Decision ID: 73f6cb2a-f554-54b3-87a6-35bf05e4d8dc
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ ist Bezügerin einer ganzen Invalidenrente. Sie leidet an folgenden
gesundheitlichen Beeinträchtigungen: Rezidivierendes panvertebrales
Schmerzsyndrom mit Haltungsinsuffizienz und muskulärer Dysbalance, Gonarthrose
und Patelladysplasie links, Metatarsalgien rechts, leichtes sensibles
Karpaltunnelsyndrom rechts (ED 7/2017), Osteopenie, substituierte Hyperthyreose,
invasives Mammakarzinom (ED 11/2014, unter medikamentöser Therapie, kein Hinweis
auf Rezidiv [7/2017]), kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-abhängigen und
emotional instabilen Anteilen, mittelgradig depressive Episode mit somatischem
Syndrom, anhaltende somatoforme Schmerzstörung (IV-act. 222, 303, 305; zu den
psychiatrischen Diagnosen vgl. bereits der IV-Verlaufsbericht des Psychiatrischen
Zentrums B._ vom 10. November 2015, IV-act. 248). Im Dezember 2016 meldete sich
die Versicherte bei der Invalidenversicherung (IV) zum Bezug einer
A.a.
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Hilflosenentschädigung an (IV-act. 281). Sie gab an, sie benötige Hilfe in den
alltäglichen Lebensverrichtungen Ankleiden/Auskleiden (Schuhe bei Bedarf anziehen,
nach dem Spazieren ausziehen [täglich], Socken), Aufstehen/Absitzen/ Abliegen (Hilfe
beim morgendlichen Aufstehen [täglich]), Körperpflege (Zehennägel schneiden
[wöchentlich]) und Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte (Einkaufen helfen
oder erledigen [ca. dreimal pro Woche], Wäsche tragen/machen [ca. ein- bis zweimal
pro Woche], Haushalt [staubsaugen/putzen], Begleitung zu Arztbesuchen). Sie
benötige zudem medizinisch-pflegerische Hilfe (Verabreichen/Erinnern von täglich drei
verschiedenen Tabletten und einmal am Tag Tropfen gegen die Rückenschmerzen) und
eine persönliche Überwachung (Vergessen von Medikamenten, Terminen, Zahlungen,
Überwachen von Küchenarbeiten/Kochen). In Bezug auf eine lebenspraktische
Begleitung gab sie an, sie benötige Hilfe beim Waschen, Einkaufen, Staubsaugen,
Putzen (manchmal), Begleitung bei Terminen, Zahlungsverkehr, Schuhe anziehen bei
Rückenschmerzen, Fusspflege. Sie pflege Kontakte nur über das Internet und Telefon.
Zum Bedienen des Internets benötige sie Hilfe.
Am 23. Januar 2017 füllte die Versicherte den Fragebogen HE – Lebenspraktische
Begleitung aus (IV-act. 291). Sie gab an, sie wohne zusammen mit ihrem Sohn in einer
dreieinhalb Zimmer Wohnung. Ihr Sohn erledige fast alles. Sie benötige Hilfe bei der
Tagesstrukturierung (Tabletten, Essen, Einkaufen, Termine, Haushalt, der Zeitaufwand
des Sohnes betrage ca. 30 Minuten), bei der Bewältigung von Alltagssituationen
(Postverkehr, alles, was schriftlich beantwortet werden müsse, der Zahlungsverkehr
erledige ihr Sohn, der Zeitaufwand des Sohnes betrage eine Stunde pro Woche), bei
der Erledigung des Haushalts (das Putzen werde komplett vom Sohn übernommen, er
erledige auch den Abwasch, der Zeitaufwand des Sohnes betrage ca. vier Stunden pro
Woche; in Bezug auf das Waschen helfe der Sohn, indem er die Wäsche trage, sein
Zeitaufwand betrage ca. zwei Stunden pro Woche, beim Bügeln sei sie selbstständig;
kochen könne sie selbstständig), bei der Begleitung ausser Haus (ihr Sohn erledige
90% der Einkäufe, Kleinigkeiten könne sie selber einkaufen, der Zeitaufwand des
Sohnes betrage zweimal pro Woche ein bis zwei Stunden, für Behördengänge und
Coiffeur- oder Arztbesuche sei keine Begleitung nötig) und in Bezug auf
Aussenkontakte zur Verhinderung einer Isolation (sie pflege in den letzten Jahren fast
keine sozialen Kontakte, sie habe kein Auto).
A.b.
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Am 23. Februar 2017 berichtete med. pract. C._ vom Psychiatrischen Zentrum
B._ (Posteingang 9. Mai 2017, IV-act. 299), die Versicherte leide derzeit an einer
weiterhin bestehenden Müdigkeit, einem Schwindel und an einer damit verbundenen
Angst, umzufallen oder keine Luft zu bekommen. Die Affektlage sei reduziert; es
bestehe eine Lustlosigkeit und der Antrieb sei reduziert. Ein sozialer Rückzug, Übelkeit,
Atemnot und Angst vor Menschen oder Kontakt mit ihnen seien vorhanden. Des
Weiteren bestünden Minderwertigkeitsgefühle, übertriebene Sorgen und anhaltende
Schmerzen. In Bezug auf bestehende Funktionseinschränkungen gab med. pract.
C._ an, die Versicherte könne sich nur schwer bewegen; das Aufstehen sei extrem
erschwert. Sie (die Versicherte) habe das Gefühl, ihre Hände nicht gebrauchen zu
können. Das Putzen oder andere alltagsrelevante Aufgaben würden unmöglich
erscheinen und sie könne keine Sachen vom Boden aufheben. Am 1. September 2017
ging ein Bericht von med. pract. C._ und Dr. med. D._, Leiter Ambulatorium des
Psychiatrischen Zentrum B._, ein (IV-act. 303). Sie gaben auf die Frage der IV-Stelle,
welche kognitiven Einschränkungen bestünden, an, die Versicherte könne Briefinhalte
nicht erfassen, was zu Fehlinterpretationen und Missverständnissen führe. In Bezug auf
bestehende psychische Einschränkungen hielten sie fest, die Versicherte sei wach,
bewusstseinsklar und zu allen Qualitäten orientiert. Sie sei formalgedanklich eingeengt
und es bestehe eine Grübelneigung. Hinweise auf wahnhaftes Erleben oder
Sinnestäuschungen bestünden nicht. Die Versicherte sei affektiv deprimiert, manieriert
und flach. Sie leide an Ein- und Durchschlafstörungen und sie gebe
Konzentrationsstörungen an. Eine Selbst- oder Fremdgefährdung bestehe nicht.
Kognitiv-intellektuelle Einschränkungen bestünden dahingehend, dass die Auffassung
und die Anpassung reduziert sowie die Konzentration und die Ausdauer stark reduziert
seien. Das Gedächtnis sei unauffällig. Die Hilflosigkeit beziehe sich vor allem auf die
körperlichen Defizite. Die Versicherte benötige Hilfe bei den alltäglichen Verrichtungen
zu Hause, die seit Jahren von ihrem Sohn übernommen würden. Zu den Arztterminen
komme sie meistens selbstständig.
A.c.
Der Hausarzt Dr. med. E._, Allgemeine Innere Medizin FMH, berichtete am
5. Oktober 2017 (IV-act. 305), er gehe davon aus, dass sich der Allgemeinzustand der
Versicherten und die Antriebslosigkeit trotz der psychiatrischen Behandlung nicht
verbessern werde. Die Versicherte klage über eine ausgedehnte Müdigkeit. Sie habe
A.d.
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Schmerzen am Rücken, in der Beinregion und in der rechten Hand. In Bezug auf die
rechte Hand beklage sie auch eine Sensibilitätsstörung. Sie fühle sich ausgesprochen
antriebslos und sei in fast jeder Konsultation sehr weinerlich und übermüdet, was auch
auf die physische Einschränkung Einfluss habe. Die Mammakarzinom-Diagnose habe
den psychischen Zustand weiter verschlechtert. Durch die ausgeprägte Müdigkeit und
Antriebslosigkeit sei die Versicherte auch kognitiv eingeschränkt. Sie könne sich nicht
längere Zeit konzentrieren und schweife im Gespräch manchmal völlig ab. Durch ihre
Knie- und Rückenschmerzen sei sie in den Haushaltsarbeiten eingeschränkt. Im
Antrieb und in der Konzentrationsfähigkeit sei sie so beeinträchtigt, dass sie gemäss
ihren eigenen Angaben bei der Erledigung der Haushaltsarbeiten auf die Hilfe ihres
Sohnes angewiesen sei. In die Praxis komme sie selbstständig. Er könne sich
vorstellen, dass die psychiatrische Problematik und das chronische Schmerzsyndrom
die Versicherte im Antrieb hindere, aufzustehen oder die Schuhe auszuziehen. Aus
seiner Sicht stehe vor allem die Verschlechterung des psychischen Zustands im
Vordergrund.
Am 9. Mai 2018 führte eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle eine telefonische
Abklärung mit dem Sohn der Versicherten durch. Im Abklärungsbericht hielt die
Sachbearbeiterin fest (IV-act. 310), die Versicherte leide an wiederkehrenden
depressiven Zuständen mit teilweiser Antriebslosigkeit und rascher Ermüdbarkeit. Sie
(die Versicherte) gehe täglich spazieren und erledige kleinere Einkäufe. Sie könne
Kontakte zu Nachbarn oder flüchtigen Bekannten pflegen und einige Worte über das
Wetter oder ähnliches wechseln. Freunde und Verwandte habe sie vor allem in F._.
Zu ihnen pflege sie regelmässige Kontakte per Skype. Die Versicherte wohne mit ihrem
Sohn in einer dreieinhalb Zimmer Wohnung im vierten Stock. Die grossen Einkäufe
erledige der Sohn. Er sei auch behilflich, um die Wäsche oder etwas Schweres die
Treppen hochzutragen. Ansonsten erledige die Versicherte die Hausarbeit mehrheitlich
selbstständig. Wenn sie starke Gelenkschmerzen habe, verlege sie die Hausarbeit auf
einen anderen Tag oder ihr Sohn sei behilflich. Dies sei jedoch nicht regelmässig der
Fall. In Bezug auf die alltäglichen Lebensverrichtungen hielt die Sachbearbeiterin fest,
die Versicherte könne sich mehrheitlich selbstständig an- und auskleiden. Teilweise
habe sie starke Gelenkschmerzen und das Anziehen der Schuhe sei schmerzhaft. Sie
könne selbstständig von einem Stuhl oder aus dem Bett aufstehen. Sie esse auch
A.e.
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selbstständig mit Messer und Gabel und könne die Nahrungsmittel zerkleinern. Bei der
Körperpflege und beim Verrichten der Notdurft sei sie selbstständig. Bei der
Fortbewegung sei sie nicht eingeschränkt. Aufgrund der Gelenkschmerzen sei dies an
gewissen Tagen jedoch sehr schmerzhaft. Deshalb könne es sein, dass sie die
Wohnung nicht verlasse. Dies komme jedoch nicht regelmässig vor. Einer ständigen
persönlichen Überwachung bedürfe sie nicht. Die Medikamente nehme sie
selbstständig ein. Der Sohn richte diese in einer Medikamentenbox. Betreffend die
lebenspraktische Begleitung notierte die Sachbearbeiterin, die Versicherte könne den
Tag selbstständig planen. Oft gehe sie morgens spazieren und kaufe dann gleich ein
kleines Frühstück ein. Entscheidungen im Alltag treffe sie mehrheitlich selbstständig.
Da sie die deutsche Sprache ungenügend verstehe, bespreche sie sich teilweise mit
ihrem Sohn. Die Reinigungsarbeiten könne sie mehrheitlich durchführen. Sie könne
abwaschen, staubwischen und sie putze das Badezimmer selbst. Bei starken
Schmerzen werde das Staubsaugen und das Wischen von ihrem Sohn übernommen.
Die Kleider wasche sie selbstständig. Da die Waschmaschine im untersten Stock sei,
trage ihr Sohn die Wäsche hinunter und wieder hinauf. Das Falten und Bügeln der
Wäsche übernehme die Versicherte selbstständig. Sie und ihr Sohn würden meistens
gemeinsam entscheiden, was gekocht werde. Kleine Menus könne sie selbstständig
kochen. Sie könne sich selbstständig organisieren. Kleine Einkäufe erledige sie allein.
Da sie keine schweren Taschen mehr tragen könne, erledige ihr Sohn die
Grosseinkäufe. Dies sei jedoch nicht wöchentlich der Fall. Arztbesuche könne sie
mehrheitlich selbstständig wahrnehmen. Bei Behördengängen werde sie, um
Missverständnissen vorzubeugen, von ihrem Sohn begleitet, da sie die deutsche
Sprache nur ein wenig verstehe. In der Schweiz habe sie wenige Bekannte. Den
Kontakt zu Verwandten und Bekannten in F._ pflege sie regelmässig per Skype. Die
Versicherte ergänzte den Bericht der telefonischen Abklärung dahingehend, dass sie
bei der Fusspflege Hilfe benötige. Zudem putze sie das Badezimmer nicht selber und
sie sei nicht in der Lage, den PC selbstständig zu bedienen. Sie unterzeichnete den
Bericht am 10. September 2018.
Mit einem Vorbescheid vom 5. Oktober 2018 stellte die IV-Stelle die Abweisung
des Begehrens um eine Hilflosenentschädigung in Aussicht (IV-act. 312). Zur
Begründung gab sie an, die Abklärungen hätten ergeben, dass eine lebenspraktische
A.f.
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Begleitung von zwei Stunden wöchentlich über eine Zeitspanne von drei Monaten nicht
ausgewiesen sei. In den alltäglichen Lebensverrichtungen sei die Versicherte
mehrheitlich selbstständig. In einem Einwand vom 6. November 2018 machte die
Versicherte geltend (IV-act. 313), der psychische Zustand sei nochmals zu prüfen, da
sich dieser seit dem Jahr 2012 verschlechtert habe. Am 12. Dezember 2018 notierte
die Sachbearbeiterin der IV-Stelle, gemäss einer Rücksprache mit dem Sohn der
Versicherten lasse sich die Versicherte seit Juli 2017 nicht mehr in der psychiatrischen
Tagesklinik behandeln. Einmal pro Monat gehe sie zum Hausarzt Dr. E._. Mit einer
Verfügung vom 1. Februar 2019 wies die IV-Stelle das Begehren um eine
Hilflosenentschädigung ab (IV-act. 316). Die Versicherte erhob am 26. Februar 2019
dagegen eine Beschwerde (IV-act. 319). Am 24. Juni widerrief die IV-Stelle die
Verfügung vom 1. Februar 2019, da keine Abklärung an Ort und Stelle stattgefunden
hatte und keine Stellungnahme des RAD eingeholt worden war (IV-act. 329, 331). Am
3. Juli 2019 schrieb das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen das
Beschwerdeverfahren ab (IV 2019/55, IV-act. 335).
Am 5. Juli 2019 fand eine Abklärung an Ort und Stelle statt. Die Abklärungsperson
notierte (IV-act. 338), die Abklärung sei im Beisein des Sohnes der Versicherten erfolgt.
Die Versicherte habe mitgeteilt, dass sie unter Schmerzen am Rücken und in der
Beinregion leide, vorwiegend links betont. Ausserdem leide sie an Vergesslichkeit.
Neurologische Abklärungen hätten nicht stattgefunden. Sie habe Schmerzen in den
Gelenken und die linke Hand sei sehr schwach. Auch bestünden eine ausgeprägte
Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Seit der Brustkrebserkrankung im Jahr 2014 sei sie
vergesslicher und sie fühle sich schwächer. Spaziergänge von 30 Minuten seien
möglich. Sie wohne mit ihrem Sohn zusammen. Zurzeit gehe er keiner Erwerbstätigkeit
nach. Das Mittag- und Abendessen nähmen sie zu 99% gemeinsam ein. Der Sohn der
Versicherten habe berichtet, die Versicherte leide an starker Vergesslichkeit. So sei es
vorgekommen, dass sie die Haustüre oder den Kühlschrank offengelassen oder
Nahrungsmittel eingekauft habe, die sie bereits am Vortag gekauft habe. Er (der Sohn)
müsse sie an sämtliche Termine erinnern und übernehme alle administrativen
Tätigkeiten und den Zahlungsverkehr. Da er seine Mutter nicht alleine leben lassen
möchte, werde er vorerst nicht ausziehen. Die Abklärungsperson notierte, die
Versicherte sei grundsätzlich in der Lage, sich selbstständig an- und auszukleiden.
A.g.
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Wenn sie wegen der Gelenkschmerzen Probleme beim An- und Ausziehen der Schuhe
habe, sei der Sohn ihr behilflich. Dies komme aber nicht regelmässig vor. Sämtliche
Transfers könne sie selbstständig ausführen. Das Aufstehen erfolge wegen des
Schwindels sehr langsam. Sie könne selbstständig essen und trinken. Die
Ganzkörperpflege könne sie selbstständig durchführen. Sie benötige Hilfe beim
Schneiden der Zehennägel. Das Verrichten der Notdurft erfolge selbstständig. In der
Wohnung wie auch im Freien könne sich die Versicherte selbstständig fortbewegen.
Wegen der Gelenkschmerzen sei dies an gewissen Tagen aber sehr schmerzhaft. Es
könne deshalb vorkommen, dass sie die Wohnung nicht verlasse. Sie könne soziale
Kontakte pflegen und telefoniere regelmässig mit Angehörigen aus F._. Sie habe
keine Familienangehörigen in der näheren Umgebung und Bekanntschaften pflege sie
keine. Eine Nachbarin, zu welcher sie früher Kontakt gepflegt habe, sei weggezogen.
Sie gehe in die Kirche, aber nur, wenn sie praktisch alleine sei.
Menschenansammlungen bereiteten ihr Mühe. Sie reagiere mit Nervosität, was auch in
der Abklärung zum Vorschein gekommen sei. Sie reise nur noch selten nach F._. Das
letzte Mal sei sie vor einem Jahr für drei Tage dort gewesen. In Bezug auf die Hilfe bei
der Tagesstrukturierung und bei Alltagssituationen habe die Versicherte die Angaben
der telefonischen Abklärung vom 9. Mai 2018 bestätigt. Ergänzend habe die
Versicherte angegeben, sie könne mit den Nachbarn Gespräche führen. Administrative
Tätigkeiten übernehme ihr Sohn, dies wegen ungenügender Deutschkenntnisse.
Einzahlungen bei der Post erledige sie selbstständig. Das Staubsaugen werde vom
Sohn übernommen, da dies für die Versicherte wegen den Rückenproblemen zu
anstrengend sei. Die Versicherte übernehme leichte Arbeiten wie abstauben,
Oberflächenreinigung in der Nasszelle wie die Reinigung des Lavabos und des
Spiegels. Im Badezimmer könne sie auch den Boden nass aufnehmen, da es sich um
eine kleine Fläche handle. Sie giesse die Pflanzen. Das Reinigen der Dusche, der
Toilette sowie das Aufnehmen der Böden übernehme der Sohn, da sie diese
Tätigkeiten infolge der Unbeweglichkeit und der Schmerzen nicht ausführen könne. Die
Bettlaken wechsle sie zusammen mit ihrem Sohn. Die Kissen könne sie selbstständig
frisch beziehen. Die Wäsche müsse vom dritten Stock hinunter- und hinaufgetragen
werden. Sie könne die Waschmaschine alleine befüllen und ausräumen. Das
Transportieren der nassen Wäsche erfolge durch den Sohn. Sie hänge die Wäsche in
der Wohnung auf. Das Abhängen, Zusammenlegen und Bügeln der Kleider übernehme
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jeder für sich. Die Versicherte könne eine kalte und auch eine warme Mahlzeit
selbstständig zubereiten. Ihr Sohn habe mitgeteilt, dass er die Versicherte beim
Kochen überwachen müsse, da sie ab und zu Sachen wie zum Beispiel das Schliessen
des Kühlschranks vergesse. Nach dem Kochen könne die Versicherte den Tisch und
die Arbeitsflächen abwischen und den Herd reinigen. Ein Geschirrspüler sei nicht
vorhanden. Der Abwasch erledige der Sohn, der Grund sei ungewiss. Die Versicherte
habe erwähnt, sie habe Mühe mit warmem Wasser. Die alltäglichen Einkäufe integriere
die Versicherte in den täglichen Spaziergang. Sie trage eine kleine Umhängetasche an
der Schulter. Grosseinkäufe erledige ihr Sohn. Diese fänden nicht regelmässig statt. Zu
den Arztterminen gehe sie meistens alleine. Bei wichtigen Entscheidungen werde sie
von ihrem Sohn zum Zweck der Übersetzung begleitet. Die Versicherte telefoniere
regelmässig mit Angehörigen aus F._. Via Skype könne sie sich nur unterhalten,
wenn ihr Sohn das Programm einschalte. Anlässe besuche sie keine. Die Gefahr einer
Isolation von der Aussenwelt bestehe nicht. Die Versicherte verlasse die Wohnung und
sei in der Lage, zu anderen Personen Kontakt aufzunehmen. Die Medikamente nehme
die Versicherte selbstständig ein. Ihr Sohn erinnere sie jeweils an die Einnahme der
Tablette um 13.00 Uhr. Morgens gehöre die Medikamenteneinnahme zum Ablauf,
weshalb sie dann nicht daran erinnert werden müsse. Die Versicherte bedürfe keiner
Überwachung, da keine kognitiven Einschränkungen bestünden. Sie sei sich der
Gefahren bewusst und es liege keine Selbst- oder Fremdgefährdung vor. Die
Versicherte könne sich für eine gewisse Zeit alleine in der Wohnung aufhalten. Die
Versicherte unterzeichnete den Abklärungsbericht am 5. August 2019. Sie brachte
folgende Ergänzungen an: Sie mache keine Wäsche, da sie zu schwach dafür sei. Sie
bügle auch nicht. Kein "in die Waschküche runtergehen". An guten Tagen könne sie
selbstständig aufstehen. An schlechten Tagen, welche ein- bis zweimal pro Woche
vorkämen, bleibe sie liegen oder benötige Hilfe, um das Bett zu verlassen. Dies
dokumentiere sie seit Jahren bei ihrem Hausarzt. Vor fünf bis sechs Jahren habe sie
administrative Tätigkeiten noch selbstständig erledigen können. Heute sei sie damit
überfordert. Reinigungsarbeiten wie Staubwischen mache sie ein- bis zweimal im
Monat. Manchmal wasche sie ihr Geschirr selber ab, aber nur für höchstens fünf bis
zehn Minuten und wenn sie sich gut fühle, was ein- bis zweimal pro Woche vorkomme.
Alles andere sei ihr zu anstrengend. Den Herd reinige sie nicht. Sie mache auch keine
Oberflächenreinigung in der Küche und in der Nasszelle. Beim täglichen Spaziergang
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komme es vor, dass sie eine Kleinigkeit einkaufe, was jedoch nicht zu ihrem
Aufgabenbereich gehöre. Sie könne Skype nicht selbstständig bedienen, sondern nur
telefonieren. Sie brauche sehr wohl eine Überwachung, nicht nur wegen den
körperlichen Einschränkungen, sondern auch wegen der psychischen Probleme, die
dokumentiert seien. Die Abklärungsperson hielt am 19. August 2019 in einem als
"Stellungnahme und Antrag" bezeichneten Abschnitt fest (IV-act. 338-13), sie sei am
Abklärungstag vom Sohn der Versicherten empfangen worden. Die Versicherte habe
sich zur Begrüssung vom Sofa erhoben. Während der Abklärung habe sie sich immer
wieder als eine von Schmerzen klagende und weinerliche Frau gezeigt. Es habe den
Anschein gemacht, sie leide darunter, dass sie keine Bekanntschaften in ihrer
Umgebung pflegen könne. Die Abklärung sei vorwiegend mit der Versicherten erfolgt.
Der Sohn habe das Gespräch teilweise übersetzt. Teilweise habe sich das Gespräch
verloren. Der Sohn habe die Frage, ob die Versicherte ohne die von ihm geleistete Hilfe
in ein Heim eintreten müsste, mit eher nein beantwortet. Er habe gesagt, er lasse seine
Mutter aber nicht alleine wohnen. Am 21. August 2019 hielt die Abklärungsperson in
einer Anfrage an den RAD fest (IV-act. 339), die Einwände der Versicherten gegen den
Abklärungsbericht seien grösstenteils nicht plausibel. Die Versicherte koche
selbstständig, weshalb eine Oberflächenreinigung möglich sein sollte. Weshalb dies
nicht möglich sein sollte, sei nicht nachvollziehbar, da auch keine kognitiven
Einschränkungen vorlägen. Der angegebene Hilfebedarf sei nicht stimmig, da die
Versicherte selbstständig kleinere Sachen einkaufe. Eine Gehfähigkeit sei vorhanden
und für den Einkauf werde kein Einkaufswagen benötigt. Bei der Abklärung vor Ort
habe die Versicherte den Ablauf des Wäschewaschens ausführlich beschrieben. Nun
erwähne sie, dass sie keine Wäsche erledigen könne, da sie zu schwach dafür sei. Die
Auskunft der ersten Stunde stimme mit den Abklärungen vor Ort überein. Weshalb nun
gegenteilige Darstellungen vorgebracht würden, sei nicht plausibel. Aus ihrer Sicht
müsse keine Hilfe geleistet werden, die einen Heimeintritt begründen würde. Der RAD-
Arzt Dr. med. G._ notierte am 3. September 2019, der im Abklärungsbericht vom
5. Juli 2019 erhobene Sachverhalt sei mit den Diagnosen vereinbar. In den alltäglichen
Lebensverrichtungen bestünden nachvollziehbar keine relevanten Einschränkungen.
Aufgrund der fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule, der
linksseitigen Knieinstabilität und der Fussschmerzen könnten allerdings grundsätzlich
keine schweren Lasten (beispielsweise ein Wäschekorb mit nasser Wäsche) getragen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/25
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und gehoben werden. Ebenfalls sei das Begehen der Treppe mit gleichzeitig
beidhändigem Tragen von Gegenständen (Wäschekorb, Einkaufstaschen, Harasse etc.)
wegen der Sturzgefahr nicht möglich. Zudem könne die Erledigung von
Haushaltsarbeiten je nach Tagesform und Beschwerdeausprägung an einzelnen Tagen
unterschiedlich möglich sein. Hinsichtlich der Pflege gesellschaftlicher Kontakte könne
festgehalten werden, dass die Versicherte in der Lage sei, die Wohnung selbstständig
zu verlassen, Kontakt mit der Aussenwelt aufzunehmen, einfache Einkäufe zu erledigen
und Arztbesuche wahrzunehmen. Relevante kognitive Einschränkungen bestünden
nicht. Ebenso liege keine Selbst- und/oder Fremdgefährdung vor. Aus
versicherungsmedizinischer Sicht könne somit zugestimmt werden, dass keine Hilfe
geleistet werden müsse, welche einen Heimeintritt begründen würde. Die
Abklärungsergebnisse und die Schlussfolgerungen seien vollumfänglich
nachvollziehbar und plausibel.
Mit einem Vorbescheid vom 27. September 2019 stellte die IV-Stelle die
Abweisung des Begehrens um eine Hilflosenentschädigung in Aussicht (IV-act. 341).
Zur Begründung gab sie an, es lägen keine relevanten Funktionseinschränkungen vor,
die eine Hilfsbedürftigkeit begründen würden. Die Versicherte sei in der Lage, sich
selber an- und auszuziehen, zu essen, sich zu waschen und einzukaufen. Unter
Anwendung von geeigneten Hilfsmitteln, Kompensationsstrategien und einer
Willensanstrengung seien somit auch Oberflächenreinigungen möglich. Ein Bedarf an
einer lebenspraktischen Begleitung, der so erheblich wäre, "dass ein Heimeintritt
begründet werden könnte", resultiere nicht. Die Versicherte erhob am 22. Oktober 2019
einen Einwand (IV-act. 242). Sie machte geltend, sie könne sich kaum selber an- und
auskleiden, aufstehen und absitzen. Es könne keine Rede davon sein, dass sie den
Haushalt alleine bewältigen könne. Kontakte habe sie keine mehr. Ihre "psychische
Gesundheit" müsse überwacht werden.
A.h.
Mit einer Verfügung vom 30. Oktober 2019 wies die IV-Stelle das Begehren um
eine Hilflosenentschädigung ab (IV-act. 343). Zum Einwand hielt sie fest, als
lebenspraktische Begleitung könne nur jene Hilfe angerechnet werden, deren
Erheblichkeit zwingend zu einem Heimeintritt führen würde, wenn diese nicht "erledigt"
oder in einem angemessenen Rahmen organisiert werden könne. Die Abklärungen
hätten ergeben, dass aufgrund der fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen der
A.i.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/25
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B.
Wirbelsäule, der linksseitigen Knieinstabilität und der Fussschmerzen grundsätzlich
keine schweren Lasten wie beispielsweise ein Wäschekorb mit nasser Wäsche
getragen oder gehoben werden könnten. Diese Unterstützung "begründe keinen
Heimeintritt". Aufgrund der Funktionsressourcen und unter "Anwendung" einer
Willensanstrengung könnten die restlichen Haushaltstätigkeiten selbstständig erledigt
werden. Die punktuelle Unterstützung durch den Sohn der Versicherten sei "im
Rahmen der Mitwirkungspflicht von Angehörigen zumutbar".
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erhob am 25. November 2019
eine Beschwerde (act. G 1). Sie beantragte sinngemäss die Zusprache einer
Hilflosenentschädigung. Zudem ersuchte sie um die Befreiung von den Gerichtskosten.
Zur Begründung führte sie an, die ärztlichen Zeugnisse und das Psychiatrische
Zentrum B._ würden bestätigen, dass sie den Haushalt nicht selbstständig führen
könne. Sie werde von ihrem Sohn unterstützt, ohne dessen Hilfe sie in ein Heim mit
Aufsicht eintreten müsste.
B.a.
Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 30. Januar 2020
die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Sie machte im Wesentlichen geltend, der
Bericht über die Abklärung an Ort und Stelle erfülle die Anforderungen an die
Beweiskraft von Abklärungsberichten in Verfahren betreffend den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung (vgl. BGE 140 V 543, E. 3.2.1). Die Abklärungsperson habe sich
zu Recht an einem objektiven Massstab orientiert und die Schadenminderungspflicht
der versicherten Person berücksichtigt. Sie sei nachvollziehbar zum Ergebnis gelangt,
dass bei der Beschwerdeführerin keine relevanten Funktionseinschränkungen vorlägen,
die eine Hilflosigkeit begründen könnten. Auch der RAD sei zum Schluss gekommen,
dass kein relevanter Hilfebedarf bestehe. Dabei sei er über den in den medizinischen
Akten dokumentierten Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin vollumfänglich im
Bilde gewesen. Es sei weder ersichtlich noch würden die Vorbringen in der
Beschwerde aufzeigen, inwiefern bei der Abklärung des relevanten Sachverhalts
wichtige Aspekte der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin ungewürdigt
geblieben oder übersehen worden wären.
B.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/25
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 30. Oktober 2019
einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung verneint. Strittig ist somit, ob die
Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung hat.
2.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bewilligte am 31. Januar 2020
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für
das Beschwerdeverfahren (act. G 5).
B.c.
In der Replik vom 25. Februar 2020 machte die Beschwerdeführerin ergänzend
geltend (act. G 8), die Behauptung im Abklärungsbericht, dass ihr Sohn gesagt habe,
ein Heimeintritt sei nicht nötig, wenn er ausziehen würde (IV-act. 338-13), sei "absolut
nicht wahr", da genau dieser unausweichliche Heimeintritt bei einem Auszug des
Sohnes der Grund für einen Antrag auf eine Hilflosenentschädigung gewesen sei, den
ihr Hausarzt Dr. E._ im Jahr 2016 empfohlen habe. Auch sei in der
Beschwerdeantwort kaum auf die lebenspraktische Begleitung eingegangen worden
und Sachen wie die Tagesstrukturierung, Unterstützung bei der Bewältigung von
Alltagssituationen, Fragen der Gesundheit und der Haushaltsführung seien nicht
beachtet worden. Wenn man die ausführlich dokumentierten körperlichen und
psychischen Beeinträchtigungen zusammen anschaue, komme man zum Schluss,
dass sie einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung habe.
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 6. März 2020 auf eine Duplik (act. G 10).B.e.
Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos
sind, haben Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung (Art. 42 Abs. 1 Satz 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Als hilflos gilt, wer
wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen
dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 9 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Es ist zu unterscheiden zwischen schwerer, mittelschwerer und leichter
Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG).
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/25
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Eine leichte Hilflosigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe
von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a der
Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV, SR 831.201), einer dauernden
persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV), einer durch das Gebrechen
bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. c
IVV) oder wegen einer schweren Sinnesschädigung oder wegen eines schweren
körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen
Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann (Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV).
2.2.
Die massgebenden alltäglichen Lebensverrichtungen betreffen sechs Bereiche:
Ankleiden/Auskleiden, Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Essen, Körperpflege, Verrichten
der Notdurft und Fortbewegung (vgl. Rz 8010 des Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, Stand 1. Juli 2020). Der Bedarf nach
Hilfeleistungen muss regelmässig und in erheblicher Weise bestehen (Art. 37 IVV).
Regelmässig werden Hilfeleistungen benötigt, wenn sie täglich oder eventuell täglich
erbracht werden müssen (vgl. Rz 8025 KSIH). Erheblich sind Hilfeleistungen, wenn die
versicherte Person mindestens eine Teilfunktion einer alltäglichen Lebensverrichtung
nicht mehr, nur noch mit unzumutbarem Aufwand oder nur noch auf unübliche Art und
Weise selbst ausführen kann oder wegen ihres psychischen Zustandes ohne
besondere Aufforderung nicht vornehmen würde, oder wenn sie sie selbst mit Hilfe
Dritter nicht erfüllen kann, weil sie für sie keinen Sinn hat (vgl. Rz 8026 KSIH). Von der
direkten Dritthilfe bei der Ausführung der alltäglichen Lebensverrichtungen ist somit die
indirekte Dritthilfe zu unterscheiden.
2.3.
Der Begriff der dauernden persönlichen Überwachung bezieht sich nicht auf die
alltäglichen Lebensverrichtungen. Hilfeleistungen, die bereits als direkte oder indirekte
Hilfe in einem Bereich der alltäglichen Lebensverrichtung Berücksichtigung gefunden
haben, können bei der Beurteilung der Überwachungsbedürftigkeit nicht nochmals ins
Gewicht fallen. Vielmehr ist darunter eine Hilfeleistung zu verstehen, welche infolge des
Gesundheitszustandes der versicherten Person notwendig ist. Eine solche persönliche
Überwachung ist beispielsweise dann erforderlich, wenn eine versicherte Person
wegen geistiger Absenzen nicht während des ganzen Tages allein gelassen werden
kann oder wenn eine Drittperson mit kleineren Unterbrüchen bei der versicherten
Person anwesend sein muss, da sie nicht allein gelassen werden kann. Die persönliche
Überwachung muss ein gewisses Mass an Intensität aufweisen. Ob dauernde Hilfe
oder persönliche Überwachung nötig sind, ist objektiv, nach dem Zustand der
versicherten Person zu beurteilen. Eine Überwachungsbedürftigkeit darf angenommen
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/25
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3.
Die Beschwerdeführerin leidet an einem polymorbiden Gesundheitszustand mit
somatischen und psychischen Beschwerden. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die
Beschwerdeführerin in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig
und in erheblicher Weise auf eine Dritthilfe angewiesen ist, ob sie einer dauernden
persönlichen Überwachung oder einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und
besonders aufwendigen Pflege bedarf. An einer schweren Sinnesschädigung oder an
einem schweren körperlichen Gebrechen leidet die Beschwerdeführerin offensichtlich
nicht, weshalb unstrittig ist, dass sie keinen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung
wegen einer leichten Hilflosigkeit im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV hat.
werden, wenn die versicherte Person ohne Überwachung mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit sich selbst oder Drittpersonen gefährden würde (vgl. Rz 8035
KSIH).
Eine durch das Gebrechen bedingte ständige und besonders aufwendige Pflege
beinhaltet medizinische oder pflegerische Hilfeleistungen, welche infolge des
physischen oder psychischen Gesundheitszustands der versicherten Person
notwendig sind und die ärztlich verordnet wurden. Der Begriff der Pflege bezieht sich
nicht auf die alltäglichen Lebensverrichtungen. Eine Pflege kann aus verschiedenen
Gründen als aufwendig qualifiziert werden. Ein Aufwand von weniger als zwei Stunden
pro Tag stellt keine besonders aufwendige Pflege dar (vgl. Rz 8057 ff. KSIH).
2.5.
In der Anmeldung vom Dezember 2016 (IV-act. 281) hat die Beschwerdeführerin in
Bezug auf die alltäglichen Lebensverrichtungen Essen und Verrichtung der Notdurft
keine Angaben gemacht. Die telefonische Abklärung vom 9. Mai 2018 (IV-act. 310) und
die Abklärung an Ort und Stelle vom 5. Juli 2019 (IV-act. 338) haben ergeben, dass die
Beschwerdeführerin in diesen beiden alltäglichen Lebensverrichtungen selbstständig
ist. Damit ist unstrittig, dass kein Hilfebedarf besteht. In den weiteren vier alltäglichen
Lebensverrichtungen besteht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ebenfalls kein regelmässiger und erheblicher Hilfebedarf. Zum
Bereich des Ankleidens/ Auskleidens hat die Beschwerdeführerin in der Anmeldung
angegeben, sie benötige bei Bedarf beim Schuhe anziehen sowie nach dem Spazieren
beim Ausziehen (täglich) einer Hilfe. Anlässlich der telefonischen Abklärung hat sie
diese Angaben präzisiert und erklärt, dass sie teilweise an starken Gelenkschmerzen
leide und dass das Anziehen der Schuhe schmerzhaft sei. Im Übrigen sei sie beim An-
und Auskleiden mehrheitlich selbstständig. Diese Angaben hat die Beschwerdeführerin
bei der Abklärung an Ort und Stelle im Wesentlichen bestätigt; sie hat mitgeteilt, dass
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/25
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ihr Sohn ihr behilflich sei, wenn sie wegen den Gelenkschmerzen Probleme beim An-
und Ausziehen der Schuhe habe. Im Vorbescheidverfahren hat sie dann geltend
gemacht, sie könne sich kaum selber an- und auskleiden. Sie hat diese im Widerspruch
zu den vorhergehenden Angaben stehenden Aussagen aber weder näher ausgeführt
noch mit entsprechenden Unterlagen belegt. Diese Aussage ist damit als blosse
Behauptung zu qualifizieren und deshalb nicht geeignet, Zweifel an den zuvor
gemachten Angaben zu wecken. Eine gelegentliche Hilfe beim An- und Ausziehen der
Schuhe stellt keinen regelmässigen Hilfebedarf dar, da nur eine täglich oder eventuell
täglich benötigte Hilfeleistung regelmässig im Sinne von Art. 37 IVV ist. Im Rahmen der
Schadenminderungspflicht ist es der Beschwerdeführerin ausserdem zumutbar, einen
Schuhlöffel zu benutzen und Schuhe zu tragen, in welche sie einfach hinein- und
hinausschlüpfen kann. Damit besteht in der alltäglichen Lebensverrichtung Ankleiden/
Auskleiden überwiegend wahrscheinlich kein regelmässiger und erheblicher
Hilfebedarf. In Bezug auf die alltägliche Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/
Abliegen hat die Abklärungsperson anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle
beobachtet, dass sich die Beschwerdeführerin selbstständig vom Sofa hat erheben
können. Die Beschwerdeführerin hat bei dieser Abklärung mitgeteilt, dass sie sämtliche
Transfers selbstständig ausführen könne. Wegen des Schwindels erfolge das
Aufstehen sehr langsam. Ergänzend zum Abklärungsbericht hat sie angegeben, dass
sie an guten Tagen morgens selbstständig aus dem Bett aufstehen könne. An
schlechten Tagen, welche ein- bis zweimal pro Woche vorkämen, bleibe sie liegen oder
benötige Hilfe, um das Bett zu verlassen. Im Vorbescheidverfahren hat sie dann
geltend gemacht, sie könne kaum aufstehen und absitzen. Auch diese Aussage steht
im Widerspruch zu den vorhergehenden Angaben und ist nicht substantiiert worden.
Sie ist damit nicht geeignet, Zweifel an den zuvor gemachten Angaben zu wecken. Die
Beschwerdeführerin ist damit im Bereich Aufstehen/Absitzen/Abliegen mehrheitlich
selbstständig. Eine ein- bis zweimal pro Woche benötigte Hilfe beim Aufstehen aus
dem Bett stellt keine regelmässige Hilfeleistung dar. Damit liegt überwiegend
wahrscheinlich beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen kein regelmässiger und erheblicher
Hilfebedarf vor. Betreffend die alltägliche Lebensverrichtung Körperpflege hat die
Beschwerdeführerin einzig geltend gemacht, dass sie beim Schneiden der Zehennägel
einer Hilfe bedürfe. Im Übrigen sei sie selbstständig. Das Schneiden der Zehennägel ist
höchstens einmal wöchentlich nötig, weshalb dies keinen regelmässigen Hilfebedarf
darstellt. In Bezug auf die alltägliche Lebensverrichtung Fortbewegung/ Pflege
gesellschaftlicher Kontakte haben die telefonische Abklärung und die Abklärung an Ort
und Stelle ergeben, dass sich die Beschwerdeführerin selbstständig fortbewegen kann.
Die Beschwerdeführerin geht auch täglich spazieren. Diese Angabe steht zwar in
Widerspruch zur Aussage der Beschwerdeführerin, es komme vor, dass sie wegen den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/25
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Gelenkschmerzen die Wohnung nicht verlasse. Selbst wenn die Beschwerdegegnerin
die Wohnung an gewissen Tagen nicht verlassen kann, begründet dies aber keinen
regelmässigen Hilfebedarf. Med. pract. C._ und Dr. D._ sowie Dr. E._ haben
ausserdem übereinstimmend angegeben, dass die Beschwerdeführerin (meistens)
selbstständig zu den Arztterminen komme (IV-act. 303, 305). Die Beschwerdeführerin
ist damit fähig, sich selbstständig fortzubewegen. Sie ist auch fähig, gesellschaftliche
Kontakte zu pflegen. Sie hat in der Abklärung an Ort und Stelle nämlich mitgeteilt, dass
sie regelmässig mit ihren Angehörigen in F._ telefoniere und dass sie im Jahr 2018
letztmals in F._ in den Ferien gewesen sei. Bis zum Wegzug einer Nachbarin habe sie
ausserdem mit dieser Nachbarin den Kontakt gepflegt. Der Umstand, dass die
Beschwerdeführerin bei der Benutzung von Skype Hilfe von ihrem Sohn erhält, ist
angesichts des Umstands, dass sie das Telefon selbstständig bedienen kann, nicht
relevant. Im Vorbescheidverfahren hat die Beschwerdeführerin geltend gemacht, dass
sie keine Kontakte mehr habe. Abgesehen davon, dass dies im Widerspruch zur
Aussage steht, sie telefoniere regelmässig mit Angehörigen aus F._, ist es nicht
entscheidend, ob sie tatsächlich Kontakte pflegt, sondern ob sie fähig ist, Kontakte zu
pflegen. Nach dem Gesagten ist sie dazu in der Lage. Damit besteht auch im Bereich
der Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte kein regelmässiger und
erheblicher Hilfebedarf.
Eine dauernde persönliche Überwachung setzt eine gewisse Intensität des Bedarfs
nach einer Überwachung voraus. Sie ist beispielsweise dann erforderlich, wenn eine
Person nicht oder nur für eine kurze Zeit allein gelassen werden kann. Med. pract.
C._ und Dr. med. D._ haben das Bestehen einer Selbst- oder Fremdgefährdung
explizit ausgeschlossen (IV-act. 303). Die Beschwerdeführerin ist ausserdem fähig,
täglich alleine spazieren zu gehen, kleinere Einkäufe zu erledigen, Arzttermine
selbstständig wahrzunehmen und die Kirche zu besuchen. Sie muss also nicht ständig
überwacht werden. Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, sie leide an starker
Vergesslichkeit. Der Sohn hat berichtet, es sei schon vorgekommen, dass die
Beschwerdeführerin die Haustüre oder den Kühlschrank offengelassen habe. Dies
allein reicht jedoch nicht aus, um einen Bedarf nach einer dauernden persönlichen
Überwachung zu begründen; die dafür erforderliche Intensität ist klar nicht erreicht. Die
Beschwerdeführerin bedarf also mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keiner
dauernden persönlichen Überwachung.
3.2.
Der Sohn der Beschwerdeführerin hat in Bezug auf einen Bedarf nach einer durch
das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege angegeben,
er richte die Medikamente und erinnere die Beschwerdeführerin jeweils um 13.00 Uhr
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/25
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4.
an die Tabletteneinnahme. Das einige Minuten am Tag in Anspruch nehmende Richten
von Medikamenten stellt keine besonders aufwendige Pflege dar. Zur Erinnerung an die
Medikamenteneinnahme könnte sich die Beschwerdeführerin auch einen Wecker
stellen. Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin darüber hinaus einer Pflege
bedürfte, bestehen nicht. Damit besteht überwiegend wahrscheinlich kein Bedarf nach
einer ständigen und besonders aufwendigen Pflege.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in allen sechs alltäglichen
Lebensverrichtungen nicht regelmässig und in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter
angewiesen ist und dass sie weder einer dauernden persönlichen Überwachung noch
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege
bedarf. Sie hat damit keinen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung wegen einer
leichten Hilflosigkeit im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. a, b oder c IVV.
3.4.
Als hilflos gilt auch eine Person, die zu Hause lebt und die wegen einer
Beeinträchtigung der Gesundheit dauernd auf eine lebenspraktische Begleitung
angewiesen ist. Ist eine (volljährige) Person lediglich dauernd auf lebenspraktische
Begleitung angewiesen, so liegt immer eine leichte Hilflosigkeit vor (Art. 42 Abs. 3 IVG,
Art. 37 Abs. 3 lit. e IVV).
4.1.
Ein Bedarf nach einer lebenspraktischen Begleitung liegt vor, wenn eine volljährige
versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge einer Beeinträchtigung der
Gesundheit ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbstständig wohnen kann (Art. 38
Abs. 1 lit. a IVV), für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf
Begleitung einer Drittperson angewiesen ist (Art. 38 Abs. 1 lit. b IVV) oder ernsthaft
gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (Art. 38 Abs. 1 lit. c IVV). Ist
lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer
Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf eine Viertelsrente bestehen (Art. 38 Abs. 2
IVV). Zu berücksichtigen ist nur die lebenspraktische Begleitung, die regelmässig und
im Zusammenhang mit einer der Situationen nach Abs. 1 erforderlich ist. Nicht darunter
fallen insbesondere Vertretungs- und Verwaltungstätigkeiten im Rahmen von
Massnahmen des Erwachsenenschutzes nach den Artikeln 390-398 ZGB (Art. 38
Abs. 3 IVV). Regelmässig ist eine lebenspraktische Begleitung, wenn sie über drei
Monate hinweg durchschnittlich während mindestens zwei Stunden pro Woche
benötigt wird (BGE 133 V 462, E. 6.2; Rz 8053 KSIH).
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/25
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5.
Nach der Auffassung des Bundesgerichts ist im Rahmen der lebenspraktischen
Begleitung im Sinne von Art. 38 Abs. 1 lit. a IVV neben der indirekten auch die direkte
Dritthilfe zu berücksichtigen. Wenn eine Begleitperson also die notwendigerweise
anfallenden Tätigkeiten (Tagesstrukturierung, Bewältigung von Alltagssituationen,
Haushaltsführung; vgl. Rz 8050 KSIH) selbst ausführt, weil die versicherte Person dazu
gesundheitsbedingt nicht in der Lage ist, ist auch dieser Aufwand als Teil der
lebenspraktischen Begleitung zu qualifizieren (BGE 133 V 466, E. 10). Zu den
erwähnten notwendigerweise anfallenden Tätigkeiten zählen etwa das Kochen, das
Einkaufen, das Besorgen der Wäsche und die Wohnungspflege (vgl. das Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2010, 9C_410/2009, E. 5.4). Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen interpretiert dies dahingehend, dass jede versicherte Person, die
krankheitsbedingt ihren Haushalt nicht mehr selbst besorgen kann, auf eine
lebenspraktische Begleitung angewiesen und deshalb hilflos ist, wenn ihr das
Verbleiben in der eigenen Wohnung ohne eine Haushaltshilfe nicht mehr zugemutet
werden kann (Entscheide vom 23. April 2018, IV 2016/353, E. 3.1, und vom 16. April
2014, IV 2013/412, E. 2.2).
4.3.
Die Beschwerdeführerin lebt zusammen mit ihrem Sohn in einer dreieinhalb
Zimmer Wohnung. Der Sohn übernimmt dabei einen erheblichen Anteil der
Haushaltsarbeiten wie das Erledigen von grösseren Einkäufen und von schwereren
Reinigungsarbeiten oder das Transportieren von nasser Wäsche. Er erledigt für die
Beschwerdeführerin auch administrative Tätigkeiten wie den Zahlungsverkehr (IV-
act. 338). Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung vom
30. Oktober 2019 angeführt, bei der Erledigung der Haushaltsarbeiten sei im Rahmen
der "Mitwirkungspflicht" von Angehörigen eine punktuelle Unterstützung der
Beschwerdeführerin durch ihren Sohn zu berücksichtigen. Sie hat damit wohl den
Aspekt einer im Rahmen der Schadenminderungspflicht zu berücksichtigenden Mithilfe
von Familienangehörigen bei der Haushaltsführung gemeint. Das Bundesgericht und
das Bundesamt für Sozialversicherungen vertreten nämlich die Ansicht, im Rahmen der
der versicherten Person obliegenden Schadenminderungspflicht sei bei einem Bedarf
nach einer lebenspraktischen Begleitung zur Ermöglichung des selbstständigen
Wohnens die tatsächliche Mithilfe der Familienangehörigen zu berücksichtigen,
insbesondere bei der Haushaltsführung (Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2010,
9C_410/2009, E. 5.1 und 5.5, m.w.H.; Rz 8050.3 und 8085 KSIH). Mit einer im Rahmen
der Schadenminderungspflicht der versicherten Person zu berücksichtigenden Mithilfe
von Familienangehörigen verhält es sich wie folgt: Die Begleitung durch eine
5.1.
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Drittperson, um selbstständig wohnen zu können, umfasst auch die Erledigung von
Haushaltstätigkeiten (vgl. E. 4.3). Das Bundesgericht hat – im oben zitierten Entscheid –
festgehalten, ob eine Dritthilfe notwendig sei, sei objektiv, nach dem Zustand der
versicherten Person zu beurteilen. Grundsätzlich unerheblich sei die Umgebung, in
welcher sich die versicherte Person aufhalte. Hinsichtlich der Bemessung der
Hilflosigkeit – somit auch im Rahmen von Art. 38 Abs. 1 lit. a IVV – dürfe es keinen
Unterschied machen, ob eine versicherte Person allein in der Familie, in einem Spital
oder in einer anderen Wohnform lebe. Andernfalls wären stossende Konsequenzen
unumgänglich, beispielsweise wenn die versicherte Person von der Haus- in die
Spitalpflege wechsle oder wenn sich die Familienverhältnisse änderten (z.B. Scheidung
oder Tod eines Ehegatten). Versicherte, die mit Familienangehörigen zusammenlebten,
hätten kaum je einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung für eine
lebenspraktische Begleitung. Eine solche Einschränkung könne Gesetz und
Verordnung aber nicht entnommen werden. Massgebend sei allein, ob die versicherte
Person, wäre sie auf sich allein gestellt, eine erhebliche Dritthilfe benötigen würde
(Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2010, 9C_410/2009, E. 5.1, m.w.H.,
Hervorhebung durch das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen). Das
Bundesgericht hat damit klargestellt, dass für den Anspruch auf eine lebenspraktische
Begleitung im Sinne von Art. 38 Abs. 1 lit. a IVV einzig massgebend ist, ob die
versicherte Person zur Bewältigung des Alltags und insbesondere zur Erledigung der in
ihrem gesamten Haushalt anfallenden Tätigkeiten dauernd auf erhebliche Dritthilfe
angewiesen ist. Ebenfalls ist damit klargestellt, dass das versicherte Gut
ausschliesslich aus der persönlichen Fähigkeit der versicherten Person besteht,
selbstständig wohnen zu können. Bei der Beantwortung der Frage, ob eine
lebenspraktische Begleitung notwendig ist, ist deshalb in jenen Fällen, in denen eine
versicherte Person in einer Hausgemeinschaft (z.B. mit ihrem Ehegatten und/oder mit
Kindern) lebt, zu beachten, dass nicht die Fähigkeit der Hausgemeinschaft, den Alltag
und insbesondere den Haushalt zu erledigen, versichert ist, sondern allein die Fähigkeit
der versicherten Person, selbstständig wohnen zu können. Eine im Rahmen der
Schadenminderungspflicht zu berücksichtigende Mithilfe von Familienangehörigen
respektive eine Schadenminderungspflicht von Familienangehörigen gibt es deshalb
nicht, denn der Schaden ist mit dem Verlust der persönlichen Fähigkeit der
versicherten Person, selbstständig wohnen zu können, bereits eingetreten. Dabei
genügt es, dass es sich um einen fiktiven geldwerten Schaden handelt, denn jede
Hilfeleistung hat einen ökonomischen Wert, auch wenn sie (wie unter
Familienangehörigen üblich) unentgeltlich erbracht wird. Würde eine dauernde und
erhebliche Dritthilfe nämlich nicht von Familienangehörigen erbracht, müsste diese
extern und gegen Bezahlung eines Entgelts beschafft werden. Die Annahme einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/25
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Schadenminderungspflicht durch den Beizug von Familienangehörigen zur Erledigung
der Haushaltsarbeiten würde überdies unweigerlich zu einer Ungleichbehandlung
zwischen versicherten Personen mit Familienangehörigen und solchen ohne
Familienangehörige führen, denn versicherte Personen mit Familienangehörigen hätten
in der Regel keinen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung, da die nötige
lebenspraktische Begleitung durch die Familienangehörigen erbracht werden müsste.
Eine sachliche Begründung für eine solche Ungleichbehandlung fehlt offensichtlich.
Eine Schadenminderungspflicht von Familienangehörigen würde somit gegen das
Rechtsgleichheitsgebot verstossen (Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung, SR 101). Die
Frage, ob eine versicherte Person eine lebenspraktische Begleitung benötigt, muss
deshalb – wie bei jeder anderen Ausprägung der Hilflosigkeit – zwingend unabhängig
von der Verfügbarkeit mithelfender Familienangehöriger beantwortet werden. Aus den
oben genannten Gründen ist das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen stets
der Ansicht gewesen, dass keine solche Schadenminderungspflicht von
Familienangehörigen bestehen kann (vgl. Entscheide vom 19. Oktober 2006, IV
2006/161, E. 4, vom 23. April 2018, IV 2016/353, E. 3.2, und vom 22. Juni 2018, IV
2016/272, E. 3.2). Vorliegend ist deshalb einzig massgebend, ob die
Beschwerdeführerin zur Bewältigung des Alltags und insbesondere zur Erledigung der
in ihrem gesamten Haushalt anfallenden Tätigkeiten dauernd auf eine erhebliche
Dritthilfe angewiesen ist bzw. ob sie fähig ist, ohne die Mithilfe ihres Sohnes
selbstständig zu wohnen.
Die Beschwerdeführerin ist in der Lage, den Tag selbstständig zu strukturieren. Sie
hat nämlich gemäss ihren Selbstangaben eine Tagesstruktur mit dem Aufstehen, dem
Spazierengehen, dem Zubereiten des Mittag- und des Abendessens sowie dem
Erledigen von Haushaltsarbeiten oder von ausserhäuslichen Angelegenheiten (vgl. die
Schilderung des Tagesablaufs, IV-act. 338-3). Hinweise darauf, dass sie Anleitung dazu
benötigen würde, bestehen nicht. Der Sohn der Beschwerdeführerin hat lediglich
angegeben, er müsse die Beschwerdeführerin an sämtliche Termine erinnern. Dieser
Umstand hat jedoch nicht zur Folge, dass die Beschwerdeführerin nicht fähig wäre,
den Tagesablauf grundsätzlich selber zu organisieren. Die Sicherstellung, dass keine
Termine verpasst werden, kann ausserdem unter Zuhilfenahme von geeigneten
Hilfsmitteln erfolgen. Denkbar wäre zum Beispiel das Notieren der anstehenden
Termine an einem Whiteboard mit dem jeweiligen Stellen eines Weckers. In Bezug auf
die Bewältigung von Alltagssituationen hat die Abklärung an Ort und Stelle ergeben,
dass der Sohn aufgrund der ungenügenden Deutschkenntnisse der
Beschwerdeführerin sämtliche administrative Tätigkeiten übernimmt. Einzahlungen bei
der Post tätigt die Beschwerdeführerin demgegenüber selbstständig. Entscheidungen
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/25
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im Alltag trifft sie mehrheitlich selbstständig; teilweise bespricht sie sich mit ihrem
Sohn. Ergänzend hat die Beschwerdeführerin angegeben, bis vor fünf bis sechs Jahren
habe sie die administrativen Tätigkeiten selbstständig erledigen können. Heute sei sie
damit überfordert. Die Beschwerdeführerin hat nicht näher ausgeführt, inwiefern sie mit
den administrativen Tätigkeiten überfordert sei. Med. pract. C._ und Dr. D._ haben
berichtet, die Beschwerdeführerin könne Briefinhalte kognitiv nicht erfassen (IV-
act. 303). Auch Dr. E._ hat mitgeteilt, die Beschwerdeführerin sei kognitiv
eingeschränkt und schweife im Gespräch manchmal völlig ab (IV-act 305). Die Aussage
im Abklärungsbericht, dass die Beschwerdeführerin wegen ungenügender
Deutschkenntnisse Hilfe benötige, steht damit in Widerspruch zu den medizinischen
Angaben. Letztere sind jedoch nicht überzeugend, da sie auf den subjektiven Angaben
der Beschwerdeführerin beruhen dürften. Jedenfalls haben med. pract. C._ und
Dr. D._ keine Ausführungen gemacht, die darauf schliessen lassen würden, dass ihre
Angaben auf objektiv festgestellten Befunden beruhen würden. Dr. E._ hat das
Abschweifen der Beschwerdeführerin in Gesprächen mit Konzentrationsstörungen
begründet. Letztere beruhen aber wiederum auf den subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin. Anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle hat der Sohn der
Beschwerdeführerin das Gespräch teilweise übersetzt. Die Beschwerdeführerin scheint
also über nicht ausreichende Deutschkenntnisse zu verfügen, wenn es um komplexere
Gesprächsinhalte geht. Für Kontakte beim Einkaufen oder am Postschalter zur
Einzahlung von Rechnungen sind die Deutschkenntnisse wohl aber ausreichend. Ob
der Sohn allein wegen den sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten der
Beschwerdeführerin die administrativen Angelegenheiten erledigt oder ob die
Beschwerdeführerin auch an kognitiven Einschränkungen leidet und deshalb Hilfe
benötigt, ist damit noch nicht abschliessend abgeklärt. Die Sache ist deshalb zur
Klärung des medizinischen Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
In Bezug auf die Haushaltsführung hat die Abklärungsperson im Bericht über die
Abklärung an Ort und Stelle keine eigenen Beobachtungen notiert, sondern die
subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin festgehalten. Ziel einer Abklärung an Ort
und Stelle ist es jedoch, möglichst objektiv abzuklären, ob eine versicherte Person in
den für eine Hilflosenentschädigung relevanten Lebensbereichen einer Dritthilfe bedarf.
Hierfür sind Beobachtungen der Abklärungsperson, welche Tätigkeiten die versicherte
Person noch ausführen kann (Augenschein), zentral. Vorliegend ergibt sich aus dem
Abklärungsbericht nicht, ob die Beschwerdeführerin objektiv aufgrund ihres
Gesundheitszustands gewisse Haushaltstätigkeiten nicht mehr ausführen kann.
Vielmehr scheint es, dass der Sohn der Beschwerdeführerin gewisse
Haushaltstätigkeiten erledigt, weil diese zu seinen "Aufgaben" zählen. Überzeugende
medizinische Berichte liegen dazu ebenfalls keine vor. Dr. E._ hat zwar angegeben,
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aufgrund der Knie- und Rückenschmerzen bestünden Einschränkungen bei den
Haushaltstätigkeiten. Er hat sich aber nicht dazu geäussert, welcher Art diese
Einschränkungen seien. Er hat ausserdem die psychische Problematik in den
Vordergrund gestellt und festgehalten, er könne sich vorstellen, dass diese sowie das
chronische Schmerzsyndrom die Beschwerdeführerin im Antrieb hindere, aufzustehen
oder die Schuhe auszuziehen. Eine solche Antriebsminderung könnte sich auch auf die
Erledigung der Haushaltstätigkeiten auswirken. Med. pract. C._ und Dr. D._ haben
demgegenüber angegeben, die Hilflosigkeit beziehe sich vor allem auf die körperlichen
Defizite. Damit liegen einander widersprechende medizinische Einschätzungen vor.
Diese vermögen also nicht zu überzeugen (auch die im Gutachten der MEDAS
Zentralschweiz vom 5. Mai 2009 attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit im Haushalt
vermag nicht zu belegen, welche Haushaltstätigkeiten die Beschwerdeführerin objektiv
noch ausführen kann; die Gutachter haben sich dazu nämlich nicht geäussert, IV-
act. 98). Die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. G._ überzeugt ebenfalls nicht, da er
einzig aufgrund der in den Akten dokumentierten Diagnosen auf gewisse
Einschränkungen in der Fähigkeit, den Haushalt selbstständig zu erledigen,
geschlossen hat. Für eine medizinisch überzeugende Einschätzung wäre es aber
erforderlich gewesen, die Beschwerdeführerin persönlich zu untersuchen und durch
eigene Beobachtungen festzustellen, welche Bewegungen sie unter welchen
Belastungen und damit welche Haushaltstätigkeiten sie objektiv noch ausführen kann.
Die Beschwerdegegnerin hat sich in der angefochtenen Verfügung auf die RAD-
Beurteilung gestützt und im Wesentlichen mit der Begründung, die notwendige
Dritthilfe sei nicht so erheblich, dass die Beschwerdeführerin ohne diese in ein Heim
eintreten müsste, abgewiesen. Ob ein Heimeintritt erforderlich wäre, kann aber erst
beurteilt werden, wenn der medizinische Sachverhalt geklärt ist. Die Angelegenheit ist
deshalb zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie
wird mit einem polydisziplinären Gutachten, welches auch eine psychiatrische
Begutachtung umfassen wird, klären müssen, welche Haushaltstätigkeiten die
Beschwerdeführerin objektiv noch selbstständig ausführen kann. Massgebend hierbei
sind die existentiellen, das heisst einen Heimeintritt verhindernden
Haushaltstätigkeiten. Resultiert daraus ein Hilfebedarf, ist zu prüfen, ob dieser mit einer
Hilfsmittelversorgung verhindert werden kann (beispielsweise mittels Abgabe einer
Waschmaschine). Zwecks Prüfung, ob eine allfällige lebenspraktische Begleitung
regelmässig ist (vgl. E. 4.2 m.w.H.), ist auch der Zeitbedarf der Dritthilfe abzuklären.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin einer lebenspraktischen Begleitung
bei ausserhäuslichen Verrichtungen oder zur Vermeidung einer dauernden Isolation von
der Aussenwelt bedarf. Eine lebenspraktische Begleitung bei ausserhäuslichen
5.3.
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6.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
Verrichtungen ist notwendig, wenn die versicherte Person ohne diese nicht in der Lage
wäre, ihre Wohnung für bestimmte notwendige Verrichtungen und Kontakte zu
verlassen (dazu zählen etwa Einkaufen, Freizeitaktivitäten, Coiffeurbesuche, Kontakte
mit Amtsstellen oder Medizinalpersonen, vgl. Rz 8051 KSIH). Die Beschwerdeführerin
ist in der Lage, die Wohnung selbstständig zu verlassen und kleinere Einkäufe zu
tätigen, Arzttermine wahrzunehmen oder auch in die Kirche zu gehen. Im Bericht über
die Abklärung an Ort und Stelle hat die Abklärungsperson notiert, der Sohn begleite die
Beschwerdeführerin bei Behördengängen, um wegen fehlender Deutschkenntnisse
Missverständnissen vorzubeugen. Gemäss dem in der E. 5.2 Ausgeführten ist aber
noch nicht ausreichend abgeklärt worden, ob die Beschwerdeführerin nicht nur wegen
unzureichenden Deutschkenntnissen, sondern auch wegen kognitiven
Einschränkungen bei der Erledigung von administrativen Tätigkeiten und damit auch
bei Behördengängen Hilfe benötigt. Im Rahmen der durchzuführenden
polydisziplinären Begutachtung ist deshalb auch dieser medizinische Sachverhalt
vertieft abzuklären. Ein Bedarf nach einer lebenspraktischen Begleitung zur
Vermeidung einer dauernden Isolation von der Aussenwelt besteht demgegenüber
überwiegend wahrscheinlich nicht. Die Beschwerdeführerin verlässt nämlich
selbstständig die Wohnung und ist fähig, gesellschaftliche Kontakte zu pflegen (vgl.
E. 3.1). Damit besteht kein Anspruch auf eine lebenspraktische Begleitung im Sinne
von Art. 38 Abs. 1 lit. c IVV.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt in Bezug
auf die Fähigkeit der Beschwerdeführerin, selbstständig wohnen zu können und in
Bezug auf den Bedarf nach einer Begleitung für ausserhäusliche Verrichtungen nicht
ausreichend abgeklärt worden ist. Demnach ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und die Angelegenheit ist zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Da ein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung grundsätzlich nach dem Ablauf des Wartejahres entsteht und
damit nicht vom Zeitpunkt der Anmeldung abhängig ist (vgl. BGE 144 V 363 ff. E. 6.2,
137 V 351; Rz 8092 und 8095 ff. KSIH), ist im Zuge der weiteren Abklärungen
insbesondere relevant, ab welchem Zeitpunkt ein allfälliger Bedarf nach einer
lebenspraktischen Begleitung bestanden hat. Eine Nachzahlung von Leistungen ist
grundsätzlich aber nur für die zwölf Monate, die der Geltendmachung des Anspruchs
auf eine Hilflosenentschädigung vorausgehen, geschuldet (Art. 48 IVG).
5.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erweist
sich als angemessen. Praxisgemäss ist die Rückweisung an die Verwaltung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten (vgl. BGE
132 V 235, E. 6.1). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen