Decision ID: 43e24a05-e001-50bd-855e-e20468116d3b
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y., geb. 1994, kosovarischer Staatsangehöriger, reiste am 14. November 2014 in
die Schweiz ein und heiratete am 12. Dezember 2014 die in der Schweiz
niedergelassene Landsfrau K.Y., geb. 1996 (Vorakten Migrationsamt, nachfolgend
Dossier, S. 5 ff.). Im Rahmen des Familiennachzugs erhielt er die
Aufenthaltsbewilligung. Ende August 2016 trennten sich die Ehegatten. Ende
September 2016 holte K.Y. mit Hilfe der Polizei Kleider und Dokumente aus der
vormals ehelichen Wohnung. Am 5. Oktober 2016 stellte sie ein Gesuch um
Eheschutzmassnahmen. Mit Entscheid vom 20. Oktober 2016 genehmigte das
Kreisgericht St. Gallen die Trennungsvereinbarung der Ehegatten vom gleichen Tag. In
der Vereinbarung war festgehalten, dass die Ehegatten seit spätestens 21. September
2016 getrennt leben. Aus der Ehe gingen keine gemeinsamen Kinder hervor.
B. Mit Verfügung vom 1. März 2017 verlängerte das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligung von A.Y. nicht mehr (act. 8/1.2). Das Sicherheits- und
Justizdepartement wies den dagegen von A.Y. erhobenen Rekurs am 6. Juni 2017 ab.
C. A.Y. (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 9. Juni 2017 versandten
Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) durch seinen
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Rechtsvertreter mit Eingabe vom 26. Juni 2017 Beschwerde beim Verwaltungsgericht
mit den Begehren, der angefochtene Entscheid sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern,
eventualiter von der Wegweisung abzusehen, subeventualiter die Sache
zurückzuweisen. Zum Gesuch, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu
erteilen, teilte der zuständige Abteilungspräsident dem Beschwerdeführer mit
verfahrensleitender Verfügung vom 29. Juni 2017 mit, mangels abweichender
Anordnung dürfe er sich während des Verfahrens zur Beurteilung des
Verlängerungsgesuchs in der Schweiz aufhalten.
Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 28. August 2017 auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge wird, soweit wesentlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Gemäss Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, AuG) haben ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren von
Personen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesem zusammenwohnen. Eine rechtlich
relevante Ehegemeinschaft in diesem Sinne liegt vor, solange die eheliche Beziehung
tatsächlich gelebt wird und ein gegenseitiger Ehewille besteht (VerwGE B 2012/181
vom 30. April 2013 E. 2.1 mit weiteren Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Dabei ist im
Wesentlichen auf die Dauer der nach aussen wahrnehmbaren ehelichen
Wohngemeinschaft abzustellen (BGE 137 II 345 E. 3.1.2). Mit Blick auf Art. 49 AuG, der
den Ehegatten bei weiterdauernder Familiengemeinschaft gestattet, aus „wichtigen
Gründen“ getrennt zu leben – was auch bei vorübergehenden Schwierigkeiten in der
Ehe kurzfristig der Fall sein kann (vgl. Art. 76 der Verordnung über Zulassung,
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Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR 142.201, VZAE) – ist aufgrund sämtlicher
Umstände im Einzelfall zu bestimmen, ab welchem Zeitpunkt die eheliche
Gemeinschaft als definitiv aufgelöst zu gelten hat (BGer 2C_821/2011 vom 22. Juni
2012 E. 2).
Der Bewilligungsanspruch besteht trotz Auflösung der Ehegemeinschaft fort, wenn die
Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre gedauert und sich die betroffene ausländische
Person in der Schweiz erfolgreich integriert hat (Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG; BGE 136 II
113 E. 3.3.3). Die beiden Kriterien nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG (Fristablauf und
Integration) sind für den Anspruch kumulativ erforderlich (VerwGE B 2012/181 vom
30. April 2013 E. 2, www.gerichte.sg.ch).
Der Beschwerdeführer bringt diesbezüglich vor, dass die Scheidung der Ehegatten bis
heute nicht erfolgt sei (act. 1 S. 4 f.). Als er das Gesuch um Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung gestellt habe, habe noch die Aussicht bestanden, dass die
Ehegatten wieder zusammenkommen. Dies habe sich bis heute nicht geändert. Nach
Art. 114 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) sei erst nach einer
zweijährigen Trennungsfrist von der Zerrüttung der Ehe auszugehen. Der Anspruch auf
Erteilung der Aufenthaltsbewilligung bestehe deshalb fort. Es sei den Ehegatten
gestattet, im Falle eines Konflikts die Hausgemeinschaft aufzuheben. Die
Ehegemeinschaft bestehe dabei weiter fort und sei nur aus einem wichtigen Grund
aufgehoben worden.
Eine erfolgreiche Integration wird vorliegend nicht behauptet, weshalb die Beurteilung
des Ablaufs der Dreijahresfrist im Vordergrund steht. Die tatsächliche Fortführung der
Ehegemeinschaft nach September 2016 wurde trotz weitreichender Mitwirkungspflicht
nicht substantiiert behauptet und belegt. Auf Art. 114 ZGB kann sich der
Beschwerdeführer diesbezüglich nicht berufen, da diese Regel lediglich stipuliert, ab
welchem Zeitpunkt eine Ehe nach der Trennung der Ehegatten als unwiderlegbar
zerrüttet gilt (gesetzliche Vermutung). Dies schliesst nicht aus, dass eine
Ehegemeinschaft im Sinne des Ausländergesetzes vorher trotz rechtlich fortdauernder
Ehe faktisch definitiv beendet sein kann, wie dies vorliegend der Fall war, nachdem die
Ehefrau ausgezogen war, die gerichtliche Trennung verlangte und im Einverständnis
mit ihrem Ehemann den 21. September 2016 als spätesten Trennungszeitpunkt
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festlegte. Es ist daher mangels weiterer Vorbringen seitens des Beschwerdeführers
alleine auf die Dauer des Zusammenlebens abzustellen. Dieses Zusammenleben
dauerte weniger als drei Jahre lang. Ein Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung besteht damit nicht.
3. Da auf eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung deshalb kein Anspruch besteht,
ist abschliessend zu prüfen, ob dies verhältnismässig ist und Art. 8 der Europäischen
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK)
nicht verletzt.
Der Beschwerdeführer bringt diesbezüglich einzig vor, die Wegweisung verletze Art. 8
EMRK, weil im Zeitpunkt der Wegweisung die Aussicht bestanden habe, die Ehegatten
würden wieder zusammenkommen (act. 1 S. 5). Dieser Mangel könne nicht geheilt
werden.
Aus Art. 8 EMRK können vorliegend keine weitergehenden Ansprüche abgeleitet
werden, zumal die tatsächliche Ehegemeinschaft im September 2016 aufgehoben
wurde und damit ab diesem Zeitpunkt keinen Schutz durch Art. 8 EMRK mehr erfährt.
In Bezug auf die Verhältnismässigkeit der Verweigerung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung wird auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz
verwiesen.
4. (...).
5. (...).