Decision ID: 593a2357-e6f7-49cb-9fdb-934e05b3f8d9
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965,
arbeitete seit dem 1. Oktober 2008 beim
Universitätsspital Y._
als Pflegefachfrau
und war im Rahmen dieser Anstellung bei der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich (nachfol
gend: BVK) berufsvorsorgeversichert (Urk. 10/3-4, Urk. 9 S. 2
Rn
7)
.
Ab dem 24. März 2009
war
die Versicherte zu 100 % krankgeschrieben (Urk. 2/8-9). Vom
6.
bis am 2
4.
April 2009 absolvierte sie eine
ambulante
Rehabilitation
in der Klinik
Z._
(Urk.
2/13) und trat a
m
3. Mai
2009
eine sta
tio
näre Therapie
in
der
Psychiatrische
n
Universitätsklinik
A._
an
(Urk. 2/14, Urk. 2/15).
Am 13. Juli 2009 startete
sie
einen Arbeitsversuch
im
Universitätsspital Y._
(
Urk. 2/14
[
Verlaufseinträge vom 1
5.
und vom 17. Juli 2009
]
)
.
Das
Universitätsspital Y._
kündigte das
Arbeitsverhältnis
auf den
30. September 2009
, wobei die Versicherte
per
5. August 2009 freigestellt
wurde
(
Urk. 2/5, Urk. 2/16 [Verlaufseintrag vom 5. August 2009]
).
Die BVK gab daraufhin ein vertrauensärztliches psychiatrisches Gutachten in Auftrag, welches
Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Psychi
atrie und Psychotherapie,
am 25. März 2010 erstattete
(Urk. 2/22).
Mit Schreiben vom 26. März 2010
teilte die BVK der Versicherten mit,
dass sie
sich nicht als leistungspflichtig erachte
(Urk. 2/23). Am
20. September 2010
meldete
sich die Versicherte
bei der Ausgleichskasse des Kantons Schwyz
, IV-Stelle
,
zum
Leis
tungsbezug
an (
Urk.
14/2
).
Ab
dem
27. September
2010 stand der Versicherten ein Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung
zu
(Urk. 13/2/59)
.
Nach Ablauf einer fünftägigen Wartefrist (vgl. Urk. 13/2/59) bezog die Versicherte b
ei einem Vermittlungsgrad von 100 %
bis am 14. Dezember
2010 Taggelder der Arbeits
losenversicherung
(Urk.
13
/2/
11-
14,
Urk. 13/2/17-21,
Urk. 13/2/59
Urk. 14/20/1
, vgl. Urk. 2/26
).
Am 15. Dezember
2010 trat die Versicherte
eine Stelle
als Pflege
fachfrau
im Spital
C._
mit einem Pensum von 100
%
an (
Urk. 14/37
)
und war im Rahmen
dieses Arbeitsverhältnisses
bei der VESKA Pensionskasse H+ (nachfolgend: VESKA) berufsvorsorgeversichert (Urk.
2/49,
vgl.
Urk. 26)
.
Am 11. März 2011 teilte
sie
der IV-Stelle mit, sie
habe
die Probezeit
im Spital
C._
bestanden,
sei
zu 100 % arbeitsfähig und das IV-Verfahren
könne
abge
schlossen werden (Urk. 2/29
S. 5
).
A
m 30. April 2011
trat die Versicherte
zur Krisenintervention in die
Klinik
D._
ein, wo sie bis am 29. Juli 2011 stati
onär behandelt wurde (Urk. 2/30
,
Urk. 14/27
).
M
it
Entscheid
der Vormund
schaftsbehörde
E._
vom 31. Mai 2011
wurde für die Versicherte
eine Bei
standschaft nach Art. 394
des
Schweizerische
n
Zivilgesetzbuch
es
(ZGB)
errichtet (Urk. 2/37
, vgl. Urk. 2/36
).
Am 20. Juni 2011
meldete das
Spital
C._
die Versicherte
bei der IV
-Stelle
zur Früherfassung
an
(Urk. 2/38).
Im
August 2011
begann
die Versicherte einen Arbeitsversuch im Spital
C._
, welcher
vor
zeitig
abgebrochen wurde (Urk. 1 S. 26
Rn
49
,
Urk. 14/43
)
. Die Arbeitgeberin kündigte
das Arbeitsverhältn
is per 28. Februar 2012 (Urk. 2
/35).
Auf Empfehlung des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD, Urk. 2/42
, vgl. Urk. 2/41
) absolvierte die Versicherte vom 27. November 2012 bis am 22. März 2013 eine stationäre
Therapie
in der Psychiatrischen Klinik
F._
(Urk. 2/43-44
).
Mit Verfügung vom 21. Februar 2014 sprach die
Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons
G._
der Versicherten ab dem
1.
April 2012 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (Urk.
2/47).
Daraufhin stellte die Versicherte sowohl gegenüber
der VESKA
als auch
gegen
über der BVK
ein Leistungsgesuch.
Mit Schreiben vom 4. Juni respektive 18. November 2014 verneinten
die beiden
Vorsorgestiftungen
jeweils
eine Leis
tungspflicht (Urk. 2
/48-49)
.
Nachdem die Versicherte die BVK am 27. November 2017 (Urk. 10/13)
sowie
am 18. Februar 2019 (Urk. 10/16) erneut um Ausrichtung von Leistungen der beruflichen Vorsorge ersucht hatte,
hielt dieselbe
auch
am
22. Mai 2019
an ihrem ablehnenden Entscheid fest
(Urk. 10/17).
2.
Am 30. Juni 2020 erhob
X._
beim hiesigen Gericht Klage und beantragte,
die BVK
sei
zu verpflichten,
ihr
ab
dem 1. Dezember 2012 eine ganze Invalidenrente
auszurichten
(Urk. 1 S. 2).
Mit Klageantwort vom 21. September 2020 ersuchte die BVK um Abweisung der Klage (Urk. 9 S. 1). Mit Verfügung vom 24. September 2020 wurden die Akten der Eidgenössischen Inva
lidenversicherung in Sachen der Klägerin beigezogen (Urk. 11). Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (
vgl.
Urk. 16) hielten sowohl die Klägerin mit Replik vom 8. Februar 2021 (Urk. 19) als auch die Beklagte mit Duplik vom 22. März 2021 (Urk. 23) an ihren bisherigen Anträgen fest
. Mit Eingabe vom 12. April 2021 reichte die Klägerin
unaufgefordert
eine Stellungnahme zur Duplik der Beklagten ein (Urk. 28). A
uf Antrag der Klägerin (Urk. 26
) wurde die VESKA mit Verfügung vom 26. April 2021 zum Prozess beigeladen (Urk. 32).
M
it Eingabe vom 30. April 2021
verzichtete die VESKA
auf eine Stellungnahme (Urk. 34), was den Parteien mit Schreiben vom 18. Mai 2021 mitgeteilt wurde (Urk. 35).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art.
24
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenvorsorge (BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle
Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmun
gen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
Art.
29
des
Bundes
gesetz
es
über d
ie Invalidenversicherung [IVG]
). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlos
sen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeit
punkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Warte
zeit von einem Jahr gemäss Art.
28 Abs.
1
lit
.
b
IVG
in Verbin
dung mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausge
schieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
unterstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
1.2.1
Anspruch auf Invali
denleistungen haben gemäss Art.
23 BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40
%
invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach
Art.
23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der rele
vanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Ver
sicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Ver
schlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid
werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetre
tene
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorge
einrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vor
sorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der
Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (
Art.
26
Abs.
3 BVG
e
contrario
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
1.2.2
Für den Eintritt einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 23
lit
. a BVG ist die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf massgeblich. Sie ist relevant, wenn sie mindestens 20 % beträgt – was auch für die Eröff
nung der Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG gilt (vgl. BGE 144 V 58 E. 4.4 mit weiteren Hinweisen). Die Arbeitsunfähigkeit muss sich zudem auf das Arbeits
verhältnis sinnfällig auswirken oder ausgewirkt haben. Es
muss
also
arbeits
rechtlich
in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Der Zeitpunkt des Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwie
genden Wahr
scheinlichkeit grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulat
ive Überlegun
gen ersetzt werden
(Urteil des Bundesgerichts 9C_91/2013 vom 17. Juni 2013 E. 4.1.2 mit Hinweisen).
Der
rechtsgenügliche
Nachweis einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen erfordert jedoch nicht zwingend eine echt
zeitlich ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit. Nachträgliche Annahmen und speku
lative Überlegungen, wie etwa eine erst nach Jahren rückwirkend festge
legte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit, reichen aber nicht aus (Urteil des Bundesgerichts 9C_61/2014 vom 23. Juli 2014 E. 5.1 mit Hinweisen). Um der retrospektiven ärztlichen Attestierung der Arbeitsunfähigkeit zu folgen und auf ein echtzeitliches Arztzeugnis verzichten zu können, müssten die negativen Aus
wirkungen der Krankheit auf die Arbeitsfähigkeit indessen echtzeitlich dokumen
tiert sein (SZS 2015 S. 469 [Urteil des Bundesgerichts 9C_851/2014 vom 29. Juni 2015]).
1.3
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorge
einrichtungen
gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vor
sorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversiche
rung zugesproch
en wird.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invali
dität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeit
lichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde.
Bei der Prüfung dieser Frage zu berücksichtigen sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prog
nostische Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die versi
cherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit veran
las
st haben (BGE 134 V 20 E. 3.2).
Eine Unterbrechung des zeitlichen Konnexes ist grundsätzlich dann anzunehmen, wenn während mehr als dreier Monate eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % in einer angepassten Erwerbstätigkeit gegeben ist (BGE 144 V 58 E. 4.5), sofern sich eine dauerhafte Wiedererlangung der Arbeits
fähigkeit als objektiv wahrscheinlich darstellt (BGE 134 V 20 E. 3.2.1). Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als dreimonatige Tätigkeit als Eingliederungsversuch zu werten ist oder massgeblich auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte und eine dauerhafte Wiedereingliederung unwahr
scheinlich war (BGE 134 V 20 E. 3.2.1; 123 V 262 E. 1c; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 9C_271/2020 vom 6. November 2020 E. 2.2).
1.4
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Inva
liditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklä
rungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurtei
lungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leis
tungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Über
prüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeein
rich
tung beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bun
des
gerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
aArt
.
73
bis
der
Verordnung
über die Invalidenversiche
rung [
IVV
]
seit
1.
Juli 2006:
Art.
73
ter
IVV) einbezogen und ihr die Rentenver
fügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbstän
diges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbe
ziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invalidi
tätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nich
t verbindlich (BGE 130 V 270 E.
3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entschei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditäts
bemessung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.
2.1
Die Klägerin erklärte zur Begründung ihrer Klage im Wesentlichen,
während ihres Anstellungsverhältnisses
mit dem
Universitätsspital Y._
habe ihre Krankheit zum ersten Mal zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt
;
ihre Arbeitsfähigkeit
habe
seither nicht
wieder
hergestellt werden können
(Urk. 1 S. 33
Rn
B.3).
Es
werde
ihr
durchwegs ein den Grad einer Persönlichkeitsstörung erreichender Drang nach Perfektion und Anerkennung attestiert.
D
ie damit einhergehende Überlastung habe ab März 2009 zu wiederholten Dekompensationen in Form von Erschöpfungsdepressionen geführt. Auch in der Zeit vom 27. September 2010 bis am 30. April 2011 habe keine Arbeitsfähigkeit bestanden, da
sie
nur unter Inkaufnahme der nachhaltigen (weiteren) Beeinträchtigung ihrer Gesundheit in der Lage gewesen sei, überhaupt eine Arbeitsleistung zu erbringen (Urk. 1 S. 34
Rn
B.
7).
Für sie (beziehungsweise ihre Erkrankung) sei es gerade
charakteristisch, dass sie ihre eigenen Reserven bis aufs Letzte aufzehre, um den eigenen (wohl überhöhten) Ansprüchen zu genügen (Urk. 1 S. 34
Rn
B.8). Infolge des unmittelbaren Rückfalls
in die bestehende Symptomatik
nach dreier Monate effektiver Tätigkeit könne vorliegend nicht davon ausgegangen werden, dass während einer gemäss den Umständen ange
messenen Zeitdauer eine mindestens 80%ige Leistungsfähigkeit bestanden habe (Urk. 1 S. 34
Rn
B.9).
Der Umstand, dass
Dr. med.
H._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie Dr. phil.
I._
ihre
Arbeits
fähigkeit per 27. September 2010 bestätigten, sei vielmehr ihrem unbedingten Arbeitswillen als dringende
m
krankheitsbedingtem
Bedürfnis anzulasten als ihrer
Genesung, was die beiden genannten Fachpersonen bestätigt hätten.
Ferner
könne infolge
dessen, dass
sie
bereits während ihrer Arbeitstätigkeit vom 15. Dezember 2010 bis
am
30. April 2011 häufiger krankheitshalber arbeitsab
wesend gewesen sei, sowie aufgrund
der
unmittelbar
darauffolgenden
massiven Dekompensation nicht davon ausgegangen werden, dass gestützt auf diese effek
tiv als Arbeitsversuch zu bezeichnende Tätigkeit eine dauerhafte Wiedereinglie
derung in den Arbeitsmarkt wahrscheinlich
gewesen sei
(Urk. 1 S. 35
Rn
B.10). Dementsprechend seien die Voraussetzungen für einen massgeblichen Unterbruch des
zeitlichen Konnexes zwischen der
erstmaligen krankheitsbedingten Arbeits
unfähigkeit und
der eingetretenen
Invalidität offensichtlich nicht erfüllt. Dies zu bejahen würde bedeuten, von einer Genesung und Neuerkrankung auszugehen, was angesichts des ste
ts identischen Krankheitsbildes
nicht verfange
(Urk. 1 S. 35
Rn
B.11).
2.2
Die Beklagte erklärte zur Begründung ihres Antrages auf Ablehnung ihrer Leis
tungspflicht,
auch wenn sie
grundsätzlich nicht an den Rentenentscheid der
Inva
lidenversicherung
gebunden
sei
,
stelle sie vorliegend auf die nachvollzieh
bare und in sich plausible invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise ab, wonach die relevante Arbeitsunfähigkeit per April 2011 eingetreten sei (Urk. 9 S. 6 f.
Rn
19).
In den bei den Akten liegenden Berichten ab März 2010 bis Februar 2018 stelle eine
Mehrheit der behandelnden Ärzte
fest, dass die Klägerin nebst diversen somatischen Beschwerden vorab
an einer rezidivierenden depressiven Störung mit unterschiedlicher Schwere der einzelnen Episoden leide, wobei
ein vollständiges Abklingen der damaligen Psychopathologie und die Behandelbar
keit der dannzumal bereits bestehenden Autoimmunthyreoiditis
nach dem
Ereig
nis im Jahr 2009 ab dem 1. Oktober 2009 bestätigt werde. Ab Ende September 2009 bis März beziehungsweise April 2011 habe nachgewiesenermassen keine Arbeitsunfähigkeit zufolge einer psychischen E
rkrankung bestanden.
Die zweite, nach der Versicherungszeit bei der Beklagten aufgetretene Phase der Arbeitsun
fähigkeit liege vielmehr allein in somatischen Ereignissen begründet.
Erst am 30. April 2011
sei
eine Hospitalisierung in der
Klinik
D._
erfolgt
, was eine dritte bis heute
andauernde Phase der Arbeitsunfähigkeit zur Folge gehabt habe. Zwischen der gemäss Akten während der Versicherungszeit bei der Beklagten im Frühjahr 2009 aufgetretenen und im Spätsommer 2009 vollständig abgeklun
genen Psychopathologie einer leichten depressiven Episode mit somatischen Symp
tomen nebst einer behandelbaren Autoimmunthyreoiditis und der ab April 2011 aufgetretenen dritten Phase einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit, welcher
eine Kombination multipler somatischer und psychischer Erkrankungen zugrunde liege, lasse sich kein sachlicher Zusammenhang herstellen. Es fehle folglich be
reits an einem engen sachlichen Zusammenhang
(Urk. 9 S. 14 f.
Rn
36).
Darüber hinaus seien auch die Voraussetzungen eines engen zeitlichen Zusam
menhangs
nicht erfüllt.
So habe bei der Klägerin a
ufgrund der aktenkundigen psychischen Genesung ab Ende September 2009 und des erfolgreichen Stellen
antritts Ende 2010 nach Heilung der somatischen Beschwerden aus psychiat
rischer Sicht
während eineinhalb Jahren
eine volle Arbeitsfähigkeit bestanden. Dies decke sich auch mit dem Gutachten von Dr.
B._
vom 24. März 2010, wonach bei der Klägerin keine Berufsunfähigkeit
vorgelegen habe
. Aufgrund dessen und gestützt auf die echtzeitlichen Arztberichte sei eine dauerhafte Wie
der
erlangung der Erwerbsfähigkeit nach der Versicherungszeit bei der Be
klagten objektiv wahrscheinlich
(Urk. 9 S. 15
Rn
37)
.
2.3
In ihrer Replik führte die Klägerin aus,
die Beklagte lasse in ihrer Klageantwort unerwähnt, dass sich die Symptome, an welchen
sie
während der «
1.
Phase» und der «3. Phase» gelitten habe, aufs Haar gleichen würden. E
ntscheidend sei nicht, wie das Krankheitsbild letztlich benannt werde, sondern was ihm zugrunde gele
gen
habe
und wie es sich ausgewirkt habe
(Urk. 19 S. 3)
.
S
ämtliche Fachpersonen, welche sich eingehend mit dem Fall befasst hätten,
seien
übereinstimmend zum Schluss
gelangt
, dass es sich bei der Erkrankung im Jahr 2009 nicht um einen isolierten Event
gehandelt habe
, sondern dass
diese Ausdruck
der dem Wesen der Klägerin
zugrundeliegenden
Persönlichkeitsstörung gewesen sei, welche letztlich zu der nach wie vor bestehenden Invalidität geführt habe
. Die Psychopathologie sei gemäss
Dr. med.
J._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie,
«per se therapeutisch kaum beeinflussbar» und bestehe gemäss den aktuellsten Feststellungen der Inva
lidenversicherung nach wie vor
(Urk. 19 S. 4 f.).
Der
Schluss der Beklagten, es hätte nach Austritt der Klägerin aus der
Psychiatrischen Universitätsklinik A
._
keine Berufsunfähigkeit vorgelegen,
sei
klar nicht haltbar
. So habe Dr.
B._
die Berufsfähigkeit in seinem Gutachten vom 24. März 2010 nicht abschlies
send beurteilen können
.
Genauso wenig
haltbar sei die Ansicht der Beklagten, der Klägerin sei ab 1. Oktober 2009 in psychiatrischer Hinsicht eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit attestiert worden, zumal die Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch das
Universitätsspital Y._
per 30. September 2009 aus gesundheitlichen Gründen erfolgt sei, wobei die Klägerin unbestrittenermassen infolge ihrer psy
chischen Leiden nicht in der Lage gewesen sei, eine genügende Arbeitsleistung zu erbringen. Dies zeige klar, dass der Verlaufsbericht der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
vom 10. März 2010 in diesem Punkt nicht zutreffen könne und die Klägerin bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit dem
Universitätsspital Y._
per 30. September 2009 nach wie vor arbeits
- und berufsunfähig gewesen sei
(Urk. 19 S. 5
f.
).
Der gescheiterte Arbeitsversuch
im
Spital
C._
, die im Wesentlichen übereinstimmende Wiedergabe ihrer Symptome durch die sie behandelnden Ärzte sowie der weitere Verlauf ihrer Erkrankung zeigten, dass die Klägerin infolge ihrer Persönlichkeitsstörung offen
sichtlich bleibend berufs- und arbeitsunfähig sei (Urk. 19 S. 9).
D
r.
J._
habe bestätigt, dass die Psychopathologie, an welcher die Klägerin leide und welche zu ihrer Arbeitsunfähigkeit führte, bereits im Jahr 2009 vorhanden gewesen und damals sch
licht nicht erkannt worden sei
(Urk. 19 S. 9 f.).
2.4
Duplicando
führ
t
e die Beklagte aus,
bei der Klägerin
sei
im späteren Verlauf der im Frühjahr 2011 aufgetretenen psychischen Dekompensation eine Persönlich
ke
itsstörung manifest geworden
, welche sich leistungsmindernd ausgewirkt habe. Erst am 30. April 2011 und damit gut zwei Jahr
e
nach dem Auftreten des psy
chischen Krankheitsereignisses während der Versicherungszeit bei der Beklagten sei im Sinne einer Krisenintervention zufolge einer massiven Überforderung im privaten und beruflichen Umfeld eine Hospitalisierung in der
Klinik
D._
erfolgt. Gemäss Aktenlage habe namentlich die private Verschuldungssituation der Klägerin dieser psychischen Krise zugrunde gelegen. Dies habe eine bis heute andauernde Arbeitsunfähigkeit zur Folge gehabt. Auch Dr.
J._
habe in seinem Bericht vom 1. Oktober 2013 bestätigt, dass wegen der seit April 2011 bestehenden, anhaltend mittelgradig
en
bis schweren depressiven Symptomatik in Kombination mit der vorliegenden Persönlichkeitsstörung seither eine anhal
tende, erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für jede Art von Erwerbs
tätigkeit bestehe. Entsprechend habe die IV-Stelle den Beginn des Wartejahres per April 2011 fe
s
tgelegt (Urk. 23 S. 3).
Das psychische Leiden, welches unter anderem zur Invalidität geführt habe, sei während der Versicherungszeit bei der Beklagten nicht
als in
rechtsgenüglicher
Art und Weise in Erscheinung getreten nachgewiesen
worden
.
Auch während der Dauer des Leistungsbezugs
bei
der Arbeitslosenversicherung bis zum 14. Dezember 2010 sowie während des Anstel
lungsverhältnisses beim Spital
C._
sei nach Lage der Akten bis Ende April 2011 von einer vollen Arbeitsfähigkeit der Klägerin auszugehen. Gegen
teilige Angaben seien weder den Akten zu entnehmen noch von der Klägerin bei
gebracht worden. Auch
fänden
sich
für diesen Zeitraum keine echtzeitlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen oder Nachweise für ärztliche Behandlungen (Urk. 23 S. 4).
2.5
In ihrer Stellungnahme vom 12. April 2021 hielt die Klägerin fest,
der Behaup
tung der Beklagten, die Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2009 sei – im G
egensatz zur
Arbeitsunfähigkeit ab April 2011 – nicht auf ihre Persönlichkeitsstörung zurück
zuführen, fehle angesichts des Berichts von Dr.
J._
, den Beobachtungen der
Fachpersonen der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
sowie der Stellungnahme von Dr.
H._
und Dr.
I._
vom 1
4
. August 2019 jede haltbare Grundlage
.
Die Beklagte ignoriere bei der Bestreitung des sachlichen Zusammenhangs, dass die Diagnose der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
offensichtlich nicht haltbar sei,
der
Klägerin durchgehend die gleichen Symptome attestiert worden seien und namentlich Dr.
J._
die der Invalidität zugrunde
liegende Psychopathologie als bereits für die Erkrankung und Arbeitsunfähigkeit der Klägerin im Jahr 2009 ursächlich bezeichnet habe. Nach ihrem Aufenthalt in der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
habe die Klägerin ihre Arbeitsfähigkeit zu keinem Zeitpunkt wieder
erlangt, womit auch ein enger zeitlicher Zusammenhang der während des Vor
sorgeverhältnisses bei der Beklagten eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der aktuellen Invalidität bestehe (Urk. 28 S. 3).
3.
3.1
Dr. med.
K._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt in der Klinik
Z._
, attestierte der Klägerin am 24. März 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 25. März bis am 30. April 2009 (Urk. 2/12). Nach
dem die Klägerin vom
6.
bis am 2
4.
April 2009 einen ambulanten Rehab
ili
tationsaufenthalt in der Klinik
Z._
absolviert hatte, stellten Dr. med.
L._
und der Psychotherapeut
M._
in ihrem Bericht vom 7. Mai 2009 folgende Diagnosen (Urk. 2/13):
-
Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt (ICD-10 F43.22)
-
Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeitsstörung
Gegen
Ende der Rehabilitationsbehandlung habe die Klägerin wieder Ängste ent
wickelt.
Sie fühle sich nicht in der Lage, ihre alltäglichen Hausarbeiten durchzu
führen, leide unter Selbstzweifeln und habe kein Selbstwertgefühl. Im Gespräch sei mit der Klägerin ausführlich die Möglichkeit eines stationären Aufenthaltes in der Psychotherapieklinik erörtert worden. Die Klägerin habe sich dann doch für einen 50%igen Wiedereinstieg ins Berufsleben als Krankenschwester entschieden. Vom 27. April bis am 24. Mai 2009 bestehe eine Arbeitsfähigkeit vo
n 50 % (Urk. 2/13).
3.2
Vom 3. Mai bis am 25. August 2009 fand eine stationäre Behandlung in der
Psychiatrischen Universitätsklinik
A._
statt.
Der
Klägerin
wurde
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 3. Mai bis am 30. September 2009
attestiert
(Urk. 2/18).
In ihrem Bericht vom
4. Juni 2009 stellten Dr. med.
N._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Oberärztin an der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
,
und Dr. med.
O._
, Assistenzärztin an der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
,
folgende Diagnosen (Urk. 2/15):
-
Leichte depressive Episode, mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.0)
-
Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto; ICD-10 E06.3)
Die
Klägerin
sei freiwillig per Selbstzuweisung wegen diffusen Ängsten und dem Gefühl, vom Alltag überfordert zu sein, in die Klinik gekommen.
Es habe sich eine bedrückt wirkende Patientin gezeigt. Sie habe zum Ausdruck gebracht, dass
sie unter diffusen Ängsten und Schlaflosigkeit leide
und weder ihren alltägli
chen Verrichtungen, noch ihrer Arbeit als
Pflegefachfrau nachkommen könne
(Urk. 2/15
). Im
Austrittsbericht
vom 10. März 2010
bestätigten Dr.
N._
und Dr.
O._
die im B
ericht vom
4. Juni 2009 gestellten Diagnosen und stellten zusätz
lich die Differentialdiagnose einer Anpassungsstörung mit Angst und Depres
sion gemischt
(ICD-10 F43.22). Es habe sich eine initial depressive Patien
tin gezeigt, welche sich von den alltäglichen Verrichtungen wie Kuchen backen oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu fahre
n, komplett über
fordert fühlte
(
Urk.
14/62/3
-4
).
3.3
Dr.
H._
und
Dr.
I._
hielten in ihrem Bericht vom 4. November 2008 (
gemeint
wohl: 2009) fest, die Klägerin befinde sich seit dem 9. Januar 2009 in ihrer Praxis in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Zu Behand
lungsbeginn habe ein von depressiven und ängstlichen Symptomen geprägter psychosomatischer Erschöpfungszustand/Burnout vorgelegen, bedingt durch eine ausserordentliche Häufung von Belastungen sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich. Ab dem 24. März 2009 sei die Klägerin arbeitsunfähig gewesen. Ein auffälliger gynäkologischer Befund habe kürzlich am 28. Oktober 2010
(
gemeint
wohl: 2009)
einen operativen Eingriff erfordert, infolgedesse
n eine Reha
bilitationszeit von drei bis vier
Wochen notwendig sei. Aus psychiatrischer Sicht sei mit einer teilweisen bis vollständigen Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit im Verlauf des Monats Dezember
2009 zu rechnen (Urk. 13/1/10).
3
.4
I
n ihrem Bericht vom 10. März 2010
stellten Dr.
H._
und Dr.
I._
die Diagnose eines
somato
-psychischen depressiven Erschöpfungszustandes. Es finde nun eine Nachbehandlung nach dem Austritt aus der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
statt, wobei die Krank
schreibung weiterhin 100 % betrage.
Der
somato
-psychische depressive Erschöp
fungszustand habe sich im Kontext des erst später diagnostizierten gynäkolo
gischen CA-Befundes (Cervix-CA / Operation vom 28. Oktober 2009
)
entwickelt
. Der
somato
-psychische Zusammenhang sei dabei erst nach und nach
klar geworden
. Heute werde die somatische Kausalität als primär, die depressive Symp
tomatik als sekundär betrachtet, wobei sowohl im Arbeits- als auch im privaten Bereich vor einem Jahr eine Häufung von Belastungen bestanden habe, die insgesamt wohl zur Destabilisierung der sonst überdurchschnittlich belast
baren Persönlichkeit geführt habe. Der Verlauf sei aus psychiatrisch-psychothe
rapeutischer Sicht erfreulich. Die Klägerin kooperiere gut und gewinne nach und nach ihre lange Zeit für sie selbstverständliche psychische Stabilität wieder. Eine Wiederherstellung der vollständigen Arbeitsfähigkeit werde unter diesen Umstän
den für gesichert gehalten. Derzeit sei die Klägerin noch nicht arbeitsfähig, ins
besondere da sie auch noch vor kurzem habe operiert werden müssen
. D
ie Wie
deraufnahme der Berufstätigkeit im angestammten Beruf sei Anfang Mai
2010
realistisch
(Urk. 2/8).
3.5
Dr.
B._
untersuchte die Klägerin am 19. Januar,
2.
sowie 18. Februar 2010, nahm am 2. März 2010 telefonisch Rücksprache mit
dem
behandelnden Psycho
therapeuten, Dr.
I._
, und erstattete am 25. März 2010 zuhanden der BVK ein psychiatrisches Gutachten. Darin stellte
er
folgende Diagnosen (Urk. 2/22/12):
-
Status nach leichter depressiver Episode
vel
Anpassungsstörung bei akzen
tuierten Persönlichkeitszügen
-
Akute Meniskusverletzung links, operiert 3. Februar 2010
-
Status nach Uterus-
Konisation
bei Krebsverdacht Januar 2010
-
Hashimoto-Thyreoiditis
Dr.
B._
hielt einleitend fest, da die Klägerin von ihren somatischen Beschwer
den und damit zusammenhängend nur reduziert zu bewältigenden Alltagsprob
lemen beherrscht gewesen sei, habe eine umfassende psychiatrische Abklärung ihrer Berufsunfähigkeit zumindest vorläufig nicht stattfinden können. Eine solche dürfte erst nach ausreichender Stabilisierung des Gesundheitszustandes im Laufe des Sommers 2010 möglich werden. Die nachfolgenden Erkenntnisse seien dem
nach als vorläufig zu betrachten (Urk. 2/22 S. 2). In der ganzen Zeit der Unter
suchung sei die Klägerin aus körperlichen Gründen voll arbeitsunfähig gewesen. Diese Arbeitsunfähigkeit dürfte auch noch bis April 2010 andauern, allenfalls reduziert. Aus psychischen Gründen habe keine sichere Einschränkung der Arbeits
fähigkeit festgestellt werden können, auch keine gesicherte aktuelle psy
chi
atrische Diagnose, sondern ein
Status nach leichter depressiver Episode, allen
falls Anpassungsstörung. Was die Frage der Berufsfähigkeit betreffe, so wage er hier keine abschliessende Beurteilung. Die Persönlichkeit der Klägerin sei nicht ganz unauffällig mit akzentuierten Zügen, auch in der letzten Zeit etwas desor
ganisiert wirkend. Dennoch sei eine anhaltende Berufsunfähigkeit eher unwahr
scheinlich. Nach vorläufigen Erkenntnissen bestehe keine Berufsunfähigkeit. Hin
gegen sei die Klägerin ab dem 25. März 2009 aus psychischen Gründen zu 100 % arbeitsunfähig gewesen, mindestens bis Ende Oktober 200
9.
Bis Mitte Januar 2010 sei ihr erneut eine psychiatrisch bestätigte Arbeitsunfähigkeit attes
tiert worden, ab wann sei unklar (November/Dezember 2009 sei die Klägerin zeit
weise im Ausland gewesen). Ab Mitte Januar 2010 sei die Klägerin aus soma
tischen Gründen zu 100 % arbeitsunfähig gewesen, voraussichtlich bis Ende März 201
0.
Ab April 2010 sollte sie in ihrem Beruf wieder arbeitsf
ähig sein (Urk. 2/22 S. 11-12).
3.6
Dr. med.
P._
, Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und klinische Ernährung des
Universitätsspital Y._
, und Dr. med.
Q._
, Fachärztin FMH für Endokrinologie-Diabetologi
e und Allgemeine Innere Medizin,
stellten in ihrem Bericht vom 28. Juli 2010 folgende Diagnosen (Urk. 14/23/5):
-
Pathologische
Glucosetoleranz
, Erstdiagnose März 2010
-
Hypothyreose bei
Hashimotothyreoiditis
-
Depression, Erstdiagnose März 2009
-
Cervixkarzinom, Erstdiagnose 2010
-
Meniskusläsion
Februar 2010
Seit anfangs 2010 würden gehäuft
postprandiale
Hypoglykämien auftreten, so dass die Klägerin an Prof.
R._
zur Abklärung überwiesen worden sei. Die vorliegende Konstellation sei mit einer gestörten Insulinsekretion im Rahmen eines Prädiabetes vereinbar. Die Klägerin sei zur Ernährun
gsberatung angemeldet worden
(Urk. 14/23/5-7).
3.7
In ihrem Bericht vom 25. August 2010 hielten Dr.
H._
und Dr.
I._
fest, trotz dem durchaus erfreulichen Therapieverlauf und entgegen ihrer optimis
tischen Prognose sei es
bei der Klägerin
bisher nicht zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit gekommen.
Dies aus mehreren, sich in ihrer Wirkung kumulie
renden Gründen: Zum die Klägerin über Monate hinweg belastenden CA-Ver
dacht seien unerklärliche Schwankungen des Blutzuckers hinzugekommen, die unterdessen als Prädiabetes diagnostiziert worden seien. Zudem eine verun
glückte Knie-Operation, die zu persistierenden Schmerzen geführt habe, was einen zweiten operativen Eingriff notwendig gemacht habe. Dazu sei eine infolge einer Versicherungsproblematik überraschend eingetretene massive Existenz
bedrohung gekommen. All
es
zusammen habe bei der Klägerin zu wiederholten gravie
renden depressiven Einbrüchen und Rückfällen in die Dimensionen des ursprünglichen Krankheitsbildes (mit Angstzuständen und Dekompensations
gefahr) geführt.
Grundsätzlich werde an der optimistischen Prognose festgehal
ten, was die vollständige Rehabilitierungsperspektive betreffe. Der zeitliche Hori
zont sei allerdings momentan noch schwer abschätzbar
. Zusammengefas
s
t habe durchgängig seit Krankheitsbeginn und weiterhin aus psychiatrischer Perspektive eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (100 %) bestanden. Eine Teilarbeitsfähigkeit sei zu keinem Zeitpunkt gegeben gewesen. Die Therapie müs
se weiterhin fortge
setzt werden (Urk. 2/9).
3.8
In
ihrem Bericht vom 20. September 2010
führte
Dr.
Q._
aus
,
z
urzeit
habe sich die Situation mit einem geregelten Tagesablauf stark gebessert. Es wäre von Vor
teil, wenn
die Klägerin für die nächsten drei
Monate weiterhin einem beruflich geregelten Tagesablauf nachgehen könnte (z.B. Frühdienst, Spätdienst, eher keine Nachtschichten; Urk. 13/2/39)
.
In ihrem Bericht vom 4. Oktober 2010
hielt
Dr.
Q._
fest,
d
ie Klägerin habe ein gestörtes Essverhalten (aufgrund von Stress und Depression)
.
S
ie nehme sehr viele Kohlenhydrate zu sich, wenn sie sich gestresst fühle, wodurch es zur Gewichts
zunahme und zur gestörten Insulinsekretion komme. Die Prognose sei sehr gut.
Ihr Zustand verbessere sich.
Ihre Probleme beruhten auf stressbedingter Gewichts
zunahme und übermässiger Kohlenhydrataufnahme mit nachfolgenden Symptomen von
Zittrigkeit
und Schwäche, wenn sie auf Kohlenhydrate verzichte. Dies seien vorübergehende Probleme, welche die Arbeitsfä
higkeit nicht beein
trächtigten (Urk. 14/8/
1-
3).
3.9
In ihrem Bericht vom 9. Dezember 2010
führten
Dr.
H._
und
Dr.
I._
aus
, da die Klägerin am 15. Dezember 2010 ihre neue Arbeitsstelle antrete und
sie
zudem bereits seit dem 27. September 2010 wieder zu 100 % arbeitsfähig sei, erübrige sich die Produktion weiterer Akten. Wie die ganze Zeit über prognosti
ziert worden sei, bestünde bei der Klägerin keinerlei psychiatrisches Invaliditäts
risiko und habe auch kein solches bestanden (Urk. 2/25).
3.10
Vom
30. April
bis am 29. Juli
2011
durchlief
die Klägerin
eine stationäre Therapie
in
der
Klinik
D._
. Dr.
med.
S._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie sowie Oberarzt a
n der
Klinik
D._
,
sowie Dipl. Psych.
T._
diagnostizierten in ihrem Bericht
vom 1. September 2011
eine Bipola
re II Störung (ICD-10 F31.8), gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, bestehend seit circa 200
9.
Die Klägerin sei im Rahmen einer psychosozialen Dekompensa
tion mit massiver Überforderung im privaten und beruflichen Umfeld zur Krisen
intervention auf die Kriseninte
rventions- und Akutstation
U._
zugewiesen worden. Sie habe einen «Domino-Effekt» zahlreicher unglücklicher sich akkumu
lierender Umstände angegeben (Schuldenhäufung, anstehender Umzug, Arbeits
platzwechsel), welche zu massiver Erschöpfung geführt hätten.
Im Verlauf der aktuellen stationären psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung habe die Klägerin eine rückläufige depressive Symptomatik bei weiterhin eingeschränkter Belastbarkeit gezeigt.
Als psychische Einschränkungen hätten sich aufgrund der depressiven Episode Symptome wie Antriebslosigkeit, sozialer Rückzug, Nieder
gestimmtheit und Konzentrationsschwierigkeiten gezeigt. Dies würde sich durch rasche Ermüdung im Arbeitsalltag, eine fehlende Belastbarkeit sowie eine einge
schränkte Konzentrationsfähigkeit auswirken.
Während dem stationären Aufent
halt habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Die bisherige Tätigkeit sei noch zumutbar, wobei der zeitliche Rahmen durch einen Arbeitsversuch zu über
prüfen sei. Die Klägerin habe nach Austritt einen gestuften Arbeitseinstieg mit 20 % gemacht. Eine stufenweise Steigerung werde empfohlen.
Mit einer Wieder
aufnahme der beruflichen Tätigkeit könne gerechnet werden
(Urk.
2/30
)
.
3.1
1
RAD-
Arzt Dr.
J._
untersuchte die Klägerin am 27. September 201
3.
In seinem Bericht vom
1. Oktober 2013
stellte er folgende Diagnosen (Urk. 2/45
S. 7
):
-
Schwere Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61)
-
Mit emotionaler Instabilität und massiver Selbstunsicherheit
-
Rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.2)
-
Aktuelle depressive Episode seit April 2011, aktuell schwer depressiv
Aufgrund der
am 27. September 2013
erhobenen Befunde
seien
die in den Akten enthaltenen Angaben in wesentlichen Punkten zu bestätigen. Eine eigentliche Exploration sei nicht durchführbar gewesen, weil sie sehr unruhig gewesen sei, selbst bei einfachen, konkreten Fragen vom Hundertsten ins Tausendste
abge
schweift sei
, sich in unwichtigen Details verloren und schliesslich die gestellte Frage nicht beantwortet habe. Dieses Verhalten habe unter anderem auf der per
fektionistischen, persönlichkeitsbezogenen Grundhaltung beruht
. Ein wesent
licher Teil der verwertbaren Informationen stamme von Frau
V._
(Wohnbe
gleitung, Stiftung
W._
). Ohne die intensive Unterstützung durch Frau
V._
und einen guten Kollegen wäre die Klägerin kaum fähig, zuhause zu leben. Ins
gesamt habe die Klägerin anlässlich der Untersuchung psychisch sehr auffällig gewirkt, teilweise geradezu verschroben. Die ICD-10 Kriterien einer schweren Depression seien erfüllt, was mit dem klinischen Gesamteindruck übereinstimme. In Anbetracht der sehr auffälligen Lebensgestaltung in sämtlichen Bereichen sei von einer Persönlichkeitspathologie vom Ausmass einer Persönlichkeitsstörung aus
zugehen. Insgesamt würden dabei emotional instabile Züge überwiegen. Die Klägerin versuche in sehr intensiver Weise, durch grosse berufliche Leistungen gegen ihr äusserst labiles Selbstbild und ihre starken Minderwertigkeitsgefühle anzukämpfen. Erst im Zuge der anhaltenden psychischen Dekompensation sei das Ausmass der vorliegenden Pathologie und die ungünstige Psycho
dynamik klar ersichtlich geworden. Das Erscheinungsbild des depressiven Zustandes werde stark geprägt
von ihren Persönlichkeitszügen.
Wegen der seit April 2011 beste
henden, anhaltend mittelgradig
en
bis schweren depressiven Symptomatik in Kom
bination mit der vorliegenden Persönlichkeitsstörung würde seither eine anhal
tende, erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für jede Art von Erwerbstätigkeit bestehen. Vom 30. April bis am 29. Juli 2011 habe eine Arbeits
unfähigkeit von 100 %, vom 30. Juli bis am 18. November 2011 eine solche von 50 % und ab dem 19. November 2011 wiederum eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden. Die Klägerin sei bis auf Weiteres mit der Alltagsbewältigung überfordert wegen erheblicher Störungen von Antrieb, Merk- und Konzentra
tionsfähigkeit sowie psychischer Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit. Ursache für den sehr schlechten Verlauf bilde vorab die vorliegende, ausgeprägte Persön
lichkeitspathologie, welche per se therapeutisch kaum beeinflussbar sei. Aus diesen Gründen sei die Prognose zumindest kurz- und mittelfristig als ungünstig zu beurteilen. Es sei davon auszugehen, dass die Klägerin innerhalb der nächsten zwölf Monate keine im ersten Arbeitsmarkt verwertbare Arbeitsfähigkeit errei
chen werde (Urk.
2/45).
3.12
Am 14. August 2019 erstattete Dr.
I._
eine psychotherapeutische Stellung
nahme. Er führte aus, aufgrund von Fehlleistungen und unprofessionellen Ent
scheidungen der
Sachverständigen der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
(insbesondere einem verfrüht in die Wege geleiteten und unzulänglich begleiteten Arbeitsversuch) habe die Klägerin damals ihre Anstellung am
Universitätsspital Y._
verloren. In Übereinstimmung mit der Klägerin der es – aufgrund ihres grundsätzlich optimistischen und kämpferischen Wesens
– damals sicher noch an Krankheitseinsicht gemangelt habe, sei der Akzent der Behandlung auf einen möglichst unbelasteten Wiedereinstieg ins Berufs
leben gelegt worden, zumal die Klägerin entschlossen gewesen sei, dafür ganz neue Rahmenbedingungen zu schaffen. Selbstverständlich sei
en
ihm
(Dr.
I._
) und Dr.
H._
das Risik
o einer ungünstigen weiteren Entwick
lung des Krank
heitsbildes bewusst gewesen.
Die
Stützung einer optimistischen Lebenshaltung eines Patienten könne aber in solchen Fällen durchaus richtig sein und zu einem positiven weiteren Verlauf beitragen.
Im vorliegenden Fall müsse seine – von Dr.
H._
als verantwortlichem Psychiater damals mitunter
zeichnete – Beurteilung der Klägerin als «wieder vollständig gesund» und die doch sehr gewagte Formulierung «es bestehe keinerlei Invaliditätsrisiko» rückblickend ganz klar als falsch erkannt werden.
Die Stellungnahme von damals hätte dem guten Zweck dienen sollen, der Klägerin existenziell wieder auf die Beine zu helfen. Dass dies nachträglich versicherungsrechtlich massive Nachteile für die Klägerin generieren könnte, sei ihm in keiner Weise bewusst gewesen und er empfinde dies heute als stossend und halte es deswegen für angemessen, seine damaligen Formulierungen ausdrücklich als Fehlbeurteilungen zu korrigieren.
Der weitere Verlauf habe klar und deutlich gezeigt, dass es sich bei der begleiteten depres
siven Episode bereits um eine Phase der später sich noch gravierender ent
wi
ckelnden depressiven Erkrankung gehandelt haben müsse. Zu keinem Zeit
punkt sei die Klägerin wieder «ganz gesund» gewesen. Sie habe lediglich tapfer versucht, an ihre langjährig gewohnte Tüchtigkeit nochmals anzuknüpfen und sich trotz ihres angeschlagenen Zustandes in eine erfolgreiche Berufstätigkeit «
zurück
zu
kämpfen
». Dass dies dann leider nicht gelungen sei, zeige deutlich, dass er mit seiner Einschätzung damals nicht
ri
chtig gelegen
habe (Urk. 2/10).
4.
Der von der Beklagten in ihren Statuten verwendete Invaliditätsbegriff (Statuten der Versicherungskasse für das Staatspersonal vom 22. Mai 1996 [LS 177.21], Urk. 10/18) stimmt nicht mit demjenigen der Invalidenversicherung überein (vgl. dazu
Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_141/2018
vom 22. November 2018 E. 5.1
und
9C_47/2019 vom 2
9.
Mai 2019
E. 4.1 mit Hinweisen
)
.
Ob sich angesichts der Tat
sache, dass die Beklagte im vorliegenden Verfahren auf die
invalidenversiche
rungsrechtliche Betrachtungsweise abstellt (E. 2.2)
,
dennoch eine Bindungs
wirkung
der rentenzusprechenden
Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
G._
vom 21. Februar 2014
(Urk. 2/47)
ergibt (vgl. E. 1.4
), kann mit Blick auf die
nachfolgenden Ausführungen
offengelassen werden.
5.
5.1
Unter Berücksichtigung der Nachdeckungsfrist gemäss Art. 10 Abs. 3 BVG war die Klägerin vom 1. Oktober 2008 bis am 31. Oktober 2009 bei der Beklagten berufsvorsorgeversichert (Urk. 10/3-4). Von Seiten der Beklagten unbestritten blieb der Eintritt einer massgeblichen Arbeitsunfähigkeit im Sinne einer Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf von mindestens 20 % während der Versicherungszeit
(
E. 1.2.2,
vgl. E. 2.2)
.
Eine Leistungspflicht der Beklagten fällt vorliegend
aber
nur dann in Betracht, wenn der enge zeitliche Zusammenhang zwischen der ursprünglichen Arbeitsunfähigkeit und der hernach eingetretenen Invalidität zwischenzeitlich nicht unterbrochen wurde. Wie einlei
tend dargelegt (E. 1.
3
), stellt eine mindestens drei Monate andauernde volle A
rbeitsfähigkeit rechtsprechungsgemäss
ein gewichtiges Indiz
für eine Unter
brechung des zeitlichen Zusammenhangs dar, sofern eine dauerhafte Wieder
erlangung der Erwerbsfähigkeit gestützt darauf objektiv wahrscheinlich war.
Zur Prüfung, ob die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit während längerer Zeit wieder arbeitsfähig geworden ist, sind dabei die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen, mitsamt den in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tretenden Verhältnissen, wie etwa die Tatsache, dass eine versicherte Person über längere Zeit hinweg als voll vermittlungsfähige Stellensuchende Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezieht. Solchen Zeiten kann indes nicht die gleiche Bedeutung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkei
t. So schliesst namentlich eine
Vermittlungsfähigkeit im arbeits
losenversicherungsrechtlichen Sinne das Vorliegen einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbe
itsunfähigkeit nicht per se aus (Urteile
des
Bundesgerichts 9C_347/2019 vom 22. August 2019 E. 2.2.2 und 9C_809/2016 vom 9. Juni
2017 E. 2.2).
5.2
Gestützt auf die Akten erstellt und unter den Parteien unbestritten ist, dass der Klägerin vom 27. September bis am 14. Dezember 2010 bei einer Vermittlungs
fähigkeit von 100 % ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zustand
. A
b dem 15. Dezember 2010
arbeitete sie
in einem 100 %-Pensum als Pflegefachfrau im Spital
C._
und bestand
die dreimo
natige Probezeit (
Urk. 2/29 S. 5
,
vgl. Urk. 14/37/2
).
A
ngesichts der echtzeitlichen Arztberichte
war
eine Verbes
serung der während des Vorsorgeverhältnisses stattgehabten Leiden
denn auch
prognostisch zu erwarten.
So hielten
Dr.
H._
und Dr.
I._
,
welche
die Klägerin seit dem 9. Januar 2009 psychiatrisch-
psychotherapeutisch behandelten
(E. 3.3)
,
in ihrem Bericht vom 9. Dezember 2010 eine seit dem 27. September 2010 bestehende 100%ige Arbeitsfähigkeit
fest
(E. 3.9), nachdem sie in ihren Vor
berichten aus psychiatrischer Sicht jeweils eine gute Prognose gestellt
hatten
(E. 3.3-3.4,
E.
3.7).
Ferner fügten sie hinzu, dass bei der Klägerin, wie die ganze Zeit über prognostiziert, keinerlei Invaliditätsrisiko bestehe und ein solches auch nicht bestanden habe (E. 3.9).
Eine im Sommer/Herbst 2010 stattgehabte erheb
liche Verbesserung des Gesundheitszustandes
steht
auch
damit in Einklang, dass Dr
.
B._
in seinem psychiatrischen Gutachten vom 25. März 2010
eine ausrei
chende Stabilisierung für den Sommer 2010 prognostizierte (E. 3.5).
Dass er
seine Erkenntnisse
als vorläufig bezeichnete
,
vermag nichts daran zu ändern, dass er bei der Klägerin
bereits anfangs des Jahres 2010 keine die Leistungsfähigkeit andauernd einschränkende psychische Pathologie mehr auszumachen vermochte
(vgl. insbesondere Urk. 2/22 S. 11)
.
Auch
orthopädischerseits
ist zumindest ab Herbst 2010 eine Verbesserung des Gesundheitszustandes ausgewiesen, zumal
Dr.
med.
AA._
_
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
in seinem Bericht vom 8. April 2011
ausführte
,
bei der
Klägerin
bestehe
sei
t
dem 20. September 2010
eine
vollum
fäng
liche
Arbeitsfähigkeit
(Urk. 14/21).
Auf eine Verbesserung des Gesundheits
zustandes lassen auch die Berichte der Ärzte der Klinik für Endokrinolo
gie, Diabetologie und klinische
Ernährung des
Universitätsspital Y._
schliessen:
Nachdem
die
dies
be
zügli
chen
Abklärungen eine
n
Prädiabetes
ergeben hatten
(E. 3.6),
hielt Dr.
Q._
in ihrem Bericht vom 20. September 2010 fest, die Situation habe sich mit einem geregelten Tagesablauf stark gebessert. Ferner erachtete es Dr.
Q._
als von Vor
teil, wenn die Klägerin für die nächsten drei Monate einem beruflich geregelten Tagesablauf (ohne Nachtschichten) nachgehen könne
(E. 3.8). Eine Zustandsverbesserung bestätigte Dr.
Q._
auch in ihrem Bericht vom 4. Oktober 2010
,
wobei sie
auf eine sehr gute
Prognose
hinwies
und eine Beeinträchtigung
der Arbeitsfähigkeit verneinte (E. 3.8).
Die IV-Anmeldung im September 2010 wurde von der Klägerin
denn auch
bloss vorsorglich
getätigt
, zumal sie
anlässlich des Erstgesprächs mit der IV-Stelle Schwyz vom 8. November 2010
einen aktu
ellen Unterstützungsbedarf verneinte und angab, sie habe
mit der IV-Anmeldung
lediglich die IV-Stelle informieren und dieser die nötigen Berichte zustellen wollen,
für den Fall, dass
sie einen Rückfall erleiden sollte (Urk. 14/18/2).
Wie die Beklagte zu Recht vorbringt (E. 2.4)
,
lassen sich den Akten
weder echtzeitliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen noch
Belege für während der effektiven Arbeitstätigkeit der Klägerin im Spital
C._
stattgehabte
ärztliche Behand
lungen
entnehmen
.
Eine echtzeitliche Arbeitsunfähigkeit wurde erst
wieder
ab dem Eintritt der Klägerin in die
Klinik
D._
am 30. April 2011 attestiert (E. 3.10
), wobei sich die Klägerin
soweit ersichtlich erst drei Tage vor Eintritt u
m psychologische Unterstützung bemüht
e
(Urk. 2/30 S. 6).
Die retrospektive Einschätzung von Dr.
I._
vom 14. August 2019 bildet bereits vor
dem Hintergrund der im Wesentlichen übereinstimmenden echtzeit
lichen
Berichte
keine hinreichende Grundlage, um
in der Zeitspanne vom
27. September 2010
bis am
15. März 2011
von einer
eingeschränkten
Leistungs
fähigkeit der Klägerin ausgehen zu können. Dies hat umso mehr zu gelten, als
der Wortlaut seiner
Richtigstellung
(
vgl. insbesondere
«[
...] Zur Beantwortung der im rechtlichen Klärungsprozess
nun relevant gewordenen Frage
[...]
» und
«
[...]
Dass dies nachträglich versicherungsrechtlich massive Nachteile für die Pat. generieren könnte, war mir in keiner Weise bewusst und empfinde ich heute als stossend und halte es deswegen für angemessen, meine damaligen Formulie
rungen ausdrücklich als Fehlbeurteilungen zu korrigieren [...]»;
Urk. 2/10
)
vermu
ten lässt, dass diese massgeblich unter dem Eindruck der sich abzeichnenden Leistungsverweigerung durch die B
eklagte gestanden hat
und mithin von ver
sicherungsrechtlichen Überlegun
gen geprägt gewesen sein dürfte
(vgl. dazu Beweis
maxime der «Aussage der ersten Stunde», BGE 121 V 45 E. 2a).
Dass
es sich bei dem Bericht von Dr.
H._
und Dr.
I._
vom 9. Dezember 2010
um ein
Gefälligkeitszeugnis zwecks Bezugs von Sozialversicherungsleistungen
handeln soll, ist sodann auch mit Blick auf Art. 318 des Strafgesetzbuches (StGB; Strafbarkeit eines falschen ärztlichen Zeugnisses) nicht anzunehmen (Urteil des Bundesgerichts 9C_221/2021 vom 11. August 2021 E. 4.2.2.2).
Soweit
sich die Klägerin zur Begründung einer auch im Zeitraum vom 27. September 2010 bis im März 2011 bestehenden Arbeitsunfähigkeit auf den Bericht von
Dr.
I._
vom 14. August 2019
beruft
,
ist ferner darauf hinzuweisen, dass diese
r
auch
dem RAD-Untersuchungsbericht von Dr.
J._
vom 1. Oktober 2013
entgegen
steht. So
lässt sich dem betreffenden Untersuchungsbericht von Dr.
J._
– welcher von der IV-Stelle
im Rahmen der Rentenprüfung
zu Recht als beweiskräftig qua
lifiziert wurde (vgl. Urk. 2/47 und Urk. 14/87/4-5) – entnehmen, dass eine anhal
tende erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erst ab April 2011
besteht
(Urk. 2/45 S. 7)
.
Auf beweismässige Weiterungen
kann bei dieser Akten- und Beweislage, insbe
sondere angesichts des Fehlens echtzeitlicher psychiatrischer Berichte und Behand
lungen
in der massgeblichen Zeitspanne
, verzichtet werden
(
zur
antizi
pierten Beweiswürdigung: BGE 124 V 90 E. 4b
,
122 V 157 E. 1d).
Die Tatsache, dass die Klägerin
nach Absolvierung der Probezeit im Spital
C._
wieder arbeitsunfähig wurde
(Urk. 2/30), vermag
sodann weder den Beweis für eine zuvor bestehende Einschränkung der Leistungsfähigkeit noch für eine objektiv nicht wahrscheinliche dauerhafte Wiedererlangung de
r Arbeitsfähigkeit zu erbrin
gen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_347/2019 vom 22. August 2019 E. 4.5).
5.3
Nach dem Gesagten bestand bei der Klägerin vom 27. September 2010 bis zumindest am 15. März 2011, somit für mindestens fünfeinhalb Monate, eine unein
geschränkte (respektive über 80%
ige
) Arbeitsfähigkeit. Damit wurde der zeitliche Zusammenhang zwischen der
während des Vorsorgeverhältnisses
ein
getretenen Arbeitsunfähigkeit und der späteren
Invalidität unterbrochen (E. 1.3
). Dabei
ist hervorzuheben, dass die Klägerin
währenddessen
neben einem
gut
zwei
einhalbmonatigen Bezug von Arbeitslosentaggeldern bei einer Vermittlungs
fähigkeit von 100 % über
(mindestens)
drei Monate hinweg in einem Vollzeit
pensum effektiv gearbeitet und die Probezeit bestanden hat, wohingegen das Bundesgericht
in ähnlich gelagerten Fällen
bereits bei einem vier- respektive vier
einhalbmonatigen Bezug von Arbeitslosentaggeldern
(ohne effektive
Verrichtung einer Erwerbstätigkeit)
eine Unterbrechung des zeitlichen Konnexes bejaht hat (Urteile des Bundesgericht
s
9C_347/2019 vom 22. August 2019
E. 4.2 und
E.
4.6
,
9C_221/2021 vom 11. August 2021 E.
4.2.2
).
Bei unterbrochenem zeitlichen Konnex erübrigt sich die Prüfung, ob zwischen der Arbeitsunfähigkeit der Klägerin während des Vorsorgeverhältnisses
mit der
Beklagten und
der
späteren Invalidität ein sachlicher Zusammenhang besteht.
5.4
Die
vorstehenden Erwägungen haben die Abweisung der Klage zur Folge. Zu einer
a
llfälligen Leistungspflicht der
Beigeladenen hat sich da
s Gericht nicht zu äussern; sie
wurde nicht eingeklagt (BGE 130 V 501).
6.
Die Beklagte verzichtete in ihrer Funktion als Trägerin der beruflichen Vorsorge richtigerweise dar
auf, eine Prozessentschädigung
zu beantragen (
Urk. 9 S. 1, Urk. 23 S. 1;
BGE 128 V 133 E. 5b, 126 V 143 E. 4a mit Hinweis).