Decision ID: 5927cd62-91a4-4109-8dd2-5f8630d5ba50
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1959 geborene
X._
arbeitete als Support Engineer bei der Firma
Y._
und war bei der Schweizeri
schen
Unfallversiche
rungsanstal
t
(Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er
am
29. Oktober 2009
beim Gleitschirmfliegen
aus etwa 12 Metern Höhe abstürzte und sich dabei
unter anderem eine LWK2-Luxationsfraktur mit inkompletter
Para
parese
sub
L3 ASIA D mit neurogener Blasen-, Darm- und Sexual
-
funktionsstö
rung
und eine Ruptur des hinteren Kreuzbandes im rechten Knie zuzog
(
Urk.
9/1,
Urk.
9/27,
Urk.
9/168 S. 5 f.)
. Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen und sprach dem Versicherten mit Verfügung vom
19. März 2012 wegen der Folgen des Unfalls unter anderem eine Integritätsentschädigung von
Fr.
75‘600.-- für eine Integritätseinbusse von 60
%
zu (
Urk.
9/197
). Die
vom Versicherten d
agegen erhoben
e
Einsprache wies s
ie – nach
Beizug
zweier Stel
lungnahmen vom 11. Juni 2012 und vom
18. Oktober 2012 ihrer Abteilung Versicherungsmedizin – mit
Einspracheentscheid
vom 2
2.
Oktober 2012 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Sebastian Lorentz, mit Eingabe vom 21. November 2012 Beschwerde mit dem Antrag,
es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Integritätsentschädigung von 85
%
, zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Februar 2013
beantragte die Suva, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei (
Urk.
8). Mit Eingabe vom 18. März 2013 gab der Beschwerdeführer bekannt, dass er auf eine Replik verzichte (
Urk.
12), was der Suva mitgeteilt wurde (
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 24 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene
Integritätsentschädi
gung
, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der kör
perlichen
,
geistigen
oder psychischen
Integrität erleidet. Die
Inte
gritätsentschä
digung
wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36
der Verordnung über die Unfallver
sicherung (UVV)
Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des gan
zen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche
,
geistige
oder psychische
Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähig
keit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der
Integri
tätsentschädigung
die Richtlinien des An
hanges 3. Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die
Integri
tätsentschädigung
nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
1.2
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der
Integ
ritätsschäden
aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typi
sche Schäden prozentual gewichtet (RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes
(Ziff. 1
Abs.
1). Die Entschädigung für
spezielle oder nicht aufgeführte
Integ
-
ritäts
schäden
ebenso wie für
das Zusammenfallen mehrer
er körperlicher und geisti
ger Integritätsschäden
wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgelei
tet
(Ziff. 1
Abs.
2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 Prozent nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (Ziff. 1
Abs.
3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Gebrauchsunfähigkeit wird der
Integritäts
schaden
entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 Prozent des Höchstbetrages des ver
sicherten Verdienstes ergäbe (
Ziff.
2).
Die den einzelnen Schädigungen entsprechenden Prozentzahlen werden zusam
mengezählt, auch wenn keine die Schwelle von 5
%
erreicht: die Entschädigung ist geschuldet, sobald die Summe der Prozentzahlen 5
%
übersteigt. Nach der Addition der den einzelnen Schädigungen entsprechenden Prozentzahlen ist eine Gesamtwürdigung vorzunehmen und zu beurteilen, ob das Ergebnis im Vergleich mit anderen Integritätsschäden in Anhang 3 zur UVV gerecht und verhältnismässig
ist (
Urteile des Bundesgerichts 8C_389/2009 vom 7. April 2010 E. 5.3
sowie U 556/06 vom 17. Dezember 2007 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.3
Die Medizinische Abteilung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (S
uva
) hat in Weiterentwicklung der
bundesrätlichen
Skala weitere
Bemes
sungsgrundlagen
in tabellarischer Form (sog. Feinraster) erarbeitet. Diese von
der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff.
1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Prozentsatz des
Integri
tätsschadens
für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthal
ten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
2.
2.1
Die Integritätsentschädigung wurde von der
Suva
gestützt
auf die Beurteilungen
von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Neurologie, vom 1
4.
Oktober 2011 (
Urk.
9/168) sowie vom 1
1.
Juni 2012 (
Urk.
9/209)
und
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Chirurgie, vom 1
8.
Oktober 2012 (
Urk.
9/222)
festgesetzt
.
Beide
Mediziner
wurden in ihrer Funktion als Ärzte der Suva-Abteilung Versicherungsmedizin tätig.
Unbestritten
und unter anderem durch die genannten
ärztlichen Beurtei
lungen
belegt
ist
, dass
als Folge des Unfalls
vom 2
9.
Oktober 2009
eine LWK2-Luxationsfraktur mit
Hinterkantenbeteiligung
und LWK1-Querfortsatzfraktur sowie nebendiagnostisch ein Pneumothorax rechts, eine Schulterluxation links sowie
eine
Knieinstabilität
resultierten
.
Zwei Jahre nach dem Unfallereignis bestanden weiterhin dauerhafte und erhebliche Gesundheitsschäden, nämlich eine residuale motorische Schwäche der unteren Extremität, eine komplexe Knieinstabilität nach operativem Eingriff, neurogene Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstörungen sowie neuropathische Schmerzen, welche die Aus
richtung einer Integritätsentschädigung rechtfertigen
(
Urk.
9/168 S. 5 f.,
Urk.
9/209 S.
2
,
Urk.
9/222
).
2.2
Hinsichtlich der strittigen
Höhe
des
dem Beschwerdeführer wegen dieser Unfallfol
gen
entstehenden
Integritätsschadens
führten die Ärzte F
olgendes aus:
Der Neurologe
Dr.
Z._
hielt in seiner Beurteilung vom 1
4.
Oktober 2011 fest,
die
Lähmung
sei
mit Blick auf die Integritätsschaden-Tabelle 21
als ASIA D
inkomplett
(motorische Funktion unterhalb dem Lähmungsniveau erhalten, mehr als die Hälfte der Kennmuskeln mit Muskelkraftgrad >= 3)
unterhalb L2
mit
zusätzlichen urogenitalen Verletzungen, Darmverletzungen sowie neuroge
nen Schmerzen
zu klassifizieren
. E
ine prozentuale Gewichtung des
Integritäts
schadens
mit 60
%
erscheine
als angemessen. Für den Quervergleich mit ande
ren Integritätsschäden in Anhang 3 zur UVV ziehe er zunächst die komplette Paraplegie heran, für welche ein Wert von 90
%
vorgesehen sei
. Es stehe ausser Zweifel, dass der Beschwerdeführer vergleichsweise deutlich besser gestellt sei.
Demgegenüber werde eine schmerzhafte Funktionseinschränkung der Wirbel
säule im Anhang 3 zur UVV mit einem Prozentwert von 50
%
gewichtet. Wegen der multiplen rückenmarksorganisch bedingten Ausfälle sei der Beschwerde
führer
im Vergleich dazu
schlechter gestellt, so dass der angenommene Wert von 60
%
als plausibel erscheine (
Urk.
9/168 S. 6).
In seiner ergänzenden Stellungnahme vom 1
1.
Juni 2012 wies
Dr.
Z._
darauf hin, die Wirbelfraktur als solche rechtfertige nach der annähernd anato
mischen
Rekonstruktion und Stabilisierung
k
eine Erhöhu
ng der
Integritätsent
schädigung
. Hinsichtlich der Folgen der stattgehabten Rückenmarksverletzung mit anhaltender
Conus
-
Cauda
-Läsion sei zu berücksichtigen, dass die Urogeni
tal- und Darmlähmung im in der Integritätsschaden-Tabelle 21 vorgesehenen Wert für ein Lähmungsniveau unterhalb von
L2 bereits berücksichtigt sei. I
m Vergleich
dazu
werde in
der Skala nach CEREDOC (
Confédé
ration
Européenne
d’
Expe
rts
en
Répara
tion
et Evaluation du
Dommage
Corporel
) bei einem anhal
tenden kompletten
Conus
-
Cauda
-Syndrom mit der Folge einer Lähmung sowie neurogenen Blasen- und Mastdarmfunktionsstörung ein Integritätsschaden von 25-50
%
angenommen. Der von ihm,
Dr.
Z._
, angenommene
Integri
tätsschaden
von 60
%
erfasse das klinische Gesamtbild in seiner Auswirkung für den Alltag des Beschwerdeführers korrekt. Die vom Beschwerdeführer bean
tragte Erhöhung der Entschädigung auf 85
%
entspreche fast dem Wert, welcher für eine komplette Paraplegie vorgesehen sei (90
%
), was
ganz offenkundig nicht angemessen sei (
Urk.
9/209 S. 2 f.).
Dr.
A._
beurteilte speziell die Auswirkung der unfallkausalen
residuellen
postero
-medialen Knie-Instabilität rechts auf die Gesamthöhe des
Integritäts
schadens
. In seiner Stellungnahme vom 1
8.
Oktober 2012 führte er aus, es sei unb
estritten, dass dieser Befund i
soliert betrachtet erheblich wäre. Das Resultat nach operativer Rekonstruktion des Knies sei gemäss Verlaufsbericht der Klinik
B._
vom 1
0.
Mai 2011 aber relativ günstig; das Bein könne voll belastet werden, trotz Paraparese bestehe eine Gehfähigkeit.
Dr.
Z._
habe in sei
nen Stellungnahmen bereits alle Unfallfolgen integrativ berücksichtigt. Eine Er
höhung der Gesamtentschädigung von 60
%
wegen des rechten Knies erscheine aus versicherungsmedizinischer
S
icht nicht als gerechtfertigt (
Urk.
9/222).
3.
3.1
Die Suva
macht geltend
,
der Integritätsschaden werde in den Beurteilungen von
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
schlüssig, nachvollziehbar und überzeugend begrün
det. Abweichende ärztliche Beurteilungen fehlten. Es liege eine Paraparese
sub
L3 vor, also tiefer als L2
, bei einer inkompletten Lähmung entsprechend ASIA
Impairment
Scale
D, so dass der Wert von 60
%
mit Blick auf
die
Suva
-
Integri
tätsschaden-Tabelle
21
korrekt sei
. Zusätzliche Urogenital- und Darmstörungen sowie neurogene Schmerzen seien gemäss Tabelle 21 nur zu berücksichtigen, wenn diese neben der
motorischen Lähmung aussergewöhnlich ausgeprägt seien
(
Urk.
2 S.
4
).
Die diesbezüglichen
Erschwernisse
des Beschwerdeführers
beweg
ten sich
indes
im Rahmen der beim Krankheitsbild einer
Conus
-
Cauda
-Schädi
gung üblichen Beeinträchtigungen und erschienen deshalb nicht als ausseror
dentlich ausgeprägt.
Dass
die Knieinstabilität zu keiner Erhöhung des veran
schlagten Integritätsschadens führen
könne, habe
Dr.
A._
in seiner Beurtei
lung vom 1
8.
Oktober 2012 aufgezeigt
. Schliesslich zeige der
rechtsprechungs
gemäss
geforderte Quervergleich
klar auf, dass der insgesamt auf 60
%
ge
schätzte Integritätsschaden im Vergleich mit einer kompletten Paraplegie, für welche im Anhang zur UVV ein Wert von 90
%
vorgesehen sei, durchaus ge
recht und verhältnismässig sei (
Urk.
8 S.
4 f.
).
3
.2
Der
Beschwerdefü
hrer
ist demgegenüber der Ansicht,
seine
Urogenitalbeschwer
den
seien ausserordentlich ausgeprägt und müssten im Rahmen einer
Gesamt
würdigung
und nach Massgabe der einschlägigen Suva
-
Integritätsschaden-Tabelle 21
bei der Festsetzung des Integritätsschadens zu einer Erhöhung der Integritätseinbusse über den von der Suva angenommenen Wert von 60
%
hin
aus
um 5
%
führen.
Auch
die offensichtliche Knieinstabilität
müsse
im Rahmen der Gesamtwürdigung des Schadens zu einer zusätzlichen Entschädigung
füh
ren.
Dr.
Z._
habe diesen Gesundheitsschaden in seinen Beurteilungen mit keinem Wort angesprochen und explizit darauf hingewiesen, seine Ein
schätzung beziehe sich lediglich auf die
Rückenmarksverletzung.
Es
müsse des
halb davon ausgegangen werden, dass
Dr.
Z._
die Knieinstabilität bei seiner Gesamtwürdigung des Integritä
t
sschadens nicht berücksichtigt habe.
D
er
dar
auf zurückzuführende Integritätsschaden
müsse
gestützt auf die Suva-Tabelle
6, Integritätsschäden bei Gelenkinstabilität
,
gesondert beziffert werden.
In Anbetracht der besonderen Problematik sei der Schaden auf etwa 20
%
zu beziffern.
Insgesamt resultiere so der geltend gemachte Integritätsschaden von 85
%
(
Urk.
1 S. 3 ff. und 6 f.).
4.
4.1
In
der Suv
a
-
Integritätsschaden-Tabelle 21
(21.5-6)
wird für
eine Par
a
plegie mit inkompletter Lähmung entsprechen
d
ASIA D
unterhalb L2 ein Wert von 6
0
%
angenommen, wobei eine hinzukommende Urogenital- und Darmlähmung
so
wie neurogene Schmerzen nur berücksichtigt werden, wenn diese
an der moto
rischen Lähmung gemessen
aussergewöhnlich ausgeprägt sind.
Der Beschwer
deführer
hielt diese Voraussetzung
bereits im
Einspracheverfahren
für gegeben, denn
die Urogenital- und Darmlähmung sowie die neurogenen Schmerzen seien bei ihm gemessen an der motorischen Lähmung im Sinne der
Integritätsscha
den-Tabelle
21 (21.5) aussergewöhnlich ausgeprägt und müssten deshalb bei der Bemessung des Integritätsschadens gesondert berücksichtigt werden
(
Urk.
9/200,
Urk.
9/205)
.
In
der Beschwerdeschrift betonte
er insbesondere die
Stuhlinkonti
nenz
, welche mit Hautreizungen einhergehe und sehr
belastend sei (
Urk.
1 S. 5).
Dr.
Z._
legte
den durch die Berichte der behandelnden Ärzte dokumen
tierten Verla
uf der Blasen-, Mastdar
m
-
und Se
xualfunktionsstörung
mit Kom
plikationen in seiner Beurteilung vom 1
4.
Oktober 2011
ausführlich dar
(
Urk.
9/168 S. 2 ff.) und hielt fest, diese Beschwerden und insbesondere die als residualer Endzustand fortbestehende Stuhlinkontinenz wirkten nicht nur sub
jektiv stark belastend (
Urk.
9/168 S. 5 f.).
Unter Berücksichtigung dieser Be
schwerden
hielt er
eine Erhöhung des Integritätsschadens über den in der Suva-Tabelle für gewöhnliche Einschränkungen vorgesehenen Wert von 60
%
den
noch nicht für angebracht.
In Kenntnis der diesbezüglichen
Einw
endungen
des Beschwerdeführers
im
Einspracheverfahren
hielt
Dr.
Z._
in
seiner
Stel
lungnahme
vom 1
1.
Juni 2012
an seiner Sichtweise fest
und wies darauf hin, dass die Urogenital- und Darmlähmung sowie die neurogenen Schmerzen
bei der
Be
messung der Prozentwerte in der Suva
-
Integritätsschaden-Tabelle 21 (21.5-6) auch
bei
einem Lähmungsniveau unterhalb L2 grundsätzlich bereits mitberücksichtigt
we
rde
(
Urk.
9/209 S. 2 f.).
Dr.
Z._
hat also
den
Integ
ritätsschaden
in Kenntnis des gesamten Ausmasses
der Urogenital- und Darm
lähmung sowie der neurogenen Schmerzen
festgesetzt
und
diese zusätzlichen Beeinträchtigungen
gemessen an der motorischen Lähmung nicht als ausserge
wöhnlich ausgeprägt erachtet
. Ferner nahm
Dr.
Z._
zur Verifizierung de
r
von ihm angenommenen
Integritätsentschädigung von 60
%
einen
Querver
gleich
vor
mit
den vorgesehenen Prozentwerten für andere Integritätsschä
den, welche in der Suva-Tabelle 21 (21.2)
als Vergleichswerte bei
Rückenmarksver
letzungen
au
fgeführt sind
:
mit der
Integritätsentschädigung für eine komplette Paraplegie (90
%
)
,
für eine sehr starke
schmerzhafte
Funktionseinschränkung
der Wirbelsäule (50
%
) sowie für ein
Cauda
-
equina
-
Syndrom (25-50
%
). Das
Cauda
-
equina
-
Syndrom entspricht einer Kombination mehrerer neurologischer
Ausfallsstörungen, die auf eine
r
Quetschung des Nervenfaserbündels
Cauda
equina
beruhen,
und sich
unter anderem
in Impotenz sowie
Harn- und
Stuhlin
kontinenz
auswirken
. Die gesamthafte Bewertung
sämtlicher
von der Wirbel
säule ausgehenden Beeinträchtigungen
führte
Dr.
Z._
unter Berücksich
tigung
dieser
Vergleichswerte zum Schluss, dass
der Beschwerdeführer zwar deutlich besser gestellt sei als jemand mit einer kompletten Paraplegie, aber we
gen der neurogenen Schmerzen
sowie der
Urogenital- und Darmlähmung
ge
genüber
jemand
em
mit einer sehr starken schmerzhaften
Funktionseinschrän
kung
der Wirbelsäule
benachteiligt sei
, weshalb
eine Entschädigung von 60
%
angemessen sei
.
A
bsolut und im Quervergleich
hat
Dr.
Z._
sorgfältig geprüft
, ob die Uroge
nital- und Darmlähmung sowie
die
neurogenen Schmerzen
die
Festset
zung
der Gesamthöhe der Integritätsentschädigung
über den für eine inkom
plette Lähmung der Stufe ASIA D unterhalb L2 vorgesehenen Wert von 60
%
rechtfertigen, und diese Frage verneint
(vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts
U 556/06 vom 1
7.
Dezember 2007
, E. 5.2 mit Hinweisen)
.
De
r
Meinung des Beschwerdefüh
rers
, die Urogenital- und Darmlähmung sowie die neurogenen Schmerzen rechtfertigten eine Erhöhung der Integritätseinbusse über den von der Suva angenommenen Wert von 60
%
hinaus um 5
%
,
stehen damit die überzeugend begründeten
medizinische
n
Beurteilung
en entgegen
. Damit besteht kein Grund, von
diesen
abzuweichen.
4.2
Hinsichtlich der fortbestehenden
residuellen
postero
-medialen Knieinstabilität
rechts
hat
Dr.
A._
die
Beeinträchtigung
in seiner Beurteilung vom 1
8.
Oktober 2012
zwar als erheblich bezeichnet
,
gestützt auf
den
Untersuchungsbefund
der behandelnden Ärzte der
Klinik
B._
anlässlich der Verlaufskontrolle vom
1
0.
Mai 2011
kam er zum Schluss
, der Zustand nach einem
o
perativen Eingriff sei relativ günstig, das Bein könne voll belastet werden und der Beschwerde
führer sei trotz der Paraparese
gehfähig
, so dass sich aus
versicherungsmedizi
nischer
Sicht wegen des Knies keine Erhöhung der
Gesamt
integritäts
entschädi
gung
von 60
%
rechtfertige (
Urk.
9/222).
Die
se
Einschätzung von
Dr.
A._
steht im Einklang mit dem
Bericht über die Operation vom 1
9.
Mai 2010 (
Urk.
9/159
S. 7 ff.
) sowie
den
Berichte
n
über die Verlaufskontrollen in der Klinik
B._
vom
4.
November 2010 (
Urk.
9/159
S. 5 f.
) und
vom 1
0.
Februar (
Urk.
9/159 S. 3 f.) sowie vom 1
0.
Mai
2011 (
Urk.
9/159 S. 1 f.). Die Kontrolle vom 1
0.
Mai 2011 ergab sogar, dass das voll belastbare und insgesamt stabile rechte Bein verglichen mit dem nach wie vor durch eine Atrophie beeinträchtigten linken Bein das stärkere Bein war (
Urk.
9/159 S. 2).
Unter diesen Umständen kann davon ausgegangen werden,
dass
die
wegen der Paraplegie mit inkompletter Lähmung
resultierende
n Behin
derungen in den Beinen
die Beeinträchtigungen im rechten
Knie
wegen der
re
siduellen
Knieinstabilität
weitgehend
überdecken beziehungsweise den daraus resultierenden Integritätsschaden
konsumieren
und eine Gesamtwürdigung des Integritätsschadens auch unter Berücksichtigung der
Knieinstabilität
eine Erhö
hung der Integritätsentschädigung über den von der Suva angenommenen Wert von 60
%
nicht rechtfertigt (vgl. auch das Urteil
des Bundesgerichts 8C_389/2009 vom
7.
April 2010
,
E. 5.3
in
fine
).
Unter diesen Umständen kann offen bleiben, ob
– wie vom Beschwerdeführer vorgebracht wird -
Dr.
Z._
die vom Knie ausgehende Beeinträchtigung in seiner Gesamtwürdigung des Integri
tätsschadens berücksichtigt hat.
Mit
der
Stellungnahme
von
Dr.
A._
vom 1
8.
Oktober 2012
liegt eine schlüssige
, auf de
n
Befunde
n
der behandelnden Ärzte basierende
Beurteilung dieses Schadens vor
.
Anlass für
Zweifel an der Beurteilung von
Dr.
A._
besteht nicht
.
4.3
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.