Decision ID: 4fe874c5-bbbc-478c-b6d6-163abca12b8c
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
E._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt PD Dr. Hardy Landolt, Schweizerhofstrasse 14,
Postfach 568, 8750 Glarus,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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vertreten durch Fürsprecherin Dr. iur. Marianne Sonder, Rossimattstrasse 17,
3074 Muri b. Bern,
betreffend
Invalidenrente
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1981 geborene E._ trat per August 1997 bei der A._ eine Berufslehre als
Zimmermann an und war dadurch bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen
versichert (Suva-act. 1, 89). Am 29. Oktober 1998 begab sich der Versicherte zur
Änderung einer Beschriftung unter eine mit einem Hallenkran vom Boden aufgerichtete
und ca. 800 kg schwere Holzkonstruktion. Als plötzlich das Tragmittel riss, stürzte das
Element zu Boden und begrub den Versicherten unter sich (Suva-act. 8, act. G 1.1/14).
Er erlitt einen Abriss der Harnröhre, eine Beckenfraktur, einen Hämatopneumothorax,
Frakturen der Rippen 1 und 2 links sowie des rechten Schlüsselbeins (Suva-act. 10,
13). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte Heilbehandlung und
Taggelder.
A.b Ab dem 6. September 1999 war der Versicherte wieder zu 100% arbeitsfähig
(Suva-act. 28). Infolge der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeiten und Absenzen am
Arbeitsplatz war er jedoch gezwungen, sein Lehrvertragsverhältnis um ein halbes Jahr
zu verlängern (Suva-act. 27, 67). Im Winter 2001 schloss er seine Lehre als
Zimmermann erfolgreich ab (Suva-act. 68).
A.c Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen finanzierte dem Versicherten vom 20. August
2002 bis 8. Juli 2005 eine Umschulung zum Technischen Kaufmann mit
Handelsmittelschuldiplom (Suva-act. 40, 50). Nach erfolgreichem Abschluss im
Sommer 2005 war er im Sinn der IV auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt ohne
Einschränkung arbeitsfähig (Suva-act. 62, 63). Per 1. August 2005 trat er bei der B._
eine Stelle als Verkäufer an (Suva-act. 91c ff.), welche er Ende 2005 wieder verliess
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(Suva-act. 97). Ab dem 6. März 2006 arbeitete er bei der C._ als Teamleiter und
Sportartikel-Verkäufer (Suva-act. 96a, 104).
A.d Am 30. und 31. Januar 2007 wurden in der D._ Tests zur Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchgeführt. Mit Bericht vom 14. Februar 2007
beurteilten die Experten die berufliche Tätigkeit des Versicherten als Verkäufer ohne
Einschränkungen ganztags als zumutbar. Für andere berufliche Tätigkeiten (gemäss
DOT-Kategorien) wurde die Zumutbarkeit für mittelschwere bis schwere Arbeit
ganztags und ohne zusätzliche Einschränkungen festgehalten (Suva-act. 125).
A.e Auf Grund einer bulbären Harnröhrenstriktur unterzog sich der Versicherte am
3. August 2007 im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) einer Urethrotomia interna (Suva-
act. 144). Nach zweimonatiger Arbeitslosigkeit (Suva-act. 141) trat er am 1. September
2007 eine Stelle bei der F._ an (Suva-act. 148). Infolge neuerlich massiven
Harnstrahlverlusts wurde am 4. April 2008 im KSSG eine Holmium-Laser-Urethrotomie
durchgeführt (Suva-act. 157). Am 4. Juni 2008 untersuchte Kreisarzt Dr. med. G._
den Versicherten. In seinem Bericht hielt er fest, dass nun von einem Endzustand
ausgegangen werden könne. Einschränkend seien v.a. noch die Miktions- und
Erektionsproblematik, wobei entsprechende Therapien weiterhin zu Lasten der Suva
gehen müssten. Die Tätigkeit als Verkäufer könne der Versicherte nach eigenen
Angaben aber uneingeschränkt ausführen, ansonsten sei das Zumutbarkeitsprofil der
EFL vom vergangenen Jahr anwendbar (Suva-act. 162). Dr. G._ schätzte den
Integritätsschaden auf 32% (Suva-act. 163). Gestützt auf diese Beurteilung verfügte die
Suva am 6. Juni 2008 eine Integritätsentschädigung auf Grund einer
Integritätseinbusse von 32% (Suva-act. 168). Mit Schreiben vom 9. Juni 2008 stellte
die Suva dem Rechtsvertreter des Versicherten Dr. iur. Hardy Landolt, Glarus, diese
Verfügung zu und teilte ihm mit, dass infolge einer fehlenden Erwerbseinbusse des
Versicherten Rentenleistungen der Suva entfallen würden (Suva-act. 169).
B.
B.a Gegen diese Ablehnung von Rentenleistungen erklärte sich der Beschwerdeführer
mit Schreiben vom 25. Juni 2008 nicht einverstanden (act. G 170).
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B.b Die Suva nahm das Schreiben als Einsprache entgegen und wies sie mit
Einspracheentscheid vom 27. Mai 2009 ab (Suva-act. 179).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vom Rechtsvertreter für den
Versicherten erhobene Beschwerde vom 25. Juni 2009 mit dem Antrag, den
Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 27. Mai 2009 aufzuheben und die

Angelegenheit im Sinn der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter
sei der Einspracheentscheid aufzuheben und dem Beschwerdeführer eine
Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 35% mit Wirkung ab 1. August
2005 zuzusprechen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung macht
er im Wesentlichen geltend, dass beim Valideneinkommen nicht auf den Lohn eines
Zimmermanns, sondern auf denjenigen eines Poliers und beim Invalideneinkommen
nicht auf Fr. 66'800.-- abgestellt werden dürfe, da er auf Grund seiner reduzierten
Arbeitsfähigkeit nicht in der Lage sei, auf Dauer vollumfänglich erwerbstätig zu sein.
Nachdem er sein Arbeitspensum bei der F._ nicht habe reduzieren können, sei er
infolge fehlender Möglichkeiten in den elterlichen Betrieb eingetreten, wo er als
stellvertretender Geschäftsführer tätig sei. Daher sei für das Invalideneinkommen
zumindest auf das Mittel der letzten Löhne abzustellen. Sollte dennoch auf den Lohn
bei der F._ abgestellt werden, so sei immerhin von einer um 20% eingeschränkten
Erwerbsfähigkeit auszugehen und das Invalideneinkommen um diesen Prozentsatz zu
reduzieren. Ausserdem sei in Anbetracht der langen Berufskarriere des
Beschwerdeführers ein leidensbedingter Abzug von mindestens 20% gerechtfertigt.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 14. September 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde.
C.c Mit Replik vom 28. Oktober und Duplik vom 11. November 2009 hielten die
Parteien an ihren Anträgen fest (act. G 9, 11).
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften wird, soweit
entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.
Gemäss Art. 49 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (SR 830.1; ATSG) hat der Versicherungsträger über Leistungen,
Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene
Person nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Das Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 9. Juni 2008 (Suva-act. 169) behandelt die Frage eines
Rentenanspruch des Beschwerdeführers, weshalb hier von periodischen und damit
auch erheblichen Leistungen auszugehen ist (vgl. ebenso Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl. Zürich 2009, Art. 49 Rz. 15). Demzufolge hätte die
Rentenablehnung in Verfügungsform ergehen müssen. Sie hätte sowohl mit der