Decision ID: 89a522a8-3a03-5bf0-9155-0178ae9653e1
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist seit 1966 für die Fahrzeugkategorien B, D1, BE und D1E und seit 2004 für die
Fahrzeugkategorie A fahrberechtigt. Am 4. August 2004 verursachte er beim
Rückwärtsfahren in angetrunkenem Zustand eine Kollision mit einem anderen
Fahrzeug. Im verkehrsmedizinischen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der
Universität Zürich (IRMZ) vom 23. Mai 2006 wurde die Fahreignung des damals in
Zürich wohnhaften X unter den Auflagen einer Alkoholtotalabstinenz und der
regelmässigen Kontrolle der psychischen Erkrankung (Depression) bejaht. In der Folge
fanden mehrere verkehrsmedizinische Untersuchungen statt, welche die Fahreignung
unter den genannten Auflagen weiterhin befürworteten. Nachdem X am 4. April 2009
erneut ein Fahrzeug in angetrunkenem Zustand, und zwar mit einer
Blutalkoholkonzentration von mindestens 2,26 Gewichtspromille, gelenkt hatte, wurde
die Fahreignung mit Gutachten vom 16. August 2010 wegen einer verkehrsrelevanten
Alkoholproblematik verneint.
B.- Das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich hob den Sicherungsentzug vom 9.
September 2010 mit Verfügung vom 21. Juli 2011 auf und versah den Führerausweis
mit einer Alkoholabstinenzauflage. Nach dem Zuzug in den Kanton St. Gallen ging die
Zuständigkeit zur Überwachung der Einhaltung der Auflage auf das
Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen über. Dieses verwarnte X mit Verfügung
vom 7. August 2013 wegen Nichteinhaltens der Alkoholabstinenzauflage. In der
Haarprobe vom 4. Juni 2013 wurden 9,3 pg/mg Ethylglucuronid (EtG) gemessen. Die
Untersuchung der Haarproben vom 5. Dezember 2013 und 26. Juni 2014 ergab keine
Hinweise auf einen Alkoholkonsum in den Kontrollzeiträumen. In der Haarprobe vom
8. Januar 2015 fanden sich demgegenüber 22 pg/mg EtG, worauf das
Strassenverkehrsamt X mit Verfügung vom 10. Februar 2015 wegen Nichteinhaltens
der Alkoholabstinenzauflage das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien
vorsorglich ab sofort verbot. Der dagegen erhobene Rekurs wurde mit Entscheid vom
2. Juli 2015 präsidial abgewiesen (vgl. VRKE IV-2015/34 P). Eine gegen diesen
Entscheid beim Verwaltungsgericht erhobene Beschwerde zog X mit Schreiben vom
14. Juli 2015 zurück.
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C.- Am 10. November 2015 wurde in der verkehrsmedizinischen Abteilung des Instituts
für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen (IRM) die mit Zwischenverfügung vom
30. September 2015 angeordnete verkehrsmedizinische Untersuchung durchgeführt.
Im Gutachten vom 25. November 2015 wurde die Fahreignung aus
verkehrsmedizinischer Sicht bejaht unter der Auflage des Nachweises einer
Alkoholabstinenz von mindestens neun Monaten mittels Haaranalyse in drei Monaten
und danach halbjährlich, des Besuchs einer Fachtherapie und des Einreichens von
Verlaufsberichten. In der Folge hob das Strassenverkehrsamt den vorsorglichen
Führerausweisentzug mit Verfügung vom 18. Dezember 2015 auf (Ziffer 1 des
Rechtsspruchs) und versah den Führerausweis mit den Auflagen (Ziffer 2), dass X unter
fachlicher Betreuung (Suchtfachstelle) eine vollständige, kontrollierte Alkoholabstinenz
(lit. a) mittels Haaranalyse in drei Monaten und anschliessend alle sechs Monate
einzuhalten habe mit halbjährlichen Berichterstattungen im März und September (lit. b).
Weiter wurde festgehalten, dass die Auflagen auf unbestimmte Zeit Gültigkeit haben,
eine Aufhebung der Auflagen frühestens in neun Monaten geprüft werden könne (lit. c)
und bei Missachtung der Auflagen mit dem Entzug des Führerausweises – allenfalls auf
unbestimmte Zeit – zu rechnen sei (lit. d). Zudem wurden einem allfälligen Rekurs die
aufschiebende Wirkung entzogen (Ziffer 3) und die Verfahrenskosten von Fr. 425.– X
auferlegt (Ziffer 4).
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 5. Januar
2016 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei Dispositivziffer 2 der angefochtenen Verfügung aufzuheben;
eventuell sei die Auflage des Alkoholabstinenznachweises auf maximal neun Monate zu
beschränken. Die Vorinstanz verzichtete am 1. Februar 2016 auf eine Vernehmlassung.
Mit Verfügung vom 11. Januar 2016 entzog die Vorinstanz dem Rekurrenten wegen des
Ergebnisses der Haaranalyse vom 8. Januar 2015 den Führerausweis für die Dauer von
zwei Monaten. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 5. Januar 2016 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent rügt in formeller Hinsicht, die Vorinstanz habe mit der Verfügung vom
18. Dezember 2015 die Begründungspflicht und damit das rechtliche Gehör verletzt.
a) Art. 29 Abs. 2 BV gewährt den Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus
leitet das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab, ihre
Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3, 133 I 270 E.
3.1, 129 I 236 E. 3.2, 126 I 102 E. 2b). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht
verlangt dieser Grundsatz, dass die Behörde die Vorbringen der vom Entscheid oder
der Verfügung in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und
berücksichtigt und ihren Entscheid vor diesem Hintergrund begründet (vgl. Steinmann,
St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 49 zu Art. 29 BV). Der Betroffene soll wissen,
warum die Behörde entgegen seinem Antrag entschieden hat; die Begründung muss
deshalb so abgefasst sein, dass er den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls
sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III 439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/
Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1071). Dies ist nur
möglich, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die
Tragweite des Entscheids ein Bild machen können; in diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten
liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich
die Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem
rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1; Häfelin/
Müller/Uhlmann, a.a.O.). Umfang und Dichte der Begründung richten sich generell nach
den Umständen (Steinmann, a.a.O., N 49 zu Art. 29 BV). Ist die Sachlage klar und sind
die anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese Rechtsnormen
genügen, während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von Ermessen oder
unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht fallenden
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Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (BGE 112 Ia 110 E. 2b,
104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., N 49 zu Art. 29 BV; Tschannen/Zimmerli,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl. 2005, § 29 N 13). Die Begründungspflicht,
welche aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV fliesst,
hat der st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP
ausdrücklich festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die Verfügung unter anderem
die Gründe enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen Entscheid des
Verwaltungsgerichts St. Gallen B 2009/211 vom 18. März 2010 E. 2.1).
b) Der Rekurrent nahm am 14. Dezember 2015 zum verkehrsmedizinischen Gutachten
vom 25. November 2015 und zur geplanten Wiedererteilung des Führerausweises unter
Auflagen Stellung. Er erklärte, die Verschärfung der Auflage durch die Anordnung einer
Suchttherapie nicht zu akzeptieren. Es sei eine ununterbrochene Alkoholabstinenz
während jeweils zwei Jahren nachgewiesen, weshalb nicht nachvollziehbar sei,
welches Suchtverhalten therapiert werden müsse. Seit 2011 sei er verpflichtet, die
Alkoholabstinenz mittels Haaranalysen nachzuweisen. Seither sei es im Frühjahr/
Sommer 2013 mit einem EtG-Wert von 9,3 pg/mg und im Januar mit einem solchen
von 22 pg/mg zu Abweichungen gekommen. Unter Berücksichtigung der
Messunsicherheit von 25% sei mit dem Wert im Jahr 2013 ein Alkoholkonsum nicht
wirklich nachgewiesen. Der Wert im Januar 2015 weise auf einen moderaten
Alkoholkonsum hin; er bestreite jedoch, Alkohol konsumiert zu haben. Seit ihm der
Führerausweis im Jahr 2011 wiedererteilt worden sei, sei es im Strassenverkehr zu
keinen Beanstandungen mehr gekommen (act. 9/107 f.).
Die Vorinstanz erwog in der angefochtenen Verfügung, sie habe die Stellungnahme der
Rechtsvertreterin erhalten und die Ausführungen geprüft. Das Bundesgericht habe
zwischenzeitlich klargestellt, dass eine allfällige Messunsicherheit von 25% im Rahmen
der Abstinenzkontrolle unberücksichtigt zu bleiben habe. So sei bei Werten zwischen 2
und 7 pg/mg möglich, dass der Proband abstinent gelebt habe, aber nicht erstellt. Bei
höheren Werten hingegen sei von einem Bruch der Abstinenzverpflichtung
auszugehen; deshalb sei davon auszugehen, dass der Rekurrent im Jahr 2013 gegen
die Abstinenzauflage verstossen habe. Dem Gutachten könne ausserdem entnommen
werden, dass sich die positive Haaranalyse vom Januar 2015 aus
verkehrsmedizinischer Sicht nicht auf den Verzehr von zu viel Rohkost oder
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Süssigkeiten zurückführen lasse. Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass bereits
im Jahr 2013 eine Haarprobe positiv auf EtG ausgefallen sei und es trotz Verwarnung
im Januar 2015 erneut zu einer positiven Probe mit einem EtG-Wert von 22 pg/mg
gekommen sei, erscheine die Empfehlung der Verkehrsmedizin, es sei eine
Fachtherapie zu besuchen, durchaus gerechtfertigt. Dabei solle die Fähigkeit zur
selbstkritischen Konsumeinschätzung gestärkt werden und auch nach allfälliger
Aufhebung der Auflagen ausreichend sicher zur Anwendung kommen (act. 2/2).
c) Die Vorinstanz ging auf die Ausführungen des Rekurrenten in seiner Stellungnahme
vom 14. Dezember 2015 ein und begründete die angefochtene Verfügung ausreichend.
Eine Verletzung der verfassungsrechtlichen Begründungspflicht ist nicht ersichtlich
(Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_574/2013 vom 22. Oktober 2013 E. 2.4). Im
Übrigen musste sich die Vorinstanz nicht mehr zur Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung äussern. Die entsprechende Zwischenverfügung
vom 30. September 2015 war unangefochten rechtskräftig geworden.
3.- Im Rekursverfahren ist umstritten, ob die Vorinstanz den Führerausweis des
Rekurrenten zu Recht mit der Auflage einer fachlich betreuten und mittels Haaranalyse
kontrollierten Alkoholabstinenz wiedererteilt hat.
a) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist die Fahreignung.
Dieser Begriff umschreibt die körperlichen und geistigen Voraussetzungen, um ein
Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss
grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Nach Art. 14 Abs. 2 lit. c SVG
verfügt über Fahreignung, wer frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen beeinträchtigt. Wird nachträglich festgestellt, dass die gesetzlichen
Anforderungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen, ist der Führerausweis zu
entziehen (Art. 16 Abs. 1 SVG). Gemäss Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG wird der
Führerausweis einer Person auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn sie an einer Sucht
leidet, welche die Fahreignung ausschliesst.
Nach den allgemeinen verwaltungsrechtlichen Grundsätzen ist es im Rahmen der
Verhältnismässigkeit zulässig, aus besonderen Gründen den Führerausweis mit
Auflagen zu versehen, wenn diese der Sicherstellung der Fahreignung und damit der
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Verkehrssicherheit dienen sowie mit dem Wesen der Fahrerlaubnis im Einklang stehen
(vgl. Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl
1999 S. 4482). Die Anordnung von Auflagen kommt dann in Frage, wenn der Lenker die
gesetzlichen Anforderungen an die Fahreignung bei Einhaltung bestimmter
Massnahmen erfüllt; ein Entzugsgrund nach Art. 16 SVG muss dabei nicht gegeben
sein. Erforderlich ist zudem, dass sich die Fahreignung nur mit dieser Massnahme
aufrechterhalten lässt und die Auflagen erfüll- und kontrollierbar sind (BGE 131 II 248
E. 6).
Ob eine Alkoholsucht bzw. ein verkehrsrelevanter Alkoholmissbrauch dauerhaft
erfolgreich überwunden wurden, steht nach der Wiedererteilung des Führerausweises
erst nach einer weiteren, in der Regel vier bis fünf Jahre dauernden Kontrolle der
Einhaltung einer vollständigen Alkoholabstinenz und der therapeutischen Begleitung
fest. Dazu sind regelmässige Laboruntersuchungen der alkoholrelevanten Blut- und
Leberwerte erforderlich. Es bedarf nach der Wiedererteilung des Führerausweises noch
während mindestens dreier Jahre einer verkehrsmedizinisch kontrollierten gänzlichen
Alkoholabstinenz. Darüber hinaus muss eine Suchttherapie während mindestens zwei
Jahren durchgeführt werden. Die betroffene Person hat dazu regelmässig eine
Beratungs- oder Therapiestelle (Suchtberatung, Psychologe, Psychiater, Hausarzt
usw.) für Beratungsgespräche aufzusuchen. Sofern eine vollständige Alkoholabstinenz
eingehalten wurde, die Laboruntersuchungen regelmässig erfolgten und die
Suchttherapie erfolgreich verlief, kann nach frühestens zwei Jahren die Therapie sistiert
werden, und es müssen dann nur noch die Laborkontrollen durchgeführt werden (BGer
6A.61/2005 vom 12. Januar 2006 E. 2.1 mit Hinweis auf R. Seeger, Alkohol und
Fahreignung, in: Handbuch der verkehrsmedizinischen Begutachtung, Bern 2005,
S. 29).
b) Der Rekurrent wurde wegen Lenkens eines Fahrzeugs unter Alkoholeinfluss
mehrmals verkehrsmedizinisch untersucht. Im verkehrsmedizinischen Gutachten vom
23. Mai 2006 wurde die Fahreignung unter den Auflagen einer Alkoholtotalabstinenz
und der regelmässigen Kontrolle der psychischen Erkrankung (Depression) zunächst
bejaht. Nachdem er am 4. April 2009 erneut ein Fahrzeug in angetrunkenem Zustand
gelenkt hatte, wurde die Fahreignung im Gutachten vom 16. August 2010 wegen eines
fortgeführten Alkoholüberkonsums verneint (vgl. act. 9/17). Am 21. Juli 2011 erteilte
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das damals zuständige Strassenverkehrsamt Zürich dem Rekurrenten den
Führerausweis wieder. Gleichzeitig verfügte es die Auflage, eine vollständige,
kontrollierte Alkoholabstinenz mittels Haaranalyse, erstmals im Dezember 2011,
einzuhalten (act. 9/15). Gemäss den Abstinenzkontrollen am IRMZ vom März 2012 und
Oktober 2012 wurde die Fahreignung unter Einhaltung und Weiterführung der
Alkoholabstinenz bejaht (act. 9/9, 12). Die Haarprobe vom 4. Juni 2013 ergab einen
EtG-Wert von 9,3 pg/mg (act. 9/25), weshalb der Rekurrent wegen Nichteinhaltens der
Auflage am 7. August 2013 verwarnt wurde (act. 9/6 f.). In den Haarproben vom
6. Dezember 2013 und 26. Juni 2014 wurde jeweils ein EtG-Wert unter 7 pg/mg
nachgewiesen. Nachdem die am 8. Januar 2015 abgenommene Haarprobe einen EtG-
Wert von 22 pg/mg ergeben hatte (act. 9/38), entzog die Vorinstanz dem Rekurrenten
am 10. Februar 2015 den Führerausweis vorsorglich ab sofort (act. 9/41 f.; vgl. auch
VRKE-2015/34) und ordnete – nach Erledigung der dagegen erhobenen Rechtsmittel –
mit Zwischenverfügung vom 30. September 2015 eine verkehrsmedizinische
Untersuchung an (act. 9/92 ff.).
c) Das verkehrsmedizinische Gutachten vom 25. November 2015 stützt sich einerseits
ab auf die Vorgeschichte gemäss Akten, die verkehrsmedizinische Untersuchung,
Fremdauskünfte sowie die Resultate der Laboruntersuchungen, andererseits auf die
Angaben des Rekurrenten, insbesondere zu seinem Alkoholkonsum. Die Vorgeschichte
und der Untersuchungsgrund werden – soweit anhand der Akten überprüfbar –
zutreffend wiedergegeben. Die körperliche Untersuchung ergab verkehrsmedizinisch
keine relevanten Besonderheiten. Die Urinprobe verlief negativ auf EtG (act. 9/97 ff.).
Die Gutachter kommen zum Schluss, gesamthaft habe sich der Rekurrent hinsichtlich
der Haaranalyseresultate vom Juni 2013 mit einem EtG-Wert von 9,3 pg/mg und vom
Januar 2015 mit einem solchen von 22 pg/mg kaum einsichtig, jedoch stimmig
motiviert gezeigt, künftig auf Alkoholkonsum zu verzichten. Aus den zuletzt erhobenen
Befunden gehe hervor, dass er zumindest seit etwa Mitte 2015 in der Lage gewesen
sein dürfte, in reduziertem und unproblematischem Ausmass sog. alkoholfreies Bier zu
trinken und somit seinen Konsum zu kontrollieren. Da die letzte Haarprobe erst im
September 2015 erfolgt sei, sei eine erneute Haarprobe nicht sinnvoll und aufgrund der
kurzen Haarlänge nicht realisierbar gewesen. Aus diesem Grund sei diese im März
2016 durchzuführen. Um die Fähigkeit zur selbstkritischen Konsumeinschätzung zu
stärken und künftig nach Auflagenende ausreichend sicher anwenden zu können, sei
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der Besuch einer Suchtberatung nötig. Die Gutachter bejahten aus
verkehrsmedizinischer Sicht die Fahreignung nur unter einer strikt eingehaltenen
Alkoholabstinenzauflage; die Abstinenz sei mittels Haaranalyse in drei Monaten und
danach halbjährlich zu kontrollieren (act. 9/100).
d) In der Haarprobe vom 4. Juni 2013 – und damit knapp zwei Jahre nach
Wiedererteilung des Führerausweises unter der Auflage einer Alkoholabstinenz – wurde
ein EtG-Wert von 9,3 pg/mg gemessen. Anders als im Straf- und im
Warnungsentzugsverfahren findet die Unschuldsvermutung bei sichernden
Massnahmen keine Anwendung, da diese Massnahme nicht wegen eines schuldhaften
Verhaltens des Betroffenen, sondern im Interesse der Verkehrssicherheit erfolgt. Damit
ist nicht auf den für den Betroffenen günstigsten minimalen, sondern den ermittelten
Wert abzustellen, da dieser nach unten und nach oben mit der gleichen
Messunsicherheit von 25% behaftet ist (vgl. BGE 140 II 334 E. 6; Philippe
Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 15d N 60 SVG; a.M.
Mizel, Strassenverkehr 2013, S. 9). Die beim Rekurrenten gemessene Konzentration
von 9,3 pg/mg lässt somit für den Zeitraum von Ende Dezember 2012 bis Ende Mai
2013 auf einen moderaten Alkoholkonsum schliessen (vgl. act. 9/25 f.; vgl. auch
Bestimmung von Ethylglucuronid [EtG] in Haarproben, Version 2012, Ziff. 6.2, publiziert
auf: www.sgrm.ch). Damit hat der Rekurrent die Abstinenzauflage verletzt. In den
folgenden Haarproben vom 6. Dezember 2013 und 26. Juni 2014 wurde jeweils ein
EtG-Wert unter 7 pg/mg festgestellt. Bei EtG-Werten von mindestens 2, aber von
weniger als 7 pg/mg ist kein regelmässiger relevanter Alkoholkonsum nachgewiesen.
Es ist möglich, dass der Rekurrent in diesem Zeitraum abstinent gelebt hat, aber nicht
erstellt. Schliesslich lässt die EtG-Konzentration von 22 pg/mg in der Haarprobe vom
8. Januar 2015 auf einen gerade noch moderaten Alkoholkonsum in den bis zu fünf
Monaten vor der Probeentnahme schliessen (vgl. zum Ganzen BGE 140 II 334 E. 7).
Gemäss wissenschaftlicher Erfahrung wird ein EtG-Wert von mehr als 7 pg/mg durch
den sachgemässen Gebrauch von alkoholhaltigen Produkten (Haarwasser,
Mundwasser, Hustensirup etc.) nicht erreicht (vgl. BGer 1C_20/2012 vom 18. April
2012 E. 2.2). Die Begründung des Rekurrenten, es sei nicht auszuschliessen, dass der
in seinem Haar festgestellte EtG-Gehalt auf die Einnahme von Vitaminpräparaten
zurückzuführen sei, vermag daher – ebenso wie der geltend gemachte Konsum von
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Rohkost und Süssigkeiten (vgl. act. 9/100) – einen EtG-Wert von 22 pg/mg nicht zu
erklären und stellt deshalb eine Schutzbehauptung dar.
Damit hat der Rekurrent seit der Wiedererteilung des Führerausweises am 21. Juli 2011
die Verpflichtung zur Alkoholabstinenz nachweislich nicht eingehalten. Nach der
Wiedererteilung des Führerausweises ist in der Regel eine weitere, vier bis fünf Jahre
dauernde Kontrolle der Einhaltung der vollständigen Alkoholabstinenz und der
therapeutischen Begleitung notwendig. Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt, weshalb
die Aufhebung der Abstinenzauflage im jetzigen Zeitpunkt nicht gerechtfertigt wäre.
Hinzu kommt, dass sich der Rekurrent hinsichtlich des Befunds der Haaranalysen von
Juni 2013 und Januar 2015 trotz Verwarnung kaum einsichtig zeigte. Vielmehr
versuchte er, das negative Messergebnis mit fadenscheinigen Begründungen in Frage
zu stellen. Die Anordnung, eine Fachtherapie bei einer Suchtfachstelle zu besuchen,
um die selbstkritische Konsumeinschätzung zu stärken, ist deshalb verhältnismässig
und ebenfalls zu bestätigen.
e) Mit der Formulierung, dass die Auflagen auf unbestimmte Zeit Gültigkeit haben, wird
nur klargestellt, dass diese nicht auf eine bestimmte Dauer befristet sind. Wäre
Letzteres der Fall, hätte dies zur Folge, dass die Auflagen nach Fristablauf einfach
dahinfallen würden, und zwar unabhängig davon, ob noch Bedenken an der
Fahreignung bestehen oder nicht. Vielmehr ist die Aufhebung der Auflagen nach einer
gewissen Frist zu überprüfen. Der Eventualantrag des Rekurrenten, wonach die Auflage
auf maximal neun Monate zu beschränken sei, ist deshalb abzuweisen. Im Übrigen trug
die Vorinstanz dem Umstand, dass in der letzten Haarprobe vom 14. August 2015 kein
EtG nachgewiesen wurde, bereits genügend Rechnung, indem die Aufhebung der
Abstinenzkontrolle frühestens bereits in neun Monaten überprüft werden kann.
4.- Mit den Auflagen soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum Schutz der
Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer nur in fahrfähigem Zustand ein
Motorfahrzeug lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet, müsste er diese Auflagen während
eines Beschwerdeverfahrens nicht einhalten. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb
die vom Gesetz vorgesehene aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 51 VRP).
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5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen.