Decision ID: 53e70cd4-07cd-40d3-add6-ba1289b2c626
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1952, meldete sich am 2
3.
Mai 2016 beim Regio
nalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Zürich Lagerstrasse zur Arbeitsvermittlung (
Urk.
7/1) und
stellte Antrag auf
Arbeitslosenentschädi
gung
ab
demselben Datum (
Urk.
7/3). Mit Verfügung vom 1
5.
Juni 2016 verneinte die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich (ALK) einen Anspruch des Versicherten auf Arbeitslosenentschädigung a
b
dem 23.
Mai 2016 (
Urk.
7/7). Die d
agegen
vom
Versicherte
n
am 1
3.
Juli 2016
erhobene
Ein
sprache (
Urk.
7/9)
wies die
ALK mit Entsch
eid vom 1
8.
Oktober 2016 ab
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
2.
November 2016 Beschwerde und bean
tragte sinngemäss, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu bejahen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
November 2016 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer am
5.
Dezember 2016 angezeigt wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
9
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
-
ver
sicherung
und die Insolvenzentschädigung (AVIG) gelten - soweit das Gesetz nichts anderes vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitrags
-
zeit zweijährige Rahmenfristen. Die Rahmenfrist für den
Leis
tungsbezug
beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvo
raussetzungen erfüllt sind (
Art.
9
Abs.
2 AVIG), und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (
Art.
9
Abs.
3 AVIG)
.
Eine der gesetzl
ichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosen
-
ent
schädigung
besteht darin, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat (Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer inner
-
halb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3
AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitrags
pflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die
Rahmen
frist
für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die versicherte Person sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG).
1.2
Schweizer, die nach einem Auslandaufenthalt von über einem Jahr in einem Staat, der sowohl ausserhalb der Europäischen Gemeinschaft als auch der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) liegt, in die Schweiz zurück
kehren, sind während eines Jahres von der Erfüllung der Beitragszeit befreit, sofern sie sich über eine entsprechende Beschäftigung als Arbeitnehm
er im Ausland ausweisen können
(
Art.
14
Abs.
3
Satz 1
AVIG).
Unter entsprechender Beschäftigung ist eine Arbeitnehme
r
tätigkeit von min
destens zwölf
Monaten zu verstehen (AVIG-Praxis ALE des Staatssekretariats für Wirtschaft [
Seco
],
Rz
. B203).
1.3
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht
dürfen
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vor
sieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweis
anforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener
Sachverhaltsdarstel
lung
, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrschein
lichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321
E.
3.2 und 3.3).
2
.
2
.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte einen Anspruch auf
Arbeitslosenentschä
-
di
gung
im
angefochtenen Entscheid damit,
dass der Beschwerdeführer die erforderliche Beitragszeit von zw
ölf Monaten nicht erfülle. Die eingereichten Unterlagen und die
Angaben
hinsichtlich
seiner
Tätigkeit
in den
vergan
-
genen zwei Jahren in Thailand
seien sodann
unklar
und in wesentlichen Punkt
en widersprüchlich.
Ein
Grund für die Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit
liege
somit
nicht
v
or
(
Urk.
2 S. 4).
2
.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass
er in den vergange
nen zwei Jahren in
Thailand
eine
Tätigkeit
als Arbeitnehmer ausge
übt habe
. Dies sei von
Y._
von
der Firma
Z._
bestätigt worden. Ein
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 2
3.
Mai 2016 sei deshalb zu bejahen (
Urk.
1).
3.
3.1
Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
in der massgebenden
Rah
menfrist
für die Beitragszeit vom 2
3.
Mai 2014 bis zum 2
2.
Mai 2016 unbe
strittenermassen keine beitragspflichtige Beschäftigung in der Schweiz oder im Gebiet EU/EFTA nachweisen kann und die erforderliche Beitragszeit von zwölf Monaten daher nicht erfüllt.
3.2
Streitig und zu prüfen ist
nun
, ob der Beschw
erdeführer
von der Erfüllun
g der Beitragszeit befreit ist, da er
sich über
eine
entsprechende Beschäftigung als Arbeitnehm
er
ausserhalb der EU/EFTA ausweisen kann.
3.3
3.3.1
Aktenkundig ist, dass der Beschwerdeführer
im Antrag auf
Arbeitslosenent
schädigung
zunächst
angegeben
hat, er habe zuletzt in den Jahren 2013/2014 (mehrmals jedes Jahr) im
A._
und im
B._
in Zürich gearbeitet
(
Urk.
7/3).
3.3.2
Aus dem vom Beschwerdeführer
im Rahmen des
Einspracheverfahrens
am 2
9.
August 2016 eingereichten Zeugnis
der
C._
(
D._
Switzerland
und
E._
Thailand), das von
F._
unterzeich
net wurde,
geht hervor
, dass d
er Beschwerdeführer
als Mitarbeiter in der
G._
als Küchen-/Service-Manager/Instruktor auf Volontär-Basis teilweise zu 100
%
und auch zu 30 bis 80
%
b
eschäftigt gewesen sei. Er sei von
Oktober 2007 bis voraussichtlich April 2011 ange
stellt gewesen (
Urk.
7/22).
Gemäss
der
von
Y._
unterzeichneten
Arbeitsbestät
i
gung
von
C._
vom
5.
August 2016, die der Beschwerde
führer
ebenfalls am 2
9.
August 2016 einreichte,
hat
dieser in den letzten 24 Monaten vor seiner Rückkehr in die Schweiz
in der
G._
in Thailand und
auch
in anderen Ländern Asiens gear
beitet. Seine Aufgaben seien unter anderem die Beaufsichtigung der Aufbau
arbeiten der verschiedenen Betriebe und der Bereiche Gastronomie und Catering-Partyservice ausser Haus gewesen. Die Ze
iten
seien aus
dem Zeug
nis von
F._
, der leider seit längerem nicht mehr bei ihrer Orga
nisation tätig sei
,
zu
ersehen
. Das Einkommen habe sich für diese 24 Monate auf
Fr.
15‘110
.50
inklusive Kost, Logis, Steu
ern und Sozialabgaben belaufen. Der
Beschwerdeführer
habe davon aber 50
%
selber bezahlt
. Das seien pro
Quartal
Fr.
3‘777.6
5. Die Gehaltszahlungen seien aus der Schweiz auf sein Bankkonto in Thailand erfolgt
(
Urk.
7/24).
Gemäss der vom Beschwerdeführer am
8.
September 2016 eingereichten Arbeitgeberbescheinigung
vom 1
0.
Mai 2016
,
anscheinend
unterzeichnet von
Y._
,
war
er vom
1.
Mai 2014 bis zum 3
1.
März 2016 als Allrounder Aufbau und Administration
in einem Teilzeitpensum
ange
stellt
gewesen
. Der
Gesamtverdienst habe
Fr.
30‘
221.10
(
Fr.
7‘
555
.30 +
Fr.
15‘110.50 + Fr.
7‘555.30) und der letzte Monatslohn
Fr.
3‘555.30 betra
gen (
Urk.
7/30).
3.3.3
Im Weiteren ist dem Protokoll der Sozialbehörde der Gemeinde
H._
vom 2
3.
August 2016 (
Urk.
7/40) zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer die letzten 13 Jahre in Thailand gelebt und mit einem Geschäftspartner selb
ständig ein Restaurant betrieben habe. Das Restaurant sei geschlossen wor
den und stehe derzeit zum Verkauf
.
Der Beschwerdeführer sei gelernter Bäcker/Konditor und
Confiseur
. Seit rund zwanzig Jahren beziehe er eine Invalidenrente (gemäss Verfügung der
IV-Stelle des Kantons Aargau
vom 26.
Mai 2014 erhält er [zumindest] seit dem
1.
Januar 2014 eine ganze Inva
lidenrente bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 88
%
;
Urk.
7/31).
3.3.4
Schliesslich liegt noch
ein Auszu
g aus einem thailändischen Bankkonto
mit Zahlungseingängen
und –
ausgängen
im Recht
(
Urk.
7/46).
3.4
3.4.1
Aufgrund
der vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen
zu seiner
behaupteten
Arbeitnehmertätigkeit
bei der
C._
in Thailand
ist
zunächst
unklar, von wann bis wann
er
in diesem Betrieb
tätig gewesen sein soll
.
Während im
am 2
9.
August 2016 eingereichten
Zeugnis
von
F._
(ohne Datum)
die Rede davon
ist
, dass er von
Oktober 2007 bis April 201
1 angestellt gewesen sei (
Urk.
7/22
), geht aus der
Arb
eitsbestäti
gung
vom
5.
August 2016
hervor, dass er
(
auch
)
in den letzten 24 Monaten vor der Rückkehr in die Schweiz
(im April 2016)
in diesem Betrieb gearbeitet habe.
Verwirrlich
ist in dieser Arbeitsbestätigung
vom 5.
August 2016
jedoch
der Verweis auf das
erwähnte
Zeugnis
von
F._
, in welchem
die Zeiten (
mutmasslich:
in denen der Beschwerdeführer
dort gearbeitet ha
be
) zu ersehen seien (
Urk.
7/24
).
Zudem wird in der
zuletzt eingereichten
Arbeitge
berbescheinigung
vom 1
0.
Mai 2016
eine andere Dauer des Arbeitsverhält
nisses
als in der Arbeitsbestätigung vom
5.
August 2016 genannt,
nämlich
1.
Mai 2014
bis
3
1.
März 2016
(
Urk.
7/30
).
Gestützt auf die
vom Beschwer
deführer
eingereichten
Unterlagen
(inkl. den Kontoauszug
)
ist sodann
auch nicht nachvollziehbar, wie viel
er
mit dieser
Arbeitnehmertätigkeit
verdient
haben soll,
zumal
in der Arbeitgeber
bescheinigung vom 1
0.
Mai 2016 ein Gesamtverdienst von
Fr.
30‘221.10
(
Urk.
7/30)
,
i
n der Arbeitsbestätigung vom
5.
August 2016 aber lediglich ein
solcher
von
Fr.
15‘110.50
angegeben wurde
(
Urk.
7/24
)
und den Kontoauszügen keinerlei Angaben betreffend die Einzahler und den Grund für die Einzahlung zu entnehmen sind.
3.4.2
Im Weiteren ist
darauf hinzuweisen,
dass der Beschwerdeführer gegenüber der Sozialbehörde der Gemeinde
H._
a
m 2
3.
August 2016
zunächst
angegeben hat
, in Thailand selbständig mit einem Geschäftspartner ein Res
taurant betrieben zu haben, das
nun verkauft werd
e
(
Urk.
7/40
; die entspre
chenden Verkaufsinserate finden sich auch bei den Akten,
Urk.
7/44
)
.
Mi
t S
chreiben vom 2
3.
September 2016 erklärte der Beschwerdeführer dann aber
, dass er
in den letzten 24 Monaten
in einem 50%-Pensum
für
Z._
tätig gewesen sei
(
Urk.
7/
37
).
Wie die Beschwerdegegnerin zutref
fend bemerkte
(
Urk.
2 S. 4)
, kommt sogenannten „Aussagen der ersten Stunde“ – das heisst vorliegend den Aussagen des Bes
chwerdeführers vom 2
3.
August 20
16 bei der Sozialbehörde der Gemeinde
H._
- in beweismässiger Hinsicht in der Regel jedoch
grösseres Gewicht zu als späte
ren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überle
gungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
3.5
Es ist somit festzuhalten, dass aufgrund
dieser Unstimmigkeiten und Unge
reimtheiten erhebliche Zweifel an der Beweistauglichkeit der vom Beschwer
deführer ei
ngereichten Unterlagen zu seiner
behaupteten
Arbeitnehmertätig
keit
in Thailand
in den letzten 24 Monaten vor d
er Rückkehr in die Schweiz
bestehen und Lohnzahlungen nicht nachgewiesen sind
.
Nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit kann demnach nicht als erstellt gelten, dass der Beschwerdeführer
eine mindestens zwölfmonatige Arbeitnehmertätigkeit ausserhalb der EU/EFTA im Sinne von
Art.
14
Abs.
3
Satz 1
AVIG ausgeübt hat.
Von allfälligen weiteren
Beweismassnahmen
sind im Übrigen keine
entscheid
relevanten
neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abzuse
hen ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b; 122
V
157
E.
1d).
4
.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
1
8.
Oktober 2016 (
Urk.
2), mit dem ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 2
3.
Mai 2016 ver
neint wurde, erweist sich daher als rechtens. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.