Decision ID: 41046a7b-d931-409b-a6af-f364b760fc71
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie A seit dem 8. August 1958
und für die Fahrzeugkategorien B, D1, BE und D1E seit dem 8. April 1964.
B.- Am 12. April 2014 benachrichtigte eine Nachbarin von X die Polizei und gab an, am
Vortag von X angefahren worden zu sein, und heute habe dieser wiederum versucht,
sie und andere Nachbarn zu überfahren. Der von der Kantonspolizei St. Gallen in der
Folge erstellte Rapport vom 7. Mai 2014 wurde an das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen weitergeleitet. Dieses eröffnete am 19. Mai
2014 ein Verfahren gegen X zur Abklärung der Fahreignung, stellte eine
verkehrspsychologische Untersuchung in Aussicht und gewährte das rechtliche Gehör.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 12. Juni 2014 nahm X Stellung und
beantragte, das Administrativmassnahmeverfahren sei bis zur rechtskräftigen
Erledigung einer allfälligen Strafuntersuchung zu sistieren. Diesem Antrag entsprach
das Strassenverkehrsamt am 13. Juni 2014 und sistierte das Verfahren. Mit Entscheid
des Kreisgerichts A vom 5. Juli 2016 wurde X von den Vorwürfen der einfachen und
schweren Verkehrsregelverletzung freigesprochen.
C.- Am 23. Juni 2015 ging beim Strassenverkehrsamt eine schriftliche Meldung ein,
worin Bedenken bezüglich der Fahreignung von X geäussert wurden. Mit Schreiben
vom 30. Juni 2015 fragte das Strassenverkehrsamt bei der Polizeistation B nach, ob
die Gefährdungsmeldung durch Feststellungen der örtlichen Polizei untermauert
werden könne. Die Polizeistation B teilte dem Strassenverkehrsamt am 3. Oktober
2015 mit, dass X mit folgenden Vorfällen verzeichnet sei: Selbstunfall vom 8. Oktober
2008 (Touchieren eines unbeleuchteten Inselschutzpfostens, Sachschaden rund Fr.
400.–), Selbstunfall vom 11. März 2013 (Touchieren einer Mauer, geringer
Sachschaden), Verkehrsunfall mit Körperverletzung vom 11. April 2014 (Touchieren
einer Fussgängerin), versuchte Körperverletzung mit Personenwagen vom 12. April
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2014, Selbstunfall vom 25. April 2014 (Touchieren eines Pfostens, kein Sachschaden),
Selbstunfall vom 13. August 2014 (Touchieren eines parkierten Personenwagens beim
Rückwärtsfahren, Sachschaden unbekannt), Selbstunfall vom 5. Juni 2015 (Touchieren
eines Beleuchtungskandelabers).
D.- Mit Schreiben vom 13. Oktober 2015 teilte das Strassenverkehrsamt X mit, dass
aufgrund der Stellungnahme der Polizei vom 3. Oktober 2015 anstelle der am 19. Mai
2014 angekündigten verkehrspsychologischen Untersuchung nun vorerst eine
verkehrsmedizinische Untersuchung beabsichtigt sei. Nachdem es ihm das rechtliche
Gehör gewährt hatte, ordnete es mit Zwischenverfügung vom 2. November 2015 eine
verkehrsmedizinische Untersuchung beim Institut für Rechtsmedizin (IRM) am
Kantonsspital St. Gallen an.
E.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
13. November 2015 und mit Ergänzung vom 8. Dezember 2015 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die Zwischenverfügung der Vorinstanz
vom 2. November 2015 sei aufzuheben, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Als
Ergänzung zum Bericht vom 3. Oktober 2015 teilte die Polizeistation B dem
Strassenverkehrsamt am 29. Dezember 2015 mit, dass X am 20. Dezember 2015
erneut einen Selbstunfall verursacht habe, indem er bei einem Abbiegemanöver ein
Eisengeländer touchiert habe. Am Eisengeländer sei kein Sachschaden entstanden. Zu
diesem neuen Vorfall nahm der Rechtsvertreter von X am 25. Januar 2016 Stellung. Die
Vorinstanz liess sich am 8. Januar 2016 vernehmen. Sie trug auf Abweisung des
Rekurses an. Zudem gab sie dem Gericht bekannt, wer die Meldung erstattet hatte.
F.- Am 8. Oktober 2015, um 17.51 Uhr, hatte X in Mols auf der Walenseestrasse die
zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h innerorts um 21 km/h (nach Abzug der
Messtoleranz) überschritten. Er wurde deswegen mit Strafbefehl des Kantonalen
Untersuchungsamts St. Gallen vom 12. November 2015 mit einer Busse von Fr. 600.–
bestraft. Das Strassenverkehrsamt stufte die Geschwindigkeitsüberschreitung als
mittelschwere Verkehrsregelverletzung ein und entzog X den Führerausweis mit
Verfügung vom 30. Dezember 2015 für die Dauer eines Monats.

Auf die Ausführungen der Beteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
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Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 13. November 2015 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 8. Dezember 2015 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Der Rekurrent macht in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
geltend. In der Verfügung der Vorinstanz vom 2. November 2015 sei die Stellungnahme
vom 30. Oktober 2015 nicht gewürdigt worden. Es entstehe der Eindruck, dass die
Verfügung bereits vor dem Eintreffen der Stellungnahme vorbereitet worden sei.
Zwischen dem Eintreffen der Stellungnahme und dem Versand der Verfügung liege ein
einziger Tag. In dieser kurzen Zeitspanne seien eine kritische Auseinandersetzung mit
der Stellungnahme und ein nochmaliges Überdenken der in Aussicht gestellten
verkehrsmedizinischen Untersuchung nicht möglich. Zudem begründe die Vorinstanz
nicht, weshalb sie den Polizeibericht vom 3. Oktober 2015 nicht wie beantragt
ergänzen liess. Die nach gefestigter bundesgerichtlicher Rechtsprechung geforderten
Minimalanforderungen an die Begründung einer Verfügung seien nicht erfüllt.
b) Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 der Bundesverfassung
(SR 101, abgekürzt: BV) leitet das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung auch die
Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. BGE 133
III 439 E. 3.3, 133 I 270 E. 3.1, 129 I 236 E. 3.2, 126 I 102 E. 2b). Als
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz, dass die
Behörde die Vorbringen der vom Entscheid oder der Verfügung in ihrer Rechtsstellung
Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt und ihren Entscheid vor
diesem Hintergrund begründet (vgl. Steinmann, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/
Vallender, Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014,
Art. 29 N 49). Der von einem Entscheid oder einer Verfügung Betroffene soll wissen,
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warum die Behörde entgegen seinem Antrag entschieden hat; die Begründung muss
deshalb so abgefasst sein, dass er den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls
sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III 439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/
Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage 2016, N 1071). Dies ist nur
möglich, wenn sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die
Tragweite des Entscheids ein Bild machen können; in diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten
liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich
die Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem
rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1; Häfelin/
Müller/Uhlmann, a.a.O., N 1071). Umfang und Dichte der Begründung richten sich
generell nach den Umständen (Steinmann, a.a.O., Art. 29 N 49). Ist die Sachlage klar
und sind die anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese
Rechtsnormen genügen, während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von
Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht
fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (BGE 112 Ia
110 E. 2b; BGE 104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., Art. 29 N 49). Die
Begründungspflicht, welche aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art.
29 Abs. 2 BV fliesst, hat der st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in Art. 24 Abs. 1
lit. a VRP ausdrücklich festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die Verfügung unter
anderem die Gründe enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen VerwGE B
2009/211 vom 18. März 2010 E. 2.1, in: www.gerichte.sg.ch).
c) Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass eine schriftliche
Meldung im Sinne von Art. 30a VZV eingegangen sei, wonach beim Rekurrenten die
Fahreignung nicht mehr gegeben sei. In der daraufhin eingeholten polizeilichen
Stellungnahme sei aufgrund verschiedener Vorfälle in den letzten Monaten sowie des
fortgeschrittenen Alters des Rekurrenten eine Überprüfung der Fahreignung beantragt
worden. Die Vorinstanz erwähnte weiter, dass sie die Stellungnahme des
Rechtsvertreters vom 30. Oktober 2015 erhalten und geprüft habe. Den darin gestellten
Anträgen könne jedoch nicht entsprochen werden. Aus Gründen der Verkehrssicherheit
könne von der Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung nicht abgesehen
werden. Es gebe zudem keine Veranlassung, weitere Berichte einzuholen. Die
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vorliegenden Akten würden eine Überprüfung der Fahrtauglichkeit rechtfertigen. Das
zeigt, dass sich die Vorinstanz mit den Vorbringen und Anträgen des Rekurrenten
auseinandergesetzt hat. Die angefochtene Verfügung ist zwar knapp, aber jedenfalls
noch so abgefasst, dass sich der Rekurrent über deren Tragweite ein Bild machen und
sie sachgerecht anfechten konnte. Die massgebenden Überlegungen und
Rechtsnormen wurden genannt. Insgesamt genügt die Begründungsdichte den
Anforderungen an das rechtliche Gehör.
3.- Im Rekursverfahren ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht an der Fahreignung
des Rekurrenten zweifelte und mit Zwischenverfügung vom 2. November 2015 gestützt
auf Art. 15d Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) in
Verbindung mit Art. 7 und Art. 11b Abs. 1 lit. a der Verordnung über die Zulassung von
Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV) eine
verkehrsmedizinische Untersuchung anordnete. Sie hält in der angefochtenen
Verfügung fest, dass aufgrund der gesamten Aktenlage eine verkehrsmedizinische
Untersuchung angeordnet werden müsse; davon könne aus Gründen der
Verkehrssicherheit nicht abgesehen werden.
4.- a) Im Rekurs wird zunächst vorgebracht, dass kein Grund für die Abklärung der
Fahreignung vorliege, da der Rekurrent nie in einer für andere Verkehrsteilnehmer
gefährlichen Fahrweise aufgefallen sei. Die Anordnung einer verkehrsmedizinischen
Abklärung der Fahreignung setze aber konkrete Anhaltspunkte dafür voraus, dass der
fragliche Inhaber des Führerausweises mehr als jede andere Person der Gefahr
ausgesetzt sei, sich in einem Zustand ans Steuer zu setzen, der das sichere Führen
nicht mehr gewährleiste. Die angeblich beim Rekurrenten festgestellte unsichere
Fahrweise sei weder konkret, noch würde eine solche den Schluss nahe legen, dass
dadurch andere Personen gefährdet würden. Auch im Bericht der Kantonspolizei St.
Gallen werde keine konkrete Gefährdung genannt. Die Vorkommnisse im Polizeibericht
würden zum einen auf unwahren Angaben gründen und zum andern seien es reine
Bagatellfälle. Der Rekurrent sei seit über fünfzig Jahren im Besitz des Führerausweises.
Dass er mehrfach durch eine unsichere Fahrweise aufgefallen und gesundheitlich
angeschlagen sei, werde bestritten. Der behandelnde Arzt habe zudem mit Zeugnis
vom 19. Oktober 2015 bestätigt, dass der Rekurrent aus medizinischer Sicht in einem
altersentsprechend guten allgemeinen Gesundheitszustand sei. Auch anlässlich der
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ärztlichen Kontrolluntersuchung, die alle zwei Jahre nach dem 70. Altersjahr stattfinde,
sei dies letztmals am 5. November 2015 bestätigt worden.
b) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist neben der
Fahrkompetenz die Fahreignung (Art. 14 Abs. 1 SVG). Dieser Begriff umschreibt die
körperlichen und geistigen Voraussetzungen, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr
sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE
133 II 384 E. 3.1). Gemäss Art. 14 Abs. 2 SVG verfügt über Fahreignung, wer das
Mindestalter erreicht hat (lit. a), die erforderliche körperliche und psychische
Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen von Motorfahrzeugen hat (lit. b), frei von einer
Sucht ist, die das sichere Führen von Motorfahrzeugen beeinträchtigt (lit. c), und wer
nach seinem bisherigen Verhalten Gewähr bietet, als Motorfahrzeugführer die
Vorschriften zu beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht zu nehmen (lit. d).
Der Führerausweis ist zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG).
Art. 16d SVG regelt den Führerausweisentzug wegen fehlender Fahreignung. Danach
werden der Lernfahr- oder Führerausweis einer Person unter anderem dann auf
unbestimmte Zeit entzogen, wenn ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nicht
mehr ausreicht, ein Motorfahrzeug sicher zu führen (Abs. 1 lit. a). Darunter fallen alle die
Fahreignung ausschliessenden medizinischen und psychischen Gründe. Die exakte
Diagnose einer Krankheit oder eines Gebrechens wird für den Sicherungsentzug nicht
vorausgesetzt; entscheidend ist, ob aufgrund der körperlichen oder psychischen
Leistungsfähigkeit die Fahreignung ausgeschlossen ist (Verkehrssicherheitsrelevanz).
Die Leistungsunfähigkeit muss dabei von einer gewissen Dauer sein. Die körperliche
Leistungsfähigkeit bezieht sich auf die rein physische Fähigkeit, ein Fahrzeug sicher zu
führen. Demgegenüber sind mit psychischer Leistungsfähigkeit die für den
Strassenverkehr relevanten kognitiven Hirnleistungsfunktionen angesprochen. Eine die
Fahreignung ausschliessende körperliche und psychische Leistungsunfähigkeit liegt
nur vor, wenn das Defizit nicht mit Auflagen oder Beschränkungen, wie z.B. der Pflicht
zum Tragen einer Sehhilfe oder eines Hörgerätes, ausgeglichen werden kann (vgl. BSK
SVG-Rütsche/D’Amico, Art. 16d N 40 ff.). Weil der Sicherungsentzug tief in den
Persönlichkeitsbereich der Betroffenen eingreift, sind in jedem Fall und von Amtes
wegen die persönlichen Verhältnisse der Betroffenen genau abzuklären. Das Ausmass
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der notwendigen behördlichen Nachforschungen, namentlich die Frage, ob ein
medizinisches Gutachten eingeholt werden soll, richtet sich nach den Umständen des
Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (Philippe
Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 16d
N 3).
Gemäss Art. 15d Abs. 1 SVG wird eine Person einer Fahreignungsuntersuchung
unterzogen, wenn Zweifel an ihrer Fahreignung bestehen. Abs. 1 von Art. 15d SVG
nennt in den lit. a bis e beispielhaft die fünf wichtigsten Fälle bzw. Fallgruppen, die
Zweifel an der Fahreignung begründen und deren Abklärung in der Regel obligatorisch
machen. Es handelt sich dabei um die Abhängigkeit von Alkohol und
Betäubungsmitteln (lit. a und b), Verkehrsregelverletzungen, die auf Rücksichtslosigkeit
schliessen lassen (lit. c), die Meldung einer IV-Stelle (lit. d) oder die Meldung eines
Arztes, dass eine Krankheit vorliegt, die das sichere Führen von Motorfahrzeugen
ausschliesst (lit. e). Die Liste in Art. 15d Abs. 1 SVG ist nicht abschliessend (Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 1C_445/2012 vom 26. April 2013 E. 3.2; BBl 2010 S. 8500).
Sofern kein Sondertatbestand nach Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e SVG vorliegt, kann eine
Fahreignungsuntersuchung auch gestützt auf die Generalklausel in Abs. 1 angeordnet
werden. Die Behörden dürfen somit auch eine Fahreignungsabklärung anordnen, wenn
kein Anlass nach lit. a bis e vorliegt. Die Gründe für die Abklärung der Fahreignung
können deshalb sehr vielfältig sein (Weissenberger, a.a.O., Art. 15d N 4 ff.). Zusätzlich
bietet die kantonale Behörde Personen ab dem vollendeten 70. Altersjahr alle zwei
Jahre zu einer vertrauensärztlichen Untersuchung auf. Sie kann das Intervall für die
Untersuchung verkürzen, wenn die Fahreignung einer Person wegen bestehender
Beeinträchtigungen häufiger kontrolliert werden muss (Art. 15d Abs. 2 SVG und Art. 27
VZV). Die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung bei zweifelhafter
Fahreignung ist sodann in Art. 11b Abs. 1 lit. a der Verkehrszulassungsverordnung
(SR 741.51, abgekürzt: VZV) geregelt. Sie dient der Abklärung, ob die medizinischen
Mindestanforderungen gemäss Art. 7 Abs. 1 VZV erfüllt sind.
Mit fortschreitendem Alter kann die Fahreignung, d.h. die allgemeinen psychischen und
physischen Grundvoraussetzungen zum sicheren Lenken eines Motorfahrzeugs im
Strassenverkehr, abnehmen. Zwar besteht keine grundsätzliche Vermutung, dass sich
ältere Personen nicht mehr als Fahrzeugführer eignen. So hielt das Bundesgericht im
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Zusammenhang mit der Frage der Zulässigkeit der Anordnung einer Kontrollfahrt fest,
dass eine solche nicht ausschliesslich aufgrund des Alters angeordnet werden dürfe.
Andererseits seien aber die Anforderungen an die Anordnung einer Kontrollfahrt auch
nicht zu überspannen, handle es sich doch um eine die betroffene Person nicht
übermässig belastende Massnahme, die dem Schutz wichtiger Rechtsgüter (Leib und
Leben der anderen Verkehrsteilnehmer) diene und auch im Interesse des
Fahrzeugführers selbst liege. Insofern genüge es, wenn ältere Fahrzeuglenker durch
Fahrfehler auffällig geworden seien, die auf einem altersbedingten Leistungsabfall
beruhen könnten (BGer 1C_110/2011 vom 6. Juni 2011 E. 3.3). Ob tatsächlich ein
altersbedingter Leistungsabfall vorliege, der das sichere Führen eines Motorfahrzeugs
beeinträchtige, sei mit der Kontrollfahrt gerade abzuklären (vgl. BGer 1C_47/2007 vom
2. Mai 2007 E. 3.1). Was für die Zulässigkeit der Anordnung einer Kontrollfahrt gilt,
muss auch für die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung gelten (vgl.
VRKE IV-2014/55 vom 3. Juli 2014 E. 2.a).
c) Am 23. Juni 2015 ging bei der Vorinstanz eine Meldung ein, worin eine Privatperson
Bedenken bezüglich der Fahreignung des Rekurrenten äusserte und darum ersuchte,
dass dessen Fahreignung von unabhängiger Seite abgeklärt werde. In der Folge
gelangte die Vorinstanz mit Schreiben vom 30. Juni 2015 an die örtliche Polizei und bat
um eine Stellungnahme, inwieweit die Meldung der Privatperson bezüglich der
zweifelhaften Fahreignung des Rekurrenten durch Feststellungen der Polizei
untermauert werden könne. Die Polizeistation B teilte dem Strassenverkehrsamt
daraufhin am 3. Oktober 2015 mit, dass der Rekurrent mit folgenden Vorfällen
verzeichnet sei: Selbstunfall vom 8. Oktober 2008 (Touchieren eines unbeleuchteten
Inselschutzpfostens, Sachschaden rund Fr. 400.–), Selbstunfall vom 11. März 2013
(Touchieren einer Mauer, geringer Sachschaden), Verkehrsunfall mit Körperverletzung
vom 11. April 2014 (Touchieren einer Fussgängerin), versuchte Körperverletzung mit
Personenwagen vom 12. April 2014, Selbstunfall vom 25. April 2014 (Touchieren eines
Pfostens, kein Sachschaden), Selbstunfall vom 13. August 2014 (Touchieren eines
parkierten Personenwagens beim Rückwärtsfahren, Sachschaden unbekannt),
Selbstunfall vom 5. Juni 2015 (Touchieren eines Beleuchtungskandelabers). Am
29. Dezember 2015 teilte die Polizeistation B der Vorinstanz zudem mit, dass der
Rekurrent am 20. Dezember 2015 erneut einen Selbstunfall verursacht habe, indem er
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bei einem Abbiegemanöver ein Eisengeländer touchiert habe, wobei am Eisengeländer
jedoch kein Schaden entstanden sei.
Bezüglich der Vorfälle vom 11. und 12. April 2014 wurde der Rekurrent mit Entscheid
des Kreisgerichts A vom 5. Juli 2016 von den Vorwürfen der einfachen und schweren
Verkehrsregelverletzung freigesprochen. Bei den übrigen Vorkommnissen ist dem
Rekurrenten zwar zuzustimmen, dass es sich um Bagatellfälle handelt, bei denen
andere Verkehrsteilnehmer nicht konkret gefährdet wurden. Auffällig sind jedoch die
grosse Anzahl dieser Bagatellfälle sowie insbesondere die Häufung der Vorkommnisse
in den letzten Jahren. So gab es im Jahr 2008 einen Vorfall, im Jahr 2013 einen
weiteren und in den Jahren 2014 und 2015 je zwei Vorfälle. Hinzu kommt die
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 8. Oktober 2015 von 21 km/h innerorts. Aufgrund
der Häufung der Vorkommnisse insbesondere in der letzten Zeit sowie der Tatsache,
dass es auch während des laufenden Verfahrens zu weiteren Vorkommnissen kam,
sind gewisse Zweifel an der Fahreignung des Rekurrenten durchaus begründet. Mit
einer verkehrsmedizinischen Untersuchung kann insbesondere geklärt werden, ob ein
altersbedingter Leistungsabfall Ursache für die Vorfälle war. Auch wenn bis anhin
andere Verkehrsteilnehmer nicht konkret gefährdet wurden, kann nicht gänzlich
ausgeschlossen werden, dass vom Verhalten des Rekurrenten im Strassenverkehr
nicht auch andere Verkehrsteilnehmer hätten betroffen sein können. So ist durchaus
vorstellbar, dass er statt eines Pfostens, einer Mauer, eines Kandelabers oder eines
Geländers andere Verkehrsteilnehmer wie beispielsweise einen Velofahrer oder einen
Fussgänger hätte touchieren können. Er schuf jeweils zumindest eine abstrakte
Gefährdung. Das bisherige Verhalten des Rekurrenten im Strassenverkehr ist damit
insgesamt Anlass genug, die Fahreignung abzuklären.
d) Dass die Fahreignung des Rekurrenten anlässlich der periodischen medizinischen
Kontrolle beim Hausarzt jeweils bestätigt wurde (letztmals am 5. November 2015),
ändert daran nichts. Im Normalfall finden die Kontrolluntersuchungen nur alle zwei
Jahre statt. Fällt ein über 70-Jähriger jedoch negativ im Strassenverkehr auf, muss die
Fahreignung im Interesse der Verkehrssicherheit auch innerhalb eines kürzeren
Intervalls und zudem von einem Spezialisten überprüft werden können. Dass eine
Erstuntersuchung beim Hausarzt durchgeführt wird, ist zweckmässig. Dieser kann bei
unauffälligen Befunden die Fahreignung bejahen. Bei verkehrsrelevanten Befunden
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hingegen soll die weitere Beurteilung beim verkehrsmedizinischen Vertrauensarzt oder
an einer verkehrsmedizinischen Abklärungsstelle erfolgen (Seeger, Fahren im Alter –
Hauptprobleme und sinnvolle Konzepte zur Überprüfung der Fahreignung aus
verkehrsmedizinischer Sicht, in: Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2005, S. 19). Dies muss umso mehr gelten, als dass es wie im
Fall des Rekurrenten bereits zu mehreren Vorfällen im Strassenverkehr gekommen ist,
obwohl der Hausarzt die Fahrtauglichkeit jeweils bestätigt hatte. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass der Hausarzt bei der zweijährlichen Kontrolle bei über 70-
Jährigen Fahrzeuglenker nur über die Sehleistung, über die Notwendigkeit einer
spezialärztlichen Untersuchung oder einer Kontrollfahrt, den Zeitpunkt einer
Wiederholung der Untersuchung sowie über das Vorliegen der Fahrtauglichkeit Bericht
zu erstatten hat. Bei einer verkehrsmedizinischen Untersuchung hingegen können
aufwendigere Zusatzuntersuchungen wie beispielsweise spezielle Leistungstests
durchgeführt werden (Seeger, a.a.O., S. 18). Der Verkehrsmediziner stützt sich zudem
auf eine viel weitergehende Beurteilungsbasis als der Hausarzt. Er berücksichtigt unter
anderem die Angaben aus den Akten zur Verkehrsvorgeschichte, führt ein
ausführliches Untersuchungsgespräch, eine körperliche Untersuchung und
Laboranalysen durch und holt Fremdeinkünfte ein. Hinzu kommt, dass die Stellung des
Hausarztes als beurteilende Instanz nicht selten problematisch ist. Der oftmals nicht
zuletzt aus Krankheitsgründen uneinsichtige Patient fühlt sich möglicherweise vom
Hausarzt verraten und das Vertrauensverhältnis wird massiv gestört. In Zweifelsfällen
ist deshalb die definitive Beurteilung der Fahreignung dem Amtsarzt oder einer
speziellen verkehrsmedizinischen Abklärungsstelle zu überlassen (Seeger, a.a.O., S.
18). Dementsprechend ist die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung
durch die Vorinstanz trotz Vorliegens einer Fahreignungsbestätigung durch den
Hausarzt nicht zu beanstanden.
5.- a) Der Rekurrent macht weiter geltend, dass sich die Vorinstanz über die Regelung
von Art. 30a VZV hinweggesetzt habe. Danach könne die kantonale Behörde, wenn ein
Fahreignungsmangel von einer Privatperson gemeldet würde, nur beim behandelnden
Arzt einen Bericht einholen. Weitergehende Abklärungen, wie vorliegend die Einholung
eines Berichts bei der örtlichen Polizei, sei nicht vorgesehen. Hätte die Vorinstanz beim
behandelnden Arzt einen Bericht eingeholt, hätte das Verfahren einen anderen Verlauf
genommen.
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b) Meldet eine Privatperson der kantonalen Behörde Zweifel an der Fahreignung einer
anderen Person, so kann die kantonale Behörde beim behandelnden Arzt einen Bericht
einholen. Auf Wunsch der meldenden Person sichert sie dieser Vertraulichkeit zu. Ihre
Identität darf auch im Rahmen von Administrativverfahren nicht preisgegeben werden
(Art. 30a Abs. 1 VZV). Diese Regelung wurde am 1. Juli 2014 in Kraft gesetzt. Damit
aufgrund dieser neuen Bestimmung Missbräuchen und Schikanen nicht Tür und Tor
geöffnet wird, hat die kantonale Behörde bei einer Meldung einer Privatperson, bevor
sie allfällige Massnahmen ergreift, abzuklären, ob die Meldung begründet und
nachvollziehbar erscheint. Dies hat die Vorinstanz vorliegend getan, indem sie sich bei
der örtlichen Polizei erkundigte und damit die eingegangene Meldung auf ihre
Begründetheit überprüfte. Dieses Vorgehen ist deshalb nicht zu beanstanden. Aufgrund
des in der Folge eingereichten Berichts der Polizei vom 3. Oktober 2015 ergaben sich
sodann für die Vorinstanz bereits genügend Anhaltspunkte, die sie an der Fahreignung
des Rekurrenten zweifeln liessen, weshalb sie wie bereits ausgeführt zurecht aufgrund
von Art. 15d Abs. 1 SVG eine verkehrsmedizinische Untersuchung angeordnet hat (vgl.
E. 4c). Das zusätzliche Einholen eines Berichts des Hausarztes war unter diesen
Umständen nicht mehr notwendig. Da sich der Rekurrent aufgrund seines Alters
gemäss Art. 15d Abs. 2 SVG alle zwei Jahre einer ärztlichen Untersuchung unterziehen
muss, verfügte die Vorinstanz ohnehin bereits über Berichte seines Hausarztes. Dass
der Hausarzt jeweils die Fahrfähigkeit des Rekurrenten bestätigte (letztmals am
5. November 2015), steht der Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung
nicht im Weg (vgl. E. 4d). Die Polizei hätte auch ohne Nachfragen der Vorinstanz eine
Meldung bezüglich der zweifelhaften Fahreignung des Rekurrenten machen können.
Gemäss Art. 104 Abs. 1 SVG müssen die Polizei- und Strafbehörden der zuständigen
Behörde sogar alle Widerhandlungen melden, die eine in diesem Gesetz vorgesehene
Massnahme nach sich ziehen könnten. Ausserdem entschied das Bundesgericht, dass
selbst rechtswidrig erlangte Beweismittel im Rahmen von Art. 15d Abs. 1 SVG als
Grundlage für die Anordnung einer Eignungsabklärung verwertet werden dürften (BGE
139 II 95). Das Vorgehen der Vorinstanz ist entsprechend nicht zu beanstanden.
6.- a) Schliesslich macht der Rekurrent geltend, die vorinstanzlichen Akten seien
unvollständig, da die schriftliche Meldung einer Privatperson vom 23. Juni 2015 nicht in
den Akten sei. Der von der Vorinstanz in Zusammenhang mit Art. 30a VZV
gehandhabte Quellenschutz sei nicht einmal im Strafverfahren bekannt. Auch in einem
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Strafverfahren müsse sich der Beschuldigte zu den Ausführungen einer anonymen
Person äussern können. Es sei fraglich, ob Art. 30a VZV verfassungsmässig sei.
Jedenfalls halte die Handhabung von Art. 30a VZV durch die Vorinstanz vor der
allgemeinen Verfassungsgarantie des rechtlichen Gehörs in keiner Weise Stand.
b) Art. 30a Abs. 1 VZV sieht vor, dass wenn eine Privatperson der kantonalen Behörde
Zweifel an der Fahreignung einer anderen Person meldet, dieser auf Wunsch
Vertraulichkeit zugesichert wird. Ihre Identität darf auch im Rahmen von
Administrativverfahren nicht preisgegeben werden.
Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Dies ist
der Anspruch einer Partei, in einem Gerichts- oder Verwaltungsverfahren mit ihrem
Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und zu den für die
Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu können, bevor ein Entscheid
gefällt wird (Häfelin/Haller/Keller, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl. 2012,
Rz. 836). Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle
Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGer 2C_724/2008 vom 16. Februar
2009 E. 2.3). Im vorliegenden Fall wird das Einsichtsrecht des Rekurrenten in die Akten
insofern tangiert, als die Meldung einer Privatperson, in der Zweifel an der Fahreignung
des Rekurrenten geäussert werden, durch die Vorinstanz unter Verschluss gehalten
wird und durch eine Aktennotiz ersetzt wurde. Damit wird der Informationsgehalt der
entsprechenden Meldung verringert. Art. 29 Abs. 2 BV ist ein selbständiges Grundrecht
formeller Natur. Das bedeutet aber nicht, dass Einschränkungen absolut
verfassungswidrig sind. Einschränkungen sind vor allem zulässig, wenn die Gefahr
besteht, dass prozessuale Massnahmen vereitelt werden, bei zeitlicher Dringlichkeit
oder wenn überwiegende öffentliche oder private Interessen geschützt werden
müssen. Einschränkungen müssen aber in jedem Fall verhältnismässig sein (Häfelin/
Haller/Keller, a.a.O., Rz. 839; BGer 2C_724/2008 vom 16. Februar 2009 E. 2.3). Art. 16
Abs. 1 VRP erlaubt die Einschränkung der Akteneinsicht bei wichtigen öffentlichen oder
schutzwürdigen privaten Interessen. Der wesentliche Inhalt eines Aktenstücks, in das
die Einsicht verweigert wird, muss aber so weit mitgeteilt werden, als dies ohne
Verletzung des zu schützenden Interesses möglich ist (Art. 16 Abs. 2 VRP). Dabei sind
die sich gegenüberstehenden Interessen im Einzelfall sorgfältig abzuwägen (Cavelti/
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Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren
vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz. 1129).
c) Die Behörden erfahren häufig aufgrund von Meldungen von Privatpersonen, dass bei
einer bestimmten Person die Fahreignung fehlen könnte. Aus verschiedenen Gründen
wollen die Informanten gegenüber dem Betroffenen häufig nicht genannt werden. Viele
solcher Meldungen würden deshalb unterbleiben, wenn dem Informanten nicht
Anonymität zugesichert würde. Solchen Meldungen kann im Interesse der
Allgemeinheit an einem sicheren Strassenverkehr erhebliche Bedeutung zukommen.
Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass eine Person mit einer solchen
Mitteilung bewusst in ein schlechtes Licht gestellt werden soll. Die Behörde muss
deshalb prüfen, ob allenfalls sachfremde Gründe hinter der Mitteilung stecken. Die
Verkehrssicherheit ist jedenfalls ein wichtiges öffentliches Interesse. Sie überwiegt das
Interesse des Rekurrenten an einer vollumfänglichen Akteneinsicht. Weiter ist der mit
der Verweigerung des vollumfänglichen Akteneinsichtsrechts verbundene Eingriff in die
Rechtsposition des Rekurrenten geeignet und notwendig, um auch Meldungen von
Privatpersonen über die fehlende Fahreignung einer bestimmten Person zu erhalten,
die ihre Identität nicht preisgeben wollen. Für den Rekurrenten ist der Eingriff
angesichts des auf dem Spiel stehenden öffentlichen Interesses der Verkehrssicherheit
sodann zumutbar. Damit erfolgte die Einschränkung des Rechts des Rekurrenten auf
vollumfängliche Akteneinsicht im Interesse der Verkehrssicherheit und ist
verhältnismässig, womit keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt. Dem
Rekurrenten wurde zudem der wesentliche Inhalt der Meldung vom 23. Juni 2015 –
nämlich dass bei ihm die Fahreignung nicht mehr gegeben sein soll und diese
sinnvollerweise zu überprüfen sei – mitgeteilt. Der Inhalt der Meldung wurde so
wiedergegeben, dass keine Rückschlüsse auf die Identität der meldenden Person
möglich sind. Dies kommt einem Einschwärzen von Passagen – wie es der Rekurrent
als Beispiel aus dem Strafverfahren nennt – gleich. Jedenfalls war dem Rekurrenten der
wesentliche Inhalt der Meldung bekannt und er konnte sich dazu äussern. Am
Verfahrensausgang hätte es nichts geändert, wäre dem Rekurrenten die Identität der
meldenden Person bekannt gewesen. Damit sind auch die Voraussetzungen für die
Einschränkung des Akteneinsichtsrechts gemäss Art. 16 VRP erfüllt, womit das
Vorgehen der Vorinstanz insgesamt nicht zu beanstanden ist. Schliesslich ist dem
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Gericht bekannt, wer die Meldung erstattet hatte. Art. 30a Abs. 1 VZV kann demnach
umgesetzt werden, ohne dass dabei gegen die Verfassung verstossen wird.
7.- Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht an der Fahreignung
des Rekurrenten zweifelte und mit Zwischenverfügung vom 2. November 2015 gestützt
auf Art. 15d Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 7 und Art. 11b Abs. 1 lit. a VZV eine
verkehrsmedizinische Untersuchung anordnete. Damit kam sie ihrer Verpflichtung zur
Klärung des Sachverhalts nach. Die angeordnete Massnahme ist insgesamt
verhältnismässig, um den Zweifeln an der Fahreignung des Rekurrenten auf den Grund
zu gehen und liegt nicht zuletzt auch in seinem eigenen, wohlverstandenen Interesse.
Die vorinstanzliche Zwischenverfügung vom 2. November 2015 ist sachgerecht und
liegt innerhalb des pflichtgemässen Ermessens der Behörde. Daran ändert nichts, dass
der Rekurrent im Zusammenhang mit den Vorfällen vom 11. und 12. April 2014 von den
Vorwürfen der groben und einfachen Verkehrsregelverletzung freigesprochen wurde
(Entscheid der Einzelrichterin am Kreisgericht A vom 5. Juli 2016), von sich aus
Fahrstunden nahm und der Fahrlehrer bestätigte, dass er ein sicherer Fahrer sei und
keine Gefahr für sich und andere Verkehrsteilnehmer darstelle. Es bleiben eine Häufung
von auffälligem Verhalten im Strassenverkehr, das die gemeldeten Bedenken an der
Fahreignung als möglich erscheinen lassen. Eine Angewiesenheit des Rekurrenten auf
den Führerausweis wegen des Hundesittings kann ebenfalls nicht berücksichtigt
werden, da das Kriterium der (beruflichen) Angewiesenheit administrativrechtlich einzig
für die Bemessung der Dauer eines Warnungsentzugs relevant ist (vgl. Art. 16 Abs. 3
SVG; BGer 6A.23/2004 vom 11. Juni 2004 E. 2.2).
8.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1‘200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1‘200.– ist zu verrechnen.