Decision ID: c8691255-9454-440d-bd26-5ffbd1f4b612
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, war von Februar 2002 bis Januar 2006 bei der
Y._
AG als Bauarbeiter tätig, wobei der letzte Arbeitstag am 23. Dezember 2005 war (Urk.
6/
15)
.
Unter Hinweis auf
einen am 17. September 2005 erlittenen Unfall beziehungsweise eine Diskushernie mel
dete
er
sich am 6. Juni 2006 bei der Invalidenversicherung zum Le
istungsbezug an (Urk. 6/2 Ziff.
7.1-3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach
dem Versicherten mit Verfügung vom 24. Juni 2010 bei einem Invaliditätsgrad von
62 % eine Dreiviertelsrente ab März 2009 zu (Urk. 6/98). Die dagegen erho
bene Beschwerde (Urk. 6/104/3-10) zog der Versicherte am 3. Februar 2011 zurück (Urk. 6/111/3; vgl. Urk. 6/111/1-2).
1.2
Mit Verfügung vom 27. August 2014
(Urk. 6/158)
hob die IV-Stelle die Verfü
gung vom 24. Juni 2010 wiederer
wägungsweise auf
(S. 3 Ziff. 1) und stellte die bisher ausgerichtete Rente ein (S. 3 Ziff. 2). In Gutheissung der dagegen erho
benen Beschwerde hob das hiesige Gericht mit Urteil vom 28. April 2016 im Ver
fahren Nr. IV.2014.1003 (Urk. 6/168) diese Verfügung auf und wies die Sache zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurück (S. 20 Ziff. 1).
Die IV-Stelle holte in der Folge ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 31.
Januar 2018 erstattet wurde (Urk. 6/200)
,
und stellte mit Vorbescheid vom 30.
Juli 2018 (Urk. 6/211) die Zusprache einer halben Rente von Januar bis Dezember 2014 und einer befristeten Viertelsrente von Januar 2015 bis Dezember 2016 in Aussicht (S. 3 unten).
Dagegen erhob der Versicherte am 6.
September und am 9.
November
2018 (Urk. 6/214, Urk. 6/216) sowie am 25. Juni 2019 (Urk. 6/226
) Einwände.
Mit Verfügungen vom 17. September 2019 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
von Oktober 2014 bis Dezember 2015 eine halbe Rente (Urk. 6/237
= Urk. 6
/240
243 = Urk. 6/247 = Urk. 6/252 = Urk. 2/1
) und ab Januar 2016 eine Viertelsrente (Urk. 6/238
= Urk. 6/239 = Urk. 6/244-246 = Urk. 6/248 = Urk. 2/2
) zu.
2.
Der Versicherte erhob am 11. Oktober 2019 Beschwerde gegen die Verfügungen
vom 17. September 2019 (Urk. 2/1-2) und beantragte (Urk. 1 S. 2 oben), diese seien
aufzuheben und es sei ihm ab Oktober 2014 eine unbefristete höhere Invaliden
rente zuzusprechen (Ziff. 1), eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Ziff. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 13. November 2019 (Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde
, was dem Beschwerdeführer am 15. November 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher
Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind
und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119
V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2).
1.3
Liegt ein Rückkommenstitel i
m
Sinn
von Art. 53 Abs. 2 ATSG (vorstehend E. 1.2)
vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend
(«
allseitig
»
) zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (
Urteil des Bundesgerichts 9C_346/2019 vom 6. September 2019 E. 2.3).
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d;
Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/
Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014, Rn 11 zu Art. 30
31). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131
V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
1.
5
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestim
mung
en (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
der Verordnung über die Inva
liden
versicherung,
IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ein
getreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revi
sions
grund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren
Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl.
BGE
125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
1.
6
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.
7
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der Begründung (Urk. 2/1 Beilage = Urk. 6/222)
zur angefochtenen Verfügung
davon aus, die im Juni 2010 zugesprochene Drei
viertelsrente sei per Ende September 2014 wiedererwägungsweise eingestellt worden (S. 1 Mitte). Die aufgrund des Rückweisungsurteils von 2016 getätigten weiteren Abklärungen hätten ergeben, dass seit 2005 eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit als Hilfsarbeiter im Baubereich bestehe (S. 1 unten). In einer körperlich leichten angepassten Tätigkeit sei seit 2009 ein
e
stufenweise Verbesserung ein
getreten (S. 2 Mitte).
Diese Verbesserung bezifferte sie, ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % im Jahr 2014
,
mit 5 % pro Jahr, womit ein Inva
li
di
tätsgrad von 56 % ab September 2014, von 52 % ab Januar 2015, von 48 % ab Januar 2016 (S. 3) und von 43 % ab Januar 2017 (S. 4 oben) resultierte.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin hätte nicht direkt verfügen dürfen, sondern hätte einen neuen Vorbescheid erlassen müssen
;
sein Anspruch auf rechtliches Gehör
sei
verletzt worden (S.
5 f.). Gemäss der Beurteilung des Gutachters habe 2014 die gleiche Situation bestanden wie bei der
Rentenzusprache
2010 (S. 7 f. Ziff. 5). Die
vom Gutachter postulierte Steigerung der Arbeitsfähigkeit ab 2014 werde be
stritten (S. 8 Ziff. 6
, S. 9 Ziff.
8
). Sodann seien das Validen- und das Inva
liden
einkommen aus näher dargelegten Gründen anders festzusetzen (S. 8 f. Ziff. 7).
Ferner sei er wegen neu aufgetretener somatischer Beschwerden
am linken Unter
schenkel
selbst in angepasster Tätigkeit nicht zu 100 % arbeitsfähig (S. 9 f. Ziff. 9).
2.3
Das hiesige Gericht hat mit Urteil vom 28. April 2016 die wiedererwägungsweise Aufhebung der 2010 erfolgten
Rentenzusprache
infolge zweifelloser Unrichtigkeit bestätigt und die Sache zur weiteren Anspruchsprüfung an die Beschwerde
geg
nerin zurückgewiesen (nachstehend E. 3.5).
Strittig und zu prüfen ist
somit
, wie es sich
ab dem Zeitpunkt der Verfügung vom 27. August 2014
mit der Arbeitsfähigkeit und dem Invaliditätsgrad verhält.
2.4
Bezüglich der behaupteten Gehörsverletzung ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung einen für den Beschwer
deführer deutlich günstigeren Entscheid als
den
mit dem Vorbescheid in Aussicht gestellt
en
getroffen hat. Worauf der Beschwerdeführer seinen Standpunkt stützt, er hätte vor der verfügungsweisen Besserstellung noch einmal einen Vorbescheid erhalten sollen, ist nicht ersichtlich.
Selbst wenn, was zu bezweifeln ist, eine Gehörsverletzung anzunehmen wäre, wäre diese
angesichts dessen, dass sich der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren
vor einer Beschwerdeinstanz äussern
konnte
, die sowohl den Sach
ver
halt wie die
Rechtslage frei überprüfen kann, als geheilt zu erachten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_102/2019 vom 14. Mai 2019 E. 5.3).
3.
3.1
Am 21. Januar 2009
erstatteten die Ärzte
der MEDAS
Z._
ein Gut
achten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/
71/1-23
)
. Darin wurde
n
fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (S. 22):
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung bei leichter bis mittelgradiger depressiver Episode
-
chronisches linksbetontes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei klei
ner medianer Diskushernie L4/5 ohne sichere Nervenwurzelkompres
sion (MRI 2007) sowie Status nach Verhebe-/Sturz-Trauma am 17. September 2005 mit seitheriger Dekonditionierung durch Selbstlimi
tierung
Zusammenfassend kamen die Gutachter zum Schluss, dass der Beschwerde
führer aus rheumatologischer Sicht für die angestammte körperlich schwere Tätigkeit im Gerüst-, Tunnel- und Hochbau nicht mehr arbeitsfähig sei (S. 22 unten). Für eine körperlich leichte bis mittelschwere Verweistätigkeit ohne Heben und Tragen von
mehr als 15 kg bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, wobei einzig die psychia
trischen Befunde limitierend wirken würden (S. 23 oben).
3.2
In der Folge ging die Beschwerdegegnerin - der Kurzbeurteilung durch den Regio
nalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 17. April 2009 (Urk.
6/
79 S. 2) fol
gend - von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in leidensangepasster Tätigkeit aus (Urk.
6/
80 S. 2) und sprach dem Beschwerdeführer ab März 2009 eine Dreiviertelsrente zu (Urk.
6/
98).
3.3
Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie, nannte im Bericht vom 7. November 2013 (Urk. 6/146) als Diagnose eine chro
nische depressive Erkrankung, im
Ausmass
einer mittelgradigen depressiven Epi
sode ents
prechend (
Differentialdiagnose «
early
onset
depression
»
), eine chronis
che latente Suizidalität sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Dazu führte er unter anderem aus, im Vergleich zum Gutachte
n
sei die gesund
heitliche Gesamtsituation gleich bis leicht schlechter (S. 1 unten). Die verhal
tensorientierte Psychotherapie habe stark stützenden und begleitenden Charak
ter und finde etwa monatlich statt (S. 2 Mitte). Bezüglich Arbeitsfähigkeit sei die Beurteilung der MEDAS bei wie geschildert wenig veränderter Ausgangssi
tuation des Gesund
heits
zustandes grundsätzlich weiter gültig, wobei eher eine Verschlechterung eingetreten sei. Angesicht der depressiven Verarbeitung von Konflikten und erschwerter Gefühlsregulation mit Tendenz zu
impulshaftem
Verhalten sei eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aus seiner Sicht nicht denkbar (S. 3 unten).
3.4
Dr.
med.
B._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
so
wie Dr. med.
C._
, Facharzt für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin
,
D._
,
nannten i
n ihrem
Gutach
ten v
om
5. Dezember 2013
(
Urk.
6
/
148
)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 36):
-
rezidivierende (
chronifizierende
) depressive Störung,
gegenwärtig
mittel
gradig (ICD-10 F33.1)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
c
hronifizierte belastungsabhängige tieflumbale,
lumbosakrale
und zeit
weise
z
ervikothorakale
Schmerzen ohne fortgeleitete Missempfindungen peripher bei
-
Status nach Diskushernie medial L4/5 mit
Duralsackkompression
ohne Beeinträchtigung der Nervenwurzeln, beginnende Arthrose L4/L5 beid
seits (MRI
Lendenwirbelsäule
November 2007)
-
k
eine
n
Hinweise
n
für eine facettengelenksfortgeleitete oder radikuläre Reiz- /Ausfallssymptomatik
-
f
ixierte
r
langgezogene
r
Kyphose der
Brustwirbelsäule
mit konsekutiver
Ü
berlastung
z
ervikothorakaler
und vor allem
lumbosakraler
Übergang
-
n
icht näher spezifizierbare Bewegungs-, Belastungs-, weniger Ruhebe
schwerden im Bereiche des
Calcaneus
linksseitig mit diffuser Lokalisa
tion
-
o
hne somatisch-rheumatologisches oder radi
ologisch objektivierbares Korre
lat bei
a
nlagebedingt Hohlfuss- und Rückfuss-
Varusfehlstellung
In rheumatologischer Hinsicht führten sie unter anderem aus, dass die Beur
tei
lung der Arbeitsfähigkeit derjenigen im Gutachten der MEDAS-
Z._
entspreche und sich die Situation seit dem Gutachten der MEDAS-
Z._
nicht verändert habe, weder klinisch noch objektiv radiologisch (S. 35 oben). Aufgrund des Verlaufs handle es sich um eine günstige Entwicklung der mono
segmentären Veränderungen L4/5, ohne Hinweise für eine Nervenwurzel
betei
li
gung, so dass unter Einhalten der Schonkriterien (vgl. S. 34 Mitte) weiter
hin eine stabile und aus rheumatologisch-somatischer Sicht kompensierte Problematik be
stehe. Die vom Beschwerdeführer geschilderten Limitierungen seien rheumato
logisch-somatisch in diesem Ausmass nicht nachvollziehbar (S. 35 Mitte).
In psychiatrischer Hinsicht wurde unter anderem ausgeführt, dass die Beurtei
lung im Wesentlichen mit der Beurteilung des behandelnden Psychiaters überein
stimme (S. 24 oben). Sie entspreche auch dem psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS-
Z._
aus dem Jahr 2009, wobei gegenwärtig nicht mehr von einer leichten bis mittelschweren Ausprägung der depressiven Störung, sondern
von einer eindeutig mittelschweren depressiven Störung ausgegangen werden müsse
. Dies beruhe sowohl auf der festgestellten aktuellen Symptomatik als auch auf dem langjährigen und
chronifizierenden
Verlauf der Erkrankung ohne wes
entliche Besserung (S. 24 Mitte). Die Foerster-Kriterien einer psychi
schen Komor
bidität, eines Verlustes der sozialen Integration, eines primären Krankheitsge
winns, des mehrjährigen Verlaufs mit unveränderter oder progre
dienter Sympto
matik, der gescheiterten Rehabilitation und der unbefriedigenden Behandlungser
gebnisse seien allesamt erfüllt (S. 22 Mitte).
Zusammenfassend bestehe aus rheumatologischer Sicht für eine schwere körper
liche Arbeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Unter Einhaltung von Schon
kri
terien sei aber für eine Verweistätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit gegeben (S. 36 unten). Die definitive Beein
trächtigung der Arbeitsfähigkeit bestehe allein aus psychiatrischer Sicht. Es be
stehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für die bisherige Tätigkeit und für allfällige Verweistätigkeiten (S. 37 oben).
3.5
Das hiesige Gericht gelangte im Urteil vom
28.
April
2
016
(Urk. 6/
168
) zum Schluss,
die ursprüngliche
Rentenz
usprache
mit Verfügung vom
24. Juni 2010
sei aus näher dargelegten Gründen
als z
weifellos unrichtig einzustufen
, und die
Beschwerdegegnerin
sei
unter dem Blickwinkel der Wieder
erwägung
befugt, darauf zurückzukommen (S.
16 f.
E.
5.4
).
Ferner gelangte es zum Schluss, die vorliegenden medizinischen Unterlagen erlaub
t
en keine zuverlässige Beurtei
lung von Diagnosen und Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers im Lichte der mit BGE 141 V 281 geänderten Recht
sprechung und erachtete es
als angezeigt, die Sache
zur weiteren Abklärung
und
Anspruchsprüfung nach
Massgabe
von BG
E 141 V 281
an die Beschwerdegegne
rin zurückzuweisen (S.
19
E.
6.5
).
3.6
3.6.1
Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 31.
Januar
2018 ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk. 6/200/1-52). Er stützte sich auf die ihm überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben des Beschwerdeführers (S. 15 ff.) und die von ihm am 15. und 22. Januar 2018
unter
Beizug
eines Dolmetschers
(S.
2 Ziff. 1a) erhobenen Befunde (S. 30
ff.).
3.6.2
Der Gutachter nannte die folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 46 Ziff. 6.3.5 lit. a), wobei NRS für Numerische Rating Scale (kein Schmerz: 0, maximal vorstellbarer Schmerz: 10) steht (vgl. S. 20 Mitte).
-
c
hronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(
ICD-10
F45.41
)
-
mit Dauerschmerzen im LWS-Bereich,
mutmasslich
im Bereich NRS
2
7, meist bei NRS 3-4
-
Chronifizierung durch initiales Durchhalteverhalten mit Wechsel in passivvermeidendes
Schmerzcoping
Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte er (S.
46 Ziff. 6.3.5 lit. b):
-
Status nach leicht- bis mittelgradiger reaktiver depressiver Episode (F32.0 bis F32.1) zwischen 2007 und 2013
-
chronische Spannungskopfschmerzen, Differentialdiagnose (DD): Medika
men
ten
übergebrauchskopfschmerz (F55.2/ IHS-Code 8.2.3)
Zum
Schweregrad
führte er aus, ausgehend von der
üblichen klinischen Dreitei
lung
(
leicht - mittel - schwer
) liege
bezogen auf die Beeinträchtigungen im Alltag und d
i
e Beziehungen insgesamt eine
leichtgradige bis allenfalls mittelgradige Störung vor
(S. 46 Ziff. 6.3.4)
.
3.6.3
Zum
bisherigen Verlauf von
Behandlungen, Rehabilitationen und
Eingliede
rungsmassnahmen
führte
d
er
Gutachter
aus,
die
psychiatrische Behandlung
habe
gemäss
Akten im November 2006
beziehungsweise
im Januar 2007 mit der bis heute andauernden ambulant-psychiatrischen
Behandlung durch Dr.
A._
be
gonnen (vgl. vorstehend E. 3.3)
. Da aktuell keine
behandlungsbedürftige
Depres
sion mehr vorlieg
e
,
könne
man die psychiatrische medikamentöse Behandlung
als erfolgreich anschauen.
Was hingegen offenbar fehl
e
,
sei
eine Auseinan
der
setzung mit Krankheitsgewinn und
Krankenrolle
, was aber
, aufgrund der Sprach
barrieren, therapeutenseitig auch
nicht möglich sein
dürfte
. Vordergründig
sei
der Explorand wahrscheinlich
kompliant
gewesen,
man
müsse
aber bedenken, dass er eine Therapie in der
Muttersprache vermieden habe. Ein
e
solche
wäre wahr
scheinlich tiefer und differenzierter gelaufen.
Die somatische Schmerztherapie
sei
letztlich auch erfolgreich
gewesen,
die ursprünglich stark
einschränkenden Schmerzen
seien
offenbar nur noch wenig beeinträchtigend.
Die Motivation zur Selbsteingliederung
sei
gering
, der Explorand habe
sich auf seine Krankenrolle
zurückgezogen (S. 46 Ziff. 6.4 lit. a).
Zu den
unabhängig von der Motivation
v
erbleibende
n Therapieoptionen führte er aus, g
rundsätzlich
sei
hier ein Wechsel zu einem muttersprachlichen Thera
peuten indiziert
, was dem Exploranden helfen könnte, den Entscheid der Be
schwerdegegnerin
zu akzeptieren
und
die Krankenrolle Schritt für Schritt
ohne Gesichtsverlust aufzugeben
(S. 47 lit. c).
Zu den v
orhandene
n
Ressourcen
führte er aus, der Explorand habe
eine sym
pa
thische und positive Ausstrahlung
.
Wenn
er sich mit der neuen Situation
arran
giert ha
be
, sollte er sich durchaus freundlich und arbeitsbereit zeigen und
bei
spielsweise
Schwächen in der Sprachkompetenz so ausgleichen können
(S. 47 Ziff. 6.5.1)
.
Betreffend
Selbsteinschätzung
führte er aus, der Explorand sehe s
ich selber als vollständig arbeitsunfähig an. Er ha
be
sich in die Krankenrolle
zurückgezogen und verteidige
diese. Diese Position müsste er, durch eine Psychotherapie
unter
stützt, aufgeben, als Voraussetzung einer beruflichen Reintegration
(S.
47 Ziff.
6.5.2)
.
Zur al
lgemeine
n
arbeitsbezogene
n
Leistungsfähigkeit
führte er aus, beim Explo
randen liege
eine leicht- bis allenfalls mittelgradige Schmerzstörung vor. Hier
sei
wichtig, jeweils angepasst
zu den Schmerzen zu belasten,
also
bei Schmerz
an
stiegen
nicht zu forcieren, sondern mit Haltungs- und Belastungswechseln zu reagieren. Das
sei
in körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten wie
beispielsweise
im Büro gut möglich. Hier
könne
man bei Beschwerdeanstiegen im Sitzen
beispielsweise
kurz aufstehen und eine andere Arbeit
zur körperlichen Ent
spannung einschi
eben. Medizinisch-theoretisch seien
deshalb
derart ange
passte Tätigkeiten durchführbar, nicht jedoch Tätigkeiten, die ein längeres
Haltungsver
harren oder Zwangshaltungen verlang
t
en, auch keine körperlich schweren
Tätig
keiten. Punktuell mittelschwere Tätigkeiten
seien
bei Schmerzstörungen tolerier
bar,
sollten aber selten sein
(S. 47 f. Ziff. 6.5.3 lit. a)
.
Zur
Leistungsfähigkeit in unterschiedlichen Lebensbereichen
führte er aus,
Grundlage
für
der
en
Einschätzung
sei
die beobacht
bare
und
erfragbare
,
möglichst konkret beschriebene Leistung (Performance) in unterschiedlichen Lebensber
ei
chen
(S. 48 Ziff. 6.5.3 lit. b). In der
Exploration
habe sich beim Exploranden
insbesondere in der
zweiten längeren Exploration von 3
1⁄2
Stunden Dauer ins
gesamt eine gute Präsenz und
Ausdauer
gezeigt
, ohne wesentliche Schmerz- und Ermüdungszeichen, abgesehen vo
n einem
kurzen
Aufstehen erstmals nach 75
Minu
t
en
. Wenn man hier noch die
Wegzeiten dazu n
ehme
,
sei
das eine gute Leistung über 6 Stunden Dauer
gewesen (S. 48 Ziff. 1)
.
Arbeitsversuche
habe es
nur in der angestammten, körperlich schweren Tätigkeit
gegeben
. Diese
seien
keine Referenz mehr
(S. 48 Ziff. 2)
.
I
n Bezug auf seine Alltagsaktivitäten
habe sich der Explorand
recht bedeckt
gegeben
. Insgesamt schein
e
er hier vor allem finanziell eingeschränkt zu sein
beziehungsweise
sich
vor seinen Kollegen
zu schämen
, dass ihm das Geld für den Ausgang fehl
e
. Er
habe
selber
angegeben, er w
ürde mehr unternehmen, wenn er sich mehr leisten könnte
(S. 48 Ziff. 3)
. Die unter diesen
Umständen beschriebenen Alltagsaktivitäten
seien
gut mit der in der Exploration beobachteten
Leistungsfähigkeit vereinbar
(S. 48 f.)
.
D
ie wesentlichen arbeitsrelevanten Einschränkungen, wie man sie
über die Mini-
IC
F-APP doku
mentieren
könne, lä
gen im Bereich der Anwendung fachli
c
her
Kompetenzen und im Bereich der Durchhaltefähigkeit (
S. 49 Ziff. 5
).
Der Explorand habe
in der Exploration keine Zeichen einer überforderten Schmerztoleranz
gezeigt und solche hätten sich auch
nicht erfragen
lassen.
Im Alltag
stosse
er offe
nbar nicht an Belastungsgrenzen (S. 49 lit. c). Aktuell seien
beim Exploranden (näher umschriebene) si
cherheitsbezogene Grenzen
nicht er
r
eicht (S. 49 lit. d).
Äussere
Grenzen
(
Ansprüche von Arbeitgeber, Kollegen, Kunden
)
sollten i
nnerhalb von 6 Stunden angepasster
Tätigkeit
nicht erreicht
werden. B
ei längerer Arbeitszeit mit dann deutlich verstärkten Schmerzen und
vorzeitiger
Ermüdung wären
Ü
berforderungszeichen wie Reizbarkeit und Schme
rz
mimik zu berücksichtigen.
Vorerst bleib
e
das aber bei
m Exploranden
Theorie, weil er aktuell keinen Beanspruchungen
ausgesetzt
sei
, die Belastungsgrenzen aufzeigen würden
(S. 49 lit. e)
.
3.6.4
Zur
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
führte
d
er
Gutachter
aus, die
im Baubereich
ausgeübten körperlich schweren Tätigkeiten seien
mit lang
jähri
gen chronischen Rückenschmerzen nicht mehr
vereinbar
, dies seit dem Unfall im September 2005 (S. 50 Ziff. 6.5.4).
Zur
Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten
führte er aus, der Explorand sei
trotz der Schmerzstörung in der Lage, körperlich leichte, vorwiegend im Sitzen
auszuführende, wechselbelastende Arbeiten im Umfang von täglich 5-6 Stunden
regelmässig auszuüben. Innerhalb dieses Zeitraums sollte eine normale Leistung erbracht
werden können.
Im Gutachten von Dr.
B._
von 2013
(vorstehend E.
3.4) fänden
sich leider keine genauen Beobachtungen zu den
Schmerzen, auch keine NRS-Werte, insofern
lasse
sich hier die Schmerzsituation nicht
klar beur
teilen. Dr.
B._
geh
e
aber davon aus, dass sich die Gesundheitssituation
seit 2009 nicht wesentlich verändert ha
be
. Zudem beschreib
e
er mehrere Inkonsisten
zen
und Ausweichverhalten. Er leg
e
eine
Arbeitsfähigkeit
von 50
% für ange
passte Tätigkeiten fest,
dies
aufgrund
der
Schmerzen und
einer
mittelschwere
n
Depression.
Z
um Zeitraum 2013 bis 2017 fehl
t
en ärztliche Angaben
. A
ktuell besteh
e
noch die chronische Schmerzstörung, aber die depressive Störung, die
noch 2013 als mittelgradig eingeschätzt
worden sei
,
sei
remittiert. Der Zeitpunkt der Remission
sei
unklar. Durch den Wegfall der Depression als die
Arbeits
fähigkeit
beeinträchtigender Co-Faktor
sei
ab Remission eine leicht
höhere Arbeitsfähigkeit
zu erwarten
(S. 50 Ziff. 6.5.5).
Zusammenfassend
habe die Arbeitsfähigkeit
bis Ende 2007 0
%
betragen
, ab 2008
dürfte
man eine
Arbeitsfähigkeit
im Bereich
von 0 bis 50 %
annehmen. Ab 2009
habe eine Arbeitsfähigkeit
von 50
% bis 2013 und darüber hinaus
bestanden
.
Aktuell besteh
e
eine
Arbeitsfähigkeit v
on 60
-
70
% (5-6 Stunden täglich). Für den Zeitraum 2014
bis 2017 fehl
t
en ärztliche Anga
ben zur Depression, hier
nehme der Gutachter
arbiträr an, dass sich
die Remission der Depression verzö
gert
,
aber dann stetig vollzogen habe, die Arbeitsfähigkeit also
55 %
ab 2015,
60
%
ab 2016 und
65
%
ab 2017
betragen habe (S. 51 oben
, S. 52 Ziff. 7
)
.
Zur P
rognose
führte er aus, i
nsgesamt lieg
e
ein stabiler Gesu
n
dheitsschaden (leicht bis allenfalls mittelgradige chronische
Schmerzstörung) vor, auch wenn die zugehörige Symptomatik und das damit
verbundene
Ausmass
der Beein
träch
ti
gung in Abhängigkeit verschiedener Faktoren
(körperliche Beanspruchung, zu
sätzliche Störungen (Depression, Angststörung), psychosoziale
Belastungen, sta
bilisierende Umstände) im Verlauf schwanken könn
t
en. Der
Gesundheitsschaden
könne
durch medizinische oder berufliche
Massnahmen
nicht
mehr wesentlich beeinflusst werden
(S. 51 Ziff. 6.7)
.
3.7
Am 10. Oktober 2018 nahm Dr.
A._
(vorstehend E. 3.3)
- der trotz Auffor
derungen vom 8. August, 14. September und 5. Dezember 2016 (Urk. 6/173-174, Urk. 6/179) sowie 26. Januar und 14. Juni 2017 (Urk. 6/180, Urk. 6/186) der Beschwerdegegnerin keinen Bericht erstattete - zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers
zum Gutachten Stellung (Urk. 6/217) und führte unter anderem aus, er könne nicht nachvollziehen, worauf sich der Gutachter bei seiner Vermutung einer schrittweisen Verbesserung stütze
. Im Längsschnitt würde er den Zustand des Versicherten im Vergleich zu 2013 leider als stationär bis leicht
schlechter einschätzen. Die vom Gutachter postulierte Verbesserung habe er so nicht erlebt
(S. 3 unten).
3.8
Ein MRI vom 6. Juni 2019 (Urk. 6/225) ergab im Vergleich zu einer Vorunter
suchung vom 27. April 2017
nebst
übrigen stationären Befunden neu eine Band
scheibenhernie im Segment L4/5 mit
rezessaler
Kompression der Nervenwurzel L5 links und möglicher Tangierung der Nervenwurzel L5 rechts.
4.
4.1
Der Gutachter Dr.
E._
setzte sich eingehend mit den Standardindikatoren (vorstehend E.
1.7
) auseinander (
vors
t
ehend E. 3.6.3
).
Seine
Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde.
Der
Gutachter ist bei der Beantwortung der Frage, wie
er
das Leistungsvermögen einschätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, hat
aus
schliess
lich
funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheit
lichen Beeinträchtigung sind, und
sein
e versicherungsmedizinische Zumut
bar
keits
beurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechts
anwen
dung zu prüfende Frage, ob er sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung
der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar
zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten ge
sundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachwei
sen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist.
4.2
Dass, wie beschwerdeweise geltend gemacht, zusätzliche somatische Beschwerden aufgetreten seien, ist nicht belegt.
Namentlich erschliesst sic
h nicht, inwiefern der Beschwerdeführer neu an Beschwerden im linken Unterschenkel leiden soll (Urk.
1 S.
20 oben)
, ist doch kein Arztbericht ersichtlich, dem dies zu entnehmen wäre
. Das für angepasste Tätigkeiten formulierte Belast
ungsprofil (vorstehend E.
3.6.4) ist
sodann
auch mit der im Juni 2019 bildgebend festgestellten Diskus
hernie (vorstehend E. 3.8) vereinbar, so dass
d
ie
se
nichts daran ändert, dass sich die relevanten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit aus der diagnostizierten Schmerzstörung ergeben.
4.3
Zum zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, diese habe 50 %
im Jahr 2014
und
65 %
im Jahr 2017 betragen. Mangels echtzeitlicher
Berichte für die dazwischen liegende Periode ging er von einer jährlichen Stei
gerung um 5 % aus (vorstehend E. 3.6.4). Das ist zwar nicht
unplausibel
, jedoch ist dem Beschwerdeführer zuzustimmen, dass eine solche Annahme für die als überwiegend wahrscheinlich anzunehmende Verbesserung der Arbeitsfähigkeit nicht ausreichend ist (Urk. 1 S. 9 Ziff. 8).
Es ist deshalb für die Jahre 2014 bis 2016 von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen.
4.4
Bei der im Jahr 2009 erfolgten Invaliditätsbemessung (Urk. 6/80) ist die Be
schwerdegegnerin von den aktenkundigen vormaligen Erwerbsverhältnissen des Beschwerdeführers ausgegangen und hat das Valideneinkommen im Jahr 2008 mit Fr. 68'379.-- beziffert (S. 2 oben).
Der Nominallohnindex für Männer lag im Jahr 2008 bei 2'092 und im Jahr 2014 bei 2'220 (
www.bfs.ch
:
T 39 Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumen
ten
preise und der Reallöhne
). Somit resultiert im Jahr 2014
e
in Valideneinkommen von rund Fr. 72
’
563.--
(Fr. 68'379.-- : 2'092 x 2'220).
4.5
Bei der
Festsetz
ung des Invalideneinkommens im Jahr 2009
(Urk. 6/80) nahm die Beschwerdegegnerin vom tiefsten Tabellenlohn gemäss der Lohnstrukturer
he
bung des Bundesamts für Statistik (LSE) für die Jahre 2005 bis 2007 einen Abzug von 15 % (S. 1 unten) und ab 2008 einen solchen von 10 % (S. 2 Mitte)
vor
, wobei sie beides nicht damit begründet, teilzeitarbeitende Hilfsarbeiter seien lohnmässig benachteiligt.
Beim
Einkommensvergleich
vom
25. April 2019 (Urk. 6/220)
nahm die Be
schwerdegegnerin wiederum einen Abzug von 10 % vor.
Der Beschwerdeführer machte geltend, es sei auch 2014 ein Abzug vo
n 15 % vorzunehmen (Urk. 1 S. 8
f.).
Auch im Fall der wiedererwägungsweisen Anspruchsprüfung besteht keine Bin
dung an frühere Beurteilungen (vorstehend E. 1.3). Sodann ist die Höhe eines allfälligen Abzugs in erster Linie mittels pflichtgemässer Erme
ssensbetätigung von der Beschwerdegegnerin zu bestimmen und ist der gerichtlichen Korrektur nicht unbeschränkt zugänglich. Schliesslich sticht auch das Argument mit dem sogenannten Teilzeitabzug nicht: Der teilzeitbedingte Lohnachteil von Hilfsarbei
tern betrug gemäss LSE 2006 (T2*, S.
16) 10.04
% (
Urteil
des Bundesgerichts
9C_362/2008 vom 14. November 2008
E. 3.2.3).
Gemäss
LSE
2014
(
Tabelle T18, Monatlicher Bruttolohn nach Beschäftigungsgrad, beruflicher Stellung und Ge
schlecht, Kompetenzniveau 1+2, Männer
) betrug er
5.
84 %
(
Urteile des Bundes
gerichts
9C_44/2019
vom 2. Mai 2019
E. 4.3,
9C_10/2019 vom 29. April
2019 E.
5.2).
Daraus folgt, dass selbst wenn sich der aktuelle Abzug an der Höhe des
früher gewährten Abzugs
orientieren würde, auch wenn dafür aus den dar
ge
legten Gründen kein Anlass besteht, der Unterschied von 15 % zu 10
%
sich
zwanglos mit der Veränderung der teilzeitbedingten Einbusse rechtfertigen liesse.
Somit hat es mit einem Abzug von 10 % sein Bewenden und das Inva
liden
einkommen ist bei vollem Pensum mit Fr. 59'808.-- (Fr. 66'453.-- x 0.9) ein
zu
setzen (vgl. Urk. 6/220 S. 1 unten).
4.6
Bei
in den Jahren 2014 bis 2016 anzunehmenden Arbeitsfähigkeit von 50 % (vorstehend E. 4.3) beläuft sich das Invalideneinkommen auf
Fr. 29'904.-- (Fr.
59'808.-- x 0.5)
, was bei
m Valideneinkommen von Fr. 72’563.--
(vorstehend E. 4.4) eine Einkommenseinbusse von Fr. 42'659.-- und einen Invaliditätsgrad von 59 % ergibt.
Bei
der im Jahr 2017 anzunehmenden Arbeitsfähigkeit von 65 % (vorstehend E.
4.3) beläuft sich das Invalideneinkommen auf rund Fr. 38’875.-- (Fr. 59'808.
x 0.65), was beim Valideneinkommen von Fr. 72’563.--
(vorstehend E. 4.4) eine Einkommenseinbusse von Fr. 33'688.--und einen Invaliditätsgrad von 46 % ergibt.
Demnach hat der Beschwerdeführer von Oktober 2014 bis Dezember 2016 Anspruch auf eine halbe Rente und ab Januar 2017 auf eine Viertelsrente.
Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und aus
gangsgemäss dem Beschwerdeführer zu 3⁄4 und der Beschwerdegegnerin zu 1⁄4
aufzuerlegen.
5.2
Dem nur teilweise obsiegenden, anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht eine um 3⁄4 reduzierte Prozessentschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessenweise auf Fr.
600.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.