Decision ID: 2fe9aecd-194c-5de1-9efe-f3ec77fc8165
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1973 geborene
X._
war
ab 1. September 2007 in einem Pensum von 60 % bei der
Y._
angestellt
und dadurc
h bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) ge
gen die Folgen von Unfällen versichert, als sie am 16. November 2007 einen Autounfall (Frontal
kollision) erlitt (Schadenmeldung vom 14. Dezember
2007, Urk.
2/
11/2 S. 1). Vom
16. bis am 23. November 2007 wurde sie im Kreisspital
Z._
hospitalisiert. Dem Austrittsbericht vom 23. November 2007 sind die Diagnosen
eines HWS-Distorsionstraumas, einer Schädelprellung, einer
Knie
kontusion
beid
seits sowie einer Schulterkontusion links zu entnehmen (Urk.
2/
11/1 S. 5). Nach
dem die
Y._
das Ar
beitsverhältnis mit der Ver
sicherten per 30. November 2007 gekündigt hatte (Urk.
2/
11/7), nahm die Ver
sicherte Anfang Januar 2008 - ebenfalls im Umfang von 60 % - eine neue Erwerbstätigkeit bei der
A._
auf (Urk.
2/
11/9 S. 2). Die Suva richtete der Versicherten für die Zeit vom Spital
austritt bis nach Bestehen der Probezeit Ende März 2008 Taggeldleistungen aus (Urk.
2/
11/52, Urk.
2/
11/105). Ebenso übernahm sie die Kosten für den statio
nären Aufenthalt der Versicher
ten im
Kreisspital
Z._
(Urk.
2/
11/15) sowie für weitere
Heil
massnahmen
(Urk.
2/
11/52 S. 1). Die Über
nahme der Kosten für die 2009 erfolgte ambulante psychiatrisch-psychothera
peutische Behandlung im Sana
torium
B._
lehnte sie in der Folge ab (vgl. Urk.
2/
11/116-118 und Urk.
2/
11/244-45).
Mit Schreiben vom
27. Mai 2011 teilte die Suva der Versicherten mit, dass eine richtunggebende Verschlimmerung der vorbestehenden hereditären spastischen Paraparese als Unfallfolge nicht nachgewiesen sei, und bezüglich der psychoso
matischen Beschwerden erachte sie ihre Leistungspflicht mangels adäquatem Kausalzusammenhang nicht als gegeben
(Urk.
2/
11/
132). Dazu nahm die
Versi
cherte
am 31. Mai 2011 Stellung
(Urk.
2/
11/
133). Im weiteren Verlauf holte die Suva
die Gutachten des Universitätsklinikums
C._
ein: das klinisch-psy
chologische vom 19. November 2012 (Urk.
2/
11/209), das psychiatrische vom 17. November 2012 (Urk.
2/
11/211) und das neurologische vom 15. Mai 2013 (Urk.
2/
11/220)
. M
it Verfügung vom
30. Oktober 2013 vernein
te die Suva
eine weitere Leistungspflicht
. Dies mit der
am 27. Mai 2011
angekündigten
Begrün
dung
,
welcher sie anfügte, die Nackenbeschw
erden könnten nicht mit über
wie
gender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückgeführt werden (Urk.
2/
11/237).
G
egen die Verfü
gung der Suva vom
30. Oktober 2013 erhob die Versicherte am 1. November
2013, ergänzt am
10. März
2014,
Einsprache
(Urk.
2/
11/242
, Urk.
2/
11/263
).
Der Krankenversicherer KPT Krankenkasse AG erhob am 1. November 2013 ebenfalls vorsorglich Einsprache (Urk.
2/
11/241),
erklärte indes am 11. November 2013, die vorsorgliche Einsprache sei als ge
ge
n
stands
los anzusehen (Urk.
2/
11/244 S. 1). Am 2. Dezember 2013 beantragte sie wiede
rum die Ansetzung einer Frist zur Begründung der Einsprache (Urk.
2/
11/249), was die Suva unter Hinweis auf die Unwiderruflichkeit eines
Einspracherück
zugs
ablehnte (Schreiben vom 4. Dezember 2013, Urk.
2/
11/250). Nichtsdestotrotz reichte die KPT Krankenkasse AG (in der Folge: KPT) am 19. Dezember 2013 eine Einsprache ein (Urk.
2/
11/257). Darauf trat die Suva in ihrem
Einsprache
entscheid
vom 17. März 2014 nicht ein. Die Einsprache der Versicherten wies sie mit demselben
Einspracheentscheid
ab (Urk.
2/
11/265
=
Urk.
2/
2).
1.2
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 17. März 2014 erhob
X._
mit Ein
gabe vom 14. April 2014 Beschwerde und beantragte, der angefochtene
Ein
spra
cheentscheid
sowie die Verfügung vom 30. Oktober 2013 seien aufzuheben und
die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistun
gen zu
erbringen (Urk.
2/
1 S. 2; Prozess Nr. UV.2014.00086). In prozessualer Hinsicht be
antragte sie zudem die Durchführung einer Referentenaudienz (Urk.
2/
1 S. 5).
Mit Eingabe vom
2. Mai
2014 erhob auch
die KPT Beschwerde
ge
gen
den
Ein
spracheentscheid
der Suva vom 17. März
2014. Sie beantragte, der an
ge
foch
tene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen gemäss dem Bundesgesetz über die Un
fallversicherung (UVG) zu erbringen, insbesondere seien die für die psychiat
risch-psychotherapeutische Behandlung im Sanatorium
B._
angefallenen Kosten zu übernehmen (Urk.
2/
6/1 S. 2; Prozess Nr. UV.2014.00099).
Mit gerichtlicher Verfü
gung vom
6. Mai
2014
wurde
der
Prozess Nr.
U
V.201
4
.00
099
mit dem Ver
fahren
Nr. UV.2014.00086
vereinigt und als dadurch erle
digt abgeschrieben (Urk.
2/
7). Mit
Beschwer
de
antwort
vom
23. Juni 2014
beantragte die
Suva
die
vollumfängliche Ab
wei
sung der Beschwerde
der Versi
cherten sowie derjenigen der KPT, soweit überhaupt darauf einzutreten sei
(Urk.
2/
1
0
).
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an den von ihnen gestellten Anträgen fest (Replik der Beschwerdeführerin 2 [KPT] vom 27. Oktober 2014,
Urk.
2/
27; Replik der Beschwerdeführerin 1 [
X._
] vom 17. November 2014,
Urk.
2/
30; Duplik der Beschwerdegegnerin vom 19. Dezember 2014,
Urk.
2/
33). Die Beschwerdeführerin 1 stellte indes zusätzlich den Eventualan
trag auf Rückweisung der
Angelegenheit an die Vorinstanz, damit diese an spezi
alisierter und fachkompetenter Stelle ein neues Gutachten erstellen lasse. Weiter beantragte sie, es sei eine öffentlich Verhandlung durchzuführen, es
seien Prof. Dr. med. D._
,
Facharzt
für
Neurologie, und Dr. med. E._
,
Facharzt
für Allgemeine Medizin, als sachverständige Zeugen einzu
vernehmen und es sei ein gerichtliches Obergutachten in Auftrag zu geben
(Urk.
2/
30 S. 2). Die Duplik der Beschwerdegegnerin wurde den Beschwerdeführe
rinnen am 22. Dezember 2014 zur Kenntnis gebracht
(Urk.
2/
34).
Mit Urteil
U
V.201
4
.00
086
vom
29
. M
ai
2015
wies
das Sozialversicherungsgericht des Kan
tons Zürich die
Beschwerden ab
(Urk. 2/
35
).
1.3
Die
Beschwerdeführerin 1
focht das Urteil des hiesigen Gerichts mit Beschwerde
vom
13
.
Juli
2015 beim Bundesgericht an und beantragte
, es sei die Ziffer 1 des angefochtenen Urteils aufzuheben und die Beschwerdegegnerin
sei anzuweisen, ihr eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
sowie eine
Integ
ritätsentschädigung
von mindestens 50
%
zuzusprechen.
Eventualiter
s
e
i
Zif
fer 1 des angefochtenen Urteils aufzuheben und die Angelegenheit
an die Vo
rinstanz
zurückzuweisen, um an spezialisierter und fachkompetenter Stelle ein neues Gutachten erstellen zu lassen
(Urk. 2/
37
S. 3
). Das Bundesgericht hiess ihre Beschwerde mit Ur
teil
8
C_
515
/2015 vom
16. November
2015
teilweise
gut, hob den Entscheid des
Sozialversiche
rungs
gerichts
des Kantons Zürich vom
29
. M
ai
2015 auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung an dieses zurück (Urk. 1 S.
6
).
2.
In Nachachtung des Bundesgerichtsurteils wurden die Parteien zur Haupt
verhandlung vom
8.
April 2016 vorgeladen (Urk. 3). Anlässlich der
öffentlichen
Verhandlung wurden die Triplik sowie die
Quadruplik
erstattet und es wurden Ergänzungsfragen gestellt (Urk. 7). Die Beschwerdeführerin 1
hielt an ihrem Antrag auf eine ganze Rente fest und
stellte den Verfahrensantrag, es sei eine neue Begutachtung anzuordnen oder die Angelegenheit sei zur weiteren Begut
achtung zurückzuweisen (Urk. 7 S. 3).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zu prüfen ist vorerst, ob auf die Beschwerde der KPT überhaupt einzutreten ist. Nach Erhalt der Verfügung der Suva vom 30. Oktober 2013 (Urk.
2/
11/237) hatte die KPT zuerst vorsorglich Einsprache erhoben (Urk.
2/
11/241). Nach Ein
sicht in die Akten (Urk.
2/
11/239) führte sie dann aus, ihre vorsorgliche Ein
sprache sei mangels Betroffenheit und somit fehlender Legitimation als gegen
standslos an
zusehen (Urk.
2/
11/244 S. 1). Dabei handelte es sich materiell um einen Rückzug der Einsprache. Von welchen Überlegungen sich die KPT beim Rückzug ihrer Einsprache leiten liess, ist nicht von Bedeutung. Wie dargelegt hatte sie im Zeit
punkt des Rückzugs sowohl von der Verfügung vom 30. Oktober 2013 als auch von den vorhandenen Akten Kenntnis. Die Einspra
che ist ein förmliches Rechts
mittel (BGE 133 V 50 E 4.2.2) und der Rückzug eines Rechtsmittels ist unwiderruflich (Urteil des Bundesgerichts 8C_253/2008 vom 16. Oktober
2008, E.
3). So beendet der Rückzug einer Einsprache das
Ein
s
pracheverfahren
und lässt die zugrunde liegende Verfügung verbindlich werden
(
Kieser
, ATSG-Kom
mentar,
3
.
Aufl. 20
15
,
N
58
zu Art. 52
ATSG
). Somit stand es der KPT nicht zu, auf ihre Rückzugserklärung zurückzukommen. Dem
zufolge ist die Suva auf ihre erneut erhobene Einsprache zu Recht nicht einge
treten, wes
halb die hiergegen erhobene Beschwerde der Beschwerde
führerin 2 (KPT) abzu
weisen ist.
1.2
Ebenfalls vorab zu behandeln ist das Argument der Versicherten, wonach der angefochtene Entscheid nichtig sei. Dies wegen des fehlenden Hinweises auf den gesetzlichen Fristenstillstand in der Rechtsmittelbelehrung, was eine grobe Fehlerhaftigkeit darstelle (Urk.
2/
1 S. 4).
Aus einer mangelhaften Eröffnung darf der betroffenen Person kein Nachteil entstehen (Art. 49 Abs. 3 ATSG). Demnach muss so verfahren werden, dass die Möglichkeit, ein Rechtsmittel zu ergreifen, nicht eingeschränkt oder vereitelt wird
. Hingegen kann aus dem Grundsatz, dass den Parteien aus mangelhafter Eröffnung keine Nachteile erwachsen dürfen, nicht eine Nichtigkeit der Ent
scheidung abgeleitet werden
(
Kieser
,
a.a.O.
,
N
61 und N 62
zu Art. 49
ATSG
, mit Hin
weis). Der fehlende Hinweis auf einen Fristenstillstand ist von Vornherein nicht geeignet, der
beschwerde
führenden
Person einen Nachteil zuzufügen, da der Fristenstillstand zu einer Verlängerung der Frist führt und somit keine Ge
fahr einer Säumnis besteht. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde materiell zu prüfen.
2.
2.1
Gemäss Art. 6 UVG werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
k
rankheiten gewährt (Abs. 1).
2.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natür
lichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit an
dern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers set
zt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische
Ge
sundheitsschädigung
herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergan
ge
nen
Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psy
chische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut ver
kraf
ten als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus
versiche
rungs
mässiger
Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S.
288 E.
3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinwei
sen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - folgende Einteilung
vor
genommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere
Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
2.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vor
ak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungs
recht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
ach
terin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 122 V 15
7 E. 1c; vgl. auch 123 V 331 E.
1c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen
Einspracheentscheid
gestützt auf die Gutachten des Universitätsklinikums
C._
auf den Stand
punkt, das Unfallereignis vom 16. November 2007 habe nur zu einer vorüber
gehenden Verschlechterung der aufgrund der hereditären spastischen Spinal
pa
ralyse bestehenden Beschwerdeproblematik geführt. Hingegen sei es durch das Unfallereignis nicht zu einer spinalen Verletzung mit persistierender Sympto
matik gekommen. Eine ursächliche Verschlimmerung der vorbekannten heredi
tä
ren spastischen Spinalparalyse sei unwahrscheinlich. Der Status quo sine sei im Verlauf des Jahres 2008 erreicht worden. Auch die Nackenschmerzen stün
den im Zusammenhang mit der hereditären spastischen Spinalparalyse, weshalb diesbezüglich ebenfalls der Status quo sine eingetreten sei. Die post
traumatische Belastungsstörung sei im Sinne eines natürlichen Kausalzusam
menhangs mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen und habe zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung des Vorzustandes der Versicherten geführt. Die geklagten Beschwerden wie Gedächtnisstörungen,
Merkfähigkeits
einschränkun
gen
und Schlafstörungen seien hierunter zu subsu
mieren (Urk.
2/
2 S. 6-8). Diese Beschwerden stünden jedoch nicht in einem adä
quaten Kausal
zusammenhang zum als mittelschwer einzustufenden Unfall, denn von den
Adä
quanzkriterien
gemäss Psycho-Praxis sei keines oder höchstens ei
nes (körper
liche
Dauer
schmerzen
) in nicht ausgeprägtem Ausmass erfüllt (Urk.
2/
2 S. 9).
In der Beschwerdeantwort wies die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass im Zeitpunkt der Aufnahme der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung im Sanatorium
B._
am 27. Februar 2009 die Unfallfolgen bereits abge
klungen
gewesen seien und zwischen den psychischen Beschwerden und dem Unfall kein adäquater Kausalzusammenhang vorgelegen habe (Urk.
2/
10 S. 5).
Anlässlich der Hauptverhandlung hielt sie daran fest, dass der Sachverhalt aus
reichend und korrekt abgeklärt worden sei und die Unfallkausalität gestützt darauf
zu verneinen
sei (Urk. 7 S. 5-6).
3.2
Die Versicherte machte in ihrer Beschwerde vorerst geltend, der angefochtene Entscheid sei wegen einer grob fehlerhaften Rechtsmittelbelehrung (kein Hin
weis auf den gesetzlichen Fristenstillstand) nichtig (Urk.
2/
1 S. 4). Zur Sache führte sie aus, es habe sich um einen sehr schweren Verkehrsunfall gehandelt, der zu bleibenden Verletzungen von Körper und Seele geführt habe (Urk.
2/
1 S. 7
-
8). Der Unfall habe die Verschlechterung des Gesundheitszustands be
schleunigt (Urk.
2/
1 S. 11).
Weiter brachte sie - mit näherer Begründung - vor, das Abklärungsverfahren leide an zahlreichen Mängeln (Urk.
2/
1 S. 9). Namentlich äussere sich das Gut
achten des Universitätsklinikums
C._
unzureichend zur Beurteilung durch Prof.
D._
, bei welchem fremdanamnestische Angaben einzuholen gewe
sen wären. Ferner wäre ihrer Ansicht nach den behandelnden Ärzten Gelegen
heit zur Stellungnahme zum Gutachten zu geben gewesen (Urk.
2/
1 S. 20, Urk.
2/
30 S. 22). Auch sei es wegen fehlender Fachkompetenz, mangelndem Vertrauens
verhältnis zwischen der Versicherten und dem neurologischen Ex
perten Prof. Dr. med. F._
, wegen seines unsystematischen Aufbaus, des fehlen
den Konsiliums, nicht zu den Akten genommenen Teilgutachten (un
ter anderem im Bereich der Neurophysiologie) sowie wegen des Fehlens einer Untersuchung des HWS-Distorsionstraumas und der Schädelprellung, welche möglicherweise zu den von der klinisch-psychologischen Gutachterin beobach
teten Beeinträch
tigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit geführt hätten, nicht
beweiskräftig (Urk.
2/
30 S. 13-21, Urk.
2/
30 S. 27). Zudem sei das neuro
logische Gutachten widersprüchlich, denn wenn der Unfall als initiales Ereignis nicht auszuschlies
sen sei, sei der Vorfall überwiegend wahrscheinlich ursächlich (Urk.
2/
30 S. 21). Bei der Begutachtung zu Unrecht unberücksichtigt geblieben seien ihr Gehör
schaden, ihre Zahnschäden sowie die Traumata von
Halswirbel
säule
, Schädel und Hirn (Urk.
2/
1 S. 14, Urk.
2/
30 S. 19).
Weiter hätte
ihrer Auffassung nach die Entwicklung des Gesundheitszustandes ihrer an der glei
chen Krankheit leiden
den Mutter berücksichtigt werden müssen und die Begut
achtung hätte durch ein Kompetenzzentrum erfolgen müssen (Urk.
2/
1 S. 16, Urk.
2/
30 S. 22, Urk.
2/
30 S. 25 Ziff. 74).
In ihrer Replik machte sie weitere formelle Einwendungen gegen die Begutach
tung im Universitätsklinikum
C._
und legte die Notwendigkeit weiterer Beweiserhebungen dar (Urk.
2/
30 S. 3-6). Ferner schilderte sie den Unfallher
gang sowie die in der Folge aufgetretenen Beschwerden, deren Unfallkausalität gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärzte - insbesondere des Spezialis
ten Prof.
D._
, dessen Begründung einleuchte - zu bejahen sei (Urk.
2/
30 S. 6-13, Urk.
2/
30 S. 24 f.). Prof.
F._
habe das Vorliegen einer
Contusio
spi
nalis
verneint, was seiner eigenen Befundung widerspreche. Mit dem Vor
liegen einer Commotio
spinalis
habe er sich zu wenig befasst. Diese könne die ge
klag
ten Beschwerden indes erklären (Urk.
2/
30 S. 23). Zudem seien die Zu
nahme der Spastik und der Migräne sowie die Beinlähmung zellbiologisch nachweisbar (Urk.
2/
30 S. 25 Ziff. 73).
Weiter machte sie Ausführungen dazu, weshalb der adäquate Kausalzusammen
hang zwischen dem Unfall vom 16. November 2007 und der komplexen post
traumatischen Belastungsstörung gegeben sei (Urk.
2/
30 S. 28-32). Ferner sei der natürliche Kausalzusammenhang klarerweise gegeben und die Anwendung der Adäquanzkriterien entbehre einer gesetzlichen Grundlage, was einen Ver
stoss gegen das Legalitätsprinzip im Sinne von Art. 6 der
Europäischen
Menschen
rechtskonvention
(EMRK) darstelle. Zusätzlich liege durch die unglei
che
Behand
lung von psychischen und somatogenen Leiden eine Diskriminie
rung im Sinne von Art. 8 in Verbindung mit Art. 14 EMRK vor
(Urk.
2/
30 S. 32-35).
Anlässlich der Hauptverhandlung
brachte sie erneut Einwendungen gegen das Gutachten des Universitätsklinikums
C._
vor und
machte geltend, es habe sich um ein schweres Unfallereignis gehandelt
und
ihr Mitochondrien- und Glukosekreislauf
, der sich durch den Unfall verändert habe,
sei zellbiologisch abzuklären
(Urk.
7 S. 2-
5
und S. 7
)
.
Ferner seien erneut neurologische Begut
achtungen durchzuführen
(Urk.
7 S. 6 f.).
4.
4.1
Unmittelbar nach dem Unfallereignis vom 16
. November 2007 wurde die Ver
si
cherte bis zum 23. November 2007 im Kreisspi
tal
Z._
hos
pitalisiert. Dem Austrittsbericht vom 23. November 2007 sind die Diagnosen
eines HWS-Distorsionstraumas, einer Schädelprellung, einer Kniekontusion beid
seits sowie einer Schulterkontusion links zu entnehmen. Weiter gaben die behandelnden Ärzte an, der
konventionellradiologisch
erhobene Befund der
Hals
wirbelsäule
sowie des Thorax
seien unauffällig. Die lageabhängige
Schwin
del
problematik
habe sich im Verlauf verringert, sodass die Versicherte in gutem Allgemeinzustand ausgetreten sei (Urk.
2/
11/1 S. 5).
4.2
Am 17. Januar 2008 fand eine neurologische Un
tersuchung durch Prof.
D._
statt, über welche er am 22. Januar 2008 berichtete. Dabei klagte die Versicherte laut der Anamneseerhebung durch
Prof.
D._
noch über leich
tere Schmerzen im Oberkörper, Nackenschmerzen mit einem ziehenden Druck, rechts begleitet von Ohrenschmerzen, sowie über
eine Verspannung der Schul
ter
muskulatur links. Lumbale Schmerzen träten nur noch etwa einmal pro Woche während ein paar Stunden auf. Die Kraft in den Beinen habe sich ver
bes
sert, die Spastik sei indes vor allem in der Nacht stärker und von Schmerzen begleitet. Beim Gehen müsse sich die Versicherte stärker konzentrieren und sie leide an Müdigkeit (Urk.
2/
11/31 S. 1). Bei seiner Untersuchung fand Prof.
D._
eine deutliche
Myogelose
und eine leichte Verminderung der Beweglich
keit der Wirbelsäule vor (Urk.
2/
11/31 S. 2). In seiner Beurteilung hielt er fest, die Versicherte leide unfallfremd an einer progredienten neurologischen Krank
heit, nämlich einer komplexen Form der autosomal dominant vererbten spasti
schen Spinalparalyse. Im Vergleich zu seiner letzten Untersuchung könne klar eine Zunahme der Beschwerde sowie objektiv ei
ne Verschlechterung gewisser Be
funde beobachtet werden, was für eine zusätzliche Beeinträchtigung durch den Unfall spreche. Die akute Beinschwäche unmittelbar nach dem Unfall, die sich in der Zwischenzeit wieder gebessert habe, die Zu
nahme der Spastik, das Auf
treten von neuen unwillkürlichen Myoklonien rechts in der Nacht, die klare Zunahme der proximalen Schwäche und der Ataxie sowie die deutliche Ab
nahme des Vibrationssinnes sprächen für eine Kontusion des Spinalmarkes auf der Höhe der Halswirbelsäule während des Unfalls. Diese Verschlechterung könne ganz klar gegenüber der sonstigen Verschlechterung abgegrenzt werden. Der Verlauf werde zeigen, ob die unfallbedingte Verschlechterung der spinalen Affektion vorübergehend oder bleibend sein werde (Urk.
2/
11/31 S. 3).
4.3
Die Versicherte gab am 5. Februar 2008 an, die Schulter- und Knieprellungen seien vollständig abgeheilt. An Verspannungen des Nackens leide sie noch ge
legentlich. Von der von Prof.
D._
festgehaltenen Verschlimmerung habe sie nichts bemerkt (Urk.
2/
11/32 S. 1).
4.4
Am 13. Februar 2008 berichteten die Ärzte der Rehaklinik
G._
über das am Vortag mit der Versicherten durchgeführte Halswirbelsäulen-Assessment. Sie hielten fest, mit einer optimierten Behandlung (häufigere und längere Therapie
sitzungen mit
höherem Anteil an aktiver Bewegungstherapie) sei bei guter Kooperation und Leistungsbereitschaft eine Verbesserung der Beschwerden und der arbeitsbezogenen Belastbarkeit zu erreichen. Vorerst sei die aktuelle Arbeitsfähigkeit von 60 % angepasst (Urk.
2/
11/42/1-3). Sie erhoben allgemein eine Tendenz zur aktiven Verspannung im Schulter-Nackenbereich. Bezüglich der HWS-Rotation im Sitzen merkten sie an, dass diese aktiv aus allen Aus
gangsstellungen heraus nach rechts im letzten Fünftel der Bewegung einge
schränkt sei, dass passiv jedoch allseits eine freie Beweglichkeit ohne sichtliche Stopps bestehe (Urk.
2/
11/42 S. 5).
4.5
Am 16. Juli 2008 untersuchte Prof.
D._
die Versicherte erneut. Dabei gelangte er zum Schluss, die Halswirbelsäulen-Problematik habe sich etwas ge
bessert. Die Versicherte habe nur noch vereinzelt Schmerzen im Nacken. In den letzten zwei Wochen habe sie an Kopfschmerzattacken gelitten, wobei Flimmern mit Kopfschmerzen bereits vor dem Unfall manchmal aufgetreten sei. Bezüglich der spastischen Spinalparalyse seien die Befunde in etwa stabil. Auffällig sei aber die Angabe einer zunehmenden Belastungsintoleranz, sodass sich die Frage stelle, ob nicht eine Muskelbeteiligung am Prozess vorhanden sei, was gut mit einer schon diskutierten
mitochondrialen
Zytopathie
zusammenpassen würde (Urk.
2/
11/65 S. 2-3).
4.6
Der
Suva-Kreisarzt Dr. med. H._
, Facharzt für Chirurgie, gab am 1. Dezember 2008 an, es sei unmöglich, dass der Unfall die vorbestehende Krankheit richtunggebend verschlimmert habe. Mit der Eingliederung sei der Status quo sine erreicht. Der Unfall habe zu keiner Verschlimmerung des neu
rologischen Befundes geführt (Urk.
2/
11/68).
4.7
Am 9. Februar 2009 gab Dr. med.
I._
, Facharzt für Neurologie und Versicherungsmediziner der Suva, seine neurologische Beurteilung ab. Er stu
dierte die Akten betreffend den Zustand vor dem Unfall (Urk.
2/
11/76 S. 4-6) und hielt fest, darin sei eine seit 1996 zunehmende Gangstörung dokumentiert. In
folge der stetigen Zunahme der Beschwerden habe die Versicherte ab Anfang 2007 regelmässig den Rollstuhl gebraucht und am 24. September 2007 habe Prof.
D._
ihre Arbeitsfähigkeit noch auf 60 % eingeschätzt. Aus den Berichten nach dem Unfallereignis seien weder für eine leichte traumatische
Hirn
verletzung
noch für eine Rückenmarkskontusion (
Contusio
spinalis
) auf Höhe
der Halswirbelsäule klinische Hinweise vorhanden. Bei einer
Contusio
spi
nalis
sei in der Bildgebung ein organisches Korrelat nachweisbar und es komme akut zeitnah zum Unfall zu überdauernden neurologischen Funktionsstörungen. Solche seien dem Bericht des Kreisspitals
Z._
nicht zu ent
neh
men. Erst zwei Monate nach dem Unfall habe Prof.
D._
eine Kontu
sion des Rückenmarks postuliert (Urk.
2/
11/76 S. 6-8). Dr.
I._
führte weiter aus, aus dem Vergleich des Berichts des Prof.
D._
vom 14. April 2005 mit je
nem vom 17. Januar 2008 sei keine über das Mass der Erwartung hinaus
ge
hende Zunahme der neurologischen Befunde erkennbar. Zudem handle es sich bei den eine Verschlechterung aufweisenden Befunden um schwer objekti
vier
bare (Urk.
2/
11/76 S. 8). Er zog die Schlussfolgerung, dass es vor dem Hinter
grund der vorbestehenden unfallfremden Diagnose mit progredientem Verlauf und einer
am 27. Juli 2008 von Prof.
D._
in Betracht gezogenen
unfall
fremden
Diagnose einer
mitochondrialen
Zytopathie
(Muskelerkrankung) nicht überwiegend wahrscheinlich sei, dass die ge
ltend gemachte
Befund
ver
schlech
terung
Ausdruck einer richtunggebenden Verschlimmerung infolge des Unfalls sei. Eine unfallbedingte organische Grundlage sei nicht objektiv belegt. Eine
Contusio
spinalis
sei aufgrund der vorliegenden Dokumente nicht über
wiegend wahrscheinlich. Zum Nachweis einer Läsion des Rückenmarks sei eine MRI-Un
tersuchung vorzunehmen (Urk.
2/
11/76 S. 8).
Nachdem eine MRI-Untersuchung des gesamten Rückenmarks durchgeführt wor
den
war, hielt Dr.
I._
am 3. November 2009 gestützt auf die
bildge
ben
den
Materialien sowie de
n Bericht von Dr. med. J._
, Facharzt für Radio
logie, fest, es sei keine unfallbedingte Läsion des
Myelons
(Rücken
marks) nachgewiesen (Urk.
2/
11/264 S. 2). Da weder klinisch noch
bildmorpholo
gisch
Hinweise für eine unfallbedingte
Contusio
spinalis
vorlägen, sei eine richtung
gebende Verschlimmerung der vorbestehenden spastischen hereditären
Parapa
rese
als Folge des Unfalls vom 16. November 2007 nicht überwiegend wahr
scheinlich (Urk.
2/
11/264 S. 3).
4.8
Die Ärztinnen des Sanatoriums
B._
berichteten am 28. September 2009, die Versicherte befinde sich seit dem 27. Februar 2009 in ihrer ambulanten psy
chiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung (Urk.
2/
11/104 S. 3). Sie diag
nos
ti
zierten eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), eine Krank
heit des Nervensystems (ICD-10: Z86.6), eine Einschränkung von Aktivi
täten durch Behinderung (ICD-10: Z73.6) sowie eine Behinderung und chroni
sche Krankheit in der Familienanamnese (ICD-10: Z82). Sie führten aus, die Ver
sicherte sei durch traumatische, unfallbezogene Erinnerungen, die plötzlich vor ihrem geis
tigen Auge aufträten, stark beeinträchtigt. Getriggert würden diese Erinnerun
gen durch Hinweisreize, auf welche sie mit manifesten
Panikat
tacken
reagiere. So leide sie an innerer Unruhe, Anspannung, Schweissausbrü
chen,
Herz
rasen
, Ein- und Durchschlafstörungen, erhöhter Irritabilität, geringe
rer Belast
barkeit und Konzentrationsfähigkeit. Die Entwicklung der posttrauma
tischen
Belas
tungsstörung
und die damit einhergehenden Folgeerscheinungen stünden in eindeutigem zeitlichem und kausalem Zusammenhang zum
Unfaller
eignis
vom 16. November 200
7.
Zusätzlich sei die Versicherte aufgrund vorher
gehen
der Erlebnisse vorbelastet gewesen und die unfallunabhängig eingetre
tene, pro
gre
diente paraparetische Behinderung mit zunehmenden
Funktionsbe
einträchti
gungen
und
Autonomie
verlust
wirke sich erschwerend aus (Urk.
2/
11/104 S. 4). Aufgrund des
chronifizierten
Verlaufs der posttraumati
schen Belastungsstörung sei trotz grundsätzlich guter Möglichkeiten einer günstigen Beeinflussung der Symptomatik von einem langwierigen Verlauf aus
zugehen (Urk.
2/
11/104 S. 5).
4.9
Am 17. Februar 2011 gab Prof.
D._
eine weitere Beurteilung ab, wobei er die Versicherte zuletzt am 7. Juli 2010 untersucht hatte (Urk.
2/
11/124 S. 2). Er führte aus, der Verlauf sei bei der hereditären spastischen Paraparese typischer
weise langsam, beinahe linear progredient und könne sich über Jahrzehnte er
strecken, mit stetiger Zunahme der Gangstörungen, der Muskelschwäche und der weiteren Symptome. Die Mutter der Versicherten leide an derselben geneti
schen Störung, weshalb grundsätzlich mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer analogen Krankheitsentwicklung zu rechnen sei (Urk.
2/
11/124 S. 3). In Ergän
zung zu seinen bisherigen Berichten merkte Prof.
D._
an, der Verlauf belege eine richtungsweisende Verschlimmerung nicht nur vorübergehend unmittelbar nach dem Unfall, sondern auch über den längeren Verlauf (Urk.
2/
11/124 S. 5). Für die sprunghafte, plötzliche Verschlechterung nach dem Unfall könne nicht allein die vorbestehende Krankheit verantwortlich gemacht werden, sondern diese sei auf die Kontusion des Rückenmarkes zurückzuführen und stelle eine typische Symptomatik der unfallbedingten Läsion dar. Allerdings sei der Verlauf nach dem Unfall durch die vorbestehende Krankheit kompliziert worden. Prof.
D._
gab an, auch ohne den Unfall hätte sich die Sym
pto
ma
tik der hereditären spastischen Spinalparalyse verschlechtert. Indes l
iege auf
grund der Befunde sowie mit Blick auf den Verlauf bei der Mutter der Ver
si
cher
ten mit praktischer Sicherheit eine unfallbedingte Beschleunigung des Ver
laufs vor (Urk.
2/
11/124 S. 5-6). Das Trauma des Unfalles vom 16. November 2007 habe geschwächte Gewebestrukturen angetroffen. Infolge der im Rahmen der Distorsion aufgetretenen Kontusion sei es zum typischen Verlauf einer Beinlähmung auf beiden Seiten gekommen, die sich danach wieder verbessert habe. Hinzu sei eine wegweisende Verschlimmerung des Verlaufes der heredi
tären spastischen Spinalparalyse gegeben. Beleg dafür sei das fehlende Errei
chen des Vorzustandes (Urk.
2/
11/124 S. 7). Ferner seien Mitochondrien an den neuralen Strukturen wie Hirn und Rückenmark und an den Muskeln beteiligt, wobei gut etabliert sei, dass ein Trauma am Rückenmark zu einer Störung der Mitochondrien führen könne. So lasse sich gut erklären, dass der Unfall eine
mitochondriale
Störung bewirkt habe, mit einer zusätzlichen Dekompensation
der molekularen Mechanismen und richtungsbestimmter Beschleunigung der
neu
rodegenerativen
Vorgänge im Rahmen einer Energiekrise auf zellulärer Ebene
(Urk.
2/
11/124 S. 7).
4.10
Zur Beurteilung von Prof.
D._
nahm D
r.
I._
am 24. Mai 2011 Stel
lung. Gestützt auf die auf seine Empfehlu
ng hin durchgeführte
Magnet
reso
nanztomographie
der Wirbelsäule hielt er fest, es lägen keine Hinweise für eine
Contusio
spinalis
infolge des Unfalls vom 16. November 2007 vor und eine
richtunggebende Verschlimmerung sei objektiv nicht nachweisbar (Urk.
2/
11/131
S. 1). Unter Berücksichtigung der vorliegenden Dokumente könne höchstens vom Erleiden einer Commotio
spinalis
ausgegangen werden. Dass die Versi
cherte das Unfallfahrzeug nicht selbständig habe verlassen kön
nen, könne auch andere Gründe wie beispielsweise ihre Knieverletzungen ge
habt haben. Gewich
tiger sei der MRI-Befund der Wirbelsäule vom 23. September
2009, wel
cher keine
residuelle
Läsion des Rückenmarks zeige. Da Prof.
D._
seine Schluss
folgerungen wesentlich auf das Vorliegen einer
Contusio
spinalis
abge
stützt habe, seien auch diese nicht überzeugend. Bei der von Prof.
D._
ange
führten unfallbedingen Veränderung im Stoffwechsel der Mitochondrien handle es sich lediglich um eine Hypothese. Die klinische Verschlechterung im zeit
li
chen Verlauf nach dem Unfall sei für sich allein nicht geeignet, den Kau
sal
zusammenhang mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu begründen, da es sich bei der hereditären spastischen Spinalparalyse um eine chronisch progre
dient verlaufende Erkrankung handle (Urk.
2/
11/131 S. 2).
4.11
Am 4. Mai 2012 berichtete der Hausarzt Dr.
E._
, nach dem Unfall habe er die Versicherte am 26. November 2007 untersucht. Damals habe eine deutliche Streckhaltung der Halswirbelsäule mit verhärteter Muskelmasse vorgelegen. Früher habe die Versicherte nie an gleichartigen Beschwerden gelitten und es bestehe kein Zusammenhang mit der Grunderkrankung. Am 10. Dezember 2007 habe sie zusätzlich Konzentrationsschwierigkeiten und Schwindel bei Kopfbe
wegungen angegeben, was im Rahmen der erstbeschriebenen Symptome zu werten sei (Urk.
2/
11/184).
4.12
Das klinisch-psychologische Gutachten
des Universitätsklinikums
C._
vom 19. November 2012 basiert auf einer Analyse der Akten sowie auf einer
testpsy
chologischen
Untersuchung (Urk.
2/
11/209 S. 3-9). Die Gutachterin gelangte zum Schluss, eine Beeinträchtigung der visuellen Merkfähigkeit könne nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, es bestünde
n keine Hinweise auf eine
sub
op
timale
Leistungsbereitschaft, eine Simulations- oder Aggravationsneigung. Hin
gegen lägen Hinweise auf eine leicht depressive Symptomatik und auf eine mo
derate Angstsymptomatik sowie auf eine Vielzahl von physischen und psy
chi
schen
Beschwerden vor, wie sie auch im Rahmen einer
Somatisierungsnei
gung
- bei jedoch vorhandenen Beschwerden - zu finden seien (Urk.
2/
11/209 S. 12).
4.13
Für die Erstellung des psychiatrischen Gutachtens des Universitätsklinikums
C._
vom 17. November 2012 dienten die
Vorakten
(Urk.
2/
11/211 S. 3-13),
die Anamneseerhebung anlässlich der Exploration der Versicherten (Urk.
2/
11/211
S. 14-19) sowie die Erhebung der Befunde (Urk.
2/
11/211 S. 19). Im Hinblick auf die psychische Bewältigung nach dem Unfalltrauma vom 16. November 2007 diagnostizierte der psychiatrische Gutachter eine post
trau
matische
Belastungs
störung
(ICD-10: F43.10) mit komplexem Verlauf (Urk.
2/
11/21
1 S. 25). Zur Frage nach der Unfallkausalität hielt er fest, die heutigen Beschwerden seien im Wesentlichen innerhalb der komplizierten post
traumatischen Belastungsstörung durch nachhaltige Flash-backs, Vermeidung und
Triggerauslösung
des Traumas mittlerweile in rückläufiger Form aus
ge
prägt. Innerhalb der komplexen Ausprä
gung der posttraumatischen
Belas
tungs
störung
seien sie im Wesentlichen durch das Element Angst, eine
selbst
unsi
chere
, kontrollbedürftige Persönlichkeit im Kontext zu der realen Belastung des neurologischen Erkrankungsbildes abgebil
det. Die aktuellen Beschwerden seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 16. November 2007
zurückzuführen (Urk.
2/
11/211 S. 26). Auf
grund der posttraumatischen
Belas
tungs
störung
mit ängstlich-unsicherer
Aus
lenkung
sei von einer
unfallbe
ding
ten
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in qualitativer sowie in quantitati
ver Hinsicht um 30 % auszugehen (Urk.
2/
11/211 S. 27).
4.14
Am 15. Mai 2013 erstatteten die Gutachter des Universitätsklinikums
C._
, Abteilung für Molekulare Neurologie, die Neurologen Prof.
F._
und Dr. K._
, das neurologische Gutachten (Urk.
2/
11/220). Dabei berücksichtig
ten sie die
Vorakten
(S. 5-60), neurophysiologische und neuroradiologische
Zusatzun
tersu
chungen
(Urk.
2/
11/220 S. 2 und S. 68-71, Urk.
2/
11/234), die Anam
nese (S. 61-66) und die anlässlich der klinisch-neurologischen Unter
suchung erhobe
nen Befunde (S. 66). Sie hielten fest, insgesamt zeige sich bei der Versicherten ein typisches Verlaufsbild einer hereditären spastischen Spinal
paralyse mit dis
kre
tem Beginn einer Gangstörung im jüngeren Erwachsen
en
alter und einer fort
schreitenden Zunahme eines spastisch-ataktischen Gang
bildes. Die mehrfach und auch aktuell erneut durchgeführte bildgebende Diag
nostik habe keinen Hinweis für einen anderweitigen degenerativen oder akuten Prozess ergeben, der die Symptomatik erklären würde (S. 72). Sie führten aus, bei der Versicher
ten habe sich ein vergleichsweise rascher Verlauf der klini
schen Symptomatik gezeigt, beginnend mit ersten Auffälligkeiten des Gangbilds 1996 und mit
Di
agnosestellung
im Jahr 2001. Zu diesem Zeitpunkt sei die maximale
Geh
strecke
noch nicht eingeschränkt gewesen. Im
Entlassungsbericht der Rehaklinik Rheinfelden vom November 2004 sei dann bereits eine Ein
schrän
kung der ma
ximalen Gehstrecke von etwa 200 Metern beschrieben, im weiteren Verlauf sei es ab Ende 2003 notwendig gewesen, eine Gehhilfe zu ver
wenden und ab 2007 habe die Versicherte permanent zwei Gehhilfen benötigt. Aktuell betrage die maximale Gehstrecke mit zwei Gehhilfen etwa 50 Meter.
Hinzu kämen die
Bla
senstörung
sowie die als sekundär einzuordnenden Rücken
schmerzen im
Len
denwirbel
bereich
. Der „natürliche Verlauf“ der hereditären spastischen Spi
nal
paralyse bei der Versicherten sei ausgesprochen schwer ein
zuschätzen. Es könne kein Vergleichswert herangezogen werden und die Ver
schlechterung der Er
krankung verlaufe nicht immer kontinuierlich (S. 75).
Die Versicherte habe beim Unfall keinen Bewusstseinsverlust erlitten und die bildgebenden Untersuchungen hätten keinen Hinweis auf eine Kontusion des Cerebrums gezeigt. Sie habe berichtet, ihre Gehfähigkeit sei zunächst haupt
sächlich wegen zusätzlich bestehender Schmerzsymptomatik beeinträchtigt gewesen (S. 76-77). Insbesondere zur Klärung, inwieweit eine möglicherweise zu
sätzlich bestehende spinale Kontusion eine Verschlechterung des klinischen Bil
des hervorgerufen habe, sei bei der aktuellen Begutachtung eine ausführliche erneute bildgebende Diagnostik erfolgt, namentlich eine hochauflösende Dar
stellung der gesamten spinalen Achse sowie eine ausführliche neurophysiolo
gische Diagnostik. Diese hätten indes keinerlei Auffälligkeiten ergeben, die hin
weisend dafür wären, dass es zu einer spinalen Kontusion gekommen wäre. Auch die übrigen Untersuchungen hätten kein
e sicheren Hinweise für ein spi
nales Trauma ergeben. Ob möglicherweise eine Commotio
spinalis
aufge
treten sei, lasse sich retrospektiv nicht mehr nachvollziehen. Eine solche führe indes definitionsgemäss nicht zu einer persistierenden klinischen Symptomatik, son
dern nur zu einem vorübergehenden Beschwerdebild ohne dauerhafte Schä
di
gung. Die von Prof.
D._
erwähnte Störung
mitochondrialer
Funktionen im Rahmen eines spinalen Traumas beziehe sich insbesondere auf aus
tierexpe
rimentellen
Arbeiten gewonnene Daten, wobei immer eine spinale Kontusion hervorgerufen werde. Andererseits seien bei einem Teil der für eine hereditäre spastische Paraparese (HSP) verantwortlichen Genmutationen tatsächlich Funk
tionen der Mitochondrien verantwortlich. Die Herstellung eines derartigen Zu
sammenhanges im Fall der Beschwerdeführerin sei jedoch hypothetisch. Das Leiden sei kompliziert, insbesondere sei der Genotyp nicht gesichert.
Zusammenfassend hielten die Gutachter fest, weder in der klinischen Evaluation noch in der bildgebenden Diagnostik habe sich ein Hinweis für eine spinale
Kontusion ergeben, weswegen nicht davon ausgegangen werden könne, dass es im Rahmen des Unfallereignisses zu einer spinalen Verletzung mit persistieren
der Symptomatik gekommen sei. Somit sei die Annahme spekulativ, trotz feh
lender bildmorphologischer, neurophysiologischer und klinischer Hinweise habe die hereditäre spastische Spinalparese unfallbedingt einen ungünstigen Verlauf genommen. Die gegenteilige Vermutung lasse sich zwar angesichts des ungesi
cherten Genotyps, des unklaren zu erwartenden Verlaufs und der allgemein nur beschränkten Erfahrungen mit dieser Erkrankung nicht ausschliessen, allerdings sei sie wenig wahrscheinlich (S. 78-79).
Da eine Schmerzsymptomatik auch das Beschwerdebild der spastischen Spinal
paralyse, insbesondere Spastik und Schwäche, vorübergehend negativ beein
flussen könne, sei es möglich und wahrscheinlich, dass es während zumindest vier bis acht Wochen zu einer vorübergehenden Verschlimmerung gekommen sei. Die Nackenschmerzen hätten sogar erst im Verlauf des Jahres 2008 abge
nommen. Die danach zunehmend beklagten Beschwerden wie Gedächtnis- und Schlafstörungen sowie Merkfähigkeitseinschränkungen seien eher in Verbin
dung mit der posttraumatischen Belastungsstörung zu sehen und die Kopf
schmerzen mit Flimmern und Übelkeit seien am ehesten migräneassoziiert (S. 79-81). Der Status quo ante, das heisst der Zustand von unmittelbar vor dem Unfallereignis, könne aufgrund der vorbestehenden Erkrankung nicht mehr erreicht werden. Der Status quo sine, also der Zustand, wie er ohne das
Unfall
er
eignis
wäre, sei aufgrund der vorliegenden
Befunde wohl im Verlauf des Jah
res 2008 eingetreten (S. 81).
4.15
In seinem Bericht vom 26. Juli 2013 gab Dr.
E._
an, die HWS-Distorsion sei an den Rand gedrängt worden, da sie nicht im Vordergrund gestanden habe oder stehe. Um eine weitere
Chronifizierung
zu verhindern, sei eine Physiothe
rapie durchzuführen. Insbesondere auch da mit dem Fortschreiten der
Grund
krankheit
die Muskulatur der oberen Körperh
älfte verstärkt zum Einsatz kom
men werde. Mit einer physikalischen Therapie könne der Zusatz des erlittenen Unfalls wettgemacht werden (Urk.
2/
11/223).
Der Kreisarzt Dr.
L._
hielt hierzu am 6. August 2013 fest, es seien keine
unfall
bedingten
strukturellen Läsionen festgestellt worden. Dass muskuläre Be
schwerden nach mehr als fünf Jahren noch unfallbedingt seien, sei lediglich möglich. Wesentlich wahrscheinlicher seien die muskulären Nacken-Beschwer
den im Zusammenhang mit der Grunderkrankung zu sehen (Urk.
2/
11/225).
5.
5.1
Keine Übereinstimmung besteht hinsichtlich der Frage, ob sich die hereditäre spastische Spinalparalyse durch den Unfall vom 16. November 2007 richtung
gebend oder bloss vorübergehend verschlimmert hat.
Prof.
D._
postulierte, es sei anlässlich des Unfalls zu einer
Contusio
spina
lis
gekommen, welche zu einer dauerhaften Schädigung respektive einer bleibenden Verschlechterung der Grundkrankheit geführt habe. Ein Trauma des Rückenmarks könne auch zu einer Störung der Mitochondrien führen, welche wiederum die neurodegenerativen Vorgänge beschleunige. Die
Contusio
spinalis
wurde aber in der Bildgebung trotz intensiver und detaillierter Untersuchungen nicht sichtbar, woraus nicht nur die neurologischen Gutachter des
Universitäts
klinikums
C._
, sondern auch Dr.
I._
in Übereinstimmung mit den von ihnen erhobenen Befunden schlossen, zu einer solchen sei es anlässlich des
Unfalls nicht gekommen (Urk.
2/
11/220 S. 78, Urk.
2/
11/264 S. 2-3, Urk.
2/
11/131
S. 1). Dies überzeugt, nachdem eine
Contusio
spinalis
laut Dr.
I._
bildge
bend
nachweisbar ist (Urk.
2/
11/76 S. 7). Damit lässt sich auch die These von Prof.
D._
nicht erhärten, die
mitochondriale
Störung sei Folge einer
Contusio
spinalis
und somit unfallbedingt (Urk.
2/
11/124 S. 7). Eine allfällige Störung der Mitochondrien könnte im Übrigen auch mit der für die
Grunder
krankung
ursächlichen Genmutation im Zusammenhang stehen (Urk.
2/
11/220 S. 78-79) und es ist nicht auf breiter wissenschaftlicher Basis an
erkannt, dass eine
Contusio
spinalis
beim Menschen zu einer
mitochondrialen
Störung führt (Urk.
2/
11/131 S. 2, Urk.
2/
11/220 S. 78).
Als Belege für die Unfallkausalität nannte Prof.
D._
den unmittelbar nach dem Unfall sprunghaften Verlauf, den Vergleich mit dem
Krankheitsver
lauf
bei der an derselben Krankheit leidenden Mutter der Versicherten sowie die Tatsache, dass der Vorzustand nicht wieder erreicht worden sei (Urk.
2/
11/124 S. 3-7). Der Vergleich mit dem Krankheitsverlauf bei der Mutter ist nicht taug
lich für die Beantwortung der Frage nach der Unfallkausalität. Bei ihr trat die Krankheit erst in einem viel höheren Alter in Erscheinung. Bereits im Jahr 2005 war die Krankheit bei der Versicherten weiter fortgeschritten als bei ihrer Mutter (Urk.
2/
11/220 S. 63 f.), was zeigt, dass die Erkrankung je nach betroffener Person zeitlich einen anderen Verlauf nehmen kann.
Dass der Vorzustand nicht wieder erreicht werden konnte, vermag ebenfalls keine Unfallkausalität darzutun. Denn
a
us dem Fehlen einer gesundheitlichen Be
einträchtigung vor dem Unfall kann praxisgemäss (BGE 119 V 335 und Urteil des Bundesgerichts 8C_614/2007 vom 1
0.
Juli 2008, E. 4.1.2 mit Hinweisen auf neuere Entscheide) nicht auf die Unfallkausalität von hernach aufgetretenen Beschwerden geschlossen werden (Formel „
post
hoc ergo
propter
hoc“).
Hinzu kommt, dass bei einer - gemäss sämtlichen Ärzten - progredient verlaufenden Krankheit wie der hereditären spastischen Spinalparese auch ohne Unfälle mit einer laufenden Verschlechterung zu rechnen ist, weshalb das Nichterreichen eines früheren Zustands keine Unfallkausalität begründet.
Hiermit in Übereinstimmung stand auch das
Empfinden der Versicherten, wel
che im Februar 2008 keine ausserhalb des Normalbereichs liegende Ver
schlim
merung ihres Grundleidens mehr verspürte (Urk.
2/
11/32 S. 1).
Im Jahr 2003 war die Verschlechterung ebenfalls schneller vorangeschritten und die
Versi
cherte
litt bereits im Jahr 2004 an Schmerzen im Zusammenhang mit ihrer
Grunder
krankung
(Bericht von Prof.
D._
vom 29. September
2004,
Urk.
2/
11/24
S. 14). Am 18. April 2005 dokumentierte Prof.
D._
sodann, die
Versi
cherte
könne mit zwei Stöcken noch knapp 100 Meter gehen, die Kon
zentration sei vermindert, die
Versicherte
sei müde und leide an perio
di
schen Schlaf
störun
gen
(Urk.
2/
11/
24 S. 16). Ab Anfang 2007 brauchte sie
regelmässig
einen Rollstuhl und die Spastik in den Beinen war laut dem Bericht von Prof.
D._
vom 23. Juli 2007 manchmal sehr stark
(Urk.
2/
11/
24 S. 20). Ange
sichts dieser bereits vor dem Unfall erheblichen Befunde ist die Beurteilung, wonach der Status quo sine 2008 eingetreten ist, nachvollziehbar.
Für eine Verschlechterung der Grunderkrankung infolge des Unfallereignisses spricht somit einzig die Beschwerdezunahme nach dem Unfall, vor allem die von Prof.
D._
angeführte akute Beinschwäche unmittelbar nach dem Unfall (Urk.
2/
11/31 S. 3). Eine solche Verschlechterung durch den Unfall wurde auch im neurologischen Gutachten des Universitätsklinikums
C._
für wahrscheinlich erachtet, da zusätzlich bestehende Schmerzen sich negativ auf die Grundkrankheit auswirken könnten. Die Gutachter begründeten indessen
nach
vollziehbar, dass nur von einer vorübergehenden Verstärkung der Be
schwer
den im Zusammenhang mit dem Grundleiden ausgegangen werden könne. Sie wiesen darauf hin, dass sich weder klinisch noch bildgebend Hin
weise für eine Kontusion des Rückenmarks ergeben hätten. Das Leiden der Be
schwerdeführerin sei progredient, weswegen aufgrund der eindeutig fehlenden morphologischen und klinischen Korrelate, aber auch weil der Genotyp der Er
krankung unklar sei, die Beurteilung einer unfallbedingten substantiellen Be
schleunigung des Krankheitsverlaufs nur schwer
möglich sei. Wahrscheinlich sei eine vorüber
gehende Verschlechterung der Symptomatik. Aufgrund der doku
mentierten Be
fun
de aus dem Jahr 2008 sei hingegen anzunehmen, dass sich die Problematik im Verlauf des Jahres 2008 langsam soweit gebessert habe, sodass in etwa in diesem Zeitraum der klinische Zustand vor dem Unfall wieder habe erreicht werden können, unter zusätzlicher Berücksichtigung des progre
dienten Verlaufs der Erkrankung (Urk.
2/
11/220 S.
80 f.). Damit ist eine richtung
ge
bende Ver
schlechterung nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darge
tan.
5.2
Soweit die Versicherte geltend machte, zum Gutachten des
Universitätsklini
kums
C._
wären die Stellungnahmen der behandelnden Ärzte einzuholen gewesen beziehungsweise sei dies nachzuholen (Urk.
2/
1 S. 20, Urk.
2/
30 S. 22), kann auf die zutreffende Begründung der Beschwerdegegnerin im
Einsprache
entscheid
verwiesen werden (Urk.
2/
2 S. 5-6, Ziff. 3.a).
Dass
die Gutachter keine fremdanamnestischen Auskünfte eingeholt ha
ben (vgl. den Einwand der Ver
si
cherten in Urk.
2/
30 S. 22
sowie anlässlich der Hauptverhandlung, Urk. 7 S. 3 f.
)
, steht der Beweiskraft
ihrer
Beurteilung ebenfalls nicht entgegen,
denn eine Fremdanamnese ist keineswegs zwingend, sondern liegt im Ermessen der Experten. Die versicherte Person hat darauf keinen Rechtsan
spruch
(Urteil des Bun
desgerichts 9C-270/2012 vom 23.
Mai 2012
,
E. 4.2 mit weiteren Hinweisen; bestätigt mit Urteil des Bundesgerichts 9C_671/2012 vom 1
5.
November 2012
,
E. 4.5).
Vorliegend geht es nicht um die Beurteilung von ver
schiedenen Leiden und deren Auswirkungen auf die erwerblichen Ressour
cen, deren Zusammen
wirken konsiliarisch zu klären wäre, sondern um die in erster Linie
monodiszi
plinär
zu beantwortende Frage, ob sich der Unfall im Sinne einer
richtungsge
benden
Verschlimmerung auf das neurologische Grund
leiden ausgewirkt hat. Ferner handelt es sich bei den „Zusatzgutachten“ nicht um eigenständige Beur
teilungen in einem anderen Fachgebiet, sondern um Zusatzuntersuchungen be
ziehungsweise eine „Zusatzdiagnostik“ (Urk.
2/
11/220 S. 68). Die Durchführung eines Konsiliums war nach dem Gesagten - entgegen dem Vorbringen der Ver
sicherten (vgl. Urk. 30 S. 17) - zur Beurteilung der Kausalität nicht erforderlich.
5.3
Weiter wandte die Versicherte ein, die neurologischen Gutachten hätten sich zu wenig mit dem Vorliegen einer Commotio
spinalis
befasst (Urk.
2/
30 S. 23). Da eine Commotio
spinalis
indes nur zu einer reversiblen Symptomatik und daher nur zu einer vorübergehenden Verschlechterung führt (Urk.
2/
11/76 S. 7; vgl. auch Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 263. Auflage 2012, S. 409), war die Frage ihres
Vorliegens nicht von Relevanz. Retrospektiv sind gar keine zuver
lässigen Angaben mehr möglich, ob durch den Unfall eine solche Schädigung gegebenenfalls eingetreten ist oder nicht (vgl. Urk.
2/
11/220 S. 78).
5.4
Die ab 2012 erneut geklagten Nackenbeschwerden (Urk.
2/
11/177) sind laut Dr.
L._
nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallbedingt (Urk.
2/
11/
225
). Angesichts der zwischenzeitlich mehrjährigen
Beschwerde
frei
heit
und aufgrund der nachvollziehbaren Erklärung, dass die Mehrbelastung
infolge der Grunderkrankung hierfür verantwortlich sein könnte, überzeugt diese
Beur
teilung. Damit in Übereinstimmung gab auch der Hausarzt Dr.
E._
an, mit dem Fortschreiten der Grunderkrankung komme die Mus
kulatur der oberen Körperhälfte vermehrt zum Einsatz (Urk.
2/
11/223).
Bei den weiteren geltend gemachten Beschwerden wie Zahn- und Ohrenschäden (Urk.
2/
1 S. 14) ist nicht ersichtlich, inwiefern sich diese auf den Entscheid aus
wirken könnten, da sie weder die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen noch Heilbe
handlungen dieser Schäden dokumentiert sind.
5.5
Die Versicherte brachte zudem vor, das Vorliegen eines
HWS-Distorsionstrau
mas
und einer Schädelprellung, welche möglicherweise zu den von der klinisch-psychologischen Gutachterin beobachteten Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit geführt hätten, seien nicht untersucht worden (Urk.
2/
30 S. 13
-
21, Urk.
2/
30 S. 27).
Tatsächlich
wurden bei der klinisch-psychologischen Unter
suchung
gar keine sicheren Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungs
fähig
keit
festgestellt. So war
die Aufmerksamkeitsleistung der Versicherten durchschnittlich und es waren keine Hinweise
auf Beeinträchtigungen der Wie
dergabeleistung auszumachen. Einzig bei der Untersuchung der visuellen Merkfähigkeit erzielte die Versicherte ein im Grenzbereich zwischen dem unte
ren Durchschnittsbereich und dem unterdurchschnittlichen Bereich liegendes Ergebnis, sodass eine diesbezügliche Beeinträchtigung nicht mit Sicherheit aus
geschlossen werden konnte
(Urk.
2/
11/
209 S. 9 und S. 12
)
.
Des Weiteren
fanden sich laut Dr.
I._
keine Hinweise für eine leichte traumatische
Hirnver
letzung
(Urk.
2/
11/76 S. 7). Die geklagten Konzentrationsschwächen,
Merk
fähig
keitsdefizite
und Schlafstörungen wurden indes der posttraumatische
n
Belas
tungsstörung
zugeordnet (Urk.
2/
11/220 S. 80) und stehen somit in einem
natürli
chen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 16. November 2007
.
Deren Adäquanz wird in der nachstehenden Erwägung
6
geprüft.
5.6
Ferner bemängelte die Versicherte, zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit erhal
ten zu haben, eigene Fragen an den Gutachter zu stellen (Urk.
2/
30 S. 28). Dieses Vorbringen ist nicht zutreffend. Mit Schreiben vom 17. Oktober 2011
wurde dem Rechtsvertreter der Versicherten Gelegenheit gegeben, allfällige Zusat
z
fra
gen zu formulieren (Urk.
2/
11/143).
5.7
Schliesslich beantragte die Versicherte die Du
rchführung einer
Referentenau
di
enz
, einer öffentlichen Verhandlung sowie die Einvernahme sachverständiger Zeugen und das Einholen eines Obergutachtens (Urk.
2/
1 S. 6, Urk.
2/
30 S. 2 f.).
Eine öffentliche Verhandlung wurde am
8.
April 2016 durchgeführt (vgl. Urk. 7)
. Weitere
Beweisabnahmen erübrigen sich
indessen
, da insbesondere ge
stützt auf das neurologische Gutachten des
Universitäts
klinikums
C._
und die Be
richte von Dr.
I._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass bezüg
lich der körperlichen Beschwerden im Jahr 2008 der Status quo sine ein
getreten ist.
Es ist nicht so, dass
der Unfallversicherer den Beweis für
unfall
fremde
Ursachen zu erbringen
hätte
(Urteil des Bundesgerichts 8C_682/2015 vom 0
1.
März 2016
, E. 2.2 mit Hinweis
).
6.
6.1
6.1.1
Die schleudertraumatischen Beschwerden hatten sich bereits im Januar 2008 wieder verbessert. Die Versicherte klagte damals nur noch über leichtere Schmerzen im Oberkörper und am Nacken, begleitet von Ohrenschmerzen und über eine Verspannung der Schultermuskulatur links (vgl. den Bericht von Prof.
D._
vom 22. Januar 2008, Urk.
2/
11/31 S. 1). Am 5. Februar 2008 gab die Versicherte an, an Verspannungen des Nackens leide sie nur noch gelegent
lich (Urk.
2/
11/32 S. 1). Ihre Arbeitsfähigkeit war dadurch nicht mehr einge
schränkt, sondern sie hatte ihr Arbeitspensum von 60 % wieder vollum
fänglich aufge
nommen. Hingegen wurde im psychiatrischen Gutachten des
Universitäts
klini
kums
C._
infolge des Unfalls eine 30%ige Einschränkung der Arbeits
fähigkeit attestiert (Urk.
2/
11/211 S. 27) und die Versicherte befand sich ab dem 27. Februar 2009 in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behand
lung (Urk.
2/
11/104 S. 3).
Die Beurteilung der Adäquanz in denjenigen Fällen, in de
nen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der
Hals
wir
bel
säule
gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Ver
gleich zu einer ausgeprägten psychischen Problematik
aber ganz in den Hintergrund tre
ten, ist nach der Praxis des Bundesgerichts nicht nach den für das
Schleuder
trauma
in BGE 117 V 359 entwickelten Kriterien, sondern nach den in BGE 115 V 133 für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall aufgestellten Krite
rien vorzunehmen (BGE 127 V 102 E. 5b/
bb
, 123 V 98 E. 2a, RKUV 1995 Nr. U 221 S. 113 ff., SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 1; fe
rner BGE 134 V 109 E. 10.2 f.).
6.1.2
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine
Gesamt
würdigung
einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Un
falls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre
er
fahrungs
gemässe
Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
körperliche Dauerschmerzen;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be
urteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie z.B. eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keine
m Einzelkriterium besonderes be
ziehungsweise ausschlaggebendes Gewicht z
u, so müssen mehrere
unfallbe
zo
gene
Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im
mittleren Bereich, der aber dem
Grenz
bereich
zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berück
sichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Ver
neinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu for
schen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit
mit
be
güns
tigt
haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
6.1.3
Die Adäquanzprüfung hat rechtsprechungsgemäss im Zeitpunkt des
Fallab
schlus
ses
zu erfolgen
(Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_377/2013 vom 2.
Oktober 2013
,
E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
454/2014 vom 2. September 2014
,
E. 6.3)
. Abzuschliessen ist der Fall,
wenn von der Fortset
zung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszu
standes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl.
Art.
19
Abs.
1
, Art. 24 Abs. 2
UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom
2.
Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2
014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
6.2
Die Versicherte nahm per 1. beziehungsweise 7. Januar 2008 wieder zu 60 %
also im selben Umfang wie vor dem Unfall - eine Arbeit auf (Urk.
2/
11/9). Nach bestandener Probezeit stellte die Suva ihre
Taggeldleistun
gen
per Ende März 2008 ein (Urk.
2/
11/52, Urk.
2/
11/105). Im Januar 2008 hatten sich die Schmerzen sowie die Kraft in den Beinen bereits verbessert (vgl. den Bericht
von Prof.
D._
vom 22. Januar 2008, Urk.
2/
11/31 S. 1). Auch die unmittel
bar nach dem Unfall aufgetretene Beinschwäche war zurückgegan
gen (Urk.
2/
11/31 S. 3). Die Ärzte der Rehaklinik
G._
gingen zwar in ihrem Bericht vom 13. Februar 2008 davon aus, die Beschwerden und die
arbeitsbe
zogene
Belastbarkeit könn
ten mit einer optimierten Behandlung noch verbessert werden. Indes hielten sie die Arbeitsaufnahme im Umfang von 60 % für angepasst und nannten nebst einer Tendenz zur aktiven Verspannung sowie
einer
leichten aktiven
Bewe
gungseinschränkung
keine Einschränkungen
(Urk.
2/
11/42/1-5), sodass die noch zu erwartenden Verbesserungen nicht als namhaft zu bezeichnen waren. Nach dem
Gesagten war der Fallabschluss per
31. März
2008 nicht verfrüht. Heilbe
handlungen können im Rahmen von Art. 10
UVG auch weiterhin von der Beschwerdegegnerin übernommen werden, da hier
für keine
Arbeitsunfähigkeit
vorausgesetzt ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_354/2014 vom 1
0.
Juli 2014
,
E. 3.2)
.
Dies erklärte die Beschwerdegegnerin gegenüber der Beschwerdeführerin ausdrücklich (Urk.
2/
11/52 S. 1).
6.3
Die
Versicherte
brachte vor, die Anwendung der Psycho-Praxis stelle eine Ver
letzung des Legalitätsprinzips und eine Diskriminierung im Sinne von Art. 8 in Verbindung mit Art. 14 EMRK dar. Da es sich bei der
posttraumatische
n
Belas
tungsstörung
unbestrittenermassen
um eine Unfallfolge handle, sei das
Unfall
ereignis
automatisch eine geeignete Ursache, um Folgen wie die vorliegenden zu begründen. Das Aufstellen weiterer zu erfüllender Kriterien entbehre einer gesetzlichen Grundlage
(Urk.
2/
30 S. 32-34
,
Urk.
7 S. 5
).
Das Bundesgericht hat sich bereits verschiedentlich mit diesbezüglichen Ein
wän
den auseinander
gesetzt. Es hat erkannt, dass das Erfordernis einer beson
deren Adäquanzprüfung eine genügende gesetzliche Grundlage aufweist und die besagten EMRK-Bestimmungen nicht verletzt (
Urteile des Bundesgerichts
8C_859/2014
vom 3. Februar 2015, E. 4 mit Hinweisen auf weitere Urteile des Bundesgerichts)
. Es besteht kein Anlass, von dieser Rechtsprechung abzuwei
chen.
6.4
6.4.1
Es
bleibt
somit
zu prüfen, ob ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den
über den Fallabschluss im Jahr 2008 hinaus bestehenden psychischen Be
schwer
den der Versicherten und dem Unfall vom 16. November 2007 besteht.
Den Ausgangspunkt dieser Adäquanzprüfung bilden die objektiv erfassbaren Ereig
nisse. Abhängig
von der Unfallschwere sind je nachdem wei
tere Kriterien in die Beurteilung einzubeziehen. Massgebend für die
Unfall
schwere
ist der au
gen
fällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickeln
den Kräften. Die Suva hat den Unfall als mittelschweres Ereignis eingestuft (Urk.
2/
2 S. 9). Der Unfall ereignete sich so, dass der Personenwagen der Unfallverursacherin mit jenem der Versicherten seitlich-frontal kollidierte, wobei die beteiligten Fahr
zeuge mit einer Geschwindigkeit von rund 50 km/h unterwegs waren
(Urk.
2/
11/
3 S. 6-7,
Urk.
2/
11/
50 S. 10 und S. 13).
Ein mittelschwerer Unfall im engeren Sinn wurde vom Bundesgericht beispiels
weise bejaht, als ein Fahrzeug beim Überholen einen Lastwagen touchierte und sich
überschlug, oder als sich ein Personenwagen mit einer Geschwindigkeit von circa 90 km/h auf einer Autobahn über die Mittelplanke hinweg überschlug - wobei die versicherte Person hinausgeschleudert wurde - und auf dem Dach zu liegen kam (
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
4.
Aufl
age, Zürich/Basel/Genf 2012, S. 65).
Da sich der Personenwagen der Versicherten nicht überschlug, jedoch seitlich-frontal heftig mit einem anderen Personenwagen
kollidierte, erscheint die Qua
lifikation unter Bezugnahme auf vorgenannte Beispiele als mittelschwerer Un
fall im engeren Sinn als nachvollziehbar
.
S
omit sind von den genannten Kri
te
rien (vgl. vorstehende E. 7.2) drei in einfachem Ausmass oder eines in be
son
ders ausgeprägter Weise zu erfüllen (
Urteil
des Bundesgerichts
8C_897/2009
vom
2
9. Januar
2010
,
E. 4.5).
6.4.2
Ob
besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklich
keit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des sub
jektiven Empfindens
beziehungsweise
Angstgefühls der versicherten Person. Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Ein
drücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteri
ums ausreichen kann. Es wird nur das Unfallgeschehen an sich und nicht die dabei erlittene Verletzung betrachtet. Der nachfolgende Heilungsprozess wird bei diesem Kriterium nicht einbezogen (Urteil des Bundesgerichts 8C_372/2013 vom 2
8.
Oktober 2013
,
E. 7 m
it Hinweisen auf nicht
publ
. E.
3.5.1 des Urteils
BGE 137 V 199
; SVR 2013 UV Nr. 3 S. 7 E. 6.1 sowie Urteil 8C_15/2013 vom 24. Mai 2013
,
E. 7.1)
.
Objektiv gesehen lag keine besondere Eindrücklichkeit vor, sondern der Unfall hatte eine für einen mittelschweren Unfall gewöhnliche Eindrücklichkeit und die Begleitumstände waren auch nicht besonders dramatisch. Das Auto brannte nicht und der Versicherten wurde umgehend geholfen, das Auto zu verlassen
(Urk.
2/
11/
21 S. 3).
Bei der Beurteilung des Kriteriums nicht zu berücksichtigen ist das subjektive Unfallerleben der Versicherten (vgl. Urk.
2/
11/21 S. 2).
Ebenso wenig kommt es auf das subjektive Empfinden
anderer Personen an
(vgl. den
Einwand
anlässlich der Hauptverhandlung,
Urk. 7 S.
5
). Viel
mehr hat das hiesige
Gericht die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur
Un
fallschwere
zu berück
sich
tigen.
6.4.3
Die
Versicherte
zog sich beim Unfall ein HWS-Distorsionstrauma, eine
Schädel
prellung
,
eine Kniekontusion beidseits sowie eine Schulterkontusion links zu
(Urk.
2/
11/
1 S. 5). Hingegen kam es weder zu Frakturen noch zu inneren Verlet
zungen
(Urk.
2/
11/
74 S. 17). Nach dem Gesagten lagen keine Verletzungen vor, welche erfahrungsgemäss geeignet wären, psychische Fehlentwicklungen aus
zulösen, weshalb das Kriterium
der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen
nicht erfüllt ist.
6.4.4
Für das Kriterium der ungewöhn
lich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist die Behandlung des psychischen Gesundheitsschadens nicht in die Beurteilung miteinzubeziehen (Urteil des Bundesgerichts U 37/06 vom 22. Februar 2007, E. 7.3). Die ambulante
psy
chiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung
im Sanatorium
B._
kann daher nicht berücksichtigt werden.
Blosse
ärztliche
Ver
laufskontrollen
und
Abklärungsmassnahmen
sowie
manualtherapeutische
und medikamentöse Behandlungen vermögen das Kriterium nicht zu erfüllen
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2013 vom 11. September 2013, E. 8.3
). Dies gilt
auch fü
r ärztlich/physiotherapeutische Behandlungen
, medizinische
Trai
nings
therapie
sowie
für einen
stationäre
n
Aufenthalt in einer Rehaklinik
.
Die nicht psychischen Beschwerden der Versicherten wurden - abgesehen von Verlaufskontrollen und Abklärungsmassnahmen - nach einem einwöchigen Spitalaufenthalt (Urk.
2/
11/1 S. 5) nur noch mittels Physiotherapie und aktiver medizinischer Trainingstherapie behandelt (Urk.
2/
11/1 S. 5, Urk.
2/
1/14, Urk.
2/
11/38 S. 1, Urk.
2/
11/42 S. 2-3). Die auf den Unfall folgende ärztliche Behandlung weist damit keine Auffälligkeit auf, die geeignet wäre, zu einer psychischen Fehlent
wicklung zu führen.
6.4.5
Körperliche Dauerschmerzen sind
bei der Adäquanzbeurteilung
nur soweit zu berücksichtigen,
als
sie klar
Folge eines beim Unfall erlittenen körperlichen Gesundheitsschadens
sind
(Urteile des Bundesgerichts U 414/05 vom 07. Juni 2006, E.
5.3; 8C_468/2008 vom 25. September
2008, E.
6.3.3). Die
unfallbe
dingten
Beschwerden der Versicherten besserten innert weniger Monate wieder erheb
lich. Im Februar 2008 litt sie nur noch gelegentlich an Nackenschmerzen und die Folgen der erlittenen
Schulter- und Knieprellungen
waren vollständig abgeheilt (Urk.
2/
11/32 S. 1).
Auch dieses Kriterium ist nach dem Gesagten zu verneinen.
6.4.6
Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlim
mer
te, ist weder ersichtlich noch geltend gemacht worden.
6.4.7
Die physischen Unfallfolgen wiesen weder einen schwierigen Heilungsverlauf auf noch kam es zu erheblichen Komplikationen. Die nach dem Jahr 2008 noch
vorhandenen körperlichen Beschwerden sind nicht im Rahmen des
Heilungs
verlaufs
zu sehen, sondern sind durch die unfallfremde, progredient verlaufende Grunderkrankung der Versicherten bedingt. Demnach ist dieses Kriterium eben
falls nicht erfüllt.
6.4.8
Zu Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ist anzumerken, dass es hier nur um die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit geht beziehungsweise dass vom Arbeitspensum vor dem Unfall auszugehen ist (Urteile des Bundesge
richts 8C_530/2007 vom 10. Juni 2008, E. 5.2.4; U 479/05 vom 6. Februar 2007, E. 8.6.1, je mit Hinweis). Dementsprechend war die Versicherte nach dem Unfall vom 16. November 2007
verhältnismässig schnell
wieder vollständig arbeitsfä
hig
, nämlich ab
Januar 2008.
6.4.9
Damit steht fest, dass keines der massgeblichen Adäquanzkriterien vorliegt. Da
her ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 16. November 2007 und den über den 31. März 2008 hinaus geklagten, or
ganisch nicht nachweisbaren sowie psychischen Beschwer
den zu verneinen. Nachdem der Unfall auch in somatischer Hinsicht nicht zu einer
richtunggeben
de
n
Verschlechterung
der Grunderkrankung geführt hat, respektive der Status quo sine im Jahr 2008 eingetreten ist und daher zwischen dem Unfallereignis und den nach 2008 noch vorhandenen körperlichen Beschwerden der Versicher
ten kein natürlicher Kausalzusammenhang vorliegt (vgl. vorstehende E. 5),
trifft die Beschwerdegegnerin keine über den 31. März 2008 hinausgehende
Leis
tungspflicht
. Demzufolge ist nicht nur die Beschwerde der KPT (Beschwerde
führerin 2; vgl. vorstehende E. 1.1), sondern auch die Beschwerde der Versi
cherten beziehungsweise Beschwerdeführerin 1 abzuweisen.