Decision ID: 77adcce3-fccc-48a7-90d6-ebb24e1f509f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Mit Verfügung vom 1
2.
November 2009 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
X._
, geboren 1964,
eine vom
1.
Januar 2006
bis 3
1.
Januar 2009 befristete
halbe Invalidenrente (zuzüglich Kinderrente) zu (
Urk.
6/75 und
Urk.
6/78). Diese wurde
mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 1
8.
März 2011 im Verfahren
Nr.
IV.2009.01188 bestätigt (
Urk.
6/81 Dispositiv
Ziff.
1). Mit Urteil vom 3
1.
Mai 2011 trat das Bundesgericht auf die vom Versi
cherte
n
dagegen erhobene Beschwerde vom 1
0.
Mai 2011 (
Urk.
6/83/2-5) nicht ein (
Urk.
6/82).
1.
2
Nach erneuter Anmeldung des Versicherten zum Leistungsbezug bei der Invali
denversicherung vom 1
5.
September 2011 (Urk. 7/85) verneinte die IV-Stelle nach vorgenommen
en
medizinischen und beruflich-erwerblichen Abklärungen mit Verfügung vom
4.
Juni 2012 einen Anspruch des Versicherten auf eine Inva
lidenrente (
Urk.
6/107).
Mit
Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
9.
November 2013 im Verfahren Nr. IV.2012.00664 wurde die
vom Versicherten
dagegen
erhobene
Beschwerde
(
Urk.
6/110/3-13)
in dem Sinne
gutgeheissen
,
dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache an die
IV-Stelle zu weiteren medizinischen Abklärungen und erneutem Entscheid über den Rentenanspruch des Versicherten
zurückgewiesen
wurde
(
Urk.
6/112 Dispositiv
Ziff.
1)
.
D
ie IV-Stelle
veranlasste
beim Zentrum
Z._
ein Gutachten
mit zusätzliche
r
Evaluation der funktionellen Leis
tungsfähigkeit
, welches am 1
5.
Januar 2015 erstattet wurde (
Urk.
6/131).
Infolge einer am
6.
September 2016
durchgeführten
medialen
Arthrotomie
und
Patel
lektomie
des
linken
Knies (
vgl.
Urk.
6/156
/5-6
) veranlasste die IV-Stelle beim Regional
en
Ärztlichen Dienst (RAD) eine orthopädisch-internistische Unter
suchung, über welche am 1
4.
August 2017 Bericht erstattet wurde (
Urk.
6/167-168).
M
it Verfügung vom
2
2.
Februar 2018
sprach die IV-Stelle dem Versicherten
eine
vom
1.
Januar 2016 bis 3
1.
Oktober 2017
befristete ganze Invalidenrente zu (
Urk.
6/178,
Urk.
6/188).
1.
3
Am
1
5.
Oktober 2018
meldete sich der Versic
herte erneut unter Hinweis auf s
eit 1993 bestehende Beschwerden mit dem linken Bein und Knie
, welche seit April 2018 wieder aufgetreten seien,
sowie eine seit 2005 bes
tehende lumbale Prob
lematik
, welche seit Juli 2018 wieder aufgetreten sei,
und einen im Juli 2018 erlittenen Herzinfarkt bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/193
Ziff.
6.1).
Die IV-Stelle nahm Abklärungen der medizinischen und der
beruflich-erwerblichen Situation vor und verneinte nach durchgeführtem Vorbe
scheidverfahren (
Urk.
6/208
,
Urk.
6/213
) mit Verfügung vom
2.
Dezember 2019 einen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
1
4.
Januar
20
20
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2.
Dezember
2019 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die
Vorinstanz zu verpflichten, ergänzende medizinische Abklärungen vorzu
nehmen und anschliessend über seinen Anspruch neu zu verfügen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Februar 2020 (
Urk.
5) beantragte die IV-Stelle
,
die Beschwerde sei abzuweisen, was dem Beschwerdeführer am 1
4.
Februar 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Wurde die Rente nach Verminderung des Invaliditätsgrades aufgehoben, erreicht dieser jedoch in den folgenden drei Jahren wegen einer auf dasselbe Leiden zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit erneut ein rentenbegründendes Ausmass, so werden gemäss
Art.
29
bis
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV
)
bei der Berechnung der Wartezeit nach
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG früher zurück
gelegte Zeiten angerechnet.
1
.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.
4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich,
so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
benem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
5
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu han
deln.
1.
6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass sich der Beschwerdeführer am 1
8.
Oktober 2018 erneut zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet habe. Die letzte Verfügung datiere vom 2
2.
Februar 201
8.
Damals sei
ihm
eine bis Ende Februar 2017
[richtig wohl: bis Ende Oktober 2017]
befristete Rente ausgerichtet worden.
Als
Taxi-Chauffeur
habe
eine zumutbare Rest-Arbeitsfähigkeit von 65
%
bestanden und in einer optimal angepassten körperlich leichten wechselbelastenden Tätigkeit eine
Rest-Arbeitsfähigkeit von 78
%
.
Durch den seither erlittenen Herzinfarkt sei der Beschwerdeführer lediglich vorübergehend
arbeitsunfähig gewesen. Auch die anderen Leiden
hätten sich nicht verschlimmert
.
Die zumutbare Restarbeitsfähig
keit sei unverändert im Vergleich zum Entscheid vom 2
2.
Februar 201
8.
Auf
grund der medizinischen Unterlagen würden keine neuen Sachverhalte vorge
bracht
, und es bestehe weiterhin kein Anspruch auf eine Invalidenrente
(S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1
) geltend,
dass seine Hausärztin klar dargelegt habe, inwiefern sich sein Gesundheitszustand verschlimmert
habe
(S. 4 f.
Ziff.
4). Diese Verschlechterung werde auch im Bericht der
Klinik A._
vom 1
0.
Mai 2019 bestätigt, indem ein neu aufgetretenes
Complex Regional Pain Syndrome
(
CRPS
)
Typ II am linken Bein diagnostiziert worden sei. Der zusätzlich konsultierte Rheumatologe der Universitätsklinik
B._
habe in seinem Bericht vom
3.
Juli 2019 die Diagnose eines neuropa
thischen
Schmerzsyndroms der linken unteren Extremität, Differenzialdiagnose CRPS II, gestellt
(S. 5 f.
Ziff.
4). Selbst der
RAD-
Arzt habe am
7.
Juni 2019 aus
geführt, dass sich wohl der Gesundheitszustand neuerdings geändert habe und dass die medizinische Dokumentation in einem halben Jahr zu aktualisieren sei (S. 6
Ziff.
5). Nachdem
die Beschwerdegegnerin
die aktuellen Berichte eingeholt habe, habe der Kundenberater ohne nochmalige Rücksprache mit dem RAD auf einen im wesentlichen unveränderten Sachverhalt und die Abweisung des Leis
tungsbegehrens geschlossen (S. 6
Ziff.
6). Die genaue Auswirkung der gesund
heitlichen Verschlechterung auf die Arbeitsfähigkeit sei
jedoch
nach wie vor unklar, weshalb die notwendigen ergänzenden Abklärungen vorzunehmen seien (S. 7
Ziff.
7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invali
denrente.
3.
3.1
Vergleichszeitpunkt, ob
eine revisionsrelevante Veränderung des gesundheit
lichen Zustandes des Beschwerdeführers eingetreten
ist
,
bildet die Verfügung vom 2
2.
Februar 2018 (
Urk.
6/178,
Urk.
6/188), welche nach einer eingehenden mate
riellen Prüfung des Sachverha
ltes erging (vorstehend E. 1.
5
).
Die
vom
1.
Januar 2016 bis 3
1.
Oktober 2017 befristete Zusprache einer ganzen Rente
basierte in medizinischer Hinsicht auf de
r Einschätzung der
Fachpersonen
des
Z._
vom
1
5.
Januar 2015 (
Urk.
6/131
)
sowie
auf den
orthopädisch-internistische
n
Unter
suchungsberichten der RAD-Ärzte
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappar
a
tes,
und Dipl. med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
vom 1
4.
August 2017 (
Urk.
6/167-168, vgl.
Urk.
6/176).
3.2
Am 1
5.
Januar 2015 erstatteten
PD
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation und für Rheumatologie, und Physiotherapeutin
F._
,
Z._
,
das von der Beschwerdegegnerin veranlasste
Gut
achten (
Urk.
6/131). Die
Fachpersonen
stellten folgende Diagnosen (S. 12 Mitte):
-
chronisches lumbospondylogenes Syndrom rechts
-
anamnestisch rezidivierendes
radikuläres
Reiz- und sensibles Ausfall
syndrom rechts
-
mehrsegmentale
Diskopathie
L3-S1
-
aktuell dominierende
Fazettengelenksproblematik
L2
/
L3
und
L5
/
S1
rechts, keine Anhaltspunkte für
ein
radikuläres
Reizsyndrom, mög
liches leichtes sensibles Restsyndrom S1 rechts
-
Status nach
Latissimus
dorsi
-Verlagerung rechts mit langer Narbe im Bereich der rechten Flanke, bestehend seit 1994
-
Pan-/Gonarthrose links
-
Status nach Schussverletzung 1992, mehreren Korrekturoperationen sowie
Latissimuslappenverlagerung
von rechts zum linken
Quadrizeps
1994
-
aktuell Verdacht auf mediale Meniskusläsion
-
konsekutive Beinlängenverkürzung links
-
leichte
Protrusio
acetabuli
coxae
(
PAC
) recht
s
bei
-
klinisch
em
Verdacht auf Coxarthrose rechts
-
deutliche
r
Rotationseinschränkung im Bereich der rechten Hüfte
Die
Fachpersonen
führte
n
aus,
dass die angestammte Tätigkeit
des Beschwerde
führers
als selbständiger Taxichauffeur, ursprünglich in einem 100%-Pensum, grundsätzlich mit folgenden
Einschränkungen zumutbar sei: Z
wei Stunden ver
mehrte Pausen pro Tag durch nachvollziehbare funktionelle Einschränkungen beim längeren Sitzen. Zusätzlich bestehe eine Leistungsminderung von 10
%
auf
grund einer reduzierten Kompensationsfähigkeit und wiederholter, nicht kontrol
lierbarer
Schmerzexazer
bationen
in Bezug auf das linke
Knie wie auch den Rücken, welche durch die erheblichen strukturellen Defizite nachvollziehbar seien. Daraus ergebe sich
eine Arbeitsfähigkeit von 65
%
in der angestammten Tätigkeit
.
Unter Bezug auf die vorliegenden Akten dürfte die Einschränkung in
diesem Ausmass seit drei Jahren in verglei
chbarem Ausmass vorhanden sein
(S.
13
Ziff.
5.1).
Die
Fachpersonen
führten aus, dass eine leicht
e
bis knapp mittel
schwere, wech
selpositionierte Tä
tigkeit, das heisse ein regelmässiger Wechsel zwischen kurz dauerndem Gehen/Stehen sowie Sitzen, dem Versicherten ganztags mit einer zusätzlichen Pause von einer Stunde aufgrund der sowohl beim Stehen/Gehen wie
auch beim
Sitzen vorhandenen Einschränkungen
und einer
zusätzlichen Leistungsminderung von 10
%
aufgrund unvorhergesehener respektive reizbe
dingter verlängerter Regenerationszeit zumutbar sei, entsprechend einer Arbeits
unfähigkeit von 22.5
%
. Es werde davon ausgegangen, dass es sich dabei um eine konstant vorhandene Einschränkung seit mindestens drei Jahren handle (S. 13
Ziff.
5.2).
3.
3
Am
1
4.
August 2017 erstattete
Dr.
C._
, RAD, Bericht (
Urk.
6/167) über die orthopädische Untersuchung vom 2
0.
Juli 201
7. Dr.
C._
stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5
Ziff.
8):
-
schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung des linken Knie
gelenkes bei
-
Status nach Schussfraktur des linken Femurs mit Verletzung des
Musculus
quadrizeps
femoris
links, komplizierte Nach
behandlung mit Weichteilinfekt, Weichteil
deckung mit
Latissimus
doris
-Lappen, zuletzt am
6.
September 2016
Patellektomie
-
beginnende Gonarthrose links
-
Lumboischialgie
rechts mit
-
Bandscheibendegeneration
L5
/
S1
mit Osteochondrose mit leichter medianer
Bandscheibenprotrusion
ohne Hinweise auf Kompression einer Nervenwurzel, im Wesentlichen unverändert zu August 2011 (MRI LWS November 2015)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
C._
einen Status nach Morton-Neuralgie D2/3 linker Fuss, nach konservativer Behand
lung beschwerdefrei, Krallenzehen rechts, eine beginnende Coxarthrose beidseits sowie ein
en
Nikotinabusus (S. 5
Ziff.
8).
Dr.
C._
führte aus, dass beim 53-j
ährigen Taxichauffeur anhand der vorliegenden medizinischen Bericht
erstattung und der körperlichen Untersuchung vom 2
0.
Juli 2017 ein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen sei, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige. In der bisherigen Tätigkeit als Taxichauffeur bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 35
%
seit dem 2
0.
Juli 2017 (RAD-Untersuchung). Von August 2015 bis zum 2
0.
Juli 2017 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Bis August 2015 werde auf das
Z._
-Gutachten verwiesen.
In einer
angepassten Tätigkeit, entspre
chend einer körperlich leichten wechselbelastenden Tätigkeit in frei wählbaren Positionen, ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 10 kg, ohne Arbei
ten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne häufige wirbelsäulenbelastende (Überkopfarbeit, Arbeiten in Armvorhalte) und ohne
hüft
gelenks
- und kniegelenksbelastende Zwangshaltungen und Tätigkeiten (Bücken, Hocken, Knien), ohne häufiges Gehen auf unebenem Gelände, ohne andauernde Vibrationsbelastungen und Nässe-/
Kälteexposition
sei
bis Oktober 2015 eine Arbeitsfähigkeit von 77.5
%
gegeben
(siehe
Z._
-Gutachten). Von Oktober 2015 bis z
um 2
0.
Juli 2017 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab dem 2
1.
Juli 2017 bestehe wieder eine Arbeitsfähigkeit von 77.5
%
(S. 6
Ziff.
10).
Es
sei demnach
nach der Begutachtung am
Z._
vom 1
5.
Januar 2015 zu einer vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes gekommen, indem die Schmerzen im linken Kniegelenk in der zweiten Jahreshälfte 2015
exazerbiert
seien.
N
ach am
6.
September 2016
durchgeführter
Patellektomie
links
und abge
schlossener postoperativer Behandlung sowie Abheilung der zum Ende der
post
operativen Rehabilitationsphase
aufget
ret
enen
Morton
-N
euralgie im Interdigital
raum 2/3 im Januar 2017
,
könne s
pätestens ab dem 2
0.
Juli 2017 von der oben genannten Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden
(S. 6 oben).
3.
4
Am 1
4.
August 2017 erstattete Dipl. med.
D._
Bericht (
Urk.
6/168) über die am
2
0.
Juli 2017
erfolgte allgemeinmedizinische/internistische Untersuchung. Dipl. med.
D._
konnte aus internistischer Sicht weder Diagnosen mit
,
noch solche ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
stellen (S. 5
Ziff.
8).
Sie hielt fest
, dass aus internistischer Sicht keine Einschränkung in der bisher ausgeübten Tätigkeit bestehe. Es werde auf die orthopädische Beurteilung verwiesen (S. 6
Ziff.
10).
4.
4.1
Seit der letzten
vom
1.
Januar 2016 bis 3
1.
Oktober 2017 befristeten
Renten
zusprache
mit Verfügung vom 2
2.
Februar 2018
(
Urk.
6/178,
Urk.
6/188)
präsen
tiert sich die relevante medizinische Aktenlage wie folgt:
4.
2
Dr.
med.
G._
,
Leitender Arzt Ultraschall und Rheumatologie,
Klinik A._
,
nannte in seinem Bericht vom 2
2.
November 2017 (
Urk.
6/180/2) nach gleichentags erfolgter dynamischer
Ultraschall
untersuchung als Diagnose ein subacromiales
Impingement
mit
Acromiondeformität
Typ II nach
Bigliani
mit konsekutiver
sonographischer
Narbenplattenausbildung/Bursiti
s
subacromialis
rechts.
Dr.
G._
führte zu den Befunden aus, dass
die rechte Schulter bei einer Abduktion
ab
120° schmerzhaft
sei
.
Nach
durchgeführter Infiltration
sei
eine sofortige Beschw
erdelinderung aufgetreten.
4.
3
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für
Kinder- und Jugendmedizin
,
führte in ihrem Schreiben vom 2
3.
November 2017 (
Urk.
6/180
/1
) aus, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verschlechtert habe.
So seien
neu
mas
sive Schulterschmerzen
rechts mit einer deutlichen Einschränkung der Beweg
lichkeit, welche ihn auch beim Taxifahren behinderten
, hinzugekommen
. Zusätzlich hätten seine
Beinschmerzen links
zugenommen, und
es
sei eine
deut
liche Minderdurchblutung des Untersc
henkels und des Fusses feststellbar gewe
sen. Er werde nun von den Gefässspezialisten weiter abgeklärt.
4.
4
Dr.
med. univ.
I._
, Oberarzt in Vertretung, und
Dr.
med.
J._
, Assistenz
ärztin,
Universitäres Herzzentrum,
Universitätsspital
K._
,
stellten in ihrem Bericht vom
1
1.
September 2018
(
Urk.
6/198)
folgende, teils gekürzt wiedergegebene Diagnosen (S. 1):
-
koronare
Eingefässerkrankung
, Erstdiagnose am 2
3.
Juli 2018
-
akuter Myokardinfarkt (
Nicht-ST-Hebungsinfarkt
; NSTEMI) am 2
3.
Juli 2018
-
Koronarangiographie vom 2
3.
Juli 2018: Subtotale Stenose
(99
%
) der mittleren
rechten Koronararterie (
RCA
)
daher p
erkutane
transluminale
Koronarangioplastie
(
PTCA
)
/
Stenti
n
g
/
Ramus
interventricularis
anterior
(
RIVA
)
proximal 50
%
-
Echokardiographie vom 2
6.
Juli 2018
-
Herz-MRI vom 1
5.
August 2018: Keine belastungsinduzierte Ischämie; Kleine Infarktnarbe des linken Ventrikels (LV)-Myokards inferior (basal); Normal grosser LV mit normaler systolischer Funktion
-
kardiovaskuläre Risikofaktoren: sistierter Nikotinkonsum
-
Rekonstruktion und Lappenplastik Oberschenkel links
Die Ärzte führten aus, dass am 1
1.
September 2018 eine elektive Vorstellung
des Beschwerdeführer
s
in der kardiologischen Sprechstunde zur Befundbesprechung des Herz-MRIs
vom 1
5.
August 2018 erfolgt sei.
Der Patient gebe
keine kar
dialen Beschwerden im Alltag an
(S. 1 unten). In der Herz-MRI-Untersuchung vom 1
5.
August 2018 habe sich erfreulicherweise keine belastungs
induzierte Ischämie gezeigt, so
dass bei aktuell
beschwerdefreiem Patie
nten
keine erneute koronar
angiograp
hische Intervention notwendig sei
. Eine kardiologische Verlaufskon
trolle werde in einem Jahr durchgeführt. Empfohlen werde die konsequente Einstellung der kardiovaskulären Risikofaktoren gemäss sekundär-präventiven Ziel
werten
und in diesem Rahmen moderater Ausdauersport
(S. 3 Mitte).
4.
5
Dr.
med.
L._
, Leitende Oberärztin Orthopädie, und Assistenzärztin Untere Extre
mitäten
Kleppi
,
Klinik A._
,
stellten in ihrem Bericht vom
1
4.
Septem
ber 2018 (
Urk.
6/203/7-8)
folgende Diagnose (S. 1):
-
progrediente belastungsabhängige anteriore Knieschmerzen
links mit/bei:
-
Status nach medialer
Arthrotomie
und
Patellektomie
links
fecit
Dr.
M._
am
6.
September 2016 mit/bei Status nach Kriegsverletzung mit Schussfraktur Oberschenkel links
mit Fraktur des linken Femurs und
Verletzung des
Musculus
quadriz
eps
femoris
links (und Nervus
tibialis
?) mit Primärversorgung mittels Fixateur extern und kompli
zierter Nachbehandlung mit Infektion nach
Quadrizepsplastik
und schlussendlich Weichteil
deckung mittels
Latissimus
dorsi
-Lappen links
Als Nebendiagnosen nannten die Ärzt
innen
einen Status nach Myokardinfarkt am 2
3.
Juli 2018 und eine Morton-Neuralgie Interdigitalraum 2
/3 links (S. 1 Mitte). Die Ärztinnen
führten aus, dass sich der Beschwerdeführer zwei Jahre postoperativ aufgrund erneut zunehmender
anteriorer
Knieschmerzen in der Sprech
stunde vorgestellt habe. Die Symptomatik bestehe etwa seit vier bis fünf Monaten und zeige sich
rein belastungsabhängig
. Im gleichen Zeitraum hätten sich lumbale Schmerzen eingestellt
. Gelegentlich würden
Giving
-Way-Erschei
nungen auftreten
(S. 1 unten). Zum Befund führten die Ärzt
innen
aus, es zeigten sich reizlose Narbenverhältnisse
und keine Schwellung, Rötung oder Überwär
mung
. Es finde sich die bekannte Insuffizienz des Streckapparates sowie eine
Druckdolenz
im
an
t
erioren
Kniebereich mit leichter medialer Fokussierung. Das
am 1
4.
September 2018 durchgeführte Röntgen zeige eine
n
Status nach
Patel
lektomie
und im Übrigen kein
e
wesentliche
n
Befundveränderungen im Vergleich zum vorliegenden Vorbefund vom 2
5.
November 2015 (S. 2 oben).
4.
6
Dr.
med.
M._
, Chefarzt Orthopädie, und Assistenzärztin Untere Extremitäten
Kleppi
,
Klinik
A._
,
stellten in ihrem Bericht
vom
8.
Oktober 2018
(
Urk.
6/203/11-12)
folgende Diagnose (S. 1):
-
Verdacht auf Bursitis
präpatellaris
links mit/bei:
-
Status nach medialer
Arthrotomie
und
Patellektomie
links
fecit
Dr.
M._
am
6.
September 2016 mit/bei Status nach Kriegsverletzung mit Schussfraktur Oberschenkel links
mit Fraktur des linken Femurs und
Verletzung des
Musculus
quadriz
eps
femoris
links (und Nervus
tibialis
?) mit Primärversorgung mittels Fixateur extern und kompli
zierter Nachbehandlung mit Infektion nach
Quadrizepsplastik
und schlussendlich Weichteil
deckung mittels
Latissimus
dorsi
-Lappen links
Als Nebendiagnosen nannten die Ärzte einen Status nach Myokardinfarkt vom 2
3.
Juli 2018 und eine Morton-Neuralgie Interdigitalraum 2/3 links (S. 1). Die Ärzte führten aus, dass
sich
als
Ursache für die progredienten
anterioren
Knie
schmerzen
MR
-tomographisch am
ehesten eine Flüssigkeitskollektion im Sinne einer Bursitis
präpatellaris
bei Status nach
Patellektomie
finde
(S. 1 unten). Nach Durchführung von Physiotherapie und bedarfsgerechter analgetischer und anti
phlogistischer Medikation werde in drei Monaten eine Verlaufskontrolle durchge
führt (S. 2 oben).
4.
7
Dr.
med.
H._
stellte in ihrem Bericht vom
1
9.
November 20
18 (
Urk.
6/196) in der Hauptsache folgende Diagnosen:
-
akuter Myokardinfarkt (Erstdiagnose 2
3.
Juli 2018) bei koronarer
Einge
fässerkrankung
-
Status nach medialer
Arthrotomie
und
Patellektomie
links
fecit
Dr.
med.
M._
am
6.
September 2016
-
Status nach Kriegsverletzung mit Schussfraktur Oberschenkel links mit Fraktur des linken Femurs und Verletzung des
Musculus
quadrizeps
femoris
links (und Nervus
tibialis
?) mit Primärversorgung mittels Fixateur extern und komplizierter Nachbehandlung mit Infektion nach
Quadrizeps
plastik
und schlussendlich Weichteildeckung mittels
Latissimus
doris
-Lappen links
Dr.
H._
führte aus, dass der Beschwerdeführer am
2
3.
Juli 2018
während der Autofahrt einen
Herzinfarkt erlitten
habe und seither nicht mehr als Taxifahrer tätig sei. Zudem sei
bei seinem linken Bein eine
enorme Instabilität eingetreten.
Er sei seit dem Herzinfarkt zu 100
%
arbeitsunfähig.
4.
8
In seiner Stellungnahme vom 2
5.
März 2019 (
Urk.
6/207/4-5) führte RAD-Arzt
Dr.
C._
aus,
dass die Ärzte der
Klinik
A._
am 1
4.
September und am
8.
Oktober 2018 über einen
anterioren
Knieschmerz links bei Verdacht auf eine Bursitis
praepatellaris
, einem Status nach
Patellektomie
am
6.
September 2016 sowie über degenerative Veränderungen berichtet hätten. Eine Bursitis
praepa
tellaris
sei der Therapie gut zugänglich und führe nicht zu einer länge
r dauernden Arbeitsunfähigkeit.
B
ei der von
Dr.
G._
,
A._
,
am 2
2.
November 2017 diagnostizierte
n
akute
n
Bursitis
subacromialis
habe
eine Infiltrations
behandlung zur unmittelbaren Beschwerdelinderung geführt. Eine länger dau
ernde Arbeitsunfähigkeit sei nicht auszumachen. Die
Dres
.
I._
und
J._
, vom
K._
, sähen am 1
1.
September 2018 nach einem mit einem Stent behandelten Herzinfarkt
vom 2
3.
Juli 2018 einen
hämodyn
amisch
stabilen, klinisch kardiopulmonal kompensierten Patienten, der in der Lage sei, moderaten Ausdauersport zu betreiben. Es sei keine belastungsinduzierte Ischämie im Herz-MRI vom 1
5.
August 2018 nachweisbar. Damit sei eine leichte Tätigkeit möglich.
Dr.
C._
hielt fest, dass die von der Hausärztin
Dr.
H._
am 1
9.
November 2018 attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit anhand der objek
tivierbaren Unter
suchungsbefunde nicht nachvollziehbar und
unplausibel
sei. Insgesamt lägen also keine neuen gesundheitlichen Beeinträchtigungen vor, die eine länger dauernde Änderung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hätten.
4.
9
Dr.
G._
,
Klinik
A._
,
stellte in seinem Bericht vom 1
0.
Mai 2019 (
Urk.
6/
212
)
in der Hauptsache
folgende Diagnosen (S. 1):
-
C
RPS Typ II linkes Bein gemäss IASP-Diagnosekriterien (Budapest Krite
rien)
-
sonographische
Synovitis
linkes Knie mit
synovialen
Proliferationen und minimer Ergussbildung
-
Tractus
iliotibialis
Syndrom mit
sonografisch
wenig
peritendinöser
Flüs
sigkeit an der Insertionsstelle am
Tuberculum
gerdii
-
CAM-
Impingement
linke Hüfte
(
Sono
und MRI)
-
chronische
lumbospondylogene
Beschwerden rechts
-
anamnestisch Status nach
PTCA
- und
Stenting
nach Herzinfarkt
Dr.
G._
führte aus,
dass es aufgrund der aktuellen rheumatologischen Beur
tei
lung
seit der Operation vom
6.
September 2016 zu einer Beschwerdezunahme und neu dem Auftreten eines CRPS Typ II des linken Beines gekommen sei.
Aus seiner Sicht mache dies eine nochmalige Beurteilung des Patienten aufgrund der veränderten Sachlage notwendig.
Er b
itte
PD
Dr.
N._
, Chefarzt Rheumato
logie
, Universitätsklinik
B._
, den Patienten bezüglich des CRPS zu beurteilen und therapeutische Massnah
men
durchzuführen
(S. 2 unten).
4.10
Dr.
H._
führte in ihrem
Einwandschreiben
vom 1
6.
Mai 2019 (
Urk.
6/213) gegen den Vorbescheid vom
9.
April 2019 (
Urk.
6/208) aus, dass darum gebeten werde, den Beschwerdeführer nochmals für eine Untersuchung aufzubieten. Neben der Instabilität des linken Beines hätten die Schmerzen im linken Knie wieder zugenommen und eine Gehstrecke von mehr als 100 Meter sei nicht mehr möglich. Der Beschwerdeführer habe seit September 2017 seine Arbeit als Taxichauffeur auf etwa 30
%
reduzieren müssen. Die Schmerzen im Knie
gelenk sowie im Rücken beeinträchtigten ihn sowohl tagsüber wie auch nachts. Er könne sich schlecht konzentrieren und leide häufig unter Tagesmüdigkeit
und sei zunehmend depressiv
(S. 1).
Weiter habe sich
ein CRPS entwickelt
(S. 2).
4.
11
Dr.
C._
, RAD, führte in seiner Stellungn
ahme vom
7.
Juni 2019 (
Urk.
6/2
19/3) aus, dass
Dr.
G._
am 1
0.
Mai 2019 geschrieben habe, dass neu ein CRPS auf
getreten sei. Weitere Untersuchungen und Behandlungen seien erforderlich und eingeleitet. Somit habe sich wohl der Gesundheitszustand neuerdings geändert. Die medizinische Dokumentation sei in einem halben Jahr zu aktualisieren.
4.
12
PD
Dr.
N._
stellte in seinem Bericht vom
3.
Juli 2019 (
Urk.
6/215/8-9) folgende Diagnosen (S. 1):
-
neuropathisches Schmerzsyndrom linke untere Extremität, Differenzial
diagnose (DD) CRPS II
-
Status nach Schussfraktur Femur links, ausgedehnte Weichteilverlet
zungen und Verletzung des Nervus
ischiadicus
1993
-
Status nach
Patellektomie
links vom
6.
September 2016
-
aktenanamnestisch Status nach
PTCA
und
Stenting
nach Herzinfarkt 2018
PD
Dr.
N._
führte aus, dass eine Zuweisung zur Evaluation von weiteren Therapieoptionen im Rahmen der genannten Diagnosen erfolgt sei. Der Patient berichte weiterhin über eine ausgeprägte Funktionseinschränkung sowie über Schmerzen an der linken unteren Extremität. Die aktuelle
Gehdauer
betrage etwa 500 Meter. Es bestünden im Fussbereich ziehende und drückende Schmerzen sowie eine ausgeprägte Wetterfühligkeit.
Er
leide an einer ausgeprägten Druck- und Berührungsempfindlic
hkeit ab distalem Unterschenkel
. Die Option einer Or
these sei evaluiert, schlussendlich vom Patienten jedoch nicht gewünscht worden (S. 1 unten).
PD
Dr.
N._
führte aus,
dass ein nach wie vor protrahierter Verlauf nach Schussverletzung der unteren linken Extremität 1993 bestehe. Der Patient sei aufgrund der verminderten Belastbarkeit beziehungsweise Schwäche und der Schmerz
symptomatik substanziell in seiner Aktivität und Partizipation einge
schränkt. Die Physiotherapie sei im Mai 2019 aufgrund von fehlendem Anspre
chen sistiert worden. Entsprechend sehe er aus
physikalisch-medizinischer S
icht
zur Zeit
keine Möglichkeit,
die Situation zu verbessern. Es sei kein Verlaufstermin vereinbart worden (S. 2 unten).
5.
5.
1
Die Beschwerde
gegnerin
ging in ihrer Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die Stel
lungnahme des RAD-Arztes
Dr.
C._
vom 2
5.
März 2019 (vorstehend E. 4.
8
)
sowie auf die Einschätzung des Kundenberaters vom
1
3.
November 2019
davon aus, dass seit der letzten
rechtskräftigen Verfügung vom
2
2.
Februar 2018
,
mit
welcher
dem Beschwerdeführer eine vom
1.
Januar 2016
bis
3
1.
Oktober 2017
befristete ganze Invalidenrente zugesprochen wurde (
Urk.
6/178,
Urk.
6/188
)
,
keine aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht relevante Veränderung des Gesundheitszustandes eingetreten sei (vorstehend E. 2.1
,
Urk.
6/
219/3
).
Dagegen machte der Beschwerdeführer geltend, dass eine Verschlechterung seines Gesund
heitszustandes klar ausgewiesen
sei
und sogar vom RAD als realistisch angesehen werde. Die genauen Auswirkungen dieser Verschlechterung auf die Arbeitsfähig
keit seien ungenügend abgeklärt worden, indem nicht einmal eine Rücksprache mit dem RAD erfolgt sei (vorstehend E. 2.2).
5.
2
Wie sich der Stellungnahme von
RAD-Arzt
Dr.
C._
vom
7.
Juni 2019
(vor
stehend E. 4.11)
entnehmen
lässt, sah
er
in dem neu von
Dr.
G._
in seinem Bericht vom 1
0.
Mai 2019 (vorstehend E. 4.9) diagnostizierten CRPS eine Verä
n
derung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
und hielt dafür, die
medi
zinische Dokumentation in einem halben Jahr zu aktualisieren.
Im weiteren Ablauf verzichtete die Beschwerdegegnerin jedoch darauf, den Bericht von PD
Dr.
N._
vom
3.
Juli 2019
(vorstehend E. 4.12)
Dr.
C._
für eine abschl
ies
sende Stellungnahme vor
zu
legen. S
tattdessen nahm der zuständige Kundenbe
rater eine Beurteilung der medizinischen Sachverhaltslage vor
(vgl.
Urk.
6/219/3
)
, welches Vorgehen sich aus den nachfolgend dargelegten Gründe
n als nicht statt
haft erweist.
So kann
bei vorliegend verschiedentlich dokumentierten progredienten Kniebe
schwerden (vorstehend E.
4.5-6)
sowohl die von
Dr.
G._
gestellte Diagnose eines CRPS
(vorstehend E. 4.9) als auch
das von PD
Dr.
N._
in seinem Bericht vom
3.
Juli 2019 (vorstehend E. 4.12) diagnostizierte neuropathische Schmerz
syndrom weitreichende Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einer betroffenen Person zeitigen. Nur weil PD
Dr.
N._
keine Therapieoptionen sah, bedeutet dies nicht, dass keine Einschränkungen bestehen
respektive von einem seit der
letztmaligen Anspruchsprüfung unveränderten Gesundheitszustand des Beschwerde
führers auszugehen ist
, zumal sich auch die anfänglich gestützt auf
die damalige Aktenlage getroffene Annahme von
Dr.
C._
, wonach es sich lediglich um eine einer Therapie gut zugänglichen Bursitis
pr
a
epatellaris
gehan
delt haben soll, nicht be
stätigt
e (vorstehend E. 4.6 und E. 4.8).
Eine fachärztliche Einschätzung der Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der von PD
Dr.
N._
als ausgeprägt bezeich
neten Funktionseinschränkungen
a
n
der linken unteren Extremität liegt nicht vor.
Damit bleibt unklar,
ob und in welchem Ausmass
das medizi
nisch festgestellte Leiden zu einer andauernd
en oder vorübergehenden Arbeits
unfähigkeit in bestimmter Höhe und Ausprägung führt.
Aufgrund der Komplexität
der medizinischen Sachlage
wäre diese Frage fachärztlich zu beant
worten gewesen und nicht durch den Kundenberater
der Beschwerdegegnerin
.
Auch kann nicht unbesehen
auf die
Ausführungen
der Hausärztin
Dr.
H._
(vorstehend E.
4
.3, E. 4.7 und E. 4.10
) abgestellt werden, zumal das Gerich
t in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten der Erfahrungs
tatsache Rechnung zu tragen hat, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aus
fallen
(BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Insbesondere
lässt sich die von
Dr.
H._
attestierte vol
lumfängliche Arbeitsun
fähigkeit unter anderem im Zusammenhang mit dem am 2
3.
Juli 2018 erlittenen Myokard
infarkt oder die von ihr als massiv beschriebenen Schulterschmerzen rechts
mit Blick auf die jeweiligen fachärztlichen Berichte
(vorstehend E. 4.2 und E. 4.4)
nicht nachvollziehen.
Die koronare Problematik wird jedoch bei allfälligen medi
kamentösen Behandlungsmöglichkeiten der linken unteren Extremität nicht aus
zu
blenden sein.
5
.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2)
.
5
.4
Aufgrund des Gesagten erweist sich der medizinische Sachv
erhalt als ungenü
gend abgeklärt, insbesondere hinsichtlich der Auswirkungen des neu aufgetre
tenen CRPS respektive
des
neuropathischen Schmerzsyndroms. Da der Be
schwer
deführer überdies noch im Juli 2018
einen
Myokardinfarkt
erlitten hat
und weiter noch ein Schulterleiden dokumentiert wurde
, drängt sich vorliegend
zur Beurtei
lung, inwiefern sich der gesundheitliche Zustand des Beschwerdeführers
seit der letzten Prüfung seines Rentenanspruchs verändert hat, eine
umfassende polydis
ziplinäre Begutachtung auf.
Die angefochtene Verfügung
vom
2.
Dezember 2019 (
Urk.
2)
ist folglich aufzu
heben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwä
gungen und zu erneutem Entscheid über den Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen.
6
.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses und beim massgebenden Stundenansatz von
Fr.
185
.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2’2
00.-- (inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.