Decision ID: 794b1caa-c190-44d0-b48d-8979ed5606b4
Year: 2013
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

bedingten Laxizität der Gelenke zurückzuführen sei. Ein Sachverhalt, von dem
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen wäre, er treffe zu, könne
demzufolge vorliegend nicht als ausgewiesen gelten. Die Beschwerdegegnerin
wäre in dieser Situation verpflichtet gewesen, eine umfassende medizinische
Begutachtung zu veranlassen und davor bei den behandelnden Ärzten Berichte
einzuholen.
10. In ihrer Vernehmlassung vom 6. Juli 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Es handle sich vorliegend um einen Rückfall,
die Behandlung sei abgeschlossen gewesen. Zwischen Dezember 2010 und
November 2011 seien keine medizinischen Leistungen in Anspruch genommen
worden. Die Behauptung, dass die Beschwerdeführerin immer unter Schmerzen
am Handgelenk gelitten habe, finde in den Akten keine Stütze. Der
medizinische Sachverhalt sei ausreichend abgeklärt worden. Weil von einem
Rückfall auszugehen sei, müsse mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt sein, dass die nunmehr geklagten Beschwerden auf
das Unfallereignis zurückzuführen seien, was vorliegend nicht zutreffe. Die
geklagten Beschwerden seien vielmehr krankhafter Natur und stünden mit dem
Unfallereignis vom 1. August 2010 in keinem natürlichen
Kausalzusammenhang.
11. In ihrer Replik vom 22. August 2012 hielt die Beschwerdeführerin vollumfänglich
an ihren Vorbringen fest. Sie verlangte ergänzend die Vornahme einer
Arthroskopie, um der Vermutung von Dr. med. ..., Handchirurgie im
Kantonsspital Graubünden, wonach auf dem MRI nicht erkennbare
Narbenstränge die geklagten Beschwerden verursachen könnten, nachgehen
zu können.
12. In ihrer Duplik vom 12. September 2012 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren
Vorbringen fest. Die Angaben der behandelnden Ärzte und die angefertigten
Bilder des Handgelenks hätten den Vertrauensärzten eine Beurteilung ohne
Untersuchung der Beschwerdeführerin ermöglicht. Sie sei deshalb ihrer
Abklärungspflicht rechtsgenüglich nachgekommen. Die angeblichen Aussagen
von Dr. med. ..., wonach Narbenstränge die Ursache der Schmerzen sein
könnten, seien ihr nicht bekannt. Es sei schleierhaft, weshalb die
Beschwerdeführerin Dokumente, die solche Aussagen enthalten würden, nicht
offen lege. Die Beschwerdeführerin komme ihrer Mitwirkungspflicht nicht nach
und es könne ihr nicht ungenügende Abklärung des Sachverhalts vorgeworfen
werden. Dass Narbenstränge Ursache der Beschwerde seien, werde
ausdrücklich bestritten.
13. Auf Begehren der Beschwerdeführerin wurde deren Krankengeschichte bei Dr.
med. ... und beim Kantonsspital Graubünden zur Edition verlangt. In ihrer
Stellungnahme dazu vom 27. November 2012 beantragte die
Beschwerdeführerin, es sei ein neutrales Gutachten zur Unfallkausalität der
Schmerzen einzuholen. Im Übrigen hielt sie an den bereits vorgebrachten
Rügen fest. Die Beschwerdegegnerin machte in ihrer Stellungnahme vom 3.
Dezember 2012 geltend, der Krankengeschichte sei zu entnehmen, dass kein
behandelnder Arzt einen Kausalzusammenhang zwischen den geklagten
Beschwerden und dem Unfallereignis am 1. August 2010 behauptet habe.
Vielmehr werde auf einen vollständig ausgeheilten Bruch hingewiesen. Neue
Erkenntnisse lägen nicht vor, weshalb die Beschwerde abzuweisen sei.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie auf den angefochtenen
Entscheid wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eigegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Verfahren bildet der Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 23. April 2012. Strittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin als Unfallversicherer zu Recht ihre Leistungspflicht im
Zusammenhang mit den ab Herbst 2011 am linken Handgelenk der
Beschwerdeführerin aufgetretenen Beschwerden verneint hat. Zu klären gilt es
hierbei namentlich, ob diese Beschwerden im Zusammenhang stehen mit dem
Unfallereignis vom 1. August 2010, für dessen Behandlung die
Beschwerdegegnerin die Kosten nach den Bestimmungen des Bundesgesetzes
über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) übernommen hatte.
2. a) Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt nach dem Bundesgesetz
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1)
sowie der Spezialgesetzgebung im Unfallversicherungsrecht (UVG; SR 832.20)
zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem geklagten
Gesundheitsschaden ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang
besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhanges sind alle
Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als
verwirklicht gedacht werden kann. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis
und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang
bestehe, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung und im Beschwerdefall der
Richter nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit
eines Sachzusammenhanges genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruches noch nicht (vgl. BGE 129 V 177 E.3.1; 118 V 286 E.1b;
117 V 369 E.3a; Sozialversicherungsrecht Rechtsprechung [SVR] 8-9/2003
Unfallversicherung [UV] Nr. 11 E.3.1; SVR 8-9/2003 UV Nr. 12 E.3.1.1).
b) Als adäquate oder rechtserhebliche Ursache eines Erfolges hat ein Ereignis
dann zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das
Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E.3.2; 125 V 456
E.5a; 123 V 137 E.3c; 122 V 415 E.2a; 121 V 45 E.3a; SVR 8-9/2003 UV Nr. 12
E.3.2.1; SVR 8-9/2003 UV Nr. 11 E.3.2). Der Voraussetzung des adäquaten
Kausalzusammenhanges kommt die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu
(BGE 129 V 177 E.3.3; 125 V 456 E.5c; 123 V 98 E.3b). Sie hat bei allen
Gesundheitsschädigungen, die aus ärztlicher Sicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit als natürliche Unfallfolgen gelten, Platz zu greifen (SVR
9/2002 UV Nr. 11 E.2b). Die Frage der Adäquanz ist eine Rechtsfrage (vgl.
BGE 117 V 369 E.4a); sie ist nicht von medizinischen Sachverständigen,
sondern vom Richter zu beurteilen.
c) Gemäss Art. 11 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR
832.202) werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und
Spätfolgen gewährt. Laut Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückfall
um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Verletzung, sodass es
zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise zu weiterer Arbeitsunfähigkeit kommt
(BGE 105 V 35 E.1c; 118 V 293 E.2c; vgl. auch RUMO-JUNGO, Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum UVG, Zürich 1991, S. 41). Von Spätfolgen spricht
man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische
oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten
Krankheitsbild führen können. Rückfälle und Spätfolgen schliessen somit
begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine
Leistungspflicht des Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den
erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten
Unfall erlittenen Gesundheitsschädigungen ein natürlicher und adäquater
Kausalzusammenhang bejaht werden kann (SVR 8-9/2003 UV Nr. 14 E.4 S. 43;
BGE 118 V 296 E.2c; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E.2).
Bei Rückfällen und Spätfolgen obliegt es der versicherten Person, das
Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem neuen
Beschwerdebild und dem Unfall mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Je grösser der zeitliche Abstand zwischen
dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist, desto
strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des
natürlichen Kausalzusammenhangs zu stellen (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191
E.1c in fine). Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten
Person aus (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E.3b). Werden durch den Unfall
Beschwerden verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das
Unfallereignis verursachten Schaden, spätere Gesundheitsstörungen dagegen
nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 293/01 vom 17. Mai 2002 E.1, mit
Hinweisen auf die Literatur).
d) Standen zu einem bestimmten Zeitpunkt keine Leistungen mehr zur Diskussion,
kann ein Rückfall auch vorliegen, ohne dass der versicherten Person mitgeteilt
wurde, der Versicherer schliesse den Fall ab und stelle die Leistungen ein (vgl.
hierzu Urteile des Bundesgerichts 8C_433/2007 vom 26. August 2008 E.2.3;
8C_102/2008 vom 26. September 2008 E.4.1). In dieser Konstellation ist
entscheidend, ob zum damaligen Zeitpunkt davon ausgegangen werden
konnte, es werde keine Behandlungsbedürftigkeit und/oder Arbeitsunfähigkeit
mehr auftreten. Dies ist im Rahmen einer ex-ante-Betrachtung unter
Berücksichtigung der konkreten Umstände zu beurteilen. Dabei kommt der Art
der Verletzung und dem bisherigen Verlauf eine entscheidende Rolle zu: Lag
ein vergleichsweise harmloser Unfall mit günstigem Heilungsverlauf vor,
welcher nur während relativ kurzer Zeit einen Anspruch auf Leistungen
begründete, wird tendenziell eher von einem stillschweigend erfolgten
Abschluss auszugehen sein als nach einem kompliziert verlaufenen
Heilungsprozess. Andererseits ist der Leistungsanspruch unter dem Aspekt des
Grundfalls und nicht unter demjenigen eines Rückfalls zu prüfen, wenn die
versicherte Person während der leistungsfreien Zeit weiterhin an den nach dem
Unfall aufgetretenen Beschwerden litt (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_433/2007 vom 26. August 2008 E.2.3).
3. a) Zu entscheiden ist zunächst, ob bei den von der Beschwerdeführerin im Herbst
2011 geklagten Beschwerden ein Rückfall im unter E.2 beschriebenen Sinn
vorliegt oder ob vom Grundfall im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom
1. August 2010 auszugehen ist. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin
wegen des am 1. August 2010 erfolgten Unfalls im Herbst/Winter 2010 in
ärztlicher Behandlung war. Nach der Geburt ihrer Tochter (24. November 2010)
konnte die Beschwerdeführerin gemäss der Krankengeschichte ihrer Hausärztin
nicht mehr in die Ergotherapie gehen, obwohl sie angeblich noch Schmerzen
hatte.
Gemäss Aktennotiz der Beschwerdegegnerin vom 15. Dezember 2010 teilte ihr
die Beschwerdeführerin mit, dass sie noch Schmerzen beim Aufstützen des
Handgelenks und bei Belastungen habe. Sie werde mit ihrer Hausärztin, Dr.
med. ..., Kontakt aufnehmen und das weitere Vorgehen besprechen. Sie
denke, dass es bis zur Heilung noch Zeit brauche. Die Beschwerdegegnerin
macht weiter geltend, gemäss eigener Aktennotiz vom 18. Januar 2011 habe ihr
die Praxisassistentin von Dr. med. ... mitgeteilt, dass die Behandlung der
Beschwerdeführerin am 14. Dezember 2010 abgeschlossen worden sei. Die
Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, dass am 14. Dezember 2010 nicht
die Behandlung abgeschlossen worden sei, sondern die (vorläufig) letzte
Behandlung stattgefunden habe. Mit ihrer Hausärztin sei sie so verblieben, dass
sie sich im Januar 2011 wieder melden würde, falls die Fortsetzung der
Ergotherapie nötig wäre.
In welcher Weise die Beschwerdegegnerin von der Hausärztin der
Beschwerdeführerin bzw. deren Praxisassistentin informiert wurde, kann
vorliegend offen gelassen werden. Denn fest steht, dass die
Beschwerdeführerin ihrer Hausärztin am 6. Januar 2011 mitteilte, es gehe ihr
soweit gut bzw. dass sie sich wieder melden würde, falls eine erneute
Verschlechterung eintreten würde. Dahingehend wurde auch die
Beschwerdegegnerin informiert. Der nächste Eintrag in der Krankengeschichte
datiert vom 27. September 2011, als sich die Beschwerdeführerin wegen der
geklagten Beschwerden erneut in Behandlung begab. Gestützt auf die
Krankengeschichte der Hausärztin ergibt sich somit, dass im Jahr 2011
während mehrerer Monate keine Arztkonsultationen bezüglich der geklagten
Schmerzen stattfanden.
b) Was den Fallabschluss betrifft, so erfolgte dieser – jedenfalls was den Zeitraum
betrifft, in dem keine Arztkonsultationen stattfanden – nicht mittels formeller
Verfügung. Eine solche wurde von der Beschwerdegegnerin erst am 11. Januar
2012 erlassen, nachdem sie mit Schreiben vom 14. Dezember 2012 die
Kostenübernahme für die Ergotherapie an der rechten Hand ab Herbst 2011
abgelehnt hatte. Die Beschwerdeführerin ist deshalb der Auffassung, dass kein
Fallabschluss erfolgt sei und die im Herbst 2011 geklagten Beschwerden nicht
als Rückfall zu werten, sondern im Rahmen des Grundfalles zu behandeln
seien. Die Beweislast, dass zwischen diesen Beschwerden und dem
Unfallereignis kein Kausalzusammenhang bestehe, obliege deshalb der
Beschwerdegegnerin und nicht ihr.
Massgeblich ist jedoch nicht, ob der Fallabschluss mittels formeller Verfügung
erfolgte, sondern ob aufgrund einer ex-ante-Betrachtung gesagt werden kann,
dass der Grundfall abgeschlossen sei. Gemäss den Akten, insbesondere
gemäss der Krankengeschichte von Dr. med. ..., standen keine weiteren
Leistungen mehr zur Diskussion, nachdem ihr die Beschwerdeführerin am 6.
Januar 2011 gemeldet hatte, es gehe ihr soweit gut. Angesichts der gesamten
Umstände, namentlich dem nicht allzu gravierenden Unfallereignis, der kurzen
Behandlungsdauer, der kurzen Dauer der Arbeitsunfähigkeit (Unfall am 1.
August 2010, seit 16. September 2010 wieder voll arbeitsfähig), konnte
angenommen werden, dass die Unfallfolgen geheilt und weder eine
Behandlungsbedürftigkeit noch eine Arbeitsunfähigkeit auftreten würden. Es
fehlt im Weiteren an aktenkundigen, fortdauernden Beschwerden während der
rund neun Monaten ohne Arztkonsultation. Demgegenüber ging die Hausärztin
der Beschwerdeführerin, wie ihrer Stellungnahme vom 2. Mai 2012 zu
entnehmen ist, selbst von einem Rückfall aus. Wie einer Aktennotiz der
Beschwerdegegnerin vom 20. Dezember 2011 zu entnehmen ist, ging auch die
Ergotherapeutin der Beschwerdeführerin bei den im Herbst 2011 aufgetretenen
Schmerzen von erneuten Beschwerden aus, welche die Beschwerdeführerin
wieder in Behandlung geführt hätten. Die Beschwerdeführerin macht in diesem
Zusammenhang zwar geltend, die Beschwerden hätten immer bestanden, seien
aber aufgrund der schwangerschaftsbedingten körperlichen Schonung nicht
zutage getreten. Die Mitteilung der Beschwerdeführerin an ihre Hausärztin, es
gehe ihr soweit gut (6. Januar 2011), erfolgte jedoch nach der Geburt ihrer
Tochter (24. November 2010). Es kann angenommen werden, dass sie zu
jenem Zeitpunkt körperlich wieder voll belastbar war und sich insbesondere
auch gelegentlich auf die linke Hand abstützte, zumal es sich dabei um einen
ganz alltäglichen Vorgang handelt. Die beschriebene Bewegung gab die
Beschwerdeführerin im Herbst 2011 als schmerzverursachend an. In der
Zwischenzeit sind keine Beschwerden aktenkundig, weshalb davon
ausgegangen werden kann, dass solche während der rund neunmonatigen Zeit
ohne Arztkonsultation nicht bestanden. Die ab September 2011 geltend
gemachten Beschwerden sind somit – auch ohne Mitteilung des
Fallabschlusses an die Beschwerdeführerin – unter dem Gesichtspunkt des
Rückfalls (und nicht des Grundfalls) zu prüfen.
4. a) Liegt ein Rückfall vor, so obliegt es, wie bereits erwähnt, der versicherten
Person, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem
neuen Beschwerdebild und dem Unfall mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Ein bloss möglicher Zusammenhang reicht
demnach nicht aus, weshalb bei einem solchen keine Leistungspflicht für die
Versicherung besteht.
b) Bezüglich der ab September 2011 geltend gemachten Beschwerden am linken
Handgelenk kann dem Bericht von Dr. med. ... vom 27. Oktober 2011
zusammenfassend entnommen werden, dass betreffend das linke Handgelenk
Beschwerden dorsal über dem SL-Intervall bei Flexion und Extension vorlägen.
Sowohl das linke als auch das rechte Handgelenk würden eine klinisch leichte
radiocarpale Instabilität aufweisen, midcarpal seien sie jedoch stabil.
Durchblutung und Sensibilität seien jeweils ohne Pathologie. Radiologisch
würden beide Handgelenke ein normales carpales Alignement zeigen. Der
Arztbericht von Dr. med. ... und Dr. med. ... vom 24. November 2011 erwähnt,
dass mit ergotherapeutischen Massnahmen zur Stabilisierung des rechten und
linken Handgelenks bei insgesamt laxalen Gelenken begonnen werde. Dr. med.
... und Dr. med. ... gehen somit von beidseitig laxalen Handgelenken aus. In
ihrem Bericht werden in diesem Zusammenhang weder die Schwangerschaft
noch der Unfall erwähnt.
Diese Einschätzung steht in Einklang mit dem Bericht von Dr. med. ...,
Leitender Arzt Radiologie im Kantonsspital Graubünden, über die Arthro-MRI-
Untersuchung des linken Handgelenks vom 15. November 2011. Dr. med. ...
stellte vereinzelte artefizielle Lufteinschlüsse intraartikulär, ein homogenes
Knochenmarksignal, keine Ödemzonen, normales carpales Allignement,
reguläre Knorpelbeläge sowie eine normale Darstellung der intrinsischen
Ligamente (insbesondere des SL-Bandes bei normaler scarpholunärer Distanz)
fest. Es bestehe kein Nachweis einer ganglionverdächtigen Struktur. Der TFCC
(triangulärer fibrokartilaginärer Komplex) sei ohne Rissbildung und normal. Die
Darstellung der Flexoren- und Extensorensehnen sei unauffällig. Das Arthro-
MRI des linken Handgelenkes erweise sich als unauffällig und es bestehe
insbesondere kein Ganglionnachweis. Die distale Radiusfraktur sei vollständig
konsolidiert.
Keiner der behandelnden Ärzte stellte demnach einen Kausalzusammenhang
zwischen den geklagten Beschwerden und dem Unfall her. Vielmehr wurde
übereinstimmend festgehalten, dass die unfallbedingte Radiusfraktur an der
linken Hand vollständig ausgeheilt sei und die geklagten Schmerzen auf
insgesamt laxale Gelenke zurückzuführen seien. Ein Zusammenhang zwischen
diesen Schmerzen und dem Unfall wurde weder festgestellt noch auch nur in
Erwägung gezogen. Ob die geschilderte Laxizität der Gelenke hormonell
bedingt und allenfalls mit der Schwangerschaft der Beschwerdeführerin in
Verbindung zu bringen ist, kann vorliegend offen gelassen werden. In
Anbetracht der obigen Feststellungen lässt sich jedenfalls kein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen den ab September 2011 geklagten
Beschwerden und dem Unfallereignis am 1. August 2010 mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegen.
c) Die Beschwerdeführerin rügt, dass die Beurteilung durch den Vertrauensarzt
der Beschwerdegegnerin, Dr. med. ..., ohne persönliche Untersuchung erfolgt
sei, und beantragt ein neutrales Gutachten. Ein Aktengutachten bzw. eine
aktengestützte Beurteilung ist indes nach der Rechtsprechung zulässig.
Entscheidend ist, ob genügend Unterlagen vorliegen, was dann der Fall ist,
wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und
gegenwärtigen Status ergeben, so dass sich der Experte gesamthaft ein
lückenloses Bild machen kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts U 330/02 vom
5. Dezember 2003 E.2.3; U 277/01 vom 29. April 2002 E.3c).
aa) Dr. med. ... kam in seiner Beurteilung vom 27. Februar 2012 zum Schluss, dass
anhand des Verlaufs respektive der Beschreibung der Verletzung von einer
korrekt behandelten und mindestens in ossärem Sinne folgenlos ausgeheilten
banalen Fraktur des distalen Radius links auszugehen sei. Objektivierbare
Spätfolgen dieser Fraktur seien weder mit bildgebendem Verfahren noch mit
klinischer Untersuchung zu erheben. Die von der Handchirurgie des
Kantonsspitals Graubünden erwogenen und verordneten Massnahmen im
November 2011 würden auf eine durch Gelenkinstabilität bedingte Problematik
und nicht auf mögliche Folgen einer früher stattgefundenen, ausgeheilten
Radiusfraktur zielen. Über die Beschwerden zwischen Dezember 2010 und die
erste medizinische Behandlung im Herbst 2011 würden nur Selbstangaben der
Beschwerdeführerin vorliegen. Die Frakturschwere und die Unkompliziertheit
der Nachbehandlung liessen sich auch anhand der raschen vollen
Arbeitsaufnahme am 16. September 2010 illustrieren. Anhand dieser Tatsachen
lasse sich die Wahrscheinlichkeit der natürlichen Kausalität der im Herbst 2011
geltend gemachten Beschwerden (inkl. Verlauf) mit der am 1. August 2010
zugezogenen distalen Radiusfraktur lediglich mit „eventuell möglich“, aber
keineswegs als „überwiegend wahrscheinlich“ einschätzen. Gemäss der
Beurteilung im Kantonsspital Graubünden vom 24. November 2011 sei die
krankheitsbedingte Kausalität sogar als wahrscheinlicher einzuschätzen
(erhöhte Laxizität beider Handgelenke, hormonell bedingte Zunahme der
Laxizität der Gelenke gegen Ende der Schwangerschaft etc.). Medizinisch
gesehen sei die damalige Fraktur als folgenlos ausgeheilt zu betrachten.
bb) Die Beschwerdegegnerin macht geltend, Dr. med. ... sei am 27. Februar 2012
mit überzeugender Begründung zum Schluss gekommen, dass die Unfallfolgen
vollständig ausgeheilt seien. Die jetzigen Beschwerden seien auf die Laxizität
der Gelenke zurückzuführen. Aufgrund dieser schlüssigen Beurteilung habe für
sie keine Veranlassung bestanden, weitere Abklärungen zu treffen, zumal sie
im Einklang mit dem MRI vom 15. November 2011 und den Ausführungen der
Handchirurgen des Kantonsspitals Graubünden vom 24. November 2011
gestanden hätten. Die Beurteilung des MRI vom 15. November 2011 durch Dr.
med. ... lasse keine Fragen offen. Demnach gehe deutlich hervor, dass das
Unfallereignis vollständig ausgeheilt sei. Es sei von einer vollständig
konsolidierten distalen Radiusfraktur die Rede. Laut Dr. med. ... und Dr. med.
... habe das MRI vom 15. November 2011 keine Pathologie des linken
Handgelenks darstellen können. Angeordnet worden seien ergotherapeutische
Massnahmen zur Stabilisierung des rechten und linken Handgelenks bei
insgesamt laxalen Gelenken. Die Problematik habe an beiden Handgelenken in
gleicher Weise bestanden. Ursächlich seien die laxalen Gelenke gewesen.
cc) Aufgrund der gesamten Aktenlage erscheint die Beurteilung von Dr. med. ...
schlüssig und nachvollziehbar. Ihm lagen sowohl das MRI des Kantonsspitals
Graubünden vom 15. November 2011 als auch die übrigen medizinischen
Akten für seine Beurteilung vor. Dr. med. ... konnte sich so ein lückenloses Bild
über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status machen, weshalb seine
Beurteilung nicht zu beanstanden ist. Für die Beschwerdegegnerin bestand
somit auch keine Veranlassung, weitere Abklärungen anzuordnen. Sie ist damit,
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin, ihrer Abklärungspflicht
nachgekommen.
d) Die Beschwerdeführerin rügt im Weiteren, die Vertrauensärzte der
Beschwerdegegnerin, auf deren Beurteilung sich die Beschwerdegegnerin
stützt, seien keine Fachärzte für Handchirurgie, womit sie deren Beurteilung in
Zweifel zieht. Die Argumentation der Beschwerdeführerin erweist sich jedoch
als widersprüchlich und unbehelflich. Denn zum einen beanstandet sie das
(angeblich) fehlende Fachwissen der Vertrauensärzte, zum anderen kritisiert
sie, dass sich die Vertrauensärzte nur auf die Fachärzte des Kantonsspitals
Graubünden – allesamt Handchirurgen – und nicht auch auf die Vorbringen der
Hausärztin verlassen hätten. Festzuhalten ist jedoch erneut, dass sich die auch
den Vertrauensärzten der Beschwerdegegnerin vorgelegene medizinische
Aktenlage als in sich widerspruchsfrei und schlüssig darstellte. Dr. med. ... zog
diese nicht in Zweifel, sondern stützte sich in seinem Bericht vom 27. Februar
2012 auf die Einschätzungen der Fachärzte des Kantonsspital Graubünden.
Seine Beurteilung erscheint insofern nachvollziehbar und ist nicht zu
beanstanden.
e) Die Beschwerdeführerin rügt in ihrer Replik, die Beschwerdegegnerin gehe in
der Vernehmlassung nicht darauf ein, dass die Schmerzen, wie Dr. med. ...
vermute, auf den Einfluss von Narbensträngen, die auf dem MRI nicht
erkennbar seien, zurückgehen könnten. Um diese Verdachtsdiagnose, welche
die Unfallkausalität belegen würde, verifizieren zu können, sei eine Arthroskopie
vorzunehmen. Hinweise auf eine solche „Verdachtsdiagnose“ ergeben sich aus
den Akten jedoch nicht, und ein Dokument, welches eine solche Aussage
enthalten könnte, hat die Beschwerdeführerin auch nicht eingereicht. Somit
besteht auch in dieser Hinsicht keine Veranlassung für weitere Abklärungen.
5. Insgesamt lassen sich die ab September 2011 geklagten Beschwerden am
linken Handgelenk nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall
vom 1. August 2010 zurückführen. Die Beschwerdegegnerin hat den
natürlichen Kausalzusammenhang und die Leistungspflicht für die geklagten
Beschwerden somit zu Recht verneint. Die Beschwerde ist deshalb
abzuweisen.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a ATSG). Die Beschwerdegegnerin hat
keinen Anspruch auf eine aussergerichtliche Parteientschädigung (Art. 61 lit. g
ATSG e contrario).