Decision ID: e249bc87-9ba2-47f3-ba19-daaee2b843ce
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die belgischen Strafverfolgungsbehörden ermitteln u. a. gegen D. wegen
des Verdachts des Steuerbetrugs, der Geldwäscherei und weiterer Strafta-
ten. Im Rahmen dieser Untersuchung stellte der zuständige Untersuchungs-
richter am 8. Juni 2015 ein Rechtshilfeersuchen an das hiesige Bundesamt
für Justiz (nachfolgend «BJ»). Darin ersuchte er u. a. um Herausgabe der
Unterlagen zu einem auf die A. Ltd. lautenden Konto bei der Bank E.
(Rechtshilfeakten, act. 1 und 2). Diese Bank wurde im Jahr 2013 durch die
Bank F. übernommen (Rechtshilfeakten, act. 6/6, pag. 6 000 ff.). Weiter
wurde um Herausgabe der Unterlagen zu auf den B. Fund, auf die C. Ltd.
bzw. auf D., dessen Lebenspartnerin G. oder deren gemeinsame Tochter H.
lautenden Konten bei der Bank N. ersucht (Rechtshilfeakten, act. 1 und 2).
Auch diese Bank wurde gegen Ende des Jahres 2011 durch die Bank F.
übernommen (vgl. Rechtshilfeakten, act. 6/11, pag. 11 021 ff.).
B. Das BJ übertrug den Vollzug dieses Rechtshilfeersuchens am 8. Okto-
ber 2015 der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (nachfolgend «Staats-
anwaltschaft»; Rechtshilfeakten, act. 3). Diese trat mit Verfügung vom
19. November 2015 auf das Ersuchen ein und verpflichtete die Bank F. zur
Herausgabe der im Rechtshilfeersuchen bezeichneten Unterlagen zu den
auf die A. Ltd., den B. Fund, die C. Ltd. bzw. auf D., G. oder H. lautenden
Konten (Rechtshilfeakten, act. 5/1). Die Bank übermittelte der Staatsanwalt-
schaft am 17. Dezember 2015 die gewünschten Unterlagen (Rechtshilfeak-
ten, act. 6/1). Mit Schlussverfügung Nr. 1 vom 21. Oktober 2016 bewilligte
die Staatsanwaltschaft die Herausgabe der Unterlagen zum auf die A. Ltd.
lautenden Konto Nr. 1, zum auf den B. Fund lautenden Konto Nr. 2, zu den
auf die C. Ltd. lautenden Konten Nr. 3, 4 und 5 sowie zum auf «I.» (Inhaber
D.) lautenden Konto Nr. 6 bei der Bank F. (act. 1.2).
C. Hiergegen liessen die A. Ltd., der B. Fund, die C. Ltd. und D. am 30. Novem-
ber 2016 bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts gemeinsam
Beschwerde erheben (act. 1). Sie beantragen Folgendes:
1. Es sei das Rechtshilfegesuch der Staatsanwaltschaft Ostflandern, Belgien, in Aufhebung
der Schlussverfügung Nr. 1 der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 21. Okto-
ber 2016 abzuweisen.
2. Es sei Ziffer 2 der Schlussverfügung Nr. 1 der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
21. Oktober 2016 aufzuheben und die rechtshilfeweise Herausgabe der edierten Bankunter-
lagen zu verweigern.
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3. Eventualiter sei die Schlussverfügung Nr. 1 der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich
vom 21. Oktober 2016 aufzuheben und zur Neubeurteilung an diese zurückzuweisen.
4. Subeventualiter sei den belgischen Behörden eine Verwendungsbeschränkung der edier-
ten Bankunterlagen dergestalt aufzuerlegen, dass die Unterlagen nicht als Beweismittel in
Verfahren der direkten Steuern verwendet werden dürfen wie Einkommenssteuern, Vermö-
genssteuern, Körperschaftssteuern usw.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin sowohl für das
Rechtshilfeverfahren wie auch für das vorliegende Beschwerdeverfahren.
Die Beschwerdekammer forderte die Vertreter der A. Ltd., des B. Fund und
der C. Ltd. am 1. Dezember bzw. am 13. Dezember 2016 auf, ihr einen be-
glaubigten, aktuellen Handelsregisterauszug der beschwerdeführenden Ge-
sellschaften einzureichen bzw. dessen Vorliegen glaubhaft zu machen, wel-
cher über die Unterschriftsberechtigung Aufschluss gebe, sowie die Identität
der Person bekannt zu geben, welche für die Beschwerdeführer die Voll-
machten unterzeichnet hat (act. 3 und 5). Mit Eingabe vom 3. Januar 2017
reichte die Vertreterin der A. Ltd., des B. Fund und der C. Ltd. der Beschwer-
dekammer u. a. das die jeweilige Gesellschaft betreffende «Certificate of In-
corporation» vom 15. Dezember 2006, vom 7. Mai 2008 bzw. vom 27. Mai
2002 ein (act. 7.1, 7.3, 7.5).
Nach Eingang der Beschwerdeantworten des BJ (act. 9) und der Staatsan-
waltschaft (act. 10) lud die Beschwerdekammer die Vertreterin der A. Ltd.,
des B. Fund, der C. Ltd. und von D. zur Einreichung einer allfälligen Replik
ein (act. 11). Weiter wurde sie am 17. Januar 2017 aufgefordert, einen Nach-
weis des Bestandes der A. Ltd., des B. Fund und der C. Ltd. zum Zeitpunkt
der Einreichung ihrer Beschwerde (bspw. durch ein aktuelles Certificate of
Good Standing oder dergleichen) einzureichen (act. 13, 14, 15). Mit Eingabe
vom 6. Februar 2017 nahm sie zu dieser Aufforderung Stellung, ohne jedoch
weitere Unterlagen einzureichen, und erstattete gleichzeitig ihre Beschwer-
dereplik (act. 20). Diese Eingabe wurde dem BJ und der Staatsanwaltschaft
am 7. Februar 2017 zur Kenntnis gebracht (act. 21).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen der Schweiz und Belgien sind primär das Eu-
ropäische Übereinkommen vom 20. April 1959 über die Rechtshilfe in Straf-
sachen (EUeR; SR 0.351.1) und das hierzu ergangene zweite Zusatzproto-
koll vom 8. November 2001 (ZPII EUeR; SR 0.351.12) massgebend. Aus-
serdem gelangen die Bestimmungen der Art. 48 ff. des Übereinkommens
vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen
vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungsübereinkommen, SDÜ;
Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19 – 62) zur Anwendung (TPF 2009
111 E. 1.2 S. 113). Diese Abkommen werden schliesslich ergänzt durch das
Übereinkommen vom 8. November 1990 über Geldwäscherei sowie Ermitt-
lung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten (GwUe;
SR 0.311.53).
1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln,
gelangen das Bundesgesetz vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG;
SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale
Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11) zur
Anwendung (Art. 1 Abs. 1 lit. b IRSG). Das innerstaatliche Recht gelangt
nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn dieses ge-
ringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV
123 E. 2 S. 126; 137 IV 33 E. 2.2.2 S. 40 f.). Vorbehalten bleibt die Wahrung
der Menschenrechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c S. 617; TPF
2008 24 E. 1.1 S. 26). Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechts-
hilfeangelegenheiten sind zudem die Bestimmungen des Bundesgesetzes
vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsver-
fahrensgesetz, VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m.
Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt
(siehe Art. 12 Abs. 1 IRSG).
2.
2.1 Die Schlussverfügung der ausführenden kantonalen oder der ausführenden
Bundesbehörde unterliegt der Beschwerde an die Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts (Art. 80e Abs. 1 IRSG). Die entsprechende Beschwer-
defrist beträgt 30 Tage (Art. 80k IRSG). Zur Beschwerdeführung ist berech-
tigt, wer persönlich und direkt von einer Rechtshilfemassnahme betroffen ist
und ein schutzwürdiges Interesse an ihrer Aufhebung oder Änderung hat
(Art. 80h lit. b IRSG). Als persönlich und direkt betroffen im Sinne der Art. 21
http://links.weblaw.ch/BGE-123-II-595
- 5 -
Abs. 3 und Art. 80h lit. b IRSG gilt namentlich der Kontoinhaber bei der Er-
hebung von Kontoinformationen (Art. 9a lit. a IRSV).
2.2 Im Beschwerdeverfahren ist darüber hinaus als Partei nur zuzulassen, wer
zum Zeitpunkt der Einreichung der Beschwerde partei- und prozessfähig ist
(Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5410/2012 vom 28. Mai 2013, E. 2
m.w.H.). Die Partei- und Prozessfähigkeit einer Gesellschaft richtet sich in
Fällen wie dem vorliegenden praxisgemäss nach dem Recht des Staates,
nach dessen Vorschriften die Gesellschaft organisiert ist, wenn sie die darin
vorgeschriebenen Publizitäts- oder Registrierungsvorschriften erfüllt oder,
falls solche Vorschriften nicht bestehen, wenn sie sich nach dem Recht die-
ses Staates organisiert hat (vgl. Art. 154 Abs. 1 und Art. 155 lit. c des Bun-
desgesetzes vom 18. Dezember 1987 über das Internationale Privatrecht
[IPRG; SR 291]; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2016.232 vom
3. März 2017, E. 2.3.2b/aa; RR.2016.36 vom 14. Juli 2016, E. 1.5.2;
RR.2015.71 vom 12. August 2015, E. 1.3.1; RR.2014.190 vom 12. Mai 2015,
E. 1.4.4; RR.2012.189 vom 13. Februar 2013, E. 1.3.2b/aa; RR.2012.160
vom 10. Oktober 2012, E. 1.3.2.b/aa).
Ob die Legitimation zum Verfahren vorliegt, ist von Amtes wegen zu prüfen.
Ist sie nicht ohne Weiteres ersichtlich, muss der Beschwerdeführer sie ein-
gehend erörtern und belegen, wofür er beweisbelastet ist (Entscheide des
Bundesstrafgerichts RR.2016.160 vom 27. Februar 2017, E. 2.2.3;
RR.2016.272 vom 10. Januar 2017; RR.2016.84 vom 20. September 2016,
E. 2.3). Die für die Parteistellung vorausgesetzte Partei- und Prozessfähig-
keit ist zu vermuten, sofern keine gegenteiligen Anhaltspunkte eine Prüfung
von Amtes wegen aufdrängen. Vage Vermutungen genügen nicht, um diese
Voraussetzungen in Zweifel zu ziehen (MARANTELLI/HUBER, in: Wald-
mann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensge-
setz, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 48 VwVG N. 6 m.w.H.). Fehlt bei
Beschwerdeeinreichung die Partei-/Prozessfähigkeit bzw. die Beschwerde-
legitimation oder wird sie in Zweifelsfällen nicht substanziiert dargelegt, ist
auf eine Beschwerde nicht einzutreten (MARANTELLI/HUBER, a.a.O., Art. 48
VwVG N. 7 m.w.H.).
2.3 Bei der Beschwerdeführerin 1 handelt es sich um eine Gesellschaft mit Sitz
in Belize. Deren Vertreter wurden am 1. Dezember bzw. am 13. Dezem-
ber 2016 u. a. aufgefordert, einen beglaubigten, aktuellen Handelsregister-
auszug der beschwerdeführenden Gesellschaft einzureichen bzw. dessen
Vorliegen glaubhaft zu machen (act. 3 und 5). Mit Eingabe vom 3. Ja-
nuar 2017 reichte die Beschwerdeführerin 1 lediglich ein sie betreffendes
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«Certificate of Incorporation» vom 15. Dezember 2006 ein (act. 7.1). Ein ak-
tueller Handelsregisterauszug sei demgegenüber nicht erhältlich (act. 7),
dies obwohl mit Eingabe vom 12. Dezember 2016 noch mitgeteilt worden
war, ein solcher sei angefordert worden (act. 4). Die Beziehung der Be-
schwerdeführerin 1 zum Konto Nr. 1 bei der Bank F. wurde am 19. Januar
2015 beendet (vgl. Rechtshilfeakten, act. 6/4, pag. 4 022). In den Bankun-
terlagen befinden sich demzufolge auch keine aktuellen Dokumente zur Be-
schwerdeführerin 1. Gemäss einer am 17. Januar 2017 durchgeführten On-
line-Recherche im International Business Companies Registry von Belize re-
sultierte die Beschwerdeführerin 1 als inaktiv (act. 12). Entgegen den Vor-
bringen der Beschwerdeführerin 1 (act. 7; act. 20, Rz. 1) vermag eine fast
zehn Jahre alte Gründungsurkunde den Bestand der Beschwerdeführerin 1
zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht zu belegen. Die Gesamtheit
dieser Umstände begründet berechtigte Zweifel an der aktuellen Parteifähig-
keit der Beschwerdeführerin 1. Mit Schreiben vom 17. Januar 2017 wurde
sie ausdrücklich darauf hingewiesen und aufgefordert, einen entsprechen-
den Nachweis (beispielsweise durch ein aktuelles Certificate of Good
Standing oder dergleichen) einzureichen (act. 13). Diesen Nachweis blieb
die Beschwerdeführerin 1 auch innerhalb erstreckter Frist schuldig. Zu be-
merken ist, dass die Beschwerdeführerin 1 zwecks Begründung der Bank-
beziehung im Jahr 2009 offenbar in der Lage war, ein damals aktuelles «Cer-
tificate of Incumbency» beizubringen (Rechtshilfeakten, act. 6/2, pag. 2 040).
Auf die für die Beschwerdeführerin 1 erhobene Beschwerde ist daher man-
gels hinreichend belegter Parteifähigkeit nicht einzutreten. Die Ausführungen
der Beschwerdeführerin 1 in ihrer Eingabe vom 6. Februar 2017 (act. 20)
vermögen daran nichts zu ändern. An den Antrag der Beschwerdegegnerin,
auf die Beschwerde sei einzutreten (act. 10, Rz. 1), ist die Beschwerdekam-
mer nicht gebunden (Art. 25 Abs. 6 IRSG). Ob der Vermerk «Inactive» im
Online-Register tatsächlich nur auf eine aktuell fehlende geschäftliche Tätig-
keit hindeutet (act. 20, Rz. 2), wird von der Beschwerdeführerin 1 lediglich
behauptet, aber nicht belegt. Tatsächlich lässt das Gesellschaftsrecht von
Belize unter bestimmten Voraussetzungen auch die Wiedereintragung einer
bereits gelöschten Gesellschaft zu. Die entsprechenden Voraussetzungen
sind der Beschwerdekammer bekannt (vgl. TPF RR.2015.241 vom 18. März
2016 E. 2.3 und 2.5, zur Publikation vorgesehen). Allerdings schweigt sich
die Beschwerdeführerin 1 auch zum Vorliegen dieser Voraussetzungen aus
(act. 20, Rz. 5). Auf das von ihr eventualiter gestellte Gesuch um Fristerstre-
ckung zur Erwirkung einer Wiedereintragung ist daher schon mangels Be-
gründung nicht einzutreten. Im erwähnten Fall war es der betroffenen Ge-
sellschaft im Übrigen möglich, ihren Bestand durch ein kurzfristig erhältlich
gemachtes «Certificate of Good Standing» bestätigen zu lassen (vgl. TPF
RR.2015.241 vom 18. März 2016 E. 2.3, zur Publikation vorgesehen).
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2.4 Entsprechendes gilt im Wesentlichen auch für den Beschwerdeführer 2
(einem Fund mit Sitz in Bermuda) bzw. für die Beschwerdeführerin 3 (einer
Gesellschaft mit Sitz in Gibraltar). Deren Gründungsurkunden datieren vom
8. Mai 2008 bzw. vom 27. Mai 2002 (act. 7.3, 7.5). Deren Konten wurden bis
spätestens zum 11. Dezember 2015 allesamt saldiert (Rechtshilfeakten,
act. 6/1). Den verlangten Nachweis ihrer aktuellen Parteifähigkeit zum Zeit-
punkt der Beschwerdeerhebung blieben beide schuldig. Zum Vorliegen der
gesetzlichen Voraussetzungen einer Wiedereintragung der (allenfalls ge-
löschten) Gesellschaften schweigen sie sich ebenfalls aus (act. 20, Rz. 5).
2.5 Nach dem Gesagten ist auf die Beschwerde der Beschwerdeführerin 1, des
Beschwerdeführers 2 und der Beschwerdeführerin 3 mangels hinreichend
belegter Parteifähigkeit nicht einzutreten.
2.6 Einzutreten ist dagegen auf die für den Beschwerdeführer 4 frist- und form-
gerecht erhobene Beschwerde, soweit sie sich gegen die Herausgabe der
Unterlagen zum auf «I.» lautenden Konto Nr. 6 bei der Bank F., bei dessen
Inhaber es sich um den Beschwerdeführer 4 handelt (Rechtshilfeakten,
act. 6/28, pag. 25 000), an die ersuchende Behörde richtet.
3. Der Beschwerdeführer 4 rügt vorab, dass er am Morgen des 21. Novem-
ber 2016 telefonisch Akteneinsicht verlangt habe und ihm diese von der Be-
schwerdegegnerin erst am Nachmittag des 23. November 2016 gewährt
worden sei. Ihm sei somit nur noch wenig Zeit zum Verfassen der Beschwer-
deschrift verblieben. Das verschleppende Handeln der Beschwerdegegnerin
verletze den Gehörsanspruch und widerspreche Treu und Glauben (act. 1,
Rz. 4 ff.).
Vorab ist festzuhalten, dass der Umstand, wonach dem Beschwerdeführer 4
vor Ablauf der Beschwerdefrist nur noch wenig Zeit für das Verfassen der
Beschwerde verblieben ist, nicht der Beschwerdegegnerin zur Last gelegt
werden kann. Vielmehr hat der Beschwerdeführer 4 selbst erst kurz vor Ab-
lauf der Beschwerdefrist Akteneinsicht verlangt. Im Übrigen hat sich die ge-
rügte Gehörsverletzung nicht negativ ausgewirkt, konnte der Beschwerde-
führer 4 doch fristgerecht eine umfassende Beschwerdeschrift einreichen.
Ferner hatte der Beschwerdeführer 4 die Möglichkeit, sich in der Beschwer-
dereplik nochmals zu den fraglichen Punkten zu äussern. Das rechtliche Ge-
hör des Beschwerdeführers 4 wurde somit nicht verletzt.
- 8 -
4.
4.1 Der Beschwerdeführer 4 macht diverse Mängel des Rechtshilfeersuchens
geltend. So rügt er die unrichtige und lückenhafte Darstellung des Sachver-
halts (act. 1, Rz. 10 ff.). Den Anforderungen von Art. 14 Ziff. 1 lit. b und Ziff. 2
EUeR bzw. Art. 28 Abs. 3 lit. a IRSG sei nicht nachgekommen (act. 1,
Rz. 11).
4.2 Das Ersuchen muss die strafbare Handlung bezeichnen und eine kurze Dar-
stellung des Sachverhalts enthalten (Art. 14 Ziff. 2 EUeR). Art. 28 Abs. 2
und 3 IRSG i.V.m. Art. 10 IRSV stellen entsprechende Anforderungen an das
Rechtshilfeersuchen. Diese Angaben müssen der ersuchten Behörde aller-
dings nur die Prüfung erlauben, ob die doppelte Strafbarkeit gegeben ist (vgl.
Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR), ob die Handlungen, wegen denen um Rechtshilfe
ersucht wird, nicht politische oder fiskalische Delikte darstellen (Art. 2 lit. a
EUeR) und ob der Grundsatz der Verhältnismässigkeit gewahrt wird
(BGE 129 II 97 E. 3.1 S. 98 f. m.w.H.).
4.2.1 Die Rechtsprechung stellt an die Schilderung des Sachverhalts im Rechts-
hilfeersuchen im Regelfall keine hohen Anforderungen. Von den Behörden
des ersuchenden Staates kann nicht verlangt werden, dass sie den Sach-
verhalt, der Gegenstand des hängigen Strafverfahrens bildet, bereits lücken-
los und völlig widerspruchsfrei darstellen. Das wäre mit dem Sinn und Zweck
des Rechtshilfeverfahrens nicht vereinbar, ersucht doch ein Staat einen an-
deren gerade deswegen um Unterstützung, damit er die bisher im Dunkeln
gebliebenen Punkte aufgrund von Beweismitteln, die sich im ersuchten Staat
befinden, klären kann. Es kann auch nicht verlangt werden, dass die ersu-
chende Behörde die Tatvorwürfe bereits abschliessend mit Beweisen belegt.
Der Rechtshilferichter hat weder Tat- noch Schuldfragen zu prüfen und
grundsätzlich auch keine Beweiswürdigung vorzunehmen, sondern ist viel-
mehr an die Sachdarstellung im Ersuchen gebunden, soweit sie nicht durch
offensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet wird
(BGE 142 IV 250 E. 6.3; 136 IV 4 E. 4.1; 133 IV 76 E. 2.2; TPF 2011 194
E. 2.1 S. 196).
4.2.2 Liegt einem Rechtshilfeersuchen jedoch der Verdacht zugrunde, der Be-
schuldigte habe sich eines Abgabebetrugs im Bereich der direkten Steuern
schuldig gemacht, gelten erhöhte Anforderungen bezüglich des geltend zu
machenden Tatverdachts. Zwar haben sich die Schweizer Behörden auch in
diesen Fällen nicht darüber auszusprechen, ob die im Sachverhalt aufge-
führten Tatsachen zutreffen oder nicht, jedoch verlangt die Rechtsprechung,
dass hinreichende Verdachtsmomente für den im Rechtshilfeersuchen ent-
haltenen Sachverhalt bestehen. Damit soll verhindert werden, dass sich die
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ersuchende Behörde unter dem Deckmantel eines von ihr ohne Vorhanden-
sein von Verdachtsmomenten lediglich behaupteten Abgabebetrugs Be-
weise verschafft, die zur Ahndung anderer Fiskaldelikte dienen sollen, für
welche die Schweiz gemäss Art. 3 Abs. 3 IRSG keine Rechtshilfe gewährt
(BGE 125 II 250 E. 5b S. 257; Urteil des Bundesgerichts 2C_269/2013 vom
5. Juli 2013, E. 9.5; TPF 2007 150 E. 3.2.4 S. 152 f.; vgl. dazu TPF 2015 110
E. 5.2.4 S. 115 m.w.H.).
4.3 Dem Rechtshilfeersuchen vom 8. Juni 2015 liegt folgender Sachverhalt zu
Grunde (Rechtshilfeakten, act. 2):
Die belgischen Behörden vermuten, der Beschwerdeführer 4 sei neben sei-
ner offiziellen Tätigkeit im Bereich des Konsumgüter-Parallelimports auch im
Finanzsektor tätig gewesen und habe dabei insbesondere in grossem Stil
internationale Bank- und Geldtransaktionen gefördert. Diese beiden Tätig-
keiten habe der Beschwerdeführer 4 persönlich aus den Räumlichkeiten der
J. BVBA in Gent entfaltet. Es bestehe der Verdacht, dass der Beschwerde-
führer 4 ausländische Strukturen und Personen genutzt habe, um die aus
seinen Aktivitäten entstandenen Einkünfte illegal ins Ausland zu transferie-
ren und damit Gewinne an Orten mit kleiner oder geringer Steuerbelastung
auszuweisen, obwohl die Gewinne effektiv in Belgien realisiert worden seien.
Auf diese Weise habe er einen schweren Steuerbetrug mit internationaler
Ausprägung begangen. Ferner bestünden Anhaltspunkte, dass der Be-
schwerdeführer 4 mit diesen Strukturen und Personen Erlöse aus einem be-
deutenden und internationalen Betrugsschema gewaschen und überdies
auch Geldwäscherei im Interesse von Dritten betrieben habe.
Das mutmassliche Vorgehen des Beschwerdeführers 4 wird wie folgt präzi-
siert: Die Erlöse seiner beruflichen Tätigkeit seien in einem ersten Schritt auf
die irländische Gesellschaft J. Ltd. und den in Belize domizilierten Gesell-
schaften A. Ltd. und K. Ltd. übertragen worden. Durch die Ermittlungen der
belgischen Behörden habe in Erfahrung gebracht werden können, dass die
J. Ltd. tatsächlich in Gent und nicht in Irland geführt werde. Damit unterliege
sie aus steuerlichen Gesichtspunkten der gleichen Behandlung wie eine in
Belgien domizilierte Gesellschaft. Zudem würden die beiden Offshore-Ge-
sellschaften in Belize unter steuerlichem Aspekt transparente Konstrukte
darstellen, deren Einkünfte direkt dem Beschwerdeführer 4 als wirtschaftlich
Berechtigten zuzurechnen seien.
Ein Teil der Erträge der J. Ltd. sei an die in Gibraltar registrierte C. Ltd. –
eine weitere steuerlich transparente Struktur, als deren wirtschaftlich Be-
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rechtigter ebenfalls der Beschwerdeführer 4 vermutet wird – übertragen wor-
den. Die realisierten Einnahmen der C. Ltd. seien direkt dem Beschwerde-
führer 4 zuteil geworden. Alsdann vermuten die belgischen Behörden, dass
es sich bei der C. Ltd. um ein Gefüge zur Geldwäscherei handle. Ein anderer
Teil der Vermögenswerte der J. Ltd. sei direkt auf Schweizer Konten trans-
feriert worden, bei welchen angenommen wird, dass der Beschwerdeführer
4 der Inhaber sei.
Die von der A. Ltd. und der K. Ltd. generierten Erträge seien teilweise als
«fees» auf die britische Gesellschaft L. LLP und von dort wiederum als
«fees» zurück auf die belgische J. BVBA übertragen worden, bevor sie in der
Folge an den Beschwerdeführer 4 und seine Lebenspartnerin ausbezahlt
bzw. für den Kauf von Fahrzeugen verwendet wurden, welche anschliessend
dem Beschwerdeführer 4 und seiner Lebenspartnerin zur Verfügung gestellt
worden seien. Gemäss den belgischen Behörden handle es sich auch bei
der L. LLP um eine Struktur zur Geldwäscherei.
4.4 Diese Sachverhaltsdarstellung vermag den gesetzlichen Anforderungen von
Art. 14 Ziff. 1 lit. b und Ziff. 2 EUeR bzw. Art. 28 Abs. 3 lit. a IRSG sowie der
diesbezüglichen oben erwähnten Rechtsprechung (vgl. supra E. 4.2) zu ge-
nügen und ist weder mit offensichtlichen Fehlern noch mit Lücken oder Wi-
dersprüchen behaftet.
Der im Rechtshilfeersuchen dargelegte Sachverhalt vermag auch den ge-
mäss Rechtsprechung erhöhten Anforderungen an den Verdachtsmoment
zu genügen. Das Rechtshilfeersuchen enthält genaue Angaben über den
mutmasslichen Geldfluss und listet vermutete Zahlungen zwischen den ver-
schiedenen Gesellschaften untereinander und auch an den Beschwerdefüh-
rer 4 auf (Rechtshilfeakten, act. 2, Blatt 6 f.). Ferner können die belgischen
Behörden konkrete Angaben zu den betroffenen Bankkonten meist mit
Konto- oder IBAN-Nummer nennen (Rechtshilfeakten, act. 2, Blatt 9 ff.).
Diese Indizien erhärten die Angaben im Ersuchen und begründen einen hin-
reichenden Verdacht der dem Beschwerdeführer 4 angelasteten Straftaten.
Auch die Einwände des Beschwerdeführers 4 vermögen die schlüssigen
Ausführungen im Rechtshilfeersuchen nicht zu entkräften: Er bringt vor, es
sei nicht aktenkundig, dass die J. Ltd. von Belgien aus geleitet werde und
damit würde es mangels eines örtlichen Anknüpfungspunktes in Belgien dem
ganzen Ersuchen an der Basis fehlen (act. 1, Rz. 11 f.). Mit diesem Einwand
übersieht der Beschwerdeführer 4, dass auch bei einem vermuteten Abga-
bebetrug von der ersuchenden Behörde nicht ein strikter Beweis des Tatbe-
standes verlangt werden kann, wäre diese doch hierzu oftmals gar nicht in
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der Lage, da sie wichtiges die Beschuldigten belastendes oder auch entlas-
tendes Beweismaterial erst auf dem Rechtshilfeweg erlangen kann (vgl.
BGE 116 Ib 96 E. 4c S.103).
Des Weiteren bringt der Beschwerdeführer 4 vor, nicht er sei der wirtschaft-
lich Berechtigte der J. Ltd., sondern ein russischer Staatsbürger namens M.
(act. 1, Rz. 13). Bei dieser Darlegung des Beschwerdeführers 4 handelt es
sich um eine im Rechtshilfeverfahren unzulässige eigene Darstellung des
Sachverhaltes, auf die nicht weiter einzugehen ist (Entscheide des Bun-
desstrafgerichts RR.2016.170 vom 25. Januar 2017, E. 4; RR.2013.254 vom
19. Dezember 2013, E. 4.5; RR.2012.175 vom 7. März 2013, E. 7.3).
4.5 Nicht stichhaltig ist auch der Vorwurf des Beschwerdeführers 4, die ersu-
chende Behörde habe zur Begründung der beidseitigen Strafbarkeit einen
Vorgang erfunden (act. 1, Rz. 10). So macht er geltend, die im Ersuchen
erwähnte, an ihn erfolgte Vergütung von EUR 1 Mio. vom 11. März 2003 sei
eine blosse Erfindung, was aufgrund der bei der Bank F. edierten Unterlagen
festzustellen sei (act. 1, Rz. 16). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass im Er-
suchen nicht ausgeführt wird, die fragliche Zahlung sei auf dem Konto des
Beschwerdeführers 4 bei der Bank F. gutgeschrieben worden (Rechtshilfe-
akten, act. 2, Blatt 7). Vielmehr werden eingangs des Ersuchens auch noch
weitere Konten des Beschwerdeführers 4 bei verschiedenen Banken in der
Schweiz und in Belgien erwähnt (Rechtshilfeakten, act. 2, Blatt 2).
Somit ist dieses Gericht an den im Ersuchen wiedergegebenen Sachverhalt
gebunden. Sämtliche diesbezügliche Rügen des Beschwerdeführers 4 er-
weisen sich als unbegründet.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer 4 führt sodann aus, die beidseitige Strafbarkeit sei
nicht gegeben. Das ihm zur Last gelegte Verhalten erfülle mangels Arglist
den Tatbestand des Abgabebetrugs nach Art. 14 Abs. 2 VStrR nicht (act. 1,
Rz. 18).
5.2 Die Vertragsparteien des EUeR können sich das Recht vorbehalten, die Er-
ledigung von Ersuchen um Durchsuchung oder Beschlagnahme der Bedin-
gung zu unterwerfen, dass die dem Ersuchen zugrunde liegende strafbare
Handlung sowohl nach dem Recht des ersuchenden als auch nach dem des
ersuchten Staates strafbar ist (Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR). Die Schweiz hat für
die Durchführung prozessualer Zwangsmassnahmen eine entsprechende
Erklärung angebracht. Art. 64 Abs. 1 IRSG bestimmt (für die akzessorische
- 12 -
Rechtshilfe), dass prozessuale Zwangsmassnahmen nur angewendet wer-
den dürfen, wenn aus der Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen hervor-
geht, dass die im Ausland verfolgte Handlung die objektiven Merkmale eines
nach schweizerischem Recht strafbaren Tatbestandes aufweist.
5.3 Für die Frage der beidseitigen Strafbarkeit nach schweizerischem Recht ist
der im Ersuchen dargelegte Sachverhalt so zu subsumieren, wie wenn die
Schweiz wegen des gleichen Sachverhalts ein Strafverfahren eingeleitet
hätte (BGE 142 IV 250 E. 5.2; 132 II 81 E. 2.7.2 S. 90; 129 II 462 E. 4.4). Er
muss dabei die objektiven Tatbestandsmerkmale einer Strafbestimmung des
schweizerischen Rechts erfüllen. Bei der Beurteilung der beidseitigen Straf-
barkeit beschränkt sich der Rechtshilferichter auf eine Prüfung prima facie
(BGE 142 IV 250 E. 5.2 m.w.H.).
5.4 Die ausländischen Strafbehörden ermitteln vorliegend wegen Betrugs im Be-
reich direkter Steuern und Geldwäscherei. Zur Untersuchung der Frage, ob
ausreichend Anhaltspunkte für eine rechtshilfefähige Straftat vorliegen, hat
der Rechtshilferichter die Sachverhaltsschilderung mit Blick auf diese kon-
kreten Straftaten zu würdigen.
5.4.1 Art. 3 Abs. 3 IRSG sieht im Einklang mit Art. 2 lit. a EUeR vor, dass Rechts-
hilfeersuchen abzulehnen sind, wenn der Gegenstand des Verfahrens eine
Tat bildet, die auf eine Verkürzung fiskalischer Abgaben gerichtet ist. Jedoch
kann einem Ersuchen um Rechtshilfe nach dem dritten Teil des Gesetzes
(andere Rechtshilfe) entsprochen werden, wenn das Verfahren einen Abga-
bebetrug betrifft. In diesem Fall besteht trotz des Wortlauts des Gesetzes
(Kann-Vorschrift) eine Pflicht zur Rechtshilfeleistung, wenn die übrigen Vo-
raussetzungen dafür erfüllt sind (BGE 125 II 250 E. 2 S. 252).
5.4.2 Gemäss Art. 24 Abs. 1 IRSV bestimmt sich der Begriff des Abgabebetruges
im Sinne von Art. 3 Abs. 3 IRSG nach Art. 14 Abs. 2 VStrR. Danach liegt ein
Abgabebetrug vor, wenn der Täter durch sein arglistiges Verhalten bewirkt,
dass dem Gemeinwesen unrechtmässig und in einem erheblichen Betrag
eine Abgabe, ein Beitrag oder eine andere Leistung vorenthalten oder dass
es sonst am Vermögen geschädigt wird. Ob eine Tat als Abgabebetrug zu
qualifizieren ist, beurteilt sich allein nach den erwähnten Grundsätzen des
schweizerischen Rechts. Es ist unerheblich, ob das fragliche Verhalten nach
dem Recht des ersuchenden Staates ebenfalls als Abgabebetrug gilt oder
ob es als Steuerhinterziehung geahndet wird (BGE 125 II 250 E. 3b S. 252 f.;
vgl. zum Ganzen auch TPF 2015 110 E. 5.2.3 S. 113 f.).
https://www.swisslex.ch/AssetDetail.mvc/Show?assetGuid=090a3643-8acf-46cf-b4a2-2acb92730b7b#cons_2_7_2 http://links.weblaw.ch/BGE-132-II-81
- 13 -
5.4.3 Der Arglistbegriff von Art. 14 Abs. 2 VStrR orientiert sich grundsätzlich an
der Rechtsprechung zum gemeinrechtlichen Betrugstatbestand gemäss
Art. 146 StGB (TPF 2015 110 E. 5.2.3 S. 114 m.w.H.). Nach der bundesge-
richtlichen Praxis setzt Abgabebetrug nicht notwendigerweise die Verwen-
dung falscher oder verfälschter Urkunden voraus. Zwar seien für die An-
nahme von Arglist immer besondere Machenschaften, Kniffe oder ganze Lü-
gengebäude erforderlich. Unter gewissen Umständen könnten aber auch
blosse Falschangaben oder sogar blosses Schweigen arglistig sein, wenn
der Täuschende den Getäuschten von einer möglichen Überprüfung abhält
oder voraussieht, dass dieser mit Rücksicht auf ein besonderes Vertrauens-
verhältnis von einer Überprüfung absehen wird (BGE 125 II 250 E. 3b S. 252,
E. 5a; 115 Ib 68 E. 3a/bb S. 77, je mit Hinweisen).
Bezogen auf den Abgabebetrug ist es Sache der um Rechtshilfe ersuchen-
den ausländischen Behörde, in ihrem Ersuchen die Umstände darzulegen,
aus welchen sich ergeben soll, dass der Beschuldigte arglistig gehandelt hat
(BGE 125 II 250 E. 5b S. 257 f.).
5.5 Im Rechtshilfeersuchen beschreiben die belgischen Behörden eine Finanz-
struktur mit äusserst ausgeklügeltem Charakter (vgl. die ausführliche Darle-
gung des Sachverhalts supra E. 4.3). Der Beschwerdeführer 4 habe die
durch seine berufliche Tätigkeit in Belgien erwirtschafteten Einkünfte ver-
schleiert, indem sie durch diverse ausländische Gesellschaften ausgewiesen
worden seien, um damit den Anschein zu erwecken, die Einkünfte seien im
Ausland erzielt worden, während sie der Beschwerdeführer 4 effektiv aus-
schliesslich in Belgien realisiert habe. Darüber hinaus sei ein Teil der durch
diese Offshore-Gesellschaften erwirtschafteten Beträge an weitere Gesell-
schaften, bei welchen überdies der Verdacht bestehe, dass es sich um Geld-
wäscherei-Vehikel handle, übertragen worden, bevor sie wiederum direkt
oder mit einem Umweg über die J. BVBA an den Beschwerdeführer 4 aus-
bezahlt worden seien.
Der im Sachverhalt geschilderte Geldfluss zeigt eine ungewöhnliche Finanz-
struktur, welche, ohne erkennbaren wirtschaftlichen Sinn, vermutlich einzig
der Verschleierung der transferierten Vermögenswerte dient. Bei Steuerum-
gehungsmethoden wie der vorliegenden ist bezogen auf den Abgabebetrug
die Rechtsprechung zu beachten, dass besondere Machenschaften und da-
mit ein arglistiges Verhalten insbesondere dann zu bejahen sind, wenn eine
Domizilgesellschaft einzig zum Zwecke gegründet wird, die steuerrechtlich
relevanten Verhältnisse zu verschleiern und die Steuerbehörde zu täuschen,
soweit die Täuschung für diese nur schwer durchschaubar ist (BGE 139 II
404 E. 9.4 S. 435 m.w.H.). Wie der Beschwerdeführer 4 zutreffend ausführt
- 14 -
(act. 1, Rz. 18), erfüllt jedoch die (einfache) Lüge durch Nichtdeklaration
eines Einkommens und die auf Nachfrage der Steuerbehörde abgegebene
Wiederholung dieser Lüge die Anforderungen an die arglistige Täuschung
nicht. Dagegen ist vielmehr entscheidend, was der Steuerpflichtige im Hin-
tergrund bereits vorgekehrt hat, um die Überprüfung seiner Deklaration zu
erschweren oder gar zu verhindern. Im Bereich der internationalen Rechts-
hilfe betreffend Steuerdelikte gilt, dass Steuereinsparungs- bzw. Steuerver-
meidungsstrategien, welche sich auf die Ausschöpfung legaler Instrumente
des Gesellschafts- und Fiskalrechts beschränken, dann als strafbare arglis-
tige Täuschungsmethoden zu qualifizieren sind, wenn täuschende Vorkeh-
ren hinzutreten, die von der Fiskalbehörde – bei einer Gesamtwürdigung der
fraglichen Steuerumgehungsmethode – nur schwer durchschaut werden
können (BGE 139 II 404 E. 9.4 S. 435 f. m.w.H.; TPF 2015 110 E. 5.4.2
S. 117 f.; TPF 2008 128 E. 5.8 S. 133 f.).
Im Rechtshilfeersuchen Belgiens werden solche zusätzlich hinzutretende
Täuschungselemente umschrieben. Der Beschwerdeführer 4 habe nicht nur
tatsächlich in Belgien realisierte Gewinne den Steuerbehörden nicht ange-
geben, sondern die realisierten Gewinne sollen zusätzlich über diverse aus-
ländische Gesellschaften weitertransferiert worden sein, bis sie am Ende
wieder zum Beschwerdeführer 4 zurückgeflossen seien. Es wurden damit
ohne erkennbaren wirtschaftlichen Sinn nicht nur eine, sondern gleich meh-
rere ausländische Gesellschaften in unterschiedlichen Destinationen als Ve-
hikel dazwischengeschaltet, wodurch der Geldfluss verschleiert wurde. Da-
mit hat der Beschwerdeführer 4 neben seiner Nichtdeklaration von Einkom-
men im Hintergrund komplexe Massnahmen getroffen, um eine Überprüfung
durch die belgischen Behörden zu erschweren.
Bei objektiver Würdigung sämtlicher Umstände waren die ausgeklügelten
Vorkehren des Beschwerdeführers 4 für die belgischen Behörden nur
schwer durchschaubar. Das Vorgehen des Beschwerdeführers 4 weist damit
einen raffinierten Charakter im Sinne der oben erwähnten Rechtsprechung
auf. An diesem Ergebnis kann auch der Einwand des Beschwerdeführers 4,
dass die blosse Einrichtung von steuerprivilegierten Domizilgesellschaften
und Steuervermeidungsstrategien legale Instrumente des Gesellschafts-
und Steuerrechts seien (act. 1, Rz. 18), nichts ändern, da auch legale und
vom Gesetzgeber gewollte steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten eine
rechtswidrige Verwendung finden können.
5.6 Zusammengefasst kann somit festgestellt werden, dass der im Rechtshil-
feersuchen geschilderte Sachverhalt darlegt, inwiefern der Beschwerdefüh-
- 15 -
rer 4 arglistig gehandelt hat. Damit erlaubt er eine Subsumtion des Sachver-
halts unter den Tatbestand des Abgabebetrugs. Vermutungsweise hat der
Beschwerdeführer 4 als Steuerpflichtiger mit seinem arglistigen Verhalten
der belgischen Steuerbehörde Steuergelder in der Höhe von mind. EUR 2
Mio. vorenthalten (Rechtshilfeakten, act. 2, Blatt 6), wodurch diese eine Ver-
mögensschädigung in einem erheblichen Betrag erlitt. Das Erfordernis der
doppelten Strafbarkeit ist damit erfüllt.
6.
6.1 Des Weiteren rügt der Beschwerdeführer 4, es handle sich beim vorliegen-
den Rechtshilfeersuchen um eine «fishing expedition». Im Rechtshilfeersu-
chen sei eine Transaktion vom 11. März 2003 von einer Million EUR von der
J. Ltd. an den Beschwerdeführer 4 aufgeführt. Es handle sich um eine
Falschangabe im Rechtshilfeersuchen, was aufgrund der bei der Bank F.
edierten Bankunterlagen feststellbar sei. Die Herausgabe der Unterlagen der
Bank F. zu den Konten des Beschwerdeführers 4 sei deshalb unzulässig
(act. 1, Rz. 16). Damit macht der Beschwerdeführer 4 auch eine Verletzung
des Verhältnismässigkeitsprinzips geltend.
6.2 Rechtshilfemassnahmen haben generell dem Prinzip der Verhältnismässig-
keit zu genügen (siehe statt vieler den Entscheid des Bundesstrafgerichts
RR.2011.193 vom 9. Juli 2012, E. 8.2). Die internationale Zusammenarbeit
kann nur abgelehnt werden, wenn die verlangten Unterlagen mit der verfolg-
ten Straftat in keinem Zusammenhang stehen und offensichtlich ungeeignet
sind, die Untersuchung voranzutreiben, so dass das Ersuchen nur als Vor-
wand für eine unzulässige Beweisausforschung («fishing expedition») er-
scheint (BGE 142 II 161 E. 2.1.2 S. 166 f.; 139 II 404 E. 7.2.2 S. 424; 136 IV
82 E. 4.1 S. 85). Ob die verlangten Auskünfte für das Strafverfahren im er-
suchenden Staat nötig oder nützlich sind, ist eine Frage, deren Beantwor-
tung grundsätzlich dem Ermessen der Behörden dieses Staates anheimge-
stellt ist. Da der ersuchte Staat im Allgemeinen nicht über die Mittel verfügt,
die es ihm erlauben würden, sich über die Zweckmässigkeit bestimmter Be-
weise im ausländischen Verfahren auszusprechen, hat er insoweit die Wür-
digung der mit der Untersuchung befassten Behörde nicht durch seine ei-
gene zu ersetzen und ist verpflichtet, dem ersuchenden Staat alle diejenigen
Aktenstücke zu übermitteln, die sich auf den im Rechtshilfeersuchen darge-
legten Sachverhalt beziehen können; nicht zu übermitteln sind nur diejenigen
Akten, die für das ausländische Strafverfahren mit Sicherheit nicht erheblich
sind (sog. potentielle Erheblichkeit; BGE 136 IV 82 E. 4.4 S. 86; 134 II 318
E. 6.4; 128 II 407 E. 6.3.1 S. 423; TPF 2009 161 E. 5.1 S. 163 m.w.H.). Hier-
- 16 -
bei ist zu beachten, dass für das ausländische Strafverfahren nicht nur be-
lastende, sondern auch entlastende Beweismittel von Bedeutung sein kön-
nen (TPF 2011 97 E. 5.1 S. 106 m.w.H.).
6.3 Die belgischen Behörden bezwecken mit ihrem Rechtshilfeersuchen insbe-
sondere das Ausfindigmachen der mutmasslich inkriminierten Gelder bzw.
deren Geldflüsse. In Anbetracht des im Rechtshilfeersuchen umschriebe-
nen, für den Rechtshilferichter bindenden Sachverhalts, ist die potentielle Er-
heblichkeit der ersuchten Unterlagen für das belgische Strafverfahren au-
genscheinlich: Mit den fraglichen Bankunterlagen können die Transaktionen
auf deren Deliktszusammenhang überprüft werden. Die anbegehrte Mass-
nahme erweist sich zudem als verhältnismässig, da der Geldfluss nur auf-
grund der angeforderten Bankunterlagen zu rekonstruieren ist. Eine unzu-
lässige Beweisausforschung seitens der belgischen Behörden ist somit nicht
erkennbar. Sollte mit den fraglichen Dokumenten möglicherweise bewiesen
werden können, dass sich der Verdacht der belgischen Behörden als falsch
erweise – wie dies der Beschwerdeführer 4 ausführt (act. 1, Rz. 16) – würde
auch dieser Umstand einer Übermittlung der Dokumente nicht entgegenste-
hen, weil gerade auch entlastende Beweismittel für das ausländische Straf-
verfahren von entscheidender Bedeutung sein können.
Das Rechtshilfeersuchen stellt keine «fishing expedition» dar. Die Heraus-
gabe der in Frage stehenden Kontounterlagen der Bank F. an die ersu-
chende Behörde verletzt das Prinzip der Verhältnismässigkeit nicht.
7. Da gemäss den oben stehenden Erwägungen ein Abgabebetrug im Sinne
des Art. 3 Abs. 3 lit. a IRSG i.V.m Art. 14 Abs. 2 VStrR vorliegt, ist dem Er-
suchen um Rechtshilfe auch hinsichtlich der direkten Steuern zu entspre-
chen. Aus diesem Grund besteht kein Grund, den belgischen Behörden ei-
nen ausdrücklichen Spezialitätsvorbehalt aufzuerlegen, welcher über den
bereits angebrachten Spezialitätsvorbehalt in der angefochtenen Schluss-
verfügung hinausgeht. Der diesbezügliche Subeventualantrag des Be-
schwerdeführers 4 ist deshalb abzuweisen (vgl. act. 1, Rz. 19).
8. Die Beschwerde erweist sich nach dem Gesagten in all ihren Punkten als
unbegründet. Andere Hindernisse, welche der zu gewährenden Rechtshilfe
entgegenstehen würden, sind nicht ersichtlich. Die Beschwerde des Be-
schwerdeführers 4 ist daher vollumfänglich abzuweisen.
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9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten den unterlie-
genden Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Ge-
richtsgebühr ist auf Fr. 2'500.– festzusetzen (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m.
Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bun-
desstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Ent-
schädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]), unter An-
rechnung des geleisteten Kostenvorschusses in derselben Höhe (siehe
act. 3 und 6).
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