Decision ID: a1b49f2a-69dd-4894-bc66-472ae172dec3
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1956, war zuletzt ab März 2003 bei der
Y._
als Informatiker angestellt (
Urk.
7/1/1). Diese Tätigkeit übte er
seinen Anga
ben zufolge
wegen eines Zusammenbruchs (Burnout
s
) mit Angstattacken nicht mehr aus, worauf ihm das Arbeitsverhältnis gekündigt wurde.
Vom
24
.
März 2006 bis zum 3
0.
November 2007
bezog er Taggeldleistungen der
Arbeitslosen
versicherung
(
Urk.
7/
12
)
,
seither erhält
er Sozialhilfe (Urk. 7/2/4
,
7/7 ff.
und 7/
31/4
; vgl. auch
Urk.
3
)
.
1.
2
Am
5.
Oktober 2010
meldete
sich der Versicherte
bei der
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
(
Urk.
7/2)
.
Nach erwerblichen (
Urk.
7/12 und 7/15) und medizinischen (Urk. 7/14, 7/16 und 7/
22
) Abklärungen
stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 1
4.
April 2011 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/25). Mit
Verfügung vom
8.
Juni 2011
verneinte sie
einen Leistungsanspruch
(
Urk.
7/26)
.
Dieser Entscheid blieb unangefochten.
1.3
D
er Versicherte
meldete sich
am
4.
Juni 2013
unter Beilage
diverser
Arztzeug
nisse
(
Urk.
7/29)
erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/31)
. Die IV
Stelle stellte
darauf
mit Vorbescheid vom 1
0.
Juni 2013 das Nichteintreten auf das
Leis
tungsbegehren
in Aussicht (
Urk.
7/36)
. Dagegen erhob der Versicherte Einwand (
Urk.
7/43)
, welcher
in der Folge
ergänzend begründet wurde (Urk.
7/46). Über
dies liess
d
er
Versich
er
t
e
einen Bericht von
Dr.
med.
Z._
,
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
5.
Juli 2013 einreichen (
Urk.
7/45). Die IV-Stelle veranlasste darauf eine
psychiatrische
Untersuchung des Versicherten durch den Regionalen Ärztlichen Dienst
(Urk.
7/48)
, welche am
1
0.
Dezember 2013 stattfand (
Urk.
7/49). Mit Vorbescheid vom 1
7.
Januar 2014 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/52). Der Versicherte liess darauf erneut Einwand erheben (
Urk.
7/55 und 7/58) und
eine Stellungnahme
von
Dr.
Z._
vom 1
0.
März 2014 einreichen (
Urk.
7/57). Die IV-Stelle verneinte in der Folge mit Verfügung vom
3.
April 2014 einen Rentenanspruch (
Urk.
2 = 7/60).
2.
Gegen die Verfügung vom
3.
April 2014 liess der Versicherte mit Eingabe vom 1
9.
Mai 2014 Beschwerde erheben mit den Anträgen, die angefochtene Verfü
gung sei aufzuheben und es seien
ihm
Rentenleistungen ab dem
frühest
mögli
chen Zeitpunkt zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerd
e
gegnerin zurückzuweisen. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdeg
egnerin (
Urk.
1 S.
2). Ferner
ersuchte er
um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsver
tretung
(
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss am 1
8.
Juni 2014 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Davon
hat
die
Gegenpartei mit Verfügung vom 2
3.
Juni 2014 Kenntnis
erhalten
, mit welcher dem Beschwerdeführer die unent
geltliche Prozessführung bewilligt und in der Person seiner Rechtsvertreterin eine unentgeltliche
Rechtsbeiständin
bestellt wurde (
Urk.
8).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen
werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Wurde
eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers seit der letzten Abweisung seines Leistungsbegehrens mit Verfügung vom 8. Juni 2011
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
3.
April 2014
insoweit verschlechtert hat, dass
nunmehr ein Anspruch auf eine Invali
denrente besteht (vgl.
Urk.
1 und 2).
3.
3.1
Massgeblich für die Beurteilung des Gesundheitszustandes im Zeitpunkt der Verfügung vom
8.
Juni 2011 war die Einschätzung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (vgl. das Feststellungsblatt vom 1
4.
April 2011,
Urk.
7/23/3 ff.).
Dr.
med.
A._
,
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst untersuchte den Beschwerdeführer am 7. April 2011 psychiatrisch und stellte
in ihrem Bericht vom 1
3.
April 2011
die folgenden Diagnosen (
Urk.
7/22/1 und 7/22/5):
1.
Verdacht auf leichte Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.01), gegenwärtig unter medikamentöser Behandlung
regredient
, bei anhaltend
akzentuierten ängstlichen, vermeidenden Persönlichkeitszügen (ICD-10: Z73.1)
-
Verdacht auf Status nach mittelgradiger depressiver Episode mit psy
chotischen Symptomen (ICD-10: F
32.3) im Jahre 2006 (anamnestisch schleichender Beginn ab ca. 2004/2005 mit Schlafstörungen,
agora
phobischen
Ängsten und Panikattacken; kurzzeitige psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung 2006)
2.
Sekundäre Störung durch Alkohol, anamnestisch episodischer
Substanzge
brauch
(ICD-10: F10.26)
-
Ich-Störungen und rezidivierende, leichte depressive Symptomatik im Rahmen von Diagnose 1 und 2 und 3
3.
Probleme bei Veränderung der Lebensumstände, in Verbindung mit Berufs
tätigkeit, Arbeitslosigkeit und Alleinleben (ICD-10: Z55, Z60.0, Z60.2).
Die aktuellen Symptome (rezidivierende lebensmüde Gedanken, ängstlich-vermei
dendes Verhalten und sozialer Rückzug, Hinweise auf
Depersonalisati
ons
-
/
Derealisationserleben
) könnten aus medizinischer Sicht erklärt werden durch die derzeitige soziale Situation bei langjähriger Arbeitslosigkeit, die akzentuierte
Persönlichkeitsstruktur und den
anamnestisch wiederholten sekun
dären Alkoholüberkonsum. Eine anhaltende depressive Stimmungslage, ausge
prägte Ängste oder gravierende sozialphobische Merkmale, welche die Leis
tungsfähigkeit einschränkten,
seien
bei
der Untersuchung vom 1
1.
April 2011 nicht
eruierbar
. Auch eine andere psychische Erkrankung, wie zum Beispiel aus
dem schizophrenen F
ormenkreis, könne nicht festgestellt werden
(Urk.
7/22/6
f.)
.
Aus versicherungspsychiatrischer Sicht bestehe eine medizinisch-theoretische 100%ige Arbeitsfähigkeit sowohl in bisheriger wie auch in angepasster Tätigkeit
(
Urk.
7/22/7).
3.2
Die der Neuanmeldung beigelegten Arztzeugnisse attestieren dem Beschwerde
führer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom 2
6.
Oktober bis zum
9.
November 2011 und vom 2
5.
Juni 2012 bis zum 2
5.
Juni 2013
, ohne dass diese begründet wird
(
Urk.
7/29).
3.3
Gemäss dem
in der Folge eingereichten
Bericht von
Dr.
Z._
vom 1
5.
Juli 2013 befindet sich der Beschwerdeführer seit Juni 2012 bei ihr in psychothera
peutischer Behandlung. Nach eingehender psychiatrischer Exploration am 2
5.
Juni 2013 und einjähriger psychotherapeutischer Behandlung
habe sie fest
stellen müssen, dass der Beschwerdeführer unter ausgeprägten Ängsten (IDC-10:
F41.8) leide.
Zudem bestünden
eine gravierende soziale Phobie (ICD-10: F40.1) und eine Panikstörung (ICD-10: F41.0).
Die schwere soziale Phobie verunmögliche trotz der Einnahme von Medikamen
ten eine normale Lebensführung, ganz zu schweigen von einer auch nur an
nähernd verwertbaren beruflichen Funktionsfähigkeit. Auch in sozialen Aktivi
täten und Beziehungen sei der Beschwerdeführer massiv eingeschränkt. Die medikamentöse Therapie
mit
Anafranil
und
Seralin
habe
zwar eine leichte Bes
serung gebracht. Der Beschwerdeführer leide aber trotz Medikation und Psy
chotherapie weiterhin unter Stimmungsschwankungen, vermindertem Antrieb
(er habe oft Mühe
,
seinen kleinen Haushalt zu bewältigen, die Rechnungen rechtzeitig zu bezahlen, usw.)
, verminderter Konzentrationsfähigkeit und schneller Ermüdbarkeit. Nicht nur die soziale Phobie, sondern auch die Sy
mp
tome der Depression (ICD-10: F
32.1) verminderten die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität
(
Urk.
7/45/1 ff.)
.
Mit seiner schweren Angststörung sei
der Beschwerdeführer
ab Juni 2012
zu 100
%
arbeitsunfähig
(Urk. 7/45/3)
.
3.4
Med.
pract
.
B._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie und Facharzt FMH für Neurologie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst untersuchte den Beschwerdeführer am 1
0.
Dezember 201
3
und verfasste dazu am 1
3.
Januar 2014 einen Bericht (
Urk.
7/49). Darin werden folgende Diagnosen aufgeführt (
Urk.
7/49/4):
- Psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Längere depressive Reaktion (ICD-10: F43.21) bei akzentuierten ängst
lich-unsicheren und vermeidenden Persönlichkeitszüge
n
(ICD-10: Z73.1)
.
-
Psychiatrische Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Panikstörung (ICD-10: F41.0) mit seltenen Panikattacken
Probleme bei Veränderung der Lebensumstände, in Verbindung mit Berufs
tätigkeit, Arbeitslosigkeit und Alleinleben (ICD-10: Z55, Z60.0, Z60.2).
Bei der psychiatrischen Exploration finde sich eine
leichtgradig
ausgeprägte depressive Symptomatik. Der Versicherte sei affektiv aber ausreichend
schwin
gungsfähig
. Er könne sich im Gespräch aktiv einbringen, spreche frei über unterschiedliche Themenbereiche (IT-Branche, Kirche) und sei hierbei auch fähig, intellektuell anspruchsvolle Assoziationen zu bilden.
Hinsichtlich der nach wie vor unveränderten psychosozialen Belastung sei weiter
hin eine reaktive Komponente der depressiven Symptomatik gegeben.
Hinzu komme, dass die Ex-Partnerin, die ihm immer viel geholfen habe, vor etwa einem halben Jahr ins Ausland gezogen sei.
Zu Panikattacken komme es gemäss den Angaben des Versicherten nur selten, so dass hierdurch allein keine relevante Einschränkung gegeben erscheine. Er könne, wenngleich subjektiv mit negativen Gefühlen, öffentliche Verkehrsmittel benutzen, Einkaufe
n gehen und a
usserhäusliche
Kontakte pflegen. Die regel
mässige Einnahme von
Temesta
sei zwar nicht günstig, verfestige diese doch das Vermeidungsverhalten. Es bestehe ein
low
-dose-Gebrauch von Benzodiaze
pinen (ohne ersichtliche Dosissteigerung und auch sonst kein Anhalt für eine relevante Suchtstörung), der sich zusätzlich nicht erheblich auf das allgemein
e
soziale Funktionsniveau auswirken dürfte. Auch dass der Versicherte seine Lebensmittel online einkaufe, habe an sich keinen Krankheitswert. Im Vorder
grund des Störungsbildes bestehe heute eine sich inzwischen verselbständigte Angst vor der Angst, die zu einem (soziophobischen) Vermeidungsverhalten und auch dem Mehrgebrauch von
Temesta
geführt habe. Weiter seien Hinweise für das Vorliegen akzentuierter Persönlichkeitszüge festzustellen. In der Beziehungsgestaltung, insbesondere im Um
g
ang mit Autoritäten sei der Versi
cherte unsicher und ängstlich. Davon ausgehend, dass die
Persönlichkeitsprä
gung
seit jeher bestanden habe, sei es dem Versicherten über Jahre hinweg gelungen, stabil in angestellten Verhältnissen als Informatiker zu arbeiten. Erst die berufliche Überforderungssituation im Jahr 2006 habe zum Auftreten der Angstsymptomatik geführt. Ob seinerzeit tatsächlich eine depressive Episode mit psychotischen Symptomen bestanden habe, sei eher fraglich, insofern die im Bericht des Regionalen Ärztlichen Dienstes
vom 1
3.
April 2011 erwähnten
Ent
fremdungserlebnisse
und
Derealisationen
naheliegenderweise
im Rahmen der Panikstörung erklärt werden könnten (
Urk.
7/49/4 f.).
Dr.
B._
gelangte zur
zusammenfassenden
Beurteilung, dass die von
Dr.
Z._
beschriebene Symptomatik unter rein therapeutischen Gesichtspunk
ten zwar nachvollzogen werden könne, allerdings überwögen – insbesondere im Hinblick auf die depressive Symptomatik – weiterhin krankheitsferne (iv
fremde) psychosoziale Faktoren, so dass aus rein versicherungsmedizinischer Sicht hier kein eigenständiger überdauernder Gesundheitsschaden (im Sinne einer depressiven affektiven Störung) anzunehmen sei. Die Störung könne auch weiterhin als Anpassungsstörung bei kontinuierlicher (psychosozialer) Belastung angesehen werden und somit auch potenziell erfolgreiche
Bewältigungsstrate
gien
behindern und hierdurch zu Problemen in der sozialen Funktionsfähigkeit führen. Das Vermeidungsverhalten anzugehen und auch den
Temestagebrauch
einzuschränken
,
wäre therapeutisch aber durchaus möglich (
Urk.
7/49/5).
Eine andere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Vergleich zum
Unter
suchungs
zeitpunkt
am
7.
April 2011 ergebe sich somit nicht, da sich die Angststörung nicht weiter verschlechtert habe und auch keine ausgeprägte depressive Symptomatik vorliege (
Urk.
7/49/5).
3.5
In
ihrer Stellungnahme
vom 1
0.
März 2014 hielt
Dr.
Z._
fest, der Regionale Ärztliche Dienst habe wesentliche Aspekte nicht genügend berücksichtigt. Der Beschwerdeführer sei unter
Medikamentation
mit
Temesta
zur Untersuchung erschienen, anders wäre das nicht möglich gewesen. Zudem handle es sich bei der Untersuchung um eine Momentaufnahme. Erst während der Psychotherapie zeige
sich die S
chwere der Angstsymptomatik. Der Schweregrad der sozialen Phobie führe dazu, dass der Patient ein völlig zurückgezogenes Leben führe, kaum soziale Kontakte pflege, vor jeder Bahnfahrt und vor jeder
Gruppenakti
vität
sehr Angst habe.
Selbst unter
l
ow
-
dos
e
Benzodiazepin brauche es eine grosse Überwindung, damit der Beschwerdeführer soziale Funktionen erfüllen könne. Zudem nehme er im Sinne einer Selbstheilung auch Alkohol zu sich, um sich Mut zu machen.
Dank einer intensiven Verhaltenstherapie habe der Alkoholkonsum einge
schränkt werden können. Ohne
Temesta
gehe es aber leider nicht. Sobald der Patient mehr belastet werde,
dekompensiere
auch der Alkoholkonsum wieder.
I
m Bericht des
Regionalen Ärztlichen Dienst
es
werde
geschrieben
, dass die Depression nicht als eigenständiger überdauernde
r
Gesundheitsschaden zu sehen sei. Dem
müsse
k
lar entgegengehalten werden, dass der Beschwerdeführer ausgeprägte Symptome wie Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, einen verminderten Antrieb und eine stark verminderte Belastbarkeit habe, obwohl er unter potenten Medikamenten stehe. Diese Medikation, sicher auch im Zusam
menhang mit dem Alkohol, habe bereits zu einer wesentlichen Erhöhung der Leberenzyme geführt.
Nicht therapeutische Gesichtspunkte seien ausschlaggebend für die Diagnose, sondern die Diagnose sei
a
usschlaggeben
d
für das therapeutische Prozedere: Der Patient sei depressiv, stark vermindert leistungsfähig, habe Schlafstörungen, sei wegen seiner sozialen Phobien stark eingeschränkt und könne auch alltägliche Dinge nur mit grossem Aufwand bewältigen. Hier liege ein Therapieansatz, der dem Patienten zwar Lebensqualität bringe, eine verwertbare Arbeitsfähigkeit sei aber illusorisch. Eine Arbeit in einer geschützten Werkstätte wäre durchaus vorstellbar, aber auch nur teilzeitlich.
Ihre
Diagnosen würden sich nicht wesentlich von denjenigen des Regionalen Ärztlichen Dienstes unterscheiden. Der Schweregrad der psychischen Störungen sei aber in dessen Untersuchung keineswegs erfasst worden. Was im Verlauf
fehle, sei die Erwähnung des Leistungsknicks, der wichtigen Tatsache, dass er früher leistungsfähig gewesen sei und erst durch die Krankheit seine Leistungs
fähigkeit und Belastbarkeit verloren habe (
Urk.
7/57).
4.
4.1
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
4.2
Bezüglich der
Schreiben
von
Dr.
Z._
ist vorab als Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auf
tragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati
entinnen und Patienten aussagen (BGE
135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b/cc).
Die Ausführungen von
Dr.
Z._
vermögen aber auch inhaltlich nicht zu über
zeugen.
So legt sie
in ihrem Bericht vom 1
5.
Juli 2013
dar, dass Panikattacken und lähmende
Ängste den Beschwerdeführer in seinen Aktivitäten und sozialen Kontakten
massiv
einschränk
t
en. Zum Beispiel habe er deswegen
m
ehrmals nicht zu einem Gespräch beim Sozialdienst
C._
erscheinen können. Gleichzeitig geht aus de
n Ausführungen von Dr.
Z._
aber auch hervor, dass der Beschwerdeführer nach der Einnahme von
Temesta
durchaus in der Lage ist, Verabredungen und Termine (beim Sozialdienst, seiner Therapeutin etc.) wahr
zunehmen und die erforderlichen Einkäufe zu tätigen.
Im Frühling 2013 war es ihm darüber hinaus auch möglich – wenn auch unter besonders günstigen
Bedingungen – den obligatorischen Hundekurs zu absolvieren
(Urk.
7/45
).
Bei der beschriebenen Besserung unter medikamentöser Therapie ist es nicht nach
vollziehbar, wie
Dr.
Z._
zur Beurteilung gelangt, dass der Beschwerdeführer wegen seiner schweren Angststörung zu 100
%
arbeitsunfähig sei.
4.3
Demgegenüber erfüllt der Bericht des Regionalen Ärztlichen Dienstes vom 13. Januar 2014 (
Urk.
7/49) die von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung definierten Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1). Er beruht insbesondere auf der persönlichen Untersuchung des Beschwerde
führers und berücksichtigt auch dessen subjektive Beschwerdeschilderungen angemessen.
Darüber hinaus
enthält er
eine Auseinandersetzung mit der Ein
schätzung von
Dr.
Z._
und begründet die eigene Beurteilung der medizini
schen Situation
und der Arbeitsfähigkeit
einleuchtend und nachvollziehbar.
Dr.
Z._
wendet
gegen den erwähnten Bericht
in ihrer Stellungnahme vom 1
4.
März 2014 ein, dass der Beschwerdeführer während der Untersuchung unter dem Einfluss des Medikamentes
Temesta
gestanden sei (
Urk.
7/5
7
/1
). Dieser Umstand wurde im Bericht des Regionalen Ärztlichen Dienstes berücksichtigt
und es wurde
ausdrücklich vermerkt, der Beschwerdeführer gebe an, er habe ein
Temesta
eingenommen (
Urk.
7/49/2). Insbesondere wurde die fragliche
Medika
menteneinnahme
ausführlich diskutiert und floss in die Beurteilung der medizi
nischen Situation mit ein (
Urk.
7/49/4 f.).
Es mag zwar zutreffen, dass die Untersuchung
eine Momentaufnahme darstellt (
Urk.
7
/57/1).
Dr.
Z._
ist aber nicht beizupflichten, dass sich die
Schwere der Angstsymptomatik
lediglich im Verlauf einer Psychotherapie zeig
t (
Urk.
7/57/1).
Nebst den anlässlich der Untersuchung erhobenen Befunden wurden
– in
s
o
weit korrekt – auch die Ausführungen des
Beschwerdeführer
s
gegenüber dem explo
rierenden Psychiater
berücksichtigt (vgl.
Urk.
7/49/4)
. Diesen zufolge pflegt d
er Beschwerdeführer regelmässig ausserhäusliche
Kontakte zu seiner älteren Schwester und zum Mentor seiner Kirchgemeinde (
Urk.
7/49/1)
.
Er benutzt
, wenn auch mit negativen Gefühlen,
öffentliche Verkehrsmittel und geht ein
kaufen
(
Urk.
7/49/22)
. M
ehrmals täglich
geht er
mit seinem Hund spazieren, ein bis zwei Mal pro Woche a
uch zusammen mit Nachbarn (Urk.
7/49/2).
Angstan
fälle
hat
er
seinen eigenen Angaben zufolge
nur noch selten
, wobei er nicht einmal zu sagen vermochte, wann er den letzten erlitten hatte (
Urk.
7/49/2).
Die Stellungnahme von
Dr.
Z._
vom 1
0.
März 2014 ist auch sonst nicht geeignet, die Beurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes in Frage zu stellen.
4.4
Zusammenfassend ergibt sich somit,
dass auf den Bericht des Regionalen Ärztli
chen Dienstes vom
13. Januar 2014
abzustellen ist. Die Beschwerdegegnerin hat das
neue
Leistungsbegehren
somit
zu Recht mangels
einer objektivierbaren
Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit
ab dem
8.
Juni 2011
abgewiesen.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem unterliegenden Beschwerde
führer aufzuerlegen,
zufolge gewährter unentgeltlicher Prozessführung (vgl. Urk.
8
) aber einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.2
Advokatin
Karin
Wüthrich
von der
Procap
Schweiz
hat für ihre Bemühungen und Auslagen als unentgeltliche Rechts
vertreterin
eine Honorarnote vom
16. Februar 2015
eingereicht (
Urk.
11
). Der geltend gemachte Aufwand von
8,6
Stunden und von
Fr.
65.60
für Barauslagen erscheint angemessen, weshalb ihr
ausgehend von einem Stundenansatz von
Fr.
170.-- für die Bemühungen bis Ende 2014 und von
Fr.
185.-- ab Januar 2015
eine Entschädigung von
Fr.
1‘667.55
(inkl. Auslagen und 8
%
Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten ist.