Decision ID: 04f599e6-935a-5411-aac6-807e4bddfc25
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war seit dem _ 2003 bei der F._ AG als Leiterin Marketing
Kommunikation angestellt (Zwischenzeugnis vom 30. Juni 2007, act. G 1.3; zum
Anstellungsvertrag vom 13. Mai 2003 siehe act. G 1.5) und dadurch bei der B._ und
dem C._ berufsvorsorgeversichert (act. G 1.6 f.). Noch vor dem Stellenantritt
informierte die Versicherte die F._ AG, dass bei ihr 6 Jahren zuvor Multiple Sklerose
diagnostiziert worden sei. Sie offerierte dieser den Rücktritt vom Anstellungsvertrag.
Die F._ AG hielt an der Anstellung fest und schrieb in der Aktennotiz vom _ 2003
nieder, die Versicherte sei nicht krank. Es gebe eine Diagnose, jedoch keine konkreten
Krankheitssymptome (act. G 1.62). Prof. Dr. med. G._, Chefarzt Neurologie an der
Klinik Valens, führte im Bericht vom 17. März 2005 aus (act. G 1.49), die Versicherte sei
A.a.
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vor allem durch ein Hinken gestört, das alternierend links oder rechts auftrete. Sie
könne deshalb nicht mehr rennen. Besonders störend sei ein imperativer häufiger
Harndrang (Pollakisurie). Die Versicherte sei als Marketing Managerin beruflich sehr
aktiv, müsse aber gelegentlich wegen der Pollakisurie den Arbeitsablauf unterbrechen
(act. G 1.49). Die Ärzte der Abteilung Neuro-Urologie am H._ berichteten am 19. April
2005, die Versicherte leide an einer Encephalomyelitis disseminata. Es bestehe der
Verdacht auf eine supranukleäre Neuronläsion mit spastischer Blasenlähmung. Die
Situation sei bei der Berufstätigkeit gelegentlich störend (act. G 1.50; zum tageweise
auftretenden imperativen Harndrang siehe den Bericht des behandelnden Dr. med.
I._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 23. August 2005, act. G 1.51).
Per 1. Juli 2007 wechselte die Versicherte unternehmensintern in den Bereich
Human Ressources (Arbeitszeugnisse vom 28. Februar 2009, act. G 33). Vom 6. bis
21. September 2007 befand sie sich in einem ambulanten Rehabilitationsaufenthalt in
der Klinik Valens. Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen diagnostizierten
eine schubförmige Multiple Sklerose (bekannt seit 2000) mit/bei initial Optikusneuritis
links, geringer Gleichgewichtsstörung und Parese des rechten Beins sowie einer
Blasenstörung. Im Juni 2007 habe die Versicherte wohl einen Schub durchgemacht,
der unter Medrol rasch gebessert habe. Zusätzlich hätten Probleme im beruflichen und
sozialen Umfeld bestanden. Im Vordergrund der körperlichen Beschwerden stünden
jetzt Miktionsstörungen (Pollakisurie; act. G 1.54). Mit Schreiben vom 27. August 2008
stellte die F._ AG der Versicherten «aus den bereits besprochenen Gründen» die
Beendigung des Arbeitsverhältnisses auf den 28. Februar 2009 in Aussicht. Ihr wurde
bis 31. August 2008 die Gelegenheit zur vorgängigen eigenen Kündigungserklärung
eingeräumt (act. G 1.69). In der Folge kündigte die Versicherte das Arbeitsverhältnis mit
der F._ AG auf den 28. Februar 2009 (act. G 1.4 und act. G 33). Auf Anfrage der Unia
Arbeitslosenkasse führte die F._ AG zu den Kündigungsgründen aus, die Versicherte
habe innerhalb des Unternehmens in den Bereich Human Resources gewechselt, um
das Thema HR Marketing aufzubauen. Nach ersten abgeschlossenen Projekten habe
sie (die F._ AG) das Thema gerne weiter ausbauen wollen. Hierzu seien jedoch
Kenntnisse im Bereich Human Resources - welche die Versicherte leider nicht
mitbringe - unabdingbar. Deshalb sei es zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses
gekommen (act. G 1.70).
A.b.
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Am 8. Juni 2009 nahm die Versicherte eine Tätigkeit als Leiterin Consumer
Marketing bei der J._ AG mit einem 100%igen Arbeitspensum auf (Arbeitszeugnis
vom 28. Februar 2011, act. G 1.13; siehe auch die Angaben im Fragebogen
Arbeitgebende zuhanden der IV-Stelle vom 23. September 2013, act. G 1.14; zum
Arbeitsvertrag vom 19. Mai 2009 siehe act. G 1.15). Dadurch war sie bei der
Vorsorgestiftung D._ AG berufsvorsorgeversichert (vgl. act. G 1.14, S. 4). Die
behandelnde Dr. med. K._, Fachärztin für Neurologie, berichtete am 22. Januar 2010,
die Versicherte habe seit 25. Juli 2008 monatlich eine Tysabri-Infusion erhalten. Nach
dem Beginn dieser Therapie seien keine sicheren schubartigen Verschlechterungen
mehr vorgekommen, aber eine leichte Progression der Ausfälle. Die Miktion sei
unverändert mit teilweise Urge-Inkontinenz. Die Versicherte arbeite zu 100% und sei in
einer Ausbildung zur Marketing-Leiterin. Im Sommer 2010 absolviere sie die
schriftlichen und im Herbst 2010 die mündlichen Prüfungen für die eidgenössische
Fachprüfung. Danach möchte sie weniger arbeiten (act. G 1.93). Im März/April 2010
kam es zu einer Verschlechterung beim Gehen und zu einer Handparese rechts,
insgesamt vereinbar mit einem subakuten Schub (Bericht von Dr. K._ vom 7. April
2010, act. G 1.113). Unter Tysabri-Infusion zeigte sich im Mai 2010 wieder eine
Erholung vom subakuten Schub (Bericht von Dr. K._ vom 10. Mai 2010, act.
G 34.23). Die Versicherte kündigte das Arbeitsverhältnis mit der J._ AG am
24. August 2010 per 28. Februar 2011 (act. G 1.115; zum Interimszeugnis vom
2. November 2010 siehe act. G 1.114 und zum Arbeitszeugnis vom 28. Februar 2011,
act. G 1.13; zu den Vereinbarungen bezüglich der Beendigung des Arbeitsverhältnisses
siehe auch die E-Mail vom 13. Oktober 2010, act. G 1.116).
A.c.
Am _ 2011 nahm die Versicherte bei der L._ AG die Tätigkeit als Leiterin
Marketing Health Care mit einem 100%igen Beschäftigungsgrad auf (zum
Arbeitsvertrag vom 27. November 2010 siehe act. G 1.20) und war dadurch bei deren
Personalvorsorgestiftung berufsvorsorgeversichert. Die Personalvorsorgestiftung
brachte bezüglich der Multiplen Sklerose insoweit einen Vorbehalt an, dass wenn diese
zu einer Invalidität oder zum Tod führe, lediglich eine Leistungspflicht im Rahmen des
BVG-Obligatoriums bestehe (Schreiben vom April 2011, act. G 1.23). Noch während
der (verlängerten) Probezeit (siehe zur Probezeitverlängerung die Vereinbarung vom
18. April 2011, act. G 1.121) kündigte die Versicherte das Arbeitsverhältnis am 6. Mai
A.d.
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2011 per 20. Mai 2011 (act. G 1.122). Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom
11. Mai 2011 gab die Versicherte an, die Position habe nicht den Erwartungen
entsprochen (act. G 17.6; eingehend zu den Kündigungsgründen siehe die
Stellungnahme der Versicherten gegenüber der Unia Arbeitslosenkasse vom 17. Mai
2011, act. G 20.3; zur Einstellung in der Arbeitslosentaggeldberechtigung wegen
selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für 24 Tage siehe die Verfügung der Unia
Arbeitslosenkasse vom 3. Juni 2011, act. G 1.25).
Dr. K._ wies die Versicherte mit Schreiben vom 31. Mai 2011 Prof. Dr. med.
M._, Chefarzt Neuro-Urologie am H._, zur neuro-urologischen Abklärung zu. Zur
Begründung führte sie aus, es bestehe eine zunehmende Einschränkung (beruflich und
sozial) durch eine Miktionsstörung (imperativer Harndrang mit Inkontinenz und
Nykturie; act. G 1.118; zu den «seit einigen Monaten» verstärkt auftretenden
Harnentleerungsstörungen siehe auch den Bericht von Dr. med. N._, Fachärztin für
Allgemeinmedizin, act. G 1.120). Im Bericht vom 20. Juni 2011 führte Prof. M._ aus,
die Versicherte leide an einer Encephalomyelitis disseminata und neurogenen
Detrusorüberaktivität. Die Versicherte klage über eine erhebliche Drangsymptomatik.
Die Miktionsfrequenz liege bei 15 bis 20-mal pro Tag und 1 bis 3-mal pro Nacht (act.
G 1.119).
A.e.
Am 7. März 2013 war der Höchstanspruch der Versicherten auf
Arbeitslosentaggelder ausgeschöpft (siehe Schreiben der Unia Arbeitslosenkasse vom
3. April 2013, act. G 1.30). Sie meldete sich am 26. März 2013 zum Bezug von IV-
Leistungen bei der IV-Stelle Luzern an (IV-act. 7). Am _ April 2013 nahm sie eine
Tätigkeit als Assistentin Leitung Services und Marketing/Einkauf für die O._ ag
(inzwischen P._ AG) mit einem Pensum von 80% auf (siehe Arbeitszeugnis vom
9. Dezember 2015, act. G 1.34; zum Arbeitsvertrag vom 30. April 2013 siehe act.
G 1.35). Gegenüber der IV-Stelle Luzern gab Dr. K._ in der Stellungnahme vom
26. August 2013 an, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten im angestammten Beruf
«erachte ich als momentan eingeschränkt mit 100% aber vermehrten Pausen bei
autonomen Störungen, so dass es zu vermehrten Arbeitsunterbrechungen kommt.
Insgesamt kann eine Arbeitsfähigkeit von 80% veranschlagt werden, allenfalls bei
gutem gesundheitlichen Zustand aber bis 100%. Seit Mitte Jahr 2012 nach
A.f.
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Implantation eines Neurostimulators wegen autonomen Störungen ist diese
Einschränkung vorhanden» (act. G 1.96).
Das Pensum von zunächst 80% wurde ab 1. Mai 2014 auf 100% gesteigert (siehe
Arbeitszeugnis vom 9. Dezember 2015, act. G 1.34; zum Arbeitsvertrag vom 30. April
2013 siehe act. G 1.35). Mit Verfügungen vom 17. Februar und vom 13. März 2015
sprach die IV-Stelle Luzern der Versicherten mit Wirkung ab September 2013 eine
Viertelsrente zu (act. G 1.39 f.). Die Personalvorsorgestiftung der E._ AG teilte der
Versicherten am 29. April 2015 mit, dass sie eine Leistungspflicht ablehne. Die
Arbeitsunfähigkeit, die zur Invalidität geführt habe, sei nicht während der Anstellung bei
der L._ AG eingetreten (act. G 1.46). Vom 26. Oktober bis 12. November 2015 befand
sich die Versicherte zur stationären Rehabilitation in der Klinik Valens. Die dort
behandelnden neurologischen Fachpersonen bescheinigten ihr für die Zeit vom
26. Oktober bis 16. November 2015 eine 100%ige und ab 17. November 2015 eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit. In den letzten Monaten habe die Versicherte zunehmende
kognitive Störungen sowie ein Fatigue-Syndrom präsentiert (Austrittsbericht vom
9. November 2015, act. G 17.3). Mit der Begründung einer «Neuorganisation» kündigte
die O._ das Arbeitsverhältnis per 9. Dezember 2015 (act. G 1.36). Am 1. Oktober
2016 nahm die Versicherte für die H._ die Tätigkeit einer Sachbearbeiterin
Gönnermarketing mit einem 30%igen Pensum (50% Anwesenheit bei 60%iger
Leistungsfähigkeit) auf (zum Arbeitsvertrag vom 29. September 2016 siehe act. G 38).
Die IV-Stelle Luzern erhöhte den Rentenanspruch der Versicherten revisionsweise mit
Wirkung ab 1. Dezember 2015 auf eine ganze Rente (Verfügungen vom 12. Dezember
2016 und vom 3. Januar 2017, act. G 1.41 f.). Die Stiftung Q._ richtete der
Versicherten mit Wirkung ab 1. September 2013 Invalidenrenten aus (siehe das
Berechnungsblatt vom 8. März 2018, act. G 1.43).
A.g.
Im Schreiben vom 15. Februar 2017 bescheinigte Dr. I._, aufgrund der
ausgeprägten Symptomatik mit häufigem imperativem Harndrang sei ab August 2007
bezogen auf die angestammte Tätigkeit als Marketingleiterin von einer
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% auszugehen. Eine Bestätigung der
Arbeitsunfähigkeit sei damals nicht ausgestellt bzw. nicht verlangt worden. Ihre
Beschwerden habe die Versicherte im Verlauf der Krankheit meist eher dissimuliert (act.
G 1.55). Dr. K._ berichtete am 30. März 2017, es könne ab 2007 mit der deutlichen
A.h.
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B.
Verschlechterung der Krankheitssymptome und Änderung der medikamentösen
Therapie ab Mitte 2008 eine 20%ige MS-bedingte Arbeitsunfähigkeit attestiert werden.
Die Versicherte sei (damals) bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit sehr
zurückhaltend gewesen, obwohl die Einschränkung medizinisch ganz klar indiziert
gewesen sei (act. G 1.56). Die Q._ orientierte die B._ im Schreiben vom 19. Mai
2017, dass sie die Leistungspflicht für die Invalidität der Versicherten anerkannt habe.
Aufgrund von neuen Unterlagen werde sie eine Prüfung der Umwandlung der
zugesprochenen Rentenansprüche in Vorleistungen in Betracht ziehen (act. G 17.1).
Auf Anfrage der Versicherten hin verneinten die B._ und der C._ ihre
Leistungszuständigkeit für die eingetretene Invalidität (Schreiben vom 17. Juni 2017,
act. G 1.44). Die D._ beschied der Versicherten am 1. März 2018 ebenfalls, dass sie
eine Leistungszuständigkeit ablehne (act. G 1.45).
Am 14. August 2018 erhob A._ Klage gegen die B._ (Beklagte 1), den C._
(Beklagte 2), die D._ (Beklagte 3) und die E._ (Beklagte 4). Die Klägerin beantragte
darin: 1.a) Die Beklagte 1 sei zu verpflichten, ihr ab dem frühest möglichen Zeitpunkt
Leistungen der beruflichen Vorsorge zu gewähren (nebst Verzugszins von 5% ab
14. August 2018 auf den jeweils fälligen Rentenbetreffnissen) und 1.b) der Beklagte 2
sei zu verpflichten, ihr ab dem frühest möglichen Zeitpunkt Leistungen der beruflichen
Vorsorge zu gewähren (nebst Verzugszins von 5% ab 14. August 2018 auf den jeweils
fälligen Rentenbetreffnissen); unter Entschädigungsfolge. 2. Eventualiter sei die
Beklagte 3 zu verpflichten, ihr ab dem frühest möglichen Zeitpunkt Leistungen der
(obligatorischen und weitergehenden) beruflichen Vorsorge zu gewähren (nebst
Verzugszins von 5% ab 14. August 2018 auf den jeweils fälligen Rentenbetreffnissen);
unter Entschädigungsfolge. 3. Subeventualiter sei die Beklagte 4 zu verpflichten, ihr ab
dem frühest möglichen Zeitpunkt Leistungen der (obligatorischen und - soweit nicht
durch den Gesundheitsvorbehalt ausgeschlossen - weitergehenden) beruflichen
Vorsorge zu gewähren (nebst Verzugszins von 5% ab 14. August 2018 auf den jeweils
fälligen Rentenbetreffnissen); unter Entschädigungsfolge (act. G 1).
B.a.
Die Beklagten 1, 2 und 3 beantragten in der Klageantwort vom 13. November
2018, die gegen sie gerichteten Klagen mangels Leistungszuständigkeit vollumfänglich
abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin (act. G 17).
B.b.
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Erwägungen
1.
Vorab zu prüfen ist die Frage, ob auf die Klage einzutreten ist.
In der Klageantwort vom 11. Dezember 2018 ersuchte die Beklagte 4 um
Abweisung der Klage, soweit darauf einzutreten sei. Sie vertrat darin den Standpunkt,
sie sei nicht für die Leistungsausrichtung zuständig. Des Weiteren schliesse die
definitive Anerkennung des Leistungsanspruchs durch die Q._ eine weitere Klage auf
Ausrichtung von Invalidenleistungen aus der beruflichen Vorsorge aus. Der Klägerin
stehe daher kein Klageanspruch mehr zu, weshalb nicht auf ihre Klage einzutreten sei
(act. G 20).
B.c.
In der Replik vom 30. April 2019 hielt die Klägerin an ihrer Klage fest (act. G 34).B.d.
Die Beklagten hielten ihrerseits an den von ihnen gestellten Anträgen fest (Duplik
der Beklagten 3 vom 28. August 2019, act. G 47; Duplik der Beklagten 1 und 2 vom
30. September 2019, act. G 51; Duplik der Beklagten 4 vom 1. Oktober 2019, act.
G 52).
B.e.
Für berufsvorsorgerechtliche Klagen bildet der Gerichtsstand der schweizerische Sitz
oder Wohnsitz der beklagten Partei oder der Ort des Betriebs, bei dem die versicherte
Person angestellt wurde (Art. 73 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die berufliche
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG; SR 831.40]). Die Beklagten 1
und 2 haben ihren Sitz im Kanton St. Gallen, womit der Gerichtsstand für die gegen sie
erhobenen Klagen im Kanton St. Gallen liegt. Die passive subjektive Klagenhäufung ist
im Anwendungsbereich von Art. 73 Abs. 3 BVG rechtsprechungsgemäss zulässig.
Deshalb ist das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen auch für die Beurteilung
der Klagen gegen die Beklagten 3 und 4 zuständig (Urteil des Bundesgerichts vom
12. März 2012, 9C_41/2012, E. 3.4 mit Hinweisen). Die örtliche Zuständigkeit des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen ist denn auch zu Recht von den
Beklagten nicht bestritten worden.
1.1.
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Die Beklagte 4 bringt vor, nach definitiver Anerkennung der Leistungspflicht durch
die Q._ fehle der Klägerin ein Klageanspruch, weshalb auf ihre Klage nicht
einzutreten sei (act. G 20, S. 11 f.).
1.2.
Weder aus den Ausführungen der Beklagten 4 noch aus den von ihr
referenzierten Stellen in der Literatur (etwa Marc Hürzeler, in: Jacques-André
Schneider/Thomas Geiser/Thomas Gächter [Hrsg.], BVG und FZG, Bern 2010, N 38
und N 44 zu Art. 26 BVG, oder derselbe, Intrasystemische Vorleistungspflichten in der
beruflichen Vorsorge, in: René Schaffhauser/Ueli Kieser [Hrsg.], Das prekäre
Leistungsverhältnis im Sozialversicherungsrecht, St. Gallen 2008, S. 158) ergibt sich,
dass der Klägerin nach einer allfälligen Leistungsanerkennung durch die Q._ von
vornherein eine Klagelegitimation gegen die von Gesetzes wegen zuständige
Vorsorgeeinrichtung fehlen würde. Die von der Beklagten 4 referenzierten
Literaturstellen beziehen sich hauptsächlich auf das Verhältnis von
vorleistungspflichtiger Vorsorgeeinrichtung und tatsächlich leistungspflichtiger
Vorsorgeeinrichtung. Für den Fall der Klagelegitimation der versicherten Person lassen
sich daraus keine Schlüsse ziehen. Vorliegend droht der Klägerin aufgrund der im
Verhältnis zu den Leistungen der Beklagten tieferen Leistungen der Q._ denn auch
ein nicht wiedergutzumachender Nachteil, wenn es bei den von der Q._
ausgerichteten Leistungen bliebe.
1.2.1.
Auch aus BGE 130 V 270 lässt sich nichts gegen eine Klagelegitimation einer
versicherten Person in der vorliegend zu beurteilenden Konstellation herleiten. Sowohl
das Bundesgericht als auch die Vorinstanz traten vielmehr in dem damals von ihnen
beurteilten Fall auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde bzw. die Klage ein und fällten
ein materielles Urteil, obschon eine Vorsorgeeinrichtung die Leistungspflicht anerkannt
hatte (Abweisung der Leistungsbegehren; zum nicht in BGE 130 V 270 publizierten
Dispositiv siehe das Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit
1. Januar 2007: sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 5. April 2004,
B 63/03).
1.2.2.
Deshalb und da auch die übrigen Eintretensvoraussetzungen
unbestrittenermassen erfüllt sind, ist auf die Klage vom 14. August 2018 einzutreten.
1.2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/20
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2.
Zwischen den Parteien materiell umstritten und nachfolgend zu prüfen ist zunächst die
Frage, ob eine und gegebenenfalls welche der eingeklagten Vorsorgeeinrichtungen für
den von der Klägerin geltend gemachten Anspruch auf eine Invalidenrente
leistungspflichtig ist.
Nach Art. 23 lit. a BVG haben Personen Anspruch auf Invalidenleistungen, die im
Sinn der Invalidenversicherung zu mindestens 40% invalid sind und bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren.
Entscheidend im Rahmen von Art. 23 BVG ist einzig der Eintritt der relevanten
Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Mass
daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versicherteneigenschaft
muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht
notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der
Invalidität. Der Wegfall der Versicherteneigenschaft bildet keinen Erlöschungsgrund.
Umgekehrt entsteht im Anwendungsbereich von Art. 23 lit. a BVG keine
Leistungspflicht einer Vorsorgeeinrichtung, wenn die massgebliche Arbeitsunfähigkeit
bereits vor der Entstehung des Versicherungsverhältnisses eingetreten ist (vgl. das
Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_52/2018, E. 3.2 mit Hinweisen).
2.1.
Für die Bestimmung der Leistungszuständigkeit ist eine erhebliche und dauerhafte
Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich massgebend. Diese muss mindestens 20% betragen (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 2.1 mit Hinweisen). Der Anspruch
auf Invalidenleistungen setzt einen engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang
zwischen der während andauernden Vorsorgeverhältnisses (einschliesslich der
Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) bestehenden Arbeitsunfähigkeit und der
allenfalls erst später eingetretenen Invalidität voraus. Der sachliche Konnex ist
gegeben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat, im
Wesentlichen derselbe ist, welcher der Erwerbsunfähigkeit zugrunde liegt. Die
Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs setzt voraus, dass die versicherte
Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat,
nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig war (BGE 134 V 22 E. 3.2 und E. 3.2.1).
Bei der Prüfung dieser Fragen sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalls
zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen
prognostische Beurteilung durch die medizinische Fachperson sowie die
Beweggründe, welche die versicherte Person zur Wiederaufnahme oder
2.2.
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3.
Eine Würdigung der Akten hinsichtlich des Gesundheits- und Arbeitsfähigkeitsverlaufs
ergibt folgendes Bild:
Nichtwiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (siehe zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 2.2 mit Hinweisen). Zu den für die
Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten Umständen zählen ausserdem die in
der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tretenden Verhältnisse, wie etwa die
Tatsache, dass eine versicherte Person über längere Zeit hinweg als voll
vermittlungsfähige Stellensuchende Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezieht.
Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche Bedeutung beigemessen werden wie
Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018,
9C_100/2018, E. 4.1.2 mit Hinweisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
bedarf es zum rechtsgenüglichen Nachweis einer berufsvorsorgerechtlich relevanten
Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen nicht zwingend einer echtzeitlich
attestierten Arbeitsunfähigkeit. Eine zuverlässige Einschätzung des zeitlichen
Zusammenhangs ist nur möglich, wenn die Entwicklung gesamthaft betrachtet wird;
wobei die Frage, ob eine nachhaltige Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit möglich
war, auch im Licht von erst später gewonnenen Erkenntnissen zu beurteilen ist (siehe
zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 4.2.2 mit
Hinweisen). Eine Unterbrechung des zeitlichen Konnexes ist dann anzunehmen, wenn
während mehr als dreier Monate eine Arbeitsfähigkeit von über 80% in einer
angepassten Erwerbstätigkeit gegeben ist (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni
2018, 9C_100/2018, E. 2.2 mit Hinweisen).
Während des vom _ 2003 bis _ 2009 dauernden Arbeitsverhältnisses bei der
F._ AG sind offenbar keine andauernden, eine mindestens 20%ige Arbeitsunfähigkeit
begründenden Leistungsausfälle der Klägerin im Arbeitsalltag wahrnehmbar geworden.
Vielmehr wird die Klägerin in den Leistungsbeurteilungen der damaligen Arbeitgeberin
als leistungsbereit und -stark beschrieben (Zwischenzeugnis vom 30. Juni 2007, act.
G 1.3: «Sie meisterte ihre anspruchsvollen Aufgaben mit viel Initiative und einer
überdurchschnittlichen Einsatzbereitschaft»; Arbeitszeugnis vom 28. Februar 2009, act.
G 1.4 und G 33: «Sie meisterte ihre Aufgaben exakt, mit viel Initiative und einer grossen
Einsatzbereitschaft»). Beim Austrittsgespräch vom _ 2009 bezeichnete die Klägerin
die Aussage «Mein persönliches Arbeitspensum konnte im Rahmen der normalen
Arbeitszeit gut bewältigt werden» als «völlig» zutreffend (act. G 1.71, S. 1). Dass die
Klägerin erst mehrere Jahre später und offensichtlich unter dem Eindruck der
3.1.
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vorsorgerechtlichen Auseinandersetzung nun eine mindestens 20%ige
Arbeitsunfähigkeit als Auflösungsgrund ins Feld führt (act. G 1, Rz 14-6.4), überzeugt
daher nicht und lässt sich auch mit ihren eigenen Aussagen nicht vereinbaren (siehe
hierzu etwa nachstehende E. 3.3.1 und E. 3.4 am Schluss).
Aus der Ablehnung des Gesuchs um Erteilung der Kollektivprokura zu zweien am
16. Mai 2006 ergeben sich keine konkreten Hinweise für eine quantitative
Leistungsbeeinträchtigung und schon gar nicht für eine andauernde Arbeitsunfähigkeit
von mindestens 20% (act. G 1.65). Aus dem Gesuch ist immerhin zu schliessen, dass
zumindest der antragstellende Leiter Marketing, der die Leistungserbringung der
Klägerin als deren Vorgesetzter unmittelbar wahrnahm, von der Prokura-Eignung der
Klägerin ausgegangen war.
3.1.1.
Dass die Kündigung der Klägerin auf Druck der F._ AG erfolgte (siehe hierzu
das Schreiben vom 27. August 2008, act. G 1.69), vermag ebenfalls keinen klaren
Hinweis auf eine mindestens 20%ige Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Denn die
Beendigungsabsichten der damaligen Arbeitgeberin lagen nicht in einem
krankheitsbedingten quantitativen Leistungsdefizit der Klägerin, sondern in ihrer - für
einen weiteren Ausbau des HR Marketing erforderlichen - fehlenden beruflichen
Qualifikation begründet (act. G 1.70). Im Übrigen ergeben sich aus dem
Austrittsgespräch vom _ 2009 auch klare Hinweise auf eine starke
Beendigungsabsicht seitens der Klägerin, die keinen Bezug zu ihrer Krankheit haben.
So gab sie beim Austrittsgrund eine «Rückkehr ins klassische Marketing» an, was mit
dem von der Arbeitgeberin genannten Beendigungsgrund korrespondiert. Zudem
beantwortete sie die Frage, «können Sie sich vorstellen, sich wieder einmal bei F._ zu
bewerben?», mit «kaum», was auf eine generelle, weder leistungsfähigkeitsbezogene
noch konkret arbeitsplatzfokussierte Unzufriedenheit gegenüber der Arbeitgeberin
hindeutet (act. G 1.71, S. 3).
3.1.2.
Den ärztlichen Berichten im Zeitraum vom _ 2003 bis _ 2009 kann keine
andauernde krankheitsbedingte 20%ige Arbeitsunfähigkeit entnommen werden.
Prof. G._ gab lediglich an, die Klägerin müsse «gelegentlich» wegen der Pollakisurie
den Arbeitsablauf unterbrechen (Bericht vom 17. März 2005, act. G 1.49). Eine
Arbeitsunfähigkeit bescheinigte er nicht und eine solche ist allein aufgrund der
gelegentlichen Arbeitsunterbrüche auch nicht naheliegend. In damit zu vereinbarender
Weise sprach Dr. I._ im Bericht vom 23. August 2005 von einem stationären Verlauf
und von bloss «tageweise» auftretendem imperativem Harndrang (act. G 1.51). Dass
sich die Pollakisurie während der Anstellung bei der F._ AG andauernd und
3.1.3.
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wesentlich verschlechterte, ergibt sich aus den medizinischen Akten nicht. Zwar
standen nach einem Multiple Sklerose-Schub im Juni 2007, dessen Folgen auf die
Mobilität und Konzentrationsfähigkeit unter medikamentöser Therapie (Medrol) rasch
besserten, vor («jetzt») dem ambulanten Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik Valens
vom 6. bis 21. September 2007 Miktionsstörungen (Pollakisurie) im Vordergrund (act.
G 1.54, S. 1). Zur Arbeitsfähigkeit äusserten sich die medizinischen Fachpersonen der
Klinik Valens indessen nicht. Gegen eine relevante gesundheitliche Verschlechterung
mit dauerhafter Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit spricht, dass die Ärzte die
Fortführung der bisherigen Therapie empfahlen. Im Übrigen bestanden damals auch
«Probleme im beruflichen und sozialen Umfeld», die zu einer psychologischen
Betreuung führten, wobei «einige Themenkreise angesprochen werden konnten» (act.
G 1.54). Am 20. Juni 2008 hielt Dr. K._ lediglich fest, die Klägerin habe häufige
Entleerungen und auch das Gefühl nicht alles entleeren zu können. Im Mittelpunkt des
Berichts bzw. der damaligen Behandlung stand im Übrigen nicht die Pollakisurie. Zur
Arbeitsfähigkeit nahm Dr. K._ damals keine Stellung (act. G 1.2). In der
Dokumentation «Kostengutsprachegesuch für Medikamente bei Multipler Sklerose»
vom 23. Mai 2008 wurde bezüglich der Blasenfunktionsstörung angegeben, die
Störung falle der Klägerin auf, führe jedoch bloss zu einer geringen Behinderung (act.
G 1.57, S. 5). Während der Anstellung bei der F._ AG waren zudem keine häufigen
Krankheitstage zu verzeichnen. Bis im Jahr 2007 wurden überhaupt keine
Krankheitstage verbucht. Zwar war die Klägerin im Jahr 2007 während 19 Tagen
krankgeschrieben. Diese Krankheitstage (vom 3. bis 21. September 2007) standen aber
allesamt im Zusammenhang mit der stationären Rehabilitation vom 6. bis
21. September 2007. Im Jahr 2008 war die Klägerin lediglich an 3 Tagen anfangs
Februar krankheitsbedingt abwesend. Im Zeitraum vom 1. Januar bis _ 2009 fiel die
Klägerin nicht mehr krankheitsbedingt aus (siehe zum Ganzen die Präsenztabellen in
act. G 1.82). Entgegen der Darstellung der Klägerin (act. G 1, Rz 13.4) war die von ihr
geltend gemachte Exazerbation der Miktionsstörung nicht dauerhaft, wie sich etwa aus
dem späteren Bericht von Dr. K._ vom 22. Januar 2010 ergibt. Darin wurde
festgehalten, die Miktion sei seit dem Beginn der Behandlung mit Tysabri (am 25. Juli
2008) unverändert mit (lediglich) «teilweise» Urge-Inkontinenz (act. G 1.93; siehe hierzu
nachstehende E. 3.2.2).
Der Bericht von Dr. I._ vom 15. Februar 2017, worin er gegenüber der Klägerin
ausführte, aufgrund der ausgeprägten Symptomatik mit häufigem imperativem
Harndrang sei ab August 2007 in der angestammten Tätigkeit als Marketingleiterin von
einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% auszugehen (act. G 1.55), überzeugt
3.1.4.
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schon deshalb nicht, weil am Arbeitsplatz weder von der damaligen Arbeitgeberin noch
von der Klägerin selbst entsprechende Leistungsdefizite wahrgenommen wurden.
Hinzu kommt, dass Dr. I._ keine früheren Arbeitsunfähigkeiten bescheinigte und die
Klägerin auch keine Atteste einforderte, womit die von dieser rund neuneinhalb Jahre
später eingeholte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Wesentlichen von
versicherungsrechtlichen Überlegungen geprägt erscheinen. Nichts Anderes gilt
hinsichtlich der Stellungnahme von Dr. K._ vom 30. März 2017, die ebenfalls vom
Eintritt einer andauernden mindestens 20%igen Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2007
ausgeht (act. G 1.56). Die Aussagen der Dres. I._ und K._ stehen sodann im
Widerspruch zu weiteren, nach 2007 ergangenen Berichten (siehe etwa den Bericht
von Dr. K._ vom 5. Juli 2011, worin sie von einem erst seit einigen Monaten
verstärkten Auftreten der Harnentleerungsstörungen sprach, act. G 1.120, siehe auch
den Bericht von Dr. K._ vom 26. August 2013, worin sie den Beginn der
Arbeitsunfähigkeit auf «Mitte Jahr 2012» festsetzte, act. G 1.96). Auch die in diesem
Zeitraum von der Klägerin erbrachten Arbeitsleistungen und die von ihr geäusserten -
mit ihrer tatsächlichen Leistungserbringung korrespondierenden -
Selbsteinschätzungen lassen sich mit früheren Einschätzungen der beiden
behandelnden medizinischen Fachpersonen nicht vereinbaren (siehe etwa den Bericht
von Dr. K._ vom 22. Januar 2010, act. G 1.93; eingehend zum Ganzen nachstehende
E. 3.2.2 und E. 3.3.1 f.).
Im Licht der vorstehend dargelegten Verhältnisse ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit der Eintritt einer krankheitsbedingten andauernden
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% im Zeitraum vom _ 2003 bis _ 2009 (bzw.
einen Monat länger, vgl. Art. 10 Abs. 3 BVG) und damit die Leistungspflicht der
Gemeinschaftsstiftung der F._ und des C._ zu verneinen.
3.1.5.
Vom _ 2009 bis zum _ Februar 2011 war die Klägerin bei der J._ AG als
Leiterin Consumer Marketing mit einem 100%igen Beschäftigungsgrad angestellt und
dadurch bei der D._ AG berufsvorsorgeversichert (siehe den Fragebogen für
Arbeitgebende der IV-Stelle Luzern in act. G 1.14; zum Arbeitsvertrag vom 19. Mai
2009 siehe act. G 1.15).
3.2.
Im Arbeitszeugnis vom _ 2011 hob die J._ AG hervor, sie habe die Klägerin
«als zuverlässige, leistungsfähige und sehr belastbare Mitarbeitende» kennengelernt
(act. G 1.13, S. 1; siehe auch das Interimszeugnis vom 2. November 2010, act.
G 1.114). Längere krankheitsbedingte Abwesenheiten traten während der
Anstellungsdauer nicht auf (act. G 1.14, S. 4). Die Kündigung des
3.2.1.
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Anstellungsverhältnisses erfolgte durch die Klägerin (Kündigungsschreiben vom
24. August 2010, act. G 1.115).
In mit einer (bezogen auf die ausgeübte Tätigkeit) vollständigen Arbeitsfähigkeit
zu vereinbarender Weise berichtete Dr. K._ am 22. Januar 2010, nach Beginn mit
Tysabri (am 25. Juli 2008) seien keine sicheren schubartigen Verschlechterungen mehr
vorgekommen, aber eine leichte Progression der Ausfälle. Die Miktion sei unverändert
mit - lediglich - «teilweise» Urge-Inkontinenz (act. G 1.93). Die Pollakisurie mit
entsprechend hoher Toilettenfrequenz der Klägerin trat demnach - wie bereits früher
(siehe hierzu vorstehende E. 3.1.3) - lediglich partiell und damit gerade nicht permanent
akut auf. Dr. K._ erwähnte ausserdem im Bericht vom 22. Januar 2010, dass die
Klägerin nicht nur zu 100% einer Arbeit nachgehe, sondern sich darüber hinaus in einer
Ausbildung zur Z._ befinde, wobei im Sommer 2010 die schriftlichen und im Herbst
2010 die mündlichen Prüfungen für die eidgenössische Fachprüfung anstünden (act.
G 1.93, S. 19; zum Erwerb des entsprechenden Diploms im Herbst 2010 siehe act.
G 34.24 f.; zur bewältigten Doppelbelastung durch 100%ige Erwerbstätigkeit und
berufliche Weiterbildung in den Jahren 2009 und 2010 siehe auch die Angaben im
Bericht von Dr. K._ vom 10. November 2010, act. G 34.22, S. 1, sowie das Schreiben
der Klägerin an den RAD vom 21. Oktober 2015 [Datum Posteingang IV-Stelle Luzern],
IV-act. 64), was offensichtlich mit einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit kontrastiert. Dass
die Klägerin damit ihre Arbeitskraft bzw. Leistungsfähigkeit über das ihr medizinisch
zumutbare Mass hinaus verwertet hätte, geht aus dem Bericht gerade nicht hervor. Es
ergeben sich auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Symptomatik der Multiplen
Sklerose die Arbeitsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigt hätte; schon gar nicht in einem
mindestens 20%igen Ausmass. Zwar gab die Klägerin gegenüber Dr. K._ an, nach
der absolvierten Ausbildung beruflich weniger arbeiten zu wollen (act. G 1.93, S. 1).
Indessen bezog sie sich dabei nicht auf ihre Krankheit. Die Aussage steht denn auch im
Kontext der Doppelbelastung aufgrund der Erwerbstätigkeit und der beruflichen
Weiterbildung. In der Folge verschlechterte sich die Pollakisurie bei einem weiteren
Schub nicht, jedoch die Gehfähigkeit (Bericht von Dr. K._ vom 7. April 2010, act.
G 1.113), die allerdings für die Leistungserbringung am Arbeitsplatz im Hintergrund
stand. Zudem verbesserte sich die Gehfähigkeit ca. vier bis sechs Wochen nach dem
Schub wieder, wie Dr. K._ im kurze Zeit später verfassten Bericht vom 10. Mai 2010
festhielt. Darin erwähnte sie erneut lediglich eine «teilweise» Urge-Inkontinenz (act.
G 34.23, S. 1). Diese scheint sich in der Folge zunächst nicht weiter verschlechtert zu
haben. Zumindest lässt sich dem Bericht von Dr. K._ vom 10. November 2010 nichts
dergleichen entnehmen. Darin war vor allem von psychischen Schwierigkeiten die
3.2.2.
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Rede, die allerdings nicht krankheitsbedingt auftraten, sondern im Zusammenhang mit
der Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit der J._ AG standen und zu einer
psychologischen Behandlung führten (act. G 34.22, S. 1).
Aus den weiteren Akten lässt sich nicht der Schluss ziehen, der
Gesundheitszustand der Klägerin hätte sich bis zur Beendigung des
Arbeitsverhältnisses mit der J._ AG am _ 2011 relevant verschlechtert. Es kann
daher nach dem Gesagten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen
werden, dass die krankheitsbedingte andauernde Arbeitsunfähigkeit von mindestens
20% nicht im Zeitraum vom _ 2009 bis _ 2011 bzw. Ende März 2011 eintrat. Folglich
trägt die D._ auch keine Leistungspflicht für die von der Klägerin geltend gemachte
Invalidität.
3.2.3.
Zu prüfen bleibt, ob eine andauernde krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 20% während der Anstellung bei der L._ AG (24. Januar bis 20. Mai
2011) und damit während des Versicherungsschutzes durch die E._ eintrat.
3.3.
Der Stellenantritt als Y._ mit einem 100%igen Beschäftigungsgrad bei der
L._ AG erfolgte am 24. Januar 2011 (act. G 1.19; siehe auch den Arbeitsvertrag vom
27. November 2010, act. G 1.20). Die E._ brachte bei der Aufnahme der Klägerin
einen Vorbehalt bezüglich der Multiplen Sklerose an (act. G 1.23), ohne dass eine
Reaktion der Klägerin etwa gegen die Vorsorgeeinrichtung früherer Arbeitgeberinnen
erfolgte, die auf eine damals bereits eingetretene Arbeitsunfähigkeit hindeuten würde.
Vielmehr zeigte sie sich darüber in ihrer Stellungnahme vom 17. Mai 2011 zuhanden
der Unia Arbeitslosenkasse «schockiert», nachdem zuvor «noch nie ein Vorbehalt
gemacht worden» sei. Dabei wies sie ausdrücklich darauf hin, dass ihre Arbeitsfähigkeit
von 100% glücklicherweise bis anhin nicht beeinträchtigt worden sei (siehe hierzu die
Stellungnahme der Klägerin zu den Gründen für die Kündigung bei der L._ AG, act.
G 20.3; zum Zusammenhang zwischen der erfolgten Kündigung und dem Vorbehalt
bezüglich des Vorsorgeschutzes siehe auch den Bericht von Dr. K._ vom 30. Mai
2011, act. G 1.117, S. 1). Wären krankheitsbedingte Aspekte für die Beendigung des
Arbeitsverhältnisses relevant gewesen, so muss davon ausgegangen werden, dass die
Klägerin solche im Rahmen des Verfahrens betreffend Einstellung in der
Arbeitslosentaggeldberechtigung infolge selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit
vorgebracht hätte (zur Verfügung der Arbeitslosenkasse vom 3. Juni 2011, worin eine
Einstellung von 24 Tagen angeordnet wurde, siehe act. G 1.25). Auch aus dem
Arbeitszeugnis vom 20. Mai 2011 ergeben sich keine Hinweise auf quantitative
Leistungsdefizite (act. G 1.18). Während der Anstellungsdauer war die Klägerin nie
3.3.1.
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krankheitsbedingt abwesend (act. G 1.19; siehe auch die Arbeitgeberbescheinigung
vom 12. Mai 2011, act. G 17.7). Aus der Probezeitbeurteilung vom 18. April 2011, worin
das schlechte Betriebsklima im Vordergrund stand (act. G 1.19, S. 2), und dem
Umstand der vereinbarten Probezeitverlängerung gehen ebenfalls keine
Gesichtspunkte hervor, die auf eine gesundheitliche Verschlechterung oder eine
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit hinweisen würden (act. G 1.123). Die Kündigung
durch die Klägerin erfolgte denn auch allein mit der krankheitsfremden Begründung, die
Position habe nicht ihren Erwartungen entsprochen (act. G 17.6; siehe auch die
Angaben der L._ AG im Fragebogen für Arbeitgebende der IV-Stelle Luzern vom
20. September 2013, IV-act. 23, S. 2). Zudem bestätigte die Klägerin im Mai 2011 und
in den Folgemonaten ausdrücklich gegenüber der Unia Arbeitslosenkasse, nicht
arbeitsunfähig zu sein (act. G 20.4; siehe auch die Anmeldung zur Arbeitsvermittlung
vom 11. Mai 2011, act. G 1.124).
Im Bericht vom 30. Mai 2011 beschrieb Dr. K._ einen im Wesentlichen
unveränderten Gesundheitszustand. «Aktuell» leide die Klägerin an einer deutlichen
Miktionsstörung mit einem imperativen Harndrang und teilweise Inkontinenz, aber ohne
Nachweis eines Restharns (act. G 1.117; zur Zuweisung zur Abklärung der
Miktionsstörung siehe das Schreiben von Dr. K._ vom 31. Mai 2011, act. G 1.118).
Zwar ging Dr. K._ von einer zunehmenden Einschränkung «(beruflich und sozial)»
durch die Miktionsstörung aus. Eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% ist damit
jedoch nicht dargetan, zumal sie mit der vorstehend plausiblen Selbsteinschätzung der
Klägerin im Mai 2011 und den Folgemonaten nicht zu vereinbaren wäre (siehe
vorstehende E. 3.3.1). Im Übrigen war die Miktionsstörung offenbar therapeutisch
angehbar (siehe den Bericht von Dr. med. N._, Fachärztin für Allgemeinmedizin, vom
5. Juli 2011 und die darin erwähnte Therapie mit Kentara-Pflaster, act. G 1.120). Von
Bedeutung ist ausserdem, dass Dr. K._ im Bericht vom 26. August 2013 den Eintritt
der Arbeitsunfähigkeit auf «Mitte Jahr 2012» festsetzte (act. G 1.96).
3.3.2.
Da es für die IV-Stelle aufgrund verspäteter Anmeldung im Sinn von Art. 29
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20; zur IV-
Anmeldung vom 26. März 2013 siehe IV-act. 7) keinen Anlass gab, den Beginn der
Arbeitsunfähigkeit genau zu ermitteln, besteht - worauf auch die Klägerin zutreffend
hinweist (act. G 1, Rz 10) - für die Organe der beruflichen Vorsorge von vornherein
keine Bindungswirkung an den invalidenversicherungsrechtlichen Entscheid, worin von
einem - für den Beginn des IV-Rentenanspruchs nicht relevanten - Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit am 20. Mai 2011 ausgegangen wurde (act. G 1.39, S. 3), weshalb
3.3.3.
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sich Weiterungen hierzu erübrigen (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Juli 2014,
9C_61/2014, E. 3).
Unter den vorstehend ausgeführten Umständen ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die krankheitsbedingte andauernde
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% nicht im Zeitraum während des
Versicherungsschutzes bei der E._ AG eintrat, womit auch diese für die Invalidität
nicht leistungspflichtig ist.
3.3.4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Eintritt der andauernden
Arbeitsunfähigkeit von 20% mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in einen
Zeitraum fiel, in dem die Klägerin bei einer der Beklagten vorsorgeversichert war. Dass
Dr. med. Dr. phil. R._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD IV-Stelle
Luzern, in seiner erst mehrere Jahre später erfolgten Beurteilung vom 17. September
2014 ausführte, die Klägerin neige zum Dissimulieren der Symptomatik und
Funktionseinschränkungen, vermag daran nichts zu ändern. Zunächst bezog er sich
dabei ausschliesslich auf die von ihm durchgeführte kognitive Testung und nicht etwa
auf die körperliche Symptomatik (Miktionsstörungen oder Geheinschränkungen). Er
nahm ausserdem keinen retrospektiven Bezug, insbesondere nicht auf den Zeitraum, in
dem die Klägerin bei einer der Beklagten versichert gewesen war. Es gehen aus den
Ausführungen von Dr. R._ insbesondere keine objektiv relevanten Gesichtspunkte
hervor, welche die frühere, durch die tatsächliche Leistungserbringung bestätigte
Selbsteinschätzung der Klägerin in Zweifel zu ziehen vermögen. Nichts Anderes gilt mit
Blick auf die nicht näher begründete, unter dem Abschnitt vom 23. September 2014
vorgenommene Ausführung des RAD-Arztes Dr. med. S._, Facharzt für Innere
Medizin, dass die Kündigungen sowohl bei der J._ AG als auch der L._ AG Folge
nicht mehr möglicher Reintegration gewesen seien und auf die von der Klägerin
dissimulierten kognitiven Störungen zurückzuführen seien (act. G 1.89, S. 3). Der
Umstand, dass die Klägerin hohe Anforderungen an sich und ihre Leistungsfähigkeit
stellte, ist offensichtlich (zu ihrer Äusserung, sich in den letzten Jahrzehnten über die
Arbeit definiert zu haben, siehe die Stellungnahme vom 21. Oktober 2015 [Datum
Posteingang IV-Stelle Luzern], IV-act. 64). Allerdings scheint gerade diese ausgeprägte
Leistungsbereitschaft als Ressource dazu geführt zu haben, dass die Klägerin während
der vorliegend umstrittenen Zeitdauer in anerkennenswerter Weise einen Umgang mit
ihrer Krankheit und deren Symptomen fand, der ihr ermöglichte, ohne wesentliche
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit am Berufsleben zu partizipieren. In damit zu
vereinbarender Weise führte die Klägerin im Schreiben vom 21. Oktober 2015 (Datum
Posteingang IV-Stelle Luzern) an den RAD aus, im Jahre 2000 sei bei ihr die Krankheit
3.4.
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