Decision ID: af6ab3d9-07b9-58f3-8558-a83eaa9361fa
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Am 22. Mai 2018 erhob K._ beim Baudepartement des Kantons St. Gallen eine
Rechtsverzögerungsbeschwerde gegen die Politische Gemeinde X._. Das
Baudepartement wies die Beschwerde am 3. September 2019 ab und auferlegte K._
eine Entscheidgebühr von CHF 3'000.
K._ erhob gegen den Entscheid des Baudepartements mit Eingabe vom
19. September 2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht.
Das Verwaltungsgericht führte im Entscheid vom 18. Januar 2020 aus, dass sich die
Beschwerde in der Sache als unbegründet erweise (VerwGE B 2019/195 E. 2.5).
Bezüglich des Kostenentscheids habe sich das Baudepartement jedoch auf Nr. 10.01
des Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung (sGS 821.5, GebT)
gestützt, statt auf Nr. 20.13.01 GebT, der seit 1. Januar 2019 vollzogen werde (nGS
2018-075). Ersterer Nummer liege ein Kostenrahmen von CHF 150 bis CHF 10'000 zu
Grunde, letzterer ein solcher von CHF 200 bis CHF 5'000. Es sei deshalb fraglich, ob
die festgelegte Gebührenhöhe noch innerhalb des vorinstanzlichen
Ermessensspielraums liege, zumal die Vorinstanz die Höhe der Gebühr nicht weiter
begründet habe. Neben dem geltenden Gebührenrahmen dürfte bei der Bemessung
wohl auch zu berücksichtigen sein, dass materiell eine
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Rechtsverzögerungsbeschwerde und nicht eine Beschwerde in einem planungs- oder
baurechtlichen Verfahren zu beurteilen gewesen sei. Jedenfalls aber sei die Vorinstanz
bei der Bemessung von einem unzutreffenden Gebührenrahmen ausgegangen. Die
vorinstanzliche Ermessensausübung sei deshalb mit einem Rechtsfehler behaftet,
weshalb der Kostenspruch des angefochtenen Entscheids, soweit er die Höhe der
Entscheidgebühr betreffe, aufzuheben und die Angelegenheit zu deren Neubemessung
an die Vorinstanz zurückzuweisen sei (zum Ganzen: E. 3).
Mit Entscheid vom 5. März 2020 setzte das Baudepartement die Entscheidgebühr
wiederum auf CHF 3'000 fest (act. 2).
B.
K._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid des Baudepartements
(Vorinstanz) vom 5. März 2020 mit Eingabe vom 12. März 2020 (Postaufgabe: 13.03.20)
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er beantragte, die Gebühr von CHF 3'000 sei
massiv zu reduzieren. Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 21. April
2020, die Beschwerde sei abzuweisen. Der Beschwerdeführer äusserte sich dazu am
27. April 2020 und hielt an seinem Antrag fest.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer
ist zur Beschwerde legitimiert, und seine Eingabe vom 13. März 2020 entspricht
zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1, Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
bis
Der Beschwerdeführer verlangt, die vorinstanzliche Entscheidgebühr von CHF 3'000
sei massiv zu reduzieren. Das Baudepartement habe gemäss Entscheid des
Verwaltungsgerichts (B 2019/195 vom 18. Januar 2020) bei der erstmaligen
2.1.
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3.
Den Behörden kommt bei der Verlegung und Bemessung von amtlichen und
ausseramtlichen Kosten ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Die
Ermessenskontrolle ist dem Verwaltungsgericht im Beschwerdeverfahren verwehrt
(Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP e contrario; vgl. VerwGE B 2015/309 vom 26. April 2017
E. 4.1 mit Hinweisen). Es hat sich daher darauf zu beschränken, über die Einhaltung
des Ermessensspielraums zu wachen, und schreitet nur ein, wenn die Vorinstanz das
ihr zustehende Ermessen über- bzw. unterschritten oder missbraucht hat. Eine
Ermessensüberschreitung liegt vor, wenn die Behörde Ermessen walten lässt, wo für
dieses nach Gesetz kein Raum ist. Ermessensunterschreitung liegt vor, wo das Gesetz
Kostenfestsetzung einen falschen Gebührenrahmen angewandt, nämlich einen solchen
von CHF 150 bis CHF 10'000 (Nr. 10.01 GebT) statt eines solchen von CHF 200 bis
CHF 5'000 (Nr. 20.13.01 GebT). Natürlich sei die Kostenfestsetzung grundsätzlich kein
blosser Dreisatz. Wenn aber die Vorinstanz bei der erstmaligen Gebührenbemessung
zum Schluss gekommen sei, es rechtfertige sich, drei Zehntel des Gebührenrahmens
auszuschöpfen, so könne dies bei der zweitmaligen Kostenfestsetzung nicht
grundsätzlich anders sein (zum Ganzen: act. 1). Ein halbierter Kostenrahmen müsse
grundsätzlich zu einer Halbierung der Gebühr führen. Jedenfalls sei ein grundloses
Abweichen davon willkürlich. Ausserdem dürfe die Prüfung einer Rechtsverzögerung in
einer Sache sicher nicht gleich gewichtet werden wie die Prüfung der Sache selbst
(act. 9).
Die Vorinstanz hielt mit Entscheid vom 5. März 2020 fest, dass vorliegend zwar eine
Rechtsverzögerungsbeschwerde, und nicht ein planungs- oder baurechtliches
Verfahren, beurteilt werden musste, dies aber mit Blick auf die Gebührenbemessung
nach Art. 4 der Verordnung über die Bearbeitung von Rekursverfahren vor den
Departementen (sGS 951.11, RekV) nichts ändere. Sodann äusserte sich die Vorinstanz
mit Blick auf ebendiesen Artikel zur Art des Falls, zu ihren Umtrieben und zur
Interessenlage und Art der Prozessführung des Beschwerdeführers. Diesbezüglich
verwies sie auf einen Entscheid des Verwaltungsgerichts (VerwGE B 2019/145 vom
11. Februar 2020). In diesem sei festgehalten worden, dass die von der Vorinstanz
regelmässig erhobene Gebühr von CHF 3'500 für einen Entscheid mit Augenschein
auch unter Berücksichtigung der seit dem 1. Januar 2019 geltenden Nr. 20.13.01 GebT
nicht als überhöht erscheine. Dies obwohl sich das Baudepartement dafür auf die im
Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids nicht mehr aktuelle Tarifposition Nr. 10.01
GebT berufen habe (E. 5.1 mit Hinweisen). Mithin erweise sich eine Gebühr von
CHF 3'000 auch im vorliegenden Fall als gerechtfertigt (zum Ganzen: act. 2 E. 1).
2.2.
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Ermessen einräumt und die Behörde dieses nicht wahrnimmt. Missbräuchlich wird das
Ermessen ausgeübt, wenn sich die Behörde zwar an den Rahmen des ihr vom Gesetz
eingeräumten Ermessens hält, dabei jedoch die bei der Ermessensausübung zu
beachtenden verfassungsmässigen Grundsätze, insbesondere der Rechtsgleichheit,
der Verhältnismässigkeit oder des Verbots der Willkür, verletzt. Solche Entscheide sind
rechtsfehlerhaft und müssen vom Verwaltungsgericht aufgehoben werden (Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren
vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, N 740 ff.).
Mit dem VIII. Nachtrag zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege (nGS 2017-032)
hat der Gesetzgeber die Regierung verpflichtet, durch Verordnung Vorschriften für die
einheitliche Bearbeitung von Rekursverfahren zu erlassen (vgl. Art. 43 Abs. 3 VRP).
Dieser Verpflichtung ist die Regierung mit dem Erlass der RekV (nGS 2018-078) und
dem XVI. Nachtrag zum Gebührentarif für die Kantons- und Gemeindeverwaltung
(nGS 2018-075) nachgekommen. Beide Erlasse werden seit 1. Januar 2019 vollzogen.
Nr. 20.13.01 GebT, der mit ebendiesem Nachtrag eingefügt wurde, legt für
Rekursentscheide eines Departements einen Rahmen zwischen CHF 200 und
CHF 5'000 fest. Zuvor lag der Höchstansatz für departementale Rekursentscheide bei
CHF 10'000 (Nr. 10.01 GebT). Besteht ein Mindest- und ein Höchstansatz können
gemäss Art. 4 RekV bei der Gebührenbemessung die Art des Falls (lit. a), die
finanziellen Interessen der Beteiligten (lit. b), die Umtriebe (lit. c), die finanziellen
Verhältnisse des oder der Kostenpflichtigen (lit. d) und die Art der Prozessführung der
Beteiligten (lit. e) berücksichtigt werden.
4.
Unstrittig ist, dass die Vorinstanz bei der erstmaligen Bemessung der Entscheidgebühr
von einem unzutreffenden Gebührenrahmen ausgegangen ist. Sie stützte sich auf
Nr. 10.01 GebT, der einen Höchstansatz von CHF 10'000 aufweist, statt auf
Nr. 20.13.01 GebT, deren Höchstansatz bei CHF 5'000 liegt. Mit Blick darauf ist strittig,
ob die von der Vorinstanz festgelegte Gebührenhöhe von CHF 3'000 noch innerhalb
ihres Ermessensspielraums liegt.
bis
Vorab stellt sich die Frage, aus welchen Gründen der Höchstansatz für
Rekursentscheide eines Departements mit dem Erlass der Rekursverordnung um die
Hälfte reduziert wurde.
Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, ein halbierter Kostenrahmen müsse
4.1.
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grundsätzlich zu einer Halbierung der Gebühr führen (act. 1 und act. 9). Nr. 20.13.01
GebT, dessen Höchstansatz im Vergleich zu Nr. 10.01 GebT um die Hälfte reduziert
wurde, ist im Zuge der Umsetzung von Art. 43 Abs. 3 VRP eingefügt worden. Sollte
die Aussage des Beschwerdeführers richtig sein, würde das voraussetzen, dass der
Gesetzgeber mit der Einfügung von ebendiesem Artikel eine Verbilligung der
departementalen Rekursverfahren angestrebt hätte. Gemäss Wortlaut von Art. 43
Abs. 3 VRP ging es aber darum, die Bearbeitung von departementalen Rekursverfahren
zu vereinheitlichen. Unter anderem sollte diese Vereinheitlichung auch die Höhe der
Entscheidgebühren miteinschliessen (Art. 43 Abs. 3 VRP). Für die Rechtsuchenden,
die Vorinstanzen, die Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte usw. sollte bezüglich
amtlicher und ausseramtlicher Kosten, Einforderung von Kostenvorschüssen,
Fristansetzungen und anderer verfahrensleitender Anordnungen eine grössere
Vorhersehbarkeit und Verbindlichkeit geschaffen werden (H.-R. Arta, in: Rizvi/
Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar,
Zürich/St. Gallen 2020, N 28 zu Art. 43 VRP). Hätte der Gesetzgeber eine Verbilligung
der Rekursverfahren gewollt, hätte er das ausgewiesen. Auch würde eine
grundsätzliche Halbierung der Kosten der Rekursentscheide zu erheblichen
Mindereinnahmen des Kantons führen, was kaum die Absicht des Gesetzgebers
gewesen sein kann. Vielmehr zeigt der Blick auf die Praxis, dass die Departemente den
Rahmen gemäss Nr. 10.01 GebT nicht ausschöpften, so dass auch unter diesem
Gesichtspunkt eine Reduktion des Rahmens gerechtfertigt war. Der Ansicht des
Beschwerdeführers kann deshalb nicht gefolgt werden. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass die Halbierung des Höchstansatzes für Rekursentscheide
(Nr. 20.13.01 GebT) nicht bedeutet, dass die Gebühren für departementale
Rekursentscheide damit grundsätzlich um die Hälfte zu reduzieren sind. Vielmehr ging
es dem Gesetzgeber um eine Vereinheitlichung der Rekursverfahren.
bis
bis
bis
bis
Nr. 20.13.01 GebT legt für die Kosten für Rekursentscheide eines Departements einen
Rahmen zwischen CHF 200 und CHF 5'000 fest. Besteht ein Mindest- und ein
Höchstansatz, können gemäss Art. 4 RekV bei der Gebührenbemessung die Art des
Falls (lit. a), die finanziellen Interessen der Beteiligten (lit. b), die Umtriebe (lit. c), die
finanziellen Verhältnisse des oder der Kostenpflichtigen (lit. d) und die Art der
Prozessführung der Beteiligten (lit. e) berücksichtigt werden. Die Vorinstanz begründet
die Entscheidgebühr von CHF 3'000 unter anderem mit ihrem hohen Arbeitsaufwand,
der Komplexität des Falls und der Art der Prozessführung des Beschwerdeführers
(ausführlicher dazu act. 2 E. 1.3). Diese Ausführungen sind nachvollziehbar. Vor allem
die Rechtsabklärungen, wozu unter anderem die Einholung einer Vernehmlassung beim
4.2.
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5.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 1'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Diese ist mit dem vom Beschwerdeführer
geleisteten Kostenvorschuss im Betrag von CHF 1'000 zu verrechnen. Ausseramtliche
Kosten sind mangels Anträgen und Ansprüchen nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1
und Art. 98 VRP).