Decision ID: 1aceeb56-1fca-4f58-a5e2-6929cbca9a05
Year: 2016
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2012 vom 27. Februar 2014 wurden die
deklarierten Schuldzinsen von Fr. 41‘380.-- und Schulden von Fr. 868‘952.-- auf je Fr. 0.-- korri-
giert.
2. Mit Eingabe vom 14. März 2014 erhob der Vertreter mit dem Begehren, das steuerbare
Einkommen und Vermögen sei auf Fr. 0.-- festzusetzen, Einsprache.
3. Mit Schreiben vom 25. November 2014 wandte sich die Steuerverwaltung an den Vertre-
ter und wies darauf hin, Voraussetzung für den Schuldzinsenabzug sei‚ dass der Gläubiger ge-
nannt werde und alle zur Überprüfung des Schuldverhältnisses erforderlichen Angaben ge-
macht würden.
4. Mit Einsprachebegründung vom 29. Januar 2015 reichte der Vertreter diverse Unterla-
gen nach und führte aus, daraus ergebe sich, dass das deklarierte Darlehen der Schwester
nicht fingiert sei. Da der Steuerpflichtige mit den monatlichen Überweisungen aber hauptsäch-
lich die laufenden Kosten seiner Firma gedeckt habe, sei dort ein ähnlich hohes Kontokorrent-
guthaben entstanden, welches uneinbringlich sei.
5. Mit Schreiben vom 26. März 2015 wandte sich die Steuerverwaltung an den Vertreter
und ersuchte denselben, Unterlagen betreffend das Kontokorrentguthaben und die Steuern der
Schwester nachzureichen.
6. Mit Eingabe vom 16. April 2015 reichte der Vertreter Unterlagen betreffend das Konto-
korrentguthaben nach und führte aus, daraus ergebe sich, dass das Gehalt des Pflichtigen nur
äusserst selten effektiv ausbezahlt worden sei. Hinsichtlich der Unterlagen betreffend die Steu-
ern wies er darauf hin, dass sich die Schwester geweigert habe, dieselben offenzulegen.
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7. Mit Einsprache-Entscheid vom 27. Mai 2015 wies die Steuerverwaltung die Einsprache
ab. Zur Begründung führte sie aus, der Pflichtige habe keine Rückzahlungen geleistet. Es sei
höchst ungewöhnlich und widerspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, dass ein Darlehens-
vertrag abgeschlossen werde, in dessen Rahmen während Jahren regelmässig das Darlehen
aufgestockt und auf eine Rückzahlung verzichtet werde, obwohl feststehe, dass aufgrund der
fehlenden Bonität des Darlehensnehmers nicht mit einer Rückzahlung gerechnet werden kön-
ne. Der Pflichtige deklariere seit Jahren ein bescheidenes Einkommen, wobei der Lohn regel-
mässig dem Kontokorrentguthaben gutgeschrieben worden sei. Die Rückzahlung der Darle-
hensschuld samt Schuldzinsen sei objektiv unmöglich. Es liege daher ein simuliertes Darlehen
vor.
8. Mit Amtshilfeersuchen vom 4. Juni 2015 wandte sich die Steuerverwaltung an die Eid-
genössische Steuerverwaltung (ESTV) bzw. die Steuerbehörde des Landes B._.
9. Mit Eingabe vom 26. Juni 2015 erhob der Vertreter mit den Begehren, 1. Es sei das
steuerbare Einkommen und Vermögen auf Fr. 0.-- festzusetzen; 2. Eventualiter seien die
Schuldzinsen und die Darlehensschuld gegenüber der Schwester entsprechend deren Steuer-
deklaration im Land B._ mit Fr. 586'289.-- (Vermögen) bzw. Fr. 13‘459.-- (Einkommen) zum
Abzug zuzulassen, während andererseits das Kontokorrentguthaben des Steuerpflichtigen ge-
genüber seiner Firma sowie die Stammanteile daran wegen Uneinbringlichkeit vom steuerbaren
Vermögen abzuziehen, d.h. mit Fr. 0.-- zu berücksichtigen seien; 3. Unter o/e-Kostenfolge, Re-
kurs. Zur Begründung machte er geltend, zwischenzeitlich habe sich die Schwester bereit er-
klärt, ihre Steuerunterlagen freiwillig herauszugeben. Daraus ergebe sich, dass das Darlehen
stets korrekt deklariert und versteuert worden sei. Das Darlehen habe sich von ursprünglich
sehr bescheidenen Beträgen erst über lange Jahre hinweg zum schliesslich recht hohen End-
betrag entwickelt. Es sei von Anfang an gewollt und keineswegs simuliert gewesen. Vielmehr
seien beide Parteien wohl dadurch überrascht worden, dass sich das Geschäft des Pflichtigen
nicht so etabliert habe wie ursprünglich erhofft.
10. Mit Vernehmlassung vom 6. August 2015 beantragte die Steuerverwaltung unter Ver-
weis auf das Amtshilfeersuchen die Sistierung des Verfahrens.
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11. Mit Verfügung des Steuergerichts vom 19. November 2015 wurde das Verfahren bis
zum Vorliegen der Antwort der Steuerbehörde des Landes B._ auf das Amtshilfeersuchen
(Antwort) sistiert.
12. Mit Vernehmlassung vom 3. März 2016 machte der Vertreter geltend, das Amtshilfeer-
suchen sei ohne Information des Pflichtigen gestellt worden. Überdies seien im Rekurs die
Steuerunterlagen der Schwester bereits eingereicht worden, woraus ersichtlich gewesen sei,
dass sie das Darlehen deklariert und lediglich hinsichtlich der Beträge Differenzen bestanden
hätten. Die Antwort zeige dasselbe. Man stimme der Auffassung der Steuerbehörde des Lan-
des B._ insofern zu, als dass das Darlehen uneinbringlich sei, nicht aber, dass dasselbe
simuliert sein solle.
13. Mit Vernehmlassung vom 3. März 2016 beantragte die Steuerverwaltung die Abweisung
des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, aufgrund der Antwort werde man in der eigenen
Auffassung bestärkt, sei doch aus den Aussagen der Schwester erkennbar, dass die geliehe-
nen Beträge zur Bestreitung des Lebensunterhalts des Rekurrenten genutzt worden und weder
Zins- noch Rückzahlungen erfolgt seien. Es handle sich daher um ein simuliertes Darlehen.
14. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Begehren fest. Ergän-
zend reichte der Vertreter ein Dokument ein, wonach die Schwester, da sie mit der Antwort
bzw. dem darin enthaltenen Protokoll ihrer Befragung nicht einverstanden gewesen sei, die
Steuerbehörde des Landes B._ eingeklagt habe und machte geltend, daher sei die Antwort
noch nicht rechtskräftig. Die Frage, ob man sich in der Schweiz gegen das Amtshilfeersuchen
gewehrt habe, wurde seitens des Vertreters verneint.

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
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ständig. Gemäss § 129 Abs. 1 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im
vorliegenden Fall Fr. 2'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigt, vom Präsidenten des Steuerge-
richts beurteilt. Stellen sich bei Rekursen nach den Absätzen 1 und 2 Rechtsfragen von grund-
sätzlicher Bedeutung, kann der Einzelrichter beziehungsweise das Dreiergremium den Fall dem
Fünfergremium zur Beurteilung übertragen (§ 129 Abs. 5 StG). Nach Prüfung des Sachverhal-
tes ist das Steuergericht zum Schluss gekommen, dass es sich beim vorliegenden Rekurs um
eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung handelt, weshalb der Fall dem Fünfergremium
zur Beurteilung übertragen wurde.
2. Vorliegend unterliegt zunächst der Beurteilung, ob die Steuerverwaltung die Darlehens-
schuld und die Schuldzinsen zu Recht nicht zum Abzug zugelassen hat.
3. a) Gemäss Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten
Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) vom 14. Dezember 1990 werden von den gesam-
ten steuerbaren Einkünften die zu ihrer Erzielung notwendigen Aufwendungen und die allge-
meinen Abzüge abgezogen. Gemäss Abs. 2 lit. a sind allgemeine Abzüge die privaten Schuld-
zinsen im Umfang des nach den Art. 7 und 7a steuerbaren Vermögensertrages und weiterer
Fr. 50‘000.--. Gemäss § 29 Abs. 1 lit. f StG werden von den steuerbaren Einkünften die privaten
Schuldzinsen im Umfang des nach § 24 StG steuerbaren Vermögensertrages und weiterer
Fr. 50'000.-- abgezogen.
b) Für die Abzugsfähigkeit nach diesen Bestimmungen wird zuerst einmal voraus-
gesetzt, dass es sich um Schuldzinsen handelt. Der Begriff der Schuldzinsen ist dabei eng aus-
zulegen. Schuldzinsen sind alle Vergütungen, welche der Steuerpflichtige einer Drittperson für
die Gewährung einer Geldsumme oder das ihm zur Verfügung gestellte Kapital zu leisten hat,
sofern dieses Entgelt nach der Zeit und als Quote des Kapitals in Prozenten berechnet wird und
damit nicht die Kapitalschuld getilgt wird. Das Vorhandensein einer Kapitalschuld ist Vorausset-
zung für die Abzugsfähigkeit von Schuldzinsen. Schuldzinsen sind alle geldwerten Leistungen
für die Kapitalnutzung, soweit sie nicht zur Rückzahlung des Kapitals führen. Es ist dabei uner-
heblich, ob das Entgelt periodisch oder aperiodisch geleistet wird, in einem festen Prozentsatz
oder ob es variabel (z.B. indexiert) ist (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum
Zürcher Steuergesetz, 3. A. Zürich 2013, § 31 N 8, m.w.H.).
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c) Die Schuldzinsen sind im Zeitpunkt der Fälligkeit abzugsfähig, und zwar grund-
sätzlich unabhängig davon, ob sie in diesem Zeitpunkt auch tatsächlich bezahlt worden sind
(vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 31 N 24; Entscheid des Steuergerichts [StGE] Nr.
81/2005 vom 24. Juni 2005, www.bl.ch/steuergericht).
d) Nach Art. 312 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizeri-
schen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) vom 30. März 1911 (OR) ist ein Dar-
lehensnehmer zur Rückzahlung des Darlehens verpflichtet. Wird die äussere Form des Darle-
hens nur simuliert, d.h. bloss zum Schein gewählt oder gewahrt, dann handelt es sich bei der
Zuwendung gar nicht wirklich um Fremdkapital, sondern um eine Kapitaleinlage bzw. einen Zu-
schuss. Für sich allein erweist sich das Fehlen eines schriftlichen Vertrags als nur wenig auf-
schlussreich, da es auch auf anderen Gründen als einer Simulationsabsicht beruhen kann.
Aussagekräftiger ist es, wenn das Darlehen weder bei der Gläubigerin noch beim Schuldner in
der Bilanz aufgeführt wird und der Borger gegenüber den Steuerbehörden auch nicht um den
Abzug seiner Schuldzinsen ersucht. Ein solches Vorgehen kann bedeuten, dass die Betroffe-
nen selber von der (buchhalterischen) Nichtexistenz des Darlehens ausgehen. Der Umstand,
dass der statutarische Geschäftszweck der Darlehensgeberin nicht die Gewährung von Kredi-
ten umfasst, lässt ebenfalls noch nicht zwingend auf eine Simulation schliessen. Eine solche ist
jedoch z.B. dann anzunehmen, wenn die zugeflossenen Mittel beim Empfänger zu einem gros-
sen Teil für die Bestreitung seines privaten Lebensaufwandes verwendet werden oder diesem
ermöglicht wird, seine privaten Schulden mit Hilfe eines Geschäftskredits umzuschulden, wenn
also ein Darlehen im eigentlichen Sinn gar nicht gewollt ist. Die Voraussetzungen für eine Simu-
lation sind erst dort deutlich erfüllt, wo sich der Darlehensschuldner in äusserst angespannten
finanziellen Verhältnissen befindet und nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft seinen aus dem
Darlehen resultierenden Verpflichtungen (Zins- und Amortisationszahlungen) auf Dauer nach-
zukommen. Im Zusammenhang mit allenfalls simulierten Darlehen erweist sich eine weitere
Unterscheidung als wesentlich: Einerseits sind jene Fälle zu nennen, in denen die Rückzahlung
des Darlehens von allem Anfang an (d.h. schon bei der Gewährung des Kredits) nicht geplant
ist. Andererseits ergeben sich Fälle, in denen ein fehlender Rückerstattungswille nur im Nach-
hinein angenommen werden kann, weil die Darlehensgeberin erst in einem späteren Zeitpunkt
auf ihre (bislang ernsthaft aufrechterhaltene) Forderung gegenüber dem Schuldner verzichtet.
Die beiden Varianten werden in der Lehre bzw. teilweise in der Praxis mit den Begriffen der
ursprünglichen und der nachträglichen Simulation bezeichnet, was mit der privatrechtlichen
Terminologie nicht vollumfänglich übereinstimmt. Auch bei der Bestimmung einer allfälligen Si-
mulation ist von dem zwischen den Beteiligten abgeschlossenen Vertrag auszugehen und die
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Gesamtheit der konkreten Umstände zu berücksichtigen. Je nachdem rechtfertigt es sich, be-
sonders auf den Zeitpunkt der Darlehensgewährung abzustellen und spätere Entwicklungen nur
insoweit in Betracht zu ziehen, als sie zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt oder zumindest ab-
sehbar waren. Eine Simulation muss jedoch auf klaren Indizien beruhen. Ergibt sich für den
Zeitpunkt der Darlehensgewährung noch kein aussagekräftiges Bild, so hat die Steuerbehörde
zuzuwarten, bis sich diese Indizien zum eindeutigen Beweis verdichtet haben. Für eine spätere
Beurteilung kann wesentlich sein, dass die Darlehensschuld zumindest teilweise abgebaut wird.
Umgekehrt ist je nachdem massgeblich, dass das Darlehen trotz (sehr) schwieriger Finanzver-
hältnisse des Schuldners noch (mehrmals) beträchtlich erhöht wird (vgl. Entscheid des Bundes-
gerichts [BGE] 138 II 57, E. 5, m.w.H.).
e) Vorliegend hat der Rekurrent mit seiner Schwester, wohnhaft im Land B._,
mit Datum vom 26. März bzw. 14. April 1998 zwei Darlehensverträge über die Beträge von
20‘000.-- sowie 11‘000.-- (in der Währung des Landes B._) abgeschlossen. Die Verzinsung
betrug 3% pro Jahr. Hinsichtlich der Rückzahlung wurde vereinbart, dass der Pflichtige die Dar-
lehen spätestens ab April 1999 in monatlichen oder quartalsweisen Raten zurückzuzahlen ha-
be. In der Folge wurden indes weder Zinsen bezahlt noch erfolgten Rückzahlungen. Mit Datum
vom 17. Januar 2000 schlossen die Parteien einen weiteren Darlehensvertrag, wobei die vorhe-
rigen Darlehen integriert wurden. Die Schwester verpflichtete sich, dem Rekurrenten ab dem
1. Januar 2000 einen variablen Betrag zum Zweck des Lebensunterhalts während des Aufbaus
dessen am 6. Januar 1997 gegründeten Firma D._ GmbH zu leihen. Als Richtschnur für das
monatliche Darlehen war ein Betrag von Fr. 3‘000.-- vorgesehen. Die Verzinsung betrug 5% pro
Jahr. Hinsichtlich der Rückzahlung wurde vereinbart, dass der Rekurrent, sobald er dazu in der
Lage sei, das Darlehen zu amortisieren habe. Die Zinsen wurden zur jährlichen Darlehens-
summe addiert. In der Folge wurden erneut weder Zinsen bezahlt noch erfolgten Rückzahlun-
gen. Gemäss einer vom Pflichtigen ins Recht gelegten „Übersicht Darlehen 2012“ betrug der für
das Jahr 2012 geschuldete Zins Fr. 41‘380.--, wobei sich der Saldo des Darlehens per 31. De-
zember 2012 inkl. dem vorgenannten Zins auf Fr. 868‘952.-- belief. Bis zum Steuerjahr 2011
wurden die vom Pflichtigen deklarierten Schulden und Schuldzinsen seitens der Steuerverwal-
tung stets akzeptiert, so beispielsweise im Steuerjahr 2011 im Umfang von Fr. 827‘572.-- bzw.
Fr. 38‘318.--.
f) Mit Amtshilfeersuchen vom 4. Juni 2015 wandte sich die Steuerverwaltung an die
Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) bzw. die Steuerbehörde des Landes B._. Der
Vertreter des Rekurrenten macht in diesem Zusammenhang geltend, das Ersuchen sei ohne
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Information des Pflichtigen erfolgt. Mit Vernehmlassung vom 6. August 2015, welche dem Ver-
treter zugestellt wurde, stellte die Steuerverwaltung unter Hinweis auf das vorgenannte Ersu-
chen einen Sistierungsantrag, so dass der Vertreter von demselben wusste. Anlässlich der
beim Steuergericht vorgenommenen Akteneinsicht vom 10. November 2015 erhielt der Vertre-
ter zudem Kenntnis vom entsprechenden Ersuchen und konnte mit Vernehmlassung vom
3. März 2016 sowohl dazu als auch zur Antwort Stellung nehmen. Damit ist keine Verletzung
des Bundesgesetzes über die internationale Amtshilfe in Steuersachen (Steueramtshilfegesetz,
StAhiG) vom 28. September 2012 erkennbar, zumal sich der Rekurrent nicht gegen das Ersu-
chen gewehrt hat. In diesem Zusammenhang ist überdies darauf hinzuweisen, dass der Kanton
Basel-Landschaft nicht an die Einschätzung der Steuerbehörde des Landes B._ gebunden
ist. Dazu kommt, dass sich aus der Antwort dem Grundsatz nach nichts ergab, was nicht bereits
bekannt gewesen wäre, geht doch daraus hervor, dass die Schwester das Darlehen an den
Rekurrenten stets deklariert hatte. Aus der von der Steuerbehörde des Landes B._ vorge-
nommenen Befragung der Schwester des Pflichtigen zeigt sich weiter, dass sie davon ausgeht,
dass ihr Bruder nicht im Stande ist, die Zinsen und das Darlehen zu bezahlen. Dass die Steuer-
behörde des Landes B._ daraus folgerte, dass das Darlehen uneinbringlich geworden sei,
ist nicht zu beanstanden, zumal diese Einschätzung seitens des Rekurrenten nicht bestritten,
sondern vielmehr zugestanden wurde. Dass die Antwort bzw. das darin enthaltene Protokoll
zwischenzeitlich von der Schwester angefochten worden ist, spielt daher im vorliegenden Ver-
fahren keine Rolle.
g) Wie hiervor gesehen, beinhalteten die beiden Darlehensverträge aus dem Jahr
1998 ausdrückliche Rückzahlungsverpflichtungen, so dass den Vertragsparteien keine Simula-
tion vorgeworfen werden kann. Im Jahr 2000 ging die bis dahin aufgelaufene Schuld durch No-
vation im Sinne von Art. 116 OR im dannzumal geschlossenen Darlehensvertrag auf. Als Richt-
schnur für das monatliche Darlehen war ein Betrag von Fr. 3‘000.--, also in etwa dem Existenz-
bedarf einer alleinstehenden Person, vorgesehen, wobei der Pflichtige damit seinen Lebensun-
terhalt während des Aufbaus seiner Firma bestreiten sollte. Neu wurde hinsichtlich der Rück-
zahlung vereinbart, dass der Rekurrent, sobald er dazu in der Lage sei, das Darlehen zu amor-
tisieren habe. Mutmasslich sollte das dann der Fall sein, wenn sich die Firma des Rekurrenten,
nach einigen Jahren, etabliert hatte und er mit den Erträgen daraus seinen Lebensunterhalt
selber hätte bestreiten können. Aufgrund dieser unbestimmten Klausel ergab sich aber keine
konkrete Rückzahlungsverpflichtung. Im Gegenteil war es allein dem Pflichtigen überlassen,
wann er wieviel zurückzahlen bzw. ob er überhaupt je etwas amortisieren wollte. Letzteres ist
denn auch nie passiert, da es dem Rekurrenten offensichtlich an der Rückzahlungsfähigkeit
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mangelte, da sich seine Firma nie etablieren konnte, sondern regelmässig Verluste schrieb. So
wies auch die Erfolgsrechnung vom 1. April 2012 bis zum 31. März 2013 bei einem Ertrag von
Fr. 2‘392.-- einen Verlust von Fr. 17‘335.-- auf. Der Kontokorrentforderung des Pflichtigen in
Höhe von Fr. 553‘889.-- standen Aktiven in Höhe von Fr. 11‘980.-- (liquide Mittel, Debitoren,
Warenvorräte, E._-anlage und Büromaterial) gegenüber, so dass die Firma überschuldet
war. Von Aufbau des Geschäfts kann nach allgemeiner Lebenserfahrung nach einer derartigen
Zeitspanne keine Rede mehr sein. Vielmehr wurden dem Pflichtigen seitens seiner Schwester
als nahestehender Person die Lebenshaltungskosten bezahlt, was ein unabhängiger Dritter
nicht getan hätte, zumal nicht einmal der vereinbarte Zins je bezahlt wurde, so dass sich das
Darlehen jedes Jahr entsprechend um denselben erhöhte. Damit ist das Darlehen als unein-
bringlich zu qualifizieren. Ob bereits der im Jahr 2000 abgeschlossene Darlehensvertrag simu-
liert war oder ob von einem nachträglichen simulierten Darlehen auszugehen ist, kann offen
bleiben. Der Zeitpunkt ist denn auch nicht entscheidend, da im vorliegenden Verfahren das
Steuerjahr 2012 zu beurteilen ist, in welchem, aufgrund der jahrelang nicht erfolgten Zins- und
Rückzahlungen auf jeden Fall von einem nachträglich simulierten Darlehen auszugehen ist,
zumal das längst uneinbringliche Darlehen trotz fehlender Bonität des Pflichtigen Monat für Mo-
nat erhöht wurde. Dass die Schwester das Darlehen im Steuerjahr 2012 in Höhe von 384‘558.--
in der Währung des Landes B._ deklarierte, was der Höhe nach nicht mit der Deklaration
des Rekurrenten übereinstimmte - die Unterschiede rühren wohl von Währungs- und/oder Zins-
differenzen her - spielt daher keine Rolle. Entsprechend hat die Steuerverwaltung die deklarier-
te Schuld und die deklarierten Schuldzinsen zu Recht nicht zum Abzug zugelassen. In diesem
Punkt ist der Rekurs entsprechend abzuweisen.
4. Weiter unterliegt der Beurteilung, ob das Kontokorrentguthaben des Steuerpflichtigen
gegenüber seiner Firma sowie die Stammanteile wegen Uneinbringlichkeit vom steuerbaren
Vermögen abzuziehen, d.h. mit Fr. 0.-- zu berücksichtigen sind. Wie hiervor gesehen, ist die
Schwester über Jahre für die Lebenshaltungskosten des Pflichtigen aufgekommen, so dass
nicht nur das Darlehen, sondern auch dessen Kontokorrentforderung gegenüber seiner Firma
stetig angewachsen ist und sich wie hiervor gesehen auf Fr. 553‘889.-- belief. Wird nun das
Darlehen gegenüber der Schwester wie hiervor dargetan infolge Uneinbringlichkeit bzw. Simu-
lation nicht mehr zum Abzug zugelassen, darf konsequenterweise auch die Kontokorrentforde-
rung, weil es sich dabei ebenfalls um eine nicht werthaltige Forderung bzw. einen Nonvaleur
handelt, gegenüber der überschuldeten Firma nicht mehr aufgerechnet werden. Entsprechend
ist das im Kanton Basel-Landschaft steuerbare Vermögen um diesen Betrag zu reduzieren. In
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diesem Punkt ist der Rekurs damit gutzuheissen. Der Rekurrent besitzt das Stammkapital der
Firma in Höhe von Fr. 20‘000.--. Solange dieselbe nicht liquidiert wird, ist die Werthaltigkeit des
Stammkapitals zu vermuten. Daher ist hier keine Korrektur vorzunehmen und der Rekurs in
diesem Punkt abzuweisen.
Insgesamt ist der Rekurs damit teilweise gutzuheissen.
5. Es bleibt über die Kosten des Rekursverfahrens zu befinden.
a) Entsprechend dem teilweisen Obsiegen im Umfang von rund einem Drittel kön-
nen dem Rekurrenten anteilsmässige Verfahrenskosten auferlegt werden (§ 130 StG i.V.m.
§ 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwal-
tungsprozessordnung [VPO]). In Abweichung von diesem Grundsatz rechtfertigt es sich, auf-
grund des grossen Aufwandes bei der Beurteilung der vorliegenden Streitsache, indes, ihm die
gesamten Verfahrenskosten aufzuerlegen.
b) Nach § 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO kann bei Beschwerden in Steuersachen
der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eines Vertreters eine angemessene
Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Für die beiden Parallel-
verfahren Staats- und direkte Bundessteuer 2012 machte der Vertreter gemäss seiner Hono-
rarnote vom 3. März 2016 einen Zeitaufwand von 39 Stunden zu einem Stundensatz von
Fr. 250.-- geltend, was Fr. 9‘750.-- ergibt. Zusätzlich wurden Spesen im Umfang von Fr. 342.--
geltend gemacht, was folglich ein Honorar inkl. Auslagen und MWST von gesamthaft
Fr. 10‘899.35 (= Fr. 9‘750.-- + Fr. 342.-- + Fr. 807.35) ergab. Entsprechend dem teilweisen Ob-
siegen im Umfang von rund einem Drittel ist dem Rekurrenten eine Parteientschädigung inkl.
Auslagen und MWST von insgesamt Fr. 3‘633.-- (= Fr. 10‘899.35 / 3) bzw. für das vorliegende
Verfahren betreffend Staatssteuer 2012 von Fr. 1‘816.50.-- (= Fr. 3‘633.-- / 2) zulasten des
Staates resp. der Steuerverwaltung zuzusprechen.
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