Decision ID: a5506b36-8bc2-47fb-ad31-b195a867e83c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972,
war von November 2007 bis April 2016
zuletzt in einem Pensum von 80
%
bei der
Genossenschaft
Y._
als Verkaufsmitarbeiterin angestellt (
Urk.
8/13
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.7
,
Ziff.
2.9
).
Am 1
3.
November 2015 meldete sie sich wegen Rückenschmerzen bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
8/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und teilte der Versicherten am 2
8.
April 2016 mit, es seien momentan keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich (
Urk.
8/18). Mit Vorbescheid vom 2
5.
August 2016 (
Urk.
8/21) teilte sie der Ver
sicherten sodann mit, es sei vorgesehen, das Leistungsbegehren abzuweisen.
Dagegen erhob diese Einwände (
Urk.
8/31). In der Folge veranlasste die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen, insbesondere eine polydisziplinäre Begutach
tung der Versicherten durch das
Z
entrum
Z._
, dessen Gutachten am
1
8.
August
2017
(
Urk.
8/62)
erstattet
und durch ein Verlaufsgutachten
vom
9.
Januar 2019
(
Urk.
8/100) ergänzt
wurde
. Mit Verfügung vom
3.
September 2019 (
Urk.
8/112) verneinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch der Versicherten.
2.
Am
7.
Oktober 2019 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom
3.
September 2019 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung sowie die
Zusprache
von IV-Leistungen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Dezember 2019 (
Urk.
7) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 2
9.
Januar 2020 mitgeteilt wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid wie folgt (
Urk.
2): Das Gutachten der Taggeldversicherung weise eine Arbeitsfähigkeit
von
100
% ab Juli 2016 aus; eine längerfristige Einschränkung liege nicht vor
(S. 1 unten)
. Aus den Begutachtungen sei ein theatralisches Gebaren erkennbar. Das Ausmass der geschilderten Beschwerden und der demonstrierten krankhaften Befunde könne nicht vollumfänglich radiologisch objektiviert werden. Orthopä
disch habe von Februar bis Dezember 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab Januar 2017 sei die Beschwerdeführerin für die bisherige Tätigkeit als ungelernte Verkäuferin und stellvertretende Leiterin sowie Reinigungskraft und in angepassten Tätigkeiten zu 50
%
arbeitsfähig gewesen, und ab August 2017 sei wieder eine volle Arbeitsfähigkeit ausgewiesen. Aufgrund der Operation und anschliessenden Rehabilitation habe von Oktober 2017 bis Februar 2018 eine Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Arbeitsunfähigkeiten in sämtlichen Tätigkeiten hätten nur kurz bestanden. Unter Berücksichtigung des folgenden Belastungspro
fils sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsfähig: Körperlich wechselbelas
tende leichte Tätigkeiten unter Meidung
monotoner und repetitiver Fehlhaltun
gen des Rumpfes und des Nackens, insbesondere nach vorn gebeugt oder ver
dreht, Meidung häufiger Überkopfarbeiten, dauernder schlagend stossender vib
rierender Krafteinwirkungen, Meidung unerwarteter asymmetrischer Lastenein
wirkungen, Meidung feuchtkalter und zugiger Arbeitsumgebung (S. 2).
Es sei ab Januar 2017, ausgenommen im Zeitraum der Operation und Genesung, theore
tisch eine berufliche Wiedereingliederung
möglich, jedoch aufgrund mangelnder Motivation seitens der Beschwerdeführerin nicht umsetzbar gewesen. Es werde eine deutliche Gewichtsreduktion, eine medikamentöse Behandlung sowie Phy
siotherapie empfohlen (S. 3). Auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt sei ein genü
gend breites Spektrum an Tätigkeiten
vorhanden
, welche dies
em Belastungsprofil entsprächen
. Die fehlende Ausbildung der Beschwerdeführerin sei IV-fremd und daher nicht zu berücksichtigen. Weiter habe ein Rentenanspruch frühestens sechs Monate ab Anmeldung entstehen können, also im Juni 201
6.
Seit diesem Zeit
punkt habe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit lediglich zwischen Juni und Dezember 2016 sowie zwischen Oktober 2017 und Februar 2018 bestanden. Dabei habe es sich um vorübergehende und nicht ren
tenrelevante Arbeitsunfähigkeiten gehandelt (
Urk.
7 S. 3).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend (
Urk.
1),
sie sei seit 2
4.
Dezember 2014 voll arbeitsunfähig, weshalb
von
Juni bis Dezember 2016 eine ganze Rente geschuldet sei (S. 3). Für den Zeitraum von Januar bis Oktober 2017 sei aus näher dargelegten Gründen von einer vollen Arbeitsunfähigkeit in angepassten und der angestammten Tätigkeit auszugehen (S. 4). Das polydisziplinäre Gutachten setze sich mit der medizinischen Aktenlage nicht genügend auseinander, und es finde sich kein schlüssiger Hinweis, wieso ab Januar 2017 eine volle Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten bestehen solle. Das Gutachten stehe in Widerspruch zu den echtzeitlichen medizinischen Akten. Es sei mindestens
von
Juni 2016 bis Mai 2018 eine ganze Rente geschuldet. Zumindest wäre
von
Juni 2016 bis Feb
ruar 2018 eine Rente zuzusprechen gewesen (S. 5).
Das Gutachten sei nicht auf dem neuesten Stand, und die Verlaufsbegutachtung widerspreche dem ursprüng
lichen Gutachten (S. 6). Die bildgebend dokumentierte Zunahme der Beschwerden im Sommer 2017 bleibe unberücksichtigt. Die orthopädische Verlaufsbegutach
tung sei nicht verwertbar (S. 7). Zudem seien subjektiv gefärbte Vorwürfe ersicht
lich, so sei von einem «theatralischen Gebaren
»
die Rede, ohne
diesen schwerwie
genden Vorwurf
zu substantiieren. Weiter sei es unhaltbar, dass ihr im Haushalt eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit, jedoch in angepassten (Erwerbs-)Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert werde, da sie stets darauf angewiesen sein werde, eine bestehende Restarbeitsfähigkeit durch körperliche Arbeit auszuschöpfen.
Darin liege ein weiterer Widerspruch
. Die Sache sei deshalb an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen
(S. 8 unten f.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Leitender Arzt am Spital
B._
, stellte mit Bericht vom 1
2.
Januar 2016 (
Urk.
8/11/6-7) folgende Diagnosen (S. 1):
-
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom S1 links bei kleiner flächenhafter
Protrusion
bis beginnend der Hernie L5/S1 links mit Kontakt zur S1-Wur
zel
-
pseudoradikuläres
lumbales Schmerzsyndrom L2/3 mit CT-gesteuerter Infiltration am 3
0.
Juni 2016 ohne Besserung
-
zervikozephales
Schmerzsyndrom
Die Prognose sei abhängig vom Anspr
echen auf die
Lyrica
-Medikation.
E
ine neu
rochirurgische Behandlung könnte noch notwendig werden. Die Patientin sei noch in der medizinischen Phase. Im Moment bestehe keine Arbeitsfähigkeit, diese sei abhängig vom Resultat der durchgeführten Therapie. Auch eine ange
passte Tätigkeit sei nicht möglich (S. 2).
3.2
Die Ärzte des
Reha
z
entrums
C._
stellten mit Bericht
vom 2
6.
Januar 2016 (
Urk.
8/16/10-13)
über den stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom
1.
bis 2
8.
Dezember 2015 folgende
, hier gekürzt aufgeführte
Diagnosen
(S. 1):
-
chronifizierte
Rückenschmerzen multifaktorieller Genese
-
zervikales Schmerzsyndrom
-
Blasenentleerungsstörung bei relativer
Urethrastriktur
-
zentraler Schmerz
windup
, differentialdiagnostisch (DD) somatoforme Schmerzausweitung
Die Rehabilitationsziele hätten nur teilweise erreicht werden können. Die Mobili
tät habe etwas gesteigert werden können, so dass die Patientin zuletzt keinen Rollator mehr gebraucht habe.
Die Schmerzsituation habe aber kaum verbessert werden können (S. 2).
3.3
Die Ärzte des Kantonsspitals
D._
, Departement Chirurgie, diagnos
tizierten mit Bericht vom 2
3.
Februar 2016 (
Urk.
8/16/6-7) ein S1 Nervenwurzel Kompressionssyndrom bei progredientem
rezessalen
Bandscheibenvorfall L5/S1 links und chronische Nackenschmerzen mit Kopfschmerzen und Schwindel seit 14 Jahren. Es sei eine mikrochirurgische S1-Nervenwurzel
dekompression mittels
Sequesterektomie
über eine
interlaminäre
Fensterung L5/S1 links am 1
7.
Februar 2016 durchgeführt worden. Postoperativ seien die
radikulären
Schmerzen rück
läufig gewesen (S. 1). Die Patientin solle sich für mindestens drei Monate körper
lich schonen (S. 2).
Mit Verlaufsbericht vom
5.
April 2016 (
Urk.
8/17/6-7) hielt
Dr.
med.
E._
,
D._
, fest, die Beschwerdeführerin sei aufgrund der
noch
bestehenden Schmerz
symptomatik weiterhin krankgeschrieben. Es sei eine weitere Verlaufs
kontrolle in drei Monaten indiziert (S. 2).
3.4
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, stellte mit Bericht vom
8.
April 2016 (
Urk.
8/16/1-3) folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
chronifizierte
Rückenschmerzen
-
chronische Nackenschmerzen
-
somatoforme Schmerzausweitung
Als Verkaufsmitarbeiterin sei die Beschwerdeführerin seit
1.
Januar 2015 zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.5). Im Moment sei auch keine behinderungsange
passte Tätigkeit möglich (
Ziff.
1.7).
3.5
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurologie, erstattete zuhanden der Tag
geldversicherung der Beschwerdeführerin am
4.
Juli 2016 ein neurologisches Gutachten (
Urk.
8/20/10-30) und stellte folgende Diagnosen (S. 14):
-
Lumboischialgien
links, im Anschluss an eine mikrochirurgische Dekom
pression von S1 nach Fensterung L5/S1 links, derzeit ohne sicheren Anhalt für eine
radikuläre
oder
nervale
Schmerzgenese
-
Nackenschmerzen linksbetont, ohne Anhalt für eine
radikuläre
oder
ner
vale
Schmerzgenese
-
subjektive Sensibilitätsstörung am linken Arm (anamnestisch seit vier
zehn Jahren, ohne sicheres organpathologisches Korrelat
)
-
Sensibilitätsstörung des linken Beins, am ehesten bei sensibler S1
Radi
kulopathie
, mit erheblicher Symptomausweitung, sodass die angegebene Sensibilitätsstörung am linken Bein organpathologisch nicht erklärbar sei
-
gestörte Symptomverarbeitung, Symptomausweitung, Selbstlimitierung und
Dekonditionierung
Die Wirbelsäule sei spontan frei beweglich. Der Finger-Boden-Abstand bei Rumpfbeuge betrage 50 cm, dann werde ein Kreuzschmerz angegeben. Diese
demonstrierte Einschränkung sei nicht kompatibel mit den spontanen Rumpfbe
wegungen beim An- und Auskleiden, ausserdem sei diese Leistung nicht kompa
tibel mit dem unauffälligen
Langsitz
. Der
Einbeinstand
gelinge sowohl rechts als auch links problemlos. Anschliessend im Stehen auf beiden Beinen erfolge dann ein demonstratives Wegknicken mit dem linken Bein. Dies sei pathophysiologisch ni
cht plausibel nachvollziehbar, da die Belastung kurz zuvor im
Einbeinstand
deutlich höher gewesen und dabei kein Wegknicken gezeigt worden
sei
(S. 11).
Anlässlich der Begutachtung habe die Versicherte als Hauptbeschwerden Kreuz- und Beinschmerzen links angegeben. Die vorgetragenen Beinschmerzen hätten weder in ihrer Lokalisation noch in der geschilderten Zeitgestalt einem typischen
radikulären
Schmerz entsprochen. In der körperlichen Untersuchung habe sich keine lumbale Nervenwurzelirritation auslösen lassen. Im Neurostatus habe sich ein leicht abgeschwächter Achillessehnenre
flex links, am ehesten als diskr
etes Residuum einer S1-Radikulopathie, gefunden (S. 15 oben).
Die Versicherte gebe an, dass ihre Schmerzen seit der Operation eher zugenom
men hätten. Dies sei anhand der Aktenlage und der aktuellen Befunde in dieser Form nicht nachvollziehbar. Es ergäben sich auch Diskrepanzen zwischen dem geschilderten Ausmass der Rückenschmerzen und den im Wesentlichen unauffäl
ligen Untersuchungsbefunden sowie der Verhaltensbeobachtung. Die vorgetrage
nen Einschränkungen in der Alltagsaktivität liessen sich durch die Untersu
chungsbefunde und die Verhaltensbeobachtung in der vorgetragenen Form nicht nachvollziehen. Auffällig sei auch, dass die Versicherte erhebliche Schmerzen angebe, aber nur zwei Schmerzmittel und keines davon in der empfohlenen Tagesdosis, sondern deutlich geringer einnehme (S. 15 f.).
Laborchemisch seien die Schmerzmittel nur gering nachweisbar gewesen, was erhebliche Zweifel an der tatsächlichen Schmerzintensität und dem Leidensdruck begründe. Insgesamt sei von einer erheblich gestörten Symptomverarbeitung mit deutlicher Symptomausweitung, Selbstlimitierung und
Dekonditionierung
auszu
gehen. Inwieweit eine psychiatrische Erkrankung vorliege, die dies erklären könne, sei durch den psychiatrischen Gutachter zu beurteilen. In der aktuellen Untersuchung habe sich ein unauffälliger psychopathologischer Querschnittbe
fund und somit kein Hinweis für eine relevante psychiatrische Erkrankung gezeigt (S. 16).
Aufgrund der anhaltenden Rückenschmerzen seien der Versicherten bis auf wei
teres schwere körperliche Tätigkeiten, also solche mit Heben und Tragen schwerer Lasten sowie Arbeiten in dauerhaft anhaltender Zwangsposition, mit dauerhaftem Überkopf-Arbeiten oder in kauernder Position und mit repetitivem Bücken nicht zumutbar. Es ergäben sich keine wesentlichen Einschränkungen der Arbeitsfä
higkeit. In einer optimal angepassten, leichten und wechselbelastenden Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 17). Falls die Versicherte in der ange
stammten Tätigkeit als Verkaufsmitarbei
terin schwere Lasten heben und t
ragen
oder in Zwangshaltung arbeiten müsste, wäre diese nicht zuzumuten. Angepasste Tätigkeiten seien ab dem Zeitpunkt der Begutachtung voll zumutbar (S. 19).
3.6
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem am 3
0.
Juli 2016 zuhanden der Taggeldversicherung erstatteten Gutach
ten (
Urk.
8/20/3-7) keine psychiatrischen Diagnosen (S. 3 unten).
Es liege ein psychiatrischer Normalbefund vor. Es fänden sich keine Zeichen einer Depression, einer Psychose oder einer Persönlichkeitsstörung (S. 3 unten). Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Es sei anzuraten, dass die Versicherte sich bald wieder um Arbeit bemühe.
Ein l
ängerfristige
r
Arbeitsdispens dürfte
Dekonditionierung
und Vermeidungsverhalten geradezu Vorschub leisten und erschwere den Weg zurück in die Arbeitswelt (S. 4).
3.7
Am
4.
August 2016 fand eine erneute Operation statt. Die Beschwerdeführerin sei in gutem Zustand aus dem Krankenhaus entlassen worden und sei für zwei Wochen krankgeschrieben (
Urk.
8/27/1).
3.8
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Neurologie, stellte mit Bericht vom 1
3.
September 2016 (
Urk.
8/30) folgende Diagnosen (S. 1):
-
multifaktorielle Schmerzsymptomatik
-
sensible und diskret motorische Residualsymptomatik nach Bandschei
benvorfall LWK 5/SWK 1 und zweimaliger Operation (Februar und August 2016)
-
pseudoradikulär
bei lumbaler und Beckengelenksproblematik bei Schonhinken und Schiefhaltung des Beckens
-
funktionelle Komponente
-
linksbetonte Nackenschmerzen und subjektive Sensibilitätsstörungen am linken Arm, nicht
radikulär
oder einem Nerv zuzuordnen (beste
hend seit 14 Jahren)
Bei der
sich
sehr schmerzgeplagt präsentierenden Patientin bestehe eine vorwie
gend sensible und diskret motorische Residualsymptomatik nach Bandscheiben
vorfall LWK 5/SWK 1 und zweimaliger Operation. Es würden allerdings
darüber hinausgehende
Sensibilitätsstörungen im gesamten linken Bein, fleckförmig linksthorakal und im linken Schulter- und Armbereich angegeben, welche weder
einem
Dermatom
noch einem peripheren Nerv zuzuordnen seien.
Die Ausbreitung der Symptomatik auf das gesamte Bein und die linke Körperhälfte ohne objekti
vierbare Befunde mache die Zuordnung der Beschwerden sehr schwierig. Eine bildgebende Untersuchung der Hüftgelenke habe keinen pathologischen Befund gezeigt (S. 1). Die Symptomatik sei multifaktoriell. Auch bei zu erwartender Bes
serung
sei eine Tätigkeit mit Heben schwerer Lasten, häufigem Bücken sowie eine vorwiegend sitzende Tätigkeit der Patientin nicht mehr zuzumuten (S. 2 oben).
3.9
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, hielt mit Bericht vom
4.
November 2016 (
Urk.
8/34) fest, die Schmerzen der Beschwerdeführerin seien durch die Veränderungen im Bereich des
Neuroforamens
L5/S1 links, aber auch im
Rezessus
erklärbar. Er habe eine Infiltration veranlasst.
3.10
Am 1
3.
Dezember 2016 fand eine orthopädisch-rheumatologische Untersuchung durch RAD-Arzt
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, statt. Im Bericht vom 1
6.
Dezember 2016 (
Urk.
8/37) stellte
Dr.
K._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6):
-
schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung der LWS
-
Status nach Dekompressions-OP
L5/S1 links am 17. Februar
und
4.
August 2016
-
residuale S1-Radikulopathie mit und bei (gemäss MRI
vom
1.
Novem
ber 2016) Bandscheibendegeneration, narbigem Gewebe im
Neurofora
men
sowie im
Rezessus
L5/S1 links
-
Status nach zweimaliger
periduraler
Wurzelinfiltration L5/S1 am
8.
und 1
1.
November 2016
Der neurologischen Beurteilung durch
Dr.
G._
vom
4.
Juli 2016 könne derzeit in dessen damaliger Annahme einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit nicht gefolgt werden. Es sei ein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen, der die Arbeitsfähigkeit seit 2
4.
Dezember 2014 beeinträchtige. Auf
grund der jetzigen medizinischen Gesamtsituation, insbesondere in Ankündigung einer erneut erforderlichen LWS-Operation voraussichtlich im Januar 2017, sei derzeit von einem instabilen Gesundheitszustand mit kurativ 100%iger Arbeits
unfähigkeit in der zuletzt ausgeübten und in angepassten Tätigkeiten auszuge
hen. Es seien neue Berichte einzuholen (S. 6).
3.11
Dr.
med.
A._
, Leitender Arzt Schmerz- und Komplementärmedizin am Spital
B._
, diagnostizierte mit Bericht vom 2
9.
Mai 2017 (
Urk.
8/53) eine therapierefraktäre S1-Radikulopathie links bei Status
nach zweimaliger Dekom
pression L5/S1 links und hielt fest, es sei aufgrund der klaren anatomischen Ursache der Beschwerden, welche durch rezidivierende Infiltrationen habe bestä
tigt werden können, von einer persistierenden S1-Wurzelproblematik auszuge
hen, welche langfristig lediglich operativ verbessert werden könne. Mit der
Schmerzmedizin könne lediglich das Schmerzniveau etwas positiv beeinflusst werden, eine Steigerung der Belastungsfähigkeit auf ein normales Alltagsniveau sei damit nicht möglich. Es sei die Begutachtung abzuwarten und danach erneut eine operative Revision zu diskutieren. Es sollte keine weitere Operation durch
geführt werden, bevor nicht eine interdisziplinäre Beurteilung auch die psycho
sozialen Risikofaktoren erhoben habe (S. 2).
3.12
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
N._
, Fachärztin für Neurologie, und
Dr.
med.
O._
, Facharzt für Orthopädie
, stellten in ihrem am 1
8.
August 2017 unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung eigener Untersuchungen erstatteten Gutachten (
Urk.
8/62) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 62):
-
Zervikobrachialgie
links bei leichter
Osteochondrose
und Diskushernie mit
Unkarthrose
C4/5 und mässiger Spinalkanalstenose ohne Kompressions
myelopathie mit Kompression der Nervenwurzel C5 links sowie mässige
Osteochondrose
C5/6 mit Diskushernie und
Unkarthrose
sowie Kompres
sion der Nervenwurzel C6 links
-
im Bereich der HWS:
Radikuläre
Ausstrahlungsschmerzen C5 und C6 links, Symptomausweitung im Rahmen langjähriger Schmerzen im Sinne eines diffusen Arm-/Handschmerzes mit
-
Nervenwurzelkompromittierung
discogenbedingt C5 und C6
-
Lumboischialgie
links bei
Rezidivdiskushernie
L5/S1 mit Kompression der Nervenwurzel L5 links und Status nach mikrochirurgischer Nervenwur
zeldekompression S1 mittels
Sequestrektomie
über eine
interlaminäre
Fensterung L5/S1 links im Februar 2016 und Re-Operation im August 2016
-
chronisches paravertebrales lumbales und zervikales Schmerzsyndrom
-
im Bereich der LWS: sensibel
radikuläres
Beschwerdebild L5-S1-betont links mit intermittierenden neuropathischen Ausstrahlungsschmerzen paralumbal, offiziersstreifenartig nach distal
-
Sensibilitätsstörungen, diffus an der gesamten linken unteren Extremität im Sinne einer Symptomausweitung einschliesslich Leistenregion links bei
-
Rezidiv-Diskushernie L5/S1 links
-
Status nach zweifacher
Diskushernienoperation
Die folgenden Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S.
63):
-
leichte
Acromioclaviculargelenksarthrose
links
-
Präadipositas
-
Migräne mit visuellen
Auraphänomenen
-
Anpassungsstörungen mit längerer depressiver Reaktion, bestehend seit etwa Oktober 2016, ICD-10 F43.21
-
arterielle Hypertonie
-
Miktionsstörungen
Zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit hiel
ten die Gutachter fest, es habe von August bis Dezember 2016 im Rahmen der postoperativen Rehabilitation eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 63 unten). Seit Januar 2017 sei die Beschwerdeführerin bei voller Stundenpräsenz zu 60
%
arbeitsfähig. Die 40%ige Arbeitsunfähigkeit begründe sich einerseits im Ausschluss wirbelsäulenbelastender Tätigkeiten wie Heben, Tragen und mit Kör
perkraft schiebende und stossende Arbeiten an und mit Warenpaletten, rezidivie
rendem Bücken und Wiederaufrichten und Überkopfarbeiten wie beim Waren aus- und umpacken in Regalen. Die Arbeitsfähigkeit als Verkäuferin, körperlich leicht und in temperierten Räumen, vorwiegend sitzend oder stehend, mit nicht selten inklinierter Körperhaltung, betrage aufgrund der Diagnosen spätestens seit dem Zeitpunkt der jetzigen Begutachtung gesamthaft 50
%
. Dies gelte auch für die früheren Tätigkeiten als Putzfrau, körperlich maximal mittelschwer, mit nicht selten inklinierter Körperhaltung und vorwiegend stehend und gehend (S. 64).
In angepassten Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin von August bis Dezember 2016 ebenfalls zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen.
Der übrige Zeitraum könne orthopädisch retrospektiv nicht beurteilt werden, da nicht klar sei, seit wann die jetzt festgestellte Diskushernie mit Kompression der Nervenwurzel L5 effektiv bestehe. Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, abwechselnd sit
zend und stehend, ohne häufige inklinierte,
reklinierte
und rotierte Körperhaltun
gen könnten spätestens seit Januar 2017 gesamthaft bei voller Stundenpräsenz zu 100
%
zugemutet werden (S. 64 unten).
Neurologischerseits
sei die Prognose aufgrund des langjährigen
chronifizierten
Leidens, der zweifachen Bandscheibenoperation und erneuter aktueller
Rezidivhernie
tendenziell als ungünstig zu bewerten.
Es bestehe eine erhebliche Symptomausweitung. Nebst einer Neubeurteilung im Bereich der LWS wie auch der HWS betreffend weiterer therapeutischer Massnahmen (operativ, gegebenen
falls semikonservativ) erschienen analgetische Massnahmen dringend notwendig.
Abhängig
vom
weiteren schmerztherapeutischen Prozedere gelte es
,
die Arbeits
fähigkeit der Versicherten abhängig vom möglichen
peri
-/
postinterventionellen
Beschwerdebild im Anschluss erneut zu beurteilen (S. 65).
Der orthopädische Gutachter hielt fest, die Beschwerdeführerin sei bei der Unter
suchung theatralisch und dadurch schwierig zu untersuchen, sie habe sich nach der psychiatrischen Begutachtung zur Erholung hingelegt (S. 6 oben
).
Die Schmerzen in der Halswirbelsäule und die abnormen Untersuchungsbefunde der
selben könnten grösstenteils auf die bildgebend gezeigten Veränderungen zurückgeführt werden, ebenso die Schmerzen in der Lendenwirbelsäule und die pathologischen objektivierten Befunde derselben. Nachdem die Nervenwurzel L5 aber das
Dermatom
im Bereich Zehen II bis V nicht erkläre, könne die Ausstrah
lung der Schmerzen dorthin nicht erklärt werden, ebenso wenig wie die angege
bene Hyposensibilität des gesamten linken Beins, nachdem nur die Nervenwurzel L5 betroffen sei (S. 9 Mitte).
Die neurologische Gutachterin hielt fest, langjährige
chronifizierte
Schmerzzu
stände mit Symptomausweitung würden die Gefahr bergen, dass eine organische, im vorliegenden Fall
radikuläre
Symptomatik
unter einem diffus anmutenden Schmerzbild verborgen blieben. Die
g
eklagte Symptomatik erscheine nicht voll
umfänglich in sich konsistent. Die Versicherte berichte von stärksten Schmerzen im Bereich der LWS mit Ausstrahlungsphänomenen in die linke untere Extremi
tät,
exazerbierend
in sitzender wie auch stehender Position, einzig durch Abliegen minderbar. Dabei würden konstant hohe bis teilweise höchste Schmerzstärken angegeben. Auch im Rahmen der Begutachtung wechsle die Versicherte nahezu im Minutentakt von stehender zu sitzender Position, führe Gewichtsverlagerun
gen insbesondere auf die rechte Seite durch und erkläre dies mit der Notwendig
keit, die linke Hüfte und das linke Bein immer wieder aufgrund der ausgeprägt hohen Schmerzstärke am Untersuchungstag entlasten zu müssen. Dabei gerate die linke obere Extremität nicht in den Fokus. Weder könne eine Schonhaltung noch die Durchführung von Dehnungen, Rotationsbewegungen der HWS bezie
hungsweise en-bloc Drehungen oder Verbalisierung von lokalisierten Schmerz
phänomenen erfasst werden. Gerade die Aspekte einer nur tageweisen
Schmerz
linderung nach den beiden LWS-Operationen 2016 und ein stets fehlendes län
gerfristiges Ansprechen auf jegliche Therapiemassnahmen würden angesichts der nur diskreten und sensiblen klinischen Befunde Fragen aufwerfen, so dass eine Widersprüchlichkeit vorliege. Einzig die Angaben der Versicherten von mögli
chen elektrisierenden Ausstrahlungsphänomenen spreche für ein
radikuläres
Reizsyndrom (S. 51).
Zum Gutachten von
Dr.
G._
hielt die neurologische Gutachterin fest,
die
ser habe die neuerliche Verschlechterung nach Februar 2016 im Zusammenhang mit der damals ausgesprochenen Kündigung gesehen, was möglich, aber nicht gesichert sei. Er habe es unterlassen, eine neue bildgebende Untersuchung zu veranlassen. Eine solche hätte unter Umständen bereits erste Veränderungen hin
sichtlich einer
Rezidivhernie
im Segment L5/S1 anzeigen können. Entsprechend wäre somit zumindest bei zulässiger Deutung des Beschwerdebildes auch im Sinne einer Systemausweitung eindeutig ein organischer Kern erfasst worden
(S.
53 oben).
Auf psychiatrischem Fachgebiet seien keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt worden. Es bestehe eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, bestehend seit etwa Oktober 2016 (S. 23 unten). Hinweise für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung fänden sich nicht; die Beschwerden dürften grösstenteils organisch erklärbar sein (S. 24 unten f.).
3.13
Dr.
K._
hielt am 1
6.
Oktober 2017 (
Urk.
8/111/7) zum Gutachten fest, es sei gestützt darauf und auf die übrigen Akten ab Januar 2015 von einem dauer
haft arbeitsfähigkeitsrelevanten Gesundheitsschaden mit dem im Gutachten genannten Belastungsprofil auszugehen. Für den Zeitraum Januar 2015 bis Feb
ruar 2016 sei gestützt auf die Beurteilung durch
Dr.
F._
eine volle Arbeitsun
fähigkeit in der bisherigen und einer angepassten Tätigkeit anzunehmen.
3.14
Am 2
0.
Oktober 2017 fand eine erneute Operation statt
(
Urk.
8/90/1)
.
Dr.
J._
attestierte der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsunfähigkeit ab Operations
datum bis 1
6.
Januar 2018 (
Urk.
8/69). Mit Bericht vom 3
0.
Januar 2018 (
Urk.
8/72) hielt
Dr.
J._
fest, die Beschwerdeführerin
berichte
über eine unveränderte Situation, sie werde weiterhin von tieflumbalen, bewegungsabhän
gigen Schmerzen geplagt. Sie habe auch eine schmerzhafte
Radikulopathie
im linken Bein wie vor der Operation. Es werde eine Infiltration der Wurzel L5/S1 veranlasst. Die Beschwerdeführerin sei bis zur nächsten Konsultation zu 100
%
arbeitsunfähig.
Mit Bericht vom 1
3.
Februar 2018 (
Urk.
8/75) führte
Dr.
J._
aus, die Beschwerdeführerin
berichte
über
eine 80%ige Reduktion der schmerzhaften
Radikulopathie
im linken Bein. Die Infiltration habe ihr sehr geholfen. Aktuell leide sie bei längeren Sitzperioden unter einem sehr starken Steissbeinschmerz. Die tieflumbalen Schmerzen seien praktisch identisch wie anlässlich der letzten Sprechstunde. Es sei aktuell eine mögliche
Coccygodynie
, welche von aussen sehr schmerzhaft und druckempfindlich sei, festzustellen. Es seien weitere Abklärun
gen nötig. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100
%
bis Ende Februar 201
8.
Dr.
J._
stellte mit Bericht vom
5.
März 2018 (
Urk.
8/77) folgende Diagnosen:
-
progrediente
Coccygodynie
-
Status nach Nervenwurzelblock L5/S1 links
-
Status nach dorsaler
Spondylodese
L5/S1 mit
interkorporeller
Abstüt
zung L5/S1 am 2
0.
Oktober 2017 bei Status nach zweimaliger Dekom
pression L5/S1
-
Status nach durchgeführter Steissbeininfiltration mit positivem Ansprechen
Die Beschwerdeführerin
berichte
über unveränderte tieflumbale Schmerzen. Die Steissbeininfiltration könne wiederholt werden. Man habe auch über eine mögli
che Resektion des Steissbeins gesprochen. Es sei eine stationäre Rehabilitation durchzuführen (Bericht vom 1
7.
April 2018;
Urk.
8/78).
3.15
Vom
7.
bis 3
0.
Mai 2018 befand sich die
Beschwerdeführerin in der Rehaklinik
P._
. Mit vorläufigem Austrittsbericht vom 2
5.
Mai 2018 (
Urk.
8/84) wurde festgehalten, dass es unter den therapeutischen Massnahmen zu einer segmenta
len und globalen Stabilisierung und Verbesserung von Haltungs- und Wirbelsäu
lenstatik und zum Ausgleich muskulärer
Dysbalancen
gekommen sei. Die Schmerzen im LWS-Bereich hätten sich bis auf eine Intensität von 6/10 gebessert (S. 2).
3
.16
Dr.
J._
berichtete am
6.
Dezember 2018 über die Verlaufskontrolle ein Jahr nach dem Eingriff (
Urk.
8/94) und führte aus, die Gesamtsituation habe sich nicht zunehmend verbessert. Im Gegenteil scheine sich die Situation zu
chronifizieren
und die Schmerzen weiter zu verschlechtern. Es seien weitere Abklärungen vor
gesehen. Zum Befund hielt
Dr.
J._
fest, es bestehe ein schmerzbedingt ver
langsamtes Gangbild und eine depressive Stimmungslage, keine Paresen der unteren Extremität. Schmerzbedingt sei die linksseitige Fusshebung und -sen
kung nur bedingt möglich. Die Wunden seien reizlos und
blande
. Die Inklination,
Reklination
und Rotation der Lendenwirbelsäule sei demonstrierbar.
Die bildgebenden Untersuchungen vom 1
1.
Dezember 2018 hätten keine Hin
weise auf ein
Implantatversagen
oder für neue Auffälligkeiten ergeben (Bericht vom 1
4.
Dezember 2018;
Urk.
8/96).
Mit Bericht vom 1
7.
Januar 2019 (
Urk.
8/98) hielt
Dr.
J._
fest, es sei zur Schmerztherapie der HWS eine
Fazettengelenksinfiltration
veranlasst worden. Weiter sei eine neurologische Standortbestimmung geplant.
3.17
Dr.
med.
O._
,
Z._
, stellte in seinem orthopädischen Verlaufsgutachten vom
9.
Januar 2019 (
Urk.
8/100) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 12 unten f.):
-
Zervikobrachialgie
links bei
Unkovertrebralarthrose
C3/4 mit Kontakt zur Nervenwurzel C4 rechts, kleiner
Diskusprotrusion
C4/5 mit Kontakt zur Nervenwurzel C5 links,
Unkovertebralarthrose
C5/6 mit Kontakt zur Ner
venwurzel C6 lins sowie Diskushernie C6/7 mit fraglichem Kontakt zur Nervenwurzel C7 rechts
Die folgenden Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 13 oben):
-
Pseudolumboischialgie
links bei Status nach mikrochirurgischer Nerven
wurzeldekompression S1 mittels
Sequestrektomie
über eine
interlaminäre
Fensterung L5/S1 links Februar 2016,
Reoperation
im August 2016 und dorsaler
Spondylodese
L
5/S1 mit Redekompression
L
5/S1 links und
inter
korporeller
Abstützung von links mittels
Devex
-Cage im Oktober 2017
-
Senk-Spreizfüsse
-
Adipositas
Dr.
O._
nannte keine Inkonsistenzen (S. 9). Die Schmerzen in der Halswir
belsäule und die abnormen Untersuchungsbefunde könnten im Wesentlichen auf die bildgebend sichtbaren Veränderungen zurückgeführt werden, aber das Aus
mass der demonstrierten pathologischen Befunde sei bildgebend nicht vollum
fänglich erklärt. Das Ausmass der Schmerzen und der präsentierten pathologi
schen objektiven Befunde der LWS könne mit dem postoperativ adäquaten bild
gebenden Befund nicht plausibilisiert werden. Bei radiologisch fehlender neuraler Kompression könne weder die monierte Ausstrahlung der Schmerzen in die Grosszehe links, noch die Hyposensibilität sämtlicher Zehen objektiviert werden, ebenso wenig wie die
Dysästhesien
am Fussrücken links anlässlich der körperli
chen Untersuchung (S. 12).
Die Beschwerdeführerin führe sämtliche Untersu
chungsschritte im Zeitlupentempo durch, sei etwas theatralisch und dadurch schwierig zu untersuchen (S. 10 oben).
Der letzte Eingriff 2017 sei zwar technisch geglückt, aber die Indikation sei frag
lich gewesen, der postoperative Zustand sei subjektiv unbefriedigend
und es habe kein Schmerzrückgang erzielt werden können (S. 14 unten).
In der angestammten Tätigkeit bestehe aufgrund der HWS-Diagnosen seit August 2017
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Von Oktober 2017 bis Februar 2018 habe im Rahmen der postoperativen Rehabilitation eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. In angepassten Tätigkeiten bestehe seit Januar 2017 eine Arbeitsfä
higkeit von 100
%
, wobei auch für diese Tätigkeiten zwischen Oktober 2017 und Februar 2018 keine Arbeitsfähigkeit bestanden habe (S. 15 unten f.).
Beim Kochen sowie bei Reinigungsarbeiten in der Küche mit Heben und Tragen von Pfannen und gebeugter Haltung beim Putzen, bei der Wohnungspflege, beim Aufräumen, Staubsaugen, bei der Bodenpflege, Reinigen der sanitären Anlagen, Wechseln der Bettwäsche aufgrund der gebeugten Haltung, beim Grosseinkauf mit Heben und Tragen von grösseren Lasten sowie bei der Betreuung von K
indern bestehe seit August 2017
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(S. 16 unten). Die ange
passte Tätigkeit sei vollumfänglich neben der reduzierten Haushalttätigkeit mög
lich (S. 17 oben).
Es liege seit der letzten Begutachtung eine
Veränderung des Gesundheitszustan
des vor: Die
Rezidivdiskushernie
L5/S1 mit Kompression der Nervenwurzel L5 links sei nicht mehr vorhanden und stattdessen sei eine
Spondylodese
L5/S1 durchgeführt worden, die
ossär
konsolidiert sei. Insofern habe sich der Zustand der Lendenwirbelsäule verbessert, derjenige der Halswirbelsäule sei aber quasi unverändert (S. 17).
3.18
Dr.
J._
führte mit Bericht vom
8.
Februar 2019 (
Urk.
8/102) aus, bei der neu
rologischen Beurteilung seien keine sicheren fokal-neurologischen Defizite, ins
besondere kein eindeutiges
zerviko
-
oder
lumboradikuläres
sensomotorisches Ausfallsyndrom gefunden worden.
Der leicht eingeschränkte Fers
enstand
links beruhe nicht auf einer
Peroneusparese
,
myographisch
bestünden keine Hinweise auf eine akute
Denervation
(bei allerdings eingeschränkter Kooperation). Die
Hemihypästhesie
der linken Körperseite mit unscharfer paramedianer Begrenzung sei differentialdiagnostisch als funktionell zu werten. Aus wirbelsäulenchirurgi
scher Sicht seien keine Verlaufskontrollen mehr geplant.
3.19
Am 1
5.
Februar 2019 (
Urk.
8/111/11) hielt
Dr.
K._
fest, es sei gestützt auf das Verlaufsgutachten von einer vollen Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit von Februar bis Dezember 2016 auszugehen. Ab Januar 2017 bestehe in der ange
stammten Tätigkeit als stellvertretende Leiterin eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
und als Verkäuferin oder Putzfrau eine solche von 50
%
. Behinderungsangepasst sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsfähig.
4.
4.1
Aus den Akten ergibt sich, dass das Wartejahr spätestens im Januar 2015 zu laufen begann (vgl.
Urk.
8/20/11 oben,
Urk.
8/16/1-3
Ziff.
1.5). Dass es erfüllt ist, wurde von der Beschwerdegegneri
n nicht bestritten. Aufgrund des Eingangs der
Anmeldung
der Beschwerdeführerin vom 1
3.
November 2015 bei der Beschwer
degegnerin am
4.
Dezember 2015 (vgl.
Urk.
8/6) fällt ein Rentenanspruch
jedoch
erst ab Juni 2016 in Betracht (
Art.
29
Abs.
1 IVG).
4.2
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
es habe gemäss Gutachten der Krankentaggeldversicherung ab Juli 2016 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden (S. 1 unten). Gleichzeitig
hielt sie fest
, es habe orthopädisch von Februar bis Dezember 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit bestanden (S. 2 unten). In ihrer Beschwerdeantwort machte sie
neu
geltend, gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten sei die Beschwerdeführerin zwischen August und Dezember 2016 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen (
Urk.
7 S. 2 oben).
Eine schlüssig nachvollziehbare Erklärung für diese unterschiedlichen Beurtei
lungen findet sich nicht. Wie nachfolgend zu zeigen ist, erlaubt die medizinische Aktenlage keine verlässliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (vgl. vorstehend E. 2.2) kann deshalb ein Anspruch auf eine ganze Rente von Juni bis Dezember 2016 nicht gestützt auf die vorliegenden Akten bejaht werden.
4.3
Der Austrittsbericht des
Rehaz
entrums
C._
(vorstehend E. 3.2) enthält der Natur des Behandlungsauftrags entsprechend keine Angaben
zur Frage der Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin.
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.1), die Ärzte des
D._
und
Dr.
F._
gingen ab Januar 2015 beziehungsweise 2016 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit aus, die gemäss
Dr.
F._
auch in angepassten Tätigkeiten bestehe. Diese Angaben weisen auf einen instabilen Gesundheitszu
stand hin, insbesondere bestand im Nachgang zur Operation vom Februar 2016
das Erfordernis
einer körperlichen Schonung (vgl. vorstehend E. 3.3). In der Folge ging
Neurologe
Dr.
G._
in seinem Gutachten vom Juli 2016 (vorstehend
E.
3.5)
jedoch
trotz verschiedenen von ihm bestätigten
somatischen
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit davon aus, dass die Beschwerdeführerin ab sofort
in optimal angepassten leichten und wechselbelastenden Tätigkeiten voll arbeitsfähig sei. Falls die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Verkaufsmitarbeiterin schwere Lasten heben und tragen - was bei dieser Tätigkeit wohl immer wieder vorkommt - oder in Zwangshaltungen arbeiten müsse, so sei dies nicht zumutbar.
Dr.
G._
wies auf verschiedene Diskrepanzen hin. So sei die demonstrierte Einschränkung nicht kompatibel mit den spontanen Rumpf
bewegungen beim An- und Auskleiden und dem unauffälligen
Langsitz
, und die Zunahme der Schmerzen seit der Operation sei anhand der Aktenlage und der aktuellen Befunde in dieser Form nicht nachvollziehbar. Weiter gebe die Beschwerdeführerin erhebliche Schmerzen an, nehme aber nur zwei Schmerzmit
tel in geringer Dosis ein. Es sei von einer erheblich gestörten Symptomausweitung auszugehen. Diese Beurteilung wurde im Wesentlichen von Neurologin
Dr.
I._
im September 2016 geteilt (vgl. vorstehend E. 3.8). Die Orthopäden
Dr.
J._
und
Dr.
K._
erachteten
im November und Dezember 2016
jedoch im Gegensatz dazu die Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin als
valabel
;
Dr.
K._
ging von
einer vollen Arbeitsunfähigkeit in allen Tätig
keiten aus und war der Meinung, der neurologischen Beurteilung durch
Dr.
G._
könne bezüglich der Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten nicht gefolgt werden.
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.11) ging wie
Dr.
J._
und
Dr.
K._
von einer klaren anatomischen Ursache der Beschwerden aus, ohne eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorzunehmen
.
Eine nachvollziehbare Begründung für aus Fachoptik derart divergierende Anga
ben findet sich nicht.
4.4
Das polydisziplinäre Gutachten vom 1
8.
August 2017 (vgl. vorstehend E. 3.12) brachte keine genügende Klarheit: Weshalb die Gutachter erst den Zeitraum ab August 2016 beurteilten und davon ausgingen, der übrige Zeitraum könne nicht beurteilt werden, wurde nicht erklärt. Selbst wenn nicht klar wäre, seit wann die jetzt festgestellte Diskushernie mit Kompression der Nervenwurzel L5 effektiv besteht, liegen Berichte für den fraglichen Zeitraum vor
, die die Gutachter hätten würdigen müssen
.
Dr.
O._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei bei der Untersuchung theatralisch und dadurch schwierig zu untersuchen
gewesen
. Er unterliess es jedoch
vollständig
, diese Beobachtung - im Gegensatz zu
Dr.
G._
- zu begründen. So fehlen
beispielsweise
A
ngaben zum Verhalten beim An- und Auskleiden oder zu den
Waddell
-Zeichen. Dass sich die Beschwerdefüh
rerin nach der psychiatrischen Untersuchung zur Erholung hinlegte, kann
für sich allein
kaum als theatralisches Verhalten gewertet werden
, zumal die Relevanz für die orthopädische Untersuchung nicht ersichtlich ist
. Laborchemische Untersu
chungen
zu Schmerzmittelgebrauch fehlen, und d
as orthopädische Teilgutachten ist im Anhang des Gutachtens nicht enthalten. Neurologin
Dr.
N._
hielt fest, dass zwar die
g
eklagte Symptomatik nicht vollumfänglich in sich konsistent erscheine, wies aber auch auf die Gefahr einer verborgenen organischen Proble
matik bei langjährigen
chronifizierten
Schmerzzuständen mit Symptomauswei
tung hin.
Dr.
G._
habe es versäumt, eine neue bildgebende Untersuchung zu veranlassen, welche eventuell bereits erste Veränderungen hätte zeigen und eindeutig einen organischen Kern hätte erfassen können (vorstehend E. 3.12).
4.5
Insbesondere die Beurteilung durch
Dr.
O._
wirft nach dem Gesagten Fra
gen auf zur Schlüssigkeit der
polydisziplinären
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung. Dies betrifft wie erwähnt die Frage nach Zeitraum vor August 2016, jedoch
auch das Folgende: Gemäss Gutachten bestehe in der angestammten Tätigkeit als Verkäu
ferin (körperlich leicht, in temperierten Räumen,
vorwiegend
sitzend oder ste
hend, mit nicht selten inklinierter Körperhaltung) eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Gleichzeitig bestehe gemäss Gutachten angestammt als Verkäuferin aufgrund des Ausschlusses
wirbelsäulenbelastender Tätigkeiten wie Heben, Tragen und mit
Körperkraft schiebende und stossende Arbeiten an und mit Warenpaletten, rezidivierendem Bücken und Wiederaufrichten und Überkopfarbeiten wie beim Waren aus- und umpacken in Regalen
eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
. Die Abweichung von 10
%
erschliesst sich ebenso wenig wie die Begründung einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
in angepassten Tätigkeiten, obwohl das Belastungs
profil zur zumutbaren angestammten Tätigkeit fast identisch ist (nämlich k
örper
lich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen,
abwechselnd
sitzend und ste
hend, ohne häufige inklinierte,
reklinierte
und rotierte Körperhaltungen
).
Dass einmal vorwiegend und einmal abwechselnd sitzend und stehend zumutbar ist, genügt wohl für eine solche Differenz nicht.
Auf dieses Gutachten kann
somit
mangels Schlüssigkeit nicht abgestellt werden.
4.6
Wie sich der weitere Verlauf (vgl. vorstehend E. 3.14 bis 3.16) auf die Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin auswirkte, kann anhand des Verlaufsgutachtens von
Dr.
O._
(vorstehend E. 3.17) ebenfalls nicht
rechtsgenüglich
beurteilt werden. So hielt
Dr.
O._
fest, es bestünden keine Inkonsistenzen, hielt aber gleichzeitig - erneut ohne genaue Beschreibung - fest, die Beschwerdeführerin sei etwas theatralisch und da
durch schwierig zu untersuchen. Die wiederum geäus
serte Arbeitsfähigkeit von 50
%
angestammt und 100
%
angepasst bei weitge
hend identischem Belastungsprofil bleibt ungeklärt.
4.7
Nach dem Gesagten lässt sich der Verlauf und das Ausmass der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin anhand der vorliegenden Akten nicht beurteilen. Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Vorliegend wurde der Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Es ist deshalb ange
zeigt, die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten und einer ange
passten Tätigkeit ab Juni 2016 mindestens neurologisch-orthopädisch abkläre und hernach erneut verfüge. Dabei wird zu berücksichtigen sein, dass bei einer Qualifikation von 80
%
Erwerbs- und 20
%
Haushalttätigkeit (vgl.
Urk.
8/111/1 unten) eine Haushaltabklärung in Betracht zu ziehen ist. Ebenso sind allenfalls Eingliederungsmassnahmen zu prüfen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), ermessensweise auf Fr.
7
00.-- anzusetzen und
aus
gangsgemäss
der
unterliegenden
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2'500.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen und ausgangsgemäss der unterliegenden Beschwerdegegne
rin aufzuerlegen.