Decision ID: 0c28d4e3-3dd0-41b9-ad4c-9295a66ff445
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961
, meldete sich am 20. Januar 2009
unter Hinweis auf
eine seit dem 3. Juli 2008 bestehende Depression und Angst
bei der Invali
denversicherun
g zum Leistungsbezug an (Urk. 10/4 Ziff. 6.2-3
). Die
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm
mit Verfügung
en
vom 4. August 2010
und vom 9. September 2010
bei einem
Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente ab 1. August 2009 und bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
eine halbe Invalidenrente
ab 1. November 2009
zu (Urk. 10/5
4, Urk. 10/64 und Urk. 10/69
).
Am
3. Juni 2011 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, der Rentena
nspruch sei unverändert (Urk. 10/
76
).
1.2
Nach Eingang eines am 8. Juli 2013
ausgefüllten Revisio
nsfragebogens (Urk. 10/79
) holte di
e IV-Stelle unter anderem bei
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie,
ein
psychiatrisches
Gutachten ein, das
am 1. September 2014 erstattet wurde (Urk. 10/92
). Nach durchgeführ
tem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 10/110; Urk. 10/123
)
stellte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 13. Mai 2015
die bisher ausgerichtete Invalidenrente ein
(Urk. 2).
2.
Der
Versicherte erhob am 11. Juni 2015
, ergänzt am 17. Juli 2015
,
Beschwer
de gegen die Verfügung vom 13. Mai 2015
(Urk. 2) und beantragte, di
ese sei auf
zuheben und es sei festzustellen, dass er weiterhin Anspruch auf die bisherige halbe Rente habe. Eventuell sei durch das Gericht ein medizinisches Gutachten einzuholen und subeventuell sei die Sache zu weiteren Abklärungen und neuem Entscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2
, Urk. 7
).
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom 6. August 2015 (Urk. 9
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 21. August 2015
wurd
en antragsgemäss (vgl. Urk. 1
S.
2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugeste
llt (Urk. 11
).
Am 26. August 2015
reichte der unentgeltliche Rechtsvertreter seine Honorarnote ein
(Urk. 12/1-2)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beein
trächti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person so
zial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Au
-
gust
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete in ihrer Verfügung (Urk. 2) die Einstellung der Invalidenrente damit, die Abklärungen hätten ergeben, dass sich der Ge
sundhei
tszustand des Beschwerdeführers
spätestens
seit
August 2014
so weit
verbessert
habe
, dass ihm eine angepasste Erwerbstätigkeit des freien Arbeits
marktes oder die bereits ausgeübte Tätigkeit als Dolmetscher zu 65
%
zumutbar sei.
Der Invaliditätsgrad liege demnach bei 35
%
und
damit
unter 40
%
, weshalb kein Rentenanspruch mehr bestehe (S. 2 f.).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (Urk. 1) geltend,
es liege keine Verbesserung des Gesundheitszustandes vor, und die Beweiskraft des Gutachtens werde bestritten (S. 3 f.
Ziff.
6).
D
ie Festsetzung einer Arbeitsfähig
keit
(richtig: Arbeitsunfähigkeit)
von 30 - 40
%
stehe
im Widerspruch zu den Angaben des behandelnden Arztes, welcher im August 2013 bei
im Wesentli
chen gleichen Diagnosen eine Arbeitsunfäh
igkeit von 50
%
bestätigt habe
(S. 7
Ziff.
12). Er sei auch lediglich für insgesamt zwei Stunden beim Gutachter ge
wesen
, wobei d
ie effektive Exploration deutlich weniger lang gedauert
habe
. Es seien auch keinerlei Fremdanamnesen eingeholt worden und man habe nicht einmal mit dem behandelnden Psychiater Kontakt aufgenommen (S. 7 f.
Ziff.
14). Die Kritik an den durchgeführten Therapien und
Medikamentationen
gehe
daher
ins Leere
. Die vom Gutachter empf
ohlene Verhaltenstherapie werde
längst gemacht. Dass ein Wechsel der Therapieform einen Gewinn bringe, werde bestritten
(S. 8 Mitte)
.
Zudem sei es nach der Begutachtung infolge
Zustands
verschlechterungen
zu stationären Aufenthalten gekommen
und
er
sei
bei ei
nem neuen Psychiater in Behandlung
(S. 8 f.
Ziff.
15).
Aufgrund
seines Alters und aufgrund dessen, dass er seit mehreren Jahren nur noch stundenweise tätig gewesen sei,
sei ihm die Selbsteingliederung bei Rentenaufhebung
nicht zumut
bar
und es bestehe ein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen
(S. 10
Ziff.
18).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die von der Beschwerdegegnerin angenommene Verbesserung des Gesundheitszustandes im Sinne eines Revisionsgrundes
ge
mäss
Art. 17 ATSG ausgewiesen ist.
3.
3.1
Im Rahmen des im April 2011 eingeleiteten Rente
nrevisionsverfahrens (vgl. Urk.
10/70) erfolgte die Bestätigung der
bisherigen Invalide
nrente mit Mitteilung vom 3. Jun
i 2011 (Urk. 10/76) lediglich gestützt auf die Einschätzung der Ar
beits
fähigkeit durch die behandelnde
Psychiaterin
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und für Psychotherapie
,
in ihrem Verlaufsbericht vom 20. Mai 2011
(Urk. 10/74, vgl. Urk. 10/75/2). Es erscheint daher vorliegend als gerechtfertigt, hinsichtlich
der zeitlichen Vergleichsbasis
auf die erstmalige
Rentenzusprache
, die unter eingehender materieller Sachverhaltsabklärung er
folgte, abz
ustellen (vgl. vorstehend E. 1.3
).
Die
mit Verfügungen vom 4. August und 9. September 2010 rückwirkend er
folgte
Zusprache
einer ganzen Rente ab
1. August 2009
und einer halben Rente ab 1. November 2009 (Urk. 10/54, Urk. 10
/64 und Urk. 10/69)
beruhte in medi
zinischer Hinsicht im Wesentlichen auf den
nachfolgenden
Beurteilungen (vgl. Urk. 10/37
/4-5
).
3.2
Dr.
med.
A._
, St
ellvertretende
Oberärztin
,
und
Dr.
med.
B._
, Assistenzärztin,
C._
, stell
ten in ihrem Austrittsbericht vom 7. April 2009 (Urk. 10/20/6-8) folgende Diag
nosen (S. 1):
Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10 F 43.22)
Differenzialdiagnose: Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
akzentuierte
Persönlichkeit mit narzisstischen und impulsiven Zügen
Die
Ärztinnen führten aus, der Beschwerdeführer sei vom 1. Dezember 2008 bis 19. März 2009 in der Akuttagesklinik in Behandlung gewesen (S. 1).
In dieser Zeit habe eine
Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden.
Es handle sich um ei
nen 47-jährigen Mann irakischer Abstammung, welcher auf eine ausserge
wöhnliche Belastung vor einem Jahr (Information über den sexuellen Miss
brauch eines nahen Familienangehörigen, Tod der Exfrau als wichtige Bezugs
person) mit depressiven
Symptomen
und mit Angstsymptomen reagiert habe. Die Krise sei verschärft und aufrechterhalten worden durch den
Arbeitsplatz
verlust
, welchen der Beschwerdeführer als grosse Kränkung erlebt habe. Im
In
teraktionsstil
und bei Betrachtung der Lebensgeschichte fielen eine erhöhte Kränkbarkeit und Impulsivität auf, welche als Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen und emotional instabilen Zügen beurteilt würden. Die weitere Prognose sei abhängig vom Gelingen der Arbeitsintegration. Prognostisch günstig wir
k
ten sich die Motivation des Beschwerdeführers aus, seine
In
tro
spektionsfähigkeit
und der bisherige Behandlungserfolg.
Zum Psychostatus führten die Ärztinnen aus, der Beschwerdeführer habe ein gepflegtes äusseres Erscheinungsbild, sei im Kontakt freundlich und zugewandt, wach und allseits orientiert gewesen. Die Auffassung sei intakt und die Kon
zentration im Gespräch unauffällig gewesen. Der formale Gedankengang sei ge
ordnet und flüssig gewesen. Gelegentlich habe er hypochondrische Ängste und Panikattacken gezeigt sowie einen Kontrollzwang, ob er dem Sohn etwas ange
tan habe. Zudem habe er
Waschzwangsymptome
gezeigt. Es habe kein Hinweis auf Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen bestanden. Die Stimmung sei ausgeglichen gewesen
,
und es habe eine normale Schwingungsfähigkeit mit leichter innerer Unruhe und Ängstlichkeit sowie leicht vermindertem
Vitalge
fühl
bestanden. Der Antrieb sei normal gewesen. Es hätten
Durchschlafstörun
gen
mit gelegentlich nächtlichem Erwachen und keine akute Suizidalität und keine Hinweise auf Fre
mdgefährlichkeit bestanden (S. 3
).
3.
3
Dr.
Z._
nannte in ihrem Bericht vom
18. und
19. Januar 2010 (Urk. 10/36) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Anpassungsstörung mit Angst und depr
essiver Reaktion; ICD-10 F43.22
(
Ziff.
1.1). Der Beschwer
deführer sei seit dem 2
2.
September 2008 bei ihr in Behandlung und die letzte Kontrolle habe am 8. Januar 2010 stattgefunden (
Ziff.
1.2). Alle zwei bis drei Wochen fänden stützende Gespräche statt (
Ziff.
1.5).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit habe bis 31. Oktober 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestan
den und seit dem 1. November 2009 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit
von 50
%
(
Ziff.
1.6).
Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht noch zumutbar. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei seit dem 1. November 2009 im Um
fang von vier Stunden pro Tag möglich (
Ziff.
1.7). Der Beschwerdeführer er
müde nach drei Stunden
,
und es bestünden aufgrund der narzisstischen
Persön
lichkeitszüge
Einschränkungen in der Anpassungsfähigkeit (
Ziff.
3).
Dr.
D._
führte aus, der Beschwerdeführer habe die Arbeitsintegration be
sucht
,
und seine Angstsymptome seien deutlich zurückgegangen. Jedoch be
stünden weiterhin eine erhöhte Ermüdbarkeit, diffuse Schmerzen (Muskel- und Magenschmerzen) und Schlafstörungen.
Dr.
Z._
führte aus, sie habe ihn daher ab dem 1. November 2009 als zu 50
%
arbeitsfähig eingeschätzt. Er ar
beite seither tag
e
weise bei einem Bekannten in einem Bettwarengeschäft, was einem Pensum von 20
%
entspreche. Der Patient habe eine schwierige familiäre Situation. Seine Ehefrau sei schwanger und lebe aber, wegen Unverträglichkeit mit dem Sohn aus 1. Ehe des Patiente
n
,
in Zürich.
Die Familienverantwortung belaste den Patienten ziemlich (
Ziff.
1.4).
4.
4.1
Im Rahmen des im Juli 2013 eingeleiteten Revisionsverfahrens
(vgl. Urk. 10/79)
, gingen die folgenden medizinischen Berichte ein:
Dr.
med.
E._
, Leitender Arzt
,
C._
, stellte in seinem Bericht vom 29. August 2013 (Urk. 10/83/7-12) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
leicht
e
bis mittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F32.0)
generalisierte Angststörung mit Zwangsgedanken (ICD-10 F41.1, F42.0)
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, impulsiven und ängstlich-vermeidenden Zügen (ICD-10 F61.0)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte er ein
ana
m
-
nesti
sches
Schlafapn
o
e
syndrom (
Ziff.
1.1).
Der Beschwerdeführer sei seit dem
2.
Dezember 2011 bei ihm in Behandlung und die letzte Kontrolle sei am 6. August 2013 erfolgt (
Ziff.
1.2).
D
ie Arbeitsfähigkeit
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Allroun
der/transkultureller Übersetzer
betrage
seit dem
2.
Dezember 2011
(Beginn der Behandlung)
50 %
. Es bestünden mittelgradige Einschränkungen im Bereich
der
Flexibilität und Umstellfähigkeit, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sowie
in der
Durchhaltefähigkeit. Im Bereich
Planung und Strukturierung von A
ufgaben und Gruppenfähigkeit bestünden leichte Einschränkungen
. Die bisherige Tätig
keit sei aus medizinischer Sicht noch zumutbar (
Ziff.
1.6-7)
.
Dr.
E._
hielt fest, im Gespräch sei häufig eine leichte Besorgnis und Bedrückung spürbar. Der Beschwerdeführer sei im Alltag phasenweise niedergeschlagen und es bestehe eine Hilflosigkeit. Er sorge sich betreffend seine Gesundheit und habe
Zwangs
gedanken
mit aggressiven Inhalten in Bezug auf die Tochter. Er leide an
Versa
gensängsten
und Minderwertigkeitsgefühlen
,
und es zeige sich immer wieder eine starke Selbstunsicherheit in verschiedenen Alltagssituationen und Zusam
menhängen. Der Antrieb sei im Zusammenhang mit den Ängsten und
Stim
mungsschwankungen
zum Teil reduziert, bei den Untersuchungsterminen in der Regel unauffällig. Der Schlaf sei unter Belastung jeweils deutlich gestört.
Dr.
E._
führte aus, angesichts der weiterhin bestehenden
Symptompersis
tenz
nach mehrjähriger Psychotherapie bei zwei verschiedenen Behandlern sei längerfristig weiterhin von fortbestehenden ängstlich-depressive
r Symptomen auszugehen. Die Symptomatik stehe im Zusammenhang mit der ängstlich-nar
zisstischen Persönlichkeitsstruktur des Patienten. Über die bestehende Medika
tion mit einem Be
n
zodiazepin hinaus sei es bisher nicht gelungen, eine weiter
gehende psychopharmakologische Behandlung zu installieren
(
Ziff.
1.4).
4.
2
Dr.
Y._
stellte in seinem psychiatrischen Gutachten
vom 1. September 2014 (Urk. 10/92)
folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 22
Ziff.
6.1
):
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen,
histrionisch
-unrei
fen und emotional-instabilen (impulsiven) Anteilen (
ICD-10
F61), definitionsgemäss spätestens seit der Adoleszenz bestehen
d
Zwangsstörung
,
vorwiegend Zwangsgedanken oder
Grübelzwang
(
ICD-10
F42.0)
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, allenfalls zeitweilig mittelgradig, ohne
Chronifizierung
(
ICD-10
F33.0)
Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte
er
seit mindes
tens vier
Jahren bestehend
e
psychische un
d Verhaltensstörungen durch Seda
tiva oder Hypnotika und
ein
Abhängigkeitssyndrom bei
gegenwärtigem
Sub
stanzgebrauch
;
ICD-10
F13.24,
sowie seit etwa drei
Jahren bestehend
e p
sychi
sche
und
Ve
rhaltensstörungen durch Alkohol bei
Verdacht auf
ein
beginnendes Abhäng
igkeitssyndrom und
gegenwärtigem
Substanzgebrauch;
ICD-10
F10.24
(S. 22
Ziff.
6.2).
Dr.
Y._
führte aus,
in der angestammten Tätigkeit als Allrounder und
Dol
-
met
scher
bestehe aus rein psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von etwa 30 bis 40
%
mit gegebenenfalls noch weiterer Besserungstendenz unter optimierter Behandlung
. Im Haushalt bestehe bei der Möglichkeit zur freien Zeiteinteilung eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
(S. 23
Ziff.
7.1). Von August
bis Oktober 2009 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und seit November 2009 eine
solche
von 5
0
%
bestanden
.
Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit habe spätestens seit Anfang 2014 aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht - das heisse unter Ausschluss der Suchtproblematik - eine Arbeitsunfähigkeit von höchstens 30 bis 40
%
bestanden. Spätestens aber ab dem aktuellen
Untersu
chungszeitpunkt
sei von einer Arbeitsunfähigkeit von etwa 30 bis 40
%
mit
voraussichtlich weiterer Besserungstendenz unter optimierter Behandlung aus
zugehen
(S. 23
Ziff.
7.2).
Auch in adaptierten Tätigkeiten, beziehungsweise in sämtlichen Tätigkeiten des freien Arbeitsmarktes, die 53-jährigen Männern ohne in der Schweiz anerkannte Ausbildung zugemutet werden könnten, sei aus rein psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit von derzeit 30 bis 40
%
mit voraussichtlich weiterer Besserungstendenz unter optimierter Behandlung auszugehen (S.
23
Ziff.
7.3). Als ideal adaptierte Tätigkeiten seien die ange
stammten Tätigkeiten und sämtliche andere Tätigkeiten des freien Arbeits
marktes zu nennen, die normale Anforderungen an die Stress- und
Frustrati
onstoleranz
, die emotionale Belastbarkeit oder die sozialen Kompetenzen bein
halteten und 53-jährigen Männern zugemutet werden könnten. Eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft sei möglich und eine Tätigkeit im geschützten Rahmen si
cher nicht erforderlich. Hierdurch wäre eine weitere Verstärkung der
Regressi
onstendenzen
zu befürchten. Diesen sollte entschieden entgegen gewirkt werden (S. 23
Ziff.
7.4).
Dr.
Y._
führte aus, es handle sich um einen seit November 2009 verbesserten psychischen Gesundheitszustand
. Die Verbesserung bestehe spätestens seit Au
gust 2014. Zudem sei bisher die Suchtproblematik nicht gesondert - also als
in
validitätsfremd
-
eingestuft worden
. Die psychosozialen Belastungen hätten bei Besserung der psychischen Einschränkung im Verlauf zugenommen und seien vom behandelnden Psychiater in die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit einbezo
gen worden. Hierdurch ergäben sich aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht somit geringere Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
Es sei zudem bei Opti
mierung der Behandlung eine weitere Verbesserung des bestehenden psychi
schen Gesundheitszustandes zu erwarten
. Es handle sich nicht um eine andere
Beurteilung desselben, im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustands. Seit spätestens Anfang 2014 sei
von einer veränderten Situation
beziehungs
weise einem verbesserten psychischen Gesundheitszustand im
invalidenversi
cherungsrechtlichen
Sinne auszugehen,
unter anderem auch aufgrund der Zu
nahme der psychosozialen
Belastungen. Aufgrund der Fremdgefährdung des Exploranden und auch bei ein
er Zunahme der Suchtproblematik
sei von ihm die Akzeptanz einer adäquaten Psychopharmakotherapie, unter anderem auch zum Schutz der Familienangehörigen
,
zu fordern. Durch eine optimierte Behandlung sei auch eine weitere Verbesserung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit zu er
warten (S. 26
Ziff.
9.1).
Dr.
Y._
führte aus, e
s
bestehe nur zum Teil Übereinsti
mmung mit den Diagno
sen des
behandelnden Psychiaters
Dr.
E._
gemäss dessen aktuells
te
m
Bericht.
Es bestünden sicher keine Hinweise auf eine schwere depressive Symptomatik und auch eine durchgehend mittelgradige depressive Symptomatik habe nicht bestätigt werden können
. Die Stimmungslage und der Antrieb seien gebessert gewesen
,
und es hätten bei einer überwiegend leichten depressiven Symptoma
tik nur leichte psychische Einschränkungen festgestellt werden können
(S. 25 oben).
Die typischen Symptome einer generalisierten Angststörung hätten bei der aktuel
len Exploration nicht festgestellt werden können.
Die Zwangsgedanken mit vorwiegend aggressiven Inhalten seien bisher quasi unbehandelt, da der Explorand eine adäquate Psychopharmakotherapie bis zur aktuellen Untersu
chung abgelehnt habe (S. 25 Mitte).
Es sei davon auszugehen, dass der behandelnde Psychiater in Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit Aussagen zu Gunste
n seines Patienten gemacht habe. Z
udem habe er sich ins
besondere auf dessen subjektive
Angaben gestützt und - bei einem therapeutischen Vorge
hen nach einem biopsychosozialen Krankheitsmodell - die beim Exploranden vorhandenen ps
ychosozialen Belastungsfaktoren
in die Beurteilung der Arbeits
unfähigkeit miteinbezogen.
Bei einer schweren oder auch mittelgradigen psychischen Störung mit mittlerer bis hoher Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit wäre unter ande
rem auch eine engmaschigere Behandlung erforderlich, weil dann unter ande
rem Schwierigkeiten in der Gestaltung des Tagesablaufes
zu erwarten wären, die aber beim Exploranden eben nicht hät
ten festgestellt werden können
(
S. 25 un
ten).
Dr.
Y._
führte aus,
diagnostisch sei anhand der aktuellen anamnestischen Auskünfte des Exploranden, der psychiatrischen Vorbeurteilungen und den ak
tuellen Untersuchungsbefunden von einer rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig leichter bis allenfalls zeitweilig mittelgradiger depressiver Episode - bisher ohne
Chronifizierung
- und einer leicht
en Zwangsstörung mit vorwiegend
Zwangsgedanken auf dem Boden von einer kombinierten
Persön
lichkeitsstörung
mit narzisstischen,
histrionisch
-unreifen und emotional-insta
bilen (impulsiven) Zügen auszugehen
.
Die bisher diagnostizierte Anpassungsstörung müsse entsprechend des nun be
kannten weiteren Verlauf
es definitionsgemäss nach I
C
D
-10 angepasst und um
codiert werden.
Zudem bestehe inzwischen eine manifeste Suchterkrankung - eine Benzodiaze
pin-Abhängigkeit und auch eine
beginnende Alkohol-Abhängigkeit -
die
sich bei bisher eher ambivalenter Psychotherapiemotivation parallel entwickelt h
abe
(S. 19 Mitte).
Vor all
em stünden die emotional-insta
bi
l
en Persönlichkeitszüge mit impulsivem Verhalten, das heisse i
mpulshaften aggressiven Durchbrüchen
,
im Vordergrund der Problematik. Andere Symptome
erschienen eher sekundär
(S. 20 Mitte).
Die persönlichkeitsstrukturellen Besonderheiten, insbesondere die emotionale Instabilität mit impulshaften aggressiven Durchbrüchen
,
seien recht ausgeprägt, das Schlagen der Ehefrau sei nicht akzeptabel, aber insbesondere sei es in keiner Weise tolera
bel, dass der Explorand seine vier
jährige Tochter schlage. Der Be
schwerdeführer sehe dies grundsätzlich auch so, habe jedoch angegeben, gegen die plötzlichen Impulse quasi machtlos zu sein, womit er die Problematik eher bagatellisiert habe. Ohnmächtig in diesem Zusammenhang sei vor allem die kleine Tochter. Die Fremdgefährdung könne aus gutachterlicher Sicht beim Ex
ploranden nicht ohne weiteres als rein krankheitsbedingt eingeordnet und damit exkulpierend verstanden werden. Bei den vorliegenden psychiatrischen Diag
nosen sei die Realitätsprüfung, Kritikfähigkeit und Selbstverantwortlichkeit in keiner Weise eingeschränkt. Somit sei ihm auch die volle Verantwortung für sein Handeln - auch im
j
uristisc
hen Sinne - zu
zugestehen
(S. 20 unten).
Eine an
sich zumutbare Intensivierung der Behandlung und medikamentöse Einstellung durch eine erneute stationäre oder auch teilstationäre Behandlung, um eine adäquate Psychopharmakotherapie installieren zu können, sei vom Ex
ploranden in den letzten zwei bis drei Jahren wiederholt abgelehnt worden.
Mit einer adäquaten antidepressiven Medikation sei einerseits die depressive Symp
tomatik, andererseits auch die Zwangsstörung lege
artis
zu behandeln. Es stelle sich die Frage, weshalb der behandelnde Psychiater bei der latenten
Fremdge
fährdung
, die der Explorand zumindest für seine Familie darstelle
, weiterhin nur
Xanax
verordne (S. 21 oben).
Der Explorand habe gute und ausbaufähige Ressourcen gezeigt. Es
betehe
eine normale Intelligenz und ein weitgehend normales A
ktivitätsniveau in der Frei
zeit
. Zudem zeige sich im Tagesablauf, dass er normal Anteil am Leben seines Sohnes und auch seiner Tochter nehme. Er unternehme täg
lich verschiedene Aktivitäten und
versorge teilweise den Haushalt. Zudem lese er täglich über mehrere Stunden anspruchsvolle Bücher
und beschäftige sich somit auch mit anspruchsvolleren Themen. Diese kognitiven Fähigkeiten könnte er nicht nur in der Freizeit, sondern auch beruflich mehr nutzen. Es bestehe ein hoher sekun
därer Krankheitsgewinn, zudem ein inzwischen schon mehrjähriges, dysfunkti
onales und regressives Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten, das von den Angehörigen und wohl auch vom behandelnden Psychotherapeuten und dem Hausarzt weiter
hin umfassend unterstützt werde
. Das Hilfesystem kontrol
liere der Explorand jedoch selbst. Es bestünden über Verdeutlichungstendenzen hinausgehende Tendenzen zu Aggravation und auch gewisse manipulative Ten
denzen (S. 21 Mitte).
4.3
Dr.
med.
F._
, Leitender Arzt, und
Dr.
med.
G._
,
Assistenz
ärztin
,
Kriseninterventionszentrum (KIZ),
C._
, stellten in ihrem
Kurzaustr
itts
bericht
vom 3
0.
Oktober 2014
(Urk. 3/3)
nach Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 1
0.
bis 1
6.
Oktober 2014 in der Klinik folgende Diagnosen (S. 1):
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen mit narzisstischen, im
pulsiven und vermeidend-ängstlichen Zügen (ICD-10 F61)
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt (ICD-10 F42.0)
Schlafapnoe, nicht näher bezeichnet
Die Ärzte führten aus, die Zuweisung sei durch
Dr.
E._
aufgrund
einer
Zu
standsverschlechterung
im Rahmen der bekannten Zwangserkrankung erfolgt. Der Beschwerdeführer habe über belastende Zwangsgedanken berichtet (Tochter und Frau würgen und anschliessend sich das Leben nehmen zu müssen). Diese Zustandsverschlechterung sei nach der
Aufdosierung
von
Surmontil
eingetreten, so dass die Therapie mit
Surmontil
habe abgesetzt werden müssen. Gegen Un
ruhe und Anspannung sei die
Aufdosi
erung
von
Xanax
erfolgt. Im KIZ-Rahmen sei es zu einer leichten Verbesserung des Zustandsbildes gekommen
,
und der Beschwerdeführer sei am 1
6.
Oktober 2014 in die gewohnten Verhältnisse aus
getreten. Die empfohlene
neuroleptische
medi
kamentöse Therapie gegen Zwänge
lehne der Beschwer
deführer weiterhin ab (S. 1 f.).
4.
4
Med.
pract
.
H._
, Oberärztin, und
lic
. phil.
I._
, Psychologin,
C._
,
stellte
n in ihrem Austrittsbericht vom
10. Februar 2015 (Urk. 10/106
= Urk. 3/4
)
folgende Diagnosen (S. 1):
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
generalisierte Angststörung mit Zwangsgedanken (ICD-10 F42.0, F 41.1)
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, impulsiven und ängstlich-vermeidenden Zügen (ICD-10 F61)
Die Fachpersonen führten aus, der Be
schwerdeführer habe sich vom
4.
De
-
zember
2014 bis 2
6.
Januar 2015 in der Klinik zur Behandlung befunden
(S. 1)
.
Die Zuweisung sei durch
Dr.
E._
aufgrund aktuell wieder stärker
ausge
-
prägten Zwangsgedanken und Ängsten und damit zusammenhängend zu
nehmender Belastung des sozialen Umfeldes zur weiterführenden stationären Behandlung erfolgt
(S. 2 oben)
.
Die
depressive Symptomatik
habe sich im Behandlungsverlauf kaum geändert.
Belastende Zwangsgedanken sowie aggressiv impulsive Durchbrüche seien im Verlauf deutlich weniger geworden
.
Die als stabilisierend wahrgenommene Me
dikation mit
Xanax
sei auf Wunsch des Patienten unverändert fortgeführt wor
den. Aufgrund
zwischenzeitlich aufgetret
e
ne
r
Derealisationsphänomenen
sei eine Medikation mit anfänglich
Zyprexa
und danach
Quetiapin
begonnen wor
den, habe jedoch aufgru
nd unerwünschter Nebenwirkungen
auf Wunsch vom Beschwerdeführer wieder gestoppt werden müssen. In den psychologischen Gesprächen hätten die Arbeit an der
Mentalisierungsfähigkeit
, der
Selbstwertre
gulation
, der Förderung eines realistischen Selbstbildes sowie Möglichkeiten der adäquaten Impulskontrolle im Zentrum gestanden.
Starke Minderwertigkeitsgefühle bis hin zum Selbsthass
dürften in wesentli
chem Zusammenhang mit den wiederkehrenden depressiven Krisen stehen. Empfohlen werde dringend eine langfristige ambulante Psychotherapie mit dem Fokus auf Strukturstärkung (S. 2 unten).
4.
5
Dr.
A._
,
Oberärztin
C._
, führte in ihrem Bericht vom
8.
April 2015 (Urk
. 10/122)
aus, aus ihrer Sicht komme der Beschwerdeführer seiner
Scha
densminderungspflicht
nach. Er habe die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung bei
Dr.
E._
, dem
Vorbehandler
, regelmässig wahrgenommen.
Ihrer Kenntnis nach seien während der Behandlung verschied
ene
Versuche einer
Psychopharmakatherapie
durchgeführt worden, jedoch ohne Erfolg.
Eine An
meldung in der Tagesklinik sei aufgrund nicht verbesserter Symptomatik er
folgt.
In der Tagesklinik sei eine
traumaspezifische
Behandlung begonnen worden
,
und der Beschwerdeführer habe aus eigener Initiative ein
en neuen Behandler gefunden. Der Beschwerdeführer
selbst habe zu Beginn der Behandlung seine Besorgnis in Bezug auf seine Benzodiazepin- und auch Alkoholproblematik ge
äussert und eine Teilnahme an der Suchtgruppe im tagesklinischen Programm
gewünscht
. Er habe sich motiviert gezeigt in Bezug auf das Absetzen der Ben
zodiazepine, jedoch
werde
dies derzeit
als
zu früh
erachtet
.
Dr.
A._
führte aus,
sie ginge nach Abschluss der Behandlung von einer Arbeitsfähigkeit von 30 bis 40
%
aus.
In seiner Tätigkeit als Dolmetscher sei der Beschwerdeführer deutlich eingeschränkt im Entgegennehmen von Aufträgen. Dies s
t
ehe im Zu
sammenhang mit seinen eigenen traumatischen Kindheits- und
Kriegserlebnis
sen
, welche
ihn
in Übersetzungssituationen mit posttraumatisch nachvollzieh
bare
n
Reaktionen reagieren lasse.
Aktuell sei der Beschwerdefü
hrer kaum be
lastbar
(S. 1)
.
4.
6
Dr.
A._
, Oberärztin
C._
, stellte in ihrem Bericht vom 1
0.
Juni 2015
(Urk. 8/22) folgende Diagnosen (S. 1):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen mit narzisstischen, emo
tional instabilen (impulsiven), ängstlich vermeidenden Zügen (ICD-10 F61.0) auf dem Hintergrund traumatischer Erfahrungen im Kindes-
, Jugend- und Erwachsenenalter
Dr.
A._
führte aus, die Behandlung habe vom
6.
Februar bis 3
0.
April 2015 stattgefunden (S. 1).
Der Beschwerdeführer habe zu 50
%
an fünf Tagen die Woche an einem integrierten psychiatrischen Behandlungsprogramm teilge
nommen. Die verbindliche Tagesstruktur in der Tagesklinik, die Gespräche mit anderen Betroffenen, sowie die Distanz zum häuslichen Umfeld schienen eine insgesamt entlastende Wirkung gehabt zu haben. Die d
epressive Symptomatik habe sich
während der Behandlung
kaum
verbessert. Es hätten insgesamt zwei Arbeitsversuche in seiner Tätigkeit als Dolmetscher stattgefunden, wobei sich gezeigt habe, dass er deutlich eingeschränkt sei im Entgegennehmen von Auf
trägen
,
kaum belastbar und schnell erschöpfbar sei. Die Medikation sei unver
ändert fortgeführt worden. Im Verlauf sei die Bearbeitung
von Traumata im Kindes-
Jugend- und Erwachsenenalters begonnen worden (S. 2 unten).
4.
7
Dr.
E._
,
C._
,
führte in seiner Stellungnahme vom 2
2.
Juni 2015 (Urk. 8/23) zum Gutachten von
Dr.
Y._
aus, der Beschwerdeführer habe
sich
vom Dezember 2011 bis November 2014 bei ihm in psychiatrisch-psychotherapeuti
scher Behandlung befunden.
Dr.
Y._
habe keinen direkten Kontakt mit ihm
,
Dr.
E._
,
aufgenommen.
Betreffend d
ie
Aussage, dass der Beschwerdeführer eine adäquate Psychothera
pie in den letzten Jahren stets abgelehnt habe, sei auszuführen, dass sich
dieser
im November 2011 von selbst an
der Psychiatrischen Poliklinik angemeldet habe, da er mit den bisherigen Behandlungen unzufrieden gewesen sei. Der Be
schwerdeführer habe damals explizit eine gezielte verhaltenstherapeutische Be
handlung gewünscht, welche durch ihn -
Dr.
E._
- durc
hgeführt worden sei.
Dr.
E._
führte aus, der Beschwerdeführer habe die vereinbarten Termine stets wahrgenommen. Grössere Schwierigkeiten hätten sich aber bei der Umset
zung der Verhaltensziele ergeben, was im Zusammenhang mit der bestehenden kombinierten Persönlichkeitsstörung zu sehen sei (S. 1). Die eindeutige Attribu
tion des fehlenden Therapieerfolges an die fehlende Motivation beziehungsweise den hohen sekundären Krankheitsgewinn, sei im Rahmen der Behandlungen nicht ersichtlich gewesen.
Im Gutachten sei unerwähnt geblieben, dass beim Beschwerdeführer bereits eine Reihe von
antidepressiven
Medikationsversuchen stattgefunden habe, wobei e
in eindeutiger Hinweis auf eine Wirksamkeit der Behandlung aus
geblieben
und es zu Nebenwirkungen gekommen sei (S. 2).
Zusammenfassend sei die aktuell stattfindende Medikation mit
Xanax
die ein
zige Medikation für die sich im Verlauf ein positives Kosten/Nutzen-Verhältnis für den Patienten ergeben habe.
H
insichtlich des Alkoholkonsums des Patienten teil
t
e
Dr.
E._
die Besorgnis des Gutachters in Bezug auf eine mö
gliche Suchtentwicklung (S. 2).
5.
5.1
Die
erstmalige
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente ab
1.
August 2009 und einer halben Rente ab
1.
November 2009
(Urk. 10/54, Urk. 10/64 und
Urk. 10/69)
erfolgte im Wesentlichen gestützt auf die psychiatrische Einschätzung
der damals behandelnden Psychiaterin
Dr.
Z._
vom
Januar 2010
(vorste
hend E. 3
.3
)
sowie
gestützt auf
den Bericht von
Dr.
A._
und
Dr.
B._
,
C._
, vom April 2009 (vgl. vorstehend E. 3.2)
. Dia
-
gnostiziert
wurde von beiden Seiten eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion
(ICD-10 F43.22). Im Gegensatz zu
Dr.
Z._
führten di
e Ärztinnen der
C._
die akzentuierte Persönlichkeit mit narzisstischen und impulsiven Zügen bereits in ihrer Diagnoseliste auf und berichteten auch von den im Rahmen des Auf
enthaltes gezeigten Zwangsgedanken und -handlungen des Beschwerdeführers.
Demgegenüber erwähnte
Dr.
Z._
die
nar
zis
-
stischen
Persönlichkeitszüge
lediglich
im Zusammenhang mit den
Einschränk
-
ungen
in der
Anpassungsfähig
keit.
Zu prüfen ist
nachfolgend
, ob sich der
mass
-
gebliche
medizinische Sach
verhalt seither in revisionsrelevanter Weise
ver
-
ändert hat (vgl. vorstehend E. 1.3).
5.2
Die Beschwerdegegnerin
ging gestützt auf das Gutachten
von
Dr.
Y._
vom September 2014 (vorstehend E. 4.2) von
einem seit August 2014 verbesserten Gesundheitszustand des Beschwerdeführers aus.
Dieser Standpunkt vermag jedoch nicht zu überzeugen. So
erweisen sich die
von
Dr.
Y._
diagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narziss
tischen,
histrionisch
-unreifen und emotional-instabilen (impulsiven) Anteilen (ICD-10 F61
) und die Zwangsstörung (ICD-10 F 42
.0
) im Vergleich zu
den
von
Dr.
Z._
und de
n
Ärztinnen der
C._
im April 2009 und
Januar 2010
ge
stellten Diagnosen
(vgl. vorstehend E. 3.2-3)
nicht als minderschwer und die Begründung von
Dr.
Y._
, warum es sich um einen
im Vergleich zum Zeit
punkt der erstmaligen Rentenzusprechung
verbesserten Gesundheitszustand handeln
soll
, überzeugt nicht
. Dass dies daher rühre, dass bislang die
Sucht
problematik
nicht als invaliditätsfremd eingestuft worden sei, lässt sich so nic
ht bestätigen. Vielmehr w
ar die Suchtproblematik weder in den zum
Zeitpunkt de
r erstmaligen
Rentenzusprache
vorliegenden medizinischen Bericht
en
noch in
je
nem des behandelnden Psychiaters
Dr.
E._
vom August 2013 (vgl. vorste
hend E. 4.1) Thema.
Auch
ist aufgrund der Aktenlage nicht nachvollziehbar,
dass
die psychosozialen Belastungen
im Verlauf
zugenommen hätten,
bei gleichzeitiger Besserung des
psychischen Gesundheitszustands
. Vielmehr stellt sich die psychosoziale Belastungssituation in etwa gleich dar
wie bei der erst
maligen
Rentenzusprache
.
Auch der von
Dr.
Y._
beschriebenen Befundlage
lässt sich
k
eine Verbesserung des Gesundheitszustandes
entnehmen.
Bei im Vordergrund s
tehender Persönlichkeitsstörung
geht ein
verbesserter Ge
sundheitszustand
nicht daraus hervor, dass
Dr.
Y._
im Vergleich zu
Dr.
E._
anstelle einer leicht bis mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.0) im Rahmen einer seinerseits diagnostizierten
rezidivierenden
depressiven Störung lediglich von einer leichten Episode (ICD-10 F33.0) ausging.
Zudem bilden
die
Vergleichsbasis, ob eine revisionsrelevante Verbesserung des Ge
sundheitszustandes eingetreten ist, die vorliegenden Berichte im Rahmen der erstmaligen
Rentenzusprache
.
Hinweis
e
darauf, dass keine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustan
des eingetreten ist, bilden auch die Berichte der beha
ndelnden Ärzte der
C._
(vgl. vorstehend E. 4.1 und E.
4.3-7),
wobei die dort
im Verlauf dann
etwas hö
her ausgefallene Einschränkung der Arbeitsunfähigkeit
(vgl. vorstehend E. 4.5)
vor dem Hintergrund, dass den behandelnden Psychiatern hausarztähnliche
Stellung zu kommt, und das Gericht hier
der
Erfahrungstatsache
Rechnung zu tragen,
hat, dass
mitunter im Hinblick auf
die
auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten
der
Patientinnen und Patienten aus
gesagt wird
(BGE 125 V 351 E. 3b/cc)
, zu relativieren ist
.
Aufgrund des Gesagten handelt es sich entgegen
den Aussagen von
Dr.
Y._
um eine andere Beurteilung desselben, im Wesentlichen unveränderten Gesund
heitszustandes.
Zusammenfassend ist damit e
in
verbessert
er Gesundheitszustand des
Beschwer
-
de
führers
seit der
Rentenzusprache
demnach nicht ausgewiesen, womit es an einer revisionsrelevanten Sachverhaltsänderung im Sinne von Art. 17 ATSG fehlt.
5.3
Aufgrund des Gesagten erweist sich die Einstellung der Invalidenrente mangels
eines ausgewiesenen
verbessert
en
Gesundheitszustand
es
und damit
mangels ei
nes
Revisionsgrund
es
im Sinne von Art. 17 ATSG als unzulässig.
In
Gutheissung
der Beschwerde ist d
ie angefochtene Verfügung vom 13
.
Mai
2015 (Urk. 2) daher aufzuheben mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf die Ausrichtung der bisherigen
halben
Invalidenrente hat.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs. 1bis IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Der
unentgeltlich
e
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
hat mit Honorarnote vom 26. August
2015
(Urk. 12/1-2) einen Aufwand von 12.82 Stunden,
eine Spesenpauschale v
on 3 %
sowie die
Kosten für die Stellungnahme der
C._
vom 2
2.
Juni 2015 im Umfang von
Fr.
63.25 geltend gemacht
, was be
im
praxisge
mässen
Stundenansatz von Fr. 22
0.-- (zuzüglich
M
WSt
) einen Gesamtbetrag von Fr. 3
‘
200.70 (inklusive Spesenpauschale,
M
WSt
und Rechnung
C._
) ergibt. In diesem Umfang ist er von der Beschwerdegegnerin zu entschädigen.