Decision ID: 33af771e-c9b2-41ba-afe4-e16b47862691
Year: 2020
Language: de
Court: BE_SRK
Chamber: BE_SRK_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

hat die Steuerrekurskommission den Akten entnommen:
A. Der 1973 geborene und ledige A._ (Rekurrent) ist Alleineigentümer der Liegenschaft C._ Gbbl. Nr. _ und hat insgesamt vier Kinder aus zwei
Beziehungen (u.a. zwei mit der in D._ wohnhaften E._ [ZPV-Nr. _]).
In seiner Steuererklärung für das Jahr 2018 deklarierte er auf dem Formular 2 keine Einkünfte.
Am 5. November 2019 veranlagte die Steuerverwaltung des Kantons Bern, _
(Steuerverwaltung), den Rekurrenten für das Steuerjahr 2018 in Abweichung von dessen
Selbstdeklaration auf ein steuerbares Einkommen von CHF 96'500.-- bei den Kantons- und
Gemeindesteuern bzw. von CHF 107'900.-- bei der direkten Bundessteuer. Die Abweichung
beruhte im Wesentlichen auf einer Einkommensaufrechnung von CHF 100'000.--, welche sich
aus einer Vergleichsberechnung von Vermögensentwicklung und Lebensaufwand ergab, da
trotz Belegeinforderung keine entsprechenden Unterlagen eingereicht wurden.
B. Gegen die Veranlagungsverfügungen vom 5. November 2019 erhob der Rekurrent am 11. November 2019 Einsprachen. Er führte aus, er habe bereits mehrmals schriftlich mitgeteilt,
dass er weder Krankentaggeld noch anderes Einkommen erhalten habe, weshalb er keine
Belege einreichen könne. Auch sei das IV-Verfahren noch hängig. Mit Schreiben vom
11. Dezember 2019 und 21. Januar 2020 forderte die Steuerverwaltung den Rekurrenten auf,
den Nachweis der Finanzierung der Lebenshaltungskosten für das Jahr 2018, die detaillierte
Aufstellung der deklarierten offenen Rechnungen von CHF 120'000.-- sowie den Nachweis bzw.
die Aufstellung über die verjährten Rechnungen einzureichen. Der Rekurrent reichte eine
Aufstellung vom 21. Januar 2020 ein, worin jährlich fällige Rechnungen in der Höhe von rund
CHF 40'000.-- aufgelistet waren, es fehlten jedoch weiterhin Unterlagen für eine plausible
Finanzierung. Mit Schreiben vom 4. März 2020 wurde der Rekurrent zu einer persönlichen
Besprechung mit der Steuerverwaltung eingeladen. Hierbei hätte er die Gelegenheit gehabt, die
Schuldenrückzahlung von CHF 60'000.--, die Bezahlung der Hypothekarzinsen,
Grundstückkosten, Krankenkassenprämien sowie Lebenshaltungskosten nachzuweisen, die mit
CHF Null deklariertem Einkommen nicht finanziert werden konnten. Diese Möglichkeit nahm der
Rekurrent nicht wahr. Dies mit der Begründung, dass er zu den Risikopatienten für das
Coronavirus gehöre. Mit E-Mail vom 22. April 2020 reichte er eine Zinssatzanzeige der UBS
vom 31. Oktober 2019 ein. Da auch im Einspracheverfahren trotz mehrmaligen Aufforderungen
die geforderten Nachweise nicht eingereicht wurden, wurden die Einsprachen letztlich mit
Einspracheentscheiden vom 9. Juni 2020 von der Steuerverwaltung abgewiesen. Hierbei führte
die Steuerverwaltung aus, dass die eingereichte Zinssatzanzeige vom 31. Oktober 2019 nicht
als Beweismittel diene, dass E._ alles bezahlt habe.
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C. Gegen die Einspracheentscheide hat der Rekurrent mit Eingabe vom 5. Juni 2020, ergänzt mit Schreiben vom 26. Juni 2020, bei der Steuerrekurskommission des Kantons Bern
(Steuerrekurskommission) Rekurs und sinngemäss Beschwerde erhoben und beantragt darin,
die Einspracheentscheide seien aufzuheben und das Einkommen auf CHF Null festzusetzen.
Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus, dass er kein Einkommen habe, da er sich in
einer IV-Abklärung befinde. Ohne Einkommen könne er keine Einkommensbelege einreichen
und auch keine Steuern in der Höhe von CHF 23'000.-- bezahlen. Sämtliche Kosten (Hypothek,
Versicherungen, Unterhalt etc.) im Zusammenhang mit seiner Liegenschaft C._ Gbbl.
Nr. _ werde von E._ bezahlt, weshalb er ihr gegenüber immer mehr Schulden
anhäufe. Die Schulden von CHF 60'000.-- habe er nicht mehr in der Steuererklärung deklariert,
da einige verjährt seien und somit nicht mehr eingefordert werden könnten und nicht, wie die
Steuerverwaltung meine, zurückbezahlt worden seien. Er hat überdies zwei
Zahlungsbestätigungen von E._ vom 3. Juni 2020 und 24. Juni 2020 sowie diverse
Kontoauszüge und Rechnungen eingereicht.
D. Die Steuerverwaltung hat sich mit Schreiben vom 15. Juli 2020 vernehmen lassen. Sie beantragt die kostenfällige Abweisung von Rekurs und Beschwerde. In ihrer Begründung führt
sie zusammengefasst aus, dass grosse Zweifel an der "Einkommenslosigkeit" des Rekurrenten
beständen. Neben dem fehlenden Nachweis über die Finanzierung der Lebenshaltungskosten
stehe die Vermutung im Raum, dass auch im fraglichen Jahr 2018 mehrere Fahrzeuge und
Motorräder, die nicht als Vermögenswerte deklariert worden seien, auf den Rekurrenten
eingelöst gewesen seien. Bei bescheidenen bzw. knappen Finanzen werfe zudem die (Nicht-
)Nutzung der eigenen Liegenschaft Fragen auf. Selbstverständlich sei es jedem Bürger selber
überlassen, wie er seine Vermögenswerte nutze. Entscheidend und in diesem Fall zu beurteilen
sei die steuerliche Einkommens- und Vermögensdeklaration und deren Finanzierung. Die
erhaltenen Antworten dienten nicht der Transparenz, sondern bestätigten die fehlenden
Informationen durch den Rekurrenten.
E. Der Rekurrent hat Gelegenheit erhalten, dazu Stellung zu nehmen, wovon er mit Schreiben vom 23. Juli 2020 Gebrauch gemacht hat.
F. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
Auf die Ausführungen in den verschiedenen Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.
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Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermögensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw.
Beschwerde angefochten werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG
661.11] und Art. 140 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte
Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den
Vollzug der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Der Rekurrent ist im vorinstanzlichen Verfahren mit
seinen Anträgen nicht durchgedrungen. Er ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt (Art.
195 Abs. 2 StG und Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes vom
23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]). Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Eingabe ist deshalb einzutreten.
Die vorliegende Streitsache wird von der Steuerrekurskommission in Dreierbesetzung beurteilt,
da der Streitwert über CHF 10'000.-- liegt (Art. 70 Abs. 3 und Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG;
BSG 161.1]).
2. Streitig ist vorliegend die durch die Steuerverwaltung vorgenommene ermessensweise Aufrechnung des steuerbaren Einkommens des Rekurrenten von CHF 100'000.--.
3. Hat die steuerpflichtige Person trotz Mahnung ihre Verfahrenspflichten nicht erfüllt oder können die Steuerfaktoren mangels zuverlässiger Unterlagen nicht einwandfrei ermittelt
werden, so nimmt die kantonale Steuerverwaltung die Veranlagung nach pflichtgemässem
Ermessen vor (Art. 174 Abs. 2 Satz 1 StG; Art. 130 Abs. 2 Satz 1 DBG). Anlass zu einer
Ermessensveranlagung bietet jede nicht zu beseitigende Ungewissheit im Sachverhalt, welche
es der Veranlagungsbehörde verunmöglicht, die Steuerfaktoren oder Teile davon einwandfrei
zu ermitteln. Die Ungewissheit über den massgebenden Sachverhalt kann, muss aber nicht auf
einer
Nicht- bzw. Schlechterfüllung von Verfahrenspflichten beruhen (VGE 100 2014 119/120 vom
30.10.2014, E. 2.2, mit Hinweisen). Die Ermessensveranlagung erstreckt sich dabei lediglich
auf jene Steuerfaktoren oder Teile davon, die von den ungewissen tatsächlichen Verhältnissen
betroffen sind (Zweifel/Hunziker in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundes-
gesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl., 2017, N. 50 zu Art. 130 DBG). Ferner
besteht sie in einer Schätzung der Steuerfaktoren oder einzelner Einkommensbestandteile und
beruht auf einer Sachverhaltsfeststellung durch Wahrscheinlichkeitsschluss. Ziel der
ermessensweisen Schätzung ist die bestmögliche Annährung an den wirklichen Sachverhalt
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(VGE 100 2014 119/120 vom 30.10.2014, E. 2.3, mit Hinweisen). Die kantonale
Steuerverwaltung kann dabei Erfahrungszahlen, Vermögensentwicklung und Lebensaufwand
der steuerpflichtigen Person berücksichtigen (Art. 174 Abs. 2 StG bzw. Art. 130 Abs. 2 DBG).
Eine solche Ermessensveranlagung wird beispielsweise vorgenommen, wenn das deklarierte
und belegte steuerbare Einkommen in nicht erklärbarer Weise niedriger ist als der Aufwand der
daraus lebenden Personen (Zweifel/Hunziker, a.a.O., N. 42 zu Art. 130 DBG). Dies wird in der
Praxis mit Hilfe der sogenannten Vermögensvergleichsberechnung festgestellt. Dabei wird
untersucht, ob das in der Steuererklärung deklarierte Einkommen ausreicht, um unter
Berücksichtigung der Vermögensveränderung gegenüber dem Vorjahr den geschätzten
Lebens- und Privataufwand zu decken (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar
zum DBG, 3. Aufl., 2016, N. 70 f. zu Art. 130 DBG). Wenn dies nicht der Fall ist, wird das
Einkommen um einen entsprechenden Ermessenszuschlag erhöht. Der Lebensaufwand ist
nach dem beruflichen und gesellschaftlichen Stand der steuerpflichtigen Person zu bestimmen
(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 71 zu Art. 130 DBG). Allerdings steht der
steuerpflichtigen Person der Nachweis offen, dass sie besonders sparsam gelebt oder ihren
Lebensunterhalt durch Vermögensverzehr oder steuerfreie Einkünfte bestritten hat
(VGE 100 2013 363/364 vom 22.12.2014, E. 2.3; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 71
zu Art. 130 DBG).
3.1 Die Steuerverwaltung berücksichtigt bei der Vermögensvergleichsberechnung von Amtes wegen alle Unterlagen, die ihr zur Verfügung stehen, um den tatsächlichen Verhältnissen
möglichst nahe zu kommen. Es ist jedoch Sache der steuerpflichtigen Person, die erforderlichen
Unterlagen beizubringen. Aus der gesetzlichen Mitwirkungspflicht im Steuerveranlagungs- und
Steuerjustizverfahren (Art. 167 StG bzw. Art. 126 DBG) ergibt sich, dass es nicht Aufgabe der
entscheidenden Behörde ist, sich Unterlagen zu beschaffen, welche die Betroffenen selber
besser erhältlich machen können. Die steuerpflichtige Person ist für die Richtigkeit ihrer
Selbstschatzung somit beweispflichtig (vgl. VGE 22939 vom 11.12.2007, E. 2.2, nicht publiziert;
VGE 22060 vom 27.4.2005, E. 4.1, mit weiteren Hinweisen, nicht publiziert). Bei der
Ermessensveranlagung ist weiter von Bedeutung, dass sie nur eingeschränkt, wegen
offensichtlicher Unrichtigkeit, angefochten werden kann (Art. 191 Abs. 3 und 5 StG bzw. Art.
132 Abs. 3 DBG). Diese gegenüber der Einsprache im ordentlichen Verfahren qualifizierte
Anforderung folgt aus der besonderen Natur der Ermessensveranlagung. Weil sich der
betragsmässige Umfang der zu bestimmenden Steuerfaktoren nicht feststellen lässt, ist er zu
schätzen. Die Schätzung beruht notwendigerweise auf Annahmen und Vermutungen. Weil die
Ermessensveranlagung deshalb zwangsläufig gewisse Ungenauigkeiten aufweist, ist die
Möglichkeit, sie anzufechten, entsprechend eingeschränkt. Mithilfe eines umfassenden
Unrichtigkeitsnachweises hat die steuerpflichtige Person die bestehende Ungewissheit
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bezüglich des Sachverhalts zu beseitigen.
Blosse Teilnachweise genügen nicht. In der Begründung der Einsprache ist daher der
Sachverhalt in substanziierter Weise darzulegen, und es sind die Beweismittel für diese
Sachverhaltsdarstellung zu nennen. Es reicht nicht aus, die Einschätzung in pauschaler Weise
zu bestreiten oder lediglich einzelne Positionen der Einschätzung als zu hoch zu bezeichnen
(VGE 100 2014 119/120 vom 30.10.2014, E. 2.4, mit Hinweisen). Offensichtlich unrichtig ist
eine Ermessensveranlagung dann, wenn sie an einem in die Augen springenden, qualifizierten
Fehler leidet. Dies ist der Fall, wenn bei der Schätzung ein wesentlicher erwägenswerter
Gesichtspunkt übergangen oder falsch gewürdigt worden ist oder wenn die Schätzung sachlich
nicht begründbar, insbesondere erkennbar pönal oder fiskalisch motiviert ist, sich auf sach-
widrige Schätzungsgrundlagen, -methoden oder -hilfsmittel stützt oder sonst mit den
aktenkundigen Verhältnissen des Einzelfalls aufgrund der Lebenserfahrung vernünftigerweise
nicht vereinbar ist. Offensichtlich unrichtig ist demzufolge eine Schätzung, welche auf
missbräuchlicher Ausfüllung des Schätzungsspielraums beruht, d.h. willkürlich ist
(vgl. VGE 22641-22644 vom 11.7.2007, in BVR 2008 S. 181 ff. E. 4.3, mit weiteren Hinweisen).
3.2 Nach der im Steuerrecht allgemein geltenden Beweislastregel obliegt der Nachweis für steuermindernd geltend gemachte Abzüge der steuerpflichtigen Person (BGE 133 II 153 E. 4.3;
BGer 2C_154/2009 vom 28.9.2009, E. 5.2, mit Hinweisen). Sie muss die Richtigkeit der
Angaben in der Steuererklärung oder der später vorgebrachten Ergänzungen zur
Steuererklärung beweisen. Allerdings kann von ihr nicht verlangt werden, dass sie eine
negative Tatsache beweist, wie beispielsweise, dass sie neben den deklarierten Einkommen
keine weiteren Einkünfte erzielt hat. Vielmehr obliegt es der Steuerbehörde zu beweisen, dass
weitere, bisher nicht angegebene Einkünfte erzielt worden sind. Wenn die von der
Steuerbehörde erhobenen Beweise genügende Indizien für das Vorhandensein von
zusätzlichen Einkommenselementen ergeben, liegt es erneut an der steuerpflichtigen Person,
ihre diesbezüglichen Vorbringen und Erklärungen nachzuweisen, und sie trägt die Beweislast
für die entsprechenden behaupteten steueraufhebenden Tatsachen (BGer 2C_1201/2012 vom
16.5.2013, E. 4.6, mit Hinweisen).
4. Vorliegend blieben die für die Steuerfaktoren massgebenden Tatsachen der Steuerverwaltung im Einspracheverfahren pro 2018 weiterhin (teilweise) unbekannt und
ermöglichten keine von Ungewissheiten freie Ermittlung des steuerbaren Einkommens. Dies,
obwohl der Rekurrent – wie bereits im Veranlagungsverfahren – mehrmals aufgefordert wurde,
der Steuerverwaltung fehlende Belege einzureichen (pag. 11, 20 f.). Zusätzlich wurde er zu
einer persönlichen Besprechung eingeladen (pag. 16). Der Rekurrent reichte jedoch keine der
geforderten Unterlagen bzw. u.a. keinen Nachweis der Finanzierung der Lebenshaltungskosten
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für das Jahr 2018, keine detaillierte Aufstellung der deklarierten offenen Rechnungen von
CHF 120'000.-- sowie keinen Nachweis bzw. keine Aufstellung über die verjährten Rechnungen
ein. Auch nahm er mit der Begründung, dass er ein Risikopatient für Coronavirus sei, die
Besprechung bei der Steuerverwaltung nicht wahr. Demzufolge bestätigte die Steuerverwaltung
das in den Veranlagungsverfügungen pro 2018 aufgerechnete Einkommen in der Höhe von
CHF 100'000.-- (pag. 28 ff.) in den Einspracheentscheiden pro 2018 (pag. 6 ff.). Diese
Einkommensaufrechnung beruhte auf eine von der Steuerverwaltung im
Veranlagungsverfahren erstellte Vermögensvergleichsberechnung (pag. 35 f.). Dabei
berechnete sie gestützt auf die definitive Veranlagung pro 2017 und die Steuererklärung für das
Jahr 2018 die Veränderungen im Reinvermögen und addierte zu diesem Saldo das
Reineinkommen, die Eigenmiete, die Differenz "Versicherungsprämien zu Abzug" sowie die im
Steuerjahr bezahlten Steuern. Im Ergebnis ergab dies den Privatverbrauch für ein Jahr
(CHF 81'253.--). Zu diesem Privatverbrauch rechnete die Steuerverwaltung die Privatauslagen
(CHF 16'366.--) hinzu. Unter Berücksichtigung der Lebenshaltungskosten gemäss den Angaben
des Bundesamts für Statistik und weitere Auslagen (Verkehrsausgaben und Krankheitskosten)
ergab der Berechnungsvorgang einen unbegründeten Fehlbetrag von letztlich rund
CHF 97'619.--. In der Vernehmlassung der Steuerverwaltung vom 15. Juli 2020 (S. 2) hat die
Steuerverwaltung einen unbegründeten Fehlbetrag von leicht höheren CHF 99'783.--
berechnet. Dieser Fehlbetrag von rund CHF 100'000.-- zeigt auf, wie viele Mittel dem
Rekurrenten im Steuerjahr 2018 hätten zur Verfügung stehen müssen, damit die
Vermögenszunahme und sämtliche Auslagen gedeckt wären. Mit der Vergleichsberechnung
von Vermögensentwicklung und Lebensaufwand hat die Steuerverwaltung somit den Beweis
dafür erbracht, dass Einkommen geflossen sein muss. Es obliegt daher dem Rekurrenten den
Gegenbeweis zu erbringen und die Berechtigung der Aufrechnung zu entkräften. Wird dieser
nicht erbracht, so ist nach der allgemeinen Beweislastregel wegen Beweislosigkeit zu
Ungunsten des Rekurrenten zu entscheiden. Im Rahmen der Sachverhaltsfeststellung hat die
Veranlagungsbehörde zu beurteilen, ob sich die feststellungsbedürftigen Tatsachen verwirklicht
haben oder nicht. Dabei hat sie sich vom Grundsatz der freien Beweiswürdigung leiten zu
lassen. Die Behörde darf und muss aufgrund ihrer frei gebildeten Überzeugung ohne Bindung
an formale Beweisregeln darüber befinden, ob eine Tatsache als verwirklicht oder nicht
verwirklicht zu betrachten ist. Diese Überzeugung bildet sich unter Berücksichtigung aller durch
die Untersuchung und Beweiserhebung zutage getretenen Umstände aufgrund der Erfahrung.
Sie braucht nicht in einer absoluten Gewissheit zu bestehen, die jede andere Möglichkeit
ausschliesst. Es genügt, wenn sie von der Lebenserfahrung und Vernunft getragen und auf
sachliche Gründe abgestützt ist (Zweifel/Hunziker, a.a.O., N. 24 zu Art. 130 DBG mit
Hinweisen).
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5. Der Rekurrent macht geltend, dass die Einkommensaufrechnung von CHF 100'000.-- nicht gerechtfertigt sei, da er im Jahr 2018 kein Einkommen erzielte habe. Damit bringt er
letztlich zum Ausdruck, dass er die Schätzung der Steuerverwaltung insgesamt in Zweifel zieht.
Aufgrund der festgelegten Einschränkung der Einsprachegründe (Art. 191 Abs. 3 StG; Art. 132
Abs. 3 DBG) reicht es indessen nicht aus, blosse Bedenken gegenüber der Schätzung
vorzubringen. Vielmehr hat der Rekurrent nachzuweisen, inwiefern die (partielle)
Ermessensveranlagung nicht den tatsächlichen Verhältnissen entspricht (VGE 22924/22925
vom 28.11.2007, E. 3.2, nicht publiziert). Die Vermögensvergleichsberechnung an sich wird
vom Rekurrenten zwar weder in den Verfahren vor der Steuerverwaltung noch im vorliegenden
Rekurs- und Beschwerdeverfahren bestritten. Er erklärt den Fehlbetrag von CHF 100'000.--
jedoch damit, dass E._ seit seiner IV-Abklärung sämtliche (jährlichen) Kosten
(inkl. Lebenshaltungskosten und Kosten seiner Liegenschaft) bzw. Rechnungen in der Höhe
von rund CHF 40'000.-- übernommen habe (vgl. Aufstellung des Rekurrenten vom 21.1.2020;
pag. 19):
Rechnung in CHF Haus C._ Hypothek 14'000 GVB 531 C._ Gemeinde 1'755 C._ Gemeinde 1'183 BKW inkl. Wärmepumpe 3'652 Versicherung 693 Krankenkasse 5'999 Lebensunterhalt 10'200 Vier Kinder 2'400 Total jährliche Rechnungen 40'413
Ferner habe es sich bei der in der Vermögensvergleichsberechnung berücksichtigten Schulden-
abnahme von CHF 60'000.-- (CHF 840'000.-- [Schulden 2017; pag. 60] minus CHF 780'000.--
[Schulden 2018; pag. 28]) nicht um eine Schuldenrückzahlung, sondern um verjährte Schulden
gehandelt, die er nicht mehr in seiner Steuererklärung pro 2018 deklariert habe.
5.1 Die Behauptung des Rekurrenten, dass E._ sämtliche (jährlichen) Kosten in der Höhe von mehreren CHF 10'000.-- – auch jene im hier interessierenden Steuerjahr 2018
(CHF 40'000.--) – (einfach so) übernimmt, ist vorab wenig überzeugend und als lebensfremd zu
bezeichnen. Dies umso mehr, als ihre Einkommensverhältnisse 2018 aufzeigen, dass es ihr gar
nicht möglich gewesen wäre, einen Betrag von CHF 40'000.-- aus ihrem laufenden Einkommen
zu finanzieren. Auch ist unklar, wie diese angeblichen Leistungen zu qualifizieren wären. Aus
den Akten geht hervor, dass sowohl der Rekurrent als auch E._ bei diesen Leistungen
nicht von steuerfreien Unterstützungsleistungen (Art. 29 Bst. d StG; Art. 24 Bst. d DBG)
ausgehen. Jedenfalls haben weder der Rekurrent noch E._ dies so in ihren jeweiligen
Steuererklärungen pro 2018 deklariert. Der Rekurrent deutet vielmehr an, dass es sich bei den
Leistungen sinngemäss um eine jährlich erhöhende Darlehensschuld handeln soll (pag. 9).
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Hierfür spricht, dass er in den Vorjahren 2015 bis 2017 jeweils unter dem Titel "div. offene
Rechnungen" einen Schuldbetrag von CHF 65'000.-- (2015), CHF 54'000.-- (2016) und
CHF 57'000.-- (2017) deklariert hat und diese im Jahr 2017 (pag. 76) mithin auf insgesamt
CHF 176'000.-- angewachsen ist. Im hier interessierenden Jahr 2018 hat er allerdings keine
weiteren "div. offenen Rechnungen" deklariert, was gegen eine jährlich erhöhende
Darlehensschuld spricht. Dies, obwohl er behauptet, jedes Jahr Rechnungen in der Höhe von
rund CHF 40'000.-- zahlen zu müssen (pag. 19), die angeblich von E._ übernommen
werden, weshalb die Schuld jedes Jahr zunehme (pag. 9). Die "div. offenen Rechnungen" im
Steuerjahr 2018 hat er aber bloss mit CHF 120'000.-- deklariert (pag. 50), was eine
Schuldabnahme gegenüber dem Vorjahr von CHF 56'000.-- bedeutet. E._ ihrerseits
hat in ihrer Steuererklärung pro 2018 keine entsprechende Schuld bzw. den Rekurrenten nicht
als Schuldner deklariert. Auch ist den vorliegenden Akten keine Erklärung zu entnehmen, aus
welchem Grund E._ seit Jahren sämtliche Kosten des Rekurrenten übernehmen sollte.
Es kann bloss festgestellt werden, dass die beiden gemäss Datenbank der Steuerverwaltung
(NESKO) früher (2009 bis 2015) zusammen in der Liegenschaft C._ Gbbl.
Nr. _ gewohnt haben und E._ gemäss Rekurrenten zwar die Mutter der zwei
gemeinsamen Kinder ist, jedoch nicht (mehr) seine Lebenspartnerin (vgl. Stellungnahme des
Rekurrenten vom 23.7.2020, S. 2). Der Steuerrekurskommission liegen als Beweis für die
übernommenen Kosten jedoch immerhin zwei Bestätigungsschreiben vor, worin E._
tatsächlich bestätigt, sämtliche Kosten des Rekurrenten (inkl. alle Kosten seiner Liegenschaft
an der C._) seit
(Beginn) der IV-Abklärung übernommen zu haben (vgl. Schreiben von E._ vom
3.6.2020 und 24.6.2020; Beilagen zum Rekurs und Beschwerdeschreiben vom 5.6.2020 bzw.
Schreiben des Rekurrenten vom 26.6.2020). Da die beiden Bestätigungsschreiben jedoch erst
im Rahmen des vorliegenden Rekurs- und Beschwerdeverfahrens erstellt worden sind, kann
nicht ausgeschlossen werden, dass diese bloss aus Gefälligkeit erfolgt sind, weshalb diesen
nur geringer Beweiswert zukommen. Allerdings hat E._ dem Rekurrenten mit dem
zweiten Bestätigungsschreiben vom 24. Juni 2020 zum Nachweis der Übernahme der Kosten
(im Jahr 2018: CHF 40'000.--) Kontoauszüge drei verschiedener Konten, diverse
Transaktionsdetails und Rechnungen eingereicht.
5.1.1 Der Kontoauszug des UBS-Kontos IBAN _ lautend auf den Rekurrenten gibt die Kontobewegungen im Zeitraum vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2018 wieder (vgl.
Beilagen zum Schreiben des Rekurrenten vom 26.6.2020). Daraus geht hervor, dass es sich
bei den Schulden bei der UBS wohl um drei Teilhypotheken handelt (Nrn. _). Eine
davon (Nr. _) ist am 17. August 2018 saldiert worden und von einer neuen
Teilhypothek (Nr. _) abgelöst worden. Dem Kontoauszug geht zudem hervor, dass auf
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diesem Konto die Hypothekarzinsen (inkl. Spesen, Preis- und Zinsabschlüsse etc.) mit
insgesamt CHF 14'966.05 belastet worden sind und vier Gutschriften in der Höhe von
CHF 16'000.-- (bestehend aus Gutschriften von CHF 3'500.-- [27.3.2018], CHF 3'500.--
[6.6.2018], CHF 5'000.-- [14.9.2018] sowie CHF 4'000.-- [19.12.2018]) erfolgt sind. Für die vier
Gutschriften liegen die entsprechenden Transaktionsdetails vor. Daraus lässt sich entnehmen,
dass die Gutschriften vom 6. Juni 2018 und 14. September 2018 von der F._ GmbH in
D._, mit dem Vermerk "Hypothek C._ Juni 2018" bzw. "Hypothek 3. Quartal"
und die Gutschrift vom 19. Dezember 2018 von E._ getätigt worden sind. Aus dem
Transaktionsdetail bezüglich der Gutschrift vom 27. März 2018 geht zwar nicht hervor, wer die
Einzahlung getätigt hat. Für die Steuerrekurskommission bestehen jedoch keine ernsthaften
Zweifel, dass es sich hierbei auch um E._ gehandelt hat, welche diese
Ausgleichszahlung vorgenommen hat. Hierbei ist zu präzisieren, dass E._ diese
Ausgleichszahlungen aufgrund ihrer finanziellen Verhältnisse (E. 5.1 hiervor) nicht privat hat
übernehmen können. Vielmehr werden wohl alle vier Gutschriften von der F._ GmbH,
bei der E._ alleinige Gesellschafterin und Geschäftsführerin ist (vgl. zentraler
Firmenindex [Zefix], <http://www.zefix.ch> [abgerufen am 3.9.2020]), übernommen. Das
Verhältnis zwischen dem Rekurrenten, E._ und der F._ GmbH bleibt hierbei
undurchsichtig. Es fällt aber immerhin auf, dass die GmbH in der privaten Steuererklärung pro
2018 von E._ mit keinem Wort erwähnt wird (u.a. keine Stammanteile und keine
Dividenden deklariert). Auch stellt sich in Anwendung der Dreieckstheorie die Frage, ob
allenfalls E._ diese Leistungen zuzurechnen wären. Wenn ja, wären diese geldwerten
Vorteile bei ihr als Ertrag aus beweglichem Vermögen und anschliessend beim Rekurrenten als
unentgeltliche Zuwendung (Schenkungssteuer) zu besteuern. Erstellt ist nämlich, dass die
F._ GmbH dem Rekurrenten diverse geldwerte Leistungen ausgerichtet hat. Auch ist
anzunehmen, dass der Rekurrent als Drittperson der alleinigen Beteiligungsinhaberin der
F._ GmbH E._ (sie hält alle Stammanteile der GmbH) nahesteht. Eine
allfällige geldwerte Leistung ist vorliegend jedoch nicht weiter zu prüfen, da sich die
Steuerrekurskommision im Rahmen ihrer Zuständigkeit auf die Überprüfung der angefochtenen
Einspracheentscheide beschränkt. Mithin gilt es zu Gunsten des Rekurrenten als belegt, dass
E._ (wenn auch über ihre F._ GmbH) im Jahr 2018 im Zusammenhang mit
den Hypothekarzinsen CHF 16'000.-- übernommen hat. Dies umso mehr, als aus der
Zinssatzanzeige des Kontos Nr. _ (Teilhypothek) vom 31. Oktober 2019 (pag. 10)
ergeht, dass dieses Konto sowohl auf den Rekurrenten als auch auf E._ lautet und sie
gemäss Rekurrenten für die Hypothekarschuld solidarisch haftet (vgl. Stellungnahme des
Rekurrenten vom 23.7.2020, S. 2). Dementsprechend ist zu Gunsten des Rekurrenten die
Berechtigung der Einkommensaufrechnung in der Höhe von CHF 16'000.-- entkräftet.
http://www.zefix.ch/
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5.1.2 Als weiteres liegen einzelne Kopien des Kontoauszugs des PostFinance-Kontos IBAN _ aus dem Jahr 2018 vor. Hierbei sind die Kontobewegungen mit Ausnahme von
zehn Belastungen komplett abgedeckt worden. Für die zehn offengelegten Belastungen liegen
die entsprechenden Rechnungen vor, die allesamt auf den Rekurrenten lauten sowie mit Betrag
und Zahlungsempfänger auf dem Kontoauszug übereinstimmen:
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Datum Zahlungsempfängerin in CHF Rechnung 30.08.2018 BKW Energie AG 913.00 Akontorechnung 1.7.-30.9.2018 16.10.2018 Visana AG 376.95 Prämienrechnung 1.11.-30.11.2018 16.10.2018 Visana AG 31.00 Leistungsabrechnung 16.10.2018 Visana AG 376.95 Prämienrechnung 1.12.-31.12.2018 09.11.2018 Visana AG 32.60 Leistungsabrechnung 19.12.2018 UBS Switzerland AG 1'183.30 Liegenschaft C._: Wasser, Abwasser, Kehricht 19.12.2018 BKW Energie AG 913.00 Akontorechnung 1.10.-31.12.2018 19.12.2018 GVB 757.40 Jahresrechnung 2019 19.12.2018 UBS Switzerland AG 1'755.50 Liegenschaft C._: Liegenschaftssteuer,
Schwellentelle 19.12.2018 AXA Versicherungen AG 693.75 Gebäudeversicherung, Prämie für 2019
Total 7'033.45
Obwohl aus den Kopien des Kontoauszugs nicht hervorgeht, auf wen dieses Konto lautet.
Dieses jedoch gemäss Rekurrenten der F._ GmbH gehört (vgl. Stellungnahme des
Rekurrenten vom 23.7.2020, S. 2), – was für die Steuerrekurskommission aufgrund der
vorliegenden Umstände wahrscheinlich ist –, kann der Rekurrent weitere von E._ bzw.
von ihrer F._ GmbH übernommenen Kosten in der Höhe von CHF 7'033.45 belegen,
was für den Rekurrenten zu einer weiteren Reduktion der Einkommensaufrechnung führt.
5.1.3 Schliesslich liegen noch einzelne Kopien des Kontoauszugs des PostFinance-Kontos IBAN _ aus dem Jahr 2018 vor, das E._ in ihrer Steuererklärung pro 2018
deklariert hat. Hier sind die Kontobewegungen nur teilweise ersichtlich, der Rest ist geschwärzt.
Da anders als beim obgenannten Konto (vgl. E. 5.1.2 hiervor) es keine Hinweise gibt, dass es
sich hier um übernommene Zahlungen vom Rekurrenten handeln könnte (insbesondere sind
keine Rechnungen vorhanden, die auf den Rekurrenten lauten), erübrigt es sich diese
Kontobewegungen weiter zu prüfen. Hinzu kommt, dass E._ privat die finanziellen
Mittel hierfür fehlen. Von den jährlich geltend gemachten Kosten, die angeblich von E._
übernommen werden (rund CHF 40'000.--), hat der Rekurrent somit für das Steuerjahr 2018
einen Teil belegen können (CHF 16'000.-- [vgl. E. 5.1.1 hiervor] und CHF 7'033.45 [vgl. E. 5.1.2
hiervor], ausmachend rund CHF 23'000.--). Das auch die weiteren Kosten (insbesondere die
Lebenshaltungskosten) im Jahr 2018 tatsächlich von E._ bzw. von ihrer F._
GmbH übernommen worden sind, ist vom Rekurrenten nicht rechtsgenüglich belegt worden.
5.2 Bezüglich der Schuldenabnahme von CHF 60'000.-- ist sodann vorab zu präzisieren, dass sich diese aus der Abnahme "diverser offener Rechnungen" von CHF 56'000.-- (CHF 176'000.--
[2017; pag. 76] minus CHF 120'000.-- [2018: pag. 50]) sowie der Amortisationszahlung von
CHF 4'000.-- für die Hypothek zusammensetzt.
5.2.1 Die Schuldabnahme "diverser offener Rechnungen" hat der Rekurrent mit der Verjährung der Schulden erklärt. Die Steuerverwaltung hat den Rekurrenten hierzu mehrmals aufgefordert,
eine detaillierte Aufstellung der deklarierten offenen Rechnungen sowie den Nachweis bzw.
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eine Aufstellung über die verjährten Rechnungen einzureichen. Diesen Aufforderungen ist der
Rekurrent nicht nachgekommen. Auch im vorliegenden Rekurs- und Beschwerdeverfahren hat
der Rekurrent keine entsprechenden Unterlagen eingereicht. Er wiederholt vielmehr immer
wieder, dass er diese Schulden nicht mehr in der Steuererklärung pro 2018 deklariert habe, da
einige Schulden verjährt seien und somit nicht mehr eingefordert werden könnten (vgl. etwa
Rekurs- und Beschwerdeschreiben vom 5.6.2020, S. 1). Dies kann von der
Steuerrekurskommission jedoch nicht nachgeprüft werden, da nicht feststellbar ist, ob es sich
überhaupt um verjährbare Forderungen gehandelt hat und ob die jeweilige Verjährungsfrist
tatsächlich abgelaufen ist. Es fehlt vorliegend eine – von der Steuerverwaltung zu Recht
eingeforderte – detaillierte Aufstellung der deklarierten offenen Rechnungen, woraus der
jeweilige Gläubiger, der Schuldgrund (z.B. Darlehen, Kaufvertrag) und der Zeitpunkt der
Fälligkeit der Forderung ersichtlich sind.
Ohne diese Angaben kann der Eintritt der Verjährung nicht überprüft werden.
5.2.2 Es kann jedoch immerhin darauf hingewiesen werden, dass mit Ablauf von zehn Jahren alle Forderungen verjähren, für die das Bundeszivilrecht nichts anderes bestimmt (Art. 127 des
Schweizerischen Obligationenrechts [OR, SR 220]). Mit Ablauf von fünf Jahren verjähren
beispielsweise Forderungen für Miet-, Pacht- und Kapitalzinse sowie für andere periodische
Leistungen (Art. 128 Ziff. 1 OR) und mit zwei Jahren verjähren Forderungen aus dem
Versicherungsvertrag (Art. 46 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag
[Versicherungsvertragsgesetz, VVG; SR 221.229.1]). Aufgrund der obgenannten Aufstellung
vom 21. Januar 2020 (vgl. E. 5 hiervor) und den Ausführungen des Rekurrenten (vgl. etwa
Schreiben des Rekurrenten vom 11.3.2020 und 2.5.2020; pag. 15 und 9) ist davon auszugehen,
dass es sich bei den "diversen offenen Rechnungen" um Rechnungen handelt, die der
Rekurrent nicht selber hat bezahlen können, sondern von einer Drittperson bzw. von
E._ bzw. von ihrer F._ GmbH bezahlt worden sind, weshalb sich die Schulden
jährlich vermehrt haben. Daraus folgt wiederum, dass solche Rechnungen gemäss Aufstellung
vom 21. Januar 2020 höchstens aus dem Jahr 2015 stammen können, da bloss von (offenen)
Rechnungen seit dem Jahr 2015 die Rede ist. Dies mit der Folge, dass im hier interessierenden
Jahr 2018 ohnehin weder die zehn- noch die fünfjährige Verjährungsfrist abgelaufen sein kann.
Anders sähe es höchstens bei der zweijährigen Verjährungsfrist aus. Hierfür fehlen jedoch –
wie bereits ausgeführt – weitere Angaben und Belege. Aufgrund der Aktenlage finden sich
somit keine Anhaltspunkte für eine Verjährung und der Rekurrent hat hierfür auch keine
Nachweise eingereicht. Folglich ist die Steuerverwaltung zu Recht davon ausgegangen, dass
Einkommen geflossen sein muss, mit welcher der Rekurrent die Schuldenrückzahlung in der
Höhe von CHF 56'000.-- bezahlt hat. In den Akten liegen zwar zwei Bestätigungsschreiben vor
(vgl. E. 5 hiervor), worin E._ bestätigt, sämtliche Kosten des Rekurrenten seit der IV-
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Abklärung übernommen zu haben. In diesem Fall würde es sich letztlich jedoch wohl um
(zinslose) Darlehen
handeln, die sich aufgrund der bezahlten Kosten jeweils entsprechend erhöhen. Hätte
E._ bzw. ihre F._ GmbH tatsächlich auf die Darlehensrückzahlung von
CHF 56'000.-- verzichtet, wofür es vorliegend keine Anzeichen gibt – wäre der
Forderungsverzicht als Schenkung zu qualifzieren und unterstände nicht der Einkommens-,
sondern der Schenkungssteuer. Da über diese Schulden bzw. deren angeblichen Verjährung
keine weiteren Angaben bestehen und das Verhältnis Rekurrent, E._ und der
F._ GmbH ohnehin weitgehend unklar ist, erübrigt es sich, darauf weiter einzugehen.
5.3 Zum Schluss ist noch festzustellen, dass jeglicher Beweis fehlt, dass E._ bzw. ihre F._ GmbH die Amortisationszahlung bzw. die Abzahlung/Tilgung der
Hypothekarschuld in der Höhe von CHF 4'000.-- für den Rekurrenten übernommen hat. Der
Rekurrent hat es somit auch hier unterlassen, seine Behauptung mit entsprechenden Belegen
zu dokumentieren.
6. Die Steuerrekurskommission ist daher der Auffassung, dass zu Gunsten des Rekurrenten ausschliesslich die von E._ bzw. der F._ GmbH übernommenen und belegten
Kosten von insgesamt CHF 23'000.-- in der Vermögensvergleichsberechnung zu
berücksichtigen sind. Für die restliche Differenz in der Vermögensvergleichsberechnung konnte
der Rekurrent – wie bereits dargelegt – dagegen keine stichhaltigen Beweise vorlegen.
Vielmehr muss bei dieser lückenhaften Aktenlage angenommen werden, dass trotz der
teilweise belegten Unterstützung von E._ bzw. der F._ GmbH Einkommen
geflossen sein muss. Jedenfalls bestehen aufgrund der von der Steuerverwaltung nachfolgend
festgestellten Ungereimtheiten und Unklarheiten zusätzlich grosse Zweifel an der
"Einkommenslosigkeit" des Rekurrenten (vgl. Vernehmlassung der Steuerverwaltung vom
13.7.2020, S. 3). Insbesondere ist die Situation der Liegenschaft des Rekurrenten an der
C._ in Übereinstimmung mit der Steuerverwaltung nicht nachvollziehbar. Offenbar wird
die im Jahr 2008 erstellte Liegenschaft an der C._ vom Rekurrenten wenig genutzt, da
er mehrheitlich bei E._ und den zwei gemeinsamen Kindern in D._ wohnt. Der
Rekurrent erklärt zwar, dass er ein Zimmer in D._ habe, um schneller beim Arzt oder
im Spital zu sein. Auch sei es für seinen Gesundheitszustand und seiner Psyche besser, wenn
er nicht nur alleine (in seiner Liegenschaft) an der C._ wohne (vgl. Stellungnahme des
Rekurrenten vom 23.7.2020, S. 1). Unter diesen Umständen und ohne deklariertes Einkommen
stellt sich jedoch unweigerlich die Frage, weshalb er die Liegenschaft mit einem (damaligen)
amtlichen Wert von CHF 702'000.-- (pag. 54; bzw. CHF 998'300.-- gültig ab Steuerjahr 2020;
vgl. Grundstück-Informationssystem des Kantons Bern [GRUDIS]), die er offenbar nur teilweise
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bewohnt hat, nicht vermietet oder sogar verkauft, um der Abhängigkeit von Dritten zu entgehen.
Umso mehr als die Nachfrage nach solchen Objekten gemäss Gemeindeverwaltung
C._ offenbar vorhanden ist (vgl. Telefonnotiz der Steuerverwaltung vom 10.7.2020;
pag. 39a). Nebstdem hat eine Abklärung der Steuerverwaltung beim Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons Bern ergeben (vgl. Vernehmlassung der Steuerverwaltung vom
15.7.2020, S. 3), dass auf den Rekurrenten vier Kontrollschilder eingelöst seien
(Wechselschilder BE _ [betr. VW LT35 und Mercedes-Benz A 45 AMG] und
BE _ [betr. Harley-Davidson FXDB und Ducati 1199 Panigale] sowie Kontrollschilder
BE _ [Mercedes-Benz GL 500] und BE _ [Opel Agila]). Diese Vermögenswerte
sind vom Rekurrenten jedoch weder in der Steuererklärung pro 2018 noch in den
Steuererklärungen der Vorjahre deklariert worden. Der Rekurrent begründet dies damit
(vgl. Stellungnahme des Rekurrenten vom 23.7.2020, S. 1), dass die Fahrzeuge und Motor-
räder bloss über ihn eingelöst seien, nicht aber ihm gehören würden. Weitere Ausführungen
hierzu macht er nicht. Insbesondere werden die angeblichen Eigentümer dieser Fahrzeuge und
Motorräder nicht genannt. Auch hier hat es der Rekurrent somit verpasst, die ganze Situation
plausibel darzulegen.
7. Nach dem Gesagten entsprechen die von E._ bzw. der F._ GmbH übernommenen und belegten Kosten von insgesamt CHF 23'000.-- gegenüber dem
Einspracheentscheid pro 2018 (CHF 100'000.--) einer Reduktion der Aufrechnung auf
CHF 77'000.--. Der Rekurs und die Beschwerde sind demnach teilweise gutzuheissen und der
angefochtene Entscheid ist aufzuheben. Die Akten werden zur Neufestsetzung des steuerbaren
Einkommens an die Steuerverwaltung des Kantons Bern zurückgewiesen.
8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Rekurrent einen Anteil der gesamten Verfahrenskosten, einschliesslich eines Anteils allfälliger Auslagen für Gutachten oder andere
externe Kosten zu tragen (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG sowie Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1, 2,
53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die
Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft
[Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]). Die für die teilweise Gutheissung massgeblichen
Beweismittel hat der Rekurrent jedoch erst im Rekurs- und Beschwerdeverfahren eingereicht,
obwohl ihn die Steuerverwaltung im Veranlagungs- sowie im Einspracheverfahren mehrmals
Gelegenheit zur Einreichung gegeben hat. Dies umso mehr als die (finanzielle) Situation im
Vorjahr bereits ähnlich unklar gewesen ist und er bereits damals keine massgeblichen
Beweismittel eingereicht hatte. Deshalb rechtfertigt es sich dem Rekurrenten die gesamten
Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 200 Abs. 2 StG und Art. 144 Abs. 2 DBG). Weil der
Rekurrent im vorliegenden Verfahren nicht vertreten ist und weil keine notwendigen und
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verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind, werden keine Parteikosten gesprochen (Art.
200 Abs. 4 StG sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20.
Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021]).