Decision ID: b19c1e35-31a2-4124-83aa-74b0bd6cc41e
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Die A._ GmbH erwarb am 22. Oktober 2019 das Ferienhaus auf der
Parzelle C._ in der Landwirtschaftszone auf dem Gebiet der
Gemeinde B._. D._, Gesellschafterin der A._ GmbH,
wandte sich am 22. September 2020 an die Gemeinde B._ und
beantragte die erweiterte Schneeräumung ab der Parzelle E._,
F._, bis zu ihrem Grundstück. Die Gemeinde lehnte das Gesuch ab,
woraufhin sich die Beschwerdeführerin mit E-Mail vom 24. Oktober 2020
bei der Gemeinde über die Ablehnungsgründe erkundete. Der
Gemeindepräsident teilte ihr am 26. Oktober 2020 mit, dass die
betreffende Strasse je nach Schneeverhältnissen jeweils von Mitte
Dezember bis Mitte April mit einem Fahrverbot belegt sei. Die
Beschwerdeführerin habe aber die Möglichkeit, mit einer gültigen
Bewilligung bis "G._" (Strassenverzweigung H._) zu fahren und
dort ihr Auto auf dem markierten Parkplatz gratis abzustellen. Die
Gemeinde wolle in jedem Fall einen Präjudizfall für Ferienhausbesitzer
vermeiden.
2. Mit Schreiben vom 29. Oktober 2020 gelangte D._ erneut an die
Gemeinde. Es sei ihr ein grosses Anliegen, auch im Winter und nach
starkem Schneefall zu ihrer Liegenschaft zu gelangen. Die Liegenschaft
diene ihr zum einen als Ferienhaus, zum anderen diene sie der A._
GmbH als Repräsentanz. Sie plane Umgestaltungen vorzunehmen und
sei deshalb darauf angewiesen, auch in den Wintermonaten damit
fortfahren zu können. Das Haus solle zeitnah als Besichtigungsobjekt bzw.
Musterhaus für potentielle Kunden dienen. Der vorherige Eigentümer habe
ihr schriftlich bestätigt, dass eine Schneeräumung durch die Gemeinde
erfolgen könne. Dies sei ausschlaggebend für den Erwerb der
Liegenschaft gewesen. Sie sei gerne bereit, die Organisation der
Schneeräumung selbst zu übernehmen und für die entsprechenden
Kosten aufzukommen. Die in der E-Mail vom 26. Oktober 2020 erwähnte
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Möglichkeit, im Winter nur bis "G._" zu fahren, wäre für sie einzig
sinnvoll, wenn sie zugleich eine Bewilligung für ein Raupenfahrzeug mit
Zufahrtsmöglichkeit bis zu ihrem Grundstück erhalten würde.
3. Die Gemeinde B._ beriet den Antrag von D._ anlässlich der
Vorstandssitzung vom 9. November 2020 und lehnte die Erteilung einer
Bewilligung zur Winterräumung sowie die Erteilung einer
Sonderbewilligung für Raupenfahrzeuge ab. Eine Winteröffnung der mit
Fahrverbot belegten Gemeindestrassen sei nicht im öffentlichen Interesse
und gebietsweise auch gar nicht möglich, da die Strassenabschnitte
teilweise von der Wintersportzone überlagert würden. Gesuche für
Winteröffnungen von Gemeindestrassen ausserhalb der Bauzonen
würden nur in begründeten Einzelfällen erfolgen, bspw. zu
Dauerwohnbauten. Die Benützung von Motorschlitten werde gesetzlich
geregelt; für die Zufahrt zu Ferienhäusern dürften keine
Ausnahmebewilligungen erteilt werden. Die Zusicherung des früheren
Eigentümers des Ferienhauses sei bedeutungslos, zumal diesem
ebenfalls keine Bewilligung zur Winterräumung erteilt worden sei.
4. Gegen diesen Entscheid des Gemeindevorstands reichte die A._
GmbH (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 26. November 2020
Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ein und
beantragte die Aufhebung des Entscheids der Gemeinde B._ vom
10. November 2020, die Erteilung einer ganzjährigen Fahrbewilligung bis
zu ihrer Parzelle C._ sowie die Verpflichtung der Gemeinde B._
zur Schneeräumung des F._ von Parzelle E._ bis Parzelle
C._ unter Kostenfolge der Beschwerdeführerin; eventualiter sei der
Beschwerdeführerin die Bewilligung zur Organisation einer privaten
Winterräumung zu erteilen; subeventualiter sei der Beschwerdeführerin
eine Sonderbewilligung für die Benützung eines Motorschlittens bis zu
ihrer Parzelle C._ zu erteilen. Begründend brachte die
Beschwerdeführerin vor, die Gemeinde sei für den Unterhalt der Strassen
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verantwortlich, was insbesondere auch den Winterdienst beinhalte. Die
Schneeräumung werde lediglich bis zur Parzelle E._ vollzogen, was
eine Verletzung der Rechtsgleichheit darstelle, da sich dieses Grundstück
ebenfalls ausserhalb der Bauzone befinde. Die Begründung, dass dieses
Nachbarsgrundstück dauerhaft bewohnt sei, überzeuge nicht, da die
Beschwerdeführerin das Grundstück hauptsächlich für gewerbliche
Zwecke als Repräsentationsobjekt und erst an zweiter Stelle als
Feriendomizil nutzen wolle. Die Gesellschafterin der Beschwerdeführerin
werde sich nicht nur am Wochenende, sondern insbesondere auch in den
Wintermonaten über mehrere Wochen oder gar Monate dort aufhalten,
was einer dauerhaften Bewohnung gleichkäme. Durch die Übernahme der
Räumungskosten durch die Beschwerdeführerin werde auch das
öffentliche Interesse an der sparsamen Verwendung der Steuergelder
nicht beeinträchtigt. Ohnehin fehle es an einer gültigen gesetzlichen
Grundlage für die Nichterteilung der Ausnahmebewilligung zur Benützung
eines Motorschlittens. Betreffend Überlagerung des Streckenabschnitts
durch die Wintersportzone könne eine Bewilligung unter Auflage erteilt
werden. So wäre die Beschwerdeführerin bereit, die Strasse nur zu
gewissen Zeiten zu befahren oder die Strasse könne mit Warnschildern
ausgestattet werden. Die Emissionen eines Motorschlittens, welcher ein-
bis zweimal täglich diese Strecke zurücklegen würde, hätten keine
negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Ausserdem macht die
Beschwerdeführerin eine Verletzung der Eigentums- und
Wirtschaftsfreiheit geltend.
5. Mit Beschwerdeantwort vom 25. Januar 2021 beantragte die Gemeinde
B._ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der
Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdeführerin. Auf dem Zugangsweg zur Parzelle C._ bestehe
grundsätzlich ein ganzjähriges Fahrverbot für Motorfahrzeuge. Die Baute
auf der Parzelle C._ sei aber weder Wohnsitz noch Geschäftssitz der
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Beschwerdeführerin im Sinne einer Ausnahme gemäss kommunalem
Recht, sondern lediglich als eine Temporärwohnbaute (Ferien) bewilligt.
Eine Nutzung als Wohn- oder Geschäftssitz sei auch aus
raumplanungsrechtlicher Sicht gar nicht möglich. Die Winteröffnung der
mit Fahrverbot belegten Gemeindestrassen sei sodann nicht im
öffentlichen Interesse und aufgrund der Wintersportzone gebietsweise
ebenfalls nicht möglich, da das Trasse des F._ von Wintersportlern
benutzt werde und durch motorisierten Verkehr gefährliche Situationen
entstehen würden. Gesuche um Winteröffnung würden nur
ausnahmsweise, z.B. für Fahrten zu einer Dauerwohnbaute, wo Wohnsitz
bestehe, bewilligt. Zudem sei der F._ nicht dafür ausgelegt,
ganzjährig genutzt und im Winter geräumt zu werden. Es fehle an einem
frostsicheren Unterbau, was bei einem Entfernen der schützenden
Schneedecke zu aufwendigen und teuren Schäden bzw.
Unterhaltsarbeiten führen würde. Weiter käme es regelmässig zu
Hangrutschen, was zu Haftungsfragen führe. Durch die Sperrung der
Strasse über die Wintermonate minimiere die Gemeinde diese Risiken.
Unmittelbar südlich der Zufahrt würden sodann Wildruhezonen liegen.
Schliesslich sei der Zugang zu Fuss ab dem Parkplatz "G._" (1'236
m.ü.M.) problemlos möglich. Der ca. 800 m lange Weg führe auf maximal
1'290 m.ü.M. zur Parzelle C._ auf 1'267 m.ü.M. und könne zu Fuss in
rund 15 min bewältigt werden.
6. In ihrer Replik vom 4. Februar 2021 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest. Sie erfülle sehr wohl die Voraussetzungen für eine
Ausnahmebewilligung, da der Gemeindevorstand gemäss
Strassenreglement Fahrbewilligungen an Grundeigentümer für die Zufahrt
zu ihren Liegenschaften erteile. Ihr Grundstück sei zudem auch von der
anderen Seite her erschlossen, sodass sie die Wintersportzone gar nicht
passiere. Die Wintersportler, die den F._ während der Dämmerung
benutzen würden, könnten die Beschwerdeführerin an ihrem
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Fahrzeuglicht erkennen. Zudem sei dieses Teilstück lediglich 144.49
Meter lang und es könnten entsprechende Signalisationen und
Beleuchtungen aufgestellt werden. Zusätzlich könnte die Bewilligung mit
einer Auflage versehen werden, dass der entsprechende
Streckenabschnitt lediglich mit reduzierter Geschwindigkeit befahren
werden dürfe. Für die Erteilung einer Fahrbewilligung mit Motorschlitten
müsse die Strasse nicht geräumt werden und der Schutz der Strasse wäre
immer noch gewährleistet. Es sei zudem nicht nachvollziehbar, dass die
Gemeinde keine wintertauglichen Strassen baue. Dies könne nicht das
Problem der Beschwerdeführerin sein. Abgesehen davon finanziere sie
die Reparaturen der Strasse mit ihren Steuergeldern mit. Die
Wildruhezone werde nur tangiert, wenn sie den Streckenabschnitt zu
ihrem Grundstück nutze, welcher nicht von der Wintersportzone überlagert
sei, ansonsten sei sie 275.8 Meter davon entfernt. Der Fussmarsch zu
ihrem Grundstück sei der Beschwerdeführerin mit dem ganzen Gepäck
nicht zuzumuten. Raumplanungsrechtlich sei eine Zweckänderung
unproblematisch, da die geschäftsmässige Nutzung der Liegenschaft
keine neuen Auswirkungen auf Raum, Erschliessung und Umwelt hätte;
bauliche Veränderungen würden keine erfolgen.
7. Die Beschwerdegegnerin hielt am 15. März 2021 duplicando an ihren
Ausführungen fest und führt aus, es bestehe kein unbedingter Anspruch
auf eine Fahrbewilligung. Bei Ausnahmebewilligung handle es sich
vielmehr um eine "Kann-Bestimmung". Das Strassenreglement sehe
ausdrücklich die Möglichkeit zum Erlass von Wintersperren vor, wovon die
Gemeinde vorliegend Gebrauch mache. Der gesamte F._ werde von
Wintersportlern benützt, nicht nur der Teil, der von der Wintersportzone
überlagert werde. Eine Beleuchtung von Waldstrassen wäre völlig
unverhältnismässig und ein massiver Eingriff in Natur und Umwelt. Ebenso
unverhältnismässig wäre es, das gesamte Forstwegnetz der Gemeinde
B._ mit winterfesten Hartbelägen zu versehen.
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Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften, auf
die angefochtene Verfügung vom 9. bzw. 10. November 2020 sowie auf
die weiteren im Recht liegenden Beweismittel wird, soweit erforderlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Entscheid des Gemeindevorstands
vom 9. bzw. 10. November 2020. Dieser stellt ein taugliches
Anfechtungsobjekt vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
i.S.v. Art. 49 Abs. 1 lit. a VRG dar. Als Adressatin des Entscheids ist die
Beschwerdeführerin zudem durch diesen berührt und weist ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung auf (Art.
50 Abs. 1 VRG). Auf die überdies frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 38 i.V.m. Art. 52 Abs. 1 VRG).
2. Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin zu Recht
die Bewilligung zur Winteröffnung der Strasse sowie die Organisation
einer privaten Winterräumung verweigert hat und ob sie ihr zu Recht die
Sonderbewilligung zur Benutzung eines Motorschlittens nicht erteilt hat.
3. Zunächst gilt es zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin die ersuchte
Bewilligung zur Benützung bzw. Schneeräumung des F._ im Winter
zu Recht abgelehnt hat.
3.1. Massgebend ist hier das kantonale Einführungsgesetz zum Bundesgesetz
über den Strassenverkehr (EGzSVG; BR 870.100). Gemäss Art. 7 Abs. 1
EGzSVG regelt die Gemeinde den örtlichen Verkehr auf den
Gemeindestrassen, ausgenommen Geschwindigkeitsbeschränkungen,
wobei Verkehrsanordnungen der Zustimmung durch die kantonale
Behörde bedürfen. Nach Art. 8 Abs. 1 EGzSVG ist auf den für den
Motorfahrzeugverkehr gesperrten öffentlichen Strassen die Zufahrt zum
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eigenen Wohnsitz oder Geschäft durch den Strasseneigentümer zu
bewilligen, sofern die technische Anlage der Strasse es zulässt. Die
Zufahrt kann auf leichte Motorwagen und Motorräder sowie auf bestimmte
Zeiten beschränkt werden. Weitere Ausnahmen sind in einem Erlass zu
regeln.
3.2. Die Gemeinde B._ hat ihre Regelungen im Reglement für das
Befahren von Alp-, Feld- und Waldstrassen mit Motorfahrzeugen
(nachfolgend: Strassenreglement) statuiert. Demnach besteht auf dem
F._ ein Fahrverbot für Motorwagen und Motorfahrräder (Art. 1 Ziff. 1
i.V.m. Art. 2 Strassenreglement). Ausnahmen davon sind in Art. 3 und Art.
4 Strassenreglement festgehalten. Während die Ausnahmen für die
bewilligungsfreie Benützung in Art. 3 Strassenreglement geregelt sind,
regelt Art. 4 Strassenreglement die Ausnahmen für die
bewilligungspflichtige Strassenbenützung. Demnach erteilt der
Gemeindevorstand auf Gesuch hin Fahrbewilligungen für Fahrzeuge von
Grundeigentümern, Pächtern und Mietern für die Zufahrt zu ihrer
Liegenschaft (Art. 4 lit. a Strassenreglement). Darüber hinaus kann der
Gemeindevorstand bei ungünstigen Strassenverhältnissen alle Fahrten
verbieten oder für bestimmte Zeiten und/oder Fahrzeugkategorien
Beschränkungen erlassen (Art. 6 Abs. 1 Strassenreglement).
3.3. Aufgrund dieser gesetzlichen Bestimmungen war der Gemeindevorstand
grundsätzlich berechtigt, die Bewilligung für das Befahren des F._
während der Wintermonate nicht zu erteilen. Die Beschwerdeführerin
bringt vor, dass sie bzw. ihre Gesellschafterin sich im Winter auch mehrere
Wochen oder Monate in ihrer Liegenschaft aufhalten möchte und die
Gemeinde gestützt auf das Strassenreglement eine Fahrbewilligung an sie
als Grundeigentümerin zu erteilen habe. Soweit die Beschwerdeführerin
Art. 8 Abs. 1 EGzSVG zu ihren Gunsten auszulegen versucht, verkennt
sie dabei die Sätze 2 und 3 besagter Bestimmung, welche besagen, dass
die Zufahrt auf bestimmte Zeiten beschränkt werden kann und weitere
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Ausnahmen zu regeln sind. Davon hat die Beschwerdegegnerin denn
auch gebraucht gemacht, in dem der Gemeindevorstand gemäss Art. 6
Abs. 1 Strassenreglement bei ungünstigen Strassenverhältnissen alle
Fahrten verbieten oder für bestimmte Zeiten und/oder Fahrzeugkategorien
Beschränkungen erlassen kann. Daran vermag auch das Vorbringen der
Beschwerdeführerin, die äusserst lange Aufenthaltsdauer sowie die
Verwendung der Liegenschaft als Repräsentationsobjekt sei mit einem
dauerhaften Wohnsitz oder einem Geschäft im Sinne dieser Bestimmung
gleichzusetzten (act. A1, Rz. 19 und 21), nichts zu ändern, zumal die
Liegenschaft unbestritten als "Temporärwohnbaute (Ferien)" bewilligt ist.
Eine Nutzungsänderung ist vorliegend jedoch nicht Gegenstand des
Verfahrens. Diesbezüglich widerspricht sich die Beschwerdeführerin im
Übrigen, wenn sie behauptet, eine Zweckänderung sei unproblematisch
und hätte keine Auswirkungen auf Raum, Erschliessung und Umwelt, da
keine baulichen Veränderungen erfolgen würden (act. A3 Rz. 15 f.), im
Rahmen der Rügen der Eigentumsverletzung gleichzeitig aber geltend
macht, durch die Nichterteilung der Bewilligungen würden ihr die
vorgesehenen Umbauarbeiten an der Liegenschaft verwehrt (act. A1, Rz.
23).
3.4. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit umfasst gemäss Lehre und
Rechtsprechung die drei Elemente Eignung, Erforderlichkeit und
Zumutbarkeit. Diese müssen kumulativ beachtet werden. Beim Kriterium
der Eignung ist danach zu fragen, ob eine konkrete Massnahme zur
Erreichung des angestrebten Ziels tauglich ist. Ungeeignet erscheint eine
Massnahme erst dann, wenn diese am Ziel geradezu vorbeischiesst bzw.
sie keinerlei Wirkungen im Hinblick auf den angestrebten Zweck entfaltet
(WIEDERKEHR/RICHLI, Praxis des allgemeinen Verwaltungsrechts, Band I,
Bern 2012, Rz. 1778). Die Beschwerdegegnerin führt aus, der F._
werde teilweise durch die Wintersportzone überlagert und werde darüber
hinaus auf seiner gesamten Länge regelmässig von Wintersportlern
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benutzt. Es leuchtet ein, dass dadurch gefährliche Situationen entstehen
könnten, wenn diese Strasse auch durch Motorfahrzeuge befahren wird.
Würde der Beschwerdeführerin die Bewilligung erteilt werden, müsste
diese wohl auch anderen Ferienhausbesitzern erteilt werden, was zu einer
Verkehrszunahme auf dem F._, aber auch auf anderen Waldstrassen
führen würde. Entsprechend würde sich auch die Gefahrensituation mit
den Wintersportlern verschärfen. Die von der Beschwerdeführerin
vorgeschlagenen Sicherheitsmassnahmen im Zusammenhang mit einer
Bewilligungserteilung unter Auflagen (Befahrung zu bestimmten Zeiten
und bei reduzierter Geschwindigkeit sowie Aufstellung von
Signalisationen, Warnschilder und Beleuchtungen), welche die Sicherheit
der Wintersportler garantieren sollen, erweisen sich weder als geeignet,
erforderlich noch zumutbar und sind somit unverhältnismässig. Zudem
dürfte eine Nutzung des F._ durch Wintersportler gar nicht mehr
möglich sein, wenn die Strasse durch die Beschwerdeführerin geräumt
werden würde, was ebenfalls nicht im öffentlichen Interesse wäre.
3.5. Hinzu kommt, dass durch die Schneeräumung Schäden an der Strasse
entstehen würden, welche anschliessend auf Kosten der Gemeinde
behoben werden müssten. Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin die
Reparaturen mit ihren Steuergeldern mitfinanziere, tut dabei nichts zur
Sache. Ebenso wenig kann der Gemeinde vorgeworfen werden, dass die
Waldstrassen nicht wintertauglich sind. Vielmehr ist es im Kanton
Graubünden Standard, dass Waldstrassen nicht mit winterfesten
Hartbelägen ausgestattet werden. Alles andere würde zu massiv höheren
Kosten bei der Erstellung von Waldstrassen führen. Die Verweigerung der
Fahrbewilligung und der Bewilligung der Schneeräumung auf dem
F._ erweisen sich insgesamt als sachgerecht und verhältnismässig.
4. Weiter zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die
beantragte Sonderbewilligung für das Befahren des F._ mit einem
Motorschlitten verweigert hat.
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4.1. Auf Ebene des Kantons gilt es, die Regelung der Benützung von
Motorschlitten zu beachten (BR 870.300). Demnach ist die Benützung von
Motorschlitten auf allen Strassen im Kanton Graubünden erlaubt, die nicht
mit einem allgemeinen Fahrverbot belegt sind und bei winterlichen
Verhältnissen geöffnet sind (Art. 1). Für das restliche Gemeindegebiet
können die Gemeinden selbständig bestimmen, ob sie das ganze
Gemeindegebiet, einen Teil davon oder nur Skipisten und Abfahrtsgebiete
für Motorschlitten verbieten wollen (Art. 2).
4.2. Die Gemeinde B._ hat mit dem Erlass des Gesetzes über die
Benützung von Motorschlitten auf dem Gebiet der Gemeinde B._ von
diesem Recht Gebrauch gemacht. Demzufolge ist der Verkehr ausserhalb
der dem Motorfahrzeugverkehr geöffneten Strassen für alle
Motorschlitten, Luftkissenfahrzeuge und dergleichen verboten (Art. 2
Motorschlittengesetz). Ausnahmen von dieser Regelung sind in Art. 3
Motorschlittengesetz vorgesehen, welche vorliegend aber nicht
einschlägig sind. Art. 4 Motorschlittengesetz hält darüber hinaus fest, dass
für die Zufahrt zu Ferienhäusern und -wohnungen sowie zur Benützung zu
Sportzwecken keine Ausnahmebewilligungen erteilt werden können. Die
Verletzung von kantonalem Recht durch Art. 4 Motorschlittengesetz,
indem gewisse Personengruppen und nicht Gebiete ausgeschlossen
werden, wie dies von der Beschwerdeführerin geltend gemacht wird,
leuchtet nicht ein. Art. 4 Motorschlittengesetz muss primär in Verbindung
mit Art. 3 des soeben genannten Gesetzes gelesen werden und kann von
vornherein nur für Gebiete gelten, die mit einem allgemeinen Fahrverbot
belegt und im Winter gesperrt sind. In diesen Gebieten ist die Gemeinde
frei, eigene Regelungen zu treffen.
4.3. Wie in E.3.2 ausgeführt, ist der F._ gemäss Art. 2 Strassenreglement
mit einem Fahrverbot belegt. Der Gemeindevorstand kann gemäss Art. 6
Abs. 1 Strassenreglement bei ungünstigen Strassenverhältnissen alle
Fahrten verbieten oder für bestimmte Zeiten und/oder Fahrzeugkategorien
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Beschränkungen erlassen. Somit verstösst die Gemeinde nicht gegen
kantonales Recht, wenn sie der Beschwerdeführerin keine Bewilligung für
das Befahren mit Motorschlitten erteilt, da der F._ im Winter eben
gerade nicht geöffnet ist. Eine Sonderbewilligung kann zudem
insbesondere mit Blick auf Art. 4 Motorschlittengesetz nicht gewährt
werden, wonach für die Zufahrt zu Ferienhäusern und -wohnungen sowie
für die Benützung zu Sportzwecken keine Ausnahmebewilligungen erteilt
werden dürfen. Es mangelt also – entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin – nicht an einer gültigen gesetzlichen Grundlage für
die Nichterteilung der Ausnahmebewilligung zur Benützung eines
Motorschlittens. Auch diese Regelung ist vorliegend zweck- und
verhältnismässig. Ansonsten könnte das Befahren des F._ mit
Motorschlitten unweigerlich zu gefährlichen Situationen mit
Wintersportlern führen. Vor allem auch dann, wenn durch die
Bewilligungserteilung ein Präjudiz geschaffen würde und weitere
Ferienhausbesitzer die Waldstrassen mit Motorschlitten befahren würden.
5. Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich die Rüge betreffend
Verletzung der Rechtsgleichheit, Eigentums- sowie Wirtschaftsfreiheit
erhebt und vorbringt, durch die Nichterteilung der Sonderfahrbewilligung,
die fehlende Erlaubnis, den Winterdienst auf der besagten Strecke
selbstständig zu organisieren und die Nichterteilung der Bewilligung zur
Benützung eines Motorschlittens werde die bestimmungsgemässe
Nutzung verunmöglicht oder zumindest stark eingeschränkt (act. A1, S. 8
f.), verkennt sie dabei, dass die Weigerung der Beschwerdegegnerin, der
Beschwerdeführerin eine (Ausnahme-)bewilligung zu erteilen, der Prüfung
eines Grundrechtseingriffes i.S.v. Art. 36 BV standhält. Die Gemeinde
stützt sich im angefochtenen Entscheid auf kommunales Recht, welches
sich wiederum auf das kantonale EGzSVG abstützt. Das Vorliegen eines
öffentlichen Interesses an der Nichterteilung dieser Bewilligung ist
insbesondere im Hinblick auf den Gefahrenherd sowie die unerwünschte
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Signalwirkung evident. Der Ansicht der Beschwerdeführerin, eine
Befahrung solle keine Auswirkungen auf die Natur und Umwelt haben,
kann nicht gefolgt werden. Zudem erweist sich der angefochtene
Entscheid als verhältnismässig.
6. Im Übrigen erscheint das Zurücklegen der Strecke vom Parkplatz G._
zur Liegenschaft der Beschwerdeführerin zu Fuss als zumutbar. Die
Strecke beträgt gemäss Beschwerdegegnerin rund 800 Meter und weist
einen Höhenunterschied von ca. 60 Meter auf. Der Fussmarsch beträgt
demnach ca. 15 Minuten. Diese Feststellung wurde durch die
Beschwerdeführerin nicht bestritten. Insbesondere was den Transport von
Lebensmitteln, Brennholz etc. betrifft, ist dies in erster Linie eine Frage der
Organisation. Die Liegenschaft ist während des grössten Teils des Jahres
mit einem Motorfahrzeug erreichbar, sodass in dieser Zeit problemlos
entsprechende Vorräte für die Wintermonate hinauftransportiert werden
können. Der Ansicht der Beschwerdeführerin, der Fussmarsch sei mit dem
gesamten Gepäck nicht zumutbar, ist deshalb nicht zu folgen.
7. Das private Interesse der Beschwerdeführerin an der Erteilung der
beantragten Bewilligungen vermag die öffentlichen Interessen an einer
Nichterteilung nicht zu überwiegen. Zusammenfassend kann somit
festgehalten werden, dass die Nichterteilung der Bewilligung zur
Winteröffnung der Strasse, die Organisation einer privaten Winterräumung
sowie einer Sonderbewilligung zur Benutzung eines Motorschlittens durch
die Beschwerdegegnerin für den Winter in der Verfügung vom 9. bzw. 10.
November 2020 zu Recht erfolgt ist, weshalb die Beschwerde abzuweisen
ist.
8. Bei diesem Verfahrensausgang gehen die Verfahrenskosten in der Regel
zulasten der unterliegenden Partei. Die Staatsgebühr ist vorliegend
aufgrund der mittleren Komplexität und dem überschaubaren
Rügeprogramm auf CHF 2'000.-- festzusetzen. Sie geht zusammen mit
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den Kanzleiauslagen zulasten der Beschwerdeführerin. Bund, Kanton und
Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten
Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel keine
Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht vorliegend kein
Anlass.