Decision ID: f07a7750-e75a-5c81-ade5-98de08567d86
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X Z ist mit Y Z verheiratet und wohnte bis Mitte März 2012 in A. Von Januar bis
Mitte April sowie von Mitte Oktober bis Dezember 2011 bezog X Z
Arbeitslosenentschädigung. Vom 1. April bis 30. September 2011 war er im Restaurant
R angestellt, in den Monaten November und Dezember 2011 arbeitete er zudem
teilzeitlich im Restaurant O.
B.- Am 7. Juni 2012 reichte das Ehepaar Z die Steuererklärung 2011 ein. Darin
deklarierten die Steuerpflichtigen Einkünfte aus unselbständigem Haupterwerb des
Ehemannes von Fr. 2'707.– (Restaurant O) und der Ehefrau von Fr. 69'084.– sowie
Arbeitslosen-Taggelder des Ehemannes im Betrag von Fr. 13'866.–. Mit Schreiben vom
20. November 2012 forderte das kantonale Steueramt das Ehepaar Z auf, den
Nachweis über die Tätigkeit des Ehemannes von Mitte April bis Mitte Oktober 2012
(richtig: 2011) sowie die Abrechnung der kantonalen Arbeitslosenkasse Dezember 2012
(richtig: 2011) einzureichen. Gemäss Angaben des Steueramtes A liessen die
Steuerpflichtigen der Veranlagungsbehörde daraufhin die Lohnabrechnungen des
Restaurants R der Monate April bis August 2011 sowie die Abrechnung Dezember
2011 der Arbeitslosenkasse zukommen. Im von der Veranlagungsbehörde beim
Restaurant R eingeholten Lohnausweis wurde für das Jahr 2011 ein Nettolohn des
Ehemannes von Fr. 21'555.– ausgewiesen.
C.- Am 24. Juni 2013 leitete das kantonale Steueramt gegen X Z ein
Untersuchungsverfahren wegen versuchter Steuerhinterziehung ein. Es warf ihm vor,
das beim Restaurant R erzielte Erwerbseinkommen in der Höhe von Fr. 21'555.– nicht
ordnungsgemäss deklariert zu haben, und stellte eine Busse in der Höhe von
Fr. 2'400.– in Aussicht. X Z nahm dazu mit Schreiben vom 4. Juli 2013 Stellung und
brachte vor, er habe vom Restaurant R trotz Nachfrage keinen Lohnausweis erhalten.
Sein Treuhänder habe der Steuererklärung daher fünf Lohnabrechnungen beigelegt.
Der von X Z beauftragte Rechtsvertreter beantragte mit Eingabe vom 30. September
2013 die Einstellung des Strafverfahrens mangels vorsätzlichen Handelns.
Mit Strafbefehl vom 24. Februar 2014 büsste das kantonale Steueramt X Z wegen
versuchter Steuerhinterziehung mit Fr. 2'400.–. Zudem wurden ihm die
Verfahrenskosten von Fr. 500.– auferlegt. Zur Begründung wurde im Wesentlichen
angeführt, der Steuerpflichtige habe das Einkommen vom Restaurant R in der Höhe
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von Fr. 21‘555.– nicht deklariert. Da dieser Betrag mehr als die Hälfte seiner gesamten
Einkünfte im Jahr 2011 betragen habe, hätte er die fehlende Deklaration bei sorgfältiger
Prüfung bemerken müssen.
D.- Gegen den Strafbefehl erhob X Z mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
27. März 2014 Einsprache. Das kantonale Steueramt überwies die Strafsache am
14. April 2014 der Verwaltungsrekurskommission zur gerichtlichen Beurteilung.
Am 17. April 2014 gab der Verfahrensleiter dem Angeklagten Gelegenheit, Einsicht in
die Akten zu nehmen und Anträge zu Ergänzung der Untersuchung zu stellen. Mit
Schreiben vom 30. Mai 2014 beantragte der Rechtsvertreter des Angeklagten, zur
Ergänzung der Untersuchung seien X und Y Z, der Buchhalter B, C von der Gemeinde
A und D vom Restaurant R zu befragen; ferner sei der Eingangsstempel des
Gemeindesteueramtes A vorzulegen und abzuklären, wer am 27. November 2012
Unterlagen von wem entgegengenommen habe.
Am 19. November 2015 wurden die Parteien zur öffentlichen Verhandlung vorgeladen.
Die Verhandlung fand am 15. Dezember 2015 statt. B wurde als Zeuge befragt (vgl.
Verhandlungsprotokoll und Protokoll der Zeugenaussage). Auf die schriftlichen und
mündlichen Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Das Urteil wurde am 15. Dezember 2015 mit Kurzbegründung mündlich und am 17.
Dezember 2015 schriftlich ohne Begründung eröffnet. Der Angeklagte verlangte am 18.
Dezember 2015 innert der gesetzlichen Frist von zehn Tagen die ausführliche
Begründung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Zu beurteilen ist
der Strafbefehl des kantonalen Steueramtes vom 24. Februar 2014 wegen versuchter
Steuerhinterziehung (Kantons- und Gemeindesteuer 2011). Die
Verwaltungsrekurskommission ist zur gerichtlichen Beurteilung zuständig. Der
Angeklagte ist zur Erhebung der Einsprache befugt. Die Einsprache ist rechtzeitig
erhoben worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
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Anforderungen. Die Streitsache wurde dem Gericht am 14. April 2014 zusammen mit
den Akten überwiesen. Der Strafbefehl gilt als Anklage (Art. 264 Abs. 1 und 2 und
Art. 265 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 161 StG in Verbindung
mit Art. 48 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP).
2.- Der Angeklagte macht verschiedene formelle Mängel geltend, weshalb zunächst
darauf einzugehen ist.
a) Er bringt zur Hauptsache vor, die Untersuchung sei nicht professionell geführt
worden. Den entlastenden Hinweisen sei nicht nachgegangen worden. Der
massgebende Sachverhalt werde mit lediglich einem Satz umschrieben, vom
subjektiven Tatbestand stehe nichts im Strafbefehl. Es liege eine Verletzung des
Anklagegrundsatzes vor.
b) Das Steuerstrafverfahren gilt in der Rechtsprechung als echtes Kriminalverfahren
und damit als ein Strafverfahren im Sinn von Art. 6 der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt: EMRK). Folglich stehen
dem Anklagten im Steuerstrafverfahren die konventionsrechtlich garantierten
prozessualen Mindestrechte zu. Es besteht insbesondere Anspruch auf Beurteilung
durch ein unabhängiges und unparteiisches Gericht, auf eine öffentliche Verhandlung,
auf Gewährung des rechtlichen Gehörs im Strafverfahren sowie auf die Möglichkeit
zum Beizug eines Verteidigers. Sodann gilt der Grundsatz der Unschuldsvermutung.
Die Beweislast für die ungenügende Besteuerung (objektiver Tatbestand) und die
Schuldhaftigkeit des Verhaltens der steuerpflichtigen Person (subjektiver Tatbestand)
obliegt den Steuerbehörden (D. Schenker, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,
4. Aufl. 2015, N 6 ff. zu den Vorbemerkungen zu §§ 242–254 StG; Zigerlig/Oertli/
Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, S. 440). Gestützt auf Art. 17 Abs.
1 der Strafprozessordnung (SR 312, abgekürzt: StPO) können die Kantone die
Verfolgung und Beurteilung von Übertretungen Verwaltungsbehörden übertragen. In
diesem Verwaltungsverfahren, welches der Gesetzgeber als Strafbefehlsverfahren
ausgestaltet hat, müssen die Mindestgarantien gemäss Art. 6 EMRK nicht oder nur
teilweise eingehalten werden. Der Strafbefehl ist als blosser Einigungsvorschlag
anzusehen, für den Angeklagten besteht die Möglichkeit, mittels Einsprache die
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Durchführung eines gerichtlichen Verfahrens zu verlangen, in welchem die
Verfahrensgarantien gewährleistet sind (Schenker, a.a.O., N 10 zu den
Vorbemerkungen zu §§ 242–254 StG).
Nach Art. 262 Abs. 1 StG bezeichnet der Strafbefehl den Angeklagten, die dem
Angeklagten zur Last gelegte Handlung, die angewendeten Gesetzesbestimmungen,
die Beweismittel sowie die Strafe und weist auf die Möglichkeit der Einsprache sowie
die Folgen der Unterlassung hin. Er ist nach Art. 262 Abs. 2 StG "kurz" zu begründen.
Inhaltlich enthält ein Strafbefehl zunächst die gleichen Angaben wie eine
Anklageschrift, so die Bezeichnung der verfügenden Behörde und der beschuldigten
Person sowie Ort und Datum der Ausstellung. Zu ergänzen ist er mit einer möglichst
kurzen und genauen Bezeichnung der der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten
mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung und die
dadurch erfüllten Straftatbestände. Hinzu kommen weitere Angaben, wie sie von einem
Urteil verlangt werden. Denn beim Verzicht auf eine Einsprache wird der Strafbefehl
zum Urteil. Aus diesem Grund sind die Sanktion und die Kosten- und
Entschädigungsfolgen festzulegen sowie eine Rechtsbehelfsbelehrung mit dem
Hinweis auf die Folgen der Nichtgeltendmachung dieses Rechtsbehelfs anzubringen
(vgl. F. Riklin, in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Basel
2011, N 4 zu Art. 353 StPO).
Sofern der Angeschuldigte gegen den Strafbescheid Einsprache erhebt, gilt dieser als
Anklage und Anklageschrift (vgl. Art. 265 Abs. 2 StG). Letztere erfüllt eine doppelte
Funktion, indem sie mittels Umgrenzung des zu beurteilenden Sachverhalts einerseits
den Prozessgegenstand bestimmt (sog. Anklagegrundsatz) und dem Angeklagten
andrerseits die für seine Verteidigung notwendigen Informationen vermittelt. Dabei
genügt es, wenn der Gesamtvorgang des Anklagesachverhalts geschildert und die
wesentlichen objektiven und subjektiven Tatbestandselemente hervorgehoben werden
(GVP 1995 Nr. 65).
c) Dem Angeklagten wurde im Strafbefehlsverfahren das rechtliche Gehör hinreichend
gewährt. Er erhielt mit Schreiben vom 24. Juni 2013 Kenntnis von der Einleitung eines
Untersuchungsverfahrens wegen versuchter Steuerhinterziehung gegen ihn sowie die
Möglichkeit, zur Anschuldigung und zur vorgesehenen Verfahrenserledigung mittels
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Strafbefehls (Busse von Fr. 2‘400.–) Stellung zu nehmen. Er wurde auch auf die
Möglichkeit, einen Verteidiger beizuziehen, sowie das Mitwirkungs- und
Aussageverweigerungsrecht hingewiesen. Mit Schreiben vom 15. Juli 2013 zum
Abschluss des Untersuchungsverfahrens wurde ihm nochmals Gelegenheit gegeben,
sich zur Sache zu äussern. Dem anschliessend beigezogenen Verteidiger wurde
Akteneinsicht gewährt und auf dessen Stellungnahme hin ein Amtsbericht des
Steueramtes A eingeholt, welcher dem Verteidiger in der Folge zur Stellungnahme
unterbreitet wurde. Der Angeklagte konnte seine Verteidigungsrechte im
Untersuchungsverfahren somit vollumfänglich wahrnehmen. Die
Untersuchungsbehörde ging den Behauptungen des Angeklagten nach, indem sie
einen entsprechenden Amtsbericht einholte.
Der Strafbefehl vom 24. Februar 2014 bezeichnet den Angeklagten sowie die ihm zur
Last gelegte Handlung der versuchten Steuerhinterziehung und die massgeblichen
Gesetzesbestimmungen. Er enthält einen Hinweis auf die Möglichkeit der Einsprache
und die Folgen ihrer Nichtergreifung. Die formellen Voraussetzungen von Art. 262
Abs. 1 StG sind somit erfüllt. Auch wenn der vorgeworfene Sachverhalt mit lediglich
einem Satz umschrieben wird („X Z hat im Jahr 2011 Einkommen aus unselbständiger
Tätigkeit beim Restaurant R nicht deklariert [Fr. 21‘555.–].“), sind die nötigen Elemente
darin enthalten. Dass sich die Anklage weder zum Tatzeitpunkt noch zum Tatort
ausdrücklich äusserte, ist deshalb nicht zu beanstanden, weil diesen beiden Kriterien
im vorliegenden Fall keine Bedeutung zukommt. Im Übrigen ergibt sich der
Tatzeitpunkt ohne weiteres aus den Akten: Die Steuererklärung 2011 ging am 7. Juni
2012 beim Gemeindesteueramt ein. In der Begründung wird zudem ergänzt, welche
Pflicht, nämlich sämtliches Einkommen vollständig und lückenlos zu deklarieren, der
Angeklagte verletzt hat. Es wird zu den Wirkungen des Beizugs eines Steuervertreters
Stellung genommen, und zwar werde er dadurch nicht entlastet. Sodann wird der
subjektive Tatbestand mit der Definition des Eventualvorsatzes und der Begründung,
weshalb beim Angeklagten von einem solchen auszugehen sei, hinreichend
umschrieben. Der Strafbefehl enthält auch Ausführungen zur Strafzumessung. Die
Bussenhöhe wurde auf Fr. 2'400.– oder auf zwei Drittel jenes Bussenbetrages
festgelegt, der bei vollendeter Steuerhinterziehung festzusetzen wäre. Die Begründung
des Strafbefehls genügt damit den gesetzlichen Anforderungen (vgl. F. Riklin, a.a.O.,
N 5 zu Art. 353 StPO). Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes liegt nicht vor.
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3.- Zu prüfen ist, ob der Angeklagte bei der Veranlagung des Steuerjahres 2011 eine
versuchte Steuerhinterziehung im Sinn von Art. 249 Abs. 1 StG begangen hat. Die
Bestimmung entspricht den Vorgaben in Art. 56 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (SR 642.14,
abgekürzt: StHG) und deckt sich inhaltlich mit Art. 176 Abs. 2 des Bundesgesetzes
über die direkte Bundessteuer (SR 642.11, abgekürzt: DBG).
a) Der Angeklagte beantragt, er sei vom Vorwurf der versuchten Steuerhinterziehung
freizusprechen. Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend, die vorhandenen
Lohnabrechnungen des Restaurants R seien zusammen mit der Steuererklärung
eingereicht worden. Beim Steueramt A seien sie danach verloren gegangen. Im Mai
oder Juni 2012 seien die Unterlagen nochmals eingereicht worden, nicht jedoch am 27.
November 2012. Die Aussagen im Amtsbericht würden bestritten. Insgesamt
beständen ernsthafte Zweifel an der Sachverhaltsdarstellung der Anklagebehörde. In
subjektiver Hinsicht liege höchstens ein Fall von Fahrlässigkeit vor. Das Steueramt A
habe von der Beschäftigung des Angeklagten beim Restaurant R gewusst, weshalb ein
allfälliger Versuch der Steuerhinterziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt
gewesen wäre.
b) aa) Das Versuchsstadium beginnt mit der Ausführung der Tat und endet unter
anderem, wenn der Taterfolg ausbleibt. Eine versuchte Steuerverkürzung kann
demnach solange vorliegen, als die betreffende Veranlagung noch im ordentlichen
Verfahren durchgeführt oder abgeändert werden kann (R. Sieber, in: Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2b, 2. Aufl. 2008, N 2 und 3 zu Art. 176 DBG). In
objektiver Hinsicht setzen die versuchte und die vollendete Steuerhinterziehung
unrichtige (unwahre oder unvollständige) Angaben oder das Verschweigen von
Tatsachen voraus, die für eine gesetzeskonforme Veranlagung erheblich sind. Dazu
zählt insbesondere die Nichtdeklaration von steuerbaren Leistungen, aber auch das
Verschweigen anderer steuererheblicher Tatsachen (Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O.,
S. 444 f.). Die Steuerverkürzung setzt einen (möglichen) Steuerausfall des
Gemeinwesens voraus (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG,
2. Aufl. 2009, N 2 zu Art. 175 DBG).
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Nach Art. 168 Abs. 2 StG muss der Steuerpflichtige die Steuererklärung
wahrheitsgemäss und vollständig ausfüllen und persönlich unterzeichnen. Vollständig
ausgefüllt ist die Steuererklärung dann, wenn der Steuerpflichtige in allen Rubriken des
amtlichen Formulars die von ihm verlangten Angaben gemacht hat (U. R. Behnisch,
Das Steuerstrafrecht im Recht der direkten Bundessteuer, Bern 1991, S. 32). Auf noch
ungewisse Sachverhaltselemente sowie auf Unsicherheiten im Zusammenhang mit der
steuerrechtlichen Bedeutung von Tatsachen ist in der Deklaration hinzuweisen (Sieber,
a.a.O., N 9 zu Art. 175 DBG). Steuerbar sind alle Einkünfte aus privatrechtlichem oder
öffentlich-rechtlichem Arbeitsverhältnis mit Einschluss der Nebeneinkünfte wie
Entschädigungen für Sonderleistungen, Provisionen, Zulagen, Dienstalters- und
Jubiläumsgeschenke, Gratifikationen, Trinkgelder, Tantiemen und andere geldwerte
Vorteile (Art. 30 StG).
Die strafprozessuale Unschuldsvermutung („in dubio pro reo“) ist zugleich Beweislast-
und Beweiswürdigungsregel. In ihrer Funktion als Beweislastregel bedeutet die
Maxime, dass es grundsätzlich der Strafverfolgungsbehörde obliegt, den Beweis für
das Vorliegen der Tatbestandsmerkmale eines Delikts zu erbringen (Sieber, a.a.O., N
44 zu Art. 182 DBG). Die Steuerbehörden haben demnach die bussenbegründenden
Tatsachen nachzuweisen. Sie müssen sowohl den Nachweis der (drohenden)
ungenügenden Besteuerung (objektiver Tatbestand) als auch der Schuldhaftigkeit des
Verhaltens der steuerpflichtigen Person (subjektiver Tatbestand) erbringen. Nur wenn
der von der Steuerbehörde angenommene Sachverhalt als höchstwahrscheinlich
erscheint, kann der beschuldigten Person der Gegenbeweis für die von ihr behauptete
Tatsache übertragen werden (vgl. BGE 121 II 273 E. 3c/aa). Bei der Beweiswürdigung
ist nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung auf das abzustellen, was die
entscheidenden Personen aufgrund gewissenhafter Prüfung zu überzeugen vermag.
Eine solche Überzeugung darf nicht nur auf blosser Wahrscheinlichkeit beruhen,
absolute Sicherheit ist aber auch nicht vorausgesetzt – ebenso wenig, dass jede
andere auch nur theoretische Möglichkeit eines anderen Sachverhalts ausgeschlossen
wäre. Bestehen demgegenüber erhebliche und unüberwindliche Zweifel am
angeklagten Sachverhalt, hat ein Schuldspruch aufgrund der Unschuldsvermutung zu
unterbleiben (Sieber, a.a.O., N 77 zu Art. 182 DBG; Schenker, a.a.O., N 8 zu
Vorbemerkungen §§ 242–254 StG). Der in rechtlich oder tatsächlich ungetrennter Ehe
lebende Steuerpflichtige wird – unter dem Vorbehalt der Mitwirkung bei einer
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Steuerhinterziehung durch den Ehegatten (vgl. Art. 250 StG) – nur für die Hinterziehung
seiner eigenen Steuerfaktoren gebüsst (Art. 253 Abs. 1 StG).
bb) Der Angeklagte liess die Steuererklärung durch einen Treuhänder erstellen und
einreichen. Er habe diesem alle Unterlagen inklusive Lohnabrechnungen übergeben.
Von der Steuererklärung samt Beilagen habe jener für ihn eine Kopie gemacht und die
Originale dem Steueramt A eingereicht. Darin seien auch die fünf Lohnabrechnungen,
die er vom Restaurant R erhalten habe, enthalten gewesen. Einen Lohnausweis habe er
trotz mehrmaliger Nachfrage vom Restaurant R nie bekommen.
Die Steuererklärung wurde vom Angeklagten und seiner Ehefrau am 30. Mai 2012
unterzeichnet und ging beim Steueramt A am 7. Juni 2012 ein. Die Tatsache, dass der
Angeklagte die Steuererklärung von einem fachkundigen Dritten ausfüllen liess,
entband ihn nicht von der Verantwortung, seine Verfahrenspflichten zu erfüllen (vgl.
Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 13 zu Art. 174 DBG). Mit der Unterzeichnung
der Steuererklärung übernahm er die Verantwortung für die Richtigkeit der in der
Steuererklärung gemachten Angaben und allfällige durch ihn verschuldete
Steuerwiderhandlungen (vgl. StE 2007 B 101.21 Nr. 17). Für die Frage, ob in objektiver
Hinsicht eine versuchte Steuerhinterziehung vorliegt, ist massgebend, ob die
Deklaration im Zeitpunkt der Einreichung vollständig war. Bei der Prüfung der
Tatbestandsmässigkeit ist demgegenüber ohne Relevanz, wann und von wem die
Lohnabrechnungen nachträglich noch eingereicht wurden und wie der Lohnausweis
des Restaurants R vom Steueramt A eingeholt wurde. Auf die Befragung von C
(Bearbeiterin der fraglichen Steuererklärung auf dem Gemeindesteueramt A) und D
(Arbeitgeber Restaurant R), die Edition des Eingangsstempels und der Zeiterfassung
der Gemeindeverwaltung A sowie auf die Einholung sämtlicher Lohnausweise des
Restaurants R des Jahres 2011 kann daher verzichtet werden. Ebenso ist nicht
entscheidend, ob sich das Schreiben des Steueramtes A vom 20. November 2012 bei
der Akteneinsicht des Verteidigers in den Akten befand oder nicht. Er erhielt zumindest
nachträglich Kenntnis davon. In der Steuererklärung 2011 wurden in Ziff. 1.1 Einkünfte
des Angeklagten aus unselbständiger Haupterwerbstätigkeit von Fr. 2'707.– sowie in
Ziff. 3.4 Arbeitslosentaggelder von Fr. 13'866.– deklariert. Bei den Einkünften aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit handelte es sich lediglich um jene des Restaurants O
für die Monate November und Dezember 2011, welche mittels Lohnausweis
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ausgewiesen wurden. In Ziff. 1.1 nicht deklariert wurden die Einkünfte vom Restaurant
R in der Höhe von insgesamt Fr. 21‘555.–. Das deklarierte steuerbare Einkommen von
Fr. 72‘342.– (inkl. Einkünfte der Ehefrau) war damit nicht vollständig.
cc) Ob die Beilage von einzelnen Lohnabrechnungen ohne Eintragung des Nettolohnes
in die Steuererklärung eine unvollständige Deklaration im Sinn von Art. 168 Abs. 2 StG
dargestellt hätte und damit der objektive Tatbestand der versuchten
Steuerhinterziehung erfüllt gewesen wäre, kann aufgrund der nachfolgenden
Erwägungen offen gelassen werden.
Gemäss Angaben des Steueramtes A wurde die Steuererklärung 2011 ohne einzelne
Lohnabrechnungen des Restaurants R eingereicht. Dies deckt sich mit den Angaben
bei den Beilagen auf Seite 4 der Steuererklärung, wo zwei Lohnausweise (jener des
Restaurant O und jener der Ehefrau), das Wertschriftenverzeichnis, zwei Formulare 4, 5,
6 und eine Bescheinigung (Arbeitslosentaggelder) angeführt wurden. Einzelne
Lohnabrechnungen wurden dort nicht erwähnt. Es findet sich auf der Steuererklärung
auch sonst nirgendwo ein Hinweis auf die Erwerbstätigkeit des Angeklagten beim
Restaurant R im Jahr 2011. Wenn die einzelnen Abrechnungen tatsächlich beigelegt
worden wären, ist ferner nicht nachvollziehbar, weshalb die aus den fünf
Lohnabrechnungen ersichtlichen Nettolöhne nicht zusammengerechnet in Ziff. 1.1
deklariert wurden. Aus dem Amtsbericht des Steueramtes A geht hervor, dass die
zuständige Mitarbeiterin im Rahmen der Veranlagung aufgrund der Leistungen der
Arbeitslosenversicherung feststellte, dass Unterlagen zu den Einkünften des
Angeklagten im Zeitraum von Mitte April bis Mitte Oktober 2011 fehlten, und die
Steuerpflichtigen mit Schreiben vom 20. November 2012 aufforderte, entsprechende
Unterlagen einzureichen. Wären die fraglichen Lohnabrechnungen der eingereichten
Steuererklärung beigelegen, hätte das Gemeindesteueramt nicht bei den
Steuerpflichtigen, sondern direkt beim Arbeitgeber einen Lohnausweis anfordern
können. Daraufhin gingen die Lohnabrechnungen des Restaurants R der Monate April
bis August 2011 am 26. November 2012 bei der Gemeindeverwaltung A ein und
wurden tags darauf intern an das Steueramt A weitergeleitet. Die zuständige
Sachbearbeiterin holte beim Arbeitgeber den Lohnausweis ein und nahm
anschliessend die Veranlagung vor (act. 4/12). Die Sachdarstellung der
Anklagebehörde, wonach der Steuererklärung im Zeitpunkt ihrer Einreichung keine
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Lohnabrechnungen des Restaurants R beilagen und die Deklaration der Einkünfte des
Angeklagten deshalb nicht vollständig war, erscheint somit als sehr wahrscheinlich. Es
ist daher am Angeklagten, den Beweis zu erbringen für den von ihm behaupteten
gegenteiligen Sachverhalt, wonach die Lohnabrechnungen zusammen mit der
Steuererklärung eingereicht worden seien. Dies gilt umso mehr, als die Steuerbehörde
nicht beweisen kann, dass sie die Lohnabrechnungen nicht erhalten hat. Eine solche
negative Tatsache ist im strikten Sinn kaum beweisbar (Urteil des Bundesgerichts
[BGer] 2C_661/2015 vom 12. November 2015 E. 3.2).
dd) Der Angeklagte selbst konnte keine näheren Angaben zur Beilage der
Lohnabrechnungen machen. Er sagte vor Gericht aus, er habe die Lohnabrechnungen
des Restaurants R dem Treuhänder übergeben. Ob diese als Beilagen beim
Unterzeichnen der Steuerklärung dabei gewesen seien, habe er nicht kontrolliert
(Verhandlungsprotokoll, S. 4).
Der Treuhänder, der die Steuererklärung 2011 für das Ehepaar Z ausgefüllt hatte,
wurde vor Gericht als Zeuge befragt. Er sagte aus, der Angeklagte und dessen Ehefrau
hätten ihm für das Ausfüllen der Steuererklärung sämtliche Unterlagen, darunter die
Lohnabrechnungen des Restaurants R, übergeben. Nachdem der Angeklagte
vergeblich versucht habe, einen Lohnausweis zu bekommen, habe er selber zweimal
dort angerufen. Es sei aber auch auf diese Aufforderung hin nichts gekommen.
Schliesslich habe er im Mai 2012 beim Steueramt A angerufen, den Fall einem Fräulein
geschildert und gefragt, was er machen solle. Diese habe gesagt, wenn er die
Lohnabrechnungen beilege, dann werde das Steueramt den Lohnausweis beim
Arbeitgeber einverlangen. So habe er es danach auch gemacht und die ausgefüllte
Steuererklärung nach Unterzeichnung durch die Steuerpflichtigen zusammen mit den
Lohnabrechnungen eingereicht. Da sei er sich zu einhundert Prozent sicher. Er habe
das Couvert auf dem Rückweg vom Wohnort der Familie Z ins Geschäft in einen
Briefkasten geworfen. Weil er keinen Lohnausweis gehabt habe, habe er in der
Steuererklärung nichts deklariert. Weshalb er die Lohnabrechnungen auf der
Steuererklärung nicht als Beilagen erwähnt habe, wisse er nicht; wahrscheinlich habe
er es vergessen (vgl. Protokoll der Zeugenaussage).
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Zuvor hatte der Treuhänder in einem Schreiben vom 26. Januar 2014 an den
Verteidiger bereits eine Stellungnahme zur Steuererklärung 2011 des Ehepaares Z
abgegeben (act. 8). Anders als in der Zeugenaussage vor Gericht erwähnte er damals
das angebliche Telefonat mit dem Steueramt A, aufgrund dessen er gemäss eigenen
Angaben auf eine Deklaration jenes Lohnes in Ziff. 1.1 verzichtet hatte, in keiner Weise.
Er erklärte damals nur, er habe angenommen, dass das Steueramt Ziff. 1.1 der
Steuererklärung anhand der Lohnabrechnungen selber ergänzen werde. Wenn jedoch
zuvor exakt wegen des fehlenden Lohnausweises das nun behauptete Telefonat mit
dem Steueramt A stattgefunden hätte, ist nicht nachvollziehbar, weshalb er dieses
wichtige Gespräch nicht schon damals, sondern erst anlässlich der
Gerichtsverhandlung, mehr als drei Jahre später, erstmals erwähnt. Es bestehen
deshalb grosse Zweifel, ob jenes Telefonat überhaupt stattgefunden hat. Im
Amtsbericht des Steueramtes A wird es jedenfalls nicht erwähnt (vgl. act. 4/12). Auf der
Steuererklärung selbst fehlt sodann jeglicher Hinweis darauf, es gibt auch kein
entsprechendes Begleitschreiben. Dass ein Treuhänder, der eigenen Angaben zufolge
bereits mehrere Tausend Steuererklärungen ausgefüllt hat und sich deshalb der
Bedeutung einer vollständigen Deklaration bewusst ist, weder die zusammengezählten
Nettolöhne in Ziff. 1.1 deklariert, noch die Lohnabrechnungen bei den Beilagen auf
Seite 4 oder sonst irgendwo erwähnt, erscheint ebenfalls unglaubwürdig. Zu
berücksichtigen ist auch, dass der Zeuge aufgrund des damaligen
Auftragsverhältnisses zum Ehepaar Z selbst ein grosses Interesse hat darzulegen, dass
er die Steuererklärung vollständig und korrekt ausgefüllt und damit seinen Auftrag
ordnungsgemäss erfüllt hat; dieser Umstand schmälert den Beweiswert der
Zeugenaussage.
Die Zeugenaussage leidet aber noch an einem anderen, weitaus grösseren Makel.
Strafuntersuchungs- und Justizbehörden haben ein berechtigtes Interesse daran,
Beweise, insbesondere Zeugenaussagen, möglichst unverfälscht zu erlangen. Die
Befragung von Zeugen ist Aufgabe des Gerichts und nicht Obliegenheit der Parteien
oder ihrer Anwälte. Unter standesrechtlichen Gesichtspunkten ist es deshalb dem
Anwalt verwehrt, Handlungen vorzunehmen, die darauf ausgerichtet sind oder
zumindest geeignet erscheinen, Zeugen zu beeinflussen oder in anderer Weise zur
Verfälschung von Beweisen beizutragen. Die Standesregeln des schweizerischen wie
auch des st. gallischen Anwaltsverbandes sehen vor, dass sich der Anwalt jeder
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unerlaubten Beeinträchtigung der Beweiserhebung im Prozess enthält. Er nimmt nur
ausnahmsweise, wenn dies zur Abschätzung des Prozessrisikos oder zur
Prozessführung unerlässlich ist, mit Personen Kontakt auf, die als Zeugen in Betracht
fallen. Verlangt wird, dass bei einer direkten Kontaktaufnahme die Auskünfte nicht
anderweitig zu erhalten sind und die Abklärungen mit der erforderlichen Zurückhaltung
und ohne jegliche Druckausübung erfolgen. Da schon jeglicher Anschein einer
Beeinflussung zu vermeiden ist, tut der Anwalt gut daran, bei der Kontaktierung eines
Zeugen gewisse Kautelen einzuhalten; gegebenenfalls kann sich der Beizug eines
aussenstehenden Zeugen aufdrängen (Fellmann/Zindel, Kommentar zum
Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011, N 8 ff. zu Art. 12 BGFA; vgl. auch BGer 2C_8/2010 vom
4. Oktober 2010 E. 3.2.1). Gemäss übereinstimmenden Angaben fand am Tag vor der
Verhandlung ein Treffen des Zeugen mit dem Angeklagten, dessen Ehefrau und dem
Verteidiger statt. Nachdem der Angeklagte schon vor längerer Zeit Einsprache gegen
den Strafbefehl erhoben hatte, folglich kein Prozessrisiko mehr abzuschätzen war und
der Zeuge vom Gericht bereits vorgeladen war, ist keine sachliche Notwendigkeit für
eine solche kurzfristige vorgängige Kontaktaufnahme ersichtlich. Wie sich das
Ausfüllen und Einreichen der Steuererklärung 2011 unter Zuhilfenahme des
Treuhänders damals zugetragen hatte, konnte der Verteidiger vom Angeklagten direkt
in Erfahrung bringen. Zudem bestand die Möglichkeit, allfällige Fragen an den Zeugen
direkt an der Verhandlung zu stellen. Ob der Verteidiger mit diesem Vorgehen gegen
die Standesregeln verstossen hat, ist im vorliegenden Verfahren nicht zu prüfen.
Aufgrund der Kontaktaufnahme mit dem Zeugen einen Tag vor der
Gerichtsverhandlung, an welcher der Zeuge erzählt habe, wie es gewesen sei und der
Zeuge – so der Verteidiger – „dasselbe wie heute gesagt“ habe (Verhandlungsprotokoll
S. 6), liegt insbesondere mit Bezug auf die Frage, ob die Lohnabrechnungen bei der
Einreichung der Steuererklärung beilagen, keine unvoreingenommene Zeugenaussage
vor, weshalb darauf nicht abgestützt werden kann.
Somit verbleibt für den Nachweis der Einreichung der Lohnabrechnungen einzig die
Aussage der Ehefrau des Angeklagten vor Gericht als Auskunftsperson, wonach die
vier Lohnabrechnungen des Restaurants R zusammen mit der Steuererklärung
eingereicht worden seien. Dies gehe auch aus der Kopie aller eingereichten Unterlagen
samt Lohnabrechnungen hervor, welche sie vom Treuhänder erhalten habe. Beim
Unterzeichnen der Steuererklärung habe sie es nicht mehr genau angeschaut. Sie habe
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aber gesehen, dass alles, auch die Lohnabrechnungen, dabei gewesen seien. Der
Treuhänder habe alles in ein Couvert getan, sie habe eine Briefmarke aufgeklebt, er
habe das Couvert mitgenommen und abgesendet (Verhandlungsprotokoll, S. 4 f.).
Aufgrund der persönlichen Nähe zum Angeklagten sind diese Angaben zurückhaltend
zu würdigen. Namentlich ist deren Beweiswert geringer, als dies bei Angaben einer
unvoreingenommenen Person der Fall wäre. Auffällig ist sodann die Übereinstimmung
mit den Angaben des Zeugen, mit welchem sie vor der Verhandlung Kontakt hatte und
dessen Aussage sie zuvor gehört hatte. Sie sprach zudem stets von vier
Lohnabrechnungen, obschon es tatsächlich deren fünf waren. Darauf angesprochen
erklärte sie, es nicht mehr genau zu wissen, da es schon lange her sei. Auf der anderen
Seite weiss sie genau, dass die Lohnabrechnungen der Steuererklärung beigelegt
worden seien, und zwar obschon sie es nicht mehr genau angeschaut habe. Dieses
selektive Erinnern fällt auf und spricht gegen die Glaubwürdigkeit der entsprechenden
Ausführungen. Hinzu kommt, dass die Angaben im Schreiben der Eheleute Z vom
4. Juli 2013, wonach der Treuhänder damals zu ihnen gesagt habe, er habe die
Lohnabrechnungen der Steuererklärung beigelegt, nicht darauf hindeuten, dass die
Beilage der Lohnabrechnungen durch den Treuhänder im Beisein der Steuerpflichtigen
erfolgte (vgl. act. 4/6). Auch die angeblichen Kopien des Treuhänders sämtlicher
eingereichter Unterlagen (act. 27) vermögen keinen Nachweis für die Vollständigkeit zu
erbringen. Der angeheftete Notizzettel mit einer voraussichtlichen Steuerbelastung von
ca. Fr. 7‘133.– deutet im Gegenteil darauf hin, dass die Einkünfte aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit des Angeklagten beim Restaurant R dem Steueramt in keiner Weise,
auch nicht mittels Beilage der Lohnabrechnungen, bekannt gegeben wurden. Wären
die fraglichen Einkünfte bei der Berechnung der provisorischen Steuerbelastung
berücksichtigt worden, was im Hinblick auf eine allfällige Finanzplanung allein Sinn
gemacht hätte, hätte dies zusammen mit der direkten Bundesteuer einen
mutmasslichen Betrag von über Fr. 11‘000.– ergeben.
ee) Insgesamt bestehen erhebliche Zweifel an der Sachdarstellung des Angeklagten,
wonach er oder sein Treuhänder die fünf Lohnabrechnungen des Restaurants R
anfangs Juni 2012 der Steuererklärung beigelegt haben. Die Aussagen dazu vermögen
den Nachweis dafür nicht zu erbringen. Andere Beweismittel gibt es nicht. Hinzu
kommt, dass die Anstellung beim Restaurant R offenbar von April bis September 2011
und nicht nur bis August 2011 dauerte. Die in den fünf Lohnabrechnungen
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ausgewiesenen Nettoeinkünfte betragen lediglich Fr. 17'984.92, während im
Lohnausweis Fr. 21'555.– angegeben werden. Selbst wenn diese fünf
Lohnabrechnungen also beigelegt oder der darin ausgewiesene Lohn in Ziff. 1.1
deklariert worden wären, hätte zumindest für den Differenzbetrag keine vollständige
Deklaration des steuerbaren Einkommen vorgelegen.
In Übereinstimmung mit der Aktenlage ist deshalb in tatsächlicher Hinsicht von der
Sachdarstellung der Anklagebehörde auszugehen, wonach die Steuererklärung 2011
ohne jeglichen Hinweis auf die Einkünfte des Angeklagten vom Restaurant R
eingereicht wurde. Die Vermutung des Verteidigers, wonach die Lohnabrechnungen
nach ihrer Einreichung beim Steueramt A verloren gegangen sein könnten, stellt eine
rein theoretische Möglichkeit dar, die keine erheblichen Zweifel daran zu begründen
vermag. Für diese Variante gibt es keinerlei objektive Anhaltspunkte. Die Deklaration
der Einkünfte des Angeklagten stimmte somit nicht mit dem im Jahr 2011 tatsächlich
erzielten Einkommen überein, weshalb die objektiven Voraussetzungen einer
versuchten Steuerhinterziehung im Steuerjahr 2011 erfüllt sind.
c) aa) Der Steuerhinterziehungsversuch ist nur bei vorsätzlicher Tatbegehung strafbar
(vgl. BGer 2A.168/2006 vom 8. März 2007; Sieber, a.a.O., N 5 zu Art. 176 DBG). Ob ein
Verschulden vorliegt, beurteilt sich nach allgemeinen strafrechtlichen Grundsätzen. Der
Begriff des Vorsatzes richtet sich nach Art. 12 Abs. 2 des Schweizerischen
Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt: StGB). Vorsätzlich verübt ein Delikt, wer die
Tat mit Wissen und Willen ausführt. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt
der Nachweis des Vorsatzes als erbracht, wenn mit hinreichender Sicherheit feststeht,
dass sich der Beschuldigte der Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der gemachten
Angaben bewusst war. Ist dieses Wissen erwiesen, so muss angenommen werden,
dass er auch mit Willen handelte, d.h. eine Täuschung der Steuerbehörden
beabsichtigt und eine zu niedrige Veranlagung bezweckt (direkter Vorsatz) oder
zumindest in Kauf genommen hat (Eventualvorsatz). Diese Vermutung lässt sich nicht
leicht entkräften, weil in der Regel ein anderer Beweggrund für die Unrichtigkeit oder
Unvollständigkeit der gemachten Angaben nur schwer vorstellbar ist. Lediglich
fahrlässig handelt der Steuerpflichtige demgegenüber, wenn er die Folgen seines
Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht
Rücksicht genommen hat. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der
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Steuerpflichtige die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach
seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (BGer 2C_29/2011 vom 16. Juni 2011
E. 2.3).
Der Nachweis der subjektiven Tatbestandselemente obliegt der Behörde (Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 38/39 zu Art. 175 DBG). Beim Vorwurf der versuchten
Steuerhinterziehung hat sie insbesondere zu beweisen, dass der Angeklagte sich der
Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der gemachten Angaben bewusst war. Das Wissen
muss mit hinlänglicher Sicherheit nachgewiesen werden; blosse Wahrscheinlichkeit
genügt nicht. Dies erfordert eine umfassende Beweisführung über die relevanten
inneren und äusseren Tatsachen. Nicht jeder Deklarationsfehler ist sogleich auch ein
Steuerkürzungsversuch (vgl. A. Howald, Steuerstrafrecht – versuchte
Steuerhinterziehung, Abgrenzung der Fahrlässigkeit vom Eventualvorsatz, in: Der
Schweizer Treuhänder, 3/2007, S. 197 und 199). Zudem handelt es sich beim
ordentlichen Verfahren zur Veranlagung der Einkommens- und Vermögenssteuern um
ein sogenanntes gemischtes Verfahren. Es enthält Elemente eines Selbstveranlagungs-
und eines amtlichen Veranlagungsverfahrens (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
a.a.O., N 7 der Vorbemerkungen zu Art. 122-135 DBG). Die Veranlagungsbehörde darf
zwar grundsätzlich darauf vertrauen, dass der Steuerpflichtige den massgebenden
Sachverhalt zutreffend deklarierte, es sei denn, die Unzuverlässigkeit der
Steuererklärung war ihr bekannt oder hätte ihr bekannt sein müssen. Wird dem Aspekt,
wonach die Steuerbehörde die Steuererklärung zu prüfen und die erforderlichen
Untersuchungen vorzunehmen hat, zu wenig Rechnung getragen, wird die
Verantwortung für die Sachverhaltsermittlung zu einseitig auf die Mitwirkungspflicht der
Steuerpflichtigen verlagert (Egloff, a.a.O., N 37 zu § 236 StG). Die Untersuchungspflicht
der Steuerbehörde entbindet den Steuerpflichtigen jedoch nicht davon, die
Steuererklärung seinerseits genau zu prüfen, selbst wenn er sie durch einen
fachkundigen Dritten ausfüllen liess. Wer ein Steuerformular sozusagen blind
unterschreibt und sich überhaupt nicht darum kümmert, ob die Angaben richtig sind,
nimmt zumindest in Kauf, dass dessen Inhalt mangelhaft sein könnte und handelt damit
nicht mehr fahrlässig, sondern – falls die Angaben nicht korrekt sind –
eventualvorsätzlich. Diese Rechtsprechung führt dazu, dass jener Steuerpflichtige, der
seinen Deklarationspflichten selbständig nachkommt, nicht schlechter gestellt wird als
derjenige, der einen Dritten damit beauftragt. Letzterer könnte sich auf das
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Vertrauensverhältnis zum Beauftragten berufen und sich auf diese Weise leichter seiner
Verantwortung für die Vollständigkeit der Angaben entziehen (vgl. Urteil der
Verwaltungsrekurskommission I/1-2012/219 vom 21. Oktober 2014 E. 3b/bb mit
Hinweisen, unter: www.gerichte.sg.ch).
bb) Der Angeklagte bestreitet nicht, von April bis Oktober 2011 im Restaurant R
angestellt gewesen zu sein und dafür einen Nettolohn von Fr. 21'555.– bezogen zu
haben. Er macht jedoch geltend, trotz mehrfacher Nachfrage nicht im Besitz des
Lohnausweises gewesen zu sein, als die Steuerunterlagen dem Buchhalter übergeben
worden seien. Er habe jedoch dem Buchhalter die fünf Lohnabrechnungen gegeben.
Der Lohnausweis des Restaurants R datiert vom 1. Februar 2012. Aufgrund seines
äusseren Erscheinungsbilds handelt es sich dabei offensichtlich um eine Faxkopie. Es
kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Angeklagte im Zeitpunkt der Abgabe der
Steuererklärung nicht über diesen verfügte. Offenbar war er sich dessen gemäss
eigenen Angaben jedoch bewusst. Es ist daher nicht so, dass er die Einkünfte
vergessen hatte, weil er keinen Lohnausweis bekommen hatte. Unter diesen
Umständen wäre er oder der von ihm beauftragte Vertreter, dessen Handeln er sich
anrechnen lassen muss, verpflichtet gewesen, die erzielten Nettoeinkünfte anhand der
monatlichen Lohnabrechnungen entweder selbst zu ermitteln und unter Ziff. 1.1 zu
deklarieren oder zumindest mit einem Vermerk in der Steuererklärung auf das Fehlen
des Lohnausweises hinzuweisen. Allenfalls hätte auch genügt, wenn die vollständigen
Lohnabrechnungen zusammen mit der Steuererklärung eingereicht worden wären; dies
war jedoch nicht der Fall (vgl. oben).
Die deklarierten Einkünfte des Angeklagten aus unselbständigem Erwerb betrugen
lediglich Fr. 2'707.–, während das beim Restaurant R von April bis Oktober 2011
erzielte Einkommen über Fr. 21'000.– ausmachte. Auch wenn der Angeklagte gemäss
eigenen Angaben in Steuerangelegenheiten nicht bewandert ist, hätte ihm dieser
erhebliche Einkommensunterschied bei der Unterzeichnung der Steuererklärung
auffallen müssen. Er erklärte jedoch, die vom Treuhänder ausgefüllten Zahlen nicht
kontrolliert zu haben (Verhandlungsprotokoll, S. 3). Indem er die Steuererklärung trotz
der thematisierten Problematik des fehlenden Lohnausweises ohne nochmalige
Prüfung unterzeichnete, nahm er im Sinn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl.
http://www.gerichte.sg.ch
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E. 3c/aa) in Kauf, dass die Angaben des Treuhänders mangelhaft sein könnten, was
denn auch der Fall war. Es ist auch nicht so, dass dem Steueramt A bekannt war, dass
der Angeklagte im Jahr 2011 beim Restaurant R gearbeitet hatte. Nur weil er im Vorjahr
dort erwerbstätig gewesen war, heisst dies noch lange nicht, dass es im nächsten Jahr
immer noch so sein muss. Wenn dem so wäre, hätte das Steueramt den Lohnausweis
direkt beim Restaurant R einholen können, ohne zuvor den Angeklagten aufzufordern
anzugeben, wo er in jenem Zeitraum erwerbstätig gewesen sei. Der Angeklagte
handelte damit nicht mehr fahrlässig, sondern eventualvorsätzlich. Mit der Einreichung
der Steuererklärung und deren Eingang beim Gemeindesteueramt war der Versuch
vollendet. Alles, was nachher obendrein geschah, hatte auf die Frage der
Tatbestandsmässigkeit des Verhaltens des Angeklagten keinen Einfluss mehr (vgl.
E. 3b/bb). Da die Veranlagung 2011 noch im ordentlichen Verfahren durchgeführt
werden konnte, kam es zu keiner Steuerverkürzung und es blieb beim Versuch.
d) Zusammenfassend steht fest, dass der Angeklagte in Bezug auf die Nichtdeklaration
des vom Restaurant R bezogenen Lohns den Tatbestand der versuchten
Steuerhinterziehung gemäss Art. 249 Abs. 1 StG erfüllt hat. Er ist der versuchten
Steuerhinterziehung schuldig zu sprechen.
4.- Nach Art. 249 Abs. 2 StG beträgt die Busse für eine versuchte Steuerhinterziehung
zwei Drittel der Busse, die bei vollendeter Steuerhinterziehung festzusetzen wäre. Nach
Art. 248 Abs. 3 StG beträgt die Busse in der Regel das Einfache der hinterzogenen
Steuer. Sie kann bei leichtem Verschulden bis auf einen Drittel ermässigt, bei
schwerem Verschulden bis auf das Dreifache erhöht werden.
a) Die Strafzumessung richtet sich – unter Vorbehalt abweichender Normen im
Steuergesetz – nach den allgemeinen strafrechtlichen Grundsätzen (vgl. Th. Hofer,
Strafzumessung bei der Hinterziehung direkter Steuern, Zürich/St. Gallen 2007,
S. 18 f.). Nach Art. 106 Abs. 3 StGB bemisst das Gericht die Busse je nach den
Verhältnissen des Täters so, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden
angemessen ist. Die Regelstrafmasse sind nicht schematisch anzuwenden. Vielmehr
sind sie als blosser Ausgangspunkt für die Strafzumessung nach dem
Verschuldensprinzip zu betrachten (BGE 134 III 59 E. 2.3.1). Dieses Regelmass soll
dann greifen, wenn Vorsatz vorliegt und es gleichzeitig an Strafminderungs- und
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Straferhöhungsgründen fehlt (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/ Meuter, a.a.O., N 91 zu
Art. 175 DBG mit Hinweisen).
b) Ausgangspunkt bei der Strafzumessung für die Steuerhinterziehung ist der einfache
Betrag der hinterzogenen Steuer. Die Anklagebehörde erwog, in Würdigung sämtlicher
Umstände und unter Berücksichtigung der Strafzumessungsregeln erscheine eine
Busse von Fr. 2'400.–, was zwei Dritteln der hypothetisch hinterzogenen Steuer
entspricht, als angemessen.
c) Ohne die nicht deklarierten Einkünfte hätte das steuerbare Einkommen Fr. 71'800.–
betragen. Die Berücksichtigung dieser Einkünfte führt zu einem Familieneinkommen
von Fr. 93'300.–. Die hinterzogene Steuer beträgt folglich Fr. 3'777.40 (ohne Zinsen,
Tarif für Verheiratete). Die Anklagebehörde setzte die Busse auf Fr. 2'400.– oder rund
zwei Drittel der hypothetisch hinterzogenen Steuer fest, was der Mindeststrafe
entspricht und angemessen erscheint. Es besteht kein Anlass, eine höhere Busse
auszusprechen. Insbesondere kam der Angeklagte der Aufforderung des Steueramts
im November 2012, weitere Unterlagen (zur Tätigkeit im Restaurant R) einzureichen,
sogleich nach; mithin versuchte er nicht, irgendetwas zu vertuschen. Die von der Vor
instanz festgelegte Busse von Fr. 2'400.– ist folglich zu bestätigen.
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der Angeklagte die Kosten des
Untersuchungsverfahrens von Fr. 500.– und des Gerichtsverfahrens zu bezahlen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl.
Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12, abgekürzt: GKV). Hinzu
kommt die Zeugenentschädigung von Fr. 100.– (Art. 23 Abs. 1 GKV).