Decision ID: 9df265fb-65bd-4f2d-87fd-4006ed04ff07
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Erste Bezirksanwaltschaft in Belgrad gegen A. und B. (vgl. separates
Verfahren RR.2022.56) ein Strafverfahren wegen Abgabe der Falschaus-
sage führt;
- die serbischen Behörden mit Rechtshilfeersuchen vom 4. April 2019 an die
Schweiz gelangt sind und um Einvernahme der Beschuldigten A. und B. er-
sucht haben (Verfahrensakten, Lasche «Zur Sache», nicht akturiert);
- die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt als ausführende Behörde
mit Eintretensverfügung vom 3. Juli 2019 auf das Rechtshilfeersuchen ein-
getreten ist und die Kriminalpolizei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt mit
der Durchführung der Einvernahmen von A. und B. beauftragt hat (Verfah-
rensakten, Lasche «Zur Sache», nicht akturiert);
- am 24. Februar 2020 die Kriminalpolizei der Staatsanwaltschaft Kanton Ba-
sel-Stadt A. und B. schriftlich zur Einvernahme vorgeladen hat (Verfahrens-
akten, Lasche «Nebenakten», nicht akturiert) und sich hernach mit dessen
Rechtsvertreter über mögliche Einvernahmetermine besprochen hat (Ver-
fahrensakten, Lasche «Rechtsbeistände», nicht akturiert);
- die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt mit Schreiben vom 9. De-
zember 2021 A. informiert hat, dass auf dessen (mündliche) Einvernahme
verzichtet werde; er gleichzeitig aufgefordert wurde, einen schriftlichen Be-
richt abzugeben (Verfahrensakten, Lasche «Rechtsbeistände», nicht aktu-
riert);
- A. am 28. Januar 2022 mitteilte, er bestreite die Zuständigkeit der Staatsan-
waltschaft des Kantons Basel-Stadt, er sei mangels Zuständigkeit dieser Be-
hörde nicht bereit mitzuwirken, er sei mit einer Weiterleitung von Dokumen-
ten an die ersuchende Behörde nicht einverstanden und bitte um Zustellung
einer rekursfähigen Schlussverfügung (Verfahrensakten, Lasche «Rechts-
beistände», nicht akturiert);
- mit Schlussverfügung vom 16. Februar 2022 die Staatsanwaltschaft des
Kantons Basel-Stadt festhielt, dass die Befragung des Beschuldigten A. trotz
mehrfacher Versuche nicht habe durchgeführt werden können (Verfahrens-
akten, Lasche «Zur Sache», nicht akturiert); dementsprechend den serbi-
schen Behörden auch kein Protokoll betreffend die Einvernahme von A.
übermittelt werden kann;
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- gegen die Schlussverfügung A. bei der Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts mit Eingabe vom 22. März 2022 Beschwerde erheben und
zur Hauptsache die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragen
liess (act. 1 S. 2);
- auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet wurde (Art. 57
Abs. 1 VwVG e contrario).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten die
Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren (VwVG; SR 172.021) anwendbar sind (Art. 39 Abs. 2 lit. b
i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes
bestimmt (Art. 12 Abs. 1 IRSG);
- die Schlussverfügung zusammen mit den vorangehenden Zwischenverfü-
gungen der ausführenden Behörde der Beschwerde an die Beschwerdekam-
mer des Bundesstrafgerichts unterliegt (Art. 80e Abs. 1 IRSG);
- zur Beschwerdeführung berechtigt ist, wer persönlich und direkt von einer
Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG);
- gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung das schutzwürdige Interesse
aktuell und praktisch zu sein hat (BGE 136 I 274 E. 1.3);
- der Beschwerdeführer zur Beschwerdelegitimation vorbringt, er sei zur Ein-
vernahme vorgeladen worden, wobei die Vorladung bereits eine Zwangs-
massnahme im Sinne von Art. 64 IRSG darstelle, weshalb er von der Rechts-
hilfemassnahme persönlich und unmittelbar betroffen sei und ein rechtlich
geschütztes Interesse an der Aufhebung der Schlussverfügung habe (act. 1
S. 4);
- vorliegend der Beschwerdeführer zur Einvernahme als beschuldigte Person
vorgeladen worden ist, wobei die Vorladung an die Adresse seiner Arbeitge-
berin, der C. AG, verschickt wurde bevor ihm in der Folge, via Anfrage an
dessen Rechtsbeistand, neue Termine für die Einvernahme vorgeschlagen
wurden;
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- die Einvernahme jedoch nicht durchgeführt werden konnte, mithin der anbe-
gehrten Rechtshilfemassnahme – soweit sie die Einvernahme von A. und die
Zustellung des entsprechenden Einvernahmeprotokolls betrifft – nicht nach-
gekommen werden kann;
- somit der bezüglich A. beantragten Rechthilfemassnahmen, mangels Aus-
führbarkeit, keine praktische Relevanz zukommt und ein schutzwürdiges In-
teresse des Beschwerdeführers an der Aufhebung der ihn betreffenden
Schlussverfügung zu verneinen ist,
- demzufolge mangels Beschwerdelegitimation auf die Beschwerde nicht ein-
zutreten ist;
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG);
- die Gerichtsgebühr auf Fr. 1'000.-- festzusetzen ist (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG
i.V.m. Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bun-
desstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Ent-
schädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]), unter An-
rechnung des entsprechenden Betrags am geleisteten Kostenvorschuss von
Fr. 4'000.--; die Bundesstrafgerichtskasse anzuweisen ist, dem Beschwer-
deführer den Restbetrag von Fr. 3'000.-- zurückzuerstatten.
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