Decision ID: fa235146-0bd1-4511-b4ad-9130859d5e01
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Pornografie etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 27. September 2019 (GG190136)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 25. Juni
2019 (Urk. 25) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 57 S. 41 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 StGB,
− der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte im
Sinne von Art. 179quater StGB,
− der mehrfach versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung
mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
− der Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 2 Satz 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 9 Monaten Freiheitsstrafe (wovon bis und mit
heute 1 Tag durch Haft erstanden ist) und einer Busse von Fr. 300.–.
3. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Der bedingte Vollzug des mit Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft Winterthur /
Unterland vom 29. September 2015 ausgefällten Strafteils von 40 Tagessätzen zu
Fr. 40.– wird widerrufen.
6. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 21. Februar 2018 beschlagnahmte
Apple iMac (Seriennummer 1) wird eingezogen und durch die Kasse des Bezirks-
gerichts Zürich verwertet. Der Verwertungserlös wird zur Verfahrenskostendeckung
verwendet.
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7. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 3. Juli 2018 beschlagnahmte
iPhone 6 (A010'635'844) wird eingezogen und der Lagerbehörde zur gutschein-
enden Verwendung überlassen.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 3. Juli 2018 beschlagnahmten
Mobiltelefon Wiko Sunny (A010'636'109) sowie die Datenträger Festplatte
(A011'395'316) werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes
Verlangen herausgegeben.
9. Die Privatklägerinnen 1 und 2 werden mit ihren Schadenersatz- und Genugtuungs-
begehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
10. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 900.– Kosten Kantonspolizei
Fr. 140.– Auslagen Untersuchung
Fr. 3'000.– Gebühr Strafuntersuchung §4 GebStrV
Fr.
4'896.15 Akontozahlung amtliche Verteidigung (davon Fr. 1'043.40 definitiv auf Staatskasse abge- schrieben gemäss Einstellungsverfügung in Dossier 3) Fr. 8'040.65 Kosten amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
12. Die amtliche Verteidigung wird für ihre Bemühungen und Auslagen – zusätzlich zur
bereits erfolgten Akontozahlung von Fr. 4'896.15 – mit Fr. 8'040.65 (inkl. MWSt.)
aus der Gerichtskasse entschädigt.
13. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
14. (Mitteilungen)
15. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 77):
1. Dispositiv-Ziffer 1 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und der
Beschuldigte sei von den Vorwürfen
- der Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 StGB;
- der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte
im Sinne von Art. 179quater StGB;
- der mehrfachen versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB im
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
- der Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 2 Satz 1
freizusprechen.
Schuldig zu sprechen sei der Beschuldigte einzig der versuchten Nötigung
gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 1)
2. Dispositiv-Ziffern 2 und 3 des Urteils der Vorinstanz seien aufzuheben und
der Beschuldigte sei mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à CHF 10.00,
unter Anrechnung von einem Tag Haft, sowie einer Busse von CHF 200.00
zu bestrafen.
3. Dispositiv-Ziffer 4 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und der Vollzug
der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von
4 Jahren.
4. Dispositiv-Ziffer 5 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und auf einen
Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland
vom 29. September 2015 ausgefällten bedingten Strafe von 40 Tagessätzen
à CHF 40.00, entsprechend CHF 1'600.00, sei zu verzichten. Die Probezeit
sei um ein Jahr zu verlängern.
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5. Dispositiv-Ziffern 6 und 7 des Urteils der Vorinstanz seien aufzuheben und
der Apple iMac, grau, Seriennummer 1 sowie das iPhone 6, IMEI-Nr. 2, As-
servat-Nr. A010'635'844 seien dem Beschuldigten auf erstes Verlangen her-
auszugeben.
6. Dispositiv-Ziffer 11 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und die
Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens seien dem Beschuldigten zu einem
Fünftel aufzuerlegen.
7. Dispositiv-Ziffer 13 sei aufzuheben und die Kosten der amtlichen Vertei-
digung seien dem Beschuldigten gestützt auf Art. 425 StPO definitiv zu
erlassen.
8. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amt-
lichen Verteidigung, seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 66):
(schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
1. Prozessverlauf
1.1. Mit Urteil vom 27. September 2019 wurde der Beschuldigte der Porno-
graphie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 StGB, der Verletzung des Geheim- und
Privatbereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater StGB, der mehr-
fachen versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB sowie der Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 2 Satz 1 StGB
schuldig gesprochen und mit 9 Monaten Freiheitsstrafe sowie einer Busse von
Fr. 300.– bestraft. Sodann wurden der beschlagnahmte Apple iMac und das
beschlagnahmte iPhone 6 eingezogen und deren Verwertung angeordnet bzw.
der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. Sodann wurde
das beschlagnahmte Mobiltelefon Wiko Sunny und die Datenträger Festplatte
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dem Beschuldigten herausgegeben. Schliesslich wurden die Privatklägerinnen 1
und 2 mit ihren Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen (Urk. 54 = Urk. 57).
1.2. Am 30. September 2019 meldete der Beschuldigte gegen das Urteil recht-
zeitig Berufung an (Urk. 51). Das begründete Urteil wurde dem Beschuldigten am
9. Januar 2020 (Urk. 56/2) und der Staatsanwaltschaft am 13. Januar 2020
(Urk. 56/1) zugestellt. Die Berufungserklärung des Beschuldigten ging sodann
ebenfalls fristgerecht ein (Urk. 58). Mit Eingabe vom 24. Februar 2020 verzichtete
die Staatsanwaltschaft auf eine Anschlussberufung und beantragte die Bestäti-
gung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 66). Beweisanträge wurden keine gestellt
(Urk. 58; Urk. 66). Am 15. Oktober 2020 fand die Berufungsverhandlung
statt, zu welcher der Beschuldigte in Begleitung seines Verteidigers erschien
(Prot. II S. 4 ff.).
2. Berufungserklärung
2.1. In der Berufungsschrift ist anzugeben, welche Abänderungen des erst-
instanzlichen Urteils verlangt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Gemäss
Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschiebende
Wirkung.
2.2. Der Beschuldigte ficht das Urteil der Vorinstanz vollumfänglich an, mit
Ausnahme von Dispositiv-Ziffern 8 (Herausgabe Mobiltelefon Wiko Sunny),
9 (Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren Privatklägerinnen 1 und 2),
10 (Kosten) und 12 (Entschädigung) (Urk. 58 und 77). Es ist deshalb vorab fest-
zustellen, dass das vorinstanzliche Urteil diesbezüglich in Rechtskraft erwachsen
ist.
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3. Sachverhalt
3.1. Vorbemerkungen
3.1.1. Die Tatvorwürfe ergeben sich aus der Anklageschrift vom 25. Juni 2019
(Urk. 25) und werden von der Vorinstanz zutreffend wiedergegeben (vgl. Urk. 57
S. 7 ff.).
3.1.2. Der Beschuldigte bestreitet – mit Ausnahme der versuchten Nötigung ge-
mäss Dossier 1 – die ihm vorgeworfenen Taten (Urk. HD 5/3; Urk. 45; Prot. I
S. 10 ff.; Urk. 76). Auf die einzelnen Sachverhalte wird nachfolgend einzugehen
sein und es wird anhand der vorliegenden Beweismitteln zu prüfen sein, ob die
dem Beschuldigten vorgehaltenen Sachverhalte anklagegemäss erstellt werden
können.
3.1.3. Die Vorinstanz hat sich ausführlich und zutreffend mit den Grundsätzen der
Beweiswürdigung auseinandergesetzt. Es kann auf diese zutreffenden Aus-
führungen (Urk. 57 S. 8 ff.) verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2. Dossier 1: Versuchte Nötigung
Der Beschuldigte anerkennt den ihm in der Anklageschrift vorgehaltenen Sach-
verhalt (Prot. I. S. 10; Urk. 45 S. 4 ). Dieser stimmt sodann mit dem Beweisergeb-
nis überein. Der Sachverhalt ist anklagegemäss erstellt. Die Verteidigung stellte
den Sachverhalt zwar auch anlässlich der Berufungsverhandlung nicht in Abrede,
machte aber Ausführungen zur Frage, ob der Beschuldigte davon ausgegangen
sei, der Privatklägerin 1 bloss ein oder doch mehrere Mails gesendet zu haben
(Urk. 77 S. 4). Es wird später bei den Erwägungen zu Dossier 2 darauf einzu-
gehen sein (hinten E. 3.4).
3.3. Dossier 1: Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmege-
räte
3.3.1. Der Beschuldigte macht zunächst geltend, es fehle betreffend den Tat-
bestand der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte
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der erforderliche Strafantrag seitens der Privatklägerin. Der Strafantrag beziehe
sich einzig auf "Hausfriedensbruch" (Urk. HD 5/3 S. 4 f.; Urk. 45 S. 5).
3.3.2. Die Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte
nach Art. 179quater StGB wird nur auf Antrag verfolgt (Art. 179quater Abs. 4 StGB).
Der Strafantrag muss nicht als solcher benannt sein. Es genügt die Umschreibung
des Sachverhalts, für den die Strafverfolgung verlangt wird. Eine falsche recht-
liche Qualifikation macht den Strafantrag nicht ungültig (BSK StGB-RIEDO, Art. 30
N 53 f., m.w.H.). Der Strafantrag ist schriftlich einzureichen oder mündlich zu
Protokoll zu geben (BSK StGB-RIEDO, Art. 30 N 58). Das Antragsrecht erlischt
nach Ablauf von drei Monaten. Die Frist beginnt mit dem Tag, an welchem der
antragsberechtigten Person der Täter bekannt wird (Art. 31 StGB). Ein gültiger
Strafantrag im Sinne von Art. 30 StGB liegt somit vor, wenn die antragsberechtig-
te Person vor Ablauf einer Frist von drei Monaten, seit dem ihr der Täter bekannt
geworden ist, bei der zuständigen Behörde ihren bedingungslosen Willen zur
Strafverfolgung des Täters so erklärt, dass das Strafverfahren ohne weitere
Willenserklärung weiterläuft. Vorausgesetzt ist eine Umschreibung des Sachver-
halts, für den die Strafverfolgung verlangt wird (BGE 131 IV 97, E. 3.1).
3.3.3. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, ergibt sich aus dem Strafantrag vom
27. Juli 2017 (Urk. HD 3) und dem Schreiben der Privatklägerin vom 7. Juni 2017
(Urk. HD 4) unmissverständlich, dass sie das Ereignis vom 6. Juni 2017, als der
Beschuldigte sein Mobiltelefon unter den Storen des Schlafzimmerfensters der
Privatklägerin hindurchgeschoben hatte, verfolgt und bestraft haben will. So wird
denn im Strafantrag ausdrücklich auf den Vorfall vom "06.06.17 0130" Bezug ge-
nommen (Urk. HD 3). Die (rechtlich unzutreffende) Bezeichnung "Hausfriedens-
bruch" im Strafantrag vom 27. Juli 2017 (Urk. HD 3) ändert daran nichts. Es ist mit
der Vorinstanz vom Vorliegen eines rechtsgenügenden Strafantrags auszugehen.
3.3.4. Der Beschuldigte gestand in der Hauptverhandlung noch ein, dass er sich
am 6. Juni 2017 um 1:30 Uhr in den Garten des Mehrfamilienhauses am Wohnort
der Privatklägerin begeben hatte, zur Rückseite des Hauses gegangen und dort
vor das Schlafzimmerfenster der Privatklägerin getreten war. Anerkanntermassen
schob er anschliessend sein Mobiltelefon unter den Storen des Fensters
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hindurch, um derart in die Räumlichkeiten hineinsehen zu können bzw. um sehen
zu können, ob die Privatklägerin zu Hause sei. Der Beschuldigte macht jedoch
geltend, das Telefon habe sich nicht im Aufnahmemodus/Kameramodus be-
funden, sondern er habe mit Hilfe der Taschenlampe des Mobiltelefons schauen
wollen, ob die Privatklägerin zu Hause sei (Prot. I S. 12; Urk. 45 S. 5 f.). In der
Berufungsverhandlung gab er demgegenüber zu Protokoll, er sei zum ihm vorge-
worfenen Zeitpunkt am 6. Juni 2017 gar nicht bei der Privatklägerin gewesen.
Vielmehr sei er bloss am 5. und 6. November dort gewesen und habe "geleuch-
tet", wobei die Privatklägerin die Storen halb offen gehabt habe (Urk. 76 S. 6).
3.3.5. Zutreffend hält die Vorinstanz fest, dass die Aussagen der Privatklägerin
mangels Konfrontation mit dem Beschuldigten nicht verwertbar sind. Nachdem
der Beschuldigte bestreitet, dass sich das Telefon im Aufnahme-/Kameramodus
befunden habe und keine Beweismittel vorliegen, die die Aussage des Beschul-
digten zu widerlegen vermögen, kann nicht erstellt werden, dass der Beschuldigte
das Telefon im Aufnahme-/Kameramodus unter den Storen gehalten hatte. Wie
noch zu zeigen sein wird, lässt sich der Sachverhalt in dieser Variante, wonach
der Beschuldigte das Mobiltelefon lediglich als Taschenlampe benutzt hat, unter
keinen Straftatbestand subsumieren (hinten E. 4.2). Es braucht daher nicht weiter
auf die Frage eingegangen zu werden, ob sich der Vorfall wie in der Anklage-
schrift umschrieben am 6. Juni 2017 oder an einem 5. bzw. 6. November abge-
spielt hat, wie es der Beschuldigte ausführt.
3.4. Dossier 2: Versuchte Nötigung
3.4.1. Der Beschuldigte macht vorab geltend, dass die Staatsanwaltschaft die
Anklage auf Beweismittel stütze, welche die Polizei im Rahmen einer Beweisaus-
forschung entdeckt habe. Die Privatklägerinnen hätten offenbar nicht von sich aus
Anzeige bei der Polizei erstattet, sondern seien von der Polizei im Nachgang zur
"Durchforstung" der elektronischen Geräte durch die Polizei von dieser kontaktiert
und angefragt worden, ob sie einen Herrn A._ kennen und gegen diesen An-
zeige erstatten möchten. Ein solches Vorgehen sei nicht nur befremdlich, sondern
auch unzulässig. Es würde sich bei den Angaben bzw. Kontaktdaten der Privat-
klägerinnen sowie der Korrespondenz, die der Beschuldigte mit ihnen geführt ha-
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be, um Beweismittel handeln, die die Polizei im Rahmen einer Beweisausfor-
schung entdeckt habe. Diese Beweismittel und auch die darauf erfolgten Einver-
nahmen seien deshalb nicht verwertbar (Urk. 45 S. 6; Urk. 77 S. 4).
3.4.2. Nach Art. 243 Abs. 1 StPO sind zufällig entdeckte Spuren oder Gegen-
stände, die mit der abzuklärenden Straftat nicht in Zusammenhang stehen, aber
auf eine andere Straftat hinweisen, sicherzustellen. Als zufällig entdeckt gelten
Spuren bzw. Gegenstände dann, wenn sie anlässlich einer lege artis systema-
tisch durchgeführten Zwangsmassnahme zwangsläufig entdeckt werden. Keine
zufällige Entdeckung liegt entsprechend dann vor, wenn Spuren und/oder Gegen-
stände an Orten gesucht werden, wo sich solche in Bezug auf das abzuklärende
Delikt vernünftigerweise nicht vermuten lassen. Diesfalls handelt es sich nicht um
Zufallsfunde, sondern um das Ergebnis einer verbotenen Beweisausforschung
(BSK StPO-GFELLER/THORMANN, Art. 243 N 13). Sodann liegt eine unzulässige
Beweisausforschung, eine sogenannte "Fishing-Expedition", dann vor, wenn einer
Zwangsmassnahme kein genügender Tatverdacht zugrunde liegt, sondern aufs
Geratewohl Beweisaufnahmen getätigt werden (BGE 139 IV 128, E. 2.1). Wäh-
rend die aus Beweisausforschungen resultierende Ergebnisse nicht verwertbar
sind, sind Zufallsfunde im Sinne von Art. 243 StPO ohne weiteres verwertbar
(vgl. BGer Urteil 6B_24/2019 vom 3. Oktober 2019, E. 2.4.).
3.4.3. Die Verteidigung stellt zurecht nicht in Frage, dass die Anordnung der
Hausdurchsuchung und Durchsuchung von Aufzeichnungen rechtmässig erfolgte
(vgl. Urk. HD 14/1). Nachdem sodann die zutage getretenen Informationen aus
der Auswertung der Datenträger des Beschuldigten stammten und die Auswer-
tung der Datenträgern im Zusammenhang mit den dem Beschuldigten vorge-
worfenen Taten zum Nachteil der Privatklägerin G._ standen, handelt es sich
um Zufallsfunde im Sinne von Art. 243 StPO, die ohne weiteres verwertbar sind.
3.4.4. Gemäss vorliegendem Rapport erstatteten sodann die Privatklägerinnen
am 15. Januar 2017 persönlich bei der Polizeistation Winterthur-Stadt/West
Anzeige gegen unbekannt (Urk. D2/1). Es ist somit nicht zutreffend, dass die
Polizei von sich aus aktiv geworden und auf die Privatklägerinnen zugegangen
war.
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3.4.5. Der Beschuldigte bestreitet den ihm vorgehaltenen Sachverhalt insofern,
dass er in Abrede stellt, der Absender der beiden E-Mails an B._ gewesen zu
sein (Prot. I S. 12 f.; Urk. 45 S. 7 ff.; Urk. 76 S. 7).
3.4.6. Erstelltermassen wurden auf einem Datenträger des Beschuldigten Nackt-
fotos der Privatklägerin 1 gefunden (Urk. D2/2/2). Die Privatklägerin 1 verneinte
indessen, dem Beschuldigten Nacktfotos von sich zugestellt zu haben
(Urk. D2/6/1 S. 2; Urk. D2/6/3 S. 8). Auf entsprechende Frage des Beschuldigten
räumte sie in der Folge aber immerhin ein, sich daran zu erinnern, dass der
Beschuldigte sie um Nacktfotos gegen Geld gebeten habe. Ihres Wissens habe
sie aber nie persönliche Fotos oder sehr persönliche Fotos an den Beschuldigten
gesandt (Urk. D2/6/3 S. 11 f.). Wie sich jedoch aus dem vom Beschuldigten an-
lässlich der Hauptverhandlung vor Vorinstanz eingereichten Chat-Auszug ergibt,
hat die Privatklägerin 1 die beiden Nacktfotos (Urk. D2/2/2 S. 1 und S. 6), die
beim Beschuldigten sichergestellt wurden, dem Beschuldigten im Februar 2015
auf dessen Aufforderung hin von sich aus zugesendet (Urk. 46/1). Eines der
Fotos, die dem E-Mail vom 14. Januar 2017 angehängt waren, konnte auf den
Datenträgern des Beschuldigten sichergestellt werden (Urk. 46/1 S. 5). Drei
dieser Fotos stellte die Privatklägerin einer Person, die sich C._ nannte – ein
angeblicher Fotograf –, über Messenger zu, nachdem dieser sie für ein Fotoshoo-
ting angefragt hatte (Urk. D2/2/1; Urk. D2/4/1). Ansonsten konnten die Privatklä-
gerinnen 1 und 2 nicht erklären, wie der Absender der Fotos an diese gekommen
sein könnte.
3.4.7. Den Mails vom 14. Januar 2017 folgten sodann weitere E-Mails von unter-
schiedlichen E-Mail-Adressen, unter anderem von D._@eclispo.eu,
E._@accountant.com und F._@eclipso.eu, die Bezug auf die E-Mails
vom 14. Januar 2017 nahmen (Urk. D2/4/3). Die unter anderem benutzte E-Mail-
Adresse F._@eclipso.eu gehörte dabei anerkanntermassen dem Beschuldig-
ten (Urk. D2/5/1 S. 2). Von derselben Adresse erhielt die Privatklägerin G._
am 16. und 17. Januar 2017 – also im gleichen Zeitraum, in welchem die Privat-
klägerinnen 1 und 2 die inkriminierten E-Mails erhielten – E-Mails mit vergleichba-
rem Inhalt, nämlich der Aufforderung, einen Film mit einem Striptease zu senden.
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Sodann sendete der Beschuldigte der Privatklägerin G._ auch eine E-Mail
über die E-Mail-Adresse "E._@accountant.com" (vgl. Urk. HD 5/2 Anhang).
3.4.8. Bezüglich der vorgenannten E-Mail-Adressen fällt sodann auf, dass der
Beschuldigte mit "E._@accountant.com" und "F._@eclipso.eu" auch die
Privatklägerin G._ angeschrieben hatte, was er in der Einvernahme vom
26. Juli 2017, als er noch keine Kenntnis davon hatte, dass gegen ihn auch be-
züglich Nötigung der Schwestern B._H._ ermittelt wird (vgl. erste Ein-
vernahme hierzu erfolgte am 31. Juli 2017, Urk. D2/5/1), eingestand. Er bestätig-
te, dass die ihm vorgehaltenen E-Mails von ihm stammten (Urk. HD 5/2 S. 1 "Ja,
dies sind die Mails, welche ich gesendet habe"). Anlässlich der Einvernahme vom
6. Juni 2019 erklärte er dann plötzlich, dass er in der vorgenannten Einvernahme
davon ausgegangen sei, das ihm nur eine E-Mail vorgelegt worden sei. Er habe
nur eine E-Mail an die Privatklägerin G._ geschrieben (Urk. HD 5/3 S. 2).
Auch wenn die Ausdrucke tatsächlich etwas verwirrlich sind, ergibt sich aus der
achtseitigen Beilage unmissverständlich, dass es sich um mehrere E-Mails han-
delt. In der Einvernahme war denn auch ausdrücklich von E-Mails, also mehreren
Mails, die Rede und dies wurde auch entsprechend protokolliert. Das Protokoll
wurde in der Folge vom Beschuldigten durchgelesen und unterzeichnet (Urk. HD
5/2 S. 1). Die Erklärung des Beschuldigten, er habe nur ein E-Mail an die Privat-
klägerin G._ geschrieben erscheint deshalb als reine Schutzbehauptung. Es
ist somit erstellt, dass der Beschuldigte im entsprechenden Zeitraum nicht nur
über die E-Mail-Adresse "F._@eclipso.eu" verfügte, sondern auch über die
E-Mail-Adresse "E._@accountant.com".
3.4.9. Es ist zudem absolut unglaubhaft, wenn der Beschuldigte geltend machen
will, es seien gleich beide E-Mail-Accounts von ihm gehackt worden. Es erscheint
sodann lebensfremd, dass diese/r "Hacker" dann auch noch in identischer Vor-
gehensweise mit demselben Ziel (Stripteaseaufnahmen zu erhalten) E-Mails an
die Privatklägerinnen 1 und 2 geschickt haben soll/en, und das auch noch im
gleichen Zeitraum, in welchem der Beschuldigte die E-Mails an die Privatklägerin
G._ geschrieben hatte. Sodann ist nicht nachvollziehbar, warum jemand über
die E-Mail-Adressen des Beschuldigten und damit über fremde E-Mail-Adressen,
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deren Zugriff jederzeit verunmöglicht werden könnte, E-Mails verschicken soll, die
darauf abzielen, in den Besitz von Stripteaseaufnahmen zu gelangen. Dies
insbesondere, nachdem jederzeit ohne Probleme ein anonymer Account mit fal-
schen Angaben erstellt werden kann, und es damit einfachere Möglichkeiten gibt,
solche E-Mails zu verschicken. Es besteht deshalb kein Zweifel, dass über die
E-Mail-Adressen "E._@accountant.com" und "F._@eclipso.eu" ver-
sandten E-Mails vom 17. Januar 2017 und 18. Januar 2017 (Urk. D2/4/3) vom
Beschuldigten stammten. Daran ändert nichts, dass die E-Mails an die
Privatklägerin G._ in Englisch und die E-Mails an die Privatklägerinnen 1 und
2 in fehlerhaftem Deutsch geschrieben wurden. Nachdem diese E-Mails, die
erstelltermassen vom Beschuldigten stammen mussten, und insbesondere das
E-Mail vom 18. Januar 2017 direkten (und das E-Mail vom 17. Januar 2017
indirekten) Bezug auf die E-Mails vom 14. Januar 2017 nimmt, steht ausser
Frage, dass auch diese unter der Verwendung der E-Mail-Adresse
"H._@gmail.com" versandten E-Mails vom Beschuldigten stammten.
3.4.10. Schliesslich erklärte die Privatklägerin 2 auf die Aussage des Beschuldig-
ten hin, wonach sowohl ihr damaliger Freund als auch er ihr geraten hätten, nicht
auf die Erpressung zu reagieren, dies sei falsch. Vielmehr wisse sie, dass er
ihnen gesagt habe – er sei auf Lautsprecher gewesen – dass sie das machen
sollen, dann gebe es kein Problem (Urk. D2/6/5 S. 8). Allein schon der Umstand,
dass sich der Beschuldigte im Mai 2017 (vgl. Urk. D2/6/5 S. 7) mit den Privat-
klägerinnen 1 und 2 in Verbindung setzte, nachdem er gemäss eigenen Aussagen
mit der Privatklägerin 2 nur einmal geredet haben will und mit der Privatklägerin 1
nur bis im Jahr 2016 Kontakt gehabt haben will (Urk. D2/5/1 S. 2) mutet äusserst
seltsam an. Sodann erwähnte er in der Einvernahme vom 31. Juli 2017 auf die
Frage, was er für eine Beziehung zu den Privatklägerinnen 1 und 2 habe und auf
den Kontakt mit diesen beiden angesprochen, mit keinem Wort, dass er noch im
Mai 2017 mit der Privatklägerin 1 telefoniert hatte (Urk. D2/5/1 S. 2 f.).
3.4.11. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass erstellt ist, dass der
Beschuldigte der Privatklägerin 1 am 14. Januar 2017 um 0:44 und um 0:52 unter
der Verwendung der E-Mail-Adresse H._@gmail.com E-Mails schrieb mit
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dem Ziel die Privatklägerinnen 1 und 2 dazu zu bringen, einen Film von sich mit
erotischen Handlungen, insbesondere selbstbefriedigenden Handlungen zu er-
stellen und diesen Film ihm danach zuzusenden. Dabei forderte er die beiden auf,
ihm ein Video von ihnen mit Striptease und "Spielen" untereinander zu senden.
Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, schrieb er unter Beilage von
Nacktbildern der Privatklägerin 1 sowie freizügigen Fotos der Privatklägerin 2 er-
neut die Privatklägerin 1 an und gab vor, Zugriff auf den Facebook-Account der
Privatklägerin 1 zu haben. Zudem stellte er die Veröffentlichung von Nacktbildern
und Filmen der Privatklägerin 1 im Internet – namentlich auf Instagram und ande-
ren Plattformen – in Aussicht, sollten die Privatklägerinnen 1 und 2 seiner Forde-
rung nicht nachkommen. Dies in der Absicht, die Privatklägerinnen 1 und 2 zu
seinem geforderten Verhalten zu zwingen.
3.5. Dossier 4 harte Pornographie
3.5.1. Der Beschuldigte macht auch bezüglich dieses Sachverhalts geltend, dass
die Staatsanwaltschaft die Anklage auf unverwertbare Beweismittel stütze. Die
Polizei habe die anlässlich der Hausdurchsuchung sichergestellten Gegenstände
offenbar in einer Art "fishing expedition" eingehend untersucht und zwar im Hin-
blick auf Beweise, welche nichts mit dem ursprünglichen Grund der Hausdurch-
suchung zu tun gehabt hätten. Es handle sich entsprechend um eine verbotene
Beweisausforschung, zumindest aber um einen Zufallsfund, der nie genehmigt
worden sei (Urk. 45 S. 14).
3.5.2. Es kann auf die obigen Ausführungen verwiesen werden (vgl. Zif-
fer 3.4.2. f.). Wie dargelegt, handelt es sich nicht um eine unrechtmässige
Beweisausforschung, sondern um einen (rechtmässigen) Zufallsfund, der nicht
genehmigt werden muss, damit er verwertet werden kann. Die vorliegenden
Beweismittel können verwertet werden.
3.5.3. Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass sich die inkriminierten Bilder auf
seinem iMac befanden. Der Beschuldigte macht jedoch geltend, nicht gewusst zu
haben, dass diese Bilder auf seinem Computer gespeichert gewesen seien. Er
habe sie nie auf seinem Computer festgestellt. Diese Bilder seien von ihm unbe-
- 15 -
merkt und ungewollt heruntergeladen und dann automatisch im Download-Ordner
abgespeichert worden (Urk. D4/2; Prot. I S. 13; Urk. 45 S. 14 f., S. 17 f.; Urk. 76
S. 7).
3.5.4. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, lässt sich der Sachverhalt in objek-
tiver Hinsicht einwandfrei erstellen, was auch von der Verteidigung anerkannt wird
(Urk. 45 S. 14 f.; Urk. 77 S. 6). So wurden bei der Sichtung des iMacs des
Beschuldigten 12 – und nicht 20 wie in der Anklageschrift aufgeführt – Fotos
gefunden, in denen ein offensichtlich minderjähriges Mädchen nur in Unterhosen
bekleidet resp. vollständig entblösst posiert (Urk. D4/4 S. 5 unten und S. 6 ff.). Die
Bilder wurden im Download-Ordner aufgefunden (vgl. Urk. D4/4)
3.5.5. Was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft sogenannte innere
Tatsachen. Bei Fehlen eines Geständnisses des Täters muss aus äusseren
Umständen auf jene inneren Tatsachen geschlossen werden.
3.5.6. Der Beschuldigte gab auf Vorhalt der Fotos an, er könne sich nicht er-
klären, warum sich diese Fotos auf seinem Computer befanden (Urk. D4/2 S. 1
f.). In der Folge führte er aus, es könne sein, dass er etwas runter geladen habe
und dies dabei gewesen sei. Da es irgendwie auf den Computer gekommen sei,
müsse er es heruntergeladen haben. Dies sei ihm aber nicht bewusst gewesen
und er habe es auch nicht gesucht. Er habe für diese Bilder nicht bezahlt. Die
Bilder seien automatisch gespeichert worden. Er könne sich auch nicht erklären,
warum er es nicht gesehen und bemerkt habe (Urk. D4/2 S. 2). Der Beschuldigte
machte geltend, er lösche es sofort, wenn er Pornos schaue und bemerke, dass
es illegal sei. Es gebe Seiten auf welchen Vorschaubilder von I._ drauf seien.
Diese Internetpfade klicke man an und es werde heruntergeladen. Man müsse
darauf vertrauen, dass dann die gewünschten Videos oder Bilder geladen werden
(Urk. D4/2 S. 2, S. 3). Er wisse nur, dass er das immer gelöscht habe, wenn er
jemals so etwas bei ihm festgestellt habe, (Urk. HD 5/3 S. 10). Er habe Dateien
auch in Form von Paketen heruntergeladen. Es habe es schon gegeben, dass in
solchen Paketen – wahrscheinlich – verbotene Bilder mitinbegriffen gewesen sei-
en (Urk. HD 5/3 S. 11). In der Berufungsverhandlung gab er sodann zu Protokoll,
er sei erst von der Kantonspolizei darüber informiert worden, dass auf seinem
- 16 -
Computer einige Bilder mit illegaler Pornografie gefunden worden seien. Dies ha-
be ihn erschüttert, was er auch dem einvernehmenden Polizeibeamten zu verste-
hen gegeben habe (Urk. 76 S. 7).
3.5.7. Der Beschuldigte verbrachte – zumindest zum Tatzeitpunkt – jeden Abend
etwa vier bis sechs Stunden auf Sex-Seiten im Internet. Auf seinen Datenträgern
wurden 20'062 Filme und 274'721 Bilder festgestellt (Urk. D4/1 S. 2; Urk. D4/4
S. 1; Urk. HD5/3 S. 10 f.). In dieser riesigen Menge an pornografischen Bildern
wurden gerade einmal 12 Bilder aufgefunden, auf welchen ein minderjähriges
Mädchen zu sehen ist, das nur in Unterhose bzw. vollständig entblösst posiert.
Angesichts der grossen Anzahl an übrigen Bildern kann aus der geringen Anzahl
von 12 Bildern mit kinderpornographischem Material geschlossen werden, dass
der Beschuldigte nicht gezielt danach gesucht hat. Dies gilt umso mehr, als die
12 Bilder alle zusammengehören und daher wohl auch zusammen herunterge-
laden wurden. Vor diesem Hintergrund erscheint es auch nachvollziehbar, wenn
die Verteidigung ausführt, der Beschuldigte habe keine pädophilen Neigungen
(Urk. 77 S. 6). Klar ist, dass der Beschuldigte angesichts der immensen Menge an
pornografischem Material auf seinem Rechner nicht jede einzelne Datei kennen
kann. Mit der Verteidigung (vgl. Urk. 77 S. 6) kann zudem als notorisch bezeich-
net werden, dass beim Herunterladen von Dateien aus dem Internet – insbe-
sondere bei derart grossen Datenmengen – weitere Nebendateien herunter-
geladen werden können. Seine Aussage, er wisse zwar, dass im Internet auch
Dateien mitheruntergeladen werden können, führt indessen nicht dazu, dass man
ihm vorwerfen kann, er habe den Besitz der verbotenen Dateien billigend in Kauf
genommen. Er erklärte nämlich auch, er wisse, dass dies illegale Pornografie sei
und er habe solche Bilder jeweils gelöscht, wenn er sie erkannt habe (Urk. HD 5/3
S. 10). Dies kann angesichts der geringen Menge an verbotenen Dateien und der
immensen Menge an übrigem Bildmaterial nicht widerlegt werden. Dem Beschul-
digten kann vorliegend bloss vorgeworfen werden, nicht alle auf seinem Rechner
befindlichen Dateien kontrolliert und das verbotene Material umgehend gelöscht
zu haben, sondern lediglich darauf vertraut zu haben, dass sich unter den
tausenden Dateien kein verbotenes Material befindet. Er hat somit aus pflicht-
widriger Unvorsichtigkeit darauf vertraut, dass sich keine illegale Pornografie auf
- 17 -
seinem Rechner befindet. Ein eventualvorsätzliches Vorgehen liegt daher nicht
vor.
3.6. Dossier 6 Pornographie
3.6.1. Die Privatklägerin G._ erhielt am 1. Mai 2018 vom Absender
"admin@I._" eine E-Mail-Nachricht mit einer Anfrage für ein Erotik Shooting
zugestellt. Der E-Mail angehängt war ein Film, in dem sich eine junge Frau aus-
zieht und insbesondere ihren Po sowie ihre Geschlechtsteile in die Kamera
streckt (Urk. D6/7). Dies wird vom Beschuldigten nicht in Frage gestellt. Der Be-
schuldigte bestreitet jedoch – wie ihm in der Anklageschrift vorgehalten wird – der
Absender dieser E-Mail gewesen zu sein (Urk. D6/2 S. 2; HD 5/3 S. 11; Urk. 45
S. 16 f.; Urk. 76 S. 7). Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 45 S. 16;
Urk. 77 S. 7), ergibt sich sodann ohne Weiteres aus den vorliegenden Akten, dass
das Beispiel-Filmchen dem am 1. Mai 2018, 20:46, mit Absender "ad-
min@I._" gesendeten E-Mail angehängt war (Urk. D6/7 und D6/8).
3.6.2. Der Beschuldigte anerkennt, dass er der Inhaber der E-Mail-Adresse
"admin@I._" ist. Die Seite sei durch mehrere Personen gegründet worden.
Sie seien zu 6. resp. zu 7. gewesen. Da er im März 2017 Sozialhilfe beantragt
habe, habe er im April 2017 austreten müssen, da die Selbständigkeit nicht ge-
duldet worden sei. Seit dem 10. Januar 2019 habe er wieder Kontakt aufgenom-
men und habe die Aussicht, bei einer neuen Seite, die sie machen wollen, als
Buchhalter tätig zu werden. Er bezahle für die Domain "I._", Fr. 148.– pro
Jahr. Diesen Betrag habe er auch 2017 und 2018 bezahlt. Wer die I._ an-
werbe, wisse er nicht. Er habe die Privatklägerin 2016 empfohlen, da er gewusst
habe, dass sie finanzielle Probleme habe. Er habe aber nicht damit gerechnet,
dass sie noch angefragt werde. Den Namen J._ – mit welchem Namen die
E-Mail unterzeichnet wurde – kenne er nicht. Auf die E-Mails hätten alle "Admin-
mitglieder" Zugriff (Urk. D6/2 S. 1 f.; Urk. HD 5/3 S. 12).
3.6.3. Erstellter- und anerkanntermassen ist der Beschuldigte Inhaber der E-Mail-
Adresse "admin@I._". Die Erklärungen des Beschuldigten, dass alle "Admi-
nmitglieder" Zugriff auf diese Adresse hätten, sind unglaubhaft und erscheinen als
- 18 -
reine Schutzbehauptung. Auf die Frage, ob es Schriftlichkeiten gebe, die er über
die Gründung von "I._" vorlegen könne und/oder wo ihre Mitgründer ver-
zeichnet seien, erklärte er, notfalls könne er etwas vorlegen (Urk. D6/2 S. 2). Je-
doch legte er weder in der Strafuntersuchung noch vor Gericht entsprechende
Unterlagen vor. Anlässlich der Hauptverhandlung vor Vorinstanz reichte er einzig
einen Auszug "User Manager" ein, auf dem unter "Web-site Owner Admin" ver-
schiedene Usernamen aufgeführt sind (Urk. 46/2). Aus dieser Liste ergibt sich je-
doch weder, dass von mehreren verschiedenen Personen gemeinsam "I._"
gegründet worden war, noch, dass weitere Drittpersonen auf die E-Mail-Adresse
"admin@I._" zugreifen konnten bzw. können.
3.6.4. Der Beschuldigte gab an, dass dies eine Webseite sei, die sie im Jahr 2014
ins Leben gerufen hätten. Bis 2018 hätten sie etwa um die 3500 Mitglieder gehabt
(Urk. HD 5/3 S. 12). Jedoch konnte die Webseite bei einer Google-Suche Anfangs
2019 nicht gefunden werden. Ebenso wenig konnten die Spezialisten der Abtei-
lung Sexualdelikte auf die Seite zugreifen resp. diese ausfindig machen
(Urk. HD 6/1 S. 2). Es ist deshalb unglaubhaft, dass hinter dem E-Mail eine ernst-
hafte Anfrage für die Webseite stand. Weiter gab der Beschuldigte an, dass sie im
"Adminbereich" ca. 60 Mitglieder gewesen seien, als er wegen dem Sozialamt
habe austreten müssen. Jeder, der das Passwort gewusst habe, habe Zugriff auf
den E-Mail-Account gehabt. Alle Admins hätten von den Passwörtern gewusst. Er
habe an alle Admins eine Direktnachricht herausgegeben, wo die Passwörter drin
gewesen seien. Es sei richtig, dass 60 Mitglieder einen E-Mail-Account zusam-
men geteilt hätten. Er sage nicht, dass sie Organisationsgenies gewesen seien
(Urk. HD 5/3 S. 12 f.). Jedoch erscheint es lebensfremd, dass 60 (oder 30,
vgl. Urk. 45 S. 16) Personen auf einen E-Mail-Account zugreifen können sollen.
Es ist sodann unglaubhaft, dass der Beschuldigte zwar bei der Gründung der
Seite Mitinitiator gewesen sein will, für das Design und Webhosting zuständig sei
und auch mehrere Jahre die entsprechenden Kosten getragen habe, jedoch
weder seine Mitgründer kennt – so hielt er sich diesbezüglich völlig bedeckt –
noch weiss, wer wofür verantwortlich ist. Ein Interesse des (damals) finanziell
sehr schlecht gestellten Beschuldigten an einem solchen Konstrukt, das ihn
jährlich ohne jegliche Vorteile auch noch Fr. 148.– kostete, ist nicht ersichtlich.
- 19 -
Die Erklärungen sind unstimmig und erscheinen lebensfremd. Schliesslich leuch-
tet nicht ein, warum die Privatklägerin, nachdem der Beschuldigte sie im Jahr
2016 vorgeschlagen haben will, erst im Jahr 2018 kontaktiert wird. Dies sodann
zeitnah zum Versuch des Beschuldigten von der Privatklägerin ein Striptease-
Video erhältlich zu machen.
3.6.5. In Würdigung der vorliegenden Beweismitteln verbleiben keine Zweifel,
dass der Beschuldigte der Privatklägerin G._ am 1. Mai 2018 unter der Ver-
wendung der E-Mail-Adresse "admin@I._" eine Anfrage für ein Erotik-
Shooting sandte, der unaufgefordert ein Beispielfilm, in welchem sich eine junge
Frau auszieht und ihre Geschlechtsteile in die Kamera streckt, angehängt war.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Dossier 1: Versuchte Nötigung
4.1.1. Wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder
durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu
unterlassen oder zu dulden, macht sich der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB
schuldig. Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder
Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende oder tritt der zur
Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten, so
liegt eine versuchte Tatbegehung im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vor.
4.1.2. Mit der Vorinstanz sowie der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung ist
das Verhalten des Beschuldigten als versuchte Nötigung im Sinne von Art. 181
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zu qualifizieren.
4.2. Dossier 1: Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahme-
geräte im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB
4.2.1. Der Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte
macht sich schuldig, wer eine Tatsache aus dem Geheimbereich eines andern
oder eine nicht jedermann ohne weiteres zugängliche Tatsache aus dem Privat-
- 20 -
bereich eines andern ohne dessen Einwilligung mit einem Aufnahmegerät
beobachtet oder auf einen Bildträger aufnimmt (Art. 179quater Abs. 1 StGB).
4.2.2. Dieser Straftatbestand schützt die Person in ihrem Geheim- oder Privat-
bereich vor visueller Bespitzelung mit Hilfe technischer Geräte. Geschützt sind
Tatsachen aus dem Geheimbereich sowie nicht jedermann ohne weiteres zu-
gängliche Tatsachen aus dem Privatbereich. Tatsachen sind in irgendeiner Weise
wahrnehmbare Ereignisse oder Zustände aus der Gegenwart oder der Vergan-
genheit, die in einer Beziehung zum geschützten Privatbereich des Bespitzelten
stehen. Alle gegen den Einblick Aussenstehender abgesicherten Räume und
Örtlichkeiten gehören zur geschützten Privatsphäre. Tatbestandsmässig sind das
Beobachten der genannten Tatsachen mit einem Bildaufnahmegerät und die
Aufnahme auf einen Bildträger. Voyeurismus ohne Aufnahmegerät ist straflos; mit
Aufnahmegerät – auch wenn keine Aufnahme erfolgt – steht er unter Strafe.
Gefordert ist somit der Einsatz von Apparaten zur Herstellung von Bildern
(ev. auch bewegten), unabhängig davon, wie viele Zwischenstadien (Film,
Magnetband, Bildplatte usw.) der Vorgang umfasst. Foto-, Film- und Fernseh-
kameras sowie heute vor allem auch Mobiltelefon- oder Computerkameras
(«Webcams») sind typische Bildaufnahmegeräte (BSK StGB-RAMEL/VOGELSANG,
Art. 179quater N 3 ff.).
4.2.3. Zwar ist erstellt, dass der Beschuldigte sein Handy unter den Storen des
Schlafzimmerfensters der Privatklägerin hindurch schob. Jedoch konnte dem
Beschuldigten nicht nachgewiesen werden, dass er das Mobiltelefon in den Auf-
nahme- oder auch nur Kameramodus geschaltet hatte, als er es unter den Storen
hindurch schob. Es muss deshalb von der Darstellung des Beschuldigten ausge-
gangen werden, wonach er das Telefon lediglich als Taschenlampe eingesetzt
hat. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz (Urk. 57 S. 27) reicht es hierbei nicht
aus, dass der Täter ein Bildaufnahmegerät in irgendeiner Art und Weise benutzt.
Zur Erfüllung des Tatbestandes wäre vielmehr notwendig, dass der Beschuldigte
die Privatklägerin durch das Mobiltelefon bzw. mit Hilfe der Bildaufnahmefunktion,
d.h. durch den Blick auf das Display, beobachtet hätte. Da der Beschuldigte sein
- 21 -
Mobiltelefon vorliegend einzig als Taschenlampe verwendet hat, ist der Tat-
bestand daher nicht erfüllt.
4.2.4. Dementsprechend ist der Beschuldigte vom Vorwurf der Verletzung des
Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater
StGB freizusprechen.
4.3. Dossier 2: versuchte Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung
mit Art. 22 StGB
4.3.1. Es kann zunächst auf die Ausführungen in Ziffer 4.1.1. und die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 57 S. 27 f.) verwiesen werden. Da der
Beschuldigte hierbei sowohl die Privatklägerin 1 als auch die Privatklägerin 2
genötigt hat, liegt eine mehrfache versuchte Nötigung vor. Auf das Dispositiv
hat diese rechtliche Würdigung indessen keine Auswirkung, zumal der Beschul-
digte – wie schon von der Vorinstanz – bereits hinsichtlich Dossier 1 wegen einer
versuchten Nötigung verurteilt wird und demzufolge ohnehin eine mehrfache
Tatbegehung vorliegt. Wird eine schärfere rechtliche Würdigung einzig in den
Erwägungen festgestellt, die keine Auswirkungen auf das Dispositiv hat, liegt kein
Verstoss gegen das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO vor.
Entscheidend ist nur das Dispositiv (BGE 139 IV 282, E. 2.6). Dieses wird vor-
liegend – wie erwähnt – gegenüber jenem der Vorinstanz nicht abgeändert.
4.3.2. Das Verhalten des Beschuldigten ist daher als mehrfache versuchte
Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB zu qualifizie-
ren.
4.4. Dossier 4: Harte Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 StGB
Der Tatbestand von Art. 197 Abs. 4 StPO verlangt in subjektiver Hinsicht zumin-
dest Eventualvorsatz. Die fahrlässige Begehung ist nicht strafbar (BSK StGB-
ISENRING/KESSLER, Art. 197 N 76 ff.). Dem Beschuldigten kann nicht nach-
gewiesen werden, dass er in Kauf genommen hat, die verbotenen Dateien auf
seinem Computer gespeichert zu haben. Vielmehr hat er aus pflichtwidriger
Unvorsichtigkeit nicht kontrolliert, welche Dateien nebenbei heruntergeladen und
- 22 -
sodann auf seinem Computer gespeichert wurden. Der subjektive Tatbestand ist
daher nicht erfüllt und der Beschuldigte ist vom Vorwurf der Pornografie im Sinne
von Art. 197 Abs. 4 StGB freizusprechen.
4.5. Dossier 6: Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 2 StGB
4.5.1. Wer pornografische Schriften, Ton- oder Bildaufnahmen, Abbildungen,
andere Gegenstände solcher Art oder pornografische Vorführungen jemandem
unaufgefordert anbietet, macht sich der Pornographie im Sinne von Art. 197
Abs. 2 StGB schuldig.
4.5.2. Als Pornographie wird eine auf den Genitalbereich konzentrierte Dar-
stellung qualifiziert, die objektiv betrachtet darauf angelegt ist, beim Konsumenten
geschlechtliche Erregung zu wecken. Dabei muss die Sexualität so stark aus
ihren menschlichen und emotionalen Bezügen herausgetrennt werden, dass die
jeweilige Person als ein blosses Sexualobjekt erscheint, über das nach Belieben
verfügt werden kann. Einseitiges Ziel des Produktes Pornographie ist es, den
Leser, Betrachter oder Zuhörer sexuell aufzureizen (BGE 131 IV 64, E. 10.1.1.;
BGE 133 IV 31, E. 6.1.1).
4.5.3. In dem der Privatklägerin zugestellten Video zieht sich eine junge Frau aus
und streckt ihre Geschlechtsteile in die Kamera. Die Aufnahme reduziert die Frau
auf ein blosses Sexualobjekt. Zudem ist die Aufnahme einzig darauf ausgerichtet,
den Zuschauer sexuell aufzureizen. Sodann hat der Beschuldigte dieses Video
der Privatklägerin unaufgefordert zugestellt. Der Beschuldigte hat sich deshalb mit
seinem Verhalten der Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 2 Satz 1 StGB
schuldig gemacht.
5. Strafzumessung
5.1. Vorbemerkungen
5.1.1. Der Beschuldigte hat sich der der mehrfachen versuchten Nötigung im
Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB und der Pornographie im
Sinne von Art. 197 Abs. 2 Satz 1 StGB schuldig gemacht.
- 23 -
5.1.2. Der Beschuldigte hat seinen Taten mit Ausnahme der Pornographie im
Sinne von Art. 197 Abs. 2 StGB im Jahr 2017 begangen. Am 1. Januar 2018 sind
revidierte Bestimmungen des allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches, das neue
Sanktionenrecht, in Kraft getreten. Gemäss Art. 2 StGB wird ein Straftäter grund-
sätzlich nach demjenigen Recht beurteilt, das bei Begehung der Tat in Kraft war.
Jedoch ist eine zwischen der Tatbegehung und der gerichtlichen Beurteilung in
Kraft getretene Revision zu berücksichtigen, wenn das neue Recht das mildere
ist. (TRECHSEL/VEST, Praxiskommentar StGB, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018,
Art. 2 N 7). Im Folgenden ist diesen Grundsätzen Rechnung zu tragen.
5.1.3. Die Ausführungen der Vorinstanz zu den allgemeinen Strafzumessungs-
regeln sind zutreffend (Urk. 57 S. 30 ff.), weshalb darauf zu verweisen ist.
5.1.4. Vorliegend ist die mehrfache versuchte Nötigung im Sinne von Art. 181
StGB i.V.m. Art. 22. Abs. 1 StGB betreffend Dossier 2 das schwerste Delikt,
weshalb dies bei der Strafzumessung den Ausgangspunkt darstellt.
5.2. Mehrfache versuchte Nötigung (Dossier 2)
5.2.1. Wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder
durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu
unterlassen oder zu dulden, wird mit Freiheitstrafe bis zu drei Jahren oder
Geldstrafe bestraft (Art. 181 StGB). Tritt der zur Vollendung der Tat gehörende
Erfolg nicht ein, so kann das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 StGB).
5.2.2. Das Vorgehen des Beschuldigten betreffend der versuchten Nötigung zum
Nachteil der Privatklägerin 1 und 2 war dreist. Er verlangte von den Privat-
klägerinnen intime Fotos bzw. Videoaufnahmen, wobei er ihnen drohte, bereits in
seinem Besitz befindliche Fotos zu veröffentlichen, wenn sie seinem Ansinnen
nicht nachkommen würden. In einem zweiten Mail an die Privatklägerin 1 bekräf-
tigte er dieser Forderung dadurch, dass er Nacktfotos von ihr und sehr freizügige
Fotos der Privatklägerin 2 anhängte und damit seiner Androhung weiteres
Gewicht verlieh. Er beliess es auch nicht nur bei einem E-Mail, sondern versuchte
mit weiteren E-Mails seiner Aufforderung Nachdruck zu verleihen. Die angedrohte
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Veröffentlichung von Nacktfotos stellt sodann einen erheblichen Eingriff in die
Privatsphäre der Privatklägerinnen 1 und 2 dar. Mit seinem Vorgehen wollte der
Beschuldigte diese dazu bringen, ihm gegen ihren Willen ein Stripteasefilm und
Aufnahmen von "Spielen" untereinander zukommen zu lassen und verfolgte mit
seinem Vorgehen somit ein äusserst verwerfliches Ziel. Jedoch kamen die Privat-
klägerinnen dem Ansinnen des Beschuldigten nicht nach. Insgesamt ist die objek-
tive Tatschwere als gerade noch eher leicht und damit noch im unteren Bereich
liegend einzustufen.
5.2.3. In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte mit direktem Vorsatz. Sei-
ne Motivation war einzig die Befriedigung seiner Lust und damit rein egoistischer
Natur. Sein Vorgehen mit dem Erstellen und Benutzen verschiedener anonymi-
sierter und teilweise auch bedrohlicher E-Mail-Adressen wie "F._@eclip-
so.eu" und teilweise auch bedrohlichen inhaltlichen Formulierungen in gebroche-
nem Deutsch deuten ausserdem auf eine nicht unwesentliche kriminelle Energie
des Beschuldigten. Die subjektive Tatschwere vermag damit die objektive Tat-
schwere nicht zu relativieren.
5.2.4. Insgesamt ist das Verschulden somit als gerade noch eher leicht einzu-
stufen. Es erscheint aufgrund der gesamten Tatschwere eine Einsatzstrafe von
180 Tagen/Tagessätzen als angemessen.
5.3. Versuchte Nötigung (Dossier 1)
5.3.1. Auch das Vorgehen gegenüber der Privatklägerin G._ war dreist. So
gab er ihr gegenüber an, er habe ihr Mobiltelefon ausspioniert und sei im Besitz
von Nacktbildern von ihr, die er veröffentlichen werde, wenn sie seiner Aufforde-
rung nicht nachkomme. Er beliess es sodann nicht nur bei einem E-Mail, sondern
versuchte, mit weiteren E-Mails seiner Aufforderung Nachdruck zu verleihen. Die
angedrohte Veröffentlichung von Nacktfotos stellt einen erheblichen Eingriff in die
Privatsphäre der Privatklägerin dar. Mit seinem Vorgehen wollte der Beschuldigte
die Privatklägerin dazu bringen, ihm gegen ihren Willen ein Striptease- oder
Selbstbefriedigungsfilm zukommen zu lassen und verfolgte mit seinem Vorgehen
somit ein äusserst verwerfliches Ziel. Jedoch kam die Privatklägerin dem An-
- 25 -
sinnen des Beschuldigten nicht nach. Insgesamt ist die objektive Tatschwere als
noch eher leicht und damit noch im unteren Bereich liegend einzustufen.
5.3.2. In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte mit direktem Vorsatz. Wie
die Vorinstanz sodann zutreffend festhält, war seine Motivation nicht etwa wie be-
hauptet, die Hilfeleistung an seinen Bruder, sondern einzig die Befriedigung sei-
ner Lust. Sein Vorgehen mit dem Erstellen und Benutzen verschiedener anonymi-
sierter und teilweise auch bedrohlicher E-Mail-Adressen wie "F._@eclip-
so.eu" deuten ausserdem auf eine nicht unwesentliche kriminelle Energie des
Beschuldigten. Die subjektive Tatschwere vermag damit die objektive Tatschwere
nicht zu relativieren.
5.3.3. Insgesamt ist das Verschulden somit als noch eher leicht einzustufen.
Es erscheint aufgrund der gesamten Tatschwere angemessen, die Einsatzstrafe
in Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 Abs.1 StGB) um 60 Tage/Tages-
sätze zu erhöhen.
5.4. Täterkomponente
5.4.1. Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 57 S. 33 f.) verwiesen werden.
Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann nichts Relevantes
für die Strafzumessung abgeleitet werden.
5.4.2. Der Beschuldigte weist eine Vorstrafe wegen Hausfriedensbruchs und Ver-
letzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte auf (Urk. 74),
was straferhöhend zu berücksichtigen ist. Ebenfalls fällt straferhöhend ins
Gewicht, dass der Beschuldigte während der laufenden Probezeit der erwähnten
Vorstrafe erneut straffällig wurde.
5.4.3. Der Beschuldigte ist nur bezüglich der versuchten Nötigung zum Nachteil
der Privatklägerin G._ geständig. Ansonsten zeigt er sich weder einsichtig
noch reuig. Sein (Teil-)Geständnis ist leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
- 26 -
5.4.4. Eine besondere Strafempfindlichkeit ist nicht ersichtlich.
5.4.5. Angesichts der erwähnten Umstände rechtfertigt es sich, die Einsatzstrafe
aufgrund der Täterkomponente um 30 Tage/Tagessätze zu erhöhen.
5.5. Fazit (ohne Übertretung)
5.5.1. Nachdem sich der Beschuldigte von der erwähnten Vorstrafe, die als Geld-
strafe ausgefällt wurde, nicht beeindrucken liess und erneut straffällig wurde, ist
nunmehr eine Freiheitsstrafe angezeigt. Insgesamt erscheint daher eine Strafe in
Höhe von 270 Tagen bzw. 9 Monaten Freiheitsstrafe angemessen, womit die von
der Vorinstanz ausgefällte Sanktion im Ergebnis zu bestätigen ist. Der Anrech-
nung von 1 Tag Untersuchungshaft (Art. 51 StGB) steht nichts entgegen.
5.5.2. Hinzuweisen gilt es an dieser Stelle darauf, dass der Umstand, dass der
Beschuldigte im Berufungsverfahren von einem Teilvorwurf freigesprochen wird,
nicht zwingend dazu führen muss, dass die Strafe gegenüber der Vorinstanz
gesenkt wird. Dies ist insbesondere dann nicht angezeigt, wenn die Berufungs-
instanz die von der Vorinstanz ausgefällte Strafe ohnehin zu milde erachtet hat
und sie auch nach Wegfall eines Teilvorwurfs noch immer als angemessen beur-
teilt. Da einzig das Dispositiv massgeblich ist und dieses bei der Bestätigung der
Strafe trotz eines zusätzlichen Freispruchs nicht zu Ungunsten des Beschuldigten
abgeändert wird, liegt in diesem Fall kein Verstoss gegen das Verschlechterungs-
verbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO vor (Urteil des Bundesgericht 6B_199/2011
vom 12. April 2012, E. 8.3.2; BGE 139 IV 282, E. 2.6).
5.6. Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 2 Satz 2 StGB
5.6.1. Wer pornografische Schriften, Ton- oder Bildaufnahmen, Abbildungen,
andere Gegenstände solcher Art oder pornografische Vorführungen jemandem
unaufgefordert anbietet, wird mit Busse bestraft (Art. 197 Abs. 2 StGB)
5.6.2. Das Gericht bemisst die Busse je nach den Verhältnissen des Täters so,
dass dieser die Strafe erleidet, welche seinem Verschulden angemessen ist. Bei
der Bemessung der Busse und der festzusetzenden Ersatzfreiheitsstrafe sind
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sodann auch die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten, namentlich
Einkommen und Vermögen, der Familienstand und die Familienpflichten sowie
Beruf, Alter und Gesundheit zu berücksichtigen (Art. 106 Abs. 3 StGB; BGE 129
IV 6 E. 6.1).
5.6.3. Der Beschuldigte stellte der Privatklägerin mit einem angeblichen Angebot
für eine Teilnahme an einem Erotik-Shooting unaufgefordert ein Stripteasefilm-
chen zu. Das Vorgehen des Beschuldigten war plump und geschmacklos. Sodann
handelte der Beschuldigte unter einem Aliasnamen, was eine gewisse kriminelle
Energie offenbart. Schliesslich handelte der Beschuldigte direktvorsätzlich.
5.6.4. Insgesamt ist in Würdigung aller relevanter Strafzumessungsgründe noch
von einem leichten Verschulden auszugehen. Es rechtfertigt sich deshalb, die
Busse mit der Vorinstanz auf Fr. 300.– und die Ersatzfreiheitsstrafe im Falle der
Nichtbezahlung auf 3 Tage festzusetzen.
5.7. Vollzug der Strafe
Was den Vollzug anbelangt, kann aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht
vom vorinstanzlichen Entscheid abgewichen werden (Art. 391 Abs. 2 Satz 1
StPO). Dem Beschuldigten ist daher der bedingte Vollzug zu gewähren. Aufgrund
der Vorstrafe des Beschuldigten rechtfertigt es sich, die Probezeit mit der
Vorinstanz auf vier Jahre anzusetzen. Die Busse ist zu vollziehen (Art. 42 Abs. 1
StGB e contrario).
6. Widerruf
6.1. Der Beschuldigte wurde während der laufenden Probezeit (Strafbefehl vom
29. September 2015, Urk. HD 21/2) erneut straffällig. Es ist deshalb zu prüfen, ob
die damals bedingt ausgesprochene Strafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 40.– zu
widerrufen ist.
6.2. Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder ein
Vergehen, so kann ein gewährter Strafaufschub widerrufen werden (Art. 46 Abs. 1
StGB). Allerdings führt ein während der Probezeit begangenes Verbrechen oder
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Vergehen nicht zwingend zum Widerruf des bedingten Strafaufschubs. Dieser soll
nach Art. 46 Abs. 1 StGB nur erfolgen, wenn "deshalb", also wegen der
Begehung des neuen Delikts, zu erwarten ist, dass der Täter weitere Straftaten
verüben wird. Das heisst, dass die Prognose seines künftigen Legalverhaltens in
solchem Fall erneut gestellt werden muss. Eine bedingte Strafe oder der bedingte
Teil einer Strafe ist dabei nur zu widerrufen, wenn von einer negativen Einschät-
zung der Bewährungsaussichten auszugehen ist, d.h. aufgrund der erneuten
Straffälligkeit eine eigentliche Schlechtprognose besteht. Die Prüfung der Bewäh-
rungsaussichten des Täters ist anhand einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen
Umstände vorzunehmen. In die Beurteilung miteinzubeziehen sind neben den
Tatumständen auch das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tat-
sachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten
seiner Bewährung zulassen. Für die Einschätzung des Rückfallrisikos ist ein
Gesamtbild der Täterpersönlichkeit unerlässlich. Relevante Faktoren sind etwa
strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisationsbiographie und Arbeitsverhalten, das
Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf Suchtgefährdungen usw. Dabei sind
die persönlichen Verhältnisse bis zum Zeitpunkt des Entscheides miteinzube-
ziehen. In die Beurteilung der Bewährungsaussichten im Falle des Widerrufs des
bedingten Strafvollzugs einer Freiheitsstrafe ist im Rahmen der Gesamtwürdigung
auch miteinzubeziehen, ob die neue Strafe bedingt oder unbedingt ausge-
sprochen wird (BGE 134 IV 140).
6.3. Die Vorinstanz gewährte dem Beschuldigten für die vorliegend neu zu
beurteilenden Straftaten den bedingten Strafvollzug, woran die Berufungsinstanz
aufgrund des Verschlechterungsgebots gebunden ist. Der Beschuldigte beging
während der laufenden Probezeit des Strafbefehls vom 29. September 2015
erneut mehrere Straftaten. Die Verurteilung wegen Hausfriedensbruchs und
Verletzung des Geheim- und Privatbereichs ist im Hinblick auf die vorliegend aus-
zusprechenden Schuldsprüche insoweit zwar nicht einschlägig, als es sich um
andere Tatbestände handelt. Betrachtet man aber den Vorwurf, für welchen der
Beschuldigte mit Strafbefehl vom 29. September 2015 bestraft wurde, erkennt
man, dass er bereits beim damaligen Vorfall die Privatsphäre einer Frau massiv
verletzt hat. Er stieg nämlich auf das Dach eines Hauses, um von dort eine Frau
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mittels einer Fotokamera mit Teleobjektiv durch das Fenster zu beobachten und
zu filmen (Urk. HD 21/2). Nachdem der Beschuldigte insbesondere durch die vor-
liegend zu beurteilenden Nötigungen zum Nachteil von jungen Frauen, erneut
deren Privatsphäre und deren Selbstbestimmungsrecht zu verletzen versucht hat,
ist eine Unbelehrbarkeit zu erkennen. Nachdem dem Beschuldigten hinsichtlich
der auszusprechenden Freiheitsstrafe zudem erneut der bedingte Vollzug
gewährt wird, ist der bedingt aufgeschobene Teil der mit Strafbefehl vom
9. September 2015 ausgesprochenen Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu
Fr. 40.-- zu widerrufen.
7. Einziehung
7.1. Gegenstände und Vermögenswerte einer beschuldigten Person können
beschlagnahmt werden, wenn sie voraussichtlich zur Sicherstellung von Ver-
fahrenskosten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen gebraucht werden, den
Geschädigten zurückzugeben oder einzuziehen sind (Art. 263 Abs. 1 StPO). Ist
die Beschlagnahme eines Gegenstandes oder Vermögenswertes nicht vorher
aufgehoben worden, so ist über seine Rückgabe an die berechtigte Person, seine
Verwendung zur Kostendeckung oder über seine Einziehung im Endentscheid zu
befinden (Art. 267 Abs. 3 StPO).
7.2. Das Gericht verfügt ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit einer bestimmten
Person die Einziehung von Gegenständen, die zur Begehung einer Straftat
gedient haben oder bestimmt waren oder die durch eine Straftat hervorgebracht
worden sind, wenn diese Gegenstände die Sicherheit von Menschen, die Sittlich-
keit oder die öffentliche Ordnung gefährden (Art. 69 Abs. 1 StGB). Die zur Be-
gehung von Straftaten nach Art. 197 Abs. 4 und 5 StGB benutzten Gegenstände
sind zudem generell einzuziehen (Art. 197 Abs. 6 StGB).
7.3. Da auf dem iMac kinderpornografisches Material vorhanden ist und dieses
die Sittlichkeit bzw. die öffentliche Ordnung gefährdet, ist der iMac – unabhängig
von der Strafbarkeit – einzuziehen und zu verwerten. Der Verwertungserlös ist zur
Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden. Nachdem der Beschuldigte vom
Vorwurf der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte
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im Sinne von Art. 179quater StGB freizusprechen ist und auf dem mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft vom 3. Juli 2018 beschlagnahmten iPhone 6 keine proble-
matischen Dateien vorhanden sind, ist dieses dem Beschuldigten herauszugeben.
8. Kosten- und Entschädigungsfolgen
8.1. Da der Beschuldigte vom Vorwurf der Verletzung des Geheim- und Privat-
bereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater StGB sowie der
Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 StGB freizusprechen ist, rechtfertigt es
sich, die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens dem
Beschuldigten zu 4/5 aufzuerlegen und zu 1/5 auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen,
wobei eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von 4/5 vor-
behalten bleibt.
8.2. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte ob-
siegt mit seiner Berufung bezüglich des Freispruchs vom Vorwurf der Verletzung
des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von
Art. 179quater StGB und der Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 StGB
sowie hinsichtlich der Herausgabe des iPhones 6 und damit ungefähr zu einem
Drittel. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind ihm deshalb zu 2/3 aufzuerlegen
und zu 1/3 auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Vertei-
digung sind gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO auf die Gerichtskasse zu nehmen,
wobei eine Nachforderung im Umfang von 2/3 vorbehalten bleibt ( Art. 135 Abs. 4
StPO).
8.3. Die Verteidigung beantragt, dem Beschuldigten seien die Verfahrenskosten
bzw. zumindest die Kosten der amtlichen Verteidigung zu erlassen (Urk. 45 S. 24;
Urk. 77 S. 10). Der Beschuldigte geht zur Zeit zwar keiner Erwerbstätigkeit und ist
mittellos. Jedoch verfügt der Beschuldigte über eine Berufsausbildung und er hat
die Handelsschule erfolgreich abgeschlossen, so dass davon ausgegangen wer-
den darf, dass der Beschuldigte in naher Zukunft wieder einer Erwerbstätigkeit
nachgehen und sich seine finanziellen Verhältnisse wieder verbessern werden.
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Der Beschuldigte führte anlässlich der Berufungsverhandlung denn auch aus, er
versuche, wieder eine Stelle zu finden, indem er sich auf ausgeschriebene Stellen
bewerbe (Urk. 76 S. 2). Zudem erklärte der Beschuldigte, er habe von seiner
Grossmutter kürzlich ca. Fr. 38'000.-- geerbt, wovon noch ca. CHF 30'000.-- vor-
handen seien (Urk. 76 S. 4). Angesichts dieser finanziellen Verhältnisse recht-
fertigt es sich nicht, dem Beschuldigten die Verfahrenskosten zu erlassen.