Decision ID: 3a02ef0c-0db3-48fd-a3e5-15421dcc3d32
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1966, meldete sich unter Hinweis auf eine
Überfor
derung als Krankenpflegerin nach 25 Jahren Berufsabwesenheit und Konflikte mit
dem
Sohn
am 18. Oktober 2012 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/15, Urk. 9/16). Am 11. Juli 2013 erfolgte eine Kostengutsprache für ein Aufbautraining (Urk. 9/24) und am 12. Februar 2014 für ein Arbeitstraining (Urk. 9/53). Am 27. August 2014 informierte die IV-Stelle die Versicherte über den Abschluss der beruflichen Massnahmen (Urk. 9/72). In der Folge klärte die IV-Stelle die medizinische Situation ab und veranlasste insbesondere ein polydisziplinäres Gutachten, welches am 24. Juni 2015 erstattet wurde (Urk. 9/118/2-31).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 9/120-121, Urk. 9/127, Urk. 9/133) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 3. Februar 2016 (Urk. 9/144 = Urk. 2) einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 7. März 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 3. Februar 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr mindestens eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Die IV-Stelle bean
tragte mit Beschwerdeantwort vom 20. April 2016 (Urk. 8) die Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 19. Mai 2016 (Urk. 10) wurde sodann antragsgemäss (Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechts
vertretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zur Kenntnis gebracht.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbin
dung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Wil
lens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreivier
telsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begrün
det sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass kein Gesundheitsschaden vorliege, welcher die gesetzlichen Kriterien für Leistungen der Invalidenversicherung erfülle. Psychosoziale und psychosomatische Probleme seien invalidenversicherungsrechtlich nicht rele
vant. Aufgrund der Angaben im durchgeführten Gutachten könne die Schluss
folgerung gezogen werden, dass vorliegend psychosoziale Belastungs
faktoren eine entscheidende Rolle übernommen hätten. Auch gingen die Ärzte davon aus, dass sich die gesundheitliche Situation mit der Weiter
führung der psychotherapeutischen Betreuung noch verbessern könne. Seit dem 1. März 2015 habe die Beschwerdeführerin eine neue Anstellung als Pflegehelferin bei der Firma Y._ in Zürich realisieren können. Somit sei die Einschränkung vorübergehend und nicht langandauernd gewesen (S. 1 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin vertrat demgegenüber den Standpunkt (Urk. 1), ihr werde im von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen Gutachten eine höchstens 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Das Gutachten entspreche gemäss Regionalem Ärztlichem Dienst (RAD) den von der Praxis aufgestell
ten Erfordernissen. Die Beschwerdegegnerin lege nicht dar, weshalb sie glaube, von dieser ärztlich vorgenommenen Einschätzung abweichen zu dürfen (S. 6 III. Ziff. 1). Die Behauptung der Beschwerdegegnerin, die psychosozialen Belastungsfaktoren würden bei der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit eine entscheidende Rolle spielen, fände im psychiatrischen Gutachten schlicht keine Stütze (S. 6 III. Ziff. 2). Die psychische Erkrankung der Beschwerdeführerin gehöre gemäss Randziffer 1017.4 des
Kreisschreiben
s
über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung
(KSIH) nicht zu den Leiden (ICD-10 F61.0), für die die Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung analog angewendet werde. Für eine Überwindbarkeitsprü
fung gemäss neuster Rechtsprechung verbleibe deshalb kein Raum (S. 7 III. Ziff. 3).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Dr. med. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte mit Bericht vom 5. Dezember 2012 (Urk. 9/20) aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit Mai 2012 (Ziff. 1.2), und nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
double Depression: rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1)
-
dysthyme Störung (ICD-10 F34.1) seit der Adoleszenz
Gegenwärtig erfolge eine stützende Psychotherapie im Sinne einer integrier
ten psychiatrisch psychotherapeutischen Behandlung (Ziff. 1.5). Vom 3. Mai bis 30. Juni 2012 habe in der bisherigen Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit bestanden. Seit 1. Juli 2012 bis auf weiteres bestehe eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). Durch die psychischen Einschränkungen bestehe eine deutlich verminderte Belastbarkeit bei der Arbeit. Die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten zu 20-30 % zumutbar. Es sei eine schrittweise Steigerung bei stabilisiertem psychischem Zustand möglich (Ziff. 1.7).
3.2
Dr. Z._ führte mit Bericht vom 30. September 2014 (Urk. 9/77) aus, in den vergangenen 2 1⁄4 Jahren hätten sich die Folgeerscheinungen der mit Bericht vom 5. Dezember 2012 (vorstehend E. 3.1) genannten Störung unter entspre
chender Therapie leider nur in mittlerem Masse verändert. Es bestünden weiterhin Symptome einer depressiven Störung mit geringem Selbstwert, eingeschränktem Aktionsradius, stark verminderter Belastbarkeit und geringer Stresstoleranz. Mitte März 2013 habe die Beschwerdeführerin in die A._ eintreten können. Als Diagnosen seien eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) und Probleme in Bezug auf Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56) genannt worden. Leider sei die Beschwerdeführerin bereits nach zwei Wochen wieder aus der Spezialstation ausgetreten. Vom 30. April bis 12. Juli 2013 sei die Beschwer
deführerin in der Tagesklinik der A._ behandelt worden. Während dem Auf
enthalt sei es zu einer Teilremission der depressiven Symptomatik gekommen (S. 1).
Zurzeit sei die Beschwerdeführerin mit einem Pensum von 20 % in der Alten
betreuung tätig. Sie empfinde diese Arbeit als ideal und fühle sich in diesem Pensum nicht überfordert. Sie könne sich eine Tätigkeit zum Beispiel bei B._ oder leichtere Reinigungsarbeiten (zum Beispiel in Privat
haushalten) vorstellen. Das theoretische Arbeitspensum dürfe sich bei Arbeitsbeginn nicht über 40 % bewegen. Aus psychiatrisch psychotherapeu
tischer Sicht sei eine weitere stützende Begleitung indiziert. Adjuvant sei die weitere Einnahme von Cymbalta in therapeutischer Dosierung (120 mg mor
gens) angezeigt (S. 2).
3.3
Am 24. Juni 2015 erstatteten die Ärzte des C._ ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk. 9/118/2-31). Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben der Versicherten (S. 7 ff.) und die von ihnen vom 4. bis 8. Mai 2015 ambulant erhobenen Befunde (S. 1 unten) in den Bereichen Innere Medizin, Orthopädie und Psychiatrie (S. 3 Mitte).
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (S. 25 Ziff. 7):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ängstlich-vermeidend und abhän
gig-asthenisch, ICD-10 F61.0)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD
10 F33.0)
Die Versicherte habe angegeben, sie sei wegen einer Erschöpfungsdepression im Februar 2013 während zwei Wochen stationär in der D._ psychotherapeutisch behandelt worden. Anschliessend sei sie in der E._ während zehn Wochen behandelt worden. Danach sei eine Besserung eingetreten. Sie habe sich im Verlauf aber immer wieder aus
gesprochen erschöpft gefühlt. Daher sei sie erneut stationär vom 25. No
vember 2014 bis 19. Januar 2015 in der D._ hospitalisiert gewesen. Seither fühle sie sich psychisch stabiler (S. 10 oben).
Objektiv sei die Versicherte einerseits sehr klagsam, andererseits entwickle sie dann im Verlauf des Gesprächs ein grosses Mitteilungsbedürfnis, einen Wunsch nach Verständnis, Zuwendung und Akzeptanz durch den Untersu
cher. Dabei werde die Berichterstattung allerdings immer monoton vorgetra
gen, es bestehe eine Mischung zwischen Anklagen wegen (richtig wohl: gegen) Gott und die Welt sowie gegen sich selbst. Die Versicherte sei deutlich regressiv und pueril, sie zeige einen grossen Wunsch, aktiv unterstützt zu werden, wobei aufgrund ihrer Ambivalenz in Bezug auf Beziehungen auch davon auszugehen sei, dass sie dann angebotene Hilfe auch wieder, um Abhängigkeit zu vermeiden, sabotieren dürfte. Es bestehe auch eine deutliche Frustrations- und Stressintoleranz (S. 20 unten).
Die Versicherte zeige insgesamt eine erhebliche neurotische Entwicklung, die ausgeprägt und in der persönlichen Entwicklung begründet und gut doku
mentiert sei. Die epiphenomenalen symptomatischen Auswirkungen seien auch gemäss Akten konstant schwankende affektive Zustände mit depressi
ven Symptomen. Naturgemäss seien diese nicht immer gleich ausgeprägt und abhängig auch von der aktuellen sozialen und psychologischen Situation einer Person. Währenddem in der Vergangenheit erheblichere depressive Symptome beschrieben worden seien, seien diese aktuell als leichtgradig ein
zustufen. Grundlegend und ursächlich bestehe eine regressive, puerile, abhängige und ängstlich vermeidende Persönlichkeit, die Folge einer sehr traumatisierenden Entwicklung in Kindheit und Jugend sei. Auswirkung dieser neurotischen Problematik sei auch eine erhebliche Schwierigkeit in der Beziehungsfähigkeit, die in einer gescheiterten Ehe manifest sei. Dazu komme als Erschwernis bei der Bewältigung von Lebensschwierigkeiten eine eher knapp durchschnittlich mentale Begabung (S. 23 oben).
Die Problematik auf gesundheitlicher Ebene liege ausschliesslich im psychiatri
schen Fachgebiet. Es finde sich eine sehr belastete persönliche Ent
wicklung in der Kindheit und Jugend. Die seit langem erlebte Situation einer chronischen Überforderung und Depressivität lasse sich durch die Persön
lichkeitsstörung erklären und verstehen (S. 26 oben).
Aufgrund der erheblichen Persönlichkeitsstörung und in Folge dieser immer wieder auftretenden depressiven Zustände sei die Beschwerdeführerin psychisch deutlich vermindert belastbar. Ihre Arbeitsfähigkeit als Kranken
pflegerin oder Mitarbeiterin im Spitex-Dienst sei zu 50 % eingeschränkt (S. 26 unten). Da es sich um ein psychisches Leiden handle, interferiere dieses in allen denkbaren Verweisungstätigkeiten in gleicher oder ähnlicher Art und Weise, sodass eine höhere Arbeitsfähigkeit in solchen Tätigkeiten nicht zu erwarten sei. Aktuell arbeite die Versicherte zu 30 % als Mitarbeiterin in einem Alters- und Pflegeheim. Eine Steigerung dieser Tätigkeit auf 50 % sei zumutbar und möglich (S. 27 Ziff. 11).
Eine psychotherapeutische Behandlung sei unbedingt indiziert. Diese solle höherfrequent als, wie derzeit, alle 3 Wochen sein (S. 27 Ziff. 12). Eine ver
tiefte Psychotherapie sei die einzige Chance für die Beschwerdeführerin, aus ihrem Teufelskreis ihrer Selbstentwertung infolge mangelnden Selbstvertrau
ens und der Projektion dieser Versagensgefühle auf die Umwelt zu entkom
men. Diese Dynamik sei letztlich Grundlage ihrer depressiven Symptome von chronischer Müdigkeit, Gefühlen der Überforderung, der Stressintoleranz und des Versagens (S. 28 unten).
3.4
Dr. med. F._, Facharzt für
Anästhesiologie
, Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
) der Beschwerdegegnerin, führte mit Stellungnahme
vom
29. Juni 2015 (Urk.
9/136/3)
aus, das Gutachten des C._ sei umfassend, beruhe auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtige die geklagten Beschwerden und die Vorakten, die Beurteilung der medizinischen Zusam
menhänge sei einleuchtend und die medizinischen Schlussfolgerungen seien begründet. Die bisherige Tätigkeit gelte als angepasst. Seit September 2012 bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in
allen Tätigkeiten
.
4.
4.1
Streitig und zu prüfen ist, ob es sich bei der Erkrankung der Beschwer
deführe
rin um ein dauerhaftes, invalidisierendes Leiden handelt. Dabei ist
vor
auszuschicken, dass die
Beurteilung, ob ein invalidisierender Gesund
h
eits
schaden vorliegt, eine Rechtsfrage ist und damit nicht den Ärztinnen und Ärzten obliegt, sondern den rechtsanwendenden Behörden (BGE 140 V 193 E.
3.1 f., Urteil des Bundesgerichts 9C_636/2007 vom 2
8.
Juli
2008 E.
3.3.1). Aus rechtlicher Sicht kann von einer medizinischen Einschätzung der Arbeits
unfähigkeit abgewichen werden, ohne dass diese ihren Beweiswert verliert (Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2015 vom 2
1.
August 2015 E. 3).
4.2
Der behandelnde Arzt Dr. Z._ diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung und eine dysthyme Störung. Seiner Angabe der Klassifi
kation von ICD 10 F33.1 zufolge (vorstehend E. 3.1), ging er 2012 von einer gegenwärtig mittelgradigen Episode der depressiven Störung aus. 2012 attestierte er zunächst eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, ab 1. Juli 2012 bis auf weiteres eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit (vorstehend E. 3.1). 2014 ging er von einem theoretischen Arbeitspensum von 40 % bei Arbeitsbeginn aus (vorstehend E. 3.2). Unter Berücksichtigung seiner genannten Diagnosen erscheint die Arbeitsunfähigkeit jedoch als zu hoch. Eine ausreichende Begründung für eine derartige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bei einer mittelgradigen depressiven Episode liegt nicht vor.
Die Gutachter des C._ diagnostizierten 2015 ebenfalls eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, und zudem eine kombi
nierte Persönlichkeitsstörung (ängstlich-vermeidend und abhängig-asthe
nisch; vorstehend E. 3.3). Sie kamen zum Schluss, dass die Problematik auf gesundheitlicher Ebene ausschliesslich im psychiatrischen Fachgebiet liege.
Aufgrund der erheblichen Persönlichkeitsstörung und in Folge dieser immer wieder auftretenden depressiven Zustände sei die Beschwerdeführerin psychisch deutlich vermindert belastbar.
Ihre Arbeitsfähigkeit als Kranken
pflegerin oder Mitarbeiterin im Spitex-Dienst, und auch ihre Arbeitsfähigkeit in einer anderen Tätigkeit, sei zu 50 % eingeschränkt. Die Gutachter beur
teilten die Arbeitsunfähigkeit zwar ähnlich hoch wie der behandelnde Arzt, indes lag der Einschätzung der Gutachter zusätzlich zur depressiven Störung die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung zugrunde.
Auch der RAD-Arzt ging gestützt auf das Gutachten des C._ von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus. Dabei handelt es sich aber um keine psych
iatrische Beurteilung, ist Dr. F._ doch Anästhesiologe.
4.3
Der behandelnde Arzt und die Gutachter gingen demnach von einer hohen Arbeitsunfähigkeit aus.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen
jedoch
leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiesenermassen
therapieresistent
sind (statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesi
cherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeu
tisch gut angehbar sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den norma
tiven Anforderungen des
Art.
7
Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objekti
vierende Betrachtungs- und Prüfungsweise
Genüge getan (BGE 141 V 281 E.
3.7.1 bis 3.7.3). Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (BGE 140 V 193 E. 3.3; BGE 137 V 64 E. 5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2 und
9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
Das Bundesgericht bestätigte im Urteil 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 seine bisherige Praxis zur invalidisierenden Wirkung von depressiven Störungen
.
4.4
Vor dem Hintergrund des Grundsatzes der Selbsteingliederungs- und Schaden
minderungspflicht ist ebenfalls zu berücksichtigen, dass ein Renten
anspruch grundsätzlich nicht entstehen kann, solange zumutbare therapeu
tische und andere schadenmindernde Vorkehren nicht ausgeschöpft werden. Solange durch eine tatsächlich realisierbare Veränderung der für die gesundheitliche Situation bedeutsamen Rahmenbedingungen eine wesentli
che Verbesserung des (psychischen) Gesundheitszustandes und damit der dadurch eingeschränkten Arbeitsfähigkeit bewirkt werden kann, liegt kein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_947/2012 vom 1
9.
Juni 2013 E. 3.2.2 mit Hinweis).
4.5
Vorliegend verhält es sich so, dass die Beschwerdeführerin seit 2012 konstant eine psychotherapeutische Behandlung bei Dr. Z._ wahrnimmt (vorste
hend E. 3.1, E. 3.2). Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin erfolgt diese im Rhythmus von drei Wochen (vorstehend E. 3.3). Zudem lässt sie sich medikamentös behandeln
. So nimmt sie mitunter täglich 120
mg Cymbalta ein (vorstehend E.
3.2 und
Urk.
9/118/12
Ziff.
3.5).
Einen ersten stationären Aufenthalt im März 2013 hat sie nach zwei Wochen abgebrochen. Von April bis Juli
2013
wurde
die Beschwerdeführerin in de
r Tagesklinik der A._ behandelt (vgl. vorstehend E. 3.2)
.
Von November 2014 bis Januar 2015 erfolgte erneut ein stationärer Aufenthalt (vorstehend E. 3.3).
Die Gutachter des C._ erachteten die wahrgenommene Psychotherapie alle drei Wochen nicht als ausreichend, sondern kam zum Schluss, dass eine sol
che höherfrequent sein solle. Sie erachteten eine vertiefte
Psychotherapie
als
einzige Chance für die Beschwerdeführerin, aus ihrem Teufelskreis ihrer Selbstentwertung infolge mangelnden Selbstvertrauens und der Projektion dieser Versagensgefühle auf die Umwelt zu entkommen
(vorstehend E. 3.3). Die Gutachter bezeichneten die derzeit stattfindende Behandlung denn auch als „lockere psychotherapeutische Betreuung“ (Urk. 9/118 S. 27 Ziff. 13).
Nach der tagesklinischen Behandlung im Jahr 2013 ist eine
Teilremission der depressiven Symptomatik
eingetreten (vorstehend E. 3.2) und die Beschwer
deführerin verspürte auch nach ihrem zweiten stationären Aufenthalt eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes (vorstehend E. 3.3). Damit zeigt sich, dass ihr Leiden positiv beeinflusst werden kann. Ist das therapeutische Potential jedoch noch nicht ausgeschöpft, so besteht keine Invalidität im Rechtssinn.
4.6
Weiter fällt auf, dass das Beschwerdebild
von psychosozialen Faktoren mitbe
stimmt
wird.
Solche stellen insbesondere
die Überforderung als Kranken
pflegerin nach 25 Jahren Berufsabwesenheit und
K
onflikte mit dem Sohn (Urk.
9/15)
und auch die belastende finanzielle Situation (Urk. 9/118/20 Ziff. 4.3.2) dar
.
Psychosoziale Faktoren sind jedoch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich nicht mit zu berücksichtigen:
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach
)ärztlicher
seits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerde
bild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belas
tenden sozio
kulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssi
tuation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, wel
che in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Die Beschwerdegegnerin ging daher zu Recht davon aus, dass solche Fakto
ren zwar medizinisch die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode, aber rechtlich keine andauernde Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermögen.
4.7
Die Beschwerdegegnerin nahm eine Anspruchsprüfung anhand der Indikato
ren gemäss neuer Schmerzrechtsprechung vor (vgl. Urk. 9/143/2-3) und ver
neinte unter anderem gestützt darauf einen Rentenanspruch (vgl. Urk. 2).
Indes ist die
Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281
weder auf verselbstän
digte depressive Störungen mittelgradigen Ausmasses (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 9C_93/2015 vom 29. September 2015 E. 6.2.2) noch auf depres
sive Störungen leichtgradigen Ausmasses beziehungsweise Dysthymie (Urteil des Bundesgerichts vom 8C_643/2015 vom 18. Dezember 2015 E. 5.2.1) anwendbar. Wie es sich mit einer kombinierten Persönlichkeitsstörung ver
hält, hat das Bundesgericht bisher zwar offen gelassen.
Da es sich bei einer Persönlichkeitsstörung jedoch um ein Krankheitsbild handelt, bei dem im Gegensatz zu den nicht objektivierbaren Störungsbildern eine Diagnose anhand klinischer psychiatrischer Untersuchungen klar gestellt werden kann (vgl. das Urteil 8C_730/2015 vom 24. Februar 2016, E. 4.1, unter Hinweis auf BGE 139 V 547), sind die Auswirkungen einer Persönlichkeitsstörung nicht anhand der in BGE 141 V 281 begründeten Vorgehensweise zu prüfen. Viel
mehr ist nach einem objektiven Massstab zu beurteilen, ob der Beschwerde
führerin trotz ihres Leidens die Verwertung der Arbeitsfähigkeit auf dem nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist (vgl. vorste
hend E. 1.2).
4.8
Die Beschwerdeführerin verfügt über Erfahrung in der Pflege und Betreuung, welche sich auch in einer ihren Beeinträchtigungen entgegenkommenden Tätigkeit - ohne Stress, Verantwortung und Überforderung - einsetzen lässt, so zum Beispiel in der Betreuung und Pflege einer Einzelperson. Jedoch ist es ihr auch zumutbar, ausserhalb ihres angestammten Tätigkeitsbereichs eine stressarme Tätigkeit aufzunehmen, beispielsweise in einfachen Montage-, Überwachungs- und Kontrolltätigkeiten oder in der Reinigung. Angesichts des Umstands, dass z
um ausgeglichenen Arbeitsmarkt auch Nischenarbeits
plätze
gehören
, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers rechnen können (8C_831/2013 vom 2
4.
Januar 2014 E. 4.4 unter Hinweis auf Urteil 8C_575/2013 vom 1
8.
Novem
ber 2013 E. 5.2.1 mit Hinweis), ist der Beschwerdeführerin trotz ihrer Persönlichkeitsstörung die Erzielung eines rentenausschliessenden Erwerbseinkommens somit objektiv zumutbar.
4.9
Zusammenfassend fehlt es aus rechtlicher Sicht an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden. Der angefochtene Entscheid erweist sich als rechtens. Die Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Invalidenrente. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 GSVGer.
5
.2
Die Entschädigung der unentgeltlichen Recht
svertretung wird gestützt auf §
8 in Verbindung mit
§
7 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (GebV SVGer) nach dem Zeitaufwand und den Barauslagen bemessen.
Der
unentgeltliche Rechtsvertreter de
r
Beschwerdeführer
in
, Rechtsanwalt Jürg Leimbacher, Bülach,
ist
nach Einsicht in den Tätigkeitsnachweis vom
24. Mai 2016 (Urk. 13/2), ausgehend von einem Aufwand von total 5.5 Stunden sowie Barauslagen von Fr. 29.00 mit Fr. 1‘339.30 (inklusive Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.