Decision ID: 0c3c3136-6814-4c77-af63-df28a2dc6d20
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ meldete sich am 29. September 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (Eingang IV-Stelle
am 14. Oktober 2008, IV-act. 1). Im Gespräch vom 31. Oktober 2008 mit Dr. med.
B._ vom IV-internen Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) gab der ehemalige Hausarzt
des Versicherten, Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, an, der
Versicherte leide seit Mai 2008 an Hautkrebs, wobei eine gute Prognose zu erwarten
sei. Im Vordergrund stehe die Psyche (vgl. das Gesprächsprotokoll vom 31. Oktober
2008, IV-act. 10).
A.b Im Bericht vom 9. Januar 2009 stellte Dr. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie, des RAD die Diagnosen Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) im Rahmen der Grunderkrankung eines malignen
Melanoms am Rücken (Entfernungsdatum Mai 2008) sowie Alkoholkonsum (ICD-10
Z72.1). Sie führte aus, stabile somatische Befunde vorausgesetzt, sei aus rein
psychiatrischer Sicht spätestens ab Februar 2009 von einer Arbeitsfähigkeit von
mindestens 50% angestammt und adaptiert auszugehen. Bei weiterer Stabilisierung sei
eine Steigerung des Arbeitspensums bis auf 100% empfehlenswert (IV-act. 25).
A.c Nach Durchführung eines Assessmentgesprächs am 2. April 2009 (IV-act. 34) teilte
die IV-Stelle dem Versicherten im Schreiben vom 3. April 2009 mit, aufgrund seines
Gesundheitszustandes seien zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich (IV-act. 35). Im Bericht vom 29. April 2009 diagnostizierte Dr. C._ mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver
Reaktion im Rahmen der Grunderkrankung eines malignen Melanoms. Er führte aus,
der Versicherte sei vom 22. Dezember 2008 bis 15. Februar 2009 zu 100%
arbeitsunfähig gewesen. Ab dem 16. Februar 2009 bestehe eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit. Dem Versicherten sei seine bisherige Tätigkeit als Geschäftsführer der
Z._ AG noch im Umfang von vier Stunden pro Tag bei leicht verminderter
Leistungsfähigkeit zumutbar. Die Höhe der Arbeitsunfähigkeit werde durch den
Arbeitsplatz mit bedingt; in jedem anderen Beruf sei dem Versicherten eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit zu attestieren (IV-act. 37).
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A.d Mit Schreiben vom 11. Juni 2009 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, er habe
Anspruch auf Arbeitsvermittlung (IV-act. 39). Im Schlussbericht der beruflichen
Eingliederung vom 2. Februar 2010 gab die zuständige Eingliederungsverantwortliche
an, anlässlich des Standortgesprächs vom 22. Januar 2010 habe der Versicherte
berichtet, dass er bis Ende 2009 Fortschritte in der gesundheitlichen Befindlichkeit
erzielt habe. Zurzeit arbeite er 20% in der bisherigen Tätigkeit. Er gehe davon aus, dass
er bis Ende 2010 ca. 70-80% arbeiten könne. Im Moment wolle er keine Veränderung
seiner beruflichen Situation vornehmen (IV-act. 48).
A.e Im Bericht vom 18. März 2010 diagnostizierte Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, eine Anpassungsstörung, Angst und depressive
Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22), seit 26. Mai 2008 sowie ein anamnestisch
malignes Melanom (Primärexzision 26. Mai 2008, Nachresektion 25. Juni 2008) und
gab an, der Versicherte sei zurzeit in der bisherigen Tätigkeit zu 20% arbeitsfähig,
wobei ab Mitte 2010 mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 50% gerechnet
werden könne, wenn die Nebenwirkungen der Interferontherapie abgeklungen seien
(IV-act. 56).
A.f Nach telefonischen Rückfragen bei Dr. C._ und med. pract. F._, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie (vgl. IV-act. 60), sowie einer internen Stellungnahme
des RAD (IV-act. 63) teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 17. Juni 2010 mit, dass
eine medizinische Abklärung notwendig sei (IV-act. 64). Am 24. August 2010 wurde der
Versicherte von Dr. med. G._, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und
Psychotherapie, psychiatrisch begutachtet. Im Gutachten gleichen Datums wurden
eine gemischte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8), eine Anpassungsstörung mit
verlängerter depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2) sowie ein mittelschwer bis schwer
ausgeprägtes, chronifiziertes depressives Syndrom (ICD-10 F32.1) diagnostiziert. Dr.
G._ führte aus, in der angestammten Tätigkeit sei der Versicherte zu 55%
arbeitsunfähig, in einer angepassten Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
Seit Erkrankungsbeginn im Jahr 2008 liege ein stabiler Gesundheitsschaden vor. Von
einem solchen könne für die Dauer von weiteren 12 Monaten ausgegangen werden.
Unter Voraussetzung der Fortführung einer hochfrequenten, qualifizierten
Psychotherapie sei danach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer
fähigkeitsrelevanten Besserung des Gesundheitszustandes auszugehen (IV-act. 68).
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Auf Anregung des RAD (IV-act. 74) unterbreitete die IV-Stelle Dr. G._ am 8.
November 2010 Ergänzungsfragen (IV-act. 78), welche dieser am 17. November 2010
beantwortete (IV-act. 81).
A.g Mit Schreiben vom 25. November 2010 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien, da er sich ent
schieden habe, an der aktuellen beruflichen Situation nichts zu ändern (IV-act. 82).
A.h Im ärztlichen Bericht vom 22. September 2011 diagnostizierte Dr. E._ ein schwer
chronifiziertes depressives Syndrom (ICD-10 F32.1), eine gemischte Persön
lichkeitsstörung mit starken narzisstischen Komponenten (ICD-10 F60.8) sowie eine
Anpassungsstörung mit vorwiegend depressiver Reaktion (ICD-10 43.2) und gab an,
die Arbeitsfähigkeit des Versicherten im angestammten Beruf betrage höchstens 30%
seit dem 22. Juni 2009 (IV-act. 104).
A.i Am 26. Oktober 2011 wurde der Versicherte von RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt
FMH für Psychiatrie- und Psychotherapie, monodisziplinär begutachtet. Im Bericht vom
17. November 2011 stellte der RAD-Arzt folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit: Leichte bis allenfalls mittelgradig depressive Episode (ICD-10 F32.0/1),
narzisstische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8) sowie Migräne (ICD-10 G43). Ohne
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden Spannungskopfschmerzen sowie
schädlicher Gebrauch von Alkohol diagnostiziert. Dr. H._ führte aus, die
angestammte Tätigkeit als Geschäftsführer sollte vom Versicherten nicht mehr
ausgeführt werden. Es könne von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen
werden. In einer adaptierten Tätigkeit als Angestellter mit eingegrenztem
Verantwortungsbereich und klarer Betriebsstruktur sei eine Arbeitsfähigkeit von
mindestens 70%, nach guter Einarbeitung steigerbar, mit voller Leistung im zeitlichen
Pensum gegeben (IV-act. 106).
A.j Mit Vorbescheid vom 29. November 2011 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, einen Rentenanspruch gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 30% zu ver
neinen (IV-act. 110). Dagegen liess der Versicherte am 16. Januar 2012 Einwand er
heben und beantragen, es sei ihm aufgrund der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr.
G._ eine halbe Rente bzw. allenfalls eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Eventualiter
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sei die Beurteilung des RAD nochmals dem Gutachter vorzulegen, damit dieser zur
abweichenden RAD-Beurteilung Stellung nehmen könne (IV-act. 114).
A.k Am 1. Februar 2012 nahm RAD-Arzt Dr. H._ zum Einwand vom 16. Januar 2012
dahingehend Stellung, dass er ausführte, es würden keine neuen medizinischen
Tatsachen geltend gemacht. Zudem sei bereits zuvor Rücksprache mit dem Gutachter
genommen worden und das Ergebnis dieser Rücksprache in die RAD-Beurteilung
eingeflossen. Es sei an der festgestellten 70%igen Arbeitsfähigkeit festzuhalten (IV-
act. 115). Gestützt darauf wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung
gleichen Datums ab (IV-act. 116).
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte durch Rechtsanwältin lic. iur.
Christine Kessi, Procap Schweiz, Olten, am 5. März 2012 Beschwerde erheben mit den
Anträgen, die Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm ab 1. Mai 2009 mindestens
eine halbe IV-Rente zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten
der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, der RAD
nehme mit seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit lediglich eine andere Würdigung
desselben Sachverhaltes zugunsten der Beschwerdegegnerin vor und die
Parteibehauptungen des RAD würden nicht objektiviert. Es sei deshalb auf die
objektive Arbeitsfähigkeitsschätzung des externen Gutachters abzustellen (act. G 1).
Mit Eingabe vom 27. März 2012 reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
zudem einen Bericht von Dr. E._ vom 19. März 2012 ein (act. G 3).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 1. Juni 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie an, der RAD habe
überzeugend aufgezeigt, dass das psychiatrische Gutachten von Dr. G._ hinsichtlich
Befunderhebung und Diagnosestellung Widersprüche enthalte, die auch durch
Rückfragen nicht behoben worden seien. Aufgrund der aufgezeigten Mängel sei die
Beweiskraft des Gutachtens beeinträchtigt. Der RAD-Untersuchungsbericht sei
hingegen nachvollziehbar und schlüssig. Jedoch liege beim Beschwerdeführer keine
hinreichend ausgeprägte Psychopathologie vor, um einen invalidisierenden
psychischen Gesundheitsschaden im Sinne der Rechtsprechung bejahen zu können. In
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rechtlicher Hinsicht sei daher von einer zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer seiner Persönlichkeitsstruktur
angepassten Tätigkeit auszugehen. In Konkretisierung der Schadenminderungspflicht
müsse dem Beschwerdeführer die Aufgabe der unrentablen Tätigkeit als
Geschäftsführer und der Wechsel in eine angepasste Tätigkeit zugemutet werden (act.
G 5).
B.c Mit Replik vom 17. September 2012 liess der Beschwerdeführer die Zusprache
einer mindestens halben IV-Rente ab 1. Mai 2009 und eventualiter die Rückweisung
der Angelegenheit an die Vorinstanz zu ergänzenden medizinischen Abklärungen be
antragen (act. G 11). In der beiliegenden Stellungnahme vom 5. September 2012
empfahl Dr. E._ eine Neubegutachtung des Beschwerdeführers und führte aus, die
Anamnese, der Verlauf und der aktuelle Befund sprächen für das Vorliegen einer aus
geprägten gemischten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8), überlagert durch eine
resignativ-depressive Grundstimmung als Folge eigener erlebter Hilfslosigkeit (act.
G 11.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 13).

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Abweisung des Rentenbegehrens des Be
schwerdeführers zu Recht erfolgte.
1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsun
fähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
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70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.
2.1 Vorab ist zu klären, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche Be
urteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt. Im Vordergrund stehen
dabei psychische Beschwerden. Somatische Beeinträchtigungen, insbesondere im
Zusammenhang mit dem im Jahr 2008 operativ entfernten malignen Melanom (vgl. IV-
act. 56, 61, 62), bestehen gemäss den vorliegenden Akten nicht mehr und werden auch
nicht geltend gemacht.
2.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes respektive der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Auch den Berichten und Gutachten
versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen kommt Beweiswert zu, sofern sie
als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei
sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Der Umstand allein, dass
der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt
nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Allerdings ist
mit Blick auf die erhebliche Bedeutung, die den medizinischen Berichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, an die Unparteilichkeit der Fachpersonen ein
strenger Massstab anzulegen und ergänzende Abklärungen entsprechend bereits dann
vorzunehmen, wenn geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen bestehen (BGE 125 V 354 E. 3b/cc;
BGE 135 V 470 E. 4.4).
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2.3 In medizinischer Hinsicht stützt sich die Beschwerdegegnerin bei der Ablehnung
des Rentenanspruchs auf den RAD-Untersuchungsbericht vom 17. November 2011
(IV-act. 106) und macht geltend, das psychiatrische Gutachten von Dr. G._ vom 24.
August 2010 (IV-act. 68) sei nicht überzeugend (act. G 5). Der Beschwerdeführer bringt
seinerseits vor, es sei auf das psychiatrische Gutachten abzustellen; der RAD-Bericht
enthalte nicht objektivierte Parteibehauptungen (act. G 1).
2.4 Dr. G._ führte im Gutachten vom 24. August 2010 aus, beim Beschwerdeführer
bestünden eine gemischte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8), eine Anpassungss
törung mit verlängerter depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2) sowie ein mittelschwer bis
schwer ausgeprägtes, chronifiziertes depressives Syndrom (ICD-10 F32.1). Die
Diagnose einer gemischten Persönlichkeitsstörung beruhe auf der ausführlichen
psychiatrischen und biografischen Anamnese, der klinischen psychiatrischen
Untersuchung und den Daten aus dem standardisierten Fragebogen zur
Persönlichkeitsstruktur. Vom Schädigungsbild her zeige der Beschwerdeführer eine
Beeinträchtigung der Stimmung, des Antriebs, des inhaltlichen Denkens, der
Selbstwahrnehmung, der Neurokognition und der affektiven Resonanz. Auf
Fähigkeitsebene seien in erster Linie Antrieb, Ausdauer, die Fähigkeit zum Durchhalten,
die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben sowie die Fähigkeit zur
Flexibilität und Umstellung gestört. Eine Verdeutlichung bzw. Hervorhebung von
Symptomen könnte gestützt werden durch Hinweise auf teilweise erhaltene
Alltagskompetenzen (äussere Erscheinung, partielle Reintegration in den Beruf). Eher
für die Annahme eines genuinen und bewusstseinsfernen erlebten Versagenszustands
sprächen die Angaben in der allgemeinen Sozialanamnese im Sinne eines
weitgehenden sozialen Rückzugs in den meisten Lebensbelangen sowie die
Verhaltensbeobachtungen in der psychiatrischen Untersuchung. Nach Abwägung
dieser Argumente sowie medizintheoretisch durchgeführtem Abzug zumutbarer
Willensanspannung im Rahmen des Krankheitsbildes bleibe die Auswirkung der
psychischen Fähigkeitsstörungen im Alltag immer noch erheblich. Aufgeschlüsselt
nach Teilleistungsbereichen als Geschäftsführer ergebe sich im Bereich der
Aussenkontakte eine Einschränkung von 30%, im Bereich der Planung und Strategie
von 15% und im Bereich der Administration und Verwaltung von 5%. Damit bestehe in
der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von total 55%. In einer
angepassten Tätigkeit (einfache Fragestellungen am Schreibtisch, kein Leistungsdruck,
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keine Mehrfachbelastung, keine Teameinbindung, keine vermehrten Kundenkontakte,
keine Planungsaufgaben) bestehe eine berufliche Leistungsfähigkeit von 50% eines
vollzeitigen Tagespensums. Grund für die unterschiedliche Einschätzung der
Leistungsfähigkeit im Vergleich zur Beurteilung der behandelnden Psychotherapeuten
sei der besondere gutachterliche Rahmen der sozialmedizinischen Überlegungen, vor
allem der Einbezug medizintheoretisch erschlossener Restressourcen. Im Rahmen der
von der IV-Stelle auf Anregung des RAD (IV-act. 74, 78) gestellten Ergänzungsfragen
gab Dr. G._ am 17. November 2010 (IV-act. 81) an, die Kriterien für eine schwere
depressive Episode seien gegeben. Hinsichtlich der Frage der Konsistenzprüfung
verwies er auf die Ausführungen im Gutachten, wonach die Auswirkung der
psychischen Störungen nach Abwägung der zur Verfügung stehenden Informationen
immer noch erheblich sei.
2.5 Der RAD diagnostizierte seinerseits im Untersuchungsbericht vom 17. November
2011 (IV-act. 106) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte bis allenfalls
mittelgradig depressive Episode (ICD-10 F32.0/1), eine narzisstische Persönlichkeits
störung (ICD-10 F60.8) sowie Migräne (ICD-10 G43). Das Gutachten von Dr. G._
sei trotz Rückfragen nicht überzeugend, da nicht gleichzeitig eine mittelschwere bis
schwere chronifizierte Depression und eine Anpassungsstörung mit verlängerter de
pressiver Reaktion diagnostiziert werden könne. Ausserdem lasse sich die erhobene
leichtgradige neurokognitive Beeinträchtigung nicht mit der Diagnose der mittelschwer
bis schweren depressiven Episode vereinbaren. Schliesslich gebe es keine Konsistenz
zwischen den subjektiven Angaben und den objektivierten Befunden (vgl. auch IV-
act. 102). Beim Beschwerdeführer stehe ein gestörtes, narzisstisches
Selbstwerterleben im Vordergrund. Dies habe bei der zugrundeliegenden Vulnerabilität
und dem narzisstisch und nicht depressiv bedingten sozialen Rückzugsverhalten
insofern Auswirkungen, als der Beschwerdeführer in seiner Belastbarkeit und
Flexibilität sowie in gewissen exekutiven Funktionen eingeschränkt sei. Die
Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers (Leistungsfähigkeit von 25%, vgl. IV-act.
101-6) lasse sich mit den objektiven Befunden nicht vereinbaren. Hinsichtlich der
Tätigkeit als Geschäftsführer, wie sie der Beschwerdeführer zuletzt ausgeübt habe,
bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer adaptierten Tätigkeit (Angestellter
mit eingegrenztem Verantwortungsbereich und klarer Betriebsstruktur, auch in
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gehobenen und der Ausbildung entsprechenden Positionen) sei eine Arbeitsfähigkeit
von mindestens 70% mit voller Leistung im zeitlichen Pensum gegeben.
2.6 Wie vom RAD dargelegt, enthält das psychiatrische Gutachten von Dr. G._
hinsichtlich der Diagnosestellung und der erhobenen Befunde trotz gezielter
Rückfragen Unklarheiten, welche Zweifel an der Schlüssigkeit der gutachterlichen
Ausführungen zu begründen vermögen. So äussert sich Dr. G._ zur Frage, ob sich
die vom Beschwerdeführer geschilderten Beschwerden im Sinne einer Objektivierung
mit der Diagnose eines mittelschwer bis schweren depressiven Syndroms vereinbaren
liessen, lediglich insofern, als er nach sorgfältiger Abwägung zum Schluss gekommen
sei, dass sich die psychischen Beeinträchtigungen erheblich auf den Alltag des
Beschwerdeführers auswirkten. Dadurch wird zwar verdeutlicht, dass sich der
Gutachter mit der Thematik einer möglichen Symptomverdeutlichung
auseinandergesetzt hat; eine konkrete Beantwortung der Frage der Konsistenzprüfung
geht damit allerdings nicht einher. In diesem Zusammenhang ist das Vorbringen des
RAD, Dr. G._ habe bei der Diagnosestellung hauptsächlich auf die Anamnese bzw.
auf die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers abgestellt, nicht von der Hand zu
weisen. Darüber hinaus werden auch aus dem Gutachten hervorgehende
Diskrepanzen, wie z.B. zwischen der neurokognitiven Testung, welche eine
leichtgradige Beeinträchtigung ergab, und der Schwere der gestellten Diagnosen nicht
nachvollziehbar begründet. Im Weiteren wiederholt Dr. G._ im Rahmen der
Ergänzungsfragen grösstenteils seine gutachterlichen Ausführungen, wobei er die nach
ICD-10 vorausgesetzten Kriterien als gegeben erachtet, ohne dass aus den
Ausführungen hervorgeht, welche der Kriterien bejaht werden. Schliesslich escheint
auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht hinreichend nachvollziehbar. Vor dem
Hintergrund, dass der Beschwerdeführer in einer vom Gutachter umschriebenen
angepassten Tätigkeit nicht bzw. bloss am Rande mit Tätigkeiten konfrontiert würde, in
denen laut gutachterlichen Ausführungen Einschränkungen bestehen, erscheint eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% gegenüber der attestierten 55%igen Arbeitsunfähigkeit in
der angestammten Geschäftsführertätigkeit nicht plausibel. Dem Tätigkeitsbereich
"Administration und Verwaltung" der angestammten Arbeit als Geschäftsführer misst
Dr. G._ eine Einschränkung von lediglich 25% zu; höhere Einschränkungen sah er in
den anspruchsvolleren Bereichen "Planung und Strategie" sowie bei Aussenkontakten.
Weshalb dann in einer optimal angepassten Tätigkeit, wie Dr. G._ sie umschreibt –
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u.a. ohne Planungsaufgaben und ohne vermehrte Kundenkontakte –, die
Einschränkung 25% übersteigen soll, erklärt Dr. G._ nicht. Seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung weicht zudem von der Einschätzung des ehemaligen
Hausarztes des Beschwerdeführers, Dr. C._, ab, der im Bericht vom 29. April 2009
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
in jeder anderen Tätigkeit attestiert hat (IV-act. 37; vgl. hierzu auch die Telefonnotiz
vom 4. Juni 2010, IV-act. 60). RAD-Ärztin Dr. D._ ging ihrerseits im Bericht vom 9.
Januar 2009 unter der Voraussetzung von stabilen somatischen Befunden von einer
50%igen Arbeitsfähigkeit angestammt und adaptiert ab Februar 2009 aus, wobei sie
bei weiterer Stabilisierung eine Steigerung des Arbeitspensums auf 100% als
empfehlenswert erachtete (IV-act. 25). Vor diesem Hintergrund bestehen begründete
Zweifel an der Beweiskraft des Gutachtens von Dr. G._, sodass darauf nicht
abgestellt werden kann.
2.7 Was den RAD-Untersuchungsbericht vom 17. November 2011 betrifft, so ist
festzuhalten, dass, obwohl Dr. H._ vermerkt, Anlass der Untersuchung sei eine
Verlaufsbegutachtung seit dem bereits über ein Jahr zurückliegenden Gutachten, dem
Bericht keinerlei Äusserungen zum Gesundheitsverlauf zu entnehmen sind. Dies lässt
den Untersuchungsbericht insbesondere mit Blick darauf, dass Dr. G._ im Gutachten
vom 24. August 2010 festgehalten hatte, nach einem Jahr könne unter Voraussetzung
einer entsprechenden Psychotherapie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer
fähigkeitsrelevanten Besserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
ausgegangen werden, unvollständig erscheinen. Darüber hinaus setzt sich Dr. H._
zwar teilweise mit den Widersprüchen des Gutachtens auseinander (vgl. Erwägung 2.6)
und legt dar, weshalb beim Beschwerdeführer lediglich von einer leichten bis allenfalls
mittelgradigen depressiven Episode auszugehen sei. Inwieweit und gegebenenfalls
gestützt worauf diese Beurteilung allerdings auch rückwirkend Geltung beansprucht,
erläutert Dr. H._ nicht. Zudem ist dem Untersuchungsbericht keine
Auseinandersetzung mit den abweichenden gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen zu entnehmen, was insbesondere vor dem Hintergrund,
dass die Einschätzung Dr. G._ bereits in der RAD-internen Stellungnahme vom 19.
Oktober 2010 (IV-act. 74) als nicht nachvollziehbar erachtet, jedoch im Rahmen der
Ergänzungsfragen nicht weiter thematisiert wurde, zu bemängeln ist. Diesbezüglich ist
überdies anzumerken, dass mitunter nicht unproblematisch ist, wenn derselbe RAD-
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Arzt, welcher zuvor ein von der IV-Stelle auf Anregung des RAD in Auftrag gegebenes
externes medizinisches Gutachten intern beurteilt und kritisiert hat, die
beschwerdeführende Person nachträglich selbst ärztlich untersucht und ihre
Arbeitsfähigkeit schätzt. Schliesslich ist hinsichtlich des RAD-Untersuchungsberichts
zu bemängeln, dass die Ausführungen Dr. H._ im Zusammenhang mit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung zu unbestimmt sind und nicht näher uschrieben wird, was
unter einer adaptierten Tätigkeit mit eingegrenztem Verantwortungsbereich in
gehobenen Positionen zu verstehen ist. Dabei fehlt es insbesondere aufgrund der
Tatsache, dass die genaue Festsetzung der adaptierten Tätigkeit mit Blick auf die
Bestimmung des Invaliditätsgrads unerlässlich ist, an einer näheren Umschreibung der
Ausgestaltung solcher "gehobenen Positionen". Immerhin hatte Dr. H._ die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers als Geschäftsführer (anders als Dr. G._) als
vollständig aufgehoben bezeichnet. Er nimmt jedoch nicht zu den im Gutachten
aufgeführten Einschränkungen in einer adaptierten Tätigkeit (kein Leistungsdruck, keine
Mehrfachbelastung, keine Teameinbindung, keine vermehrten Kundenkontakte, keine
Planungsaufgaben) Stellung, obschon sich bei einer Annahme solch gravierender
Einschränkungen die Frage stellt, ob dem Beschwerdeführer eine gehobene Tätigkeit
überhaupt möglich wäre.
2.8 Aufgrund der vorstehend aufgeführten Mängel bildet somit auch der Unter
suchungsbericht von Dr. H._ vom 17. November 2011 keine aussagekräftige medi
zinische Grundlage für die Beurteilung des Leistungsanspruchs des
Beschwerdeführers. Wie vom Rechtsvertreter in der Replik vom 17. September 2009
eventualiter beantragt (act. G 11, S. 2), ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zu
ergänzenden Abklärungen zurückzuweisen. Diese wird sich neben dem medizinischen
Verlauf seit Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im Mai 2008 auch mit der Ausgestaltung der
adaptierten Tätigkeit auseinanderzusetzen haben, wobei diesbezüglich die
Zusammenarbeit mit einer mit der beruflichen Eingliederung befassten Person sinnvoll
erscheint. Bei diesem Ausgang kann die Frage nach der korrekten Ermittlung der
Vergleichseinkommen vorerst offen gelassen werden.
3.
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3.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
1. Februar 2012 aufzuheben. Die Sache ist zu ergänzenden Abklärungen und zu neuer
Verfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versiche
rungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Nach Art. 95 Abs. 1
VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden. Die Rückweisung einer Sache an die Verwaltung zu
weiterer Abklärung und neuer Verfügung gilt praxisgemäss als volles Obsiegen der
beschwerdeführenden Partei (BGE 132 V 235 E. 6.1 mit zahlreichen Hinweisen).
Angesichts des in diesem Sinne vollen Unterliegens der Beschwerdegegnerin
rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten gesamthaft aufzuerlegen. Der
Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
3.3 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Bedeutung
und Komplexität der vorliegenden Streitsache angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer).