Decision ID: 59fc0da5-e3a1-591e-b904-58157b8e7cdf
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1979, meldete sich am
2.
April 2014 unter Hin
weis auf
ein Burnout und Hochsensibilität
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/4
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte
mit Verfügung vom
1
3.
Juli 2015
eine
n Anspruch der Versi
cherten auf Leistungen der Invalidenversicherung
(Urk.
7/47
).
1.2
A
m
4.
Juni 2016
meldete sich die Versicherte
erneut bei der Invalidenver
siche
rung an (
Urk.
7/
55-56
).
D
ie IV-Stelle
holte
unter anderem bei
Dr.
med.
Y._
und
Prof.
Dr.
med.
Z._
ein
bidisziplinäres
Gut
achten ein, das am
2.
November 2017
erstattet wurde (
Urk.
7/89 und
Urk.
7/91
)
.
Nach durchgeführte
m
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/110
;
Urk.
7/
116
;
Urk.
7/
120
)
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 2
9.
J
uni
201
8
ab (
Urk.
7/
123
=
Urk.
2).
2.
2.1
Die Versicherte erhob am
1
8.
Juli 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
9.
J
uni
201
8
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufz
uheben und es sei
ihr spätes
tens ab Juni 2017 mindestens eine halbe Rente der Invalidenversicherung zu gewähren
(
Urk.
1 S.
2
Ziff.
1 und 2
).
Eventuell sei die Angelegenheit zur beweis
wertigen Abklärung des Sachverhalts an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
3.
September 2018
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
1
7.
Oktober 2018
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
2.2
Nach Durchführung der notwendigen Verfahrenss
chritte (
Urk.
9-
13
)
beauftragte das hie
sige Gericht mit Beschluss vom 1
5.
Mai 2019
med.
pract
.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
mit der Begutachtung der Beschwerdeführerin (
Urk.
14; vgl. auch
Urk.
17
).
Med.
pract
.
A._
erstat
te
te das psychiatrische Gutachten am
5.
September
2019 (
Urk.
19
).
Gestützt auf
dieses Gutachten beantragte die
Beschwerdeführerin am
2.
Oktober 2019 (
Urk.
22
)
, ihr sei ab Dezember 2016 eine ganze Invalidenrente zu gewähren.
D
ie Beschwer
degegnerin
hielt mit Stellungnahme vom
7.
Oktober
2019 (
Urk.
23
)
fest, dass keine wesentliche Veränderung vorliege
.
Diese Eingaben wurden der jeweiligen Gegenpartei am
1.
November 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
24
).
2.3
Am 1
5.
Januar 20
20
wurde eine Instr
uktionsverhandlung durchgeführt
(vgl. Prot. S.
6
).
In der Folge nahm die Beschwerdegegnerin am 2
1.
Januar 2020 Stellung zu den Notizen der Gegenpartei (
Urk.
32). Diese Eingabe wurde der Beschwerde
füh
rerin am 1
4.
Februar 2020 zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
33).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
ge
-
sundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
be
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.6
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen
einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E.
7.
2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der
nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsun
fähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.7
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist
der Rentenanspruch de
r Beschwerdeführerin
. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob sich der Gesundheitszustand de
r Be
schwerdeführerin seit der abschlägigen Rentenverfügung vom Juli 2015 an
spruchs
relevant verschlechtert hat
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) aus, dass aus psychiatrischer Sicht keine Befunde vorlägen, die eine dauerhafte Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit begründeten. Es bestünden keine wesentlichen Ein
schrän
kungen im privaten Umfeld, auch das Tagesprofil weise auf kein redu
zier
tes Aktivitätsniveau hin. Die Beschwerdeführerin gehe nur einmal wöchentlich zum Psychiater, was gegen eine schwere Erkrankung spreche. Es sei ihr zumutbar, der bisherigen Tätigkeit als Direktionsassistentin vollumfänglich nachzugehen (S.
2 oben).
In der Stellungnahme zum Gerichtsgutachten (
Urk.
23
)
hielt die Beschwerde
geg
nerin fest, diesem
könne
entnommen werden, dass sich der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit dem
3.
Januar 2013 bis heute nicht verändert hätten. Im Übrigen gelange die Gutachterin zu einer unter
schiedlichen Beurteilung desselben Sachverhalts
. Mithin liege keine wesentliche Veränderung vor, welche einen Revisionsgrund bilden beziehungsweise ein Rück
kommen auf die rechtskräftige Leistungsablehnung durch die Verfügung vom 1
3.
Juli 2015 rechtfertigen würde
(S. 1 unten).
Mit Stellungnahme zu den Notizen der Gegenpartei (
Urk.
32) machte die Be
schwerdegegnerin geltend, dass eine wiedererwägungsweise Aufhebung im Sinne
von
Art.
53
Abs.
2 ATSG zwingendermassen durch die verfügende Behörde vorge
nommen werden müsse und gerade nicht durch eine andere Instanz erfolgen könne
(S. 1 unten).
Eine Revision im Sinne von
Art.
53
Abs.
1 ATSG wiederum setze das Vorliegen einer neuen Tatsache voraus
. Nicht als neu sei eine Tatsache zu be
trachten, wenn das im Revisionsverfahren vorgebrachte Element lediglich eine neue Würdigung einer bereits bekannten Tatsache in sich schliesse (S. 2 oben). Es erfolge keine fachpsychiatrische Behandlung der Depression und eine psycho
pharmakologische Behandlung mit Antidepressiva sei indiziert. Dies beschlage nicht die Frage der Prüfung der
Standardindikatoren,
sondern diejenige der Scha
denminderungspflicht nach
Art.
7
Abs.
1 IVG (S. 2 Mitte).
2.3
Die Beschwerdeführerin führte in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) aus,
dass vorliegend eine überzeugende medizinische Grundlage zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit fehle (S. 10 unten). Auch fehle von Seiten der Beschwerdegegnerin eine nachvoll
ziehbare
Indikatorenprüfung
, welche die Abweichung von der
Indikatoren
prü
fun
g
durch Prof.
Z._
und dessen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung sowie die Abwei
chung von der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch
Dr.
B._
begründe. Die Beur
teilung des Aktivitätsniveaus durch die Beschwerdegegnerin sei unzutreffend (S.
11).
Mit
Stellungnahme zum Gerichtsgutachten (
Urk.
22)
hielt die Beschwerdeführerin fest,
es sei
gestützt auf dieses davon auszugehen, dass sechs Monate nach Gel
tendmachung des Leistungsanspruches Anspruch auf eine ganze Rente der Inva
lidenversicherung bestehe (S.
3 oben). Es sei davon auszugehen, dass sie am 1
3.
Juli
2015, zur Zeit der ablehnenden Verfügung, zwar nicht gänzlich arbeits
fähig, jedoch in angepasster Tätigkeit teilweise noch arbeitsfähig gewesen sei und diese
Arbeitsfähigkeit
im Rahmen ihres befristeten Einsatzes bei der
C._
bis November 2014 auch wirtschaftlich verwertet gehabt habe (S. 5 unten). Entgegen der Antwort der Gerichtsgutachterin ergebe sich gemäss den echtzeit
lichen Akten und der Beurteilung der Rechtsanwender eine wesentliche Ver
schlechterung in der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit seit dem 1
3.
Juli 2015 (S. 6 Mitte).
Es sei Frau
A._
als erster Gutachterin gelungen, ihren psychischen Gesundheitszustand unter Berücksichtigung der
Traumaerkrankung
vollständig zu erfassen (S. 6 unten). Im Zeitpunkt der leistungsablehnenden Ver
fügung vom 1
3.
Juli 2015 habe eine fachärztliche Diagnose der posttraumati
schen
Belastungsstörung und eine entsprechende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ge
fehlt.
Vorsorglicherweise
werde die wiederwägungsweise Aufhebung dieser Ver
fügung beantragt.
Gemäss BGE 8C_257/2016 vom 2
3.
August 2016 bestehe die Befugnis der Verwaltung und des Gerichts, unter besonderen Umständen auf eine (ab Beginn) zweifellos unrichtige rechtskräftige Verfügung zurückzukommen.
Das Gerichtsgutachten habe klar gezeigt, dass es unrichtig gewesen sei, dass sie im Juli 2015 voll arbeitsfähig gewesen sei
(S. 7 unten)
.
In den Notizen zur Instruktionsverhandlung (
Urk.
31) hielt die Beschwerde
füh
rerin fest,
dass
in Bezug auf die angestammte Tätigkeit
zwischen dem
1.
Septem
ber 2013 und dem 2
9.
Februar 2016 die Arbeitsunfähigkeitszeugnisse fehlten. Es gebe also keinen echtzeitlich dokumentierten Verlauf (S. 1 unten).
Die echtzeit
lichen Akten sprächen für eine Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit im Juli 201
5.
Für die Verschlechterung ab Juli 2015 sprächen der
im Gutachten von Frau
A._
mehrmals erwähnte
Crescendoverlauf
, das Gutachten von Prof.
Z._
, wonach neu eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit vorliege, und die Neuanmeldung im Juni 2016 infolge
des verschlechterten
Gesundheitszustand
s
, auf welche die Beschwerdegegnerin eingetreten sei (S. 2 unten).
3.
3.1
Der abschlägigen Rentenverfügung vom
1
3.
Juli 2015
(
Urk.
7/47
) lagen im Wesentlichen folgende medizinische Berichte zugrunde:
3.2
Dr.
med. D._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am
2.
März
2013
ein Gutachten zuhanden der Krankentaggeldversicherung (Urk. 7/17
)
.
Dr.
D._
führte aus, dass der Befund mit einer reaktiven Depression vereinbar sei, die inzwischen bereits weitgehend abgeklungen sei. Nach Vorge
schichte, Beschwerdeschilderung, bisherigem Krankheitsverlauf und aktuellem Befund liege bei der Beschwerdeführerin eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion vor (S. 6 oben). Eine ärztliche beziehungsweise psychothera
peutische Behandlung sei vorläufig weiterhin zu empfehlen (S. 6 unten). Nach dem Ausscheiden aus dem jetzigen Arbeitsverhältnis sei wieder von einer
voll
ständigen Arbeitsfähigkeit in einem vergleichbaren beruflichen Einsatzgebiet sowie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auszugehen (S. 7 Mitte).
3.
3
Dr.
med.
E._
, Leitende Ärztin der
F._
,
nannte im
Bericht vom 1
1.
Juli
2013 (
Urk.
7/
17/13-14
)
folgende Diagnosen (S. 2 Mitte)
:
-
Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt
-
Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit mit
-
Erschöpfungssyndrom (Burnout-Prozess)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge (ängstlich-vermeidend)
Dr.
E._
führte aus, die Beschwerdeführerin habe recht erschöpft gewirkt, ver
zweifelt, ängstlich und unterschwellig etwas aggressiv. Die Konzentration sei vermindert gewesen, es habe häufiges Gedankenkreisen bestanden, Antrieb und Freude seien deutlich gemindert gewesen (S. 2 oben). Sie sehe die Prognose als eher unsicher an, insbesondere auch aufgrund der akzentuierten Persönlich
keitszüge
. In der Psychotherapie brächen derzeit viele belastende Erlebnisse und Erfahrungen aus ihrer Herkunftsfamilie wieder auf (S. 2 Mitte).
Im Bericht vom
9.
August
2013 (
Urk.
7/17/15-16) gab
Dr.
E._
an, dass aus ärztlich-psychiatrischer Sicht vom
1.
März bis
3
1.
August
2013
eine
100%
ige Arbeitsunfähigkeit bestehe (S. 2 Mitte).
3.
4
L
ic
. phil. G._
, Psychotherapeut FSP,
nann
te im Bericht vom 3
0.
April
2014 (
Urk.
7/
22/8-9
)
folgende Diagnosen (S. 2 oben):
-
Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt
-
Erschöpfungssyndrom (Burnout-Prozess)
-
rheumatoide
Arthritis
-
Differentialdiagnose:
posttraumatische Belastungsstörung respektive komplexe
Traumafolgestörung
Lic
. phil.
G._
führte
zu den Befunden
aus,
die Beschwerdeführerin wirke stark belastet, erschöpft und sehr verunsichert. Die Grundstimmung sei depressiv und sie leide an wiederkehrenden Angstzuständen. Die Vitalgefühle seien deutlich ge
mindert, der Antrieb sei gemindert und es sei ein sozialer Rückzug vorhanden (S.
2 oben).
D
ie Beschwerdeführerin befinde sich in einer fortgesetzten Erschöp
fungssymptomatik. Auslöser sei ein Burnout-Prozess, der eng mit den beiden letzten Stellen zusammenhänge. Auf dem Boden früher Traumatisierungen in der Herkunftsfamilie und aktueller Trigger im Arbeitskontext habe sich ein Burnout-
Prozess entwickelt, dessen vollständige Remission bisher ausgeblieben sei. M
ehrere Risikofaktoren aus der Herkunftsfamilie sprächen für eine deutlich erhöhte Vul
ne
rabilität der Beschwerdeführerin: Sie sei als Kind und Jugendliche wieder
keh
rend Zeugin von massiver Gewalt des Vaters gegenüber der Mutter
gewesen. In diesem Zusammenhang habe sie sich mehrfach schützend vor die Mutter gestellt. Beim Vater habe eine Alkoholsucht vorgelegen. Auch habe sie Verantwortung gegenüber dem Bruder übernommen. Schliesslich habe die Beschwerdeführerin sexuelle Übergriffe im Jugend- und Erwachsenenalter erwähnt, auf die sie nicht näher habe eingehen wollen (S. 2 Mitte).
Es sei eine weiterführende
trauma
spezifische
Psychotherapie indiziert. Unter den aktuell gezeigten Beschwerden sei keine Arbeitsfähigkeit gegeben. Im Arbeitsprozess wäre von einer erneuten Dekompensation auszugehen (S. 2 unten).
3.
5
Lic
. phil.
H._
,
Fachpsychologin
für
Psychotherapie FSP,
nannte im
Bericht vom
3.
Oktober 2014 (
Urk.
7/
20
)
folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
komplexe
Traumafolgestörung
(posttraumatische Belastungsstörung)
-
Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt
-
Erschöpfungssyndrom
Lic
. phil.
H._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei für eine spezifische Trau
matherapie zugewiesen worden.
Sie leide unter Symptomen einer posttrauma
tischen Belastungsstörung wie
Hypervigilanz
, Ein- und Durchschlafstörungen,
Konzentrationsschwierigkeiten, vegetative Übererregung, Rückzug vom Leben et
c. (S. 5 oben).
3.
6
Dr.
med. I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte im
Bericht
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(Eingang am
6.
November 2014
bei der Beschwerdegegnerin,
Urk.
7/
22/1-5
)
aus, die Beschwerdeführerin sei durch die Depression verlangsamt
, in Konzentrationsvermögen, Auffassungsvermögen und Belastbarkeit eingeschränkt (
Ziff.
1.7 und
Ziff.
3)
.
Die Beschwerdeführerin lehne leider sowohl einen Psychiater als auch die Einnahme von Medikamenten ab (
Ziff.
1.5). Sie gehe ihr Trauma nicht direkt an (
Ziff.
1.8).
Die bisherige Tätig
keit sei ihr aus medizinischer Sicht noch zumutbar (
Ziff.
1.7). Er habe der Be
schwerdeführerin letztmals vom
3.
Januar bis 2
8.
Februar 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit wegen eines Burnouts attestiert (
Ziff.
1.6).
3.
7
Lic
. phil.
H._
führte im Verlaufsb
ericht vom 2
7.
Februar 2015 (
Urk.
7/
29/6
)
aus, dass sich der Zustand der Beschwerdeführerin in der Zwischenzeit nicht ver
bessert habe. Da die Beschwerdeführerin aber ein grosses Potential und viele Ressourcen habe, sei es absolut notwendig alles zu unternehmen, damit sie dieses Potential auch nutzen könne
, um nicht in eine
Chronifizierung
abzugleiten
. Sie benötige eigentlich eine intensivere therapeutische
Traumabegleitung
, was aber finanziell für sie momentan nicht möglich sei.
3.
8
Vor diesem Hintergrund
ging
Dr.
med. J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin,
am
8.
April 2015
von
den Diagnosen
einer remittierten Anpassungsstörung (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
) sowie
einer posttraumatischen Belastungs
störung und einer somatoformen Störung (
ohne Ausw
irkung auf die Arbeits
fähigkeit) aus. Derzeit bestünden keine relevanten Einschränkungen.
RAD-Arzt
Dr.
J._
hielt fest, dass momentan keine Arbeitsunfähigkeit bestehe, nur im Januar und Februar 2013 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Die Arbeitsfähigkeit bleibe aber zumindest nachhaltig gefährdet
(Feststellungsblatt,
Urk.
7/35/4).
Gestützt auf diese Beurteilung verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 1
3.
Juli 2015
(Urk. 7/47)
einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leis
t
un
gen der Invalidenversicherung. Die Anpassungsstörung sei remittiert und be
treffend die posttraumatische Belastungsstörung ergäben sich aus den Unterlagen derzeit keine relevanten Einschränkungen.
4.
4.1
Die im Rahmen der Neuanmeldung eingegangenen Berichte geben über den Ge
sundheitszustand der Beschwerdeführerin folgendes Bild:
4.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie, und
lic
. phil. K._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP,
hielten im
Bericht vom
2.
Mai 2016 (
Urk.
7/53)
fest,
dass aus psychiatrischer Sicht aktuell eine schwerwiegende psychische Beeinträchtigung vorliege, die zu einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % führe. Sie nannten folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
posttraumatische Belastungsstörung
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
-
Dysthymie
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
ängstlich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (Differentialdiagnose: kombinierte Persönlichkeitsstörung)
4.
3
Dr.
B._
und
lic
. phil.
K._
attestierten der Beschwerdeführerin im
Bericht vom
6.
Juni 2016 (
Urk.
7/65)
vom 2
9.
Februar
bis 3
0.
August 2016
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Direktionsassistentin (
Ziff.
1.6).
Durch die stän
digen psychophysischen Dekompensationen habe sie selbst bei ihrer minimalen
Beschäftigung zu 10 % im Rahmen eines Arbeitsversuchs-Programmes des Sozi
al
amtes ständig Fehlzeiten. Sie ermüde schnell bei der Arbeit, dadurch komme es zu Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Die Beschwerde
führerin mache Fehler, müsse sich korrigieren, nachfragen, verliere leicht den Faden. Oft bekomme sie nach einer Stunde starke Kopfschmerzen und müsse aufhören. Am Abend und am nächsten Tag sei sie völlig erschöpft. Die Beschwerdeführerin erlebe im Rahmen von Flashbacks Panik und starke Angstzustände, sei verwirrt, habe Entscheidungsschwierigkeiten. Neue s
oziale Situationen ängstigten s
i
e
(S. 6 Mitte).
4.4
Im Bericht vom
2.
Februar 2017 (
Urk.
7/68) nannten
Dr.
B._
und
lic
. phil.
K._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.2):
-
posttraumatische
Belastungsstörung
-
rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
-
Dysthymie
-
soziale
Phobie
-
anhaltende
somatoforme Schmerzstörung mit rheumatischen Schmerzen / Fibromyalgie, Spannungskopfschmerz, Migrän
e, Tinnitus, Fieber, Dys
menorrhoe
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und misstrauischen Anteilen
-
generalisierte Angststörung
Dr.
B._
und
lic
. phil.
K._
führten
aus,
dass aktuell keine Tätigkeit ausgeübt werden könne (
Ziff.
2.1).
Die Beschwerdeführerin habe sich für eine psychiatrische Abklärung bei ihnen gemeldet und habe mehrere Sitz
ungen bei ihnen wahrgenommen (S. 3 oben). Insgesamt sei sie, bedingt durch ihre Schmerzattacken und Angstzustände, sehr instabil. Immer wieder scheine es zu Phasen höherer Aktivität und besserer Toleranz von Stress und Angst zu kommen. Diese Phasen seien jedoch jeweils von kurzer Dauer. Mehrheitlich und nun schon seit über einem Monat sei die Beschwerdeführerin zurückgezogen, erschöpft und müde gewesen, habe sogar oft den abgedunkelten Raum aufgrund ihrer Schmerzen nicht verlassen können, da jegliche Reize die Schmerzen ins Unerträgliche steigerten (S. 3 unten).
4.5
Dr.
med.
L._
, Fachärztin für Rheumatologie,
nannte im Bericht vom 1
2.
Mai 2017 (
Urk.
7/78/1-10) folgende Hauptdiagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
chronische
Cephalgien
-
Fibromyalgie
-
Depression
-
anamnestisch Burnout-Syndrom
Dr.
L._
führte aus,
dass die Beschwerdeführerin seit mehreren Jahren an chro
nischen Polyarthralgien und Myalgien leide. In letzter Zeit bestünden zuneh
men
de stark immobilisierende
Cephalgien
. Es seien mehrmals rheumatologische Abklärungen erfolgt, wobei keine objektivierbaren Befunde für eine Systemer
krankung hätten festgestellt werden können. Deswegen sei das klinische Bild am ehesten bei
Hyperlaxität
und Fibromyalgie-Syndrom zu interpretieren (
Ziff.
1.4).
Aus rheumatologischer Sicht bestünden keine Einschränkungen (
Ziff.
1.7).
4.
6
Dr.
med. und
Dr.
sc. nat. ETH
Y._
,
Fachärztin für Allgemeine
Innere Medizin und Rheumatologie,
nannte im internistisch-rh
eumatologischen Gutachten
vom 2
1.
Oktober 2017
(Urk.
7/89/2-71) keine Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 56
Ziff.
9.1).
Sie führte aus, die Beschwerde
führerin klage seit mehreren Jahren über unmenschliche Schmerzen, die ihr Leben bestimmen würden (S. 57 oben). In der
Dolometrie
seien alle 18 Tender Points pathologisch sowie alle acht Kontrollpunkte. Dies entspreche einem patholo
gi
schen
Dolometrie
-Befund im Sinne einer Schmerzausweitung. Dabei reagiere sie bei der direkten Prüfung der Tender Points viel stärker als bei der Prüfung der
selben Punkte unter Ablenkung, was
einer Diskrepanz entspreche (S. 57 Mitte). Es bestehe eine
Hyperlaxität
. Die Überbeweglichkeit habe ohne Gelenkschäden keine klinische Relevanz. Die
Hyperlaxität
sei bei jungen Frauen häufig und ver
mindere sich in der Regel mit zunehmendem Alt
er
(S. 57 unten). Zusammen
fassend bestünden bei der Beschwerdeführerin keine strukturellen Befunde, die ihre Leistungsfähigkeit einschränken würden. Es bestehe kein klinischer, bild
gebender oder rheuma-immunologischer Hinweis für eine entzündlich-rheuma
tische Erkrankung
(wie rheumatoide Arthritis beziehungsweise Polyarthritis). Es sei eine leichte thorakale rechtskonvexe Skoliose vorhanden mit einem Cobb-Winkel von 8°, die klinisch nicht relevant sei. Die Beschwerdeführerin könne daher sämtliche Tätigkeiten uneingeschränkt ausüben, die Frauen ihres Alters üblicherweise machen könnten (S. 58 unten).
Aus rheumatologischer Sicht habe nie eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 60 Mitte).
4.7
Prof.
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie sowie für Neurologie,
nannte im psychiatrischen Fachgutachten vom 1
2.
September 2017 / 3
1.
Oktober 2017 (
Urk.
7/91/2-70) als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine undifferenzierte Somatisierungsstörung.
Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilt
e
er folgend
e
Diagnosen
(S. 68 oben):
-
Dysthymie
; ICD-10 F 34.1
-
d
epressive Episode, gegenwärtig remittiert; ICD-10 F 32.4
-
Erschöpfungssyndrom (Burnout); ICD-10 Z 73.0
-
Probleme durch negative Kindheitserfahrungen; I
CD-10 Z
61 (Diffe
ren
tialdiagnose: DESNOS [komplexe posttraumatische Belastungsstörung])
Prof.
Z._
führte aus,
dass sich
klinisch Hinweise auf eine Persönlich
keits
akzentuierung mit ängstlich-vermeidenden und
histrionischen
Anteilen
fänden
(S. 57 oben). Die Beschwerdeführerin weise nicht das Vollbild einer posttrauma
tischen Belastungsstörung auf, so dass diese Diagnose aus gutachterlicher Sicht fragwürdig erscheine
. Diagnostisch sei das Störungsbild vielmehr als Problem durch negative Kindheitserlebnisse, Z
61 auf der Grundlage des ICD-10
,
einzu
ordnen. Differentialdiagnostisch könne eine Stressfolgestörung diskutiert werden. Beim aktuellen Untersuch hätten affektive Symptome bestanden, die einer
Dys
thymie
zurechenbar seien, jedoch hätten keine Symptome einer rezidivierenden depressiven Störung vorgelegen
(S. 63
unten
).
Hingegen stimme er der Diagnose einer somatoformen Störung zu, wobei die multiplen funktionellen Störungs
bilder eines Tinnitus, von Kopfschmerzen und weiteren Schmerzsymptomen auch unter dem Bild
einer undifferenzierten Somatisierungsstörung differentialdiag
nostisch zu fassen wären (S. 64 oben).
Aus gutachterlicher Sicht ergäben sich Hinweise auf Verdeutlichungstendenzen (S. 64 Mitte). Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der seelischen Verletzungen in ihrer Kind
heit und Jugend und den Traumatisierungen in ihrer weitere
n
Biographie eine Minderung der psychischen Resilienz erworben habe, die durch die Mobbinger
fahrungen im beruflichen Kontext offenbar ein Wiederaufleben erfahren hätten
. Aus gutachterlicher Sicht ergebe sich eine nachvollziehbare Psychodynamik, wobei jedoch auch erhebliche Kränkungsanteile augenscheinlich würden, die vor dem Hintergrund der Persönlichkeitszüge mit
histr
i
onischen
Anteilen
und ängst
lich-vermeidenden Zügen die selbstlimitierenden Verhaltensweisen der Beschwer
deführerin erklärten. Die Beschwerdeführerin habe sich im sozialen Kontext zurückgezogen, sei jedoch nicht isoliert
(S. 65 oben).
Infolge der nur teilweise überwindbaren Schmerzen sei eine Minderung der Dauerbelastbarkeit, der Durch
setzungsfähigkeit und der Belastbarkeit im Sinne eines Rendements anzunehmen
(S. 67 Mitte). Aus psychiatrischer Sicht sei die mittel- und langfristige Arbeits
fähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit und in adaptierten Tätigkeiten um 40 % bis 50 % eingeschränkt (S. 67 unten). Eine
traumaspezifische
Behandlung werde empfohlen (S. 69 oben).
4.8
Im Rahmen der
bidisziplinären
Zusammenfassung (
Urk.
7/91/1) hielten
Dr.
Y._
und Prof.
Z._
am
2.
November 2011 fest, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit und in adaptierten Tätig
keiten zu 40 % bis 50 % eingeschränkt sei. Dies gelte seit der IV-Anmeldung am
6.
Juni 2016.
4.9
Dr.
B._
und
lic
. phil.
K._
führ
ten in der Stellungnahme vo
m 1
4.
Mai 2018 (
Urk.
7/121) aus
, dass aus ihrer Sicht nach wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe (S. 1 unten).
Es bestünden Einschränkungen im privaten Umfeld aufgrund der Schmerzproblematik und aufgrund eines ausge
prägten Vermeidungsverhaltens. Fast alles mache der Beschwerdeführerin Angst; das Verlassen der Wohnung, Lärm, Menschen, öffentlicher Verkehr, manchmal Licht oder nur schon der Gedanke an diese Reize. Es bestünden ein chronisch erhöhtes Stressniveau, Anspannung und Schreckhaftigkeit. Die Beschwerdefüh
rerin berichte, mehrmals täglich Flashbacks z
u erleben. Aus diesen Gründen l
ebe sie zurückgezogen (S. 3 Mitte).
Dr.
B._
und
lic
. phil.
K._
hielten ausserdem fest, dass das Gutachten von Prof.
Z._
die erforderliche Sorg
faltspflicht nicht ausreichend erfülle (S. 7).
5.
5.1
A._
nannte im
psychiatrische
n
G
erichtsg
utachten
vo
m
5.
September
2019 (
Urk.
19
)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 33
Ziff.
5.1):
-
komplexe posttraumatische Belastungsstörung, entsprechend der Klassifi
kation nach ICD andauernde Persönlichkeitsänderung, nicht näher be
zeichnet (ICD-10: F
62.9)
-
rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F
33) bei inzwischen
chroni
fiziertem
depressivem Zustandsbild
(ICD-10: F
34.8)
-
somato
forme Schmerzstörung (ICD-10: F
45.4)
-
Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und ängstlich-vermeidenden Per
sönlichkeitszügen (ICD-10: F
61.0)
Zum Befund
führte
sie
aus,
der formale Gedankengang sei schwankend, über
wie
gend etwas verlangsamt, teils stockend, oft mit langen Pausen. Inhaltlich zeigten sich deutlich depressive Gedankeninhalt
e
. Die Beschwerdeführerin beschreibe eine ausgesprochene
Hypervigilanz
mit grosser Schreckhaftigkeit, Überempfind
lich
keit auf Licht, Gerüche und Geräusche mit immer wieder auftretenden Angst- und Bedrohungs
gefühlen und Flashbacks
(S. 30 oben).
D
ie Beschwerdeführerin scheine insgesamt eher niedergestimmt und kaum auslenkbar. Vereinzelt könne sie sich aber auch freuen. An den seltenen Tagen, wenn es ihr gelinge Sport zu machen oder rauszugehen, fühle sie sich viel wohler.
Subjektiv gebe sie zahlreiche Körperphänomene an (Kopfweh bis migräneartige Kopfschmerzen; Ganzkörper
schmerzen mit dem Gefühl, der Körper stehe unter Feuer; Fieberschübe; grosse körperliche Erschöpfung; S. 30 unten). Immer wieder träten Angst- und Panik
attacken mit Hyperventilation und entsprechenden Körpersensationen auf.
Der Antrieb sei insgesamt deutlich vermindert mit nur rudimentärer Tagesaktivität. Es bestehe ein deutlicher sozialer Rückzug (S. 31 oben).
Ausser zu einer Freundin, mit der sie schriftlich verkehre, und zur Ursprungsfamilie habe sie praktisch keine Sozialkontakte (S. 31 unten).
A._
führte weiter aus, dass die komplexe posttraumatische Belastungsstörung nicht durch ein Einzelereignis verursacht
und
durch ein b
reites Sp
ekt
ru
m kognitiver, affektiver und psychosozialer Beeinträchtigungen gekenn
zeichnet sei, die meist über einen
längeren Zeitraum bestehen blieben (S.
33 unten). Im heutigen ICD-10 werde dafür üblicherweise die Diagnose einer andau
ernden Persönlichkeitsänderung verwendet. Bei der Beschwerdeführerin seien die
Diagnosekriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung vollumfänglich und
in nahezu klassischer Form
erfüllt. So sei sie als Kind den massiven Traumati
sierungen ausgeliefert gewesen, als sie hilflos habe mitansehen müssen wie der Vater die Mutter massiv misshandle (S. 34 oben).
Es bestehe ein deutlicher sozia
ler Rückzug, das andauernde Gefühl von Nervosität und Bedrohung ohne äussere Ursache und auch ein gewisses Gefühl der Entfremdung (S.
34 unten).
Wahr
scheinlich aufgrund ihres grossen Ehrgeizes und damit verbunden der Arbeit als Ressource, sei die Beschwerdeführerin trotz all ihrer Probleme bis auf einige kürzere Unterbrechungen stets im Berufsleben gestanden, wo sie sich bis zur Direktionsassistentin hochgearbeitet habe (S. 37 oben). Die gesamte Problematik sei als Crescendo zu sehen, wo im Kontext erlebter Ohnmacht, zunehmender Somatisierung und depressiver Symptome die Ressourcen der Beschwerde
füh
rerin zunehmend in den Hintergrund getreten seien (S. 37 Mitte).
Die Beschwerdeführerin sei momentan kaum in der Lage, sich an Regeln zu halten, Termine verabredungsgemäss wahrzunehmen oder sich in Organisations
abläufe einzufügen. Selbst im privaten Bereich sage sie Familientreffen häufig ab. In der Anpassung an Regeln und Routinen sei die Beschwerdeführerin damit schwer eingeschränkt.
Die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Auf
gaben unterliege sehr starken Schwankungen
(S. 38 oben). Die immer wieder bestehenden Angstzustände, Flashbacks, aber auch Schmerzen führten dazu, dass die Beschwerdeführerin rasch ermüde und vermehrt Pausen brauche. Ihre Durch
haltefähigkeit sei mittelgradig bis schwer eingeschränkt. Auch die Selbstbehaup
tungsfähigkeit sei mindestens mittelgradig eingeschränkt (S. 38 Mitte). Die Kon
taktfähigkeit zu Dritten, und noch mehr die Gruppenfähigkeit, seien mittelgradig bis schwer eingeschränkt (S. 38 unten). Die Fähigkeit zu Spontanaktivitäten sei ausgesprochen wechselhaft. Aufgrund der schweren Antriebsstörung und des verminderten Selbstwertgefühls
gelinge der Beschwerdeführerin selbst die Selbst
pflege teilweise nur hinreichend (S. 39 oben). Aufgrund dieser ausgeprägten Einschränkungen sei momentan an eine berufliche Tätigkeit weder im bisherigen Arbeitsfeld als Direktionsassistentin, noch in einer leidensangepassten Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu denken (S. 39 Mitte).
Die Beschwerdeführerin sei seit dem
3.
Januar 2013 zu 100 % arbeitsunfähig für die Tätigkeit als Direktions
assistentin (S. 48 Mitte). Im Anschluss daran sei sie wahrscheinlich nie mehr voll arbeitsfähig gewesen, sondern wenn überhaupt, dann nur vorübergehend, einge
schränkt und Teilzeit i
n einer angepassten Tätigkeit. Es lägen keine konkreten Arbeitsunfähigkeitszeugnisse aus dieser Zeit vor (S. 40 Mitte).
A._
hielt fest, dass sich aus ihrer Sicht zwischen dem 1
3.
Juli 2015 und dem 2
9.
Juni 2018 keine relevante Änderung der gesundheitlichen Verhältnisse ergeben habe (S. 51 unten). Nach Angaben der Beschwerdeführerin habe sich die Situation in keinem Fall verbessert, wenn dann eher noch ver
schlechtert (S. 51 f.). Sie verneinte die Frage, ob gleichwohl von einer verbesserten oder verschlechterten Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (S. 52 oben). Die Beschwer
deführerin befinde sich momentan in einer eher niedrigfrequentierten, rein psy
chotherapeutisch ausgerichteten Behandlung bei einer
Traumaspezialistin
(S. 40 unten).
Neben der psychotherapeutischen Behandlung seien bei posttrauma
ti
schen Belastungsstörungen SSRI in jedem Fall indiziert. Um die Medikation fortzuführen wäre daher anzuraten, zusätzlich zur psychotherapeutischen auch wieder eine psychiatrische Behandlung zu etablieren (S. 41 oben).
5.2
RAD-Arzt
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 2
1.
Dezember 2019 St
ellung zum Gutachten von
A._
(
Urk.
30).
Dr.
M._
hielt fest, dass weder die kom
plexe posttraumatische Belastungsstörung noch die andauernde Persönlichkeits
änderung nachvollziehbare Diagnosen seien (S. 1 unten).
Die aktuell beurteilte 100%ige Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt sei nicht nachvollziehbar, zumal die Beschwerdeführerin erfolgreich über viele Jahre beruflichen Tätig
keiten nachgegangen sei (S. 2 Mitte). Die kombinierte Persönlichkeitsstörung sei nachvollziehbar und erkläre eine Teil-Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. In einer optimal angepassten Tätigkeit mit wenig bis gar keinen zwischen
menschlichen Kontakten bestehe anhand dieser Diagnose keine Arbeits
un
fähigkeit (S. 2 unten). Es bestehe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit 2013 eine unzureichend behandelte rezidivierende depressive Störung (S. 3 oben). Es sei ein erheblicher Mangel des Gutachtens, dass keine testpsychologische Be
schwerdevalidierung durchgeführt worden sei (S. 3 Mitte).
6.
6.1
Vorab ist festzuhalten, dass
aus somatischer Sicht
nach wie vor
keine Arbeits
unfähigkeit ausgewiesen ist. So hielt die Rheumatologin
Dr.
L._
im Mai 2017 fest, dass keine objektivierbaren Befunde für eine Systemerkrankung hätten festgestellt werden können. Aus rheumatologischer Sicht bestünden keine Ein
schränkungen. Auch die rheumatologische Gutachterin
Dr.
Y._
fand keine strukturellen Befunde, welche die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ein
schränken würden. Es bestehe kein klinischer, bildgebender oder rheuma-immu
no
logischer Hinweis für eine
entzündlich-rheumatische Erkrankung. Aus rheu
matologischer Sicht habe nie eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Entsprechend sind
vorliegend die psychischen
Beschwerden massgebend
.
6.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Entscheid auf das psy
chiatrische Fachgutachten von Prof.
Z._
. Dieser
diagnostizierte
eine undif
fe
renzierte Somatisierungsstörung und
attestierte
der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der Standardindikatoren eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % bis 50 % in einer angepassten Tätigkeit.
RAD
-Ärztin
N._
,
welche
indessen
nicht über einen
Facharzttitel für Psychiatrie
verfügt
,
nahm
Stellung
zum Gutachten von Prof.
Z._
(
Urk.
7/108 S. 4 ff.;
Urk.
7/122/4).
Schliesslich nahm d
er Kundenberater respektive
die Kundenberaterin eine
Indikatorenprüfung
vor
(
Urk.
7/108/6)
und kam zum Schluss, dass die durch Prof.
Z._
attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar sein. Gestützt darauf verneinte die Be
schwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung einen Anspruch der Beschwer
deführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung. Dies vermag nicht zu über
zeugen.
6.3
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist
oder
wenn ein
vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss
folgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
Solche Abweichungsgründe liegen nicht vor.
Das psychiatrische Gerichtsgut
ach
ten von
A._
vom
September
2019 erfüllt die Anforderungen an den Beweiswert medizinischer Berichte im Sinne der Rechtsprechung (vgl. vor
stehend E.
1.
8
)
. Es setzt sich mit allen Aspek
ten der gesundheitlichen Beeinträch
tigungen aus
einander und berücksichtigt ins
besondere auch sämtliche ärztlichen Untersuchungsberichte. Insgesamt ist das Gutachten umfassend und vermag zu überzeugen.
Zum Verlauf
gab
A._
in ihrem Gutachten (
Urk.
19)
an, dass die Beschwerdeführerin bereits als Kind und Jugendliche unter grossen Ängsten, immer wiederkehrenden depressiven Verstimmungen mit einmaligem Suizidver
such und auch diversen körperlichen Beschwerden gelitten habe (S. 36 unten). 1997, wahrscheinlich 2004/2005 und erneut wieder 2012 sei es zum Auftreten deutlicher depressiver Episoden gekommen, die vom Verlauf her heute eher als
chronifiziertes
depressives Zustandsbild imponierten (S. 37 oben). Wie bereits von
Dr.
B._
ausgeführt, sei es wahrscheinlich im Kontext des beruflich empfun
denen Mobbings und damit erlebter Hilflosigkeit zum Wiederaufleben der alten Gefühle von Hilflosigkeit, Ohnmacht etc. gekommen, was schliesslich langsam schleichend neben den körperlichen Symptomen zu vermehrter Depressivität und schliesslich auch mit hoher Latenz zum Vollbild der Symptomatik der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung geführt habe. Die gesamte Problematik sei d
amit als Crescendo zu sehen
(S. 37 Mitte).
Dieser Verlauf ist nachvollziehbar und ergibt sich
aus den weiteren medizinischen Berichten. So entwickelte die Be
schwerdefü
hrerin gemäss Gutachten von Dr.
D._
vom März 2013
eine Anpas
sungsstörung mit
längerer depressiver Reaktion
.
Dr.
E._
berichtete im Oktober 2013 über einen Burnout-Prozess.
Gemäss Einschätzung des Psychotherapeut
en
G._
im April 2014
entwickelte sich auf dem Boden früher Traumatisierungen in der Herkunftsfamilie und aktueller Trigger im Arbeitskontext ein Burnout-Prozess.
Schliesslich
diagnostizierte die Psych
otherapeut
in
H._
im Oktober 2014 eine komplexe
Traumafolgestörung
(pos
ttraumatische Belastungsstörung
).
6.4
D
em Gerichtsgutachten von
A._
stehen
im Wesentlichen die
Gutachten von
Dr.
D._
vom März 2013,
von
Prof.
Z._
vom September / Oktober 2017
sowie die Stellungnahme von
Dr.
M._
vom Dezember 2019
gegenüber.
Zum Gutachten von
Dr.
D._
vom März 2013 gab
A._
an, di
eses sei betreffend Anamnese eher oberflächlich und die Gesamtproblematik wenig erfassend, was im Rahmen eines Taggeldgutachtens als Standortbe
stimmung zwar in gewisser Weise nachvollziehbar sei, sich aber auf die weitere Beurteilung und Einschätzung der Situation tendenziell eher negativ
auswirke (
Urk.
19 S. 42 unten).
A._
hielt in ihrem Gutachten (
Urk.
19)
zum Gutachten von Prof.
Z._
fest, dass die von
ihm
erhobene persönliche Anamnese der Beschwer
deführerin oberflächlich und ungenau sei und den Anforderungen an ein psy
chiatrisches Gutachten im Kontext der Rentenfrage nicht gerecht werde (S. 45 oben).
Er habe weder die Persönlichkeit der Beschwerdeführerin noch die
posttraumatische Belastungsstörung
adäquat
diagnostiziert (S. 47 unten).
Soweit Prof.
Z._
der Diagnose einer posttraumatischen Belastun
gsstörung wider
spreche, ziehe er aus ihrer Sicht falsche Diagnosekriterien heran (S. 46 oben).
An dieser Stelle ist zu bemerken, dass die von Prof.
Z._
als Differentialdiagnose aufgeführte Diagnose «
Disorder
of
Extreme
Stress Not
Otherwise
Specified
»
(DESNOS)
der von
A._
diagnostizierten komplexen posttrau
matischen Belastungsstörung entspricht.
A._
hielt in ihrem Gutachten (
Urk.
19) weiter fest, dass völlig unklar sei, weshalb Prof.
Z._
diverse psychiatrische Diagnosen als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
werte
(S. 47 unten). Auch überschätze er
die Ressourcen der Beschwerdeführerin
(S 47 oben). Aus ihrer Sicht könne nicht auf das Gutachten von Prof.
Z._
abge
stellt werden (S. 48 oben).
Möglicherweise sei es aber einfach auch ein schwieriges Konstrukt gewesen, dass die Beschwerdeführerin von männlichen Gutachte
rn be
gutachtet worden sei (Urk.
19 S. 37 unten).
Auf diese Beurteilung ist zu verweisen. Insbesondere erscheint es als doch sehr fragwürdig, dass Prof.
Z._
auf S. 55 seines Gutachtens festhält, die Beschwerdeführerin verschweige einen MDMA-Konsum, obwohl er auf S. 57 darauf hinwies, dass es sich dabei um ein falsch positives Laborergebnis gehand
elt und sich kein Hinweis auf den Gebrauch von Alkohol oder MDMA ergeben habe. In diesem Zusammenhang ist auf die detail
lierten Rügen der Beschwerdeführerin über das Verhalten von Prof.
Z._
anlässlich der Begutachtung hinzuweisen (vgl.
Urk.
7/94). Insgesamt ergeben sich, wie
A._
aufzeigte, erhebliche Zweifel an der Qualität dieses Gutachtens.
Schliesslich vermag auch die
kurze Akte
nbeurteilung durch RAD-Arzt Dr.
M._
das Gerichtsgutachten
nicht in Zweifel zu ziehen.
Dr.
M._
machte unter anderem geltend, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeits
markt sei nicht nachvollziehbar, da die Beschwerdeführerin erfolgreich über viele Jahre beruflichen Tätigkeiten nachgegangen sei.
Angesichts des dar
gestellten Krankheitsverlaufs
kann dies jedoch nachvollzogen werden
. So war die Beschwerdeführerin bis zu den Mobbingvorkommnissen offenbar in der Lage
, ihre Schmerzen zu überwinden
und erst in diesem Zusammenhang bildete sich eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung aus
.
6.5
Nach dem Gesagten kann auf das psychiatrische Gutachten von
A._
vom September 2019 abgestellt werden, wonach bei der Beschwerde
füh
rerin – bei den Diagnosen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung
(
respektive entsprechend der Klassifikation nach ICD einer
andauernde
n
Per
sönlichkeitsänderung)
, einer rezi
divierenden depressiven Störung, einer somato
formen Schmerzstörung
sowie einer
Persönlichkeitsstörung
– eine volle Arbeits
un
fähigkeit besteht.
7.
A._
setzte sich
eingehend
mit den Standardindika
toren (vor
stehend
E. 1.
7
) auseinander (vgl.
Urk.
19 S. 50 f. und S.
31).
Ihre Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven An
teilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. Die psychiatrische Gutachterin ist bei der Beant
wortung der Frage, wie sie das Leistungsvermögen einschätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, sie hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und ihre versiche
rungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sie sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungs
ver
mögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der
medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich an
hand
der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist.
8.
8.1
Die Beschwerdegegnerin machte
unter anderem
geltend, das
s keine wesentliche Veränderung
des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit
nachgewiesen worden sei, womit kein Revisionsgrund nach
Art.
17 ATSG bestehe.
8.2
Im
Zeitpunkt der abschlägigen Rentenverfügung vom Juli 2015
lagen zusammen
fassend folgende Berichte vor (vgl. vorstehende Erwägung 3).
Dr.
D._
ging in seinem Gutachten vom März 2013 von einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion aus. Die reaktive Depression sei inzwischen bereits weit
gehend abgeklungen; nach dem Ausscheiden aus dem jetzigen Arbeitsverhältnis sei wieder von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Die Psychiaterin
Dr.
E._
attestierte der Beschwerdeführerin am
9.
August 2013 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit vom
1.
März bis 3
1.
August 201
3.
Der Psychotherapeut
G._
hielt im April 2014 fest, dass keine Arbeitsfähigkeit gegeben sei. Der Hausarzt
Dr.
I._
gab im November 2014 an, er habe der Beschwerdeführerin letztmals vom
3.
Januar bis 2
8.
Februar 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit wegen eines Burnouts attestiert. Die
Psychotherapeutin
H._
äusserte sich nicht zur Arbeitsfähigkeit, hielt - bei der Diagnose einer
komplexen
Traumafolge
stö
rung
(posttraumatische Belastungsstörung) - jedoch im Februar 2015 fest, dass die Beschwerdeführerin eigentlich eine intensivere therapeutische
Traumabeglei
tung
benötige.
Vor diesem Hintergrund ging die Beschwerdegegnerin
-
offenbar gestützt auf die
mehr als zwei Jahre alte
Beurteilung durch
Dr.
D._
-
davon aus, dass nur im Januar und Februar 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe
und seitdem wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe
.
Da
nach dem Gutachten
von
Dr.
D._
neue Diagnosen genannt wurden und der Beschwerdeführerin auch nach Februar 2013 eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert wurde
, wären indessen
aus psychiatrischer Sicht
weitere Abklärungen nötig gewesen
.
So attestierte die Psychiaterin
Dr.
E._
der Beschwerdeführerin auch
im August 2013
noch eine volle Arbeitsunfähigkeit
und der
Psychotherapeut
G._
hielt im April 2014 fest, dass keine Arbeitsfähigkeit bestehe
.
Zudem
nannte die Psychotherapeut
in
H._
neu die Diagnose einer komplexen
Traumafolgestörung
(posttraumatische
Be
lastungsstörung). Eine aktuelle psychiatrische Beurteilung
erfolgte jedoch nicht
.
Anstelle einer psychiatrischen Abklärung
begnügte sich
die
Beschwerdegegnerin
mit einer Stellungnahme ihres
RAD-Arzt
es
Dr.
J._
, bei welchem es sich
in
dessen
nicht um einen Facharzt für Psychiatrie handelt.
In der abschlägigen Rentenverfügung vom Juli 2015 wurde ausgeführt, dass sich betreffend die posttraumatische Belastungsstörung aus den Unterlagen derzeit keine relevanten Einschränkungen ergäben. RAD-Arzt
Dr.
J._
führte die post
traumatische Belastungsstörung bei den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf. In einem
E-Mail des
zuständigen Kundenberater
s
der Beschwerdegegnerin an die Beschwerdeführerin vom 2
8.
Juli 2015 (
Urk.
7/48/1) wurde
unter anderem
festgehalten, dass eine posttraumatische Belastungsstörung aufgrund der vorliegenden
Befunde nicht ausgewiesen sei.
8.3
Damit ergibt sich, dass d
er Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
im
Zeit
punkt der abschlägigen Rentenverfügung vom Juli
201
5
nicht
umfassend
abge
klär
t und beurteilt worden war
.
So hielten auch der Psychiater
Dr.
B._
und die Psychotherapeutin
K._
im Mai 2016 fest, dass die in der Verfügung vom Juli 2015 berücksichtigten Diagnosen das Krankheitsbild unvollständig und unzureichend abbilden würden (
Urk.
7/53 S. 1 unten).
Die heute vorliegenden,
stark einschränkenden Diagnosen einer komplexen posttraumatischen Belas
tun
gs
störung, einer rezidivierenden depressiven Störung, einer somatoformen Schmerz
störung sowie einer Persönlichkeitsstörung wurden im damaligen Zeitpunkt noch nicht
vollständig
erkannt. Zudem
war der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin im Juli 2015 noch volatil. Schliesslich
waren
die
Auswirkungen
der genannten Diagnosen
noch nicht im heutigen Ausmass vorhanden.
8.4
Dr.
D._
ging im Gutachten vom März 2013 noch von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit nach dem Ausscheiden aus dem jetzigen Arbeitsverhältnis aus. Diese P
rognose traf jedoch nicht ein. D
ie
Beschwerdeführerin
war in der Folge lediglich noch in einer angepassten Tätigkeit teilweise arbeitsfähig
. Effektiv war sie im Rahmen e
ines befristeten Einsatzes bis Ende Okto
ber 2014 noch arbeitstätig
(vgl.
Urk.
7/27)
.
Im Zeitpunkt der Verfügung vom Juli 2015
bestand
noch die Hoffnung, dass sie
–
zumindest in einer
angepassten Tätigkeit
–
wieder
würde arbeiten können. Die Beschwerdegegnerin ging sogar, offenbar gestützt auf
die Beurteilung durch
Dr.
D._
,
von einer vollen Arbeitsfähigkeit aus.
Im Dezember 2015 nahm die Beschwerdeführerin an einem Programm der
Stif
tung
O._
teil. Im Schlussbericht
vom Mai 2016
wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen und der
daraus resultierenden geringen Belastbarkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht arbeit
s
fähig sei (
Urk.
7/54 S. 2 Mitte).
Im Juni 2016 meldete sich die Beschwerdeführerin erneut bei der Invalidenversicherung an.
Die Beschwerdegegnerin hielt fest, dass neue Diagnosen und Erkenntnisse hinzugekommen seien, so dass auf das Gesuch einzutreten sei (Feststellungsblatt,
Urk.
7/60/4).
Sie beauftragte in der Folge
Prof.
Z._
und
Dr.
Y._
mit der Begutachtung der Beschwerdeführerin. Prof.
Z._
ging
in seinem psychiatrischen Teilgutachten
vom September / Oktober 2017
von
eine
r
Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit zu 40 % bis 50 % seit Juni 2016
aus
.
Aufgrund des
weiteren Verlaufs
ist im Nachhinein
klar, dass die Beschwerde
führerin in der bisherigen Tätigkeit
seit Januar 2013 nicht mehr arbeitsfähig war, wie dies Gutachterin
A._
in ihrem Gutachten
festhielt. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit äusserte sich
A._
nicht so klar. Sie gab an, die Beschwerdeführerin sei seitdem wahrscheinlich nie mehr voll arbeitsfähig gewesen, sondern wenn überhaupt, dann nur vorüber
gehend, eingeschränkt und Teilzeit
in einer angepassten Tätigkeit.
In ihrem Gut
achten erwähnt
e
sie wiederholt ein
en Crescendo-Verlauf (vgl. Urk.
19 S.
37 Mitte und S. 45 Mitte
).
So standen zu Beginn offenbar eine Mobbing-Problematik und da
mit einhergehend ein Erschöpfungssyndrom der Beschwerdeführerin im Vord
er
grund. Entsprechend ging
Dr.
D._
im März 2013 von einer reaktiven Depres
sion aus.
In der Folge entwickelten sich langsam schleichend eine vermehrte Depressivität und schliesslich auch eine
komplexe posttraumatische Belastungs
störung. Der Psychiater
Dr.
B._
und die Psychotherapeutin
K._
nannten im Mai 2016 im Wesentlichen die heute vorliegenden Diagnosen und attestierten der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsunfähigkeit.
Im Februar 2017 hielten sie fest, dass Phasen höherer Aktivität und besserer Toleranz von Stress und
Angst
jeweils nur noch von kurzer Dauer seien. Offenbar entwickelte sich seit Juli 2015, wo noch ein schwankender Gesundheitszustand vorlag und eine Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit noch zumutbar war, ein zunehmend verschlechterter Gesundheitszustand und somit eine volle Arbeitsun
fähigkeit auch in einer adaptierten Tätigkeit.
Dies stimmt denn auch mit dem von der Gerichtsgutachterin festgehaltenen Crescendo-Verlauf überein.
8.5
Zusammenfassend
ist von einer wesentlichen Änderung in
den tatsächlichen Verhältnissen
auszugehen
.
Die heute vorliegenden Diagnosen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, einer rezidivierenden depressiven Störung, einer somatoformen Schmerzstörung sowie einer Persönlichkeitsstörung wurden im Juli 2015 noch nicht vollständig erkannt und wirkten sich noch nicht im heutigen Ausmass auf die Arbeitsfähigkeit aus.
Während im Juli 2015 noch ein volatiler Gesundheitszustand vorlag, verschlechterte sich dieser zusehends und führte schliesslich auch zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit in angepassten Tätig
keiten.
9.
9.1
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen.
9.2
Angesichts der vollen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit ist von einem Invaliden
einkommen von Fr. 0.-- auszugehen, womit sich ein Invaliditätsgrad von 100 % ergibt (vgl. E. 1.2).
Damit hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine ganze Inva
lidenrente.
9.3
Die Beschwerdeführerin meldete sich am
4.
Juni 2016 erneut bei der Invaliden
versicherung an (
Urk.
7/55-56). Nach
Art.
29
Abs.
1 IVG kann der Renten
an
spruc
h frühestens sechs Monate nach der Geltendmachung entstehen. Die ver
sicherte Person muss in diesem Zeitpunkt während eines Jahres ohne wesent
lichen Unter
bruch
durchschnittlich mindestens 40
% arbeitsunfähig gewesen sein (Wartezeit; vgl. E. 1.2).
Vorliegend war die Wartezeit im Zeitpunkt der Neuanmeldung vom Juni 2016 bereits erfüllt, bestand doch
(seit Januar 2013)
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit.
Da sich die
Beschwerdeführer
in
im
Juni 2016
bei der
Invalidenversicherung anmeldete,
hat sie
ab dem
1.
Dezember 2016 Anspruch auf eine ganze Rente
. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
10.
10.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 1’0
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen.
10.2
Die Kosten eines
Gerichtsgutachten
s können dem Versicherungsträger auferlegt
werden, wenn die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren in rechts
erheblichen Punkten nicht ausreichend beweiswertig sind, und zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten
Beweismassnahme
an sich eine Rück
weisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Ver
fahrensfairness entfällt (vgl. BGE 139 V 225 E. 4.2 mit Verweis auf BGE 137 V 210).
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf das Gutachten von Prof.
Z._
, obwohl dieses nicht zu überzeuge
n vermag (vgl. vorstehend E. 6.4
). Dementsprechend sind der Beschwerdegegnerin die Kosten für das
Gerichtsgutachten
in Höhe von Fr. 10‘050.--
aufzuerlegen.
10.
3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflichten, der
Beschwerdeführer
in
eine angemessene Proze
ssentschädigung auszurichten (§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht). Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses wird diese beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zu
züglich Mehrwertsteuer) auf Fr.
2’500
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgelegt.