Decision ID: 31d4ba79-3d88-4218-a2b1-e86eb65e8dee
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1963, besuchte
zuerst die Primarschule und trat
mit 11 Jahren
ins Internat in
Y._
ein, welches bereits seine beiden Geschwister besuchten. Von dort wechselte
er
in ein Internat in
Z._
, wo er sich bis zum
Abschluss der Sekundarschule
mit 16 Jahren
aufhielt
.
Er begann im Jahr 1981
eine Lehre
als
Automechaniker
in
A._
,
die er
nach ständigen verbalen Konflikten mit seinem Vorgesetzten
ohne Abschluss beendete.
Danach absolvierte
er eine zweijährige
Ausbildung
als Servicemann
in
B._
,
wo er
anschliessend erneut eine
Lehre als Automechaniker
begann. Diese
konnte er nicht beenden, da er fristlos entlassen wurde
(vgl.
Urk.
7/4/4
,
7/10/2
,
7/16/2 und 7/16/3
). In der Folge arbeitete er mit zahlreichen Unterbrüchen in verschie
denen Anstellungsverhältnissen
als
Automechaniker, Lieferwagenchauffeur,
Reinigungsmitarbeiter und Hilfsarbeiter
(vgl.
Urk.
7/10
,
7/11/1
und 7/16/3
). Seit Januar 2003
übt er keine Erwerbstätigkeit mehr aus (
vgl.
Urk. 7/10/3 f.)
.
Am 4. Juli 2013 meldete sich der Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/4). Die IV-Stelle
holte einen IK-Auszug ein (
Urk.
7/10) und
nahm
diverse
medizinische
Unterlagen
zu den Akten
(
Urk.
7/12 und 7/16). Mit Vorbescheid vom 2
5.
März
201
5
stellte sie dem Versicherten die Abweisung des
Renten
begehrens in Aussicht (Urk.
7
/
1
9). Dagegen
erhob er Einwand
(Urk.
7
/
20
)
.
Mit Verfügung vom
26
.
Mai
2015 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (
vgl.
Urk.
2
/1
und 7
/
24
).
Diese Verfügung wurde dem Versicherten am 24. Juli 2015 zugestellt (vgl. Urk. 2/1).
2.
Gegen die Verfügung vom
26
.
Mai
2015
erhob
d
er
Versicherte mit Eingabe vom
2
4
.
Juli
2015 Beschwerde
mit dem sinngemässen Antrag, es sei ihm eine Invali
denrente zuzusprechen
(Urk. 1). Die IV-Stelle schloss am
4
.
November
2015 auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
).
Mit Verfügung vom 9. November 2015 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
8). Der Beschwerdeführer
reichte
am
7. Dezember 2015
eine Eingabe
ein
,
in der er
sich
nicht
zur Sache äusser
te
(
Urk.
10).
Davon wurde der G
egenpartei mit Verfügung vom 12.
J
anuar
201
6
Kenntnis gegeben (
Urk.
11
)
.
Auf die Ausführungen der Parteien in de
n Rechtsschriften
wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Alkoholismus oder Drogensucht (wie auch
Medikamenten
abhängigkeit
) begrün
den gemäss ständiger Rechtsprechung für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird eine derartige Sucht
invalidenversicherungsrecht
lich
erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in de
ren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheits
schadens
ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 102 V 167, 99 V 28 E. 2; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f. E. 2b; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; Urteil
e
des Bundesge
richts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.1 mit Hinweisen sowie 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2).
1.3
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arzt
-
berichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätig
keit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizini
schen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigne
ten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
2.
In der angefochtenen Verfügung zog die Beschwerdegegnerin in Betracht, dass
die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ihren Abklärungen zufolge vor allem durch sein Abhängigkeitsverhalten begründet sei. Eine Invalidität im Sinne des Gesetzes liege nicht vor
(vgl.
Urk.
2
/1
).
Im Beschwerdeverfahren
ver
trat
die Beschwerdegegnerin
den Standpunkt, dass das psychische
Beschwerde
bild
durch ein langjähriges Suchtgeschehen dominiert werde. Ein selbständiges psychisches Leiden, das unabhängig vom Suchtgeschehen Bestand habe,
sei nicht vorhanden
. Sie räumte
indessen
ein, dass somatische Leiden vorliegen würden, welche die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers beeinträchtig
en. Die diesbezügliche
n
Einschränkung
en
sei
en
jedoch lediglich qualitativer und nicht quantitativer Natur, so dass bei der Invaliditätsbemessung von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in
einer
angepasste
n
Tätigkeit auszugehen und dementspre
ch
end ein Invaliditätsgrad von 13
%
zu ermitteln sei,
d
er keinen Rentenanspruch zu begründen vermöge (vgl.
Urk.
6).
Demgegenüber
macht der Beschwerdeführer geltend, er habe bereits früh in seinem Leben Angst und depressive Zustände gehabt. Es sei daher sehr wahr
scheinlich, dass seine Sucht die Folge eine
s psychischen Leidens sei (Urk.
1
und 10
).
3.
3.1
Den medizinischen Unterlagen lässt sich entnehmen, dass a
m 6. April 2006 eine Hepatitis C diagnostiziert
wurde
(
Urk.
7/16/105)
. Vom 11. bis zum 27. April 2006 musste
d
er
Beschwerdeführer
wegen einer offenen Lungentuberkulose im Spital
C._
behandelt werden.
Bei dieser Gelegenheit wurden auch
eine
Polytoxikomanie
(chronischer Heroinkonsum nasal seit 20 Jahren, aktuell Methadonprogramm, Alkoholabhängigkeitssyndrom) und eine Penicillin-Aller
gie
als Diagnosen festgehalten
(
Urk.
7/16/105).
3.2
Vom 25. April bis zum 16. Mai 2007
war
der
Beschwerdeführer für einen
Alkohol
entzug
zum ersten Mal im
D._
hospitalisiert
.
Dort
wurde
gemäss dem Austrittsbericht vom 15. Juni 2007
nebst
eines
Alkohol-Abhängigkeitssyndroms, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10: F10.25), eines Opioid-Abhängigkeitssyndroms, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Drogenersatzprogramm (ICD-10: F11.22)
,
und
einer
Cannabis-Abhängigkeit (ICD-10: F12.25)
auch
der Verdacht auf eine emotional
instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F60.30)
diagnostiziert
.
Bei Eintritt habe der Patient erklärt, er sei zunehmend aggressiv, gereizt und habe Angstzustände. Er sei nun motivi
ert, ganz mit dem Alkoholkonsum aufzuhören, weil er nicht Schuld daran sein wolle, dass seine Beziehung deswegen in die
Brüche gehe (
Urk.
7/16/39). Im Verlauf der Therapie habe er sich kooperativ und freundlich im Umgang gezeigt. Er habe sich an die Stationsregeln gehalten und rege am Stationsprogramm teilgenommen (
Urk.
7/16/41).
Im November 2007 diagnostizierte
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Dermatologie,
neu
eine Psoriasis
capitis
et
pa
lmaris
. Für deren Verlauf würden sich Alkoholabusus und Stresssituationen
als
ungünstig erweisen (
Urk.
7/16/98).
Ein zweiter stationärer Aufenthalt
zum Alkoholentzug
im
D._
dauerte vom 3. bis zum 30. April
2008 (
Urk.
7/16/47) und ein dritter
fand
vom 7. April bis zum 11. Mai 2009
statt
(
Urk.
7/16/44).
3.3
Im Spital
C._
wurde
vom 2
2.
Juni bis zum 6. Juli 2010
ein erneuter Alkoholentzug
durchgeführt
.
Die behandelnden Ärzte hielten i
m Austrittsbericht vom 1
2.
Juli 2010 unter anderem au
ch die Diagnose einer emotional
in
stabilen Persönlichkeitsstörung
(
Angst und depressive Störung gemischt, hyperkinetisc
he Störung des Sozialverhaltens)
fest (
Urk.
7/16/91).
3.4
Am 19. Januar 2011 trat der Beschwerdeführer ins
F._
ein, wo
er
bis zum 17. Februar 2011
ein
en
valiumgestützte
n
stationä
re
n
Alkoholentzug
absolvierte
.
N
ebst
den diversen
Substanzabhängig
keiten
(
zum Teil abst
inent in beschützender Umgebung)
wurde
n
im Austrittsbericht vom
2.
März 2011
auch
Angst und
depressive Störung gemischt (ICD-10: F41.2), eine emotional
instabile
Persönlichkeits
störung
vom impulsiven Typ (ICD-10: F60.30) und eine hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (ICD-10: F90.1)
als Diagnosen
aufgeführt
(Urk.
7/
16
/
33
).
Anamnestisch habe der Patient angegeben, dass er seit einigen Jahren bis zu zehn Liter Bier pro Tag und zusätzlich etwas Wodka trinke. Des Weiteren betreibe er derzeit einen Ben
zodiazepin
-A
busus mit fünf
Seresta
à 15
mg pro Tag.
Zudem
konsumiere er gelegentlich Cannabis und täglich 20 mg Methadonsubstitution. Er trinke über den ganzen Tag verteilt und fürchte sich vor Angstzuständen, die unte
r Entzug auftreten würden (Urk.
7/16/34).
3.
5
Vom 19. bis zum 2
2.
September 2011 wurde der Beschwerdeführer wegen einer
Hämophilus
-
Influenzae
-Pneumonie im Mittellappen mit
Hämoptoe
im
Spital G._
behandelt
(vgl.
Urk.
7/16/77 ff.)
.
Im
Austrittsbericht vom 23.
September 2011 wurde
wiederum
ein
h
yperkinetisches Syndrom unter
Ritalinbehandlung
als Diagnose
erwähnt (Urk.
7/16/77).
Die
ambulante
pneumologische
Nachu
n
tersuchung vom 7. November 2011
ergab
einen
regredienten
Verlauf
des
nodulären
Infiltrates und eine COPD GOLD II
; es bestehe eine intermittierende Anstrengungsapnoe, die nicht jeden Tag gleich sei (Urk.
7/16/73).
3.6
Am 11. Februar 2013 w
urde im
Rahmen eines stationären Aufenthaltes im
Spital H._
ein
Blasenkarzinom operativ entfernt (
Urk.
7/16/71).
3.
7
Wegen einer Pneumonie mit
Pleuraempyem
musste der
Beschwerdeführer
vom 30. Juli bis zum 19. August 2013 im
Spital G._
behandelt werden
(vgl.
Urk.
7/12).
Dessen
Kurzbericht vom 19. August 2013 (
Urk.
7/12/1)
erwähnt
nebst den
diversen bekannten Substanzabhängigkeiten
und somatischen
Diag
nosen
auch
ein hyperkinetisches Syndrom unter
Ritalinbehandlung
(vgl.
Urk.
7/12/1).
Aufgrund eines Rezidivs
des
Pleuraempyems
und abszedierender Pneumonie
musste
d
er
Beschwerdeführer
vom 10. bis
zum 25.
Oktober 2013 erneut
im
Spital G._
hospitalisiert
(
Urk.
7/16/15 ff.)
und anschliessend ambulant nachbehandelt werden (vgl.
Urk.
7/16/53 ff.
,
7/16/57 ff.
und 7/16/62 ff.
)
.
Dem
Bericht
des
Spitals G._
vom 14. Februar 2014 zufolge zeigte sich unter der seit einem Monat sistierten Dauerantibiotikatherapie (Gesamttherapiedauer von 14 Wochen) klinisch, laborchemisch und radiologisch ein günstiger Verlauf ohne Hinweise für einen rezidivierten
pleuralen
oder pulmonalen
I
nfektfokus
(vgl.
Urk.
7/16/10 f
.).
3.
8
Die
behandelnden
Ärzte des
I._
hielten in ihrem Bericht vom 16. April 2014
fest, dass
sich
der Beschwerdeführer seit 2006
bei ihnen in
ambulant
er
Behandlung befinde
. Aktuell nehme er am
o
pioidgestützten
Substitutionspro
gramm teil, das von einer psychiatrisch-psychotherapeutischen und somatischen Behandlung begleitet werde (vgl.
Urk.
7/16/1 und 7/16/5).
Es wurden die
folgenden Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt
(Urk.
7/16/1)
:
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.
0
) seit Kind
heit
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typus
(ICD-10: F60.30)
seit dem Jugendalter
Panikstörung
,
episodisch paroxysmale Angst
(ICD-10: F41.0) seit 2006
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.01) seit 2013 als Folge der
chroni
schen Hepatitis C und der
wiederholten Pneumonien
COPD GOLD II (ICD-10: J44) mit Lungenemp
h
ysem seit 2011
Psoriasis
pustulosa
palmoplantaris
(ICD-10: L40.3) seit 2010, intermittente Gelenkbeschwerden aufgrund
psoriatischer
Arthritis
Status nach
anteroseptalem
Myokardinfarkt anamnestisch – EKG
Korelat
posi
tiv
.
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die folgenden Diagnosen (Urk. 7/16/1):
Psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F10.24) seit 1986
Psychische und Verhaltensstörung durch Opioide: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F11.22) seit 1988
Psychische und Verhaltensstörung durch Sedativa: ständiger
Substanz
gebrauch
(ICD-10: F13.25) seit 2011
Psychische und Verhaltensstörung durch
Cannabinoide
: episodischer
Sub
stanzgebrauch
(ICD-10: F12.26) seit 1976
Psychische und Verhaltensstörung durch Kokain: gegenwärtig abstinent (ICD-10: F14.20)
Psychische und Verhaltensstörung durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F17.24)
Rezidivierende bakterielle Pneumonie, teilweise mit
Hämoptyse
(ICD-10: J15): Status nach abszedierender Pneumonie links mit
Pleuraempyem
10/2013, Status nach
Hämophilus
Influenzae
Pneumonie 9/2011
MRSA
(
Methycilinrestistenter
Staphylokokus
Aureus
)
Träger 2013
Harnblasenkarzinom in Situ 2/2013, Status nach operativer Entfernung 3/2013
Chronische Hepatiti
s C (ICD-10: B18.2) seit 3/2006
Status nach
isoniazidresistenter
Lungentuberkulose 2006
Penicil
lin-A
llergie mit
Asthma und
Angiödem
.
Aus psychiatrischer Sicht leide der Patient bereits seit seiner Kindheit an einem Aufmerksam
keits- und Hyperaktivitätssyndrom sowie an einer emotional insta
bilen Persönlichkeitsstörung. Diese hätten in seine
m
Leben zu vielen psychi
schen und sozialen Problemen
geführt
,
wie zum Beispiel
zu
häufigen
Lehrab
brüchen
,
zu
Autoritätsproblemen,
zur
Unfähigkeit, sich einem System unterzu
ordnen,
zu
mangelnder Teamfähigkeit und
zu impulsivem Verhalten
. Die Symptomatik ha
be mittels psychotherapeutischer und medikamentöser
Mass
nahmen aufgrund seines Misstrauens zu einer Therapie beziehungsweise zu den indizierten Medikamenten nur rudimentär verbessert werden können. Es bestehe weiterhin ganz deutlich eine Tendenz
,
impulsiv zu handeln. Sein Verhalten sei vom Misstrauen gegenüber Menschen, auf die er angewiesen sei, geprägt. Im Laufe der letzten acht Jahre hätten sich auch Panikattacken entwickelt, die er nur mittels kurzwirksamer Benzodiazepine habe beherrschen können. Aufgrund seiner Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung sei er kaum in der Lage, sich im Alltag sinnvoll zu strukturieren und voraus zu planen. Zum Beispiel versäume er abgemachte Termine beim Zahnarzt und vernachlässige häufig die Führung
seines Haushalts. Das Konzentrationsvermögen sei stark reduziert. Auf Kritik reagiere er nicht selten impulsiv. Seine Selbstreflexion sei herabgesetzt. Einige wichtige zwischenmenschliche Beziehungen würden den Patienten im Alltag stützen. Den Konsum verschiedener psychotroper Substanzen sehe man als Versuch einer Selbstmedikation
,
um die erwä
hnte Symptomatik besser in den G
riff zu bekommen (
Urk.
7/16/5).
Aufgrund der seit 2011 stark verschlechterten chronisch obstruktiven
Lungener
krankung
reduziere sich die körperliche Leistungsfähigkeit des Patienten. Die seit 2006 bestehende chronische Hepatitis C stelle zusätzlich eine Belastung für den Gesundheitszustand dar. Aufgrund der Psoriasis-Arthritis leide er unter rezidivierenden Gelenkschmerzen und häufig auftretenden
psoriatischen
Haut
rissen
an beiden Handflächen. Die körperlichen Einschrä
n
kungen würden zu
wiederkehrenden depressiven Verstimmungen führen (
Urk.
7/16/5). Neue thera
peutische Möglichk
eiten im Rahmen der Hepatitis C-
Behandlung liessen auf eine Verbesserung des körperlichen Zustandes hoffen, was sich auch in Folge positiv auf das psychische Wohlbefinden des Patienten auswirken könnte.
Seit Januar 2013 betrage die Arbeitsunfähigkeit 100
%
. Der Patient sei während der Behandlung durch das Sozialamt unterstützt worden und sei nur sporadisch in diversen kurzfristigen Einsatzprogrammen (Recycling) tätig gewesen. Auf
grund der ADHS-Symptomatik, der Angstzustände, der emotio
nal
instabilen Persönlichkeitsstörung und der verminderten Lu
n
genkapazität (bei leichter kör
perlicher Tätigkeit, zum Beispiel Hausarbeit, müsse aufgrund auftretender Atemnot nach 30 Minuten pausiert werden)
habe die Arbeitstätigkeit häufig nach kurzer Zeit unterbrochen werden müssen. An den Handflächen bestünden
psoriatische
Veränderungen der Haut, die zu blutigen und damit infektiösen Hautrissen führen würden. Gelenkbeschwerden
, welche die Beweglichkeit limi
tieren wür
d
en,
seien sehr wahrscheinlich durch die
psoriatische
Arthritis und durch die chronische Hepatitis C verursacht
(
Urk.
7/16/6)
.
3.9
Med. prakt.
J._
vom
RAD
vertrat
am 6. Januar 2015
nach
der
Einsicht
nahme
in die medizinischen Unterlagen
die Auffassung, es lasse sich vor dem Suchtbeginn keine gravierende psychische Erkrankung finden. Viel
mehr habe der Beschwerdeführer keine negativen Gefühle wegen des Internats gehabt. Somit liege eine primäre Sucht vor
(Urk.
7
/21/3)
.
Die behandelnden Ärzte des
I._
hätten zwar eine seit dem Jugendalter beste
hende emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus
diag
nostiziert. Biografisch habe der Beschwerdeführer jedoch eine problemlose Zeit in der Primarschule und im Internat geschildert. Wegen seiner „frechen Schnurre“ sei er nicht angeeckt. Die pubertären Streitigkeiten mit der Mutter
nach dem Ende der Sekundarschule könnten kaum als Beleg für eine
Persön
lichkeitsstörung
interpretiert werden. Mit 17 Jahren sei er zur Familie seiner Freundin gezogen, mit der er seither über 31 Jahre
n
zusammen sei. Auch hier fänden sich
keine Belege für eine emotional
instabile Persönlichkeitsstörung.
Ebenso
wenig
ergäben sich solche a
us beruflicher Perspektive. Der Beschwer
deführer habe angegeben, dass er mit einer einzigen Ausnahme zu allen Mitar
beitern und Vorgesetzten ein gutes Verhältnis gehabt habe. Erst später, nach mehreren Arbeitsverhältnissen, sei es aufgrund seiner Reizbarkeit und Impulsi
vität immer wieder zu Konflikten mit dem Arbeitgeber gekommen. Eine seit dem Jugendalter bestehende impulsive
Persönlichkeits
störung
lasse sich daher nicht belegen. Vielmehr könnte an eine Drogenwirkung gedacht werden. Dem Bericht der Klinik
D._
vom 15. Juni 2007 sei unter anderem zu entneh
men, dass der Patient vor dem Entzug zunehmend aggressiv und gereizt gewirkt habe, nach dem Entzug sei er kooperativ und freundlich im Umgang gewesen
(
Urk.
7
/21/3 f.)
.
Die Diagnose einer Panikstörung werde lediglich mit „allgemeinen Ängsten“ und „Panikattacken in den acht letzten Jahren, die er nur
mittels kurzwirksamer
Benzodiazi
pin
e
habe beherrschen können“ begründet. Angesichts der Diagnose einer Sedativa
-A
bhängigkeit könnte es sich bei diesen Än
g
sten um
Entzugs
symptome
/Entzugsbefürchtungen handeln. Im Bericht der Klinik
D._
vom 15
. Juni 2007 würden eine Angst vor dem Entzug und „Ängste, wenn länger kein Alkohol getrunken wurde“ erwähnt
(
Urk.
7
/21/4)
.
Trotz der postulierten Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung sei der Beschwer
deführer in de
r
Lage gewesen, einen Schul- und Lehrabschluss zu machen und mehrere Jahre in Werkstätten zu arbeiten. Es gebe keine einschlä
gige Testung. Das Verpassen von Terminen und das Vernachlässigen des Haus
haltes könnten angesichts der ausgeprägten Sucht nicht als Beleg für eine ADHS-Störung herangezogen werden.
Ein alkoholbedingter organischer Hirnschaden sei nicht festgestellt worden.
Der Zustand bezüglich der Psoriasis sei unklar. Der Dermatologe habe auf
Besse
rungsmöglichkeiten
unter Alkoholkarenz hingewiesen.
Beim COPD GOLD II trete die Atemnot meist nur unter Belastung auf, so dass Patienten, die nicht sportlich aktiv seien und insgesamt bewegungsarm leb
ten
, die Verschlechterung ihrer Gesundheit nicht bemerk
ten
. Starker Husten (vor allem morgens) und Auswurf sei
en
zwar die Regel, könn
t
e
n
in einigen Fällen aber auch gänzlich fehlen.
Solange der Beschwerdeführer seiner primären Sucht folge, könne nicht entschie
den werden, ob ein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden vorliege. Zur Klärung dieser Frage sollte eine mindestens 6-monatige regelmässig kon
trollierte Abstinenz von Drogen und Alkohol nachgewiesen werden (ausser natürlich von Methadon).
4.
4.1
Zur Stellungnahme des RAD vom 6. Januar 2015 ist vorab zu bemerken, dass es sich um eine reine Aktenbeurteilung handelt, da
med
.
prakt.
J._
den Beschwerdeführer nie untersuchte.
Seine Einschät
zung vermag daher die
praxis
ge
mässen
Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1) von vornherein nicht zu erfüllen.
Insbesondere hat med. prakt.
J._
selbst
ausdrücklich erklärt, es könne nicht darüber entschieden werden, ob ein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden vorlieg
e
, solange der Beschwerde
führer
seiner Sucht nachgeh
e
(
Urk.
7
/21/4). Das heisst, er hat ein invalidisieren
des physisches oder psychisches Leiden
– insbesondere im hier interessierenden Zeitraum vom 1. Januar 2013 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 26. Mai 2015 (vgl. Art. 28
Abs.
1
lit
. b und Art. 29
Abs.
1 IVG; Urk.
7/4
) –
weder bejaht noch ausgeschlossen
.
Ist
seine
Einschätzung zu teilen, dass sich die medizinische Situation
ohne Weiterungen
nicht beurteilen
und damit auch der rechtlich relevante Sachverhalt nicht erstellen
lässt,
erweist sich die Abweisung des Rentenbegehrens
als unzutreffend
.
Vielmehr wäre
die
Beschwer
degegnerin
zu
ergänzenden Abklärungen, allenfalls
nach dem von
med. prakt.
J._
skizzierten Vorgehen,
gehalten gewesen
.
4.2
In physischer Hinsicht
steht aufgrund der geschilderten Aktenlage zumindest fest
, dass der Beschwerdeführer seit November 2007 an einer Psoriasis
(Urk.
7/16/98) und seit
November
2011 an einer COPD GO
L
D II
(Urk. 7/16/73)
leidet
. Die von den behandelnden Ärzten
des
I._
in diesem Zusammenhang attestierten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit (vgl. Urk.
7/16/6
) wurden von med. prak
t
.
J._
mit einer
nachvollziehbaren medizinisch-theoretischen
Begründung
in Frage gestellt
(Urk.
7/21/4
; vgl. auch Urk. 7/16/73
)
. Es kann deshalb
nicht ohne
W
e
iteres
auf
die
Einschätzung der Ärzte des
I._
abgestellt werden
, ungeachtet der Erfahrungstatsache, dass
behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auf
trags
recht
liche
Vertrauensstellung in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen
und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Zu Recht h
at med. prakt.
J._
, welcher den Beschwerdeführer ni
e
persönlich gesehen hat,
keine Anga
ben zu den im konkreten Fall vorhandenen
Beeinträchti
gungen
gemacht. Diese
werden durch entsprechende Untersuchungen zu erheben sein.
4.3
Zum psychischen Gesundheitszustand
ist festzuhalten, dass
dem Beschwerde
-
füh
rer
trotz der bekannten Suchterkrankung
seit 2010 wiederholt von
verschiedenen
behandelnden Ärzten eine emotional instabile
Persönlich
keitsstörung
, Angst und eine depressive Störung gemischt sowie eine hyperki
netische Störung (des Sozialverhaltens)
attestiert
wurde (vgl.
Urk.
7/12/1, 7/16/33, 7/16/77 und
7/16/91).
Die erstgenannte Diagnose
, welche zuletzt auch von den behandelnden Ärzte
n
des
I._
gestellt wurde,
hat
med. prakt.
J._
unter Verweis auf die biographischen Angaben des Beschwerdeführers in Zwei
fel gezogen (vgl.
Urk.
7
/21/3 f.).
Den erwähnten anamnestischen Schilderungen
sind jedoch nicht nur Beschreibungen einer unproblematischen Primarschulzeit
zu entnehmen.
Es
geht daraus auch hervor, dass der Beschwerdeführer im Kin
dergarten immer wieder von einem Mitschüler verprügelt
wurde und
deshalb
dem
Kindergarten f
ern blieb
.
Darüber hinaus
wird ein
Wechsel von einem Inter
nat im
Kanto
n
K._
in ein anderes im Kanton
L._
erwähnt, der nicht ansatzweise begründet wird
(vgl. Urk.
7/16/2).
W
egen vermuteter verminderter Intelligenz
wurde der Beschwerdeführer abgeklärt und
zum Erstaunen der Leh
rer
wurde
ein sehr gute
r IQ ermittelt
(Urk. 7/16/3)
.
Insbesondere erklärte der Beschwerdeführer ausdrücklich, dass er
an
beiden Lehrstellen Konflikte mit Vorgesetzten
gehabt habe (vgl. Urk.
7/16/3).
Der
schulischen und beruflichen Biographie
sind
somit auch gegenteilige Hinweise
zu entnehmen
.
Vor diesem Hintergrund
vermag
med. prakt.
J._
mit seinen
Ausführungen
die im Raum stehende Diagnose
einer emotional instabilen
Persönlichkeits
störung
zwar nicht
zu widerlegen
, aber immerhin in Frage zu stellen. Bereits aus diesem Grund erscheint auch der psychische Gesundheitszustand als abklärungsbedürftig.
4.4
Zusammenfassend ergibt sich, dass über den strittigen Leistungsanspruch nicht ohne zusätzliche medizinische Abklärungen entschieden werden kann. Da die
selben grundsätzlicher Natur sind, wird die Beschwerdegegnerin diese vorzu
nehmen haben. Der angefochtene Entscheid ist somit aufzuheben und die Sache ist zur Durchführung der not
wendigen Abklärungen und zu neuer Entscheidung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (§ 26 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht;
GSVGer
).
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 5
00.-- festzusetzen. Nach ständi
ger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen der
beschwerdeführenden
Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 mit Hinweisen). Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.