Decision ID: 3d95da8f-6855-4d4c-a304-187bc8387290
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/6
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A.- A X ist Rentner und Eigentümer einer Ferienwohnung in V. im Kanton Luzern. B X-Y
war im Jahr 2008 bei der CS unselbständig erwerbstätig. Die Eheleute X-Y leben in
ihrer Eigentumswohnung in R.
B.- A und B X-Y deklarierten für 2008 ein steuerbares Einkommen von Fr. 131'363.--.
Bei den Einkünften aus der Ferienwohnung in V. reduzierten sie den Mietwert gemäss
amtlicher Schätzung vom 28. November 2008 von Fr. 9'002.-- um 30% auf Fr. 6'301.--.
Die Veranlagungsbehörde berücksichtigte demgegenüber den Mietwert gemäss der
früheren amtlichen Schätzung von Fr. 7'560.-- ohne Reduktion und setzte das
steuerbare Einkommen für die direkte Bundessteuer 2008 auf Fr. 132'100.-- fest. Die
gegen diese Veranlagung mit der Begründung, die im Kanton Luzern vorgesehene
Herabsetzung des Eigenmietwerts um 30% sei auch bei der direkten Bundessteuer zu
berücksichtigen, erhobene Einsprache wies das kantonale Steueramt mit Entscheid
vom 4. Mai 2009 ab, passte den Mietwert aber auch nicht an die neue amtliche
Schätzung an.
C.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhoben A und B X-Y mit Eingabe vom 18. Mai
2009 Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, bei der
Ermittlung des steuerbaren Einkommens für die direkte Bundessteuer 2008 sei für das
Grundeigentum in V. der Eigenmietwert von Fr. 6'301.-- gemäss der definitiven
Veranlagung des Kantons Luzern zu berücksichtigen.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 1. Juli 2009 die Abweisung der
Beschwerde unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführer. Die Eidgenössische
Steuerverwaltung verzichtete stillschweigend auf eine Vernehmlassung. Die
Beschwerdeführer nahmen mit Eingabe vom 1. September 2009 Stellung zur
vorinstanzlichen Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,

soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
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Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 18. Mai 2009 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 140 Abs. 2 Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR
642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.- In der Beschwerde ist einzig umstritten, nach welchen Regeln sich der steuerbare
Eigenmietwert der selbstgenutzten Ferienwohnung des Beschwerdeführers in V.
bemisst.
a) Nach Art. 21 Abs. 1 lit. b DBG ist bei den Erträgen aus unbeweglichem Vermögen
insbesondere der Mietwert von Liegenschaften oder Liegenschaftsteilen, die dem
Steuerpflichtigen aufgrund von Eigentum für den Eigengebrauch zur Verfügung stehen,
steuerbar. Die Festsetzung des Eigenmietwerts erfolgt unter Berücksichtigung der
ortsüblichen Verhältnisse und der tatsächlichen Nutzung der am Wohnsitz
selbstbewohnten Liegenschaft (Art. 21 Abs. 2 DBG). Da es sich beim Eigenmietwert um
ein Naturaleinkommen handelt, ist dieses gemäss Art. 16 Abs. 2 DBG zum Marktwert
zu bemessen. Der Eigenmietwert sollte daher grundsätzlich dem Betrag entsprechen,
den der Eigentümer auslegen müsste, um ein gleiches Grundstück unter denselben
Bedingungen bewohnen oder in anderer Art nutzen zu können. Eine massvolle
Eigenmietwertbesteuerung – wie dies in den kantonalen Steuergesetzen teilweise
statuiert ist – ist bei der direkten Bundessteuer nicht vorgesehen (vgl. Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 86 zu Art. 21 DBG).
Die Festsetzung des Eigenmietwerts ist bei der direkten Bundessteuer allein Sache des
Belegenheitskantons. Der Wohnsitzkanton hat diesen Wert bei einem ausserkantonalen
Grundstück unverändert zu übernehmen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N
104 zu Art. 21 DBG mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Für die Ermittlung des
steuerbaren Eigenmietwertes kann auf die kantonalen Schätzungen abgestellt werden.
In Kantonen, in denen die Mietwerte anlässlich der letzten amtlichen
Liegenschaftsschätzung im Einzelbewertungsverfahren ermittelt worden sind, können
diese unverändert oder allenfalls mit Zuschlägen, die der Mietzinsentwicklung seit der
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letzten Schätzung Rechnung tragen, übernommen werden (vgl. Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 94/95 zu Art. 21 DBG).
Die Eidgenössische Steuerverwaltung anerkennt die für die kantonalen Steuern
massgebenden Eigenmietwerte auch für die direkte Bundessteuer, sofern sie gemäss
den periodischen, stichprobenweise durchgeführten Erhebungen im kantonalen
Durchschnitt nicht unter 70% des Marktmietwerts (Interventionslimite) liegen. Sind die
nach einheitlichen Grundsätzen durchgeführten kantonalen Mietwert- oder
Grundstückschätzungen zu tief, d.h. liegen sie mehr als 30% unter dem Marktwert,
können gestützt auf die stichprobenweisen Schätzungen einheitliche Zuschläge zur
kantonalen Bewertung vorgenommen werden. Die Interventionslimite von 70% ist nur
ein Instrument der Verwaltungsführung; sie stellt keine Veranlagungsregel dar, weshalb
insbesondere die steuerpflichtige Person daraus kein Recht auf eine Bemessung ihres
Eigenmietwerts auf bloss 70% des Marktmietwerts ableiten kann (vgl. Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 96 zu Art. 21 DBG mit Hinweisen auf die Rechtsprechung,
insbesondere Pra 1998 Nr. 118).
b) Nach dem Steuerrecht des Kantons Luzern beträgt der steuerbare Mietwert von
Liegenschaften, welche dem Steuerpflichtigen aufgrund von Eigentum für den Eigenge
brauch zur Verfügung stehen, 70% der mittleren Marktmiete (§ 28 Abs. 1 lit. b und
Abs. 2 Satz 2 des Steuergesetzes; SRL Nr. 620, abgekürzt: StG-LU). Die mittlere
Marktmiete entspricht dem mittleren Mietzins, der an vergleichbarer Lage für
vergleichbare Mietobjekte zu erzielen wäre (§ 28 Abs. 2 StG-LU). Der – nicht reduzierte
– Mietwert wird auf den Beginn jeder Steuerperiode durch den Regierungsrat an die
aktuellen Verhältnisse angepasst, wobei die unterschiedliche Mietzinsentwicklung je
nach regionaler Lage und Alter der Objekte zu berücksichtigen ist. Für Gebäude in der
Gemeinde V., die ab 2007 von Grund auf neu geschätzt wurden, beträgt der aktuelle
Mietwert 100% des amtlich geschätzten Wertes; davon sind 70% steuerbar (§ 28 Abs.
3 StG-LU in Verbindung mit Anhang 1, Gruppe 8, der Mietwertverordnung, SRL Nr.
625).
Die Eidgenössische Steuerverwaltung sorgt als gesamtschweizerisches Aufsichtsorgan
für die einheitliche Anwendung des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer und
erlässt unter anderem Vorschriften für die richtige und einheitliche Veranlagung (Art.
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102 Abs. 2 DBG). In einem Rundschreiben hat sie am 21. Februar 2008 für die direkte
Bundessteuer in einer Liste festgehalten, in welchen Kantonen für die kantonalen
Steuern und die direkte Bundessteuer ab Steuerperiode 2007 unterschiedliche
Eigenmietwerte gelten (DB-021.1b/102.2 ED; vgl. www.estv.admin.ch neues Fenster,
unter Direkte
Bundessteuer/Dokumentation/Publikationen/Rundschreiben). Da der Kanton Luzern
darin nicht aufgeführt wird, ist davon auszugehen, dass die Veranlagungspraxis im
Kanton Luzern für die direkte Bundessteuer von dem nach kantonalem Steuerrecht
steuerbaren Eigenmietwert ausgeht, auch wenn mit der amtlichen Schätzung ein –
nicht reduzierter – Mietwert festgelegt wird, der erst aufgrund von § 28 Abs. 2 StG
pauschal um 30% herabgesetzt wird.
c) Dementsprechend erweist sich die Beschwerde als begründet und der angefochtene
Einsprache-Entscheid der Vorinstanz vom 4. Mai 2009 ist aufzuheben. Die
Beschwerdeführer und die Vorinstanz – auch wenn sie "kulanterweise und ohne
Präjudiz" noch auf den nicht reduzierten "alten" Eigenmietwert abgestellt hat – sind
sich einig, dass für die Steuerperiode 2008 von der amtlichen Schätzung vom
28. November 2008 auszugehen ist. Dementsprechend ist der steuerbare
Eigenmietwert für die Ferienwohnung des Beschwerdeführers in V. von Fr. 7'560.-- auf
Fr. 6'301.-- (70% von Fr. 9'002.--) herabzusetzen. Die tatsächlichen Unterhalts- und
Verwaltungskosten von Fr. 3'496.-- gemäss Deklaration sind unbestritten. Damit
reduziert sich das steuerbare Einkommen für die direkte Bundessteuer 2008 gemäss
Einspracheveranlagung von Fr. 132'123.-- um Fr. 1'259.-- auf Fr. 130'864.--.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Verfahrens vom Staat
zu tragen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist angemessen
(vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs,
sGS 941.12). Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, den Beschwerdeführern den
geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 500.-- zurückzuerstatten.