Decision ID: 08f8f797-5165-4d6e-8a38-9e3f825d3fb4
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Die Gemeindeversammlung der Gemeinde D._ beschloss am 26.
Mai 1995 die Durchführung einer Gesamtmelioration, woraufhin am 20.
April 1996 die Meliorationsgenossenschaft D._ gegründet und am
3. Juni 2011 an der Genossenschaftsversammlung das Reglement für die
Zuteilung von Massaland durch den Vorstand der
Meliorationsgenossenschaft genehmigt wurde.
2. Der Vorstand der Meliorationsgenossenschaft D._ publizierte am
7. Februar 2020 die Vergabe des Massalandes der Gesamtmelioration
und legte in der Folge die Sache bis am 9. März 2020 öffentlich auf.
Fristgerecht reichte A._ Gesuche um Zuteilung der Parzellen
E._, F._, G._ und H._ ein. Die
Zuteilung der Massalandparzellen erfolgte an der Vorstandssitzung der
Meliorationsgenossenschaft vom 13. März 2020 und wurde den
betroffenen Grundeigentümern am 27. März 2020 mitgeteilt. A._
wurden die Parzellen F._ und H._ zugeteilt, nicht jedoch
die Parzellen E._ und G._.
3. Mit Schreiben vom 6. April 2020 erhob A._ Einsprache bei der
Schätzungskommission D._ gegen die Vergabe der
Massalandparzelle G._. Begründend führte er aus, er erfülle
gemäss Art. 6 des Reglements für die Parzelle G._ folgende
Punkte: Die Parzelle I._ besitze er bereits und mit ihm als
Grenzanstösser würde eine optimale Arrondierung erreicht werden. Mit
Parzelle I._ würde ebenfalls die Vereinigung von benachbarten
Parzellen gewährleistet. Mit der aktuellen Zuteilung müsse ihm ein neues
Durchgangsrecht gewährleistet werden, welches ansonsten nicht benötigt
würde. Für Massalandparzellen grösser als 25 Aren erhalte er als
Selbstbewirtschafter Vorrang. Der Vorstand habe die Parzelle
G._ C._ zugeteilt. Gemäss Auskunft des Präsidenten der
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Meliorationsgenossenschaft habe er erfahren, dass C._ den
Zuschlag erhalten habe, weil er sich gemäss Punkt 5 (recte: viertes
Kriterium in Art. 6 des Reglements) nur auf diese Parzelle beworben habe.
Gemäss Reglement müsse der Vorstand alle Kriterien unabhängig von der
Reihenfolge beachten, weswegen er der Meinung sei, dass mit Erfüllung
von vier Kriterien sein Anspruch auf Parzelle G._ grösser
gewichtet werden müsse.
4. Diese Einsprache wies die Schätzungskommission mit Entscheid vom 11.
Mai 2020 ab. Begründend führte sie aus, der Vorstand habe in einem
ersten Schritt jene Parzellen zugeteilt, für die nur ein Interessent
vorhanden ist. Der Einsprecher habe trotz Kenntnis der Zuteilungskriterien
in Art. 6 des Reglements keine Priorisierung seiner Wunschzuteilung
angegeben. Mit der Zuteilung einer Parzelle verwirke der Anspruch auf
weitere Parzellen, es sei denn, es verbleibe ein gleichwertiger Interessent
in der gleichen Situation. Es bestehe grundsätzlich kein Anspruch auf die
Zuteilung mehrerer Parzellen, dennoch habe er eine zweite (Nr.
F._) erhalten. Die Parzelle G._ sei C._ zugeteilt
worden, welcher sich nur um diese beworben habe. Mit einer Zuteilung der
Parzelle G._ an den Einsprecher würden diesem bestenfalls drei
Parzellen zugeteilt, während C._ leer ausgehen würde. Die
Zuteilung erweise sich als sachgerechte, vertretbare, objektive Lösung,
bei der die Interessen der Interessenten gleichmässig berücksichtigt
worden seien. Die Schätzungskommission habe sodann zur Beratung und
möglichen Bereinigung der Einsprache eine Begehung vor Ort
durchgeführt, um sich ein Bild der Situation zu machen. Demnach könne
dem Argument des Einsprechers, dass diesem ein zusätzliches
Durchgangsrecht zu Lasten der Massenlandparzelle G._
eingeräumt werden müsse, nicht gefolgt werden.
5. Dagegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 26. Juni
2020 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden.
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Er verwies auf seine Ausführungen in der Einsprache vom 6. April 2020
und vertiefte seine Argumentation. Im Falle einer Nichtzuteilung der
Parzelle G._ müssen ihm nicht nur ein, sondern zwei
Durchfahrtsrechte gewährt werden. Die Parzelle G._ sei ihm
zuzuteilen, da er die Kriterien für die Zuteilung eher erfülle als der
Nichtselbstbewirtschafter, der die Parzelle zugeteilt bekommen habe. Er
würde dafür auch auf die beiden ihm zugeteilten Parzellen F._
und H._ verzichten. Der Vorstand hätte ihm bei der Vergabe die
Möglichkeit einräumen müssen, sich zwischen den Parzellen zu
entscheiden. In diesem Falle hätte er sich für die wertvollere und
landwirtschaftlich nützlichere Parzelle G._ entschieden. Der
Beschwerdeführer machte in diesem Zusammenhang eine Verweigerung
des rechtlichen Gehörs geltend. Er habe nicht mit einer solchen
Konstellation und einem solchen Ausgang der Zuteilung rechnen müssen.
6. In seiner Vernehmlassung vom 20. August 2020 (Datum Poststempel)
beantragte der Vorstand der Meliorationsgenossenschaft (nachfolgend
Meliorationsgenossenschaft) die Abweisung der Beschwerde, sofern
darauf eingetreten werden könne. Zur Begründung führte er an, die
Zuteilungskriterien seien bewusst nicht priorisiert worden, um möglichst
viele Interessenten berücksichtigen zu können. Die Zuteilung der Parzelle
G._ an C._ verletze nicht die Zuteilungskriterien. Der
Beschwerdeführer habe in seiner Bewerbung keine Wünsche betreffend
Prioritäten geäussert und könne im Nachhinein diesbezüglich keine
Forderungen mehr stellen.
7. In der Vernehmlassung der Schätzungskommission der
Gesamtmelioration D._ (nachfolgend: Schätzungskommission)
vom 24. August 2020 (Datum Poststempel) hielt sie an ihrem im
Einspracheentscheid vom 11. Mai 2020 zum Ausdruck gebrachten
Standpunkt fest und stützte die Argumentation des Vorstandes der
Meliorationsgenossenschaft D._. Zudem stünden die erst im
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Einspracheverfahren geltend gemachten, persönlichen Präferenzen des
Beschwerdeführers im Widerspruch mit der für die Zuteilung nötige
Gesamtbetrachtung. Sie verwies zudem auf die von ihr vorgenommene
Besichtigung vor Ort, wonach der Argumentation des Beschwerdeführers,
es müssen zwei Durchgangsrechte zu Lasten der Massenlandparzelle
G._ gewährt werden, nicht gefolgt werden könne. Auch wenn
dem so wäre, könne im Nachhinein nicht mehr darauf eingetreten werden,
da der Beschwerdeführer dies bereits im Rahmen der Neuzuteilung hätte
fordern müssen.
8. In seiner Replik vom 3. September 2020 hielt der Beschwerdeführer fest,
dass die Schätzungskommission die geltend gemachte
Gesamtbetrachtung offensichtlich nicht umsetze. Betreffend der
Uneinigkeit über die Anzahl einzuräumender Durchgangsrechte (eines
oder zwei) sei deshalb die Durchführung eines Augenscheins angezeigt.
Er bestreite, dass er sein Anliegen bereits im Rahmen der Neuzuteilung
hätte fordern müssen und dass es sich vorliegend um eine nach Ansicht
der Beschwerdegegner sachgerechte, vertretbare, objektive und damit die
Zuteilungsgrundsätze berücksichtigende Lösung handle. Er bemängelte,
dass ihm nicht die Möglichkeit gegeben wurde, sich zwischen den
Parzellen zu entscheiden. Es sei nirgends festgehalten und er sei nicht
darauf aufmerksam gemacht worden, sich für den Fall von
Interessenkollissionen vorsorglich für die eine oder andere denkbare
Zuteilungsvariante zu entscheiden, nämlich zu priorisieren. Mit der
vorliegenden Zuteilung komme im Ergebnis ein Nichtselbstbewirtschafter
zum Zug, der keines der Zuteilungskriterien von Art. 6 des Reglements
erfülle.
9. Mit Eingaben vom 17. bzw. 18. September 2020 hielten die
Meliorationsgenossenschaft und die Schätzungskommission duplicando
unverändert an ihren Anträgen und Begründungen fest. Der ebenfalls zur
Vernehmlassung eingeladene C._ liess sich nicht vernehmen.
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10. Am 20. Juli 2021 forderte der Instruktionsrichter bei der
Schätzungskommission sämtliche Unterlagen des Einspracheverfahrens
an. Die Meliorationsgenossenschaft edierte ihrerseits am 26. Juli 2021
weitere, jedoch nicht neue Unterlagen. Am 2. August 2021 teilte die
Schätzungskommission dem Gericht mit, dass ihr keine weiteren
Unterlagen vorlägen. Sie habe vor Ort eine Besichtigung durchgeführt, um
das vom Beschwerdeführer verlangte Durchfahrtsrecht beurteilen zu
können. Das Begehren sei, wie bekannt, als nicht notwendig erachtet
worden. Von dieser Besichtigung sei kein Protokoll vorhanden, da sie nur
der Schätzungskommission zur Entscheidungsfindung gedient habe.
11. Am 16. August 2021 schrieb der zur Stellungnahme aufgeforderte
Beschwerdeführer, er habe von der erwähnten Besichtigung vor Ort durch
die Schätzungskommission bisher keine Kenntnis gehabt und er sei zu
dieser geheimen Besichtigung nicht eingeladen gewesen. Er habe somit
seine Sicht der Dinge betreffend Durchfahrtsrechte nicht darlegen können
und ihm sei insofern das rechtliche Gehör verweigert worden. Er weise
darauf hin, dass es unter anderem Ziel einer jeden Gesamtmelioration sein
müsse, dass die Zuteilung des Landes so erfolge, dass möglichst wenige
Durchfahrtsrechte "Dienstbarkeiten" beibehalten bzw. eingeräumt werden
müssen. Er ersuche folglich um Durchführung eines Augenscheins
insbesondere betreffend Durchfahrtsrechte.
12. Eine weitere Stellungnahme der Schätzungskommission, der
Meliorationsgenossenschaft und von C._ ging innert Frist nicht
ein.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
auf den angefochtenen Entscheid sowie insbesondere auf die im Recht
liegenden Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
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II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Gemäss Art. 1 des Meliorationsgesetzes des Kantons Graubünden (MelG;
BR 915.100) gelten als Meliorationen Massnahmen, Werke und
landwirtschaftliche Hoch- und Tiefbauten, die den Zweck haben, die
Ertragsfähigkeit des Bodens zu erhalten oder zu steigern, seine
Bewirtschaftung zu erleichtern oder ihn vor Verwüstung oder Zerstörung
durch Naturereignisse zu schützen. Inhalt und Regelungsgegenstand des
MelG bilden insbesondere landwirtschaftliche Güterzusammenlegungen
sowie die Gesamtmeliorationen (Art. 2 lit. a MelG). Gemäss Art. 39 Abs. 1
i.V.m. Art. 7 MelG können die Betroffenen gegen sämtliche Verfügungen
des Vorstandes der Meliorationsgenossenschaft während der Auflagefrist
bzw. innert 30 Tagen seit Zustellung der Verfügung bei der
Schätzungskommission Einsprache erheben. Daraufhin führt die
Schätzungskommission gemäss Art. 39 Abs. 1 MelG, allenfalls in
Verbindung mit einem Augenschein, eine mündliche Verhandlung durch,
an welcher die Parteien ihre Standpunkte nochmals darlegen können.
Gegen den Einspracheentscheid ist gemäss Art. 43 MelG die Beschwerde
an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden möglich. Das
Verfahren richtet sich nach Art. 49 ff. des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Die Zuteilung von
Massaland ist gesetzlich in keinem Erlass geregelt (PVG 2006 Nr. 31
E.2.a).
1.2. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet der
Einspracheentscheid der Schätzungskommission vom 11. Mai 2020,
mitgeteilt am 27. Mai 2020. Strittig und zu entscheiden ist, ob die Zuteilung
der Massalandparzelle G._ zu Recht nicht an den
Beschwerdeführer erfolgt ist.
2. Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde vom 26. Juni 2020
unter anderem eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, da ihm bei
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der Zuteilung der Massalandparzellen nicht die Möglichkeit geboten
worden sei, sich für eine bestimmte Parzelle entscheiden zu können (act.
A1, S. 3, Rz. 7). Dies ist allerdings keine Frage der Gehörsverletzung als
Verfahrensvorschrift, sondern vielmehr eine der materiellen Beurteilung.
Sodann macht er in seiner Stellungnahme vom 16. August 2021 eine
weitere Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, da er von der
Besichtigung vor Ort durch die Schätzungskommission keine Kenntnis
gehabt habe, zu dieser nicht eingeladen worden sei bzw. nicht dabei
gewesen sei, um seine Sicht der Dinge betreffend Durchfahrtsrechte
darlegen zu können (act. F8, S. 1).
3.1. Der durch Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) gewährleistete Anspruch auf rechtliches
Gehör dient einerseits der Sachaufklärung und garantiert anderseits ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien im Verfahren,
soweit dies Einfluss auf ihre Rechtsstellung haben kann. Die
Gehörsgarantie ist somit ein verfassungsmässig geschütztes
Individualrecht, hat also den Charakter eines selbständigen Grundrechtes
(HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, 8. Auflage 2020, Rz. 1001 und 1003).
3.2. Zum Anspruch auf rechtliches Gehör gehört unter anderem das Recht des
Betroffenen, an der Erhebung wesentlicher Beweise mitzuwirken oder sich
zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den
Entscheid zu beeinflussen (BGE 138 V 125 E.2.1; BGE 135 I 187 E.2.2; je
mit Hinweisen). Als Mitwirkungsrecht bei der Beweiserhebung hat der
Betroffene Anspruch auf die Teilnahme an Augenscheinen, bzw. zu einem
solchen beigezogen zu werden. Ausnahmsweise kann der Augenschein
unangemeldet durchgeführt werden, wenn er nur auf diese Weise seinen
Zweck nur erfüllen kann. In einem solchen Fall reicht es aus, wenn der
Betroffene nachträglich zum Beweisergebnis Stellung nehmen kann. In
BGE 113 Ia 81 wurde eine "informelle Besichtigung" eines
antragsstellenden Baudirektors ohne Beizug der betroffenen
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Grundeigentümer in einem Genehmigungsverfahren einer kommunalen
Nutzungsplanung als unzulässig qualifiziert, weil weder schützenswerte
Interessen Dritter oder des Staates noch die Besonderheit der Situation
die Vornahme eines Augenscheins ohne Voranmeldung geboten haben
(BGE 113 Ia 81 E.3.a; vgl. auch HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz
1016, 1018)
3.3.1. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör wird zudem eine allgemeine
Aktenführungspflicht der Behörden abgeleitet, als Gegenstück zum
Akteneinsichts- und Beweisführungsrecht der Parteien (GEROLD
STEINMANN, in: Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler
Kommentar, 3. Auflage 2014, Art. 29 Rz. 55). Dazu gehört die Pflicht zur
Protokollierung entscheidrelevanter Abklärungen, Einvernahmen und
Verhandlungen im Rechtsmittelverfahren (BGE 130 II 473 E.4.2; BGE 124
V 389 E.4a und b). Das Protokoll dient einerseits der Behörde als
Gedächtnisstütze und soll es ihr ermöglichen, die Ausführungen der
Parteien tatsächlich zur Kenntnis zu nehmen und pflichtgemäss zu
würdigen; andererseits soll es Auskunft über die Einhaltung der
Verfahrensvorschriften geben und die Rechtsmittelinstanzen in die Lage
versetzen, den angefochtenen Entscheid zu überprüfen (BGE 142 I 86
E.2.2. m.w.H.).
3.3.2. Konkret ergibt sich daraus im Verwaltungsjustizverfahren auch eine
Protokollierungspflicht für Augenscheine (BGE 130 II 473 E.4.2 m.w.H.).
Grundsätzlich ist zu verlangen, dass die Ergebnisse des Augenscheins,
insbesondere die vor Ort gemachten Feststellungen und
Wahrnehmungen, ihrem wesentlichen Inhalt nach schriftlich protokolliert
werden, allenfalls ergänzt mit Fotos, Plänen etc. Den Parteien muss vor
Entscheidfällung die Möglichkeit gegeben werden, davon Kenntnis zu
nehmen und sich dazu zu äussern, insbesondere allfällige Berichtigungen
zu verlangen. Bei diesem Vorgehen wird gewährleistet, dass das Protokoll
eine verlässliche Grundlage für die Entscheidfällung und für ein späteres
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Rechtsmittelverfahren darstellt und den Parteien das rechtliche Gehör
vollumfänglich gewährt wurde (BGE 142 I 86 E.2.3 m.w.H.).
4.1. Der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV ist nach
herrschender Lehre und Praxis ein Anspruch formeller Natur. Wenn eine
Rechtsmittelinstanz eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
als Verfahrensvorschrift feststellt, hebt sie den angefochtenen Hoheitsakt
grundsätzlich ohne Rücksicht darauf auf, ob die Anhörung auf den
Ausgang des Verfahrens relevant ist, d.h. die Behörde zu einer Änderung
des Entscheides veranlassen wird oder nicht (BGE 135 I 187 E.2.2.
m.w.H.).
4.2. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann eine nicht besonders
schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs geheilt werden, wenn
die unterlassene Anhörung, Akteneinsicht oder Begründung in einem
Rechtsmittelverfahren nachgeholt wird, das eine Prüfung im gleichen
Umfang wie durch die Vorinstanz erlaubt. Begründet wird dies mit
prozessökonomischen Überlegungen. Grundsätzlich lässt das
Bundesgericht die Heilung allerdings nur zu, wenn die Verletzung des
rechtlichen Gehörs nicht besonders schwer wiegt; die Heilung des
Mangels soll die Ausnahme bleiben (vgl. statt vieler: BGE 137 I 195
E.2.3.2.). Ausnahmsweise ist selbst bei schwerwiegender Verletzung des
rechtlichen Gehörs eine Heilung möglich, wenn und soweit die
Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen
Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten)
Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der
Sache nicht zu vereinbaren wäre (BGE 136 V 117 E.4.2.2.2.; vgl. auch
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1174 ff.).
5.1. Im angefochtenen Entscheid der Schätzungskommission vom 11. Mai
2020, mitgeteilt am 27. Mai 2020, führt diese aus, sie habe zur Beratung
und möglichen Bereinigung der Einsprache eine Begehung vor Ort
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durchgeführt hat, um sich ein Bild der Situation zu machen (bf-act. 8,
Sachverhalt Ziff. 4). Gemäss Besichtigung vor Ort könne dem Argument
des Beschwerdeführers, dass diesem ein zusätzliches Durchgangsrecht
zu Lasten der Massalandparzelle G._ eingeräumt werden müsse,
nicht gefolgt werden (bf-act. 8, S.4). Dass von der Besichtigung vor Ort
kein Protokoll vorhanden ist, begründet die Schätzungskommission damit,
dass es ihr nur zur Entscheidungsfindung gedient habe.
5.2. In der Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 16. August 2021 bringt
er vor, er habe von der Besichtigung vor Ort durch die
Schätzungskommission keine Kenntnis, sei zu dieser nicht eingeladen
worden sei bzw. sei nicht dabei gewesen, um seine Sicht der Dinge
betreffend Durchfahrtsrechte darlegen zu können (act. F8, S. 1; vgl. E.2
S.8). Dass die Schätzungskommission die Begehung ohne
Teilnahmemöglichkeit für den Beschwerdeführer durchgeführt hat und
davon auch kein Protokoll erstellt worden ist, ist unbestritten.
5.3. Es hat also eine Beweisabnahme stattgefunden, zu der der
Beschwerdeführer nicht eingeladen war. An dieser konnte er folgerichtig
nicht teilnehmen und sich bis zum Ergehen des angefochtenen
Entscheides dazu auch nicht äussern. Dieser Augenschein ist weder
datiert, noch wurde er protokolliert. Darüber hinaus hat die
Schätzungskommission diesen - im Übrigen auch im vorliegenden
Beschwerdeverfahren - nicht ansatzweise ausreichend substantiiert.
Zudem stellte die Schätzungskommission im angefochtenen Entscheid auf
das Resultat dieses fehlerhaft vorgenommenen Augenscheins ab,
weshalb auch eine damit einhergehende Verletzung des rechtlichen
Gehörs vorliegt.
6. Im oben zitierten, die Heilung betreffenden, BGE 142 I 86 wurden die
Ergebnisse des Augenscheins ebenfalls nicht schriftlich protokolliert und
die Parteien erhielten keine Gelegenheit, sich vor der Entscheidfällung des
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Obergerichts des Kanton Appenzell Ausserrhoden zur Dokumentation zu
äussern. Den Beschwerdeführern wurde die Fotodokumentation des
Obergerichts erst im bundesgerichtlichen Verfahren als Beilage zur
Vernehmlassung des Obergerichts zur Kenntnis gebracht. Folglich wurde
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs der Beschwerdeführer bejaht, der
angefochtene Entscheid wurde aufgehoben und an das Obergericht
zurückzuweisen. Dieses musste den Parteien Gelegenheit einräumen,
zum Ergebnis des Augenscheins Stellung zu nehmen, bevor es erneut
entschied.
Vorliegend kommt somit eine Heilung ebenfalls nicht in Frage, obwohl es,
entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers vom 16. August 2021
(act. F8, S. 1) nicht zutrifft, dass er von der Begehung erst Mitte August
2021 erfahren habe und vorher nichts davon gewusst habe. Spätestens
mit dem angefochtenen Entscheid der Schätzungskommission vom 11.
Mai 2020, mitgeteilt am 27. Mai 2020, hatte er Kenntnis davon.
7. Zusammenfassend stützte die Schätzungskommission den
angefochtenen Entscheid unter anderem auf einen undatierten sowie nicht
protokollierten Augenschein, an dem der Beschwerdeführer nicht
teilnehmen konnte, was eine schwerwiegende Verletzung des rechtlichen
Gehörs darstellt, für die keine Heilung in Frage kommt. Der angefochtene
Entscheid ist aufzuheben und die Angelegenheit zur weiteren Bearbeitung
und neuer Entscheidfällung an die Schätzungskommission
zurückzuweisen.
8. Die Staatsgebühr wird auf CHF 1'000.-- festgesetzt. Bei diesem Ausgang
des Verfahrens hat die Meliorationsgenossenschaft D._ als
Trägerin der Gesamtmelioration D._ die Gerichtskosten zu tragen
(Art. 73 Abs. 1 VRG); aussergerichtliche Entschädigungen sind gemäss
Art. 78 Abs. 2 VRG und der einschlägigen Gerichtspraxis keine
zuzusprechen.
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