Decision ID: 17f97470-3d48-4eb9-a770-0e86102af273
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972,
arbeitete zuletzt vom 1. Januar 2010 bis 31. Mai
2019 als Generalagent der
Y._
AG
(vgl. Urk. 8/1 S. 6 Ziff. 5.4
), als er sich am 11. November 2019 unter Hinweis auf Beschwerden nach einem
erlittenen
Sturz bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 8/1 S. 6 Ziff. 6.1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische sowie erwerbliche Situation ab
und zog insbesondere die Akten der Unfallversicherung (Urk. 8/7; Urk. 8/13; Urk. 8/16)
bei.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 8/19) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 17. September 2020 (Urk. 8/20 = Urk. 2) einen Leistungs
an
spruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am 15. Oktober 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. September 2020 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die Sache zur polydisziplinären Begutachtung (Neurologie/Neuropsycho
logie/
Psychiatrie/Orthopädie) und erneuter Entscheidung über den Leistungsanspruch an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 23. November 2020 (Urk. 7
) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 25. November 2020 (Urk. 9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit Verfügung vom 10. Dezember 2020 (Urk. 10) wur
de von Dr. med.
Z._
eine ergänzende Stellungnahme eingeholt
und dem Beschwerdeführer
wurde
Frist angesetzt, um die fortgesetzte psychiatrische Behandlung in geeig
neter Weise zu belegen
.
Der Beschwerdeführer liess sich innert angesetzter Frist nicht vernehmen. Die
Eingabe
von Dr.
Z._
vom 17. Dezember 2020 (Urk. 13) wurde den Parteien mit Verfügung vom 9. Februar 2021 (Urk. 14) zur Stellung
nahme unterbreitet. Der Beschwerdeführer liess sich innert angesetzter Frist nicht
vernehmen. Die Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 1.
März
2021 (Urk.
17
) wurde dem Beschwerdeführer am 24. März 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk.
18). Die Eingabe des Beschwerdeführers vom 27.
Mai
2021 (Urk.
19-20) wurde der Beschwerdegegnerin am 3. Juni 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 21).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E.
5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E.
3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14.
April
2016
E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamt
haft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V
409 E.
4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7.
März
2018 E.
4.2
.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen
)..
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichk
eitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivi
tätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsana
mnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.5
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädi
gung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnli
chen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns ergeben sich namentlich, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Cha
rakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sach
verständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag be
haup
tet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, 131 V 49 E. 1.2, je mit Hinweisen). Wann ein verdeutlichendes Verhalten (nur) verdeutlichend und unter welchen Voraussetzungen die Grenze zur Aggra
vation und vergleichbaren leistungshindernden Konstellationen überschritten ist,
bedarf einer einzelfallbezogenen, sorgfältigen Prüfung auf einer möglichst brei
ten Beobachtungsbasis auch in zeitlicher Hinsicht (Urteil des Bundesgerichts 8C_165/2021 vom 2. Juli 2021 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass solche Ausschlussgründe die Annah
me einer Gesundheitsbeeinträchtigung verbieten, so besteht von vornherein keine Grundlage für eine Invalidenrente,
selbst
wenn die
klassifikatorischen
Merkmale einer Störung gegeben sein sollten (vgl. Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselbständigten Ge
sund
heitsschädigung auftreten, sind deren Auswirkungen derweil im Umfang der Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 E. 2.2.2, Urteil des Bundesgerichts 8C_165/2021 vom 2. Juli 2021 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Kon
stel
lation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durch
füh
rung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_520/2019 vom 22. Oktober 2019 E. 6.1 und 9C_371/2019 vom 7. Oktober 2019 E. 5.1.2).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Leistungsanspruch des Beschwerde
füh
rers mit der Begründung, dass eine umfassende neurologische Abklärung die Symptome nicht habe erklären können. Deshalb sei die neurologische Behand
lung beendet und eine psychiatrische Therapie empfohlen worden. Eine solche Therapie sei bis heute nicht erfolgt. Die polydisziplinäre Begutachtung
ergebe
für keines der beteiligten medizinischen Fachgebiete eine Diagnose,
welche
zu einer
langfristigen Erwerbsunfähigkeit führen könnte. Das Gesamtbild der Abklärung zeige, dass dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit drei Monate nach dem Unfall wieder im ursprünglichen Pensum von 100 % zumutbar gewesen wäre. Es lägen keine langandauernden gesundheitlichen Einschränkungen vor (vgl. Urk. 2 S. 1 f.).
In der Stellungnahme
vom 1. März 2021
(Urk. 17) führte die Beschwerdegegnerin ergänzend aus, dass
die bisherigen, teils bildgebenden Untersuchungen keine wesentlichen pathologischen Befunde ergeben hätten. S
elbst wenn von einer leichten Gehirnerschütterung respektive Beteiligung des Zentralnervensystems (ZNS) ausgegangen werde,
könnten
die neurologischen Beschwerden weiterhin nicht objektiviert werden. In Bezug auf die depressiven Symptome scheine der Beschwerdeführer von einer regelmässigen psychotherapeutischen Behandlung sowie einer medikamentösen Unterstützung zu profitieren. Im Rahmen der Begut
achtung vom Mai 2020 habe jedoch weder eine psychiatrische Störung noch eine psychiatrisch bedingte Funktionseinschränkung festgestellt werden können (vgl. S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Standpunkt,
auf das polydisziplinäre Gutachten könne nicht abgestellt werden. D
as neuropsychologische Teilgutachten
halte fest
, dass
-
unter Vorbehalt somati
scher, neurologischer und psychiatrischer Befunde, welche die Ei
nschränkungen erklären könnten -
von einer wahrscheinlichen, nichtauthentischen Beschwerde
schilderung ausgegangen werden müsse.
Anhand des
aktuellen psychiatrischen Bericht
s
ergebe sich
nun
, dass ein organisches Psychosyndrom nach Schädel
hirn
trauma
sowie
eine schwere depressive Episode vorlägen. Die behauptete Aggra
vation
und die
Inkonsistenzen würden sich
somit
mit der schweren depressiven Symptomat
ik erklären lassen.
Ausserdem
finde
im Gutachten keine A
useinander
setzung mit sämtlichen
am Exploration
stag
eingenommenen Medik
amenten
statt und es fehle eine interdiszip
linäre Diskussion der möglichen
Wechselwirkungen
sowie
deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Daher
sei eine externe polydiszi
plinäre Begutachtung anzuordnen und ein strukturiertes Beweisverfahren aufgrund
der ausgewiesenen psychiatrischen Diagnosen durchzuführen (vgl. Urk. 1 S. 5 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers. Dabei
umstritten
ist insbesondere die Beweiskraft des polydisziplinären Gutachtens
.
3.
3.1
In den Akten finden sich die
folgende
n
, wesentliche
n medizinischen
Berichte:
3.2
Mit Austrittsbericht
vom 30. Mai 2019 (Urk. 8/7/78-80
) informierten die Ärzte des Spitals
A._
über die
Hospitalisation
des Beschwerdeführers vom 29. Mai bis 2. Juni 2019 und
nannten folgende Diagnosen
(S. 1):
-
Muskelfaserrisse mit angrenzendem, intramuskuläre
m
Hämatom im mit
tle
ren und distalen Drittel des
Musculus
gluteus
maximus
mit Kontusion der Lendenwirbelsäule (LWS)
und des Beckens am 29. Mai 2019
-
Kontusion der Halswi
rbelsäule (HWS) am 29. Mai 2019
mit benignen
in
traossären
Läsionen grundplattennah Halswirbelkörper (HWK) 5, Diffe
rentialdiagnose (DD): atypisches Hämangiom
Der Beschwerdeführer sei notfallmässig zugewiesen worden nach
einem
Stolper
sturz auf der Treppe beim
Rückwärtslaufen
mit Anprall
der LWS, der
HWS
sowie
des
Becken
s
. Ein Kopfanprall sei ihm nicht erinnerlich. Nach dem Sturz
sei es
jedoch
zu einer
starke
n
Nausea und Emesis
gekommen
. Der Beschwerdeführer sei nach
stets
unauffälliger neurologischer Überwachung in gutem Allgemeinzustand
sowie schmerzkompensiertem Zustand
entlassen worden (S. 3).
3.3
Die Ärzte des
Zentrums B._
diagnostizierten mit Bericht vom 7.
Oktober 2019 (Urk. 8/7/41-47) – hier
ver
kürzt aufgeführt – ein
am 29. Mai 2019 erlittenes
HWS-Distorsionstrauma nach Stolpersturz auf
der
Treppe bei
m
Rück
wärtslaufen. Als Nebendiagnosen erwähnten sie eine Kontusion der LWS und des Beckens sowie Muskelfaserrisse mit angrenzendem, intramuskuläre
m
Häma
tom im mittleren und distalen Drittel des
Musculus
gluteus
maximus
(S.
1
f.).
Im Vor
dergrund des seither bestehenden Beschwerdebildes stünden
– hier
ver
kürzt auf
geführt -
neurokognitive Defizite mit Beeinträchtigungen im Bereich der psycho
motorischen Verarbeitung und Reaktionszeit, der Konzentration und Aufmerk
sam
keit sowie des Kurzzeitgedächtnis
ses
, eine ausgesprochene
Fatigue
und mittel
schwere Tagesschläfrigkeit,
Visusstörungen
mit
Verschwommensehen
und Fokus
sierungsproblemen,
holokranielle
bifronto
-temporal betonte Kopf
schmerzen
, Nacken- und Schultergürtelschmerzen links be
tont sowie ein
Schwank
schwindel
, ein
Beno
mmenheitsgefühl und eine
Balancestörung
(S. 3 f.).
3.4
Dr. med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie für Kardio
logie, nannte mit Bericht vom 9. Dezember 2019 (Urk. 8/8)
eine HWS-Distorsion
als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
. Als ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte er ein Hämatom sowie Muskelfaserrisse am
Musculus
gluteus
maximus
(S. 4 Ziff. 2.5
-2.6
). Der Beschwerdeführer sei in der bisherigen Tätigkeit vom 29. Mai bis 31. Dezember 2019 vollständig arbeits
un
fähig (S. 2 Ziff. 1.3).
Die Prognose
sei gut (S. 4 Ziff. 2.7).
3.5
Die Ärzte des Universitätsspitals
D._
informierten mit Bericht vom 9.
Januar 2020 (Urk. 8/13/4-7) über die neuropsychologische Untersuchung des Beschwerdeführers bei Status nach HWS-Distorsionstrauma. Formal neuropsy
cho
logisch imponiere eine mittelschwere bis schwergradige neuropsychologische Funktionsstörung mit erheblichen exekutiven,
attentionalen
und mnestischen Dysfunktionen. Unbeeinträchtigt hätten sich nur sprachliche und handlungs
prak
tische Funktionen sowie die basal-visuelle Wahrnehmung erwiesen.
Vom klini
schen Eindruck wirke der Beschwerdeführer sichtlich belastet und affektiv abge
flacht.
Ausserdem
liege
eine im Untersuchungsverlauf zunehmende Müdigkeit
vor
, so dass der Beschwerdeführer gegen Ende der dreistündige
n Untersuchung wiederholt einge
nickt sei.
Es ergäben sich b
asierend auf den Befunden sowie der Verhaltensbeobachtung gewisse Hinweise auf Inkonsistenzen. A
usserdem
bestün
den Diskrepanzen zwischen der alltäglichen Funktionalität und
der
Testperfor
mance. Schliesslich
gingen
die erhobenen Schwierigkeiten weit über das hinaus, was bei derartigen Unfallmechanismen und unauffälligem Befund
der Magnet
resonanztomographie (MRI)
üblicherweise beobachtet werde. Die Validität der Befunde müsse somit angezweifelt werden
. Am ehesten sei von einem bewusst
seinsfernen Prozess auszugehen
(S. 3).
Eine psychotherapeutische Betreuung sei empfohlen worden, werde vom Beschwerdeführer aber abgelehnt (S. 4).
3.6
Die Ärzte des
Zentrums B._
informierten mit Bericht vom 24. Januar 2020 (Urk. 8/11/7-9) über die Verlaufskonsultation nach begonnenem
vestibulo-okulomotorisch
und
muskuloskelettal
fokussiertem multimodalen Trainingsprogramm (S. 2 Ziff. 2.2). Der Verlauf sei positiv. Die bisherige sowie eine angepasste Tätigkeit seien dem Beschwerdeführer zu 25 % zumutbar (S. 3 Ziff. 4.1-4.2).
Die Prognose hänge von der neuropsychologischen und psychiatrischen Beurteilung ab (S. 2 Ziff. 2.7).
3.7
Dr. med.
MSc
ETH
E._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie
und Psychotherapie, diagnostizierte mit Bericht vom 12.
Februar
2020 (Urk.
8
/13/8-9) eine Erschöpfung mit depressiven Symptomen sowie eine A
uf
merk
samkeitsstörung
.
Es finde sich kein
Anhaltspunkt für eine neurokognitive Störung (S. 1).
3.8
Mit Bericht vom 17. April 2020 (Urk. 8/14/1-2) informierten die Ärzte des
Zentrums B._
über einen stationären Gesundheitszustand des Beschwerdeführers. Als Dia
gno
sen erwähnten sie eine Erschöpfung mit depressiven Symptomen und
eine
Auf
merksamkeitsstörung sowie ein
am 29. Mai 2019 erlittenes
HWS-Distorsions
trauma nach Stolpersturz auf
der
Treppe beim Rückwärtslaufen (S. 1 Ziff. 1.1-1.2)
. Aus neurologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit primär abhängig vom psycho
pathologischen Befund beziehungsweise vom Erschöpfungssyndrom mit depres
si
ver Symptomatik.
Es sei nicht beurteilbar, i
nwiefern das HWS-Distorsions
trau
ma zur eingeschränkten Arbeitsfähigkeit beitrage beziehungsweise
sei
dies
erst nach Verbesserung des psychischen Zustandes
beurteilbar
(S. 1 Ziff. 2.1).
3.9
Am
27. Mai 2020 erstatteten die Gutachter des
F._
ihr polydisziplinäres Gutachten zuhanden der Unfallver
sicherung (Urk. 8/16
/
12-27
).
Als unfallrelevante Diagnosen erwähnten sie eine Kontusion der HWS
, der
LWS und des Beckens sowie Muskelfaserrisse im mittle
ren und distalen Drittel des
Musculus
gluteus
maximus
. Als nicht unfallrelevante Diagnose nannten sie einen kompensierten Tinnitus
auris
links (S. 5).
Aus
oto-rhino-laryngologischer
Sicht könne peripher-vestibulär kein objektiver Befund erhoben werden, welche
r
die
Beschwerden mit
S
chwankschwindel
erkläre
und einen Einfluss auf die A
rbeitsfähigkeit h
abe
. Es
liege
keine Diagnose vor, welche die Arbeitsfähigkeit vermindere
. Als ohne Relevanz für die Arbeits
fähig
keit bestehe ein kompensierter Tinnitus
auris
links. Es bestehe eine volle Arbeits
fähigkeit in der bisherigen sowie in einer angepassten Tätigkeit
(S. 5
; Teilgut
achten Urk. 8/16/2-11 S. 5 f
f
.
).
Aus orthopädischer Sicht
bestehe
bis auf eine minimale, linksbetonte Ein
schrän
kung der Rotation des Kopfes eine freie HWS-Beweglichkeit. Hinweise auf eine Reizung zervikaler Nervenwurzeln
lägen
nicht
vor
.
Auf
den aktuellen Röntgen
auf
nahmen der HWS würden sich nur
geringgradige
, altersentsprechende
Spon
dyl
arthrosen
im mittleren und unteren HWS-Bereich zeigen. Diese würden keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bedingen. Die LWS mit gering ver
mehrter Lordose sei reizlos und frei beweglich. Hinweise auf eine Reizung lum
baler Nervenwurzeln bestünden nicht. Im Bereich der Gesässmuskulatur beidseits bestehe
keine Auffälligkeit
, insbesondere keine tastbaren Dellen oder Druck
schmerzangaben. Beide Hüftgelenke s
eien reizlos und frei beweglich. E
s be
stünden keine Hinweise auf eine Funktionseinschränkung der
Glutealmuskulatur
. Die im MR
I
des Beckens vom 31. Mai 2019 beschriebenen Muskelfaserrisse
seien
inzwischen ausgeheilt
.
Etwa drei Monate nach dem Ereignis sei von einer voll
ständigen Abheilung auszugehen
. Es bestünden keine Einschränkungen der Be
lastbarkeit in der bisherigen
oder
einer angepassten Tätigkeit
. Für sechs Wochen nach dem Ereignis sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit nachvollziehbar. Danach werde vom Erreichen einer 50%igen Arbeitsfähigkeit mit 25%iger Steigerung alle drei Wochen ausgegangen (S.
3 f.; Teilgutachten Urk. 8/16/28-42 S.
7 ff. Ziff. 4, Ziff. 6.2, Ziff. 7-8).
Anlässlich der psychiatrischen Untersuchung habe der Beschwerdeführer kog
nitive Störungen (Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit), Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Übelkeit und Schwindel beklagt.
I
m
Gespräch sei er
hinsichtlich der Kognition in dem Sinne nicht auffäll
ig gewesen, dass ein übliches U
n
t
er
suchungsgespräch problemlos habe geführt werden können.
In der aktuell durch
geführten n
europsychologischen Untersuchung h
ätten sich formal, ohne B
erück
sichtigung der Konsistenzprüfung, ganz erhebliche Beeinträchtigungen gezeigt, die mit den Beobachtunge
n im klinisch-psychiatrischen U
n
t
ersuchungsgespräch nicht
in Übereinstimmung
zu
bringen seien. In der neuropsychologischen Unter
suchung hätten sich sehr erhebliche Auffälligkeiten in der Konsistenzprüfung gezeigt. Aus psychiatrischer Perspektive sei auf die Auffälligkeiten im Beschwer
devalidierungstest TOMM hinzuweisen.
In affektiver Hinsicht
habe
sich der Be
schwer
defü
h
r
er zwar themenbezogen besorgt und bedrückt
gezeigt
. Es handle sich
allerdings
um eine im normalpsychologischen Spektrum liegende emotionale Reaktion auf Belastungsfaktoren. Eine krankheitswertige psychische Störung
, insbesondere eine Depression,
liege nicht vor
. Die groben Auffälligkeiten in der neuropsychologischen Untersuchung seien nicht durch Beschwerdebetonung er
klärbar.
M
it überwiegender Wahrscheinlichkeit
sei
von Aggravation auszuge
hen. Es lägen keine psychiatrisch bedingten Einschränkungen vor. Die Arbeitsfähigkeit sei aus rein psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt (S
.
4 f.; Teilgutachten Urk.
8/16/43-56 S. 8 f. Ziff. 4, S. 12 f. Ziff. 7-8).
In der neuropsychologischen Untersuchung
seien
die kognitiven Einschrän
kun
gen formal mittelschwer bis schwer vermindert und beträfen alle Funktionsbe
reiche. Es bestünden jedoch Zweifel an der Validität.
Unter Einbezug aller rele
vanter Kriterien zur Konsistenzprüfung sei von einer wahrscheinlichen nicht authentischen Beschwerdeschilderung auszugehen, insofern die kognitiven Ein
schränkungen nicht ausreichend durch somatische, neurologische oder psychia
trische Befunde erklärt werden könnten.
Aufgrund der mangelhaften Validität der neuropsychologischen Untersuchungsergebnisse könne keine Aussage zum Aus
mass der allfällig überlagerten und tatsächlich vorhandenen kognitiven Ein
schränkungen und somit auch zur Arbeitsfähigkeit gemacht werden. Ein un
mittelbarer Zusammenhang zwischen kognitiven Beschwerden und einer rein hirnorganischen Ursache sei aus neuropsychologischer Sicht bei beschriebenem Unfallmechanismus und unauffälligem Befund des Schädel-MRI vom 31. Oktober 201
9 unwahrscheinlich (S. 5; Teilgutachten Urk. 8/16/57-64 S. 7 f.
).
In gesamtmedizinischer Hinsicht hielten die Gutachter fest, dass d
ie beim Sturz am 29. Mai 2019 erlittenen Kontusionen der HWS
,
der
LWS und des Beckens sowie die Muskelfaserrisse im mittleren und distalen Drittel des
Musculus
gluteus
maximus
etwa drei Monate nach dem Ereignis vollständig abgeheilt
seien
. Die
beklagte
Vergesslichkeit
sowie die
Konzentrations- und Schlafstörungen seien nicht erklärbar. Es lägen keine psychiatrisch bedingten gesundheitlichen Beein
trächtigungen vor (S. 6 f. Ziff. 5.1, Ziff. 6.2). Es bestünden keine Einschränkungen der körperlichen und psychischen Belastbarkeit in der bisherigen
oder in einer angepassten
Tätigkeit. Für sechs Wochen nach dem Ereignis sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit nachvollziehbar. Danach werde vom Erreichen einer 50%igen Arbeitsfähigkeit mit 25%iger Steigerung alle drei Wochen ausgegangen
(S. 8 f. Ziff. 7-8).
3.10
Mit Stellungnahme vom 19. Juni 2020
konnte
Dr. med.
G._
, Facharzt für Chirurgie sowie für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
keine Diagnose mit dauernder Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
erkennen
. Als Diagnosen ohne dauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte er einen Status nach Kontusion der HWS,
der
LWS und des Beckens sowie Faserrisse der
G
lutealmuskulatu
r
und ein
en
kompensierte
n
Tinnitus links.
Die zahlreich beklagten neurologischen Symptome könnten nicht erklärt werden.
Bei einer neuropsychologischen Unter
suchung seien mittel- bis schwergradige Funktionsstörungen festgestellt worden, welche organisch nicht erklärbar seien. Die neurologische Behandlung sei beendet und eine psychiatrische Therapie empfohlen worden. Mittel- bis schwergradige neuropsychologische Defizite würden ein
schwerst
depressives Zustandsbild erfordern, das klinisch zu keinem Zeitpunkt beschrieben
worden
sei.
Ausserdem
sei
nie eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
erfolgt
.
Anlässlich der
Begutachtung
habe keine Diagnose mit länger
andauernder Auswirkung auf die A
rbeitsfähigkeit
erkannt
werden können. Es
sei vielmehr
mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit
von
Aggravation
ausgegangen
worden
.
Das Ausmass der erho
benen neuropsychologischen Funktionsstörungen korreliere in keiner Weise mit
dem klinischen Eindruck. Eine erklärende hirnorganische oder psychiatrische Pa
tho
logie bestehe nicht. Die Beschwerdevalidierungstests seien sehr auffällig. Die Annahme einer Aggravation sei plausibel. Der Umstand, dass trotz des be
haup
teten schweren Leidensdrucks keine psychiatrisch-psychotherapeutische Be
hand
lung aufgesucht
worden sei
sowie das hohe Ausmass der Diskrepanzen wür
den darauf hinweisen, dass eine bewusste Simulation vorliege. Aus versiche
rung
s
medizinischer Sicht liege kein dauernder Gesundheitsschaden vor. Die bisherige Tätigkeit sei spätestens drei Monate nach dem Unfall wieder in vollem Pensum zumutbar gewesen (vgl. Urk. 8/18 S. 4 ff.).
3.11
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, für Neu
rologie sowie für Kinder- und Jugendmedizin,
Psychiatrische
Klinik H._,
gab mit
Bericht vom 5. Oktober 2020 (Urk. 3)
an, dass sie den Be
schwerdeführer seit dem 5. Juni 2020 behandle und
ein organisches Psycho
syndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10 F07.2) sowie eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
diagnostizieren könne
. Die Indikation für eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sei gegeben
.
Die bestehende Symptomatik lasse sich in ihrer Ausprägung und der mental emotionalen Blockade/Antriebshemmung nicht mehr allein durch den Unfall erklären
(S. 1 f.).
3.12
Mit Stellungnahme vom 17. Dezember 2020 (Urk. 13) erklärte Dr.
Z._
, weshalb sie von einem direkten Schädelhirntrauma ausgehe. Der Beschwerdeführer sei rückwärts auf einer Betontreppe gestürzt und hart auf Gesäss
sowie
Rücken gefallen. Er könne jedoch nicht sicher sagen, ob er auch auf den Hinterkopf gefallen sei. Im Krankenwagen habe er heftige Schmerzen am ganzen K
örper und
auch
am
K
opf beschrieben, wobei er sich mehrmals
übergeben
habe
. Dies sei
ein typisches Commotio
-Symptom
.
D
emnach
könne
von einer Erschütterung des Gehirns
beziehungsweise
des
ZNS au
sgegangen werden. D
ies
entweder durch direktes Trauma bei
m
Fall auf den Hinterkopf oder durch die zum Kopf
hin weiter
geleitete Erschütterung bei
m
Aufprall. Die Bildgebung des Kopfes sei bei leichten Schädelhirntraumen nicht wegweisend
. Der Beschwerdeführer profitiere bezüglich der depressiven Symptome von den regelmässigen psychotherapeu
tischen Settings und von der Einnahme eines Antidepressivums. Er
sei noch
nicht wieder arbeitsfähig (S. 1 ff.
).
4.
4.1
Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers erfolgte im Auftrag der
Unfallversicherung eine eingehende Begutachtung durch die Ä
rzte des
F._
(vorstehend E. 3.9
)
.
Das Gutachten beruht auf allseitigen Untersu
chungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis der
sowie
in Auseinandersetzung mit den Vorakten erstellt und setzt sich mit allen Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigung sowie mit dem Verhalten des Beschwer
deführers auseinander. Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizi
ni
schen Zusammenhänge sowie in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbar begründete Schlussfolgerungen. Damit erfüllt es die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise (vorstehend E. 1.
6
)
vollumfän
g
lich
, weshalb – der RAD-Stellungnahme folgend (vorstehend E.
3.10
) – darauf abgestellt werden kann.
Die
oto-rhino-laryngologische
Untersuchu
ng erwies sich als unauffällig, wobei kein
peripher-vestibulärer Befund
als Erklärung für die Schwindelbeschwerden
erhoben werden
konnte
(vgl.
Urk. 8/16/2-11 S. 5 f.
)
. Aus orthopädischer Sicht wurde
n
die
anlässlich des Treppensturzes erlittene
n
K
ontusion
en
der HWS, der LWS und des Beckens sowie die Muskelfaserrisse an der
Glutealmuskulatur
als
inzwischen abgeheilt
betrachtet
und
d
er Beschwerdeführer nachvollziehbar als spätestens drei Monate nach dem Unfall wiederum vollständig arbeitsfähig in
jeglicher Tätigkeit erachtet (vgl.
Urk. 8/16/28-42 S. 7 ff. Ziff. 4, Ziff. 6.2, Ziff. 7-8
)
.
Anlässlich der psychiatrischen Untersuchung fielen keine kognitiven Einschrän
kungen auf. Der Beschwerdeführer zeigte sich affektiv zwar themenbezogen hinsichtlich der gesundheitlichen, beruflichen und finanziellen Situation besorgt und bedrückt. Eine krankheitswertige psychische Störung
– etwa ein depressives Leiden – konnte
jedoch
nicht
festgestellt
werden. Auf psychiatrischem Gebiet liess sich
einleuchtend
keine Erklärung für die neuropsychologisch erhobenen Befunde finden und es wurde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von Aggravation ausgegangen (vgl.
Urk. 8/16/43-56 S. 8 f. Ziff. 4, S. 12 f. Ziff. 7-8
).
A
us neuro
psychologischer Sicht
konnte
aufgrund der mangelnden Validität keine re
levante
Aussage gemacht werden (vgl.
Urk. 8/16/57-64 S. 7 f.
). Die gutachterliche Schlussfolgerung, wonach der Beschwerdeführer in der bisherigen sowie jeglicher angepassten Tätigkeit spätestens drei Monate nach dem Unfall wiede
rum voll
ständig arbeitsfähig war
(vgl.
Urk. 8/16/12-27
S.
6 ff. Ziff. 5.1, Ziff. 6.2, Ziff. 7-8
),
vermag
daher
vollumfänglich zu überzeugen.
4.2
Die vom Beschwerdeführer gegen
das
Gutachten vorgebrachten Einwände (vgl. Urk. 1 S. 5 f.) erweisen sich als nicht stichhaltig.
Das neuropsychologische Teil
gut
achten hält zwar fest, dass - unter Vorbehalt somatischer, neurologischer und psychiatrischer Befunde, welche die Einschränkungen erklären könnten - von einer wahrscheinlichen, nichtauthentischen Beschwerdeschilderung ausgegangen werden müsse (vgl. Urk.
8/16/57-64 S. 7 oben
). Solche Befunde konnten an
läss
lich der übrigen
gutachterlichen Untersuchungen
allerdings gerade nicht erho
ben werden.
Der Umstand, dass die
Psychiatrie H._
-Ärztin Dr.
Z._
demgegenüber
ein orga
nisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma sowie eine schwere depressive Episode diagnostizierte (vorstehend E. 3.
11-3.12
),
schmälert den Beweiswert des Gutachtens nicht.
Selbst wenn aufgrund der Ausführungen
von Dr.
Z._
von einer anlässlich des Unfallereignisses erlittenen Erschütterung des Gehirns res
pektive des
ZNS
ausgegangen w
ürde
, konnten die Beschwerden nicht objektiviert werden.
Die psychiatrische Behandlung durch die Ärzte der
Psychiatrischen Klinik
H._
_
begann
im Juni 2020 und damit
kurz nach der
F._
-
B
egutachtung.
D
er Beschwerdeführer
be
klagte
weiterhin dieselben S
ymptome. Eine seit der Begutachtung eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes ist nicht ersichtlich.
Daher verm
ögen die
Bericht
e von Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.11-3.12)
keine Zweifel an der schlüssi
gen und nachvollziehbaren gutachterlichen Beurteilung aufkommen zu lassen.
Fehlt es an einer fachärztlich nachvollziehbar festgestellten psychia
tri
schen Diagnose, so besteht kein Anlass, ein strukturiertes Beweisverfahren durch
zuführen.
Aus dem
vom Beschwerdeführer geltend gemachte
n
Umstand,
wonach
im Gut
achten keine Auseinandersetzung mit sämtlichen am Tag der Exploration ein
genommenen M
edikamenten stattfinde
(vgl. Urk. 1 S.
6 Ziff. 14-15
),
kann er ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten. Im neuropsychologischen Gutachten wird nebst der am Morgen der Exploration erfolgten Einnahme von
Novalgin
auch die übliche Medikation einschliesslich des Medikaments
Trittico
mit dem Wirkstoff
Trazodon
(vgl.
https://compendium.ch/search?q=trittico
, zuletzt be
sucht am
27
. September
2021)
aufgeführt
(vgl. Urk. 8/
16/57-64 S. 4 f.
). Ausser
dem
erwähnt
e
die Neuropsychologin
die Möglichkeit allfälliger
Auswirkungen
von Medikamenten
auf das Testresultat
, wobei sie ausdrücklich
angab
, dass
dabei
keine schwere Verminderung der allgemeinen Reaktions- und Informations
ver
arbeitung – wie beim Beschwerdeführer
allerdings
der Fall
(vgl. Urk. 8/16/57-64 S.
6)
– zu erwarten
ist
(vgl. Urk.
8/16/57-64 S.
7
). Auch
anlässlich der
psy
chia
trischen
Untersuchung
w
urde
nach der
aktuellen Medikation gefragt (vgl. Urk.
8/16/43-56 S. 4
). Zudem setzt
e
sich der psychiatrische Gutachter mit dem Ergebnis der Laboruntersuchung – der Trazodon-Spiegel lag deutlich unterhalb des Referenzb
ereichs (vgl. Urk. 8/16/
66) - auseinander und erklärt
e
, dass dieses Medikament auch nur niedrig dosiert zum Schlafanstoss eingesetzt werde (vgl. Urk.
8/16/
43-56 S.
8
).
Die
gutachterliche Auseinandersetzung mit der eingenom
menen Medikation
erweist sich
als genügend
.
Soweit
zuletzt
eine fehlende interdisziplinäre Diskussion der möglichen Wechsel
wirkungen sowie deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bemängelt wird (vgl. Urk.
1
S.
6 Ziff. 16
),
kann der Beschwerdeführer hieraus ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten.
I
n keinem der involvierten Fachgebiete
wurde
ein wesentlicher Befund respektive eine Diagnose mit Auswirkung auf die Arb
eitsfähigkeit erho
ben,
womit
sich eine Diskussion
mögliche
r
Wechselwirkung
en
erübrigt
. Das Gut
achten wurde von den konsiliarisch zugezogenen Fachärzten eingesehen und diese erklärten sich mit den Schlussfolgerungen
als
einvers
tanden (vgl. Urk.
8/16/12-27 S. 11 f.
).
Was den zuletzt eingereichten Bericht vom 17. Mai 2021 von Dr.
Z._
(Urk. 20) angeht, so begründete sie weder die Ä
nderung ihr
er Diagnose noch untermauerte sie die neu von ihr diagnostizierte dissoziative Störung mit entsprechenden Befunden.
Entgegen der Ansicht des Beschwerde
führers (vgl. Urk. 1 S.
6 Ziff. 17
) besteht keine Veranlassung für ergänzende medi
zinische Abklärungen, weshalb darauf im Sinne antizipierter Beweiswürdigung (BGE 122 V 157 E. 1d) zu verzichten ist.
4.3
Nach dem Gesagten ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer gestützt auf das beweiskräftige
F._
-
Gutachten in der bisherigen
sowie jeglicher ange
passten
Tätigkeit
bereits
drei Monate nach dem Unfall wieder
um
vollständig arbeitsfähig war
. Die Beschwerdegegnerin hat folglich einen Leistungsanspruch zu Recht verneint.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.