Decision ID: ee5df403-a6e6-459b-b370-9bf20d922c36
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. Mit Eingabe vom 7. Juni 2022 erhob der Rechtsvertreter von A._
namens und im Auftrag seiner Mandantin Beschwerde gegen den
(angeblichen) Einspracheentscheid der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Graubünden, AHV-Ausgleichskasse als EL-Durchführungsstelle
(nachfolgend AHV-Ausgleichskasse), vom 6. Mai 2022.
2. Mit Vernehmlassung vom 15. Juni 2022 beantragte die AHV-
Ausgleichskasse, es sei auf die Beschwerde nicht einzutreten, eventualiter
sei sie der AHV-Ausgleichskasse zur Bearbeitung als Einsprache
weiterzuleiten. Begründet wurde der Antrag im Wesentlichen mit dem
Umstand, dass es sich beim Entscheid vom 6. Mai 2022 um eine
Verfügung, nicht um einen Einspracheentscheid, gehandelt habe, mit
welcher ein Anspruch auf Ergänzungsleistungen abgewiesen worden sei.
Dagegen stehe zunächst das Rechtsmittel der Einsprache offen, nicht
aber die versicherungsgerichtliche Beschwerde.
3. Am 23. Juni 2022 nahm der Rechtsvertreter von A._ dazu Stellung.
Es sei ihrerseits übersehen worden, dass es sich bei der Verfügung vom
6. Mai 2022 noch nicht um einen Einsprache-Entscheid gehandelt habe.
Er beantragte daher, die Angelegenheit der AHV-Ausgleichskasse als
Einsprache zu überweisen und die Einsprache gutzuheissen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften sowie
auf den Entscheid vom 6. Mai 2022 wird – soweit erforderlich – in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 43 Abs. 3 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) entscheidet das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden in einzelrichterlicher Kompetenz, wenn ein Rechtsmittel
offensichtlich unzulässig oder offensichtlich begründet oder unbegründet
ist. Im konkreten Fall geht es zunächst darum, ob die
verfahrensrechtlichen Voraussetzungen für die Erhebung der Beschwerde
erfüllt sind oder das eingelegte Rechtsmittel andernfalls als offensichtlich
unzulässig zu beurteilen ist. Die Beantwortung dieser Rechtsfragen fällt
vorliegend in den Kompetenzbereich der Einzelrichterin.
2. Gemäss Art. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) sind die
Bestimmungen des ATSG auf die Ergänzungsleistungen anwendbar.
Gemäss Art. 61 ATSG i.V.m. Art. 4 Abs. 2 VRG prüfen die Behörden –
wozu auch die Gerichte zählen – ihre Zuständigkeit von Amtes wegen.
Verneint eine Behörde ihre Zuständigkeit, überweist sie die Sache unter
Benachrichtigung der Parteien an die für zuständig erachtete Behörde
(Art. 4 Abs. 3 VRG). Gemäss Art. 56 Abs. 1 ATSG kann gegen
Einspracheentscheide und Verfügungen, gegen welche eine Einsprache
ausgeschlossen ist, beim zuständigen Versicherungsgericht
Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben werden. Örtlich zuständig ist
gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen
Kantons, in welchem die versicherte Person oder der Beschwerde
führende Dritte zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Die
sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden zur Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der
Sozialversicherung ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a
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VRG. Im vorliegenden Fall ist vorab indes zu prüfen, ob überhaupt ein
zulässiger Anfechtungsgegenstand vorliegt.
3.1. Art. 56 Abs. 1 ATSG stipuliert, dass gegen Einspracheentscheide oder
Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist,
Beschwerde erhoben werden kann. Im Beschwerdeverfahren vor dem
kantonalen Versicherungsgericht sind damit grundsätzlich nur
Rechtsverhältnisse zu beurteilen, zu denen die zuständige
Sozialversicherungsbehörde vorgängig verbindlich in Form eines
Einspracheentscheids Stellung genommen hat. Gegen Verfügungen kann
nach Art. 56 Abs. 1 ATSG nur dann direkt Beschwerde erhoben werden,
wenn gegen diese eine Einsprache ausgeschlossen ist. Ist keine solche
Ausnahme gegeben und ist kein Einspracheentscheid ergangen, fehlt es
an einem zulässigen Anfechtungsgegenstand und damit an einer
Sachurteilsvoraussetzung.
3.2. Wie von der AHV-Ausgleichskasse vernehmlassungsweise vorgebracht
und vom Rechtsvertreter von A._ am 23. Juni 2022 anerkannt, richtet
sich die eingereichte Beschwerde nicht gegen einen Einspracheentscheid
im Sinne von Art. 56 ATSG, sondern gegen eine Verfügung, gegen welche
das Rechtsmittel der Einsprache im Sinne von Art. 52 Abs. 1 ATSG
offensteht und zunächst auch zu beurteilen sein wird. Der Rechtsvertreter
von A._ beantragt daher die Überweisung der Angelegenheit an die
AHV-Ausgleichskasse im Sinne einer Einsprache. Die Beurteilung der von
A._ mit Eingabe vom 23. Juni 2022 erhobenen Einsprache fällt damit
nicht in die sachliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts, sondern in
die Zuständigkeit der AHV-Ausgleichskasse als anordnender Behörde.
Auf die Beschwerde ist folglich nicht einzutreten und die Sache ist gemäss
Art. 4 Abs. 3 VRG zuständigkeitshalber zur weiteren Bearbeitung und zum
Entscheid an die verfügende AHV-Ausgleichskasse zu überweisen.
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4. Nach Art. 61 lit. fbis ATSG ist das kantonale Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen
Einzelgesetz vorgesehen ist; sieht das Einzelgesetz keine Kostenpflicht
bei solchen Streitigkeiten vor, so kann das Gericht einer Partei, die sich
mutwillig oder leichtsinnig verhält, Gerichtskosten auferlegen. Da das ELG
keine Kostenpflicht statuiert und Mutwilligkeit oder Leichtsinn gerade noch
nicht vorliegen, sind A._ keine Kosten aufzuerlegen. Die AHV-
Ausgleichskasse hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl.
Art. 61 lit. g ATSG).