Decision ID: 6341c6d5-e774-51bf-b58e-02a6b1c66ea7
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden ersuchten am (...) Dezember 2015 die Schweiz
um Asyl. Anlässlich der Befragungen zur Person (BzP) vom 8. Januar 2016
und der Anhörungen vom 6. Oktober 2017 und 3. November 2017 führten
sie im Wesentlichen aus, iranische Staatsangehörige kurdischer Ethnie zu
sein und aus dem Dorf E._ zu stammen, ab (...) aber in F._,
Provinz G._, gelebt zu haben. Am (...) hätten sie sich religiös trauen
lassen.
Der Beschwerdeführer habe die Schule bis zur Matura besucht. Zufolge
seiner Weigerung, den Militärdienst zu absolvieren, habe er nicht studieren
dürfen und sei deshalb für ein Studium in den H._ gegangen. Seit
dem Jahr (...) sei er Sympathisant der I._. Immer wieder sei er in
H._ gereist, um die Partei zu unterstützen. Im Jahr (...) sei er in
J._ (Iran) festgenommen und vier bis fünf Tage (BzP) beziehungs-
weise zwei Nächte lang (Anhörung) inhaftiert worden, (...) I._. Un-
gefähr im (...) sei er erneut festgenommen und neun Tage festgehalten
worden. Er sei befragt, geschlagen und gefoltert worden, weshalb er immer
noch Narben habe. Es sei versucht worden, von ihm ein Geständnis über
seine politischen Aktivitäten zu erzwingen. Weil er nichts gesagt habe, sei
er entlassen worden. Schriftlich habe er jedoch bestätigen müssen, zukünf-
tig keinen politischen Tätigkeiten mehr nachzugehen. Dennoch habe er ei-
nige Monate später wieder damit begonnen. Von K._ aus, wo er bei
(...) gelebt habe, sei er jeweils illegal zwischen dem Iran und H._
hin- und hergereist. Seine Ehefrau habe bei (...) im Dorf E._ gelebt
und sie hätten sich regelmässig in K._ getroffen. Zweimal sei seine
Ehefrau legal H._ gereist, um einige Monate mit ihm dort zu leben.
H._ habe er als (...) gearbeitet und an Sitzungen für die I._
teilgenommen. Er sei für die Überwachung der Schmuggelpfade zwischen
L._ und K._ zuständig gewesen. Im (...) sei er zusammen
mit seiner Ehefrau in den Iran zurückgekehrt. Am (...) habe er einen Haft-
befehl erhalten beziehungsweise sei (...) eine Vorladung ausgehändigt
worden, wonach er sich innert drei Monaten beim Gericht von K._
hätte melden müssen. Er habe vermutet, jemand habe seine Tätigkeit für
die I._ bei der Polizei verraten. Aus Angst, verhaftet und hingerich-
tet zu werden, sei er im (...) nach F._ umgezogen und habe dort
vier Monate zusammen mit (...) eine Wohnung renoviert. Er habe heraus-
gefunden, dass der Auftraggeber für die Renovation der Wohnung ein pen-
sionierter Oberst der Sepah gewesen sei. Am Morgen des (...) sei (...) nicht
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zur Arbeit erschienen (BzP) beziehungsweise sei nur kurz gekommen und
dann plötzlich verschwunden (Anhörung). Kurze Zeit später habe der Auf-
traggeber ihn nach (...) gefragt, da aus der Wohnung eine Pistole entwen-
det worden sei. Er (Beschwerdeführer) habe nicht gewusst, wo sich (...)
aufgehalten habe. Der Auftraggeber habe deshalb die Polizei informiert.
Diese habe ihn (den Beschwerdeführer) zu Boden geworfen, heftig ge-
schlagen und ihm dabei eine Rippe gebrochen. Auf dem Weg ins
"M._"-Gefängnis in N._ sei er bei einer Toilettenpause weg-
gerannt und zu (...) geflüchtet. Mit dessen Hilfe habe er die Stadt direkt
verlassen, unterwegs seine Ehefrau treffen und mit ihr nach O._ bei
K._ fahren können. Dort seien sie fünf Tage bei (...) gewesen, bis
seine Wunden und Hämatome ein wenig verheilt seien. Während dieser
Zeit – und auch nach seiner Ausreise – sei er bei (...) von Mitgliedern der
Behörde gesucht worden. Mit Hilfe eines Schleppers sei er illegal in die
Türkei gereist und von dort aus zusammen mit der Beschwerdeführerin und
(...) – die legal ausgereist seien – via Griechenland auf der Balkanroute bis
nach Deutschland und in die Schweiz gereist. (...), der ihnen bei der Aus-
reise geholfen habe, sei verhaftet und mehr als zwei Monate inhaftiert wor-
den. In der Schweiz habe er begonnen, einen Verein (...) zu organisieren.
Er nehme zudem an Demonstrationen, Kundgebungen und Sitzungen teil.
Die Beschwerdeführerin brachte vor, am Morgen des (...) sei der Be-
schwerdeführer zur Arbeit gegangen und um zirka 11:30 Uhr habe jemand
heftig an die Wohnungstüre geklopft. Als sie die Türe geöffnet habe, seien
vier Männer in die Wohnung gestürmt, hätten diese durchsucht und sie (die
Beschwerdeführerin) geschlagen. Danach sei sie zu ihren Verwandten ge-
gangen. (...) habe ihr ein Taxi organisiert und ihr Geld sowie ihre Ausweise
mitgegeben. Unterwegs habe sie den Beschwerdeführer getroffen. Sie und
(...) hätten legal in die Türkei einreisen können und seien dann von dort
gemeinsam mit dem Beschwerdeführer bis in die Schweiz gereist. Drei bis
vier Tage nach der Ausreise aus dem Iran hätten Personen der iranischen
Behörden das Haus (...) durchsucht.
Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden folgende Unterlagen
zu den Akten: den Reisepass der Beschwerdeführerin und (...), eine Kopie
eines Bestätigungsschreibens der S._ vom (...), einen Haftbefehl
der Polizei von K._ vom (...) (inkl. Dokumentation, wie dieser aus
dem Iran geschmuggelt wurde), einen Arbeitsvertrag, Kopien des Maturi-
tätsdiploms, ein Foto seines Vaters in (...)-Kleidung, ein Foto des Be-
schwerdeführers vor der Universität in P._, diverse Fotos der
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Flucht, ein Foto eines Schmugglers/Lastenträgers an einem schneebe-
deckten Berghang, drei Fotos einer kurdischen Kundgebung in Q._
sowie Dokumente diverser europäischer Asylbehörden.
B.
Mit Verfügung vom 27. Februar 2018 – eröffnet am folgenden Tag – ver-
neinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführen-
den, lehnte ihre Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug.
C.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe
vom 29. März 2018 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und be-
antragten die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung unter Feststellung
der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die
Vorinstanz anzuweisen, die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessu-
aler Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um
Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbei-
stand.
Als Beweismittel reichten sie Fotos von den Narben des Beschwerdefüh-
rers, zwei ärztliche Berichte des Kantonspitals R._ betreffend seine
(...)-Operation vom (...) und (...), einen Arztbericht der (...) R._ vom
(...) und eine fremdsprachige gerichtliche Vorladung vom (...) im Original
(ohne Übersetzung) ein. Betreffend die exilpolitischen Aktivitäten des Be-
schwerdeführers in der Schweiz legten sie Fotos von einer Demonstration
vom (...), ein Foto einer SMS mit der Aufforderung zur Teilnahme an eine
Demonstration sowie einen Flyer für eine Veranstaltung der I._ ins
Recht. Der Beschwerde lag eine Fürsorgebestätigung vom 16. März 2018
bei.
D.
Mit Instruktionsverfügung vom 3. April 2018 bestätigte die damals zustän-
dige Instruktionsrichterin den Eingang der Beschwerde und verfügte, die
Beschwerdeführenden könnten den Abschluss des Verfahrens einstweilen
in der Schweiz abwarten.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 10. April 2018 hiess das Bundesverwaltungs-
gericht die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
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und Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses und ordnete den Beschwerdeführenden den rubrizierten
Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand bei.
F.
Mit Beweismitteleingaben vom 22. Mai 2018, 14. August 2018, 29. Oktober
2019, 24. März 2020 und 16. Juli 2020 reichten die Beschwerdeführenden
einen (...) aus dem Iran im Original inklusive Übersetzung, Fotos der Ver-
sendung des (...), eine Mitgliederkarte der S._ in Kopie, ein Schrei-
ben der S._ vom 30. Juli 2018 in Kopie, diverse Fotos von Ver-
sammlungen, Kundgebungen und Parteitreffen, ein Einladungsschreiben
für eine Veranstaltung, einen Bericht der (...) zu Angriffen auf die
S._ in P._ vom (...), zwei Berichte der (...) vom (...) und (...),
einen Arztbericht des (...) vom 6. April 2018, zwei Arztberichte der (...)
R._ vom 8. August 2018 und 6. August 2019 sowie einen Arztbe-
richt (...) vom 18. Februar 2020 nach. Der Rechtsvertreter legte seine Kos-
tennote vom 22. Mai 2018 bei.
G.
Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Beschwerdever-
fahren zur weiteren Behandlung auf Richterin Roswitha Petry als Instrukti-
onsrichterin übertragen.
H.
Am (...) kam (...) der Beschwerdeführenden D._ auf die Welt. (...)
wird in das vorliegende Verfahren miteinbezogen.
I.
Am 21. Januar 2021 leitete der Rechtsvertreter ein Schreiben einer be-
freundeten Person der Beschwerdeführenden weiter, in dem diese das
Bundesverwaltungsgericht auf den sich verschlechternden psychischen
Zustand des Beschwerdeführers hinwies und um Beschleunigung des Ver-
fahrens bat.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Januar 2021 forderte die zuständige In-
struktionsrichterin die Beschwerdeführenden dazu auf, eine aktualisierte
Fürsorgebestätigung einzureichen.
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K.
Mit Eingabe vom 3. Februar 2021 legte der Rechtsvertreter der Beschwer-
deführenden eine Fürsorgebestätigung des (...) R._ vom 2. Feb-
ruar 2021 sowie eine aktualisierte Kostennote vor.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das vorliegende Verfahren richtet sich nach altem Recht (Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
1.3 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirkend (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
4.
4.1 Zur Begründung ihres ablehnenden Asylentscheids führte die
Vorinstanz aus, die Vorfluchtgründe der Beschwerdeführenden hielten den
Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Es
sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer den Erhalt des
Haftbefehls – den angeblichen Hauptgrund für den Umzug von K._
nach F._ – an der BzP mit keinem Wort erwähnt, sondern als Grund
die politische Tätigkeit für die I._ und seine Arbeit angegeben habe.
Dies auch nicht im Zusammenhang mit der Verhaftung aufgrund des Dieb-
stahls der Pistole, welche in engem Zusammenhang mit dem Haftbefehl
gestanden haben müsse. Auch die Beschwerdeführerin habe bei der BzP
weder von den Vorladungen noch von dem Haftbefehl berichtet, obwohl sie
gemäss eigenen Aussagen davon Kenntnis gehabt habe. Ebenfalls nicht
angegeben habe der Beschwerdeführer an der BzP, dass er im Jahr (...)
für neun Tage inhaftiert, befragt und geschlagen worden sei, dies obwohl
er explizit nach einer Verhaftung gefragt worden sei. Auf Nachfrage habe
er nur die Festnahme in J._ im Jahr (...) oder (...) genannt. Es sei
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deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden bewusst Asyl-
gründe nachgeschoben hätten. Widersprüchlich ausgefallen seien auch
die Ausführungen des Beschwerdeführers, wie er erfahren habe, dass der
Auftraggeber ein ehemaliger Ettelaat-Mitarbeiter gewesen sei. Unklar sei
auch, ob (...) am Morgen des (...) die Pistole entwendet habe oder bereits
am Abend zuvor und danach gar nicht mehr zur Arbeit erschienen sei. Der
Erklärungsversuch, wonach der Dolmetscher nicht richtig übersetzt habe,
überzeuge nicht, zumal der Beschwerdeführer die Richtigkeit der Proto-
kolle unterschriftlich verifiziert habe. Obwohl es sich dabei angeblich um
das zentrale Ereignis für die Ausreise gehandelt habe, seien die Ausfüh-
rungen dazu unpräzise und widersprüchlich ausgefallen. Auch zum geltend
gemachten Haftbefehl beziehungsweise der Vorladungen habe er sich wi-
dersprochen und erst nach und nach zugegeben, den Haftbefehl nach der
Ausreise käuflich erworben zu haben. Es sei deshalb unwahrscheinlich,
dass es sich um ein echtes Dokument handle. Die Vorladungen, welche
angeblich (...) zugestellt worden seien, habe er nicht eingereicht. Auf eine
eingehende Würdigung des Bestätigungsschreibens der S._ könne
verzichtet werden, da ein solches leicht selbst hergestellt werden und es
sich dabei auch um ein Gefälligkeitsschreiben handeln könne. Es gebe kei-
nen Anlass zur Annahme, er sei vor dem Verlassen des Irans als regime-
feindliche Person ins Blickfeld der heimatlichen Regierung geraten oder als
Regimegegner oder politischer Aktivist wahrgenommen worden. Es sei
deshalb nicht davon auszugehen, er würde seit seiner Ankunft in der
Schweiz unter spezieller Beobachtung seitens der iranischen Behörden
stehen. Gemäss seinen Aussagen sei er nie ein offizielles Mitglied der
I._, sondern nur Sympathisant gewesen, Aufträge habe er nur für
die S._ und nicht für die S._ ausgeführt. Trotzdem stamme
das eingereichte Schreiben von der S._ und sei erst ein Jahr nach
seiner Ankunft in der Schweiz ausgestellt worden. In der Schweiz habe er
erst an zwei Kundgebungen teilgenommen und der gegründete Verein sei
immer noch in der Anfangsphase. Gemäss seinen Aussagen habe er nicht
den Eindruck erweckt, ein besonders aktives Mitglied der kurdischen Ge-
meinschaft in der Schweiz zu sein. Den Akten seien keine konkreten Hin-
weise darauf zu entnehmen, wonach er sich in qualifizierter Weise exilpo-
litisch betätigt habe. Insgesamt würden keine Anhaltspunkte für die An-
nahme bestehen, im Iran seien gegen ihn aufgrund der geltend gemachten
Aktivitäten behördliche Massnahmen eingeleitet worden.
4.2 Die Beschwerdeführenden halten in ihrer Beschwerdeschrift fest, der
Beschwerdeführer habe bereits anlässlich der BzP ausgeführt, zufolge sei-
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ner politischen Aktivitäten nach F._ umgezogen zu sein. Bei der An-
hörung habe er dazu präzisiert, dass er einen Haftbefehl erhalten habe. Er
sei seit über zehn Jahren politisch aktiv gewesen, weshalb er gewohnt ge-
wesen sei, im Visier der Behörden zu stehen. Erst nach Erhalt der Vorla-
dungen und des Haftbefehls habe er jedoch gemerkt, dass sich die Situa-
tion zugespitzt habe. Es sei eine Kette von Ereignissen gewesen, die letzt-
endlich zur Ausreise geführt habe. Erst einige Monate nach Erhalt des Haft-
befehls sei er nach F._ umgezogen, weshalb er diesen auch erst
bei der Konkretisierung seiner Umzugsgründe erwähnt habe. Die Be-
schwerdeführerin habe stets erwähnt, nichts von einem Haftbefehl gewusst
zu haben, sie habe lediglich eine Mahnung beziehungsweise Vorladung
erhalten. Die Folterungen, die dem Beschwerdeführer anlässlich der Haft
im Jahr (...) zugefügt worden seien, würden durch die Fotos der Narben
und die Arztberichte belegt. Die Vorinstanz habe der unterschiedlichen Na-
tur der BzP und der Anhörung zu wenig Rechnung getragen. Die BzP sei
nur wenige Tage nach der Ankunft des Beschwerdeführers erfolgt und habe
somit kurz nach den traumatischen Erlebnissen stattgefunden. Hingegen
seien sie erst zwei Jahre nach der BzP angehört worden. Der Beschwer-
deführer habe selbst nichts mit der Entwendung der Pistole des Auftrags-
gebers zu tun gehabt, weshalb er auch keine genauen Angaben dazu habe
machen können. (...) sei zwar am besagten Tag in der Wohnung gewesen,
habe aber nicht gearbeitet. Bei der Anhörung habe der Beschwerdeführer
das Datum des Haftbefehls falsch genannt, weil er zwei Zahlen vertauscht
habe ([...]. statt [...]). Die Echtheit des Dokuments könne deshalb aber
nicht insgesamt in Zweifel gezogen werden, zumal das Ausstellungsdatum
mit der Fluchtgeschichte übereinstimme. Im (...) sei der Haftbefehl ausge-
stellt worden und wenige Monate danach seien sie nach F._ gezo-
gen, um sich in Sicherheit zu bringen. Der Haftbefehl sei ihm ausgehändigt
worden, weil seine Familie beim Polizeiposten eine Geldsumme bezahlt
habe. Es handle sich dabei um die Aushändigung eines echten Doku-
ments, nicht um den Kauf einer Fälschung. Er sei immer für die S._
und nicht für die S._ tätig gewesen und habe genau beschrieben,
worin seine Tätigkeiten für die S._ im H._ bestanden hätten.
Beim Schreiben der S._ handle es sich nicht um eine Fälschung
oder um ein Gefälligkeitsschreiben, sondern um ein Schreiben, worin seine
Tätigkeiten für die Partei detailliert aufgeführt würden. Die Fluchtge-
schichte habe er detailliert und kohärent geschildert; diese stimme mit den
Aussagen der Beschwerdeführerin überein. Er nehme ausserdem in der
Schweiz an Demonstrationen und Kundgebungen gegen das iranische Re-
gime teil und sei Sympathisant einer Oppositionspartei. Zudem habe er im
Auftrag seiner Partei einen Verein für gebildete Kurden gegründet. In einer
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Gesamtbetrachtung sei deshalb davon auszugehen, dass er als aktiver
Oppositioneller aus der Masse der Exilpolitiker heraussteche, da er bereits
in seinem Herkunftsland in den Fokus der Behörden geraten sei. Da er im
Ausland das iranische Regime öffentlich anprangere, drohe ihm im Falle
einer Rückkehr als Staatsfeind eine Inhaftierung, Folter oder gar seine Hin-
richtung. Gemäss internationalen Urteilen seien auch Exilpolitiker mit we-
niger hochrangigen Positionen der Gefahr einer Verfolgung durch den ira-
nischen Sicherheitsdienst ausgesetzt.
5.
5.1 Zunächst ist dem Beschwerdeführer insofern beizupflichten, als er be-
treffend das Schreiben der S._ – entgegen den Ausführungen der
Vorinstanz – nicht angegeben hat, er sei für die S._ tätig gewesen,
sondern für die I._ mit Sitz im H._ (vgl. A23 F9, F17, F29,
F110, F113). Die Aussage, wonach er mit der I._ zusammengear-
beitet habe und «noch immer mit dieser Partei» zusammenarbeite (vgl. A23
F17), lässt darauf schliessen, dass er mit I._ durchgehend die
S._ gemeint hat. Die Vorinstanz ist nichtsdestotrotz in ihren Erwä-
gungen zur zutreffenden Erkenntnis gelangt, die von den Beschwerdefüh-
renden geltend gemachten Vorverfolgungsvorbringen würden den Anfor-
derungen an die Glaubhaftigkeit und an die Asylrelevanz nicht genügen,
weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten. Der Vorfall in
F._, der zu Verhaftung des Beschwerdeführers geführt habe,
scheint nicht realitätsnah. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb er zum ge-
gebenen Zeitpunkt auf der Flucht gewesen sein soll (vgl. A23 F33). Der
Beschwerdeführer behauptet, er sei sowohl durch den Oberst als auch
durch die Polizei so schwer misshandelt worden, dass er einen Rippen-
bruch erlitten und Blut erbrochen habe (vgl. A23 F33). In Anbetracht seiner
schweren inneren und äusseren Verletzungen scheint seine Schilderung,
wonach er aus einem Fenster geklettert und drei Stunden gerannt sein soll,
jedoch kaum nachvollziehbar (vgl. A23 F33). Des Weiteren sei zwar die
Polizei wegen einer verschwundenen Pistole gerufen worden, die Verhaf-
tung soll hingegen schliesslich aufgrund seiner politischen Aktivitäten, der
damit verbundenen Vorladungen und des Haftbefehls erfolgt sein (vgl. A23
F33). Diese politischen Aktivitäten vermag der Beschwerdeführer indessen
nicht glaubhaft darzulegen, zumal unklar bleibt, worin seine konkreten Auf-
gaben bis zum Jahr (...) bestanden haben sollen. Aus seinen Aussagen
geht zwar hervor, dass er bis zu diesem Jahr mehrmals in der Woche zwi-
schen dem Iran und H._ hin und her gereist sei (vgl. A23 F51 –
F56). Die Angaben zu seinen politischen Aufgaben in dieser Zeit bleiben
jedoch durchgehend undetailliert (vgl. A23 F17, F29, F51 – F56, F108).
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Seite 11
Überdies ist aufgrund seiner widersprüchlichen Aussagen ungewiss, bis
wann der Beschwerdeführer politisch aktiv gewesen sein soll. Zunächst
gibt er an, in P._ mit der S._ bis zum Jahr (...) zusammen-
gearbeitet zu haben (vgl. A5 7.01 und A23 F29). Im Widerspruch dazu
bringt er später jedoch vor, auch im Jahr (...) in P._ politisch tätig
gewesen zu sein, wobei er die Wege zwischen L._ und K._
überwacht habe (vgl. A23 F63). Seine Vorbringen dazu bleiben trotz mehr-
facher Nachfrage allgemein, vage und unstubstantiiert und vermögen we-
der einen nachvollziehbaren, kohärenten Verlauf des tatsächlich Erlebten
darzustellen noch einen Konnex zu seinem geltend gemachten politischen
Engagement herzustellen (vgl. A23 F63 – F70). Demgegenüber ist anzu-
merken, dass die Äusserungen der Beschwerdeführenden hinsichtlich der
Reisen in H._ sowie ihrem Eheleben durchaus plausibel und glaub-
haft dargelegt werden. Dasselbe gilt für die durch den Beschwerdeführer
erfolgten Beschreibungen der Grenzlandschaft. Allerdings ist nicht glaub-
haft, dass diese Reisen im Zusammenhang mit dem geltend gemachten
politischen Engagement des Beschwerdeführers für die S._ ge-
schehen sind. Daran vermag auch das Schreiben der S._ nichts zu
ändern. Dies umso mehr, als er sich bezüglich der Vorladungen und des
Haftbefehls mehrmals widerspricht und seine Behauptungen revidiert. So
sagt er zunächst aus, (...) habe den Haftbefehl erhalten (vgl. A23 F9, F80).
Auf mehrfache Nachfrage revidiert er dies und gibt an, (...) habe nicht den
Haftbefehl, sondern eine polizeiliche Vorladung dazu erhalten (vgl. A23
F87); den Haftbefehl habe er gegen Entgelt erlangen können (vgl. A23 F85
– F94). Entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift handelt es
sich beim eingereichten Haftbefehl im Übrigen nicht um ein Original, son-
dern um eine – an der Unterschrift erkennbare – Kopie. Somit hat der Be-
schwerdeführer falsche Aussagen zum Haftbefehl gemacht und ein Be-
weismittel vorgebracht, welches er käuflich erworben hat. Dem Haftbefehl
ist somit jeglicher Beweiswert abzusprechen. Seine Erklärungen zu den
Gründen, die ihn dazu bewogen hätten, den Haftbefehl käuflich zu erwer-
ben und falsche Angaben dazu zu machen, vermögen diese Einschätzung
nicht zu entkräften. Dem Beschwerdeführer ist es zwar gelungen, eine Vor-
ladung im Original nachzureichen. Dies allein reicht jedoch nicht aus, um
die Glaubhaftigkeit seiner politischen Aktivitäten und der damit verbunde-
nen Vorladung zu beweisen, zumal der Grund für die Vorladung darin nicht
ersichtlich ist. Demzufolge kann die Glaubhaftigkeit der Verhaftungen im
Jahr (...) und (...) beziehungsweise die in diesem Zusammenhang geltend
gemachten Misshandlungen offengelassen werden, zumal sie für die Aus-
reise der Beschwerdeführenden ohnehin nicht kausal waren.
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5.2 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin stimmen zwar überwiegend
mit den Vorbringen des Beschwerdeführers überein. Auch bestätigt sie die
politische Aktivität ihres Mannes (vgl. A24 F14, F30, F34, F35, F46). Sie
kann aber keine detaillierten Angaben zu diesen machen (vgl. A24 F30,
F34- F35, F42, F46- F47). Überdies erstaunt, dass die Beschwerdeführerin
und (...) legal ausreisen konnten, obwohl ihr Ehemann und Vater ihres Kin-
des als politischer Aktivist gesucht worden sein soll. Abschliessend und als
weiteres Indiz gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen ist hinsichtlich der
spektakulär geschilderten Flucht darauf hinzuweisen, dass diese zwar sehr
detailliert beschrieben wird, sich die Erzählungen der beiden Beschwerde-
führenden aber derart gleichen, dass sie einstudiert und abgesprochen wir-
ken.
5.3 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführenden nichts vorge-
bracht, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft aufgrund von Vor-
fluchtgründen nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die
Vorinstanz hat ihre Asylgesuche zu Recht abgelehnt.
5.4 Gemäss Art. 54 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie
erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen
ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe). Massgebend ist, ob die heimatli-
chen Behörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich ein-
stufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit
die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massge-
blich (BVGE 2009/28 E. 7.1 ff.)
5.5 Die politische Betätigung für als staatsfeindlich aufgefasste Organisa-
tionen im Ausland ist seit der Neufassung des iranischen Strafrechts im
Jahr 1996 grundsätzlich unter Strafe gestellt. Es ist allgemein bekannt,
dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten ihrer Staatsange-
hörigen im Ausland überwachen und erfassen. Es bleibt jedoch im Einzel-
fall zu prüfen, ob die exilpolitischen Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr
in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im
Sinne des Asylgesetzes nach sich ziehen. Bei dieser Prüfung ist davon
auszugehen, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung
von Personen konzentrieren, die über die massentypischen, niedrigprofi-
lierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen aus-
geübt und/oder Aktivitäten vorgenommen haben, welche die jeweilige Per-
son aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausstechen und
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als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen. Dabei
darf davon ausgegangen werden, dass die iranischen Sicherheitsbehörden
zu unterscheiden vermögen zwischen tatsächlich politisch engagierten Re-
gimekritikern und Exilaktivisten, die mit ihren Aktionen in erster Linie ihre
Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen (vgl. BVGE
2009/28 E. 7.4.3). Diese Rechtsprechung gilt auch heute noch (vgl. bei-
spielsweise Urteil des BVGer D-7179/2016 vom 15. Dezember 2020
E.6.3).
5.6 Nachfolgend ist die flüchtlingsrechtliche Relevanz der exilpolitischen
Aktivitäten des Beschwerdeführers für die S._ in der Schweiz zu
untersuchen.
Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei in der Schweiz politisch aktiv und
deshalb bei einer Rückkehr in den Iran gefährdet. Er macht geltend, er sei
in der Schweiz S._ beigetreten und nehme seither regelmässig an
Versammlungen der Partei und an Demonstrationen teil. Durch ein Video,
welches auf der Facebook-Seite "T._" hochgeladen worden sei, sei
seine Teilnahme an einer Veranstaltung dokumentiert worden. Des Weite-
ren sei er Gründungsmitglied der (...) und habe (...).
5.7 Das politische Engagement des Beschwerdeführers in der Schweiz im
Rahmen seiner Mitgliedschaft bei der S._, das durch die einge-
reichten Beweismittel belegt ist, ist als eher gering einzustufen. Die Teil-
nahme an Parteiversammlungen und Kundgebungen stellt eine massenty-
pische Erscheinungsform exilpolitischer Aktivität dar, die kein besonders
exponiertes politisches Profil des Beschwerdeführers zur Folge hat. Das
auf Facebook hochgeladene Video erscheint ebenfalls nicht geeignet, ihm
ein erhöhtes politisches Profil zu verschaffen. Andere Aktivitäten, die den
Beschwerdeführer aus der Masse herausheben würden, macht er nicht
geltend.
Da sich der Beschwerdeführer weder durch seine Persönlichkeit noch
durch Form oder Inhalt seiner politischen Aktivitäten speziell exponiert hat,
ist nicht davon auszugehen, dass er von den iranischen Behörden als Re-
gimegegner betrachtet wird oder bei einer Rückkehr als solcher identifiziert
würde und entsprechend gefährdet ist. Es ist aufgrund des Ausgeführten
nicht anzunehmen, dass er in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise in den
Fokus der heimatlichen Behörden geraten ist.
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5.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die exilpolitischen Aktivitäten
des Beschwerdeführers nicht geeignet sind, zu einer besonderen Expo-
niertheit zu führen und die Aufmerksamkeit der iranischen Behörden zu
wecken. Es ist somit nicht davon auszugehen, dass den Beschwerdefüh-
renden bei einer Rückkehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Ver-
folgung drohen würde, weshalb das Vorliegen von subjektiven Nachflucht-
gründen zu verneinen ist.
6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über
eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch
auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht
angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je
m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AlG
kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn
sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg,
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Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge-
fährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbe-
halt von Art. 83 Abs. 7 AlG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der
Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Aus-
länder weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Dritt-
staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AlG).
8.
8.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
in den Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Iran dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den
Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei-
nen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.2 Die allgemeine Lage im Iran zeichnet sich nicht durch eine Situation
allgemeiner Gewalt aus, obwohl die Staatsordnung als totalitär zu bezeich-
nen ist und die allgemeine Situation in verschiedener Hinsicht problema-
tisch sein kann (vgl. beispielsweise Urteile des Bundesverwaltungsgericht
D-1970/2019 vom 11. Dezember 2020 E. 7.3.1 und D-3687/2020 vom 25.
September 2020 E. 9.3.1). Selbst unter Berücksichtigung dieser Umstände
wird der Vollzug der Wegweisung in den Iran nach konstanter Praxis grund-
sätzlich als zumutbar erachtet.
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Auch in individueller Hinsicht erscheint eine Rückkehr der Beschwerdefüh-
renden in den Iran zumutbar. Der Beschwerdeführer verfügt sowohl über
eine gute schulische Ausbildung als auch über Arbeitserfahrung als (...)
(vgl. A5 8.02, A6 8.02, A5 1.17.04, A23 F9, F33). Die Eltern und Geschwis-
ter der Beschwerdeführenden leben immer noch im Iran und halten den
Kontakt zu ihnen aufrecht (vgl. A23 F18 – F20). Insgesamt ist davon aus-
zugehen, dass sie sich wieder im Iran integrieren und für ihren Lebensun-
terhalt werden aufkommen können. Die geltend gemachte Integration in
der Schweiz vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Die Be-
schwerdeführenden sind für (...) immer noch die wichtigsten Bezugsperso-
nen, weshalb nicht von einer Entwurzelung auszugehen ist. (...) ist es auf-
grund seines Alters möglich, sich wieder im Iran einzuleben.
Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten gesundheitlichen Beein-
trächtigungen ([...]) sind zwar nicht unerheblich, stehen aber dem Wegwei-
sungsvollzug insgesamt nicht entgegen. Gemäss Praxis des Bundesver-
waltungsgerichts kann nur dann aus medizinischen Gründen auf die Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden, wenn eine not-
wendige Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die
Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des
Gesundheitszustandes der betroffenen Person führen würde. Dabei wird
diejenige allgemeine und dringende medizinische Behandlung als relevant
erachtet, die zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz abso-
lut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls nicht bereits dann vor,
wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat nicht eine dem hohen schweizeri-
schen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl.
BVGE 2009/2 E. 9.3.2). Das Gesundheitssystem in Iran weist – auch in
Bezug auf die Behandlung von (...) Problemen – ein relativ hohes Niveau
auf (vgl. dazu beispielsweise Urteil des BVGer E-5337/2018 vom 25. Juli
2020 E. 8.5.3, m.w.H.), weshalb davon auszugehen ist, dass der Be-
schwerdeführer auch in Iran adäquat weiterbehandelt werden kann. Das in
der Beweismitteleingabe vom (...) zitierte Urteil D-143/2011 des Bundes-
verwaltungsgerichts, welches die Rückkehr in die Heimat aufgrund schwe-
ren psychischen Leidens als unzumutbar erachtete, ist mit dem vorliegen-
den Fall nicht vergleichbar. Zudem bestehen keine Anzeichen dafür, dass
dem Beschwerdeführer als Angehöriger der kurdischen Ethnie der Zugang
zu medizinischer Versorgung verwehrt würde. Der Vollzug der Wegwei-
sung erweist sich als zumutbar.
8.3 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
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Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Zufolge der
mit Zwischenverfügung vom 10. April 2018 und der aktualisierten Fürsor-
gebestätigung vom 2. Februar 2021 sind keine Verfahrenskosten aufzuer-
legen.
10.2 Dem vom Gericht bestellten unentgeltlichen Rechtsbeistand der Be-
schwerdeführenden ist eine Entschädigung zu Lasten des Gerichts auszu-
richten (Art. 65 Abs. 5 VwVG und Art. 12 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 8 ff VGKE). Der Rechtsvertreter
reichte am 3. Februar 2021 eine Kostennote ein, in welcher ein Aufwand
von 19.35 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 300.– geltend ge-
macht wird, zuzüglich Auslagen in der Höhe von Fr. 137.70 und Mehrwert-
steuer. Der Stundensatz wird gemäss At. 12 i.V.m. Art. 10 VGKE auf
Fr. 220.− gekürzt. Das amtliche Honorar ist somit auf Fr. 4'733.− (inkl. Aus-
lagen und MWSt.) festzusetzen.
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