Decision ID: f30768d1-8fb1-49a5-8d02-2bbd9c0978b2
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller, Waisenhausstrasse 17, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 24. Juni 2003 zum Bezug von IV-Leistungen an. Dr. med. B._
berichtete der IV-Stelle am 6. Juli 2003, die Versicherte leide an chronischen
invalidisierenden Lumboischialgien bei St. n. Diskushernie L5/S1, St. n. Diskektomie
am 5. Juli 2002 und St. n. Einlage einer Bandscheibenprothese am 30. April 2003. Als
Angestellte in einem Hotelbetrieb sei die Versicherte seit dem 20. Februar 2003
vollständig arbeitsunfähig. Nach der Diskushernienoperation hätten die Schmerzen
erneut zugenommen, so dass eine Bandscheibenprothese habe eingelegt werden
müssen. Die Schmerzen seien weiterhin teilweise unerträglich, so dass nicht an eine
Aufnahme der Arbeit gedacht werden könne. Es sei eine Umschulung zu prüfen. In
einer leichten Arbeit in wechselnden Körperpositionen wäre eine teilzeitliche
Beschäftigung mit reduzierter Leistung denkbar. Dr. med. C._ berichtete am 25.
August 2003, die Versicherte leide an einem Panvertebralsyndrom, an einem St. n.
Implantation einer Bandscheibenprothese L5/S1 und an einer depressiven
Stimmungslage. Nach der Bandscheibenimplantation hätten sich die ursprünglichen
Kreuzschmerzen gebessert. Die Versicherte klage aber neu über nicht objektivierbare
Beschwerden im ganzen Rücken, aber auch an den Händen. Zudem bestehe weiterhin
eine ausgeprägte depressive Stimmungslage. Die jetzigen Beschwerden schienen stark
überlagert zu sein. In einer körperlich leichten Erwerbstätigkeit sollte ab November
2003 eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50% (ganztags bei reduzierter Leistung)
bestehen. Das Hotel D._ teilte am 15. Juli 2003 mit, es habe die Versicherte bis 30.
November 2002 als Zimmermädchen beschäftigt. Der Lohn habe Fr. 3000.- betragen.
Am 12. November 2003 gab Dr. med. C._ folgende Diagnose an: somatisches
Beschwerdebild, Fibromyalgie, depressive Stimmungslage, Panvertebralsyndrom
rechtsbetont und St. n. Einlage einer Bandscheibenprothese. Er führte aus, die
Versicherte sei weiterhin zu 100% arbeitsunfähig. Die Physiotherapie habe wegen
Schmerzzunahme abgebrochen werden müssen. Seither gehe es wieder besser.
Therapeutisch wären eine symptomatische Schmerztherapie und Antidepressiva
sinnvoll.
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B.
Die IV-Stelle beauftragte die MEDAS Ostschweiz mit einer interdisziplinären Abklärung.
Die MEDAS berichtete in ihrem Gutachten vom 28. September 2005, bei der
Untersuchung habe die Versicherte über invalidisierende Schmerzen lumbal
rechtsbetont, im gesamten rechten Abdomen und im rechten Bein, im weiteren über im
vergangenen Jahr neu aufgetretene Schmerzen in beiden Armen, in den Finger-,
Hand-, Ellbogen- und Schultergelenken sowie im Nackenbereich geklagt. Für die
diffusen, ausgedehnten Druckdolenzen im Bereich beider Arme, des ventralen Thorax,
im rechten Abdomen, im gesamten Rückenbereich unter Betonung der Nacken- und
Lumbalregion sowie im ganzen rechten Bein habe sich kein organisches Korrelat
gefunden. Insbesondere seien keine Hinweise für ein radikuläres Reiz- oder
sensomotorisches Ausfallsyndrom fassbar gewesen. Aufgefallen sei eine deutliche
Diskrepanz der geschilderten Beschwerden zu den objektivierbaren klinischen
Befunden. Der ausserordentlich tiefe PACT-Score (9 von 200 Punkten) weise auf eine
Selbstlimitierung der körperlichen Leistungsbereitschaft hin. Klinisch und radiologisch
seien eine Skoliose und ein Hohlrundrücken festgestellt worden. Als Nebenbefund sei
eine Einschränkung der Plantarflexion des rechten Handgelenks erhoben worden. Die
radiologische Abklärung habe einzig eine Ulna-Plus-Variante mit Weichteilverkalkungen
dorsal des distalen Radius ergeben. Die Röntgenverlaufskontrolle der LWS ap und
seitlich vom 15. Juni 2005 habe im Vergleich zur Voruntersuchung vom 2. Mai 2003
eine unveränderte regelrechte Stellung der Diskusprothese L5/S1 gezeigt. Im
Laborscreening seien keine Pathologien festgestellt worden. Der psychiatrische
Sachverständige habe eine Anpassungsstörung auf eine körperliche Krankheit,
ausgedrückt in einem chronischen Schmerzsyndrom, depressiv-dysphorischen
Zuständen, Angst und Sorgen, aber auch in manchen dissoziativen Verhaltensweisen,
diagnostiziert. Er habe eine Arbeitsunfähigkeit von 50% attestiert. Auf die Frage nach
der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeiten gaben die Sachverständigen der
MEDAS an, als Zimmermädchen sei die Versicherte vollständig arbeitsunfähig, denn
diese Tätigkeit sei als mittelschwer zu taxieren. Gemäss den medizinischen Akten sei
seit 25. Mai 2002 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit dokumentiert. Einzig für die Zeit
vom 16. September bis zum 1. Oktober 2002 sei eine Arbeitsunfähigkeit von lediglich
50% angegeben worden. In bezug auf die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
hielten die Sachverständigen fest, unter Berücksichtigung aller
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gesundheitsbeeinträchtigenden Faktoren wären der Versicherten körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten ohne Heben/Tragen von Lasten über 10 kg sowie
Tätigkeiten in Wirbelsäulenzwangshaltungen bei wenig stressiger Tätigkeit in einem
Umfang von 50% zumutbar. Auf die Frage nach möglichen medizinischen oder
beruflichen Massnahmen gaben die Sachverständigen an, aus somatischer Sicht seien
die Behandlungsmöglichkeiten erschöpft. Grundsätzlich wäre eine
psychotherapeutische Behandlung erforderlich. Da die Versicherte stark auf das
Rückenleiden fixiert sei, zu Überbewertung und Schwarzmalerei neige und sich in einer
Invalidenrolle sehe, sei mit einer erschwerten Behandlung und einem geschmälerten
Behandlungserfolg zu rechnen. Die Prognose sei aufgrund der Schmerzausweitungs-
und Chronifizierungstendenz mit Skepsis zu beurteilen.
C.
Die IV-Stelle hielt in einer internen Notiz vom 28. November 2005 fest, die Versicherte
habe sich schon vor zwei Jahren als nicht mehr eingliederbar betrachtet. Deswegen
und auch als Folge der sehr starken Selbstlimitierung machten
Eingliederungsbemühungen keinen Sinn. Es sei deshalb eine "Rentenprüfung"
vorzunehmen. Das Valideneinkommen betrage ausgehend vom letzten als
Zimmermädchen erzielten Lohn teuerungsangepasst Fr. 41'600.-. Auch bei der
Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens sei auf diesen Betrag abzustellen. Bei
einem Beschäftigungsgrad von 50% und einem "Leidensabzug" von 10% resultiere ein
zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 18'720.-. Mit einer Verfügung vom 19. Juni
2006 sprach die IV-Stelle der Versicherten rückwirkend ab 1. Mai 2003 eine halbe
Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 55% zu.
D.
Die Versicherte erhob am 21. August 2006 Einsprache gegen diese Verfügung. Am
16. Oktober 2006 reichte sie der IV-Stelle ein Schreiben von Dr. med. B._ vom 24.
August 2006 ein. Dr. med. B._ hatte ausgeführt, die Versicherte sei wegen der
chronischen therapieresistenten Rückenbeschwerden seit Februar 2002 bei ihm in
Behandlung. Auch für eine leidensangepasste Tätigkeit bestehe eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Da die Versicherte im Sitzen, Stehen und Gehen an chronischen
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Schmerzen leide, sei es für ihn nicht nachvollziehbar, dass sie leichte Arbeiten solle
ausführen können. Seines Erachtens seien die Beschwerden v.a. somatischer Natur
und erlaubten es der Versicherten nicht zu arbeiten. Seit den Eingriffen von 2002 und
2003 bestehe durchgehend eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In ihrer
Einsprachebegründung vom 16. Oktober 2006 beantragte die Versicherte die
Zusprache einer Invalidenrente auf der Grundlage eines Invaliditätsgrades von 60%.
Sie führte sinngemäss aus, die MEDAS habe eine Schmerzausweitungs- und
Chronifizierungstendenz festgestellt. Deshalb sei es nicht auszuschliessen, dass sich
die gesundheitliche Situation seither verschlechtert habe und dass nun eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% vorliege, zumal es für Dr. med. B._ nicht
nachvollziehbar sei, dass für leichte Arbeiten noch eine Arbeitsfähigkeit bestehen solle.
Unter Berücksichtigung der somatischen und der psychischen Einschränkungen müsse
deshalb von einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von weit mehr als 50% ausgegangen
werden. Da sie aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Ausbildung die Restarbeitsfähigkeit
nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten könnte, sei ein
"Leidensabzug" von 25% gerechtfertigt. Dies allein lasse den Invaliditätsgrad auf 60%
ansteigen.
E.
Die IV-Stelle forderte bei Dr. med. B._ einen Verlaufsbericht an. Dieser Bericht wurde
am 26. Oktober 2006 erstellt. Dr. med. B._ gab darin an, seit Juni 2005 habe sich der
Gesundheitszustand der Versicherten verschlechtert. Wegen der chronischen
Schmerzen habe sich eine Depression eingestellt. Die beiden Krankheiten zusammen
hätten eine Arbeitsunfähigkeit von 100% zur Folge. Dr. med. E._ vom RAD
Ostschweiz hielt dazu am 13. Dezember 2006 fest, eine im Vergleich zum MEDAS-
Gutachten objektiv und wesentlich veränderte medizinische Befundlage sei nicht
ausgewiesen. Die IV-Stelle wies die Einsprache am 8. Januar 2007 ab. Zur Begründung
führte sie u.a. aus, weder das Schreiben von Dr. med. B._ vom 24. August 2006 noch
der Verlaufsbericht vom 26. Oktober 2006 enthalte einen ernsthaften Hinweis auf eine
objektive Verschlechterung. Das von Dr. med. B._ erwähnte depressive Syndrom sei
im MEDAS-Gutachten beschrieben worden. Daraus lasse sich also nicht auf eine
Verschlechterung schliessen. Dass die behandelnden Ärzte die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin trotz grundsätzlich übereinstimmender Diagnose und Befunde
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anders einschätzten als die Sachverständigen der MEDAS, erschüttere die Beweiskraft
des MEDAS-Gutachtens nicht, da behandelnde Ärzte erfahrungsgemäss im Zweifelsfall
eher zugunsten ihrer Patienten aussagten. Ein "Leidensabzug" von 25% sei nicht
gerechtfertigt, da die Versicherte bei einem Beschäftigungsgrad von 50% keinen
Teilzeitnachteil erleiden, sondern im Gegenteil von einem Teilzeitvorteil profitieren
würde, und da die statistischen Durchschnittslöhne aufgrund der Einkommen der
(schweizerischen und ausländischen) Wohnbevölkerung erhoben worden seien. Einzig
die verminderte Belastbarkeit führe zu einem zusätzlichen Nachteil. Diesem sei durch
einen zusätzlichen Abzug von 10% ausreichend Rechnung getragen.
F.
Die Versicherte erhob am 8. Februar 2007 Beschwerde gegen diesen
Einspracheentscheid. Sie stellte den Antrag, der Einspracheentscheid sei insofern
aufzuheben, als die Ausrichtung einer Invalidenrente basierend auf einem
Invaliditätsgrad von mehr als 55% abgewiesen worden sei; es sei eine Invalidenrente
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 60% zuzusprechen. Eventualiter seien
zusätzliche medizinische Abklärungen zur Beurteilung ihrer Leistungsfähigkeit
durchzuführen. Zur Begründung machte die Versicherte geltend, gemäss dem MEDAS-
Gutachten bestehe aus psychiatrischer Sicht allein schon eine Arbeitsunfähigkeit von
50%. Dr. med. C._ habe am 25. August 2003 eine Arbeitsunfähigkeit von 50%
angegeben. Dr. med. B._ habe die Arbeitsunfähigkeit mit 100% beziffert. Das seien
klare Hinweise darauf, dass sich der Gesundheitszustand nach den beiden
Operationen von 2002 und 2003 verschlechtert habe. Es lägen zudem keine aktuellen
neurologischen Berichte vor. Die Abklärung durch die MEDAS hätte auch eine
neurologische Untersuchung erfordert. Zwar könnten eine Arbeitsunfähigkeit von 50%
aus psychiatrischer Sicht und eine Arbeitsunfähigkeit von 50% aus somatischer Sicht
nicht einfach addiert werden. Weil aber aus somatischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit
zwischen 50% und 100% bestehe, müsste der gesamte Arbeitsunfähigkeitsgrad weit
mehr als 50% betragen.
G.
Die IV-Stelle beantragte am 14. Februar 2007 die Abweisung der Beschwerde.
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Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 16 ATSG kann der Einkommensvergleich zur Ermittlung des
Invaliditätsgrades erst erfolgen, wenn allfällige Eingliederungsmassnahmen
durchgeführt worden sind bzw. wenn aufgrund der Sachverhaltsabklärungen feststeht,
dass keine Eingliederungsmassnahme in Frage kommt. Diese Gesetzesbestimmung
setzt also die Geltung des Grundsatzes der 'Eingliederung vor Rente' voraus (vgl. U.
Kieser, ATSG-Kommentar, N. 15 zu Art. 16 und N. 11 zu Art. 7). Dieser Grundsatz folgt
aus der allgemeinen Schadenminderungspflicht (vgl. U. Kieser, a.a.O.,
Vorbemerkungen N. 33) in ihrer Ausprägung als Pflicht, die Invalidität zu vermeiden
oder wenigstens so tief wie möglich zu halten. Spricht eine IV-Stelle einer versicherten
Person eine Invalidenrente zu, ohne die Eingliederungspflicht geprüft und
gegebenenfalls durchgesetzt zu haben, ist die entsprechende Verfügung als
rechtswidrig zu qualifizieren und aufzuheben und die Sache ist zur Prüfung und
allenfalls zur Durchsetzung der Eingliederungspflicht an die IV-Stelle zurückzuweisen.
Die Verfügung vom 19. Juni 2006 erwähnt die Eingliederungspflicht nicht. Im
angefochtenen Einspracheentscheid hingegen hat die Beschwerdegegnerin ihre
Erwägungen mit der Feststellung eingeleitet, nach Lage der Akten fielen
unbestrittenermassen keine Eingliederungsmassnahmen in Betracht. Das kann nur so
interpretiert werden, dass die Beschwerdegegnerin bereits in der Verfügung vom
19.Juni 2006 - stillschweigend - jede Eingliederungsmöglichkeit verneint und dass sie
dies in ihrem Einspracheentscheid bestätigt hat. Die Frage nach einer Möglichkeit, die
Beschwerdeführerin wieder einzugliedern und so den Eintritt einer rentenbegründenden
Invalidität zu verhindern oder zumindest den Invaliditätsgrad so weit wie möglich zu
senken, bildet deshalb Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. Die
MEDAS hat in ihrem Gutachten vom 28. September 2005 sinngemäss festgehalten,
dass die starke Fixierung auf das Rückenleiden, die Neigung zu Überbewertung und
Schwarzmalerei und die Invalidenrolle die medizinische Eingliederung der
Beschwerdeführerin stark erschwerten. Dies muss erst recht für die berufliche
Eingliederung gelten. Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin berufliche
Massnahmen krankheitsbedingt nur dazu benützen würde, unbewusst ihre Invalidität
zu "beweisen". Hinzu kommt, dass nur eine sogenannte höherwertige Umschulung
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einen rentenrelevanten Eingliederungserfolg haben könnte. Die Beschwerdeführerin
müsste durch eine qualifizierte Berufsausbildung in die Lage versetzt werden, bei
einem Beschäftigungsgrad von 50% ein zumutbares Invalideneinkommen zu erzielen,
dass um weniger als 40% unter dem Valideneinkommen läge. Dies würde den
uneingeschränkten Einsatz der Beschwerdeführerin für die Ausbildung voraussetzen.
Da sie dazu aufgrund der Beeinträchtigung ihrer psychischen Gesundheit nicht in der
Lage ist, ist die Beschwerdegegnerin zu Recht davon ausgegangen, dass - zumindest
im Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Einspracheentscheids - keine berufliche
Eingliederung möglich gewesen ist. Die Verneinung jeder beruflichen
Eingliederungsmöglichkeit erweist sich als rechtmässig.
2.
2.1 Der Grad der für den Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (Valideneinkommen). Ausschlaggebendes Element des Einkommensvergleiches
ist in aller Regel der Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdegegnerin
ist davon ausgegangen, dass mit dem Gutachten der MEDAS ein Arbeitsfähigkeitsgrad
der Beschwerdeführerin von 50% mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen
sei. Dem hat die Beschwerdeführerin entgegen gehalten, die Abklärung durch die
MEDAS sei unvollständig gewesen, weil die notwendige neurologische Untersuchung
unterblieben sei. Die Beschwerdeführerin hat bei diesem Einwand übersehen, dass
dasselbe auch für die Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Ärzte gelten
müsste, denn keiner hat einen Neurologen beigezogen. Dr. med. C._ ist nicht
Neurologe, sondern Neurochirurg. Wäre zusätzlich eine neurologische Abklärung
notwendig gewesen, hätten entweder die behandelnden Ärzte oder die MEDAS einen
Neurologen mit einer Untersuchung beauftragt. Die MEDAS hatte den offen
formulierten Auftrag, interdisziplinär abzuklären. Sie hätte also keinen Grund gehabt,
auf eine neurologische Untersuchung zu verzichten, wenn diese notwendig gewesen
wäre.
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2.2 Die Beschwerdeführerin hat weiter eingewendet, die Kombination aus einer
psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit und aus einer durch die körperlichen
Einschränkungen bewirkten Arbeitsunfähigkeit von ebenfalls 50% müsse
notwendigerweise einen Gesamtarbeitsunfähigkeitsgrad von mehr als 50% ergeben.
Das Gutachten der MEDAS enthält keine Arbeitsfähigkeitsschätzung, die sich
ausschliesslich auf die somatischen Beschwerden beziehen würde. Einzig der
psychiatrische Sachverständige der MEDAS hat eine Arbeitsfähigkeitsschätzung aus
der Sicht seines Fachgebietes allein abgegeben. Die in Beantwortung der Frage nach
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten Erwerbstätigkeit
abgegebene Schätzung ist eine Gesamtschätzung, d.h. eine in einer
Konsensdiskussion von den beteiligten Sachverständigen erarbeitete Schätzung, bei
der auch einer allfälligen Wechselwirkung zwischen den körperlichen und den
psychischen Beeinträchtigungen Rechnung getragen worden ist. Die Frage, ob die
Kombination von körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen eine
Arbeitsunfähigkeit von mehr als 50% oder nur von 50% bewirke, ist also - überzeugend
- so beantwortet worden, dass die Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung aller
Beeinträchtigungen der Gesundheit 50% betrage. Dr. med. B._ hat zwar am 24.
August 2006 und am 26. Oktober 2006 eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
von 100% angegeben. Er hat ausgeführt, diese vollständige Arbeitsunfähigkeit sei
bereits aus somatischer Sicht allein gerechtfertigt, denn die Beschwerdeführerin leide
im Sitzen, Stehen und Gehen unter chronischen Schmerzen. Deshalb könne sie auch
keine leichtere Arbeit ausführen. Diese Einschätzung vermag nicht zu überzeugen und
sie vermag auch keine Zweifel an der Richtigkeit der Einschätzung der MEDAS zu
wecken, denn Dr. med. B._ hat offenkundig die Schmerzangaben der
Beschwerdeführerin für bare Münze genommen, d.h. er hat daraus auf das Ausmass
der somatischen Beschwerden geschlossen, ohne der Tatsache Rechnung zu tragen,
dass nach den Abklärungen der MEDAS eine ganz erhebliche Diskrepanz zwischen
den klinisch und bildgebend nachgewiesenen, eher unbedeutenden
Beeinträchtigungen der körperlichen Gesundheit und den als völlig invalidisierend
geschilderten Beschwerden nachgewiesen ist. Dr. med. B._ hat, wie viele andere
behandelnde Ärzte auch, seine Arbeitsfähigkeitsschätzung unbewusst nicht nach den
objektiven Umständen, sondern nach dem subjektiven, über Jahre demonstrierten
Krankheitsempfinden seiner Patientin ausgerichtet.
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2.3 Weder im Schreiben vom 24. August 2006 noch im Verlaufsbericht vom 26.
Oktober 2006 hat Dr. med. B._ eine nach der Abklärung durch die MEDAS
eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
angegeben. Seine Aussage, der Gesundheitszustand habe sich verschlechtert, bezieht
sich auf die Zeit nach den beiden Rückenoperationen in den Jahren 2002 und 2003.
Die Akten enthalten entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin keinen Hinweis
darauf, dass sich der Gesundheitszustand seit Juni 2006 verschlechtert hätte, so dass
die von den Sachverständigen der MEDAS abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung
nicht mehr massgebend wäre. Das zumutbare Invalideneinkommen ist deshalb anhand
eines Arbeitsfähigkeitsgrades der Beschwerdeführerin von 50% zu ermitteln.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin geht seit längerer Zeit keiner Erwerbstätigkeit mehr nach.
Ihr zumutbares Invalideneinkommen kann deshalb praxisgemäss nur anhand
statistischer Durchschnittseinkommen ermittelt werden. Körperlich leichte,
wechselbelastende Hilfsarbeiten ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, ohne
Wirbelsäulenzwangshaltungen und ohne Stressbelastung werden in vielen Branchen
aller Sektoren geleistet. Es kann also nicht auf das Durchschnittseinkommen eines
bestimmten Sektors oder gar einer bestimmten Branche abgestellt werden. Gemäss
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2004, Resultate auf nationaler Ebene,
Anhang Tabelle TA1 belief sich das Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiterinnen
aller Branchen auf Fr. 3893.- bzw. umgerechnet von 40 auf den schweizerischen
Durchschnitt von 41,6 Wochenarbeitsstunden auf Fr. 4049.- bzw. Fr. 48'588.-. Bei
einem Beschäftigungsgrad von 50% wären also grundsätzlich Fr. 24'294.- zu
verdienen. Allerdings erleiden teilzeitbeschäftigte Hilfsarbeiterinnen (anders als
männliche Hilfsarbeiter, die nicht vollzeitlich erwerbstätig sind) einen
unterproportionalen Lohnnachteil, d.h. sie verdienen bei einem Beschäftigungsgrad von
50% nicht die Hälfte des Durchschnittseinkommens der vollzeitlich erwerbstätigen
Hilfsarbeiterinnen, sondern 53,5% (vgl. die Lohnstrukturerhebung 2004, S. 25 Tabelle
T6*).
3.2 Die Beschwerdeführerin weist als Folge der Tatsache, dass ihr auf 50% reduzierter
Beschäftigungsgrad auf eine Gesundheitsbeeinträchtigung zurückzuführen ist, einen
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Konkurrenznachteil auf. Ein ökonomisch handelnder potentieller Arbeitgeber würde
nämlich ihre gesunde Konkurrentin für eine Halbtagesstelle bevorzugen, weil er bei
dieser Arbeitnehmerin nicht mit überdurchschnittlich vielen Krankheitsabsenzen
rechnen müsste, weil er und die anderen Mitarbeiter nicht (z.B. wegen schwankender
Leistungsfähigkeit) besondere Rücksicht auf die neue Kollegin nehmen müssten und
weil bei Bedarf Überstunden geleistet werden könnten, wozu die Beschwerdeführerin
behinderungsbedingt nicht oder nur sehr eingeschränkt in der Lage wäre. Diese
Nachteile gegenüber gesunden Konkurrentinnen kann die Beschwerdeführerin nur
kompensieren, indem sie ihre Arbeitskraft zu einem "Preis" anbietet, der unter
demjenigen der gesunden Konkurrentinnen, d.h. unter dem Durchschnittseinkommen
liegt. Dies rechtfertigt aufgrund der bei einer Depression zu erwartenden besonders
ausgeprägten Nachteile und unter Berücksichtigung des "Teilzeitvorteils" den von der
Beschwerdegegnerin mit 10% bemessenen zusätzlichen Abzug. Mit dem von der
Beschwerdeführerin beanspruchten maximalen zusätzlichen Abzug von 25% würden
die Konkurrenznachteile der Beschwerdeführerin auf dem Markt für adaptierte
Hilfsarbeiten mit einem Beschäftigungsgrad von 50% massiv überbewertet. Bei einem
zusätzlichen Abzug von 10% resultiert ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr.
21'865.-.
3.3 Die Beschwerdeführerin ist vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung als
Zimmermädchen tätig gewesen. Dabei handelte es sich aber nicht um die einzige
Möglichkeit der Beschwerdeführerin, die damals noch nicht eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit zu verwerten. Die Beschwerdeführerin hätte in vielen Branchen
verschiedene Hilfsarbeiten ausführen können. Ihre hypothetische erwerbliche
Leistungsfähigkeit ohne den Gesundheitsschaden bemisst sich deshalb nicht nach
dem weit unterdurchschnittlichen Lohn als Zimmermädchen, sondern ebenfalls nach
dem statistischen Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiterinnen. Es beträgt Fr.
48'588.-. Die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse beläuft sich somit auf Fr.
26'723.-. Das entspricht einem Invaliditätsgrad von 55%. Die Beschwerdegegnerin hat
der Beschwerdeführerin also zu Recht eine halbe Invalidenrente zugesprochen.
4.
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Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das gilt
auch für das Begehren um die Zusprache einer Parteientschädigung, denn die
Beschwerdeführerin unterliegt vollumfänglich (Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG). Das
Beschwerdeverfahren ist kostenlos, da die Verfügung vom 19. Juni 2006 am 1. Juli
2006 noch nicht rechtskräftig gewesen ist (lit. a der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des IVG vom 16. Dezember 2005 i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG