Decision ID: 8f3f5944-e773-47bb-959f-4db96d78ff3a
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ und B._ meldeten sich zusammen mit ihrem – damals minderjährigen – Sohn
K._, geboren 2001, am 3. Januar 2019 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
St. Gallen (SVA) zum Bezug der individuellen Prämienverbilligung (IPV) für das Jahr
2019 an (act. 9/G9.2-1). Die SVA sprach A._ und B._ mit Verfügung vom 25. Januar
2019 basierend auf den provisorischen kantonalen Steuerdaten einen Anspruch auf IPV
in der Höhe von CHF 7'708.80 zu. Dabei berücksichtigte sie ein Reineinkommen von
CHF 17'987 (act. 9/G9.2-3). Nach Eingang der definitiven Steuerveranlagung der
Kantons- und Gemeindesteuern des Jahres 2017, gemäss welcher sich das
Reineinkommen auf CHF 37'182 belief, hob die SVA mit Verfügung vom 12. April 2019
die Verfügung vom 25. Januar 2019 auf, setzte den Anspruch auf IPV neu auf
CHF 3'481.80 fest und forderte den zuviel ausbezahlten Betrag von CHF 4'227 direkt
vom Krankenversicherer zurück (act. 9/G9.2-4).
A.a.
Gegen die Verfügung vom 12. April 2019 reichten A._ und B._ bei der SVA
Einsprache ein. Sie machten zusammengefasst geltend, dass ihnen im Jahr 2017
einmalige geldwerte Leistungen als Einkommen aufgerechnet worden seien und damit
das Reineinkommen des Jahres 2017 nicht ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
A.b.
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B.
entspreche. Die im Einspracheverfahren vorgenommenen Abklärungen beim Steueramt
ergaben, dass A._ und B._ in einer Liegenschaft wohnten, welche der Q._ AG
gehört. In den Jahren 2014 bis 2016 hätten sie zu tiefe Mieten an diese
Aktiengesellschaft bezahlt, weshalb ihnen im Jahr 2017 die eingesparten Mieten als
geldwerte Leistungen in der Höhe von CHF 7'500 als Einkommen aufgerechnet worden
seien. Sofern künftig die Mieten korrekt bezahlt würden, sei diese Position eine
einmalige Sache gewesen (act. 9/G9.2-6). Die Einsprache wurde mit
Einspracheentscheid vom 28. Mai 2019 abgewiesen. Den dagegen erhobenen Rekurs
wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 20. März
2020 ebenfalls ab (act. 6).
A._ und B._ (Beschwerdeführer) erhoben am 9. April 2020 für sich und ihren Sohn
K._ beim Verwaltungsgericht Beschwerde gegen den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen (Vorinstanz). Sie beantragten
sinngemäss die Aufhebung des Entscheids der Vorinstanz unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der SVA.
B.a.
Mit Schreiben vom 15. April 2020 forderte der Abteilungspräsident des
Verwaltungsgerichts die Beschwerdeführer auf, eine Vollmacht oder ein von K._ selbst
unterschriebenes Beschwerdeexemplar einzureichen und zu erläutern, inwiefern dieser
ebenfalls vom angefochtenen Entscheid betroffen sei. Zudem verzichtete der
Abteilungspräsident mit Blick auf die aus der Steuererklärung 2019 ersichtlichen
finanziellen Verhältnisse auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
B.b.
Mit Eingabe vom 30. April 2020 liessen die Beschwerdeführer dem Verwaltungsgericht
entsprechend dem Schreiben des Abteilungspräsidenten eine von K._, welcher nun
volljährig und ebenfalls vom Entscheid betroffen sei, selbst unterschriebene
Beschwerdeschrift zukommen.
B.c.
Mit Vernehmlassung vom 22. Mai 2020 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der

Beschwerde und verwies zur Begründung im Wesentlichen auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheids. Die SVA ersuchte mit Eingabe vom 11. Juni 2020 ebenfalls
um Abweisung der Beschwerde und verzichtete auf weitere Ausführungen. Am 29. Juni
2020 reichten die Beschwerdeführer eine weitere Eingabe ein.
B.d.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressaten des
angefochtenen Entscheids sind die Beschwerdeführer zur Ergreifung des Rechtsmittels
berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Wie bereits das
Versicherungsgericht zutreffend ausführte, wurde der Anspruch auf IPV von K._
zusammen mit seinen Eltern festgesetzt. Während des Rekursverfahrens vor
Versicherungsgericht wurde K._ volljährig. Der angefochtene Entscheid wurde daher
nebst seinen Eltern auch ihm eröffnet. K._ unterzeichnete mit nachträglicher Eingabe
vom 30. April 2020 die Beschwerde selbst und gilt demnach ebenfalls als
Beschwerdeführer. Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 9. April 2020 rechtzeitig
erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 30. April 2020 formal wie
inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
Beschwerdegegenstand bildet die Frage, ob für die Festsetzung des Anspruchs auf IPV
für das Jahr 2019 anstelle der definitiven Steuerveranlagung des Jahres 2017 und des
darin ermittelten Reineinkommens auf die aktuelle wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführer abzustellen ist. Zudem machen die Beschwerdeführer eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs im Einspracheverfahren geltend, was sie auch
bereits vor der Vorinstanz gerügt hatten. Sie behaupten, dass ihnen absichtlich und
grobfahrlässig eine mündliche Anhörung vor der Beschwerdegegnerin verweigert
worden sei. Eine Anhörung bedeute nicht ein einseitiges Erzählen, sondern auch die
Beantwortung von Fragen.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für
den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundeverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(SR 101, BV) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieser ist formeller
Natur. Seine Verletzung führt ungeachtet der materiellen Begründetheit des
Rechtsmittels grundsätzlich zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung des
angefochtenen Entscheids (BGE 144 I 11 E. 5.3), weshalb die Rüge vorweg zu
2.1.
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behandeln ist. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits
stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides
dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere
das Recht des Betroffenen, sich vor Fällung eines solchen Entscheids zur Sache zu
äussern, erhebliche Beweise beizubringen und Einsicht in die Akten zu nehmen. Wie
weit dieses Recht geht, lässt sich nicht generell, sondern nur unter Würdigung der
konkreten Umstände beurteilen. Massgebend ist, ob es den Betroffenen ermöglicht
worden ist, ihren Standpunkt wirksam zur Geltung zu bringen (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3,
BGer 2C_980/2018 vom 23. April 2019 E. 3.1).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör räumt den Betroffenen einen
Beweisführungsanspruch ein. Daraus resultiert aber kein genereller Anspruch auf eine
persönliche, mündliche Anhörung. Der Gehörsanspruch kann auch gewahrt werden,
wenn sich die betroffene Person im Verfahren anderweitig (z.B. schriftlich)
rechtsgenüglich äussern und ihrem Standpunkt Ausdruck verleihen kann (BGer
2C_163/2020 vom 14. Mai 2020 E. 3.4, 2C_980/2018 vom 23. April 2019 E. 3.1). Für
Einsprachen gegen Verfügungen der Beschwerdegegnerin gelten nach Art. 16 des
Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (sGS
331.11, EG-KVG) die Verfahrensbestimmungen des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1, ATSG) bzw. der Verordnung
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.11, ATSV). Gemäss
Art. 52 ATSG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 3 ATSV kann die Einsprache wahlweise
schriftlich oder bei persönlicher Vorsprache mündlich erhoben werden. Im vorliegenden
Fall reichten die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 9. Mai 2019 ihre Einsprache
schriftlich ein und begründeten sie auf zwei Seiten. Zusätzlich wünschten sie eine
persönliche Anhörung. Der Verzicht auf eine persönliche Anhörung durch die
Beschwerdegegnerin ist nicht zu beanstanden, da sich die Beschwerdeführer bereits
schriftlich ausreichend äussern konnten. Es ist weder ersichtlich noch wird es von den
Beschwerdeführern dargetan, inwiefern neue entscheidrelevante Erkenntnisse, die sich
nicht bereits aus ihrer schriftlichen Eingabe und den Akten ergeben, durch eine
mündliche Anhörung der Beschwerdeführer hätten gewonnen werden können. Der
Sachverhalt wird denn auch nicht bestritten und die Rechtsfragen waren einer
schriftlichen Darlegung ohne Weiteres zugänglich. Somit erfüllte die schriftliche
Eingabe bereits die Anforderungen an eine Einsprache und eine Ergänzung war nicht
mehr notwendig. Soweit die Beschwerdeführer vorbringen, dass es bei der mündlichen
Anhörung auch um die Beantwortung von Fragen ginge, sind sie darauf hinzuweisen,
dass dafür nicht das Rechtsmittelverfahren vorgesehen ist. Allerdings ist es ihnen bei
2.2.
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3.
Unklarheiten und Fragen unbenommen, sich direkt an die Beschwerdegegnerin zu
wenden. Denn die Beschwerdegegnerin ist gestützt auf Art. 27 ATSG verpflichtet, für
Aufklärung und Beratung zur Verfügung zu stehen. Im vorliegenden Fall sind jedenfalls
keine formellen Mängel ersichtlich, und damit wurde der Anspruch auf rechtliches
Gehör nicht verletzt.
Gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (SR 832.10;
KVG) gewähren die Kantone Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen
Verhältnissen Prämienverbilligungen. Nach Abs. 3 derselben Bestimmung haben sie
dafür zu sorgen, dass bei der Überprüfung der Anspruchsvoraussetzungen,
insbesondere auf Antrag der versicherten Person, die aktuellsten Einkommens- und
Familienverhältnisse berücksichtigt werden. Der Vollzug der Prämienverbilligung obliegt
den Kantonen (Art. 97 Abs. 1 KVG). In den kantonalen Ausführungsbestimmungen sind
insbesondere die Anspruchsberechtigung und das Verfahren für die Ermittlung der
Berechtigten zu regeln. Der Kanton ist der Verpflichtung nach Art. 97 Abs. 1 KVG mit
dem EG-KVG sowie der Verordnung zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung
über die Krankenversicherung (sGS 331.111, Vo EG-KVG) nachgekommen. Dabei
setzte er in Art. 10 EG-KVG die persönlichen und in Art. 11 EG-KVG die
einkommensmässigen Voraussetzungen sowie die Höhe der IPV (Art. 12 EG-KVG) fest.
3.1.
Nach Art. 11 EG-KVG setzt die Regierung das die Prämienverbilligung auslösende
Einkommen unter teilweiser Berücksichtigung des steuerbaren Vermögens durch
Verordnung fest (Abs. 1). Grundlage bildet in der Regel die letzte definitive
Steuerveranlagung des vorletzten Jahres vor dem Jahr, für das die Prämienverbilligung
beansprucht wird (Abs. 2). Entspricht das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, wird auf diese abgestellt (Abs. 3).
Die Vo EG-KVG enthält ergänzende Bestimmungen zum massgebenden Einkommen.
Gemäss Art. 12 Abs. 1 Vo EG-KVG bildet das nach kantonalem Steuerrecht ermittelte
Reineinkommen der Steuerperiode des vorletzten Jahres Grundlage für die
Berechnung des massgebenden Einkommens, und zwar wird bei noch nicht definitiv
veranlagten Personen auf die Steuerdeklaration (lit. a) und bei den andern auf die
definitive Veranlagung (lit. b) abgestellt. Art. 12 Vo EG-KVG sieht sodann vor, dass
auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anstelle des ermittelten Einkommens
abgestellt wird, wenn sich die Einkommensgrundlagen dauerhaft verändert haben (Abs.
3.2.
quater
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1), wobei die Abweichung im Bezugsjahr wenigstens einen Viertel des massgebenden
Einkommens des vorletzten Jahres betragen muss (Abs. 2). Diese beiden
Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein. Ein Abweichen von der definitiven
Steuerveranlagung des vorletzten Jahres ist praxisgemäss nur bei dauerhaften und
tiefgreifenden Änderungen der Einkommensverhältnisse gerechtfertigt (VerwGE
B 2006/3 vom 21. März 2006 E. 2c und B 2005/23 vom 10. Mai 2005 E. 2c).
Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid im Wesentlichen zum Schluss, dass
es sich bei den aufgerechneten geldwerten Leistungen im Jahr 2017 bzw. den zu tief
bezahlten Mietzinsen in den Jahren 2014 bis 2016 um eine einmalige
Einkommenserhöhung gehandelt habe. Damit liege zwar eine dauerhafte
Einkommensveränderung vor. Allerdings erreiche diese Veränderung von jährlich
CHF 7'500 nicht die geforderte Differenz von einem Viertel des im Jahr 2017
veranlagten Einkommens von CHF 37'182. Weitere Veränderungen zwischen der
Einkommensbasis 2017 und 2019 würden von den Beschwerdeführern weder konkret
behauptet noch seien sie glaubhaft dargelegt. Krankenversicherungsprämien seien von
ihrer Natur her grundsätzlich nicht geeignet, die Kriterien einer grundlegenden und
dauerhaften Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse zu erfüllen, da sie
notorischerweise häufig jährlich schwanken würden. Demnach sei für die Festsetzung
des Anspruchs auf IPV im Jahr 2019 auf die Daten der definitiven Steuerveranlagung
des Jahres 2017 abzustellen.
Dagegen vertreten die Beschwerdeführer die Ansicht, dass auch die
Versicherungsprämien eine dauerhafte Veränderung der Einkommensverhältnisse
verursachen würden. Diese Prämien seien gegenüber den Vorjahren 2014 bis 2016 im
Steuerjahr 2017 CHF 3'205 tiefer ausgefallen. Diese Differenz sei zu den geldwerten
Leistungen von CHF 7'500 zu addieren und damit ergebe sich eine dauerhafte
Einkommensveränderung von CHF 10'705. Die geforderte Differenz von 25% werde
folglich erfüllt und die offensichtliche Veränderung der wirtschaftlichen
Leistungsverhältnisse sei ausgewiesen. Bei der Berechnung der IPV könne daher nicht
auf die Steuerveranlagung des Jahres 2017 abgestellt werden.
3.3.
Unbestritten ist, dass es sich bei den aufgerechneten geldwerten Leistungen im Jahr
2017 um eine einmalige Einkommenserhöhung handelt. Die Abweichung von einem
Viertel des im Jahr 2017 veranlagten Einkommens von CHF 37'182 wird mit den
geldwerten Leistungen von CHF 7'500 allerdings nicht erreicht, weshalb keine
3.4.
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dauerhafte und erhebliche Änderung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gemäss
Art. 12 Abs. 2 Vo EG-KVG ausgewiesen ist. Die Beschwerdeführer behaupten,
dass ihr Reineinkommen zusätzlich zu den geldwerten Leistungen durch tiefere
Versicherungsprämien erhöht worden sei.
In den Jahren 2014 und 2015 betrug der Abzug für Versicherungsprämien und
Sparzinsen CHF 6'000, im Jahr 2016 CHF 7'000. In der definitiven Steuerveranlagung
für das Jahr 2017 wurde kein Abzug gewährt, da die deklarierten
Versicherungsprämien von CHF 7'000 um die ausbezahlten Prämienverbilligungen von
CHF 7'708.80 (provisorische Verfügung vom 25. Januar 2019) reduziert wurden
(Begründung für Abweichung, act. 9/G9.5-10). Tatsächlich haben sich die
Prämienverbilligungen gemäss der Verfügung vom 12. April 2019 auf CHF 3'481 anstatt
die provisorisch festgesetzten CHF 7'708.80 reduziert. Der von den Beschwerdeführern
ausgefüllten Steuererklärung für das Jahr 2018 ist ein Abzug von CHF 2'932 für
bezahlte Versicherungsprämien und Sparzinsen zu entnehmen und der Steuerklärung
für das Jahr 2019 ein solcher Abzug in der Höhe von CHF 3'478. Die Abzüge für
Versicherungsprämien und Sparzinsen schwanken demnach jährlich.
quater
Damit nicht auf die definitive Steuerveranlagung des vorletzten Jahres abzustellen ist,
muss sich nebst der Einkommensabweichung von wenigstens einem Viertel
(quantitative Voraussetzung, Art. Art. 12 Abs. 2 Vo EG-KVG) kumulativ auch die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der betroffenen Person/-en dauerhaft verändert
haben (qualitative Voraussetzung, Art. 12 Abs. 1 Vo EG-KVG). Eine solche
dauerhafte erhebliche Veränderung der Einkommensverhältnisse wurde beispielsweise
bei einem Wechsel von einer unselbständigen Erwerbstätigkeit in eine selbständige
oder bei Antritt einer auf drei Jahre angelegten Weiterbildung, die eine mindestens auf
den entsprechenden Zeitraum ausgerichtete Umstellung der Lebensverhältnisse in
wirtschaftlicher und organisatorischer Hinsicht bedingte, bejaht (Urteile des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen KV-SG 2014/5 vom 10. Juni 2015, KV-
SG 2019/3 vom 4. September 2019 und KV-SG 2014/1 vom 28. Oktober 2014).
Hingegen wird die verlangte qualitative Voraussetzung nicht erfüllt bei Stellenverlust
(Kompensation durch Ersatzeinkommen der Arbeitslosenversicherung) oder bei
Geschäftsaufgabe und gleichzeitiger Aufnahme einer unselbständigen Tätigkeit im
Rahmen einer Saisonstelle (Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
KV-SG 2014/4 vom 27. Februar 2015 und KV-SG 2009/4 vom 1. März 2010).
Massgebend ist das zeitliche Element, welches in Art. 12 Abs 1 Vo EG-KVG mit
"dauerhaft" umschrieben wird (Definition gemäss Duden: einen langen Zeitraum
3.5.
quater
quater
quater
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überdauernd, beständig [vgl. www.duden.de]) Die Dauerhaftigkeit muss in der Sache
selbst bzw. in der veränderten Einkommensgrundlage liegen. Dauerhaftigkeit ist bei
Vorliegen eines unabänderlichen Zustands anzunehmen (Urteile des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen KV-SG 2019/3 vom 4. September 2019
E. 3.6).
Die Beschwerdeführer machen weder eine dauerhafte Veränderung in ihren
Einkommensverhältnissen geltend noch ist eine solche aus den Akten ohne Weiteres
ersichtlich. Die Beschwerdeführer arbeiten nach wie vor unselbständig als Schreiner
bzw. als Sekretärin. Die Einkommen der Beschwerdeführer sind bis auf das
Einkommen der Person 1 (Beschwerdeführer) des Jahres 2019 konstant. Wie den
Steuerveranlagungen der Jahre 2015 bis 2017 entnommen werden kann, belief sich
das Einkommen aus unselbständigem Haupterwerb der Person 1 jeweils auf ca.
CHF 18'000 und dasjenige der Person 2 auf ca. CHF 11'000. Im Jahr 2018 wurden
Einkommen der Personen 1 und 2 bzw. der Beschwerdeführer in derselben Höhe wie in
den Vorjahren in der Steuererklärung deklariert. In der Steuererklärung des Jahres 2019
gaben die Beschwerdeführer für die Person 1 ein Einkommen aus unselbständigem
Haupterwerb in der Höhe von CHF 11'018 und ein solches für die Person 2 von
CHF 11'253 an. Aus welchem Grund es im Jahr 2019 bei der Person 1 zu einer
Einkommenseinbusse gekommen ist und ob diese Einbusse dauerhaft sein wird, ergibt
sich weder aus den Akten noch werden von den Beschwerdeführern dazu
Ausführungen gemacht. Die Beschwerdeführer machen einzig eine Veränderung der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit aufgrund der gegenüber dem Jahr 2017
veränderten Versicherungsprämien geltend. Dass sich das Reineinkommen aufgrund
des Abzugs für Versicherungsprämien und Sparzinsen jährlich verändert, ist zwar
korrekt, betrifft aber nicht die eigentliche Einkommensgrundlage und entspricht
folgerichtig nicht der in Art. 11 Abs. 3 EG KVG in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 Vo
EG-KVG beschriebenen dauerhaften Veränderung der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit. Demnach mögen die Versicherungsprämien zwar Auswirkungen auf
die Höhe des steuerlichen Reineinkommens haben, dies aber lediglich rein rechnerisch
und vorübergehend (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen KV-
SG 2014/1 vom 28. Oktober 2014 E. 2.1). Anzumerken ist allerdings, dass das vom
Gesetzgeber für die IPV gewählte massgebende Reineinkommen gemäss Art. 11 Abs.
1 EG-ZGB in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 und 2 Vo EG-ZGB, das heisst das
Einkommen nach Vornahme der Abzüge für Berufskosten und vor allem für
Versicherungsprämien und Sparzinsen, nicht zielführend erscheint, da die Höhe des
Reineinkommens durch die ausbezahlte (noch nicht definitiv festgelegte) IPV
beeinflusst werden kann. Im vorliegenden Fall wird die qualitative Voraussetzung im
quater
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4.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten den
Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 1'500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
GKV). Im Gegensatz zum Verfahren vor Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
stellten die Beschwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren kein Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege. Selbst wenn sie jedoch ein solches eingereicht hätten,
hätte dieses gestützt auf die vorliegenden Akten und damit aufgrund der nicht ganz
nachvollziehbaren Beteiligungsverhältnisse und Einkommensflüsse rund um die
Q._ AG – wie bereits das Versicherungsgericht erwogen hat – sowie der fehlenden
Angaben zu den finanziellen Verhältnissen des Sohnes K._ abgewiesen werden
müssen. Da zudem auch ein allfälliger IPV-Anspruch nicht gleichzusetzen wäre mit
einer prozessualen Bedürftigkeit, gibt es keinen Anlass, auf die Erhebung der amtlichen
Kosten im Sinne von Art. 97 VRP zu verzichten. Die Beschwerdeführer haften dafür von
Gesetzes wegen solidarisch (Art. 96 VRP).
Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Verfahrensausgang nicht zu entschädigen (Art.
98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).