Decision ID: 006e7d1a-f542-558c-b26c-7f365018b775
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
1. A._,
2. B._,
Rekurrentinnen,
beide vertreten durch Rechtsanwältin Hannelore Fuchs, Kirchstrasse 27,
9400 Rorschach,
gegen
Soziale Dienste St. Gallen, Brühlgasse 1, 9004 St. Gallen,
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Vorinstanz,
betreffend
Bevorschussung von Unterhaltsbeiträgen
Sachverhalt:
A.
A.a Die Sozialen Dienste St. Gallen richteten der Mutter von A._ ab 1. April 2009
gestützt auf die Scheidungskonvention vom 21. April 2003 (Scheidungsurteil vom 25.
April 2003) Vorschüsse für elterliche Unterhaltsbeiträge aus. Mit (Revisions-)Verfügung
vom 16. Juli 2014 stellte sie die Bevorschussung per 31. Juli 2014 ein mit der
Begründung, die Unterhaltspflicht des Vaters dauere bis zur Volljährigkeit von A,
längstens bis zum Abschluss einer Erstausbildung. Nachdem A._ im Juli 2014
volljährig geworden sei, werde demzufolge die Bevorschussung eingestellt (act. G 1.1).
A.b Gegen diese Verfügung richtet sich der vorliegende Rekurs vom 30. Juli 2014 mit
dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Fortführung der
Bevorschussung. Die Scheidungskonvention der Eltern halte fest, dass die
Unterhaltsbeiträge "bis zur Mündigkeit, längstens bis zum Abschluss der
Erstausbildung" geschuldet seien. Die Auslegung der Vorinstanz, wonach es sich bei
dieser Regelung nicht um eine Verlängerungs- sondern um eine Verkürzungsklausel
handle, widerspreche Treu und Glauben. Angesichts des Schulsystems und der
modernen Bildungsansprüche sei auszuschliessen, dass jemand eine Ausbildung noch
vor Erreichen der Volljährigkeit abschliessen könne. Die Interpretation der Vorinstanz
sei somit willkürlich (act. G 1).
A.c Mit Vernehmlassung vom 11. September 2014 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Die zur Diskussion stehende Unterhaltsklausel sei auch
schon vor der Senkung des Mündigkeitsalters von 20 auf 18 Jahre verwendet worden.
Damals sei mit dieser Klausel die Unterhaltspflicht nur bis zur Mündigkeit begründet
worden, sofern die Erstausbildung nicht schon vor der Mündigkeit abgeschlossen
worden sei. Wenn nun dieselbe Klausel die Unterhaltspflicht unter neuem Recht über
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die Mündigkeit hinaus regeln würde, wäre dies unverständlich und stossend. Es wäre
nicht nachvollziehbar, weshalb derselbe Satzteil (...längstens bis zum...), der vor der
Senkung des Mündigkeitsalters die Unterhaltspflicht verkürzt habe, diese danach
verlängern sollte. Nachdem die Eltern die Unterhaltspflicht nicht über die Mündigkeit
der Kinder hinaus geregelt hätten, sei die Alimentenbevorschussung zu Recht bei
Erreichen der Volljährigkeit der Rekurrentin 1 eingestellt worden (act. G 3).
A.d Mit Replik vom 18. Oktober 2014 macht die Rechtsvertreterin der Rekurrentinnen
geltend, es könne nicht allein auf das Wort "längstens" abgestellt und alle übrigen
Umstände ausser Acht gelassen werden. Vielmehr müsse die Scheidungskonvention
ausgelegt werden. Dabei falle in Betracht, dass der Vater der Kinder nach der
Ausbildung zum technischen Kaufmann verschiedene Zusatzausbildungen im
Managementbereich absolviert habe. Die Mutter entstamme einer Akademikerfamilie
und habe selber nach der Matura verschiedene Zusatzausbildungen gemacht und den
Titel einer eidgenössisch diplomierten Betriebswirtschafterin HS erworben. Die
Ausbildung beider Eltern lasse einen starken Bildungswillen und beruflichen Ehrgeiz
erkennen. Es sei deshalb anzunehmen, dass sie bereit seien, sich für die berufliche
Ausbildung der Kinder langfristig zu verpflichten. Die Kinder hätten denn auch
tatsächlich die Hochschullaufbahn eingeschlagen bzw. fest geplant. So studiere die
ältere Schwester Architektur an der ETH Zürich und die Rekurrentin 1 werde 2015 die
Wirtschaftsmittelschule beenden und danach an der FHS St. Gallen das Studium
"Soziale Arbeit" aufnehmen. Es sei auszuschliessen, dass die Eltern den Töchtern eine
berufliche "Schnellbleiche" hätten zumuten wollen. Dass zusätzlich zur umstrittenen
Klausel noch auf Art. 277 Abs. 2 ZGB verwiesen werde, sei auch bei einer
Vereinbarung, die über die Mündigkeit hinaus Gültigkeit habe, sinnvoll (act. G 5).
A.e Mit Duplik vom 1. Dezember 2014 führt die Vorinstanz aus, der Wortlaut der
Konvention sei keineswegs unklar. Es bestehe kein Zweifel daran, dass der Satzteil, der
das Wort "längstens" enthalte, stets für eine Verkürzung stehe. Die Sozialen Dienste
bezweifelten nicht, dass die Eltern ihren Kindern eine ihren Fähigkeiten und Neigungen
entsprechende Ausbildung zukommen lassen wollten und wollen. Die vorliegend nötige
neue Festlegung der Unterhaltspflicht ab der Mündigkeit stehe diesem Wunsch nicht
entgegen. Es treffe schliesslich nicht zu, dass unser Schulsystem keine Möglichkeiten
biete, noch vor der Volljährigkeit einen Ausbildungsabschluss zu erreichen (act. G 9).
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Erwägungen:
1.
Die Rechtsvertreterin richtete ihren Rekurs zunächst an den Stadtrat C._. Obwohl
Art. 40 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 1 Abs. 1 des städtischen Reglements einen Sprungrekurs
an das Versicherungsgericht zulasse, liege es bei den Streitparteien zu entscheiden, ob
sie diese Abkürzung wählen oder den regulären Instanzenzug gemäss Art. 40 Abs. 1
VRP einhalten wollten. Den Rekurrentinnen liege daran, den Rechtsstandpunkt des
Stadtrates zu erfahren (act. G 1). Der Rechtskonsulent der Stadt C._ überwies die
Eingabe zuständigkeitshalber mit Schreiben vom 20. August 2014 an das
Versicherungsgericht (act. G 0).
2.
2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 GIVU hat das Kind für die Dauer der Unterhaltspflicht der
Eltern, längstens bis zum vollendeten 25. Altersjahr, Anspruch auf Vorschüsse für
elterliche Unterhaltsbeiträge, wenn diese in einem vollstreckbaren Urteil oder in einem
Unterhaltsvertrag nach Art. 287 ZGB festgesetzt sind und trotz angemessener
Inkassoversuche nicht rechtzeitig eingehen.
2.2 Die Dauer des zivilrechtlichen Unterhaltsanspruch des Kindes wird in Art. 277 ZGB
geregelt. Nach dessen Abs. 2 haben die Eltern auch nach Erreichen der Volljährigkeit
des Kindes, soweit ihnen dies nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf,
für dessen Unterhalt aufzukommen, bis eine angemessene Ausbildung
ordentlicherweise abgeschlossen werden kann. Bei der Wahl der Ausbildung ist sowohl
den Fähigkeiten des Kindes als auch den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
(elterliche Leistungsfähigkeit, allfällige Stipendienleistungen) Rechnung zu tragen (Peter
Breitschmid, Basler Kommentar, ZGB I, 5. Aufl., Rz 9 zu Art. 277). Dieser
Volljährigenunterhalt kann heute bzw. seit der Neuregelung anlässlich der
Herabsetzung des Mündigkeitsalters auf 18 Jahre nicht mehr ohne Weiteres als blosse
Ausnahme gelten (vgl. BGE 129 III 375 ff.). Eine Ehescheidung kann zwar für die Art
und den Umfang der Unterhaltspflicht von Bedeutung sein, nicht dagegen für die
Unterhaltspflicht als solche (H. Hausheer/ A. Spycher [Hrsg.], Handbuch des
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Unterhaltsrechts, 2. Aufl., S. 388 Ziff. 6.44). Die Unterhaltspflicht der Eltern dauert somit
auch nach der Scheidung fort. Sodann handelt es sich bei der Regelung des Art. 277
Abs. 2 ZGB nicht um dispositives, sondern um zwingendes Recht.
3.
3.1 Vorliegend macht die Vorinstanz geltend, für die Unterhaltspflicht über das
Mündigkeitsalter der Rekurrentin 1 hinaus bestehe kein Rechtstitel. So laute die
massgebliche Unterhaltsklausel gemäss Entscheid des Bezirksgerichts St. Gallen vom
25. April 2003: "...anschliessend [ab dem 13. Altersjahr] Fr. 900.-- bis zur Mündigkeit,
längstens bis zum Abschluss einer Erstausbildung, zuzüglich allfällige Kinderzulagen."
Darüber hinaus werde Art. 277 Abs. 2 ZGB ausdrücklich vorbehalten. Diese
Unterhaltsklausel sei auch schon vor der Senkung des Mündigkeitsalters von 20 auf 18
Jahre per 1. Januar 1996 verwendet worden. Damals sei mit dieser Formulierung die
Unterhaltspflicht nur bis zur Mündigkeit begründet worden, sofern nicht die
Erstausbildung schon vor der Mündigkeit abgeschlossen worden sei. Dazu beruft sich
die Vorinstanz auf BVR 2001, S. 531 f. Nach diesem altrechtlichen Entscheid habe der
Scheidungsrichter bei der Regelung des Unterhalts die Schranken der Mündigkeit zu
beachten gehabt und sei nur ausnahmsweise befugt gewesen, Unterhaltsbeiträge über
die Mündigkeit des Kindes hinaus festzusetzen. Die Voraussetzungen für eine solche
Ausnahme seien im Wesentlichen dann erfüllt gewesen, wenn das
unterhaltsberechtigte Kind im Zeitpunkt des Scheidungsurteils kurz vor der Mündigkeit
gestanden habe oder schon während des Scheidungsverfahrens mündig geworden sei,
bereits in Ausbildung gestanden habe und deren Dauer, die klarerweise über das
Scheidungsverfahren hinausging, bestimmbar gewesen sei. Es sei nun stossend, wenn
dieselbe Unterhaltsklausel, die unter altem Recht den Unterhalt bis zur Mündigkeit
begrenzt habe, unter neuem Recht die Unterhaltspflicht über die Mündigkeit hinaus
regeln würde. Es wäre nicht nachvollziehbar, weshalb derselbe Satzteil (..."längstens
bis zum..."), der vor der Senkung des Mündigkeitsalters die Unterhaltspflicht verkürzt
habe, diese nunmehr verlängern sollte.
3.2 Diese Argumentation scheitert bereits daran, dass im erwähnten Entscheid gar
keine solche Formulierung verwendet wurde. Vielmehr hatte das Scheidungsgericht in
jenem Fall gerade keine Anordnung über die Dauer der Unterhaltspflicht getroffen.
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Entgegen der Ansicht der Vorinstanz führte das Berner Verwaltungsgericht zudem aus,
dass der Vorbehalt von Art. 277 Abs. 2 ZGB "in der Regel" als Verpflichtung zur
fortgesetzten Unterhaltszahlung zu verstehen sei, schränkte dann allerdings gleich
wieder ein, dass dies "zumindest dann" (oder nur dann?) gelte, wenn im
Urteilszeitpunkt absehbar sei, dass die Ausbildung über das Mündigkeitsalter hinaus
fortdauern würde, was jedoch - angesichts des Alters des Kindes von knapp sieben
Jahren - nicht der Fall sei. Wie es sich mit dieser altrechtlichen Regelung verhält, ist
vorliegend jedoch nicht von Belang. Wie auch die Vorinstanz anerkennt, kann nach der
seit der Senkung des Mündigkeitsalters auf 18 Jahre bestehenden Regelung des Art.
133 Abs. 1 Satz 2 ZGB (vormals Art. 156 Abs. 2 aZGB; seit 1. Juli 2014: Art. 133 Abs. 3
ZGB) der Unterhalt auch auf einen Zeitraum nach Erlangung der Mündigkeit festgelegt
werden. Zwar steht die Literatur dieser Bestimmung teilweise kritisch gegenüber (vgl.
etwa Peter Breitschmid, Basler Kommentar, ZGB I, 5. Aufl., Rz 22 zu Art. 133; Cyrill
Hegnauer, Berner Kommentar, Band II, Rz 42 ff. zu Art. 279/280 in Bezug auf die
Klagemöglichkeit bzw. Rechtsöffnung). Das Bundesgericht hat jedoch in neueren
Entscheiden festgestellt, dass auch bei - im Scheidungszeitpunkt - kleineren Kindern
gestützt auf die genannte Bestimmung eine Regelung des zukünftigen (nur möglichen)
Mündigenunterhalts getroffen werden könne und solle. Eine andere Interpretation
würde Art. 133 Abs. 1 Satz 2 ZGB jede Anwendung ausserhalb der liquiden Fälle
versagen (priverait de toute application). Begründet wird dies im Wesentlichen damit,
dass nicht - wie im alten Recht - das "Kind" den Mündigenunterhalt verlangen und
gegebenenfalls einklagen, sondern dass der verpflichtete Elternteil gegebenenfalls die
Unzumutbarkeit belegen solle (Entscheid des Bundesgerichts vom 1. Juni 2011
[5A_18/2011] E. 5.1.2; BGE 139 III 401 E. 3.2.2). Gerade weil dem verpflichteten
Elternteil nach wie vor die Berufung auf die Unzumutbarkeit gemäss Art. 277 Abs. 2
ZGB offen steht, ist der entsprechende Vorbehalt in der Scheidungskonvention nicht
überflüssig und kein Indiz dafür, dass die fragliche Unterhaltsregelung nur als
Verkürzung des Anspruchs verstanden werden kann.
3.3 Die Vorinstanz vermag sodann auch aus der Berufung auf den Entscheid des
Bundesgerichts 5A_390/2012 vom 21. Januar 2013 nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.
Sie macht geltend, in jenem Fall sei eine der vorliegenden Unterhaltsregelung
vergleichbare Formulierung der Dauer der Unterhaltspflicht gewählt worden. Zwar hat
das Bundesgericht tatsächlich die Formulierung der dortigen ersten Instanz ("bis zur
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Mündigkeit der Kinder, längstens jedoch bis zum Eintritt eines jeden Kindes in die volle
Erwerbstätigkeit") dahingehend interpretiert, dass die Unterhaltspflicht erlösche, wenn
ein Kind bereits vor Erreichen der Mündigkeit voll erwerbstätig sei. Gleichzeitig hat es
ausgeführt, dass diese Formulierung der vorinstanzlichen entspreche ("Dieser
Unterhaltsbeitrag wird bis zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit eines jeden Kindes,
längstens jedoch bis zu dessen Mündigkeit, geschuldet"). Abgesehen davon, dass es
nicht sinnvoll erscheint, anhand von Unterhaltsregelungen in anderen Fällen bzw.
anderen Verhältnissen - gewissermassen mathematisch - auf die vorliegenden
Verhältnisse zu schliessen, erscheinen die bundesgerichtlichen Ausführungen im
zitierten Entscheid wenig überzeugend. So deklarierte das Bundesgericht ohne
Begründung, die im Wortlaut klare vorinstanzliche Regelung entspreche der weniger
klaren, interpretationsbedürftigen Regelung der ersten Instanz. Eine
Auseinandersetzung mit dem Wortlaut der hier interessierenden erstinstanzlichen
Formulierung hat ebenfalls nicht stattgefunden. Im Übrigen besteht tatsächlich ein
Unterschied darin, ob das "Kind" lediglich die Ausbildung beendet hat oder aber
bereits erwerbstätig ist. Als Zwischenergebnis ist somit festzuhalten, dass die von der
Vorinstanz vorgebrachten Einwände einer Interpretation der Scheidungskonvention,
wie sie durch die Rekurrentinnen vorgenommen wird, nicht entgegen stehen. Zu klären
bleibt noch, ob die fragliche Unterhaltsregelung tatsächlich im Sinn der Rekurrentinnen
zu verstehen ist.
3.4 Mit den Rekurrentinnen ist zunächst festzustellen, dass die fragliche Formulierung
des Unterhaltsanspruchs (".....anschliessend Fr. 900.-- bis zur Mündigkeit, längstens
bis zum Abschluss einer Erstausbildung, zuzüglich allfällige Kinderzulagen.") durchaus
dahingehend verstanden werden kann, dass die Unterhaltspflicht grundsätzlich bis zur
Mündigkeit bestehe, und wenn dann noch keine Erstausbildung ordentlicherweise
abgeschlossen werden konnte, dann eben bis zu deren Abschluss. Eine solche
Regelung in der Scheidungskonvention würde lediglich die gesetzliche Ordnung des
Art. 277 Abs. 2 ZGB wiedergeben und wäre schon deshalb nicht abwegig. Dass der
zusätzliche Vorbehalt ebendieser Bestimmung trotzdem nicht überflüssig ist, wurde
bereits ausgeführt (vgl. vorstehende Erwägung 2.2). Im Weiteren kann nicht mittels
Scheidungskonvention der gesetzliche Unterhaltsanspruch des Kindes, der in zeitlicher
Hinsicht grundsätzlich bis zur Volljährigkeit dauert (und nicht bis zum [vorzeitigen]
Abschluss einer Ausbildung [Art. 277 Abs. 1 ZGB]), beschränkt werden. Wäre die
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fragliche Formulierung tatsächlich verkürzend zu verstehen, könnte damit nur gemeint
sein, dass bei Ausbildungsabschluss vor Erlangung der Volljährigkeit die Eltern im Sinn
von Art. 276 Abs. 3 ZGB von der Unterhaltspflicht befreit sind, soweit dem Kind
zugemutet werden kann, den Unterhalt aus seinem Arbeitserwerb zu bestreiten (vgl.
Breitschmid, a.a.O., Rz 31 ff. zu Art. 276, der aber offenbar einen Arbeitserwerb
vorwiegend mündigen "Kindern" [Studenten] zuzumuten scheint). Diesfalls wäre dann
der in der Konvention ebenfalls enthaltene Vorbehalt von Art. 276 Abs. 3 ZGB
tatsächlich überflüssig. Demgegenüber widerspräche die vorbehaltlose Aufhebung der
Unterhaltspflicht für den Fall, dass vor Erreichen der Mündigkeit eine Ausbildung
abgeschlossen wurde, der gesetzlichen Ordnung des Art. 276 Abs. 3 ZGB, zumal die
Erwerbsmöglichkeiten Minderjähriger durch die Arbeitsgesetzgebung zusätzlich
eingeschränkt sind (vgl. Art. 29 ff. ArG). Eine solche Vereinbarung wäre demzufolge
nicht genehmigungsfähig. Insgesamt spricht - auch angesichts der in Erwägung 2.2
dargestellten bundesgerichtlichen Rechtsprechung - wenig dafür, dass die Eltern in der
Scheidungskonvention eine von der gesetzlichen Regelung abweichende Vereinbarung
treffen wollten bzw. überhaupt konnten. Im Übrigen rechtfertigt es sich angesichts des
Charakters der Alimentenbevorschussung als (provisorische) Existenzsicherung, an das
Vorhandensein eines über die Mündigkeit hinausgehenden Rechtstitels keine
überhöhten Anforderungen zu stellen.
3.5 Die Rekurrentin 1 hat damit grundsätzlich Anspruch auf elterlichen Unterhalt bis
zum ordentlichen Abschluss ihrer Erstausbildung, auch nach Eintritt in die
Volljährigkeit. Nachdem die Rekurrentin 1 unbestrittenermassen seit 2011 die
Wirtschaftsmittelschule E._ besucht (inkl. Praktikum [Rekurs, S. 4]), also zum
Zeitpunkt der Erlangung der Volljährigkeit im Juli 2014 noch über keine
ordentlicherweise abgeschlossene Ausbildung verfügte, dauert die elterliche
Unterhaltspflicht grundsätzlich nach wie vor an. Dies entspricht im Übrigen auch der
gesetzlichen Regelung für die Ausbildungszulagen (Art. 3 Abs. 1 lit. b FamZG), wobei
hier die Limitierung auf das 25. Altersjahr an die Stelle des Zumutbarkeitskriteriums
tritt. Dass dem unterhaltspflichtigen Vater die Bezahlung der in der Konvention
festgelegten Unterhaltsbeiträge von monatlich Fr. 900.-- (bzw. indexiert etwas mehr)
über die Volljährigkeit hinaus nicht zumutbar wäre, wird von der Vorinstanz nicht
behauptet. Auch aus den Akten ergeben sich keinerlei Hinweise auf eine derartige -
heute noch andauernde - Unzumutbarkeit. Zwar hatte der Vater der Rekurrentin 1 im
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Jahr 2010 Schulden, was zu einer Schuldensanierung durch das Sozialamt führte (act.
G 1.4). Dies fiel jedoch in die Zeit, als der Unterhaltsschuldner seine IDC Werbeagentur
(wohl infolge schlechten Geschäftsgangs) aufgab und per 4. März 2010 aus dem
Handelsregister löschen liess (vgl. online-Handelsregisterauszug, abgerufen am
12. Februar 2015). Mittlerweile ist er jedoch nach eigenen Angaben als
Communications-Manager bei den G._ Versicherungen tätig (vgl. Linkedin-Profil [act.
G 5.1]). Im Übrigen werden Unterhaltsbeiträge während der Ausbildung nicht durch
vorübergehende finanzielle Engpässe unzumutbar. Zusammenfassend ist somit
festzustellen, dass die Rekurrentin 1 bis zum ordentlichen Abschluss ihrer
Erstausbildung über einen Unterhaltstitel verfügt, weshalb kein Revisionsgrund vorliegt.
Demzufolge ist auch die Alimentenbevorschussung bis zum Abschluss der
Erstausbildung bzw. maximal bis zur Vollendung des 25. Altersjahrs zu leisten (Art. 2
Abs. 1 GIVU).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist der Rekurs gutzuheissen und die angefochtene Verfügung
aufzuheben. In kantonalrechtlichen Verfahren hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95
Abs. 1 VRP). Vom Gemeinwesen werden in der Regel keine amtlichen Kosten erhoben,
wenn es nicht überwiegend finanzielle Interessen verfolgt (Art. 95 Abs. 3 VRP). Zwar hat
die Leistungsverwaltung in der Regel - wie auch vorliegend - finanzielle Auswirkungen,
trotzdem ist hier nicht von überwiegend finanziellen Interessen im Sinn der genannten
Bestimmung auszugehen. Es sind demzufolge keine Gerichtskosten zu erheben.
4.2 Ausgangsgemäss haben die Rekurrentinnen, die eine Parteientschädigung
verlangt haben, Anspruch auf Ersatz ihrer ausseramtlichen Kosten (Art. 95 Abs. 1 i.V.m.
Art. 98 Abs. 2 VRP). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Im vorliegenden Fall erscheint eine Entschädigung für das
Rekursverfahren vor Versicherungsgericht von pauschal Fr. 2'500.-- (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP