Decision ID: 24f9a2b0-9ddd-4231-85be-7741602ceb53
Year: 2004
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. Mit Beschlüssen vom 10. Mai bzw. 18. Juni 2001, publiziert am 29. Juni 2001 im kantonalen Amtsblatt, setzten die Gemeinden Bonstetten und Wettswil a.A. in teilweiser Revision ihrer Bau- und Zonenordnungen eine gemeindeübergreifende Erholungszone für einen Golfplatz im Gebiet Stierenmaas und Vorschriften für diese Zone fest. Dadurch soll die bestehende Golfübungsanlage "Driving Range" Chrügelmatte, Wettswil a.A., zu einem 18-Loch-Golfplatz erweitert werden.
II.
Dagegen erhoben unter anderem die heutigen Beschwerdegegner – Nr. 2 als Grundeigentümer sowie Nrn. 1, 3, 4, 5 und 6 als Pächter von bislang landwirtschaftlich genutzten Grundstücken innerhalb der neu ausgeschiedenen Erholungszone – mit gemeinsamer Eingabe vom 24. Juli 2001 Rekurs an die Baurekurskommission II. Diese führte nach Einholung der Vernehmlassungen der Gemeinde Bonstetten und Wettswil a.A. am 5. März 2002 einen Augenschein durch. Mit Entscheid vom 25. Juni 2002 hiess sie die vereinigten Rekurse der heutigen Beschwerdegegner gut und hob die Beschlüsse der beiden Gemeinden vom 10. Mai bzw. 18. Juni 2001 betreffend Festsetzung der Erholungszone einschliesslich der zugehörigen Vorschriften auf (Disp.-Ziff. III). Die Rekurskosten von Fr. 7'242.- auferlegte sie je zur Hälfte den Gemeinden Bonstetten und Wettswil a.A. (Disp.-Ziff. IV), welche sie zudem je zur Zahlung einer Parteientschädigung von je Fr. 150.- an die sechs Rekurrenten (insgesamt also von Fr. 1'800.-) verpflichtete (Disp.-Ziff. V).
Die Kommission erwog im Wesentlichen (E. 7): Das zur Umzonung vorgesehene Gebiet liege gemäss dem kantonalen  Landschaftsplan vom 31. Januar 1995/2. April 2001 im Landwirtschaftsgebiet mit Fruchtfolgefläche. Der mit Regierungsratsbeschluss Nr. 1251 vom 3. Juni 1998 festgesetzte Siedlungs- und Landschaftsplan der Region Knonaueramt habe das fragliche Gebiet dem Landschaftsförderungsgebiet zugewiesen. Am 15./21. Mai 2001 habe die Delegiertenversammlung der Zürcher Planungsgruppe Knonaueramt die Revision des regionalen Siedlungs- und Landschafsplanes 1998 zwecks Festlegung eines Erholungsgebiets C für einen 18-Loch-Golfplatz im streitbetroffenen Gebiet beschlossen; mit Eingabe vom 28. Juni 2001 an das Amt für Raumordnung und Vermessung (ARV) habe sie sodann den Regierungsrat um Festsetzung dieser Änderung ersucht. Letzterer habe jedoch hierüber noch nicht Beschluss gefasst, was daran liege, dass das ARV (offenbar praxisgemäss) mit der Weiterleitung des Änderungsantrags zuwarte, bis die Baurekurskommission über die angefochtene Zonenplanänderung entschieden habe. Ein solches Vorgehen widerspreche jedoch der planerischen Stufenfolge gemäss § 16 des Planungs- und Baugesetzes vom 7. September 1975 (PBG), wonach die Gemeinden ihre Zonenordnung in Nachachtung der übergeordneten richtplanerischen Festlegungen auszuge-stalten hätten. Letztere bildeten daher auch den Massstab für die Beurteilung der Rechtsmittel gegen die Zonenplanänderungen. Über den Antrag der Planungsgruppe Knonau-eramt um Änderung des regionalen Richtplanes (Festsetzung eines regionalen Erholungsgebiets) werde der Regierungsrat in umfassender Abwägung aller sich entgegenstehenden öffentlichen und privaten Interessen zu entscheiden haben. Der Baurekurskommission stehe es nicht zu, den Regierungsrat "zum Entscheid über die beantragte richtplanerische Festlegung zu verpflichten". Sie habe demnach beim Entscheid über die gegen die Zonenplanänderung erhobenen Rekurse "ohne weiteres" vom geltenden regionalen Richtplan von 1998 auszugehen. Das dort festgesetzte Landschaftsförderungsgebiet bilde keine genügende richtplanerische Grundlage für die streitbetroffene Erholungszone. Diese verstosse daher gegen § 16 PBG.
III.
Mit gemeinsamer (vorsorglicher) Beschwerde vom 26. Juli 2002 beantragten die Gemeinderäte Bonstetten und Wettswil a.A. dem Verwaltungsgericht, den Entscheid der Baurekurskommission II vom 25. Juni 2002 aufzuheben und die Sache zum Neuentscheid an diese Behörde zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegner.
Mit Präsidialverfügung vom 14. August 2002 wurde den Beschwerdeführerinnen gestützt auf § 155 Abs. 1 und 4 des Gemeindegesetzes vom 6. Juni 1926 aufgegeben, baldmöglichst den Beschluss ihrer Gemeindeversammlungen über die definitive Beschwerdeerhebung einzuholen und einzureichen. Diese Beschlussfassungen erfolgten am 26. bzw. 27. April 2004, wobei beide Gemeindeversammlungen der Beschwerdeerhebung zustimmten.
Mit weiteren verfahrensleitenden Anordnungen wurde in der Zwischenzeit zunächst im Hinblick darauf zugewartet, dass der Regierungsrat die von ihm zu treffenden Entscheide betreffend die Änderung des regionalen Richtplans Knonaueramt (Festsetzung des Erholungsgebiets C) sowie betreffend eine noch hängige Stimmrechtsbeschwerde gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung Wettswil a.A. vom 18. Juni 2001 (bzw. gegen den abweisenden Rekursentscheid des Bezirksrats Affoltern a.A. vom 26. November 2001) bis Ende 2002 in Aussicht stellte (vgl. Präsidialverfügung vom 9. Oktober 2002). Mit Beschluss vom 18. Dezember 2002 wies der Regierungsrat die erwähnte Stimmrechtsbeschwerde ab. Die dagegen erhobene staatsrechtliche Beschwerde wurde mit Verfügung des bundesgerichtlichen Instruktionsrichters vom 3. November 2003 bis zum rechtskräftigen Abschluss des vorliegenden Beschwerdeverfahrens VB.2002.00249 sistiert. Mit Beschluss vom 8. Januar 2003 ergänzte der Regierungsrat entsprechend dem Antrag der Delegiertenversammlung der regionalen Planungsgruppe Knonaueramt den regionalen Richtplan mit der Festlegung eines besonderen Erholungsgebietes C für den Golfplatz Stierenmaas.
Mit Präsidialverfügung vom 29. Januar 2003 wurde die Baudirektion gestützt auf § 329 Abs. 4 PBG eingeladen, bezüglich der streitbetroffenen Festlegungen der Bau- und Zonenordnung gemäss Beschlüssen der Gemeindeversammlungen Bonstetten vom 10. Mai 2001 bzw. Wettswil a.A. vom 18. Juni 2001 baldmöglichst den Genehmigungsentscheid zu treffen bzw. beim Regierungsrat einzuholen und dem Verwaltungsgericht zuzustellen. Auf eine von neun Personen (worunter fünf der heutigen Beschwerdegegner) gegen diese Verfügung erhobene staatsrechtliche Beschwerde trat das Bundesgericht mit Urteil vom 20. März 2003 nicht ein. Mit Beschluss vom 6. Januar 2004 genehmigte der Regierungsrat die streitbetroffene Teilrevision des Zonenplans (Disp.-Ziff. I). Von der Genehmigung ausgenommen wurden die auf Gemeindegebiet Bonstetten liegenden Grundstücke Kat.Nr. 439, 440 und 441 (Disp.-Ziff. II), dies mit der Begründung, der Eigentümer dieser drei Grundstücke (der heutige Beschwerdegegner X) habe seine definitive Zustimmung zum Golfplatzprojekt verweigert (vgl. auch Regierungsratsbeschluss Nr. 1065 vom 14. Juli 2004 mit Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage betreffend die Genehmigung). Zu diesem Genehmigungsbeschluss nahmen die Beschwerdegegner sowie eine weitere Person mit Eingabe vom 18. Februar 2004 unaufgefordert Stellung.
Im Rahmen des am 12. Mai 2004 angeordneten Schriftenwechsels beantragten die Beschwerdegegner mit Eingabe vom 30. August 2004, die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei; in verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde die Durchführung eines Augenscheins, die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels sowie die Zusprechung einer Parteientschädigung beantragt.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist nach § 41 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Weil auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
1. Das Verwaltungsgericht ist nach § 41 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Weil auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2. 2.1 Aus § 329 Abs. 4 PBG ergibt sich, dass in Fällen, in denen eine kommunale Zonenplanfestsetzung angefochten wird, der Genehmigungsentscheid der Baudirektion bzw. des Regierungsrats erst nach Vorliegen des Rekursentscheids der Baurekurskommission zu treffen ist. Wird der Rekursentscheid an das Verwaltungsgericht weiter gezogen, hat dieses den Genehmigungsentscheid der Baudirektion bzw. des Regierungsrats einzuholen und dementsprechend auch die erforderliche Koordination zwischen dem Rechtsmittelverfahren über die Nutzungsplanung und dem genehmigungsrechtlichen Entscheid sicherzustellen (zur Rechtsbeständigkeit von § 329 Abs. 4 PBG vgl. BGr, 22. November 2000, ZBl 102/2001, S. 383; damit ist die frühere Praxis des Verwaltungsgerichts, die von der Bundesrechtswidrigkeit der genannten Vorschrift ausging und eine entsprechende Koordination bereits im Rekursverfahren vor Baurekurskommission für erforderlich hielt, hinfällig geworden; zu dieser früheren Praxis vgl. Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 19 N. 38 und 106).
Gemäss § 43 Abs. 1 lit. d VRG ist die Beschwerde gegen Entscheide betreffend die Genehmigung von Erlassen grundsätzlich ausgeschlossen, jedoch (im Sinn einer Gegenausnahme) gegen Nichtgenehmigungen auf dem Gebiet des Raumplanungs-, Bau- und Strassenrechts zulässig. Demnach ist bei genehmigungsrechtlichen Entscheiden der Baudirektion bzw. des Regierungsrats betreffend Bau- und Zonenordnungen (§ 89 in Verbindung mit § 2 lit. a und b PBG) zwischen Genehmigungen einerseits und Nichtgenehmigungen bzw. nicht vorbehaltlosen Genehmigungen anderseits zu unterscheiden; ersteren kommt kein Verfügungscharakter zu, während letztere ein selbständiges Anfechtungsobjekt bilden (Kölz/Bosshart/Röhl, § 43 N. 12; vgl. auch § 19 N. 37). Von diesen Grundsätzen ist auch bei der gestützt auf § 329 Abs. 4 PBG erforderlichen Koordination auszugehen. Nach der in Anwendung dieser Bestimmung massgebenden Praxis des Verwaltungsgerichts wird ein Beschwerdeverfahren betreffend eine kommunale Bau- und Zonenordnung gegenstandslos, soweit der Regierungsrat die streitbetroffene Festlegung nicht genehmigt und sofern die davon betroffene Prozesspartei gegen die Nichtgenehmigung nicht fristgerecht Beschwerde erhebt.