Decision ID: 6d9f89f2-1a49-4aed-a116-7c283a8dc1a0
Year: 2018
Language: de
Court: BS_APG
Chamber: BS_APG_001
Canton: BS
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
Mit Urteil des Einzelgerichts in Strafsachen vom 19. Mai 2017 wurde A_ des falschen Zeugnisses schuldig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu CHF 90.–, unter Auferlegung einer Probezeit von 2 Jahren, zu einer Busse von CHF 500.– sowie zur Tragung der Verfahrenskosten und einer Urteilsgebühr verurteilt.
Gegen dieses Urteil hat A_ mit Eingabe vom 11. September 2017 Berufung eingelegt. Sie beantragt unter vollumfänglicher Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids einen kostenlosen Freispruch vom Vorwurf des falschen Zeugnisses. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Vorladung von B_ als Zeugin, einen gerichtlichen Augenschein in der Wohnung des C_ im Mehrfamilienhaus an der [...]strasse [...], [...] Basel, sowie den Beizug der Akten des Verfahrens [...].
Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufungsantwort vom 10. Januar 2018 die kostenpflichtige Abweisung der Berufung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Abweisung des Antrags auf einen Augenschein, stellte die Vorladung von B_ als Zeugin in das Ermessen des Gerichts und führte aus, einer Gutheissung des Antrags auf Aktenbeizug stehe nichts entgegen.
Mit Eingabe vom 11. März 2018 liess die Berufungsklägerin dem Gericht mitteilen, dass B_ gegen C_ „ein Strafverfahren wegen falscher Anschuldigung eingeleitet hat“ und stellte dem Gericht eine Kopie des diesbezüglichen Strafantrags zu. Sie liess sinngemäss ausführen, es dränge sich deswegen eine Sistierung des vorliegenden Berufungsverfahrens auf, sie verzichte aber auf einen solchen Antrag, da sie aufgrund der grossen psychischen Belastung das pendente Verfahren möglichst schnell abschliessen möchte. Allerdings sei C_ im Berufungsverfahren als Zeuge zu befragen.
Mit Eingabe vom 23. März 2018 beantragte die Staatsanwaltschaft die Abweisung des Gesuchs um Ladung des C_ als Zeugen und – soweit eine Sistierung des Berufungsverfahrens beantragt sei – auch die Abweisung dieses Gesuchs.
Mit begründeter Verfügung der Instruktionsrichterin vom 11. April 2018 wurden die Parteien sowie C_ als Auskunftsperson zur Berufungsverhandlung geladen, wobei der Staatsanwaltschaft das Erscheinen freigestellt wurde. Weiter wurde verfügt, dass beim Hausverwalter der Liegenschaft [...]strasse [...], [...] Basel, eine amtliche Erkundigung darüber eingeholt werde, „ob die Küchenfenster der Wohnung(en) im 4. Stockwerk zur [...]strasse hin zeigen und ob von dort aus Sicht auf den vor der Liegenschaft befindlichen Parkplatz Nr. 2 besteht“. Auch wurde den Parteien mitgeteilt, dass eine Fotografie der Häuserfront [...]strasse [...] von Google Maps zu den Akten genommen werde und wurde ihnen eine solche zur Kenntnis zugestellt. Die Anträge der Berufungsklägerin auf Befragung von B_ als Zeugin oder Auskunftsperson sowie auf Durchführung eines Augenscheins wurden vorbehältlich eines anders lautenden Entscheids des erkennenden Gerichts auf erneuten Antrag abgelehnt. Zudem erging der Hinweis, dass sich die gewünschten Akten betreffend das Strafverfahren gegen B_ (Vorakten [...]) bereits in den Akten befinden.
Am 16. April 2018 teilte der Hauswart der Liegenschaft [...]strasse [...] dem Gericht auf telefonische Nachfrage hin mit, dass die Küchenfenster der Wohnungen im 4. Stockwerk auf die [...]strasse hinausgingen. Der Parkplatz Nr. 2 sei vom Küchenfenster zwar nicht direkt einsehbar, er rücke jedoch problemlos ins Blickfeld, wenn man sich ein wenig aus dem Fenster lehne.
An der Berufungsverhandlung wurde A_ zur Person und zur Sache befragt, wurde C_ als Auskunftsperson zur Sache befragt und ist die Verteidigerin zum Vortrag gelangt. Die im Instruktionsverfahren seitens der Berufungsklägerin vorgebrachten Beweisanträge wurden nicht wiederholt. Im Übrigen wurde an den im schriftlichen Verfahren gestellten Anträgen festgehalten und es wurden acht weitere Fotografien von der Liegenschaft [...]strasse [...] und deren unmittelbaren Umgebung, insbesondere den Parkplätzen vor der Liegenschaft, und zwei fotografische Strassenkarten seitens der Berufungsklägerin zu den Akten gegeben. C_ reichte dem Gericht eine Reparaturofferte der Karosserie [...] vom 18. Januar 2016, ein Schreiben von B_ vom 19. Juli 2016 und einen auf B_ als Schuldnerin ausgestellten Zahlungsbefehl vom 8. August 2016 ein. Die Staatsanwaltschaft ist der Verhandlung fern geblieben. Die Einzelheiten des Sachverhalts und der Parteistandpunkte ergeben sich, soweit für den Entscheid relevant, aus den nachfolgenden Erwägungen.

Erwägungen
1.
Zuständig zur Beurteilung von Berufungen gegen Urteile des Einzelgerichts des Strafgerichts ist das Appellationsgericht als Dreiergericht (§ 88 Abs. 1, 92 Abs. 1 Ziff. 1 i.V.m. § 99 Gerichtsorganisationsgesetz [GOG; SG 154.100]). Auf die form- und fristgerecht erhobene Berufung ist einzutreten.
2.
Hintergrund der vorinstanzlichen Verurteilung der Berufungsklägerin ist ihre Zeugenaussage in einem gegen B_ gerichteten Strafverfahren wegen Sachbeschädigung. B_ wurde mit dem zwischenzeitlich in Rechtskraft erwachsenen Strafbefehl vom 5. April 2016 (Aktenzeichen [...]) der Sachbeschädigung zum Nachteil des C_ begangen am 13. Dezember 2015, ca. 13:10 Uhr, vor der Liegenschaft [...]strasse [...] schuldig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe sowie zu einer Busse verurteilt. Auf die in diesem Strafverfahren getätigte Zeugenaussage der Berufungsklägerin, B_ sei am 13. Dezember 2015 von 11:00 bis 16:00 Uhr bei ihr zu Hause an der [...]strasse [...] gewesen, wodurch B_ ein Alibi für die Tatzeit erhalten hätte bzw. sie die ihr vorgeworfene Sachbeschädigung zumindest zum inkriminierten Zeitpunkt gar nicht hätte begehen können, wurde nicht abgestellt. Vielmehr wurde die Berufungsklägerin im nun angefochtenen Strafurteil vom 19. Mai 2017 wegen der erwähnten Zeugenaussage des falschen Zeugnisses gemäss Art. 307 Abs. 1 Strafgesetzbuch (StGB, SR 311.0) schuldig erklärt. Gemäss dieser Strafbestimmung macht sich strafbar, wer in einem gerichtlichen Verfahren als Zeuge zur Sache falsch aussagt. Es genügt der Eventualvorsatz (
Delnon/Rüdy
, in: Niggli/Wiprächtiger, Basler Kommentar Strafrecht 2, 3. Auflage 2013, Art. 307 StGB N 31).
3.
3.1
Die Berufungsklägerin macht zusammengefasst geltend, die Vorinstanz habe sich zu Unrecht und in Verletzung ihrer Verfahrensrechte, insbesondere in Verletzung des Konfrontationsrechts, an die sachverhaltlichen Feststellungen des Strafurteils B_ gebunden erklärt. Jedes Gericht sei in seiner Beweiswürdigung frei und nicht an die Schlussfolgerungen eines anderen Gerichts gebunden. Die von der Vorinstanz vertretene Rechtsauffassung würde die Einschränkung der richterlichen Unabhängigkeit bedeuten. Jedes Gericht habe sich selbst von der Schuld oder der Unschuld einer angeklagten Person zu überzeugen. Im zu beurteilenden Fall gehe es darum, ob die Aussagen des im Fall B_ angeblich geschädigten C_ der Wahrheit entsprachen oder nicht. Dieser habe als Geschädigter in jenem Verfahren Eigeninteressen vertreten und sei gar nicht verpflichtet gewesen, die Wahrheit zu sagen. Er sei „nie über die Wahrheitsaussage belehrt“ worden.
3.2
3.2.1
Im angefochtenen Urteil führt das Strafgericht dazu aus:
„Das Gericht ist, entgegen der Auffassung der Verteidigerin, an den zum rechtkräftigen Urteil gewordenen Strafbefehl vom 5. April 2016 gebunden. Die Ausgangslage ist, im Vergleich etwa zur Festsetzung einer Zusatzstrafe (BGE 132 IV 102 E. 8.2) sowie zur Strafzumessung bei nicht zusammen im selben Strafverfahren zu beurteilenden Mittätern (BGE 135 IV 191E. 3.3), wo sich der Richter nicht an das erste Urteil anpassen muss, vorliegend eine andere. Denn in den genannten Fällen geht es lediglich um die Festsetzung der Strafhöhe, bei welcher es aufgrund der richterlichen Unabhängigkeit durchaus angezeigt ist, dass der Richter in seiner Entscheidungsfreiheit nicht eingeschränkt wird und in seinem pflichtgemässen Ermessen frei befinden kann, wie die Strafe lauten würde, wenn er die strafbaren Handlungen gleichzeitig zu beurteilen hätte (vgl. BGE 135 IV 191 E. 3.3). Es kann aber nicht sein, dass das Gericht über ein früheres, rechtskräftiges Urteil von Grund auf neu befindet und – wie die Verteidigerin es verlangt – zur Sache quasi ein eigenes Beweisverfahren durchführt. Dies widerspräche dem Sinn und Zweck der Rechtskraft und damit der Endgültigkeit und Massgeblichkeit eines gefällten Urteils grundlegend. Ist das Gericht folglich an den besagten Strafbefehl gebunden, können und müssen die von der Verteidigerin in Sachen B_ erhobenen Einwände nicht beurteilt werden und sind die diesbezüglichen Beweisanträge abzulehnen“
(Urteil S. 5 f.)
.
3.2.2
Diese erstinstanzliche Rechtsauffassung ist unhaltbar. Artikel 30 Bundesverfassung (BV, SR 101) garantiert jeder Person, deren Sache in einem gerichtlichen Verfahren beurteilt werden muss, den Anspruch auf ein durch ein Gesetz geschaffenes, zuständiges, unabhängiges und unparteiisches Gericht. Als Ausfluss dieser grundrechtlichen Garantie statuiert Art. 4 Abs. 1 StPO, dass die Strafbehörden in der Rechtsanwendung unabhängig und allein dem Recht verpflichtet sind. Gerichte sind auch gegenüber anderen Gerichten unabhängig. Eine Bindungswirkung kann einzig im Rechtsmittelverfahren und im Adhäsionsprozess entstehen (
Riklin
, in: Kommentar StPO, 2. Auflage 2014, Art. 4 N 3; vgl. auch Entscheid des Zürcher Obergerichts SB150345 vom 1. April 2016 E. 2.4). Wenn bereits eine richterliche Vorbefassung das Recht auf ein unabhängiges Gericht tangieren kann, ist die richterliche Unabhängigkeit offensichtlich nicht gewährleistet, wenn sich das Gericht an das Urteil einer anderen Strafbehörde oder eines anderen Spruchkörpers in einem anderen Fall gebunden sieht, welcher mit dem zu beurteilenden Fall sachverhaltliche Überschneidungen aufweist. Diesbezüglich gehen auch die vorinstanzlichen Ausführungen zur Rechtskraft eines bereits ergangenen Urteils fehl. Es liegt nämlich gar kein Problem der Rechtskraft vor, schliesslich fehlt es an der Identität von Streitgegenstand und beschuldigter Person. Ein Urteil im vorliegenden Verfahren kann den zwischenzeitlich in Rechtskraft erwachsenen Strafbefehl gegen B_ denn auch nicht aufheben. Soweit ein späterer Strafentscheid, der einen gleichen Sachverhalt betrifft, mit einem früheren Entscheid in einem unverträglichen Widerspruch steht, stellt dies allerdings einen Revisionsgrund dar (Art. 410 Abs. 1 lit. b StPO). Auch diese Bestimmung macht deutlich, dass sich widersprechende Urteile im System des Strafverfahrens vorgesehen sind. Wie die Berufungsklägerin zu Recht ausführt, führt die gegenteilige Rechtsauffassung zu einer krassen Verletzung der Rechte der beschuldigten Person, vorliegend insbesondere ihres Konfrontationsrechts mit dem Belastungszeugen. Aus diesem Grund wurde C_ zur Verhandlung vor Appellationsgericht als Auskunftsperson vorgeladen.
3.3
3.3.1
Die Vorinstanz erachtete es gestützt auf die sachverhaltlichen Feststellungen im Strafbefehl B_ als erstellt, dass B_ am 13. Dezember 2015, um ca. 13:10 Uhr, nicht bei der Berufungsklägerin zu Hause, sondern vor der [...]strasse [...] war, wo sie das Auto des C_ beschädigte. Daraus schloss sie, dass die Berufungsklägerin in der Zeugeneinvernahme vom 4. Februar 2016 nicht die Wahrheit gesagt hatte. Entscheidend für die Annahme, die Berufungsklägerin habe am 4. Februar 2016 bewusst eine Falschaussage getätigt, ist damit, ob mit Sicherheit davon auszugehen ist, dass die B_ vorgeworfene Straftat der Sachbeschädigung tatsächlich an diesem Tag und zu der angegebenen Zeit stattfand.
3.3.2
Aus dem Polizeirapport vom 17. Dezember 2015 in den Akten zum Straffall B_ ergeht, dass C_ B_ am 17. Dezember 2015 wegen Sachbeschädigung beanzeigte und Strafantrag stellte. Er gab gemäss Rapport an diesem Tag gegenüber dem Polizeibeamten an, die Tat habe am 13. Dezember 2015, um 13:10 Uhr, stattgefunden. Im Rapport finden sich vier Fotografien der Kratzspur am Personenwagen, wobei nicht ersichtlich ist, wann die Aufnahmen entstanden sind und wer die Aufnahmen machte. Im Rapport ist festgehalten, dass C_ sinngemäss folgende Angaben gemacht habe: „Ich parkierte mein Geschäftsfahrzeug auf dem privaten Parkplatz der Beschuldigten, da mein gemieteter Parkplatz bereits von einem anderen Fahrzeug besetzt war. Ich wusste, dass es sich hierbei nicht um meinen Parkplatz handelt, parkierte das Fahrzeug aber trotzdem darauf, da ich lediglich 5 Minuten stehen bleiben musste. Von meiner Wohnung aus konnte ich schliesslich beobachten, wie die Beschuldigte mit einem spitzen Gegenstand, welchen sie in der linken Hand hielt, mein Fahrzeug beschädigte. Dies tat sie, in dem sie den spitzen Gegenstand mein Fahrzeug entlang zog. Mein Bekannter, Herr [...], konnte das Ganze ebenfalls beobachten. Als ich mich wieder zu meinem Fahrzeug nach unten begab, konnte ich die Frau an der Bushaltestelle sehen. Ich ging allerdings nicht zu ihr, um sie zu fragen, warum sie das getan hatte“.
Dem ebenfalls in den Strafakten B_ befindlichen Bericht des Detektivkorporal [...] vom 18. Januar 2016 ist zu entnehmen, dass zwei Polizeimitarbeiter B_ am 15. Januar 2016 an deren Wohnort aufsuchten und mit der Anzeigeerstattung gegen ihre Person konfrontierten, wobei diese den Vorwurf der Beschädigung eines parkierten Autos abgestritten habe. Zusammen mit B_ habe man deren Parkplatz vor der Liegenschaft [...]strasse [...] aufgesucht. Auch habe man mit deren Einverständnis eine Fotografie von ihr gemacht, mit dem Hinweis, man werde diese dem Anzeigesteller vorlegen. Am selben Tag habe man C_ aufgesucht. C_ habe ihnen erklärt, dass er zur Tatzeit in seiner Wohnung gewesen sei. Er habe aus seinem Fenster gesehen, wie die Frau, welcher der Parkplatz gehöre, auf welchem er seinen Wagen abgestellt habe, sein Auto mit einem spitzen Gegenstand zerkratzte. Als er aus der Wohnung hinunter auf den Parkplatz gelaufen sei, um die Beschädigung zu begutachten, habe er die Frau an der Bushaltestelle gesehen. Da er deren Namen nicht gekannt habe, habe er sich im Kiosk nach deren Namen erkundigt. Ein Mitarbeiter habe ihm gezeigt, wo die Frau wohne und auf der Sonnerie gezeigt, wie die Frau heisse. Er habe eine Fotografie der Sonnerie gemacht. Dieses Bild habe C_ den Polizeibeamten sodann gezeigt. Auf der Sonnerie sei der Name von B_ ersichtlich. Nach dieser Schilderung des C_ hätten die Beamten ihm die Fotografie der B_ gezeigt und dieser habe bestätigt, dass es sich eindeutig um die Person handle, welche sein Fahrzeug zerkratzt habe.
Weiter ist zusammengefasst der Einvernahme des C_ vom 8. Februar 2016 im Strafverfahren B_ folgender von C_ in freier Rede dargestellter Sachverhalt zu entnehmen: An diesem Tag (dem 13. Dezember 2015) sei der Stiefvater seiner Ehefrau bei ihm zu Besuch gewesen. Diesem habe er seinen gemieteten Parkplatz Nr. 1 vor der Liegenschaft [...]strasse [...] zur Verfügung gestellt. Er selber habe dann auf dem Parkplatz Nr. 2 parkiert, obwohl er gewusst habe, dass dieser auch vermietet war. Er habe diesen nur kurze Zeit in Anspruch nehmen wollen, bis ein Parkplatz entlang der [...]strasse frei würde, weshalb er danach immer wieder aus seinem Fenster im vierten Stock geschaut habe. So habe er dann eine ältere Frau neben seinem parkierten Fahrzeug gesehen und sodann beobachtet, wie diese „plötzlich einen spitzen Gegenstand in der Hand hielt, mit welchem sie die Beifahrerseite meines BMWs von vorne nach hinten zum Kofferraum zerkratzte“. Er sei dann sofort hinunter auf den Parkplatz und habe den „angerichteten Sachschaden“ gesehen. Anschliessend habe er „besagte ältere Dame“ wieder an der Bushaltestelle Birsstrasse in Fahrtrichtung Basel gesehen, sie aber nicht selber kontaktieren wollen. Sie sei im Quartier bekannt dafür, mit ihrer Handtasche oder mit ihren Fäusten auf Fahrzeuge zu schlagen, die auf ihrem Parkplatz abgestellt werden. Er sei sich „ziemlich sicher“, dass die Tatzeit „nach 12:30 – 13:00 Uhr“ gewesen sei. Er habe sich damals die Tatzeit auf einen Zettel geschrieben, weshalb er sich sicher sei, dass die Tatzeit ca. 13:10 Uhr gewesen sei. Als er die Dame bei der Bushaltestelle wieder gesehen habe, sei es 13:10 Uhr gewesen, daran könne er sich „jetzt wieder genau erinnern“. Er habe sich dann am Montag in den Kiosk im Parterre seiner Wohnliegenschaft begeben, um den Namen der Frau in Erfahrung zu bringen. Der Mann, der im Kiosk arbeite, habe ihm gesagt, seine Frau kenne den Namen dieser Frau. Sie arbeite aber erst am Mittwoch wieder im Kiosk. Er (C_) sei dann aber schon am Montag zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Dort habe man ihm gesagt, er solle wiederkommen, wenn er den Namen der möglichen Täterin kenne. Am Mittwoch habe ihm die Frau vom Kiosk dann gezeigt, wo die ältere Frau wohne und auf der Sonnerie von deren Wohnhaus gezeigt, wie sie heisse. Er habe die Sonnerie fotografiert. Eine Kopie der Fotografie der Sonnerie wurde zu den Akten im Strafverfahren B_ genommen.
An der Berufungsverhandlung sagte C_ zur Sache befragt zusammengefasst wiederum aus, er habe am 13. Dezember 2015 sein Auto nur kurz auf dem Parkfeld der B_ stehen lassen und dann wieder wegfahren wollen. Er habe den Vorfall von oben zufällig gesehen. Er sei dann direkt zur Polizei und danach an den Ort, wo er habe hingehen wollen. Darauf hingewiesen, dass er damit seiner ursprünglichen Aussage, wonach er erst zwei Tage später zur Polizei gegangen sei, widerspreche, sagte er aus: „Nein, das stimmt nicht, ich bin am selben Tag zur Polizei. Die haben sodann sogar noch Spuren abgenommen, Fotos gemacht und Staub mitgenommen“. Auf einen zweiten Hinweis, wonach aus dem Polizeiprotokoll ergehe, dass er erst am 15. Dezember 2015 zur Polizei gegangen sei und Fotografien der Polizei in den Akten vom 15. Januar 2016 datieren würden, sagte er: „Ich bin direkt mit dem Auto zum Polizeiposten Kannenfeld gefahren. Es kann sein, dass sie erst einen Monat später kamen, um die Parkplätze zu fotografieren“ (Prot. HV S. 6).
3.3.3
Damit ist erstellt, dass C_ zum eigentlichen Kerngeschehen des Tatvorgangs detaillierte und gleichbleibende Aussagen gemacht hat, von denen er auch über zwei Jahre später nicht abkommt. Hingegen stellen sich zum heutigen Zeitpunkt berechtigte Fragen betreffend den genauen Tatzeitpunkt. C_ blieb an der Berufungsverhandlung trotz Hinweis auf die seinen Aussagen widersprechende Aktenlage im Strafverfahren B_ beharrlich bei seiner Angabe, er sei noch am Tag der Tat zur Polizei gefahren, um Anzeige zu erstatten. Indessen ergeht aus dem Anzeigerapport und den eigenen Aussagen des C_ im Strafverfahren B_ eindeutig, dass er frühestens einen Tag später bei der Polizei vorstellig wurde und die eigentliche Anzeige sogar erst vier Tage nach dem B_ vorgeworfenen Vorfall erfolgte. Damit ist aus heutiger Sicht zweifelhaft, ob die Aussage des C_ im Strafverfahren gegen B_, wonach die Sachbeschädigung am 13. Dezember 2015, um 13:10 Uhr, stattfand, in dieser zeitlichen Präzision richtig ist, zumal der Eindruck entsteht, C_ wolle gegenüber den Behörden auf keinen Fall Erinnerungslücken oder Ungenauigkeiten eingestehen. Stutzig macht auch die Angabe des C_, die Polizei habe noch am Tattag Fotografien erstellt und Spuren gesichert, namentlich Staub abgenommen. Damit ändert C_ seine Aussage gegenüber derjenigen im Strafverfahren B_ nicht nur betreffend den zeitlichen Ablauf der Ereignisse sondern erfindet ein Ereignis, das so nachweislich gar nicht stattgefunden haben kann. Dies weil aufgrund des Polizeirapports vom 17. Dezember 2015 erstellt ist, dass keine Spurensicherung am Tattag erfolgte. Auch ist nicht ersichtlich, was für einen Zweck das Sicherstellen von Staub, gemeint ist wohl Farbstaub von der Beschädigungsstelle, überhaupt erfüllen könnte. Aufgrund dieser Änderung der Aussagen des C_ an der Berufungsverhandlung kann nicht mehr ohne verbleibende Zweifel festgestellt werden, dass sich der B_ vorgeworfene Sachverhalt mit Sicherheit am 13. Dezember 2015, ca. 13:10 Uhr, zutrug. Damit ist gleichzeitig auch nicht mit hinreichender Sicherheit erstellt, dass die Berufungsklägerin eine bewusste Falschaussage machte, als sie angab, B_ habe sich zu diesem Zeitpunkt bei ihr zu Hause aufgehalten. Die Berufungsklägerin ist deshalb vom Vorwurf des falschen Zeugnisses gemäss Art. 307 StGB freizusprechen.
4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des erstinstanzlichen und des Berufungsverfahrens zu Lasten der Staatskasse. Es ergeht ein kostenloser Freispruch und der Berufungsklägerin ist eine Parteientschädigung im Umfang der dazu eingereichten Honorarnote zuzusprechen.