Decision ID: 3f7c66b6-2009-5efb-9afc-b0e246778b27
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Kläger,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Vedat Erduran, Zürcherstrasse 1, Postfach 54,
7320 Sargans,
gegen
B._ Pensionskasse,
Beklagte,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Christof Steger, Kriessernstrasse 40,
9450 Altstätten,
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betreffend
Invalidenrente
Sachverhalt:
A.
K._ (nachfolgend: Versicherter) war vom 1. Juli 2000 bis 30. April 2002 bei der A._
tätig und dadurch bei der B._ (nachfolgend: Pensionskasse), vorsorgeversichert. Das
Arbeitsverhältnis wurde einvernehmlich per 30. April 2002 aufgelöst (act. G 1.2, 1.3,
10.1, 10.2; IV-act. 12). Von Mai 2002 bis November 2003 erhielt der Versicherte
Taggelder der Arbeitslosenversicherung (act. G 10.3). Im März 2005 meldete er sich
wegen psychischer Probleme zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an.
Diese sprach ihm mit Verfügung vom 11. April 2006 mit Wirkung ab 1. März 2004 eine
ganze Rente auf der Basis eines IV-Grads von 100% zu. Die IV ging von einer
erheblichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seit dem 1. April 2002 (Beginn der
einjährigen Wartezeit) aus. Wegen verspäteter Anmeldung kam die Rente erst ab März
2004 zur Ausrichtung (act. G 1.4, 10.5, 10.6). Auf ein Wiedererwägungsgesuch
betreffend den Rentenbeginn trat die IV-Stelle nicht ein (IV-act. 39f). Am 21. Februar
2007 liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter bei der Pensionskasse ein
Leistungsbegehren stellen, welches diese unter anderem mit dem Hinweis ablehnte,
dass die rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit nicht während des
Vorsorgeverhältnisses bei ihr eingetreten sei (vgl. Korrespondenz in act. G 3.1-3.8).
B.
B.a Mit Eingabe vom 30. April 2008 erhob Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, St. Gallen,
für den Versicherten Klage gegen die Pensionskasse mit den Rechtsbegehren, diese
sei zu verpflichten, dem Kläger Pensionskassenrenten von monatlich Fr. 3'541.25 vom
1. Mai 2003 bis 29. Februar 2004, von monatlich Fr. 520.50 vom 1. März bis 31.
Dezember 2004, von monatlich Fr. 481.25 vom 1. Januar bis 31. Dezember 2005, von
monatlich Fr. 535.20 vom 1. Januar bis 31. Dezember 2006, von monatlich Fr. 411.20
vom 1. Januar bis 31. Dezember 2007 und von monatlich Fr. 1'058.20 ab dem 1.
Januar 2008, jeweils zuzüglich Zins zu 5 % ab Fälligkeit der jeweiligen
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Rentenansprüche zu bezahlen. Am 19. Mai und 26. Juli 2008 ergänzte der
Rechtsvertreter die Klage (act. G 3 und G 8). Zur Begründung legte er unter anderem
dar, sowohl der behandelnde Arzt Dr. med. C._ als auch das Psychiatrische Zentrum
D._ und das Psychiatrische Zentrum E._ (bescheinigten eine Arbeitsunfähigkeit ab
April 2002, mithin ab einem Zeitpunkt, an dem der Kläger auch bei der Beklagten
versichert gewesen sei. Der Umstand, dass der Kläger von Mai 2002 bis November
2003 Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezogen habe, vermöge die eindeutigen
medizinischen Feststellungen nicht umzustossen. Der Kläger habe bis Ende April 2002
Lohn bezogen. Krankentaggelder habe er keine erhalten. Damit habe er nach Ablauf
eines Jahres, mithin also ab Mai 2003, Anspruch auf eine Rente. Im Weiteren machte
der Rechtsvertreter des Klägers Ausführungen zur Rentenberechnung (act. G 8 S. 9f).
B.b In der Klageantwort vom 2. September 2008 beantragte Rechtsanwalt Dr. iur. et
lic. oec. Christoph Steger, Altstätten, für die Beklagte, die Klage sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten des Klägers abzuweisen. Zur Begründung führte er
unter anderem aus, die Krankheitsentwicklung, die subjektiven Angaben des Klägers
und die spezialärztlichen Beurteilungen würden ergeben, dass die Krankheit, die zur
Invalidität geführt habe, sich nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei der A._
entwickelt habe. Keine der festgestellten Gesundheitsschädigungen sei während des
Arbeitsverhältnisses bei der SFS entstanden. Die Beklagte bestreite die Feststellungen
der verschiedenen Arztberichte, was die Diagnosen betreffe, nicht. Hingegen
bestünden falsche bzw. unklare Angaben über den Beginn der Arbeitsunfähigkeit.
Dieser sei im Rahmen der Abklärung der IV auch nicht von Bedeutung gewesen, da die
Leistungspflicht der IV erst am 1. März 2004 begonnen habe, also zu einer Zeit, da eine
relevante Arbeitsunfähigkeit anscheinend vorgelegen habe. Die Feststellungen der
Arbeitsunfähigkeit für März/April 2002 schienen auf Angaben von Dr. C._
zurückzuführen zu sein. Es sei aber nicht bekannt, was der Grund dieser
Arbeitsunfähigkeit gewesen sein solle. Der Kläger sei Ende April 2002 voll arbeitsfähig
gewesen. Er habe danach während rund eineinhalb Jahren Arbeitslosenleistungen
bezogen. Eine Arbeitsfähigkeit von rund eineinhalb Jahren unterbreche den
Zusammenhang zwischen alter und neuer Arbeitsunfähigkeit.
B.c Mit Replik vom 3. November 2008 hielt der Rechtsvertreter des Klägers an seinen
Anträgen und Ausführungen fest. Er legte zusätzlich dar, der Kläger sei bei der
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Beklagten unter Berücksichtigung der Nachdeckungsfrist von einem Monat bis 31. Mai
2002 versichert gewesen. Selbst wenn - bestrittenermassen - von einer
Arbeitsunfähigkeit ab Mai 2002 ausgegangen werde, sei die Beklagte dennoch
leistungspflichtig. Der Grund für die Kündigung habe darin bestanden, dass der Kläger
aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage gewesen sei, die ursprüngliche
Leistung zu erbringen. Die Arbeitslosigkeit habe keinen massgebenden Einfluss auf die
Arbeitsunfähigkeit des Klägers gehabt. Falls das Versicherungsgericht nicht schon
aufgrund der vorliegenden Akten zur Ansicht gelangen sollte, dass die massgebliche
Arbeitsunfähigkeit zu einem Zeitpunkt eingetreten sei, als der Kläger bei der Beklagten
vorsorgeversichert gewesen sei, sei von Amtes wegen ein Gutachten einzuholen.
B.d In der Duplik vom 18. November 2008 bestätigte der Rechtsvertreter der Beklagten
seinen Standpunkt (act. G 16). In der Folge teilte die Staatsanwaltschaft des Kantons
St. Gallen am 17. März 2009 mit, gegen den Kläger sei unter anderem wegen
dringenden Verdachts auf Betrug zum Nachteil der Invalidenversicherung eine
Strafuntersuchung eröffnet und in diesem Zusammenhang eine psychiatrische
Begutachtung des Angeschuldigten bei Dr. F._ von der psychiatrischen Klinik
veranlasst worden (act. G 18).
B.e Das Versicherungsgericht zog die Akten der Invalidenversicherung sowie der Unia
Arbeitslosenkasse betreffend den Kläger bei (act. G 20, G 39).
B.f Am 25. März 2009 beantragte der Rechtsvertreter der Beklagten für den Fall der
Weiterführung des Verfahrens (vgl. act. G 19) die Beiziehung der Strafakten im
Verfahren gegen den Kläger sowie die Sistierung des Klageverfahrens, wenn die Klage
nicht ohnehin abgewiesen werden müsse (act. G 21). Am 26. März 2009 gab der
Rechtsvertreter des Klägers bekannt, dass an der Klage festgehalten werde. Er
beantragte die Sistierung des Klageverfahrens bis zum Abschluss des Strafverfahrens
(act. G 22). Hierauf teilte der Versicherungsgerichtspräsident den Verfahrensparteien
mit Schreiben vom 27. März 2009 unter anderem mit, vorerst werde geprüft, ob die
Klage auch ohne Abwarten des Ergebnisses des Strafverfahrens beurteilt werden
könne (act. G 23). Mit Entscheid vom 25. Mai 2009 gab das Verwaltungsgericht des
Kantons St. Gallen dem Gesuch der Staatsanwaltschaft um Akteneinsicht statt und
ermächtigte das Versicherungsgericht, die Akten auszuhändigen (act. G 31).
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B.g Die Parteien machten von der ihnen eingeräumten Möglichkeit zur Einsichtnahme
in die IV-Akten und Abgabe einer Stellungnahme (act. G 24, G 36) keinen Gebrauch.
Der neue Rechtsvertreter des Klägers, Rechtsanwalt lic. iur. Vedat Erduran, Sargans,
nahm in die Akten der Arbeitslosenkasse Einsicht und teilte im Schreiben vom 26.
Oktober 2009 den Verzicht auf eine diesbezügliche Stellungnahme mit. Im Weiteren
gab er bekannt, dass das Strafverfahren gegen den Kläger wegen Verdachts auf
Betrug zum Nachteil der Invalidenversicherung aufgehoben werde (act. G 40, G 43). In
der Folge liess die Staatsanwaltschaft dem Versicherungsgericht die
Aufhebungsverfügung vom 13. November 2009 zukommen (act. G 45).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2005 trat die 1. BVG-Revision, welche auch eine Änderung der
Leistungsvoraussetzungen bei Invalidität (Art. 23 BVG) und der Leistungshöhe (Art. 24
BVG) mit sich brachte, in Kraft. In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen
Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467). Vorliegend sprach die
Invalidenversicherung dem Kläger mit Wirkung ab März 2004 eine ganze Rente zu.
Soweit mit Blick auf den IV-Rentenentscheid davon auszugehen ist, dass das
Klageverfahren, welchem kein vorinstanzlicher Entscheid zugrunde liegt,
Leistungsansprüche ab März 2004 betrifft, ist das bis 31. Dezember 2004 gültig
gewesene Recht der obligatorischen beruflichen Vorsorge anzuwenden, soweit ihm
neben den reglementarischen Regelungen der Beklagten eine eigenständige
Bedeutung zukommt. Dies ist nachstehend zu prüfen.
2.
2.1 Nach Art. 23 BVG (in der bis 31. Dezember 2004 gültig gewesenen Fassung) haben
Anspruch auf Invalidenleistungen Personen, die im Sinn der Invalidenversicherung zu
mindestens 50 Prozent invalid sind und die bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren
Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Aus der engen Verbindung
zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenversicherung und demjenigen auf eine
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Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen
Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der
gleiche ist. Aufgrund von Art. 6 BVG steht es den Vorsorgeeinrichtungen frei, den
Invaliditätsbegriff bereits in der obligatorischen Versicherung zugunsten des
Versicherten zu erweitern oder Invalidenrenten schon bei einem Invaliditätsgrad von
weniger als 50% auszurichten. Die Vorsorgeeinrichtungen sind frei in der Wahl des
Invaliditätsbegriffs; sie haben sich aber an eine einheitliche Begriffsanwendung zu
halten. Gehen sie ausdrücklich oder unter Hinweis auf das Gesetz vom gleichen
Invaliditätsbegriff aus wie die Invalidenversicherung, sind sie hinsichtlich des
versicherten Ereignisses an die Invaliditätsbemessung der IV-Stellen gebunden, es sei
denn, dass diese sich als offensichtlich unhaltbar erweist (vgl. BGE 126 V 308; BGE
115 V 208 und 215; BGE 118 V 35 Erw. 2b/aa; BGE 120 V 106 Erw. 3c). In BGE 129 V
73 wurde eine Bindungswirkung der invalidenversicherungsrechtlichen Feststellungen
für die Vorsorgeeinrichtung verneint, wenn sie nicht spätestens im
Vorbescheidsverfahren (Art. 73 IVV), bzw. nach dessen (vorübergehender) Ersetzung
durch das Einspracheverfahren in der Zeit von 1. Januar 2003 bis 30. Juni 2006,
angelegentlich der Verfügungseröffnung in das invalidenversicherungsrechtliche
Verfahren einbezogen wird. Hält sich die Vorsorgeeinrichtung demgegenüber an das
invalidenversicherungsrechtlich Verfügte, ist das Problem des Nichteinbezugs des
Vorsorgeversicherers ins IV-Verfahren gegenstandslos. In diesem Fall kommt ohne
Weiterungen die vom Gesetzgeber gewollte, in den Art. 23ff BVG zum Ausdruck
gebrachte Verbindlichkeitswirkung unter Vorbehalt offensichtlicher Unrichtigkeit des IV-
Entscheids zum Zug. Stellt somit die Vorsorgeeinrichtung auf die
invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise ab, muss sich die versicherte
Person diese grundsätzlich entgegenhalten lassen, soweit sie für die Festlegung des
Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend war (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 14. August 2000 [B 50/99], Erw. 2b), und zwar ungeachtet
dessen, ob der Vorsorgeversicherer am IV-Verfahren beteiligt war oder nicht (vgl. dazu
EVG-Urteil vom 9. Februar 2004 [B 39/03], Erw. 3.1).
2.2 Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung
geschuldet, welcher der Ansprecher bei Eintritt des versicherten Ereignisses
angeschlossen war. Dieser Zeitpunkt fällt mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
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zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat. Die Versicherteneigenschaft muss
nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise
auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Für eine
einmal - aus während der Versicherungsdauer aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit -
geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig, selbst
wenn sich nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert.
Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft keinen
Erlöschungsgrund (Art. 26 Abs. 3 BVG e contrario; BGE 118 V 35 Erw. 5; 123 V 262
Erw. 1a). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte
Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit invalid wird. Damit
kommt der Schutz der zweiten Säule zum Tragen, wonach das Invaliditätsrisiko auch
dann gedeckt sein muss, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit
eintritt, während welcher die leistungsanbegehrende Person unter Umständen dem
Obligatorium nicht mehr unterstanden hat (BGE 118 V 35 Erw. 2b/aa; BGE 120 V 112
Erw. 2b). Damit die frühere Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig bleibt, ist allerdings
nicht nur erforderlich, dass die Arbeitsunfähigkeit zu einer Zeit einsetzte, als die
versicherte Person ihr angeschlossen war, sondern auch, dass zwischen dieser
Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität ein sachlicher und zeitlicher Zusammenhang
besteht. Der sachliche Zusammenhang ist gegeben, wenn der invalidisierende
Gesundheitsschaden der gleiche ist, wie er sich bereits während der Zugehörigkeit zur
Vorsorgeeinrichtung manifestierte. Die zeitliche Konnexität setzt voraus, dass zwischen
der früheren Arbeitsunfähigkeit und der späteren Invalidität bzw. deren
Verschlimmerung keine längere Periode der Arbeitsfähigkeit liegt. Dabei sind die
gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen, namentlich die Art des
Gesundheitsschadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die
Beweggründe, welche die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Arbeit
veranlasst haben (BGE 123 V 262 Erw. 1c S. 264, 120 V 112 Erw. 2c/aa-bb S. 117 f.,
mit Hinweisen).
3.
3.1 Am 11. März 2005 berichteten die Ärzte der Psychiatrischen Klinik Wil über einen
stationären Aufenthalt des Klägers vom 1. Februar bis 9. März 2005. Sie stellten die
Diagnosen einer Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und
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Sozialverhalten und Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional
instabilen und dissozialen Zügen, einer Störung durch Kokain bzw. eines
Abhängigkeitssyndroms mit gegenwärtigem Substanzgebrauch, eines Status nach
zwei vorsätzlichen Selbstschädigungen durch Strangulierung sowie von Problemen in
der Beziehung zum Ehepartner. Der Kläger hatte angegeben, seit etwa einem Jahr
Kokain zu konsumieren. Bei Klinikaustritt habe eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden
(act. G 10.7; IV-act. 17-5/14ff). Dr. med. C._, Innere Medizin FMH, hielt im Bericht
vom 25. April 2005 eine volle Arbeitsunfähigkeit seit 15. April 2002 fest. Der Kläger
stehe bei ihm seit 6. Oktober 1999 in Behandlung. In den letzten zwei Jahren sei ein
zunehmend depressives Zustandsbild aufgetreten mit Schlafstörungen und
Aggressivität gegenüber der Ehefrau. Seit einem Jahr konsumiere der Kläger Kokain.
Im Vordergrund stehe die Depression (act. G 10.8; IV-act. 17-1/14ff). Die Ärzte des
Psychiatrischen Zentrums D._ bestätigten am 8. Juli 2005 die Diagnosen einer
mittelgradigen depressiven Episode (anamnestisch bestehend seit April 2002), einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und dissozialen Zügen
(anamnestisch bestehend seit mehreren Jahren), einen Status nach zwei vorsätzlichen
Selbstschädigungen durch Strangulierung (im Februar 2005) und ein
Kokainabhängigkeitssyndrom (anamnestisch bestehend seit 2002), gegenwärtig
abstinent in geschützter Umgebung. Vom 8. März bis 1. April 2002, vom 15. April 2002
bis auf weiteres (nach anamnestischen Angaben von Dr. C._) sowie seit 26. Januar
2005 habe als Hilfsarbeiter eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. Der Kläger stehe
bei ihnen seit dem 26. Januar 2005 in Behandlung. Gestützt auf die Angaben des
Klägers wurde im Bericht festgehalten, Ende 1998 habe dieser als Hilfsarbeiter
gearbeitet, dann sei die Firma in Konkurs gegangen. Anschliessend sei er arbeitslos
gewesen. Vom 31. März 2000 bis 30. April 2002 habe er dann wieder gearbeitet. Er sei
wegen Aggressivität und zunehmender Nervosität am Arbeitsplatz entlassen worden.
Darüber hinaus sei er vom Arbeitgeber als nicht teamfähig eingestuft worden. Die Ärzte
des Psychiatrischen Zentrums D._ folgerten daraus, dass zumindest ab diesem
Zeitpunkt die Vermutung naheliege, dass sich die Persönlichkeitsstörung des Patienten
auf die Arbeitsfähigkeit negativ ausgewirkt habe. Seit ca. einem Jahr leide er unter
einer zunehmenden gedrückten Stimmung, Freudlosigkeit und fehlendem
Selbstvertrauen. Aufgrund der anhaltenden depressiven Symptomatik sowie der
Impulshaftigkeit und Aggressivität gegenüber anderen Mitarbeitern könne der Kläger
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zum jetzigen Zeitpunkt in seinem angestammten Beruf als Hilfsarbeiter seiner
Umgebung kaum mehr zugemutet werden. Aus psychiatrischer Sicht sei eine
Erwerbstätigkeit zum jetzigen Zeitpunkt nicht als realistisch einzuschätzen. Es werde
eine Neuevaluation in einem Jahr empfohlen (act. G 10.9; IV-act. 21). Im Gutachten des
Psychiatrischen Zentrums E._ vom 2. Februar 2006 zuhanden der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen wurde festgehalten, der Kläger sei nach seinen Angaben an den seit
dem Realschulabschluss innegehabten Arbeitsplätzen häufig in Streit mit Kollegen und
Vorgesetzten geraten. An seiner letzten Arbeitsstelle sei ihm im Frühjahr 2002
gekündigt worden. Seither sei er arbeitslos. Mit dem Kokainkonsum habe er im Jahr
2004 begonnen. In dieser Zeit habe er auch vermehrt Alkohol konsumiert. Er habe sich
schuldig für die finanziellen Sorgen der Familie gefühlt, da er krank gewesen sei und
kein Geld verdienen konnte. Im Frühjahr 2005 habe er die Probleme nicht mehr
ausgehalten und zuhause einen Selbststrangulationsversuch unternommen. Er sei
schon in der Schule aggressiv gewesen und habe es auch später an den
verschiedenen Arbeitsstellen nie ausgehalten, mit anderen Menschen
zusammenzuarbeiten. Seit dem Beginn der Arbeitslosigkeit im Jahr 2002 sei er
freudlos, habe sich zurückgezogen und liege fast ständig mit seiner Ehefrau im Streit.
Die Gutachter kamen zum Schluss, im Vordergrund der aktuellen Beschwerden stehe
die depressive Symptomatik mit chronischer Suizidalität. Es liege eine
Impulskontrollstörung oder ein Mischbild einer Persönlichkeitsstörung mit emotional
instabilen Anteilen vor. Diese Störung habe sich bereits in der Kindheit und frühen
Jugend entwickelt und in den letzten Jahren verstärkt. Durch sein gesamtes privates
und berufliches Leben ziehe sich aufgrund dieser mit einem hohen Aggres
sionspotential und geringer Reizschwelle verknüpften Impulsstörung ein roter Faden an
Schwierigkeiten mit seinem Umfeld. Seit dem Ende seiner Arbeitstätigkeit im Frühjahr
2002 habe sich zudem eine depressive Erkrankung entwickelt. Aufgrund der geringen
Belastbarkeit und Konfliktfähigkeit müsse von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werden. Die Arbeitsunfähigkeit bestehe zu 100% seit April 2002 (act. G
10.10; IV-act. 26). Der RAD-Arzt schloss sich dieser Arbeitsunfähigkeits-Beurteilung an
(IV-act. 28).
3.2 Zu prüfen ist konkret zum einen die Frage, ob beim Kläger während des von Juli
2000 bis Ende April 2002 dauernden Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten (vgl. IV-
act. 12) eine Arbeitsunfähigkeit aufgetreten ist, welche in sachlichem und zeitlichem
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Zusammenhang mit der von der IV ab April 2004 anerkannten Invalidität steht.
Entgegen der Auffassung des Klägers (act. G 14 S. 2) bestand nach Beendigung des
streitigen Vorsorgeverhältnisses keine Nachdeckungsfrist im Sinn von Art. 10 Abs. 3
BVG, da er unmittelbar im Anschluss daran, d.h. ab Mai 2002, Leistungen der
Arbeitslosenversicherung bezog und in diesem Rahmen wiederum vorsorgeversichert
war (vgl. Art. 2 Abs. 1 BVG, in der ab 1. Januar 1997 gültig gewesenen Fassung [seit
1. Januar 2005: Art. 2 Abs. 3 BVG], Art. 22a Abs. 3 AVIG [SR 837.0]). Unter
Arbeitsunfähigkeit ist die gesundheitlich bedingte Einbusse an funktionellem
Leistungsvermögen im bisherigen Beruf zu verstehen. Die Arbeitsunfähigkeit muss
erheblich, offensichtlich und dauerhaft sein. Die Erheblichkeit wird in der Regel dann
bejaht, wenn die Einschränkung mindestens 20% beträgt (vgl. Bundesamt für
Sozialversicherung, Mitteilungen über die berufliche Vorsorge, Nr. 44 Rz 258 mit
Hinweis auf EVG-Urteil vom 7. Oktober 1998 [B 48/97]). Die Ermittlung der
Arbeitsunfähigkeit geht von ärztlichen Bewertungen aus. Wenngleich diese für das
Gericht nicht verbindlich sind, so sollen sie dennoch nicht ohne hinreichenden Grund
umgestossen oder abgeändert werden. Der Beurteilungsspielraum, der dem Arzt oder
der Ärztin zukommt, ist auch vom Gericht zu respektieren (RSKV 1983, S. 266). Für die
Festlegung von Beginn und Grad der Arbeitsunfähigkeit ist somit grundsätzlich die
nach ärztlicher Beurteilung medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit massgebend. Der
von einer versicherten Person effektiv erbrachten Arbeitsleistung kann jedoch soweit
Bedeutung zukommen, als durch sie eine widersprechende ärztliche Beurteilung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit an Beweiskraft verlieren kann (Entscheid des st. gallischen
Versicherungsgerichts vom 25. Februar 2003 i/S G.D. [BV 2002/2] Erw. 3b). Während
für den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im Sinn von Art. 23 BVG die Einbusse an
funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf massgeblich ist, beurteilt sich
der zeitliche Zusammenhang zwischen der Arbeitsunfähigkeit im Sinn von Art. 23 BVG
und der später eingetretenen Invalidität nach der Arbeitsunfähigkeit resp.
Arbeitsfähigkeit in einer der gesundheitlichen Beeinträchtigung angepassten
zumutbaren Tätigkeit. Darunter fallen auch leistungsmässig und vom
Anforderungsprofil her vergleichbare Tätigkeiten. Diese Tätigkeiten müssen jedoch
bezogen auf die angestammte Tätigkeit die Erzielung eines rentenausschliessenden
Einkommens erlauben (BGE 134 V 20 Erw. 5.3).
bis
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3.3 Die IV-Verfügung vom 11. April 2006 (act. G 10.6) geht von einer
krankheitsbedingten Reduktion der Arbeitsfähigkeit ab 1. April 2002 aus und setzt auch
den Beginn der Wartefrist im Sinn von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG auf dieses Datum. Mit
Blick auf die in Erw. 2.3 dargelegten Reglementsbestimmungen ist festzuhalten, dass
die Beklagte denselben Invaliditätsbegriff wie die IV verwendet. Die Verfügung vom 11.
April 2006 wurde der Beklagten nicht zugestellt. Eine Bindung der Beklagten an den
von der IV gestgelgten Beginn der rentenbegründenden Arbeitsunfähigkeit und den IV-
Grad ist somit zu verneinen. Der Eintritt der massgeblichen Arbeits- bzw.
Erwerbsunfähigkeit sowie ein allfälliger Anspruch gegenüber den Beklagten auf
Invalidenleistungen sind daher von der Beklagten bzw. vom angerufenen
Versicherungsgericht selbständig abzuklären und festzulegen, wobei die im IV-
Verfahren produzierten Akten mit zu berücksichtigen sind. Hinsichtlich des von der IV
vorgenommenen Einkommensvergleichs bzw. des festgelegten IV-Grads (100% ab
März 2004) besteht dagegen kein Anlass für eine selbständige Festlegung in diesem
Verfahren, zumal keine Anhaltspunkte für eine offensichtliche Unrichtigkeit aus den
Akten ersichtlich sind noch geltend gemacht werden.
4.
4.1 Der Kläger erzielte gemäss Auszug aus dem individuellen Konto seit 1990 mit
Ausnahme von einzelnen Monaten stets ein AHV-pflichtiges Einkommen bzw. bezog
ALV-Taggelder (IV-act. 10). Gegenüber den Ärzten der Psychiatrischen Klinik Wil hatte
er Anfang 2005 erklärt, dass er seinen Arbeitsplatz im Jahr 2002 wegen zunehmender
Aggressivität und Nervosität verloren habe. Er fühle sich seit gut einem Jahr deprimiert,
innerlich unruhig und leide an Ein- und Durchschlafstörungen. Die Ehefrau und der
Bruder des Klägers hatten angegeben, der Kläger habe sich seit der Eröffnung eines
Restaurants im Wesen und im Verhalten verändert (Konkurs). Er sei unzuverlässig
geworden, sei zeitweilig aggressiv gewesen und habe ganze Nächte ausser Haus
verbracht. Bei mehreren Arbeitgebern sei er durch Insubordination aufgefallen (act. G
10.7). Zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses bei der A._ per Ende April 2002 und
damit auch des streitigen Vorsorgeverhältnisses war es gekommen, nachdem der
Kläger wegen unentschuldigter Absenzen am 15. Februar 2002 ermahnt worden war
und sich in der Folge keine Verbesserung ergeben hatte (act. G 39.1/12-15). Der Kläger
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betrachtete die Kündigung als ungerechtfertigt und verwies auf Spannungen im
Arbeitsteam (act. G 39.1/6).
Sowohl der Hausarzt Dr. C._, der den Kläger seit Oktober 1999 behandelte, als auch
die Ärzte des Psychiatrischen Zentrums D._ und des Psychiatrischen Zentrums E._
erachteten eine Arbeitsunfähigkeit des Klägers seit April 2002 als ausgewiesen (act. G
10.8, 10.9, 10.10). Arbeitsunfähigkeiten oder eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit
während des streitigen Vorsorgeverhältnisses in der Zeit vor April 2002 lassen sich den
Akten dagegen nicht entnehmen. Auch bestehen keine Anhaltspunkte, dass der Kläger
bei Antritt des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten am 1. Juli 2000 aus
gesundheitlichen Gründen nicht voll leistungsfähig gewesen wäre. Die geschilderte
Aktenlage weist zunächst auf einen Eintritt der massgebenden Arbeitsunfähigkeit
während der Dauer bzw. am Ende des Versicherungsverhältnisses bei der Beklagten
hin. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es sich einzig bei der Bescheinigung des
Internisten Dr. C._ um eine echtzeitliche Bestätigung der Arbeitsunfähigkeit ab 15.
April 2002 handelt. Hinsichtlich dieser Bescheinigung ist von Bedeutung, dass Dr.
C._ kein Facharzt für die hier in Frage stehenden (psychiatrischen)
Gesundheitsschädigungen ist und damit deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit -
jedenfalls wenn wie hier eine langdauernde Arbeitsunfähigkeit in Frage steht - nicht
genügend fundiert beurteilen konnte. Wenn im April 2002 tatsächlich eine dauernde
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen in Frage gestanden hätte, so wäre
lediglich ein entsprechender Facharzt in der Lage gewesen, dies medizinisch
begründet zu bescheinigen. Dass ein solcher Facharzt im April 2002 oder kurz danach
aufgesucht wurde, wird vom Kläger weder behauptet noch ergibt sich eine solche
Behandlung/Arbeitsunfähigkeit aus den Akten. Wenn Dr. C._ vermerkt, in den letzten
zwei Jahren - also seit 2003 - habe sich ein zunehmend depressives Zustandsbild
ergeben, so bleibt überdies unklar, ob sich die von ihm gleichzeitig (im Jahr 2005)
bescheinigte volle Arbeitsunfähigkeit ab 15. April 2002 "bis auf weiteres" nicht auf eine
Diagnose bezog, welche ebenfalls erst im Jahr 2005 von der Psychiatrischen Klinik Wil
festgestellt worden war (vgl. IV-act. 17-1/4 und 17-5/14). Auch der Kläger selbst gab im
IV-Anmeldeformular am 10. März 2005 an, seine Behinderung (starke psychische
Störung) bestehe seit eineinhalb Jahren (IV-act. 1-6/8), d.h. also seit Herbst 2003 (IV-
act. 1-4/8). Im Gutachten des Psychiatrischen Zentrums E._ wurde ausserdem die
anamnestische Angabe festgehalten, mit dem Kokainkonsum habe der Kläger im Jahr
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2004 begonnen (IV-act. 26-2/6). All diese Feststellungen beziehen sich auf Zeiträume
lange nach Auflösung des streitigen Vorsorgeverhältnisses. Auch die Suizidgefährdung
bestand erst seit Anfang 2005 (vgl. IV-act. 17-7/14).
Die fachärztlichen (psychiatrischen) Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen des
Psychiatrischen Zentrums D._ und des Psychiatrischen Zentrums E._ erfolgten im
Nachhinein, gestützt auf die Akten und die Angaben des Klägers sowie aufgrund von
gesundheitlichen Abklärungen lange nach Beendigung des streitigen
Vorsorgeverhältnisses. Soweit die Gutachter des Psychiatrischen Zentrums E._ im
Jahr 2006 auf die medizinisch und vom Sachverhalt her - wie dargelegt - nicht
zureichend fundierten Angaben von Dr. C._ betreffend das Bestehen einer vollen
Arbeitsunfähigkeit seit April 2002 abstellten und diese im Sinn einer langdauernden
Arbeitsunfähigkeit interpretierten (IV-act. 26-1/6ff), lässt sich aus ihrer Schlussfolgerung
kein überwiegend wahrscheinlicher Arbeitsunfähigkeitseintritt per April 2002 ableiten.
Auch die vom Psychiatrischen Zentrum D._ bestätigte volle Arbeitsunfähigkeit vom 8.
März bis 1. April 2002 bzw. ab 15. April 2002 basiert nicht auf eigenen
Abklärungsergebnissen, denn der Kläger war hier erst fast drei Jahre später, d.h. seit
26. Januar 2005 behandelt worden (IV-act. 21-2/6f). Die Feststellung im Bericht vom 8.
Juli 2005, wonach die Vermutung nahe liege, dass sich die Persönlichkeitsstörung des
Klägers seit der Entlassung per April 2002 negativ auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt
habe (IV-act. 21-2/6f), ist vor dem geschilderten Hintergrund offensichtlich nicht
geeignet, den Eintritt einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit während des
Vorsorgeverhältnisses mit der Beklagten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu
belegen, zumal hierfür ebenfalls auf die Angaben von Dr. C._ abgestellt wurde (vgl.
IV-act. 21-1/6). Gestützt auf die eigenen Erhebungen bestätigten die Ärzte des
Psychiatrischen Zentrums D._ erst ab 26. Januar 2005 eine volle Arbeitsunfähigkeit.
4.2 Gemäss den Feststellungen in der Aufhebungsverfügung der Staatsanwaltschaft
des Kantons St. Gallen vom 13. November 2009 wurde der Kläger nach seiner
Verhaftung wegen Drogendelikten im Februar 2009 in der psychiatrischen Klinik
begutachtet. In der Aufhebungsverfügung wurde unter anderem dargelegt, der
Psychiater (Dr. F._; vgl. act. G 18) sei zum Schluss gekommen, dass der Kläger
weder im Zeitpunkt seiner Hospitalisation in der Psychiatrischen Klinik Wil im Jahr 2005
noch im Zeitpunkt der Ausfällung des IV-Rentenentscheids oder auch später an einer
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psychischen Erkrankung gelitten habe, die für die Zusprechung einer Rente
ausreichend gewesen sei. Der Kläger habe weder an einer Persönlichkeits-, noch an
einer depressiven Störung gelitten. Er habe wohl aufgrund eines Streits die
Arbeitsstelle verloren, habe aber in der Folge dennoch grosse Mengen Kokain
organisieren und vermitteln können. Eine schwer depressive Person wäre nicht mehr in
der Lage gewesen, sich so unauffällig zu verhalten und seinen solchen Handel zu
betreiben. Eine depressive Störung habe insbesondere die Tatsache verhindert, dass
sich der Kläger regelmässig mit Kollegen im Ausgang getroffen habe, im türkischen
Club verkehrt sei, immer wieder sein Interesse an politischen und sportlichen
Aktivitäten bekundet und sich nächtelang in Tanzlokalen aufgehalten habe. Die
Kriterien für eine Depression fehlten gänzlich (act. G 45 S. 2 und 3). Auch habe der
Kläger trotz attestierter 100%iger Arbeitsunfähigkeit weitergearbeitet, indem er im
Laden von G._ ausgeholfen, sich als Chauffeur eines Drogenhändlers betätigt und
auch selber mit Drogen Handel betrieben habe. Auch während des Aufenthalts in der
Strafanstalt habe er gemäss Vollzugsbericht vom 7. August 2009 in der Industrie gut
und zuverlässig gearbeitet und sei pünktlich gewesen. Auch im Umgang mit
Vorgesetzten, dem Vollzugspersonal und den Mitinsassen habe er sich korrekt,
freundlich und anständig gezeigt. Bei Berücksichtigung dieser Umstände weise sein
Verhalten in Bezug auf die Erlangung der IV-Rente zahlreiche Verdachtsmomente auf.
Für einen Betrugs-Tatbestand fehle es jedoch an der dafür vorausgesetzten
Arglistigkeit (act. G 45 S. 4).
4.3 Konkret kann offenbleiben, ob für die hier streitige Frage auf die in der erwähnten
Aufhebungsverfügung zitierten gutachterlichen Feststellungen der Psychiatrischen
Klinik abgestellt werden kann. Denn selbst wenn dies nicht oder nicht vorbehaltlos
möglich wäre, könnte der Eintritt einer dauernden (rentenbegründenden)
Arbeitsunfähigkeit während des streitigen Vorsorgeverhältnisses angesichts der zuvor
in Erw. 4.1 geschilderten Aktenlage nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Ein Beizug des Gutachtens der
Psychiatrischen Klinik kann vor dem geschilderten Hintergrund unterbleiben.
4.4 Für den Fall, dass - entgegen der dargelegten Umstände - ein
Arbeitsunfähigkeitseintritt während der Dauer des streitigen Vorsorgeverhältnisses mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit als belegt angenommen würde, wäre zu prüfen, ob
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der zeitliche Zusammenhang zwischen dieser Arbeitsunfähigkeit und dem Eintritt der
späteren Invalidität als unterbrochen angesehen werden müsste. Dabei kommt es
entscheidend darauf an, ob der Kläger nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses
über einen längeren Zeitraum in einer leidensangepassten Tätigkeit arbeitsfähig war
(EVG-Urteil vom 6. Februar 2006 [B 54/05], auszugsweise publiziert in SZS 2006 S.
365). Zu berücksichtigen sind in diesem Zusammenhang die in der Arbeitswelt nach
aussen in Erscheinung tretenden Verhältnisse (SZS 2003 S. 509; EVG-Urteil vom 28.
Mai 2002 [B 73/00], Erw. 3a/bb). Einen Unterbruch des zeitlichen Zusammenhangs hat
die Rechtsprechung etwa bei einer über 17 Monate (SZS 2003 S. 510 ) oder mehr als
zwei Jahre (EVG-Urteil vom 7. September 2006 [B 51/05], Erw. 4.1 und 5.3) hinweg
bestehenden Erwerbstätigkeit ohne nennenswerte Arbeitsunterbrüche und ohne
reduzierte Arbeitsleistung angenommen; in einem Fall erachtete das Eidgenössische
Versicherungsgericht den zeitlichen Zusammenhang - unter Berücksichtigung der
Umstände des Einzelfalls - bereits durch eine sechsmonatige Zeitspanne mit voller
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit als unterbrochen (SZS 2002 S. 153; ähnlich EVG-Urteil
vom 8. Februar 2006 [B 100/05], Erw. 3.2 [Unterbruch durch über viermonatige volle
Erwerbstätigkeit]).
Nach Lage der Akten übte der Kläger nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses bei
der Beklagten die in der Aufhebungsverfügung (act. G 45) erwähnten Beschäftigungen
(Aushilfe in einem Kebab-Laden usw.) aus, stand jedoch soweit ersichtlich in keinem
längerdauernden Arbeitsverhältnis. Dagegen hat er sich für die ab Mai 2002 gemeldete
Arbeitslosigkeit bei Antragstellung vollumfänglich arbeitsfähig erklärt und auf den
Kontrollausweisen ab Mai 2002 keinerlei Krankheitstage vermerkt. Im ganzen Zeitraum
des Bezugs von ALV-Leistungen von Mai 2002 bis November 2003 bezeichnete er sich
als vollumfänglich arbeits- und vermittlungsfähig (für eine 100%-Tätigkeit; act. G 39.1/2
Ziffer 3 und 4 sowie G 39.1/23-28, 31, 33, 34, 37-46). Die Tatsache, dass sich der
Kläger bei der Arbeitslosenversicherung mit einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
meldete, zeigt, dass er sich selbst grundsätzlich als voll leistungsfähig und damit
vermittelbar betrachtete. Die Vermittlungsfähigkeit und der Bezug eines vollen ALV-
Taggelds waren denn auch nach Lage der ALV-Akten nie in Frage gestellt worden. Eine
"Vorleistung" der Arbeitslosenversicherung im Sinn von Art. 15 Abs. 3 AVIV (SR 837.02)
- und damit auch die Unterstellung der Vermittlungsfähigkeit, sofern diese nicht
offensichtlich fehlt - konnte bzw. musste deshalb nicht zum Tragen kommen, weil der
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Kläger sich erst im März 2005 bei der Invalidenversicherung angemeldet hatte.
Während der Zeit des ALV-Leistungsbezugs besuchte er, ohne dass Krankheitstage
bestätigt worden wären, einen Bewerbungskurs (act. G 39.1/35f) sowie eine
Lastwagen-Fahrschule (act. G 39.1/21, 29, 30, 32).
Selbst wenn somit seit April 2002 eine dauernde medizinisch-theoretische
Teilarbeitsunfähigkeit bestanden hätte, so hätte sich diese - und dies erscheint
entscheidend - während eines relativ langen Zeitraums nicht ausgewirkt. Auch am
Ende des ALV-Leistungsbezugs bestand nach Lage der Akten kein Anlass, die
Arbeitsfähigkeit des Klägers nicht als dauerhaft zu betrachten. Selbst wenn somit die
Arbeitsunfähigkeit mit Invalidisierungsfolge während des Vorsorgeverhältnisses mit der
Beklagten eingetreten wäre, müsste der zeitliche Zusammenhang zwischen dieser
Arbeitsunfähigkeit und der späteren Invalidität als durch die Arbeitslosigkeits-Periode
unterbrochen angesehen werden. Ein Anspruch des Klägers auf reglementarische
Leistungen der Beklagten ist damit auch aus diesem Grund zu verneinen.
4.5 Eine Beiladung der Vorsorgeeinrichtung der Arbeitslosenversicherung (Stiftung
Auffangeinrichtung BVG) zum Verfahren kann unterbleiben, nachdem ein Eintritt einer
rentenbegründenden Arbeitsunfähigkeit während der Dauer des ALV-Taggeldbezugs
des Klägers (Mai 2002 bis November 2003) wie dargelegt nicht aktenmässig
ausgewiesen ist. Im Weiteren erklärte der Kläger im IV-Leistungsantrag, er sei bei
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit bei der A._ Pensionskasse versichert gewesen (IV-act.
1-4/8). Diese Angabe dürfte irrtümlich erfolgt sein, nachdem der Kläger als letzte
Tätigkeit vor Eintritt des Gesundheitsschadens diejenige bei der SFS AG angegeben
hatte (IV-act. 1-5/8) und auch der ALV-Taggeldbezug nicht bei der A._
vorsorgeversichert war. Für eine Beiladung der A._ fehlt es somit an einem
aktenmässig ersichtlichen Anlass.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Die Beklagte beantragt die Ausrichtung einer
Entschädigung. Als Vorsorgeeinrichtung hat sie praxisgemäss keinen diesbezüglichen
Anspruch, soweit - wie vorliegend - die Prozessführung der Gegenpartei nicht als
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mutwillig oder leichtsinnig zu bezeichnen ist (BGE 112 V 356, SZS 1995, 114; BGE 126
V 143, 128 V 323). Der Antrag auf Ausrichtung einer Parteientschädigung ist deshalb
abzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 02.03.2010 Art. 23 BVG. Abklärung der Leistungspflicht einer Vorsorgeeinrichtung. Prüfung des Zeitpunkts des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit, welche später zur IV-Rentenausrichtung führte, sowie des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Arbeitsfähigkeit und späterer Invalidität (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 2. März 2010, BV 2008/11).
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2021-09-19T18:21:32+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen