Decision ID: dabefeff-8a01-5b5a-a33c-d1e50f307f69
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 28. März 2015 wurde mit
Verfügung des SEM vom 31. Juli 2015 abgelehnt und es wurde die Weg-
weisung aus der Schweiz angeordnet. Der Vollzug der Wegweisung wurde
wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme in der
Schweiz aufgeschoben.
B.
Die gegen diese Verfügung (im Wegweisungsvollzugspunkt) erhobene
Beschwerde vom 2. September 2015 wurde vom Bundesverwaltungs-
gericht mit Urteil E-5353/2015 vom 11. März 2016 abgewiesen.
II.
C.
Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe vom 22. März 2019 ein neues
Asylgesuch einreichen. Er beantragte die Feststellung seiner Flüchtlings-
eigenschaft sowie die Asylgewährung, eventualiter die vorläufige Auf-
nahme als Flüchtling, eventualiter die vorläufige Aufnahme wegen Unzu-
lässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Es seien weiter
die kantonalen Migrationsbehörden darauf hinzuweisen, dass er den Aus-
gang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe, und sie seien anzu-
weisen, von sämtlichen Vollzugshandlungen abzusehen. Zunächst liess er
darüber informieren, dass er nach seinem ablehnenden Asylentscheid die
Schweiz nicht verlassen habe, weshalb eine Anmeldung beim Empfangs-
zentrum nicht notwendig sei. Er ersuchte jedoch um schriftliche Bestäti-
gung der Erfassung seines Asylgesuchs. Zur Begründung seiner Anträge
liess er vortragen, er habe seinen Heimatstaat im Jahr 2014 verlassen, weil
er aufgrund seiner Zugehörigkeit zu den Yeziden Opfer von religiös und
ethnisch motivierter Verfolgung geworden sei. Seit seiner Flucht habe sich
die Lage für die Yeziden insbesondere in seiner Herkunftsprovinz drastisch
verschlechtert, womit einer Rückkehr in den Irak objektive asylrelevante
Nachfluchtgründe entgegenstehen würden. So habe auch das Bundesver-
waltungsgericht in seinem Urteil D-4600/2014 vom 29. November 2016
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festgestellt, dass in der Provinz Ninawa im Jahr 2014 eine Kollektivverfol-
gung für alle Angehörigen der yezidischen Gemeinschaft durch den soge-
nannten "Islamischen Staat" (IS) gegeben gewesen sei. Wie bereits das
Gericht damals festgestellt habe, gelte weiterhin, dass sich die Lage nicht
nachhaltig verbessert und stabilisiert habe, und zudem der staatliche
Schutz nicht gewährleistet sei. Ebenso wenig seien innerstaatliche Flucht-
alternativen gegeben. Folglich sei von begründeter Furcht vor asylrelevan-
ter Verfolgung auszugehen und er als Flüchtling anzuerkennen und ihm
Asyl zu gewähren. Er habe inzwischen Beweismittel erhältlich machen kön-
nen betreffend ein im Irak hängiges Strafverfahren. Diese Dokumente wür-
den seine Bedrohungssituation belegen. Zudem habe er die Information
erhalten, dass seine Schwester B._ aus Sicherheitsgründen eben-
falls habe verlassen müssen. Deren Ehemann sei von Islamisten angegrif-
fen worden und diese hätten sich nach ihm erkundigt; der Schwager habe
deswegen Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Dies belege die nach wie
vor aktuelle Suche nach ihm (Beschwerdeführer). Seine andere Schwester
könne ebenfalls nicht mehr in B._ leben und halte sich inkognito in
C._ auf. Schliesslich sei sein Geschäftspartner, der ebenfalls
Yezide gewesen sei, ermordet worden. Der Name dieses Geschäftspart-
ners könne der eingereichten Tourismus-Arbeitserlaubnis entnommen wer-
den. Es sei ausserdem zu beachten, dass eine Person, welche Vertreter
einer nicht-staatlichen humanitären Organisation gewesen sei, die er sel-
ber unterstützt habe, in England als Flüchtling anerkannt worden sei.
Es sei damit erstellt, dass auch er im Irak als Yezide aus religiösen Grün-
den gezielt verfolgt worden sei und nicht über eine Fluchtalternative ver-
füge. Er verfüge über keine Kontakte zu den regierenden Parteien und
könne nicht auf ein tragfähiges Beziehungsnetz zurückgreifen. Das Haus,
in welchem er gewohnt habe, sei inzwischen abgebrannt, und es werde
weiterhin durch islamistische Gruppierungen nach Yeziden gesucht. Auf-
grund der schwierigen und gefährlichen Situation im Irak könne er als kur-
discher Yezide und wegen seiner langjährigen Landesabwesenheit nicht
dorthin zurückkehren. Jedenfalls erweise sich der Vollzug der Wegweisung
aufgrund der Lebensgemeinschaft mit einer Schweizer Bürgerin als unzu-
lässig. Unzumutbar sei der Vollzug der Wegweisung, weil er unter gesund-
heitlichen Problemen leide und er im Heimatstaat in eine existenzbedro-
hende Notlage geraten würde. Zur Untermauerung seiner Vorbringen legte
der Beschwerdeführer neben einem Arztbericht mehrere Medienartikel ins
Recht.
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D.
Im Nachtrag zum Gesuch vom 22. März 2019 liess der Beschwerdeführer
am 9. April 2019 weitere Unterlagen nachreichen, die sein Gefährdungs-
profil näher beleuchten würden.
E.
Das SEM informierte mit Mitteilung vom 11. April 2019 den Kanton
D._ über das neu eingereichte Gesuch des Beschwerdeführers.
Gleichzeitig ersuchte es darum, vom Vollzug der mit Verfügung vom
31. Mai 2015 angeordneten Wegweisung einstweilen abzusehen sowie
alle diesbezüglichen Vorbereitungshandlungen zu sistieren.
F.
Mit Schreiben vom 12. April 2019 informierte das SEM den Beschwerde-
führer darüber, dass seine Eingabe als Mehrfachgesuch im Sinn von
Art. 111c AsylG (SR 142.31) entgegengenommen werde, und es forderte
ihn auf, innert Frist Fragen zur Vervollständigung des Sachverhalts zu be-
antworten sowie Übersetzungen sämtlicher fremdsprachigen Dokumente
zu besorgen.
G.
Der Beschwerdeführer reichte innert der ihm erstreckten Frist Stellungnah-
men datiert vom 18. April und vom 8. sowie 16. Mai 2019 zu den Akten.
Darin gab er an, die Yeziden seien im ganzen Nordirak Opfer gezielter Ver-
folgung. Er selber sei konkreter asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt ge-
wesen. Die Unterlagen betreffend die im Irak hängigen Strafverfahren hät-
ten erst jetzt beschafft werden können, weil dies zuvor ohne seine Unter-
schrift nicht möglich gewesen sei. Sein Schwager sei am 26. April 2015
von Islamisten bedroht worden, weshalb er diesen seine Telefonnummer
und den Aufenthaltsort verraten habe. In der Folge habe er vorsichtshalber
mit niemandem im Irak Kontakt gehabt. Erst jetzt nach mehreren Jahren
habe er wieder Mut gefasst und die Behörden im Nordirak telefonisch kon-
taktiert. Seit diesem Angriff seien sie in B._ in Lebensgefahr, wes-
halb der Schwager und seine Schwester inkognito in C._ leben wür-
den. Sein Geschäftspartner sei am (...) 2015 vor seiner Wohnung in
B._ durch Unbekannte getötet worden. Er sei aber bereits zuvor
zusammen mit dem Beschwerdeführer wegen des Alkoholverkaufs und ih-
rer yezidischen Religion bedroht worden. Der Zusammenhang sei folglich
evident: Sie hätten dasselbe Geschäft betrieben, hätten die gleiche Reli-
gion und somit das gleiche Verfolgungsprofil. Sein Wohnhaus, welches zur
Hälfte seinem Vater und seinem Schwager gehört habe, sei am (...) 2017
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abgebrannt, wobei auch bei diesem Vorfall die Brandstifter nicht hätten er-
mittelt werden können. Mit seiner Schweizer Partnerin, E._, lebe er
mehrere Tage pro Woche zusammen, sie hätten aber noch kein Ehevorbe-
reitungsverfahren eingeleitet. Der Kontakt zu den Onkeln und Tanten im
Irak sei inzwischen völlig abgebrochen. Seine medizinische Behandlung in
der Schweiz finde wöchentlich während 45–60 Minuten statt. Aus diesen
Angaben werde ersichtlich, dass sich das Verfahren nicht zur ausschliess-
lich schriftlichen Durchführung eigne, weshalb eine Anhörung zwingend
notwendig sei und ausdrücklich beantragt werde. Der Beschwerdeführer
reichte wiederum mehrere Beweismittel, darunter insbesondere die Straf-
anzeige seines Schwagers, einen medizinischen Bericht seines getöteten
Geschäftspartners und eine Erklärung des Strafgerichts B._ sowie
entsprechende Übersetzungen zu den Akten.
H.
Mit Schreiben vom 18. Juli 2019 informierte der Zivilstandskreis (...) über
ein vom Beschwerdeführer eingeleitetes Ehevorbereitungsverfahren.
I.
Mit Verfügung vom 30. Juli 2019 – eröffnet am 7. August 2019 – lehnte das
SEM das Mehrfachgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete seine
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Es hielt
fest, die Lebensgemeinschaft mit Frau E._ stelle gemäss Recht-
sprechung keine schützenswerte Beziehung dar, welche dem Wegwei-
sungsvollzug entgegenstehe. In der Herkunftsregion des Beschwerdefüh-
rers herrsche keine Situation allgemeiner Gewalt und es würden keine in-
dividuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
sprechen.
J.
Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
6. September 2019 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben.
Er liess beantragen, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und
die Sache zur vollständigen und richtigen Abklärung sowie Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das SEM
zurückzuweisen; eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen
und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen
und wegen Unzulässigkeit in der Schweiz vorläufig aufzunehmen, eventu-
aliter sei er wegen Unzumutbarkeit vorläufig aufzunehmen. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der aufschiebenden Wir-
kung seiner Beschwerde und um sofortige Aussetzung des Vollzugs der
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Wegweisung sowie sämtlicher Vollzugshandlungen. Weiter sei ihm Ein-
sicht in sämtliche durch das SEM erstellte Übersetzungen und das rechtli-
che Gehör dazu zu gewähren und ihm in der Folge Frist zur Einreichung
einer Beschwerdeergänzung zu setzen. Er beantragte die Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und den Verzicht auf Erhebung eines Kos-
tenvorschusses; eventualiter sei eine angemessene Frist zur Bezahlung
des Gerichtskostenvorschusses zu setzen.
K.
Der Instruktionsrichter bestätigte dem Beschwerdeführer am 9. September
2019 den Eingang seiner Beschwerde.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 19. September 2019 stellte der Instruktions-
richter fest, dass der Beschwerdeführer den Abschluss des Verfahrens in
der Schweiz abwarten darf. Zudem hiess er das Gesuch des Beschwerde-
führers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65
Abs. 1 VwVG gut, verzichtete auf Erhebung eines Kostenvorschusses und
lud das SEM zur Vernehmlassung ein.
M.
Mit Vernehmlassung vom 24. September 2019 beantragte das SEM die
Abweisung der Beschwerde. Hinsichtlich der angeordneten Wegweisung
vermöge das eingereichte Ehevorbereitungsgesuch das Asylverfahren
nicht zu beeinflussen, vielmehr stehe es dem Beschwerdeführer offen,
beim zuständigen Kanton eine Aufenthaltsbewilligung zwecks Vorberei-
tung auf die Ehe zu beantragen.
N.
Der Instruktionsrichter gab dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
26. September 2019 Gelegenheit zur Vernehmlassung des SEM Stellung
zu nehmen.
O.
Der Beschwerdeführer reichte am 11. Oktober 2019 eine Replik ein. Es sei
nicht ersichtlich, weshalb das SEM die angefochtene Verfügung nicht an-
gepasst habe, obschon es den Beschwerdeführer auf den kantonalen Weg
zur Beantragung einer kantonalen Bewilligung verwiesen habe. Es dränge
sich somit auf, das Beschwerdeverfahren zu sistieren bis die Heirat statt-
gefunden habe und die kantonalen Migrationsbehörden über den Famili-
ennachzug befunden hätten.
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P.
Mit Eingabe vom 14. Oktober 2019 legte der Beschwerdeführer Fotos ins
Recht, auf welchen er mit seiner Verlobten und deren Familie sowie mit
Freunden zu sehen sei.
Q.
Mit Instruktionsverfügung vom 23. Oktober 2019 wies der Instruktionsrich-
ter die Gesuche um Sistierung des Beschwerdeverfahrens sowie um Set-
zen einer Frist zur Einreichung weiterer Übersetzungen ab.
R.
Der Beschwerdeführer informierte mit Schreiben vom 17. Dezember 2019
über die erfolgte Heirat mit einer Schweizer Bürgerin. Er stellte fest, die
angefochtene Verfügung sei demnach zur Neubeurteilung an das SEM
zurückzuweisen.
S.
Der Instruktionsrichter lud das SEM am 31. Dezember 2019 angesichts
des absehbaren Anspruchs des Beschwerdeführers auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung zur Einreichung einer ergänzenden Vernehmlas-
sung ein.
T.
Das SEM zog am 21. Juni 2020 seine Verfügung vom 30. Juli 2019 teil-
weise in Wiedererwägung und hob die Dispositivziffern zwei, drei und vier
auf, weil die Ausgestaltung des Aufenthalts in der Schweiz in die Kompe-
tenz des Aufenthaltskantons falle.
U.
Am 23. Januar 2020 ersuchte der Instruktionsrichter den Beschwerdefüh-
rer um Mitteilung, ob er seine Beschwerde vom 6. September 2019, soweit
nicht gegenstandslos geworden zurückziehen wolle.
V.
Mit Mitteilung vom 28. Januar 2020 informierte der Beschwerdeführer dar-
über, dass er zurzeit an seiner Beschwerde festhalte.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Mit der teilweisen Wiedererwägung vom 21. Januar 2020 hob das SEM
nach der Heirat des Beschwerdeführers die mit Verfügung vom 30. Juli
2019 angeordnete Wegweisung sowie den Wegweisungsvollzug auf, wo-
mit der Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens
auf den Asylpunkt beschränkt ist.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
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Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung der ablehnenden Verfügung aus, die
durch den Beschwerdeführer als Mehrfachgesuch bezeichnete Eingabe
werde der Einfachheit halber als solches behandelt, obschon einige
Elemente im Rahmen eines qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs zu
behandeln wären. Die geltend gemachte Verfolgung durch Islamisten er-
weise sich einerseits gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts als nicht asylbeachtlich und andererseits als nicht glaubhaft. Der
Beschwerdeführer sei nicht als Yezide erkennbar gewesen und bereits sein
Vater habe sich als Moslem registrieren lassen. Er (Beschwerdeführer)
habe angegeben, religiös indifferent zu sein. Der Umstand, dass er erst
drei Jahre nach Beendigung des ersten Asylverfahrens Beweismittel ein-
gereicht habe, lasse Zweifel an deren Echtheit aufkommen. Seine Erklä-
rungsversuche vermöchten nicht zu überzeugen, weil davon auszugehen
sei, es wäre ihm eine diskrete Kontaktaufnahme ohne Gefährdung von sich
oder seinen Angehörigen möglich gewesen. Ausserdem zeige die Beschaf-
fung gewisser Dokumente über eine durch ihn bevollmächtigte Person,
dass er schon früher zur Beweismittelbeschaffung nicht auf seine Verwand-
ten angewiesen gewesen sei. Es würden schliesslich erhebliche Zweifel an
der Authentizität der eingereichten Beweismittel bestehen, weil sie in Kopie
eingereicht worden seien und einige inhaltliche und formale Eigenschaften
auf Fälschungen hinweisen würden. Die vorgebrachten Drohungen und
Angriffe auf seine Schwestern und deren Ehemänner sowie die Ermordung
des Geschäftspartners seien im ersten Asylverfahren nicht erwähnt wor-
den, obschon sie während des damals hängigen Beschwerdeverfahrens
stattgefunden hätten, und seien deshalb als nachgeschoben und unglaub-
haft zu qualifizieren. Es sei ausserdem darauf hinzuweisen, dass der Be-
schwerdeführer in seiner Anhörung ausgeführt habe, er habe den Irak ge-
meinsam mit seinem Geschäftspartner verlassen, weshalb dessen Tötung
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im (...) 2015 unwahrscheinlich erscheine. Das neu vorgebrachte, aber be-
reits im Jahr 2014 entstandene Video, auf welchem er mit einem Vertreter
der humanitären Organisation "(...)" zu sehen sei, für welche er im Nordirak
gearbeitet habe, und welches den IS durch den Dreck ziehe, habe er im
ersten Asylverfahren nicht erwähnt. Vielmehr habe er damals Fotografien
eingereicht, welche ihn bei Aktivitäten für und mit Kindern gezeigt hätten,
weshalb die Assoziation der YouTube-Videos mit dieser Organisation zwei-
felhaft erscheine. Der Beschwerdeführer sei auf dem Video sodann nicht
als Bodyguard erkennbar, da jener maskiert sei oder eine Kopfbedeckung
und künstliche Haare trage. Im Übrigen hätten die Videos kaum Beachtung
gefunden. Der Beschwerdeführer könne aus der Anerkennung des Vertre-
ters dieser Organisation als Flüchtling in England nichts zu seinen Gunsten
ableiten. Das Vorbringen, der Hausbrand sei auf gezielte Brandstiftung zu-
rückzuführen, sei auch eine unbelegte Behauptung. Die Fotos könnten im
Übrigen von einem beliebigen Haus stammen; der Zusammenhang zum
Beschwerdeführer – zweieinhalb Jahre nach seiner Ausreise – fehle gänz-
lich und er habe anlässlich des ersten Asylverfahren angegeben, in einem
Miethaus gewohnt zu haben. Dasselbe gelte für die übrigen eingereichten
Beweismittel. Die in kurdischer Sprache verfassten Dokumente könnten
von einer beliebigen Person fabriziert werden und es würden aufgrund un-
terschiedlicher Bezeichnung der Urheber Zweifel an deren Authentizität be-
stehen. Die Identitätskarten seiner Schwestern seien bereits im Jahr 2011
respektive 2012 und somit zwei Jahre vor seiner Ausreise ausgestellt wor-
den, womit sie die geltend gemachte Streitigkeit nicht zu belegen vermöch-
ten. Eine Anhörung zu den Asylgründen sei vorliegend nicht angezeigt, zu-
mal Verfahren nach Art. 111b und Art. 111c AsylG grundsätzlich schriftlich
geführt würden.
5.2 Zur Begründung seiner verfahrensrechtlichen Beschwerdeanträge gab
der Beschwerdeführer an, das SEM habe seinen Anspruch auf Aktenein-
sicht und seinen Gehörsanspruch verletzt, indem es erstens eingereichte
Übersetzungen ignoriert habe, es zweitens behauptet habe, solche seien
nicht nötig, und drittens dennoch selber Übersetzungen habe erstellen las-
sen. Das SEM habe es auch unterlassen ihm Gelegenheit einzuräumen,
zu den angeblich inhaltlichen sowie formalen Mängeln Stellung zu nehmen
und die eingereichten Beweismittel einer Prüfung zu unterziehen. Die Vor-
instanz sei auch ihrer Abklärungspflicht nicht nachgekommen, weil sie, ob-
wohl sich dies zwingend aufgedrängt hätte, keine Anhörung durchgeführt
und zudem übersehen habe, dass er ein Ehevorbereitungsverfahren ein-
geleitet habe. Es sei stossend, dass ihm das SEM vorwerfe, seine Vorbrin-
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gen seien nachgeschoben, weil er diese während des ersten Beschwerde-
verfahrens nicht erwähnt habe, obschon sie sich während dessen Dauer
zugetragen hätten. Jenes Verfahren sei nämlich auf den Wegweisungsvoll-
zug beschränkt gewesen. Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass das SEM
seine Vorbringen betreffend die Tötung seines Geschäftspartners sowie
die Drohungen gegen seinen Schwager als unglaubhaft qualifiziere, weil er
keinen eigentlichen Beweis dafür erbracht habe. Das Beharren auf objek-
tiven Beweisen – so etwa bezüglich der als irrelevant bezeichneten Be-
weismittel im Zusammenhang mit F._ – verletze Art. 7 AsylG und
Art. 9 BV. Im Asylpunkt führte der Beschwerdeführer aus, Yeziden seien
nicht nur in der Provinz Ninawa Opfer asylrelevanter Verfolgung, sondern
im ganzen Irak. Er werde in seinem Heimatstaat weiterhin als Yezide wahr-
genommen und laufe Gefahr, zum Opfer von extremistischen Jihadisten zu
werden. Er habe sich politisch engagiert und exponiert, sowohl seine
Schwestern als auch sein Schwager seien behelligt worden und andere
Weggefährten seien entweder ermordet worden oder hätten flüchten müs-
sen. Bei einer Rückkehr in den Irak müsse er folglich damit rechnen, ent-
führt oder ermordet zu werden. Diesbezüglich seien die heimatlichen Be-
hörden weder schutzfähig noch schutzwillig.
5.3 In der Vernehmlassung räumte das SEM ein, dass es in der angefoch-
tenen Verfügung fälschlicherweise darauf hingewiesen habe, der Be-
schwerdeführer habe keine Übersetzung der Drohbriefe eingereicht. Den-
noch würde aber der in den Briefköpfen genannte Name der angeblichen
Verfolger mit demjenigen im Logo abweichen. Es habe in der angefochte-
nen Verfügung diese Drohbriefe sehr wohl gewürdigt, hingegen aber keine
neuen Übersetzungen anfertigen lassen. Es bleibe dem Beschwerdeführer
nun nochmals die Möglichkeit, sich in der Replik zu den Widersprüchen in
den Drohbriefen zu äussern. Die Vorinstanz bleibe jedenfalls dabei, dass
es sich bei den Drohbriefen um fabrizierte Dokumente handle, die von einer
beliebigen Person verfasst werden könnten.
5.4 In seiner Replik führte der Beschwerdeführer aus, die Vorgehensweise
des SEM sei willkürlich und rechtswidrig und müsse die Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung zur Folge haben. Es habe ohne Berücksichtigung
der eingereichten Übersetzung behauptet, die eingereichten Drohbriefe
würden Widersprüche aufweisen. Hierzu hätte es ihm das rechtliche Gehör
gewähren müssen. Sollte die angefochtene Verfügung nicht aufgehoben
werden, sei ihm zumindest Frist zur Einreichung detaillierter Übersetzun-
gen zu setzen. Der Hinweis des SEM auf den angeblich inhaltlichen Wider-
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Seite 12
spruch sei jedenfalls absurd, zumal solche Gruppierungen meist Unter-
gruppierungen hätten (wie beispielsweise eine bewaffnete Kampftruppe),
womit sich eine vom Logo abweichende Bezeichnung der Absender erklä-
ren lasse.
6.
6.1 Vorliegend erhebt der Beschwerdeführer formelle Rügen (Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör und der Akteneinsicht; unvollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts). Diese sind vorab zu prü-
fen.
6.2
6.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3). Mit dem Ge-
hörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich
zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen
zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit al-
len Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
6.2.2 Der Beschwerdeführer wurde vom SEM mit Schreiben vom 12. April
2019 aufgefordert, zusätzliche Informationen sowie Übersetzungen der mit
dem neuen Asylgesuch vom 22. März 2019 eingereichten Drohbriefe ein-
zureichen. Dieser Aufforderung kam er am 16. und 18. April sowie 8. und
16. Mai 2019 nach. Das SEM ging tatsächlich in der angefochtenen Verfü-
gung fälschlicherweise davon aus, der Beschwerdeführer habe trotz Auf-
forderung keine Übersetzungen der Drohbriefe in kurdischer Sprache ein-
gereicht. Dennoch hat es diese gewürdigt (vgl. Verfügung des SEM vom
30. Juli 2019 S. 8). In seiner Vernehmlassung hat es schliesslich seinen
Fehler eingestanden und sich einlässlich mit diesen Beweismitteln ausei-
nandergesetzt. Zu den vom SEM gegen die Authentizität der Beweismittel
ins Feld geführten Argumenten hat der Beschwerdeführer in seiner Replik
Stellung nehmen können.
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Seite 13
6.2.3 Sodann hat sich das SEM in der angefochtenen Verfügung in detail-
lierter Weise mit sämtlichen Vorbringen des Beschwerdeführers – auch be-
züglich der geltend gemachten Tötung respektive Bedrohung seines Ge-
schäftspartners beziehungsweise Schwagers – auseinandergesetzt und
diese einer Glaubhaftigkeitsprüfung unterzogen (vgl. SEM-Verfügung S. 6
f.).
6.2.4 Insgesamt ist die Rüge, das SEM habe seinen Anspruch auf rechtli-
ches Gehör verletzt, nach dem Gesagten unbegründet.
6.3
6.3.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-
nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
6.3.2 Auch die Rüge des Beschwerdeführers, das SEM hätte zwingend
eine weitere Anhörung durchführen müssen, erweist sich als haltlos. Ge-
mäss Art. 29 AsylG ist nach Einreichung eines neuen Asylgesuchs eine An-
hörung grundsätzlich nicht vorgesehen (vgl. BVGE 2014/30 E. 4.3). Mit
dem Instruktionsschreiben des SEM vom 12. April 2019 sowie den vier in
der Folge eingereichten Eingaben des Beschwerdeführers samt Beweis-
mitteln wurde der Sachverhalt in angemessener Weise abgeklärt und fest-
gestellt.
6.3.3 Der Verzicht des SEM auf Durchführung einer erneuten Anhörung
war dementsprechend gerechtfertigt.
6.4 Nach dem Gesagten sind die formellen Rügen des Beschwerdeführers
unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Verfügung zu kas-
sieren und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Der Hauptbegehren der Beschwerde ist abzuweisen.
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Seite 14
7.
7.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Verfügung des SEM auch inhaltlich zu stützen ist.
7.2 Mit Verfügung vom 31. Juli 2015 lehnte das SEM das erste Asylgesuch
des Beschwerdeführers ab, weil es die Vorbringen des Beschwerdeführers
– er sei wegen des Führens eines Alkoholgeschäfts von islamistischen
Gruppierungen bedroht worden – als stereotyp und unsubstanziiert qualifi-
ziert und damit als unglaubhaft erachtet hatte. Seine Aussagen würden
keine Realkennzeichen wie persönliche Wahrnehmungen und Betroffen-
heit aufweisen und seien sodann auch widersprüchlich ausgefallen. Die
Verfügung des SEM erwuchs in Rechtskraft, zumal sich die gegen diese
Verfügung erhobene Beschwerde vom 2. September 2015 lediglich gegen
die Wegweisung sowie den Wegweisungsvollzug richtete.
7.3
7.3.1 Die Erwägungen des SEM in der vorliegend angefochtenen Verfü-
gung zur Frage der Kollektivverfolgung von Yeziden im kurdischen Autono-
miegebiet (Gebiet des Kurdistan Regional Government, KRG) sind überzeu-
gend. Die im Referenzurteil D-4600/2014 vom 29. November 2016 ange-
nommene reelle Verfolgungsgefahr für Yeziden bezieht sich auf die Provinz
Ninawa, welche Hauptsiedlungsgebiet der Yeziden ist und wo sich der IS
damals weit ausgebreitet hatte (vgl. E. 6.4). Anders sieht es aber innerhalb
der KRG-Region aus, wo die kurdischen Behörden grundsätzlich willens
sind, den Einwohnern der drei nordirakischen Provinzen Schutz vor allfäl-
liger Verfolgung zu gewähren (vgl. BVGE 2008/4 E. 6.1–6.7; Referenzurteil
BVGer E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 7.4; Urteil BVGer
E-1510/2014 vom 29. September 2015 E. 6.3). Die offene Bedrohungssi-
tuation durch den IS hat sich zudem bereits seit dem Jahr 2017 aufgelöst
(Urteil BVGer E-6430/2016 vom 31. Januar 2018 E. 6.4). Das Vorliegen
objektiver Nachfluchtgründe ist damit zu verneinen.
7.3.2 Daran vermag auch der Hinweis des Beschwerdeführers nichts zu
ändern, seine Anzeige sei über Jahre hinweg nicht behandelt worden. Viel-
mehr gab er anlässlich seiner Befragungen zu Protokoll, sie sei gegen Un-
bekannt erstattet worden, weshalb die Behörden trotz ihrer Ermittlungen
nichts weiter hätten unternehmen können (vgl. SEM-Akten, A6 S. 9, A18
F50 und F59 ff.).
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7.3.3 Betreffend die durch den Beschwerdeführer neu eingereichten Be-
weismittel kann ebenfalls auf die zutreffenden Ausführungen des SEM in
der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Erklärung des Be-
schwerdeführers – er habe die Beweismittel erst ungefähr drei Jahre nach
Abschluss seines ersten Asylverfahrens beschaffen können, weil er in der
Zwischenzeit nicht mit seinen Verwandten habe in Kontakt treten können –
erscheint auch dem Bundesverwaltungsgericht nicht nachvollziehbar.
Nachdem die für das aktuell hängige Verfahren beschafften Gerichtsdoku-
mente nämlich über einen telefonischen Kontakt mit den Behörden im
Nordirak sowie mit Hilfe eines Bekannten erfolgten, ist nicht ersichtlich,
weshalb er dies nicht schon zuvor hätte in Angriff nehmen können. Statt-
dessen verzichtete er im ersten Asylverfahren gar darauf, die im Asylpunkt
ablehnende Verfügung des SEM vom 31. Juli 2015 anzufechten.
7.3.4 Sodann ist dem SEM auch zuzustimmen, soweit es darauf hinweist,
es handle sich bei den die persönliche Verfolgung des Beschwerdeführers
betreffenden Dokumenten lediglich um Kopien mit geringem Beweiswert.
Gegen deren Authentizität spricht jedenfalls, dass die angeblichen Droh-
briefe wegen der Führung eines Alkoholgeschäfts nur den Namen des Be-
schwerdeführers und nicht auch denjenigen des Geschäftsinhabers ent-
halten, wie zu erwarten gewesen wäre und der Beschwerdeführer selbst
angegeben hatte (vgl. SEM-Akten, Schreiben vom 18. April 2019 S. 4 so-
wie mit Eingabe vom 15. April 2019 eingereichte Beilage 39).
Abgesehen von der bereits durch das SEM erwähnten Merkwürdigkeit,
dass auf den Drohbriefen zwei in Widerspruch stehende Angaben zu an-
geblichen Urhebern zu finden seien, ist auf weitere Ungereimtheiten hinzu-
weisen: So enthalten diese Drohbriefe jeweils ein Logo sowie eine Kopf-
zeile, die beide eine abweichende Terminologie verwenden und sowohl
arabische als auch kurdische Ausdrücke aufweisen. Es handelt es sich zu-
dem sowohl bei Jabhat Ansar al-Islam als auch bei Jamaat Ansal al-islam
um bewaffnete Akteure im syrischen Bürgerkrieg, wobei die Jabhat Ansar
al-Islam nur in Syrien präsent ist und mit dem auf den Drohbriefen abge-
druckten Logo auftritt. Jamaat Ansar al-Islam hingegen ist zwar eine ur-
sprünglich im Irak aktive kurdische Gruppe, die jedoch keine bedeutungs-
volle Präsenz in der KRG-Region hatte, sondern ebenfalls in Syrien
kämpfte und deren irakische Abteilung im Jahr 2014 aufgelöst wurde (vgl.
Roche, Cody (Bellingcat), Battle "Break the Siege of Aleppo", vom 6. Au-
gust 2016, abrufbar unter < https://medium.com/@badly_xeroxed/battle-
break-the-siege-of-aleppo-8fc474c00537 >; Zelin, Aaron (Jihadology), Mu-
sings of an Iraqi Brasenostril on Jihad: Comprehensive Reference Guide
https://medium.com/@badly_xeroxed/battle-break-the-siege-of-aleppo-8fc474c00537 https://medium.com/@badly_xeroxed/battle-break-the-siege-of-aleppo-8fc474c00537
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to Sunni Militant Groups in Iraq, vom 23. Januar 2014, abrufbar unter:
< http://jihadology.net/2014/01/23/musings-of-an.iraqi-brasenostril-on-jiha
d-comprehensive-reference-guide-to-sunni-militant-groups-in-iraq/ >; Al-
Tamini, Aymenn Jawad (Oxford University) / Syria Comment, Jamaat An-
sar al-Islam in Syria Joins The Islamic State?, vom 8. Januar 2015, abruf-
bar unter < https://www.joshualandis.com/blog/jamaat-ansar-al-islam-sy-
ria-joins-islamic-state/ >, alle Internetquellen abgerufen am 15. Februar
2021).
7.3.5 Angesichts der Gesamtumstände ist der Einschätzung des SEM bei-
zupflichten, wonach der Beschwerdeführer mittels der eingereichten Be-
weismittel keine Verfolgungsgefahr zu belegen vermochte. Um weitere
Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die umfassend begründete Verfü-
gung des SEM vom 30. Juli 2019 zu verweise. Diesen vermochte der Be-
schwerdeführer in seiner Beschwerde nichts Stichhaltiges zu entgegen.
7.4 Es ist dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen glaubhaft zu ma-
chen, er sei in seinem Heimatstaat aufgrund seiner Religion asylrelevanter
Verfolgung ausgesetzt gewesen. Die Vorinstanz hat folglich zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein zweites
Asylgesuch abgelehnt.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit sie
nicht gegenstandslos geworden ist.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da mit Instruktionsverfügung
vom 19. September 2019 sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und keine
Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle Lage seither ent-
scheidrelevant verändert hätte, ist von der Auflage von Verfahrenskosten
abzusehen.
(Dispositiv nächste Seite)
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