Decision ID: b387c49f-c686-4f27-a4a4-146d6cccafb0
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- A. X. erwarb zusammen mit seiner damaligen Ehefrau B. X.-Y. am 4. Mai 2000 das
Grundstück Nr. 000 und am 22. Juni 2000 das Grundstück Nr. 001, beide in S.
gelegen, zum Preis von Fr. 350'000.-- und von Fr. 15'000.-- zu je hälftigem
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Miteigentum. Mit rechtskräftigem Scheidungsurteil vom 18. August 2005 genehmigte
das Kreisgericht U. unter anderem eine zwischen A. X. und B. X.-Y. am 2./17. März
2005 abgeschlossene Teilkonvention, nach der die Ehefrau ihre Miteigentumsanteile an
den Grundstücken an den Ehemann abtrat. Der Übernahmewert wurde auf
Fr. 160'000.-- festgesetzt. In den weiteren Bestimmungen der in Ziff. 2 des
Urteilsdispositivs im Wortlaut wiedergegebenen Vereinbarung wurde zudem
festgehalten, der Ehemann beantrage die "Befreiung von der Bezahlung der
Handänderungs- und Grundstückgewinnsteuer infolge Scheidung". Das
Grundbuchamt S. trug die Handänderung am 17. Oktober 2005 im Grundbuch ein und
stellte die Handänderungsanzeige vom 26. Oktober 2005 samt Kopie des
Scheidungsurteils unter anderem der Abteilung Grundstückgewinnsteuer des
kantonalen Steueramtes zu.
Mit öffentlich beurkundetem Kaufvertrag vom 25. Januar 2007 veräusserte A. X. die
Grundstücke Nrn. 000 und 001 zum Preis von Fr. 420'000.-- an Z. Die Handänderung
wurde gleichentags im Grundbuch eingetragen.
B.- In der Steuererklärung für Grundstückgewinne deklarierte A. X. am 30. Juni 2007
einen steuerbaren Grundstückgewinn von Fr. 17'752.--. Vom Veräusserungserlös von
Fr. 420'000.-- zog er einen Erwerbspreis von Fr. 365'000.--, Nebenkosten von
Fr. 5'880.-- und wertvermehrende Aufwendungen von Fr. 31'368.-- ab. Die
Veranlagungsbehörde ging davon aus, für die Handänderung zufolge der Scheidung
habe B.X-Y., der am 24. November 2005 ein entsprechendes Gesuch zugesandt
worden sei, keinen Aufschub der Grundstückgewinnsteuer verlangt. Sie ermittelte
dementsprechend einen Erwerbspreis von - abgerundet - Fr. 342'000.--, nämlich die
Hälfte des im Jahr 2000 bezahlten Preises von Fr. 365'000.-- zuzüglich den
Übernahmewert des hälftigen Miteigentumsanteils der früheren Ehefrau von
Fr. 160'000.-- gemäss gerichtlich genehmigter Scheidungskonvention. Sie liess die
deklarierten Nebenkosten und von den deklarierten wertvermehrenden Aufwendungen
Fr. 5'070.-- zum Abzug zu. Dementsprechend ergab sich ein steuerbarer
Grundstückgewinn von Fr. 67'050.--. Eine dagegen erhobene Einsprache hiess das
kantonale Steueramt mit Entscheid vom 16. April 2008 teilweise gut. Sie hielt daran
fest, für die Handänderung zufolge der Scheidung sei kein Steueraufschub verlangt
worden. Jedoch verzichtete sie auf die Abrundung beim Erwerbspreis und liess einen
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Teil der zusätzlich geltend gemachten wertvermehrenden Aufwendungen zur Hälfte
zum Abzug zu. Es ergab sich ein steuerbarer Grundstückgewinn von Fr. 66'285.--.
Dementsprechend wurde die Einsprache teilweise gutgeheissen.
C.- Gegen diese Veranlagung wandte sich A.X. mit als Einsprache bezeichnetem
Schreiben vom 15. Mai 2008 an das kantonale Steueramt. Die Eingabe wurde am 2.
Juni 2008 zuständigkeitshalber an die Verwaltungsrekurskommission überwiesen und
am 3. Juni 2008 als Rekurs gegen den Einsprache-Entscheid vom 16. April 2008 ins
Geschäftsverzeichnis der Verwaltungsrekurskommission aufgenommen. Der Rekurrent
beantragt, rückwirkend sei die Grundstückgewinnsteuer für die Handänderung
aufgrund der güterrechtlichen Auseinandersetzung unter Ehegatten aufzuschieben.
Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 30. Juli 2008, der Rekurs sei unter
Kostenfolge abzuweisen. Zur Vernehmlassung nahm der Rekurrent mit Eingabe vom
24. August 2008 Stellung und hielt an seinem Antrag fest.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,

soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 15. Mai 2008 ist rechtzeitig bei der
Vorinstanz eingereicht und zuständigkeitshalber an die Verwaltungsrekurskommission
überwiesen worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP; Art. 11
Abs. 3 VRP in Verbindung mit Art. 84 Abs. 3 des Gerichtsgesetzes, sGS 941.1). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Umstritten ist im Rekurs bei der Ermittlung des steuerbaren Reingewinns im
Ergebnis einzig die Höhe des anrechenbaren Erwerbspreises.
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a) Der Rekurrent macht geltend, er habe keine Kenntnis davon gehabt, dass seiner
ehemaligen Frau ein Gesuch um Gewährung des Aufschubs der
Grundstückgewinnsteuer zugesandt worden sei. Ansonsten hätte er darauf gedrängt,
dass es unterschrieben an die Vorinstanz zurückgesandt worden wäre. Da er erst jetzt
Kenntnis vom Schreiben habe, ersuche er rückwirkend um Aufschub. Er nehme
deshalb an, dass die Anlagekosten vom damaligen Erwerbspreis berechnet würden
und sich nicht auf den Übernahmepreis der güterrechtlichen Auseinandersetzung
abstützten. Dass die Übernahme des Miteigentumsanteils seiner Ehefrau in der
Scheidung grundstücksteuerliche Auswirkungen auf einen allfälligen späteren Verkauf
der Liegenschaft haben könne, sei ihm nicht bewusst gewesen.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, das Gesetz verlange für den Aufschub der
Besteuerung bei Handänderungen zufolge güter- und scheidungsrechtlicher Ansprüche
ausdrücklich ein von beiden Ehegatten unterschriebenes Begehren. Die
Veranlagungsbehörde habe deshalb der damaligen Verkäuferin als Steuerpflichtiger am
24. November 2005 ein Gesuch um Steueraufschub zugestellt. Dieses sei allerdings bei
der Veranlagungsbehörde nie eingetroffen. Offensichtlich habe die damalige
Steuerpflichtige auf einen Steueraufschub verzichten und demzufolge die
Grundstücksveräusserung mit der Grundstückgewinnsteuer abrechnen wollen. Damals
sei keine Besteuerung erfolgt, weil der Veräusserungserlös für den halben
Miteigentumsanteil die entsprechenden Anlagekosten nicht überstiegen habe. Für die
Ermittlung des steuerpflichtigen Grundstückgewinns sei daher auf zwei Erwerbe
abzustellen. Für den halben Miteigentumsanteil des Rekurrenten sei auf den Erwerb
vom 4. Mai resp. 22. Juni 2000 und für den zugekauften Anteil auf den 17. Oktober
2005 abzustellen. Die wertvermehrenden Aufwendungen seien vom 4. Mai 2000 bis 17.
Oktober 2005 zur Hälfte, jene vom 17. Oktober 2005 bis zum Verkauf voll anrechenbar.
b) Gemäss Art. 136 Abs. 1 StG gilt als Erwerbspreis der durch die Grundbuchbelege
ausgewiesene Kaufpreis mit allen weiteren Leistungen des Erwerbers oder der
tatsächlich bezahlte niedrigere Preis. Bei Erwerb aus Eigentumswechsel mit
Steueraufschub ist der Erwerbspreis bei der letzten Veräusserung massgebend, die
keinen Steueraufschub bewirkt hat oder bewirkt hätte (Art. 136 Abs. 4 StG). Nach Art.
132 Abs. 1 lit. b StG wird die Besteuerung bei Eigentumswechsel unter Ehegatten zur
Abgeltung güter- und scheidungsrechtlicher Ansprüche sowie ausserordentlicher
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Beiträge gemäss Art. 165 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt:
ZGB) auf Begehren beider Ehegatten aufgeschoben.
c) Mit Urteil vom 18. August 2005 genehmigte das Kreisgericht U. unter anderem die
zwischen dem Rekurrenten und seiner damaligen Ehefrau am 2./17. März 2005
abgeschlossene Scheidungskonvention, nach welcher die hälftigen
Miteigentumsanteile der Ehefrau an den Grundstücken Nr. 000 und 001 auf den
Rekurrenten übergehen sollten. Die Handänderung wurde am 17. Oktober 2005 im
Grundbuch eingetragen. Eine diese Handänderung betreffende Veranlagung zur
Grundstückgewinnsteuer liegt nicht vor. Ebensowenig erging eine
Feststellungsverfügung des Inhalts, der betreffenden Handänderung sei keine
steueraufschiebende Wirkung zugekommen und es sei kein Grundstückgewinn erzielt
worden. Zwar trifft es - worauf die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung hinweist - zu,
dass der dem Anrechnungswert von Fr. 160'000.-- entsprechende Veräusserungserlös
unter dem im Jahr 2000 für die hälftigen Miteigentumsanteile an den Grundstücken
bezahlten Erwerbspreis liegt und damit aus der Handänderung von vornherein kein
steuerbarer Grundstückgewinn anfallen konnte. Dieser Hinweis kann indessen nicht
rechtsgestaltend wirken.
Die Vorinstanz hat das Gesuch um Gewährung des Steueraufschubs am 24. November
2005 einzig der früheren Ehefrau des Rekurrenten zugestellt. Da sie ihren hälftigen
Miteigentumsanteil abgetreten habe, wäre sie für einen allfälligen Grundstückgewinn
steuerpflichtig gewesen. Das Gesuch sei bei der Veranlagungsbehörde nie
eingegangen. Der Vorinstanz lag zusammen mit der vom Grundbuchamt S. am
26. Oktober 2005 ausgefertigten Handänderungsanzeige auch das Urteil des
Kreisgerichts U. vom 18. August 2005 vor. Das Dispositiv war ihr deshalb bekannt. In
dessen Ziff. 2 wird die zwischen den früheren Ehegatten am 2./17. März 2005
abgeschlossene Teilkonvention im Wortlaut wiedergegeben. Gemäss Ziff. 2b beantragt
der Ehemann die Befreiung von der Bezahlung der Handänderungs- und
Grundstückgewinnsteuer infolge Scheidung. Soweit die rechtskräftige gerichtliche
Genehmigung der Konvention damit nicht ohnehin als Gesuch beider Ehegatten um
Gewährung eines Steueraufschubs im Sinn von Art. 132 Abs. 1 lit. b StG
entgegenzunehmen gewesen wäre, wäre es jedenfalls angezeigt gewesen, das
Gesuchsformular am 24. November 2005 zumindest auch dem Rekurrenten und nicht
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lediglich seiner früheren Ehefrau zuzustellen. Dies gilt umso mehr, als das Erfordernis
der Zustimmung beider Ehegatten mit dem zwischen ihnen möglichen
Interessengegensatz zu begründen ist (vgl. Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser
durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 229) und sich der mangelnde
Steueraufschub vorliegend zulasten des Rekurrenten auswirkt. Die Zustellung des
Formulars an die frühere Ehefrau des Rekurrenten ist zudem aktenmässig nicht belegt.
Unter diesen Umständen kann dem Rekurrenten nicht entgegen gehalten werden, der
Handänderung gemäss dem Scheidungsurteil vom 18. August 2005 sei keine
steueraufschiebende Wirkung zugekommen. Dass bei entsprechendem
übereinstimmendem Gesuch der Ehegatten die Handänderung als steueraufschiebend
behandelt worden wäre, wird von der Vorinstanz im Übrigen nicht in Abrede gestellt.
d) Zusammenfassend ergibt sich damit, dass die Handänderung gemäss
Scheidungsurteil vom 18. August 2005 und Grundbucheintrag vom 17. Oktober 2005
steueraufschiebend wirkte. Damit ist der Rekurs gutzuheissen und der angefochtene
Einsprache-Entscheid der Vorinstanz vom 16. April 2008 aufzuheben. Es ist von dem
im Jahr 2000 für die beiden Grundstücke Nrn. 000 und 001, S., bezahlten Erwerbspreis
von zusammen Fr. 365'000.-- auszugehen. Der Veräusserungserlös von Fr. 420'000.--
und die Nebenkosten von Fr. 5'880.-- sind unbestritten. Im Rekurs wird auch die
teilweise Nichtzulassung der wertvermehrenden Aufwendungen nicht beanstandet.
Soweit die Vorinstanz die Aufwendungen als wertvermehrend anerkannt hat, hat sie sie
unter Hinweis auf die fehlende steueraufschiebende Wirkung der Handänderung
gemäss Scheidungsurteil vom 18. August 2005 lediglich zur Hälfte zum Abzug
zugelassen. Da jener Handänderung jedoch die steueraufschiebende Wirkung nicht
abgesprochen werden kann, ist nicht lediglich der halbe Betrag, entsprechend
Fr. 5'335.--, sondern der volle Betrag von Fr. 10'670.-- zum Abzug zuzulassen. Damit
ergibt sich ein steuerbarer Grundstückgewinn von Fr. 38'450.--.
e) Da gemäss Art. 141 Abs. 3 StG bei Erwerb des Grundstückes aus
steueraufschiebender Veräusserung für die Berechnung der Eigentumsdauer und der
Selbstnutzung durch den Veräusserer oder dessen Ehegatte auf die letzte
steuerbegründende Veräusserung, mithin auf den Erwerb der Grundstücke durch den
Rekurrenten und seine damalige Ehefrau im Jahr 2000 und die Veräusserung durch den
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Rekurrenten im Jahr 2007, abgestellt wird, entfällt ein Zuschlag in Anwendung von Art.
141 Abs. 1 StG. Ebensowenig besteht allerdings ein Anspruch auf einen Rabatt
gestützt auf Art. 141 Abs. 2 StG.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist angemessen (vgl.
Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem
Rekurrenten den geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- zurückzuerstatten.