Decision ID: cacc5d28-e630-56b7-9235-447c1eb7c1ec
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960,
war zuletzt als Hilfsarbeiter Betonwarenfabrikation bei der
Y._
AG tätig (Urk. 9/12).
Nachdem er sich bei einem Arbeitsunfall im August 2002 eine Kniedistorsion und -kontusion beidseits zu
ge
zog
en hatte
(Urk. 9/15/1
, Urk. 9/157/53
),
meldete
er
sich im September 2002 zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an (Urk. 9/2
Ziff.
7.2, Ziff. 7.8
).
Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Z._
(nachfolgend IV-Stelle
Z._
) wies das Leistungsbegehren des Versicherten mit
Einspracheentscheid
vom 1. April 2004 ab (Urk. 9/31; vgl. auch Verfügung vom 11. Februar 2004, Urk. 9/25).
1.2
Anfang Oktober 2004 machte der Versicherte eine Verschlechterung seines Ge
sundheitszustandes geltend und ersuchte um Revision seines Rentenanspruches (Urk. 9/43).
Mit Verfügung vom 15. Dezember 2005 sprach die I
V-Stelle
Z._
dem Versicherten für die Zeit vom 1. Januar bis 31. August 2004 eine befristete ganze Rente zu (Urk. 9/71; Begründungsteil Urk. 9/63/2-3). Nachdem dagegen Einsprache erhoben wurde (Urk. 9/74
), holte die IV-Stelle
Z._
ein medizinisches Gutachten ein, welches am
20. September 2007
von Ärzten der
Medizinischen Abklärungsstelle (
MEDAS
)
A._
erstattet wurde
(Urk. 9/134; vgl. auch psychiatrisches
Konsiliargutachten
vom 23. August 2007, Urk. 9/133). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 9/141) wurde dem Versicherten mit Verfügung vom 4. Dezember 2008 ab 1. September 2004 eine
unbefristete
ganze Rente zugesprochen (Urk. 9/148).
1.3
Im Oktober 2010 leitete die neu zuständige (vgl. Urk. 9/151) Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), ein Revisionsverfahren ein (Urk. 9/161).
Nachdem sie trotz mehrmaliger Aufforderung weder vom behandelnden Arzt noch vom Versicherten weitere Angaben
zu sei
ner gesundheitlichen Situation
erhielt (vgl. Urk. 9/164, Urk. 9/169, Urk. 9/171, Urk. 9/172), stellte sie
ihm
mit Vorbescheid vom 15. September 2011 die Ein
stellung der bisherigen Rente in Aussicht (Urk. 9/175).
Aufgrund des dagegen erhobenen Einwandes (Urk. 9/177) und
den
eingegangenen Arztberichten (Urk. 9/180, Urk. 9/186/5, Urk. 9/188/5) gab die IV-Stelle ein psychiatrisch-rheumatologisches Gutachten in Auftrag, welches am
12. März 2012 von
Dr.
med. B._
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumaerkrankungen, und
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattet wurde (Urk. 9/197-200). Mit Verfügung vom 18. Juli 2012 hielt die IV-Stelle am Vorbescheid fest und stellte die bisherige
Rente infolge Verbesserung des Gesundheitszustandes ein (Urk. 9/204 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 18. Juli 2012 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 13. September 2012 Beschwerde und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und ihm sei weiterhin eine ganze Rente auszurichten (Urk. 1 S. 2). Am 16. Oktober 2012 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Mit Verfügung vom 16. November 2012 wurde antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2 und S. 4 f.) das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung bewilligt (Urk. 13). Am 5. Februar 2013 erstattete der Beschwerdeführer Replik (Urk. 18). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf das Einreichen einer Duplik (Urk. 21).
Der Beschwerdeführer reichte
am 14. März 2013 eine weitere Eingabe ein (Urk. 23-24)
, was der Beschwerdegegnerin am 15. März 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 25).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heits
zustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus
, auf
die Beurteilung
durch
Dr.
C._
und
Dr.
B._
sei abzustellen. Gestütz
t darauf
sei im Vergleich zum MEDAS
-Gutachten vom 20. September 2007
eine Ver
besserung
ausgewiesen.
Dem Beschwerdeführer sei
eine
100%ige
Arbeitsfähig
keit
für alle bisher ausgeübten Tätigkeiten zumutbar
, weshalb die bisherige Rente auf Ende des nach Zustellung der Verfügung folgenden Monats aufgeho
ben werde (Urk. 2 S. 2).
Daran hielt sie mit ihrer Beschwerdeantwort fest (vgl. Urk. 8).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt
, sein Gesundheitszustand habe sich seit der ursprünglichen
Re
ntenzusprache
nicht verbessert
. Insbesondere
habe
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für All
gemeinmedizin, mit Bericht vom 30. August 2012
fest
gehalten
, der Gesund
heitszustand habe sich seit dem Jahr 2007 nicht verändert, da nach wie vor eine schwerste depressive Störung mit psychotischen Elementen und
Somatisierungen
in Form einer jahrelang fixierten Pseudoparalyse des rechten Armes und einer ausgeprägten
Hemischmerzsymptomatik
der rechten Körperhälfte vorliege, die bisher durch keinerlei Therapien positiv habe beeinflusst werden können (
Urk. 1
S. 3 f. Ziff. 2 f.).
Sodann sei auch gestützt auf die
Bericht
e
der p
sychiatrischen
K
linik
E._
ausgewiesen, dass sich der psychische Zustand seit der Begutach
tung bei der M
EDAS
A._
im September 2007 nicht deutlich verändert habe und noch immer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorliege. Auf das psy
chiatrische Gutachten von
Dr.
C._
könne nicht abgestellt werden (Urk. 18 S. 2 f. Ziff. II.2).
2.3
Streitig und zu prüfen ist,
ob die Einstellung der bisher ausgerichteten Invali
denrente rechtens ist.
Für die Prüfung, ob eine gesundheitliche Verbesserung vorliegt, sind die Verhältnisse im Zeitpunkt der ren
tenzusprechenden Verfügung vom
4. Dezember 2008
(Urk.
9/148
), als die letzte materielle Überprüfung vorge
nommen worden war, mit den Verhältnissen im Zeitpunkt de
r angefochtenen Verfügung vom 18
.
Juli
2012 (Urk.
2) zu vergleichen.
3.
3.1
Der
Rentenzuspr
ache
im
Dezember 2008
lag
im Wesentlichen die Einschätzung der Gutachter der M
EDAS
A._
zugrunde (Gutachten vom
20. September 2007, Urk. 9/134; vgl. auch
psychiatrisches
Konsiliargutachten
vom 23. August 2007, Urk. 9/133).
Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 21
f.
Ziff. 3.1):
schwere depressive Störung (ICD-10 F32.31)
sekundärer
Alkoholabusus
(ICD-10 F10.24)
ausgeprägtes, somatisch nicht verifizierbares Körperschmerzsyndrom (ICD-10 R52.9) mit
persistierenden Knieschmerzen beidseits
Pseudoparalyse rechter Arm
unklarer Beinschwäche rechts
anamnestisch rezidivierenden
Lumbagoschüben
, radiologisch und im MRI unauffällig (April 2007)
Die Gutachter hielten fest
,
der Beschwerdeführer
klage
über massive Knie
schmerzen rechts, welche seit dem Unfall im August 2002 persistieren würden. Links habe er ähnliche, aber weniger intensive Schmerzen. Mit der Zeit seien andere Schmerzen dazugekommen und er habe zunehmend Mühe mit der Seitelevation des rechten Armes. Diesen könne er aktuell praktisch nicht mehr brauchen. Zudem leide er an einem Instabilitätsgefühl im rechten Fus
s. Er sei deswegen auch schon hin
gefallen. Im Haushalt könne er nichts machen, er habe aber in der Zwischenzeit gelernt, mit der linken Hand zu essen. Er sei weitge
hend vollständig auf Hilfe eines befreundeten Ehepaares angewiesen (S. 23).
Die Gutachter führten aus, r
ein somatisch sei die kursorisch-int
ernistische U
nter
suchung unauffällig. Insbesondere seien passiv geprüft sämtliche Bewe
gungen ohne
artikuläres
Bewegungsgeräusch al
tersnormal. Die Widerstandstests
seien wegen massiver Selbstlimitierung nich
t prüfbar, ebenso die Krafttests
des ganzen rechten Armes (S. 24 unten). Au
ch aus dem umfangreichen B
ildmaterial ergebe sich keine relevante strukturelle oder funktionell anatomische Verände
rung zur Erklärung der angegebenen Beschwerden und vor allem der massiven Auswirkung auf den Alltag
. Jedoch liege
die Hauptproblematik und „der Schlüssel der Lösung“ nicht auf somatischem Gebiet, sondern einzig relevant zum besseren Verständnis sei das psychiatrische
Konsiliargutachten
(S. 25
).
Den Ausführungen des begutachtenden Psychiaters
ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer das Ausmass seiner Familientragödie mit diversen Familien
angehörigen, welche an Krebs erkrankt oder gestorben seien, und mit seiner ebenfalls an einem metastasierenden Karzinom erkrankten Ehefrau nicht wahr
nehmen und nicht adäquat verarbeiten könne, dabei seine vorhandenen Emo
tionen verdränge und seine missliche Situation nicht anders als durch die ange
gebenen Schmerzen und seine Hilflosigkeit im Alltag ausdrücken könne. In diesem Rahmen sei die psychiatrisch diagnostizierte schwere depressive Störung zu interpretieren. Aufgrund der Aktenlage sei primär von einer Anpassungsstörung mit mittelschwerer depressiver Reaktion nach dem Unfall auszugehen. Nach der Diagnose des Magenkarzinoms der Ehefrau im Jahr 2005
dürfte die depressive Störung das jetzige Ausmass erre
icht haben
(S. 26)
.
Aus gesamtgutachterlicher Sicht sei der Beschwerdeführer in der zuletzt ausge
übten Tätigkeit sowie in jeder anderen Tätigkeit rein aus psychiatrischen Grün
den
wegen der schweren depressiven Störung vollständig arbeitsunfähig (S. 28 Ziff. 5.1 f.).
3.2
3.2.1
In der nun strittigen Verfügung stützte sich die Beschwerdegegnerin im Wesent
lichen auf d
ie
Gutachten
von
Dr.
B._
(Urk. 9/197)
und
Dr.
C._
(Urk. 9/200) jeweils
vom 12. März 2012
sowie d
i
e interdisziplinäre Beurteilung vom 16. März 2012 (Urk. 9/198).
3.2.2
Dr.
B._
führte in seinem rheumatologischen Gutachten aus (Urk. 9/197)
, er habe an den oberen Extremitäten keinen klinisch-pathologischen Befund und keinen Hinweis auf eine funktionelle Einschränkung objektivieren können. Zwar
bewe
ge
der Beschwerdeführer seinen Arm und seine rechte Hand phasenweise nicht,
jedoch habe im Vergleich zum MEDAS
-Gutachten vom September 2007 eine Verbesserung stattgefunden: Er
könne
den rechten Arm wieder aktiv mit vollem Bewegungsausmass
bewegen
und das Ausmass der Sensibilitätsstörung habe deutlich a
bgenommen
. Sodann könne im Vergleich zum M
EDAS
-Gutachten keine verstärkte Brustkyphose mehr objektiviert werden, die Halswirbelsäule sei frei beweglich und es könne kein Beckentiefstand mehr bestätigt werden. Ebenfalls sei kein pathologischer Weichteilbefund im Bereich des
musculus
levator
scapulae
rechts mehr objektivierbar, die Brustwirbelsäule sei nicht mehr eingeschränkt beweglich und der Finger-Boden
-Abstand habe sich normalisiert
. Weiter seien die Ober- und Unterschenkelumfänge wieder
symmetrisch ausge
prägt
.
Im Vergleich zum MEDAS
-Gutachten sei sodann nicht mehr von einem
Alkoholabusus
auszugehen (S.
11 ff.
).
3.2.3
Dr.
C._
hielt in seinem Gutachten (Urk. 9/200) fest, der Beschwerdeführer sei grundsätzlich der Meinung, nur körperlich krank zu sein (S. 5 unten). Er sei während der Untersuchung ausgeglichen und fröhlich und zeige eine positive Lebensauffassung. Zudem könne er mit dem Übersetzer Spässe au
stauschen. Im Alltag sei er akti
v, pflege Kontakte mit Freunden
aus F._
und treffe diese regelmässig. Seine Wohnsituation scheine günstig zu sein, da er bei der Nichte und deren Familie wohnen könne. Der Beschwerdeführer habe angege
ben, sich von den Verstimmungen gelöst zu haben, als sich 2010 abzeichnete, dass seine Frau die Krebskrankheit überleben werde. Er fühle sich se
ither nicht mehr depressiv. Er habe nach seinen Angaben
bereits anlässlich der Begutach
tung in der M
EDAS
nicht mehr unter Verstimmungen gelitten
(S. 8 oben)
.
Nach Einschätzung von
Dr.
C._
zeige der Verlauf, dass der Beschwerde
führer von 2004 bis 2005 an einer längeren depressiven Reaktion gelitten habe, welche sich zurückgebildet habe
. Anschliessend habe es eine Verlagerung vom psychogenen auf das psychosomatische Gebiet gegeben. Unterdessen sei offen
sichtlich, dass der Beschwerdeführer an einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung leide. In dieses Kapitel falle auch das Schonen des rechten Armes
, wobei
Dr.
B._
beobachtet habe, dass die Muskulatur des rechten Armes gleich stark wie jene des linken Armes sei, was darauf hinweise, dass die Anga
ben des Beschwerdeführers nicht objektivierbar seien. Der Beschwerdeführer lasse sich nicht psychiatrisch behandeln und die vom Hausarzt abgegebenen antidepressiv wirkenden Medikamente nehme er gemäss dem Laborbefund nicht in therapeutisch wirksamer Dosierung ein (S. 8
Mitte
). Die diagnostizierte an
haltende
somatoforme
Schmerzstörung schränke die Arbeitsfähigkeit nicht ein und es könne insbesondere keine psychische
Komorbidität
nachgewiesen wer
den (S. 9 f.). Der p
sychische Gesundheitszustand habe
sich im Vergleich zur Situation anlässlich der M
EDAS
-Begutachtung deutlich verbessert, insbesondere habe sich die depressive Reaktion endgültig zurückgebildet (S. 12 Zusatzfragen).
3.2.4
Gesamthaft habe a
us interdis
ziplinärer Sicht keine Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden
können
. Als Diagnosen ohne langdauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
stellten
die Gutachter
die folgende
n
(vgl. Urk. 9/197/8-9, 9/200/10):
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
chronisches Schmerzsyndrom der ganzen rechten Körperhälfte und des linken Beines
Gonarthrosen
panvertebrales Schmerzsyndrom mit
spondylogener
Ausstrahlung in die Extremitäten
Übergewicht
arterielle Hypertonie
Diabetes mellitus Typ II
Nikotinkonsum von zirka 15 pack
years
anamnestisch Reizmagen-Syndrom
chronisch venöse Insuffizienz der Beine
Sowohl aus somatisch-rheumatologischer als auch aus psychiatrischer Sicht bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit für die vom Beschwerdeführer bisher ausge
übten beruflichen Tätigkeiten. Haushaltarbeiten mit einem leicht- bis mittelgra
dig körperlich belastenden Arbeitsprofil seien ihm aus rein somatisch-rheuma
tologischer Sicht ebenfalls zumutbar (Urk. 9/198).
4.
4.1
Gesamthaft entspr
e
chen die Gutachten von
Dr.
B._
und
Dr.
C._
(
vorste
hend
E. 3.2.1 ff.) den erforderlichen Kriterien (vgl. E. 1.4): Der Beschwerdeführer wurde seinen geltend gemachten Beschwerden entsp
rechend umfassend abge
klärt, die
Gutachten beruh
en
auf allseitigen Untersuchungen
(
Urk. 9/197 S. 3-5 sowie S. 9 ff., Urk. 9/200/6-7
), berücksichtig
en
die geklagten Beschwerden (
Urk. 9/197/2-3
, Urk. 9/200/4-5
) und wurde
n
in Kenntnis der
Vorakten
(Anam
nese) abgegeben (
Urk. 9/197/5-8, Urk. 9/200/2-3
). Sodann sind die Darlegungen der medizinischen Zusammenhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend und die Schlussfolgerungen in der Expertise sind be
gründet (
Urk. 9/197/9-16, Urk. 9/198
, Urk. 9/200/7-12
).
Die Gutachter legten nachvollziehbar dar, dass sich der Gesundheitszustand
be
sonders aus psychiatrischer Sicht - erheblich verbessert hat, da sich zwi
schenzeitlich die Depression zurückgebildet hat.
4.2
4.2.1
Zum somatischen Gesundheitszustand und insbesondere zur Beurteilung
durch
Dr.
B._
äusserte sich der Besc
hwerdeführer nicht.
Bestritten hatte er jedoch die Zumutbarkeit einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht.
G
egen das Gutachten von
Dr.
C._
brachte er
einzig vor, dieses sei nicht nachvoll
ziehbar, da
Dr.
C._
unter dem Titel „Affektivität“ festgehalten habe, dass der Beschwerdeführer oft Spässe machen könne. Diese Feststellung
habe d
er
Gutachter
kritischer würdigen müssen angesichts des Umstandes,
dass anläss
lich der M
EDAS
-Begut
achtung vom Psychiater die Stimmung als wechselhaft, einerseits gedrückt und besorgt, andererseits dissimulierend oder spaltend mit der Bemühung, Freude und Hoffnung zu zeigen, beschrieben habe (vgl. Urk. 18 S. 3 unten). Diese Argumentation vermag
nicht zu überzeugen und
das Gut
achten von
Dr.
C._
und insbesondere die Nachvollziehbarkeit seiner Be
ur
teilung
nicht in Frage zu stellen:
Denn a
uf eine
V
erbesserung
des psychischen Zustandes weisen nebst den Einschätzungen von
Dr.
C._
auch weitere Umstände
hin,
insbesondere jener,
dass
d
er
Beschwerdeführer
keine
psychothe
rapeutische Behandlung
mehr
in Anspruch nahm
. Erst nach Erhalt des Vorbe
scheides vom 15. September 2011 vereinbarte er
angeblich
einen Termin bei einer Psychotherapeuti
n (vgl. Urk. 9/176/1
in Verbindung mit
Urk.
9/177/2
), die er aber nach eigenen Angaben nur einmal
konsultierte
(vgl.
Urk.
9/200/5)
.
Auch
Dr.
med.
G._
, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie, besuchte er nur ein einziges Mal (vgl. Urk. 9/188/5).
Über die Weiter
führung einer psychiatrischen Therapie sei er unschlüssig, da es ihm psychisch recht gut gehe, wie er gegenüber
Dr.
C._
verlauten liess (vgl. Urk. 9/200/5 oben).
D
er subjektive Leidensdruck
ist also
seit
längerem
offenbar nicht mehr von einer Intensität, die den Beschwerdeführer veranlasst hätte, weiterhin
und regelmässig
ei
ne psychiatrische Behandlung i
n Anspruch zu nehmen.
4.2.2
Eine psychiatrische Behandlung erfolgte erst wieder ab dem 25. September 2012
(Urk. 19/1-2)
: Ab diesem Datum bis zum 19. Dezember 2012 wurde er in der
psychiatrischen Klinik E._
stationär
behandelt und i
hm wurde während diesen knapp drei
Monaten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die Ärzte diagnostizierten
–
nach
dem sie zunächst von einer schweren depressiven Episode ausgegangen waren (vgl.
Urk.
19/2 S. 1)
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.2), eine
somatoforme
sensomotorische
Hemisymptomatik
rechts (ICD-10 F45.8) und eine
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.1; Urk. 19/1).
Mit Bericht vom 6. März 2013 (Urk. 24) führte
Dr.
med
.
H._
, Oberarzt
Klinik E._
aus, der Beschwerde
füh
rer sei seit
Anfang
Januar 2013
bei ihm
in ambulanter Behandlung und diagnostizierte unter anderem eine rezidivierende depressive Episode, ge
gen
wärtig mittelgradige Episode mit eingeschränkt psychotischen Symptomen (S. 1 Ziff. 1 f.). Die Beurteilung
durch
Dr.
C._
sei gut nachvollziehbar und bilde den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zum damaligen Zeitpunkt sowie bezüglich der Schmerzsymptomatik auch zum jetzigen Zeitpunkt ab (S. 1 Ziff. 3). Derzeit sei
d
er
Beschwerdeführer
aufgrund der mittelschweren depressi
ven Erkrankung nicht arbeitsfähig (S. 2 Ziff. 4). Diese Ausführungen zeigen, dass auch aus Sicht von
Dr.
H._
die Einschätzung von
Dr.
C._
rück
blickend
nicht
zu
beanstande
n
sind
.
Sowe
it die Berichte der Ärzte der
K
linik E._
je
doch eine Verschlechterung ab dem 25. September 2012
geltend machen
und damit
die Zeit nach dem Datum der angefochtenen Verfügung vom 18. Juli 2012, die die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 131 V 9 E. 1, 130 V 445 E. 1.2, 122 V 77 E. 2b, je mit Hinweis), betreffen, wäre dem im Rahmen eines neuen Revisionsverfahrens Rechnung zu tragen.
4.2.3
Gegen die Ansicht des Beschwerdeführers, es habe auch im Zeitpunkt der Be
gut
achtung bei
Dr.
C._
ein im Vergleich zur M
EDAS
-Begutachtung un
ver
änderter psychischer Gesundheitszustand und eine mindestens mittelgradige depressive Episode vorgelegen, spricht
im
W
eiter
en
seine
Alltagsgestaltung: Nach eigenen Angaben
gehe er regelmässig jeweils morgens nach dem Erledi
gen seiner Bewegungsübungen spazieren und
treffe
Freunde
(vgl. Urk. 9/200/5 Mitte).
Weiter ist nicht nachvollziehbar, dass
im Zeitpunkt der Begutachtung
nach wie vor eine Depression
hätte
vorliegen solle
n
, eine solche jedoch trotz unzureichender Medikamenteneinnahme vom begutachtenden Psychiater nicht
einmal
ansatzweise festgestellt werden konnte (vgl. E. 3.2.3).
4.3
An der Beweiskraft des Gutachtens von
Dr.
C._
und
Dr.
B._
vermag auch die Beurteilung
durch
Hausarzt
Dr.
D._
(vgl. Bericht vom 24. Oktober 2011, Urk. 9/180; Schreiben vom 1. Dezember 2011, Urk. 9/186/5; Schreiben vom 30. August 2012, Urk. 3/3)
nichts zu ändern.
Es
ist zu berücksichtigen, dass es sich bei
Dr.
D._
um eine
n Allgemeinmediziner
und nicht um eine
n
psychiatrische
n Facha
rzt
handelt
, was den Beweiswert
seiner
Stellung
nahmen zum psychischen Gesundhe
itszustand des Beschwerdeführers
entspre
chend mindert (vgl. Urteil des Bundesgericht 9C_736/2009 vom 2
6.
Januar 2010 E. 2.1).
Ohnehin ist b
ei Berichten von Hausärzten und
behandelnden Ärzten
der Erfah
rungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen). Zwar kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte oft wertvolle Erkenntnisse hervorbringen. Jedoch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des bestellten fachmedizinischen Experten andererseits nicht zu, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärun
gen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschät
zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, da die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benennen, welche im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des B
undesgerichts
8C_278/2011 vom 2
6.
Juli 2011 E. 5.3; SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.2.1). Dies ist vorliegend nicht der Fall.
4.4
Die Gutachten von
Dr.
C._
und
Dr.
B._
, wonach der Beschwerdeführer in sämtlichen bisher ausgeübten Tätigkeit
en
zu 100 % arbeitsfähig ist, erweist sich somit als überzeugend und wird durch die Berichte der behandelnden Ärzte nicht in Frage gestellt. Es genügt in jeder Hinsicht den geltenden Anforderun
gen
(vorstehend E. 1.4)
, weshalb darauf abgestellt werden kann.
Damit ist der Sachverhalt in der Weise erstellt, von der auch die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung ausgegangen ist, und die beschwerdeweise dagegen angeführten Gesichtspunkte erweisen sich als nicht
stichhaltig. Dementsprechend sind eine revisionsrelevante Veränderung und das Fehlen einer anspruchsbegründenden Invalidität ausgewiesen. Somit ist die angefoch
tene Verfügung nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und
auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen
, infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen, unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgerichts (
GSVGer
), auf die Gerichtskasse zu nehmen.