Decision ID: 952cb7c2-b673-54b1-bf4c-699725d5b511
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. Übersicht
a) Von Mitte November 2017 bis am 7. Dezember 2017 kam es in Teufen, Bühler, Gais und
Speicher zu verschiedenen Einbruchdiebstählen (U 17 1372, act. S 23.2). Bei einem
Einbruch in E_ am 7. Dezember 2017 wurde die Täterschaft gestört und flüchtete.
Aufgrund einer sofort ausgelösten Fahndung drängte sich der Verdacht auf, dass die
Täterschaft mit der Appenzeller Bahn nach St. Gallen geflüchtet sein könnte. In der Folge
wurde eine Zugskomposition auf dem Weg nach St. Gallen bei der Haltestelle „Schwarzer
Bären“ gestoppt. A_ flüchtete zunächst, konnte jedoch nach einer kurzen Verfolgung
gestellt und verhaftet werden. Der Fluchtversuch seines Komplizen wurde sofort
unterbunden (U 17 1372, act. S 2). Bei der anschliessenden Befragung gab A_ den
Einbruch im E_ zu, leugnete indes, weitere Einbrüche resp. Einbruchsversuche
begangen zu haben (U 17 1372, act. S 2.4 und S 3).
b) Mit Entscheid vom 11. Dezember 2017 ordnete der Einzelrichter des Kantonsgerichts an,
dass A_ für drei Monate in Untersuchungshaft versetzt wird (U 17 1372, act. S 3).
c) Mit Verfügung vom 19. Dezember 2017 wurde das Gesuch von A_ um amtliche
Verteidigung rückwirkend auf den Zeitpunkt der Mandatsübernahme bzw. der
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Gesuchstellung am 8. Dezember 2017 genehmigt. Mit der amtlichen Verteidigung wurde
RA B_ beauftragt (U 17 1372, Beilage zu act. S 27).
d) Am 12. März 2018 verlängerte der Einzelrichter des Kantonsgerichts die
Untersuchungshaft auf Antrag der Staatsanwaltschaft um weitere drei Monate, d.h. bis am
12. Juni 2018. Im Entscheid wird ausgeführt, dass A_ - nebst dem eingestandenen
Einbruchdiebstahl im E_ - anhand von Werkzeug- und Schuhspuren sowie
aufgefundenem Deliktsgut im Verdacht steht, weitere 12 - teils versuchte -
Einbruchdiebstähle in Speicher, Bühler, Teufen und Gais im Zeitraum vom 14. November
bis 17. Dezember 2017 (recte 7. Dezember 2017; Anm. der Unterzeichneten) ausgeführt
zu haben. Auch ermittle die Kantonspolizei Luzern wegen diversen Einbruchdiebstählen
gegen den Genannten (U 17 1372, act. S 13 und 16).
e) Der Schlussbericht der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden datiert vom 4. Mai 2018
(U 17 1372, act. S 23.2).
f) Mit Entscheid vom 11. Juni 2018 wurde die Untersuchungshaft ein weiteres Mal und zwar
bis am 11. September 2018 verlängert (U 17 1372, act. S 26). Gegen den Entscheid des
Einzelrichters des Kantonsgerichts erhob der amtliche Verteidiger Beschwerde beim
Obergericht und verlangte, dass A_ unverzüglich aus der Untersuchungshaft entlassen
werde, eventualiter dass diese bis maximal am 11. Juli 2018 verlängert werde (U 17 1372,
act. S 27). Das Gesuch um sofortige Entlassung aus der Untersuchungshaft wies der
Einzelrichter des Obergerichts im Rahmen einer superprovisorischen Verfügung am 22.
Juni 2018 ab (U 17 1372, act. S 27). Weil die Staatsanwaltschaft in Aussicht stellte, dass
sie den Wechsel aus der Untersuchungshaft in den vorzeitigen Strafvollzug bewilligen
werde, zog der amtliche Verteidiger die Beschwerde beim Obergericht anschliessend
zurück (U 17 1372, act. S 30). Die Staatsanwaltschaft wies den Straf- und
Massnahmenvollzug AR in der Folge an, A_ in den vorzeitigen Strafvollzug zu nehmen
(U 17 1372, act. S 31). Dieser erliess daraufhin den Vollzugsauftrag für den vorzeitigen
Strafvollzug (U 17 1372, act. S 32.1).
g) Am 13. Juli 2018 fand eine staatsanwaltliche Einvernahme statt (U 17 1372, act. S 35).
Am 24. August 2018 erfolgte die Mitteilung der Staatsanwaltschaft zum vorgesehenen
Abschluss des Verfahrens, konkret der Anklageerhebung beim Kantonsgericht Appenzell
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Ausserrhoden (U 17 1372, act. S 40). Am 27. August 2018 teilte der amtliche Verteidiger
der Staatsanwaltschaft mit, er habe keine Einwände gegen die vorgeschlagene
Erledigung des Verfahrens, behalte sich jedoch Beweisanträge vor (U 17 1372, act. S 42).
f) Mit Eingabe vom 27. August 2018 gelangte A_ an die Staatsanwaltschaft und ersuchte
um einen Wechsel des amtlichen Verteidigers (U 17 1372, act. S 41). Dieses Ersuchen
lehnte Staatsanwalt C_ am 11. September 2018 ab (U 17 1372, act. S 44).
B. Prozessgeschichte
a) Gegen diese Verfügung erhob A_ am 18. September 2018 (Postaufgabe) Beschwerde
beim Obergericht von Appenzell Ausserrhoden (act. B 1).
b) Mit Verfügung vom 20. September 2018 wurde der Staatsanwaltschaft und RA B_ eine
Kopie der Beschwerdeschrift zugestellt und ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme
eingeräumt (act. B 3). Währenddem die Vorinstanz auf eine Stellungnahme verzichtete
(act. B 6), nahm der amtliche Verteidiger mit Schreiben vom 21. September 2018 Stellung
und beantragt sinngemäss die Abweisung der Beschwerde (act. B 4).
c) Am 9. Oktober 2018 wurde dem Beschwerdeführer sowie der Staatsanwaltschaft je eine
Kopie der Stellungnahme des amtlichen Verteidigers zugestellt, die Erledigung der
Beschwerde an einer der nächsten Sitzungen der 2. Abteilung zur Kenntnis gebracht und
dem Beschwerdeführer Gelegenheit gegeben, seine Aufwendungen geltend zu machen.
Auf die Ausführungen der Beteiligten und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen
1. Formelles
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1.1 Bezüglich der im Kanton Appenzell Ausserrhoden ab 1. Januar 2011 für die
Strafrechtspflege zuständigen Behörden nach StPO ist auf Art. 26 des Justizgesetzes
vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) hinzuweisen. Nach Art. 26 JG ist das
Obergericht Berufungs- und Beschwerdeinstanz in der allgemeinen Rechtspflege.
1.2 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft ist die
Beschwerde gegeben (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Die Ablehnung der Auswechslung
eines amtlichen Verteidigers durch die Staatsanwaltschaft stellt eine solche
Verfahrenshandlung dar (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO; PATRICK GUIDON, Basler Kommentar,
StPO, 2. Aufl. 2014, N. 10 zu Art. 393 StPO; ANDREAS J. KELLER, in:
Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 16 zu Art. 393 StPO). Ausschlussgründe nach Art.
394 StPO liegen keine vor.
1.3 Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündliche eröffnete Entscheide ist innert 10 Tagen
schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO).
Vorliegend hat der Beschwerdeführer die ablehnende Verfügung der Staatsanwaltschaft
frühestens am 12. September 2018 erhalten. Mit der Erhebung der Beschwerde am
18. September 2018 wurde die Beschwerdefrist gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO gewahrt.
1.4 Legitimiert zur Anfechtung einer Verfügung, mit welcher der Wechsel des amtlichen
Verteidigers abgelehnt wird, ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der
Aufhebung oder Änderung des Entscheids hat (Art. 382 StPO). Parteien sind die
beschuldigte Person, die Privatklägerschaft sowie im Haupt- bzw. Rechtsmittelverfahren
die Staatsanwaltschaft (Art. 104 Abs. 1 StPO). In der Strafuntersuchung U 17 1372 der
Staatsanwaltschaft ist A_ Beschuldigter und hat damit Parteistellung
(SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2018,
N. 2 zu Art. 382 StPO; VIKTOR LIEBER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar
zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 2 und 4 zu Art. 382 StPO).
Dadurch, dass die Staatsanwaltschaft einen Wechsel des amtlichen Verteidigers
abgelehnt hat, ist A_ in seinen rechtlich geschützten Interessen tangiert und folglich zur
Beschwerdeerhebung legitimiert.
1.5 Die Beschwerde ist schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen
(Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen, einschliesslich
Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und
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Rechtsverzögerung (lit. a); die unvollständige oder unrichtige Feststellung des
Sachverhalts (lit. b); Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden (Art. 398 Abs. 2 StPO).
Neue Tatsachenbehauptungen und Beweise sind zulässig (PATRICK GUIDON, a.a.O., N. 16
zu Art. 393 StPO; siehe auch ANDREAS J. KELLER, a.a.O., N. 42 zu Art. 393 StPO). Die
Beschwerde wird in einem schriftlichen Verfahren behandelt. Heisst das Obergericht die
Beschwerde gut, so fällt es einen neuen Entscheid oder hebt den angefochtenen
Entscheid auf und weist ihn zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück (Art. 397
Abs. 1 und 2 StPO). Reformatorische Entscheide gemäss Art. 397 Abs. 2 StPO machen
Sinn, wenn nach der konkreten Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt des
Beschwerdeentscheids ein Entscheid in der Sache möglich ist (ANDREAS J. KELLER,
a.a.O., N. 7 zu Art. 397 StPO). Kassatorische Entscheide kommen namentlich infrage,
wenn der Entscheid auf einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung beruht,
ungenügend begründet ist oder Widersprüche enthält, die nicht durch Auslegung beseitigt
werden können (ANDREAS J. KELLER, a.a.O., N. 7 zu Art. 397 StPO). Gegen Entscheide
der kantonalen Beschwerdeinstanzen ist die Strafrechtsbeschwerde ans Bundesgericht
zulässig (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 8 zu Art. 322 StPO).
1.6 Sodann ist zu prüfen, ob auf das in der Beschwerdeeingabe vom 18. September 2018
enthaltene Rechtsbegehren eingetreten werden kann. Der (Beschwerde-)Antrag muss auf
Änderung bzw. Aufhebung einer oder mehrerer Dispositivpunkte lauten, sofern solche
vorhanden sind (PATRICK GUIDON, a.a.O., N. 9b zu Art. 396 StPO). Das fragliche
Begehren richtet sich gegen das in der angefochtenen Verfügung vom 11. September
2018 abgewiesene Gesuch von A_ um den Wechsel des amtlichen Verteidigers und ist
nach dem Gesagten zulässig.
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles – Gesuch um Auswechslung des amtlich en / notwendigen Verteidigers
2.1 In der angefochtenen Verfügung wird festgehalten (act. B 2), das Untersuchungsverfahren
gegen den Beschwerdeführer stehe unmittelbar vor dem Abschluss, die Anklageschrift sei
erstellt. Indessen werde noch ein Nachtragsbericht der Kantonspolizei Luzern erwartet.
Die vom Beschwerdeführer angeführten Umstände würden nach Auffassung der
Staatsanwaltschaft nicht genügen, um zu diesem Zeitpunkt einen Wechsel des
Verteidigers vorzunehmen. Hinzu komme, dass die beanstandeten Punkte nicht
gravierend seien. Es sei zu beachten, dass der Beschwerdeführer nicht Deutsch spreche
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und immer ein Dolmetscher beigezogen werden müsse. Die Staatsanwaltschaft habe
beim amtlichen Verteidiger keine fehlende Dossierkenntnis festgestellt. Festzuhalten sei,
dass der Beschwerdeführer bei praktisch allen vorgeworfenen Tatbeständen die Aussage
verweigere. Es stelle sich also die Frage, was ein Verteidiger in einer solchen Situation
überhaupt sagen könne. Der Verteidiger habe auch direkt nach Abschluss der
Untersuchungshaft einen Antrag auf vorzeitigen Strafvollzug gestellt, welchem
entsprochen worden sei. Allerdings bestünden zurzeit sehr lange Wartefristen für
geschlossene Vollzüge in Strafanstalten.
2.2 A_ bringt dagegen vor (act. B 1), er habe einen Konflikt mit seinem Anwalt und wolle
nicht mehr mit ihm reden. Dieser arbeite mit der Staatsanwaltschaft und der Polizei
zusammen und unterstütze ihn nicht (act. B 1). Dieser habe in den letzten neun Monaten
die Akten nicht gelesen und habe keine Ahnung von seinem Fall. Zudem schicke er ihm
keine Protokolle oder andere Unterlagen und er habe keine Ahnung, was passiere. Der
Anwalt lüge oft und er habe das Gefühl, dass dieser sein Leben kaputt machen wolle. Er
habe den Anwalt sehr lange drängen müssen, damit dieser endlich den vorzeitigen
Strafantritt beantragt habe. Aus diesen für ihn wichtigen Gründen wolle er den Anwalt
wechseln und künftig durch D_, vertreten werden.
Replicando ergänzte der Beschwerdeführer (act. B 11), aus seiner Sicht seien die in der
Stellungnahme seines Anwaltes erwähnten Punkte alle nicht richtig. Er akzeptiere dessen
Aussagen nicht und wolle dies mit diesem Schreiben nochmals mitteilen. Seine Aussagen
seien 100 % richtig. Er wolle keinen Kontakt mit RA B_ mehr, auch nicht mehr mit
diesem sprechen. RA B_ arbeite gegen ihn. Er ersuche um einen Anwaltswechsel,
denn er brauche jemanden, der für ihn resp. mit ihm arbeite. Auch bitte er darum, keine
Akten mehr an RA B_ zu schicken.
2.3 Der amtliche Verteidiger machte geltend (act. B 4), er weise die Vorwürfe seines
Mandanten klar zurück. Als Strafverteidiger sei es seine Aufgabe, mit den Strafbehörden
in Kontakt zu stehen. Der Vorwurf, er habe keine Aktenkenntnis und würde den
Mandanten nicht mit Unterlagen bedienen, treffe nicht zu. Es seien gerade im heutigen
Stadium des Verfahrens Leerläufe zu vermeiden. Bevor die Anklageschrift vorliege, sei es
sinnlos, Details der Akten besprechen zu wollen. Er habe seinem Mandanten mit aller
Klarheit immer wieder zu erläutern versucht, dass die Anklageschrift abzuwarten sei. Den
Vorwurf der Lüge weise er entschieden zurück. Er habe seinen Mandanten unterstützt,
die Familienkontakte aufrechtzuhalten und insbesondere auch dafür gesorgt, dass dieser
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finanzielle Mittel für Telefone und Sackgeld aus Serbien erhalten habe. Der vorzeitige
Strafantritt sei mit dem Mandanten besprochen und unverzüglich beantragt worden. A_
sei auf der Warteliste für das Gefängnis Sennhof. Die Infrastruktur in Gmünden erlaube
offenbar aus Sicherheitsgründen keine auswärtige Arbeit für A_. Mit dieser Situation sei
er nicht zufrieden. Die Verteidigung habe die Vollzugsverhältnisse in Gmünden jedoch
nicht zu verantworten. A_ sei mit den hiesigen Verhältnissen wenig vertraut und habe
Schwierigkeiten, die entsprechenden Belehrungen und Erläuterungen zum Verfahren und
zur Vollzugssituation entgegenzunehmen. Unter den gegebenen Umständen erweise es
sich als weder begründet noch sinnvoll, die amtliche Verteidigung auszuwechseln.
In der Duplik vom 18. Oktober 2018 führte RA B_ aus (act. B 15), am 11. Oktober 2018
habe die Staatsanwaltschaft bezüglich eines weiteren Vorwurfes eines Einbruchdiebstahls
in Meggen/Luzern eine ergänzende Befragung von A_ vorgenommen. Wegen seines
Auslandaufenthaltes habe er sich durch MLaw F_ vertreten lassen. MLaw F_ habe
den Beschwerdeführer erneut darauf hingewiesen, dass demnächst die Anklageschrift
erstellt werde. Im Weitern seien diesem nochmals die Möglichkeiten des ordentlichen
sowie des abgekürzten Verfahrens erläutert worden. Der Beschwerdeführer habe ihm am
11. Oktober 2018 durch MLaw F_ ausrichten lassen, er wünsche nach seiner Rückkehr
aus dem Ausland eine Lagebesprechung. Wunschgemäss habe er den Beschwerdeführer
am 16. Oktober 2018 in Gmünden aufgesucht. Im Nachgang zum Gespräch habe er mit
Staatsanwalt C_ Kontakt aufgenommen. Über diese Besprechung habe er seinen
Mandanten am gleichen Nachmittag informiert. Dieser sei gestern in die JVA Sennhof,
Chur, überführt worden. Die im erneuten Schreiben von A_ vorgebrachten Vorwürfe
gegen die amtliche Verteidigung träfen nicht zu und würden zurückgewiesen.
2.4 Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Stellungnahme (act. B 6).
2.5 Die Untersuchungsakten U 17 1372 umfassen folgende Dokumente:
- einen Ordner mit den Untersuchungsergebnissen der Staatsanwaltschaft Emmen LU;
darin werden im Kanton Luzern begangene Einbruchdiebstähle durch die Kantonspolizei Luzern dokumentiert; Einvernahmen mit dem Beschwerdeführer enthält der Ordner nicht;
- den Ordner 1 der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden mit den
Untersuchungsergebnissen zu verschiedenen im Kanton Appenzell Ausserrhoden begangenen Einbruchdiebstählen; in den Registern 14 und 16 sind zahlreiche Einvernahmen der Kantonspolizei mit dem Beschwerdeführer abgelegt; bei diesen Einvernahmen waren - mit einer Ausnahme, als es um die persönlichen Verhältnisse ging - stets RA B_ oder MLaw G_ anwesend.
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- den Ordner 2 der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden betreffend die verfügten
Zwangsmassnahmen, die Liste der Sicherstellungen/Deliktsgut, den Schlussbericht/Deliktsverzeichnis, den Bericht des Kriminaltechnischen Dienstes (KTD) sowie die Kostennoten; in diesem Ordner sind keinerlei Aktivitäten des amtlichen Verteidigers dokumentiert;
- das Dossier mit den Akten der Staatsanwaltschaft; dieses enthält die Korrespondenz
der Staatsanwaltschaft mit dem amtlichen Verteidiger; diese umfasst:
- das Gesuch um amtliche Verteidigung vom 11. Dezember 2017 (U 17 1372, act. SA1)
- das Ersuchen um Akteneinsicht vom 21. Dezember 2017 (U 17 1372, act. S 4) - das (erneute) Ersuchen um Akteneinsicht vom 8. Januar 2018 (U 17 1372, act.
S 5) - das auf Wunsch des Beschwerdeführers geäusserte Ersuchen, die Geschädigten
möchten Belege für die Zuordnung der Wertgegenstände zu den einzelnen Liegenschaften offen legen (U 17 1372, act. S 8)
- das (erneute) Ersuchen um Akteneinsicht vom 8. Februar 2018 (U 17 1372, act. S 11)
- die Stellungnahme zum Antrag auf Verlängerung der Untersuchungshaft vom 7. März 2018 (U 17 1372, act. S 16)
- das (erneute) Ersuchen um Akteneinsicht vom 25. April 2018 (U 17 1372, act. S 21)
- die Stellungnahme zum Antrag auf Verlängerung der Untersuchungshaft vom 8. Juni 2018 (U 17 1372, act. S 26.1)
- die Beschwerde an das Obergericht betreffend Verlängerung der Untersuchungshaft vom 21. Juni 2018 (U 17 1372, act. S 27)
- zwei Schreiben vom 28. Juni 2018 betreffend Rückzug der Beschwerde an das Obergericht resp. Festhalten, dass die Staatsanwaltschaft dem Gesuch um vorzeitigen Strafvollzug positiv gegenübersteht (U 17 1372, act. S 30)
- das Schreiben vom 27. August 2018, mit dem Einverständnis zur vorgeschlagenen Erledigung des Verfahrens signalisiert wird (U 17 1372, act. S 42).
2.6 Der Beschwerdeführer ist geständig, zumindest einen Einbruchdiebstahl in ein
Einfamilienhaus in E_ begangen zu haben und dabei die Tatbestände des Diebstahls
(Art. 139 StGB), der Sachbeschädigung (Art. 144 StGB) sowie des Hausfriedensbruchs
(Art. 186 StGB) erfüllt zu haben (U 17 1372, act. S 35, S. 5). Diverse weitere, ihm
ebenfalls zur Last gelegte Einbruchdiebstähle resp. Versuche dazu in Speicher, Teufen,
Bühler und Gais bestreitet er hingegen (U 17 1372, act. S 35, S. 5 ff.).
Bereits aufgrund der seit der Festnahme am 7. Dezember 2017 andauernden
Untersuchungshaft resp. dem vorzeitigen Strafvollzug ist ein Fall notwendiger
Verteidigung gegeben (Art. 130 Abs. 1 lit. a StPO). Weil der Beschwerdeführer zudem
offenbar (vgl. U 17 1372, act. S 35, S. 2 und act. SA2) bedürftig ist, wurde ihm am
19. Dezember 2017 die amtliche Verteidigung gewährt und RA B_ mit dem Mandat
betraut (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO).
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2.7 Ist das Vertrauensverhältnis zwischen der beschuldigten Person und ihrer amtlichen
Verteidigung erheblich gestört oder eine wirksame Verteidigung aus andern Gründen
nicht mehr gewährleistet, so überträgt die Verfahrensleitung die amtliche Verteidigung
einer andern Person (Art. 134 Abs. 2 StPO). Art. 134 Abs. 2 StPO lässt somit bereits ein
erheblich gestörtes Vertrauensverhältnis zwischen der beschuldigten Person und ihrer
Verteidigung genügen, womit die subjektive Sichtweise der beschuldigten Person in den
Vordergrund gestellt wird. Das bedeutet aber nicht, dass allein das subjektive Empfinden
der beschuldigten Person für einen Wechsel der Verteidigung ausreicht, sondern dieses
muss anhand konkreter Hinweise soweit objektiviert werden , dass das gestörte
Vertrauensverhältnis nachvollziehbar wird. Von einem gestörten Vertrauensverhältnis
ist auszugehen, wenn auch eine privat verteidigte Person einen Wechsel des Verteidigers
vornehmen würde. Verlangt die beschuldigte Person einen Verteidigerwechsel, so hat sie
die Gründe dafür glaubhaft zu machen (VIKTOR LIEBER, a.a.O., 2. Aufl. 2014, N. 19 zu
Art. 134 StPO; NIKLAUS RUCKSTUHL, Basler Kommentar, StPO, 2. Auf. 2014, N. 8 f. zu Art.
134 StPO). Als hinreichend nachgewiesen gilt eine erhebliche Störung des
Vertrauensverhältnisses (bzw. die eine solche Störung begründenden Umstände)
praxisgemäss bereits dann, wenn eine gewissenhafte Erklärung der amtlichen
Vereidigung vorliegt, sie könne eine wirksame Verteidigung nicht mehr gewährleisten. Aus
welchen Gründen dies im Einzelnen der Fall ist, kann die Verteidigung mit Blick auf das
Berufsgeheimnis ohne Einwilligung der beschuldigten Person zumeist nicht offenlegen,
ausser es handle sich um sachliche Gründe, die nicht in der beschuldigten Person liegen
(VIKTOR LIEBER, a.a.O., N. 20 zu Art. 134 StPO m.w.H; OGer ZH, III. Strafkammer,
Geschäfts-Nr. UP160017, Beschluss vom 30. März 2016 E. 2.2 m.w.H. sowie Geschäfts-
Nr. UP160034, Beschluss vom 22. Juli 2016 E. 3.5). Auch folgt aus der Weigerung der
beschuldigten Person, mit dem amtlichen Verteidiger zu kooperieren und diesem die
grundsätzliche Wahl der Verteidigungsstrategie zu überlassen, noch kein Anspruch auf
einen Verteidigerwechsel. Zwar hat der amtliche Verteidiger die objektiven Interessen des
Beschuldigten möglichst im gegenseitigen Einvernehmen und in Absprache mit diesem zu
wahren. Jedoch agiert er im Strafprozess nicht als blosses unkritisches Sprachrohr seines
Klienten. Insbesondere liegt es im Zweifelsfall im pflichtgemässen Ermessen des
Verteidigers zu entscheiden, welche Beweisanträge und juristischen Argumentationen er
als sachgerecht und geboten erachtet (VIKTOR LIEBER, a.a.O., 2. Aufl. 2014, N. 19a zu Art.
134 StPO; NIKLAUS RUCKSTUHL, a.a.O., N. 8 zu Art. 134 StPO; BGE 126 I 26 E. 4b).
2.8 Der Beschwerdeführer vermag nicht glaubhaft und objektiviert anhand konkreter Hinweise
darzulegen, weshalb eine effiziente Verteidigung nicht (mehr) gewährleistet sein sollte.
Seine Vorbringen, der amtliche Verteidiger lüge oft und wolle sein Leben kaputt machen,
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finden in den Akten keine Stütze und sind als schlichte Behauptungen aufzufassen. Im
Gegenteil ist dokumentiert, dass RA B_ sich auch für persönliche Anliegen seinen
Mandanten eingesetzt (U 17 1372, act. S 4) und im Sommer 2018 die Verlegung in den
vorzeitigen Strafvollzug beantragt und erreicht hat (U 17 1372, act. S 30 und S 31);
zudem hat er den Beschwerdeführer bei seinen Familienkontakten nach Serbien
unterstützt. Dass diesem Gesuch angesichts der langen Wartefristen für den
geschlossenen Vollzug (vgl. act. B 2) nicht sofort entsprochen werden konnte, hat
selbstredend nicht der amtliche Verteidiger zu verantworten. Auch die Erklärung, der
amtliche Verteidiger arbeite gegen ihn (vgl. act. B 11), wird vom Beschwerdeführer nicht
weiter substantiiert. Der Umstand, dass RA B_ resp. MLaw G_ und MLaw F_ an
sämtlichen Befragungen des Beschuldigen, bei denen es um die Sache ging,
teilgenommen haben und der Erstere wiederholt Akteneinsicht verlangt hat, widerlegt den
Vorwurf, der amtliche Verteidiger habe in den letzten Monaten die Akten nicht gelesen
und habe keine Ahnung von seinem Fall. Geradezu widersprüchlich verhält A_ sich,
wenn er in der Replik, welche am 16. Oktober 2018 beim Obergericht eingegangen ist,
ausführt, der amtliche Verteidiger arbeite gegen ihn, weshalb ihm ein neuer Verteidiger zu
bestellen sei und derselbe Beschwerdeführer wenige Tage vorher eine Lagebesprechung
mit dem amtlichen Verteidiger gewünscht und offenbar auch abgehalten hat (vgl. act. B
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wie RA B_ zu Recht vorbringt - entgegenzuhalten, dass es vor dem Vorliegen der
Anklageschrift in der Tat keinen Sinn macht, Details zu besprechen. Umso mehr als die
Bestimmung der Verteidigungsstrategie dem Verteidiger obliegt und diesbezügliche
Unstimmigkeiten keinen Anspruch auf dessen Auswechslung begründen.
Zusammenfassend vermag der Beschwerdeführer somit nicht darzutun, dass der amtliche
Verteidiger seine Pflichten erheblich bzw. überhaupt vernachlässigt hat und ein erheblich
gestörtes Vertrauensverhältnis vorliegt. Ein solches macht denn auch RA B_ nicht
geltend. Eine effiziente Verteidigung erscheint demnach weiterhin gewährleistet, weshalb
die Beschwerde abzuweisen ist.
3. Kosten
3.1 Bei diesem Ausgang trägt der Beschwerdeführer die Kosten des Beschwerdeverfahrens
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Gestützt auf Art. 29 Abs. 1 lit. a Gebührenordnung (bGS 233.3)
wird die Gerichtsgebühr vorliegend auf CHF 300.00 festgesetzt.
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3.2 Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers ist durch die das Strafverfahren
abschliessende Behörde mit dem Endentscheid festzusetzen (Art. 135 Abs. 2 StPO).
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