Decision ID: 1a03c049-b81a-4b5d-a273-ebe3bf573342
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, arbeitete seit 1992 als
selbständig
erwerbender
Schuhmacher und meldete sich am 21. April 1998 erstmals wegen Rücken
beschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/4). Gestützt auf ihre medizinischen und erwerblichen Abklärungen sprach ihm die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
mit Verfügung vom 5. Dezember 2001 bei einem Invaliditätsgrad von 70 % ab Juni 2000 eine ganze Rente zu (Urk. 8/97).
1.2
Im Rahmen zweier amtlicher Revisionsverfahren bestätigte die IV-Stelle mit Mitteilungen vom 3. Februar 2004 (Urk. 8/107) beziehungsweise 26. März 2007 (Urk. 8/114) die bisherige ganze Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 70 %.
1.3
Im Zuge eines
erneuten
Re
visionsverfahrens ging die IV-Stelle gestützt auf ein von ihr veranlasstes
bidisziplinäre
s
Gutachtens von einer erheblichen Verbesse
rung des Gesundheitszustandes des Versicherten aus und stellte die Rente nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
mit Verfügung vom 9. Oktober 2012 ein (Urk. 8/152). Das vom Versicherten angerufene Sozialversicherungsgericht bestä
tigte die Renteneinstellung mit Urteil vom 11. März 2014 im Prozess Nr. IV.2012.01190 (Urk. 8/159). Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.4
Am 25. Juli 2014 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 8/161). Die IV-Stelle veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten
bei
der Y._,
welche das Gutachten am 23. September 2016 erstattete (Urk. 8/207). Gestützt darauf stellte die IV-Stelle
mit
Vorbescheid vom 7. Oktober 2016 in Aussicht, einen Rentenanspruch zu verneinen (Urk. 8/210). Nachdem der Versicherte
da
ge
gen am 20. Oktober 2016 (Urk. 8/211),
5. Dezember 2016 (Urk. 8/230) und 29. März 2017 (Urk. 8/240) Einwände erhoben hatte,
liess
die IV-Stelle
die
Y._
vorerst zu neu eingereichten Arztberichten Stellung nehmen (Urk. 8/243 und Urk. 8/249) und holte in der Folge bei dieser
das
Verlaufs
gutach
ten
vom
24. Juli 2018 ein (Urk. 8/280). Nachdem sich der Beschwerdeführer
am 10. Januar 2019
dazu hatte vernehmen lassen (Urk. 8/287), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 21. Februar 2019
einen
Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente (Urk. 2 = Urk. 8/290).
2.
Gegen die Verfügung vom 21. Februar 2019
(Urk. 2)
erhob der Versicherte am 25. März 2019 Beschwerde mit dem Antrag, die IV-Stelle sei zu verpflichten, ihm ab
Januar 2015 eine ganze Invalidenrente auszurichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertre
tung (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 26. April 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was dem Beschwerdeführer am 27. Mai 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Am 13. Juni 2019 reichte der Beschwerdeführer weitere medizinische Berichte
zu den Akten
(Urk. 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf Stellungnahme dazu (Urk. 13). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 3. Juli 2019 mitgeteilt (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Anlass zur Rentenre
vision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE
144
I
28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141
V
9 E.
2.3 mit Hinweisen).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.3
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung
ist von Amtes wegen zu prüfen
, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretensver
fügungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ersten Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemachten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkun
gen des Gesundheitszustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leis
tungsansprechende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Rechtsprechung zur Wiedererwägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinweisen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgege
nhalten lassen (BGE 130 V 71 E.
3.2.3
; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.
).
2.
2.1
Gestützt auf ihre medizinischen Abklärungen
ging
die Beschwerdegegnerin
davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
unverändert geblie
ben sei. Seit der Rückenoperation im April 2013 könne der Beschwerdeführer nicht mehr als Schuhmacher tätig sein. In einer angepassten Tätigkeit sei er lediglich wegen einer Operation und Heilbehandlung arbeitsunfähig gewesen. Weder Operation noch Heilbehandlungen stellten eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dar (Urk. 2 S. 2 unten).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer zusammenfassend ein, dass er seit der Operation im April 2013 nicht mehr arbeitsfähig sei. Das Rückenleiden habe bis heut
e
nicht erfolgreich therapiert und auch nicht erfolgreich operativ saniert wer
den können. Insoweit basiere das Gutachten der
Y._
auf einer falschen medizinischen Grundlage, indem die Gutachter von einer Sanierung des Rücken
leidens ausgegangen seien. Hinzu komme das invalidisierende Schulterleiden. Schliesslich sei auch zu berücksichtigen, dass er an einer Depression leide (Urk. 1 S. 20 Ziff. 2.4).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer wieder einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Die letzte materielle Prüfung fand mit Urteil
vom
11. März 2014 (Prozess Nr. IV.2012.01190, Urk. 8/159), wo
mit
die mit Verfügung vom 9. Oktober 2012 (Urk. 8/152) erfolgte Einstellung der Rente bestätigt wurde,
ihren
Abschluss. Folglich ist der Sachverhalt im Zeitpunkt
der
Verfügung
vom 9. Oktober 2012
mit demjenigen im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) zu vergleichen.
3.
3.1
Das Gericht stützte sich im Urteil vom 11. März 2014 (Urk. 8/159) auf
das
bidis
ziplinäre
Gutachten, verfasst ei
nerseits von Dr. med. Z._
, Fach
ärztin für Allgemeine Innere Medizin
und für Rheumatologie
,
vom 25. Februar
2012 (Urk.
8
/140/1-73
) sowie
anderseits von Dr. med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. April 2012 (
Urk.
8
/14
2), beides ergänzt um die
bidisziplinäre
Zusammenfassung vom 23. April 2012 (Urk. 8/141).
3.2
Aus der
bidisziplinären
Zusammenfassung
vom 23. April 2012 (Urk. 8/141)
gehen folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hervor (S. 1):
-
keine psychiatrische Diagnose
-
lumbospondylogenes Syndrom rechts mehr als links bei
-
kongenitaler
lumbosakraler
Übergangsanomalie mit
Hemisakralisation
von L5 links und Ausbildung eines
Neathros
-
medialer
Diskusprotrusion
und beginnender Osteochondrose L5/S1 (MRI November 2010) mit unauf
fälligem EMG-Befund (März 2006)
-
Status nach
Spondylodese
L5 bis S1 mit PL
IF
(
September 2011
)
mit
He
milaminektomie
,
Foraminotomie
,
Neurolyse
und Diskektomie L5/S1 rechts
-
mit guter Lage der Implan
tate (CT Februar 2012) mit
Bandscheiben
bulging
L4/L5 und etwas enges
Neurofora
men
L5/S1 rechts ohne Nervenwur
zelkompression und ohne Spinalkanalstenose
-
ohne
radikuläre
Zeichen
-
Schulterschmerzen links bei
-
Status nach habitueller Schulterluxation links nach einem Unfall mit
-
Kapselraffung
(
1982
)
-
Rotationsosteotomie des
Humeruskopfs
(
1985
)
mit
-
Entwicklung einer sekundären
Omarthrose
mit
-
Implantation einer Schulter-Totalprothese links
(
November 2009
)
mit gutem Operationsresultat
und gutem
Implantatsitz
, mit intakter
Ro
tatorenmanschette
und intakter langer
Biceps
-Sehne, Röntgen und Ultraschall
(
November 2011
)
mit
-
leicht verminderter Beweglichkeit des linken Schultergelenks und deutlich verminderter Schultergürtelmuskulatur jedoch
-
weitgehend symmetrische
r
Armmuskulatur bei Rechtshändigkeit
Zur Arbeitsfähigkeit aus
bidisziplinärer
Sicht hielten die Gutachter fest, dass der Beschwerdeführer aus internistisch-rheumatolog
ischer Sicht eine leichte, wech
selbelastende Tätigkeit mit Heben oder Tragen von Lasten bis zu 10
kg
benö
tige, die auf die eingeschränkte Funktion der Lendenw
irbelsäule und der linken Schul
ter Rücksicht nehme (Urk.
8
/140 S.
70). Eine nicht
adaptierte Tätigkeit habe er seit Juli 1996 nicht mehr ausüben
können. Dagegen sei er in ange
stammter Tätigkeit eines selbstständigen Schuhmachers oder
in einer anderen adaptierten Tä
tigkeit gemäss dem genannten Profil nie langfristig arbeitsunfähig gewesen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit.
Der
psychi
sche
Gesundheitszustand habe sich a
llmählich gebessert, und spätes
tens
im
Unter
suchungszeitpunkt am 19.
März 2012 habe keine psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit mehr bestanden. Aus
bidisziplinärer
Sicht
sei der Beschwer
deführer spätestens ab dem 19.
März
2012 in der angestammten Tätig
keit als selbstständiger Schuhmacher oder in einer anderen adaptierten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig (Urk.
8
/142 S.
2).
4.
4.1
Der aktuelle Gesundheitszustand ergibt sich aus den nachfolgenden medizi
nischen Berichten.
4.2
Dr.
med. B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, spezialisiert auf Wirbelsäulenchirurgie, berichtete am 9. Juli 2014 (Urk. 8/165/8), es liege ein Status nach
Spondylodese
L4/5 vor. Das dorsale Schraubenmaterial sei entfernt worden. Intraoperativ sei die Stabilität nicht explizit geprüft worden, so dass nicht mit letzter Sicherheit eine solide
Spondylodese
vorgelegen habe. Darauf wiesen auch die Ergebnisse der
Spect
-CT-Untersuchung hin, die eine Mehran
reicherung im Bereich beider Cages ergeben habe. Zudem bestehe eine vermehrte Aktivität in den
Fazettengelenken
L4/5 und weniger auf L3/4 links. Rein aufgrund der Bildgebung müsste eine
Revisionsspondylodese
mit wahrscheinlicher Verlän
gerung auf L3 erfolgen. Es könne jedoch nicht abgeschätzt werden, inwiefern dies die Gesamtsituation für den Beschwerdeführer verbessere.
4.3
Dr.
med. C._
diagnostizierte im Bericht vom 2. Oktober 2014 (Urk. 8/170) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1; S. 1 Ziff. 1.1). Der Beschwerdeführer stehe seit März 2013 in seiner Behandlung (S. 1 Ziff. 1.2). Es bestehe aus psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (4. 2 Ziff. 1.9).
Im Bericht vom 9. Februar 2015 (richtig: 2016; Urk. 8/190) wiederholte er die bereits gestellte Diagnose (S. 1 Ziff. 1.2). Eine Behandlung finde zirka jede dritte Woche statt (S. 4 Ziff. 3.1). Es bestehe eine 50%ige Verminderung der Leistungs
fähigkeit (S. 2 Ziff. 2.1).
4.4
Dr.
med. D._
,
praktischer Arzt
,
stellte
am 22. November 2014 (Urk. 8/174)
fest
, der Beschwerdeführer
klage seit mehreren Jahren trotz mehr
fachen Operationen über weiterhin persistierende, diffuse Schmerzen entlang der Wirbelsäule, insbesondere lumbal. Starke Schmerzen bestünden im Bereich der linken Schulter bei Status nach Schulterprothese. Es liege eine Depressivität mit diffusen Schlafstörungen vor (S. 2 Ziff. 1.4). Es bestehe seit 2. Juli 2014 (Behand
lungsbeginn) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 2 Ziff. 1.6).
4.5
PD
Dr.
med. E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, diagnostizierte im Bericht vom 12. Januar 2015 (Urk. 8/177), mässige Spondylosen C4-6 mit
Nuchalgie
, eine
lumbosacrale
Übergangsstörung mit Assimilation von L5 im
Sacrum
links,
Spondylarthrose
L4/S1, Status nach
Spondylodese
L4/5 und Status nach Metallentfernung (S. 1 Ziff. 1.1). Für eine Tätigkeit mit Wechselbelastung und
Lasttraglimite
von 5-10 kg sei aus wirbelorthopädischer Sicht eine Verwert
barkeit von 30-40 % zumindest exploratorisch denkbar (S. 2 Ziff. 1.7).
4.
6
Laut Operationsbericht von
Dr.
med. F._
,
Facharzt für
Orthopädie an der
G._
, vom 11. März 2015 (Urk. 8/18)
,
fand wegen einer schmerzhaf
ten Schulterprothesen-Instabilität li
nks bei
Subscapularis
-Insuffizi
enz
ein Schulterprothesen-Wechsel statt. Mit
Bericht vom 23. November 2015 (U
rk. 8/185/4-5) stellte
Dr.
F._
fest, dass die Schmerzen geblieben seien, weshalb er vermute, dass eine bipolare Problematik von Sei
t
en der HWS
und der Schulter vorliegen könnte, weshalb er den Beschwerdeführer an die Neurologie überwies (S. 1 unten).
4.
7
Dr.
med.
H._
und
Dr.
med.
I._
,
Fachärzte für
Neurologie an
der
G._
, berichteten am 17. Dezember 2015 (Urk. 8/189/4-6), im klinisch/neurologischen Status imponiere eine Atrophie des Schultergürtels sowie das bekannte schmerzbedingte Abduktionsdefizit des linken Armes. Daneben lies
sen sich keine weiteren fokal neurologischen Defizite nachweisen. In der elektro
physiologischen Untersuchung zeige sich ein
e chronische
Denervierung
des
Musculus
deltoideus
(Kennmuskel C5). Kernspintomographisch fänden sich dege
nerative Veränderungen sowie e
ine mässige
foraminale
Stenose C
4/5 links, welche nicht sicher symptomatisch sei. Da eine gewisse
radikuläre
Mitbeteiligung C5 links) nicht sicher ausgeschlossen werden könne, sei in primär diagnostischer Absicht eine Wurzelinfiltration C5 links vorgesehen (S. 3).
4.8
4.8
.1
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Dr.
med.
K._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Dr.
med.
L._
, Facharzt für Neurologie, und Dr.
med. M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
der
Y._
untersuchten den Beschwerdeführer am 11., 1
7.
und 20. Juni 2016 und
führten im
Gutachten vom 23. September 2016 (Urk. 8/207) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auf
(S. 52 Ziff. III.1):
-
Spondylodese
L
4/5
(
2011
)
, Schraubenent
fernung und
Hemilaminektomie
L
3/4
(
2013
)
-
Schultergelenks-
Endoprothese
links
in
2009, Wechseleingriff
in
(März
2015
)
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie folgende Diagnosen (S. 52 Ziff. III.2)
:
-
Übergewicht
-
Gonarthrose und
Meniskopathie
linkes Kniegelenk
-
Faktor-V-Mutation mit Status nach Lungenembolie
(
2001
)
und tiefe Bein
venenthrombose links
(
April 2016
)
-
Hypertonie
-
leichtgradige
Epikondylopathie
rechtes Ellenbogengelenk
-
rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig leichtgradig depressive Episode (F33.0)
-
Opiat-Fehlmedikation
4.8
.2
Der internistische Befund zeige neben einem Übergewicht und grenzwertigen Blutdrucken keine namhaften Gesundheitsstörungen, die kardiale und pulmonale Befunderhebung sei vor und nach Belastung unauffällig. Auch der arterielle Gefässstatus sei unauffällig. Eine Gewichtsreduktion und die Aufnahme eines körperlichen Trainings sei
en
empfohlen.
Internistischerseits
ergäben sich keine Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit (S. 27 oben).
4.8
.3
Weder aktenkundig noch nach der aktuellen neurologischen Untersuchung hätten sich Belege ergeben für eine die Arbei
ts
fähigkeit einschränkende neurologische Erkrankung, beziehungsweise eine Affektion
nervaler
Strukturen. Insbesondere lägen keine Nervenwurzelausfälle und keine Rückenmarksläsion vor. Lediglich postoperativ im Bereich der linken Schulter sei der vordere Anteil des
Musculus
d
eltoideus
hypotroph
, Hinweise für eine
Nervus
-
axillaris
-Schädigung ergäben sich bei normaler Sensibilität im Bereich des linken Oberarms und normaler Aus
prägung der mittleren und hinteren Portion des
Musculus
deltoideus
nicht.
Für die im Vorfeld ohne sichere Belege gemutmasste Nervenläsion C6 gebe
es
keine Hinweise.
Aus neurologischer Sicht
bestünden
keine sicheren Belege für das Vorliegen einer
die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden neurologisch
e
n
E
r
k
ran
kung (S. 32 unten
).
4.8
.4
Bei der orthopädischen Untersuchung lasse sich eine geringe funktionelle Beein
trächtigung der Wirbelsäule erheben. Bezüglich des linken Schultergelenks liege eine Hypotrophie der Schultergürtelmuskulatur vor, ebenso eine
Verschmäch
ti
gung
der Armmuskulatur links und eine - sowohl in der aktiven als auch passiven Prüfung - verminderte Funktionalität.
Der Gebrauch des linken Armes sei limi
tiert. Bezüglich des linken Kniegelenks seien keine aktuellen objektivierten Schmerzen oder funktionell
e Beeinträchtigungen zu erheben.
D
ie Belastbarkeit sei gegeben,
es liege
keine Instabilität
vor
, eine leichtgradige mediale Meniskus
r
eizung sei
jedoch
möglich.
A
m rechten E
llenbogengelenk bestehe eine leichtgra
dige Reizung im Sinne einer radialen und
ulnaren
Epikondylopathie
ohne funk
tionelle Limitierung
(S. 40 Mitte)
.
Unter Würdigung der erhobenen Befunde sei die Arbeitsfähigkeit des Beschwer
deführers als qualit
ativ beeinträchtigt zu bewerten.
A
ufgrund des lumbalen Defektsyndroms mit Verdacht auf
Pse
udarthrose
nach
Apondylodese
L
4/5 seien
nur noch leichte, wechselbelastende
körperliche Arbeiten zumutbar, gegebenen
falls
mit
entsprechende
r
Arbeitsplatzergonomie
(
höhenverstellbare
r
Stuhl und Arbeitstisch
)
und
konsequente
r
Vermeidung von Rumpffehlbelastungen und Zwangshaltungen. Bezüglich des linken Schultergelenkes bestehe eine dauerhafte Minderbelastbarkeit, dies insbesondere geltend für beidarmige Tätigkeiten in oder über Schulterhöhe; alle Arbeiten mit Kraftaufwand
des
linken Arm
s
seien limi
tiert. Dauerhafte oder namhafte Limitierungen seien durch die linksseitige Knie
gelenk- und rechtsseitige Ellenbogenalteration nicht zu formulieren
(S. 40 unten f.)
.
Eine Arbeitsfähigkeit von 100 % liege nur noch für leidensangepasste leichte körperliche Tätigkeiten vor (Pensum und Rendement 100 %). Die zuletzt ausge
übte Tätigkeit als Schuhmacher sei aufgrund der dabei notwendigen Wirbelsäu
lenbelastung und dem beidarmigen Einsatz als nicht mehr leidensgerecht zu bewerten
(S. 41 oben)
.
4.8
.5
Im psychiatrischen Untersuchungsbefund
präsentiere sich ein freundlicher Ver
sicherter, der ohne Zeichen mnestischer oder
konzentrativer
Defizite über seine Beschwerde
n und seinen Werdegang berichte
. Die Konzentrationsfähigkeit und die Auffassungsgabe
seien
ungestört, das formale Denken sei abgesehen von einer leichten
Grübelneigung
ungestört, die Stimmung sei zum
dysthymen
Pol hin verschoben und die Schwingungsfähigkeit erhalten. Es fänden sich keine Zeichen einer
schwerergradigen
affektiven Störung, namentlich keine
Anhedonie
, keine Störung der zirkadian
en Rhythmik, keine Affektstarre und
kein Antriebsverlust (S. 47 Mitte).
Das klinische Bild entspreche einer leichtgradig depressiven Episode im Rahmen einer rezidivierend depressiven Störung mit einem langjährigen Verlauf. Die aktuelle psychiatrische Behandlung sei leitliniengerecht und ausreichend. Der aktuelle psychopathologische Untersuchungsbefund sei nicht in dem Masse ausgeprägt, dass eine geminderte Arbeitsfähigkeit zu begründen wäre. Auch bei Betrachtung der Gestaltungsfähigkeit des Alltages fielen keine wesentlichen Beeinträchtigungen auf, so sei der Beschwerdeführer durchaus in der Lage, regel
mässige Reisen in die türkische Heimat zu unternehmen, soziale Kontakte zu pfle
gen und ein Kraftfahrzeug zu führen. Aus psychiatrischer Sicht sei er somit durchaus in der Lage, sowohl die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit als Schuhmacher als auch jede andere Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarkts zu 100 % (Pensum und Rendement) zu verrichten (S. 47 unten f.).
4.8
.6
Insgesamt kamen die Gutachter zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten sowie jeder vergleichbaren Tätigkeit aufgrund des spinalen sowie des die linke Schulter betreffenden Defektsyndroms auf Dauer zu 100 % erloschen sei, dies wahrscheinlich seit etwa 200
9.
Der spinale postoperative Status (letzter Eingriff in 2013) und Befund sowie das Defektsyndrom im Bereich der (2015 nochmals operierten) linken Schulter führten zu einer biologisch plau
siblen, glaubhaft reduzierten Belastbarkeit in Tätigkeiten mit häufigen spinalen Zwangshaltungen sowie in Arbeiten mit einem regelhaften, kräftigen und geschickten beidarmigen Einsatz, was bei einer Tätigkeit als Schuhmacher anzu
nehmen sei. Nach 2012 seien zwei weitere Operationen (linke Schulter und spinal) erfolgt, was die Verschlechterung der Befunde im Vergleich zu 2012 erklären
könne
. Übereinstimmung mit den Bewertungen aus 2012 bestünden insofern, dass angepasste Tätigkeiten uneingeschränkt möglich seien. In körperlich leich
ten, wechselbelastend oder überwiegend sitzend ausgeübten Tätigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarkts sei von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % auszugehen, da die aktuellen objektiven Befunde keine namhafte Limitation der spontanen Mobilität auswiesen und die anamnestisch aufscheinende Selbständigkeit und Selbstversorgung im Alltag sowie die soziale Aktivität für gut erhaltene Ressour
cen sprächen (S. 48 unten f.).
4.9
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
und Dipl. Psych. FH
O._
,
Eidg
. anerkannter Psychotherapeut, diagnostizierten im Bericht vom 22. März 2017
(
Urk.
8/239)
eine kombinierte Persönlichkeits
störung mit schizoiden, ängstlich-vermeidenden, abhängigen, selbstunsicheren und passiv-aggressiven Anteilen (F61.0) und eine
Dysthymie
(F34.1; Ziff. 1). Der Beschwerdeführer könne Hilfsarbeitertätigkeiten in einem geschützten angepass
ten Umfeld in beschränktem Umfang leisten. Seine Einschränkungen bestünden hauptsächlich auf der so
matischen Ebene (Ziff. 2).
4.10
Vom 28. September bis 29. November 2017 weilte der Beschwerdeführer zur stationären Behandlung in der
P._
. Im Austrittsbericht vom 15. Januar 2018 (Urk. 8/268) stell
ten med.
pract
.
Q._
, Fachärztin für Neurologie,
lic
. phil.
R._
, Fachpsychologe für Psychotherapie
FSP
, und
MSc
S._
, Klinischer Psychologe, folgende psychiatrischen Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit paranoiden und narzisstischen Anteilen (F61.0)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeits
syndrom (F17.2)
Bei Eintritt habe sich diagnostisch neben einer rezidivierenden
depressiven Störung eine
Persönlichkeitsstörung mit im Vordergrund stehenden paranoiden und
n
arzisstischen Anteilen gezeigt. Im Stationsalltag habe der Beschwerdeführer in Stresssituationen eine geringe Frustrationstoleranz gezeigt, sei schnell gekränkt gewesen und habe das Verhalten anderer als fein
d
selig gegen sich gerichtet interpretiert. Dies habe sich vor allem im Umgang mit körperlichen Problemen und dem Austausch darüber mit dem Personal gezeigt. Aus einer Überforderung heraus sei es zu wiederholten Konflikten gekommen, wobei der Beschwerdeführer auch impulsiv reagiert habe. Unter einer geänderten Medika
tion habe eine teilweise Besserung der depressiven Symptomatik verzeichnet wer
den können, wobei einige Symptome wie anhaltende Zukunftsängste und kogni
tive Einschränkungen in Form von Vergesslichke
it und Konzentrationsstörungen
persistiert
hätten
(S. 4 Mitte)
.
Als ambulante Weiterbehandlung sei die Anbindung an die
Sprechstunde Persönlichkeitsstörungen
ab 15. Dezember 2017 und eine tagesklinische Behand
lung ab 1. Dezember 2017 geplant. Aufgrund der psychischen und somatischen Symptomatik bestehe eine Arbeitsunfähigkeit für die Dauer der tagesklinischen Behandlung (S. 5 Mitte).
4.
11
4.
11
.1
Gestützt auf ihre Untersuchungen vom 2
1.
und 24. April 2018 erstatteten
Dr.
K._
und
Dr.
M._
am 24. Juli 2018 das orthopädisch-psychiatrische Verlaufs
gutachten der
Y._
(Urk. 8/280)
,
worin folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
aufgeführt sind
(S. 4 Ziff. 4.2):
-
Spondylodese
L4 auf S
1
-
instabile Sch
ultergelenks-
Endoprothese
links
(
Ers
t
-O
peration
2009, Revisionseingriff März 2015
)
Ferner wurden folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt (S. 5 Ziff. 4.2)
:
-
Hallux
valgus
links
-
leichtes Übergewicht
-
anamnestisch Gonarthrose und
Meniskopathie
linkes Kniegelenk
-
leichtgradige
Periarthropathie
linkes Hüftgelenk
-
rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige depressive Episode (F33.0)
4.
11
.2
Der Beschwerdeführer schildere führend Lenden-Becken-Bein-Schmerzen links bei Status nach
Spondylodese
L4
/
S1 im 2011, Metallentfernung im 2013 und aktuell MRI-bildgebend spinaler Stenose L3/4 mit möglicher linksseitiger
neuro
foraminaler
Kompression sowie funktionelle und Belastungsrestriktionen d
es
linke
n
Schultergelenk
s
bei einliegender
Endoprothese
(
Wechseleingriff 2015
)
. Klinisch sei eine überwiegend sensible
Lumboischialgie
/-
femoralgie
links zu erheben, ohne offensichtliche Zeichen einer
Pareseentwicklung
, sowie eine reiz
lose, aber nicht hinreichend stabil einliegende
Endoprothese
des linken Schulter
gelenks mit glaubhaftem bewegungs- oder belastungsassoziiertem Schmerzvor
trag. Bezüglich der spinalen Stenose werde aktenkundig eine operative Interven
tion erwogen (Ziff. 7.1 S. 41 oben). Eine durchgreifende Schmerzlinderung sei durch die erfolgten und aktenkundig dokumentierten konservativen therapeu
tischen Massnahmen einschliesslich paravertebralen I
nfiltrationen nicht einge
treten. D
as weitere Procedere und die Prognose seien ungewiss und ergebnisoffen hinsichtlich einer angestrebten Schmerzremission. Auch medikamentöse Mass
nahmen zeigten anamnestisch keinen berichteten durchgreifenden Effekt hinsichtlich der Schmerzregulation. Der Beschwerde
führer zeige eine aus
reichende Compliance bezüglich der Konsultation schmerztherapeutischer und neurochirurgischer
Spezialisten (Ziff. 7.2 S. 41).
Aufgrund der
Akten, der
vorlie
genden Befunde und der klinischen Untersuchung seien die reklamierten Schmer
zen und funktionellen Störungen des li
nken Schultergelenks und des Achsenske
letts hinreichend plausibel begründe
t
(Ziff. 7.3 S. 42).
Im Vergleich zur Vorbegutachtung durch die
Y._
im September 2016 habe sich beim Beschwerdeführer zwischenzeitlich eine MRI-bildgebend dokumen
tierte spinale Stenose L3/4 entwickelt mit klinischem Korrelat in einer
antero
-lateralen
Lumboischialgie
links, zwar ohne offensichtliches sensomotorisches Defizit, ohne Reflexasymmetrie und ohne namhafte muskuläre Atrophie, aber aufgrund der beschriebenen Bildgebung (vgl. auch Urk. 8/273
= Urk. 8/281/4-5
) mit hinreichender Plausibilität bezüglich der reklamierten lumbalen Schmerzen links. Eine weitere Einschränkung der alltäglichen und beruflichen Belastbarkei
ten und Ressourcen sei daraus abzuleiten und begründet, sodass aus gutachter
licher Sicht nur noch leichte (Gewichtslasten bis 5 kg), wechselbelastende körper
liche Tätigkeiten als geeignet erschienen, mit der Möglichkeit zu einem frei gewählten Haltungswechsel und
flexiblen Pausen, ohne Rumpfzwangshaltung und ohne beidarmigen Einsatz über Schulterhöhe bei einliegender instabiler
Schultergelenksendoprothese
links sowie beidarmige Hebe- und Haltearbeiten nur bis zur Becken-Hüfthöhe. In einer solchermassen angepassten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (Ziff. 7.4 S. 42 unten f. und Ziff. 8.2 S. 44 oben). Dies gelte seit der Vorbegutachtung im Septembe
r 20
16
(Ziff. 8.2 S. 44 unten).
4.
11
.3
Im aktuellen psychiatrischen Untersuchungsbefund präsentiere sich ein freund
licher und wenig offener Explorand, der wenig Blickkontakt aufnehmend und mit leiser, wenig modulierter Stimme über seinen Werdegang und seine Beschwerden berichte. Die Konzentrationsfähigkeit und die Auffassungsgabe seien nicht beeinträchtigt, das Denken sei, abgesehen von einer
Grübelneigung
und ein auf krankheitsspezifische Themen sowie die weitere Zukunftsperspektive eingeengtes Denken, ungestört, die Stimmung z
um
dysthymen
Pol hin verschoben und
die Schwingungsfähigkeit nicht namhaft beeinträchtigt. Während der Exploration
seien
narzisstische und paranoide Persönlichkeitszüge deutlich
geworden
, wobei sich der Explorand ungerecht behandelt, nicht ausreichend respektiert und gewürdigt sowie von Mitmenschen bewertet und beobachtet fühle. Die
se
Auffäl
ligkeiten seien jedoch nicht so ausgeprägt, dass sie die diagnostischen Kriterien einer Persönlichkeitsstörung erfüll
t
en und blieben ohne sozialmedizinische Rele
vanz, da sie per definitionem bereits seit der Jugend beziehungsweise dem jungen Erwachsenenalter
bestanden hätten
und auch in der Vorgeschichte einer regel
mässigen Arbeitstätigkeit nicht im Wege gestanden seien.
Der Beschwerdeführer beschreibe
Zukunfts- und Existenzängste sowie angedeutete Panikattacken, die aber nicht die Intensität einer als eigenständigen psychiatrischen Entität zu bezeichnenden Angststörung annähmen, sondern im Rahmen der affektiven Störung zu interpretieren seien. Klinische Zeichen einer
schwerergradigen
affek
tiven Störung wie
Anhedonie
, Störung der zirkadianen Rhythmik, Affektstarre oder eine vitale Freud- oder Antriebsreduktion fänden sich im erhobenen Befund nicht. Das klinische Bild entspreche synoptisch einem leichtgradig depressiven Syndrom im Sinne einer leichten depressiven Episode bei rezidivierend depres
siver Störung mit langjährigem Verlauf (Ziff. 7.2 S. 71 unten f.).
In der aktuellen psychiatrischen Untersuchung sei eine erhebliche Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung zu erkennen, nach der sich der Beschwerdeführer komplett ausser Stande sehe, einer Arbeitstätigkeit nachzu
g
e
hen, da er kaum das Haus verlassen könne und sich komplett zurückgezogen habe
und zu nahezu keinerlei Aktivität mehr in der Lage sei. Die hier deutlich werdende
Selbstwahrnehmung sei weder mit dem (nur leicht auffälligen) psychi
atrischen Befund in Übereinstimmung zu bringen, noch mit dem im Alltag durch
aus aufscheinenden Leistungsvermögen, nachdem der Beschwerdeführer immer
hin in der Lage sei, Reisen in die türkische Heimat zu unternehmen, ein Kraft
fahrzeug zu führen und auch problemlos mit dem eigenen Wagen zur psychiat
rischen Untersuchung anzureisen. Es könne also davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer mit einer zumutbaren Willensanstrengung in der Lage sei, Hemmnisse zu überwinden und eine berufliche Tätigkeit auf
zunehmen. Auf
grund der anhaltend leichten affektiven Beeinträchtigung seien lediglich Arbeiten unter psychischen Spitzenbelastungen im Schicht- und Nacht
dienst sowie unter Akkordbedingungen zu vermeiden (Ziff. 7.3 S. 72 Mitte f.).
4.
12
Am 15. Juni 2018
hatte
sich der Beschwerdeführer einer mikrochirurgischen Dekompression des Spinalkanals
L
4/5
unterzogen
(
Operationsbericht vom 15. Juni 2018, Urk. 8/281/8-9). PD
Dr.
med.
T._
, Facharzt für Neuro
chirurgie,
berichtete am 25. Juni 2018 (Urk. 8/278 = Urk. 8/281/6-7), der Beschwerdeführer berichte, dass es unter Belastung wieder zu einer leichten Zunahme der linksseitigen
Radikulopathie
gekommen sei, wobei die Schmerz
intensität geringer sei als präoperativ. Kursorisch-neurologisch bestünden keine Defizite und das Gangbild sei flüssig.
Am 7. August 2018 stellte
Dr.
T._
fest (Urk. 8/281/4-5), der Beschwerdeführer berichte, dass die präoperativen linksseitigen ausstrahlenden Schmerzen nun nicht mehr vorlägen. Belastungsabhängig komme es gelegentlich noch zu verspannungsartigen Schmerzen in der Lumbalregion. Eine erneute Kontrolle sei nicht vorgesehen.
Im Bericht vom 12. Oktober 2018 (Urk. 8/288) nannte
Dr.
T._
neben den bekannten Diagnosen eine rechtsseitige
Lumboischialgie
/
Femoralgie
. Im MRI der LWS vom 12. Oktober 2018 zeige sich ein regelrechter postoperativer Befund bei
einem
nun im Vergleich zu den präoperativen Aufnahmen gut erweiterte
n
Spinalkanal auf der Höhe L
3/
4.
Die vorbestehende
Bandscheibenprotrusion
zeige sich rechts im
Neuroforamen
im Vergleich zu den präoperativen Aufnahmen diskret progredient, eine eindeutige L3
-
Kompression sei in den liegenden Auf
nahmen jedoch nicht feststellbar (S. 2).
4.
13
Prof.
Dr.
med.
U._
und Dr.
med. V._
, Fachärzte für Neuro
chirurgie, diagnostizierten im Bericht vom 12. Dezember 2018 (Urk. 288/3-4) zusätzlich zu den bekannten Diagnos
en eine Anschlussdegeneration L
3/4 mit
Flavumzyste
rechts und konsekutiver hochgradiger Spinalkanalstenose (S. 1). Klinisch zeigten sich sowohl
Zeichen einer segmentalen Hypermobilität als auch eine
Claudicatio
spinalis
. Die Beschwerden seien mit der vorliegenden bildgeben
den Diagnostik sehr gut in Einklang zu bringen. Die Ärzte empfahlen
eine
Spon
dylodese
im Segment L
3/4, Neubelegung mit
Pedikelschrauben
von LW5 und Verlängerung der
Spondylodese
b
is L
5 (S. 2).
4.
14
Am 10. Mai 2019 musste sich der Beschwerdeführer im
W._
einer diagnostischen Laparoskopie und eine
r
mediane
n
Laparotomie/
Adhäsiolyse
/
Bauchwandrekonstruktion unterziehen (Urk. 11/3). Im Aus
trittsbericht vom 16. Mai 2019
(Urk. 11/4)
konstatierten
Dr.
med.
AA._
_
, Facharzt für
Viszeralchirurgie
, und
D
ipl.
Arzt
BB._
, Assistenzarzt, dass der intra- und postoperative Verlauf problemlos gewesen sei. Sie attestierten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 1
0.
bis 20. Mai 201
9.
5.
5.1
Im Zeitpunkt der Rentenaufhebung am 9. Oktober 2012
litt der Beschwerdeführer
gemäss Gutachten von
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
(E. 3.2)
an
ein
em
näher beschriebene
n
lumbospondylogene
n
Syndrom rechts mehr als links und näher umschriebene Schulterschmerzen links
. Aus
bidisziplinärer
Sicht
bestand
in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit mit Heben oder Tragen von Lasten bis zu 10 kg, worunter auch die Tätigkeit als Schuhmacher gezählt wurde, eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit.
5.2
Seit der Begutachtung durch
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
musste sich der Beschwerdeführer laut dem Gutachten der
Y._
vom 23. September 2016 (E. 4.
8
) einer Schraubenentfernung L4/5 und
Hemilaminektomie
L3/4 unter
ziehen, und es wurde die Schultergelenks-
Endoprothese
operativ ausgewechselt.
Die
Y._
-Gutachter kamen zum Schluss, dass sich
seit der Begutachtung durch
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
in somatischer Hinsicht eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
eingestellt hat
.
Die ne
urologische Untersuchung (E. 4.8
.3) ergab zwar kein sicheres Vorliegen einer die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden neurologischen Erkrankung, indessen wurde bei der orthopä
dischen Unter
suchung (E. 4.8
.4) eine geringe funktionelle Beeinträchtigung der Wirbelsäule und bezüglich des linken Schultergelenks eine Hypotrophie der Schultergürtel
muskulatur
,
eine
Verschmächtigung
der Armmuskulatur und eine verminderte Funktionalität gefunden, die den Gebrauch des linken Arms beeinträchtigt. Dem
entsprechend kam
der Orthopäde
zum Schluss, dass
nur noch leichte, wechselbe
las
tende körperliche Arbeiten zumutbar seien und die
ursprüngliche Tätigkeit als Schuhmacher als nicht angepasst zu betrachten sei. Hiervon ging auch die Beschwerdegegnerin, gestützt auf die Beurteilung des RAD-Arztes
Dr.
med.
CC._
_
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom 6. Oktober 2016 (Urk. 8/209 S. 10),
aus.
5.3
Insoweit der Beschwerdeführer geltend machte, er sei
seit der Rückenoperation vom 2. April 2013 zu
1
00 % arbeitsunfähig,
kann ihm zumindest bis zu
m Zeit
punkt der Untersuchungen durch die
Y._
-Gutachter im Juni 2016
nicht gefolgt werden
. Der behandelnde
Dr.
med.
DD._
_
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
,
attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit lediglich für die Periode vom 1. April bis 2. Juli 2013 (Urk. 8/160/31-33). In der Folge bescheinigte
zwar
Dr.
D._
(E. 4.
4
)
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 2. Juli 2014 bis auf weiteres, wobei er
allerdings
die Belastbarkeit aus somatischer
als
auch aus psychiatrischer Sicht als eingeschränkt erachtete
. Zudem wies er auf eine diffus herabgesetzte Belastbarkeit des Achsenskeletts sowie eine diffuse psy
chiatrische Einschränkung wegen Depression und Narkolepsie beziehungsweise Kataplexie, wobei er die letzteren beiden Diagnosen als die Arbeitsfähigkeit nicht einschränkend aufführte, hin, was darauf hindeutet, dass er sich bei der Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit mehr auf das subjektive Empfinden des Beschwerde
führers und weniger auf die objektiven Befunde stützte
.
Dr.
B._
(E. 4.
2
) gab keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ab
. Indessen ist aus dem Umstand
, dass er
erklärte
, er könne nicht abschätzen, inwiefern eine
Revisionsspondylodese
die Gesamtsituation des Beschwerdeführers verbessere, zu schliessen, dass er der Ansicht
war
, dass sich die geklagten Beschwerden nicht allein mit dem Verdacht auf eine Pseudoarthrose zu erklären verm
ochten
.
Die von PD
Dr.
E._
(E. 4.
5
) abgegebene Einschätzung,
dass eine Tätigkeit mit Wechselbelastung und
Last
traglimite
von 5-10 kg aus wirbelsäulenorthopädischer Sicht eine Verwertbarkeit von 30-40 % zumindest exploratorisch denkbar sei,
wird durch den Zusatz, er habe nie ein Arbeitsunfähigkeitsattest ausgestellt, relativiert
.
In psychiatrischer Hinsicht sind di
e Berichte von
Dr.
C._
(E. 4.3
), der dem Beschwerdeführer eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung attestierte, nicht geeignet, das
Y._
-Gutachten in Zweifel zu ziehen, fehlen doch darin Angaben darüber, welche funktionellen Leistung
s
einschränkungen
aus der diagnostizierten Störung resultieren.
5.4
Als Zwischenergebnis ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
seit der zweiten Rückenoperation im März 2013 bis zum Begutachtungszeitpunkt
im
Juni
2016 in seiner ursprünglichen Tätigkeit nicht mehr, in einer leichten, wechselbe
lastenden Tätigkeit dagegen vollständig arbeitsfähig war.
6.
6.1
Gemäss
dem orthopädisch-psychiatrischen
Gutachten
der
Y._
vom 24. Juli 2018 (E. 4.
11
) stellte sich nach
Juni
2016 eine weitere gesundheitliche Verschlechterung ein, indem sich eine spinale Stenose L3/4 entwickelte, welche zu einer weiteren Einschränkung der alltäglichen und beruflichen Belastbarkeit führte, so dass nur noch leichte (Gewichtslasten bis 5 kg), wechselbel
astende körperliche Tätigkeiten
mit der Möglichkeit zu einem frei gewählten Haltungs
wechsel und flexiblen Pausen zu 100 % zumutbar sind.
Zwischen de
n
gutachterlichen Untersuchung
en im April 2018
und der Erstattung des Gutachtens
im Juli 2018
musste sich der Beschwerdeführer am 15. Juni 2018 erneut einer Rückenoperation unterziehen lassen (E. 4.
12
). Dies führte
zwischen
zeitlich zwar
zu einer geringeren Schmerzintensität als vor der Operation,
aller
dings wurden im Dezember 2018 durch Prof.
Dr.
U._
und
Dr.
V._
(E. 4.13
) Zeichen einer segmentalen Hypermobilität und eine
Claudicatio
spinalis
erhoben, und es wurde eine
Spondylodese
im Segment L3/4, Neubelegung mit
Pedikel
schrauben
von L5 und Verlängerung der
Spondylodese
bis L5 empfohlen.
6.2
Damit war das
Y._
-Gutachten vom 24. Juli 2018 im Zeitpunkt seiner Erstat
tung
in somatischer Hinsicht
bereits überholt
. Angesichts der weiteren Entwick
lung und der fachärztlichen Empfehlung zu einer weiteren Rückenoperation ist
nicht auszuschliessen,
dass
sich die neuerliche Rückenoperation und die damit zusammenhängenden präoperativen Beschwerden
entgegen der Behauptung des RAD-Arztes
Dr.
CC._
_
vom 28. August 2018 (Urk. 8/289 S. 9 f.)
nicht nur vorüber
gehend
auf die Arbeitsfähigkeit
auswirkten. Im Übrigen sind
-
zwar
erst
nach Verfügungserlass
-
weitere gesundheitliche Probleme hinzugekommen
(E. 4.14)
, die es abzuklären gilt.
6.3
Was die psychischen Beschwerden betrifft, kann ohne w
eiteres auf das
Y._
-Gutachten
, wonach weiterhin keine psychische Störung mit Krankheitswert vorliegt, abgestellt werden. Daran vermag die Tatsache, dass der Beschwerdefüh
rer vom 28. September bis 29. November 2017 zur stationären Therapie in der
P._
(E. 4.10) weilte, zu keinem anderen Ergebnis zu führen. Erst
mals wurde i
n deren
Austrittsbericht eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit paranoiden und narzisstischen Anteilen diagnostiziert. Wie die behandelnde Psychiaterin und die
behandelnden Psychologen diese Diagnose
herleiteten
, wird im Bericht nicht erläutert. Insbesondere wurde auf eine ausführliche Anamnese verzichtet, was bei der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht unerheblich ist, stellt sich doch eine solche definitionsgemäss bereits in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter ein. Narzisstische und paranoide Persönlichkeitszüge erhob auch der
Psychiater der
Y._
, wobei er nachvollziehbar begründete, dass diese in der Vorgeschichte einer Arbeitsfähigkeit nicht im Wege gestanden hätten. Weshalb diese neuerdings zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen sollten, kann dem Austrittsbericht der
P._
nicht entnommen werden, womit der Bericht nicht schlüssig und daher nicht geeignet ist, die gut
achterlichen Einschätzungen zu entkräften.
6.4
Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer seit der zweiten Rückenoperation im März 2013 bis
mindestens
zum Begutach
tungszeitpunkt im
Juni
2016 in seiner ursprünglichen Tätigkeit
als Schuhmacher
nicht mehr, in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit dagegen vollständig arbeitsfähig war. Bis zum Zeitpunkt der zweiten Begutachtung
im April 2018
ist davon auszugehen, dass kein die Leistungsfähigkeit einschränkender psychischer Gesundheitsschaden vorgelegen hat, dagegen hat sich nach der ersten Begutach
tung von
Juni
2016 in somatischer Hinsicht eine Verschlechterung des Gesund
heitszustands ergeben, deren
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
die Beschwer
degegnerin abzuklären hat.
7.
7.1
Für den Zeitraum Januar 2015 (
Art.
29
Abs.
1 IVG) bis Juni 2016 ist ein allfälliger Rentenanspruch zu prüfen.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditäts
grad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkom
mensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
7.2
7.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
7.2.2
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
von selbständig erwerbstätig gewe
senen Personen, das der Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG zugrunde zu legen ist, sollten in erster Linie die aus dem Auszug aus dem Indivi
duellen Konto (IK) ersichtlichen Löhne herangezogen werden. Weist das bis Ein
tritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteil des Bun
desgerichts 8C_626/2011 vom 29. März 2012 E. 3, E. 4.1 f.).
7.2.3
Laut IK-Auszug vom 8. Mai 1998
(Urk. 8/3)
erzielte der Beschwerdeführer in den Jahren 1992 bis 1995
(den Jahren vor Eintritt des Gesundheitsschadens
im Jahr
1996, vgl. Urk. 8/4 S. 5 Ziff. 5.6.1)
ein jährliches Einkommen von Fr.
58'100.
. Unter Berücksichtigung des Nominallohnindexes für Männer von 10
2.6 Punkten im Jahr 1995 und 127
.
7 Punkten im Jahr 2015
(Bundesamt für Statistik, BFS, Nominallohnindex 1993 bis 2017, T1.93) ergibt dies ein
Valideneinkommen
von
aufgerundet
Fr. 72'314
.
.
7.3
7.3.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statis
tischen Daten bei
Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
7.3.2
Das durchschnittliche Einkommen für Männer im untersten Kompetenzniveau
im privaten Sektor
betrug im Jahr 201
4
Fr.
5
'
3
12
.
(LSE 201
4
, TA1
_triage_skill_level
). Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchent
lichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden (BSF, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen)
und des Nominallohnindexes für Männer von 127.3 Punkten im Jahr 201
4 und 127.7 Punkten im Jahr 2015
(Nominallohnindex, a.a.O.)
ergibt dies bei einem Arbeits
pensum von 100
%
ein hypothetisches Einkommen von
auf
ge
rund
et
Fr.
66’
662.
.
Verglichen mit dem
Validen
einkommen
von
F
r. 72'314
.
resultiert eine Erwerbseinbusse von
Fr. 5'
652.
(Fr. 72'314.
- Fr. 66'662
.
) beziehungsweise ein Invaliditätsgrad von
ab
gerundet
7.8 % (Fr. 5'652
.
x
100 :
Fr. 72'
314
.
). Selbst unter Berück
sichtigung eines maximalen Abzugs vom Tabellenlohn von 25 % (vgl. BGE
135 V 297 E. 5.2)
entstünde damit kein Rentenanspruch.
8.
Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch zumindest bis
Juni
2016 zu Recht verneint. Für die Zeit
danach
ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie nach ergänzenden Abklärun
gen über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers ab
Juli
2016 neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
9.
9.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die Voraussetzungen zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sind beim Beschwerdeführer erfüllt (vgl. Urk. 4-5), weshalb ihm die unentgeltliche Prozess
führung zu gewäh
ren und Rechtsanwältin Christina
Ammann als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren zu bestellen ist.
9.2
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren kostenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfahrensaufwand fest
zulegen und vorliegend auf Fr.
1’0
00
.
anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
den Parteien je zur Hälfte
aufzuerlegen
, der Anteil des Beschwerdeführers jedoch zufolge der Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen
.
9.3
Da die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers trotz
gerichtlicher
Aufforderung (vgl. Urk.
9 Ziff. 2
) keine Kostennote eingereicht hat, ist die Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung gestützt auf § 9 in Verbindung mit § 8 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialver
sicherungsgericht (
GebV
SVGer) sowie in Verbindung mit § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen
zu
bemessen, wobei ein unnötiger oder geringfügiger Aufwand nicht ersetzt wird. Unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Ansatzes von Fr. 220.
zuzüglich Mehrwertsteuer (
MWSt
) ist die Entschädigung auf Fr. 2'300.
(inklusive Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen und zur Hälfte der teilweise unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Zur anderen Hälfte ist Rechtsanwältin Christina Ammann aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
Das Gericht
beschliesst:
In Bewilligung des Gesuchs vom
25. März 2019 wird dem Beschwerde
führer Rechtsan
w
ältin Christina Ammann, Uster, als unentgeltliche Rechts
vertreter
in
für das vorlie
gende Verfahren bes
tellt, und es wird ihm die unent
g
eltliche Prozessführung gewährt,
und
erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird
die Verfügung
der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
vom 21. Februar 2019 soweit einen Rentenan
spruch ab
Juli
2016 betreffend aufgehoben und die Sache an diese
zurückgewiesen, damit
sie
nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen über den Rentenanspruch
des Beschwerdeführers
ab Juli
2016 neu verfüge. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
1’0
00
.-- werden
den Parteien je zur Hälfte
auferlegt.
Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird der Anteil des Beschwerdeführers einstweilen
auf die Gerichtskasse genommen.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
Der Beschwerdeführer wird auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der unentgeltlichen Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Christina Ammann, Zürich, eine um die Hälfte reduzierte Prozessentschädigung v
on Fr. 1'150.
(inkl. Barausla
gen und
MWSt
) zu bezahlen.
Im weitergehenden Umfang wird die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerde
führers, Rechtsanwältin Christina Ammann, Zürich, mit Fr. 1'150.
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse entschädigt. Der Beschwerdeführer wird auf
§
16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Christina Ammann
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.