Decision ID: b11ad35d-adcd-51ba-92e7-163def73a86b
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
T._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Hermann Lei, Thomas-Bornhauser-Strasse 33,
8570 Weinfelden,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Urs Glaus, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Am 6. Dezember 2006 meldete die Arbeitslosenkasse des Kantons St. Gallen der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva), dass T._ am 23. März 2005 einen
Unfall erlitten habe, indem er beim Verlassen eines Lastwagens auf dem nassen
Trittbrett ausgerutscht sei. Nach diesem Vorfall seien Schmerzen im Hüftbereich
aufgetreten (Suva-act. 1). Dr. med. A._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin,
diagnostizierte im Arztzeugnis vom 8. Januar 2007 gestützt auf eine am 16. November
2006 in der Klinik Stephanshorn, St. Gallen, durchgeführte MRI-Untersuchung (Suva-
act. 3) sowie das Untersuchungsergebnis von Dr. B._, Leitender Arzt in der Klinik für
Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen, vom 8./12. Dezember 2006
(Suva-act. 4) ein femoro-acetabuläres Impingement der rechten Hüfte mit Labrumläsion
und Os acetabuli und bejahte das ausschliessliche Vorliegen von Unfallfolgen (Suva-
act. 2). Die Suva erbrachte für den Unfall vom 23. März 2005 die gesetzlichen
Leistungen.
A.b Am 23. Januar 2007 befragte die Suva den Versicherten zum Unfall vom 23. März
2005 und zum Heilverlauf (Suva-act. 10). Mit Schreiben vom 26. Januar 2007 ersuchte
sie Dr. A._ um einen ausführlichen Bericht zur Anamnese des Versicherten seit dem
Unfall vom 23. März 2005 (Suva-act. 12), den dieser am 5. Februar 2007 einreichte
(Suva-act. 15). Am 16. Februar 2007 berichtete Dr. B._ über eine gleichentags
durchgeführte Verlaufskontrolle, nachdem beim Versicherten am 5. Januar 2007 eine
Infiltration des rechten Hüftgelenks durchgeführt worden war (Suva-act. 18).
A.c Nach Einholung einer kreisärztlichen Beurteilung von Dr. C._, Facharzt FMH für
Chirurgie, speziell Allgemein- und Unfallchirurgie (Suva-act. 21), eröffnete die Suva
dem Versicherten mit Verfügung vom 30. März 2007, dass die heute bestehenden
Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, sondern ausschliesslich krankhafter Natur
seien. Der Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall mit Wahrscheinlichkeit eingestellt hätte
(Status quo sine), sei am 31. Dezember 2005 erreicht gewesen. Die
Versicherungsleistungen würden daher per 31. Dezember 2005 eingestellt. Ab 1.
Januar 2006 sei die Krankenversicherung für eine allfällige Arbeitsunfähigkeit sowie für
medizinische Behandlungen zuständig (Suva-act. 27).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Eingabe vom 18. April 2007
vorsorglich Einsprache (Suva-act. 32). Die Einsprachebegründung wurde am 30. Mai
2007 durch die Protekta Rechtsschutz-Versicherung AG, Bern, mit dem Antrag
eingereicht, es seien dem Versicherten Leistungen aus der Unfallversicherung zu
gewähren sowie weitere Abklärungen zu treffen. Es wurde schliesslich darum gebeten,
mit dem Erlass des Einspracheentscheids zuzuwarten, bis die geplante Untersuchung
des Versicherten in der Orthopädie am Rosenberg, St. Gallen, erfolgt sei (Suva-act. 37).
Am 20. Juni 2007 untersuchte Dr. med. D._, Orthopädie am Rosenberg, den
Versicherten und erstellte daraufhin am 21. Juni 2007 einen Untersuchungsbericht mit
ärztlicher Beurteilung (Suva-act. 43).
B.b Am 1. Februar 2008 verfasste Dr. med. D._, Facharzt FMH für Orthopädische
Chirurgie, Abteilung Versicherungsmedizin der Suva, eine ärztliche Beurteilung zur
Frage, ob beim Versicherten eine unfallbedingte strukturelle Läsion vorliege, ob die
Limbusläsion mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom
23. März 2005 zurückzuführen sei, ob allenfalls ein krankhafter Vorzustand
vorübergehend oder richtunggebend verschlimmert worden sei und ob es im Fall einer
nur vorübergehenden Verschlimmerung zutreffe, dass der fragliche Unfall keine
ursächliche Rolle mehr für die Beschwerden gespielt habe (Suva-act. 60).
B.c Mit Einspracheentscheid vom 8. Februar 2008 wies die Suva die Einsprache des
Versicherten ab (Suva-act. 61).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte am 12. März 2008 durch
den damaligen Rechtsvertreter Rechtsanwalt lic. iur. R. Hochreutener, St. Gallen, mit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einer kurz begründeten Eingabe Beschwerde erheben und beantragen, der
Einspracheentscheid vom 8. Februar 2008 sei aufzuheben und es seien ihm die
Leistungen gemäss Unfallversicherungsgesetz auszurichten. Eventualiter sei der
Einspracheentscheid vom 8. Februar 2008 aufzuheben und die Angelegenheit zur
Durchführung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Am
16. April 2008 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine ergänzende
Begründung zusammen mit einer weiteren Stellungnahme von Dr. D._ vom 4. April
2008 (act. G 4.2) ein.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 16. Juni 2008 beantragte die Suva Abweisung der
Beschwerde.
C.c Mit Replik vom 8. Juli 2008 hielt der damalige Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers unverändert an seinem Antrag fest. Die Beschwerdegegnerin hat
auf die Einreichung einer Duplik verzichtet.
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen
in den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Vorliegend ist streitig, ob die beim Beschwerdeführer über den 31. Dezember 2005
(Datum der Leistungseinstellung) hinaus bestehenden Beschwerden im Bereich der
rechten Hüfte noch auf das Unfallereignis vom 23. März 2005 zurückgeführt werden
können. - In formeller Hinsicht rügt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs, da dem Beschwerdeführer die ärztliche Beurteilung
von Dr. D._ vom 1. Februar 2008 (Suva-act. 60) erst mit der Zustellung des
Einspracheentscheids vom 8. Februar 2008 zur Kenntnis gebracht worden sei, obwohl
sich die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid ausschliesslich
auf den Aktenbericht stütze. Hiezu ist zu bemerken, dass es sich bei diesem Bericht
um eine interne Stellungnahme zur Beurteilung der Einsprache aus medizinischer Sicht
handelt. Solche internen Stellungnahmen brauchen der Gegenpartei dem Grundsatz
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nach nicht notwendigerweise vorab zur Kenntnisnahme zugestellt zu werden. Ob im
vorliegenden Fall Anlass bestanden hätte, anders zu verfahren, kann jedoch offen
bleiben, denn eine allfällige Gehörsverletzung wäre, nachdem das Gericht im
vorliegenden Beschwerdeverfahren mit voller Kognition ausgestattet ist und sich der
Beschwerdeführer in dessen Rahmen eingehend zur ärztlichen Beurteilung von
Dr. D._ äussern konnte, ohnehin als geheilt zu betrachten. Ausserdem hat der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers nicht die Rückweisung der Streitsache an die
Vorinstanz zur seines Erachtens formgerechten Durchführung des Beweisverfahrens,
sondern einen Entscheid in der Sache verlangt. Im Folgenden ist damit der materielle
Standpunkt zu prüfen.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid die
Bestimmungen über die Leistungspflicht des Unfallversicherers nach Art. 6 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) zutreffend dar. Gleiches
gilt in Bezug auf die Ausführungen über die gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG geltenden
Voraussetzungen des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen
dem Unfallereignis und dem Gesundheitsschaden (BGE 129 V 181 f. E. 3 mit
Hinweisen). Darauf ist zu verweisen. Ist die Unfallkausalität einmal mit der
erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte
Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche
oder adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also letzterer nur
noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn
entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall
bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328
E. 3b mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Da es sich bei Letzterem um eine
leistungsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast - anders als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang
gegeben ist - jedoch nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer
(RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 Erw. 2 mit Hinweisen).
2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, das heisst ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei
einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es
auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich
Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE 125 V 352 E.
3a). Insofern darf das Gericht in seiner Beweiswürdigung auch Gutachten folgen,
welche der Unfallversicherer im Administrativverfahren einholt, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb,ee;
RKUV 2000 Nr. U 377 S. 186 E. 4a). Auch ärztliche Beurteilungen aufgrund der Akten,
wie sie vorliegend von Dr. C._ und Dr. D._ am 20. März 2007 bzw. 1. Februar 2008
(Suva-act. 21, 60) erstellt wurden, sind nicht an sich unzuverlässig. Für die
Beweistauglichkeit entscheidend ist, dass genügend Unterlagen von persönlichen
Untersuchungen vorliegen (RKUV 1988 Nr. U 56 S. 371).
3.
3.1 Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Im Rahmen der in der Klinik Stephanshorn am 16. November 2006
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
durchgeführten MRI-Untersuchung des rechten Hüftgelenks zeigten sich Zeichen eines
femoro-acetabulären Impingements mit/bei Konturabflachung bzw. aufgehobener
Taillierung am Übergang Femurkopf/Schenkelhals und kleinflächiger 7 mm messender
ödemartiger Knochenmarksreaktion subchondral/subcortial ventral am lateralen
Femurkopfrand (DD initiale Synovilaherniation Pit), leichte Degenerationen latero-
supero-ventral am Acetabulumrand mit assoziiertem Os acetabuli und degenerativer
Läsion am Limbus acetabulare (Suva-act. 3). Bei der für das femoro-acetabuläre
Impingement verantwortlichen aufgehobenen Taillierung am Übergang Femurkopf/
Schenkelhals (Suva-act. 3, 21; Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische
Chirurgie, 4. Aufl., Bern 2002, S. 953, 974 f.) - von Dr. D._ als Offset-Störung
bezeichnet (Suva-act. 43) - sowie der Läsion des Acetabulumrandes inklusive Labrum
(Limbus acetabulare) (Suva-act. 4) - offensichtlich einem Limbusriss (Suva-act. 43, 60) -
handelt es sich eindeutig um organische Substrate. Der ärztlichen Beurteilung von Dr.
D._ vom 1. Februar 2008 (Suva-act. 60), der Stellungnahme von Dr. D._ vom 4.
April 2008 (act. G 4.2/5) sowie der medizinischen Literatur (Alfred M. Debrunner, a.a.O.,
S. 953 f., www.schulthess-klinik.ch: Hüftoperation - Offset-Störung des
Schenkelhalses, Abfrage vom 6. Januar 2009) ist zu entnehmen, dass eine Offset-
Störung sowie eine Limbusläsion mit beginnenden degenerativen Veränderungen
grundsätzlich in sich eine Kausalkette bilden kann. Bei der am Anfang stehenden
Offset-Störung handelt es sich nach einhelligen medizinischen Akten (Suva-act. 21, 43,
60) um ein krankheitsbedingtes Leiden infolge einer pathoanatomischen
Fehlkonfiguration des Hüftgelenks, einer ungünstigen anatomischen Konstellation bzw.
einer morphologischen anatomischen Variante (vgl. dazu auch www.schulthess-
klinik.ch, a.a.O.). In Bezug auf die Offset-Störung ist mithin von einem
krankheitsbedingten Vorzustand auszugehen. Bei Limbusläsionen handelt es sich oft
um Befunde, die im Rahmen eines Degenerationsprozesses infolge einer Offset-
Störung erhoben werden. Es kann sich jedoch auch um traumatisch bedingte
Veränderungen handeln (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, a.a.O., S. 974). Degenerative
Spätfolgen einer solchen wären damit ebenfalls als traumatisch bedingt zu bezeichnen.
Hinsichtlich der Aetiologie der Limbusläsion des Beschwerdeführers finden sich in den
Akten gegenteilige Beurteilungen, die es nachfolgend zu würdigen gilt.
3.2 Eine unabhängig vom krankheitsbedingten Vorzustand auf den Unfall
zurückzuführende Limbusläsion fällt vorliegend angesichts der Erwägungen in Ziff. 3.1 -
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kausalkette im Zusammenhang mit einer Offset-Störung als medizinische
Erfahrungstatsache - überwiegend wahrscheinlich ausser Betracht und wird auch von
Dr. D._ nicht in Erwägung gezogen. Dr. D._ hält in seiner Stellungnahme vom 4.
April 2008 (act. G 4.2/5) fest, dass die Beschwerden im Bereich der rechten Hüfte nur
als Teilursache auf den Unfall zurückzuführen seien. Der Beschwerdeführer habe eine
Pathologie im Bereich des Übergangs Hüftkopf/Schenkelhals, die nicht auf den Unfall
zurückzuführen sei. Neben der Limbusläsion sind sodann in den medizinischen Akten
keine weiteren strukturellen Läsionen vermerkt, die als alleinige, vom vorliegenden
Vorzustand unabhängige unfallbedingte Gesundheitsschäden in Frage kämen. Insofern
steht nachfolgend für die über den 31. Dezember 2005 hinaus bestehenden
Hüftprobleme einzig ein teilweiser ursächlicher Einfluss des Unfalls vom 23. März 2005
zur Diskussion. Der unfallfremde Vorzustand kann durch den Unfall eine
vorübergehende oder eine definitive, d.h. dauernde oder richtunggebende,
Verschlimmerung erfahren. Unabhängig davon, von welcher Form der
Verschlimmerung im vorliegenden Fall letztlich auszugehen ist, stellt sich vorerst die
Frage, ob überhaupt mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
davon ausgegangen werden kann, dass der Beschwerdeführer im Rahmen des
Unfallereignisses vom 23. März 2005 einen Limbusriss erlitten hat oder ob die fragliche
Läsion überwiegend wahrscheinlich im Rahmen des stetigen Degenerationsprozesses
eingetreten ist.
3.3 Eine entscheidende Beurteilungskomponente für die Beantwortung dieser Frage
bildet offensichtlich der Unfallmechanismus. Laut Dr. C._ kann das femoro-
acetabuläre Impingement bei der klinischen Untersuchung durch Anschlagen des
wenig taillierten Schenkelhalses im Acetabulum mit Flexion und Innendrehung des
Beins ausgelöst werden (Suva-act. 21). Dementsprechend führt Dr. D._ in seiner
ärztlichen Beurteilung vom 1. Februar 2008 aus, dass es für eine traumatische
Labrumläsion einen Bewegungsmechanismus im rechten Hüftgelenk im Sinn einer
massiven Hyperflexion und Innenrotation brauche, damit die Abflachung des Kopf/
Hals-Übergangs am coxialen Femurende durch den starken Anschlag dort eine
ventrolaterale Rissbildung verursachen könne, denn die abgeflachte bzw. aufgehobene
Taillierung am Übergang Femurkopf/Schenkelhals finde sich immer anterolateral, so
auch in diesem Fall (Suva-act. 60). Dass die traumatische Verursachung einer
Limbusläsion als Unfallgeschehen bzw. Bewegungsmechanismus eine Hyperflexion
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und Innenrotation des Beins voraussetzt, wird offensichtlich auch von Dr. D._ nicht in
Frage gestellt (vgl. Suva-act. 43, act. G 4.2).
3.4 Gemäss Bericht sowie Stellungnahme von Dr. D._ vom 21. Juni 2007 bzw.
4. April 2008 vermag ein Sturz auf die Hüfte den fraglichen Bewegungsmechanismus
auszulösen. Er hält fest, der Beschwerdeführer habe im Jahr 2005 einen Sturz,
wahrscheinlich ein Hyperflexionstrauma im Bereich des rechten Hüftgelenks, erlitten.
Aufgrund des Sturzes sei es wahrscheinlich zu einem Anpralltrauma der Ossifikation
am Limbus acetabulare und damit zu einem Riss gekommen (Suva-act. 43, act. G 4.2).
Nicht erzeugt werden kann der Bewegungsmechanismus - wie Dr. D._ festhält -
hingegen durch ein axiales Stauchungstrauma. Ein solches sei als Ursache für eine
Limbusläsion auszuschliessen (Suva-act. 60). - Laut Unfallmeldung vom 6. Dezember
2006 ist der Beschwerdeführer am 23. März 2005 auf dem nassen Trittbrett eines
Lastwagens ausgerutscht und hatte danach Schmerzen im rechten Hüftbereich (Suva-
act. 1). Gemäss telefonischer Auskunft der Ehefrau des Beschwerdeführers gegenüber
der Beschwerdegegnerin vom 4. Januar 2007 rutschte der Beschwerdeführer auf dem
Trittbrett eines Lastwagens aus, wobei es ihm einen "Fitz" gegeben habe. Sie
bestätigte ausdrücklich, dass er nicht auf die Hüfte gestürzt sei. Der Beschwerdeführer
gab gegenüber der Beschwerdegegnerin am 23. Januar 2007 zu Protokoll, er sei
ausgerutscht, habe sich - um die ca. 1.20 Meter vom Trittbrett nicht hinunter zu fallen -
aufgefangen, dabei eine Drehbewegung gemacht und sei mit dem Rücken zur Kabine
auf dem Boden gelandet. Beim Aufprall habe es ihm einen Fitz in der rechten Hüfte
gegeben (Suva-act. 10). Am 26. März 2007 präzisierte er, dass er sich nicht
aufgefangen, sondern durch den Ausrutscher von der ca. 1.20 Meter hohen Kabine
abgestossen und gedreht habe und danach mit dem Rücken zur Kabine auf dem
Boden gelandet sei (Suva-act. 24). Ob er mit beiden Beinen auf dem Boden aufgeprallt
sei, könne er nicht mehr sagen (Suva-act. 10). - Angesichts der dargelegten
Unfallschilderungen muss mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer anlässlich des Ereignisses
vom 23. März 2005 keinen Sturz erlitten hat, der einen traumatisch bedingten
Limbusriss wahrscheinlich erscheinen lassen würde. Bei einem Ablauf mit
Hyperflexionstrauma hätte sein Körper zwangsläufig an Stabilität verloren und ein Sturz
wäre die natürliche Folge gewesen. Auch lässt die Aussage des Beschwerdeführers, er
könne nicht mehr sagen, ob er mit beiden Beinen auf dem Boden aufgeprallt sei, die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Annahme eines Sturzes nicht zu. Als wahrscheinlicher Bewegungsmechanismus steht
demnach ein axiales Stauchungstrauma im Bereich der rechten Hüfte im Vordergrund,
wofür laut Dr. D._ auch der vom Beschwerdeführer angegebene Fitz spricht. Bei
seiner Bejahung eines unfallkausalen Limbusrisses stellte Dr. D._ demgegenüber
ausdrücklich auf die Anamnese mit einem Sturz ab (vgl. Suva-act. 43, act. G 4.2), was
seine Beurteilung für die vorliegende Streitigkeit unbrauchbar macht. Seine
Feststellung, der Beschwerdeführer habe seit dem Unfall vom 23. März 2005
rezidivierende Beschwerden im Bereich des rechten Hüftgelenks, nachdem er vorher
absolut beschwerdefrei gewesen sei, vermag ebenfalls keinen
Wahrscheinlichkeitsbeweis für eine traumatisch bedingte Limbusläsion zu liefern. Der
zeitliche Aspekt bildet für sich allein nach konstanter bundesgerichtlicher
Rechtsprechung keinen Beweis für eine Unfallkausalität bzw. besitzt keine
wissenschaftlich genügende Erklärungskraft. Andernfalls würde man sich mit dem
blossen Anschein des Beweises bzw. mit der blossen Möglichkeit begnügen und
davon ausgehen, dass eine gesundheitliche Schädigung schon dann durch den Unfall
verursacht sei, wenn sie nach diesem auftrat (A. Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 460 N 1205; BGE 119 V 340 E. 2b/bb).
3.5 Angesichts der obigen Erwägungen kommt damit - wie von Dr. D._ in seiner
ärztlichen Beurteilung festgestellt - höchstens noch eine durch den fraglichen Unfall
verursachte vorübergehende Verschlimmerung des degenerativen Vorzustands des
Beschwerdeführers in Frage. Es ist eine medizinische Erfahrungstatsache, dass
harmlose Traumen mit fehlenden strukturellen Schädigungen der Gelenke und
Knochen, wie beispielsweise Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen auch bei
degenerativen Vorzuständen normalerweise innert kurzer Zeit abheilen. Dr. D._
veranschlagt hierbei eine Zeitdauer von höchstens zwei Monaten. Die
Beschwerdegegnerin stellte ihre Leistungen per 31. Dezember 2005, d.h. rund neun
Monate, nach dem fraglichen Unfall ein. Selbst wenn die von Dr. D._ angeführte
Zeitdauer als zu gering eingestuft würde, darf mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Status quo sine bzw. ante
jedenfalls im Zeitpunkt der Leistungseinstellung erreicht war, womit die
Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu Recht per 31. Dezember 2005 eingestellt hat.
4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 8. Februar 2008 abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht