Decision ID: b1bb779a-7b83-4db6-8e0b-83e8c448799c
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1967 geborene
X._
war zuletzt als Mitarbeiterin im Betrieb
ihres Ehemannes
(
Y._
) tätig (
Urk.
7/11
). Mit Schadenmeldung vom 3
0.
September 2015 zeigte sie ihrer Unfallversicherung an, dass sie am 1
7.
September 2015 einen Unfall erlitten habe, als sie ausgerutscht und auf die rechte Seite gefallen sei (
Urk.
7/5/5). Am 1
8.
September 2017 (Eingangsdatum) meldete sie sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf Wirbelschmerzen, Schulterschmerzen rechts, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden etc. zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3). Die IV-Stelle traf in der Folge medizinische Abklärungen (
Urk.
7/18, 7/30, 7/31, 7/36, 7/42, 7/46) und zog die Akten des Unfallversicherers bei (
Urk.
7/5).
Gestützt auf einen Einkom
mensvergleich anhand statistischer Tabellenlöhne gelangte die IV-Stelle zum Schluss, es bestehe ein
Invaliditätsgrad
von 0 % (
Urk.
7/48), weshalb sie der Ver
sicherten mit Vorbescheid vom 1
7.
Oktober 2018 mitteilte
, dass sie vorsehe das Leistungsbegehren abzuweisen (
Urk.
7/49). Nachdem die Versicherte
am
1
9.
November 2018 hiergegen Einwand erhoben (
Urk.
7/56) und nochmals einen Arztbericht aufgelegt hatte (
Urk.
7/55) zog die IV-Stelle abermals die Akten des Unfallversicherers bei (
Urk.
7/65). Mit Verfügung vom
1.
April 2019 (
Urk.
2
[=Urk.
7/67]) wies sie das Leistungsbegehren der Versicherten ab.
2.
Dagegen erhob
X._
am
3.
Mai 2019 Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihr Leistungen der Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventualiter sei die Verfügung aufzu
heben und der Fall für weitere Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen.
Mit Beschwerdeantwort vom
2
8.
Mai 2019 (
Urk.
6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführe
rin am
3.
Juni 2019 (
Urk.
8) mitgeteilt wurde.
3.
Die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid
des Unfallversicherers vom 14. Januar 2019 (Urk. 7/65/24-39), mit welchem dieser die aus dem Ereignis vom 17. September 2015 erbrachten Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen per 1. September 2017 eingestellt und gleichzeitig einen Anspruch auf weitere Geld
leistungen in Form einer Invalidenrente und einer Integritätsentschädigung ver
neint hatte, wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil heutigen Datums abgewiesen (Prozess UV.2019.00045).
4
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
,
IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine
Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mit
telgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermöge
n einzuschätzen (BGE 141 V 281
E.
2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu
namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
folgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) damit, der Beschwerdeführerin sei seit dem 1
5.
Februar 2016 eine angepasste Tätigkeit voll zumutbar.
Die Beschwerdeführerin habe bis 2015 verschiedene Tätigkeit
en
ausgeübt
und eher tiefe Einkommen erzielt
, weshalb für die Vergleichseinkom
men auf statistische Werte abgestützt werde. Bei Ausübung einer angepassten Tätigkeit
erreiche die
Beschwerdeführerin keine Erwerbseinbusse, weshalb kein Anspruch auf berufliche Massnahmen oder eine
Invalidenrente
bestehe. Nach Erhebung des Einwandes sei das Dossier nochmals mit Unterlagen des Unfallver
sicherers vervollständigt und
zusammen mit dem von der Beschwerdeführerin neu eingereichten Arztbericht
dem RAD vorgelegt worden. Der neu aufgelegte Arztbericht habe seit der vormaligen RAD-Stellungnahmen keine Änderungen aufzuzeigen vermocht. Die medizinischen Sachverhalte seien bereits ausreichend gewürdigt worden, weshalb aufgrund der klaren Sach- und Rechtslage am Ent
scheid [kein Leistungsanspruch] festgehalten werde.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (
Urk.
1)
,
die Beschwerde
gegnerin habe die Angelegenheit ungenügend abgeklärt und sich auf die Ent
scheide des Unfallversicherers gestützt, gegen welche jedoch ebenfalls beim hie
sigen Gericht
ein
Verfahren pendent sei. Sie leide an weit mehr Beschwerden als lediglich an den Unfallfolgen, so etwa auch unter Wirbelschmerzen, Gebärmut
termyom, Bluthochdruck, Eisenmangel und Weiterem. Verlaufsberichte zu diesen Beschwerden habe die Beschwerdegegnerin nicht eingeholt, weshalb es ihr gar nicht möglich gewesen sei
,
einen Entscheid zum aktuellen Gesundheitszustand zu treffen. Im Bericht des
Z._
vom 3
0.
Oktober 2018 hätten die behandelnden Ärzte festgestellt, dass wegen Krank
heiten und Unfallfolgen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe.
3.
3.1
Nach dem Unfallereignis vom 1
7.
September 2015 (vgl.
Urk.
7/5/5) wurde bei der Beschwerdeführerin eine SLAP-Läsion
Typ II
an der rechten Schulter festgestellt und es wurde ihr eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1
7.
September 2015 bis voraussichtlich Ende Januar 2016 attestiert (vgl.
Urk.
7/5/22-23).
Am 1
3.
April 2017 wurde die Beschwerdeführerin durch einen Kreisarzt des Unfallversicherers untersucht. Dieser stellte fest,
die Beschwerdeführerin äussere in der Untersu
chung immer wieder starke und medizinisch nicht erklärbare Schmerzen in der rechten Schulter. Erklärbar sei
en
hingegen eine verminderte Kraft und eine disk
ret verminderte Beweglichkeit. Zudem bestünden Rückenschmerzen, welche nicht unfallkausal seien. Der medizinische Endzustand sei noch nicht erreicht und die Beschwerdeführerin in ein paar Monaten erneut zu untersuchen (
Urk.
7/5/125-131).
Am 1
7.
Januar 2018 erfolgte durch
den
ärztlichen Dienst des Unfallversicherers erneut eine medizinische Beurteilung (
Urk.
7/65/129-133).
Dabei wurde festge
stellt
, die Schmerzsymptomatik sei in der
A._
, Abteilung für Wirbelsäulen- und Schulterchirurgie
,
ausführlich abgeklärt worden. Es seien mehrfach diagnostische Infiltration
en
der Schulter und der Halswirbelsäule durchgeführt worden, welche keine Besserung der Beschwerdesymptomatik gebracht hätten. Die Ursachen der Schmerzen seien damit überwiegend wahr
scheinlich nicht durch die Schulter oder Halswirbelsäule bedingt und daher nicht unfallkausal.
3.2
Vom 1
0.
Mai bis 1
4.
Juni 2017 befand sich die Beschwerdeführerin zur stationä
ren Rehabilitation in der
B._
. Im Bericht vom 1
6.
Juni 2017
(
Urk.
7/65/246-257)
sind als Diagnosen eine Problematik an der rechten Schulter, ein
Panvertebralsyndrom
,
eine Anpassungsstörung, eine arterielle Hypertonie und
eine
Adipositas aufgeführt (
Urk.
7/65/246-247). Die dortigen Ärzte konnten eine mässige Symptomausweitung beobachten, welche sie teilweise auf eine psy
chische Störung zurückführten. Die demonstrierten physischen Einschränkungen hätten sich durch die objektivierbaren Befunde nur ungenügend erklären lassen (
Urk.
7/65/247). Die Anpassungsleistung nach dem Unfall und der Umgang mit den Schmerzen sei
en
auffällig durch innere Konflikte und Ängste gekennzeichnet gewesen. Insgesamt sei eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion zu diagnostizieren (
Urk.
7/65/249).
3.3
Im Bericht vom 1
6.
März 2018 führte
Dr.
med. C._
, Assistenz
arzt Orthopädie
A._
(Schulter/Ellbogen)
, aus,
bei der Beschwerdeführerin best
ünden
ein Verdacht auf eine schmerzhafte C
6
-Radikulo
pathie rechts, eine kleine PASTA-Läsion, ein
subacromiales
Impingement
und eine AC-
Arthropathie
rechts sowie eine unspezifische Lumbalgie. Dadurch sei die Beschwerdeführerin bei Überkopfarbeiten, sowie dem Heben und Tragen von Las
ten eingeschränkt. In einer dem Leiden angepassten Tätigkeit sei eine Arbeitsfä
higkeit von t
äglich 4-6 Stunden zu erwarten (
Urk.
7/18/7-10).
Prof.
Dr.
med. D._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, Ärztlicher Direktor
A._
,
und
Dr.
med. E._
, Facharzt für Chirurgie, Assistenzarzt
A._
(Wirbelsäulenzentrum)
, führten in ihrem Bericht vom
9.
April 2018 aus, die Beschwerdeführerin leide an einer
Zervikobrachialgie
rechts, einer kleinen PASTA-Läsion, einem
subacromialen
Impingement
und einer AC-
Arthropathie
rechts sowie unter einer unspezifischen Lumbalgie.
Vom 3
0.
November bis zum 2
1.
Dezember 2017 hätten sie eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für die Tätigkeit als Reinigungskraft attestiert. Über die aktuelle Arbeits
fähigkeit in der angestammten oder in einer angepassten Tätigkeit könnten sie keine Angaben machen (
Urk.
7/30/7-10).
3.4
Der Hausarzt der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
F._
, Facharzt für A
llgemeine Medizin, berichtete am 1
4.
August 2018, die Beschwerdeführerin leide seit mehr als 15 Jahren an Nacken-, Schulter- und Armbeschwerden, welche seit dem Unfall im September 2015 persistieren würden. Bei
Chronifizierung
des Leidens und Therapieresistenz bestehe eine schlechte Prognose (
Urk.
7/4
2/
1-5
).
3.5
Dem Bericht des
Z._
vom
9.
Juli 2018 können die Diagnosen
«
rezidivierende depressive Störung (
ggw
. mittelgradige Episode), Adipositas, Schulterschmerzen rechts,
Cervikocephales
Syndrom, Status nach Gebärmutteroperation 04/18, Blut
hochdruck, Eisenmangel
»
entnommen werden. Die Beschwerdeführerin leide seit 2015
unter depressiver Stimmung. Seit dem Unfall im September 2015 leide sie unter chronischen Schulterschmerzen. Die Beschwerdeführerin sei deswegen seit dem 1
7.
September 2015 arbeitsunfähig. Die Störung habe Krankheitswert und das Ziel einer Behandlung sei für die Beschwerdeführerin
,
die Depression sowie die Schmerzen zu reduzieren.
Ab dem 2
3.
Mai 2018 werde im
Z._
eine interdis
ziplinäre Schmerzbehandlung durchgeführt (
Urk.
7/42/10-13).
Im Bericht vom 2
7.
September 2018 führten die Ärzte des
Z._
aus, die Beschwer
deführerin befinde sich 2-3 Mal pro Monat in der interdisziplinären Schmerzbe
handlung, welche voraussichtlich im Oktober 2018 abgeschlossen werde. Im Anschluss seien wöchentliche Termine bei einer Psychologin und monatliche Ter
mine bei einer Psychiaterin geplant. Neben den chronischen Schulterschmerzen auf der rechten Seite beklage die Beschwerdeführerin auch
,
seit 2015 unter depressiver Stimmung mit Interesse- und Lustlosigkeit, Antr
iebsverlust, Weiner
lichkeit,
sozialem Rückzug
, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und erhöh
tem Appetit
zu leiden.
Ausserdem hätten die
cercikocephalen
Schmerzen deutlich zugenommen. Eine Besserung der Beschwerden habe trotz verschiedener Behand
lung nicht erreicht werden können. Eine Besserung der chronischen Schmerzen und der depressiven Symptome sei nicht zu erwarten. Die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
7.
September 2015 nicht mehr arbeitsfähig
;
da die bisherigen Behand
lungen zu keiner Besserung geführt hätten, sei die Prognose für eine Eingliede
rung im
ersten
Arbeitsmarkt negativ. Schwere oder mittelschwere Arbeiten seien ihr wegen der rechten Schulter und den Schmerzen im
cer
v
ikocephalen
Bereich nicht zumutbar. Die rasche Ermüdbarkeit und die Konzentrationsprobleme wür
den häufigere Pausen erfordern und aufgrund der Konzentrationsschwierigkeiten würden vermehrt Fehler passieren (
Urk.
7/46/7-10).
3.6
In seiner Stellungnahme vom
4.
Oktober 2018
(
Urk.
7/62/5-7)
führte
der Arzt des RAD,
Dr.
med.
G._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Trau
matologie, aus, als Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit best
ünden
bei der Beschwerdeführerin eine Läsion an der rechten Schulter (nach Sturz am 1
7.
September 2015) und ein
zervikozephales
Syndrom. Ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit best
ünden
eine Depression, ein degeneratives Lum
balsyndrom und ein Status nach Ellenbogenfraktur vor 15 Jahren. Das der Beschwerdeführerin zumutbare Belastungsprofil laute: «körperlich leichte Tätig
keit, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne die rechte Schulter belastende Zwangshaltungen und häufige Tätigkeiten (längeres Arbeiten in weiter Armvor
halte, Überkopfarbeiten, repetitive
Rotationsbewegungen) sowie ohne kraftvolles Stossen und Ziehen». In der bisherigen Tätigkeit bestehe seit dem 1
6.
September 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. In einer dem Belastungsprofil ange
passten Tätigkeit habe zwischen dem 1
6.
September 2015 und dem 1
4.
Februar 2016 ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Da das
H._
ab dem 15.
Februar 2016 in der bisherigen Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert habe, sei ab diesem Zeitpunkt von einer Arbeitsfähigkeit von 100
% für eine angepasste Tätigkeit auszugehen.
Zum Bericht der Psychiaterin des
Z._
(vgl. E. 3.4) bemerkte
Dr.
G._
, dass deren Diagnose F33.1 (r
ezidivie
rende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode) mit den angegebe
nen Befunden nicht zu rechtfertigen sei.
3.7
Im Bericht vom 3
0.
Oktober 2018 (
Urk.
7/55) führten die Ärzte
des
Z._
haupt
sächlich die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung (
ggw
. mittel
gradige Episode), rechtsseitige
r
Schulterschmerzen und eines
cervikocephalen
Syndroms auf. Die Beschwerdeführerin leide seit Jahren an einem
cervikal
- und lumbalbetonten
Panvertebralsyndrom
. Seit dem Unfall im September 2015 seien chronische, vor allem belastungsabhängige Schmerzen der rechten Schulter hin
zugekommen (
Urk.
7/55/1). Aufgrund der Schmerzen im Bereich der rechten Schulter und der Halswirbelsäule sei die Beschwerdeführerin seit September 2015 100 % arbeitsunfähig (
Urk.
7/55/7). Im Verlauf der chronischen Schmerzen habe die Beschwerdeführerin eine depressive Störung mit ausgeprägter Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Appetitzunahme, Konzentrationsstörungen und Schlaflosigkeit entwickelt. Stresstoleranz und Belastbarkeit seien deutlich verringert; die Beschwerdeführerin ermüde rasch und benötige mehr Pausen. Aufgrund der chro
nischen Schmerzen und der depressiven Störung sei die Beschwerdeführerin auch in einer angepassten Tätigkeit nicht arbeitsfähig (
Urk.
7/55/8).
3.8
Am 2
0.
März 2019 nahm
Dr.
G._
zu den neu aufliegenden Arztberichten und den neu eingeholten Akten des Unfallversicherers Stellung und führte dazu aus, seit seiner Stellungnahme vom 4. Oktober 201
8
sei keine Änderung des Gesund
heitszustandes ersichtlich. Seine bisherige Einschätzung habe daher weiterhin Gültigkeit und die neuen Berichte vermö
ch
ten seine Feststellung nicht in Frage zu stellen (
Urk.
7/66/4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei ihrer
Entscheidfindung
auf die Stellung
nahmen (E. 3.6 und 3.8) von RAD-Arzt
Dr.
G._
und kommt dabei zum Schluss, die
Beschwerdeführerin sei seit dem 1
5.
Februar 2016 in einer körperlich leichten Tätigkeit wieder voll
ständig
arbeitsfähig (vgl.
Urk.
2).
4.2
Als Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie verfügt
Dr.
G._
über die notwendige
fachliche
Qualifik
a
tion
,
um den somatischen Gesundheits
zustand in Bezug auf die Wirbelsäulen- und Sch
ulterproblematik zu beurteilen. Soweit
Dr.
G._
die Beschwerdeführerin seit dem 1
6.
September 2015 in der angestammten Tätigkeit für nicht mehr arbeitsfähig und ab dem 15. Februar 2016 in einer angepassten Tätigkeit wieder vollständig arbeitsfähig erachtete, kann ihm mit Blick auf die aufliegenden Akten
aber
nicht gefolgt werden. Zunächst
kann die Argumentation
Dr.
G._
s nicht nachvollzogen werden
, wenn dieser
von
einer ab dem 1
5.
Februar 2016 attestierten Arbeitsfähigkeit von 50 % in der angestammten Tätigkeit auf eine
uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit schliesst
, zumal unklar ist
,
welches Belastungsprofil die 50%ige Arbeitsfähigkeit in de
r angestammten Tätigkeit umfass
e
n würde
. Diese Einschätzung steht zudem nicht im Einklang mit den aufliegenden Akten.
Dr.
C._
kam mit Blick auf die Schulterproblematik im März 2018 zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit täglich lediglich 4-6 Stunden arbeitsfähig sei. Die
Dres
.
D._
und
E._
als Wirbelsäulenspezialisten erachteten die angestammte Tätigkeit Ende 2017 als nicht zumutbar, hielten aber explizit fest, dass si
e für die aktuelle
Situation
(2018)
weder zur Arbeitsfähigkeit in einer angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit Angaben machen könnten (vgl. E 3.3). Während des Aufenthaltes in der
B._
im Sommer 2017
stellten die Ärzte fest, dass sich die physi
schen Einschränkungen nur ungenügend durch die objektivierbaren Befunde erklären liessen (E. 3.2)
, eine angepasste Tätigkeit aus unfallkausaler Sicht ab Juni 2017 aber ganztags zumutbar sei (
Urk.
7/65/248)
. Vor diesem Hintergrund
konnte
Dr.
G._
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 100 % in einer angepassten Tätigkeit schliessen.
Ebenso wenig lässt sich die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
oder einer angepassten
Tätigkeit
anhand der aufliegenden Akten
abschliessend beurteilen, gibt es in den Akten doch
beispielsweise
auch Hinweise, dass die Beschwerdefüh
rerin in der angestammten Tätigkeit weiterhin zumindest teilweise arbeitsfähig sein könnte.
4.3
Hinzu kommt, dass sich den Akten auch eine das Beschwerdebild möglicherweise massgeblich (mit)
beeinflussende psychische Problematik entnehmen lässt.
In der
B._
wurde im Sommer 2017 eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion diagnostiziert (E. 3.2). Die Ärzte des
Z._
diagnostizier
ten eine
rezidivierende
depressive Störung,
ggw
. mittelgradige Episode (E. 3.5 und 3.7).
Auf die von der
B._
gestellte Diagnose ging
Dr.
G._
nicht ein. Zur seitens des
Z._
gestellten Diagnose einer
rezidivierende
n depressiven Störung,
ggw
. mittelgradige Episode
,
führte er lediglich aus, die angegebenen Befunde würden eine solche Diagnose nicht rechtfertigen (vgl.
Urk.
7/62/6).
Man
gels fachlicher Qualifikation –
Dr.
G._
ist
,
wie bereits ausgeführt, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie, nicht aber psychiatrischer Facharzt –
war
ihm eine
rechtsgenügliche
abschliessende Einschätzung des psychischen Gesundheitsschadens sowie der allfälligen daraus resultierenden
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
aber
nicht möglich.
Zur zuverlässigen Prüfung des Renten
anspruchs der Beschwerdeführerin wäre eine psychiatrische Abklärung erforder
lich gewesen. Dies gilt umso mehr, als das Bundesgericht mit BGE 143 V 409 und BGE 143 V 418 entschieden hat, dass zur Beurteilung einer Arbeitsunfähigkeit infolge eines psychischen Leidens, insbesondere auch aufgrund leichter bis mit
telschweren Depressionen, zwingend ein strukturiertes Beweisverfahren durchzu
führen ist. Die Beschwerdegegnerin hat es jedoch unterlassen
,
ein solches struk
turiertes Beweisverfahren durchzuführen
,
und stellte stattdessen auf die (fach
fremde) medizinische Einschätzung von
Dr.
G._
ab.
4.4
Es ergibt sich somit, dass die angefochtene Verfügung auf einer nicht schlüssigen resp
ektive
unvollständigen Beweisgrundlage beruht. Die Verfügung ist daher auf
zuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den medizinischen Sachverhalt ergänzend abkläre. Die Beschwerdegegnerin wird Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte beizuziehen und hernach gegebenen
falls ein – vorzugsweise polydisziplinäres
–
Gutachten einzuholen haben, das sich umfassend zum somatischen und psychischen Gesundheitszustand sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin äussert. Im Rah
men der von der Beschwerdegegnerin zu veranlassenden psychiatrischen Abklä
rung werden die bundesgerichtlichen Vorgaben zur Beurteilung der Arbeitsfähig
keit bei psychischen Beeinträchtigungen (BGE 141 V 281, BGE 143 V 409 und BGE 143 V 418) zu berücksichtigen sein. Danach hat die Beschwerdegegnerin über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu verfügen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.
1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und
unab
hän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
legt
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzusetzen und, da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss der Beschwerdegegner
in aufzu
erlegen.
5.2
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des
Gesetz
es über das Sozialversicherungs
gericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihr eine
Prozessentschädigung von Fr. 7
00.--
(inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) auszurichten.