Decision ID: b29a7203-5890-5658-8e6a-1fdcd47c8865
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 28. Mai 2015 in der Schweiz um Asyl
nach.
Er machte geltend, er stamme aus B._, C._ ([...], Nordpro-
vinz). Am (...) 2013 sei er mit dem Motorrad seines Vaters unterwegs ge-
wesen, als er eine ihm unbekannte Frau mitgenommen und bei einer Klinik
abgesetzt habe. Zwei Wochen später seien Beamte des Criminal Investi-
gation Department (CID) zu ihm nach Hause gekommen und hätten sich
nach dem Besitzer des Motorrads erkundigt. Danach sei das CID häufig
gekommen und habe ihm vorgeworfen, Verbindungen zu der Frau, die als
(...) für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gearbeitet habe, zu
haben. Schliesslich sei er zu einer Befragung nach D._ mitgenom-
men worden. Beziehungsweise die CID-Beamten seien nur einmal auf der
Suche nach dem Motorradbesitzer vorbeigekommen und hätten ihn beim
nächsten Mal bereits für eine Befragung nach D._ mitgenommen.
Man habe ihm ein Foto der Frau gezeigt und er habe bestätigt, diese mit-
genommen zu haben. Einen näheren Bezug zu ihr habe er verneint, worauf
ihm gesagt worden sei, er müsse für eine Befragung nach E._ mit-
kommen. Unterwegs seien noch zwei Tamilen aufgeladen worden. Bei ei-
nem Halt sei ihm gesagt worden, er könne Wasser lösen, worauf er weg-
gerannt sei. Respektive bei einem Halt, bei dem die Beamten draussen
geredet hätten, hätten ihm die Mitgefangenen ein Zeichen zur Flucht ge-
geben und er sei ihnen hinterhergelaufen. Er sei zu seiner (Verwandte)
nach F._ gegangen und habe seinen Vater angerufen. Dieser habe
ihm gesagt, Beamte hätten soeben nach ihm gesucht. Am 2. April 2014 sei
er dann nach G._ gereist, und nach Aufenthalten in H._ und
I._ in die Schweiz gekommen. Nach der Flucht hätten ihn die Be-
hörden bei seiner Familie und bei Freunden und Verwandten gesucht.
B.
Mit Verfügung vom 1. Mai 2017 stellte das SEM fest, dass der Beschwer-
deführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte das Asylgesuch
ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
Es führte an, die Fluchtvorbringen des Beschwerdeführers vermöchten den
Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31)
nicht standzuhalten. Der Wegweisungsvollzug sei als zulässig, zumutbar
und möglich zu erachten.
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C.
Die vom Beschwerdeführer dagegen erhobene Beschwerde wies das Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil D-3146/2017 vom 7. August 2019 ab.
Das Gericht erwog, es könne nicht geglaubt werden, dass der Beschwer-
deführer Probleme mit dem CID gehabt habe, weil er einmal eine ehema-
lige LTTE-(...) mit dem Motorrad mitgenommen habe. Unglaubhaft sei so-
mit auch, dass er für eine Befragung nach D._ gebracht worden sei,
nach E._ hätte transportiert werden sollen und unterwegs geflohen
sei. Mithin sei auch nicht davon auszugehen, dass er deswegen später ge-
sucht worden sei und noch gesucht werde. Auch sei nicht davon auszuge-
hen, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka aus anderen Gründen
flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu befürchten hätte. Er lasse kein
Profil erkennen, das für ein potentielles Verfolgungsinteresse sprechen
könnte. Der Wegweisungsvollzug sei als durchführbar zu erachten.
D.
Mit als "Qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch, eventualiter Mehrfachge-
such, subeventualiter Revisionsgesuch" betiteltem Schreiben vom
13. September 2019 ersuchte der Beschwerdeführer das SEM um wieder-
erwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 1. Mai 2017 und um Fest-
stellung der Flüchtlingseigenschaft sowie um Gewährung des Asyls, even-
tualiter um Feststellung der Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs und Gewährung der vorläufigen Aufnahme. Eventu-
aliter ersuchte er um Behandlung der Eingabe als Mehrfachgesuch, sube-
ventualiter um Entgegennahme derselben als Revisionsgesuch und um
Weiterleitung zur Behandlung an das Bundesverwaltungsgericht.
Er machte geltend, er habe nach Erhalt des Urteils vom 7. August 2019
seine Gefährdungslage abgeklärt. Es habe sich herausgestellt, dass im
(...) 2014 ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden sei. Dies zeige, dass
ihm Verfolgung drohe. Zudem gehöre er der sozialen Gruppe abgewiese-
ner tamilischer Gesuchstellenden an, die bei einer Rückkehr mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit Opfer von Verhaftungen und Verhören würden.
Zumindest sei der Vollzug als unzulässig oder unzumutbar zu erachten, da
aufgrund dokumentierter Ereignisse bei der Rückschaffung tamilischer
Asylsuchender sowie der allgemeinen Lage seit den Terroranschlägen vom
April 2019 und dem mutmasslichen Ausgang der Präsidentschaftswahlen
Ende 2019 davon auszugehen sei, dass jeder zurückgeschaffte tamilische
Asylsuchende jederzeit Opfer von Verhaftung und Verhören werden könne.
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Er reichte Kopien eines Haftbefehls vom (...) 2014 und eines Polizeibuch-
auszugs vom (...) 2014 ein.
E.
Mit Verfügung vom 8. Oktober 2019 wies das SEM das Wiedererwägungs-
gesuch ab, soweit es darauf eintrat, und erklärte die Verfügung vom 1. Mai
2017 als rechtskräftig und vollstreckbar.
Es führte an, auf das Vorbringen, mittels eines Haftbefehls von 2014 ge-
sucht zu werden, sei mangels Zuständigkeit nicht einzutreten. Es sei dem
Beschwerdeführer unbenommen, diesbezüglich ein Revisionsgesuch zu
stellen. Soweit er vorbringe, aufgrund einer Verschlechterung der allgemei-
nen Lage in Sri Lanka gefährdet zu sein, sei die Eingabe als Wiedererwä-
gungsgesuch entgegenzunehmen. An der Einschätzung, dass er keine
stark risikobegründenden Faktoren aufweise, vermöge die aktuelle Situa-
tion in Sri Lanka nichts zu ändern. Bei den Prognosen zur Präsident-
schaftswahl handle es sich um Hypothesen, die selbst im Eintretensfall kei-
nen individuellen Bezug zum Beschwerdeführer aufweisen würden. Es sei
nicht ersichtlich, inwiefern er zum heutigen Zeitpunkt eine Verfolgung zu
befürchten hätte. Auch seien keine neuen Tatsachen erkennbar, die gegen
die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen würden.
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
F.
Mit Eingabe vom 7. November 2019 reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht ein Revisionsgesuch ein. Er beantragte, das
Urteil vom 7. August 2019 sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft fest-
zustellen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit
und/oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und er
vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter ersuchte er um Weiterleitung der
Akten betreffend einen Vorfall von Oktober 2019 an das SEM.
Er berief sich auf den Haftbefehl vom (...) 2014, von dessen Existenz er
erst nach Erhalt des Urteils vom 7. August 2019 Kenntnis erlangt habe, und
einen Vorfall, der sich im Oktober 2019 zugetragen habe. Er habe am
13. Oktober 2019 erfahren, dass das Haus seiner Familie kurz zuvor von
Unbekannten überfallen worden sei. Als die Familie die Nachbarn gerufen
habe, seien die Einbrecher geflohen. Es sei ein Strafverfahren eingeleitet
und in den Medien über den Vorfall berichtet worden. Zwar habe die Polizei
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die Anzeige entgegengenommen, aber da bisher noch nichts Weiteres un-
ternommen worden sei, sei darauf zu schliessen, dass der Staatsapparat
respektive paramilitärische Gruppen hinter dem Überfall stecken würden,
um Informationen über seinen Verbleib zu erhalten. Er habe nach Ab-
schluss des Beschwerdeverfahrens seine Gefährdungslage abgeklärt. Da-
bei habe sich herausgestellt, dass am (...) 2014 ein Haftbefehl gegen ihn
ausgestellt worden sei. Demzufolge werde er der Unterstützung der LTTE
beschuldigt, weil er die LTTE-(...) 2013 mit dem Motorrad in die Klinik ge-
fahren habe. Das CID sei überzeugt, dass er die Frau schon vorher ge-
kannt habe und somit mit ehemaligen LTTE-Mitgliedern in Verbindung
stehe. Hinsichtlich der generellen Gefährdungslage bei bestehendem Ver-
dacht der Unterstützung der LTTE verweise er auf Berichte der Schweize-
rischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 18. Dezember 2016 und 12. Januar
2018, und bezüglich der Methoden des sri-lankischen Staats bei Verdacht
auf Unabhängigkeitsbestrebungen auf solche des UN-Menschenrechtsrats
und des CAT aus dem Jahr 2017. Tamilen würden generell unter Terrorver-
dacht stehen. Zudem gehöre er der sozialen Gruppe abgewiesener tamili-
scher Gesuchstellenden an, die bei einer Rückkehr mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit systematisch aufgrund eines Generalverdachts der Un-
terstützung der LTTE verhaftet würden. Ferner entspreche die Ansicht des
SEM, dass sich die Armee nicht mehr um zivile Angelegenheiten kümmere,
nicht der Realität; er verweise hierzu auf einen Bericht der SFH vom
14. Oktober 2016. Da somit mehrere Risikofaktoren vorliegen würden, sei
ihm Asyl zu gewähren. Zumindest sei der Wegweisungsvollzug aufgrund
der allgemeinen Lage in Sri Lanka nach den Anschlägen am 21. April 2019
und der zu erwartenden Machtergreifung durch den Rajapaksa-Clan bei
der Präsidentschaftswahl als unzulässig und unzumutbar zu erachten.
Er reichte (in Kopie) eine Strafanzeige vom (...) 2019, Medienberichte be-
treffend den Vorfall von Oktober 2019, einen Haftbefehl vom (...) 2014 und
einen Polizeibuchauszug vom (...) 2014 ein.
G.
Der Beschwerdeführer stellte dem SEM mit Schreiben vom 7. November
2019 eine Kopie des Revisionsgesuchs zu und ersuchte es um Prüfung
des Überfalls auf das Elternhaus im Oktober 2019 im Rahmen eines Mehr-
fach- respektive Wiedererwägungsverfahrens. Das SEM teilte dem Be-
schwerdeführer mit Schreiben vom 13. November 2019 mit, dass seine
Eingabe vom 7. November 2019, welcher der gleiche Sachverhalt wie dem
Revisionsgesuch gleichen Datums zugrunde liege, ohne weitere Hand-
lungsschritte zu den Akten genommen werde.
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H.
Mit Urteil D-5865/2019 vom 28. Januar 2020 wies das Bundesverwaltungs-
gericht das Revisionsgesuch ab, soweit es darauf eintrat.
Das Gericht führte an, dass der Beschwerdeführer mit der vorgebrachten
Existenz eines Haftbefehls vom (...) 2014 nicht glaubhaft zu machen ver-
möge, er würde bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in flüchtlingsrechtlich
relevantem Ausmass verfolgt. Die eingereichten Beweismittel vermöchten
an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Für die Echtheit derselben be-
stehe keine Gewähr. Zudem sei nicht ersichtlich, wer wann und wie in den
Besitz dieser Dokumente gelangt sein sollte. Auch sei der dem Beschwer-
deführer zur Last gelegte Sachverhalt daraus nicht ersichtlich. Diese Do-
kumente seien nicht geeignet, die Glaubhaftigkeit der Fluchtvorbringen zu
bewirken respektive eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung des Be-
schwerdeführers seitens der heimatlichen Behörden zu belegen. Sie seien
somit nicht als erheblich zu erachten und vermöchten daher auch kein
Wegweisungshindernis zu begründen. Die allgemeine Lage in Sri Lanka
und das Gefährdungspotential abgewiesener tamilischer Gesuchstellender
seien im Urteil vom 7. August 2019 geprüft und berücksichtigt worden. Die
diesbezüglichen Ausführungen des Beschwerdeführers auf Revisionse-
bene respektive seine Rüge, ein Risikoprofil seiner Person sei zu Unrecht
verneint worden, würden auf eine appellatorische Kritik am Urteil vom
7. August 2019 beziehungsweise eine Beanstandung der rechtlichen Wür-
digung des Sachverhalts hinauslaufen, wofür im Rahmen eines Revisions-
verfahrens indes kein Raum bestehe. Der Überfall auf das Haus der Fami-
lie im Oktober 2019 sei aufgrund der Datierung nach dem Urteil vom 7. Au-
gust 2019 revisionsrechtlich unbeachtlich. Auf das Revisionsgesuch sei
diesbezüglich nicht einzutreten. Dasselbe gelte für die erst im November
2019 erfolgte Präsidentschaftswahl. Es obliege dem Beschwerdeführer,
diesbezüglich beim SEM vorstellig zu werden.
I.
Mit als "Mehrfachgesuch respektive qualifiziertes Wiedererwägungsge-
such" betiteltem Schreiben vom 21. Februar 2020 ersuchte der Beschwer-
deführer beim SEM um Behandlung der Ereignisse, auf welche im Revisi-
onsverfahren nicht eingetreten worden sei, im Rahmen eines Mehrfach-
respektive Wiedererwägungsverfahrens. Zur Begründung verwies er auf
das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. Januar 2020 und die
Ausführungen in seinem Schreiben an das SEM vom 7. November 2019.
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J.
Mit Verfügung vom 29. Mai 2020 – eröffnet am 3. Juni 2020 – wies das
SEM das Mehrfachgesuch ab und ordnete die Wegweisung des Beschwer-
deführers aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Des Weiteren erhob es
eine Gebühr von Fr. 600.– und stellte fest, dass diese durch den vom Be-
schwerdeführer in gleicher Höhe geleisteten Vorschuss gedeckt sei.
Es führte an, die Eingabe vom 21. Februar 2020 weise einen wiedererwä-
gungsrechtlichen Aspekt auf (Überfall im Oktober 2019), sei aber im Inte-
resse einer gesamtheitlichen Prüfung des Risikoprofils des Beschwerde-
führers auch unter dem Blickwinkel objektiver Nachfluchtgründe als Folge
der Präsidentschaftswahl im November 2019 als Mehrfachgesuch gemäss
Art. 111c AsylG entgegenzunehmen und zu behandeln. Auf die Durchfüh-
rung eines separaten Wiedererwägungsverfahren werde aus prozessöko-
nomischen Gründen verzichtet. Die neuen Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers seien nicht geeignet, zu einem anderen Schluss betreffend die Zuer-
kennung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls zu führen.
Selbst wenn das Elternhaus im Oktober 2019 von Unbekannten überfallen
worden sein sollte, stehe dieses bedauerliche Ereignis in keinem Kausal-
zusammenhang zu den Asylvorbringen des Beschwerdeführers. Es sei
nicht erkennbar, inwiefern der Staatsapparat dahinterstecken sollte, und
weshalb sich dieser sechs Jahre nach dem angeblich fluchtauslösenden
Ereignis und nach fünfjähriger Landesabwesenheit plötzlich für den Be-
schwerdeführer interessieren sollte. Eine plausible Erklärung hierfür er-
gebe sich auch nicht aus den eingereichten Medienberichten. Ein gegen
den Beschwerdeführer gerichtetes Motiv sei hinter dem Überfall nicht er-
kennbar. Bei tatsächlich bestehendem Interesse hätten die sri-lankischen
Behörden legale Möglichkeiten, sich nach dem Aufenthaltsort des Be-
schwerdeführers zu erkundigen. Es sei auch nicht erkennbar, dass die Be-
hörden im Fall der Familie des Beschwerdeführers ihrer Schutzpflicht aus
Gründen nach Art. 3 AsylG oder im Sinne eines Politmalus nicht nachge-
kommen wären, habe die Polizei die Anzeige doch entgegengenommen
und Ermittlungen eingeleitet. Selbst bei bislang ausbleibendem Ergebnis
würde sich daraus kein Hinweis auf einen fehlenden Schutzwillen aus asyl-
relevanten Gründen oder gar eine staatliche Beteiligung am Überfall erge-
ben. Es liege in der Natur derartiger Taten Unbekannter, dass sich Ermitt-
lungen bisweilen schwierig gestalten und nicht selten ergebnislos enden
würden. Daraus könne nicht abgeleitet werden, dass der Staat seiner
Schutzpflicht nicht nachkomme oder es der Familie aus Gründen nach
Art. 3 AsylG nicht möglich oder zumutbar wäre, das staatliche Schutzsys-
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Seite 8
tem in Anspruch zu nehmen. Dieses Vorbringen und die zur Untermaue-
rung eingereichten Beweismittel vermöchten somit an der Einschätzung,
dass der Beschwerdeführer kein Risikoprofil aufweise, nichts zu ändern.
Auch die Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 und der erfolgte
Machtwechsel vermöchten mangels persönlichen Bezugs zum Beschwer-
deführer zu keinem anderen Ergebnis zu führen. Die Überwachung der Zi-
vilbevölkerung habe zwar seit den Anschlägen an Ostern 2019 und den
Wahlen im November 2019 zugenommen, aber dennoch gebe es zum jet-
zigen Zeitpunkt keinen Anlass zur Annahme, dass ganze Volks- oder Be-
rufsgruppen unter Präsident Gotabaya Rajapaksa kollektiv einer Verfol-
gungsgefahr ausgesetzt seien. Das Risiko sei im Einzelfall zu prüfen. Der
Beschwerdeführer habe weder in seiner Eingabe vom 21. Februar 2020
die Präsidentschaftswahl respektive deren Folgen konkret als Gefähr-
dungselement vorgebracht noch seien den Akten Hinweise auf eine Ver-
schärfung seiner persönlichen Situation aufgrund dieses Ereignisses zu
entnehmen. Es bestehe damit nach wie vor kein begründeter Anlass zur
Annahme, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevan-
ten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. Der Wegweisungs-
vollzug sei weiterhin als durchführbar zu erachten.
K.
Mit Eingabe vom 2. Juli 2020 erhob der Beschwerdeführer durch den rubri-
zierten Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er
ersuchte um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 29. Mai 2020
und um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie um Gewährung des
Asyls, eventualiter um Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung, und
subeventualiter um Feststellung der Unzulässigkeit und/oder Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs sowie um Gewährung der vorläufigen Auf-
nahme. In prozessualer Hinsicht ersuchte er zudem um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung.
Zur Begründung brachte er, nach Wiederholung seiner Fluchtgründe, im
Wesentlichen vor, die fehlende Reaktion der Behörden auf die Strafanzeige
betreffend den Überfall im Oktober 2019 zeige, dass es sich nicht um einen
Angriff unorganisierter Delinquenten gehandelt habe, sondern dass der
Staat die Finger im Spiel gehabt habe und seine Familie gezielt aufgrund
des LTTE-Verdachts aufgesucht worden sei. Das SEM habe den Sachver-
halt nicht richtig festgestellt respektive die Beweismittel willkürlich gewür-
digt, indem es diese ohne vertiefte Abklärungen als unglaubhaft oder un-
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tauglich klassiert habe. Er beantrage die Abklärung der Echtheit der einge-
reichten Strafanzeige seiner Familie von Oktober 2019 durch die Schwei-
zer Botschaft in Colombo. Der Überfall auf das Elternhaus sei in einer Zeit
erfolgt, als Rajapaksa stetig an Einfluss gewonnen habe und mit eiserner
Hand gegen jegliche Opposition vorgegangen sei. Dass er (der Beschwer-
deführer) in dieser Zeit aufgesucht worden sei, sei ein Indiz für eine syste-
matische Verfolgung und zeige, dass sein Profil weiterhin von Interesse für
den Staatsapparat sei. Es sei denn auch auf sein Profil (Tamil mit Verdacht
auf LTTE-Verbindung) zurückzuführen, dass nach der Anzeigeerstattung
keine "tiefgründigen" Ermittlungen durchgeführt worden seien. Bei einem
solchen Profil sei es illusorisch, einen staatlichen Schutzwillen anzuneh-
men. Seine Gefährdungslage habe sich seit der Machtübernahme durch
den Rajapaksa-Clan im November 2019 noch intensiviert. Tamilen seien
aus Sicht der Regierung generell eine potentielle Gefahr für den Einheits-
staat. Als abgewiesener tamilischer Asylsuchender mit vermeintlicher
LTTE-Verbindung und mehrjährigem Auslandaufenthalt gehöre er der so-
zialen Gruppe von Personen an, die bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
einer konkreten Gefahr ausgesetzt seien, verhaftet, misshandelt oder gar
getötet zu werden. Hinsichtlich der entsprechenden Gefährdungslage ver-
weise er auf Berichte der UN-Working Group on Arbitrary Detention vom
23. Juli 2018, der SFH vom 12. Januar 2018 und 10. Dezember 2019 so-
wie der UN-General Assembly und des CAT aus dem Jahr 2017. Aufgrund
der bei ihm vorliegenden Risikofaktoren sei ihm Asyl zu gewähren. Zumin-
dest sei der Wegweisungsvollzug angesichts der allgemeinen Lage nach
der Machtergreifung durch Gotabaya Rajapaksa als unzulässig und unzu-
mutbar zu erachten. Jeder zurückgeschaffte Tamile könne Opfer von Be-
lästigungen, Festnahmen und mit Misshandlung verbundenen Verhören
werden. Auch das Bundesgericht habe in einem Urteil vom 26. Februar
2020 Bedenken betreffend die politische Situation in Sri Lanka geäussert.
Er reichte Kopien von Medienberichten ein (Brief von Amnesty Internatio-
nal, Committee to Protect Journalists und Reporter ohne Grenzen an den
sri-lankischen Präsidenten vom 25. Februar 2020, Zeitungsartikel von "Ta-
mil Guardian" und "The Guardian" von 2018-2020 [zur generellen Lage in
Sri Lanka], Bericht von Human Rights Watch vom 3. April 2020 [zur Covid-
19-Pandemie], Bericht der SFH vom 10. Dezember 2019 [zur generellen
Lage in Sri Lanka], NZZ-Artikel vom 17. November 2019 [zur Präsident-
schaftswahl], 26. November 2019 [zur Flucht eines sri-lankischen Beamten
in die Schweiz] und 27. November 2019 sowie 16. Dezember 2019 [zur
Festhaltung einer Angestellten der Schweizer Botschaft], Artikel von Al
Jazeera vom 20. März 2017 [zur generellen Lage in Sri Lanka]).
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Seite 10
L.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 3. Juli 2020 den Eingang der
Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
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Seite 11
4.
4.1 Vorab sind die formellen Rügen des Beschwerdeführers betreffend Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs durch unrichtige Sachverhaltsfeststellung
respektive willkürliche Beweiswürdigung und ungenügende Begründung
durch die Vorinstanz zu prüfen.
4.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), das alle Befugnisse umfasst,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu
äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und Einsicht in die Akten zu
nehmen. Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die
Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entschei-
dung angemessen zu berücksichtigen. Unvollständig ist die Sachverhalts-
feststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachum-
stände berücksichtigt wurden, unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird. Die Begründung der
Verfügung muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person den Ent-
scheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Die Behörde muss die
wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen
und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass
sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-
setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich erwähnt oder widerlegt
(vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b).
4.3 Die Rüge des Beschwerdeführers, das SEM habe hinsichtlich des
Überfalls auf das Elternhaus den Sachverhalt nicht richtig festgestellt res-
pektive die Beweismittel willkürlich gewürdigt, indem es diese ohne ver-
tiefte Abklärungen als unglaubhaft oder untauglich klassiert habe, geht fehl.
Asylgesuche, die innert fünf Jahren nach Eintritt der Rechtskraft des Asyl-
und Wegweisungsentscheids gestellt werden, sind schriftlich und begrün-
det einzureichen (Art. 111c Abs. 1 AsylG). Das SEM hat die Eingabe des
Beschwerdeführers vom 21. Februar 2020 als Mehrfachgesuch im Sinne
von Art. 111c Abs. 1 AsylG entgegengenommen, den Beschwerdeführer im
Hinblick auf die vollständige Erstellung des rechtserheblichen Sachverhalts
am 3. März 2020 zur Nachreichung einer Übersetzung der noch nicht über-
setzten Beweismittel (Medienberichte zum Überfall auf das Elternhaus)
aufgefordert und die vorgelegten Beweismittel bei seinem Entscheid vom
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29. Mai 2020 berücksichtigt. Von einer unrichtigen Sachverhaltsfeststel-
lung respektive willkürlichen Beweiswürdigung kann nicht die Rede sein.
Der Beschwerdeführer vermengt mit seiner Kritik an der Einschätzung des
SEM die Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit
der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache. Dass das SEM nach einer
Würdigung der Parteivorbringen und Beweismittel zu einem anderen
Schluss als der Beschwerdeführer gelangt ist, stellt keine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes und mithin des rechtlichen Gehörs dar. Die
Würdigung des Sachverhalts bildet nunmehr Gegenstand des Beschwer-
deverfahrens. Auch die Rüge des Beschwerdeführers, das SEM habe die
Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs ungenügend begründet, geht
angesichts der entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz in der ange-
fochtenen Verfügung vom 29. Mai 2020 (Seiten 6-7) fehl.
4.4 Es besteht damit keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus
formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Der entsprechende Rückweisungsantrag ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-
hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2), wobei eine
bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung nicht genügt, sondern viel-
mehr konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realis-
tisch und nachvollziehbar erscheinen lassen müssen (vgl. BVGE 2010/57
E. 2.5, 2010/44 E. 3.4). Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingsei-
genschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheids.
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Seite 13
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Dem Beschwerdeführer ist es im Rahmen des ersten Asyl- und Be-
schwerdeverfahrens sowie des Revisionsverfahrens nicht gelungen, eine
flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung wegen des Verdachts der Unter-
stützung der LTTE oder eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG wegen
des Bestehens eines Risikoprofils aus anderen Gründen nachzuweisen
oder zumindest glaubhaft zu machen. Mit seinem neuerlichen Gesuch um
Asylgewährung vom 21. Februar 2020 vermag er dies ebenso wenig. Mit
dem neu vorgebrachten Überfall auf das Elternhaus im Oktober 2019 ver-
mag er die Zweifel an der Vorverfolgung nicht auszuräumen. Die diesbe-
züglich eingereichten Beweismittel sind nicht geeignet, eine flüchtlings-
rechtlich relevante Verfolgung seiner Person seitens der heimatlichen Be-
hörden zu belegen. Den besagten Dokumenten lässt sich lediglich entneh-
men, dass der Vater des Beschwerdeführers am Morgen des (...) 2019 bei
der Polizei angezeigt habe, dass gegen Mitternacht unbekannte Jugendli-
che das Tor zu seinem Grundstück aufgebrochen, nach dem Beschwerde-
führer gerufen und ein Fenster sowie das Motorrad beschädigt hätten (vgl.
polizeiliches Schreiben vom [...] 2019), und dass die Polizei ermittle (vgl.
Zeitungsberichte vom [...] 2019). Die Strafanzeige respektive das polizeili-
che Schreiben vom [...] 2019 ist unabhängig von der Frage der Authentizi-
tät aufgrund seines Inhalts nicht geeignet zu belegen, dass der Beschwer-
deführer seitens der sri-lankischen Behörden verfolgt würde. Der Beweis-
antrag des Beschwerdeführers um Durchführung einer Botschaftsabklä-
rung zur Feststellung der Echtheit dieses Dokuments ist daher abzuwei-
sen. Aus den Akten lassen sich auch keine anderen konkreten Anhalts-
punkte für die Annahme des Beschwerdeführers entnehmen, dass der
Überfall auf das Elternhaus im Oktober 2019 wegen eines gegen ihn be-
stehenden Verdachts der Verbindung zu den LTTE von staatlicher Seite
initiiert worden wäre. Das fluchtauslösende Vorbringen des Beschwerde-
führers ist, wie in den vorangegangenen Verfahren festgestellt, nicht glaub-
haft, und dass die nach dem Überfall auf das Elternhaus anfangs Oktober
2019 aufgenommenen polizeilichen Ermittlungen noch nicht zu einem Ab-
schluss hätten gebracht werden können, vermag nicht zur Annahme zu
führen, der Beschwerdeführer stehe unter LTTE-Verdacht oder weise an-
derweitig ein flüchtlingsrelevantes Risikoprofil auf. Es erweist sich auch bei
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Einbrüchen hierzulande mitunter schwierig, wenn nicht gar unmöglich, eine
unbekannte Täterschaft zu ermitteln. Die Anzeigeerstattung durch die Fa-
milie des Beschwerdeführers zeigt, dass sie Zugang zur staatlichen
Schutzinfrastruktur hat und sich auch an diese gewendet hat.
6.2 Es besteht auch kein begründeter Anlass zur Annahme, dem Be-
schwerdeführer würde aufgrund der aktuellen allgemeinen Situation in Sri
Lanka flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung drohen. Mit Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts vom 7. August 2019 wurde festgestellt, dass der
Beschwerdeführer als abgelehnter tamilischer Asylsuchender mit mehrjäh-
rigem Auslandsaufenthalt keine stark risikobegründenden Faktoren im
Sinne des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 aufweist. Dass
er heute ein entsprechendes Risikoprofil aufweisen würde, ist nicht ersicht-
lich. Aus dem blossen Hinweis auf die zwischenzeitlich erfolgte Wahl Go-
tabaya Rajapaksas zum Präsidenten Sri Lankas vermag der Beschwerde-
führer keine individuelle Gefahr einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfol-
gung seiner Person abzuleiten. Beobachter befürchten zwar nach dem Re-
gierungswechsel mehr Repression und vermehrte Überwachung von Men-
schenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten,
Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. SFH: Regierungs-
wechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21. November 2019). Anfang
März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kün-
digte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament
auf, 3. März 2020). Das Bundesverwaltungsgericht beobachtet die Ent-
wicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfin-
dung. Im heutigen Zeitpunkt gibt es aber keinen Grund zur Annahme, dass
seit dem Machtwechsel ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfol-
gungsgefahr ausgesetzt wären. Es ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein per-
sönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl
vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. Ein solcher Be-
zug ist vorliegend nicht gegeben. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der
mit der Rechtsmitteleingabe vom 2. Juli 2020 eingereichten Medienbe-
richte zur Entführung einer Angestellten der Schweizer Botschaft in Sri
Lanka am 25. November 2019 respektive der diesbezüglichen diplomati-
schen Krise zwischen der sri-lankischen und der schweizerischen Regie-
rung. Auch mit Blick auf die besagten diplomatischen Unstimmigkeiten be-
steht kein konkreter Grund zur Annahme, die politischen Entwicklungen in
Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf den Beschwerdeführer
auswirken. Gleiches gilt für die weiteren in der Beschwerdeschrift vom
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2. Juli 2020 angeführten Berichte und vorgelegten Medienberichte zur all-
gemeinen Lage in Sri Lanka; auch diese vermögen nicht zur Annahme ver-
folgungsbegründender Risikofaktoren beim Beschwerdeführer zu führen.
6.3 Aufgrund des Gesagten hat das SEM das Mehrfachgesuch des Be-
schwerdeführers vom 21. Februar 2020 zu Recht abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
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lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
Der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung findet
vorliegend mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft durch den Be-
schwerdeführer keine Anwendung. Sodann ergeben sich weder aus den
Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte da-
für, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sowie jener
des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im
Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen
würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008,
Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies ist ihm unter Verweis
auf die vorstehenden Ausführungen zum Asylpunkt nicht gelungen. Auch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Dies
gilt auch unter Berücksichtigung der jüngsten politischen Entwicklungen in
Sri Lanka. Es besteht kein Grund zur Annahme, diese könnten sich zum
heutigen Zeitpunkt in konkreter, die Zulässigkeit des Vollzugs der Wegwei-
sung in Frage stellender Weise auf den Beschwerdeführer auswirken.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. August 2019 wurde der
Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka für zu-
mutbar befunden. An dieser Einschätzung vermag die aktuelle Lage in Sri
Lanka, die weder von Krieg, Bürgerkrieg noch einer Situation allgemeiner
Gewalt geprägt ist, nichts zu ändern. Eine wesentliche Veränderung seiner
individuellen Situation hat der Beschwerdeführer nicht geltend gemacht,
und aus den Akten sind auch keine Gründe ersichtlich, die zur Annahme
einer existenziellen Notlage des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr in
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sein Heimatland führen und damit gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs
sprechen würden.
8.4 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung
des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu
beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb
der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83
Abs. 2 AIG). Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Vollzug
nicht entgegen. Es handelt sich dabei, wenn überhaupt, um ein temporäres
Vollzugshindernis, dem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten Rechnung zu
tragen ist.
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (unent-
geltliche Prozessführung sowie Rechtsverbeiständung) ist abzuweisen, da
die Begehren, wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, als aus-
sichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65
Abs. 1 VwVG – ungeachtet der behaupteten Mittellosigkeit des Beschwer-
deführers – nicht erfüllt sind.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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