Decision ID: 809a7750-8d0f-45fd-87b3-c0f10652e4b6
Year: 2007
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Martin Suenderhauf, Gäuggelistrasse 16/
Brunnenhof, Postfach 545, 7002 Chur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Taggeld
Sachverhalt:
A.
A.a S._, Jahrgang 1976, erlitt im September 2002 einen Autounfall und zog sich
dabei eine Distorsion der Halswirbelsäule zu (IV 2006/148 IV-act. 7). Die IV-Stelle
übernahm die Kosten für eine Umschulung zur Technischen Kauffrau und schliesslich
für eine Umschulung zur Planerin Marketing-Kommunikation (IV 2006/148 IV-act. 22,
35 und 50). Die Umschulungen fanden im Zeitraum vom 19. April 2004 bis 8. April 2006
statt. Mit unangefochten in Rechtskraft erwachsenen Verfügungen vom 23. April 2004,
vom 8. Oktober 2004 und vom 17. Dezember 2004 sprach die IV-Stelle der
Versicherten für 19. April 2004 bis 25. März 2005 ein Taggeld von Fr. 112.80 basierend
auf einem durchschnittlichen Tageseinkommen von Fr. 141.- zu (IV 2006/148 IV-act.
28, 38 und 43).
A.b Auch in zwei Taggeld-Verfügungen vom 6. Mai 2005 betreffend den Zeitraum vom
25. Januar bis 30. September 2005 ging die IV-Stelle von einem Tageseinkommen von
Fr. 141.- aus (IV 2006/148 IV-act. 53). Gegen diese Verfügungen erhob lic. iur. Martin
Suenderhauf, Rechtsanwalt, in Vertretung der Versicherten am 31. Mai 2005
Einsprache und beantragte, das Validenjahreseinkommen auf mindestens Fr. 53'000.-
festzusetzen (IV 2006/148 IV-act. 54). Noch während des hängigen
Einspracheverfahrens verfügte die IV-Stelle am 23. September 2005 für den Zeitraum
vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2005 basierend auf dem Tageseinkommen vom Fr.
141.- ein Taggeld von Fr. 108.50, wobei sie eine "Kürzung wegen Lohn" in der Höhe
von Fr. 4.30 täglich vornahm (IV 2006/148 IV-act. 65). Die Kürzung erfolgte, weil die
Versicherte als Praktikantin bei der A._ AG mit einem vom 18. April 2005 bis 18. April
2006 befristeten Vertrag ab Oktober 2005 ein Monatseinkommen von Fr. 900.- erzielte
(IV 2006/148 IV-act. 45). Gegen diese Verfügung erhob der Rechtsvertreter der
Versicherten am 29. September 2005 Einsprache und beantragte, das
Valideneinkommen auf mindestens Fr. 60'000.- festzusetzen (IV 2006/148 IV-act. 66).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.c Die beiden Einsprachen gegen die Verfügungen vom 6. Mai 2005 und 23.
September 2005 wurden vereinigt und mit Einspracheentscheid vom 25. Oktober 2005
abgewiesen. Die Prüfung, ob sich beim massgeblichen Einkommen etwas geändert
habe, sei von Amtes wegen alle zwei Jahre vorzunehmen. Diese Prüfung sei erst auf
den 1. Januar 2006 fällig. Der vorgebrachte Einwand, der Lohn der Versicherten sei an
den Lohn einer Arbeitskollegin bei der früheren Arbeitgeberin anzugleichen, sei nicht zu
berücksichtigen. Theoretische Aufstiegsmöglichkeiten seien nicht einzubeziehen (IV
2006/148 IV-act. 71). Der Einspracheentscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.d In der Verfügung vom 24. März 2006 sprach die IV-Stelle für die Zeit vom 1. Januar
bis 31. März 2006 basierend auf einem durchschnittlichen Tageseinkommen von Fr.
145.- und bei einer "Kürzung wegen Lohn" von Fr. 3.50 ein Taggeld von Fr. 112.50 zu
(IV 2006/148 IV-act. 73). Dagegen erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am 30.
März 2006 Einsprache und reichte die Begründung am 13. April 2006 nach. Er rügte,
die Berechnung des Taggelds sei nicht nachvollziehbar (IV 2006/148 IV-act. 74 und 80).
A.e Mit Verfügung vom 11. Juli 2006 kam die IV-Stelle auf die mit Einspracheentscheid
vom 25. Oktober 2005 bestätigte Verfügung vom 23. September 2005 betreffend den
Zeitraum vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2005 zurück, nahm neu nur noch eine
"Kürzung wegen Lohn" in der Höhe von Fr. 1.80 vor und gewährte ein Taggeld von Fr.
111.- (statt Fr. 108.50; IV 2006/149 IV-act. 26). Mit einer weiteren Verfügung vom 11.
Juli 2006 kam sie auch auf die angefochtene Verfügung vom 24. März 2006 betreffend
den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. März 2006 zurück, reduzierte die "Kürzung wegen
Lohn" von Fr. 3.50 auf Fr. 1.- und legte das Taggeld auf Fr. 115.- fest (statt Fr. 112.50;
IV 2006/149 IV-act. 27). Eine dritte Verfügung vom 11. Juli 2006 gewährte für 1. April
bis 8. April 2006 ein Taggeld von ebenfalls Fr. 115.- (IV 2006/149 IV-act. 28).
A.f Mit Einspracheentscheid vom 18. August 2006 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen in Vertretung der IV-Stelle die
Einsprache gegen die Verfügung vom 24. März 2006 ab. Das zuletzt erzielte
Jahreseinkommen von Fr. 51'350.- sei der Teuerung von 2.6% angepasst worden. Die
Kürzung wegen Lohnes sei unter der Annahme geschehen, dass die Versicherte einen
13. Monatslohn beziehe. Dies habe sich als falsch erwiesen, weshalb die
Ausgleichskasse eine rückwirkende Korrektur vorgenommen und am 11. Juli 2006
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nachzahlungsverfügungen erlassen habe. Somit sei dieser Streitpunkt als erledigt zu
betrachten. Wie bereits im rechtskräftigen Einspracheentscheid vom 25. Oktober 2005
festgehalten worden sei, könne der Lohn der Versicherten nicht an den Lohn einer
Arbeitskollegin angeglichen werden (IV 2006/148 IV-act. 87).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 18. August 2006 und gegen die drei
Verfügungen vom 11. Juli 2006 erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am 31.
August 2006 zwei Beschwerden. Er stellt in beiden Beschwerden dieselben Anträge,
nämlich die Aufhebung des Einspracheentscheids bzw. der Verfügungen vom 11. Juli
2006. Der Taggeldanspruch sei ab 1. Oktober 2005, eventualiter ab 1. Ja¬nuar 2006
auf der Grundlage eines massgebenden Einkommens von Fr. 59'000.- festzulegen und
für die Periode 1. Oktober 2005 bis 8. April 2006 sei ein Taggeld von Fr. 130.-
zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neuberechnung
des Anspruchs für den Zeitraum 1. Oktober 2005 bis 8. April 2006 an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Wegen des sachlichen Zusammenhangs zwischen den Verfügungen vom 11. Juli 2006
und dem angefochtenen Einspracheentscheid beantragt der Rechtsvertreter die
Zusammenlegung der Beschwerden. Die Beschwerden sind identisch begründet. Die
Beschwerdeführerin sei unter anderem im Zusammenhang mit der Festlegung des
Invaliditätsgrads an der grundsätzlichen Frage der Höhe des Valideneinkommens
interessiert. Die Beschwerdegegnerin habe im Rahmen der Untersuchungsmaxime
abzuklären, über welches mutmassliche Einkommen die Beschwerdeführerin per 1.
Januar 2006 verfügen würde. Die Beschwerdeführerin habe seit 1999 bei der B._ AG
gearbeitet. Ihr Einkommen habe in den Jahren 2000 und 2001 beträchtliche
Erhöhungen erfahren. Vor dem Hintergrund der fachlichen und persönlichen Qualitäten
der Beschwerdeführerin und ihres Alters sei es geradezu gerichtsnotorisch, dass
regelmässige Reallohnerhöhungen gewährt worden wären. Der Beschwerdegegnerin
sei insbesondere die Unterlassung vorzuwerfen, dass sie bei der ehemaligen
Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin keine Abklärungen über das mutmassliche
Einkommen der Versicherten per 1. Januar 2006 getroffen habe. Es sei unumgänglich,
dass bezüglich Reallohnerhöhungen weitere Abklärungen getätigt würden. Die
Beschwerdeführerin halte dafür, dass diesbezüglich ohne weiteres auf die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Salärempfehlungen des Kaufmännischen Verbandes (KV) Schweiz zurückgegriffen
werden könne; selbst in der dortigen Stufe B beliefe sich der mittlere Jahreserwerb auf
Fr. 58'112.-. Von derartigen Durchschnittswerten wäre selbst dann auszugehen, wenn
die ehemalige Arbeitgeberin per 1. Januar 2006 kein derartiges Lohnniveau angeboten
hätte. In diesem Fall hätte die Beschwerdeführerin wohl mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit eine andere, adäquat bezahlte Anstellung auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt gefunden. Da die Beschwerdegegnerin die Verfügungsperiode Oktober
bis Dezember 2005 in Wiedererwägung gezogen habe, würden diese Ausführungen
sinngemäss auch für jene Taggeldperiode gelten (act. G 1).
B.b Im Schreiben vom 4. September 2006 korrigiert der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seine in den Beschwerdeschriften geäusserte Ansicht, das mittlere
Jahressalär der Beschwerdeführerin liege bei Fr. 59'000.-. Diese Salärempfehlung des
KV Schweiz datiere aus dem Jahr 2004. Bei der teuerungsbedingten Veränderung und
der Reallohnsteigerung dürfte bereits bei Anwendbarkeit der Tabellenlöhne der Stufe B
ein Jahreslohn von mindestens Fr. 60'000.- oder mehr resultieren. Hier seien aber
ergänzende Abklärungen durch die Beschwerdegegnerin wohl unumgänglich.
Vorliegend erscheine ein Referenzeinkommen von Fr. 64'000.- als durchaus vertretbar.
Der Rechtsvertreter beantragt eine Modifikation der Rechtsbegehren der beiden
Beschwerdeeingaben dahingehend, dass der Taggeldanspruch auf der Grundlage
eines massgebenden Einkommens von Fr. 64'000.- festgelegt werde, was einem
Taggeldanspruch von Fr. 140.- entspreche (IV 2006/148 act. G 3).
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Schreiben vom 23. November 2006 die
Abweisung der Beschwerde im Verfahren IV 2006/148 und verweist zur Begründung

auf die Erwägungen im Einspracheentscheid (IV 2006/148 act. G 5).
B.d Mit Beschwerdeantwort vom 23. November 2006 zum Verfahren IV 2006/149
beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung auch der Beschwerde gegen die
Verfügungen vom 11. Juli 2006. Theoretische Aufstiegsmöglichkeiten, die der
versicherten Person ohne Eintritt der Invalidität allenfalls offen gestanden hätten, seien
nicht zu berücksichtigen. Man sei deswegen zu Recht von einem massgebenden
Einkommen von Fr. 52'685.- ausgegangen (IV 2006/149 act. G 6).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.e Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin weist mit einem beide Verfahren (IV
2006/148 und IV 2006/149) betreffenden Schreiben vom 5. Juli 2007 darauf hin, dass
zwischenzeitlich im Zusammenhang mit den beruflichen Massnahmen (IV 2007/142)
und der IV-Rente (IV 2007/259) zwei weitere Beschwerdeverfahren pendent seien. Dort
seien verschiedene Akteneinlagen im Zusammenhang mit dem
Lohnsteigerungspotential der Beschwerdeführerin getätigt und zusätzliche
Beweisanträge, insbesondere zum Lohnsteigerungspotential der Beschwerdeführerin
bei der früheren Arbeitgeberin, formuliert worden. Der Rechtsvertreter ersucht darum,
für die Urteilsberatung auch diese Verfahrensakten beizuziehen, insbesondere die
Lohnabrechnungen der ehemaligen Arbeitgeberin, die belegen würden, dass die
Beschwerdeführerin in einer Anstellungszeit von weniger als drei Jahren eine
Lohnsteigerung von 20% erwirtschaftet habe. Zudem verweist der Rechtsvertreter auf
eine vor dem Unfall erfolgte Absprache mit der Geschäftsführung der ehemaligen
Arbeitgeberin, worin zugesichert worden sei, dass der Lohn der Beschwerdeführerin
jeweils jenem einer Arbeitskollegin gleichgestellt werden sollte. Diese Kollegin habe
bereits im Jahr 2003 einen Monatslohn von Fr. 4'300.- (x13) erzielt. Von dieser
Lohnerhöhung habe die Beschwerdeführerin nicht mehr profitieren können, da sie
damals bereits an den Folgen des Unfallereignisses gelitten habe (IV 2006/148 act. G
7).
B.f Das Schreiben des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin vom 5. Juli 2007
wurde der Beschwerdegegnerin am 11. Juli 2007 zur Kenntnis zugestellt (IV 2006/148
act. G 8).
B.g Die Verfahrensvorsitzende wandte sich am 8. Oktober 2007 schriftlich an die
ehemalige Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin und befragte sie zu deren
mutmasslicher Lohnentwicklung in den Jahren 2004 bis 2006 bei voller Arbeitsfähigkeit
und vollem Arbeitspensum. Weiter erkundigte sie sich nach dem Lohn einer Angestellte
in gleicher oder ähnlicher Funktion in derselben Zeit (act. G 9).
B.h Die frühere Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin beantwortete die Fragen mit
Schreiben vom 22. Oktober 2007 (act. G 11). Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin liess sich dazu am 30. November 2007 vernehmen und stellte
neue Beweisanträge (act. G 15).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Erwägungen:
1.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt in den Beschwerden gegen die
Verfügungen vom 11. Juli 2006 und gegen den Einspracheentscheid vom 18. August
2006 die Vereinigung der Verfahren. Die beiden Verfahren hängen eng miteinander
zusammen, zumal der im Verfahren IV 2006/148 behandelte Zeitraum (1. Januar bis 31.
März 2006) auch in einer der drei im Verfahren IV 2006/149 angefochtenen
Verfügungen betroffen ist. Es stellen sich dieselben Rechtsfragen. In beiden Verfahren
ist der Taggeldanspruch aufgrund derselben Berechnungsfaktoren zu ermitteln. Im
Weiteren stehen sich jeweils die gleichen Parteien gegenüber. Es rechtfertigt sich
deshalb, die beiden Verfahren (IV 2006/148 und IV 2006/149; nachfolgend werden die
IV-Akten aus dem Verfahren IV 2006/148 angegeben, soweit nicht anders vermerkt) zu
vereinigen (vgl. BGE 123 V 215 f. Erw. 1). Nicht Gegenstand des vorliegenden
Verfahrens bilden demgegenüber die beruflichen Massnahmen als solche und die IV-
Rente, die unter den Verfahrensnummern IV 2007/142 bzw. IV 2007/259 im Protokoll
verzeichnet sind.
2.
2.1 Nach Art. 22 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) hat die versicherte Person während der Eingliederung Anspruch auf ein
Taggeld, wenn sie an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der
Eingliederung verhindert ist, einer Arbeit nachzugehen oder in ihrer gewohnten
Tätigkeit mindestens zu 50% arbeitsunfähig ist. Bei Erwerbstätigen beträgt die
Grundentschädigung 80% des Erwerbseinkommens, das zuletzt ohne gesundheitliche
Einschränkung erzielt wurde (Art. 23 Abs. 1 IVG). Für das massgebende
Erwerbseinkommen bildet das durchschnittliche Einkommen, von dem Beiträge nach
dem AHVG erhoben werden, die Grundlage (Art. 23 Abs. 3 IVG). Zur Berechnung des
Taggelds von Versicherten mit regelmässigem Einkommen in Form des Monatslohns
legt Art. 21bis Abs. 3 lit. a der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201) fest, dass eine Aufrechnung auf den Jahreslohn zu erfolgen hat und dieser
durch 365 geteilt und so in ein Tageseinkommen umgerechnet wird. Während der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eingliederung ist alle zwei Jahre von Amtes wegen zu prüfen, ob sich das für die
Taggeldbemessung massgebende Einkommen geändert hat (Art. 21sexies IVV).
Gemäss Art. 21septies IVV wird bei versicherten Personen, die während der
Eingliederung eine Erwerbstätigkeit ausüben, das Taggeld soweit gekürzt, als es
zusammen mit dem aus dieser Tätigkeit erzielten Einkommen das massgebende
Erwerbseinkommen übersteigt.
2.2 Bis zu ihrem Unfall im September 2002 war die Beschwerdeführerin vollzeitlich bei
ihrer früheren Arbeitgeberin angestellt. Im Jahr 2000 erzielte sie dort ein
Jahreseinkommen von Fr. 44'517.- und im Jahr 2001 von Fr. 49'698.- (vgl. den IK-
Auszug in IV-act. 5). Die ehemalige Arbeitgeberin führte im Fragebogen vom 25.
September 2003 aus, die Beschwerdeführerin sei bis 30. September 2003 als
Sachbearbeiterin Büro bei ihr beschäftigt gewesen. Seit 1. Juli 2002 habe sie einen
Monatslohn von Fr. 3'950.- erzielt. Als Gesunde würde sie weiterhin diesen Lohn
erzielen (IV-act. 6). Gestützt auf diese Angaben berechnete die Beschwerdegegnerin
ein Jahreseinkommen von Fr. 51'350.- (Fr. 3'950.- x 13) bzw. ein massgebendes
Tageseinkommen von gerundet Fr. 141.- (Fr. 51'350.- / 365). Von dieser Grundlage
ging sie von Beginn der Taggeldberechtigung am 19. April 2004 an aus (IV-act. 28-1).
Bis zur von Amtes wegen vorgenommenen Überprüfung des massgebenden
Einkommens per 1. Januar 2006 blieb dieses Tageseinkommen unverändert.
2.3 Im Rahmen der Einsprache gegen die Taggeld-Verfügungen vom 6. Mai 2005
brachte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin erstmals vor, deren Einkommen
hätte der Teuerung angepasst werden müssen unter Berücksichtigung angemessener
Reallohnerhöhungen. Noch vor dem Unfall sei der Beschwerdeführerin von der
Geschäftsleitung zugesichert worden, ihr Lohn werde mit demjenigen einer
Arbeitskollegin gleichgestellt. Die Gleichstellung sei als Folge des Unfalls unterblieben.
Dagegen habe die Arbeitskollegin eine entsprechende Lohnerhöhung erhalten und im
Jahr 2003 einen Monatslohn von Fr. 4'300.- (x13) erzielt (IV-act. 58). Diese Einsprache
wurde schliesslich zusammen mit der Einsprache vom 29. September 2005 gegen die
Verfügung vom 23. September 2005 abgewiesen. Der entsprechende
Einspracheentscheid vom 25. Oktober 2005 erwuchs in Rechtskraft. Im vorliegenden
Verfahren lässt die Beschwerdeführerin erneut dieselben Argumente vorbringen und
weist zudem darauf hin, dass sie aufgrund ihrer guten Leistungen und Qualifikationen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vor dem Unfall in einer Anstellungszeit von weniger als drei Jahren eine Lohnsteigerung
von 20% habe erzielen können.
2.4 Da die Beschwerdegegnerin das Taggeld jeweils zeitlich auf ca. ein Semester
befristet zusprach und nicht etwa für die ganze Dauer der Umschulung (unter dem
Vorbehalt der Revision), konnte grundsätzlich jede der Verfügungen von der
Beschwerdeführerin innerhalb der Rechtsmittelfrist wiederum mit denselben oder mit
neuen Argumenten angefochten werden, und die Beschwerdegegnerin wäre jedes Mal
zur umfassenden Prüfung verpflichtet. Die einzelnen Verfügungen konnten nur für die
Dauer der Befristung Rechtswirksamkeit entfalten.
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin erzielte als Praktikantin vom 18. April 2005 bis September
2005 einen Lohn von Fr. 500.- monatlich und ab Oktober 2005 bis zum Ende des
Taggeldanspruchs im April 2006 einen Lohn von Fr. 900.- monatlich (ohne 13.
Monatslohn; IV-act. 45). Die Beschwerdegegnerin war zwar bereits bei Erlass der
Verfügungen vom 6. Mai 2005 betreffend den Anspruch ab 18. April 2005 über das
Praktikum und den dabei erzielten Lohn im Bild (vgl. den Zwischenbericht des IV-
Berufsberaters vom 6. April 2005 in IV-act. 46), kürzte das Taggeld wegen des
Praktikantenlohns aus nach Lage der Akten nicht nachvollziehbaren, vorliegend aber
auch nicht zu beurteilenden Gründen dennoch erst per 1. Oktober 2005 (IV 2006/148
IV-act. 63). Aufgrund von Art. 21septies Abs. 1 IVV darf der Praktikantenlohn
zusammen mit dem Taggeld das massgebende Erwerbseinkommen (gemäss der
Verfügung vom 23. Sep¬tember 2005 Fr. 141.-) nicht übersteigen. Im Praktikum erzielte
die Beschwerdeführerin ab Oktober 2005 ein Jahreseinkommen von Fr. 10'800.- oder
Fr. 29.60 pro Tag (Fr. 10'800.- / 365). Das Taggeld dürfte bei einem massgebenden
Einkommen von Fr. 141.- also nicht höher sein als Fr. 111.40 (Fr. 141.- - Fr. 29.60).
Diese Berechnung ergäbe bei einer Grundentschädigung von Fr. 112.80 (80% von Fr.
141.-) eine Kürzung von Fr. 1.40. Die von der Beschwerdegegnerin in der Verfügung
vom 23. September 2005 vorgenommene Kürzung wäre demnach zu hoch. Sie
entspricht in etwa dem Betrag, der bei einem Jahrespraktikumslohn von Fr. 11'700.-
(Fr. 900.- x 13) resultiert. Diesen Fehler korrigierte die Beschwerdegegnerin, indem sie
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
am 11. Juli 2006 die Verfügungen vom 23. September 2005 und vom 24. März 2006 in
Wiedererwägung zog.
3.2 Die Wiedererwägungsverfügung vom 11. Juli 2006 betreffend den Zeitraum vom 1.
Oktober bis 31. Dezember 2005 ist eine echte Wiedererwägung der Verfügung vom 23.
September 2005, da diese Verfügung im Zeitpunkt der Wiedererwägung bereits
rechtskräftig war. Dies trifft jedoch nicht auf die Verfügung vom 24. März 2006 zu,
gegen die am 11. Juli 2006 ein Einspracheverfahren hängig war. Bei der Verfügung
vom 11. Juli 2006 betreffend den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. März 2006 handelt es
sich somit um eine Wiedererwägung pendente lite, die im Grunde im Rahmen der
Einsprache zu behandeln und im Einspracheentscheid anstatt mit dem Erlass einer
neuen Verfügung zu erledigen gewesen wäre.
3.3 Durch den Entscheid der Beschwerdegegnerin, die Verfügung vom 23. September
2005 in Wiedererwägung zu ziehen, wurde jene Verfügung als Ganze zerstört und
durch die den Zeitraum vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2005 betreffende Verfügung
vom 11. Juli 2006 ersetzt. Die Beschwerdegegnerin hatte daher den Taggeldanspruch
gesamthaft in allen Positionen neu zu überprüfen, weshalb sich die Beschwerdeführerin
im Rahmen der Ergreifung eines Rechtsmittels gegen diese
Wiedererwägungsverfügung vom 11. Juli 2006 gegen sämtliche Elemente dieser
Verfügung zur Wehr setzen kann. Für diesen Zeitraum ist also nicht nur die
vorgenommene Kürzung wegen des Praktikumslohns zu überprüfen, sondern auch die
Festsetzung des massgebenden Einkommens.
4.
4.1 Zu beurteilen ist somit, von welchem massgebenden Einkommen bei der
Berechnung des Taggeldanspruchs der Beschwerdeführerin im Zeitraum 1. Oktober
2005 bis 8. April 2006 auszugehen ist. Die Ermittlung des massgebenden Einkommens
hat nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung so konkret wie möglich zu erfolgen.
Massgebend ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und
persönlichen Umstände unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Weiterentwicklung,
soweit hierfür hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen (Kursbesuche, Aufnahme
eines Studiums etc.), zu erwarten gehabt hätte. Da nach empirischer Feststellung in der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Regel die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist
Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens häufig der zuletzt
erzielte Verdienst (Urteil I 809/05 vom 12. Juni 2006 Erw. 3.1 mit Hinweisen). Lässt sich
auf Grund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung
realisierte Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, sind Erfahrungs- und
Durchschnittswerte heranzuziehen. Auf sie darf jedoch im Rahmen der
Invaliditätsbemessung nur unter Mitberücksichtigung der für die Entlöhnung im
Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren abgestellt
werden (vgl. zum Ganzen m.w.H. den Bundesgerichtsentscheid I 732/06 vom 2. Mai
2007, Erw. 2.2).
4.2 Die Beschwerdegegnerin macht unter Hinweis auf Rz. 3049 f. des vom Bundesamt
für Sozialversicherung herausgegebenen Kreisschreibens über die Taggelder der
Invalidenversicherung (KSTI) geltend, theoretische Aufstiegsmöglichkeiten der
versicherten Person ohne Eintritt der Invalidität seien nicht zu berücksichtigen. Gemäss
Rz. 3049 KSTI dürfen sowohl für die erstmalige Festsetzung des massgebenden
Erwerbseinkommens als auch für die Anpassung während der Eingliederung nur für die
zuletzt voll ausgeübte Tätigkeit allgemein geltende Lohnerhöhungen, wie ordentliche
Lohnerhöhungen im Rahmen einer Besoldungsklasse oder Anpassungen an die
Teuerung, berücksichtigt werden. Sie müssen durch Angaben der früheren
Arbeitgeberin ausgewiesen sein. Existiert diese nicht mehr bzw. macht sie keine
Angaben, kann die Anpassung auch aufgrund der Lohnverhältnisse in vergleichbaren
Betrieben oder anhand von Lohnstatistiken vorgenommen werden. Rz. 3050 KSTI legt
fest, dass theoretische Aufstiegsmöglichkeiten, die der versicherten Person ohne
Eintritt der Invalidität allenfalls offen gestanden wären, nicht zu berücksichtigen sind.
Im Übrigen regelt Rz. 3045 KSTI, dass eine Anpassung des Erwerbseinkommens an
den neusten Stand bei versicherten Personen, bei denen die zuletzt voll ausgeübte
Tätigkeit nicht mehr als zwei Jahre zurück liegt, u.a. auf Gesuch der versicherten
Person vorzunehmen ist, wenn diese eine Änderung im Erwerbseinkommen
nachweisen kann.
4.3 Die Beschwerdeführerin bemühte sich offenbar vergeblich, bei ihrer ehemaligen
Arbeitgeberin in Erfahrung zu bringen, wie sich ihr Einkommen in den Jahren 2004 bis
2006 mutmasslich entwickelt hätte, wenn sie voll arbeitsfähig geblieben wäre (IV
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2006/149 IV-act. 6). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin teilte der
Beschwerdegegnerin am 30. Juni 2005 mit, der heute zuständige Geschäftsführer sei
nicht bereit gewesen, ohne Anfrage der Beschwerdegegnerin entsprechende Auskunft
zu erteilen. Er wies darauf hin, dass es zwischen der Beschwerdeführerin und der
ehemaligen Arbeitgeberin zu einem Prozess vor Arbeitsgericht gekommen sei (IV-act.
58-1). Die ehemalige Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin hatte im Fragebogen vom
25. September 2003 angegeben, der Monatslohn der Beschwerdeführerin habe Anfang
2001 Fr. 3'550.- betragen und sei per März 2001 auf Fr. 3'800.- und per Juli 2002 auf
Fr. 3'950.- erhöht worden (IV-act. 6-2). Bei Stellenantritt im September 1999 hatte die
Beschwerdeführerin Fr. 3'300.- verdient (act. G 7.1), zwischen September 1999 und
Juli 2002 also eine Lohnsteigerung von knapp 20% erzielt. Eine derartige
Lohnsteigerung ist zweifellos beachtlich, für die ersten Jahre nach Stellenantritt bei
einem tiefen Einstiegslohn aber nicht ungewöhnlich. Die ehemalige Arbeitgeberin der
Beschwerdeführerin teilte in ihrem Schreiben vom 22. Oktober 2007 mit, die
Beschwerdeführerin habe als Sachbearbeiterin im Backoffice gearbeitet, das inkl.
Geschäftsleitung nur aus vier Personen bestehe. Ein Aufstieg oder ein
Funktionswechsel in eine anspruchsvollere und damit höher entlöhnte Tätigkeit wäre
folglich ausgeschlossen gewesen. Die Lohnanpassungen wären nach Gutdünken der
Geschäftsleitung erfolgt. Realistisch für 2004 bis 2006 wäre eine Lohnerhöhung von
total 2 bis 3%. Weiter führt die ehemalige Arbeitgeberin aus, der letzte von der
Beschwerdeführerin erzielte Lohn von Fr. 3'950.- sei verglichen mit anderen
Mitarbeitern gleichen Alters und vergleichbarer Ausbildung als eher hoch einzustufen.
Angestellte in einer vergleichbaren Tätigkeit würden bei ihr durchschnittlich einen Lohn
von ca. Fr. 3'800.- pro Monat erzielen. Der leicht höhere Lohn der Beschwerdeführerin
könne mit ihrer anfänglich guten Leistung begründet werden (act. G 11). Nach dieser
Auskunft hätte die Beschwerdeführerin als Gesunde also keine Ansprüche auf weitere
Lohnerhöhungen gehabt. Die ehemalige Arbeitgeberin verneint ein über 2 bis 3%
hinausreichendes Lohnsteigerungspotential in der innegehabten Position ebenso wie
die Möglichkeit eines Funktionswechsel in eine höher entlöhnte Tätigkeit. Ein
durchsetzbarer Anspruch auf eine Lohnerhöhung bestand jedenfalls nicht.
4.4 Vor diesem Hintergrund ist nicht zu erwarten, dass weitere Abklärungen neue
Erkenntnisse bringen würden, weshalb darauf verzichtet werden kann (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 124 V 94 Erw. 4b). Der Rechtsvertreter der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführerin beantragt weitere Abklärungen zur Lohnentwicklung hinsichtlich
Funktionsträger der beiden (offenbar einzigen) kaufmännischen Stellen, die von der
Beschwerdeführerin und deren Arbeitskollegin besetzt waren, und beruft sich
wiederholt darauf, der Beschwerdeführerin sei zugesichert worden, dieselbe
Lohnentwicklung mitzumachen wie ihre Kollegin. Die Zusicherung sei vom früheren
Geschäftsführer gemacht worden (act. G 15). Auf die beantragten Abklärungen kann
jedoch verzichtet werden. Es liegen nämlich keine Anzeichen dafür vor, dass das
behauptete "Lohnkoppelungs-Versprechen" in einer rechtlich durchsetzbaren Form
abgegeben worden wäre; dies macht die Beschwerdeführerin denn auch nicht geltend.
Jenes Gespräch mit der damaligen Geschäftsleitung vermochte in der
Beschwerdeführerin also nicht mehr als eine berechtigte Hoffnung in künftige
Lohnsteigerungen zu wecken. Dies ist jedoch nicht viel mehr als eine theoretische
lohnmässige Aufstiegsmöglichkeit, was gemäss den obigen Erwägungen zur Erhöhung
des massgebenden Valideneinkommens nicht ausreicht.
4.5 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin rügt, der Hinweis des
auskunftgebenden Geschäftsführers der ehemaligen Arbeitgeberin, im Detailhandel
würden generell tiefe Löhne bezahlt, sei unbehelflich, da die Beschwerdeführerin im
administrativen Sektor der Geschäftsleitung tätig gewesen sei. Dies vermag den Gehalt
der Aussage des Geschäftsführers jedoch nicht zu schmälern, besteht für die damalige
Tätigkeit der Beschwerdeführerin doch nicht etwa ein Anspruch auf einen Mindestlohn,
der über den Löhnen im Detailhandel liegen würde.
4.6 Wie bereits erläutert, sind Erfahrungs- und Durchschnittswerte dann heranzuziehen,
wenn sich auf Grund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung realisierte Einkommen nicht hinreichend genau beziffern lässt.
Vorliegend ist das zuletzt tatsächlich realisierte Einkommen jedoch ausgewiesen,
weshalb ohne weiteres darauf abzustellen ist. Die Beschwerdeführerin lässt
beantragen, zur Ermittlung des massgebenden Einkommens die Salärempfehlungen
des KV Schweiz beizuziehen. Da das zuletzt tatsächlich erzielte Einkommen der
Beschwerdeführerin ausgewiesen ist, bleibt dafür jedoch kein Raum. Im Übrigen wären
die Empfehlungen ohnehin nicht geeignet zur Ermittlung der Einkommensentwicklung
der Beschwerdeführerin: Die Empfehlungen des KV Schweiz kennen verschiedene
Funktionsstufen für kaufmännische Angestellte. Die tiefste Funktionsstufe ist die Stufe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B. Das Ausbildungsniveau entspreche dort einer zweijährigen Lehre als Büroassistentin
(vormals Bürolehre). Zu erledigen seien eher einseitige als vielseitige Aufgaben mit
begrenzter Autonomie, die allerdings zusammen mit der Berufserfahrung breiter werde
(S. 8 der Salärempfehlungen 2007, basierend auf der KV-Salärumfrage 2004). Die
Beschwerdeführerin war im vorliegend interessierenden Zeitraum ab Oktober 2005 29
Jahre alt. Die Salärempfehlungen enthalten für die Stufe B ein Minimum von Fr.
49'847.- und ein Maximum von Fr. 67'441.-, wobei das mittlere Salär bei Fr. 58'644.-
liegt (S. 9 der Salärempfehlungen). Diese Angaben erlauben entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin keine verlässliche Beurteilung ihres massgebenden Einkommens.
Obwohl sie gewisse Weiterbildungen gemacht hat, verfügt sie nicht über eine
abgeschlossene Lehre als Kauffrau oder ein Handelsschuldiplom und auch nicht über
eine zweijährige Lehre als Büroassistentin. Vielmehr ist sie gelernte Tierpflegerin, die
bei der ehemaligen Arbeitgeberin offenbar erstmals im Bürobereich tätig wurde (IV-act.
10-1). Dass sie dort – geschweige denn bei einem anderen Arbeitgeber – ohne weiteres
das mittlere Salär der Funktionsstufe B der Salärempfehlungen des KV hätte erzielen
können, ist nicht überwiegend wahrscheinlich. Im Übrigen ist die Rechtsprechung des
Bundesgerichts zu beachten, wonach die Lohnangaben des KV Schweiz auf blossen
Empfehlungen beruhen und daher für die Bestimmung des Valideneinkommens
ohnehin nicht repräsentativ sind (EVGE U 158/06 vom 4. August 2006, Erw. 2.3).
5.
5.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist somit das von der Beschwerdeführerin
zuletzt erzielte Einkommen massgebend. Dieses belief sich ab Juli 2002 auf Fr. 3'950.-
(IV-act. 6-2), was inklusive 13. Monatslohn einem Jahreseinkommen von Fr. 51'350.-
entspricht. Geteilt durch 365 ergibt sich der für die Taggeldberechnung massgebende
Lohn von Fr. 141.-. Die Berechnung der Beschwerdegegnerin ist also nicht zu
beanstanden. Per 1. Januar 2006 hat sie zu Recht eine Anpassung an die Teuerung
vorgenommen; dies entspricht betraglich denn auch der Lohnerhöhung von 3% "total",
die der Geschäftsführer der ehemaligen Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin bis 2006
maximal zugebilligt hätte (act. G 11). Der Einspracheentscheid vom 18. August 2006 ist
somit nicht zu beanstanden, die Beschwerden vom 31. August 2006 gegen die
Verfügungen vom 11. Juli 2006 und den Einspracheentscheid vom 18. August 2006
sind abzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.2 Aufgrund der Änderungen im IVG vom 16. Dezember 2005 ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-
Leistungen seit dem 1. Juli 2006 kostenpflichtig. Das Verfahren IV 2006/148 war am 1.
Juli 2006 bei der IV-Stelle hängig, weshalb die Kostenpflicht auf dieses Verfahren noch
nicht zur Anwendung kommt (vgl. lit. b der Schlussbestimmungen zum IVG). Dieses
Verfahren wurde mit dem Verfahren IV 2006/149 vereinigt. Da im zweiteren die
angefochtenen Verfügungen erst nach dem 1. Juli 2006 ergingen und aufgrund der
entsprechenden Gesetzesänderung (vgl. Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG) kein
Einspracheverfahren mehr durchgeführt wurde, gelangt die Bestimmung zur
Kostenpflicht zur Anwendung. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69
Abs. 1bis IVG). Da eines der zu einem Verfahren vereinigten Verfahren kostenlos, das
andere jedoch kostenpflichtig ist, erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 300.- als
angemessen. Als unterliegende Partei hat die Beschwerdeführerin die Gerichtskosten
zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- wird angerechnet und Fr.
300.- des Vorschusses werden der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG