Decision ID: 3f599d1e-aaf9-48ad-99cc-65ec0c41f994
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Heiner Graf, Zürcherstrasse 17, Postfach 242,
9501 Wil SG 1,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 11. Dezember 2003 bei der IV-Stelle des Kantons Thurgau
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Mit Verfügung vom
24. Juni 2004 lehnte die IV-Stelle Thurgau den Anspruch ab (IV-act. 17).
A.b Am 8. März 2012 sandte die Pro Infirmis St. Gallen-Appenzell, Beratungsstelle
St. Gallen, der IV-Stelle St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) das von der Versicherten am
7. März 2012 unterzeichnete Anmeldeformular betreffend Leistungen der
Invalidenversicherung zu (IV-act. 21).
A.c Im Rahmen der Eintretensprüfung teilte die IV-Stelle der Versicherten mit
Schreiben vom 13. April 2012 mit, dass ihr Anspruch auf berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen bereits mit Verfügung vom 24. Juni 2004 abgewiesen worden sei,
und forderte sie auf, die für den Nachweis, dass es zu einer relevanten Änderung des
rechtserheblichen Sachverhalts gekommen sei, notwendigen Dokumente einzureichen.
Sollte dieser Nachweis nicht gelingen, könne auf das Gesuch nicht eingetreten werden
(IV-act. 26).
A.d Beiliegend zum Schreiben vom 26. April 2012 stellte die Pro Infirmis St. Gallen-
Appenzell, in Vertretung der Beschwerdeführerin, der IV-Stelle einen Bericht von Dr.
med. B._, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, vom 4. Oktober 2010 (IV-act.
28) und von Dr. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 28. Februar
2012 (IV-act. 29), zu.
A.e Die IV-Stelle trat daraufhin stillschweigend auf die Neuanmeldung ein. Mit
Schreiben vom 1. Mai 2012 bat sie den regionalen ärztlichen Dienst Ostschweiz
(nachfolgend: RAD) um Abklärung der medizinischen Situation während der
Frühinterventionsphase (IV-act. 30). In seiner Stellungnahme vom 11. Mai 2012 hielt der
RAD fest, durch die in den medizinischen Akten beschriebene Belastung im Rahmen
einer Mobbingsituation sei bei der vulnerablen, psychisch bereits in den Altakten als
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labil beschriebenen Versicherten eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
gegenüber der letzten Ablehnung vom 24. Juni 2004, mindestens vorübergehend,
glaubhaft gemacht worden. Neben der bereits bestehenden Tätigkeit müsse im
Rahmen der Eingliederung eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit versucht werden.
Vorerst bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 40%, allerdings könnte eine Beruhigung
der beschriebenen Belastungssituation eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
erwarten lassen (IV-act. 33).
A.f Im Triage-Protokoll vom 8. Juni 2012 hielt die IV-Stelle fest, eine Veränderung des
Gesundheitszustandes sei glaubhaft gemacht. Zudem bestehe ein
Eingliederungspotential von 40%, bei optimalen Arbeitsplatzbedingungen steigerbar.
Ein Assessmentgespräch sei derzeit noch nicht angezeigt. Es würden vorerst die
weiteren medizinischen Unterlagen abgewartet. Erst danach könnten weitere Schritte
geprüft werden (IV-act. 39).
A.g Am 8. Juni 2012 holte die IV-Stelle einen erneuten Arztbericht bei Dr. C._ (IV-
act. 41) und am 19. Juni 2012 bei Dr. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, und Dr. E._, Diplom-Psychologin (IV-act. 42), ein. Diese
diagnostizierten eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotionaler Instabilität
und Abhängigkeit (ICD-10: F61.0), eine anhaltende affektive Störung: Dysthymia
(ICD-10: F34.1) sowie andere gemischte Angststörungen (ICD-10: F41.3). Der Ver
sicherten sei eine behinderungsangepasste Tätigkeit im Umfang von vier bis fünf
Stunden täglich und einem Belastungsprofil von 100% möglich. Es sei davon
auszugehen, dass die Versicherte in Anbetracht ihrer nicht unerheblichen
psychiatrischen Symptomatik gegenwärtig in einer sehr guten Arbeitssituation stehe
und eine momentan nicht steigerbare Arbeitsfähigkeit vorliege. Die bestehenden
Einschränkungen würden sich gegenwärtig durch medizinische Massnahmen nicht
vermindern lassen. Es könne nicht mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit gerechnet
werden (IV-act. 45). Der RAD führte in seiner Stellungnahme vom 23. August 2012 aus,
auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung im vorzitierten Bericht könne abgestellt werden.
Anhand der bisherigen Berichte sei die 40%-ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
nunmehr konsistent ausgewiesen (IV-act. 46).
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A.h Dr. C._ nahm mit Bericht vom 25. August 2012 gegenüber der IV-Stelle zum
Gesundheitszustand der Versicherten Stellung. Darin führte er aus, die Versicherte sei
in letzter Zeit weiterhin sozial zurückgezogen. Sie habe noch Depressionen, habe zu
hohe Erwartungen an sich selbst und starke Ängste in Bezug auf die eigene
Lebensführung. Es bestünden Depressionen, die unvermittelt auftreten können, sie sei
affektiv labil, könne ihre Impulse nicht steuern, sich an nichts erfreuen, sich nicht
überwinden etwas zu machen und sie fühle sich ständig wie blockiert (IV-act. 50).
A.i Mit Mitteilung vom 29. August 2012 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der
Versicherten auf berufliche Massnahmen. Als Begründung führte sie an, die Versicherte
sei angemessen eingegliedert (IV-act. 48).
A.j In einer erneuten Stellungnahme vom 25. September 2012 hielt der RAD an seiner
Einschätzung vom 23. August 2012 fest. Die 40%-ige Arbeitsunfähigkeit in bisheriger
und angepasster Tätigkeit seit dem 4. Oktober 2010 sei ärztlich ausgewiesen. Die
aktuell ausgeübte Tätigkeit könne weiterhin auch als adaptierte Tätigkeit angesehen
werden. Weitere medizinische Abklärungen seien aus versicherungsmedizinischer Sicht
nicht notwendig (IV-act. 51).
A.k Am 20. Juni 2013 führte die IV-Stelle eine Haushaltabklärung bei der Versicherten
durch. Im Abklärungsbericht vom 16. Juli 2013 wurde festgehalten, es bestünden keine
Einschränkungen im Haushalt. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Versicherte ohne
Behinderung einer 100%-igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Es könne eine
Aufteilung von 60% Erwerb und 40% Tätigkeit im Haushalt vorgenommen werden. Bei
dieser Einstufung bestehe kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (IV-
act. 75).
A.l Mit Vorbescheid vom 8. August 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten die
voraussichtliche Ablehnung des Rentenanspruches mit (IV-act. 78). Gegen diesen
ablehnenden Vorbescheid erhob die Versicherte mit Schreiben vom 12. August 2013
einen Einwand (IV-act. 79). Mit Eingabe vom 2. September 2013 reichte die Pro
Infirmis, in Vertretung der Versicherten, eine ergänzende Begründung des Einwandes
ein (IV-act. 84/ 1 f.)
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A.mDer RAD nahm zur Angelegenheit am 21. Oktober 2013 erneut Stellung und führte
aus, dass eine Änderung der Qualifikation von 60% Tätigkeit im Erwerb und 40% im
Haushalt nicht angezeigt sei (IV-act. 85). Mit Verfügung vom 22. Oktober 2013 lehnte
die IV-Stelle den
Anspruch auf eine Invalidenrente ab (IV-act. 86).
B.
B.a Gegen den ablehnenden Rentenentscheid liess die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. Heiner Graf, St. Gallen, Beschwerde erheben und beantragen, die
angefochtene Verfügung vom 22. Oktober 2013 sei aufzuheben und ihr ab September
2012 eine Viertelsrente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem
beantragte die Beschwerdeführerin die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. Februar 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 7).
B.c Mit Replik vom 11. April 2014 hielt die Beschwerdeführerin unverändert an ihren
Anträgen und der Begründung fest (act. G 14).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 16),
worauf den Parteien mit Schreiben vom 24. April 2014 der Abschluss des
Schriftenwechsels mitgeteilt wurde (act. G 17). Auf die Begründungen in den einzelnen
Rechtsschriften und die Ausführungen in den medizinischen Akten wird, soweit

erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
Zunächst ist festzustellen, dass das Eintreten der Beschwerdegegnerin auf die
Neuanmeldung vom 8. März 2012 nicht zu beanstanden ist.
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2.
2.1 In formeller Hinsicht ist weiter die erhobene Rüge der Formungültigkeit der
Verfügung vom 22. Oktober 2013 zu prüfen. Die Beschwerdeführerin brachte hierzu
vor, die Verfügung trage keine Unterschrift, weshalb es sich um eine formungültige
Verfügung handle (vgl. Beschwerdeschrift S. 3; act. G 1).
2.2 Der Erlass von Verfügungen der Sozialversicherungsträger ist in Art. 49 des
Bundesgesetzes über den Allgmeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) geregelt. Art. 49 Abs. 3 ATSG geht auf die Elemente der Verfügung ein. Auch
wenn diese Bestimmung keine explizite Regelung dazu enthält, ob die Verfügung
unterschrieben werden muss oder nicht, so wird eine Unterschrift bei
sozialversicherungsrechtlichen Verfügungen nicht generell verlangt. Eine
Unterschriftspflicht ergibt sich insbesondere auch nicht aus dem Grundsatz der
Schriftlichkeit. Dies gilt namentlich für Verfügungen, welche IT-gestützt ausgefertigt
werden (vgl. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Art. 49 Rz. 30 ff. mit Hinweis auf BGE
105 V 249 ff. und BGE 112 V 87 f.). Im Sinne der vorzitierten Literatur und
Rechtsprechung ist ebenfalls die durch die Beschwerdegegnerin erfolgende
Massenverwaltung zu berücksichtigen und mit Blick auf eine geordnete, EDV-
unterstützte und effiziente Dossiersbearbeitung rechtfertigt es sich ebenfalls, nicht von
einer strengen Unterschriftspflicht auszugehen. Der Umstand, dass die angefochtene
Verfügung keine Unterschrift trägt, vermag damit keine Formungültigkeit zu begründen.
3.
Weiter liess die Beschwerdeführerin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs rügen.
Erstens sei ihr der interne Bericht der Vorinstanz vom 21. Oktober 2013 (IV-act. 85) im
Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens nicht zur Einsichtnahme und Stellungnahme
unterbreitet worden. Zweitens befasse sich die Vorinstanz nicht im geringsten mit den
Argumenten, mit denen die Einsprache in der Eingabe vom 2. September 2013
begründet worden sei. Drittens sei der angefochtenen Verfügung mit keinem Wort zu
entnehmen, wie die Beschwerdegegnerin zur Schlussfolgerung gekommen sei, dass
die Abklärungen ergeben hätten, dass die Beschwerdeführerin ohne
Gesundheitsschaden weiterhin ihrer Tätigkeit als Reinigungs- und Haushaltshilfe zu
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einem Pensum von 60% nachgehen würde. Eine zumindest teilweise erfolgte
Verletzung des rechtlichen Gehörs blieb durch die Beschwerdegegnerin unbestritten.
Im Ergebnis kann die Frage, ob eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorlag, jedoch
offen gelassen werden, wie sich nachfolgend ergibt; dies insbesondere auch vor dem
Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin deutlich gemacht hat, einem Entscheid in
der Sache den Vorrang vor einer Rückweisung zur Durchführung eines korrekten
Verfahrens zu geben.
4.
4.1 Streitig und nachfolgend zu prüfen bleibt der materiellrechtliche Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung.
4.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
4.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
4.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung gestellt haben. Nach dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
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Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung
der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der
untersuchten Person auseinandersetzt, sowie in Kenntnis der und gegebenenfalls in
Auseinandersetzung mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der
Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V 351 E.
3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).
5.
5.1 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die
Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben in einem Aufgabenbereich
nach Art. 8 Abs. 3 ATSG tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der
Tätigkeit im andern Aufgabenbereich festzulegen und es ist der Invaliditätsgrad
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28 Abs. 2 IVV;
gemischte Methode). Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig
Erwerbstätige oder als Nichterwerbstätige einzustufen ist - was je zur Anwendung einer
andern Methode führt -, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen
unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde. Diese Frage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich
bis zum Erlass des Einspracheentscheides entwickelt haben, wobei für die
hypothetische Annahme der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 146; Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S Z. vom 15. Juni 2004, I 634/03, E. 4.1).
Abgestellt wird nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts bei der Beurteilung des
Status - einzig - auf den Beweis der Erwerbsverhältnisse im Gesundheitsfall (Entscheid
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S A. vom 4. Januar 2002, I 715/00), ohne
die Zumutbarkeit als zusätzliches Kriterium zu betrachten (vgl. Art. 5 Abs. 1 IVG und
Art. 8 Abs. 3 ATSG; hierzu kritisch Franz Schlauri, Das Rechnen mit der
Arbeitsunfähigkeit in Beruf und Haushalt in der gemischten Methode der
bis
ter
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Invaliditätsbemessung in: René Schaffhauser/Franz Schlauri, Schmerz und
Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 343 f.). Massgeblich sind die gesamten
(persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen) Umstände (Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S R. vom 24. Juli 2006, I 116/06). Nebst dem
früheren Arbeitsverhalten sind im Wesentlichen die Absichten der versicherten Person
und ihre Vorstellungen und Pläne zum Alltag ohne Gesundheitsschaden zu
berücksichtigen (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S A. vom
20. Juni 2003, I 635/02). Die konkrete Situation und die Vorbringen der Versicherten
sind nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen (I 116/06). Zu
beachten ist allerdings, dass der Entscheid über die Statusfrage immer ein solcher über
eine Hypothese bleibt, da sie sich immer stellt, wenn in Wirklichkeit eine
gesundheitliche Beeinträchtigung (schon seit längerer oder kürzerer Zeit) eingetreten
ist. Die Arbeitseinteilung in der Vergangenheit kann für die massgebliche Hypothese
nur ein Indiz darstellen; die spätere reale Einteilung ist anderseits meist bereits durch
die Invalidität beeinflusst (nicht veröffentlichter Entscheid IV 2005/53 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S V.L.-R. vom 2. Februar 2006).
5.2 Die Beschwerdegegnerin hat die Invaliditätsbemessung nach der gemischten
Methode bei einer Aufteilung in 60% Erwerbs- und 40% Hausaltarbeit vorgenommen.
Die Beschwerdeführerin habe ihr Arbeitspensum bereits einige Zeit vor Akzentuierung
ihrer gesundheitlichen Beschwerden aus freien Stücken reduziert. Ob sie tatsächlich
als zu 60% im Erwerb Tätige anzusehen sei oder – wohl wahrscheinlicher – als zu 80%
im Erwerb Tätige, könne bei der aktuell bestätigten Arbeitsfähigkeit von 60%
dahingestellt bleiben, da so oder so kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
resultieren würde. Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber in der Beschwerde
vor, dass sie zu keinem Zeitpunkt im Verlauf der letzten mehr als 14 Jahre,
insbesondere nicht seit dem Jahr 2001, ihr Arbeitspensum ohne gesundheitlich
bedingten Anlass reduziert hatte. Demzufolge sei sie als Vollerwerbstätige einzustufen.
5.2.1 Aufgrund der bei der Beschwerdeführerin bereits seit längerer Zeit bestehenden
gesundheitlichen Beeinträchtigung kann vorliegend zur Festlegung des hypothetischen
im Gesundheitsfall ausgeübten Erwerbspensums nicht allein auf die tatsächlichen
Verhältnisse abgestellt werden. Vielmehr ist mit der Beschwerdeführerin davon
auszugehen, dass bereits in der Zeit vor Verfügungserlass, aufgrund gesundheitlicher
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Probleme, eine Reduktion des Gesamtpensums notwendig war. Dies ist den im Recht
liegenden medizinischen Akten zu entnehmen. So führte Dr. B._ in ihrem ärztlichen
Zeugnis vom 6. Dezember 2002 aus, die Beschwerdeführerin stehe seit längerer Zeit
bei ihr in ambulanter psychiatrischer Behandlung und sie könne bestätigen, dass es ihr
aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar sei, weiterhin am angestammten
Arbeitsplatz zu arbeiten (IV-act. 9/3). Im Bericht vom 4. Oktober 2010 führte Dr. B._
sodann aus, die Beschwerdeführerin sei seit über zehn Jahren bei ihr in ambulanter
psychiatrischer Behandlung. Sie leide unter den Folgen mehrfacher, z.T. langdauernder
traumatisierender Ereignisse in Kindheit und Erwachsenenalter (IV-act. 28). Auch Dr.
C._ führte in seinem Bericht vom 28. Februar 2012 aus, die Beschwerdeführerin leide
an einer seit vielen Jahren bestehenden, anhaltenden Erschöpfungsdepression und
einer somatoformen Störung. Wegen der Beschwerdesymptomatik habe die Patientin
bereits vor vielen Jahren den erlernten Beruf einer Fotofachangestellten aufgeben
müssen und habe in der Folgezeit in verschiedenen Heimeinrichtungen
beziehungsweise G._-stellen, zuletzt als Haushaltshilfe und Reinigungskraft,
gearbeitet (IV-act. 29). In seinem Bericht vom 25. August 2012 führte Dr. C._ zudem
aus, dass die depressiven Gedanken schon früh gekommen seien und dass die
Versicherte bereits im Jahr 2001 aufgrund einer vorwiegend depressiven Symptomatik
in der Klinik F._ behandelt worden sei. Es hätten fast immer interpersonelle Probleme
bestanden, wenn ihr jemand zu nahe gekommen sei, sie habe es nie ertragen, es sei
immer wieder in ihren Einsätzen bei der Arbeit passiert (IV-act. 50). Diese Berichte
lassen somit darauf schliessen, dass die psychischen Beeinträchtigungen, deren
Ursachen offenbar bereits im Kindesalter gesetzt wurden, die Beschwerdeführerin in
ihrer gesamten beruflichen Laufbahn beeinträchtigten. Darauf deuten auch die von der
Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren neu eingereichten Berichte von Dr. med.
H._, Allgemein- und Tropenmedizin FMH, vom 29. April 2002 (act. G 1.4) sowie von
Dr. med. I._, Allgemeine Medizin FMH, vom 19. November 2002 (act. G 1.5) hin.
5.2.2 Insgesamt ist aufgrund der medizinischen Aktenlage festzustellen, dass die
psychischen Beschwerden die Beschwerdeführerin seit längerer Zeit in ihrer
beruflichen Tätigkeit beeinträchtigten. Dies legt den Schluss nahe, dass die reduzierte
Arbeitstätigkeit schon seit langem gesundheitsbedingte Ursachen hatte und die
Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung zu 100% arbeitstätig
gewesen wäre. Für diese Annahme spricht sodann, dass die Beschwerdeführerin keine
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Kinder hat und einer 100%-igen Arbeitstätigkeit somit auch keine familiären
Verpflichtungen entgegengestanden wären. Zudem war die Beschwerdeführerin, wie in
der Replik (act. G 14, S. 5) ausgeführt, bis Juli 2001 zu 100% bei den G._ Diensten
J._ arbeitstätig (IV-act. 2/6). Auch in früheren Jahren übte sie offenbar eine
Vollzeittätigkeit aus (vgl. den IK-Auszug in IV-act. 5-5). Demzufolge ist mit der
Beschwerdeführerin davon auszugehen, dass sie bei voller Gesundheit einer
Arbeitstätigkeit von 100% nachgegangen wäre. Hierfür spricht auch die Tatsache, dass
der Ehemann der Beschwerdeführerin Ergänzungsleistungen (EL) bezieht und die EL-
Durchführungsstelle die Beschwerdeführerin offenbar aufforderte, eine volle
Erwerbstätigkeit anzunehmen (vgl. IV-act. 21/1). Im hypothetischen Gesundheitsfall
hätte die Beschwerdeführerin somit bereits in Nachachtung ihrer EL-rechtlichen
Schadenminderungspflicht eine Vollzeitstelle annehmen müssen. Aufgrund der
vorgenannten Gründe ist die Beschwerdeführerin als Vollerwerbstätige einzustufen und
die Invaliditätsbemessung ist gemäss Art. 27 IVV ausschliesslich nach den
Grundsätzen für Erwerbstätige vorzunehmen.
6.
6.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei der Bestimmung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auf die vorzitierten Berichte der behandelnden Ärzte sowie die
beim RAD eingeholten Beurteilungen. Aufgrund der Aktenlage ausgewiesen ist, dass
bei der Beschwerdeführerin erhebliche psychische Beschwerden vorliegen, die sie in
ihrer Arbeitstätigkeit einschränken (vgl. Erw. 5.2.1). Die in den Akten enthaltenen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen stammen allesamt von behandelnden Ärzten. Es kann
nicht ausgeschlossen werden, dass sie sich bei der Feststellung einer 40%igen
Arbeitsunfähigkeit an den damals bestehenden tatsächlichen Gegebenheiten – d.h. an
der von der Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt ausgeübten 60%igen
Arbeitstätigkeit – orientierten (vgl. hierzu IV-act. 28) und keine eigene
Zumutbarkeitsbeurteilung vornahmen. In medizinischer Hinsicht erweist sich der
Sachverhalt folglich als zu wenig abgeklärt. Bisher fand keine Begutachtung durch
einen externen Psychiater statt, der nicht in einem Behandlungsverhältnis mit der
Beschwerdeführerin steht (vgl. zur Divergenz von medizinischem Behandlungs- und
Abklärungsauftrag etwa den Bundesgerichtsentscheid I 814/03 vom 5. April 2004;
m.w.H. Entscheid IV 2007/53 vom 18. März 2008, Erw. 2.4.3). So lassen die Akten etwa
bis
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auch eine ausführliche Anamnese vermissen. Damit ist die Beschwerde unter
Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 22. Oktober 2013 teilweise gutzuheissen
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese eine
psychiatrische Abklärung der Beschwerdeführerin veranlasse.
7.
7.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 Erw. 5a). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich, sodass ihr als nicht von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten
befreiter selbstständiger öffentlich-rechtlicher Anstalt die ganze Gerichtsgebühr
aufzuerlegen ist.
7.2 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
ungekürzte Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1).
Angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer). Bei diesem Verfahrensausgang wird die bereits
bewilligte unentgeltliche Prozessführung gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP