Decision ID: fcbd8e03-145b-5ea6-b855-4b3cc33b21cd
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der damals noch minderjährige Beschwerdeführer suchte am (...) Oktober
2015 in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person
(BzP) vom 24. November 2015 und der Anhörung vom 23. Januar 2017
machte er im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei syrischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie, im Dorf B._
bei C._, Provinz Aleppo, geboren, in dessen Nähe er bis zu seiner
Ausreise gelebt und (...) Jahre lang die Schule besucht habe. Diese habe
er aufgrund des Krieges nicht abschliessen können. Sein Vater habe bis
zur Machtübernahme durch die Partiya Yekîtiya Demokrat (PYD, dt. Partei
der Demokratischen Union) für (...) gearbeitet und besitze ausserdem (...).
Dort habe er (der Beschwerdeführer) später mitgearbeitet. Aufgrund des
Angriffs durch den Islamischen Staat (IS) habe er sich mit seiner Familie
von (...) 2014 bis (...) 2015 in die Türkei begeben. In der Nacht vom (...)
2015 habe der IS die Stadt C._ angegriffen und ungefähr 400 Men-
schen getötet. Danach habe die PYD befohlen, dass sich alle Kurden, die
in diesem Gebiet lebten, bei den Kontrollposten zu melden hätten und den
Militärdienst antreten müssten. Sein Vater habe für ihn (den Beschwerde-
führer) eine Abstammungsurkunde ausstellen lassen, da die PYD von den
Kurden verlangt habe, sich ausweisen zu können. Aufgrund dieses Aus-
weises sei die PYD auf seinen Aufenthalt und sein Alter aufmerksam ge-
worden und habe seinen Vater darüber informiert, dass er zur militärischen
Ausbildung antreten müsse. Zwei bis drei Tage später habe ihn sein Onkel
über die Erarbeitung eines neuen Gesetztes durch die PYD informiert und
ihm dazu geraten, sich zu verstecken. Daher sei er zu seinem Onkel ge-
gangen. Wiederum zwei bis drei Tage später habe die PYD auch an diesem
Ort Leute gesucht und seinem Vater erneut gesagt, dass er (der Beschwer-
deführer) zum Militärdienst gehen müsse. Daher habe er am (...) 2015 sein
Heimatland verlassen, in der Türkei (...) getroffen und sei zusammen mit
ihm via diverse europäische Länder in die Schweiz gereist. Nach seiner
Ausreise habe die PYD ihn noch einmal zu Hause gesucht und sei immer
wieder durch die Stadt gefahren, um Leute zu suchen.
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Zum Nachweis seiner Identität reichte er eine Kopie des Familienbüchleins,
eine Wohnortsbescheinigung der PYD vom (...) 2015 (im Original) sowie
die Schulausweise für die Jahre (...) (im Original) ein.
B.
Mit Verfügung vom 9. April 2018 – tags darauf eröffnet – verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung an. Aufgrund der Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs nahm sie den Beschwerdeführer vorläu-
fig in der Schweiz auf.
C.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 11. Mai 2018 be-
antragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung in den Ziffern 1 bis 3 sowie die Feststellung seiner Flüchtlingseigen-
schaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Sache zur rechts-
genüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entscheidung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei er aufgrund subjektiver
Nachfluchtgründe vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. Subsubeventua-
liter sei die Unzulässigkeit anstatt bloss die Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs festzustellen.
In prozessualer Hinsicht seien die Akten des Asylverfahrens (...) beizuzie-
hen, ihm zur Einsicht zuzustellen und ihm eine Nachfrist zur Stellungnahme
zu gewähren. Ausserdem ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sowie um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen
Rechtsbeistand.
Als Beweismittel legte er eine Mitgliedschaftsbestätigung der Partiya De-
mokrata Kurdistanê (PDK, dt. Demokratische Partei Kurdistans) vom (...)
2018 sowie diverse Fotos von sich an Demonstrationen bei.
D.
Am 15. Mai 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde.
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Seite 4
E.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2018 hiess die damals zuständige In-
struktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Ausserdem ordnete sie ihm den rubrizierten Rechtsvertreter als amtlichen
Rechtsbeistand bei. Das Gesuch um Gewährung der Einsicht in die Akten
(...) des Beschwerdeführers überwies sie dem SEM zur Behandlung. Dem
Beschwerdeführer gewährte sie eine Frist zur Beschwerdeergänzung ab
Gewährung der Akteneinsicht.
F.
Nach erfolgter Akteneinsicht vom 15. Juni 2018 reichte der Beschwerde-
führer mit Eingabe vom 20. Juni 2018 fristgerecht eine Ergänzung seiner
Beschwerde ein. Der Rechtsvertreter legte der Eingabe seine Honorarnote
bei.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 15. Januar 2021 lud die neu zuständige In-
struktionsrichterin die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. Die Vorinstanz
kam der Einladung mit Vernehmlassung vom 29. Januar 2021 nach, worauf
dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 4. Februar 2021 das Recht zur
Replik gewährt wurde. Diese Möglichkeit nahm Letzterer mit Eingabe vom
15. Februar 2021 fristgerecht wahr. Dieser wurde die aktualisierte Kosten-
note des Rechtsvertreters beigelegt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG
[SR 142.31]).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt indes das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
– unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägung – einzutreten.
1.5 Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 83 Abs. 1 AIG (SR 142.20) sind
alternativer Natur (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). Folglich ist auf den Sube-
ventualantrag auf Feststellung der Unzulässigkeit des Vollzugs anstatt der
blossen Unzumutbarkeit nicht einzutreten, da der Beschwerdeführer dies-
bezüglich kein schutzwürdiges Interesse geltend machen kann (Art. 25
Abs. 2 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 In der Beschwerde wird die formelle Rüge der unvollständigen Abklä-
rung des Sachverhalts erhoben. Diese Rüge ist vorab zu prüfen, da sie bei
berechtigtem Vorbringen zur Kassation der angefochtenen Verfügung füh-
ren kann (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs-
verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz.
1043 ff. m.w.H.).
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3.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sach-
verhalt von Amtes wegen fest. Die unrichtige oder unvollständige Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund
(Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung
insbesondere, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-
verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise nicht erfasst oder falsch gewür-
digt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid
rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄ-
NER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043).
3.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe es unterlas-
sen, die Reflexverfolgung aufgrund der politischen Tätigkeit (...) zu prüfen
und ihn dazu zu befragen. Damit habe sie ihre Pflicht zur Sachverhaltsab-
klärung verletzt.
3.4 Das rein hypothetisch denkbare Vorliegen eines Verfolgungszusam-
menhangs reicht nicht, um einen Aktenbeizug zu indizieren. Dagegen kön-
nen das konkrete Geltendmachen einer entsprechenden Reflexverfolgung,
ferner die zuerkannte Flüchtlingseigenschaft von engen Verwandten, aber
auch objektive Gründe Anlass für einen Aktenbeizug von Amtes wegen ge-
ben. Diesfalls müsste der Beizug auch seinen Niederschlag im Asylent-
scheid respektive vorgängig im Rahmen der Gewährung des rechtlichen
Gehörs finden, dies mittels Erwähnung des erfolgten Beizugs sowie der
Mitteilung und Begründung des Beizugsergebnisses (vgl. u.a. Urteile des
BVGer E-4122/2016 vom 16. August 2016 E. 6.2.4; E-1417/2016 vom
6. Mai 2016 E. 6.2 f.; E-8390/2015 vom 15. März 2016 E. 6.3.3 und D-
3242/2014 vom 3. Dezember 2014 E. 5).
3.5 Dem Beschwerdeführer ist dahingehend beizupflichten, dass sich in
casu ein Beizug der Akten (...) aufgedrängt hätte, zumal diesem aufgrund
seiner noch nicht erfüllten Dienstpflicht sowie seines politischen Profils in
der Schweiaz Asyl gewährt worden war. Die Situation (...), dessen positiver
Asylentscheid (...) ergangen ist, findet indessen in den Erwägungen des
vorliegenden Entscheides keine Erwähnung. Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Vorinstanz deshalb mit Zwischenverfügung vom 15. Januar
2021 explizit dazu aufgefordert, sich zur geltend gemachten Reflexverfol-
gung zu äussern, was diese mit Vernehmlassung vom 29. Januar 2021
nachholte. Darin führte sie zusammengefasst aus, dass sich weder aus
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den Akten des Beschwerdeführers noch aus den Akten (...) konkrete An-
haltspunkte für die Annahme einer Reflexverfolgung ergäben. Die Ver-
nehmlassung wurde dem Beschwerdeführer zur Replik vorgelegt.
3.6 Angesichts dieser Ergänzung und der dem Beschwerdeführer dazu ge-
währten Gelegenheit zur Stellungnahme – von welcher dieser mit Eingabe
seines Rechtsvertreters vom 15. Februar 2021 Gebrauch machte – kann
der festgestellte Verfahrensmangel als geheilt erachtet werden, zumal der
rechtserhebliche Sachverhalt erstellt und somit die notwendige Entscheid-
reife gegeben ist.
3.7 Eine Rückweisung der Sache fällt damit nicht in Betracht. Die Verfah-
renspflichtverletzung wird indessen im Kostenpunkt zu berücksichtigen
sein.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung
oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete
Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhal-
tung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihren ablehnenden Asylentscheid mit der
Asylirrelevanz der Dienstverweigerung. Die Herkunftsregion des Be-
schwerdeführers in Nordostsyrien werde hauptsächlich von der kurdischen
Partei PYD kontrolliert, die zur Verteidigung des Gebietes eine Miliz, die
Yekîneyên Parastina Gel (YPG, dt. Volksverteidigungseinheiten), aufge-
baut habe. Im Juli 2014 hätten die kurdischen Behörden ein Gesetz erlas-
sen, welches definiere, wer Dienst bei der YPG zu leisten habe. Diese
Dienstpflicht betreffe in der Region lebende junge Männer im Alter zwi-
schen achtzehn und dreissig Jahren. Die Kriterien für die Rekrutierung ziel-
ten somit nicht auf Eigenschaften, welche von Art. 3 AsylG geschützt wür-
den, weshalb der Rekrutierung durch die YPG grundsätzlich keine asylre-
levante Bedeutung zukomme. Auch im Übrigen sei die im Zusammenhang
mit der Rekrutierung für die YPG durch den Beschwerdeführer geäusserte
Furcht als unbegründet einzustufen. Es genüge nicht, eine Befürchtung le-
diglich mit Vermutungen zu substantiieren. Vielmehr müssten hinreichende
Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung in absehbarer Zukunft vorhan-
den sein, die auf einer objektiven Betrachtungsweise und nicht auf dem
subjektiven Empfinden des Betroffenen fussen würden. Solche Hinweise
seien den Aussagen des Beschwerdeführers nicht zu entnehmen. Er habe
selbst gesagt, persönlich keine Probleme mit der PYD gehabt zu haben
und dass es lediglich zu einer einzigen Erkundigung bei ihm zuhause ge-
kommen sei. Angesichts dessen, dass er zum Zeitpunkt der Ausreise aus
Syrien erst (...) Jahre alt gewesen sei, erscheine es auch wenig wahr-
scheinlich, dass die PYD ihn tatsächlich unter Zwang rekrutiert hätte, zumal
Minderjährige offiziell nicht von den Bestimmungen zum „Defence Service"
betroffen seien. Es werde nicht bestritten, dass die Situation in Syrien an-
gesichts des Bürgerkrieges ausgesprochen schwierig sei, die entspre-
chend beschriebenen Nachteile seien jedoch nicht asylrelevant.
5.2 Der Beschwerdeführer fügte dem Sachverhalt auf Beschwerdeebene
zunächst hinzu, dass er bereits in seiner Heimat aktives Mitglied der Partei
Kurdistani-Syrien (PDK-S) gewesen sei und seit seiner Ankunft in der
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Schweiz sein politisches Engagement fortgesetzt habe. Er nehme regel-
mässig an Demonstrationen gegen das syrische Regime teil. Die PDK-S
stehe der von Masud Barzani geführten PDK der Autonomen Region Kur-
distan nahe. Bereits aufgrund dieser Tätigkeit könne er als Oppositioneller
wahrgenommen werden.
Im Jahr 2015 sei er zwar noch minderjährig gewesen und er sei nur münd-
lich zum Militärdienst aufgeboten worden, dennoch wäre er wohl direkt mit-
genommen worden, wäre er während der Razzia zuhause gewesen. In sei-
nem Umfeld habe es zahlreiche Zwangsrekrutierungen gegeben und er sei
gezielt gesucht worden, weshalb nicht davon ausgegangen werden könne,
dass er sich langfristig hätte verstecken können. Ausserdem sei auf das
Handbuch Asyl zu verweisen, wonach von Asylsuchenden nicht erwartet
werden könne, im Verfolgerstaat zu bleiben, bis sie inhaftiert oder miss-
handelt würden; die begründete Furcht vor Verfolgung genüge zur An-
nahme der Flüchtlingseigenschaft. Mit seiner illegalen Flucht aus Syrien
habe er sich dem Militärdienst endgültig entzogen, weshalb mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, dass er von den lokalen
Behörden als Wehrdienstverweigerer gesucht werde. Die obligatorische
Dienstpflicht in Rojava knüpfe zwar offiziell nicht an einer der in Art. 3 AsylG
erwähnten Eigenschaften an. In der Praxis würden aber durchaus weitere
Faktoren bei Zwangsrekrutierungen berücksichtigt, namentlich die politi-
sche Gesinnung beziehungsweise Zugehörigkeit zu einer oppositionellen
Strömung. Ausserdem habe neben der syrischen Armee auch die YPG
Kriegsverbrechen begangen. Wie auch das Bundesverwaltungsgericht
festhalte, sei es illegitim und damit flüchtlingsrechtlich relevant, wenn eine
Einberufung zum Wehrdienst darauf abziele, den Wehrpflichtigen in völker-
rechtlich verpönte Handlungen zu verstricken. Er habe den Dienst somit
auch aus schützenswerten und asylrelevanten Motiven verweigert. Die
PYD verfüge ausserdem in den kurdischen Gebieten faktisch über die Kon-
trolle und habe behördliche Strukturen aufgebaut. De facto handle es sich
somit um staatliche Verfolgung. Überdies fürchte er aufgrund der politi-
schen Tätigkeit (...) (der in der Schweiz Asyl erhalten habe), seiner Fami-
lienzugehörigkeit, der politischen Aktivitäten zahlreicher Familienmitglieder
sowie aufgrund seiner eigenen politischen Tätigkeiten eine Reflexverfol-
gung. Er sei nicht unmittelbar aufgrund des Bürgerkriegs ausgereist. Über
einer innerstaatliche Schutzalternative verfüge er nicht.
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Sodann würde er aufgrund der illegalen Ausreise, seines Asylgesuchs in
der Schweiz, was als Opposition zur Regierung angesehen werde, sowie
aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeit bei der Wiedereinreise verhaftet,
verhört und möglicherweise gefoltert werden, weshalb subjektive Nach-
fluchtgründe und seine Flüchtlingseigenschaft zu bejahen seien. Es brau-
che gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung kein ausser-
gewöhnliches, markantes Profil, um eine Gefährdungssituation zu verursa-
chen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass einzelne besonders exponie-
rende Situationen ausreichend sein könnten, um in den Fokus der syri-
schen Behörden zu geraten. Er sei den syrischen Behörden aufgrund sei-
nes politischen Engagements und seiner Wehrdienstverweigerung in Sy-
rien bereits bekannt und führe sein politisches Engagement in der Schweiz
lediglich fort. Es sei somit sehr wahrscheinlich, dass er in der Schweiz
überwacht werde und somit auch seine Teilnahmen an den Kundgebungen
– (...) – von den Behörden registriert worden sei.
5.3 In seiner Beschwerdeergänzung erklärte der Beschwerdeführer, (...)
sei bereits im (...) 2015 aus Syrien ausgereist, da er sich zum einen vor
einer Zwangsrekrutierung durch die syrische Armee gefürchtet habe – er
sei auf einer Webseite als Wehrdienstverweigerer ausgeschrieben worden
– und zum anderen, da er (...) von wöchentlich stattfindenden Demonstra-
tionen gegen das Regime von Bashar al-Assad gewesen sei, die später
verboten worden seien. Auch darüber hinaus sei er sehr aktiv gewesen und
habe sich für die Rechte der Kurden und später gegen das Regime bezie-
hungsweise für den Sturz von Bashar al-Assad eingesetzt. Personen aus
seinem nahen Freundeskreis seien verhaftet und auch er sei gesucht wor-
den. Auch in der Schweiz sei er noch politisch aktiv und verfolge – wie auch
bereits in Syrien – eine (...). Es handle sich bei ihm daher um einen expo-
nierten kurdischen Exilpolitiker, weshalb seine Familie dem syrischen Re-
gime als oppositionelle beziehungsweise regierungskritische Familie be-
kannt sei. Diese Ausführungen untermauerten sein Vorbringen bezüglich
der Reflexverfolgung, weshalb ihm Asyl zu gewähren sei.
5.4 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, es sei bekannt, dass
die syrische Regierung Familienangehörige von politischen Oppositionel-
len und von Personen, denen sie eine oppositionspolitische Haltung unter-
stelle, je nach Kontext in flüchtlingsrechtlich relevanter Art und Weise ver-
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folge. Für die Annahme einer drohenden Reflexverfolgung bedürfe es in-
des konkreter Hinweise. Solche habe der Beschwerdeführer weder in der
BzP noch an der Anhörung geltend gemacht. Somit lasse sich nicht auf
eine Bedrohungssituation im Zusammenhang mit dem Profil (...) zum Zeit-
punkt der Ausreise schliessen. Auch in den Akten (...) fänden sich keine
ausreichenden Anhaltspunkte, die darauf hindeuteten, dass dem Be-
schwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Syrien mit hoher Wahr-
scheinlichkeit eine Reflexverfolgung drohe, zumal (...) an keiner Stelle eine
ernsthafte Bedrohung seiner Familienangehörigen aufgrund seines Profils
geltend gemacht habe. Vielmehr sei aus dessen Aussagen zu schliessen,
dass seine Eltern von den Behörden zwar aufgesucht worden seien, jedoch
keine ernsthaften Nachteile zu gewärtigen gehabt hätten. Weiter sei anzu-
merken, dass auch die Beschwerdeschrift und deren Ergänzung keine kon-
kreten Anhaltspunkte für die Annahme einer drohenden Reflexverfolgung
enthielten. Insgesamt verfüge (...) des Beschwerdeführers über kein poin-
tiertes Profil, aufgrund dessen seine Familienangehörigen Reflexverfol-
gung zu befürchten hätten.
5.5 Darauf replizierte der Beschwerdeführer, es sei nicht nachvollziehbar,
inwiefern eine drohende Reflexverfolgung von den Angaben im Asylverfah-
ren abhängig sein solle. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sei in sei-
nem Fall von mehreren Umständen auszugehen, welche eine drohende
Reflexverfolgung wahrscheinlich machten. So sei bekannt, dass (...) auf-
grund seiner politischen Tätigkeit Asyl gewährt worden sei. Unbestritten sei
sodann, dass seine Eltern wegen der Tätigkeiten (...) aufgesucht, befragt
und dazu aufgefordert worden seien, (...) mitzuteilen, er habe sich nach
seiner Rückkehr bei den syrischen Behörden zu melden. Dies bezeuge das
Interesse der syrischen Regierung an (...). Es müsse daher davon ausge-
gangen werden, dass dieser in Syrien verfolgt werde und das Regime ver-
suche, an ihn betreffende Informationen zu kommen oder ihn auf andere
Art und Weise einzuschüchtern oder von einer oppositionellen Tätigkeit ab-
zuhalten. Daran ändere nichts, dass seine Eltern selbst nur wenige Male
von den Behörden behelligt worden seien, da diese in einem fortgeschrit-
tenen Alter seien und sich sein Vater mit (...) beschäftige. Er selbst sei erst
(...) Jahre alt und im Heimatland selbst politisch aktiv gewesen, weswegen
davon ausgegangen werden müsse, dass die syrischen Behörden ihm eine
oppositionelle Haltung zusprechen und annehmen würden, er würde in Sy-
rien den Kampf (...) fortsetzen. Erschwerend komme hinzu, dass er mit (...)
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in die Schweiz geflohen sei und mit diesem daher in dauerndem Kontakt
und Austausch stehe. (...) sei auch in der Schweiz politisch sehr aktiv und
setze sich öffentlich gegen das syrische Regime ein. Diese Tätigkeit dürfte
den syrischen Behörden keinesfalls entgangen sein. Auch er selbst betei-
lige sich an politischen Kundgebungen und sei in der PDK aktiv. Im Falle
einer Rückkehr nach Syrien müsse damit gerechnet werden, dass er von
den syrischen Behörden überprüft und seine Verbindung zu (...) entdeckt
würde. Es bestünden für die Behörden zureichende Gründe, ihn über (...)
zu befragen und (...) über ihn einzuschüchtern und von weiterem Engage-
ment abzuhalten.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer machte zunächst geltend, er fürchte in Syrien
von der YPG zum bewaffneten Kampf rekrutiert zu werden. Diesbezüglich
ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die entsprechenden Vorbringen
nicht asylrelevant sind.
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass vorliegend darauf verzichtet werden
kann, die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Zwangsrekrutierung res-
pektive die Furcht vor einer politisch motivierten Bestrafung infolge Wehr-
dienstverweigerung durch die YPG zu beurteilen, da selbst bei Wahrheits-
unterstellung die Asylrelevanz zu verneinen ist. Diesbezüglich ist auf das
Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5329/2014 vom 23. Juni
2015 hinzuweisen. Demnach ist mangels ernsthafter anderweitiger An-
haltspunkte davon auszugehen, dass auch im heutigen Kontext zwar Auf-
forderungen zur Wahrnehmung der Dienstpflicht ergehen, eine Weigerung
aber keine flüchtlingsrechtlich relevanten Sanktionen nach sich ziehen
würde (statt vieler Urteil des BVGer D-1794/2020 vom 5. Juni 2020 E. 7.4).
Hinzu kommt, dass selbst unter der Annahme, es komme zu Bestrafungen
erheblicher Schwere, deren zugrundeliegende Motivation wohl flüchtlings-
rechtlich nicht relevant wäre, da die Quellenlage nicht darauf hindeutet,
dass Refraktäre im Zusammenhang mit den YPG als «Staatsfeinde» be-
trachtet und daher einer politisch motivierten drakonischen Bestrafung zu-
geführt würden (vgl. Urteil des BVGer D-23/2018 vom 20. Juli 2018 E. 6.9).
Die obligatorische Dienstpflicht knüpft in der Heimatregion des Beschwer-
deführers lediglich an den Wohnort, das Alter und das Geschlecht der be-
troffenen Person und nicht an eine der in Art. 3 AsylG genannten Eigen-
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schaften an. Angesichts dessen, dass selbst wehrpflichtige männliche Bür-
ger zwischen achtzehn und dreissig Jahren keine asylrelevanten Nachteile
bei einer Dienstverweigerung zu befürchten haben, ist nicht ersichtlich,
weshalb es sich bei nicht wehrpflichtigen minderjährigen Personen, welche
zu Unrecht oder irrtümlich rekrutiert werden sollten, anders verhalten soll.
Dies umso mehr, als heute in der Heimatregion des Beschwerdeführers
nicht mehr die PYD beziehungsweise die YPG, sondern wieder die syri-
sche Regierung an der Macht ist (vgl. https://syria.liveuamap.com/de, ab-
gerufen am 26. April 2021). In Ermangelung eines asylrelevanten Verfol-
gungsmotivs wäre eine allenfalls drohende Bestrafung somit lediglich unter
dem Aspekt der Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs relevant, welcher aufgrund der in der vorinstanzlichen Ver-
fügung angeordneten vorläufigen Aufnahme hier allerdings nicht Prozess-
gegenstand ist (vgl. auch Urteil des BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015
E. 5.3).
Hinsichtlich der geltend gemachten Furcht vor einer Zwangsrekrutierung
durch die PYD oder die YPG hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass
diesbezüglich das Vorliegen einer begründeten Furcht vor einer Verfolgung
asylrelevanten Ausmasses zu verneinen ist. Eine hypothetisch drohende
Rekrutierung bei einer (allfälligen) Rückreise durch die syrische Armee ist
flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Ein militärisches Aufgebot durch die sy-
rischen Behörden hat der Beschwerdeführer nicht geltend gemacht, wes-
halb nicht weiter auf die entsprechenden Argumente in der Beschwerde
einzugehen ist.
6.2 Unter Reflexverfolgung sind behördliche Belästigungen oder Behelli-
gungen von Angehörigen aufgrund des Umstandes zu verstehen, dass die
Behörden einer gesuchten, politisch unbequemen Person nicht habhaft
werden oder schlechthin von deren politischer Exponiertheit auf eine sol-
che auch bei Angehörigen schliessen (vgl. etwa Urteil des BVGer
E-2257/2019 vom 15. März 2021 E. 7.3; BVGE 2010/57 E. 4.1.3). Die Ver-
folgung von Angehörigen vermeintlicher oder wirklicher politischer Opposi-
tioneller durch die syrischen Behörden ist durch diverse Quellen dokumen-
tiert und es sind unterschiedliche Motive für eine solche Verfolgung erkenn-
bar. So werden Angehörige verhaftet und misshandelt, um eine Person für
ihre oppositionelle Gesinnung oder ihre Desertion zu bestrafen, um Infor-
https://syria.liveuamap.com/de
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mationen über ihren Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen, um eine Per-
son zu zwingen, sich den Behörden zu stellen, um ein Geständnis zu er-
zwingen, um weitere Personen abzuschrecken oder um direkt Angehörige
für eine unterstellte oppositionelle Haltung zu bestrafen, die ihnen aufgrund
ihrer Nähe zu vermeintlichen oder wirklichen oppositionellen Personen zu-
geschrieben wird. Die Bürgerkriegsparteien (darunter die syrische Armee
und regierungsfreundliche Milizen) setzen dabei die Strategie der Re-
flexverfolgung gezielt ein. Könne ein Regimegegner nicht gefunden wer-
den, würden Sicherheitskräfte – auch unter Anwendung von Gewalt – Fa-
milienangehörige, auch Kinder, willkürlich verhaften, in Isolationshaft neh-
men, foltern oder anderweitig misshandeln (vgl. Urteil des BVGer
E-734/2016 vom 14. Januar 2019 E. 7.2 ff. m.w.H.).
6.2.1 Die Tatsache, dass (...) des Beschwerdeführers Asyl gewährt wurde,
ist für sich alleine kein ausreichender Hinweis dafür, dass Letzterem eine
Reflexverfolgung drohen könnte. So hat er während der BzP und Anhörun-
gen lediglich darauf hingewiesen, (...) sei verfolgt worden und daher in die
Türkei geflohen (vgl. A15 F39), nicht aber, dass seine Familie aus diesem
Grund irgendwelche Nachteile erlitten hätte. Dies mag zwar damit zusam-
menhängen, dass zu diesem Zeitpunkt in der Heimatregion des Beschwer-
deführers die PYD und nicht mehr die syrischen Behörden – welche (...)
des Beschwerdeführers verfolgen (vgl. N-Dossier [...]) – an der Macht wa-
ren. Dennoch wäre zu erwarten gewesen, dass er erfolgte Besuche durch
Mitglieder der syrischen Armee oder Behörden erwähnt hätte. Auch auf Be-
schwerdeebene bringt der Beschwerdeführer nicht vor, seine Familie habe
ihm von Verfolgungshandlungen erzählt, sondern verweist lediglich auf die
Asylakten (...). Dieser wurde im (...) 2017 zu seinen Asylgründen angehört,
das heisst vor bald vier Jahren (vgl. A15 N [...]). Er brachte während dieser
Befragung vor, seine Eltern seien im Jahr 2012 zweimal nach ihm gefragt
worden (vgl. A15 F98 – F105 und F147 – F155). Aktuellere Besuche der
Eltern des Beschwerdeführers durch die syrischen Behörden werden auch
in der Replik vom 15. Februar 2021 nicht erwähnt, dies obwohl die syrische
Armee die Macht in der Heimatregion des Beschwerdeführers wieder über-
nommen zu haben scheint. Die nebenbei geäusserte Behauptung, "zahl-
reiche" weitere Familienmitglieder seien politisch tätig gewesen, ist in kei-
ner Weise belegt oder glaubhaft gemacht. Ausserdem wies der Beschwer-
deführer anlässlich der Anhörung auch darauf hin, dass es seiner Familie
in Syrien gut gehe (vgl. A15 F5).
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6.2.2 Folglich ist weder den Vorbringen des Beschwerdeführers noch den
Akten (weder denjenigen betreffend den Beschwerdeführer noch dem bei-
gezogenen N-Dossier [...]) zu entnehmen, dass er aufgrund (...) eine Re-
flexverfolgung zu befürchten hätte.
6.2.3 Nach dem Gesagten bestehen insgesamt keine konkreten Anhalts-
punkte dafür, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus
Syrien einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt war oder dass im heu-
tigen Zeitpunkt eine begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung zu
bejahen wäre, selbst wenn von einer tatsächlichen Wehrdienstverweige-
rung des Beschwerdeführers auszugehen wäre.
6.3 Schliesslich führt eine illegale Ausreise aus Syrien nicht zur Annahme,
dass einer syrischen Person bei einer Rückkehr in ihr Heimatland mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung
droht. Zwar ist aufgrund der illegalen Ausreise und der längeren Landes-
abwesenheit davon auszugehen, dass bei einer Wiedereinreise nach Sy-
rien eine Befragung durch die heimatlichen Behörden stattfindet. Da der
Beschwerdeführer aber keine Vorverfolgung erlitten hat und nicht davon
auszugehen ist, dass er vor dem Verlassen Syriens als regimefeindliche
Person ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten ist, kann mit hinrei-
chender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass er als staatsge-
fährdend eingestuft würde (vgl. Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Ok-
tober 2015 E. 6.4.3 [als Referenzurteil publiziert]; bestätigt beispielsweise
im Urteil des BVGer E-1876/2019 vom 8. März 2021 E. 8.2.4.4). Der Be-
schwerdeführer gab anlässlich seiner BzP klar an, in Syrien nie politisch
tätig gewesen zu sein (vgl. A7 Ziff. 7.02). Der Nachschub in der Beschwer-
deschrift, wonach er schon immer für die PDK-S tätig gewesen sei, vermag
vor diesem Hintergrund – trotz der Vorlage der Mitgliederbestätigung –
kaum zu überzeugen. Dass er sich in der Schweiz exilpolitisch betätigt und
regelmässig an regimekritischen Demonstrationen teilnimmt, ist angesichts
der beigebrachten Fotos belegt. Dieses Engagement kann aber nicht im
geltend gemachten Ausmass geglaubt werden, zumal die dazu auf Be-
schwerdeebene geäusserten Details offensichtlich aus einem anderen
Dossier (nämlich [...]) stammen und überhaupt nicht mit den Vorbringen
des Beschwerdeführers übereinstimmen. So wäre es nicht nachvollzieh-
bar, dass sich dieser mit dem Präsidenten der PYD – wobei die Beweismit-
telangabe auch nicht mit den Beilagen korrespondiert – ablichten lassen
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sollte, wenn er doch angeblich von der PYD aufgrund seiner Wehrdienst-
verweigerung verfolgt wird. Ausserdem war nie die Rede davon, dass einer
(...) getötet worden sei. Weitere Präzisierungen, worin die exilpolitischen
Aktivitäten bestehen, wurden nicht gemacht; jedenfalls geht aus den vor-
liegenden – tatsächlich den Beschwerdeführer betreffenden – Angaben so-
wie beigebrachten Fotos nicht hervor, dass er sich diesbezüglich beson-
ders exponiert hätte. Eine begründete Furcht, dass er wegen exilpolitischer
Aktivitäten bei einer Rückkehr nach Syrien mit flüchtlingsrechtlich relevan-
ten Nachteilen rechnen müsste, wird nicht dargelegt. Somit ist nicht davon
auszugehen, er könnte nach einer (hypothetischen) Rückkehr als regime-
feindliche Person ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten.
6.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl-
gründe sowie die vorgebrachten subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeig-
net sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung be-
ziehungsweise eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu begründen. Die
Vorinstanz hat deshalb zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und
das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 9. April 2018 die Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs festgestellt und die vorläufige Aufnahme
des Beschwerdeführers angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss wei-
tere Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvoll-
zugs.
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Seite 17
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwi-
schenverfügung vom 23. Mai 2018 sein Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen
wurde und der Beschwerdeführer gemäss eingereichter Fürsorgebestäti-
gung vom 22. April 2021 nach wie vor Sozialhilfe bezieht, ist von der Auf-
lage von Verfahrenskosten abzusehen.
10.2 Ferner wurde mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2018 auch das Ge-
such um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a
Abs. 1 AsylG) und dem Beschwerdeführer sein Rechtsvertreter als amtli-
cher Rechtsbeistand beigeordnet.
10.3 Die Kostennote des Rechtsvertreters vom 15. Februar 2021 weist bei
einem Stundenansatz von Fr. 300.– einen zeitlichen Aufwand von total 12.8
Stunden und damit einen Gesamtaufwand von Fr. 3'827.25 (inkl. Auslagen
von Fr. 13.60 und Mehrwertsteuerzuschlag) aus. Bei amtlicher Vertretung
geht das Gericht in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis
Fr. 150.– für nichtanwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (Art. 12
i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), wobei nur der notwendige Aufwand zu ent-
schädigen ist (Art. 8 Abs. 2 VGKE); dem Rechtsvertreter sind diese Kondi-
tionen bekannt (vgl. Zwischenverfügung vom 23. Mai 2018). Der ausge-
wiesene Vertretungsaufwand erscheint angemessen. Unter Berücksichti-
gung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist das
amtliche Honorar zu Lasten der Gerichtskasse auf insgesamt Fr. 2'083.–
(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen.
10.4 Praxisgemäss ist eine anteilmässige Parteientschädigung zuzuspre-
chen, wenn, wie vorliegend, eine Verfahrensverletzung auf Beschwerde-
ebene – Verletzung der Sachverhaltsabklärungspflicht – geheilt wird. Zu
berücksichtigen ist allerdings, dass der Beschwerdeführer die behauptete
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Reflexverfolgung während des Verfahrens vor der Vorinstanz nicht geltend
gemacht hat. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfakto-
ren (Art. 9–13 VGKE) ist die vom SEM an den Beschwerdeführer auszu-
richtende Parteientschädigung auf Fr. 200.– festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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