Decision ID: 3410280a-d7d6-5469-af01-70ac5ae1af59
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A. A_, geb. am XX.XX.1987, ist tunesischer Staatsangehöriger. Am XX.XX.2014 heiratete
er in Tunis die Schweizerin B_. Nachdem er am 21. August 2014 in die Schweiz
eingereist war, erhielt er am 25. September 2014 die Aufenthaltsbewilligung B im Rahmen
der Bestimmungen über den Familiennachzug zum Verbleib bei seiner Ehefrau in C_. In
der Folge gab A_ zu mehreren behördlichen Interventionen Anlass, und er wurde
mehrfach straffällig. Die Kantonspolizei musste in der Wohnung des Ehepaars in C_
mehrfach wegen häuslicher Gewalt und Tätlichkeiten intervenieren. Am 2. November 2015
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erliess die Staatsanwaltschaft St. Gallen gegen A_ einen Strafbefehl wegen einfacher
Körperverletzung, Beschimpfung und Drohung gegen Behörden und Beamte. Die
Staatsanwaltschaft von Appenzell Ausserrhoden verurteilte ihn am 6. Dezember 2016
wegen mehrfacher Tätlichkeiten und einfacher Körperverletzung begangen an seiner
Ehefrau. Mit Strafbefehlen vom 19. Mai 2017 und 18. Juli 2017 wurde er zudem wegen
Ladendiebstahls bzw. Tätlichkeiten verurteilt.
B. Mit Entscheid vom 12. Dezember 2016 genehmigte die Einzelrichterin des Kantonsgerichts
Appenzell Ausserrhoden eine Vereinbarung der Ehegatten, in welcher u. a. festgestellt
wurde, dass diese seit dem 25. September 2016 getrennt leben. Nach der Gewährung des
rechtlichen Gehörs wiederrief das Amt für Inneres, Abteilung Migration, am 4. Mai 2017 die
Aufenthaltsbewilligung von A_ und wies diesen an, bis spätestens am 15. Juni 2017 die
Schweiz zu verlassen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass der
Bewilligungsanspruch mit der Aufgabe der ehelichen Gemeinschaft am 25. September
2016 erloschen sei und keine wichtigen Gründe vorlägen, welche einen Aufenthalt von
A_ erforderlich machten. Im Weiteren wiederrief die Abteilung Migration die
Aufenthaltsbewilligung wegen erheblicher und wiederholter Verstösse gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung.
C. Gegen diese Verfügung liess A_, vertreten durch RA AA_, mit Eingabe vom 23. Mai
2017 Rekurs beim Departement Inneres und Sicherheit erheben u.a. mit den Anträgen, die
Verfügung aufzuheben und die Vorvorinstanz anzuweisen, dem Rekurrenten die
Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. Begründet wurde der Rekurs im Wesentlichen damit,
dass die Eheleute wieder zusammen wohnten und sich der Rekurrent in einer ambulanten
psychotherapeutischen Behandlung befinde. B_ habe grosses Interesse am weiteren
Bestand der Ehe. Im Weiteren lägen keine wiederholten Verstösse gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung vor. Zudem sei der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung auch nicht
verhältnismässig. Mit Schreiben vom 27. Oktober 2017 liess A_ beantragen, das
Rekursverfahren bis zum 6. April 2018 zu sistieren, da die Auskunftsperson D_ von ihm
ein Kind erwarte und der vorläufige Termin der Niederkunft am 6. April 2018 sei.
D. Mit Entscheid vom 3. November 2017 wies das Departement Inneres und Sicherheit den
Rekurs ab. Gleichzeitig ordnete es an, dass A_ die Schweiz bis zum 31. Dezember 2017
zu verlassen habe.
E. Dagegen liess A_ (im Folgenden: Beschwerdeführer), vertreten durch RA AA_, mit
Eingabe vom 6. Dezember 2017 beim Obergericht Beschwerde mit den eingangs
erwähnten Rechtsbegehren erheben.
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F. Je mit Eingabe vom 21. Dezember 2017 liessen sich das Departement Inneres und
Sicherheit (im Folgenden: Vorinstanz) und das Amt für Inneres, Abteilung Migration (im
Folgenden: Vorvorinstanz) mit den eingangs erwähnten Rechtsbegehren zur Beschwerde
vernehmen.
G. Mit Schreiben vom 19. Februar 2018 liess der Beschwerdeführer eine Replik einreichen
und damit stillschweigend auf eine mündliche Verhandlung verzichten. In der Folge liess er
mit Schreiben vom 18. April 2018 mitteilen, dass er und seine Lebenspartnerin am
XX.XX.2018 Eltern eines Sohns geworden seien.
H. Mit Schreiben vom 13. Juni 2018 übermittelte die Vorvorinstanz dem Obergericht eine
Kopie des Entscheids des Einzelrichters von Appenzell Ausserrhoden, wonach gegen den
Beschwerdeführer wegen Verdachts der schweren Körperverletzung begangen an seinem
am XX.XX.2018 geborenen Sohn, die Untersuchungshaft angeordnet wurde. Aufgrund
dessen zeigte das Obergericht den Parteien mit Schreiben vom 18. Juni 2018 an, dass es
in Erwägung ziehe, das Verfahren bis zum rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens
zu sistieren. Nachdem sich der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 29. Juni 2018 gegen
eine Sistierung ausgesprochen hatte, wobei er u.a. geltend machte, dass er seit dem
XX.XX.2018 mit D_ verheiratet sei, beschloss das Obergericht mit Verfügung vom 4. Juli
2018 das Verfahren weiterzuführen.
I. Mit Schreiben vom 17. Juli 2018 und 28. August 2018 liessen sich die Vorinstanz und der
Beschwerdeführer unaufgefordert vernehmen.
J. Auf die Begründung der gestellten Anträge wird - soweit erforderlich - in den Erwägungen
näher eingegangen.

Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Die sachliche bzw. funktionale Zuständigkeit des
Obergerichts ergibt sich aus Art. 54 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRPG, bGS 143.1), wonach das Obergericht zur Behandlung von Beschwerden gegen
letztinstanzliche Verfügungen der Verwaltungsbehörden zuständig ist. Der
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Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Rekursentscheides, mit dem seine
Begehren abgewiesen wurden, formell beschwert. Auf die Beschwerde ist grundsätzlich,
aber unter folgendem Vorbehalt einzutreten:
Nach Art. 33 Abs. 2 i. V. m. Art. 59 VRPG sind mit der Beschwerde zwar neue tatsächliche
Behauptungen und neue Beweismittel zulässig. Diese müssen sich jedoch auf den
Streitgegenstand des angefochtenen Entscheids beziehen. Daher ist es nicht zulässig, die
Beschwerde, auch wenn damit dieselbe Rechtsfolge wie mit dem verfahrensauslösenden
Rekurs bezweckt wird, auf neue Tatsachen abzustützen, die vom ursprünglich zu
beurteilenden Sachverhalt abweichen (MARCO DONATSCH in: Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz (VRG), 3. Aufl. 2014, N. 17 zu § 20). Soweit sich der
Beschwerdeführer mit Schreiben vom 29. Juni 2018 neu auf die am XX.XX.2018
geschlossene Ehe zu seiner neuen Lebenspartnerin und nicht mehr auf den tatsächlichen
Bestand der Ehe zu B_ beruft, kann nicht auf die Beschwerde eingetreten werden. Der
Beschwerdeführer verkennt dabei, dass dafür von seiner jetzigen Ehefrau ein separates
Gesuch um Familiennachzug einzureichen wäre (vgl. Art. 42 AuG). Für die Behandlung
eines solchen Gesuchs wäre erstinstanzlich die Vorvorinstanz zuständig (Art. 2 Abs. 1 der
Verordnung zur Bundesgesetzgebung über Ausländerinnen und Ausländer, bGS 122.21),
welche zu überprüfen hätte, ob die Voraussetzungen von Art. 42 AuG i. V. m. Art. 51 Abs. 1
AuG erfüllt sind, wobei sie über einen erhebliches Ermessensspielraum verfügt. Das
Obergericht kann jedoch nicht quasi erstinstanzlich die Voraussetzungen des
Familiennachzugs in Bezug auf die neue Ehe überprüfen, da es damit in den
Kompetenzbereich der erstinstanzlich verfügenden Behörde eingreifen würde (BGE 136 II
457 E. 4.2; RENÉ WIEDERKEHR, Öffentliches Verfahrensrecht, 2016, Rn 198). Aus den
gleichen Gründen ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Verfahren nach der
angezeigten Schwangerschaft nicht sistiert hat, da im Rekursverfahren umstritten war, ob
die Voraussetzungen von Art. 50 AuG in Bezug auf die Ehe zu B_ erfüllt sind oder nicht.
Weil kein entsprechendes separates Gesuch um Familiennachzug aktenkundig ist und da
angesichts des hängigen Strafverfahrens betreffend Körperverletzung begangen am Sohn
des Beschwerdeführers trotz der Unschuldsvermutung nicht ohne Weiteres von einem
fortbestehenden Ehewillen der neuen Ehefrau ausgegangen werden kann, besteht zudem
keine Veranlassung die Angelegenheit an die Vorvorinstanz zu überweisen. Damit steht
fest, dass auf die Beschwerde nur teilweise eingetreten werden kann.
2. Bei der Beurteilung der hier vorliegenden Beschwerde ist die Kognition des Obergerichts
gemäss Art. 56 Abs. 1 VRPG darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich
allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen, wozu auch eine rechtsfehlerhafte Ausübung
des Ermessens zählt. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob die Vorinstanzen den
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Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt haben. Die Überprüfung der
Angemessenheit ist dem Obergericht jedoch verwehrt (Art. 56 Abs. 1 VRPG e contrario).
3. Ausländische Ehegatten von Schweizerinnen und Schweizern haben Anspruch auf
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen
zusammenwohnen (Art. 42 Abs. 1 des Ausländergesetzes (AuG, SR 142.29). Nach
Auflösung der Ehe oder Familiengemeinschaft besteht der Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden
hat und eine erfolgreiche Integration besteht (Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG oder wenn wichtige
persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 50
Abs. 1 lit. b AuG).
3.1 Begründet wurde der angefochtene Entscheid im Wesentlichen damit, dass es im
Rekursverfahren lediglich darum gehe, zu prüfen, ob die bisherigen Voraussetzungen für
einen Aufenthalt des Rekurrenten in der Schweiz noch erfüllt seien. Aus der Tatsache, dass
er in der Zwischenzeit eine andere als seine Ehefrau geschwängert habe, könne er jedoch
keine Ansprüche auf einen Aufenthalt in der Schweiz geltend machen. Somit bestehe auch
kein Grund, das Rekursverfahren zu sistieren. Das Departement habe bei diesem Rekurs
zu prüfen, ob die eheliche Gemeinschaft tatsächlich noch Bestand habe und ein Wille zur
Fortführung der Ehe weiterhin bestehe, oder ob die Ehe nur auf dem Papier
aufrechterhalten werde, damit der Rekurrent seinen Aufenthalt in der Schweiz wahren
könne. Die Ehefrau habe sehr widersprüchliche Aussagen gemacht, was ihre
Glaubwürdigkeit sehr stark einschränke. Umgekehrt hätten nicht nur die
Umfeldabklärungen des Departementes, sondern auch die weiteren Ereignisse in
Zusammenhang mit diesem Verfahren sehr starke Hinweise und Indizien darauf ergeben,
dass der Rekurrent ganz offensichtlich nicht mehr gewillt gewesen sei, diese Ehe
weiterzuführen. Konkret lägen Aussagen und Indizien vor, dass der Rekurrent bereits im
Frühjahr bei D_ gelebt habe. Da das Zusammenleben deutlich weniger als drei Jahre
gedauert habe, habe der Rekurrent gestützt auf Art. 50 AuG keinen Anspruch mehr auf
eine Aufenthaltsbewilligung. Angesichts der zahlreichen Verfehlungen habe sich der
Rekurrent auch nicht erfolgreich integriert. Die Tatsache, dass der Rekurrent wiederholt
gegen seine Frau gewalttätig geworden sei und die Polizei mehrere Male, so zuletzt am 5.
Oktober 2017 wegen häuslicher Gewalt habe ausrücken müssen, dürfe nicht verharmlost
werden. Die Verletzungen der Geschädigten hätten durchaus als gravierend bezeichnet
werden müssen und sowohl am 17. September 2014 wie auch am 5. Oktober 2014 eine
Hospitalisierung nötig gemacht. Offen bleiben könne, ob sich der Rekurrent auch unter
Zuhilfenahme falscher Angaben um seine Aufenthaltsbewilligung bemüht habe. Tatsache
sei aber, dass sowohl seine Aussagen als auch jene seiner Ehefrau wie auch jene seiner
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aktuellen Partnerin in höchstem Masse unglaubwürdig seien, ja durch die aktuellen
Ereignisse sogar widerlegt würden. Das Departement müsse davon ausgehen, dass die
Aussagen der Beteiligten nur deshalb gemacht worden seien, um die Vorvorinstanz und
das Departement zu täuschen und die Entscheidfindung zu beeinflussen. Deshalb sei der
Rekurs von Anfang an aussichtslos gewesen, womit das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung abgewiesen werde.
3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er nach der gerichtlichen Feststellung der
Trennung die Beziehung zu B_ wieder aufgenommen habe und die Eheleute die Ehe
weitergeführt hätten. Unter teilweiser Verletzung des rechtlichen Gehörs habe die
Kantonspolizei zwei Auskunftspersonen sowie die Eheleute vernommen. Anlässlich eines
ärztlichen Untersuchs vom 23. Oktober 2017 sei festgestellt worden, dass D_ in der 16.
Woche schwanger sei. Am 27. Oktober 2017 habe der Beschwerdeführer das Kind
anerkannt und sei in der Zwischenzeit zur werdenden Mutter gezogen. Aufgrund der
Schwangerschaft von D_ und der erneuten häuslichen Probleme sei es zur definitiven
Trennung der Eheleute gekommen. Mit Sistierungsgesuch vom 27. Oktober 2017 habe der
Beschwerdeführer der Vorinstanz umgehend den Umstand angezeigt, dass D_ ein Kind
von ihm erwarte und dass er gewillt sei, sich um sein Kind und die werdende Mutter zu
kümmern. Die Erwägung der Vorinstanz, aus dem Elternverhältnis liesse sich kein
Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz ableiten, sei rechtlich falsch. So habe das
Bundesgericht in BGE 139 I 315 erwogen, dass das Gesuch eines Ausländers, der sich
infolge einer aufgelösten ehelichen Gemeinschaft erstmals aufgrund einer Elternschaft zu
einem hier anwesenheitsberechtigten Kind um die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
bemühe, nach Art. 8 EMRK zu beurteilen sei. Im Entscheid 2C_328/2010 habe das
Bundesgericht erwogen, dass „wichtige persönliche Gründe“ nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AUG
nicht einschränkender zu verstehen seien, als der aus Art. 8 Abs. 1 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (EMRK, SR 1.101) abgeleitete Anspruch auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung. Die Beziehung des Beschwerdeführers zu seinem ungeborenen
Kind falle unter den Schutzbereich von Art. 8 EMRK. Aufgrund der Anerkennung teile er
sich mit der Mutter das Obhuts- und Sorgerecht. Ausserdem habe er sich verpflichtet, für
den Unterhalt des Kindes aufzukommen. Damit könne festgestellt werden, dass es sich bei
der vorliegenden Elternbeziehung um eine tatsächlich gelebte Beziehung handle. Im
Entscheid über den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung sei zudem das Kindeswohl nach
Art. 3 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention, KRK, SR
0.107) zu berücksichtigen. Bereits vor der Geburt des gemeinsamen Kindes falle auch die
Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Freundin in den Schutzbereich von
Art. 8 EMRK. Die gemeinsame Wohnung und die gelebte Elternbeziehung stellten eine
tatsächliche familiäre Beziehung dar. Die Schwangerschaft von D_ und die zukünftige
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elterliche Beziehung begründeten einen völkerrechtlichen Anspruch des
Beschwerdeführers auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung aus umgekehrtem
Familiennachzug. Zudem spreche er gut Deutsch und sei seit seiner Einreise in die
Schweiz erwerbstätig gewesen.
Sofern sich die Vorinstanz auf das Vorliegen weiterer Widerrufsgründe nach Art. 62 Abs. 1
lit. c AuG berufe, sei festzustellen, dass sie sich dabei auf blosse Vorwürfe gegen den
Beschuldigten und nicht auf eine strafrechtliche Verurteilung stütze. Dies stelle eine
Verletzung des strafprozessualen Grundsatzes der Unschuldsvermutung dar. Dem
Beschwerdeführer könnten einzig kleinere Vergehen vorgeworfen werden.
3.3 Die Vorinstanz hält in der Vernehmlassung dagegen, dass vorliegend über den Widerruf
einer Aufenthaltsbewilligung zu entscheiden sei, welche der Beschwerdeführer im Rahmen
des Familiennachzugs zum Verbleib bei seiner ehemaligen Ehefrau erhalten habe.
Nachdem er trotz zahlreicher Indizien und Beweise sowohl vor der Vorvorinstanz als auch
im Rekursverfahren hartnäckig jene Ehe als Grund für sein weiteres Aufenthaltsrecht
geltend gemacht habe, versuche er nun, seinen Anspruch auf einen weiteren Aufenthalt mit
einer neuen Beziehung zu begründen. Für dieses Verfahren sei dies jedoch unerheblich. Er
könne sich nicht auf Art. 8 EMRK stützen, nur weil er inzwischen eine andere Frau
geschwängert habe. Die neue Situation könne auch nicht im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b
AuG als wichtiger persönlicher Grund aufgeführt werden. Der Beschwerdeführer habe die
Behörden wiederholt getäuscht, angelogen, sei kaum integriert und wiederholt straffällig
geworden. Dieser habe sich bereits im Herbst 2016 von seiner Ehefrau getrennt. Wider
besseres Wissen hätten die Eheleute den Fortbestand der Ehe behauptet. Es habe
wiederholt tätliche Auseinandersetzungen gegeben. Der Beschwerdeführer habe sein
Aufenthaltsrecht in der Schweiz seit Herbst 2016 verwirkt und habe dies seither mit
offensichtlichen Lügengeschichten verheimlichen wollen. Vollends unglaubwürdig und
durchschaubar sei sein Verhalten geworden, als er im Rekursverfahren plötzlich nicht mehr
auf seine Ehe gepocht habe, sondern die Schwangerschaft einer anderen Frau als Grund
für seinen weiteren Aufenthalt geltend gemacht habe. Der Beschwerdeführer habe sich nie
integriert und sei in der Schweiz nur durch seine Gewalttätigkeit und seine Straftaten
aufgefallen.
3.4 Der Anspruch nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG setzt kumulativ voraus, das die
Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration
besteht. Die gerichtliche Feststellung, dass die Eheleute seit dem 25. September 2016
getrennt leben, die aktenkundigen widersprüchlichen Aussagen der geschiedenen Ehefrau,
die dokumentierten Befragungen der Auskunftspersonen sowie insbesondere der Umstand,
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dass der Beschwerdeführer Vater des am XX.XX.2018 geborenen Kindes von D_ ist, bei
der er zwischenzeitlich wohnhaft war, lassen ohne Weiteres den Schluss zu, dass der
Beschwerdeführer die erstgenannte Voraussetzung klar nicht erfüllt, was im Übrigen im
Beschwerdeverfahren von diesem auch nicht mehr substantiiert bestritten wird. Zudem ist
aufgrund des aktenkundigen strafrechtlichen Verhaltens des Beschwerdeführers und der
Beanspruchung der öffentlichen Sozialhilfe auch keine erfolgreiche Integration ersichtlich.
Ein Anspruch des Beschwerdeführers auf Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung
gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG ist folglich zu verneinen.
3.5 Im Weiteren stellt sich die Frage, ob wichtige persönliche Gründe im Sinne von Art. 50 Abs.
1 lit. b AuG den weiteren Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz erforderlich
machen. Bei dieser Bestimmung geht es darum, nacheheliche ausländerrechtliche
Härtefälle bei der Bewilligungsverlängerung nach der Auflösung der ehelichen
Gemeinschaft zu vermeiden. Insofern bedarf es eines Bezugs des Härtefalls zur
aufgelösten Ehe (MARC SPESCHA in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka [Hrsg.],
Kommentar Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, E. 7). Verlangt wird dabei eine erhebliche
Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben, die mit der Lebenssituation
nach dem Dahinfallen der abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sein muss
(BGE 139 II 393 E. 6). Solche Gründe können namentlich vorliegen, wenn der
Beschwerdeführer Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen
geschlossen wurde oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet
erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG). Ebenfalls können die in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) genannten Kriterien für die
Beurteilung eines Härtefalls hinzugezogen werden, auch wenn sie hierfür – einzeln
betrachtet – nicht unbedingt ausreichen müssen (BGE 137 II 345 E. 3.2.3). Art. 31 Abs. 1
VZAE zählt folgende Kriterien auf: die Integration (lit. a), die Respektierung der
Rechtsordnung (lit. b), die Familienverhältnisse (lit. c), die finanziellen Verhältnisse sowie
der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung (lit. d), die Dauer
der Anwesenheit (lit. e), der Gesundheitszustand (lit. f) und die Möglichkeiten der
Wiedereingliederung im Herkunftsstaat (lit. g). Damit sollen schwerwiegende Härtefälle
vermieden werden, wobei den Behörden ein gewisser Ermessenspielraum in humanitärer
Hinsicht zukommt (BGE 136 II 4 E. 5.3). Hat der Aufenthalt nur kürzere Zeit gedauert und
wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich ein Anspruch auf
weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute Integration im Herkunftsland keine
besonderen Probleme darstellt (BGE 139 II 393 E. 6). Entscheidend ist, ob die persönliche,
berufliche und familiäre Wiedereingliederung als stark gefährdet zu gelten hat und nicht, ob
ein Leben in der Schweiz einfacher wäre (Urteil des Bundesgerichts 2C_216/2009 vom 20.
August 2009 E. 3). Ein persönlicher, nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der konkreten
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Umstände eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben
der ausländischen Person voraus, die mit ihrer Lebenssituation nach dem Dahinfallen der
Anwesenheitsberechtigung verbunden ist (BGE 137 II 345 E. 3.2.3).
3.6 Anhaltspunkte, wonach der Beschwerdeführer Opfer ehelicher Gewalt wurde, liegen keine
vor, wurde er doch im Gegenteil selbst wegen einfacher Körperverletzung und Tätlichkeiten
begangen an seiner ehemaligen Ehefrau verurteilt. Ebenso wenig ist anzunehmen, dass
diese Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen wurde. Soweit er sich auf den „umgekehrten
Familiennachzug“ beruft, verkennt er, dass sich ein solcher nur auf gemeinsame Kinder mit
dem ehemaligen Ehepartner beziehen kann (Botschaft AuG, BBl 2002 3709 Ziff. 1.3.7.6 S.
3754). Unter Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG, welcher einen Härtefall voraussetzt, der durch die
aufgelöste Ehe ausgelöst wurde, fällt jedoch mit Sicherheit nicht ein ausserehelich
gezeugtes Kind. Aktenkundig ist, dass der Beschwerdeführer im Alter von 27 Jahren in die
Schweiz gekommen ist und hier erst seit rund vier Jahren lebt. Der Beschwerdeführer kann
nicht als in der Schweiz integriert oder gar verwurzelt betrachtet werden. Trotz des langen
Aufenthalts hat er es nicht geschafft, sich der herrschenden Rechtsordnung anzupassen
und die ihm gebotenen Chancen zu nutzen. Auch finden sich keine Hinweise darauf, dass
er sich in die Schweizer Gesellschaft eingebracht hat oder abgesehen von seiner neuen
Ehefrau über einen schweizerischen Bekanntenkreis verfügt. Ökonomisch ist er ebenfalls
nicht integriert, er ist arbeitslos und musste schon mit einem beträchtlichen Betrag an
Sozialhilfegeldern unterstützt werden. Der Beschwerdeführer wurde in seiner Heimat
sozialisiert und hat in Tunesien seine persönlichkeitsprägenden Jugendjahre verbracht. Die
heimatliche Sprache und Gebräuche sind ihm nach wie vor bestens bekannt. Es ist davon
auszugehen, dass seine Familie noch in Tunesien lebt, womit er mit deren Unterstützung
rechnen darf. Dies dürfte es ihm erlauben, sein dortiges soziales Beziehungsnetz und
vorheriges Leben wieder aufzunehmen. Die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland
erscheint damit nicht als „stark“ gefährdet, was einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz
klar entgegensteht. Der blosse Umstand, dass die Sicherheits- und Wirtschaftslage hier
besser ist als im Heimatstaat, bildet praxisgemäss keinen entsprechenden wichtigen
persönlichen Grund. Dies würde selbst dann gelten, wenn der Beschwerdeführer in der
Schweiz integriert wäre, eine Landessprache mehr oder weniger konkret beherrschen
würde, eine Arbeitsstelle hätte, für seinen Lebensunterhalt selber aufzukommen vermöchte
und er nicht straffällig geworden wäre (Urteile des Bundesgerichts 2C_661/2016 vom 9.
November 2016 E. 3.3 und 2C_578/2011 vom 1. Dezember 2011 E. 3.3). Der
Beschwerdeführer besitzt somit auch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG keinen Anspruch
auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung.
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4. In denjenigen Fällen, in denen es kein Recht auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
gibt, räumt der Gesetzgeber den zuständigen Behörden einen Ermessenspielraum ein,
wobei sie jedoch in ihrer Entscheidung nicht völlig frei sind. Zu den Hauptgrundsätzen die
bei der Ausübung des freien Ermessens zu beachten sind, gehören das Verbot der Willkür
und der rechtsungleichen Behandlung sowie die Grundsätze der Verhältnismässigkeit und
von Treu und Glauben (MARC SPESCHA, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka [Hrsg.],
Kommentar Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, N 1 zu Art. 96 AuG). Art. 96 Abs. 1 AuG hält die
Grundlagen der Ermessensausübung fest, wonach die zuständigen Behörden bei der
Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie
den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer zu berücksichtigen haben.
4.1 Das öffentliche Interesse an der Beendigung des Aufenthalts des Beschwerdeführers liegt
in der von der Schweiz betriebenen restriktiven Einwanderungspolitik und dem Umstand,
dass der Aufenthaltszweck dahingefallen ist, bevor der Beschwerdeführer eine gefestigte
Aufenthaltsberechtigung erworben hat (Urteil des Bundesgerichts 2C_1179/2013 vom
30. Dezember 2013 E. 3.2.1). Im Weiteren indizieren die wiederkehrenden Verletzungen
des hochwertigen Rechtsguts der körperlichen und psychischen Integrität eine beträchtliche
kriminelle Energie des Beschwerdeführers, wobei offen gelassen werden kann, ob dadurch
auch der Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG erfüllt wäre. Zudem muss aufgrund
der Aktenlage davon ausgegangen werden, dass er versuchte, durch Falschangaben eine
Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 AuG zu erwirken. Im
Weiteren ist ebenfalls zu berücksichtigen, dass er momentan auf Sozialhilfe angewiesen ist
und er nicht integriert ist. Diese Umstände begründen ein gewichtiges öffentliches Interesse
an der Ausreise des Beschwerdeführers, welches nur durch entsprechend gewichtige
private Interessen aufgewogen werden könnte.
4.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird durch Art. 8 EMRK nicht in erster Linie
rechtlich begründetes, sondern tatsächliches Familienleben geschützt (BGE 135 I 143 E.
3.1). Nach konstanter bundesrechtlicher Rechtsprechung kann der nicht sorge- bzw.
obhutsberechtigte ausländische Elternteil den Kontakt zum Kind von vornherein nur in
beschränktem Rahmen pflegen, nämlich durch die Ausübung des eingeräumten
Besuchsrechts. Um dieses wahrnehmen zu können, ist in der Regel keine dauernde
Anwesenheit im Gastland erforderlich. Unter dem Gesichtspunkt des Anspruchs auf
Familienleben nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK ist es grundsätzlich ausreichend, wenn das
Besuchsrecht im Rahmen von Kurzaufenthalten vom Ausland aus ausgeübt werden kann.
Ein weitergehender Anspruch auf einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz besteht nur,
wenn in wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht eine besonders enge Beziehung zum Kind
besteht, diese Beziehung wegen der Distanz zum Herkunftsland praktisch nicht
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aufrechterhalten werden könnte und das bisherige Verhalten des Ausländers zu keinerlei
Klagen Anlass gegeben hat (sog. tadelloses Verhalten; Urteil des Bundesgerichts
2C_527/2017 vom 20. November 2017 E. 5.4).
Soweit sich der Beschwerdeführer auf seine familiäre Beziehung zu seinem Sohn beruft
und sich dabei auf Art. 8 EMRK abstützt, gilt es festzuhalten, dass derzeit aufgrund des
hängigen Strafverfahrens weder die Mutter noch der Beschwerdeführer obhutsberechtigt
sind und auch kein Besuchsrecht des Beschwerdeführers aktenkundig ist. Im Weiteren
kann angesichts der gegen ihn erlassenen Strafbefehle von einem tadellosen Verhalten
keine Rede sein. Weil der Beschwerdeführer zudem aufgrund seiner
Sozialhilfeabhängigkeit seinen Sohn auch in wirtschaftlicher Hinsicht nicht zu unterstützen
vermag, sind die vom Bundesgericht festgelegten Kriterien im vorliegenden Fall offenkundig
nicht erfüllt. Dazu kommt, dass das Zusammenleben von Kindern und delinquenten und
sozial nicht eingegliederten Elternteilen das Kindeswohl unter Umständen negativ
beeinflussen kann (Urteil des Bundesgerichts 2C_270/2017 vom 30. November 2017 E.
3.6). In Anbetracht dieser Umstände steht weder Art. 8 EMRK noch Art. 3 KRK einer
Wegweisung des Beschwerdeführers entgegen. Was die voreheliche Beziehung zu seiner
neuen Ehefrau anbelangt, so ergibt sich aus einem Konkubinat nur dann ein
Bewilligungsanspruch, wenn die partnerschaftliche Beziehung seit Langem eheähnlich
gelebt wird, die Beziehung der Konkubinatspartner muss bezüglich Art und Stabilität in ihrer
Substanz einer Ehe gleichkommen (BGE 135 I 143 E. 3.1). Aufgrund der Aktenlage kann
die Schlussfolgerung gezogen werden, dass die Paarbeziehung nicht als genügend
gefestigt und stabil bezeichnet werden kann, um daraus einen Bewilligungsanspruch nach
Art. 8 EMRK abzuleiten, zumal der Beschwerdeführer selbst behaupten liess, erst nach
dem 27. Oktober 2017 mit D_ zusammen gezogen zu sein. Ob die am XX.XX.2018
geschlossene Ehe mit seiner neuen Lebenspartnerin und Mutter des gemeinsamen Sohnes
einen allfälligen Aufenthaltsanspruch auslöst, wäre wie oben angetönt im Rahmen eines
separaten Gesuchs erstinstanzlich von der Vorvorinstanz zu prüfen (vgl. Ziff. 1).
Wie bereits erläutert, wuchs der Beschwerdeführer in Tunesien auf, und er lebte dort bis
zum 21. August 2014. Er hält sich damit erst seit relativ kurzer Zeit in der Schweiz auf,
wobei zudem mehr als ein Aufenthaltsjahr auf die aufschiebende Wirkung der Rechtsmittel
zurückzuführen ist. Zuvor hat er sein ganzes Leben in Tunesien verbracht, weshalb
keineswegs von einem langen und lebensprägenden Aufenthalt des Beschwerdeführers in
der Schweiz gesprochen werden kann. Auch wenn die Wiedereingliederung des
Beschwerdeführers im Heimatland mit Schwierigkeiten verbunden ist, kann deshalb die
Schlussfolgerung gezogen werden, dass seiner Rückkehr keine unüberwindlichen
Hindernisse entgegenstehen. Damit wird das erhebliche öffentliche Interesse an der
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Ausreise des Beschwerdeführers durch seine privaten Interessen an einem Verbleib in der
Schweiz nicht aufgewogen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer kritisiert, ihm sei von der Vorinstanz zu Unrecht die unentgeltliche
Rechtspflege und Verbeiständung wegen Aussichtslosigkeit seines Rekurses verweigert
worden. Die Bewertung der Aussichtslosigkeit aufgrund der während des Rekurses
angeordneten Untersuchung durch die Kantonspolizei verletze den verfassungsmässigen
Grundsatz der unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung
(BV, SR 101) dahingehend, da dieser eine antizipierte Beurteilung der Erfolgsaussichten ex
ante garantiere. Massgebend für die Beurteilung der Aussichtslosigkeit sei die Frage, ob
sich eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfüge, bei vernünftiger
Überlegung auch zum Prozess entschieden hätte. Angesichts des drohenden Widerrufs der
Aufenthaltsbewilligung und eines glaubhaften letzten Versuchs, die eheliche Gemeinschaft
zu retten, halte der Rekurs diesem Drittvergleich stand.
5.2 Die Vorvorinstanz stützte sich bei ihrer Verfügung vom 4. Mai 2017 einerseits auf den
Entscheid der Einzelrichterin des Kantonsgerichts vom 12. Dezember 2016 (act. 2/4), nach
welchem die Eheleute seit dem 25. September 2016 getrennt leben und andererseits auf
den Polizeibericht vom 19. April 2017 (act. 7/141), gemäss welchem die damalige Ehefrau
des Beschwerdeführers festgehalten hat, dass dieser seit Oktober 2016 nicht mehr mit ihr
zusammenwohnte. Nach Auffassung des Obergerichts konnten bereits diese beiden
Dokumente als hinreichende Indizien der aufgelösten Ehegemeinschaft qualifiziert werden.
Dass die Vorinstanz anschliessend weitere Untersuchungen vorgenommen hat, ändert
nichts daran, dass bereits bei der Rekurserhebung die Aussichten des Beschwerdeführers
zu obsiegen wesentlich geringer als die Aussichten zu unterliegen gewesen waren und sie
demzufolge kaum als ernsthaft bezeichnet werden konnten (KASPAR PLÜSS in: Kommentar
VRG, N. 46 zu § 16). In Anbetracht dieser Umstände und da der Beschwerdeführer im
Schreiben vom 27. Oktober 2017 aufgrund des Hinweises auf die Schwangerschaft von
D_ in der 16. Woche indirekt die Aufrechterhaltung der Ehegemeinschaft selbst
widerlegte, kann nicht beanstandet werden, dass die Vorinstanz von der Aussichtslosigkeit
des Rekurses ausgegangen ist. Diese Beurteilung gilt jedoch nicht für dieses
Beschwerdeverfahren, da darin aufgrund der zwischenzeitlichen Geburt des Sohnes des
Beschwerdeführers (auch) andere komplexere Rechtsfragen zu beantworten waren, bei
welchen die Beschwerde nicht als zum vornherein als aussichtslos bezeichnet werden
konnte.
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6. Zusammenfassend ergibt sich damit, dass der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung des
Beschwerdeführers und seine Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. Im
Weiteren ist die Abweisung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege- und
Verbeiständung durch die Vorinstanz nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist damit
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Da die Vorinstanzen bei der Ansetzung der
Ausreisefrist ein allfälliges Rechtsmittelverfahren ausser Acht gelassen haben, ist dem
Beschwerdeführer eine neue Frist für die Ausreise aus der Schweiz anzusetzen. Im
vorliegenden Fall erscheint eine Ausreisefrist bis zum 31. Oktober 2018 als gerechtfertigt.
7. Nach Art. 19 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 53 Abs. 1 VRPG ist im Beschwerdeverfahren vor
Obergericht gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unterliegt oder auf
dessen Rechtsmittel nicht eingetreten wird. Dem Beschwerdeführer ist ausgangsgemäss
eine Entscheidgebühr aufzuerlegen, wobei eine Gebühr von Fr. 2‘000.00 als angemessen
erscheint (Art. 4a des Gesetzes über die Gebühren in Verwaltungssachen (bGS 233.2).
Diese ist im Rahmen der unentgeltlichen Prozessführung der Staatskasse zu belasten,
unter Vorbehalt der Rückerstattungspflicht nach Art. 25 Abs. 3 VRPG.
8. Dem Beschwerdeführer wurde für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung gewährt. Gemäss Art. 23 der Verordnung über den Anwaltstarif
(bGS 145.53) entschädigt der Staat diese nach dem notwendigen Zeitaufwand. Das
Honorar beträgt Fr. 170.-- je Stunde plus Mehrwertsteuer (Art. 24 Abs. 1 der Verordnung
über den Anwaltstarif). Der Rechtsanwalt des Beschwerdeführers hat eine Kostennote mit
einem Zeitaufwand von 09 h 15 min. für das Jahr 2017 und 08 h 25 min. für das Jahr 2018
eingereicht, was angesichts ausgewiesenen Bemühungen als angemessen erscheint.
Allerdings ist er dabei von einem Stundenansatz von Fr. 250.-- anstatt Fr. 170.--
ausgegangen. Damit ergibt sich eine Parteientschädigung für das Jahr 2017 von 9.25
Stunden mal Fr. 170 = Fr. 1572.50. Dazu kommen die Barauslagen von Fr. 92.50 sowie die
Mehrwertsteuer von 8%. Das ergibt für das Jahr 2017 eine Entschädigung von Fr. 1‘798.20.
Für das Jahr 2018: 8.5 Stunden mal 170 = Fr. 1445.-- Dazu die Barauslagen von Fr.
84.17.-- sowie die Mehrwertsteuer von 7.7% = Fr. 146.95. Insgesamt ergibt sich damit ein
Honoraranspruch von Fr. 3‘445.15, welcher der Staatskasse zu belasten ist, unter
Vorbehalt der Rückerstattungspflicht nach Art. 25 Abs. 3 VRPG.
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