Decision ID: ef89e378-4497-4d85-85a0-6dbe78d8222f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
70
, ist bei der
KVF Krankenversicherung AG
(nach
fol
gend:
KVF
) obligatorisch krankenpflegeversichert. Die Prämie betrug
nach Abzug des Betrages aus Umweltabgaben an die Bevölkerung
im Jahr
2016 Fr. 179.10
pro Monat
respektive Fr. 2'149.20 pro Jahr
(
Urk.
8/2a) und im Jahr
201
7
monatlich
Fr.
193.15
respektive Fr. 2'317.80
für das ganze Jahr
(
Urk.
8/2b
).
Am
1.
Juni 2017 ging bei der KVF die auf den 3
0.
November 2016 datierte Kün
digung des Versicherten der Grundversicherung KVG per 3
1.
Dezember 2016 ein (
Urk.
8/5).
Mit Schreiben vom
1.
Juni
2017
teilte die KVF dem Versicherten mit, dass
die (rückwirkende) Kündigung per 3
1.
Dezember 2016 nicht möglich sei (Urk. 8/6).
Im September 2017 stellte die KVF
ein Betreibungsbegehren gegen den Versi
cherten beim Betreibungsamt
Elgg
für Prämienausstände von Januar bis Dezem
ber 2017
im Betrag von Fr.
2'246.65
zuzüglich Zins von 5 % ab dem
1. Januar 2017
,
Mahnspesen von Fr. 30.-- und Umtrieb
s
spesen von
Fr.
100.--
(vgl. Zah
lungsbefehl in
der Betreibung Nr.
...
des Betreibu
ngsamtes
Elgg
vom
2
9.
Sep
tember
2017
; Urk
. 8/11
). Den dagegen am
5.
November
2017
erhobenen Rechts
vorschlag (Urk.
8/11 S.
2) hob die
KVF mit Verfü
gung vom
9.
November
2017
im Umfang von Fr.
2'560.95
auf (Urk.
8/12).
Mit Schreiben vom
3
0.
November 2017 kündigte der Versicherte die Versicherung per Ende Dezember 2017 und verwies gleichzei
tig auf seine Kündigung vom 30.
November 2016 für das Jahr 2017 (
Urk.
8/9). Mit Schreiben vom
8.
Dezember 2017 wies die KVF den Versicherten darauf hin, dass ein Wechsel zu einer ande
ren Versicherung nur möglich sei, wenn alle ausstehenden Prämien, Kostenbetei
ligungen, Verzugszinsen und Betrei
bungskosten bezahlt seien (Urk.
8/10).
Am 13. und 18. Dezember 2017 erhob der Versicherte gegen die Verfügung der KVF vom
9.
November 2017 Einsprache (Urk. 8/13.2, Urk. 8/15), welche die KVF mit Einspracheentscheid vom
4.
Januar 2018 abwies
(
Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
1
3.
Februar
2018 Beschwerde
und beantragte sinngemäss, der Einspracheentscheid vom
4.
Januar 2018 sei auf
zu
he
ben, es sei ihm per sofort
, das heisse superprovisorisch, der
Kassenwechsel zu gewähren und die
Beschwerdegegnerin
sei zu verpflichten, ihn ohne weitere Forderungen aus dem Versicherungsverhältnis per Ende 2016 zu entlassen und noch offene, ihn betreffende Arzt-Rechnungen aus der Periode vor Ende 2
016 zu begleichen, sowie es sei
die Höhe der (Prämien-)Aufschläge
von zirka 5 % und 10 % pro Jahr
zu
prüfen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der
Beschwerdeführer
darum, es sei das Verfahren gegebenenfalls zu sistieren, um mit der
Beschwerde
gegnerin
eventuell doch noch direkt eine Lösung finden zu können, und es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (
Urk.
1 S. 1).
Die Beschwer
degegnerin
schloss in
der Beschwerdeantwort vom
2
9.
März 2018 sinngemäss auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7
).
Dies wurde dem
Beschwerdeführer
am 4.
April 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 9).
Auf telefonische Anfrage des
Beschwerdeführer
s im Juni und Juli 2018 hin wurde diesem Zeit für Vergleichs
gespräche mit der
Beschwerdegegnerin
bis im Sommer 2019 zugesichert. Ausser
dem verzichtete
er
auf
einen
vorsorglichen Entscheid
über
seinen
Antrag auf sofortigen
Kassenwechse
l (Urk. 10-11)
. Mit Eingabe vom 16. September 2019
beantragte
der
Beschwerdeführer
, das Verfahren sei
bis zur Antwort der
Beschwerdegegnerin
zu seinem Einigungsvorschlag (Urk. 15/1) respektive bis zu einem Resultat der Vergleichsverhandlungen
zu sistieren (Urk. 14). Die
Beschwer
degegnerin
nahm dazu mit Eingabe vom
1.
Oktober 2019 Stellung
und hielt am Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest
(Urk. 18).
Hierzu äusserte sich der
Beschwerdeführer
mit Eingabe vom
4.
Dezember 2019 (
Urk.
25)
und stellte den Antrag, es sei ihm vom Gericht ein Anwalt als
unentgeltlicher
Rechtsvertreter zur Verfügung zu stellen
(
Urk.
25 S. 2). Die Eingabe vom
4.
Dezember 2019 wurde
der
Beschwerdegegnerin
am 1
0.
Dezember 2019 zu
r Kenntnis gebracht (Urk.
27).
Mit Eingabe vom 1
4.
Januar 2020 (Urk. 28) reichte der
Beschwerdeführer
ver
schiedene Unterlagen ein (Urk. 29/1-6), welche der
Beschwerdegegnerin
zu Kenntnis zugestellt wurden
(Urk. 30)
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Das
Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG)
beinhaltet nicht nur Minimalerfordernisse, sondern regelt die obligatorische Krankenpflegeversiche
rung auf eine vollständige und detaillierte Weise. Dies gilt insbesondere für reg
lementarische Bestimmungen betreffend Anschluss, Prämien und Leistungen, welche Bereiche ausschliesslich durch das KVG normiert sind. Die Krankenversi
cherer können deshalb nur in jenen Bereichen eigene Regeln aufstellen, in denen das Gesetz ihnen eine diesbezügliche Kompetenz ausdrücklich einräumt. Soweit die Krankenversicherer die ihnen vom KVG übertragenen Aufgaben erfüllen, ist ihr Handeln - im Rahmen ihrer Funktion als Sozialversicherungsträger (vgl.
Art.
117 der Bundesverfassung, BV) - ein verwaltungsrechtliches und damit staat
liches (zum Ganzen: BGE 144 V 388 E. 4.1 mit Hinweisen).
1.2
Nach Art. 61
KVG
legt der Versicherer die Prämien fest.
Soweit
das KVG
keine Ausnahme vorsieht, erhebt der Versicherer von seinen Versicherten die gleichen Prämien
(
Abs.
1)
.
Der Versicherer stuft die Prämien gemäss den kantonalen Kos
tenunterschieden ab. Für sehr kleine kantonale Versichertenbestände kann davon abgewichen werden. Massgebend ist der Wohnort der versicherten Person (
Abs.
2). Der Versicherer kann die Prämien regional abstufen. Das Departement legt die Regionen sowie die basierend auf den Kostenunterschieden zwischen den Regionen maximal zulässigen Prämie
nunterschiede einheitlich fest (
Abs.
2
bis
).
Hauptpflicht
eines Versicherten im Versicherungsverhältnis mit dem Krankenver
sicherer ist die Pflicht zur Bezahlung der Prämien
(
Urteil des Bundesgerichts K 18-20/03 vom 1
6.
Mai 2003 E. 3.2
)
.
1.3
1
.3
.1
D
ie
E
rhebung
der Prämien und der Kostenbeteiligungen sowie
die Folgen des Zahlungsverzugs
sind in Art. 64a KVG
,
Art. 90, Art. 103
und in Art. 105a ff.
der
Verordnung über die Krankenversicherung (KVV)
geregelt.
Die Prämien sind gemäss Art. 90 KVV im Voraus und in der Regel monatlich zu bezahlen. Ausstehende Prämien und Kostenbeteiligungen sind zu mahnen und in Betreibung zu setzen (Art. 64a Abs. 1 und 2 KVG).
Bezahlt die versicherte Person trotz Zahlungsauffor
derung die Prämien, Kosten
beteiligungen und Verzugszinsen nicht innert der gesetzten Frist, so muss der Versicherer die Betre
i
bung
anheben
(Art. 64a Abs. 2 KVG
).
Ein obligatorischer Krankenpflegeversicherer ist bere
chtigt, im Falle des Rechts
vor
schlags nachträglich eine formelle Verfügung zu erlassen, mit welcher d
er Rechts
vorschlag aufgehoben wird (
BGE 121 V 109 E. 2 f;
Urteile des Bundesge
richts K 1/04 vom 6. August 2004 E. 3 und
9C_934/2011
vom 3
1.
Januar 2012
je mit Hinweisen).
1.3
.2
Verschuldet die versicherte Person Aufwendungen, die bei rechtzeitiger Zahlung nicht entstanden wären, so kann der Versicherer nach Art. 105b Abs.
2
KVV angemessene Bearbeitungsgebühren erheben, sofern er in seinen allgemeinen Bestimmungen über die Rechte und Pflichten der
Versicher
ten eine entsprechende Regelung vorsieht.
1.3
.3
Nach Art. 26 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
und Art. 105a KVV ist auf fälligen Prämien Ver
zugs
zins von 5 % im Jahr geschuldet, nicht aber auf Kostenbeteiligungen (
SVR 2006 KV Nr. 23 S. 76 E. 4.2.1
).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
hielt im angefochtenen Einspracheentscheid fest, dass
von den
Prämien Januar bis Dezember 2017
Fr.
2'276.65
ausstehend seien
. Zur Einsprache (gegen die Verfügung vom
9.
November 2017, Urk. 8/12) sei innert der angesetzten Nachfrist keine Begründung eingegangen. Der
Beschwerdeführer
schulde ihr
Fr.
2'317.80 nebst 5
%
Zins seit dem
1.
Januar 2017 und Mahnspesen von
Fr.
30.-- sowie Bearbeitungsgebühren von
Fr.
100.-- abzüglich einer Ver
rechnung von
Fr.
71.15 vom 2
6.
September 201
7.
Der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr.
...
(des Betreibungsamtes
Elgg
) werde d
aher in diesem Umfang beseitigt (
Urk.
2 S. 1).
In der Beschwerdeantwort führte die
Beschwerdegegnerin
zudem aus, das Versi
cherungsverhältnis sei im Jahr 2016 nicht gekündigt worden und habe weiterhin Bestand gehabt. Denn die Aussagen des
Beschwerdeführer
s im E-Mail-Verkehr vom
1.
bis 3
0.
November 2016 seien als reine in Aussichtstellung einer möglichen Kündigung zu betrachten. Es handle sich dabei nicht um eine legitime Kündigung, zumal eine solche gemäss den anwendbaren allgemeinen Vertragsbestimmungen (
Ziff.
2.7.2 AVB 2016) schriftlich mittels Postsendung hätte erfolgen müssen.
In
der ersten Hälfte des Jahres 201
7
habe ein Austausch über die nicht korrekt erfolgte Kündigung im Jahr 2016 stattgefunden
und sie habe dem
Beschwerde
führer
ein vorgefertigtes Kündigungsformular zugestellt, welches dieser hand
schriftlich
angepasst habe
mit Ausstellungsdatum vom 30.
November 2
016 und Kündigungsdatum vom 31.
Dezember 2
01
6.
Diese Kündigung sei am
1.
Juni 2017 bei ihr eingegangen. Anlässlich des Gesprächstermins vom 2
9.
November 2017 habe der
Beschwerdeführer
ausserdem bestätigt, dass
seine Äusserung in der E-Mail vom 3
0.
November 2016 lediglich eine Kündigungsandrohung gewesen sei und auch, dass er damals keinen Nachversicherer gehabt habe. Mit Datum vom 3
0.
November 2017 habe er schliesslich die Kündigung pe
r 31.
Dezember 2017 eingereicht. Da in diesem Zeitpunkt Ausstände bestanden
hätten
, sei
der
Beschwerdeführer
darüber informiert worden, dass er die Krankenkasse nicht wechseln könne,
solange diese noch nicht beglichen seien
.
Bezüglich der Verfü
gung vom
9.
November 2017, mit welchem der Rechtsvorschlag in der Betreibung
Nr.
...
(des Betreibungsamtes
Elgg
) korrekt beseitigt worden sei,
sei innert Frist keine Einsprache erfolgt. Erst mit Datum vom 13. Dezember 2017 habe der
Beschwerdeführer
eine Einsprache respektive ein Sistierungsbegehren bezüglich
Einsprachefrist
eingereicht. Aus Kulanz sei ihm eine Nachfrist zur Einreichung einer korrekten
Einsprachebegründung
gewährt worden.
Mit Datum vom
18. Dezember 2017 habe der
Beschwerdeführer
erneut die (unbegründete) Ein
sprache und das Gesuch um Sistierung der
Einsprachefrist
eingereicht.
Eine ordentliche
Einsprachebegründung
sei nicht eingereicht worden.
Hinsichtlich des hängigen Betreibungsverfahrens sei zudem zu bemerken, dass dieses nicht aus
drücklich den Gegenstand der Beschwerde darstelle und der
Beschwerdeführer
primär den Bestand des Versicherungsverhältnisses mit ihr bestreite.
Zur Beseiti
gung des Rechtsvorschlages sei sie ferner als Krankenkasse im Bereich der obli
gatorischen Krankenversicherung befugt. Im Gegensatz zu den Vorjahren habe der
Beschwerdeführer
für das Jahr 2018 nunmehr die
Assura
-Basis AG als Nach
versicherer genannt. Wegen der bis dato bestehenden Ausstände seien diese und der
Beschwerdeführer
darüber informiert worden, dass ein Wechsel von Gesetzes wegen nicht möglich sei. Der
Beschwerdeführer
sei mithin nach wie vor bei ihr, der
Beschwerdegegnerin
, obligatorisch krankenversichert (Urk. 7).
In der Stellungnahme v
om 1.
Oktober 2019
erklärte die
Beschwerdegegnerin
zudem, dass auch die Jahresprämie für das
Jahr 2018 fällig geworden und betrie
ben worden sei (Zahlungsbefehl des Betreibungsamtes
Elgg
in der Betreibung Nr.
...
vom 1. Oktober 2018, Urk. 19/31), welche der
Beschwerdeführer
mit Zahlung an das Betreibungsamt beglichen habe. Eine erneute Kündigung
per Ende 2018
sei nicht erfolgt.
Inzwischen seien auch die gesetzlichen Mahnungen und die Betreibung für die Jahresprämie 2019 via
eSchKG
versandt worden. Auch die Höhe dieser Prämie
könne
nicht verhandelt werden
, da es keine Individual
prämien
in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung gebe.
Die
Bewilligung für eine allfällige Prämienverbilligung falle
ferner
nicht in
die
Zuständigkeit
der obligatorischen Krankenpflegeversicherung, sondern
in diejenige
der
Sozialver
sicherungsanstalt de
s Kantons Zürich (SVA)
.
Im Übrigen könne der
Beschwerde
führer
allfällige offene Rechnungen ab Ende 2016 zur Leistungsübernahme
nach den gesetzlichen Vorgaben
- abgesehen von Vorleistungen der Suva zu
eine
m Unfallereignis im Jahr 2018 - an sie einreichen
. Kulanzleistungen würden keine gewährt
(Urk. 18 S. 2 ff.).
2.2
Der
Beschwerdeführer
wendet hiergegen ein, die ÖKK habe seine damalige Kran
kenkasse, die Krankenkasse
Flaachtal
, übernommen und
erhöhe seither (die Prä
mien) unbegründet weit über dem örtlichen Branchendurschnitt. So seien es vor
letztes Jahr (im Jahr 2016) rund 5
%
und letztes Jahr (im Jahr 2017) gar rund 10
%
gewesen. Auch der Preisnachlass
bei Bezahlung der gesamten Jahresprämie
und
andere Konditionen
hätten sich hierbei verschlechtert. Diese Aufschläge seien eindeutig zu hoch, branchenunüblich und nicht zu rechtfertigen. Diverse Telefo
nate und E
-M
ails mit der
Beschwerdegegnerin
mit der Bitte um ein faires Angebot seien erfolglos gewesen. Er habe somit bereits auf Ende 2016 ordnungsgemäss gekündigt. Diese Kündigung sei in der Folge mehrfach wiederholt worden und
dabei sei auf die ursprüngliche Kündigung verwiesen worden.
Erst viel später sei die
Beschwerdegegnerin
zur Ansicht gelangt, die Kündigung sei nicht rechtens. Da sie nicht in den ersten zwei Monaten reagiert habe, sei ihm die Möglichkeit genommen worden, rechtzeitig einen neuen Versicherer nachzuweisen, was die
Beschwerdegegnerin
nach seiner Meinung eigentlich nichts angehe. Auch sei ihm nicht die Möglichkeit gegeben worden, eine Kündigung in - nach Ansicht der
Beschwerdegegnerin
- korrekter Form nachzureichen. Des Weiteren sei er in Bezug auf das günstigste Versicherungsmodell bis in den Sommer hinein falsch informiert worden. Es habe dann plötzlich doch ein günstigeres Modell gegeben. Sämtliche Einigungsgespräche seien erfolglos geblieben und es werde keine kon
struktive Lösung von Seiten der
Beschwerdegegnerin
vorgeschlagen. Zudem werde er an einem Wechsel gehindert, was ihn diskriminiere
. Massgeblich sei hierbei, dass er davon ausgegangen sei und auch habe davon ausgehen können, dass er im Jahr 2017 nicht mehr bei der
Beschwerdegegnerin
versichert sei und er in dieser Zeit somit auch keine Leistungen bezogen habe. Es gehe daher nicht an,
ihn
erst per Mitte Jahr
darüber zu informieren
, dass die Kündigung nicht akzeptiert
werde
,
dass er rückwirkend versichert
sei und
dass die Prämien nun nachgefordert würden. Fraglich sei auch, ob es überhaupt zulässig sei, dass die Beschwerde (
richtig
: Einsprache gegen die Verfügung vom
9. November 2017;
Urk.
12-13
) durch die
Beschwerdegegnerin
selbst behandelt worden sei (
Urk.
1).
In der Stellungnahme vom
4.
Dezember 2019 brachte der Beschwerdeführer aus
serdem vor, per 3
1.
Dezember 2016 seien keine Ausstände vorhanden gewesen. Die Prämie für das Jahr 2017 könne keinen Ausstand darstellen bei einer Kündi
gung per Ende 201
6.
Eine Kündigung per Ende
2017,
2018 und
2019 erübrige sich daher.
Die Prämien für die Jahre 2018 und 2019 seien ebenfalls nicht geschuldet und ausserdem erneut deutlich höher, als das schweizerische Mittel.
Bereits mit einer Jahresprämie von
Fr.
2'500.-- seien die Prämien sehr hoch gewesen und
inzwischen
betrage sie schon über
Fr.
3'000.--.
Auch
seien die
Prä
mien
nicht
im Voraus für das ganze Jahr
geschuldet
, so dass zum Beispiel die Prämie für den Dezember
nicht
bereits im Frühherbst betrieben werden dürfe.
Es sei nicht erklärbar, weshalb die
Beschwerdegegnerin
das Verfahren nicht abwarte und immer weitere Forderungen stelle, obschon er schon seit 2017 nicht mehr bei der
Beschwerdegegnerin
(versichert) sei.
Bereits eingeforderte Beträge inklusive Betreibungsgebühren seien (von der
Beschwerdegegnerin
an ihn) zurückzuzahlen.
Eine Einigung in der Sache wäre zu begrüssen und widerspreche keineswegs den gesetzlichen Vorgaben. So sei es nicht nachvollziehbar, weshalb nicht die Gelder aus demselben Topf wie die Zusatzversicherungen genommen werden könnten, um zumindest die Differenz auszugleichen zu den sehr viel tieferen Prämien der
Assura
. Man versuche eindeutig die Kunden an die ÖKK zu binden und verun
mögliche ihnen den Wechsel.
Zu einer Einigung sei die
Beschwerdegegnerin
nicht ernsthaft bereit gewesen und sie sei nicht einmal bereit gewesen, auf die Zinsen und/oder Bearbeitungsgebühren zu verzichten
(
Urk.
25)
.
3
.
3.1
In prozessrechtlicher Hinsicht ist vorab das Gesuch des
Beschwerdeführer
s auf Sistierung des Verfahrens zu beurteilen. Er begründete dieses damit, dass es im Interessen der Beteiligten sei, wenn man sich (aussergerichtlich) einigen könnte, wobei insbesondere die Antwort der
Beschwerdegegnerin
auf sein Schreiben vom 1
6.
September 2019 (
Urk.
15/1) respektive das Resultat der Verhandlungen abzu
warten sei. Ausserdem benötige er Zeit, da er sich gerne an den Ombudsmann und gegebenenfalls an einen Anwalt wenden möchte (
Urk.
14).
Beim
Entscheid darüber, ob ein Verfahren sistiert werden soll,
sind
die Gebote der Einfachheit und der Raschheit des Verfahrens (Art. 61 lit. a ATSG) zu berücksich
tigen. Gemäss § 126 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO), welche Bestimmung gestützt auf § 28 lit. a des Gesetzes über das Sozial
versicherungsge
richts (GSVGer) sinngemäss anwendbar ist, kann das Verfahren eingestellt wer
den, wenn die Zweckmässigkeit dies verlangt, namentlich wenn der Entscheid vom Ausgang eines anderen Verfahrens abhängt.
Hier besteht kein Grund, das Verfahren zu sistieren. Eine aussergerichtliche Eini
gung der Parteien in der hier zu beurteilenden Sache (vgl. dazu E.
3.3
hernach) ist
- soweit der
Beschwerdegegnerin
in ihrer Funktion als
Sozialversicherungs
träger
in der obligatorischen Krankenpflege
versicherung
nach KVG
überhaupt eine Vergleichs
befugnis
zusteht -
nicht zu erwarten, zumal nach Darstellung bei
der Parteien
dazu auch
keine eigentlichen Vergleichsgespräche stattfinden.
Des Weiteren
hatte der
Beschwerdeführer
seit dem Erlass des angefochtenen Ein
spracheentscheides vom
4.
Januar 2018
(Urk. 2)
nunmehr zwei Jahre Zeit, allfäl
lige rechtliche Erkundigungen bei einem Ombudsmann oder/
und Rechtsanwalt einzuholen.
Der Antrag
des
Beschwerdeführer
s
auf Sistierung des Verfahrens
ist somit abzu
weisen.
Das Verfahren ist spruchreif, weshalb sich Weiterungen in prozessualer Hinsicht erübrigen und der Entscheid in der Streitsache zu fällen ist.
3.2
Eine Bemerkung drängt sich auch zu einem weiteren formellen Aspekt auf
. In
der Beschwerdeantwort
hielt die Beschwerdegegnerin fest, gegen die Verfügung vom
9.
November 2017 habe der Beschwerdeführer innert Frist keinen Einspruch geführt. Erst am 1
3.
Dezember
2017
habe er Einsprache erhoben (
Urk.
7
S. 3
).
Auf dem Aktenexemplar der Verfügung vom
9.
November 2017 findet sich zudem der (ni
c
ht datierte) Vermerk der Beschwerdegegnerin, es sei innert 30 Tagen keine Einsprache erhoben worden
(
Urk.
8/12 S. 1)
.
Zum Versand und zur Zustellung der Verfügung vom
9.
November 2017 sind den Akten keine Angaben zu entnehmen. Es ist damit offen, wann diese dem Beschwerdeführer zugegangen ist. Damit ver
mag die Beschwerdegegnerin ihre
n Standpunkt
, die Einsprache sei nicht recht
zeitig erfolgt, nicht zu belegen. Zudem hatte sie im Einspracheentscheid explizit festg
estellt
, die Einsprache vom 13.
Dezember
2017 sei fristgerecht erfolgt (
Urk.
2 S. 1).
Somit ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer die Einsprache innert der gesetzlichen Frist (
Art.
52
Abs.
1 ATSG) erhoben hat.
3.3
In diesem Verfahren ist rechtsprechungsgemäss
derjenige Gegenstand
zu beur
tei
len, über welchen mit
der
Verfügung vom
9
.
November 2017
(Urk.
8/12
) respek
tive mit
dem
angefochtenem Einspracheentscheid vom
4.
Januar 2018
(Urk.
2
) entschieden wurde. Denn
im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurtei
len, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung beziehungsweise eines Einspracheentscheids – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der Ein
spracheentscheid den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachur
teilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein Einspracheentscheid ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Mit Verfügung
9. November 2017
wurde der Rechtsvorschlag in der Betreibung
Nr.
...
des Betreibungsamtes
Elgg
im Umfang von Fr.
2'560.95
beseitigt
(Urk. 8/12 S. 1)
. Dieser Betrag setzt sich wie folgt zusammen: Prämie
n Januar bis Dezember 2017
Fr.
2'246.65
(
Fr.
2'317.80 - Verrechnung
Fr.
71.15; Urk. 2 S.1)
,
Mahnspesen Fr. 30.--, Umtriebsspesen
Fr.
100.--
, 5 % Zins auf die Prämien bis 9. November 2017
, entsprechend
Fr.
96.--
,
und Betreibungskosten
Fr.
88.30
(Urk.
8/12
S. 2). Diese Forderungen respektive die Beseitigung des Rechtsvor
schlages wurde
n
mit Einspracheentscheid
vom
4.
Januar 2018
vollumfänglich bestätigt (Urk. 2).
Dies bildet
allein Anfechtungsgegenstand in di
esem Verfahren, weshalb im Nach
folgenden allein die dazu bestehenden Streitfragen zu prüfen sind.
Im Sinne einer
rechtlichen
Vorfrage hierzu ist die strittige Frage zu klären, ob das Versicherungsverhältnis
des
Beschwerdeführer
s mit der
Beschwerdegegnerin
betreffend die obligatorische Krankenpflegeversicherung nach KVG
rechtmässig per Ende 2016 gekündigt und damit
ab Anfang Januar 2017
aufgehoben war, oder ob es weiterhin Bestand hatte und daher die
Jahresprämie
f
ür das Jahr 2017 geschuldet ist
(vgl. E.
4
hernach)
.
Soweit der
Beschwerdeführer
sich
in seinen Ausführungen
auf
die Prämien für die Jahre 2018 und 2019 bezieht, fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand, da
diese nicht den Regelungsgegenstand des
angefochtene
n
Einspracheentscheid
es
vom 4.
Januar 2018 (
Urk.
2) betreffen. Auch die Begleichung von allfälligen offenen Rechnungen für Krankheitskosten durch die
Beschwerdegegnerin
oder die Suva respektive
allfällige
Kostenbeteiligung
en daran durch den
Beschwerde
führer
bilden
nicht
Gegenstand dieses Verfahrens.
In Bezug auf diese Anträge
und Ausführungen
ist
demgemäss
mangels
eines
Anfechtungsgegen
stands respektive
einer
Sachurteilsvoraussetzung
auf die Beschwerde
nicht einzutreten.
4
.
4
.1
4
.1.1
Nach
Art.
7 KVG kann eine v
ersicherte Person unter Einhaltung einer dreimona
tigen Kündigungsfrist den Versicherer auf das Ende eines Kalender
s
e
mesters wechseln
(
Abs.
1
; ordentliche Kündigung
)
.
Bei der Mitteilung der neuen Prämie kann die versicherte Person den Versicherer unter Einhaltung einer einmonatigen Kündigungsfrist auf das Ende des Monats wechseln, welcher der Gültigkeit der neuen Prämie vorangeht. Der Versicherer muss die neue
n, vom Bundesamt für Gesundheit
(BAG)
genehmigten Prämien jeder versicherten Person mindestens zwei Monate im Voraus mitteilen und dabei auf das Recht, den Vers
icherer zu wechseln, hinweisen (
Abs.
2
; ausserordentlichen Kündigung
).
Abs.
3
und
4 dieser Bestimmung
sehen
weitere, hier nicht relevante Tatbestände vor.
Die Kündigungsfristen und -termine nach
Art.
7
Abs.
1 und 2 KVG bezwecken einen reibungslosen administrativen Ablauf (BGE 125 V 266 E. 5b).
Die Kündi
gung stellt eine einseitige Gestaltungserklärung dar (BGE 126 V 480 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts K 15/99 vom
1
2.
Januar 2000
E. 4c), die empfangs-, aber nicht annahmebedürftig ist
(Urteil des Bundesgerichts K 26/05 vom 2
8.
Juli 2005 E. 3.3 f. mit Hinweisen)
.
Die Kündigungsfrist ist eingehalten, wenn die Kündigung am letzten Tag der gesetzlichen Frist beim Krankenversicherer zur gewöhnlichen Geschäftszeit eingegangen ist (Empfangstheorie); mit dem Poststempel des letzten Tages der Frist kann diese nicht eingehalten werden (BGE 126 V 480 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts K 39/00 E. 4 f. = RKUV 2001 KV 172 283: RLIV 1991 K 873 E. 4a
; Eugster, Rechtsprechung des Bundesgerichtes zum KVG,
2.
Auflage 2018,
Art.
7
Rz
7 mit weiteren Hinweisen
;
Eugster, Krankenversicherung, in: SBVR, Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016
, S. 458
Rz
171
)
.
4
.1.2
Nach A
rt.
7
Abs.
5
KVG endet d
as Versicherungsverhältnis beim bisherigen Ver
sicherer erst, wenn ihm der neue Versicherer mitgeteilt hat, dass die betreffende Person bei ihm ohne Unterbrechung des Versicherungsschutzes versichert ist. Sobald der bisherige Versicherer die Mitteilung erhalten hat, informiert er die betroffene Person, ab welchem Zeitpunkt sie nicht mehr bei ihm versichert ist.
In Abweichung von
Art.
7
KVG
- vorbehältlich
Abs.
3 und 4 dieser Bestimmung -
kann die säumige versicherte Person den Versicherer nicht wechseln, solange sie die ausstehenden Prämien und Kostenbeteiligungen sowie die Verzugszinse und Betreibungskosten nicht
vollständig bezahlt hat (Art. 64a
Abs.
6 KVG).
Art.
64a
Abs.
6 KVG
begründet ein gesetzliches Austrittsverbot der versicherten Person, weshalb der bisherige Versicherer v
erpflichtet ist, sie anzuwenden
.
Diese Bestimmung dient
primär der Verwaltungsökonomie
(
BGE 144 V 380 E.
6.2.4.1
).
4
.2
4
.2.1
E
ine Kündigung
des
obligatorischen
Versicherungsverhältnisses
durch den Beschwerdeführer
per Ende 2016
hätte in Anwendung von Art. 7 Abs. 2 KVG
bei der
Beschwerdegegnerin
spätestens am 30.
November 2016
zu Geschäftszeiten
eingegangen sein
müssen
, damit diese
als
rechtzeitig erfolgt
und
per Ende 2016
wirksam
zu qualifizieren wäre.
Den Akten ist hierzu zu entnehmen, dass sich der
Beschwerdeführer
i
m November 2016
per E-Mail mit dem Betreff
«
Police 2017
»
an die
Beschwerdegegnerin
gewendet
und am
1.
November 2016
erklärt hat
te
, dass er gerne bei der
Beschwer
degegnerin
versichert sei und dies auch bleiben möchte. Ein Anstieg über 5 %
innerhalb eines Jahres könne aber unmöglich akzeptiert werden. Ausserdem fragte er in dieser E-Mail an, ob die
Beschwerdegegnerin
mit diesem Kompromiss, nämlich
die Prämie
nur um 5
%
zu
verteuern, einverstanden sei. Die
Beschwer
degegnerin
antwortete
am
1.
November 2011
, dass sie die Prämien für den Kan
ton Zürich leider um mehr als 5
%
erhöhen
müsse
und dass die Prämienerhöhung regional verschieden sei. Für das Jahr 2017
könne sie ihm kein günstigeres Modell anbieten. Er sei mit dem CASAMED-Hausarztmodell
am
günstigsten versichert. Sie könne keine Kompromiss-Prämie anbieten (
Urk.
8/4).
Der
Beschwerdeführer
antwortete mit E-Mail vom 3
0.
November 2016 um 23:02 Uhr das Folgende: «
Wenn Sie
mir kein anständiges Angebot unterbreiten kön
nen/wollen, so künde ich, wie bereits gesagt, wenn auch wirklich sehr ungern, aber so geht es wirklich nicht. Ein derartiger Anstieg lässt sich durch nichts recht
fertigen, sondern es entsteht vielmehr gar der Eindruck, dass Sie (ÖKK) günstigere Konkurrenten aufkaufen, um nachher die Preise zu
erhöhen.»
(Urk. 8/4 S. 1).
Am
1.
Dezember 2016
antwortete die
Beschwerdegegnerin
, wie sie ihm, dem
Beschwerdeführer
, bereits mit E-Mail vom
1.
November
2016 mitgeteilt habe, könne sie ihm kein günstigeres Angebot unterbreiten (Urk.
8/
4 S. 1).
4
.2.2
Damit steht fest, dass
der
Beschwerdeführer
der
Beschwerdegegnerin
erstmals
in seiner E-Mail vom 30.
November 2016
mit
teilte
, dass er das Versicherungsver
hältnis mit ihr kündigen wolle,
sofern
sie ihm kein Angebot unterbreite.
Selbst wenn diese Erwähnung der Kündigung
indes
als korrekte Kündigung des Versicherungsverhältnisses mit der
Beschwerdegegnerin
zur obligatorischen Krankenpflegeversicherung nach KVG anzusehen wäre
-
was nicht der Fall ist
-
,
wäre sie zu spät erfolgt. Denn
sie
wurde
erst
am letzten Tag der Frist
um 23:02
Uhr
und damit nach Geschäftsschluss
versandt
. Dementsprechend war sie auch
nicht während der Geschäftszeit bei der
Beschwerdegegnerin
eingegangen und daher verspätet erfolgt
. Eine solche nicht rechtzeitige Kündigung würde ihre Wirkung
frühestens
auf den nächstmöglichen Kündigungs
termin
(
Art.
7 Abs. 1 KVG)
entfalten
(BGE 126 V 480 E. 2d)
,
nicht
aber
bereits per Ende 2016.
Da es sich bei einer Kündigungserklärung um eine einseitige Gestaltungserklä
rung handelt (BGE 126 V 480 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts K 15/99 vom
1
2.
Januar 2000
E. 4c)
,
hätte
sie
zudem für den Empfänger
eindeutig als solch
e
erkennbar und
fristgerecht
ohne Bedingung erfolgen müssen
, was hier nicht der Fall war
.
A
ufgrund des Wortes «wenn» im
Teilsatz
«Wenn Sie mir kein anständi
ges Angebot unterbreiten können/wollen»
war die E-Mail-Mitteilung des
Beschwerdeführer
s vom
30.
November 2016 (Urk. 8/4)
als eine bedingte und
mit
hin
nicht als
eine
direkt wirksam
e Willensäusserung zu verstehen. Auch indem
der
Beschwerdeführer
nochmals betonte, dass er dies, nämlich eine Kündigung, nur sehr ungern vornehmen wolle, bestärkte er die Bedingung
zu seiner
Erklä
rung
.
Eine klare
und abschliessende
Bekundung des
Beschwerdeführer
s, die Ver
sicherung bei der
Beschwerdegegnerin
beenden zu wollen,
ist der E-Mail
des
Beschwerdeführer
s
vom 3
0.
November 2016 nicht zu entnehmen.
Auch deshalb lag innert der Frist bis am 3
0.
November 2016 der
Beschwerdegegnerin
keine rechtsgenügende Kündigung vor.
4
.2.3
Damit erübrigte
sich für die
Beschwerdegegnerin
auch das Nachfragen respektive eine Fristansetzung zur Nachbesserung der Kündigung. Denn die Kündigung hätte
als solche erkennbar
mit klarer entsprechender Willensäusserung bereits am 3
0.
November 2016
bis Geschäftsschluss
bei der
Beschwerdegegnerin
eintreffen müssen.
Es kann bei d
ieser Ausgangslage sodann offen
bleiben, ob die Kündigungserklä
rung mit einem Schreiben auf nichtelektronischem Weg hätte erfolgen müssen
,
wie dies die
Beschwerdegegnerin
mit
Verweis auf
Ziff.
2.7.2
ihrer
AVB
Ausgabe
2016
(Urk. 8/2a)
ausführte
, und daher eine korrekte sowie fristgerechte Erklärung per E-Mail ohnehin keine Rechtswirkung hätte entfalten können
.
Nach dem Gesagten hat die
Beschwerdegegnerin
zutreffend festgestellt, dass keine rechtswirksame Kündigung per Ende Dezember 2016 von Seiten des
Beschwerdeführer
s erfolgt ist und er daher die Jahresprämie für das Jahr 2017 zu bezahlen hat.
Korrekt ist auch, dass dies dazu führt, dass beim Beschwerdeführer von Ausständen auszugehen ist und
dass bis zu deren Begleichung
das
gesetzliche Austrittsverbot
nach Art.
64a
Abs.
6 KVG
gilt
.
An diesem Ergebnis
vermag
auch die bei der
Beschwerdegegnerin
am
1.
Juni
2017
eingegangene Kündigung des
Beschwerdeführer
s datiert vom 3
0.
November 2016, mit welcher
er
die Kündigung per 3
1.
Dezember 2016 erklärte (
Urk.
8/5
),
nichts zu ändern.
Denn sie erfolgte
ebenfalls
verspätet und hat keine rückwir
kende
Gestaltungswirkung
, wie die
Beschwerdegegnerin
mit Schreiben vom
1.
Juni 2017
dem
Beschwerdeführer
zutreffend
mitteilte (
Urk.
8/6).
4.
3
4.
3.1
Auch die
übrigen
Einwendungen des Beschwerdeführers
(
Urk.
1, Urk. 25)
führen zu keiner anderen Betrachtungsweise. Namentlich
wäre
auch eine Mitteilung der
Beschwerdegegnerin
in den folgenden zwei Monaten nach der E-Mail des
Beschwerdeführer
s vom 30. November 2016 mit dem Inhalt, dass er einen neuen Versicherer nachzuweisen habe,
wegen der verpassten Kündigungsfrist nicht sinnvoll gewesen und hätte nichts daran geändert, dass er das Versicherungsver
hältnis per Ende 2016 nicht rechtzeitig gekündigt hat.
Des Weiteren hat die
Beschwerdegegnerin
entgegen der Ansicht des
Beschwerde
führer
s zu Recht die
Fälligkeit der
Jahresprämie für das Jahr 2017
auf
den
1.
Januar 2017 festgesetzt, da die Prämie nach dem Gesetz im Voraus zu entrich
ten und geschuldet ist (
Art.
90
KVV
).
Auch wenn die Prämie in der Regel monat
lich im Voraus zu bezahlen ist,
führt die
Vereinbarung zur
jährlichen
Zahlung
der Prämie (mit Gewährung
von
Skonti)
- wie beim
Beschwerdeführer
- dazu, dass die gesamte Jahresp
rämie im Voraus zu bezahlen ist.
Dabei ist die Gewäh
rung eines Skonti
-Betrages
im Hinblick auf die administrativen Ersparnisse für den Versicherungsträger nicht zu beanstanden, solange sich dies in angemesse
nem Rahmen hält. Eine Verpflichtung zur Gewährung eines
Skontos
oder gar eines solchen
in bestimmter Höhe
besteht indes nicht (Eugster, Krankenversiche
rung, a.a.O., S.
795
Rz
1
304
).
Auch die Höhe der Prämie
für das
Jahr 2017 ist nicht zu beanstanden.
Bei der Prämienfestlegung hat die
Beschwerdegegnerin
insbesondere keinen Spielraum zur
individuellen
Sonderbehandlung einzelner Versicherter
(
Art.
61
Abs.
1 KVG)
.
Die Prämien
bedürfen der Genehmigung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und dürfen erst nach der Genehmigung angewandt werden. Ausgangspunkt für die Beurteilung der finanziellen Entwicklung im Prämienjahr sind die Betriebser
gebnisse der Vorjahre und das Budget für das Prämienjahr.
Die Aufsichtsbehörde
prüft die Prämien insbesondere in Bezug auf die finanzielle Sicherheit der Versi
cherer, den Schutz der Ve
rsicherten vor missbräuchlichen Prämien
und auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften über die Prämienfestsetzung sowie der übrigen gesetzlichen Grundlagen zur Finanzierung in der sozialen Krankenpfle
geversicherung
(Eugster, Krankenversicherung, a.a.O., S. 796
Rz
1306 f.)
.
4.
3.2
Im Übrigen
war die
Beschwerdegegnerin
nicht verpflichtet, eine Einigung mit dem
Beschwerdeführer
über dessen
A
ustritt und
eine
Reduktion der Zinsen
sowie
Bearbeitungsgebühren anzustreben
, zumal keine rechtmässige Kündigung per Ende 2016 erfolgt war und die Jahresprämie für das Jahr 2017 seit Anfang 2017 geschuldet und ausstehend war.
Entgegen der A
nsicht des
Beschwerdeführer
s
war die
Beschwerdegegnerin
ferner nicht dazu berechtigt, zur Prämienreduktion in der obligatorischen Krankenpfle
geversicherung Gelder von den Zusatzversicherungen heranzuziehen.
Denn die
zwingenden Normen des KVG sehen nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine rechtliche Abgrenzung zwischen KVG- und VVG-Bereich vor. So unterliegen die Zusatzversicherungen
(nach dem
Bundesgesetz
über den Versicherungsvertrag,
VVG
)
der Wirtschaftsfreiheit, während für die soziale Krankenversicherung die Sonderordnung des Wettbewerbs nach den Regeln des KVG
gilt respektive
seit
1.
Januar 2016
des
Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht über die soziale Kran
kenversicherung
(
[Krankenvers
icherungsaufsichtsgesetz, KVAG];
BGE 144 V 388 E. 5.5.2 mit Hinweis
).
D
er zentral
e Finanzierungsgrundsatz im KVG lautet zudem
, dass sich die soziale Krankenversicherung nach dem Ausgabenumlageverfahren (bzw. nunmehr - seit
1.
Januar 2016 - Bedarfsdeckungsv
erfahren genannt [
Art.
12 KVAG]
) mit Reser
vefonds finanziert. Dies bedeutet, dass die eingehenden Prämien eines Jahres aus
reichen müssen, um den gesamten Be
darf desselben Jahres zu decken
. Die Versi
cherer haben als finanziell autonome Einrichtungen dafür zu sorgen, dass sie die sich aus dem KVG ergebenden finanziellen
Verpflichtungen erfüllen können
. Des
halb haben sie die Prämien so festzulegen, dass ihre Krankenpflegeversicherung selbsttragend ist
(
BGE 144 V 388 E. 5.2
mit Hinweisen).
Der
Gesetzgeber
hat
die Quellen der Finanzierung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Prä
mien und Kostenbeteiligungen der Versicherten sowie Beiträge der öffentlichen Hand
)
abschliessend geregelt
.
Z
ur Kompensation ungenügender Einnahmen
sind die Prämien zu erhöhen.
Eine (indirekte) Quersubventionierung der sozialen
Krankenversicherung durch Mittel aus dem VVG-Bereich
respektive der Zusatz
versicherungen
ist ausgeschlossen
(BGE 144 V 388 E. 5.4.2).
4
.
4
4
.
4
.1
Nach dem Gesagten ist
festzustellen, dass
keine rechtsgültige Kündigung
der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung
des
Beschwerdeführer
s bei der
Beschwerdegegnerin
per Ende 2016 für die Zeit ab Januar 2017 erfolgt ist und
d
ie
betriebene
Forderung
(
Urk.
8/11)
von
Fr. 2'246.65 (Fr. 2'317.80 für
die
Prä
mien Januar bis Dezember 2017 [Urk. 8/2b] abzüglich einer Verrechnung von
Fr.
71.15; Urk. 2 S.
1)
daher
geschuldet ist.
Die Beschwerdegegnerin war und ist somit berechtigt und verpflichtet (
Art.
64a KVG), diese
Jahresprämie
vom
Beschwerdeführer einzufordern.
Dabei
war sie namentlich auch befugt, eine Verfügung zu erlassen (
Urk.
8/12), mit welcher der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr.
...
des Betreibungs
amtes
Elgg
(Urk.
8/11
) aufgehoben wird (BGE 121 V 109 E. 2 f
.
;
Urteile des Bun
desgerichts K 1/04 vom 6. August 2004 E. 3 und
9C_934/2011
vom 3
1.
Januar 2012
je mit Hinweisen).
4
.
4
.2
Die rechtliche Grundlage für die Erhebung von Mahnkosten
- hier in der Höhe von Fr. 30.-- zuzüglich Fr.
100
.-- für
Umtriebsspesen
-
findet sich in Art. 105b Abs. 2 KVV
(
BGE 125 V 276
). Die nach dieser Bestimmung erforderliche regle
mentarische Regelung ist in
Ziff.
7.5.2
Abs.
2 der Allgemeinen Versicherungsb
e
dingungen (AVB), BASIS
,
Ausgabe
1.
Januar 2017
, enthalten (Urk.
8/2b
). Die
erhobenen Fr. 130
.-- für die Be
arbeitung des Inkassos sind
b
ei
gegebener
Sach- und Rechtslage ange
messen
(vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
9C_870
-874
/2015 vom
4.
Februar 2016
E. 4.1 f.)
und daher
ebenfalls
geschuldet.
4
.
4
.3
Die Beschwerdegegnerin hat sodann einen Verzugszins von 5 % auf den Betrag von
Fr.
2'246.65
ab dem
1.
Januar 2017
in Betreibung setzen lassen (Urk.
8/11
).
Nach Art. 26 Abs. 1
ATSG
un
d Art. 105a KVV ist auf fällige
Prämien Ver
zugs
zins von 5 % im Jahr geschuldet.
Da die Prämien im Voraus zu bezahlen sind
(Art. 90 Abs.
1 KV
V) und der Beschwerdeführer
unstrittig
die
jährliche Bezahlung gewählt hat
, war die Prämienforderung ab dem
1.
Januar 2017
fällig.
4
.
4
.4
Die
Betreibungskosten von
Fr. 88.30
(
Fr. 73.30
Kosten für den Zahlungsbefehl
und Fr. 15.-- für weitere Zustellkosten
, Urk.
8/11
)
schuldet
der
Be
schwerdeführer de
r Beschwerde
gegnerin von Gesetzes wegen (Art. 68 Abs. 2
des
Bundesgesetz
es
üb
er Schuldbetreibung und Konkurs, SchKG
).
Der Rechtsvorschlag ist in diesem Umfang
daher entgegen der Feststellung in der Verfügung vom 9. November 2017
(Urk. 8/12)
nicht zu beseitigen.
5
.
5
.1
Soweit darauf einzutreten ist (vgl. vorstehende E. 3)
,
ist d
ie Beschwerde
somit
abzuweisen und es ist festzustellen, dass
der Beschwerdefüh
rer der
Beschwerde
gegnerin
Fr. 2'246.65 (Fr. 2'317.80 für die Prämien Januar bis Dezember 2017 [Urk. 8/2b] abzüglich einer Verrechnung von
Fr.
71.15
[
Urk.
2 S. 1]
)
zuzüglich Zins von 5 % seit dem
1.
Januar
201
7
und Mahn-
sowie
Inkassokosten von Fr. 1
30
.-- schuldet.
Der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr.
...
des Betreibungsamtes
Elgg
(Zahlungsbefehl vom
2
9.
September 2017,
Urk.
8/11
)
ist
in diesem Umfang
auf
zuhe
ben
.
5
.2
Die
verfahrensrechtlich
vorsorglich beantragte Gewährung eines sofortigen Wechsels der Krankenversicherung ist damit - soweit darauf nicht bereits ver
zichtet wurde (Urk. 10-11) - gegenstandslos.
6
.
6
.1
Jede Person, die nicht über die erforderlichen Mitt
el verfügt, hat Anspruch auf un
entgeltliche Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos er
scheint. Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertre
tung (Art. 29 Abs. 3 der Bundes
verfassung, BV; Art. 61 lit. f ATSG).
6
.2
6
.2.1
Das Verfahren ist kostenlos. Daher ist der Antrag des
Beschwerdeführer
s, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege in diesem Verfahren zu gewähren (
Urk.
1 S. 1), gegenstandslos.
6
.2.2
D
en Antrag
um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters stellte der
Beschwerdeführer
erst in seiner Stellungnahme vom
4.
Dezember 2019
und ohne einen bestimmten Rechtsvertreter zu nennen.
Bezogen auf die Sache
war das Ver
fahren betreffend den hier zu beurteilenden Streitgegenstand bereits mit Verfü
gung vom
4.
April 2018 (
Urk.
9) abgeschlossen. Die weiteren Eingaben der Par
teien (Urk. 14, Urk. 18, Urk. 25) betrafen aussergerichtliche Vergleichsgespräche und die prozessrechtliche Frage der Sistierung des Verfahrens. Spätestens nach Eingabe der Stellungnahme des
Beschwerdeführer
s vom
4.
Dezember 2019 (
Urk.
25) war die Sache spruchreif.
Abgesehen davon, dass ein Rechtsanwalt, der als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt werden soll,
grundsätzlich
zunächst
von der antragstellenden Partei zu benennen
ist
,
würde die Bestellung
eines Rechtsvertreters
das Verfahren grundlos
weiter verzögern. Denn weitere Eingaben von Seiten der Parteien oder andere Verfahrensschritte sind
weder
vorgesehen
noch angezeigt
und
für
die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters
besteht
zur Wahrung der Rechte des
Beschwerdeführer
s
in diesem fortgeschrittenen
Stadium des Verfahrens
keine Notwendigkeit
.
Die
Unentgeltlichkeit
der Rechtsvertretung
wäre
lediglich ab dem Zeitpunkt der Gesuchstellung, mithin nur für
das weitere Verfahren ab Anfang Dezember 2019
und nicht rückwirkend,
wirksam
(
Art.
119
Abs.
4 ZPO
in Verbindung mit
§
28 lit. a
GSVGer)
.
Da w
eitere Verfahrensschritte nicht vorgesehen
sind
,
wäre
ein zusätz
licher anwaltlicher Aufwand kaum zu begründen, zumal in diesem Verfahrens
stadium auch die Notwendigkeit einer Rechtsvertretung
nicht ersichtlich ist.
Nach dem Gesagten ist das Gesuch des
Beschwerdeführer
s um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters
für dieses Verfahren s
omit abzuweisen.