Decision ID: 0a1fc989-48ec-508c-9855-7b9573fe1b38
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Auf der Parzelle Nr. E._ (früher Parzelle Nr. F._) an der
G._strasse 14 in Golaten befindet sich das Gewächshaus der von Amtes wegen
am Verfahren Beteiligten 1 und 2 für den Gemüsebau. Der Regierungsstatthalter von
Laupen (heute Bern-Mittelland) erteilte dafür mit Entscheid vom 29. März 1995 die
Baubewilligung. Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) hiess
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eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde insoweit gut, als sie die
Baubewilligung mit einer Energieanschlussbewilligung der BKW Energie AG ergänzte.
Bezüglich der Zonenkonformität stellte die BVE im Beschwerdeentscheid vom 25. August
1995 fest, das Gewächshaus könne in der Landwirtschaftszone als zonenkonform im Sinn
von Art. 16 RPG1 beurteilt werden. Diese Baubewilligung ist rechtskräftig geworden.
2. Am 5. Dezember 2013 gelangte der Beschwerdeführer an die Gemeinde. Er meldete,
im Gewächshaus auf Parzelle Nr. E._ sei die Heizung ersetzt worden. Er vertrat
die Auffassung, der Ersatz des Heizkessels erfordere eine Baubewilligung. Mit Schreiben
vom 14. April 2014 machte er die Gemeinde zusätzlich darauf aufmerksam, dass beim
Heizkesselersatz die Vorschriften der Luftreinhalteverordnung, die Brandschutzrichtlinien
und die energierechtlichen Vorschriften eingehalten werden müssen.
3. In der Folge beauftragte die Gemeinde den Feueraufseher und den
Feuerungskontrolleur, den Sachverhalt zu prüfen. Die Abklärungen ergaben, dass im
fraglichen Gewächshaus der Heizkessel ersetzt und der alte Brenner wieder montiert
wurde. Am 4. Dezember 2014 meldete der Feuerungskontroller der Gemeinde ausserdem,
die Messwerte der Anlage würden den geltenden Vorschriften entsprechen. Es fehle
jedoch die Konformitätserklärung des Kessellieferanten. Am 18. Februar 2015 reichten die
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten 1 und 2 eine Kopie der Konformitätserklärung
mit CE-Kennzeichnung der Gemeinde nach. Danach klärte die Gemeinde beim beco
(berner Wirtschaft) ab, ob der Heizkesselersatz eine Baubewilligung erfordere. Aufgrund
der Heizkesselleistung kam das beco zum Schluss, es liege in der Kompetenz der
Gemeinde zu entscheiden, ob für die bereits in Betrieb stehende Anlage ein
Baubewilligungsverfahren durchgeführt werden soll oder nicht. Mit Beschluss vom 9. März
2015 entschied der Gemeinderat, die Frage der Baubewilligungspflicht durch den
Regierungsstatthalter von Bern-Mittelland beurteilen zu lassen.
4. Mit Entscheid vom 27. Mai 2015 stellte der Regierungsstatthalter von Bern-Mittelland
fest, der Ersatz des Heizkessels stelle keinen baubewilligungspflichtigen Tatbestand dar.
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700)
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Gegen diesen Feststellungsentscheid reichte der Beschwerdeführer am 30. Juni 2015
Beschwerde bei der BVE ein. Er beantragt die Aufhebung des Feststellungsentscheids. Er
bringt vor, der angefochtene Entscheid enthalte massive Fehler, die so nicht belassen
werden könnten. Weiter stellt er sich auf den Standpunkt, durch die Beschwerdeführung
dürften ihm keine Kosten entstehen. Schliesslich beantragt er die Ausrichtung einer
Parteientschädigung von Fr. 500.00. In den Schlussbemerkungen vom 1. Oktober 2015
hält er im Wesentlichen an seiner Beschwerde fest und rügt zusätzliche Punkte.
5. Die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten 1 und 2 teilen mit Schreiben vom
8. Juli 2015 mit, sie könnten sich als rechtliche Laien zu den gesetzlichen Anforderungen
an die Baubewilligungspflicht nicht äussern. Sie verweisen auf die Ausführungen des
Regierungsstatthalters und der Gemeinde. Sie äusserten sich weder zum Beweisergebnis
noch reichten sie Schlussbemerkungen ein.
6. Ohne einen Antrag zu stellen weist das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland in
seiner Stellungnahme vom 5. August 2015 darauf hin, dass es für das Ergebnis irrelevant
sei, ob das Gewächshaus in der Intensivlandwirtschaftszone liege oder nicht. Das
Vorhaben befinde sich so oder so ausserhalb der Bauzone und es stelle sich damit die
Frage, ob es geeignet sei, die Nutzungsordnung zu beeinflussen. Dies sei im vorliegenden
Fall zu verneinen.
7. Die Gemeinde hält in ihrer Stellungnahme mit Posteingang vom 27. August 2015
fest, das Gewächshaus auf Parzelle Nr. E._ sei inklusive der Ölheizung im Jahre
1996 bewilligt worden. Die Argumentation im angefochtenen Entscheid sei überzeugend
und nachvollziehbar. Es sei nicht ersichtlich, weshalb die Heizung nicht zonenkonform sein
soll. Gestützt auf die bisherigen Unterlagen habe es keine Veranlassung gegeben, ein
baupolizeiliches Verfahren einzuleiten.
8. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet, führte den
Schriftenwechsel durch und holte bei der Vorinstanz die Vorakten ein. Zudem holte es
beim Amt für Umweltkoordination und Energie (AUE), Abteilung Energie, einen Fachbericht
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ein. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Beweisergebnis zu äussern und
Schlussbemerkungen einzureichen. Auf die Eingaben, vorhandenen Akten und den
Fachbericht des AUE wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Gemäss Art. 48 Abs. 2 Bst. a BewD2 entscheidet der Regierungsstatthalter im
Zweifelsfall, ob ein Bauvorhaben einer Baubewilligung bedarf. Geht es dabei um ein bereits
ausgeführtes Bauvorhaben, erlässt der Regierungsstatthalter die Feststellungsverfügung in
seiner Eigenschaft als baupolizeiliche Aufsichtsbehörde und die Verfügung kann gemäss
Art. 49 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE
angefochten werden.4 Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen den
angefochtenen Entscheid zuständig.
b) Der Beschwerdeführer ist als benachbarter Grundeigentümer einsprachelegitimiert
und hat das Recht, sich als Anzeiger in einem baupolizeilichen Verfahren zu beteiligen.
Entgegen seiner Auffassung hat der Regierungsstatthalter entschieden, der
Heizkesselersatz bedürfe keiner Baubewilligung. Er ist somit durch den angefochtenen
Entscheid beschwert.
Nach den Akten wurde der angefochtene Feststellungsentscheid vom 27. Mai 2015
gleichentags mit eingeschriebener Post versandt (vgl. Sendenummer Track and Trace
H._)5. Er wurde am 28. Mai 2015 dem Beschwerdeführer erfolglos zur Abholung
gemeldet. Die siebentägige Abholfrist lief damit am 4. Juni 2015 ab. An diesem Tag gilt der
Entscheid als zugestellt (Art. 44 Abs. 3 VRPG6). Die dreissigtägige Beschwerdefrist begann
2 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 BVR 1987 S. 449 5 https://service.post.ch/EasyTrack 6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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damit am 5. Juni 2015 zu laufen und endete am 6. Juli 2015 (Art. 41 Abs. 1 und 2 VRPG).
Der Beschwerdeführer hat seine Beschwerde am 1. Juli 2015 (Poststempel) somit frist-
und formgerecht eingereicht. Auf die Beschwerde ist somit grundsätzlich einzutreten.
2. Beteiligung am Verfahren von Amtes wegen
Der Regierungsstatthalter hat seine Verfügung vom 27. Mai 2015 der Gemeinde Golaten,
den Grundeigentümern und dem Beschwerdeführer eröffnet. Die Grundeigentümer sind
von der Frage, ob der Ersatz des Heizkessels baubewilligungspflichtig ist, besonders
berührt und in ihren Interessen betroffen (Art. 12 Abs. 1 VRPG). Der Entscheid über die
Baubewilligungspflicht muss auch für sie verbindlich sein.7 Die BVE hat sie von Amtes
wegen am Verfahren beteiligt (Art. 14 Abs. 1 VRPG).
3. Streitgegenstand
In der Stellungnahme vom 1. Oktober 2015 wirft der Beschwerdeführer zusätzliche Fragen
auf. Sie betreffen die Folientunnel auf der Parzelle Nr. I._ vor seiner Liegenschaft
und ein Treibhaus auf der "K._" (wahrscheinlich Parzelle Nr. J._). Er fühlt
sich zudem durch die Gemeinde ungerecht behandelt. Auf diese Punkte kann nicht
eingetreten werden. Sie sprengen den Rahmen des Streitgegenstands. Angefochten ist nur
der Entscheid des Regierungsstatthalters von Bern-Mittelland vom 27. Mai 2015, der den
Heizkesselersatz im Gewächshaus auf der Parzelle Nr. E._ zum Gegenstand hat.
Damit ist das Beschwerdeverfahren auf die Frage beschränkt, ob der Heizkesselersatz in
diesem Gewächshaus baubewilligungspflichtig ist oder nicht.
4. Umfang der Baubewilligungspflicht und -freiheit
a) Das Bundesrecht bestimmt in Art. 22 RPG, welche Bauten und Anlagen
bewilligungspflichtig sind. Danach benötigen grundsätzlich alle künstlich geschaffenen und
auf Dauer angelegten Bauten, Anlagen und Einrichtungen (Bauvorhaben), die in fester
7 VGE 2014/266 vom 4. Juni 2015, E. 8.1
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Beziehung zum Erdboden stehen, eine Baubewilligung. Art. 22 RPG ist aber offen
formuliert und lässt den Kantonen einen relativ grossen Regelungsspielraum. Der
kantonale Gesetzgeber hat in Art. 1a und 1b BauG und im Baubewilligungsdekret die
bundesrechtlichen Bestimmungen konkretisiert. Danach bedürfen nach Art. 1b Abs. 1
BauG insbesondere der Unterhalt von Bauten und Anlagen, für eine kurze Dauer erstellte
Bauten und Anlagen sowie andere geringfügige Bauvorhaben keiner Baubewilligung.
b) Das Baubewilligungsdekret bestimmt in den Art. 5 bis 7 BewD die
baubewilligungsfreien Bauvorhaben. Nach Art. 6 Abs. 1 Bst. d BewD bedürfen bauliche
Änderungen im Gebäudeinnern, die nicht mit einer baubewilligungspflichtigen
Nutzungsänderung verbunden sind und nicht die Brandsicherheit betreffen, keiner
Baubewilligung. Weiter schränkt Art. 7 Abs. 1 BewD die Bewilligungsfreiheit für
Bauvorhaben nach Art. 6 oder 6a ein, die ausserhalb der Bauzone liegen und geeignet
sind, die Nutzungsordnung zu beeinflussen, indem sie z.B. den Raum äusserlich erheblich
verändern, die Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen. Solche Vorhaben
sind bewilligungspflichtig.
5. Baubewilligungsfreiheit des Heizkesselersatzes
a) Die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten haben im bestehenden
Gewächshaus auf Parzelle Nr. E._ den Heizkessel ausgewechselt und den alten
Brenner wieder montiert.
Die Vorinstanz hielt im angefochtenen Entscheid fest, der Heizkesselersatz betreffe die
Brandsicherheit nicht. Es werde weder eine Feuerungsanlage umgestellt noch eine
zusätzliche Feuerstelle eingebaut. Der Heizkesselersatz bedürfe deshalb gestützt auf Art. 6
Abs. 1 Bst. d BewD keiner Baubewilligung. Sie ging weiter davon aus, dass das fragliche
Gewächshaus in der Intensivlandwirtschaftszone liege. Aus diesem Grund prüfte die Vor-
instanz weiter, ob die Baubewilligungsfreiheit durch Art. 7 Abs. 1 BewD eingeschränkt wird.
Dies verneinte die Vorinstanz. Sie kam zum Schluss, der Heizkesselersatz verändere den
Raum äusserlich nicht und belaste auch die Erschliessung nicht. Es werde zwar die
Umwelt durch die heute bestehende Heizung beeinträchtigt. Es sei jedoch davon
auszugehen, dass durch den Einbau eines neuen, modernen Heizkessels die Umwelt
inskünftig weniger belastet werde.
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b) Der Beschwerdeführer kritisiert, die Annahme im angefochtenen Entscheid, wonach
das betroffene Gewächshaus in der Intensivlandwirtschaftszone mit speziellen Vorschriften
und Möglichkeiten nach Art. 16a Abs. 3 RPG liege, sei falsch. Gemäss dem
Bundesgerichtsurteil vom 4. Dezember 2014 befinde sich das fragliche Gewächshaus in
der normalen Landwirtschaftszone. Er stellt sich auf den Standpunkt, die fragliche Heizung
sei nicht zonenkonform und damit verboten. Dazu verweist er auf das
Verwaltungsgerichtsurteil vom 24. Oktober 20058. Er moniert, mit dem angefochtenen
Entscheid könne eine illegale Heizung nicht legalisiert werden. Schliesslich macht er
geltend, beim Heizungswechsel müsse ein energietechnischer Massnahmennachweis
eingereicht und es müsse das Formular EN 3 (Heizung und Warmwasser) ausgefüllt
werden. Dabei seien Heizkessel nur mit Typenprüfung zugelassen und sie müssten die
Kondensationswärme ausnützen. Die Baubewilligung bezwecke eine vorgängige Kontrolle
der Anlage hinsichtlich der umweltschutz- und energierechtlichen Vorschriften. Ohne
Bejahung der Baubewilligungspflicht würden diese Gesetze zur Phrase.
c) Die Parzelle Nr. E._, auf der sich das Gewächshaus befindet, liegt gemäss
dem Zonenplan vom 2. Juni 2010 der D._ in der "Intensivlandwirtschaftszone
Gewächshaus". Zutreffend weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass diese Zone und
die entsprechenden Bestimmungen im Baureglement 2010 aufgrund des
Bundesgerichtsurteils vom 4. Dezember 20149 nicht rechtskräftig sind. Demzufolge gilt für
die Parzelle Nr. E._ noch die alte Zonenordnung. Danach liegt die Parzelle
Nr. E._ in der Landwirtschaftszone. Dies ist bei der Beurteilung der Frage, ob der
Heizkesselersatz baubewilligungspflichtig ist oder nicht, irrelevant. Hier stellt sich die
Frage, ob die Einschränkung der Baubewilligungsfreiheit nach Art. 7 Abs. 1 BewD zum
Tragen kommt. Dies ist der Fall, wenn baubewilligungsfreie Vorhaben ausserhalb der
Bauzone liegen. Sowohl die Landwirtschaftszone wie auch die Intensivlandwirtschaftszone
liegen ausserhalb der Bauzone. Die Einschränkung der Baubewilligungspflicht nach Art. 7
Abs. 1 BewD kommt damit unabhängig davon, ob das Gewächshaus in der normalen
Landwirtschaftszone oder der Intensivlandwirtschaftszone liegt, zur Anwendung.
d) Beim Heizkesselersatz handelt es sich um eine Änderung im Innern einer
bestehenden Baute. Änderungen im Gebäudeinnern sind nach Art. 6 Abs. 1 Bst. d BewD
8 Vgl. VGE 22210 vom 24. Oktober 2005 9 BGE 141 II 50
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grundsätzlich baubewilligungsfrei, es sei denn, sie seien mit einer
baubewilligungspflichtigen Nutzungsänderung verbunden oder die Brandsicherheit sei
betroffen.
Es bestehen hier keine Anhaltspunkte, dass mit dem Heizkesselersatz die Nutzung des
Gewächshauses verändert wird. Nach den Akten wurde lediglich der alte Heizkessel durch
einen neuen mit gleicher Leistung ersetzt. Die BVE hat im Jahr 1995 die Baubewilligung für
dieses Gewächshaus in der Landwirtschaftszone bestätigt und als zonenkonform
eingestuft. Es umfasste schon damals eine künstliche, zentralgesteuerte Bewässerung mit
Düngung, eine zentralgesteuerte Lüftung sowie eine mit Öl betriebene Heizung.10 Alleine
der Ersatz des Heizkessels verändert die bisher bewilligte Nutzung des Gewächshauses
nicht. Die pauschale Behauptung des Beschwerdeführers, die Heizung sei nicht
zonenkonform, ist nicht stichhaltig. Dass der Heizkesselersatz zonenwidrig ist, lässt sich
auch nicht aus dem Urteil des Verwaltungsgerichts vom 24. Oktober 2005 ableiten.
Gegenstand dieses Verfahrens war nicht das Gewächshaus auf der Parzelle
Nr. E._, sondern das Erstellen eines Folienhochtunnels auf der Nachbarparzelle
Nr. I._. Der Beschwerdeführer stösst damit auch mit dem Argument, es werde
eine illegale Heizung legalisiert, ins Leere. Auch ist hier die Brandsicherheit nicht
gefährdet. Die Heizanlage wird mit dem gleichen Energieträger (Öl) weiter betrieben und
es wird keine neue Feuerstelle eingebaut. Neue Brandschutzauflagen sind daher nicht
nötig.
e) Die Änderung wird ausserhalb der Bauzone ausgeführt. Es fragt sich, ob die
Baubewilligungsfreiheit des Heizkesselersatzes aufgrund von Art. 7 Abs. 1 BewD
eingeschränkt wird. Dies wäre zu bejahen, wenn er geeignet ist, die Nutzungsordnung zu
beeinflussen, indem er zum Beispiel den Raum äusserlich erheblich verändert, die
Erschliessung belastet oder die Umwelt beeinträchtigt.
Hier wird im Innern eines Gewächshaues der bestehende Ölheizkessel durch einen neuen
ersetzt. Etwas Neues, das sich raumrelevant auswirkt, wird nicht gebaut. Auch ist die
Erschliessung offensichtlich nicht belastet. Die Einwirkungen, die der Heizkesselersatz auf
die Umwelt hat, sind hier gering. Es besteht kein öffentliches Interesse, ihn deswegen der
Baubewilligungspflicht zu unterwerfen. Dazu kommt, dass der fragliche Heizkessel
10 Vgl. BDE vom 25. August 1995 RA Nr. 11069-95.B
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typengeprüft ist. Seine Umweltverträglichkeit (Lufthygiene) ist damit bereits in einem
anderen Verfahren geprüft worden. Die Vorinstanz hat zu Recht entschieden, dass der
reine Heizkesselersatz keiner Baubewilligungspflicht unterliegt.
f) Baubewilligungsfrei bedeutet allerdings nicht "rechtsfrei". Nach Art. 1b Abs. 2 BauG
müssen auch baubewilligungsfreie Bauvorhaben die öffentlich-rechtlichen Vorschriften
einhalten. Das heisst beispielsweise, sie dürfen ein Schutzgebiet nicht beeinträchtigen,
müssen die Minimalanforderungen an die Energiegesetzgebung erfüllen (Art. 63 KEnG11)
oder das Vorsorgeprinzip nach Art. 11 Abs. 2 USG12 beachten.13
6. Durchsetzung der Energievorschriften
a) Nach dem Gesagten gelten die energierechtlichen Vorschriften auch für
baubewilligungsfreie Vorhaben. Die Bauherrschaft hat dabei selber für die Einhaltung der
Minimalanforderungen an die Energienutzung zu sorgen (Art. 63 KEnG). Vor diesem
Hintergrund ist es nicht zu beanstanden, dass die Gemeinde von sich aus kein
Energienachweis verlangte und nicht präventiv und systematisch flächendeckende
Baukontrollen durchführte.
b) Das AUE hat in seinem Bericht vom 20. Juli 2015 festgehalten, beim
Heizkesselersatz seien folgende energietechnische Vorschriften einzuhalten:
- Der mit Öl betriebene Heizkessel muss grundsätzlich die Kondensationswärme
ausnützen. Ist dies "technisch nicht möglich", kann der Anlagebetreiber von der
Einhaltung dieser Anforderung befreit werden (Art. 20 Abs. 1 KEnV14). Die
Vollzugshilfe "Heizung und Warmwasser (EN-3), Ausgabe Februar 2013" der
Konferenz Kantonaler Energiefachstellen erläutert im Detail, in welchen Fällen die
Ausnützung der Kondensationswärme technisch nicht möglich ist.15
11 Kantonales Energiegesetz vom 15. Mai 2011 (KEnG; BSG 741.1) 12 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 13 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1b N. 3; BSIG Weissung Nr. 7/725.1/1.1 vom 15. Januar 2013, Baubewilligungsfreie Bauten und Anlagen nach Art. 1b BauG, S. 3 f. 14 Kantonale Energieverordnung vom 26. Oktober 2011 (KEnV; BSG 741.111) 15 Abrufbar unter www.endk.ch / Rubrik Fachleute / Vollzugshilfen
http://www.endk.ch
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- Die Vorlauftemperatur ist auf 50°C zu beschränken. Davon sind Heizungssysteme für
das Gewächshaus ausgenommen, wenn der Nachweis erbracht wird, dass sie eine
höhere Vorlauftemperatur benötigen (Art. 22 Abs. 2 KEnV).
- Die Verteilleitungen der Heizung in unbeheizten Räumen und im Freien sind
durchgehend mit Dämmstärken gemäss Anhang 5 KEnV gegen Wärmeverluste zu
dämmen (Art. 23 KEnV).
c) Vorliegend ist umstritten, ob beim Heizkesselersatz die einschlägigen
Energievorschriften eingehalten sind. Davon hat die Gemeinde aufgrund einer Anzeige
Kenntnis erhalten. In solchen Fällen ist die Gemeinde gestützt auf Art. 45 Abs. 2 Bst. a
BauG und Art. 47 BewD verpflichtet, ein baupolizeiliches Verfahren einzuleiten. Sie muss
mindestens prüfen, ob die energierechtlichen Vorschriften eingehalten sind. Nötigenfalls
hat sie Wiederherstellungsmassnahmen anzuordnen (Art. 64 Abs. 2 KEnG). Dass die
öffentliche Ordnung gestört wird, ist in Abweichung zu Art. 1b Abs. 3 BauG nicht
vorausgesetzt.
d) Die Gemeinde Golaten erklärte in ihrer Stellungnahme (Posteingang vom 27. August
2015) ein baupolizeiliches Verfahren sei zurzeit nicht hängig. Die Gemeinde Golaten wird
deshalb auf ihre Aufgaben als Baupolizei hingewiesen (vgl. Erwägung 6c). Anzumerken ist
dabei, dass im baupolizeilichen Verfahren den Anzeigern Gelegenheit einzuräumen ist,
sich am Verfahren als Partei zu beteiligen. Das Verfahren ist danach mit einer Verfügung
abzuschliessen. Gegebenenfalls sind Wiederherstellungsmassnahmen zur Durchsetzung
der energierechtlichen Vorschriften anzuordnen. Das AUE empfiehlt den
Baupolizeibehörden ohne entsprechendes Fachpersonal für solche Abklärungen und
Baukontrollen Personen mit Fachwissen beizuziehen.
7. Kosten
a) Der Beschwerdeführer unterliegt zwar mit seinem Antrag auf Aufhebung des
angefochtenen Entscheids. Aufgrund der besonderen Verfahrensumstände rechtfertigt es
sich, dem Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 108 Abs. 1
VRPG). Sein Begehren auf "kostenlose Beschwerdeführung" wird dadurch hinfällig.
RA Nr. 120/2015/39 11
b) Der Beschwerdeführer beantragt weiter eine Parteientschädigung. Nach Art. 104
Abs. 2 VRPG werden Parteientschädigungen bei nicht anwaltlich vertretenen Privaten nur
ausnahmsweise und mit grosser Zurückhaltung zugesprochen. Sie beschränkt sich zudem
auf aufwendige Verfahren, in denen die beteiligte Privatperson durch sorgfältige
Auseinandersetzung mit den sich stellenden Fragen und durch erheblichen persönlichen
Arbeitsaufwand wesentlich zur Entscheidfindung beigetragen hat. Diese Voraussetzungen
sind hier nicht erfüllt. Es werden daher keine Parteikosten gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und
4 VRPG).