Decision ID: 633abc59-ed5a-582e-ae20-00a651c858b8
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
O._,
Kläger,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
Pensionskasse der Schweizerischen Landwirtschaft, Laurstrasse 10, 5201 Brugg AG,
Beklagte,
betreffend
Invalidenrente
Sachverhalt:
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A.
A.a Der 1959 geborene O._ kam am 31. März 1995 als bosnischer Flüchtling in die
Schweiz. Vom 1. November 2002 (vgl. Arbeitsvertrag vom 1. Oktober 2002) bis 28.
Februar 2005 (vgl. Fragebogen für den Arbeitgeber vom 30. Januar 2005) war er als
Landarbeiter bei A._, tätig und dadurch bei der Pensionskasse der Schweizerischen
Landwirtschaft (nachfolgend: Vorsorgeeinrichtung), Brugg, versichert. Am 17.
Dezember 2004 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zum Bezug von Versicherungsleistungen an. In der Anmeldung wies er insbesondere
auf einen im April 2004 erlittenen Arbeitsunfall hin, wobei er beim Heben eines
Gerüstes gestürzt sei und in der Folge starke Rückenschmerzen verspürt habe. Seinen
letzten Arbeitstag bei A._ hatte der Versicherte am 15. April 2004. Mit Arztbericht
vom 9. März 2005 informierte Dr. B._, Allgemeine Medizin FMH, die IV-Stelle, der
Versicherte sei in seiner angestammten Tätigkeit seit dem 23. Mai 2004 bis auf
weiteres zu 100% arbeitsunfähig. Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte Dr.
B._ die Diagnose eines lumbospondylogenen Schmerzsyndroms bei Status nach
interlaminärer Fensterung L4/5 links am 13. Mai 2004 und Status nach Neurolyse und
Nukleotomie L4/5 links am 1. September 2004. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit nannte er einen neu entdeckten Diabetes mellitus sowie eine arterielle
Hypertonie. Mit Schreiben vom 15. Juni 2005 beauftragte die IV-Stelle das Zentrum für
Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG (AEH), Zürich, mit einer medizinischen
Abklärung. In ihrem Gutachten vom 18. Oktober 2005 legte die AEH anamnestisch dar,
dass der Versicherte seit dem Jahr 2003 an lumbalen Rückenschmerzen mit
Ausstrahlung in beide Waden leide, welche im April 2004 exazerbiert hätten. Im Mai
2004 habe sich der Versicherte einer Diskushernienoperation unterziehen müssen. Die
Reevaluation eines postoperativen persistierenden Schmerzsyndroms habe sodann ein
Diskushernienrezidiv auf gleichem Niveau erbracht. Dieses wiederum sei im September
2004 operiert worden. Auch dieser Eingriff habe jedoch die Beschwerden des
Versicherten nicht lindern können, worauf vom 28. Oktober bis 20. November 2004
eine Rehabilitation in der Rehaklinik Valens durchgeführt worden sei (vgl.
Austrittsbericht der Klinik Valens vom 7. Dezember 2004). Der Gesundheitszustand
habe jedoch auch dadurch nicht verbessert werden können. Aus der persönlichen
Anamnese sei erwähnenswert, dass es sich beim Versicherten um einen bosnischen
Kriegsflüchtling handle, der während des Krieges über längere Zeit interniert gewesen
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und körperlich misshandelt worden sei. Im Gutachten wurden die Diagnose eines
chronischen lumbospondylogenen Syndroms beidseits mit/bei degenerativen LWS-
Veränderungen (Osteochondrosen L3/4, L4/5), Status nach interlaminärer
Fenestrierung L4/5 links mit Sequesterentfernung und Nukleotomie im Mai 2004 wegen
Diskushernie L4/5, Status nach Neurolyse, Nukleotomie/Sequesterektomie mit
Fenestrierung L4/5 links im September 2004 bei Diskushernienrezidiv L4/5, Fehlhaltung
und Symptomausweitung sowie die Diagnosen eines depressiven Zustandsbilds, einer
arteriellen Hypertonie und eines Diabetes mellitus Typ II (Erstdiagnose 2005) gestellt.
Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, dass aus rein rheumatologischer Sicht
aufgrund der objektivierbaren Befunde die angestammte Tätigkeit als Hilfsarbeiter in
einem Gemüsebaubetrieb nicht mehr zumutbar sei. Aus rein organischer Sicht wäre
eine körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit ganztags
zumutbar. Das Beschwerdeausmass könne jedoch nicht allein durch die organischen
Befunde erklärt werden. Aufgrund der Anamnese und der aktuellen Präsentation des
Versicherten dürfte eine psychische Mitkomponente für das Zustandsbild eine
massgebende Rolle spielen. Für eine Gesamtbeurteilung der Arbeitsfähigkeit sei daher
eine psychiatrische Beurteilung zwingend notwendig. Am 5. Januar 2006 wurde der
Versicherte im Auftrag der IV-Stelle in der Klinik Gais, Fachklinik für kardiale und
psychosomatische Rehabilitation, psychiatrisch untersucht. Die Ärzte der Klinik Gais
stellten in ihrem Gutachten vom 2. März 2006 die Diagnose einer mittelgradig
depressiven Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) und die
Verdachtsdiagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4).
Der Versicherte sei aus psychiatrischer Sicht aufgrund der depressiven Symptomatik
derzeit für jegliche Tätigkeiten zu mindestens 50% arbeitsunfähig. Die psychische
Beeinträchtigung bestehe in diesem Ausmass wahrscheinlich seit Beginn 2005. In ihrer
anschliessenden Gesamtbeurteilung vom 24. März 2004 gab die AEH an, dass sich die
im rheumatologisch-orthopädischen Teilgutachten beschriebene Diskrepanz zwischen
dem angegebenen Beschwerdeausmass und den fassbaren objektiven Befunden
durch die psychiatrischen Diagnosen der Klinik Gais erklären lasse. Die angestammte
Tätigkeit als Hilfsarbeiter in einem Gemüsebaubetrieb sei dem Versicherten nicht mehr
zumutbar. Aus rein rheumatologischer Sicht wäre eine körperlich leichte bis
mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit ganztags zumutbar, aus psychiatrischer
Sicht sei der Versicherte jedoch für jegliche Tätigkeit zurzeit zu mindestens 50%
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arbeitsunfähig. Gesamthaft werde die Arbeitsfähigkeit daher auch für eine adaptierte
Tätigkeit auf 50% geschätzt. Ab dem 7. September 2006 befand sich der Versicherte
bei der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Heerbrugg, in Behandlung.
In ihrem Bericht vom 18. Dezember 2006 hielt die Fachstelle fest, die psychische
Beeinträchtigung des Versicherten habe sich zwischenzeitlich so weit verstärkt, dass
von einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Mit Verfügungen vom 5. März
2007 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab 1. April 2005 eine halbe
Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 55% und mit Wirkung ab
1. Dezember 2006 eine ganze Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von
100% zu.
A.b Mit Schreiben vom 3. Mai 2007 teilte die Vorsorgeeinrichtung der damaligen
Rechtsvertreterin des Versicherten, der DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG
(nachfolgend: DAS), St. Gallen, mit, die Prüfung der ihnen zur Verfügung stehenden
Unterlagen habe ergeben, dass das zur Invalidität führende Leiden des Versicherten
auf dem Boden einer traumatischen Foltererfahrung während der Gefangenschaft im
Bosnien-Krieg Anfang der 90er Jahre entstanden sei. Es handle sich somit um ein
vorbestandenes Leiden, das keine Leistungszusprache ihrerseits vorsehe (kläg. act. 2).
Mit Schreiben vom 14. Mai 2007 wandte die DAS ein, der Versicherte sei im Jahr 1995
in die Schweiz gekommen und bis zum Arbeitsunfall im Jahr 2003 (recte: 2004) stets
gesund und zu 100% arbeitsfähig gewesen. Sowohl die physischen als auch die
psychischen Beschwerden, die zur Invalidität geführt hätten, seien eindeutig auf das
Unfallereignis im Jahr 2003 (recte: 2004) zurückzuführen. Die Invalidenversicherung
richte deshalb seit dem 1. April 2005 eine halbe und seit dem 1. Dezember 2006 eine
ganze Invalidenrente aus. Die Vorsorgeeinrichtung des Versicherten sei an die
Feststellungen der Invalidenversicherung gebunden (kläg. act. 4). Mit Schreiben vom 8.
Juni 2007 äusserte sich der neue Rechtsvertreter des Versicherten, Fürsprecher M.
Büchel, Oberuzwil, zum Versicherungsfall. Vor dem Ereignis vom April 2004 seien beim
Versicherten keine längeren Arbeitsunfähigkeiten eingetreten. Während des
Anstellungsverhältnisses bei A._ hätten zwei Rückenoperationen stattgefunden.
Seither leide der Versicherte an persistierenden Schmerzen lumbal mit Ausstrahlung in
beide Beine. Vor allem aufgrund der anhaltenden Schmerzstörung weise der
Versicherte eine psychische Beeinträchtigung auf, welche ebenfalls während der
Anstellung bei A._ eingetreten sei (kläg. act. 5). Mit Schreiben vom 14. Juni 2007 hielt
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jedoch die Vorsorgeeinrichtung an ihrem im Schreiben vom 3. Mai 2007 vertretenen
Standpunkt fest und lehnte einen Leistungsanspruch des Versicherten ihr gegenüber
ab.
B.
Mit Klage vom 23. Juli 2007 beantragte Fürsprecher M. Büchel für den Betroffenen, die
Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger aus dem Vorsorgeverhältnis eine BVG-
Invalidenrente rückwirkend ab 1. April 2005 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 55%
und rückwirkend ab 1. Dezember 2006 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100%
gemäss den gesetzlichen und reglementarischen Bestimmungen auszurichten. Die
Beklagte sei ausserdem zu verpflichten, dem Kläger auf den Invalidenleistungen einen
Verzugszins von 5% ab Klageeinleitung zu bezahlen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Die Vorsorgeeinrichtung beantragte in der Klageantwort vom 24.
September 2007 Abweisung der Klage. Mit Replik und Duplik vom 5. bzw. 26.
November 2007 hielten die Parteien unverändert an ihren Anträgen fest. Auf die
Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften wird - soweit erforderlich - in den
nachfolgenden rechtlichen Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 des Bundesgesetzes
über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG; 831.40)
Personen, die im Sinn der Invalidenversicherung zu mindestens 40% invalid sind und
bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert
waren. Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der
Invalidenversicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich,
dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in
der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist. Aufgrund von Art. 6 BVG steht
es den Vorsorgeeinrichtungen frei, den Invaliditätsbegriff bereits in der obligatorischen
Versicherung zugunsten des Versicherten zu erweitern. Wenn die
Vorsorgeeinrichtungen in ihren Urkunden, Statuten oder Reglementen einen
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bestimmten Invaliditätsbegriff verwenden, so haben sie bei der Interpretation darauf
abzustellen, was in anderen Gebieten der Sozialversicherung oder nach den
allgemeinen Rechtsgrundsätzen darunter verstanden wird. Die Vorsorgeeinrichtungen
sind somit frei in der Wahl des Invaliditätsbegriffs; sie haben sich aber an eine
einheitliche Begriffsanwendung zu halten. Gehen die Vorsorgeeinrichtungen
ausdrücklich oder unter Hinweis auf das Gesetz vom gleichen Invaliditätsbegriff aus
wie die Invalidenversicherung, sind sie hinsichtlich des versicherten Ereignisses
grundsätzlich an die Invaliditätsbemessung der IV-Stellen (der Kantone und des
Bundes) gebunden, es sei denn, dass diese sich als offensichtlich unhaltbar erweist.
Verwenden die Vorsorgeeinrichtungen demgegenüber einen anderen Invaliditätsbegriff
als die Invalidenversicherung, rechtfertigt sich eine selbständige Prüfung, wobei sich
die Vorsorgeeinrichtungen diesfalls auf die medizinischen und erwerblichen Akten der
IV-Organe stützen können (BGE 115 V 208 und 215; BGE 118 V 35 E. 2b/aa; BGE 120
V 106 E. 3c).
1.2 Nach der Rechtsprechung werden die Invalidenleistungen nach BVG von
derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die ansprechende Person bei
Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen ist. Dieser Zeitpunkt fällt mit dem
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat. Die
Versicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein,
dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der
Verschlimmerung der Invalidität. Für eine einmal aus - während der Versicherungsdauer
aufgetretenen - Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die
Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des
Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet dann auch der
Wegfall der Versicherteneigenschaft keinen Erlöschungsgrund (BGE 118 V 35 E. 5;
BGE 123 V 262 E. 1a). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass
die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit
invalid wird. Damit kommt der Schutz der zweiten Säule zum tragen, wonach das
Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein muss, wenn es rechtlich gesehen erst nach
einer langen Krankheit eintritt, während welcher die leistungsbegehrende Person unter
Umständen dem Obligatorium nicht mehr unterstanden hat (BGE 118 V 35 E. 2a/bb;
BGE 120 V 113 E. 2b). Damit die frühere Vorsorgeeinrichtung jedoch leistungspflichtig
bleibt, ist allerdings nicht nur erforderlich, dass die Arbeitsunfähigkeit zu einer Zeit
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einsetzte, als die versicherte Person ihr angeschlossen war, sondern auch, dass
zwischen dieser Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität sowohl ein sachlicher als auch
ein zeitlicher Zusammenhang besteht. Der sachliche Zusammenhang ist gegeben,
wenn der invalidisierende Gesundheitsschaden der gleiche ist, wie er sich bereits
während der Zugehörigkeit zur früheren Vorsorgeeinrichtung manifestierte. Die zeitliche
Konnexität setzt voraus, dass zwischen der früheren Arbeitsunfähigkeit und der
späteren Invalidität keine längere Periode der Arbeitsfähigkeit liegt. Der zeitliche
Zusammenhang ist unterbrochen, wenn erst nach mehreren Jahren Arbeitsfähigkeit
plötzlich ein gesundheitlicher Rückfall eintritt, nicht aber, wenn eine Periode
vorübergehender Arbeitsfähigkeit nur gerade einige Monate betrug (BGE 120 V 112 E.
2b und c).
1.3 Gemäss Art. 5 Abs. 1 des Vorsorgereglements der Pensionskasse der
Schweizerischen Landwirtschaft liegt Invalidität vor, wenn die versicherte Person im
Sinne der Invalidenversicherung invalid ist. Der Grad der Invalidität entspricht dem von
der Invalidenversicherung festgestellten Invaliditätsgrad. Bei Eintritt einer Invalidität
gemäss Invalidenversicherung vor 2007 gilt folgender Rentenanspruch: Invaliditätsgrad
unter 40% kein Anspruch, 40 bis 49% 1⁄4 Rente, 50 bis 65% 1⁄2 Rente, 66% und mehr
ganze Rente. Der Invaliditätsbegriff gemäss Art. 5 Abs. 1 des Vorsorgereglements
entspricht damit offensichtlich demjenigen der Invalidenversicherung. Ein IV-Entscheid
ist demzufolge mit Bezug auf den Invaliditätsgrad und den Rentenbeginn, und damit für
die Frage des Eintritts der massgebenden Arbeitsunfähigkeit, für die Beklagte
grundsätzlich bindend (vgl. z.B. BGE 120 V 106 E. 3c mit Hinweisen).
2.
2.1 Vorliegend steht fest, dass der Kläger Rentner der Invalidenversicherung ist.
Gemäss Verfügungen der IV-Stelle vom 5. März 2007 wurde bzw. wird dem Kläger
wegen lang dauernder Krankheit vom 1. April 2005 bis 30. November 2006 eine halbe
Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 55% und seit 1. Dezember
2006 eine ganze Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100%
ausgerichtet. Für den Beginn der einjährigen, ohne wesentlichen Unterbruch
andauernden Arbeitsunfähigkeit (Art. 29 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]; Beginn des Wartejahrs), wurde der 1. April
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2004 angenommen (vgl. dazu Verfügungsteil 2). Die von der IV-Stelle beim Kläger
angenommene Invalidität basiert unbestrittenermassen auf einer Rückenproblematik
wegen eines chronischen lumbospondylogenen Syndroms nach zweimaliger
Diskushernienoperation und einer psychischen Problematik in Form einer depressiven
Störung sowie eines Verdachts auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung,
wobei der errechnete Invaliditätsgrad von 55% primär auf die psychische Problematik
zurückzuführen ist, während sich die Rückenproblematik höchstens durch den
Leidensabzug invalidisierend auswirkt (vgl. Verfügungsteil 2). Die mit Wirkung ab 1.
Dezember 2006 zugesprochene ganze Invalidenrente basierend auf einem
Invaliditätsgrad von 100% ist schliesslich unbestrittenermassen auf eine
Verschlimmerung des psychischen Gesundheitszustandes zurückzuführen. Auch im
Zusammenhang mit dem Anspruch des Klägers auf eine BVG-Rente haben
anerkanntermassen die vorgenannten Gesundheitsschäden als invalidisierend zu
gelten. Fest steht sodann, dass der Kläger im Zeitraum vom 1. November 2002 bis
28. Februar 2005 bei der Beklagten versichert war. - Aus den Akten geht hervor, dass
die Rückenproblematik beim Kläger während dieses Zeitraums, d.h. sicher ab 15. April
2004, zu einer länger dauernden Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Laut Gutachten der
AEH vom 18. Oktober 2005 traten beim Kläger im Juli 2003 ohne auslösendes Ereignis
lumbale Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in beide Beine auf. Eine
computertomographische Untersuchung der LWS vom 18. Juli 2003 ergab eine medio-
linksseitige und linksrezessale Diskushernie L4/5 mit möglicher leichtgradiger
Nervenwurzelirritation L5 links. Im Anschluss an eine im Spital Altstätten durchgeführte
stationäre Physiotherapie konnte der Kläger seine Arbeit als Hilfsarbeiter im Gartenbau
wieder aufnehmen. Im April 2004 traten wiederum lumbale Rückenschmerzen mit
Ausstrahlung in beide Waden auf. Am 13. Mai 2004 wurde beim Kläger im
Kantonsspital St. Gallen (KSSG) eine erste Bandscheibenoperation L4/5 durchgeführt,
der am 1. September 2004 infolge einer Rezidivhernie in demselben
Wirbelsäulensegment eine zweite Bandscheibenoperation im KSSG folgte. Am 15. April
2004 hatte der Kläger bei A._ seinen letzten Arbeitstag gehabt. Die AEH stellte
sodann fest, dass dem Kläger aus rein rheumatologischer Sicht aufgrund der
objektivierbaren Befunde die angestammte Tätigkeit als Hilfsarbeiter in einem
Gemüsebaubetrieb nicht mehr zumutbar sei. Rein aus organischer Sicht wäre eine
körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit ganztags zumutbar. -
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Entsprechend der eben dargelegten Sachlage nahm die IV-Stelle das Datum des 1.
April 2004 als Beginn der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit an. Psychiatrisch wurde
der Kläger von den Ärzten der Klinik Gais im Gutachten vom 2. März 2006 aufgrund
seiner depressiven Symptomatik als zu mindestens 50% arbeitsunfähig erklärt. Die
psychische Beeinträchtigung bestehe in diesem Ausmass wahrscheinlich seit Beginn
2005. Auch zu diesem Zeitpunkt bestand das Vorsorgeverhältnis mit der Beklagten.
Nachdem die IV-Stelle aufgrund der Rückenproblematik bereits auf den 1. April 2004
das einjährige Wartejahr für den Beginn der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit
eröffnet hatte, fügte sich die psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit in das bereits
laufende Wartejahr ein und es musste dafür kein neuer Beginn mehr festgelegt werden.
2.2 Der klägerische Rechtsvertreter stellt sich auf den Standpunkt, der 1. April 2004
sei für die Beklagte bindend. Beim Kläger bestehe nach der Diskushernienoperation
vom 13. Mai 2004 sowie der Rezidivoperation vom 1. September 2004 eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, die offensichtlich mit einer Depression einhergehe.
Auch die Verschlechterung des psychischen Zustandes, welche schliesslich zu einer
ganzen IV-Rente geführt habe, sei auf die schwere depressive Störung sowie die
somatoforme Schmerzstörung zurückzuführen. Hinzu kämen weitere Komponenten wie
die arterielle Hypertonie und der Diabetes mellitus Typ II. Die Beklagte führt dagegen
ins Feld, die Ursache der Invalidität sei auf die traumatische Erfahrung im Krieg und
damit auf eine Zeit vor Eintritt des Klägers in die Vorsorgeeinrichtung der Beklagten
zurückzuführen. Die Ursache der Invalidität sei in der belastenden Vergangenheit des
Klägers und nicht in einem objektiven organischen Befund zu suchen. Zudem hätten
die Schläge, die der Kläger durch Folter auf den Rücken erhalten habe, sicher auch
zum organischen Befund beigetragen. Nach Lage der massgebenden Akten der
Invalidenversicherung habe die Ursache der Invalidität somit vorbestanden.
2.3 Was die prinzipielle Verbindlichkeitswirkung der IV-Entscheide betrifft, gilt es
zunächst einschränkend festzustellen, dass diese hinsichtlich des Beginnzeitpunkts
einer relevanten Arbeitsunfähigkeit nur für solche Feststellungen und Beurteilungen der
IV-Organe gilt, "welche im IV-rechtlichen Verfahren für die Ermittlung des Anspruchs
auf eine Invalidenrente entscheidend waren" (Markus Moser, Die
berufsvorsorgerechtliche Bindungswirkung von IV-Entscheiden, in: AJP 2002 S. 926 ff.;
vgl. auch Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
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Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 26. Januar 2001 [B 79/99, B
4/00] in Sachen H., Erw. 4a/aa). Der Kläger meldete sich mit Datum vom 17. Dezember
2004 bei der IV-Stelle zum Bezug von IV-Leistungen an. Die IV-Stelle hatte lediglich die
Leistungen für die zwölf der Anmeldung vorangegangenen Monate auszurichten (Art.
48 Abs. 2 IVG). Insofern hatte sie die Frage nach dem Beginn des Wartejahrs bzw. der
invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit (vgl. Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG) nur in einem
begrenzten Rahmen zu überprüfen. Die Abklärungen und Feststellungen im IV-
Verfahren mussten sich in erster Linie auf den aktuellen Gesundheitszustand und die
voraussichtliche Entwicklung der Arbeitsunfähigkeit beziehen. Die Vergangenheit bzw.
ein früherer Eintritt einer rechtlich massgebenden, d.h. erheblichen und dauerhaften
Arbeitsunfähigkeit konnte unberücksichtigt bleiben. Zu prüfen ist damit im Folgenden,
ob die Arbeitsunfähigkeit, welche zur rentenbegründenden Invalidität ab 1. April 2005
bzw. 1. Dezember 2006 geführt hat, während des hier zur Diskussion stehenden
Vorsorgeverhältnisses aufgrund der Anstellung im Gemüsebetrieb von A._ (1.
November 2002 bis 28. Februar 2005) oder aber schon vorher eingetreten ist. Das
Vorliegen einer sachlichen Konnexität wäre in jedem Fall unbestritten, nachdem die
Traumatisierung durch Folter von Seiten der Beklagten im Sinn einer vorbestehenden
Krankheit als Grundlage für die in Erwägung Ziff. 2.1 genannten invalidisierenden
Gesundheitsschäden, und insbesondere für die psychische Problematik vorgebracht
wird.
3.
3.1 Dr. B._ hielt im Arztbericht vom 9. März 2005 anamnestisch insbesondere fest,
der Kläger sei im Juli 2003 wegen lumboischialgieformen Schmerzen bei degenerativen
Veränderungen der LWS im Spital Altstätten hospitalisiert gewesen. Im April 2004 sei
bei ihm eine medio-links-laterale Diskushernie L4/5 mit Kompression der Nervenwurzel
L5 links festgestellt worden, die am 13. Mai 2004 operativ therapiert worden sei. Am
1. September 2004 habe sodann eine Rezidivoperation in demselben
Wirbelsäulensegment durchgeführt werden müssen. Der Kläger lebe seit bald zehn
Jahren als bosnischer Flüchtling in der Schweiz. Während eines neunmonatigen
Aufenthalts in einem bosnischen Gefangenenlager sei er u.a mit Schlägen auf den
Rücken gefoltert worden. Dr. B._ attestierte dem Kläger wegen eines
lumbospondylogenen Schmerzsyndroms eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit seit dem
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23. Mai 2004 (Datum der Entlassung aus dem KSSG nach Durchführung der
Diskushernienoperation vom 13. Mai 2004) bis heute und bis auf weiteres. Laut
Fragebogen für den Arbeitgeber hatte der Kläger bei A._ am 15. April 2004
rückenbedingt seinen letzten Arbeitstag. Im Gutachten der Klinik Valens vom 1.
Dezember 2004, wo sich der Kläger nach der operativen Sanierung der Rezidivhernie
L4/5 am 1. September 2004 vom 28. Oktober bis 20. November 2004 zur stationären
Rehabilitation aufhielt, wurde ebenfalls ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
linksbetont mit/bei Status nach den beiden Bandscheibenoperationen, einer
kernspintomographisch sichtbaren Osteochondrose L3/4 mit flachbogiger Diskushernie
ohne neurale Kompression sowie einer Osteochondrose L4/5 mit periduraler
Narbenbildung ohne neurale Kompression diagnostiziert. Im weiteren wurde
festgehalten, dass der Kläger bereits seit längerem unter unspezifischen
Rückenschmerzen leide. Vor ca. einem Jahr sei es am Arbeitsplatz zu einem Ereignis
gekommen, wobei es zu starken ausstrahlenden Schmerzen in beiden Beinen
gekommen sei. Das Ereignis könne jedoch nicht näher umschrieben werden. Eine
daraufhin durchgeführte computertomografische Abklärung habe eine lumbale
Diskushernie L4/5 links mit Wurzelreiz-symptomatik L5 links gezeigt, die im Mai 2004
operativ saniert worden sei. Im Anschluss sei es leider zu einer Schmerzexazerbation
gekommen. Dabei habe im Verlaufscomputertomogramm ein breitbasiges,
grossvolumiges Bandscheibenrezidiv L4/5 links intraspinal mit
Nervenwurzelamputation L5 links nachgewiesen werden können. Aus diesem Grund
sei dann am 1. September 2004 eine Rezidivoperation erfolgt. Seither klage der Kläger
über persistierende Schmerzen lumbal mit Ausstrahlung in beide Beine. Bis und mit 24.
November 2004 (ambulante Nachkontrolle) sei der Kläger in seiner bisherigen Tätigkeit
im Gemüsebau 0% arbeitsfähig. Die schwere Arbeit im Gemüsebau werde dem Kläger
auch auf Weiteres nicht mehr zumutbar sein. Im Gutachten der Ärzte der AEH vom 18.
Oktober 2005 wurde gleichfalls die Diagnose eines chronischen lumbospondylogenen
Syndroms, wiederum im Zusammenhang mit den Bandscheibenoperationen sowie den
degenerativen LWS-Veränderungen, zusätzlich aber auch mit einer
Symptomausweitung, gestellt. Als weitere Diagnose wurde insbesondere ein
depressives Zustandsbild festgehalten. Aus der persönlichen Anamnese erachteten die
Ärzte ebenfalls als erwähnenswert, dass es sich beim Kläger um einen bosnischen
Kriegsflüchtling handle, der während des Krieges über längere Zeit interniert gewesen
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Bezug auf die Arbeitsfähigkeit wurde dargelegt, dass dem Kläger aus rein
rheumatologischer Sicht aufgrund der objektiven Befunde die angestammte Tätigkeit
als Hilfsarbeiter in einem Gemüsebaubetrieb nicht mehr zumutbar sei. Aus organischer
Sicht wäre eine körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit
ganztags zumutbar. Dem psychiatrischen Gutachten der Klinik Gais lässt sich sodann
entnehmen, dass die erhobene depressive Entwicklung vermutlich im Zusammenhang
mit der anhaltenden Schmerzproblematik nach zweimaliger Diskushernienoperation auf
dem Boden traumatischer Foltererfahrungen im Krieg entstanden sei. Neben der
depressiven Symptomatik mit sozialem Rückzug fänden sich emotionale unbewusste
Konflikte, wobei Verlusterlebnisse und psychosoziale Probleme durch fehlende
Tagesstruktur, Arbeitslosigkeit und existenzielle Sorgen eine Rolle spielen würden.
Hinzu komme die Diagnose eines Diabetes mellitus, welcher den Kläger
möglicherweise in seiner Kranken- und Invaliditätsrolle bestätige, was zur depressiven
Entwicklung beitrage. Aus psychiatrischer Sicht sei der Kläger aufgrund der
depressiven Symptomatik derzeit zu mindestens 50% arbeitsunfähig. Dies gelte für
jegliche Tätigkeiten. Die psychische Beeinträchtigung bestehe in diesem Ausmass
wahrscheinlich seit Beginn 2005.
3.2 Wie bereits erwähnt, werden die Invalidenleistungen nach BVG von derjenigen
Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die ansprechende Person bei Eintritt des
versicherten Ereignisses angeschlossen war. Massgebend ist hierbei, dass dieser
Zeitpunkt mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammenfällt, deren Ursache zur
Invalidität geführt hat. Der Begriff der Arbeitsunfähigkeit ist in allen
Sozialversicherungszweigen derselbe (RKUV 1987, S. 394). Unter Arbeitsunfähigkeit
(im Sinn von Art. 23 BVG) ist die gesundheitlich bedingte Einbusse an funktionellem
Leistungsvermögen im bisherigen Beruf zu verstehen, nicht der Invaliditätsgrad. Die
Arbeitsunfähigkeit muss erheblich, offensichtlich und dauerhaft sein. Die Erheblichkeit
wird in der Regel dann bejaht, wenn die Einschränkung mindestens 20% beträgt (vgl.
Bundesamt für Sozialversicherung, Mitteilungen über die berufliche Vorsorge, Nr. 44 Rz
258 mit Hinweis auf die Rechtsprechung). Die Ermittlung der Arbeitsunfähigkeit geht
von ärztlichen Bewertungen aus. Wenngleich diese für den Richter nicht verbindlich
sind, so sollen sie dennoch nicht ohne hinreichenden Grund umgestossen oder
abgeändert werden. Der Beurteilungsspielraum, der dem Arzt zukommt, ist auch vom
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Richter zu respektieren (RSKV 1983, S. 266). - Laut medizinischen Akten leidet der
Kläger sowohl unter einer somatischen bzw. rückenbedingten als auch unter einer
psychogenen Problematik. Unbestrittenermassen sind während des
Vorsorgeverhältnisses mit der Beklagten vom 1. November 2002 bis 28. Februar 2005
für beide Leiden relevante Arbeitsunfähigkeiten ausgewiesen. Der Ausschluss einer
Leistungspflicht der Beklagten bedingt damit zunächst, dass die fraglichen Leiden
bereits vor dem Eintritt des Klägers in die beklagtische Vorsorgeeinrichtung, d.h. vor
dem 1. November 2002, zu einer invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit geführt haben.
Das alleinige Bestehen eines Rückenleidens oder eines psychischen Leidens genügt
für die Annahme einer solchen nicht. Entscheidend ist, dass die Leiden zu einer
Arbeitsunfähigkeit geführt haben (BGE 123 V 264 E. 1b, 121 V 101 f. E. 2a, 120 V 116 f.
Erw. 2b, je mit Hinweisen). Im konkreten Fall sind jedoch frühere Arbeitsunfähigkeiten
weder in den medizinischen Akten ausgewiesen noch werden solche von Seiten des
Rechtsvertreters des Klägers geltend gemacht. Der verschiedentlich in den
medizinischen Akten enthaltene Hinweis, der Kläger sei möglicherweise während des
Bosnienkriegs gefoltert worden, vermag jedenfalls das Vorliegen damit verbundener
Arbeitsunfähigkeiten nicht zu beweisen. Hergestellt wird damit lediglich ein möglicher
kausaler Zusammenhang zwischen den Leiden des Klägers sowie seiner angeblichen
Foltervergangenheit. Selbstverständlich ist nicht auszuschliessen, dass beim Kläger ein
Rückenleiden oder ein psychisches Leiden anfänglich durch körperliche
Misshandlungen verursacht wurden. Dies darf jedoch, wie bereits mehrmals
festgehalten, nicht mit einer entsprechenden Arbeitsunfähigkeit gleichgesetzt werden.
Selbst die Diagnose einer Krankheit sowie entsprechende Krankheitssymptome
könnten nicht allein entscheidend sein. Es gilt zu beachten, dass eine Krankheit trotz
ihres Bestehens nicht immer von Beginn an zu wesentlichen Problemen führt. Dass
sich ein konkreter Gesundheitsschaden ausserdem auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt, ist
nicht zwingend. Viele Krankheiten verlaufen progredient. Die Progredienz kann sich in
ihrem zeitlichen Verlauf ganz unterschiedlich darstellen. Zu Beginn einer Krankheit
können deren Symptome vielfach noch mittels Therapien gemildert bzw. der
Krankheitsverlauf hinausgezögert werden. Denkbar ist sodann auch, dass eine
Krankheit bzw. ein Gesundheitszustand stagniert oder sich gar verbessert. Allein aus
der Existenz einer Krankheit kann mithin noch nicht das Bestehen einer
invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit abgeleitet werden. Gerade degenerative
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Gesundheitsschäden im Bereich des Rückens sowie psychische
Gesundheitsstörungen stellen typische Krankheiten für das eben Gesagte dar. Konkret
ist zwar dem Arztbericht von Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, Buchs, vom
18. Oktober 2007 (kläg. act. 8) zu entnehmen, dass der Kläger bereits in früheren
Jahren unter Rückenbeschwerden sowie einer depressiven Verstimmung gelitten habe.
Der Kläger hat sich bei besagtem Arzt vom 24. April 1995 bis 29. November 1996 in
Behandlung befunden. Dr. C._ verweist auf drei Konsultationen während des
vorgenannten Behandlungszeitraums wegen Lumbalgien und spricht von einer bei der
ersten Konsultation am 25. April 1995 bestandenen reaktiven depressiven
Verstimmung als Folge der Flucht. Die Rückenbeschwerden seien medikamentös
behandelt worden. Daraufhin hätten sie sich gebessert und damit sei auch eine rasche
Besserung der depressiven Verstimmung erzielt worden. Der Kläger habe sich im Jahr
1995 nicht mehr für weitere Kontrollen gemeldet. Es könne somit von einer leichten
depressiven Verstimmung gesprochen werden. Vom eben dargelegten Sachverhalt
können jedoch wiederum keine relevanten, dauerhaften Arbeitsunfähigkeiten abgeleitet
werden. Den Akten sind auch anderweitig keine Anhaltspunkte zu entnehmen,
aufgrund derer mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargetan
wäre, dass vor dem Eintritt des Klägers in die beklagtische Vorsorgeeinrichtung, d.h.
vor dem 1. November 2002, eine invalidisierende Arbeitsunfähigkeit eingetreten wäre.
Der Einwand der Beklagten, der Kläger sei seit seiner Einreise aus Bosnien im Jahr
1995 bis im Jahr 2003 vorwiegend nicht erwerbstätig gewesen, womit keine Rede
davon sein könne, dass er - wie von seinem Rechtsvertreter geltend gemacht - stets
gesund und zu 100% arbeitsfähig gewesen sei, vermag eine solche jedenfalls nicht zu
belegen. Gemäss Auszug aus dem individuellen Konto der AHV war der Kläger zwar
tatsächlich während längeren Phasen (Januar 1998 bis September 2000 sowie
September bis Dezember 2001) nicht erwerbstätig, stand von August bis November
1997, September 2000 bis August 2001 sowie von März bis Mai 2002 in kürzeren
Arbeitsverhältnissen und war im Februar 2002 sowie von Juli bis Oktober 2002
arbeitslos. Andererseits steht fest, dass er bis zum Beginn des von der IV-Stelle mit
Blick auf die in Erwägung Ziff. 3.1 dargelegten medizinischen Akten angenommenen
Arbeitsunfähigkeitsbeginns (1. April 2004) bereits seit rund eineinhalb Jahren im
Gemüsebaubetrieb von A._ tätig gewesen ist. Im Fragebogen für den Arbeitgeber
vom 30. Januar 2005 ist für diese Zeit keine einzige krankheitsbedingte Absenz
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aufgeführt. In Anbetracht dieser Sachlage wäre die zeitliche Konnexität zwischen einer
allfälligen früheren Arbeitsunfähigkeit und der späteren Invalidität ohnehin unterbrochen
bzw. es müsste vom Eintritt eines plötzlichen Rückfalls ausgegangen werden (BGE 120
V 112 E. 2b und c). Der Rechtsvertreter des Klägers wendet sodann in der Replik
nachvollziehbar ein, dass die erwerblichen Verhältnisse des Klägers in der Schweiz
insbesondere administrative Gründe hatten. Während seines Bezugs von
Arbeitslosentaggeldern galt der Kläger offensichtlich als vermittlungsfähig und damit
auch als arbeitsfähig (vgl. dazu Art. 8 Abs. 1 lit. f und Art. 15 des Bundesgesetzes über
die Arbeitslosenversicherung [AVIG; SR 837.0]). Die Fragen, ob sich im April 2004
tatsächlich ein Unfall ereignet hat, ob ein solcher angemeldet wurde und inwieweit die
Rückenproblematik oder die psychische Gesundheitsstörung des Klägers darauf
zurückzuführen sind, wirken sich schliesslich im vorliegenden Verfahren, wo es um die
grundsätzliche Leistungspflicht der Beklagten geht, nicht aus. Der Kausalitätsfrage
kommt höchstens im Rahmen der Überentschädigungsberechung Bedeutung zu. Dies
jedoch nicht in dem Sinn, als Vorsorgeeinrichtungen der beruflichen Vorsorge nicht
auch für Unfälle aufzukommen hätten, sondern insofern, als die Unfallversicherung
gegebenenfalls für den gleichen Versicherungsfall leistungspflichtig ist (vgl. dazu Art. 25
der Verordnung 2 über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
[BVV 2; SR 831.441.1]; BGE 116 V 189; ZAK 1990, 503; ZBJV 1992, 717). Die genauen
Umstände des angeblichen Unfallereignisses müssen somit nicht näher geprüft
werden. Der Vollständigkeit halber ist dennoch anzufügen, dass sich gerade lumbale
Degenerationen häufig während längerer Dauer bland verhalten und schliesslich durch
irgendein auslösendes Ereignis (Unfallereignis, unfallähnliches Ereignis, Ausübung einer
blossen Lebensverrichtung) schmerzhaft werden.
3.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Rückenproblematik sowie die
psychische Problematik vor der Aufnahme des Klägers in die beklagte
Vorsorgeeinrichtung, d.h. vor dem 1. November 2002, offensichtlich zu keinen
schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führte, durch welche die
Arbeitsfähigkeit des Klägers tangiert gewesen wäre. Die Beklagte hat es auf jeden Fall
unterlassen, sich in Anwendung von Art. 3 Ziff. 1 Abs. 4 ff. des Vorsorgereglements
mittels einer Gesundheitsprüfung die beweisrechtlichen Grundlagen für ihre
gegenteilige Auffassung zu sichern. Im Übrigen ist nicht ersichtlich, was – wie von der
Beklagten ebenfalls vorgebracht – Art. 15 des besagten Vorsorgereglements zur
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Ablehnung eines Leistungsanspruchs im vorliegenden Fall beitragen könnte. Unter
diesen Umständen ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass die invalidisierende Arbeitsunfähigkeit während der
Mitgliedschaft bei der Beklagten eingetreten ist. Der von der IV-Stelle festgesetzte
Beginn der Arbeitsunfähigkeit (1. April 2004) ist in den medizinischen Akten belegt und
erweist sich in keiner Weise als offensichtlich unhaltbar. Dass zwischen der am 1. April
2004 eingetretenen invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit und der von der
Invalidenversicherung ein Jahr später angenommenen Invalidität eine zeitliche
Konnexität besteht, ist offensichtlich und wird auch nicht in Frage gestellt. Ebenfalls
nirgends beanstandet werden die von der IV-Stelle 3. März 2007 festgesetzten
Invaliditätsgrade von 55% vom 1. April 2005 bis 30. November 2006 bzw. von 100%
ab 1. Dezember 2006. Die mit Verfügungen der IV-Stelle vom 5. März 2007 ermittelten
Invaliditätsgrade von 55 bzw. 100% gelten somit als unbestritten und für die Parteien
bindend. Aufgrund der obigen Erwägungen ist ein Rentenanspruch des Klägers
gegenüber der Beklagten zu bejahen. Gemäss Art. 26 Abs. 1 BVG beginnt der
Anspruch des Klägers auf Invalidenleistungen der Beklagten am 1. April 2005.
4.
Der klägerische Rechtsvertreter stellt in der Klageschrift vom 23. Juli 2007 einen Antrag
auf Entrichtung von Verzugszinsen. Im Allgemeinen sind in der Sozialversicherung auf
Leistungen keine Verzugszinsen geschuldet (BGE 117 V 351; BGE 113 V 50). Im
Bereich der beruflichen Vorsorge anerkennt die Rechtsprechung jedoch die Pflicht zur
Entrichtung von Verzugszinsen bei einer verspäteten Überweisung von
Freizügigkeitsleistungen sowie bei verspäteter Auszahlung eines Alterskapitals oder bei
Invalidenrenten (Hans-Ulrich Stauffer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zur
beruflichen Vorsorge, 1996, S. 27). Enthalten die Statuten keine Bestimmung über die
Höhe des Verzugszinses, beträgt dieser 5% (Art. 104 des Obligationenrechts [OR; SR
220]). Der Beginn der Zinspflicht richtet sich nach Art. 105 Abs. 1 OR (BGE 119 V 133
E. 4 = Pra 83 (1994) Nr. 67); wonach ein Schuldner, der mit der Entrichtung von Renten
im Verzug ist, erst vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage
an Verzugszinsen zu bezahlen hat. Im vorliegenden Fall erhob der Kläger am 23. Juli
2007 Klage beim Versicherungsgericht (Postaufgabe); somit schuldet ihm die Beklagte
ab diesem Zeitpunkt Verzugszins zu 5% auf den ausstehenden Leistungen.
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5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage gutzuheissen und die
Beklagte zu verpflichten, dem Kläger vom 1. April 2005 bis 30. November 2006 eine
Invalidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 55% und ab 1. Dezember
2006 eine solche auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 100% auszurichten.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Hingegen hat der
Kläger bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 98
Abs. 2 und Art. 98 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1;
VRP]). Es rechtfertigt sich mit Blick auf die konkreten Umstände, die Entschädigung auf
pauschal Fr. 4000.-- festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG