Decision ID: 61668c76-3611-4344-aa36-4e79da923036
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist seit dem 20. August 1973 im Besitz des Führerausweises der Kategorien B,
D1, BE und D1E und seit dem 26. Juni 1984 der Kategorien C und CE. Seit dem 1. April
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2003 hat er zusätzlich den Führerausweis für die Kategorie A. Am Sonntag, 25. Mai
2014, um 16.45 Uhr, lenkte er ein Motorrad der Marke Suzuki J (RV 50) auf der
Thalerstrasse in Rorschacherberg in Fahrtrichtung Goldach. Auf der Höhe
Thalerstrasse 00 verlor er die Herrschaft über das Motorrad, kollidierte eingangs der
Linkskurve mit dem Trottoirabsatz und stürzte zu Boden. Aufgrund des Sturzes trug er
einen Knochenriss oberhalb und unterhalb des rechten Auges, Rissquetschwunden an
Stirn und Kiefer, Stauchungen an beiden Händen sowie Prellungen und Schürfungen
an den Knien davon und musste mit der Ambulanz ins Kantonsspital St. Gallen
gebracht werden. Wegen Alkoholmundgeruchs wurden eine Blut- und Urinprobe
angeordnet. Das Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen berechnete am
4. Juni 2014 für den Zeitpunkt des Unfalls eine minimale Blutalkoholkonzentration von
1,92 Gewichtspromille und eine maximale von 2,55 Gewichtspromille.
B.- Mit Verfügung vom 26. September 2014 entzog das Strassenverkehrsamt X
aufgrund des Vorfalls vom 25. Mai 2014 den Führerausweis für die Kategorien C und
CE für die Dauer von drei Monaten und für die anderen Kategorien und Unterkategorien
sowie die Spezialkategorie F für sieben Monate zufolge schwerer Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften.
C.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 26. September 2014 erhob
X durch seinen Vertreter mit Eingabe vom 14. Oktober 2014 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, die Verfügung vom 26. September 2014
sei vollumfänglich aufzuheben, insbesondere sei von einem Entzug des
Führerausweises für die Kategorien C und CE abzusehen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Auf telefonische Nachfrage hin erklärte der Rechtsvertreter, dass
der siebenmonatige Führerausweisentzug für die übrigen Kategorien nicht angefochten
werde. Auf die Ausführungen im Rekurs zur Begründung des Antrags wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 14. Oktober 2014 ist rechtzeitig
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eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 28. November 2014 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen
das Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG).
Motorfahrzeug im Sinne des SVG ist jedes Fahrzeug mit eigenem Antrieb, durch den es
auf dem Erdboden unabhängig von Schienen fortbewegt wird (Art. 7 Abs. 1 SVG). Wer
wegen Alkoholeinflusses nicht über die erforderliche körperliche und geistige
Leistungsfähigkeit verfügt, gilt während dieser Zeit nach Art. 31 Abs. 2 SVG als
fahrunfähig und darf kein Fahrzeug führen. Fahrunfähigkeit wegen Alkoholeinwirkung
(Angetrunkenheit) gilt gemäss Art. 1 Abs. 1 der Verordnung der Bundesversammlung
über die Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr (SR 741.13, nachfolgend: VO BAK)
in jedem Fall als erwiesen, wenn der Fahrzeugführer eine Blutalkoholkonzentration von
0,5 oder mehr Gewichtspromille aufweist oder eine Alkoholmenge im Körper hat, die zu
einer solchen Blutalkoholkonzentration führt. Eine schwere Widerhandlung im Sinn von
Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG in Verbindung mit Art. 55 Abs. 6 SVG und Art. 1 Abs. 2 VO
BAK begeht, wer in angetrunkenem Zustand mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,8
Gewichtspromille oder mehr ein Motorfahrzeug führt.
b) Das Ergebnis der Blutalkoholbestimmung ergab für den Zeitpunkt des Ereignisses
eine minimale Blutalkoholkonzentration von 1,92 Gewichtspromille. Dieser Wert wird
vom Rekurrenten nicht bestritten. Damit hat er Art. 31 Abs. 2 SVG schuldhaft verletzt.
c) Im Rekurs wird geltend gemacht, dass es sich beim Motorrad des Rekurrenten um
ein Motorrad der Spezialkategorie M handle, ein Veteranenfahrzeug, das mittlerweile 33
Jahre alt und am 1. Mai 1981 erstmals in Verkehr gesetzt worden sei.
Bezeichnenderweise sei für dieses ursprünglich eine gelbe Nummer notwendig
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gewesen. Aktuell habe es eine kleine weisse Nummer. Deshalb falle das Lenken dieses
Motorrads nicht unter Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG. Der Fahrausweis könne höchstens
zum Lenken von Motorfahrrädern, nicht aber zum Lenken von Motorfahrzeugen (z.B.
als Lastwagenlenker) entzogen werden.
Gemäss Art. 3 der Verkehrszulassungsverordnung (SR 741.51, abgekürzt: VZV) werden
der Führerausweis der Unterkategorie A1 für Motorräder mit einem Hubraum von nicht
mehr als 125 cm und einer Motorleistung von höchstens 11 kW (Abs. 2) und der
Spezialkategorie M für Motorfahrräder (Abs. 3) erteilt. Motorräder sind einspurige
Motorfahrzeuge mit zwei Rädern, die nicht Motorfahrräder sind (Art. 14 der Verordnung
über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge, SR 741.41, abgekürzt:
VTS). Motorfahrräder sind einplätzige, einspurige Fahrzeuge mit einer bauartbedingten
Höchstgeschwindigkeit bis 30 km/h und höchstens 1,00 kW Motorleistung (Art. 18
VTS). Das Fahrzeug des Rekurrenten verfügt über einen Hubraum von 49 cm und eine
Motorleistung von 2,10 kW (vgl. act. 2/3). Es handelt sich deshalb um ein Motorrad und
nicht um ein Motorfahrrad. Im Übrigen wird das Fahrzeug auch im Fahrzeugausweis als
"Motorrad" bezeichnet.
Selbst wenn es sich beim Fahrzeug des Rekurrenten um ein Motorfahrrad handeln
würde, wäre zu beachten, dass seit der bereits am 1. April 2003 in Kraft getretenen
Gesetzesrevision der Erwerb und der Entzug der Fahrerlaubnis für Motorfahrräder nicht
mehr spezialgesetzlich geregelt ist. Seither bildet die Spezialkategorie M Bestandteil
des Führerausweises (Art. 3 Abs. 3 VZV) und es bestehen keine Sondervorschriften
mehr für dessen Entzug. Entsprechend wären die SVG-Bestimmungen über den
administrativen Warnungsentzug von Führerausweisen auch auf die Spezialkategorie M
(Motorfahrräder) anwendbar (Art. 16 ff. in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 SVG; Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 1C_766/2013 vom 1. Mai 2014 E. 4.2).
d) Damit steht fest, dass der Vorfall vom 25. Mai 2014 unter Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG
fällt, wonach eine schwere Widerhandlung begeht, wer in angetrunkenem Zustand mit
einer qualifizierten Blutalkoholkonzentration ein Motorfahrzeug führt. Zu prüfen bleibt
die von der Vorinstanz verfügte Dauer des Entzugs des Führerausweises.
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3.- a) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Diese beträgt
gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG bei einer schweren Widerhandlung mindestens drei
Monate. Ein Entzug des Lernfahr- oder Führerausweises umfasst generell alle
Kategorien (Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen
2015, Vorbemerkungen zu Art. 16 ff. N 2). In Härtefällen kann aber unter Einhaltung der
gesetzlichen Mindestdauer der Ausweisentzug je Kategorie, Unterkategorie oder
Spezialkategorie für eine unterschiedliche Dauer verfügt werden, sofern der
Ausweisinhaber namentlich die Widerhandlung, die zum Ausweisentzug führte, mit
einem Motorfahrzeug begangen hat, auf dessen Benutzung er beruflich nicht
angewiesen ist, und als Führer eines Motorfahrzeugs der Kategorie, Unterkategorie
oder Spezialkategorie, für welche die Entzugsdauer verkürzt werden soll, unbescholten
ist (Art. 33 Abs. 5 VZV).
b) Die Vorinstanz setzte gestützt auf Art. 33 Abs. 5 VZV die Dauer der Massnahme für
die Kategorien C und CE unter Berücksichtigung der beruflichen Angewiesenheit auf
den Führerausweis auf drei Monate und für die anderen Kategorien und
Unterkategorien sowie für die Spezialkategorie F auf sieben Monate fest. Die Dauer des
Führerausweisentzugs von sieben Monaten für die übrigen Kategorien ist im Rekurs
nicht angefochten. Der dreimonatige Führerausweisentzug für die Kategorien C und CE
entspricht der Mindestentzugsdauer gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG. Das Gesetz
lässt eine Unterschreitung dieser Mindestentzugsdauer nicht zu (Art. 16 Abs. 3 SVG).
Angesichts der zwingenden Natur der gesetzlichen Mindestentzugsdauer verbleibt der
rechtsanwendenden Behörde auch kein Ermessensspielraum, innerhalb dessen sie
Überlegungen zur Verhältnismässigkeit der Massnahme im Sinn der Erforderlichkeit zur
Besserung des Betroffenen anstellen könnte (vgl. Botschaft, in BBl 1999, S. 4462 ff.).
Daraus folgt, dass die Mindestentzugsdauer selbst in Ausnahmesituationen nicht
unterschritten werden darf. Von einem Entzug des Führerausweises für die Kategorien
C und CE für die Dauer von drei Monaten kann deshalb nicht abgesehen werden.
Immerhin wurde der beruflichen Situation mit der Anwendung der Härtefallklausel und
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den unterschiedlichen Entzugsdauern (Art. 33 Abs. 5 VZV) soweit wie möglich
Rechnung getragen.
4.- Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz dem Rekurrenten den
Führerausweis für die Kategorien C und CE zu Recht aufgrund von Art. 16c Abs. 2 lit. a
SVG für drei Monate entzogen hat. Entsprechend ist der Rekurs abzuweisen.
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen.