Decision ID: 24053574-10f9-400c-a8b5-9f13b300e9c1
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Pro Infirmis St. Gallen-Appenzell, Poststrasse 23, Postfach 1544,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Am 5. Oktober 2008 meldete sich A._ unter Hinweis auf ein Lymphödem im
rechten Bein, auf Depressionen und einen Leistungsverlust, auf einen Verdacht auf
Zeckenstiche im Jahr 1987 mit der Folge motorischer Ausfälle und Entwicklung des
Lymphödems am rechten Bein sowie auf ein CAP-Atemgerät zum Bezug von
Massnahmen für die berufliche Eingliederung bei der IV-Stelle an (IV-act. 7-1 ff.). In
einem Protokoll vom 16. Oktober 2008 (IV-act. 32-1 f.) nannte Dr. med. B._,
Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, vom IV-internen regionalen ärztlichen
Dienst (RAD) nach einem gleichentags stattgefundenen Gespräch mit dem
behandelnden Arzt Dr. med. C._ vom Departement Innere Medizin, Fachbereich
Psychosomatik, des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) die die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigenden Diagnosen eines upper airway resistance Syndroms, einer Periodic
Limb Movement Disorder (PLMS), eher leicht ausgeprägt, sowie einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode. Der Versicherte könne in
seiner angestammten Tätigkeit als Koordinatensschleifer bzw. Werkzeugmacher
weiterhin mit einem Pensum von ca. 70 % arbeiten. Dr. C._ unterzeichnete das
Protokoll am 3. November 2008 (IV-act. 32-2). In einem Protokoll vom 20. Oktober
2008 (IV-act. 30-1) nannte die RAD-Ärztin Dr. B._ nach einem gleichentags
stattgefundenen Gespräch mit dem Hausarzt Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine
Innere Medizin, die die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Diagnosen eines
Lymphödems am rechten Bein, einer Migraine accompagnée, einer Depression, eines
upper airway resistance Syndroms sowie einer PLMS, eher leicht ausgeprägt. Weiter
notierte sie, es sei zu empfehlen, den Versicherten nur noch leichte bis mittelschwere
stressarme Tätigkeiten im Umfang von sechs bis sieben Stunden pro Tag ausüben zu
lassen. Dr. D._ unterzeichnete das Protokoll am 24. Oktober 2008 (IV-act. 30-2). Am
21. Oktober 2008 erstattete die E._ AG einen Arbeitgeberbericht. Sie führte aus, der
Versicherte sei seit dem 20. Juni 2007 als Koordinatenschleifer tätig. Bis zum
7. September 2008 habe er in Vollzeit gearbeitet; seit 8. September 2008 übe er
dieselbe Tätigkeit noch im Umfang von 70 % aus. Ohne den Gesundheitsschaden
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würde er aktuell Fr. 68'900.-- verdienen (IV-act. 28-1 ff.). Am 24. November 2008
erstattete Dr. med. F._, Facharzt für Innere Medizin FMH, zuhanden der IV-Stelle
einen Bericht. Er diagnostizierte (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) eine
chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit bei Enzephalopathie bei einem Status nach
Heroin- und Cocainabusus sowie bei einem Schlaf-Apnoesyndrom und einem Status
nach kurzfristigem Immunkontakt mit Borrelia burgdorferi (Seronarbe). Er gab an, die
bisherige Tätigkeit sei noch im Umfang von 70 % zumutbar (IV-act. 36-1 ff.). Am
5. Dezember 2008 wurde der Versicherte von der RAD-Ärztin Dr. B._ untersucht. Die
Ärztin gab in ihrem Bericht vom 18. Dezember 2008 neu einen Verdacht auf eine
organische affektive Störung unklarer Ätiologie (ICD-10 F06.3) an. Sie führte weiter aus,
aktuell stehe anamnestisch die Verdachtsdiagnose einer Bleiintoxikation im Raum. Die
Diagnose und die möglichen Therapieoptionen seien ihrer Meinung nach nicht
ausreichend abgeklärt. Insofern sei eine Aussage zur Arbeitsfähigkeit aktuell nicht
möglich (V-act. 39-1 ff.). Mit einer Mitteilung vom 2. Februar 2009 brachte die IV-Stelle
dem Versicherten zur Kenntnis, dass aktuell keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 46-1 f.).
A.b In einem Verlaufsbericht vom 8. April 2009 teilte das Kantonsspital St. Gallen
(KSSG), Fachbereich Psychosomatik, der IV-Stelle mit, dass sich der Gesundheitszu
stand des Versicherten verbessert habe. Die Arbeitsfähigkeit sei aktuell noch ungewiss.
Eine stationäre Therapie sei nicht erfolgt und aktuell nicht geplant. Der Verlauf sei
insofern günstig, als der Versicherte das Problem des unbefriedigenden Arbeitsplatzes
gelöst habe: Er habe die Kündigung seiner Arbeitgeberin per Ende März 2009 erhalten
und bereits am 1. April 2009 eine neue Arbeitsstelle angetreten. Die Prognose sei
derzeit ungewiss (IV-act. 49-1 f.). In einer internen Aktennotiz vom 2. Juni 2009
vermerkte die zuständige Sachbearbeiterin der IV-Stelle, der Versicherte habe
mitgeteilt, dass er die Arbeitsstelle per 1. April 2009 nicht angetreten habe. Er habe
lediglich einen halben Tag geschnuppert (IV-act. 53). Die IV-Stelle veranlasste am
3. Juli 2009 aufgrund einer Empfehlung des RAD eine psychiatrische Begutachtung mit
neuropsychologischer Testung. Die Begutachtung wurde im Zeitraum November und
Dezember 2009 sowie Februar 2010 in der Klinik G._ und im Psychiatrie-Zentrum
H._ durchgeführt. Im Gutachten vom 14. April 2010 (IV-act. 62-1 ff.) wurde mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnose einer rezidivierenden depressiven
Störung, aktuell mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (F33.11) bei schizoid
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und ängstlich (vermeidenden) Persönlichkeitszügen (Z73.1), angegeben. Als Diagnose
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurde eine Störung durch Opioide,
Abhängigkeitssyndrom (seit dem 18. Lebensjahr), gegenwärtig abstinent (F11.20),
genannt. Die Sachverständigen gaben an, die Arbeitsunfähigkeit des Versicherten in
der angestammten Tätigkeit als Koordinatenschleifer betrage aktuell 30 %. Kurzfristig
betrage die Arbeitsfähigkeit auch in einer adaptierten Tätigkeit 70 % (IV-act. 62-68). In
einer internen Stellungnahme vom 26. April 2010 führte Dr. B._ vom RAD aus,
gemäss dem psychiatrischen Gutachten sei der Gesundheitsschaden durch eine
stationäre psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung signifikant und nachhaltig
zu verbessern. Der Versicherte sollte aufgefordert werden, sich in eine adäquate fach
psychiatrische stationäre Behandlung zu begeben (IV-act. 63). Dementsprechend
forderte die IV-Stelle den Versicherten am 28. April 2010 auf, ihr nach Absprache mit
dem behandelnden Arzt bis 17. Mai 2010 schriftlich bekannt zu geben, wo er eine ent
sprechende Therapie durchführen werde und wann er dort eintreten könne (IV-act.
64-1 f.). Innert Frist teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, dass er voraussichtlich in die
Psychiatrie I._ eintreten werde (IV-act. 65). Im Austrittsbericht der Psychiatrischen
Klinik I._ vom 13. August 2010, in welcher der Versicherte vom 16. Juni bis
11. August 2010 stationär behandelt worden war, gab Dr. med. J._, Facharzt
Psychiatrie und Psychotherapie, an, man habe eine rezidivierende depressive Störung
mit zuletzt mittelschwerer Episode mit somatischen Syndrom (ICD-10 F33.11), eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine frühere
Polytoxikomanie (ICD-10 F19.2) diagnostiziert. Er hielt weiter fest, dass im
leidensangepassten Rahmen eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestehe (IV-act. 73-1 ff.).
A.c Dr. B._ hielt am 3. September 2010 in einer internen RAD-Stellungnahme fest, es
liege eine unterschiedliche Beurteilung desselben Sachverhalts durch den Gutachter
und durch Dr. J._ vor. In solchen Fällen stütze sich der RAD in der Regel auf die
Beurteilung durch den Gutachter ab. Wie Dr. J._ empfohlen habe, könne es Sinn
machen, das Pensum schrittweise zu steigern, beginnend mit 50 %. Davon könne
allerdings keine geringere medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit abgeleitet werden,
als im Gutachten beschrieben worden sei (IV-act. 74-1 f.). Mit einer Mitteilung vom
24. Januar 2011 brachte die IV-Stelle dem Versicherten zur Kenntnis, dass kein
Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe, da er sich nur eine Tätigkeit im
geschützten Rahmen vorstellen könne (IV-act. 98-1 f.). Dr. med. K._, Fachärztin
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für Psychiatrie und Psychotherapie, von der Tagesklinik des Psychiatrie-Zentrums
L._, wo sich der Versicherte vom 21. Februar bis 21. April 2011 in teilstationärer
Behandlung befunden hatte, berichtete am 11. Mai 2011 (IV-act. 102-1 ff.), es seien
folgende Diagnosen gestellt worden: Rezidivierende depressive Störung mit zuletzt
mittelschwerer Episode mit somatischen Syndrom (ICD-10 F33.11), anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und frühere Polytoxikomanie (ICD-10
F19.2). Sie gab weiter an, aus psychiatrischer Sicht sei eine Arbeitsfähigkeit von 50 %
(vier Stunden pro Tag) in einer leidensangepassten Tätigkeit mit Entlastungsmöglich
keiten und wenig Leistungsanforderung zumutbar (IV-act. 102-3). Dr. med. M._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom RAD hielt am 16. August 2011 in
einer internen Stellungnahme (IV-act. 107-1 f.) fest, es könnten keine neuen, relevanten,
seit dem Gutachten hinzugekommenen Einschränkungen geltend gemacht werden. Am
fundierten Gutachten und den darauf basierenden Einschätzungen gemäss den
bisherigen RAD-Stellungnahmen könne festgehalten werden.
A.d Mit einem Vorbescheid vom 27. September 2011 kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs bei einem Invaliditätsgrad von
30 % Valideneinkommen: Fr. 68'900.--, Invalideneinkommen: Fr. 48'230.-- [70 % von
Fr. 68'900.--]) an. Sie machte geltend, gemäss ihren Abklärungen sei der Versicherte in
der bisherigen Tätigkeit als Koordinatenschleifer bzw. MasterCam Programmierer
sowie in jeder anderen, leidensangepassten Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig (IV-act.
117-1 f.). Dagegen liess der Versicherte am 28. Oktober 2011 einen Einwand erheben.
Er beantragte die rückwirkende Zusprache einer Viertelsrente (IV-act. 122-1 f.). Mit
Verfügung vom 14. November 2011 lehnte die IV-Stelle den Antrag des Versicherten
auf eine Invalidenrente ab (IV-act. 123-1 ff.).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtete sich die am 13. Dezember 2011 erhobene
Beschwerde, in der beantragt wurde, die Verfügung sei aufzuheben und dem Be
schwerdeführer sei rückwirkend mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen. Zudem
sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. Zur Begründung wurde im Wesent
lichen ausgeführt, dass der Einkommensvergleich unrealistisch sei, da der
Beschwerdeführer seit über drei Jahren nicht mehr auf seinem Beruf als
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Werkzeugmacher bzw. Koordinatenschleifer gearbeitet habe. Die somatischen
Beschwerden wirkten sich zusätzlich einschränkend auf die beruflichen Möglichkeiten
aus. Es sei somit das LSE-Einkommen anzuwenden, so dass bei einem
Valideneinkommen von Fr. 68'900.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 36'984.--
ein Invaliditätsgrad von 46.33 % und damit einen Anspruch auf eine Viertelsrente
resultiere (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2012 beantragte die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen
aus, auch wenn Dr. J._ von einer sukzessiven Steigerung der attestierten
Arbeitsfähigkeit von 50 % auf 70 % ausgehe, könne gemäss RAD-Stellungnahme keine
geringere medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit als im Gutachten beschrieben
abgeleitet werden. Sodann sei nach der Rechtsprechung dem im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche
aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die
Akten Bericht erstatteten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangten, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen
würden. Gemäss den ärztlichen Beurteilungen sei es dem Beschwerdeführer nach wie
vor zumutbar, in seiner angestammten Tätigkeit zu arbeiten. Unter Berücksichtigung
aller massgebenden Faktoren resultiere gemäss dem Gutachten eine Arbeitsfähigkeit
von 70 %. Insofern entspreche der IV-Grad exakt der Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit, da weitere Abzüge ("Leidensabzug") nicht zu rechtfertigen seien, weil
die die Leistung vermindernden Faktoren bereits in der Arbeitsfähigkeitsschätzung
berücksichtig worden seien. Es gebe keinen Grund, beim Invalideneinkommen auf
Tabellenlöhne abzustellen. Es sei zudem darauf hinzuweisen, dass der
Beschwerdeführer aus IV-fremden Gründen nicht mehr in seinem angestammten Beruf
tätig sei. Sollte das Gericht den obigen Ausführungen nicht folgen, so wäre zu
bedenken, dass aufgrund der gestellten Diagnosen die bundesgerichtliche
Rechtsprechung zur Komorbidität zur Anwendung gelangen, d.h. eine psychische
Komorbidität voraussichtlich verneint werden müsste. Auch wäre allenfalls die
Diagnose einer mittelgradigen Depression in Frage zu stellen. Weiter gelte es gemäss
höchstrichterlicher Rechtsprechung zu beachten, dass die schizoiden und ängstlichen
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Persönlichkeitszüge (Z73.1) nicht unter den Begriff des rechtserheblichen
Gesundheitsschadens fielen (act. G 5).
B.c Die zuständige Abteilungspräsidentin bewilligte am 14. Februar 2012 das Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, act. G 6).
B.d Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Replik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
1.1 Als Invalidität gilt gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder
länger dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat
die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %,
auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn
sie mindestens zu 50 % oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 %
invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist
gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG Art. 16 ATSG anwendbar. Demnach wird für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt
zum Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre. Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu
erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst
genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Beim zur Bemessung des IV-
Grads vorzunehmenden Einkommensvergleich sind Werte aus demselben
Vergleichsjahr beizuziehen.
1.2 Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die Arbeits
fähigkeitsschätzung. Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen zu können, ist
die Verwaltung - und im Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
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dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den
Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die
vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der
freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen
(BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte
Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich bezüglich Arbeitsfähigkeitsschätzung auf
die psychiatrische Abklärung durch Dr. N._ von der Klinik G._. Dr. N._ hat in
seinem Gutachten vom 14. April 2010 unter anderem ausgeführt, als Grunderkrankung
sei die rezidivierende depressive Störung zu nennen, welche sich unter Einbezug der
akzentuierten Persönlichkeitszüge schizoider und ängstlicher Natur zusätzlich wie folgt
beeinträchtigend zeige: Trotz eines überdurchschnittlichen Intelligenzniveaus sei die
Leistungsfähigkeit unter Stress (Zeitdruck) stark eingeschränkt. Kompensatorisch
scheine der Beschwerdeführer zu versuchen, durch Sorgfalt und Kontrolle Fehler zu
vermeiden. Er strenge sich offensichtlich an, ohne dass er das drohende Erreichen
seiner Leistungs- bzw. Stressgrenze deklarieren würde. Daraus resultiere ein deutlich
verlangsamtes Arbeitstempo. Bei Zeit- oder Produktionsdruck erlebe der
Beschwerdeführer trotz objektiv gutem Durchhaltevermögen vor allem
Einschränkungen der Konzentration und vegetative Begleiterscheinungen, welche sich
als Schwindel, Schwitzen, "Kopfdruck" und schliesslich in genereller Erschöpfung
manifestierten. Aufgrund der längeren Krankheitsentwicklung müsse von einer
"Versagensangst" ausgegangen werden, die sich im Verlauf verfestigt habe. Des
Weiteren sei die Frustrationstoleranz erniedrigt, was sich beispielsweise darin zeige,
dass der Beschwerdeführer von sich aus eine Vereinfachung des Tätigkeitsgebiets vom
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"Koordinatenschleifer" zum "einfachen Werkzeugmacher" anstrebe, obwohl er
einräume, dass ihm die Tätigkeit als Koordinatenschleifer eigentlich zusage und er sich
in Teilbereichen auch Expertenwissen angeeignet habe. Die Arbeit als
Koordinatenschleifer wäre aus psychiatrischer Sicht für den Beschwerdeführer
grundsätzlich als zumutbar zu beurteilen. Einschränkend könne angeführt werden, dass
Fehler an der Arbeitsstelle finanziell hohe Auswirkungen haben könnten. Doch bislang
habe der Beschwerdeführer nach gutachterlicher Kenntnis fehlerhafte Produkte durch
Anstrengung vermeiden könne. Sein angestrengtes Arbeitsverhalten habe weniger zu
Fehlern als vielmehr zu einer Reduktion des Arbeitstempos beigetragen. Ausgehend
von einer Gesamtbewertung der vorliegenden Informationen aus den Akten und unter
Ausklammerung der somatischen Problematik (Lymphödem des rechten Beins)
bestehe aus psychiatrischer Sicht derzeit eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
von ca. 30 % sowohl in der angestammten Tätigkeit als Koordinatenschleifer als auch
in einer adaptierten Arbeit (IV-act. 62-65 ff.). Das Gutachten basiert auf umfassenden
Kenntnissen des Sachverhalts. Eigene Befunde und Beobachtungen sind erhoben
worden. Auch die Beschwerdebeschreibung des Beschwerdeführers und die IV-Akten
sowie die Akten der involvierten Krankentaggeldversicherung haben in das Gutachten
Eingang gefunden. Zudem sind eine testpsychologische und eine körperliche
Untersuchung, eine Arbeitsabklärung sowie eine Laborkontrolle und die Testung auf
Drogen durchgeführt worden. Vor diesem Hintergrund vermögen auch die im
Gutachten enthaltenen Schlussfolgerungen, namentlich die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit, zu überzeugen. Damit genügt das Gutachten den höchstrichterlich
geltenden Anforderungen.
2.2 Soweit in der Beschwerde geltend gemacht wird, die vom Gutachter bescheinigte
Arbeitsfähigkeit von 70 % lasse sich nicht halten, da eine gesundheitliche
Verschlechterung stattgefunden haben müsse, kann dem nicht beigepflichtet werden,
denn auch Dr. J._ ist in seinem Bericht vom 24. August 2010 von einer
Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 %, optional steigerbar, ausgegangen (IV-act. 73-4).
Zudem hat Dr. K._ in seinem Bericht vom 11. Mai 2011 angegeben, bei einer
Weiterführung der psychiatrischer Behandlung sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass
die depressive Symptomatik verbessert und die allgemeine Belastbarkeit und
Leistungsfähigkeit trotz Schmerzen etwas gesteigert werden könne. In einem
leidensangepassten Rahmen werde der Beschwerdeführer wahrscheinlich aus
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psychiatrischer Sicht in einem Umfang von mindestens 50 % arbeitsfähig sein (IV-act.
102-2). Diese Ausführungen lassen darauf schliessen, dass die behandelnden Ärzte
eine höhere Arbeitsfähigkeit als 50 % für durchaus möglich gehalten haben.
Festzustellen ist im Weiteren, dass die Diagnosen in den Berichten von Dr. J._ und
von Dr. K._ nur marginal vom psychiatrischen Gutachten abweichen: Sie alle haben
eine rezidivierende depressive Störung, mit zuletzt mittelschwerer Episode mit
somatischem Syndrom, sowie eine frühere Polytoxikomanie bzw. ein
Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent, diagnostiziert; Dr. J._ und Dr. K._
haben ausserdem die Diagnose einer anhaltend somatoformen Schmerzstörung
gestellt (IV-act. 73-1, 102-1). Zudem ist diesbezüglich folgendes festzustellen: Dr. K._
hat festgehalten, der Beschwerdeführer klage über diverse Schmerzen, welche sein
Leben beeinträchtigten, insbesondere an den Beinen und Armen (IV-act. 102-2). Der
Gutachter hat in der Krankheitsanamnese Folgendes ausgeführt: Nach der
Entzugsbehandlung im Jahr 2005 habe der Beschwerdeführer feststellen können, dass
seine Venen auf unerklärliche Weise verschwunden seien und dass er seit dieser Zeit
immer wieder geschwollene Hände bekomme. Nach dieser Entzugsbehandlung sei
jedoch sein Bein betreffend die Schwellung etwas besser geworden, die Schmerzen
jedoch seien stärker geworden (IV-act. 62-26). Diese Schmerzen sind als somatoform
zu werten und vermögen deshalb die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu beeinflussen.
Es ist daher - in Übereinstimmung mit dem RAD (IV-act. 74-1, 107-1) - mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit von unterschiedlichen Beurteilungen eines im
Wesentlichen gleich gebliebenen medizinischen Sachverhalts auszugehen. Bezüglich
der durch Dr. D._ am 20. Oktober 2008 gestellten, die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigenden somatischen Diagnose eines Lymphödems am rechten Bein ist
schliesslich zu bemerken, dass selbst der Hausarzt trotz dieses Krankheitsbefunds eine
Arbeitsfähigkeit von 6-7 Stunden pro Tag für zumutbar gehalten hat (IV-act. 30-1).
Somit ist auch in der Beeinträchtigung des somatischen Gesundheitszustandes durch
das Lymphödem am rechten Bein kein Hindernis für die Ausübung der angestammten
oder einer adaptierten Arbeitstätigkeit im Umfang von 70 % zu erblicken.
2.3 Vor diesem Hintergrund lassen sich in den medizinischen Akten keine hinreichen
den Anhaltspunkte dafür finden, dass bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
eine relevante anhaltende Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Bes
chwerdeführers eingetreten wäre. Es steht deshalb mit überwiegender
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Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer im massgebenden Zeitraum
sowohl in der angestammten als auch in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu 70 %
arbeitsfähig ist. Die Beschwerdegegnerin ist somit bei der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens zu Recht von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung
ausgegangen.
2.4 Bevor gestützt auf diese Arbeitsfähigkeitsschätzung das zumutbare Invaliden
einkommen ermittelt und dann der Einkommensvergleich durchgeführt werden kann,
müssen die - intertemporalrechtliche - Frage nach dem Recht, welches den Renten
beginn regelt, sowie die Frage nach dem massgebenden Jahr für den
Einkommensvergleich beantwortet werden: Die Regelung der Entstehung des
Rentenanspruchs und damit des Rentenbeginns hat im Rahmen der 5. IV-Revision eine
Änderung erfahren. Bis 31. Dezember 2007 galt Folgendes: Der Rentenanspruch
entstand gemäss aArt. 28 IVG in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person u.a.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu
40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war. Die Rente wurde vom Beginn
des Monats an ausgerichtet, in dem der Anspruch entstanden war, jedoch frühestens
von jenem Monat an, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgte (aArt. 29 Abs. 1
lit. b und Abs. 2 Satz 1 IVG). Meldete sich eine versicherte Person mehr als zwölf
Monate nach dem Entstehen des Anspruchs an, wurde die Rente in Abweichung von
Art. 24 Absatz 1 ATSG lediglich für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate
ausgerichtet (aArt. 48 Abs. 2 Satz 1 IVG). Seit 1. Januar 2008 gilt: Anspruch auf eine
Rente haben Versicherte, die u.a. während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
(Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Der Rentenanspruch entsteht aber erst nach Ablauf von sechs
Monaten seit Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Absatz 1 ATSG.
Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch
entsteht (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG). Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat
sich in seinem Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007 bemüht, die
Gesetzeslücke zu füllen, die dadurch entstanden ist, dass der Gesetzgeber es
unterlassen hat, den Übergang zwischen der altrechtlichen und der aus der Sicht der
Versicherten nachteiligen neurechtlichen Regelung der Entstehung des
Rentenanspruchs zu regeln. Dieses Rundschreiben sieht vor, dass grundsätzlich jenes
Recht anwendbar ist, welches beim Eintritt des Versicherungsfalles in Geltung
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gestanden hat. Ist der Versicherungsfall vor dem 1. Januar 2008 eingetreten, so gilt
demnach altes Recht und die versicherte Person kann sich noch innerhalb eines Jahres
seit Eintritt des Versicherungsfalles ohne Einbusse an Rentenleistungen bei der IV
anmelden (vgl. aArt. 48 Abs. 2). Tritt der Versicherungsfall hingegen ab 1. Januar 2008
oder später ein, so ist das neue Recht anwendbar. In diesem Fall entsteht der
Rentenanspruch grundsätzlich erst sechs Monate nach Anmeldung bei der IV (vgl. Art.
29 Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwendbaren Fassung]). Ausgenommen
davon sind jedoch jene Fälle, in denen das Wartejahr noch vor dem 1. Januar 2008 zu
laufen begann und im Jahr 2008 erfüllt wurde. Diesfalls ist die Rente abweichend von
Art. 29 Abs. 1 IVG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung ab Ablauf des
Wartejahres auszurichten, wenn die Anmeldung spätestens am 31. Dezember 2008
eingereicht wird. Das Bundesgericht ist dann allerdings zum Schluss gekommen, dass
das Rundschreiben Nr. 253, soweit es eine anspruchswahrende Anmeldefrist bis Ende
2008 vorsehe, gesetzeswidrig sei; die Anmeldefrist könne anspruchswahrend maximal
bis Ende Juni 2008 erstreckt werden (BGE 138 V 475 E. 3.4). Der Beschwerdeführer ist
im Rahmen der Früherfassung am 3. September 2008, d.h. nach der von der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung gesetzten Grenze (30. Juni 2008) zum allfälligen
Leistungsbezug bei der Beschwerdegegnerin angemeldet worden (IV-act. 1-1 ff.), so
dass das neue, geltende Recht anwendbar ist. Sein Rentenanspruch kann also erst
sechs Monate nach dieser Anmeldung entstanden sein. Das Wartejahr im Sinne von
Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG beginnt mit dem Eintritt der – zeitlich und masslich (20 %)
genügenden - Arbeitsunfähigkeit. Ausgehend davon, dass seit August 2008 eine
mindestens 30 %ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestanden hat
(IV-act. 36-1 f., 62-58) und dass – wie nachfolgend noch aufzuzeigen ist – aus dem
Einkommensvergleich ein Invaliditätsgrad von über 40 % resultiert, ist das Wartejahr
per 31. Juli 2009 erfüllt. Somit ist ein allfälliger Rentenbeginn im August 2009
anzusetzen. Der Einkommensvergleich muss somit anhand der Einkommen des Jahres
2009 erfolgen.
2.5 Für die Ermittlung des Einkommens, welches der Beschwerdeführer ohne Invalidität
erzielen könnte (Valideneinkommen), ist entscheidend, was er im Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunder tatsächlich verdient hätte (BGE 129 V 222 E. 4.3.1).
Gemäss Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin hätte der Beschwerdeführer im Jahr
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2008 ein Einkommen von Fr. 68'900.-- erzielt (IV-act. 28-3). Wird dieser Betrag auf das
Jahr 2009 aufgerechnet (Fr. 68'900.-- x 1.021), ergibt sich ein Einkommen von
Fr. 70'349.--. Das Valideneinkommen ist somit auf diesen Betrag festzusetzen.
2.6 Als Einkommen, das die versicherte Person trotz gesundheitlicher Beeinträchti
gungen zumutbarerweise noch zu realisieren vermag (Invalideneinkommen), ist zu
berücksichtigen, was durch eine zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Marktlage
erzielt werden könnte (vgl. dazu BGE 130 V 348 f. Erw. 3.4 mit Hinweisen). Gemäss
dem psychiatrischen Gutachten vom 14. April 2010 ist es dem Beschwerdeführer
zumutbar, in seiner bisherigen Tätigkeit als Koordinatenschleifer zu 70 % tätig zu sein
(IV-act. 62-68). Somit entspricht das Invalideneinkommen grundsätzlich dem um 30 %
reduzierten Valideneinkommen. Das ergibt bei einer Arbeitsfähigkeit von 70 % ein
Einkommen von Fr. 49'244.-- (Fr. 70'349.-- x 70 %). Die Gesundheitsbeeinträchtigung
bewirkt - neben der Arbeitsunfähigkeit - erfahrungsgemäss eine zusätzliche
Lohneinbusse, weil direkte oder insbesondere indirekte Lohnkosten drohen, die bei
einem gesunden zu 70 % tätigen Arbeitnehmer nicht anfallen würden. Bei kranken
Arbeitnehmern besteht insbesondere ein grosses Risiko überproportionaler
Krankheitsabsenzen. Zudem muss mit kurzfristigen Leistungsschwankungen gerechnet
werden, was oft die Einsatzplanung erheblich erschwert. Weiter benötigen kranke
Personen grössere Rücksichtnahme seitens ihrer Vorgesetzten und ihrer
Arbeitskollegen. Diese beispielhaft aufgeführten Nachteile sind ökonomisch als
zusätzliche Lohnkosten zu qualifizieren, so dass ein in seiner Gesundheit
beeinträchtigter Arbeitnehmer bei identischem Lohn für einen Arbeitgeber deutlich
"teurer" ist als ein gesunder Arbeitnehmer. Beim Beschwerdeführer kommt hinzu, dass
die psychische Beeinträchtigung unweigerlich eine starke Verlangsamung bei der
Arbeit zur Folge hat, denn nur dadurch könnte der Beschwerdeführer für den
Arbeitgeber kostspielige Fehler vermeiden. Die Produktivität des Beschwerdeführers
als Koordinatenschleifer wäre also erheblich tiefer als bei einem gesunden zu 70 %
beschäftigten Arbeitnehmer. Dieser Wettbewerbsnachteil des Beschwerdeführers ist
durch den Arbeitunfähigkeitsgrad von 30 % nicht oder nur teilweise abgedeckt. Geht
man davon aus, dass der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit als
Koordinatenschleifer auf dem Arbeitsmarkt trotz dieser Verlangsamung tatsächlich
noch verwerten könnte, dann muss er als Arbeitnehmer bedeutend "billiger" sein als
ein gesunder Arbeitnehmer. Unter diesen Umständen erscheint ein Abzug von 15 -20
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% von dem Lohn, den er als gesunder zu 70 % Beschäftigter erzielen könnte, als
angemessen. Bereits bei einem Abzug von 15 % ergibt sich per 2009 ein zumutbares
Invalideneinkommen von Fr. 41'858.-- und damit ein Invaliditätsgrad von (abgerundet)
40 %.
3.
Ergibt sich, dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in Frage steht,
so gehört zum Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung
den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar,
2. Aufl., Zürich 2009, Vorbemerkungen N. 47) beachtet und eine allfällige Pflicht des
Beschwerdeführers zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe. Denn wie
sich aus Art. 16 ATSG ergibt, ist der Einkommensvergleich zur Bemessung des
Invaliditätsgrades erst nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen vorzunehmen und hat die versicherte Person,
wenn ohne berufliche Massnahmen ein Rentenanspruch droht, die Pflicht, sich
geeigneten und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen zu unterziehen. Die
Verwaltung ihrerseits hat die Pflicht, vor dem Entscheid über die Rentenfrage von
Amtes wegen alle Eingliederungsmöglichkeiten zu prüfen und hierüber zu entscheiden.
Da der Beschwerdeführer aber im massgebenden Zeitraum, wenn auch in einem
reduziertem Ausmass, in seiner angestammten Tätigkeit hätte arbeiten können,
erweisen sich berufliche Massnahmen - mit Ausnahme der Arbeitsvermittlung (Art. 18
IVG) - als unnötig. Demnach ist dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente" Rechnung
getragen. Die Arbeitsvermittlung dient nämlich nur der Überwindung der
Arbeitslosigkeit und fällt deshalb nicht unter den Grundsatz "Eingliederung vor Rente".
Bei einem Invaliditätsgrad von 40 % besteht demnach rückwirkend ab 1. August 2009
ein Anspruch auf eine Viertelsrente der Invalidenversicherung.
4.
4.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 14. November
2011 aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. August 2009 eine
Viertelsrente zuzusprechen.
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4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Die Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) vom 14. Februar 2012 ist damit
obsolet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39