Decision ID: 86081b3e-c6c9-5ced-8436-450dce159aac
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
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A.a A._ wurde am 14. April 2009 von einer privaten Versicherung zur Früherfassung
bei der Invalidenversicherung gemeldet. Die seit Juni 2007 in einem Vollpensum als
Kiosk-Verantwortliche tätige Versicherte sei seit dem 20. November 2008 voll
arbeitsunfähig; sie leide an einer schweren depressiven Episode ohne psychotische
Symptome (IV-act. 1 f.). In einem beigelegten ärztlichen Zeugnis (betreffend Kranken-
Kollektiv-Taggeld) vom 30. Januar 2009 (IV-act. 4-1) hatte Dr. med. B._, Allgemeine
Medizin FMH, berichtet, die Versicherte sei zunächst durch den Psychiater Dr. C._
behandelt worden. Seit dem 20. November 2008 befinde sie sich in der
Psychiatrischen Klinik Wil. Vom 9. April bis 1. Juli 2006 sei sie wegen des gleichen
Leidens in der Psychiatrischen Klinik St. Pirminsberg hospitalisiert gewesen. Seit dem
20. November 2008 sei sie zu 100 % arbeitsunfähig. Die Psychiatrische Klinik Wil hatte
am 10. März 2009 (IV-act. 3) folgende Diagnosen bekanntgegeben: schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome, emotional instabile
Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, St. n. Suizidversuch durch
Tablettenintoxikation am 19.11.2008 und atypische Anorexia nervosa.
A.b Die Versicherte teilte am 30. April 2009 (IV-act. 7) telefonisch unter anderem mit,
sie befinde sich seit zwei Wochen in der Tagesklinik. Sie sei bestrebt, wieder an den
Arbeitsplatz zurückzukehren. Ihr Vorgesetzter wäre bereit, sie auch mit einem
Arbeitstag pro Woche beginnen zu lassen.
A.c Am 18./20. Mai 2009 (IV-act. 10) meldete sich die Versicherte zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an. Sie habe nach der Sekundar- die E._-
Mittelschule besucht, letztere aber nach zwei Jahren abgebrochen. Nachdem sie ab
ca. November 2004 [gemäss IK-Auszug August 2005] arbeitslos gewesen sei, habe sie
von September 2006 bis April 2007 zwei Praktika in F._ absolviert. Seit Juni 2007 sei
sie Gastro-Verantwortliche mit einem Bruttoeinkommen von monatlich Fr. 4'200.--. Seit
dem 20. November 2008 sei sie wegen einer Depression/Essstörung und einer
Borderline-Persönlichkeitsstörung beeinträchtigt.
A.d In der Arbeitgeberbescheinigung vom 15. Juni 2009 (IV-act. 17) wurde unter
anderem angegeben, bis zum Eintritt des Gesundheitsschadens sei die Versicherte als
Allrounderin/Kiosk-Verantwortliche in einem G._ tätig gewesen. Ohne
Gesundheitsschaden würde die Versicherte zurzeit Fr. 54'600.-- pro Jahr verdienen.
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A.e Gemäss dem FI-Gesprächsprotokoll vom 18. Juni 2009 (IV-act. 18) gab das
Psychiatrische Zentrum an, die Versicherte leide an einer Adoleszentenkrise mit Hin
weisen auf emotional instabile Anteile. Die Arbeitsfähigkeit werde durch selbstver
letzendes Verhalten und eine Essstörung eingeschränkt. Der Gesundheitszustand sei
noch nicht stabil. Eine Eingliederungsfähigkeit sei frühestens ab Herbst 2009 (Austritt
aus der Tagesklinik) zu erwarten. Am 30. Juni 2009 (IV-act. 19) ergänzte die Klinik, die
Versicherte sei nicht desintegriert gemäss Persönlichkeitsstruktur nach operationali
sierter psychodynamischer Diagnostik (OPD). Am 3. Juli 2009 (IV-act. 20) wurde der
Versicherten mitgeteilt, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich seien.
A.f In einem Arztbericht vom 2. Oktober 2009 (IV-act. 21) bezeichnete das
Psychiatrische Zentrum als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig remittiert, bei Anorexia nervosa mit aktiven Massnahmen zur
Gewichtsreduktion und eine Zwangsstörung, vorwiegend Zwangshandlungen auf dem
Hintergrund einer abhängigen Persönlichkeitsstruktur. Die Versicherte sei vom 20. April
bis 4. September 2009 teilstationär behandelt worden. Ab September 2009 sei sie in
ihrer bisherigen Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig. Sie werde ihre bisherige Arbeit
in einem Teilpensum (von zwei Tagen pro Woche) wieder aufnehmen und ausserdem
an zwei Tagen pro Woche die H._-Schule besuchen.
A.g Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen teilte der Ver
sicherten am 22. Oktober 2009 (IV-act. 23) mit, sie berate und unterstütze sie bei der
Erhaltung des derzeitigen Arbeitsplatzes. Mit einem separaten Schreiben werde sie ins
besondere über den Termin für ein Erstgespräch informiert. Allfällige weitere Leistungs
ansprüche würden noch geprüft. - Am 5. November 2009 (IV-act. 25) schrieb die IV-
Eingliederungsberaterin der Versicherten, da sie vergeblich versucht habe, sie
telefonisch zu erreichen, möge die Versicherte bis zum 20. November 2009
zurückrufen. Andernfalls müsse das Dossier geschlossen werden. - Am 4. Dezember
2009 (IV-act. 26) zeichnete die IV-Eingliederungsverantwortliche die verschiedenen
Anrufversuche und zwei Telefonate mit der Versicherten auf. Am 13. November 2009
habe die Versicherte erklärt, sie arbeite seit September 2009 zu 60 % und gehe an
zwei Tagen pro Woche zur Schule. Sie leiste dieses Pensum aus finanziellen Gründen,
würde aber eigentlich gern nur zwei Tage arbeiten, denn das Pensum sei ihr zu gross.
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Die Psychiaterin sei aber der Auffassung, sie könne sie nicht für die Arbeit krank und
für die Schule gesund schreiben. Es sei vereinbart worden, dass die Versicherte,
welche das noch mit ihrer Sozialarbeiterin besprechen wolle, bis 25. November 2009
melden werde, ob sie ihre (der IV-Eingliederungsberaterin) Hilfe in Anspruch nehmen
wolle oder nicht. Da sie dies bis anhin nicht getan habe, werde angenommen, die
Unterstützung sei nicht erforderlich.
A.h Mit Vorbescheid vom 6. Januar 2010 (IV-act. 28 f.) stellte die Sozialversicherungs
anstalt/IV-Stelle der Versicherten eine Abweisung des Leistungsgesuchs in Aussicht.
Es sei der Anspruch auf Rentenleistungen geprüft worden. Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen bestehe nach Massgabe von Art. 8 IVG. Sie (die
Versicherte) habe das Angebot für Unterstützung bei der Stellensuche nicht
angenommen. - Am 15. Februar 2010 (IV-act. 30) verfügte die IV-Stelle entsprechend.
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von der Sozialberatung einer Gemeinde
für die Betroffene am 17. März 2010 (Poststempel: 18. März 2010) erhobene
Beschwerde. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin beantragt sinngemäss die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die
Beschwerdegegnerin zur Gewährung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen,
insbesondere der Übernahme der Kosten für die Schule H._, welche die
Beschwerdeführerin seit August 2009 besuche. Die Beschwerdeführerin sei eine von
Invalidität bedrohte Person, die Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen habe. Es sei
für ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit von grösster Bedeutung, eine Ausbildung zu
absolvieren. Sie habe ihr Arbeitspensum zugunsten der Ausbildung auf 60 %
reduzieren müssen. In den letzten Monaten sei sie gesundheitsbedingt nicht in der
Lage gewesen, mit der Beschwerdegegnerin angemessen zusammenzuarbeiten. Sie
sei sich der Konsequenzen ihrer Handlungen nicht bewusst gewesen. - In einem
beigelegten Schreiben hatte die Beschwerdeführerin dargelegt, es habe ihr sehr zu
schaffen gemacht, dass sie aus psychischen Gründen keine Ausbildung habe
absolvieren können. Der Entscheid zu einer Ausbildung sei ein wichtiger Punkt für ihr
Selbstbewusstsein und ihre persönliche Entwicklung. Der gewählte Studiengang
dauere zwei Jahre. Für den Sommer 2010 habe sie allerdings nun eine neue
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Ausbildung mit Diplomabschluss geplant, welche drei Jahre dauern werde. Konkret
könne sie die Berufspläne noch nicht bezeichnen, sie würden sich noch ergeben. Wenn
sie allerdings ihre finanzielle Situation nicht mehr im Griff habe, bestehe die Gefahr,
dass sie wieder arbeiten gehe und die Ausbildung fallen lasse, was ihrer Gesundheit
nicht zuträglich wäre.
B.b Mit Schreiben vom 5. Mai 2010 hat Rechtsanwalt lic. iur. Fredy Fässler als neu
beauftragter Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin für sie um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung und einer Nachfrist zur ergänzenden Begründung der Be
schwerde ersucht. Am 4. Juni 2010 hat er mitgeteilt, in der Sache gehe es darum, dass
berufliche Eingliederungsmassnahmen notwendig seien. Diese seien abgebrochen
worden, weil die Beschwerdeführerin sich mit den damit befassten Stellen nicht mehr
in Verbindung gesetzt habe. Dieses Verhalten sei indessen vor dem Hintergrund ernst
hafter psychischer Erkrankungen zu sehen. Er wolle allerdings nun zunächst die
Beschwerdegegnerin zu einer Wiederaufnahme der beruflichen Eingliederungsmass
nahmen bewegen. Nachdem verschiedene Fristerstreckungsgesuche erforderlich ge
worden waren, hat der Rechtsvertreter am 16. August 2010 schliesslich mitgeteilt, das
Mandat sei erloschen.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 17./20. Dezember 2010 beantragt die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin sei gemäss dem
Arztbericht des Psychiatrischen Zentrums voll arbeitsfähig. Die Pensenreduktion sei
denn auch nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern deshalb erfolgt, weil die Be
schwerdeführerin die Schule H._ besuche. Es fehle bereits das Erfordernis einer
mindestens 20-prozentigen Invalidität. Eine Umschulung würde sich auch als un
verhältnismässig erweisen, habe die Beschwerdeführerin doch keinen Beruf erlernt. Da
sie nicht invalid im Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG sei, habe sie auch keinen Anspruch auf
Arbeitsvermittlung oder andere Eingliederungsmassnahmen.
D.
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Von der ihr mit Schreiben vom 20. Dezember 2010 eingeräumten Möglichkeit, sich zur
Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin vernehmen zu lassen, hat die Be
schwerdeführerin keinen Gebrauch gemacht.
E.
Die Gerichtsleitung hat am 20. Dezember 2010 das Gesuch um unentgeltliche Rechts
pflege (Befreiung von den Gerichtskosten) bewilligt.

Erwägungen:
1.
1.1 Die angefochtene Verfügung datiert vom 15. Februar 2010. Die späteren
Rechtsänderungen sind daher vorliegend nicht massgebend.
1.2 Aus dem Verfahrensablauf und der Begründung der angefochtenen Verfügung
vom 15. Februar 2010 könnte geschlossen werden, dass es sich um einen
sanktionsweise ausgesprochenen Nichteintretensentscheid (als "nachträgliches"
Nichteintreten im Sinn einer Einstellung des Verfahrens bzw. eines Verfahrensabbruchs;
vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S T. vom
23. September 2008, IV 2007/65, mit Hinweis auf Franz Schlauri, Grundstrukturen des
nichtstreitigen Verwaltungsverfahrens in der Sozialversicherung, in: René Schaffhauser/
Franz Schlauri [Hrsg.], Verfahrensfragen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1996, S.
36) gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG handeln könnte, weil die Beschwerdeführerin nicht
genügend mitgewirkt hat. Die Verfügung trägt allerdings die Überschrift "Kein Anspruch
auf IV-Leistungen". Gemäss ihrem Dispositiv hat die Beschwerdegegnerin damit das
Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin abgewiesen. Insgesamt ist davon
auszugehen, dass mit der Verfügung ein Anspruch auf Leistungen der
Invalidenversicherung materiell und gesamthaft abgelehnt wurde. In diesem Sinn hat
die Beschwerdegegnerin denn auch Beschwerdeantwort erstattet. - Die
Beschwerdeführerin beantragt eine Rückweisung der Sache im Hinblick auf die
Gewährung von beruflichen Massnahmen.
2.
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2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte ver
sicherte Personen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig
und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a), und soweit die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen unter anderem in Massnahmen beruflicher
Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung und Arbeitsver
mittlung; Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
2.2 Versicherte Personen, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge
Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfang zu
sätzliche Kosten entstehen, haben Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Aus
bildung den Fähigkeiten der versicherten Personen entspricht (Art. 16 Abs. 1 IVG). - Als
invalid im Sinn von Art. 16 IVG gilt, wer aufgrund einer bleibenden oder längere Zeit
dauernden gesundheitlichen Beeinträchtigung [Geburtsgebrechen, Krankheit oder
Unfall, vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG] bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung erheblich
behindert ist (vgl. Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. A.
2010, S. 177) und bei der Ausbildung erhebliche Mehrkosten auf sich nehmen muss
(vgl. Bundesgerichtsentscheid i/S N. vom 2. Dezember 2008, 9C_745/08). Der leis
tungsspezifische Invaliditätsfall im Bereich von Art. 16 IVG tritt ein im Zeitpunkt, in
welchem wegen Art und Schwere des Leidens eine berufliche Ausbildung erstmals
angezeigt gewesen wäre (vgl. Bundesgerichtsentscheid i/S A. vom 22. Februar 2007,
I 659/06). Im Rahmen von Art. 4 Abs. 1 IVG kommt es nicht auf die Gleichzeitigkeit
(Kontemporalität), sondern auf die Kausalität von Gesundheitsschaden und Erwerbs
unfähigkeit an (BGE 126 V 461). Es genügt, wenn der Gesundheitsschaden zunächst
die erstmalige berufliche Ausbildung verunmöglicht und diese erst nach Jahren nach
geholt werden kann (vgl. Meyer, a.a.O., S. 179).
2.3 Die versicherte Person hat Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätig
keit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbs
fähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann. Als invalid im Sinne von
Art. 17 IVG gilt eine versicherte Person, wenn sie wegen der Art und Schwere des
Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den ihr ohne zusätzliche
berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende
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oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von mindestens etwa 20 % erleidet
(Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S P. vom 28. Februar 2006,
I 826/05; BGE 124 V 110 f. E. 2b; AHI 2000 S. 62 E. 1; vgl. Meyer, a.a.O., S. 191; für die
MV: BGE 130 V 491).
2.4 Arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) versicherte Personen, welche eingliederungsfähig
sind, haben nach Art. 18 Abs. 1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche
eines geeigneten Arbeitsplatzes (lit. a) und begleitende Beratung im Hinblick auf die
Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (lit. b).
3.
3.1 Wie die Beschwerdegegnerin festhält, besteht nach Angaben des Psychiatrischen
Zentrums (IV-act. 21) bei der Beschwerdeführerin ab September 2009 wieder volle
Arbeitsfähigkeit in ihrer bisherigen Tätigkeit. Bei dieser Tätigkeit handelt es sich um
eine solche als Allrounderin/Kiosk-Verantwortliche. Einen Beruf hat die
Beschwerdeführerin nicht erlernt. Nach der Sekundarschule hat sie die E._-
Mittelschule besucht, diese aber nach etwa zwei Jahren abgebrochen. Dem Arztbericht
des Psychiatrischen Zentrums vom 2. Oktober 2009 ist zu entnehmen, dass dies nach
Entwicklung von Prüfungs- und Versagensängsten geschah. Der versuchte
Wiedereinstieg sei ebenso gescheitert wie der Besuch einer Abendschule. Im Jahr
2004 habe die Essstörung der Beschwerdeführerin eingesetzt; im Oktober 2004, nach
dem Tod des Vaters, sei die Anorexia nervosa exazerbiert mit schwerem
psychosozialem Rückzug ohne weiteres berufliches Engagement. Im März 2006 sei die
dreimonatige stationäre psychiatrische Behandlung erfolgt. Im Sommer 2008 habe die
ambulante Behandlung bei Dr. med. D._, Psychiatrie und Psychotherapie, eingesetzt.
Im selben Arztbericht wurde festgehalten, es liege eine Persönlichkeitsstörung mit
Beginn in Kindheit und Jugend vor. Wann die depressive Episode und die
Zwangshandlungen erstmals aufgetreten seien, sei nicht bekannt. Die Psychiatrische
Klinik Wil hatte am 10. März 2009 unter anderem eine emotional instabile
Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ diagnostiziert. Gemäss ICD-10-GM Version
2010 zu F 60 treten Persönlichkeitsstörungen meist in der Kindheit oder in der
Adoleszenz in Erscheinung und bestehen während des Erwachsenenalters weiter.
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3.2 Die Aktenlage enthält demnach Anhaltspunkte dafür, dass schon in der Aus
bildungszeit gesundheitliche Faktoren eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit
bewirkt haben könnten. Für die zu beurteilenden Leistungsansprüche ist von Be
deutung, ob der Ausbildungsabbruch (samt gescheitertem Wiederaufnahmeversuch)
und das Misslingen des Einstiegs in eine Abendschule invaliditätsbedingt waren und
die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung eine Ausbildung abge
schlossen hätte. Diese Frage zu klären, wird die Beschwerdegegnerin nachzuholen
haben. Allenfalls kann ein Bericht über die Hospitalisation der Beschwerdeführerin vom
Frühjahr 2006 in der Psychiatrischen Klinik St. Pirminsberg hierzu weitere Angaben
liefern. Auch von dem von Dr. B._ bezeichneten Psychiater (Dr. C._) oder/und der
Psychiaterin (Dr. D._), welche die Beschwerdeführerin nach Angaben des
Psychiatrischen Zentrums vor und nach dieser Stelle (d.h. seit Juni 2008 und nach
September 2009) behandelt hatte, liegen bis anhin keine Arztberichte vor. Nach der
erforderlichen Ergänzung der Sachverhaltsabklärung wird die Beschwerdegegnerin
über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche Massnahmen neu zu
verfügen haben. Je nach dem Ergebnis der Abklärungen sind allenfalls davor weitere
Anspruchsvoraussetzungen für Massnahmen (wie etwa Eignung, Verhältnismässigkeit)
zu prüfen. Allenfalls könnte sich auch die Frage nach dem Entstehen eines (eventuell
vorübergehenden) Rentenanspruchs stellen.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 15. Februar 2010 zu schützen und die Sache ist zu er
gänzenden Abklärungen im Sinn der Erwägungen und zu entsprechender neuer Ver
fügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Eine Rückweisung zur weiteren Abklärung der Streitsache und anschliessender
neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin stellt praxisgemäss aus prozessualer
Sicht in Bezug auf die Kosten ein vollständiges Obsiegen dar (vgl. SVR 1995 IV Nr. 51
S. 143; ZAK 1987 S. 266 E. 5a). Die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Befreiung von den Gerichtskosten) vom 20. Dezember 2010 ist damit obsolet ge
worden.
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4.3 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die
Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
gelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/
SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP