Decision ID: b2611a97-1f4e-43c6-8805-cdea1e215820
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1955, studierte
Elektrotechnik an der
Y._
und pro
movierte
anschliessend in diesem
Bereich (
Dr.
sc. techn.
; Urk. 6/4/1 f.). Seit dem 30. Dezember 1978
war er als Applikationsingenieur bei der
Z._
angestellt (Urk. 6/17/1 f.).
Nach erfolgter Früherfassung (Urk. 6/2), meldete er sich am 21
.
Mai 2016 (Urk. 6/5) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug (Berufliche Massnahmen, Rente) an.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm erwerbliche
(Urk. 6/14, 6/17
) und medizinische (Urk. 6/10 f., 6/26) Abklärungen vor.
Am 25. Juli 2016 teilte sie dem Versicherten mit, berufliche Eingliederungsmass
nah
men
seien
aus gesundheitliche
n Gründen aktuell nicht möglich
(
Urk.
6/15)
.
Mit Vorbescheid vom 20. März 2017 (Urk. 6/28) stellte sie
ihm
die Verneinung des Rentenbegehrens in
Aussicht.
Trotz
den vom Versicherten a
m
4. Mai 2017
erho
benen Einwänden (Urk. 6/34)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1. Juni 2017 (
Urk.
2) einen Rentenanspruch.
2.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 21. Juni 2017 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Ausrichtung einer unbefristeten ganzen Invalidenrente spätestens ab dem 1. Oktober 201
6.
Im Sinn eines Eventualantrages beantragte er eine psychiatrische Begutachtung (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
15. August 2017 (Urk. 5) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
6.
August 2017 (Urk. 7) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung,
IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das
(fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungs
zuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturel
len Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
ihren Entscheid
im Wesentlichen damit, dass ein Konflikt am Arbeitsplatz zu einer psychischen Dekompensation geführt habe. Die vorliegenden Beschwerden würden jedoch invalidenversicherungsrechtlich keine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit begründen, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bestehe
(Urk. 2 S. 1
,
Urk.
5
)
.
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt
, es sei auf
grund der Akten erstellt, dass er seit spätestens dem 10. März 2015 zu 100 % arbeitsunfähig sei, was
d
ipl
.
Arzt
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, mehrfach bestätigt habe. Aufgrund einer Anpassungsstörung (ICD-10: F43.28) und einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und
dependenten
Anteilen (ICD-10: F61; seit der Adoleszenz schwere Ausprä
gung) könne er seine langjährige angestammte Tätigkeit nicht mehr ausüben (Urk. 1 S. 9 f
.
). Auch die Beschwerdegegnerin habe in der angefochtenen Verfü
gung anerkannt, dass ihm nach Mobbing und einem Vorwurf der sexuellen Belästigung die Rückkehr an den Arbeitsplatz nicht mehr zumutbar sei
. Diese Umstände seien entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin sehr wohl rele
vant. Psychosoziale Faktoren spielten höchstens im Hintergrund eine gewisse geringe Rolle. Vor den am Arbeitsplatz erlittenen Mobbingattacken habe er seine Tätigkeit während Jahrzehnten zur vollen Zufriedenheit des Arbeitgebers ausge
übt. Die Beschwerdegegnerin habe die Untersuchungspflicht verletzt, indem sie keine eigenen medizinischen Untersuchungen durchgeführt oder ein Gutachten in Auftrag gegeben habe. Ursprünglich habe lediglich eine medizinische Stellung
nahme von
d
ipl.-Med.
B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Prävention und Gesundheitswesen
und Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes der Beschwerdegegnerin (nachfolgend: RAD)
vorgelegen
, welche über keinen psychiatrischen Facharzttitel verfüge. Die nachträglich durch
d
ipl.-Med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vorgenommene Aktenbe
urteilung
vermöge diesen Mangel nicht zu heilen
(Urk. 1 S. 11).
3.
3.
1
Dipl. Arzt
A._
berichtete der Beschwerdegegnerin am 22. Jun
i 2016 (Urk. 6/11) über die am
9. März 2015 aufgenommene Behandlung des Beschwer
deführers. Er stellte die Diagnosen einer Anpassungsstörung (ICD-10: F43.28; spätestens seit Anfang 2015) vor dem Hintergrund einer kombinierten Persön
lichkeitsstörung mit emotional instabilen und
dependenten
Anteilen (ICD-10: F61, seit der Adoleszenz). In der angestammten Tätigkeit als Ingenieur bei der
Z._
hielt er eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 18. Mai bis am 18. Oktober 2015
und
anschliessend
ein
e 75%ig
e Arbeitsunfähigkeit bis am 31.
Dezember 2015 fest. Seit dem 1. Januar 2016 attestierte er wiederum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Diese
Tätigkeit könne nicht mehr ausgeübt werden, in einer alternative
n
Tätigkeit betrage die aktuelle Arbeitsfähigkeit täglich vier Stunden (Urk. 6/11/3).
In seinem Verlaufsbericht vom 1. März 2017 beurteilte Dipl. Arzt
A._
den
Gesundheitszustand als verbessert. Die
zuletzt ausgeübte
Tätigkeit beurteilte er
unverändert als nicht mehr zumutbar. Wegen der verringerten Anpassungsfähig
keit und nach wie vor schon bei geringer Belastung auftretenden aggressiven Impulsdurchbrüchen seien auch angepasste Tätigkeiten nur in einem zeitlich sehr begrenzten
, nicht genau quantifizierbaren Umfang durchführbar
(Urk. 6/26/1).
3.
2
Die RAD-Ärztin
d
ipl.-Med.
B._
nahm am 10. März 2017 zuhanden der Beschwerdegegnerin Stellung zum Gesundheitszustand des Versicherten (Urk. 6/27/3-5). Sie führte aus, ein Gesundheitsschaden mit längerfristiger Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe nicht festgestellt werden können. Aufgrund der Akten verneinte sie eine Persönlichkeitsstörung, da die entsprechenden Diag
nosekriterien nicht erfüllt seien. Die ebenfalls diagnostizierte Anpassungsstörung sei überwindbar und habe keine dauerhaften Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit Urk.
6/27/4 f.)
.
3.
3
Der RAD-Psychiater
d
ipl.-Med.
C._
hielt am 23. Mai 2017 zuhanden der Beschwerdegegnerin fest, aus somatischer Sicht bestehe gemäss dem Hausarzt keine dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(vgl. Urk.
6/10/1)
.
Vom behandelnden Psychiater
d
ipl.
Arzt
A._
werde eine Anpassungsstörung bei Arbeitsplatzkonflikt seit 2015 beschrieben. Zusätzlich werde eine kombinierte Persönlichkeitsstörung seit der Adoleszenz diagnostiziert, aber nicht begründet.
B
ei
der
Freistellung vom Arbeitsplatz
sei es zu einer Verbesserung der depressiven Beschwerden gekommen, weshalb von einer rein durch die Konflikte am langjäh
rigen Arbeitsplatz bedingten Störung auszugehen sei. Zwar sei eine Rückkehr an den Arbeitsplatz damit eher krankheitsfördernd; jede andere Tätigkeit sollte jedoch ohne Einschränkungen möglich sein. Ein lang andauernder Gesundheits
schaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei damit nicht ausgewiesen
(
Urk.
6/38/3)
.
4.
4.1
4.1.1
Als Hauptdiagnose nannte
d
ipl.
Arzt
A._
in seinen Berichten vom 22. Juni 2016 (Urk. 6/11) und 1. März 2017 (Urk. 6/26)
jeweils eine
kombinierte Persön
lichkeitsstörung mit emotional instabilen und
dependenten
Anteilen (ICD-10: F61.0). Nach der Definition im gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10 setzt die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung zunächst voraus, dass die Zustandsbil
der nicht auf eine andere psychische Störung zurückzuführen sind. Zudem müs
sen folgende Kriterien erfüllt sein:
1.
Deutliche Unausgeglichenheit in den Einstellungen und im Verhalten in meh
reren Funktionsbereichen wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahr
nehmen und Denken sowie in den Beziehungen zu anderen.
2.
Das auffällige Verhaltensmuster ist andauernd und gleichförmig und nicht auf Episoden psychischer Krankheiten begrenzt.
3.
Das auffällige Verhaltensmuster ist tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend.
4.
Die Störungen beginnen immer in der Kindheit oder Jugend und manifestieren sich auf Dauer im Erwachsenenalter.
5.
Die Störung führt zu deutlichem subjektiven Leiden, manchmal jedoch erst im späteren Verlauf.
6.
Die Störung ist meist
ens, aber nicht stets, mit deutlichen Einschränkungen der beruflichen und sozial
en Leistungsfähigkeit verbunden
(vgl.
D
illing
/
Mombour
/S
chmidt
[Hrsg.],
Inter
nationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
10.
Aufl. 201
5, S. 276 f.).
4.
1.
2
Den Berichten von
d
ipl.
Arzt
A._
ist zu entnehmen, dass die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung seit der Adoleszenz bestehe (vgl. Urk. 6/11/1, 6/26/1).
Diese Annahme begründete er nicht und d
ie anamnestischen Angaben
in seinen Berichten
beginnen mit dem Tod des Vaters des Beschwerdeführers im Mai 2013
(Urk. 6/11/1)
.
Hinweise auf psychische Störungen in der Kindheit oder Jugend ergeben sich aus den Akten jedoch nicht:
Der Beschwerdeführer begab sich denn auch erst im März 2015 erstmals in psychiatrische Behandlung (Urk. 6/11/1).
In klare
m Widerspruch
zu einem Beginn des auffälligen Verhaltens in der Adoles
zenz
steht auch die
Biografie des Beschwerdeführers: Er ist bestens ausgebildet (
Studium zum
Y._
-Elektroingenieur mit anschliessender Dissertation, Weiterbil
dung zum Wirtschaftsingenieur FH; Urk. 6/4/1-3),
ist
seit 1978
als Ingenieur bei der Z._
angestellt (Urk. 6/17/1) und ist seit 1986 ver
heiratet (Urk. 6/6/1).
Krankheitsbedingte
Einschränkungen vor dem 10. März 2015 (vgl. Urk. 6/17/4)
sind nicht
aktenkundig
, womit e
in Krankheitsbeginn im
Kindes- oder Jugendalter nicht überwiegend wahrscheinlich
ist (vgl. BGE 138 V 218 E. 6)
. Da
mit
sind nicht sämtliche
der kumulativ
vorausgesetzten
Diagnose
kriterien erfüllt
.
Die Beurteilungen der RAD-Ärzte Dipl.-Med.
B._
(Urk. 6/27/4)
und
d
ipl.-Med.
C._
(Urk. 6/38/4)
, wonach
die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und
dependenten
Anteilen
nicht nachvollzogen werden
kann, ist damit nicht zu beanstanden
.
Zumal L
etzterer zu Recht darauf hinwi
es
, dass es sich
primär
um eine arbeits
platzbezogene
- und damit psychosoziale (vgl. E. 1.2) -
Symptomatik
handle
(Urk. 6/38/3):
Gemäss den Berichten des
behandelnde
n Psychiaters führte
die
Freistellung
des Beschwerdeführers vom Arbeitsplatz zu einer deutlichen Besse
rung des Zustandsbildes
(Urk. 6/11/2), während Kontaktaufnahmen durch den Arbeitgeber zu Stimmungseinbrüchen führten (Urk. 6/26/1).
Zudem erweist sich der Bericht von
d
ipl.
Arzt
A._
vom 1. März 2017 als widersprüchlich: Obwohl er den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Vergleich
zu seinem Vor
bericht vom 22. Juni 2016 (Urk. 6/11) als verbessert beurteilte, hielt er neu eine schwere Ausprägung der Persönlichkeitsstörung fest (Urk. 6/26/1, vgl. Urk. 6/11/1).
4.2
4.2.1
Weiter diagnostizierte
d
ipl.
Arzt
A._
eine Anpassungsstörung (ICD-10:
F43.28;
Urk. 6/11/1, 6/26/
1). Definitionsgemäss handelt es sich dabei um einen Zustand von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, der soziale Fun
ktionen und Leistungen behindert
und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung, nach einem belastenden Lebens
ereignis oder bei Vorhandensein oder der drohenden Möglichkeit von schwerer körperlicher Krankheit auftr
it
t. Die individuelle Disposition oder Vulnerabilität spielt bei dem möglichen Auftreten und bei der Form der Anpassungsstörung eine grössere Rolle als bei den anderen Krankheitsbildern von F43; es ist aber dennoch davon auszugehen, dass das Krankheitsbild ohne die Belastung nicht entstanden wäre. Die Anzeichen sind unterschiedlich und umfassen depressive Stimmung, Angst, Besorgnis (oder eine Mischung von diesen), ein Gefühl, unmöglich zurechtzukommen, vorausplanen oder in der gegenwärtigen Situation fortfahren zu können, ferner einer Einschränkung bei der Bewältigung der alltäglichen Rou
tine. Der Betreffende kann sich so fühlen, als stehe er kurz vor dramatischem Verhalten
oder Gewaltausbrüchen, wozu es aber selten kommt. Besonders bei Jugendlichen können jedoch Störungen des Sozialverhaltens, wie zum Beispiel aggressives oder dissoziales Verhalten, zu dieser Störung gehören. Keines dieser Symptome ist in diesen Fällen schwer genug oder an sich so markant, dass es eine spezifischere Diagnose rechtfertigt. Die Störung beginnt im Allgemeinen innerhalb eines Monats nach dem belastenden Ereignis oder der Lebensverände
rung.
Die Symptome halten meist nicht länger als sechs Monate an, ausser bei
der längeren depressiven Reaktion (ICD-10: F43.21).
Dauern die Symptome an, sollte die Diagnose in Übereinstimmung mit dem gegenwärtigen klinischen
Bild geändert und die andauernden Belastungen unter Verwendung der
Z-Kodierun
gen, Kapitel XXI der ICD-10, gekennzeichnet werden (vgl.
D
illing
/
Mombour
/S
chmidt, a.a.O
.
, S. 209).
4.2.2
Dipl. Arzt
A._
hielt bezüglich der Anpassungsstörung fest, diese bestehe spätestens seit Anfang 201
5.
Es geht aus seinen Berichten jedoch nicht hervor, welches belastende Ereignis er als Auslöser für die Persönlichkeitsstörung
betrachtete:
Gegen den Tod des Vaters spricht die einmonatige Latenzzeit, nach
dem sich dieser bereits im Mai 2013 ereignet hatte (vgl. Urk.
6/11
/1).
Bezüglich der
belastende
n
Situation am Arbeitsplatz
bleibt unklar, ob diese
Ursache oder Folge der diagnostizierten Anpassungsstörung war (Urk. 6/11/2). Schliesslich war bereits beim ersten Bericht vom 22. Juni 2016 (Urk. 6/11) die sechsmonatige Stö
rungsdauer bereits um ein Jahr überschritten, weshalb
weiter andauernde
Belas
tungen mithilfe von nicht krankheitswertigen Z-Diagnosen (vgl. Urteil des Bun
desgerichts
8C_237/2016 vom 1
7.
Juni 2016 E. 3.2
) zu kennzeichnen gewesen wären.
Damit überzeugt auch die von
d
ipl.
Arzt
A._
gestellte Diagnose einer
Anpassungsstörung (ICD-10: F43.28) nicht.
4.3
Der Beschwerdeführer stellte einen Eventualantrag auf psychiatrische Begutach
tung, da die Beschwerdegegnerin den Untersuchungsgrundsatz im Sinne von Art. 43 ATSG verletzt habe (Urk. 1 S. 2, Urk. 1 S. 11).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
hat die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt hinreichend
abgeklärt:
Wie dargelegt geht aus
den
Stellungnahmen der RAD-Ärzte
hervor
, dass
überwiegend wahrscheinlich k
ein
invalidisierender Gesundheitsschaden
besteht
(vgl. E.
3
.2 und
3
.3 vorstehend).
U
nter diesen Umständen
sind von einer psychiatrischen Begutachtung des Beschwerdeführers
keine anderen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten,
weshalb
davon abzusehen
ist
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157
E. 1d, 136 I 229 E. 5.3).
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von L
eistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgesetzt. Vorlie
gend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
700.-- als angemessen. Weil die Beschwerde abz
uweisen ist, sind die Kosten dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.