Decision ID: 51a6102c-9e4e-4ca3-9b37-fbdfae807e5b
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist seit dem 16. August 1965 im Besitz des Führerausweises der Kategorie B.
Zudem verfügt er seit dem Jahre 1991 über die Kategorien A1, A2, D2, E, F und G. Am
Dienstag, 29. August 2017, kollidierte er während des feierabendlichen Stossverkehrs
in Schaffhausen als Fahrzeuglenker seines Cadillacs bei einem Spurwechsel seitlich
mit einem Sattelschlepper. Die durch den Chauffeur des Sattelschleppers alarmierten
Polizisten fanden die beiden Fahrzeuge in der Unfallendlage vor. Nach dem Erstellen
von Unfallfotos wurden die Fahrzeuge zur Seite gestellt und die Unfallbeteiligten vor Ort
befragt. Anschliessend konnten beide Fahrzeuglenker die Weiterfahrt antreten.
B.- Mit Strafbefehl vom 21. September 2017 wurde X im Zusammenhang mit dem
Vorfall vom 29. August 2017 der Verletzung der Verkehrsregeln durch Nichtgewähren
des Vortritts beim Fahrstreifenwechsel schuldig gesprochen und mit einer Busse von
Fr. 400.– bestraft. Aufgrund einer halbjährigen Auslandabwesenheit von X sistierte das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt das Administrativmassnahmeverfahren bis am
31. Mai 2018. Mit Schreiben vom 1. Juni 2018 gewährte es X das rechtliche Gehör zur
in Aussicht gestellten Fahreignungsabklärung. Durch die Rechtsschutzversicherung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beantragte dieser am 5. Juli 2018, es sei von der Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Abklärung sowie von einer allfällig vorgesehenen Kontrollfahrt
abzusehen. Mit Verfügung vom 6. Juli 2018 forderte das Strassenverkehrsamt X auf,
sich innert 20 Tagen mit einem Arzt der Stufe 3 in Verbindung zu setzen, um einen
Untersuchungstermin zu vereinbaren. Die Kosten für die Untersuchung gingen zu
Lasten von X. Der Arzt müsse dabei zu folgenden Fragen Stellung nehmen:
- Ergeben sich aus medizinischer Sicht konkrete Hinweise auf das Vorliegen
einer fehlenden Fahreignung?
- Liegen andere medizinische relevante Befunde vor?
- Wenn ja, welche Problematik besteht und welche Massnahmen sollten ergriffen
werden?
- Wenn nein, sind Auflagen oder weitere Abklärungen notwendig?
Hinweis: Wenn eine Kontrollfahrt angezeigt ist, hat diese unter ärztlicher Begleitung
zu erfolgen. Wenn jedoch keine Begleitung erforderlich ist, muss das für den
prüfenden
Verkehrsexperten begründet werden.
- Falls die Fahreignung nicht befürwortet werden kann, welche Bedingungen sollten
vor
einer erneuten Beurteilung / Wiederzulassung erfüllt sein?
C.- Dagegen erhob X durch seinen Rechtsvertreter am 23. Juli 2018 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Innerhalb der angesetzten Nachfrist ging beim Gericht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Rekursergänzung vom 27. August 2018 ein. Der Rekurrent beantragte, die
Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 6. Juli 2018 sei aufzuheben, eventuell sei in
der Sache neu zu entscheiden (Ziff. 1), für den Fall, dass eine ärztliche Untersuchung
angeordnet werden sollte, sei dem Strassenverkehrsamt zu verbieten, die Frage zwei
("Liegen andere medizinisch relevante Befunde vor?") und drei ("Wenn ja, welche
Problematik besteht und welche Massnahmen sollten ergriffen werden?") zu stellen
(Ziff. 2a), ferner sei festzustellen, dass für die Auferlegung der Untersuchungskosten
zulasten des Rekurrenten keine rechtliche Grundlage bestehe (Ziff. 2b); unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen (Ziff. 3). Die Vorinstanz liess sich am 12. September 2018
vernehmen und beantragte die Abweisung des Rekurses. Am 28. September 2018
nahm der Rechtsvertreter des Rekurrenten nochmals schriftlich Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 23. Juli 2018 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt zusammen mit der Rekursergänzung vom 27. August 2018 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Strittig ist vorliegend, ob die Voraussetzungen für eine ärztliche
Kontrolluntersuchung bei einem Arzt der Stufe 3 gegeben sind.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
a) aa) Die Vorinstanz führte in ihrer Verfügung vom 6. Juli 2018 aus, der Rekurrent habe
am 29. August 2017 einen Verkehrsunfall verursacht. Verdachtsgründe fehlender
Fahreignung könnten bereits bestehen, wenn die Polizei mitteile, dass eine Person im
Verkehr auffällig geworden sei. Aufgrund der polizeilichen Feststellungen (verlangsamte
Reaktion, Schwierigkeiten beim Ein- und Aussteigen, Nichtanziehen des
Sicherheitsgurtes, Nichtmehrauffinden des Fahrzeugschlüssels) werde an der
Anordnung einer ärztlichen Untersuchung der Stufe 3 festgehalten. Der langjährige
ungetrübte Leumund könne nicht berücksichtigt werden. In Anwendung von Art. 15d
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) in Verbindung mit
Art. 7 Abs. 1 und Art. 27 Abs. 1 lit. a bzw. b und Abs. 4 der Verordnung über die
Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt:
VZV) werde der Rekurrent aufgefordert, einen Bericht einer Ärztin oder eines Arztes der
Stufe 3 einzureichen, der über die Fahreignung aus medizinischer Sicht Auskunft gebe.
In der Vernehmlassung vom 12. September 2018 wurde des Weiteren erklärt, der
Rekurrent sei wegen Verletzung der Verkehrsregeln durch Nichtgewähren des Vortritts
beim Fahrstreifenwechsel gebüsst worden, weshalb sich weitere Ausführungen
erübrigen würden. Der Verweis auf die Ergebnisse der ärztlichen Kontrolluntersuchung
der Stufe 1 sei nicht zielführend, da die Untersuchungen allesamt vor dem fraglichen
Ereignis stattgefunden hätten. Der Gesundheitszustand könne sich namentlich im
hohen Alter sehr schnell verschlechtern. Bereits der Umstand, dass der Rekurrent den
Sattelschlepper übersehen habe, würde gewisse Zweifel an der Fahreignung
aufkommen lassen. Es mache den Eindruck, dass der Rekurrent mit der ganzen
Verkehrssituation überfordert gewesen sei. Aufgrund der polizeilichen Feststellungen
sei eine Untersuchung bei einem Arzt der Stufe 3 angezeigt.
bb) Der Rechtsvertreter führte im Rekurs, in der Rekursergänzung sowie der weiteren
Eingabe vom 28. September 2018 zusammengefasst im Wesentlichen aus, der
Rekurrent habe am 29. August 2017 zunächst den rechten Blinker gesetzt, um
anzuzeigen, dass er auf die rechte Fahrspur in Richtung Winterthur wechseln wolle. Der
Personenwagen vor dem Sattelschlepper habe stark beschleunigt, so dass eine grosse
Lücke entstanden sei. Der Sattelschlepper sei noch stillgestanden. Der Rekurrent habe
deshalb annehmen dürfen, dieser wolle ihn vor sich reinlassen, so habe er die Spur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gewechselt und wieder beschleunigen wollen, als es zum Unfall gekommen sei. Der
Lenker des Sattelschleppers habe jedoch erklärt, den Wagen des Rekurrenten und
dessen Blinker nicht wahrgenommen zu haben, obwohl er das auf seine Spur
einlenkende Fahrzeug hätte sehen müssen. Auch über die Distanz zwischen ihm und
dem vorausfahrenden Personenwagen habe er nichts aussagen können, was darauf
hinweise, dass er nicht auf den Verkehr vor und neben sich geachtet habe. Sodann
würden die Unfallaufnahmen belegen, dass nicht der Rekurrent in den Sattelschlepper
gefahren sei, sondern umgekehrt.
Die Mitteilung eines Polizisten, wonach eine Person im Strassenverkehr angeblich
auffällig geworden sein solle, reiche für eine Untersuchung der Stufe 3 nicht aus.
Gemäss Art. 15d Abs. 1 lit. e SVG sei dafür die Meldung eines Arztes vorausgesetzt.
Sodann habe die Polizei die rapportierten Auffälligkeiten nicht im Verkehr festgestellt,
sondern im rekurrentischen Verhalten nach dem Unfall. Wer nicht allzu abgebrüht sei,
könne aber durchaus mit Schock oder Verunsicherung auf einen Unfall reagieren, ohne
dass daraus Zweifel an der Fahrfähigkeit abgeleitet werden könnten. Inhaltlich bestehe
die Mitteilung des Polizisten aus unüberprüfbaren und auch nicht belegten
Werturteilen.
Sodann sei vor Erlass der Verfügung vom 6. Juli 2018 der Vorinstanz der übliche, jedes
zweite Jahr vorzulegende ärztliche Bericht der Stufe 1 vom 2. Juli 2018 zugestellt
worden. Dieser enthalte keinen Hinweis darauf, dass medizinisch eine weiterführende
Untersuchung der Stufe 3 oder gar 4 indiziert wäre.
b) Art. 15d SVG hält fest, dass eine Person einer Fahreignungsuntersuchung
unterzogen wird, wenn Zweifel an deren Fahreignung bestehen. Im Unterschied zum
Warnungsentzug ist für die Anordnung einer solchen Untersuchung nicht erforderlich,
dass ein rechtskräftiger Strafentscheid vorliegt; es muss nicht direkt auf
nachgewiesene Tatsachen abgestellt werden. Materiell, d.h. hinsichtlich eines allfälligen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Führerausweisentzugs, wird mit einer Untersuchung im Übrigen auch noch nichts
entschieden. Die Aufzählung in Art. 15d SVG sieht vor, dass die Voraussetzung für eine
verkehrsmedizinische Untersuchung beispielsweise bei Fahren in angetrunkenem
Zustand mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,6 Gewichtspromille oder mehr oder
mit einer Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg Alkohol oder mehr pro Liter Atemluft
gegeben ist (Art. 15d Abs. 1 lit. a SVG). Sodann ist dies bei Fahren unter dem Einfluss
von Betäubungsmitteln oder bei Mitführen von Betäubungsmitteln, die die Fahrfähigkeit
stark beeinträchtigen oder ein hohes Abhängigkeitspotenzial aufweisen, der Fall
(Art. 15d Abs. 1 lit. b SVG). Weiter ist eine verkehrsmedizinische Untersuchung bei
Verkehrsregelverletzungen, die auf Rücksichtslosigkeit schliessen lassen (Art. 15d
Abs. 1 lit. c SVG), bei Meldung einer kantonalen IV-Stelle nach Art. 66c des
Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (Art. 15d Abs. 1
lit. d SVG) oder bei Meldung eines Arztes, dass eine Person wegen einer körperlichen
oder psychischen Krankheit, wegen eines Gebrechens oder wegen einer Sucht
Motorfahrzeuge nicht sicher führen kann (Art. 15d Abs. 1 lit. e SVG), vorzunehmen.
Die Aufzählung in Art. 15d Abs. 1 SVG ist nicht abschliessend. Nach dem in der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung berücksichtigten Leitfaden "Verdachtsgründe
fehlender Fahreignung; Massnahmen; Wiederherstellung der Fahreignung" der
Expertengruppe Verkehrssicherheit vom 26. April 2000 (Jurius, Verdachtsgründe
fehlender Fahreignung – Ein Leitfaden für die Administrativ-, Justiz- und
Polizeibehörden, in: Jusletter 11. September 2000; vgl. beispielsweise BGer 6A.
38/2003 vom 12. August 2003) liegt unter anderem dann ein Verdachtsgrund für
fehlende Fahreignung vor, wenn eine allgemeine Verlangsamung, Umständlichkeit,
Unbeholfenheit oder Unbeweglichkeit am Steuer vorliegt. Dabei bezieht sich die
Verlangsamung auf die Wahrnehmung oder Aufnahmefähigkeit und/oder die
Bewegungsabläufe. Diese können psychisch oder physisch bedingt sein. Hinweise
darauf ergeben sich oftmals durch auffälliges Verkehrsverhalten, beispielsweise
Unsicherheit, Langsamfahrt, sichtliche Überforderung in komplizierten
Verkehrssituationen und Geisterfahrer auf Autobahnen (Jurius, a.a.O., Ziff. II.5).
Insoweit ist also grundsätzlich keine ärztliche Meldung erforderlich.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
c) Vorliegend ist es bei dichtem Feierabendverkehr in Schaffhausen bei einem
Spurwechsel des Rekurrenten auf einer dreispurigen Strecke zu einem Unfall
gekommen. Der Rekurrent ist mit Strafbefehl vom 21. September 2017 der Verletzung
der Verkehrsregeln durch Nichtgewähren des Vortritts beim Fahrstreifenwechsel
schuldig gesprochen und gebüsst worden. Es gibt jedoch keine hinreichenden
Hinweise darauf, dass die Verkehrsregelverletzung aufgrund einer allgemeinen
Verlangsamung, Umständlichkeit, Unbeholfenheit oder Unbeweglichkeit am Steuer
geschehen wäre. Anlässlich der Befragung durch die Polizei unmittelbar nach dem
Unfall gab der Rekurrent an, den Lastwagen nicht gesehen zu haben. Sein
Rechtsvertreter führte später aus, nachdem der dem Lastwagen vorausfahrende
weisse Personenwagen angefahren sei, habe es zwischen diesem und dem noch
stillstehenden Lastwagen eine Lücke gegeben, die der Rekurrent für den Spurwechsel
habe nützen wollen. Er sei davon ausgegangen, dass der Lastwagen ihn reinlassen
wolle. Der Lastwagenchauffeur seinerseits erklärte, er habe den gestellten Blinker des
Personenwagens des Rekurrenten von oben nicht gesehen und dessen Fahrzeug erst
bemerkt, als es bereits zur Kollision gekommen sei. Damit liegt nahe, dass der Unfall
aufgrund eines Missverständnisses bzw. aufgrund fehlender Aufmerksamkeit sowohl
des Rekurrenten als auch des Lastwagenchauffeurs geschehen war. Gleiches hätte
auch einem 40-jährigen Autofahrer beim Spurwechsel im hektischen
Feierabendverkehr passieren können.
Gemäss Polizeirapport verhielt sich der Rekurrent bei der polizeilichen Befragung nach
dem Unfall unkooperativ. Weder dies noch, dass er nach der Befragung ohne
Sicherheitsgurte losfahren wollte oder kurzzeitig den Fahrzeugschlüssel im Kofferraum
verlegte, lassen Rückschlüsse auf eine Verlangsamung oder Unbeholfenheit im
Strassenverkehr zu. Wie es sich mit der Einstellung des Seitenspiegels verhalten hatte,
lässt sich heute nicht mehr überprüfen. Jedenfalls kann nicht ausgeschlossen werden,
dass dieser durch den Unfall verstellt wurde. Der Rekurrent selbst erklärte anlässlich
der Befragung, dass er infolge des Unfalls unter Schock stehe. In einer derartigen
Situation kann es durchaus vorkommen, dass man nicht adäquat reagiert, nicht sofort
auf Fragen Antworten geben kann oder nicht mehr weiss, wo man den
Fahrzeugschlüssel gerade hingelegt hat. Wie der Rekurrent nach dem Unfall aus
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
seinem Fahrzeug gestiegen ist, lässt ebenfalls keine Rückschlüsse auf seine
Fähigkeiten zum sicheren Lenken des Fahrzeugs zu. Ausschliesslich aufgrund des
hohen Alters des Rekurrenten darf keine Verlangsamung oder Unbeholfenheit im
Strassenverkehr angenommen werden. Es gibt auch keinerlei Hinweise, dass der
Rekurrent vor dem Unfall auffällig gefahren war. Hinzu kommt, dass die Polizisten den
Rekurrenten nach dem Unfall nach Hause fahren liessen. Trotz ihrer Feststellungen
hielten sie ihn demnach für fahrfähig. Der aufgrund des Alters alle zwei Jahre
vorgeschriebenen vertrauensärztlichen Untersuchung hat sich der Rekurrent letztmals
am 2. Juli 2018, also rund ein Jahr nach dem Unfall, unterzogen. Dabei sind keine
Auffälligkeiten festgestellt worden. Auch der bisherige automobilistische Leumund des
Rekurrenten ist einwandfrei.
d) Insgesamt ist festzuhalten, dass keine Zweifel an der Fahreignung des Rekurrenten
bestehen. Die Voraussetzungen für eine ärztliche Kontrolluntersuchung (Stufe 3) sind
damit nicht gegeben. Der Rekurs ist gutzuheissen und die vorinstanzliche Verfügung
vom 6. Juli 2018 aufzuheben.
3.- Der Rechtsvertreter des Rekurrenten monierte, dass das Strassenverkehrsamt bei
verkehrsmedizinischen Untersuchungen den Gutachtern regelmässig und systematisch
auch Fragen unterbreite, die nichts mit der Fahreignung zu tun hätten (Frage 2 und 3
der angefochtenen Verfügung). Dieses Vorbringen ist aufgrund der Aufhebung der
vorinstanzlichen Verfügung vorliegend nicht mehr zu prüfen. Dennoch kann
grundsätzlich festgehalten werden, dass verkehrsmedizinische Abklärungen sich nur
auf die Fahreignung beziehen dürfen. Die Feststellung anderer medizinischer Befunde
ist nicht zulässig. Bei fehlender Fahreignung ist allerdings die diesbezügliche konkrete
Problematik entscheidend. Auch sind in diesem Fall Empfehlungen der Gutachter
hinsichtlich der zu ergreifenden Massnahmen unerlässlich. Die konkrete Fragestellung
ist auf den individuellen Einzelfall auszurichten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.- Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten dem Staat aufzuerlegen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen
(Art. 7 Ziff. 112 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von
Fr. 1'200.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten.
5.- Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes
geboten. Eine Kostennote ist nicht eingereicht worden, entsprechend werden die
Parteikosten nach Ermessen zugesprochen (Art. 6 HonO). Angesichts des geringen
Aktenumfangs und des auf die Thematik der verkehrsmedizinischen Untersuchung
beschränkten Prozessthemas erscheint im Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen sowie
unter Beachtung der Anhebung des Rahmens für die Pauschale in Art. 22 Abs. 1 lit. b
HonO per 1. Januar 2019 eine Entschädigung von Fr. 2'250.– als angemessen (Art. 19,
22 Abs. 1 lit. b, Art. 30 HonO). Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von Fr. 90.–
(Art. 28 Abs. 1 HonO) und die Mehrwertsteuer von Fr. 180.20. Entsprechend dem
Verfahrensausgang sind dem Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten von insgesamt
Fr. 2'520.20 vollumfänglich zu entschädigen (Art. 98 VRP); kostenpflichtig ist der
Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).