Decision ID: e27b4ecc-07f1-40ec-975c-03f2b06be33c
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1960, war von Oktober 2005 bis März 2007
bei der
Y._
als Betriebsmitarbeiterin tätig (
Urk.
11/13 Ziff.
2.1 und 2.7) und meldete sich am
4.
Oktober 2007 bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/8). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte Arztberichte (
Urk.
11/16,
Urk.
11/21) und einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
11/13) ein und beteiligte sich an einem vom Kranken
versicherer veranlassten interdisziplinären Gutachten, das am 2
0.
November 2007 erstattet wurde (
Urk.
11/22 = Urk.
11/23/2-17).
Mit Vorbescheid vom 2
9.
Juli 2008 stellte die IV-Stelle in Aussicht, einen Renten
anspruch zu verneinen (
Urk.
11/45). Dagegen erhob die Versicherte am 1.
September, am
1.
und 1
9.
Dezember 2008, am
6.
und 2
7.
Januar, am
9.
März
und am 1
3.
August 2009 Einwände (
Urk.
11/51,
Urk.
11/62,
Urk.
11/68, Urk.
11/72,
Urk.
11/74,
Urk.
11/76,
Urk.
11/81/1-2).
In der Folge holte die IV
Stelle bei
der MEDAS
Z._
das
polydisziplinäre Gutachten
vom
2
0.
April 2012 (
Urk.
11/102
=
Urk.
3/3
)
ein
, zu welchem die Versicherte am 2
9.
Juni 2012 Stellung nahm (
Urk.
11/107).
Mit Verfügung vom
5.
Juni 2013 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (
Urk.
11/109 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom
5.
Juni 2013 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am
4.
Juli 2013 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, diese sei aufzuheben (S. 2
Ziff.
1) und es sei ihr eine Rente, gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 50
%
, zuzusprechen (S. 2
Ziff.
2), eventuell sei ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten einzuholen (S. 2
Ziff.
3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
5.
September 2013 (
Urk.
10) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 1
0.
Oktober 2013 wurden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
4) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon
aus
, gemäss dem MEDAS-Gutachten sei d
ie
Beschwerdeführerin in angepasster Tätigkeit wie auch in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als Betriebsmitarbeiterin bei der
Y._
zu 100
%
arbeitsfähig (S. 3 unten).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) auf den Standpunkt, das MEDAS-Gutachten leide an unheilbaren formellen Mängeln (S. 5 f.
Ziff.
2.3); in materieller Hinsicht sei es „unschlüssig und nicht nachvollziehbar“ (S 6 f.
Ziff.
2.4). Sodann kritisierte sie die psychiatrische (S. 7 ff.
Ziff.
2.5) und die rheumatologische (S. 9 ff.
Ziff.
2.5) Beurteilung.
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit,
ob die
Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin gestützt auf das von der
Beschwerdegeg
nerin
eingeholte MEDAS-Gutachten beurteilt werden kann.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
,
FMH Physikalische Medizin,
welche die Beschwerde
führerin seit 2003 behandelte (
Urk.
11/91
Ziff.
1.2)
nannte in ihrem Bericht vom 1
5.
Oktober 2007 (
Urk.
11/16) folgende
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.1):
chronisches
lumboradikuläres
Reizsyndrom L5 und S1 links bei
Osteo
chondrosen
mit Diskushernien L4/5 und L5/S1
chronisches
cervicospondylogenes
und rezidivierendes
cervicoradikulä
res
Reizsyndrom C6 links bei Diskushernie C5/6,
Osteochondrose
C5/6, mediale Diskushernie C4/5
Periarthropathia
humeroscapularis
(PHS)
calcarea
rechts
Asthma bronchiale
depressive Entwicklung
Dr.
A._
attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in der angestammten Tätigkeit seit
4.
Oktober 2006 (
Ziff.
3) und bezeichnete den Gesundheitszustand als stationär (
Ziff.
5.1). Die Arbeitsfähigkeit in behinderungsangepasster Tätig
keit bezifferte sie mit 3-4 Stunden (
Ziff.
6.2), wobei im Formular nach Stunden pro Woche gefragt wurde.
3.2
Dr.
med.
B._
,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Bericht vom 1
2.
November 2007 (
Urk.
11/21/7-10) aus, sie behandle die Beschwerdeführerin seit dem
4.
November 2006 (
Ziff.
4.1). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie (
Ziff.
2.1):
rezidivierende Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somati
schen Symptomen (ICD-10 F33.11)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Probleme in der Beziehung zum Ehepartner
Die letztgenannte Diagnose bezeichnete sie mit „ICD-10 F63.00
“
, wobei unter F.63 laut ICD-10 abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle
codiert werden, so
dass
Z63.0
(
Probleme in der Beziehung zum Ehepartner oder Partner
) richtig sein dürfte
(vgl.
Urk.
11/77/7-10
Ziff.
1.1)
.
Die Arbeitsfähigkeit bezifferte sie, mit Hinweis auf unter anderem
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.1)
,
mit 100
%
seit dem
4.
Oktober 2006 (
Ziff.
3).
3.3
Am 2
0.
November 2007 erstatteten
Dr.
med.
C._
,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten (
Urk.
11/24/1-32) und
Dr.
med.
D._
,
FMH Innere Medizin und Rheumaerkrankungen, ein inter
disziplinäres Gutachten (
Urk.
11/22 =
Urk.
11/23/2-17). In letzterem nannte der Gutachter interdisziplinär folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S.7
Ziff.
III):
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
leichte depressive Episode
chronisch sich generalisierendes Schmerzsyndrom
nicht ausreichend somatisch abstützbar
Panalgie
Beschwerden am Körperstamm
Polyarthralgien aller axialen und peripheren Gelenke
cervical
- und lumbalbetontes
Panvertebralsyndrom
ohne gesicherten Hinweis für ein
radikuläres
Reiz- oder Ausfallsyndrom
Thoracic
outlet
-Komponente links
cervical
- und lumbalbetontes
Panvertebralsyndrom
kein gesicherter Hinweis für ein
radikuläres
Reiz- oder
Ausfallsyn
drom
Thoracic
outlet
-Komponente links möglich
anamnestisch
Periarthropathia
humeroscapularis
beidseits
diskreter Senk- und Spreizfuss beidseits
diffuse idiopathische
skelettale
Hyperostose
im Status
nascendi
wahr
scheinlich
Nikotinkonsum von zirka 6
packyears
anamnestisch asthmatische Beschwerden
anamnestisch Reizmagen-Syndrom
Dr.
D._
führte unter anderem aus, aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit der Versicherten, gemäss ihrer Arbeitsplatzbeschreibung, nicht eingeschränkt (S. 14 unten).
In der interdisziplinären Einschätzung der Arbeitsfähigkeit könne derzeit für eine angepasste, leichte Verweistätigkeit vollumfänglich auf die Einschätzung aus psychosomatisch-psychiatrischer Sicht abgestützt werden. Die angepasste, leichte Verweistätigkeit für diese Versicherte liege in einem temperierten Raum, beschränke sich auf leicht- bis höchstens mittelgradig körperlich belastende
Arbeiten und lasse die Möglichkeit zu, zwischen sitzender, stehender und gehender Körperhaltung zu wechseln. Die repetitiv zu bewegenden Gewichte sollten nicht schwerer als 7.5 bis 10 kg sein (S. 15 oben).
Im psychiatrischen Gutachten wurde ausgeführt, aus psychiatrisch-psychothera
peutischer Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
für die bisherige und eine solche von 80
%
für eine angepasste Tätigkeit (
Urk.
11/24/1
32 S. 29
Ziff.
7).
3.
4
Med.
pract
.
E._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, nannte in ihrem Bericht vom
7.
Juli 2008 (
Urk.
11/50 =
Urk.
11/53/1-3
=
Urk.
11/70/12-14
) als Diagnose eine mittelgradige bis schwere depressive Epi
sode (S. 1
Ziff.
1).
Als Prozedere nannte sie die Fortführung der interdisziplinären ärztlichen und psycho-pharmakologischen Behandlung; aus ihrer Sicht bestehe eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
(S. 3 oben).
In ihrem nach einer Konsultation vom 2
7.
August 2008 erstatteten Bericht (
Urk.
11/53/4-5) nannte sie die gleiche Diagnose (
Ziff.
1.1) und führte betref
fend Arbeitsunfähigkeit aus, „von mir nicht bescheinigt“ (
Ziff.
2).
3.
5
Dr.
med.
F._
,
Facharzt
Radio-Onkologie / Strahlentherapie
, führte in seinem Bericht vom 2
4.
Dezember 2008 (
Urk.
11/70/1-6) aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit 1991 (
Ziff.
4.1). Er nannte folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.1):
chronische
asthmoide
Bronchitis
schweres
lumbovertebrales
Syndrom mit Diskushernien sowohl
cervical
als auch lumbal
mittelschwere bis schwere depressive Störung
PHS rechts
Status nach
Splenektomie
nach schwerem Verkehrsunfall und chroni
sche posttraumatische Belastungsstörung und intermittierender
Throm
bocytose
Status nach mehrmaliger
Mammaoperation
bei
Mastopathia
fibrosa
cystica
und schwerer
Carcinophobie
Psychasthenie
diverseste funktionelle psychosomatische Beschwerden bei ausgeprägter
Carcinophobie
Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit dem
4.
Oktober 2006 (
Ziff.
3). Eine behinderungsangepasste Tätigkeit bezeichnete er 2-3 Stunden (pro Woche) als zumutbar (
Ziff.
6.2).
Der von
Dr.
F._
erwähnte Verkehrsunfall hatte am 3
0.
Januar 1991 stattge
funden; dabei erlitt die Beschwerdeführerin ein Polytrauma mit Milzruptur, Nierenkontusion, Lungenlazer
a
tion,
Flake
fracture
des
Condylus
femoris
media
lis
links und klinisch vordere Kreuzbandläsion (
Urk.
11/70/33 Mitte,
Urk.
11/70/34-36 S. 1).
3.
6
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.2
) nannte in ihrem Bericht vom 2
7.
März 2009 (
Urk.
11/77/7-10) als Diagnosen (
Ziff.
1.1) mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit eine rezidivierende depressive Störung mittelschwerer bis schwerer Aus
prägung auf dem Hintergrund eines chronischen Schmerzsyndroms (ICD-10 F33.11) und als solche ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anhal
tende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und Probleme in der Beziehung zum Ehepartner (ICD-10 Z63.0).
Sie attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit dem
4.
Oktober 2006 (
Ziff.
1.6).
In ihrem Bericht vom 2
2.
Juli 2010 (
Urk.
11/85) machte sie die gleichen Anga
ben.
3.7
Im Bericht vom 3
0.
September 2010 über ein MRI des rechten Knies wurde ein komplex verlaufender Riss des medialen Meniskus erwähnt (
Urk.
11/89/7), was von
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.
5
) in
seinem Bericht vom 2
9.
September 2010 als zusätzliche Diagnose genannt wurde (
Urk.
11/89/1-6
Ziff.
1.1).
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.2) nannte in ihrem Bericht vom 1
8.
Oktober 2010
(
Urk.
11/91)
folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
chronisches
cervicocephales
und
cervicospondylogenes
sowie rezidi
vieren
des
cervicoradikuläres
Reizsyndrom bei
Osteochondrosen
in allen
cervicalen
Bandscheiben mit
Protrusionen
C5/6, C3/4, C4/5 und C6/7
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom und rezidivierendes
lumbo
radi
kuläres
Reizsyndrom L5 und S1 links, Status nach
radikulärem
Kompressionssyndrom S1 links bei Diskushernien L4/5 und L5/S1
chronische PHS
polytendinotica
rechts
diffuse idiopathische
skelettale
Hyperostose
chronisches
Reizknie
rechts bei fortgeschrittener medialer
Gonarthrose
und komplexer Meniskusläsion mit
Bakerzyste
chronische
Epicondylopathia
humeri
radialis
calcarea
mit Tendovaginiti
den der Strecksehnen beidseits
Als gegenwärtige Behandlung nannte
Dr.
A._
physikalische Therapie (
Ziff.
1.5). Sie attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
1.6) und führte aus, aufgrund der progredienten
Cervicobrachialgien
mit Tendovaginiti
den beidseits und Karpaltunnelsyndrom links könne die Patientin keine manu
ellen Arbeiten mehr ausüben (
Ziff.
1.7).
3.
8
Am 1
8.
Januar 2011 wurde die
Beschwerdeführerin
in der
G._
untersucht, worüber gleichentags berichtet wurde (
Urk.
11/95). Dabei wurde als Diagnose eine medial und
retropatelläre
Gonarthrose
rechts mit medialer Meniskusläsion rechts genannt (S.1 Mitte). Es wurde von einer
Teilmeniskekto
mie
abgeraten und eine Infiltrationsbehandlu
ng in die Wege geleitet (S. 1).
3.
9
3.9.1
Am 2
0.
April 2012 erstatteten
Dr.
med
.
H._
,
Innere Medizin und Endokrino
lo
gie /
Diabetologie
FMH, Gutachter, und
Dr.
med.
I._
,
Rheuma
tologie
FMH, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
11/102/1-28). Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 2 ff.), die Angaben der Versicherten (S. 16 ff.), die von
Dr.
H._
erhobenen Befunde (S. 22 ff.), ein nach Un
t
ersuchung vom 2
4.
November 2011 am
6.
Dezember 2011 erstattetes rheu
ma
tologisches Konsilium (S. 24; vgl.
Urk.
11/102/31-
41) und ein nach Unter
suchung vom
1.
Dezember 2011 am 1
3.
Dezember 2011 erstattetes psychi
atri
sches Konsilium (S. 24; vgl.
Urk.
11/102/42-56).
Nach im Zirkulationsverfahren erfolgtem Konsensfindungsprozess aller beteilig
ten Fachärzte fand am 1
6.
März 2012 die Schlussbesprechung durch
Dr.
H._
und
Dr.
I._
statt (S. 24 unten).
3.9.2
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit
wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (S. 26
Ziff.
4.1):
depressive Entwicklung, aktuell leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F32.0) mit
chronischer Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto
ren (ICD-10 F45.41), formal die
Fibromyalgie
-Kriterien erfüllend, mit
psychischer
Dekonditionierung
Verdeutlichungstendenz und Selbstlimitierung
bilaterale
Gonarthrose
, medial und
retropatellär
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert, nannten sie einen
Nikotinabusus
und einen hohen klinischen Verdacht auf
Mitralinsuffizienz
(S. 27
Ziff.
4.2).
3.9.3
Die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Sachbearbeiterin schätzten die Gutachter längerfristig auf 100
%
der Norm, dies allerdings nach einer psychiatrisch begleiteten schrittweisen Wiedereingliederungsphase; limi
tierend wirke einzig der psychiatrische Befund (S. 27
Ziff.
5.1).
Körperlich schwere Arbeit sei aufgrund der rheumatologischen Gegebenheiten unzumutbar; eine adaptierte körperlich leichte und mittelschwere
Verweistätig
keit
sowie die Haushaltarbeit ohne Heben von mehr als 20 kg kranial der
Gür
telhöhe
respektive kranial der Schulterhorizontale, ohne gehäuftes Knien und ohne Begehen von Leitern und Gerüsten sei längerfristig zu 100
%
der Norm zumutbar, dies wiederum erst nach einer psychiatrisch begleiteten schrittweisen Wiedereingliederungsphase (S. 27 f.
Ziff.
5.2).
3.9.4
Im rheumatologischen Konsilium (
Urk.
11/102/31-40) führte der Teilgutachter unter anderem aus, es sei ihm wohl bewusst, dass seine Beurteilung zur
haus
ärztlichen
und rheumatologischen von
Dr.
A._
divergiere. Für ihn seien allerdings die somatisch ausgerichteten Diagnosen ungenügend dargelegt und
Dr.
A._
gehe
nicht auf Widersprüche zwischen der Radiologie und der Klinik ein
; auch auf die
Differentialdiagnose
der
Fibromyalgie
und der Berücksichti
gung der bekannten Depression gehe sie nicht ein
.
In diesem Sinne sei ihre Beurteilung für ihn nicht nachvollziehbar. Demgegenüber betone der Hausarzt „diverseste funktionelle psychosomatische Beschwerden“ und betone in seiner Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung die psychiatrischen
Komorbiditäten
. Die Beur
teilung des Vorgutachters
Dr.
D._
decke sich über weite Bereiche mit den vo
n ih
m
(dem
Teilgutachter
)
gestellten Diagnosen;
gegenüber
dessen
Beurteilung habe sich der Gesundheitszustand rheumatologisch aufgrund der offensichtlich in den letzten Jahren aufgetretenen
Gonarthrosen
etwas verschlechtert (S. 9 f.).
3.9.5
Im psychiatrischen Konsilium (
Urk.
11/102/42-56) führte der Teilgutachter unter anderem aus, die depressive
Entwicklung sei von einer anhand des Tagesablaufs plausibilisierten psychischen
Dekonditionierung
begleitet. In dieser Verfassung sei die Explorandin nicht arbeitsfähig; die Arbeitsfähigkeit sei aber angesichts der vorhandenen (näher umschriebenen) guten Ressourcen verbesserbar. Es sei noch verfrüht, die Frage nach einem andauernden Gesundheitsschaden zu beantworten. Die psychische
Dekonditionierung
sei durch den Vorgutachter
Dr.
C._
überbewertet und durch die behandelnde Psychiaterin unterbewertet worden (richtig wohl umgekehrt). Er empfehle eine professionelle Wiederein
gliederung in die freie Wirtschaft (S. 14 unten).
Sodann führte er aus, eine Verweistätigkeit sei der Explorandin zumutbar. Auf
grund der psychischen
Dekonditionierung
sei die Arbeitsfähigkeit der Exploran
din in einer solchen Tätigkeit verbesserbar (S. 15
Ziff.
6.2).
3.1
0
Am 1
8.
Juni 2012 nahm
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.
1
) Stellung
(
Urk.
11/106/1
2 =
Urk.
3/4) und führte unter anderem
aus,
„
bei der Patientin hand
elt
es sich um
chronifizierte
Rückenschmerzen
“
(S. 1 Mitte). Sie sei nach wie vor der Meinung,
dass sie auch für eine adaptierte Tätigkeit nicht zu 100
%
belastbar sei (S. 1 unten).
Am 2
2.
Juni 2012 berichtete
Dr.
med.
J._
,
Facharzt FMH für Neuro
lo
gie, über seine am Vortag erfolgte Untersuchung (
Urk.
11/106/6 =
Urk.
3/6).
Am 2
5.
Juni 2012 nahm
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.
5
) Stellung
(
Urk.
11/106/3
4 =
Urk.
3/5) und führte unter anderem aus, er sei der Auffas
sung, die Patientin sei insgesamt arbeitsunfähig und nicht vermittelbar (S. 2 Mitte).
Am 2
9.
Juni 2012 nahm
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.
2
) Stellung (
Urk.
11/106/7 =
Urk.
3/7) und führte unter anderem aus, aus ihrer Sicht sei die Beschwerdeführerin in jeglicher Tätigkeit in der freien Wirtschaft zu 100
%
arbeitsunfähig.
4.
4.1
In formeller Hinsicht machte die Beschwerdeführerin geltend, ihr seien die Namen des Gutachters
Dr.
H._
und der beiden
Konsiliargutachter
bekannt gegeben worden, nicht aber derjenige von
Dr.
I._
;
dieser habe dementspre
chend nicht an der Exploration und den nachträglichen rechtlich relevanten Einschätzungen teilnehmen dürfen (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
2.3). Sie habe ihm gegen
über keine Ausstands- und Ablehnungsgründe geltend machen können (
Urk.
1 S. 6 oben).
Die Beschwerdeführerin wurde von genau den Ärzten untersucht und begutach
tet, die ihr angekünd
igt worden waren;
Dr.
I._
hat
- entgegen dem, was die Beschwerdeführerin suggerierte - gerad
e
nicht an der Exploration mitgewirkt; in ihrer ersten Stellungnahme hatte die Beschwerdeführerin noch explizit (und rügend) ausgeführt,
Dr.
I._
habe sie nicht untersucht (
Urk.
11/207 S. 2 unten)
; w
elche dieser
zwei
sich
gegenseitig ausschliessenden
Positionen gelten soll, bleibt unklar. Hinsichtlich allfälliger Ablehnungsgründe ist der Standpunkt der Beschwerdeführerin ein rein theoretischer; offensichtlich gibt es keine konkre
ten Ausstand- oder Ablehnungsgründe, die sie gegenüber
Dr.
I._
zu erheben wüsste, sonst hätte sie solche in ihrer Stellungnahme zu
m
Gutachten an
führen müssen; aus dem Umstand, dass sie dies auch in einem späteren Zeitpunkt nicht getan hat, ergibt sich unzweideutig, dass sie keine solchen geltend zu machen weiss
. Inwiefern es
schliesslich
der Qualität
und der Verwertbarkeit des Gut
achtens abträglich sein sollte, wenn
Dr.
I._
„als langjähriger, erfahrener Chef
arzt“ (
Urk.
1 S. 6 oben) der Institution am Konsensfindungsprozess mitwirkt
, damit auch die Konklusionen der Teilgutachter
im Lichte seines Fachwissens
kritisch nachprüft,
und
dies
mit seiner Unterschrift
zum Ausdruck bringt, ist nicht ersichtlich und wurde auch von der Beschwerdeführerin nicht dargelegt.
Die Einwände der Beschwerdeführerin erweisen sich demzufolge als unbegrün
det; das eingeholte Gutachten leidet
nicht
an formellen Mängeln.
4.2
In materieller Hinsicht wandte die Beschwerdeführerin ein, im Gutachten seien die anamnestisch vorhandenen Diagnosen „schlicht herabgestuft“ worden; die Diagnostik im Gutachten sei „völlig diskrepant“ zu den von den behandelnden Ärzten festgehaltenen Diagnosen (
Urk.
1 S. 6
Ziff.
2.4). Das psychiatrische
Teil
gutachten
lasse „die Vermutung aufkommen, der Gutachter habe seine Befunde insinuierend aufgenommen“; auch habe er es unterlassen, bei der behandelnden Psychiaterin fremdanamnestische Angaben einzuholen, denen gemäss konstan
ter Rechtsprechung des Bundesgerichts bei psychischen Beschwerden eine zentrale Rolle zukomme (S. 7
Ziff.
2.5). „Ebenfalls konstruiert“ sei das rheuma
tologische Teilgutachten; zutreffend sei die Beurteilung durch die behandelnde Rheumatologin (S. 9 f.
Ziff.
2.5).
Es ist nicht klar, ob die Beschwerdeführerin zum Ausdruck bringen wollte, dass im Gutachten frühere Diagnosen herabgestuft worden seien, oder dass im Gut
achten im Vergleich zu früheren Beurteilungen andere („diskrepante“) Diagno
sen gestellt worden seien
; beides zugleich kann nicht zutreffen: entweder wur
den frühere Diagnosen abgeschwächt, oder es wurden andere als die früheren Diagnosen gestellt
. Dies kann jedoch offen bleiben, denn e
in Gutachten wird
dann
angeordnet, wenn die vorhandenen medizinischen Beurteilungen nicht genügen. Dabei kann es vorkommen, dass die Begutachtung gleiche Befunde, Diagnosen und Einschränkungen ergibt, wie eine oder mehrere Vorbeurtei
lungen; möglich ist aber auch, dass das Gutachten betreffend Befunde, Diag
nosen und Einschränkungen zu anderen als den bisher
vorliegenden Erkennt
nissen führt. Dies alleine beeinträchtigt - anders, als die Beschwerdeführerin anzunehmen scheint - die Verwertbarkeit des Gutachtens keineswegs, wäre es doch sinnlos, Gutachten nur dann als verwertbar zu erachten, wenn sie sich mit (möglicherweise
sogar
sich widersprechenden) Vorbeurteilungen decken wür
den.
Für die angebliche zentrale Rolle fremdanamnestischer Angaben findet sich weder in der Rechtsprechung (die von der Beschwerdeführerin denn auch nur pauschal erwähnt wurde) ein Beleg, im Gegenteil (vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
8C_808/2012
vom 2
1.
Dezember 2012 E. 3.3.3), noch findet sie
etwa in den Qualitätsleitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psy
chotherapie SGPP für psychiatrische Gutachten in der Eidgenössischen Invali
denversicherung (2012) eine Stütze
(vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_399/2013 vom 1
7.
September 2013
E. 4.3)
.
Somit erweisen
sich auch die materiellen Einwände der Beschwerdeführerin als unbegründet.
4.3
Den medizinischen Sachverhalt betreffend ist mithin auf das Gutachten, das alle praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.3) vollumfänglich erfüllt und das davon abweichende Einschätzungen von behandelnder Seite nicht ernsthaft in Frage zu stellen vermögen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc), abzustellen.
4.4
Das Gutachten lässt nun aber keineswegs die von der Beschwerdegegnerin gezo
gene Schlussfolgerung, die Beschwerdeführerin sei in angepasster und in der früheren Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig (vorstehend E. 2.1),
zu.
Vielmehr wurde im psychiatrischen Konsilium ausdrücklich festgehalten, in der aktuellen Verfassung sei die Beschwerdeführerin nicht arbeitsfähig; die Arbeits
fähigkeit sei angesichts der vorhandenen (näher umschriebenen) guten Ressour
cen verbesserbar. Es sei noch verfrüht, die Frage nach einem andauern
den
Gesund
heitsschaden
zu beantworten
. Empfohlen
wurde eine professionelle Wiedereingliederung in die freie Wirtschaft. Eine Verweistätigkeit wurde wohl als zumutbar bezeichnet, aber auch dies - ersichtlich in der Feststellung, die Arbeitsfähigkeit sei verbesserbar - nur in (nicht näher quantifiziertem) redu
ziertem Umfang (vorstehend E. 3.9.5).
Auch in der Gesamtbeurteilung wurde eine Tätigkeit im Umfang von 100
%
in
der bisherigen wie auch in einer
somatisch angepasste
n
Tätigkeit als „länger
fristig“ zumutbar bezeichnet, nämlich nach einer psychiatrisch begleiteten schrittweisen Wiedereingliederungsphase (vorstehend E. 3.93.)
.
4.5
Es geht nicht an, dass die Beschwerdegegnerin derart deutlich formulierte Ein
schränkungen, welche die Annahme einer vollen Arbeitsfähigkeit nachgerade
widerlegen, übergeht und im Widerspruch dazu eine volle Arbeitsfähigkeit behauptet.
Die angefochtene Verfügung erweist sich aus diesem Grund als klar unzutref
fend, weshalb die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen ist, dass die Verfü
gung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Diese ist gehalten, das Verfahren unter korrekter Berücksichtigung der gut
achterlichen Feststellungen fortzusetzen, wobei die empfohlenen Eingliede
rungs
massnahmen an
ob
erster Stelle stehen dürften, allenfalls - im Hinblick auf die Anspruchsprüfung -
eine
klärende Rückfrage bei den Gutachtern nach dem Umfang der Arbeitsfähigkeit in Prozent im Begutachtungszeitpunkt und bis zum Abschluss der empfohlenen
Rekonditionierung
.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
5.2
Die Beschwerdegegnerin hat den unentgeltlichen Rechtsvertreter der Beschwer
de
führerin, der trotz entsprechender Aufforderung keine Honorarnote einge
reicht hat, beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
200.-- (zuzüglich Mehr
wertsteuer) mit
Fr.
2‘000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.