Decision ID: d2e3ed32-932a-4831-a21b-871e5ff3425a
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
hat sich ergeben:
I. In Anwendung des Gewaltschutzgesetzes vom 19. Juni 2006 (GSG) verfügte D am 19. Juni 2011 gegen A für die Dauer von 14 Tagen ein Betretverbot (Rayonverbot) im Umkreis des Wohn- und Arbeitsorts von C sowie des Wohnorts von dessen Freundin. Daneben verbot ihr die Polizei, C während den nächsten 14 Tagen zu kontaktieren, unter Androhung einer Ungehorsamsstrafe im Sinn von Art. 292 des Strafgesetzbuchs.
II.
Am 23. Juni 2011 stellte C ein Gesuch betreffend Verlängerung der Gewaltschutzmassnahmen um drei Monate beim Gericht E. Nach erfolgter Anhörung der Parteien am 28. Juni 2011 verlängerte der Richter am Gericht E gleichentags das besagte Betret- und Kontaktverbot um drei Monate bis 3. Oktober 2011. A wurden die Gerichtskosten auferlegt, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung auf die Gerichtskasse genommen.
III.
Gegen den Entscheid vom 28. Juni 2011 erhob A am 4. Juli 2011 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Am 5. Juli 2011 reichte ihr Rechtsvertreter eine Beschwerdeergänzung nach, worin beantragt wurde, Ziff. 1 der angefochtenen Verfügung sei aufzuheben und das gegenüber A ausgesprochene Kontakt- und Rayonverbot sei nicht zu verlängern. Ihr sei für dieses Verfahren die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staates.
Der Richter des Gerichts E verzichtete am 11. Juli 2011 auf Vernehmlassung. C reichte keine Beschwerdeantwort ein.

Die Einzelrichterin erwägt:
Die Einzelrichterin erwägt:
1. 1.1 Gemäss § 11a Abs. 1 GSG und § 1 der Verordnung zum Gewaltschutzgesetz vom 3. Dezember 2008 ist das Verwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide zuständig, die vom Massnahmengericht bzw. in Anwendung des Gewaltschutzgesetzes ergangen sind. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
1.2 Beschwerden im Bereich des Gewaltschutzgesetzes werden von der Einzelrichterin oder dem Einzelrichter behandelt, sofern sie nicht wegen grundsätzlicher Bedeutung der Kammer zur Beurteilung überwiesen werden (§ 38b Abs. 1 lit. d Ziff. 4 und Abs. 2 in Verbindung mit § 43 Abs. 1 lit. a VRG). Diese Voraussetzung ist vorliegend nicht gegeben, sodass die Sache in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt.
1.3 Bei Verfahren betreffend Verlängerung von Gewaltschutzmassnahmen amtet der Haftrichter/die Haftrichterin als anordnende Instanz (vgl. § 6 Abs. 1 und § 10 Abs. 1 GSG). Es handelt sich um ein eigentliches Zwei-Parteien-Verfahren zwischen der gefährdenden und der gefährdeten Person (vgl. § 6 Abs. 1 und § 9 Abs. 3 GSG). Immerhin ist der Haftrichter/die Haftrichterin berechtigt, auf die polizeilichen Akten zuzugreifen und von der Polizei eine Stellungnahme einzuholen (vgl. § 9 Abs. 2 GSG). Überdies können Verfahrensfehler der Polizei überprüft werden. Wenn ein Entscheid des Haftgerichts über die Verlängerung angeordneter Massnahmen (allenfalls mit Einschränkungen) vor Verwaltungsgericht mit Beschwerde angefochten wird, dann werden die privaten Parteien als Beschwerdeführer und -gegner aufgeführt, die Polizei hingegen nur als Mitbeteiligte.
Im Folgenden ist auf die Ausführungen in den Eingaben der Beschwerdeführerin einzugehen, soweit diese für die Entscheidfindung von Relevanz sind.
Im Folgenden ist auf die Ausführungen in den Eingaben der Beschwerdeführerin einzugehen, soweit diese für die Entscheidfindung von Relevanz sind.
2. Soweit die Beschwerdeführerin ein Verfahren betreffend Anordnung von Gewaltschutzmassnahmen vom Juli 2010 als unberechtigt kritisiert und der Mitbeteiligten vorwirft, unkritisch die Schilderungen des Beschwerdegegners übernommen zu haben, ist darauf nicht weiter einzugehen. Gleiches gilt bezüglich eines offenbar von ihr zur Anzeige gebrachten Schlags, womit der Beschwerdegegner sie während ihrer Schwangerschaft zu Boden gebracht haben soll. Denn Gegenstand eines Rechtsmittelverfahrens kann nur sein, was Gegenstand des angefochtenen Entscheids war bzw. nach richtiger Gesetzesanwendung hätte sein sollen (vgl. RB 1983 Nr. 5). Andernfalls müsste sich die Beschwerdeinstanz erstmals mit Anträgen befassen, mit denen sich die Rekursinstanz zulässigerweise nicht auseinandergesetzt hat. Letzteres würde dem Grundsatz widersprechen, dass der Streitgegenstand beim Durchlaufen des funktionellen Instanzenzugs nicht erweitert werden kann (vgl. Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 52 N. 3).
2. Soweit die Beschwerdeführerin ein Verfahren betreffend Anordnung von Gewaltschutzmassnahmen vom Juli 2010 als unberechtigt kritisiert und der Mitbeteiligten vorwirft, unkritisch die Schilderungen des Beschwerdegegners übernommen zu haben, ist darauf nicht weiter einzugehen. Gleiches gilt bezüglich eines offenbar von ihr zur Anzeige gebrachten Schlags, womit der Beschwerdegegner sie während ihrer Schwangerschaft zu Boden gebracht haben soll. Denn Gegenstand eines Rechtsmittelverfahrens kann nur sein, was Gegenstand des angefochtenen Entscheids war bzw. nach richtiger Gesetzesanwendung hätte sein sollen (vgl. RB 1983 Nr. 5). Andernfalls müsste sich die Beschwerdeinstanz erstmals mit Anträgen befassen, mit denen sich die Rekursinstanz zulässigerweise nicht auseinandergesetzt hat. Letzteres würde dem Grundsatz widersprechen, dass der Streitgegenstand beim Durchlaufen des funktionellen Instanzenzugs nicht erweitert werden kann (vgl. Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 52 N. 3).
3. 3.1 Die Beschwerdeführerin bringt zunächst vor, die Mitbeteiligte sei gar nicht in der Lage gewesen, den massgebenden Sachverhalt festzustellen. Letztere hätte dafür besorgt sein müssen, dass sie sich im Verfahren in einer ihr verständlichen Sprache hätte verständigen können und ihr das rechtliche Gehör ordentlich gewährt worden wäre. Folglich seien auch die Voraussetzungen für den Erlass bzw. die Verlängerung von Schutzmassnahmen nicht gegeben gewesen. Die Mitbeteiligte habe sich darauf beschränkt, auf die Aussagen des Beschwerdegegners als Schweizer Staatsbürger zu vertrauen, der die Gefährdung bzw. den Fortbestand der Gefährdung "glaubhaft" gemacht haben soll. Wäre ihr nicht das rechtliche Gehör verweigert worden, hätte sie sich eher gegen die unverhältnismässigen und unangemessenen Schutzmassnahmen zur Wehr gesetzt.
3.2 Tatsächlich geht aus den Akten nicht hervor, dass sich die Beschwerdeführerin zur Angelegenheit vor der Mitbeteiligten hätte äussern können, bevor die Gewaltschutzmassnahmen angeordnet wurden. Im Rahmen der haftrichterlichen Anhörung erklärte sie jedoch einzig, gesagt zu haben, die Gewaltschutzmassnahmen nicht zu akzeptieren, und nichts unterschrieben zu haben. Die Beschwerdeführerin rügt eine entsprechende Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Mitbeteiligte somit erst im Beschwerdeverfahren.
3.2.1 Die Wahrnehmung des Anspruchs auf rechtliches Gehör steht indessen unter dem Vorbehalt des Grundsatzes von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 [BV]). Daraus ergibt sich, dass eine Gehörsverletzung durch eine Vorinstanz grundsätzlich im unmittelbar anschliessenden Rechtsmittelverfahren geltend zu machen ist. Andernfalls ist ein Verzicht auf diese Rüge anzunehmen, sodass die betreffende Partei mit dem Einwand vor der nächsthöheren Behörde mangels Beschwer ausgeschlossen ist (vgl. BGE 122 I 120 E. 4b; BGE 121 V 150 E. 5b; VGr, 10. Juni 2010, VB.2010.120, E. 2.10; Kölz/Bosshart/Röhl, § 8 N. 54; Thomas Merkli/Arthur Aeschlimann/Ruth Herzog, Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Bern 1997, Art. 21 N. 18). Die erstmals im vorliegenden Beschwerdeverfahren vorgebrachte Rüge bezüglich Verletzung des rechtlichen Gehörs infolge unterlassener polizeilicher Anhörung der Beschwerdeführerin erweist sich demnach als verspätet und ist nicht zu prüfen.
3.2.2 Anzumerken ist, dass das Gewaltschutzgesetz die polizeiliche Anhörung der Parteien nicht explizit vorschreibt, die Polizei aber dazu verpflichtet ist, den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (§ 3 Abs. 1 GSG). Die Polizei muss jedoch die gefährdete Person auf jeden Fall anhören. Nach Massgabe von Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 18 Abs. 2 der Verfassung des Kantons Zürich vom 27. Februar 2005 ist die gefährdende Person ebenfalls anzuhören. Bei glaubhafter Gefährdung – und somit aus Gründen des Opferschutzes – können Schutzmassnahmen jedoch auch ohne Anhörung der gefährdenden Person angeordnet werden, wenn diese nicht anwesend ist oder – aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse – zuerst ein Übersetzer hinzugezogen werden müsste (Weisungen des Regierungsrats vom 6. Juli 2005 zum Gewaltschutzgesetz, ABl 2005 S. 773), wie es die Beschwerdeführerin offenbar gewünscht hätte. In Bezug auf den vorliegend zu prüfenden Fall bleibt im Übrigen darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der haftrichterlichen Anhörung Gelegenheit hatte, sich zur Angelegenheit zu äussern (vgl. § 9 Abs. 3 GSG; Protokoll S. 9 ff.).