Decision ID: 3d4bed2e-d349-5d14-8f1e-1d10767dfb0f
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2014 zum Bezug einer Ergänzungsleistung zu einer
Viertelsrente der Invalidenversicherung an (EL-act. 151), die ihr mit einer Verfügung
vom 24. Oktober 2014 rückwirkend per 1. Februar 2007 zugesprochen worden war
(vgl. EL-act. 125–1). Mit einer Verfügung vom 16. Dezember 2015 sprach die EL-
Durchführungsstelle der EL-Ansprecherin für die Zeit ab dem 1. Januar 2008 eine
Ergänzungsleistung zu; für die Zeit vom 1. Februar 2007 bis zum 31. Dezember 2007
wies sie das Leistungsbegehren mangels eines anspruchsbegründenden
Ausgabenüberschusses ab (EL-act. 110). Den Berechnungsblättern zur Verfügung liess
sich entnehmen (vgl. EL-act. 88 ff., 108 f. und 111 ff.), dass die EL-Durchführungsstelle
für den gesamten Zeitraum von Februar 2007 bis und mit Dezember 2015 ein
hypothetisches Erwerbseinkommen der EL-Ansprecherin in der vom Art. 14a Abs. 2
ELV vorgegebenen Mindesthöhe angerechnet hatte. Dem Ehemann hatte sie für die
Zeit von Februar bis und mit August 2007 eine Arbeitslosenentschädigung von 41’941
Franken, für die Zeit von September 2007 und mit Dezember 2007 ein
Erwerbseinkommen aus einer unselbständigen Erwerbstätigkeit von 26’078 Franken
und ein Taggeld der Kranken- bzw. Unfallversicherung von 31’029 Franken, für das
Jahr 2008 ein Erwerbseinkommen von 42’882 Franken, für die Monate Januar und
Februar 2009 eine Arbeitslosenentschädigung von 33’840 Franken, für die Zeit von
März 2009 bis und mit Dezember 2009 ein hypothetisches Erwerbseinkommen von
28’320 Franken, für das Jahr 2010 ein Einkommen aus einer selbständigen
Erwerbstätigkeit von 40’250 Franken und für die Zeit ab Januar 2011 ein
A.a.
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hypothetisches Erwerbseinkommen von 28’320 Franken angerechnet. Die aus der
rückwirkenden EL-Zusprache resultierende Nachzahlung wurde fast vollständig mit
einer Rückforderung von Sozialhilfeleistungen verrechnet.
Am 8. Januar 2016 erhob das Sozialamt der Wohngemeinde der EL-Bezügerin
eine Einsprache gegen die Verfügung vom 16. Dezember 2015 (EL-act. 85). Es
beantragte die Zusprache einer ohne die Berücksichtigung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens der EL-Bezügerin oder des Ehemannes berechneten
Ergänzungsleistung. Zur Begründung führte es aus, es habe versucht, die EL-
Bezügerin und den Ehemann bei der Stellensuche zu unterstützen. Diese Versuche
seien erfolglos geblieben. Das Ehepaar könne kaum lesen und schreiben. Die
Deutschkenntnisse seien sehr schlecht. Der niedrige Bildungsstand und das
fortgeschrittene Alter erschwerten die Stellensuche zusätzlich. Die früheren
Anstellungen des Ehemannes seien jeweils nur „aus Goodwill“ innerhalb der
Verwandtschaft zustande gekommen. Eine Sachbearbeiterin der EL-
Durchführungsstelle notierte im Februar 2016 (EL-act. 82), der Ehemann der EL-
Bezügerin habe sich vor geraumer Zeit zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung angemeldet. Mit einem Vorbescheid vom 19. Mai 2015 habe ihm
die IV-Stelle angekündigt, dass sie das Rentenbegehren abweisen werde. Der
Ehemann habe am 22. Juni 2015 Einwände gegen den Vorbescheid erhoben. Das
Verfahren sei aktuell noch hängig. Das Einspracheverfahren betreffend die EL-
Verfügung vom 16. Dezember 2015 sollte bis zum rechtskräftigen Abschluss des IV-
Verfahrens sistiert werden. Am 7. März 2016 teilte die EL-Durchführungsstelle dem
Sozialamt mit, dass sie das Einspracheverfahren sistiere (EL-act. 81).
A.b.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Neurologie Toggenburg AG im Verfahren
betreffend das Rentenbegehren des Ehemannes der EL-Bezügerin am 12. Juli 2017 ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 209). Die Sachverständigen hielten fest, der
Ehemann der EL-Bezügerin leide an einem chronischen lumbo-spondylogenen
Schmerzsyndrom, an einer Degeneration der Halswirbelsäule, an einer rechtsseitigen
Omarthrose sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einer Dysthymie und
an einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Die
angestammte Tätigkeit als Gipser sei ihm seit dem Jahr 2010 nicht mehr zumutbar. Für
eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit sei dagegen eine uneingeschränkte
A.c.
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Arbeitsfähigkeit zu attestieren. Mit einer Verfügung vom 27. September 2017 wies die
IV-Stelle das Rentenbegehren des Ehemannes der EL-Bezügerin mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (IV-act. 216). Eine dagegen erhobene
Beschwerde wurde vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit einem
Entscheid vom 28. November 2018 abgewiesen (IV 2017/393; vgl. IV-act. 226). Das
Bundesgericht wies eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde mit einem
Urteil vom 8. März 2019 ab (8C_77/2019; vgl. IV-act. 231).
Eine Sachbearbeiterin der EL-Durchführungsstelle notierte im Mai 2019 (EL-act.
54), bei der der Verfügung vom 16. Dezember 2015 zugrunde liegenden
Anspruchsberechnung sei die EL-Durchführungsstelle von einem Arbeitsfähigkeitsgrad
des Ehemannes von lediglich 50 Prozent ausgegangen. Gemäss dem Entscheid IV
2017/393 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 28. November 2018 sei der
Ehemann aber im gesamten Zeitraum uneingeschränkt arbeitsfähig für
leidensadaptierte Tätigkeiten gewesen. Man müsse ihm deshalb mindestens ein
hypothetisches Erwerbseinkommen von 75 Prozent des gemäss dem Entscheid IV
2017/393 zumutbaren Invalideneinkommens von 66’453 Franken anrechnen, denn der
sogenannte Tabellenlohnabzug könne jedenfalls nicht höher als 25 Prozent sein.
Daraus folge, dass mit der Verfügung vom 16. Dezember 2015 eine zu hohe
Ergänzungsleistung zugesprochen worden sei, weshalb eine reformatio in peius
angedroht werden müsse. Am 27. Mai 2019 drohte die EL-Durchführungsstelle dem
Sozialamt eine reformatio in peius an; sie gewährte die Möglichkeit zum Rückzug der
Einsprache (EL-act. 53). Das Sozialamt reagierte nicht auf dieses Schreiben. Mit einem
Entscheid vom 2. Juli 2019 wies die EL-Durchführungsstelle die Sache zur
Neuberechnung der Ergänzungsleistung unter Berücksichtigung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens des Ehemannes von 46’737.25 Franken ins Verwaltungsverfahren
zurück (EL-act. 52). Mit einer Verfügung vom 11. Juli 2019 setzte die EL-
Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung rückwirkend ab dem 1. Februar 2007 neu
– entsprechend der Vorgaben im Einspracheentscheid vom 2. Juli 2019 – fest, woraus
eine Rückforderung von 53’882 Franken resultierte (EL-act. 38).
A.d.
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B.
Am 2. September 2019 liess die EL-Bezügerin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 2. Juli
2019 erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter stellte die folgenden Anträge: „Der
Einspracheentscheid [...] und die Verfügung [...] seien aufzuheben; es sei darauf zu
verzichten, der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann [...] im Rahmen der
Berechnung des Anspruchs auf Ergänzungsleistungen ein hypothetisches Einkommen
anzurechnen; Eventualantrag: Das Verfahren sei zur neuen Entscheidung im Sinne der
Erwägungen [...] zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen“. Zur
Begründung führte er aus, die Beschwerdeführerin könne aufgrund ihres
fortgeschrittenen Alters, wegen der langen Absenz vom Arbeitsmarkt und angesichts
ihrer sehr schlechten Deutschkenntnisse realistischerweise keine Arbeitsstelle mehr
finden. Für den Ehemann gelte im Grunde dasselbe.
B.a.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte
am 18. September 2019 unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen
Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 26. November 2019 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).
B.c.
Am 11. Februar 2021 wies das Versicherungsgericht die Beschwerdeführerin
darauf hin (act. G 14), dass der von der Beschwerdegegnerin ohne jede Begründung
berücksichtigte maximale Tabellenlohnabzug von 25 Prozent bei der Bemessung des
hypothetischen Erwerbseinkommens des Ehemannes möglicherweise als zu hoch
qualifiziert werden müsse. Folglich bestehe die Möglichkeit einer reformatio in peius,
weshalb der Beschwerdeführerin die Gelegenheit eingeräumt werde, die Beschwerde
zurück zu ziehen oder Stellung zur möglichen reformatio in peius zu nehmen.
B.d.
Die Beschwerdeführerin liess am 16. März 2021 geltend machen (act. G 17), die
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens erweise sich schon in
grundsätzlicher Hinsicht als rechtswidrig. Ein allfälliges hypothetisches
Erwerbseinkommen könne nicht höher als das Minimum sein, weshalb die
B.e.
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Erwägungen
1.
Berücksichtigung des maximalen Tabellenlohnabzuges nicht zu beanstanden sei. An
der Beschwerde werde deshalb festgehalten.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme (act. G 19).B.f.
Die Einsprache gegen die Verfügung vom 16. Dezember 2015 ist nicht von der
Beschwerdeführerin, sondern vom Sozialamt erhoben worden. Da das Sozialamt
gemäss dem Art. 20 Abs. 1 ELV in Verbindung mit dem Art. 67 Abs. 1 AHVV zur
Geltendmachung eines EL-Anspruchs respektive zur Anmeldung befugt ist, muss es
auch legitimiert sein, ein Rechtsmittel gegen die spätere Verfügung einzulegen, das
heisst eine Einsprache zu erheben (vgl. etwa das Urteil EL 2001/41 des
Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 20. Juni 2002 oder den BGE 143 V
11). Die Beschwerdegegnerin ist deshalb zu Recht auf die vom Sozialamt im eigenen
Namen (und nicht etwa in Vertretung der Beschwerdeführerin, wie im
Einspracheentscheid fälschlicherweise festgehalten worden ist) erhobene Einsprache
eingetreten. Der Umstand, dass die Einsprache gegen die Verfügung vom 16.
Dezember 2015 nicht von der Beschwerdeführerin, sondern vom Sozialamt erhoben
worden ist, hat nicht zur Folge gehabt, dass die Beschwerdeführerin ihre
Rechtsmittellegitimation verloren hätte (sodass nur noch das Sozialamt den
Einspracheentscheid vom 2. Juli 2019 hätte mit einer Beschwerde anfechten können).
Als direkt Betroffene ist die Beschwerdeführerin zur Beschwerdeerhebung legitimiert
gewesen, obwohl sie nicht als Partei am Einspracheverfahren beteiligt gewesen war.
1.1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheides auf dessen Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem
des Einspracheverfahrens entsprechen muss. Auch beim Einspracheverfahren hat es
sich um ein („echtes“) Rechtsmittelverfahren gehandelt, weshalb sich dessen Zweck in
der Überprüfung der Verfügung vom 16. Dezember 2015 auf deren Rechtmässigkeit
erschöpft hat. Mit jener Verfügung hatte die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin für die Zeit ab dem 1. Januar 2008 – bei einem frühestmöglichen
Anspruchsbeginn am 1. Februar 2007 – eine Ergänzungsleistung zugesprochen, was
bedeutet, dass das Verwaltungsverfahren die Frage zum Gegenstand gehabt hat, ob
die Beschwerdeführerin für die Zeit ab dem 1. Februar 2007 einen Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung gehabt hat. Diese Frage hat auch den Gegenstand des
1.2.
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2.
Die Beschwerdeführerin hat die persönlichen Anspruchsvoraussetzungen nach Art. 4
ELG im gesamten hier massgebenden Zeitraum erfüllt. Da sie sich weniger als sechs
Monate nach der Zusprache einer Rente der Invalidenrente zum Bezug von
Ergänzungsleistungen angemeldet hat, ist für den Anspruchsbeginn nicht das
Anmeldedatum, sondern der Wirkungszeitpunkt der Rentenverfügung massgebend,
das heisst der 1. Februar 2007 (vgl. Art. 22 Abs. 1 ELV).
3.
Als Ausgaben sind die kantonalen Durchschnittsprämien für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung der Beschwerdeführerin, des Ehemannes und – bis Ende
Juli 2012 (vgl. EL-act. 147–14) – der Tochter, die Lebensbedarfspauschale für ein
Ehepaar – bis Ende Juli 2012 mit einem Kind (vgl. EL-act. 147–14) – sowie die
Wohnkosten zu berücksichtigen. Der Wohnungsmietzins hat während des gesamten
hier massgebenden Zeitraums 14’760 Franken betragen (vgl. EL-act. 157;
Pauschalabzug von 20 Franken pro Monat für TV-Gebühren). Die Wohnung ist von der
Beschwerdeführerin, dem Ehemann und zwei Kindern bewohnt worden, von denen
sich eines bis Ende Juli 2012 in einer Berufsausbildung befunden hat (vgl. EL-act. 147–
14 und EL-act. 151–3 mitsamt der elektronischen Notiz). Für die Zeit von Februar 2007
bis und mit Juli 2012 ist folglich ein Anteil von drei Vierteln des Mietzinses zu
berücksichtigen. Ab August 2012 kann nur noch der halbe Mietzins angerechnet
werden. Das eine Kind ist nämlich per Anfang Juli 2013, das andere per Ende Oktober
2014 aus der elterlichen Wohnung ausgezogen, sodass für die Zeit von August 2012
bis und mit Juni 2013 der halbe Mietzins, für die Zeit von Juli 2013 bis und mit Oktober
2014 zwei Drittel des Mietzinses und ab November 2014 der ganze Mietzins als
Ausgaben zu berücksichtigen sind. Die Beschwerdegegnerin hat für die Jahre 2014
und 2015 keine Ausgaben für die obligatorische Krankenpflegeversicherung
angerechnet, weil die entsprechenden Prämien bereits vom Sozialamt bezahlt worden
waren (vgl. EL-act. 125). Das ist rechtswidrig gewesen, weil allfällige
Sozialhilfeleistungen bei der Berechnung der Ergänzungsleistung nicht berücksichtigt
werden dürfen, da ansonsten der (für die anerkannten Ausgaben nicht explizit
geregelte, aber – lückenfüllend – zwingend notwendige) koordinationsrechtliche
Grundsatz verletzt wäre, wonach die Ergänzungsleistungen allfälligen
Sozialhilfeleistungen vorgehen müssen (vgl. dazu den Entscheid EL 2015/31 des St.
nachfolgenden Einspracheverfahrens gebildet und sie bildet folglich auch den
Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens.
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Galler Versicherungsgerichtes vom 11. Oktober 2016, E. 1.2). Damit ergibt sich ein
Ausgabentotal von 54’684 Franken (= 6’924 Franken für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung + 36’690 Franken Lebensbedarfspauschale + 11’070
Franken Wohnkosten) für das Jahr 2007, von 54’840 Franken für das Jahr 2008, von
56’382 Franken für das Jahr 2009, von 57’162 Franken für das Jahr 2010, von 58’374
Franken für das Jahr 2011, von 61’386 Franken für die Monate Januar bis und mit
August 2012, von 44’091 Franken für die Monate September bis und mit Dezember
2012, von 44’451 Franken für die Monate Januar bis und mit Juni 2013, von 46’911
Franken für die Monate Juli bis und mit Dezember 2013, von 47’199 Franken für die
Monate Januar bis und mit Oktober 2014, von 52’119 Franken für die Monate
November und Dezember 2014 und von 52’671 Franken für das Jahr 2015.
4.
Als Einnahme ist zunächst die Invalidenrente der Beschwerdeführerin (mitsamt der
Kinderrente für die Zeit bis Ende Juli 2012) anzurechnen. Als weitere Einnahmen sind
dem Ehepaar phasenweise tatsächliche Einkommen des Ehemannes zugeflossen: In
der Zeit ab Februar 2007 hat der Ehemann der Beschwerdeführerin eine
Arbeitslosenentschädigung bezogen. Die Beschwerdegegnerin hat einen Betrag von
41’941 Franken pro Jahr berücksichtigt. Diesen hat sie errechnet, indem sie die vom
Ehemann der Beschwerdeführerin im Jahr 2007 insgesamt bezogenen Taggelder der
Arbeitslosenversicherung (24’466 Franken; vgl. EL-act. 140–2) durch sieben geteilt und
mit zwölf multipliziert hat, weil sie davon ausgegangen ist, dass der Ehemann der
Beschwerdeführerin nur von Februar bis und mit August 2007 (sieben Monate) eine
Arbeitslosenentschädigung bezogen habe. Der Bescheinigung der
Arbeitslosenversicherung lässt sich aber entnehmen, dass der Ehemann der
Beschwerdeführerin auch in den Monaten Oktober, November und Dezember 2007
noch eine Arbeitslosenentschädigung bezogen hat und dass deshalb der effektiv
bezogene Betrag von 24’466 Franken durch zehn (statt durch sieben) hätte geteilt
werden müssen. Allerdings muss diese Umrechnung anhand der Anzahl der Monate, in
denen eine Arbeitslosenentschädigung bezogen worden ist, bereits deshalb ein
falsches Resultat liefern, weil die Anzahl der taggeldberechtigten Tage pro Monat
starken Schwankungen unterliegt. Die richtige Vorgehensweise besteht deshalb darin,
für jeden Monat die jeweils effektiv in jenem Monat bezogene
Arbeitslosenentschädigung als Einnahme zu berücksichtigen, denn nur so kann die
Ergänzungsleistung ihren eigentlichen Sinn und Zweck erfüllen, nämlich die im
jeweiligen Monat effektiv ungedeckten (anerkannten) Ausgaben zu finanzieren (vgl.
dazu den Entscheid EL 2014/51 vom 24. Mai 2016, E. 3.4). Die Beschwerdegegnerin
4.1.
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hätte also das Total der im Jahr 2007 vom Ehemann der Beschwerdeführerin
bezogenen Arbeitslosenentschädigung von 24’466 Franken durch die Zahl der
Taggeldtage teilen und so den Taggeldansatz errechnen müssen, den sie
anschliessend – Monat für Monat – unter Berücksichtigung der Taggeldtage im
jeweiligen Monat auf ein Jahr hochrechnen und als Einnahme hätte anrechnen müssen.
Das ist retrospektiv nicht mehr ohne Weiteres möglich, weil der Ehemann der
Beschwerdeführerin im Oktober 2007 nur „halbe“ Taggelder bezogen hat. Nach einem
Unfall ist nämlich die Koordinationsregel des Art. 25 Abs. 3 UVV zur Anwendung
gekommen, die vorgesehen hat, dass die Arbeitslosenversicherung und die
Unfallversicherung je ein „halbes“ Taggeld ausgerichtet haben (vgl. act. G 3.4.43–14
und G 3.5.5). Für den Monat Oktober 2007 sind folglich neun „halbe“ respektive
viereinhalb „halbe“ Taggelder zu berücksichtigen (9 × 50% = 4,5 × 100%). Damit
ergeben sich für das Jahr 2007 nicht 142, sondern 137,5 Taggeldtage und folglich ein
Taggeldansatz von 177.93 Franken. Der Ehemann der Beschwerdeführerin hat im
Februar 2007 eine Arbeitslosenentschädigung von 20 × 177.93 Franken = 3’558.60
Franken bezogen, was einem Jahresbetrag von 42’703 Franken entspricht (= 12 ×
3’558.60 Franken). Für den März 2007 und für den April 2007 ist eine
Arbeitslosenentschädigung von 44’838 Franken (je 21 Taggeldtage), für den Mai 2007
eine solche von 34’163 Franken (16 Taggeldtage), für den Juni 2007 eine von 8’541
Franken (4 Taggeldtage), für den Juli 2007 eine von 21’352 Franken (10 Taggeldtage),
für den August 2007 eine von 42’703 Franken (20 Taggeldtage), für den Oktober 2007
eine von 9’608 Franken (4,5 Taggeldtage bzw. 9 halbe Taggelder), für den November
2007 eine von 23’487 Franken (11 Taggeldtage) und für den Dezember 2007 eine von
21’352 Franken (10 Taggeldtage) anzurechnen. In der Zeit vom 31. August 2007 bis
zum 22. Oktober 2007 hat der Ehemann der Beschwerdeführerin ein Unfalltaggeld mit
einem Ansatz von 124.80 Franken bezogen (act. G 3.4.43–12 ff.), das ihm in zwei
Tranchen ausbezahlt worden ist, nämlich Anfang und Ende Oktober 2007. Folglich ist
das Unfalltaggeld für den Monat September 2007 (und für den 31. August 2007 als
Einnahme für den Oktober 2007 und jenes für den Monat Oktober 2007 als Einnahme
für den November 2007 anzurechnen. Anfang Oktober 2007 hat der Ehemann der
Beschwerdeführerin 31 Taggelder erhalten, gesamthaft also 31 × 124.80 Franken =
3’869 Franken respektive 46’428 Franken pro Jahr. Ende Oktober 2007 hat er sieben
ganze und 15 halbe Taggelder (entsprechend 7,5 ganzen Taggeldern) erhalten,
gesamthaft also 14,5 × 124.80 Franken = 1’810 Franken beziehungsweise 21’720
Franken pro Jahr. Ab Oktober 2007 hat der Ehemann der Beschwerdeführerin
zusätzlich einen Lohn erzielt. Der gesamte im Jahr 2007 erzielte Lohn hat 10’866
Franken betragen (EL-act. 147–21). Dieser Betrag hat sich aus dem im Januar 2007
erzielten Lohn und aus den in den Monaten Oktober, November und Dezember 2007
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erzielten Löhnen zusammengesetzt. Im Januar 2007 dürfte der Ehemann der
Beschwerdeführerin noch einen vollen Lohn erzielt haben; in den Monaten Oktober,
November und Dezember 2007 hat er höchstens einen halben Lohn erzielen können,
da er ja in diesen Monaten Unfalltaggelder und eine Arbeitslosenentschädigung
bezogen hat. Teilt man den Gesamtbetrag von 10’866 Franken durch einen vollen und
drei halbe Monate und rechnet man das Ergebnis auf ein volles Jahr um, ergibt sich ein
Jahreslohn von 52’157 Franken. Nur wenn man für die Monate Oktober, November und
Dezember 2007 allein dieses Einkommen – „privilegiert“ im Sinne des Art. 11 Abs. 1 lit.
a ELG – anrechnen würde, was angesichts des (teilweisen) Taggeldbezuges in jenen
Monaten ein insgesamt deutlich zu tiefes Einnahmentotal ergeben würde, würde ein
minimaler Ausgabenüberschuss resultieren. Eine „Mischrechnung“ ergibt gemäss den
nachfolgenden Ausführungen in jedem Fall einen Einnahmenüberschuss, weshalb es
für das Ergebnis keine Rolle spielt, wie es sich bezüglich dieser vor 14 Jahren erzielten
Einnahmen genau verhalten hat. Ab Januar 2008 hat der Ehemann einen Jahreslohn
von 42’882 Franken (brutto) respektive 33’554 Franken (netto) erzielt (EL-act. 147–22).
In den Monaten Januar und Februar 2009 hat er wieder eine
Arbeitslosenentschädigung bezogen. Diese hat sich für die insgesamt 32 Taggeldtage
auf 5’640 Franken belaufen, was einem Taggeldansatz von 176.25 Franken und folglich
einem Jahresbetrag von 260,4 × 176.25 Franken = 45’896 Franken entspricht. Ab März
2009 sind dem Ehemann der Beschwerdeführerin keine Einnahmen mehr zugeflossen.
Im Jahr 2010 hat er ein Einkommen aus einer selbständigen Erwerbstätigkeit von
40’250 Franken erzielt (EL-act. 147–24). Ab Januar 2011 hat er – abgesehen von einem
während einiger Monate im Jahr 2013 erhaltenen minimalen Lohn von 300–400
Franken pro Monat (EL-act. 147–4 ff.) – kein Einkommen mehr erzielt. Die Tochter, für
die die Beschwerdeführerin bis Ende Juli 2012 eine Kinderrente erhalten hat, hat ab
September 2010 einen Lehrlingslohn erzielt, der zunächst 5’400 Franken, ab Januar
2011 (Beginn der Beitragspflicht AHV/IV/EO) 5’062 Franken und schliesslich ab
September 2011 (Beginn des zweiten Lehrjahrs) 6’412 Franken betragen hat. Als eine
weitere reale Einnahme ist ein im Jahr 2009 erzielter Vermögensertrag von elf Franken
zu berücksichtigen.
4.2.
Der Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG sieht vor, dass nebst den realen auch Einnahmen
anzurechnen sind, auf die ein EL-Bezüger (oder eine in die Anspruchsberechnung
miteinzubeziehende Person) verzichtet hat. Diese Regelung zielt auf eine Abgrenzung
zwischen dem typischen versicherten – nämlich „zufällig“ eingetretenen – und dem von
der versicherten Person selbstverschuldeten „Schaden“ ab: Mit einer
4.2.1.
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Ergänzungsleistung soll nur jener Ausgabenüberschuss gedeckt werden, den der EL-
Bezüger nicht selbst decken kann, obwohl er alle zumutbaren Möglichkeiten zur
Selbstfinanzierung seiner Ausgaben ausgeschöpft hat. Soweit dem EL-Bezüger
finanzielle Mittel zur Deckung seines Existenzbedarfs im Betrag des Totals der
anerkannten Ausgaben fehlen, weil er in Verletzung seiner EL-spezifischen
Schadenverhinderungs- und Schadenminderungspflicht nicht alle zumutbaren
Einnahmequellen ausgeschöpft hat, kann es nicht die Sache der Ergänzungsleistung
sein, den entsprechenden Fehlbetrag zu decken. Die Beschwerdeführerin hat eine
Viertelsrente der Invalidenversicherung bei einem Invaliditätsgrad von 46 Prozent
bezogen, was bedeutet, dass sie teilweise arbeitsfähig gewesen ist und folglich einer
Erwerbstätigkeit in einem Teilpensum hätte nachgehen können. Betreuungspflichten,
die der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit entgegen gestanden hätten, haben nicht
bestanden. Folglich ist die Beschwerdeführerin teilweise arbeitsunfähig und teilweise
arbeitslos gewesen. Entscheidend für die Beantwortung der Frage nach der
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens ist nach dem oben zur EL-
spezifischen Schadenminderungspflicht Ausgeführten, ob es sich um eine
unverschuldete oder um eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit gehandelt hat. Von
einer unverschuldeten Arbeitslosigkeit könnte nur ausgegangen werden, wenn
nachgewiesen wäre, dass die Beschwerdeführerin objektiv keine Chance auf eine
Anstellung als Arbeitnehmerin gehabt hätte. Der entsprechende Nachweis ist
grundsätzlich mittels ausreichend ernsthaften, aber erfolglosen Stellenbemühungen zu
führen. Solche liegen hier nicht vor, denn die Beschwerdeführerin hat sich nie um eine
Arbeitsstelle bemüht. Ihr Rechtsvertreter hat geltend gemacht, dass solche
Bemühungen zum Vorneherein aussichtslos gewesen wären, weil die
Beschwerdeführerin nur über ein tiefes Bildungsniveau verfügt habe, weil sie kaum
Deutschkenntnisse gehabt habe, weil sie lange vom Arbeitsmarkt abwesend gewesen
sei und weil sie sich bereits in einem fortgeschrittenen Alter befunden habe. Die
entscheidende Frage lautet aber nicht, ob es für Personen, die sich in einer ähnlichen
Situation wie die Beschwerdeführerin befunden haben, allgemein schwierig gewesen
sei, eine Anstellung zu finden, sondern vielmehr, ob die Beschwerdeführerin eine
Arbeitsstelle gefunden hätte, wenn sie sich ernsthaft darum bemüht hätte. Entgegen
der Ansicht des Rechtsvertreters kann nämlich nicht zum Vorneherein davon
ausgegangen werden, dass es für die Beschwerdeführerin unmöglich gewesen wäre,
eine Arbeitsstelle zu finden. Es hat durchaus die Chance auf eine Anstellung als
Hilfsarbeiterin bestanden, da Hilfsarbeiten definitionsgemäss keine berufliche
Ausbildung, keine Berufserfahrung und teilweise nicht einmal Deutschkenntnisse
erfordern, etwa weil die Einarbeitung durch Arbeitskollegen mit derselben
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Muttersprache erfolgen kann. Das fortgeschrittene Alter hätte die Stellensuche wohl
weiter erschwert, aber sicher nicht zum Vorneherein aussichtslos gemacht. Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht ein hypothetisches Erwerbseinkommen der
Beschwerdeführerin angerechnet.
Für die Bemessung dieses hypothetischen Erwerbseinkommens hat sie auf den
Art. 14a Abs. 2 lit. a ELV abgestellt, was unzulässig gewesen ist, da es sich bei den im
Art. 14a Abs. 2 ELV genannten Beträgen nicht um verbindliche Vorgaben, sondern nur
um Mindestbeträge handelt. Der Art. 14a Abs. 2 lit. a ELV hat für das Jahr 2007 ein
Mindesteinkommen von 24’186 Franken vorgesehen; die Beschwerdeführerin ist aber
zu 60 Prozent arbeitsfähig gewesen und hätte unter Berücksichtigung des im Urteil IV
2011/262 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 11. Dezember 2013 überzeugend
begründeten Tabellenlohnabzuges von zehn Prozent (vgl. act. G 3.1.148) ein
Einkommen von 54 Prozent (= 60% von 90%) des statistischen Zentralwertes der
Hilfsarbeiterinnenlöhne im Jahr 2007 erzielen können, was einem Betrag von 27’565
Franken entsprochen hätte (vgl. den Anh. 2 der von der Informationsstelle AHV/IV
herausgegebenen Textausgabe des IVG, Stand 1. Januar 2012). Anders als in der
Invalidenversicherung ist im Bereich der Ergänzungsleistung allerdings nicht auf den
gesamtschweizerischen Zentralwert, sondern auf jenen in der Grossregion Ostschweiz
abzustellen, da nicht der (fiktive) allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt, sondern
der reale Arbeitsmarkt massgebend ist (vgl. etwa den Entscheid EL 2014/58 des St.
Galler Versicherungsgerichtes vom 10. August 2016, E. 2.9). Dieser ist rund zehn
Prozent tiefer als der gesamtschweizerische Wert. Damit ergibt sich ein
zumutbarerweise erzielbares Einkommen von 24’808 Franken. Nach der Praxis des
Versicherungsgerichtes (vgl. etwa die Entscheide EL 2016/34 vom 21. November 2017,
E. 2.4, mit Hinweisen, EL 2018/52 vom 27. Juli 2020, E. 2.2 und EL 2017/8 vom 26.
Februar 2018, E. 2.4) ist das unbesehene Abstellen auf die im Art. 14a Abs. 2 ELV
genannten Mindestbeträge als gesetzwidrig zu qualifizieren, weil es für jene Fälle, in
denen es der betroffenen Person gestützt auf den Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG möglich
wäre, ein höheres als das im Art. 14a Abs. 2 ELV genannte Mindesteinkommen zu
erzielen, zu einer sachlich nicht zu rechtfertigenden Ungleichbehandlung zwischen
arbeitslosen Teilinvaliden und anderen arbeitslosen EL-Bezügern führen würde.
Folglich muss für die Beschwerdeführerin während des gesamten hier massgebenden
Zeitraums anstatt des im Art. 14a Abs. 2 lit. a ELV genannten Mindestbetrages ein 54
Prozent des statistischen Zentralwertes der Hilfsarbeiterinnenlöhne entsprechendes
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet werden.
4.2.2.
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Der Ehemann der Beschwerdeführerin hat in der Zeit von März bis und mit
Dezember 2009 sowie ab Januar 2011 (abgesehen von minimalen Einnahmen im Jahr
2013; vgl. E. 4.1) weder ein Erwerbseinkommen erzielt noch
Erwerbsausfallsentschädigungen erhalten. Gemäss den überzeugenden Ausführungen
im Entscheid IV 2017/393 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 28. November
2018 (vgl. act. G 3.3.227) hätte der Ehemann der Beschwerdeführerin eine
leidensadaptierte Tätigkeit in einem Vollpensum verrichten können. Ein
betriebswirtschaftlich-ökonomischer Nachteil, der es dem Ehemann der
Beschwerdeführerin verunmöglicht hätte, ein einem durchschnittlichen Lohn eines
gesunden Hilfsarbeiters entsprechendes Erwerbseinkommen zu erzielen, ist nicht
ersichtlich, weshalb kein sogenannter Tabellenlohnabzug zu berücksichtigen ist.
Betreuungspflichten, die die Ausübung einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit verhindert
hätten, haben nicht bestanden. Der Ehemann der Beschwerdeführerin hat keine
Nachweise über ausreichend ernsthafte, aber erfolglose Stellenbemühungen
eingereicht, die belegen könnten, dass er unverschuldet arbeitslos gewesen wäre. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat den Standpunkt vertreten, dass
entsprechende Bemühungen aussichtslos gewesen wären, weil der Ehemann der
Beschwerdeführerin nur über ein tiefes Bildungsniveau verfügt habe, weil er nur wenig
Deutschkenntnisse gehabt habe und weil er sich bereits in einem fortgeschrittenen
Alter befunden habe. Damit hat er aber lediglich geltend gemacht, dass es für eine
Person in der Situation des Ehemannes der Beschwerdeführerin nach der allgemeinen
Lebenserfahrung schwierig gewesen sei, eine Arbeitsstelle zu finden. Die geltend
gemachten Gründe – namentlich das fortgeschrittene Alter – können die behauptete
generelle Unmöglichkeit, je eine Arbeitsstelle zu finden, nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegen. Der Ehemann der
Beschwerdeführerin hat durchaus eine Chance gehabt, eine Anstellung als Hilfsarbeiter
zu finden. Definitionsgemäss setzen Hilfsarbeiten nämlich keine berufliche Ausbildung
und auch keine Berufserfahrung voraus. Oft sind nicht einmal Deutschkenntnisse
erforderlich, weil die Einarbeitung durch Arbeitskollegen mit derselben Muttersprache
erfolgen kann. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht ein hypothetisches
Erwerbseinkommen des Ehemannes der Beschwerdeführerin angerechnet. Allerdings
erweist sich der von ihr berücksichtigte Betrag als zu tief, weil sie ohne jede
Begründung einen (maximalen) Tabellenlohnabzug von 25 Prozent berücksichtigt hat,
obwohl kein Grund vorliegt, der einen Tabellenlohnabzug rechtfertigen würde. Für jene
Zeiträume, in denen ein hypothetisches Erwerbseinkommen des Ehemannes
anzurechnen ist und in denen sich die Tochter noch in Ausbildung befunden hat, sind
hypothetische Kinder- respektive Ausbildungszulagen von 200 Franken
beziehungsweise 250 Franken pro Monat als hypothetische Einnahme anzurechnen.
4.3.
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Von den hypothetischen Erwerbseinkommen der Beschwerdeführerin und ihres
Ehemannes sind die hypothetischen Sozialversicherungsbeiträge abzuziehen. Nach der
ständigen Praxis des Versicherungsgerichtes gehören dazu nicht nur die Beiträge an
die AHV, an die IV und an die EO, sondern auch die Beiträge an die obligatorische
Nichtberufsunfallversicherung und die Beiträge an die obligatorische berufliche
Vorsorge (vgl. etwa den Entscheid EL 2014/46 vom 26. April 2016). Mangels einer
zuverlässigeren Beweisgrundlage veranschlagt das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen jeweils einen Abzug von insgesamt neun Prozent für sämtliche
Sozialversicherungsbeiträge.
Zusammenfassend ergibt sich ein Einnahmentotal von 60’413 Franken für den
Monat Februar 2007, das sich aus der Rente der Invalidenversicherung von 3’660
Franken, aus der Arbeitslosenentschädigung des Ehemannes von 42’703 Franken und
aus dem hypothetischen Erwerbseinkommen der Beschwerdeführerin zusammensetzt,
das ausgehend von 90 Prozent (Lohnnachteil in der Grossregion Ostschweiz) des
gesamtschweizerischen Zentralwertes der Hilfsarbeiterinnenlöhne im Jahr 2007 und
vom Invaliditätsgrad von 54 Prozent zu berechnen ist, was gemäss den Ausführungen
in der vorstehenden E. 4.2.2 einem Betrag von 24’808 Franken entspricht. Von diesem
Betrag sind neun Prozent für die Sozialversicherungsbeiträge abzuziehen. Vom
Ergebnis ist gemäss dem Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG ein Freibetrag von 1’500 Franken
abzuziehen; der Restbetrag ist zu zwei Dritteln anzurechnen. Das ergibt einen Betrag
von 14’050 Franken. Bei den nachstehenden Beträgen ist der Freibetrag des
Erwerbseinkommens für ein Ehepaar von 1’500 Franken jeweils beim hypothetischen
Erwerbseinkommen der Beschwerdeführerin berücksichtigt. Für die Monate März und
April 2007 resultiert ein Einnahmentotal von 62’548 Franken, für den Monat Mai 2007
ein solches von 51’873 Franken, für den Monat Juni 2007 ein solches von 26’251
Franken, für den Monat Juli 2007 ein solches von 39’062 Franken und für den August
2007 ein solches von 60’413 Franken. Für den Monat September 2007 resultiert ein
Einnahmentotal von 17’710 Franken, weil der Ehemann für diesen Monat ein
Unfalltaggeld erhalten hat, das ihm aber erst im Oktober 2007 ausbezahlt worden ist
und weil das Ehepaar deshalb für den Monat September 2007 effektiv über keine
Einnahmen des Ehemannes zur Deckung des ergänzungsleistungsrechtlichen
Existenzbedarfs verfügt hat. Für den Monat Oktober 2007 sind als reale Einnahmen des
Ehemannes die Arbeitslosenentschädigung von 9’608 Franken, das Unfalltaggeld von
46’428 Franken (sowie der im Ergebnis zu vernachlässigende Lohn) anzurechnen,
sodass sich insgesamt ein Einnahmentotal von 73’746 Franken ergibt. Für den Monat
November 2007 resultiert unter Berücksichtigung der Arbeitslosenentschädigung und
des Unfalltaggeldes (sowie des im Ergebnis zu vernachlässigenden Lohnes) ein
4.4.
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5.
Bei anerkannten Ausgaben von 54’684 Franken (Februar bis und mit Dezember 2007)
und anrechenbaren Einnahmen von 60’413 Franken (Februar und August 2007), 62’548
Franken (März und April 2007), 73’746 Franken (Oktober 2007), 62’917 Franken
(November 2007) respektive 73’833 Franken (Dezember 2007) resultiert für die Monate
Februar, März, April, Mai, August, Oktober, November und Dezember 2007 ein
Einnahmenüberschuss, der die Zusprache einer Ergänzungsleistung für diesen
Zeitraum ausschliesst. Für den Monat Juni 2007 ergibt sich hingegen bei anerkannten
Ausgaben von 54’684 Franken und anrechenbaren Einnahmen von 26’251 Franken ein
Ausgabenüberschuss von 28’433 Franken und damit ein Anspruch auf eine
Einnahmentotal von 62’917 Franken. Für den Monat Dezember 2007 ergibt sich unter
Berücksichtigung der Arbeitslosenentschädigung und eines Anteils von zwei Dritteln
des auf ein volles Jahr umgerechneten Lohnes (52’157 Franken × 2 ÷ 3 = 34’771
Franken) ein Einnahmentotal von 73’833 Franken. Für das Jahr 2008 ist ein
Einnahmentotal von 40’174 Franken zu berücksichtigen, da der Ehemann der
Beschwerdeführerin in jenem Jahr ein Erwerbseinkommen erzielt hat, das privilegiert
anzurechnen ist. Für die Monate Januar und Februar 2009, in denen der Ehemann der
Beschwerdeführerin eine Arbeitslosenentschädigung bezogen hat, resultiert ein
Einnahmentotal von 64’153 Franken (einschliesslich des Vermögensertrages von elf
Franken). Für die Monate März bis und mit Dezember 2009 ist ein hypothetisches
Erwerbseinkommen des Ehemannes anzurechnen, das ausgehend vom statistischen
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne im Jahr 2009 von 61’240 Franken zu berechnen ist.
Davon sind zehn Prozent wegen des Lohnnachteils in der Grossregion Ostschweiz und
neun Prozent für die Sozialversicherungsbeiträge anzurechnen. Der resultierende
Betrag ist nur zu zwei Dritteln anzurechnen. Hinzu kommen aber noch die
(hypothetischen) Kinderzulagen von 2’400 Franken, sodass sich ein anzurechnender
Betrag von 35’837 Franken ergibt. Das Einnahmentotal für die Monate März bis und mit
Dezember 2009 beläuft sich damit auf 54’094 Franken. Für die Monate Januar bis und
mit August 2010 ist ein Einnahmentotal von 45’178 Franken zu berücksichtigen; für die
Monate September bis und mit Dezember 2010 ergibt sich ein Einnahmentotal von
48’778 Franken. Für die Monate Januar bis und mit August 2011 ist ein Einnahmentotal
von 58’753 Franken anzurechnen. Für die Monate September bis und mit Dezember
2011 resultiert ein Einnahmentotal von 59’653 Franken. Für die Monate Januar bis und
mit August 2012 ist ein Einnahmentotal von 60’869 Franken zu berücksichtigen, für die
Monate September bis und mit Dezember 2012 ein solches von 52’490 Franken. Das
Einnahmentotal hat sich im Jahr 2013 auf 52’878 Franken, im Jahr 2014 auf 53’903
Franken und im Jahr 2015 auf 54’092 Franken belaufen.
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Ergänzungsleistung von 2’370 Franken. Für den Monat Juli 2007 resultiert ein
Ausgabenüberschuss von 54’684 – 39’062 = 15’622 Franken und damit ein Anspruch
auf eine Ergänzungsleistung von 1’302 Franken. Für den Monat September 2007 ergibt
sich ein Ausgabenüberschuss von 54’684 – 17’710 = 36’974 Franken und damit ein
Anspruch auf eine Ergänzungsleistung von 3’082 Franken. Für das Jahr 2008 resultiert
bei Ausgaben von 54’840 Franken und Einnahmen von 40’174 Franken ein
Ausgabenüberschuss von 14’666 Franken und damit ein Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung von 1’223 Franken pro Monat. Für die Monate Januar und Februar
2009 resultiert wieder ein Einnahmenüberschuss. Für die Monate März und Dezember
2009 ergibt sich ein Ausgabenüberschuss von 56’382 Franken – 54’094 Franken =
2’288 Franken und damit ein Anspruch auf die sogenannte Minimalgarantie von 7’452
Franken pro Jahr respektive 621 Franken pro Monat. Für die Zeit von Januar bis und
mit August 2010 resultiert ein Ausgabenüberschuss von 11’984 Franken und damit ein
Anspruch auf eine Ergänzungsleistung von 999 Franken pro Monat. Für die Monate
September bis und mit Dezember 2010 ergibt sich ein Ausgabenüberschuss von 8’384
Franken und damit ein Anspruch auf eine Ergänzungsleistung von 699 Franken pro
Monat. Für die Zeit von Januar bis und mit August 2011 resultiert ein
Einnahmenüberschuss von 58’753 Franken – 58’374 Franken = 379 Franken. In den
Monaten September bis und mit Dezember 2011 ist der Einnahmenüberschuss leicht
höher gewesen. Folglich besteht für das ganze Jahr 2011 kein Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung. Für die Monate Januar bis und mit August 2012 resultiert ein
Ausgabenüberschuss von 517 Franken pro Jahr und damit ein Anspruch auf die
Minimalgarantie von 983 Franken pro Monat. Für die Monate September bis und mit
Dezember 2012 resultiert ein Einnahmenüberschuss von 8’399 Franken, der die
Zusprache einer Ergänzungsleistung für diesen Zeitraum ausschliesst. Auch für die
Jahre 2013–2015 resultiert ein Einnahmenüberschuss, weshalb auch für diese Zeit kein
Anspruch auf eine Ergänzungsleistung besteht.
6.
Für den hier massgebenden Zeitraum von Februar 2007 bis und mit Dezember 2015
ergibt sich damit ein Anspruch auf Ergänzungsleistungen von insgesamt 2’370 Franken
+ 1’302 Franken + 3’082 Franken + 12 × 1’223 Franken + 10 × 621 Franken + 8 × 999
Franken + 4 × 699 Franken + 8 × 983 Franken = 46’292 Franken. Die
Beschwerdegegnerin hat ihr im angefochtenen Einspracheentscheid vom 2. Juli 2019
für diese Zeit eine Ergänzungsleistung von total 12 × 1’141 Franken + 12 × 621 Franken
+ 8 × 910 Franken + 4 × 686 Franken + 12 × 732 Franken + 8 × 983 Franken = 47’816
Franken zugesprochen. Im Ergebnis führt dieses Beschwerdeverfahren deshalb zu
einer reformatio in peius im Sinne des Art. 61 lit. d ATSG, weshalb hinsichtlich der
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Kosten- und Entschädigungsfolgen von einem vollständigen Unterliegen der
Beschwerdeführerin auszugehen ist. Gerichtskosten sind gemäss dem Art. 61 lit. a
ATSG in der nach Art. 83 ATSG in der bis zum 31. Dezember 2020 gültigen Fassung
keine zu erheben. Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Da ihr die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden
ist, hat der Staat ihrem Rechtsvertreter eine Entschädigung auszurichten, die 80
Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG).
Dieser ist angesichts der umfangreichen Aktenlage und der Auseinandersetzung mit
dem Hinweis des Versicherungsgerichtes auf eine mögliche reformatio in peius als
leicht überdurchschnittlich zu qualifizieren, weshalb die Entschädigung auf 80 Prozent
von 4’000 Franken (bei einem normalen Ansatz von 3’000 Franken) – also auf 3’200
Franken – festzusetzen ist. Sollten es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst
gestatten, wird die Beschwerdeführerin zur Rückerstattung dieser Entschädigung
verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).
7.
Im Sinne eines obiter dictum ist auf Folgendes hinzuweisen: Die Beschwerdegegnerin
hat die Sache im angefochtenen Einspracheentscheid zur „definitiven“ Festsetzung der
Ergänzungsleistung (und der Rückforderung) an sich selbst zurückgewiesen. Nach der
bundesgerichtlichen Auffassung müsste das als unzulässig qualifiziert werden (BGE
131 V 407). Das Bundesgericht hat seine Auffassung allerdings nur mit dem Grundsatz
des einfachen und raschen Verfahrens begründet, was nicht überzeugt. Die
Rückweisung in das Verwaltungsverfahren verursacht keine nennenswerte
Verzögerung, denn würde die Sache nicht ins Verwaltungsverfahren zurückgewiesen,
müssten die entsprechenden weiteren Schritte, wie hier etwa die rückwirkende
Berechnung des EL-Anspruchs, im Einspracheverfahren vorgenommen werden, was in
etwa gleich viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Die Rückweisung in das
Verwaltungsverfahren bringt aber für die versicherte Person den Vorteil mit sich, dass
ihr nochmals der gesamte Rechtsmittelweg offen steht. Deshalb ist der Entscheid der
Beschwerdegegnerin, die Sache in das Verwaltungsverfahren zurück zu weisen,
entgegen der bundesgerichtlichen Auffassung rechtmässig gewesen. Allerdings hätte
die Beschwerdegegnerin mit dem Erlass der entsprechenden Verfügung bis zum
Eintritt der formellen Rechtskraft des Einspracheentscheides zuwarten müssen. Die
Verfügung vom 11. Juli 2019 ist verfrüht ergangen, was allerdings hier nicht schadet,
weil die Beschwerdeführerin sie mit einer Einsprache angefochten hat und weil die
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Beschwerdegegnerin das Einspracheverfahren dann bis zum Abschluss des
Beschwerdeverfahrens betreffend den Einspracheentscheid vom 2. Juli 2019 sistiert
hat, sodass die Beschwerdeführerin durch die verfrühte Eröffnung der Verfügung
keinen Nachteil erlitten hat.