Decision ID: 20bf8bdb-acf0-50ec-a8b2-9a08b14c56c2
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ schloss am 13. Dezember 1996 bei der damaligen Winterthur-Leben (heute:
AXA Leben AG) eine gebundene Vorsorgepolice «winplus+», Nr. 1._, ab. Dabei
handelte es sich gemäss Police um eine gemischte Versicherung, die Leistungen im
Erlebensfall am 1. _ 2018 oder im Todesfall vor dem 1. _ 2018 (Fr. 65'385.--),
Leistungen aus Überschussbeteiligung (von mindestens Fr. 4'391.--), eine
Erwerbsunfähigkeitsversicherung (Fr. 12'000.-- jährlich) und Prämienbefreiung bei
Erwerbsunfähigkeit beinhaltete. Die Jahresprämie wurde auf Fr. 3'000.-- vereinbart
(act. G 1.3; zum Antrag des Versicherten vom 12. Dezember 1996 und den allgemeinen
Vertragsdaten siehe act. G 10.1; zu den Allgemeinen Bestimmungen für die gebundene
Vorsorge, Ausgabe 11/92, den Versicherungsbestimmungen für die gebundene
Vorsorge, Ausgabe 01.97, und den Allgemeinen Technischen
Versicherungsbestimmungen, Ausgabe 11.92, siehe act. G 1.10 ff.). Als
Berechnungsgrundlage wurde ein technischer Zinssatz von 3 % bestimmt (Ziff. 1.1 der
Allgemeinen Technischen Versicherungsbestimmungen, Ausgabe 11.92 [TB], act.
G 1.12). Des Weiteren schloss der Versicherte bei der damaligen Winterthur-Leben
(heute: AXA Leben AG) am 29. Januar 1998 eine gebundene Vorsorgepolice
«winspiro», Nr. 2._, ab. Dabei handelte es sich gemäss Police ebenfalls um eine
gemischte Versicherung, in der eine Leistung im Erlebensfall am 1. _ 2019 oder im
Todesfall vor dem 1. _ 2019 (Fr. 64'043.--) mit Leistungsbonus und Prämienbefreiung
bei Erwerbsunfähigkeit enthalten war. Die Jahresprämie wurde auf Fr. 2'774.-- und der
A.a.
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technische Zinssatz auf 3.50 % festgesetzt (act. G 1.2; zum Antrag des Versicherten
vom 20. Januar 1998 und den allgemeinen Vertragsdaten siehe act. G 10.3).
Mit Abrechnung vom 8. Oktober 2018 teilte die AXA Leben AG dem Versicherten
mit, er werde bei Vertragsablauf (1. Dezember 2018) Leistungen aus der Police
«winplus+», Nr. 1_, von insgesamt Fr. 69'898.-- (Kapital im Erlebensfall von
Fr. 65'385.-- plus Bonus von Fr. 4'513.--) erhalten (act. G 1.5).
A.b.
Mit Abrechnung vom 6. Dezember 2018 gab die AXA Leben AG dem Versicherten
bekannt, dass er bei Vertragsablauf (1. Februar 2019) Leistungen aus der Police
«winspiro», Nr. 2._, von insgesamt Fr. 64'654.-- (Kapital im Erlebensfall von
Fr. 64'043.-- plus Bonus von Fr. 611.--) erhalten werde (act. G 1.4). Sie erinnerte den
Versicherten im Schreiben vom 7. Januar 2019, dass er das vor einiger Zeit versandte
Formular noch nicht ausgefüllt und retourniert habe. Sie bat ihn, dies noch zu tun (act.
G 10.4). Dieser Aufforderung kam der Versicherte am 15. Januar 2019 nach
(Posteingang bei der AXA Leben AG am 17. Januar 2019, act. G 10.5).
A.c.
Der Versicherte stellte am 22. Juli 2019 beim Vermittlungsamt Toggenburg ein
Vermittlungsbegehren. Darin ersuchte er, die AXA Leben AG sei zu verpflichten, ihm
einen nach Ausgang des Beweisverfahrens zu beziffernden Betrag, mindestens jedoch
Fr. 20'000.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit 1. Februar 2019 zu bezahlen. Er machte
geltend, er habe bei der AXA Leben AG mehrfach nachgefragt, wie sich seine
Bonusberechnung zusammensetze. Bis heute habe er keine Auskunft erhalten.
Tatsächlich ergebe der vertraglich vereinbarte technische Zins von 3.5 % einen
gesamthaften Anspruch von Fr. 179'257.80. Er wisse nicht, welches der vorliegend
angewandte Prozentsatz für den Risikozuschlag sei und welcher Prozentansatz für die
Verwaltung angesetzt worden sei. Deshalb sei er auf ein Beweisverfahren angewiesen,
demgemäss die AXA Leben AG zur Edition sämtlicher entsprechender Angaben zu
verpflichten sei. Erst danach könne er seine Forderung beziffern. Gemäss eigener
Berechnung gelange er zum Ergebnis, dass die ihm zu Unrecht nicht ausbezahlten
Bonusanteile rund Fr. 24'000.-- betragen müssten (act. G 1.7). Im Schreiben vom
20. August 2019 erläuterte die AXA Leben AG dem Versicherten die Berechnung der
Überschussleistungen und legte eine Darstellung der Wertverläufe beider Policen bei
(act. G 1.9; zu den Dokumenten betreffend Wertverläufe siehe act. G 10.10). Im
A.d.
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B.
Protokoll / in der Klagebewilligung vom 23. August 2019 stellte der Vermittler fest, es
habe im Rahmen des Schlichtungsverfahrens keine Einigung erzielt werden können
(act. G 1.8).
Am 19. März 2020 erhob Rechtsanwalt Max Auer, Wil (zur undatierten Vollmacht
siehe act. G 1.1), im Namen von A._ Klage gegen die AXA Leben AG. Er beantragte
darin: 1.a) Die Beklagte sei zu verpflichten, ihm (dem Kläger) aus dem
Versicherungsvertrag Nr. 1_ einen nach Ausgang des Beweisverfahrens zu
beziffernden Betrag, mindestens aber Fr. 10'000.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit 22. Juli
2019 zu bezahlen. 1.b) Die Beklagte sei zu verpflichten, ihm aus dem
Versicherungsvertrag Nr. 2_ einen nach Ausgang des Beweisverfahrens zu
beziffernden Betrag, mindestens aber Fr. 12'000.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit 22. Juli
2019 zu bezahlen. 2. Die Beklagte sei zu verpflichten, ihm aus den
Versicherungsverträgen Nr. 1._ und Nr. 2._ einen nach Ausgang des
Beweisverfahrens zu beziffernden Betrag, mindestens aber Fr. 20'000.-- zuzüglich Zins
zu 5 % seit 22. Juli 2019 zu bezahlen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Im
Wesentlichen brachte der Kläger vor, es fehle eine nachvollziehbare Begründung für
die Höhe der ausbezahlten Überschussbeteiligung. Die Beklagte müsse aufgrund
«konkreter und individueller Zahlen» belegen, welches die Kapitalerträge, die
Risikokosten und die Verwaltungskosten gewesen seien. Sie habe es unterlassen, ihm
Ertragsüberschussrechnungen bzw. Risiko- und Kostenberechnungen anhand der
konkreten Jahresrechnungen mitzuteilen bzw. offenzulegen. Ohne dieses
Einsichtsrecht sei er schlichtweg nicht in der Lage, die Korrektheit der ihm
präsentierten Abrechnungen zu überprüfen. Die Beklagte sei deshalb zu verpflichten,
die dafür notwendigen Unterlagen (Jahresabschlüsse der Jahre 1996 bis und mit 2019)
zu edieren, damit er diese einsehen könne. Die Beklagte vertrete zu Unrecht die
Ansicht, es sei Jahr für Jahr ein sogenannter Referenzzinssatz zugrunde zu legen, der
eigenmächtig von ihr im Vorjahr für das folgende Kalenderjahr festzulegen sei, und erst
ab Erreichen dieses Referenzzinssatzes könne ein Überschuss anfallen. Zudem
verkenne die Beklagte, dass sie mit Geld, das ihm (dem Kläger) gehöre, treuhänderisch
gewirtschaftet habe und er Anspruch auf volle Transparenz besitze (act. G 1).
B.a.
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Die Beklagte reichte am 18. Mai 2020 ein Schreiben des Klägers vom 1. März
2020 ein, worin er mitteilte, er habe die Bevollmächtigung von Rechtsanwalt Auer mit
sofortiger Wirkung widerrufen. Ab dem 1. März 2020 seien alle seine Handlungen
betreffend die Leistungen aus den Lebensversicherungsverträgen mit der AXA Leben
AG ungültig (act. G 3.1). Der Beklagten erschien es zweifelhaft, ob Rechtsanwalt Auer
zur Klageerhebung überhaupt noch genügend bevollmächtigt gewesen sei, und sie
ersuchte das Versicherungsgericht, das Verfahren bis zur Klärung der Frage der
rechtsgültigen Vertretung des Klägers zu sistieren (act. G 3).
B.b.
Rechtsanwalt Auer reichte am 2. Juni 2020 eine am 27. Mai 2020 vom Kläger
unterzeichnete Anwaltsvollmacht ein (act. G 6.1). Diese belege, dass er über den März
2020 hinaus zur Vertretung des Klägers befugt sei (act. G 6). Das Versicherungsgericht
teilte der Beklagten mit Schreiben vom 3. Juni 2020 mit, dass die Anwaltsvollmacht
vom 27. Mai 2020 ein ausreichender Beleg für die Rechtsvertretungsbefugnis von
Rechtsanwalt Auer sei (act. G 7).
B.c.
Die Beklagte beantragte in der Klageantwort vom 13. August 2020, die Klage sei
vollumfänglich abzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Sie anerkannte,
dass der Kläger die Prämien während der Laufzeit der beiden Versicherungsverträge
regelmässig und vollständig entrichtet habe. Bezüglich der Police Nr. 1_ («winplus+»)
führte sie aus, dass in Ziff. 4 der Allgemeinen Bestimmungen ausdrücklich erwähnt
werde, dass ein Bonus - abgesehen vom ausdrücklich in der Police garantierten
Mindestbonus von Fr. 4'301.-- - grundsätzlich nicht garantiert werden könne. Die Höhe
eines allfälligen Bonus hänge von den Aufwendungen für Todes- bzw.
Erwerbsunfähigkeitsfälle, von der Entwicklung der Kosten sowie vom Ertrag der
Kapitalanlagen ab. Es werde folglich je nach Herkunft zwischen Zins- (Anlage-), Risiko-
und Kostenüberschüssen unterschieden. Bei der Police Nr. 2_ («winspiro») werde in
Ziff. 8.2 der Allgemeinen Versicherungsbedingungen geregelt, dass der Bonus aus den
Überschüssen finanziert, jährlich festgesetzt und nicht garantiert werde. Überschüsse
entstünden, wenn gegenüber den Annahmen bei den Prämienberechnungen die
Kapitalanlagen höher und die Aufwendungen für Todes- bzw. Erwerbsunfähigkeitsfälle
tiefer und/oder die Kosten geringer seien. Dabei werde ebenfalls nach der Herkunft des
Überschusses zwischen Zins-, Risiko- und Kostenüberschuss unterschieden. Ebenfalls
sei festgehalten, dass kein bestimmter Verteilschlüssel für die Überschusszuteilung aus
B.d.
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Kapitalanlagen festgelegt werde. Bei beiden Versicherungsverträgen sei kein Anspruch
auf Herausgabe von Überschussberichten, Jahresberichten, Kostenblättern usw.
vereinbart worden. Dem Kläger seien seit dem Jahr 2007 alle Jahresberichte betreffend
die Überschussbeteiligung zugestellt worden. Im ersten Jahresbericht (Jahr 2007) sei
der Kläger darauf hingewiesen worden, dass die Informationen zur
Überschussbeteiligung inskünftig in dieser Form mitgeteilt würden und damit die
vormaligen Angaben auf den Prämienrechnungen bzw. der Bonuswertermittlung
entfallen würden. Folglich sei der Kläger entgegen seinen Behauptungen jährlich über
die Erträge des Kapitals aufgeklärt worden und zwar über die gesamte Laufzeit der
beiden Verträge (bis 2007 mit der Prämienrechnung, ab 2007 mit dem Jahresbericht).
Im Rahmen der Schlichtungsbemühungen habe sie dem Kläger zudem Wertverläufe für
die beiden Versicherungsverträge ausgehändigt. Ihm seien folglich alle Angaben
gemacht worden, die zur Ermittlung und Berechnung seiner Ansprüche erforderlich
gewesen seien. Den klägerischen Ausführungen über ungenügende Aufklärung und
Anspruch auf Einsicht in die Jahresabschlüsse liege die Fehlannahme zugrunde, es sei
ihm - was den Zinsüberschuss anbelange - in beiden Versicherungsverträgen ein
Anspruch auf den auf sein Kapital anfallenden Anteil des konkreten Anlageertrags
eingeräumt worden. Des Weiteren machte die Beklagte Ausführungen zu den
massgebenden aufsichtsrechtlichen Bestimmungen, mit denen die von ihr ermittelte
Überschusszuteilung vereinbar sei. Klarzustellen sei ausserdem, dass es sich bei den
beiden strittigen Versicherungsverträgen nicht um anteilsgebundene Produkte handle,
bei denen der Versicherer dem Versicherungsnehmer am Ende der Vertragslaufzeit den
exakten Gegenwert seiner Anlagen schulde. Zudem habe sie den Kläger mit Schreiben
vom 20. August 2019 auf sein Recht hingewiesen, den Rückkaufs- und
Umwandlungswert seiner Verträge bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht
FINMA unentgeltlich auf ihre Richtigkeit überprüfen zu lassen. Von diesem Recht habe
er bis heute keinen Gebrauch gemacht. Entgegen der Sichtweise des Klägers habe sie
die Überschusszuteilung nach gängigen versicherungsrechtlichen/-mathematischen
Grundsätzen und nicht frei festgelegt. Dieser habe mit den beiden Verträgen einen
Profit von Fr. 44'993.-- erzielt (act. G 10).
Der Kläger verzichtete stillschweigend auf eine Replik (act. G 14).B.e.
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Erwägungen
1.
Den vorliegend eingeklagten Ansprüchen liegen unbestrittenermassen zwei
Lebensversicherungsverträge zugrunde, bei denen es sich je um eine anerkannte und
steuerlich begünstigte berufliche Vorsorgeform im Sinn von Art. 82 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
(BVG; SR 831.40) und Art. 1 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die steuerliche
Abzugsberechtigung für Beiträge an anerkannte Vorsorgeformen (BVV 3; SR 831.461.3)
handelt (Säule 3a). Solche Streitigkeiten fallen in die sachliche Zuständigkeit der
Vorsorgegerichte (Art. 73 Abs. 1 lit. b BVG) bzw. des Versicherungsgerichts (Art. 65
Abs. 1 lit. e des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951]).
Entgegen dem Wortlaut von Art. 73 Abs. 3 BVG besteht bei Klagen gegen eine
Einrichtung der gebundenen Selbstvorsorge (Säule 3a) ein alternativer Gerichtsstand
am Wohnsitz des Klägers (Urteil des Bundesgerichts vom 12. März 2012, 9C_41/2012,
E. 3.3.1 mit Hinweis auf das Urteil vom 30. März 2009, 9C_944/2008, E. 5.3 f.). Da der
Kläger Wohnsitz im Kanton D._ hat, ist das Versicherungsgericht örtlich für die
Beurteilung der Klage zuständig. Folglich ist darauf einzutreten, da auch sämtliche
weiteren Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind (betreffend die Vertretungsbefugnis des
Rechtsvertreters des Klägers zur Klageerhebung siehe act. G 7).
2.
Der Kläger fordert von der Beklagten aus beiden Lebensversicherungsverträgen (Police
Nr. 1_ [«winplus+»], abgeschlossen am 13. Dezember 1996, act. G 1.3, und Police
Nr. 2_ [«winspiro»], abgeschlossen am 29. Januar 1998, act. G 1.2) je eine höhere
Überschussbeteiligung.
bis
Kapital bildende Lebensversicherungsverträge haben typischerweise eine lange
Vertragsdauer, wobei sowohl die Versicherungsleistungen als auch die Höhe der
Prämien bereits bei Vertragsschluss festgelegt werden. Mit der Berechnung der
Prämienhöhe legt das Versicherungsunternehmen zum Voraus einen garantierten
Höchstpreis für das Versicherungsprodukt fest. Die Modellbetrachtungen hängen aber
von zahlreichen Parametern ab, deren Höhe während der für Lebensversicherungen
meist langen Vertragsdauer nur mit grossen Unsicherheiten abschätzbar ist. Die
Versicherungsunternehmen errechnen daher eine während der Vertragsdauer
gleichbleibende Durchschnittsprämie. Zudem werden auch die zugesicherten
2.1.
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Leistungen bei Vertragsschluss für die gesamte Vertragsdauer garantiert. Weder eine
nachträgliche einseitige Abänderung noch eine einseitige Anpassung dieser
Vertragsbestandteile ist möglich. Um den zahlreichen Risiken angemessen Rechnung
zu tragen, nehmen die Versicherungsunternehmen nicht zuletzt auch aus
Solvenzgründen mittels Einbezugs von Sicherheitszuschlägen eine möglichst
vorsichtige Prämienkalkulation vor; eine derartige vorsichtige Kalkulation ist auch
versicherungsaufsichtsrechtlich geboten. Werden die Prämien vorsorglich in der Weise
ausgestaltet, dass sie den tatsächlichen Risiko- und Kostenbedarf übersteigen, und
ergibt sich daraus ein Gewinn des Versicherungsunternehmens, sollen die
Versicherungsnehmenden an diesem Gewinn beteiligt werden. Bereits bei
Vertragsschluss wird diesen daher neben der Todes- oder Erlebensfallleistung eine
zusätzliche Leistung in Form der sogenannten Überschussbeteiligung zugesichert. Die
Höhe der Überschussbeteiligung kann im Zeitpunkt des Vertragsschlusses nicht exakt
beziffert werden. Ein gesetzlicher Anspruch auf eine Überschussbeteiligung besteht
nicht. Ein solcher hängt somit von einer entsprechenden Zusage einer
Versicherungsgesellschaft ab bzw. davon, ob überhaupt Überschüsse erwirtschaftet
werden (vgl. zum Ganzen BGE 140 II 18 f. E. 2.2 mit Hinweisen sowie zu den
Grundprinzipien einer erfolgsabhängigen Überschussbeteiligung die Richtlinien des
Bundesamtes für Privatversicherungen [BPV] 1/2008 - Lebensversicherungsrichtlinie,
S. 17 Mitte).
Die Police Nr. 1_ («winplus+») beinhaltet «Leistungen aus
Ueberschussbeteiligung angesammelter Bonus, mindestens aber Fr. 4'391.-- im
Erlebensfall am 1._2018» (act. G 1.3). In der Police Nr. 2_ («winspiro») wurde ein
«Leistungsbonus» vereinbart (act. G 1.2). Ziff. 4 der vorliegend massgebenden
Allgemeinen Bestimmungen für die gebundene Vorsorge (AG) der Winterthur-Leben,
Ausgabe 11.92, regelt: Zusätzlich zur vereinbarten Versicherungsleistung gewähren wir
in der Regel einen Bonus. Dessen Höhe hängt von unseren Aufwendungen für Todes-
bzw. Erwerbsunfähigkeitsfälle, von der Entwicklung der Kosten sowie vom Ertrag der
Kapitalanlagen ab und kann nicht garantiert werden» (act. G 1.10). In den
Versicherungsbestimmungen für die gebundene Vorsorge (C3/1) der Winterthur-Leben,
Ausgabe 01.97, legt Ziff. 8.2 fest: Der Bonus, welcher aus den Überschüssen finanziert
wird, wird jährlich festgesetzt und kann nicht garantiert werden. Diese Überschüsse
entstehen, wenn gegenüber den Annahmen, welche der Prämienberechnung zugrunde
liegen, die Erträge der Kapitalanlagen höher, die Aufwendungen für Todes- bzw.
Erwerbsunfähigkeitsfälle tiefer und/oder die Kosten geringer sind (act. G 1.11).
Ziff. 8.3.1 ergänzt betreffend Leistungsbonus: «Der Leistungsbonus wird per Ablauf
jedes Versicherungsjahres zugewiesen. Mit den jährlichen Überschüssen wird eine
2.2.
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separat geführte Versicherung mit gleicher Leistung im Erlebens- und Todesfall
finanziert, welche wiederum bonusberechtigt ist. Der angesammelte Leistungsbonus
wird am festgelegten Endtermin, frühestens jedoch fünf Jahre vor Erreichen des AHV-
Alters, oder im Todesfall der versicherten Person ausbezahlt» (act. G 1.11). Ziff. 2 TB
bestimmt, dass die Versicherungsleistung aus dem Bonus am festgelegten Endtermin
oder im Todesfall der betreffenden Person ausbezahlt wird. Bei der gebundenen
Vorsorge wird der Leistungsbonus für verschiedene Versicherungsleistungen in
derselben Police getrennt berechnet und auf den Endtermin der Versicherung mit der
längsten Dauer umgerechnet (Bonus-Zusammenzug). Eine über die in der Police
Nr. 1_ («winplus+») zugesicherte Mindestüberschussbeteiligung von Fr. 4'391.--
hinausgehende Überschussbeteiligung ist nach den vertraglichen Bestimmungen nicht
garantiert. Aber es besteht von Anfang an ein vertraglicher Anspruch auf eine
(weitergehende) Überschussbeteiligung, sofern denn ein entsprechender Überschuss
entsteht (act. G 1.12).
Vor Erlass des Bundesgesetzes über die Aufsicht über Versicherungsunternehmen
(VAG; SR 961.01; Inkrafttreten am 1. Januar 2006) prüfte die Aufsichtsbehörde im
Rahmen der präventiven Produktekontrolle die Überschusspläne, die von ihr zu
genehmigen waren. Dadurch sollte verhindert werden, dass den Versicherten
überhöhte Prämien in Rechnung gestellt wurden und dass sie nicht oder zu wenig am
Überschuss beteiligt wurden (Botschaft zu einem Gesetz betreffend die Aufsicht über
Versicherungsunternehmen [Versicherungsaufsichtsgesetz, VAG] und zur Änderung
des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag vom 9. Mai 2003, BBl 2003
3824 f.). Auch wenn das Bundesamt für Privatversicherungen nur die Überschusspläne
und nicht die Zuteilung auf die einzelnen Versicherungsverhältnisse überprüft hatte,
bestand damit eine gewisse Kontrolle der Versicherer. Es ist weder erkennbar noch
vom Kläger geltend gemacht worden, dass die vom vorliegenden Streit betroffenen
Versicherungsverträge - namentlich die Bestimmungen bezüglich
Überschussbeteiligung und die Überschusspläne - von der damaligen
Aufsichtsbehörde nicht genehmigt worden wären bzw. unzulässige Bestandteile
enthielten.
2.3.
Das am 1. Januar 2006 in Kraft getretene VAG ersetzte die bis dahin gültige
präventive Produktkontrolle durch eine verschärfte Solvenzkontrolle (BPV-Info Nr. 18
vom 3. Oktober 2008).
2.4.
Versicherungsunternehmen, welche die direkte Einzel- oder
Kollektivlebensversicherung betreiben und Lebensversicherungsverträge mit
2.4.1.
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Überschussbeteiligung erfüllen müssen, haben den Versicherten gemäss Art. 36 Abs. 2
Satz 1 VAG jährlich eine nachvollziehbare Abrechnung über die Überschussbeteiligung
abzugeben. Aus dieser muss insbesondere hervorgehen, auf welchen Grundlagen die
Überschüsse berechnet und nach welchen Grundsätzen sie verteilt wurden (Art. 36
Abs. 2 Satz 2 VAG). Es sind insbesondere folgende Angaben zu machen: die aktuellen
Grundlagen zur Berechnung der Überschussbeteiligung und die Grundsätze ihrer
Verteilung; die Höhe der Überschussbeteiligung; bei Verträgen mit Schlussüberschuss:
Stand des Mindestanspruchs auf einen Schlussüberschussanteil bei Ablauf der vollen
Vertragsdauer sowie Stand des Anteils der Rückstellung für den Schlussüberschuss,
der bei Rückkauf zugesichert wird. Bei allen Verträgen, bei denen es möglich und
sinnvoll ist, soll eine Differenzierung der Überschussbeteiligung nach Zins, Risiko und
Kosten vorgenommen werden (Art. 36 der Lebensversicherungsrichtlinie;
Rundschreiben 2016/6 Lebensversicherung der FINMA, Rz 123 ff.).
Die Versicherungsunternehmen bilden für Überschüsse in der
Lebensversicherung ausserhalb der beruflichen Vorsorge einen Überschussfonds.
Dieser ist eine versicherungstechnische Bilanzposition zur Bereitstellung der den
Versicherten zustehenden Überschussanteile (Art. 136 Abs. 1 der Verordnung über die
Beaufsichtigung von privaten Versicherungsunternehmen [AVO; SR 961.011]). Im
Überschussfonds wird der dem Versichertenkollektiv zugewiesene Teil des
erwirtschafteten Jahresüberschusses thesauriert (Art. 136 Abs. 2 AVO).
Überschussanteile an die Versicherten dürfen nur dem Überschussfonds entnommen
werden (Art. 136 Abs. 3 AVO). Jährlich sind dem Überschussfonds mindestens 20 %
der darin angesammelten Überschüsse zu entnehmen und den Versicherten zuzuteilen
(Art. 136 Abs. 4 AVO). Die jährliche Zuweisung kann auch den Wert Null betragen
(Art. 31 Abs. 1 der Lebensversicherungsrichtlinie; Rundschreiben 2016/6
Lebensversicherung der FINMA, Rz 100). Die jährliche Entnahme spiegelt also nur
partiell den Geschäftsverlauf im aktuellen Geschäftsjahr wider. Es findet eine Glättung
über die erfolgreichen und weniger erfolgreichen Jahre statt (Erläuterungen zu Art. 31
der Lebensversicherungsrichtlinie; siehe hierzu auch das Rundschreiben 2016/6
Lebensversicherung der FINMA, Rz 95). Fehlbeträge dürfen dem Überschussfonds nur
entnommen werden, wenn die Erträge des Versicherungsunternehmens für die
geschäftsplanmässige Bestellung der technischen Rückstellungen nicht ausreichen
(Art. 136 Abs. 5 AVO).
2.4.2.
Die Überschusszuteilung ist nach anerkannten versicherungsmathematischen
Methoden und unter Vermeidung missbräuchlicher Ungleichbehandlungen
vorzunehmen (Art. 137 Abs. 1 AVO). Die Überschusszuteilung hat nach anerkannten
2.4.3.
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aktuariellen Methoden zu erfolgen (Art. 32 Abs. 1 der Lebensversicherungsrichtlinie, die
in Art. 32 Abs. 1 lit. a ff. in nicht abschliessender Weise zulässige Methoden nennt;
siehe auch Rundschreiben 2016/6 Lebensversicherung der FINMA, Rz 104). Die
Überschussbeteiligung besteht aus Zins-, Risiko- und Kostenkomponenten, die bei der
Überschusszuteilung pro Teilbestand bestimmt werden müssen. Die
Überschusskomponenten können negativ sein und miteinander verrechnet werden. Pro
Teilbestand und pro Vertrag müssen aber sowohl die Summe der
Überschusskomponenten als auch der Anteil für die laufende Überschussbeteiligung
und der Anteil für den Schlussüberschuss jeweils grösser oder gleich Null sein (Art. 32
Abs. 2 der Lebensversicherungsrichtlinie; Rundschreiben 2016/6 Lebensversicherung
der FINMA, Rz 105). Innerhalb der Teilbestände wird die Zuteilung der
Überschussbeteiligung zu den einzelnen Verträgen grundsätzlich proportional zu den
Bezugsgrössen Risikoprämie Tod und Invalidität, Kostenprämie und Deckungskapital
vorgenommen (Art. 32 Abs. 3 der Lebensversicherungsrichtlinie; Rundschreiben 2016/6
Lebensversicherung der FINMA, Rz 106). Sobald die Überschussanteile an die
einzelnen Versicherten zugeteilt sind, gelten sie als geschuldet. Sie sind den
Anspruchsberechtigten entsprechend den vertraglichen Regelungen auszuschütten
oder, falls die verzinsliche Ansammlung der Überschussanteile vereinbart wurde, in
einer eigens dafür geschaffenen versicherungstechnischen Bilanzposition auszuweisen
(Art. 137 Abs. 2 AVO). Das System der Überschussbeteiligung darf während der
Laufzeit eines Vertrags nicht zu Ungunsten der Versicherten geändert werden (Art. 137
Abs. 3 AVO). Sieht der Lebensversicherungsvertrag einen Schlussüberschussanteil vor,
so ist dafür eine gesonderte, vertragsindividuelle Rückstellung zu bilden und jährlich zu
alimentieren. Der Schlussüberschussanteil darf nicht nur aus der Ertragssituation beim
Ablauf des Vertrags abgeleitet werden (Art. 138 Abs. 1 AVO).
In Nachachtung der ihr obliegenden Pflichten (siehe vorstehende E. 2.4.1) und
entgegen den Behauptungen des Klägers (act. G 1, III. Rz 6) orientierte die Beklagte
den Kläger periodisch über die Überschussbeteiligung bzw. die entsprechende
Abrechnung (act. G 10.7 f.; siehe auch act. G 10, Rz 14). Zudem orientierte sie den
Kläger mit Schreiben vom 20. August 2019, u.a. anhand von Darstellungen der
Wertverläufe, eingehend über die Berechnungsgrundlagen (act. G 1.9 und act.
G 10.10). Dieser legte weder substanziiert dar noch ist ersichtlich, dass die darin
vorgenommenen Be- bzw. Abrechnungen nicht nachvollziehbar, geschweige denn
unrichtig gewesen wären. Ein weiterer Abklärungsbedarf ist folglich zu verneinen,
weshalb sein Editionsbegehren betreffend die Jahresabschlüsse der Beklagten für die
Jahre 1996 bis 2019 abzuweisen ist.
2.4.4.
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3.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Klage vollumfänglich abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Ausgangsgemäss hat der
Kläger keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.