Decision ID: 45b14ae7-4df8-50b0-8b43-1044833dd5f5
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 8. September 2014 erstmals in der
Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom
11. September 2014, der Anhörung vom 9. Juni 2015 und der ergänzenden
Anhörung vom 5. Oktober 2015 machte sie im Wesentlichen geltend, sie
sei sri-lankische Staatsangehörige, tamilischer Ethnie und stamme aus
B._ in C._ Nord im Distrikt Jaffna. Infolge des Bürgerkriegs
habe sie von 1996 bis 2002 in D._ im Vanni-Gebiet gelebt und sei
von 2006 bis 2009 erneut dorthin gezogen. Während dieser Zeit habe sie
als (...) für ein von den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) geführtes
(...) gearbeitet. Im Mai 2009 sei sie ins (...)-Camp in Vavuniya gebracht
worden. Bei der Registrierung in diesem (...)camp habe sie ihre Tätigkeit
für die LTTE verschwiegen. Im Oktober 2010 sei sie nach B._ zu-
rückgekehrt und habe dort bis zu ihrer Ausreise gelebt. Am 20. Mai 2014
sei sie von ungefähr acht Personen in einem weissen Lieferwagen zu
Hause aufgesucht worden. Sie selber sei nicht zu Hause gewesen. Ihre
Mutter habe daraufhin bei der Polizei Anzeige erstattet. Diese habe ihr ge-
sagt, Beamte des CID (Criminal Investigation Department) hätten ihr Haus
durchsucht, weshalb der Polizei diesbezüglich keine Kompetenzen zu-
komme. Einige Tage später habe ihre Mutter eine an die Beschwerdefüh-
rerin gerichtete Vorladung für eine Befragung in Colombo vorgefunden,
welche durch das Fenster hineingeschoben worden sei. Weil sie dieser
Vorladung keine Folge geleistet habe, habe sie eine gerichtliche Vorladung
erhalten. Danach sei gegen sie ein Haftbefehl ausgestellt worden, welcher
ebenfalls durch das Fenster hineingeschoben worden sei. Nach der Haus-
durchsuchung sei sie nicht mehr nach Hause zurückgekehrt und habe bei
Bekannten gewohnt. Am 4. September 2014 sei sie mit Hilfe eines Schlep-
pers mit einem auf einen anderen Namen lautenden Reisepass ausgereist.
A.b Mit Verfügung vom 13. November 2015 stellte die Vorinstanz fest, die
Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das
Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete
deren Vollzug an. Es begründete seine Verfügung im Wesentlichen damit,
die Vorbringen seien weder glaubhaft noch asylrelevant. Die gegen diese
Verfügung erhobene Beschwerde vom 11. Dezember 2015 wies das Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil E-8088/2015 vom 2. Oktober 2017 ab.
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B.
Am 3. Januar 2018 (zunächst per Fax) reichte die Beschwerdeführerin
durch ihren Rechtsvertreter bei der Vorinstanz unter Hinweis auf Art. 18
AsylG (SR 142.31) eine als "Neues Asylgesuch; Mitteilung an kantonale
Behörde; sofortiger Vollzugsstopp» bezeichnete Eingabe ein. Dabei er-
suchte sie um vollständige Einsicht in die Vollzugsakten sowie um Offenle-
gung sämtlicher Akten, welche im Zusammenhang mit der Papierbeschaf-
fung beim sri-lankischen Konsulat vorhanden seien, andernfalls um eine
Stellungnahme zum Vorgehen und zur Aktenführung im Zusammenhang
mit der Papierbeschaffung und um Erläuterungen betreffend die Rekon-
struktion, welche Unterlagen und Informationen im Einzelfall dem Konsulat
übergeben worden seien. Ferner sei offenzulegen, welche Unterlagen und
(mündlichen und schriftlichen) Informationen an das respektive vom Kon-
sulat übermittelt worden seien. Im Weiteren hätten sich die Schweizer Be-
hörden bei den sri-lankischen Behörden zu erkundigen, in welcher Weise
sie (die Beschwerdeführerin) betreffende und übermittelte Daten verwen-
det würden; diese Informationen seien ihr anschliessend offenzulegen.
Schliesslich seien das Vorgehen und die Konsequenzen zu erläutern,
wenn sie sich bei den sri-lankischen Behörden nach der Verwendung der
übermittelten Daten erkundigen wolle.
In der Eingabe wird ausgeführt, die Beschwerdeführerin befürchte auf-
grund ihrer früher geltend gemachten und zusätzlich gestützt auf bisher
verschwiegene sowie neue Asylgründe im Falle einer Rückkehr nach Sri
Lanka in asylrelevanter Weise verfolgt zu werden. Sie habe den Umfang
ihrer Unterstützung der LTTE zwischen 1999 und 2009 verschwiegen. Sie
habe im Alter von 16 Jahren wie andere junge Frauen im Vanni-Gebiet an
der Schule ein fast tägliches Training von ein bis zwei Stunden erhalten,
welches durch die LTTE durchgeführt worden sei. Von 1999 bis 2002 sei
sie von einem Mitglied der LTTE trainiert worden. Die Trainings hätten
Springen, Laufen, Kampfeinsätze, Beobachten, Spionieren, Bewachen
und Kriechen beinhaltet. Später seien auch Schiesstrainings dazugekom-
men. Sie sei zudem für die Lebensmittelversorgung an LTTE-Kämpfer ein-
gesetzt worden. 2004 sei sie zur Teilnahme an Propagandaveranstaltun-
gen aufgeboten worden, bei der sie Jugendliche habe anwerben müssen.
Sie habe auch verschiedene Dörfer besucht, um die Leute zum Beitritt zu
den LTTE zu überzeugen, auch als Kämpfer oder Kämpferin. Dank ihrer
Tätigkeit seien gewisse Leute kämpfende Mitglieder der LTTE geworden.
Im Januar 2008 habe sie sich ebenfalls als Kämpferin der LTTE ange-
schlossen und habe ein dreimonatiges intensives Spezialtraining absol-
viert. Während der blutigen Endphase des Krieges im April 2009 sei sie
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zusammen mit anderen Zivilisten in das von der Armee kontrollierte Gebiet
geflüchtet. Im März 2013 hätten alle Trainings geendet. Sie habe eine Zy-
anidkapsel erhalten und sei als Sea Tiger eingesetzt worden. Schliesslich
wies die Beschwerdeführerin auf ein Urteil des High Court in Vavuniya vom
25. Juli 2017 hin, mit welchem ein ehemaliges LTTE-Mitglied, ungeachtet
dessen, dass es ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen habe, wegen
Unterstützung des Terrorismus zu einer lebenslangen Haft verurteilt wor-
den sei. Als Schlussfolgerung könne daraus entnommen werden, dass auf-
grund der Unverjährbarkeit der LTTE-Aktivitäten jederzeit ein Strafverfah-
ren gegen die Beschwerdeführerin eröffnet werden könne. Dem SEM
werde beantragt, die Beschwerdeführerin zum bisher verschwiegenen re-
levanten Sachverhalt anzuhören.
Im Weiteren wird vorgebracht, das SEM habe durch die Beantragung von
Ersatzreisepapieren beim sri-lankischen Konsulat einen umfassenden
Backgroundcheck, namentlich unter Konsultation der Datensammlungen
des CID und des TID (Terrorist Investigation Division), ausgelöst. Es drohe
der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Vorgeschichte, ihres Aufenthalts in
der Schweiz, dem Fehlen von Identitätspapieren sowie der erfolgenden
„freiwilligen Ausreise“ oder der Ausschaffung bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka eine asylrelevante Verfolgung. Das Migrationsabkommen der
Schweiz mit Sri Lanka stehe bezüglich der Datenweitergabe im Wider-
spruch zum Schweizer Asylgesetz, weshalb die einschlägigen Bestimmun-
gen zur Datenweitergabe ungültig seien und nicht angewendet werden
könnten. Daraus würden sich neue Asylgründe ergeben. Aufgrund der neu-
esten Entwicklung seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-8088/2015 vom 2. Oktober 2017 und der dokumentierten Vorgeschichte
sei die Beschwerdeführerin einer asylrelevanten Gefährdung ausgesetzt
und erfülle damit die Flüchtlingseigenschaft. Sie verfüge über die folgen-
den, im Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts definierten Risiko-
faktoren (vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016): Aufgrund ihrer absol-
vierten Trainings während der Schulzeit verfüge sie über eine LTTE-Ver-
bindung (1). Aufgrund des Screening Prozesses sei davon auszugehen,
dass sie sich auf einer sogenannten „Stop-„ oder „Watch-List“ befinde (2).
Zudem verfüge sich über keine gültigen Reisepapiere und sei illegal aus
Sri Lanka ausgereist (3). Diese drei Risikofaktoren seien als stark einzu-
stufen und sie sei als Flüchtling anzuerkennen. Da sie zudem aufgrund
ihrer Vorgeschichte als zurückgeschaffte tamilischer Asylgesuchstellerin
Gefahr laufe, bei einer Rückkehr Opfer einer Verhaftung und von Verhören
unter Anwendung von Folter zu werden, müsse auch im Sinne der Recht-
sprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR)
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die Unzulässigkeit oder aber die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs festgestellt werden.
Der Eingabe waren verschiedene Dokumente ohne unmittelbaren Bezug
zur Beschwerdeführerin beigelegt.
Die Vorinstanz nahm die Eingabe als Mehrfachgesuch sowie als qualifizier-
tes Wiedererwägungsgesuch entgegen.
C.
Mit Verfügung vom 8. Januar 2018 sistierte das SEM den Vollzug der Weg-
weisung einstweilen.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 7. August 2018 gewährte das SEM der Be-
schwerdeführerin Einsicht in die Vollzugsakten (Unterdossier V), wobei es
die Einsicht in das mit „A“ (überwiegende öffentliche oder private Interes-
sen an der Geheimhaltung) klassifizierte Aktenstück V4/1 einschränkte,
und setzte ihr eine Frist für allfällige Ergänzungen ihres Gesuchs an. Diese
Frist liess die Beschwerdeführerin ungenutzt verstreichen.
E.
Mit Verfügung vom 21. September 2018 lehnte das SEM die Anträge auf
Fristansetzung zur Einreichung weiterer Beweismittel (1), die sri-lanki-
schen Behörden seien um Akteneinsicht zu ersuchen (2), die sri-lankischen
Behörden seien um Löschung von Personendaten zu ersuchen (3), auf
Beizug weiterer Dossiers (4) sowie auf eine Anhörung im Sinne von Art. 29
AsylG (5) ab, trat auf die als Revisionsgründe erkannten Vorbringen nicht
ein, lehnte das qualifizierte Wiedererwägungsgesuch ab, soweit es darauf
eintrat, verneinte das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft, lehnte das
Mehrfachgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, beauf-
tragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und er-
hob eine Gebühr in der Höhe von Fr. 900.–.
Die Vorinstanz hielt in der Rechtsmittelbelehrung fest, eine Beschwerdeer-
hebung gegen den ablehnenden Asylentscheid sei möglich innert 30 Ta-
gen, gegen den Nichteintretensentscheid innert fünf Arbeitstagen.
F.
F.a Mit Eingabe vom 8. Oktober 2018 erhob die Beschwerdeführerin durch
ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, soweit
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die Vorinstanz auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten ist (Be-
schwerde 1). Sie beantragte Folgendes: Die vorinstanzliche Verfügung sei
wegen Befangenheit/Voreingenommenheit des für den Entscheid verant-
wortlichen Fachspezialisten F._ aufzuheben und die Sache sei zur
korrekten Behandlung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das Bundesver-
waltungsgericht habe nach dem Eingang der vorliegenden Verwaltungsbe-
schwerde unverzüglich darzulegen, welche Gerichtspersonen mit der Be-
handlung der vorliegenden Sache betraut worden seien. Gleichzeitig habe
das Gericht bekannt zu geben, ob diese Gerichtspersonen zufällig ausge-
wählt worden seien und andernfalls die objektiven Kriterien bekannt zu ge-
ben, nach denen diese Gerichtspersonen ausgewählt worden seien. Die
vorinstanzliche Verfügung sei wegen der Verletzung von Art. 45 VVG
(recte: VGG) in Verbindung mit Art. 121 ff. BGG (recte: Art. 111b AsylG und
Art. 66 VwVG) und der allgemeinen Regeln über die Behandlung von
neuen Asylgesuchen aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, das Ge-
such vom 3. Januar 2018 vollumfänglich als neues Asylgesuch zu behan-
deln. Eventuell sei die angefochtene Verfügung wegen der Verletzung des
Willkürverbots aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Die Vorinstanz sei anzuweisen, vollständig auf das Gesuch vom 3. Ja-
nuar 2018 einzutreten. Das Gericht habe weiter festzustellen, dass die
Splittung des Rechtsmittelweges gemäss Verfügung unzulässig respektive
unsinnig sei. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und
die Flüchtlingseigenschaft festzustellen. Es sei der Beschwerdeführerin in
der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die angefochtene Verfü-
gung betreffend die Ziffern 10 und 11 aufzuheben und es sei die Unzuläs-
sigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges
festzustellen.
Hinsichtlich der eingereichten Beweismittel wird auf die Beilagen in der
Rechtsmitteleingabe verwiesen (S. 19).
F.b Mit Verfügung vom 11. Oktober 2018 wurde der Eingang der Be-
schwerde bestätigt und verfügt, die Beschwerdeführerin könne den Aus-
gang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.
F.c Mit Eingabe vom 31. Oktober 2018 erhob die Beschwerdeführerin Be-
schwerde gegen die Abweisung des Mehrfachgesuchs beziehungsweise
Wiedererwägungsgesuchs (Beschwerde 2). Nebst den bereits in der Ein-
gabe vom 8. Oktober 2019 gestellten Anträge beantragt sie, angesichts der
sich seit dem 26. Oktober 2018 entscheidend veränderten Lage in Sri
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Lanka infolge der verfassungswidrigen Ernennung des ehemaligen Präsi-
denten und Extremisten Rajapaksa zum neuen Premierminister sei die vor-
instanzliche Verfügung aufzuheben und an die Vorinstanz zur Neubeurtei-
lung zurückzuweisen. Das vorliegende Verfahren sei in Bezug auf die Be-
urteilung der Flüchtlingseigenschaft/Asyl/Wegweisung zu sistieren, bis
über die sich stellenden datenschutzrechtlichen Fragen vorab entschieden
worden sei. Die vorinstanzliche Verfügung sei wegen Verletzung von
Art. 45 VwVG i.V.m. Art. 121 ff. BGG und der allgemeinen Regeln über die
Behandlung von neuen Asylgesuchen aufzuheben und die Vorinstanz an-
zuweisen, das Gesuch vom 3. Januar 2018 vollumfänglich als neues Asyl-
gesuch zu behandeln. Es sei ihr vollständige Einsicht in die gesamten Ak-
ten der Vorinstanz zu gewähren. Insbesondere sei ihr Einsicht in die ge-
samten Akten der sri-lankischen Behörden im Zusammenhang mit der Er-
satzreisepapierbeschaffung zu gewähren. Diese Akten seien ihr als Über-
setzung in einer schweizerischen Landessprache zuzustellen. Nach Ge-
währung der vollständigen Akteneinsicht sei ihr eine angemessene Frist
zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Es sei gestützt
auf Art. 6, Art. 8 und Art. 25 Abs. 1 Bst. c DSG (SR 235.1) die Widerrecht-
lichkeit der Übermittlung ihrer Personendaten an die sri-lankischen Behör-
den festzustellen. Das Bundesverwaltungsgericht habe festzustellen, dass
sich das Lagebild der Vorinstanz vom 16. August 2016 zu Sri Lanka auf
nicht existierende und nicht bewiesene Quellen stütze.
Eventuell sei die vorinstanzliche Verfügung wegen der Verletzung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Eventuell sei die vorinstanzliche Verfügung wegen der
Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Eventuell sei die vorinstanzliche Verfügung auf-
zuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen
rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
Hinsichtlich der eingereichten Beweismittel wird auf die Beilagen in der
Rechtsmitteleingabe verwiesen (S. 85 ff.).
G.
G.a Mit Zwischenverfügung vom 10. Dezember 2018 wurde die Beschwer-
deführerin dazu aufgefordert, sich zur Rechtzeitigkeit der Beschwerdeein-
gaben zu äussern.
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G.b Mit Eingabe vom 27. Dezember 2018 wurde eine Stellungnahme zur
Sendungsverfolgung der angefochtenen Verfügung und deren Verantwort-
lichkeit eingereicht. Gleichzeitig wurde die Offenlegung sämtlicher Akten,
welche seit der Einreichung der Beschwerde in vorliegender Sache ange-
legt worden seien, sowie die Ansetzung einer Frist zur Einreichung einer
Ergänzung beantragt. Weiter verlangte der unterzeichnende Rechtsvertre-
ter für seinen Mehraufwand eine Parteientschädigung. Ferner stellte er die
Tätigkeit von Instruktionsrichterin Muriel Beck Kadima im vorliegenden so-
wie in anderen, von ihm geführten Verfahren in Frage.
G.c Mit Verfügung vom 14. Januar 2019 wurde der Beschwerdeführerin
vom Bundesverwaltungsgericht das Aktenverzeichnis des Beschwerdever-
fahrens übermittelt. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Einreichung ei-
ner Vernehmlassung eingeladen.
G.d Die Vorinstanz nahm in ihrer Vernehmlassung vom 29. Januar 2019
Stellung bezüglich der Zustellung der angefochtenen Verfügung.
G.e Mit Eingabe vom 30. Januar 2019 reichte die Beschwerdeführerin eine
Replik ein, in der sie an ihren Anträgen festhalten liess.
G.f Am 6. Februar 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin um Einsicht in
das Aktenstück 4 der Beschwerdeakten. Dieses Gesuch wies die Instrukti-
onsrichterin mit Zwischenverfügung vom 8. Februar 2019 ab. Zur Begrün-
dung führte sie aus, das Aktenstück 4 sei ihr bereits mit Zwischenverfügung
vom 10. Dezember 2018 zugestellt worden.
G.g Die Vorinstanz gewährte der Beschwerdeführerin am 12. Februar
2019 Einsicht in ihre Akten.
G.h Mit Eingabe vom 14. Februar 2019 reichte die Beschwerdeführerin
eine Stellungnahme im Zusammenhang mit der Rechtzeitigkeit der Be-
schwerdeerhebung ein. Gleichzeitig ersuchte sie um Auskunft zur Sen-
dungsverfolgung, zum Austausch des SEM und des Gerichts und zu den
diesbezüglichen Akten (Aktenführung) sowie um Befragung von Zeugen.
Weiter wurde auf den Schriftenwechsel in einem anderen vom unterzeich-
nenden Rechtsvertreter geführten Beschwerdeverfahren hingewiesen.
G.i Am 28. Februar 2019 wurde dem Gericht die in einem anderen vom
unterzeichnenden Rechtsvertreter geführten Beschwerdeverfahren einge-
reichte Replik zur Orientierung zugestellt.
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Seite 9
G.j
Mit Eingabe vom 19. März 2020 wurden ein Foto der Beschwerdeführerin,
eine Zusammenstellung des Rechtsvertreters von Länderinformationen
(Stand 26. Februar 2020) inklusive eine CD mit Ergänzungen zu den Akten
eingereicht. Zudem wurde beantragt, es sei abzuklären, ob der Name der
Beschwerdeführerin auf dem Mobiltelefon der (entführten) Schweizeri-
schen Botschaftsangestellten zu finden sei und welche Daten auf diesem
von den sri-lankischen Behörden abgegriffen worden seien.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
1.5 Aufgrund der Aktenlage geht das Gericht von der Rechtzeitigkeit der
Einreichung der vorliegenden Beschwerden aus. Demzufolge ist auf die in
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diesem Zusammenhang mit Eingabe vom 14. Februar 2019 gestellten An-
träge auf Erteilung von Auskünften zu administrativen Abläufen des Bun-
desverwaltungsgerichts und der Vorinstanz im Zusammenhang mit der
Frage der Rechtzeitigkeit der Beschwerdeeinreichung und um Befragung
von Zeugen mangels aktuellen Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten.
1.6 Die Beschwerden sind frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerden legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Nachdem die Beschwerden als rechtzeitig eingereicht gelten, erübrigt
sich ein Eingehen auf die in diesem Zusammenhang durchgeführten
Schriftenwechsel.
2.2 Auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers
ist nicht einzutreten (Beschwerde 1 Antrag 2 und Beschwerde 2 Antrag 4;
vgl. Teilurteil D-1549/2017 vom 2. Mai 2018).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Der Antrag auf Mitteilung des Spruchgremiums ist mit dem vorliegenden
Urteil gegenstandslos geworden (BVGE 2019 VI/6 E. 8.1).
5.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin kritisiert mit Eingabe vom
27. Dezember 2018 die Tätigkeit der Instruktionsrichterin im vorliegenden
Verfahren (aufgrund anderer Verfahren, die mit der Beschwerdeführerin
nichts zu tun haben, in denen aber ebenfalls der vorliegend bevollmäch-
tigte Rechtsvertreter beteiligt gewesen ist) und stellt unter anderem ihre
Objektivität in Frage. Er stellte jedoch kein ausdrückliches Ablehnungsge-
such gegen die Instruktionsrichterin, sondern vertritt die Auffassung, die
Instruktionsrichterin habe ihm in anderen Verfahren mit schikanöser Ab-
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sicht persönliche Kosten auferlegt. Deshalb wäre es die sinnvollste Lö-
sung, wenn sie in den Verfahren, die er betreue, auf jegliche Tätigkeit ver-
zichten würde.
Nachdem vorliegend kein Grund gemäss Art. 34 Abs. 1 BGG (i.V.m. Art. 38
VGG) gegeben ist, der die zuständige Instruktionsrichterin dazu hätte ver-
anlassen müssen, in den Ausstand zu treten, und nachdem der Rechtsver-
treter explizit kein Ausstandsbegehren im Sinne von Art. 36 BGG (i.V.m.
Art. 38 VGG) gestellt hat, ist auf die entsprechenden Ausführungen des
Rechtsvertreters nicht weiter einzugehen; es bestand auch keine Veran-
lassung, eine Korrespondenz mit dem Rechtsvertreter zur Beantwortung
entsprechender Unterstellungen zu führen.
6.
6.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Sistierung des Verfahrens in Be-
zug auf die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft, des Asylpunkts sowie
der Wegweisung. Das vorliegende Verfahren betreffe nicht nur asylrechtli-
che, sondern auch datenschutzrechtliche Fragen. Diese seien vorab zu be-
urteilen (Beschwerde 2 Antrag 3).
6.2 Die Abteilung I des Bundesverwaltungsgerichts ist zuständig für die Be-
handlung von Verfügungen über Einsichtsgesuche, welche die Akten eines
abgeschlossenen Asyl- beziehungsweise Vollzugsverfahrens betreffen und
die in Anwendung des DSG ergangen sind. Demgegenüber sind die asyl-
rechtlichen Abteilungen IV und V für Akteneinsichtsgesuche im Rahmen
der bei diesen Abteilungen hängigen Beschwerdeverfahren zuständig so-
wie in Fällen, in denen die angefochtene Verfügung sich nicht auf das Da-
tenschutzgesetz stützt (vgl. Urteile des BVGer A-5275/2015, A-5278/2015
vom 4. November 2016 E. 6). Der Beschwerdeführerin wurde am 7. August
2018 antragsgemäss im Zusammenhang mit ihrem neuen – noch hängigen
– Asylverfahren Einsicht in die Vollzugsakten gewährt. Folglich sind die
Asylabteilungen zuständig für die Behandlung der Fragen im Zusammen-
hang mit der Weitergabe von Personendaten (Art. 97 AsylG) und es ge-
langt das VwVG zur Anwendung (vgl. Urteil A-5275/2015 E. 8.4.1 f.). Der
Antrag auf Sistierung des Verfahrens zur Vorabklärung datenschutzrechtli-
cher Fragen ist daher abzuweisen, da diese im Rahmen des vorliegenden
Verfahrens zu behandeln sind (vgl. E. 13).
7.
In den Beschwerdeeingaben werden verschiedene formelle Rügen erho-
ben, die vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine
Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
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Seite 12
8.
8.1 Zu prüfen ist vorab die Rüge der Beschwerdeführerin, die angefoch-
tene Verfügung sei wegen Voreingenommenheit und Befangenheit des an
der Verfügung mitwirkenden Fachspezialisten F._ aufzuheben und
die Sache zur korrekten Behandlung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
8.2 Der Anspruch auf unbefangene Entscheidträger der Verwaltung ergibt
sich aus Art. 29 Abs. 1 BV; vgl. BVGE 2019 VI/6 E. 8.1). Danach hat jede
Person in Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen Anspruch auf
gleiche und gerechte Behandlung sowie auf Beurteilung innert angemes-
sener Frist. Art. 29 Abs. 1 BV wird durch Art. 10 Abs. 1 VwVG konkretisiert
(vgl. BREITENMOSER/SPORI FEDAIL, in: Waldmann/Weissenberger, VwVG,
Praxiskommentar, 2016, N. 17 zu Art. 10 VwVG).
8.3 Mit den Ausstandsregeln soll die objektive Beurteilung durch eine un-
parteiische und unvoreingenommene Behörde gewährleistet werden. Die
Ausstandsvorschriften sind sowohl auf Personen anwendbar, welche einen
Entscheid alleine oder zusammen mit anderen zu fällen haben, als auch
auf Personen, welche an einem Entscheid in irgendeiner Form mitwirken
und auf den Ausgang des Verfahrens Einfluss nehmen können, sei es be-
ratend oder instruierend (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, Die Befangenheit der
Verwaltung, 2002, S. 74; RETO FELLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG],
Zürich 2008 N. 5 zu Art. 10 VwVG). Für die Annahme von Zweifeln an der
Unparteilichkeit genügen nach gefestigter bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung Umstände, welche objektiv geeignet sind, den Anschein einer Vor-
eingenommenheit oder einer Gefährdung der Unparteilichkeit aufkommen
zu lassen. Das Misstrauen in die Unparteilichkeit muss objektiv und durch
vernünftige Gründe gerechtfertigt sein (vgl. BGE 127 I 196 E. 2b, BGE 119
V 456 E. 5b; SCHINDLER, a.a.O., S. 91 f.). Eine tatsächliche Befangenheit
wird laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung für den Ausstand nicht ver-
langt. Es genügt, wenn Umstände vorliegen, die bei objektiver Betrachtung
den Anschein der Befangenheit zu begründen vermögen (vgl. Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts D-7372/2018 E.6.4.2 m.w.H).
8.4 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bringt vor, F._
habe am 24. August 2018 vier Verfügungen erlassen, weshalb er beim Er-
lass der vorliegend angefochtenen Verfügung voreingenommen respektive
befangen gewesen sei. Viele Passagen dieser Verfügung seien identisch.
Es sei aber auch möglich, dass er die Daten so gewählt habe, um den
unterzeichnenden Rechtsvertreter zu schikanieren, zumal drei der von ihm
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Seite 13
am selben Tag erlassenen Verfügungen einen gesplitteten Rechtsweg auf-
weisen würden, was einen zusätzlichen Mehraufwand für den Rechtsver-
treter darstelle. Ferner würden die Entscheide zum Teil groteske rechtliche
Fehler aufweisen. Wer so schikanös vorgehe, leide „zwangsläufig unter
dem Verlust der Urteilsfähigkeit“, entscheide „voreingenommen“ und sei
„befangen“.
8.5 Diese Aussagen des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin sind
deutlich überzeichnet. Das von ihm beschriebene Vorgehen, die Behand-
lung der vom Rechtsvertreter genannten Geschäfte zeitlich und personell
zu koordinieren, erscheint angesichts der inhaltlich weitgehend deckungs-
gleichen Eingaben vielmehr als nachvollziehbar. Ein bewusst schikanöses
Vorgehen des Fachspezialisten gegenüber dem Rechtsvertreter der Be-
schwerdeführerin ist darin nicht zu erkennen. Das geäusserte Misstrauen
in die Unparteilichkeit von F._ ist nicht gerechtfertigt. Für das Ge-
richt besteht kein Anschein der Befangenheit von Fachspezialist
F._, weshalb die diesbezüglichen Anträge abzuweisen sind (Be-
schwerde 1 Antrag 1; Beschwerde 2 Antrag 2).
9.
Beim Antrag auf Feststellung der Fehlerhaftigkeit des vorinstanzlichen La-
gebildes vom 16. August 2016 handelt es sich sinngemäss um den vom
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in anderen Verfahren wiederholt
gestellten und vom Gericht abgewiesenen Antrag auf Offenlegung aller
nicht öffentlich zugänglichen Quellen des besagten Lagebilds. Der Antrag
ist abzuweisen (Beschwerde 2 Antrag 8; vgl. u.a. Urteil des BVGer
D-5483/2016 vom 14. August 2019 E. 5.2).
10.
Die Beschwerdeführerin rügt ferner Verletzungen des rechtlichen Gehörs
sowie des Untersuchungsgrundsatzes.
10.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3;
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die
Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü-
fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
E-5775/2018
Seite 14
erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein-
lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-
derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
10.2 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-
scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
10.3 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs,
da die Vorinstanz nicht auf den gestellten Beweisantrag betreffend das Ein-
holen von Informationen im Zusammenhang mit an die sri-lankischen Be-
hörden übermittelten Daten eingegangen sei respektive diesen mit unzu-
reichender Begründung abgewiesen habe.
Entgegen dieser Ansicht ist festzustellen, dass die Vorinstanz auf Seite 13
der angefochtenen Verfügung auf diesen Antrag eingegangen ist und zu-
treffend festgehalten hat, eine Berufung auf Art. 16 Bst. g Migrationsab-
kommen sei nicht möglich. Weitergehende Ausführungen waren nicht er-
forderlich. In diesem Zusammenhang kann auf zahlreiche andere von ih-
rem Rechtsvertreter geführte Verfahren verwiesen werden, in welchen das
Gericht ebenfalls zu diesem Schluss kam (vgl. bspw. Urteile des BVGer D-
5586/2018 vom 24. Oktober 2018 E. 9.5 und E-2050/2018 vom 10. Juli
2018 E. 6.1.5). Die Rüge erweist sich insoweit als unbegründet.
10.4 Die Beschwerdeführerin sieht ihren Anspruch auf rechtliches Gehör
auch deshalb als verletzt, weil die Vorinstanz sie trotz Antrags nicht erneut
zu ihren Asylgründen angehört habe. Dem ist entgegenzuhalten, dass die
Vorinstanz nicht verpflichtet war, die Beschwerdeführerin nochmals anzu-
hören. Das zweite Asylgesuch wurde drei Monate nach Ergehen des Ur-
teils E-8088/2015 vom 2. Oktober 2017 eingereicht. Bei dieser Konstella-
tion ist eine Anhörung gemäss Art. 29 AsylG grundsätzlich nicht vorgese-
hen (vgl. auch BVGE 2014/39 E. 4.3). Aufgrund der der Beschwerdeführe-
rin obliegenden Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 8 AsylG) war es an ihr, ihre
(neuen) Asylgründe bei der Einreichung des Gesuches substantiiert darzu-
tun und mit entsprechenden Beweismitteln zu belegen. Dies hat die an-
waltlich vertretene Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe auf 37 Seiten ge-
tan. Überdies handelt es sich bei ihrem Rechtsvertreter um einen paten-
E-5775/2018
Seite 15
tierten Rechtsanwalt mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet des Asyl-
rechts, mithin ist ihm bewusst und wurde ihm vom Gericht bereits in vielen
von ihm geführten Verfahren dargelegt, dass grundsätzlich kein Anspruch
auf eine nochmalige Anhörung besteht. Die Rüge erweist sich ebenfalls als
unbegründet.
10.5 Eine weitere Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt nach Ansicht der
Beschwerdeführerin darin, dass zwischen den Anhörungen vom 9. Juni
2015 respektive 5. Oktober 2015 (ergänzende Anhörung) und dem Erlass
des Asylentscheides am 21. September 2018 drei Jahre vergangen seien.
Trotz dieser langen Zeitspanne habe die Vorinstanz keine erneute Befra-
gung durchgeführt. Eine seriöse Auseinandersetzung habe damit nicht
stattgefunden.
Die Beschwerdeführerin verkennt indes, dass die genannten Anhörungen
im Rahmen des ersten Asylverfahrens stattgefunden haben, welches mit
Urteil E-8088/2015 vom 2. Oktober 2017 rechtskräftig abgeschlossen wur-
de. Die vorliegend angefochtene Verfügung und die genannten Anhörun-
gen beziehen sich demnach auf unterschiedliche Verfahren. Auf das Vor-
bringen ist demnach nicht einzugehen. Soweit eine erneute Anhörung be-
antragt wird, kann auf die Erwägung 10.4 verwiesen werden.
10.6 Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, eine Verletzung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör liege deshalb vor, weil unterschiedliche Per-
sonen für die Anhörungen und den Entscheid verantwortlich gewesen
seien. Dadurch habe die Vorinstanz das Gutachten von Prof. Dr. Walter
Kälin sowie die Medienmitteilung der Vorinstanz vom 26. Mai 2014 miss-
achtet.
Wie bereits unter Erwägung 10.5 dargelegt, bezieht sich die Beschwerde-
führerin damit auf ihr erstes Asylverfahren, welches im Oktober 2017 ab-
geschlossen war. Auch auf diese Rüge ist nicht weiter einzugehen.
10.7 Zu verneinen ist schliesslich auch eine Verletzung der Begründungs-
pflicht (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; 2008/47 E. 3.2). In der angefochtenen
Verfügung hat das SEM nachvollziehbar und im Einzelnen hinreichend dif-
ferenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich leiten liess. Es
hat sich auch mit sämtlichen wesentlichen Vorbringen der Beschwerdefüh-
rerin auseinandergesetzt. Der blosse Umstand, dass die Beschwerdefüh-
rerin die Auffassung des SEM nicht teilt, ist keine Verletzung der Begrün-
dungspflicht, sondern eine materielle Frage.
E-5775/2018
Seite 16
10.8 Schliesslich bemängelt die Beschwerdeführerin, der rechtserhebliche
Sachverhalt sei unvollständig und unrichtig abgeklärt worden, indem die
Vorinstanz ihre individuellen Vorbringen – ein Bruder lebe in der Schweiz,
mehrere Geschwister seien ausgereist, Verhaftung eines Cousins wegen
offensichtlicher LTTE-Verbindungen und die davon ausgehende Gefahr für
sie (die Beschwerdeführerin) im Falle einer Rückkehr – nicht einer Einzel-
fallprüfung unterzogen habe. Darüber hinaus habe die Vorinstanz die ak-
tuelle Situation in Sri Lanka unvollständig und nicht korrekt abgeklärt. Das
von ihr erstellte Lagebild vom 16. August 2016 genüge den Anforderungen
an korrekt erhobene Länderinformationen nicht. Die Sachverhaltsabklärun-
gen betreffend die allgemeine Verbesserung der Menschenrechtslage in
Sri Lanka durch die Vorinstanz seien ebenfalls falsch. Weiter habe es die
Vorinstanz unterlassen, die Relevanz des Urteils des High Court Vavuniya
vom 25. Juli 2017 und der Verfahren vor dem High Court in Colombo für
das vorliegende Verfahren korrekt und vollständig abzuklären.
Auch diese Rügen gehen fehl. Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen
Verfügung alle wesentlichen Sachverhaltselemente fest und würdigte die
Ausführungen der Beschwerdeführerin vor dem Hintergrund der aktuellen
Lage in Sri Lanka. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin be-
stehen keine stichhaltigen Gründe, von einem unkorrekt erfassten Sach-
verhalt in Bezug auf ihr individuelles Profil respektive die allgemeine Men-
schenrechtssituation in ihrem Heimatstaat auszugehen. Es bestand für das
SEM auch kein Anlass, Nachforschungen zu den von ihr erwähnten Ver-
wandten zu stellen. Im Weiteren hat die Vorinstanz zu Recht erwähnt, dass
die Beschwerdeführerin eine persönliche Verfolgungssituation in Sri Lanka
im ersten Asylverfahren nicht hat glaubhaft machen können, zumal sie die
geltend gemachte Verfolgung wegen LTTE-Verbindungen mit gefälschten
Dokumenten habe belegen wollen. Auch das Bundesverwaltungsgericht
habe sie in seinem Urteil E-8088/2015 als persönlich unglaubwürdig be-
zeichnet. Ausserdem spricht der Umstand, dass das SEM zum einen in
seiner Länderpraxis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt, als von der Be-
schwerdeführerin vertreten, und es zum anderen aus sachlichen Gründen
auch zu einer anderen Würdigung der Vorbringen gelangt, als von der Be-
schwerdeführerin verlangt, nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfest-
stellung, sondern stellt eine inhaltliche Kritik an der materiellen Würdigung
der Vorinstanz dar. Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde von der
Vorinstanz richtig und vollständig festgestellt.
E-5775/2018
Seite 17
11.
11.1 Die Beschwerdeführerin rügt schliesslich eine Verletzung von
Art. 111b Abs. 1 AsylG und Art. 66 Abs. 2 bst. a VwVG, von Art. 45 VGG in
Verbindung mit Art. 121 ff. BGG respektive eine Verletzung des Willkürver-
bots aufgrund einer unterlassenen Gesamtwürdigung des asylrelevanten
Risikoprofils beziehungsweise einer mangelhaften Beweiswürdigung (vgl.
Beschwerde 2 S. 33). Die vom SEM im Rahmen eines qualifizierten Wie-
dererwägungsgesuchs geprüften Sachverhalte und Beweismittel – es
handle sich um dokumentierte aktuellste Entwicklungen in Sri Lanka –
seien nach dem letzten Asylentscheid und dem Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts vom 2. Oktober 2017 entstanden und hätten demnach nicht
Gegenstand eines früheren Verfahrens vor dem SEM oder dem Bundes-
verwaltungsgericht sein können. Eine Behandlung als Wiedererwägungs-
gesuch falle damit ausser Betracht. Der diesbezügliche Nichteintretensent-
scheid des SEM sei zu Unrecht erfolgt, da die Frist von 30 Tagen für das
Einreichen des Gesuchs (Art. 111b Abs. 1 AsylG) nicht zur Diskussion ge-
standen habe. Die Behandlung der weiteren Beweismittel und Tatsachen
als Revisionsgründe sei falsch, da neue Tatsachen und Beweismittel den
Prozessgegenstand des früheren Urteils betreffen müssten und nicht bis-
her nicht einmal bekannte Sachverhalte. Zudem nehme das SEM keine
Gesamtwürdigung der verschiedenen Risikofaktoren vor und reisse Sach-
verhaltselemente aufgrund formeller Überlegungen auseinander. Auch der
gesplittete Rechtsweg sei widerrechtlich und unsinnig. Aus dem Dispositiv
ergebe sich auch nicht, welche Ziffern respektive welche Vorbringen wel-
che Beschwerdefrist hätten.
11.2 Die Vorinstanz qualifizierte die Vorbringen der Beschwerdeführerin
und ihrer neu eingereichten Beweismittel in Anwendung der massgeben-
den Gesetzesbestimmungen über ausserordentliche Rechtsmittel und
Mehrfachgesuche (vgl. Art. 111b und 111c AsylG, Art. 66 VwVG, Art. 45
VGG i.V.m. Art. 121 BGG, Art. 45 VGG i.V.m. Art. 121 ff. BGG; BVGE
2013/22) zu Recht differenziert als Mehrfachgesuch, (qualifiziertes) Wie-
dererwägungsgesuch und Revisionsgesuch. Dabei hat sie die verschwie-
genen Vorbringen – der Umfang des bereits im ersten Asylverfahren gel-
tend gemachten LTTE-Engagements – im Rahmen eines qualifizierten
Wiedererwägungsgesuchs geprüft. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstan-
den, zumal sie damit die Vorbringen einer materiellen Prüfung unterzogen
hat, woraus der Beschwerdeführerin kein Nachteil erwachsen ist (vgl.
hienach E. 15 ff.). Es ist denn auch festzustellen, dass Ereignisse, die sich
vor Abschluss des Verfahrens zugetragen haben oder Beweismittel, die
sich auf solche Ereignisse beziehen, in jedem Fall je nach Konstellation im
E-5775/2018
Seite 18
Rahmen eines Wiedererwägungs- oder Revisionsverfahrens zu prüfen
sind. Erhöhte Formerfordernisse sind im Rahmen von ausserordentlichen
Rechtmitteln zulässig respektive vom Gesetzgeber ausdrücklich so gewollt
(vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5). Bei einer in jeder Hinsicht korrekten Rechts-
anwendung ist eine Verletzung des Willkürverbots ausgeschlossen. Auch
der Einwand hinsichtlich der fehlenden Gesamtwürdigung geht fehl; so ist
spätestens bei einer drohenden Verletzung der völkerrechtlichen Verpflich-
tungen der Schweiz insbesondere nach Art. 3 EMRK, des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105)
und/oder des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) eine Gesamtwürdigung des gesamten Sach-
verhalts vorzunehmen. Das SEM hat dies in der angefochtenen Verfügung
in expliziter Weise getan, was insbesondere angesichts seiner Einschät-
zung einer mangelnden Erheblichkeit der neu eingereichten Beweismittel
und Sachverhaltsvorbringen genügte. Schliesslich erscheint die Rechtsmit-
telbelehrung mit zwei unterschiedlichen Fristen im vorliegenden Fall nicht
willkürlich oder widerrechtlich, zumal der Beschwerdeführerin daraus kein
Nachteil erwachsen ist (vgl. Urteil des BVGer E-5637/2018 vom 13. De-
zember 2018 E. 9.2).
12.
Die formellen Rügen erweisen sich insgesamt als unbegründet, weshalb
keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben
und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegeh-
ren sind somit abzuweisen.
13.
13.1 In der Beschwerdeeingabe 2 (Anträge 6 und 7) werden sodann ver-
schiedene Rügen im Zusammenhang mit der Reisepapierbeschaffung auf
Grundlage des Migrationsabkommens zwischen der Schweiz und Sri
Lanka und damit zusammenhängenden Datenschutzbestimmungen erho-
ben.
13.2 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung zu den Vorbringen der
Beschwerdeführerin hinsichtlich der Beantragung von Ersatzreisepapieren
fest, im Rahmen des standardisierten und langjährig bewährten Verfahrens
der Papierbeschaffung übermittle es dem sri-lankischen Generalkonsulat
die Personalien der betroffenen Person und beantrage die Ausstellung ei-
nes sri-lankischen Ersatzreisepapiers. Dem Generalkonsulat würden aus-
E-5775/2018
Seite 19
schliesslich Personendaten bekannt gegeben, die dem Zweck der Ersatz-
reisepapierbeschaffung dienen würden. Die Datenschutzbestimmungen
nach Art. 97 AsylG und Art. 106 AuG würden vollumfänglich eingehalten.
Neue Gefährdungselemente würden durch die Übermittlung von Daten
nicht geschaffen. Weiter komme Art. 16 Bst. g des Migrationsabkommens
nur zwischen den sri-lankischen und schweizerischen Behörden zur An-
wendung. Eine Einzelperson könne sich daher weder direkt darauf beru-
fen, noch bei den schweizerischen Behörden einen Antrag zur Stellung ei-
nes Gesuchs an die sri-lankischen Behörden stellen. Sie habe ein solches
Gesuch direkt an die sri-lankischen Behörden zu stellen. Es sei auch nicht
Sache der Asylbehörden, Gesuchstellende in datenschutzrechtlichen Be-
langen gegenüber ausländischen Staaten zu beraten und theoretische
Überlegungen zu allfälligen Konsequenzen eines Akteneinsichtsgesuchs
anzustellen. Es obliege der Beschwerdeführerin, die hierzu benötigten In-
formationen einzuholen und sich über das Prozedere zu erkundigen.
Schliesslich sei der Beschwerdeführerin mit Zwischenverfügung vom
7. August 2018 Einsicht in die Vollzugsakten des SEM gewährt worden,
wobei diese alle Dokumente enthielten, die im Zusammenhang mit der Pa-
pierbeschaffung und dem Austausch mit dem sri-lankischen Generalkon-
sulat vorliegen würden.
13.3 Die Beschwerdeführerin führt demgegenüber aus, in Art. 97 Abs. 3
AsylG und Art. 16 Bst. c Migrationsabkommen sei abschliessend aufgelis-
tet, welche Daten über sie an Sri Lanka übermittelt werden dürften. Es sei
davon auszugehen, dass über das Migrationsabkommen Daten von der
Schweiz an Sri Lanka übermittelt würden, die in Sri Lanka eine Verfolgung
der jeweils betroffenen Person auszulösen vermögen. Dies widerspreche
dem Zweck des Abkommens. Gestützt auf Art. 16 Bst. f des Migrationsab-
kommens werde beantragt, dass die Schweiz die in der genannten Bestim-
mung vorgesehenen Massnahmen wahrnehme. Sie solle von den zustän-
digen sri-lankischen Behörden verlangen, dass die Informationen über die
besuchten Schulen und anderweitige Informationen, welche nicht aus-
schliesslich der Identifikation der betroffenen Person dienen, gelöscht wür-
den. Zudem werde beantragt, dass die Schweiz gemäss Art. 16 Bst. f Mig-
rationsabkommen ihr Recht wahrnehme und jede weitere Übermittlung von
nicht relevanten Informationen beziehungsweise Informationen, die der
Verfolgung der betroffenen Person dienten, sperre. Sodann stelle die Über-
mittlung von Personendaten der Beschwerdeführerin an die sri-lankischen
Behörden eine Verletzung von Art. 6 DSG dar, da Sri Lanka keinen dem
Schweizer Schutzniveau entsprechenden Datenschutz aufweise. Da die
sie betreffenden Personendaten bereits an die sri-lankischen Behörden
E-5775/2018
Seite 20
übermittelt worden seien, sei die Widerrechtlichkeit dieser Übermittlung ge-
mäss Art. 25 Abs. 1 Bst. c DSG festzustellen. Die Folge der widerrechtli-
chen Datenübertragung sei die ihr drohende Verfolgungsgefahr in Sri
Lanka. Sie habe das SEM zudem ersucht, dass die Schweizer Behörden
gestützt auf Art. 16 Bst. g Migrationsabkommen erwachsendes Recht und
ihre Pflicht wahrzunehmen und sich bei den zuständigen sri-lankischen Be-
hörden danach zu erkundigen hätten, inwiefern die sie betreffenden und
übermittelten Daten verwendet, wo diese und zu welchem Zweck gespei-
chert seien, welche Behörden zu diesen Informationen Zugang hätten und
welche Ergebnisse damit erzielt würden. Diese Informationen seien in der
notwendigen Übersetzung offenzulegen. Diesen Antrag habe die
Vorinstanz nicht klar behandelt, weshalb daran festgehalten werde. So-
dann werde beantragt, die Vorinstanz sei anzuweisen, zu erläutern, wie die
Beschwerdeführerin gegenüber den sri-lankischen Behörden vorzugehen
habe, um Auskunft über die sie betreffenden Daten zu erhalten. Auch
werde beantragt, dass die Vorinstanz zu erläutern habe, welche Konse-
quenzen eine Erkundigung durch einen abgewiesenen tamilischen Asylsu-
chenden bei den sri-lankischen Terrorbekämpfungsbehörden nach dem
Vorhandensein der sie betreffenden Daten nach sich ziehen würde.
13.4 Die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung (vgl. hievor E. 13.2)
sind korrekt und praxiskonform. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in
BVGE 2017 VI/6 mit den Rügen im Zusammenhang mit dem Migrations-
abkommen Schweiz-Sri Lanka betreffend die Datenweitergabe und damit
möglicherweise verbundene Verpflichtungen der Schweizer Migrationsbe-
hörden ausführlich auseinandergesetzt und eine Verletzung der angerufe-
nen Bestimmungen durch das Vorgehen des SEM bei der Papierbeschaf-
fung verneint. Insoweit kann – wie bereits in zahlreichen früheren Verfah-
ren desselben Rechtsvertreters vor dem Bundesverwaltungsgericht (z.B.
Urteil E-5015/2018 vom 1. Oktober 2018 E. 8) – auf die entsprechenden
Erwägungen verwiesen werden (a.a.O. E. 2.5.2 und 2.4.3) und sämtliche
in diesem Zusammenhang gestellten Anträge sind abzuweisen.
13.5 Folglich sind die Anträge der Beschwerdeführerin auf Einsicht in die
gesamten Akten der sri-lankischen Behörden im Zusammenhang mit der
Ersatzreisepapierbeschaffung und um Übersetzung dieser Akten ebenfalls
abzuweisen.
14.
E-5775/2018
Seite 21
14.1 Die Beschwerdeführerin stellt für den Fall einer materiellen Beurtei-
lung der Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht mehrere Be-
weisanträge (Beschwerde 2, S. 56 f.): Es sei ihr vollständige Einsicht in die
Vollzugsakten des SEM zu gewähren. Insbesondere sei ihr Einsicht in die-
jenigen Akten zu gewähren, welche von den Schweizer und den sri-lanki-
schen Behörden im Zusammenhang mit ihrer Ersatzreisepapierbeschaf-
fung auf dem sri-lankischen Generalkonsulat angelegt worden seien (Be-
weisantrag 1). Die Vorinstanz sei anzuweisen darzulegen, inwiefern die sri-
lankische Gesetzgebung im Bereich Datenschutzgesetz dem Schweizer
Schutzniveau entspreche und ob in diesem Zusammenhang die sie betref-
fenden und an die sri-lankischen Behörde überwiesenen Daten im Sinne
des Schweizer Datenschutzrechts beziehungsweise dem Schweizer Da-
tenschutzrecht entsprechenden Schutzniveau behandelt würden (Beweis-
antrag 2). Die Vorinstanz sei anzuweisen, im vorliegenden Verfahren de-
tailliert zu erläutern, wie sie gegenüber den sri-lankischen Behörden vor-
zugehen habe, um Auskunft über die sie betreffenden Daten zu erhalten.
Auch habe die Vorinstanz zu erläutern, welche Konsequenzen eine Erkun-
digung durch eine abgewiesene tamilische Asylsuchende bei den sri-lanki-
schen Terrorbekämpfungsbehörden nach dem Vorhandensein sie betref-
fender Daten nach sich ziehen würde (Beweisantrag 3). Die Beschwerde-
führerin sei erneut anzuhören, insbesondere zu ihren neu vorgebrachten
Asylgründen, und zwar durch eine Person, die über ausreichende Länder-
hintergrundinformationen zu Sri Lanka verfüge (Beweisantrag 4). Das SEM
sei anzuweisen, die Asylakten ihres Bruders zur Beurteilung der Sache hin-
zuzuziehen und die entsprechenden Akten dem unterzeichnenden Rechts-
vertreter offenzulegen und diesbezüglich eine angemessene Frist zur Ein-
reichung einer Stellungnahme anzusetzen (Beweisantrag 5).
14.2 Aus den Asylakten ist ersichtlich, dass die Vorinstanz der Beschwer-
deführerin mit Verfügung vom 7. August 2018 – mit Einschränkung der
Akte V4/1/Einschwärzung von Personendaten Dritter – Einsicht in sämtli-
che Akten im Zusammenhang mit der Ersatzreisepapierbeschaffung ge-
währt hat; es existieren keine weiteren Akten. Soweit sie Einsicht in die
Unterlagen der sri-lankischen Behörden verlangt, ist auf die Erwägung 13.5
hievor zu verweisen. Antrag 1 ist somit abzuweisen. Die Frage, inwiefern
die sri-lankische Gesetzgebung dem schweizerischen Datenschutzniveau
entspricht, kann für vorliegendes Verfahren offenbleiben (Antrag 2; vgl.
Entscheid E-1931/2018 vom 10. Juli 2018 E. 8.1 und 8.2). Hinsichtlich des
Antrags 3 kann auf Erwägung 13.4 verwiesen werden. Der Antrag ist ab-
zuweisen. Ferner ist der Antrag 4 auf erneute Anhörung abzuweisen. So
E-5775/2018
Seite 22
besteht kein Anspruch auf eine erneute Anhörung im Rahmen eines Mehr-
fachgesuches. Es ist darauf hinzuweisen, dass die anwaltlich vertretene
Beschwerdeführerin ihre neuen Vorbringen im schriftlichen Gesuch im
Sinne von Art. 111c AsylG ausführlich darlegen konnte; in den Beschwer-
deschriften wird denn auch diesbezüglich nichts Neues vorgetragen.
Schliesslich ist auch der Antrag 5 auf Beizug der Asylakten des Bruders
abzuweisen. So hat die Beschwerdeführerin in der BzP zwar angegeben,
einen Bruder zu haben, der seit 1992 in der Schweiz lebe (Akte A13 S. 5).
Jedoch nannte sie diesen im Laufe der Befragungen nicht mehr und gab
auch nicht an, dass sie wegen dieses Bruders in Schwierigkeiten geraten
sei.
15.
15.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid in materieller Hinsicht im
Wesentlichen damit, die eingereichte Länderdokumentation vom 12. Okto-
ber 2017 beziehe sich überwiegend auf Berichte und Zeitungsartikel aus
den Jahren 2012 bis Anfang Oktober 2017, welche damit vor Erlass des
Urteils des Bundesverwaltungsgerichts E-8088/2015 vom 2. Oktober 2017
entstanden seien. Dasselbe lasse sich für die Beilagen zu den Ausführun-
gen zur aktuellen Lage in Sri Lanka feststellen, die alle vor dem genannten
Urteil entstanden seien. Diese seien daher in einem Revisionsverfahren zu
prüfen, welche in die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts fallen
würde. Erachte sich eine Behörde für eine ihr übermittelte Eingabe als nicht
zuständig, so überweise sie die Sache ohne Verzug an die zuständige Be-
hörde (Art. 8 VwVG). Falls eine Partei die Zuständigkeit der angerufenen
Behörde behaupte, bestehe alternativ die Möglichkeit der Ausfällung eines
Nichteintretensentscheids (Art. 9 Abs. 2 VwVG). Vorliegend rechtfertige es
sich – infolge fehlender Zuständigkeit und in Anwendung von Art. 9 Abs. 2
VwVG – auf die als neues Asylgesuch betitelte Eingabe vom 3. Januar
2018 nicht einzutreten, soweit sie Sachverhalte und Beweismittel betreffen
würden, die zum Zeitpunkt des materiellen Beschwerdeurteils des BVGer
E-8088/2017 vom 2. Oktober 2017 bereits bestanden hätten.
Bei einem Teil der Beilagen zur vom Rechtsvertreter der Beschwerdefüh-
rerin erstellten Länderdokumentation vom 12. Oktober 2017 handle es sich
um nachträglich entstandene Beweismittel, welche vorbestandene Tatsa-
chen belegen sollten und im Rahmen eines qualifizierten Wiedererwä-
gungsgesuchs zu prüfen seien. Seit deren Entstehung seien mehr als 30
Tage vergangen, weshalb sie verspätet eingereicht worden seien und auf
die Vorbringen nicht einzutreten sei. Dem im eingereichten Bericht der Zei-
E-5775/2018
Seite 23
tung Tamil Guardian aufgeführten Ereignis sei sodann kein direkter persön-
licher Bezug zur Beschwerdeführerin zu entnehmen. Dieses Beweismittel
sei somit nicht erheblich und nicht geeignet, die Frage ernsthaft aufzuwer-
fen, ob beim Wegweisungsvollzug Art. 33 FK oder Art. 3 EMRK (SR 0.101)
verletzt würden. Weiter handle es sich beim geltend gemachten, bisher
verschwiegenen Umfang der LTTE-Unterstützung der Beschwerdeführerin
(LTTE-Training in der Schule, Lebensmittellieferung an die LTTE-Kämpfer,
LTTE-Mitgliedschaft und -kämpferin u.a.) um Sachverhalte, die sich bereits
vor dem ersten Entscheid des SEM vom 13. November 2015 ereignet hät-
ten. Es handle sich damit um verspätet geltend gemachte Sachverhalte,
die einem Mehrfachgesuch nicht zugänglich seien, sondern vom SEM im
Rahmen eines qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs zu prüfen seien.
Vorauszusetzen sei allerdings, dass es sich dabei um eine erhebliche Tat-
sache handle, welche in begründeter Weise nicht bereits früher habe bei-
gebracht werden können. Die Beschwerdeführerin habe keine nachvoll-
ziehbaren Gründe vorgebracht, weshalb sie diese Vorbringen nicht bereits
in den früheren Verfahren eingebracht habe. Die Erfahrung lehre, dass
Asylsuchende aus Sri Lanka ihre LTTE-Mitgliedschaft in Asylverfahren in
aller Regel von Beginn weg geltend machen würden. Weiter seien die gel-
tend gemachte LTTE-Mitgliedschaft und die damit zusammenhängenden
Tätigkeiten nicht erheblich, weil sie mangels Glaubhaftigkeit nicht geeignet
seien, die Schlussfolgerungen der Verfügung des SEM vom 13. November
2015 umzustossen. Bereits aufgrund der nicht erklärbaren späten Geltend-
machung der angeblichen LTTE-Mitgliedschaft bei den Sea Tigers seien
erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit angezeigt. Zudem sei die persön-
liche Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführerin erheblich herabgesetzt,
nachdem sie im ersten Asylverfahren ihre angebliche Verfolgung wegen
LTTE-Verbindungen mit nachgewiesenermassen gefälschten Dokumenten
habe belegen wollen. Bereits das Bundesverwaltungsgericht habe in sei-
nem Urteil E-8088/2015 festgehalten, dass sie persönlich nicht glaubwür-
dig erscheine. So habe sie auch im Beschwerdeverfahren explizit festge-
halten, sie sei nie Vollmitglied der LTTE gewesen und habe auch nicht aktiv
an den Kämpfen teilgenommen. Die vom Bundesverwaltungsgericht vor-
genommenen Abklärungen durch die Schweizerische Botschaft in Co-
lombo hätten die von ihr geltend gemachte Tätigkeit für die LTTE auch nicht
bestätigt. Demnach habe sie keinen Bezug zu den LTTE glaubhaft machen
können. Vor diesem Hintergrund seien ihre Schilderungen der Aktivitäten
für die LTTE in der Eingabe vom 3. Januar 2018 überzogen. Es sei offen-
sichtlich, dass sie und ihr Rechtsvertreter versuchten, ihr Profil massiv zu
überhöhen, um einen Zusammenhang mit den Prozessen von Vavuniya
und Colombo und damit eine Verfolgungsgefahr für sie zu konstruieren. In
E-5775/2018
Seite 24
dieses Bild passe, dass in ihrem Gesuch von Rehabilitationshaft und sexu-
ellen Übergriffen gesprochen werde, Sachverhalte, die keinen erkennba-
ren Zusammenhang mit ihren bisherigen Vorbringen hätten.
Ferner hielt die Vorinstanz fest, das Vorbringen im Zusammenhang mit
dem Backgroundcheck sei als Mehrfachgesuch entgegenzunehmen. Dem
sri-lankischen Generalkonsulat würden gemäss dem Migrationsabkommen
Personendaten bekannt gegeben, die dem Zweck der Ersatzreisepapier-
beschaffung dienen würden. Die Datenschutzbestimmungen würden dabei
vollumfänglich eingehalten und neue Gefährdungselemente nicht geschaf-
fen. Das Vorliegen einer begründeten Furcht vor Verfolgungsmassnahmen
wegen der Ersatzreisepapierbeschaffung sei somit zu verneinen. Die wei-
teren Ausführungen und Beweismittel würden daran nichts ändern. Weitere
Faktoren bezüglich einer Rückkehrgefährdung, die im vorliegenden Mehr-
fachgesuch zu berücksichtigen wären und nicht schon in den vorhergehen-
den Verfahren vor dem SEM und BVGer behandelt worden seien, würden
nicht vorliegen. In Bezug auf den gemachten Hinweis auf neue Fälle von
Verfolgung nach Rückschaffungen aus der Schweiz sei festzustellen, dass
das SEM generell eine Einzelfallprüfung vornehme. Insgesamt erfülle die
Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb ihr Asylge-
such abzulehnen sei.
Die Vorinstanz hielt weiter fest, eine Rückkehr der Beschwerdeführerin
nach Sri Lanka erweise sich als zulässig. Überdies sei die Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs weiterhin gegeben. Die Beschwerdeführerin
habe nebst ihrer alleinstehenden, körperlich geschwächten Mutter und ih-
rer verwitweten Schwester weitere Verwandte in Sri Lanka.
15.2 Die Beschwerdeführerin beantragt auf Beschwerdeebene zwar aus-
drücklich, ihre Eingabe vom 3. Januar 2018 sei vom SEM vollumfänglich
als neues Asylgesuch zu behandeln (Beschwerde 2, Antrag 5). Indes be-
zeichnet sie die Qualifikation ihrer (verschiedenen) Vorbringen durch das
SEM als richtig (vgl. Beschwerde 2, S. 72), wobei sie mit deren Beurteilung
nicht einverstanden sei. Gleichzeitig weist sie neben den bereits beurteilten
formellen Rügen und der mit Eingabe vom 3. Januar 2018 dargelegten Be-
gründung in materieller Hinsicht im Wesentlichen darauf hin, sie erfülle
mehrere der im Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts definierten
Risikofaktoren, wobei fünf als stark einzustufen seien. Zudem ergebe sich
mit dem konstitutionellen Putsch – der Absetzung von Wickremesinghe –
und der Ernennung von Mahinda Rajapaksas zum Premierminister am
E-5775/2018
Seite 25
26. Oktober 2018 ein massiv verstärktes Verfolgungsrisiko. Weiter enga-
giere sich die Beschwerdeführerin in der Schweiz exilpolitisch. Sie habe an
den (...) der LTTE in E._ teilgenommen, wobei sie nebst drei Fotos,
die der Beschwerde beilagen, weitere Beweismittel beibringen könne. Ent-
gegen der Argumentation der Vorinstanz seien ihre Asylvorbringen glaub-
haft ausgefallen. Nicht selten würde tamilischen Asylsuchenden geraten,
ihre LTTE-Vergangenheit zu verschweigen, um nicht als Terrorist betitelt zu
werden. Oftmals hätten auch die Dolmetscher bei der BzP einen grossen
Einfluss auf die Asylsuchenden und würden sie zu einem solchen Vorge-
hen raten. Die Anhörung der Beschwerdeführerin deute auf eine Unsicher-
heit und Angst hin. Indem sich die Vorinstanz auf die im ersten Asylverfah-
ren festgestellte Unglaubhaftigkeit gestützt habe, sei sie respektive der zu-
ständige Fachspezialist voreingenommen gewesen. Der Vorwurf, wonach
die Beschwerdeführerin und ihr Rechtsvertreter versucht hätten, ein mas-
siv überhöhtes Profil zu konstruieren, gehe fehl, zumal es bei der Redak-
tion der Eingabe vom 3. Januar 2018 einen Fehler gegeben habe. Insge-
samt sei jedoch von der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerde-
führerin auszugehen. Überdies habe das SEM in keiner Weise erwähnt,
dass ihr Cousin für die LTTE tätig gewesen und deswegen inhaftiert wor-
den sei, womit es auch die Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens nicht in
Frage gestellt habe. In diesem Zusammenhang wird erneut auf die Ge-
richtsverfahren in Vavuniya vom Juli 2017 hingewiesen.
16.
Insofern die Beschwerdeführerin mit den angerufenen Beweismitteln und
Tatsachen eine bereits bestehende Gefährdung im Zeitpunkt des Urteils
des Bundesverwaltungsgerichts geltend machen will, sind – je nach Zeit-
punkt des Entstehens der entsprechenden Beweismittel – die Bestimmun-
gen zum Wiedererwägungs- respektive Revisionsverfahren einschlägig.
16.1 Das SEM trat aufgrund der mangelnden funktionalen Zuständigkeit zu
Recht auf die Vorbringen, welche sich auf Sachverhalte und Beweismittel
stützen, welche vor dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-8088/2015 vom 2. Oktober 2017 entstanden sind – namentlich Beilagen
zu den Ausführungen zur aktuellen Lage in Sri Lanka und zahlreiche Bei-
lagen (Berichte und Zeitungsartikel) zum Länderbericht vom 12. Oktober
2017 – nicht ein, da diese im Rahmen einer Revision beim Bundesverwal-
tungsgericht geltend gemacht werden müssten. Dies wurde in der Be-
schwerdeschrift auch nicht beanstandet (vgl. a.a.O. S. 72).
E-5775/2018
Seite 26
16.2
16.2.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich
geregelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren
nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG
(Art. 111b Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.).
16.2.2 Verspätete Vorbringen können indes in einem qualifizierten Wieder-
erwägungsverfahren ungeachtet der 30-tägigen Frist zur Revision eines
rechtskräftigen Entscheids führen, wenn aufgrund dieser Vorbringen offen-
sichtlich wird, dass der Beschwerdeführerin Verfolgung oder menschen-
rechtswidrige Behandlung droht und damit ein völkerrechtliches Wegwei-
sungshindernis besteht (vgl. EMARK 1995 Nr. 9 E. 7). Dabei muss die be-
achtliche Wahrscheinlichkeit einer aktuellen, ernsthaften Gefahr schlüssig
nachgewiesen werden, selbst wenn dabei ein herabgesetzter Beweis-
massstab des Glaubhaftmachens genügt.
16.2.3 In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass eines
der Dokumente des Länderberichts vom 12. Oktober 2017 (Beilage 265,
Bericht der Zeitung Tamil Guardian vom 6. Oktober 2017), welches nach
dem Beschwerdeentscheid E-8088/2015 entstanden sei, aber eine Gefähr-
dung der Beschwerdeführerin zum Urteilszeitpunkt aufzeigen soll, als qua-
lifiziertes Wiedererwägungsgesuch nach Art. 111b Abs. 1 AsylG zu behan-
deln ist. Mit der Eingabe vom 3. Januar 2018 ist die Frist von 30 Tagen
nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes jedoch abgelaufen, wes-
halb dieses Beweismittel verspätet eingereicht wurde. Das SEM ist auf das
entsprechende Vorbringen zu Recht nicht eingetreten.
Die damit vorgebrachte Tatsache ist darüber hinaus auch nicht als erheb-
lich zu qualifizieren und vermag – unabhängig von der Rechtzeitigkeit der
Einreichung – nicht zu einer Änderung der bisherigen Einschätzung zu füh-
ren. Es ist keine drohende Verfolgung oder menschenrechtswidrige Be-
handlung ersichtlich, zumal aus dem diesbezüglichen Bericht ein individu-
eller Bezug, welcher eine Gefährdung der Beschwerdeführerin aufzeigen
würde, zu verneinen ist.
Ferner ist der Vorinstanz beizupflichten, dass das bisher verschwiegene
LTTE-Engagement der Beschwerdeführerin zwischen 1999 und 2009 und
die damit zusammenhängenden Tätigkeiten nicht als erheblich zu erachten
sind, um die Schlussfolgerungen der Verfügung des SEM vom 13. Novem-
ber 2015 umzustossen. Die Erklärungen der Beschwerdeführerin, weshalb
E-5775/2018
Seite 27
sie ihre LTTE-Mitgliedschaft und den Umfang ihres Engagements für die
LTTE nicht bereits im ersten Asylverfahren vorgebracht habe, überzeugt
nicht. Die verschiedenen Erklärungsversuche – bekanntes Phänomen bei
tamilischen Asylsuchenden, oftmaliger Rat der in der BzP amtierenden Dol-
metscher, die LTTE-Tätigkeit zu verschweigen, Unsicherheit und Angst bei
der Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung, etc. – vermögen zu kei-
ner anderen Betrachtungsweise zu führen. Es kann nicht von einer (per-
sönlichen) Voreingenommenheit des Fachspezialisten gesprochen wer-
den, weil die Vorinstanz die Ausführungen in der Eingabe vom 3. Januar
2018 als nicht nachvollziehbar bezeichnet und zusätzlich auf die bereits im
ersten Asylverfahren herabgesetzte persönliche Glaubwürdigkeit der Be-
schwerdeführerin hingewiesen hat. Vielmehr sind im angefochtenen Ent-
scheid in eingehender, nachvollziehbarer Weise die Gründe aufgeführt,
welche zur fehlenden Glaubhaftigkeit der Vorbringen geführt haben. Zur
Vermeidung von Wiederholungen kann zudem auf die diesbezüglichen Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Im Weiteren hielt die Vo-
rinstanz im vorangegangenen Asylverfahren zum Umstand, dass viele
Cousins und Cousinen der Beschwerdeführerin von der LTTE zwangsre-
krutiert worden seien, sie zu diesen entfernten Verwandten jedoch keinen
Kontakt gehabt habe, fest, dass gestützt auf dieses Vorbringen, an dem
ohnehin Zweifel bestünden, nicht von asylrechtlich relevanten Nachteilen
für sie ausgegangen werden könne. Schliesslich wurde in der Eingabe vom
3. Januar 2018 diesbezüglich nichts Neues vorgebracht, weshalb sich die
Vorinstanz dazu auch nicht mehr zu äussern hatte. Im Weiteren vermag
auch das am 19. März 2020 eingereichte Foto, auf dem die Beschwerde-
führerin anlässlich eines LTTE-Trainings abgebildet sein soll, das geltend
gemachte LTTE-Engagement nicht glaubhaft zu machen, zumal es sich
dabei um ein Foto handelt, auf dem die Beschwerdeführerin nicht eindeutig
zu erkennen ist, weshalb diesem Beweismittel kein Beweiswert zukommt.
Entgegen der Argumentation der Beschwerdeführerin hat die Vorinstanz
zudem eine Gesamtwürdigung ihrer Vorbringen vorgenommen (vgl. auch
E. 10 f. hievor).
Insgesamt hat die Vorinstanz das qualifizierte Wiedererwägungsgesuch zu
Recht abgewiesen.
17.
In einem weiteren Schritt sind die neu vorgebrachten Tatsachen und Be-
weismittel zu prüfen, mit welchen eine Änderung des zum Zeitpunkt des
Urteils des Bundesverwaltungsgerichts E-8088/2015 vom 2. Oktober 2017
E-5775/2018
Seite 28
bestehenden Sachverhalts geltend gemacht werden soll und entsprechend
im Rahmen eines zweiten Asylgesuchs zu prüfen sind. Der Kern des Ge-
suchs vom 3. Januar 2018 – die durch die Datenübermittlung entstandene
Gefährdungslage – ist klar als Mehrfachgesuch zu qualifizieren, was in der
Zuständigkeit des SEM liegt.
18.
18.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
18.2 Nach Art. 54 AsylG (subjektive Nachfluchtgründe) wird Flüchtlingen
kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder
Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge
im Sinne von Art. 3 AsylG wurden. Personen mit subjektiven Nachflucht-
gründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig
aufgenommen. Massgebend ist dabei einzig, ob die heimatlichen Behör-
den das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und
dieser deswegen bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung
im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforde-
rungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und
7 AsylG; vgl. zum Ganzen auch BVGE 2009/29 E. 5.1 und 2009/28 E. 7.1).
18.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/29 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28
E-5775/2018
Seite 29
19.
19.1 Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, sie sei aufgrund der
Datenweitergabe im Zusammenhang mit dem Migrationsabkommen bei ei-
ner Rückkehr einer asylrelevanten Gefährdung ausgesetzt, ist festzustel-
len, dass sich das Bundesverwaltungsgericht in BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3
zur Frage geäussert hat, ob (allein) aufgrund einer Datenweitergabe im Zu-
sammenhang mit dem Migrationsabkommen von einer Gefährdung auszu-
gehen ist. Es hielt fest, dass es sich bei Art. 97 Abs. 3 AsylG und Art. 16
Bst. c Migrationsabkommen um eine nicht abschliessende Aufzählung der
Daten handle, die einer ausländischen Behörde für die Organisation der
Ausreise der betroffenen Person übermittelt werden dürften. Bei der Er-
satzreisepapierbeschaffung handle es sich um ein standardisiertes, lang
erprobtes und gesetzlich geregeltes Verfahren. Nur aufgrund der Daten-
übermittlung der schweizerischen an die sri-lankischen Behörden sei bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit einer asylrelevanten Verfol-
gung zu rechnen. An dieser Einschätzung ist vorliegend festzuhalten, zu-
mal sich den diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerin keine
konkreten Anhaltspunkte dafür entnehmen lassen, dass sie aufgrund der
Datenübermittlung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit Nachteilen asyl-
relevanten Ausmasses zu rechnen hat.
19.2 Hinsichtlich des erstmals auf Beschwerdeebene vorgebrachten exil-
politischen Engagements ist dieses als niederschwellig einzustufen. Aus
ihrer Teilnahme an den (...) der LTTE in E._, welche sie mit drei
Fotos untermauert, lässt sich nicht auf ein besonderes politisches Engage-
ment der Beschwerdeführerin schliessen. Es ist ohnehin unklar, ob diese
eingereichten Fotos tatsächlich so entstanden sind. Zudem legt sie mit die-
sem Vorbringen in keiner Weise dar, inwieweit sie sich dadurch derart ex-
poniert habe, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Furcht vor einer
asylrelevanten Verfolgung haben müsste. Es ist nicht davon auszugehen,
dass sie aufgrund dieser Aktivitäten in den Fokus der sri-lankischen Behör-
den geraten ist. Es liegen keine subjektiven Nachfluchtgründe vor.
19.3 Auch unter Berücksichtigung der nach Abschluss des ersten Asylver-
fahrens entstandenen, von der Beschwerdeführerin als Beweismittel ein-
gereichten (Gerichts-)Dokumente, Berichte und Länderinformationen, wel-
che sich im Wesentlichen auf die allgemeine Situation in Sri Lanka bezie-
hen ohne einen konkreten Bezug zu ihr zu haben, bestehen nach Auffas-
sung des Gerichts keine stichhaltigen Gründe zur Annahme, dass sie einer
der im Referenzurteil E-1866/2015 genannten Risikogruppen zuzurechnen
ist. Die Ausreise mit einem gefälschten Pass und die tamilische Ethnie der
E-5775/2018
Seite 30
Beschwerdeführerin vermögen kein flüchtlingsrechtliches Risikoprofil im
beschriebenen Sinne zu begründen. Wie oben dargelegt, ist es ihr nicht
gelungen, eine Gefährdungssituation wegen eines angeblichen LTTE-En-
gagements glaubhaft zu machen.
19.4 Weder die vorübergehende diplomatische Krise zwischen der
Schweiz und Sri Lanka im Dezember 2018 noch die jüngsten Ereignisse in
Sri Lanka vermögen an dieser Einschätzung etwas zu ändern. Am 16. No-
vember 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsidenten Sri Lan-
kas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Raja-
paksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguar-
dian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-
premadas-count-continues, abgerufen am 18. November 2020). Gotabaya
Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten
Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidi-
gungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journa-
listinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem
wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsver-
brechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl.
Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.01.2020). Kurz
nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum
Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in
die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja-
paksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche
Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. https://www.ani-
news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-cha-
mal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/, abgerufen
am 18. November 2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minderhei-
ten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwa-
chung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen
und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl.
Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste
bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa-
ksa das Parlament vorzeitig auf (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das
Parlament auf, 03.03.2020). Am 5. August 2020 fanden Parlamentswahlen
statt, welche die neue gegründete Partei Sri Lanka Podujana Peramuna
(SLPP) unter Mahinda Rajapaksa mit absoluter Stimmenmehrheit gewann
(https://www.nzz.ch/international/sri-lanka-rajapaksa-clan-weitet-seine-
macht-weiter-aus-ld.1570210?reduced=true, abgerufen am 18. November
2020).
https://www.nzz.ch/international/sri-lanka-rajapaksa-clan-weitet-seine-macht-weiter-aus-ld.1570210?reduced=true https://www.nzz.ch/international/sri-lanka-rajapaksa-clan-weitet-seine-macht-weiter-aus-ld.1570210?reduced=true
E-5775/2018
Seite 31
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der erwähnten Veränderungen in
Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und be-
rücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen
Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefähr-
dungslage auszugehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil
ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl.
Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli
2016; HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened,
16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur
Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs-
gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen
Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asyl-
suchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019
respektive deren Folgen besteht. Für die Beschwerdeführerin ist das nach
dem Gesagten zu verneinen.
An der Lageeinschätzung des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 ist weiterhin festzuhalten. Aus den Akten ist auch unter Berücksichti-
gung der aktuellen Lage in Sri Lanka keine auf die Person der Beschwer-
deführerin bezogene konkrete Gefährdung erkennbar.
19.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass allfällige Befragungen am Flugha-
fen und auch nach der Einreise am Herkunftsort – zumal bei Fehlen hinrei-
chender individueller Anhaltspunkte – nicht als asylrelevant zu erachten
sind.
19.6 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und das SEM auch ihr zweites Asyl-
gesuch zu Recht abgelehnt hat.
20.
20.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
20.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
E-5775/2018
Seite 32
21.
21.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
21.2
21.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3
FoK und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder un-
menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen
werden.
21.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Heimat-
staat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
21.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde-
führerin noch den übrigen Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall
einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit einer nach Art. 3 EMRK oder FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würden
(vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse
Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.).
E-5775/2018
Seite 33
Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen weder
die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig er-
scheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 2.2 f.). An dieser Einschät-
zung ist auch unter Berücksichtigung des Regierungswechsels vom No-
vember 2019, des Ausgangs der Parlamentswahlen vom August 2020 so-
wie der aktuellen Situation in Sri Lanka festzuhalten (vgl. statt vieler: Urteil
des BVGer E-6309/2018 E. 9.3 vom 6. November 2020). Nach dem Ge-
sagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch
der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
21.3
21.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
21.3.2 Das SEM hat auch zu Recht die Frage der Zumutbarkeit des Voll-
zugs der Wegweisung bejaht und dabei auf die nach wie vor zutreffenden
Erwägungen in seinem Entscheid vom 13. November 2015 und des Urteils
E-8088/2015 vom 2. Oktober 2017, E. 7.3, hingewiesen. Weder kann an-
gesichts der politischen Entwicklungen in Sri Lanka derzeit von einer bür-
gerkriegsähnlichen Situation oder einer landesweiten Situation allgemeiner
Gewalt ausgegangen werden, noch lassen sich den Akten neue individu-
elle Gründe entnehmen, welche gegen den Wegweisungsvollzug sprechen
würden. Der Vollzug der Wegweisung ist demnach als zumutbar zu erach-
ten.
21.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin weiterhin, sich bei der
zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
21.5 Im Übrigen steht die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvollzug
nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus,
dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern
voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Mo-
nate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hin-
E-5775/2018
Seite 34
dernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidun-
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e).
Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss
temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Vollzugsmo-
dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatstaat angepasst
wird. In diesem Rahmen würde auch eine allfällige Zugehörigkeit der Be-
schwerdeführerin zu einer Corona-Risikogruppe Rechnung zu tragen sein.
21.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
22.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
23.
23.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und zufolge ihrer
sehr umfangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individu-
ellen Bezug zu ihr auf insgesamt Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1–3 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
23.2 Ferner stellt sich die Frage, ob der Rechtsvertreter mit seinen Formu-
lierungen in Bezug auf den Fachspezialisten der Vorinstanz (vgl. Be-
schwerde 1 S. 5 ff., Beschwerde 2 S. 8 ff., Eingaben vom 27. Dezember
2018, 30. Januar 2019 und 14. Februar 2019) die Anstandsvorschriften ge-
mäss Art. 60 Abs. 1 VwVG verletzt hat. Im Gegensatz zum Verfahren
E-5788/2018 ist eine solche im vorliegenden Verfahren zwar zu verneinen.
Der vom Rechtsvertreter in diesem Zusammenhang geltend gemachte
Mehraufwand (vgl. Eingabe vom 27. Dezember 2018), für den er eine Par-
teientschädigung beantragt, ist aber auch nicht gerechtfertigt. So hätte er
sich in seiner Stellungnahme betreffend Einhaltung der Rechtsmittelfrist
wesentlich kürzer halten können. Der diesbezüglich geltend gemachte Auf-
wand von drei Stunden muss als unnötig bezeichnet werden, weshalb er
nicht zu entschädigen ist (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE).
E-5775/2018
Seite 35