Decision ID: f0325c42-a75c-4bd9-949d-3090a208a98a
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1982, war
seit dem 1
1.
Oktober 2013 als
Gartenbauarbeiter
für die
Y._
GmbH
tätig
und dadurch
bei der Suva
obligatorisch gegen die
Folgen von Unfällen versichert. Am
2
4.
März 2018
verletzte sich der Versicherte
bei der Arbeit
am linken Handgelenk
(Scha
denmeldung UVG vom 3
0.
April 2018,
Urk.
9/1).
In der Folge wurde
er im Spital
Z._
mehrfach
am linken Handgelenk
operiert
(
Urk.
9/173/2-
3
).
Die Suva erbrachte Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen.
Am
8.
Januar 2020 führte Kreisärztin med.
pract
.
A._
, Fachärztin für Anästhesiologie, eine Untersuchung durch (
Urk.
9/173; vgl. auch die gleichentags erfolgte Beurteilung des Integritätsschadens,
Urk.
9/172). Mit Schreiben vom 1
4.
Februar 2020 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass
eine Behandlung nicht mehr notwendig sei. Die Heil
kosten- und Taggeldleistungen
würden
daher
per 3
1.
März 2020 einge
stellt. Die Suva komme jedoch für folgende Heilkosten weiterhin auf: einmal pro Woche Ergotherapie im Jahr 2020, zwei bis drei
Serien Ergotherapie
pro Jahr ab 2021, zwei bis drei
jährliche Arztkontrollen
, erforderliche Schmerzmittel mit gegebenenfalls Magenschutz und erforderliche Handmanschetten
(
Urk.
9/182). Mit Verfügung vom
1
1.
März 2020 sprach die Suva
dem Versicherten
mit Wir
kung ab dem
1.
April 2020 bei einem Invaliditätsgrad von 20
%
eine Rente und gestützt auf eine Integritätseinbusse von 25
%
eine Integritätsentschädigung zu (
Urk.
9/185). Die dagegen vom Versicherten am 3
0.
April 2020 erhobene Einspra
che (
Urk.
9/201) wies die Suva mit Entscheid vom 2
9.
Mai 2020 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
9.
Juni 2020 Beschwerde und b
eantragte
sinngemäss
, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und ihm gestützt a
uf einen Invaliditätsgrad von 31
%
eine Rente auszurichten (
Urk.
1). Die Beschwer
degegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
9.
Oktober 2020 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer am 1
5.
Oktober 2020 ange
zeigt wurde (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) wer
den – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungs
leis
tungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem ver
si
cherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Invalidität,
Integritätsein
busse
) ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1-2 mit Hinweisen).
1.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medi
zinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Validenein
kommen
).
1
.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139
V
28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Die bundesgerichtliche Rechtsprechung schliesst nicht aus, dass auch bei Erwerbs
tätigen unter Umständen nicht auf das zuletzt erzielte Einkommen abge
stellt wird. Das trifft bei selbstständig Erwerbenden dann zu, wenn aufgrund der Umstände mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass der Ver
sicherte im Gesundheitsfall seine nicht einträgliche selbstständige Tätigkeit auf
gegeben und eine besser entlöhnte andere Tätigkeit angenommen hätte
,
oder dann, wenn die vor der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeübte selbstständige Tätigkeit wegen
ihrer kurzen Dauer keine genügende Grundlage für die Bestim
mung des
Valideneinkommens
darstellt, zumal in den ersten Jahren nach Auf
nahme der selbstständigen Erwerbstätigkeit üblicherweise aus verschiedenen Gründen (hohe Abschreibungsquote auf Neuinvestitionen etc.) die Betriebsge
winne gering sind
(
BGE 135 V 58 E.
3.4.6
mit Hinweisen
;
vgl. auch
Ur
teile des Bundesgerichts
8C_832/2019, 8C_3/2020
vom 5. Mai 2020 E. 6.1,
8C_53/2019
vom
9.
Mai 2019
E. 6.2.1).
1.4
Im gegenseitigen Verhältnis zwischen Invaliden- und Unfallversicherung besteht keine Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung des einen Versicherers für den jeweils anderen Sozialversicherungszweig. Die IV-Stellen und die Unfallversiche
rer haben die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen Fall selbständig vorzu
nehmen. Sie dürfen sich ohne weitere eigene Prüfung nicht mit der blossen Über
nahme des Invaliditätsgrades des jeweils anderen Sozialversicherers begnügen (BGE 133 V 549 E. 6.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den ange
fochtenen Entscheid damit,
dass
dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit
im Gartenbau
unfallbedingt
nicht mehr möglich sei
. Eine angepasste Tätigkeit sei ihm aber in einem 100%-Pensum zumutbar. Vergleiche man den
Validenlohn
von
Fr.
76'962.30 mit dem unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 10
%
ermittelten Invali
denlohn von
Fr.
61'601.45, ergebe sich ein Invaliditätsgrad von aufgerundet
20
%
(Urk. 2 S. 6 ff.).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass
die
Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
, in der Verfügung vom 2
4.
Juni 2020
im Rahmen
des Einkommensvergleichs
ein
Valideneinkommen
von
Fr.
89‘356.90 und ein Invalideneinkommen von
Fr.
61‘274.-- ermittelt habe.
Demgemäss
ergebe sich eine
Erwerbseinbusse
respektive ein Invaliditätsgrad von 31
%
.
Das
von der
Beschwerdegegnerin errechnete
Valideneinkommen
sei nicht korrekt (
Urk.
1).
2.3
Streitig und zu prüfen
ist somit der Rentena
nspruch des Be
schwerdeführers.
3.
3.1
Kreisärztin
A._
stellte i
m Bericht zur Untersuchung vom
8.
Januar 2020 folgende Diagnosen (
Urk.
9/173/7):
s
tark ausgeprägte Belastungsintoleranz der linken Hand bei:
-
Status nach
skapholunärer
Bandläsion Handgelenk links vom 2
4.
März 2018
-
Status nach diagnostischer Ar
t
hroskopie Handgelenk
links vom 3
0.
Juli 2018
-
Status nach
skapholunärer
Bandr
ekonstruktion nach Garcia-
Elias
Handgelenk links vom 1
2.
September 2018
-
Status nach Phlegmone rückseitig Hand und Handgelenk links nach Ba
ndrekon
struktion mit mehrmaligem
Débridement
-
Status nach
Débridement
und Deckung des Weichteildefekts dorsalseitige Hand
links mit einem
Posterior
-
Interosseus
-Lappen vom
8.
Oktober 2018 und Lappenrevision bei venöser Stauung mit aktiver Blutung Handrücken vom
9.
Oktober 2018
Kreisärztin
A._
erklärte, dass dem Beschwerdeführer aufgrund der deutlich eingeschränkten Beweglichkeit der linken Hand die angestammte schwere manuelle Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei. Für die linke Hand seien wiederholt kräftiges Zupacken, kraftvolle, repetitive Handgelenksbewegungen, andauernde differenzierte feinmotorische und hämmernde/vibrierende Tätigkeiten nicht mehr möglich
. Eine
leichte Arbeit
sei für die linke Hand
ganztags zumutbar. Beidarmig sei eine leichte bis zeitweise mittelschwere Tä
tigkeit ganztags zumutbar (Urk.
9/173/8).
3.2
Diese Beurteilung von Kreisärztin
A._
ist angesichts der genannten Befunde sowie der dazugehörigen Erläuterungen nachvollziehbar. Sie wurde vom Beschwerdeführer auch nicht in Zweifel gezogen (vgl. Urk. 1). Es kann deshalb darauf abgestellt werden.
4.
4.1
Streitig und zu prüfen ist, wie sich die eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
4.
2
Unbestritten ist, dass bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
vom Einkom
men auszugehen ist, das der Beschwerdeführer
vor Eintritt des Gesundheitsscha
dens
bei der
Y._
GmbH
erzielte.
Seit der
Eintragung im Handelsregister am 1
1.
Oktober 2013
ist der Beschwerdeführer
einziger Gesell
schafter und Geschäftsführer
der
Y._
GmbH
(
vgl.
www.zefix.ch)
.
Rec
htsprechungsgemäss (vgl. Urteil
des Bundesgerichts
8C_121/2017
vom
5.
Juli 2018
E. 7.1
mit Hinweisen
) hat ihn die
Beschwerdegeg
nerin
als
selbständigerwerbend
qualifiziert
(
Urk.
2 S. 6)
, kann er
doch als
einzel
zeichnungsberechtigter Geschäftsführer
der
Y._
GmbH
über das Gesellschaftskapital verfügen und sämtliche Entscheidungen der Firma allein treffen
.
Der Beschwerdeführer hat seine selbständige Erwerbstätigkeit im Oktober 2013 aufgenommen (vgl. Sachverhalt
Ziff.
1).
Dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) vom 2
5.
März 2019 ist zu entnehmen, dass er in den Jahren 2014 bis 2017 bei der
Y._
GmbH
folgende
Einkommen
erzielte:
Fr.
55'414.--
im Jahr 2014
,
Fr.
76'193.--
im Jahr 2015
, Fr. 75'587.--
im Jahr 2016 sowie
Fr.
75'678.--
im Jahr 2017
(
Urk.
9/107/2-3).
Dass die Beschwerdegegnerin
vom
tatsächlich erzielten
durchschnittlichen Ein
kommen
in den Jahren 2015 bis 2017
gemäss IK-Auszug
in der Höhe von
Fr.
75'819.35
([
Fr.
76'193.-- +
Fr.
75'
587.-- + Fr.
75'678.--] : 3)
aus
ging
,
ist
nicht zu beanstanden.
Weder aufgrund der Lohnabrechnungen von Januar und Februar 2018, wonach das monatliche Bruttoeinkommen jeweils
Fr.
7'445.95 betrug (
Urk.
9/152/2-3)
, noch der Angaben des Beschwerdeführers vom
7.
November 2019, sein jährlicher AHV-pflichtiger Bruttolohn würde im Jahr 2019
Fr.
97'500.
--
betragen (
Urk.
9/153), erscheint
angesichts der Einkommen
s
-
verhältnisse
in den Jahren 2015 bis 2017
ein höheres Einkommen überwiegend wahrscheinlich.
Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis ins Jahr
2019
(vgl. Bundesamt für Statistik,
Nominallohnindex, Männer, 2016-2019
, T1.1.15, F 41-45 Baugewerbe/Bau
) beläuft sich das
Valideneinkommen
daher
auf
Fr.
76'948.75
(
Fr.
75'819.35
:
100.7
x
102.2
; da die Nominallohnentwicklung im Jahr 2020 noch nicht bekannt ist, ist vorliegend sowohl beim Validen- als auch beim Inva
lideneinkommen auf das Jahr 2019 abzustellen
).
4.3
Da dem Beschwerdeführer di
e bisherige Tätigkeit als
Gartenbauarbeiter
nicht mehr zumutbar ist, sind aufseiten
des Invalideneinkommens die Tabellenlöhne
gemäss
der Schweizerische
n Lohnstrukturerhebung heranzuzieh
en (LSE 2018,
TA1_tirage_skill_level,
Kompetenzniveau 1, Männ
er
).
Unter
Berücksichti
-
gung
der durchschnittlichen betriebsüblichen wöchentlich
en Arbeitszeit von
41,7 Stunden
(vgl. Bundesamt für Statistik, betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schaftsabteilungen, 1990 bis 2018, T 03.02.03.01.04.01)
und der
Nominal
-
lohn
entwicklung
bis ins Jahr 2019
(vgl. Bundesamt für Statistik,
Nominal
-
lohnindex
, Männer, 2016-2019
, T1.1.15, Total
)
resultiert
daher
ein Einkommen von
Fr.
68‘3
67.55
(
Fr.
5‘417.--
x 12 : 40 x 41,7
:
101.5
x
102.4
).
G
ewährt man
hiervon den von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen
und
ebenfalls nicht zu bean
standen
d
en 10%igen
Abzug
für die l
ei
densbedingten Einschränkungen
des
Beschwerdeführers
(vg
l. dazu BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
)
,
beläuft sich das
Invali
deneinkommen
auf
Fr.
61‘
530.80
(
Fr.
68‘3
67.55
x 0,9)
.
4
.4
Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
76'948.75
und einem Invalideneinkom
men von
Fr.
61‘530.80
ergibt sich eine
Erwerbseinbusse
von
Fr.
15‘
417.95
und damit ein
Invaliditätsg
rad von
20
%
(
Fr.
15‘417.95
: Fr.
76'948.75
).
4.5
Aus dem Umstand, dass die
IV-Stelle
in der Verfügung vom 2
4.
Juni 2020
(Urk.
3, vgl. auch
Urk.
8
)
einen Invaliditätsgrad von 31
%
ermittelte, kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gu
nsten ableiten. Wie unter E.
1.4
dargelegt, besteht im
gegenseitigen Verhältnis zwischen Invaliden- und Unfallversicherung keine Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung des einen Versicherers für den jeweils anderen Sozialversicherungszweig. Die IV-Stelle stellte
im Wesentlichen
einzig auf die Lohnangaben des Beschwerdeführers ab, ohne eine Überprüfung
m
ittels des
IK-Auszug
s
vorzunehmen.
5.
Der angefochtene Entscheid erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X._
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.