Decision ID: 45017e15-faaf-542f-b3d2-ef3513faa18e
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich wegen Schulter-, Knie- und Hüftschmerzen am 15. Juli 2011
zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Am 18. August 2011 berichtete Dr. med.
B._, Praktischer Arzt, der Versicherte leide an Schulterschmerzen beidseits, an
aktivierten Akromioclavikulargelenken beidseits mit Tendopathie der
Supraspinatussehne sowie an einem zervikobrachialen und lumbospondylogenen
Syndrom. Diese Diagnosen würden zu Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit führen.
Des Weiteren bestünden seit Mai 2011 passager reaktiv depressive
Stimmungsschwankungen, welche die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigen würden.
Für die angestammte Tätigkeit als Gipser bescheinigte Dr. B._ dem Versicherten eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine Mitarbeit im Sicherheitsdienst ohne körperliche
Belastungen sei ohne dauerhafte Einschränkung möglich (IV-act. 21). Der Versicherte
unterzog sich am 9. Mai 2012 (IV-act. 50-1; vgl. auch IV-act. 49-1) in der Klinik für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates am
Kantonsspital St. Gallen (KSSG) einer «Schulterarthroskopie, Acromioplastik, AC-
Gelenksresektion Schulter rechts». Indikation für den operativen Eingriff bildeten ein
subacromiales Impingement und eine AC-Gelenks-arthrose an der rechten Schulter
(Austrittsbericht vom 18. Mai 2012, IV-act. 50-3 f., sowie Operationsbericht vom 9. Mai
2012, IV-act. 50-1). Nach einer Durchsicht der Aktenlage vertrat der RAD-Arzt Dr. med.
C._, Facharzt u.a. für Arbeitsmedizin, den Standpunkt, dass nach der Operation bis
Anfang Juni 2012 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Danach sei
bezogen auf eine leidensangepasste Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen (Stellungnahme vom 25. Juni 2012, IV-act. 53). Am 3. August 2012
verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen (IV-act. 60; zum vorangegangenen Vorbescheid vom 27. Oktober
A.a.
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2011 und dem Einwand vom 2. Dezember 2011 siehe IV-act. 32 und 33). Die dagegen
am 4. September 2012 erhobene Beschwerde (IV-act. 62-2 ff.) hiess das
Versicherungsgericht mit Entscheid vom 26. Mai 2014, IV 2012/325, teilweise gut. Es
hob die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache zur weiteren medizinischen
Abklärung der Arbeitsfähigkeit seit der Operation vom 9. Mai 2012 an die
Beschwerdegegnerin zurück (IV-act. 76). Das Urteil blieb unangefochten.
Die IV-Stelle holte in der Folge Berichte bei den behandelnden medizinischen
Fachpersonen ein (IV-act. 90 ff.). Gestützt darauf, insbesondere auf den Bericht der
Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates am
KSSG vom 15. März 2013 (IV-act. 91), vertrat der RAD-Arzt D._, Facharzt für
Arbeitsmedizin, den Standpunkt, dass spätestens ab März 2013 in einer
leidensangepassten Tätigkeit eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe
(Stellungnahme vom 7. November 2014, IV-act. 100).
A.b.
Am 14. Januar 2015 (Datum Dokumenteneingang gemäss Aktenverzeichnis) ging
bei der IV-Stelle der Bericht der seit 11. November 2013 behandelnden Dr. med. E._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 7. Mai 2014 ein. Darin erwähnte sie
folgende Diagnosen: 1. posttraumatische Belastungsstörung, Kriegstrauma,
Berufstrauma und Sozialtrauma über Jahre (ICD-10: F43.1); 2. Dysthymia (ICD-10:
F34.1); 3. andauerndes Persönlichkeitssyndrom bei chronischem Schmerzsyndrom und
rheumatoider Arthritis (ICD-10: F62.80); spezifisch isolierte Phobie (ICD-10: F40.2) und
5. Verdacht auf nicht näher bezeichnete organische psychische Störung aufgrund einer
Schädigung des Gehirns bei Zustand nach Autounfall 2003 (ICD-10: F06.9; IV-
act. 108). In den Berichten vom 2. und 3. März 2015 bescheinigte Dr. E._ dem
Versicherten rückwirkend seit 11. November 2013 eine 20 bis 30%ige Arbeitsfähigkeit
(IV-act. 117). Dr. B._ bescheinigte dem Versicherten für eine leidensangepasste
Tätigkeit eine 20%ige Arbeitsfähigkeit (Bericht vom 18. Februar 2015, IV-act. 120; vgl.
auch den Bericht des seit 6. Februar 2014 behandelnden Dr. med. F._, Facharzt für
Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 27. März 2015, IV-act. 122).
A.c.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte im Zeitraum vom 14. bis
16. September 2015 im Zentrum für Medizinische Begutachtung, ZMB, polydisziplinär
(internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch) begutachtet. Die ZMB-Gutachter
A.d.
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stellten folgende Diagnosen, denen sie eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
beimassen: eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1); eine
chronifizierte depressive Störung, mittelschwere Episode, mit somatischem Syndrom
und Somatisierungstendenzen (ICD-10: F32.11); ein rezidivierendes lumbovertebrales
Syndrom; eine Diskushernie L5/S1; eine intermittierende spondylogene Ausstrahlung
nach links; ein Schulterschmerzsyndrom beidseits rechtsbetont; einen Status nach AC-
Gelenksresektion und Acromioplastik rechts 05/12 und ein Schulterimpingement links
bei leichter AC-Gelenks-arthrose. Vor allem aufgrund des psychischen Leidens bestehe
eine erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Für die Tätigkeit als Security-
Mitarbeiter bescheinigten die ZMB-Gutachter eine 30%ige Arbeitsfähigkeit. Sie
könnten keine adaptierte Tätigkeit nennen, bei welcher der Versicherte eine höhere
Arbeitsfähigkeit als 30% aufweise (Gutachten vom 9. November 2015, IV-act. 135).
Der Rechtsdienst der IV-Stelle vertrat in der Stellungnahme vom 14. März 2016 die
Ansicht, das ZMB-Gutachten stelle aus rechtlicher Sicht keine hinreichende
Beurteilungsgrundlage für die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit dar. Er empfahl, ein
rheumatologisch-psychiatrisches Obergutachten einzuholen, das die Anforderungen
gemäss BGE 141 V 281 berücksichtige (IV-act. 138). Demgegenüber führte der RAD-
Arzt Dr. med. G._, Facharzt u.a. für Psychiatrie und Psychotherapie, aus, das ZMB-
Gutachten genüge den versicherungsmedizinischen Kriterien (Stellungnahme vom
15. März 2016, IV-act. 139). In der Folge gab die IV-Stelle bei den Dr. med. H._,
Facharzt für Rheumatologie, und med. pract. I._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, die Erstattung eines bidisziplinären (rheumatologisch-psychiatrischen)
Gutachtens in Auftrag (Mitteilung vom 28. April 2016, IV-act. 148). Die psychiatrische
Untersuchung fand am 23. August 2016 (IV-act. 161-1) und die rheumatologische am
23. September 2016 (IV-act. 162-1) statt. Med. pract. I._ erhob folgende Diagnosen:
ein anhaltend depressives Zustandsbild, aktuell mittelgradiger Ausprägung (ICD-10:
F33.1), medikamentös antidepressiv zurzeit unzureichend behandelt, medizinischer
Endzustand nicht erreicht; eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1);
eine erschwerte Schmerzbeschwerdeverarbeitung (ICD-10: F54) mit/bei chronischem
lumbospondylogenem Syndrom links und Schulterschmerzsyndrom beidseits sowie
eine akzentuierte Persönlichkeitsstruktur mit neurotisch dysfunktionalen
Fehlverarbeitungstendenzen (ICD-10: Z73.1). Bezogen auf Tätigkeiten im
A.e.
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Sicherheitsdienst verfüge der Versicherte über eine 30%ige Arbeitsfähigkeit. Bei
leidensangepassten Tätigkeiten sei von einer «maximal» mittelgradigen anhaltenden
Leistungsbeeinträchtigung im Rahmen einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen
(psychiatrisches Teilgutachten vom 8. November 2016, IV-act. 161). Dr. H._ führte
aus, aus rheumatologischer Sicht stünden diagnostisch die chronischen
lumbospondylogenen Beschwerden links ohne klinische oder anamnestische Hinweise
für ein radikuläres Syndrom und die chronischen Schulterschmerzen rechtsbetont im
Vordergrund, wobei sich radiologisch für die seit Jahren anhaltenden und absolut
therapieresistenten Beschwerden kein strukturelles Korrelat finden lasse. Die
objektivierbaren geringen degenerativen Veränderungen lumbosakral sowie an der
linken Schulter könnten wohl gelegentliche belastungsabhängige lokale Beschwerden
verursachen. Sie sollten jedoch einer gezielten Behandlung jeweils gut zugänglich sein
und keine über Jahre unverändert anhaltenden Beschwerden verursachen. Bereits
anlässlich des Arbeitsassessments in der Klinik Valens (siehe hierzu IV-act. 64-1 ff.)
und beim späteren ambulanten Assessment in der Rehaklinik Bellikon 2011 (siehe
hierzu IV-act. 64-12 ff.) seien bei schon damals praktisch identisch geschilderten
Beschwerden eine Symptomausweitung und Selbstlimitierung in den ergonomischen
Tests beschrieben worden. Auch bei der aktuellen Untersuchung hätten sich deutliche
Diskrepanzen zwischen gezielter Untersuchungssituation bzw. Beobachtungen beim
abgelenkten Versicherten sowohl hinsichtlich Inklination der LWS als auch der
Beweglichkeit der Schultergelenke gezeigt. Für die angestammte Tätigkeit als Gipser
bescheinigte Dr. H._ eine 30%ige Arbeitsfähigkeit. Bezogen auf leidensangepasste
Tätigkeiten und die aktuelle Tätigkeit als J._ bzw. K._ sei aus rheumatologischer
Sicht keine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen (rheumatologisches Teilgutachten vom 14.
November 2016, IV-act. 162, das auch die interdisziplinäre Beurteilung enthält; siehe
hierzu IV-act. 162-25 f.).
In der Stellungnahme vom 12. Dezember 2016 führte der RAD-Arzt Dr. G._ aus,
das bidisziplinäre Gutachten entspreche den versicherungsmedizinischen Kriterien. Die
Abweichung zur Beurteilung der ZMB-Gutachter sei nachvollziehbar begründet und
liege im gutachterlichen Ermessen (IV-act. 163). Der Rechtsdienst der IV-Stelle
gelangte zusammenfassend zur Auffassung, beim Versicherten seien weder eine
gesundheitliche Beeinträchtigung von erheblichem Schweregrad noch deren
A.f.
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B.
funktionelle Auswirkungen «in Beruf und Erwerb» objektiv, kohärent und
widerspruchsfrei nachgewiesen, weshalb sich eine 50%ige Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aus der Optik des Rechtsanwenders nicht erhärten lasse. Sei ein
rechtsgenüglicher Bezug zwischen den gestellten Diagnosen und deren funktionellen
Auswirkungen im Sinn einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit nicht überwiegend
wahrscheinlich ausgewiesen, habe die materiell beweisbelastete versicherte Person die
Folgen zu tragen. Mangels eines invalidisierenden Gesundheitsschadens habe der
Versicherte keinen Rentenanspruch (IV-act. 164).
Gestützt auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
ermittelte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 0% und stellte dem Versicherten mit
Vorbescheid vom 14. Februar 2017 die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-
act. 169). Dagegen erhob dieser am 9. März 2017 Einwand und beantragte die
Zusprache einer Invalidenrente (IV-act. 173). Am 30. Mai 2017 verfügte die IV-Stelle die
Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 176).
A.g.
Gegen die Verfügung vom 30. Mai 2017 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 27. Juni 2017. Der Beschwerdeführer beantragte darin deren Aufhebung und die
Zusprache einer Invalidenrente. Eventualiter sei ein weiteres polydisziplinäres
Gutachten anzuordnen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Im
Wesentlichen brachte der Beschwerdeführer vor, die Auffassung des Rechtsdienstes
der Beschwerdegegnerin sei unzutreffend. Der Ermittlung des Invaliditätsgrads sei die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der ZMB-Gutachter (30%ige Arbeitsfähigkeit) oder
diejenige von med. pract. I._ (50%ige Arbeitsfähigkeit) zugrunde zu legen. Würde die
Beschwerdegegnerin feststellen, dass beide Gutachten nicht brauchbar seien, so sei
sie gehalten, ein Obergutachten erstellen zu lassen, auf das sie ihren Entscheid stützen
könne. Sie habe kein drittes Gutachten in Auftrag gegeben, sondern einfach seinen
Antrag auf Zusprechung einer Invalidenrente abgewiesen. Damit sei sie ihrer Pflicht,
den Sachverhalt und die rechtlichen Grundlagen umfassend abzuklären, nicht
nachgekommen (act. G 1; zu den eingereichten ärztlichen Berichten von Dr. B._ vom
16. Juni 2017 und von Dr. E._ vom 21. Juni 2017 siehe act. G 1.2 f.).
B.a.
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Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom
19. September 2017 die Abweisung der Beschwerde. Sie hielt am Standpunkt fest,
dass aus rechtlicher Sicht keine Erwerbsunfähigkeit ausgewiesen sei (act. G 4).
B.b.
In der Replik vom 18. Oktober 2017 hielt der Beschwerdeführer unverändert an
seinen Anträgen fest (act. G 6).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin teilte am 27. Oktober 2017 ihren Verzicht auf eine
begründete Duplik mit und hielt an der beantragten Beschwerdeabweisung fest (act.
G 8).
B.d.
Nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Parteien (siehe Schreiben des
Versicherungsgerichts vom 25. Oktober 2019, act. G 14 f.) beauftragte das
Versicherungsgericht am 15. November 2019 Dr. med. L._, Fachärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie, sowie lic. phil. M._, Fachpsychologin für Neuropsychologie
FSP, mit der Erstattung eines psychiatrisch-neuropsychologischen Gerichtsgutachtens
(act. G 16).
B.e.
Am 15. Mai 2020 erstattete Dr. L._ das psychiatrische Gerichtsgutachten, das
auch die Erkenntnisse des neuropsychologischen Teilgutachtens vom 15. Mai 2020
(siehe hierzu act. G 23.4) enthält. Die psychiatrische Gerichtsgutachterin diagnostizierte
eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F61; DD:
posttraumatische Belastungsstörung gemäss ICD-10: F43.1), DD: zusätzlich eine
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0) und eine anhaltende mittelgradige depressive
Episode (ICD-10: F32.1). Leidensangepasste Tätigkeiten müssten qualitative
Anforderungen erfüllen, die nur in geschützter Umgebung und nicht auf dem freien
Arbeitsmarkt zu finden seien (act. G 23, insbesondere S. 48 ff.). Die
neuropsychologische Gerichtsgutachterin nannte als Diagnose kognitive
Minderleistungen vor dem Hintergrund einer schwankenden, nicht durchgehend
gegebenen Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft. Die Befunde seien in ihrer Art
und Ausprägung weder mit schlechter psychischer Befindlichkeit noch mit Schmerz-
oder Müdigkeitsinterferenzen zu erklären. Aufgrund der nicht validen Befunde könne
die Arbeitsfähigkeit nicht beurteilt werden (act. G 23.4).
B.f.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
Der Beschwerdeführer brachte keine Einwände zu den gutachterlichen
Feststellungen vor (Eingabe vom 3. Juni 2020, act. G 25). In der Stellungnahme vom
4. Juni 2020 vertrat der RAD-Arzt med. pract. N._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, die Auffassung, die gerichtsgutachterliche Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit sei überzeugend (act. G 26.1). Gestützt darauf teilte die
Beschwerdegegnerin am 5. Juni 2020 mit, sie erachte das Gerichtsgutachten als
beweiskräftig (act. G 26).
B.g.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Für die
Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
1.1.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
1.2.
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2.
Zunächst ist zu beurteilen, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif abgeklärt
wurde.
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
In rheumatologischer Hinsicht legte Dr. H._ im Gutachten vom 14. November
2016 ausführlich dar, weshalb der Beschwerdeführer für leidensangepasste Tätigkeiten
über eine vollständige Arbeitsfähigkeit verfüge (IV-act. 162-23). Diese Einschätzung
erfolgte namentlich unter Einbezug der relevanten Vorakten (IV-act. 162-2 ff.), der
anlässlich der persönlichen Untersuchung sowie der aus den Vorakten hervorgehenden
Inkonsistenzen (IV-act. 162-20 f.) und in überzeugender Diskussion der abweichenden
medizinischen Einschätzungen, insbesondere des rheumatologischen Teils des ZMB-
Gutachtens (IV-act. 162-21). Die Parteien haben denn auch keine konkreten Mängel
gegen die Einschätzung von Dr. H._ erhoben und auch keine objektiv wesentlichen
Gesichtspunkte hervorgebracht, die er ausser Acht gelassen hätte. Auf die
rheumatologische Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. H._ kann daher abgestellt
werden. Zu ergänzen bleibt, dass sich aus dem internistischen Teil des ZMB-
2.1.
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Gutachtens ebenfalls keine Hinweise auf eine somatisch begründete Arbeitsunfähigkeit
für leidensangepasste Tätigkeiten ergeben (IV-act. 135-25 ff.).
Des Weiteren ist die aus psychiatrischer Sicht erfolgte Arbeitsfähigkeitsschätzung
zu beurteilen.
2.2.
Das Versicherungsgericht hat bereits im Schreiben vom 25. Oktober 2019
ausführlich dargelegt, weshalb es die psychiatrischen Beurteilungen des
psychiatrischen ZMB-Gutachters und von med. pract. I._ nicht für beweiskräftig hielt
und die psychische Situation des Beschwerdeführers als noch nicht spruchreif
betrachtete (act. G 14). Darauf kann verwiesen werden.
2.2.1.
Bei der Würdigung des psychiatrischen Gerichtsgutachtens von Dr. L._ vom
15. Mai 2020 (act. G 23) gilt es zu beachten, dass nach der Rechtsprechung «nicht
ohne zwingende Gründe» von den Einschätzungen der im Gerichtsverfahren
beigezogenen medizinischen Experten abgewichen werden darf. Auch der Europäische
Gerichtshof für Menschenrechte hat diesbezüglich erwogen, der Meinung eines von
einem Gericht ernannten Experten komme bei der Beweiswürdigung vermutungsweise
hohes Gewicht zu (vgl. BGE 135 V 469 f. E. 4.4 mit Hinweisen). Der RAD-Arzt med.
pract. N._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, gelangte bei seiner
ausführlichen Würdigung vom 4. Juni 2020 zum Schluss, dass auf die
gerichtsgutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit abgestellt werden könne (act.
G 26.1). Dieser Sichtweise schloss sich der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin
vorbehaltlos an (act. G 26). Auch der Beschwerdeführer brachte keine Einwände gegen
die gerichtsgutachterliche Beurteilung vor (act. G 25). Seitens des Gerichts bestehen
ebenfalls keine zwingenden Gründe, welche eine Abweichung von der
gerichtsgutachterlichen Beurteilung rechtfertigen.
2.2.2.
Gestützt auf die gerichtsgutachterliche Beurteilung ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bezogen auf den
ersten Arbeitsmarkt über keine Arbeitsfähigkeit mehr verfügt. Retrospektiv geht die
Gerichtsgutachterin davon aus, dass die Symptomatik bzw. der Gesundheitsschaden
bereits seit Kriegsende bestehe und auch während seiner Tätigkeit im O._ in P._
vorhanden gewesen sei (act. G 23, S. 49). Jedenfalls ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im frühest
möglichen Zeitpunkt des Rentenbeginns (Art. 29 Abs. 1 IVG) während eines Jahres
arbeitsunfähig war. In Anbetracht der am 15. Juli 2011 erfolgten IV-Anmeldung (IV-
act. 1) beginnt der Anspruch auf eine ganze Rente am 1. Januar 2012.
2.2.3.
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3.