so vermag dies
nicht zu überzeugen. Dies mag zwar in der Theorie zutreffen, allerdings war ihm
nur schon aufgrund der begrenzten personellen Ressourcen eine Verdopplung
nicht möglich, wie er ja selber einräumt (vgl. HD Urk. 0/5/2 S. 2 F/A 8). Jedenfalls
sind die Geschäfte so schlecht gelaufen, dass er offenbar Geld seiner Mutter ha-
be einschiessen müssen (HD Urk. 0/5/4 S. 32 F/A 222). Finanzielle Reserven hat-
ten die Geschäfte nicht. Wenn der Beschuldigte auf entsprechende Frage aus-
- 20 -
führt, diese hätten in der Unterstützung seiner Mutter bestanden (HD Urk. 0/5/3
S. 37 F/A 256), so stellt auch dies keine Reserve im eigentlichen Sinne dar, denn
dieses Geld verbrauchte er grundsätzlich in toto für seine Lebenshaltungskosten
und stand damit nicht den Firmen zur Verfügung. Ebenfalls unbehelflich ist, wenn
der Beschuldigte ausführt, sie hätten der I._ in den Jahren 2014 und 2015 Fr.
200'000.– gesendet (HD Urk. 0/5/7 S. 31 F/A 155). Selbst wenn dem so gewesen
wäre, sagte dies nichts über die Liquidität im Sinne eines finanziellen Polsters
aus, sondern beträfe nur die Umsätze. Im Übrigen fällt auch auf, dass der Be-
schuldigte oftmals geltend macht, gerade Liquiditätsprobleme hätten zu Liefer-
schwierigkeiten geführt, dann aber unterschiedliche Zeiträume nennt, in welchen
diese aufgetreten seien (statt vieler: HD Urk. 0/5/7 S. 38 f. und 42 f. F/A 196 ff.
und 224 ff.).
Die Bestellungen bei den Lieferanten, welche auf Nachnahme getätigt wurden,
hätten durch M._ beglichen werden müssen. Dafür war jedoch zu wenig Geld
vorhanden, weshalb dann die Ware jeweils wieder zurückgeschickt werden muss-
te. Diese Ware sei dann einfach wieder neu bestellt worden (HD Urk. 0/12/4 S. 4
f. F/A 28). Dass zeitweise nicht genügend Geld an ihn überwiesen wurde, sei un-
gefähr Mitte/Ende 2014 der Fall gewesen. In den letzten drei Monaten, in welchen
noch Materialbestellungen erfolgt seien, sei in ungefähr 50% der Fälle – entgegen
der Behauptung des Beschuldigten (HD Urk. 0/5/1 S. 7 F/A 46; HD Urk. 0/5/2
S. 11 F/A 71) – nicht genügend Geld vorhanden gewesen (HD Urk. 0/12/4 S. 9
F/A 56 f.). Etwa 10-20% der Waren seien definitiv zurück an den Lieferanten ge-
gangen, weil innerhalb der für ihn möglichen Lagerfrist nicht genügend Geld vor-
handen gewesen sei. Am Ende seien sehr viel Waren zurückgegangen (HD
Urk. 0/12/4 S. 10 F/A 63). Der Beschuldigte erklärte zunächst, es seien am
Schluss vielleicht ca. 5-10 Prozent gewesen, welche er gar nicht habe ausliefern
können (HD Urk. 0/5/2 S. 12 F/A 78). Anlässlich der Einvernahme vor der Vo-
rinstanz revidierte der Beschuldigte seine Aussage und erklärte, dass etwa 20%
der gesamten Kundschaft mangels Lager nicht beliefert worden seien. Es seien
zusätzlich etwa 20% der Kundschaft nicht beliefert worden, weil ihnen die Produk-
te nicht geliefert worden seien (Prot. I S. 18). Er behauptete, dass entgegen der
- 21 -
Aussage von †N._ mehr als die Hälfte der Bestellungen fristgerecht geliefert
worden seien (Prot. I S. 19).
Gemäss Angaben des Beschuldigten wurde †N._ nicht entlöhnt, sondern es
wurde ihm ein Betrag an seine Wohnung geleistet. Im Prinzip habe er ihm keinen
Lohn gezahlt, sondern es sei mehr ein Zuschuss zur Deckung der Kosten gewe-
sen (Prot. I S. 40). †N._ habe quasi gratis gearbeitet, da er ansonsten keine
Arbeit gehabt habe. Dieser habe gesagt, dass er das sehr gerne machen würde,
ansonsten er sich den ganzen Tag über langweilen würde (HD Urk. 0/5/3 S. 9 F/A
57). Der Beschuldigte gab zu Protokoll, er habe †N._ immer die Wohnung
bezahlt (HD Urk. 0/5/1 S. 5 F/A 25), später dann führte er aus, das sei nur 1-2 Mal
geschehen (HD Urk. 0/5/2 S. 6 f. F/A 39), die Zahlungen seien sporadisch gewe-
sen (HD Urk. 0/5/3 S. 8 F/A 50) respektive zwei, drei Zahlungen seien von der
Firma gekommen (HD Urk. 0/5/3 S. 8 F/A 55). †N._ habe hie und da auch
Geld für sein Bahnabonnement erhalten, aber auch nicht immer. Sonst habe die-
ser nichts bekommen (HD Urk. 0/5/3 S. 8 F/A 53). Falls die Einnahmen nicht ge-
reicht hätten, habe dieser eine Zahlung von seiner Mutter erhalten (Prot. I S. 35).
Der Beschuldigte gab an anderer Stelle zu Protokoll, es seien jeden zweiten Mo-
nat genügend finanzielle Mittel vorhanden gewesen, um †N._ den Mietzins in
der Höhe von Fr. 1'600.– bezahlen zu können. Er habe ihm die volle Miete insge-
samt 11-Mal bezahlt. Daneben habe er †N._ zusätzlich Fr. 600.– pro Monat
für die Jass-Kasse bezahlt. Das Geld habe er von der F._ bezogen (Prot. I S.
36 f.). Dieser Aussage widerspricht er nur wenig später wieder und macht geltend,
vom Konto der F._ habe er †N._ nur seine Miete bezahlt, nicht mehr
und nicht immer (Prot. I S. 53). †N._ sagte aus, er habe so viel Geld be-
kommen, um seine Unkosten zu decken. Er habe davon seinen Mietzins, die
Elektrizität und die Lebensmittel bezahlt. †N._ führte weiter aus, mit dem
Lohn habe er aber nicht seine gesamten Lebenshaltungskosten decken können.
Er bezifferte seine monatlichen Lebenshaltungskosten einmal mit Fr. 1'900.–,
dann mit ca. Fr. 3'000.– (HD Urk. 0/6 S. 16 f.; HD Urk. 0/11/6 S. 24 F/A 193),
dann wiederum bezifferte er diese mit Fr. 2'400.– (HD Urk. 0/11/6 S. 20 und 41
F/A 157 und 321 f.). Er habe unterschiedlich hohe Beträge vom Beschuldigten er-
halten. Es seien maximal Fr. 2'000.– bis Fr. 2'500.– gewesen. Er habe nur das
- 22 -
Nötigste bekommen, um seine Rechnungen zu bezahlen (HD Urk. 0/11/4 S. 15 f.
F/A 110 und 113). Davon abweichend gab er anlässlich der Hafteinvernahme vom
6. November 2015 zu Protokoll, er habe vor dem Frühling 2015 immer alles mit
dem Lohn bezahlen können. Was sie zum Leben gebraucht hätten, hätten sie
vom Konto der F._ genommen (HD Urk. 0/11/3 S. 3 und 6 F/A 12 und 35).
Einen Teil davon habe seine Mutter bezahlt. Seine Mutter habe im ganzen Jahr
2015 den Mietzins bezahlt sowie zusätzlich Fr. 500.– beigesteuert. An anderer
Stelle wiederum erklärte er, er sei von seiner Mutter mit "vielleicht Fr. 1'000.– oder
so" unterstützt worden (HD Urk. 0/11/6 S. 24 F/A 191). Den Kaufpreis für die Arti-
kel, welche sie auf Rechnung geliefert hätten und deswegen auf das Konto seiner
Mutter einbezahlt hätten, hätte er als Lohn behalten dürfen. Wiederum abwei-
chend sagte der Beschuldigte aus, das Geld vom Q._-Konto sei von
†N._ abgehoben worden und ihm in bar übergeben worden. Er habe damit
Expresszahlungen an M._ geleistet (HD Urk. 0/5/3 S. 29 F/A 208 f.). Noch
einmal anders sagte der Beschuldigte später aus, das Geld der Kunden sei auf
dem Q._-Konto geblieben und später durch die Steuerrückerstattungen ver-
rechnet bzw. kompensiert worden. †N._ habe über das Geld quasi als Lohn
verfügen können. Dieser habe davon seine Miete bezahlt (HD Urk. 0/5/4 S. 54 f.
F/A 375 ff.).
Seine eigene Hypothek habe den Beschuldigten jährlich mit Fr. 16'900.– belastet.
Seine sonstigen monatlichen Lebenshaltungskosten hätten sich gemäss den An-
gaben des Beschuldigten auf Fr. 400.– für Lebensmittel, Fr. 50.– für Kleider,
Fr. 50.– für Körperpflege, Fr. 150.– bis Fr. 200.– Wohnnebenkosten, Fr. 150.– für
die Putzhilfen, Fr. 180.– für Telefon/Internet, Fr. 500.– für Suchmaschinen und
Fr. 150.– für Strom belaufen (Prot. I S. 37 ff.). Anlässlich der Konfrontationsein-
vernahme vom 25. Januar 2016 und der Schlusseinvernahme vom 16. Dezember
2016 gab er teilweise stark von diesen Angaben abweichende Zahlen zu Protokoll
(HD Urk. 0/5/4 S. 24 F/A 165; HD Urk. 0/5/8 S. 120 F/A 6; HD Urk. 0/6 S. 20). Mit
seinen Online-Shops habe er in den Jahren 2014 und 2015 zusammen ca.
EUR 40'000.– bis EUR 45'000.– Gewinn erwirtschaftet. Er gab an einer Stelle zu
Protokoll, er sei von seiner Mutter mit Fr. 2'200.– unterstützt worden, wobei es
nicht mehr gewesen sei und dies auch schriftlich festgehalten worden sei. Er habe
- 23 -
neben diesem Einkommen kein weiteres Einkommen gehabt und über die Firmen
nichts verdient (HD Urk. 0/5/2 S. 2 ff. F/A 8 und 17; HD Urk. 0/5/3 S. 24 F/A 177).
Ein andermal führte er aus, er sei mit ca. Fr. 2'500.– (vgl. HD Urk. 0/5/8 S. 120
F/A 6) – gemäss †N._ sollen es Fr. 2'000.– gewesen sein (HD Urk. 0/11/6 S.
25 F/A 197) – unterstützt worden. Seine Mutter habe ihm ihre ganze AHV in der
Höhe von Fr. 2'200.– und zusätzlich noch den Mietzins für das Bauernhaus in der
Höhe von Fr. 300.– zur Verfügung gestellt. Sein Bruder wiederum habe die gan-
zen Lebenshaltungskosten der Mutter getragen. Er sei jedoch nur unterstützt
worden für den Zeitraum, in welchem es mit dem Geschäft nicht gut gelaufen sei
(Prot. I S. 42 f.). Davon abweichend gab er zu Protokoll, dass alles, was seinen
persönlichen Lebensunterhalt anbelangte, mit dem Geld seiner Mutter bezahlt
worden sei (HD Urk. 0/5/8 S. 120 F/A 6; HD Urk. 0/6 S. 20). Heute erklärte der
Beschuldigte, seine Mutter habe ihn mit Fr. 28'000.– pro Jahr unterstützt. Sie ha-
be ihm ihre ganze AHV in der Höhe von Fr. 24'000.– sowie die Zinsen für das
"Heimet" in der Höhe von Fr. 4'000.– pro Jahr zur Verfügung gestellt. Er habe da-
von Fr. 16'000.– für den Hypothekarzins gebraucht, was ihm Fr. 12'000.– gelas-
sen habe, um seine Lebenshaltungskosten zu bestreiten (Urk. 78 S. 6 und 9).
Die völlig uneinheitlichen Aussagen des Beschuldigten sind nicht glaubhaft und
widersprechen ausserdem der Aussage von †N._, welcher – entgegen den
Behauptungen des Beschuldigten (HD Urk. 0/5/1 S. 25 F/A 201; HD Urk. 0/5/2 S.
5 F/A 26 ff.) – zu Protokoll gab, der Beschuldigte habe monatlich ca. Fr. 1'500.–
vom Konto der F._ bezogen. Dies habe er auf den Kontoauszügen gesehen.
Der Beschuldigte habe immer kleinere Beträge für seinen persönlichen Gebrauch
bezogen. Er habe sogar einmal gesehen, wie der Beschuldigte in der Migros mit
der Karte der F._ direkt bezahlt habe (HD Urk. 0/11/3 S. 6 F/A 35 ff.). So-
dann räumte auch die Verteidigung vor Vorinstanz selber ein, der Beschuldigte
habe auch mit den Zustüpfen seiner Mutter seinen Notbedarf nicht decken kön-
nen (Urk. 54 S. 4). Dies wiederum in Widerspruch zur Aussage des Beschuldigten
anlässlich der Berufungsverhandlung, welcher ausführte, er habe seine gesamten
Lebenshaltungskosten alleine durch Gewinn und die Unterstützung seiner Mutter
decken können (Urk. 78 S. 9).
- 24 -
Die Mutter des Beschuldigten, R._, sagte anlässlich ihrer polizeilichen Ein-
vernahme vom 3. Dezember 2015 aus, sie habe den Beschuldigten mit
Fr. 1'000.– pro Monat unterstützt. Dies seien im Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis
Oktober 2015 ca. Fr. 22'000.– gewesen (HD Urk. 0/12/11 S. 2 f.). Bei der Staats-
anwaltschaft sagte R._ aus, sie habe manchmal Fr. 1'000.–, manchmal
Fr. 2'000.–, wenn sie kein Geld hatte, auch mal nichts gegeben (HD Urk. 0/12/19
S. 5 F/A 30). Sie wisse nicht, wie viel Geld sie dem Beschuldigten im Schnitt ge-
geben habe. Manchmal seien es schon Fr. 2'000.– gewesen (HD Urk. 0/12/19
S. 5 F/A 32 ff.). Auf Vorhalt der entsprechenden Aussage, dass er von seiner Mut-
ter nur Fr. 1'000.– pro Monat erhalten hätte, erklärte der Beschuldigte lediglich,
diese müsse sich täuschen (HD Urk. 0/5/4 S. 31 F/A 215). Auch S._ erklärte,
von der Polizei befragt, dass der Beschuldigte ihr gegenüber gesagt habe, er
werde mit Fr. 200.– bis Fr. 1'000.– im Monat von seiner Mutter unterstützt. Sie
wisse auch davon, dass er einmal Fr. 2'000.– von ihr bekommen habe (HD
Urk. 0/12/12 S. 8 F/A 58; HD Urk. 0/12/13 S. 7 F/A 48 ff.).
Erwähnenswert ist der Umstand, dass der Beschuldigte in der Zeit von Mai bis
Oktober 2015 einer Putzkraft Fr. 250.– bis Fr. 300.– pro Monat bezahlte und diese
zum Cordon bleu Essen und zu Champagner sowie Caipirinha einlud, und einer
Bekannten Natelrechnungen bezahlte oder anderweitig finanziell unterstützte
(vgl. HD Urk. 0/5/4 S. 25 und 27 f. F/A 176, 191 f. und 195; HD Urk. 0/12/12 S. 3 f.
F/A 15 f. und 19 ff.; HD Urk. 0/12/13 S. 4 ff. F/A 24 und 29 ff.). Diese Unterstüt-
zungsleistungen fielen in einen Zeitraum, in welchem es gemäss Beschuldigtem
schon schlecht lief. Dass der Beschuldigte T._ für den Zeitraum von Februar
2015 bis April 2015 mit ca. Fr. 2'000.– entlöhnt hat, bestätigt dieser selber (HD
Urk. 0/5/4 S. 18 f. F/A 129). S._ gab zu Protokoll, es sei das Geld, welches
der Beschuldigte von seiner Mutter bekommen habe. Dies habe ihr der Beschul-
digte gesagt (HD Urk. 0/12/13 S. 4 F/A 24 f.). Es ist schlicht nicht möglich, dass
der Beschuldigte mit dem von seiner Mutter eingeschossenen Betrag von rund Fr.
2'000.– nur schon neben seinen Kosten für Lebensmittel (rund Fr. 400.–) und Hy-
pothekarzins (ca. Fr. 1'600.–) noch derartige Beträge für Haushaltsarbeiten hätte
aufwerfen könnte.
- 25 -
Dies hat umso mehr zu gelten, als dass der Beschuldigte mit seinen Firmen kei-
nen Gewinn erwirtschaften konnte und fast andauernd Liquiditätsprobleme hatte.
Aufgrund des Untersuchungsergebnisses ist nämlich erstellt, dass der Beschul-
digte im relevanten Zeitraum einen Umsatz von insgesamt EUR 113'187.65 gene-
rierte. Vom Konto der F._ flossen vom 11. August 2014 bis zum 19. Oktober
2015 insgesamt EUR 65'295.– auf das Konto der I._. Weitere EUR 6'940.–
flossen vom Konto bei der F._ auf das Konto von M._ bei der Q._.
Dies bestätigte auch der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung (vgl.
Urk. 81/2). Diese Geldflüsse standen im Zusammenhang mit Warenbestellungen,
welche über M._ in Deutschland abgewickelt wurden. Legt man die vom Be-
schuldigten genannte Gewinnmarge von 19% auf den Umsatz in der Höhe von
EUR 113'187.65 um, so ergibt dies einen Betrag von EUR 14'337.10 aus der
Rückerstattung der deutschen Mehrwertsteuer. Dies ergibt einen durchschnittli-
chen Betrag von EUR 1'024.– pro Monat aus der Rückerstattung der deutschen
Mehrwertsteuer (vgl. Urk. 61 S. 13, 48). Dieser Betrag wurde zu zwei Dritteln auf
den Beschuldigten (und †N._), zu einem Drittel auf M._ aufgeteilt. Das
bedeutet, dass der Beschuldigte (und †N._) zusammen aus Steuerrücker-
stattungen nur gerade 683 Euro pro Monat erhielten. Dazu gilt es
zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte – wie gesehen – nicht nur seine eige-
nen Lebenshaltungskosten zu bestreiten hatte, sondern auch zumindest teilweise
diejenigen von †N._. Hinzu kommen noch die laufenden Kosten seiner drei
Online-Shops, wie zum Beispiel Kosten für die Server, Suchmaschinen, Telefon,
Strassenverkehrsabgaben, Portokosten etc., sowie die laufenden Kosten für die
I._ in Deutschland, welche ebenfalls durch den Beschuldigten getragen wur-
den (vgl. Urk. 81/1). Weiter gilt es im Auge zu behalten, dass der Beschuldigte
zwar 19% aus der deutschen Umsatzsteuer zurückerhielt, gleichzeitig aber auf
den Importen 8% schweizerische Mehrwertsteuer abzuliefern hatte.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es aufgrund des schlechten Geschäfts-
ganges sowie der genannten Einnahmen und Ausgaben des Beschuldigten (und
†N._) schlicht nicht möglich war, dass der Beschuldigte diese Lebenshal-
tungskosten – entgegen der Argumentation der Verteidigung (Urk. 54 S. 9) – al-
leine durch seinen Gewinn und die Unterstützung seiner Mutter (und der Mutter
- 26 -
von †N._) decken konnte. Dies lässt einzig den Schluss zu, dass er seine
Lebenshaltungskosten mit Kundengeldern finanziert hat, welche eigentlich für
Warenbestellungen bestimmt gewesen wären. Dieser Sachverhaltsabschnitt ist
erstellt.
1.5. Sachverhaltsabschnitt: Erfahrungen mit früheren Online-Shops
1.5.1. In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten und †N._
weiter vorgeworfen, sie hätten vor dem Betreiben der Online-Shops
www.B._.ch, www.O._.ch sowie www.P._.ch bereits seit dem Jahr
2010 andere Online-Shops betrieben unter den Namen U._, V._,
W._ und H._, wobei das Geschäftsmodell immer dasselbe gewesen sei.
Aufgrund ihrer Erfahrungen, welche sie mit den früheren Online-Shops gemacht
hätten, sei den Beschuldigten bewusst gewesen, dass der erwirtschaftete Gewinn
nicht ausreiche, um den Lebensunterhalt der beiden Beschuldigten sowie die ge-
samte Infrastruktur ihres Geschäfts zu decken und somit die von den Kunden ein-
bezahlten Gelder nicht vollständig zum Kauf von Waren hätten verwendet werden
können (Urk. 32 S. 4).
1.5.2. Der Beschuldigte bestätigte anlässlich der Berufungsverhandlung erneut,
dass sie bereits früher Online-Shops betrieben hätten, wobei die Grundstruktur
immer dieselbe gewesen sei (Urk. 78 S. 9 f.). Er gab auch mehrfach – so auch
heute (Urk. 78 S. 10) – zu Protokoll, es sei auch bei den früheren Online-Shops
zu Lieferschwierigkeiten in gleichem Ausmass gekommen. Auch bei diesen habe
er "immer das Gefühl" gehabt, dass sie aus unbekannten Gründen Geld verloren
hätten (HD Urk. 0/5/1 S. 20 F/A 162; HD Urk. 0/6 S. 12). Bei etwa 10% der Bestel-
lungen sei es zu Lieferschwierigkeiten gekommen, welche sich mit der Zeit sum-
miert hätten (Prot. I S. 29). Obwohl der Beschuldigte um diese Probleme wusste,
eröffnete er immer wieder neue Online-Shops, ohne grundlegende Änderungen
vorzunehmen. †N._ erklärte, dass die neu eröffneten Shops sich bis auf den
Namen von den bisherigen nicht oder nur marginal unterschieden hätten (vgl. HD
Urk. 0/11/2 S. 10 und 16 f. F/A 88 ff. und 150 ff.). Es sei alles dasselbe gewesen
(HD Urk. 0/11/3 S. 3 F/A 10; HD Urk. 0/11/6 S. 3 und 7 F/A 10 und 58). Sie hätten
auch keine Investitionen tätigen müssen, da sie alles von den Geschäftstätigkei-
- 27 -
ten aus der Zeit von "H._" gehabt hätten (HD Urk. 0/11/2 S. 7 F/A 55). Dies
sagte – wie gesehen – auch der Beschuldigte mehrfach so aus, indem er ein-
räumte, dass die Grundstruktur immer dieselbe gewesen sei (HD Urk. 0/5/1 S. 7,
9 und 14 f. und F/A 45, 63, 65, 69 ff. und 115 f.; 0/5/4 S. 10 F/A 64). Die Modifika-
tionen, welche der Beschuldigte nannte, sind denn auch alles andere als grundle-
gend, was dieser letztlich auch selber auf entsprechende Frage eingestand (vgl.
HD Urk. 0/5/4 S. 8 F/A 42 ff.; HD Urk. 0/6 S. 11 f.). Erhellend ist weiter auch die
Aussage des Beschuldigten, dass es mindestens 10-15 Mitarbeiter brauche, um
ein solches Business zu betreiben (HD Urk. 0/5/2 S. 2 F/A 8). In dieselbe Rich-
tung weist auch der Vergleich des Beschuldigten mit der "AA._" und der
"AB._". Diese Unternehmungen haben wesentlich mehr Mitarbeiter – ge-
mäss Angaben des Beschuldigten 30 an der Zahl – zur Verfügung, um das Ge-
schäft zu betreiben (HD Urk. 0/5/4 S. 7 F/A 37 f.). Sie selber waren jedoch immer
nur zu zweit, weshalb das Unterfangen von Anfang an – entgegen der Ansicht
des Beschuldigten (Urk. 78 S. 8) – zum Scheitern verurteilt war. Auf explizite Fra-
ge in Bezug auf dieses Problem, konnte der Beschuldigte nur ausweichend ant-
worten und allgemeine Ausführungen machen (HD Urk. 0/5/4 S. 11 F/A 70 f.). Er
räumte aber ein, dass sie schon noch Mitarbeiter hätten gebrauchen können (HD
Urk. 0/5/7 S. 18 F/A 89). Auch seine übrigen Erklärungsversuche, weshalb er trotz
dieser negativen Erfahrungen mit bisherigen Shops immer in gleicher Weise von
neuem Online-Shops eröffnete, vermögen nicht zu überzeugen (vgl. z.B. Urk. 78
S. 10 Mitte und S. 11 oben). Insbesondere wenn er – so auch heute – die Schuld
der I._ und M._ in die Schuhe zu schieben versucht, verfängt dies nicht
(vgl. HD Urk. 0/5/3 S. 31 f. und 36 F/A 223 ff. und 244 ff.; HD Urk. 0/5/4 S. 56 und
58 F/A 386 ff. und 395 ff.; HD Urk. 0/6 S. 15; Prot. I S. 29 f.; Urk. 79 S. 6). So
konnten weder der Beschuldigte noch †N._ stichhaltig darlegen, dass die
I._ respektive M._ sich tatsächlich unlauter verhalten hätte, sondern es
blieb bei einer einfachen unsubstantiierten Anschuldigung. Der Beschuldigte und
†N._ konzedierten schliesslich, dass es sich dabei um blosse Vermutungen
bzw. einen blossen Verdacht ihrerseits handelte (HD Urk. 0/5/8 S. 127 und 133
F/A 21 und 52; 0/11/6 S. 42 f. F/A 334 ff.). Auch die heutigen Anschuldigungen
des Beschuldigten gegenüber M._ werden nicht durch Fakten belegt, son-
- 28 -
dern es bleibt bei reinen Behauptungen, welche überdies lediglich auf einem Hö-
rensagen basieren (Urk. 78 S. 20 f.). Gleichzeitig konnte M._ anlässlich sei-
ner Einvernahme aber in nachvollziehbarer und letztlich glaubhafter Weise sämtli-
che Geldflüsse zuordnen, welche ihm vorgehalten wurden (HD Urk. 0/12/3 S. 9
ff.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung machte der Beschuldigte längere Ausfüh-
rungen zu den Geldflüssen zwischen seinen drei Online-Shops und der I._
und reichte hierzu auch verschiedene Aufstellungen ein (Prot. II S. 7 ff.; Urk. 81/1-
3). Diese erweisen sich aus verschiedenen Gründen als unbehelflich, teilweise als
unverständlich und schlicht nicht nachvollziehbar. Zunächst ist fraglich, weshalb
der Beschuldigte von den gesamten Vorauszahlungen für Warenkäufe der Kun-
den in der Höhe von Fr. 113'187.65 lediglich Fr. 72'235.– an die Firma I._
überwiesen hat. Teilweise wird dies zwar durch die weiteren Ausführungen des
Beschuldigten erklärt, indem dieser zu Protokoll gibt und auch aus den Aufstel-
lungen ersichtlich wird, dass ein Teil als Betriebsaufwand verbucht wurde und mit
einem anderen Teil Lebenshaltungskosten bestritten wurden (Urk. 81/2 S. 1 f.).
Daraus kann der Beschuldigte aber nichts zu seinen Gunsten ableiten, sondern
dies belegt im Gegenteil, dass die Vorauszahlungen gerade nicht ausschliesslich
für Warenkäufe verwendet wurden, sondern dass damit auch Lebenshaltungs-
kosten etc. bezahlt wurden. Kommt noch hinzu, dass im Betriebsaufwand auch
zwei Posten "Mietzins N._" und "Mietzins N._" verbucht wurden, obwohl
diese Posten klarerweise Lebenshaltungskosten von †N._ darstellen. Zudem
befindet sich im Betriebsaufwand eine Position "... Kantine". Dabei handelt es
sich gemäss eigenen Angaben des Beschuldigten um einen alten Vertrag seiner
ehemaligen Lebenspartnerin, welcher fälschlicherweise nicht gekündigt worden
sei (Prot. II S. 10). Dies ist offensichtlich kein betrieblich begründeter Aufwand,
welcher dennoch mit Kundengeldern bezahlt wurde. Als zu gering bemessen er-
weist sich sodann die Position "T._ Putzfrau" mit Fr. 450.–, betrugen die Kos-
ten pro Monat doch wie oben gesehen ca. Fr. 250.– bis Fr. 300.–. Was die dritte
Aufstellung angeht, so bringt der Beschuldigte vom für Warenkäufe überwiesenen
Betrag an die I._ nochmals 8% für Portokosten in Abzug, was den effektiv für
die Bezahlung von Warenkäufen zur Verfügung stehenden Teil noch weiter
- 29 -
schmälert. Weshalb sich die Portokosten auf 8% belaufen, wurde durch den Be-
schuldigten nicht weiter ausgeführt, sondern es wurde lediglich ausgewiesen,
dass diese auf einer internen Kalkulation basierten (vgl. Urk. 81/3). Weiter abge-
zogen wird der Anteil an der Umsatzsteuer für M._ von einem Drittel. So
bleiben nach den Berechnungen des Beschuldigten gerade einmal 65'185 Euro,
welche der I._ für Wareneinkäufe zur Verfügung standen. Sodann verweist
der Beschuldigte darauf, dass sich aus dem zu den Akten gereichten Protokol-
lauszug der Einvernahme von N._ (Urk. 81/5) auf der letzten Seite ein "Kos-
tenfaktor" von 29.1% ergebe (Prot. II S. 12). Allerdings ist diese Berechnung nicht
nachvollziehbar. Der Beschuldigte addiert hierfür seinen prozentualen Anteil am
Betriebsaufwand, welcher – wie soeben gezeigt – nicht korrekt berechnet wurde,
sowie die Ausgaben für Lebensunterhalt. Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist, wes-
halb nun die "Summe Wareneinkauf der Firma I._ [...]" mit diesem Kosten-
faktor zu multiplizieren sei, um das "soll" Total der Kundeneinkäufe der I._ zu
errechnen. Dass bei den Berechnungen etwas nicht stimmen kann, ergibt sich
schliesslich auch aus dem Umstand, dass zwar auf der zweiten Aufstellung (Urk.
81/2) und der dritten Aufstellung (Urk. 81/3) mit 103'718.75 der gleiche Betrag
aufgeführt wird, dieser aber einmal in Schweizerfranken, das andere Mal in Euro
geführt wird.
Aus dem Gesagten erhellt, dass der Beschuldigte aus seinen Berechnungen und
Vorbringen nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. Insbesondere kann daraus
– entgegen der Ansicht des Beschuldigten – nicht gefolgert werden, dass die Ver-
luste bei der Firma I._ entstanden wären respektive, dass M._ der
I._ unberechtigterweise Geldmittel entzogen hätte.
1.5.3. Ebenfalls kann es – entgegen den wiederholten Vorbringen des Beschul-
digten (HD Urk. 0/5/1 S. 4, 11, 15 und 23 F/A 25, 79, 120 f. und 183; HD
Urk. 0/5/2 S. 3, 11 und 13 F/A 9, 67 und 84; HD Urk. 0/5/7 S. 36 F/A 184) – für
den schlechten Geschäftsgang der Online-Shops keine Rolle gespielt haben,
dass Google die Produkte der Online-Shops des Beschuldigten vom Netz ge-
nommen hat. Gemäss Angaben des Beschuldigten geschah dies gegen Ende
August 2015 (HD Urk. 0/5/2 S. 3 F/A 12). Die Misere nahm aber schon viel früher
- 30 -
ihren Lauf. †N._ sagte aus, sowohl bei der "W._" als auch bei der
"H._" seien zu wenig Bestellungen eingegangen, da sie aufgrund unvollstän-
diger oder verspäteter Lieferungen einen schlechten Ruf bekommen hätten
(HD Urk. 0/11/2 S. 23 f. F/A 223 ff.). Bei der "H._" hätten sie auch nach und
nach Kundengelder verwendet, um neue Waren zu bestellen (HD Urk. 0/11/6 S. 4
F/A 27).
1.5.4. Aus diesen Aussagen ergibt sich unzweifelhaft, dass auch die früheren On-
line-Shops des Beschuldigten aufgrund von Lieferschwierigkeiten an die Kunden
und die damit einhergehende negative Kritik derselben im Internet Schiffbruch er-
litten. Dennoch eröffnete der Beschuldigte immer wieder neue Online-Shops, wo-
bei die einzige wesentliche Änderung immer nur ein neuer Firmenname war. Die-
ser Sachverhaltsabschnitt ist erstellt.
1.6. Sachverhaltsabschnitt: Bewirken eines Irrtums / Irrtum bei den Geschädig-
ten
1.6.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, seiner Kundschaft bewusst wahr-
heitswidrig auf seinen Online-Shops angepriesen zu haben, die Ware an Lager zu
haben und innert kürzester Zeit (2-4 oder 5-10 Tage) liefern zu können, wodurch
er die Käufer über seinen Leistungswillen und seine Leistungsfähigkeit getäuscht
und auf diese Weise zum Kauf motiviert habe (Urk. 32 S. 4).
1.6.2. Was die Erstellung des Sachverhaltes angeht, kann grundsätzlich vollum-
fänglich auf die diesbezüglichen vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden
(Urk. 61 S. 21 ff.), mit den folgenden Bemerkungen und Ergänzungen: Was den
Vorwurf angeht, der Beschuldigte habe bewusst wahrheitswidrige Lieferfristen
angegeben, so ist es entscheidend, dass der Beschuldigte selber einräumte, er
habe eine "theoretische" Lieferfrist berechnet (HD Urk. 0/5/2 S. 12 F/A 74). Dies
impliziert ja gerade, dass es sich nicht um die tatsächliche, sondern lediglich um
eine erdachte Lieferfrist handelte. Indem er diese "theoretische", aber eben in vie-
len Fällen unrealistische Lieferfrist gegenüber den Kunden mitteilte, bewirkte er
bei diesen bewusst einen Irrtum. Entlarvend ist in diesem Zusammenhang die
Aussage des Beschuldigten, dass wenn er in seinem Webshop eine Lieferfrist von
- 31 -
2 Wochen angegeben hätte, kein Kunde bei ihm bestellt hätte, sie aber so die Lie-
ferfristen hätten einhalten können (HD Urk. 0/5/1 S. 25 F/A 206; HD Urk. 0/5/2
S. 12 F/A 74). Sie hätten ja nicht schreiben können, die Lieferfrist betrage vier
Wochen, ansonsten sie keine Kunden gehabt hätten. Der Beschuldigte sagte aus,
es sei schwierig zu beantworten, in wie vielen Fällen die Lieferfristen hätten ein-
gehalten werden können. Die beste Lieferfrist sei zwei Tage gewesen (Urk. 78
S. 12). Er behauptete, es sei in mehr als der Hälfte der Fälle gewesen, bei wel-
chen sie die Lieferfrist hätten einhalten können (Prot. I S. 19). Ca. 30% der Liefe-
rungen seien innerhalb von vier Tagen erfolgt (Prot. I S. 21). Dies bedeutet – was
auch die Vorinstanz zu Recht herausgestrichen hat –, dass 70% der Lieferungen
zu spät erfolgt sind. Zudem wurden Bestellungen offenbar unterschiedlich priori-
siert, je nachdem ob ein Kunde Druck machte oder nicht, wobei bei den nicht prio-
ritären die Lieferfristen nicht eingehalten wurden (HD Urk. 0/5/2 S. 9 F/A 52). Nur
am Rande sei erwähnt, dass sich der Beschuldigte auch hier wieder widerspricht,
wenn er zunächst sagt, die Ware sei sofort bestellt worden (HD Urk. 0/5/2 S. 9
F/A 51), was ja bei einer solchen Vorgehensweise gerade nicht der Fall ist. Als
widersprüchlich erweisen sich in diesem Zusammenhang auch die Ausführungen
des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung. So seien Bestellungen
gemacht worden, wie sie hereingekommen seien (Urk. 78 S. 5). Dies widerspricht
jedoch seinen Aussagen, dass die Bestellungen gemacht wurden, sobald die
Vorauskasse durch den Kunden geleistet worden waren (HD Urk. 0/5/2 S. 9
F/A 52). Zudem führte der Beschuldigte früher aus, es seien auch Produkte nicht
bestellt worden, wenn diese beim Distributor zwischenzeitlich nicht mehr zur Ver-
fügung gestanden hätten (HD Urk. 0/5/4 S. 33 F/A 229). Für eine solche Vorge-
hensweise gibt es keinen plausiblen Grund, denn wenn die Ware sofort bestellt
worden wäre, so wäre diese letztlich mit Sicherheit schneller beim Kunden einge-
troffen, als wenn zunächst – gar noch manuell – die Verfügbarkeit der betreffen-
den Produkte hat überprüft werden müssen, und erst dann die Bestellung ge-
macht wurde. Die Erklärung des Beschuldigten, wieso dennoch mit der Bestellung
beim Distributor zugewartet wurde, vermag jedenfalls nicht zu überzeugen
(HD Urk. 0/5/4 S. 33 F/A 230). †N._ sagte, die Lieferfristen hätten oftmals
nicht eingehalten werden können. Dies sei bei ca. 50% der Bestellungen der Fall
- 32 -
gewesen (HD Urk. 0/11/2 S. 25 und 29 F/A 247 und 281). An der Hafteinvernah-
me erklärte er dann abweichend, es seien ungefähr 80% gewesen
(HD Urk. 0/11/3 S. 9 F/A 62). Der Beschuldigte führte anlässlich der polizeilichen
Einvernahme vom 5. November 2015 aus, es sei schätzungsweise höchstens im
Umfang von ca. Fr. 5'000.– zu Lieferausfällen gekommen (HD Urk. 0/5/1 S. 5
F/A 30).
Hinzuweisen ist schliesslich auf folgenden Umstand: Offenbar wurden gewisse
Bestellungen zusammengefasst, weil der Beschuldigte je nach Distributor eine
Mindestbestellmenge berücksichtigen musste (vgl. HD Urk. 0/5/1 S. 6 und 8
F/A 42 und 55; HD Urk. 0/11/5 S. 10 F/A 42; Urk. 78 S. 11). Bei der Wahl einer
solchen Vorgehensweise dürfte es also ausgeschlossen sein, dass die Liefer-
fristen für einzelne Artikel tatsächlich eingehalten werden konnten, obwohl diese
eigentlich sofort verfügbar gewesen wären. In einem solchen Fall sind die Liefer-
schwierigkeiten jedenfalls nicht beim Distributor zu verorten, sondern sind diese in
der Bestellstrategie des Beschuldigten begründet. Die Einhaltung der Lieferfristen
wäre dann theoretisch möglich gewesen.
Nicht gefolgt werden kann der Vorinstanz in ihrer Erwägung, dass es bezüglich
des Online-Shops "B._" keine Hinweise in den Akten gebe, insbesondere
keinen Auszug der entsprechenden Webseite bzw. keine entsprechende E-
Mailkorrespondenz mit Kunden, wonach der Beschuldigte angepriesen haben
soll, die Ware an Lager zu haben, weshalb der Sachverhalt diesbezüglich nicht
erstellt sei (Urk. 61 S. 23). Zwar ist den Akten kein direkter Nachweis wie bei den
Online-Shops "O._" und "P._" zu entnehmen, allerdings lässt sich der
Sachverhalt auf andere Weise erstellen. Sowohl der Beschuldigte selber als auch
†N._ räumten ein, dass ihre Vorgehensweise bei allen drei Shops im We-
sentlichen gleich gewesen sei. Diese habe darin bestanden, die Ware nach Ein-
gang der Bestellung der Käufer bei den ausländischen Distributoren zu bestellen,
wobei diese anschliessend von M._ in einem Zwischenschritt in die Schweiz
eingeführt wurden. Dass sie die Ware in irgendeinem ihnen gehörenden Lager
vorrätig gehalten hätten, haben beide nie geltend gemacht. Auf explizite Frage
gab der Beschuldigte vor Vorinstanz zunächst eine ausweichende Antwort, räum-
- 33 -
te dann aber ein, dass es – entgegen den Zusicherungen in diversen Mails, dass
die Ware an Lager sei – kein Lager gegeben habe (Prot. I S. 19 f.). Auch heute
erklärte der Beschuldigte sinngemäss, dass die Waren – wenn überhaupt – ledig-
lich beim Distributor an Lager gewesen seien (Urk. 78 S. 11 und 22). Daraus
ergibt sich eindeutig, dass sie auch im Fall der "B._" über kein eigenes Lager
verfügt haben, weshalb die Angabe, die Ware "an Lager" (worunter offensichtlich
ein eigenes Lager zu verstehen ist) zu haben, sich als falsch erweist.
1.6.3. Abgerundet wird das gewonnene Bild durch die von der Staatsanwaltschaft
an die Geschädigten zugesandten und von diesen retournierten Fragebögen. Da-
raus ergibt sich, dass 40.7% der befragten Personen im Zeitraum zwischen
Oktober 2014 und Mitte August 2015 weder die bezahlte Ware erhalten noch das
einbezahlte Geld zurückerhalten haben.
1.6.4. Es ist somit erstellt, dass der Beschuldigte und †N._ bewusst wahr-
heitswidrig angepriesen haben, die Ware an Lager zu haben und innert kürzester
Zeit innerhalb von 2-4 Tagen respektive 5-10 Tagen bzw. nur schon überhaupt
die Ware liefern zu können.
1.7. Sachverhaltsabschnitt: Arglist
1.7.1. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, um sicherzustellen, dass die Kunden
vor dem Kauf keine Überprüfung des Leistungswillens und der Leistungsfähigkeit
vornähmen oder vornehmen könnten, hätten sie verschiedene Massnahmen ge-
troffen, wobei ihnen bewusst gewesen sei, dass die Kunden aufgrund
der getroffenen Massnahmen von einer Überprüfung des Leistungswillens und
der Leistungsfähigkeit absehen würden bzw. es den Kunden gar nicht mehr mög-
lich gewesen sei, eine solche Überprüfung vorzunehmen, was die Beschuldigten
auch beabsichtigt hätten. Diese Massnahmen waren:
1.7.1.1. Professionelle Gestaltung der Online-Shops
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe die Online-Shops professionell und
in ihrer Erscheinung vergleichbar mit bekannten Online-Shops wie z.B.
"AC._.ch" gestaltet. Dadurch hätten die Beschuldigten den Käufern vorge-
- 34 -
täuscht, ein professionelles und vertrauenswürdiges Unternehmen zu sein
(Urk. 32 S. 4 f.).
Mit korrekter Begründung hat die Vorinstanz die von der Verteidigung geltend
gemachte Verletzung des Anklagegrundsatzes (Urk. 54 S. 7 f.) verneint. Darauf
kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 61 S. 25 f.). Mit der Vorinstanz ist
weiter festzuhalten, dass den bei den Akten liegenden Auszügen der Webseiten
der Online-Shops "O._" und "P._" entnommen werden kann, dass die
reichlich mit Kundeninformationen ausgestatteten Webseiten insgesamt ein
a priori professionelles Bild abgeben und sich nicht wesentlich von Webseiten
etablierter Unternehmungen auf dem entsprechenden Markt unterscheiden, auch
wenn der Internetauftritt nicht exakt ausgesehen hat, wie jener der "AC._"
oder "AD._" (vgl. Urk. 78 S. 12). Beide Webseiten enthielten detaillierte Kun-
deninformationen betreffend Versandoptionen sowie ausführliche AGB. Die Web-
seiten vermittelten für sich betrachtet ein seriöses Bild, was bei den Käufern keine
Zweifel aufkommen liess. Über den Online-Shop "B._" liegen keine Auszüge
der entsprechenden Webseite bei den Akten. Allerdings ist es so, dass der Be-
schuldigte selber ausführte, die Vorgehensweise und Infrastruktur seien bei den
jeweiligen Web-Shops gleich gewesen. Aus dieser Aussage kann ohne Weiteres
geschlossen werden, dass auch der Online-Shop "B._" eine professionelle
Aufmachung hatte.
Die Verteidigung monierte vor Vorinstanz, es sei zu bedenken, dass sich jedes
Geschäft professioneller und vertrauenswürdiger geben könne, als es tatsächlich
sei. Ein Geschäft, das elektronische Geräte verkaufe, lange Lieferfristen und we-
nig Kompetenz habe, müsse nicht ins Schaufenster schreiben, "Wir sind langsam
und sind Flaschen", sondern dürfe sich ohne Weiteres professionell geben
(Urk. 54 S. 8). Diese Argumentation geht an der Sache vorbei. Sicher nicht straf-
rechtlich relevant kann es sein, wenn sich eine Unternehmung mit seriösem Ge-
schäftsgebaren über eine professionell gestaltete Webseite dem Kunden präsen-
tiert. Relevant wird ein solches Verhalten aber dann, wenn eine unzuverlässige
Unternehmung sich über eine solche Webseite einen seriösen Deckmantel über-
streift und dem Kunden so ein falsches Bild vermittelt. Und genau dies ist im vor-
- 35 -
liegenden Fall der Vorwurf an den Beschuldigten. Der Sachverhalt ist als erstellt
zu betrachten.
1.7.1.2. Registrierung bei Preisvergleichsdiensten
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er und †N._ hätten ihre Online-Shops
bei Preisvergleichsdiensten wie "AE._.ch" registrieren lassen, wobei sie ge-
wusst hätten, dass Anbieter, welche über solche Portale empfohlen werden, von
potentiellen Käufern als vertrauenswürdig eingestuft werden (Urk. 32 S. 5).
Der Beschuldigte zeigte sich diesbezüglich zuletzt an der Hauptverhandlung und
auch anlässlich der Berufungsverhandlung geständig. Im Online-Dienst funktio-
niere nichts, wenn man nicht in einer Suchmaschine angemeldet sei (Prot. I S. 22
f.; Urk. 78 S. 12). Weiter ist es so, dass offizielle Preisvergleichsverdienste grund-
sätzlich geeignet sind, den dort aufgeführten Anbietern den Anschein der Seriosi-
tät zu vermitteln, wobei im Rahmen der rechtlichen Würdigung noch weiter hierauf
einzugehen sein wird.
1.7.1.3. Aufführen anderer Personen als Geschäftsführer im Impressum
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er und †N._ hätten auf den Internet-
seiten der Online-Shops unter der Rubrik Impressum jeweils bewusst wahrheits-
widrig andere Personen als die Beschuldigten selbst als Geschäftsführer aufge-
führt. Auf der Internetseite des Shops "O._" seien AF._ und T._ als Geschäftsführer genannt worden. Beim Online-Shop "P._" sei AG._ als
Geschäftsführer bezeichnet worden. Die bezeichneten Personen hätten jedoch
weder einen solchen Bezug zu den Online-Shops, noch hätten diese überhaupt
Kenntnis von den Einträgen auf den Internetseiten gehabt. Der Beschuldigte habe
diese Falschangaben gemacht, um zu verschleiern, dass die Online-Shops in Tat
und Wahrheit vom Beschuldigten und †N._ betrieben worden seien, da diese
im Internet bereits mit negativer Kritik betreffend ausbleibende Lieferungen über-
häuft worden seien und bei Offenlegen der tatsächlichen Geschäftsführer kaum
ein Kunde beim Beschuldigten oder †N._ eingekauft hätte (Urk. 32 S. 5).
- 36 -
Unstrittig ist, dass sowohl AF._, T._ als auch AG._ im Impressum
der genannten Webseiten als Geschäftsführer figurierten (HD 0/5/1 Beilage 1 und
Beilage 3). Allerdings macht der Beschuldigte geltend, dies sei in Absprache mit
den jeweiligen Personen erfolgt und diese seien tatsächlich Geschäftsführer ge-
wesen (vgl. Urk. 78 S. 13 ff.). Dies ist als Schutzbehauptung zu qualifizieren, nur
schon weil auch der Beschuldigte selber anlässlich der polizeilichen Einvernahme
vom 5. November 2015 auf explizite Frage erklärte, es habe keine weiteren Mitar-
beiter gegeben (HD Urk. 0/5/1 S. 7, 9 und 15 F/A 53, 66 f., 117 ff. und 124 f.) res-
pektive wiederum davon abweichend aussagte, er habe zwei Personen, nämlich
T._ und AG._, anstellen wollen, was impliziert, dass diese nicht effektiv
als Geschäftsführer angestellt waren. AF._ ist in diesem Moment gänzlich
unerwähnt geblieben (HD Urk. 0/5/2 S. 7 F/A 42; Urk. 78 S. 13 und 20). Zur Sa-
che befragt, sagte T._ aus, sie sei nie Geschäftsführerin der "O._" ge-
wesen. Ihren angeblichen Vorgänger AF._ habe sie noch nie gesehen und
kenne ihn nicht. Der Beschuldigte habe ihr auch nie angeboten, die Geschäftsfüh-
rung zu übernehmen (HD Urk. 0/12/2 S. 5 f. F/A 28 ff.). Dieser habe ihr andere
Vorschläge gemacht. Sie habe auch nichts vom Eintrag auf der Website der
"O._" gewusst. Sie sei nie als Geschäftsführerin für die "O._" im Einsatz
gestanden (HD Urk. 0/12/1 S. 5 f. F/A 36, 38 f. und 43). Sie habe lediglich ein
paar Mal eine Liste im Computer mit Preisen gemacht und einmal einen Anruf
entgegen genommen (HD Urk. 0/12/2 S. 5 F/A 23). Auch AG._ erklärte, er
habe nie etwas unterschrieben. Er habe nicht gewusst, dass auf der Webseite
von "P._" zu lesen gewesen sei, dass er die Geschäftsführung innehabe. Es
habe nicht einmal eine mündliche Vereinbarung darüber gegeben. Es habe nur
geheissen, er könne die Geschäftsführung übernehmen (HD Urk. 0/12/8 S. 6 F/A
24 f.). Er habe im Zusammenhang mit dem vom Beschuldigten betriebenen Onli-
ne-Handel nie entsprechende Arbeiten ausgeführt, sondern nur Recherchen nach
Zwischenhändlern gemacht, um seine Fähigkeiten zu zeigen (HD Urk. 0/12/7 S. 2
ff. F/A 9 und 28). Unterstützt werden diese Angaben auch durch die Aussagen
von †N._, welcher zu Protokoll gab, er habe AG._ nie "in dieser Bude"
(gemeint: Büroräumlichkeiten der "P._" an der ... [Adresse]) gesehen. Dieser
habe nie für die "P._" gearbeitet (HD Urk. 0/11/5 S. 21 F/A 90). AF._
- 37 -
gab anlässlich seiner Einvernahme als Auskunftsperson zu Protokoll, er habe
niemals für A._ oder †N._ gearbeitet (HD Urk. 0/12/10 S. 4 F/A 22; HD
Urk. 0/12/9 S. 3 f. F/A 18 und 24). Er habe nichts davon gewusst, dass er als Ge-
schäftsführer auf der Homepage der "O._" aufgeführt sei. Er sei nie Ge-
schäftsführer gewesen und habe auch nie Arbeiten für die "O._" ausgeführt
(HD Urk. 0/12/10 S. 4 F/A 24 und 26). Er habe nie einen Vertrag unterschrieben
und er sei auch nie mündlich als Geschäftsführer eingesetzt gewesen (HD Urk.
0/12/10 S. 5 F/A 33 und 35). Auch †N._ erklärte, dass nur der Beschuldigte
und er für die "O._" tätig gewesen seien (HD Urk. 0/11/2 S. 10 F/A 89 f.). Auf
explizite Nachfrage führte †N._ gar aus, die Person "AF._" sei vom Be-
schuldigten erfunden worden (HD Urk. 0/11/2 S. 12 F/A 115 ff.; HD Urk. 0/11/3 S.
10 F/A 71 f.). Dies erweist sich zwar als nicht zutreffend, zeigt jedoch, dass
AF._ †N._ völlig unbekannt war. Dieser hätte ihm aber zwingend be-
kannt sein müssen, hätte AF._ die Geschäftsführung in einem derart kleinen
Betrieb tatsächlich ausgeübt.
Erhellend ist in diesem Zusammenhang auch – wie dies auch die Vorinstanz rich-
tig erkannt hat –, dass der Beschuldigte, mit den Aussagen von AF._,
T._ und AG._ konfrontiert, diese nicht etwa als unwahr bestritt, sondern
geltend machte, dass er sich durch die Einträge vor einem nicht näher bekannten
"Angreifer" habe schützen wollen (HD Urk. 0/5/3 S. 12 und 22 F/A 87 und 166 ff.)
respektive nur ausweichende Antworten zu Protokoll gab (HD Urk. 0/5/3 S. 14 ff.,
18 und 20 F/A 104 ff., 134 und 148 ff.). Bezeichnend ist auch, dass er weder zu
T._, AF._ noch zu AG._ nähere Angaben machen konnte, und
auch nicht über das Postfach ... in ... [Ortschaft], welches im Impressum aufge-
führt war, Auskunft geben konnte (HD Urk. 0/5/1 S. 10 f. und 16 f. F/A 74 ff., 80 ff.,
128 ff. und 137 ff.; HD Urk. 0/5/2 S. 13 f. F/A 86 ff.). Damit gesteht der Beschul-
digte letztlich ein, dass diese Einträge nicht den tatsächlichen Verhältnissen in
den Firmen entsprachen, was ihm auch bewusst war. Dass die Motivation zu die-
sen Handlungen darin gelegen hat, dass sowohl der Beschuldigte als auch
†N._ im Internet mit negativer Kritik betreffend ausbleibende Lieferungen
konfrontiert waren und bei Offenlegen der tatsächlichen Geschäftsführerverhält-
nisse mit Umsatzeinbussen hätten rechnen müssen, ergibt sich aus den Aussa-
- 38 -
gen von †N._. Dieser sagte bei der Polizei am 25. November 2015 aus, der
Beschuldigte habe eine andere Person als geschäftsführend aufgeführt, weil die-
ser im Internet einen schlechten Ruf gehabt habe. Dass der Beschuldigte einen
schlechten Ruf im Internet habe, habe ihm dieser selber erzählt (HD Urk. 0/11/4
S. 6 f. F/A 40 ff.). Auch sein eigener Ruf sei vermutlich nicht der Beste. Dies habe
mit der "H._" zu tun (HD Urk. 0/11/4 S. 7 F/A 45 f.).
Falsch ist die Behauptung der Verteidigung, dem Kunden sei es egal, ob ein "un-
bekannter Hinz oder ein unbekannter Kunz" der Geschäftsleiter ist oder ob der
am Telefon nun der Müller oder der Meier ist (Urk. 54 S. 8). Nicht nur setzt sie
sich dadurch in Widerspruch zu ihren unmittelbar vorher gemachten Ausführun-
gen, wonach jedes Geschäft einen Mitarbeiter, der beim Publikum oder bei einem
Teil des Publikums zu Recht oder zu Unrecht einen schlechten Ruf hat, aus dem
Kundenkontakt nehmen und mit anderen Aufgaben betreuen oder diesem Mitar-
beiter für telefonische Auskünfte einen anderen Namen empfehlen werde. Die
Behauptung steht weiter auch im Widerspruch zur Aussage des Beschuldigten, er
würde auch nicht bei jedem einkaufen, wenn er nicht wisse, wie es um das Ge-
schäft stehe (HD Urk. 0/5/1 S. 13 F/A 103). Es ist für den Kunden und seinen
Kaufentscheid auch über das Internet wesentlich, wie zuverlässig der Verkäufer
ist, wobei sich der Käufer zumeist nur über den Internetauftritt und die Bewertun-
gen einen Eindruck verschaffen kann. Mit Fug kann angenommen werden, dass
die Geschädigten ihre Ware nicht beim Beschuldigten bezogen hätten, wenn sie
über dessen Ruf Bescheid gewusst hätten. Dies war auch dem Beschuldigten
bewusst, weshalb er gegenüber den Kunden fiktive Geschäftsleiter für die Online-
Shops präsentierte. Andere plausible Erklärungen sind nicht ersichtlich und wur-
den von der Verteidigung auch nicht geltend gemacht. Der Sachverhalt ist erstellt.
1.7.1.4. Bewusstes Anbieten der Variante "Kauf auf Rechnung" / Mail
Weiter wird dem Beschuldigten und †N._ vorgeworfen, sie hätten anstelle
der Vorauszahlung bewusst auch die Variante Kauf auf Rechnung angeboten.
Habe ein Kunde die Variante Kauf auf Rechnung gewählt, sei dieser indessen
umgehend per Mail angeschrieben worden, dass der Artikel nur gegen Voraus-
kasse geliefert werden könne. Zunächst noch skeptische Kunden, welche aus Si-
- 39 -
cherheitsgründen die Variante Kauf auf Rechnung gewählt hätten, hätten auf die-
se Weise überzeugt werden können, dass sich jemand bei den Online-Shops in-
nert kurzer Zeit um die Bestellungen kümmert. Auf diese Weise hätten der Be-
schuldigte und †N._ die Bedenken der Kunden gegenüber der Vorauszah-
lung aus dem Weg räumen können (Urk. 32 S. 5).
†N._ gab am 6. November 2015 bei der Polizei zu Protokoll, ein Kauf auf
Rechnung sei Schulen und Firmen ermöglicht worden. An Privatpersonen sei
meistens gegen Vorauszahlung geliefert worden. Teilweise hätten Kunden an-
gerufen und erklärt, sie bräuchten den Artikel, weshalb sie den Artikel sofort und
gegen Rechnung bestellt hätten (HD Urk. 0/11/2 S. 7 F/A 54; vgl. auch
HD Urk. 0/11/5 S. 30 F/A 140). Die Kunden hätten vorgängig nicht erkennen kön-
nen, ob ein Produkt per Rechnung oder nur gegen Vorauszahlung bestellt werden
könne (HD Urk. 0/11/5 S. 31 F/A 142). Es habe nur wenige Lieferungen gegen
Rechnung gegeben (HD Urk. 0/11/4 S. 16 F/A 122).
Der Beschuldigte führte hierzu befragt aus, es habe nur sehr wenige Bestellungen
gegeben, welche sie auf Rechnung geliefert hätten. Sie hätten hauptsächlich auf
Vorauskasse geliefert (HD Urk. 0/5/3 S. 8 F/A 49). Bei Kundenbestellungen gegen
Rechnung habe es sich um "sehr sehr kleine Beträge" gehandelt. Sie hätten prak-
tisch alles auf Vorauszahlung geliefert. Sie hätten nur an Schulen und die
AH._ auf Rechnung geliefert (HD Urk. 0/5/3 S. 28 F/A 200 und 203). Staatli-
che Firmen hätten gegen Rechnung bestellen können oder vielleicht Kleinstbe-
stellungen, bei welchen sich Überweisungen nicht gelohnt hätten (HD Urk. 0/5/3
S. 29 F/A 212). Nach dem Grund gefragt, gab der Beschuldigte zu Protokoll, wür-
de man annehmen, die AH._ wolle auf Rechnung bestellen und sie hätten
das nicht angeboten, dann hätte die AH._ Vorauszahlungskonditionen be-
kommen und sie hätten das neu berechnen müssen. Man könne das schon hin-
terfragen, aber das sei in ihrem System so eingestellt gewesen. Weiter führte er
aus, falls das Militärdepartement bei ihm bestellen möchte und es könnte dies
nicht gegen Rechnung bezahlen, dann wäre diese Bestellung ausgefallen (HD
Urk. 0/5/7 S. 4 F/A 20). Diese Begründung vermag in mehrfacher Hinsicht nicht zu
überzeugen. Der Beschuldigte führte selber aus, es habe sich bei Käufen gegen
- 40 -
Rechnung nur um "sehr sehr kleine Beträge" gehandelt. Die grosse Mehrheit fiel
somit schon aus diesem Grund in die Kategorie "Vorauskasse", weshalb es nahe-
liegend gewesen wäre, den Kauf gegen Vorauskasse auch als Standard gegen
aussen zu kommunizieren. Was das Argument der Neuberechnung angeht, so ist
zu sagen, dass dies ja gerade bei fast allen Bestellungen von Privatkunden ge-
schehen musste, wenn diese zunächst gegen Rechnung bestellen wollten, dann
aber eine Mail des Beschuldigten erhielten, in welcher ihnen mitgeteilt wurde,
dass sie die Ware nur gegen Vorauskasse erhalten würden, wobei dann ein Ra-
batt von 2% gewährt wurde. Daraus wird auch ersichtlich, dass eine solche Neu-
berechnung nicht mit grossem Aufwand verbunden war, da es sich jeweils um ei-
nen rechnerisch einfach zu bewerkstelligenden prozentualen Abschlag handelte.
Der Verweis darauf, dass das System so eingestellt sei, verfängt ebenfalls nicht,
lassen sich Systeme doch umstellen, wobei mit Fug angenommen werden kann,
dass eine Umstellung des Systems einen geringeren Aufwand verursacht hätte,
als jeweils – gemäss Aussage des Beschuldigten (HD Urk. 0/5/2 S. 7 F/A 44; HD
Urk. 0/5/7 S. 4 F/A 18 ff.) – den Kunden zu jeder Bestellung pro Morgen ca. 40
Mal die fragliche Mail zukommen zu lassen, sie könnten nur gegen Vorauszah-
lung die Ware beziehen. Erhellend für den vorliegenden Fall ist das letzte vom
Beschuldigten angeführte Argument im Zusammenhang mit dem Bestellentscheid
des Militärdepartements. Dieses erscheint durchaus plausibel. Ein Kauf gegen
Rechnung bedeutet für den Käufer ein geringeres Risiko, da dieser erst bezahlen
muss, wenn die Ware in einwandfreiem Zustand eingetroffen ist, weshalb der
Käufer kein Verlustrisiko trägt. Ein Kaufentscheid des Käufers kann damit positiv
beeinflusst werden. Allerdings gilt dies nicht nur für das Militärdepartement, son-
dern für jeden Käufer. Es kann bei lebensnaher Betrachtung davon ausgegangen
werden, dass der Beschuldigte gerade deshalb die konkrete Vorgehensweise ge-
wählt hat. Denn ein Käufer, der sich einmal für eine Ware entschieden hat, wird
seinen Entscheid nur in einzelnen Fällen revidieren, weil er anschliessend eine
Mail einer seriös daherkommenden Firma erhält, in welchem ihm mitgeteilt wird,
eine Bezahlung müsse gegen Vorauskasse erfolgen, wobei ihm hierfür noch ein
Abschlag von 2% gewährt wird. Der lapidare Verweis des Beschuldigten auf die
AGB kann daran nichts ändern (HD Urk. 0/5/7 S. 4 F/A 21; Prot. I S. 23 ff.), nur
- 41 -
schon weil es widersprüchlich erscheint, den Kauf gegen Rechnung anzubieten,
um diese Möglichkeit dann in den nicht zu leicht zu findenden AGB wieder auszu-
schliessen, zumal nach allgemeiner Lebenserfahrung die AGB's von den Käufern
kaum studiert werden. Der Sachverhalt ist erstellt.
1.7.1.5. Verwendung falscher Namen am Telefon oder per E-Mail
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe im Kontakt mit Kunden am Telefon
oder per E-Mail falsche Namen wie z.B. AI._, AJ._, AK._, T._,
Herr AL._ und AG._ verwendet. Er habe dies gemacht, um zu ver-
schleiern, dass in Tat und Wahrheit der Beschuldigte und †N._ die Online-
Shops betrieben hätten (Urk. 32 S. 5 f.).
Obwohl der Beschuldigte zunächst – entgegen seinen zahlreichen Bestätigungen
in der Untersuchung (HD Urk. 0/5/1 S. 25 F/A 203; HD Urk. 0/5/2 S. 7 und 11
F/A 40 f., 44 und 65 f.; HD Urk. 0/5/3 S. 8 F/A 49; HD Urk. 0/5/4 S. 11, 22 und 37
F/A 68 f., 152 und 250 ff.; HD Urk. 0/5/7 S. 13 F/A 65; HD Urk. 0/6 S. 3 und 5) –
anlässlich der Hauptverhandlung geltend machte, nicht er, sondern †N._ sei
für die Kundenkorrespondenz zuständig gewesen, räumte er unmittelbar danach
ein, mit diversen Kunden Korrespondenz geführt zu haben. Auch heute gab er zu,
sich falscher Namen wie "AI._", "AJ._", "AG._" und "T._" be-
dient zu haben (Urk. 78 S. 16). Vor dem 14. März 2015 habe er sich immer als
"AI._" ausgegeben (HD Urk. 0/5/7 S. 24 F/A 121). Als Motiv gab er an, er
habe sich gegen die "Angriffe" beim AM._ [Zeitschrift] und beim AN._
[Fernsehsendung] schützen müssen. Er habe Angst gehabt, von den Suchma-
schinen ausgeschlossen zu werden, ansonsten hätte er sich nicht verstecken
müssen (Prot. I S. 25 ff.). Davon abweichend gab er in der Untersuchung an, die
Namen im Hinblick auf deren Geschäftsführerstellung verwendet zu haben (HD
Urk. 0/5/4 S. 38 F/A 259) respektive lieferte für deren Gebrauch nur unglaubhafte
Erklärungen, so zum Beispiel im Zusammenhang mit der Verwendung des Na-
mens von AJ._ (HD Urk. 0/5/7 S. 17 f. F/A 83 f.). Heute führte der Beschul-
digte aus, er habe sich vor den "Hatern" und Neidern schützen müssen, welche
ihn bedroht hätten (Urk. 78 S. 16 f.). Dass der Beschuldigte für die Korrespondenz
mit den Kunden verantwortlich war, wird auch durch M._ und †N._ be-
- 42 -
stätigt (HD Urk. 0/11/3 S. 4 F/A 20 f.; HD Urk. 0/12/3 S. 18 F/A 146 f.; HD Urk.
0/11/4 S. 25 F/A 183; HD Urk. 0/11/6 S. 27 F/A 213 ff.). †N._ erklärte, dass
der Beschuldigte seinen Namen nicht habe sagen wollen, da der Beschuldigte im
Internet bekannt sei (HD Urk. 0/11/2 S. 24 F/A 238 ff.). Das Ganze ging sogar
soweit, dass der Beschuldigte auch fiktive Namen nicht mehr verwendete, weil
auch diese im Internet angeprangert wurden (vgl. HD Urk. 0/5/7 S. 22 F/A 111).
Aufgrund der Zugeständnisse des Beschuldigten, aber auch der Aussagen von
†N._ und M._ ist der Sachverhalt erstellt.
1.7.1.6. Eröffnung neuer Online-Shops nach negativen Kundenbewertungen
Dem Beschuldigten und †N._ wird vorgeworfen, sie hätten jeweils einen
neuen Online-Shop unter einem neuen Namen eröffnet, sobald aufgrund der aus-
bleibenden Lieferungen negative Kundenbewertungen im Internet über den be-
stehenden Online-Shop aufgetaucht seien (Urk. 32 S. 5).
Die Vorinstanz erwog, aus dem in der Anklage umschriebenen Sachverhalt gehe
nicht hervor, welche Online-Shops gemeint seien bzw. unter welchem Namen und
wann diese eröffnet worden seien. Dies erschliesse sich auch nicht ohne Weite-
res aus dem Zusammenhang, da der Beschuldigte mehrere Online-Shops betrie-
ben habe, welche teilweise auch vor dem eingeklagten Zeitraum betrieben wor-
den seien ("U._", "V._", "W._", "H._", "H._ ..."). Dieser
Anklagevorwurf genüge vor dem Hintergrund des Anklageprinzips nicht und kön-
ne folglich nicht erstellt werden (Urk. 61 S. 34).
Dem kann nicht gefolgt werden. Aus dem Anklagesachverhalt ergibt sich mit ge-
nügender Sicherheit, dass nur jene Online-Shops gemeint sein können, welche
der Beschuldigte im Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis 5. November 2015 betrie-
ben hat, und nicht auch jene, welche dieser vor dem genannten Zeitraum führte.
Dem Beschuldigten war sodann auch der Vorwurf klar, nämlich dass er einer ne-
gativen Kritik im Internet habe versucht auszuweichen, indem er sein Geschäft
unter neuem Namen in gleicher Art und Weise fortgeführt haben soll. Entspre-
- 43 -
chend waren auch die Vorhalte und Fragen der Untersuchungsbehörde formuliert.
Das Anklageprinzip ist nicht verletzt.
Der Beschuldigte führte zu diesem Vorwurf aus, er sei im Internet von einer Per-
son verleumdet worden, z.B. beim AN._. Wenn die Leute dies lesen würden,
dass er ein Betrüger sei, dann würden sie nichts mehr bei ihm kaufen. Deshalb
habe er die Domains immer ungefähr nach sechs Monaten wechseln müssen (HD
Urk. 0/5/2 S. 6 F/A 35; vgl. auch HD Urk. 0/5/3 S. 13 F/A 90 ff.; HD Urk. 0/5/4 S.
11 F/A 67). Heute sprach der Beschuldigte davon abweichend nicht mehr nur von
einer Person, sondern in der Mehrzahl von "Hatern" und Neidern, welche ihn teil-
weise bedroht hätten (Urk. 78 S. 17). Dass nur eine Person über die Firmen im In-
ternet ihren Unmut ausgedrückt haben soll und dies der Grund für den Wechsel
der Namen gewesen sein soll, erscheint denn auch nicht glaubhaft. So wurden di-
verse Kunden – wie auch der Beschuldigte einräumte (Urk. 78 S. 17) – nicht ord-
nungsgemäss beliefert und/oder erhielten ihr Geld nicht zurück. Es ist notorisch,
dass bei solchen Vorfällen im Internet negative Erfahrungsberichte über die näm-
lichen Firmen verfasst werden, um andere Kunden zu warnen. Solches hat auch
für die Online-Shops des Beschuldigten zu gelten. Kommt noch hinzu, dass
†N._ zunächst nichts über einen "Angreifer" wusste, welcher das Geschäft
der Online-Shops mit falschen Massenbestellungen habe kaputt machen wollen
(HD Urk. 0/6 S. 21). Erst auf die Ausführungen des Beschuldigten in diese Rich-
tung, wollte sich †N._ daran erinnern können. Diese Angaben erscheinen
nicht glaubhaft. Es ist nicht nachvollziehbar, dass †N._ sich nicht auf Anhieb
an diesen "Angreifer" hat erinnern können, obwohl dieser "bis zu einer Million ge-
kauft" habe und den Lagerbestand auf null gesetzt habe und dies gar alle zwei
Tage und von Anfang geschehen sein soll (HD Urk. 0/6 S. 22 f.).
Sodann bestätigte †N._ auf entsprechende Frage, dass der Beschuldigte die
Domains immer habe wechseln müssen, weil dieser im Internet als Betrüger be-
zeichnet worden sei und die Leute deshalb nichts mehr gekauft hätten (HD Urk.
0/11/3 S. 4 F/A 18). Es habe einen Einfluss auf den Umsatz gehabt, weil zu viele
Kunden verärgert gewesen seien und sie dadurch zu viele Negativeinträge in den
entsprechenden Onlineforen erwirkt hätten (HD Urk. 0/11/6 S. 7 F/A 52). Auch der
- 44 -
Beschuldigte räumte ein, dass es Reklamationen gegen ihn bei Google gegeben
habe (HD Urk. 0/5/3 S. 16 F/A 122; HD Urk. 0/5/7 S. 18 F/A 84). Auch dieser
Sachverhaltsabschnitt ist erstellt.
1.7.1.7. Bewusstsein, dass Käufer bei kleinen Beträgen von einer genaueren
Überprüfung des Leistungswillens und der Leistungsfähigkeit des Anbieters abse-
hen würden
Zuletzt wird dem Beschuldigten und †N._ vorgeworfen, dass sie sich be-
wusst gewesen seien, dass die jeweiligen Käufer bei kleineren Beträgen von einer
genauen Überprüfung des Leistungswillens und der Leistungsfähigkeit des Anbie-
ters absehen würden, wie dies beim Kauf über das Internet auch üblich sei (Urk.
32 S. 6).
Die Verteidigung machte vor Vorinstanz geltend, die Überprüfung des Verkäufers
im Internet sei ohne Aufwand möglich. Teilweise werde die Überprüfung via Inter-
net wie ein Spiel aufgefasst. Aus diesen Gründen könne man nicht allgemein sa-
gen, bei einem kleineren Betrag finde normalerweise keine Überprüfung statt
(Urk. 54 S. 9). Dem kann insbesondere für den Fall des Beschuldigten nicht ge-
folgt werden. Der Beschuldigte führte erwiesenermassen nicht seinen eigenen
Namen, sondern Drittpersonen als Geschäftsführer im Impressum auf und be-
nutzte im Kundenkontakt Namen von Drittpersonen. Damit verschleierte er gerade
die tatsächlichen Verhältnisse. Selbst wenn im konkreten Fall also eine Überprü-
fung stattgefunden hätte, hätte diese nicht zum richtigen Resultat führen können.
Wie die Vorinstanz richtig festgehalten hat, gab es in den Online-Shops des Be-
schuldigten von den Geschädigten durchaus auch Bestellungen im Warenwert
von über Fr. 300.– bis hin zu – einmalig – einem vierstelligen Frankenbereich,
auch wenn sich die überwiegende Mehrheit der Bestellungen – nämlich auf die
292 Geschädigten 84 % – unter einer Grenze von Fr. 300.– bewegte (Urk. 61
S. 34 f.). Entgegen der Vorinstanz kann damit nicht mit genügender Sicherheit
geschlossen werden, dass der Beschuldigte im Bewusstsein handelte, die Käufer
würden bei kleinen Beträgen von einer genaueren Überprüfung des Leistungs-
willens und der Leistungsfähigkeit des Anbieters absehen. Zwar kann es als all-
- 45 -
gemeingültige Tatsache angesehen werden, dass Käufer den Verkäufer bei tiefe-
ren Beträgen in der Regel – wenn überhaupt – einer laxeren Überprüfung unter-
ziehen. Allerdings kann aus diesem Umstand für den konkreten Fall dennoch
nichts zu Ungunsten des Beschuldigten abgeleitet werden. Der Beschuldigte hat
in seinen Online-Shops nämlich – wie gesehen – nicht erkennbar nur Artikel mit
einem tiefen Kaufpreis angeboten, woraus geschlossen werden könnte, er habe
eine genauere Überprüfung gezielt vermieden. Sodann wird aus den Akten auch
nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte Käufer je nach dem jeweiligen Bestellwert
gezielt anders behandelt hätte. Dieser Sachverhaltsteil ist nicht erstellt.
1.7.1.8. Inkaufnahme, dass Ware nicht geliefert oder der Kaufpreis nicht zurück-
erstattet werden kann
Dem Beschuldigten und †N._ wird vorgeworfen, sie hätten im Zeitpunkt, als
die Geschädigten die Waren in ihren Online-Shops gekauft und den Kaufpreis per
Vorauskasse überwiesen hatten, in Kauf genommen, dass sie finanziell gar nicht
in der Lage sein würden, die bezahlte Ware in Deutschland zu kaufen und an die
Kunden zu liefern oder alternativ den Kaufpreis im Falle der Nichtlieferung an die
Kunden zurückzuerstatten.
Hierfür kann grundsätzlich auf die oben unter II.1.4 dargelegten finanziellen Ver-
hältnisse verwiesen werden. Dem Beschuldigten war bewusst, dass seine Ein-
nahmen nicht reichen würden, um seine Lebenshaltungskosten zu decken, wes-
halb er Kundengelder, welche eigentlich für den Warenkauf bestimmt gewesen
wären, angreifen musste. Damit hat er letztlich auch in Kauf genommen, dass er
finanziell nicht in der Lage sein wird, die bestellte Ware beim Lieferanten zu be-
zahlen und an den Kunden zu liefern. Genauso wenig war er in der Lage, den
Kaufpreis zurückzuerstatten, da dieses Geld für seine privaten Ausgaben ver-
braucht wurde. Der Sachverhalt ist erstellt.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Sachverhalt betreffend gewerbs-
mässigen Betrug mit Ausnahme des unter Punkt 1.7.1.7 abgehandelten Vorwurfs
als erstellt zu betrachten ist. Hiervon ist nachstehend für die rechtliche Würdigung
auszugehen.
- 46 -
2. Rechtliche Würdigung
2.1. Nach Art. 146 Abs. 1 StGB wird bestraft, wer in der Absicht, sich oder ei-
nen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder
Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig
bestärkt oder so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich
selbst oder einen andern am Vermögen schädigt.
2.2. Die Irreführung muss sich auf Tatsachen beziehen. Dies sind objektiv fest-
stehende Geschehnisse oder Zustände (DONATSCH, Strafrecht III, Delikte gegen
den Einzelnen, 10. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, S. 222). Die Irreführung kann
sich auch auf innere Tatsachen wie namentlich den Leistungswillen eines An-
bieters beziehen (vgl. Urteil des BGer. v. 9.7.2009 6B_147/2009 E. 1.6.1). Die
Täuschung kann auch stillschweigend, durch konkludentes Verhalten erfolgen
(DONATSCH, Strafrecht III, S. 223). Der Wille zur Vertragserfüllung lässt sich dabei
höchstens indirekt, durch mögliche und zumutbare Nachforschungen betreffend
die Leistungsfähigkeit überprüfen. Der Irrtum besteht in der Differenz zwischen
dem erweckten Anschein und der Wirklichkeit. Nicht erforderlich ist, dass sich der
Geschädigte konkret vorstellt, die Angabe sei richtig; es genügt, dass er im Sinne
eines "Mitbewusstseins" davon ausgeht (DONATSCH, Strafrecht III, S. 234).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es fraglich, ob in der zu Un-
recht in Aussicht gestellten "Rechtzeitigkeit der Lieferung" eine Täuschung im
Sinne von Art. 146 StGB gesehen werden kann. Die Rechtzeitigkeit der Lieferung
einer Sache ist ein zukünftiges Ereignis. Sie kann – namentlich wenn sich der
Verkäufer die Sache zuerst beschaffen muss – ungewiss sein und ist insoweit
keine Tatsache. Eine Täuschung ist zu verneinen, soweit der Verkäufer rechtzei-
tig liefern will und er lediglich durch den Vertragsabschluss und die Einforderung
der Vorauszahlung zum Ausdruck bringt, er werde dazu auch in der Lage sein.
Anders verhält es sich, wenn er die Rechtzeitigkeit der Lieferung beim Vertrags-
abschluss bzw. im Zeitpunkt der Vorauszahlung durch den Käufer mit unwahren
gegenwärtigen oder vergangenen Tatsachen untermauert. Dies ist der Fall, wenn
er fälschlicherweise behauptet, er sei bereits im Besitz der Ware. Darin liegt eine
- 47 -
falsche gegenwärtige Tatsache (Urteil des Bundesgerichts 6B_663/2011 vom
2. Februar 2011 E. 2.4.2).
Der Beschuldigte und †N._ boten in ihren Online-Shops eine Vielzahl von
Waren an, welche grundsätzlich an Lager seien, und deklarierten auf den Websei-
ten jeweils kurze Lieferfristen. Gemäss erstelltem Sachverhalt ist erwiesen, dass
sie diese Waren zum einen nicht in einem eigenen Lager hielten. Zum anderen
konnten diese Lieferfristen nur in seltenen Fällen eingehalten werden und waren
in der Regel nur theoretischer Natur. Die eigentliche Täuschung liegt aber darin,
dass der Beschuldigte und †N._ die Geschädigten darüber täuschten, dass
sie überhaupt in der Lage sind, die Waren zu liefern, oder wenn die Ware nicht geliefert werden konnte, den Geschädigten jeweils den Kaufpreis zurückzuerstat-
ten. Effektiv waren sie aber zu beidem nicht in der Lage. Dadurch bewirkten sie
bei den Geschädigten einen Irrtum über ihren Leistungswillen bzw. ihre Leistungs-
fähigkeit.
2.3. Art. 146 Abs. 1 StGB erfordert, dass die Täuschung arglistig erfolgt. Nach
ständiger Lehre und Rechtsprechung liegt Arglist unter folgenden alternativen
Voraussetzungen vor:
(a) Der Täter errichtet ein ganzes Lügengebäude: Ein Lügengebäude liegt vor,
wenn mehrere Lügen derart raffiniert aufeinander abgestimmt sind und von be-
sonderer Hinterhältigkeit zeugen, dass sich auch das kritische Opfer täuschen
lässt (BGE 119 IV 28 E. c).
(b) Der Täter bedient sich besonderer bzw. täuschender Machenschaften: Als be-
trügerische Machenschaften gelten Erfindungen und Vorkehren sowie das Aus-
nützen von Begebenheiten, die allein oder gestützt durch Lügen oder Kniffe ge-
eignet sind, das Opfer irrezuführen. Machenschaften sind gekennzeichnet durch
intensive, planmässige und systematische Vorkehren, nicht aber notwendiger-
weise durch eine besondere tatsächliche oder intellektuelle Komplexität (BGE 126
IV 165 E. 2. a).
- 48 -
(c) Der Täter bedient sich einfacher Lügen, (aa) deren Überprüfung nicht oder nur
mit besonderer Mühe möglich oder (bb) nicht zumutbar ist, oder (cc) der Täter hält
den Getäuschten von der möglichen Überprüfung der einfachen Lüge ab oder
(dd) sieht aus bestimmten Gründen voraus, dass der Getäuschte von einer Über-
prüfung der einfachen Lüge absehen wird (BGE 126 IV 165 E. 2 a), BGE 142
IV 153 E. 2.2.2).
Mit Bezug auf die Vorspiegelung des Leistungswillens hielt das Bundesgericht
fest, dass diese grundsätzlich arglistig ist, da es sich dabei um eine innere Tatsa-
che handelt, die vom Vertragspartner ihrem Wesen nach nicht direkt überprüft
werden kann. Des Weiteren führte das Bundesgericht aus, dass Arglist bei einfa-
chen Falschaussagen gegeben sein kann, wenn eine weitere Überprüfung nicht
handelsüblich ist, etwa weil sie sich im Alltag als unverhältnismässig erweist und
die konkreten Verhältnisse eine nähere Abklärung nicht nahelegen oder gar auf-
drängen und dem Opfer diesbezüglich der Vorwurf der Leichtfertigkeit nicht ge-
macht werden kann. Mit einer engen Auslegung des Betrugstatbestandes würden
die sozialadäquate Geschäftsführung und damit der Regelfall des Geschäfts-
alltags betrugsrechtlich nicht geschützt. Selbst ein erhebliches Mass an Naivität
des Geschädigten hat nicht in jedem Fall zur Folge, dass der Täter straflos aus-
geht (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2).
Arglist scheidet aber dann aus, wenn das Opfer die grundlegendsten Vorsichts-
massnahmen nicht beachtet (Opfermitverantwortung). Zu berücksichtigen ist da-
bei die jeweilige Lage und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im Einzelfall (Urteil
des BGer. 6B_147/2009 v. 9. Juli 2009 E. 1.1). Je grösser der Täuschungsauf-
wand erscheint, desto stärker wird die Opfermitverantwortung in den Hintergrund
treten. Denn die Strafbarkeit wird durch das Verhalten des Täuschenden begrün-
det und nicht durch jenes des Getäuschten, der im Alltag seinem Geschäfts-
partner nicht wie einem mutmasslichen Betrüger gegenüberstehen muss (Urteil
des BGer. 6S.168/2006 v. 6. November 2006 E. 2.3).
Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts kann bei Serienbetrügen das Ele-
ment der arglistigen Täuschung zunächst in allgemeiner Weise für alle Einzel-
handlungen gemeinsam geprüft werden. Eine ausführliche fallbezogene Er-
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örterung der einzelnen Merkmale muss nur in denjenigen Fällen erfolgen, die in
deutlicher Weise vom üblichen Handlungsmuster abweichen (vgl. Urteil des
BGer. v. 9.7.2009 6B_147/2009 E. 1.6.3).
Der Beschuldigte und †N._ trafen verschiedene Massnahmen, um sich ge-
gen aussen ein seriöses Erscheinungsbild zu geben und zu verhindern, dass die
Geschädigten etwas von ihrem fehlenden Leistungswillen respektive der fehlen-
den Leistungsfähigkeit merken konnten. Zwar ist der Vorinstanz insofern zu fol-
gen, als dass sich auch seriös agierende Online-Shops ein professionelles Er-
scheinungsbild geben und sich bei Preisvergleichsdiensten registrieren lassen. Es
ist auch richtig, dass das äussere Erscheinungsbild oder die Registrierung bei ei-
nem Preisvergleichsdienst noch keine Garantie für die Seriosität des Online-
Shops bedeutet, zumal Preisvergleichsdienste auch keine solche abgeben und in
den meisten Fällen wohl auch ausdrücklich keine Gewähr für solches überneh-
men werden. Es ist heute sodann relativ einfach, eine Internetseite aufzubauen
und professionell zu gestalten. Besondere Kenntnisse sind hierfür nicht nötig und
auch Laien vermögen dies zu erreichen. Nichtsdestotrotz sorgten der Beschuldig-
te und †N._ mit dieser Vorgehensweise dafür, dass die Geschädigten keinen
Verdacht schöpften und davon ausgingen, dass hinter den Online-Shops des Be-
schuldigten seriöse Geschäftsleute stehen. Viele Kunden, welche über das Inter-
net nach Produkten suchen, bedienen sich solcher Preisvergleichsdienste. Ge-
mäss dem Beschuldigten selber ist die Registrierung bei einem Preisvergleichs-
verdienst gar absolut notwendig, ansonsten sei der "Umsatz null" (Urk. 78 S. 12).
Dabei besteht bei den Käufern eben doch die Erwartungshaltung, dass bei diesen
Diensten in der Regel zuverlässige Anbieter aufgeführt werden, da der Preisver-
gleichsdienstanbieter bei negativen Rückmeldungen den Online-Shop nicht mehr
aufführt, was im Übrigen im Falle des Beschuldigten ja gerade geschehen ist. So-
dann sind diese Vorkehrungen im Kontext mit den weiteren Massnahmen zu se-
hen. So nannte der Beschuldigte im Impressum der Webseiten statt sich selber
AF._, T._ und AG._. Damit verhinderte er, dass die Geschädigten
auf ihn respektive auf †N._ und ihre Reputation aufmerksam werden konn-
ten. In dieselbe Richtung geht die Verwendung dieser Namen und Namen weite-
rer Drittpersonen bei Telefonaten und E-Mails. Selbst wenn die Geschädigten al-
- 50 -
so eine Überprüfung der in den Online-Shops agierenden Personen hätten vor-
nehmen wollen, hätten sie nicht herausfinden können, dass der Beschuldigte und
†N._ die Shops betrieben, welche bereits früher mit zahlreichen Shops infol-
ge massiver Lieferschwierigkeiten gescheitert sind. Sodann boten sie die Bestell-
variante "Kauf auf Rechnung" zunächst allen Kunden an, nur um sie dann nach
der Bestätigung der Bestellung umgehend anzuschreiben, dass nur ein Kauf ge-
gen Vorauskasse möglich sei. Dies hat einen doppelten Effekt: Einerseits wurde
dem Kunden durch die umgehende Anschreibung vermittelt, dass die Online-
Shops über eine funktionierende Infrastruktur verfügten, welche eine zeitnahe
Abwicklung von Kundenanfragen etc. ermöglichte. Andererseits hat diese Vorge-
hensweise eine verkaufspsychologische Komponente, worauf schon früher hin-
gewiesen wurde. Beim Kaufentscheid spielt es eine Rolle, ob die Ware gegen
Rechnung oder gegen Vorauskasse erhältlich ist. Wenn man sich dann unter an-
derem für einen Kauf entscheidet, weil man die Ware gegen Rechnung bekommt,
und so nicht Gefahr läuft, die Ware gar nicht oder in einem mangelhaften Zustand
zu erhalten und gleichzeitig bereits den Kaufpreis bezahlt zu haben, wird der Käu-
fer nach seinem Entscheid nur in seltenen Fällen vom Kauf zurücktreten, wenn
man ihm (zeitnah) und mit In-Aussicht-Stellen eines Preisabschlags mitteilt, dass
die Sache nur gegen Vorauskasse erhältlich ist. Wenn man sich für eine Sache
einmal entschieden hat, dann will man diese auch, insbesondere wenn einem
durch die schnelle Reaktion des Verkäufers mit einem professionell wirkenden E-
Mail das Gefühl vermittelt wird, dass sich hinter den Online-Shops eine funktionie-
rende Organisation befindet. Sobald die Lieferschwierigkeiten und damit die Kritik
der Kunden am Online-Shop zu gross wurden, eröffneten sie jeweils einfach ei-
nen neuen Online-Shop unter anderem Namen, jedoch nach dem gleichen Kon-
zept, mit den identischen Abläufen, identischer Aufgabenteilung und Infrastruktur.
Wie die Vorinstanz richtig erwog, liegen mehrere einfache Lügen vor. Diese führ-
ten gesamthaft dazu, dass es den Geschädigten nicht möglich war, die Leistungs-
fähigkeit bzw. den Leistungswillen des Beschuldigten zu überprüfen. Wie bereits
erwähnt, verschleierte der Beschuldigte gezielt seine Identität, so dass die Kun-
den nicht auf seine Person und Reputation aufmerksam werden konnten. Weiter-
gehende Abklärungen waren den Geschädigten nicht zumutbar und auch nicht
- 51 -
üblich bei solchen (Alltags-)Geschäften über das Internet, hatten diese doch
durch die vom Beschuldigten gewählte Vorgehensweise keine Anhaltspunkte,
welche bei ihnen hätten Zweifel an der Seriosität der Online-Shops aufkommen
lassen müssen. Es kann deshalb auch nicht davon gesprochen werden, dass die
Geschädigten besonders leichtfertig gehandelt hätten, was im Übrigen auch von
der Verteidigung nicht geltend gemacht wird. Die Tatbestandsvoraussetzung der
Arglist ist somit zu bejahen.
2.4. Der Irrende muss sich selber oder einen andern am Vermögen schädigen
durch die arglistige Täuschung. Damit wird einerseits eine Vermögensverfügung
des Irrenden und andererseits ein Vermögensschaden vorausgesetzt. Als Vermö-
gensverfügung gilt jede Handlung, Duldung und Unterlassung des Irrenden, die
geeignet ist, eine Vermögensverminderung herbeizuführen (BGE 126 IV 113
E. 3a). Dabei muss zwischen der Täuschung und dem Irrtum sowie der Vermö-
gensverfügung ein Kausalzusammenhang bestehen (DONATSCH, in: DONATSCH/
FLACHSMANN/HUG/WEDER (Hrsg.), Kommentar zum Schweizerischen Strafge-
setzbuch, Art. 146 N 22). Als Vermögensschaden gilt jede Beeinträchtigung des
Vermögens, welche in einer Verminderung der Aktiven, Vermehrung der Passiven
oder im Entgehen von Gewinn bestehen kann. Mit Eintritt der Vermögensschädi-
gung ist der Betrug vollendet (DONATSCH, Strafrecht III, S. 212 f.).
Die Leistung einer Zahlung auf Vorauskasse ist ohne Weiteres geeignet, eine
Vermögensverminderung herbeizuführen. Dabei wurden die Geschädigten durch
das Verhalten des Beschuldigten über dessen Leistungsfähigkeit und Leistungs-
willen getäuscht und zur Zahlung des Kaufpreises motiviert. Indem die Geschä-
digten den Kaufpreis der Ware auf das Konto des Beschuldigten einbezahlten, in
der Erwartung, hierfür die Ware zu erhalten, die Lieferung wie auch die Rückzah-
lung des Kaufpreises im Falle der Nichtlieferung jedoch ausgeblieben ist, haben
sie ihre Aktiven vermindert.
2.5. Art. 146 Abs. 1 StGB verlangt Vorsatz. Für den Vorsatz der Täuschung ist
erforderlich, dass der Täter die Bedeutung seiner falschen Angaben für die vom
Geschädigten begehrte Vermögensdisposition erkennt. Auch die tatsächlichen
Umstände, welche Arglist begründen, müssen vom Vorsatz erfasst sein
- 52 -
(vgl. DONATSCH, Kommentar StGB, N 29 zu Art. 146 m.w.H.). Der für den objek-
tiven Tatbestand charakteristische Zusammenhang von der Täuschung bis zum
Schaden muss vom Täter in seinen Umrissen gewollt sein, wobei Eventualvorsatz
genügt (BSK StGB II-ARZT, Art. 146 N 208 und 211).
Die Verteidigung führt aus, dass der Beschuldigte nie die Absicht gehabt habe,
die vorauszahlenden Kunden um ihr Geld oder ihre Ware zu bringen. Es sei zu
berücksichtigen, dass 292 von ca. 2'500 Kunden weder die Ware noch das Geld
zurückerhalten hätten, was bedeute, dass der Grossteil der Kunden korrekt be-
dient worden sei (Urk. 54 S. 6; Urk. 79 S. 5).
Wie aufgezeigt, erlitten auch die früheren Online-Shops des Beschuldigten Schiff-
bruch. Auch damals hatte er Lieferschwierigkeiten, und Kunden erhielten weder
die Ware (allenfalls nur teilweise) noch erhielten sie ihre Geldleistungen zurück.
Obwohl dem Beschuldigten aufgrund dieser Erfahrungen bewusst sein musste,
dass er seine Online-Shops mit der konkret gewählten Vorgehensweise nicht ge-
winnbringend betreiben konnte, vermittelte er gegen aussen das Bild, dass er leis-
tungsfähig ist und auch den Leistungswillen hat. Er wusste, dass er einen Teil der
Waren nicht an die Kunden wird liefern können oder im Falle der Nichtlieferung
ihnen den Kaufpreis nicht vollumfänglich wird zurückerstatten können, weil er
nicht nur den von ihm seinerseits zu entrichtenden Kaufpreis übersteigenden Teil
zur Deckung seiner Lebenshaltungskosten respektive zur Deckung der Kosten für
Infrastruktur angreifen musste, sondern hierfür die Kundengelder brauchte, wel-
che zur Bezahlung zur konkreten Ware bestimmt waren. Nicht gefolgt werden
kann der Argumentation des Beschuldigten, wenn er geltend macht, er sei ledig-
lich ein schlechter Geschäftsmann. Regelmässig führte sein Geschäftsmodell zu
den gleichen Problemen. Immer wieder konnte er die Ware gar nicht oder nur
verspätet an die Kunden liefern. Immer wieder war er nicht in der Lage, den Kun-
den ihr Geld zurückzuzahlen, wenn er ihnen die Ware nicht liefern konnte, weil er
das Geld anderweitig verbraucht hatte. Mitunter die einzige Änderung, welche er
jeweils vollzog, war die Änderung des Namens des Online-Shops. Ansonsten be-
trieb er die Geschäfte unverändert weiter, folgte demselben Geschäftsmodell,
nutzte die gleiche Infrastruktur und die gleichen Vertriebswege. Unbehelflich ist
- 53 -
dabei sein Vorbringen, er habe Excel-Listen etabliert, welche die Probleme besei-
tigen sollten. Nicht nur ist nicht ersichtlich, inwiefern Excel-Listen bei solch einem
defizitären Geschäftsmodell etwas bewirken könnten. Der Beschuldigte selber
konnte dies bis zuletzt auch nicht schlüssig erklären. Betrachtet man die Ausga-
ben und (Gewinn-)Einnahmen des Beschuldigten, so reichten diese Einnahmen –
auch unter Berücksichtigung der Hilfestellung der Mütter des Beschuldigten und
†N._ – offensichtlich nicht aus, um die Lebenshaltungskosten von ihm selber
und †N._ sowie daneben noch die Unkosten für die Online-Shops zu decken.
Frappant ist dabei, dass der Beschuldigte überhaupt keine Kostenkontrolle mach-
te. Nur als ein Beispiel zu nennen ist der Umstand, dass der Beschuldigte nicht
wusste, dass er mit Geldbezügen am Automaten Gebühren von über 1'000 Euro
verursachte. Dass der Beschuldigte derart schlecht über seine finanziellen Ver-
hältnisse Bescheid wusste, ändert jedoch nichts am Umstand, dass ihm bewusst
sein musste, dass er nur defizitär Geschäfte betrieb und Geld, welches für Wa-
renkäufe bestimmt gewesen wäre, angriff, um seine Lebenshaltungskosten und
die Lebenshaltungskosten von †N._ zu finanzieren. Was die Verteidigung
daraus ableiten will, dass 292 von ca. 2'500 Kunden weder die Ware noch das
Geld zurückerhalten hätten, was bedeute, dass der Grossteil der Kunden korrekt
bedient worden sei, ist in diesem Zusammenhang unklar. Damit bringt sie doch
gerade zum Ausdruck, dass auch nach ihrer Rechnung mehr als 11% der Kunden
einen Komplettverlust erlitten haben. Dabei handelt es sich um einen fast schon
erschreckend hohen Anteil an geprellten Kunden, was gerade nicht zu Gunsten
des Beschuldigten spricht. Unbehelflich ist auch das Vorbringen, ca. 900 der ins-
gesamt 2'500 bestellenden Kunden seien zufrieden gewesen (Urk. 79 S. 5), be-
deutet dies doch im Umkehrschluss, dass ca. 1'600 Kunden unzufrieden mit der
Leistung des Beschuldigten waren. Letztlich musste dem Beschuldigten aufgrund
seiner Erfahrungen mit früheren Online-Shops bewusst sein, dass er, wenn er in
unveränderter Weise weiter seine Geschäfte betrieb, die Kunden weder korrekt
beliefern noch ihnen im Falle der Nichtlieferung den Kaufpreis wird zurückerstat-
ten können. Dennoch entschied er sich dazu. Dies kann nicht anders als Inkauf-
nahme angesehen werden, dass er bei Bezahlung der Bestellungen per Voraus-
kasse die Ware nicht wird liefern können respektive auch nicht in der Lage sein
- 54 -
wird, den Kunden ihre Kaufpreiszahlungen zurückzuerstatten. Überdies traf er im
Bewusstsein um seine schlechte Reputation im Internet Vorkehrungen, um vor
den potentiellen Kunden seine Identität zu verschleiern, da die Bestellungen an-
sonsten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausgeblieben wären. Der Beschuldigte
handelte zumindest mit Eventualvorsatz.
2.6. Der Täter muss mit der Absicht unrechtmässiger Bereicherung handeln.
Dabei muss der Schaden als Vermögensnachteil der Bereicherung als Vermö-
gensvorteil entsprechen (BGE 134 IV 210 E. 5.3). Unrechtmässig ist die Bereiche-
rung, wenn sie im Widerspruch zur Rechtsordnung steht respektive wenn der
Empfänger keinen Rechtsanspruch darauf besitzt, was er zumindest in Kauf
nehmen muss (DONATSCH, Strafrecht III, S. 86).
Dem Beschuldigten war bewusst, dass er die Geldleistungen der Kunden nur in-
soweit zur Deckung seiner Lebenshaltungskosten und der Lebenshaltungskosten
von †N._ verwenden durfte, als diese Gewinn darstellten. Dennoch bean-
spruchte er auch Teile, welche eigentlich zur Bezahlung von Waren bestimmt wa-
ren, und auf welche er, wie er wusste, keinen Anspruch hatte. Dennoch liess er
nicht von seinem Handeln ab. Der Beschuldigte handelte somit mit der Absicht
der unrechtmässigen Bereicherung.
2.7. Ein Täter handelt gewerbsmässig, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln,
die er für die deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte in-
nerhalb eines bestimmten Zeitraums sowie aus den angestrebten und erzielten
Einkünften ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit nach Art eines Berufes ausübt.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist wesentlich für die Annahme von
Gewerbsmässigkeit, dass sich der Täter, wie aus dem gesamten Umständen ge-
schlossen werden muss, darauf eingerichtet hat, durch deliktische Handlungen
Einkünfte zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die Kosten zur Finanzie-
rung seiner Lebensgestaltung darstellen; dann ist die erforderliche soziale Gefähr-
lichkeit gegeben. Notwendig ist, dass der Täter die Tat bereits mehrfach began-
gen hat, dass er in der Absicht handelte, ein Erwerbseinkommen zu erlangen, und
dass aufgrund seiner Taten geschlossen werden muss, er sei zu einer Vielzahl
von unter den fraglichen Tatbestand fallenden Taten bereit gewesen (Praxiskom-
- 55 -
mentar StGB-TRECHSEL/CRAMERI, Art. 146 N 33). Dass die deliktische Tätigkeit
die einzige oder hauptsächliche Einnahmequelle ist, ist dabei aber nicht erforder-
lich. Es muss aber ein erheblicher, entscheidender Beitrag an die tatsächlichen
Lebenshaltungskosten durch die strafbare Handlung aufgebracht werden (Praxis-
kommentar StGB-TRECHSEL/CRAMERI, Art. 146 N 35).
Der Betrieb der Online-Shops war die Haupttätigkeit des Beschuldigten. Gemäss
eigenen Angaben verwendete er darauf seine gesamte Arbeitskraft. Wie oben
ausgeführt, konnte der Beschuldigte auch mit der Unterstützung seiner Mutter
seine und die Lebenshaltungskosten von †N._ nicht decken. Vielmehr war er
darauf angewiesen, hierfür die per Vorauskasse von den Kunden einbezahlten
Beträge, welche eigentlich für die bestellte Ware bestimmt gewesen wären, zu
verwenden. Dabei stellten diese Gelder einen entscheidenden Beitrag an die tat-
sächlichen Lebenshaltungskosten dar, ansonsten er sein Leben nicht hätte finan-
zieren können. Seine deliktische Tätigkeit übte er über einen beträchtlichen Zeit-
raum aus und bestand in einer Vielzahl von Einzelhandlungen. Dies ergibt sich
nur schon daraus, dass am vorliegenden Verfahren 292 Geschädigte beteiligt
sind. Die Gewerbsmässigkeit ist zu bejahen.
2.8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte sich eines ge-
werbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB schuldig ge-
macht hat. Der erstinstanzliche Schuldspruch ist damit zu bestätigen.
3. Tatvorwurf der Urkundenfälschung
3.1. Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, er habe zu einem
nicht genau bekannten Zeitpunkt im Namen von AG._ einen Vertrag zwi-
schen der "P._" und der Firma "AO._" für die Platzierung von Produkten
der "P._" bei Internet-Suchmaschinen und Preisvergleichsportalen unter-
zeichnet, wobei er die Unterschrift von AG._ auf dem Vertrag handschriftlich
nachgeahmt habe (Urk. 32 S. 116 f).
3.2. An der Schlusseinvernahme machte der Beschuldigte geltend, es handle
sich nicht um einen Vertrag, sondern nur um eine Anmeldung für eine Suchma-
- 56 -
schine. Es stimme, dass er den Namen geschrieben habe. Er habe die Unter-
schrift aber nicht nachgeahmt. Für ihn sei es keine Urkundenfälschung
(HD Urk. 0/5/8 S. 121 F/A 7). Der Beschuldigte zeigte sich anlässlich der Beru-
fungsverhandlung bezüglich des objektiven Tatbestandes der Urkundenfälschung
indessen im Wesentlichen geständig. Auch heute erklärte er jedoch wieder, er
habe das Papier als Anmeldeformular verstanden (Urk. 78 S. 18). Er machte zu-
dem anlässlich der Hauptverhandlung vor der Vorinstanz geltend, er habe mit
AG._ über den Vertrag gesprochen. Damit setzte sich der Beschuldigte al-
lerdings in Widerspruch zu seiner Aussage bei der Polizei am 27. November
2011, wonach er AG._ nicht über die Unterzeichnung des Vertrages in
Kenntnis gesetzt habe (HD Urk. 0/5/3 S. 22 F/A 164). Sodann machte er heute
geltend, er habe aus der Unterzeichnung keinen Vorteil gehabt (Urk. 78 S. 18).
3.3. Soweit der Beschuldigte – zumindest früher – vorbrachte, er habe die Un-
terschrift nicht nachgemacht, sondern "nur den Namen AG._ geschrieben"
(Urk. 54 S. 10), ist dem zu entgegnen, dass auf dem Formular mit dem Titel "Ba-
sis-Vertrag" eine Zelle mit der Bezeichnung "Name in Blockbuchstaben" und un-
mittelbar darüber eine separate Zelle mit der Bezeichnung "Unterschrift" zu finden
ist. Während der Beschuldigte in der unteren Zelle – wie verlangt – den Namen
"AG._" in Blockbuchstaben aufgeführt hat, schrieb er in der oberen Zelle,
welche eben für die Unterschrift vorgesehen ist, in geschwungener Schrift den
Namen "AG._". Dies kann nicht anders als Nachahmung der Unterschrift von
AG._ interpretiert werden. Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist das Vorbringen
des Beschuldigten, er habe das Papier als Anmeldeformular verstanden. Das
Formular trägt den Titel "Basis-Vertrag". Zudem wird darin auf die AGB hingewie-
sen, was ebenfalls typischerweise im Rahmen eines Vertragsschlusses erfolgt
(HD Urk. 0/5/3 Beilage 11). Dem Beschuldigten als geschäftsgewandte Person
musste dies bewusst sein. Mit der Vorinstanz ist sodann festzuhalten, dass auf-
grund der glaubhaften Aussagen von AG._ davon auszugehen ist, dass –
entgegen der Behauptung des Beschuldigten – gerade nicht abgesprochen und
dieser nicht damit einverstanden war, dass der Beschuldigte in dessen Name den
Basis-Vertrag unterschreibt (Urk. 61 S. 54). Das Dokument weist Urkundenquali-
tät auf, da es dazu bestimmt und geeignet ist zu beweisen, dass AG._ im
- 57 -
Namen der "P._ (angeblich) mit der "AO._" einen Vertrag abgeschlos-
sen hat.
3.4. Mit der Vorinstanz ist sodann davon auszugehen, dass der Beschuldigte
die Urkunde im Namen von AG._ unterzeichnet hat, damit die "AO._"
seine tatsächliche Identität nicht erkennen konnte und ihn als Vertragspartner ak-
zeptiert, womit er folglich hat von deren Services für den Web-Shop der "P._"
Gebrauch machen können. Auf diese Weise konnten weitere Kunden auf die
"P._" aufmerksam gemacht werden, was wiederum die Aussicht auf weitere
Bestellungen erhöhte und mithin dem Beschuldigten die Möglichkeit bot, sich wei-
ter unrechtmässig zu bereichern. Die Absicht des Beschuldigten hat sich somit di-
rekt auf diesen Vorteil gerichtet (vgl. Urk. 61 S. 56 f.). Es ist schlicht kein anderer
Grund erkennbar, weshalb der Beschuldigte den Vertrag mit dem Namen von
AG._ und nicht mit seinem eigenen Namen hätte unterzeichnen sollen. Je-
denfalls konnte der Beschuldigte auch anlässlich der Berufungsverhandlung kei-
nen plausiblen Grund hierfür liefern (Urk. 78 S. 18). Denn selbst wenn AG._
Geschäftsführer der "P._" gewesen wäre – was nicht der Fall war – hätte
dies den Beschuldigten nicht daran gehindert, selbst wirksam für die "P._" zu
zeichnen. Der Sachverhalt betreffend Urkundenfälschung ist erstellt.
3.5. Die rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz ist nicht zu beanstanden.
Darauf kann verwiesen werden. Der Beschuldigte hat sich einer Urkunden-
fälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht.
4. Tatvorwurf der Beschimpfung
4.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe am 16. August 2015 dem
Geschädigten AP._ geschrieben: "Hallo AP._ du schwules Arschloch,
werde mal deine Direktion verständigen, damit du rausfliegst!" (Urk. 32 S. 117).
4.2. Der Beschuldigte zeigte sich anlässlich der delegierten polizeilichen Ein-
vernahme vom 11. Januar 2016 geständig. Der Geschädigte AP._ habe ihn
auf Facebook beleidigt. Dieser habe dort einen sehr frechen Kommentar ge-
schrieben. Er könne sich aber nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern. Er habe
- 58 -
die Nachricht an den Geschädigten AP._ gesendet, da dieser ihn beleidigt
habe. Er könne sich nicht erklären, weshalb er so heftig reagiert habe. Es sei ein
Fehler von ihm gewesen. Am Ende der Einvernahme vom 11. Januar 2016 zeigte
sich der Beschuldigte nochmals geständig (HD Urk. 0/5/7 S. 40 f. und 51 F/A 211
ff. und 265). Auch anlässlich der Schlusseinvernahme vom 15. Dezember 2016
anerkannte der Beschuldigte den ihm gemachten Vorwurf. Der Geschädigte
AP._ habe ihn im Internet schwer beleidigt, sonst hätte er das nicht ge-
schrieben. Der andere habe auf Facebook oder vergleichbarer Stelle eine dumme
Bemerkung gemacht. Er wisse nicht mehr, um was es gegangen sei, aber es sei
furchtbar störend gewesen (HD Urk. 0/5/8 S. 122 F/A 8 ff.). Der Beschuldigte be-
stritt dann allerdings den ihm gemachten Vorwurf an der Verhandlung bei der Vor-
instanz und machte stattdessen geltend, dass †N._ die entsprechende Nach-
richt verfasst habe (Prot. I S. 47 f.). Heute machte er erneut geltend, †N._
habe die Schreiben immer beantwortet. Er könne sich nicht daran erinnern, dass
ihn jemals jemand derart beleidigt hätte, was bei ihm eine solche Reaktion provo-
ziert hätte. Zuletzt konzedierte er an der Berufungsverhandlung jedoch, dass es
schon möglich sei, dass er die entsprechende Nachricht verfasst habe, er könne
sich aber nicht daran erinnern (Urk. 78 S. 18 f.).
4.3. Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO)
hat das urteilende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner aus dem
gesamten Verfahren gewonnenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewis-
senhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält.
Das Gericht trifft sein Urteil unabhängig von der Anzahl der Beweismittel, welche
für eine bestimmte Tatsache sprechen, und ohne Rücksicht auf die Art des Be-
weismittels. Auch besteht keine Rangfolge der Beweise. Massgebend soll allein
deren Stichhaltigkeit sein. Dem Geständnis der beschuldigten Person kommt im
Rahmen der freien Beweiswürdigung kein a priori grösserer Beweiswert zu als
anderen Aussagen oder sonstigen Beweismitteln. Im Falle eines Widerrufs des
Geständnisses führt dies aber auch nicht zu dessen Unverwertbarkeit, sondern es
ist eine Frage der freien Beweiswürdigung, welche Bedeutung dem Widerruf zu-
kommt. Dabei sind zunächst die Beweggründe abzuklären, die zu den wider-
sprüchlichen Aussagen geführt haben, um dann auf dieser Grundlage die Glaub-
- 59 -
haftigkeit und Ernsthaftigkeit von Geständnis und Widerruf gegeneinander abzu-
wägen (Entscheid 460 11 206 des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung
Strafrecht vom 4. Juni 2012 E. 2.4.).
Die Verteidigung machte anlässlich der Hauptverhandlung vor Vorinstanz geltend,
dass der Beschuldigte mit dem Vorwurf der Beschimpfung überfahren worden sei
und die Sache voreilig zugegeben habe (Urk. 54 S. 11). Diese Argumentation
vermag nicht zu überzeugen. Zwar ist es tatsächlich so, dass der Beschuldigte
erst im Rahmen einer späteren Einvernahme sowie im Zuge von diversen an-
deren Vorhalten im Zusammenhang mit dem Vorwurf des gewerbsmässigen Be-
truges mit dem Vorwurf der Beschimpfung konfrontiert worden ist. So gesehen,
nimmt dieser Vorwurf in der Tat eine eher spezielle Position ein. Davon zu spre-
chen, dass der Beschuldigte dadurch geradezu "überfahren worden sei", ist je-
doch verfehlt. Dem Beschuldigten wurde ein korrekter Vorhalt gemacht und die
Möglichkeit gegeben, sich zu äussern. Von sich aus erinnerte der Beschuldigte
sich dann an die Umstände, wie es zum Verfassen der Nachricht an den Geschä-
digten AP._ gekommen ist, und nannte überdies seine Beweggründe. Dies
lässt sein Geständnis glaubhaft erscheinen. Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb
der Beschuldigte – sollte sich der Sachverhalt nicht tatsächlich so zugetragen ha-
ben – derartige Aussagen erfinden sollte. Kommt noch hinzu, dass der Beschul-
digte das Geständnis ja nicht nur am 11. Januar 2016 bei der Polizei ablegte,
sondern dieses Geständnis fast ein Jahr später anlässlich der staatsanwaltschaft-
lichen Schlusseinvernahme noch einmal bestätigte. Wenn der Beschuldigte durch
den Vorhalt bei der Polizei tatsächlich "überfahren" worden wäre und nur deshalb
ein Geständnis abgelegt hätte, so hätte er das Geständnis doch spätestens bei
der Schlusseinvernahme korrigiert. Aufgrund des Gesagten erhellt, dass es sich
beim Vorbringen, die Nachricht sei von †N._ verfasst worden, um eine
Schutzbehauptung handelt. Wenn der Beschuldigte geltend macht, man habe ab-
gemacht, dass †N._ Kontakt aufnehmen würde, falls schlechte Bewertungen
im AM._ oder AN._ kämen, so widerspricht dies den bisherigen Aussa-
gen, wonach der Beschuldigte für die Korrespondenz verantwortlich zeichnete,
jeweils die Telefonate führte und E-Mails verfasste. Wenn der Beschuldigte dann
weiter anführt, †N._ habe über Mittag Bier getrunken und dieser habe Zeit
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am Stammtisch verbracht, wo auch Kraftausdrücke gefallen seien, so wirkt dies
sehr gesucht. Diese Ausführungen vermögen die Glaubhaftigkeit seines früher
abgelegten Geständnisses nicht zu zerstören, weshalb der zur Anklage gebrachte
Sachverhalt betreffend Beschimpfung gestützt darauf erstellt ist.
Die rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz ist nicht zu beanstanden und wird
von der Verteidigung auch nicht explizit gerügt. Darauf kann verwiesen werden
(Urk. 61 S. 58 f.). Der vorinstanzliche Schuldspruch betreffend Beschimpfung ist
auch zweitinstanzlich zu bestätigen.
III. Strafzumessung
1. Urteil der Vorinstanz
Die Vorinstanz erachtete unter Berücksichtigung sämtlicher massgebender Straf-
zumessungsgründe eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten Freiheitsstrafe sowie ei-
ne Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je Fr. 30.– als angemessen (Urk. 61 S. 66
f.).
2. Standpunkt der Verteidigung
Die Verteidigung hielt vor Vorinstanz dafür, dass das von der Staatsanwaltschaft
beantragte Strafmass zu hoch sei. Der Beschuldigte habe durch seine Online-
Shops praktisch kein Geld verdient. Eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen
zu je Fr. 10.– sei angemessen (Urk. 54 S. 12).
3. Strafrahmen und konkrete Strafzumessung
Der vorinstanzliche Schuldspruch wegen gewerbsmässigen Betrugs, Urkunden-
fälschung und Beschimpfung wird zweitinstanzlich bestätigt. Während der ge-
werbsmässige Betrug mit einer Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren und Geldstrafe
nicht unter 90 Tagessätzen zu bestrafen ist, wird die Urkundenfälschung mit Frei-
heitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. Für die zusätzlich began-
gene Beschimpfung gemäss Art. 177 StGB kommt nur eine Geldstrafe bis zu
90 Tagessätzen in Frage. Das Asperationsprinzip im Sinne von Art. 49 Abs. 1
StGB kommt nur bei gleichartigen Strafen in Betracht. Da vorliegend für den ge-
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werbsmässigen Betrug und die Urkundenfälschung eine Freiheitsstrafe auszu-
sprechen sein wird, ist die Geldstrafe für die Beschimpfung zusätzlich zur Frei-
heitsstrafe auszusprechen.
3.1. Bestrafung wegen gewerbsmässigen Betrugs
3.1.1. Die Vorinstanz erwog betreffend die objektive Tatschwere, dass der De-
liktsbetrag der verübten Betrugsfälle von Fr. 56'182.09 nicht unerheblich ausfalle.
Im Deliktszeitraum von 21 Monaten seien 292 Geschädigte zu verzeichnen. Die-
sen seien darüber hinaus teilweise beträchtliche Umtriebe und Kosten bei der
Verfolgung ihrer Ansprüche entstanden. Wenn auch das Vorgehen des Beschul-
digten nicht als raffiniert zu bezeichnen sei, so erscheine es dennoch als dreist.
So habe der Beschuldigte am Telefon und in der E-Mail-Korrespondenz zum Teil
falsche Namen verwendet und im Impressum seiner Online-Shops nicht existie-
rende Geschäftsführer eingetragen, um seine Identität zu verschleiern. Aus dem-
selben Grund habe er auch eine Urkunde gefälscht. Innerhalb des durch den Be-
schuldigten und †N._ betriebenen Geschäfts sei es klarerweise der Beschul-
digte gewesen, welcher die Hauptverantwortung für die Online-Shops getragen
habe, während †N._ nach seinen Anweisungen gearbeitet habe. Hierar-
chisch sei der Beschuldigte seinem Geschäftspartner damit überlegen gewesen.
Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere sei zu berücksichtigen, dass der Be-
schuldigte nicht mit direktem Vorsatz gehandelt habe, sondern eventualvorsätz-
lich. Er sei zwar durchaus bemüht gewesen, ein Online-Business zu betreiben,
habe jedoch in Kauf genommen, nicht in der Lage zu sein, einen Grossteil der be-
stellten und bezahlten Ware nicht liefern bzw. den Kaufpreis nicht zurückerstatten
zu können. Sein Motiv sei rein finanzieller Natur und damit egoistischer Natur ge-
wesen. Denn nur durch das Abziehen der Kundengelder sei es dem Beschuldig-
ten gelungen, sich über Wasser zu halten und seine sowie die Lebens-
haltungskosten von †N._ zu decken. Einen grossen Gewinn habe der Be-
schuldigte indessen nicht erzielt. Die Vorinstanz erachtete eine Einsatzstrafe von
14 Monaten Freiheitsstrafe für den gewerbsmässigen Betrug als dem Verschul-
den des Beschuldigten angemessen (Urk. 61 S. 62 f.).
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3.1.2. Den Erwägungen der Vorinstanz ist grundsätzlich zuzustimmen. Der Be-
schuldigte hielt seine deliktische Tätigkeit über einen beachtlichen Zeitraum auf-
recht. Dabei setzte er diese auch immer wieder fort, obwohl er mit seinen Online-
Shops scheiterte. Mit Bezug auf die Schadensumme und die Anzahl geschädigter
Personen sind zwar noch wesentlich schwerere Fälle denkbar. Das Ausmass
ist aber dennoch beachtlich. Der Beschuldigte hat einen beträchtlichen Aufwand
betrieben und diverse Vorkehrungen getroffen, damit sein Verhalten von Erfolg
gekrönt war. Es ging dem Beschuldigten darum, Geld zu erhalten, um seine Le-
benshaltungskosten zu finanzieren. Dass der Beschuldigte damit nicht einen auf-
wendigen oder luxuriösen Lebensstil gepflegt hat, ist ihm zugute zu halten. Es
kann indessen keine Rede davon sein, dass er "nur ein Optimist" gewesen wäre,
wie das die Verteidigung geltend macht. Ihm wäre es ohne Weiteres möglich ge-
wesen, schon früher als erst ab 2016 Anstrengungen zu unternehmen, seinen
Lebensunterhalt auf legale Weise finanzieren zu versuchen (vgl. Prot. I S. 7 ff.).
Das Verschulden ist aufgrund des Gesagten als leicht zu qualifizieren. Wenn die
Vorinstanz für den gewerbsmässigen Betrug eine Einsatzstrafe von 14 Monaten
festgesetzt, so kann diese übernommen werden.
3.2. Täterkomponente
Zu den persönlichen Verhältnissen ist aus dem bisherigen Verfahren sowie
der heutigen Berufungsverhandlung bekannt, dass der Beschuldigte am
tt. November 1955 geboren wurde und in AQ._ [Ortschaft] im Kanton Bern
aufgewachsen ist, wo er auch die Grundschule besucht hat. Nach Abschluss ei-
ner Berufslehre als Elektriker, studierte er Industrieelektrik und Energie. Nach ei-
nigen Arbeitsstellen in unselbständiger Stellung machte sich der Beschuldigte
schliesslich selbständig (HD Urk. 0/5/1 S. 2 f. F/A 8 ff.). Seine Eigentumswohnung
hat der Beschuldigte verkauft, wobei er mit dem Erlös einen Teil seiner Schulden
habe tilgen können (Prot. I S. 10). Er habe derzeit noch ca. Fr. 20'000.– Schulden
beim Steueramt und der Ausgleichskasse. Anlässlich der Berufungsverhandlung
führte der Beschuldigte weiter aus, seine Mutter sei in der Zwischenzeit gestor-
ben. Er lebe noch in der gleichen Wohnung in AQ._, welche seiner Mutter
gehöre. Er müsse hierfür keinen Mietzins bezahlen. Der Beschuldigte vermittelt
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heute gemäss eigenen Angaben in selbständiger Stellung Grundstücke in Süd-
amerika. Er erhalte für die Vermittlung von Kunden eine Provision, wobei er mit
dieser Tätigkeit ca. Fr. 15'000.– pro Jahr verdiene (Urk. 78 S. 1 ff.).
Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten wirken sich mit der Vorinstanz
strafzumessungsneutral aus. Insbesondere ist es richtig, wenn die Vorinstanz die
nicht einschlägige und bereits weit zurückliegende Verurteilung aus dem Jahre
2010 (vgl. HD Urk. 0/24/3) nicht straferhöhend in Anschlag bringt (Urk. 61
S. 65 f.). Ebenfalls zu bestätigen ist die Vorinstanz darin, dass sich das Nachtat-
verhalten des Beschuldigten nicht strafmindernd auszuwirken hat. Der Beschul-
digte zeigte sich mit Bezug auf den Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs, der
Urkundenfälschung und der Beschimpfung weder geständig noch einsichtig. Wei-
tere Strafminderungsgründe sich nicht erkennbar.
Der Beschuldigte ist demnach für den gewerbsmässigen Betrug mit einer Frei-
heitsstrafe von 14 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen.
3.3. Straferhöhung wegen der Urkundenfälschung
3.3.1. Die Vorinstanz führte zur objektiven Tatschwere der Urkundenfälschung
aus, dass sich der Beschuldigte zwar keiner besonderen Mittel bedient habe.
Er habe jedoch eine Urkunde mit dem Namen des nicht wissenden AG._ un-
terzeichnet, welcher mit dem Online-Shop "P._" nicht das Geringste zu tun
gehabt habe, was äusserst dreist erscheine. Der unterschriebene Vertrag sei so-
dann an die Firma "AO._" zugestellt worden, womit nicht nur eine abstrakte,
sondern eine konkrete Gefährdung des geschützten Rechtsguts – des Vertrauens
im Rechtsverkehr in die Echtheit der Urkunde – vorliege. Hinsichtlich der subjekti-
ven Tatschwere sei zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte mit direktem Vor-
satz gehandelt habe und zudem aus rein egoistischem Motiv, habe er doch einzig
zum Ziel gehabt, die Firma "AO._" über seine Identität zu täuschen, um sich
dadurch einen finanziellen Vorteil zu verschaffen. Insgesamt sei das Tatverschul-
den in Bezug auf die Urkundenfälschung als nicht mehr leicht einzustufen, wes-
halb die hypothetische Einsatzstrafe um vier Monate zu erhöhen sei (Urk. 61
S. 63 f.).
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3.3.2. Diese Erwägungen erweisen sich als richtig und können so übernommen
werden. Die persönlichen Verhältnisse und das Nachtatverhalten wirken sich
auch hier strafzumessungsneutral aus. Wenn die Vorinstanz die hypothetische
Einsatzstrafe wegen der zusätzlich begangenen Urkundenfälschung um
vier Monate erhöht, erscheint dies angemessen. Der Beschuldigte ist somit für
den gewerbsmässigen Betrug und die Urkundenfälschung mit einer Freiheits-
strafe von 18 Monaten zu belegen.
3.4. Bestrafung wegen Beschimpfung
3.4.1. Die Vorinstanz erwog bezüglich der objektiven Tatschwere, dass der Inhalt
"Hallo AP._ du schwules Arschloch, werde mal deine Direktion verständigen,
damit du rausfliegst!" aggressiv und herabsetzend wirke. Die Nachricht sei indes-
sen, soweit bekannt, nur an AP._ adressiert worden und keinem weiteren
Personenkreis. Auch habe der Beschuldigte es bei einer Beschimpfung bewen-
den lassen. Mit Blick auf die subjektive Tatschwere sei zu berücksichtigen, dass
der Beschuldigte mit direktem Vorsatz gehandelt habe, wobei er einzig und nicht
nachvollziehbar das Ziel verfolgt habe, AP._ in dessen Ehre herabzusetzen.
Insgesamt sei das Tatverschulden des Beschuldigten noch als leicht einzustufen.
Es erscheine dem Verschulden angemessen, den Beschuldigten mit einer Geld-
strafe von 10 Tagessätzen zu bestrafen. Den Tagessatz erachtete die Vorinstanz
unter Verweis auf die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Be-
schuldigten im Zeitpunkt des Urteils, namentlich Einkommen und Vermögen, Le-
bensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten sowie dem Exis-
tenzminimum, mit Fr. 30.– für angemessen ( Urk. 61 S. 64 und 66 f.)
3.4.2. Zwar fällt die Titulierung mit "Du schwules Arschloch" ziemlich derbe aus.
Allerdings sind noch wesentlich schwerere Formen von Verbalinjurien denkbar.
Es blieb schliesslich bei dieser einmaligen Entgleisung des Beschuldigten gegen-
über dem Geschädigten. Ein besonderes Motiv für die Beleidigung ist nicht zu er-
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kennen. Zwar macht der Beschuldigte geltend, er sei durch einen Kommentar des
Geschädigten AP._ getroffen worden, und er habe deshalb so reagiert. Al-
lerdings bleibt unklar, welchen Inhalt dieser angebliche Kommentar von AP._
genau aufgewiesen habe. Insgesamt erscheint das Verschulden des Beschuldig-
ten leicht, wofür die Bestrafung mit einer Geldstrafe in der Höhe von
10 Tagessätzen angemessen erscheint.
3.4.3. Hinsichtlich der Täterkomponente sowie dem Nachtatverhalten kann nach
oben verwiesen werden. Bezüglich der Beschimpfung hat der Beschuldigte sein
Geständnis aus der Untersuchung später wieder widerrufen und hat nunmehr als
nicht geständig zu gelten, weshalb ihm auch hier keine Strafminderung zugebilligt
werden kann. Die vorinstanzliche Festsetzung einer Geldstrafe von 10 Tages-
sätzen ist damit auch zweitinstanzlich zu bestätigen.
3.4.4. Die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten präsentieren sich im Ver-
gleich zum vorinstanzlichen Urteil unverändert, obwohl sich die Einkommens-
quellen verändert haben. Der Tagessatz in der Höhe Fr. 30.– ist deshalb zu be-
stätigen.
3.4.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mit einer Frei-
heitsstrafe von 18 Monaten sowie einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je
Fr. 30.– zu bestrafen ist.
3.4.6. Sodann steht einer Anrechnung der vom Beschuldigten bereits erstande-
nen 81 Tage Haft (HD Urk. 0/16/2 und HD Urk. 0/16/17) an die (bedingte) Frei-
heitsstrafe (vgl. BGE 141 IV 239) nichts entgegen (Art. 51 StGB).
IV. Vollzug
Nur schon aus prozessualen Gründen (Art. 391 Abs. 2 StPO) ist der bedingte
Aufschub der Freiheitsstrafe sowie der Geldstrafe unter Ansetzung einer Probe-
zeit von 2 Jahren zu bestätigen, wobei sich dies im konkreten Fall aber auch als
angemessen erweist und von der Staatsanwaltschaft nicht dagegen opponiert
wird.
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V. Beschlagnahmung
1. Mit Beschlagnahmeverfügung vom 7. Dezember 2016 wurden gestützt auf
Art. 263 Abs. 1 lit. a (recte: und b) StPO beim Beschuldigten diverse Gegen-
stände sowie eine Barschaft in der Höhe von Fr. 30.– beschlagnahmt
(HD Urk. 0/15/19).
2. Gemäss Art. 268 Abs. 1 lit. a StPO kann vom Vermögen der beschuldigten
Person so viel beschlagnahmt werden, als voraussichtlich nötig ist zur Deckung
der Verfahrenskosten. Wurde ein Gegenstand allein zu Beweiszwecken in staat-
lichen Gewahrsam genommen, so ist er dem Berechtigten stets zurückzugeben;
denn diesfalls bestehen nie Gründe für seine Einziehung. Soweit die Beschlag-
nahme sich, und sei es nur nebenher, auf Gesichtspunkte der Gefährlichkeit des
Gegenstandes oder der Deliktsverstricktheit des Vermögenswertes bezieht, hat
sich das weitere Vorgehen an der Beschlagnahme zu Einziehungszwecken zu
orientieren (BSK StPO-BOMMER/GOLDSCHMID, Art. 267 N 8). Gegenstände werden
eingezogen, die zur Begehung einer strafbaren Handlung gedient haben oder da-
zu bestimmt waren oder die durch eine strafbare Handlung hervorgebracht wor-
den sind, wenn diese Gegenstände die Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit
oder die öffentliche Ordnung gefährden (Art. 69 Abs. 1 StGB). An das Vorliegen
einer Gefährdung sind keine überhöhten Anforderungen zu stellen. Insbesondere
genügt das Bestehen einer Gefahr, dass der Beschuldigte die Sache in Zukunft
wieder für eine Deliktsbegehung nutzt. Tatwerkzeuge werden unabhängig davon
eingezogen, ob sie auch rechtmässigem Gebrauch dienen könnten. Das Gericht
kann anordnen, dass die eingezogenen Gegenstände unbrauchbar gemacht oder
vernichtet werden (Art. 69 Abs. 2 StGB). Ist die Beschlagnahme eines Gegen-
standes oder Vermögenswertes nicht vorher aufgehoben worden, so ist über sei-
ne Rückgabe an die berechtigte Person, seine Verwendung zur Kostendeckung
oder über seine Einziehung im Endentscheid zu befinden (Art. 267 Abs. 3 StPO).
3. Die Verteidigung beantragt die Herausgabe der Barschaften sowie der be-
schlagnahmten Gegenstände wie Festplatten und Bundesordner etc. (Urk. 63
S. 2). Die Staatsanwaltschaft beantragt die Bestätigung der vorinstanzlichen Re-
gelung.
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3.1. Barschaft
Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass es sich bei der beschlagnahm-
ten Barschaft in der Höhe von Fr. 10.– (HD 0/15/19 z)zz)ttt)) und Fr. 20.–
(HD 0/15/19 z)zz)uuu)) um Werte handelt, welche aus betrügerischen Geschäfts-
tätigkeiten des Beschuldigten erlangt worden sind. Da der Vermögenswert keiner
geschädigten Person zugeordnet werden kann, ist dieser in Anwendung von
Art. 70 Abs. 1 StGB definitiv einzuziehen. Entgegen der Vorinstanz dürfen delik-
tisch erlangte Vermögenswerte allerdings nicht zur Deckung der Verfahrens-
kosten verwendet werden. Dies würde dem Gedanken, dass sich strafbares Ver-
halten nicht lohnen darf (BGE 129 IV 109), zuwiderlaufen, da sich die Straftat für
den Beschuldigten dann ja zumindest ein Stück weit gelohnt hätte.
3.2. Festplatten / USB Sticks / Speicherkarten / PCs / Notebook / Laptops etc.
3.2.1. Die Vorinstanz hat geschlossen, dass die diversen beschlagnahmten elekt-
ronischen Hilfsmittel zur Durchführung des durch den Beschuldigten begangenen
Betrugs verwendet worden bzw. dazu bestimmt gewesen seien. Ein hinreichender
Konnex zur Straftat sei damit gegeben, weshalb diese in Anwendung von Art. 69
Abs. 1 StGB definitiv einzuziehen seien. Aufgrund des geringen Werts der elekt-
ronischen Geräte bzw. der Unverwertbarkeit der Schlüssel sei mit einem die Ver-
wertungskosten übersteigenden Verwertungserlös nicht zu rechnen. Die Gegen-
stände seien einzuziehen und zu vernichten (Urk. 61 S. 69).
3.2.2. Offensichtlich dienten die im Titel aufgeführten elektronischen Geräte und
das Zubehör dem Beschuldigten bei seiner deliktischen Tätigkeit. Ein Deliktskon-
nex ist deshalb zu bejahen. Entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft (Urk. 53
S. 18) und der Vorinstanz genügt dies jedoch nicht. Unklar bleibt insbesondere,
wie diese Gegenstände inskünftig die "Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit
oder die öffentliche Ordnung gefährden" sollten (vgl. Art. 69 StGB). Obwohl an
diese Gefährdung keine überhöhten Anforderungen zu stellen sind, ist eine solche
Gefährdung im konkreten Fall nicht ersichtlich. Es ist nicht anzunehmen, dass der
Beschuldigte erneut im Online-Handel tätig sein und in gleicher Weise deliktisch
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vorgehen wird. Die elektronischen Hilfsmittel sind dem Beschuldigten deshalb
nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herauszugeben.
3.3. Diverse weitere Unterlagen
3.3.1. Die Vorinstanz hat erwogen, dass die Geschäftsunterlagen dazu bestimmt
waren bzw. dazu gedient haben, die durch den Beschuldigten verübten Straftaten
zu begehen. Auch sei anzunehmen, dass die Unterlagen teilweise aus den Straf-
taten des Beschuldigten hervorgegangen seien im Sinne von Art. 69 Abs. 1 StGB.
Die Gegenstände seien deshalb einzuziehen und zu vernichten (Urk. 61 S. 70 f.).
3.3.2. Richtig ist zwar auch hier, dass diese Unterlagen einen deliktischen Konnex
aufweisen. Doch bleibt wie bei den elektronischen Hilfsmitteln unklar, wie diese
Unterlagen inskünftig eine Gefährdung darstellen sollten. Die Unterlagen sind
dem Beschuldigten deshalb nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen
herauszugeben.
VI. Zivilpunkt
Wie gezeigt wird der Beschuldigte auch vor Berufungsgericht anklagegemäss
schuldig gesprochen. Die Zivilansprüche der Privatkläger, wie sie sich aus dem
vorinstanzlichen Urteil ergeben, sind demnach gemäss der vom Beschuldigten für
den Eventualfall seiner Schuldigsprechung beantragten Anerkennung zu bestäti-
gen.
VII. Kosten und Entschädigung
1. Untersuchungs- und erstinstanzliche Verfahrenskosten
1.1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenverlegung (Disp.-Ziff. 11)
zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 6'000.– festzu-
setzen.
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2.2. Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei im
Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Berufungsgericht gestellten
Anträge gutgeheissen wurden (BSK StPO-DOMEISEN, Art. 428 N 6). Nach Art. 428
Abs. 2 lit. b StPO können einer Partei, die ein Rechtsmittel ergriffen und einen für
sie günstigen Entscheid erwirkt hat, dennoch die Kosten auferlegt werden, wenn
der angefochtene Entscheid nur unwesentlich geändert wird.
2.3. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils. Die Verteidigung ficht das erstinstanzliche Urteil in wesentlichen Teilen
an und verlangt einen Freispruch mit den entsprechenden Nebenfolgen unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates (Urk. 63 S. 2; Urk. 79
S. 1 f.).
2.4. Das vorinstanzliche Urteil wird im Schuld- und Strafpunkt bestätigt. Ledig-
lich was die Beschlagnahmungen angeht, wird der angefochtene Entscheid zu-
gunsten des Beschuldigten abgeändert. Es handelt sich dabei nur um eine unwe-
sentliche Abänderung in einem Nebenpunkt, weshalb die Kosten des Berufungs-
verfahrens vollumfänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen sind.
2.5. Der amtliche Verteidiger macht für das Berufungsverfahren einen Aufwand
von Fr. 4'216.55.– geltend (Urk. 80). Es erscheint unter Berücksichtigung des
heute zusätzlich angefallenen Aufwandes im Zusammenhang mit der Berufungs-
verhandlung angemessen, die amtliche Verteidigung mit Fr. 5'400.–. zu entschä-
digen. Diese Kosten sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die
Rückzahlungspflicht des Beschuldigten nach Art. 135 Abs. 4 StPO ist vorzube-
halten.