Decision ID: 30ae05ce-1d1f-5ace-aa28-3a1d34305f40
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Die Beschwerdeführenden stellten am 9. Dezember 2016 ein erstes Asyl-
gesuch in der Schweiz. Dieses begründeten sie im Wesentlichen damit,
dass der Beschwerdeführer anlässlich einer Razzia in ein Lager verbracht
worden sei. Dort habe er sich während einer Sitzung gegenüber einem
Vorgesetzten kritisch zur Dauer des Nationaldienstes geäussert. Nach der
Sitzung habe man ihn darauf hingewiesen, dass er sich den Behörden zur
Verfügung stellen müsse, sollte dies erforderlich sein. Er habe dies als Dro-
hung aufgefasst und sich zur Flucht entschlossen. Zu dritt hätten sie sich
frühmorgens aus dem Lager geschlichen. Als ihre Flucht bemerkt worden
sei, habe man auf sie geschossen. Nach einwöchigem beziehungsweise
einmonatigem Aufenthalt zu Hause sei er schliesslich am 10. September
2015 ausgereist.
Die Beschwerdeführerin ihrerseits habe sich wiederholt vor Razzien in ihrer
Wohngegend verstecken müssen. Nach einer dieser Razzien habe sie sich
spontan zur Ausreise entschlossen und ihren Heimatstaat am 14. Juli 2015
verlassen.
B.
Mit Verfügung vom 17. Dezember 2018 stellte die Vorinstanz fest, die Be-
schwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen,
lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug an. Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids
qualifizierte das SEM die geltend gemachten Vorbringen des Beschwerde-
führers als den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7
AsylG (SR 142.31) nicht genügend. Die Vorbringen der Beschwerdeführe-
rin seien demgegenüber nicht asylrelevant im Sinn von Art. 3 AsylG, und
die illegale Ausreise der Beschwerdeführenden vermöge für sich alleine
keine Furcht vor einer zukünftigen asylrelevanten Verfolgung zu begrün-
den. Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die
Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug sei zulässig, zumutbar
und möglich.
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Seite 3
C.
Die gegen diese Verfügung erhobenen Beschwerden vom 16. Januar 2019
und 17. Januar 2019 wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil
E-317/2019 vom 3. Mai 2019 ab.
D.
Die ihnen in der Folge neu angesetzte Ausreisefrist liessen die Beschwer-
deführenden ungenutzt verstreichen.
II.
E.
E.a Mit einer als "Demande d'asile" bezeichneten Eingabe wandten die Be-
schwerdeführenden sich am 24. Dezember 2019 ans SEM.
E.b In der Begründung machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
geltend, im (...) 2019 von der Inhaftierung ihres Vaters erfahren zu haben.
Ihm sei vorgeworfen worden, eine bewaffnete Gruppierung im Ausland zu
unterstützen, um das Regime zu destabilisieren. Ihre Mutter und Geschwis-
ter würden seither versteckt leben, da sie – wie sie selbst auch – begrün-
dete Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter Reflexverfolgung hätten. (...)
2019 habe ein Bekannter der Familie, der beim eritreischen Sicherheits-
dienst arbeite, die Familie über den Tod des Vaters in der Haft informiert.
Im Falle einer Rückkehr habe sie nun zusätzlich zur illegalen Ausreise mit
investigativen Massnahmen der Behörden zu rechnen, welche eine Furcht
vor flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung begründen würden.
Die Informationen betreffend ihren Vater hätten sie ausserdem traumati-
siert und ihr psychischer Zustand habe sich in der Folge verschlechtert.
Ebenfalls zu berücksichtigen sei der Gesundheitszustand ihres Kindes und
in diesem Zusammenhang das Kindeswohl. Zudem könnten sie im Falle
einer Rückkehr nicht auf die Unterstützung der Familie ihres Ehemannes
zählen, da dieser ebenfalls aus ärmlichen Verhältnissen stamme.
E.c Der Beschwerdeführer machte selbst keine neuen Vorbringen geltend,
sondern führte lediglich bestätigend aus, dass er aus ärmlichen Verhältnis-
sen stamme und im Falle einer Rückkehr deshalb nicht mit der Unterstüt-
zung seiner Familie rechnen könne.
E-1112/2020
Seite 4
E.d Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführen-
den eine ärztliche Stellungnahme vom 17. Dezember 2019 betreffend die
Beschwerdeführerin sowie einen provisorischen Spitalaustrittsbericht vom
31. Oktober 2019 betreffend ihr Kind zu den Akten.
F.
F.a Das SEM qualifizierte die Eingabe der Beschwerdeführenden vom
24. Dezember 2019 – soweit die Inhaftierung des Vaters der Beschwerde-
führerin und die daraus resultierende Furcht vor Reflexverfolgung betref-
fend – als Mehrfachgesuch im Sinn von Art. 111c AsylG. Die Vorbringen
betreffend den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und ihres Kin-
des seien zwar als einfaches Wiedererwägungsgesuch im Sinn von
Art. 111b AsylG zu qualifizieren, würden aber im Rahmen der Behandlung
des Mehrfachgesuchs unter dem Wegweisungspunkt berücksichtigt.
F.b Mit Verfügung vom 22. Januar 2020 – eröffnet am 24. Januar 2020 –
stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingsei-
genschaft nicht erfüllen, und lehnte das zweite Asylgesuch ab. Es verfügte
gleichzeitig deren Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug
an. Zudem erhob es eine Gebühr von Fr. 600.–.
G.
Mit Eingabe vom 24. Februar 2020 liessen die Beschwerdeführenden Be-
schwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung erheben. Darin beantragten
sie die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Anerkennung
der Flüchtlingseigenschaft; eventualiter sei die Sache zur vollständigen
Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen; subeventualiter sei aufgrund Unzulässigkeit und/oder Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme zu verfügen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten die Beschwerdeführer um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinn von Art. 65 Abs. 1
VwVG einschliesslich Verzichts auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses.
H.
Mit Verfügung vom 6. März 2020 stellte der zuständige Instruktionsrichter
des Bundesverwaltungsgerichts den einstweilen rechtmässigen Aufenthalt
der Beschwerdeführenden in der Schweiz während des Beschwerdever-
fahrens fest.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte die Vorinstanz
zunächst aus, dass die Umstände, unter denen die Beschwerdeführerin
nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 3. Mai 2019 angeb-
lich wieder in Kontakt mit ihrer Familie getreten sei, äusserst unklar blieben.
Überdies seien den Akten keine Hinweise zu entnehmen, wonach ihre Fa-
milienangehörigen konkreter staatlicher Verfolgung ausgesetzt seien; sie
würden sich einzig aufgrund der Vermutung, künftig staatlichen Verfol-
gungsmassnahmen ausgesetzt zu sein, versteckt halten. Zu den Modalitä-
ten dieses versteckten Aufenthalts habe die Beschwerdeführerin sodann
keine genauen Angaben machen können. Die geltend gemachte Verhaf-
tung und das Versterben des Vaters beruhen – wie auch die angebliche
Furcht ihrer Familienangehörigen vor Reflexverfolgung – auf Hören-Sagen,
weshalb die entsprechenden Schilderungen in Zweifel zu ziehen seien.
Obwohl es im eritreischen Kontext nicht völlig ausgeschlossen werden
könne, sei es äusserst unwahrscheinlich, dass die Behörden Familien-
angehörige einer verstorbenen Person befragen würden, der zwar frühere
oppositionelle Tätigkeiten vorgeworfen geworden seien, die aber jahrelang
im Nationaldienst gedient habe. Sämtliche Vorbringen seien unbelegt ge-
blieben. Die Diagnosen in der ärztlichen Stellungnahme betreffend den
psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin würden zudem
für sich allein genommen kein Indiz asylrechtlich relevanter Ereignisse bil-
den, weshalb sie ungeeignet seien, etwas an der Glaubhaftigkeit der Vor-
bringen zu ändern.
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5.2 Die Beschwerdeführenden halten dieser Einschätzung der Vorinstanz
im Wesentlichen entgegen, dass die Familienangehörigen der Beschwer-
deführerin von Verfolgungsmassnahmen betroffen gewesen seien. Ihnen
sei ebenfalls vorgeworfen worden, Teil der bewaffneten Gruppierung zu
sein, denen auch ihr Vater in den Augen der Behörden angehört haben soll.
Die Familienangehörigen seien wiederholt aufgefordert worden, sich zu
dieser Gruppierung vernehmen zu lassen. Um diesen Verfolgungshandlun-
gen zu entkommen, sei die ganze Familie schliesslich im (...) 2020 nach
Äthiopien geflüchtet, wo sie derzeit wohnhaft sei. Diese erläuternden Infor-
mationen seien der Beschwerdeführerin aufgrund von Sicherheits-
überlegungen ihrer Angehörigen erst nach deren Ausreise zugetragen
worden. Im Falle einer Rückkehr nach Eritrea habe sie aufgrund des Dar-
gelegten begründete Furcht vor Verfolgung im Sinn einer Reflexverfolgung.
Sie riskiere ebenfalls von den Behörden zu den erwähnten Sachverhalten
und ihrer eigenen Ausreise befragt zu werden. Gerade im Zusammenhang
mit ihrer eigenen Ausreise erscheine sie angesichts der geltend gemachten
Vorbringen betreffend ihren Vater und ihre übrigen Familienangehörigen in
den Augen des Regimes als missliebige Person, die im Falle einer Rück-
kehr asylrelevante Verfolgung zu befürchten habe.
6.
6.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzlichen Erwägungen,
wonach die von der Beschwerdeführerin vorgetragenen Fluchtgründe nicht
glaubhaft gemacht werden konnten, zu bestätigen sind.
6.2 Die Vorinstanz hat die Vorbringen der Beschwerdeführerin zur angeb-
lichen Verhaftung und dem darauffolgenden Ableben ihres Vaters sowie
der Furcht ihrer Familienangehörigen und ihr selbst vor Reflexverfolgung
in der angefochtenen Verfügung mit ausführlicher und überzeugender Be-
gründung als unglaubhaft qualifiziert. Es kann vorab auf die zutreffende
Argumentation der Vorinstanz verwiesen werden.
7.
7.1 Die Beschwerdeführerin führt auf Beschwerdeebene aus, dass sich die
im zweiten Asylgesuch erwähnte Furcht ihrer Familienangehörigen vor Ver-
folgungsmassnahmen in der Zwischenzeit manifestiert habe. Sie begrün-
dete diese verspätete Klarstellung mit Sicherheitsbedenken ihrer Familien-
angehörigen, die erst nach ihrer Ankunft in Äthiopien detaillierte Auskünfte
hätten erteilen können. Die Verfolgungsmassnahmen, von denen ihre Fa-
milienangehörigen betroffen gewesen seien, bleiben allerdings vage und
unsubstanziiert. Die geltend gemachten Aufforderungen der eritreischen
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Behörden, sich zur bewaffneten Gruppierung und allfälligen Verstrickungen
weiterer Familienmitglieder mit dieser Gruppierung, vernehmen zu lassen,
reichen für sich alleine genommen kaum aus, um von begründeter Furcht
vor zukünftiger Verfolgung der Beschwerdeführerin auszugehen. Überdies
bleibt unklar, wie die Familie Kenntnis von diesen regelmässigen Aufforde-
rungen erhalten haben soll, da diese sich doch versteckt gehalten hätten.
Hinsichtlich der Sicherheitsbedenken ist nicht nachvollziehbar, weshalb die
Beschwerdeführerin zwar über die grundsätzlichen Geschehnisse betref-
fend ihren Vater in Kenntnis gesetzt werden konnte, detailliertere Angaben
zu den Hergängen und insbesondere den Reflexverfolgungsmassnahmen
aber erst nach deren Ausreise aus Eritrea möglich gewesen sein sollen.
7.2 Die diesbezüglichen Klarstellungen erschöpfen sich in einer näheren
Beschreibung der bewaffneten Gruppierung, dem zeitlichen Ablauf rund
um die Inhaftierung des Vaters und dem angeblichen Interesse der Be-
hörde, von der Familie weitere Informationen zu erhalten. Die Informatio-
nen zur Inhaftierung des Vaters und der bewaffneten Gruppierung recht-
fertigen derartige Sicherheitsbedenken kaum. Hinsichtlich der Verfolgungs-
massnahmen ist festzuhalten, dass diese insgesamt nachgeschoben er-
scheinen, da die Beschwerdeführerin in ihrer ursprünglichen Eingabe ans
SEM lediglich von der Vermutung drohender Verfolgungsmassnahmen be-
richtete. Die Vorinstanz kommt denn auch zutreffend zum Schluss, dass
sich den Akten keine Hinweise auf eine konkrete Verfolgung der Familien-
angehörigen entnehmen lassen.
7.3 Die auf Beschwerdeebene vorgebrachten Aufforderungen, sich ver-
nehmen zu lassen, wären im Übrigen auch bei Wahrunterstellung nicht von
ausreichender Intensität um eine asylrechtlich relevante Verfolgung im
Sinn von Art. 3 AsylG zu begründen. Somit ist nicht ersichtlich, weshalb
sich eine Reflexverfolgung gegen die Beschwerdeführerin realisieren
sollte, wenn auch die übrigen Familienmitglieder keine konkrete Verfolgung
geltend machen. Daran ändert auch ihr Einwand nichts, dass sie als
Familienmitglied mit längerer Landesabwesenheit bei den eritreischen Be-
hörden besonderes Misstrauen in Bezug auf die Zugehörigkeit zur bewaff-
neten Gruppierung wecken würde.
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Seite 9
7.4 Sowohl die Ausführungen im Mehrfachgesuch als auch diejenigen in
der Rechtsmitteleingabe bleiben überaus vage und oberflächlich. Die Be-
schwerdevorbringen erscheinen – wie bereits erwähnt – angesichts gewis-
ser Ausführungen in der vorinstanzlichen Verfügung nachgeschoben.
So bleibt etwa insgesamt unklar, wie und weshalb die Beschwerdeführerin
nach dem Abschluss ihres ersten Asylverfahrens wieder in direkten telefo-
nischen Kontakt mit ihrer Mutter treten konnte, nachdem sie gemäss ihren
früheren Aussagen zuvor lediglich indirekten Kontakt über einen Onkel
pflegten, da es im Dorf der Familie kein Telefon gebe (A15/13 F5–11, F81).
Zudem entbehren die Vorbringen jeglicher Konkretisierung etwa hinsicht-
lich des Verstecks der Familie, der Art und Weise wie die telefonische Kom-
munikation angesichts der angeblichen Sicherheitsbedenken erfolgte oder
der Modalitäten der behördlichen Kontaktaufnahme. Es fällt auch auf, dass
die neuen Vorbringen der Beschwerdeführerin allesamt unbelegt bleiben.
Weder der Tod des Vaters noch die wiederholte Kontaktaufnahme der Be-
hörden mit der Familie zum Zweck der Anhörung oder deren Aufenthalt in
Äthiopien sind belegt. Angesichts der juristischen Vertretung und der recht-
lichen Natur der Eingabe als Mehrfachgesuch wären entsprechende Be-
lege oder zumindest das Dokumentieren konkreter Bemühungen um sol-
che Beweismittel zu erwarten gewesen.
7.5 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin hinsichtlich ihrer Furcht vor
Verfolgung genügen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss
Art. 7 AsylG demzufolge nicht.
7.6 An dieser Feststellung vermag auch die ärztliche Stellungnahme vom
17. Dezember 2019 nichts zu ändern. Wie von der Vorinstanz zutreffend
festgestellt, belegt eine ärztliche Diagnose selbst bei erheblicher Trauma-
tisierung noch nicht die geltend gemachten traumatisierenden Ereignisse
(vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3336/2013 vom 12. August
2013 E. 5.2.1 und zum Ganzen auch BVGE 2015/11 E. 7.2 m.w.H.). Laut
der vorliegenden ärztlichen Stellungnahme liegt zudem ein chronischer
psychovegetativer Erschöpfungszustand vor, der kaum als erhebliche
Traumatisierung zu werten ist. Die Diagnose des Erschöpfungszustands
liefert nach dem Gesagten noch keinerlei Hinweise zu deren Grund, son-
dern bedeutet lediglich, dass irgendeine Ursache vorliegt. Angesichts der
überwiegenden Unglaubhaftigkeitselemente der Vorbringen der Beschwer-
deführerin kann also nicht allein aufgrund der ärztlichen Stellungnahme auf
die Richtigkeit sämtlicher Vorbringen geschlossen werden. Die ärztliche
Stellungnahme vermag unter diesen Umständen weder den Tod des Vaters
noch ein anderes Vorbringen zu belegen.
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Seite 10
7.7
7.7.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich sodann im Rahmen des Ur-
teils D-7898/15 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil publiziert) mit der
Frage auseinandergesetzt, ob Eritreerinnen und Eritreer, die ihr Land ille-
gal verlassen haben, allein deswegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu
befürchten haben. Das Gericht kam dabei zum Schluss, dass sich die bis-
herige Praxis nicht mehr aufrechterhalten lasse und vom SEM zwischen-
zeitlich zu Recht angepasst worden sei. Für die Entscheidfindung des Ge-
richts war auch die Tatsache von Bedeutung, dass seit einiger Zeit Perso-
nen aus der eritreischen Diaspora für kurze Aufenthalte in ihren Heimat-
staat zurückkehren und sich unter ihnen auch Personen befinden, die Erit-
rea zuvor illegal verlassen hatten. Es sei mithin nicht mehr davon auszu-
gehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer unerlaubten Ausreise aus
Eritrea eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung drohe. Von der be-
gründeten Furcht vor intensiven und flüchtlingsrechtlich relevanten Nach-
teilen sei nur dann auszugehen, wenn zur illegalen Ausreise weitere Fak-
toren hinzukämen, welche die asylsuchende Person in den Augen der erit-
reischen Behörden als missliebige Personen erscheinen liessen (vgl.
a.a.O. E. 5).
7.7.2 Angesichts der dargelegten Unglaubhaftigkeit der neuen Vorbringen
fehlt es vorliegend weiterhin an konkreten Anhaltspunkten, welche die Be-
schwerdeführerin in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige
Person erscheinen lassen würden. Aufgrund der mangelnden Anknüp-
fungspunkte aufgrund derer sie bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat
Sanktionen zu erwarten hätte, sind für die Beschwerdeführerin keine ernst-
haften Nachteile im Sinn von Art. 3 AsylG zu befürchten. Gleiches gilt auch
für den Beschwerdeführer, da über dessen Vorbringen im Urteil BVGer
E-317/2019 vom 3. Mai 2019 abschliessend entschieden wurde und seit-
her für ihn keine neuen Sachverhalte betreffend geltend gemacht wurden.
Die geltend gemachten illegalen Ausreisen der Beschwerdeführenden füh-
ren demnach nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft.
7.8 Zusammenfassend ergibt sich, dass die geltend gemachten neuen
Asylgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-
gung im Sinn von Art. 3 AsylG – respektive von Art. 54 AsylG, soweit Nach-
fluchtgründe betreffend (illegale Ausreise) – beziehungsweise eine ent-
sprechende Verfolgungsfurcht glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat
demnach zu Recht erneut die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh-
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Seite 11
renden verneint und auch ihr zweites Asylgesuch abgelehnt. Für die bean-
tragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz besteht keine Veranlas-
sung.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Die Vorinstanz geht in ihrer Verfügung von der Zulässigkeit und Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus:
Weil die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen
würden, könne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5
Abs. 1 AsylG nicht angewandt werden. Ferner ergäben sich aus den Akten
keine Anhaltspunkte dafür, dass ihnen im Falle einer Rückkehr nach Eritrea
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene
Strafe oder Behandlung drohe.
Überdies herrsche in Eritrea weder Krieg noch Bürgerkrieg noch eine Situ-
ation allgemeiner Gewalt im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AIG. Der Beschwerde-
führerin sei es zudem nicht gelungen, die veränderten Lebensumstände
ihrer Familienangehörigen in Eritrea glaubhaft zu machen. Weder der aus
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Seite 12
den Akten ersichtliche gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin
noch derjenige ihres Kindes stünden der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzuges entgegen. Die geltend gemachte Schwangerschaft müsse im Zu-
sammenhang mit den Ausreisemodalitäten geprüft werden. Zudem sei der
Wegweisungsvollzug auch unter dem Aspekt des Kindeswohls zumutbar,
da das Kind in einem Alter sei, in dem es sich noch äusserst stark an den
Eltern orientiere.
9.2.2 Die Beschwerdeführenden führen in ihrem Rechtsmittel im Wesentli-
chen aus, dass sich ihre familiären und persönlichen Umstände erheblich
verändert hätten. Die Beschwerdeführerin sei krank und befinde sich des-
halb in ärztlicher Behandlung. Aufgrund der Ferienabwesenheit des behan-
delnden Arztes habe kein detaillierterer medizinischer Bericht vorgelegt
werden können, die Einreichung eines solchen behalte sie sich aber vor.
Das Kind der Beschwerdeführenden sei ebenfalls krank und benötige ent-
sprechende Pflege. Zum beeinträchtigten Gesundheitszustand der Be-
schwerdeführerin und ihres Kindes komme die zweite Schwangerschaft
hinzu. Somit müsste die Beschwerdeführerin nicht nur den Schwierigkeiten
begegnen, die Behandlungskosten in Eritrea aufzuwenden, sondern sich
auch um zwei Kleinkinder kümmern. Dabei könnten sie angesichts der Aus-
reise ihrer Familie auf keinerlei Unterstützung zählen.
9.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
9.3.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
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9.3.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-
mässig.
9.3.3 Gemäss BVGE 2018 VI/4 E. 6.1 stehen das Verbot der Sklaverei und
der Leibeigenschaft (Art. 4 Abs. 1 EMRK) dem Vollzug der Wegweisung
der Beschwerdeführenden auch bei einer anstehenden Einziehung in den
Nationaldienst nicht entgegen. Sodann ist gemäss dem erwähnten Koordi-
nationsentscheid auch nicht davon auszugehen, es bestehe generell das
ernsthafte Risiko einer krassen Verletzung des Verbots der Zwangs- und
Pflichtarbeit während des Nationaldiensts im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK
sowie des Verbots von Art. 3 EMRK.
9.3.4 Aufgrund des Alters des Beschwerdeführers erscheint es zumindest
als möglich, dass er bei einer Rückkehr nach Eritrea in den Nationaldienst
eingezogen werden könnte. Aus den Akten ergeben sich jedoch keine An-
haltspunkte für die Annahme, er müsste bei einer Rückkehr in den Heimat-
staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1
FoK verbotene Strafe oder Behandlung befürchten. Auch die problemati-
sche allgemeine Menschenrechtssituation lässt den Wegweisungsvollzug
zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
9.3.5 Gemäss aktueller Rechtsprechung ist nicht davon auszugehen, die
Beschwerdeführerin würde als unverheiratete Mutter eines Kleinkindes
und in Erwartung eines zweiten Kindes in den Nationaldienst eingezogen,
weshalb die Frage der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs ange-
sichts einer drohenden Einberufung in den Nationaldienst vorliegend offen-
gelassen werden kann (vgl. als Referenzurteil publiziertes Urteil
D-2311/2016 vom 17. August 2017, E. 12.5).
9.3.6 Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesverwaltungs-
gericht die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges – aufgrund des Feh-
lens eines Rückübernahmeabkommens zwischen der Schweiz und Eritrea
– lediglich für freiwillige Rückkehrer beurteilte und die Zulässigkeit zwangs-
weiser Rückführungen ausdrücklich offenliess (vgl. BVGE 2018 VI/4
E. 6.1.7).
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9.3.7 Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden erweist sich
damit – sowohl im Sinn der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen – als zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.4.1 In seinem Urteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 (als Referenzur-
teil publiziert) hatte sich das Bundesverwaltungsgericht ausführlich mit der
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea beschäftigt. Dabei
kam es zum Schluss, die frühere Praxis, wonach eine Rückkehr nur bei
begünstigenden individuellen Umständen zumutbar sei (vgl. Entscheidun-
gen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommis-
sion [EMARK] 2005 Nr. 12), sei nicht länger berechtigt. Angesichts der
schwierigen allgemeinen – und insbesondere wirtschaftlichen – Lage des
Landes müsse bei Vorliegen besonderer individueller Umstände aber nach
wie vor von einer Existenzbedrohung ausgegangen werden. Die Frage der
Zumutbarkeit bleibe daher im Einzelfall zu prüfen (vgl. Referenzurteil
D-2311/2016 E. 17.2).
9.4.2 Gemäss der eingereichten ärztlichen Stellungnahme vom 17. De-
zember 2019 liegen bei der Beschwerdeführerin ein chronischer psycho-
vegetativer Erschöpfungszustand mit Schlafstörungen und eine Schwan-
gerschaft vor und sie werde medikamentös behandelt.
9.4.3 Gründe ausschliesslich medizinischer Natur lassen den Wegwei-
sungsvollzug im Allgemeinen nicht als unzumutbar erscheinen. Diesbezüg-
lich wird die Unzumutbarkeit erst angenommen, wenn die erforderliche Be-
handlung absolut notwendig sowie im Heimatland nicht erhältlich ist und
die Unmöglichkeit der Weiterbehandlung eine drastische und lebensbe-
drohliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach sich zieht
(vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/2 E. 9.3.2 sowie das Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts D-4341/2018 vom 31. Januar 2019 E. 6.3.4).
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9.4.4 Angesichts der Formulierung der ärztlichen Stellungnahme ist nicht
davon auszugehen, dass selbst im Falle eines Abbruchs der medikamen-
tösen Behandlung mit einer derart drastischen Verschlechterung des Ge-
sundheitszustandes zu rechnen wäre. Zur rein medikamentösen Behand-
lung ist festzuhalten, dass in Eritrea zwar gewisse Medikamente schwer
erhältlich, andere jedoch aber auch leicht zugänglich und häufig kostenlos
sind (vgl. BVGer D-2311/2016 E. 16 f.). Eine über die medikamentöse Be-
handlung hinausgehende medizinische Betreuung ist der ärztlichen Stel-
lungnahme nicht zu entnehmen und weitergehende Informationen, die auf
eine Veränderung des Gesundheitszustands schliessen lassen würden,
liegen dem Gericht im Entscheidzeitpunkt nicht vor. Soweit die Beschwer-
deführerin sich in ihrer Rechtsmitteleingabe vorbehält, einen detaillierteren
ärztlichen Bericht einzureichen, kann dazu festgestellt werden, dass sie
hierfür zwischenzeitlich genügend Gelegenheit gehabt hätte. Die Schwan-
gerschaft stellt grundsätzlich kein Vollzugshindernis dar, sie wird aber – wie
das SEM in seiner Verfügung zutreffend festgestellt hat – im Zusammen-
hang mit den Rückkehrmodalitäten (etwa betreffend den Zeitpunkt) gebüh-
rend zu berücksichtigen sein.
9.4.5 Aus gesundheitlicher Sicht spricht insgesamt nichts Relevantes ge-
gen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Das SEM hat bereits auf
die Möglichkeit eines Gesuchs um medizinische Rückkehrhilfe (Art. 93
Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 über Finanzierungsfra-
gen [AsylV 2, SR 142.312]) hingewiesen.
9.4.6 Die Beschwerdeführenden verfügen beide über jeweils zehn Jahre
Schulbildung und Arbeitserfahrung. Hinsichtlich des Beziehungsnetzes
konnte die Beschwerdeführerin – wie bereits ausgeführt – nicht glaubhaft
machen, dass sich seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
3. Mai 2019 erhebliche Veränderungen ergeben hätten. Überdies ist davon
auszugehen, dass zahlreiche Familienangehörige des Beschwerdeführers
ebenfalls in Eritrea leben und es ihnen möglich wäre, den Kontakt zu reak-
tivieren, sofern dieser überhaupt je aufgehört hat (A14/22 F16). An der Zu-
mutbarkeit ändert auch das Vorbringen im zweiten Asylgesuch, der Be-
schwerdeführer stamme aus ärmlichen Verhältnissen, nichts. Nach dem
Gesagten ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden bei einer
Rückkehr mit Unterstützung ihrer Familienangehörigen in Eritrea rechnen
können und Möglichkeiten zur sozialen und wirtschaftlichen Wiedereinglie-
derung vorfinden werden.
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9.4.7 Auch unter Berücksichtigung des Kindeswohls ist der Wegweisungs-
vollzug nicht unzumutbar. Angesichts des Alters des Kindes der Beschwer-
deführenden, seiner Beziehungen und Abhängigkeiten ist davon auszuge-
hen, dass sich das Kind vornehmlich an seinen Eltern – und insbesondere
seiner Mutter – orientiert und sich auf sie stützt. Aus dem provisorischen
Austrittsbericht vom 31. Oktober 2019 geht nicht hervor, dass der Gesund-
heitszustand des Kindes immer noch beeinträchtigt ist. Bei einer im Bericht
prognostizierten Rekonvaleszenz von zwei bis drei Monaten dürfte die Ge-
nesung unterdessen abgeschlossen sein. Anderweitige Informationen lie-
gen dem Gericht im Entscheidzeitpunkt nicht vor und es hätte gegebenen-
falls den Beschwerdeführenden oblegen, solche beizubringen. Bei der
Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AIG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Überein-
kommens vom 20. November 1989 über die Rechts des Kindes (KRK,
SR 0.107) sind keine Aspekte erkennbar, die zu einer Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs führen könnten.
9.4.8 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
9.5 Die zwangsweise Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach
Eritrea ist zurzeit generell nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen
Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit
des Wegweisungsvollzugs entgegen. Es obliegt daher den Beschwerde-
führenden, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für
eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8
Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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11.
11.1 Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren abge-
schlossen. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist unbesehen
der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführenden abzuweisen, da
die Begehren gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu
bezeichnen waren und es daher an einer gesetzlichen Voraussetzung zu
dessen Gewährung fehlt. Das Gesuch um Verzicht auf die Kostenvor-
schusserhebung ist mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos ge-
worden.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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