Decision ID: f6f0cc11-fcdd-5aad-a95e-e8e6158d97a0
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer verliess Sri Lanka gemäss eigenen Angaben im
Oktober beziehungsweise im Juli/August 2015. Am 10. März 2016 reiste er
in die Schweiz ein und suchte am gleichen Tag um Asyl nach. Am 21. März
2016 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum zur Person befragt
(BzP). Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am 4. Januar 2018 zu
seinen Asylgründen an.
A.b Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er sei Tamile
und stamme aus B._, Bezirk Jaffna (Nordprovinz), wo auch seine
Eltern leben würden. Er habe einen Bruder, welcher in C._ lebe so-
wie eine Schwester, deren Aufenthaltsort ihm jedoch nicht bekannt sei. Im
Bezirk Jaffna würden ferner drei Geschwister seiner Mutter und sieben Ge-
schwister seines Vaters leben. Er verfüge über einen O-Level Abschluss
sowie Berufserfahrung als (...).
Im September 2008 sei er Zeuge geworden, wie ein Freund und Klassen-
kamerad von zwei maskierten Männern, welche einer Gruppierung ange-
hört hätten, erschossen worden sei. Nachdem er von der Polizei dazu ein-
vernommen und angehalten worden sei, vor Gericht auszusagen, sei er
von Mitgliedern dieser Gruppierung regelmässig bedroht worden. Sie hät-
ten ihn von einer gerichtlichen Aussage abhalten wollen. Er habe die Poli-
zei über diese Bedrohungen informiert und sich sicherheitshalber nicht
mehr zu Hause aufgehalten. Die Polizei habe ihm versichert, dass er keine
Angst zu haben brauche. Ferner sei er zu einem Gerichtstermin vorgeladen
worden, welchen er aus Angst nicht wahrgenommen habe. Insgesamt
habe er wegen der Tötung seines Freundes zirka sieben bis acht Mal Kon-
takt mit der Polizei und etwa zehn bis fünfzehnmal mit der besagten Grup-
pierung, welche ihn regelmässig auf der Strasse bedrängt habe, gehabt.
Seine Peiniger hätten ihm gesagt, sein Freund sei politisch aktiv gewesen,
und hätten ihm für den Fall einer Aussage mit dem Tod gedroht. Die Polizei
habe ihn abermals dazu angehalten, vor Gericht auszusagen, jedoch habe
er dem zweiten und dritten Gerichtstermin ebenfalls keine Folge geleistet.
Der Ausgang des Gerichtsverfahrens sei ihm nicht bekannt und es sei auch
nichts in den Zeitungen darüber berichtet worden. Da vereinzelt auch seine
Eltern bedroht worden seien und er weitere Probleme habe vermeiden wol-
len, sei er im März 2009 nach C._ zu seinem Onkel ausgereist, wo
er bis 2015 gelebt habe. Nach seiner Ausreise habe die besagte Gruppie-
rung noch mehrere Male nach ihm gesucht. Im Jahre 2013 sei er für zwei
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Monate nach Sri Lanka zurückgekehrt, um seine Eltern zu besuchen. Wäh-
rend dieser Zeit sei er wiederum von Leuten behelligt worden, welche ihm
gesagt hätten, er dürfe keine Aussage machen, keinen Kontakt zur Polizei
aufnehmen und ihm wiederum mit dem Tod gedroht hätten. Er habe des-
wegen Anzeige bei der Polizei erstatten wollen, seine Mutter habe ihn je-
doch davon abgehalten. Zudem habe er auch Angst vor der Polizei gehabt.
Danach sei er wieder nach C._ gereist. Nachdem er im Jahre 2015
definitiv wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt sei, sei er erneut unzählige
Male von Unbekannten bedrängt worden. Sie hätten ihn darüber informiert,
dass das Gerichtsverfahren noch nicht abgeschlossen sei und er keine
Aussage machen dürfe. Ferner hätten sie ihn für ihre Organisation, deren
Identität und Zweck sie nicht hätten preisgeben wollen, zu rekrutieren ver-
sucht und ihm für den Fall seiner Weigerung Nachteile angedroht. Seine
Mutter habe schliesslich einen Schlepper kontaktiert und ihn ins Ausland
geschickt. Er habe darüber hinaus im Jahre 2015 zweimal Unterschriften
für die Tamil National Alliance (TNA) gesammelt beziehungsweise Flug-
blätter verteilt und sei deshalb bedroht worden.
Als Beweismittel reichte er seine Identitätskarte (im Original) sowie seine
Geburtsurkunde (in Kopie) zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 19. März 2020, eröffnet am 21. März 2020, stellte die
Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
C.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 20. April 2020 Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, es sei bekanntzugeben,
welche Gerichtspersonen mit der Behandlung seiner Sache betraut seien
und ob diese zufällig ausgewählt worden seien, beziehungsweise seien die
konkreten Auswahlkriterien bekannt zu geben. Sodann sei die angefoch-
tene Verfügung wegen Verletzung des Anspruches auf das rechtliche Ge-
hör beziehungsweise wegen Verletzung der Begründungspflicht aufzuhe-
ben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die
angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des
vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neu-
beurteilung an das SEM zurückzuweisen. Subeventualiter sei die ange-
fochtene Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft festzustel-
len und ihm Asyl zu gewähren. Sub-subeventualiter sei die Unzulässigkeit
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oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustel-
len und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Sodann beantragt er die
Durchführung einer erneuten Anhörung, eine Botschaftsabklärung sowie
Ansetzung angemessener Frist zur Beibringung weiterer Beweismittel.
Mit der Rechtsmitteleingabe wurde namentlich eine CD-ROM mit vom
Rechtsvertreter zusammengestellten Länderinformationen zu Sri Lanka,
Stand Januar 2020, und den entsprechenden Beilagen zu den Akten ge-
reicht.
D.
In ihrer Zwischenverfügung vom 28. April 2020 teilte die Instruktionsrichte-
rin dem Beschwerdeführer den Spruchkörper mit und forderte ihn dazu auf,
innert Frist einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500. – zu leisten.
E.
Mit Eingabe vom 13. Mai 2020 stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Gleichzeitig wurde ein
wiederum vom Rechtsvertreter erstellter Zusatzbericht zur Lage in Sri
Lanka, Stand 10. April 2020, samt einer CD mit den entsprechenden Bei-
lagen eingereicht.
F.
Am 15. Mai 2020 ging beim Gericht die Fürsorgebestätigung ein.
G.
Mit Instruktionsverfügung vom 18. Mai 2020 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut und verzichtete auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG, Art. 6 AsylG).
1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung eines Schriftenwechsels verzichtet.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist – unter nachfolgendem Vorbehalt – einzutreten
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Nicht einzutreten ist auf den Antrag, es sei die Zufälligkeit der Spruchkör-
perbildung zu bestätigen beziehungsweise es seien die konkreten Aus-
wahlkriterien bekannt zu geben (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom
2. Mai 2018 E. 4.2 f.).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken.
Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch
ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Ver-
haltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden
(subjektive Nachfluchtgründe).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
5.
Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht stand.
In ihrer Begründung führt die Vorinstanz aus, gemäss Vorbringen des Be-
schwerdeführers habe die sri-lankische Polizei ihm Schutz im Falle seiner
Teilnahme am Gerichtsverfahren angeboten. Ferner habe er auf eine Straf-
anzeige gegen seine Peiniger verzichtet. Daraus gehe hervor, dass der
Heimatstaat seiner Schutzpflicht nachgekommen sei beziehungsweise der
Beschwerdeführer Zugang zu solchem Schutz gehabt hätte. Der Be-
schwerdeführer werde nicht in einem asylrelevanten Sinne verfolgt. So-
dann habe er nach eigenen Aussagen keine Verbindung zu den LTTE, sei
nie in einer nennenswerten Art politisch tätig gewesen und habe aus sei-
nem Heimatland mehrmals problemlos aus- und einreisen können. Ange-
sichts dieser Ausgangslage sei nicht ersichtlich – auch nicht unter Berück-
sichtigung der gegenwärtigen politischen Entwicklungen –, weshalb er bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden gera-
ten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte.
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Seite 7
6.
6.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Kassation der vorinstanzlichen
Verfügung wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs, Verletzung der Be-
gründungspflicht sowie wegen unvollständiger und unrichtiger Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhalts.
In der Beschwerdeschrift wird vorab gerügt, dass zwischen der Anhörung
zu den Fluchtgründen und dem Erlass des Asylentscheids mehr als zwei
Jahre vergangen seien, in welchen sich in Sri Lanka unter anderem die
politische Lage verändert und der Beschwerdeführer sich in der Schweiz
exilpolitisch betätigt habe. Indem ihm die Vorinstanz vor Erlass des ange-
fochtenen Entscheides nicht erneut die Möglichkeit gewährt habe, sich im
Rahmen einer Anhörung oder durch eine Eingabe zu seiner aktuellen Ver-
folgungssituation zu äussern, habe sie seinen Anspruch auf rechtliches
Gehör verletzt. Ferner verletze die Vorinstanz – vor dem Hintergrund der
bekannten Situation in Sri Lanka sowie den Vorbringen des Beschwerde-
führers – ihre Begründungspflicht, wenn sie ohne sorgfältige Prüfung aus-
führe, der sri-lankische Staat habe seine Schutzfähigkeit und Schutzwillig-
keit im vorliegenden Falle bewiesen. Es sei davon auszugehen, dass seine
Peiniger mit der Regierung in Verbindung stehen würden und er deshalb
gut beraten gewesen sei, sich für seinen Schutz nicht an die Behörden zu
wenden. Sodann sei auch in der nachweislich falschen Einschätzung der
aktuellen Lage in Sri Lanka und in der diesbezüglich faktenwidrigen Argu-
mentation in der angefochtenen Verfügung eine Verletzung der Begrün-
dungspflicht zu erblicken. Des Weiteren habe es die Vorinstanz unterlas-
sen, Abklärungen bezüglich des in Sri Lanka durchgeführten Mordprozes-
ses zu tätigen und dadurch den rechtserheblichen Sachverhalt nicht richtig
abgeklärt. Zudem stütze sich die angefochtene Verfügung auch deshalb
auf einen unvollständigen Sachverhalt, da der Beschwerdeführer aufgrund
von Nachforschungen inzwischen erfahren habe, dass zwei seiner Onkel
Verbindungen zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gehabt hät-
ten und er mittlerweile in der Schweiz auch exilpolitisch aktiv geworden sei.
Aufgrund der aktuellen Entwicklungen sei von einer erheblichen Ver-
schlechterung der Menschenrechtslage und der Rechte von Minderheiten
in Sri Lanka auszugehen, während die Vorinstanz diesbezüglich immer
noch auf eine Lageeinschätzung aus dem Jahre 2016 abstelle.
6.2 Diese formellen Rügen sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls ge-
eignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
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6.2.1 Unter anderem wird in der Rechtsmitteleingabe moniert, dass zwi-
schen Anhörung und Verfügung ein Zeitraum von mehr als 24 Monaten
liege. In der Zwischenzeit hätten sich neue fallrelevante Umstände erge-
ben, welche der Beschwerdeführer nicht in das erstinstanzliche Verfahren
habe einbringen können, weshalb sein Anspruch auf rechtliches Gehör ver-
letzt sei.
Es trifft zu, dass nach Durchführung der Anhörung bis zum Entscheid viel
Zeit vergangen ist. Es hätte jedoch am Beschwerdeführer im Rahmen sei-
ner Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) gelegen, die Vorinstanz über allfällige
neue Entwicklungen bezüglich seiner Asylvorbringen zu informieren (vgl.
auch den diesbezüglichen Hinweis anlässlich der Anhörung, SEM-Akten
A21/19 S. 16). Dem ist er nicht nachgekommen, weshalb für die Vorinstanz
bereits aufgrund fehlender Geltendmachung keine Veranlassung bestand,
eine ergänzende Anhörung durchzuführen. Aus der in der Beschwerde-
schrift in diesem Zusammenhang geltend gemachten Rechtsunkenntnis
vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten abzuleiten;
ebenso bleibt der Hinweis auf ein Gutachten von Prof. Walter Kälin von
März 2014 unbehelflich. Die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf recht-
liches Gehör erweist sich als unbegründet (vgl. statt vieler: Urteile des
BVGer E-1117/2017 vom 18. Mai 2017 E. 5.2; D-1585/2020 vom 20. Mai
2020 E. 5.2.2).
6.2.2 Soweit der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den Ausführun-
gen der Vorinstanz zum Schutzwillen der sri-lankischen Behörden sowie
der allgemeinen Lage im Land eine Verletzung der Begründungspflicht
rügt, ist festzuhalten, dass den vorinstanzlichen Erwägungen entnommen
werden kann, von welchen grundsätzlichen Überlegungen sie sich leiten
liess. Es kann somit nicht festgestellt werden, dass die in der angefochte-
nen Verfügung enthaltene Begründung dem Beschwerdeführer nicht eine
sachgerechte Anfechtung des Entscheids ermöglicht hätte (vgl. dazu BGE
143 III 65 E. 5.2), weshalb sich die Rüge im Ergebnis als unbegründet er-
weist.
6.2.3 Im Zusammenhang mit dem Lagebericht des SEM vom 16. August
2016 wird in Bezug auf die Lage in Sri Lanka eine unvollständige und un-
richtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht (Beschwerde S.
35, 43 ff.). Mit der Beschwerde und mit Eingabe vom 13. Mai 2020 werden
vom Rechtsvertreter zusammengestellte Lagebeurteilungen betreffend Sri
Lanka zu den Akten gereicht.
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Insbesondere mit dem in der Rechtsmitteleingabe enthaltenen Hinweis auf
nicht offengelegte Referenzen und der darauf basierenden Mutmassung,
die Lageeinschätzung des SEM stütze sich auf manipulierte beziehungs-
weise nicht existierende Quellen, kann die Qualität und Vertrauenswürdig-
keit des Berichts nicht ernsthaft in Frage gestellt werden. Im genannten
Zusammenhang wurde bereits in mehreren vom nämlichen Rechtsvertre-
ter geführten Verfahren (vgl. etwa Urteil des BVGer D-1585/2020 vom
20. Mai 2020 E. 5.4 m.w.H.) festgestellt, dass diese länderspezifische La-
geanalyse des SEM öffentlich zugänglich ist. Darin werden neben nicht na-
mentlich genannten Gesprächspartnern und anderen nicht offengelegten
Referenzen überwiegend sonstige öffentlich zugängliche Quellen zitiert.
Damit ist trotz der teilweise nicht im Einzelnen offengelegten Referenzen
dem Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör ausreichend
Genüge getan. Die Frage, inwiefern sich ein Bericht auf verlässliche und
überzeugende Quellen abstützt, ist demgegenüber keine formelle Frage,
sondern gegebenenfalls im Rahmen der materiellen Würdigung der Argu-
mente der Parteien durch das Gericht zu berücksichtigen.
Sodann bestehen in diesem Zusammenhang starke Anzeichen dafür, dass
es sich bei dem Vorbringen – insbesondere mit Blick auf dessen Begrün-
dung – sinngemäss um den vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
in anderen Verfahren bereits öfters gestellten Antrag auf Offenlegung aller
nicht öffentlich zugänglichen Quellen des besagten Lagebildes handelt.
Der Antrag ist – wie bis anhin – abzuweisen (vgl. z.B. Urteil des BVGer
E-5142/2018 vom 13. November 2018 E. 6.1).
Soweit der Beschwerdeführer seine Flüchtlingseigenschaft aus der Wahl
der amtierenden Regierung ableitet, ist darauf nachstehend unter E. 7 ein-
zugehen.
6.2.4 Der Beschwerdeführer sieht eine Verletzung der Pflicht zur sorgfälti-
gen und vollständigen Sachverhaltsabklärung im Umstand, dass die Vor-
instanz keine Informationen über den im Zuge der Tötung seines Kollegen
durchgeführten Mordprozesses erhoben habe.
Vorab ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Tötung des Kollegen des
Beschwerdeführers, die Durchführung eines Mordprozesses sowie die in
diesem Zusammenhang vorgebrachten Bedrohungen durch unbekannte
Dritte aufgrund seiner Zeugenstellung in diesem Prozess, nicht in Frage
stellte. Somit ist im vorliegenden Asylverfahren vor allem die Frage rele-
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vant, ob der sri-lankische Staat in Bezug auf den Beschwerdeführer schutz-
fähig und schutzwillig ist oder nicht. Ferner ist nicht anzunehmen, der Aus-
gang des Mordprozesses oder der bisherige Prozessverlauf beziehungs-
weise die diesbezüglichen Gerichtsakten (unabhängig von der Frage, ob
diese überhaupt zur Verfügung gestellt würden) könnten erhellende Indi-
zien dafür liefern, ob die Bedrohungen und Behelligungen auf den Willen
der staatlichen Behörden zurückzuführen waren oder diese in Bezug auf
den Beschwerdeführer schutzfähig und schutzwillig sind oder nicht. Somit
ist bereits im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung die Notwendigkeit
weiterer Erhebungen zu verneinen. Im Übrigen hätte der Beschwerdefüh-
rer als vorgeladener Zeuge des Mordprozesses sowie aufgrund der verstri-
chenen Zeitdauer ausreichend Gelegenheit gehabt, im Rahmen seiner Mit-
wirkungspflicht entsprechende Informationen, welche seiner Ansicht nach
relevant wären, zu beschaffen und einzureichen.
Die Rüge der Verletzung der Pflicht zur sorgfältigen Sachverhaltsabklärung
erweist sich als unbegründet und die in diesem Zusammenhang gestellten
Anträge auf Durchführung einer Botschaftsabklärung sowie auf Fristanset-
zung zur Beibringung weiterer Beweismittel sind abzuweisen.
6.2.5 Der Beschwerdeführer bringt auf Beschwerdeebene neu vor, er habe
inzwischen herausgefunden, dass zwei seiner Onkel Verbindungen zu den
LTTE aufweisen würden. Der Sachverhalt sei mithin nicht gehörig abgeklärt
worden.
Für die Vorinstanz bestand aufgrund fehlender Vorbringen seitens des Be-
schwerdeführers keine Veranlassung, Abklärung über allfällige LTTE-Ver-
bindungen seiner Verwandten vorzunehmen. Aufgrund seiner Mitwirkungs-
pflicht und der zeitlichen Verhältnisse hätte es am Beschwerdeführer gele-
gen, entsprechende Beweise einzureichen, was bis heute nicht passiert ist
(vgl. bereits E. 6.2.1). Soweit er in vager und unpräziser Weise "Unterlagen
zum LTTE-Hintergrund seiner Verwandten" in Aussicht stellt, ohne dies nä-
her zu konkretisieren oder bisherige Bemühungen der Beweisbeschaffung
darzulegen, und zu deren Beibringung die Einräumung einer angemesse-
nen Frist beantragt (vgl. Beschwerdeschrift S. 20), ist diesem Antrag nicht
zu entsprechen, da er keine gehörige Anerbietung tauglicher Beweise dar-
stellt (vgl. Art. 33 Abs. 1 VwVG).
6.2.6 Der Beschwerdeführer erblickt ferner darin eine Verletzung der Pflicht
zur vollständigen und sorgfältigen Sachverhaltsabklärung, dass er seit der
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Seite 11
Anhörung zu den Asylgründen exilpolitisch tätig gewesen und dieser Um-
stand in der angefochtenen Verfügung nicht berücksichtigt worden sei.
Es wurde bereits unter E. 6.2.1 dargelegt, dass es am Beschwerdeführer
gelegen hätte, allfällige neue flüchtlingsrelevante Umstände der Vorinstanz
zur Kenntnis zu bringen, weshalb die Rüge fehl geht. Aufgrund der Anga-
ben in der Rechtsmitteleingabe ist davon auszugehen, dass er zur Beibrin-
gung von Beweisen bezüglich seiner exilpolitischen Tätigkeit genügend
Zeit gehabt hätte. Der Beschwerdeführer gibt an, er habe an Veranstaltun-
gen, Demonstrationen in (...) sowie am Heldentag teilgenommen und trage
derzeit entsprechendes Bildmaterial zusammen (Beschwerde S. 21); bis
heute sind keinerlei entsprechende Beweisunterlagen vorgelegt worden.
Der diesbezügliche Antrag auf Ansetzung einer angemessenen Frist zur
Beibringung entsprechender Unterlagen ist abzuweisen.
6.2.7 Die formellen Rügen erweisen sich insgesamt als unbegründet, wes-
halb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzu-
heben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen
Rechtsbegehren sind somit abzuweisen.
Sodann hatte der Beschwerdeführer durch die Möglichkeit der Beschwer-
deerhebung Gelegenheit, die seiner Ansicht nach relevanten neuen Um-
stände darzulegen. Eine Anhörung durch das Gericht drängt sich nicht auf
und der entsprechende Antrag ist abzuweisen.
7.
7.1 Soweit in der Beschwerdeschrift auf den Ausgang und die möglichen
Auswirkungen der Präsidentschaftswahlen vom November 2019 hingewie-
sen wird, ist festzustellen, dass sich das Bundesverwaltungsgericht dieser
Veränderungen in Sri Lanka bewusst ist. Es beobachtet die Entwicklungen
aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist
beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuie-
rung der Gefährdungslage auszugehen, der Personen mit einem bestimm-
ten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausge-
setzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disap-
peared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt
keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka
ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt
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Seite 12
wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persön-
licher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom
16. November 2019 respektive deren Folgen besteht (vgl. dazu die Recht-
sprechung aus jüngster Zeit: Urteile des BVGer E-2669/2017 vom 8. Mai
2020 E. 7.4.3 f., D-4628/2017 vom 30. April 2020 E. 6.4 sowie E-1837/2020
vom 27. April 2020 E. 6.1). Bei dieser Ausgangslage ist auch davon auszu-
gehen, der sri-lankische Staat sei gegenüber seinen Bürgern grundsätzlich
schutzfähig und schutzwillig, was das Bundesverwaltungsgericht in seiner
bisherigen Rechtsprechung regelmässig bejaht hat (vgl. dazu Urteile des
BVGer D-5158/2018 vom 2. September 2019 E. 7.4, D-5750/2018 vom
13. Dezember 2018 E. 7.8, D-5781/2017 vom 4. Oktober 2018 S. 7 sowie
E-3595/2018 vom 6. Juli 2018 E. 9.4.2).
7.2 Im Kern begründet der Beschwerdeführer seine Flüchtlingseigenschaft
damit, seine Peiniger stünden in enger Verbindung mit den heimatlichen
Behörden. Dem Sinn nach bringt er vor, er sei als Zeuge eines Mordes zu
einer politisch unliebsamen Person geworden, welche – zwar indirekt, aber
letztlich auf Geheiss der staatlichen Autoritäten – zum Schweigen gebracht
werden solle.
Insgesamt gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, einen Konnex zwischen
den von ihm vorgebrachten Behelligungen und Drohungen durch unbe-
kannte Dritte und den staatlichen Behörden herzustellen. Er begnügt sich
damit, auf die seiner Meinung nach "bekannten Umstände" zu verweisen
und leitet daraus seine Vermutung ab. Aus dem von ihm beschriebenen
Verhalten der Behörden lassen sich jedoch keine Indizien entnehmen, wel-
che darauf hinweisen würden, diese seien weniger an seinem Schutz inte-
ressiert und würden ihn in Wahrheit – als Zeuge eines Mordes – als Gefahr
betrachten. Gemäss seinen Vorbringen wurde eine Untersuchung einge-
leitet und ein gerichtliches Strafverfahren eröffnet, wobei ihm im Falle sei-
ner Teilnahme als Zeuge behördlicher Schutz zugesichert worden sei.
Dass dieser Schutz – gemäss Interpretation des Beschwerdeführers – nur
für den Fall seiner Prozessteilnahme explizit zugesichert worden sei, lässt
nicht per se auf einen fehlenden Schutzwillen der heimatlichen Autoritäten
schliessen, da er im Zusammenhang mit den vorgebrachten Behelligungen
und Drohungen nach eigenen Angaben gar nie eine offizielle Anzeige er-
hoben hat. Zudem ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ohne Prob-
leme mehrere Male aus seinem Heimatland aus- und wieder einreisen
konnte (vgl. SEM-Akten A21/19 F35, F43, F74 f. sowie F98), was nicht da-
rauf schliessen lässt, er sei in irgendeiner Weise in den Fokus der staatli-
chen Behörden geraten.
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Seite 13
Im Ergebnis kann deshalb nicht festgestellt werden, er sei angesichts sei-
ner Zeugeneigenschaft in einem Mordfall der Gefahr vor staatlicher Verfol-
gung ausgesetzt, oder es würde ihm bei Bedrohung durch Dritte nicht der
ihm zustehende staatliche Schutz gewährt.
Aufgrund des Ausgeführten ist deshalb festzuhalten, dass die Vorinstanz
das Vorliegen von Vorfluchtgründen zu Recht verneint hat.
7.3 Im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesver-
waltungsgericht festgehalten, dass aus Europa respektive der Schweiz zu-
rückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzuneh-
menden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien. Das Gericht
orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrern, Opfer
ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an ver-
schiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein
einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Ver-
bindung zu den LTTE, um die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen
Handlungen und um das Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lan-
kischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsächli-
chen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegrün-
dende Faktoren). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft
zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen
Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach
Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisa-
tion für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit
gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren). Das
Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risiko-
faktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person
ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer
eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3
AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben
wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wiederaufleben
zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8). Diese Praxis gilt auch unter der in E. 7.1 bereits
dargelegten Lageeinschätzung in Zusammenhang mit den jüngeren Ent-
wicklungen in Sri Lanka weiter.
In diesem Zusammenhang ist vorab festzustellen, dass der Beschwerde-
führer die von ihm erst auf Beschwerdeebene vorgebrachte verwandt-
schaftliche Verbindung zu den LTTE und die lediglich anlässlich der BzP
geltend gemachte Bedrohung durch Unbekannte wegen seiner zweimali-
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gen Teilnahme an Unterschriftensammlungen beziehungsweise Flugblatt-
verteilen für die TNA (vgl. SEM-Akten A3/10 Ziff. 7.03 sowie A21/19 F110
ff.) nicht substantiiert darlegt. Die von ihm geltend gemachte exilpolitische
Tätigkeit bleibt gänzlich unbelegt und dürfte als niederschwellig zu qualifi-
zieren sein. Das Bestehen von Vorfluchtgründen wurde bereits unter E. 7.2
verneint. Bei dieser Ausgangslage vermögen die Umstände, dass er sich
seit längerer Zeit in der Schweiz aufhält und (nach eigenen Aussagen) über
keine gültigen Reisepapiere verfügt, kein relevantes Risikoprofil im Sinne
der dargelegten Rechtsprechung zu begründen.
7.4 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist im Ergebnis festzuhalten,
dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu
Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat.
8.
Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
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Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Dies ist ihm, wie vorstehend dargelegt, nicht gelungen. Zu-
dem ergeben sich auch keine konkreten Hinweise darauf, dass er bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnah-
men zu befürchten hätte, die über einen sogenannten "Background Check"
(Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinaus-
gehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre.
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9.2.4 Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka für sich alleine
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht unzu-
lässig erscheinen (vgl. Urteil BVGer E-1866/2015, a.a.O., E. 12.2). Auch
der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine
EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-
ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst
(vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be-
schwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen
Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. ge-
gen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08;
Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom
11. Juli 2017, Beschwerde Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichts-
hof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehren-
den Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Daran vermögen der
Regierungswechsel vom November 2019 sowie die aktuelle Situation in Sri
Lanka nichts zu ändern (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-2669/2017
vom 8. Mai 2020 E. 9.2).
9.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinn
der flüchtlingsrechtlichen als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu-
lässig.
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
9.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehen-
den Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundes-
verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvoll-
zug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen
Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä-
ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte
Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil
E-1866/2015 E. 13.2). In einem als Referenzurteil publizierten Entscheid
erachtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins
„Vanni-Gebiet“ als zumutbar (vgl. Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober
2017 E. 9.5).
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9.3.3 Der Beschwerdeführer ist im Urteilszeitpunkt (...) Jahre alt, verfügt
über einen Schulabschluss sowie mehrjährige Berufserfahrung als (...) so-
wie ein dichtes soziales Umfeld in seinem Heimatland (vgl. SEM-Akten
A3/10 Ziff. 1.17.04 f. und Ziff. 3.01 sowie A21/19 F8 f. und F13). Auch wenn
er eine längere Zeit im Ausland verbracht hat, ist aufgrund der vorliegenden
Umstände davon auszugehen, dass ihm die soziale und wirtschaftliche
Reintegration in seinem Heimatland gelingen wird. Der Wegweisungsvoll-
zug erweist sich mithin auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen, so-
weit darauf einzutreten ist.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit Eingabe vom
13. Mai 2020 gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung wurde jedoch mit Instruktionsverfügung vom 18. Mai 2020 gut-
geheissen, weshalb keine Verfahrenskosten zu auferlegen sind.
11.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellte im vorliegenden
Verfahren zum wiederholten Mal ein Rechtsbegehren (Bestätigung der Zu-
fälligkeit der Spruchkörperbildung bzw. Bekanntgabe der entsprechenden
Kriterien), über das bereits in anderen Verfahren mehrfach befunden wor-
den ist. Somit sind dem Rechtsvertreter – wie schon mehrfach erfolgt –
diese unnötig verursachten Kosten erneut persönlich aufzuerlegen und auf
Fr. 100.– festzusetzen (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 66 Abs. 3 BGG; vgl. auch
Urteil des BGer 5D_56/2018 vom 18. Juli 2018 E. 6). Die Gewährung der
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unentgeltlichen Prozessführung an den Beschwerdeführer stellt diese Kos-
tenauferlegung an den Rechtsvertreter persönlich nicht in Frage.
(Dispositiv nächste Seite)
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