Decision ID: 2b9a9c20-064f-42fb-9339-893fa4ca49c6
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Erbteilung
Berufung gegen ein Teilurteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom 13. April 2010 (CP070002)
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Rechtsbegehren:
"1. Es seien die Aktiven und Passiven im Nachlass der D._, verstor-
ben ...1988, festzustellen.
2. Eventualiter seien ausgleichungspflichtige lebzeitige Zuwendungen an
die Parteien sowie Bezüge der Parteien nach dem Ableben der Erblas-
serin festzustellen und zu den Nachlässen hinzuzurechnen.
3. Es sei festzustellen, dass den Prozessparteien je eine Erbquote von
1/3 zusteht.
4. Es seien den drei Erben nach Berücksichtigung allfälliger ausglei-
chungspflichtiger Vorbezüge und bereits erhaltener Zahlungen aus den
Nachlässen die noch verbleibenden Restbetreffnisse zuzuweisen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten."
Teilurteil des Bezirksgerichtes Horgen vom 13. April 2010:
1. Es wird festgestellt, dass den Prozessparteien eine Erbquote von je einem
Drittel zukommt.
2. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen werden im Endentscheid festgesetzt.
3. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, je gegen Empfangsschein.
4. Eine Berufung gegen dieses Teilurteil kann innert 10 Tagen von der Zustel-
lung an schriftlich und im Doppel beim Bezirksgericht Horgen, Burghal-
denstrasse 3, 8810 Horgen, erklärt werden.
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Berufungsanträge:
der Beklagten 2 und Appellantin (Urk. 93):
"1. Dispositiv-Ziff. 1 des Teilurteils des Bezirksgerichtes Horgen vom 13. Ap-
ril 2010 (Geschäfts-Nr. CP070002) sei aufzuheben und die Appellatin sei als
erbunwürdig zu erklären.
2. Eventualiter sei das vorgenannte Teilurteil des Bezirksgerichtes Horgen auf-
zuheben und der Prozess zur Durchführung eines Beweisverfahrens betr.
der Frage der Erbunwürdigkeit der Appelatin bzw. zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MwSt.) zulasten der
Appellatin resp. des Appellaten."
der Klägerin und Appellatin (Urk. 96):
"Die Berufung sei abzuweisen, und das vorinstanzliche Teilurteil vom 13. April 2010 sei vollumfänglich zu bestätigen, alles unter Kosten- und  (zuzüglich MWSt) zulasten der Appellantin."

Erwägungen:
1. Einleitung und Prozessgeschichte
1. Am ... 1984 verstarb E._, geb. .... Am ... 1988 verstarb auch dessen
Ehefrau D._, geb. .... Gesetzliche Erben der verstorbenen Ehegatten
E._ und D._ sind die drei Kinder B._, geb. ... (Klägerin und
Appellatin: nachfolgend Klägerin), C._, geb. ... (Beklagter 1 und Appel-
lat: nachfolgend Beklagter 1) und A._, geb. ... (Beklagte 2 und Appella-
tin: nachfolgend Beklagte 2).
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2. In Bezug auf den Nachlass ihrer Eltern führen die Parteien eine erbrechtli-
che Auseinandersetzung vor Bezirksgericht Horgen. Im Verfahren
CP070001 beantragt die Beklagte 2 (A._) unter anderem die Feststel-
lung und Teilung des Nachlasses ihres Vaters E._ (Urk. 7 S. 2 und 4).
Im Verfahren CP070002 beantragte die Klägerin (B._) unter anderem
die Feststellung und Teilung der Nachlässe ihres Vaters E._ sowie ihrer
Mutter D._ (Urk. 7 S. 2 f. und 4).
3. Mit Zirkularbeschluss vom 18. Februar 2008 trat das Bezirksgericht Horgen
im Prozess CP070002 auf die Klage der Klägerin zufolge Rechtshängigkeit
einer identischen Klage im Prozess CP070001 nicht ein, soweit sich die Kla-
ge auf den Nachlass von E._, geboren ... und verstorben am ...1984,
bezog (Urk. 7 S. 7). Gleichzeitig wurde die Klageschrift zur Verbesserung
zurückgewiesen (Urk. 7 S. 8).
4. Am 7. April 2008 reichte die Klägerin die verbesserte Klageschrift mit den
obgenannten Anträgen ein (Urk. 11). Am 19. Mai 2008 ging die Klageant-
wortschrift der Beklagten 2 ein; gleichzeitig erhob die Beklagte 2 Widerklage
(Urk. 15). Im Rahmen ihrer Klageantwort/Widerklagebegründung behauptete
die Beklagte 2 unter anderem die Erbunwürdigkeit der Klägerin (Urk. 15 S. 4
und 6) und stellte sinngemäss verschiedene prozessuale Anträge (Urk. 15
S. 16). Der Beklagte 1 reichte keine Klageantwort ein.
5. Mit Beschluss vom 18. November 2008 entschied das Bezirksgericht Horgen
unter anderem, das weitere Verfahren einstweilen auf die Frage der Erbun-
würdigkeit der Klägerin sowie auf die Frage der Aktivlegitimation der Beklag-
ten 2 hinsichtlich der Widerklage zu beschränken (Urk. 23). Für das weitere
Verfahren vor Bezirksgericht Horgen ist auf das angefochtene Urteil zu ver-
weisen (Urk. 75 S. 4-6 E. 1.5 bis 1.10).
6. Zur Frage der Erbunwürdigkeit der Klägerin im Nachlass von D._ fällte
das Bezirksgericht Horgen am 13. April 2010 das obgenannte Teilurteil.
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7. Am 12. Mai 2010 erklärte die Beklagte 2 Berufung gegen das Teilurteil des
Bezirksgerichts Horgen vom 13. April 2010 (Urk. 76). Mit Verfügung vom
18. Juni 2010 wurden die Parteien im Hinblick auf eine allfällige Kautionie-
rung der Beklagten 2 aufgefordert, sich zum Streitwert zu äussern (Urk. 82).
Die Klägerin bezifferte den Streitwert auf rund Fr. 300'000.00 (Urk. 84) und
die Beklagte 2 auf Fr. 571'078.15 (Urk. 88); der Beklagte 1 äusserte sich
nicht zum Streitwert. Nachdem seitens der Beklagten 2 die noch offenen Ge-
richtskosten zwischenzeitlich bezahlt worden waren (Urk. 88) und auf eine
Kautionierung verzichtet werden konnte, erstattete die Beklagte 2 am
8. Oktober 2010 die Berufungsbegründung mit den obgenannten Anträgen
(Urk. 93). Mit Berufungsantwort vom 10. November 2010 stellte die Klägerin
die obgenannten Anträge (Urk. 96); der Beklagte 1 liess sich erneut nicht
vernehmen. In der Replik vom 14. Februar 2011 (Urk. 99) und der Duplik der
Klägerin vom 9. März 2011 (Urk. 102) hielten die Parteien an ihren bisheri-
gen Anträgen fest; der Beklagte 1 beteiligte sich auch am zweiten Schriften-
wechsel nicht.
8. Bereits mit Beschluss vom 25. Januar 2011 ordnete die Vormundschaftsbe-
hörde der Gemeinde F._ für den Beklagten 1 eine Vormundschaft nach
Art. 369 ZGB an, nachdem ein psychiatrisches Gutachten ergeben hatte,
dass der Beklagte 1 wegen eines demenziellen Syndroms nicht mehr urteils-
und handlungsfähig sei (Urk. 105). In der Folge ersuchte die Amtsvormundin
das Bezirksgericht Horgen, dem Beklagten 1 gestützt auf § 28 Abs. 2
ZPO/ZH einen Prozessbeistand für das nach wie vor beim Bezirksgericht
Horgen hängigen Verfahren CP070001 zu bestellen, weil es noch geraume
Zeit dauern werde, bis sich die Vormundin mit dem vorliegenden Prozess
beschäftigen und die Zustimmung zur Prozessführung gemäss Art. 395
Ziff. 1 ZGB einholen könne. Mit Beschluss vom 24. März 2011 bestellte das
Bezirksgericht Horgen dem Beklagten 1 einen Prozessbeistand im Sinn von
§ 28 Abs. 2 ZPO/ZH und ernannte Rechtsanwalt lic. iur. Z._ als dessen
Rechtsvertreter (Urk. 104).
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9. In Bezug auf das vorliegende Berufungsverfahren wurde die Amtsvormundin
mit Verfügung vom 7. Juni 2011 ersucht mitzuteilen, ob die bisherige Pro-
zessführung des - zuletzt offenbar nicht mehr urteils- und handlungsfähigen
- Beklagten 1 genehmigt würden und ob Rechtsanwalt lic. iur. Z._ auch
für das vorliegende Verfahren als Rechtsvertreter zu bestellen sei
(Urk. 107). Mit Schreiben vom 10. Juni 2011 teilte die Amtsvormundin mit,
dass sie für den Beklagten 2 (recte: Beklagten 1) die bisherige Prozessfüh-
rung genehmige und Rechtsanwalt lic. iur. Z._ auch im vorliegenden
Berufungsverfahren als Rechtsvertreter des Beklagten 2 (recte: Beklagter 1)
aufzuführen sei.
2. Prozessuale Vorbemerkung
Am 1. Januar 2011 ist die eidgenössische Zivilprozessordnung in Kraft ge-
treten. Für Rechtsmittelverfahren, die vor diesem Zeitpunkt eingeleitet wur-
den, ist das bisherige Recht weiterhin anwendbar (Art. 404 ZPO). Das Beru-
fungsverfahren untersteht daher den Verfahrensvorschriften der bisherigen
kantonalzürcherischen Zivilprozessordnung.
3. Frage der Erbunwürdigkeit der Klägerin
1. Mit öffentlich beurkundeter letztwilliger Verfügung vom 14. November 1983
setzte D._, geb. ..., den Beklagten 1 und die Beklagte 2 auf den Pflicht-
teil und wies der Klägerin nebst ihrem gesetzlichen Anteil die gesamte frei
verfügbare Quote zu. Hintergrund dieser Begünstigung war eine angebliche
Erkrankung der Klägerin an Multipler Sklerose. Da die Klägerin aufgrund ih-
rer - angeblichen - Krankheit mit höheren Kosten (Krankheits-, Invaliditäts-
und Lebensunterhaltskosten bei Arbeitsunfähigkeit) zu rechnen habe, sah
das öffentliche Testament die erwähnte Besserstellung der Klägerin vor. Im
Zeitpunkt der Errichtung der öffentlichen letztwilligen Verfügung am
14. November 1983 war die Erblasserin jedoch unbestritten nicht (mehr) ur-
teils- bzw. testierfähig. Mit Teilurteil des Obergerichtes vom 25. Oktober
1995 wurde das betreffende Testament in einem früheren Verfahren rechts-
kräftig für ungültig erklärt (Urk. 75 S. 8 E. 4.3 und S. 11 E. 5.4).
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2. Im vorliegenden Verfahren wirft die Beklagte 2 der Klägerin in erster Linie vor, sie habe die Erblasserin mit Arglist dazu gebracht, eine frühere letztwil-
lige Verfügung zu widerrufen und an deren Stelle die öffentliche letztwillige
Verfügung vom 14. November 1983 zu errichten. Die Arglist sieht die Be-
klagte 2 darin, dass die Klägerin gegenüber der Erblasserin (sowie dem be-
urkundenden Notar) mit Nachdruck und wider besseres Wissen geltend ge-
macht habe, dass sie an der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose leide,
weshalb man testamentarisch etwas für sie vorkehren müsse. Daraus
schliesst die Beklagte 2, dass die Klägerin zufolge Erbunwürdigkeit im Sinn
von Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB vom Nachlass auszuschliessen sei (insbes.
Urk. 15 S. 6).
Die Klägerin bestreitet, eine Erkrankung an Multipler Sklerose vorgetäuscht zu haben. Vielmehr hätten die Eltern der Parteien bereits seit August 1962
Kenntnis von ihrer Erkrankung. Ein gewisser G._ habe den Eltern der
Parteien deshalb empfohlen, die Klägerin wegen ihrer Krankheit testamenta-
risch zu bevorzugen. Im Übrigen sei bereits in einem früheren Verfahren vor
dem Bezirksgericht Zürich ein ausgedehntes Beweisverfahren über die Fra-
ge durchgeführt worden, ob die Klägerin an Multiple Sklerose leide oder
nicht (Urk. 30 S. 5 ff.).
3. Die Vorinstanz führte im angefochtenen Urteil im Wesentlichen aus, von der Beklagten 2 werde nur der Erbunwürdigkeitsgrund gemäss Art. 540 Abs. 1
Ziff. 3 ZGB angerufen. Gemäss dieser Bestimmung sei derjenige Erbe erb-
unwürdig, der den Erblasser durch Arglist, Zwang oder Drohung dazu ge-
bracht oder daran verhindert habe, eine Verfügung von Todes wegen zu er-
richten oder zu widerrufen. Schutzobjekt dieser Bestimmung sei die Fähig-
keit und Freiheit des Erblassers, seinen Willen unverfälscht in den Formen
der Verfügungen von Todes wegen zum Ausdruck zu bringen (Urk. 75 S. 9 f.
E. 5.3). Da die Erblasserin unbestritten verfügungsunfähig gewesen und die
öffentliche letztwillige Verfügung vom 14. November 1983 daher für ungültig
erklärt worden sei, sei der von der Klägerin - gemäss den Behauptungen der
Beklagten 2 - mutmasslich avisierte Erfolg nicht eingetreten. Nach dem kla-
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ren Gesetzeswortlaut von Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB sei nämlich erforder-
lich, dass ein Erbe durch ein erbunwürdiges Verhalten den Erblasser dazu
gebracht habe, eine Verfügung von Todes wegen zu errichten, wobei klar-
erweise eine wirksame Verfügung von Todes wegen vorausgesetzt werde.
Da die Erblasserin im Zeitpunkt der Errichtung der letztwilligen Verfügung
aber nicht verfügungsfähig gewesen sei - und damit auch keinen Willen in
den Formen einer Verfügung von Todes wegen habe zum Ausdruck bringen
können -, sei es der Klägerin auch nicht möglich gewesen, diesen Willen der
Erblasserin zu beeinflussen und sie zur Errichtung einer gültigen letztwilligen
Verfügung zu veranlassen. Unabhängig davon, was die Beklagte 2 allenfalls
in einem Beweisverfahren nachweisen könne, könne das Verhalten der Klä-
gerin jedenfalls nicht zu einer Erbunwürdigkeit im Nachlass ihrer Mutter füh-
ren (Urk. 75 S. 11 f. E. 5.4).
4. Im vorliegenden Fall ist die Auslegung von Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB um-
stritten. Diese Bestimmung sieht die Erbunwürdigkeit desjenigen Erben vor,
der den Erblasser durch Arglist, Zwang oder Drohung dazu gebracht oder
daran verhindert hat, eine Verfügung von Todes wegen zu errichten oder zu
widerrufen.
a) Der Sinn von Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB ist durch Auslegung zu ermit-
teln. Das Gesetz muss in erster Linie aus sich selbst heraus, das heisst
nach Wortlaut, Sinn und Zweck und den ihm zugrunde liegenden Wer-
tungen auf der Basis einer teleologischen Verständnismethode ausge-
legt werden. Die Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten zu
lassen, dass nicht schon der Wortlaut die Norm darstellt, sondern erst
das an Sachverhalten verstandene und konkretisierte Gesetz. Gefor-
dert ist die sachlich richtige Entscheidung im normativen Gefüge, aus-
gerichtet auf ein befriedigendes Ergebnis der ratio legis. Dabei befolgt
die Rechtsprechung einen pragmatischen Methodenpluralismus und
lehnt es namentlich ab, die einzelnen Auslegungselemente einer hie-
rarchischen Prioritätsordnung zu unterstellen (BGE 134 IV 297 E. 4.3.1
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S. 302, 133 III 273 E. 3.2 S. 277, 131 III 33 E. 2 S. 35, 128 I 34 E. 3b
S. 40 f., je mit Hinweisen).
b) Die Vorinstanz interpretiert Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB so, dass gegen-
über einem nicht verfügungsfähigen Erblasser ein erbunwürdiges Ver-
halten von Vorneherein ausgeschlossen sei. Ein Erblasser, der keinen
gültigen Willen mehr bilden könne, könne nicht dazu gebracht, eine
wirksame Verfügung zu errichten, bzw. daran gehindert werden, eine
bestehende Verfügung wirksam zu widerrufen.
− Dazu ist zunächst festzuhalten, dass dem Gesetzestext nicht entnom-
men werden kann, dass der hier interessierende Erbunwürdigkeits-
grund nur im Fall einer wirksamen Verfügung von Todes verwirklicht
sein kann (grammatikalische Auslegung). Wenn der Wortlaut des Ge-
setzes festhält, dass eine Erbunwürdigkeit vorliegt, wenn der "Erblas-
ser durch Arglist, Zwang oder Drohung dazu gebracht oder daran ver-
hindert wird, eine Verfügung von Todes wegen zu errichten oder zu wi-
derrufen", dann ist der Tatbestand aufgrund des Gesetzestextes auch
dann erfüllt, wenn die Verfügung ungültig sein sollte, weil sie beispiels-
weise nicht der gesetzlichen Form entspricht (Art. 505 in Verbindung
mit Art. 520 ZGB); das Gleiche muss nach dem Gesetzeswortlaut auch
gelten, wenn die durch ein erbunwürdiges Verhalten erwirkte Verfü-
gung auf Klage hin für ungültig erklärt wird, weil der Erblasser nicht tes-
tierfähig war (Art. 467 in Verbindung mit Art. 519 ZGB). Entgegen der
Auffassung der Vorinstanz (vgl. Urk. 75 S. 11 E. 5.4.2 a.E.) ist kein
"klarer" Gesetzeswortlaut zu erkennen, der für den hier interessieren-
den Erbunwürdigkeitsgrund "klarerweise" eine wirksame Verfügung
von Todes voraussetzt.
− Auch eine Auslegung aufgrund der ratio legis ergibt kein anderes Er-
gebnis (teleologische Auslegung). Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB hat einen
doppelten Zweck: Mit dieser Bestimmung soll nicht nur der Wille des
Erblassers gegen jeden Angriff von aussen geschützt werden, sondern
der erbunwürdige Erbe soll auch vom erbrechtlichen Erwerb ausge-
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schlossen werden (BGE 132 III 305 E. 3.2 S. 309 f. mit Hinweisen;
PraxKomm Erbrecht, Daniel Abt, 2. Auflage, Basel 2011, N. 3 zu
Art. 540 ZGB). Aus diesen Zweckbestimmungen folgt, dass die letztwil-
lige Verfügung, die durch des erbunwürdige Verhalten veranlasst wur-
de, nicht bloss dahin fällt und im Übrigen die ohne diese Verfügung gel-
tende Erbordnung Platz greift, sondern dass der erbunwürdige Erbe
darüber hinaus gänzlich als Erbe ausgeschlossen ist. Die Folgen der
Erbunwürdigkeit (Ausschluss vom Erbgang) gehen also deutlich weiter
als die Folgen der Testierunfähigkeit (Unbeachtlichkeit der unwirksa-
men Verfügung). Das von der Vorinstanz unterstellte Gesetzesver-
ständnis geht demgegenüber im Ergebnis davon aus, dass der Erbe,
der gegenüber einem nicht handlungsfähigen Erblasser eine Verfügung
erwirkt oder verhindert, trotz seines erbunwürdigen Verhaltens den auf
ihn entfallenden Nachlassanteil erwerben könnte. Dies widerspräche
der ratio legis. Überdies liefe diese Auffassung darauf hinaus, dass der
Erbe, der sich gegenüber einem nicht testierfähigen Erblasser als un-
würdig erweist, im Ergebnis besser gestellt wäre (kein Ausschluss vom
Erbgang), als der Erbe, der sich gegenüber einem verfügungsfähigen
Erblasser als unwürdig erweist (gänzlicher Ausschluss vom Erbgang).
Auch diese - unbillige - Konsequenz wäre mit dem Gesetzeszweck
nicht in Einklang zu bringen.
− Schliesslich führt auch eine die Gesetzessystematik berücksichtigende
Auslegung zum gleichen Ergebnis (systematische Auslegung). Art. 540
ZGB findet sich unter dem Titel "Erbgang" (Art. 537 ff. ZGB) und betrifft
die "Voraussetzungen auf Seiten des Erben" (Art. 539 ff. ZGB). Die
Verfügungsfähigkeit betrifft demgegenüber die Voraussetzungen auf
Seiten des Erblassers (Art. 467 ZGB) (BGE 132 III 305 E. 3.2 S. 309).
Der Gesetzgeber hat somit zwei Regelungsbereiche unabhängig von-
einander mit je eigenen Rechtsfolgen konzipiert. Fehlt es an den Vo-
raussetzungen auf Seiten des Erblassers, so muss dies die für diesen
Tatbestand vorgesehenen Rechtsfolgen nach sich ziehen (Ungültigkeit
einer Verfügung eines nicht testierfähigen Erblassers). Fehlt es über-
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dies an den Voraussetzungen auf Seiten des Erben, so muss dies zu-
sätzlich auch die für diese Situation vorgesehenen Rechtsnachfolgen
nach sich ziehen (Ausschluss von erbrechtlichen Erwerb bei erbunwür-
digem Verhalten).
− Aufgrund dieser Gesetzesauslegung kann festgehalten werden, dass
Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB auch auf den Fall anwendbar ist, dass der
Erblasser durch ein erbunwürdiges Verhalten dazu gebracht wird, ein
unwirksames bzw. ungültiges Testament zu errichten.
c) Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz ein erbunwürdiges Verhalten
der Klägerin aus rechtlichen Gründen verworfen. Aufgrund der Verfü-
gungsunfähigkeit der Erblasserin im Zeitpunkt der Errichtung der öf-
fentlichen letztwilligen Verfügung vom 14. November 1983 sei es der
Klägerin gar nicht mehr möglich gewesen, den Willen der nicht mehr
testierfähigen Erblasserin zu beeinflussen und sie zur Errichtung einer
wirksamen letztwilligen Verfügung zu veranlassen (Urk. 75 S. 12).
− Diese Begründung erweist sich vor dem Hintergrund der oben geschil-
derten Gesetzesauslegung als nicht überzeugend. Wie sich ergeben
hat, ist unerheblich, ob das auf ein erbunwürdiges Verhalten zurückzu-
führende Testament wirksam war. Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB schützt
gemäss Wortlaut, Zweck und Gesetzessystematik jede letztwillige Wil-
lensbildung, nicht nur die wirksame letztwillige Willensbildung.
− Das angefochtene Urteil ist daher aufzuheben, und die Vorinstanz wird
zu prüfen haben, ob der Klägerin gegenüber der Erblasserin ein erb-
unwürdiges Verhalten im Sinn von Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB vorzu-
werfen ist. Wenn dies der Fall sein sollte, wäre sie vom Erbgang aus-
geschlossen. Es träte folglich ein signifikant anderes Ergebnis ein, als
wenn zufolge Verfügungsunfähigkeit der Erblasserin lediglich die öf-
fentliche letztwillige Verfügung vom 14. November 1983 unbeachtlich
wäre und an deren Stelle die gesetzliche Erbfolge Platz greifen würde.
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d) Daran ändert insbesondere auch das von der Klägerin im Eventual-
standpunkt vorgebrachte Argument nichts, in einem früheren Prozess
der gleichen Parteien vor Bezirksgericht Zürich betreffend Ungültigkeit
des öffentlichen Testaments vom 14. November 1983 sei beweismäs-
sig geklärt worden, dass die Klägerin an Multipler Sklerose leide
(Urk. 96 S. 4 f.). Das Verfahren vor Bezirksgericht Zürich betraf ein an-
deres Prozessthema (Ungültigkeit des öffentlichen Testaments vom
14. November 1983) als das vorliegende Verfahren (Erbunwürdigkeit
der Klägerin) und hat daher mangels Klageidentität keine Bindungswir-
kung für das vorliegende Verfahren. Es wird Sache der Vorinstanz zu
sein zu entscheiden, inwieweit die Erkenntnisse des damaligen Be-
weisverfahren bzw. die Erkenntnisse eines angeblichen Beweisverfah-
rens im Parallelprozess CP070001 (vgl. Urk. 102 S. 2) auch für das
vorliegende Verfahren verwendbar sind.
e) Vergeblich macht die Klägerin in der Berufungsantwort schliesslich gel-
tend, selbst wenn sie der Erblasserin eine Erkrankung an Multipler
Sklerose vorgetäuscht und dadurch eine begünstigende letztwillige
Verfügung erwirkt hätte, läge rechtlich kein Erbunwürdigungkeitsgrund
vor (Urk. 96 S. 6 f.). Auch diesbezüglich wird es Sache der Vorinstanz
sein zu prüfen, ob die Erblasserin von der Klägerin "durch Arglist" im
Sinn von Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB dazu gebracht wurde, eine sie -
die Klägerin - begünstigende Verfügung zu errichten. Wenn die Kläge-
rin in diesem Zusammenhang festhält, nur in "ganz schweren Fällen",
in denen eine Beeinflussung durch "Zwang" oder "Drohung" im Sinn
von Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB in Frage stehe, könne von einer Erbun-
würdigkeit ausgegangen werden, so scheint sie zu übersehen, dass
das Gesetz als Beeinflussungsmittel alternativ "Arglist, Zwang oder
Drohung" nennt.
f) Aus diesem Grund ist das angefochtene Urteil aufzuheben, und die
Sache ist im Sinn der Erwägung zur Neuentscheidung ans Bezirksge-
richt Horgen zurückzuweisen.
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4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Da das Verfahren zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen ist, wird diese entsprechend dem Ausgang ihres
Verfahrens über die Kostenauflage und Entschädigungsregelung zu befin-
den haben.
2. Immerhin ist im vorliegenden Verfahren die Höhe der Gerichtsgebühr für das
Berufungsverfahren festzusetzen. Massgebend ist dabei der Streitwert.
Wenn die Klage wie im vorliegenden Fall nicht auf Geldzahlung lautet, ist
vom Wert auszugehen, welchen die Parteien dem Streitgegenstand über-
einstimmend beilegen (§ 22 Abs. 1 ZPO/ZH). Wenn sich die Parteien nicht
einig sind, bestimmt das Gericht den Streitwert nach freiem Ermessen, wo-
bei in der Regel der höhere Betrag massgebend ist (§ 22 Abs. 2 ZPO/ZH).
a) Für die Berechnung des Streitwertes ist zu beachten, dass der unwür-
dige Erbe von der Erbfolge ausgeschlossen wäre und der auf den be-
treffenden Erben entfallenden Erbteil zugunsten der übrigen Erben zu
verteilen wäre. Der Streitwert entspricht daher dem auf den unwürdigen
Erben entfallende Erbteil.
b) Die Klägerin beziffert den Nachlass der Erblasserin auf Fr. 917.000.00
und den auf sie - die Klägerin - entfallenden gesetzlichen Erbanteil (1/3
des Nachlasses) auf Fr. 306'000.00 bzw. gerundet Fr. 300'000.00
(Urk. 86). Die Beklagte 2 beziffert den Nachlass der Erblasserin auf
Fr. 1'713'234.50 und den auf die Klägerin entfallende gesetzliche Erb-
anteil (1/3 des Nachlasses) auf Fr. 571'078.15 (Urk. 88).
c) Da die güterrechtliche Auseinandersetzung der Ehegatten
E._/D._ offenbar noch nicht vollzogen ist (Urk. 88 S. 2), bezif-
fern die Parteien die Höhe des Nachlasses der Erblasserin unter-
schiedlich. Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens ist es nicht mög-
lich, fundierte Angaben über die Nachlasshöhe zu machen. Es rechtfer-
tigt sich deshalb, in Anwendung von § 22 Abs. 2 ZPO/ZH auf den hö-
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heren Wert abzustellen. Der Streitwert beläuft sich somit auf
Fr. 571'078.15.