Decision ID: 7b0a6d0b-b3d0-462e-80c4-873363e3b887
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1975,
wurde am 8. April 1975 von seinen Eltern bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 6/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm
bis zur
Vollendung des 20. Lebensjahres
medizinische Massnahmen zur Behandlung der Geburtsgebrechen Ziffer 173
(
heute
: Ziffer 182
, Pes
equinovarus
congenitus
[an
ge
borener Klumpfuss]
)
und Ziffer
303
(
Hernia
inguinalis
lateralis
[Leisten
hernie])
gemäss Anhang zur Verordnung über
Geburtsgebrechen (
GgV
) zu (Urk. 6/4, Urk. 6/17, Urk. 6/21, Urk. 6/23, Urk. 6/
30, Urk. 6/32, Urk. 6/50).
Zudem erteilte sie ihm wiederholt Kostengutsprachen für Hilfsmittel im Sinne von orthopä
di
schen Serienschuhe
n
respektive Spezialschuhen (Urk. 6/38, Urk. 6/43, Urk. 6/55). Der Versicherte schloss sodann im Jahr 1997 eine Lehre zum
Orthopädisten
ab
und
war ab 2003 in der Universitätsklinik
Y._
auf diesem Beruf tätig
(Urk.
6/308/279, Urk.
6/57/4
, Urk. 6/92
). Am 17. Mai 2004 erlitt der Versicherte einen Verkehrsunfall, als er mit de
m Motorrad auf ein Auto auffuhr,
stürzte
und sich am rechten Knie verletzte
(Urk. 6/61/27).
Aufgrund dieses Unfalles
war er in unterschiedlichem Ausmass arbeitsunfähig und bezog Unfalltaggelder (Urk. 6/95/5 f.). In der Folge
unterzog
sich der Versicherte
mehreren Operationen
am rechten Knie
(vgl. Urk. 6/91/41).
Aufgrund der langen unfallbedingten Arbeit
s
unfähigkeiten wurde die Stelle per Ende April 2005 gekündigt (Urk. 6/65).
1.2
Am 28. Februar 2005 meldete sich der Versicherte unter Hinweis
auf eine starke Symptomatik des rechten Knies mit stark reduzierter Gehfähigkeit seit dem
18. Mai
2004
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 6/
57
/5
).
Ab
dem
1.
März
2006 war er neu im Aussendienst im Bereich Verkauf und Schulungen
beim Vertrieb
von Rollstühlen
der
Z._
AG
tätig
, zu
nächst im Rahmen eines Arbeitsversuches zu 100 %, ab 1. Juli 2006 zu 70 %
(Urk. 6/91/29
,
Urk. 6/112/12,
Urk. 6/113/2
, Urk. 6/124/2
).
Die IV-Stelle klärte die medizinisc
he und erwerbliche Situation ab. Ausgehend von einem Status nach Knieunfall mit konsekutiver
Osteonekrose
und Operation, einer Beinverkürzung von drei Zentimetern bei Status nach Klumpfuss rechts und einem HWS-Syndrom bei Diskushernie mit Nervenwurzelkompression (Urk. 6/96/7)
,
sprach
sie dem Versicherten mit Verfügung vom 10. Mai 2007
bei einem Invaliditätsgrad von 50 %
eine halbe Rente vom 1. Mai 2005 bis 30. September 2006 zu (Urk. 6/113, Urk. 6/120).
1.3
Am 6. September 2008 schloss der Versicherte
ausserdem
einen Vergleich mit der Unfallversicherung (Urk. 6/
308/223
).
Aufgrund der Folgen
des Unfalles vom 17. Mai 2004
sowie eines weiteren Unfalles vom 25. Juli 1993
, der auch das rechte Knie betroffen hatte,
sprach die
Unfallversicherung dem Versicherten mit Verfügung vom 24. September 2008
ab dem 1. Februar 2007
eine Invalidenrente, basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 20 %
zu (Urk.
6/133/11, Urk.
6/
308
/
219-221, Urk. 6/308/349
)
. Die Invalidenrente reduzierte sie
infolge einer
neuen
Erwerbssituation
des Versicherten
ab 1. Mai 2009 bei der
A._
AG
mit Verfügung vom 3. August 2011
rückwirkend
ab dem 1. August 2011 von 20 % auf 10 % (Urk. 6/163/33-35).
1.
4
Ab 1. Juni 2012 war der Versicherte als Versicherungsberater der
B._
AG
tätig (Urk. 6/154/4).
Am 10. Dezember
2012
unterzog
er
sich einer operativen Revision
an
der rechten
Achillessehne
(Urk. 6/160/13)
, die
se
musste
am 20. März 2013 erneut operiert
werden
(Urk. 6/160/6).
Im Anschluss
daran
war er zu 100 % arbeitsunfähig und bezog Krankentaggelder (Urk. 6/160/1, Urk. 6/160/18 f.)
.
Am 20. Juni 2013
meldete
er
sich unter Hinweis auf
den
Klumpfuss, eine
Ten
d
inopathie
der Achillessehne rechts nach Achillessehnen
ver
längerung sowie
die besagte
n
Operation
en
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/154/5)
.
Im April 2014
liess
er eine
Arthrodese
des unteren Sprunggelenks und im Februar 2015 eine Implantation einer oberen Sprunggelenksprothese vornehmen.
Per Ende September 2014 wurde das Arbeits
verhältnis
seitens
der
B._
aufgelöst (Urk. 6/193/3).
Nachdem
die IV-Stelle
den Versicherten über die Notwendigkeit einer polydisziplinären Begutachtung
informiert hatte
, teilte dieser
am 2. März 2016
mit, eine solche sei nicht mehr notwendig
,
und legte ein Schreiben seines behandelnden Chirurgen bei, gemäss welchem er seit dem 1. März 2016 wieder zu 100 %
arbeitsfähig
sei (Urk. 6/215, Urk. 6/217). Die IV-Stelle hielt daraufhin
am 23. März 2016
an
der
Begutachtung fest und forderte den Versicherten auf, die Bereitschaftserklärung
zur Mitwirkung
zu retournieren (Urk. 6/221/1 f.). Als er dieser Aufforderung innert Frist nicht nachgekommen war
, wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren des Versicherten mit Verfügung vom 9. Juni 2016 ab (Urk. 6/227).
1.
5
Seit dem 1. April 2016 war der Versicherte bei der
C._
AG als Personalberater mit einem Pensum von 70 % tätig (Urk. 6/251/1).
Ab
August
2016
war
er
zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben (Urk.
6/239/16,
Urk.
6/239/17),
ab September 2016
in
unterschiedlichem
Umfang (Urk.
6/251/24,
Urk.
6/239/17);
ab
März 2017
wurde er wieder
zu
100 % arbeitsunfähig
geschrieben
,
und
er
bezog Krankentaggelder (Urk. 6/
304/10 f.
,
Urk. 6/249/5
).
Am 11. September 2017 mel
dete
er
sich
erneut
unter Hinweis auf die vorbestehenden Leiden und wegen
Magen- und Darmbeschwerden
bei der Invalidenversicherung an (Urk. 6/229).
D
ie
Arbeitgeber
in
löste das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten
per 30. Sept
em
ber 2017 auf (Urk. 6/251/1).
Im Rahmen ihrer Abklärungen
zog
die IV-Stelle
verschiedene medizinische Be
richte bei und liess
den Versicherten durch die
D._
internistisch, neurologisch, orthopädisch und psychiatrisch
begutachten (Gutachten vom 21. August 2019, Urk. 6/292
/3-220
).
Am
18. Novem
ber 2019 verfügte die IV-Stelle
,
wie mit Vorbescheid vom
7. Oktober 2019
in Aussicht gestellt
,
die Abweisung des Leistungsbegehrens (Urk. 6/305,
Urk.
6/310 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 10. Dezember 2019 Beschwerde und bean
tragte sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und weitere ergänzende Abklärungen
(Urk. 1). Seiner Beschwerde legte er mehrere ärztliche Berichte und Zeugnisse
der behandelnden Ärzte
bei (Urk. 3/1-8). Die Beschwer
degegnerin schloss
mit Beschwerdeantwort vom
30. Januar 2020 auf Abweisung
der Beschwerde
(Urk. 5). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 31. Januar 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7). Am 22. September
2020
reichte der Beschwer
deführer
einen undatierten Bericht
des behandelnden
Dr. med.
E._
, Facharzt für Chirurgie
,
ein (Urk. 10
). Sodann reichte er am 8. Dezember 2020 weitere
Berichte über MR-tomographische Untersuchungen vom 30. November 2020 nach
(
Urk.
13
, Urk. 14/1-4
). Am 14. Dezember 2020 liess er dem Gericht schliesslich
weitere
ärztliche Zeugnisse seiner Behandler zukommen
(
Urk. 16/1-3
). Die Be
schwerdegegnerin verzichtete am 21. Oktober
2020 sowie am 15. Januar 2021
jeweils
auf das Einreichen einer Stellungnahme dazu (Urk. 12, Urk. 18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des
Leistungsanspruchs nach Art. 29
Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Art. 29 Abs.
1 IVG).
Die Rente wird vom Beginn des Monats ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Art. 29 Abs. 3 IVG).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf e
ine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2
IVG
).
1.
4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die
Invalidenversicherung, IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
Ebenso sind
i
m Rahmen der Neuanmeldung nach
einer rückwirkend befris
teten Zusprechung einer Invalidenrente die Voraussetzungen gemäss Art. 87 Abs.
3
IVV
zu berücksichtigen
(BGE 133 V 263).
1.
5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfe
n
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung,
gestützt auf das Gutachten sei davon auszugehen, dass
d
er
Beschwerdeführer
trotz seiner ge
sundheitlichen Einschränkungen voll arbeitsfähig sei. Es lägen keine Diagnosen m
it dauerhafter Auswirkung vor und e
s bestehe kein Anspruch auf eine Rente (Urk. 2 S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer kritisierte demgegenüber das Gutachten
in vielerlei Hin
sicht
(Urk. 1 S. 1 ff.) und machte geltend, er habe aus eigenem Antrieb einen Arbeitsversuch gestartet, in welchem er zwischen 40 und 50 % arbeite. Dies ent
spreche leider auch seinen aktuellen Möglichkeiten. Er sei weiterhin in Be
hand
lung und seine Arbeitsfähigkeit betrage maximal 40-50 %.
Das Gutachten der
D._
könne für eine Entscheidung nicht herangenommen werden.
Es wider
spreche
jeglichen
in der Vergangenheit getätigten
Abklärungen (Urk. 1 S. 3).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer
im Rahmen der Neuan
mel
dung wiederum
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat und ob diesbezüglich der relevante Sachverhalt rechtsgenügend abgeklärt ist.
Die
Beschwerdegegnerin ist auf die
Neuanmeldung
des Beschwerdeführers vom 11. September 2017 (Urk. 6/229
) eingetreten.
Zu prüfen ist somit, ob sich der Gesundheitszustand seit
der letzten
materiellen
Prüfung anspruchsrelevant
ver
ändert hat
und wie es sich mit einem allfälligen Rentenanspruch seit der Neu
anmeldung im September 2017 verhält
. Als Vergleichsbasis
für die Prüfung einer rentenrelevanten Veränderung
dient dabei die Verfügung vom
10. Mai 2007,
mit
der rückwirkend eine befristete
halbe
Rente zugesprochen worden war,
d
enn
diese basierte auf einer
umfassenden
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
(BGE 130 V 71 E. 3.2.3; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.). Nicht massgebend ist demgegenüber die
rentenverneinende
Verfügung vom 9. Juni 2016
(Urk. 6/227), da dort aufgrund der fehlenden Mitwirkung des Beschwerdeführers im Rahmen der Begutachtung keine umfassende Abklärung erfolgen konnte.
3.
Im Zuge
der
Rentena
nspruchsbeurteilung
in
der Verfügung vom 10. Mai 2007
hatte die Beschwerdegegnerin die Akten de
r Unfallversicherung beigezogen. Diese
hatte
den Beschwerdeführer am 13. April 2005 kreisärztlich untersuchen lassen (Urk. 6/308/408-
414). Mit Schreiben vom
8. Juni 2005
hielt die Unfallversiche
rung
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit bis zum 15. Juli 2005 und
hernach
eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit
ab dem 16. Juli 2005 fest
(Urk. 6/308/401)
.
Zudem zog
die Beschwerdegegnerin
unter anderem einen Bericht
des Hausarztes des Beschwerdeführers,
Dr. med.
F._
, Facharzt für Innere Medizin, vom 14. November 2006
bei. Dieser ging von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit
in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit
ab dem 1. Juli 2006 aus
(Urk. 6/95
/3
)
, wofür er die Tätigkeit bei der
Z._
AG als ideal bezeichnete
. Dr. med.
G._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hielt
daraufhin
in seiner Stellungnahme vom 11. Dezember 2006 fest, es sei zweifellos ein invalidisierender Gesundheits
schaden ausgewiesen. Es bestehe ein Status nach Knieunfall mit konsekutiver
Osteonekrose
und Operation, eine Beinverkürzung von drei Zentimetern bei Status nach Klumpfuss rechts sowie ein HWS-Syndrom bei Diskushernie mit Nervenwurzelkompression. Er schlage vor, die 50%ige Arbeitsfähigkeit
in ange
passter Tätigkeit
ab April 2005 anzuerkennen. Für die Aussendiensttätigkeit bestehe
ab April 2006 (Stellenbeginn
; richtig: März 2006
)
eine
70%ige Arbeits
fähigkeit, wobei die angegebene Einschränkung von 30 % nachvollziehbar sei
(Urk. 6/96/7)
.
Gestützt auf die Beurteilung des RAD sprach die Beschwerde
geg
nerin dem Beschwerdeführer daraufhin
rückwirkend
eine befristete halbe Rente vom 1. Mai 2005 bis 30. September 2006 zu (Urk. 6/113/2, Urk. 6/120/1).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer meldete sich am 11. September 2017 bei der Beschwerde
gegnerin an (Urk. 6/229/6). Ein Rentenanspruch konnte demgemäss frühestens ab dem 1. März 2018 entstehen (Art. 29 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 29 Abs. 3 IVG
, vgl. E. 1.2 hiervor
). Daher ist zu prüfen, wie es sich mit der Leistungs
fähig
keit des Beschwerdeführers seit diesem Zeitpunkt verhält.
4.2
Dr. med.
H._
, Facharzt
für Allgemeine Innere Medizin sowie Gastro
en
terologie, nannte am 12. Juli 2017 ein
functional
heartburn
mit erheblicher Beeinträchtigung, chronische Schmerzen nach diversen Beinoperationen rechts mit
Endoprothesen
-Versorgung sowie eine psychosoziale Belastungssituation als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/239/34). Dazu er
gänzte er, der Beschwerdeführer leide schon seit Jahren unter
Refluxbe
schwer
den
, diese seien Ende des letzten Jahres
exazerbiert
. Es bestünden zum Teil stärks
te
Regurgitationen
des Mageninhaltes und vor allem auch nächtliches Aufstossen mit starker Beeinträchtigung des Schlafes, was zu einer erheblichen Erschöpfung geführt habe (Urk. 6/
239
/33). Momentan sei der Beschwerdeführer aufgrund der starken Symptome nicht arbeitsfähig. Er sei übernächtigt, asthenisch und auch wegen de
r
chronischen Schmerzen beeinträchtigt. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 27. Mai bis 15. August 2017 (Urk. 6/
239
/34).
4.
3
Die Behandler des Universitätsspitals
I._
, Universitäres Herzzentrum, vermerkten
mit Bericht vom 23. April 2018 über die gleichentags erfolgte
am
bu
lante kardiologische Untersuchung eine arterielle Hypertonie (Erstdiagnose 2016), eine kongenitale Nierenagenesie links, ein
zervikoradikuläres
Reizsyndrom
C7
links bei Diskushernie C6/7 mit Kompression der Nervenwurzel C7 links, einen kongenitalen Pes
equinovarus
rechts, chronisch persistierende Beinschmerzen rechts sowie einen Morbus Crohn (Urk. 6/258/1).
Der Beschwerdeführer präsen
tiere sich kardiopulmonal kompensiert mit
normotonen
Blutdruckwerten und
einem
normokarde
n
Sinusrhythmus im EKG ohne
Repolarisationsstörungen
. In der Ergometrie habe sich eine gute Leistungsfähigkeit ohne subjektive und objek
tive Hinweise auf eine belastungsinduzierte Ischämie gezeigt (Urk. 6/258/2 f.).
4.
4
Der behandelnde Dr
.
E._
nannte mit Bericht vom 20. Juni 2018 als Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine teilweise Geh- und Stehunfähigkeit auf dem rechten Fuss, eine massive Einschränkung durch die Problematik im Be
reich der HWS
und
der rechten Schulter mit deutlicher Bewegungs
einschränkung und Schmerzen
sowie
massive gastrointestinale Probleme. Dazu ergänzte er, aus orthopädischer Sicht sei die Aussicht auf eine Wiederaufnahme der körperlichen Arbeit sicher schlecht, da der Beschwerdeführer durch alle drei Diagnosen massiv eingeschränkt sei und sicherlich eingeschränkt bleiben werde (Urk. 6/246/3). Der Beschwerdeführer habe mehrere Arbeitsversuche unternommen, welche jedoch immer wieder hätten abgebrochen werden müssen, da der Beschwerdeführer einfach physisch nicht in der Lage gewesen sei, nebst seinen Einschränkungen und Schmerzen die vorgesehenen Arbeiten auszuführen. Das Gehen, Sitzen
und
Schlafen sei alles nur eingeschränkt möglich (Urk. 6/246/4).
Die Prognose zur
Eingliederung sei schlecht (Urk. 6/246/6).
Momentan sei dem Beschwerdeführer keine Tätigkeit zumutbar (Urk. 6/246/6).
4.
5
Dr.
F._
führte in seinem Bericht vom 12. Juli 2018
folgende
Diagnosen
auf:
Pes
equinovarus
rechts, Implantation einer Prothese des oberen Sprunggelenks (OSG) am 13. Februar 2015
, chronische rechtsseitige Knieschmerzen,
zervikoradi
kuläres
Reizsyndrom
C7
links, kongenitale Nierenagenesie links sowie eine de
pressive Verstimmung (Urk. 6/249/21).
Der Beschwerdeführer leide seit Jahren an
multiplen Problemen des Bewegungsapparates. Im Vordergrund stünden die Prob
leme mit dem rechten Fuss bei kongenitalem Pes
equinovarus
rechts mit mehreren operativen Eingriffen. Daneben bestünden auch störende rechtsseitige Knie
schmer
zen bei Status nach Motorradunfällen und mehrmaligen Eingriffen. In letzter Zeit hätten diese Beschwerden wieder deutlich zugenommen. Der Be
schwerdeführer befinde sich deshalb in Behandlung bei Dr.
E._
. Weiter sei seit Jahren ein
zervikoradikuläres
Reizsyndrom bekannt. Der Befund habe sich in einer
erneuten MRI-Untersuchung
der HWS bestätigt. Dieser zeige eine
Einen
gung der Nervenwurzel C7
. Zudem seien in den letzten Monaten wiederholte Abklärungen aufgrund unklarer Bauchschmerzen getätigt worden. Diese seien allesamt ernüchternd verlaufen, ohne dass ein klinisches Korrelat habe gefunden werden können. Aufgrund der doch multiplen Beschwerden sei es konsekutiv zu einer zunehmend depressiven Verstimmung gekommen. Der Beschwerdeführer
befinde sich deshalb regelmässig in fachärztlicher Behandlung und nehme
Valdoxan
ein (Urk. 6/249/19). Von Seiten des Psychiaters werde weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Aus seiner – Dr.
F._
s – Sicht sei auch längerfristig eine Arbeitsfähigkeit sehr fraglich (Urk. 6/249/20).
4.
6
Aufgrund vermehrter Beschwerden im rechten Knie wurde der Beschwerdeführer am 6. September 2018 im Kantonsspital
J._
abgeklärt. Der behan
delnde Arzt nannte mit Bericht vom 7. September 2018 als Diagnosen
unter ande
rem einen kongenitalen Pes
equinovarus
rechts bei einer Fraktur/Pseud
oarthrose des medialen
Malleolu
s
rechts
.
Dazu ergänzte er, v
on Seiten des Kniegelenks zeige sich eine stationäre Situation.
In diesem Sinne sei die vermehrte Beschwerde
symptomatik wahrscheinlich begründet durch eine Überlastung aufgrund der Gesamtsituation der rechten unteren Extremität. Aus orthopädisch-chirurgischer Sicht seien keine weiteren Massnahmen betreffend das rechte Kniegelenk indi
ziert. Hingegen habe sich auf dem
Orthoradiogramm
ein abgebrochener medialer
Malleolus
am rechten
OSG
bei Status nach OSG-Prothese gezeigt. Dieser sei klinisch auch
druckdolent
und symptomatisch. Ob hier allenfalls eine Revision erfolgen könne und solle, sei äusserst fraglich. Vielmehr sei dann der Schritt zur
Arthrodese
zu diskutieren. Da für den Beschwerdeführer die Fussgelenks
be
schwerden deutlich im Vordergrund stünden, sei eine Beurteilung durch die Fuss
chirurgie der Universitätsklinik
Y._
einzuholen (Urk. 3/6 S. 2).
4.
7
Med. pract.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, behandelte den Beschwerdeführer bereits
von
August 2016
bis Juni 2018 im Rahmen seiner Tätigkeit
im Zentrum
L._
und hatte ihm
dort
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Urk. 6/250/1 f.). Mit Bericht vom 8. Februar 2019 vermerkte er als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit den Verdacht auf eine
andauernde Persönlichkeitsänderung
bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.80) auf der Basis eines Erschöpfungssyndroms (ICD-10 Z73.0) sowie differentialdiagnostisch den Verdacht auf eine chronische depressive Störung bei rezidivierender depressiver Störung (ICD-10 F33), und ebenfalls differentialdiagnostisch Anpassungsstörungen (ICD-10 F43.2) bei einem Verdacht auf eine hyperkinetische Störung (ICD-10 F90).
Dazu führte er aus, zuletzt, aktuell und bis auf Weiteres bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. In prognostischer Hinsicht und auch gemäss Motivation des Beschwerdeführers sei die Aufnahme einer
entsprechend adaptierten Tätigkeit in einem kleinen und zudem angepassten Pensum prognostisch
denkbar (Urk. 6/264/4). Die bisherige Tätigkeit sowie eine leidensangepasste Tätigkeit sei
en
dem Beschwerdeführer ini
tial an maximal zwei Stunden pro Tag zumutbar (Urk. 6/264/6). Der Beschwer
deführer verfü
g
e über umfangreiche berufliche und persönliche Ressourcen aus Führungs- und Leitungspositionen (Urk. 6/264/5).
Am 9. September 2019 bestätigte med. pract.
K._
eine Arbeitsunfähigkeit
von 70 % für die Zeit vom 1. bis 30. September 2019 und erklärte, er gehe prog
nos
tisch davon aus, dass ab dem 1. Oktober 2019 bis auf Weiteres eine Arbeits
fähigkeit von 40 % bestehen werde. Eine
geringgradige
Erhöhung (5-10 %) der Arbeitsfähigkeit, vermutlich in adaptierter Tätigkeit, könne im Verlauf noch
er
wartet werden (Urk. 6/296). Am 7. November 2019 bestätigte med. pract.
K._
sodann eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % für die angestammte Tätigkeit vom 1. bis 30. November 2019. Er empfehle weiterhin einen Arbeits
versuch in adaptierter Tätigkeit (Urk. 3/3).
4.
8
Am 23. August 2019 erstatteten die Sachverständigen der
D._
ihr Gutachten in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Orthopädie und Psy
chiatrie (Urk. 6/292).
Im Gutachten nannten sie keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
, weder in einer angepassten noch in der angestammten Tätigkeit
. Ohne leistungsmindernde Wirkung seien demgegenüber die folgenden Diagnosen (Urk. 6/292/11):
-
Morbus Crohn
, Status nach
ulzero-erosiver
Ileitis
terminalis
, vereinbar mit Morbus Crohn (2009), letzte Koloskopie 2009
-
Gastroösophageale
Refluxkrankheit
(GERD),
Refluxösophagitis
Grad II (Gastroskopie 20. November 2017)
-
Arterielle Hypertonie
-
Adipositas Grad I
-
Sprunggelenkendoprothese
rechts mit Minderfunktion bei Status nach Klumpfuss mit mehrfacher Voroperation
-
Hallux
rigidus
rechts bei Grosszehengrundgelenkarthrose
-
Femoropatellar
-Prothese rechtes Kniegelenk
-
Bildgebend degenerative Alterationen der Halswirbelsäule ohne nam
haf
tes
radikuläres
Befundkorrelat
-
Leichtgradige Schultereckgelenkarthrose beidseits ohne funktionelle Res
trik
tion
-
Mögliche Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)
Im interdisziplinären Konsens führten die Gutachter aus, der Beschwerdeführer habe intensive Schmerzen, vor allem im Bereich des rechten Beines sowie spinal und eine resultierende psychische Beeinträchtigung vorgetragen (Urk. 6/292/7).
Die objektiven Befunde hätten zumindest hinsichtlich der Ausprägung der rekla
mierten Beschwerden kein ausreichendes Korrelat ergeben. Der Beschwerdeführer habe nicht erheblich schmerzgeplagt gewirkt und sei in seiner spontanen Mobi
lität nicht erheblich eingeschränkt gewesen. Zweifelsfrei bestünden jedoch
objek
tive Belastungsgrenzen aufgrund der orthopädischen Gesundheitsstörung (
Sprung
g
elenkendoprothese
rechts mit Minderfunktion bei Status nach Klumpfuss mit mehrfacher Voroperation,
Hallux
rigidus
rechts bei Grosszehengrund
gelenk
arthrose,
Femoropatellarprothese
rechtes Kniegelenk, bildgebend degenerative Alterationen der Halswirbelsäule ohne namhaftes
radikuläres
klinisches Befund
korrelat, leichtgradige Schultereckgelenkarthrose beidseits ohne funktionelle Restriktion). Eine gravierende depressive Störung habe anhand des hiesigen Be
fundes nicht erkannt werden können. Die aktenkundige Einschätzung
lasse
sich also nicht (zumindest nicht mehr) bestätigen (Urk. 6/292/8).
Die Indikatoren und die objektiven Befunde deuteten auf eine erhaltene Selb
ständigkeit, Selbstversorgungsfähigkeit und soziale Integration hin. Der Beschwer
deführer fahre Auto und gehe körperlichen Aktivitäten nach. Die aktenkundige
Einschätzung von med. pract.
K._
vom 8. Februar 2019 nenne eine Arbeits
fähigkeit mit reduziertem Pensum in angepassten Tätigkeiten und «umfangreiche» Ressourcen. Eine invalidisierende Gesundheitsstörung mit Auswirkung in jed
weder Tätigkeit
lasse
sich hier also nicht ableiten (Urk. 6/292/8).
Die somatischen Vorbewertungen
(Dr.
H._
, 12. Juli 2017 und Dr.
F._
, 12. Juli
2018)
stellten stark auf den subjektiven Beschwerdevortrag und eine «funktio
nelle» Störung
sgenese ab, was versicherungsmedizinisch nicht als leistungs
be
gründend angesehen werden könne. Zudem erschienen die im Rahmen der Begut
achtung herausgearbeiteten Indikatoren einer ausreichenden Alltagsaktivität nicht hinreichend berücksichtigt (Urk. 6/292/9).
Die
aktenkundige chirurgische Einschätzung
(Dr.
E._
, 12. Juni 2018) liesse sich
nicht (zumindest nicht mehr) teilen, da «massive» zervikale oder die Mobilität be
t
reffende Einschrän
kungen weder im gutachterlichen Befund noch in der Anam
nese zur Alltagsaktivität erschienen (Urk. 6/292/9). Die
Refluxbeschwerden
seien mittels einer Gewichtsreduktion besserbar (Urk. 6/292/10).
Die orthopädischen Gesundheitsstörungen bedingten eine qualitative
Minderung der Arbeitsfähigkeit. K
örperlich schwere Arbeiten seien aufgrund des Prothesen
ersatzes grosser Gelenke und aufgrund des Klumpfusses mit konsekutiver Hypo
trophie des Unt
erschenkels ungeeignet
. In Betracht kämen vor allem wechsel
be
lastende, körperlich leichte Arbeiten, wie bislang ausgeübt. Die Selbständigkeit, Selbstversorgungsfähigkeit und soziale Integration erschienen angesichts der Anamnese und der
erhobenen
Befunde nicht derart limitiert, dass eine Minderung der Arbeitsfähigkeit in geeigneten Tätigkeiten hinreichend zu belegen sei. Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit sowie in einer angepassten Tätigkeit betrage jeweils 100 % (Urk. 6/292/12 f.)
.
4.
9
Am 30. November 2020 wurde im Institut
M._
eine 3-Phasen Skelettszintigraphie des rechten Fusses des Beschwerdeführers durchge
führt. Der Radiologe notierte
unter anderem
einen dringenden Verdacht auf eine ausgedehnte, im Vergleich zum
CT vom 26.
Januar 2018
stark progrediente Poly
ethylen-Abrieberkrankung mit grossen
lytischen
Veränderungen, insbesondere unterhalb der
talaren
Prothesen-Komponente, etwas weniger auch
medialseitig
im Bereich der
tibialen
Prothesen-Komponente und konsekutiver Lockerung der
talaren
Komponente, möglicherweise beginnend auch
tibial
. Zudem bestünden mässig bis hochgradig aktive
arthrotische
Veränderungen im Bereich der Artiku
lationen des medialen und lateralen
Malleolus
mit dem Talus (Urk. 14/1).
Das gleichentags erfolgte MRI de
r
HWS brachte eine
Kyphosierung
C3-C6
hervor. Zusätzlich
fanden
sich leicht progrediente, multisegmentale, mässige spondy
lotische,
chondrotische
und
uncovertebralarthrotische
Veränderungen
im Bereich
C3-C7
sowie breitbasige Diskushernien
in den Bereichen
C3/C4 bis und mit
C6
/
C7
mit
foraminalen
Stenosen
C3
/
C4
rechts, C4/C5 beidseits, rechtsbetont, C5/C6 beidseits, linksbetont,
sowie C6/C7 beidseits, linksbetont,
mit vermuteter Irritation
beziehungsweise Kompression von C4 rechts, C5 beidseits, rechtsbetont, C6 und C7 beidseits, linksbetont
. Ferner zeigte sich eine diskogen und degenerativ be
dingte Spinalkanaleinengung mit
Pu
n
ctum
maximum
im Bereich
C5/C6 ohne Hinweise auf eine Myelopathie (Urk. 14/2).
5.
Bei der Anmeldung des Beschwerdeführers vom 11. September 2017 (Urk. 6/229
)
handelt es sich – wie bereits erwähnt – um eine neue Anmeldung, nachdem d
ie Beschwerdegegnerin ihm mit Verfügung vom
10. Mai 2007
rückwirkend
eine be
fristete halbe Rente vom 1. Mai 2005 bis 30. September 2006 zugesprochen hatte (Urk. 6/113/2, Urk. 6/120/1).
Als erste
Voraussetzung für eine neue Prüfung muss somit eine erhebliche Sachverhaltsänderung
im Sinne von Art. 17 ATSG
seit dem
Erlass der Verfügung vom
10. Mai 2007
nachgewiesen sein.
Hierzu lässt sich den Akten entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer in
der Zwischenzeit
insbe
sondere
weiteren
Operationen
unterzog
(vgl. Urk. 6/249/22), welche eine längere Behandlung mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erforderlich machten (Urk. 6/
198/1, Urk. 6/217/1). Zudem
bestehen
neu auch gastrointestinale, kardio
lo
gische sowie psychische Beschwerden (vgl. E. 4.2,
E.
4.3 und
E.
4.6 hiervor).
Damit liegt eine seit der Renten
einstellung
wesentliche Änderung vor, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad zu beeinflussen. Der Rentenanspruch ist daher
nachfolgend
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen (
BGE 141 V 9 E. 2.3
).
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin stützte
ihre leistungsabweisende Verfügung
auf das Gut
achten der
D._
, gemäss welchem der Beschwerdeführer
trotz seiner gesund
heitlichen Einschränkungen
voll
arbeitsfähig sei (Urk. 2 S. 1). Nachfolgend ist daher auf
den Beweiswert des Gutachtens
einzugehen.
6
.2
Die
Gutachter verneinten das Vorlie
gen von Diagnosen mit leistungsmindernder Wirkung und befanden, der Beschwerdeführer sei uneingeschränkt arbeitsfähig (Urk. 6/292/11 und 13).
Dabei massen sie den orthopädischen Gesundheitsstö
rungen zwar eine qualitative Minderung der Arbeitsfähigkeit bei,
und zwar
in dem Sinne, dass körperlich
schwere Arbeiten aufgrund des Prothesenersatzes der grossen Gelenke und des Klumpfusses mit konsekutiver Hypotrophie des Unter
schenkels ungeeignet seien.
Für
eine wechselbelastende, leichte körperliche Tätig
keit
fanden sie keine Einschränkung
(Urk. 6/292/12).
Der Beschwerdeführer klagte
vor allem
über
Schmerzen
i
m rechten Bein und dort hauptsächlich
i
m rechten Fuss. Diese bestünden in stärkster Ausprägung und
vor
allem
, wenn er das rechte Bein viel belastet habe. Ausserdem betrage seine Geh
strecke lediglich 500 bis 1000 Meter und es bestünden Schwellungen am rechten Bein mit Verstärkung nach körperlicher Belastung (Urk. 6/292/90
, Urk. 6/292/96
, Urk. 6/292/
127, Urk. 6/292/
144).
Diese Schmerzzustände
wurden
insbesondere gemäss orthopädischem und neurologischem Gutachten
für
nicht ausreichend objektivierbar
gehalten
(Urk. 6/292/96 und 147).
Der orthopädische Gutachter erklärte
dazu
, am rechten Sprunggelenk liege bei reizloser umfangreicher Narben
bildung eine
höhergradige
funktionelle Restriktion, insbesondere durch eine voll
ständig aufgehobene aktive und passive Dorsalextension vor
,
mit dadurch plau
si
bler Gangstörung. Aktuell seien aber
keine zusätzlichen entzündlichen Alteratio
nen des Fusses evident (Urk. 6/292/145).
6.3
Mit seiner Beschwerde reichte der Beschwerdeführer insbesondere
den
Bericht über die MRI-Untersuchung vom
6. September 2018 im
J._
ein (Urk. 3/6
).
Diesem lässt sich entnehmen, dass das erstellte
Orthoradiogramm
eine Frak
tur/
Pseudoarthrose
am
medialen
Malleolus
des rechten
OSG
zeigte. Der abgebrochene mediale
Malleolus
war
klinisch
druckdolent
und symptomatisch
.
Der unter
su
chende Arzt
warf
deshalb
die Frage auf, ob eine
Arthrodese
durchzuführen sei
,
und überwies den Beschwerdeführer in die Fusschirurgie der Universitätsklinik
Y._
(Urk. 3/6 S.
2).
Dieser Bericht lag dem orthopädischen Gutachter nicht vor (Urk. 6/292/107 ff.), weshalb
dieser
ihn bei seiner Einschätzung nicht berück
sichtigen konnte.
Mit dem darin beschriebenen Befund einer nicht verheilten Fraktur am Knöchel handelt es sich bei diesem Bericht um eine relevante Grund
lage, deren Fehlen das o
rthopädische Gutachten
in Zweifel zu ziehen vermag, kann
doch nicht gesagt werden, dass es
unter Be
rücksichtigung
sämtlicher
rele
vanter
Akten
erstellt
wurde
. Es
ist daher fraglich,
ob die
Beurteilung
des ortho
pädischen Gutachters, wonach die Schmerzzustände nicht ausreichend objekti
vier
bar seien, korrekt ist.
Damit steht auch die darau
s
abgeleitete Schlussfol
ge
rung einer unein
geschränkten Arbeitsfähigkeit in einer Tätigkeit gemäss seinem definierten Belas
tungsprofil in Frage
(Urk. 6/292/147).
Schliesslich wurde am 30. November 2020 ein
e
3-
P
hasen Skelettszintigraphie des rechten Fusses durchgeführt. Dem gleichentags erstell
t
en Bericht lässt sich der
dringende Verdacht auf eine ausgedehnte, stark progrediente Polyethylen-Abrieb
erkrankung entnehmen. Der Bericht wurde zwar nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 18. November 2019 erstellt
, welche
rechtsprechungsgemäss
die zeitliche Grenze
der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 130 V 445 E. 1.2 mit Hinweisen)
. Sofern aber
nach Abschluss des Verwaltungsverfahrens
eingereichte medizinische Unterlagen Rückschlüsse auf die gesundheitliche Situa
tion in diesem
massgebenden
Zeitraum erlauben, sind sie in die Ent
scheid
findung miteinzubeziehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_235/2016 vom 26. Januar 2017 E. 4.2
).
Dies ist vorliegend der Fall, denn
die Skelettszintigraphie erfolgte
zur Abklärung
der rezidivierenden Schwellungen und Schmerzen
des
rechten
Fusses
(Urk. 14/1). Diese Beschwerden beklagte der Beschwerdeführer auch
anlässlich der orthopädischen Untersuchung. So erklärte er, er verspüre Schmerzen
und eine Störung in der Gelenk
s
mechanik des
Fusses
(Urk. 6/292/127).
Die er
wähnte Symptomatik der rezidivierenden Schwellungen und Schmerzen
,
mit zum Teil auch livider Verfärbung
des rechten
Fusses
,
fanden bereits Eingang in die Beurteilung von Dr.
E._
vom 12. Juni 2018, welcher daraus eine teilweise Geh- und Stehunfähigkeit auf dem rechten
Fuss
ableitete
und die Ansicht vertrat, dem Beschwerdeführer sei im Moment keine Tätigkeit möglich
(Urk. 6/246/3
und 6
).
Vor dem Hintergrund der durchgeführten Skelettszintigraphie greift es
zu kurz, wenn
im Gesamtgutachten
die
Beurteilung
des Chirurgen Dr.
E._
lediglich
unter Hinweis auf die
im Befund nicht objektivierbaren Einschränkungen
ausser
Acht gelassen wurde
(Urk. 6/292/9).
Auch der neurologische Gutachter verneinte ein
radikuläres
Defektsyndrom oder eine radikuläre Reizung der zervikalen Nervenwurzeln und schrieb dem Bildbefund kein klinisches Korrelat zu (Urk. 6/292/97).
Allerdings führte bereits
Dr.
F._
in seinem Bericht vom 12. Juli 2018 aus, beim Beschwerdeführer
sei
ein
zervikoradikuläres
Reizsyndrom
bekannt. Der
Befund habe sich in einer
erneuten MRI-Untersuchung
der HWS bestätigt
, der eine
Einengung der Nerven
wurzel C7
beschreibe
(Urk. 6/
249/19). Dieser Bericht befindet sich soweit ersicht
lich nicht in den Akten, weshalb der neurologische Gutachter dazu nicht Stellung beziehen konnte.
Im MRI-Bericht vom 30. November 2020 ist jedoch im Gegen
satz zur Untersuchung vom 23. April 2018 (Urk. 6/292/79) die
Rede von
fora
minalen
Stenosen an mehreren Stellen mit vermuteter Irritation beziehungsweise Kompression C4 rechts, C5 beidseits, rechtsbetont, C6 und C7 beidseits, links
betont (Urk. 14/2). Auch dieser Bericht lässt allfällige Rückschlüsse auf die Situation vor Erlass der angefochtenen Verfügung zu, weshalb er im vorliegenden Verfahren zu beachten ist. Damit bestehen Zweifel an der Schlussfolgerung des neurologischen Gutachters, wonach die Beschwerden kein klinisches Korrelat aufweisen.
6.4
Zusammenfassend erweist sich das eingeholte Gutachten der
D._
als un
vollständig
und nicht überzeugend.
Es
erfüllt
daher
die
rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an eine beweiskräftige ärztliche Expertise nicht (vgl. E. 1.
5
), wes
halb darauf nicht abgestellt werden kann.
Auch die anderen Berichte lassen keine
abschliessende
Beurteilung der Arbeits
fähigkeit über den gesamten Zeitraum seit der
Anmeldung vom 11. September 2017
beziehungsweise seit einem allfälligen Rentenbeginn am 1. März 2018
zu.
Der behandelnde
Gastroenterologe
, Dr.
H._
, bezog die Beurteilung lediglich auf den Zeitraum vom 27. Mai bis 15. August 2017
. Dr.
E._
machte ebenfalls nur wenig differenziert
e
Aussagen über die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
(Urk. 6/246/6). Zudem steht seine Einschätzung, wonach der Beschwerdeführer momentan gar keine Tätigkeit ausüben könne, im Widerspruch zur Selbstein
schätzung des Beschwerdeführers, welcher sich zu 40-50 % arbeitsfähig sieht in seiner aktuellen Tätigkeit als Berater in der Medizintechnikbranche (Urk. 1 S. 3, Urk. 6/292/136).
Dr.
F._
stützte sich schliesslich zur Hauptsache auf die Prog
nose des behandelnden Psychiaters (Urk. 6/249/20). Auf dessen Einschätzung kann
aber auch nicht abgestellt werden, da
dieser
zwar eine mögliche Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit in Aussicht stellte, jedoch keine Angaben zum Belastungsprofil machte (Urk. 6/264/4
, Urk. 3/3
).
7
.
7
.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenü
gend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
7
.2
Nach dem Gesagten hat
es
die Beschwerdegegnerin
unterlassen,
den medizini
schen Sachverhalt
vollständig abzuklären. Aus den Akten geht zwar hervor, dass der Beschwerdeführer während des Verwaltungsverfahrens, insbesondere bei der Terminabsprache der Begutachtung (Urk. 6/270, Urk. 6/
273)
wie auch in der Begutachtung
selbst
nicht ausreichend
mitwirkte
.
So hielt der orthopädische Gut
achter eine eingeschränkte Kooperation während der gutachterlichen Befragung und der klinischen Untersuchung fest (Urk. 6/292/137
und 145
).
Weiter lehnte der Beschwerdeführer Zusatzuntersuchungen, wie etwa
Medikamenten
compli
ance-Bestimmungen
im Blut ab und er
liess
auch die
von den
orthopädischen
und neurologischen
Gutachter
n
vorgeschlagenen zusätzlichen bildgebenden Un
tersuchungen nicht durchführen (Urk. 6/292/
98, Urk. 6/292/
99
,
Urk. 6/292
/
143
).
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat jedoch der Ver
sicherungsträger den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären. Er ist nach dem in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die not
wendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen. Art. 43 Abs. 2 ATSG legt fest, dass die versicherte Person sich ärztlichen Untersuchungen zu unter
ziehen hat, soweit diese für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind. Dazu gehört auch die Teilnahme an einer vom Versicherungsträger angeordneten Be
gutachtung im Sinne von Art. 44 ATSG (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich 2020, Art. 43 Rz 92 und 96).
Ein Entscheid aufgrund der vorliegenden Akten oder die Einstellung der Erhebungen kommt
gemäss
Art. 43 Abs. 3 ATSG nur in Frage, wenn die versicherte Person ihrer Auskunfts- und Mitwir
kungs
pflicht nicht nachkommt. Der Versicherungsträger muss die Person vor dieser Sanktionierung schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen. Sodann ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (
Kieser
, a.a.O., Art. 43 Rz 104 mit Hinweisen).
Vor diesem Hintergrund hätte die Beschwerdegegnerin in Nachachtung der gut
achterlichen Empfehlung (Urk. 6/292/
98 und 143) die als notwendig erachteten Zusatzuntersuchungen durchführen lassen müssen, um die Aktenlage zu vervoll
ständigen. Dabei hätte sie ein korrektes Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durch
führen müssen.
Die Beschwerdegegnerin hat
daher
in Vervollständigung der Akten
zunächst
die
Unterlagen
und Bildgebungen
seit der
Anmeldung
vom
11. September 2017 (Urk. 6/229
) beizuziehen, wobei – wie bereits erwähnt – der
frühest
mögliche Rentenbeginn auf den
1. März 2018
fällt
(vgl. E.
4.1
hiervor)
.
Dabei wird sie ins
besondere die Unterlagen der langjährigen Behandler Dr.
E._
und Dr.
F._
einzuholen haben, welche soweit ersichtlich jeweils auch Adressaten der Berichte
der
übrigen Behandler
und
der
abklärenden Ärzte
waren (vgl. Urk. 6/249/23 ff.).
In Nachachtung der
soeben
dargelegten Rechtsprechung ist der Beschwerdeführer zur Mitwirkung
bei
der
Aktenvervollständigung
anzuhalten.
Danach hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer erneut polydisziplinär begutachten zu lassen, wobei bei mangelnder Kooperation auch hier ein Mahn- und
Bedenk
zeitverfahren
durchzuführen wäre.
7.3
Die angefochtene Verfügung vom 18. November 2019 ist daher aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die Abklä
rungen im Sinne der Erwägungen nachhole respektive
erneut
durchführe.
8
.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG in der hier anwendbaren, bis am 31. Dezember 2020 in Kraft gewesenen Fassung (Art. 83 ATSG) kostenpflichtig.
Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und
auf Fr.
9
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der unterliegenden Beschwer
degegnerin aufzuerlegen
.