Decision ID: f9d3ee3b-5949-4db4-b15e-5b869a1b8650
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im August 2015 erstmals wegen Beschwerden am Rücken und
in der Hand zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 2). Sie
gab an, sie habe in ihrem Herkunftsland sechs Jahre die Schule besucht. Einen Beruf
habe sie nicht erlernt. Sie arbeite seit 1. August 2007 im Hotel B._ als
Reinigungsangestellte in einem Pensum von ca. 80%. Sie brauche täglich
Medikamente, um arbeiten zu können. Sie sei geschieden und habe eine Tochter
(Jahrgang 199_). Sie reichte mehrere Arbeitsunfähigkeitszeugnisse ein (IV-act. 4).
A.a.
In einem Arbeitgeberbericht teilte das Hotel B._ am 1. September 2015 mit (IV-
act. 9), die Versicherte sei seit 1. August 2007 als Reinigungskraft angestellt. Sie
arbeite ca. sechseinhalb Stunden pro Tag. Sie nehme dauernd Schmerzmedikamente,
sei verlangsamt und falle immer wieder tageweise aus. Der Stundenlohn betrage
Fr. 25.25 plus 12.92% Ferien- und Feiertagsentschädigung. Das AHV-beitragspflichtige
Einkommen habe im Jahr 2014 Fr. 56'150.-- betragen. Die IV-Stelle holte einen IK-
Auszug ein (IV-act. 10). Demnach hatte das Einkommen im Jahr 2014 nur Fr. 52'856.--
betragen.
A.b.
Der Hausarzt Dr. med. C._ gab am 4. September 2015 die folgenden Diagnosen
an: Diskushernie L4/5 links, Gonarthrose bds., Colitis unklarer Genese (IV-act. 15). Er
hielt fest, schweres Heben und Tragen sei der Versicherten nur unter Schmerzen
möglich. Am 8. Februar 2016 wurde die Versicherte am Rücken operiert
(mikrochirurgische Dekompression und Mikrodiskektomie L4/5 links, IV-act. 25). Ab
Mai 2016 arbeitete sie wieder zu 40% (50% von 80%, IV-act. 30, 35). Prof. Dr. med.
A.c.
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D._, Gastroenterologie-Zentrum E._, nannte am 12. August 2016 die Diagnosen
Verdacht auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung mit extraintestinaler
Manifestation (Gelenkschmerzen) und Cholezystolithiasis.
Mit einer Mitteilung vom 5. Oktober 2016 sprach die IV-Stelle der Versicherten
Beratung und Unterstützung beim Erhalt des derzeitigen Arbeitsplatzes zu (IV-act. 42).
A.d.
Am 21./22. November 2016 wurde die Versicherte im Auftrag des
Krankentaggeldversicherers durch das Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und
Hygiene AG (AEH) mittels einer Funktionsorientierten Medizinischen Abklärung (FOMA)
abgeklärt (Fremdakten-act. 1). Die Abklärung beinhaltete eine angepasste Form der
Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit. Im Bericht vom
14. Februar 2017 gab Dr. med. F._, FHM Physikalische Medizin und Rehabilitation/
Rheumatologie, als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
lumbospondylogenes Syndrom links (mit einer Diskopathie L4/5 und L5/S1 mit einer
begleitenden Fazettengelenksarthrose, aktuell eher myofaszial betont), einen St. n.
Dekompressionsoperation L4/5 02/2016 (bei Diskushernie L4/5, engem Spinalkanal,
wahrscheinlich residuelle Glutealinsuffizienz links) und eine Periarthropathia coxae
rechts (funktionell leicht eingeschränkte Hüfte, radiologisch nicht abgeklärt) an. Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er:
Femoropatellararthrosen bds., beidseitige Beinödeme bei wahrscheinlich chronisch-
venöser Insuffizienz, anamnestisch Morbus Crohn, anamnestisch Arthralgien (aktuell
ohne sichere Synovitiden, sekundäre Raynaud-Symptomatik, DD im Rahmen des
Morbus Crohn). Dr. F._ hielt fest, im Rahmen der Evaluation der arbeitsbezogenen
funktionellen Leistungsfähigkeit habe die Versicherte bei guter Leistungsbereitschaft
und Konsistenz eine Belastbarkeit im knapp mittelschweren Bereich mit zusätzlichen
Einschränkungen beim vorgeneigten Stehen, längerem Stehen und wiederholten
Kniebeugen gezeigt. Die Einschränkungen der Handkraft und bei Arbeiten über Kopf
seien ohne funktionelle Beobachtungen nicht plausibel erklärbar gewesen. Er
attestierte eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Reinigungsfachfrau. Eine leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit mit
seltenen Gewichtsbelastungen bis 20 Kilogramm auf Taillenhöhe sei der Versicherten
ganztags zumutbar. Wiederholte Kniebeugen sollten nur selten (maximal 30 Minuten
pro Tag, verteilt), Stehen und vorgeneigt Stehen sollten nur manchmal (maximal drei
A.e.
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B.
Stunden pro Tag, verteilt) vorkommen. Dr. med. G._ vom Regionalen Ärztlichen
Dienst (RAD) notierte am 29. März 2017 (IV-act. 63), auf die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit im Bericht des AEH könne abgestellt werden.
Die IV-Stelle wies mit einer Mitteilung vom 31. März 2017 das Begehren um weitere
berufliche Massnahmen ab (IV-act. 65). Mit einer Verfügung vom 22. Juni 2017 wies sie
das Begehren um eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 15% ab (IV-
act. 76). Zur Begründung gab sie an, sie habe die Versicherte als zu 80% Erwerbstätige
und zu 20% im Haushalt Tätige eingestuft. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine
vollständige Arbeitsfähigkeit. Bei der Bestimmung des Invalideneinkommens stütze sie
sich auf die Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik für das Jahr 2014. In
einem 80%-Pensum könnte die Versicherte ein Einkommen von Fr. 43'034.-- erzielen.
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 52'856.-- betrage die Einschränkung als
Erwerbstätige damit 19%. Unter Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht der
Tochter bestehe in der Haushalttätigkeit keine Einschränkung. Dies ergebe einen
Invaliditätsgrad von 15%. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.f.
Am 29. Mai 2018 bat dipl. Ärztin H._, Praktische Ärztin, unter Bezugnahme auf
die rentenabweisende Verfügung vom 22. Juni 2017 um eine erneute Evaluation des
"IV-Bezugs" (IV-act. 85). Gleichentags teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-
act. 86), eine Wiederanmeldung sei von der versicherten Person einzureichen. Werde
nach einem abweisenden Rentenentscheid ein neues Rentenbegehren gestellt, sei
darin glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert habe. Am 6. Juni 2018 ging das von der Versicherten am
31. Mai 2018 unterzeichnete Anmeldeformular ein (IV-act. 88). Die Versicherte hatte
angegeben, dass sie nach wie vor im Hotel B._ in einem 40%-Pensum als
Reinigungsangestellte arbeite. Das Bruttoeinkommen betrage Fr. 2'000.-- bis
Fr. 2'600.-- pro Monat. Seit 2017 habe die Schmerzsituation stark zugenommen. Die
gesundheitliche Beeinträchtigung sei seit fünf bis sechs Jahren zunehmend. Von der
Krankentaggeldversicherung habe sie bereits während 24 Monaten Leistungen
bezogen. Seit 1. Februar 2018 übernehme das Sozialamt die Krankenkassenprämien.
Dipl. Ärztin H._ teilte am 13. Juni 2018 mit (IV-act. 91), die Versicherte könne das
B.a.
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Arbeitspensum schmerzbedingt nicht erhöhen. Die Gründe seien "vertebrogen, bei
multiplen Gelenksbeschwerden, beidseitiger Fuss-Fehlstellung sowie vaskulär" zu
sehen. Die Rückenproblematik habe einen mittleren Chronifizierungsgrad erreicht. Sie
reichte mehrere medizinische Berichte ein (IV-act. 92 ff.). Der RAD-Arzt Dr. med. I._
notierte am 25. Juni 2018 nach einer Durchsicht dieser Berichte (IV-act. 99), eine
objektivierbare Veränderung des Gesundheitszustands mit einer anhaltenden und
relevanten Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lasse sich daraus nicht entnehmen. Mit
einem Vorbescheid vom 27. Juni 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-
act. 101), sie sehe vor, nicht auf das Leistungsbegehren einzutreten. Der Arbeitgeber
nahm am 9. Juli 2018 dazu Stellung und hielt fest (IV-act. 106), obwohl sich die
Versicherte sehr bemühe, erbringe sie nicht mehr dieselbe Leistung wie früher. Die
Versicherte liess am 3. September 2018/1. Oktober 2018 einen Einwand gegen den
Vorbescheid erheben (IV-act. 110, 114). Ihr Rechtsvertreter machte im Wesentlichen
gestützt auf einen Bericht von Dr. med. J._, Fachärztin für Neurochirurgie, SGSS
Schmerzspezialistin, vom 31. August 2018 geltend, der Gesundheitszustand der
Versicherten habe sich verschlechtert. Dr. J._ hatte berichtet, die Versicherte sei
aufgrund ihrer chronischen Schmerzen auf hochdosierte Opiate angewiesen. Beim
Laufen sei sie aufgrund von starken Schmerzen in der Ferse, einer deutlichen Spreiz-/
Senkfuss-Fehlstellung und eines Hallux valgus bds. eingeschränkt. Von den
Rheumatologen sei eine beginnende Rhizarthrose links, ein Erguss im Talonavicular
gelenk links und MTP II rechts sowie eine Tendinopathie der Achillessehnen bds. und
eine MTP I-Arthrose festgestellt worden. Der RAD-Arzt Dr. I._ notierte am 4. Oktober
2018 (IV-act. 115), aus dem Bericht von Dr. J._ gehe hervor, dass sich der
Gesundheitszustand der Versicherten verschlechtert habe (Fussproblematik bds.,
beginnende Rhizarthrose links, Schmerztherapie mit hochdosierten Opiaten), was die
Arbeitsfähigkeit möglicherweise dauerhaft beeinträchtige. Die medizinischen
Eintretenskriterien seien erfüllt.
Die IV-Stelle holte zwei weitere Berichte ein: Bericht von Dr. med. K._, FMH
Orthopädie und Traumatologie, vom 27. Juli 2018 und von Dr. D._ vom 24. Mai 2018
(IV-act. 122, 127). Der RAD-Arzt Dr. I._ hielt am 11. Januar 2019 fest (IV-act. 133), für
eine fundierte Beurteilung sei eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig.
B.b.
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Die Versicherte wurde am 4., 8. und 11. April 2019 durch die PMEDA
polydisziplinär (internistisch, neurologisch, orthopädisch und psychiatrisch) abgeklärt.
Im Gutachten vom 11. Juli 2019 gaben die Sachverständigen folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (IV-act. 142-7): Bildgebend postoperative und
höhergradige degenerative Alterationen der Lendenwirbelsäule ohne radikuläres
klinisches Befundkorrelat, mittelgradige Retropatellararthrose bds., Spreizfuss bds.,
Hallux valgus bds., leichtgradige Grosszehengrundgelenkarthrose bds., Hammerzehe
D2 rechts, leichtgradige Daumensattelgelenkarthrose bds., leicht- bis mittelgradig
ausgeprägte depressive Episode bei wahrscheinlich rezidivierender depressiver
Störung (ICD-10 F33.0/1). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie: Indeterminierte chronische Darmentzündung, arterielle Hypertonie,
Präadipositas, Raynaud Syndrom, mögliche S1-Nervenwurzelreizung links. In der
Konsensbeurteilung attestierten die Gutachter in der bisherigen Tätigkeit eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit; diese resultierte aus 50%igen Arbeitsunfähigkeiten auf dem
orthopädischen und dem psychiatrischen Fachgebiet. In einer adaptierten Tätigkeit
attestierten sie ebenfalls eine, aus rein psychiatrischer Sicht begründete, 50%ige
Arbeitsunfähigkeit und gaben an, eine Besserung des depressiven Syndroms sei per
Ende Oktober 2019 zu erwarten, sodass die psychiatrische Minderung der
Arbeitsfähigkeit dann entfallen könne. Als Adaptionskriterien nannten sie eine
körperlich überwiegend leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne häufige lumbale
Zwangshaltungen (IV-act. 142-5). Der internistische Sachverständige hielt fest (IV-
act. 142-45, 142-49 ff.), die Versicherte habe angegeben, sie sei zuletzt im Dezember
2017 (Tod des Bruders) für die Beerdigung und im Januar 2018 für ein Trauertreffen in
ihr Herkunftsland gereist. Die Versicherte sei von Seiten der chronischen
Darmentzündung mit der aktuellen Medikation gut eingestellt. Die Sonographie habe
keine relevante Darmpathologie gezeigt. Unter dieser klinisch guten Einstellung könne
nicht von einer invalidisierenden Darmerkrankung gesprochen werden. Die
Blutdruckwerte seien erhöht. Die Therapiemöglichkeiten seien gut und es resultiere
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Angesichts der Präadipositas und der
Hypertonie sei eine Gewichtsreduktion ratsam. Eine Raynaud Symptomatik sei
geschildert worden; bisher habe keine sekundäre Genese bei einer internistischen
Grunderkrankung nachgewiesen werden können und ein primäres Raynaud Syndrom
stelle keine Limitierung einer Arbeitstätigkeit in Innenräumen dar (bei Aussentätigkeiten
B.c.
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könnten Handschuhe getragen werden). In der angestammten Tätigkeit bestehe eine
vollständige Arbeitsfähigkeit. Der neurologische Gutachter gab an (IV-act. 142-94 ff.),
aus neurologischer Sicht bestehe keine namhaft auffällige Entwicklung. Ein erhebliches
spinales Syndrom habe sich nicht erheben lassen und anlässlich der Untersuchung
habe kein schmerzgeplagter Zustand bestanden. Die beklagten Lumbalgien gingen
nicht mit einem namhaften radikulären Ausfall einher. Eine mögliche S1-
Nervenwurzelreizung habe sich nicht objektivieren lassen. Aus neurologischer Sicht sei
die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit nicht eingeschränkt. Der orthopädische
Experte führte aus (IV-act. 142-141 ff.), das Achsenskelett betreffend habe sich ein im
Wesentlichen freier Funktionsbefund gezeigt. Bildgebend seien postoperative und
mehrsegmentale degenerative Alterationen einschliesslich kleiner perineuraler Zysten
im lumbosakralen Übergang dargestellt worden, die zumeist als symptomfreier
Zufallsbefund zu interpretieren seien. Im Bereich der Halswirbelsäule hätten muskuläre
Verspannungen ohne Funktionslimitierung vorgelegen. Beide Kniegelenke hätten eine
femoropatellare Krepitation ohne eine namhafte Funktionsrestriktion gezeigt. MR-
bildgebend habe sich eine leicht- bis mittelgradige retropatellare arthrotische
Degeneration gezeigt. Die Gangprüfungen seien seitengleich ohne Einschränkung
dargeboten worden. Beide Hände hätten bei deutlicher Beschwielung eine
leichtgradige Krepitation der Daumensattelregion ohne eine schmerzhafte oder
funktionelle Beeinträchtigung gezeigt; andere oder höhergradige Zeichen einer
Fingergelenkarthrose oder einer anderen Handerkrankung hätten sich nicht gefunden.
Manifeste klinische Zeichen eines Raynaudsyndroms seien zum
Untersuchungszeitpunkt nicht evident gewesen. Im Bereich beider Füsse sei bei einer
Fehlform mit Hallux valgus, Hammerzeh D2 sowie bildgebend nachgewiesener
leichtgradiger Grosszehengrundgelenkarthrose eine Belastungseinschränkung
reklamiert worden. Aktuell hätten sich jedoch klinisch keine Zeichen einer namhaften
funktionellen Limitierung, einer Plantarfasziitis oder einer entzündlichen
Gelenkalteration gefunden. Die Fusssohlen seien deutlich beschwielt gewesen als
Hinweis auf eine ausgewogene/rege Alltagsaktivität. Die Versicherte nehme
Opioidanalgetika ein, reklamiere dennoch einen hohen Schmerzpegel von 7 bis 8.
Aufgrund der erhobenen Befunde seien lokale Beschwerden das Achsenskelett, die
Kniegelenke und die Füsse betreffend als plausibel zu bewerten, jedoch nicht in der
reklamierten deutlichen Ausprägung. In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine 50%ige
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Arbeitsfähigkeit (Rendement 50% bei einer Präsenz von neun Stunden arbeitstäglich).
Retrospektiv sei diese Arbeitsfähigkeit spätestens sechs Monate nach der erfolgten
lumbalen Dekompressionsoperation 02/2016 als gegeben anzusehen. In einer
adaptierten Tätigkeit bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Die Versicherte sei in
der Lage, leichte bis gelegentlich mittelschwere Arbeiten, wechselbelastend oder in
überwiegend sitzender Position zu leisten. Ungünstig seien Tätigkeiten in
Rumpfzwangshaltungen, in kniender Position, mit repetitivem Treppensteigen oder auf
Leitern oder Gerüsten sowie Tätigkeiten mit ausschliesslicher Hand-/Greifbelastung.
Der psychiatrische Sachverständige erklärte (IV-act.142-183 ff.), die Versicherte habe
angegeben, letztes Jahr sei ein Bruder von ihr gestorben, zu dem sie ein sehr enges
Verhältnis gehabt habe. Seither gehe es ihr "psychisch nicht so gut". Die Versicherte
habe psychisch insgesamt leichtgradig beeinträchtigt gewirkt. Sie habe von einer
Grübelneigung, von Zukunftsängsten sowie von einer Schreckhaftigkeit berichtet. Die
Stimmung habe leichtgradig zum depressiven Pol verschoben mit einer
eingeschränkten affektiven Schwingungsfähigkeit bei erhaltener Auslenkbarkeit
gewirkt. Ein Insuffizienzerleben sei zum "Vertrag" (gemeint wohl: Vortrag) gekommen.
Der Antrieb habe leichtgradig gemindert gewirkt. Mimik und Gestik seien
zurückgenommen gewesen. Im AMDP-konform erhobenen psychiatrischen Befund
seien leicht- bis allenfalls mittelgradige Beeinträchtigungen von Stimmung, Antrieb
oder affektiver Schwingungsfähigkeit zu objektivieren, sodass maximal ein mittelgradig
ausgeprägtes depressives Syndrom schlüssig zu attestieren sei. Die Versicherte habe
einen rezidivierenden Erkrankungsverlauf berichtet. Eine darüber hinausgehende
psychiatrische Morbidität liege nicht vor. Aufgrund des depressiven Syndroms sei für
sämtliche Tätigkeiten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Die Aufnahme
einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung sei zu empfehlen. Die
Prognose sei günstig. Bei einer leitliniengerechten antidepressiven Behandlung sei mit
einer Remission und dem Wiedererlangen der vollen Arbeitsfähigkeit per Ende Oktober
2019 zu rechnen. Die Mitwirkung sei der Versicherten medizinisch zumutbar. Es hätten
sich Inkonsistenzen zwischen der geschilderten Schmerzintensität und dem klinisch
nicht namhaft schmerzbeeinträchtigt wirkenden Eindruck ergeben. Hinsichtlich der
psychischen Beeinträchtigung sei die Beschwerdeschilderung weitgehend konsistent
zum klinischen Eindruck gewesen. Herauszuarbeiten seien Selbstversorgung und
Alltagsselbstständigkeit sowie zumindest ausreichende soziale und familiäre
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Einbindung gewesen; die Ressourcen könnten im weiteren therapeutischen Prozess
weiter genutzt werden. In der bisherigen Tätigkeit könne die Versicherte während
viereinhalb Stunden pro Tag anwesend sein. Dabei sei die Leistung nicht
eingeschränkt. Retrospektiv gelte diese Arbeitsfähigkeitsschätzung gemäss den
anamnestischen Angaben seit etwa einem Jahr (Beginn der aktuellen depressiven
Episode nach dem Tod des Bruders). Eine Anpassung der Tätigkeit sei nicht notwendig
und nicht geeignet, die Arbeitsfähigkeit rascher zu steigern. In einem Fragebogen zur
Begutachtung hatte die Versicherte am 2. April 2019 angegeben (IV-act. 144), sie sei im
Januar 2018 und im Dezember 2018 wegen eines Todesfalls in der Familie in ihr
Herkunftsland gereist.
Der RAD-Arzt Dr. I._ notierte am 22. Juli 2019 (IV-act. 151), das Gutachten sei
umfassend und schlüssig. Darauf könne abgestellt werden.
B.d.
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 15. August 2019 mit (IV-act. 153), gemäss
dem Gutachten könne ihre Arbeitsfähigkeit durch eine psychiatrisch-
psychotherapeutische antidepressive Behandlung wiederhergestellt werden. Im
Rahmen ihrer Selbsteingliederungspflicht sei es ihr zumutbar, sich einer
entsprechenden Behandlung zu unterziehen. Sie werde deshalb aufgefordert, folgende
Auflagen zu erfüllen: Schriftliche Bekanntgabe bis 5. September 2019, durch wen die
fachärztliche psychiatrische Behandlung durchgeführt werde und wann die erste
Therapiesitzung stattfinde, sowie Unterziehen einer regelmässigen Behandlung mit
einer aktiven Mitwirkung. Am 3. September 2019 ging ein Schreiben ein (IV-act. 157),
dass am 16. September 2019 das Erstgespräch bei Dr. med. L._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, stattfinden werde. Dr. L._ berichtete am 17. Januar 2020 (IV-
act. 164), die Versicherte sei zweimal pro Monat in Behandlung. Die Medikation sei
Escitalopram 10mg 1-1-0 und Zoldorm 10mg nach Bedarf. Er gab die Diagnose einer
generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1) an. Als objektive Befunde nannte er: Im
formalen Denken verlangsamt, im Affekt bedrückt, innerlich angespannt und ängstlich,
affektive Schwingungsfähigkeit und Elan vitae reduziert, affektiv knapp modulierbar,
affektiver Rapport gut herstellbar, im Antrieb vermindert, motorisch wenig lebhaft. Es
sei von der Erhaltung der 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Eine weitere
Verbesserung sei aber nicht mehr zu erwarten. Als Funktionseinschränkungen
bestünden eine eingeschränkte Konzentrationsdauer, eine eingeschränkte allgemeine
B.e.
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psychophysische Belastbarkeit mit einem vermehrten Erholungsbedarf und eine
eingeschränkte geistige Flexibilität aufgrund der formalen Denkstörungen und der
anhaltenden generalisierten Ängstlichkeit.
Am 4. Juni 2020 fand eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung durch die PMEDA
statt. Im Gutachten vom 3. September 2020 gab der psychiatrische Sachverständige,
der auch die psychiatrische Erstbegutachtung durchgeführt hatte, die Diagnose eines
subsyndromalen Restzustands einer abgelaufenen depressiven Episode (ICD-10 F32.9)
an (IV-act. 181-52). Er hielt fest (IV-act. 181-41 ff.), die Versicherte habe psychisch
insgesamt allenfalls leichtgradig beeinträchtigt gewirkt. Konzentration und
Aufmerksamkeit seien unauffällig gewesen. Das formale Denken sei geordnet, auf das
Wesentliche beschränkt und in angemessener Geschwindigkeit gewesen. Die
Versicherte habe von einer Grübelneigung, Ängsten und Sorgen berichtet. Die
Stimmung habe maximal leichtgradig zum depressiven Pol verschoben bei insgesamt
intakter Schwingungs- und Modulationsfähigkeit gewirkt. Ein Insuffizienzerleben sei
berichtet worden. Der Antrieb habe weitgehend ungestört gewirkt; die Psychomotorik
sei unauffällig gewesen. Da die Versicherte Merkfähigkeits- und
Aufmerksamkeitsstörungen beklagt hatte, führte der psychiatrische Sachverständige
eine testpsychologische Zusatzuntersuchung durch. Diese ergab formal
unterdurchschnittliche Ergebnisse im mittelfristigen verbalen Gedächtnis, im visuellen
Gedächtnis, in der basalen sowie geteilten Aufmerksamkeitsaktivierung, in der
Verarbeitungsgeschwindigkeit und in Teilbereichen der exekutiven Funktionen bei
sonst unauffälliger kognitiver Leistung. Der psychiatrische Gutachter gab an, die
Ergebnisse stünden nicht in Einklang mit der berichteten selbstständigen
Alltagsbewältigung sowie den anamnestisch erhobenen Freizeitaktivitäten. Das
Beschwerdevalidierungsverfahren und das Ergebnis der Reaktionsbereitschaft
sprächen für ein erheblich verzerrendes Antwortverhalten, sodass die Ergebnisse der
Leistungstests nicht als Beleg einer kognitiven Störung verwertbar seien. Eine kognitive
Störung sei nicht mit der gebotenen Wahrscheinlichkeit zu attestieren. Im AMDP-
konform erhobenen Befund sei eine allenfalls leichtgradig ausgeprägte
Stimmungsbeeinträchtigung zu objektivieren gewesen, die affektive
Schwingungsfähigkeit und der Antrieb hätten hingegen weitgehend ungestört
imponiert, sodass ein depressives Syndrom nicht (mehr) ICD-10-konform zu
B.f.
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diagnostizieren sei. Die Beschwerdevalidierung in der testpsychologischen
Untersuchung sei zudem deutlich auffällig gewesen, was gegen einen authentischen
Beschwerdevortrag spreche. Die reklamierten kognitiven Beeinträchtigungen seien
somit nicht objektiviert. Auch eine andere psychiatrische Erkrankung liege nicht vor.
Eine eigenständige Angst- oder Zwangserkrankung sei bei Abwesenheit der
definierenden ICD-10-Kriterien nicht zu diagnostizieren. Die vom behandelnden
Psychiater gestellte Diagnose einer generalisierten Angststörung liege nicht vor: Von
der Versicherten berichtete Sorgen und Ängste seien als Symptome der weitgehend
remittierten depressiven Störung zu verstehen. Wollte man dennoch von einer
Angsterkrankung ausgehen, wäre eine Therapieintensivierung auch unter ambulanten
Bedingungen problemlos realisierbar (Erhöhung der derzeit lediglich monatlichen
Gesprächsfrequenz, Intensivierung der bisher moderat dosierten Pharmakotherapie,
gegebenenfalls auch Umstellung). Die Attestierung einer länger anhaltenden
Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Angststörung sei zudem therapeutisch
kontraproduktiv (negative Bestärkung von Angst durch Unterstützung eines
Vermeidungsverhaltens). Die Versicherte verfüge über zumindest anteilig erhaltene
Ressourcen in Form von familiärer und sozialer Einbindung; die Fähigkeit zur
Selbstversorgung und Alltagsgestaltung sei zu erkennen. Sie stehe in wenig intensiver
ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung, was die Annahme einer
gravierenden Erkrankung nicht stütze. Es hätten sich erhebliche Inkonsistenzen
bezüglich des Beschwerdevortrags und der zu objektivierenden Beeinträchtigungen
gefunden. Im Weiteren seien die Angaben der Versicherten zum Verlauf der
psychischen Erkrankung inkonsistent gewesen: Sie habe zunächst eine
Verschlechterung geschildert, im späteren Explorationsverlauf jedoch eine Wirksamkeit
der eingenommenen Medikation eingeräumt. Schliesslich sei die
Beschwerdevalidierung erheblich auffällig gewesen. In der bisherigen Tätigkeit bestehe
eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte spätestens
ab dem Begutachtungszeitpunkt. In einem Fragebogen zur Begutachtung hatte die
Versicherte angegeben (undatiert, IV-act. 181-64), im letzten Jahr sei sie nicht verreist.
Zuletzt sei sie im Dezember 2018 wegen ihres verstorbenen Bruders in ihr
Herkunftsland gereist.
Der RAD-Arzt Dr. med. M._ notierte am 25. September 2020 (IV-act. 182), auf
das umfassende und fachlich einwandfreie Gutachten könne abgestellt werden.
B.g.
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Mit einem Vorbescheid vom 2. Oktober 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit (IV-act. 185), sie sehe vor, das Begehren um eine Invalidenrente abzuweisen. Zur
Begründung gab sie an, in einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine vollständige
Arbeitsfähigkeit. Die 50%ige Arbeitsunfähigkeit habe nur während einer
vorübergehenden Zeit von einigen Monaten bestanden. Bei voller Gesundheit würde
die Versicherte einer 80%igen Erwerbstätigkeit nachgehen. Das Valideneinkommen
habe gemäss den Angaben im Arbeitgeberfragebogen im Jahr 2015 Fr. 56'150.--
betragen. Umgerechnet auf ein Vollzeitpensum und unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung resultiere ein Jahreseinkommen von Fr. 71'315.--. In einer
adaptierten Tätigkeit könne sie ein Einkommen von Fr. 54'576.-- gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik erzielen. Die Einschränkung in der
Erwerbstätigkeit betrage damit 23.47%. In der Haushalttätigkeit bestehe keine
Einschränkung. Der Invaliditätsgrad betrage damit 18.77%. Die Versicherte liess
dagegen am 9. November 2020 einen Einwand erheben (IV-act. 188). Ihr
Rechtsvertreter machte im Wesentlichen geltend, unklar bleibe, welche Tätigkeiten die
Versicherte noch ausüben könne. Selbst einfachste Produktionsarbeiten entfielen, da
diese eine Hand-/Greifbelastung erfordern würden. Durch die tatsächlichen
Verhältnisse sei bewiesen, dass eine Arbeitstätigkeit von über 50% nicht mehr möglich
sei. Die aktuelle Tätigkeit sei ideal adaptiert, weshalb ohne Weiteres ein Invaliditätsgrad
von 50% resultiere. Die Arbeitgeberin habe auch festgestellt, dass der Versicherten
nicht mehr als ein 50%-Pensum zugemutet werden könne. Ausgehend von einem
durchschnittlichen monatlichen Einkommen von Fr. 2'493.25 (vgl. die
Lohnabrechnungen Juni bis August 2018) resultiere bei einem Pensum von rund 40%
ein Jahreseinkommen von Fr. 29'919.-- bzw. bei einem 100%-Pensum von
Fr. 74'797.50. Bei einem Invalideneinkommen gestützt auf die LSE-Tabellenlöhne und
einem "Leidensabzug" von 25% resultiere ein Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich von
44%. Abklärungen zu den Einschränkungen im Haushalt seien unterblieben, weshalb
diesbezüglich auf die orthopädische Begutachtung abzustellen sei (Einschränkung von
50% x 0.2 = 10%). Damit resultiere ein Invaliditätsgrad von mindestens 60% (50% +
10%). In einer ergänzenden Einwandbegründung vom 30. November 2020 brachte der
Rechtsvertreter im Wesentlichen vor (IV-act. 191), die Versicherte sei psychisch stark
belastet und zu maximal 50% arbeitsfähig, was auch Dr. L._ festgestellt habe. Der
psychiatrische Gutachter habe im Verlaufsgutachten vom 3. September 2020
B.h.
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C.
übergangen, dass die Versicherte gar keinen Freizeitaktivitäten mehr nachgehe. Die
Versicherte habe nie ein limitierendes Verhalten gezeigt. Der Gutachter habe im
Gutachten vom 3. September 2020 die gleichen Befunde wie im Gutachten vom
11. Juli 2019 beschrieben. Im Jahr 2019 habe er eine depressive Episode
diagnostiziert, im Jahr 2020 habe er diese Diagnose verneint. Dies überzeuge nicht und
sei ein Beweis dafür, dass die Haltung des Gutachters insofern voreingenommen
gewesen sei, dass er seinen eigenen Angaben aus dem Jahr 2019 nicht habe
widersprechen wollen und nur deshalb eine vollständige Heilung bzw. volle
Arbeitsfähigkeit angenommen habe. Mit der Einschätzung von Dr. L._ habe er sich
nicht auseinandergesetzt. Aus der Tatsache allein, dass er keine Diagnose nach ICD-10
habe stellen können, könne nicht der Umkehrschluss gezogen werden, dass die
Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt sei. Das psychiatrische Verlaufsgutachten sei
widersprüchlich, nicht nachvollziehbar, nicht schlüssig und nicht umfassend. Selbst
wenn auf das Gutachten abgestellt werden könnte, habe ab Ende 2017 bis zum 4. Juni
2020 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, weshalb zumindest eine befristete
halbe Rente zuzusprechen sei.
Der RAD-Arzt Dr. M._ notierte am 13. Januar 2021 (IV-act. 192), nach einer
nochmaligen intensiven Durchsicht gelange er zur Überzeugung, dass dem
psychiatrischen Gutachter keine Fehler oder Ungereimtheiten anzulasten seien.
B.i.
Mit einer Verfügung vom 26. Februar 2021 wies die IV-Stelle das Begehren um eine
Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 18.77% ab (IV-act. 193). Zum Einwand
hielt sie fest, aus medizinischer Sicht habe sich an der bisherigen Einschätzung nichts
geändert. Die gesundheitliche Verschlechterung sei lediglich während einer kurzen
Dauer ausgewiesen, weshalb kein Anspruch auf eine befristete Rente bestehe. Eine
Haushaltabklärung sei nicht notwendig, da der Invaliditätsgrad auch bei einer
theoretisch anzunehmenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit im Haushalt unter 40%
liegen würde.
B.j.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liess am 26. März 2021 eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 26. Februar 2021 erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und ab wann
C.a.
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rechtens die Zusprache der gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Invalidenrente
(mindestens Dreiviertelsrente). Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die
IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen; sub-eventualiter sei ab
wann rechtens eine befristete halbe Rente zuzusprechen. Ausserdem beantragte er die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung brachte er ergänzend
zu den Einwänden im Vorbescheidverfahren vor, die bisher ausgeübte Tätigkeit sei
speziell den Leiden der Beschwerdeführerin angepasst worden. Der Schluss der
Gutachter, in einer "adaptierten Tätigkeit" bestünden keine Einschränkungen, gehe
somit fehl. Die Beschwerdegegnerin habe keine Abklärungen zu den Einschränkungen
im Haushalt vorgenommen. In der angefochtenen Verfügung habe sie festgehalten,
eine Haushaltabklärung sei nicht notwendig, da der Invaliditätsgrad selbst bei einer
theoretisch anzunehmenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit im Haushalt unter 40%
liegen würde. Dies gehe nicht an; der Sachverhalt sei vollständig abzuklären. Die
festgestellten somatischen Beschwerden seien in der angefochtenen Verfügung nicht
mehr erwähnt worden. Dies zeige, dass die Beschwerdegegnerin die Sache nicht mit
der nötigen Sorgfalt abgeklärt habe.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege am 4. Mai 2021 formlos ab (act. G 5).
C.b.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 21. Mai 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, im
Gutachten vom 11. Juli 2019 sei aufgrund einer leicht- bis mittelgradig ausgeprägten
depressiven Episode bei wahrscheinlich rezidivierender depressiver Störung (ICD-10
F33.0/1) eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit attestiert
worden. Die Prüfung der Standardindikatoren habe ergeben, dass in der
Gesamtbetrachtung eine ressourcenhemmende Wirkung des nicht adäquat
behandelten depressiven Leidens nicht ausgewiesen und somit durchgehend von einer
vollständigen Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit auszugehen sei. Ein Anspruch auf
eine befristete Rente bestehe damit nicht. Dem psychiatrischen Verlaufsgutachten vom
3. September 2020 komme volle Beweiskraft zu und es bestehe weiterhin eine
vollständige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit. Auf eine Haushaltabklärung habe
verzichtet werden können (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juli 2008,
9C_13/2008 E. 5.1). Die Restarbeitsfähigkeit sei verwertbar.
C.c.
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Erwägungen
1.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat die Zusprache der gesetzlichen
Leistungen, insbesondere eine Invalidenrente (mindestens Dreiviertelsrente) beantragt.
In der Beschwerdebegründung hat er sich ausschliesslich auf den Rentenanspruch
bezogen. Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 26. Februar 2021, mit der die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint hat.
Einen Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen hat die
Beschwerdegegnerin im Laufe des Verwaltungsverfahrens nicht geprüft, denn sie hat
die Neuanmeldung vom Mai/Juni 2018 (Unterzeichnung des Anmeldeformulars am
31. Mai 2018, Posteingang am 6. Juni 2018) als reines Rentenbegehren interpretiert
(vgl. das Schreiben der Beschwerdegegnerin an die Beschwerdeführerin vom 29. Mai
2018, IV-act. 86). Der Grund dafür dürfte wohl gewesen sein, dass sich dipl. Ärztin
H._, die sich zunächst am 29. Mai 2018 an die Beschwerdegegnerin gewandt hatte,
auf die rentenabweisende Verfügung vom 22. Juni 2017 bezogen hatte. Da der
Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens durch den Gegenstand des mit der
angefochtenen Verfügung vom 26. Februar 2021 abgeschlossenen
Verwaltungsverfahrens bestimmt wird und da der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hinsichtlich eines allfälligen Anspruchs auf berufliche
Die Beschwerdeführerin liess in einer Replik vom 5. Juli 2021 im Wesentlichen
geltend machen (act. G 8), weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch
im Rahmen der der versicherten Person auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
offenstehenden Möglichkeiten zur Verwertung der Restarbeitsfähigkeit dürften von der
versicherten Person Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der
gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles nicht zumutbar
seien (Art. 21 Abs. 4 ATSG). Die Beschwerdegegnerin bzw. die Gutachter täten aber
genau dies. Es werde nicht nur die gesundheitliche Situation ausgeblendet, sondern
auch verkannt, dass die Beschwerdeführerin seit Jahren beim gleichen Arbeitgeber
tätig sei und dieser die Arbeitsstelle so angepasst habe, dass überhaupt noch eine
Arbeitsleistung erbracht werden könne. Dabei gelte es nochmals zu betonen, dass die
Arbeit einer leidensadaptierten Tätigkeit entspreche.
C.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 10. August 2021 auf eine Duplik (act.
G 10).
C.e.
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Eingliederungsmassnahmen keine Rechtsverweigerung geltend gemacht hat, ist auf
den Antrag um die Zusprache von anderen gesetzlichen Leistungen als eine
Invalidenrente nicht einzutreten.
2.
Die Beschwerdeführerin hat sich im Mai/Juni 2018 erneut zum Leistungsbezug
angemeldet (IV-act. 88), nachdem die Beschwerdegegnerin mit einer Verfügung vom
22. Juni 2017 einen Rentenanspruch abgewiesen hatte (IV-act. 76). Gemäss Art. 87
Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) wird
eine Anmeldung, die nach einer rechtskräftigen Leistungsverweigerung eingereicht
wird, nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der Invalidität
in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Der Verfügung vom 22. Juni
2017 hatte in medizinischer Hinsicht der Bericht des AEH vom 14. Februar 2017
zugrunde gelegen. Dr. F._ hatte darin die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit festgehalten: Chronisches lumbospondylogenes Syndrom links (mit
einer Diskopathie L4/5 und L5/S1 mit einer begleitenden Fazettengelenksarthrose,
aktuell eher myofaszial betont), ein St. n. Dekompressionsoperation L4/5 02/2016 (bei
Diskushernie L4/5, engem Spinalkanal, wahrscheinlich residuelle Glutealinsuffizienz
links) und eine Periarthropathia coxae rechts (funktionell leicht eingeschränkte Hüfte,
radiologisch nicht abgeklärt). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
hatte er genannt: Femoropatellararthrosen bds., beidseitige Beinödeme bei
wahrscheinlich chronisch-venöser Insuffizienz, anamnestisch Morbus Crohn,
anamnestisch Arthralgien (aktuell ohne sichere Synovitiden, sekundäre Raynaud-
Symptomatik, DD im Rahmen des Morbus Crohn). In einem von dipl. Ärztin H._ am
13. Juni 2018 eingereichten Bericht der Klinik für Rheumatologie des Kantonsspitals
St. Gallen vom 31. Januar 2018 sind die Diagnosen einer deutlichen Spreiz-Senkfuss-
Fehlstellung bds. und eines Hallux valgus bds. genannt worden (IV-act. 96-1). Im
Weiteren sind eine beginnende Rhizarthrose links, ein Erguss in der Art. Talonaviculare
links und im MTP II rechts, eine Tendinopathie der Achillessehnen bds. und eine MTP I
Arthrose bds. angegeben worden (IV-act. 96-4). Das Gangbild ist sicher, der Zehen-
und Fersengang ohne Absinken durchführbar gewesen. Im Referenzzeitpunkt (22. Juni
2017) haben keine die Füsse und den linken Daumen betreffende Diagnosen
bestanden. Ob der Vorbescheid vom 27. Juni 2018 betreffend Nichteintreten auf das
Leistungsbegehren (IV-act. 101) rechtmässig gewesen ist, kann offenbleiben. Dr. J._
hat am 31. August 2018 nämlich berichtet, die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer
chronischen Schmerzen auf hochdosierte Opiate angewiesen. Sie sei aufgrund starker
Schmerzen in der Ferse, einer deutlichen Spreiz-/Senkfuss-Fehlstellung und eines
Hallux valgus bds. beim Laufen eingeschränkt. Damit haben ausreichende
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/26
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Anhaltspunkte dafür bestanden, dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin seit dem 22. Juni 2017 relevant verschlechtert hatte. Die
Beschwerdeführerin hat also eine wesentliche Verschlechterung ihres
Gesundheitszustands glaubhaft gemacht (vgl. auch die RAD-Stellungnahme vom
4. Oktober 2018, IV-act. 115). Die Beschwerdegegnerin ist somit zu Recht auf die
Neuanmeldung eingetreten.
3.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen
Verfügung vom 26. Februar 2021 zu Recht einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin verneint hat.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität
in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG; sog. Betätigungsvergleich).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/26
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4.
Als erstes ist zu prüfen, ob die Bemessung des Invaliditätsgrades der
Beschwerdeführerin anhand eines reinen Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG) oder anhand der sogenannten gemischten Methode mit einer
Teilerwerbstätigkeit und einer Tätigkeit im Aufgabenbereich (Art. 28a Abs. 3 IVG i.V.m
Art. 27 IVV) zu erfolgen hat. Die Beschwerdegegnerin hat in der Verfügung vom
26. Februar 2021 die gemischte Methode angewandt und ist von einer Erwerbsquote
von 80% und einer Tätigkeit im Haushalt von 20% ausgegangen. Sie hat hinsichtlich
der Frage, ob die Beschwerdeführerin ohne eine gesundheitliche Beeinträchtigung voll-
oder teilerwerbstätig wäre, an die tatsächlich bestehenden Verhältnisse im Zeitpunkt
der ersten Anmeldung zum Leistungsbezug im August 2015 angeknüpft (vgl. die
Angaben im Anmeldeformular vom 17. August 2015 und im Arbeitgeberfragebogen
vom 1. September 2015, IV-act. 2, 9) und jegliche Abklärungen unterlassen. Die
Beschwerdeführerin hat im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns im
November/Dezember 2018 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) keine Betreuungspflichten mehr
gehabt, denn ihre Tochter ist dann 1_ Jahre alt gewesen und hat eine Ausbildung zur
"Krankenschwester" (vgl. die Angabe im Gutachten der PMEDA vom 11. Juli 2019, IV-
act. 142-44) absolviert. Die Beschwerdeführerin ist geschieden gewesen und hat selber
für ihren Lebensunterhalt aufkommen müssen. Ihr Stundenlohn hat im Jahr 2018
Fr. 25.70 plus 21.253% (2.27% Feiertagsvergütung, 10.65% Ferienvergütung, 8.333%
13. Monatslohn), also rund Fr. 31.15 brutto, betragen (IV-act. 113-6). Auch wenn dieser
Lohn bei einem Vollzeitpensum (Fr. 31.15 x 41.7 h pro Woche x 48 Wochen pro Jahr =
Fr. 62'349.85 [ohne Berücksichtigung der Feiertage]) im Vergleich zum Zentralwert des
Einkommens einer Hilfsarbeiterin im Jahr 2018 (Fr. 54'681.--, vgl. Anhang 2 der IV-
Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2022) höher gewesen ist, wären die
finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin bei einem Pensum von 80% eher
knapp gewesen. Zu berücksichtigen ist zudem, dass die Beschwerdeführerin bei der
zweiten Anmeldung zum Leistungsbezug am 31. Mai 2018 angegeben hat, dass die
gesundheitlichen Beeinträchtigungen seit fünf bis sechs Jahren, also seit ca.
2012/2013, zugenommen hätten. Am 4. September 2015 hatte der damalige Hausarzt
des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird
die Invalidität für diese Tätigkeit nach Absatz 2 festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil
der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder
der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (sog. gemischte Methode; Art. 28a
Abs. 3 IVG).
bis
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Dr. C._ berichtet (IV-act. 15), schweres Heben und Tragen sei der
Beschwerdeführerin nur unter Schmerzen möglich. Möglicherweise ist die
Beschwerdeführerin also bereits damals wegen ihren Schmerzen keiner
Vollerwerbstätigkeit nachgegangen. Aufgrund der fehlenden Betreuungspflichten, der
knappen finanziellen Verhältnisse und dem früheren, möglicherweise rein
schmerzbedingt auf rund 80% reduzierten Pensum ist es überwiegend plausibel, dass
die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung einer
Vollerwerbstätigkeit nachginge. In Anwendung von Art. 56 Abs. 2 des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege des Kantons St. Gallen (VRP/SG, sGS 951.1) ist deshalb
festzuhalten, dass die Invaliditätsbemessung anhand eines reinen
Einkommensvergleichs zu erfolgen hat.
5.
Die Beschwerdeführerin hat keinen Beruf erlernt und arbeitet seit 1. August 2007 im
Hotel B._ als Reinigungsangestellte. Ihre Validenkarriere besteht somit in einer
Erwerbstätigkeit als ungelernte Hilfsarbeiterin. Ihr Einkommen ist im Jahr 2018 im
Vergleich zum Zentralwert des Einkommens einer Hilfsarbeiterin höher gewesen (vgl.
E. 4). Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin überdurchschnittlich
leistungsfähig gewesen wäre, bestehen nicht. Beim Arbeitgeber dürfte es sich vielmehr
um einen sozial engagierten Arbeitgeber handeln, der seinen Angestellten einen
überdurchschnittlichen Lohn bezahlt. Dafür spricht, dass er sich in den
Verwaltungsverfahren nach der ersten und nach der zweiten Anmeldung zum
Leistungsbezug für die Beschwerdeführerin eingesetzt hat. Zudem hat er die
Beschwerdeführerin weiterbeschäftigt, obwohl er am 9. Juli 2018 angegeben hat, dass
ihre Leistung abgenommen habe (IV-act. 106). Art. 16 ATSG knüpft für die Bemessung
des Valideneinkommens an jenem Erwerbseinkommen an, das die versicherte Person
erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre. Diese Formulierung entspricht dem
Sinn und Zweck der Invalidenrente, für deren Bemessung Art. 16 ATSG die Grundlage
bildet. Die Invalidenrente soll nämlich einen Verlust von Erwerbsmöglichkeiten auf dem
allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt kompensieren (Art. 8 Abs. 1 ATSG i.V.m.
Art. 7 Abs. 1 ATSG). Das durch eine Invalidenrente versicherte Gut – die "Validität" –
entspricht folglich der Erwerbsfähigkeit der versicherten Person, das heisst deren
Erwerbsmöglichkeiten auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs. 1 ATSG e contrario). Massgebend ist deshalb, welche Erwerbsmöglichkeiten
beziehungsweise welches Einkommenspotential die versicherte Person unter
Berücksichtigung ihrer Berufsausbildung auf dem allgemeinen und ausgeglichenen
Arbeitsmarkt hätte (Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
21. August 2019, IV 2017/26 E. 3.1, und vom 14. Januar 2020, IV 2017/379 E. 4.3). Der
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Umstand, dass die Beschwerdeführerin ein über dem Zentralwert des Einkommens
einer Hilfsarbeiterin liegendes Erwerbseinkommen erzielt hat, ist aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht als irrelevante Zufälligkeit zu betrachten, denn
wäre sie bei einem anderen Arbeitgeber als Reinigungsangestellte beschäftigt
gewesen, wäre ihr Lohn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit tiefer gewesen (vgl.
auch den statistischen Lohnrechner Salarium des Bundesamts für Statistik; demnach
hat im Jahr 2018 der Zentralwert des monatlichen Bruttolohnes in der Berufsgruppe
"Reinigungspersonal und Hilfskräfte", Branche "Beherbergung", Region "Ostschweiz"
für Frauen mit Niederlassungsbewilligung C bei 41.7 Wochenstunden Fr. 4'234.--
betragen). Würde das dem Zufall geschuldete höhere Einkommen beim Hotel B._ auf
der Seite des Valideneinkommens in den Einkommensvergleich eingesetzt, hätte dies
eine ungerechtfertigte Besserstellung (Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung, SR 101)
gegenüber anderen in der Invalidenversicherung versicherten Personen zur Folge, die
ebenfalls als Hilfsarbeiterinnen zu qualifizieren sind und die ein durchschnittliches Hilfs
arbeiterinneneinkommen erzielen, weil sie nicht das Glück gehabt haben, einen sozial
engagierten Arbeitgeber zu finden, der einen überdurchschnittlichen Lohn bezahlt. Die
versicherte Erwerbsfähigkeit ("Validität") der Beschwerdeführerin, die auf dem
allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine durchschnittliche Hilfsarbeit
angenommen hätte, entspricht somit jener einer durchschnittlichen Hilfsarbeiterin. Da
die Beschwerdeführerin keinen Beruf erlernt hat, besteht die Invalidenkarriere ebenfalls
in einer Erwerbstätigkeit als ungelernte Hilfsarbeiterin. Weil die Validen- und die
Invalidenkarriere identisch sind, kann der Betrag der Vergleichseinkommen keine Rolle
spielen. Der Invaliditätsgrad ist durch einen sogenannten Prozentvergleich zu ermitteln.
6.
Um den Prozentvergleich durchführen zu können, muss der verbliebene Arbeits
fähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat der angefochtenen
Verfügung vom 26. Februar 2021 in medizinischer Hinsicht das polydisziplinäre
Gutachten der PMEDA vom 11. Juli 2019 und das psychiatrische Verlaufsgutachten der
PMEDA vom 3. September 2020 zugrunde gelegt. Strittig und im Folgenden zu prüfen
ist, ob den beiden Gutachten voller Beweiswert zukommt.
6.1.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
6.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/26
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125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418). Einem der Rechtsprechung entsprechenden
Administrativgutachten ist voller Beweiswert zuzuerkennen, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen (BGE 135 V 470 E. 4.4).
Der psychiatrische Gutachter hat umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt
und diese gewürdigt. Er hat die Beschwerdeführerin persönlich untersucht, die
subjektiven Klagen aufgenommen und die erhobenen objektiven Befunde im
psychiatrischen Teilgutachten vom 11. Juli 2019 sowie im psychiatrischen
Verlaufsgutachten vom 3. September 2020 wiedergegeben. In der
Verlaufsbegutachtung hat er – im Unterschied zur ersten Begutachtung – eine
testpsychologische Zusatzuntersuchung durchgeführt. Er hat festgehalten, diese sei
erfolgt, weil die Beschwerdeführerin Merkfähigkeits- und Aufmerksamkeitsstörungen
beklagt habe (Frage nach Symptomvalidierung). Anlässlich der ersten Begutachtung
hat die Beschwerdeführerin jedoch ebenfalls Gedächtnis- und
Konzentrationsstörungen beklagt (IV-act. 142-181). Aus der Sicht eines medizinischen
Laien ist deshalb nicht nachvollziehbar, weshalb in der Verlaufsbegutachtung eine
testpsychologische Zusatzuntersuchung durchgeführt worden ist und in der ersten
Begutachtung nicht. Bezüglich des Resultats der testpsychologischen
Zusatzuntersuchung hat der psychiatrische Gutachter angegeben, das
Beschwerdevalidierungsverfahren und das Ergebnis der Reaktionsbereitschaft
sprächen für ein erheblich verzerrendes Antwortverhalten, sodass die Ergebnisse der
Leistungstests nicht als Beleg einer kognitiven Störung verwertbar seien. Eine kognitive
Störung sei nicht mit der hierfür gebotenen Wahrscheinlichkeit zu attestieren. Im
Abschnitt zu den Diagnosen hat er angegeben, die reklamierten kognitiven
Beeinträchtigungen seien nicht objektiviert. Auch diesbezüglich ist nicht
nachvollziehbar, weshalb er eine kognitive Störung ausgeschlossen hat, wenn die
Beschwerdeführerin nur eingeschränkt mitgewirkt hat. Insbesondere hat der
psychiatrische Gutachter nicht angegeben, er habe trotz der eingeschränkten
Mitwirkung feststellen können, dass keine kognitive Störung bestehe. Gestützt auf die
testpsychologische Zusatzuntersuchung können also in Bezug auf die Diagnosen und
die Arbeitsfähigkeit keine Aussagen gemacht werden. Da ohne nähere Angaben dazu,
weshalb der psychiatrische Gutachter die testpsychologische Zusatzuntersuchung
durchgeführt hat, nicht beurteilt werden kann, ob die gestellten Diagnosen überzeugen,
6.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/26
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ist die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie
wird den psychiatrischen Gutachter auffordern zu begründen, weshalb er bei der
Verlaufsbegutachtung im Gegensatz zur ersten Begutachtung eine testpsychologische
Zusatzuntersuchung durchgeführt hat. Ist die Durchführung dieser Untersuchung aus
medizinischer Sicht notwendig gewesen, ist sie nach der Durchführung eines Mahn-
und Bedenkzeitverfahrens (Art. 7b Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 43 Abs. 3 Satz 2 ATSG; zur
Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens bei einer Verletzung der
Mitwirkungspflicht bei medizinischen Untersuchungen vgl. Entscheide des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. August 2020, IV 2018/206
E. 5.1, und vom 20. Mai 2021, IV 2019/121 E. 5.1) zu wiederholen. Ist die Durchführung
der testpsychologischen Untersuchung aus medizinischer Sicht nicht notwendig
gewesen, ist keine Wiederholung erforderlich. In Anbetracht dieser noch
vorzunehmenden Abklärung muss offen bleiben, ob die psychiatrischen Diagnosen und
die Arbeitsfähigkeitsschätzungen sowohl im psychiatrischen Teilgutachten vom 11. Juli
2019 als auch im Verlaufsgutachten vom 3. September 2020 überzeugen. Es bleibt
darauf hinzuweisen, dass im psychiatrischen Teilgutachten vom 11. Juli 2019 eine
Begründung für die attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit fehlt. Der psychiatrische
Gutachter hat nämlich nicht dargelegt, aufgrund welcher objektiven Befunde das
funktionelle Leistungsvermögen unter Miteinbezug der sonstigen, nicht erwerblichen
Aktivitäten der Beschwerdeführerin (vgl. BGE 145 V 368 E. 4.3) eingeschränkt gewesen
ist. Im Weiteren enthält das polydisziplinäre Gutachten widersprüchliche Angaben zum
Zeitpunkt des Todes des Bruders der Beschwerdeführerin, der vom psychiatrischen
Gutachter als massgebend für den Beginn der 50%igen Arbeitsunfähigkeit bezeichnet
worden ist (vgl. die Angaben im internistischen Teilgutachten, IV-act. 142-45, und im
Fragebogen zur Begutachtung, IV-act. 144; vgl. auch die Angabe im Fragebogen zur
Verlaufsbegutachtung, IV-act. 181-64). Sofern an der gestellten Diagnose einer leicht-
bis mittelgradig ausgeprägten depressiven Episode bei wahrscheinlich rezidivierender
depressiver Störung (ICD-10 F33.0/1) und an einer aus psychiatrischer Sicht
attestierten 50%igen Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit festzuhalten ist,
wird der Beginn dieser Arbeitsunfähigkeit exakt festzulegen sein. Schliesslich ist darauf
hinzuweisen, dass vor dem Erlass einer neuen Verfügung der Verlauf des
Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus
psychiatrischer Sicht erneut abzuklären sein wird. Bei dieser Gelegenheit wäre es
angezeigt, dem Verlaufsgutachter die vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
gegen das psychiatrische Verlaufsgutachten vom 3. September 2020 vorgebrachten
Einwände zur Stellungnahme vorzulegen, nachdem der RAD-Arzt Dr. M._ am
13. Januar 2021 verzichtet hat, auf die Kritikpunkte detailliert einzugehen (IV-act. 192).
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 23/26
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Der internistische, der neurologische und der orthopädische Gutachter haben
ebenfalls umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt und diese gewürdigt. Sie
haben die Beschwerdeführerin persönlich untersucht, die subjektiven Klagen
aufgenommen und die erhobenen objektiven Befunde im Gutachten wiedergegeben.
Gestützt auf ihre Befunde haben sie die Diagnosen gestellt und ihre Beurteilung zur
Arbeitsfähigkeit abgegeben. Anhaltspunkte dafür, dass die Untersuchungen nicht
umfassend gewesen wären, bestehen nicht. Widersprüche sind in den drei
Teilgutachten nicht auszumachen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in
medizinischer Hinsicht keine Einwände gegen das internistische, das neurologische
und das orthopädische Teilgutachten erhoben. In rechtlicher Hinsicht hat er geltend
gemacht, die Tätigkeit als Reinigungsangestellte im Hotel B._ sei ideal
leidensadaptiert, weshalb die Schlussfolgerung der Gutachter, in einer adaptierten
Tätigkeit bestünden keine Einschränkungen, fehl gehe. Das Profil einer ideal
adaptierten Tätigkeit besteht gemäss dem orthopädischen Teilgutachten in einer
leichten bis gelegentlich mittelschweren, wechselbelastenden oder überwiegend
sitzenden Tätigkeit. Ungünstig sind Tätigkeiten in Rumpfzwangshaltungen, in kniender
Position, mit repetitivem Treppensteigen oder auf Leitern oder Gerüsten sowie
Tätigkeiten mit ausschliesslicher Hand-/Greifbelastung. Der Arbeitgeber der
Beschwerdeführerin hat am 28. April 2017 zwar angegeben, dass auf die
Beschwerdeführerin Rücksicht genommen werde und sie verschiedene Arbeiten im
Hausdienst nicht verrichten müsse, die ihr Schmerzen verursachen würden (IV-act. 71).
Im Arbeitgeberbericht vom 1. September 2015 hatte er angegeben (IV-act. 9), dass
eine Altstadtliegenschaft betrieben werde und die Mitarbeiter vieles über die
Treppenhäuser hinauf und hinunter tragen müssten. Zu den Aufgaben zählten das
Beziehen von Betten, das Reinigen der Zimmer, die Bereitstellung von Wäsche, das
Reinigen des Treppenhauses, das Entfernen von Wäsche aus der Maschine und das
Bügeln. Die Tätigkeit erfolge beinahe ausschliesslich im Gehen und Stehen. Auch wenn
auf die Schmerzen der Beschwerdeführerin Rücksicht genommen worden ist, hat es
sich offenkundig nicht um eine ideal adaptierte Tätigkeit gehandelt, denn nur schon
das viele Treppensteigen ist nicht leidensadaptiert. Der Rechtsvertreter hat damit zu
Unrecht behauptet, die effektiv ausgeübte Tätigkeit sei ideal leidensadaptiert. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des orthopädischen Gutachters, dass in der angestammten
Tätigkeit eine 50%ige und in einer ideal adaptierten Tätigkeit eine vollständige
Arbeitsfähigkeit besteht, ist somit überzeugend. Die Arbeitsfähigkeitsschätzungen aus
internistischer und neurologischer Sicht – sowohl der internistische als auch der
neurologische Gutachter haben keine Diagnose mit einer Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit gestellt – sind ebenfalls überzeugend. In somatischer Hinsicht ist das
Gutachten der PMEDA vom 11. Juli 2019 somit beweiskräftig. Damit ist es
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© Kanton St.Gallen 2023 Seite 24/26
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überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der
Begutachtung im April 2019 aus somatischer Sicht in einer ideal adaptierten Tätigkeit
vollständig arbeitsfähig gewesen ist. In der angestammten Tätigkeit als
Reinigungsangestellte ist sie zu 50% arbeitsfähig gewesen. Retrospektiv hat diese
Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer ideal adaptierten Tätigkeit
spätestens nach sechs Monaten nach der lumbalen Dekompressionsoperation im
Februar 2016 bestanden. Ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin aus
somatischer Sicht zwischen April 2019 (Zeitpunkt der Begutachtung) und dem
26. Februar 2021 (Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung) verändert hat,
hat die Beschwerdegegnerin nicht abgeklärt. Auch wenn der Rechtsvertreter keine
Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin geltend gemacht hat,
hätte die Beschwerdegegnerin dies aufgrund der langen Zeitdauern von fast zwei
Jahren abklären müssen. Die Beschwerdegegnerin wird deshalb vor dem Erlass einer
neuen Verfügung den Verlauf des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit aus
somatischer Sicht seit April 2019 abzuklären haben.
Im Sinne eines obiter dictum ist festzuhalten, dass nach der Praxis des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen bei einer länger dauernden
Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 6 Satz 2 ATSG nach dem Ablauf des Wartejahrs
(Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) ein Anspruch auf eine Rente besteht, obwohl zumutbare
Eingliederungsmassnahmen, welche die Arbeitsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herstellen, erhalten oder verbessern können,
nicht abgeschlossen sind. Der Grad der einen Rentenanspruch begründenden
Arbeitsunfähigkeit ist dabei in einer sinngemässen Anwendung von Art. 16 ATSG
aufgrund eines Einkommensvergleichs festzulegen (siehe Entscheide des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. April 2022, IV 2021/136 E. 5,
und vom 15. Juni 2020, IV 2018/116 E. 4.3.1), vorliegend also aufgrund eines
Prozentvergleichs (vgl. E. 5). Sollte nach den weiteren Abklärungen mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit feststehen, dass die Beschwerdeführerin in einer ideal adaptierten
Tätigkeit länger dauernd arbeitsunfähig gewesen ist (vgl. die Beurteilung einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit ab dem Zeitpunkt des Todes des Bruders der Beschwerdeführerin im
psychiatrischen Teilgutachten vom 11. Juli 2019, IV-act. 142-189, und einer
vollständigen Arbeitsfähigkeit im Begutachtungszeitpunkt im psychiatrischen
Verlaufsgutachten vom 3. September 2020, IV-act. 181-56), hätte sie wohl Anspruch
auf eine befristete Rente.
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