Decision ID: 95b4cd92-fab1-5b15-8c00-a73fd4f2039f
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Nachdem die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) einem
ersten Baugesuch der Beschwerdegegnerin für den Neubau einer Dreifachsporthalle am
2. April 2014 aus ästhetischen Gründen den Bauabschlag erteilte (RA Nr. 110/2013/329),
überarbeitete diese das Projekt. Am 20. Dezember 2016 reichte die Beschwerdegegnerin
ein neues Baugesuch ein für den Neubau einer Dreifachsporthalle mit Tiefgarage auf den
Parzellen F._ Grundbuchblatt Nr. H._ und Nr. I._. Am 2. und
10. Februar 2017 reichte sie Projektänderungen ein. Die Bauparzellen liegen in der Zone
für öffentliche Nutzungen F mit der Zweckbestimmung "Schulhäuser, Kindergarten, Aula,
Mehrzweckhalle, Turn- und Spielfelder, Autoabstellplätze". Gegen das Bauvorhaben
erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom
25. August 2017 erteilte das Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 25. September 2017 Beschwerde
bei der BVE ein. Sie beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheides vom 25. August
2017 und die Rückweisung an die Vorinstanz, eventualiter die Aufhebung des Entscheides
und die Erteilung des Bauabschlages.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. In der Beschwerdeantwort vom 12.
Oktober 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die
Bestätigung des Gesamtentscheides vom 25. August 2017. Das Regierungsstatthalteramt
beantragt mit Eingabe vom 26. Oktober 2017 die vollumfängliche Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf eingetreten könne. Mit Stellungnahmen vom 10. Oktober 2017
und 26.Oktober 2017 äusserten sich das AWA und das AUE zur Beschwerde.
4. Mit Eingabe vom 16.Oktober 2017 gab der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführenden bekannt, dass die Beschwerdeführerin 5 gemäss Beschwerdeschrift
vom 25. September 2017 die Beschwerde zurückziehe. Das Rechtsamt der BVE schrieb
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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das Verfahren mit Verfügung vom 30. November 2017 hinsichtlich dieser
Beschwerdeführerin als erledigt vom Geschäftsverzeichnis ab. Auf die Erhebung von
Verfahrenskosten wurde dabei verzichtet; die betreffende Beschwerdeführerin wurde
jedoch verpflichtet, der Beschwerdegegnerin Parteikosten im Umfang von Fr. 600.00 zu
bezahlen.
5. Das Rechtsamt holte bei der Kantonspolizei Bern, Fachstelle
Lärmakustik/Lasertechnik, sowie bei der kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und
Landschaftsbilder (OLK) je einen Fachbericht ein. Auf Aufforderung des Rechtsamts
reichte die Beschwerdegegnerin zudem detaillierte Angaben zur neuen
Scheinwerferanlage ein, welche das Rechtsamt durch das beco, Fachbereich
Immissionsschutz, auf deren Vereinbarkeit mit den Vorschriften über die Lichtemissionen
und -immissionen nach der Umweltschutzgesetzgebung überprüfen liess. Die
Verfahrensbeteiligten hatten weiter Gelegenheit, zu den vom Rechtsamt für den Fall der
Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids vorgeschlagenen Auflagen im
Zusammenhang mit der Grundwasserthematik Stellung zu nehmen. Die
Verfahrensbeteiligen hatten schliesslich die Möglichkeit, zum Ergebnis des
Beweisverfahrens Stellung zu nehmen.
6. Auf die Rechtsschriften, die Vorakten und die Fachberichte wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1).
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vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Sämtliche Beschwerdeführenden haben sich als
Einsprechende am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt. Der Beschwerdeführer 1 ist
Miteigentümer der Parzelle F._ Grundbuchblatt Nr. N._ und im Gebäude
auf dieser Parzelle wohnhaft. Der Beschwerdeführer 2 ist im Gebäude auf der Parzelle
F._ Grundbuchblatt Nr. O._ wohnhaft. Die Beschwerdeführerinnen 3 und
4 sind schliesslich Miteigentümerinnen der Parzelle F._ Grundbuchblatt Nr.
P._. Diese Parzellen befinden sich in unmittelbarer Nähe der Bauparzellen und
sind alle nur durch eine Strasse vom Bauvorhaben getrennt. Damit sind alle
Beschwerdeführenden als Nachbarn unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen
betroffen und daher zur Beschwerde befugt.
c) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1
BauG) und enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG4). Auf die
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten.
2. Begründung des angefochtenen Entscheids
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, die Vorinstanz sei im angefochtenen
Entscheid auf eine Vielzahl ihrer Rügen nicht oder nur ungenügend eingegangen. Es falle
auf, dass sich der vorinstanzliche Entscheid bei der Auseinandersetzung mit den
Einsprachen exakt nach dem Aufbau der Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 31.
März 2017 ausrichte. Es werde unreflektiert auf die Ausführungen der
Beschwerdegegnerin verwiesen, eine Würdigung ihrer in den Einsprachen vorgebrachten
Rügen fehle weitgehend. Damit verletze die Vorinstanz das rechtliche Gehör in
gravierender Weise. Der Entscheid sei daher aufzuheben und an die Vorinstanz
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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zurückzuweisen, zumal es nicht Aufgabe der BVE als Beschwerdeinstanz sei, erstmals zu
gewichtigen Vorbringen Stellung zu nehmen.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein Teilaspekt des allgemeinen Grundsatzes
des fairen Verfahrens von Art. 29 BV5. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verpflichtet die
entscheidende Behörde nicht nur, die Äusserungen der Parteien entgegenzunehmen,
sondern auch dazu, diese Äusserungen zu würdigen.6
Nach Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG muss eine Verfügung eine Begründung enthalten. Eine
Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung sachgerecht
anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde
muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien eingehen; es genügt, wenn sie sich mit
den wesentlichen Gesichtspunkten auseinandergesetzt hat.7
c) Gemäss den Ausführungen in der Beschwerde rügen die Beschwerdeführenden eine
Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör aufgrund ungenügender Begründung
des angefochtenen Entscheids ausdrücklich oder implizit bei den Themenbereichen
Zonenkonformität, Verstoss gegen die Baumasse, Grundwasserschutz/Baugrund,
Verkehrsaufkommen/Erschliessung, Lärmemissionen und Aussenbeleuchtung. Der
angefochtene Entscheid ist zwar nicht sehr ausführlich, geht jedoch auf alle diese
Themenbereiche ein. Dabei wird kurz begründet, wieso die Rügen der Einsprechenden aus
Sicht der Vorinstanz abzuweisen sind und wieso das Vorhaben den massgebenden
Vorgaben entspricht. Aus diesen Ausführungen ergeben sich die wesentlichen
Überlegungen, von denen sich die Vorinstanz hat leiten lassen. Sie musste sich im
Entscheid nicht zu sämtlichen Einwänden der Einsprechenden äussern. Es trifft zwar zu,
dass die Vorinstanz mehrfach auf die Ausführungen der Beschwerdegegnerin in deren
Stellungnahme vom 31. März 2017 oder auf die Beurteilung der Fachbehörden in den
Fach- und Amtsberichten verweist und diesen Ausführungen zustimmt. Dieses Vorgehen
ist hinsichtlich der Fach- und Amtsberichte jedoch durchaus üblich und legitim. Was die
Bezugnahme auf die Stellungnahme der Beschwerdegegnerin betrifft, so erscheint das
Vorgehen der Vorinstanz tatsächlich als etwas störend, wird doch damit auf eine
5 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101). 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997., Art. 21 N. 15. 7 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O, Art. 52 N. 5.
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Parteieingabe verwiesen. Dennoch ist auch darin keine Verletzung der Begründungspflicht
zu erblicken, da die Beschwerdeführenden nicht nur von den Fach- und Amtsberichten,
sondern auch von der Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 31. März 2017
Kenntnis hatten. Sie konnten damit nachvollziehen, aus welchen Gründen die Vorinstanz
die Rügen abwies und waren entsprechend in der Lage, die Baubewilligung sachgerecht
anzufechten. Die Vorinstanz ist deshalb ihrer Begründungspflicht nachgekommen und es
liegt keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor.
3. Zonenkonformität
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Dreifachsporthalle sei in der Zone für
öffentliche Nutzungen F (im Folgenden: ZöN F) nicht zonenkonform. Aus der
Zweckumschreibung gehe hervor, dass die ZöN F für den Schulbetrieb und damit
zusammenhängende Nutzungsformen, wie etwa den Sportunterricht zu Schulzeiten,
vorgesehen sei. Die geplante Nutzung der Sporthalle gehe jedoch weit über das für den
ordentlichen Schulbetrieb Benötigte hinaus. Die beabsichtigte vermehrte Nutzung durch
Vereine gehe mit einer gegenüber dem Schulbetrieb massiv erhöhten Benutzungskadenz
am Abend und am Wochenende einher.
b) Art. 22 Abs. 2 Bst. a RPG8 setzt für die Erteilung einer Baubewilligung voraus, dass
die Bauten und Anlagen dem Zweck der Nutzungszone entsprechen. Die in einer Zone
zulässigen Nutzungen werden durch die baurechtliche Grundordnung der Gemeinde
bestimmt (Art. 4 Abs. 1 BauG).
Der Zweck der ZöN F, in welcher sich das Bauvorhaben befindet, wird in Art. 221 Abs. 4
GBR9 wie folgt umschrieben: "Schulhäuser, Kindergarten, Aula, Mehrzweckhalle, Turn- und
Spielfelder, Autoabstellplätze".
In Bezug auf die Auslegung und Anwendung kommunaler Bestimmungen sind die
Gemeinden im Rahmen der gesetzlichen Regelung und der übergeordneten Planung
autonom (Art. 65 Abs. 1 BauG). Es ist somit vorab Sache der Gemeinde zu bestimmen,
wie sie eine kommunale Vorschrift ausgelegt und angewendet haben will. Wird eine solche
8 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 9 Baureglement der Gemeinde F._ vom 26. Mai 2011, genehmigt durch das AGR am 11. Mai 2012.
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Bestimmung Streitgegenstand eines Beschwerdeverfahrens, haben die
Rechtsmittelinstanzen nur zu prüfen, ob die von der Gemeinde geltend gemachte
Auslegung und Anwendung rechtlich haltbar ist.10
c) Im Kommentar zum GBR wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Zonen für
öffentliche Nutzungen (ZöN) des GBR Zonen nach Art. 77 BauG seien. Gemäss Art. 77
BauG sind Zonen für öffentliche Nutzungen (Freiflächen) insbesondere auszuscheiden für
Verwaltungsgebäude, Schulen, Spitäler, Heime, Kirchen, Friedhöfe, Anlagen öffentlicher
Dienste (Bst. a), Sammelanlagen des Zivilschutzes (Bst. b), Bauten und Anlagen kultureller
und gemeinnütziger Institutionen sowie für die Gestaltung von Orts- und Quartierzentren
(Bst. c), Parks, Gärten, Spiel- und Sportanlagen, Kurortseinrichtungen (Bst. d) sowie
Gelände für den Skisport, für die Erstellung von Skiliften und Seilbahnen sowie für die
Parkplätze zu diesen Personentransportmitteln (Bst. e).
Bauten und Anlagen im öffentlichen Interesse sind solche, die vorwiegend der
Allgemeinheit dienen, unabhängig davon, ob ihr Träger das Gemeinwesen ist oder ob eine
private Trägerschaft besteht. Zu den Bauten im öffentlichen Interesse gehören
typischerweise auch Schwimmbäder, Tennisanlagen, Sportzentren, Parks und andere der
Allgemeinheit offenstehende Anlagen sowie damit in engem sachlichem Zusammenhang
stehende Bauten.11
d) Spiel- und Sportanlagen werden in der Liste von Art. 77 BauG ausdrücklich
aufgezählt. Die umstrittene Dreifachsporthalle kann zweifelslos dieser Kategorie
zugeordnet werden. Bereits daraus ergibt sich, dass das Bauvorhaben in einer ZöN
zonenkonform ist und nicht nur in einer Zone für Sport- und Freizeitanlagen (gemäss Art.
78 BauG bzw. Art. 222 GBR) zugelassen werden kann, wie dies die Beschwerdeführenden
implizit vorbringen.
Auch der in Art. 221 Abs. 4 GBR umschriebene Zonenzweck der ZöN F schliesst eine
Sporthalle im geplanten Umfang nicht aus. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführenden lässt sich aus der Zweckumschreibung nicht ableiten, dass diese
Zone nur für den Schulbetrieb und damit zusammenhängende Nutzungsformen
zugelassen wäre. So ist vorab auch die explizit aufgezählte Mehrzweckhalle für eine
10 BVR 2000 S. 105 E. 3a mit Hinweisen auf die entsprechende Rechtsprechung. 11 Bernhard Waldmann, Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen, in BR 2003 87, S. 89.
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Vielzahl von Nutzungsformen konzipiert. Damit wird deutlich, dass in der ZöN F auch
schulfremde Nutzungen zulässig sind, solange diese im öffentlichen Interesse liegen. Im
öffentlichen Interesse liegt auch die Nutzung der Halle durch Sportvereine. So bedeutet
das Kriterium der Allgemeinzugänglichkeit gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
nicht, dass eine Anlage, um im öffentlichen Interesse zu stehen, schlechthin jedermann zur
Verfügung zu stehen hat.12 Eine gewisse Einschränkung durch die Notwendigkeit der
Mitgliedschaft in einem Verein ändert nichts am öffentlichen Interesse der Anlage, bleibt sie
doch einem breiten Kreis der Bevölkerung zugänglich. Selbst wenn die Halle vereinzelt für
grössere Anlässe ohne Sportbezug genutzt wird, so steht dies dem Zonenzweck nicht
entgegen, kann die Dreifachturnhalle in diesen Fällen doch mit der explizit aufgezählten
Nutzung als Mehrzweckhalle gleichgesetzt werden.
Das umstrittene Bauvorhaben ist mit der Zweckumschreibung gemäss Art. 221 Abs. 4 GBR
vereinbar und damit zonenkonform.
4. Verstoss gegen die Baumasse
a) Nach Ansicht der Beschwerdeführenden bestimmt sich die zulässige Gebäudelänge
in der ZöN F gestützt auf Art. 221 Abs. 2 GBR und die Rechtsprechung der bernischen
Verwaltungsgerichts anhand der in den umliegenden Zonen geltenden
Gebäudedimensionen. Die ZöN F sei zum grössten Teil von Wohnzonen 3 und teilweise
von Mischzonen 3 mit einer zulässigen Gebäudelänge von 30 m umgeben. Die geplante
Sporthalle weise ein Länge von 73.85 m und eine Breite von 32.78 m auf und überschreite
damit das in der Umgebung Zulässige bei Weitem. Zur Verwirklichung des Projekts wäre
eine Überbauungsordnung oder zumindest eine detailliertere Regelung der baurechtlichen
Rahmenbestimmungen der ZöN F im Baureglement nötig gewesen.
b) Es ist unbestritten, dass im GBR für die ZöN F kein Mass der zulässigen
Gebäudelänge festgelegt ist. Festgelegt ist einzig die maximale Gebäudehöhe von 12 m
und der Grenzabstand von mindestens 5 m (Art. 221 Abs. 4 GBR). Gemäss Art. 221 Abs. 2
GBR richten sich das Nutzungsmass (Ausnützungsziffer, Grünflächenziffer) sowie die
12 Urteil BGer. 1A.96/2002 vom 12. Februar 2002, E. 3.4.
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Gebäudelänge und die Gebäudeabstände innerhalb der Zone für öffentliche Nutzungen
nach den Bedürfnissen einer zweckmässigen öffentlichen Nutzung.
c) Der kommunale Gesetzgeber hat in der ZöN bewusst auf die Festlegung eines
Masses der zulässigen Gebäudelänge verzichtet, um einen möglichst grossen
Gestaltungsspielraum für die Ausgestaltung der konkreten Bauvorhaben zu bewahren. Auf
beschränkende Regelungen zu den Dimensionen von Gebäuden in dieser Zone wurde
jedoch nicht gänzlich verzichtet: So sind die Gebäudehöhe und der Grenzabstand
vorgegeben. Zudem
sollen sich das Nutzungsmass, die Gebäudelänge und die Gebäudeabstände nach den
Bedürfnissen einer zweckmässigen öffentlichen Nutzung richten (Art. 221 Abs. 2 GBR).
Entsprechend kann die von den Beschwerdeführenden angesprochene Rechtsprechung,
wonach in einer ZöN bei fehlenden besonderen Bauvorschriften nur dann auf ein
Planerlassverfahren verzichtet werden kann, wenn sich das Vorhaben von der üblichen
Bauweise in der Gemeinde nicht wesentlich abhebt, es den Normen für die benachbarten
Zonen ungefähr entspricht und sich mit bereits bestehenden oder möglichen Überbauung
in der Nachbarschaft verträgt13, nicht uneingeschränkt zur Anwendung gelangen. Die
Gemeinde hat gewisse besondere Bauvorschriften für die ZöN erlassen, so dass der
Erlass eines Sondernutzungsplans mit zusätzlichen Vorschriften – trotz fehlender
Massangabe zur Gebäudelänge – nicht zwingend angezeigt ist. Kommt dazu, dass sich die
projektierte Sporthalle hinsichtlich ihrer Gebäudelänge nicht von den unmittelbar
angrenzenden Schulhäusern (K._weg 3 und 6) oder dem in der Nähe liegenden
Gewerbebau an der L._strasse 44 abhebt und damit kein Fremdkörper in dieser
Umgebung darstellt bzw. sich mit den bereits bestehenden Bauten in der Nachbarschaft
verträgt.
Zu prüfen ist die Voraussetzung von Art. 221 Abs. 2 GBR. Die Realisierung einer
Sporthalle, welche nach dem Gesagten (E. 3) in der ZöN F grundsätzlich zonenkonform
und damit zulässig ist, bedarf einer gewissen Grösse. Es liegt auf der Hand, dass sich ein
solches Vorhaben nicht der Grösse der umliegenden Wohnhäuser bzw. der in den
umliegenden Wohn- oder Mischzone maximal zulässigen Gebäudelänge (30 m) anpassen
kann, wie dies von den Beschwerdeführenden gefordert wird. Die Zweckumschreibung
dieser Nutzungszone (Art. 221 Abs. 4 GBR) bringt es mit sich, dass grössere Gebäude
zulässig sein müssen, als dies in den angrenzenden Wohngebieten der Fall ist. Für die
13 VGE vom 18. November 1985, in BVR 1986 77; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band II, Bern 2017, Art. 77 N. 3b.
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zweckmässige Nutzung einer Dreifachsporthalle sind die projektierten Dimensionen (Länge
von 73.85 m und Breite von 32.78 m) angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat in der
Vergangenheit stets darauf hingewiesen, dass die bestehenden Hallen unzweckmässig
seien und den heutigen Anforderungen nicht mehr genügen würden, sie daher dringend
auf neue Räumlichkeiten angewiesen sei.14 Die Stimmberechtigten von F._ haben
sodann in der Volksabstimmung vom 27. November 2016 einem Verpflichtungskredit für
die Erweiterung der Schul- und Sportanlage "Dorf" deutlich zugestimmt. In der
Abstimmungsbotschaft wurde dabei ausdrücklich festgehalten, dass der Bau einer
Dreifachsporthalle Kernstück der Vorlage sei; das Projekt wurde dabei im Detail vorgestellt
(inkl. Plänen).15 Die Bevölkerung von F._ stimmte somit dem Kredit in Kenntnis
des vorliegend umstrittenen Projekts zu. Dies zeigt, dass das vorgelegte Projekt auch aus
Sicht der Bevölkerung den Bedürfnissen einer zweckmässigen öffentlichen Nutzung
entspricht.
Das umstrittene Vorhaben erfüllt die Vorgaben von Art. 221 Abs. 2 GBR und für deren
Realisierung muss kein Planerlassverfahren durchgeführt werden.
5. Grundwasserschutz / Baugrund
a) Die Beschwerdeführenden bringen weiter vor, das sehr grosse Bauwerk komme
praktisch auf seiner ganzen Fläche im Bereich des Grundwassers zu liegen und staue
dieses auf bzw. verändere die natürlichen Strömungsverhältnisse. Der Fachbericht des
AWA vom 20. Februar 2017 erweise sich als unvollständig, da er sich nicht zu den zum
Schutz des Grundwassers bzw. zur Verhinderung der Aufstauung notwendigen
Massnahmen äussere und keine entsprechenden Auflagen empfehle. Er habe sich auch
nicht ausreichend mit den kritischen Erkenntnissen aus den Baugrunduntersuchungen der
T._ AG befasst. Daraus ergebe sich, dass grosse Wassermengen den Baugrund
durchfliessen und zu einer Instabilität des Baugrundes führen würden und aufgrund der
Senkung des Hangwasserspiegels mit Setzungen in den umliegenden Liegenschaften
gerechnet werden müsse.
14 Vgl. etwa Abstimmungsbotschaft für die Urnenabstimmung vom 27. November 2016, S. 4. 15 Abstimmungsbotschaft für die Urnenabstimmung vom 27. November 2016.
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b) Grundsätzlich sind Bauten und Anlagen nach Art. 21 Abs. 1 BauG so zu erstellen, zu
betreiben und zu unterhalten, dass weder Personen noch Sachen gefährdet werden.
Personen und Sachen dürfen nach Art. 57 Abs. 1 BauV weder durch den Bauvorgang noch
durch den Bestand oder Betrieb von Bauten und Anlagen gefährdet werden. Diese
Bestimmung verweist zudem auf die einschlägigen Normen der Fachverbände.
c) Das geplante Bauvorhaben befindet sich im Gewässerschutzbereich üB (ehemals
Gewässerschutzbereich B), in welchem Bauten unter dem mittleren Grundwasserspiegel
und die temporäre Grundwasserabsenkung bei Vorliegen einer
Gewässerschutzbewilligung nach Art. 11 KGSchG16 i.V.m. Art. 26 Abs. 2 Bst. d und g
KGV17 zulässig sind. Diese wurde mit dem angefochtenen Entscheid auf Grundlage des
Amtsberichts des AWA vom 20. Februar 2017 unter Auflagen erteilt.
In der Stellungnahme vom 10. Oktober 2017 führte das AWA aus, die geplante Tiefgarage
rage maximal 2 m unter den mittleren Grundwasserspiegel, unterbreche den natürlichen
Grundwasserdurchfluss und verändere somit die örtlichen Gegebenheiten. Negative
Auswirkungen auf die Nachbargrundstücke (durch Aufstau des Grundwassers oder infolge
Setzungen während der temporären Grundwasserabsenkung) könnten deshalb nicht
ausgeschlossen werden. Da sich die geplanten Bauten im Gewässerschutzbereich üB
befänden, sei das AWA indessen nicht verpflichtet, allfällig vorgesehene Massnahmen zum
Erhalt der Durchflusskapazität zu prüfen. Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens
werde durch das AWA nur geprüft, ob die geplanten Vorkehren mit den massgebenden
Gewässerschutzvorschriften vereinbar seien; nicht geprüft würden die Auswirkungen auf
die Grundstücke der Beschwerdeführenden. Mit den verlangten Auflagen gemäss
Amtsbericht vom 20. Februar 2017 sei das geplante Projekt aus Sicht des
Grundwasserschutzes bewilligungsfähig. Man habe aber bereits im Amtsbericht (Ziff. 1.5)
empfohlen, wegen der Aufstaugefahr und der allfälligen Beeinträchtigung von
Nachbargebäuden die entsprechenden Massnahmen zum Erhalt der natürlichen
Grundwasserströmungsverhältnisse vorzusehen. Auch in der geotechnischen
Baugrundbeurteilung der Firma T._ AG werde auf diese Problematik hingewiesen
und entsprechende Ersatzmassnahmen (Sickerkieslage unter dem Gebäude, Hinterfüllung
bergseitig mit kiesigem, gut durchlässigem Material) vorgeschlagen. Im Sinne der
Beschwerdeführenden empfehle man daher, die Auswirkungen der temporären
16 Kantonales Gewässerschutzgesetz vom 11. November 1996 (KGSchG; BSG 821.0). 17 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1).
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Grundwasserabsenkung und die Einbauten ins Grundwasser durch eine hydrogeologisch
kompetente Fachperson im Detail zu überprüfen sowie Ersatzmassnahmen gemäss der
geotechnischen Baugrundbeurteilung vorzusehen und allenfalls rechnerisch
nachzuweisen. Zur Beweissicherung empfehle man sodann vor Baubeginn an den
umliegenden Nachbargebäuden auch Risssiegel anzubringen.
d) Das umstrittene Vorhaben befindet sich – wie bereits ausgeführt (E. 5c) – im
Gewässerschutzbereich üB, in welchem Bauten unter dem mittleren Grundwasserspiegel
und die temporäre Grundwasserabsenkung bei Vorliegen einer
Gewässerschutzbewilligung grundsätzlich zulässig sind. Ein rechnerischer Nachweis der
Durchflusskapazität und damit ein Nachweis für die Gewährleistung des natürlichen
Grundwasserdurchflusses mit Ersatzmassnahmen ist nicht verlangt (vgl. auch
Stellungnahme AWA vom 10. Oktober 2017). Ein solcher wird nur bei Vorhaben im
Gewässerschutzbereich AU benötigt; so sind in diesen Fällen Bauten unter dem mittleren
Grundwasserspiegel nur ausnahmsweise zulässig, wenn die Durchflusskapazität des
Grundwassers gegenüber dem unbeeinflussten Zustand um höchstens 10 Prozent
vermindert wird (Anhang 4 Ziff. 211 Abs. 2 GSchV18).
Gestützt auf die Ausführungen des AWA, wonach negative Auswirkungen des
Bauvorhabens auf die Nachbargrundstücke (durch Aufstau des Grundwassers oder infolge
Setzungen während der temporären Grundwasserabsenkung) nicht ausgeschlossen
werden können, erachtet es die BVE aber dennoch als angezeigt, von der
Beschwerdegegnerin zusätzlich zu den Auflagen gemäss Amtsbericht vom 20. Februar
2017 weitere Massnahmen zur Verhinderung eines Aufstaus von Grundwasser zu
verlangen bzw. mittels Auflage sicherzustellen. Diese Auflagen lauten wie folgt: - Während der Bauphase: Es ist ein geschlossener Baugrubenabschluss mit Spundwänden
(gemäss Ziff. 4.3 und 4.4 der ergänzenden Baugrunduntersuchung der Firma T._ AG
vom 20. Oktober 2016) sowie eine regelmässige Grundwasserüberwachung vorzusehen.
- Im Endzustand: Es sind folgende Ersatzmassnahmen vorzusehen (Ziff. 4.5 der ergänzenden
Baugrunduntersuchung der Firma T._ AG vom 20. Oktober 2016):
- Sickerkieslage unter dem Gebäude als Sauberkeitsschicht
- Hinterfüllung v.a. bergseitig mit durchlässigem Material (Kiessand und Rundkies)
18 Gewässerschutzverordnung des Bundesrates vom 28. Oktober 1998 (GSchV; SR 814.201).
RA Nr. 110/2017/122 13
Die Baugrube ist während der Bauphase im Schutze einer Spundwand auszuheben.
Dadurch kann gemäss den Ausführungen des AWA allfälligen Setzungen aufgrund der
temporären Grundwasserabsenkung vorgebeugt werden. Die Beschwerdegegnerin hat
zudem eine regelmässige Grundwasserüberwachung vorzusehen. Damit sind die
Grundwasserstände mittels Grundwassermessstellen vor, während und nach Abschluss
der Bauarbeiten periodisch zu überwachen und zu protokollieren. Durch diese
Überwachung der Wasserspiegel soll frühzeitig erkannt werden, falls ein allfälliger Aufstau
ein schädliches Ausmass annimmt, so dass rechtzeitig geeignete Massnahmen getroffen
werden können, um den Grundwasserspiegel zu reduzieren.
Im Endzustand wird sodann eine Sickerkieslage unter dem Gebäude sowie eine
Hinterfüllung v.a. bergseitig mit durchlässigem Material verlangt. Diese Massnahmen
werden in der ergänzenden Baugrunduntersuchung der Firma T._ AG vom 20.
Oktober 2016 vorgeschlagen, um einen Aufstau von Hangwasser direkt am Gebäude zu
verhindern. Das AWA verlangt in seiner Stellungnahme vom 10. Oktober 2017 ebenfalls,
diese Ersatzmassnahmen vorzusehen. Es ist davon auszugehen, dass mit diesen
Vorkehren genügend Massnahmen zum Erhalt der natürlichen Grundwasserverhältnisse
getroffen wurden. So kann den Ausführungen des AWA nicht entnommen werden, dass
diese von der Firma T._ AG als spezialisiertem Büro vorgeschlagenen
Massnahmen nicht ausreichen würden bzw. weitere Massnahmen zu treffen seien. Eine
(weitere) Überprüfung durch eine hydrogeologisch kompetente Fachperson ist daher nicht
angezeigt, zumal eine entsprechende Begleitung während der Planung und Ausführung
sämtlicher Arbeiten ohnehin vorgeschrieben wird (vgl. sogleich). Nach Gewährung des
rechtlichen Gehörs zu diesen Auflagen (Verfügung vom 30. November 2017) begründeten
auch die Beschwerdeführenden in ihrer Stellungnahme vom 15. Januar 2018 nicht, wieso
die vorgeschlagenen Ersatzmassnahmen nicht ausreichen sollten bzw. welche
Massnahmen ihrer Ansicht nach zusätzlich zu treffen sind. Auch aus dem von ihnen
vorgebrachten Vorfall beim Beschwerdeführer 1 (Senkung des Pelletsilos im Keller) lässt
sich nicht ableiten, dass die Abklärungen im Zusammenhang mit dem hier umstrittenen
Bauvorhaben ungenügend gewesen sind. Für die von ihnen verlangte vertiefte
Überprüfung und einen rechnerischen Nachweis besteht nach dem Gesagten kein Anlass.
Zu beachten ist dabei auch, dass die Auflagen des "Merkblatts – Bauten im Grundwasser
und Grundwasserabsenkungen" des AWA vom April 2013 im Amtsbericht vom 20. Februar
2017 als integrierender Bestandteil desselben bezeichnet werden. Damit wird
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insbesondere festgelegt, dass Planung und Ausführung sämtlicher Arbeiten im
Zusammenhang mit Bauten im Grundwasser und Grundwasserabsenkungen von einer
hydrogeologisch kompetenten Fachperson begleitet und überwacht werden müssen. Die
Wahl dieser Fachperson ist der Beschwerdegegnerin überlassen.
Die Beschwerdegegnerin erklärte sich mit den vorgeschlagenen Auflagen ausdrücklich
einverstanden (vgl. Schreiben vom 22. Dezember 2017). Der angefochtene
Gesamtentscheid wird daher mit diesen Auflagen ergänzt.
e) Schliesslich gilt Folgendes: Die Bauherrschaft ist nach Art. 57 Abs. 1 BauV
verpflichtet, bei der Erstellung von Bauten und Anlagen die anerkannten Regeln der
Baukunde einzuhalten, mehr wird mit wenigen Ausnahmen im Baurecht nicht verlangt. Ob
später in allen Punkten nach den Regeln der Baukunde gebaut wird, kann wegen der
Vielfältigkeit der sicherheitstechnischen Fragen im Laufe der Bauausführung nicht
Gegenstand des Baubewilligungsverfahrens bilden, das vorgängig durchgeführt wird. Das
Projektierungsverfahren ist im Zeitpunkt der Baueingabe noch nicht derart weit
fortgeschritten, dass alle Details der Bauausführung bereits bekannt sind. Es wäre wegen
des damit verbundenen Aufwandes auch nicht verhältnismässig, wenn alle sich aus den
Regeln der Baukunde ergebenden Detailfragen von der Bauherrschaft bereits im
Baubewilligungsverfahren geklärt und die Lösungen dafür beigelegt werden müssten, wenn
noch gar nicht klar ist, ob überhaupt gebaut werden darf. Das Baurecht beschränkt sich
deshalb darauf, die Bauherrschaft auf die geltenden Regeln der Baukunde zu verweisen.
Dass die Regeln der Baukunde eingehalten werden müssen, gilt auch für den vorliegenden
Fall, ohne dass dies ausdrücklich als Auflage in die Baubewilligung aufgenommen werden
muss. Die Beschwerdegegnerin hat die nach den Umständen sich aufdrängenden
Sicherheitsvorkehrungen als unmittelbar anwendbare Verhaltensvorschriften ohne weiteres
zu beachten. Die aktuelle Bautechnik gestattet zudem selbst bei schwierigem
Bauuntergrund einwandfreie Lösungen. Die Nichtbeachtung der Regeln der Baukunde
kann nicht nur zivilrechtliche Schadenersatzansprüche, sondern auch ein strafrechtliches
Verfahren nach sich ziehen.
f) Das AWA empfiehlt in der Stellungnahme vom 10. Oktober 2017, zur
Beweissicherung vor Baubeginn an den umliegenden Nachbargebäuden Risssiegel
anzubringen. Die Beschwerdeführenden verlangen in ihrer Stellungnahme vom 15. Januar
RA Nr. 110/2017/122 15
2018 gestützt auf diese Ausführungen des AWA, die Beschwerdegegnerin sei mittels
verbindlicher Auflage zu verpflichten, vor Baubeginn auf eigene Kosten an den
benachbarten Liegenschaften ordnungsgemässe und fachgerechte Risssiegel
anzubringen.
Beim Anbringen von Risssiegeln an benachbarten Gebäuden handelt es sich einzig um
Massnahmen zur vorzeitigen Beweissicherung für einen allfälligen späteren
Zivilrechtsstreit. Die Beschwerdeführenden befürchten Schäden an ihren Grundstücken
und sprechen damit zivilrechtliche Haftungsfragen an. Solche Einwände sind in einem
Bauentscheid nur als Rechtsverwahrung vorzumerken, was die Vorinstanz getan hat. Ein
öffentliches Interesse am Anbringen von Risssiegeln ist nicht ersichtlich. Diese
Beweissicherungen können daher nicht Gegenstand des öffentlich-rechtlichen
Baubewilligungsverfahrens bilden. Die entsprechenden Forderung der
Beschwerdeführenden ist daher abzuweisen.
g) Insgesamt erweist sich das Vorhaben mit den vorgesehenen und ergänzten Auflagen
aus Sicht des Grundwasser- und Bodenschutzes als bewilligungsfähig.
6. Lärmimmissionen, Grundlagen
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die geplante Nutzung der Sporthalle sei mit der
Lärmempfindlichkeitsstufe II nicht vereinbar. Es sei gerichtsnotorisch, dass durch Zu- und
Wegfahrt, Sport auf dem Rasen, Sportanlässe, kulturelle Veranstaltungen,
Gewerbemessen usw. mit mehreren hundert Personen – vor allem abends und am
Wochenende – erhebliche Lärmimmissionen verbunden seien. Entgegen der Auffassung
der Vorinstanz begründe jedenfalls die Lärm- und Umweltschutzgesetzgebung einen
Anspruch der Beschwerdeführenden auf eine verbindliche Regelung der Nutzung der
Anlage zum Schutz vor schädlichen und/oder lästigen Einflüssen. Die Thematik der
Lärmbelastung sei unvollständig abgeklärt worden.
b) Das bundesrechtliche Lärmschutzrecht soll die Bevölkerung vor schädlichem und
lästigem Lärm schützen, der beim Betrieb neuer und bestehender Bauten und Anlagen
RA Nr. 110/2017/122 16
erzeugt wird (vgl. Art. 1 Abs. 1 und 7 USG19, Art. 1 LSV20). Dazu gehört einerseits der
Lärm, der von der Anlage bzw. dem Betrieb selbst erzeugt wird, aber auch der Lärm, der
von den Benützenden innerhalb und ausserhalb der Anlage erzeugt wird, d.h. auch der von
Menschen verursachte Verhaltenslärm.21 Für einige häufige, oft als besonders störend
empfundene Schall- bzw. Lärmquellen wie u.a. Strassenverkehr, Flugplätze, Industrie- und
Gewerbebetriebe hat der Bundesrat im den Anhängen 3 bis 7 der LSV
Belastungsgrenzwerte erlassen. Diese Belastungsgrenzwerte können bei menschlichem
Verhaltenslärm aber weder unmittelbar noch sinngemäss herangezogen werden, da sich
die Art des Lärms und der Störungscharakter von technischem Lärm unterscheiden.22 Für
den Alltagslärm wie er durch den Betrieb von Sportanlagen entsteht, fehlen somit konkrete
Belastungsgrenzwerte. Die Lärmimmissionen der geplanten Dreifachturnhalle müssen von
der Behörde im Einzelfall nach Art. 15 USG (Immissionsgrenzwerte) unter
Berücksichtigung der Art. 19 USG (Alarmwerte) und Art. 23 USG (Planungswerte) beurteilt
werden (Art. 40 Abs. 3 LSV).23
c) Die vorliegend umstrittene Dreifachturnhalle stellt eine neue, ortsfeste Anlage im Sinn
des Lärmschutzrechts dar.
Nach Art. 11 Abs. 2 USG und Art. 7 Abs. 1 Bst. a LSV sind die von der neuen Anlage
erzeugten Emissionen zunächst im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies
technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist. Aus dem Vorsorgeprinzip
lässt sich indessen nicht ableiten, von Emissionen Betroffene hätten überhaupt keine
Belastungen hinzunehmen. Das Vorsorgeprinzip hat hinsichtlich der Immissionen "nicht
zwingend eliminierenden Charakter, doch es leistet jedenfalls einen Beitrag zu deren
Begrenzung".24
Zudem dürfen neue ortsfeste Anlagen nur errichtet werden, wenn die durch diese Anlagen
allein erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte in der Umgebung nicht überschreiten
19 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz; SR 814.01). 20 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41). 21 BGE 133 II 292 E. 3.1. 22 BGE 133 II 292 E. 3.3; BGE 123 II 325 E. 4.d.bb; Urs Walker, Umweltrechtliche Beurteilung von Alltags- und Freizeitlärm, in URP 2009, S. 64, 80 f. 23 BGE 133 II 292 E. 3.3; Urs Walker, Umweltrechtliche Beurteilung von Alltags- und Freizeitlärm, in URP 2009, S. 65, 81. 24 BGE 124 II 517 E. 4.a.
RA Nr. 110/2017/122 17
(Art. 25 Abs. 1 USG, Art. 7 Abs. 1 Bst. b LSV). Nach der Rechtsprechung muss bei neuen
ortsfesten Anlagen im Hinblick auf die Einhaltung der Planungswerte ein Immissionsniveau
eingehalten werden, bei dem höchstens geringfügige Störungen auftreten. Dabei ist eine
objektivierte Betrachtung unter Berücksichtigung von Personengruppen mit erhöhter
Empfindlichkeit (vgl. Art. 13 Abs. 2 USG) vorzunehmen.25 Für die Beurteilung der Störung
sind verschiedene Faktoren bei der Quelle und beim Empfänger zu berücksichtigen. So
kommt es auf den Charakter des Lärms, den Zeitpunkt und die Häufigkeit der
Lärmereignisse an sowie auf die Lärmempfindlichkeit des betroffenen Gebietes (ES) und
die Lärmvorbelastung der betroffenen Nutzungszone (d.h. den normalen
Hintergrundpegel).26
d) Das Bauvorhaben liegt in einem Gebiet mit ES II. Die geplante Dreifachturnhalle soll
in der Ecke M._strasse/J._gasse mit der Längsseite entlang der
J._gasse erbaut werden. Im Kopfbau der Sporthalle ist eine Bibliothek vorgesehen
(Obergeschoss), im Unter- /Sportgeschoss soll neben der Dreifachturnhalle ein
Schwingkeller entstehen. Auf dieser Ebene ist sodann eine Einstellhalle mit 51 Parkplätzen
geplant, welche von der J._gasse erschlossen wird (Höhe J._gasse 9).
Die Haupteingänge des Gebäudes befinden sich im Kopfbau auf der Ost- und Westseite,
der Zugang in die Dreifachturnhalle kann auch direkt durch die Einstellhalle erfolgen. Am
nördlichen Ende der Dreifachturnhalle sind ein Fahrradunterstand für 30 Fahrräder sowie
ein Begegnungsplatz mit Sitzelementen unter Bäumen vorgesehen. Westlich der Halle
befindet sich – wie bisher – ein Rasenfeld (Grösse ca. 35 x 75 m), angrenzend an den
bestehenden Allwetterplatz. Am südlichen Ende des Rasenfeldes ist ein Ballfangzaun mit
einer Höhe von 4 m geplant, fix installierte Tore oder andere fix installierte Geräte sind
dagegen nicht vorgesehen.
Für die umstrittene Dreifachsporthalle gelangt die Benützungs- und Betriebsverordnung für
die Schul- und Sportanlagen der Einwohnergemeinde F._ vom 14. Januar 2014
(im Folgenden: Benützungsverordnung) zur Anwendung. Die Anlage steht damit während
den ordentlichen Unterrichtszeiten grundsätzlich den Schulen zu Verfügung (Art. 1 Abs. 2);
Vereinen, Institutionen, Intereressengruppen und Firmen steht die Anlage im Rahmen der
25 BGE 123 II 325 E. 4.d.bb; Urs Walker, Umweltrechtliche Beurteilung von Alltags- und Freizeitlärm, in URP 2009, S. 65, 78 ff. 26 Beurteilung Alltagslärm, Vollzugshilfe im Umgang mit Alltagslärm, Herausgegeben vom Bundesamt für Umwelt BAFU, Bern 2014, S. 17.
RA Nr. 110/2017/122 18
Anlagekapazität für eine zweckdienliche und vertragliche Benützung gegen eine
Benützungsgebühr offen (Art. 1 Abs. 1, Art. 3). Veranstaltungen der Einwohnergemeinde
F._ wie Gemeindeversammlungen, Behördenanlässe, etc. geniessen Priorität und
brauchen keine Bewilligung (Art. 1 Abs. 3). Als geschlossene Zeiten (an welchen keine
Bewilligung zur Benutzung erteilt wird, Art. 7) gelten grundsätzlich die Zeiten nach 22 Uhr,
Sonn- und allgemeine Feiertage sowie deren Vorabende sowie gewisse Wochen der
Schulferien (Art. 12 Abs. 1), wobei über Ausnahmen auf entsprechendes Gesuch hin die
Finanz- und Liegenschaftskommission entscheidet (Art. 12 Abs. 2). Die Schulanlagen sind
durch die Benutzenden rechtzeitig zu verlassen und spätestens 22 Uhr zu schliessen (Art.
15). Die Benützungsverordnung sieht die Möglichkeit von Einzelanlässen in den Schul- und
Sportanlagen sowie der Aula vor. Überzeiten nach 22 Uhr bis 3 Uhr sind für die
Aulabenützung vorgesehen und jeweils auf Freitag und Samstag zu beschränken (Ar. 18).
In der Abstimmungsbotschaft zum Verpflichtungskredit für die Erweiterung der Schul- und
Sportanlage Dorf27 wird festgehalten, dass die Einwohnergemeinde mit der Aula bereits
über sehr geeignete Räumlichkeiten für allgemeine Anlässe der Gemeinde und der Vereine
verfüge; damit einzelne Grossanlässe durchgeführt werden könnten, solle in der Sporthalle
eine Mehrzwecknutzung ermöglicht werden. Im Weiteren solle es möglich sein, die Halle
für kulturelle oder andere Veranstaltungen (wie Gewerbeanlässe und Versammlungen) zu
nutzen.
7. Lärmimmissionen, Beurteilung
a) Das Rechtsamt hat im Beschwerdeverfahren einen Fachbericht der Kantonspolizei
Bern, Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik, eingeholt. Im Fachbericht vom 20. Dezember
2017 wurden die vom Bauvorhaben ausgehenden Lärmimmissionen anhand einer
Prognose beurteilt. Dabei wurde neben dem eigentlichen Betriebslärm, der durch die
ordnungsgemässe Nutzung der Anlage (Dreifachsporthalle und Rasenspielfeld:
Schulbetrieb, ausserschulische Sportnutzung anhand der Belegungspläne der bisherigen
Turnhallen sowie weitere, anlassbezogene Veranstaltungen) entsteht, auch der
sogenannte Sekundärlärm berücksichtigt, der von den Besuchern der Anlage bei der
Ankunft und beim Verlassen der Anlage verursacht wird.
27 Vgl. Abstimmungsbotschaft für die Urnenabstimmung vom 27. November 2016, S. 5.
RA Nr. 110/2017/122 19
Der Fachbericht vom 20. Dezember 2017 kommt zum Ergebnis, unter Berücksichtigung
der geltenden Nutzungsregelungen seien die durch die ordnungsgemässe Benützung der
Anlage auftretenden Lärmimmissionen in der jeweiligen am stärksten von den Immissionen
betroffenen Anwohnerschaft als höchstens geringfügig zu bezeichnen. Auch die
Sekundärlärmsituation wird als höchstens geringfügig störend beurteilt.
Zur Lärmminderung schlägt der Fachbericht folgende Massnahmen bzw. Auflagen vor: - Die Gebäudehülle der projektierten Dreifachturnhalle ist nicht für hohe Schalldruckpegel
ausgelegt, weshalb nur Hintergrundmusik (Leq 75 dB(A)/10s) zulässig ist.
- Im Freien ist keine Musik gestattet.
- Bei Anlässen in der Dreifachturnhalle sind ab 19.00 Uhr sowie jederzeit bei lärmigen Aktivitäten
sowie bei Musikwiedergabe sämtliche Türen und Fenster geschlossen zu halten.
- Das Rasenspielfeld steht ausschliesslich für Spiel und Sport zur Verfügung und darf nach 22.00
Uhr nicht mehr benutzt werden.
- Betriebszeiten und Verhaltenshinweise müssen in Form von Infotafeln gut sichtbar und in
ausreichender Anzahl auf der Anlage installiert werden.
- Es muss ein lärmmindernder Ballfangzaun (z.B. Gittermatten, Netze, etc.) verwendet werden.
- Der Anwohnerschaft sind pro Kalenderjahr maximal 3 lärmintensive Veranstaltungen nach 22.00
Uhr bzw. alternativ pro Kalenderjahr maximal 6 lärmintensive Veranstaltungen bis spätestens
22.00 Uhr zuzumuten, welche als vertretbar störend eingestuft werden.
- Bei publikumsintensiven Veranstaltungen ist ein geeigneter und genügend dimensionierter Park-
und Sicherheitsdienst einzusetzen.
- Die Vorsorgewerte des beco für Lüftungs- und andere haustechnische Anlagen müssen
eingehalten werden.
b) Die Beschwerdeführenden wenden in ihren Schlussbemerkungen vom 12. März 2018
ein, der Fachbericht gehe in verschiedener Hinsicht nur ungenügend auf die verschiedenen
Lärmimmissionen ein. So werde zwar festgehalten, dass die geplante Dreifachturnhalle
nicht über eine genügend gedämmte Gebäudehülle verfüge, um lärmintensive
Veranstaltungen durchzuführen. Entsprechend werde zwar richtigerweise nur
Hintergrundmusik zugelassen. Der Fachbericht verkenne aber, dass auch die gleichzeitige
Nutzung der drei Hallen für Sporttrainings und -anlässe (letztere allenfalls mit Publikum und
Speaker) zu erheblichen Schallimmissionen führen. Es sei daher bereits bei der üblichen
Nutzung durch Sportvereine mit störenden und unzulässigen Immissionen zu rechnen.
RA Nr. 110/2017/122 20
Die Fachstelle kam zum Schluss, dass die Lärmimmissionen, die durch die
ordnungsgemässe Nutzung der Anlage gemäss Anlagezweck (Spiel und Sport) verursacht
werden, als höchstens geringfügig einzustufen seien. Voraussetzung dafür sei aber, dass
kein lautes Musikangebot die Tätigkeiten begleitet und alle Türen und Fenster geschlossen
würden. Im Fachbericht werden entsprechende Auflagen empfohlen. Diese
Schlussfolgerungen der Fachstelle sind nachvollziehbar und plausibel. Es ist davon
auszugehen, dass die gleichzeitige Benutzung aller drei Hallen sowohl im Schulbetrieb als
auch bei den ausserschulischen Sportangeboten den Regelfall darstellt und die
Fachbehörde bei ihrer Beurteilung auch davon ausging; Gegenteiliges ergibt sich jedenfalls
nicht aus dem Bericht. Die Fachstelle beurteilt die Schalldämmung der geplanten
Gebäudehülle nur im Falle von lärmintensiven Veranstaltungen (publikumsträchtige
Veranstaltungen und/oder laute Musik) als kritisch. Solche lärmintensiven Veranstaltungen,
welche über den Rahmen eines normalen Betriebs hinausgehen, sollen daher gemäss
Bericht am Abend mittels Auflage stark eingeschränkt werden (maximal 3 lärmintensive
Veranstaltungen nach 22.00 Uhr oder maximal 6 lärmintensive Veranstaltungen bis
spätestens 22.00 pro Kalenderjahr), um ein tolerierbares Ausmass an Lärmimmissionen in
der Nachbarschaft zu erhalten. Die Beschwerdeführenden verkennen, dass die von ihnen
angesprochenen Veranstaltungen mit Publikum und Speaker unter diese Kategorie fallen
und damit dieser Einschränkung unterliegen. Diese Art von Veranstaltungen wurde daher
von der Fachstelle – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden – bei ihrer
Beurteilung in genügendem Masse berücksichtigt.
c) Die Beschwerdeführenden bringen sodann vor, hinsichtlich des Rasenfeldes habe
die Kantonspolizei seiner Beurteilung, wonach nicht mit übermässigen Immissionen zu
rechnen sei, die bisherigen Belegungspläne zugrunde gelegt. Die Beurteilung gehe folglich
nur von einer abendlichen Nutzung des Rasenfeldes einmal pro Woche aus, was nicht den
zu erwartenden Gegebenheiten entspreche. Dass eine häufigere abendliche Nutzung des
Rasenfeldes angestrebt werde, verdeutliche auch die vorgesehene Installation einer
leistungsfähigeren Beleuchtungsanlage. Nur eine Beurteilung anhand der zu erwartenden
künftigen Nutzung entspreche einer zuverlässigen Einschätzung der resultierenden
Immissionen. Entgegen den Ausführungen im Fachbericht sei demnach von einer Nutzung
des Rasenfeldes an mehreren Abenden pro Woche auszugehen, was zu übermässigen
und unzulässigen Immissionen führe.
RA Nr. 110/2017/122 21
Entgegen diesen Ausführungen lässt sich dem Fachbericht nicht entnehmen, dass bei der
Beurteilung nur von einer abendlichen Nutzung des Rasenfeldes einmal pro Woche
ausgegangen wurde. Vielmehr lässt sich den der Beurteilung zugrunde gelegten
Belegungsplänen der bisherigen Turnhallen entnehmen, dass das Rasenfeld im Sommer
abends zweimal pro Woche in Anspruch genommen und im Winter nicht benutzt werden
soll. Ausgehend von dieser Belegung des Rasenfeldes kam die Fachstelle zum Schluss,
dass aufgrund der Benutzung der Aussenanlage durch die Sportvereine, durch den
Schulsport sowie durch eine allfällige freie Benützung der Öffentlichkeit zwecks Spiel und
Sport mit höchstens geringfügigen Lärmimmissionen zu rechnen ist, wobei die neue
Aussenbeleuchtung bei der Beurteilung mitberücksichtigt wurde. Dies wäre nach Ansicht
der Fachstelle dann anders zu beurteilen, wenn sich eine deutliche höhere Belegung als
derzeit vorgesehen abzeichnen sollte, was etwa der Fall wäre, "wenn täglich eine volle
Auslastung des Rasenspielfeldes bis um 22.00 Uhr" vorgesehen wäre (Ziffer. 6.1.3.1 des
Berichts). Dass die Kantonspolizei bei ihrer Beurteilung bezüglich der Belegung des
Rasenfeldes von richtigen Annahmen ausging, bestätigt die Beschwerdegegnerin in ihrer
Stellungnahme vom 22. Dezember 2017. Darin führt sie aus, dass das Rasenfeld im
Sommer abends ein- bis zweimal pro Woche und im Winter (Oktober bis März/April) gar
nicht beansprucht werde. Diese Belegung bildete Grundlage der Beurteilung des
Fachberichts und die BVE sieht daher keinen Anlass, die Schlussfolgerungen des
Fachberichts in Frage zu stellen. Sollte das Rasenfeld entgegen den Aussagen der
Beschwerdegegnerin abends mehr als ein- bis zweimal pro Woche im Sommer
beansprucht werden, so stellt dies eine wesentliche Änderung dar, aufgrund welcher die
Lärmsituation neu untersucht werden müsste (vgl. hierzu E. 7e).
d) Insgesamt vermögen die Beschwerdeführenden die plausiblen Einschätzungen und
Schlussfolgerungen im Fachbericht mit ihren Einwänden nicht in Frage zu stellen. Die
Fachstelle legt in ihrem Bericht überzeugend und nachvollziehbar dar, dass der Betrieb der
geplanten Dreifachsporthalle inklusive Aussennutzung unter Einhaltung gewisser Auflagen
zu nicht mehr als geringfügigen Lärmimmissionen in der Nachbarschaft führt. Die
Beschwerdegegnerin erklärt sich in ihren Schlussbemerkungen vom 12. März 2018 mit den
vorgeschlagenen Auflagen einverstanden. Auch nach Ansicht der Beschwerdeführenden
(Schlussbemerkungen vom 15. März 2018) sind sämtliche im Fachbericht empfohlenen
Auflagen zu berücksichtigen. Diese Auflagen sind damit unter den Parteien in der Sache
unbestritten, weshalb sie ohne weiteres (teilweise im Wortlaut leicht angepasst)
übernommen werden können.
RA Nr. 110/2017/122 22
e) Soweit der Fachbericht verlangt, die Lärmsituation müsste neu untersucht werden,
sollte die Anlage in baulicher oder in konzeptioneller Hinsicht wesentliche Änderungen
erfahren, handelt es sich dabei lediglich um einen Hinweis. Eine wesentliche Änderung der
Anlage, insbesondere auch eine intensivere Nutzung, wäre wiederum
baubewilligungspflichtig, was automatisch auch mit einer Neubeurteilung der Lärmsituation
verbunden wäre. Analoges gilt für die Forderung, berechtigte Lärmklagen aus der
Nachbarschaft müssten punktuell analysiert und beurteilt werden, auch dies ist lediglich ein
Hinweis auf etwas, das ohnehin gilt.
f) Für den Fall, dass auf der Anlage durch regelmässige, nicht ordnungsgemässe
Nutzung (z.B. durch unerlaubtes Abspielen von Musik) Lärmimmissionen in der
Anwohnerschaft auftreten sollten, schlägt der Fachbericht vor, die Gemeinde solle ein
geeignetes Kontrollkonzept umsetzen.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass nachträglich weitere Massnahmen angeordnet werden
müssen, sollte sich die Lärmprognose wider Erwarten nicht bewahrheiten. Nachträgliche
Massnahmen zur Emissionsbegrenzung sind auch bei rechtskräftig bewilligten Anlagen
nicht ausgeschlossen: Wo die Immissionen bei Erteilen der Bewilligung nicht oder nicht
vollständig vorausgesehen wurden oder wo eine zuverlässige Prognose schwierig ist, ist
die Prüfung der nachträglichen Anordnung von Massnahmen zur Emissionsbegrenzung
angezeigt.28 Sollten also vorliegend in der Nachbarschaft wider Erwarten übermässige
Lärmimmissionen durch eine regelmässige, nicht ordnungsgemässe Nutzung auftreten, so
ist die nachträgliche Anordnung von weiteren Massnahmen denkbar. Zum jetzigen
Zeitpunkt sind jedoch keine weiteren vorsorglichen Massnahmen erforderlich und damit
auch kein zusätzliches Kontrollkonzept. Ein solches müsste gegebenenfalls bei Bedarf
unter Berücksichtigung der konkreten Probleme erarbeitet werden.
g) Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass aufgrund einer Prognose davon
auszugehen ist, dass unter Berücksichtigung der aufgeführten Auflagen die durch die
ordnungsgemässe Benützung des Bauvorhabens auftretenden Lärmimmissionen in der
Nachbarschaft zu höchstens geringfügigen Störungen führen werden. Damit erweist sich
das Bauvorhaben hinsichtlich Lärmimmissionen unter Auflagen als bewilligungsfähig. Sollte
28 BGer 1C_177/2011 vom 9. Februar 2012, E. 4.2.
RA Nr. 110/2017/122 23
sich die Lärmprognose wieder Erwarten nicht bewahrheiten, besteht die Möglichkeit,
nachträgliche Massnahmen zur Emissionsbegrenzung anzuordnen.
8. Verkehrsaufkommen / Erschliessung
a) Die Beschwerdeführenden monieren, die geplante Nutzung der Sporthalle führe zu
einem erheblichen Mehraufkommen an Verkehr, namentlich an Abenden und am
Wochenende. Vorliegend bestehe kein Erschliessungskonzept, wie dies bei einem
derartigen Vorhaben vorzusehen sei. Es werde lediglich festgehalten, der Anschluss
erfolge über die Gemeindestrasse. Aufgrund der eingereichten Pläne werde die
Erschliessung über die J._gasse stattfinden. An den engen Stellen mit
Parkplätzen an den Strassenseiten betrage die Breite der J._gasse lediglich 3.4 -
3.6 m, was klar unter der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbreite liege. Die
ungenügende Erschliessung akzentuiere sich durch die prekäre Parkplatzsituation in der
Umgebung der Dreifachsporthalle. Durch die Realisierung des Vorhabens werde die
Verkehrssicherheit in der unmittelbaren Umgebung erheblich gefährdet. Die stetige
Erreichbarkeit der Sporthalle für die Rettungsdienste sei nicht gewährleistet und es fehle
eine geeignete Zufahrt, Kurzabstell- und Wendeplätze sowie Abstellplätze für
Anlieferungen.
b) Bauvorhaben dürfen nur bewilligt werden, wenn das Baugrundstück genügend
erschlossen ist (Art. 7 Abs. 1 BauG). Dabei gilt die strassenmässige Erschliessung dann
als genügend, wenn die Zufahrtsstrasse hinreichend nahe an die geplanten Bauten und
Anlagen heranführt und diese für Wehrdienste und Sanität gut erreichbar sind (Art. 7
Abs. 2 Bst. a BauG). Die Erschliessungsstrassen müssen weiter den Beanspruchungen
gewachsen sein, die sich aus der Nutzung des Baugrundstücks und der weiteren
Grundstücke ergeben können, denen sie nach der Planung zu dienen bestimmt sind (Art. 7
Abs. 3 BauG). Nach Art. 8 BauG umschreibt der Regierungsrat die Anforderungen an eine
genügende Erschliessung (Abs. 1). Er ordnet namentlich auch die Fälle, in denen eine
bestehende Erschliessungsstrasse als genügend geltend kann, obgleich sie den
Anforderungen an eine Neuerschliessung nicht entspricht (Abs. 2 Bst. a) und die für
besondere Fälle möglichen Erleichterungen oder geltenden strengeren Anforderungen
(Abs. 2 Bst. b).
RA Nr. 110/2017/122 24
Bestehende Erschliessungsanlagen genügen für Bauvorhaben in einem weitgehend
überbauten Gebiet oder ausserhalb der Bauzone dann, wenn die insgesamt zu erwartende
Mehrbelastung verhältnismässig gering ist und die Verkehrssicherheit und
Brandbekämpfung gewährleistet sind (Art. 5 Bst. a BauV). Genügt die bestehende
Erschliessungsanlage nicht, so hält Art. 7 Abs. 2 BauV für die Zufahrt zum Baugrundstück
fest, dass die Fahrbahnbreite bei Strassen mit Gegenverkehr 4.20 m grundsätzlich nicht
unterschreiten soll. Wenn besondere Verhältnisse im Sinne von Art. 6 Abs. 3 BauV es
erfordern, kann aber die Fahrbahnbreite auch bei Strassen mit Gegenverkehr auf 3 m
herabgesetzt werden; ist die Strasse auf einer grösseren Strecke nicht überblickbar, so
sind Ausweichstellen anzulegen (Art. 7 Abs. 3 BauV). Als besondere Verhältnisse gelten
nach Art. 6 Abs. 3 BauV etwa ungünstige topographische Gegebenheiten, vorhandene
bauliche Hindernisse, eine gebotene Verlangsamung des Verkehrs oder eine zu
erwartende geringe Verkehrsbelastung (Zufahrt für nicht mehr als 20 Wohnungen oder
verkehrsmässig gleichbleibende Nutzung). Bei der Strassengestaltung, insbesondere bei
der Bemessung der Fahrbahnbreite, ist nach dieser Bestimmung u.a. auf die
Verkehrssicherheit Rücksicht zu nehmen.
c) Die Ausfahrt aus der Einstellhalle der umstrittenen Dreifachsporthalle mündet in die
J._gasse. Der kürzeste Weg, um auf das übergeordnete Verkehrsnetz zu
gelangen, führt in nördlicher Richtung entlang der J._gasse zum Anschluss an die
L._strasse (Distanz rund 180 m). Auch in südlicher Richtung erreicht man über die
J._gasse und nach einer Kurve entlang der Q._strasse das
übergeordnete Verkehrsnetz (R._strasse). Die Distanz dieser Erschliessung
beträgt rund 350 m.
Die Voraussetzung, wonach diese Zufahrtstrassen hinreichend nahe an die geplante
Turnhalle heranführt und diese für Wehrdienste und Sanität gut erreichbar sind (Art. 7 Abs.
2 Bst. a BauG), ist damit erfüllt. Wieso die stetige Erreichbarkeit der Sporthalle für die
Rettungsdienste über diese gut ausgebauten Gemeindestrassen nicht gewährleistet sein
soll, wie dies die Beschwerdeführenden vorbringen, ist nicht nachvollziehbar und wird von
diesen auch nicht näher begründet.
d) Die Verkehrssicherheit auf der Erschliessungsstrasse muss sichergestellt sein, und
zwar unabhängig von der Frage, ob die Erschliessungsanforderungen einer bestehenden
RA Nr. 110/2017/122 25
Strasse (Art. 5 BauV) oder diejenigen einer neuen Strasse (Art. 6 ff. BauV) massgebend
sind.
Die J._gasse ist auf ihrer gesamten Länge gerade und übersichtlich; die
zugelassene Maximalgeschwindigkeit beträgt 30 km/h. Abgesehen von einzelnen kurzen
Verengungen (Parkplätze) ist sie beidseitig befahrbar und weist eine Breite von mindestens
5 m auf. Aufgrund der geraden Linienführung sind entgegenkommende Fahrzeuge
frühzeitig erkennbar, so dass die kurzen Verengungen keine Konfliktgefahr darstellen. Bei
diesen Verengungen unterschreitet die Strasse die Breite von 3 m nicht; gemäss den
Beschwerdeführenden beträgt die Breite in diesen Bereichen zwischen 3.4 m und 3.6 m.
Entlang der J._gasse führt auf der ganzen Länge ein Trottoir. In südlicher
Richtung mündet die J._gasse nach einer Kurve in die Q._strasse.
Sowohl in dieser Kurve als auch auf der ganzen Länge der Q._strasse ist diese
Erschliessung beidseitig befahrbar und mindestens 5 m breit. Auch die Q._strasse
weist eine gerade Linienführung auf und ist mit einer Tempolimitierung von 30 km/h
versehen. Zwar ist das Trottoir ab Höhe des Hauses Q._strasse 19 nur noch als
gelbe Markierung geführt, aufgrund der genügenden Breite der Strasse und der geraden
Linienführung stellt dies jedoch kein Sicherheitsproblem dar. Die Einmündungen auf die
L._strasse nördlich und auf die R._strasse südlich sind schliesslich breit
und übersichtlich. Gleiches gilt für die Einmündung der M._strasse in die
J._gasse unmittelbar südlich der geplanten Turnhalle. Insgesamt sind auf den
Erschliessungsstrassen der umstrittenen Turnhalle sowohl in südlicher als auch in
nördlicher Richtung aus Sicht der Verkehrssicherheit keine potenziellen Gefahrenstellen
erkennbar. Die Verkehrssicherheit ist gewährleistet, selbst wenn diese
Erschliessungsstrassen aufgrund der neuen Dreifachturnhalle etwas stärker befahren sein
werden.
Dazu kommt, dass aufgrund der neuen Dreifachsporthalle – entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführenden – insgesamt nicht mit einem erheblichen Mehraufkommen an
Verkehr zu rechnen ist. Den überzeugenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin und
der Vor-instanz folgend wird das umstrittene Bauvorhaben an Wochentagen tagsüber
kaum zusätzlichen Verkehr generieren, da die Sporthalle von der Schule in Anspruch
genommen wird. Abends und an Wochenenden ist jedoch aufgrund der Nutzung durch
Sportvereine mit einem gewissen Mehrverkehr zu rechnen. Dies alleine führt in der
Gesamtbetrachtung jedoch nicht zu einem erheblichen Mehraufkommen an Verkehr. Die
RA Nr. 110/2017/122 26
erwähnten Erschliessungsstrassen vermögen den Mehrverkehr abends und an
Wochenenden zudem problemlos aufzunehmen, ohne dass die Verkehrssicherheit
gefährdet wäre. Zu beachten ist schliesslich, dass sich der im Zusammenhang mit der
Turnhalle anfallende Verkehr auf beide Erschliessungswege (gegen Norden Richtung
L._strasse sowie gegen Süden Richtung R._strasse) verteilen kann.
Insgesamt ist damit die Verkehrssicherheit auf den Erschliessungsstrassen auch bei
Berücksichtigung eines gewissen Mehrverkehrs aufgrund der geplanten Dreifachsporthalle
gewährleistet. Unter diesen Umständen ist auch ausgeschlossen, dass durch die
Mehrbeanspruchung der Verkehrsanlagen die Immissionsgrenzwerte überschritten werden
oder dass durch die Mehrbeanspruchung einer sanierungsbedürftigen Verkehrsanlage
wahrnehmbar stärkere Lärmimmissionen erzeugt werden (vgl. Art. 9 LSV).
e) Die Erschliessung der umstrittenen Halle ist dann genügend, wenn neben der
Gewährleistung der Verkehrssicherheit die übrigen Voraussetzungen an eine bestehende
Erschliessungsstrasse im Sinne von Art. 5 Bst. a BauV erfüllt sind oder wenn diese
Erschliessungsstrassen die Anforderungen an eine neue Zufahrt nach Art. 6 f. BauV
einzuhalten vermögen (vgl. E. 8b). Letzteres ist vorliegend der Fall: So beträgt die
Fahrbahnbreite der J._gasse und der Q._strasse mehr als 4.20 m (Art. 7
Abs. 2 BauV). Einzig bei den vereinzelten, kurzen Verengungen entlang der
J._gasse wird diese Breite unterschritten. Da diese Verengungen jedoch als
Verkehrsberuhigungsmassnahme der Verlangsamung des Verkehr dienen, sind die
besonderen Voraussetzungen für eine Herabsetzung der Strassenbreite in diesen kurzen
Abschnitten bis auf 3 m erfüllt (Art. 7 Abs. 3 i.V.m. Art. 6 Abs 3 BauV). Die Mindestbreite
von 3 m wird eingehalten, wie dies auch die Beschwerdeführenden festhalten. Wie bereits
ausgeführt (E. 8d), ist die Verkehrssicherheit auch im Bereich dieser Verengungen noch
gewährleistet. Es erübrigt sich damit, die Voraussetzungen einer bestehenden
Erschliessungsstrasse (und damit insb. die Frage, ob die zu erwartende Mehrbelastung
verhältnismässig gering ist) näher zu prüfen.
f) Insgesamt ist die Erschliessung der vorliegend umstrittenen Dreifachsporthalle als
genügend einzustufen. Die von den Beschwerdeführenden in diesem Zusammenhang
vorgebrachte, angeblich prekäre Parkplatzsituation in der Umgebung hat nichts mit dem
umstrittenen Bauvorhaben und der Frage der genügenden Erschliessung dieses
Vorhabens zu tun; diesbezüglich ist einzig relevant, dass die geplante Dreifachsporthalle
RA Nr. 110/2017/122 27
selber über genügend Parkplätze verfügt und damit die gesetzlichen Anforderungen zum
Parkplatzbedarf erfüllt (vgl. E. 10). Wieso schliesslich eine geeignete Zufahrt, Kurzabstell-
und Wendeplätze sowie Abstellplätze für Anlieferungen fehlen sollen, ist nicht
nachvollziehbar: Die genügende Zufahrt ist nach dem Gesagten vorhanden (vgl. E. 8c-e);
Kurzabstellplätze, Wendeplätze und Abstellplätze für Anlieferungen werden weder benötigt
noch sind sie gesetzlich vorgeschrieben.
g) Die Beschwerdeführenden bringen in diesem Zusammenhang jedoch zu Recht vor,
dass entgegen den Ausführungen in der Begründung des vorinstanzlichen Entscheids
(Ziffer 3.3.3) in dessen Dispositiv keine Auflage betreffend Parkierungskonzept für die
sporadischen Grossanlässe verankert wurde. Auf eine solche Auflage kann aber verzichtet
werden, da dies bereits in der Benützungsverordnung vorgeschrieben wird. So ist nach Art.
32 Abs. 3 dieser Verordnung bei Anlässen, die das Parkplatzangebot der Schulanlagen
überschreiten, grundsätzlich der Veranstalter für zusätzliche Parkmöglichkeiten und für die
Organisation der Verkehrsabwicklung besorgt. Zudem wird im vorliegenden Entscheid im
Zusammenhang mit den Auflagen zur Lärmminderung vorgeschrieben, dass bei
publikumsintensiven Veranstaltungen ein geeigneter und genügend dimensionierter Park-
und Sicherheitsdienst einzusetzen ist.
9. Kanalisationsleitungen
a) Nach Ansicht der Beschwerdeführenden erweist sich die aktuelle Erschliessung auch
betreffend die Kanalisationsleitungen / Dimensionierung der Kanalisationsleitungen als
ungenügend. Aus den eingereichten Plänen werde zudem nicht klar, wie die
Kanalisationsleitungen betreffend der Liegenschaften der Beschwerdeführenden 3 und 4
und der ehemaligen Beschwerdeführerin 5 verlaufen würden. Die Erschliessung der
Liegenschaften der Beschwerdeführenden müsse gewährleistet bleiben.
b) Ein Bauvorhaben darf nur bewilligt werden, wenn sichergestellt ist, dass das
Baugrundstück auf den Zeitpunkt der Fertigstellung des Baus oder der Anlage, wenn nötig
bereits bei Baubeginn, genügend erschlossen ist (Art. 7 Abs. 1 BauG). Hinsichtlich der
Kanalisation liegt eine genügende Erschliessung dann vor, wenn eine vorschriftgemässe
Einrichtung zur Beseitigung des Abwassers besteht (Art. 7 Abs. 2 BauG). Dabei reicht es,
RA Nr. 110/2017/122 28
wenn diese im Zeitpunkt der Fertigstellung des Vorhabens vorhanden ist.29 Nach GSchG30
dürfen Baubewilligungen für Neu- und Umbauten in Bauzonen zudem nur erteilt werden,
wenn im Bereich öffentlicher Kanalisationen gewährleistet ist, dass das verschmutzte
Abwasser in die Kanalisation eingeleitet oder landwirtschaftlich verwertet wird (Art. 17 Bst.
a GschG).
c) Die Beschwerdeführenden begründen nicht näher, wieso die Kanalisationsleitungen
für das umstrittene Bauvorhaben ungenügend dimensioniert sein sollten. Aus der
geäusserten Befürchtung, wonach die heutigen Kanalisationsleitungen bei anhaltendem
Regen an die Kapazitätsgrenzen stossen würden, lässt sich dies jedenfalls nicht ableiten.
Für das vorliegende Neubauprojekt sind neue Schmutzwasserleitungen vorgesehen. Deren
Linienführung und Dimensionierung ergibt sich aus dem massgebenden Plan31. Es
bestehen keine Indizien, dass die Einrichtung zur Beseitigung des Abwassers nicht den
Vorschriften entspricht. In einem weiteren Plan32 sind sodann neben den neuen
Schmutzwasserleitungen auch die bestehenden Schmutzwasserleitungen in der
unmittelbaren Umgebung ersichtlich. Eine Stilllegung der Kanalisationsleitungen westlich
der geplanten Baute – wie dies die Beschwerdeführenden mutmassen – ist aus diesen
Plänen nicht erkennbar. Es bestehen keine Indizien, dass die genügende
Kanalisationserschliessung der Liegenschaften der Beschwerdeführenden aufgrund des
umstrittenen Neubauvorhabens nicht mehr gewährleistet sein sollte. Die diesbezüglichen
Befürchtungen der Beschwerdeführenden sind nicht nachvollziehbar. Die Rügen im
Zusammenhang mit den Kanalisationsleitungen erweisen sich als unbegründet.
10. Parkplatznachweis
a) Nach Ansicht der Beschwerdeführenden sind beim umstrittenen Bauvorhaben zu
wenig Parkplätze vorgesehen. Die Vorinstanz habe im Zusammenhang mit der
Parkplatzberechnung nach Art. 52 BauV die ganze Anlage offenbar als "Schule" qualifiziert.
Die geplante Nutzung der Baute beinhalte jedoch unbestrittenermassen auch
29 Nach Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 7/8 N. 11 können für die Abwasserbeseitigung während der Bauphase provisorische Vorkehren dienen. 30 Bundesgesetz vom 24. Januar 1991 über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG; SR 814.20). 31 Bauprojektplan Kanalisation und Einlagen Bodenplatte vom 20. Juli 2016. 32 Koordinationsplan Werkleitungen vom 23. Juni 2016.
RA Nr. 110/2017/122 29
Freizeitaktivitäten, was zu einer anderen Berechnung führe. Nach den Berechnungen der
Beschwerdeführenden beträgt der Parkplatzbedarf minimal 136 Parkplätze, was dem
knapp Dreifachen entspreche als vorgesehen. Um eine Befreiung der Parkplatzpflicht sei
nicht ersucht worden, eine solche könnte auch nicht erteilt werden.
b) Wird durch die Erstellung, die Erweiterung, den Umbau oder die Zweckänderung von
Bauten und Anlagen ein Parkplatzbedarf verursacht, so ist dafür auf dem Grundstück oder
in seiner Nähe eine ausreichende Anzahl von Abstellplätzen für Motorfahrzeuge, Fahrräder
und Motorfahrräder zu errichten (Art. 16 Abs. 1 BauG). Die Anzahl der Abstellplätze wird
durch eine Bandbreite begrenzt; innerhalb dieser Bandbreite legt die gesuchstellende
Partei die Anzahl fest. Die Bandbreite umfasst insbesondere die Abstellplätze für die
Motorfahrzeuge der Beschäftigten, der Besucher und der Behinderten (Art. 50 Abs. 1 und 2
BauV). Für die übrigen Nutzungen berechnet sich die Bandbreite nach bestimmten
Formeln (Art. 52 Abs. 1 BauV). Der minimale Parkplatzbedarf für diesen Standort
berechnet sich nach folgender Formel: (0.6 x Geschossfläche / n) - 3. Der n-Wert hängt
von der Nutzung ab, wobei Turnhallen als Nutzungsart in dieser Bestimmung nicht
aufgeführt werden. Ist eine Nutzung in Art. 52 Abs. 1 BauV nicht geregelt, ist die
Bandbreite nach der voraussichtlichen Anzahl der Arbeitsplätze, der erwarteten Besucher
oder anderen, zweckmässigen Bemessungsgrundlagen festzusetzen; die Normen des
Schweizerischen Verbandes der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) können
ergänzend beigezogen werden (Art. 52 Abs. 4 BauV).
c) Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden wurde der Parkplatzbedarf
vorliegend nicht gestützt auf den n-Wert von Schulen errechnet. Vielmehr hat die
Beschwerdegegnerin den Bedarf an Autoabstellplätzen nach Art. 52 Abs. 4 BauV und unter
Beizug der VSS-Norm 640 281 "Parkieren, Angebot an Parkfeldern für Personenwagen"
errechnet. Sie ist dabei für die Turnhalle und den Schwingkeller von einer Hallenfläche von
1'507 m2 und von 150 Zuschauerplätzen ausgegangen und für die im Obergeschoss
zusätzlich geplante Bibliothek von einer Fläche von 190 m2. Gestützt auf die erwähnte
VSS-Norm errechnete sie einen Bedarf von 49 Parkplätzen.33
Diese Berechnung ist nicht zu beanstanden. Die Nutzungsart "Turnhalle" ist in Art. 52
Abs. 1 BauV nicht aufgeführt, so dass die Beschwerdegegnerin ihre Berechnung zu Recht
33 Vgl. Parkplatznachweis vom 5. Dezember 2016, Vorakten pag. 37 f.
RA Nr. 110/2017/122 30
auf Art. 52 Abs. 4 BauV gestützt hat. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden
kann nicht auf den n-Wert für die Nutzungsart "Einkaufen, Freizeit, Kultur" abgestellt
werden. Die Besucherfrequenzen einer Turnhalle lassen sich nicht mit denjenigen eines
Einkaufs- oder Freizeitzentrums oder einer Kultureinrichtung vergleichen, selbst wenn die
vorliegende Dreifachsporthalle vereinzelt am Abend und an Wochenenden für sportfremde
Anlässe genutzt werden soll. Diese Anlässe werden jedoch stark begrenzt (vgl. Auflagen
zur Lärmminderung) und bedürfen hinsichtlich der Parkmöglichkeiten besonderer
Vorkehren des Veranstalters (vgl. E. 8g). Diese Einzelanlässe sportfremder Art müssen
daher bei der Errechnung des Parkplatzbedarfs nicht berücksichtigt werden. Da die
Turnhalle nicht nur für den Schulbetrieb, sondern am Abend und am Wochenende auch
durch Vereine genutzt werden soll, kann auch nicht auf den massgebenden n-Wert nach
Art. 52 Abs. 1 BauV für Schulen abgestellt werden.
Bei der Berechnung nach Art. 52 Abs. 4 BauV hat sich die Beschwerdegegnerin auf die
massgebende VSS-Norm abgestützt, wie dies in dieser Bestimmung ausdrücklich
vorgesehen ist. Die erfolgte Berechnung basiert auf den in dieser Norm angegebenen
Richtwerten für Turnhallen mit Zuschauern und für Bibliotheken (vgl. VSS-Norm 640 281
"Parkieren, Angebot an Parkfeldern für Personenwagen", Ziffer 10.1 und Tabelle 1). Da bei
der Berechnung des Parkplatzangebots nach diesen Normen neben der Art der Nutzung
auch noch der Standort-Typ zu berücksichtigen ist (Ziffer 10.2, Tabellen 2 und 3) – was
vorliegend nicht gemacht wurde –, würde die Berechnung einzig gestützt auf die VSS-
Norm wohl sogar eine kleinere Anzahl Parkplätze ergeben als hier geplant. Da davon
ausgegangen werden kann, dass die 51 geplanten Parkplätze nicht nur für den
Turnhallenbetrieb, sondern auch durch die Angestellten der Schule genutzt wird, erscheint
der ausgewiesene Parkplatzbedarf gestützt auf die Beurteilungskriterien nach Art. 52 Abs.
4 BauV als angemessen. Auch die Beschwerdeführenden führen nicht aus, wieso bei einer
Berechnung nach Art. 52 Abs. 4 BauV – wie sie hier zu Recht vorgenommen wurde – der
von der Beschwerdegegnerin festgelegte Parkplatzbedarf falsch sein sollte. Die Rüge
erweist sich als unbegründet.
11. Denkmal- und Ortsbildschutz
a) Die Beschwerdeführenden rügen, der überlange Bau erscheine nach wie vor als
Fremdkörper in dieser zentralen Wohnumgebung und passe sich in keiner Weise in die
RA Nr. 110/2017/122 31
Umgebung ein. Der grosse Baukörper sei schlicht überdimensioniert und deplatziert. Es
könne keine gute Gesamtwirkung des Bauvorhabens mit den schützenswerten Bauten in
der unmittelbaren Umgebung erzielt werden. Der rudimentär gehaltene Bericht der OLK
überzeuge nicht. Die Fachbehörde halte darin zudem selber fest, dass ihre
Verbesserungsvorschläge nur teilweise umgesetzt worden seien.
b) Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und Bemalungen dürfen Landschaften,
Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Diese Vorschrift stellt
die „ästhetische Generalklausel“ im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar.
Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden
Überbauung schafft, der erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften
erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften
müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die
Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders
formulieren.34
Das Baureglement der Gemeinde F._ (GBR) enthält insbesondere folgende
Bestimmungen zur Gestaltung von Bauten und Anlagen:
411 Gestaltungsgrundsatz 1 Bauten und Anlagen sind so zu gestalten, dass zusammen mit ihrer Umgebung eine
gute Gesamtwirkung entsteht. 2 Bei der Beurteilung der guten Gesamtwirkung sind insbesondere zu berücksichtigen:
- die prägenden Elemente und Merkmale des Strassen-, Orts- und Landschaftsbildes, - die bestehende und bei Vorliegen einer entsprechenden Planung auch die
beabsichtigte Gestaltung der benachbarten Bebauung, - Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen der Bauten und Anlagen, - die Fassaden- und Dachgestaltung sowie die Materialisierung und Farbgebung, - die Gestaltung der Aussenräume, insbesondere des Vorlandes und der
Begrenzungen gegen den öffentlichen Raum, - die Gestaltung und Einordnung der Erschliessungsanlagen, Abstellplätze und
Eingänge 3 ...
413 Fassadengestaltung
34 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen.
RA Nr. 110/2017/122 32
Die Fassadengestaltung hat sich im weitgehend unüberbauten Gebiet nach den ortsüblichen, im weitgehend überbauten Gebiet oder vorherrschenden Merkmalen zu richten, welche das Strassen-, Quartier- oder Ortsbild prägen.
Diese Bestimmungen der Gemeinde F._ gehen weiter als Art. 9 Abs. 1 BauG;
ihnen kommt daher selbständige Bedeutung zu. Der in Ziff. 411 GBR verwendete Begriff
"gute Gesamtwirkung" ist ein unbestimmter kommunaler Gesetzesbegriff, bei dessen
Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen Beurteilungsspielraum haben.
Jedoch dürfen auch an das Erfordernis der guten Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig
hohe Ansprüche gestellt werden. Die gute Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an
besonders hohen architektonischen Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei
durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass das Mittelmass der Umgebung nicht
gestört werden darf und sich eine neue Baute oder Anlage an den qualitativ
hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren hat.35
c) Besondere Bestimmungen gelten zudem, wenn Bauvorhaben Baudenkmäler im
Sinne von Art. 10a BauG betreffen. Baudenkmäler sind herausragende Objekte und
Ensembles von kulturellem, historischem oder ästhetischem Wert. Dazu gehören
namentlich Ortsbilder, Baugruppen und Bauten (Art. 10a Abs. 1 BauG). Der Schutz eines
Baudenkmals beschränkt sich nicht nur auf das Objekt selber, sondern erstreckt sich auch
auf dessen Umgebung: Schützenswerte und erhaltenswerte Baudenkmäler dürfen durch
Veränderungen in ihrer Umgebung nicht beeinträchtigt werden (Art. 10b Abs. 1 Satz 2
BauG). Eine Veränderung soll auf das Baudenkmal grösstmögliche Rücksicht nehmen.
Bauprojekte in der Nachbarschaft von Baudenkmälern müssen also weitergehende
Einschränkungen in Kauf nehmen. Was das im konkreten Fall heisst, hängt vom
Schutzbedarf des Baudenkmals und seiner Stellung in der Umgebung einerseits und dem
Interesse der Veränderung dieser Umgebung andererseits ab.36 Bei diesen Vorschriften
zum besonderen Landschaftsschutz handelt es sich um kantonale Regeln. In diesem
Zusammenhang spielt die Gemeindeautonomie – anders als bei den kommunalen Zonen-
und Ästhetikbestimmungen – keine Rolle.
35 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1. 36 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 10a-f N. 7.
RA Nr. 110/2017/122 33
Die bestehenden Schulgebäude der Schulanlage Dorf nördlich des Bauvorhabens sind im
Bauinventar als erhaltenswert eingestuft und bilden die Baugruppe B "Schulanlage Dorf".37
Diese wird im Bauinventar wie folgt charakterisiert38:
"Das neue Primar- und Sekundarschulhaus (K._weg 3) wurde 1899 mit genügend Umschwung erstellt. 1906 kam südöstlich davon die Turnhalle hinzu. So ergab sich, dass S-seitig der Sportplatz, N-seitig der Pausenplatz angelegt wurde. Bei der Erweiterung der Schulanlage nach 1950 wurde dieses räumliche Prinzip gefestigt. Rechtwinklig zur alten Turnhalle wurde 1951 gegen Osten der Unterstufenschultrakt (K._weg 5) erstellt. Auf der W-Seite des Sportplatzes entstand 1957/58 der abschliessende Längstrakt mit Turnhalle, Aula und Hauswirtschaftsschule (K._weg 6). Grundwasserprobleme verzögerten die Inbetriebnahme, so dass die alte Turnhalle erst 1964 abgerissen und die Umgebung neu gestaltet werden konnte (Sitzstufen am Rande des Sportplatzes, Pythagorasbrunnen zwischen den neuen Schultrakten, Einfassung des Pausenplatzes mit Ahornbäumen und Platanen). Das alte Schulhaus mit vorgelagertem Sportplatz wird heute von den Bauten der 1950er-Jahre sehr geschickt flankiert."
Das Bauvorhaben grenzt direkt an diese Baugruppe B an und betrifft damit deren
Umgebung. Da es nicht um Massnahmen an den Baudenkmälern selbst, sondern um eine
Veränderung in deren Umgebung geht und auch das Ortsbild generell betroffen sein
könnte, wurde im vorinstanzlichen Verfahren zu Recht die OLK als Fachbehörde
beigezogen.
d) Einem ersten Projekt für die Realisierung einer Dreifachturnhalle erteilte die BVE –
gestützt auf die negative Beurteilung der OLK – im Jahr 2014 den Bauabschlag (RA Nr.
110/2013/329). In diesem Projekt war die Turnhalle noch anders positioniert; deren
Längsseite befand sich entlang der M._strasse. Die OLK kam damals zum
Schluss, aufgrund der geplanten Lage der Turnhalle vermöge der Neubau in keiner Art und
Weise angemessen auf die zu Recht geschützte Baugruppe zu reagieren. Eine
landschaftsarchitektonische Idee, welche auf den vorhandenen, qualitätvollen
Aussenräumen aufbaue, fehle gänzlich. Die Baugruppe B und die dazugehörenden
Baudenkmäler würden durch das Vorhaben beeinträchtigt. Dem Neubau komme als
unmittelbares Vis-à-vis des Primar- und Sekundarschulhauses eine eminente Wichtigkeit
zu. Dies verlange eine sensible und städtebaulich stimmige Antwort. Der Bau einer
Dreifachturnhalle sei zwar auf den Bauparzellen möglich; aber es seien eine sensible
städtebauliche Setzung des Neubaus und eine kohärente Architektursprache, welche die
heutige Schulanlage "weiterbaue" und ergänze, unabdingbar. Eine bessere Möglichkeit sei
37 Bauinventar der Gemeinde F._, Seiten 9, 55, 79, 81 und 82. 38 Bauinventar der Gemeinde F._, S. 9.
RA Nr. 110/2017/122 34
beispielsweise eine Konzipierung der neuen Halle als Ergänzung der Unterstufen- und
Oberstufengebäude, das heisst auf der östlichen Seite der Anlage. Auch die gewählte
Materialisierung und Farbe wurde durch die OLK kritisiert.
Beim überarbeiteten, nun zu beurteilenden Projekt nahm die Beschwerdegegnerin diese
Kritikpunkte auf. Die geplante Dreifachsporthalle befindet sich nun vollständig auf der
Parzelle F._ Grundbuchblatt Nr. I._ mit der Längsseite entlang der
J._gasse. Die Ein- und Ausfahrt der Einstellhalle mündet in die J._gasse
und liegt in der südöstlichen Ecke des Vorhabens. Das Rasenfeld soll – wie im
bestehenden Zustand – in der südwestlichen Ecke der Parzelle F._
Grundbuchblatt Nr. H._, angrenzend an den bestehenden Allwetterplatz, zu liegen
kommen. Für die Fassaden ist ein Wärmedämm-Verbundsystem in grauer Farbe
vorgesehen.
e) Die OLK nahm bereits in der Vorprojektphase zum Vorhaben (Projektstand 10. März
2016) Stellung. Im Bericht vom 23. März 2016 führte die Fachbehörde aus, bei der
Projektanpassung scheine die qualitätvolle Umgebungsgestaltung in die Überlegungen
eingeflossen zu sein und die architektonische Gestaltung sei umfassend überarbeitet
worden. Das Foyer mit den Zugängen im Westen und Osten sei als überhoher, kopfartiger
Vorbau konzipiert. Dieser nehme die Ausrichtung der bestehenden Schulhausbauten im
Norden auf und werde in einen sockelartigen Bau überführt, welcher sich über die gesamte
Länge der Dreifachsporthalle erstrecke. Darüber sei die Turnhalle als laternenartiges,
aufgesetztes Volumen ablesbar. Die Garageneinfahrt werde überdacht und ermögliche so
auch im Süden eine unaufgeregte Fassadengestaltung. Das Projekt habe sich in jeder
Hinsicht massiv verbessert. Man begrüsse den Willen der Planer und Behörden, die
bestehende Schulhausanlage kohärent zu erweitern. Der gewählte Lösungsansatz sei
vielversprechend. Die Rhythmisierung des Baukörpers erlaube eine bessere Einbettung
des grossen Volumens in die bestehende Schulanlage. Die gestalterische Absicht sei
ablesbar, unaufgeregt und klar verständlich. Die OLK brachte aber auch noch Kritikpunkte
an: So sei das Zurückspringen der mit Lamellen verkleideten Laterne im Osten nicht
nachvollziehbar; eine fassadenbündige Lösung, analog der Westfassade, sei anzustreben.
Der durchgesteckte und leider nicht symmetrisch angedachte Erschliessungsbereich führe
zu unschönen und in der Lage unbestimmten Zugangsöffnungen. Diese seien zu
korrigieren und mit dem optischen Einschnitt zwischen Laterne und Kopfbau abzustimmen.
Auf die kaminartigen Ausbuchtungen in der Südfassade sei zu verzichten. Die
RA Nr. 110/2017/122 35
Befensterung verharre schliesslich noch allzu sehr in der Architektursprache der 80er
Jahre. Grundsätzlich würde dem Bau eine feinere, profiliertere Gestaltung gut anstehen.
Zum massgebenden, mit Baugesuch vom 20. Dezember 2016 eingereichten Vorhaben
nahm die OLK mit Bericht vom 8. Februar 2017 Stellung. Dabei hielt sie fest, die im Bericht
vom 23. März 2016 erwähnten Verbesserungsvorschläge seien teilweise umgesetzt
worden. Der detaillierte Umgebungsgestaltungsplan sei jedoch nicht Teil des
Baugesuches, nur die stimmige Gestaltung des Aussenraumes könne den Neubau in die
angedachte Idee des Campus einbinden. Sie empfehle, das Projekt zu bewilligen, unter
dem Vorbehalt, dass der detaillierte Umgebungsgestaltungsplan der
Landschaftsarchitekten integraler Bestandteil der Baubewilligung werde. Die Qualität des
Bauvorhabens werde massiv gesteigert, ihre Anregungen seien eingearbeitet worden.
Nachdem das Rechtsamt der BVE der OLK mit Verfügung vom 30. November 2017 einen
vollständigen Plansatz des von der Vorinstanz bewilligten Vorhabens und damit auch den
bei der letzten Beurteilung (Bericht vom 8. Februar 2017) noch fehlenden Plan "Situation
Umgebung" vom 2. Februar 2017 zustellte, nahm die Fachbehörde nochmals mit Bericht
13. Dezember 2017 Stellung. Darin stimmte die OLK dem Bauvorhaben zu und empfahl
das Projekt zu bewilligen, unter dem Vorbehalt, dass die beteiligten Fachleute das Projekt
auch weiterhin begleiten würden.
f) Die Beschwerdegegnerin hat die Kritikpunkte der OLK aus dem ersten Verfahren
(RA Nr. 110/2013/329) aufgenommen und die Dreifachsporthalle – entsprechend dem
Vorschlag der Fachbehörde – neu positioniert und auch hinsichtlich der Gestaltung
angepasst. Die OLK stimmte daraufhin dem Vorhaben zu. Die Beurteilung der OLK, deren
Berichten die BVE regelmässig einen hohen Stellenwert einräumt, überzeugt die BVE. Mit
der neuen Positionierung nimmt die Sporthalle die Ausrichtung der vorhandenen
Schulhausbauten im Norden auf und tritt so als Weiterführung und passende Ergänzung
zur bestehenden Schulanlage in Erscheinung. Mit dieser Positionierung wird – wie dies die
Fachbehörde zu Recht feststellt – eine gelungene Einbettung des Vorhabens in die
unmittelbare Umgebung erreicht. Das Bauvorhaben vermag damit in angemessener Weise
auf die geschützte Baugruppe zu reagieren.
Auch die Gestaltung der Dreifachsporthalle genügt – der Einschätzung der OLK folgend –
insgesamt den ästhetischen Anforderungen. Die Fassadengestaltung ist schlicht und
RA Nr. 110/2017/122 36
unaufgeregt; die Turnhalle als laternenartiges, aufgesetztes Volumen verleiht dem Bau
trotzdem ein charakteristisches Element, so dass gemäss den nachvollziehbaren
Ausführungen der OLK die gestalterische Absicht ablesbar ist. Die Kritikpunkte der OLK
zum Vorprojekt nahm die Beschwerdegegnerin mit dem letztlich zu beurteilenden
Vorhaben grösstenteils auf. Die Befensterung des Sockels der Ostfassade wurde
angepasst. Anstelle von quadratischen Fenstern sind nun schmale, schlitzartige
Fensteröffnungen geplant, welche dem Projekt die von der OLK geforderte feinere,
profiliertere Gestaltung verleihen. Auch der Erschliessungsbereich und die ost- und
westseitigen Zugangsbereiche zwischen Laterne und Kopfbau wurden auf Anregung der
Fachbehörde angepasst und sind nun symmetrisch geplant. Einzig die Rückversetzung
des laternenartigen Oberbaus ostseitig blieb unverändert bestehen, obwohl nach Ansicht
der OLK eine fassadenbündige Lösung anzustreben gewesen wäre. Auch ohne
Umsetzung dieses Punktes kam die die OLK in ihrem Bericht vom 8. Februar 2017 zum
Schluss, dass die Qualität des Bauvorhabens massiv gesteigert worden sei und dieses
bewilligt werden könne. Dies macht deutlich, dass dieser Punkt für die OLK nicht im
Vordergrund stand und das Projekt trotz des einseitig rückversetzten Aufbaus aus Sicht der
Fachbehörde als qualitätsvoll und gut eingepasst zu beurteilen ist.
Schliesslich hat die OLK das Vorhaben auch nach Einsicht des massgebenden
Umgebungsgestaltungsplans – und damit die Gestaltung der Aussenräume – positiv
beurteilt. Die BVE sieht auch diesbezüglich keinen Anlass, von der Einschätzung der
Fachbehörde abzuweichen. Auch die Beschwerdeführenden haben die
Umgebungsgestaltung nicht kritisiert.
Insgesamt kann die im GBR geforderte gute Gesamtwirkung des Vorhabens mit seiner
Umgebung bejaht werden. Eine Beeinträchtigung der geschützten Baudenkmäler und der
Baugruppe B ist zu verneinen. Mit ihrer pauschalen Kritik, wonach der Baukörper schlicht
überdimensioniert und deplatziert sei, dringen die Beschwerdeführenden nicht durch.
g) Die OLK erachtet es als zwingend, dass das mit der Ausarbeitung des
Umgebungsplans betraute Landschaftsarchitekturbüro auch für die Ausführung der
Umgebungsgestaltung beauftragt wird. Nur so könne sichergestellt werden, dass die im
Bauprojekt skizzierten Versprechen auch eingehalten würden.
RA Nr. 110/2017/122 37
Für eine entsprechende Auflage besteht jedoch kein Anlass. So ist der massgebende, von
der Vorinstanz bewilligte Umgebungsgestaltungsplan verbindlich und die
Umgebungsgestaltung ohnehin entsprechend diesem Plan umzusetzen. Die Bauherrschaft
ist zudem nach Art. 57 Abs. 1 BauV verpflichtet, bei der Erstellung von Bauten und
Anlagen die Regeln der Baukunde einzuhalten, was auch für die Umgebungsgestaltung
gilt. Die Begleitung der bewilligten Umgebungsgestaltung in der Umsetzungsphase muss
daher nicht als Auflage verfügt werden. Erst Recht kann nicht verlangt werden, dass die
Ausführung der Umgebungsgestaltung nur durch ein bestimmtes Büro (vorliegend die für
die Erarbeitung des Umgebungsplans verantwortlichen w + s Landschaftsarchitekten)
vorgenommen werden darf. Dies würde die Beschwerdegegnerin übermässig
einschränken.
12. Aussenbeleuchtung
a) Die Beschwerdeführenden sind der Ansicht, dass die Benutzungsdauer der
Aussenanlagen zeitlich zu beschränken sei. Es sei ein Nutzungsreglement gefordert,
welches die Nutzungsdauer der Anlage und damit auch der Aussenbeleuchtung zwingend
auf die zur Zweckerreichung notwendige Dauer beschränke. Das bisherige Bestehen einer
Scheinwerferanlage dispensiere die Bewilligungsbehörde nicht davon, das neue
Baugesuch auf seine Rechtskonformität zu überprüfen, die notwendigen
Sachverhaltsabklärungen zu tätigen und die angezeigten Auflagen zu erlassen. Der
angefochtene Entscheid basiere auch diesbezüglich auf einem ungenügend abgeklärten
Sachverhalt.
b) Im heutigen Zustand verfügt das Rasenfeld in der südwestlichen Ecke der Parzelle
F._ Grundbuchblatt Nr. H._ über eine Scheinwerferanlage – im Bereich
des Rasenfeldes befinden sich derzeit vier Beleuchtungsmasten (zwei unmittelbar
angrenzend an den Allwetterplatz, zwei in der Mitte des heutigen Rasenfeldes etwa auf
Höhe des Hauses K._weg 10). Den Ausführungen der Beschwerdegegnerin
folgend soll die bereits bestehende Scheinwerferanlage ersetzt werden. Gemäss dem
massgebenden Plan "Situation Umgebung" vom 2. Februar 2017 sind jedoch im Bereich
des Rasenfeldes neu insgesamt sechs Beleuchtungsmasten vorgesehen, wobei zwei
bestehende Masten verschoben werden sollen und zwei neue Masten auf Höhe des
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Hauses M._strasse 19 (im Grundeigentum der Beschwerdeführerinnen 3 und 4)
geplant sind.
c) Die Baubewilligung bezweckt eine vorgängige Prüfung einer Anlage hinsichtlich der
bau- und planungsrechtlichen Vorschriften und den nach anderen Gesetzen im
Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften (Art. 2 Abs. 1 BauG und Art. 35 Abs. 1
BewD39). Dazu gehört insbesondere auch die Einhaltung der Vorschriften über die
Emissionen und Immissionen nach der Umweltschutzgesetzgebung.40 Bei einer
Beleuchtungsanlage gehört die Einhaltung der umweltrechtlichen Vorschriften bezüglich
Lichtemissionen und -immissionen zu den zentralen Elementen, die im Rahmen des
Baubewilligungsverfahrens zu prüfen sind. Damit diese vorgängige Prüfung möglich ist,
muss eine Prognose hinsichtlich der zu erwartenden Emissionen und Immissionen
gemacht werden. Diese Prüfung unterliess die Vorinstanz bei der vorliegenden, neu
geplanten Scheinwerferanlage im Bereich des Rasenfeldes; die Beschwerdeführenden
haben daher zu Recht vorgebracht, hinsichtlich dieser Scheinwerferanlage sei der
Sachverhalt ungenügend abgeklärt worden.
d) Das Umweltschutzgesetz sieht in seinem Zweckartikel unter anderem den Schutz
von Menschen, Tieren und Pflanzen, ihrer Lebensgemeinschaften und Lebensräume vor
schädlichen und lästigen Einwirkungen vor (Art. 1 Abs. 1 USG). Als Einwirkungen gelten
nach Art. 7 USG unter anderem Strahlen und damit auch künstlich erzeugtes Licht und
Lichtreflexionen, die durch den Bau und Betrieb von Anlagen erzeugt werden. Nach Art. 11
USG werden Emissionen mit Massnahmen an der Quelle begrenzt (Abs. 1). Dabei sind
Emissionen, unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung, im Rahmen der Vorsorge
so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar
ist (Abs. 2). Die Emissionsbegrenzungen werden verschärft, wenn feststeht oder zu
erwarten ist, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der bestehenden
Umweltbelastung schädlich oder lästig werden (Abs. 3).
Für die Beurteilung der schädlichen oder lästigen Einwirkungen legt der Bundesrat nach
Art. 13 USG Immissionsgrenzwerte fest. Diese sind bei Luftverunreinigungen gemäss
Art. 14 USG so festzulegen, dass nach dem Stand der Wissenschaft oder der Erfahrung
Immissionen unterhalb dieser Werte Menschen, Tiere und Pflanzen, ihre
39 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 40 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 2 N. 4
RA Nr. 110/2017/122 39
Lebensgemeinschaften und Lebensräume nicht gefährden (Bst. a), die Bevölkerung in
ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören (Bst. b), Bauwerke nicht beschädigen (Bst. c)
und die Fruchtbarkeit des Bodens, die Vegetation und die Gewässer nicht beeinträchtigen
(Bst. d). Die Anforderungen von Art. 14 USG geben allgemeine Regeln wieder. Obwohl sie
nach dem Wortlaut vorab für Luftverunreinigungen gelten, sind sie deshalb auch auf die
Einwirkung von Strahlen anzuwenden, wie sie vorliegend zu beurteilen sind.41 Da bei
Lichtimmissionen keine Grenzwerte bestehen, ist im Einzelfall und gestützt auf Art. 14 USG
zu beurteilen, ob die Immissionen schädlich oder lästig sind.
e) Auf Aufforderung des Rechtsamts der BVE reichte die Beschwerdegegnerin mit
Schreiben vom 24. Januar 2018 Angaben zu der neuen Scheinwerferanlage ein, so
insbesondere einen detaillierten Bericht mit Planungs- bzw. Berechnungsgrundlagen der
S._ AG vom 18. Januar 2018. Dabei wurden die zwei bestehenden Masten
unmittelbar am Südende des Allwetterplatzes nicht in die Berechnung miteinbezogen,
sondern nur die zwei neuen Masten ost- und westseitig des Rasenfeldes ungefähr auf
Höhe des Hauses M._strasse 19 sowie die zwei bestehende Masten ost- und
westseitig des Rasenfeldes ungefähr auf Höhe des Hauses K._weg 10. Die
Beschwerdegegnerin führte hierzu aus, es sei davon auszugehen, dass das Rasenfeld von
diesen vier Beleuchtungskörpern genügend ausgeleuchtet werde und es dazu der beiden
bestehenden Kandelaber am Südende des Hartplatzes nicht bedürfe. Sie sei deshalb
bereit, die Kegel dieser beiden Beleuchtungskörper ausschliesslich auf den Hartplatz
auszurichten.
Dass sich die Prüfung der Beleuchtung auf die vier Beleuchtungskörper beschränkt,
welche für die Beleuchtung des Rasenfeldes benötigt werden, ist unter diesen Umständen
nicht zu beanstanden. So ist einzig das Rasenfeld Teil des vorliegenden
Baubewilligungsverfahrens, nicht jedoch der angrenzende (und unverändert bleibende)
Allwetterplatz. Es ist allerdings sicherzustellen, dass die beiden bestehenden
Beleuchtungsmasten am Südende dieses Allwetterplatzes auch tatsächlich nur für den
Betrieb dieses Platzes benutzt werden. Dies kann mit einer Auflage sichergestellt werden,
wonach diese beiden Beleuchtungsmasten ausschliesslich auf den Allwetterplatz
ausgerichtet werden und nur bei Benutzung dieses Platzes, nicht jedoch bei
ausschliesslicher Benutzung des Rasenfeldes, in Betrieb genommen werden. Den ersten
41 BGE 1C_177/2011 vom 9.2.2012, E. 5.2, BGE 124 II 219 E. 7a.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=1c_177%2F2011&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-II-219%3Ade&number_of_ranks=0#page219
RA Nr. 110/2017/122 40
Teil dieser Auflage (Ausrichtung auf den Allwetterplatz) schlug die Beschwerdegegnerin
selber vor. Mit ihrer Aussage, wonach diese beiden Leuchtmasten für die Beleuchtung des
Rasenfeldes nicht nötig sind, erklärte sie sich auch implizit mit dem zweiten Teil dieser
Auflage (Inbetriebnahme einzig bei Benutzung des Allwetterplatzes) einverstanden. Damit
ging auch das beco, welches in seinem Fachbericht (vgl. nachfolgend, E. 12e) gestützt auf
den erwähnten Bericht vom 18. Januar 2018 ebenfalls nur die vier Beleuchtungskörper des
Rasenfeldes überprüfte, nicht von einem falschen Sachverhalt aus. Entgegen den
Äusserungen der Beschwerdeführenden in den Schlussbemerkungen vom 15. März 2018
beruhen die Berechnungen der Beschwerdegegnerin und der Fachbericht des beco nicht
auf unzutreffenden bzw. unvollständigen Annahmen.
f) Das Rechtsamt der BVE hat das beco, Fachbereich Immissionsschutz, beauftragt,
die geplante Schweinwerferanlage im Bereich des Rasenfeldes auf dessen Vereinbarkeit
mit den Vorschriften über die Lichtemissionen und -immissionen nach der
Umweltschutzgesetzgebung zu überprüfen. Das beco kam mit Fachbericht vom 16.
Februar 2018 zu folgenden Schlüssen: Der vorsorglichen Begrenzung der Lichtemissionen
werde genügend Rechnung getragen, wenn die Scheinwerfer so ausgerichtet würden,
dass sie nicht in Wohnräume blenden und wenn die Beleuchtungsanlage nur während dem
Spiel- und Trainingsbetrieb und maximal bis 22.00 Uhr eingeschaltet werde. Aufgrund der
Angaben in den Planungsgrundlagen der S._ AG sowie ihrer Erkenntnisse aus der
Begehung vor Ort und unter der Voraussetzung, dass die vorsorglichen Massnahmen zur
Begrenzung der Lichtemissionen umgesetzt würden, sei die Annahme zulässig, dass die
Wohnräume der umliegenden Wohnbauten keinen störenden oder lästigen (im Sinne von
Art. 14 USG) direkten Blendeinwirkungen oder Aufhellungen, die vom Scheinwerferlicht der
neuen Beleuchtungsanlage ausgingen, ausgesetzt sein würden. Im Anschluss begründet
die Fachbehörde in ihrem Bericht, wieso diese Aussage ebenfalls auf die Liegenschaften
der Beschwerdeführenden (J._gasse 3 und 4 sowie M._strasse 1942)
zutreffe. Im Bericht werden gestützt auf diese Ausführungen folgende Auflagen beantragt: - Die Scheinwerfer müssen so ausgerichtet sein, dass sie nicht in sensible Wohnräume blenden.
- Die in den Planungs- bzw. Berechnungsgrundlagen der S._ AG aufgeführten Angaben
betreffend Ausrüstung und Normen (u.a. Blendschutz und Einhaltung der SLG-Richtlinie
303:2017) sind verbindlich umzusetzen.
- Ausserhalb des Spiel- und Trainingsbetriebs und spätestens um 22.00 Uhr ist die Beleuchtung grundsätzlich auszuschalten.
42 Im Fachbericht fälschlicherweise als K._weg 19 bezeichnet.
RA Nr. 110/2017/122 41
Diese Ausführungen der Fachbehörde überzeugen, weshalb deren Einschätzung zu folgen
ist. Zwar wird im Fachbericht – wie dies die Beschwerdeführenden in ihren
Schlussbemerkungen ausführen – festgehalten, dass der Rasenplatz im Sommerhalbjahr
derzeit jeweils nur am Mittwochabend fest reserviert sei, was nicht korrekt ist. So ist
gemäss den Angaben in den Belegungsplänen der bisherigen Turnhallen sowie den
Aussagen der Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme vom 22. Dezember 2017 als
massgebende Nutzung davon auszugehen, dass das Rasenfeld im Sommer abends ein-
bis zweimal pro Woche und im Winter (Oktober bis März/April) gar nicht beansprucht wird
(vgl. E. 7c). Diese leichte Abweichung ändert allerdings nichts an der Beurteilung der
Fachbehörde, zumal sich den Schlussfolgerungen im Fachbericht nicht entnehmen lässt,
dass die Einhaltung der Vorschriften über die Lichtemissionen und -immissionen nach der
Umweltschutzgesetzgebung nur gewährleistet sei, wenn das Rasenfeld maximal einmal
pro Woche am Abend in Betrieb genommen wird.
Die vom beco beantragten Auflagen, gegen welche sich die Beschwerdegegnerin in ihren
Schlussbemerkungen nicht zur Wehr setzte, werden in den vorliegenden Entscheid
aufgenommen. Soweit im Fachbericht empfohlen wird, die angrenzende, veraltete
Beleuchtungsanlage des Allwetterplatzes baldmöglichst zu ersetzen, handelt es sich dabei
lediglich um einen Hinweis. Diese Beleuchtungsanlage des Allwetterplatzes ist nicht Teil
des vorliegend umstrittenen Bauvorhabens.
13. Gewichteter Energiebedarf
a) Nach Ansicht der Beschwerdeführenden wurde der Beschwerdegegnerin zu Unrecht
eine Ausnahmebewilligung von den Minimalanforderungen des gewichteten
Energiebedarfs gemäss Art. 30 ff. KEnV43 erteilt. Die Vorinstanz habe die besonderen
Verhältnisse damit begründet, dass in der Gemeinde F._ ein Fernwärmenetz
geplant sei, weshalb es wenig Sinn mache, eine Dreifachturnhalle mit eigener Heizung zu
erstellen. Gemäss den Beschwerdeführenden sei das Projekt Wärmeverbund noch in
weiter Ferne und stecke erst in einem frühen Planungsstadium. Es könne daher nicht
angehen, eine entsprechende Ausnahmebewilligung zu erteilen mit der Auflage, dass bis
spätestens zu Beginn der Heizperiode 2020/2021 ein Anschluss an die Fernwärme zu
43 Kantonale Energieverordnung vom 26. Oktober 2011 (KEnV; BSG 741.111).
RA Nr. 110/2017/122 42
erfolgen habe. Auch würden keine besonderen Verhältnisse für die Erteilung einer
Ausnahmebewilligung vorliegen. Ausnahmen seien zudem restriktiv zu handhaben.
b) In Art. 30 ff. KEnV finden sich Vorgaben zum Höchstanteil nicht erneuerbarer Energie
bei Neubauten. Gemäss Art. 30 Abs. 1 KEnV müssen Neubauten die Grenzwerte des
gewichteten Energiebedarfs für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Klimatisierung gemäss
Anhang 7 einhalten. Da diese Vorgabe vorliegend derzeit nicht eingehalten werden kann,
reichte die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 27. Oktober 201644 sinngemäss ein
Ausnahmegesuch ein. Darin führte sie aus, im Energienachweis sei für die Berechnung
des Energiebedarfs Fernwärme (50 % erneuerbar) und thermische Solarenergie
eingerechnet worden. Da jedoch das Fernwärmenetz der Gemeinde F._ erst in
den nächsten Jahren gebaut werde, werde bis zur Fertigstellung des Fernwärmenetzes
noch der Ölheizkessel, der im Schulhaus Dorf stehe, als Wärmeerzeuger genutzt.
c) Ausnahmen von den Vorschriften über die Energienutzung können nach Art. 36
Abs. 1 KEnG45 gewährt werden, wenn die Ausnahmevoraussetzungen des BauG erfüllt
sind. Die Bestimmung verweist damit auf Art. 26 BauG. Nach dieser Bestimmung können
Ausnahmen von einzelnen Bauvorschriften bewilligt werden, wenn besondere Verhältnisse
es rechtfertigen und wenn keine öffentlichen Interessen beeinträchtigt werden. Ausnahmen
dürfen überdies keine wesentlichen nachbarlichen Interessen verletzen, es sei denn, die
Beeinträchtigung könne durch Entschädigung vollwertig ausgeglichen werden. Diese
Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein.
d) Das gemäss Art. 64 Abs. 1 KenV für den Ausnahmeentscheid in diesem Bereich
zuständige AUE kam im Fachbericht vom 10. April 2017 zum Schluss, da in der Gemeinde
F._ ein Fernwärmenetz geplant sei, könne eine Ausnahme unter der Bedingung
entsprechender Bestätigungen gewährt werden. Das Fachamt führte sodann – soweit hier
interessierend - Folgendes aus:
" 3. Antrag Das AUE bewilligt unter folgenden Bedingungen und Auflagen eine Ausnahme für maximal drei
Jahre, d.h. der Anschluss an die Fernwärme hat spätestens zu Beginn der Heizperiode 2020/2021
zu erfolgen.
44 Vorakten, pag. 28. 45 Kantonales Energiegesetz vom 15. Mai 2011 (KEnG; BSG 741.1).
RA Nr. 110/2017/122 43
4. Bedingungen Es wird ein provisorischer Anschluss an die bestehende Ölheizung des Schulhauses Dorf gewährt,
wenn Folgendes plausibel aufgezeigt und schriftlich bestätigt (mit Unterzeichnung der Eigentümer)
werden kann:
- Projektplan der Fernwärme inkl. Terminplan und Finanzierung
- bauliche und finanzielle Variante, wenn das Fernwärmeprojekt nicht realisiert werden kann"
[...]
5. Auflagen Die Turnhalle hat, nach dem "Provisorium", den Anforderungen nach Artikel 30 Anh. 7 KenV zu
entsprechen."
In der Stellungnahme vom 26. Oktober 2017 ergänzte das AUE, aus ihrer Sicht lägen
besondere Verhältnisse im Sinne von Art. 26 BauG vor. Mit Art. 34 KenG werde festgelegt,
dass die Energie sparsam und effizient zu nutzen sei. Effiziente Energienutzung bedeute,
dass mit möglichst geringem Aufwand ein möglichst grosser Nutzen erzielt werden könne.
Die Versorgung mit Wärme über einen Wärmverbund habe gegenüber einer Einzellösung
entscheidende Vorteile. Nach ihrer Praxis würden Übergangslösungen unterstützt, sofern
die zukünftige Lösung klar die effizientere Variante darstelle. Aus den Meldungen der
Gemeinde gehe hervor, wie sich das Projekt weiterentwickle. Im Hinblick auf eine zeitnahe
Umsetzung habe der Gemeinderat einen Projektierungskredit genehmigt. Mit diesen
finanziellen Mitteln werde sichergestellt, dass der Versammlung der Burger- und
Einwohnergemeinde ein konkretes Projekt zum Entscheid vorgelegt werden könne. Der
Souverän werde am 30. November 2017, im Zuge der Gründung der Anstalt
"Wärmeverbund F._", voraussichtlich einen Beitrag von CHF 1'800'000.00
genehmigen. Unter Berücksichtigung der aktuellsten Entwicklung komme man nach wie
vor zum Schluss, dass besondere Verhältnisse vorliegen würden. Selbst wenn der
Wärmeverbund F._ nicht realisiert werden könne, werde mit den Bedingungen und
Auflagen gemäss Amtsbericht eine gesetzeskonforme Lösung sichergestellt.
e) Mit der gewährten Ausnahmebewilligung wird es der Beschwerdegegnerin
ermöglicht, das Neubauprojekt für eine befristete Zeitdauer (bis zum Beginn der
Heizperiode 2020/2021) an die bestehende Ölheizung des Schulhauses anzuschliessen.
Die Anforderungen gemäss Art. 30 und Anhang 7 KenV sind danach einzuhalten. Dies
geschah im Hinblick auf das geplante Fernwärmenetz des Wärmverbunds F._, an
welches künftig auch das umstrittene Bauvorhaben angeschlossen werden soll. Die
Ausnahme lässt sich vorliegend bereits mit deren klaren Befristung rechtfertigen. So darf
RA Nr. 110/2017/122 44
nur für rund zweieinhalb Jahre vom Grenzwert des gewichteten Energiebedarfs
abgewichen werden, was gemessen an der Lebensdauer einer Heizanlage von rund 25
Jahren eine relativ kurze Zeitspanne darstellt. Auch aus ökologischer Sicht ist dieses
Vorgehen sinnvoll, da die Versorgung mit Wärme über einen Wärmverbund gegenüber
einer Einzellösung gemäss AUE Vorteile hat. Die Übergangslösung ermöglicht damit eine
ökologisch effizientere Energienutzung. Mit der bewilligten Ausnahme werden mit anderen
Worten keine Ziele und Vorschriften der Energiegesetzgebung gefährdet. Zu beachten ist
auch, dass für die Übergangszeit keine neue Ölheizung erstellt werden muss, sondern die
bestehende Ölheizung des Schulhauses genutzt werden kann. In dieser Konstellation sind
vorliegend besondere Verhältnisse zu erblicken, welche die Gewährung einer befristeten
Ausnahme rechtfertigen können. Öffentliche Interessen werden dabei nicht beeinträchtigt –
im Gegenteil: Dem öffentlichen Interesse an einer umweltschonenden Energienutzung wird
damit besser nachgelebt.
Das geplante Fernwärmenetz befindet sich zwar erst in der Projektierungsphase, schreitet
aber voran. Inzwischen hat die Gemeindeversammlung mit Beschluss vom 30. November
2017 das Reglement des "Wärmeverbunds F._" genehmigt und beschlossen, dass
das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit am 1. August 2018 aufnimmt. Selbst wenn das
Projekt noch scheitern sollte oder innert der angesetzten Frist nicht fertig ist, stellt das AUE
mit seinen Auflagen sicher, dass nach Ablauf der Übergangsfrist die gesetzlichen
Vorgaben zu erfüllen sind. Dieser zeitliche Faktor spricht damit – entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführenden – nicht gegen die Gewährung einer Ausnahmebewilligung.
f) In ihren Schlussbemerkungen vom 15. März 2018 bringen die Beschwerdeführenden
neu vor, die Baupublikation hätte gestützt auf Art. 26 Abs. 3 Bst. e BewD zwingend einen
Hinweis auf die beantragte Ausnahmebewilligung enthalten müssen. Die Publikation sei
daher nicht ordnungsgemäss erfolgt.
Antrag und Begründung einer Rechtsschrift müssen grundsätzlich innert der
Rechtsmittelfrist eingereicht werden (Art. 33 Abs. 2 VRPG). Neue Rügen sind daher nach
Ablauf der Rechtsmittelfrist nicht mehr zulässig. Die Rüge, wonach das Bauvorhaben
ungenügend publiziert worden sei, wird von den Beschwerdeführenden erstmals im
Rahmen der Schlussbemerkungen vorgebracht. Diese Rüge ist damit verspätet, weshalb
nicht darauf einzutreten ist. Selbst wenn darauf einzutreten wäre, müsste die Rüge
abgewiesen werden. Den Beschwerdeführenden wurde der Amtsbericht des AUE vom 10.
RA Nr. 110/2017/122 45
April 2017, mit welchem die umstrittene Ausnahme gewährt wurde, im vorinstanzlichen
Verfahren zugestellt; sie hatten Gelegenheit, sich hierzu zu äussern, wovon die
Beschwerdeführenden auch Gebrauch machten.46 Aus der mangelhaften Publikation der
beantragten Ausnahme haben die Beschwerdeführenden daher keinen Nachteil erlitten.
Sie können somit nichts zu ihren Gunsten daraus ableiten.47
g) Insgesamt ist die befristete Ausnahmebewilligung für die Nichterfüllung der
Minimalanforderungen im Bereich "gewichteter Energiebedarf" gemäss Art. 30 ff. KenV
gestützt auf Art. 36 Abs. 1 KenG zu Recht erteilt worden. Die Rügen der
Beschwerdeführenden erweisen sich als unbegründet.
14. Umzäunung / Ballfang
a) Die Beschwerdeführenden bemängeln den fehlenden Ballfangzaun auf westlicher
Seite des Rasenfeldes. Die Verkehrssicherheit entlang der Quartierstrassen sei nicht
gewährleistet, selbst wenn später noch ein Zaun in der bewilligungsfreien Höhe von 1.20 m
erstellt werden sollte. Zudem sei offenbar eine Aufschüttung westlich beim K._weg
von etwas über 2 m geplant. Diese Aufschüttung erweise sich einerseits als unnötig und
andererseits als für die Kinder (ohne Umzäunung/Ballfang) ohne zusätzliche
Sicherheitsfläche gefährlich. Es führe kein Weg daran vorbei, dass das Sportfeld mit einem
genügenden Ballfang umrandet und entsprechend sicher gestaltet werde.
b) Beim Rasenfeld ist gemäss Plan "Situation Umgebung" vom 2. Februar 2017 einzig
auf südlicher Seite ein Ballfangzaun mit einer Höhe von 4 m vorgesehen. Westlich des
Rasenfeldes sind nur diverse Bepflanzungen vorgesehen, das Terrain fällt dort hin zum
angrenzenden K._weg leicht ab. Beim K._weg handelt es sich um eine
mit Fahrverbot belegte Quartierstrasse mit Zubringerdienst. Auf dieser Strasse ist daher
nicht mit einem grossen Verkehrsaufkommen zu rechnen; da einzig Zubringer zugelassen
sind, ist zudem davon auszugehen, dass sich die betreffenden Fahrzeuglenkerinnen und
Fahrzeuglenker der Nähe der Schule und der zahlreichen Kinder auf diesem Areal bewusst
sind und daher den K._weg mit angepasster Geschwindigkeit befahren. Die
Strasse ist zudem gerade und übersichtlich. Ein Ballfangzaun ist in diesem Bereich nicht
46 Vgl. Vorakten pag. 260 bis 284. 47 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 35-35c N.11.
RA Nr. 110/2017/122 46
notwendig, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Auch das abfallende Terrain hin
zum K._weg stellt unter diesen Umständen aus Sicht der Verkehrssicherheit kein
Problem dar. Die Rüge erweist sich als unbegründet.
15. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend werden sowohl das Hauptbegehren (Aufhebung des Entscheids
und Rückweisung an die Vorinstanz) als auch das Eventualbegehren (Aufhebung des
Entscheids und Erteilung des Bauabschlags) der Beschwerdeführenden abgewiesen und
die Baubewilligung bestätigt. Der angefochtene Gesamtentscheid wird jedoch mit
verschiedenen Auflagen zum Grundwasserschutz, zur Lärmminderung sowie zur
Beleuchtungsanlage ergänzt. Insoweit wird die Beschwerde teilweise gutgeheissen.
b) Von der Durchführung der vom Beschwerdeführenden beantragten Parteibefragung
waren keine relevanten Erkenntnisse zu erwarten. Im Sinne einer antizipierten
Beweiswürdigung konnte daher auf dieses Beweismittel verzichtet werden.
c) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache
wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.00 bis Fr. 4'000.00 (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs.
2 GebV48) erhoben. In Anwendung dieser Bestimmungen wird die Pauschale auf
Fr. 2'100.00 festgelegt. Die Kosten der OLK (Fr. 300.00 für den Bericht vom 13. Dezember
2017 gemäss Schreiben vom 15. Dezember 2017) werden gestützt auf Art. 11 GebV
zusätzlich erhoben. Insgesamt betragen die oberinstanzlichen Verfahrenskosten somit
Fr. 2'400.00.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Beschwerdeführenden und unterliegenden Behörden werden Verfahrenskosten nur
auferlegt, wenn sie in ihren Vermögensinteressen betroffen sind (Art. 108 Abs. 2 VRPG).
48 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
RA Nr. 110/2017/122 47
Nach der verwaltungsgerichtlichen Praxis hat eine Gemeinde die Verfahrenskosten zu
tragen, wenn sie im Verfahren nicht als Behörde im Sinne von Art. 108 Abs. 2 i.V.m. Art. 2
VRPG, sondern als Bauherrin aufgetreten ist.49
Die Beschwerdeführenden unterliegen mit ihren Anträgen. Die Mehrheit der vorgebrachten
Rügen wird vollständig abgewiesen; einzig in einzelnen Bereichen (Grundwasserschutz,
Lärmminderung, Beleuchtungsanlage) haben die Beschwerdeführenden mit ihrer
Beschwerde erreicht, dass der Entscheid mit zusätzlichen Auflagen ergänzt wird. Unter
diesen Umständen gelten die Beschwerdeführenden zu fünf Sechsteln und gilt die
Beschwerdegegnerin zu einem Sechstel als unterliegend. Somit haben die
Beschwerdeführenden Fr. 2'000.00 an Verfahrenskosten zu tragen. Der Anteil der von der
Beschwerdegegnerin zu tragenden Verfahrenskosten beträgt Fr. 400.00.
d) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Da die Beschwerdegegnerin als Bauherrin
wie eine Privatperson betroffen ist, ist Art. 104 Abs. 4 VRPG nicht anwendbar, d.h. auch
sie hat Anspruch auf Parteikostenersatz.50 Analog zu den Verfahrenskosten haben die
teilweise obsiegenden Beschwerdeführenden Anspruch auf Ersatz von einem Sechstel
ihrer Parteikosten. Umgekehrt hat die Beschwerdegegnerin Anspruch auf Ersatz von fünf
Sechsteln ihrer Parteikosten. Die Parteikosten sind jeweils von der Gegenpartei zu
bezahlen.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführenden
beläuft sich auf Fr. 10'579.15 (2017: Honorar Fr. 7'233.35, Auslagen Fr. 68.30,
Mehrwertsteuer Fr. 584.15; 2018: Honorar Fr. 2'450.00, Auslagen Fr. 50.80,
Mehrwertsteuer Fr. 192.55). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV51 beträgt das Honorar in
verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz.
Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache
49 VGE 21463 vom 11. März 2003, E. 4, mit weiteren Hinweisen. 50 VGE 2013/372 vom 25. Februar 2014, E. 6.2, mit weiteren Hinweisen. 51 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung, PKV; BSG 168.811).
RA Nr. 110/2017/122 48
gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG52). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als
durchschnittlich zu werten, da neben der Beschwerde zwei weitere Stellungnahmen
(Stellungnahme zur Grundwasserthematik, Stellungnahme zum Ergebnis des
Beweisverfahrens) einzureichen waren. Bei Baukosten gemäss Baugesuch von knapp
Fr. 14'000'000.00 und den umstrittenen Rechtsfragen sind die Bedeutung der Streitsache
und die Schwierigkeit des Prozesses insgesamt als knapp überdurchschnittlich
einzustufen. Daher erscheint ein Honorar von Fr. 7'000.00 als angemessen. Die
Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführenden somit einen Sechstel der Parteikosten
in der Höhe von Fr. 7'683.10 (Honorar: Fr. 7'000.00, Auslagen: Fr. 119.10, Mehrwertsteuer
[anteilmässig auf 2017/2018 aufgeteilt]: Fr. 564.00), ausmachend Fr. 1'280.50, zu ersetzen.
Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdegegnerin beläuft sich auf Fr. 5'224.30
(Honorar: Fr. 4'687.50, Auslagen Fr. 149.80, Mehrwertsteuer Fr. 387.00). Die
Mehrwertsteuer wurde in dieser Kostennote für die Jahre 2017 (Mehrwertsteuersatz von 8
%) und 2018 (Mehrwertsteuersatz von 7.7 %) nicht getrennt, sondern insgesamt mit einem
Satz von 8 % ausgewiesen. Da der kleinere Anteil des Aufwandes im Jahr 2018 angefallen
ist, rechtfertigt es sich, für einen Viertel des Aufwandes den Mehrwertsteuersatz von 7.7 %
einzusetzen. Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdegegnerin wird daher von Amtes
wegen auf Fr. 5'220.65 korrigiert (Honorar: Fr. 4'687.50, Auslagen Fr. 149.80,
Mehrwertsteuer Fr. 383.35). Ansonsten gibt die Kostennote zu keinen Bemerkungen
Anlass. Allerdings ist zusätzlich zu beachten, dass die ehemalige Beschwerdeführerin 5
der Beschwerdegegnerin aufgrund ihres Beschwerderückzugs während des
Beschwerdeverfahrens bereits Parteikosten im Betrag von Fr. 600.00 (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteuer) zu ersetzen hatte (Verfügung des Rechtsamts der BVE vom
30. November 2017, E. 3). Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdegegnerin wird
daher um diesen Beitrag reduziert, was eine relevanten Betrag von Fr. 4'620.65 ergibt. Die
Beschwerdeführenden haben der Beschwerdegegnerin fünf Sechstel dieser Parteikosten,
ausmachend Fr. 3'850.55, zu ersetzen.
52 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11).
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