Decision ID: c510ccd0-c7a3-42e4-8e0e-9eb749582f23
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Gesuchsteller, ein Tamile aus Sri Lanka, verliess sein Heimatland
eigenen Angaben gemäss am 18. April 2014 und suchte in der Schweiz am
21. Juli 2014 um Asyl nach. Das SEM stellte mit Verfügung vom 18. März
2017 fest, der Gesuchsteller erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und
lehnte sein Asylgesuch ab. Zudem verfügte es die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug derselben an.
A.b Das Bundesverwaltungsgericht wies eine durch den Rechtsvertreter
des Gesuchstellers gegen diese Verfügung eingereichte Beschwerde vom
1. Mai 2017 mit Urteil D-2538/2017 vom 23. November 2018 ab, soweit es
darauf eintrat.
B.
B.a Der Gesuchsteller stellte durch seinen Rechtsvertreter am 29. Januar
2019 ein «neues Asylgesuch», das vom SEM als Mehrfachgesuch entge-
gengenommen wurde. Mit Verfügung vom 9. Dezember 2019 stellte das
SEM fest, der Gesuchsteller erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und
lehnte das Mehrfachgesuch ab. Zudem verfügte es die Wegweisung aus
der Schweiz und ordnete den Vollzug derselben an.
B.b Mit Urteil D-309/2020 vom 18. Juni 2020 wies das Bundesverwal-
tungsgericht die gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde vom
16. Januar 2020 ab, soweit es darauf eintrat.
C.
C.a Der Gesuchsteller reichte beim SEM durch seinen Rechtsvertreter am
7. Mai 2021 eine als «neues Asylgesuch; Mitteilung an kantonale Behör-
den; sofortiger Vollzugsstopp» bezeichnete Eingabe ein.
C.b Das SEM hielt mit Verfügung vom 7. Juli 2021 zur Rechtsnatur der Ein-
gabe fest, diese sei als Mehrfachgesuch zu behandeln. Es stellte fest, der
Gesuchsteller erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und wies das Mehr-
fachgesuch ab. Zugleich verfügte es die Wegweisung des Gesuchstellers
aus der Schweiz, ordnete den Vollzug derselben an und erhob eine Gebühr
in der Höhe von Fr. 600.–. Den Antrag auf Durchführung einer Anhörung
wies es ab.
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D.
D.a Mit Eingabe vom 16. August 2021 erhob der Gesuchsteller durch sei-
nen Rechtsvertreter gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde, in der er in verfahrensrechtlicher Hinsicht unter anderem
beantragte, es sei der Spruchkörper bekanntzugeben.
D.b Das Bundesverwaltungsgericht teilte dem Gesuchsteller im Beschwer-
deverfahren D-3654/2021 mit Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2021
mit, der Spruchkörper setze sich – unter Vorbehalt allfälliger Wechsel bei
Abwesenheiten – aus Instruktionsrichter Simon Thurnheer (Vorsitz), Rich-
ter Daniele Cattaneo und Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger sowie Ge-
richtsschreiberin Leslie Werne zusammen. Der Gesuchsteller wurde auf-
gefordert, bis zum 21. Oktober 2021 entweder einen Kostenvorschuss von
Fr. 1500.– zugunsten der Gerichtskasse einzuzahlen oder gegebenenfalls
ein begründetes Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten, inklusive den
erforderlichen Belegen, zu stellen.
D.c Der Gesuchsteller beantragte mit Eingabe seines Rechtsvertreters
vom 21. Oktober 2021 die Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung, den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Än-
derung der Zusammensetzung des ihm mitgeteilten Spruchkörpers. Zur
Begründung des letztgenannten Antrags führte er im Wesentlichen aus, im
vorliegenden Verfahren liege eine parteipolitisch unzulässige Zusammen-
setzung des Spruchkörpers vor, da der Instruktionsrichter und eine weitere
Richterin derselben Partei angehörten. Der Eingabe lag eine Bestätigung
der Fürsorgeabhängigkeit des Gesuchstellers vom 18. Oktober 2021 bei.
D.d Der Instruktionsrichter im Beschwerdeverfahren wies den Antrag auf
eine manuelle Änderung des Spruchkörpers und die Gesuche um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung sowie Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses mit Zwischenverfügung vom 12. Januar 2022
ab. Er forderte den Gesuchsteller auf, innert einer (nicht erstreckbaren)
Notfrist von drei Tagen ab Erhalt dieser Verfügung den erhobenen Kosten-
vorschuss in der Höhe von Fr. 1500.– zugunsten der Gerichtskasse einzu-
zahlen, unter der Androhung, bei ungenutztem Ablauf der Frist werde auf
die Beschwerde nicht eingetreten.
E.
Mit Eingabe vom 24. Januar 2022 beantragte der Rechtsvertreter, Bundes-
verwaltungsrichter Simon Thurnheer sowie Gerichtsschreiberin Leslie
D-435/2022
Seite 4
Werne hätten gestützt auf Art. 34 Abs. 1 Bst. e BGG wegen objektiver Be-
fangenheit in der vorliegenden Sache in den Ausstand zu treten [1]. Das
Gericht habe nach dem Eingang der vorliegenden Verwaltungsgerichtsbe-
schwerde (recte Ausstandsbegehren) unverzüglich darzulegen, welche
Gerichtspersonen mit der Sache betraut würden. Gleichzeitig habe das Ge-
richt bekanntzugeben, wie diese Gerichtspersonen ausgewählt worden
seien. Falls in diese Auswahl eingegriffen worden sei, habe das Gericht die
objektiven Kriterien bekanntzugeben, nach denen diese Gerichtspersonen
ausgewählt worden seien. Dem Beschwerdeführer (recte Gesuchsteller)
sei dazu Einsicht in die Datei der Software des Gerichts zu gewähren, mit
der diese Auswahl nach Eingang der Beschwerde (recte des Ausstandsbe-
gehrens) kreiert worden sei und es sei offenzulegen, wer die Auswahl ge-
troffen habe. Weiter sei das in diesem Zusammenhang erstellte Dokument
über die Spruchkörperbildung offenzulegen [2]. Sämtliche Richter und
Richterinnen der Abteilungen IV, V und VI sowie alle Gerichtsschreiber und
Gerichtsschreiberinnen und das Kanzleipersonal der Abteilungen IV bis VI
hätten gestützt auf Art. 34 Abs. 1 Bst. e BGG i.V.m Art. 38 VGG wegen ob-
jektiver Befangenheit bei der Beurteilung der vorliegenden Sache in den
Ausstand zu treten [3]. Der Beschwerdeführer (recte Gesuchsteller) sei von
der Bezahlung der Verfahrenskosten zu befreien und es sei auf die Erhe-
bung der Verfahrenskosten zu verzichten [4].
Hinsichtlich des Beschwerdeverfahrens D-3654/2021 wurde erneut ein Ge-
such um Erlass der Verfahrenskosten und Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses gestellt.
Der Eingabe lagen die Kopien eines Schreibens an Richter Thurnheer vom
24. November 2021 und eines Artikels aus der Zeitschrift «Justice – Justiz
– Giustizia» 2021/4 (Automatisierte Spruchkörperbildung an Gerichten,
KONSTANTIN BÜCHEL / REGINA KIENER / ANDREAS LIENHARD / MARCUS ROL-
LER) bei.
F.
Mit Eingabe vom 25. Januar 2022 teilte der Rechtsvertreter mit, in der Ein-
gabe vom Vortag sei irrtümlicherweise verlangt worden, nach Eingang der
Verwaltungsbeschwerde sei der Spruchkörper bekanntzugeben. Selbst-
verständlich handle es sich dabei nicht um eine Verwaltungsbeschwerde,
sondern um ein Ausstandsbegehren. Der Eingabe lag eine korrigierte Ver-
sion der Seite 2 der Eingabe vom 24. Januar 2022 bei.
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Seite 5
G.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 2. Februar 2022 den Ein-
gang der Eingaben vom 24. und 25. Januar 2022.
H.
Der Rechtsvertreter hielt in einer Eingabe vom 7. Februar 2022 fest, im
Gesuch vom 24. Januar 2022 sei darauf hingewiesen worden, dass sämt-
liche Richterinnen und Richter der Abteilungen IV, V und VI sowie alle Ge-
richtsschreibenden und das Kanzleipersonal dieser Abteilungen wegen ob-
jektiver Befangenheit bei der Beurteilung der vorliegenden Sache in Aus-
stand zu treten hätten. Er forderte dazu auf, die Sache sei an eine andere
Abteilung des Bundesverwaltungsgerichts weiterzuleiten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-
gen Verfügungen, die gestützt auf das Asylgesetz (AsylG; SR 142.31)
durch das SEM erlassen worden sind, entscheidet das Gericht grundsätz-
lich (mit Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Aus-
lieferungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen)
endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Im Rahmen dieser Verfahren ist das Bundesverwaltungsgericht auch
zur abschliessenden Beurteilung von Ausstandsbegehren zuständig (vgl.
BVGE 2007/4 E. 1.1). Gemäss Art. 38 VGG gelten die Bestimmungen des
BGG über den Ausstand (vgl. Art. 34 ff. BGG) im Verfahren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht sinngemäss.
1.3 Der Entscheid über Ausstandsbegehren ergeht – unter Ausschluss der
betroffenen Gerichtsperson – in der Regel in der Besetzung mit drei Rich-
tern beziehungsweise Richterinnen (Art. 21 Abs. 1 VGG, Art. 38 VGG
i.V.m. Art. 37 Abs. 1 BGG).
2.
2.1 Hinsichtlich des Spruchkörpers ist festzuhalten, dass nach dessen Bil-
dung mittels des am Bundesverwaltungsgericht verwendeten EDV-basier-
ten Zuteilungssystems ein zusätzliches Kriterium manuell ergänzt wurde.
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Seite 6
Die manuelle Anpassung wurde aufgrund objektiver und im Voraus be-
stimmter Kriterien vorgenommen (vgl. Art. 31 Abs. 3 VGR). Als objektive
Kriterien in diesem Sinne gelten Amtssprache, Beschäftigungsgrad, Belas-
tung durch die Mitarbeit in Gerichtsgremien, Vorbefassung, Kammerzu-
ständigkeit, Austritt, Erweiterung des Spruchkörpers, Ausstand, enger
Sachzusammenhang, Abwesenheit sowie Ausgleich der Belastungssitua-
tion (vgl. zum System der Spruchkörperbildung E. 6.3 sowie Urteil des
BVGer D-3946/2020 vom 21. April 2022 E. 4.6.4).
2.2 Im Ausstandsbegehren wird beantragt, das Bundesverwaltungsgericht
habe Einsicht in die Datei der Software zu gewähren, mit der die Bestim-
mung des Spruchkörpers vorgenommen worden sei [1]. Gemäss Art. 26
Abs. 1 VwVG haben die Partei oder ihr Vertreter Anspruch darauf, in ihrer
Sache folgende Akten einzusehen: Eingaben von Parteien und Vernehm-
lassungen von Behörden (Bst. a), alle als Beweismittel dienenden Akten-
stücke (Bst. b) und Niederschriften eröffneter Verfügungen (Bst. c). Die
Software, mit der das Bundesverwaltungsgericht den Spruchkörper be-
stimmt, welcher die bei ihm eingereichten Rechtsmittel beurteilt, und die im
System in diesem Zusammenhang generierten Daten sind keine Akten, in
die Einsicht gewährt werden könnte. Die entsprechenden Anträge sind da-
her abzuweisen (vgl. Urteil des BVGer D-3946/2020 vom 21. April 2022
E. 4.5.4).
3.
3.1 Eine Partei, die gemäss Art. 36 Abs. 1 BGG den Ausstand einer Ge-
richtsperson verlangt, hat dem Gericht ein schriftliches Begehren einzu-
reichen, sobald sie vom Ausstandsgrund Kenntnis erhalten hat, und dabei
die den Ausstand begründenden Tatsachen zumindest glaubhaft zu ma-
chen (vgl. Art. 36 Abs. 1 BGG [zweiter Satz]; BGE 144 I 159 E. 4.3, 137 II
431 E. 5.2). Dabei ist jedoch nicht auf das subjektive Empfinden der Partei
abzustellen; das Misstrauen in die Unvoreingenommenheit muss vielmehr
in objektiver Weise begründet erscheinen (vgl. BGE 140 III 221 E. 4.1).
Macht die Partei die Ausstandsgründe nicht unverzüglich geltend, so ver-
wirkt sie ihr Ablehnungsrecht (vgl. BGE 140 I 171 E. 8.4.3, 140 I 240 E. 2.4,
je m.w.H.).
3.2 Die Eingabe vom 24. Januar 2022 beinhaltet solche Begehren [2 und
3] und sie wurde innerhalb nützlicher Frist eingereicht. Der Gesuchsteller
ist im Verfahren D-3654/2021 Partei und damit zur Einreichung der Aus-
standsbegehren legitimiert.
D-435/2022
Seite 7
4.
4.1 Die vom Ausstandsbegehren betroffene Gerichtsperson hat sich über
die vorgebrachten Ausstandsgründe zu äussern (Art. 36 Abs. 2 BGG), Be-
streitet die Gerichtsperson, deren Ausstand verlangt wird, oder ein Richter
beziehungsweise eine Richterin der Abteilung den Ausstandsgrund, so ent-
scheidet gemäss Art. 37 Abs. 1 BGG die Abteilung unter Ausschluss der
betroffenen Gerichtsperson über den Ausstand.
4.2
4.2.1 Ausstandsgründe können grundsätzlich nur gegen einzelne Gerichts-
personen geltend gemacht werden, nicht aber gegen das Gericht als Gan-
zes oder gegen seine Abteilungen und Kammern als solche (vgl. REGINA
KIENER/BERNHARD RÜTSCHE/MATHIAS KUHN, Öffentliches Verfahrensrecht,
3. Aufl., 2021, N 537, ISABELLE HÄNER, in: NIGGLI/UEBERSAX/WIPRÄCHTI-
GER/KNEUBÜHLER [Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz,
3. Aufl., 2018, N 3 zu Art. 36 BGG und N 6 zu Art. 37 BGG, ANDRÉ MO-
SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht, 2. Aufl., 2013, Rz. 3.70 m.w.H.; vgl. ferner die Ur-
teile des BGer 9C_513/2015 vom 9. Dezember 2015 E. 4.3, 2D_11/2009
vom 14. April 2009 E. 2; Urteile des BVGer E-2028/2021 vom
15. Juni 2021 E. 7.2 ff., E-3764/2018 vom 6. Juli 2018 E.3.2, Zwischenent-
scheid des BVGer B-3927/2015 vom 6. Juni 2016 E. 3.2.3 ff., Urteil des
BVGer D-7915/2015 vom 5. Januar 2016 E. 1.2).
4.2.2 Der Ausstand sämtlicher Mitglieder einer Abteilung eines Gerichts
kann nur bei Vorliegen ganz aussergewöhnlicher Umstände verlangt wer-
den. Solche Ausstandsbegehren sind nur zulässig, wenn erhebliche und
gewichtige Ausstandsgründe geltend gemacht werden. Sind die geltend
gemachten Ausstandsgründe von vornherein unzulässig oder offensicht-
lich unbegründet, kann die Abteilung über ihren eigenen Ausstand bestim-
men (vgl. BGE 105 Ib 301 E. 1c, Urteile des BGer 9C_513/2015 vom 9. De-
zember 2015 E. 4.3, 2C_779/2015 vom 15. September 2015 E. 3.1,
8C_102/2011 vom 27. April 2011 E. 2.2; Urteile des BVGer E-3238/2019
vom 8. August 2019 E. 2.2, D-3742/2018 vom 11. Juli 2018 E. 3.2,
D-7915/2015 vom 5. Januar 2016 E. 1.2). Bei einer solchen Konstellation
braucht von den vom Begehren betroffenen Gerichtspersonen keine Stel-
lungnahme im Sinne von Art. 36 Abs. 2 BGG eingeholt zu werden (vgl. Ur-
teile des BVGer D-1010/2019 vom 4. April 2019 E. 2.3, E-3238/2019 vom
8. August 2019 E. 2.2).
D-435/2022
Seite 8
5.
5.1 Der Rechtsvertreter des Gesuchstellers beruft sich auf den Ausstands-
grund von Art. 34 Abs. 1 Bst. e BGG. Gemäss dieser Bestimmung haben
Gerichtspersonen in den Ausstand zu treten, wenn sie aus anderen als den
in Art. 34 Abs. 1 Bst. a–d BGG genannten Gründen befangen sein könnten.
Dieser Bestimmung kommt die Funktion einer Auffangklausel zu, die – über
den Bereich der in den Bst. a–d namentlich erwähnten besonderen sozia-
len Beziehungen hinausgehend – sämtliche Umstände abdeckt, die den
Anschein der Befangenheit einer Gerichtsperson erwecken und objektiv
Zweifel an deren Unvoreingenommenheit zu begründen vermögen (vgl.
FLORENCE AUBRY GIRARDIN, in: Corboz/Wurzburger/Ferrari/Frésard/Aubry
Girardin [Hrsg.], Commentaire de la LTF, 2. Aufl. 2014, Art. 34 BGG Rz. 29
m.w.H.). Insofern muss zur Ablehnung einer Gerichtsperson nicht deren
tatsächliche Befangenheit nachgewiesen werden, sondern es genügt be-
reits der Anschein der Befangenheit. Ein solcher Anschein besteht, wenn
Umstände vorliegen, die bei objektiver Betrachtungsweise geeignet sind,
Misstrauen in die Unparteilichkeit der Richterin oder des Richters zu erwe-
cken. Solche Umstände können namentlich in einem bestimmten Verhalten
der Gerichtsperson begründet sein (vgl. BGE 141 IV 178 E. 3.2.1, 140 I
326 E. 5.1, m.w.H.). Richterliche Verfahrensfehler können dabei aus-
nahmsweise die Unbefangenheit in Frage stellen. Es müssen jedoch ob-
jektiv gerechtfertigte Gründe zur Annahme bestehen, dass sich in Rechts-
fehlern gleichzeitig eine Haltung manifestiert, die auf fehlender Distanz und
Neutralität beruht. Es muss sich um besonders krasse Fehler oder wieder-
holte Irrtümer handeln, die eine schwere Verletzung der Richterpflichten
darstellen (vgl. ISABELLE HÄNER, in: Basler Kommentar zum Bundesge-
richtsgesetz, 3. Aufl. 2018, Art. 34 N 19).
5.2 Das Ausstandsbegehren wird damit begründet, durch eine widerrecht-
liche Manipulation bei der Generierung des Spruchkörpers bei den Abtei-
lungen IV und V des Bundesverwaltungsgerichts sei die Situation geschaf-
fen worden, dass der Anteil Richterinnen und Richter, die der SVP (Schwei-
zerische Volkspartei) angehörten, bei den vom rubrizierten Rechtsvertreter
eingereichten Beschwerden und Revisionsgesuchen bei rund 53 Prozent
liege (Stand: Ende 2021). Bereits am 20. Oktober 2021 seien Richter
Thurnheer und Gerichtsschreiberin Werne auf diese widerrechtliche Mani-
pulation hingewiesen worden; zurzeit sei unklar, ob sie direkt mit der Mani-
pulation des Spruchkörpers zu tun hätten. Spätestens durch das an ihn
persönlich gerichtete Schreiben vom 24. November 2021 habe Richter
Thurnheer davon Kenntnis, dass eine belegte Manipulation bei der Spruch-
körperbildung in den Abteilungen IV und V des Bundesverwaltungsgerichts
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Seite 9
vorliege. Richter Thurnheer und Gerichtsschreiberin Werne setzten sich in
der Zwischenverfügung vom 12. Januar 2022 darüber hinweg. Aus dem
Bericht der Geschäftsprüfungskommission des National- und Ständerats
(GPK) vom 22. Juni 2021 sowie den Ausführungen in der Zeitung «Justice
- Justiz - Giustizia» 2021/4 ergebe sich, mit welcher Methode in den Abtei-
lungen IV und V seit Jahren die Spruchkörperbildung vorgenommen wer-
den könne und dass die Besetzung des Spruchkörpers mit mehreren Ge-
richtspersonen aus der SVP den Ausgang des Verfahrens in einem nega-
tiven Sinn beeinflussen könne. Dass ein systematisch widerrechtliches
Verhalten bei der Spruchkörperbildung vorliege und der unterzeichnende
Rechtsvertreter gezielt davon betroffen sei, sei belegt. Leicht nachvollzieh-
bar sei, dass die Frage eines strafbaren Verhaltens von einem Amtsmiss-
brauch bis hin zur Urkundenfälschung im Amt im Raum stehe. Das Igno-
rieren dieses Sachverhalts durch Richter Thurnheer und Gerichtsschreibe-
rin Werne mache das Vorliegen von Ausstandsgründen offensichtlich. Auf
Empfehlung von Richter Thurnheer werde das nötige Ausstandsbegehren
eingereicht.
5.3 Der Rechtsvertreter habe am 24. November 2021 Richter Thurnheer
und allen Richterinnen und Richtern der Abteilungen IV und V in einem
persönlichen Schreiben mitgeteilt, bei den Zuteilungen der Instruktionsrich-
ter und -richterinnen könnten massive Manipulationen belegt werden. Bei
allen von ihm eingereichten Eingaben an das Bundesverwaltungsgericht
hätten 2021 in diesen Abteilungen rund 53 Prozent Richterinnen und Rich-
ter, die der SVP angehörten, die Instruktion übernommen. Bei einem Anteil
von 30 Prozent von Richterinnen und Richtern aus den Reihen der SVP in
diesen Abteilungen liege die Quote auf alle übrigen Verfahren der Abteilun-
gen IV und V der Instruktionsrichter und -richterinnen, die der SVP ange-
hörten, bei maximal 35 Prozent. Beispielsweise durch den Bericht der GPK
vom 22. Juni 2021 zur Geschäftszuteilung bei den eidgenössischen Ge-
richten sei belegt, dass durch SVP-Richterinnen und -Richter gefällte Ur-
teile signifikant mehr negative ablehnende Asylentscheide zur Folge hät-
ten. Gemäss BGE 144 I 37 E. 2.1 gelte der Grundsatz, dass durch eine
gezielte Auswahl der Richterinnen und Richter die Rechtsprechung im Ein-
zelfall nicht beeinflusst werden dürfe. Indem beim unterzeichnenden
Rechtsvertreter durch bewusste Manipulation überdurchschnittlich viele
Richterinnen und Richter aus den Reihen der SVP die Instruktion übernäh-
men, lägen unsachliche und unzulässige Motive vor, die dazu dienten, ei-
nen gewünschten Verfahrensausgang (Bestätigung materiell negativer
Asylentscheide) herbeizuführen. Es müsse wohl nicht weiter dokumentiert
D-435/2022
Seite 10
werden, dass der hohe Prozentsatz von Instruktionsrichterinnen und -rich-
tern, die der SVP angehörten, nur auf bewusste Manipulation zurückzufüh-
ren sei. Es sei als bekannt vorauszusetzen, dass es sich beim in elektroni-
scher Form erzeugten Dokument (Spruchkörperbildung) um eine Urkunde
handle. Dass Manipulation strafbar sein dürfte (Verletzung von Amtspflich-
ten, Urkundenfälschung [Art. 251 und Art. 317 StGB]), liege ebenfalls auf
der Hand. Trotz der schwerwiegenden Widerrechtlichkeit der gezielten Be-
einflussung der Richterinnen- und Richterauswahl zur Erreichung eines be-
stimmten Ergebnisses und der möglichen Strafbarkeit einer solchen Mani-
pulation, sei bis jetzt keine Reaktion seitens der einzelnen Richter und
Richterinnen der Abteilungen IV und V erfolgt. Es sei auf Art. 317 Abs. 2
StGB hinzuweisen, wonach auch eine fahrlässige Urkundenfälschung im
Amt strafbar sei.
Da die geltend gemachten Manipulationen belegt seien, von gewissen Ak-
teuren des Bundesverwaltungsgerichts sicher ein vorsätzliches und straf-
bares Handeln vorliege, und alle Richterinnen und Richter der Abteilungen
IV und V seit Ende November 2021 über diesen Sachverhalt informiert
seien, jedoch keine Massnahmen eingeleitet hätten, um diese Missstände
beenden zu können, könnten sie über das vorliegende Feststellungsbe-
gehren und das Ausstandsbegehren gegen Richter Thurnheer und Ge-
richtsschreiberin Werne nicht unbefangen entscheiden. Sie fielen für die
Beurteilung des vorliegenden Gesuchs weg. Das Gleiche gelte für alle wei-
teren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilungen IV und V des Bun-
desverwaltungsgerichts, beispielsweise Kanzleimitarbeitende, die direkt
die Bestimmung der Spruchkörper vornähmen. Die Richterinnen und Rich-
ter der Abteilung VI seien in einer Vielzahl von Fällen früher in den Abtei-
lungen IV und V tätig gewesen, weshalb sie aufgrund der lange zurückrei-
chenden Manipulationen seit Jahren in solche Aktivitäten vorsätzlich oder
fahrlässig verwickelt gewesen seien. Auch diese Richterinnen und Richter
fielen deshalb für die Beurteilung der Sache weg. Da es um eine Angele-
genheit gehe, in die explizit SVP-Richterinnen und -Richter involviert seien,
und bekannt sei, dass die SVP von ihren Richterinnen und Richtern ein
Handeln im Interesse der Partei einfordere, dürften Richterinnen und Rich-
ter der Abteilungen I bis III des Bundesverwaltungsgerichts, die ebenfalls
der SVP angehörten, nicht als Spruchkörper in der vorliegenden Sache
ausgewählt werden. Die Gefahr, dass dies den Ausgang des Verfahrens in
unstatthafter Weise beeinflussen könnte, sei zu gross. Auch bei diesen
Richterinnen und Richtern dürfte der Anschein der Befangenheit vorliegen.
D-435/2022
Seite 11
6.
6.1 Rechtsanwalt Gabriel Püntener gelangte bereits mit Aufsichtsanzeige
vom 21. Februar 2018 an das Bundesgericht und beanstandete die
Spruchkörperbildung in den Abteilungen IV und V des Bundesverwaltungs-
gerichts, indem er behauptete, gestützt auf statistische Auswertungen
müsse von schwerwiegenden unstatthaften Manipulationen bei der Bestel-
lung der Spruchkörper ausgegangen werden. Das Bundesgericht gab der
Aufsichtsanzeige in seinem Entscheid 12T_3/2018 vom 18. Mai 2018
keine Folge. Zusammenfassend hielt es fest, aufgrund der vielen zu be-
achtenden Regeln und der auf objektiven Kriterien beruhenden Übersteu-
erungsmöglichkeiten des beim Bundesverwaltungsgericht zur Generierung
der Spruchkörper eingesetzten Computerprogramms falle die These von
Rechtsanwalt Gabriel Püntener, dass eine gleichmässige Verteilung der
von ihm vertretenen Fälle auf sämtliche Richter und Richterinnen der
Asylabteilungen zu erwarten wäre, schon im Ansatzpunkt in sich zusam-
men. Die Übersteuerungen des Zufallsgenerators würden transparent auf-
gezeichnet. In den von ihm im Jahre 2017 146 geführten Verfahren, seien
in 44 Fällen ein oder mehrere Richter beziehungsweise Richterinnen an-
hand eines objektiven Kriteriums manuell bestimmt worden, und zwar in
Anwendung der Sprachregel, wegen Hängigkeit eines generellen Aus-
standsbegehrens, zum Ausgleich der Arbeitslast, beziehungsweise zur
Entlastung eines Richters oder einer Richterin während der Einarbeitung
oder vor der Pensionierung, zur Ergänzung des Spruchkörpers mit zwei
Richterinnen in einem Grundsatzverfahren, wegen Dringlichkeit, Mitwir-
kung im vorangegangenem Verfahren, Konnexität, Ferienabwesenheit und
Vorbefassung. Der Vorwurf unstatthafter Manipulationen bei der Spruch-
körperbildung entbehre jeder Grundlage (vgl. a.a.O. E. 2.4.2).
6.2 Rechtsanwalt Gabriel Püntener macht im vorliegenden Ausstandsbe-
gehren geltend, der Umstand, dass die von ihm beim Bundesverwaltungs-
gericht anhängig gemachten Verfahren überdurchschnittlich oft zur Instruk-
tion Richter und Richterinnen zugewiesen worden seien, die der SVP an-
gehörten, sei auf eine bewusste widerrechtliche Manipulation bei der Ge-
nerierung des Spruchkörpers zurückzuführen. Er wiederholt damit im Er-
gebnis die bereits in der Aufsichtsanzeige vom 21. Februar 2018 an das
Bundesgericht erhobenen und von diesem als unhaltbar bezeichneten Vor-
würfe der Manipulationen bei der Bestellung der Spruchkörper in den Ab-
teilungen IV und V des Bundesverwaltungsgerichts.
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Seite 12
6.3 Die Zuteilung der Verfahren an die Richter und Richterinnen zur In-
struktion und die Generierung der Spruchkörper am Bundesverwaltungs-
gericht basiert auf einer automatischen und einer manuellen Komponente
(vgl. https://www.bvger.ch/bvger/de/home/rechtsprechung/spruckoerper-
bildung.html; vgl. auch das Urteil des BVGer D-3946/2020 vom 21. April
2022 E. 4.4). Für die automatische Komponente wird ein EDV-basiertes
Zuteilungssystem verwendet. Dieses berücksichtigt bei der Zuteilung der
Verfahren neben der Sprache der Richter und Richterinnen insbesondere
den Beschäftigungsgrad, mit dem sie in der Rechtsprechung tätig sind. Ba-
sierend auf diesen Indikatoren werden die eingehenden Rechtsmittel in der
Reihenfolge ihres Eingangs unter Berücksichtigung der aktuellen Auslas-
tung den Richtern und Richterinnen zur Instruktion zugeteilt und die
Spruchkörper generiert. Das EDV-basierte Zuteilungssystem ist hingegen
nicht darauf ausgelegt, von einzelnen Rechtsvertretern oder Rechtsvertre-
terinnen eingereichte Rechtsmittel gleichmässig und unter Berücksichti-
gung ihrer Parteizugehörigkeit Richter und Richterinnen zur Instruktion zu-
zuteilen oder den Spruchkörper parteipolitisch ausgewogen zu generieren.
Die implizite Annahme von Rechtsanwalt Gabriel Püntener, es sei eine
gleichmässige Verteilung der von ihm geführten Verfahren auf alle Richter
und Richterinnen beziehungsweise eine parteipolitisch ausgewogene Zu-
weisung seiner Verfahren auf die Richterschaft in den Abteilungen IV und
V zu erwarten, ist mithin von vornherein falsch. Soweit die Zuteilung der
von Rechtsanwalt Gabriel Püntener anhängig gemachten Verfahren im Üb-
rigen durch eine Übersteuerung des EDV-basierten Zuteilungssystems
vorgenommen wurde, erfolgte dies durchwegs auf manuellen Komponen-
ten, die auf reglementarisch vorbestimmten sachlichen Kriterien beruhen
oder auf Anweisung des Abteilungspräsidiums zur Ausgleichung der Ge-
schäftslast (vgl. Art. 14a Abs. 2 Bst. d VGR), wobei diese im System stan-
dardisiert ausgewiesen wird. Dass die von Rechtsanwalt Gabriel Püntener
eingereichten Rechtsmittel im beleuchteten Zeitraum vermehrt Richtern
und Richterinnen zur Instruktion zugewiesen wurden, die der SVP angehö-
ren, ist mithin systembedingt – und kann sich systembedingt fluktuierend
wieder ändern. Die Unterstellung, am Bundesverwaltungsgericht würden
die von ihm anhängig gemachten Verfahren durch bewusste widerrechtli-
che Manipulation vermehrt Richtern und Richterinnen zur Instruktion zuge-
teilt, die der SVP angehören, erweist sich somit als offensichtlich haltlos.
Auf das Begehren, sämtliche Richter und Richterinnen der Abteilungen IV,
V und VI sowie alle Gerichtsschreiber und Gerichtsschreiberinnen und das
Kanzleipersonal der Abteilungen IV bis VI [3] sowie (implizit) sämtliche der
SVP angehörenden Richterinnen und Richter der Abteilungen I bis III (vgl.
https://www.bvger.ch/bvger/de/home/rechtsprechung/spruckoerperbildung.html https://www.bvger.ch/bvger/de/home/rechtsprechung/spruckoerperbildung.html
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Ausstandsbegehren S. 11 unten) hätten bei der Beurteilung der vorliegen-
den Sache gestützt auf Art. 34 Abs. 1 Bst. e BGG i.V.m Art. 38 VGG wegen
objektiver Befangenheit in den Ausstand zu treten, ist demnach nicht ein-
zutreten. Das Ausstandsbegehren gegen Richter Thurnheer und Gerichts-
schreiberin Werne ist folglich in der im Rubrum erwähnten Zusammenset-
zung des Spruchkörpers zu beurteilen.
7.
7.1 In der Eingabe vom 24. Januar 2022 wird geltend gemacht, es lägen
bei Richter Thurnheer und Gerichtsschreiberin Werne mehrere Gründe vor,
die sie als befangen erscheinen liessen, seien ihnen doch schwere und
schwerste fachliche Fehler unterlaufen. So hätten sie sich in der Zwischen-
verfügung vom 12. Januar 2022 nicht mit dem dokumentierten Sachver-
halt, wonach beim Bundesverwaltungsgericht die Spruchkörperbildung
manipuliert werde, auseinandergesetzt. Alsdann werde in der Zwischen-
verfügung behauptet, der Rechtsvertreter habe im Fliesstext Anträge ge-
stellt, obwohl die entsprechenden Anträge unter den Rechtsbegehren 2 bis
4 gestellt worden seien. Ferner werde behauptet, zur Begründung des Ge-
suchs um unentgeltliche Prozessführung sei vorgebracht worden, im vor-
liegenden Verfahren liege eine parteipolitisch unzulässige Zusammenset-
zung vor. Dies sei unsinnig, da dieses Gesuch mit den entsprechenden
materiellen und formellen Voraussetzungen begründet worden sei. Sodann
werde angeführt, beim in der Zwischenverfügung angegebenen Urteil des
Bundesgerichts 12T_3/2018 vom 18. Mai 2018 handle es sich nicht um ein
Urteil, sondern um einen Entscheid des Bundesgerichts. Dieser Entscheid
beruhe auf falschen Informationen, die vom Bundesverwaltungsgericht
übermittelt worden seien. Bereits damals sei klar gewesen, dass es zu kei-
nem Zeitpunkt eine zufällige Auswahl des Spruchkörpers gegeben habe,
sondern höchstens eine automatisierte und dass systematisch und auch
manipulierend in die Spruchkörperbildung der Abteilungen IV und V einge-
griffen worden sei. Ausgehend von einem mangelnden Textverständnis
habe das Bundesverwaltungsgericht immer wieder argumentiert, dass die
Verwendung des Wortes «kann» im Entscheid des Bundesgerichts im Zu-
sammenhang mit den verschiedenen objektiven Kriterien, darunter auch
der verpönten einseitigen parteipolitischen Zusammensetzung des
Spruchkörpers, bedeute, es stehe im Belieben des Bundesverwaltungsge-
richts, eine einseitige Spruchkörperbildung zu vermeiden. In der Gedan-
kenwelt der oben erwähnten Gerichtspersonen habe sich die Idee entwi-
ckelt, es sei gemäss Bundesgericht nicht zwingend eine manuelle Ände-
rung des Spruchkörpers vorzunehmen, wenn mehrere Mitglieder der Rich-
terbank derselben Partei angehörten. Solche Ausführungen fänden sich im
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Entscheid des Bundesgerichts nicht. Wer als Richter und als Gerichts-
schreiberin dermassen bewusst zur willkürlichen Stützung eines offensicht-
lich unkorrekt zusammengestellten Spruchkörpers einen Entscheid des
Bundesgerichts zu einem Urteil umdeute und einen nichtexistierenden In-
halt daraus ableite, begehe einen schwersten fachlichen Fehler. Im Aus-
standsbegehren wird sodann der Standpunkt vertreten, die Ausführung in
der Zwischenverfügung, das individuelle Gefährdungsprofil des Gesuch-
stellers sei gestützt auf die geltend gemachten Risikofaktoren bereits
rechtskräftig durch das Bundesverwaltungsgericht beurteilt worden, sei un-
sinnig. Das Urteil D-309/2020 sei am 18. Juni 2020 erlassen, das neue
Asylgesuch sei am 7. Mai 2021 eingereicht worden. Durch die veränderte
PTA (Prevention of Terrorism Act) sei am 12. März 2021 eine massiv ver-
stärkte Strafbarkeit bei jeglicher Unterstützung und Zuwendung zum tami-
lischen Separatismus und der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) un-
ter massive Strafe gestellt. Es sei logisch und rechtlich unsinnig zu behaup-
ten, diese Entwicklung sei bereits am 18. Juni 2020 beurteilt worden. Das
SEM habe am 29. Juli 2021 eine Lagefortschreibung zu Sri Lanka veröf-
fentlicht, die explizit auf die erhöhte Verfolgungsgefahr hinweise. Damit
gebe auch der Halbsatz in der Zwischenverfügung, die innenpolitischen
Entwicklungen in Sri Lanka hätten sich seit dem Urteil D-309/2020 nicht in
einer Weise verändert, die sich in flüchtlingsrelevanter Weise auf den Be-
schwerdeführer auswirken und sein Risikoprofil verschärfen könnten, kei-
nen Sinn.
7.2 Richter Thurnheer hat sich in dem von ihm zu instruierenden Verfahren
zu Recht nicht mit den abwegigen Ausführungen hinsichtlich «bewiese-
ner», rechtswidriger Manipulationen bei der Spruchkörperbildung befasst
(vgl. dazu E. 6). Sodann wurden in der Beschwerde vom 16. August 2021
im Rahmen der Begründung derselben für den Fall, dass die Sache nicht
an die Vorinstanz zurückgewiesen werde, mehrere Beweisanträge gestellt
(vgl. Ziff. 6 [Beweisanträge] S. 21). Dass auf diese Anträge, die in der Zwi-
schenverfügung (vgl. S. 3 unten derselben) wörtlich wiedergegeben wer-
den, Bezug genommen wird, ist offensichtlich. In der Zwischenverfügung
wurde der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung nach
Abweisung des Antrags auf manuelle Änderung des Spruchkörpers ge-
prüft, was unschwer an den einleitenden Erwägungen zu den Vorausset-
zungen der unentgeltlichen Prozessführung zu erkennen ist (vgl. S. 4 un-
ten der Zwischenverfügung). Der Umstand, dass der Entscheid des Bun-
desgerichts vom 18. Mai 2018 in der Zwischenverfügung als Urteil des
Bundesgerichts bezeichnet wurde, beruht offensichtlich auf einem Verse-
hen, das von ähnlicher Tragweite und ebensolcher Unerheblichkeit wie der
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Umstand ist, dass das Ausstandsbegehren vom 24. Januar 2022 von
Rechtsanwalt Gabriel Püntener ursprünglich als Verwaltungsbeschwerde
bezeichnet wurde (vgl. Sachverhalt Bstn. E. und F.). Das Bundesverwal-
tungsgericht hat Rechtsanwalt Gabriel Püntener sodann bereits mehrfach
darauf hingewiesen, es gebe keinen Anspruch auf eine zufällige Zusam-
mensetzung des Spruchkörpers und auch keinen auf eine entsprechende
Bestätigung (vgl. dazu anstatt vieler: Teilurteil des BVGer D-1549/2017
vom 2. Mai 2018 E. 4.2). Ebenso hinlänglich bekannt ist Rechtsanwalt
Gabriel Püntener, dass kein Anspruch auf eine manuelle Änderung des
Spruchkörpers besteht, falls im Spruchgremium mehrere Angehörige der-
selben Partei vertreten sind (vgl. unter anderen die Urteile des BVGer
D-1690/2020 vom 22. April 2021 E. 5.2, D-2402/2020 vom 10. August
2020 E. 3; E-3865/2019 vom 8. August 2019 E. 2.2.2 je mit weiteren Hin-
weisen, E-3764/2018 vom 6. Juli 2018 E. 6.2). Die diffamierende Unterstel-
lung von Rechtsanwalt Gabriel Püntener, der Entscheid des Bundesge-
richts 12T_3/2018 vom 18. Mai 2018 beruhe auf falschen Informationen,
die vom Bundesverwaltungsgericht übermittelt worden seien, ändert daran
nichts. Im Übrigen ist nicht ansatzweise ersichtlich, inwiefern Richter
Thurnheer und Gerichtsschreiberin Werne in der Zwischenverfügung vom
12. Januar 2022, die ohne weiteres verständlich ist, schwerwiegende Feh-
ler unterlaufen sein sollen. Offenkundig wird vielmehr, dass Rechtsanwalt
Gabriel Püntener die Ausstandsgründe gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. e BGG
dahingehend zu instrumentalisieren versucht, die gesetzliche Konzeption,
wonach die Verfügungen des Instruktionsrichters oder der Instruktionsrich-
terin innerhalb des Bundesverwaltungsgerichts keiner Beschwerde unter-
liegen (Art. 39 Abs. 3 VGG), zu umgehen und ihm unliebsame Zwischen-
verfügungen mit appellatorischer Kritik anzufechten. Dies verdient keinen
Rechtsschutz (vgl. BGE 105 Ib 301 E. 1b m.w.H.). Wie zuletzt im Urteil
E-2028/2021 vom 15. Juni 2021 E. 11.2 angedroht, ist auf das rechtsmiss-
bräuchliche Ausstandsbegehren gegen Richter Thurnheer und Gerichts-
schreiberin Werne – ohne Einholung einer Stellungnahme gemäss Art. 36
Abs. 2 BGG – sowie auf sämtliche damit verbundenen Anträge und Gesu-
che nicht einzutreten.
8.
8.1 Rechtsanwalt Gabriel Püntener verfolgte schon in den vergangenen
Jahren die Strategie, Richter und Richterinnen der Abteilungen IV und V im
Rahmen von Ausstandsbegehren oder von Revisionsgesuchen zu bezich-
tigen, sie würden mit einer übermässigen Häufung schwere fachliche Feh-
ler begehen, seien deshalb als befangen zu betrachten und hätten in den
Ausstand zu treten beziehungsweise hätten – statt am Urteil mitzuwirken –
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in den Ausstand treten müssen (vgl. nebst den bereits im Urteil
E-2028/2021 vom 15. Juni 2021 E. 11.1 erwähnten Verfahren
[D-1708/2021, E-2028/2021, E-2735/2020, D-4554/2017, E-2886/2017,
E-1526/2017, D-7053/2016, D-6625/2016, D-4011/2016, E-2107/2016,
E-8435/2015, D-8194/2015, E-8095/2015, E-8096/2015, D-7951/2015,
B-3927/2015, D-1797/2015, D-1166/2012, E-3189/2010, D-5297/2008 und
D-771/2007] die Urteile des BVGer E-56/2016 vom 30. Januar 2017,
E-57/2016 vom 16. Januar 2017, E-8432/2015 vom 9. Januar 2017,
E-3364/2017 vom 24. Juli 2017, D-7915/2015 vom 5. Januar 2016,
D-7752/2015 und D-7753/2015 vom 7. Januar 2016, D-78/2016 vom
18. Februar 2016, E-8433/2015 vom 15. November 2016, D-7216/2015
vom 2. Dezember 2015, D-3722/2010 vom 17. Juni 2010, D-4122/2010
vom 18. Juni 2010, E-511/2010 vom 10. August 2010, D-134/2009 vom
6. März 2009).
8.2 Dieses Vorgehen, das jederzeit gegenüber beliebigen Richtern und
Richterinnen angewandt werden kann, die an von Rechtsanwalt Gabriel
Püntener anhängig gemachten Verfahren mitwirken oder an von ihm miss-
billigten Urteilen mitgewirkt haben, läuft letztlich auf eine Blockierung des
Rechtsmittelverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht auf dem Ge-
biet des Asyls hinaus. Wie das Bundesverwaltungsgericht schon mehrfach
festgestellt hat, ist ein solches Vorgehen mutwillig und rechtsmissbräuch-
lich (vgl. Urteile des BVGer E-2028/2021 vom 15. Juni 2021 E. 11,
E-3865/2019 vom 8. August 2019 E. 6.2, D-7915/2015 vom 5. Januar 2016
E. 5.6 und D-1166/2012 vom 5. Juni 2012 E. 5.1).
8.3 Das vorliegende Ausstandsbegehren (D-435/2022) reiht sich nahtlos
ein in eine Reihe jüngst eingereichter Ausstandsbegehren und Revisions-
gesuche, in denen Rechtsanwalt Gabriel Püntener nach dem eben be-
schriebenen Muster (vgl. E. 8.1) Richtern und Richterinnen der Abteilungen
IV und V schwere fachliche Fehler vorwirft, aus denen sich ihre Befangen-
heit ergeben soll, und ihren Ausstand oder gar die Einleitung eines Amts-
enthebungsverfahrens beantragt (vgl. Urteile des BVGer E-2028/2021 vom
15. Juni 2021, D-1708/2021 vom 15. September 2021, D-5583/2021 vom
21. März 2022, D-434/2022 vom 2. Mai 2022, D-856/2022 und D-857/2022
vom 18. Mai 2022, E-5695/2021 vom 25. Mai 2022, E-5704/2021 vom
30. Mai 2022 und die Verfahren D-709/2022 vom 29. Juni 2022,
E-5701/2021 und E-5702/2021 vom 6. Juli 2022, sowie die Verfahren
D-390/2022 und D-394/2022).
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8.4 Der von Rechtsanwalt Gabriel Püntener gleichzeitig implizit erhobene
Antrag, bei der Beurteilung dieser Verfahren hätten sämtliche Richter und
Richterinnen der Abteilungen IV, V und VI sowie alle Gerichtsschreiber und
Gerichtsschreiberinnen und das Kanzleipersonal der Abteilungen IV bis VI
sowie sämtliche der SVP angehörenden Richter und Richterinnen der Ab-
teilungen I bis III in den Ausstand zu treten (vgl. Ausstandsbegehren S. 11
unten), zielt darauf ab, die im Geschäftsreglement festgelegten Zuständig-
keiten innerhalb des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. Art. 23 Abs. 4 und 6
sowie Anhang VGR) zu durchbrechen und die Beurteilung seiner Verfahren
in andere Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts zu verlagern, dies
scheinbar in der Erwartung, dort unter Ausschluss von Richtern und Rich-
terinnen der SVP insbesondere für die in seinen Rechtsmitteln latent vor-
getragenen, von der koordinierten Praxis der Abteilungen IV und V insbe-
sondere hinsichtlich Sri Lankas abweichenden Vorstellungen mehr Gehör
zu finden, zumindest aber die Chancen auf Gutheissung seiner eingereich-
ten Rechtsmittel zu erhöhen (vgl. dazu die Ausführungen im Ausstandsbe-
gehren S. 4 und 10 sowie E. 5.3).
8.5 Rechtsanwalt Gabriel Püntener erhebt gegenüber den von der Verei-
nigten Bundesversammlung gewählten und in ihrem Amt auf gewissen-
hafte Pflichterfüllung vereidigten Richtern und Richterinnen der Abteilun-
gen IV und V des Bundesverwaltungsgerichts (Art. 11 Abs. 2 VGG) in zahl-
losen Ausstandsbegehren und Revisionsgesuchen basierend auf in der
Sache haltloser appellatorischer Kritik immer wieder aufs Neue den Vor-
wurf, sie würden schwere und schwerste fachliche Fehler begehen. Er be-
schäftigt das Bundesverwaltungsgericht auf diese Weise schon seit Jahren
und verursacht mit seinem prozessualen Verhalten einen enormen und mit
hohen Kosten verbundenen Aufwand, was er offensichtlich bewusst in Kauf
nimmt.
8.6 Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits in mehreren Urteilen festge-
stellt, dieses auf die Blockierung des Geschäftsganges abzielende pro-
zessuale Verhalten sei mutwillig und rechtsmissbräuchlich. Mehrfach wur-
den deshalb Rechtsanwalt Gabriel Püntener die Kosten des Verfahrens
persönlich zur Zahlung auferlegt (vgl. unter anderem die im Urteil
E-2028/2021 vom 15. Juni 2021 E. 11.1 erwähnten Urteile), ihm gegenüber
wegen Störung des Geschäftsganges Ordnungsbussen gemäss Art. 60
VwVG ausgesprochen und Meldung an die kantonale Aufsichtsbehörde
über die Rechtsanwälte (vgl. Art. 15 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte [Anwaltsgesetz, BGFA;
SR 935.61]) erstattet (vgl. Aufsichtsanzeigen vom 12. Juli 2012 und vom
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21. Januar 2016 sowie die Urteile des BVGer D-1166/2012 vom 5. Juni
2012 E. 7 und D-6066/2010 vom 9. November 2010 E. 5.4 mit Hinweis auf
ein Schreiben der Abteilungspräsidien vom 1. Juli 2010) oder ihm entspre-
chende Massnahmen angedroht (vgl. die Urteile des BVGer
E-2028/2021 vom 15. Juni 2021 E. 11.2, E-3865/2019 vom 8. August 2019
E. 5, D-7915/2015 vom 5. Januar 2016 E. 7 und D-1166/2012 vom 5. Juni
2012 E. 7).
9.
9.1 Vor diesem Hintergrund ist das dem vorliegenden Verfahren zugrunde-
liegende wiederholt mutwillige und rechtsmissbräuchliche Vorgehen
– nebst dem durch das Ausstandsbegehren verursachten erheblichen Auf-
wand – gestützt auf Art. 2 Abs. 1 und 2 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht (VGKE, SR 173.320.2) bei der Bemessung der Verfahrenskosten
mit zu berücksichtigen. Diese sind deshalb auf Fr. 3000.– festzusetzen. Sie
sind Rechtsanwalt Gabriel Püntener persönlich aufzuerlegen, da er mit sei-
nem Vorgehen dem Bundesverwaltungsgericht zum wiederholten Male un-
nötigen Aufwand verursacht, den er offensichtlich bewusst in Kauf nimmt
(Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 66 Abs. 3 BGG; vgl. BGE 129 IV 206 E. 2 sowie die
Urteile des BGer 5D_56/2018 vom 18. Juli 2018 E. 6, 5D_50/2018 vom
26. April 2018 E. 2). Weil im zu beurteilenden Verfahren zum wiederholten
Mal eine auf die Störung des Geschäftsganges abzielende mutwillige, vom
Rechtsvertreter zu verantwortende Prozessführung offenkundig wird, ist
Rechtsanwalt Gabriel Püntener zudem eine Ordnungsbusse von
Fr. 2000.– aufzuerlegen (Art. 60 Abs. 2 VwVG).
9.2 Das vorliegende Urteil ist sodann gestützt auf Art. 15 Abs. 2 BGFA der
Aufsichtsbehörde des Kantons, in dem ein Anwalt eingetragen ist, zu mel-
den.
9.3 Rechtsanwalt Gabriel Püntener ist gleichzeitig darauf hinzuweisen,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf weitere rechtsmissbräuchlich ein-
gereichte Ausstandsbegehren und Revisionsgesuche nicht eintreten wird
und er damit zu rechnen hat, dass ihm die dadurch verursachten Verfah-
renskosten persönlich zur Zahlung auferlegt werden und sein Verhalten
Disziplinarmassnahmen nach sich ziehen wird.
(Dispositiv nächste Seite)
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