Decision ID: 3e2c3750-b38d-5dbd-9430-b5db8dd0bf43
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie – ersuchte am 2. Dezember 2015 die Schweiz um Asyl. Am 15. De-
zember 2015 wurde er im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) sum-
marisch befragt und am 11. April 2018 vertieft zu seinen Asylgründen an-
gehört.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er sei aufgrund des Verdachts, mit dem Militär zu-
sammenzuarbeiten, von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) im
Jahr 1999 während 15 Monaten inhaftiert worden. Er sei unter der Bedin-
gung, fortan für die LTTE zu arbeiten, freigelassen worden. Danach habe
er die LTTE im Rahmen seiner Handelstätigkeit – er sei ein erfolgreicher
Geschäftsmann gewesen – mit Essen und Unterkunft sowie finanziell un-
terstützt und habe für sie Gewehre aufbewahrt. Im Februar 2008 sei in ei-
nem Vorort von Colombo eine Bombe explodiert. Tags darauf sei er von
Beamten des Criminal Investigation Department (CID) festgenommen und
im «4. Stock» sowie auf verschiedenen Polizeiposten festgehalten und ge-
foltert worden, wobei er Narben davongetragen habe. Das Internationale
Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) habe sich für seine Freilassung einge-
setzt. Ungefähr eineinhalb Monate später sei er freigelassen worden. Sein
Geschäft in B._ sei ihm inzwischen von Anhängern der Eelam Pe-
ople's Democratic Party (EPDP) weggenommen worden. Im Jahr 2008 be-
ziehungsweise 2011 habe ihm das CID eine Meldepflicht auferlegt, der
nach er sich jeden Sonntag im CID-Büro hätte melden sollen. Dieser Mel-
depflicht sei er drei Mal nachgekommen und jedes Mal sei er geschlagen
und zu seinem Schwager, einem ehemaligen LTTE-Kämpfer, befragt wor-
den. Beim dritten Mal sei ihm beschieden worden, er müsse erst wieder-
kommen, wenn er telefonisch dazu aufgefordert werde. Danach habe er
sich ca. zwei Jahre lang versteckt und sei Anfang 2011 mithilfe eines
Schleppers auf dem Seeweg illegal nach Indien geflohen, wo er sich bis
2015 aufgehalten habe. In Indien habe er einen Pass vom Schlepper er-
halten, den er ihm sogleich wieder zurückgegeben habe. Danach sei er
über die Türkei, Griechenland und Slowenien am 2. Dezember 2015 illegal
in die Schweiz gelangt. Kurz vor seiner Asylgesuchstellung habe ihn das
CID über seine Tochter mit dem Tod bedroht.
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Er habe nahe Verwandte, die als ehemalige LTTE-Kämpfer im Ausland als
Flüchtlinge anerkannt seien (einen Bruder in C._ und einen Schwa-
ger in D._), beziehungsweise einen Bruder, der für die E._
Delegation der Sri Lanka Monitoring Mission (SLMM) tätig gewesen sei und
in E._ Asyl erhalten habe.
Zur Stützung seines Gesuchs reichte er unter anderem seine Identitäts-
karte im Original, eine Haftbestätigung des IKRK vom 10. April 2008 (in
Kopie) und eine IKRK-Registrierungskarte ein.
B.
Am 20. September 2018 ersuchte das SEM bei der Schweizerischen Ver-
tretung in Colombo um Abklärungen betreffend die Ausstellung des Reise-
passes des Beschwerdeführers und seine Ausreise aus Sri Lanka. Am
12. Oktober 2018 antwortete die Schweizerische Botschaft, dem Be-
schwerdeführer sei zuletzt am (...) 2011 ein sri-lankischer Pass mit der
Nummer (...) ausgestellt worden, mit dem er am (...) aus- und am (...) wie-
der nach Sri Lanka eingereist sei.
C.
Mit Schreiben vom 24. Oktober 2018 gewährte das SEM dem Beschwer-
deführer das rechtliche Gehör zur Botschaftsanfrage. Am 29. Oktober 2018
erklärte der Beschwerdeführer, der Schlepper habe 2010 drei Fotos von
ihm für die Passbeantragung verlangt. Nach seiner illegalen Ausreise und
Ankunft in Indien habe er vom Schlepper einen Pass erhalten, diesen je-
doch auf dessen Verlangen wieder zurückgeben müssen. Er selbst habe
keinen Pass beantragt und sei an den benannten Daten weder aus- noch
nach Sri Lanka eingereist. Es könne sein, dass der Schlepper seinen Pass
missbraucht habe.
D.
Mit Verfügung vom 9. Dezember 2019 – eröffnet am 11. Dezember 2019 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz sowie deren Vollzug an.
E.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 10. Januar 2020 erhob der Be-
schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen den
Entscheid und beantragte zur Hauptsache, die angefochtene Verfügung
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sei aufzuheben und ihm sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei die vorläu-
fige Aufnahme anzuordnen, sub-eventualiter sei die Sache zur rechtskon-
formen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung zurückzuweisen und
sub-sub-eventualiter sei er hinsichtlich seines in E._ lebenden Bru-
ders und seines in D._ lebenden Schwagers detailliert zu befragen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er – unter Beilage einer Unterstützungs-
bestätigung – um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um amtliche
Rechtsverbeiständung durch den rubrizierten Rechtsvertreter. Weiter be-
antragte er, die Ausreisepflicht sei zu sistieren, der Beschwerde sei die auf-
schiebende Wirkung zu erteilen, das zuständige Migrationsamt sei aufzu-
fordern, allfällige Vollzugshandlungen zu sistieren, das Asylverfahren sei
wieder zu eröffnen und ihm sei ein N-Ausweis neu auszustellen. Zudem
kündigte er die Nachreichung weiterer Beweismittel betreffend seinen Bru-
der in E._ sowie seinen Schwager in D._ an und ersuchte
dazu um Fristerstreckung von 30 Tagen.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 17. Januar 2020 hielt die zuständige Instruk-
tionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfah-
rens in der Schweiz abwarten und der Beschwerde komme von Gesetzes
wegen aufschiebende Wirkung zu, weshalb sie die Anträge auf Sistierung
der Ausreisepflicht, Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
sowie Sistierung von allfälligen Vollzugshandlungen als gegenstandslos er-
achtete. Auch wies sie darauf hin, dass das Asylverfahren mit Beschwer-
deerhebung gegen den Entscheid noch nicht abgeschlossen sei und die
zuständige kantonale Behörde bis zur Rechtskraft des angefochtenen Ent-
scheids einen N-Ausweis ausstelle. Die Gesuche um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung und amtliche Rechtsverbeiständung hiess
sie gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte
den rubrizierten Rechtsanwalt als amtlichen Rechtsbeistand ein. Zudem
forderte sie den Beschwerdeführer auf, bis am 17. Februar 2020 die ange-
kündigten Beweismittel zu den Akten zu reichen.
G.
Mit Eingabe vom 11. März 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Kopie
des D._ Führerausweises von F._, seinem Schwager, sowie
ein Schreiben eines Friedensrichters aus B._ ein und teilte mit, der
Nachweis seines in E._ lebenden Bruders könne noch nicht erhält-
lich gemacht werden.
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H.
In seiner Vernehmlassung vom 25. Februar 2021 hielt das SEM vollum-
fänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.
I.
Der Beschwerdeführer nahm das ihm am 1. März 2021 gewährte Replik-
recht nicht wahr.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM. Dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht
zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel-
chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG
[SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und der
Beschwerdeführer ist beschwerdelegitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Der Beschwerdeführer machte die unvollständige Sachverhaltsabklärung
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sowie sinngemäss die Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. Die for-
mellen Rügen des Beschwerdeführers sind vorab zu behandeln, da sie ge-
gebenenfalls zu einer Kassation führen könnten.
3.1 Im Asylverfahren gilt – wie in anderen Verwaltungsverfahren – der Un-
tersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie muss die für das Verfah-
ren notwendigen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die rechtlich re-
levanten Umstände abklären sowie ordnungsgemäss darüber Beweis füh-
ren. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt, sondern findet
sein Korrelat in der aus Art. 13 VwVG und Art. 8 Abs. 1 AsylG fliessenden
Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1).
3.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör,
der in den Art. 29 ff. VwVG konkretisiert wird, dient einerseits der Aufklä-
rung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ver-
langt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tat-
sächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung be-
rücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-
schlagen muss (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.3). Aus der Begründungspflicht
als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ergibt sich, dass die Abfassung der
Begründung es ermöglichen soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten,
was nur der Fall ist, wenn sich sowohl die Betroffenen als auch die Rechts-
mittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können
(vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2).
3.3 Der Beschwerdeführer rügte, das SEM habe seine Vorbringen zu sei-
nem Bruder in E._ und dem Schwager in D._ völlig oder fast
vollständig ausgeklammert und sei auf diese in seiner Begründung nicht
mit der nötigen Tiefe eingegangen. Zudem ersuchte er um detaillierte Be-
fragung zu dieser Thematik.
3.4 Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass der Beschwerdeführer während
des immerhin vier Jahre dauernden vorinstanzlichen Verfahrens die Gele-
genheit – namentlich dank der gewährten Frist zur Nachreichung weiterer
Beweismittel – sowie die Pflicht hatte, sämtliche Angaben betreffend sei-
nen Bruder und Schwager zu machen und entsprechende Beweismittel zur
Stützung seiner Vorbringen einzureichen. Insofern der Sachverhalt hin-
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sichtlich seiner nahen Verwandten unvollständig ist, kann dieser unter Hin-
weis auf die Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers nicht der Vor-
instanz angelastet werden. Der entsprechende Antrag auf detaillierte Be-
fragung des Beschwerdeführers zu dieser Thematik ist abzuweisen.
3.5 Zudem ist den Akten zu entnehmen, dass das SEM die Angaben des
Beschwerdeführers zum erwähnten Bruder und Schwager in seinen Ent-
scheid im Rahmen der Prüfung der Risikofaktoren aufgenommen und –
wenngleich in sehr allgemein gehaltener Form – berücksichtigt hat. Die
diesbezügliche Begründung versetzte den Beschwerdeführer in die Lage,
diesen Aspekt in seiner Beschwerde sachgerecht anzufechten. Schliess-
lich verfängt der Einwand, die Vorinstanz sei nicht detailliert auf die aktuell
erschwerte Sicherheits- und politische Lage in Sri Lanka eingegangen,
ebenso wenig. Es ist nicht Aufgabe der Vorinstanz, sondern Inhalt der Mit-
wirkungspflicht des Beschwerdeführers, allfällige konkrete Bezüge zu ak-
tuellen Entwicklungen herzustellen und zu substantiieren. Dass der Be-
schwerdeführer die Begründung des SEM nicht für überzeugend erachtet,
ist ausserdem keine Frage des rechtlichen Gehörs, sondern des materiel-
len Rechts.
3.6 Da sich die prozessualen Rügen des Beschwerdeführers auch unter
keinem anderen Aspekt als stichhaltig erweisen, fällt die beantragte Rück-
weisung der Sache an das SEM ausser Betracht, womit das Gericht in der
Sache zu entscheiden hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des
Beschwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es nicht aus, wenn
der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesam-
ten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-
brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich BVGE
2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
5.
5.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, gemäss der
Botschaftsanfrage habe der Beschwerdeführer 2011 einen Pass beantragt
und sei mit diesem im Jahr 2012 aus- und wieder nach Sri Lanka einge-
reist. Die Angaben des Beschwerdeführers im Jahr 2009 oder 2010 einen
Pass erhalten und diesen dem Schlepper in Indien gegeben zu haben,
müssten danach als unglaubhaft angesehen werden. Mit seiner Stellung-
nahme habe er das Abklärungsergebnis nicht in Frage stellen, geschweige
denn einen Gegenbeweis erbringen können. Damit erwiesen sich seine
Angaben zum Pass wie auch seine Asylvorbringen insgesamt als untaug-
lich. Mit der Botschaftsauskunft bestätige sich die Vermutung, dass der Be-
schwerdeführer zum fraglichen Zeitpunkt nicht behördlich gesucht worden
sei, mithin weder auf einer «Stop-List» noch auf einer «Watch-List» gestan-
den habe.
Seine Vorbringen hätten überdies diverse Widersprüche aufgewiesen
(BzP: nach Festnahme im vierten Stock und auf Polizeiposten festgehal-
ten; Anhörung: nur auf dem Polizeiposten G._ festgehalten; BzP:
2011 wöchentliche Meldepflicht im Geheimdienstbüro; Anhörung: Melde-
pflicht im Jahr 2008; BzP: kürzliche Aussage der CID-Leute gegenüber
Tochter, sie würden ihn töten; Anhörung: Unbekannte oder eventueII
EPDP-Leute bedrohten seine Familie auf der Strasse; BzP: Vorwurf der sri-
lankischen Behörden, er sei Anhänger der LTTE; Anhörung: CID habe ihn
über seinen Schwager ausgefragt), weshalb er die Narben auf seinem Rü-
cken bei anderer Gelegenheit davon getragen haben müsse. Auf Vorhalt
habe er nur erklärt, seine Angaben in der Anhörung entsprächen der Wahr-
heit, in der BzP sei er nervös gewesen und habe alles durcheinanderge-
bracht.
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Weiter habe er erst in der Anhörung erklärt, sein Bruder sei bei den LTTE
gewesen, er selbst sei von den LTTE 15 Monate festgehalten worden und
habe für sie Computerteile geschmuggelt. Diese Aussagen müssten als
nachgeschoben betrachtet werden, zumal er in der BzP ausdrücklich auf-
gefordert worden sei, sämtliche Vorbringen in Zusammenhang mit den
LTTE zu nennen.
Die Haftbestätigung des IKRK und die IKRK-Karte erachtete das SEM als
authentisch, obwohl Erstere nur in Kopie vorliege. Zudem seien viele Aus-
sagen zur Festnahme im Februar 2008 und zum anschliessenden Haftau-
fenthalt glaubhaft. Diese seien nach eigenen Angaben des Beschwerde-
führers jedoch nur erfolgt, weil er sich zufällig in der Nähe eines Bomben-
anschlages befunden habe. Mithin habe es sich bei der Verhaftung um eine
grossangelegte Fahndung der Polizei und nicht um eine gezielte Verfol-
gung gegen ihn gehandelt. Ausserdem bestehe zwischen der Verhaftung
im Februar 2008 und der Ausreise, die nachweislich nicht vor Ende 2012
stattgefunden haben könne, kein Kausalzusammenhang.
In Anwendung der Rechtsprechung zur Prüfung der Risikofaktoren sei fest-
zuhalten, dass allfällige Befragungen und Kontrollmassnahmen bei Rück-
kehrenden am Flughafen in Sri Lanka und später am Herkunftsort kein
asylrelevantes Ausmass erreichten. Eine Vorverfolgung habe der Be-
schwerdeführer nicht glaubhaft gemacht. Vielmehr sei er bis mindestens
Ende 2012, womöglich auch länger, in Sri Lanka wohnhaft gewesen. Allfäl-
lige, im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren vermöchten folg-
lich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden auszu-
lösen und es sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten sollte. Ebenso wenig
sei davon auszugehen, dass er aufgrund der Botschaftsabklärung bei einer
Rückkehr einer höheren Gefährdung als andere Rückkehrende ausgesetzt
würde, zumal die Schweizerische Botschaft in Colombo Anfragen wie im
vorliegenden Fall routinemässig durchführe und dabei – im Einklang mit
BVGE 2017/6 E. 4.3.3 (zur Datenübermittlung zwecks Ersatzreisepapier-
beschaffung bei den sri-lankischen Behörden) – nur die für die entspre-
chende Auskunft notwendigen Personendaten bekanntgebe.
5.2 In seiner Beschwerdeschrift hielt der Beschwerdeführer fest, es werde
ausgelassen und sei notorisch, dass Schlepper den Flüchtlingen immer die
Pässe abnähmen, um mit diesen nochmals mit weiteren Flüchtlingen Geld
zu machen. Europäischen Passkontrolleuren falle es bekanntlich schwer,
«asiatische Gesichter» zu unterscheiden und am Flughafen in Colombo sei
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es lediglich eine Frage des Geldes. Seine Erklärung in der Stellungnahme
vom 29. Oktober 2018 betreffend Missbrauch des Passes durch den
Schlepper sei demnach durchaus glaubhaft. Die abweichenden Jahresan-
gaben bezüglich des Passes seien als Versehen erklärbar und vermöchten
die Glaubhaftigkeit des Beschwerdeführers nicht in Zweifel zu ziehen. Die
fälschliche Annahme der Ausreise erst Ende 2012 oder später basiere ein-
zig auf den Schlüssen betreffend den Reisepass. Weiter werde die Echtheit
der Haftbestätigung nicht angezweifelt. Es bestehe ein kausaler Zusam-
menhang zwischen dieser 15-monatigen (recte: anderthalb Monate dau-
ernden) Haft und seiner illegalen Ausreise.
Die Ungereimtheiten zwischen BzP und Anhörung ergäben sich daraus,
dass die BzP unmittelbar nach einer meist traumatischen Reise durchge-
führt und die Fragen allgemein gehalten seien, während die Anhörung oft
erst Jahre später, hier 2.5 Jahre, stattfände. Logischerweise käme einem
dann auch erst das eine oder das andere wieder in den Sinn, weshalb ihm
nicht der Vorwurf nachgeschobener Angaben im Zusammenhang mit der
LTTE gemacht werden könne.
Seine – vom SEM nicht bestrittenen – Vorbringen betreffend den Bruder in
E._ und den Schwager in D._ seien des Weiteren nicht hin-
reichend gewürdigt worden. An deren Wichtigkeit ändere auch der vom
SEM behauptete fehlende (zeitliche) Zusammenhang nichts. Die Ereig-
nisse von damals, als die Rajapaksa-Brüder Krieg führten, aktualisierten
sich mit ihrer erneuten Machtergreifung gerade erst wieder. Die Stossrich-
tung, sämtliche nicht wohlgesinnte Personen jetzt unschädlich zu machen,
zeige sich klar mit der Entführung einer Angestellten der Schweizerischen
Botschaft durch den Geheimdienst sowie der Verhängung des Ausreise-
verbots für gewisse Personen. So seien namentlich auch rückkehrende
Personen in Gefahr, deren Verwandte etwa als LTTE-Kämpfer im Ausland
Asyl erhalten hätten. Zudem habe sich die Taktik der Behörden geändert
und würden Personen nicht schon am Flughafen, sondern erst an ihrem
Herkunftsort behelligt.
Die aktuelle Lage in Sri Lanka, zu der auf diverse Medienartikel und Län-
derberichte verwiesen wurde, führe zur begründeten Furcht vor einer zu-
künftigen Verfolgung. Das SEM habe diese allerdings weder allgemein
noch im Hinblick auf seine spezifische Gefahrensituation hinreichend ge-
würdigt. Die muslimische Bevölkerung, die im Fokus der verschärften Si-
cherheitsmassnahmen und erweiterten Befugnisse der Sicherheitsbehör-
den stehe, spreche ebenfalls Tamilisch und lebe überwiegend in seiner
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Heimat. Es könne bis heute nicht ausgeschlossen werden, dass auch ta-
milische Gruppierungen hinter den Anschlägen stünden. Den Behörden
werde offensichtlich die Möglichkeit geboten, mit legalem Anstrich gegen
die tamilische Bevölkerung vorzugehen. Die Wahl Gotabaya Rajapaksas,
eines mutmasslichen Mitverantwortlichen für Kriegsverbrechen, Folter und
das Verschwindenlassen von Journalisten, zum Präsidenten verschärfe die
Lage weiter.
5.3 Im Schreiben vom 11. März 2020 bemerkte der Beschwerdeführer un-
ter Verweis auf den Führerausweis von F._, es handle sich dabei
um jenen seines in D._ lebenden Schwagers. Aus dem Schreiben
des Friedensrichters aus B._ gehe zudem hervor, dass der Be-
schwerdeführer an seinem Wohnort und nach seiner Flucht aufgrund sei-
ner mutmasslichen LTTE-Verbindung mehrfach gesucht worden sei.
6.
6.1 Eine einlässliche Prüfung der Akten ergibt, dass die Vorbringen des
Beschwerdeführers nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen.
6.2 Das SEM hat zutreffend ausgeführt, dass aufgrund der Botschaftsab-
klärungen zum Datum der Passausstellung und der Verwendung zur Aus-
und Wiedereinreise die Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Pass
unglaubhaft sind. Die Ergebnisse der Botschaftsabfrage stehen im klaren
Widerspruch zu den Angaben des Beschwerdeführers in den Anhörungen
gegenüber der Vorinstanz. Die Erklärungen in der Stellungnahme vom
29. Oktober 2018 und der Beschwerde zur möglichen Weiterverwendung
seines Passes durch den Schlepper sind nicht überzeugend. Zwar ist die
Weiterverwendung eines Passes durch einen Schlepper durchaus üblich
(vgl. Canada: Immigration and Refugee Board of Canada, Sri Lanka: Alien
Smuggling, 1.05.1996, https://www.refworld.org/docid/3ae6a8660.html,
abgerufen am 28.06.2021). Allerdings wurde der Pass des Beschwerde-
führers gemäss Botschaftsanfrage auf seinen eigenen Namen ausgestellt,
womit er offiziell von den Behörden registriert wurde. Es ist daher schwer
nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer – eine angeblich behördlich
gesuchte Person – überhaupt einen Reisepass beantragt und erhalten ha-
ben soll. Zudem konnte die Person, die den Pass benutzte, offenbar unter
seinem Namen unbehelligt aus- und wieder einreisen. Es ist schliesslich
kaum nachvollziehbar, dass der Schlepper das Risiko auf sich nahm, durch
die Wiederverwendung des Passes einer Person mit LTTE-Verbindungen
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die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich und weitere Personen zu len-
ken. Damit überwiegen insgesamt die Zweifel zur Passausstellung und in
der Folge der tatsächlichen Ausreise im Jahr 2011. In diesem Zusammen-
hang ist auch darauf hinzuweisen, dass die Ausführungen zum Aufenthalt
in Indien äusserst oberflächlich und vage ausgefallen sind und sich kaum
mit einem angeblich fast fünfjährigen Aufenthalt vereinbaren lassen. Zu-
sammenfassend geht das Gericht davon aus, dass der Beschwerdeführer
nicht wie angegeben bereits Anfang 2011 endgültig ausgereist ist und im
Jahr 2012 – ohne erneut in den Fokus der Behörden zu geraten – mit sei-
nem Reisepass aus- und wieder eingereist ist.
6.3
6.3.1 Weiter hat die Vorinstanz zutreffend festgestellt, dass die Aussagen
zur Entlassung im Jahr 2008, zur Meldepflicht sowie zur LTTE-Vergangen-
heit und entsprechenden Verbindungen von Familienmitgliedern gewisse
Ungereimtheiten aufweisen. Auf die entsprechenden Ausführungen in der
Verfügung kann zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden.
Dem Beschwerdeführer gelingt es in seiner Beschwerdeschrift nicht, diese
aufzulösen. So ist zwar nicht in Abrede zu stellen, dass die Reise vieler
Asylsuchender oftmals traumatische Auswirkungen für sie zeitigt. Dies wie
auch der lange Zeitabstand zwischen BzP und Anhörung können aber nicht
die konkret benannten Widersprüche erklären. Hinsichtlich der einzelnen
Vorbringen ist Folgendes festzuhalten.
6.3.2 Das Gericht geht mit der Vorinstanz einig, dass die Inhaftierung des
Beschwerdeführers mit der Haftbescheinigung und der Registrierungskarte
des IKRK belegt wurde. Die Schilderungen des Beschwerdeführers zur In-
haftierung im Jahr 2008 fielen weitgehend detailliert aus. Insoweit wird
nicht in Abrede gestellt, dass er in Haft war und auch misshandelt wurde.
Diesbezüglich handelte es sich um illegitime, politische Verfolgung, der
auch – anders als vom SEM erwogen – die Gezieltheit nicht abzusprechen
ist, hat sie sich doch individuell gegen den Beschwerdeführer gerichtet. Al-
lerdings geht das Gericht davon aus, dass der Beschwerdeführer in der
Folge von den Sicherheitsbehörden als unschuldig erkannt worden ist und
nach seiner Haftentlassung im April 2008 nicht mehr unter Verdacht stand.
Auch seine angeblichen Unterstützungsleistungen für die LTTE waren den
Sicherheitsbehörden offenbar nicht bekannt geworden beziehungsweise
erschienen diesen irrelevant. In diesem Zusammenhang hat das SEM
denn auch zu Recht auf zum Teil nachgeschobene Vorbringen verwiesen.
Auch das Gericht geht davon aus, dass die angebliche Unterstützung der
LTTE im Laufe des Verfahrens stetig erweitert und aufgebauscht wurde.
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6.3.3 Die Angaben zu den Behelligungen des Beschwerdeführers nach sei-
ner Freilassung im Jahr 2008 bis 2011 sind denn auch insgesamt wenig
substantiiert und mit Widersprüchen hinsichtlich der Meldepflicht behaftet.
Der Beschwerdeführer gab zunächst an, erst im Jahr 2011 mit einer Mel-
depflicht belegt worden zu sein (BzP, A3/11 Ziff. 7.01); später führte er aus,
er habe sich bereits im Jahr 2008 nach seiner Freilassung beim CID-Büro
melden sollen (Anhörung, A15/35 F99). Die widersprüchlichen Jahresan-
gaben lassen seine diesbezüglichen Vorbringen unglaubhaft erscheinen,
hatte er im Rahmen der Rückübersetzung doch die Gelegenheit, allfällige
versehentliche Angaben zu korrigieren. Es wird vielmehr der Eindruck er-
weckt, der Beschwerdeführer habe versucht, einen Grund für seine späte
Ausreise zu konstruieren. Zu seinem Verbleib in den Jahren 2008 bis 2011
hat der Beschwerdeführer zudem äusserst oberflächliche und wenig nach-
vollziehbare Angaben gemacht. Was umso mehr erstaunt, als in diese Zeit
auch das Kriegsende fällt, ein Zeitpunkt, in dem die Sicherheitsbehörden
die Bevölkerung eingehend auf ihre Rolle bezüglich der LTTE prüfte. Dass
der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2016 erneut mehrmals gesucht wor-
den sein soll, lässt sich vor diesem Hintergrund ebenfalls nicht erklären.
Der Brief des Friedensrichters – ein Gefälligkeitsschreiben von geringem
Beweiswert – ist nicht geeignet, die soeben gezogenen Schlüsse umzu-
stossen.
6.4 Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-
rer 2008 im Zusammenhang mit einer Bombenexplosion verhaftet und
misshandelt wurde, dass er aber auf Intervention des IKRK nach ca. ein-
einhalb Monaten freikam. Ebenfalls erscheint möglich, dass er nach dieser
Haft subjektive Angst vor weiteren Behelligungen hatte und sich deshalb
zeitweise versteckt hielt. Dass er aber tatsächlich weiterhin im Fokus der
Sicherheitsbehörden stand, vermochte er nicht glaubhaft zu machen.
Ebenfalls erscheint nicht überwiegend wahrscheinlich, dass er für die LTTE
Aktivitäten ausübte, die über jene hinausgingen, welche die Zivilbevölke-
rung im Norden während des Krieges insgesamt leisten musste, ebenso
wenig, dass er im Zeitpunkt der Ausreise einer Meldepflicht unterlag. Un-
klarheit herrscht weiter bezüglich des Zeitpunktes der Ausreise bezie-
hungsweise ist davon auszugehen, dass er mit seinem Pass im Oktober
2012 aus- und wieder einreiste. An dieser Einschätzung vermögen die wei-
teren bei der Vorinstanz eingereichten Dokumente, die mehrheitlich die
personellen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers be-
legen, nichts zu ändern.
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6.5 Gesamthaft ist daher für den Zeitpunkt der Ausreise nicht von einer
asylrelevanten Vorverfolgung des Beschwerdeführers auszugehen, wel-
che die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG begründen und zur
Asylgewährung führen könnte.
7.
7.1 Es besteht auch kein begründeter Anlass zur Annahme, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit oder in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt sein wird.
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1886/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Bestimmte
Risikofaktoren (Eintrag in die «Stop-List», Verbindung zu den LTTE, exil-
politische Aktivitäten und Vorliegen früherer Verhaftungen) sind als stark
risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargeleg-
ten Umständen bereits für sich allein genommen zur Bejahung einer be-
gründeten Furcht führen können. Demgegenüber stellen das Fehlen or-
dentlicher Identitätsdokumente, gut sichtbare Narben und eine gewisse
Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risikobegründende
Faktoren dar. Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft
gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der be-
treffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere
jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im
Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden
zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatis-
mus wiederaufleben zu lassen (vgl. E-1866/2015 E. 8.5.1).
7.3 Vorliegend ist nicht von einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfol-
gungsgefahr auszugehen. Der Beschwerdeführer konnte keine eigene
LTTE-Verbindungen, welche über die Hilfsdienste, die die Mehrheit der Zi-
vilbevölkerung im Norden während des Bürgerkrieges zu leisten hatte, hin-
ausgehen, glaubhaft machen. Zwar wurde er im Jahr 2008 im Zusammen-
hang mit einem Bombenanschlag verhaftet, wurde jedoch in der Folge ent-
lassen, blieb bis zur Ausreise unbehelligt und konnte noch im Jahr 2012
aus- und wieder einreisen. Auch angesichts dieser Haft ist deshalb nicht
von einem erhöhten Risiko auszugehen. Das Risikoprofil wird auch durch
die angebliche LTTE-Verbindungen von Familienangehörigen nicht mass-
geblich gesteigert. In Bezug auf die Angaben betreffend die Brüder und den
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Schwager ist festzuhalten, dass deren LTTE-Aktivitäten und deren Flücht-
lingseigenschaft – trotz Ankündigung – zu keinem Zeitpunkt belegt wurden.
Zum einen Bruder und zum Schwager vermochte er diesbezüglich auch
nichts zu konkretisieren. Zwar erscheinen die Schilderungen des Be-
schwerdeführers hinsichtlich der Situation seines Bruders in E._
durchaus nachvollziehbar und konsistent. Er hat aber auch dazu keine Be-
lege beigebracht und auch auf Beschwerdeebene die eingeräumte Frist
von 30 Tagen ungenutzt verstreichen lassen. Das Gericht sieht sich ange-
sichts der Dauer des Asylverfahrens nicht gehalten, die Erbringung allfälli-
ger Belege weiter abzuwarten. Dass der Beschwerdeführer vor der Aus-
reise ernsthaften Problemen aufgrund der Aktivitäten seiner Verwandten
ausgesetzt war, vermochte er sodann wie erwähnt nicht glaubhaft zu ma-
chen. Vor diesem Hintergrund ist nicht von einem gewichtigen LTTE-Profil
der Verwandten auszugehen, das zu einer entsprechenden Reflexverfol-
gung im Zeitpunkt der Wiedereinreise führen könnte. Allfällige Befragungen
am Flughafen in Colombo und auch Kontrollmassnahmen an seinem Hei-
matort stellen für sich keine asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen dar.
Dass der Beschwerdeführer in einer «Stop-List» aufgeführt ist, dürfte an-
gesichts seines niederschwelligen Profils wenig wahrscheinlich sein. Die
vom Beschwerdeführer geltend gemachten Narben stellen – wenn über-
haupt – einen sehr schwach risikobegründenden Faktor dar und aus seiner
tamilischen Ethnie und der Herkunft aus dem Norden vermag er ebenfalls
keine Gefährdung abzuleiten (vgl. etwa Urteil des BVGer D-622/2020 vom
24. April 2020 E. 7.3.3 m.w.H.). Insgesamt ist nicht von einer Gefährdung
im Sinne des Referenzurteils auszugehen, zumal er sich auch nicht exilpo-
litisch betätigt hat. Schliesslich reicht seine Rückkehr aus der Schweiz –
einem Zentrum der tamilischen Diaspora – nach einem negativen Asylver-
fahren nicht aus, um im Falle einer Rückkehr von Verfolgungsmassnahmen
auszugehen. Unter Würdigung aller Umstände ist anzunehmen, dass der
Beschwerdeführer von der sri-lankischen Regierung nicht zu jener Gruppe
von Personen gezählt wird, die bestrebt ist, den tamilischen Separatismus
wieder aufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-lankischen Ein-
heitsstaat darstellt.
7.4 An dieser Einschätzung vermag weder der Regierungswechsel vom
16. November 2019 noch die erfolgte Verhaftung einer sri-lankischen Mit-
arbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Colombo etwas zu ändern.
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Veränderungen in Sri Lanka be-
wusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese
bei seiner Entscheidfindung. Es gibt zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund
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zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölke-
rungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter
diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug
der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl respektive deren
Folgen besteht. Der Beschwerdeführer hat lediglich pauschal auf die jüngs-
ten Entwicklungen verwiesen, wobei auch aus den Akten kein individueller
Bezug zum Beschwerdeführer ersichtlich ist.
7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, eine begründete Furcht vor künftigen Verfolgungsmass-
nahmen im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft
zu machen. Das SEM hat demnach zu Recht festgestellt, dass er die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, und das Asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
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So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich er-
hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der
in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-
den Verfahren keine Anwendung finden.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 25 Abs. 3 BV, nach Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem-
ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied-
rigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) oder nach Art. 3 EMRK
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des
Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des
UN-Anti-Folterausschusses müsste er eine konkrete Gefahr („real risk“)
nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Der EGMR hat sich wiederholt mit der Gefährdungs-
situation von sri-lankischen Staatsangehörigen tamilischer Ethnie befasst
und festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehren-
den Tamilen und Tamilinnen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Be-
handlung. Es müsse jedoch im Einzelfall anhand verschiedener Aspekte
eine Risikoeinschätzung vorgenommen werden (vgl. dazu das Urteil des
EGMR, R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, § 37
m.w.H.). Personen, die einer bestimmten Gruppe angehören, welche sys-
tematisch einer unmenschlichen Behandlung ausgesetzt sind, könnten
sich ohne Darlegung weiterer besonderer herausgehobener Merkmale auf
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Art. 3 EMRK berufen (Urteil des EGMR, X. gegen die Schweiz vom 26. Ja-
nuar 2017, 16744/14, § 61 m.w.H.). Auch lässt die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-
punkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug
der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.5 Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemei-
ner Gewalt. Der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz Sri Lankas ist zu-
mutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (ins-
besondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie-
hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. E-1866/2015 E. 13.2). An dieser
Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen
in Sri Lanka festzuhalten.
Das Gericht erachtet den Vollzug vorliegend als zumutbar. Der Beschwer-
deführer ist gemäss Aktenlage gesund. Er hat zehn Jahre die Schule be-
sucht und verfügt über langjährige Berufserfahrung als Geschäftsmann im
Vertrieb etwa von Textilien und Früchten. Seinen Angaben zufolge ist seine
Familie finanziell gutgestellt; seine Frau und die Kinder leben weiterhin in
B._, ebenso wie vier seiner Schwestern, die alle studiert haben und
zum Teil auch einer Arbeit nachgehen. Es ist daher davon auszugehen,
dass er sich bei seiner Rückkehr wirtschaftlich wieder wird integrieren und
darüber hinaus auf ein bestehendes soziales Beziehungsnetz wird zurück-
greifen können. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegwei-
sung auch als zumutbar.
9.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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9.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfah-
rens grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG). Nachdem das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mit Zwi-
schenverfügung vom 21. September 2018 gutgeheissen wurde und es
keine Hinweise auf eine massgebliche zwischenzeitliche Veränderung gibt,
sind jedoch keine Kosten aufzuerlegen.
11.2 Mit derselben Verfügung wurde der rubrizierte Rechtsvertreter dem
Beschwerdeführer als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Dieser ist un-
besehen des Ausgangs des Verfahrens für seinen Aufwand zu entschädi-
gen, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2
VGKE). Der Rechtsanwalt hat keine Kostennote vorgelegt. Der notwendige
Vertretungsaufwand lässt sich indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig
abschätzen (Art. 14 Abs. 2 in fine VKGE). Gestützt auf die in Betracht zu
ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist zulasten der Ge-
richtskasse ein amtliches Honorar von 1'100.– (inkl. Mehrwertsteuerzu-
schlag und Auslagen) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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