Decision ID: 96fb8408-a970-4530-833d-92cf377a39f8
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, gebore
n 1961
,
war
seit dem
1.
Oktober 1998 als Dachdecker
bei der
Y._
GmbH
angestellt und dadurch bei der Suva obli
ga
torisch gegen die Folgen von Unfällen versichert
, als ihm am
2.
Oktober 1999 beim Holzfräsen ein Holzsplitter ins linke Auge
flog
. Laut Unfallmeldung zog er sich dabei
eine Prellung am linken Auge zu (vgl.
Bagatell-Unfallmeldung UVG vom
10. Ok
to
ber 1999, Urk. 9/2)
.
1.2
Mit Schadenmeldung UVG vom
2.
Dezember
2019 wurde ein Rückfall zum Un
fall
ereignis vom 2. Oktober 1999
gemeldet (
Urk.
9/1
)
,
dies nachdem der behan
delnde Augenarzt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Ophthalmo
logie, bei
X._
eine Katarakt am linken Auge festgestellt hatte (
Urk.
9/7). Im R
ahmen des
opera
tiven Eingriffs vom 1
5.
Januar
2020 musste
neben der Katarakt
eine Netzhautab
lösung
angegangen werden
(
Urk.
9/11)
.
Dr. med.
A._
, Fach
ärztin für Ophthal
mologie und
Ophthalmochirurgie
, vom Kompetenzzentrum Ver
sicherungsmedizin der Suva
nahm a
m
3
0.
März
eine Beurteilung vor (Urk.
9/
2
3
). Mit Schreiben vom
3
0.
März
2020
anerkannte die Suva die einseitige Katarak
t als Folge des Ereig
nisses
vom
2.
Oktober 1999 und kam für die Phakoe
mul
sifikation mit Kunstlin
sen-Impla
nta
tion auf. Hingegen stellte sie sich auf den Standpunkt
, dass
die Netz
hautablösung links und deren operativen Versorgung nicht auf eine
Contusio
bulbi
vor 21 Jahren zurückgeführt werden könnten und diese nicht unfallkausal seien (
Urk.
9/2
9
). Am
3.
April 2020 ersuchte der Ver
sicherte telefo
nisch um er
neute Überprüfung des Falls (
Urk.
9/31) und reichte neue Arztberichte zu den Akten (
Urk.
9/32-34). In der Folge gab Dr.
A._
am 5. Juni 2020 eine weitere Stellungnahme ab (
Urk.
9/37).
Mit Verfügung
vom 1
5.
Juni 2020
hielt die Suva fest, dass sie
für die Folgen
der Netzhautablösung mangels Unfallkausalität keine Leistungen erbringe
(
Urk.
9/44
/1-2
). Dagegen er
hob
en sowohl die SWIC
A Kran
kenversicherung AG am 24.
Juni 2020 (
Urk.
9/48; vgl. auch ergänzende
Ein
sprachebegründung
vom 7. Juli 2020 [
Urk.
9/53]), als auch
der Versicherte am
5.
Juli 2020 Einsprache (Urk. 9/51)
. Am
1
5.
September 2020
nahm
Dr.
A._
erneut eine Beurteilung vor (
Urk.
9/59
).
Gleichentags
reichte der Versicherte
neue Arztberichte zu den Akten (Urk. 9/60-63
). Hierzu nahm
Dr.
A._
am
1
9.
Februar 2021
Stellung (Urk. 9/68
)
, gestützt worauf die Suva mit
E
insprachee
ntscheid
vom
2
2.
Februar 2021
die Einsprache des Versicherten
(
Urk.
9/69) sowie der Kranken
versicherung
(
Urk.
9/70 =
Urk.
2)
ab
wies
.
2.
Dagegen erhob
die
SWICA Versicherungen AG
am 2
2.
März 2021 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 2
2.
Februar 2021 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, im Falle von
X._
, die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu erbringen. Eventualiter sei die Sache zwecks Abklärung der Kausalitätsfrage an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Juli 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8, unter Beilage der
A
kten [
Urk.
9
/1-79])
.
Mit Verfügung vom 1
3.
Juli 2021
wurde der Beschwerdeführerin die Be
schwerde
an
t
wort zugestellt und gleichzeitig ein zweiter Schriftenwechsel an
ge
ordnet (
Urk.
11).
Am
8.
September 2021 reichte die Beschwerdeführerin eine Re
plik ein, wobei sie an den bereits gestellten Rechtsbegehren festhielt (
Urk.
12). Die Beschwerde
geg
nerin reichte am 2
3.
September 2021 ihre Duplik ein, in der
sie auf ihre Aus
füh
rungen in der Beschwerde
antwort vom 12. Juli 2021 verwies (Urk. 15), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 12. Oktober 2021 zur Kenntnis ge
bracht wurde (Urk. 17). Gleichzeitig wurde
X._
zum Prozess beigeladen
, woraufhin er am
7.
November 2021 eine Stellungnahme einreichte (
Urk.
19), die
sämtlichen Verfahrensbeteiligten am 1
1.
November 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
20).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) wer
den – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungs
leistun
gen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis
zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
sal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (
Art.
11
der Verordnung ü
ber die Unfallversicherung [UVV]
). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeits
unfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar ge
heil
tes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Ver
änderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfall
er
eignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallversiche
rung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c in
fine
). Es obliegt dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines Kausalzu
sam
menhangs zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge geltend gemachten Be
schwer
debild und dem Unfall nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistungs
pflicht des Unfallversicherers; dabei sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis umso strengere Anforderungen zu stellen, je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist. Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus (Urteile
des Bundesgerichts 8C_627/2020 vom 10. Dezember 2020 E. 2.3 und 8C_589/2017
vom 21. Februar 2018 E. 3.2.2, je mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versi
che
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befan
gen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versi
che
rungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men
(BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass
auf die nachvollziehbare Beurteilung von
Dr.
A._
abgestellt werden könne.
Die Kausalität der operierten Netzhautablösung zum Unfall von 1999 sei nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrsc
heinlichkeit nachgewiesen (Urk.
2 S. 8).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 2
2.
März 2021 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
auf die versicherungsinterne Beurteilung von
Dr.
A._
könne nicht abgestellt werden. Es sei nicht nachvollziehbar, wes
halb es sich bei dem Unfall vom
2.
Oktober 1999 um ein leichtes Trauma gehan
delt haben
soll. Der Versicherte
habe sich als Folge des Unfalle
s am 1
4.
Januar 2020 einer Katarakt-Operation mit Kunstlinsen-Implantation unterziehen müs
sen, welche bei einem leichten Trauma nicht notwendig gewesen wäre
.
Hinweise für eine spontane oder altersabhängige Netzhautablösung seien in den Akten keine gegeben. Sämtliche behandelnden Ärzte erachteten eine Kausalität zwischen der Netzhautablösung am linken Auge und dem Unfall
ereignis vom
2.
Oktober 1999 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als gegeben. Darauf sei abzustellen.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die
operierte
Netzhautablösung
am linken Auge des Beigeladenen
in einem rechtsgenüglichen Zusammenhang mit dem Ereignis vom
2. Oktober 1999
steht
und ob die Beschwerdegegnerin dementsprechend hierfür eine Leistungspflicht trifft.
3.
3.1
Gemäss Unfallmeldung vom 1
0.
Oktober 1999 erlitt der Beigeladene
am 2. Ok
to
ber 1999
bei der Arbeit
eine Prellung am linken Auge
durch einen Holzsplitter (Urk.
9/2).
Die Erstbehandlung erfolgte durch
Dr.
med.
B._
sowie
Dr.
med.
C._
(vgl.
Urk.
9/2)
.
E
chtzeitlichen Untersuchungsberichte
liegen jedoch
nicht vor
, da sie nicht mehr erhältlich gemacht werden konnten
(vgl.
Urk.
9/17
,
Urk.
10 S.
2
).
Gegenüber der Be
schwer
de
gegnerin
gab
der Beigeladene
am
1
8.
Dezember 2019
an
, nach dem Un
fall für ca. zwei Monate in Behand
lung ge
wesen zu sein, wobei jeweils der Augen
druck gemessen
worden sei. Weiter erklärte er, dass i
m Rahmen einer Kontrolle im Jahr 2015 die Sehschärfe noch gut gewesen
sei
(U
rk.
9/6).
3.2
Dr.
Z._
hielt
in seinem Überweisungs
schreiben vom
9.
Dezember 2019 an die Ophthalmologie des
D._
einen Status nach
Contusio
bulbi
1999
mit Ver
schwommensehen und vermehrter Blendeempfindlichkeit fest, welche durch
eine fortgeschrittene Katar
akt am linken Auge zu erklären seien.
Bei der letzten Kon
trolle vor vier Jahren sei der
Visus
noch voll gewesen, bei aber schon erkennbaren Speichen
trübungen tempo
ral links
(
Urk.
9/7). Am
14.
Januar 2020
wurde
in der Augenklinik des
D._
ein opera
tiver Ein
griff
durch
geführt
, in dessen Rahmen
erst eine Phakoe
mul
sifikation und Implanta
tion einer
Hin
ter
kammerlinse
, dann
aufgrund einer
festgestellten
Amotio
retinae
(Makula on)
eine Pars
plana
Vitrek
tomie
erfolgte
(vgl. Opera
tions
be
richt vom 1
5.
Januar 2020, U
rk.
9/11). Letztere betreffend hielten die
behandelnden
Ärzte im Aus
tritts
bericht vom 17. Januar 2020 fest, auf
grund der Vor
geschichte einer
Contusio
bulbi
im Jahr 1999 sei von einer mit dem Unfall ver
bundenen Pathogenese der
Amotio
aus
zu
gehen (Urk. 9/12).
3.
3
D
ie Beschwerdegegnerin forderte beim
D._
den Eintrittsbefund zur Operation vom 1
4.
Januar 2020 an, der ihr aber nicht ausgehändigt wurde (
Urk.
9/20, vgl. auch
Urk.
9/68 S. 3).
Dr.
A._
konstatierte in ihrer Stellungnahme vom 3
0.
März 2020 (
Urk.
9/23), ohne Eintrittsbefunde sei davon auszugehen, dass die Netzhaut
ablösung links erst wäh
rend der Operation entdeckt worden sei. Deren
Versor
gung durch Pars
plana
Vitrektomie,
Retinotomie
,
Endodiathermie
, Kryokoagula
tion,
Endolaser
und Gas-Tamponade sei gleich nach der Katarakt-Operation erfolgt. Die
einseitige
Katarakt des Beigeladenen sei mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit Folge der
Contusio
bulbi
links vom
1.
Oktober 1999 (recte:
2.
Oktober 1999), weshalb die Phakoemul
sifikation mit Kunstlinsen-Implantation als unfallkausal zu bewerten sei. Die Netzhautabl
ösung links und deren operative
Versorgung könne hingegen nicht auf die
Contusio
bulbi
vor 21 Jahren zurück
geführt werden und sei nicht unfall
kausal.
3.
4
Aufgrund eines Netzhautablösungsrezidiv
s
auf der linken Seite erfolgte am 1. April
2020
im Spital
D._
eine erneute Operation (Re-Pars
plana
Vitrekto
mie; vgl. Opera
tions
bericht vom
2.
April 2020,
Urk.
9/34).
Dr.
Z._
hielt in seiner Stel
lungnahme vom 1. Mai 2020 (Urk. 9/33)
zur Leistungsabweisung seitens der Be
schwerdegegnerin
folgende Diagnosen fest:
-
OS Status nach
Contusio
bulbi
/ Glaskörperblutung
2.
Oktober 1999 (Holz
stück von Maschine)
-
Cataracta
complicata
>
Pseudophakie
1
4.
Januar 2020
-
Amotio
retinae
- Makula on > Vitrektomie, Kryokoagulation 1
4.
Januar 2020
-
PVR-Re-
Amotio
- Makula off > Peeling,
Retinektomie
,
S
ilikonoel
1.
April 2020
Er konstatierte,
aufgrund der einseitigen Pathologien links einerseits mit typisch post
trauma
ti
scher
subcorticaler
Katarakt (
Visus
0.05) sowie andererseits mit typisch post
traumatischen metaplastischen Verände
run
gen des
vitreoretinalen
Inter
face und leider praktisch gleichzeitig aufgetretener Netz
hautablösung stehe die Unfallkau
sa
lität ausser Frage (Coup-Contrecoup-Ver
letzung).
3.5
Ebenso äusser
ten
Prof.
Dr.
med.
E._
, Chefarzt
der Augen
klinik des
D._
,
auf
grund der vorliegenden Be
funde und einer starken PVR-Reaktion nach der ersten Vitrektomie bei vorlie
gen
der
Amot
i
o
den
starke
n
Ver
dacht, dass neben der traumatischen Katar
akt auch die
Amotio
auf die Verletzung von vor 20 Jahren zurückzuführen sei. Diesbezüglich
bestünden
bereits Publika
tionen und wissen
schaftliche Erfahrun
gen (
Urk.
9/36). Es gehöre zum Grund
wissen der Ophthal
mo
logie und sei regel
mässig Gegenstand von Facharzt
prü
fun
gen, dass zu den Spät
folgen einer
Con
tusio
neben Katarakt und Glaukom auch eine Netz
haut
ab
lösung
hinzu
ge
rechnet werden müsse. Alle
drei Komplikationen würden typ
i
s
cher
weise erst nach Jahr
zehnten auftreten. Auch das intraoperative Erschei
nungs
bild der Netzhaut
ab
lösung mit sogenanntem «
Sticky
vitreous
», Glasköper
an
heftungslinie und über
schiessender Vernarbungsreaktion (PVR)
mit konseku
ti
ver Re-
Amotio
seien sehr typisch und passend für einen Status nach
Contusio
bulbi
. Natürlich sei die Ätio
logie einer
Amotio
retinae
multifaktoriell und
natür
lich lasse sich
der Zusam
men
hang zwischen der stattgehabten
Contusio
und der
Amotio
retinae
nicht be
wei
sen. Aufgrund
seiner
Erfahrung (30 Jahre)
halte er den
Zu
sam
men
hang vor
liegend
je
doch
klar
für
ge
ge
ben (
Urk.
9/47).
3.
6
Dr.
med.
F._
, Fach
arzt Ophthal
mologie
und
Vertrauensarzt der Beschwerdefüh
rerin
, erklärte im Bericht vom
2.
Juli 2020, für die Unfallkausalität
würde die unübliche Lokalisation des Netzhautlochs bei 12 Uhr sprechen. Üblicherweise würden solche spontan temporal oben auftreten. Es würden zudem keine Beson
derheiten vorliegen, welche eine Prädisposition für eine
Amotio
dar
stellen wür
den, wie beispielsweise eine Myopie. Die leichte präoperative Myopie sei wahr
scheinlich katarbedingt und nicht wegen einem langen Auge. Somit würden keine Ursachen für die Entwicklung einer spontanen
Amotio
vor
liegen
. Da das Auge früher offen
bar doch ein erhebliches Trauma erlitten habe, worauf die sekundäre Katar
akt hinweise, müsse die
Amotio
doch eher als traumatisch bezeichnet wer
den. Dies gelte auch für die Re-
Amotio
(
Urk.
3/11,
vgl.
auch
Urk.
9/53).
3.
7
Dr.
A._
hielt in ihrer Beurteilung vom 1
9.
Februar 2021 (
Urk.
9/68) fest, die von Dr.
Z._
als Begründung der Unfallkausalität erwähnten «typisch posttrau
ma
tischen metaplastischen Veränderungen des
vitreoretinalen
Interface» finde sich nicht in seinem Überweisungsschreiben vor der Operation. Vielmehr habe er dies erst nachträglich, am
1.
Mai 2020, erwähnt. Aufgrund der Morphologie der Lin
sentrübung könne die Katarakt als Spätfolge der Augenprellung angesehen wer
den. Aber ohne medizinische Spätbefunde eines sehr starken direkten
Bulbus
trauma
an den vorderen Augenabschnitten (z.B. Iriswurzel-
A
briss, Irisverletzung, traumatische Myd
r
iase, Netzhaut-Riesenriss etc.), welche die Stärke des damali
gen Traumas nachweisen könnten, könne ein Zusammenhang zwischen dem Ereig
nis von vor 20 Jahren und den intraoperativ beschriebenen Veränderungen der hinteren Augenabschnitte nicht
an
erkannt werden
.
Es fehle ein genügend star
kes direktes Augentrauma in der Vorgeschichte, welches 20 Jahre später eine traumatische Netzhautablösung hätte verursachen können. Eine Contrecoup-Ver
letzung sei hierfür nicht stark genug.
Die
von den Ärzten des
D._
erwähnte
wissenschaftliche Publika
tion
im
Canadian Journal
of
Ophthalmology
vom April 2014 beschäftige sich mit trau
matischen
Netzhautablösungen, welche Jahrzehnte nach einem erheblichen direkten Trauma auftreten würden. Vorliegend könnten diese Erfahrungen als Begründung der Unfallkausalität jedoch nicht angewendet werden. In allen in der Publikation verarbeiteten Fällen habe in der Vergan
gen
heit ein signifikantes Trau
ma vorgelegen. Der Beigeladene habe anamnestisch je
doch nur eine leichte Augenprellung links erlitten, welche innerhalb von zwei Monaten voll
ständig abgeheilt sei und in den weiteren 16 Jahren keine Augen
kon
trolle notwendig gemacht habe. Es sei keine Irisverletzung mit traumatischer Mydriase und kein Kammerwinke-
Rezessus
beschrieben worden. Vorliegend handle es sich um ein leichtes, schnell und vollständig abgeheiltes Trauma und somit könne dieses Trauma nicht als Ursache der geltend gemachten Netzhaut
ablösung angesehen werden.
Das intraoperativ entdeckte Netzhautloch bei 12 U
hr befinde sich oben und
sei präoperativ weder von
Dr.
Z._
noch von den Fachärzten des
D._
festgestellt worden.
Ne
tz
haut
foramen
sowie
Glaskörper-Traktionen
könn
ten sich spontan und alters
un
ab
hängig entwickeln, auch ohne vorbestehende Kurzsichtigkeit. Eine Spätreak
tion eines Contrecoup 20 Jahre später komme nicht in Frage. Die Spät
folgen eines genügend starken Traumas, welche auch 20 Jahre nach einer starken
Contusio
bulbi
sichtbar wären, seien klinisch-objektiv nicht beschrieben worden.
3.
8
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens legte die Beschwerdeführerin die
Stel
lung
nahme von
Dr.
F._
vom 27. Fe
bruar 2021 zu den Akten (
Urk.
3/15).
Er
führte aus, die Tatsache, dass sich 20 Jahre nach dem Unfall eine massive sekundäre Katarakt entwickelt habe, lasse darauf schliessen, dass es sich am
2.
Oktober 1999 nicht nur um eine leichte
Contusio
(Prellung)
bulbi
gehandelt habe, sondern min
destens um eine mittelschwere. Dafür spreche auch der Unfall
mechanismus. Das Holzstück sei von der Kreissäge weg
ge
schleudert worden und
habe
eine hohe kinetische Energie
beinhaltet
. Vermutlich habe der
Blinzelreflex
funktioniert, sodass der Aufprall ab
gefedert worden sei. Beim
Blinzelreflex
werde das Auge automatisch auch nach oben gedreht, womit der Schlag den Augapfel unten getroffen habe. Die Heftig
keit des Schlages sei durch
aus geeignet gewesen, auf der
sich auf der Gegenseite befindenden
Netz
haut einen sogenannten Con
trecoup zu verursachen. Dessen Auswirkung sei in der Regel ein umschrie
be
nes Netzhaut
ödem. Es müsse davon ausgegangen wer
den, dass hier ein solches ent
standen sei. An solchen Stellen könne es auch nach Jahren noch zu daraus entstehenden degenerativen Veränderungen und der Ent
wicklung eines
Foramens
kommen.
Bei den Befunden
im
Bericht vom
1.
Mai 2020 seien metaplastische Verän
de
run
gen des
vitreoretinalen
Interfaces beschrieben worden. Diese würden darauf hin
weisen, dass es unmittelbar nach dem Trauma zu einer Glaskörperblutung und damit zu
Glaskörperveränderungen gekommen sei. Diese könnten hier durch die Alterung des Glaskörpers einen Zug auf die Netzhaut oben verursacht haben und damit zur Entwicklung des
Foramens
, aus welchem dann die
Amotio
entstanden sei
, beigetragen haben
. Der Beigeladene sei nicht myop, sondern leicht
hyperop
. Die präoperative Myopie von -1.5 Dioptrien sei nicht auf eine myope Disposition zurückzuführen, sondern auf die kataraktbedingten Veränderungen der Linse. Myope und auch
Hyperope
würden oft temporal oben ein Netzhautloch entwi
ckeln. Das Netzhaut
loch werde im Operationsbericht aber als oben und nicht als temporal oben be
schrie
ben. Damit würde die vorliegende
Amotio
nicht in diese Ka
tegorie der spon
ta
nen
Amotiones
fallen. Die Netzhautablösung sei überdies bereits vor der Ope
ra
tion der Katarakt festgestellt worden, weshalb die Operation vorgezogen wor
den sei.
3
.
9
In ihrer ophthalmologischen Beurteilung vom
9.
Juli 2021 (
Urk.
10) konstatierte Dr.
A._
,
ein Behandlungsabschluss zwei Monate nach einer
Contusio
bulbi
könne nur auf eine ganz milde Augenprellung hindeuten. Eine traumatische Katarakt könne auch nach einer milden direkten Augenprellung entstehen. Die von Dr.
Z._
festgehaltenen Befunde der metaplastischen Veränderungen des
vite
ro
retinalen
Interfaces sowie der Glaskörperblutung vom 1999 seien nicht echt
zeit
lich
beschrieben. Eine Glaskörperblutung vo
n
1999 sei im Dossier nicht dokumentiert und erst nach der zweiten Netzhautablösung am
1.
Mai 2020 in der Diagnoseliste
vermerkt
worden. Somit könne diese Glaskörperblutung nicht als Argument bei der Begründung der Unfallkausalität der Netzhautablösung ver
wendet werden. Die Entwicklung einer traumatischen Katarakt sei nach einer leichten Augenprellung möglich und wahrscheinlich. Für die Begründung einer traumatischen Netzhautablösung von vor 20 Jahren würden jedoch die Befunde
eines genügend starken direkten Augentraumas fehlen. Laut Fach
lite
ra
tur könnten
sich
Netzhautforamen
sowie Glaskörper-Traktionen
spontan und alters
un
abhän
gig
auch ohne Trauma oder vorbestehende Kurzsichtigkeit ent
wickeln.
4.
4.1
Eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für den geltend gemachten
Rück
fall
beziehungsweise die
Folgen der
Netzhautablösung
könnte nur dann bejaht wer
den, wenn mit dem hierfür erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit erstellt wäre, dass die
se
in einem
Kausalzusammenhang zum
Un
fall
ereignis
vom
2.
Oktober 1999 steht.
D
ie
sbezüglich liegt die
Beweislast bei der Beschwerdeführerin. Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid
entsprechend
zu Las
ten der Beschwerdeführerin aus (vgl. E.
1.4
).
4.2
Trotz Bemühungen der Beschwerdegegnerin konnten keine echtzeitlichen Arzt
berichte aufgefunden werden (vgl.
Urk.
9/6,
Urk.
9/20), so dass aufgrund der vor
handenen medizinischen Unterlagen zu entscheiden ist.
Die Beschwerde
geg
ne
rin stützte sich im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) in me
dizinischer Hinsicht auf die Stellung
nahme von
Dr.
A._
vom
1
9.
Fe
bruar 2021,
welche diese in Kennt
nis der
Vorakten
abgegeben hatte. Sie setzte sich mit den
erhobenen Befunden aus
einander und
nahm dabei in nachvollziehbarer
und be
gründeter Weise Stel
lung.
Dass
Dr.
A._
eine
reine Aktenbeurteilung
vornahm, ist nicht zu bean
stan
den, da es vorliegend in erster Linie um die Beurteilung eines sehr weit in der Ver
gan
genheit liegenden medizinischen Sachverhalts und die Beurteilung des Kausalzu
sammenhangs zwischen dem Ereignis vom
2. Oktober 1999
und dem geltend gemachten Rückfall ging, was rechtsprechungsgemäss in einem Akten
gut
achten erörtert werden kann (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_396/2011 vom 21.
September 2011 E. 5.2).
Ihre Einschätzung
überzeugt.
Daran vermögen die
Berichte
des Ver
trauensarztes der
Beschwerdeführerin
respektive der behandeln
den Ärzte
, wie nachfolgend darzulegen ist,
auch
nicht
geringe
Zweifel zu
wecken
.
4.3
Die Beurteilung von
Dr.
F._
fusst wesentlich auf der Annahme, dass der Bei
ge
ladene beim Unfall vom
2.
Oktober 1999 nicht nur eine leichte
Contusio
(Prel
lung)
bulbi
, sondern eine mittelschwere
Contusio
erlitt
en hatte
(
Urk.
3/15). Der acht Tage nach dem Unfall erstatteten Unfallmeldung ist jedoch zu ent
nehmen, dass
sich
der Beigeladene
am linken Auge
eine P
rellung zugezogen
habe (
Urk.
9/2
). Eingereicht wurde die Meldung zwar von der Arbeitgeberin, dabei musste sie sich
jedoch
zwangsläufig auf die Angaben des Beschwerdeführers stüt
zen, der sich seinerseits
an den Angaben der behandelnden
Ärzte orientiert haben dürfte. D
ass die Verletzung innerhalb von zwei Monaten vollständig abheilte und in den weiteren 16 Jahren keine Augenkontrolle notwendig machte (
Urk.
9/6)
, spricht
ebenfalls
für eine leichte
Contusio
.
An medizinischen Spät
befunden
(wie Iriswurzel-Abriss, Irisverletzung etc.)
,
die für ein stärkeres
Trauma sprechen wür
den
,
fehlt es.
Laut Schilderung des Beigeladenen im vorliegenden Verfahren, war das Auge blutunterlaufen
(
Urk.
19)
. Da auch Prellungen zu Häma
tomen führen können
, kann daraus
nicht auf ein mittelschweres oder schweres Trauma geschlossen werden.
Dr.
A._
erachtete eine leichte Augenprellung für die Entwicklung einer Kata
rakt für ausreichend, nicht aber für die Annahme einer traumatischen Netzhaut
ablösung 20 Jahre später (
Urk.
10 S. 8
).
Dr.
F._
interpretierte den Umstand, dass sich nach dem Unfall ein sekundärer Katarakt entwickelte, als Hinweis für eine mittelschwere
Contusio
. Er stellte indessen nicht in Abrede, dass auch eine leichte Prellung geeignet sein kann, eine Katarakt hervorzurufen
(
Urk.
3/15)
.
Aus dem Vorliegen
einer K
atarakt lässt
sich somit keine hinreichend schlüssige
F
olgerung in Bezug auf die Genese der Netzhautablösung ziehen.
Dr.
F._
weist zwar zutreffend
darauf hin, dass
Dr.
Z._
im Bericht vom
1.
Mai 2020 einen Status nach Glaskörperblutung am
2.
Oktober 1999 diagnos
tizierte und met
a
plastische Veränderungen des
vitreoretinalen
Interfaces be
schrieb (
Urk.
3/15,
Urk.
9/33). Diese Veränderungen erwä
hnte er aber erst nach
träglich
. Noch im Dezember 2019 erachtete
er bei Vorliegen einer Linsen
trübung, welche auf die Augenprellung zurückgeführt werden könne, lediglich eine Katarakt-Operat
ion als indiziert
. Dabei hielt er weder ein
Netzhautforamen
noch eine
Glas
körper
traktion
fest
(
Urk.
9/7
)
.
Auch der Bericht des
D._
zur
1.
Operation vom
1.
April
2020 enthält dazu keine näheren Angaben (
Urk.
9/34).
Dr.
A._
äusserte dazu
die Vermutung
, dass die Eintrittsbefunde des
D._
der Suva deshalb nicht vorgelegt worden sei
en
, weil die Befunde
auf eine
krankhafte Genese der Netz
hautablösung schliessen liessen (
Urk.
9/68
S. 3
). Wie es sich damit verhält, kann offen bleiben. Tatsache ist, dass die B
efunde von metaplastischen Veränderungen des
vitreoretinalen
Interfaces sowie einer Glaskörperblutung echtzeitlich nirgends beschrieben wurden. Von einer Gla
skörp
erblutung war erstmals erst
im Bericht vom
1.
Mai 2020
die Rede. Dieser Bericht
erging im Zusammenhang mit einem Gesuch um Kostengut
spra
che
, weil eine abermalige Netzhautablösung
eine weitere Operation nötig machte
(
Urk.
9/33).
Dr.
F._
ist zwar insofern beizu
pflichten, dass nicht auszuschliessen
ist
, dass die
Glaskörpertraktionen
von
Dr.
Z._
in den biomikrosk
opischen Unter
suchungen, unter anderem
anlässlich der Untersuchung im 2016,
allenfalls
über
sehen wurden (
Urk.
3/11), überwiegend wahrscheinlich ist dies jedoch nicht.
Letztlich basiert
die
Beurteilung
von
Dr.
F._
auf Annahmen, die zum Beweis nicht genügen. Dies gilt umso mehr, als nach der Rechtsprechung
umso strengere Anfo
rderungen an den Wahrschein
lichkeitsbe
weis des natürlichen Kausalzusam
men
hangs zu st
ellen sind, je grösser der zeit
liche Abstand zwischen dem Unfall und dem Au
ftreten der gesundheitli
chen Beein
trächtigung ist (Urteil des Bundes
gerichts 8C_714/2011 vom
4.
Mai 2012 E. 3.2.2).
4.4
Gleich verhält es sich hinsichtlich der Beurteilung von Prof.
Dr.
E._
vom
D._
, wobei er selber einräumt, dass sich der Kausalzusammenhang nicht beweisen lasse (
Urk.
9/47). Ebenfalls vermag die Beschwerdeführer
in
aus der Einschätzung von
Dr.
Z._
nichts zu ihren Gunsten a
bzuleiten. Soweit er die Unfallkausalität mit den von ihm festgestellten metaplastischen Verände
run
gen des
vitreoretina
len
Interface begründet
(
Urk.
9/33)
,
verfängt seine Argumen
tation nicht. Hierzu
kann auf die obigen Ausführungen verwiesen werden.
Auch sein Hinweis
, dass die Netzhautablösung praktisch gleichzeitig aufgetreten sei,
erweist sich nicht als stichhaltig,
da gem
äss der Rechtsprechung die Maxime «
post
hoc ergo
propter
hoc»,
bei der eine Schädigung bereits deshalb als durch einen Unfall verursacht erachtet wird, weil sie nach diesem aufgetreten ist (vgl. Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht,
2.
Auflage, Bern 1989, S. 460, Anm. 1205), für die Annahme eines Kausalzusammenhangs nicht genügt (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
).
Prof.
E._
erklärte, dass die
Ät
iologie einer
Amotio
retinae
mult
ifaktoriell
sei
(
Urk.
9/47
). Fest steht, dass
Dr.
Z._
am
9.
Dezember 2019 prä
operativ eine leichte Myopie (-
1.50) links festgehalten hat (
Urk.
9/7) und eine solche grund
sätzlich
eine Prä
disposition für ei
ne
Amotio
darstellen kann (
Urk.
3/11
), wobei sich ein
Netz
hautforamen
sowie Glaskörper-Traktionen auch spontan und alters
unabhängig e
ntwickeln könnten (
Urk.
9/68).
Aufgrund der Beweislastv
erteilung liegt es an der Beschwerdeführerin
,
den Nachweis einer traumatischen Genese der Netzhautablösung zu erbringen respektive sie hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen.
Dass die Netzhautablösung am linken Auge beim Beigeladenen auf den Unfall vom
2.
Oktober 1999 zurückzuführen ist, ist
nach dem Gesagten somit nur mög
lich, nicht jedoch mit dem Beweisgr
ad der überwiegenden Wahrschein
lic
hkeit er
stellt. Das Bestehen einer blossen Möglichkeit genügt für die Begründung einer Leistungspflicht der Unfallversicherung n
icht (Urteil des Eidg. Versicherungsge
richts vom
8.
Juni 2006, U 147/05,
E. 5.3 und 5.5). Weitere medizinische Ab
klä
rungen hierzu können somit unter
bleiben, zumal davon keine anderen
ent
scheid
r
elevanten
Erkenntnisse zu erwar
t
en sind (antizipierte Beweiswürdi
gung; BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d, 136 I 229 E. 5.3).
5.
Damit erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 2
2.
Februar 2021 (Urk. 2) als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.