Decision ID: b718c706-4b84-5669-b5db-eca1376e5a53
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
gegen
Progrès Versicherungen AG, Postfach, 8081 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
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A.
S._ ist bei der Progrès Versicherungen AG (nachfolgend: Progrès) obligatorisch
krankenversichert. Wegen eines Epipharynxkarzinoms musste er sich vom 8.
Dezember 1997 bis 20. Januar 1998 einer Strahlen- und Chemotherapie unterziehen
(act. G 3/4, act. G 3/10). Am 15. Dezember 2006 reichte Dr. med. dent. A._ der
Progrès einen Kostenvoranschlag für Zahnbehandlungen bzw. Überkronungen
verschiedener Zähne des Versicherten ein. Als Diagnose vermerkte er "Folgeschaden
Strahlentherapie" (act. G 3/2). Bevor die Progrès über ihre Leistungspflicht entschied
bzw. über sämtliche, der von ihr nachgesuchten Unterlagen verfügte (act. G 3/3), liess
der Versicherte vom 22. Januar bis 14. Februar 2007 die Behandlung bei Dr. A._
durchführen. Hierauf wurde der Progrès die entsprechende Rechnung vom 5. April
2007 inklusive Kosten für die Befundaufnahme vom 15. Dezember 2006 eingereicht
(act. G 3/6). Nach Abklärungen bei ihrem Vertrauensarzt Dr. med. B._ (act. G 3/8)
teilte die Progrès Dr. A._ mit Schreiben vom 8. August 2007 mit, dass eine
Leistungsausrichtung für die Überkronungen abgelehnt werde (act. G 3/9). Mit
Schreiben vom 3. Oktober 2007 ersuchte Dr. med. C._, Tumorzentrum ZeTuP St.
Gallen und Chur, um eine erneute Prüfung einer Kostenübernahme (act. G 3/10),
worauf die Progrès Beurteilungen des Vertrauensarztes Dr. med. dent. D._ vom
11. Januar bzw. 7. März 2008 (act. G 3/16 und 18) sowie von Prof. Dr. E._,
Universität Zürich, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, vom 19. Februar
2008 (act. G 3/17) beizog. Gestützt darauf lehnte sie das Leistungsersuchen mit
Schreiben vom 11. März 2008 erneut ab (act. G 3/19). Am 27. März 2008 verlangte der
Versicherte von der Progrès eine anfechtbare Verfügung (act. G 3/20). Am 4. April 2008
verfügte diese die Leistungsablehnung (act. G 3/21), wogegen der Versicherte unter
Einreichung zusätzlicher Unterlagen am 5. Mai 2008 Einsprache erhob (act. G 3/23). In
der Folge wurde festgestellt, dass dem Versicherten der Bericht von Prof. Dr. E._
noch nicht zur Stellungnahme vorgelegt worden war. Die Progrès holte dies mit
Schreiben vom 19. Mai 2008 nach (act. G 3/25), worauf sich der Versicherte am 12.
Juni 2008 zum Bericht vernehmen liess (act. G 3/26). Wegen des Verdachts einer
Verursachung der Zahnschäden durch eine Essstörung und einer allenfalls daraus
folgenden Leistungspflicht, wurde der Versicherte von der Progrès am 18. Juni 2008
entsprechend befragt (act. G 3/27). Zudem wurde die Beurteilung eines weiteren
Vertrauensarztes, Prof. Dr. F._, Prophylaxe Zentrum Zürich, eingeholt (act. G 3/34).
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B.
Mit Entscheid vom 17. September 2008 wies die Progrès die Einsprache des
Versicherten ab (act. G 3/36).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von S._ am 12. Oktober
2008 erhobene Beschwerde. Der Beschwerdeführer beantragt sinngemäss, der
Einspracheentscheid sei aufzuheben und dem Gesuch um Entrichtung von Leistungen
an die infolge der Strahlen- und Chemotherapie notwendig gewordene zahnärztliche
Behandlung (Überkronung von mehreren Zähnen) aus der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung sei stattzugeben. Zur Begründung macht er geltend, dass
nach der Heilung des Karzinoms verschiedene Begleiterscheinungen der
Krebsbehandlung zurückgeblieben seien, so auch ein stark reduzierter Speichelfluss.
Er sei darüber informiert gewesen, dass die Strahlentherapie mittel- bis langfristig
Auswirkungen auf den Zahnschmelz haben könne. In Kenntnis dieser Tatsache habe er
sich bemüht, die Folgeschäden durch vermehrte Dentalhygiene gering zu halten, was
ihm auch gelungen sei. Den kontinuierlichen Abbau des Zahnschmelzes habe er damit
jedoch nicht anhaltend aufhalten können. Im Herbst 2006 hätten ihm Fachleute
geraten, die Zahnsubstanz durch einen Eingriff zu schützen. Der angefochtene
Einspracheentscheid beruhe sehr einschränkend auf einigen wenigen Fachmeinungen
im Bereich der Zahnmedizin sowie bereits aufgetretenen Sachverhalten. Es werde
beharrlich an Standardkrankheitsbildern festgehalten und ihm - dem Beschwerdeführer
- das Ausbleiben bestimmter häufig auftretender Symptome angelastet. Dies sei jedoch
vielmehr seiner grossen Sorgfalt und seinem Problembewusstsein zu verdanken. Eine
noch nicht aufgetretene Konstellation sollte nicht als Grund für eine Verweigerung der
Kostenübernahme durch die Krankenkasse missbraucht werden. Patienten, die eine
schwere Allgemeinerkrankung wie Krebs erfolgreich besiegt hätten, sollten auch bei
den oft schweren zurückbleibenden Nebenwirkungen und Spätfolgen von der
Krankenkasse getragen werden.
C.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 7. November 2008 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Sie verweist insbesondere auf die
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Ausführungen im angefochtenen Einspracheentscheid, worin sie einzeln darlegte,
weshalb gemäss ihrer Beurteilung die von Dr. A._ durchgeführte Zahnbehandlung
nicht unter die Leistungstatbestände gemäss Art. 17 bis 19 der Krankenpflege-
Leistungsverordnung (KLV; SR 832.112.31) falle. Im Weiteren führte sie im
Wesentlichen aus, es sei richtig, dass die vorgenommene Strahlen- und
Chemotherapie aufgrund des reduzierten Speichelflusses zu Kariesschäden an den
Zähnen führen könne. Nach einhelliger Meinung der Fachärzte führe aber eine solche
Therapie nicht zu den vorliegend behandelten Abrasionen und Erosionen an den
Zähnen. Bei diesen handle es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um
Säureschäden, die insbesondere durch Magensäuren oder saure Saucen entstehen
könnten (z.B. häufiges Zähneputzen nach Konsum von Coca Cola, Gatorade, Früchten
usw.).
C.c Mit Replik vom 27. November 2008 und Duplik vom 9. Dezember 2008 halten die
Verfahrensparteien an ihren bisherigen Anträgen fest.
C.d Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die
Ausführungen in den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist im vorliegenden Fall, ob die Beschwerdegegnerin die bei
Dr. A._ durchgeführte zahnärztliche Behandlung in Form einer Überkronung mehrerer
Zähne als Pflichtleistung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu
übernehmen hat oder nicht.
2.
2.1 Die Leistungen, deren Kosten von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
bei Krankheit zu übernehmen sind, werden in Art. 25 des Bundesgesetzes über die
Krankenversicherung (KVG, SR 832.10) in allgemeiner Weise umschrieben. Im
Vordergrund stehen die Leistungen der Ärzte und Ärztinnen, dann aber auch der
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Chiropraktoren und Chiropraktorinnen sowie der Personen, die im Auftrag von Ärzten
und Ärztinnen Leistungen erbringen. Die Leistungen der Zahnärzte und Zahnärztinnen
sind darin nicht aufgeführt. Die Kosten dieser Leistungen sind von der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung nur dann zu übernehmen, wenn die zahnärztliche
Behandlung durch eine schwere, nicht vermeidbare Erkrankung des Kausystems (Art.
31 Abs. 1 lit. a KVG) oder durch eine schwere Allgemeinerkrankung oder ihre Folgen
bedingt (Art. 31 Abs. 1 lit. b KVG) oder zur Behandlung einer schweren
Allgemeinerkrankung oder ihrer Folgen notwendig ist (Art. 31 Abs. 1 lit. c KVG).
2.2 Gestützt auf Art. 33 Abs. 2 und 5 KVG in Verbindung mit Art. 33 lit. d der
Verordnung über die Krankenversicherung (KVV, SR 832.102) hat das EDI in der KLV zu
jeder der erwähnten Litterae von Art. 31 Abs. 1 KVG einen eigenen Artikel erlassen,
nämlich zu lit. a den Art. 17 KLV und zu lit. b den Art. 18 KLV. Für die unter Art. 31 lit.
Abs. 1 lit. c KVG fallenden Tatbestände ist auf Art. 19 KLV zu verweisen. In Art. 17 KLV
werden die schweren, nicht vermeidbaren Erkrankungen des Kausystems aufgezählt,
bei denen daraus resultierende zahnärztliche Behandlungen von der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung zu übernehmen sind. In Art. 18 KLV werden die schweren
Allgemeinerkrankungen und ihre Folgen aufgelistet, die zu zahnärztlicher Behandlung
führen können und deren Kosten von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
zu tragen sind. In Art. 19 KLV schliesslich hat das Departement die schweren
Allgemeinerkrankungen aufgezählt, bei denen die zahnärztlichen Massnahmen
notwendiger Bestandteil der Behandlung darstellen.
2.3 In BGE 124 V 185 E. 4 hat das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; seit
1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) entschieden, dass
die in Art. 17-19 KLV enthaltene Auflistung der Erkrankungen, welche von der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu übernehmende zahnärztliche
Behandlungen bedingen, abschliessend ist. Daran hat es in ständiger Rechtsprechung
festgehalten (BGE 127 V 328 E. 3a und 339 E. 3b).
3.
Art. 17 KLV, der die Kostenübernahme von zahnärztlichen Behandlungen bei
Erkrankungen des Kausystems regelt, enthält für maligne bzw. bösartige Leiden zwei
Anknüpfungspunkte.
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3.1 In Art. 17 lit. b Ziff. 3 KLV sind die Erkrankungen des Zahnhalteapparates
(Parodontopathien) zufolge irreversibler Nebenwirkungen von Medikamenten erwähnt.
3.1.1 Der Begriff des Medikaments umfasst auch Strahlen- und Chemotherapien
bei Krebserkrankungen (BGE 127 V 339; Gebhard Eugster, Krankenversicherung, in:
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. Soziale Sicherheit, Basel 2007, S. 541
Rz. 431). Gestützt auf die medizinischen Akten ist sodann unbestrittenermassen davon
auszugehen, dass eine Strahlentherapie, insbesondere bei der beim Beschwerdeführer
angewendeten Dosis von 67.2 Gray, zu einer verminderten Speichelproduktion führen
kann und im konkreten Fall auch dazu geführt hat (act. G 3/10, 17, 23). Anerkannt ist im
Weiteren, dass eine reduzierte Speichelbildung die Kariesanfälligkeit der Zähne erhöht
(vgl. dazu act. G 3/17, 23, 34; Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Zahnkaries,
Abfrage vom 12. Juni 2009). Die einhelligen ärztlichen Beurteilungen von Dr. B._ (act.
G 3/8), Dr. D._ (act. G 3/16), Prof. Dr. E._ (act. G 3/17) und von Prof. Dr. F._ (act.
G 3/34) lassen jedoch den klaren Schluss zu, dass es sich bei den beim
Beschwerdeführer behandelten Zahnschäden nicht um Karies, sondern um Erosions-
und Abrasionsschäden gehandelt hat.
3.1.2 Grundsätzlich handelt es sich weder bei Karies noch bei Erosions- sowie
Abrasionsschäden um Erkrankungen des Zahnhalteapparats - bestehend aus
Zahnfleisch, Zahnzement, Zahnfach sowie Wurzelhaut -, sondern um solche des Zahns
bzw. dessen Zahnschmelzes und Zahnhartsubstanz (vgl. dazu Pschyrembel, Klinisches
Wörterbuch, 261. Aufl., S. 7, 2091 ff.). Die Behandlung von Zahnschäden fällt nicht
unter diesen Titel (Urteil des EVG vom 14. Dezember 2001 [K 104/99] E. 4b; Gebhard
Eugster, a.a.O., S. 541 Rz. 431). Eigentlich scheidet damit bei der beim
Beschwerdeführer vorliegenden Erkrankung des Kausystems eine Kostenübernahme
auf der Basis von Art. 17 lit. b Ziff. 3 KLV von vornherein aus.
3.1.3 Als weitere Voraussetzung für eine Leistungspflicht der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung verlangt Art. 17 lit. b Ziff. 3 KLV auch einen
Kausalzusammenhang zwischen den eingenommenen Medikamenten bzw. der
Strahlentherapie und der Erkrankung des Kausystems. Insofern hat die
Beschwerdegegnerin die Frage geprüft, ob die vorliegenden Erosions- und
Abrasionsschäden mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der
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überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 120 V 37 E. 3c; Th. Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451 f.) auf die Strahlentherapie
zurückzuführen seien. Sie ist gestützt auf mehrere von ihr eingeholte Fachmeinungen
zum Schluss gelangt, dass eine Leistungspflicht auch wegen fehlender Kausalität zu
verneinen wäre. So hielt zunächst Dr. B._ in seiner Beurteilung vom 31. Juli 2007
fest, dass beim Beschwerdeführer massive Abrasionen sichtbar seien, hinsichtlich
derer ein Zusammenhang mit der Strahlentherapie unwahrscheinlich sei (act. G 3/8).
Prof. Dr. E._ führte in seinem Bericht vom 19. Februar 2008 übereinstimmend dazu
aus, die Modelle würden das klassische Bild einer Perimolysis mit erosiven Defekten im
Oberkiefer palatinal und im Unterkiefer okklusal und bukkal zeigen. Die starken
Gingivarezessionen bei den Oberkiefermolaren auf der palatinalen Seite würden
zusätzlich für dieses Krankheitsbild sprechen. Es sei davon auszugehen, dass die
Zahnschäden des Beschwerdeführers durch häufigen Kontakt mit Magensäure
entstanden seien. Dies könne Folge einer somatischen Erkrankung wie gastro-
ösophagealer Reflux oder Folge einer psychischen Erkrankung wie Essstörungen sein.
Die erosiven Zahnschäden, die beim Beschwerdeführer nach 2002 aufgetreten seien,
seien nicht Folge der Speichelverminderung. Eine solche könne allerdings das
Fortschreiten erosiver Läsionen etwas beschleunigen, da die Pufferkapazität des
verbliebenen Speichels geringer sei (act. G 3/17). Dr. D._ legte in seiner
Stellungnahme vom 7. März 2008 ebenfalls dar, dass die Erosionsschäden nicht in
einem direkten Zusammenhang mit der in den Jahren 1997 und 1998 durchgeführten
Strahlen- und Chemotherapie stünden (act. G 3/18). Die vorgenannten ärztlichen
Beurteilungen wurden schliesslich durch diejenige von Prof. Dr. F._ vom 29. August
2008 bestätigt. Dieser zeigte auf, dass die erosiven Schäden, die vor allem auf der
palatinalen Fläche im Oberkiefer feststellbar seien, darauf hinwiesen, dass diese in
direkter Relation zur Magensäure - entstanden durch Reflux oder Essstörungen -
stünden. Der Beschwerdeführer habe Erosionen und Abrasionen. Erstere entstünden
einerseits durch Säurekonsum (säurehaltige Nahrungsmittel), andererseits durch saures
Aufstossen oder häufiges Erbrechen. Abrasionen seien Abnützungserscheinungen der
Zahnhartsubstanz durch den Kauvorgang, einem natürlichen Vorgang, der allerdings
durch Säureeinwirkung beschleunigt werde. Ein typischer Schaden im Mund nach
hochdosierter Bestrahlung wäre Mundtrockenheit, die dann ihrerseits vor allem Karies,
primär im Approximalbereich, auslöse. Dies könne im vorliegenden Fall nicht
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beobachtet werden. Beim Beschwerdeführer seien im Approximalbereich kaum
Kariesschäden ersichtlich. Die von Prof. Dr. F._ beigelegte Arbeit aus der
medizinischen Literatur enthält desgleichen die Feststellung, dass Erosionen
säurebedingte Zahnhartsubstanzschäden seien und Folge von Allgemeinerkrankungen
wie gastro-ösophagealem Reflux oder Essstörungen sein könnten (act. G 3/34).
3.1.4 Angesichts der dargelegten ärztlichen Beurteilungen ist in
Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass zwischen der
beim Beschwerdeführer durchgeführten Strahlentherapie und seiner Zahnerkrankung
kein überwiegend wahrscheinlicher Kausalzusammenhang besteht. Darauf weist
offensichtlich insbesondere auch die Lage der Schäden hin (vgl. auch Urteil des EVG
vom 7. April 2006 [K 62/04] i/S P). Der vom Beschwerdeführer zusammen mit der
Einsprache eingereichte Artikel betreffend Spätfolgen nach Strahlentherapie (act. G
3/23) steht mit den oben dargelegten ärztlichen Beurteilungen im Einklang. Auch hier
wird als Spätfolge der Strahlentherapie die sogenannte Strahlenkaries bzw. radiogene
Karies und nicht die Erosion oder Abrasion erörtert (vgl. dazu auch Atlas der
Erkrankungen mit Auswirkungen auf das Kausystem [SSO-Atlas], Hrsg.:
Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO, 3. Aufl. 2008, S. 92; G. Eugster, a.a.O., S.
546 Rz. 441). Dr. G._ vertritt in seinem Bericht vom 28. April 2008 die Auffassung, die
beim Beschwerdeführer notwendig gewordene Zahnsanierung könne als unmittelbare
Folge der seinerzeitigen Erkrankung bzw. deren Therapie angesehen werden und sei
somit eine Pflichtleistung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Seine
Begründung, dass eine Radiotherapie als Spätfolge Zahnschäden sowohl direkt im
Bereich des Zahnschmelzes als auch sekundär infolge der therapiebedingten
Xerostomie (verminderten Speichelproduktion) verursache, belegt jedoch noch nicht
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, dass die beim
Beschwerdeführer vorliegenden Zahnschäden in Form von Erosions- und
Abrasionsschäden auf die Radiotherapie zurückgehen (act. G 3/23). Die Frage, wann
genau beim Beschwerdeführer erstmals solche Schäden aufgetreten sind, kann
angesichts der vorstehenden Ausführungen offengelassen werden. Der Vollständigkeit
halber ist dennoch anzufügen, dass die Feststellung von Prof. Dr. F._, Erosionen
seien radiologisch erstmals im Jahr 2002 und damit rund vier Jahre nach der
Strahlentherapie feststellbar gewesen, einen Kausalzusammenhang nicht
wahrscheinlicher werden lässt. Laut dem vom Beschwerdeführer eingereichten Artikel
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betreffend Spätfolgen nach Strahlentherapie haben Erwachsene, die über Jahre keine
Kariesaktivität zeigten, in kurzer Zeit nach dem Einsetzen der Radiotherapie schwerste
Karies, die sogenannte Strahlenkaries, entwickelt. Sollte also der Beschwerdeführer,
wie von ihm geltend gemacht (act. G 5), bereits bald nach der Strahlentherapie von
seinem damaligen Zahnarzt auf erste Abbauerscheinungen am Zahnschmelz
aufmerksam gemacht worden sein, so ist zumindest festzuhalten, dass er - sollte es
sich tatsächlich um Karies gehandelt haben - offenbar ein Fortschreiten derselben dank
guter Zahnpflege verhindern konnte. Entsprechend hielt auch Prof. Dr. F._ in seiner
Beurteilung vom 29. August 2008 fest, dass die Entwicklung des Gebisszustands des
Beschwerdeführers gut und nur wenig Approximalkaries sichtbar sei (act. G 3/34). Die
von ihm getroffenen, Karies verhindernden Massnahmen in Form einer gewissenhaften
Zahnpflege bzw. Dentalhygiene und einer angepassten Ernährung verdienen wohl
Anerkennung, ändern jedoch nichts daran, dass für eine Leistungspflicht im Rahmen
der obligatorischen Krankenpflegeversicherung die Anspruchsvoraussetzungen - im
konkreten Fall das Vorliegen einer Erkrankung des Zahnhalteapparates als Folge der
Strahlentherapie - fehlen.
3.1.5 Der Beschwerdeführer wendet in der Replik zutreffend ein, dass im
vorliegenden Fall die Frage nach Spätfolgen einer Strahlentherapie zur Diskussion
stehe. Diese Therapie werde insbesondere bei Krebserkrankungen angewendet und
falle damit in den Fachbereich der Onkologie. Tritt jedoch infolge einer bestimmten
Medikamenteneinnahme eine konkrete Spätfolge auf, ist für deren Diagnosestellung
und Behandlung letztlich der in Bezug auf diese Gesundheitsstörung fachkundige Arzt
- bei Spätfolgen im Bereich der Zähne und des Zahnhalteapparates mithin der Zahnarzt
- zuständig.
3.1.6 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass eine Kostenübernahme auf
der Basis von Art. 17 lit. b Ziff. 3 KLV unter verschiedenen Aspekten ausscheidet.
3.2 In Art. 17 lit. c Ziff. 2 KLV werden sodann die durch maligne Tumore im Gesichts-,
Kiefer- und Halsbereich bedingten zahnärztlichen Behandlungen aufgelistet. -
Unbestritten ist, dass es sich bei dem vom 8. Dezember 1997 bis 20. Januar 1998 beim
Beschwerdeführer behandelten Epipharynxkarzinom um einen entsprechenden Tumor
gehandelt hat und damit eine unter Art. 17 lit. c Ziff. 2 KLV zu subsumierende
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Erkrankung des Kausystems vorlag. Somit wären also Zahnschäden, die durch die
Behandlung der Grunderkrankung verursacht worden sind, aus der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung zu übernehmen. Wie in Erwägung 3.1.3 f. dargelegt, sind
jedoch die Zahnschäden des Beschwerdeführers in Form von Erosionen und
Abrasionen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die Behandlung des
Karzinoms zurückzuführen. Eine Kostenübernahme kommt damit auch unter Art. 17 lit.
c Ziff. 2 KLV nicht in Betracht.
4.
Art. 18 KLV beschlägt die Pflichtleistungen des Krankenversicherers bei
Folgezuständen schwerer Allgemeinerkrankungen (konsekutive Behandlungen). Ein
Epipharynxkarzinom wird darin nicht aufgeführt. Hingegen stellt ein durch
Unterfunktion der Speicheldrüsen verminderter Speichelfluss eine
Speicheldrüsenerkrankung im Sinn von Art. 18 lit. d KLV dar (BGE 128 V 59, 62 E. 3).
Als weitere Voraussetzung für eine Leistungspflicht der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung verlangt jedoch auch Art. 18 lit. d KLV einen
Kausalzusammenhang zwischen der Speicheldrüsenerkrankung und der schweren
Beeinträchtigung der Kaufunktion, der - wie bereits wiederholt festgestellt - im
konkreten Fall nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen ist.
5.
Schliesslich ist auch Art. 19 lit. c KLV nicht anwendbar, wonach die Versicherung die
Kosten der zahnärztlichen Behandlungen übernimmt, die zur Unterstützung und
Sicherstellung der ärztlichen Behandlungen notwendig sind, d.h. bei Strahlentherapie
oder Chemotherapie maligner Leiden. Primärziel ist hier nicht die Behebung von
Kausystemschäden, sondern die sachgerechte Behandlung einer schweren
Allgemeinerkrankung, welche durch die fehlende Pflichtleistung für zahnärztliche
Behandlungen nicht gefährdet werden soll (G. Eugster, a.a.O., S. 545 Rz. 437).
Schäden an den Zähnen, die nach der ärztlichen Therapie entstehen, fallen nicht
darunter, sondern einzig solche der Behandlung einer schweren Allgemeinerkrankung
bzw. einer Strahlen- und Chemotherapie vorausgehende zahnärztliche Behandlungen
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(BGE 124 V 187 E. 1a). Die Zahnsanierung des Beschwerdeführers ist
unbestrittenermassen nach Durchführung der Strahlentherapie nötig geworden.
6.
6.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund der vorstehenden Erwägungen
die von Art. 17 bis 19 KLV verlangten Indikationen und Diagnosen vorliegend nicht
gestellt werden können, womit keine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aus der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung für die von Dr. A._ durchgeführte
zahnärztliche Behandlung besteht.
6.2 Anzufügen bleibt, dass den ärztlichen Beurteilungen sowie der medizinischen
Literatur in den Akten übereinstimmend zu entnehmen ist, dass Erosionsschäden Folge
von Essstörungen bzw. Bulimie und Anorexie sein können (act. G 3/17, 34). Bei diesen
Krankheiten handelt es sich anerkanntermassen um Tatbestände von Art. 18 lit. c Ziff.
7 KLV (BGE 124 V 353 E. 2a). Im SSO-Atlas (S. 89) sind sie ebenfalls aufgeführt. Im
Rahmen ihrer Abklärungen hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer am
18. Juni 2008 die Möglichkeit der Verursachung seiner Zahnschäden durch häufiges
Erbrechen (Bulimie) aufgezeigt und ihn über die diesbezüglichen rechtlichen
Grundlagen informiert. Der Beschwerdeführer hat jedoch das Vorliegen eines solchen
Sachverhalts trotz Zugestehens einer Sportleressstörung klar verneint und an der
Chemotherapie als Ursache seiner Zahnschäden festgehalten. Die
Beschwerdegegnerin hat daraufhin hinsichtlich einer Leistungspflicht unter dem Titel
von Art. 18 lit. c Ziff. 7 KLV zu Recht keine weiteren Untersuchungen durchgeführt bzw.
keinen diesbezüglichen Entscheid gefällt. Streitgegenstand des Einspracheverfahrens
bildete einzig die Ablehnung der Leistungspflicht als Folge der Strahlentherapie.
Entsprechend war auch im vorliegenden Verfahren die Frage einer Leistungspflicht
zufolge Bulimie nicht näher zu prüfen. Diese Frage ist mithin weiterhin offen und es ist
dem Beschwerdeführer unbenommen, nach rechtskräftiger Verneinung eines
Anspruchs aufgrund der Strahlentherapie den Anspruch gegebenenfalls doch noch
unter dem Titel von Art. 18 lit. c Ziff. 7 KLV geltend zu machen.
7.
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 17. September 2008 abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG