Decision ID: 82e2a9f5-f8e6-4e0c-b5f7-9575ec0103e1
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen vom 10. Januar 2018; Proz. CG150025
- 3 -
Rechtsbegehren:
"Die Beklagten seien solidarisch zu verpflichten, den Klägern den  von CHF 1 Mio. nebst Zins zu 5 % seit 18. Dezember 2007 zu ; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten; unter Nachklagevorbehalt."
Urteil des Bezirksgerichtes Meilen vom 10. Januar 2018:
1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: CHF 40'0000.—; die weiteren Kosten betragen: CHF 20'000.— zweitinstanzliche Entscheidgebühr (Berufung) CHF 10'728.75 Dolmetscherkosten/Übersetzungen CHF 666.46 Zeugenentschädigungen CHF 71'395.21 Gerichtskosten total. 3. Die Gerichtskosten für das erstinstanzliche Verfahren und das
Berufungsverfahren gemäss Dispositiv-Ziffer 2 des  vom 26. November 2014 werden den Klägern unter solidarischer Haftung auferlegt und – soweit ausreichend – mit dem im erstinstanzlichen Verfahren geleisteten Barvorschuss der Kläger und dem im Berufungsverfahren LB140034 geleisteten Kostenvorschuss der Kläger verrechnet.
4. Die Kläger werden unter solidarischer Haftung verpflichtet, den Beklagten eine Prozessentschädigung von CHF 56'484.– (8% Mehrwertsteuer darin enthalten) für das erstinstanzliche  und eine Parteientschädigung für das zweitinstanzliche  von CHF 11'340.– (8% Mehrwertsteuer darin enthalten), insgesamt also CHF 67'824.–, zu bezahlen.
5. [Schriftliche Mitteilung] 6. [Rechtsmittel]
Berufungsanträge:
der Kläger (act. 276 S. 3): 1. Das angefochtene Urteil des Bezirksgerichts Meilen CG150020-
G/U vom 10. Januar 2018 sei aufzuheben;
- 4 -
2. die Beklagten seien solidarisch zu verpflichten, den Klägern den Betrag von CHF 1.0 Mio. nebst Zins zu 5% seit 18. Dezember 2007 zu bezahlen, unter Nachklagevorbehalt;
3. die Sache sei zur Vervollständigung des Beweisverfahrens ( der Beweisaussage der Kläger 1, 3 und 5) an die  zurückzuweisen, sofern das Obergericht nicht aufgrund des vorhandenen Aktenstandes ein Urteil gemäss Antrag Ziff. 2 vorstehend fällt oder die entsprechenden ergänzenden  (Beweisaussage der Kläger 1, 3 und 5) nicht selbst vornimmt;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten."
der Beklagten (act. 281 S. 3): "Es sei das angefochtene Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 10. Januar 2018, Geschäfts-Nr. CG150025-G, vollumfänglich zu  und die dagegen erhobene Berufung abzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MwSt.) zulasten der Kläger." Verfahrensantrag: "Es sei der prozessuale Antrag der Berufungskläger, von den Klägern 1, 3 und 5 eine Beweisaussage abzunehmen, abzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MwSt.) zulasten der Kläger."

Erwägungen:
1. Sachverhaltsübersicht
1.1. Die Kläger und Berufungskläger (nachfolgend: Kläger) hatten seit 1981 ei-
nen Teil ihres Vermögens bei der damaligen Aktiengesellschaft M._ SA
(nachfolgend: M._) investiert. Die M._ wurde im Jahr 1999 in eine
GmbH umgewandelt und firmierte zuletzt als M._ S.à.r.l.
1.2. Die M._ war eine Finanzierungsgesellschaft, die von Kunden (unter an-
derem den Klägern) Gelder zur Anlage und Verwaltung entgegennahm. Mit dem
Geld der Anleger finanzierte die M._ in eigenem Namen Finanzgeschäfte.
Einer der wichtigsten Debitoren der M._ war N._ und dessen Unter-
- 5 -
nehmungen. Mit den Gewinnen, welche die M._ mit ihren Finanzgeschäften
erzielte, schrieb sie den Anlegern attraktive und voraus vereinbarte Zinsen gut.
Beherrschender Gesellschafter und Geschäftsführer der M._ war O._.
Revisionsstelle der M._ war die K._ AG, heute die K._ AG in Liqui-
dation (Beklagte 1 und Berufungsbeklagte 1; nachfolgend Beklagte 1). L._
(Beklagter 2 und Berufungsbeklagter 2; nachfolgend Beklagter 2) war leitender
Revisor bei der M._. In Bezug auf die Jahresrechnungen der M._ ver-
fasste der Beklagte 2 die Revisionsberichte.
1.3. Spätestens ab 1997 war die M._ wegen Verlusten auf Beteiligungen an
anderen Gesellschaften nicht mehr in der Lage, die mit den Anlegern vereinbarten
Zinsen zu erwirtschaften. Trotzdem wurden die Zinsen weiterhin auf den Konten
der Anleger gutgeschrieben. Im Dezember 2001 verlangte der Kläger 1 von der
M._ die Rückzahlung seiner Guthaben. Am tt.mm.2002 wurde über die
M._ der Konkurs eröffnet. Dabei kamen die Kläger zu Verlusten.
1.4. Im Zeitraum vom 7. Juli 1993 bis 4. Dezember 2000 bestätigte der Beklagte
2 im Rahmen seiner Tätigkeit als leitender Revisor der Beklagten 1 in den jeweili-
gen Revisionsberichten, die Buchführung und Jahresrechnung (Bilanz, Erfolgs-
rechnung und Anhang) geprüft zu haben, wobei diese Gesetz und Statuten ent-
sprechen würden (vgl. act. 3/4; 3/6; 3/7; 3/8). Dabei verletzte der Beklagte 2 seine
Berufspflichten, weil er es unterliess, den Bestand und die Bonität der (Haupt-)
Debitoren – insbesondere die problematischen Positionen betreffend N._
und dessen Gesellschaften – zu überprüfen. Für diese Pflichtwidrigkeit wurde der
Beklagte 2 vom Einzelgericht des Bezirksgerichts Zürich und hernach vom Ober-
gericht des Kantons Zürich wegen mehrfacher Urkundenfälschung verurteilt, was
vom Bundesgericht bestätigt wurde (Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 16. Ap-
ril 2009 [act. 42/3]; Urteil des Obergerichts Zürich vom 12. April 2010 [act. 42/4];
Urteil der strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts vom 15. November 2010
[act. 29]).
1.5. Die Kläger machen gegenüber der Beklagten 1 als Revisionsstelle der
M._ Ansprüche aus Art. 755 OR und gegenüber dem Beklagten 2 als Revi-
sor Ansprüche aus Art. 41 OR geltend.
- 6 -
2. Prozessgeschichte
2.1. Am 14. April 2008 machten die Kläger unter Einreichung der Weisung des
Friedensrichteramts P._ die vorliegende Klage beim Bezirksgericht Meilen
anhängig. In der Folge war das erstinstanzliche Verfahren wegen den oben er-
wähnten Strafverfahren gegen den Beklagten 2 mit dem Einverständnis der Par-
teien während längerer Zeit sistiert. Mit Urteil vom 25. März 2014 wies das Be-
zirksgericht Meilen die Klage ab (act. 104).
2.2. Gegen das Urteil des Bezirksgerichts Meilen erhoben die Kläger Berufung
ans Obergericht des Kantons Zürich. Mit Beschluss vom 28. November 2014 hob
das Obergericht das angefochtene Urteil auf und wies die Sache zur neuen Beur-
teilung und zu neuem Entscheid ans Bezirksgericht Meilen zurück (LB140034;
act. 110). Das Bundesgericht wies eine Beschwerde gegen den Rückweisungs-
beschluss des Obergerichtes mit Urteil vom 21. Mai 2015 ab (BGer 4A_26/2015;
act. 112).
2.3. Nach Durchführung eines Beweisverfahrens wies das Bezirksgericht Meilen
die Klage mit Urteil vom 10. Januar 2018 erneut ab (act. 278).
2.4. Mit Berufung vom 12. Februar 2018 gelangten die Beklagten wiederum ans
Obergericht des Kantons Zürich und stellten die eingangs genannten Anträge
(act. 276). Mit Berufungsantwort vom 13. April 2018 beantragten die Beklagten
die Abweisung der Berufung (act. 281 S. 3). Die Berufungsantwort wurde den
Klägern zur Kenntnis zugestellt (act. 282 f.).
2.5. Das Verfahren ist spruchreif.
3. Formelles
3.1. Am 1. Januar 2011 trat die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO) in
Kraft. Für Verfahren, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes rechtshängig sind, gilt
gemäss Art. 404 Abs. 1 ZPO das bisherige (kantonale) Verfahrensrecht bis zum
Abschluss vor der betroffenen Instanz. Wird ein Entscheid in einem Verfahren
durch eine Rechtsmittelinstanz aufgehoben und zum Neuentscheid an die Vor-
instanz zurückgewiesen, wird damit das Verfahren vor dieser Instanz nicht abge-
- 7 -
schlossen, sondern in den Stand zurückversetzt, in welchem es sich vor der Aus-
fällung des angefochtenen Entscheids befand. Demnach muss gemäss dem
Grundsatz der Einheit der Instanz bei der Wiederaufnahme des Verfahrens nach
einem Rückweisungsentscheid das bisherige Verfahrensrecht weiterhin Anwen-
dung finden (vgl. BGer 4A_471/2011 vom 17. Januar 2012, E. 3.3 und 3.4; BGer
4A_641/2011 vom 27. Januar 2012 E. 2.2; BGer 4A_327/2013 vom 13. November
2013, E. 1.2). Im Verfahren vor Bezirksgericht Meilen war somit das frühere kan-
tonale Prozessrecht (nachfolgend: aZPO/ZH) massgebend.
3.2. Für das Berufungsverfahren vor Obergericht ist demgegenüber die Schwei-
zerische Zivilprozessordnung anwendbar (Art. 405 Abs. 1 ZPO).
4. Materielles
4.1. Zuständigkeit und anwendbares Recht
Im vorliegenden Fall ist ein internationaler Sachverhalt zu beurteilen. Die Vor-
instanz hat ihre internationale und örtliche Zuständigkeit zutreffend und unange-
fochten bejaht. Zur Vermeidung von unnötigen Wiederholungen kann darauf ver-
wiesen werden (vgl. act. 278 S. 7 E. I.7.). Weiter ging die Vorinstanz zutreffend
und unangefochten davon aus, dass Schweizer Recht anwendbar sei. Auch dies-
bezüglich kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Ausfüh-
rungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. act. 278 S. 7 f. E. I.8.).
4.2. Bisherige Entscheide
4.2.1. Im ersten Verfahren vor Bezirksgericht Meilen forderten die Kläger von den
Beklagten Schadenersatz, wobei sie sich sowohl auf eigene Ansprüche (gestützt
auf Art. 755 OR gegenüber der Beklagten 1 und gestützt auf Art. 41 OR gegen-
über dem Beklagten 2) als auch auf die ihnen (gestützt auf Art. 260 SchKG) abge-
tretenen Ansprüche der in Konkurs gefallenen M._ beriefen. Mit Urteil vom
25. März 2014 wies das Bezirksgericht die Klage ab und führte zur Begründung
aus, ein Schaden der Gesellschaft sei nicht substanziiert, die Kläger als Gläubiger
der Gesellschaft seien von den durch die Beklagten verletzten (Straf-)Normen
- 8 -
nicht geschützt und ihre eigenen Ansprüche hätten bei Parallelität gegenüber den
Ansprüchen der Gesellschaft zurückzustehen (act. 104).
4.2.2. In seinem Rückweisungsbeschluss vom 26. November 2014 erwog das
Obergericht im Wesentlichen, es stehe der Organhaftung der Beklagten 1 nicht
entgegen, dass auch der Gesellschaft selbst ein Schaden entstanden sei, nach-
dem feststehe, dass die Gesellschaft selbst nicht klage. Selbst wenn man die Ab-
tretung der Ansprüche der Gesellschaft an die Kläger nach Art. 260 SchKG dafür
nicht genügen lassen wolle, sei die Konkurrenz von Ansprüchen der Gesellschaft
und der Gläubiger spätestens ab dem Zeitpunkt nicht (mehr) möglich, ab dem die
Gesellschaft auf die Verfolgung ihrer Ansprüche verzichte. Schon deshalb sei die
Berufung begründet. Gegenüber dem Beklagten 2 hielt das Obergericht die Beru-
fung der Kläger für unbegründet, soweit sie ihre Ansprüche auf Organhaftung
stützten. Die Haftung des Beklagten 2 aus Delikt schloss das Obergericht hinge-
gen in Gutheissung der Berufung nicht aus, mit der Begründung, von einer Ur-
kundenfälschung seien nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts auch die-
jenigen geschädigt, die als direkte Folge der tatbestandsmässigen Handlung un-
mittelbar in ihren Rechten beeinträchtigt würden. Wie weit Fahrlässigkeit dafür
genügte, hat das Obergericht offen gelassen. Es erwog, im Strafverfahren sei
festgestellt worden, der Beklagte 2 habe gewusst, dass O._ die Revisionsbe-
richte gegenüber Dritten und damit auch gegenüber den Klägern habe verwenden
wollen und nichts dagegen unternommen. Wenn der Beklagte 2 zumindest in
Kauf genommen habe (Eventualvorsatz), dass die falschen Urkunden Anlegern
gegenüber Verwendung finden würden, sei ein Schaden der getäuschten Anleger
im Sinne der Praxis des Bundesgerichts eine unmittelbare Beeinträchtigung als
Folge der tatbestandsmässigen Handlungen.
4.2.3. Mit Urteil vom 21. März 2015 wies das Bundesgericht eine Beschwerde in
Zivilsachen gegen das Urteil des Obergerichtes ab, soweit darauf einzutreten war
(4A_26/2015).
- 9 -
4.3. Teilklage
Die Kläger haben eine Teilklage mit Nachklagevorbehalt erhoben. Das Bezirksge-
richt hielt dazu fest, nach der früheren kantonalen Zivilprozessordnung sei es zu-
lässig gewesen, im Sinn einer Teilklage nur einen Teilbetrag des Schadens ein-
zuklagen, wenn substanziiert geltend gemacht werde, es bestehe eine die einge-
klagte Summe übersteigende Forderung (act. 287 E. III.1. S. 11). Nach der neus-
ten Rechtsprechung zu Art. 86 ZPO, welche Bestimmung im Berufungsverfahren
massgebend ist, gelten die gleichen – bereits unter kantonalem Prozessrecht
massgebenden – Voraussetzungen; so muss die klagende Partei bei einer Teil-
klage nur genügend hinreichend substanziieren, dass eine den eingeklagten Be-
trag übersteigende Forderung besteht (zur amtlichen Publikation bestimmter
BGE 4A_442/2017 vom 28.08.2018, E. 2.4). Die Teilklage ist sowohl unter der
kantonalen als auch unter der eidgenössischen Zivilprozessordnung zulässig.
4.4. Die einzelnen Haftungsvoraussetzungen
4.4.1. Pflichtverletzung
Mit Hinweis auf die obgenannten Urteile im Strafverfahren gegen den Beklagten 2
bejahte die Vorinstanz eine Pflichtverletzung der Beklagten 1 und 2. Die Beklag-
te 1 habe gegen Art. 755 OR verstossen, weil sie die ihr nach aArt. 728 und 729
OR (gemäss der zwischen 1992 und 2007 geltenden Gesetzesfassung) obliegen-
den Prüfungspflichten bezüglich der Jahresrechnungen der M._ in den Jah-
ren 1994-1999 verletzt habe. Der Beklagte 2 habe in den Revisionsberichten
wahrheitswidrig die Vornahme der gesetzeskonformen Prüfung der Jahresrech-
nungen der M._ für die Geschäftsjahre 1994-1999 bestätigt und so mehrfach
den Tatbestand der Falschbeurkundung im Sinn von Art. 251 Ziff. 1 StGB erfüllt.
Auf diese zutreffenden Erwägungen kann zur Vermeidung von Wiederholungen
verwiesen werden (vgl. act. 278 E. II S. 9 ff.). Insbesondere ist auch darauf hin-
zuweisen, dass der Beklagte 2 anlässlich der persönlichen Befragung vom
15. Juni 2016 einräumte, dass eine materielle Prüfung der Debitorenposition
"N._" eine Korrektur der Jahresrechnung der M._ hätte bewirken müs-
sen und dies in den Revisionsberichten hätte festgestellt werden müssen (Prot.-VI
- 10 -
S. 71); dies interpretierte die Vorinstanz zutreffend so, dass der Beklagte 2 die mit
den Strafurteilen rechtskräftig festgestellten Pflichtverletzungen anerkenne
(act. 278 S. 26 Rz. 16). Unter diesen Umständen ist unverständlich, wie die Be-
klagten geltend machen können, trotz strafrechtlicher Verurteilung (act. 42/3 [Be-
zirksgericht Zürich] und act. 42/3 [Obergericht Zürich]), die letztinstanzlich vom
Bundesgericht bestätigt wurde (act. 29), sei nicht ersichtlich, welche Pflichtverlet-
zungen ihnen vorgeworfen würden (act. 281 Rz. 17 Rz. 68 ff.). Das Vorliegen ei-
ner Pflichtverletzung ist zu bejahen.
4.4.2. Schaden
4.4.2.1. Die Kläger beantragen, die Beklagten seien solidarisch zu verpflichten,
den Klägern den Betrag von CHF 1 Mio. zuzüglich Zins zu bezahlen. In der Replik
des erstinstanzlichen Verfahrens führten die Kläger aus, wie sich dieser Betrag
zusammensetzte. Die Kläger behaupten, dass sie bei Kenntnis der tatsächlichen
wirtschaftlichen Lage der M._ ihre Guthaben rechtzeitig zurückgefordert
(nachfolgend lit. a, b, d, e, g) bzw. andere Beträge der M._ nicht überwiesen
hätten (nachfolgend lit. c und f). Im Einzelnen geht es nach der Darstellung der
Kläger um folgende Beträge (act. 79 S. 26 f.):
a. Der Kläger 1 soll einen Schaden von CHF 50'000.– erlitten haben, weil er im Vertrauen auf die unrichtigen Revisionsberichte der Beklagten und in  der wirklichen Situation der M._ sein Guthaben bei der M._ nicht rechtzeitig zurückgezogen habe.
b. Der Kläger 2 soll einen Schaden von CHF 10'000.– erlitten haben, weil er
aus denselben Gründen wie der Kläger 1 (Vertrauen in unrichtigen  der Beklagten und in Unkenntnis der wirklichen Situation der M._) sein Guthaben bei der M._ nicht rechtzeitig zurückgezogen habe.
c. Der Kläger 3 soll einen Schaden von CHF 500'000.– erlitten haben, weil er
am 23. Januar 2001 im Vertrauen auf die unrichtigen Revisionsberichte der Beklagten und in Unkenntnis der wirklichen Situation von M._ eine  Summe von EUR 589'914.28 an M._ überwiesen habe.
d. Ferner soll der Kläger 3 einen Schaden von CHF 50'000.– erlitten haben,
weil er im Vertrauen auf die unrichtigen Revisionsberichte der Beklagten und in Unkenntnis der wirklichen Situation der M._ sein Guthaben bei der M._ nicht rechtzeitig zurückgezogen habe.
- 11 -
e. Der (zwischenzeitlich verstorbene) Beklagte 4 soll einen Schaden von CHF 50'000.– erlitten haben, weil er im Vertrauen auf die unrichtigen  der Beklagten und in Unkenntnis der wirklichen Situation der M._ sein Guthaben bei der M._ nicht rechtzeitig zurückgezogen habe.
f. Der Kläger 5 soll einen Schaden von CHF 300'000.– erlitten haben, weil er
im Jahr 1997 im Vertrauen auf die unrichtigen Revisionsberichte der  und in Unkenntnis der wirkliche Situation von M._ einen  Betrag an M._ überwiesen habe.
g. Die Kläger 6 und 7 sollen einen Schaden von je CHF 20'000.– erlitten ha-
ben, weil sie im Vertrauen auf die unrichtigen Revisionsberichte der  und in Unkenntnis der wirklichen Situation der M._ ihre Guthaben bei der M._ nicht rechtzeitig zurückgezogen hätten.
4.4.2.2. Die Vorinstanz hielt dazu fest, dass folgende Schadensteilbeträge der
Höhe nach ausgewiesen seien:
zu a. Schaden des Klägers 1 in der Höhe von CHF 50'000.00
zu b. Schaden des Klägers 2 in der Höhe von CHF 10'000.00
zu d. Teil des Schadens des Klägers 3 in der Höhe von CHF 50'000.00
zu e. Schaden des Klägers 4 in der Höhe von CHF 50'000.00 und
zu f. Schaden des Klägers 5 in der Höhe von CHF 300'000.00.
Diese Schadenspositionen sind im vorliegenden Berufungsverfahren nicht umstrit-
ten. Im Folgenden ist nur auf die Schadenpositionen von CHF 500'000.00 gemäss
lit. c (nachfolgend E. 4.4.2.3) und von zweimal CHF 20'000.00 gemäss lit. g ein-
zugehen (nachfolgend E. 4.4.2.4).
4.4.2.3. Die Vorinstanz verneinte, dass im Vermögen des Klägers 3 ein Scha-
den von CHF 500'000.00 eingetreten sei.
a. Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, aufgrund der Kontounterlagen
ergebe sich, dass am 23. Januar 2001 eine Dividendenzahlung im Betrag von
EUR 589'914.28 auf dem Konto Nr. ... verbucht worden sei (act. 80/39). Dieses
Konto habe auf die Gesellschaft Q._ (nachfolgend: Q._) gelautet. Der
Kläger 3 lege nicht dar, inwiefern er durch diese Überweisung in seinem eigenen
Vermögen geschädigt worden sei. Nach den Ausführungen der Kläger sei
- 12 -
Q._ Gläubigerin der Dividendenzahlung gewesen, und der Kläger 3 sei daran
nur wirtschaftlich Berechtigter gewesen, was der Kläger 3 in seiner persönlichen
Befragung bestätigt habe (Prot.-VI S. 46). Insoweit sei die Klage mangels Scha-
dens, der im Vermögen des Klägers 3 eingetreten sei, abzuweisen.
b. Dagegen wenden die Kläger in der Berufung in erster Linie ein, die Beklag-
ten hätten nicht bestritten, dass der zunächst am 23. Januar 2001 der Q._
gutgeschriebene Betrag nach zwei zwischenzeitlichen Rückzügen am 4. Juli 2001
auf ein auf den Kläger 3 lautendes M._-Konto überwiesen worden sei und
dass der Kläger 3 dadurch einen Schaden erlitten habe. Die Vorinstanz habe ge-
gen die Verhandlungsmaxime verstossen, weil sie nicht von dieser unbestrittenen
Tatsache ausgegangen sei (act. 276 Rz. 2.3.2).
c. Zur hier interessierenden Schadensposition von CHF 500'000.00 führten die
Kläger in der Replik Folgendes aus: "Am 23. Januar 2001 wurde M._ durch
die R._ zugunsten des Klägers 3 bzw. dessen Gesellschaft Q._ eine Dividendanzahlung von NLG 1'300'00.-- bzw. EUR 589'914.28 überwiesen"
(act. 79 S. 17 [Hervorhebung durch das Gericht]). Dazu äusserten sich die Be-
klagten in der Duplik nicht. Auch in der vorliegenden Berufungsantwort machen
sie nicht geltend, dass sie in der Duplik die fragliche Behauptung der Kläger be-
stritten hätten (act. 281 Rz. 11, insbes. 20). Damit gehen die Kläger zutreffend
davon aus, dass die Berechtigung des Klägers 3 an dieser Dividendenzahlung
(Überweisung "zugunsten des Klägers 3") und damit die Aktivlegitimation des
Klägers 3 unbestritten geblieben sei. Die Vorinstanz hat die Verhandlungsmaxime
verletzt, indem sie die unbestrittene Parteibehauptungen, dass die R._ die
Dividendenzahlung von NLG 1'300'00.-- bzw. EUR 589'914.28 "zugunsten des
Klägers 3" überwiesen habe, nicht als anerkannt angenommen hat (§ 54
aZPO/ZH). Insbesondere hilft den Beklagten auch der Hinweis nicht, die Behaup-
tungen der Kläger seien nicht substantiiert gewesen (act. 281 Rz. 11 ff.). Ihre Aus-
führungen beziehen sich im Wesentlichen auf die anderen Haftungsvorausset-
zungen – insbesondere die Kausalität –, auf die weiter unten einzugehen sein
wird. Der Schaden ist genügend behauptet, wenn die Kläger geltend machen,
dass eine Dividendenzahlung auf ein Konto des Klägers 3 bzw. einer seiner Ge-
- 13 -
sellschaften bei der M._ "zugunsten des Klägers 3" bzw. der Q._ über-
wiesen worden sei. Ferner können sich die Beklagten auch nicht darauf berufen,
dass sie in der Stellungnahme zum Beweisergebnis die Aktivlegitimation des Klä-
gers 3 ("sub-subeventualiter") bestritten hätten (act. 270 Rz. 114). Einerseits wä-
ren sie mit dieser Bestreitung nach dem erstinstanzlich massgebenden Zürcher
Prozessrecht verspätet (§ 115 aZPO/ZH). Andrerseits wurde zum Thema "Aktiv-
legitimation" bzw. "Schaden" gar kein Beweisverfahren durchgeführt, denn das
erstinstanzliche Beweisverfahren betraf ausschliesslich die Frage der Kausalität
(act. 123).
d. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Behauptung der Kläger unbestrit-
ten geblieben ist, dass am 23. Januar 2001 "zugunsten des Klägers 3" bzw. sei-
ner Gesellschaft Q._ bei der M._ ein Betrag von EUR 589'914.28 gut-
geschrieben worden sei. Damit ist die Schadensposition von CHF 500'000.00
ausgewiesen.
4.4.2.4. Schliesslich führte die Vorinstanz aus, dass die angeblich auf die Klä-
ger 6 und 7 entfallenden Schadenspositionen von je CHF 20'000.00 trotz einem
Substanziierungshinweis auch in der Replik nicht genügend bzw. schlüssig be-
hauptet worden seien (act. 278 S. 15 f.). Diese Erwägung wurde seitens der Klä-
ger in der Berufung nicht angefochten. Damit bleibt es dabei, dass diesbezüglich
kein Schaden dargetan wurde.
4.4.2.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass ein Schaden im Umfang von
CHF 960'000.00 unangefochten bzw. wegen fehlender Bestreitung ausgewiesen
ist. Im Umfang von CHF 40'000.00 liegt kein Schaden vor; insofern ist die Klage
bereits mangels Schadens abzuweisen.
4.4.3. Adäquater Kausalzusammenhang
4.4.3.1. Im Zusammenhang mit dem adäquaten Kausalzusammenhang ist zu
prüfen, ob die von den Beklagten erstellten Revisionsberichte für die Geschäfts-
jahre 1994-1999, in denen eine kritische Bemerkung zu den Debitorenpositionen
"N._" pflichtwidrig unterlassen wurden (vgl. E. 4.4.1.), ursächlich für den Ein-
- 14 -
tritt des Schadens (vgl. E. 4.4.2.) waren. Dabei ist entscheidend, ob die pflichtwid-
rig erstellten Revisionsberichte der Beklagten von den Klägern bei ihren Anlage-
entscheiden (Rückzug der bestehenden Anlagen bis spätestens Ende 1996 und
keine Neuanlagen am 19. Oktober 1997 [Kläger 5] bzw. am 23. Januar 2001 [Klä-
ger 3]) effektiv zur Kenntnis genommen wurden (nachfolgend E. 4.4.3.2.). Wenn
die Revisionsberichte bei den Anlageentscheiden berücksichtigt wurden, ist weiter
zu prüfen, wie die Kläger unter der Hypothese gehandelt hätten, dass ihnen kor-
rekte Revisionsberichte mit kritischen Bemerkungen zu den problematischen
N._-Positionen in den M._-Jahresrechnungen vorgelegt worden wären
(nachfolgend E. 4.4.3.3).
4.4.3.2. Als erstes ist somit auf die Frage einzugehen, ob die Kläger von den
pflichtwidrig erstellten Revisionsberichte überhaupt Kenntnis genommen hatten.
Dabei ist zu unterscheiden zwischen den Klägern 2, 6 und 7 sowie dem zwi-
schenzeitlich verstorbenen Kläger 4 (nachfolgend lit. a) und den Klägern 1, 3 und
5 (nachfolgend lit. b).
a. Die Vorinstanz führte dazu aus, dass die Kläger nicht behauptet hätten,
die Revisionsberichte seien vom (verstorbenen) Kläger 4 sowie den Klägern 6
und 7 zur Kenntnis genommen worden; auch bezüglich dem Kläger 2 sei nicht
ausdrücklich behauptet worden, dieser habe die Revisionsberichte zur Kenntnis
genommen; vielmehr sei nur ausgeführt worden, der Kläger 1 hätte seinen Sohn –
den Kläger 2 – über die problematische Situation der M._ informieren kön-
nen. Daraus schliesst die Vorinstanz, dass die pflichtwidrig erstellen Revisionsbe-
richte von vornherein nicht ursächlich für den Eintritt des Schadens hätten sein
können (act. 278 S. 24). In ihrer Berufung bestreiten die Kläger nicht, dass sie
nicht behauptet hätten, die betreffenden Kläger hätten Einsicht in die M._-
Jahresabschlüsse und Revisionsberichte gehabt. Damit ist unbestritten, dass kei-
ne entsprechenden Behauptungen aufgestellt wurden. Vergeblich machen die
Kläger geltend, der Beweisauflagebeschluss habe bezüglich dieser Kläger keine
spezifischen Beweissätze enthalten, doch sei nach dem natürlichen Lauf der Din-
ge davon auszugehen, dass sich O._ gegenüber den Klägern 2, 4, 6 und 7
gleich verhalten habe wie gegenüber den Klägern 1, 3 und 5 (act. 276 S. 27 f.).
- 15 -
Diese Begründung ist in doppelter Hinsicht verfehlt: Einerseits sind die Kläger da-
rauf hinzuweisen, dass das Gericht in Verfahren, die der Verhandlungsmaxime
unterstehen, nur auf behauptete Tatsachen abstellen darf (§ 54 aZPO/ZH), wes-
halb sie aus dem Fehlen von Beweissätzen im Beweisauflagebeschluss nichts
ableiten können. Andrerseits ist auch der Schluss verfehlt, dass wenn sich ein Teil
der M._-Anleger (die Kläger 1, 3 und 5) für die Jahresabschlüsse und Revi-
sionsberichte interessierten, das Gleiche auch für die anderen Anleger gelte (die
Kläger 2, 6 und 7 sowie den verstorbenen Kläger 4); es ist ohne weiteres denk-
bar, dass sich ein Teil der Anleger sorgfältig mit der wirtschaftlichen Situation ihrer
Schuldner (im vorliegenden Fall der M._) auseinandersetzt und zu diesem
Zweck auch Einsicht in die Jahresabschlüsse und die Revisionsberichte nimmt,
während sich andere Anleger gegenüber Risiken gleichgültig und sorglos verhal-
ten. Es ist daher davon auszugehen, dass die Kläger 2, 6 und 7 sowie der ver-
storbene Kläger 4 keine Einsicht in die pflichtwidrig erstellen M._-
Jahresabschlüsse und Revisionsberichte hatten, so dass die Pflichtwidrigkeit der
Beklagten von Vornherein nicht kausal für den jeweiligen Teilschaden der betref-
fenden Kläger sein konnte. Insofern erweist sich die Klage als unbegründet, weil
es am adäquaten Kausalzusammenhang fehlt.
b. Bezüglich der Kläger 1, 3 und 5 wurde rechtsgenügend behauptet, dass die-
se Einsicht in die M._-Jahresabschlüsse und Revisionsberichte gehabt hät-
ten (act. 79 S. 23 ff.). Die Beklagten bestritten diese Behauptung (act. 85 Rz. 114
ff.). Im Beweisauflagebeschluss vom 28. August 2015 wurde den Klägern 1, 3 und
5 der Beweis für ihre Behauptung auferlegt, dass ihnen die Jahresrechnungen
samt Revisionsberichten der M._ von O._ zugestellt worden seien
(act. 123 Beweissatz 1.1. [betr. Kläger 1], Beweissatz 1.2. [betreffend Kläger 3]
und Beweissatz 1.3. [betreffend Kläger 5].
aa. Die Vorinstanz hielt fest, dass die Kläger 1, 3 und 5 in der persönlichen Be-
fragung nach § 149 aZPO/ZH in sich "stimmig" und "glaubhaft" ausgesagt hätten,
dass sie die Jahresrechnungen samt Revisionsberichten jedes Jahr erhalten hät-
ten (act. 278 S. 41 Rz. 38). Die Aussagen von diversen Zeugen gäben allerdings
nur ein schwaches Indiz für die Einsichtnahme der Kläger 1, 3 und 5 in die Revi-
- 16 -
sionsberichte (act. 278 S. 38 Rz. 35). Auf die Abnahme der von den Klägern 1, 3
und 5 offerierten Beweisabnahme nach § 150 aZPO/ZH sei in antizipierter Be-
weiswürdigung zu verzichten, weil hinsichtlich der Beweisaussagen der Kläger 1,
3 und 5 zu ihren eigenen Gunsten erhebliche Vorsicht angezeigt sei, weil sie ein
bedeutendes finanzielles Interesse am Ausgang des Verfahrens hätten, weshalb
eine Beweisaussage nur bei Vorliegen von weiteren stützenden Beweismitteln in
Frage komme (act. 278 S. 41 f. Rz. 38). Solche stützenden Beweismittel gebe es
für die Kläger 1 und 5 nicht, weshalb nicht bewiesen sei, dass die Kläger 1 und 5
die Jahresrechnungen samt Revisionsberichten erhalten hätten. Anders verhalte
es sich im Fall des Klägers 3: Dieser habe eine Begleitkarte von O._ mit dem
Text "anbei die zugesagten Rapporte 1995/1999" eingereicht (act. 130). Zudem
habe die Ehefrau des Klägers 3 als Zeugin bestätigt, dass diese Karte 2000 bis
2001 zusammen mit den betreffenden Berichten geschickt worden sei; gemäss
dem Kläger 3 sei dies anfangs des Jahres 2001 gewesen (Prot. S. 51). Damit sei
erstellt, dass der Kläger 3 die M._-Jahresrechnungen und die zugehörigen
Revisionsberichte erhalten und zur Kenntnis genommen habe.
bb. Vorab ist festzuhalten, dass die Beweiswürdigung der Vorinstanz in Bezug
auf den Kläger 3 überzeugend ist. Seine Aussagen in der persönlichen Befragung
sind "stimmig" und "glaubhaft". Weiter wird durch die erwähnte Begleitkarte mit
dem Text "anbei die zugesagten Rapporte 1995/1999" belegt, dass der Kläger 3
die Jahresrechnungen samt den Revisionsberichten zur Kenntnis genommen hat-
te. Dies wird schliesslich auch durch die Ehefrau des Klägers 3 als Zeugin bestä-
tigt.
cc. Demgegenüber vermag die Beweiswürdigung der Vorinstanz in Bezug auf
die Kläger 1 und 5 nicht zu überzeugen. Das Obergericht überprüft den erstin-
stanzlichen Entscheid mit freier Kognition und nicht bloss auf Willkür, wie die Be-
klagten anzunehmen scheinen (act. 281 Rz. 9 f.). Die Berufungsinstanz kann
auch selbst Beweise erheben (Art. 316 Abs. 3 ZPO). Dabei ist für das Berufungs-
verfahren nicht mehr die kantonale ZPO, sondern die Schweizerische ZPO mass-
gebend (Art. 405 ZPO). Der Hinweis der Beklagten auf das alte kantonale Pro-
zessrecht (act. 281 Rz. 27) ist für das Berufungsverfahren irrelevant. Die Abnah-
- 17 -
me von form- und fristgerecht angebotenen Beweismitteln kann in antizipierter
Beweiswürdigung unterbleiben, wenn aufgrund abgenommener Beweise der Be-
weis rechtsgenügend erbracht wurde (BGE 143 III 297 E. 9.3.2 S. 332). Wichtig
ist schliesslich der Hinweis, dass auch die im Berufungsverfahren massgebende
ZPO die persönliche Befragung und die Beweisaussage als Beweismittel kennt
(Art. 168 Abs. 1 lit. f. ZPO und Art. 191 ff. ZPO). Dabei hat die Rechtsprechung
klar gestellt, dass die Parteibefragung (Art. 191 ZPO) und die Beweisaussage
(Art. 192 ZPO) objektiv taugliche Beweismittel sind, wobei der Beweiswert einer
Beweisaussage nicht pauschal wegen angeblicher "Selbstbefangenheit" der am
Prozessausgang interessierten Partei relativiert werden darf (BGE 143 III 297
E. 9.3.2 S. 333 f.). Im vorliegenden Fall wurden die Kläger 1 und 5 im erstinstanz-
lichen Verfahren persönlich befragt. Ihre Aussagen sind nach der zutreffenden
Einschätzung der Vorinstanz "stimmig" und "glaubhaft". Hinzu kommt, dass die
Aussagen des Zeugen S._ (Buchhalter des Klägers 1), der Zeugin T._
(Ehefrau des Klägers 1) und des Zeugen U._ (Freund bzw. Bekannter des
Klägers 5) die "stimmige" und "glaubhafte" Darstellung der Kläger 1 und 5 als In-
dizien stützen. Zudem nahm die Vorinstanz zutreffend an, dass die Kläger 1 und 5
ihre Aussagen in der persönlichen Befragung im Rahmen einer Beweisaussage
wiederholen würden (act. 278 S. 41 Rz. 38). Damit kann in antizipierter Beweis-
würdigung davon ausgegangen werden, dass die Kläger 1 und 5 in einer Beweis-
aussage, die nach der Schweizerischen ZPO ein objektiv taugliches Beweismittel
ist, die Kenntnisnahme der Jahresrechnungen samt Revisionsberichten bestäti-
gen würden.
dd. Nicht überzeugend ist der Einwand der Beklagten, der Kläger 1 hätte nur
behauptet, die geschäftlichen Treffen mit O._ hätten nur in der Zeit vom 1981
bis 1992 stattgefunden, und nach 1992 seien keine Treffen zwischen dem Kläger
1 und O._ bewiesen (act. 281 Rz. 113). Richtig ist, dass der Kläger 1 aus-
führte, er habe die Jahresrechnung und den Revisionsbericht jedes Jahr gesehen
(Prot.-VI S. 25), jedes Jahr seien die Treffen gleich abgelaufen (Prot.-VI S. 25), in
den 90er Jahren sei er mit seiner Frau und O._ und manchmal auch dessen
Frau anwesend gewesen (Prot.-VI S. 26), und er könne sich an die Revisionsbe-
richte 1996-1999 erinnern (Prot.-VI S. 26). Entgegen der Darstellung der Beklag-
- 18 -
ten führte der Kläger 1 somit in der persönlichen Befragen "stimmig" und "glaub-
haft" aus, dass die Treffen zwischen ihm und O._ nicht nur bis 1992, sondern
auch im hier relevanten Zeitpunkt ab 1994/1995 bis zum Zusammenbruch der
M._ alljährlich stattfanden und dass ihm bei dieser Gelegenheit die M._-
Jahresrechnung mit dem Revisionsbericht gezeigt wurden.
4.4.3.3. Nachdem sich ergeben hat, dass die Kläger 1, 3 und 5 die M._-
Jahresrechnungen und die Revisionsberichte zur Kenntnis genommen hatten –
während für die übrigen Kläger 2, 4, 6 und 7 eine entsprechende Kenntnisnahme
nicht behauptet wurde –, ist im Folgenden die Hypothese zu prüfen, wie die Klä-
ger 1, 3 und 5 gehandelt hätten, wenn in den Revisionsberichten die notwendigen
Warnhinweise bezüglich der problematischen "N._-Positionen" in den
M._-Jahresrechnungen gemacht worden wären. Von Bedeutung ist damit der
hypothetische Kausalzusammenhang. Zu fragen ist, wie die Geschädigten ge-
handelt hätten, wenn sich der Schädiger rechtmässig verhalten hätte. Nach der
Rechtsprechung kann ein hypothetischer Kausalzusammenhang nur angenom-
men werden, wenn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen
Lebenserfahrung eine "überwiegende Wahrscheinlichkeit" für das Vorliegen der
Kausalität spricht (BGE 132 III 715 E. 3.2 mit Hinweisen). Die Beklagten berufen
sich in diesem Zusammenhang auf die Theorie des "rechtmässigen Alternativver-
haltens" (act. 281 Rz. 178) und argumentieren, der Schaden wäre auch dann ein-
getreten, wenn die Beklagten Warnhinweise in den Revisionsberichten ange-
bracht hätten und sich somit rechtmässig verhalten hätten. Damit sprechen sie –
wenigstens für den Fall, dass die Pflichtwidrigkeit eine rechtswidrige Unterlassung
darstellt – die gleiche Thematik wie den hypothetischen Kausalzusammenhang
an: Ob die Kläger ihre Anlagen bei korrekten Revisionsberichten rechtzeitig zu-
rückgezogen hätten und keine Neuanlagen getätigt hätten (hypothetischer Kau-
salzusammenhang), betrifft die gleiche Thematik wie die Frage, ob die Kläger
auch geschädigt worden wären, wenn die Beklagten korrekte Revisionsberichte
verfasst hätten (rechtmässiges Alternativverhalten). Hier wird die Thematik unter
dem Stichwort "hypothetische Kausalität" abgehandelt.
- 19 -
a. Die Kläger machen in erster Linie geltend, es ergebe sich bereits aus allge-
meiner Lebenserfahrung, dass niemand einer Firma sein Geld anvertraue, von
der er aufgrund der Revisionsberichte (mit entsprechenden Warnhinweisen) wis-
se, die betreffende Firma sei konkursreif; da sich die Schlussfolgerung aus allge-
meiner Lebenserfahrung ergebe, müsse diesbezüglich kein Hauptbeweis erbracht
werden (act. 276 S. 10 Rz. 32). Die Vorinstanz und die Beklagten verneinten das
Vorliegen eines allgemein anerkannten Erfahrungssatzes, der nicht bewiesen
werden müsse (act. 278 S. 22 Rz. 6 [Vorinstanz], act. 281 Rz. 248 ff. [Beklagte]).
Im Einzelfall ist es oft heikel zu entscheiden, ob von einem allgemeinen Erfah-
rungssatz ausgegangen werden kann oder nicht. Ein nicht zu beweisender allge-
meiner Erfahrungssatz liegt vor, wenn er in gleichgelagerten Fällen allgemeine
Geltung beansprucht, mithin einen solchen Abstraktionsgrad erreicht hat, dass er
sozusagen normativen Charakter trägt. Wenn sich das Gericht hingegen auf all-
gemeine Lebenserfahrung stützt, und aus den gesamten Umständen des konkre-
ten Falles oder den bewiesenen Indizien auf einen bestimmten Sachverhalt
schliesst, liegt Beweiswürdigung vor (BGE 126 III 10 E. 2b S. 13). Im vorliegen-
den Fall kann nicht im Sinn eines Erfahrungssatzes mit normativer Geltung ge-
sagt werden, dass jeder Anleger, der sich für die wirtschaftliche Lage seines
Schuldners interessiert, bei Vorliegen von Warnhinweisen in Bezug auf die Boni-
tät des Schuldners die Beziehungen jedenfalls abbrechen würde. Zum Beispiel
kann die Aussicht auf attraktive Erträge zur Bereitschaft führen, das Vermögen
bzw. einen Teil davon einem gewissen Risiko auszusetzen. Die Vorinstanz hat
daher zum hypothetischen Kausalablauf zu Recht ein Beweisverfahren durchge-
führt.
b. Im Beweisauflagebeschluss vom 28. August 2015 auferlegte die Vorinstanz
den Klägern 1, 3 und 5 den Beweis für die Behauptung, dass sie für den Fall,
dass die Revisionsberichte einen Warnhinweis bezüglich der "N._-
Positionen" enthalten hätten, ihre Guthaben bis spätestens Ende 1996 zurückge-
zogen bzw. die Überweisungen vom 23. Januar 2001 und vom 19. Oktober 1997
unterlassen hätten (act. 123 Beweissatz 2.1. [betr. Kläger 1 und 3], Beweissatz
2.2. [betreffend Kläger 3] und Beweissatz 2.3. [betreffend Kläger 5]). Weiter hielt
die Vorinstanz auch zutreffend fest, dass der Beweis eines hypothetischen Kau-
- 20 -
salverlaufs von der Natur der Sache her mit Unsicherheiten verbunden sei, so
dass der beweisbelasteten Partei eine Beweiserleichterung zuzugestehen sei, in-
dem sie lediglich das Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit errei-
chen müsse (act. 287 S. 17 Rz. 2).
aa. Der Kläger 1 hielt in der persönlichen Befragung fest, wenn die Revisionsbe-
richte mit einer Warnung versehen gewesen wären, hätte er seine Gelder sofort
zurückgezogen; das Vertrauen höre auf, wenn ein Bericht sage, dass es nicht ge-
rechtfertigt sei (Prot.-VI S. 31 f.). Der Kläger 3 hielt in seiner persönlichen Befra-
gung fest, dass die Revisionsberichte für ihn wichtig gewesen seien, weil letztlich
seine Entscheidung davon abhängig gewesen sei; wegen der gesetzlichen Revi-
sionspflicht sei der Revisionsbericht für ihn das wichtigste Dokument gewesen
(Prot.-VI S. 42). Wenn der Revisionsbericht eine kritische Bemerkung enthalten
hätte, hätte er am 23. Januar 2001 sicher keine Überweisung von
EUR 589'914.28 getätigt; vielmehr hätte er auch das andere bei M._ inves-
tierte Geld zurückgezogen (Prot.-VI S. 48). Der Kläger 5 erklärte auf die Frage, ob
er am 19. Oktober 1997 sein Geld auch dann an M._ überwiesen hätte,
wenn in den Revisionsberichten eine Warnung angebracht gewesen wäre, dass
er dann sein Geld bestimmt nicht überwiesen und zudem seinen Schwiegervater
gewarnt hätte. Zu jenem Zeitpunkt hätte er O._ ganz klar gesagt, dass er
sein Geld zurückhaben wolle bzw. hätte er ihm das Geld nicht überwiesen. Er sei
damals überschwemmt worden von Bankiers und Anlagefonds, die ihm ihre
Dienste angeboten hätten. Der einzige Grund, weshalb er diesen Teil seines Gel-
des bei der M._ angelegt habe, seien die vorangegangene persönliche Be-
ziehung und die Revisionsberichte gewesen, die er auf Papier gesehen habe und
die in Ordnung erschienen seien (Prot.-VI S. 60 f.). Die Vorinstanz führte dazu
aus, dass diese Aussagen der Kläger 1, 3 und 5 in Bezug auf ihr hypothetisches
Verhalten bei korrekten Revisionsberichten "stimmig" und "glaubhaft" seien und
dass zu erwarten sei, dass sie diese Aussagen auch im Rahmen einer Beweis-
aussage wiederholen würden. Auf die Abnahme der von den Klägern 1, 3 und 5
offerierten Beweisabnahme nach § 150 aZPO/ZH sei jedoch in antizipierter Be-
weiswürdigung zu verzichten, weil hinsichtlich der Beweisaussagen der Kläger 1,
3 und 5 zu ihren eigenen Gunsten erhebliche Vorsicht angezeigt sei, weil sie ein
- 21 -
bedeutendes finanzielles Interesse am Ausgang des Verfahrens hätten, weshalb
eine Beweisaussage nur bei Vorliegen von weiteren stützenden Beweismitteln in
Frage kommen (act. 278 S. 41 f. Rz. 38). Solche stützenden Beweismittel gebe es
für die Kläger 1 und 5 nicht. Vielmehr hätten die Kläger 1 und 5 grosses Vertrauen
in O._ gehabt und dieser habe es verstanden, ihren Fragen mit vagen Erklä-
rungen geschickt auszuweichen. So hätten sich die Kläger 1 und 5 mit knappen
und vagen Angaben zu den Gründen für die Umwandlung der M._ von einer
AG in eine GmbH zufrieden gegeben. Aus diesen Gründen könne selbst nach ei-
ner entsprechenden Beweisaussage nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon ausgegangen werden, dass das Vertrauen der Kläger 1 und 5 just in dem
Moment weggebrochen wäre, in dem sie Einblick in korrekte, mit entsprechenden
Vorbehalten versehene Revisionsberichte erhalten hätten (act. 278 S. 43 Rz. 40).
Gleich verhalte es sich auch bezüglich des Beklagten 3 (act. 278 S. 44 Rz. 42).
bb. Auch diese Beweiswürdigung in Bezug auf den hypothetischen Kausalver-
lauf überzeugt nicht. Wie erwähnt überprüft das Obergericht den erstinstanzlichen
Entscheid auch in Bezug auf die Beweiswürdigung mit freier Kognition und nicht
nur mit Willkürkognition, wie die Beklagten anzunehmen scheinen (act. 281
Rz. 9 f.). Die Berufungsinstanz kann auch selbst Beweise erheben (Art. 316
Abs. 3 ZPO). Dabei ist für das Berufungsverfahren nicht mehr die kantonale ZPO,
sondern die Schweizerische ZPO massgebend (Art. 405 ZPO). Der Hinweis der
Beklagten auf das alte kantonale Prozessrecht (Act. 281 Rz. 27) ist für das Beru-
fungsverfahren irrelevant. Die Abnahme von form- und fristgerecht angebotenen
Beweismitteln kann in antizipierter Beweiswürdigung unterbleiben, wenn aufgrund
der abgenommenen Beweise der Beweis rechtsgenügend erbracht wurde
(BGE 143 III 297 E. 9.3.2 S. 332). Auch an dieser Stelle ist der Hinweis wichtig,
dass die Rechtsprechung klar gestellt hat, die Parteibefragung (Art. 191 ZPO) und
Beweisaussage (Art. 192 ZPO) seien objektiv taugliche Beweismittel, wobei der
Beweiswert einer Beweisaussage nicht pauschal wegen angeblicher "Selbstbe-
fangenheit" der am Prozessausgang interessierten Partei relativiert werden dürfe
(BGE 143 III 297 E. 9.3.2 S. 333 f.). Im vorliegenden Fall wurden die Kläger 1, 3
und 5 im erstinstanzlichen Verfahren persönlich befragt. Es liegt in der Natur der
Sache, dass es für die Beurteilung der hypothetischen Fragen, wie die Kläger 1, 3
- 22 -
und 5 bei Vorliegen von Revisionsberichten mit Warnhinweisen gehandelt hätten,
keine direkten Beweismittel vorliegen. Damit gewinnen Indizien Bedeutung. Ent-
scheidend ist dabei, dass die Kläger 1, 3 und 5 gegenüber O._ insistierten,
Einsicht in die M._-Jahresrechnungen samt Revisionsberichten zu erhalten.
Wenn Anleger eigens Unterlagen verlangen, die Aufschluss über die wirtschaftli-
che Lage der Firma geben soll, bei der sie Vermögen angelegt haben und der sie
weiteres Vermögen überlassen wollen, ist anzunehmen, dass sie auch bei vorbe-
stehendem Vertrauen gegenüber ihrem Geschäftspartner Konsequenzen ziehen,
wenn in den Unterlagen Warnhinweise in Bezug auf die Bonität der betreffenden
Firma ersichtlich sind. Daran ändert auch die Ausführungen der Vorinstanz und
der Beklagten nichts: Nicht überzeugend ist zunächst die Auffassung der Vo-
rinstanz und der Beklagten, die Kläger 1, 3 und 5 hätten aufgrund ihrer langjähri-
gen Geschäftsbeziehungen grosses Vertrauen zu O._ gehabt (act. 278 S. 43
Rz. 40 [Vorinstanz] und act. 281 Rz. 189 [Beklagte]); gewiss hatten die Kläger 1,
3 und 5 grosses Vertrauen in O._, was sie auch immer wieder bestätigt ha-
ben; dies bedeutet aber keineswegs, dass es sich um ein bedingungsloses Ver-
trauen handelte, denn sie wollten sich gerade durch die Einsicht in die Jahres-
rechnungen und Revisionsberichte vergewissern, dass ihr Vertrauen – auch im
Hinblick auf namhaften Neuanlagen durch die Kläger 3 und 5 – nach wie vor ge-
rechtfertigt war. Nicht überzeugend ist auch der Hinweis der Vorinstanz und der
Beklagten, die Kläger 1, 3 und 5 hätten sich mit knappen und vagen Antworten
von O._ zur Umwandlung der M._ von einer AG in eine GmbH zufrieden
gegeben (act. 278 S. 43 Rz. 40 [Vorinstanz] und act. 281 Rz. 185 ff. [Beklagte]);
weshalb Anleger aufgrund einer Änderung der Rechtsform auf wirtschaftliche
Schwierigkeiten der M._ hätten schliessen müssen, ist nicht einzusehen;
wenn die Beklagten auf das Strafurteil des Obergerichtes des Kantons Zürich ge-
gen den Beklagten 2 verweisen, wo festgehalten werde, die finanziellen Schwie-
rigkeiten seien aufgrund der Umwandlung der Rechtsform in eine GmbH offen zu
Tage getreten (act. 281 Rz. 60 f. mit Verweis auf act. 42/4 S. 38), so beziehen
sich diese Bemerkungen auf den Revisor – das heisst den Beklagten 2 – der auf-
grund dieses Umstandes hätte besondere Vorsicht walten lassen müssen. Und
schliesslich ist auch der Hinweis der Vorinstanz und der Beklagten nicht überzeu-
- 23 -
gend, der Kläger 3 habe sich auch durch erhebliche Verlustausweise der M._
im Geschäftsjahr 1999 (Bilanzverlust in der Bilanz 1999 von CHF 99'580.43 bzw.
ein Jahresverlust in der Erfolgsrechnung von CHF 312'362.77) nicht von einer
weiteren Überweisung am 23. Januar 2001 abhalten lassen (act. 278 S. 44 Rz. 42
[Vorinstanz] und act. 281 Rz. 187 [Beklagte]); dagegen wenden die Kläger zu
Recht ein, dass die M._ trotz des einmaligen Verlustes im Geschäftsjahr
1999 immer noch ein Eigenkapital von CHF 2'000'419.57 ausgewiesen habe
(act. 276 S. 15). Insgesamt ist festzuhalten, dass die Kläger 1, 3 und 5 im Rah-
men der persönlichen Befragung im erstinstanzlichen Verfahren "stimmig" und
"glaubhaft" festhielten, dass sie bei Warnhinweisen in den Revisionsberichten ihre
Anlagen zurückgezogen und keine Neuanlagen mehr getätigt hätten. Da anzu-
nehmen ist, dass die Kläger 1, 3 und 5 in einer Beweisaussage, die nach der hier
anwendbaren ZPO ein objektiv taugliches Beweismittel ist, diese Darstellung wie-
derholen würden, kann in antizipierter Beweiswürdigung davon ausgegangen
werden, dass die Kläger 1, 3 und 5 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ihre An-
lagen spätestens bis Ende 1996 zurückgezogen (Kläger 1 und 3) und am 19. Ok-
tober 1997 (Kläger 5) bzw. am 23. Januar 2001 (Kläger 3) keine neuen Überwei-
sungen getätigt hätten, wenn ihnen korrekte Revisionsberichte mit Warnhinweisen
auf die problematischen N._-Positionen vorgelegt worden wären.
4.4.3.4. Die Beklagten machen geltend, die hätten höchstens eine "Teilursa-
che" für den Eintritt des Schadens gesetzt; nach dem Grundsatz der differenzier-
ten Solidarität gemäss Art. 759 Abs. 1 OR hafte die Revisionsstelle als sekundä-
res Organ nur für den von ihr verschuldeten Schaden und habe keine Manage-
mentfehler zu verantworten (act. 281 Rz. 16). Nach dem vorhin Dargelegten hät-
ten die Kläger beim Vorliegen von Warnhinweisen in den Revisionsberichten in
Bezug auf die N._-Positionen spätestens Ende 1996 ihre bestehenden
M._-Anlagen zurückgezogen und am 19. Oktober 1997 (Kläger 5) bzw.
23. Januar 2001 (Kläger 3) keine Neuanlagen mehr getätigt; diesbezüglich ist der
unzulängliche Revisionsbericht für sich allein gesehen eine selbständige Ursache
für den Eintritt des Schadens, weshalb die Beklagten dafür verantwortlich werden.
- 24 -
4.4.3.5. Weiter machen die Beklagten geltend, aufgrund von grobfahrlässigem
Verhalten der Kläger sei von einer Unterbrechung des Kausalzusammenhangs
(act. 281 Rz. 82 ff., Rz. 220 ff.) oder wenigstens von einem Reduktionsgrund aus-
zugehen (act. 281 Rz. 222 ff.). Wie erläutert kann den Klägern keine grobe Fahr-
lässigkeit vorgeworfen werden. Jede Vermögensanlage ist mit Risiken verbunden.
Die Kläger 1, 3 und 5 verlangten aber Einsicht in die Jahresrechnungen und Revi-
sionsberichte der M._, um das Gegenparteirisiko einschätzen zu können. Da
die Revisionsberichte keine Warnhinweise in Bezug auf die N._-Positionen
enthielten, sahen sie keine Veranlassung, ihre Anlagen rechtzeitig – bis spätes-
tens Ende 1996 – zurückzuziehen, sondern überwiesen am 19. Oktober 1997
(Kläger 5) und 23. Januar 2001 (Kläger 3) nochmals namhafte Beträge. Was da-
ran grobfährlässig sein soll, ist nicht ersichtlich. Dass aufgrund der weiteren Um-
stände – Vertrauen in O._, Umwandlung der M._ von einer AG in eine
GmbH und Verluste der M._ im Geschäftsjahr 1999 – den Klägern keine
Grobfahrlässigkeit vorgeworfen werden kann, wurde bereits dargelegt. Weiter
können sich die Beklagten auch nicht auf ein geringes eigenes Verschulden beru-
fen, nachdem bereits im Strafverfahren gegen den Beklagten 2 zutreffend festge-
halten wurde, dessen Verschulden wiege nicht mehr leicht (act. 42/3 S. 32 E. 3.2
[Bezirksgericht], act. 42/4 S. 42 E. 3.2 [Obergericht]). Und es ist kein Grund er-
sichtlich, der ein Abweichen von dieser Wertung gebieten könnte.
4.4.3.6. Schliesslich machen die Beklagten geltend, der Beklagte 2 habe mit
O._ ausdrücklich vereinbart, dass die Revisionsberichte nicht an Dritte wei-
tergegeben werden dürften (act. 281 Rz. 73, Rz. 105 ff.). Im Rückweisungsbe-
schluss des Obergerichtes vom 26. November 2014 wurde festgehalten, dass
sich im Strafverfahren gegen den Beklagten 2 ergeben habe, dieser habe in Kauf
genommen (Eventualvorsatz), dass O._ die Revisionsberichte gegenüber
den Anlegern der M._ verwenden könnte (act. 110 S. 11 mit Hinweis auf
act. 42/3 S. 26 E. 3.2 [Bezirksgericht), act. 42/3 S. 39 E. 4.5 [Obergericht] und
act. 29 S. 13 f. E. 4.3.2 und 4.3.3 [Bundesgericht]). Zur Vermeidung von Wieder-
holungen kann darauf verwiesen werden.
- 25 -
4.4.4. Verschulden
Auf das Verschulden wurde bereits eingegangen (act. 4.4.3.5). Darauf kann ver-
wiesen werden.
4.5. Fazit
Die Pflichtverletzung ist unbestritten (vgl. E. 4.4.1). Der Schaden ist im Umfang
von CHF 960'000.00 ausgewiesen; nur die auf die Kläger 6 und 7 entfallenden
Schadenspositionen von je CHF 20'000.00 sind nicht dargetan (vgl. E. 4.4.2). So-
dann ist der Kausalzusammenhang zwischen der Pflichtverletzung und dem
Schaden in Bezug auf die Kläger 1, 3 und 5, auf welche ein Teilschaden von
CHF 900'000.00 entfällt, ausgewiesen; bezüglich der Kläger 2, 6 und 7 sowie des
verstorbenen Klägers 4 fehlt es an einem Kausalzusammenhang (vgl. E. 4.4.3).
Das Verschulden ist ausgewiesen (vgl. E. 4.4.4).
Damit ist das angefochtene Urteil aufzuheben, und die Klage ist im Umfang von
CHF 900'000.00 gutzuheissen. Im Mehrbetrag ist die Klage abzuweisen. Der gel-
tend gemachte Verzugszins ist ab dem 18. Dezember 2007 geschuldet, weil die
Kläger am 18. Dezember 2007 das Sühnbegehren stellten (act. 1) und die Be-
klagten damit spätestens seit diesem Zeitpunkt in Verzug sind. Der Verzugszins in
der Höhe von 5% ist ausgewiesen (BGE 138 III 746 E. 6.2 S. 749).
5. Kosten- und Entschädigungsfolgen
5.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die Beklagten unter solidari-
scher Haftbarkeit 90% und die Kläger unter solidarischer Haftbarkeit 10% der Ge-
richtskosten zu tragen, und zwar sowohl für das erstinstanzliche Verfahren als
auch das Berufungsverfahren (LB140034 und LB180005) (§ 64 Abs. 2 aZPO/ZH
und Art. 106 Abs. 2 ZPO).
5.2. Bei einem Streitwert von CHF 1 Mio. beträgt die Grundgebühr, von der bei
der Bemessung der Gerichtskosten auszugehen ist, CHF 30'750.00. Die Vor-
instanz hat die erstinstanzlichen Gerichtskosten zutreffend wie folgt festgelegt:
CHF 40'000.00 Entscheidgebühr, CHF 10'728.75 Dolmetscherkosten/Überset-
- 26 -
zungen, CHF 666.46 Zeugenentschädigungen; darauf kann verwiesen werden,
verbunden mit dem Hinweis, dass diese Kosten im Berufungsverfahren auch gar
nicht näher beanstandet wurden. Die zweitinstanzlichen Gerichtskosten sind auf
CHF 31'000.00 festzusetzen, wobei die im Rückweisungsbeschluss festgesetzten
Kosten von CHF 20'000.00 in den nunmehr für das Berufungsverfahren geschul-
deten Gerichtskosten von CHF 31'000.00 enthalten sind. Für den Bezug der Ge-
richtskosten ist zu berücksichtigen, dass die Kläger im erstinstanzlichen Verfahren
einen Barvorschuss und im zweitinstanzlichen Verfahren ein Kostenvorschuss
von CHF 31'000.00 geleistet haben, von welchem den Klägern zwischenzeitlich
der Betrag von CHF 11'000.00 zurückerstattet wurde (act. 109).
5.3. Bei einem Streitwert von CHF 1 Mio. beträgt die Grundgebühr der Parteient-
schädigung CHF 31'400.00. Unter Berücksichtigung aller Zuschläge hat die Vor-
instanz die volle Parteientschädigung zutreffend auf CHF 52'300.00 festgesetzt.
Auch das wurde mit der Berufung nicht in Frage gestellt. Zu beachten ist, dass die
grossmehrheitlich obsiegenden Kläger keine Entschädigung der Mehrwertsteuer
verlangen. Die vollumfängliche Prozessentschädigung für das zweitinstanzliche
Verfahren (LB140034 und LB180005) ist auf CHF 20'000.00 (wiederum ohne
MwSt.) festzusetzen. Da die Kläger nur Anspruch auf eine reduzierte Prozessent-
schädigung haben, ist ihnen für das erstinstanzliche Verfahren CHF 41'840.00
und für das zweitinstanzliche Verfahren CHF 16'000.00 zuzusprechen.