Decision ID: 3be5131f-a252-539e-bd9b-616000ae60a5
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die serbische Staatsangehörige A._ (geb. [...]; nachfolgend: Be-
schwerdeführerin) wurde am 6. September 2016 in Zürich von der Kan-
tonspolizei angehalten und – weil der Verdacht auf illegalen Aufenthalt und
illegale Erwerbstätigkeit aufkam – festgenommen (Akten des Migrations-
amtes des Kantons Zürich [ZH-act.] 1 ff.).
Am 7. September 2016 wurde die Beschwerdeführerin durch die Kantons-
polizei Zürich zur Sache einvernommen. Auf entsprechende Vorhalte hin
bestätigte sie, am 17. Mai 2016 in den Schengen-Raum eingereist und sich
im Zeitpunkt ihrer Anhaltung 21 Tage über den bewilligungsfreien Aufent-
halt hinaus in diesem Gebiet aufgehalten zu haben. Sodann gestand sie
ein, zwischen dem 5. Juli 2016 und dem 6. September 2016 ca. zwei bis
drei Mal ohne entsprechende Bewilligung für eine Firma Reinigungsarbei-
ten erbracht zu haben. Mit dem Geschäftsführer dieser Firma sei sie be-
freundet (ZH-act. 12-15; Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1 ff.).
Im Rahmen der Einvernahme durch die Kantonspolizei Zürich wurde der
Beschwerdeführerin rechtliches Gehör zur allfälligen Verhängung einer
Fernhaltemassnahme und deren Ausschreibung im Schengener Informati-
onssystem (SIS-II) zur Einreiseverweigerung im ganzen Schengen-Raum
gewährt (ZH-act. 9 f.).
B.
Mit Strafbefehl vom 8. September 2016 befand die Staatsanwaltschaft Zü-
rich-Sihl die Beschwerdeführerin des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne
von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG (SR 142.20), begangen vom 17. August 2016
bis zum 6. September 2016, sowie der Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung
im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG, begangen mindestens zwei bis drei-
mal in der Zeit zwischen 5. Juli 2016 und 6. September 2016, für schuldig
und verurteilte sie zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 30.–, be-
dingt erlassen bei einer Probezeit von zwei Jahren und zu einer Busse von
Fr. 300.– (ZH-act. 23 ff.; SEM-act. 2 ff.). Eine gegen den Strafbefehl erho-
bene Einsprache zog die Beschwerdeführerin am 10. Oktober 2016 zurück
(Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1; Beschwerdebei-
lage 1).
C.
Das Staatssekretariat für Migration (nachfolgend: Vorinstanz) erliess am
9. September 2016 gegenüber der Beschwerdeführerin ein zweijähriges
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Einreiseverbot. Zur Begründung verwies die Vorinstanz auf das mit Straf-
befehl vom 8. September 2016 abgeurteilte Fehlverhalten und hielt fest,
dass die Beschwerdeführerin damit gegen die öffentliche Sicherheit und
Ordnung im Sinne von Art. 67 AuG verstossen habe. Die Vorinstanz ord-
nete weiter die Ausschreibung des Einreiseverbots im SIS-II an und entzog
einer allfälligen Beschwerde vorsorglich die aufschiebende Wirkung (SEM-
act. 2/11 ff.).
D.
Mit einer Beschwerde vom 10. Oktober 2016 gelangte die Beschwerdefüh-
rerin an das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt darin die ersatzlose
Aufhebung des Einreiseverbots, eventualiter sei die Dauer der Massnahme
auf ein halbes Jahr zu reduzieren (BVGer-act. 1).
E.
In ihrer Vernehmlassung vom 21. November 2016 schloss die Vorinstanz
auf Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 8).
F.
Replizierend hielt die Beschwerdeführerin in einer Eingabe vom 4. Januar
2017 an ihren Rechtsbegehren und deren Begründung fest (BVGer-
act. 10).
G.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen der Vorinstanz, die gestützt auf Art. 67 AuG
ein Einreiseverbot zum Gegenstand haben (Art. 33 Bst. d VGG; Art. 32
VGG; Art. 112 Abs. 1 AuG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG i.V.m. Art. 112 Abs. 1 AuG).
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Seite 4
1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde
legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist an die Begründung
der Begehren nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Massgebend ist
grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt des Entscheides (BVGE 2014/1
E. 2; 2011/43 E. 6.1).
3.
3.1 Gemäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG kann die Vorinstanz gegenüber aus-
ländischen Personen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in
der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden, ein
Einreiseverbot verhängen. Das Einreiseverbot wird in der Regel für eine
Dauer von höchstens fünf Jahren verfügt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Aus huma-
nitären oder anderen wichtigen Gründen kann die zuständige Behörde von
der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder ein Einreiseverbot
vollständig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AuG).
3.2 Das Einreiseverbot dient der Abwendung künftiger Störungen der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung (Botschaft vom 8. März 2002 zum Bun-
desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [nachfolgend: Botschaft
zum AuG], BBl 2002 3709, 3813). Stützt sich das Einreiseverbot auf den
Fernhaltegrund des Verstosses gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung, steht die Gefahrenabwehr durch Generalprävention im Sinne der
Einwirkung auf das Verhalten anderer Rechtsgenossen im Vordergrund
(BGE 136 II 5 E. 4.2; Urteil des BGer 2C_282/2012 vom 31. Juli 2012
E. 2.5; Urteil des BVGer F-3001/2015 vom 13. Dezember 2017 E. 3.2). So-
weit das Einreiseverbot auf den alternativen Fernhaltegrund der Gefähr-
dung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung abstellt, kommt die Spezial-
prävention im Sinne der Einwirkung auf das Verhalten des Betroffenen
selbst zum Tragen (vgl. statt vieler: Urteile des BVGer F-7385/2015 vom
4. Dezember 2017 E. 4.3; F-2398/2016 vom 24. Juli 2017 E. 3.2).
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Seite 5
3.3 Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2
Bst. a AuG bildet den Oberbegriff für die Gesamtheit der polizeilichen
Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem die Unverletzlichkeit der objekti-
ven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzelner (vgl. Botschaft zum
AuG, BBl 2002 3709, 3813). Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit
und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG liegt etwa vor, wenn
gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet werden
(Art. 80 Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulas-
sung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]). Unter diese
Begriffsbestimmung fallen auch Widerhandlungen gegen Normen des Aus-
länderrechts. Auf eine Gefährdung ist zu schliessen, wenn konkrete An-
haltspunkte dafür bestehen, dass der Aufenthalt der betroffenen Person in
der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu einem Verstoss gegen
die öffentliche Sicherheit und Ordnung führen wird (Art. 80 Abs. 2 VZAE).
Die Gefährdungssituation ist aufgrund einer Prognose unter Berücksichti-
gung der gesamten Umstände des Einzelfalls zu beurteilen. Ins Gewicht
fällt dabei vor allem das vergangene Verhalten der betroffenen Person. Die
Begehung einer Straftat ist ein Indiz dafür, dass die ausländische Person
erneut delinquieren wird (BVGE 2013/4 E. 7.2.2; 2008/24 E. 4.2).
4.
Zu prüfen ist zunächst, ob die Beschwerdeführerin gegen gesetzliche Vor-
schriften verstossen und damit einen Fernhaltegrund im Sinne von Art. 67
Abs. 2 Bst. a AuG gesetzt hat.
4.1 Die Vorinstanz stützt die Fernhaltemassnahme auf den rechtskräftigen
Strafbefehl vom 8. September 2016. Die Beschwerdeführerin bestreitet
den dem Strafbefehl zugrunde liegenden objektiven Tatbestand nicht. Sie
macht jedoch geltend, dass sie in der fraglichen Zeitperiode lediglich Ar-
beiten im Sinne von Hilfestellungen für ihren Freund verrichtet habe, den
sie seit dem Jahre 2015 kenne und mit dem sie seit geraumer Zeit eine
Liebesbeziehung führe. Die Arbeiten seien als Gefälligkeitshandlungen zu
verstehen. Schwarzarbeit habe sie damit nicht geleistet, weil eine solche
voraussetzen würde, dass Lohn ausbezahlt und nicht versteuert werde. Sie
habe lediglich von ihrem Partner hie und da Geld für Einkäufe zur Bestrei-
tung ihres Lebensunterhalts bekommen. Als Gastgeber sei ihr Partner
dazu auch verpflichtet gewesen. Sie habe ihren Partner während dessen
Arbeit nur deshalb begleitet, um mehr Zeit mit ihm verbringen zu können.
Sie sei nicht in die Schweiz eingereist, um hier erwerbstätig zu sein, son-
dern um ihren Partner und ihre Verwandte (Cousine) in (...) zu besuchen
(BVGer-act. 1 und 10).
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4.2 Bereits die Grundsätze der Einheit der Rechtsordnung sowie der
Rechtssicherheit gebieten, dass das Bundesverwaltungsgericht den von
der Beschwerdeführerin anerkannten Sachverhalt rechtlich nicht abwei-
chend vom Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 8. Septem-
ber 2016 würdigt (BGE 139 II 95 E. 3.2; 137 II 363 E. 2.3.3; 124 II 103
1c/bb; Urteil des BGer 1C_98/2017 vom 2. Juni 2017 E. 2.4; Urteil des
BVGer C-3333/2011 vom 19. September 2013 E. 7.4). Ungeachtet davon
sind vorliegend aber auch keine sachlichen Gründe ersichtlich, um vom
Erkenntnis der Strafbehörde abzuweichen (vgl. BGE 136 II 447 E. 3.1):
Als bewilligungspflichtige Erwerbstätigkeit im Sinne von Art. 11 Abs. 1 AuG
gilt jede üblicherweise gegen Entgelt ausgeübte unselbständige oder selb-
ständige Tätigkeit, selbst wenn sie unentgeltlich erfolgt (Art. 11 Abs. 2
AuG). Der Begriff der Erwerbstätigkeit ist weit zu fassen (Urteil des BVGer
F-4314/2016 vom 6. Juni 2017 E. 6.5). Entgegen der Auffassung der Be-
schwerdeführerin kommt es nicht darauf an, ob ihr für die Reinigungsarbei-
ten ein Entgelt ausbezahlt wurde. Ebenso wenig ist entscheidend, ob sie
Geld für ihren Lebensunterhalt von ihrem Partner oder dessen Firma er-
hielt. Massgebend für die Annahme einer bewilligungspflichtigen Erwerbs-
tätigkeit ist vorliegend einzig, dass die von der Beschwerdeführerin ausge-
übte Tätigkeit üblicherweise gegen Entgelt erbracht wird (vgl. statt vieler:
Urteil des BGer 6B_277/2011 vom 3. November 2011 E. 1.5.2; Urteile des
BVGer F-5969/2016 vom 28. September 2017 E. 6.3; F-4638/2016 vom
23. Mai 2017 E. 4.4; vgl. PHILIPP EGLI/TOBIAS D. MEYER, in Martina Ca-
roni/Thomas Gächter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], Kommentar zum Bundes-
gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], 2010, Art. 11 N. 6).
Vom weit gefassten Erwerbsbegriff sind nur jene Hilfeleistungen ausge-
nommen, denen aufgrund der verwandtschaftlichen oder emotionalen
Nähe zwischen den Beteiligten ein besonderer Charakter zukommt. Die
ausführende Person darf nicht durch einen Dritten ersetzt werden können,
ohne dass dieser besondere Charakter der Hilfeleistung entfallen würde
(Urteil des BVGer C-7344/2014 vom 24. August 2015 E. 5.2.2 m.H.). Rei-
nigungsarbeiten gehören zum Leistungsangebot der Firma des Partners
der Beschwerdeführerin. Ohne die Arbeiten der Beschwerdeführerin hätte
ihr Partner bzw. die Firma eine Drittperson anstellen und entlöhnen müs-
sen. Die Hilfestellung der Beschwerdeführerin erfolgte somit nicht in der
privaten, sondern in der geschäftlichen Sphäre ihres Partners (vgl. Urteile
des BVGer F-4156/2016 vom 8. Dezember 2017 E. 5.3; F-3648/2016 vom
23. Mai 2017 E. 4.4; F-1473/2016 vom 15. Mai 2016 E. 4.3.3; vgl. auch
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MARC SPESCHA, in Marc Spescha et al. [Hrsg.], Kommentar zum Migrati-
onsrecht, 4. Aufl. 2015, Art. 11 N. 3). Mit ihrer Tätigkeit hat die Beschwer-
deführerin damit einen Fernhaltegrund gesetzt.
4.3 Den Vorwurf des rechtswidrigen Aufenthalts durch einen Verbleib in der
Schweiz bzw. im Schengen-Raum über den bewilligungsfrei maximal zu-
lässigen Zeitraum hinaus bestreitet die Beschwerdeführerin nicht. Sie hat
auch damit gesetzliche Vorschriften verletzt (Art. 11 Abs. 1 AuG, Art. 115
Abs. 1 Bst. b und Bst. c AuG), was als Verstoss gegen die öffentliche Si-
cherheit und Ordnung zu werten ist (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG; Art. 80
Abs. 1 Bst. a VZAE). Da die Beschwerdeführerin nicht geltend macht, dass
die Beweiswürdigung des Strafrichters feststehenden Tatsachen klar wi-
derspricht (vgl. BGE 124 II 103 E. 1c/aa), konnte auf die Edition der Straf-
akten der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl verzichtet werden, soweit diese
nicht bereits den Akten des Migrationsamtes des Kantons Zürich beigele-
gen haben.
5.
5.1 Der Entscheid darüber, ob ein Einreiseverbot anzuordnen und – falls ja
– wie es innerhalb des zulässigen zeitlichen Rahmens zu befristen ist, legt
Art. 67 Abs. 2 AuG in das pflichtgemässe Ermessen der Behörde
(BGE 139 II 121 E. 6.5.1; 108 Ib 196 E. 4a). Zu beachten ist dabei insbe-
sondere der Grundsatz der Verhältnismässigkeit (BVGE 2016/33 E. 9;
2014/20 E. 8.1). Erforderlich ist eine einzelfallbezogene Interessenabwä-
gung unter Berücksichtigung sämtlicher wesentlicher Umstände (Art. 5
Abs. 2 BV; Art. 96 AuG; BGE 139 I 16 E. 2.2.1; 135 II 377 E. 4.3). Mass-
gebend ist dabei das Interesse an der Fernhaltemassnahme einerseits und
den von ihr beeinträchtigten privaten Interessen der Beschwerdeführerin
andererseits. Ausgangspunkt der Überlegungen bilden die Stellung der
verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ord-
nungswidrigen Verhaltens, die persönlichen Verhältnisse der Beschwerde-
führerin und das von ihr ausgehende, zukünftige Gefährdungspotenzial
(BGE 139 II 121 E. 6.5.1; BVGE 2014/20 E. 8.1).
5.2 Indem die Beschwerdeführerin beantragt, es sei gestützt auf Art. 67
Abs. 5 AuG aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen von der
Verhängung eines Einreiseverbots abzusehen, verkennt sie, dass diese
Bestimmung – soweit sie sich nicht auf die Handhabung von Suspensionen
bezieht – auf Einreiseverbote nach Art. 67 Abs. 1 AuG ausgerichtet ist, bei
denen der Behörde ein eingeschränktes Entschliessungsermessen zu-
kommt. In ihrem Anwendungsbereich lässt sie zu Lasten des Betroffenen
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Seite 8
einen engeren Entscheidungsspielraum offen, als die bei Einreiseverboten
nach Art. 67 Abs. 2 AuG vorzunehmende Interessenabwägung (vgl. Bot-
schaft vom 18. November 2009 über die Genehmigung und die Umsetzung
des Notenaustauschs zwischen der Schweiz und der EG betreffend die
Übernahme der EG-Rückführungsrichtlinie [Richtlinie 2008/115/EG] [Wei-
terentwicklung des Schengen-Besitzstands], BBl 2009 8881, 8896; Bot-
schaft zum AuG, BBl 2002 3709, 3814; SPESCHA, Art. 67 N. 7 f.).
5.3 Das öffentliche Interesse an der Ausfällung eines Einreiseverbots ge-
genüber der Beschwerdeführerin ist in erster Linie darin begründet, die
ausländerrechtliche Ordnung durch eine konsequente Massnahmepraxis
zu schützen. Der Einhaltung ausländerrechtlicher Normen kommt eine
zentrale Bedeutung zu, um eine funktionierende Rechtsordnung gewähr-
leisten zu können (BVGE 2016/33 E. 4.3; 2014/20 E. 8.2; Urteil des BVGer
F-1473/2016 vom 15. Mai 2017 E. 5.2). Die Beschwerdeführerin räumte
anlässlich ihrer polizeilichen Einvernahme am 7. September 2016 ein, die
Bedingungen für einen bewilligungsfreien Aufenthalt in der Schweiz zu
kennen. Dennoch hat sie gegen die ausländerrechtlichen Bestimmungen
verstossen. Ihr Fehlverhalten wiegt daher nicht leicht. Vielmehr sind in ih-
rem Overstay und in der illegalen Ausübung einer Erwerbstätigkeit schwer-
wiegende Verstösse gegen die Rechtsordnung zu erblicken (Urteil des
BVGer F-2165/2017 vom 17. November 2017 E. 5.2). Das deliktische Ver-
halten und dessen nachträgliche Gewichtung durch die Beschwerdeführe-
rin selbst lassen die notwendige Einsicht in das von ihr begangene Unrecht
vermissen. Die Verhängung eines Einreiseverbots scheint deshalb nicht
nur geeignet, sondern auch (nach wie vor) erforderlich, um die mit der Mas-
snahme verfolgten general- und spezialpräventiven Interessen durchzuset-
zen. Von einer willkürlichen Ausfällung des Einreiseverbotes kann entge-
gen der Auffassung der Beschwerdeführerin keine Rede sein.
5.4
Zur Begründung ihrer persönlichen Interessen daran, für Einreisen in die
Schweiz (und das Fürstentum Liechtenstein) über die Visums-Pflicht hin-
aus keinen zusätzlichen Restriktionen unterworfen zu werden, beruft sich
die Beschwerdeführerin in erster Linie auf die Beziehung zu ihrem Partner,
aber auch auf die Anwesenheit einer Cousine (vgl. BVGer-act. 1 und
act. 10).
5.4.1 Ihren Freund hat die Beschwerdeführerin offenbar im Jahr 2015 ken-
nen gelernt. Im Verlauf der Zeit sei daraus eine partnerschaftliche Liebes-
beziehung geworden. Die Schilderungen der Beschwerdeführerin lassen
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Seite 9
allerdings in Bezug auf Dauer und Intensität der Beziehung nicht schon
eine durch Art. 8 Abs. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV geschützte Relation
erkennen (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1 und E. 3.1; 126 II 377 E. 2b/cc; Urteil
des BGer 2C_867/2016 vom 30. März 2017 E. 2.2; 2C_1194/2012 vom
31. Mai 2013 E. 4.1; 2P.117/2001 vom 26. Juli 2001 E. 2c). Nichts anderes
gilt in Bezug auf die in der Schweiz wohnhafte Cousine. Das von der Be-
schwerdeführerin angerufene Recht auf persönliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2
BV) vermittelt ihr in seinem Teilaspekt der selbstbestimmten Persönlich-
keitsentfaltung keinen über das Recht auf Familien- oder Privatleben hin-
ausgehenden Anspruch (vgl. dazu BGE 133 I 110 E. 5.2; 133 I 58 E. 6.1;
97 I 839 E. 3). Das von Art. 10 Abs. 2 BV ebenfalls umfasste Recht, sich
nach freiem Willen und ohne staatliche Eingriffe frei bewegen zu können,
steht unter dem Vorbehalt ausländerrechtlicher (Bewilligungs-) Vorschriften
sowie rechtsgültig angeordneter Fernhaltemassnahmen (vgl. BGE 132 I 49
E. 5.2; 128 I 327 E. 3.3; BVGer-Urteil C-8677/2010 vom 11. Juni 2013 E. 6;
RAINER J. SCHWEIZER, in Bernhard Ehrenzeller et al. [Hrsg.], St. Galler
Kommentar zur schweizerischen Bundesverfassung, 3. Aufl. 2014, Art. 10
N. 36).
5.4.2 Zwar vermag die Beschwerdeführerin aus den von ihr als verletzt ge-
rügten Grundrechtspositionen nichts für sich abzuleiten. Dennoch ist ins-
besondere die Beziehung zu ihrem Partner in der Schweiz in die vorlie-
gende Interessenabwägung miteinzubeziehen. Dabei gilt indes zu beach-
ten, dass die Verwirklichung eines dauerhaften Beziehungslebens auf dem
Gebiete der Schweiz nicht erst an der verhängten Fernhaltemassnahme,
sondern schon daran scheiterte, dass die Beschwerdeführerin bisher nicht
über ein dauerndes Aufenthaltsrecht verfügte (Urteil des BVGer
C-5080/2014 vom 21. März 2016 E. 7.3; C-6340/2012 vom 13. Oktober
2014 E. 6.5.1). Es kann ihr zugemutet werden, während befristeter Zeit die
Kontakte zu ihrem Partner und ihrer Verwandten auf andere Weise als
durch Einreise in die Schweiz zu pflegen (BGE 122 II 289 E. 3b; Urteil des
BVGer F-4156/2016 vom 8. Dezember 2017 E. 7.4; Urteil des BVGer
C-447/2013 vom 31. Januar 2014 E. 6.3). Im Übrigen wurden der Be-
schwerdeführerin seitens der Vorinstanz auf entsprechende Gesuche hin
bisher schon wiederholt und in grosszügiger Weise Suspensionen für be-
fristete Einreisen in die Schweiz gewährt (vgl. BVGer-act. 11, act. 14 und
act. 15).
5.5 Die privaten Interessen der Beschwerdeführerin vermögen somit we-
der einen Verzicht auf das Einreiseverbot noch eine Reduktion in dessen
Dauer zu rechtfertigen. Die verhängte Fernhaltemassnahme entspricht
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Seite 10
denn auch der Praxis in vergleichbaren Fällen (vgl. statt vieler: Urteil des
BVGer F-4638/2016 vom 23. Mai 2017 E. 5.3 m.H.).
6.
In Anbetracht der vorerwähnten Interessenabwägung erscheint das mit
Verfügung vom 9. September 2016 verhängte Einreiseverbot sowohl im
Grundsatz als auch hinsichtlich der Dauer als angemessen und verhältnis-
mässig. Von weiteren Auskünften der Parteien oder Zeugnissen von Dritt-
personen waren keine weiteren entscheidrelevanten Aufschlüsse zu erwar-
ten, weshalb im Rahmen des Beschwerdeverfahrens in antizipierter Be-
weiswürdigung auf deren Einholung verzichtet werden konnte (BGE 141 I
60 E. 3.3; 136 I 229 E. 5.3; Urteil des BVGer F-5969/2016 vom 28. Sep-
tember 2017 E. 3.3).
7.
Zu prüfen bleibt die Rechtmässigkeit der von der Vorinstanz angeordneten
Ausschreibung des Einreiseverbots im SIS-II. Die Beschwerdeführerin er-
achtet diese Massnahme als unverhältnismässig.
7.1 Die Voraussetzungen zur Ausschreibung der Beschwerdeführerin im
SIS-II sind vorliegend erfüllt (vgl. Art. 2, Art. 21, Art. 24 Ziff. 1 und Art. 24
Ziff. 2 Bst. a der Verordnung [EG] Nr. 1987/2006 vom 20. Dezember 2006
über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schengener Infor-
mationssystems der zweiten Generation [SIS-II-Verordnung, Abl. L 381/4
vom 28. Dezember 2006]; Art. 20 der Verordnung vom 8. März 2013 über
den nationalen Teil des Schengener Informationssystems [N-SIS] und das
SIRENE-Büro [N-SIS-Verordnung, SR 362.0]). Die Schweiz ist als Folge
des Grundsatzes der loyalen Zusammenarbeit bei der Administration des
gemeinsamen Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts, auf dem
das Schengen-System beruht, zur getreuen Wahrung der Interessen der
Gesamtheit der Schengen-Staaten verpflichtet (vgl. BVGE 2011/48 E. 6.1).
Die Ausschreibung des Einreiseverbots liegt somit im gemeinsamen Inte-
resse der Schengen-Staaten.
7.2 Die einzelnen Mitgliedstaaten können einer zur Einreiseverweigerung
ausgeschriebenen Person auf entsprechendes Gesuch hin die Einreise in
das eigene Hoheitsgebiet aus wichtigen Gründen oder aufgrund internati-
onaler Verpflichtungen gestatten (vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m. Art. 6 Abs. 5
Bst. c der Verordnung [EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das
Überschreiten der Grenzen durch Personen [Schengener Grenzkodex]
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Seite 11
[kodifizierte Fassung]) bzw. ihr ein Schengen-Visum mit räumlich be-
schränkter Gültigkeit ausstellen (vgl. Art. 25 Abs. 1 Bst. a [ii] der Verord-
nung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft). In diesem Rahmen
kann berechtigten Interessen der Beschwerdeführerin an der Pflege von
Kontakten zur Verwandtschaft (Schwester und Tanten in Deutschland
bzw. Dänemark) Rechnung getragen werden. Schliesslich ist weder er-
sichtlich noch wird dargetan, weshalb es der Beschwerdeführerin durch die
Ausschreibung eines zweijährigen Einreiseverbots verwehrt sein soll, die
deutsche Staatbürgerschaft zu beantragen.
7.3 Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Ausschrei-
bung des Einreiseverbots im SIS-II angeordnet hat.
8.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung der Vorinstanz vom 9. September 2016 Bundesrecht nicht ver-
letzt (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
9.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
10.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 12