Decision ID: eef797f7-9fee-59ef-ae37-67680566191c
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. Der 1978 geborene X._ ist derzeit in der politischen Gemeinde W._ wohnhaft und
wird vom dortigen Sozialamt finanziell unterstützt. Er ist geschieden und Vater von drei
Töchtern. Die Eltern vereinbarten die gemeinsame elterliche Sorge für die Töchter,
wobei dem Vater das Aufenthaltsbestimmungsrecht über die älteste Tochter A._,
geboren 2004, zusteht. Bereits im Sommer 2018 beabsichtigten die beiden, in die
politische Gemeinde V._ zu ziehen und suchten dort eine Wohnung. A._ besuchte ab
Beginn des Schuljahres 2018/2019 die Oberstufe in V._, wobei sie bei ihrer
Grossmutter in V._ wohnte. Am 14. August 2018 reichte X._ beim Sozialamt V._ ein
Sozialhilfegesuch ein. Mit Verfügung vom 5. Dezember 2018 trat das Sozialamt der
Gemeinde V._ auf das Sozialhilfegesuch von X._ mangels örtlicher Zuständigkeit
nicht ein. Es führte aus, dass X._ immer noch in W._ wohne, mithin noch keinen
Wohnsitz V._ habe. Entsprechend habe noch kein Unterstützungswohnsitz in V._
begründet werden können.
b. X._ reichte mit Eingabe vom 17. Dezember 2018 Rekurs gegen die Verfügung vom
5. Dezember 2018 beim Departement des Innern ein. Er beantragte sinngemäss die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Das Sozialamt V._ sei zu verpflichten, ihn
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finanziell zu unterstützen und ihm eine "Wohnbudget-Bestätigung" von CHF 1'470
auszustellen.
c. Mit Eingabe vom 18. März 2019 ersuchte X._ die Rekursinstanz um Bestätigung der
Übernahme des Mietzinses von CHF 1'410 für eine 3,5-Zimmer Wohnung in V._. Das
Departement des Innern stellte diese Eingabe zuständigkeitshalber und in der Hoffnung
auf eine Einigung dem Sozialamt V._ zu. Dieses wies X._ mit Schreiben vom 27. März
2019 in der Folge darauf hin, dass der ortsübliche Mietzins für einen
Zweipersonenhaushalt CHF 1'050 pro Monat betrage. In der Beilage finde er eine
günstigere Wohnung für CHF 1'241 pro Monat. Es stehe ihm frei, sich für die Wohnung
zu bewerben.
d. Mit Entscheid vom 4. April 2019 wies das Departement des Innern den gegen die
Verfügung vom 5. Dezember 2018 erhobenen Rekurs ab, soweit es darauf eintrat. Zur
Begründung hielt es im Wesentlichen fest, X._ habe noch keinen
Unterstützungswohnsitz in V._ begründet. Des Weiteren äusserte es sich ausführlich
bezüglich der Höhe der finanziellen Unterstützung richtlinienkonformer, zumutbarer
Wohnungen.
B. Am 11. April 2019 erhob X._ (Beschwerdeführer) Beschwerde gegen den Entscheid
des Departements des Innern (Vorinstanz) vom 4. April 2019 beim Verwaltungsgericht.
Er stellte sinngemäss das Rechtsbegehren auf Aufhebung des Entscheides der
Vorinstanz.
Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 25. April 2019 auf Abweisung der
Beschwerde und verwies auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid. Mit
Eingabe vom 2. Mai 2019 ersuchte die politische Gemeinde V._ (Beschwerdegegnerin)
um Abweisung der Beschwerde.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die
Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der
Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Entscheides zur Ergreifung des
Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerde wurde mit Eingabe vom 11. April 2019 rechtzeitig erhoben und erfüllt
formal wie inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher – mit nachstehend
umschriebener Einschränkung – einzutreten.
Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens kann nur sein, was bereits Gegenstand
des vorinstanzlichen Verfahrens bzw. der angefochtenen Verfügung gebildet hatte (vgl.
Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 579 f.). Im vorinstanzlichen Verfahren war einzig die Frage zu
entscheiden, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf das Sozialhilfegesuch des
nunmehrigen Beschwerdeführers eingetreten war. Nicht Gegenstand des Verfahrens
war die Festlegung von ortsüblichen Wohnungskosten bzw. Mietzinsobergrenzen
durch die Beschwerdegegnerin. Ebensowenig konnte die vom Beschwerdeführer
gewünschte Bestätigung für die Übernahme der Mietkosten von CHF 1'410 für eine
konkrete 3,5-Zimmer Wohnung (Schreiben vom 18. März 2019, act. vi 16) strittig sein.
Gemäss der Vernehmlassung der Vorinstanz vom 25. April 2019 ist ein weiteres
Rekursverfahren bezüglich der Genehmigung des Mietzinses für eine 3,5-Zimmer
Wohnung in der Gemeinde V._ bei ihr anhängig. Inhaltlich ist der Streitgegenstand
damit auf den vorinstanzlichen Entscheid, mit welchem das von der
Beschwerdegegnerin verfügte Nichteintreten bezüglich des Sozialhilfegesuches des
Beschwerdeführers mangels örtlicher Zuständigkeit bestätigt worden ist, soweit darauf
eingetreten wurde, zu beschränken. Soweit die sinngemäss gestellten Anträge des
Beschwerdeführers über diesen Rahmen hinausgehen, ist darauf nicht einzutreten.
Bezüglich Richtlinien von Mietzinsobergrenzen bzw. Verfügbarkeit zumutbarer
Wohnungen ist auf die ausführlichen Darlegungen im angefochtenen Entscheid E. 5 zu
verweisen.
2.
2.1. Wer für seinen Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus
eigenen Mitteln aufkommen kann, hat Anspruch auf finanzielle Sozialhilfe (Art. 9 Abs. 1
bis
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des Sozialhilfegesetzes, sGS 381.1, SHG). Laut Art. 115 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) werden Bedürftige von ihrem
Wohnkanton unterstützt. Nach kantonalem Recht ist die politische Gemeinde zuständig
für die Leistung der persönlichen (betreuenden und finanziellen) Sozialhilfe (Art. 3 Abs.
1 SHG). Gemäss Art. 3 Abs. 2 und Art. 24 SHG richten sich die Zuständigkeit,
Unterstützungswohnsitz und Verfahren nach dem Bundesgesetz über die Zuständigkeit
für die Unterstützung Bedürftiger (Zuständigkeitsgesetz, SR 851.1, ZUG). Nach Art. 4
Abs. 1 ZUG hat der Bedürftige seinen Unterstützungswohnsitz in dem Kanton, in dem
er sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. Dieser Kanton wird als
Wohnkanton bezeichnet.
2.2. Die Wendung "mit der Absicht dauernden Verbleibens" stimmt mit dem
Wohnsitzbegriff von Art. 23 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210)
überein (vgl. BGer 8C_223/2010 vom 5. Juli 2010 E. 3.1) und bedeutet, dass sich der
Wohnsitz dort befindet, wo jemand sich tatsächlich niedergelassen und sich in der
erkennbaren Absicht eingerichtet hat, hier seinen Lebensmittelpunkt zu haben. Aus
diesem Grund kann bei der Beurteilung der Frage, ob ein Unterstützungswohnsitz
begründet worden sei, grundsätzlich auf Lehre und Rechtsprechung zum
zivilrechtlichen Wohnsitzbegriff abgestellt werden (W. Thomet, Kommentar zum
Bundesgesetz über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger, 2. Aufl., Zürich
1994, Rz. 95 mit Hinweisen). Zur Begründung eines Wohnsitzes müssen somit zwei
Merkmale erfüllt sein: Ein objektives äusseres, der Aufenthalt, sowie ein subjektives
inneres, die Absicht dauernden Verbleibens. Nach der Rechtsprechung kommt es nicht
auf den inneren Willen an, sondern vielmehr darauf, welche Absicht objektiv erkennbar
ist (VerwGE B 2016/189 vom 27. September 2017 E. 3.1.1, B 2011/154 vom 20. März
2012 E. 2.1.1, www.gerichte.sg.ch). Für die Ermittlung der subjektiven Absicht des
dauernden Verbleibens sind alle Elemente der äusserlichen Gestaltung der
Lebensverhältnisse zu berücksichtigen.
Dem Unterstützungswohnsitz gemäss Art. 4 ZUG liegt begriffsimmanent eine räumliche
und persönliche Beziehung einer Person zu einer bestimmten Gemeinde zugrunde
(BGer 8C_530/2014 vom 7. November 2014 E. 3.3). Der Unterstützungswohnsitz
beginnt demnach mit der tatsächlichen Niederlassung, wobei weder an die Absicht
noch an die Dauer des Verbleibens zu strenge Anforderungen gestellt werden;
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massgebend ist vielmehr, dass sich der Lebensmittelpunkt wirklich am neuen Ort
befindet und zwar auch dann, wenn der Aufenthalt von kurzer Dauer ist (BGE 137 II 122
E. 3.6, BGer 8C_530/2014 vom 7. November 2014 E. 3.4, B 2016/189 vom
27. September 2017 E. 3.1.1, www.gerichte.sg.ch, Thomet, a.a.O., Rz. 100 mit
Hinweisen). Absichtserklärungen der bedürftigen Person kommen keine rechtliche
Bedeutung zu; sie sind als Indizien der subjektiven Absicht zu würdigen (Thomet,
a.a.O., Rz. 101).
2.3. Im Gegensatz zum zivilrechtlichen Wohnsitz bleibt der einmal begründete
Unterstützungswohnsitz nicht bis zum Erwerb eines neuen bestehen (VerwGE
B 2009/132 vom 28. Januar 2010 E. 2.2, www.gerichte.sg.ch, BBl 1990 I 49 ff.). Der
Bedürftige verliert seinen bisherigen Unterstützungswohnsitz nach Art. 9 Abs. 1 ZUG,
wenn er aus dem Wohnkanton wegzieht. "Wegziehen" bedeutet, dass er dort nicht
mehr wohnhaft oder niedergelassen sein will und den Ort nach Aufgabe der Unterkunft
(Wohnung, Zimmer, usw.) mit dem Gepäck oder mit dem gesamten Hausrat verlässt
(Thomet, a.a.O., Rz. 146).
2.4. Sowohl die Vorinstanz wie auch die Beschwerdegegnerin kamen in ihren
Entscheiden zum Schluss, dass der Beschwerdeführer nicht in der Gemeinde der
Beschwerdegegnerin Wohnsitz genommen habe. Die Absicht alleine, sich in einer
bestimmten Gemeinde aufhalten zu wollen, genüge für die Begründung eines
Unterstützungswohnsitzes nicht. Verlangt werde auch der effektive Aufenthalt.
Dagegen bringt der Beschwerdeführer vor, dass er seiner Ansicht nach die Merkmale
eines Unterstützungswohnsitzes erfülle. Er habe sich auf der Gemeinde gemeldet, habe
ein Sozialhilfegesuch eingereicht, eine ordentliche Wohngelegenheit sei vorhanden
bzw. er habe eine Wohnung gesucht, seine Tochter sei angemeldet und eingeschult
worden und er habe mit der Anmeldung einen klaren Willen zum dauernden Verbleib
gezeigt. Leider sei der Prozessablauf im Kanton St. Gallen falsch. Er sei bereits in W._
Sozialhilfebezüger und warte darauf, dass das Sozialamt V._ ihm die Höhe des
Grundbedarfs sowie die Übernahme der Wohnkosten bestätige. Er könne nicht einfach
umziehen, mit dem Risiko, dass er gleich wieder ausziehen müsse, weil die
Beschwerdegegnerin die Wohnkosten nicht übernehme.
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2.5. Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer noch gar nicht in der Gemeinde V._
Wohnsitz genommen hat. Er hat zwar mit dem Schreiben betreffend Anmeldung in der
Gemeinde V._ vom 11. August 2018 und dem Einreichen des Sozialhilfegesuchs vom
14. August 2018 die subjektive Absicht des dauernden Verbleibens kundgetan.
Allerdings reicht eine solche Absichtserklärung nicht aus. Letzteres umso weniger, als
diesem ersten Schritt bis anhin noch keine weiteren Schritte, aufgrund derer ein
Wohnsitzwechsel bejaht werden müsste, gefolgt sind. Erforderlich ist nämlich auch das
objektive äussere Merkmal in Form des Aufenthaltes bzw. der tatsächlichen
Niederlassung in der Gemeinde V._. Der Beschwerdeführer wohnt
unbestrittenermassen nach wie vor in der Gemeinde W._, bezieht dort Sozialhilfe und
hat dort denn auch offenkundig immer noch seinen Unterstützungswohnsitz. Für einen
Wechsel des Unterstützungswohnsitzes wäre ein Wegzug erforderlich, was bedeuten
würde, dass er die Unterkunft in W._ aufgeben und nach V._ ziehen müsste. Die vom
Beschwerdeführer dargelegten Probleme mit einer zu teuren Wohnung sind zwar
nachvollziehbar, ändern aber nichts daran, dass Ausgangspunkt des
Unterstützungswohnsitzes auch das tatsächliche Wohnen in der betreffenden
Gemeinde ist. Die Vorinstanz versuchte im angefochtenen Entscheid, dem
Beschwerdeführer ausführlich aufzuzeigen, was er bei einem Wohnsitzwechsel zu
beachten habe und welche Rechte und Pflichten ihm zustehen würden. Ebenso hielt
sie die Beschwerdegegnerin an, die ausserordentlichen persönlichen Verhältnisse im
Einzelfall genau zu prüfen und den Beschwerdeführer beim Wohnortwechsel und der
Wohnungssuche hinreichend zu unterstützen. Der skizzierte "Prozessablauf"
hinsichtlich des Wohnungswechsels vor Anmeldung zum Sozialhilfebezug mag für den
Beschwerdeführer zwar unverständlich sein, jedoch sollte die Suche nach einer
geeigneten, günstigen Wohnung mit Unterstützung der Beschwerdegegnerin durchaus
realisierbar sein. Diese Hilfestellung bei der Wohnungssuche ist ausdrücklich in Ziff. 4
der Sozialhilfe-Unterstützungsrichtlinien der Gemeinde V._ vorgesehen.
Bei dieser Sachlage erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie, soweit
darauf einzutreten ist, denn auch abzuweisen ist.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 1'500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
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GKV). Auf die Erhebung der Kosten ist aufgrund der Sozialhilfebedürftigkeit des
Beschwerdeführers ausnahmsweise zu verzichten (Art. 97 VRP).
Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Verfahrensausgang nicht zu entschädigen (Art.
98 und 98 VRP).