Decision ID: 7d548adb-c4ef-4338-8140-c6d6177c99f9
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Nachtragsverfügung vom 7. Dezember 2012 setzte die
Sozialversiche
-
rungsan
stalt
des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, die persönli
chen Beiträge von
X._
(als
Selbständig
erwerbender
) für das Jahr 2008
basierend auf einem beitragspflichtigen Einkommen von
Fr.
119‘697.-- und ei
nem
inves
-
tiertem
Eigenkapital von
Fr.
19‘000.--
auf
Fr.
12‘867.-- (
Fr.
12‘492.-- zuzüglich
Fr.
375.-- Verwaltungskosten) fest
(
Urk.
9/8). Die dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
9/10) hiess
die Ausgleichskasse mit Einspracheentscheid vom 18.
Novem
-
ber
2014 teilweise gut und setzte die zu leistenden Beiträge für das Jahr 2008
auf der Grundlage
ein
es beitragspflichtigen
Einkommen
s
von
Fr.
95‘
850.-- und ein
es
investie
rten
Eigenkapital
s
von
Fr.
18‘624.--
auf
Fr.
9‘994.-- zu
züglich (nicht näher bezifferter
)
Verwaltungskosten fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am 18. Dezember 2014 B
eschwerde erheben und beantragen
, es sei der Beitragsfestsetzung ein Einkommen
von
Fr.
0
.-- zu
Grunde zu legen (
Urk.
1). Die
Ausgleichskasse schloss in der Beschwerdeantwort vom 23. Januar 2015 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Gemäss Art. 22 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversiche-rung
(AHVV) werden die Beiträge vom Einkommen aus selbständiger Erwerbs-tätigkeit für jedes Beitragsjahr festgesetzt, wobei das Kalenderjahr als Beitrags-jahr gilt. Die Beiträge bemessen sich aufgrund des im Beitragsjahr tatsächlich erzielten Erwerbseinkommens und des am 31. Dezember im Betrieb investierten Eigenkapitals.
2.2
Nach Art. 23
Abs.
1 AHVV obliegt es in der Regel den Steuerbehörden, das für die Bemessung der Beiträge
Selbständigerwerbender
massgebende
Erwerbsein
kommen
aufgrund der rechtskräftigen Veranlagung für die direkte Bundessteuer und das im Betrieb investierte Eigenkapital aufgrund der entsprechenden rechtskräftigen kantonalen Veranlagung unter Berücksichtigung der interkanto
nalen Repartitionswerte zu ermitteln. Die Angaben der Steuerbehörden hierüber sind für die Ausgleichskassen verbindlich (Art. 23
Abs.
4 AHVV).
Nach der Rechtsprechung begründet jede rechtskräftige Steuerveranlagung die nur mit Tatsachen widerlegbare Vermutung, dass sie der Wirklichkeit entspre
che. Da die Ausgleichskassen an die Angaben der Steuerbehörden gebunden sind und das Sozialversicherungsgericht grundsätzlich nur die Kassenverfügung auf ihre Gesetzmässigkeit zu überprüfen hat, darf das Gericht von rechtskräfti
gen Steuertaxationen bloss dann abweichen, wenn diese klar ausgewiesene Irr
tümer enthalten, die ohne weiteres richtig gestellt werden können, oder wenn sachliche Umstände gewürdigt werden müssen, die steuerrechtlich belanglos, sozialversicherungsrechtlich aber bedeutsam sind. Blosse Zweifel an der Rich
tigkeit einer Steuertaxation genügen
hiezu
nicht; denn die ordentliche
Einkom
mensermittlung
obliegt den Steuerbehörden, in deren Aufgabenkreis das Sozial
versicherungsgericht nicht mit eigenen Veranlagungsmassnahmen einzugreifen hat. Die
selbständigerwerbenden
Versicherten haben demnach ihre Rechte, auch
im Hinblick auf die AHV-rechtliche Beitragspflicht, in erster Linie im
Steuerjus
tizverfahren
zu wahren (BGE 110 V 83 E. 4 und 370 f., 106 V 129 E. 1, 102 V 27 E. 3a; AHI 1997 S. 25 E. 2b mit Hinweis).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer macht in der Beschwerde geltend, er sei Gesellschafter der
X._
& Co. In dieser Funktion werde er AHV-rechtlich als
Selb
ständigerwerberder
b
ehandelt. Daneben habe er sich i
m Rahmen einer Überbau
ung
[Überbauung
Y._
]
an einem Baukonsortium beteiligt.
Er und seine Ehefrau
Z._
hätten
in den Jahren 2006 bis 2010 ein neues Haus ge
baut. Aufgrund der Grösse des Baulandes sei neben dem Einfamilienhaus ein Doppelfamilienhaus mit zwei
Wohnungen gebaut worden. Das
Bauprojekt sei zusammen mit einem Architekten in Form eines Baukonsortiums durchgeführt worden.
Da es sich um ein privates Bauprojekt gehandelt habe, seien die Lie
genschaften in der Steuererklärung als Privatvermögen deklariert worden. Die Steuerbehörden hätten allerdings eine
Umqualif
izierung
ins Geschäftsvermögen vorgenommen.
Im Jahr 2008 seien
d
er
Beschwerdeführer
und seine Ehefrau
in das Einfamilien
haus eingezogen
. Die Steuerbehörden hätten diesen Vorgang als Überführung des Einfamilienhauses vom Geschäfts- ins Privatvermögen gewertet.
Der Ver
kaufspreis habe den Selbstkosten entsprochen, weshalb kein
Überführungsge
winn
und mithin kein A
HV-pflichtiger Gewinn angefallen
sei. Der Beschwer
deführer und
Z._
hätten in den Vorjahren jeweils Baukreditzinsen in Abzug gebracht. Im Jahr 2008 seien die in den Vorjahren abgezogenen Zinsen steuerlich wieder aufgerechnet worden. Beim entsprechenden Betrag von
Fr.
9
5
‘850.-- handle es sich mithin nicht um einen AHV-pflichtigen Gewinn, sondern um abgezogene Baurechtszinsen, welche nachträglich besteuert worden seien.
Diese Zinsen seien nur deshalb separat aufgerechnet worden, weil die Jahre bis 2007 steuerlich bereits definitiv eingeschätzt gewesen seien und eine andere steuerliche Korrektur nicht möglich gewesen sei
(
Urk.
1, vgl. auch
Urk.
9/10 und
Urk.
9/26).
3.2
Die Ausgleichskasse hatte sich bei
Erlass des
Einspracheentscheids
vom 18. De
z
ember 2014 auf die
Meldung
des Kantonalen Steueramtes Zürich
vom 2
2.
Juni 2013
gestützt.
Darin wurde für das Jahr 2008 das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit mit
Fr.
95‘850.-- beziffert (
Urk.
9/20).
4.
4.1
Dem Einschätzungsentscheid betreffend die Staats- und Gemeindesteuern 2008 ist zu entnehmen,
dass die
A._
AG
ihren Anteil von einem Drittel am Einfamilienhaus
,
am 24. Oktober 2008 an die Eheleute
B._
und
Z._
verkauft
e
. Das Steueramt führte dazu aus, da das Ehepaar
X._
das Einfamilienhaus selbst bewohne und es vermut
lich langfristig als Wohnsitz nutze, führ
e dies zu einer Überführung
vom Ge
schäfts- ins Privatvermögen. Weiter stellte das Steueramt fest, dass kein
Über
führungsgewinn
entstanden sei, da der Verkehrswert in etwa den bezahlten Selbstkosten entspreche. Hingegen berücksichtigte
es die
wieder eingebrachte
n
Abschreibungen beziehungsweise
Baukreditzinsen von
Fr.
95‘
850.-- als Rein
gewinn (
Urk.
3/1,
Urk.
9/19/4-6).
4.2
Nach
§
18 des Steuergesetzes (
StG
) sind alle Einkünfte aus einem Handels-, In
dustrie-, Gewerbe-, Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie aus jeder anderen selbstständigen Erwerbstätigkeit
steuerbar (
Abs.
1).
Zu den Einkünften aus selbstständiger Erwerbstätigkeit zählen auch alle
Kapitalge
winne
aus Veräusserung, Verwertung oder buchmässiger Aufwertung von Ge
schäftsvermögen. Der Veräusserung gleichgestellt ist die Überführung von Ge
schäftsvermögen in das Privatvermögen oder in ausländische Betriebe oder Be
triebsstätten
(
Abs.
2)
.
Gewinne auf Grundstücken des Geschäftsvermögens wer
den in dem Umfang den steuerbaren Einkünften zugerechnet, in dem
Erwerbs
preis
und wertvermehrende Aufwendungen, einschliesslich der Baukreditzinsen, den Einkommenssteuerwert übersteigen
(
Abs.
5)
.
4.3
Der Gewinn auf Grundstücken des Geschäftsvermögens
wird nicht einheitlich besteuert; er unterliegt zum Teil der Einkommenssteuer und zum Teil der Grundstückgewinnsteuer. Der durch Aufwertung eines Grundstückes erzielte Gewinn ist lediglich im Umfang der vorgenommenen Abschreibungen als Ein
kommen zu versteuern. Die Differenz zwischen Anlagekosten im Sinne von
§
219
Abs.
1 und dem Erlös unterliegt der Grundstückgewinnsteuer. Die Diffe
renz zwischen dem Erwerbspreis
und den wertvermehrenden Aufwendungen (mit Baukreditzinsen) einerseits und dem Einkommenssteuerwert anderseits ist dagegen als Einkommen zu besteuern (sog. wieder eingebrachte Abschreibun
gen;
RICHNER ET AL.
, Kommentar zum Zürcher Steue
rgesetz,
3.
Aufl., 2013,
Rz
. 142 f.
zu
§
18
).
5.
5.1
Der Beschwerdeführer hatte
bei der Steuertaxation
unbestrittenermassen
die
B
aukreditzinsen als Aufwendungen geltend gemacht
(vgl. auch
Urk.
9/28). Nach
der erfolgten Überführung der Liegenschaft (Einfamilien
haus) vom Geschäfts- ins Privatvermögen
im 2008
, was steuerrechtlich einer Veräusserung
in diesem Jahr
gleichkommt, behandelte das Steueramt die
Bau
kreditzinsen
als sog. wieder eingeb
rachte Abschreibungen.
Solche
sind als Ein
kommen zu besteuern
(vgl. E. 4.3 hiervor)
.
Davon ging das Steueramt
- wie sich aus dem Einschätzungsentscheid ergibt -
auch im konkreten Fall aus (vgl. dazu auch die Bemerkunge
n
als Beilage zur Steuererklärung 2011
in
Urk.
9/27
).
Dies scheint der Beschwerdeführer bei seiner Argumentation zu verkennen. Soweit er gegen die nacht
r
ägliche Qualifizierung der Baurechtszinsen als Einkommen (infolge der Überführung) opponiert, ist darauf hinzuweisen, dass die ordentli
che Einkommensermittlung den Steuerbehörden obliegt. Ein ausgewiesener Irr
tum in der Steuertaxation beziehungsweise ein Sachverhalt, der steuerrechtlich belanglos, sozialversicherungsrechtlich aber bedeutsam ist,
und deshalb
in die
sem Verfahren zu korrigieren wäre, liegt nicht vor.
5.2
Die Steuerveranlagung für das Jahr 2008 ist rechtskräftig. Aus steuerrechtlicher Si
cht sind die Baukreditzinsen im Sinne
wieder eingebrachte
r
Abschreibungen als Einkommen zu behandeln. Dies gilt aufgrund der Bindungswirkung folglich auch aus AHV-
rechtlicher Sicht. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.