Decision ID: ffd30cc0-b094-5668-8352-2672e4b85345
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 8. November 1996 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 1). Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete am 28. November 1996,
die Versicherte leide an einem Status nach "direktem HWS-Trauma 1987, vom 16.4.88
sowie von indirekten, z.T. komplexen HWS-Traumata vom 22.5.92 und 18.5.94", an
einem chronifizierten cervicocephalen und cervicobrachialen Schmerzsyndrom, an
einem Iliosacralgelenksyndrom links und an einer einfachen Migräne. Für die
angestammte Tätigkeit im kaufmännischen Bereich bescheinigte er der Versicherten
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 3). Am 25. September 1997 führte die IV-Stelle
eine Abklärung im Haushalt der Versicherten durch. Die Abklärungsperson gab im
Bericht vom 30. Dezember 1997/20. Januar 1998 an, die Versicherte würde ohne
Behinderung einer 50%igen Erwerbstätigkeit nachgehen. Sie ermittelte eine
Einschränkung von 17% bzw. 29% (IV-act. 15). Im Auftrag der IV-Stelle wurde die
Versicherte im Oktober 1999 in der MEDAS Zentralschweiz polydisziplinär
(internistisch, rheumatologisch, neurologisch und psychiatrisch) begutachtet. Die
Gutachter diagnostizierten mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit ein chronisches, linksbetontes zervikobrachiales und zervikozephales
Syndrom. Sowohl für die angestammte und für andere Tätigkeiten als auch für die
Tätigkeit als Hausfrau bescheinigten sie eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Rund 5 1⁄2 Jahre
nach dem letzten Unfallereignis bestehe nun offensichtlich ein chronifizierter Zustand,
der sich wahrscheinlich künftig nicht mehr wesentlich verbessern werde (Gutachten
vom 16. November 1999, IV-act. 30; siehe auch die ergänzende Stellungnahme vom
24. Februar 2000, IV-act. 34). Ausgehend vom Status der Versicherten als zu 50%
Erwerbstätige und zu 50% im Haushalt Tätige ermittelte die IV-Stelle einen
Gesamtinvaliditätsgrad von 39,5% bzw. aufgerundet 40% (IV-act. 50-1:
Teilinvaliditätsgrad Erwerb: 50%; Teilinvaliditätsgrad Haushalt: 29%) und sprach der
Versicherten mit Wirkung ab 1. September 1997 eine Viertelsrente zu (IV-act. 51 f.).
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A.b Im Rahmen zweier von Amtes wegen eingeleiteter Revisionen bestätigte die IV-
Stelle den Anspruch auf eine Viertelsrente (Mitteilung vom 11. Juli 2003, IV-act. 81, und
vom 8. Januar 2009, IV-act. 100). Unter Hinweis auf die Revision 6a des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung nahm die IV-Stelle eine erneute
Überprüfung des medizinischen Sachverhalts vor (vgl. Schreiben vom 3. Oktober 2012,
IV-act. 112-1). Dr. B._ berichtete am 22. Oktober 2012, der Gesundheitszustand der
Versicherten sei seit der gutachterlichen Beurteilung vom 16. November 1999
unverändert geblieben (IV-act. 112-2). RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt u.a. für
Innere Medizin und Rheumatologie, vertrat in der Stellungnahme vom 13. November
2012 die Auffassung, die rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit sei überwiegend auf
ein Leiden gemäss Schlussbestimmungen der 6. IV-Revision zurückzuführen. Aus
heutiger Sicht könne das Vorliegen einer Ausnahmesituation für die Unüberwindbarkeit
der chronischen Schmerzen nicht anerkannt werden. Aufgrund des Migräne-Leidens
könne von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 5 bis 10% ausgegangen
werden (IV-act. 115). Im "Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend
Erwerbstätigkeit / Haushalt" gab die Versicherte am 28. November 2012 an, ohne
Behinderung würde sie mit einem Pensum von ungefähr 30 bis 35% einer
Erwerbstätigkeit nachgehen (IV-act. 117).
A.c Mit Vorbescheid vom 7. Januar 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, die Rente im Rahmen der 6. IV-Revision einzustellen, da das ursprünglich
rentenbegründende syndromale Leiden überwindbar sei. Den Gesamtinvaliditätsgrad
von 18,5% ermittelte sie gestützt auf einen Status der Versicherten als im
Gesundheitsfall zu 50% im Erwerb (Teilinvaliditätsgrad von 4%) und zu 50% im
Haushalt Tätige (Teilinvaliditätsgrad von 29%; IV-act. 122). Dagegen erhob die
Versicherte am 13. Februar 2013 Einwand (IV-act. 126). Am 6. Mai 2013 reichte sie
einen Bericht der Abteilung Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie an der Klinik
D._ vom 25. April 2013 ein. Die dort behandelnden Ärzte führten aus, eine MRI-
Untersuchung der HWS vom 20. April 2013 habe eine breitbasige mediane Protrusion
der Bandscheibe C5/C6 mit foraminaler Stenose rechts C5/C6 gezeigt (IV-act. 131). Im
Schreiben vom 28. Juni 2013 wies die Versicherte die IV-Stelle darauf hin, dass für
Personen, die seit mehr als 15 Jahren eine Rente bezögen, gemäss
Schlussbestimmungen der 6. IV-Revision eine Besitzstandsgarantie zu beachten sei
(IV-act. 133). Die zuständige Sachbearbeiterin hielt in der ELAR-Notiz vom 13.
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September 2013 fest, die Revisionsunterlagen seien zu einem Zeitpunkt eingeholt
worden, als die Rentenleistungen bereits während einer Dauer von 15 Jahren
ausbezahlt worden seien. Die Einstellung der Viertelsrente könne daher nicht unter dem
Titel der Schlussbestimmungen erfolgen. Anhand der Unterlagen sei jedoch eine
wirtschaftliche Änderung eingetreten, die im Rahmen der Revisionsbestimmungen zur
Anwendung komme. Die Versicherte habe aktuell ein Einfamilienhaus mit 8 Zimmern
sowie 4 Kinder zu versorgen. Aufgrund dieser Sachlage bedürfe es einer Abklärung an
Ort und Stelle (IV-act. 138; vgl. auch IV-act. 140). Am 19. November 2013 führte die IV-
Stelle erneut eine Abklärung im Haushalt der Versicherten durch. Die Versicherte gab
an, ohne gesundheitliche Beeinträchtigung würde sie mit einem Pensum von 50% einer
Erwerbstätigkeit nachgehen. Unter Anrechnung einer Schadenminderungspflicht der
Kinder der Versicherten ermittelte die Abklärungsperson eine 20%ige Einschränkung
(Teilinvaliditätsgrad von 10%; Abklärungsbericht vom 15. Januar 2014, IV-act. 145).
RAD-Arzt Dr. C._ zog in der Stellungnahme vom 27. Januar 2014 den Schluss, der
aktuelle Gesundheitszustand der Versicherten sei im Vergleich zum Referenzzeitpunkt
von 1999 weitgehend unverändert geblieben. Aus medizinischer Sicht könne kein
Revisionsgrund festgestellt werden (IV-act. 146).
A.d Mit neuerlichem Vorbescheid vom 26. Februar 2014 stellte die IV-Stelle der
Versicherten in Aussicht, die Rentenleistungen revisionsweise einzustellen. Zur
Begründung machte sie geltend, unter Berücksichtigung der
Schadenminderungspflicht der Kinder resultiere für den Haushaltsbereich ein
geringerer Teilinvaliditätsgrad, der zu einem nicht mehr rentenbegründenden
Gesamtinvaliditätsgrad führe (IV-act. 149). Gegen die in Aussicht gestellte
Renteneinstellung erhob die Versicherte am 3. April 2014 Einwand (IV-act. 150; siehe
auch die ergänzende Eingabe vom 9. Mai 2014 samt Bericht von Dr. B._ vom 4. April
2014, IV-act. 152). Am 10. Juni 2014 verfügte die IV-Stelle die Einstellung der
Rentenleistungen per 1. September 2014. Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die
aufschiebende Wirkung (IV-act. 154).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 10. Juni 2014 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 14. Juli 2014. Die Beschwerdeführerin beantragt darin deren Aufhebung und es
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sei ihr weiterhin unbefristet mindestens eine Viertelsrente auszurichten. Eventualiter
seien ein neutrales interdisziplinäres Gutachten sowie ein neutraler Abklärungsbericht
Haushalt zu erstellen. Sodann beantragt sie, die aufschiebende Wirkung der
Beschwerde sei wieder herzustellen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Im
Wesentlichen rügt sie die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Abklärung im
Haushaltsbereich. Deren Ergebnis sei bereits deshalb nicht nachvollziehbar, weil sich
der Arbeitsaufwand im Haushalt aufgrund der vergrösserten Wohn- und
Familiensituation seit dem Jahr 1997 inzwischen erhöht habe und der gesundheitliche
Zustand unverändert geblieben sei. Eine sofortige Renteneinstellung ohne Einräumung
einer Übergangsfrist und Prüfung von Eingliederungsmassnahmen sei aufgrund der
über 15-jährigen Rentenbezugsdauer ohnehin rechtswidrig (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 30. Oktober
2014 die Abweisung des Antrags um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
und der Beschwerde. Sie vertritt den Standpunkt, dass das grössere Haus und die
Versorgung der 4 Kinder einen Revisionsgrund darstelle. Die tiefere Einschränkung im
Haushalt aufgrund der Schadenminderungspflicht der Kinder führe dazu, dass die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch mehr auf eine Rente habe. Da ein
Revisionsgrund vorliege, müsse der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher
Hinsicht allseitig geprüft werden. Unter Berücksichtigung der Rechtsprechung zur
Schmerzstörung stelle das Schmerzleiden der Beschwerdeführerin keinen
invalidisierenden Gesundheitsschaden dar. Somit müsse davon ausgegangen werden,
dass die Beschwerdeführerin im Erwerb nicht weiter eingeschränkt sei (act. G 6).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 14. Januar 2015, IV 2014/350 Z, ist das Gesuch um
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde abgewiesen worden
(act. G 12).
B.d In der Replik vom 23. Februar 2015 hat die Beschwerdeführerin unverändert an
der Beschwerde festgehalten (act. G 17).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf eine begründete Duplik verzichtet (act. G 19).
B.f Am 7. April 2015 hat der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine Kostennote
eingereicht (act. G 22).
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B.g Mit Schreiben vom 13. April 2015 orientierte die Beschwerdeführerin über die
Ausbildungssituation eines ihrer Söhne (act. G 24)

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit
der verfügten revisionsweisen Rentenaufhebung. Die Beschwerdegegnerin vertritt den
Standpunkt, es liege im Vergleich zur ursprünglichen Rentenzusprache
(ausschliesslich) bezogen auf den Haushaltsbereich eine Sachverhaltsänderung
(Wohnverhältnisse und Schadenminderungspflicht der Kinder) vor, welche die
Aufhebung der bisherigen Rentenleistung rechtfertige (act. G 6). Zu beurteilen ist damit,
ob im Haushaltsbereich rechtserhebliche Änderungen eingetreten sind, die eine
revisonsweise Rentenaufhebung zu begründen vermögen.
1.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die
Invalidenrente ist somit nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung
einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, die auf
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einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur
Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4).
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin erblickt im Umstand, dass die Beschwerdeführerin nicht
mehr in einer 4 1⁄2-Zimmerwohnung (IV-act. 15-5), sondern inzwischen in einem
Einfamilienhaus mit 8 Zimmern (IV-act. 145-6) wohnt, einen Revisionsgrund im Sinn von
Art. 17 Abs. 1 ATSG (act. G 6). Die Frage, ob eine Veränderung der Wohnverhältnisse
bei ansonsten unveränderten Umständen überhaupt einen Anpassungsgrund für eine
Rentenaufhebung darzustellen vermag, kann offen gelassen werden. Denn aus den
vorliegend zu beurteilenden Verhältnissen geht hervor, dass der Umzug in das
Einfamilienhaus gemäss Abklärung vor Ort ohne Einfluss auf den Aufgabenbereich
bzw. auf die Fähigkeit der Beschwerdeführerin, diesen zu besorgen, geblieben ist. Wie
bereits anlässlich der erstmaligen Haushaltsabklärung wurde der Bereich
Wohnungspflege bei der Abklärung vom 19. November 2013 mit 10% gewichtet (IV-
act. 15-9 und IV-act. 145-6). Der Wechsel der Wohnräumlichkeiten für sich allein ist
folglich ohne Einfluss auf die Restleistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Aufgabenbereich geblieben, weshalb er zwangsläufig nicht zu einer erheblichen
Änderung des Invaliditätsgrads führt. Die Beschwerdegegnerin bringt denn auch nicht
substanziiert vor, dass sich die Fähigkeit der Beschwerdeführerin, ihren
Aufgabenbereich zu besorgen, allein durch den Umzug gesteigert hätte. Dass nach der
Auffassung der Abklärungsperson keine Einschränkung mehr im Bereich
Wohnungspflege resultierte, ist ausschliesslich auf die angerechnete
Schadenminderungspflicht der Kinder der Beschwerdeführerin zurückzuführen (IV-act.
145-9; siehe hierzu nachstehende E. 2.2).
2.2 Des Weiteren bringt die Beschwerdegegnerin vor, dass sich die familiären
Verhältnisse der Beschwerdeführerin in einem revisionsbegründendem Ausmass
verändert hätten. Die Beschwerdeführerin habe inzwischen 4 Kinder, denen eine
Schadenminderungspflicht bei der Erledigung der Haushaltsarbeiten zugemutet
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werden könne. Dies führe zu einem geringeren Invaliditätsgrad im Aufgabenbereich
(act. G 6).
2.2.1 Die Schadenminderungspflicht (BGE 140 V 274 E. 5.2.1) gilt im gesamten
Bereich der Sozialversicherungen. Es erscheint allerdings fraglich, ob es überhaupt
zulässig ist, unter Verweis auf die Schadenminderungspflicht leistungsansprechenden
Personen (Eltern) gestützt auf das Verhalten einer anderen Person (etwa der Kinder)
und damit eines nicht im Einflussbereich der versicherten Person liegenden Umstands
(Ausübung einer Mithilfe im Aufgabenbereich durch das Kind) eine Leistung zu
verweigern oder aufzuheben (vgl. amtlich zu publizierendes Urteil des Bundesgerichts
vom 13. Juli 2016, 8C_54/2016, E. 6.2). Die Invalidenversicherung bietet in der hier
interessierenden Thematik Schutz gegen die Beeinträchtigung in der Fähigkeit der
versicherten Person, Arbeit im Aufgabenbereich zu erledigen. Im Bericht der
Eidgenössischen Expertenkommission für die Einführung der Invalidenversicherung
vom 30. November 1956 war die Rede vom "Mass der Unfähigkeit, die
Hausfrauenarbeit weiterzubesorgen". Abzustellen sei auf die spezifische
Arbeitsunfähigkeit der Hausfrau (S. 117 des Expertenberichts; vgl. auch BBl 1958 II
1162: "Unfähigkeit der Versicherten, sich in ihrem bisherigen Aufgabenbereich zu
betätigen"). Versichert ist folglich das beeinträchtigte Leistungspotenzial der
versicherten Person und nicht der Haushalt an sich bzw. der aufgrund der
gesundheitlichen Beeinträchtigung tatsächlich unverrichtete Teil der Haushaltsarbeit.
Der allfällige Einsatz von Arbeitskraft der Familienangehörigen im Haushaltsbereich
vermag den in der Verringerung der Leistungsfähigkeit der versicherten Person
liegende Schaden (Beeinträchtigung der Fähigkeit der versicherten Person zur
Haushaltsbesorgung) damit nicht zu beseitigen bzw. zu verringern, selbst wenn
dadurch die aufgrund der Leistungsbeeinträchtigung des versicherten Elternteils
unerledigt gebliebenen Haushaltsarbeiten (teilweise) besorgt würden. Die Mithilfe der
Familienangehörigen kann zwangsläufig auch nicht unter dem Titel der
Schadenminderungspflicht bei der Ermittlung der Invalidität Berücksichtigung finden,
da sie ohne Einfluss auf den in der Person des versicherten Elternteils liegenden
Schaden bleibt. Dementsprechend kennt auch die Invaliditätsbemessung im
Erwerbsbereich für die Ermittlung des Invalideneinkommens zu Recht keine
Schadenminderungspflicht von Familienangehörigen. Im Erwerbsbereich bildet
ebenfalls das Potenzial - nämlich die Fähigkeit zum Erwerb und nicht der Erwerb als
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solcher - das versicherte Rechtsgut. Ein Rentenanspruch gegenüber der
Invalidenversicherung bezieht sich auf Ersatz für den "Ausfall an Erwerbsfähigkeit" und
nicht auf Ersatz "des Erwerbsausfalles, der Erwerbseinbusse" (S. 119 f. des
Expertenberichts). Entscheidend ist einzig und allein, ob die versicherte Person
angesichts ihrer körperlichen und geistigen Kräfte imstande wäre, eine ihr offen
stehende Erwerbsmöglichkeit auszunutzen (S. 27 f. des Expertenberichts). Nichts
anderes kann für die Fähigkeit, den Haushalt zu besorgen, gelten. Denn auch dort
bildet der Schaden die Unfähigkeit, eine Arbeit - wenn auch im Haushalt und nicht auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt - zu leisten. Dass ferner im Erwerb - quasi als
Pendant zur Schadenminderungspflicht der Familienangehörigen - eine
Schadenminderungspflicht der Arbeitskollegen zu berücksichtigen wäre, hat das
Bundesgericht zu Recht nie behauptet.
2.2.2 Im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache vom 25. Oktober 2001 (IV-act.
52) war die Beschwerdeführerin Mutter von 3 Kindern (geboren 19_, 19_ und 20_;
vgl. IV-act. 52-1 und IV-act. 145-5). Zu beachten ist, dass bei der Ermittlung der
Beeinträchtigung im Haushaltsbereich von 29% gemäss Abklärungsbericht vom 30.
Dezember 1997/20. Januar 1998, wie sie der ursprünglichen Rentenverfügung
zugrunde lag, lediglich das Erstgeborene Berücksichtigung fand (an das
Haushaltspensum gewichtete Behinderung aufgrund Kinderbetreuung von 1,5%, IV-
act. 15-11). Im Jahr 2003 gebar die Beschwerdeführerin zudem ein weiteres Kind (IV-
act. 145-5). Auch dieser Umstand blieb von der Beschwerdegegnerin bis zum hier
streitigen Revisionsverfahren leistungsrechtlich unberücksichtigt.
2.2.3 Soweit ersichtlich wurde in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine
revisionsbegründende Veränderung ausschliesslich gestützt auf die
Schadenminderungspflicht der herangewachsenen Kinder bislang offenbar nicht
bejaht. Vor Erlass des ATSG (in Kraft seit: 1. Januar 2003) gelangte das Eidgenössische
Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts) im Entscheid vom 10. Oktober 1972 zur Auffassung, dass im
konkreten Fall das Heranwachsen eines Kindes im massgebenden Aufgabenbereich
keine rechtserhebliche Änderung darstellt. Durch das Heranwachsen eines Kindes
werde lediglich von einer Verlagerung der Aufgaben der Mutter gesprochen werden
können; diese blosse Verschiebung von Aufgaben wirke sich jedoch nicht auf die
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Invalidität aus. Der Umstand, dass Kinder heranwachsen, bewirke mithin unter den
konkreten Verhältnissen keine Verminderung der Invalidität und rechtfertige die
Annahme einer rechtserheblichen Änderung des Invaliditätsgrads nicht; dies umso
weniger, als seinerzeit der Invaliditätsgrad nach der Geburt des ersten Kindes auf 70%
erhöht worden, beim zweiten Kind aber unverändert geblieben sei (ZAK 1974 S. 53 E.
3; zur Bedeutung der altrechtlichen Rechtsprechung auch unter der Herrschaft des
ATSG siehe etwa Urteil des EVG vom 3. Januar 2006, I 554/05, E. 2.2). Eine
revisionsbegründende Wandlung des Aufgabenbereichs (vgl. hierzu auch BGE 105 V
30 E. 1b mit Hinweis auf ZAK 1974 S. 53 E. 3) mit Blick auf die Kindsverhältnisse wurde
verneint. Der Umstand, dass Kinder heranwachsen, bewirkt im vorliegenden Fall
ebenfalls keine Wandlung des Aufgabenbereichs oder sonst wie eine Veränderung der
tatsächlichen in der Person der Beschwerdeführerin liegenden Schadensverhältnisse.
Die Beschwerdegegnerin legt im Übrigen weder nachvollziehbar dar noch ist
ersichtlich, dass sich der tatsächliche Aufwand für die Betreuung der inzwischen 4
Kinder im Vergleich zu den bei der ursprünglichen Rentenzusprache berücksichtigten
Familienverhältnissen (ein Kind) insgesamt wesentlich verringert hätte. Eine
revisionserhebliche Veränderung der tatsächlichen Schadensverhältnisse aufgrund des
Heranwachsens der Kinder ist damit zu verneinen; dies gilt rechtsprechungsgemäss
umso mehr, als der Rentenanspruch nach der Geburt des zweiten Kindes unverändert
geblieben ist (vgl. ZAK 1974 S. 54 oben, E. 3).
2.2.4 Die Aufhebung einer Rentenleistung der Anspruchsberechtigten (Eltern) unter
Verweis auf die Schadenminderungspflicht einer anderen Person (Kinder) und damit
eines nicht im Einflussbereich der versicherten Person liegenden Umstands (Ausübung
einer Mithilfe im Aufgabenbereich durch das Kind) erscheint auch aus grundrechtlicher
Sicht nicht unbedenklich. Im rechtskräftigen Urteil di Trizio vs. Schweiz vom 2. Februar
2016 (application no. 7186/09) betreffend die von den Sozialrechtlichen Abteilungen
des Bundesgerichts in der Invalidenversicherung praktizierte sogenannte gemischte
Methode zur Invaliditätsermittlung (vgl. hierzu BGE 130 V 393 und 125 V 146) wies der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte auf die zentrale Bedeutung einer
Gesetzesinterpretation im Licht der geschlechtlichen Gleichbehandlung hin. Es
erblickte eine Verletzung der EMRK darin, dass eine zuvor erwerbstätige Frau allein
wegen einer hypothetischen Reduktion des Erwerbspensums infolge Geburt
leistungsrechtlich diskriminiert wurde (Urteil di Trizio vs. Schweiz, a.a.O., Rz 96 und 97;
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zum Ganzen siehe Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
24. Mai 2016, IV 2014/125, E. 2.1.1 und E. 2.2.7, sowie KURT PÄRLI, Gemischte
Methode der Invaliditätsbemessung verstösst gegen die EMRK, SZS 2016, S. 390 ff.).
Im hier zu beurteilenden Fall würde die Beschwerdeführerin durch eine revisionsweise
Rentenaufhebung doppelt benachteiligt. Zum einen findet die Anrechnung einer
Schadenminderungspflicht von Angehörigen ausschliesslich bei Personen Anwendung,
die teil- oder vollzeitlich im Aufgabenbereich tätig sind. Vollzeitlich Erwerbstätigen wird
eine über die eigene Person hinausgehende Leistungsfähigkeit von Angehörigen oder
Arbeitskollegen nicht aufgebürdet. Die Tatsache, dass die Mehrheit von Frauen im
Aufgabenbereich tätig ist (vgl. Urteil di Trizio vs. Schweiz, a.a.O., Rz 43 f.), führt daher
gegenüber in der Regel vollzeitlich erwerbstätigen Männern zu einer (mittelbaren)
Diskriminierung aufgrund des Geschlechts (vgl. Urteil di Trizio vs. Schweiz, a.a.O., Rz
80 f. und Rz 103 f., sowie PÄRLI, a.a.O., S. 393 f.). Zum anderen wird die
Beschwerdeführerin zusätzlich aufgrund ihrer familiären Situation bzw. in ihrer
Eigenschaft als Mutter gegenüber kinderlosen, im Haushaltsbereich tätigen Frauen
benachteiligt, die zwangsläufig nicht Gefahr laufen, aufgrund der Anrechnung einer
Leistungsfähigkeit von Kindern ihre Rente zu verlieren. Vorliegend wäre es denn auch
nicht zu einer Revision gekommen, wenn die Beschwerdeführerin kinderlos gewesen
wäre. Die Aufhebung der vorliegenden Rentenleistung allein aufgrund des
Heranwachsens von Kindern erscheint deshalb mit Art. 8 Abs. 2 und 3 der
Bundesverfassung (BV; SR 101) und Art. 8 (Recht auf Achtung des Privat- und
Familienlebens) der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(EMRK; SR 0.101) i.V.m. Art. 14 EMRK (Diskriminierungsverbot) nicht vereinbar.
2.3 Nach dem Gesagten bestehen keine Gründe, die für eine revisionsrelevante
Veränderung der individuellen Fähigkeit der Beschwerdeführerin sprechen, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen. Eine Anerkennung von allenfalls veränderten
Verhältnissen der Leistungsfähigkeit der eigenen Kinder als Revisionsgrund im Sinn
von Art. 17 Abs. 1 ATSG unter dem Aspekt der Schadenminderungspflicht lässt sich
mit dem in der Invalidenversicherung versicherten Rechtsgut (Fähigkeit zur
Haushaltsbesorgung) und Schaden (Verlust der Fähigkeit zur Haushaltsbesorgung)
nicht rechtfertigen. Aufgrund der daraus sowohl gegenüber Männern als auch
kinderlosen, im Aufgabenbereich tätigen Frauen resultierenden Benachteiligung
erscheint die von der Beschwerdegegnerin verfügte Rentenaufhebung zudem
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verfassungs- und EMRK-widrig. Die verfügte Rentenaufhebung erweist sich als
unrechtmässig. Der Beschwerdegegnerin steht es für die Zukunft frei, bei allenfalls
veränderten gesundheitlichen Verhältnissen, etwa in Form einer besseren
Leidensanpassung, erneut ein Revisionsverfahren einzuleiten.
3.
Ein Rückkommen auf die ursprüngliche Rentenzusprache gestützt auf lit. a der
Schlussbestimmungen der Änderung des IVG vom 18. März 2011 scheidet aus. Denn
die Beschwerdeführerin hat im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet worden
ist, bereits seit mehr als 15 Jahren Rentenleistungen bezogen (lit. a Abs. 4 der
Schlussbestimmungen), was die Beschwerdegegnerin anerkennt (act. G 6, Rz 5, und
IV-act. 138). Weiterungen hierzu erübrigen sich daher.
4.
4.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 10. Juni 2014
aufzuheben.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr zurückzuerstatten.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--.
4.3.1 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat am 7. April 2015 eine
Kostennote eingereicht, worin er für einen zeitlichen Aufwand von 17,48 Stunden eine
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Entschädigung von Fr. 4'908.40 (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
geltend macht (act. G 22).
4.3.2 Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass nicht der geltend gemachte, sondern nur
der notwendige Aufwand zu entschädigen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 25.
Februar 2009, 8C_140/2008, E. 11.4 mit Hinweisen). Bei einer Rechtsvertretung im
gesamten Beschwerdeverfahren wird in vergleichbar aufwändigen
invalidenversicherungsrechtlichen Fällen praxisgemäss eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
gesprochen (vgl. etwa Entscheid des Versicherungsgerichts vom 10. Dezember 2014,
IV 2012/471).
4.3.3 Mit Blick auf den zu beurteilenden Sachverhalt und die sich stellenden Fragen
kann von einem durchschnittlichen Fall gesprochen werden, der einen erfahrenen
Anwalt nicht vor besondere Schwierigkeiten stellt. Die Akten und die
Beschwerdeantwort (act. G 6) waren nicht umfangreich. Hinzu kommt, dass der
Rechtsvertreter bereits seit Januar 2013 die Interessen der Beschwerdeführerin im
invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren vertritt (IV-act. 124) und mit der
Angelegenheit sowie den Akten schon vor der Beschwerdeerhebung vertraut war.
Damit geht einher, dass die Begründung der Beschwerde hinsichtlich der materiellen
Vorbringen zu einem erheblichen Teil dem Einwand vom 3. April 2014 (IV-act. 150) und
der ergänzenden Eingabe vom 9. Mai 2014 (IV-act. 152) entspricht. Der geltend
gemachte Aufwand von 17,48 Stunden geht damit eindeutig über das Notwendige
hinaus. Er enthält überdies auch Aufwand, der nicht den vorliegend massgebenden
Zeitraum bis zur angefochtenen Verfügung betrifft (siehe etwa die Eingabe vom 9. März
2015, act. G 20, bezüglich der zwischenzeitlich veränderten Ausbildungssituation eines
Kindes der Beschwerdeführerin).
4.3.4 Der Bedeutung der Streitsache und dem notwendigen Aufwand angemessen
erscheint deshalb eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer). Ein weitergehender Aufwand kann nicht entschädigt
werden.