Decision ID: f06f2d1e-7ec9-4b38-877b-6504ce1acc5b
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Sandra Glavas Soller, Haus zur alten Dorfbank,
9313 Muolen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ wurde zur Früherfassung bei der IV-Stelle angemeldet. Nach einem ersten
Gespräch am 12. Januar 2010 (IV-act. 3) unterzeichnete sie am 20. Januar 2010 die
Anmeldung für Massnahmen zur beruflichen Eingliederung (IV-act. 9). Sie war bereits
seit 28. Mai 2009 zu 100% arbeitsunfähig und musste sich im Jahr 2009 zwei
Rückenoperationen unterziehen. Die Eingliederungsberaterin nahm die Versicherte als
trotz der vielen Schmerzen positiv gestimmt wahr. Die Versicherte mache den
Eindruck, als wolle sie in einer adaptierten Tätigkeit wieder arbeiten (IV-act. 3-3). Einem
Arztbericht vom 12. März 2010 sind folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit zu entnehmen:
"St. n. dorsaler Spondylodese L4-S1 transforaminale lumbale interkorporelle Fusion
L4-S1 und Zystenextirpation L4/5 rechts am 2.11.2009 bei Osteochondrose L4/5 und
L5/S1 mit Facettengelenkzysten-Rezidiv L4/5 rechtsseitig und Wurzelkompression L5
rechts. St. n. Zystenresektion L4/5. Postoperatives Serom mit subcutaner Fistelbildung
am 13.12.2009 mit Debridement und Drainageeinlage am 13.12.09. Coxarthrose
beidseits mehr links als rechts." (IV-act. 23-2).
Mit einer Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit sei sechs Monate postoperativ in
einer adaptierten Tätigkeit zu 50% und im Verlauf bis zu 100% zu rechnen (IV-
act. 23-4).
A.b Am 12. Mai 2010 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass aufgrund ihres instabilen
Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Massnahmen möglich seien. Daher
werde der Anspruch auf eine Rente geprüft (IV-act. 31).
A.c Einem Verlaufsbericht vom 28. Mai 2010 ist zu entnehmen, dass die Versicherte
am 1. April 2010 einen Arbeitsversuch in einem Pensum von 30% gestartet hatte.
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Nachdem sie wieder starke Schmerzen verspürte, sei sie seit dem 21. Mai 2010 bis auf
weiteres erneut zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 33). Dr. B._, Oberarzt an der Klink für
Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen, berichtete am 1. Juni 2010, ein
halbes Jahr postoperativ zeige sich ein insgesamt akzeptabler Verlauf. Die Versicherte
berichte noch von Rückenschmerzen, komme damit aber gut zurecht. Es sei davon
auszugehen, dass die Versicherte in ca. einem Monat in einer körperlich leichten
Tätigkeit mit wechselnd sitzender und stehender Position wieder arbeitsfähig sein
werde (IV-act. 35).
A.d Am 17. März 2011 wurde der Versicherten Arbeitsvermittlung zugesprochen (IV-
act. 46). Aus einem IV-internen Protokoll geht hervor, dass sie vom 7. März bis 26. Mai
2011 ein Praktikum in einem 100%-Pensum im C._ in D._ absolvieren konnte. Da
keine weiteren beruflichen Massnahmen angezeigt seien, die Versicherte aber nicht voll
arbeitsfähig sei, werde der Fall zu Rentenprüfung überwiesen (IV-act. 49-2, 47). Am
28. Juli 2011 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass die Arbeitsvermittlung
abgeschlossen werde, da es bisher nicht gelungen sei, sie in den Arbeitsmarkt zu
integrieren. Sie werde bei der Stellensuche weiterhin durch das RAV betreut (IV-
act. 54).
A.e Am 24. Mai 2012 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass eine medizinische
Begutachtung notwendig sei (IV-act. 78). Die Begutachtung (IV-act. 81) erfolgte im Juni
2012 im Medizinischen Gutachtenzentrum Region St. Gallen GmbH (MGSG). Der
orthopädische Gutachter hielt fest, körperlich leichte Tätigkeiten, die
abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden könnten, ohne dass dabei
häufig inklinierte und reklinierte sowie rotierte Körperhaltungen und kniende Positionen
eingenommen werden müssten und die nicht mit Kraftanwendung, insbesondere des
rechten Handgelenks und Heben und Tragen von Lasten über 3 kg verbunden seien,
könnten seit September 2010 zu 80% bei voller Stundenpräsenz zugemutet werden
(IV-act. 81-11). Der psychiatrische Experte hielt fest, aus psychiatrischer Sicht lasse
sich im Zeitraum zwischen November 2009 und Mai 2010 eine Anpassungsstörung
erheben, bei der es sich um eine leichte psychische Störung gehandelt habe, die zu
keiner wesentlichen Einschränkung der emotionalen Belastbarkeit geführt habe. Seit
Dezember 2011 bestehe eine mittelgradige depressive Episode, welche die emotionale
Belastbarkeit, die geistige Flexibilität, den Antrieb, die Interessen, die Motivation, die
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Kontaktfähigkeit und die Dauerbelastbarkeit beeinträchtige (IV-act. 81-22). Bei einer
angepassten Tätigkeit ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck
(Stressbelastung), ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche
Dauerbelastung sei die Versicherte aus psychiatrischer Sicht zu 70% arbeitsfähig. Als
Therapieauflage sei eine konsequente psychiatrische und psychotherapeutische
Behandlung mit antidepressiver Medikation zu empfehlen; dann sei innerhalb von
sechs Monaten eine Besserung der depressiven Störung mit Leistungssteigerung und
eine etwa 80%ige Arbeitsfähigkeit bei angepasster Tätigkeit zu erwarten (IV-
act. 81-24).
A.f Mit einem Vorbescheid vom 15. Januar 2013 kündigte die IV-Stelle der Versicherten
an, dass sie das Rentenbegehren der Versicherten bei einem IV-Grad von 20%
abweisen werde (IV-act. 86).
A.g Am 18. Februar 2013 liess die Versicherte durch ihre Rechtsvertreterin einwenden,
es bestehe weiterhin ein Anspruch mindestens auf eine halbe IV-Rente (IV-act. 87). Am
20. März 2013 beantragte die Rechtsvertreterin die Zusprache einer halben
Invalidenrente. Zur Begründung führte sie aus, die Versicherte sei seit dem 28. Mai
2009 zu 100% arbeitsunfähig. Die Gutachter hätten zahlreiche körperliche Diagnosen
aufgelistet. Daher sei es unverständlich, dass sie dann abschliessend aus somatischer
Sicht eine 80%ige Arbeitsfähigkeit und aus psychischer Sicht eine 70%ige
Arbeitsfähigkeit postuliert hätten. Zudem seien im Gutachten unzählige Massnahmen
aufgelistet worden, die erst noch durchgeführt werden müssten. Dies zeige einerseits,
dass der medizinische Zustand noch nicht definitiv sei, und andererseits die
Widersprüche im Gutachten. Es sei nicht nachvollziehbar, wie eine Person mit
geschienten Handgelenken arbeiten könne. Die IV-Stelle habe dementsprechend
geeignete Tätigkeitsfelder für die Versicherte aufzuzeigen. Aus psychiatrischer Sicht sei
das MGSG-Gutachten unvollständig und nicht schlüssig. Die Vorgeschichte sei
ungenügend evaluiert worden. Daher sei ein neues Gutachten zu erstellen, bevor die
Angelegenheit verfügungsmässig erledigt werden könne (IV-act. 90).
A.h Mit einer Verfügung vom 21. März 2013 wies die IV-Stelle das Rentengesuch der
Versicherten bei einem IV-Grad von 20% ab (IV-act. 91). Zur Begründung führte sie an,
auf das Gutachten könne abgestellt werden. Gemäss der gutachterlichen Beurteilung
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bestehe vor allem aufgrund der orthopädischen Diagnosen in der angestammten
Tätigkeit als Reinigungskraft eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus
versicherungsmedizinischer Sicht resultiere in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit
eine zumutbare 80%ige Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht könne durch
konsequente Behandlung eine Steigerung von 70% auf 80% erreicht werden, was der
körperlichen Leistungsfähigkeit entspreche. Die aus psychiatrischer und somatischer
Sicht festgesetzte Arbeitsunfähigkeit müsse nicht addiert werden.
B.
B.a Am 3. Mai 2013 liess die Versicherte durch ihre Rechtsvertreterin Beschwerde
erheben und die Zusprache mindestens einer halben Rente beantragen. Eventualiter
sei eine polydisziplinäre Abklärung vorzunehmen und anschliessend sei neu zu
entscheiden. Schliesslich seien auch berufliche Massnahmen zur Wiedereingliederung
durchzuführen (act. G 1). Zur Begründung führte die Rechtsvertreterin aus, die
Gutachter hätten zahlreiche körperliche Diagnosen, verteilt auf mehrere Körperteile,
aufgelistet und dennoch unverständlicherweise aus somatischer Sicht eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit postuliert. Die Gutachter hätten aber die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten an derart zahlreiche Bedingungen geknüpft, dass eine solche Tätigkeit in
der realen Wirtschaft gar nicht zu finden sei. Es sei nicht nachvollziehbar, wie eine
Person, die weder zureichend gehen, sitzen, stehen, steigen, knien, heben, tragen noch
den Kopf bewegen könne, keine Stress- und Dauerbelastung ertrage und keinem
Kundenkontakt ausgesetzt werden dürfe, zu 70-80% arbeitsfähig sein solle. Nicht nur
in diesem Zusammenhang, sondern auch in psychiatrischer Hinsicht sei das Gutachten
unvollständig und nicht schlüssig. Die Vorgeschichte sei ungenügend evaluiert worden
und die familiäre Vorbelastung der Versicherten sei überhaupt nicht erwähnt und
berücksichtigt worden. Der Gutachter habe zudem festgehalten, dass berufliche
Massnahmen aufgrund des mittelgradig depressiven Zustandes nicht möglich seien,
gleichzeitig solle die Beschwerdeführerin aber arbeitsfähig sein. Dies könne per se
nicht stimmen. Im Gutachten seien medizinische Massnahmen aufgelistet worden, die
noch durchgeführt werden müssten; der medizinische Zustand der Beschwerdeführerin
sei also noch gar nicht definitiv. Es könne auch nicht mehr behauptet werden, dass die
vom Kantonsspital als indiziert betrachtete Revisionsoperation nicht durchgeführt
werden könne, da die Beschwerdeführerin inzwischen bereits 12 kg an Gewicht
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verloren habe und nun nicht mehr als übergewichtig bezeichnet werden könne. Die
Beschwerdegegnerin sei daher mit der Verfügung zu voreilig gewesen und müsse
verpflichtet werden, den endgültigen medizinischen Zustand abzuwarten, bevor sie
erneut verfüge. Im Übrigen sei es der Beschwerdeführerin nicht möglich, ein
Invalideneinkommen von Fr. 42'604 zu verdienen. Die Beschwerdeführerin habe
zahlreiche Bewerbungen geschrieben, aber keine geeignete Tätigkeit gefunden; dies
sei medizinisch bedingt. Zudem sei die bisherige Tätigkeit bereits eine leichte,
wechselbelastende Tätigkeit gewesen und es sei fraglich, inwiefern es für die
Beschwerdeführerin überhaupt eine adaptierte Tätigkeit geben solle. Mit geschienten
Handgelenken sei ihr denn auch gar keine geldwerte Arbeitstätigkeit möglich.
B.b Am 17. Juni 2013 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, es gebe keine Hinweise darauf,
dass die Beschwerdeführerin im MGSG nicht umfassend und kompetent untersucht
worden wäre. Die körperlichen Leiden seien berücksichtigt worden, indem ihr auch in
einer adaptierten Tätigkeit nur noch eine 80%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden sei.
Dass die Beschwerdeführerin die von ihr jetzt in den Vordergrund gestellten früheren
belastenden Ereignisse nicht erwähnt habe, lasse darauf schliessen, dass diese
Ereignisse sie nicht erheblich bedrückt hätten. Sie hätten sie denn auch nicht daran
gehindert, erwerbstätig zu sein. Zudem handle es sich dabei um psychosoziale
Faktoren, die zum vornherein keine Arbeitsunfähigkeit begründen könnten.
Hilfsarbeiterinnen stünden nach Eintritt der Invalidität eine Vielzahl von Stellen offen.
Geeignete Tätigkeiten für die Beschwerdeführerin seien etwa leichte
Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten und
leichtere Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung. Vom Tabellenlohn sei
ein Abzug von 10% vorzunehmen; ein höherer Abzug rechtfertige sich nicht, weil ihre
Einschränkungen mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung von 80% in einer adaptierten
Tätigkeit bereits grosszügig berücksichtigt worden seien. Daraus resultiere ein
Invaliditätsgrad von 34%, womit die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine IV-
Rente habe.
B.c Am 19. September 2013 beantragte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
nochmals, dass eine neutrale und umfassende Abklärung bei neutralen Gutachtern in
Auftrag zu geben sei. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin sei noch nicht
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definitiv. Bevor die Angelegenheit verfügungsmässig abgeschlossen werden dürfe,
müssten berufliche Massnahmen eingeleitet werden. Die Beschwerdeführerin leide
sehr wohl an ihrer psychisch belastenden Vorgeschichte. Aber schon alleine die
Tatsache, dass die Vorgeschichte trotz der Erwähnung in den Akten nicht evaluiert
worden sei, führe – unabhängig davon, ob die Beschwerdeführerin darunter leide –
dazu, dass das Gutachten keinen Beweiswert habe. Der Beschwerdeführerin sei es
zudem nicht möglich, das von der Beschwerdegegnerin berechnete
Invalideneinkommen von Fr. 37'769 zu generieren. Auch der Leidensabzug müsse
aufgrund der Situation höher ausfallen. Damit liege ein IV-Grad von mindestens 43%
vor, womit die Beschwerdeführerin mindestens einen Anspruch auf eine Viertelsrente
habe (act. G 11).
B.d Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht mehr vernehmen.

Erwägungen:
1.
1.1 Die angefochtene Verfügung vom 21. März 2013 hat nur die Abweisung des
Rentenbegehrens zum Gegenstand. Die Arbeitsvermittlung wurde bereits per 28. Juni
2011 rechtskräftig abgeschlossen. Da der Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens
nicht weiter sein kann als der Gegenstand der angefochtenen Verfügung, kann das
Gericht nicht auf das Begehren der Beschwerdeführerin um die Zusprache beruflicher
Eingliederungsmassnahmen eintreten.
1.2 Die Rechtsvertreterin hat weiter beantragt, die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Vorbescheidsverfahren zu gewähren; dazu sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin hat aber in der angefochtenen Verfügung nicht
über die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidsverfahren entschieden.
Auch diese Frage kann daher nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bilden,
weshalb das Gericht nicht auf dieses Begehren eintreten kann. Die Behandlung des
entsprechenden Gesuchs durch die Beschwerdegegnerin dürfte versehentlich
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unterblieben sein. Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin dies noch
nachholen, d.h. dass sie darüber noch verfügen wird.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
2.2 Gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG,
SR 831.20) haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, Anspruch auf eine Rente (lit. a),
wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine
Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze
Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.3 Für die Bemessung des Invaliditätsgrades sind die zuständige Behörde und später
das Gericht auf von den Ärzten zur Verfügung zu stellende Unterlagen angewiesen.
Aufgabe der Ärzte ist es deshalb, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
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Stellung zu nehmen in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten der
Versicherte arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261, E. 4 mit weiteren Hinweisen). Im
Rahmen der freien Beweiswürdigung dürfen sich Verwaltung und Gericht weder über
die medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sind die ärztlichen
Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer sozialversicherungsrechtlichen
Tragweite zu übernehmen. Die rechtsanwendende Behörde hat sorgfältig zu prüfen, ob
die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt,
welche vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus, unbeachtlich sind
(BGE 130 V 356, E. 2.2.5).
3.
3.1 Gemäss dem MGSG-Gutachten leidet die Beschwerdeführerin an diversen
körperlichen Einschränkungen. Der orthopädische Gutachter hat festgehalten, die
Beschwerdeführerin leide seit 2008 an therapieresistenten lumbalen Schmerzen, die
nach einer dorsalen Spondylodese L4-S1 und einer Zystenexstirpation L4/5 rechts im
November 2009 nur wenig nachgelassen hätten und die in den rechten Oberschenkel
ausstrahlten, wodurch die subjektive körperliche Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin vermindert sei. Die lumbalen Schmerzen und die abnormen
Untersuchungsbefunde seien auf die Pseudoarthrose L5/S1 zurückzuführen. Die
Beschwerden in der linken Hüfte könnten durch eine beginnende Coxarthrose erklärt
werden. Dadurch werde die körperliche Leistungsfähigkeit aber nur leicht
eingeschränkt. Die Beschwerden im Kniegelenk seien durch die im MRI dokumentierte
Chondropathie II-III mit subkortikaler Osteodystrophie des lateralen Tibiakopfs
plausibilisierbar. Die Schmerzen im rechten Handgelenk seien grösstenteils mit der im
MRI dokumentierten mässigen Reizsynovalitis triquetro pisoidal sowie zwischen
Triquetrum und Hamatum mit residueller Flüssigkeitseinlagerung dorsal im
Carpaltunnel ohne neurale Kompression vereinbar. Aus orthopädischer Sicht wären
diverse Massnahmen angezeigt. Die Therapie der lumbalen Schmerzen würde in einer
Gewichtsreduktion, in einer massiven Reduktion des Nikotinkonsums sowie in einer
Revision der Pseudoarthrose L5/S1 bestehen. Das bedeutet, dass im
Begutachtungszeitpunkt sogar eine Operationsindikation bestanden haben dürfte. Der
Gutachter hat weiter angegeben, die Hüftgelenksschmerzen sollten (neben der
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Gewichtsreduktion) mit einem nichtsteroidalen Antirheumatikum und einem
Chondroitinsulfat behandelt werden. Die Kniegelenksschmerzen seien mit einem
NSAR, einem Chondroitinsulfat und sekundär eventuell mit einer intraarticulären
Cortisoninfiltration zu behandeln. Die Handgelenke sollten mit einer Schiene ruhig
gestellt werden und gleichzeitig sollte ein nichtsteroidales Antirheumatikum verordnet
werden.
3.2 Der somatische Teil des Gutachtens scheint zwar für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung auf die im Abklärungszeitpunkt bestehende gesundheitliche
Situation abzustellen. Es könnte aber auch so verstanden werden, dass die
Arbeitsfähigkeitsschätzung auf einer fiktiven gesundheitlichen Situation nach der
Durchführung dieser therapeutischen Massnahmen beruht, so dass sich die
angegebene Arbeitsfähigkeit durch die Therapiemassnahmen sogar noch erhöhen
würde. Der Gutachter hat festgehalten, eine körperlich leichte Tätigkeit, die
abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden könne, ohne dass dabei
häufig inklinierte und reklinierte sowie rotierte Körperhaltungen und kniende Positionen
eingenommen werden müssen und die nicht mit einer Kraftanwendung, insbesondere
des rechten Handgelenks und nicht mit dem Heben und Tragen von Lasten über 3 kg
verbunden sei, sei der Beschwerdeführerin bei voller Stundepräsenz zu 80% zumutbar.
Angesichts der Vielzahl an Diagnosen (und der Operationsindikation) erscheint es als
plausibel, dass die Beschwerdeführerin im Untersuchungszeitpunkt auch in einer
adaptierten Tätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist. Allerdings
hat der Gutachter nicht erklärt, welche konkreten Einschränkungen (z.B. eine Reduktion
der Tagesarbeitszeit oder ein zusätzlicher Pausenbedarf) in welcher Stärke auftreten
würden, so dass in einer adaptierten Erwerbstätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von
genau 20% resultieren würde. Da eine auch für den medizinischen Laien
nachvollziehbare und damit überzeugende medizinische Begründung für das Mass der
Arbeitsunfähigkeit fehlt, vermag die sich auf die somatische Untersuchung stützende
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu überzeugen. Demnach ist die Höhe der durch die
somatischen Beeinträchtigungen bewirkten Arbeitsunfähigkeit (von der zudem nicht
feststeht, ob sie sich auf die effektive Situation im Untersuchungszeitpunkt oder auf
eine fiktive Situation nach der Durchführung der notwendigen therapeutischen
Massnahmen bezieht) nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt.
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3.3 Der psychiatrische Gutachter hat festgehalten, von November 2009 bis Mai 2010
seien als Folge der anhaltenden Schmerzsymptomatik Anpassungsstörungen aufge
treten, die aber zu keiner wesentlichen Einschränkung der emotionalen Belastbarkeit
geführt hätten. Seit Dezember 2011 habe sich das psychische Zustandsbild im
Zusammenhang mit den anhaltenden körperlichen Beschwerden, der Arbeitslosigkeit,
den Absagen nach Bewerbungen und der finanziellen Situation verschlechtert; seither
lasse sich eine reaktive mittelgradige depressive Episode erheben. Aufgrund der
mittelgradigen depressiven Episode seien die emotionale Belastbarkeit, die geistige
Flexibilität, der Antrieb, die Interessen, die Motivation, die Kontaktfähigkeit und die
Dauerbelastbarkeit der Beschwerdeführerin beeinträchtigt. Die Beschwerdeführerin
verfüge aber doch noch über gewisse Ressourcen, so dass ihr durchaus noch
Aktivitäten zumutbar seien. In einer angepassten Tätigkeit könne aus psychiatrischer
Sicht seit Dezember 2011 eine Arbeitsfähigkeit von 70% angenommen werden.
Adaptiert sei eine Tätigkeit ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne erhöhten
Zeitdruck (Stressbelastung), ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne
überdurchschnittliche Dauerbelastung. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Reinigungsangestellte hat der psychiatrische Gutachter dann aber eine 60%ige
Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum angegeben. Diese Differenz ist aus der
Sicht eines medizinischen Laien nicht nachvollziehbar, denn der Gutachter hat nicht
erklärt, weshalb er die zuletzt ausgeübte Tätigkeit aus einer rein psychiatrischen Sicht
als nicht adaptiert qualifiziert hat. Weiter hat der Gutachter festgehalten, dass aufgrund
der mittelgradigen depressiven Episode eine konsequente psychiatrische und
psychotherapeutische Behandlung mit antidepressiver Medikation als Therapieauflage
zu empfehlen sei. Bei einer konsequenten Behandlung sei innerhalb von sechs
Monaten mit einer Besserung der depressiven Störung und einer Leistungssteigerung
und damit einhergehend mit einer Arbeitsfähigkeit von 80% zu rechnen. Dass er eine
Therapieauflage als notwendig erachtet und eine Verbesserungsmöglichkeit
angenommen hat, deutet darauf hin, dass er den Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begutachtung als noch nicht stabil betrachtet
hat. Er hat zudem ebenfalls nicht dargelegt, warum die Beschwerdeführerin in einer
adaptierten Tätigkeit zu 30% – nicht mehr und auch nicht weniger – arbeitsunfähig ist
(z.B. zusätzliche Pausen im Umfang von x Min.). Damit vermag auch die aus
psychiatrischer Sicht abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu überzeugen, so
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dass die Arbeitsunfähigkeit nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht.
3.4 Hinzu kommt, dass zwischen dem Zeitpunkt der Begutachtung (20. Juni 2012) und
dem Erlass der Verfügung (21. März 2013) sehr viel Zeit verstrichen ist. Der
orthopädische Gutachter hat eine ganze Reihe von therapeutischen Massnahmen
empfohlen. Auch der psychiatrische Gutachter hat eine psychiatrische/
psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung als notwendig erachtet und
sogar vorgeschlagen, eine Therapieauflage zu machen, da bei einer konsequenten
Therapie eine Verbesserung zu erwarten sei. Nach Lage der Akten hat die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung keine solche Auflage gemacht. Nichts deutet darauf hin, dass die
Beschwerdeführerin sich aus eigenem Antrieb einer somatischen und/oder einer
psychiatrischen Therapiemassnahme unterzogen hätte. Daher kann nicht
ausgeschlossen werden, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
nach der Begutachtung bis zum Erlass der Verfügung noch weiter verschlechtert hat.
Immerhin hat Dr. E._, bei der sich die Beschwerdeführerin seit dem 26. April 2013 in
psychiatrischer-psychotherapeutischer Behandlung befunden hat, eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode, diagnostiziert.
Insgesamt ist fraglich, ob der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im
Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung schon ausreichend stabil
gewesen ist, um die Prognose eines sich längerfristig nicht mehr verändernden
Gesundheitszustandes und damit einer stabilen Arbeitsfähigkeit abgeben zu können,
die Voraussetzung jeder Rentenzusprache ist. Die angefochtene Verfügung stützt sich
somit auf einen in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellten Sachverhalt.
Dementsprechend ist die Sache zur weiteren Abklärung (mit Vorteil wohl zu einer
erneuten Begutachtung) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4. Im Sinne eines obiter dictum bleibt festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
gemäss Art. 15 und Art. 18 IVG einen Anspruch auf Berufsberatung und
Arbeitsvermittlung hätte, den sie durch ein entsprechendes Leistungsgesuch geltend
machen könnte. Da sie über diverse Ressourcen und Fähigkeiten (gute Word- und
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Excel-Kenntnisse, Fremdsprachenkenntnisse) verfügt, besteht eine gewisse Chance,
mit der Hilfe der Beschwerdegegnerin eine geeignete Arbeitsstelle zu finden.
5.
5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat die
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
5.2 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin gegenüber der
unterliegenden Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei insbesondere der
Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen ist (Art. 61 lit. g
ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). In der vorliegenden Streitsache
erscheint praxisgemäss eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Der Umstand, dass nicht auf alle
Beschwerdebegehren hat eingetreten werden können, rechtfertigt keine Reduktion der
Parteientschädigung, da der entsprechende Vertretungsaufwand minimal gewesen ist.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht