Decision ID: 91b2652e-75d3-48d5-8a1f-49e44f22cf7c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1
974
,
bezog seit dem 1. Oktober 1997 eine
von der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zugesprochene
ganze Rente der Invalidenversicherung
(Urk. 8/
46, 8/
48
)
, welche revisionsweise mit Verfügung vom 19. Oktober 2009
durch das Office
c
antonal
des
a
ssurances
s
ociales
de
Genève
, Office
cantonal
de
l’
A
ssurance
-
I
nvalidité
,
aufgehoben wurde (Urk. 8/131
; vgl. auch Urk. 8/151 [Urteil des Tribunal
cantonal
des
assurances
sociales
de la
R
épublique
et
canton
de
Genève
A/4069/2009 ATAS/1300/2010
vom 16. September 2010]
und Urk. 8/161 [Urteil des Bundesgerichts 9C_97/2011 vom 21. Juli 2011]
)
.
1.2
Unter Hinweis auf schwere Depressionen meldete sich die Versicherte a
m 17. April 2017
(Urk. 8/182)
erneut
bei der IV-Stelle
in Zürich
zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung
an
und reichte, nach Aufforderung durch die IV-Stelle (Urk. 8/185), zwecks Glaubhaftmachens einer wesentlichen Verän
derung der tatsächlichen Verhältnisse einen
Arztbericht von Dr. med. Y._
, Facharzt FMH
für
Psych
i
atrie und Psychotherapie, vom 16. Mai 2017 ein
(Urk. 8/186)
.
Mit Schreiben vom 17. Juli 2017 reichte
die Versicherte
den
A
us
trittsbericht der
Z._
vom 4. Juli 2017 (Urk. 8/193)
, mit Schreiben vom 25. August 2017 den Austrittsbericht der
Z._
vom 17. August 2017 (Urk. 8/197)
und mit Schreiben vom 25. September 2017 den Kurzaustrittsbericht der
Z._
vom 7. September 2017 (Urk. 8/201)
nach.
In der Folge holte die
IV-Stelle Arztbericht
e
ein (Urk. 8/196
, 8/202
)
und teilte der Versicherten m
it Schreiben vom 15. August 2017 (Urk. 8/195) mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien und
der
Anspruch auf
eine Invaliden
r
ente geprüft werde.
Mit Schreiben vom 28. November 2017 (Urk. 8/206)
holte die IV-Stelle
bei der
A._
ein
bidisziplinäres
Gutachten
ein
.
Dr. med. B._
, zertifizierter Gutac
hter SIM, und Dr. med.
C._
erstatteten ihr psychiatrisches Gutachten am 19. April 2018 (Urk. 8/215 S. 22-65),
lic
.
phil. D._
, Fachpsycholo
gin für Psychotherapie und Neuropsychologie FSP, zertifizierte neuropsychologi
sche Gutachterin SIM, erstattete ihr neuropsychologisches Gutachten am 3. April 2018 (Urk. 8/215 S. 66-74); das Konsensgutachten (Urk. 8/215 S. 1-10) wurde am 19. April 2018
durch Dr.
B._
und
lic
. phil.
D._
erstattet.
1.3
Mit
Vorbescheid vom 20. Juni 2018
(
Urk. 8/221
) stellte die IV-Stelle der Versi
cherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht.
Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom
22. Juni 2018
(
Urk. 8/
223
)
Einwand und liess
der IV-Stelle
einen
Bericht des
E._
vom 6. Juli 2018 (Urk. 8/233) zukommen.
Mit Verfügung vom 25. Oktober 2018 (Urk. 8/236)
lehnte die IV-Stelle
das Gesuch
der Versicherten
um unentgeltlichen Rechtsbeistand
ab
und holte weitere Arztberichte
ein (Bericht von Dr. med. F._
, Allgemeine Medizin FMH, vom
19. November 2018
[
Urk. 8/238
]
sowie Bericht von Dr.
Y._
vom
9. Februar 2019
[Urk. 8/240]).
Mit Schreiben vom 20. Mai 2019 (Urk. 8/242) nahm die Versicherte zu den wei
teren von der IV-Stelle getätigten Abklärungen Stellung.
Mit
Verfügung vom
11. Juni 2019
(
Urk. 2 [= Urk. 8/
244
]
)
wies die IV-Stelle
das
Leistungsbegehren
der Versicherten
ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
14. August 2019 (Urk. 1
) Beschwerde und beantragte
, die Verfügung vom 11. Juni 2019 sei aufzuheben, die IV-Stelle sei zu verpflichten, ihr eine Invalidenrente zuzusprechen, eventuell sei die Sache zur Ergänzung des Sachverhaltes an die IV-Stelle zurückzuweisen
;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. In prozessualer Hinsicht bean
tragte
sie
die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und die Bestellung von
Rechtsanwalt
lic
.
iur
. Pablo
Blöchlinger
als unentgeltlichen Rechtsvertreter
(Urk. 1 S. 2)
.
Die IV-Stelle
schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 10. September 2019 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Gerichtsverfügung vom 12. September 2019 (Urk. 9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit
Eingabe
vom 23. September 2019 (Urk. 10) reichte die Beschwerde
führerin
im Nachgang zur Beschwerdeerhebung
weitere Unterlagen zu den Akten (Urk. 11/1-2).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Gemäss Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
muss
mit einer Neuanmeldung glaubhaft gemacht werden, dass sich der Invali
ditätsgrad anspruchsrelevant verändert hat. Der versicherten Person kommt ausnahmsweise eine Beweisführungslast zu (vgl. BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Die
Eintre
tensvoraussetzung
des Glaubhaftmachens soll verhindern, dass sich die Verwal
tung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten, mithin keine Veränderung des Sachverhalt
e
s darlegenden Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1). Dies gilt auch für eine erneute Anmeldung nach einer vorangegangenen, aber befristeten
Rentenzusprache
(BGE
133 V 263 E. 6.1; siehe auch Frey/
Mosimann
/Bollinger [Hrsg.], AHVG/IVG Kommentar, 2018,
M
osimann
, N 20 zu Art. 17 ATSG).
Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungs
abweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Per
son zumindest die Änderung eines Sachverhalt
e
s aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hinsicht all
seitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE
141 V 9 E. 2.3;
130 V 64 E. 5.2
;
130 V
71 E. 2.2).
Ist
die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Eine
solche Änderung kann
insbesondere
in einer
wesentlichen Änderung
des Gesundheitszustandes mit entsprechend ver
minderter Arbeitsfähigkeit oder
, auch bei an sich
gleich gebliebenem Gesund
heitszustand,
in
veränderten
Auswirkungen
auf den Erwerbs- oder Aufgabenbe
reich
liegen. Demgegenüber stellt die bloss abweichende Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes keine relevante Änderung dar (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E.
5.1; zur bisherigen Gerich
tspraxis vgl. statt vieler: BGE
140 V 193 E.
3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsve
rmögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E.
2, E.
3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweis
würdigung miteinzubeziehen (BGE
143 V 409 E.
4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7.
März 2018 E.
4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen
sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systemati
siert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E.
4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E.
4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E.
4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E.
4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E.
4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E.
4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E.
4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E.
4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E.
4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E.
4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15.
März 2018 E.
7.4).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist
entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen
allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –
, in Kenntnis der und gegebenenfall
s in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben wor
den ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die
Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmögli
chen, geg
ebenenfalls deutlich macht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a
;
122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die IV-Stelle stellte sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) auf den Stand
punkt, sie gehe aufgrund des eingeholten Gutachtens sowie den weiteren medi
zinischen Unterlagen von keiner erheblichen gesundheitlichen Einschränkung in der Erwerbstätigkeit aus. Damit eine solche anerkannt werde, müsse sie für den Rechtsanwender nachvollziehbar sein. Die von der Beschwerdeführerin beschrie
benen Einschränkungen seien weder nachvollziehbar noch schlüssig, sie gingen zudem über eine reine Verdeutlichungstendenz hinaus und
seien
nicht auf das Krankheitsbild zurückzuführen. Es könne folglich nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit von einer erheblichen Einschränkung in der Erwerbsfähigkeit aus
gegangen werden.
Auch die im Rahmen der weiteren Abklärungen zusätzlich eingeholten Unterla
gen zeigten keine neuen medizinischen Befunde oder Tatsachen; aus somatischer Sicht fänden sich keine Befunde, die eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begrün
den würden, bezüglich der psychiatrischen Einschätzung würde an der im Vor
bescheid
vertretenen Einschätzung festgehalten
(Urk. 2)
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin argumentierte in ihrer Beschwerde (Urk. 1), die IV-Stelle habe bei
der
A._
ein Gutachten eingeholt, welches als Diagnose eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, und einen Verdacht auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung festgehalten habe. Daneben sei eine anhaltende Schmerzstörung ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnos
tiziert worden.
Auf das Gutachten sei abzustellen, da es nachvollziehbar und schlüssig sei und weitgehend mit den
Einschätzungen
der behandelnden Ärzte übereinstimme, abgesehen von der Frage der Arbeitsfähigkeit. Während
die
Gut
achter eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit
attes
tiert
und
die durchschnittliche medizinisch-theoretische Arbeits
un
fähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit
auf
37.
5
%
geschätzt
hätten
,
seien
d
ie behandelnden Ärzte von einer Arbeitsunfähigkeit vo
n 80 beziehungsweise 100 % aus
gegangen
.
Allerdings
sei auch angepasst von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszu
gehen
;
weil
die von der
A._
beschriebenen Voraussetzungen an eine angepasste Tätigkeit
zudem
nur von einem geschützten Arbeitsbereich erfüllt
werden könn
ten, müsse das Verfahren zwecks Durchführen
s
eines Einkommensvergleiches an die IV-Stelle zurückgewiesen werden, sofern eine Einschränkung gestützt auf die Einschätzungen der
A._
angenommen würde
.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) halte
weiter
fest,
die gutachterlichen An
gaben zur Arbeitsunfähigkeit und zur Diagnose einer Persönlichkeitsstörung seien nicht nachvollziehbar;
es
könne sich vorliegend nur um Simulation han
deln. Bei der
Begutachtung
durch die
A._
sei
eine bewusste Simulation
hingegen
nicht nachweisbar gewesen
. Zwar
habe
die Beschwerdeführerin zweifelsfrei Selbstlimitierung
gezeigt
, was ohne Berücksichtigung ihrer Persönlichkeit
auf
grund
verschiedene
r
Indizien klar auf eine
Aggravation hinweisen
würde; w
eil
aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine narzisstische Persönlichkeitsstö
rung vorliege, sei die
damit verbundene Anspruchshaltung
als
Teil des Krank
heitsbildes
anzusehen.
Die IV-Stelle stelle in ihrer Verfügung, entgegen der Meinung des RAD, denn auch nicht auf Simulation ab, sondern auf Aggravation, ohne aber dem Gutachten zu folgen, wonach die Aggravation krankheitsbedingt sei
(Urk. 1).
Schliesslich sei auch plausibel, dass sie zwar regelmässig, aber mit grösseren Un
terbrüchen zu ihrem
persisch sprechenden
Psychiater nach Genf fahre,
zumal
die Reise nach Genf nicht mit einer regelmässigen Arbeitstätigkeit verglichen werden könne. Auch bestünde
zu ih
rem Psychiater
ein grosses Vertrauensverhältnis
; bei
dessen Abwesenheit habe
sie
stationär eingeliefert
werden müssen
(Urk. 1)
.
In ihrer Eingabe vom 23. September 2019 (Urk. 10) führte die Beschwerdeführerin zusätzlich aus, sie leide zunehmend an Gelenksbeschwerden, auch die seit an
fangs 2019 bekannten Beschwerden hätten deutlich zugenommen. Sie habe zudem Suizidideen und versucht, sich mit Medikamenten zu töten, weshalb Dr.
Y._
die Frequenz der Behandlungen erhöht habe. Ihr Gesundheitszustand habe sich verschlechtert, weshalb sie angestammt und angepasst vollständig arbeitsunfähig sei.
3.
3.1
Die Frage, ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invaliditäts
grad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich durch die Gegenüber
stellung des Sachverhaltes im Zeitpunkt der strittigen Verfügung mit demjenigen, wie er im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Verfügung bestanden hatte (BGE 130 V 71 E. 3.1). Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchs
erheblichen Änderung bildet folglich die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruches mit rechtskonformer Sach
verhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleiches beruht (BGE
134
V
131
E.
3
; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_
735
/2019 vom
25
.
Februar
2020
E.
3.2
).
3.2
Mit Verfügung vom 19. Oktober 2009 (Urk. 8/131) hob
die IV-Stelle des Kantons Genf
, gestützt auf eine
eingehende
materielle Prüfung des Sachverhaltes im Rah
men einer Rentenrevision von Amtes wegen
(vgl. Urk. 8/
59
, 8/129 [Haushalt
s
ab
klärung vom 7. August 2009]
)
,
die Re
nte der Beschwerdeführerin auf.
Zu prüfen ist
nach dem Gesagten
folglich
, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin
seit Erlass der Verfügung vom 19. Oktober 2009 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
11. Juni 2019
in
renten
anspruchsrelevanter Weise verschlechtert hat.
4.
4.1
Die Verfügung vom 19. Oktober 2009 (Urk. 8/131) basierte im Wesentlichen auf
der durch
die damals zuständige IV-Stelle
veranlassten
bidisziplinären
rheuma
tologischen und psychiatrischen
Untersuchung durch
Dr. med. G._
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumat
ologie, und Dr. med. H._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
I._
vom
23. Mai
2006
; der Konsensbericht
vom 8. Juni 2006 (Urk. 8/92) wurde
von Dr. med. J._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
unterzeichnet
.
4.2
Dr.
G._
und Dr.
H._
nannten in ihrem
Untersu
chungsbericht als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit Rückenschmerzen
, nicht näher bezeichnet
(ICD-10 M54.9 [Urk. 8/92 S. 5])
,
und als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/92 S. 5) eine
Dysthymie
(ICD-10 F34.1
; chronische depressive Verstimmung, welche die Kriterien einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung nicht erfüllt
) sowie eine
anhal
tende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4).
4.3
4.3.1
Im Rahmen der rheumatologischen Untersuchung hielten
Dr.
G._
und Dr.
H._
fest,
die Ergebnisse der klinischen Untersuchung seien weitgehend normal, abge
sehen von einigen von der Beschwerdeführerin
ein
wenig demonstrativ angezeig
ten Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, der Schultern, der Handgelenke, der Knie und der Knöchel.
Die Schmerzen seien permanent, Tag und Nacht, und erzeugten
nächtliches Erwachen. Jede Aktivität erhöhe die Intensität der Schmer
zen, das Gehen sei nur während maximal 30 Minuten möglich, bevor sie eine Pause machen müsse, auch das Sitzen sei während maximal 20 Minuten möglich, bevor die Sitzposition geändert werden müsse, um die Schmerzen im Lendenbe
reich zu lindern.
Auszuschliessen sei
indes
mit Sicherheit eine axiale oder periphere entzündliche rheumatische Erkrankung, ebenso eine neurologische Erkran
kung. Zudem sei darauf hinzuweisen, dass zwischen den von der Beschwerdefüh
rerin
vorgetragenen
multiplen und scheinbar sehr invalidisieren
den Beschwerden und den objektiven Untersuchungsergebnissen eine erhebliche Diskrepanz bestehe
. Es bestünden gewisse funktionelle Einschränkungen auf
grund diskreter Veränderungen der Wirbelsäule, welche bereits die Experten in Zürich im Jahre 1998 erkannt hätten.
Folglich
benötige die Beschwerdeführerin
keine statische, sondern
eine abwechselnd stehende oder sitzende Tätigkeit, ohne regelmässiges Heben von
Gewichten über acht Kilogramm und
ohne regelmässi
ges Tragen von Gewichten über 15 Kilogramm
(Urk. 8/9
2
S.
3,
6-8
und
10
).
4.3.2
Hinsichtlich des psychiatrischen Gesundheitszustandes erklärten
Dr.
G._
und Dr.
H._
, die Beschwerdeführerin sei
präsent und
allseits orientiert
sowie koope
rativ anlässlich der Befragung und der klinischen Untersuchung
. Sie sei wachsam, konzentriert,
leide an keinen Gedächtnisstörungen
und antworte auf die gestell
ten Fragen präzise
. Indes sei sie leicht angespannt und angesichts ihrer Schmer
zen
, welche im Laufe der Jahre nicht nachgelassen hätten,
entmutigt
(Urk. 8/9
2
S.
3 und 5
-6
)
.
Es gebe keine Hinweise auf Ereignisse, welche den normalen Prozess der Persön
lichkeitsentwicklung ge
stört haben könnten, sie weise k
eine
psycho
pathologisch
auffällige
Persönlichkeit
im Sinne von ICD-10 auf.
Die Beschwerdeführerin leide seit ungefähr 1993 an Kreuzschmerzen, welche sich während der Schwanger
schaft verschlimmert hätten.
Gegenwärtig zeige die Beschwerdeführerin eine ver
minderte Aktivität
und Energie
, Schlafstörungen
, eine Zunahme des Appetits
sowie ein vermindertes Sexualleben, was mit der Diagnose
einer
Dysthymie
ver
einbar sei, welche als Begleiterscheinung einer somatoformen Schmerzstörung auftrete
. Keines dieser Symptome sei
aber
ausgeprägt oder intensiv
genug
,
um
eine Arbeitsunfähigkeit zu rechtfertigen
;
auch Unzulänglichkeits- und Schuldge
fühle ihrem Mann und ihrer Tochter gegenüber
seien mit der Ausübung einer Arbeitstätigkeit nicht unvereinbar
.
Die Beschwerdeführerin gebe
zwar
an, ihr psy
chischer Zustand habe sich eher verschlechtert, er habe sich weder verbessert noch sei er unverändert geblieben. Eine Depression
(ebenso wie eine Anpassungs
störung)
im Sinne von ICD-10, wie sie
Dr.
med.
K._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM,
im
psychiatrischen Gutachten
vom
30. Juli 1999
(Urk. 8/
210
)
diagnostiziere,
könne
allerdings
höchstens im Bereich einer leichten liegen, zumal die Beschwerdefüh
rerin nicht den Eindruck eine
r depressiven Patientin erwecke
.
Es bestehe kein sozialer Rückzug, zudem organisiere sie ihren Alltag eigenständig.
Gegenwärtig gebe es keinen ausreichenden Grund, eine Arbeitsunfähigkeit anzunehmen
(Urk. 8/9
2
S.
6,
8
-9
)
.
Die Beschwerdeführerin weise multiple
,
unklare
,
anhaltende Schmerzen auf, wel
che sich somatisch nicht völlig erklären liessen,
die
aber
Ursprung
ihre
r
andau
ernde
n
Besorgnis
über ihren Zustand seien. Es liege folglich ein anhaltendes somatoformes Schmerzsyndrom vor, ohne psychiatrische Komorbidität, da die
Dysthymie
eine Begleiterscheinung der somatoformen Schmerzstörung sei. Die
Ausprägung der somatoformen Schmerzstörung sei indes nicht derart stark, um eine
invalidisierende Beeinträchtigung zu rechtfertigen
; aus psychiatrischer Sicht lägen keine funktionellen Einschränkungen vor
(Urk. 8/9
2
S.
9
-10
).
4.
4
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führten
Dr.
G._
und Dr.
H._
aus, aus soma
tischer Sicht bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit angestammt und eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit. Aus psychiatrischer Sicht bestehe, in Abweichung zur Schlussfolgerung von Dr.
K._
, eine volle Arbeitsfähigkeit an
gestammt und angepasst
.
Gesamthaft sei die Beschwerdeführerin angestammt zu 50 % arbeitsfähig, ange
passt zu 100 %
(Urk. 8/92 S. 10).
4.
5
Zusammenfassend hielten
Dr.
G._
und Dr.
H._
fest,
die Ergebnisse der rheu
matologischen Untersuchung seien praktisch normal
ausgefallen
, mit erheblichen Diskrepanzen zwischen den objektiven Befunden, den multiplen geklagten Beschwerden und der relativ bescheidenen Medikation. Eine somatoforme Schmerzstörung sei nicht als invalidisierend bekannt, auch liege keine psychi
atrische Komorbidität, sondern eine
Dysthymie
vor. Es bestehe kein sozialer Rückzug und auch aus psychiatrischer Sicht liege eine Diskrepanz zwischen den Untersuchungsergebnissen und den geklagten Beschwerden vor. Die Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin
liege
gesamthaft
bei
50 % im angestammten Bereich und bei 100 % in
einer
angepasste
n
Tätigkeit
, abwechselnd sitzend oder stehend, ohne regelmässiges Heben von Gewichten über acht Kilogramm und ohne regelmässiges Tragen von Gewichten über 15 Kilogramm
(Urk. 8/92 S. 1)
4.
6
Vor diesem Hintergrund
verneinte
die IV-Stelle des Kantons Genf
mit Verfügung vom 19. Oktober 2009 (Urk. 8/131)
bei einem Invaliditätsgrad von 33 %
den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente und hob die Invaliden
rente
revisionsweise
auf.
Das kantonale Versicherungsgericht schützte diesen Entscheid; es erwog, dass auf die Schlussfolgerungen der medizinischen Sachver
ständigen der Invalidenversicherung abgestellt werden könne und hielt fest, dass der Invaliditätsgrad bloss noch 13.96 % betrage (Urk. 8/151).
5.
5.1
Anlässlich
der Neuanmeldung vom 17. April 2017
holte die IV-Stelle bei der
A._
ein Gutachten in den Fachrichtungen Psychiatrie und N
europsychologie ein.
Die Gutachter nannten in der Konsensbeurteilung als relevante Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit die folgenden (Urk. 8/215 S. 5):
-
Rezidivierende depressive Störung
,
gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1)
-
Hochgradiger Verdacht auf
eine
narzisstische Persönlichkeitsstörung (DSM 5 F60.81), Differentialdiagnose akzentuierte narzisstische Persön
lich
keits
züge
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter eine psychiatrisch anamnestisch somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
,
hinsichtlich
der
neuropsychologische
n
Diagnose
hielten sie
ein nicht authenti
sches Leistungsprofil
sowie
Selbstlimitierung bei psychiatrischer Erkrankung
fest
(Urk. 8/215 S. 5).
5.
2
5.
2
.1
Im Rahmen der
psychiatrischen Beurteilung
hielten
Dr.
B._
und Dr.
C._
fest
,
die Beschwerdeführerin präsentiere sich ruhig, gelassen und allseits orientiert, zeige sich sehr freundlich und zugewandt. Sie wirke leicht ungepflegt, ihre Mimik sei eingeschränkt rege, psychomotorisch erscheine sie deutlich eingeschränkt und passiv, ohne Hinweise auf körperliche Schmerzen. Bei der Schilderung der Hal
luzinationen sei sehr wenig emotionale Beteiligung auszumachen, auch die Schil
derung der schweren Antriebseinschränkungen wirk
e
nicht ganz nachvollziehbar
(Urk. 8/215 S. 45-46)
.
Die Beschwerdeführerin bestätige Konzentrationseinschränkungen im Alltag, welche im Gespräch nicht objektiviert werden könnten, es ergäben sich auch keine Hinweise auf Auffassungsstörungen. Die Beschwerdeführerin imponiere eingeengt auf die ihr widerfahrenen negativen Lebensereignisse. Es seien keine Zwangsgedanken zu
explorieren, obwohl diese berichtet würden. Die Beschwer
deführerin berichte weiter von Panikattacken, Ängsten vor Krankheiten
und
der Zukunft
, sie beschreibe akustische wie auch visuelle Pseudohalluzinationen. All diese Begebenheiten würden ohne wesentliche emotionale Beteiligung geschil
dert. Affektiv imponiere die Beschwerdeführerin deutlich depressiv, vergiesse während der Exploration viele Tränen und beschreibe eine persistierend
e
depres
sive Grundstimmung. Sie
berichte
über Reuegefühle, während sich bei der Explo
ration keine deutlichen Hinweise auf ausgeprägte Schuldgefühle oder Selbstvor
würfe ergäben. Die deutliche Vermeidung von sozialen Kontakten liesse auf eine insuffiziente Selbstregulation der empfundenen aggressiven Impulse schliessen, welche von der Beschwerdeführerin erwähnt würden.
Das Schlafverhalten beschreibe sie als deutlich eingeschränkt bei ausgeprägten Durchschlafstörungen, es bestünden negative Zukunftsperspektiven und ein extrem unbeständiges Ess
verhalten. Zudem habe die Beschwerdeführerin zwei Suizidversuche unternom
men (Urk. 8/215 S. 46-49).
Es liesse sich die Diagnose einer aktuell mittelgradigen depressiven Episode bestätigen, eine von Dr.
Y._
diagnostizierte schwere Depression habe sich jedoch weder hier noch in der
Z._
nachweisen lassen. Die geschilderten Pseudo
halluzinationen erfüllten nicht die Kriterien für einen Wahn oder eigentliche Halluzinationen. Es ergäben sich
aber mehrere Hinweise auf eine narzisstisch geprägte Persönlichkeitsgrundstruktur
. Es
trete deutlich ein immanentes Grössen
gefühl zutage, etwas Besseres im Leben verdient zu haben, auch zeige sich recht deutlich eine Selbstbezogenheit und ein Mangel an Empathie, die zwischen
menschlichen Beziehungen hätten einen ausbeuterischen Anteil. Die gemäss Dr.
Y._
anhaltende somatoforme Störung zeige sich weit im Hintergrund, die depressiven Symptome im Rahmen einer ausgeprägten Antriebslosigkeit bei depressiver Grundstimmung,
generalisierter Freudlosigkeit und
Durchschlafstö
rungen
stünden im Vordergrund
. Die Beschwerdeführerin sage deutlich, dass
ihre psychischen Beschwerden
seit Beginn entscheidend gewesen seien. Die von Dr.
Y._
diagnostizierte generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) könne
fer
ner
nicht bestätigt werden, da keine frei flottierende Angst bestehe (Urk. 8/215 S. 50-52).
Die Migration lasse sich als Beginn der negativen Krankheitsentwicklung bezeichnen, repetitive Misserfolge und Frustration hätten zu einer tiefgehenden und
chronifizierend
anhaltenden Kränkung der Beschwerdeführerin geführt. Sie beharre darauf, zu praktisch nichts in der Lage zu sein aufgrund ihrer Depression, die beklagten Beschwerden würden jedoch nicht kongruent zum klinisch beobachteten
Ausmass der Depression erscheinen. Auch wenn es nicht durch harte Fakten beweisbar sei, so entstehe der Eindruck, die Beschwerdeführerin for
dere, dass man der Schwere ihrer Krankheit gebührend Rechnung trage (Urk. 8/215 S. 54-55).
5.
2
.2
Zu den therapeutischen Vorschlägen (Urk. 8/215 S. 55-56) führten die Gutachter aus, bis zum Sommer 2017 sei lediglich eine ambulante psychiatrisch-psychothe
rapeutische Behandlung mit parallel geführter psycho
pharma
kolo
gischer Thera
pie erfolgt, mit stabilisierendem Effekt auf den Gesundheitszustand. Eine Inten
sivierung nach der Kurzhospitalisierung im August 2017 sei abgelehnt, eine teilstationäre Behandlung im August und September 2017 abgebrochen worden. Das Setting der zweimal monatlichen
unterstützenden
ambulanten Therapie bei Dr.
Y._
in Genf müsse bezüglich Frequenz und Behandlungsfokus als nicht zweifelsfrei adäquat beurteilt werden. Eine intensivierte psychiatrisch-psychothe
rapeutische Therapie mit Behandlungsfokus auf Frustrationstoleranz, Umgang mit Kränkung sowie Emotionsregulation und Stressbewältigung an einer geeig
neten Institution stelle eine konsiderable Behandlungssituation dar.
5.
2
.3
Hinsichtlich der Konsistenz (Urk. 8/215 S. 56)
hielten
die Gutachter fest, es
wür
den
sich bezüglich des Aktivitätsniveaus Inkonsistenzen in verschiedenen Lebensbereichen
zeigen
. Es erstaune vor dem Hintergrund des als eintönig beschriebenen Tagesablaufes mit seltenem Verlassen der Wohnung, dass Ressour
cen für eine zweimal monatliche Hin- und Rückreise von Zürich nach Genf am selben Tag, mithin eine Abwesenheit von zuhause während acht Stunden, vor
handen seien. Auch schaffe es die Beschwerdeführer
in trotz berichteter vollkom
men
er Inaktivität einmal wöchentlich in Begleitung ihrer Tochter zum Baden in die
L._
zu gehen, sie habe zudem ohne Pausen ein dreistündiges Explorationsgespräch problemlos bewältigt.
Die Überwindbarkeit der depressiven Symptomatik in diesen Situationen lasse sich im Rahmen der narzisstischen Persönlichkeitsstruktur interpretieren. Die Inkonsistenzen liessen sich im Rahmen des Narzissmus beurteilen und beruhten nicht vollständig auf Aggravation, sondern seien eher als Verdeutlichung zu betrachten, deren Ausmass krankheitsbedingt akzentuiert werde.
5.
2
.4
Mit Blick auf die Ressourcen (Urk. 8/215 S. 57) stellten die Gutachter fest, die Beschwerdeführerin zeige einen deutlichen
Leidensdruck
durch die Belastung im Rahmen der depressiven Symptomatik mit schwerer Antriebslosigkeit, Freudlo
sigkeit sowie depressiver Grundstimmung. Eine Quantifizierung der Einschrän
kung des
Funktionsniveaus sei aber angesichts der beobachteten Inkonsistenzen und der nicht auszuschliessenden Selbstlimitierung nicht valide möglich.
Als Res
sourcen müssten aber die Fähigkeit, ihre Familie an sich zu binden, die Koopera
tionsbereitschaft bezüglich Therapien, die Verkehrsfähigkeit und zusätzlich die Überwindbarkeit der depressiven Symptomatik und der Zuhilfenahme von positiv anmutender Anteilnahme durch ihre Töchter benannt werden.
5.
2
.
5
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/215 S. 58-59) hielten die Gutachter fest, es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit, welche vorwiegend auf die aktuell vorliegende Teamunfähigkeit im Rahmen der deutli
chen Überforderung im sozialen Kontext zurückzuführen sei. Eine angepasste Tätigkeit müsse ein verständnisvolles und wertschätzendes Umfeld gewährleisten, ohne Team, ohne Druck, ohne subjektiv empfundenen Stress und ohne hohe kog
nitive Anforderungen. Die Beschwerdeführerin benötige Pausen und ein geräuscharmes Umfeld. Die Arbeitsfähigkeit
für das letzte Jahr betrage
medizi
nisch-theoretisch
geschätzt 63.5 %
, aktuell sei von einer Restarbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen
.
5.
2
.
6
In Beantwortung der
Zusatzfragen
(Urk. 8/215 S. 60-64) stellten die Gutachter
schliesslich
fest, dass hinsichtlich des Aktivitätsniveaus Inkonsistenzen bestün
den, welche eine valide Einschätzung des tatsächlichen Niveaus nicht ermöglich
t
e
n
. Es
bestünde
ferner kein Abusus von Benzodiazepinen, allerdings deute der Medikamentenspiegel auf eine unzuverlässige Einnahme der Medikamente hin. Die Behandlung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sei schwierig, es sei ein langer Zeitraum von mindestens zwei Jahren notwendig. Vor diesem Hinter
grund, und angesichts der Selbstlimitierung, sei das Erstellen eines Belastungs
profils rein spekulativ.
Präzise Angaben über Dauer und Verlauf der depressiven Symptomatik seien aufgrund der Selbstlimitierung und Verdeutlichung unmöglich, es erscheine plausi
bel, dass zu Beginn der Wiederanmeldung bei der Invalidenversicherung eine Akzentuierung stattgefunden habe. Dem von Dr.
Y._
festgehaltenen Schwe
regrad könne
indes
nicht gefolgt werden; auch die Hospitalisierungsdauer von fünf Tagen scheine für eine schwere depressive Episode recht kurz zu sein, zudem
sei
die Möglichkeit einer teilstationären Behandlung von der Beschwerdeführerin abgelehnt
worden
.
Die Beschwerdeführerin zeige zudem zweifelsfrei eine Selbstlimitierung, die eige
nen Angaben über ihre Beschwerden würden mit der Klinik schlecht korrelieren, weshalb zumindest von einer Verdeutlichung ausgegangen werden müsse. Ohne
Berücksichtigung ihrer Persönlichkeit würden verschiedene Indizien klar auf eine Aggravation hinweisen.
Die neuropsychologischen Resultate liessen
überwiegend wahrscheinlich auf eine Selbstlimitierung schliessen, auch in der psychiatrischen Untersuchung zeigten sich Inkonsistenzen, welche nicht vollständig
hätten auf
gelöst werden könn
en. Allerdings sei angesichts der mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit vorliegende
n
narzisstischen Persönlich
keits
stö
rung die Frage zu stellen, inwieweit die Selbstlimitierung krankheitsbedingt sei. Dieser krankheits
bedingte Anteil lasse sich nicht mit Sicherheit quantifizieren; es sei indes über
wiegend wahrscheinlich, dass die Selbstlimitierung während der neuropsycholo
gischen Untersuchung bewusst erfolg
t sei
und die Inkonsistenzen überwiegend
w
ahrscheinlich zum Teil bewusst erfolgt
seien
, ein anderer Teil durch Symptom
aggravation aber möglicherweise krankheitsbedingt sei.
Folglich könne gesagt werden, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das effektive Leistungsniveau besser sei, als das von der Beschwerdeführerin geschil
derte. Unabhängig von Selbstlimitierung und Aggravation bestehe aber eine rezidivierende depressive Störung mit Krankheitswert, welche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe.
5.
3
5.
3
.1
Anlässlich der neuropsychologischen Begutachtung führte
lic
. phi
l
.
D._
aus, die Beschwerdeführerin sei mit dem Taxi gekommen, da sie nach Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr stets sehr erschöpft sei
und seit fünf Jahren Angst habe, verfolgt oder beobachtet zu werden
;
zudem habe sie Mühe mit dem Lärm. Auto fahre sie nur selten, da sie rasch nervös werde und Angst vor einer Panikattacke habe. Sie vermeide Stress, zuhause sei ihr Ruhe wichtig, draussen seien lediglich
«
blöde und aggressive Leute
»
. Die Beschwerdeführerin beklage Schwierigkeiten mit dem Kurzzeitgedächtnis und der Konzentration, psychisch gehe es ihr schlechter als vor fünf Jahren. Sie sei deprimiert, voller Wut, Ärger und Enttäuschung, sie habe keine einzige Freude auf der Welt, alles sei ihr gleich
gültig. Zwei Suizidversuche seien nicht erfolgreich gewesen, ihre einzige Sorge sei das Befinden der jüngeren Tochter (Urk. 8/215 S. 68).
Die Beschwerdeführerin wirke freundlich und zugewandt, gebe differenziert und kohärent Auskunft. Sie sei affektiv schwingungsfähig, initial wirke sie dünn
häutig, verhalte sich im Verlauf der Untersuchung aber gefasst. Sie habe Kreis
laufschwierigkeiten geäussert
und
beim zweiten Termin Atemschwierigkeiten und Herzklopfen angegeben
(Urk. 8/215 S. 69).
5.
3
.2
Hinsichtlich der Validität (Urk. 8/215 S. 73-74) stellte die Gutachterin fest, i
m Rahmen der Testaufgaben habe die Beschwerdeführerin langsam und vordergrün
dig anstrengungsbereit mitgearbeitet, es sei klinisch
aber
aufgefallen, dass sie bei gestuften Aufgaben teilweise für den einfachen Teil der Aufgabe das Mehrfache an Zeit benötigt habe als für den schwierigeren Teil der Aufgabe. Bei einer ein
fachen Aufgabe zur selektiven Aufmerksamkeit sei es ihr trotz sieben statt eine
m
üblichen Lerndurchgang
und
trotz Hilfestellung nicht gelungen, die Aufgabe zu bewältigen.
In verschiedenen sensitiven Symptomvalidierungsaufgaben habe sich durchgän
gig ein Profil gezeigt, welches überwiegend wahrscheinlich ausschliesslich mit nicht ausreichender Anstrengungsbereitschaft erklärbar sei und weit über das zu erwartende Mass an neurokognitiven Nebenwirkungen bei schwerer depressiver Symptomatik oder kognitiven Nebeneffekten be
i starken Schmerzen hinausgehe
.
Der anlässlich des zweiten Termins erhöhte Pausenbedarf und das dadurch bedingte Ausfallprofil sei zu beiden Testzeitpunkten gleichermassen hoch auffäl
lig gewesen und verweise auf nicht ausreichende Leistungsbereitschaft; klinisch sei kein Zusammenhang zwischen der Angabe der sehr starken Beeinträchtigung und der Angabe hinsichtlich der schwankenden körperlichen Befindlichkeit beim zweiten Termin feststellbar gewesen. Die angegebenen Gedächtnisprobleme und die Verlangsamung würden aufgrund des Ausfallmusters nicht
auf ein
authenti
sches, genuines Abbild einer Hirnfunktionsstörung verweisen, sondern auf nicht authentische Beschwerde
an
gaben im kognitiven Leistungsbereich. Hinweise auf eine bewusste Simulation der Beschwerden seien nicht nachweislich, eine vor
handene Selbstlimitierung erscheine
aber
als überwiegend wahrscheinlich.
5.
3
.3
Zur
Arbeitsfähigkeit
(Urk. 8/215 S. 74) führte die Gutachterin aus, aufgrund des als nicht authentisch geltenden Leistungsprofils seien keine
weiteren
Ableitungen mit Bezug auf die Arbeitsfähigkeit möglich.
5.
3
.4
Im Rahmen ihrer Beurteilung (Urk. 8/215 S. 73-74) hielt die Gutachterin fest, es zeige sich an beiden Untersuchungsterminen ein sehr auffälliges Leistungsprofil und Leistungsverhalten, bei welchem die Authentizität des gezeigten Ausmasses an Leistungseinbussen stark in Frage gestellt sei. Innerhalb der Testabklärung ergäben sich deutliche Hinweise auf nicht ausreichende
Bemühung
und auf vor
handene Selbstlimitierung. Die gezeigten Beschwerden seien teilweise inkonsis
tent und die gezeigte Verlangsamung, die Gedächtnisschwierigkeiten und die
Konzentrationsprobleme gingen weit über das Ausmass
der
zu erwartenden neuro
kognitiven Schwierigkeiten bei schwerer Depression und Schmerzproble
matik hinaus. Eine bewusste Simulation sei nicht nachweislich, eine Selbstlimi
tierung aber überwiegend wahrscheinlich.
5.
4
In der Gesamtwürdigung kamen die Gutachter zum Schluss, es lägen nach ICD-10 zwei Hauptsymptome und drei Nebensymptome vor, weshalb sich die Diagnose einer aktuell mittelgradigen depressiven Episode bestätigen lasse, nicht jedoch eine schwere Depression mit psychotischen Symptomen. Darüber hinaus seien sieben
bei
fünf erforderlichen Kriterien
nach DSM-5
für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung erfüllt, weshalb der hochgradige Verdacht auf eine solche narzisstische Persönlichkeitsstörung resultiere. Im Rahmen der Neuropsychologie zeige sich ein nicht authentisches Leistungsprofil sowie eine Selbstlimitierung bei psychischer Erkrankung. Die angegebenen Gedächtnisprobleme und die Verlang
samung würden auf nicht authentische Beschwerdeangaben im kognitiven Leis
tungsbereich verweisen. Hinweise auf eine bewusste Simulation seien nicht nach
weislich, eine vorhandene Selbstlimitierung erscheine indes als überwiegend wahrscheinlich (Urk. 8/215 S. 4-5).
Nach übereinstimmender Auffassung schränke die depressive Symptomatik die Arbeitsfähigkeit grundsätzlich ein, durch vermindertes Durchhaltevermögen auf
grund höherer Ermüdbarkeit, langsameres Arbeitstempo aufgrund Antriebs
schwäche sowie verminderter Konzentrationsfähigkeit. Bereits in der psychiatri
schen Untersuchung sei der Eindruck möglicher Inkonsistenzen entstanden, die bedeutungsvollste Inkonsistenz habe sich aber in der neuropsychologischen Untersuchung gezeigt. Es könne ohne Spekulation folglich nur festgehalten wer
den, dass das effektive Funktionsniveau nicht valide bestimmt werden könne, dass es mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aber besser sei als dasjenige, das die Beschwerdeführerin selbst angebe (Urk. 8/215 S. 5-6).
Wichtig zu betonen sei, dass nicht davon ausgegangen werden dürfe, dass die Beschwerdeführerin bewusst simuliere, um sich Vorteile zu verschaffen, sondern dass sie wirklich davon überzeugt sei, vom Leben bestraft und gebrochen worden zu sein. Die überwiegend wahrscheinlich bewusste Selbstlimitierung sei verbun
den mit der Persönlichkeitsstörung und vergrössere deren Ausmass (Urk. 8/215 S. 7).
Belastungsfaktoren seien vor allem subjektiv vorhanden, auch wenn sich objektiv ein sozialer Rückzug, eine mangelnde Tagesstruktur und wenig stimulierende Ereignisse
zeigen würden; auch hier bleibe die Frage offen, ob das zurückgezo
gene Leben vollständig eine bewusstseinsferne Folge der narzisstischen Kränkung sei. Ressourcen seien in Form der Hilfe durch die Tochter und den Ehemann vor
handen (Urk. 8/215 S. 7).
Hinsichtlich der Konsistenz
habe
sich die offensichtlichste Inkonsistenz im Rah
men der neuropsychologischen Untersuchung gezeigt, so dass das Leistungsprofil nicht verwertbar und die subjektive Skalierung der depressiven Beschwerden einen Wert erreicht
habe
, welcher mit der Klinik überhaupt nicht in Einklang zu bringen sei. Auch im Rahmen der
psychiatrischen
Untersuchung hätten sich In
konsistenzen gezeigt, so dass zusammenfassend deutliche Inkonsistenzen bestün
den.
Die Beschwerdeführerin zeige zweifelsfrei eine Selbstlimitierung, weshalb
folglich zumindest von einer Verdeutlichung ausgegangen werden
müsse
. Ohne Berücksichtigung der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin würden verschie
dene Indizien klar auf eine Aggravation hinweisen, vor dem Hintergrund der narzisstischen Persönlichkeitsstörung
stelle sich aber die Frage, inwieweit die Selbstlimitierung krankheitsbedingt sei. Dies könne jedoch nicht mit letzter Sicherheit quantifiziert werden, weshalb überwiegend wahrscheinlich sei, dass die Selbstlimitierung während der neuropsychologischen Untersuchung bewusst erfolgt sei. Zudem sei überwiegend wahrscheinlich, dass die Inkonsistenzen zum Teil auf eine bewusste Selbstlimitierung zurückzuführen seien, ein anderer Teil durch Symptomaggravation aber möglicherweise krankheitsbe
d
ingt sei. Ab
schliessend könne festgehalten werden, dass mit überwiegender Wahrscheinlich
keit das effektive Leistungsniveau
besser
sei, als das von der Beschwerdeführerin geschilderte. Indes bestehe unabhängig von Selbstlimitierung/Aggravation eine rezidivierende depressive Störung, welche Krankheitswert besitze und sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (Urk. 8/215 S. 7-8).
In der bisherigen Tätigkeit liege die
Arbeitsunfähigkeit bei 100 %,
in einer ent
sprechend angepassten Tätigkeit liege die Arbeitsfähigkeit bei 63.5 %, bezogen auf das letzte Jahr. Dabei sei diese Einschätzung medizinisch-theoretisch
zu ver
stehen
, da aufgrund der vorstehend erwähnten Faktoren eine valide Bestimmung der Gesamtarbeitsfähigkeit nicht möglich sei (Urk. 8/215 S. 9).
Schliesslich sei das aktuelle Therapiesetting nicht zielführend; die zugrundelie
gende Persönlichkeitsproblematik sollte spezifischer und hochfrequenter ange
gangen werden, allenfalls sogar in einem stationären oder teilstationären Pro
gramm (Urk. 8/215 S. 9).
6.
6.1
Im Anschluss an die Erstattung des Gutachtens durch die
A._
wurden
nachfol
gende
weitere medizinische Unterlagen zu den Akten gelegt
.
6.
2
Im Bericht des
E._
vom 6. Juli 2018 (Urk. 8/233) hielt Dr. med.
M._
, Facharzt FMH für Radiologie und Neuroradiologie, fest, neu sei bei der Beschwer
deführerin ein
Anuluseinriss
(Riss des äusseren Bandscheibenringes) links im
Intervertebralkanal
aufgetreten, daneben bestehe eine geringe Facettenarthrose der unteren Lendenwirbelsäule sowie eine geringe
arthrotische
Apposition (Auf
lagerung) des linken
Iliosakralgelenkes
(Kreuz-Dammbein-Gelenk) ohne Entzün
dung.
6.
3
Dr.
F._
stellte in ihrem Verlaufsbericht vom 19. November 2018 (Urk. 8/238) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depres
sive Störung, gegenwärtig mitte
lgradige Episode (ICD-10 F33.11
), sowie eine Fibromyalgie. Seit Ende Juni 2018 leide die Beschwerdeführerin an lumbalen Schmerzen linksbetont sowie seit ungefähr August 2018 vermehrt an Kopf
schmerzen. Somatisch sei ihre Leistungsfähigkeit um mindestens 80 % vermin
dert, die Prognose bezüglich Arbeitsfähigkeit sei eher schlecht, zumal sie durch medizinische Massnahmen nicht verbessert werden könne. Unter den Faktoren, welche die Krankheit aufrechterhalten, führte Dr.
F._
eine Ehe-Krisensituation auf.
Im in der Beilage enthaltenen
MRT-
Bericht vom 22. Oktober 2018 (Urk. 8/238 S. 5) hielt Dr. med.
N._
, Facharzt FMH für Radiologie und Neuroradiologie, fest, die Beschwerdeführerin leide an keinem Hirntumor und
verfüge
, abgesehen von einzelnen neuen
Gliosen
(erhöhte Anzahl von Gliazellen in einem geschädigten Bereich des Zentralnervensystems oder des Gehirns), wel
che migräneassoziiert sein könnten, ansonsten über ein unauffälliges Zerebrum ohne Mikroblutungen oder Blutungsresiduen.
6.
4
Dr.
Y._
hielt in seinem Verlaufsbericht vom 9. Februar 2019 (Urk. 8/240) fest, die Beschwerdeführerin leide an einer rezidivierenden Depression, gegenwärtig schwere Episode, mit psychotischen Symptomen. Sie breche oft in Tränen aus, leide unter ausgewiesenen Ängsten, habe Konzentrationsschwierigkeiten. Darüber hinaus leide sie unter Verfolgungsängsten und Wahrnehmungsstörungen mit akustischen und visuellen Halluzinationen, Einschlaf- und Durchschlaf
störungen. Sie leide unter erhöhter Müdigkeit, einem verminderten Selbstwertge
fühl und einem Gefühl der
Hoffnungslosigkeit. Er stellte die folgenden Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psy
chotischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Persönlichkeitsstörung, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F60.9)
Die Beschwerdeführerin verfüge über sehr wenige Ressourcen, sei seit vielen Jahre nicht mehr aktiv und habe Schwierigkeiten bei der Erledigung des Haus
haltes. Die Beschwerdeführerin sei deshalb angestammt und angepasst zu 100 % arbeitsunfähig, die Prognose sei diesbezüglich nicht gut.
6.
5
Die Beschwerde
führerin
reichte schliesslich mit Eingabe vom 23. September 2019 zwei weitere medizinische Unterlagen zu den Akten (Urk. 11/1-2).
6.
5
.1
Dr.
F._
hielt am 29. August 2019 (Urk. 11/1) zum Krankheitsverlauf seit November 2018 fest, die Beschwerdeführerin leide seit Jahren unter chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp, die Beschwerden hätten seit Anfang 2019 deutlich zugenommen. In einer neurologischen Untersuchung habe eine organi
sche Ursache jedoch ausgeschlossen werden können. Zudem leide die Beschwer
deführerin zunehmend an generalisierten Gelenkbeschwerden, insbesondere am Knie links, den Knöcheln beidseits sowie den kleinen Fingergelenken.
Im beigelegten
MRT-
Bericht vom 27. August 2019 (Urk. 11/1 S. 2) hielt Dr. med.
O._
, Fachärztin FMH für Radiologie, fest, abgesehen von einem geringen Knorpelschaden hinter der Kniescheibe und einem geringen Kniege
lenkserguss seien Menisken und Kollateralbänder regelrecht.
Dr. med. P._
, Fachärztin FMH für Neurologie, stellte im beigeleg
ten Bericht vom 5. August 2019 (Urk. 11/1 S. 3-4) folgende Diagnosen:
-
Verdacht auf chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp, zusätzlich Verdacht auf Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz (MÜKS)
-
Subjektiv Angabe einer Kurzzeitgedächtnis- und Konzentrationsschwäche
-
Ätiologisch unklare subkortikale Marklagerveränderungen über die Altersnorm hinausgehend (Lumbalpunktion bislang nicht erfolgt)
Dr.
P._
hielt weiter fest, es habe sich bestätigt, dass die Beschwerdefüh
rerin unter chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp leide. Sie sei über den
Zusammenhang mit einem möglichen MÜKS aufgeklärt worden. Der Schwindel sei als unspezifisches Begleitphänomen zu wer
t
en, insgesamt erscheine die gesamte Symptomatik im Rahmen der psychiatrischen Grunderkrankung stark überlagert. Eine primär progrediente Multiple Sklerose bei aktuell unauffälligem Neurostatus und langjährigem Verlauf sei praktisch ausgeschlossen.
6.
5
.2
Dr.
Y._
hielt in seinem Schreiben vom 2. September 2019 (Urk. 11/2) an seinen im Verlaufsbericht vom 9. Februar 2019 (Urk. 8/240) gestellten Diagnosen fest. Weiter habe sich der psychische Zustand der Beschwerdeführerin seit dem Verlaufsbericht verschlechtert; sie zeige eine deutliche Verschlechterung ihres depressiven Zustandes, habe wiederholte Panikattacken und Selbstmordgedanken gehabt und versucht, sich mit Medikamenten umzubringen. Darüber hinaus habe sie Verhaltensprobleme und werde verbal aggressiv gegenüber ihren Mitmen
schen. Aus diesem Grund habe er die Frequenz der monatlichen Konsultationen von zwei auf drei und auch die telefonischen Konsultationen erhöht. Dr.
Y._
stellte folgende aktuelle Diagnosen:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psy
chotischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst; ICD-10 F41.0)
Abschliessend hielt Dr.
Y._
fest, er bestreite den im Gutachten vom 19. April 2018 (Urk. 8/215) festgehaltenen Befund einer mittelgradigen depressiven Stö
rung, da die depressiven Symptome minimalisiert worden seien. Der Zustand der Beschwerdeführerin habe sich wie dargelegt verschlechtert, ihre Entwicklung sei ungünstig und ihre Prognose sei nicht gut. Aufgrund ihres schweren depressiven Zustandes und ihrer multiplen somatischen Schmerzen sei sie völlig unfähig, ihren sozialen, beruflichen und häuslichen Aktivitäten nachzugehen; ihre Arbeitsfähigkeit liege bei 0 %, sowohl angestammt als auch angepasst.
7
.
7
.1
Das von Dr.
B._
, Dr.
C._
und
lic
. phil.
D._
erstattete Gut
achten vom 19. April 2018 (Urk. 8/215) basiert auf allseitigen psychiatrischen und neuropsychologischen Untersuchungen, auf der Blutspiegelkontrolle vom 23. Januar 2018 sowie auf den zur Verfügung gestellten Akten (Urk. 8/215 S. 2, 25 und 67). Es ist für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend (Urk. 8/215 S. 58-64 und 74), erging in Kenntnis und
in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(Urk. 8/215
S. 11-17
),
berücksichtigt die geklagten Beschwerden (Urk. 8/215 S. 37-40 und 67-68) und setzt sich mit diesen und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander (Urk. 8/215 S. 45-49 und 69). Unsicherheiten wurden durch die Gutachter deutlich gemacht (
Urk. 8/215
S. 6, 8, 62, 64 und 74
)
. Sowohl die Diagnosen als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden dargelegt und nachvollziehbar erläu
tert (Urk. 8/215 S. 49-52, 57 und 74), weshalb das Gutachten die formellen Anforderungen an eine beweis
kräftige
medizinische Expertise grundsätzlich erfüllt (vgl. vorstehend E. 1.4).
7
.2
In der RAD-Stellungnahme vom 27.
April 2018 hielt Dr. med. Q._
, Fach
ärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierte medizinische Gut
achterin,
zunächst
fest, in der Konsensbeurteilung werde angegeben, dass zwei Haupt- und drei Nebensymptome für eine depressive Erkrankung gemäss ICD-10 vorlägen, weshalb eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert worden
sei
. Gemäss ICD-10 seien jedoch mindestens zwei Haupt- und vier Nebensymp
tome, insgesamt also sechs Symptome für eine solche Diagnose gefordert. Aus diesem Grund könne nur von einer leichtgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.0) ausgegangen werden, wobei nicht klar beantwortet werden könne, ob es sich dabei um eine rezidivierende depressive Störung handle (Urk. 8/220 S. 6).
Bei der Diagnose Verdacht auf narzisstische Persönlichkeitsstörung (DSM 5 F60.81), Differentialdiagnose narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung, handle es sich
weiter
nicht um einen invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden. Eine Persönlichkeitsstörung könne zudem aktuell ausge
schlossen werden, da zwar eine schwierige Kindheit und Jugend, jedoch keine groben Auffälligkeiten seitens der Beschwerdeführerin beschrieben worden seien, was indes nach ICD-10 ein notwendiges Kriterium für diese Diagnose darstelle (Urk. 8/220 S. 6).
In der Konsensbeurteilung werde zudem diskutiert, ob es sich um Verdeutlichung oder Aggravation handeln könnte. Wenn jedoch Symptome wie visuelle oder akustische Halluzinationen geäussert würden, die nicht vorhanden seien, könne nicht mehr von einer Aggravation tatsächlicher Symptome, sondern müsse von einer Simulation ausgegangen werden (Urk. 8/220 S. 6).
Bei der Beurteilung von Konsistenz und Plausibilität werde diskutiert, dass die beschriebenen Inkonsistenzen im Rahmen des Narzissmus zu beurteilen und des
halb eher als Verdeutlichung zu betrachten seien. Dieser Aussage könne nicht gefolgt
werden, da geschilderte Symptome, welche nicht vorhanden seien, nicht als Verdeutlichung angesehen werden könnten, weshalb auch eine Aggravation ausgeschlossen sei
und
es sich folglich nur um Simulation handeln könne. Diese sei aber keine kran
kheitsbedingte Verhaltensweise.
Vor diesem Hintergrund und vor dem Hintergrund, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht nach
vollziehbar sei, könne die genannte Arbeitsunfähigkeit von 100 % angestammt und von 37.5 % angepasst absolut nicht nachvollzogen werden. Mit einem star
ken (psychiatrisch) bis sicheren (neuropsychologisch) Verdacht auf Aggravation, eventuell sogar Simulation, könne keine Aussage bezüglich
eines
Gesundheits
schaden
s
gemacht werden (Urk. 8/220 S. 6-7).
7
.3
Zur
Stellungnahme
von
Dr.
Q._
ist zunächst festzuhalten, dass nach
ICD-10 für eine mittelgradige depressive Episode bloss mindestens zwei Haupt- und mindestens drei (besser vier) Nebensymptome verlangt
werden
(vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, 10. Auflage, Bern 2015, S. 173)
, was vorliegend von den psychiatrischen
Gutach
tern
bestätigt wird
(Urk. 8/215 S. 4)
. Vor diesem Hintergrund kann beim Vorlie
gen zweier Haupt- und dreier Nebensymptome eine mittelgradige depressive Epi
sode zumindest nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Darüber hinaus kommt es nicht in erster Linie auf die Diagnose an, entscheidend ist vielmehr, ob die Beschwerden zu einer ausgewiesenen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit führen (vgl. statt vieler Urteil des Bundesgerichts 9C_501/2008 vom 15. Juli 2008 E. 2.2.1
)
.
Hinsichtlich der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, Differentialdiagnose nar
zisstische Persönlichkeitsakzentuierung, ist anzumerken, dass
es
sich dabei
in der Tat
um eine
n
blosse
n
Verdacht
handelt,
allerdings um einen hochgradigen
und ausführlich begründeten
Verdacht
(Urk. 8/215 S. 50-51)
, welcher gemäss Gutach
ten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat (Urk. 8/215 S.
58
) und folglich nicht unberücksichtigt bleiben kann.
Was die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung an sich angeht, ist darauf hinzuweisen, dass eine
psychi
atrische Exploration dem begutachtenden Psychiater praktisch immer einen gewissen Spielraum
eröffnet
, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Gutachter lege
artis
vorgegangen ist (BGE 145 V 361 E. 4.1.2).
Schliesslich vermögen auch die Ausführungen Dr.
Q._
s bezüglich eines starken bis sicheren Verdachtes auf Aggravation und der Unmöglichkeit,
deshalb
eine Aussage bezüglich
eines
Gesundheitsschaden
s
zu treffen, das Gutachten nicht in Zweifel zu
ziehen, zumal die Gutachter explizit darauf hinweisen, dass ungeachtet
von
Aggravation oder
Selbstlimitierung
eine depressive Störung
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vorliege (Urk. 8/
215
S. 6, 8 und
64
).
8
.
8
.1
Folglich ist durch Gegenüberstellung der medizinischen Unterlagen zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im
entscheidrelevanten
Referenzzeitraum seit der Verfügung vom
19. Oktober
2009
(
Urk. 8/131
) in an
spruchsbegründender Weise verändert hat.
8
.2
Aufgrund des vergleichenden Charakters des revisionsrechtlichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss abwei
chenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die
Befunde
, mit denen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in ihrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell
verändert haben (Urteil des Bundesgerichts 9C_244/2017 vom 26. Oktober 2017
E. 4.2.2). Je höher
dabei
das
medizinische Ermessen bei der Diagnosestellung und der ärzt
lichen Einschätzung der Funktionseinschränkung ist, desto wichtiger ist es, den gutachtlichen Befund einer Veränderung möglichst solide auf klinische Feststel
lungen, gutachterliche Verhaltensbeobachtungen und anamnestische Daten zu stützen und diese Elemente in Relation zu den medizinischen
Vorakten
und den dort gesetzten Anknüpfungstatsachen zu bringen. Nur so kann einem Gutachten hinreichend zulässig entnommen werden, dass die beschriebene Differenz nicht wesentlich einer unterschiedlichen Wertung zuzuschreiben ist
(Urteil des Bundes
gerichts 9C_418/2010 vom 29. August 2011 E. 4.4). Bloss
nominelle Differenzen diagnostischer Art genügen folglich nicht als Beweisgrundlage zur Abgrenzung zwischen einer effektiv eingetretenen und einer bloss angenommenen Verände
rung. Dagegen ist eine tatsächliche Än
derung hinreichend gestützt, wenn der ärztliche Sachverständige aufzeigt, welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zur neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störung geführt haben (Urteil des Bundesgerichts 9C_244/2017 vom 26. Oktober 2017 E. 4.2.2).
8
.3
Dem
bidisziplinären
Untersuchungsbericht vom 8. Juni 2006 (Urk. 8/92)
stehen
das
Gutachten vom 19. April 2018 (Urk. 8/215)
sowie die nach Erstattung des Gutachtens
zu den Akten gelegten medizinischen Unterlagen
gegenüber
(vorste
hend E. 6)
.
8.3.1
Mit Blick auf die somatischen Beschwerden ist folgendes festzuhalten:
Die
von Dr.
F._
im Verlaufsbericht
(Urk. 8/238)
diagnostizierte Fibromyalgie
sowie die unter den Befunden angegebenen Schmerzen im Bereich der
Lendenwirbel
wur
de
n
bereits
im Untersuchungsbericht vom 8. Juni 2006
(Urk. 8/92)
b
erücksichtigt
.
Dr.
G._
und Dr.
H._
hielten diesbezüglich fest, die Beschwerdeführerin
leide
an Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, der Schultern, der Handgelenke, der Knie und der Knöchel, schlossen indes eine entzündliche rheumatische Erkran
kung, ebenso wie eine neurologische Erkrankung aus
(
Urk. 8/92 S. 3, 6-8
)
.
Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellten sie als Diagnose Rückensch
merzen, nicht näher bezeichnet (
ICD-10 M54.9;
Urk. 8/92 S. 5
)
,
und attestierten der Beschwerdeführerin somatisch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit angestammt sowie eine 100%ige Arbeitsfähigkeit angepasst (
Urk. 8/92 S. 10
).
Vor
diesem
Hinter
grund
ist aus somatischer Sicht keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ersichtlich
,
was umso mehr gilt, als
Dr.
F._
in ihrem Verlaufsbericht
gerade
von einem unveränderten Zustand seit 2003 ausgeht
.
An diesem Umstand vermag auch d
er
von der Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 23. September 2019
– und folglich nach Verfügungserlass
–
eingereichte
Bericht von
Dr.
F._
(Schreiben vom 29. August 2019 [Urk. 11/1];
MRT-
Bericht vom 27. August 2019 [Urk. 11/1 S. 2]; Bericht v
on Dr. med.
P.
_
vom 5. August 2019 [Urk. 11/1 S. 3-4])
nichts
zu
ändern, zumal Schmerzen im Nacken, Schulterbereich, den Handgelenken, den Knien un
d de
n
Knöchel
n
wie vorstehend erwähnt bereits im Jahr 2006
bestanden
und aus dem Schreiben
von Dr.
F._
nicht ersichtlich ist, inwiefern sich diese im Vergleich zum damaligen Zustand verschlechtert
hätten
.
Im Übrigen ist daran zu erinnern, dass für das Sozialversicherungsgericht in der Regel derjenige Sachverhalt massgebend ist, der zur Zeit des Erlasses der angefochtenen Verfügung gegeben war. Tatsachen, wel
che diesen Sachverhalt seither verändert haben, sollen Gegenstand einer neuen Verfügung bilden (vgl. BGE 130 V 138 E. 2.1).
8
.
3
.2
In psychiatrischer und
neuropsychologischer
Hinsicht
attestierten Dr.
B._
, Dr.
C._
und
lic
. phil.
D._
im Gutachten vom 19. April 2018
(Urk. 8/215)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
sowie einen hochgradigen Verdacht auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung (DSM 5 F60.81), differentialdiagnostisch akzentuierte Persönlichkeitszüge
(
Urk. 8/215 S. 5
)
. Sie attestierten der Beschwerdeführerin
eine
100%ige Arbeits
unfähigkeit angestammt sowie eine
medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeit von 63.5 % angepasst
(Urk. 8/215 S. 8-9).
Demgegenüber diagnostizierten Dr.
G._
und Dr.
H._
im Untersuchungsbericht vom 8. Juni 2006 (Urk. 8/92) keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, son
dern eine
Dysthymie
und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk. 8/92 S. 5).
Die psychiatrischen Gutachter, Dr.
B._
und Dr.
C._
, legen in ihrem Gutach
ten ausführlich dar, aus welchen Gründen sie die Diagnose einer aktuell mittel
gradigen depressiven Episode stellen (Urk. 8/215 S. 4, vgl. auch S. 46-49) und inwiefern sich diese Diagnose auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt (Urk. 8/215 S. 5-6).
Auch wenn sich die Gutachter nicht mit dem Unter
suchungsbericht
aus dem Jahr
2006
auseinandergesetzt haben,
ein konkretes Aufzeigen, ob und inwiefern sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführe
rin seit
der Untersuchung im Juni
2006 effektiv verschlechtert hat und wie sich diese Verschlechterung auf ihre Arbeitsfähigkeit auswirkt,
also
fehlt,
geht aus dem bisher Gesagten
dennoch
hervor, dass
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in psychiatrischer Hinsicht verschlechtert hat
:
So
hielten Dr.
G._
und Dr.
H._
fest, die Beschwerdeführerin wirke leicht angespannt, leide unter verminderter Aktivität und Libido, habe Schlafstörungen und
Unzu
länglichkeits
- und Schuldgefühle. Indes mache sie keinen depressiven Eindruck
;
sie weine nicht, habe keine Suizidgedanken, wirke nicht traurig, aber auch nicht fröhlich. E
s
bestehe
kein sozialer Rückzug und sie könne ihren eigenen Alltag organisieren
. Keines dieser Symptome sei ausgeprägt genug, um eine Arbeitsun
fähigkeit zu rechtfertigen
, weshalb sie eine
Dysthymie
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten
(vgl. vorstehend E. 4.3.2)
.
Im Gegenzug führten Dr.
B._
und Dr.
C._
aus, die Beschwerdeführerin wirke psychomotorisch deutlich eingeschränkt und passiv, eingeengt auf die ihr widerfahrenen negativen Lebensereignisse und leide unter ausgeprägten Schlafstörungen sowie unbestän
digem Essverhalten. Sie habe zwei Suizidversuche unternommen, imponiere deut
lich depressiv und vergiesse während der Untersuchung viele Tränen. Zudem
bestünden
ein deutlicher sozialer Rückzug
, eine mangelnde Tagesstruktur und wenig stimulierende Ereignisse
. Die depressive Symptomatik schränke die Arbeitsfähigkeit ein, hauptsächlich aufgrund eines verminderten Durchhaltever
mögens wegen höherer Ermüdbarkeit, eines langsamen Arbeitstempos aufgrund der Antriebsschwäche und der verminderten Konzentrationsfähigkeit
(vgl. vor
stehend E. 5.2.1
und E. 5.4
).
8.3.
3
Dr.
Y._
stellte in seinem Verlaufsbericht vom 9. Februar 2019 (Urk. 8/240) im Wesentlichen dieselben Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wie
bereits in seinem Arztbericht vom 16. Mai 2017 (Urk. 8/186 [rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen, ICD-10 F33.3; generalisierte Angststörung, ICD-10 F41.1; persistierende somato
forme Schmerzstörung, ICD-10 F45.4]); zusätzlich diagnostizierte er eine nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.9). An diesen Diagnosen hielt er in seinem Schreiben vom 2. September 2019 (Urk. 11/2) mehrheitlich fest. Hingegen diagnostizierte er keine nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung mehr, sondern neu eine Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst; ICD-10 F41.0). Er führte zudem aus, er habe die Frequenz der monatlichen Konsultatio
nen in Genf von zwei auf drei und auch die telefonischen Konsultationen erhöht, zudem bestreite er den im Gutachten vom 19. April 2018 (Urk. 8/215) festgehal
tenen Befund einer mittelgradigen depressiven Störung, da die depressiven Symptome minimalisiert worden seien. Abschliessend erklärte er, der Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin habe sich verschlechtert, ihre Arbeitsfähig
keit liege bei 0 %, sowohl angestammt als auch angepasst.
Den beiden psychiatrischen Berichten von Dr.
Y._
sind keine weiteren Erkenntnisse zu entnehmen, zumal Dr.
Y._
bereits im Jahr 2017 bei nahezu denselben Beschwerden von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin ausging und sich die Gutachter mit diesen Diagnosen bereits ausführlich auseinandersetzten
und diese widerlegten
(Urk. 8/215 S. 51-52).
Mit Blick auf die Panikstörung ist
im Übrigen
anzumerken, dass diese nach ICD-10 wahrscheinlich sekundäre Folge einer Depression ist, sofern eine solche diagnos
tiziert
wird
(vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt, a.a.O., S. 196-198).
8.4
Zusammenfassend
ist von einer Verschlechterung des
psychischen
, nicht aber des somatischen
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
seit der Verfügung vom
19. Oktober 2009
auszugehen,
weshalb ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 ATSG vorliegt.
9
.
9
.1.
9.1.1
Zu prüfen bleibt nach dem Gesagten
, ob
der
psychiatrisch attestierten
Arbeitsun
fähig
keits
ein
schätzung
im Gutachten
zu folgen ist
, weshalb die
gutachterlich diagnostizierten psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfah
ren nach BGE 14
3
V
418
zu unterziehen
sind
(vgl. vorstehend E. 1.3.2
und 1.3.3
)
.
9
.
1.
2
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Einschränkun
gen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141
V 281 E. 2.2.1, BGE 131 V 49 E.
1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9
C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.1).
Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
einschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggra
vatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Stö
rung zurückzufüh
ren wäre (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.2
; vgl. Urteile des Bundes
gerichts 8
C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 6.1 und 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.2).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Konstellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durch
führung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_899/
2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.4).
9.1.3
Liegt hingegen kein Ausschlussgrund vor, so prüfen die Rechtsanwender nach BGE 144 V 50 E. 4.3 die medizinischen Angaben insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Anläss
lich der Beweiswürdigung obliegt es dem Rechtsanwender zu überprüfen, ob im konkreten Fall ausschliesslich funktionelle Ausfälle bei den medizinischen Ein
schätzungen berücksichtigt wurden und ob die Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfin
den, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft
werden, ob die funk
tionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rech
nung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Aus
wirkung einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann.
9.2
9.2.1
Hinsichtlich allfälliger Ausschlussgründe
wiesen
die Gutachter
ausdrücklich darauf
hin
, dass nicht davon ausgegangen werden dürfe, die Beschwerdeführerin simuliere bewusst, um Vorteile zu ergattern.
Die überwiegend wahrscheinlich bewusste Selbstlimitierung sei mit der Persönlichkeitsstörung verbunden, welche das Ausmass der Selbstlimitierung vergrössere (Urk. 8/215 S. 6-7). Die Frage der Aggravation müsse denn auch sorgfältig beantwortet werden. Angesichts des Umstandes, dass die geklagten Beschwerden mit der Klinik schlecht korrelierten, müsse zumindest von einer Verdeutlichung ausgegangen werden. Ohne Berück
sichtigung der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin würden verschiedene Indi
zien klar auf eine Aggravation hinweisen, allerdings lasse sich der krankheitsbe
dingte Anteil der
Selbstlimitierung nicht mit letzter Sicherheit quantifizieren. Es sei indes überwiegend wahrscheinlich, dass die Selbstlimitierung anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung bewusst erfolgt sei und die beobachteten Inkonsistenzen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit teilweise auf eine bewusste Selbstlimitierung zurückzuführen sei
en
, ein anderer Teil aber möglicherweise krankheitsbedingt sei
. Aus diesem Grund sei überwiegend wahrscheinlich, dass das effektive Leistungsniveau der Beschwerdeführerin besser sei, als das von ihr geschilderte
(Urk. 8/215 S. 7-8).
Vor diesem Hintergrund kann indes gerade nicht gesagt werden, dass
die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten
wurden
,
zumal die Gutachter
das
aggravatorische
Verhalten
mindestens teilweise auf
die über
wiegend wahrscheinliche narzisstische Persönlichkeitsstörung der Beschwerde
führerin
zurückführen
,
nach gutachterlicher Beurteilung
die Anhaltspunkte für eine klar
als solche
ausgewiesene Aggravation folglich nicht
eindeutig überwie
gen
.
9.2.2
Im
Komplex «Gesundheitsschaden» in der Kategorie «funktioneller Schweregrad»
diagnostizierten
d
ie psychiatrischen Gutachter
eine
mittelgradige rezidivierende depressive Störung.
Sie hielten fest, die
Beschwerdeführerin sei psychomotorisch deu
tlich eingeschränkt und passiv,
i
n kognitiver Hinsicht ergäben sich Hinweise auf
Gedächtniseinbussen,
welche allerdings
anlässlich des drei Stunden dauern
den Gespräches ohne Pausen
nicht
hätten
objektiviert werden
können
.
Im forma
len Denken imponiere d
ie Beschwerdeführerin eingeengt auf die ihr widerfahre
nen negativen Lebensereignisse
sowie die als traumatisch empfundene Ehe und die interaktionellen Schwierigkeiten mit verschiedenen Mitgliedern ihrer Ursprungsfamilie
.
Sie benenne situationsassoziierte
Panikattacken,
Angst
vor
Krankheiten,
der Zukunft
und
vor
Kontrollverlust
en
sowie akustische und visuelle
Pseudohalluzinationen
; diese Begebenheiten
würden
jedoch
ohne wesentliche emotionale Beteiligung
(insbesondere Angst)
geschildert,
auch die Schilderung d
er Antriebseinschränkungen wirk
e nicht ganz nachvollziehbar
.
Die Gutachter konnten keine Hinweise auf Auffassungsstörungen
,
Ich-Störungen,
Fremdbeein
flussungserlebnisse
oder auf Zwangsgedanken explorieren, trotz subjektiv berich
teten Zwangshandlungen.
Die
Pseudohalluzinationen
erfüllten zudem nicht die Kriterien für einen Wahn
oder Halluzinationen
.
Die Beschwerdeführerin
impo
niere affektiv
deutlich depressiv,
vergiesse viele Tränen
, beschreibe eine persis
tierende depressive Grundstimmung mit vorhandener Freudlosigkeit.
Sie
berichte
über Reuegefühle, obwohl sich anlässlich der Untersuchung keine deutlichen Hin
weise auf ausgeprägte Schuldgefühle oder Selbstvorwürfe ergäben
. Die deutliche Vermeidung von sozialen Kontakten und die Sedierung mittels Benzodiazepinen liessen auf eine insuffiziente Selbstregulation der empfundenen aggressiven Impulse schliessen
. Es träten ausgeprägte Dur
ch
sch
lafstörungen auf, es bestünden negative Zukunftsperspektiven und ein subjektiv als zerstört beschriebenes Selbstvertrauen
. Aktuell distanziere sie sich deutlich und glaubhaft von akuter Suizidalität, berichte jedoch von vorhandenen passiven Todeswünschen
(
Urk. 8/215 S. 45-49
und 52
)
.
Die neuropsychologische Gutachterin hielt fest,
die
Beschwerdeführerin sei affek
tiv schwingungsfähig, wirke initial dünnhäutig, im Laufe der Untersuchung aber gefasst.
Im Rahmen der Testaufgaben
habe
sie langsam und vordergründig ange
strengt mit
gearbeitet
, das Instruktionsverständnis sei mehrheitlich unauffällig gewesen
(
Urk. 8/215 S. 69
).
Die angegebenen Gedächtnisprobleme und die Ver
langsamung würden aufgrund des Ausfallmusters auf nicht authentische Beschwerdeangaben im kognitiven Leistungsbereich verweisen.
Es habe sich zu
dem an beiden Untersuchungsterminen
ein sehr auffälliges Leistungsprofil und Leistungsverhalten gezeigt, bei welchem die Authentizität des gezeigten Ausmas
ses an Leistungseinbussen stark in Frage gestellt sei. Es ergäben sich deutliche Hinweise auf
nicht ausreichende Bemühung anlässlich der Testabklärung und auf vorhandene Selbstlimitierung
(
Urk. 8/215 S. 73-74
).
Hinsichtlich des Indikators
«
Behandlungs
- und Eingliederungs
erfolg oder
-
resis
tenz
»
ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin
seit
Ende 2011
in einer
supportiven
ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung mit parallel geführter psycho
pharma
kolo
gischer Therapie
bei Dr.
Y._
befindet
.
Eine Intensivierung der Therapie
wurde
nach einer
Kurzhospitalisation
im August 2017 von der Beschwerdeführerin abgelehnt, eine teilstationäre Behandlung auf
grund subjektiv erlebter Zustands
bild
ver
schlech
te
rung mit erhöhter Stressanfäl
ligkeit und gereizter Stimmungslage nach einer guten Woche abgebrochen. Die
Gutachter
erachteten die bisherige Behandlung bei Dr.
Y._
als nicht zielfüh
rend; vielmehr sei eine spezifische auf die Persönlichkeitsproblematik ausgerich
tete höherfrequentierte Therapie anzuschlagen, allenfalls in stationäre
m oder teilstationärem Programm, wobei die Prognose aktuell nicht abschätzbar sei (Urk. 8/215 S. 55-56
).
Vor diesem Hintergrund kann nicht von einer
Behand
lungs
- oder Eingliederungsresistenz ausgegangen werden.
Bezüglich des Indikators «Komorbiditäten» ist anzumerken, dass keine rechtlich bedeutsamen Komorbiditäten festgestellt wurden. Die
aktenanamnestisch
diagnostizierte
anhaltende
somatoforme Schmerzstörung
bleibt
in ihrer Ausprä
gung
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/215 S. 50)
.
Angesichts der als mittelgradig diagnostizierten Depression und der fehlenden Behandlungsresistenz ist nach dem Gesagten nicht auf eine besonders schwere Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde zu schliessen
.
9
.2.
3
Was die im Komplex
«
Persönlichkeit
»
zu prüfenden Merkmale (Persönlichkeits
entwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktion) anbelangt,
hiel
ten die psychiatrischen Gutachter fest,
dass ein hochgradiger Verdacht auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung vorliege, differential
diagnostisch erwogen sie akzentuierte narzisstische Persönlichkeitszüge (Urk. 8/215 S. 49).
Die
narziss
tisch geprägte Persönlichkeitsgrundstruktur
zeige sich in einer erhöhten Anspruchshaltung gegenüber dem nahestehenden Bezugssystem, es trete bei der anamnestischen Erhebung ein immanentes Grössengefühl sowie ein unerschüt
terliches Kränkungsbewussts
ein
zutage
.
Selbstbezogenheit und ein Mangel an Empathie
zeig
t
e
n
sich ferner recht deutlich, die Beschwerdeführerin verlange nach Bewunderung, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen hätten einen aus
beuterischen
Anteil. Auch wenn sich aktuell kein klassisches Bild des Grössen
narzissmus mehr zeige, zeige sich eine Neid
komponente. Die
narzisstischen Per
sönlichkeitsmerkmale seien als depressions
begünstigend und über den Verlauf der letzten Jahre als depressionsunterhaltend zu erachten
(Urk. 8/215 S. 50-51)
.
Die aktuell vorliegende Teamunfähigkeit sowie die deutliche Überforderung im sozialen Kontext und in der sozialen Auseinandersetzung mit Mitmenschen wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit aus
(Urk. 8/215 S. 58).
Folglich
beeinflusst die Per
sönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin ihren Gesundheitszustand sowie ihr Leistungsvermögen
negativ.
9
.2.
4
Hinsichtlich des
Komplex
es
«
sozialer Kontext
»
ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin zusammen mit ihrer jüngeren Tochter in einer Genossen
schaftswohnung mit vier Zimmern lebt.
Im Gutachten wurde festgehalten, dass die
ältere Tochter ausgezogen
sei
,
die Beschwerdeführerin jedoch regelmässig
besuche und
für sie
Einkäufe
tätige
oder
Wäsche
wasche. Mit ihrer Ursprungsfa
milie habe sie dagegen keinen Kontakt mehr. Der Ex-Mann unterstütze sie im Haushalt und verrichte Einkäufe für sie, was er ihr schulde. Insgesamt zeige sich eine dysfunktionale Beziehungs
gestaltung bei fehlendem Beziehungsnetz; mit Ausnahme des guten Verhältnisses zu den beiden Töchtern und des regelmässigen Kontaktes zum Ex-Mann sowie zu den ambulanten Behandlern bestünden keinerlei weitere Kontakte
. Sie gehe sehr selten ausser Haus, lediglich für Arzt
termine, so unter anderem zweimal monatlich zu Dr.
Y._
nach Genf
(
Urk. 8/215 S. 41-44
)
.
Als Ressourcen
führten die
psychiatrischen
Gutachter
die Fähigkeit, dass die Beschwerdeführerin es schaffe, ihre kleine Familie soweit an sich zu binden, dass diese sie deutlich bei der Verrichtung der Haushaltaufgaben und Einkäufe unter
stütze, sowie die
langjährige
Kooperationsbereitschaft bezüglich Therapien
und den zweimaligen kurzen stationären respektive teilstationären Behandlungsver
suchen
an
. Weitere Ressourcen zeigten sich in der Verkehrsfähigkeit im Rahmen ausgedehnter Zugreisen nach Genf, zudem bei der Überwindbarkeit der depressi
ven Symptomatik und der Zuhilfenahme von positiv ermunternder Anteilnahme durch ihre Töchter (Urk. 8/215 S. 57).
Folglich verfügt die Beschwerdeführerin, trotz
des sozialen Rückzuges
, über gewisse mobilisierende Ressourcen, zumal die Gutachter
ausdrücklich
festhielten
, dass
Belastungsfaktoren vor allem subjektiv vorhanden, die
Zuwendung und Hilfe durch die Tochter und den
früheren Ehemann
indes
von bedeutsamem Ge
wicht seien (Urk. 8/215 S. 7).
9
.2.
5
Bezüglich der beweisrechtlich entscheidenden
Kategorie
«
Konsistenz
»
ist auf die im Gutachten mehrfach erwähnten Inkonsistenzen hinzuweisen.
Die offensicht
lichste Konsistenz habe sich in der neuropsychologischen Untersuchung gezeigt, in deren Rahmen nicht nur das Leistungsprofil aufgrund von Selbstlimitierung nicht verwertbar gewesen sei, sondern die subjektive Skalierung der depressiven Beschwerden einen Wert erreicht habe, welcher mit der Klinik überhaupt nicht in Einklang gebracht werden könne (Urk. 8/215 S. 7).
Darüber hinaus
hielten die psychiatrischen Gutachter fest, das Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin weise Inkonsistenzen in verschiedenen Lebensbereichen auf.
Es
erstaune angesichts des über den Zeitverlauf hinweg persistent als ausge
prägt eintönig beschriebenen Tagesverlaufes mit fehlenden Aktivitäten und sel
tenem Verlassen der Wohnung, dass die Beschwerdeführerin zweimal monatlich die Ressourcen für den ambulanten Termin bei Dr.
Y._
in Genf aufbringe, was
eine Hin- und Rückreise von Zürich nach Genf, mithin ein ausser Haus sein von insgesamt acht Stunden, mit sich bringe. Zudem sei die Beschwerdeführerin in der Lage, trotz berichteter vollkommener Inaktivität einmal wöchentlich in Begleitung ihrer Tochter zum Baden in die
L._
zu gehen. Auch bewältige sie ein dreistündiges Explorationsgespräch ohne Pausen im Rahmen der Gutachtenerhebung problemlos
. Die Beschwerdeführerin beharre darauf, aufgrund ihrer Depression praktisch zu nichts in der Lage zu sein
(Urk. 8/215 S. 5
5-5
6).
Die geschilderten Verfolgungsideen und Halluzinationen seien zudem nicht ent
sprechend emotional gefärbt und wirkten nicht ausgesprochen überzeugend, die geltend gemachten Zwänge erreichten nicht das Ausmass einer Zwangsstörung und stünden im Widerspruch zwischen dem erwähnten Sauberkeitsfimmel und der Tatsache, dass sie sich nur schlecht pflege und höchstens einmal wöchentlich dusche (Urk. 8/215 S. 7).
Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin die depressive Symptomatik zu über
winden
vermöge
, lasse sich
gemäss den
psychiatrischen
Gutachtern
indes
im Rah
men der narzisstischen Persönlichkeitsstruktur interpretieren. Diese zeige eine Selbstlimitierung der persönlichen Ressourcen und Bewältigungsstrategien, wel
che jedoch unter positiver Anteilnahme (durch die Tochter) überwunden werden könne. Die Zugreisen nach Genf fänden zudem zu speziellen Zeiten mit geringer Auslastung und in einem bevorzugt ruhigen Abteil mit zusätzlich getragenen Kopfhörern statt.
Insofern liessen sich die berichteten Inkonsistenzen im Rahmen des Narzissmus beurteilen und beruhten nicht vollständig auf Aggravation, son
dern seien eher als
Verdeutlichung zu betrachten, deren Ausmass durch die nar
zisstische Persönlichkeit, also krankheitsbedingt, akzentuiert werde (Urk. 8/215 S. 55-56).
Nichtsdestotrotz hätten die im Rahmen der psychiatrischen Untersu
chung gezeigten Inkonsistenzen nicht vollständig aufgelöst werden können (Urk. 8/215 S. 8).
Die neuropsychologische Gutachterin hielt im Rahmen der Validität fest, dass die Beschwerdeführerin vordergründig angab, gut zu kooperieren und sich leistungs
bereit mit den Aufgaben zu befassen, indes
habe
sie durchgängig ein Profil
gezeigt
, welches überwiegend wahrscheinlich ausschliesslich mit nicht ausrei
chender Anstrengungsbereitschaft erklärbar
sei und weit über das
zu erwartende
Mass
an
neurokognitive
n
Nebenwirkungen bei schwerer depressiver Symptoma
tik oder
an
kognitiven Nebeneffekten bei starken Schmerzen hinausginge. Zudem sei die Beschwerdeführerin durch stark erhöhten Pausenbedarf anlässlich des zweiten Termins aufgefallen, das Ausfallprofil sei indes zu beiden Testzeitpunkten gleichermassen hoch auffällig und auf nicht ausreichende Leistungsbereitschaft verweisend gewesen. Klinisch sei kein Zusammenhang zwischen der Angabe der sehr starken Beeinträchtigung und der Angabe hinsichtlich schwankender kör
perlicher Befindlichkeit beim zweiten Termin feststellbar gewesen
. Das Leistungs
profil sei folglich nicht ausreichend valide und authentisch, es ergäben sich deutliche Hinweise auf nicht ausreichenden
Effort
und Selbstlimitierung, die gezeig
ten Beschwerden seien teilweise inkonsistent, weshalb Selbstlimitierung überwie
gend wahrscheinlich sei
(Urk. 8/215 S. 73-74).
Was den ausgewiesenen Leidensdruck anbelangt,
ist aus dem psychiatrischen Gutachten ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin zweimal monatlich nach Genf zu ihrem Psychiater fährt und Medikamente einnimmt
(Urk. 8/215 S.
44-45
)
.
Im Anschluss an eine
Kurzhospitalisation
lehnte sie indes eine teilstationäre Behand
lung ab,
eine
tagesklinische Behandlung
brach sie
ab (Urk. 8/215 S. 63)
. Auch deutet der Medikamentenspiegel auf eine bloss unzuverlässige Medikamenten
einnahme hin (Urk. 8/215 S. 61)
. Auffällig
erschien
den Gutachtern, dass die Beschwerdeführerin bei der Diagnose einer schweren depressiven Episode bereits nach fünf Tagen in gebessertem Zustand aus dem Krankenhaus austreten konnte (Urk. 8/215 S. 63). Dennoch zeige sie einen deutlichen Leidensdruck durch die Belastung im Rahmen der depressiven Symptomatik mit schwerer Antriebslosig
keit, Freudlosigkeit sowie depressiver Grundstimmung. Auch wenn aus diesen Symptomen plausibel eine Einschränkung des Funktionsniveaus abzuleiten sei, sei eine Quantifizierung
angesichts der Inkonsistenzen und der nicht auszu
schliessenden Selbstlimitierung nicht valide möglich (Urk. 8/215 S. 57).
Angesichts dieser Inkonsistenzen kann nicht von einer gleichmässigen Ein
schränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen gesprochen werden, zumal die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben prak
tisch den ganzen Tag im Bett liegen müsse, sich selbst kaum pflegen könne und den Haushalt nicht erledige, im Gegenzug jedoch regelmässig den mehrstündigen Ausflug nach Genf offensichtlich problemlos bewältigt und mit ihrer Tochter regelmässig in die Badeanstalt geht (Urk. 8/215 S. 7). Angesichts der abgelehnten teilstationären Behandlung, der abgebrochenen tagesklinischen Behandlung und der nur unregelmässigen Medikamenteneinnahme kann auch nicht von einem erheblichen Leidensdruck ausgegangen werden.
9
.3
Zusammengefasst
ist aus
der
detaillierten Prüfung der Standardindikatoren sowie deren Gesamtwürdigung ersichtlich, dass die gutachterliche Arbeitsunfähig
keitseinschätzung nicht hinreichend und nachvollziehbar begründet ist. Insbe
sondere mangelt es
, angesichts der aufgezeigten Inkonsistenzen und der Selbstlimitierung,
an einer plausiblen Erklärung für eine dermassen hohe Arbeits
unfä
higkeit. So war es aus
neuropsychologischer Sicht
überhaupt nicht möglich, die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen, und auch die attestierte Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht konnte aus demselben Grund nur geschätzt, nich
t jedoch valide bestimmt werden.
Auch wenn sich die verdachtsweise diagnostizierte Persönlichkeitsstörung
res
sourcenhemmend auswirkt,
liegen
weder Behandlungsresistenz
noch ein er
hebli
cher Leidensdruck vor, zumal die Beschwerdeführerin bloss einer ambulan
ten, nicht jedoch einer stationären oder teilstationären Therapie nachgeht und der Medikamentenspiegel auf
eine
unzuverlässige Medikamenteneinnahme hindeu
tet.
Die Beschwerdeführerin verfügt
zudem
, trotz des sozialen Rückzuges, über mobilisierende Ressourcen.
Schliesslich zeigen sich
mit Blick auf das Aktivitäts
niveau
ebenfalls
Inkonsistenzen, insbesondere wenn die Beschwerdeführerin an
gibt, sie müsse praktisch den ganzen Tag im Bett liegen, andererseits jedoch regelmässig in die Badeanstalt geht und zweimal monatlich die mehrstündige Zugfahrt nach Genf bewältigt.
Folglich
fehlt es an einem stimmigen Gesamtbild für die Annahme einer rechtlich relevanten
psychischen Funktionseinbusse
(BGE 145 V 361 E. 4.4)
;
eine versi
cherte Gesundheitsbeeinträ
chtigung
ist demzufolge
nicht ausgewiesen.
Da auf
grund der
Aktenlage
eine Prüfung der Standardindikatoren möglich war, ist ent
gegen dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin von einer Rückweisung zwecks Ergänzung des Sachverhaltes abzusehen, da von weiteren medizinischen Abklärungen keine
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten sind (BGE 124 V 90 E. 4b).
10
.
Nach dem Gesagten
hat die IV-Stelle
den Rentenanspruch der Beschwerdeführe
rin mit der angefochtenen Verfügung vom
11. Juni 2019 (Urk. 2)
zu Recht
verneint
. Die Beschwerde erweist sich folglich als unbegründet
, weshalb
sie
abzu
weisen ist.
11
.
11.1
Die Beschwerdeführerin beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege unter Einsetzung von Rechtsanwalt Pablo
Blöchlinger
als unentgeltlichen Rechtsvertreter (Urk. 1 S. 2).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die Beschwerdeführerin bezieht Sozialhilfe (Urk. 3), weshalb sie für das vorlie
gende Verfahren bezogen auf den massgebende
n
Zeitpunkt als prozessual bedürftig zu qualifizieren ist.
Da auch die übrigen Voraussetzungen (fehlende Aussichtslosigkeit und notwendige oder gebotene
Verbeiständung
) erfüllt sind, ist der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und die unentgeltliche Rechtsvertretung in der Person von
Rechtsanwalt Pablo
Blöchlinger
zu gewähren.
11.2
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 800.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men.
11.3
Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Pablo
Blöchlinger
, steht eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu. Da der Rechts
vertreter bis heute keine Honorarnote eingereicht hat, ist seine Entschädigung nach Ermessen festzusetzen. Nach
§ 34 Abs. 2 des Gesetzes über das Sozialversi
cherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach
der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozes
ses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Unter Berücksichtigung dieser Faktoren
und des gerichtsüblichen Ansatzes von Fr. 220.--(
zuzüglich
Mehrwertsteuer)
ist eine Entschädigung in der Höhe von Fr.
1
’
9
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) angemessen.
11.4
Die Beschwerdeführerin wird auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen, wonach sie zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.