Decision ID: d7058fa1-4962-5bdd-97d4-dfd71528ce7d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer ersuchte am 27. März 2013 in der Schweiz um
Asyl nach. Mit Verfügung vom 12. Juni 2014 lehnte das SEM das Asylge-
such des Beschwerdeführers ab und wies ihn aus der Schweiz weg, unter
Ausschluss des Wegweisungsvollzugs in die Volksrepublik China. Gegen
diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 19. Juni
2014 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. In der Folge hob das
SEM mit Verfügung vom 5. September 2014 seinen Entscheid vom
12. Juni 2014 wiedererwägungsweise auf und nahm das erstinstanzliche
Verfahren wieder auf. Mit Entscheid D-3397/2014 vom 10. September
2014 schrieb das Bundesverwaltungsgericht das Beschwerdeverfahren als
gegenstandslos geworden ab.
A.b Mit Verfügung vom 8. Juni 2015 lehnte das SEM das Asylgesuch des
Beschwerdeführers erneut ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Der
Wegweisungsvollzug in die Volksrepublik China wurde ausgeschlossen.
Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 13. Juli 2015
wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4327/2015 vom 5. Sep-
tember 2016 insofern gutgeheissen, als die vorinstanzliche Verfügung auf-
gehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück-
gewiesen wurde.
A.c In der Folge lehnte das SEM mit Verfügung vom 19. April 2017 das
Asylgesuch des Beschwerdeführers wiederum ab, wies ihn aus der
Schweiz weg und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Der Vollzug der
Wegweisung in die Volksrepublik China wurde ausgeschlossen. Die gegen
diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 24. Mai 2017 wurde mit Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts D-2921/2017 vom 18. September 2017
abgewiesen.
B.
Mit Eingabe vom 17. Januar 2018 stellte der Beschwerdeführer gestützt
auf Art. 51 AsylG ein Gesuch um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft
seiner Ehefrau B._, Staatsangehörige der Volksrepublik China
(N [...]), welche er am (...) geheiratet habe.
C.
Mit Verfügung vom 29. Januar 2018 – eröffnet am 2. Februar 2018 – lehnte
das SEM dieses Gesuch ab.
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D.
Gegen diesen Entscheid liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechts-
vertreter mit Eingabe vom 1. März 2018 (Postaufgabe: 2. März 2018) Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben und beantragen, es sei
die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und er sei in die Flüchtlingsei-
genschaft seiner Ehegattin miteinzubeziehen, eventualiter sei die ange-
fochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung und
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.
E.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 9. März 2018 den Eingang
der Beschwerde.
F.
Mit Eingabe vom 23. März 2018 reichte der Rechtsvertreter eine Fürsorge-
bestätigung vom 22. März 2018 sowie diverse Unterlagen zu den finanzi-
ellen Verhältnissen der Ehefrau des Beschwerdeführers ein.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 28. März 2018 hiess der Instruktionsrichter
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, wies
jedoch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeistän-
dung ab. Gleichzeitig wurde dem SEM Gelegenheit eingeräumt, eine Ver-
nehmlassung einzureichen.
H.
Das SEM liess sich am 10. April 2018 zur Beschwerde vernehmen. Die
Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 19. April 2018 zur
Kenntnisnahme zugestellt.
I.
In der Folge reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Schrei-
ben vom 24. April 2018 seine Honorarnote ein.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, das Bundesver-
waltungsgericht habe im Urteil D-2921/2017 vom 18. September 2017 fest-
gestellt, es gehe davon aus, dass der Beschwerdeführer entgegen seiner
Darstellung nicht im Tibet, sondern in der exiltibetischen Diaspora soziali-
siert worden sei und die Verschleierung seiner Herkunft die Prüfung der
Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf sein effektives Herkunftsland verun-
mögliche. Das Bundesverwaltungsgericht habe bereits in seinem Grund-
satzurteil BVGE 2014/12 festgehalten, dass bei Personen tibetischer Eth-
nie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen würden, ver-
mutungsweise davon auszugehen sei, dass keine flüchtlings- oder weg-
weisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen
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Aufenthaltsort bestünden. Die Staatsangehörigkeit des Beschwerdefüh-
rers oder ein allfälliger Aufenthaltsstatus seien dem SEM bis heute nicht
bekannt. Entsprechend sei es dem SEM nicht möglich zu prüfen, ob er mit
seiner Familie an den bisherigen Aufenthaltsort zurückkehren könne. Diese
Verunmöglichung sei den Falschangaben zu seiner Sozialisierung im Rah-
men des Asylverfahrens geschuldet. Es könne deshalb nicht zu seinen
Gunsten davon ausgegangen werden, es bestünden keine besonderen
Umstände im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG. Er sei jedoch darauf hinge-
wiesen, dass es ihm offenstehe, seine wahre Herkunft in überprüfbarer
Weise offenzulegen und gegebenenfalls erneut um Einbezug in die Flücht-
lingseigenschaft seiner Ehefrau zu ersuchen.
3.2 In der Beschwerde wird eingewendet, das Bejahen besonderer Um-
stände, die einem Einbezug entgegenstehen würden, sei als Ausnahme-
klausel zu verstehen. Zur Erfüllung des in der Verfügung angerufenen be-
sonderen Umstands unterschiedlicher Nationalitäten werde gemäss den
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-
sion [EMARK] 1996 Nr. 14 verlangt, dass der einzubeziehende Angehörige
eine andere Staatsangehörigkeit besitze als der anerkannte Flüchtling. Aus
dem Rubrum der angefochtenen Verfügung sowie aus sämtlichen anderen
Unterlagen der Vorinstanz gehe hervor, dass die Staatsangehörigkeit des
Beschwerdeführers unbekannt sei. Folglich sei davon auszugehen, dass
er gegenwärtig weder die chinesische noch eine andere Staatsbürger-
schaft besitze. Es müsse davon ausgegangen werden, dass ein grosser
Teil der in Nepal und Indien lebenden Exil-Tibeterinnen und -Tibeter keine
neue Staatsangehörigkeit erworben hätten und nach wie vor die chinesi-
sche Staatsangehörigkeit besässen. Selbst wenn er in Indien oder Nepal
und nicht in China sozialisiert worden wäre, sei demzufolge nicht erwiesen,
dass er auch eine andere Staatsangehörigkeit erworben habe. In Anbe-
tracht der gesetzlichen Konzeption von Art. 51 Abs. 1 AsylG, wonach ein
Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft nur bei Vorliegen von besonderen
Umständen ausgeschlossen werde, rechtfertige es sich vorliegend nicht,
ihn aufgrund der hypothetischen Möglichkeit der abweichenden Nationali-
tät nicht in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehegattin miteinzubeziehen.
Dies würde einer Ausweitung der bisherigen Praxis gleichkommen und wi-
derspreche dem Gebot einer nur restriktiven Auslegung der Ausnahme-
klausel.
3.3 In seiner Vernehmlassung verweist das SEM auf seine Erwägungen in
der angefochtenen Verfügung, an denen vollumfänglich festgehalten
werde.
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4.
4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl –
namentlich Ehegatten und minderjährige Kinder von Flüchtlingen ihrerseits
als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl in der Schweiz, wenn keine
besonderen Umstände dagegensprechen. Das Kriterium der "besonderen
Umstände" dient gemäss ständiger Praxis insbesondere dem Zweck, Miss-
bräuche zu verhindern (vgl. Urteil des BVGer E-1683/2013 vom 21. April
2015 E. 6.2.2 m.w.H.). In der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts wurde in verschiedenen Konstellationen das Vorliegen von besonde-
ren Umständen bejaht. So ist ein Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft
namentlich dann ausgeschlossen, wenn die in der Schweiz als Flüchtling
anerkannte Person ihre Flüchtlingseigenschaft selbst derivativ erworben
hat, wenn die eheliche Gemeinschaft während einer längeren Zeit nicht
mehr gelebt beziehungsweise aufgegeben wurde oder wenn die in die
Flüchtlingseigenschaft einzubeziehende Person eine andere Staatsange-
hörigkeit besitzt als die als Flüchtling anerkannte Person und es der Familie
an sich zumutbar und möglich wäre, statt in der Schweiz auch in diesem
anderen Land zu leben (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.1). Soll der Einbezug in
die Flüchtlingseigenschaft des Ehepartners aufgrund unterschiedlicher Na-
tionalitäten verweigert werden, ist – in hypothetischer Weise – zu prüfen,
ob sich die ganze Familie gegebenenfalls im Heimatland des nicht verfolg-
ten Ehepartners niederlassen könnte (vgl. Urteil des BVGer E-1683/2013
vom 21. April 2015 E. 6.2.4 m.w.H.).
4.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem kürzlich ergangenen Ur-
teil E-1813/2019 vom 1. Juli 2020 (zur Publikation vorgesehen) festgehal-
ten, dass ein "besonderer Umstand" im Sinne des Art. 51 Abs. 1 AsylG vor-
liege, wenn dem SEM die Prüfung des Vorliegens einer weiteren Staatsan-
gehörigkeit verunmöglicht werde, weil die gesuchstellende Person im Rah-
men des Verfahrens betreffend Familienasyl eine schwere Mitwirkungs-
pflichtverletzung begangen habe (vgl. a.a.O. E. 9.10). In einem solchen
Verfahren treffe die gesuchstellende Person eine qualifizierte Mitwirkungs-
pflicht, deren Verletzung nicht zu einer Besserstellung gegenüber einer
Person führen dürfe, welche ihrer diesbezüglichen Pflicht nachgekommen
sei (vgl. a.a.O. E. 9.6). Es stehe der gesuchstellenden Person frei, im Ver-
fahren um Familienasyl aktiv mitzuwirken und anhand neuer konkreter An-
haltspunkte den Anschein einer Mitwirkungspflichtverletzung auszuräumen
oder wesentliche Tatsachen hinsichtlich ihrer tatsächlichen Herkunft offen-
zulegen, in welchem Fall nicht von "besonderen Umständen" im Sinne von
Art. 51 Abs. 1 AsylG auszugehen sei (vgl. a.a.O. E. 9.7 f.). Umgekehrt sei
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bei einer schwerwiegenden Mitwirkungspflichtverletzung weder die chine-
sische Staatsangehörigkeit noch das Fehlen einer anderen Staatsangehö-
rigkeit glaubhaft gemacht. Auch wenn die Möglichkeit einer chinesischen
Staatsangehörigkeit nicht ausgeschlossen sei, obliege es der gesuchstel-
lenden Person, ihre angebliche Staatsangehörigkeit beziehungsweise das
Fehlen des Erwerbs einer neuen Staatsangehörigkeit glaubhaft zu ma-
chen. Es sei nicht Sache des SEM, den Gegenbeweis zu erbringen, dass
die gesuchstellende Person eine andere als die chinesische Staatsange-
hörigkeit besitze (vgl. a.a.O. E. 9.9).
4.3 Sodann erwog das Bundesverwaltungsgericht, dass das SEM einer an-
tragstellenden Person im Verfahren um Familienasyl eine Mitwirkungs-
pflichtverletzung, welche dieser Person bereits im einem vorgängigen (ab-
geschlossenen) ordentlichen Asylverfahren vorgeworfen worden sei, vor-
halten dürfe, wenn sich die Person im Rahmen eines rechtlichen Gehörs
zur beabsichtigten Würdigung der sich aus dem ersten Verfahren ergeben-
den Sachverhaltselemente und Beweismittel erneut habe äussern können,
und wenn sie über die Konsequenzen einer Mitwirkungspflichtverletzung in
Bezug auf den Entscheid zum Familienasyl informiert worden sei (vgl.
a.a.O. E. 8.3.5). Das SEM berücksichtige im Rahmen der freien Beweis-
würdigung nicht nur das für das vorherige Verfahren erstellte Lingua-Gut-
achten, sondern auch das Fehlen von Beweismitteln oder konkreten neuen
Anhaltspunkten betreffend die Identität der gesuchstellenden Person, das
Fehlen von Beweismitteln betreffend ihren Hauptsozialisationsort, ihre
Aussagen im ersten ordentlichen Asylverfahren und im Verfahren betref-
fend das Familienasyl sowie auch ihr Verhalten während beider Verfahren
im Hinblick auf das Prinzip von Treu und Glauben und den Fairnessgedan-
ken (vgl. a.a.O. E. 9.8).
5.
5.1 Vorliegend erliess das SEM seine Verfügung einzig gestützt auf die
Feststellungen im vorangegangenen Asylverfahren und unterliess es, dem
Beschwerdeführer vorgängig das rechtliche Gehör zu gewähren. Es hätte
den Beschwerdeführer vielmehr einladen müssen, sich zur Frage zu äus-
sern, ob er an seinen Vorbringen im ordentlichen Asylverfahren, wonach er
in Tibet hauptsozialisiert worden und chinesischer Staatsangehöriger sei,
festhalte oder nicht. Weiter hätte er aufgefordert werden müssen, allfällige
neue Beweismittel seine früheren Vorbringen betreffend beizubringen oder
seine Tatsachenbehauptungen in substantiierter Weise und wahrheitsge-
mäss zu ändern oder zu ergänzen – insbesondere unter Angabe seiner
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Nationalität, seines Geburtsortes und Geburtsdatums, der genauen Zeit-
angaben und Adressen seine verschiedenen Aufenthaltsorte betreffend
und seines jeweiligen Aufenthaltsstatus an jedem dieser Orte, der ausge-
stellten offiziellen Dokumente sowie der Identität und der Adressen seiner
zurückgebliebenen Verwandten. Ausserdem hätte das SEM ihn im Falle
von neuen Vorbringen einladen müssen, allfällige entsprechende Beweis-
mittel zu bezeichnen und beizubringen – etwa einen Aufenthaltstitel für
Ausländer in der Exilgemeinschaft, ein Identitätspapier oder einen Reise-
ausweis (vgl. Urteil des BVGer E-1813/2019 vom 1. Juli 2020 E. 10.5).
5.2 Indem das SEM dieser Pflicht nicht nachgekommen ist, hat es nicht nur
das Recht des Beschwerdeführers verletzt, im neuen Verfahren mitzuwir-
ken und sich vor Ergehen des Entscheides zum Familienasyl zu den ent-
scheidrelevanten Elementen zu äussern – beides Teilgehalte des An-
spruchs auf rechtliches Gehör. Die Vorinstanz hat damit auch den Unter-
suchungsgrundsatz verletzt und den Sachverhalt nicht korrekt festgestellt.
Das SEM wird frei entscheiden können, ob es dem Beschwerdeführer das
rechtliche Gehör auf schriftlichem Weg oder im Rahmen einer erneuten
Anhörung gewähren möchte. Sollte der Beschwerdeführer dann weiterhin
an seinen früheren Vorbringen hinsichtlich des Ortes seiner Hauptsoziali-
sation und seiner Staatsangehörigkeit festhalten oder nichts Neues und
Entscheidendes vorbringen, sei es auch nur, um seine früheren Vorbringen
zu untermauern, wird das SEM auf die Beweiswürdigung im ordentlichen
Asylverfahren abstellen dürfen (vgl. Urteil des BVGer E-1813/2019 vom
1. Juli 2020 E. 10.6).
5.3 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz beantragt wird. Die Verfügung vom
29. Januar 2018 ist aufzuheben und die Sache zur Gewährung des recht-
lichen Gehörs und zur korrekten Sachverhaltsfeststellung sowie zu neuer
Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu
erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit wird die mit Zwischenverfü-
gung vom 28. März 2018 gewährte unentgeltliche Prozessführung nach-
träglich gegenstandslos.
6.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
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21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechts-
vertreter des Beschwerdeführers reichte eine Honorarnote in der Höhe von
Fr. 1325.10 (inkl. Auslagen) ein, ausgehend von einem Stundenansatz von
Fr. 250.–. Der geltend gemachte Aufwand erscheint angemessen und der
Stundenansatz ist reglementskonform (vgl. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Es be-
steht keine Mehrwertsteuerpflicht. Demnach ist dem Beschwerdeführer zu
Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 1325.10 zuzuspre-
chen.
(Dispositiv nächste Seite)
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