Decision ID: 9cb73595-6b05-57a3-be6d-acb789216b7a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer (geb. 1973) ist Staatsangehöriger der Republik Ko-
sovo. Er gelangte 1993 erstmals in die Schweiz und stellte hier ein Asylge-
such, welches abgelehnt wurde. In der Folge blieb er zusammen mit einer
religiös angetrauten Landsfrau in der Schweiz. 1998 beziehungsweise
2000 wurden hier zwei gemeinsame Kinder geboren. Im September 2000
verliess die Ehefrau zusammen mit den Kindern die Schweiz, und im Ok-
tober des gleichen Jahres wurde auch der Beschwerdeführer als ver-
schwunden gemeldet.
B.
Am 15. Januar 2005 reiste der Beschwerdeführer zwecks Ehevorbereitung
erneut in die Schweiz ein und am 4. Februar 2005 heiratete er hier eine
Schweizer Bürgerin. Als Folge davon erhielt er im Kanton B._ eine
Aufenthaltsbewilligung. Im Dezember 2006 trennten sich die Ehegatten ein
erstes Mal. Nachdem die kantonale Migrationsbehörde ihm im April 2008
in Aussicht stellte, seine Aufenthaltsbewilligung nicht mehr zu erneuern,
zog er im Juni 2008 wieder mit seiner Ehefrau zusammen. Im März 2010
wurde ihm die Niederlassungsbewilligung erteilt. Im September 2010
trennte sich das Ehepaar definitiv und am 13. November 2010 wurde die
Ehe durch Scheidung aufgelöst.
C.
Am 27. Juni 2012 ersuchte der Beschwerdeführer um Bewilligung des
Nachzugs von insgesamt drei Kindern aus der religiös geschlossenen Ehe
mit der unter Bst. A vorerwähnten Landsfrau. Dabei machte er im Wesent-
lichen geltend, deren Betreuungssituation im Kosovo habe sich massge-
blich verändert, indem die elterliche Sorge der Kindsmutter entzogen und
auf ihn übertragen worden sei und indem die Grossmutter, welche die Kin-
der bisher betreut habe, verstorben sei. Von der kantonalen Migrationsbe-
hörde daraufhin vor Ort in Auftrag gegebene Abklärungen zu den Wohn-
verhältnissen ergaben dann aber, dass die Kinder gemeinsam mit deren
Mutter und dem Vater des Beschwerdeführers in einem Haus lebten, das
dem Beschwerdeführer gehört. Die kantonale Migrationsbehörde lehnte
den Familiennachzug im September 2013 ab. Der dagegen beschrittene
kantonale Rechtsmittelweg blieb für den Beschwerdeführer erfolglos und
letztinstanzlich wies in der Sache auch das Bundesgericht eine Be-
schwerde ab (Urteil des BGer 2C_44/2014 vom 24. Juni 2014).
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D.
In der Folge sah sich die Migrationsbehörde des Kantons B._ ver-
anlasst, die dem Beschwerdeführer erteilte Niederlassungsbewilligung auf
ihre Rechtmässigkeit hin zu überprüfen. Nach vorgängiger Gewährung des
rechtlichen Gehörs widerrief sie schliesslich in einer Verfügung vom 2. Mai
2016 die Niederlassungsbewilligung und ordnete gleichzeitig die Wegwei-
sung des Beschwerdeführers aus der Schweiz an. Dabei stellte sie sich auf
den Standpunkt, dass der Beschwerdeführer mit seiner Schweizer Ehefrau
eine Umgehungsehe geführt habe mit der Absicht, gestützt auf diese Ehe
die Aufenthalts-, beziehungsweise Niederlassungsbewilligung zu erwirken.
Die vom Beschwerdeführer gegen den Widerruf erhobenen Rechtsmittel
an das Verwaltungsgericht des Kantons B._ sowie anschliessend
an das Bundesgericht blieben erfolglos (Urteil des kantonalen Verwal-
tungsgerichts vom 7. Juli 2016 und Urteil des Bundesgerichts
2C_788/2016 vom 21. Dezember 2016).
Im Verfahren um Widerruf der Niederlassungsbewilligung gingen die In-
stanzen davon aus, dass der Beschwerdeführer den schweizerischen Be-
hörden gegenüber die Geburt seines jüngsten Kindes im Jahre 2004 bis
kurz vor Einleitung des Verfahrens auf Eheschliessung mit einer Schweizer
Bürgerin verschwiegen hatte. Als weitere Anhaltspunkte für den Bestand
einer Umgehungsehe wurden die erste Trennung wenige Monate nach der
Heirat, die unmittelbare Wiedervereinigung nach angedrohter Nichtverlän-
gerung der Aufenthaltsbewilligung, dann die erneute Trennung kurze Zeit
nach Erteilung der Niederlassungsbewilligung sowie die Wohnsituation der
Kinder und der Kindsmutter mit dem Vater des Beschwerdeführers im Haus
des Beschwerdeführers im Kosovo und schliesslich die Aussagen von
Drittpersonen über eine bestehende Ehe zwischen dem Beschwerdeführer
und der Kindsmutter gesehen.
E.
Am 3. September 2017 wurde der Beschwerdeführer am Flughafen
C._ bei der Einreise aus D._ kontrolliert und zurückgehal-
ten. Gemäss Rapport der Kantonspolizei E._ versuchte er sich bei
der Kontrolle zunächst mit dem Ausweis der (seit Ende 2016 rechtskräftig
widerrufenen) Niederlassungsbewilligung zu legitimieren und legte erst an-
schliessend eine gültige deutsche Aufenthaltsbewilligung vor.
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Seite 4
F.
Nach vorgängiger Gewährung des rechtlichen Gehörs verhängte die Vor-
instanz gegen den Beschwerdeführer am 4. September 2017 ein dreijähri-
ges Einreiseverbot (SEM-act. 18/103-105). Das Einreiseverbot wurde dem
Beschwerdeführer noch am Verfügungstag eröffnet (Akten der Vorinstanz
[SEM-act.] 19/106-107).
G.
Gemäss einem vom Departement des Innern des Kantons B._ in
Auftrag gegebenen, am 4. September 2017 erstellten Auszug aus dem
schweizerischen Strafregister hatte der Beschwerdeführer bis zu diesem
Zeitpunkt mehrere Strafurteile erwirkt: so wurde er am 22. Juni 2012 von
der Staatsanwaltschaft E._ wegen grober Verletzung der Verkehrs-
regeln zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 120.-, bedingt voll-
ziehbar bei einer zweijährigen Probezeit sowie zu einer Busse von
Fr. 1'200.- verurteilt. Am 28. Juli 2016 wurde er von der Staatsanwaltschaft
E._ wegen Unterlassung der Buchführung, begangen im Zeitraum
vom 6. Dezember 2011 bis am 10. September 2014, zu einer Geldstrafe
von 60 Tagessätzen zu Fr. 130.-, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit
von zwei Jahren, verurteilt. Schliesslich wurde er in einem Strafbefehl vom
4. April 2017 durch die Staatsanwaltschaft des Kantons B._ wegen
Täuschung der Behörden, begangen im Zeitraum vom 27. Juni 2012 bis
23. Januar 2017, zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 50 Tagess-
ätzen zu je Fr. 130.-, bei einer Probezeit von zwei Jahren, verurteilt (SEM-
act. 17/101-102).
H.
Am 3. Oktober 2017 – und damit während noch laufender Rechtsmittelfrist
und vor Einreichung einer Beschwerde – hob die Vorinstanz die Verfügung
vom 4. September 2017 auf und ersetzte sie durch eine ebensolche, aus-
führlicher begründete Verfügung, wobei sie die Dauer des Einreiseverbots
auf vier Jahre ansetzte. Gleichzeitig ordnete die Vorinstanz die Ausschrei-
bung der Fernhaltemassnahme im Schengener Informationssystem (SIS
II) zur Einreiseverweigerung im gesamten Gebiet der Schengen-Staaten
an. Die neue Verfügung wurde dem Beschwerdeführer am 4. Oktober 2017
eröffnet.
I.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 3. November 2017 gelangte der Beschwer-
deführer durch seinen Rechtsvertreter an das Bundesverwaltungsgericht
und beantragte die ersatzlose Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung,
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eventualiter die Befristung des Einreiseverbots auf ein Jahr sowie die Lö-
schung der Ausschreibung im SIS II und subeventualiter die Reduktion des
Einreiseverbots «auf eine vom angerufenen Gericht als angemessen er-
achtete Dauer». In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Wiederherstel-
lung der aufschiebenden Wirkung ersucht (Akten des Bundesverwaltungs-
gerichts [Rek-act.] 1).
J.
In ihrer Vernehmlassung vom 1. Dezember 2017 begründete die Vor-
instanz ihre Aufhebung des ursprünglichen und den anschliessenden Er-
lass eines neuen Einreiseverbots (unvollständiger Inhalt, der angepasst
habe werden müssen), hob die Ausschreibung im SIS II wieder auf und
hielt im Übrigen an der angefochtenen Verfügung fest (Rek-act. 8).
Von der ihm mit Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2017 eingeräum-
ten Möglichkeit zur Replik machte der Beschwerdeführer keinen Gebrauch.
K.
In einer Zwischenverfügung vom 15. Januar 2018 lehnte das Bundesver-
waltungsgericht das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung ab und erhob einen Kostenvorschuss (Rek-act. 12).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Vom SEM erlassene Einreiseverbote sind mit Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Die Vorinstanz ist im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens auf die
Ausschreibung der Fernhaltemassnahme im SIS II zurückgekommen und
hat sie aufgehoben. In diesem Umfang ist die Beschwerde gegenstandslos
geworden.
1.4 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). Über sie entscheidet
das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
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2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes sowie – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-
dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus
anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen.
Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-
scheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 mit Hinweisen).
3.
3.1 Rechtliche Grundlage der angefochtenen Verfügung vom 11. Septem-
ber 2017 ist Art. 67 des Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG, SR
142.20). Dieser ist inhaltlich identisch mit Art. 67 des Ausländergesetzes
(AuG), welches auf den 1. Januar 2019 hin eine Änderung der Bezeich-
nung und gewisse inhaltliche Anpassungen erfuhr. Die (anlässlich dieser
Revision unverändert gebliebenen) Absätze 1 und 2 dieser Bestimmung
zählen eine Reihe von Tatbeständen auf, welche ein Einreiseverbot nach
sich ziehen beziehungsweise nach sich ziehen können.
3.2 Gemäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG kann das SEM gegen ausländische
Personen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz
oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden, ein Einreisever-
bot verfügen. Dieses wird – so Art. 67 Abs. 3 AIG – für eine Dauer von
höchstens fünf Jahren verfügt, kann aber für eine längere Dauer angeord-
net werden, wenn von der ausländischen Person eine schwerwiegende
Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht (vgl. dazu BVGE
2014/20 E. 5). Aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen kann von
der Verhängung eines Einreiseverbots abgesehen oder ein Einreiseverbot
vollständig oder vorübergehend aufgehoben werden (Art. 67 Abs. 5 AIG).
3.3 Das Einreiseverbot ist keine Sanktion für vergangenes Fehlverhalten,
sondern eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung (siehe Botschaft zum Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [im Folgenden:
Botschaft] BBl 2002 3813, welche in Bezug auf die Regelungen zum Ein-
reiseverbot weiterhin massgeblich ist). Die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG bildet den Oberbegriff für die
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Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem die
Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Ein-
zelner (vgl. Botschaft, a.a.O. S. 3809). In diesem Sinne liegt ein Verstoss
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter anderem dann vor,
wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet
werden (Art. 77a Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]). Demge-
genüber müssen bei Annahme einer Gefährdung der öffentlichen Sicher-
heit und Ordnung konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Aufent-
halt der betroffenen Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlich-
keit zu einem Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung füh-
ren wird (Art. 77a Abs. 2 VZAE). Bestand ein solches Verhalten in der Ver-
gangenheit, so wird die Gefahr entsprechender künftiger Störungen von
Gesetzes wegen vermutet (vgl. Botschaft, a.a.O. S. 3760 sowie Urteil des
BVGer F-7649/2016 vom 13. März 2018 E. 3.2 m.H.).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer beanstandet, der Erlass eines Einreiseverbots
mehr als acht Monate nach Widerruf der Niederlassungsbewilligung wider-
spreche dem Grundsatz der Rechtssicherheit und verstosse zudem gegen
das Verbot widersprüchlichen Verhaltens der Verwaltungsbehörden; bei-
des garantiert durch Art. 5 BV. Der Einwand ist unbegründet. Wohl trifft zu,
dass über Erlass einer Fernhaltemassnahme idealerweise verzugslos zu
befinden ist, sobald sich Umstände verwirklicht haben, die die Prüfung ei-
ner solchen Administrativmassnahme rechtfertigen können. Dabei gilt al-
lerdings zu berücksichtigen, dass der Entscheid über Erlass eines Einrei-
severbots schon nur deshalb grosse zeitliche Verzögerungen erfahren
kann, weil beispielsweise vorgängig noch über den Entzug eines Aufent-
haltsrechts zu befinden oder das Ende eines Strafvollzugs abzuwarten ist.
Versäumt es die zuständige Behörde aus sonstigen Gründen, unmittelbar
auf Begehung einer Delinquenz oder deren Beurteilung durch eine Straf-
instanz über den Erlass einer Fernhaltemassnahme zu entscheiden, so be-
deutet das nicht zwingend, dass ein Einreiseverbot zu einem späteren Zeit-
punkt nicht mehr in Erwägung gezogen werden kann. Vielmehr ist ein sol-
ches davon abhängig zu machen, wie sich die Gefährdungslage im Zeit-
punkt der konkreten Prüfung präsentiert. Dabei kann durchaus sein, dass
eine im Deliktszeitpunkt bzw. im Zeitpunkt strafrichterlicher Beurteilung er-
hebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Zwischen-
zeit (insbesondere aufgrund seitherigen Wohlverhaltens) abgenommen
hat, was beim Entscheid, ob ein Einreiseverbot auszusprechen und falls ja,
von welcher Dauer es sein soll, gebührend zu berücksichtigen ist (vgl. zum
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Ganzen anstelle vieler: Urteil des BVGer F-82/2016 vom 28. Juni 2017
E. 5.3).
4.2 Des Weiteren rügt der Beschwerdeführer in allgemeiner Weise den
Umstand, dass die Vorinstanz ihre ursprüngliche Verfügung vom 4. Sep-
tember 2017 durch eine solche vom 3. Oktober 2017 ersetzte und dabei
die Dauer der Fernhaltemassnahme verlängerte und eine Ausschreibung
im SIS verfügte. Auch diese Rüge ist unbegründet. Es stand der Vorinstanz
im fraglichen Zeitpunkt, in dem die Rechtsmittelfrist noch nicht abgelaufen
und auch noch keine Beschwerde hängig war, grundsätzlich frei, auf ihre
Verfügung zurückzukommen und sie durch eine neue zu ersetzen. Im Üb-
rigen sind plausible Gründe für dieses Vorgehen erkennbar, erging doch
die erste Verfügung in Unkenntnis des (gleichentags erstellten) Strafregis-
terauszuges. Die darin enthaltenen Vorstrafen vom 22. Juni 2012 und vom
28. Juli 2016 hatten solchermassen im ersten Einreiseverbot keine Berück-
sichtigung gefunden.
5.
5.1 Die Vorinstanz hat das gegen den Beschwerdeführer verhängte Einrei-
severbot im Wesentlichen mit Täuschungshandlungen im Zusammenhang
mit einem Familiennachzugsgesuch und einer mit einer Schweizerbürgerin
eingegangenen Scheinehe, aber auch mit den beiden mehrfach erwähnten
Vorstrafen vom 22. Juni 2012 und 28. Juli 2016 begründet.
5.2 Demgegenüber versucht der Beschwerdeführer den Delikten, die zu
den beiden Vorstrafen führten, jegliche Erheblichkeit abzusprechen. Es
handle sich dabei weder um schwere noch um wiederholte Straftaten; sie
seien lediglich mit einer bedingten Geldstrafe und einer Busse geahndet
worden. Des Weiteren will er die behördlichen Erkenntnisse bzw. gerichtli-
chen Beurteilungen im Zusammenhang mit ihm vorgeworfenem täuschen-
dem Verhalten massgeblich relativieren. Zwar sei seine Ehe mit der
Schweizerbürgerin rechtskräftig als Scheinehe bewertet worden. Er be-
streite die Richtigkeit dieser Würdigung aber nach wie vor. Es gelte zu be-
denken, dass es sich dabei nicht um mit Bestimmtheit feststellbare Verfeh-
lungen seinerseits, sondern lediglich um eine von den Behörden vorge-
nommene Wertung von Umständen handle. Das Vorliegen einer Schein-
ehe sei in tatsächlicher Hinsicht nicht erwiesen. Analoges gelte auch für die
angeblichen Falschaussagen im Zusammenhang mit dem Familiennach-
zugsgesuch. Aus dem Urteil des Kantonsgerichts B._ gehe unmiss-
verständlich hervor, dass eine Täuschung nicht nachgewiesen worden sei.
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Es sei lediglich vermutet worden, dass er falsche Angaben zur Wohnsitua-
tion seiner Kinder im Kosovo gemacht habe.
5.3
5.3.1 Delikte wie diejenigen, die zu den Strafmandaten vom 22. Juni 2012
und vom 28. Juli 2016 führten, sind ganz grundsätzlich geeignet, als
Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67
Abs. 2 Bst. a AIG qualifiziert zu werden.
5.3.2 Des Weiteren ist auch das dem Beschwerdeführer in ausländerrecht-
lichen Verfahren vorgehaltene täuschende Verhalten in keiner Weise zu
relativieren, vielmehr ebenfalls geeignet, als Verletzung der öffentlichen Si-
cherheit und Ordnung qualifiziert zu werden. So wurde der Beschwerde-
führer – wie bereits erwähnt – im Zusammenhang mit seinem Familien-
nachzugsgesuch von der Staatsanwaltschaft des Kantons B._ in
einem Strafbefehl vom 4. April 2017 wegen Täuschung der Behörden
(Art. 118 Abs. 1 AIG), begangen in der Zeit zwischen 27. Juni 2012 und
23. Januar 2017 durch falsche Angaben bzw. Verschweigen wesentlicher
Tatsachen, rechtskräftig mit einer Geldstrafe belegt. Im Zusammenhang
mit dem Widerruf der Niederlassungsbewilligung hielt das Bundesgericht
fest, es sei in rechtlicher Hinsicht nicht zu beanstanden, dass die Vor-
instanz (das Verwaltungsgericht des Kantons B._) gestützt auf die
festgestellten Umstände das Vorliegen einer Umgehungsehe bejahte (Ur-
teil 2C_788/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 3.2).
5.3.3 Das Eingehen einer sogenannten Umgehungsehe zur unrechtmässi-
gen Erlangung ausländerrechtlicher Vorteile wird in der Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts regelmässig als schwerwiegender
Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung taxiert (vgl. anstelle
vieler Urteile des BVGer F-3533/2016 vom 31. Mai 2017 E. 4.3 in fine
m.w.H.; C-1483/2012 vom 4. April 2014 E. 5.4). Gleiches gilt für ein Verfah-
ren, in dem versucht wird, unter tatsachenwidrigen Angaben einen Nach-
zug von Familienangehörigen zu erwirken.
5.3.4 Dass der Beschwerdeführer mit seinem deliktischen Verhalten, ins-
besondere aber mit dem täuschenden Verhalten gegenüber Behörden
Fernhaltegründe im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG gesetzt hat, ist
demnach nicht in Abrede zu stellen.
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Seite 10
6.
6.1 Zu prüfen bleibt, ob die Fernhaltemassnahme in richtiger Ausübung
des Ermessens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhält-
nismässigkeit steht dabei im Vordergrund. Unter diesem Gesichtspunkt ist
eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem öffentlichen Inte-
resse an der Massnahme einerseits und den von der Massnahme beein-
trächtigten privaten Interessen des Betroffenen andererseits. Die Stellung
der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ord-
nungswidrigen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse des Verfü-
gungsbelasteten bilden dabei den Ausgangspunkt der Überlegungen
(vgl. statt vieler HÄFELIN ET AL., Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage
2016, S. 125).
6.2 Vor dem Hintergrund insbesondere der gegenüber den Ausländerbe-
hörden in mehrfacher Hinsicht begangen Täuschungshandlungen liegt die
Fernhaltung des Beschwerdeführers im öffentlichen Interesse. Dies einer-
seits unter dem Aspekt der Spezialprävention, lässt der Beschwerdeführer
doch jegliche Einsicht in die Problematik seines Verhaltens vermissen. Da-
neben besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse auch unter dem As-
pekt der Generalprävention, gilt es doch, zum Schutz der ausländerrecht-
lichen Ordnung eine konsequente Massnahmenpraxis durchzusetzen und
auch Dritte von der Begehung gleichartiger Verfehlungen abzuhalten.
6.3 Dem öffentlichen Interesse an seiner Fernhaltung sind die privaten In-
teressen des Beschwerdeführers gegenüberzustellen. Der Beschwerde-
führer macht in diesem Zusammenhang die Möglichkeit von Besuchen sei-
ner in der Schweiz lebenden Ex-Ehefrau, zu der er noch lose Kontakte
pflege, sowie von in der Schweiz lebenden Familienangehörigen geltend.
Die solchermassen nur pauschal geltend gemachten Interessen daran,
ohne besondere Restriktionen in die Schweiz einreisen zu können, fallen
allerdings nicht ins Gewicht. Die eigentliche Kernfamilie des Beschwerde-
führers (die religiös angetraute Ehefrau und die gemeinsamen Kinder) le-
ben im Kosovo. Lose Kontakte zur schweizerischen Ex-Ehefrau sind wäh-
rend befristeter Zeit auch anders aufrechtzuerhalten als durch Besuche in
der Schweiz. Das Gleiche gilt im Zusammenhang mit den behaupteten
Kontakten zu nicht näher bezeichneten Verwandten. Im Übrigen besteht
die Möglichkeit, Besuche während der Dauer einer Fernhaltung im benach-
barten Ausland abzuhalten, zumal keine Ausschreibung der Fernhalte-
massnahme mehr im SIS II besteht oder aber – soweit andere Interessen
im Spiele sind – gestützt auf Art. 67 Abs. 5 AIG eine zeitliche befristete
Suspension zu beantragen, was denn auch von der Vorinstanz aus Anlass
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Seite 11
einer gerichtlichen Vorladung im Dezember 2017 gewährt wurde (Rek-act.
10).
6.4 Angesichts der vorgenommenen Interessenabwägung und im Ver-
gleich zu analogen Fällen erscheint auch die von der Vorinstanz ausge-
sprochene Dauer der Fernhaltemassnahme als verhältnismässig und an-
gemessen. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer die
Behörden nicht nur in Bezug auf seine Ehe mit einer Schweizerbürgerin,
sondern auch in Bezug auf einen von ihm angestrebten Familiennachzug
zu täuschen versuchte und das – wie der Strafrichter feststellte – über ei-
nen längeren Zeitraum hinweg (zur Bedeutung der Dauer täuschenden
Verhaltens vgl. Urteil des BVGer C-323/2013 vom 14. April 2014 E. 5.2).
7.
Nach alledem ist festzustellen, dass das auf vier Jahre befristete Einreise-
verbot eine verhältnismässige und angemessene Massnahme zum Schutz
der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt.
8.
Die Beschwerde ist demnach abzuweisen, soweit sie nicht durch teilweise
Wiedererwägung gegenstandslos geworden ist.
9.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer
die aufgelaufenen Verfahrenskosten in leicht reduziertem Umfang aufzuer-
legen (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1 ff. des Reglements über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar
2008 [VGKE, SR 173.320.2]).
10.
Im Umfang seines Obsiegens durch die teilweise Wiedererwägung der Vo-
rinstanz (Aufhebung der Ausschreibung des Einreiseverbots im SIS II) ist
dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 64 Abs. 1 VwVG eine reduzierte
Parteientschädigung zuzusprechen. Demgegenüber kann seinem Antrag,
ihn für angeblich erfolglose Aufwendungen seines Rechtsvertreters im Zu-
sammenhang mit einer Beschwerde gegen die erste, von der Vorinstanz
noch vor Beschwerdeanhebung wieder aufgehobene Verfügung zu ent-
schädigen, nicht Folge gegeben werden. Eine solche Forderung kann we-
gen fehlender prozessualer Rechtsgrundlagen nicht im vorliegenden Ver-
fahren behandelt werden. Sie wäre vielmehr zum Gegenstand einer gegen
die Vorinstanz zu erhebenden Verantwortlichkeitsklage zu machen.
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