Decision ID: db7cea24-364a-5e31-b477-95c565ba4929
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde im Dezember 2013 bei der Invalidenversicherung (IV) zur
Früherfassung gemeldet (IV-act. 1). Im Februar 2014 meldete sich die Versicherte zum
Leistungsbezug an (IV-act. 6). Sie gab an, sie habe täglich Phasen grösster
Leistungseinschränkungen. Sie sei mental und körperlich total entkräftet, geschwächt,
benommen und lähmend erschöpft. Zusätzlich leide sie an einem Grippegefühl,
Herzbeschwerden, einem Schwindel, einer Übelkeit, kognitiven Dysfunktionen, einer
Konzentrationsschwäche und einer veränderten Wahrnehmung. Der Zustand
verschlechtere sich nach jeglicher körperlicher und geistiger Aktivität und sei in seiner
Ausprägung täglich wie auch stündlich schwankend. Sie habe eine Ausbildung zur
Hochbauzeichnerin absolviert und arbeite bei D._ zu 60%. Das Bruttoeinkommen
betrage Fr. 4'300.-- monatlich.
A.a.
Am 7. Juni 2012 hatten Fachärzte der Klinik Z._ die Diagnose eines Verdachts
auf ein Chronic Fatigue Syndrom genannt (Fremdakten-act. 1-5). Sie hatten ausgeführt,
die Versicherte sei zur infektiologischen Abklärung zugewiesen worden, nachdem
vorgängig bereits intensive Abklärungen inklusive endokrinologische, kardiologische
und pneumologische Untersuchungen durchgeführt worden seien. Ein wegweisender
Befund zur Erklärung der von der Versicherten beklagten, seit ziemlich genau einem
Jahr bestehenden, wechselnd stark ausgeprägten Leistungsintoleranz habe sich nicht
ergeben. Grundsätzlich passten die beklagten Symptome gut zu einem Chronic Fatigue
Syndrom. Prof. Dr. med. B._ von derselben Klinik hatte am 6. November 2013
berichtet (Fremdakten-act. 1-10), diagnostisch bestehe eine aetiologisch bisher
ungeklärte, akut aufgetretene Leistungsintoleranz. Die Versicherte arbeite zu 60%, was
die maximale Leistung darstelle, die sie noch erbringen könne. Dr. med. C._ hatte am
A.b.
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15. November 2013 mitgeteilt (Fremdakten-act. 1-14), die Versicherte leide an einem
Chronic Fatigue Syndrom. Die Symptome seien vor Jahren aufgetreten. Nach wie vor
bestehe eine Leistungsintoleranz mit Erschöpfungszuständen.
Dres. med. E._ und M._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierten am
21. Februar 2014 (IV-act. 26), die Diagnose eines Chronic Fatigue Syndrom gehöre zu
den syndromalen Leiden und stelle nur in Ausnahmefällen ein IV-relevantes Leiden dar.
Die von der Rechtsprechung dazu aufgestellten Kriterien seien vorliegend nicht erfüllt.
A.c.
Die D._ berichtete am 14. April 2014 (IV-act. 23), die Versicherte sei seit Juni
1997 als Hochbauzeichnerin angestellt. Der AHV-beitragspflichtige Jahreslohn betrage
bei einem 60%-Pensum Fr. 55'900.--. Die Mitarbeit und die Integration in das Team
werde von der Versicherten aufgrund des Krankheitsbilds abgelehnt.
A.d.
Am 28. April 2014 teilte Prof. B._ mit (IV-act. 27), die Versicherte sei am 27. April
2012 wegen einer Leistungsintoleranz, die am 8. Mai 2011 plötzlich aufgetreten sei,
beurteilt worden. Seit diesem Zeitpunkt leide die Versicherte an einer sehr starken
Leistungsintoleranz. Auffallend sei eine starke Erschöpfung nach körperlicher
Anstrengung. Eine nosologische Diagnose hätten sie zurzeit nicht. Ein psychiatrisches
Leiden scheine nicht vorzuliegen. Seit dem 24. Februar 2014 bestehe eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Die Erschöpfungszustände führten dazu, dass die Versicherte nach
vier bis sechs Stunden keine weitere Leistung mehr erbringen könne.
A.e.
Am 29. Oktober 2014 wurde die Versicherte im Auftrag des Krankentaggeldver
sicherers durch die PMEDA polydisziplinär (neurologisch, psychiatrisch und
neuropsychologisch) abgeklärt. Im Gutachten vom 7. Januar 2015 gaben die
Sachverständigen an (Fremdakten-act. 2-5 ff.), eine Erkrankung mit einem Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit in der erlernten, letzten sowie jedweder vergleichbaren oder auch
einer anderen Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sei weder aktenkundig noch
anhand der erhobenen Befunde hinreichend wahrscheinlich. Es bestehe eine
vollständige Arbeitsfähigkeit. Der neurologische Sachverständige führte insbesondere
aus (Fremdakten-act. 2-15 ff.), die Versicherte habe eine unspezifische Symptomatik
mit einer allgemeinen Erschöpfung und einer geringen Belastbarkeit vorgetragen.
Weiter habe sie Kopfschmerzen mit einer wandernden Lokalisation sowie diffuse
A.f.
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Schmerzen im Bereich beider Beine genannt. Die Symptomatik bestehe sei Mai 2011.
Der klinische Befund habe keinen Anhalt für eine Läsion am zentralen oder peripheren
Nervensystem ergeben. Für die beklagten Beschwerden habe sich namentlich auf
kognitiver Ebene kein Korrelat gefunden. Das "Chronic Fatigue Syndrom" repräsentiere
ein paramedizinisches Konstrukt ohne eine schulmedizinische Anerkennung und ohne
eine biologisch verstandene morphologische Basis. Auch habe sich bei der
Versicherten keine Grunderkrankung herausarbeiten lassen, auf deren Basis es zu einer
raschen körperlichen und kognitiven Erschöpfung kommen könnte.
Differentialdiagnostisch liesse sich eine Narkolepsie erwägen. Eine schlafmedizinische
Zusatzuntersuchung sei zu empfehlen. Der psychiatrische Gutachter hielt im
Wesentlichen fest (Fremdakten-act. 2-28 ff.), der klinische Befund sei regelrecht
gewesen. Für die beklagten Beschwerden habe sich kein klinisches Korrelat ergeben.
Eine Einordnung der beklagten Beschwerden im Sinne einer psychosomatischen
Reaktionsbildung sei allenfalls als möglich anzusehen. Der neuropsychologische
Experte erklärte (Fremdakten-act. 2-42), die durchgeführten Leistungstests hätten
normale Ergebnisse gezeigt. Im Verlauf der Untersuchung sei es nicht zu einem
Leistungsabfall oder zu anderweitigen Ermüdungszeichen gekommen. Die Angaben
der Versicherten in der Epworth Sleepiness Scale (ESS) seien also nicht plausibel
gewesen.
Die RAD-Ärztin Dr. E._ notierte am 16. Februar 2015 (IV-act. 45), gemäss dem
Gutachten der PMEDA hätten sich keine objektivierbaren, die Arbeitsfähigkeit beein
flussenden Diagnosen gefunden. An der Stellungnahme vom 21. Februar 2014 könne
festgehalten werden.
A.g.
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 5. März 2015 mit (IV-act. 48), ein Anspruch
auf berufliche Massnahmen bestehe nicht. Die Abklärungen hätten ergeben, dass die
gesundheitlichen Einschränkungen nicht auf einen IV-rechtlich anerkannten
Gesundheitsschaden zurückzuführen seien. Mit einem Vorbescheid vom 26. März 2015
stellte die IV-Stelle die Abweisung des Rentenanspruchs in Aussicht (IV-act. 51). Nach
einem Einwand der Versicherten vom 12. Mai 2015, worin die Versicherte erwähnte,
dass ihr per Ende Oktober 2014 die Arbeitsstelle gekündigt worden sei, und einer
ergänzenden Stellungnahme vom 12. Juni 2015 (vgl. IV-act. 55, 58) holte die IV-Stelle
weitere Unterlagen ein. Dr. med. F._, Facharzt für Innere Medizin, spez.
A.h.
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Endokrinologie und Diabetologie, berichtete am 4. August 2015 (IV-act. 69), im Juli
2014 sei eine Nebennierenabklärung mit Speichelkortisol gemacht worden. Die Werte
hätten deutlich zu tief gelegen. Zum Ausschluss einer Nebenniereninsuffizienz sei nun
ein Synacthentest durchgeführt worden. Am 17. August 2015 gab er an (IV-act. 68), der
Synacthentest sei völlig unauffällig gewesen. Eine Nebenniereninsuffizienz sei so gut
wie ausgeschlossen. Für die von der Versicherten beklagten Symptome hätten keine
endokrinen Probleme eruiert werden können. Fachärzte der Klinik Y._ teilten am
27. August 2015 mit (IV-act. 71), sie hätten die Diagnosen einer formal chronisch
obstruktiven Pneumopathie GOLD Stadium 1 (A) bei einem persistierenden
Nikotinkonsum, einer Hypersomnie und eines allgemeinen Erschöpfungszustands
unklarer Ätiologie gestellt. Das Beschwerdebild der Versicherten lasse sich nicht
eindeutig einem Organsystem/somatischen Krankheitsbild zuordnen und auch klinisch
schwer objektivieren. Formal liege eine leichtgradig obstruktive Ventilationsstörung im
Sinne einer COPD GOLD 1 (A) bei persistierendem Nikotinkonsum vor. Aufgrund der
nur leichten Ausprägung sei eine medikamentöse Therapie nicht nötig. Bezüglich der
übrigen Symptome sei ein Labor mit einem Screening für autoimmune Erkrankungen
im Sinne einer rheumatoiden Genese, Vaskulitis, connectiv tissue disease nicht
zielführend gewesen; ein Chronic Fatigue Syndrom sei denkbar. Zur Objektivierung der
Beschwerden werde eine Spiroergometrie durchgeführt. Am 1. September 2015
berichtete ein Facharzt derselben Klinik (IV-act. 73-11), die Spiroergometrie vom Vortag
habe eine normale körperliche Leistungsfähigkeit mit dem Erreichen der
Sollwattleistung gezeigt. Am 9. September 2015 teilte Prof. Dr. med. G._ vom X._
mit (IV-act. 73-6), die Versicherte leide sehr stark unter einem invalidisierenden
Erschöpfungszustand. Bisherige auf somatische Ursachen fokussierte Abklärungen
hätten keine anhaltende Besserung der Beschwerden gebracht. Die vom 26. August
2015 bis 9. September 2015 durchgeführte Aktigrafie habe eine Hypersomnie im Sinne
von deutlich verlängerten Bett- respektive Schlafzeiten dokumentiert. Er empfahl ein
psychosomatisches Konsilium. Am 7. Oktober 2015 berichtete ein Facharzt von der
ambulanten Sprechstunde Psychosomatik des X._ (IV-act. 76), er habe die
Versicherte im Rahmen der interdisziplinären schlafmedizinischen Abklärung
untersucht. Es sei von einem chronischen Müdigkeitssyndrom mit einer
hypersomnischen Symptomatik sowie mit wechselnden körperlichen Beschwerden
auszugehen. Er habe der Versicherten eine ambulante Psychotherapie empfohlen. Als
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Diagnosen nannte er einen Verdacht auf ein chronisches Müdigkeitssyndrom (ICD-10
G93.3) mit einer hypersomnischen Symptomatik und eine formal chronisch-obstruktive
Pneumopathie GOLD Stadium 1 (A). Am 10. März 2014 hatte Dr. med. H._ mitgeteilt
(IV-act. 79), die kardiologische Untersuchung habe keinen Hinweis für eine strukturelle
Herzerkrankung ergeben. Echokardiographisch habe sich ein unauffälliger Befund
gefunden. In der Ergometrie habe die Versicherte den Sollwert geleistet. Die
Leistungsfähigkeit sei gegenüber vor drei Jahren etwas weniger gut gewesen, wobei
die Versicherte wegen ihrer Allgemeinsymptomatik auch weniger habe machen können.
Die Einbusse sei daher adäquat und nicht als pathologisch zu werten.
Der RAD-Arzt Dr. med. I._ notierte am 16. Dezember 2015 nach einer Durchsicht
der medizinischen Berichte (IV-act. 81), ein Gesundheitsschaden mit einer Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit habe nicht nachgewiesen werden können, sodass keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in sämtlichen in Frage kommenden Tätigkeiten
begründet werden könne. Die IV-Stelle führte eine zweite Anhörung durch (IV-act. 82).
Die Versicherte machte am 30. Dezember 2015 im Wesentlichen geltend, verschiedene
Ärzte hätten bestätigt, dass eine gravierende Leistungsminderung im Sinne einer ME/
CFS-Symptomatik bestehe. Für den Rentenanspruch sei einzig massgebend, inwieweit
sich bestimmte Befunde leistungsmindernd auswirkten, so wie es der
Bundesgerichtsentscheid vom 3. Juni 2015 vorsehe (Anmerkung: BGE 141 V 281). Der
RAD-Arzt Dr. I._ notierte am 28. Januar 2016 (IV-act. 84), der von der Versicherten
beklagte Gesundheitsschaden habe im Rahmen der Begutachtung durch die PMEDA
nicht erhoben werden können. Eine Verdachtsdiagnose (wie von der Abteilung für
Psychosomatik des X._ geäussert) reiche nicht aus, um einen Leistungsanspruch zu
begründen. Gutachterlich gestellte Diagnosen genössen in der Regel den Vorzug vor
jenen der Behandler.
A.i.
Mit einer Verfügung vom 28. Januar 2016 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren
ab (IV-act. 85). Zum Einwand gab sie die Stellungnahme des RAD wieder. Die
Versicherte erhob dagegen am 29. Februar 2016 eine Beschwerde beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (IV-act. 89). Sie beantragte die Ansetzung
einer Nachfrist zur Einreichung eines Berichts über eine laufende fachärztliche
Abklärung. Das Versicherungsgericht sistierte das Verfahren. Am 1. Mai 2017 reichte
die Versicherte eine Beschwerdeergänzung mit einem Bericht von Dr. med. Dr. h.c.
A.j.
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J._, Pneumologie, Schlafmedizin, vom 5. September 2016 ein (IV-act. 107, 110).
Dr. J._ hatte ausgeführt, seine Einschätzung stütze sich auf das Aktenstudium, drei
lange Gespräche und mehrere Telefonate mit der Versicherten, Rückfragen bei einem
Psychiater sowie Recherchen beim früheren und gegenwärtigen Hausarzt und in der
Literatur. Er hatte eine somatoforme Erkrankung mit Elementen eines Chronic Fatigue
Syndroms und einer Fibromyalgie diagnostiziert und eine Arbeitsfähigkeit von maximal
30% attestiert. Er hatte angegeben, einzelne Formulierungen, die die Versicherte bei
der Befragung benutzt habe, hätten darauf schliessen lassen, dass Informationen über
das Leiden aus den Medien gestammt hätten. Ein Strategiegespräch zwischen dem
RAD-Arzt, einem Rechtsdienstmitarbeitenden und einer Sachbearbeiterin der IV-Stelle
vom 3. Juli 2017 ergab (IV-act. 119), dass die medizinische Aktenlage im Lichte der
geänderten Rechtsprechung zu den syndromalen Leiden keine überzeugende
Beurteilung zulasse. In psychiatrischer Hinsicht fehle es an einer sich an den
Indikatoren orientierenden Beurteilung. Eine polydisziplinäre Begutachtung sei
erforderlich. Gleichentags widerrief die IV-Stelle die Verfügung vom 28. Januar 2016
(IV-act. 121). Mit einer Verfügung vom 2. August 2017 schrieb das
Versicherungsgericht das gegenstandslos gewordene Verfahren ab (IV 2016/71, IV-
act. 125).
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 8. September 2017 mit (IV-act. 128), dass
eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig sei. Am 22. März 2018, 17. April 2018
und 23. Mai 2018 wurde die Versicherte durch die SMAB AG L._ polydisziplinär
(psychiatrisch, rheumatologisch, internistisch, neurologisch und neuropsychologisch)
untersucht. Im Gutachten vom 22. Juni 2018 gaben die Sachverständigen an (IV-
act. 157-12), sie hätten keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen
können. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie:
Chronisches Müdigkeitssyndrom (ICD-10 G93.3), DD Neurasthenie (ICD-10 F48.0),
myofasziales Schmerzsyndrom leichten Grades am Schulter- und Beckengürtel,
Untergewicht BMI 17.2 kg/m , Hypercholesterinämie, chronisch obstruktive
Pneumopathie GOLD Stadium 1 (ED 08/2015), Eisenmangel, Vitamin D-Mangel
(anamnestisch), Ausschluss einer strukturellen Herzkrankheit 03/2014, Ausschluss
einer Nebenniereninsuffizienz 08/2015, Nikotinabusus 10-15 Zigaretten täglich. Der
psychiatrische Gutachter führte aus (psychiatrisches Teilgutachten vom 25. Mai 2018,
A.k.
2
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IV-act. 157-26, 157-33 ff.), die Versicherte habe zum Tagesablauf angegeben, sie stehe
gegen 6.00 Uhr auf und bereite für sich und ihre Tochter Kaffee zu. Nachdem die
Tochter das Haus verlassen habe, mache sie sich für den Tag fertig und beginne, die
Post durchzusehen, administrative Dinge zu erledigen, sich mit etwaigen Neuigkeiten in
der CFS-Forschung zu beschäftigen oder den Haushalt zu erledigen. Zwischen 9.00
und 10.00 Uhr sei sie müde und lege sich hin. Meistens erwache sie nach zwei bis vier
Stunden. Sie stehe dann auf, räume ein wenig auf und erledige restliche
Haushaltsarbeiten. Ein- bis zweimal wöchentlich, wenn es ihr einigermassen gut gehe,
erledige sie Einkäufe und Besorgungen oder mache einen Spaziergang. Sie bereite das
Abendessen zu, das sie mit der Tochter zusammen einnehme. Am Abend unterhalte sie
sich mit der Tochter, schaue fern, surfe im Internet oder kommuniziere mit einer
Freundin. Nachtruhe sei zwischen 22.00 und 23.00 Uhr. In der Beurteilung hielt der
psychiatrische Gutachter fest, die Versicherte habe angegeben, seit Mai 2011 bestehe
kontinuierlich ein chronisches Erschöpfungssyndrom mit einer ausgeprägten
Müdigkeit, bei Anstrengung auch verknüpft mit Muskelschmerzen. Die Versicherte
habe das Schwergewicht der Symptomatik als eine vermehrte Müdigkeit nach geistiger
und/oder körperlicher Anstrengung, verknüpft mit dem Gefühl nachlassender bzw.
unzureichender Arbeitsleistung und Effektivität bei der Bewältigung täglicher Aufgaben
geschildert. Es komme zu körperlicher Schwäche, teilweise begleitet von muskulären
Schmerzen. Eine Unfähigkeit, sich zu entspannen, wie sie bei neurasthenen
Syndromen häufig vorkomme, liege nicht vor. Die Versicherte habe auch nicht die bei
einer Neurasthenie bestehenden Symptome wie Reizbarkeit, Freudlosigkeit oder
depressive Symptome geschildert. Schlafstörungen im Sinne von Ein- und
Durchschlafstörungen lägen nicht vor. Vielmehr sei eine Hypersomnie in den
Vordergrund gerückt worden. Die differentialdiagnostisch zu erwägenden Symptome
eines Neurasthenie-Syndroms (ICD-10 F48.0) seien deshalb nicht vollumfänglich erfüllt.
Die Symptome seien eher einem Chronic Fatigue Syndrom (ICD-10 G93.3) zuzuordnen.
Ob eine Verknüpfung mit einem Fibromyalgiesyndrom oder ein postvirales
Müdigkeitssyndrom, z.B. im Zuge einer durchgemachten benignen myalgischen
Enzephalomyelitis, vorliege, sei aus neurologischer und rheumatologischer Sicht zu
klären. Aus rein psychiatrischer Sicht sprächen der nicht wegweisende
elektroenzephalographische Befund sowie die in der Vergangenheit beschriebene,
unauffällige MRI-Untersuchung des Neurokraniums gegen einen enzephalitischen bzw.
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enzephalopathischen Hintergrund. Auch der aktuelle MRT-Befund des Neurokraniums
habe bis auf einzelne unspezifische Marklagergliosen keine weiteren Auffälligkeiten
gezeigt. Ein Fibromyalgiesyndrom habe der rheumatologische Gutachter nicht
diagnostizieren können. Bei der Versicherten liege ein subjektives Krankheitsbild vor,
welches sich auf psychiatrischer Ebene nicht verifizieren lasse. Insbesondere sei das
Vorliegen einer Depression von Krankheitswert ebenso auszuschliessen wie eine
gravierende Angsterkrankung oder gar eine psychotische Störung. Die diagnostischen
Algorithmen einer somatoformen Störung seien ebenfalls nicht hinlänglich erfüllt. Es
bestünden weder die für Somatisierungsstörungen charakteristischen multiplen, häufig
wechselnden körperlichen Symptome noch bestehe eine langandauernde Störung des
sozialen, interpersonalen oder familiären Verhaltens. Auch eine dissoziative Störung
liege nicht vor. Eine Diagnose mit einer Relevanz für die Arbeitsfähigkeit könne nicht
gestellt werden. Seitens der subjektiven Wahrnehmung sei die Symptomatik deutlich
ausgeprägt; die Versicherte attribuiere die Symptomatik wiederholt dramatisierend,
beinahe histrionisch. Auf der Befundebene lasse sich eine allenfalls subsyndromale,
leichte Symptomatologie mit einer leichten Einschränkung von Psychomotorik und
Antrieb feststellen. Die geschilderte Symptomatik sei aus psychiatrischer Optik nur
milde ausgeprägt, differentialdiagnostisch sei ein chronisches Müdigkeitssyndrom CFS
(ICD-10 G93.3) gegenüber einer inkompletten subsyndromalen Neurasthenie-
Symptomatik (ICD-10 F48.0) zu differenzieren. Für die versicherungsmedizinische
Beurteilung sei es aber nicht relevant, ob man zur Diagnose eines CFS oder einer
subsyndromalen Neurasthenie gelange. Hinweise auf eine Simulation ergäben sich
nicht. Zwischen der subjektiven Wahrnehmung der Versicherten und den erhobenen
psychopathologischen Befunden bestehe eine deutliche Diskrepanz. Die Versicherte
verfüge in den komplexen Ich-Funktionen wie Intentionalität, Realitätsprüfung,
Urteilsbildung, Affektregulation, Interaktionskompetenz und Regressionsfähigkeit über
gute Ressourcen. Abgesehen von der gegenwärtigen Lebenssituation mit aus der
derzeitigen Situation resultierenden Existenzängsten ergäben sich keine weiteren
gravierenden psychosozialen Belastungsfaktoren. Die Versicherte schildere ein
ausreichend stabiles soziales Netz mit durchaus stabiler und konfliktfreier sozialer
Integration. Die Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt. Der
rheumatologische Sachverständige hielt fest (rheumatologisches Teilgutachten vom
26. März 2018, IV-act. 157-42 ff.), eine erkennbare/fassbare Gesundheitsstörung mit
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einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ergebe sich nicht. Hinweise auf eine
inflammatorische Grundlage der von der Versicherten angegebenen Beschwerden
bestünden weder anamnestisch noch klinisch. Ein Fibromyalgiesyndrom könne nicht
diagnostiziert werden, die Klassifikationskriterien seien bei Weitem nicht erfüllt. Ebenso
bestünden keine Hinweise auf ein radikuläres Schmerzgeschehen. Die vereinzelten
Weichteildruckdolenzen am Schulter- und Beckengürtel seien Ausdruck eines
myofaszialen Schmerzsyndroms infolge einer muskulären Dysbalance. Aus der
funktionellen Optik bestünden keine Einschränkungen, sinngemäss könne keine
Arbeitsunfähigkeit begründet werden. Rehabilitationsmassnahmen drängten sich nicht
auf, wobei die Durchführung eines kreislaufaktivierenden Trainings zwecks Optimierung
der kardiovaskulären Leistungsfähigkeit und der Leistungsintoleranz sowie die
Durchführung einer medizinischen Trainingstherapie zur Optimierung der Kraft und
Kraftausdauer der Rumpfstabilisatoren sowie der Schulter- und
Beckengürtelmuskelgruppen von Vorteil wären. Der internistische Gutachter erklärte
(internistisches Teilgutachten vom 8. Mai 2018, IV-act. 157-49 ff.), die Versicherte habe
sich nach der neuropsychologischen und der neurologischen Untersuchung sehr müde
und wenig leistungsfähig gefühlt. Sie sei allseits orientiert, kooperativ und freundlich
gewesen und es sei gelungen, die Untersuchung in der zur Verfügung stehenden Zeit
(90 Minuten) durchzuführen. In Bezug auf die Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit
habe die Versicherte angegeben, sie könne sich eine Tätigkeit im Homeoffice mit relativ
freier Zeiteinteilung von maximal zwei bis drei Stunden pro Tag vorstellen. In der
Beurteilung hielt er fest, das Untergewicht der Versicherten habe sich ausgehend von
einem BMI von 17.9 kg/m im August 2015 auf nun 17.2 kg/m verschlimmert. Die
Instruktion und Überwachung einer normalen Ernährung sei vordringlich. Mit zu
berücksichtigen sei die Hypercholesterinämie. Im Rahmen der chronisch obstruktiven
Pneumopathie bestünden keine Probleme. Aktuell bestehe kein Vitamin D-Mangel, die
Eisenspeicher seien jedoch leer oder nur knapp gefüllt. Eine strukturelle Herzkrankheit
sei im März 2014 ausgeschlossen worden, ebenso eine Nebennierenrindeninsuffizienz
oder eine andere endokrinologische Störung als Ursache für die Leistungsintoleranz.
Das Belastungsprofil sei aus internistischer Sicht nicht eingeschränkt. Aufgrund des
leptosomen Habitus und des Untergewichts seien körperlich schwere Arbeiten jedoch
zu vermeiden. Der neurologische Sachverständige legte dar (neurologisches
Teilgutachten vom 17. April 2018, IV-act. 157-59 f.), bei der Untersuchung hätten sich
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keine Hirnnervenausfälle gezeigt. Paresen zentraler, radikulärer oder peripher
neurogener Art seien nicht festzustellen gewesen; Reflexauffälligkeiten, sensible,
koordinative oder vegetative Störungen hätten nicht bestanden. Auch die veranlassten
Zusatzuntersuchungen (Labor, EEG, cMRI) hätten keine relevanten Normabweichungen
erbracht. Anamnestische sowie befundbasierte Hinweise auf das Vorliegen einer
Ermüdung infolge einer neurologischen Erkrankung bestünden nicht, insbesondere
bestünden keine Narkolepsie (fehlende kataplektische Symptome, keine hypnagogen
Halluzinationen, in der Aktigrafie Hypersomnie, aber wohl keine Hinweise auf eine
Schlafunterbrechung), keine idiopathische ZNS-Hypersomnie und kein Kleine-Levin-
Syndrom. Im Rahmen der angesichts eines unauffälligen
Symptomvalidierungsverfahrens als valide anzusehenden Untersuchungsergebnisse
der neuropsychologischen Untersuchung vom 17. April 2018 hätten sich nur
geringfügige Auffälligkeiten in einigen Aufmerksamkeitsaspekten gezeigt; alle weiteren
Teilleistungen seien nicht beeinträchtigt gewesen. Der im Bericht des Z._ vom 7. Juni
2012 angegebene Verdacht auf ein Chronic Fatigue Syndrom könne unter der
neurologischen Kodierung ICD-10 G93.3 nicht nachvollzogen werden, da unter G93
"sonstige Erkrankungen des Gehirns" allenfalls ein sekundäres CFS zu verschlüsseln
wäre; eine Gehirnerkrankung liege bei der Versicherten jedoch nicht vor. Die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Hochbauzeichnerin sei nicht eingeschränkt. Der neuropsychologische Experte hielt fest
(neurologisches Teilgutachten vom 25. April 2018, IV-act. 158-6 f.), die Versicherte
habe gut mitgearbeitet und sich um gute Leistungen bemüht. Hinweise auf Aggravation
hätten sich nicht ergeben. Formal seien minime bis leichte Auffälligkeiten in einigen
Aufmerksamkeitsaspekten objektiviert worden. Eine substantielle Ermüdung sei in der
dreieinhalb Stunden dauernden Untersuchung nicht beobachtet worden. Der klinische
Eindruck und die objektiven Befunde seien mit den von der Versicherten als recht
imposant und als sehr einschränkend beschriebenen, immer wieder unvermittelt und
besonders bei längerer Anstrengung auftretenden, imperativen Müdigkeitsattacken
nicht vereinbar. Die beklagten Einschränkungen hätten in der Untersuchung so nicht
reproduziert werden können und blieben demzufolge wenig nachvollziehbar. Aus
neuropsychologischer Sicht sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten eingeschränkt sein sollte. In der zusammenfassenden
versicherungsmedizinischen Beurteilung gaben die Sachverständigen an (IV-
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B.
act. 157-13 f.), eine Diagnose mit einer Relevanz für die Arbeitsfähigkeit habe auf
keinem Fachgebiet gestellt werden können. Die objektiven Befunde seien nur gering
ausgeprägt. Die Beschwerdesymptomatik sei subjektiver Natur und lasse sich weder
durch objektivierbare psychiatrische und neuropsychologische noch durch somatische
Befunde erhärten. Die Versicherte sei in der Lage, sämtliche ihrem Ausbildungs- und
Kenntnisstand angepassten Tätigkeiten zu verrichten. Die bisherige Tätigkeit als
Hochbauzeichnerin sei möglich und an das subjektiv geklagte Leidensbild adaptiert.
Die Arbeitsfähigkeit betrage 100%. Auch retrospektiv lasse sich keine
Arbeitsunfähigkeit begründen.
Der RAD-Arzt Dr. I._ notierte am 16. Juli 2018 (IV-act. 159), die Versicherte sei
umfassend gutachterlich untersucht worden. Auf das Ergebnis des Gutachtens könne
abgestellt werden.
A.l.
Mit einem Vorbescheid vom 17. Juli 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Begehrens um eine Invalidenrente in Aussicht (IV-act 161). Zur
Begründung gab sie an, nachdem die IV-Stelle die Verfügung vom 28. Januar 2016
widerrufen habe, laut der kein IV-rechtlich relevanter Gesundheitsschaden vorliege, sei
eine polydisziplinäre Begutachtung erfolgt. Gemäss dem Gutachten der SMAB vom
22. Juni 2018 hätten keine Diagnosen bestätigt werden können, welche sich auf die
Arbeitsfähigkeit auswirkten. Das Begehren um eine Invalidenrente werde deshalb
abgewiesen. Die Versicherte erhob am 21. September 2018 einen Einwand, worin sie
um eine Fristerstreckung zur Begründung des Einwands ersuchte (IV-act. 164).
Nachdem die erstreckte Frist unbenutzt abgelaufen war, wies die IV-Stelle mit einer
Verfügung vom 12. Dezember 2018 das Begehren um eine Invalidenrente ab (IV-
act. 167).
A.m.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erhob am 28. Januar 2019 eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 12. Dezember 2018 (act. G 1). Sie beantragte
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache einer mindestens
halben Invalidenrente. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Zudem ersuchte sie um die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Zur
B.a.
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Begründung machte sie geltend, entgegen dem Bericht von Dr. J._ hätten die
Gutachter der SMAB keine Diagnosen erhoben, welche für die Arbeitsfähigkeit relevant
seien. Das Gutachten der SMAB sei ausnahmslos von Ärzten erstellt worden, die keine
Spezialisten für Schlafmedizin seien. Sie (die Beschwerdeführerin) leide an einer
somatoformen Erkrankung, Chronic Fatigue und Fibromyalgie, was zu einer maximalen
Arbeitsfähigkeit von 50% führe. Die Gutachter hätten sich mit dieser Problematik nicht
bzw. nur teilweise auseinandergesetzt. Das Gutachten sei deshalb unvollständig,
insbesondere mit Blick auf die darin festgehaltenen Diagnosen. Dr. J._ stehe für eine
fundierte Stellungnahme nicht mehr zur Verfügung. Zurzeit liefen Anfragen bei einem
Spezialisten-Team für Schlafmedizin. Sie ersuche um eine Nachfrist zur Einreichung
einer Beschwerdebegründung. In Bezug auf das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege brachte sie vor, sie habe kein Einkommen mehr und habe im Dezember
2018 über ein Vermögen von rund Fr. 70'000.-- verfügt. Dieses Geld werde ihr keine
drei Jahre reichen, auch dann nicht, sollte ihr eine halbe Rente zugesprochen werden.
In der Beschwerdeergänzung vom 14. Juni 2019 hielt die Beschwerdeführerin an den
gestellten Anträgen fest (act. G 7). Sie machte geltend, der psychiatrische Gutachter
der SMAB habe wie Dr. J._ ein chronisches Müdigkeitssyndrom diagnostiziert.
Allerdings habe dieser die Meinung vertreten, dass sie vollständig arbeitsfähig sei. Es
sei durchaus Erfahrungstatsache, dass Gutachter wegen einer fehlenden
Objektivierungsmöglichkeit den Schweregrad zulasten des zu Begutachtenden völlig
unterschätzten. Lasse sich der Schweregrad diagnostisch nicht bestimmen, zeige sich
die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen
Auswirkungen. Diese seien hier offensichtlich schwer. Sie habe sich in der Folge einem
anderen Spezialisten für Schlafmedizin, Dr. med. K._, stv. Chefarzt Innere Medizin
am W._, vorgestellt. Gestützt auf die Berichte von Dr. K._ machte sie geltend, dass
sie zu 80% arbeitsunfähig sei. Dr. K._ hatte am 29. März 2019 berichtet (act.
G 7.1.3), er habe die Beschwerdeführerin am 20. Februar 2019 gesehen. Die
Beschwerdeführerin leide seit Mai 2011 an einem Schwächezustand, bei dem sie bis
1x/Monat Kollapszustände bis beinahe Synkopen verspüre. Sie fühle sich, wie wenn
sie eine Dauergrippe hätte. Körperliche Anstrengungen verursachten ihr einen Zustand
der Energielosigkeit mit unspezifischen Muskelschmerzen. Weiter leide sie an einer
Dauerübelkeit. Auffallend seien weiter Konzentrationsstörungen und ein gestörter
Schlaf; sie schlafe nachts ca. sieben Stunden und dann wieder von 9-13 Uhr. In der
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körperlichen Untersuchung habe er keine pathologischen Befunde feststellen können.
Weitreichende Untersuchungen hätten keine organspezifische Krankheit aufgezeigt.
Auch psychiatrische Begutachtungen hätten keine psychiatrische Diagnose im Sinne
einer Psychose und/oder einer Depression aufgezeigt. Rezidivierende
Laboruntersuchungen hätten nie eine namhafte hämatologische und/oder entzündliche
Störung ergeben. Aufgrund der Anamnese und der klar feststellbaren Einschränkungen
der körperlichen Leistungsfähigkeit, der vegetativen Symptomatik mit beinahe Kollaps,
Nausea und aktimetrisch nachgewiesenem gestörten Schlaf, könne gemäss den
kanadischen Konsensuskonferenz Kriterien ein Chronic Fatigue Syndrom/myalgische
Enzephalomyelitis gestellt werden. Als ätiologische Ursachen würden Virusinfekte
postuliert und leider gebe es noch keine pathophysiologisch begründete kurative
medikamentöse Therapie. Bei der Beschwerdeführerin könne er sich von einer
psychosomatischen Krankheit distanzieren. Aufgrund der genannten Diagnose sei die
Beschwerdeführerin nicht vollständig arbeitsfähig. Am 23. April 2019 hatte Dr. K._
mitgeteilt, er nehme nochmals Stellung zum Gutachten der SMAB (act. G 7.1.4). Die
Hauptsymptomatik der Beschwerdeführerin seien massive Konzentrationsstörungen,
ein gestörter Schlaf, unspezifische Muskelschmerzen bei kleinster Anstrengung und ein
Zustand einer Dauer-Grippe. Mehrfache Untersuchungen hätten keine Krankheit aus
dem akut-rheumatischen, neurologischen oder psychiatrischen Gebiet ergeben. Er
könne die Diagnose eines Chronic Fatigue Syndroms stellen. Diese Diagnose werde im
ICD-10 Code als G93.3 (mit der Begründung myalgische Enzephalomyelitis) aufgeführt
und verunmögliche der Beschwerdeführerin, die Arbeit als Bauzeichnerin auszuführen.
Dementsprechend sei dies die federführende Diagnose, welche die Arbeitsunfähigkeit
begründe. Im Gutachten werde die Diagnose G93.3 aufgeführt und es entbehre jeder
Logik, dass diese Hauptdiagnose, welche die Beschwerden erklärten, nicht als Grund
für die Arbeitsunfähigkeit aufgeführt werden könne. Am 5. Juni 2019 gab Dr. K._ an
(act. G 7.1.5), aufgrund der in den letzten Briefen erwähnten Krankheit sei der
Beschwerdeführerin eine Arbeitsbelastung von höchstens etwa zwei Stunden pro Tag
zumutbar. Dies entspreche einer Arbeitsunfähigkeit von 80%.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. August 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 9). Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, das
Gutachten der SMAB AG L._ vom 22. Juni 2018 sei beweiskräftig. Konkrete Indizien,
B.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/24
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die gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprächen, lägen nicht vor. Der Bericht
von Dr. J._ vom 5. September 2016 sei den Gutachtern bekannt gewesen und in die
Begutachtung eingeflossen. Dr. J._ habe keine objektivierbare Ursache für die von
der Beschwerdeführerin beklagte Symptomatik darzulegen vermocht. Die Gutachter
hätten die beklagte Symptomatik gleich wie Dr. K._ als Chronic Fatigue Syndrom
interpretiert. Dabei hätten sie aber dem Aspekt Rechnung getragen, dass das Chronic
Fatigue Syndrom (ICD-10 G93.3) zu den mit einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung vergleichbaren psychosomatischen Leiden zähle. Der psychiatrische
Sachverständige sei in Berücksichtigung der Standardindikatoren nachvollziehbar zum
Ergebnis gelangt, dass die diagnoserelevanten Befunde nur leicht ausgeprägt seien
und sich die geschilderte Symptomatik, welche entweder als Chronic Fatigue Syndrom
oder als subsyndromale Neurasthenie zu verstehen sei, nicht einschränkend auf die
Arbeitsfähigkeit auswirke. Dr. K._ habe sich bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
nicht an den Standardindikatoren orientiert. Gestützt auf das Gutachten sei
festzuhalten, dass die von der Beschwerdeführerin beklagten Beschwerden bei
objektiver Betrachtung keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründeten. Bei
diesem Ergebnis bestehe kein Anlass, eine Invaliditätsbemessung im Rahmen eines
Einkommensvergleichs durchzuführen.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (vgl. act. G 13).B.c.
Am 2. Dezember 2020 bat das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die
Beschwerdeführerin, zur Beurteilung des Gesuchs um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege die aktuellen Verhältnisse bekannt zu geben und die erforderlichen Unter
lagen einzureichen (act. G 14). Am 24. Dezember 2020 reichte die Beschwerdeführerin
Unterlagen ein (act. G 15). Am 6. Januar 2021 bat das Versicherungsgericht die
Beschwerdeführerin mit der Begründung, dass der Vermögensrückgang nicht
nachvollziehbar belegt sei, um die Einreichung von weiteren Unterlagen. Es wies
zudem auf eine Anrechnung des an den Rechtsvertreter geleisteten Kostenvorschusses
von Fr. 1'398.-- hin (act. G 16). Am 25. Januar 2021 reichte die Beschwerdeführerin
weitere Unterlagen ein (act. G 17).
B.d.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 12. Dezember
2018 einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint. Strittig ist somit, ob die
Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität
in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG; sog. Betätigungsvergleich).
Bei Versicherten, die teilweise erwerbstätig und teilweise im Aufgabenbereich tätig
sind, wird der Invaliditätsgrad für beide Bereiche nach der jeweiligen Methode
berechnet; die Teilinvaliditätsgrade werden nach den Anteilen der Bereiche "gewichtet"
und dann addiert (sog. gemischte Methode; Art. 28a Abs. 3 IVG).
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/24
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3.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu die
SMAB AG L._ mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens beauftragt. Im
Gutachten vom 22. Juni 2018 haben die Gutachter eine vollständige Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin in der erlernten Tätigkeit als Hochbauzeichnerin attestiert.
Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob dem Gutachten voller Beweiswert zukommt,
das heisst, ob es die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt.
3.1.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden geschaffenen und später als auf alle
psychischen Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive
Störungen, anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141
V 281; 143 V 409 und 143 V 418).
3.2.
Alle Sachverständigen der SMAB AG L._ haben umfassende Kenntnis von den
Vorakten gehabt und diese gewürdigt. Sie haben die Beschwerdeführerin persönlich
untersucht, die subjektiven Klagen aufgenommen und die erhobenen objektiven
Befunde im Gutachten wiedergegeben. Der rheumatologische Gutachter hat schlüssig
dargelegt, dass er keine objektiven Befunde für die von der Beschwerdeführerin
beklagten Beschwerden hat feststellen können. Die vereinzelten
Weichteildruckdolenzen am Schulter- und Beckengürtel hat er als myofasziales
Schmerzsyndrom leichten Grades, das aufgrund einer muskulären Dysbalance
entstanden sei, qualifiziert. Er hat diesem Syndrom nachvollziehbar keine Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der Tätigkeit als Hochbauzeichnerin
zugemessen. Das Vorliegen der Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms hat er klar
verneint. Er hat zwar lediglich festgehalten, dass die Klassifikationskriterien bei Weitem
nicht erfüllt seien, hat also nicht explizit dargelegt, welche Kriterien für diese Diagnose
massgebend sind und weshalb diese vorliegend nicht erfüllt gewesen sind. Aufgrund
der ihm obliegenden Sorgfaltspflicht ist aber davon auszugehen, dass er dies
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/24
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ausführlich geprüft hat. Der internistische Experte hat mehrere Diagnosen, die sich mit
Ausnahme der Hypercholesterinämie bereits aus den Vorakten ergeben haben,
genannt und diese als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beurteilt. Aufgrund des
Untergewichts der Beschwerdeführerin hat er einzig eine körperlich schwere Tätigkeit
ausgeschlossen. Da es sich bei der Tätigkeit als Hochbauzeichnerin um keine
körperlich schwere Tätigkeit handelt, ist die Attestierung einer vollständigen
Arbeitsfähigkeit aus internistischer Sicht schlüssig. Der neurologische Gutachter hat
ebenfalls nachvollziehbar erklärt, dass er keine Hinweise auf eine neurologische
Erkrankung als Ursache für die von der Beschwerdeführerin beklagte Ermüdung hat
feststellen können. Er hat auch keine anderen neurologischen Befunde festgestellt.
Eine Gehirnerkrankung hat er explizit ausgeschlossen. Das Ergebnis der
neuropsychologischen Untersuchung hat er als valide eingestuft. Die von ihm
attestierte vollständige Arbeitsfähigkeit ist somit schlüssig. Der neuropsychologische
Sachverständige hat aufgezeigt, dass die von der Beschwerdeführerin beklagten
Beschwerden in der dreieinhalb stündigen Untersuchung nicht hatten reproduziert
werden können. Insbesondere hat er keine substantielle Ermüdung beobachten
können. Er hat lediglich in einigen Aufmerksamkeitsaspekten minime bis leichte
Auffälligkeiten objektiviert. Eine Aggravation hat er ausgeschlossen. Er hat
festgehalten, der klinische Eindruck und die objektiven Befunde seien mit den von der
Beschwerdeführerin als recht imposant und als sehr einschränkend beschriebenen,
immer wieder unvermittelt und besonders bei längerer Anstrengung auftretenden,
imperativen Müdigkeitsattacken nicht vereinbar. Eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit hat er als nicht nachvollziehbar erachtet. Der psychiatrische Experte
hat schlüssig erklärt, dass er für das Vorliegen einer Depression, einer gravierenden
Angsterkrankung, einer psychotischen Störung, einer somatoformen Störung oder
einer dissoziativen Störung keine ausreichenden objektiven Befunde hat erheben
können. Die Symptome für ein Neurasthenie-Syndrom sind nicht vollumfänglich erfüllt
gewesen. Er hat die von der Beschwerdeführerin beklagten Symptome dem Chronic
Fatigue Syndrom zugeordnet. Ob eine Verknüpfung mit einem Fibromyalgiesyndrom
oder ein postvirales Müdigkeitssyndrom vorliegt, hat er der Beurteilung des
rheumatologischen und des neurologischen Gutachters überlassen. Ein
Fibromyalgiesyndrom hat der rheumatologische Gutachter ausgeschlossen. Dieser und
auch der neurologische Gutachter haben trotz ausführlicher Untersuchungen inklusive
Laboruntersuchungen, EEG und MRI des Neurokraniums keine für die geklagten
Beschwerden objektivierbare Gesundheitsstörung gefunden. Der psychiatrische
Sachverständige ist zur Auffassung gelangt, dass bei der Beschwerdeführerin ein
subjektives Krankheitsbild vorliege, welches sich auf psychiatrischer Ebene nicht
verifizieren lasse. Als objektive Befunde hat er einzig eine leichte Einschränkung von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/24
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Psychomotorik und Antrieb festgestellt. Er hat festgehalten, dass zwischen der
subjektiven Wahrnehmung der Beschwerdeführerin und den erhobenen
psychopathologischen Befunden eine deutliche Diskrepanz bestanden habe. Im
Weiteren hat er sich zu den Standardindikatoren, insbesondere zu den bei der
Beschwerdeführerin vorhandenen Ressourcen, geäussert und er ist zur Auffassung
gelangt, dass aus psychiatrischer Sicht eine vollständige Arbeitsfähigkeit bestehe. Die
Konsensbeurteilung, laut der die objektiven Befunde nur gering ausgeprägt sind und
die Beschwerdesymptomatik subjektiver Natur ist, ist nach dem Gesagten
nachvollziehbar und schlüssig. Zu berücksichtigen ist auch, dass in der am Vormittag
durchgeführten (vgl. die Terminplanung, IV-act. 151), dreieinhalb stündigen
neuropsychologischen Untersuchung keine substantielle Ermüdung beobachtet
worden ist, was mit der Schilderung des Tagesablaufs, wonach sich die
Beschwerdeführerin zwischen 9.00 und 10.00 Uhr wieder hinlegen müsse, in
Widerspruch steht. In der am gleichen Tag durchgeführten neurologischen
Untersuchung ist ebenfalls über keine Ermüdungszeichen berichtet worden, was darauf
schliessen lässt, dass die Beschwerdeführerin problemlos hat mitwirken können. Im
Zusammenhang mit der dritten an diesem Tag durchgeführten Untersuchung hat der
internistische Gutachter festgehalten, die Beschwerdeführerin habe sich sehr müde
und wenig leistungsfähig gefühlt. Dennoch sei es gelungen, die Untersuchung in der
zur Verfügung stehenden Zeit (90 Minuten) durchzuführen. Dies lässt darauf schliessen,
dass die Beschwerdeführerin objektiv zu einer grösseren Leistung fähig ist, als sie
subjektiv wahrnimmt. Auch die Schilderung des Tagesablaufs lässt auf ein
beträchtliches Aktivitätsniveau schliessen und ist mit der subjektiven Einschätzung der
Beschwerdeführerin, wonach nur noch eine Tätigkeit im Homeoffice von maximal zwei
bis drei Stunden pro Tag vorstellbar sei, nicht vereinbar. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass die von den Gutachtern der SMAB AG L._ erhobenen Befunde, die
gestützt darauf gestellten Diagnosen und die Attestierung einer vollständigen
Arbeitsfähigkeit in der erlernten Tätigkeit als Hochbauzeichnerin nachvollziehbar und
schlüssig sind.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Einwände der Beschwerdeführerin Zweifel am
Gutachten zu wecken vermögen. Die Beschwerdeführerin hat vorgebracht, Dr. J._
habe im Bericht vom 5. September 2016 eine somatoforme Erkrankung, Chronic
Fatigue und Fibromyalgie, diagnostiziert. Die Gutachter der SMAB hätten sich mit
dieser Problematik nicht bzw. nur teilweise auseinandergesetzt. Ausserdem sei das
Gutachten ohne einen Spezialisten für Schlafmedizin erstellt worden. Das Gutachten
sei, insbesondere mit Blick auf die festgehaltenen Diagnosen, unvollständig. Dazu ist
festzuhalten, dass der rheumatologische Sachverständige eine Fibromyalgie klar
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/24
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ausgeschlossen hat. Eine somatoforme Störung ist vom psychiatrischen
Sachverständigen überzeugend verneint worden. Dieser hat ein Chronic Fatigue
Syndrom diagnostiziert, allerdings ohne diesem Syndrom eine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit zuzumessen. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die
Untersuchungen und die Diagnosestellungen durch die Gutachter nicht umfassend
gewesen wären. Auf den Beizug eines Experten für Schlafmedizin haben die Gutachter
deshalb verzichten können. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. J._, laut der die
Beschwerdeführerin zu maximal 30% arbeitsfähig sein soll, kann nicht überzeugen, da
die ihr zugrundeliegende Diagnosestellung nicht überwiegend wahrscheinlich richtig ist.
Dr. J._ hat nämlich offenkundig die Selbstangaben der Beschwerdeführerin und
damit deren Selbstdiagnose übernommen; jedenfalls fehlt im Bericht von Dr. J._
jeder Hinweis darauf, dass ein Versuch unternommen worden wäre, die Selbstangaben
der Beschwerdeführerin zu objektivieren. Im Weiteren ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. J._ nicht anhand des strukturierten
Beweisverfahrens erfolgt. Sowohl bei einer somatoformen Erkrankung als auch bei
einem Chronic Fatigue Syndrom hat die Arbeitsfähigkeitsschätzung nämlich anhand
des strukturierten Beweisverfahrens zu erfolgen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
6. August 2019, 9C_106/2019, E. 2.3.3). In der Beschwerdeergänzung hat die
Beschwerdeführerin drei Berichte von Dr. K._ eingereicht. Gestützt darauf hat sie
geltend gemacht, dass sie zu 80% arbeitsunfähig sei. Die Berichte von Dr. K._ sind
nicht geeignet, Zweifel am Gutachten zu wecken. Dr. K._ hat sich bei der Erhebung
der Befunde nämlich vorwiegend auf die Schilderungen der Beschwerdeführerin
gestützt. Er hat also, obwohl er kein behandelnder Arzt ist, keine objektive
Betrachtungsweise eingenommen, sondern sich bei der Beurteilung von Art und
Ausmass einer Gesundheitsbeeinträchtigung massgeblich auf die subjektiven Angaben
der Beschwerdeführerin gestützt. Im Weiteren hat er für die Arbeitsfähigkeitsschätzung
von der Diagnose eines Chronic Fatigue Syndroms direkt auf eine Arbeitsunfähigkeit
geschlossen ("[...] und sie ist aufgrund dieser oben genannten Diagnose nicht voll
arbeitsfähig", act. G 7.1.3) bzw. er ist von einer (beträchtlichen) Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen und hat diese mit der genannten Diagnose begründet
("Dementsprechend ist dies die federführende Diagnose, welche die Arbeitsunfähigkeit
begründet", act. G 7.1.4). Er hat also nicht anhand des strukturierten Beweisverfahrens
geprüft, über welches funktionelle Leistungsvermögen die Beschwerdeführerin objektiv
noch verfügt, was für die Arbeitsfähigkeitsschätzung allein massgebend ist. Die
Beschwerdeführerin hat schliesslich vorgebracht, es sei durchaus Erfahrungstatsache,
dass Gutachter wegen einer fehlenden Objektivierungsmöglichkeit den Schweregrad
(wohl: einer Gesundheitsstörung) zulasten des zu Begutachtenden völlig
unterschätzten. Lasse sich der Schweregrad diagnostisch nicht bestimmen, zeige sich
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4.
Die Beschwerdeführerin ist als Vollerwerbstätige zu qualifizieren. Denn obwohl sie an
ihrer letzten Arbeitsstelle zu 60% gearbeitet hat, wäre sie im fiktiven "Gesundheitsfall"
im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung zu 100% erwerbstätig
gewesen. Die Tochter der Beschwerdeführerin ist damals nämlich 20 Jahre alt
gewesen und hat eine Lehre absolviert. Sie hat damit keine Betreuung mehr benötigt.
Bei einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Hochbauzeichnerin kann der Betrag der Vergleichseinkommen mathematisch keine
Rolle spielen; der Invaliditätsgrad ist anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu
berechnen. Er entspricht dem Arbeitsunfähigkeitsgrad und beträgt also 0%. Selbst
wenn die Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall" als zu 60% erwerbstätig
und zu 40% im Haushalt tätig zu qualifizieren wäre, wäre von Vornherein
ausgeschlossen, dass der Invaliditätsgrad 40% betragen würde. Denn bei einer
vollständigen Arbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich müsste dazu eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit im Haushalt gegeben sein, was bei der Beschwerdeführerin
offensichtlich nicht vorliegt. Die Beschwerdegegnerin hat damit den Anspruch auf eine
Invalidenrente zu Recht verneint.
5.
Es bleibt das Gesuch der Beschwerdeführerin um die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) zu prüfen.
die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen
Auswirkungen. Die Beschwerdeführerin hat dabei verkannt, dass von den Gutachtern
nicht nur bei der Diagnosestellung, sondern auch bei der Beurteilung des verbliebenen
funktionellen Leistungsvermögens ein objektiver Massstab angesetzt worden ist.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die von der Beschwerdeführerin ein
gereichten Berichte von Dres. J._ und K._ keine Zweifel am Gutachten der SMAB
AG L._ zu wecken vermögen. Die Einschätzung der Sachverständigen, dass die
Beschwerdeführerin in der erlernten Tätigkeit als Hochbauzeichnerin vollständig
arbeitsfähig sei, überzeugt. Damit ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegt, dass die Beschwerdeführerin vollständig arbeitsfähig ist.
3.5.
Jede Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, hat Anspruch auf
unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint.
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/24
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Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf
unentgeltlichen Rechtsbeistand (Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung, BV, SR 101).
Art. 99 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP, sGS 951.1) sieht vor,
dass vor dem Versicherungsgericht die unentgeltliche Rechtspflege und die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt werden; die Vorschriften der
Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO, SR 272) über die
unentgeltliche Rechtspflege finden sachgemässe Anwendung. Gemäss Art. 117 und
118 Abs. 1 lit. b und c ZPO hat eine Person Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und wenn ihr Begehren nicht
aussichtslos erscheint. Die unentgeltliche Rechtspflege umfasst die Befreiung von den
Gerichtskosten und die gerichtliche Bestellung einer Rechtsbeiständin oder eines
Rechtsbeistands, wenn dies zur Wahrung der Rechte notwendig ist. Art. 61 Abs. 1 lit. f
ATSG bestimmt sodann, dass das Recht, sich verbeiständen zu lassen, für das
Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht gewährleistet sein muss. Wo die
Verhältnisse es rechtfertigen, wird der Beschwerde führenden Person ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. Die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung setzt also voraus, dass
die gesuchstellende Person bedürftig ist, der Prozess nicht aussichtslos erscheint und
die Vertretung notwendig oder geboten ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
21. Januar 2020, 9C_560/2019, E. 4.1).
Eine Person ist bedürftig, wenn sie nicht in der Lage ist, für die Prozesskosten
aufzukommen, ohne dass sie Mittel beanspruchen müsste, die zur Deckung des
eigenen notwendigen Lebensunterhalts und desjenigen ihrer Familie erforderlich sind.
Die prozessuale Bedürftigkeit beurteilt sich nach der gesamten wirtschaftlichen
Situation des Rechtsuchenden im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs. Dazu
gehören einerseits sämtliche finanziellen Verpflichtungen, andererseits die
Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Soweit das Vermögen einen angemessenen
"Notgroschen" übersteigt, ist der das Gesuch stellenden Person unbesehen der Art der
Vermögensanlage zumutbar, dieses zur Finanzierung des Prozesses zu verwenden,
bevor dafür öffentliche Mittel bereitzustellen sind. Die Höhe des "Notgroschen"-
Grenzbetrages kann nicht generell, sondern nur individuell-konkret festgelegt werden,
und zwar namentlich unter Berücksichtigung von Erwerbsaussichten, Alter,
Gesundheitszustand sowie familiären Verpflichtungen (Urteil des Bundesgerichts vom
8. August 2016, 8C_377/2016 E. 2.2). In Anbetracht dessen, dass die (gewährte)
unentgeltliche Rechtspflege während eines Verfahrens widerrufen werden kann, wenn
die Bedürftigkeit nachträglich weggefallen ist oder gar nie bestanden hat (vgl. Stefan
Meichssner, Aktuelle Praxis der unentgeltlichen Rechtspflege, Jusletter 7. Dezember
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/24
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2009, Rz 53), kann es ausnahmsweise auch angezeigt sein, ein Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege erst mit dem Endentscheid zu behandeln und auf die dann
herrschenden Einkommens- und Vermögensverhältnisse abzustellen.
Die Beschwerdeführerin hat bei der Einreichung des Gesuchs am 28. Januar 2019
geltend gemacht, sie habe kein Einkommen mehr und habe im Dezember 2018 über
ein Vermögen von rund Fr. 70'000.-- verfügt. Dieses Geld werde ihr keine drei Jahre
reichen. Sie hat damit zum Ausdruck gebracht, dass sie im Zeitpunkt, in dem der
Gerichtsentscheid ergehen werde, weder über ein Einkommen noch über ein
Vermögen verfügen dürfte. Ausnahmsweise ist es deshalb im Zeitpunkt der
Gesuchstellung angezeigt gewesen, erst mit dem Endentscheid über das Gesuch zu
entscheiden. Die Beschwerdeführerin hat seit dem Verlust ihrer letzten Arbeitsstelle im
Jahr 2014 keine Erwerbstätigkeit mehr aufgenommen. Sie hat seit Jahren keine
Einkünfte mehr erzielt und hat daher auf ihr Vermögen zurückgreifen müssen. Bei der
Beschwerdeerhebung am 28. Januar 2019 hat sich dieses noch auf ca. Fr. 70'000.--
(Stand Ende Dezember 2018) belaufen. Ende Dezember 2019 hat das Vermögen noch
ca. Fr. 48'000.-- betragen und bis Ende Dezember 2020 hat es sich auf ca.
Fr. 14'000.-- vermindert. Dies hat einem Vermögensverbrauch von Fr. 28'000.-- pro
Jahr bzw. Fr. 2'333.-- monatlich entsprochen, was sehr tief gewesen ist. Da das
Begehren um eine Invalidenrente abgelehnt wird, besteht keine Aussicht auf eine
wirtschaftliche Erholung. Der Notgroschen, der beim Bestehen einer Aussicht auf eine
wirtschaftliche Erholung für eine erwachsene Person in der Regel Fr. 5'000.-- beträgt,
ist deshalb angemessen zu erhöhen (vgl. Ziffer 2.3 der Richtlinien zur unentgeltlichen
Rechtspflege des Kantonsgerichts St. Gallen, Stand Mai 2011, abrufbar unter https://
www.sg.ch/recht/gerichte/informationen---formulare/weisungen.html, zuletzt besucht
am 3. Februar 2021). Eine annähernde Verdreifachung des Notgroschens bei
monatlichen Ausgaben von durchschnittlich Fr. 2'333.-- wäre nicht angemessen. Der
Beschwerdeführerin ist es vielmehr zumutbar, die Prozesskosten aus ihrem aktuellen
Vermögen zu bestreiten, bevor dafür öffentliche Mittel aufzuwenden sind. Dabei ist
auch zu berücksichtigen, dass sie ihrem Rechtsvertreter bereits einen Kostenvorschuss
von Fr. 1'398.-- geleistet hat (act. G 15.1), dieser also für seinen Vertretungsaufwand
bereits (teilweise oder vollständig) entschädigt worden ist, und dass der
Rechtsvertreter in dem mangels Streitgegenstand gegenstandslos gewordenen
Verfahren IV 2016/71 für seinen Aufwand mit Fr. 1'998.10 (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) entschädigt worden ist, er also bei der juristischen Aufarbeitung auf
das frühere Verfahren hat zurückgreifen können, womit ihm im vorliegenden
Beschwerdeverfahren ein unterdurchschnittlicher Aufwand entstanden ist. Aufgrund
der fehlenden Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin wird das Gesuch um
5.3.
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6.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.