Decision ID: 62dda4b5-11a6-5176-af9e-76db6a308435
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Bruno Bauer, LL.M., SwissLegal asg.advocati,
Kreuzackerstrasse 9, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 23. März 1998 zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 8). Gemäss Nichteignungsverfügung der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) vom 20. November 1997 war der
Versicherte nicht geeignet für Arbeiten mit Kontakt zu Mineralölen (IV-act. 53-24/34).
Mit Arztbericht vom 24. April 1998 diagnostizierte Dr. med. B._ unter anderem ein
kumulativ-toxisches Handekzem mit eigengesetzlichem Verlauf (IV-act. 53-2/34). In
Tätigkeiten ohne Kontakt zu Mineralölen und mit der zusätzlichen Empfehlung zur
Vermeidung von Arbeiten mit starker Hitzeeinwirkung sei der Versicherte voll
arbeitsfähig. Mit Verfügung vom 3. Juli 1998 wies die IV-Stelle des Kantons St. Gallen
(nachfolgend: IV-Stelle) das Leistungsbegehren des Versicherten mangels relevanter
Erwerbseinbusse ab (IV-act. 16).
B.
B.a Am 18. August 2000 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an und machte eine Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend
(IV-act. 1, 102). Dr. med. C._ diagnostizierte am 14. November 2000 eine
Berufsdermatose, fragliche Neurodermitis, Non-Compliance gegenüber allen
therapeutischen Massnahmen, Diabetes mellitus, Adipositas sowie eine
Bauchwandhernie (IV-act. 54). Vom 8. bis 22. Januar 2001 hielt sich der Versicherte
stationär in der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich auf (IV-act. 104).
Mit Vorbescheid vom 16. Januar 2001 stellte die IV-Stelle zunächst ein Nichteintreten
auf das Leistungsbegehren in Aussicht (IV-act. 17). Nach Stellungnahme des
damaligen Rechtsvertreters, Rechtsanwalt lic.iur. Peter Jans, St. Gallen, vom
9. Februar 2001 (IV-act. 104) und vom 17. Juli 2001 (IV-act. 39) leitete die IV-Stelle mit
Schreiben vom 3. August 2001 eine ambulante medizinische Abklärung des
Versicherten in die Wege (IV-act. 18).
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B.b Mit Gutachten vom 13. Dezember 2001 diagnostizierte das Universitätsspital
Zürich ein chronisches Handekzem mit kumulativ-toxischer Komponente bei
atopischer Hautdiathese und polyvalenter epicutaner Sensibilisierung auf
Kaliumdichromat, Perubalsam, Duftstoffmix, Dibromdicyanobutan, Diphenylguanidin
sowie einen Diabetes mellitus Typ II (IV-act. 26). In Berufen unter Meidung von
Feuchtarbeiten und starker mechanischer Belastung (Überwachungstätigkeiten) sei
eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit anzustreben. Vom 2. bis 30. April 2002 wurde ein
stationärer Heilungsversuch in der Dermatologischen Klinik, Allergologie/Dermato-
Onkologie/Venerologie, des Universitätsspitals Zürich unternommen, wobei es zu
einem praktisch vollständigen Abheilen der Hautveränderungen kam (IV-act. 58). Vom
25. August bis 13. September 2003 wurde eine berufliche Abklärung bei der
Abklärungs- und Ausbildungsstätte Appisberg (BEFAS) durchgeführt (IV-act. 77). Mit
Verfügung vom 8. Januar 2004 lehnte die IV-Stelle den Rentenanspruch bei einem nicht
rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 33% ab (IV-act. 20). Dagegen erhoben die
Suva am 22. Januar 2004 und der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am
11. Februar 2004 Einsprache (IV-act. 166; 170).
B.c Das am 22. Juli 2004 eingereichte neue Gesuch um Rentenleistungen (IV-act. 10)
wurde aufgrund des hängigen Einspracheverfahrens zurückgestellt (IV-act. 112).
B.d Mit Verfügung vom 3. März 2005 widerrief die IV-Stelle die Verfügung vom
8. Januar 2004 und führte weitere Abklärungen durch (IV-act. 23). Am 3. Juni 2005
berichtete Dr. med. C._ über die seit 2. September 2004 bei ihm durchgeführte
psychiatrische Behandlung des Versicherten und diagnostizierte eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode sowie eine Anpassungsstörung
bei bestehendem Handekzem (IV-act. 27-28/30). Aus rein psychiatrischer Sicht
bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit für eine auswärtige Arbeit. Der Versicherte könne
nur in einem geschützten Rahmen (geschützte Werkstatt) eine Tätigkeit von zwei bis
drei Stunden ausüben.
B.e In der Folge wartete die IV-Stelle die Ergebnisse des pendenten UV-Verfahrens ab
(IV-act. 28 ff.). Gegen die Verfügung der Suva vom 20. September 2005 (act. G 9.2/4)
erhob der Versicherte Einsprache. Mit Urteil vom 27. November 2007 (UV 2007/17;
act. 66) hiess das (st. gallische) Versicherungsgericht die Beschwerde des Versicherten
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gegen den Einspracheentscheid der Suva vom 8. November 2006 (act. G 9.2/5)
teilweise gut und wies die Streitsache zur ergänzenden Abklärung an die Suva zurück.
Gegen deren Verfügung vom 26. September 2008 (act. G 9.2/7) erhob der Versicherte
Einsprache. Die gegen den entsprechenden Einspracheentscheid vom 9. April 2009
(act. G 9.2/9) erhobene Beschwerde des Versicherten wurde mit Entscheid des
(st. gallischen) Versicherungsgerichts vom 2. Juni 2010 (UV 2009/54; act. G 9.1/10)
teilweise gutgeheissen und dem Versicherten eine Invalidenrente bei einem
Invaliditätsgrad von 20% zugesprochen. Mit Urteil des Bundesgerichts vom
22. Oktober 2010 (8C_536/2010) wurde dem Versicherten in Aufhebung des
Entscheids des (st. gallischen) Versicherungsgerichts vom 2. Juni 2010 eine
Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 11% zugestanden.
B.f Über die umfassende Begutachtung des Versicherten im Aerztlichen
Begutachtungsinstitut GmbH Basel (ABI) am 2. November 2010 wurde am 2. Dezember
2010 berichtet (IV-act. 155, 27). Gemäss ABI besteht für körperlich leichte bis
intermittierend mittelschwer belastende, angepasste Tätigkeiten eine vollschichtig
realisierbare Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 90%.
C.
C.a Mit Vorbescheid vom 12. Januar 2011 stellte die IV-Stelle die Ablehnung des
Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 85), wogegen Rechtsanwalt Bruno Bauer,
St. Gallen, am 16. Februar 2011 für den Versicherten Einwand erhob und eine
psychiatrische Begutachtung und Abklärung beantragte (IV-act. 85-1/9).
C.b Mit Verfügung vom 23. Februar 2011 lehnte die IV-Stelle das Leistungsbegehren
bei einem Invaliditätsgrad von 28% ab (act. G 1.1; IV-act. 162).
D.
D.a Mit Beschwerde vom 28. März 2011 liess der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter beantragen, die Verfügung vom 23. Februar 2011 sei aufzuheben und
es sei ihm nach ergänzenden Abklärungen eine Invalidenrente zu gewähren; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1). Zur Begründung brachte der
Rechtsvertreter im Wesentlichen vor, Hausarzt und Psychiater würden den
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Beschwerdeführer während 12 Jahren behandeln und kämen zu einem anderen
Beschwerdebild als der psychiatrische ABI-Gutachter, der den Beschwerdeführer eine
Stunde begutachtet habe. Der Beschwerdeführer sei stationär in einer psychiatrischen
Klinik abklären zu lassen und allenfalls zu therapieren.
D.b Mit Beschwerdeantwort vom 15. Juni 2011 schloss die Beschwerdegegnerin auf
Abweisung der Beschwerde (act. G 9). Zur Begründung führte sie insbesondere an, der
polydisziplinären Einschätzung des ABI komme grosses Gewicht und voller Beweiswert
zu. Der Bericht von
Dr. C._ sei mangelhaft und der Bericht von Dr. D._ ziemlich rudimentär.
D.c Mit Replik vom 5. August 2011 hielt der Beschwerdeführer an seinem bisherigen
Standpunkt fest (act. G 13).
D.d Mit Schreiben vom 12. August 2011 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem
bisherigen Antrag fest und verzichtete sinngemäss auf eine Duplik (act. G 16).

Erwägungen:
1.
Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Rente zu Recht abgelehnt hat.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
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und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung gestellt haben. Nach dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung
der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der
untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei psychischen
Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung
mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der
medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V 351
E. 3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.4 Die Invalidenversicherung ist bei der Invaliditätsbemessung nicht an die bereits
von anderen Sozialversicherungszweigen vorgenommene Invaliditätsbemessung
gebunden. Indessen dürfen deren rechtskräftig abgeschlossene
Invaliditätsschätzungen nicht unbeachtet bleiben. Vielmehr müssen sie als Indizien für
eine zuverlässige Beurteilung gewertet und als solche in den Entscheidungsprozess
erst später verfügender Versicherungsträger miteinbezogen werden (vgl. BGE 133 V
549 E. 6.1 und 6.3 mit Hinweis auf BGE 126 V 288).
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3.
3.1 Vorliegend ist zu prüfen, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt. Dies gilt insbesondere
in Bezug auf seine psychischen Beschwerden. Denn aus den medizinischen Akten ist
ersichtlich und vom Beschwerdeführer wurde auch nicht bestritten, dass er zwar für die
Tätigkeit im Strassenbau sowie jede andere körperlich schwere Tätigkeit vollständig
arbeitsunfähig ist, er für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwer belastende,
angepasste Tätigkeiten aus somatischen Gründen jedoch keine Einschränkungen hat.
3.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist der Ansicht, dass das ABI-
Gutachten für die von Dr. C._ und Dr. D._ festgestellten Arbeitsunfähigkeiten wenig
Verständnis habe. Es erweise sich als gerechtfertigt, den Beschwerdeführer einmal
stationär in einer psychiatrischen Klinik abklären zu lassen und allenfalls zu therapieren.
3.3 Seit dem 2. September 2004 stand der Beschwerdeführer bei Dr. C._ in
psychiatrischer Behandlung, worüber dieser am 3. Juni 2005 erstmals berichtete (IV-
act. 27-27/30). Dr. C._ stellte beim Beschwerdeführer einen depressiven Zustand mit
intensiven Ängsten und Selbstwertproblematik sowie Störung der kognitiven
Funktionen fest und verordnete die Therapie mit Antidepressiva und Anxiolytika. In der
bisherigen Therapie seien körperliche Symptome im Vordergrund gestanden und es sei
noch zu keiner Besserung gekommen. Er diagnostizierte eine mittelgradige depressive
Störung mit somatischen Symptomen (F 32.11) sowie eine Anpassungsstörung (F 43.0)
bei bestehendem Handekzem. Die Prognose sei bei chronifiziertem Zustand sehr
ungünstig. In einem undatierten Bericht (IV-act. 27-29/30) diagnostizierte Dr. C._ eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F 32.1) und eine
Anpassungsstörung (F 43.0) bei bestehendem Handekzem. Aus rein psychiatrischer
Sicht bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit für eine auswärtige Arbeit. Der
Beschwerdeführer könne nur in einem geschützten Rahmen (geschützte Werkstatt)
eine Tätigkeit von zwei bis drei Stunden ausüben (IV-act. 27-29/30).
3.4 Mit psychiatrischem Gutachten der psychiatrischen Universitätspoliklinik des
Inselspitals Bern vom 24. Mai 2005 wurden die Diagnosen einer
psychophysiologischen Insomnie (F 51.0), einer depressiven Episode im Sinn einer
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Anpassungsstörung (F 43.21) sowie eines allergischen Hautekzems beider Hände,
anamnestisch beschrieben seit 1993, erhoben (act. G 9.2/2). Aus rein psychiatrischer
Sicht könne der Beschwerdeführer die bisher ausgeübte Tätigkeit weiterhin mindestens
zu 50% ausüben und es bestehe eine recht gute Prognose, die psychischen
Beschwerden noch lindern zu können, selbst wenn die chronische körperliche
Grunderkrankung seit mittlerweile 16 Jahren bestehe und sich in erheblichem Ausmass
verschlechtert habe. Eine Besserung der psychischen Beschwerden bis hin zur Heilung
sei dennoch eher unwahrscheinlich. Die psychischen Störungen hätten noch nicht ein
invalidisierendes Mass angenommen und könnten sich mit einer regelmässigen
psychotherapeutischen Behandlung sowie einer adäquaten medikamentösen Therapie
noch verbessern. In Anbetracht der jetzigen bestehenden psychischen Störungen
sähen sie den Beschwerdeführer bei einer der körperlichen Grunderkrankung
zumutbaren Aufgabe als in der Lage, zu 100% zu arbeiten (act. G 9.2/3).
3.5 Dr. med. D._ bestätigte am 16. Juni 2008 (act. G 9.2/6) gegenüber dem
Ausländeramt St. Gallen, dass der Beschwerdeführer an einem chronischen,
exkoriierten Ekzem, einem Diabetes mellitus Typ II, einer peripheren arteriellen
Verschlusskrankheit, einer Polyarthrose sowie an arterieller Hypertension leide. Der
Beschwerdeführer sei bis auf weiteres voll arbeitsunfähig.
3.6 Mit ABI-Gutachten vom 2. Dezember 2010 wurde beim Beschwerdeführer eine
leichte depressive Episode (F 32.0) diagnostiziert (IV-act. 27-15/30). Zudem wurden bei
der Untersuchung depressive Verstimmungen, eine erhöhte Ermüdbarkeit, leichte
Konzentrationsstörungen, eine Antriebsstörung, Schlafstörungen und ein verminderter
Appetit mit Gewichtsabnahme festgestellt. Die Diagnosen einer
Schmerzverarbeitungsstörung oder einer somatoformen Störung könnten nicht gestellt
werden. Aufgrund der im Serum bestimmten Medikamentenspiegel bestehe ein
Hinweis auf schlechte Medikamentencompliance. Dem Beschwerdeführer könne trotz
der geklagten Beschwerden aus psychiatrischer Sicht zugemutet werden, in einer
seinen körperlichen Einschränkungen angepassten Tätigkeit zu 90% zu arbeiten. Eine
länger dauernde, höhergradige Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht im Sinn
einer invalidisierenden Erkrankung sei retrospektiv nicht zu erkennen.
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3.7 Dr. D._ berichtet am 16. Juni 2008 über keine psychischen Beschwerden oder
eine darauf gründende Arbeitsunfähigkeit. Bei der von ihm attestierten vollen
Arbeitsunfähigkeit ist zudem nicht klar, ob sie sich ebenfalls auf eine zumutbare
Tätigkeit bezieht, zumal ein entsprechender Hinweis oder ein Zumutbarkeitsprofil
fehlen. Dies kann letztlich offen bleiben, da sein Bericht keine psychopathologischen
Befunde enthält und daher für die vorliegende Beurteilung nicht von Belang ist.
Gemäss ABI-Gutachten kann bei einer depressiven Störung nicht gleichzeitig eine
Anpassungsstörung diagnostiziert werden, wie dies im Bericht von Dr. C._ getan
worden sei. Zwar ist eine eindeutige Differenzierung zwischen depressiven Episoden,
Dysthymien und Anpassungsstörungen offenbar nicht möglich (<http://
www.hogrefe.de/ programm/media/catalog/Book/978-3-8017-1622-6_lese.pdf>,
abgerufen am 22. Januar 2013). Doch die Feststellung im ABI-Gutachten bestätigt sich
im Taschenführer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur ICD-10-Klassifikation
psychischer Störungen, wonach bei Diagnose einer depressiven Episode diejenige von
Anpassungsstörungen, depressiver Episode in Verbindung mit Störungen des
Sozialverhaltens sowie rezidivierender depressiver Störung auszuschliessen ist
(H. Dilling und H. J. Freyberger [Hrsg.], 4. Aufl., Hogrefe/ Göttingen 2003, S. 133;
<http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/anpassungsstoerungen2.html>,
abgerufen am 22. Januar 2013). Das ABI stellt weiter fest, dass eine mittelgradige
depressive Störung wie von Dr. C._ berichtet während des Behandlungszeitraums
vorübergehend vorgelegen haben möge, sie begründe aber keine 100%-ige, sondern
eine teilweise Arbeitsunfähigkeit. Entsprechend erachtet auch Dr. C._ in seinem
undatierten Bericht eine Tätigkeit von zwei bis drei Stunden in geschütztem Rahmen
als machbar. Die Universitätspoliklinik Bern ging noch im Mai 2005 davon aus, dass
der Beschwerdeführer seine bisherige Tätigkeit aus rein psychiatrischer Sicht zu
mindestens 50% weiterhin ausüben könne und in einer zumutbaren Tätigkeit in der
Lage sei, zu 100% zu arbeiten. Dr. C._ weist in seinem Bericht im Juni 2005 darauf
hin, dass der Zustand des Beschwerdeführers schon lange einen invalidisierenden
Verlauf genommen habe und dieser schon über Jahre hinweg arbeitsunfähig sei, wobei
nicht klar ist, auf welche objektive Grundlage er diese retrospektive Einschätzung für
die Zeit vor der erstmaligen Behandlung des Beschwerdeführers (2. September 2004)
stützt. Zur Arbeitsfähigkeit in einer zumutbaren Tätigkeit äussert sich Dr. C._ lediglich
in seinem undatierten Bericht, dem Bericht vom 3. Juni 2005 ist hierzu nichts zu
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entnehmen. Der Bericht von Dr. C._ beruht auf einer Beobachtung des
Beschwerdeführers über einen längeren Zeitraum hinweg. Vom 2. September 2004 bis
3. Juni 2005 wurden bei Dr. C._ regelmässig Sitzungen – die Frequenz geht nicht aus
seinem Bericht hervor, im ABI-Gutachten werden nach Angaben des
Beschwerdeführers psychiatrische Behandlungen einmal pro Woche festgehalten –
durchgeführt. Eine vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers behauptete 12-jährige
Behandlungsdauer bei Dr. C._ ist daher nicht möglich. Im Unterschied zum
Gutachten des ABI bringt eine dennoch sicherlich mehrjährige Behandlungsdauer den
Vorteil, den Gesundheitszustand an mehreren Tagen und über einen längeren
Zeitabschnitt hindurch beobachten und beurteilen zu können. Allerdings hat ein
behandelnder Arzt eine wesentlich andere Sicht auf seinen Patienten als ein Gutachter
auf eine versicherte Person, weil sein Auftrag ein therapeutischer ist. Der vom
Versicherten konsultierte Arzt konzentriert sich auf die Behandlung und steht in einem
Vertrauensverhältnis zu seinem Patienten. Dadurch, dass beim Gutachter ein
Behandlungsauftrag fehlt, entsteht eine grössere Distanz zum Versicherten (Ulrike
Hoffmann-Richter, Die psychiatrische Begutachtung, Eine allgemeine Einführung,
Stuttgart 2005, S. 14). Um das Risiko einer Diagnosestellung aufgrund einer
Momentaufnahme zu minimieren, hat der Experte den Verlauf über die Akten zu
verfolgen (Ulrike Hoffmann-Richter, a.a.O., S. 22). Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts ist daher der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass
behandelnde Spezialärzte aufgrund dieser auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen tendenziell eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (Urteil des
Bundesgerichts vom 24. März 2009, 8C_871/2008, E. 3.2 mit Hinweisen). Im
vorliegenden Fall ist es auch nicht so, dass der Psychiater Dr. C._ konkrete, objektiv
fassbare Aspekte namhaft gemacht hätte, die dem ärztlichen Experten entgangen
wären oder mit denen er sich nicht befasst hätte (Ulrich Meyer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung [IVG], 2. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2010, S. 344). Seit dem Bericht
vom 3. Juni 2005 und dem undatierten Ausschnitt sind keine weiteren (aktuelleren)
Berichte von Dr. C._ aktenkundig. Da das Gutachten des ABI auf umfassenden, von
erfahrenen Sachverständigen durchgeführten allseitigen Untersuchungen beruht und in
Kenntnis der Anamnese sowie unter Berücksichtigung der beklagten Beschwerden und
dem Verhalten des Beschwerdeführers erstellt wurde, besteht kein Anlass, an den darin
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enthaltenen Schlussfolgerungen zu zweifeln. Die Arbeitsfähigkeitseinschätzung des ABI
ist nachvollziehbar und stützt sich für die retrospektive Beurteilung auf das
psychiatrische Gutachten der psychiatrischen Universitätspoliklinik des Inselspitals
Bern vom 24. Mai 2005, welches ebenfalls einleuchtet. Konkrete Vorbehalte oder
Einwände gegen das ABI-Gutachten sind nicht ersichtlich und solche bringt der
Beschwerdeführer denn auch nicht vor. Auf das Gutachten des ABI vom 2. Dezember
2010 kann somit abgestellt werden.
3.8 Die bereits vorhandenen medizinischen Unterlagen – insbesondere das ABI-
Gutachten vom 2. Dezember 2010 – ermöglichen eine rechtsgenügliche Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Eine stationäre psychiatrische Abklärung
erscheint unter diesen Umständen nicht notwendig. Eine entsprechende Anforderung
wird von der bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch nicht gestellt (vgl.
BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen). In antizipierter
Beweiswürdigung ist daher auf weitere Abklärungen zu verzichten, da nicht
anzunehmen ist, dass solche für die Beurteilung des vorliegend relevanten
Sachverhalts neue Erkenntnisse bringen (BGE 124 V 90, E. 4b; 136 I 229, E. 5.3).
4.
4.1 Gemäss Art. 16 ATSG wird bei der Bemessung des Invaliditätsgrads das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
4.2 Bei der Bestimmung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die
versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen (hypothetischen) Rentenbeginns
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich
verdient hätte (Meyer, a.a.O., S. 301; BGE 129 V 222 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Gemäss
aArt. 29 Abs. 1 IVG (Fassung bis 31. Dezember 2007) entsteht der Rentenanspruch
frühestens in dem Zeitpunkt, in dem der Versicherte mindestens zu 40% bleibend
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erwerbsunfähig geworden ist (lit. a) oder während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig gewesen war (lit. b).
4.3 Der Beschwerdeführer hat sich – nach Abweisung seines Rentengesuchs vom
23. März 1998 – am 18. August 2000 erneut zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet
(IV-act. 1, 102). Seit wann eine Arbeitsunfähigkeit besteht, konnte im ABI-Gutachten
nicht eruiert werden (IV-act. 27-24/30). Dies kann im vorliegenden Fall schlussendlich
auch offen bleiben, da für den Einkommensvergleich bei der Annahme, das Validen-
und Invalideneinkommen würden sich in der Regel in etwa gleich entwickeln, lediglich
entscheidend ist, dass stets Werte aus derselben Vergleichsperiode heranzuziehen
sind. Für die Berechnung des Invaliditätsgrads werden vorliegend die Werte für das
Jahr 2004 berücksichtigt.
4.4 Im Einklang mit der Beschwerdegegnerin kann davon ausgegangen werden, dass
eine Arbeitsunfähigkeit von 10% in einer leidensangepassten Tätigkeit besteht. Das
Valideneinkommen 2004 wurde von der Beschwerdegegnerin in Übereinstimmung mit
dem Entscheid des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 2. Juni 2010, UV 2009/54,
auf Fr. 64'250.-- festgelegt (13 x Fr. 4'530.-- + Fr. 7'700.-- Nacht- und
Leistungszulagen [11 x Fr. 700.--]; IV-act. 83) und ist vorliegend unbestritten. Bei der
Festlegung des Invalideneinkommens ging die Beschwerdegegnerin vom allgemeinen
Durchschnittslohn aller Branchen gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) des
Bundesamtes für Statistik aus. Aus der LSE 2004 TA 1 Niveau 4 ist für Männer ein
Monatssalär von Fr. 4'588.-- ersichtlich. Das hieraus errechnete Jahreseinkommen von
Fr. 55'056.-- (2004) basiert auf 40 Wochenstunden und ist auf die betriebsübliche
durchschnittliche Arbeitszeit 2004, d.h. auf 41.6 Stunden, aufzurechnen, woraus sich
ein Betrag von Fr. 57'258.25 ergibt. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 90% und mit einem
vorliegend unbestrittenen und angemessen erscheinenden Tabellenlohnabzug von
10% ist das Invalideneinkommen mit Fr. 46'379.20 zu bemessen. Bei der
Gegenüberstellung des Validen- und Invalideneinkommens ergibt sich eine
invaliditätsbedingte Einbusse von 28%, woraus kein Rentenanspruch entsteht.
5.
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind sie vollumfänglich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen, wobei der von ihm geleistete Kostenvorschuss daran
anzurechnen ist. Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP