Decision ID: 1f4df0b8-8fdb-566c-aecd-e4438208878b
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 27. April 2010 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Zuvor befand sich der Versicherte vom 18. März bis 22. April 2010 zur Behandlung
einer Periarthropathia humeroscapularis der linken Schulter, die nach einer H1N1-
Grippeimpfung im Herbst 2009 aufgetreten sei, in der Klinik Valens. Die dort
behandelnden Ärzte hatten ihm beim Austritt aus der stationären Behandlung eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Allerdings bestehe eine hohe Gefahr einer
frühzeitigen Überforderung, was zu einer psychischen Dekompensation bei
angespannter Lage führen könne. Daher bleibe vorerst eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
aufrecht. Eine Neuevaluation der Arbeitsfähigkeit könne frühestens in ein bis zwei
Monaten nach einer Stabilisierung vor allem des psychischen Gesundheitszustands
erfolgen (Austrittsbericht vom 7. Mai 2010, IV-act. 18-5 ff.). Anlässlich des
Frühinterventions-Gesprächs vom 6. Mai 2010 berichtete Dr. med. B._, Arzt an der
Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation des Bewegungsapparates am
Rehabilitationszentrum Valens, dem RAD-Arzt Dr. med. C._, u.a. Facharzt für
Rheumatologie, der Versicherte leide an einer Periarthropathia humeroscapularis links,
einem cervikospondylogenen Schmerzsyndrom, und einer Hyperlipidämie. Ausserdem
bestehe ein Verdacht auf einen latenten Diabetes mellitus II. Vorerst bestehe eine
steigerbare Arbeitsfähigkeit von 50%. Vor einer Wiedereingliederung müsse die
psychische Belastbarkeit noch abgeklärt werden (Protokoll vom 6./11. Mai 2010, IV-
act. 18-1 ff.).
A.b Im Auftrag des Krankentaggeldversicherers wurde der Versicherte am 9. Juli 2010
von Dr. med. D._, Spezialarzt FMH u.a. für Innere Medizin, speziell
Rheumaerkrankungen, und am 3. August 2010 von Dr. med. E._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vertrauensärztlich untersucht. Dr. D._
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diagnostizierte chronisch unspezifische Nacken-, Schulter- und Armschmerzen links
ohne organmedizinisch objektivierbares Korrelat. Eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als CNC-Maschinenbediener lasse sich
daraus nicht ableiten. Aus psychiatrischer Sicht leide der Versicherte an einer
Anpassungsstörung „mit sonstigen nicht näher bezeichneten vorwiegenden
Symptomen“ (ICD-10: F43.28), welche sich zur Zeit ausschliesslich in Form einer etwas
hypochondrisch geprägten somatoformen Störung (den linken Arm und linken
Halsbereich betreffend) zeige. Diese Störung hat nach der Einschätzung von Dr. E._
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (interdisziplinäre Gesamtbeurteilung vom 24.
August 2010; Helsana-Akten). Der RAD-Arzt Dr. C._ hielt die von den
Vertrauensärzten bescheinigte 100%ige Arbeitsfähigkeit für nachvollziehbar
(Stellungnahme vom 7. Oktober 2010, IV-act. 40).
A.c Die seit 20. Mai 2010 (IV-act. 47) im Psychiatrie-Zentrum F._ behandelnde Dr.
med. G._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, teilte dem RAD-Arzt Dr.
C._ anlässlich des Gesprächs vom 17. Februar 2011 mit, der Versicherte leide an
einer mittelschweren depressiven Symptomatik aufgrund einer Anpassungsstörung.
Am 24. März 2011 orientierte sie den RAD-Arzt, dass der Versicherte am 1. März 2011
eine Erwerbstätigkeit mit einem 100%igen Pensum aufgenommen habe (siehe zum
Ganzen das Protokoll vom 17. Februar/24. März 2011, IV-act. 56; zur Anstellung als
Operator siehe IV-act. 59-1). Daraufhin verfügte die IV-Stelle am 26. Mai 2011 den
Abschluss der Eingliederungsberatung (IV-act. 60).
A.d Am 22. Februar 2012 stürzte der Versicherte bei der Arbeit von einer Leiter (siehe
Schadenmeldung vom 23. Februar 2012, Suva-act. 2, sowie Suva-act. 78-1) und wurde
notfallmässig im Kantonsspital St. Gallen hospitalisiert (bis 28. Februar 2012, vgl. Suva-
act. 37). Vom 4. April bis 2. Mai 2012 befand sich der Versicherte in der Rehaklinik
Bellikon. Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen diagnostizierten in
Bezug auf den Unfall vom 22. Februar 2012 mit Sturz von der Leiter aus 3 m Höhe: eine
Schulterkontusion links, eine Hüftkontusion links, eine BWS-/LWS-Kontusion und eine
HWS-Distorsion. Die arbeitsrelevanten Probleme seien im Nacken, im
Gleichgewichtsorgan sowie an der linken Hüfte zu sehen, wobei die Beschwerden
durch mässige Symptomausweitung funktionell überlagert würden. Auch die
psychische Störung (zu den psychiatrischen Diagnosen siehe Suva-act. 78-1) würde
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die Beschwerdeausprägung in ihrer Intensität wahrscheinlich beeinflussen. Aktuell sei
der Versicherte zu 100% arbeitsunfähig (Austrittsbericht vom 4. Mai 2012, Suva-act.
78). Am 1. Mai 2012 wurde der Versicherte durch den Kreisarzt Dr. med. H._,
Facharzt FMH für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie,
otoneurologisch untersucht. Dieser führte im Bericht vom 2. Mai 2012 aus, das Gehör
sei normal und seitengleich. Das geklagte Summen im linken Ohr (Tinnitus links) sei
wahrscheinlich cervical bedingt. Eine muskuläre Dysbalance könne zu solchen
Geräuschempfindungen führen. Es hätten Zeichen einer vestibulären Dysfunktion
nachgewiesen werden können. Diese stünden wahrscheinlich im Zusammenhang mit
den cervicogenen Beschwerden und könnten als vestibuläre Migräne aufgefasst
werden. Die Schwindelsymptomatik dürfte sich verbessern, falls sich auch die
Schmerzsymptomatik verbessere (Suva-act. 71). Der Kreisarzt Dr. med. I._, Facharzt
für Chirurgie FMH, gelangte nach einer Untersuchung des Versicherten vom 10. Juli
2012 zur Auffassung, die vielfältige Beschwerdesymptomatik des Versicherten könne
unterdessen nicht mehr auf das Unfallereignis vom 22. Februar 2012 zurückgeführt
werden. Im Vordergrund stehe nun die psychische Symptomatik mit
Symptomausweitung und somatoformer Schmerzstörung. Es gebe keine strukturellen
Befunde, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückgeführt
werden könnten. Der Status quo sine sei erreicht. Es sei noch die bevorstehende
neurologische Abklärung abzuwarten (Bericht vom 11. Juli 2012, Suva-act. 103). Am 2.
August 2012 erhielt die IV-Stelle eine Meldung der Suva bezüglich allfälliger Ansprüche
auf IV-Leistungen (IV-act. 62). Nach einer Untersuchung vom 8. August 2012 berichtete
Prof. Dr. med. J._, Facharzt FMH für Neurologie, der Suva, ihm sei ein sehr
manieriert wirkendes Gangbild mit Gangunsicherheit bei komplexen Gangvarianten und
Stockhilfe aufgefallen. Zudem habe der Versicherte eine Hyposensibilität der linken
Gesichtshälfte und des linken Arms angegeben, die sich aber weder einem Dermatom
noch einem Nervenversorgungsgebiet hätten zuordnen lassen. Relevante motorische
Defizite, welche die Gangstörung begründen könnten, lägen nicht vor. Die ergänzenden
Zusatzuntersuchungen seien sämtlich unauffällig gewesen. Die Gangstörung dürfte am
ehesten einer Konversionsstörung entsprechen (Bericht vom 13. August 2012, IV-act.
65).
A.e Der RAD-Arzt Dr. med. K._, Facharzt für Innere Medizin FMH, vertrat in der
Aktennotiz vom 23. August 2012 die Auffassung, aktuell könne von einer mindestens
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50%igen, steigerbaren Arbeitsfähigkeit sowohl für die angestammte als auch für eine
andere Tätigkeit ausgegangen werden (IV-act. 67). Im Bericht vom 4. Dezember 2012
führte Dr. G._ aus, der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.1). Da die depressive Episode als
reaktiv zu betrachten sei, gehe sie aus psychiatrischer Sicht nicht von einer
langfristigen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus. Falls die somatischen Defizite
weiter bestünden und der Versicherte seine Existenz als gefährdet ansehe, sei eine
Chronifizierung der depressiven Episoden nicht ausgeschlossen (IV-act. 87). Im Auftrag
der „FKB Die liechtensteinische Gesundheitskasse“ nahm der Versicherte an einer in
der L._ AG am 25. und 26. April 2013 durchgeführten Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) teil. Die mit der EFL betrauten medizinischen Fachpersonen
gelangten zum Schluss, infolge erheblicher Symptomausweitung, Selbstlimitierung und
Inkonsistenz seien die Resultate der EFL für die Beurteilung der zumutbaren
Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Es sei davon auszugehen, dass bei gutem Effort
eine bessere Leistung erbracht werden könne. Das Ausmass der demonstrierten
physischen Einschränkungen lasse sich mit den geringfügigen objektivierbaren
pathologischen Befunden aus somatischer Sicht nicht erklären. Zusätzlich zu den
muskuloskelettal bedingten Einschränkungen bestehe eine mindestens leichte
Leistungsminderung infolge einer psychischen Störung mit Krankheitswert. Für die
Tätigkeit als CNC-Maschinen-Operator bescheinigten sie eine 50%ige Arbeitsfähigkeit.
Eine leichte, leidensangepasste Tätigkeit sei dem Versicherten ganztags unter
Gewährung von zusätzlichen Pausen (insgesamt ca. 30 Minuten pro Tag) zumutbar
(Bericht vom 7. Mai 2013, FKB-Akten).
A.f Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 5. März 2013, IV-
act. 100; Einwand vom 18. März 2013, IV-act. 102) verfügte die IV-Stelle am 11. Juli
2013 die Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen. Zur Begründung führte
sie aus, der bisher als Hilfsarbeiter tätige Versicherte verfüge für eine
leidensangepasste Tätigkeit über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 112). Mit
Vorbescheid vom 24. Juli 2013 stellte sie dem Versicherten in Aussicht, sein
Rentengesuch abzuweisen (IV-act. 116). Dagegen erhob der Versicherte am 18.
September 2013 Einwand und reichte verschiedene medizinische Berichte ein (IV-act.
120). Die IV-Stelle holte daraufhin Verlaufsberichte der behandelnden medizinischen
Fachpersonen ein (Verlaufsbericht von Dr. B._ vom 13. Februar 2014, IV-act. 123;
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Verlaufsbericht von Dr. med. M._, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, vom 17.
Februar 2014, IV-act. 124; Verlaufsbericht von Dr. med. N._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, vom 12. März 2014, IV-act. 126). Nach deren Durchsicht empfahl
der RAD-Arzt Dr. K._ eine polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten
(Stellungnahme vom 26. März 2014, IV-act. 130).
A.g Am 7., 18. und 25. August 2014 wurde der Versicherte im BEGAZ
Begutachtungszentrum BL, Binningen, polydisziplinär (allgemeininternistisch,
psychiatrisch und rheumatologisch) untersucht. Im Gesamtgutachten vom 15.
September 2014 führten die BEGAZ-Gutachter folgende Diagnosen „mit Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit“ auf: eine rezidivierende depressive Störung, aktuell
weitgehend remittiert mit geringfügiger Restsymptomatik (ICD-10: F33.4); einen Status
nach Periarthropathia humero scapularis links (Supraspinatustendinose) und Status
nach aktivierter AC-Gelenksarthrose sowie minimaler Bursitis subacromialis (ICD-10:
M75.5 und M75.1). Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie:
deutliche Zeichen einer Schmerzfehlverarbeitung, keinem rheumatologischen
Krankheitsbild entsprechend, mit funktionellen Bewegungseinschränkungen und
pseudoneurologischen Ausfällen; einen Status nach Leitersturz am 22. Februar 2012
mit Kontusion des Rückens, des Nackens und des linken Schultergelenks mit
persistierenden Beschwerden im Sinn einer Schmerzfehlverarbeitung; eine muskuläre
Dysbalance am Schultergürtel und Beckengürtel beidseits; ein
Hypermobilitätssyndrom. Die BEGAZ-Gutachter gelangten gesamtmedizinisch zum
Schluss, dass „mindestens ab heutigem Datum“ in jeglicher Tätigkeit eine volle
Arbeitsfähigkeit bestehe mit einer Leistungseinschränkung von 20% (IV-act. 135). Der
Versicherte brachte im Schreiben vom 9. Januar 2015 verschiedene Mängel gegen das
BEGAZ-Gutachten vor und reichte eine Stellungnahme von Dr. N._ vom 8. Januar
2015 ein (IV-act. 140). Im Schreiben vom 1. April 2015 äusserten sich die BEGAZ-
Gutachter zur Kritik des Versicherten (IV-act. 146). Ausgehend von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit verfügte die IV-Stelle am 18. Mai 2015 die Abweisung des
Rentengesuchs (IV-act. 148).
B.
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B.a Gegen die Verfügung vom 18. Mai 2015 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 9. Juni 2015. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren Aufhebung und die
Zusprache einer Invalidenrente; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Er hält das
BEGAZ-Gutachten nicht für beweiskräftig und rügt im Wesentlichen, dass keine
neurologische oder HNO-ärztliche Untersuchung stattgefunden habe und sich die
BEGAZ-Gutachter weder mit einer Konversionsproblematik noch den gescheiterten
beruflichen Integrationsbemühungen auseinandergesetzt hätten. Für die Beurteilung
des Rentenanspruchs sei von einer 70%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 30. Juli 2015
die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt den Standpunkt, dass die BEGAZ-
Gutachter die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Einschränkungen ausführlich
abgeklärt hätten und deren Schätzung der Arbeitsfähigkeit beweiskräftig sei (act. G 4).
B.c In der Replik vom 3. September 2015 hält der Beschwerdeführer unverändert an
der Beschwerde fest (act. G 6). Am 24. September 2015 hat er einen neurologischen
Untersuchungsbericht von Dr. med. O._, Facharzt FMH für Neurologie, vom 23.
September 2015 eingereicht (act. G 8). Dieser fand für die geklagten Kopfschmerzen
keinen neurologischen Befund. Eine MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule vom 14.
September 2015 (act. G 8.2) habe keine radikuläre Schädigung gezeigt. Die Gangataxie
könne unter Berücksichtigung der klinischen und paraklinischen Befunde nicht
eindeutig auf eine neurologische Schädigung zurückgeführt werden. Das Gangbild sei
deutlich schmerzbedingt verändert und teilweise funktionell überlagert (act. G 8.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 10).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
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die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arzt¬berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend
ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a mit Hinweisen).
1.3 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
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gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif
abgeklärt worden ist. Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Abweisung des
Rentengesuchs auf das polydisziplinäre BEGAZ-Gutachten vom 15. September 2014
(siehe hierzu IV-act. 135). Der Beschwerdeführer bringt dagegen verschiedene Mängel
vor (act. G 1 und act. G 6).
2.1 Vorab rügt der Beschwerdeführer, die Gleichgewichtsstörungen und
Gangunsicherheit seien nicht näher abgeklärt worden (act. G 1, IV. Rz 2) und es fehle
an einer neurologischen Beurteilung (act. G 1, IV. Rz 3 und Rz 5; vgl. auch act. G 6, III.
Rz 1).
2.1.1 Die vom Beschwerdeführer geschilderten Leiden fanden Eingang in die
Beurteilung der BEGAZ-Gutachter, namentlich im Rahmen der Erhebung des
neurologischen Teilstatus (siehe etwa IV-act. 135-42, -46). Der rheumatologische
BEGAZ-Gutachter wies auf zahlreiche bildgebende Abklärungsergebnisse hin, die
immer nur diskrete Befunde ergeben hätten (siehe zu den durchgeführten Abklärungen
und den im Wesentlichen unauffälligen Ergebnissen IV-act. 135-43 ff.). Betreffend die
ausgeprägten neurologischen Symptome (siehe zur Leidenspräsentation etwa IV-act.
135-46) bemerkte er, dass diese von Prof. J._ umfangreich abgeklärt worden seien
und kein neurologisches Krankheitsbild habe diagnostiziert werden können (IV-act.
135-49). Im Rahmen einer Diskussion der Voraktenlage und der geklagten
Gleichgewichtsstörungen wies er auf eine Schmerzfehlverarbeitung hin und legte
Inkonsistenzen dar (IV-act. 135-49 f.). Die Gangstörung sowie die
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Schwindelproblematik wurden vom psychiatrischen BEGAZ-Gutachter ebenfalls
diskutiert (IV-act. 135-38).
2.1.2 Die BEGAZ-Gutachter verzichteten auf eine zusätzliche neurologische Abklärung
mit folgender Begründung: Aufgrund der ausführlichen neurologischen Beurteilung mit
Bericht vom 13. August 2012 von Prof. J._ und in Anbetracht der immer noch
gleichartig angegebenen Beschwerden bestehe keine Indikation für eine zusätzliche
neurologische gutachterliche Beurteilung (IV-act. 135-55 f.; siehe auch IV-act. 135-49).
Dr. O._ führte im Bericht vom 23. September 2015 die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten Leiden nicht auf eine neurologische Schädigung zurück (act. G 8.1).
Er gelangte im Wesentlichen zu gleichen Erkenntnissen wie Prof. J._ (IV-act. 65).
Diese liegen wiederum dem BEGAZ-Gutachten zugrunde. Ein Mangel an der
Begutachtung ist daher zu verneinen.
2.2 Des Weiteren kritisiert der Beschwerdeführer, der psychiatrische BEGAZ-
Gutachter habe sich nicht mit der Thematik einer Konversionsstörung
auseinandergesetzt (act. G 1, IV. Rz 4). Prof. J._ vertrat die Auffassung, die im
Untersuchungsbefund beschriebene Gangstörung dürfte am ehesten einer
Konversionsstörung entsprechen (IV-act. 65-3). Im Austrittsbericht der Klinik Valens
vom 6. August 2013 wurde die Frage aufgeworfen, ob betreffend den chronischen
Schwindel differentialdiagnostisch ein „Konversionssyndrom“ zu stellen sei („DD i.R.
Dg 4 Konversionssyndrom?“; IV-act. 120-7). Die in den Vorakten erwähnte
Konversionsstörung wird nicht näher begründet und bildete dort nicht Gegenstand
einer fachpsychiatrischen Beurteilung. Der psychiatrische BEGAZ-Gutachter setzte
sich mit der Frage einer Konversionsstörung auseinander (IV-act. 135-38 oben). Er
schloss diese Diagnose mit dem Fehlen von sich damit zu vereinbarenden Hinweisen
aus der Lebensgeschichte und den Vorakten aus (IV-act. 135-38). Ferner wies er auf
die Bedeutung psychosozialer Umstände hin (IV-act. 135-38; siehe auch IV-act.
135-40).
2.3 Dass die BEGAZ-Gutachter, nachdem sie in ihrem jeweiligen Fachgebiet keine
pathologische Grundlage für die geklagte Gangunsicherheit und den Schwindel zu
erkennen vermochten, eine pathologische Grundlage im Fachgebiet des jeweils
anderen mitbeteiligten Gutachters nicht ausschlossen (siehe die Ausführungen des
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psychiatrischen BEGAZ-Gutachters in IV-act. 135-38 und diejenigen des
rheumatologischen BEGAZ-Gutachters in IV-act. 135-50), vermag trotz der eher
spärlich anmutenden polydisziplinären Diskussion vorliegend keinen relevanten Mangel
zu begründen (zur Kritik des Beschwerdeführers siehe act. G 6, III. Rz 1). Die BEGAZ-
Gutachter brachten damit nämlich lediglich die Selbstverständlichkeit zum Ausdruck,
dass Fachexperten ihre Schlussfolgerungen auf ihr Fachgebiet beschränken. Damit
wird die Möglichkeit eines Gesundheitsschadens aus der Sicht eines anderen
Fachgebiets nicht ausgeschlossen. Diese Aussage vermag für sich allein aber das
Bestehen eines Gesundheitsschadens in einem anderen Fachgebiet nicht
vorwegzunehmen.
2.4 Gegen die Beweiskraft der gutachterlichen Beurteilung führt der Beschwerdeführer
ferner ins Feld, dass sie die mehrmals gescheiterten beruflichen
Integrationsbemühungen nicht berücksichtige (act. G 1, IV. Rz 6; vgl. auch act. G 6, III.
Rz 5). Dem EFL-Bericht vom 7. Mai 2013 kann entnommen werden, dass dem
Beschwerdeführer im Vergleich zur Selbsteinschätzung eine höhere Leistungsfähigkeit
zugemutet werden kann und dass eine erhebliche Symptomausweitung,
Selbstlimitierung und Inkonsistenz vorliegen (FKB-Akten; siehe zur subjektiv starken
Beeinträchtigung IV-act. 135-57 oben). Zudem wies der psychiatrische BEGAZ-
Gutachter darauf hin, dass sich der Beschwerdeführer sehr passiv verhalte und seine
Bewältigungsstrategien sehr inneffizient seien (IV-act. 135-38 und -40). Vor diesem
Hintergrund lassen die beruflichen Integrationsbemühungen des Beschwerdeführers,
insbesondere diejenigen nach dem Unfallereignis vom 22. Februar 2012, keine
aussagekräftigen Schlüsse auf seine objektiv zumutbare Arbeitsfähigkeit zu und sind
allein schon deshalb nicht geeignet, die gutachterliche Einschätzung in Frage zu
stellen.
2.5 Ausserdem hält es der Beschwerdeführer für einen Mangel, dass die BEGAZ-
Gutachter auf medizinische Abklärungsergebnisse in den Vorakten verweisen, die sich
nicht auf den aktuellen Gesundheitszustand beziehen würden. Die otoneurologische
Untersuchung durch den Kreisarzt Dr. H._ habe im Mai 2012 und die neurologische
Untersuchung durch Prof. J._ im August 2012 stattgefunden (act. G 6, III. Rz 2). Was
die Bezugnahme der BEGAZ-Gutachter auf die neurologische Untersuchung durch
Prof. J._ anbelangt, kann auf die Ausführungen in vorstehender E. 2.1.2 hingewiesen
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werden. Ausserdem ergeben sich weder aus der neurologischen Beurteilung von Prof.
J._ (IV-act. 65) noch derjenigen von Dr. O._ (act. G 8.1) Anhaltspunkte für einen
zusätzlichen otoneurologischen Abklärungsbedarf. Die Kritik des Beschwerdeführers ist
daher nicht stichhaltig.
2.6 Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, für die aus somatischer Sicht
nicht hinreichend erklärbare Schmerzproblematik sei die geänderte Praxis gemäss
BGE 141 V 281 anzuwenden (act. G 6, III. Rz 6). Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die
BEGAZ-Gutachter das Bestehen eines krankheitswertigen somatoformen Leidens bzw.
einer entsprechenden Diagnose ausgeschlossen haben (IV-act. 146-4). Mangels
Bestehens medizinisch nachvollziehbarer Einschränkungen erübrigt sich zwangsläufig
die Beantwortung der Rechtsfrage bezüglich der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit
im Sinn von Art. 7 Abs. 2 ATSG. Selbst wenn von einem medizinisch ausgewiesenen
Leiden auszugehen wäre, das unter die Rechtsprechung von BGE 141 V 281 fiele,
resultierte kein Mangel an der gutachterlichen Einschätzung. Denn diese ist Ergebnis
einer nachvollziehbaren Ressourcen- und Konsistenzbeurteilung (IV-act. 135-36 ff.; IV-
act. 146-5). Der Beschwerdeführer legt denn auch weder dar noch ergibt sich aus den
Akten, inwiefern die Praxis gemäss BGE 141 V 281 die gutachterliche Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit mangelhaft erscheinen lässt.
2.7 Bei der Würdigung des BEGAZ-Gutachtens ist weiter von Bedeutung, dass es auf
eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend ist. Die
medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Die vom Beschwerdeführer
geklagten Beschwerden wurden umfassend berücksichtigt und objektiv gewürdigt. Die
bescheinigte Arbeitsfähigkeit leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Weiter
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht
berücksichtigt worden wären. Solche ergeben sich auch nicht aus den Ausführungen
der behandelnden medizinischen Fachpersonen. Gestützt auf die gutachterliche
Einschätzung ist - entgegen der in der angefochtenen Verfügung von der
Beschwerdegegnerin vertretenen, nicht näher begründeten Annahme einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 148) - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer über eine 80%ige Arbeitsfähigkeit für die
Tätigkeit als CNC-Operator sowie für andere leidensangepasste Tätigkeiten verfügt (IV-
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act. 135-56). Diese Einschätzung gilt - abgesehen von vorübergehenden, nicht
rentenwesentlichen Phasen höherer Arbeitsunfähigkeit - auch retrospektiv (IV-act.
135-55).
3.
Angesichts dessen, dass sich die bescheinigte 80%ige Arbeitsfähigkeit auch auf den
angestammten Tätigkeitsbereich als Maschinenbediener/Operator bezieht (siehe hierzu
IV-act. 75-1), besteht offensichtlich kein rentenbegründender Mindestinvaliditätsgrad
von 40%, weshalb sich die Vornahme eines konkreten Einkommensvergleichs erübrigt.
Dabei kann offen bleiben, ob der Beschwerdeführer auch in Bezug auf seine frühere,
seit Dezember 2008 ausgeübte Nebenerwerbstätigkeit als „Zeitungsverträger“ (siehe
hierzu IV-act. 1-6 und IV-act. 4-2) ganz oder teilweise arbeitsunfähig und ob der
Nebenerwerb beim Valideneinkommen zu berücksichtigen ist. Denn selbst bei
vollständiger Arbeitsunfähigkeit bezogen auf die Tätigkeit als „Zeitungsverträger“ führte
der dadurch bedingte zusätzliche Verlust an Erwerbsfähigkeit zu keinem
Invaliditätsgrad von mindestens 40%. Der monatliche Nebenerwerb betrug ca. Fr.
560.-- (IV-act. 1-6), woraus ein Jahresverdienst von Fr. 6'720.-- resultiert. Dies
entspricht etwa 11% des Jahreslohns aus dem Haupterwerb von ca. Fr. 60'000.-- (IV-
act. 14-19). Bei einem Valideneinkommen von insgesamt Fr. 66'720.-- und einem
Invalideneinkommen von Fr. 48'000.-- (Fr. 60'000.-- x 0.8) ergibt sich ein
Invaliditätsgrad von höchstens 28%.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der von ihm geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen.