Decision ID: 21da0f31-f4a1-41da-812f-af0348487839
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1964, arbeitete
seit 1. Juni 2007
bei der
Y._
als Serviceangestellte
(Urk. 10/A27, Urk. 15/40/2)
und war in dieser Eigenschaft bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) gegen die Folgen von Unfällen versichert (Urk. 10/A1). Am 5. Januar 2009 meldete
sich
X._
unter Hinweis auf mehrere, seit 2008 bestehende Tumore auf der Leber bei der IV-Stelle Obwalden zum Leistungsbezug an (Urk. 15/31, Aktenverzeichnis zu Urk. 15/1-124).
Die Versicherte stürzte a
m 1
4.
März 2009
bei einer Hochzeit in
Z._
beim Tanzen
auf die rechte Gesichtshälfte
und
erlitt eine Jochbein- und Joch
bogenfraktur rechts mit
Orbitabodenbeteiligung
(
Urk.
10/A1,
Urk.
10/M4)
.
Die medi
zinische Erstversorgung erfolgte vor Ort (
Urk.
10/M4).
Vom
1
6.
bis 2
3.
März 2009 war
d
ie
Versicherte
im
A._
hospitalisiert (
Urk.
10/M1
-2, Urk.
10/M4
)
, wo bei der Operation vom 1
7.
März 2009 ein
e Reposition und Osteosynthese
des
Mittelgesichts
rechts
sowie
eine
Orbita
bodenrevision
und –
plastik
vorgenommen wurde
n
(
Urk.
10/M4).
Die AXA gewährte Heilbehandlung und Taggeld.
Nach Austritt aus dem
A._
klagte d
ie Ver
sicherte
über persistierende Schmerzen (Urk.
10/M18). Sie
begab
sich
a
b
Juli 2009
in psychia
trische Behandlung
bei den Ambulanten Diensten der
B._
(Urk. 10/M31
S. 2
).
Am 1
4.
August 2009 kam es
im
A._
zur
Osteosynthesematerial
entfernung
(
Urk.
10/M13
,
Urk.
10/M34
)
.
Weil sie z
wei Wochen nach der
Osteo
synthesematerialentfernung
Doppelbilder sah,
wurde die Versicherte er
neut im
A._
vorstellig
(
Urk.
10/M18
, Urk.
10/M33
).
Mit Verfügung vom 19. Feb
ruar 2010 wies die IV-Stelle Obwalden das
Leistungs
begehren
von
X._
vom
5
. Jan
uar 2009 (Urk. 15/31
) ab (Urk. 15/72).
1.2
Wegen ihrer Gesichtsschmerzen wurde die Versicherte für eine konsiliarische Beurteilung
an di
e Ärzte
des
C._
,
Zen
trum für Zahn-, Mund- und
Kieferheil
kunde
,
überwiesen
(
Urk.
10/M25).
Ab dem 23. Sep
tember 2010
wurde
X._
wieder
in d
e
r
B._
behandelt
(
Urk. 10/M31 S. 2
)
.
Am 26. Februar 2011
er
folgte
eine Operation
im
D._
(Urk. 10/M26,
Urk.
10/M33).
Die AXA gab
beim E._
das
Gutachten vom 3
0.
Juni 2011 (
nach
fol
gend:
E._
-Gutachten vom
3
0.
Juni 2011,
Urk.
10/M37) in Auftrag
(
Urk.
10/A32)
.
Mit Verfügung vom 1
1.
August 2011 stellte die AXA
ihre
Heilbe
handlungs
- und Taggeldleistungen rückwirkend per 3
1.
Juli 2011 ein, verneinte einen Anspruch
der Versicherten auf eine Rente
und
sprach ihr bei eine
r
Integritätseinbusse von 10
%
eine
Integritätsentschä
digung
von
Fr.
12‘600.-- zu (
Urk.
10/A38).
Dagegen erhob die Krankenkasse
von
X._
, die
Progrès
Versicherungen AG, am 1
7.
August 2011
Ein
sprache
(
Urk.
10/A40).
Am 1
4.
September
2011
erhob
X._
ebenfalls
Einsprache (
Urk.
10/A49).
Mit Eingabe vom 1
5.
September 2011 zog die
Progrès
Ver
siche
rungen AG ihre Einsprache vom 1
7.
August 2011 wieder zurück (
Urk.
10/A51).
Die
F._
reichte der AXA
die
Kostenschätzung
vom 1. September 2011 für eine Zahn
behandlung
ein
(
Urk.
10/M38)
, woraufhin die AXA die Stellungnahme von
Dr.
med.
dent
.
G._
vom 2
0.
September 2011
einholte
(
Urk.
10/M39).
Die AXA holte
die
Stellungnahme der
D._
vom
17. April 2012
zu den Augenbefunden
ein
(
Urk.
10/M41).
Der beratende Arzt der AXA,
Dr.
med.
H._
, Physika
lische
Medizin und Rehabilitation spez.
Rheumaer
krankungen
FMH, nahm am 2
7.
September 2012 eine
Aktenb
eurteilung vor (
Urk.
10/M43).
Mit Entscheid vom
1.
November 2012
hiess die AXA die
Einsprache von
X._
vom 14. September 2011 in dem Sinne gut, als die Heilbehandlung im Sinne der Erwägungen dieses
Einspracheentscheids
übernommen wurde. Im Übrigen wurde die Einsprache abgewiesen
(
Urk.
2).
2.
Da
gegen
führte
X._
am
3.
Dezember 2012 Beschwerde und bean
tragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es sei ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Nach Vorliegen des Gutachtens seien ihr die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventualiter sei der angefochtene
Einspracheentscheid
aufzuheben und die Angelegenheit zur Einholung eines neutralen Gutachtens und zur Zusprechung der gesetzlichen Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
In prozessualer Hinsicht stellte sie den Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung sowie auf
Be
i
zug
der Akten aus dem
Prozess
Nr.
IV.2012.00683 in
Sachen
X._
gegen die IV-Stelle
und allenfalls um Koordination der Verfahren (Urk. 1 S. 3).
Die Beschwerdegegnerin beantragte m
it Beschwerdeantwort vom 1
8.
März 2013 Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
7 S. 2)
und stellte die prozessualen Anträge auf
Beizug
der Akten der IV-Stelle und des Prozesses
Nr.
IV.2012.00683
und auf Abweisung des Antrag
s
auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung (Urk. 7 S. 2-3).
Mit Gerichtsverfügung vom 2
0.
März 2013
(Urk. 12)
wurden die Akten der IV
Stelle
(
Urk.
15/1-124)
beigezogen, welche den Parteien im Rahmen des zweiten
Schriften
wechsels
zur Einsicht zugestellt wurden (
Urk.
16). Die Parteien hielten
re
plicando
(
Urk.
20) und
duplicando
(
Urk.
26) an ihren Anträgen fest
. Mit Mit
teilung vom
6.
Dezember 2013 wurde der Beschwerdeführerin
das
Doppel
der
Duplik vom
3.
Dezember 2013 zugestellt (
Urk.
28).
Am 1
8.
März 2014
teilte
die
Beschwerdeführerin telefonisch mit, dass sie ihren Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung zurückziehe (
Urk.
29).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
4.
Zu ergänzen ist, dass die IV-Stelle
Zürich
mit Verfügung vom 25. Mai 2012 auf
die Ne
u
anmeldung
der Beschwerdeführerin
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
vom 25. Oktober 2011
(Urk. 15/88, Aktenverzeichnis zu Urk. 15/1-124)
nicht eintrat
(
Urk.
15/109)
.
M
it Urteil
heutigen Datums im Prozess Nr. IV.2012.00683 wurde diese Verfügung in Gutheissung der Beschwerde
der Beschwerdeführerin
vom 27. Juni 2012
aufge
hoben
und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurück
gewiesen
, damit diese auf
das neue Gesuch
vom
25. Oktober 2011
eintrete und nach Vornahme der notwendigen Abklärungen über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin verfüge
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
10
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfall
versicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10
%
(
Art.
8 Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts [ATSG]) invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invaliden
rente (
Art.
18
Abs.
1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Ge
sund
heitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
mass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem
Renten
beginn
fallen die Heilbehandlung und die
Taggeld
leistungen
dahin (
Art.
19
Abs.
1 UVG).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem ein
getretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzu
sam
menhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusam
menhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise be
ziehungs
weise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürli
chen Kau
salzusam
menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleini
ge oder unmittelbare Ursache gesund
heitlicher Störungen ist; es genügt,
dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
per
liche oder geistige Inte
grität der ver
sicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3.2
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische
Gesund
heitsschädigung
herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Ver
anlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus
versicherungs
mässiger
Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit
Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzu
knüpfen, wobei
–
ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf
–
folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.
3
.
3
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittelschwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen massgebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237, 1995 Nr. U 215 S. 91).
1.3.4
Bei banalen Unfällen wie z.B. bei geringfügigem Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses und bei leichten Unfällen wie z.B. einem ge
wöhn
lichen Sturz oder Ausrutschen kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen (BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E.
6a).
1.3.5
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Un
falls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre
er
fahrungs
gemässe
Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
körperliche Dauerschmerzen;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium
genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie z.B. eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere
unfall
bezogene
Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbs
unfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E.
2).
1.
4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der
Invaliditäts
grad
aufgrund eines
Ein
kommensvergleichs
zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein
tritt der Invalidität und nach Durchführung all
fälliger Eingliederungs
mass
nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
ge
glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffern
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die frag
lichen
Erwerbseinkom
men
ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Mass
gabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annä
herungswerte miteinander zu ver
gleichen. Wird eine Schät
zung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Fest
legung von Annäherungswerten be
stehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüber
stellung blosser
Prozent
zahlen
genügen. Das ohne Invalidität erzielbare hypothe
tische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu be
werten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend klei
neren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der
Invaliditätsgrad ergibt (so genannter Prozentvergleich; BGE 128 V 29 E. 1, 114 V 310 E. 3a mit Hinweisen; AHI 2000 S. 309 E. 1a mit Hinweisen).
1.5
War die Leistungsfähigkeit des Versicherten aufgrund einer nicht versicherten Gesundheitsschädigung vor dem Unfall dauernd herabgesetzt, so ist für die Bestimmung des Invaliditätsgrades der Lohn, den er aufgrund der
vorbe
stehenden
verminderten Leistungsfähigkeit zu erzielen imstande wäre, dem Einkommen gegenüber zu stellen, das er trotz der Unfallfolgen und der
vorbe
stehenden
Beeinträchtigung erzielen könnte (Art. 28 Abs. 3 der Verordnung über die Unfallversicherung [UVV]).
1.
6
1.
6
.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden be
rück
sichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Ex
pertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E.
1c).
1.
6
.2
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nach
vollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungs
träger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozial
versiche
rungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gutachterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 122 V 157 E. 1c; vgl. auch 123 V 331 E.
1c).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin wegen der Folgen des Un
falls vom
1
4
.
März 2009
über den
31. Juli 2011
hinaus Leistungen zu er
bringen hat, mithin, ob die nach diesem Zeitpunkt geklagten Beschwerden noch in einem natür
lichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom
14. März 2009
stehen.
2.2
Die Beschwerdeführerin lässt
im Wesentlichen
vorbringen,
d
er
begutachtende
E._
-
Neurologe
habe die geklagten und objektiv feststellbaren Beschwerden der Beschwerdeführerin zu wenig berücksichtigt, wenn er zum Schluss komme, dass mit all diesen Beschwerden eine 80%ige Restarbeitsfähigkeit bestehe
(Urk. 1 S. 11, Urk. 20 S. 10)
. Es seien die unfallkausalen Diagnosen einer trau
matischen
Nervus
(
N.
)
maxiliaris
-Schädigung mit persistierender
Allodynie
und neuralgischem Schmerz gestellt worden (
Urk.
1 S.
11). Zudem bestehe ein an
haltender residualer Oberkieferschmerz im Sinne eines
Nozizeptorenschmerzes
(
Urk.
1
S.
11-12)
.
Die
E._
-Gutachter
würden auch
an
geben
, dass ein
zer
vikozephaler
,
myofascial
vermittelter Kopfschmerz bestehe, der allenfalls teil
weise unfallkausal sei, wobei dem nicht näher nachgegangen worden sei
(Urk. 1 S. 12, Urk. 20 S.
10)
. Dasselbe gelte auch für die von den Ärzten als teilweise unfallkausal bezeichnete Insomnie
(
Urk.
1
S.
12).
Der grösste Mangel des Gut
achtens betreffe aber die Herleitung der Arbeitsunfähigkeit aufgrund der „Gutachterlichen Bewertungstabellen“ einer Deutschen Publikation (
Urk.
1 S.
13).
Hin
sichtlich des adäquaten
Kausalzusammenhangs zwischen dem
Unfall vom 14. März 2009 und den psychischen Beschwerden bringt die Beschwerde
führerin vor, dass es sich
beim
Sturz vom 14. März 2009 nicht um ein banales Ereignis gehandelt habe
(
Urk.
20 S. 15)
.
Von
den
in BGE 115 V 133
(Psycho-Praxis)
genannten
Adäquanzk
riterien
sieht sie
deren
fünf als
gegeben
an (
Urk.
20 S. 15-16).
2.3
Die Beschwerdegegnerin stellt sich demgegenüber
im Wesentlichen
auf den Stand
punkt
, dass
es sich
beim
E._
-Gutachten vom 30. Juni 2011 (Urk.
10
/M37
) und dem Aktengutachten von
Dr.
H._
vom
2
7.
September
2012
(
Urk.
10
/M43
)
um je zwei eigenständige Gutachten mit unterschiedlicher
Fra
gestellung handle, welche beide vollständig, schlüssig und voll beweiskräftig seien
(
Urk.
7 S. 6, S.
8
,
Urk.
26 S. 8
).
Es bestehe keine Veranlassung zur Ein
holung eines weiteren Gut
achtens (Urk. 7 S. 8). Aufgrund des
E._
-Gutachtens
vom 30. Juni 2011
stehe fest, dass die Beschwerdeführerin vor dem Unfall einen dauerhaften psychiatrischen Vorzustand aufwies, der durch den Unfall nicht beeinflusst worden sei. Während sich aus den echtzeitlichen Akten vor dem Unfall aus dieser krankheitsbedingten Einschränkung (re
zidivierende depressive Störung, mittelgradige Episode) noch eine fachärztlich festgestellte 50%ige Arbeitsunfähigkeit ergeben habe,
schätzte der
psychiatrische
E._
-
Gutachter die
durch die identische Diagnose mit gleichem Schweregrad bedingte Arbeitsunfähigkeit lediglich auf 30
%
. Dabei handle es sich lediglich um eine unbeachtliche abweichende ärztliche Einschätzung eines gleich gebliebenen Gesundheitszustandes (
Urk.
26 S. 3).
Der natürliche Kausalzu
sammenhang zwischen dem Unfall und den geklagten psychischen Beschwer
den sei nicht
gegeben. Beim Sturz während eines traditionellen Tanzes handle es sich um einen ba
nalen/leichten Unfall, bei welchem die Adäquanz ohne weiteres zu verneinen sei (
Urk.
26 S. 15).
Da höchstens das Kriterium der körperlichen
Dauer
schmerzen
, jedoch nicht in ausgeprägter Weise, möglicher
weise erfüllt sein könnte, sei die Adäquanz auch aus diesem Grund zu verneinen (
Urk.
26 S.
16).
3.
3.1
Dr. med
.
I._
, Facharzt
für Allgemeine Medizin, welcher die Beschwerdeführerin von 11. Juni 2001 bis 6. Dezember 2005 und wieder ab 28. Januar 2008 behandelte
(
Urk. 9/1 S. 2, Urk. 15/43/2
)
,
diagnostizierte
am
6.
Dezember 2008 mehrere Leberrundherde unklarer Genese, Differentialdia
gnose (DD): Adenom,
Malignom
sowie depressive Verstimmung mit Angst. Die Beschwerdeführerin habe mehrere Verwandte, welche infolge Hepatitis B und Leberzirrhose
beziehungsweise
Leberkrebs verstorben seien. Sie denke dauernd an ihre Krankheit, welche eventuell maligne entarten und zum Tod führen könne. Gemäss Dr
.
I._
bestand vom 3
0.
September 2008 bis auf weiteres eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (
Urk.
9/2,
Urk.
15/27). Am 3. Dezem
ber 2009 nannte er die Diagnosen (1) de
pressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit Angst, (2) mehrere Leberrundherde unklarer Genese, DD:
Malignom
, Adenom, (3) Status nach Unfall mit Jochbeinfraktur rechts mit
Orbitabeteiligung
, Status nach mehrmaligen Operationen mit pro
tra
hiertem Verlauf mit diffusen
Restbe
schwerden
, (4) chronische Hepatitis B, (5)
chro
nisches
Lumbovertebralsyndrom
sowie (6) Trigeminus-Neuralgie rechts. Dr.
I._
attestierte der Beschwerde
führerin eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (Schreiben von Dr.
I._
an die Beschwerdegegnerin vom
3.
Dezember 2009, Urk. 10/M23).
3.2
Nach der Erstversorgung der am 1
4.
März 2009 erlittenen Gesichtsverletzungen
im Spital in
Z._
, wo die
Beschwerdeführerin wegen Commotio-Über
wachung bis
zum
1
5.
März 2009 hospitalisiert war (
Urk.
10/M4), wurde
sie im
A._
behandelt.
Dem
B
ericht
des A._
zuhanden der IV
Stelle Obwalden
vom 4. Juni 2009
ist
als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit eine dislozierte Joch
bein- und Jochbogenfraktur rechts mit
Orbitabodenbeteiligung
zu entnehmen
(Urk. 15/50/2).
Die Beschwerdeführerin sei vom 16. bis 21. März 2009 behandelt worden.
Der postoperative Verlauf sei komplikationslos gewesen, so dass die Beschwerdeführerin am 2
1.
März 2009 in gutem Allgemeinzustand in die häusliche Pflege
habe entlassen werden könn
e
n
(Urk.
10/M18).
Für den Zeitraum vo
m
14. März bis 24. April 2009 at
testierten
ihr
die Ärzte des
A._
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 15/50/3). Am
27. Oktober 2009 berichteten sie über die Behandlung der Beschwerdeführerin bis 13. Oktober 200
9.
Nach Austritt
aus dem
A._
habe die
Beschwerdeführerin über persistierende Schmerzen geklagt. Die Hy
po
sensibilität im Versorgungsbereich des
N.
infraorbitalis
rechts habe sie ebenfalls als sehr störend empfunden. Die klinische Untersuchung habe immer reizlose Wundverhältnisse, keine Anzeichen für Entzündung und lediglich eine leichte persistierende Schwellung
der Wange
rechts gezeigt
.
D
ie Befunde der postoperativen augenärztlichen und
orthoptischen
Untersuchung
seien
unauf
fällig
gewesen
. Die konventionellen postoperativen Röntgenbilder
hätten
regel
rechte Stellungsverhältnisse
gezeigt
. Aufgrund von persistierenden Schmerzen sei am 2
9.
Juni 2009 eine computertomografische Untersuchung durchgeführt worden, welche ebenso unauffällig gewesen sei.
Die
intraoperative In
spektion
bei der
Osteosynthesematerial
entfernung
habe keine Auffällig
keiten gezeigt, insbeson
dere keine Anzeichen für
eine
Einklemmung des
N.
infraorbitalis
rechts. Postoperativ habe die Beschwerde
führerin weiterhin über persistierende Schmerzen sowie Hyposensibilität geklagt
(
Urk.
10/M18 S. 1, Urk. 15
/59/1)
. Zwei Wochen nach der
Osteosynthesematerial
entfernung
habe die Beschwerde
führerin plötzlich Doppelbilder bekommen. Eine Magnetresonanztomografie
-Untersuchung zum Ausschluss entzündlicher Vorgänge im Bereich der
Augen
muskulatur
habe einen vollkommen unauffälligen Befund ergeben. Zur endgültigen Abklärung sei
noch eine computertomografische Untersuchung durchgeführt worden, welche ebenso unauffällig gewesen sei
. Zur Abklärung der
Schmerzsympto
matik
sei zusätzlich eine neurologische Unter
suchung empfohlen worden. Die Beschwerdeführerin habe leider den verein
barten Termin nicht eingehalten. Sie befinde sich derzeit in augenärzt
licher Be
hand
lung. Aus mund-, kiefer-, gesichtschirurgischer Sicht sei derzeit keine Therapie angezeigt
(
Urk.
10/M18 S. 2,
Urk.
15/59/2)
.
3.
3
Am 1
5.
Juli 2009 führten die Ärzte
der
D._
aus
, dass der Unfall vom 1
6.
(richtig: 14.) März 2009 keine
Visusver
schlechterung
verursacht habe
(Urk. 10/M11)
.
Dem
orthoptischen
Zwischen
be
richt
der
D._
vom 1
2.
Februar 2010 ist zu entnehmen, dass sich am 1
8.
September 2009 eine
inkomitierende
Hypertrop
h
ie
rechts mit ent
sprechenden Doppelbildern gezeigt habe. Mittels Press-on-Prisma auf einer Leih-Planbrille habe beim Blick geradeaus Fusion erreicht werden können (
Urk. 10/M19
)
. In der
Stellungnahme der
D._
vom 17. April 2012 wurde ausgeführt, dass bei der Beschwerde
führerin zum jetzigen
Zeitpunkt aus
ophthalmologischer
Sicht keine Arbeitsun
fähigkeit bestehe und als Folge des Unfalls vom 14. März 2009 keine dauernde Schädigung der körperlichen Inte
grität bestehe (Urk. 10/M41 S. 1).
3.4
Die Ärzte
des
C._
stellten in ihrer Erstbeurteilung vom 2
2.
Juni 2010
die klinisch
en
Diagnosen
Tendomyopathie
der Kaumuskulatur rechts und der Nackenmuskulatur beidseits
,
neuropathische
Gesichtsschmerzen rechts
und Ver
dacht auf psychologische Faktoren (
Urk.
10/M25).
Im
C._
wurde
eine Psycho
therapie durchgeführt (Urk. 10/A18).
3.
5
Dem Bericht
der
B._
vom 25. Februar 2011 sind
die Diagnosen rezidivierende, depressive Störung
, gegenwärtig
mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1) und Verdacht auf anhaltende,
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
zu entnehmen.
Im Bericht wurde
aus
geführt
, parallel zu der erfolgten psychiatrisch-psychotherapeutischen Begleitung habe
sich
die Beschwerde
füh
rerin bisher einige Male
Operationen unterziehen müssen
,
welche
sie erneut belastet h
ätten
. Ihr psy
chischer Zustand habe sich seit Beginn der psychia
trischen Behandlung etwas
gebessert. Ihr derzeitiger psy
chiatrischer Zustand erlaube eine
Arbeits
tätigkeit
von etwa 30 % (Urk. 10/M31 S. 3).
3.
6
3.
6
.1
Am
E._
-
Gutachten vom 30. Juni 2011 (Urk.
10/M37
)
waren
J._
, Geschäftsführer
,
und Dr. med.
K._
, medizinische Verantwortung, sowie die
Dres
. med
.
L._
,
Facharzt für Neurologie, als Hauptgutachter
und
M._
,
Facharzt für Psychiatrie, als
Konsiliargutachter
beteiligt (
Urk.
10/M37 S. 21).
Gestützt auf die von der
Beschwerdegegnerin
zugestellten und
die
von de
n Gutachtern beigezog
en
en
Unterlagen
(
Urk.
10/M37 S. 1)
sowie
auf
die
psychiatrische
und
neurologis
che
Untersuchung vom 30. Mai 2011 (
Urk.
10/M37 S.
22)
bzw.
1. Juni 2011
(
Urk.
10/M37 S
. 1)
stellten die
E._
-
Gut
achter die folgenden Diag
nosen
(
Urk.
10/M37 S. 18 f.)
:
Nicht unfallrelevante Diagnosen:
R
ezidivierende depressive Störung, mittelgradige depressive Episode (ICD
10: F33.1
G
)
Verdacht auf Panikstörung (ICD-10: F41.1
V
)
A
namnestisch
e
frühere, sporadische episodische Migräne
Restless
-
legs
-Syndrom
Grössenstationäre Leberläsionen ohne Nachweis neuer fokaler Patho
logien. Verdacht auf Leberadenome in den Segmenten VII, VI und III. Verdacht auf Leberhämangiom im Segment VII, DD: Adenom. Zwei Leberhämangiome im Segment VII. Leberläsion im Segment VI, DD: Adenom, Hämangiom
.
Unfallrelevante Diagnosen:
Status nach
Blow
in-Fraktur des rechten Mittelgesichts vom 14. März 2009 (Stückfraktur des rechten
Os
zygomaticum
. Impressionsfraktur der Orbita unter Beteiligung der lateralen
Orbitawand
und des
Orbitabodens
, der
Fis
sura
infraorbitalis
sowie der ventr
alen und lateralen Kieferhöhlen
wand, Multiple kleine Stückfragmente mit
Aufspiessung
des
Musculus
rectus
late
ralis
), keine intrakranielle oder
cervikale
Verletzung. Status nach Reposition und Osteosynthese
des Jochbeins rechts,
Orbitabo
denrevision
und –
plastik
vom 17. März 2009
R
esiduale,
unfallkausale traumatische Schädigung des
N.
maxillaris
rechts mit persistierender
Allodynie
und neuralgischem Schmerz
R
esidualer, unfallkausaler, anhaltender Oberkieferschmerz im Sinne eines
Nozizeptorenschmerz
es
, überwiegend wa
hrscheinlich
myofascial
mit
myo
ar
tropathischem
Kieferschmerz rechts
M
ultifaktorielle chronische Insomnie schmerzbedingt bei chronischem gemischtem Gesichtsschmerz
L
eichter
myofascialer
zerviko
z
ephaler
Kopfschmerz
I
nkomitierende
Hyperphorie
rechts (bis
Hypertropie
im
Abblick
) bei
Rectus
-inferior-parese rechts, Fusion im Gebrauchsblickfeld (zum Teil Diplopie im
Abblick
). Status nach Augenmuskeloperation 201
1.
Geringe
R
efraktions
ano
malie
(korrigiert)
.
3.
6
.2
Der Gesamtbeurteilung
der
E._
-Gutachter
kann entnommen werden, dass aus neurologischer
Sicht
seit der operativen Versorgung der am 14. März 2009 erlittenen
Blow
in-Fraktur des rechten Mittelgesichts unfallkausal eine residuale traumatische Schädigung des N.
maxillaris
rechts mit persistierender
Allodynie
und neuralgischem Schmerz sowie überwiegend wahrscheinlich
un
fallkausal
ein anhaltender Oberkieferschmerz im Sinne eines
Nozizeptoren
schmerz
es
, über
wie
gend wahrscheinlich
unfallkausal
myofascial
mit
myoartropathischem
Kieferschmerz rechts
, bestehe
. Allenfalls teilweise unfallkausal sei hingegen ein leichter
zerviko
z
ephaler
,
myofascial
vermittelter Kopfschmerz zu beschreiben. Zusätzlich sei seitens der
D._
eine
inkomitierende
Hyperphorie
rechts (bis
Hypertropie
im
Abblick
) bei
Rectus
-inferior-parese rechts zu konstatieren
. B
ei Status nach Augenmuskeloperation anfangs 2011 sei mittlerweile die Fusion im Gebrauchsblickfeld wieder erlangt worden. Es bestehe jedoch noch Diplopie im
Abblick
insbesondere bei Blick nach unten rechts
(
Urk.
10/M37 S. 19)
.
Als
psychiatrische Diagnosen best
ünden
einerseits der Verdacht auf eine Panikstörung (ICD-10: F41.1 V) sowie eine rezidivierende depressive Störung, derzeit mit mittelgradiger depres
siver Episode (ICD-10: F33.1 G). Bezüglich der
psychischen Störung gelte der Unfall vom 1
4.
März 2009 lediglic
h
als Auslöser,
sei
nicht primär unfallkausal für das aktuell noch beklagte
psychische Beschwerdebild, löse damit keine unfallkausal begründbare Einschränkung der Arbeits
fähigkeit bzw. Integritätsentschädigung aus (
Urk.
10/M37 S. 19).
Somit sei lediglich
aus neurologischer Sicht
die Schädigung des
N.
maxiliaris
rechts mit chronischem ge
mischtem Schmerzsyndrom zu berücksichtigen. Aufgrund der chronischen Ge
sichtsschmerzen sei auch ein
e
von der Beschwer
deführerin berichtete Insomnie teilweise
unfallkausal zu betrachten, wenngleich hier zusätzlich auch psy
chische
Belastungselemente anzunehmen seien und überdies auch ein bis
lang nicht beschriebenes
Restless
-
legs
-Syndrom (nicht unfallkausal)
zu be
rück
sich
tigen sei. Die beklagte
Zervikozephalgie
sei im Rahmen der
myoarthro
patisch
,
schmerzgetriggerten
muskulären Anspannung erklärt, hier seien jedoch zusätz
lich chronische psychische Belastungsfaktoren mit Sicherheit
wegbahnen
de
wesentlich mitbeteiligt (
Urk.
10/M37 S. 20).
3.
6
.3
Zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hielten
die
E._
-
Gutachter fest, aufgrund der gemischten leicht bis mittelgradigen Gesichtsschmerzsymptomatik sei eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit um 20 % begründbar. Nach mittlerweile zweijährigem Verlauf sei ein Endstadium erreicht (Urk.
10/M37 S. 20
).
3.7
Dr.
H._
führt
e
in seiner Beur
teilung
vom 27. September 2012
insbesondere
aus,
die Un
fall
folgen würden einem neuropathischen Gesichtsschmerz aufgrund einer irre
ver
siblen strukturellen Verletzung von Nervengewebe mit Folgen auf die be
ruf
liche Belastbarkeit entsprechen (Urk. 10/M43 S. 6). M
it Bezug auf
unfall
kausale
Ein
schränkungen seien
der Beschwerdeführerin
Tätigkeiten, die mit Kälte-/Wärme- oder Druckexposition des Gesichts einhergehen, medizinisch nicht zu
mutbar. Andere Tätigkeiten beziehungsweise die angestammte Tätigkeit als
Service
angestellte
könnten unter ausschliesslicher Berücksichtigung von
Ge
sundheits
folgen
durch das Ereignis vom 1
4.
März 2009 mit einer Einschränkung der Leistung von 20
%
(bei Vollbeschäftigung) bewältigt werden
(Urk. 10/M43
S. 4
).
3.8
Dr
.
G._
verneinte am 2
0.
September 2011 einen Kausalzusammenhang zwischen den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Zahnschäden und dem Unfall vom 1
4.
März 2009 (
Urk.
10/M39).
4.
4.1
Zu prüfen ist vorab, ob die Beschwerdegegnerin mit der
E
instellung
der vorübergehenden Leistungen
ab 31. Juli 2011
und der Prüfung des Anspruchs
auf Rente und Integritätsentschädigung
den Fall zu Recht auf diesen Zeitpunkt hin abgeschlossen hat.
4.2
In ihr
em Bericht vom 2
7.
Oktober 2009 hielten die Ärzte
des
A._
fest, aus mund-, kiefer- und gesichtschirurgischer Sicht
sei
derzeit keine Therapie
angezeigt (E. 3.1).
D
ie
E._
-Gutachter waren der Auffa
s
sung,
dass nach mittlerweile zweijährigem Verlauf
von einem Endzustand auszugehen sei. Bezüglich der Gesichtsschmerzen sei bezogen auf die N.
maxillaris
-
Schä
digung keine Besserung zu erwarten (
E. 3.6.3,
Urk. 10/M37
S. 42).
Hinsichtlich der Augenbeschwerden
wi
e
sen
die
E._
-
Gutachter
aber
darauf hin, dass bezüglich der Diplopie im
Abblick
insbesond
ere bei Blick nach unten rechts als weitere therapeutische Option der Einsatz einer
Prismenbrille
zur weitgehenden Beseiti
gung der Restitutionsstörung
möglich sei
(
Urk.
10/M37 S. 40).
Die
Leistungs
einstellung
der Beschwerdegegnerin per 3
1.
Juli 2011 wäre zu früh erfolgt, wenn von dieser Massnahme eine
namhafte
B
es
serung im Sinne von
Art.
19
Abs.
1 UVG
zu erwarten gewesen wäre. D
ie in
Art.
19
Abs.
1 UVG erwähnte „namhafte Besserung des Gesund
heitszustandes“
bestimmt sich namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wieder
her
stellung
der Arbeitsfähigkeit
. Die Verwendung des Begriffs „namhaft“ in
Art.
19
Abs.
1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von
Art.
10
Abs.
1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss (vgl. BGE 134 V 109 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_836/2013 vom 2
7.
März 2014 E. 4.3
).
Dies ist bezüglich der
von den
E._
-Gutachtern
vor
geschlagenen
Prismenbrille
nicht der Fall,
was nur schon deswegen
gilt
,
weil
die
E._
-Gutachter der Beschwerdeführerin wegen der Augenbeschwerden keine Arbeits
unfähigkeit attestierten (Urk. 10/M37 S. 39, S.
42).
Zu erwähnen
ist
auch
, dass
d
ie Ärzte der
D._
am
17. April 2012
festhielten
,
dass
bei der Be
schwerdeführerin zum jetzigen Zeitpunkt aus
ophthalmologischer
Sicht keine Arbeits
unfähigkeit
bestehe
(E. 3.2)
.
Mit Verfügung vom 19. Februar 2010
wies die IV-Stelle Obwalden das
Leistungs
begehren
der Beschwerdeführerin ab
(Urk. 15/72).
Die Beschwerde
führerin meldete sich
bei der IV-Stelle Zürich
erst am
25. Oktober 2011
wieder zum Leistungsbezug an
(Urk. 15/88,
Akten
verzeich
nis
zu Urk. 15/1-1
24
). Da somit am 3
1.
Juli 2011
auch
keine Eingliede
rungs
massnahmen der
Eidg
.
Invalidenver
sicherung pendent
waren
, ist der
Fallab
schluss
durch die Beschwerdegegnerin
per
diesem Datum
nicht zu bean
stand
en (vgl. etwa Urteil des Bundes
gerichts 8C_527/2008 vom 27. November 2008 E. 4.1). Weitere
Heil
behandlungs- und
Taggeldleistungen waren somit nicht geschuldet.
4.3
4.3.1
Zu prüf
en bleibt der
strittige
Anspruch auf Rente.
Die Beschwerdegegnerin stellte im Wesentlichen
au
f
das
E._
-Gutachten vom 30. Juni 2011 (Urk. 10/M37) ab (
Urk.
2 S. 4
).
Die
E._
-Gutachter
erstellten ihr Gutachten in Kenntnis der
Vor
akten
(insbes.
Urk.
10/M37 S. 3-9)
–
zu welchen sie auch Stellung nahmen (ins
bes.
Urk.
10/M37 S. 37)
–
und unter Berücksichtigung der
geklagten Beschwer
den
(insbes.
Urk.
10/M37 S. 9-12, S. 27-28).
Sie
führ
t
en aus, dass als Unfallfolgen aus neurologischer Sicht lediglich die Schädigung des N.
maxillaris
rechts mit chronischem, gemischten Schmerzsyndrom zu berück
sichtigen sei (Urk. 10/M37 S. 40).
Wie festgehalten (E. 4.2)
,
haben
sie
den
Augenbe
schwerden
der Beschwerdeführerin
keine Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit
beigemessen
.
Die
Einschätzung der
E._
-Gutachter vermag insgesamt zu überzeugen. Es schadet nicht, dass sie bei ihrer Begründung der unfallbedingte
n
Restarbeitsfähigkeit auf eine deutsche Publikation hinweisen
, denn s
ie
nehmen in ihrer
Beurteilung
– welcher sich auch
Dr.
H._
angeschlossen hat (Urk.
10/M43 S. 3) – einlässlich und in nachvollziehbarer
Weise
auf die von ihnen
erhobenen Befunde
Bezug
(Urk. 1
0/M
3
7
S. 19-20)
und haben somit d
ie unfallbedingte Resta
rbeitsfähigkeit
der Beschwerde
füh
rerin
nicht
einzig
aufgrund
der von ihnen zitierten
deutsche
n
Publikation
ab
ge
leitet.
Dem
E._
-Gutachten
vom 30. Juni 2011 (Urk.
10/M37
)
kommt
somit
voller Beweiswert
zu. Ges
tützt darauf ist davon auszugehen
,
das
s
die Beschwer
deführerin als Folge des Unfalls vom 1
4.
März 2009 in somatischer Hinsicht zu 20 % arbeitsunfähig ist.
Die
von
E._
-Gutachter
Dr.
M._
erhobenen
psychischen
Befunde
sind gemäss diesem nicht primär
unfallkausal (Urk.
10/M37 S. 19). Ob die psychischen Beschwerden in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum versicherten Unfallereignis stehen
,
kann offen ge
lassen werden. Denn diesbe
züglich ist anders als bei Gesundheitsschädigungen mit einem klaren
unfall
bedingten
organischen Sub
strat, bei welchen der adä
quate Kausal
zusammen
hang in der Regel mit dem natürlichen bejaht werden kann
,
eine besondere
Adäquanzprü
fung
vorzunehmen.
Da den medizinischen Akten nicht zu entnehmen ist, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 1
4.
März 2009 ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine dem
Schleuder
trauma
äqui
valente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat, hat
die Prüfung der Adä
quanz
vorliegend
an
hand der
Kri
terien bei psychischen Fehlent
wicklungen
(so genannte Psy
cho-
Praxis, BGE 115 V 133)
zu erfolgen
(vgl. BGE 127 V 102 E. 5b/
bb
mit Hinweisen)
.
4.
3.
2
Mit
Einspracheentscheid
vom 1
.
November 2012
qualifizierte die
Beschwerde
gegnerin
das Unfallereignis vom 14
. März 20
09
als
leichten bzw. banalen Unfall
(Urk.
2
S. 4).
Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber vor, dass
es sich
beim
Sturz vom
1
4.
März 2009
um einen
mittelschwere
n
Unfall, welcher im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen liege,
handle
(
Urk.
20 S. 15).
Die Bestimmung des
Schwere
grades
ei
nes Unfallereignisses erfolgt aufgrund des augenfälligen
Ge
schehens
ablaufs
mit den sich dabei entwickelnden Kräften, wobei eine objektivierte Be
trachtungsweise anzu
wenden ist. Nicht massgebend sind die Folgen des Unfalles oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden kön
nen. Der
artigen, dem eigentlichen Unfallgeschehen nicht zuzuordnenden Fak
toren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen. Dies gilt etwa für die – ein eigenes Krite
rium bildenden – Verletzungen, welche sich die versi
cherte Person zuzieht, aber auch für unter dem Gesichtspunkt der besonders dramatischen Begleit
umstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls zu prüfenden äusseren Umstände, wie eine
allfällige Dunkelheit im Unfall
zeitpunkt oder Verletzungs- respektive gar Todesfolgen, die der Unfall für an
dere Perso
nen nach sich zieht (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 27 E. 5.3.1).
In der Unfallmeldung, welche bei der Beschwerdegegnerin am 3
0.
März 2009 einging, wurde das Unfallereignis vom 1
4.
März 2009 wie folgt beschrieben: Die Beschwerdeführerin sei bei einem Hochzeit
s
fest eines Familienangehörigen beim Tanzen ausgerutscht und auf den Boden gefallen (
Urk.
10/A1). Bei der B
esprechung mit dem Schadeninspektor der
Beschwerdegegnerin vom
13. Januar 2011 führte die Beschwerdeführerin aus, bei einem Tanzritual, bei welchem
sich die Hochzeitsgäste in einer Reihe aufgestellt
hätten
und sie selbst am Ende der Re
i
h
e
ihren Cousin an der Hand gehalten habe, sei sie bei der Landung nach eine
m
Sprung mit dem rechten Fuss nach hinten ausgerutscht und ungebremst vornüber
gestürzt
. Sie sei mit voller Wucht mit dem Gesicht auf den Parkett
boden aufgetroffen, habe Knochen brechen gehört und sofort starke Schmerzen gehabt (
Urk.
10/A28 S. 1).
Bei der Qualifikation des
Unfall
ereignisses
vom 1
4.
März 2009 sind die dabei erlittenen Verletzungen (Joch
bein- und
Joch
bogenfraktur
rechts mit
Orbitabodenbeteiligung
)
grund
sätzlich
ausser Acht zu lassen.
Gemäss der Rechtsprechung des
Bundesgericht
s handelt es sich bei einem
Unfallgeschehen, bei welchem
eine
Versicherte nachts, im Dunkeln, auf
einer Strasse stolperte, fiel und sich eine Rissquetschwunde an der Nasenwurzel zuzog
, um einen
leichten Unfall (Urteil des Bundesgerichts U
367/01 vom 21. März 2003 E. 4.2). Das Ausrutschen auf einer Aussentreppe mit Sturz kopfüber, bei welchem
eine
Versicherte eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung erlitten hatte, sah es als mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten
Unfällen
an (Urteil des Bundesgerichts 8C_798/2007 vom
3.
Juli 2008 E. 4.1). Das hiesige
Gericht beurteilte das Aus
rutschen auf nassem Kopfsteinpflaster mit Sturz auf dem Hinterkopf als
mittelschweren Unfall im Bereich zu leichten Unfällen (Urteil des Sozialver
sicherungsgerichts des Kantons Zürich UV.2009.00333 vom 3
1.
Januar 2011 E.
4.2).
Nach dem Gesagten
kann
d
er Sturz vom 1
4.
März 2009
– ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf und unter Berücksichtigung des Unfall
herganges –
als mittel
schwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten
Unfällen
qualifiziert werden.
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs müssten somit von den weiteren massgeblichen Kriterien entweder ein einzelnes in besonders ausge
prägter Weise oder aber mehrere in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (E. 1.3.5
; Urteil des Bundesgerichts U 406/00 vom 1
4.
Februar 2002 E. 3b
).
Die
Beschwerdeführer
in
le
gt nicht explizit dar, dass die
Kriter
ien
„
ärztliche
Fehl
behandlung
, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert“
und „schwieri
ger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen
“ gegeben sei
en
.
Nach Lage der Akten wurde dies zu Recht nicht behauptet.
Hingegen sieht die Beschwerde
führerin das Kriterium der
„
besonders dramatische Begleitum
stände oder beson
dere Eindrücklichkeit des Un
falls
“ als erfüllt an und weist darauf hin, dass der Unfall an einer Hochzeit mit
zahlreichen Gästen erfolgt sei
(
Urk.
20 S.
15)
.
D
ie
besondere Eindrücklichkeit des Unfalls
kann deswegen
allerdings nicht bejaht werden
, zumal
keine Einwirkung durch die übrigen Hochzeitsgäste bestand und
die Beschwerdeführerin ohne
Fremde
inwirkung stürzte. Bei
der
Gesichtsfraktur und
der
notfallmässige
n
Behand
lung im
Spital
Z._
(
Urk.
20 S. 15)
handelt es sich nicht um Be
gleitum
stände
,
sondern um Folgen des Unfalls.
Beim Kriterium der „besonders drama
tische Begleitum
stände oder beson
dere Eindrücklichkeit des Un
falls“
wird
nur das Unfallgeschehen an sich und nicht die dabei er
littene Verletzung betrachtet (Urteil des Bundesgerichts 8C_9/2010 vom 1
1.
Juni 2010 E. 3.7 mit weiteren Hinweisen).
Auch nicht gegeben ist das Kriterium „
Schwere oder besondere Art der erlittenen Ver
letzungen, insbesondere ihre er
fahrungs
gemässe Eignung, psychisc
he Fehl
entwicklungen auszulösen“. Die Gesichtsfraktur
wurde im
A._
erfolgreich operativ saniert (E.
3.
2
), hiervon ist erfahrungsgemäss keine psychische Fehlentwicklung zu er
warten.
Die Beschwerdeführerin sieht
das Kriterium „
ungewöhnlich lange
Dauer der ärztlichen Be
handlung
“ als erfüllt an, weil sie immer noch in ärztlicher ophthalmologischer Behandlung sei (
Urk.
20 S. 15). Dies
ist nicht belegt und die Ärzte
der
D._
hielten am 1
7.
April 2012 dafür, dass keine unfallbedingte Be
handlung mehr angezeigt sei (
Urk.
10/M41
S. 1
).
Zwar musste sich die Beschwerdeführerin zur Versorgung der
Gesichtsver
letzungen
und Augenbeschwerden drei Operationen unterziehen (
Sachverhalt E.
1
.1-1.2
), stationäre Rehabilitationsauf
enthalte erfolgten jedoch nicht
.
Das Kriterium „ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behand
lung“ ist
daher
nicht gegeben.
Die
Beschwerdeführerin klagte
seit dem Unfall vom 14. März 20
09
vornehmlich über Gesichtsschmerzen, welchen
gemäss
den
E._
-Gutachtern objektivierbare Be
funde zugrunde liegen
(E. 3.6.2)
.
Die
Beschwerde
führerin
sieht
dieses Kriterium
als
in beson
ders ausgeprägter Weise erfüllt an,
verweist zur Begründung allerdings
bloss
auf ihre eigenen Angaben zu ihren Be
schwerde
n
im
E._
-Gutachten vom 3
0.
Juni 2011
(
Urk.
20 S. 15,
Urk.
10/M37 S. 11-12), welche von den
E._
-
Gutachtern so nicht bestätigt wurden.
Das Kriterium „körperliche
Dauerschmer
zen
“ kann
somit
be
jaht werden, es ist jedoch nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben.
Von
der
D._
wurde der Beschwerdeführerin wegen der
Augen
beschwer
den
keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (E. 3.2). Dr
.
I._
geht
zwar von einer weiterhin bestehenden 50%igen Arbeits
fähigkeit aus,
unterscheidet
dabei aber
nicht zwischen de
r
psychisch und physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (E.
3.
1
). Die Ärzte des
A._
at
testierten der Beschwerde
führerin eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit
vom
14. März bis 24. April 2009 (E.
3.
2)
. Gemäss den
E._
-
Gutachter
n ist die Beschwerdeführerin in soma
tischer Hinsicht zu 20 % arbeitsunfähig
(E. 3.6.3)
. Dies
genügt
nicht
, um
das
Kriterium „Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähig
keit“ zu bejahen
(vgl. Urteil des Bundesge
richts U 56/00 vom 3
0.
August 2001 E. 3d/
aa
mit weiteren Hinweisen)
.
Von den Adäquanzkriterien ist
somit
nur das Kriterium „körperliche
Dauer
schmerzen
“ erfüllt
.
Dieses Kriterium ist jedoch nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerdegegnerin für die
geltend gemachten psychischen Beschwerden
mangels adäquate
n
Kausalzusammen
hang
s
nicht
leistungspflichtig.
4.3.3
Zu prüfen bleibt,
wie sich die von
den
E._
-
Gutachtern festgestellte
unfall
kausale
20%ige Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin
in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
Die Beschwerdegegnerin ist der Auffassung, dass der
Invali
ditätsgrad
gestützt auf Art. 28 Abs. 3 UVV zu bestimmen sei, weil
die
Be
schwerdeführerin vor dem Unfall vom 1
4.
März 2009 aus psychischen Grün
den nur zu 50 % arbeitsfähig gewesen sei
(
Urk.
2 S. 4-5)
. Gemäss
Art.
28
Abs.
3 UVV
muss die nicht ver
sicherte
Gesundheitsstörung vor dem Unfall eine dauernde Herabsetzung der Leistungsfähigkeit bewirkt haben. Die IV-Stelle Obwalden hat
bei ihren Abklä
rungen allerdings keinen bleibenden
Gesundheits
schaden
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt und das
Leistungs
begehren
der Beschwerde
füh
rerin
dementsprechend
mit Verfügung vom 1
9.
Februar 2010
abgewiesen
(Urk. 15/72).
Es geht ferner nicht an, gestützt auf die Angaben des Allgemein
mediziners
Dr.
I._
eine
bestehende
50%ige Einschränkung der Arbeits
fähigkeit aus psychischen Grün
den
anzu
nehmen
(
Urk.
26 S. 9-10)
, obschon der psychiatrische
E._
-Gutachter Dr.
M._
eine
rezidivierende
depressive Störung diag
nostizier
t
e und weiter
fest
hielt
, dass es im Zusam
menhang mit der Aufgabe eines von der Beschwerde
füh
rerin betriebenen Imbiss-Standes im Jahre 2005 zu einer ersten depressiven Episode, angstbetont, mit der Notwendigkeit einer psycho
thera
peutischen Fachbeurteilung gekommen sei. Im Zusammenhang mit
Leber
tumoren
(Häman
giomen) sowie bei gleichzeitigen sozialen Belastungsfaktoren durch ökono
mische Schwierigkeiten des gemeinsam mit dem Ehemann betrie
benen Restau
rants im Jahr 2010 (richtig wohl: 2008)
hätten
sich erneut depressive Symptome und Ängste
gezeigt
. Eine Fachbehandlung sei nicht erfolgt, die Symptomatik habe aber Anlass zu hausärztlichen Gesprächen gegeben und der Hausarzt habe im Dezember 2008 explizit das Vorliegen einer depressiven Verstimmung mit Angst erwähnt. Nach einem Unfall mit Gesichtsschädelfraktur sei es erneut zu Depression und Angst gekom
men, die Beschwerdeführerin habe über
Panikat
tacken
, frei flottierende Ängste sowie über die Entwicklung von Insuffizienz
gefühlen und depressiven Symptomen mit der Aufnahme einer erneuten psychiatrisch-psychotherapeu
tischen Behandlung einschliesslich
Psy
cho
phar
ma
kotherapie
berichtet (Urk.
10/M37 S.
31).
Nachdem aufgrund der fach
ärztlichen Angaben keine
vorbestehende
dauernde
Einschränkung der Leistungs
fähigkeit ausgewiesen ist, kommt Art. 28 Abs. 3 UVV vorliegend nicht zu
r
Anwendung
.
Die Beschwerdeführerin arbeitete
seit 1. Juni 2007
im
Restaurant der
Y._
als
Serviceangestellte (Urk. 10/A27, Urk. 15/40/2). Das Restaurant wurde im Jahr 2010 verpachtet, seitdem arbeitet die Beschwerde
füh
rerin nicht mehr (
Urk.
10/M37 S. 13). Weil die Beschwerdeführerin ihre Stelle
bei der
Y._
auch
ohne ihre gesundheitlichen Ein
schrän
kungen
verloren
hätte und seit dem Unfall nicht mehr arbeitstätig ist
so
wie unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sich die Gesichtsschmerzen in jeder beruflichen Tätigkeit einschränkend auswirken
,
ist
das
Validen
-
und
Invaliden
ein
kommen
aufgrund desselben
Tabellenl
o
hn
s gemäss
Lohn
strukturer
hebung
(LSE)
des Bundesamtes f
ür Statistik zu ermitteln. Ein Abzug von diesem
Tabellen
lohn
beim Invalideneinkommen
(vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75)
ist nicht
angezeigt
. Damit entspricht
der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsun
fähigkeit und beträgt 20 % (
Prozentvergleich, E.
1.
4
;
vgl.
Urteil des Bun
des
gerichts 8C_891/2010 vom 2
3.
Februar 2011 E. 3
mit weiteren Hin
weisen
)
.
Demnach hat die Beschwerdeführerin ab dem
1.
August 2011 bei einem
Invali
ditätsgrad
von 20 % Anspruch auf eine
entsprechende
Invalidenrente der Beschwerdegegnerin.
5.
Die Beschwerde ist
nach dem Gesagten
in dem Sinne gutzuheissen, als der
angefochtene
Ein
spracheentscheid
vom 1. November 2012
(
Urk.
2)
insoweit, als damit ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Unfallver
siche
rung verneint wurde, aufgehoben
und
festgestellt wird
, dass die Beschwerde
führerin bei einem Invaliditätsgrad von 20 % ab dem 1. August 2011 Anspruch auf
eine
Invalidenr
ente der
Beschwerdegegnerin
hat
.
6.
Die vertretene Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine
Prozessentschädi
gung
, welche nach der Bedeutung der Streitsache
und
der Schwierigkeit des Pro
zesses auf Fr.
2
‘
800
.--
(inklusive Barauslagen und
MWSt
)
festzusetzen ist.