Decision ID: 6045feb2-cf4e-5d8e-86ab-186bd2e42aaa
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1981 geborene
X._
war ab 2
5.
November 2011 bei der
Y._
als Hilfsarbeiter Rohrleitungsbau
angestellt
(
Urk.
9/4
)
und bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtberufsunfällen versichert
.
Der
Krankentag
geld
versicherer
Axa
Winterthur richtete dem Versicherten
gestützt auf ein
Arbeits
unfähigkeitszeugnis
wegen
Krankheit
ab dem 1
2.
April 2012 Taggelder aus (
nach
einer Wartefrist von 30 Tagen,
Urk.
9/1 und
Urk.
9/5).
Am 1
2.
Juli 2012
ging bei der
SUVA
die Meldung von
X._
ein
,
wo
nach
er
am
6.
März 2012
bei der Arbeit auf einer Baustelle in
Z._
einen Unfall erlitten habe
und nun an einer Diskushernie leide
(
Urk.
9/2)
. In der Folge holte die SUVA medizinische Akten ein
(
Urk.
9/22
,
Urk.
9/
29
,
Urk. 9/41
, Urk.
9/58
,
Urk.
9/59,
Urk.
9/60 und Urk.
9/67
)
und zog die
Unterlagen
des
Kran
ken
taggeldversicherers
bei (
Urk.
9/20
und
Urk.
9/39
)
.
Am
5.
März 2013 fand in der SUVA Aarau eine Besprechung statt, an der auch der Vertreter des Versi
cher
ten von
der
Unia
teilnahm (
Urk.
9/44).
Mit Verfügung vom
2.
Juli 2013
ver
neinte
die SUVA Aarau
ihre Leistungspflicht (
Urk.
9/62)
. Gegen diesen Entscheid
erhob
die SWICA Krankenversicherung AG
am
9.
Juli 2013 vorsorg
lich Ein
spra
che
(
Urk.
9/63)
, die sie am 1
7.
September 2013 wieder zurückzog
(
Urk.
9/71)
. Die vom Versicherten mit Schreiben vom
3
0.
Juli 2013 erhobene Einsprache
(
Urk.
9/66)
wies die SUVA mit Entscheid vom 2
8.
April 2014 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 2
3.
Mai 201
4
(
Urk.
1) Be
schwer
de erheben mit dem Antrag, der Entscheid sei aufzuheben und es sei die
Be
schwerdegegnerin
zu verpflichten
,
die Versicherungsleistungen auszurichten so
wie
über die Invalidenrente und die Integritätsentschädigung einen Entscheid zu treffen (S. 1).
Die SUVA schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
8.
Juli 2014 (
Urk.
8) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Eingaben vom 7.
und 1
4.
August 2014 (
Urk.
12 und 15
) reichte der Beschwerdeführer weitere Unterla
gen zu den
Akten (
Urk.
13 und 16
), wovon die Beschwerdegegnerin in Kenntnis gesetzt wurde
(
Urk.
14 und 17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Ein
wir
kung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.
2
Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der versicherten Person
glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser For
derung nicht nach, indem sie un
voll
ständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines
unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen las
sen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen
Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht we
nig
stens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –,
so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Las
ten der versicherten Per
son
aus
wirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b, 111 V 201 E. 6b; RKUV
1990 Nr. U 86 S. 50).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
dem Bundesgesetz über die
Unfallversicherung (UVG)
setzt zunächst voraus, dass zwischen dem
Unfaller
eig
nis
und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürli
cher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausal
zu
sam
menhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetre
te
ne
Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bezie
hungs
weis
e nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sam
menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereig
nis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten
Person beeinträchtigt hat, der Unfal
l mit andern Worten nicht wegge
dacht werden
kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hin
weisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
wal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zu
verlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die be
fragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt
nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es be
darf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilich
keit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf
die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungs
rech
t
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
achterin aller
dings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 122 V 157 E. 1c; vgl. auch 123 V 331 E. 1c).
2.
Die Beschwerdegegnerin
verneinte ihre Leistungspflicht namentlich mangels Vor
liegen
s
eines Unfallereignisses (
Urk. 2 und
Urk.
8 S. 2
Ziff.
2
). Sie
stellt
e
sich unter Hin
weis
auf widersprüchliche Angaben des Versicherten (
Urk.
8 S.
2
f.
Ziff.
5.
1
) sowie
auf die medizinische Beurteilung ihres Kreisarztes auf den Stand
punkt, dass das geschilderte Unfallereignis aus medizinischer Sicht nicht glaub
haft und unwahrscheinlich sei (
Urk.
2 S.
5 f.).
Demgegenüber
machte der Be
schwerde
führer geltend, es habe für den Unfall einen direkten Zeugen gegeben,
der dies auch schriftlich bestätigt habe (
Urk.
1 S.
3). Er habe vorher nie an
Wirbel
säu
lenbeschwerden
gelitten (S.
3
Ziff.
4
) und leide nun noch heute
unter starken Wirbelschmerzen und einer teilweisen Lähmung des rechten Beines sowie zu
sätzlich an psychischen Beschwerden wegen der ständigen Schmerzen
im
Wir
belbereich
. Diese psychischen Schmerzen seien direkte Folgen des Unfalls (S.
4).
3.
3.1
In der vom Versicherten unterzeichneten Meldung an den
Krankentaggeldversi
cherer
Axa
Winterthur vom 2
5.
April 2012 wu
rd
e
die Art der Krankheit als ein
geklemmter Muskel auf der rechten Seite beschrieben (Urk. 9/20/3-4).
3.2
Mit der am 1
2.
Juli 2012 bei der Beschwerdegegnerin eingegangen
Schadenmel
dung
teilte der Versicherte mit
(vgl. auch
Urk.
9/44 S. 2,
2.
An
t
wort)
, dass er am
6.
März 2012 um 10.30
Uhr einen Unfall erlitten habe. Er sei dabei gewesen, auf einem Gerüst
Metallrohre
zu montieren
,
als
er aus einer Höhe von zirka einein
halb bis zwei Metern gestürzt sei
.
Er
habe
das Gleichgewicht
verloren
und
sei
seitlich auf den Grund
gestürzt
,
auf dem
andere Rohre
gelagert
gewesen seien.
Bei diesem Schadenereignis habe er sich eine Diskushernie zugezogen.
Zudem
wurde
in der Unfallmeldung
Name und
Handy
nummer
des Vorarbeiter
s
A._
an
gegeben
(
Urk.
9/2).
3.3
Anlässlich der Besprechung vom
5.
März 2013
mit einem
Aussendienstmitarbei
ter
der SUVA Aarau
, an welcher der
Unia
-Vertreter
des Beschwerdeführers als Dolmetscher fungierte
(
Urk.
9/44)
,
gab der Beschwerdeführer an, sie hätten am
6.
März 2012 zu zweit auf einer Baustelle in
Z._
beim Bahnhof gearbeitet. Sie hätte
n
im Keller beziehungsweise in der Tiefgarage in einer Höhe von zirka vier Metern an der Decke Röhren montiert. Es habe sich um Metallröhren, um Leitungen für kaltes und warmes Wasser
,
ge
handelt. Er sei zusammen mit seinem Arbeitskollegen
A._
, dem Vor
arbeiter der
Y._
, auf einem Rollgerüst in einer Höhe von
zwei bis zweieinhalb
Metern Höhe ab Boden gestanden. Er habe das Gleichge
wicht verloren und sei vom Rollgerüst auf den Betonboden hinuntergefallen. Dort hätten sich weitere Metallrohre befunden, die sie hätten montieren müssen. Auf diese
n
sei er zu liegen
ge
kommen. Auf dem Boden hätten sich auch ver
schiedene Werkzeuge befunden.
Er sei mit seiner linken Körperseite aufgeschla
gen und habe sofort Schmerze
n im Kreuzbereich, wie ein Stich
, verspürt. Er habe die Arbeit sofort eingestellt und sei mit dem Tram nach Hause gefahren. Zuerst sei er davon ausgegangen, dass die Schmerzen wieder abklingen würden. Die Schmerzen im Kreuz seien in den darauffolgenden Tagen
aber
nicht mehr weggegangen. Er sei daher nach Rücksprache mit seinem Vorarbeiter bis zum
Montag, 1
2.
März 2012
,
zu Hause geblieben. Am Dienstag, den 1
3.
März 2012, habe
er dann wegen der Kreuzschmerzen erstmals einen Arzt,
Dr.
med.
B._
,
aufgesucht.
3.4
Am
8.
Januar 2014 stellte der Vertreter des Beschwerdeführers der
Beschwerde
gegnerin
ein Dokument mit der Überschrift „Erklärung“ zu (Urk. 9/86):
„
Hiermit erkläre ich folgendes: Am 06.03.2012 habe ich zusammen mit Herrn
X._
in
Z._
gearbeitet. Wir mussten auf
ein Gerüst von ca. 3m Höhe die Metallrohren montieren. Bei der Arbeit verlor
X._
das Gleichgewicht und stürzte seitlich auf den Grund wo andere Röhren gelagert waren. D
abei hat er den Rücken verletzt
.
“
Unter diesem Text steht handschriftlich der Name
A._
sowie dessen
Adresse
.
3.
5
Den
medizinischen
Akten ist
Folgendes zu entnehmen:
3.
5
.1
Dr.
med.
B._, C._
,
diagnostizierte am 2
6.
Juni
2012 zuhanden des Krankentaggeldversicher
er
s eine Diskushernie L5/S1 mit ver
zögerter Heilung. Er attestierte eine 100%ige Arbeit
sunfähigkeit vom 13.
März bis 3
1.
Jul
i 2012 (
Urk.
9/
2
0/5
und Urk. 9/20/6
)
infolge Krankheit
.
Im Bericht vom 1
5.
Oktober 2012 der
C._
(
Urk.
9/58), der eine
Zusammenfassung über die
bisherigen Konsultationen enthält, steht bei der ers
ten Konsultation
vom
1
3.
März 2012, der Beschwerdeführer habe über Rü
cken
schmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein und Gefühlsstörungen seit 10 Tagen geklagt. Es liege kein klares
Verhebetrauma
vor. Es sei eine Verschlech
terung im Verlauf eingetreten.
Dr.
B._
nannte den Verdacht auf ein
lum
bora
di
kuläre
s
Syndrom (LRS) sowie als Differenzialdiagnose
ein
lumbospon
dylogenes
Syndrom. Am 2
2.
März 2012
stellte
Dr.
B._
fest
, dass keine
B
esserung ein
getreten sei.
Laut dem in der
D._
angefertigten
MRI der
Lenden
wirbelsäule
vom 23.
März 2012
bestand
eine Kompression der
Ner
venwurzel
S1 links durch eine
mediolinkslaterale
Diskushernie L5/S1
(vgl. auch
Urk.
9/60
/3
)
. Dr.
B._
meldete den Versicherten bei
PD
Dr.
med.
E._
,
Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
an.
Am 2
1.
Juni 2013 erstellte
Dr.
B._
wiederum eine
Zusammenfassung
über die ersten Konsultationen (
Urk.
9/60
/2
). Nun wies er
unter dem Datum 1
3.
März
2012
nicht mehr darauf
hin,
dass kein eigentliches
Verhebetrauma
vorliege. Stat
t
dessen gab
Dr.
B._
an,
es sei wahrscheinlich ein schwerer Gegenstand auf der Baustelle heruntergefallen und
es seien
beim Versuch zu stützen ein
schiessende Schmerzen im Rücken aufgetreten.
Am 1
4.
Mai 2013 erging wiederum eine Zusammenstellung von
Dr.
B._
mit
Notizen zu den beiden Konsultationen am 1
3.
und 2
2.
März 2012 (Urk. 9/67).
Bei der Konsultation vom 1
3.
März 2012
gab er hinsichtlich der subjektiven
An
gaben des Beschwerdeführers
in fettgedruckter Schrift
an
, die Kommuni
ka
tion sei schwierig gewesen, selbst mit
einer
Übersetzerin (Medizini
sche
Praxis
assistentin
).
3.5.2
Am
4.
April 2012 erstattete
der orthopädische Chirurg PD
Dr.
E._
Dr.
B._
Bericht (
Urk.
9/59). Er führte aus, der Beschwerdeführer habe seit zirka einem Monat li
nksseitige
lumboischialgi
forme
Beschwerden.
Der Be
schwerde
führer
spreche nur wenig Deutsch und komme in Begleitung seines Onkels.
3.
5
.
3
Am 2
3.
August 2012 erging ein Bericht der Klinik für Neurologie des
F._
(
Urk.
9/
22) an
Dr.
med.
G._
von der
H._
. Die unterzeichnenden Ärzte führten aus, der Beschwerdeführer habe angegeben, er sei am
6.
März 2012 bei der Montage von
Metallrohren auf
einem Gerüst aus zirka
eineinhalb bis zwei
Metern Höhe gestürzt. Im Anschluss habe er Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in das linke Bein verspürt.
Am 16. September 2012
berichteten
pract
. med.
I._
,
Dr.
med.
J._
und Dr.
med.
K._
,
Klinik für Neurochirurgie
des
F._
(
Urk.
9/2
9
und
Urk.
9/39/4-6
)
,
von einer am
1
4.
September 2012 durchgeführte
n
Operation (
interlaminäre
Fenestration
L5/S1 li,
Flavektomie
und Dis
k
ektomie; vgl. auch
Urk.
9/41)
mit
Hospitalisation
vom 1
0.
bis 1
6.
September 201
2.
Sie stellten die folgenden Diagnosen:
t
herapieresistente
Lumboischialgien
links
s
eit Arbeitsunfall/Sturz am 6.3.12
m
it Hypästhesie links, ASR seitengleich auslösbar, Zehenstand wird links schmerzüberlagert durchgeführt
k
linisch:
radikuläre
Reizzeichen links, eine
a.e
. im S1
Dermatom
(Fussaussenseite, Sohle) ange
geben
MR-tomographisch:
mediolinkslateraler
Bandscheibenvorfall LWK5/SWK1 mit Kompression der S1 Wurzel links
bisherige konservative Therapie: 18 x Physiotherapie, zwei
epidurale
Infiltrationen, NSAR
14.09.2012
interlaminäre
Fenestration
L5/S1 li,
Flavektomie
und Dis
k
ektomie
aktuell: postoperativ deutliche
Regredienz
der Schmerzsymptomatik
3.5.
4
Am
5.
März 2014 gab der Kreisarzt
Dr.
med. univ.
L._
, Arzt für Allgemeine
Me
dizin (A) und MAS Versicherungsmedizin eine Aktenbeurteilung ab (Urk.
9/92).
Er kam zum Schluss,
die vom Versicherten geklagten Beschwerde
n
und insbesondere die operierte Diskushernie L5/S1 sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Folge oder Teilfolge eines nachträglich geltend gemachten Sturzes von einem Rollgerüst aus zwei bis zweieinhalb Metern Höhe am
6.
März 201
2. Dr.
L._
hinterfragte
vor allem das nachträ
glich behauptete
Unfallereig
nis
. Ein Sturz von einem Rollgerüst aus zwei bis zweieinhalb Metern Höhe auf Metallrohre und a
uf dem Boden liegende Werkzeuge habe
zwangsweise nicht nur isoliert einen Schmerz im Rücken, sondern auch entsprechende
Kontusi
ons
marken
und Verletzungen zur Folge. Unfallspezifische Verletzungen, die zwing
end aufgrund des geschilderten Unfallereignisses zu erwarten wären (
Prellmar
ken
mit Hämatomen, Schürfungen und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch Fraktu
ren) seien nicht dokumentiert. In keinem der vorliegenden ärztli
chen Be
richt
e
sei ein unfallspezifischer Befund
enthalten
. Von
versicherungs
medizinischer
Seite
her sei daher das Unfallereignis nicht wahrscheinlich.
Echt
zeitlich
sei kein
Un
fallereignis
vermerkt beziehungsweise lediglich ein Zusam
menzucken wegen eines
herabstürzenden Gegenstandes. Im MRI, das drei Wo
chen nach dem Ereig
nis durchgeführt worden sei, hätten sich ebenfalls
keine unfallspezifischen Be
fun
de in Form von Hämatomen, Ödemen oder
Signalanhe
bungen
des Knochens
ge
funden, wie sie bei einem Trauma zu erwarten wären
. Beim geschilderten Ereig
nis mit Sturz aus zweieinhalb Metern Höhe auf den Betonboden wäre zu
dem unmittelbar nach dem Unfall eine medizinische Ab
klärung zu erwarten. Die Unfallkausalität sei nach überwiegender Wahrschein
lichkeit zu beurteilen, die im vorli
egenden Fall nicht gegeben sei.
3.5.5
Im Beschwerdeverfahren reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr.
med.
M._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 10.
Mai 2014 ein (
Urk.
3/6). Sie diagnostizierte eine mittelgradige bis schwere (agierte) depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.1/2.11), ak
zentuierte Persönlichkeitszüge (perfektionistisch, leistungsorientiert, ICD-10 Z73.1), einen Status nach einem Arbeitsunfall mit Rückenverletzung am
6.
März 2012, opera
tiver Sanierung und Schmerzen sowie eine psychosoziale Belas
tungssituation
(Belastung durch versicherungsmedizinische Unklarheiten, Geld
mangel, Schulde
n und mässige Deutschkenntnisse).
Sie stellte fest, es gehe dem Beschwerdeführer, der seit dem
4
.
Juni 2013 in ihrer Behandlung stehe
,
seit zirka drei Monaten zunehmend sowohl psychisch als auch physisch schlechter. Seine Schmerzen hätten sich verstärkt und er gerate zunehmend in eine
Hilfs
losigkeit
, Depressio
nen und Verschuldung. Sie erachte die aktuelle psychische und soziale Situation des Beschwerdeführers als prekär, weshalb sie eine Be
handlung und Rehabili
tation in einer psychosomatisch geführten Klinik als dringend indiziert erachte.
3.
5
.
6
Am 2
2.
Mai 2014
(Urk. 16)
nannte
Dr.
med.
N._
, Obera
rzt, Klinik für Neu
ro
chirurgie des
F._
,
nach einer Untersuchung und Beratung in der wirbelsäulenchirurgischen Sprechstunde
die folgende Diagnose:
Segmentdeg
e
neration L5/S1 mit/bei:
Status na
ch Operation eines
mediolateral
en
Bandscheibenvorfalls L5/S1 links mit Kompression der Wurzel S1 links am 14.09.2012
Bildgebung: Diskusdegeneration,
Osteochondrose
der Grund- und
Deck
platten so
wie leichte Facettengelenksdegeneration
klinisch: persistierende Lumbalgien mit assoziierten ausstrahlenden Schmerzen beid
seits (rech
t
sbetont) sowie
Kribbelparästhesien
im Bereich des gesamten rechten Beines
Dr.
N._
führte aus, der Beschwerdeführer habe mit einem Bekannten als Dol
metscher vorgesprochen und berichtet, seit einem Arbeitsunfall vom
6.
März
201
2 unter therapieresistenten
Lu
m
boischialgien
linksseitig
zu leiden
. Beim Be
schwerdeführer bestünden ein
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit am ehe
s
ten
pseudoradikulärer
Schmerzausstrahlung im Bereich beider Beine und eine nicht erklärbare Symptomatik mit ausgeprägten
Kribbelparästhesien
im Be
reich des rechten Beines.
Hypästhesien
oder motorische Ausfälle seien nicht aufge
treten. Die Bildgebung zeige eine ausgeprägte Segmentdegeneration L5/S1.
4.
4.1
Nach Lage der Akten leidet d
er Beschwerdeführer seit März 2012 an
Lum
bo
ischialgien
. Laut dem MRI vom 2
3.
März 2012
lag
eine Kompression der
Nerven
wurzel
S1 links durch eine Diskushernie
vor
(
Urk.
9/60/3).
Er wurde
am
1
4.
September 2012
operiert.
Am 1
2.
Juli 2012 meldete der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin einen Unfall. Er
gab
an, er sei am
6.
März 2012 von einem Gerüst aus
einer Höhe von
eineinhalb bis zwei Metern seitlich auf den Grund gefallen,
auf dem
andere Rohre gelagert
gewesen seien
(E.
3.
2
).
Es
liegt eine schriftliche Bestätigung des
Vorarbeiter
s
A._
zum Unfallhergang
vor
(
vgl. E. 3.4
)
. In dieser
wird
allerdings ein Sturz
aus drei Metern Höhe
beschrieben
, während
der Beschwer
de
führer
in der Unfallmeldung
einen Sturz aus
einer
Höhe
von
eineinhalb bis zwei Meter
n
und gegenüber dem Aussendienstmitarbeiter der SUVA einen sol
chen aus einer Höhe von
zwei bis z
weieinhalb Meter
angab
(E. 3.3)
.
Wie es sich damit genau verhält und ob der Unfall tatsächlich so stattgefunden hat, kann aus folgenden Gründen offen bleiben.
4.2
Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs
zwischen einem geltend ge
machten Ereignis und
dem Gesundheitsschaden
wird in erster Linie mittels der Angaben medizinischer Fachpersonen geführt.
Im vorliegenden Fall
nahmen die
behandelnden Ärzte keine Stellung zum
Kausalzusammenhang zwischen den
Lum
boischialgien
beziehungsweise
der
Diskusherni
e
und dem
Ereignis vom 6.
März
201
2.
Ab August 2012 wird
in den Arztberichten
zwar auf den geschil
derten Sturz hingewiesen
, eine Auseinandersetzung damit fehlt aber.
Es
wird einzig
erwähnt
, dass
die Rückenschmerzen seit dem
geschilderten Unfallereignis
bestünden
, womit
den B
erichten der behandelnden Ärzte
bezüglich der Kausa
lität kein Beweiswert zukommt (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2010 vom 2
2.
Juni 2010 E. 4.1).
Aus denselben Überlegungen
, wonach eine
reine "
post
hoc ergo
propter
hoc"-Argumentation nicht zielführend ist,
kann auch die vom Beschwerdeführer
mit Übersetzung
eingereichte
Kurz
b
e
stätigung von
Dr.
O._
vom 1
2.
Mai 2014
zum
(früheren) Gesundheits
zustand (
Urk.
3/2-3)
bei der Frage nach der Kausalität
keine entscheidende Rolle spielen.
Der Kreisarzt
Dr.
L._
führte
in seiner Beurteilung
aus,
es scheine nicht als glaub
haft
,
sond
e
rn
als unwahrscheinlich, dass der vom Beschwerdeführer ge
schil
derte Sturz
isoliert Schmerzen im Rücken
ausgelöst
aber
keinerlei anderen
äusserlichen
oder im MRI vom 2
3.
März 201
2
ersichtliche
n
Verletzungen
wie Prellmarken mit Hämatomen, Schürfungen,
Ödeme
oder Signalanhebungen des Knochens
verursacht
habe
(vgl. E. 3.5.4
und
Urk.
9/92)
.
Die
se
Einschätzung des Kreisarztes
Dr.
L._
überzeugt.
Es ist davon auszugehen, dass Dr.
B._
, der den Beschwerdeführer am 1
3.
März 2012 untersuchte, derartige Verletzungen be
merkt und beschrieben hätte.
Die
aktenkundigen
Verständigungsprobleme
(
Urk.
9/67, vgl. auch
die Erklärung von
P._
in
Urk.
13)
spielen in
diesem Zusammenhang
keine Rolle.
In den medizinischen Unterlagen
der ersten Monate nach dem
geltend gemachten Sturz
gibt es keinerlei Hinweise
auf
un
fallbedingte
Verletzungen
und auch der Beschwerdeführer macht
e
nicht geltend, nebst der Diskushernie weitere Verletzungen erlitten zu haben
.
Ein objektivier
barer Bezug zwisc
hen der im MRI
vom 2
3.
März 2012 festgestellten
Diskusher
n
ie
und dem vom Beschwerdeführer
geschilderten Ereignis vom 6.
März 2012 fehlt.
Dementsprechend attestierte der erstbehandelnde Arzt Dr.
B._
eine Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit
.
Der
Krankentaggeldversicherer ging
eben
falls
davon aus, dass die erhobenen Befunde
zweifellos
krankheitsbedingt seien.
Er stellte
seine Leistungspflicht
deshalb auch nie in Frage
(vgl. etwa
Urk.
9/37)
.
In diesem Zusammenhang bleibt anzumerken
, dass
der Beschwerdeführer
auf
grund des Ereignisses
noch im Mai 2013
Krankentaggelder
bezog
(
Urk.
3/3).
4.3
Zur Kausalitätsbeurteilung anzufügen bleibt, dass sich die von den Ärzten ge
stellte Diagnose in einer Diskushernie erschöpft. Rechtsprechungsgemäss
ent
spricht
es
einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des
Unfallver
si
cherungsrechts
, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer
Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahms
weise,
unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt.
Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden,
wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädi
gung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (ver
tebrales oder
radikuläres
Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeits
un
fähigkeit auftreten (Urteil des Bundesgerichts 8C_151/2012 vom 12. Juli 2012 E. 4).
Von solchen Verhältnissen kann vorliegend nicht ausgegangen werden. In der Unfallmeldung (Urk. 9/2) wurde ebenso eine Arbeitsunfähigkeit erst ab 13. März
2012 notiert wie in der vom Beschwerdeführer unterzeichneten Meldung an den
Krankentaggeldversicherer (Urk. 9/20/3-4). Die Taggeldzahlungen erfolgten denn
auch erst ab 12. April 2012 (nach 30-tägiger Wartefrist). Auch wenn der Be
schwerdeführer die Arbeit unmittelbar nach dem Unfall ausgesetzt haben sollte, erfolgte eine Arztkonsultation erst nach einer Woche
(Urk. 9/44 S. 2) und nicht unmittelbar nach dem Unfall. Auch wurde ein Zusammensinken der Wirbel radio
logisch nicht dargestellt (vgl. dazu statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_51/2010 vom 21. Mai 2010 E.
2.2). Damit kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Diskushernie durch den Sturz verursacht wurde.
4.
4
Offen bleiben kann, wie es sich mit den vom Beschwerdeführer geltend gemach
ten
Versäumnissen seines ehemaligen Arbeitgebers verhält (vgl.
Urk.
1
Ziff.
2)
.
Anzumerken bleibt, dass d
ie Unterlagen des Krankentaggeldversicherers aller
dings eher den Schluss nahe
legen
, dass die Anmeldung zum Bezug von Tag
geldern vom Beschwerdeführer selber und nicht vom Arbeitgeber ausging (vgl. etwa die angegebene Kontaktperson sowie
die
Lohnangabe in
Urk.
9/20/2 sowie
Urk.
9/20/3-4).
4.5
Was die psychischen Beschwerden betrifft, fehlen
im
Bericht
von
Dr.
M._
(
Urk.
3/6)
Hinweise auf eine Unfallkausalität
;
zudem ist darauf hinzuweisen,
dass praxisgemäss b
ei
leichten Unfällen, wozu der vom Beschwerdeführer geltend
ge
machte Unfall
hergang
zu zählen ist,
der adäquate Kausalzusammenhang zwi
schen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne wei
teres verneint
wird
, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter
Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass
ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen
Gesundheits
schaden
zu verursachen (BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6a).
4.
6
Ob der Beschwerdeführer am
6.
März 2012 einen Unfall erlitten hat, ist
nach dem
Gesagten
unklar. Erstellt ist aber,
dass der vom Beschwerdeführer geschil
derte Unfallhergang nebst den Rückenbeschwerden zwingend weitere äusserlich oder in der Bildgebung sichtbare Läsionen hätte hinterlassen müssen
, und in keiner der vorliegenden ärztlichen Dokumentationen ein unfallspezifischer Be
fund ver
merkt wurde. Es erscheint somit
nicht als
überwiegend wahrscheinlich, dass die
singulären
Rückenbeschwerden
auf das geltend gemachte
Unfallereig
nis
zurück
zuführen sind
.
Daran vermöchten nach dem Gesagten
(E. 4.2) auch die
Befra
gung der vom Beschwerdeführer genannten Zeugen
zum
geltend ge
machten Unfallereignis
(
Urk.
1
Ziff.
4 S. 3), zum unverantwortlichen Handeln des Arbeit
gebers (
Urk.
1
Ziff.
4 S. 4) und zur ersten Arztkonsultation (
Urk.
13)
nichts zu ändern. Auf die Durchführung einer
Zeugenbefragung
ist deshalb im Sinne
einer antizipierten Beweiswürdigung zu verzichten (BGE 136 I 229 E. 5.3 mit Hinweis).
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde abzuweisen ist.