Decision ID: 5b7f825a-a5ab-51bb-9916-9057e8d75106
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 3. Dezember 2012 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 5). Der damals als Ermittler bei der B._ tätig
gewesene Versicherte hatte sich vom 6. März bis 17. April 2012 stationär in der
Privatklinik C._ befunden. Die dort behandelnden Ärzte hatten in ihrem Bericht vom
25. April 2012 als Diagnosen eine mittelschwere depressive Episode (ICD-10: F32.10)
und ein Burn-out Syndrom (ICD-10: Z73.0) festgehalten (IV-act. 24).
A.b Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 24. April 2013 mit, zurzeit seien keine
beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich (IV-act. 20).
A.c Die zuständigen Ärzte der Klinik D._, wo sich der Versicherte vom 19. Dezember
2012 bis 3. Mai 2013 stationär befunden hatte, hielten in ihrem Bericht vom 26. Juni
2013 als Diagnosen Störungen durch Alkohol, gegenwärtig abstinent, in beschützender
Umgebung (ICD-10: F10.21); Störungen durch Tabak, ständiger Substanzgebrauch
(ICD-10: F17.25); eine leichte depressive Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10:
F32.0), eine vordiagnostizierte Panikstörung (ICD-10: F41.0) und eine benigne
essentielle Hypertonie, derzeit ohne medikamentöse Behandlung (ICD-10: I10.00), fest.
Beim Klinikaustritt sei der Versicherte zu 50% arbeitsfähig gewesen (IV-act. 38-7 ff.).
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Vom 5. September bis 9. Oktober 2013 wurde der Versicherte erneut stationär in der
Klinik D._ behandelt (vgl. IV-act. 38-1 ff.).
A.d Nachdem der Versicherte trotz mehrmaliger Anfrage der IV-Stelle, ob und falls ja,
bei wem er sich in psychiatrischer Behandlung befinde, keine Auskunft erteilt hatte,
forderte die IV-Stelle ihn mit Schreiben vom 25. März 2014 letztmals zur Antwort auf.
Sollte er seiner Auskunftspflicht innert Frist nicht nachkommen, werde sie ihre
Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen (IV-act. 42, vgl. IV-act. 35, 39 f.;
erneute Zustellung per A-Post vgl. IV-act. 44). Da der Versicherte sich nicht vernehmen
liess, trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 1. Mai 2014 auf das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen nicht ein (IV-act. 48). Dagegen erhob der
Versicherte am 29. Mai 2014 Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen (IV-act. 49). Dr. med. E._, Chefarzt a.i. der Klinik D._, hielt mit Schreiben
vom 17. Juni 2014 fest, der Versicherte sei seit dem Austritt aus der stationären
Behandlung in der Klinik D._ in seiner ambulanten psychiatrischen Nachbehandlung
(IV-act. 53). Die IV-Stelle nahm darauf das Abklärungsverfahren wieder auf (vgl. IV-act.
52, 59) und der Beschwerdeführer zog seine Beschwerde am 7. Juli 2014 zurück (IV-
act. 64-3). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen schrieb das Verfahren mit
Entscheid vom 24. Juli 2014 ab (IV-act. 64-1 f.).
A.e Vom 13. November bis 31. Dezember 2014 befand sich der Versicherte erneut
stationär in der Klinik D._. Der dort behandelnde Arzt hielt am 31. Dezember 2014
fest, der Austritt sei vorzeitig erfolgt, ein Wiedereintritt sei für Mitte/Ende Januar 2015
angedacht. Der Versicherte sei zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 87).
A.f Der Versicherte erschien zu mehreren mit der Eingliederungsberaterin der IV-Stelle
vereinbarten Terminen (mehrheitlich unentschuldigt) nicht (vgl. IV-act. 95). Mit
Schreiben vom 12. März 2015 wies die IV-Stelle den Versicherten auf seine
Mitwirkungspflichten hin und forderte ihn zur Teilnahme an einem Gespräch mit der
Eingliederungsberaterin sowie Bestätigung des Besprechungstermins auf. Sollte er der
Anordnung erneut nicht nachkommen, werde die IV-Stelle ihre Erhebungen einstellen
und auf das Gesuch um IV-Leistungen nicht eintreten (IV-act. 97). Mit Schreiben vom
11. März 2015 hatte Rechtsanwalt lic. iur. L. Gmünder, St. Gallen, der IV-Stelle die
Vertretung des Versicherten angezeigt und um Zustellung der IV-Akten ersucht (IV-act.
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98). Die IV-Stellte liess ihm die gewünschten Akten tags darauf zukommen (IV-act.
100). Da der Versicherte der Aufforderung der IV-Stelle vom 12. März 2015 nicht
nachkam, trat sie mit Verfügung vom 8. April 2015 auf sein Gesuch um berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen nicht ein (IV-act. 103). Am 8. Mai 2015 teilte
Rechtsanwalt Gmünder der IV-Stelle mit, er vertrete die Interessen des Versicherten ab
sofort nicht mehr (IV-act. 104).
A.g Am 22. Oktober 2015 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 113). Dr. med. F._, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seinem Bericht vom 13. November 2015 als
Diagnosen eine schwere depressive Störung (ICD-10: F32.2), eine Panikstörung
(ICD-10: F41.0) und ein Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD-10: F10.2) fest. Der
Versicherte sei seit 24. August 2016 (richtig: 2015) wieder bei ihm in Behandlung.
Zumindest seit diesem Datum erachte er ihn als zu 100% arbeitsunfähig für den ersten
Arbeitsmarkt (IV-act. 119). RAD-Ärztin G._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, schätzte die Arbeitsfähigkeit am 7. Dezember 2015 gleich ein (IV-act.
122).
A.h Am 20. Juli 2016 beurteilte RAD-Ärztin G._, medizinisch-theoretisch sei kein
Eingliederungspotential erkennbar bzw. es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100%.
Ob, wann und in welcher Höhe jemals ein Eingliederungspotential vorhanden sein
könnte, sei nicht absehbar (IV-act. 136). Mit Mitteilung vom 20. Juli 2016 wies die IV-
Stelle das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 139, vgl. auch
Mitteilung vom 7. Dezember 2015; IV-act. 124).
A.i Mit Vorbescheid vom 30. August 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Zusprache einer ganzen Rente rückwirkend ab 1. April 2016 in Aussicht (IV-act. 143).
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. A. Fäh, St.
Gallen, am 12. Dezember 2016 sinngemäss Einwand und beantragte die Zusprache
einer Rente ab 1. Januar 2014 (IV-act. 148). Die IV-Stelle teilte Rechtsanwalt Fäh am
16. Dezember 2016 mit, die Anhörungsfrist sei bereits per 5. Oktober 2016 abgelaufen,
weshalb sie auf sein Anliegen nicht eintreten könne (IV-act. 149, weitere
Korrespondenz vgl. IV-act. 150, 153).
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A.j Am 26. Januar 2017 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid (IV-act.
154, vgl. IV-act. 147).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 26. Januar 2017 erhob der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt Fäh, die vorliegende Beschwerde
vom 28. Februar 2017. Er beantragte darin, die angefochtene Verfügung sei
dahingehend aufzuheben und zu ändern, dass ihm eine ganze Invalidenrente ab 1.
November 2016 auszurichten sei. Weiter sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu
gewähren; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Er machte geltend, seine
psychische Krankheit habe zu einer vollkommenen Überforderung im gesamten IV-
Verfahren und zur unverschuldeten Missachtung seiner Mitwirkungspflichten geführt.
Die Voraussetzungen einer ganzen Invalidenrente seien spätestens seit der
Wiederanmeldung am 22. Oktober 2015 erfüllt gewesen, weshalb ihm ohne das
Abwarten der sechsmonatigen Wartefrist ab 1. November 2015 eine Rente zu
gewähren sei (act. G1). Mit Eingabe vom 3. März 2017 liess der Beschwerdeführer sein
Rechtsbegehren insofern korrigieren, als er die Zusprache einer ganzen Rente ab 1.
November 2015 beantragen liess (act. G2).
B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Mai 2017 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Sie führte aus,
der damalige Rechtsvertreter des Beschwerdeführers sei über das laufende Mahn- und
Bedenkzeitverfahren sowie die Verfügung vom 8. April 2015 informiert gewesen. Dass
die Nichteintretensverfügung trotz anwaltlicher Vertretung in Rechtskraft erwachsen
sei, sei dem Beschwerdeführer anzurechnen. Es liege kein Ausnahmetatbestand vor
und der Beginn des Rentenanspruchs sei korrekt ermittelt worden (act. G7).
B.c Die Verfahrensleitung teilte Rechtsanwalt Fäh am 24. Mai 2017 mit, ein zweiter
Schriftenwechsel sei nicht vorgesehen. Sollte er innert gesetzter Frist sein Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung nicht weiter substantiieren, werde davon
ausgegangen, dass er nicht länger daran festhalte (act. G8). Rechtsanwalt Fäh liess die
Frist unbenützt ablaufen (act. G9).

Erwägungen
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1.
Der Beschwerdeführer hat unbestritten und aktenmässig ausgewiesen aufgrund
psychischer Beeinträchtigungen seit 1. April 2016 einen Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente. Vorliegend zu prüfen ist, ob bereits zuvor ein Rentenanspruch
bestanden hat. Dabei ist einzig die Verfügung vom 26. Januar 2017 (IV-act. 154)
Anfechtungsgegenstand.
1.1 Wer eine Versicherungsleistung beansprucht, hat sich beim zuständigen
Versicherungsträger in der für die jeweilige Sozialversicherung gültigen Form
anzumelden (Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Der Rentenanspruch entsteht frühestens
nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18.
Altersjahres folgt (Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20]). Die Rente wird vom Beginn des Monats an bezahlt, in dem der
Rentenanspruch entsteht (Art. 29 Abs. 3 IVG).
1.2 Der Beschwerdeführer hat sich letztmals mit Eingabe vom 22. Oktober 2015 zum
Bezug von Leistungen an die Beschwerdegegnerin gewendet (vgl. IV-act. 113, zur
Qualifikation des Schreibens vgl. E. 2) und hat damit grundsätzlich frühestens sechs
Monate später, mithin ab 1. April 2016, einen Rentenanspruch. Dies entspricht der
angefochtenen Verfügung der Beschwerdegegnerin (vgl. IV-act. 147, 154).
1.2.1 Der Beschwerdeführer stellt sich hingegen auf den Standpunkt, er habe bereits
spätestens seit November 2015 Anspruch auf eine Invalidenrente. Er macht
insbesondere geltend, er sei aufgrund seiner psychischen Beeinträchtigung nicht in der
Lage gewesen, seiner Mitwirkungspflicht nachzukommen und sich um die komplexen
Angelegenheiten des IV-Verfahrens zu kümmern. Es widerspreche dem allgemeinen
Grundsatz von Treu und Glauben, ihm trotz erwiesener Erwerbseinbusse seit
September 2014 erst nach Ablauf der sechsmonatigen Wartefrist ab dem 1. April 2016
eine Rente zu gewähren. Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass mit der
geltenden Neuregelung des Anspruchs und der Auszahlung einer Invalidenrente in Art.
29 Abs. 1 IVG keine Verschlechterung der vorherigen Regelung habe bezweckt werden
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wollen (act. G1). Die derzeit anwendbare Fassung des Art. 29 IVG trat mit der fünften
IV-Revision per 1. Januar 2008 in Kraft. Zuvor entstand der Rentenanspruch frühestens
in dem Zeitpunkt, in dem der Versicherte mindestens zu 40% bleibend erwerbsunfähig
geworden oder während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens zu 40% arbeitsunfähig gewesen war (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG in der bis zum
31. Dezember 2007 gültigen Fassung). Im Gegensatz zur bis 31. Dezember 2007
geltenden Regelung ist heute eine Anspruchswahrung i.S.v. aArt. 48 Abs. 2 erster Satz
IVG (bis zu zwölf Monaten vor der Anmeldung) nicht mehr möglich (Ulrich Meyer/Marco
Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 29
Rz 2). Wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt, ist in der Botschaft zur Änderung
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (fünfte Revision) vom 22. Juni
2005 festgehalten, dass die neue Regelung von Art. 29 IVG grundsätzlich keine
Verschlechterung der Anspruchsberechtigung bedeute. Neben dem vom
Beschwerdeführer erwähnten Ziel der möglichst frühen Abklärungen durch die IV-Stelle
(vgl. act. G1) sollte für die Versicherten der Anreiz verstärkt werden, sich möglichst
frühzeitig anzumelden und damit ihren allfälligen Rentenanspruch zu wahren (BBl 2005
4568 f.). Eine Ausnahmeregelung in dem Sinn, dass bei Vorliegen bestimmter
Voraussetzungen ein Rentenanspruch bereits vor Ablauf der sechsmonatigen Frist
nach Anmeldung entstehen würde, ergibt sich weder aus dem Wortlaut von Art. 29
IVG, noch aus der Botschaft und auch nicht aus dem Sinn und Zweck der
Bestimmung.
1.2.2 Die Beschwerdegegnerin argumentiert in ihrer Beschwerdeantwort, es liege kein
Ausnahmetatbestand nach Art. 48 Abs. 2 lit. a IVG vor, da es dem teilweise
rechtskundig vertretenen Beschwerdeführer anzurechnen sei, dass die
Nichteintretensverfügung vom 8. April 2015 in Rechtskraft erwachsen sei (act. G7).
Gemäss Art. 48 Abs. 1 IVG wird, falls eine versicherte Person ihren Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung, auf medizinische Massnahmen oder auf Hilfsmittel mehr als
zwölf Monate nach dessen Entstehung geltend macht, die Leistung in Abweichung von
Art. 24 Abs. 1 ATSG nur für die zwölf Monate nachgezahlt, die der Geltendmachung
vorangehen. Der Wortlaut von Art. 48 Abs. 1 IVG bezieht sich damit nicht auf den
Rentenanspruch. Dies hat auch für Art. 48 Abs. 2 IVG zu gelten, welcher unter
gewissen weiteren Voraussetzungen die Nachzahlung für einen längeren Zeitraum als
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zwölf Monate vorsieht, wenn die versicherte Person den anspruchsbegründenden
Sachverhalt nicht kennen konnte. Auch die Materialien sprechen gegen eine
Anwendung dieser Bestimmung in Fällen, in denen es - wie vorliegend - ausschliesslich
um einen Rentenanspruch geht. Bis 31. Dezember 2007 hielt aArt. 48 Abs. 1 IVG
grundsätzlich fest, der Anspruch auf Nachzahlung von Leistungen richte sich nach Art.
24 Abs. 1 ATSG. Gemäss diesem Artikel beträgt die Verjährungsfrist fünf Jahre (vgl.
Art. 24 Abs. 1 ATSG). Bei einer Anmeldung mehr als zwölf Monate nach Entstehen des
Anspruchs sah aArt. 48 Abs. 2 IVG vor, dass die Leistungen in Abweichung von Art. 24
Abs. 1 ATSG lediglich für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate
ausgerichtet werden. Weitergehende Nachzahlungen wurden erbracht, wenn der
Versicherte den anspruchsbegründenden Sachverhalt nicht kennen konnte und die
Anmeldung innert zwölf Monaten nach Kenntnisnahme vornahm. Mit der fünften IV-
Revision trat die in E. 1.1 erwähnte Fassung von Art. 29 IVG in Kraft. Auf Grund der
neuen Anmelde- und Anspruchsvoraussetzungen wurde aArt. 48 IVG gleichzeitig
gestrichen. In der Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (fünfte Revision) vom 22. Juni 2005 wurde festgehalten, sofern
sich Fragen im Zusammenhang mit Nachzahlungen von Leistungen ergäben, gelte
grundsätzlich Art. 24 ATSG. Es brauche keine abweichenden Regelungen mehr im IVG
(BBl 2005 4570). Mit der sechsten IV-Revision trat die derzeit anwendbare Fassung von
Art. 48 IVG in Kraft. In der Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (sechste IV-Revision, erstes Massnahmenpaket) vom 24. Februar
2010 wird ausgeführt, dass mit Art. 48 für den rückwirkenden Anspruch auf
Nachzahlung der Hilflosenentschädigung, medizinischer Massnahmen und Hilfsmittel
der Zustand vor der fünften IV-Revision wiederhergestellt worden sei. Der im Zuge der
fünften IV-Revision neu definierte Anspruchsbeginn habe auf eine Anpassung im
Zusammenhang mit Art. 29 (Renten) und Art. 10 Abs. 1 (Integrationsmassnahmen und
Massnahmen beruflicher Art) gezielt. Ungewollt sei gleichzeitig der rückwirkende
Anspruch für Hilflosenentschädigungen, medizinische Massnahmen und Hilfsmittel von
bisher einem auf neu fünf Jahre verlängert worden. Da dadurch eine
Ungleichbehandlung gegenüber der Hilflosenentschädigung der Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHV) geschaffen worden sei und eine Umsetzung in der
Praxis zudem kaum machbar sei, solle für die genannten Bereiche der Zustand vor der
fünften IV-Revision wiederhergestellt werden (BBl 2010, 1907 f.). Die aktuelle Fassung
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von Art. 48 IVG und damit auch die Ausnahmeregelung von dessen Abs. 2 bezieht sich
folglich ausschliesslich auf den Anspruch auf Hilflosenentschädigung, medizinische
Massnahmen und Hilfsmittel. Dies ergibt sich auch aus Erwägung 4.2.2 des
Bundesgerichtsentscheids vom 28. November 2016, 8C_544/2016. Beim vorliegend
umstrittenen Beginn des Rentenanspruchs erübrigt sich damit die Prüfung der
Voraussetzungen nach Art. 48 Abs. 2 IVG.
2.
Es stellt sich jedoch die Frage, ob es sich bei der Eingabe der Pro Infirmis, damalige
Vertreterin des Beschwerdeführers, vom 22. Oktober 2015 (vgl. IV-act. 114) um eine
Neuanmeldung nach vorangegangenem rechtskräftigen Nichteintreten vom 8. April
2015 handelte oder der Beschwerdeführer damit lediglich die Verweigerung seiner
Mitwirkung aufgeben wollte. Letzteres würde zum Wiederaufleben des im Dezember
2012 eingeleiteten Rentenverfahrens führen.
2.1 Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen
von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG).
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspruchen,
den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so
kann der Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen
einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich
mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit
einzuräumen (Art. 43 Abs. 3 ATSG). Wird die verweigerte Mitwirkung in einem späteren
Zeitpunkt erbracht, kann sich die festgelegte Sanktion - Nichteintreten, Entscheid
aufgrund der Akten - nur auf diejenige Zeitspanne beziehen, während der die
Mitwirkung verweigert wurde (Ueli Kieser, ATSG Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf
2015, N 103 zu Art. 43, mit weiteren Hinweisen).
2.2 Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin im mit Anmeldung vom 3. Dezember 2012
(IV-act. 5) eingeleiteten Verwaltungsverfahren aufgrund einer Auskunftspflichtverletzung
am 1. Mai 2014 nicht auf das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen eingetreten (IV-act. 48). Nachdem der Beschwerdeführer dagegen
Beschwerde erhoben und die gewünschten Auskünfte erteilt hatte, nahm die
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Beschwerdegegnerin das Abklärungsverfahren wieder auf (IV-act. 49, 52 f., 59). Da der
Beschwerdeführer entgegen der Anordnung der Beschwerdegegnerin nicht an einem
Gespräch mit der Eingliederungsberaterin teilgenommen hatte, trat die
Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 8. April 2015 erneut nicht auf sein Gesuch um
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen ein (IV-act. 103). Am 22. Oktober 2015,
also rund ein halbes Jahr nach diesem zweiten Nichteintreten, reichte die Pro Infirmis
im Namen des Beschwerdeführers das offizielle Anmeldeformular zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung ein (vgl. IV-act. 113). Im Begleitschreiben führte
sie bezugnehmend auf die Verfügung vom 8. April 2015 aus, dem Beschwerdeführer
sei es aufgrund seiner starken psychischen Beeinträchtigungen mehrmals nicht
gelungen, vereinbarte Termine wahrzunehmen. In der Zwischenzeit habe er sich für
Unterstützung bei den invalidenversicherungsrechtlichen Abklärungen an die
Sozialberatung der Pro Infirmis gewandt und er befinde sich seit August 2015 wieder in
regelmässiger psychiatrischer Behandlung bei Dr. F._. Dieser habe eine Anmeldung
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung empfohlen. Die Pro Infirmis bat
die Beschwerdegegnerin darum, die Abklärungen vom April 2015 wiederaufzunehmen
(IV-act. 114). Der Beschwerdeführer liess damit geltend machen, er habe seiner
Mitwirkungspflicht aus gesundheitlichen Gründen nicht nachkommen können. Aus dem
Schreiben ergibt sich, dass er die Mitwirkungsverweigerung aufgeben wollte. Die
Sanktionsverfügung vom 8. April 2015 war damit als überholt zu betrachten und das im
Dezember 2012 eingeleitete Verfahren wäre wiederaufzunehmen gewesen. Davon ging
die Beschwerdegegnerin offensichtlich am 27. Oktober 2015 auch aus. Sie hielt in ihren
Verlaufseinträgen fest, der Beschwerdeführer habe nicht die direkte Verschlechterung
des Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen (wie bei einer Neuanmeldung, vgl. Art.
87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Vielmehr
habe er darzulegen, dass er bereit sei, den an ihn gerichteten Aufforderungen Folge zu
leisten (vgl. IV-act. 137-3). Zusammenfassend ist also nicht von einer Neuanmeldung,
sondern von der Fortsetzung des früheren Verwaltungsverfahrens auszugehen.
3.
Nachdem sich der Beschwerdeführer am 3. Dezember 2012 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet hat (vgl. IV-act. 5), kommt vorliegend
ein Rentenanspruch frühestens ab Mai 2013 in Betracht (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
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3.1 Zum Zeitpunkt der Anmeldung war der Beschwerdeführer als Ermittler bei der
B._ beschäftigt (IV-act. 5, 9). Sein damaliger Arbeitgeber gab am 18. Dezember 2012
an, er sei mit reduzierter Leistung tätig, und reichte eine Absenzenliste ein (IV-act. 9).
Dieser Liste sind vor allem seit Anfang 2012 vermehrt Absenzen aufgrund psychischer
Probleme zu entnehmen (vgl. IV-act. 9-12 f.). Dr. med. H._, Leitender Arzt des
Psychiatrischen Zentrums I._, beurteilte am 25. September 2012, die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers betrage aktuell deutlich weniger als 50%. Da das
Arbeitsverhalten grossen Schwankungen unterworfen sei, falle es schwer, seine
Restarbeitsfähigkeit zu quantifizieren, sie dürfte derzeit aber aus Sicht des Arbeitgebers
kaum verwertbar sein (IV-act. 22). Per 31. Dezember 2013 kündigte der
Beschwerdeführer sein Arbeitsverhältnis (vgl. Fremdakten 1-10). Bis zu diesem
Zeitpunkt ist zumindest von einer gewissen Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit auszugehen, auch wenn sich der Beschwerdeführer bereits zweimal stationär
in der Klinik D._ befunden hatte (vgl. IV-act. 38-1 ff., 38-7 ff.). Zur Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit äusserte sich weder Dr. H._, noch liegen bis zum
Zeitpunkt der Kündigung andere diesbezüglich medizinische Einschätzungen vor.
Gemäss Beurteilung von RAD-Arzt Dr. med. J._ kam es insbesondere seit 2014 zu
einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers, vor allem
der Depression und der Panikzustände. Letztere seien teilweise mehrmals täglich
aufgetreten (IV-act. 140-4). Der Beschwerdeführer liess jedoch am 17. Januar 2014 das
Einzelunternehmen K._ ins Handelsregister eintragen. Als Zweck des Unternehmens
gab er "Dienstleistungen im Bereich von Ermittlungen für Behörden, Versicherungen,
Firmen und Private, Schreibservice sowie Sport-Marketing" an (vgl. Fremdakten 1-11).
Den Akten lassen sich keine Angaben über den Geschäftsgang entnehmen. Es ist
jedoch davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mindestens in einem gewissen
Mass für seine Einzelunternehmung tätig war, zumal diese erst am 6. Mai 2016 infolge
Geschäftsaufgabe erlosch (vgl. den entsprechenden Eintrag unter www.zefix.ch). In
seiner Beschwerde vom 29. Mai 2014 gegen die Nichteintretensverfügung vom 1. Mai
2014 brachte der Beschwerdeführer vor, er habe in die Infrastruktur investiert und per
1. März 2014 offiziell mit seiner Firma starten wollen. Seine Bank sei jedoch nicht bereit
gewesen, ihm einen Teil seines Guthabens auf dem Freizügigkeitskonto für die
Firmengründung auszubezahlen (IV-act. 49). Am 18. Juni 2014 meldete sich der
Beschwerdeführer zudem beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur
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Stellenvermittlung an. Das RAV verfügte am 18. August 2014, er sei seit der Anmeldung
nicht vermittlungsfähig. Es führte aus, der Beschwerdeführer sei gemäss eigenen
Angaben arbeitsunfähig, er habe das angeforderte Arztzeugnis jedoch nicht
eingereicht. Er habe keine Arbeitsbemühungen vorgenommen und sei ausserdem
selbständigerwerbend (Fremdakten 1-1 ff.). Vom 13. November bis 31. Dezember 2014
befand sich der Beschwerdeführer stationär in der Klinik D._. Der behandelnde Arzt
befand, der Beschwerdeführer sei zum Entlassungszeitpunkt zu 100% arbeitsunfähig
gewesen. Ob diese Arbeitsunfähigkeit auch für eine adaptierte Tätigkeit galt und wie
lange sie (voraussichtlich) andauerte, lässt sich dem Kurz-Austrittsbericht nicht
entnehmen. Allerdings wurde festgehalten, es sei ein Wiedereintritt für Mitte/Ende
Januar 2015 angedacht (IV-act. 87). Aus den Akten ergibt sich weiter, dass der
Beschwerdeführer ab März 2015 viermal pro Woche ca. drei Stunden als Aushilfe in
einer Bäckerei arbeitete (IV-act. 113 f.). Dr. F._ hielt am 13. November 2015 fest, der
Beschwerdeführer sei seit 24. August 2015 (fälschlicherweise: 2016) wieder bei ihm in
Behandlung. Zumindest seit diesem Datum erachte er ihn als zu 100% arbeitsunfähig
für den ersten Arbeitsmarkt (IV-act. 119). Dr. J._ befand am 23. August 2015, der
Beschwerdeführer sei im Polizeidienst bereits seit Ende 2013 arbeitsunfähig, in
adaptierter Tätigkeit ab Wiederaufnahme der Behandlung bei Dr. F._ im August 2015.
Der Beschwerdeführer sei im ersten Arbeitsmarkt nicht mehr einsetzbar. Es fehle an
Verlässlichkeit, Anpassungsfähigkeit, Belastbarkeit und Konstanz. Trotz intensiver
behandlerischer Bemühungen habe sich der Zustand, was depressive Befindlichkeit
und Einschränkung durch Panikattacken betreffe, nicht nachhaltig verändert (IV-act.
140-3 f.).
3.2 Insgesamt ist der Beschwerdeführer entsprechend den Beurteilungen von Dr. F._
und Dr. J._ seit August 2015 überwiegend wahrscheinlich auch in einer adaptierten
Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig. Für die Zeit davor ist eine relevante
Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit nicht rechtsgenüglich nachgewiesen.
Auch ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargelegt, dass die zweimalige
Verletzung der Mitwirkungspflicht krankheitsbedingt erfolgte. Der Beschwerdeführer
war immerhin noch in der Lage, Anfang 2014 ein Einzelunternehmen zu gründen. Auch
konnte er seine Beschwerde vom 29. Mai 2014 selbst verfassen. Darin führte er aus, es
sei ihm natürlich bewusst gewesen, dass er sich im Dezember 2013 einfach beim RAV
hätte anmelden können. Auch sei ihm klar gewesen, dass er sich aktiv um eine
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Invalidenrente hätte bemühen müssen. Sein Berufsstolz und seine Überzeugung, dass
er es ohne fremde Hilfe schaffen würde, auf eigenen Beinen zu stehen und seinen
Beruf weiter ausüben zu können, hätten es jedoch nicht zugelassen, dass er sich aktiv
um staatliche Hilfe bemühte (IV-act. 49). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass
während der Zeiträume, in denen der Beschwerdeführer seine Mitwirkungspflicht
verletzte, ohnehin kein Rentenanspruch bestanden hätte.
4.
Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
resultiert ein Invaliditätsgrad von 100%. Der Beschwerdeführer hat damit ab 1. August
2015 einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Mit Verweis auf die medizinischen
Akten (vgl. E. 3.3) war das Wartejahr im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG in diesem
Zeitpunkt erfüllt.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 26. Januar 2017 gutzuheissen und dem Beschwerdeführer mit Wirkung
ab 1. August 2015 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Zur Festsetzung und
Ausrichtung der Leistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Ausgangsgemäss
hat die Beschwerdegegnerin die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
bis
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Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO;
sGS 963.75; in der vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung,
siehe Art. 30 HonO) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Im hier zu beurteilenden
Fall erscheint mit Blick auf den einfachen Schriftenwechsel und die nicht umfangreiche
Beschwerde eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 2'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.