Decision ID: f65cd3a3-feaa-486b-941d-4614ee40a39a
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals am 1. Dezember 2006 bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an (IV 2017/339: IV-act. 1). Bei ihm war am 15. Juli 2005 auf Grund
einer Halslymphknotentuberkulose erfolgreich eine Neck dissection links durchgeführt
worden (IV-act. 5-13). Am 3. Mai 2006 hatte Dr. med. B._, Kantonsspital St. Gallen,
beim Versicherten eine Supraspinatus Tendinitis sowie eine chronische
Rhinopharyngitis diagnostiziert, welche sich durch Schmerzen im Schultergürtelbereich
rechtsseitig äusserten. Zudem habe der Versicherte über Schleim und Trockenheit im
Bereich der Nase sowie im Bereich des Pharynx geklagt. Er habe sich müde und
abgeschlagen gefühlt (IV-act. 5-11). Am 28. August 2006 hatte ihm die Arbeitgeberin
das Arbeitsverhältnis als Packer per 31. Oktober 2006 gekündigt (IV-act. 4).
A.b Im Bericht vom 11. April 2007 hielt Hausarzt Dr. med. C._ fest, der Versicherte
habe eine Tendenz zu depressiver Verarbeitung postoperativer Restbeschwerden.
Zudem habe er sich bereits während des Arbeitsverhältnisses bei der Arbeitgeberin
über die schwere Last seiner Arbeit beklagt und eine leichtere Arbeit gewünscht (IV-
act. 16-2).
A.c Am 7. August 2007 wurde der Versicherte neurologisch durch Dr. med. D._,
Fachärztin für Neurologie FMH, EEG, ENMG, Neurosonographie, und am 17. Januar
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2008 psychiatrisch durch Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, begutachtet. Gestützt auf die beiden Gutachten vom 27. August 2007
und 27. Januar 2008 (IV-act. 22, 28) hielt RAD-Arzt Dr. F._ in der Stellungnahme vom
5. Februar 2008 zusammenfassend fest, dass für die angestammte Tätigkeit keine
Arbeitsfähigkeit mehr bestehe und die Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten
aus psychiatrischer Sicht momentan auf 70-75% eingeschätzt werde, mit der
Möglichkeit der Steigerung auf 100% (IV-act. 30).
A.d Im Bericht vom 5. März 2009 diagnostizierten die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums
G._ eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) sowie eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Sie gingen mittelfristig von einer
ungünstigen Prognose aus auf Grund einer passiv-aggressiven Grundhaltung und sehr
fordernden Verhaltens mit der Erwartungshaltung, Hilfe von aussen zu beziehen. Bei
fehlender Introspektivität sei der Versicherte aktuell einer Schmerztherapie im
psychotherapeutischen Sinne nicht zugänglich (IV-act. 49).
A.e Am 2. Oktober 2009 nahm Dr. E._ eine Verlaufsbegutachtung vor. Im Gutachten
vom 13. Oktober 2009 und den ergänzenden Ausführungen vom 20. November 2009
befand sie den Versicherten als zu 75% arbeitsfähig. Innerhalb eines zeitlichen
Rahmens von ca. 3 Monaten sollte er in einer optimal angepassten Tätigkeit aus rein
psychiatrischer Sicht seine Arbeitsfähigkeit auf 100% steigern können und somit auf
Dauer voll leistungsfähig sein (IV-act. 63, 68).
A.f Mit Vorbescheid vom 28. Januar 2010 (IV-act. 75) bzw. Verfügung vom 29. März
2010 (IV-act. 80) wies die IV-Stelle einen Anspruch des Versicherten auf Invalidenrente
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 0% ab. Die gegen diese Verfügung im Namen
des Versicherten durch Rechtsanwalt lic. iur. D. Ehrenzeller eingereichte Beschwerde
vom 7. Mai 2010 (IV-act. 81) wies das Versicherungsgericht mit Urteil vom 26. Juni
2012 ab. Dabei stellte es unter Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs von 25%
einen Invaliditätsgrad von 38% fest. Zudem sprach es dem Versicherten die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwalt Ehrenzeller und diesem eine
Entschädigung durch den Staat in Höhe von Fr. 2‘800.-- zu (IV-act. 94).
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A.g Mit Urteil vom 28. September 2012, 8C_659/2012, wies das Bundesgericht die
vom Versicherten gegen das kantonale Urteil erhobene Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten ab (IV-act. 96, 100).
A.h Am 28. Dezember 2012 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an (IV-act. 105). Er machte gestützt auf einen Bericht von Dr. med.
H._, Orthopädie I._, vom 19. Dezember 2012 eine Verschlechterung seiner
gesundheitlichen Beschwerden geltend (vgl. IV-act. 103).
A.i RAD-Arzt Dr. med. J._ hielt mit Stellungnahme vom 14. Januar 2013 fest, dass
eine Veränderung des Gesundheitszustands mit der Wiederanmeldung zwar glaubhaft
gemacht worden sei. Die fachneurologisch festgestellten Veränderungen würden
jedoch nicht mit dem Ausmass der von der versicherten Person vorgebrachten
Beschwerden bzw. mit den vorgebrachten Verschlechterungen der Kraft und der
Beweglichkeit korrelieren. In diesem Umfang seien sie nicht plausibel und nicht
nachvollziehbar. Eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe nicht (IV-act. 111).
A.j Gegen den Vorbescheid vom 18. März 2013, welcher dem Versicherten eine
Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht stellte (IV-act. 117), liess dieser durch
seinen Rechtsvertreter Einwand erheben und die Zusprache einer mindestens halben
IV-Rente beantragen. Gleichzeitig beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung (IV-act. 118). Mit Verfügung vom 9. Januar 2014 hielt die IV-
Stelle am Vorbescheid fest und verneinte einen Rentenanspruch des Versicherten. Sie
berechnete einen Invaliditätsgrad von 37% und begründete diesen damit, dass seit der
letzten Verfügung keine neuen objektivierbaren medizinischen Erkenntnisse
vorgebracht worden seien (IV-act. 140, vgl. auch RAD-Stellungnahme vom 6.
Dezember 2013: IV-act. 139).
A.k Am 18. Juni 2013 hatte die IV-Stelle eine Ablehnung des Gesuchs um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren verfügt mit der
Begründung, dass der Versicherte eine angebliche Verschlechterung seines
Gesundheitszustands selbst hätte geltend machen oder sich diesbezüglich von Fach-
und Vertrauensleuten sozialer Institutionen / unentgeltlicher Rechtsberatungen hätte
helfen lassen können. Zudem erscheine das Rechtsbegehren aussichtslos, obgleich
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gegenwärtig noch zusätzlich eingeforderte medizinische Unterlagen ausstehend seien
(IV-act. 125). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.l Gegen die ablehnende Rentenverfügung vom 9. Januar 2014 liess der Versicherte
am 10. Februar 2014 Beschwerde erheben und eine mindestens halbe Rente
beantragen. Im Eventualbegehren beantragte er, unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung sei eine polydisziplinäre Begutachtung anzuordnen (IV-act. 143).
A.m Mit Entscheid vom 11. Juli 2016 hiess das Versicherungsgericht die Beschwerde
teilweise gut, hob die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache zur Fortsetzung
des Verwaltungsverfahrens und zur anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der

Erwägungen an die IV-Stelle zurück. Diese sollte den Versicherten zumindest
orthopädisch und psychiatrisch untersuchen lassen und sinnvollerweise auch eine
aktuelle neurologische Arbeitsfähigkeitsschätzung einholen (IV-act. 153).
A.n Am 7. und 8. Februar 2017 wurde der Versicherte durch Ärzte der Ärztlichen
Begutachtungsinstitut GmbH, Basel, internistisch, psychiatrisch, orthopädisch und
neurologisch begutachtet. Im Gutachten vom 22. März 2017 befanden die Gutachter
den Versicherten für körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne repetitiven
Einsatz der linken Schulter zu 100% arbeits- und leistungsfähig (IV-act. 173).
A.o Am 24. April 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mittels Vorbescheid mit, sie
plane sein Rentengesuch gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 21% abzuweisen (IV-
act. 177).
A.p Der Rechtsvertreter des Versicherten erhob dagegen mit Schreiben vom 11. Mai
2017 Einwand und beantragte für das Verfahren die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung (IV-act. 178).
A.q Im Schreiben vom 20. Juni 2017 nahmen die ABI-Gutachter zum Einwand des
Versicherten Stellung. Sie sahen darin jedoch keine Argumente medizinischer Art,
welche ihre Ausführungen hätten in Zweifel ziehen können (IV-act. 184). Im Rahmen
einer zweiten Anhörung liess sich der Rechtsvertreter des Versicherten dazu am 12.
Juli 2017 vernehmen, wobei er an seinen Anträgen festhielt (IV-act. 187).
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A.r Mit Verfügung vom 6. Juni 2017 wies die IV-Stelle das Gesuch des Versicherten
um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren wegen fehlender
Notwendigkeit ab (IV-act. 181).
B.
B.a Gegen diese Verfügung lässt der Versicherte am 7. Juli 2017 Beschwerde erheben
mit dem Antrag auf deren Aufhebung und Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung. Der Rechtsvertreter macht im Wesentlichen geltend, die
Angelegenheit stelle sich heute durch die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin
und das Begutachtungsverfahren im Ergebnis als rechtlich und sachlich komplex dar.
Auch die Tatsache, dass eine Antwort von der Gutachterstelle als notwendig erachtet
worden sei, belege, dass es sich nicht um einen Durchschnittsfall handle (IV 2017/276:
act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 10. August 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Beschwerdeabweisung, da sich vorliegend keine schwierigen rechtlichen oder
tatsächlichen Fragen stellen würden, die eine Verbeiständung begründen würden (IV
2017/276: act. G 4).
B.c Der Beschwerdeführer hält mit Replik vom 25. September 2017 an seinen
Anträgen fest (IV 2017/276). Mit Schreiben vom 24. Oktober 2017 verzichtet die
Beschwerdegegnerin auf eine Duplik (IV 2017/276).
C.
C.a Mit Verfügung vom 11. August 2017 weist die IV-Stelle das Rentenbegehren
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 21% ab (IV 2017/339: IV-act. 192).
C.b Dagegen richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 14. September 2017 mit
dem Antrag auf deren Aufhebung und auf Zusprache einer mindestens halben Rente.
Eventualiter sei eine neue Begutachtung durchzuführen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Im Wesentlichen bringt der Beschwerdeführer vor, das
Gutachten sei widersprüchlich und dessen Schlussfolgerungen könne nicht gefolgt
werden. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass die Wiederanmeldung auf Grund der
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erheblichen Verschlechterung erfolgt sei, im Resultat nun aber sogar eine
Verbesserung vorliegen solle. Dies allein sei bereits unhaltbar (IV 2017/339: act. G 1).
C.c Mit Beschwerdeantwort vom 13. November 2017 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie führt aus, mangels einer
revisionserheblichen Veränderung sowohl des somatischen als auch des psychischen
Gesundheitszustands seit der am 29. März 2010 verfügten Rentenablehnung sei
weiterhin von der letztinstanzlich bestätigten zumutbaren 80%igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Damit bestehe kein Anlass zur Durchführung eines neuen
Einkommensvergleichs und es bleibe folglich beim vom Versicherungsgericht
ermittelten rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 38% (IV 2017/339: act. G 3).
C.d Mit Replik vom 22. Februar 2018 hält der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
fest (IV 2017/339: act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (IV
2017/339: act. G 10).
Erwägungen
1.
Streitgegenstand im Verfahren IV 2017/339 bildet die Frage der Rechtmässigkeit der
Abweisung des Begehrens um Leistungen der Invalidenversicherung (Verfügung vom
11. August 2017). Im Verfahren IV 2017/276 bildet die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren jenes Leistungsverfahrens den
Streitgegenstand (Verfügung vom 6. Juni 2017). Da die Streitgegenstände eng
zusammenhängen und sich dieselben Parteien gegenüberstehen, rechtfertigt es sich,
die Verfahren IV 2017/339 und IV 2017/276 zu vereinigen.
2.
2.1 Zunächst ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Rentenleistungen der
Invalidenversicherung zu prüfen. Es ist streitig, ob seit der Verfügung vom 29. März
2010 (IV 2017/339: IV-act. 80), welche das Bundesgericht mit Urteil vom 28. September
2012 (IV-act. 100) dem Grundsatz nach bestätigte, eine Verschlechterung des
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Gesundheitszustands des Beschwerdeführers eingetreten ist und der
Beschwerdeführer nunmehr Anspruch auf eine Rente hat.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäss Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art.
16 ATSG).
2.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit die
Erwerbsunfähigkeit bzw. den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung
bzw. das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch
andere Fachleute zur Verfügung stellen. Aufgabe des Arztes bzw. der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
256 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das Gericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
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Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend ist
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a).
3.
3.1 Zu prüfen ist vorab, ob die vorliegende medizinische Aktenlage für eine Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit ausreichend ist und die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das
polydisziplinäre ABI-Gutachten abgestellt hat.
3.2 Darin diagnostizierten die Gutachter als Ergebnis eines interdisziplinären
Konsensgesprächs mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine partielle Läsion des Nervus
accessorius links bei Halslymphknotentuberkulose mit Neck dissection und
Fistelumschneidung 2005 (ICD-10 G56.8) mit chronischen Nacken-Schulter-
Armbeschwerden der adominanten linken Seite (ICD-10 M54.2/M79.60) bei klinisch
einer Atrophie des M. trapezius und leichtgradiger Scapula alata und radiologisch
unauffälligem Befund der Halswirbelsäule und Schulter (Röntgen vom 8.02.2017). Ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine leichte depressive Episode (ICD-10
F32.0), eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10 F45.41) mit chronischem unspezifischem multilokulärem Schmerzsyndrom
(ICD-10 R52.9), ein chronisches thorako- und lumbovertebrales Schmerzsyndrom
(ICD-10 M54.6/M54.5) bei radiologisch unauffälligem Befund der Lendenwirbelsäule
und Iliosakralgelenke (Röntgen 8.02.2017), ein Status nach konservativ behandelter
Radiusköpfchenfraktur rechts 2015 (ICD-10 T92.1) bei radiologisch abgeschlossener
ossärer Konsolidation (Röntgen 29.01.2016) und mit persistierendem Streckdefizit von
10° sowie ein fortgesetzter Nikotinkonsum, schädlicher Gebrauch (ca. 12 Py; ICD-10
F17.1). Im Vordergrund der gesundheitlichen Beeinträchtigungen stünden im Rahmen
der Untersuchungen sowohl die vom Beschwerdeführer angegebenen wie auch
objektiv die Beschwerden nach der Operation mit Neck Dissection 2005. Bei der
neurologischen Untersuchung sei eine partielle Läsion des Nervus accessorius links
diagnostiziert worden, welche durch die Operation entstanden sei. Diese Läsion habe
zu einer Fehlstellung der Scapula und einer gestörten Schultermechanik geführt.
Daraus folge, dass körperlich schwere Arbeiten und solche Tätigkeiten, welche repetitiv
das linke Schultergelenk betreffen würden, nicht mehr zumutbar seien. Die übrigen
vom Beschwerdeführer beklagten Schmerzen im Rücken und in den Armen könnten
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aus neurologischer Sicht nicht erklärt werden. Es fänden sich keine Hinweise für
periphere neurologische Pathologien. Für eine angepasste Tätigkeit bestehe aus
neurologischer Sicht keine Leistungseinschränkung bei ganztägiger Arbeitsfähigkeit. Im
Rahmen der orthopädischen Untersuchung sei ebenfalls die Dysfunktion der linken
Schulter festgestellt worden. Eine klinische oder radiologischen Veränderung am
Bewegungsapparat ausser der neurologisch beurteilten Nervenläsion sei nicht
festgestellt worden. Ebenso seien die klinischen Befunde im thorakalen und lumbalen
Bereich unauffällig. Die vom Beschwerdeführer angegebenen Beschwerden würden auf
ein multilokuläres Schmerzsyndrom sowie muskuläre Verspannungen zurückgeführt.
Aus orthopädischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für
körperlich leichte bis zumindest mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten. Bei der
allgemeininternistischen Untersuchung seien unauffällige Befunde erhoben worden.
Eine allgemeininternistische Diagnose könne nicht gestellt werden. Die anlässlich der
psychiatrischen Untersuchung diagnostizierte chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren erkläre die somatisch nicht vollständig
objektivierbaren subjektiven Beschwerden. Die leichte depressive Symptomatik könne
zwar subjektiv zu einer Schmerzverstärkung führen, im Alltag sei der Beschwerdeführer
dadurch aber nicht eingeschränkt. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine
Arbeitsunfähigkeit. Insgesamt sei der Beschwerdeführer aus polydisziplinärer Sicht für
eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne repetitive Belastungen der
linken Schulter zu 100% arbeits- und leistungsfähig. Körperlich schwere und
mittelschwere Tätigkeiten und solche, die wiederholte Bewegungen der linken Schulter
erforderten, seien ihm nicht mehr zumutbar. Dabei sei davon auszugehen, dass die
Einschränkungen bezüglich der linken Schulter seit der Operation 2005 bestünden. Für
angepasste Tätigkeiten würden sich aus den Untersuchungen keine Hinweise ergeben,
dass die Arbeitsfähigkeit über eine längere Zeitspanne höhergradig eingeschränkt
gewesen sei (IV-act. 173-28).
3.3 Mit Bezug auf die früheren Einschätzungen in somatischer Hinsicht hielten die
Gutachter fest, aus neurologischer Sicht würden die Feststellungen mit denjenigen im
Gutachten von Dr. D._ übereinstimmen. Ebenfalls bestehe eine Übereinstimmung mit
den Angaben der Neurologin Dr. K._ 2012. Neurologisch nicht erklärt werden
könnten die Angaben des Orthopäden Dr. H._, welcher eine ausgeprägte Schwäche
der Scapula stabilisierenden Muskulatur angegeben habe. Von Seiten des
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Bewegungsapparates könne die verminderte Belastbarkeit der linken Schulter, welche
der Orthopäde Dr. H._ festgestellt habe, bestätigt werden. Die von ihm angegebene
Schwäche der Muskulatur sei nicht festgestellt worden. Es fehlten Hinweise für eine
länger dauernde Schonung der linken oberen Extremität. Die Angaben des
Handchirurgen Dr. L._ bezüglich der Radiuskopffraktur könnten bestätigt werden. Er
habe im September 2016 keine Arbeitsunfähigkeit mehr feststellen können. Weiter
gebe der Hausarzt des Beschwerdeführers eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf
Grund der subjektiven Beschwerden desBeschwerdeführers an, ohne genaue
Spezifizierung der Einschränkung mit objektiven medizinischen Befunden (IV-act.
173-29).
3.4 Aus psychiatrischer Sicht befand Dr. med. M._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, es könne keine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. So hätten die von
ihm diagnostizierte leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) sowie die chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Zwar habe Dr. E._ im Rahmen einer früheren
Einschätzung im Gutachten von 2008 eine Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion angegeben und das damals aktuelle Pensum von 70-75% für
zumutbar erklärt. Sie habe aber auch festgehalten, dass auf Dauer wahrscheinlich
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Im Verlaufsgutachten 2009 habe sie
dann eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
diagnostiziert neben einer Anpassungsstörung mit vorwiegend Beeinträchtigung von
anderen Gefühlen. Auf längere Dauer habe sie eine Einschränkung der
Leistungsfähigkeit von 20% attestiert. Auf Nachfrage des RAD habe sie dann diese
Arbeitsunfähigkeit für eine angepasste Tätigkeit nicht als dauerhaft angegeben. Auch
auf Grund der heutigen Untersuchung könne eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit nicht
bestätigt werden. Durch die Psychiatrischen Dienste N._, wo der Beschwerdeführer
in Behandlung gewesen sei, seien im Jahr 2008 eine leichte depressive Episode und
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden. Im IV-Bericht
2009 sei schliesslich eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 9. Dezember 2008
attestiert worden. Diese doch hohe Arbeitsunfähigkeit könne auf Grund der damals
gestellten Diagnosen nicht nachvollzogen werden. Zudem handle es sich diagnostisch
eher um eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren,
da sonst deutlich schwere Konflikte oder emotionale Belastungen, wie diese für die
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Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gefordert würden, nicht
bestünden und zudem zumindest als ursprünglicher Auslöser der Schmerzsymptomatik
auch somatische Faktoren bestünden (IV-act. 173-15). An objektiven
psychopathologischen Befunden hätten sich im klinischen psychiatrischen
Untersuchungsgespräch eine depressive Verstimmung und leichte
Konzentrationsstörungen ergeben (IV-act. 173-16). Kritisch würdigte der psychiatrische
Gutachter die Angaben des Beschwerdeführers, auch selber kurze Strecken mit dem
Auto zu fahren. Dies spreche gegen das Vorliegen von deutlichen
Konzentrationsstörungen. Zudem nehme er mehrmals täglich verschiedene Analgetika
ein, worunter die geltend gemachten Kopfschmerzen noch verstärkt werden könnten.
Weiter lege er sich oft am Tag hin, wodurch die Schlafstörungen in der Nacht verstärkt
würden. Stundenlange Autoreisen zusammen mit der Familie in die Heimat nach O._
seien ihm trotz subjektiv starker Beschwerden mit Schmerzen möglich (IV-act. 173-17).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer argumentiert, dem Gutachten dürfe keine Beweiskraft
zukommen, da es unhaltbar und willkürlich sei. Das Gutachten übersehe, dass die
Einschränkung des linken Armes nicht aus der Arm-Muskulatur, sondern aus der
Kraftlosigkeit der scapula-stabilisierenden Muskulatur, also der linken
Schultermuskulatur, resultiere. Da diese nicht trainiert werden könne, weil sich dort ein
pathologischer Zustand mit neurologischem Defizit befinde, könne der linke Arm nur
sehr zurückhaltend und zeitlich stark begrenzt beansprucht werden. Ansonsten würden
die Verspannungen am Nacken, in der linken Schulter sowie die Ausstrahlungen gegen
die Brustwirbelsäule ein unerträgliches Mass annehmen. Dass der Beschwerdeführer
trotzdem in einer adaptierten Tätigkeit voll einsatzfähig sein sollte, könne daher nicht
stimmen (act. G 1). Dem ist jedoch nicht zu folgen. Gemäss dem ABI-Gutachter Dr.
med. P._, Facharzt für Neurologie, hatte bereits Dr. D._ darauf hingewiesen, dass
der Sternokleidomastoideus verschmächtigt im Seitenvergleich wirke, aber eine
wesentliche Parese nicht vorzuliegen scheine. Die Läsion betreffe somit den Trapezius
links und führe zu einer Fehlstellung der Scapula und einer entsprechend gestörten
Schultermechanik. Dies werde offenbar zumindest teilweise kompensiert durch eine
sehr gut ausgeprägte Schultergürtelmuskulatur. Den Ausführungen von Dr. D._, dass
schwere körperliche Tätigkeiten nicht mehr möglich, jedoch leichte Arbeiten
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uneingeschränkt zumutbar seien, sei auch auf Grund der aktuellen Untersuchung
nichts hinzuzufügen. Anzufügen sei aktuell aber eine offensichtliche
Schmerzausweitung fast im Sinne eines Ganzkörperschmerzes und eine
Minderinnervation von Muskelgruppen, deren Innervation offensichtlich intakt sei. Dies
lasse an eine somatoforme Schmerzstörung bzw. auch eine bewusstseinsnahe
Symptomausweitung denken. Diese Beschwerden seien teilweise auch im Bericht der
Neurologin Dr. K._ von 2012 beurteilt worden. Sie habe von wahrscheinlich
chronifizierten Spannungskopfschmerzen sowie zusätzlichen Analgetika-induzierten
Kopfschmerzen gesprochen. Die jetzt angegebene Einnahme einer Vielzahl
verschiedener Analgetika würde diese damalige Einschätzung bestätigen. Worauf sich
die Aussage von Dr. H._ vom 19. Dezember 2012 stütze, es bestehe eine
ausgeprägte Schwäche der die Scapula stabilisierenden Muskeln und eine massive
Kraftverminderung, erschliesst sich gemäss Dr. P._ nicht. Im Gegenteil sei
festzustellen, dass die anderen, die Scapula stabilisierenden Muskeln wie auch
insgesamt die gesamte Schultergürtel- und Oberarmmuskulatur sehr kräftig wirkten.
Dies bedinge auch, dass die Scapula alata eher als leicht einzuordnen sei, und es sei
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mehr als 5 kg im Schultergelenk
anheben könne. Dr. K._ habe noch ein leichtgradiges sensomotorisches
Karpaltunnelsyndrom links erwähnt. Hierüber habe der Beschwerdeführer aktuell nicht
geklagt (IV-act. 173-26).
4.2 Weiter bemängelt der Beschwerdeführer, das ABI-Gutachten führe nicht aus,
inwiefern Ressourcen vorhanden und mobilisierbar seien. Es erwähne lediglich, dass
der Beschwerdeführer zwar keine Kontakte mehr zu Kollegen pflege, innerhalb der
Familie aber nach wie vor gute Kontakte bestünden und er nicht aus seinem sozialen
Rahmen falle (act. G 1). Auch hierzu ist festzuhalten, dass das Gutachten die Frage
vorhandener Ressourcen zwar relativ kurz abhandelt, sie aber insgesamt an
verschiedenen Stellen aus¬eichend beantwortet hat. So hielt Dr. M._ fest, der
Beschwerdeführer verfüge über Ressourcen mit Bezug auf angelernte Arbeiten mit
mehrjähriger Berufserfahrung (IV-act. 173-16). Auch nehme er am Haushalt teil und
helfe bei der Kinderbetreuung mit. Diese Ressourcen könnten ebenfalls in einer
Erwerbstätigkeit umgesetzt werden (IV-act. 173-29). Dass schliesslich die familiären
Kontakte seine Beziehungsfähigkeit aufrecht erhalten, zeigt sich nicht nur mit Bezug
auf die eigenen Kinder und seine Ehefrau. Sowohl zum Bruder habe der
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Beschwerdeführer Kontakt durch 14-tägige Besuche und auch in der (wohl gemeint:
weiteren) Familie habe er Kontakte. Zudem mache er kleinere Besorgungen selber,
fahre Auto - wenn auch nur kurze Strecken - und sei alleine mit dem Zug zur
Untersuchung nach Q._ gefahren (IV-act. 173-13f., 173-18). Sodann blieb die Frage
der Abgrenzung der Funktionseinschränkungen, welche auf die
Gesundheitsschädigung zurückzuführen sind, von den direkten Folgen nicht
versicherter Faktoren zwar tatsächlich unbeantwortet (vgl. IV-act. 173-16). Dennoch
findet sich die Antwort dazu ebenfalls im Gutachten. Denn der Beschwerdeführer verlor
bald nach der Operation mit Eintritt der Nervenverletzung seine Stelle und blieb in der
Folge arbeitslos, worauf die Familie einige Zeit Sozialhilfe bezog und jetzt mit dem
Einkommen der Ehefrau knapp über die Runden kommen muss. Diese finanziellen
Probleme sowie die Tatsache, dass der Beschwerdeführer erst nach Absolvierung der
Grund- und Oberstufenschule von R._ in die Schweiz zog und keinen Beruf erlernte,
sind ebenfalls als psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren mit zu
berücksichtigen. Weiter beeinträchtigen die aus der ganzen Situation entstehenden
Spannungen und die Konflikte mit der Ehefrau bzw. eigene Schuldgefühle, weil er
nichts zum Familienunterhalt beiträgt, das psychische Stimmungsbild. Dass er zudem
im Haushalt nicht viel mithelfe, kann möglicherweise, wie Dr. M._ festhielt (IV-act.
173-18), durch den kulturellen Hintergrund bedingt sein.
4.3 Damit ist das ABI-Gutachten in sich stimmig. Es berücksichtigt die geklagten
Beschwerden, basiert auf umfassenden Untersuchungen und erscheint
nachvollziehbar, wovon auch der RAD ausgeht (vgl. IV-act. 174, 185). Folglich ist auf
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten abzustellen und nachfolgend
der Einkommensvergleich durchzuführen.
5.
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung beim Validen- und
Invalideneinkommen von denjenigen Zahlen aus, welche bereits im Urteil des
Versicherungsgerichts vom 26. Juni 2012 angewendet worden waren (vgl. IV-act.
94-10f.), und ermittelte gestützt auf die nunmehr attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit in
leidensadaptierten Tätigkeiten einen Invaliditätsgrad von 21%. Diese Berechnung ist
nicht zu beanstanden, auch wenn der Beschwerdeführer bei der Wiederanmeldung
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grundsätzlich subjektiv von einer Verschlechterung des Gesundheitszustands
ausgegangen war. Selbst wenn - wie die Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort beantragt - mangels revisionsrechtlich erheblicher Änderung des
Gesundheitszustandes - weiterhin vom seinerzeit ermittelten Invaliditätsgrad von 38%
ausgegangen würde, wäre ein Rentenanspruch nicht gegeben. Die
Beschwerdegegnerin hat folglich das Rentengesuch zu Recht abgelehnt.
6.
Sodann wirft der Rechtsvertreter in der Beschwerdebegründung die Frage der
Durchführung beruflicher Massnahmen auf. Nebst einem ernsthaften Arbeitstraining
müsse auch eine länger dauernde berufliche Abklärung in die Wege geleitet werden (IV
2017/339: act. G 1 Ziff. 8). Die ABI-Gutachter hielten fest, dass berufliche Massnahmen
auf Grund der ausgeprägten subjektiven Leistungseinschränkung des
Beschwerdeführers kaum erfolgreich durchführbar seien. Sofern er sich doch noch
dazu motivieren liesse, wäre nach der langen Absenz vom Arbeitsmarkt ein
schrittweises Aufbautraining mit Unterstützung bei der Stellensuche allerdings
angezeigt (IV-act. 173-29). Vorliegend bildeten Ansprüche auf berufliche Massnahmen
oder andere Eingliederungsmassnahmen nicht Gegenstand der Verfügung vom 11.
August 2017. Im Hinblick darauf, dass die angefochtene Verfügung von einem nicht
rentenbegründenden Invaliditätsgrad ausgeht, ist die Frage betreffend berufliche
Massnahmen auch nicht notwendigerweise deren Gegenstand. Unter diesen
Umständen ist der Anspruch auf berufliche Massnahmen sowie andere
Eingliederungsmassnahmen nicht Anfechtungsgegenstand des vorliegenden
Verfahrens. Hinzuweisen ist lediglich darauf, dass der Beschwerdeführer bei der
Beschwerdegegnerin erneut einen Antrag auf berufliche Massnahmen stellen kann,
sofern sich an der Situation, wie sie sich sowohl im Zeitpunkt des Abschlusses der
Arbeitsvermittlung vom 10. Februar 2009 sowie auch im Rahmen der Begutachtung
vom Februar 2017 präsentierte (vgl. IV-act. 43 und 173-29), etwas geändert haben
sollte.
7.
7.1 Schliesslich ist die Frage der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im
Verwaltungsverfahren zu prüfen.
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7.2 Gemäss Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV; SR 101) hat jede Person, die
nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und deren Rechtsbegehren nicht
aussichtslos erscheint, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege. Falls es zur Wahrung
ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf unentgeltlichen
Rechtsbeistand. Beim Anspruch gemäss Art. 29 Abs. 3 BV handelt es sich um einen
"eigentlichen Pfeiler des Rechtsstaates" (BGE 132 I 214 E. 8.2).
7.3 Der gesuchstellenden Person wird im Sozialversicherungsverfahren ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern (Art. 37 Abs.
4 ATSG). Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung sind (in Analogie zum gerichtlichen Verfahren) die finanzielle
Bedürftigkeit, die fehlende Aussichtslosigkeit und die Erforderlichkeit der Vertretung
(vgl. BBl 1999 4595). Den höheren Anforderungen im Verwaltungsverfahren soll
insofern Rechnung getragen werden, als die Erforderlichkeit der Vertretung eingehend
zu prüfen ist. Dabei wird auf die Schwierigkeit des Falles und auf die Verfahrensphase
abgestellt (BBl 1999 4595; vgl. auch BGE 132 V 201; Urteil des Bundesgerichts vom
12. März 2009, 9C_816/2008, E. 4.1). Die Beschwerdegegnerin wies das Gesuch
wegen fehlender Notwendigkeit ab (IV-act. 181). Demgegenüber unbestrittenermassen
erfüllt ist die Voraussetzung der finanziellen Bedürftigkeit (vgl. IV 2017/276: act. G 5,
vgl. auch IV-act. 181).
7.4 Ob eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung sachlich notwendig ist, beurteilt sich
nach den konkreten Umständen des Einzelfalls. Die Rechtsnatur des Verfahrens ist
ohne Belang. Grundsätzlich fällt die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für jedes
staatliche Verfahren in Betracht, in das die gesuchstellende Person einbezogen wird
oder das zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist (BGE 128 I 227 E. 2.3 mit Hinweisen).
7.5 Die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im Vorbescheidverfahren wird in
der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung namentlich mit Blick darauf, dass
die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen Sozialversicherungen
den rechtserheblichen Sachverhalt unter Mitwirkung der Parteien nach den
rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität, Neutralität und Gesetzesgebundenheit
(BGE 136 V 376) zu ermitteln haben (Art. 43 ATSG), nur zurückhaltend bejaht. Es
müssen sich danach schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen, und eine
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Interessenwahrung durch Dritte (Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach-
und Vertrauensleute sozialer Institutionen) muss ausser Betracht fallen (BGE 132 V 201
E. 4.1 in fine; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 26. November 2012,
9C_878/2012, E. 3.6 und vom 22. Februar 2013, 9C_908/2012, E. 2.2, je mit Hinweis
darauf, dass die IV-Stellen unter Umständen auf soziale Einrichtungen hinzuweisen
haben, die fachkundige Unterstützung im Verwaltungsverfahren bieten [würden], und
darauf aufmerksam zu machen haben, bei diesen ein entsprechendes Gesuch zu
stellen). Insbesondere vermag nach dieser bundesgerichtlichen Rechtsprechung selbst
die hohe Bedeutung medizinischer Gutachten für sich allein genommen die
Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung nicht zu begründen. Es bedarf vielmehr
weiterer Umstände, welche die Sache als nicht (mehr) einfach und eine anwaltliche
Vertretung als notwendig erscheinen lassen (Urteile des Bundesgerichts vom 16.
Dezember 2013, 9C_692/2013, E. 4.2 und vom 22. Februar 2013, 9C_908/2012, E. 5.2
mit Hinweisen). Von Bedeutung ist auch die Fähigkeit der versicherten Person, sich im
Verfahren zurechtzufinden (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2013,
9C_908/2012, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
8.
8.1 Somit ist zu prüfen, ob eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung im zu
beurteilenden Verwaltungsverfahren auf Grund der Verhältnisse erforderlich war.
Unbestritten blieb, dass der Beschwerdeführer über keine Rechtskenntnisse verfügt.
8.2 Vorliegend beantragte der Beschwerdeführer unentgeltliche Rechtsverbeiständung
für das Verwaltungsverfahren ab dem Vorbescheid vom 24. April 2017. Das zu
berücksichtigende Aktenmaterial geht allerdings auf einen Sachverhalt zurück, der
bereits mit der Anmeldung zum Leistungsbezug im Dezember 2006 seinen Anfang
nahm.
8.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Angelegenheit stelle sich heute durch
die Rückweisung des Versicherungsgerichts und das Begutachtungsverfahren im
Ergebnis als rechtlich und sachlich komplex dar. Dies umso mehr, als ihm eine zweite
Anhörung gewährt worden sei, nachdem sein Einwand dem RAD und dem ABI
vorgelegt worden sei (IV 2017/276: act. G 1).
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8.4 Zunächst gilt zu beachten, dass das hiesige Gericht die Sache mit Entscheid vom
11. Juli 2016 (IV 2014/85) zur weiteren medizinischen Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückwies. Insbesondere sollte sie eine zumindest
orthopädische und psychiatrische Untersuchung durchführen lassen und zusätzlich
eine aktuelle neurologische Arbeitsfähigkeitsschätzung einholen (vgl. IV-act. 153-7).
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung begründet nicht jede Rückweisung
an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung in Bezug auf die Wiederaufnahme des
Administrativverfahrens einen Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege. Dieser setzt
vielmehr zusätzliche, besondere Umstände voraus, welche die Sache als nicht (mehr)
einfach erscheinen lassen. Solche Besonderheiten liegen beispielsweise vor, wenn die
Verwaltung nicht bloss einzelne rechtsverbindliche Anweisungen gemäss
Rückweisungsentscheid ohne eigenen Ermessensspielraum konkret umzusetzen hat,
sondern das kantonale Gericht die Sache zur umfassenden medizinischen Abklärung
und Veranlassung eines polydisziplinären Gutachtens an die IV-Stelle zurückweist, ein
komplexer Sachverhalt vorlag und die versicherte Person bereits im damaligen
gerichtlichen Verfahren vertreten war (Urteile vom 16. Dezember 2013, 9C_692/2013,
E. 4.2, und vom 14. Dezember 2017, 9C_436/2017, 9C_746/2017, E. 3.6.1). Besondere
Umstände können des Weiteren dann gegeben sein, wenn die Rückweisung an die
Verwaltung zur mono- oder bidisziplinären Begutachtung erfolgt, weil in diesem
Kontext die zufallsbasierte Zuweisung einer Gutachterstelle entfällt, so dass den
übrigen Verfahrensgarantien im Sinne von BGE 137 V 210 (Partizipationsrechte,
Verfügungspflichten und Rechtsschutz) umso grössere Bedeutung zukommt. Ferner
können auch besondere Vorgaben rechtlicher Natur (z.B. Rückweisung nicht nur zur
umfassenden Neubeurteilung des Gesundheitszustands, sondern auch zur
Neuüberprüfung des Einkommensvergleichs unter allfälliger Parallelisierung der
Einkommen) die Verbeiständung erforderlich machen (SVR 2017 IV Nr. 57 S. 177,
8C_669/2016 E. 3.3.1 mit Hinweisen).
8.5 Der Beschwerdeführer war vorliegend bereits im Beschwerdeverfahren IV 2014/85
durch denselben Rechtsanwalt vertreten. Der Sachverhalt geht auf das Jahr 2006
zurück und zeigt ein insgesamt relativ langwieriges Verfahren. Erst in Folge der
Beschwerde durch den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wurde eine
polydisziplinäre Begutachtung veranlasst. Dass die Beschwerdegegnerin weiterhin von
einem einfachen, durchschnittlichen Fall ausgeht, während sie selber ihre
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Untersuchungspflicht verletzt und den Beschwerdeführer zur Beschwerdeerhebung
gezwungen hatte, ist nicht nachvollziehbar. Da zudem eine polydisziplinäre
Begutachtung notwendig wurde und dieses neuere Gutachten auch mit dem früheren
psychiatrischen Gutachten und den neurologischen und orthopädischen Berichten zu
vergleichen war, kann nicht mehr von einer einfachen Sachlage ausgegangen werden.
Zudem ist von Bedeutung, dass die gesundheitlichen Beschwerden des
Beschwerdeführers im Zeitpunkt des Gesuchs um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung bereits seit zehn Jahren andauerten und die Vielzahl der zu
prüfenden medizinischen Berichte daher einen langjährigen Zeitraum betrafen. Der
Beschwerdeführer ist schlecht ausgebildet und in rechtlichen Belangen unbeholfen.
Gesamthaft betrachtet muss die Erforderlichkeit der Rechtsverbeiständung daher
bejaht werden. Somit verbietet sich die Annahme, eine anwaltliche Vertretung sei für
den Beschwerdeführer im Verwaltungsverfahren ab dem 24. April 2017 nicht
erforderlich gewesen.
9.
9.1 Auf Grund der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde gegen die
Verfügung betreffend Invalidenrente vom 11. August 2017 (IV 2017/339) abzuweisen.
9.2 Die Beschwerde gegen die Verfügung betreffend unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren vom 6. Juni 2017 (IV 2017/276) ist
gutzuheissen, die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und dem Beschwerdeführer
ist die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren ab 24. April 2017
für die notwendigen Aufwendungen zu bewilligen sowie Rechtsanwalt Daniel
Ehrenzeller zum unentgeltlichen Rechtsbeistand zu ernennen. Die Sache ist zur
Festsetzung der Höhe der Entschädigung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
9.3 Das Beschwerdeverfahren IV 2017/339 betreffend Invalidenrente ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem unterliegenden Beschwerdeführer ist die
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Gerichtsgebühr für das Verfahren IV 2017/339 in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
9.4 Demgegenüber sind im Beschwerdeverfahren IV 2017/276 betreffend
unentgeltliche Verbeiständung im Verwaltungsverfahren keine Gerichtskosten zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Da es sich vorliegend nicht um eine Streitigkeit betreffend
"IV-Leistungen" handelt, findet die Kostenregelung von Art. 69 Abs. 1bis IVG keine
Anwendung (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts vom 12. Januar 2012, IV
2010/270, E. 6.4).
9.5 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung im Verfahren IV
2017/339 die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers (vgl. IV 2017/339:
act. G 4). Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat keine Honorarnote eingereicht. In der Verwaltungsrechtspflege
beträgt das Honorar vor Verwaltungsgericht, Verwaltungsrekurskommission und
Versicherungsgericht pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten [HonO; sGS 963.75]). In der
vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes [AnwG; sGS 963.70]). Somit hat der Staat den
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal (BGE 125 V 201) mit Fr. 2'800.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
9.6 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
9.7 Im Verfahren IV 2017/276 hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
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des Beschwerdeführers hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der
Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint für das Verfahren
eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 1'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Damit erübrigt sich eine Beurteilung des Gesuches um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung in diesem Beschwerdeverfahren.