Decision ID: 785e3266-f94c-4eac-befd-e1355dd777f1
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als Walzendreher bei der B._ AG tätig und dadurch bei der Suva
unfallversichert, als er am 2. oder 3. Januar 2008 auf einer eisigen Treppe vor seinem
Haus stürzte und sich eine Prellung an der linken Schulter und am Kopf zuzog. Nach
dem Sturz war der Versicherte kurze Zeit benommen, stand dann aber mit starken
Kopfschmerzen wieder auf (UV-act. 1, 20). Die Erstbehandlung erfolgte am 6. Januar
2008 bei seinem Hausarzt Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeinmedizin, der im
Arztzeugnis vom 26. Januar 2008 als Befunde eine Druckdolenz im okzipitalen Bereich
sowie eine eingeschränkte und dolente Beweglichkeit der Halswirbelsäule (HWS)
erhob. Eine MRI-Untersuchung der HWS hatte eine Diskushernie C6/7 mit minimaler
Einengung links rezessal ergeben. Als Diagnosen hielt Dr. C._ einen Status nach
Sturz sowie eine Diskushernie C6/7 ohne Nervenirritation fest und bescheinigte dem
Versicherten bis 18. Januar 2008 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 2). Die Suva
anerkannte ihre Leistungspflicht.
A.b Wegen anhaltender Beschwerden, d.h. in erster Linie wegen eines Tinnitus, einer
Lärm- und Geräuschempfindlichkeit, Ohrdruck, Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen
und Augenflimmern, wies Dr. C._ den Versicherten Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Otorhinolaryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie, für eine audio-neurootologische
(UV-act. 4) und Dr. med. E._, Facharzt FMH für Neurologie, für eine neurologische
Beurteilung zu (UV-act. 8).
A.c Der Versicherte bezog wegen langdauernder Krankheit, insbesondere wegen einer
depressiven Störung und einem chronischen Schmerzsyndrom bei bekannten
Wirbelsäulenveränderungen, gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 50% ab
1. November 2004 eine halbe Rente der Invalidenversicherung (IV-act. 91, 98, 101).
Laut Bericht von Dr. med. F._, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
30. März 2009 an die IV-Stelle des Kantons St. Gallen stand der Versicherte bei diesem
seit 25. August 2004 wegen seiner psychischen Beschwerden in Behandlung. Seit dem
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Unfall vom 6. (richtig: 2. oder 3.) Januar 2008 sei es zu einer Verschlechterung des
gesundheitlichen Zustands gekommen (UV-act. 16). Vom 8. Juni bis 17. Juli 2009
befand sich der Versicherte in der Klinik Teufen zur psychosomatischen Rehabilitation
in einer ambulanten Behandlung (UV-act. 21). Am 25. August 2009 erfolgte im Auftrag
der kantonalen IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung - psychiatrisch und
neurologisch - durch die Ärztliche Begutachtungsinstitut GmbH (ABI), Basel. Das
entsprechende Gutachten datiert vom 13. Oktober 2009 (UV-act. 33.1). Am
17. Dezember 2009 und 12. August 2010 holte die Suva bei Kreisarzt Dr. med. G._,
Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Allgemein- und Unfallchirurgie, eine ärztliche
Beurteilung zur Frage der Arbeitsunfähigkeit des Versicherten aufgrund verifizierbarer
somatischer Beschwerden und deren natürlicher Kausalität zum Unfallereignis vom
2. oder 3. Januar 2008 ein (UV-act. 28, 34), die dieser am 28. Dezember 2009 bzw.
17. August 2010 abgab (UV-act. 29, 35). Gestützt auf das ABI-Gutachten hob die
kantonale IV-Stelle mit Verfügung vom 22. März 2010 den Anspruch des Versicherten
auf eine Rente der Invalidenversicherung ausgehend von einem Invaliditätsgrad von
31% per 30. April 2010 revisionsweise auf (UV-act. 30).
A.d Mit Verfügung vom 13. September 2010 eröffnete die Suva dem Versicherten die
Einstellung der Versicherungsleistungen auf den 31. August 2010. Zur Begründung
legte sie dar, die bei ihm festgestellten organischen Beschwerden seien nicht mehr mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 6. (richtig:
2. oder 3.) Januar 2008 zurückzuführen. Die Unfall-Adäquanz sei zu verneinen (UV-act.
36).
B.
Die gegen diesen Entscheid am 11. Oktober 2011 erhobene Einsprache (UV-act. 40)
wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 7. Januar 2011 ab (UV-act. 47).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 7. Januar 2011 richtet sich die Beschwerde
des Versicherten vom 9. Februar 2011 mit dem Antrag, der angefochtene Entscheid sei
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm die Leistungen im
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Rahmen von 100% Arbeitsunfähigkeit auszurichten sowie die Rentenfrage und die
Frage der Integritätsentschädigung zu prüfen. Zusammen mit der Beschwerde legte
der Beschwerdeführer weitere Berichte von Dr. D._ und Dr. F._ vom 1. bzw.
8. Februar 2011 vor.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 21. März 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des angefochtenen
Einspracheentscheids.
C.c Mit Replik vom 11. April 2011 hält der Beschwerdeführer an seinem Antrag fest.
Nachdem sich daraus im Übrigen aber keine neuen Erkenntnisse ergeben haben, hat
das Versicherungsgericht den Schriftenwechsel mit Schreiben vom 13. April 2011
abgeschlossen.
C.d Auf die Begründungen und Ausführungen in den einzelnen Rechtsschriften bzw.
medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
Streitig ist, ob die Leistungen, welche von der Beschwerdegegnerin im Anschluss an
das Unfallereignis vom 2. oder 3. Januar 2008 ausgerichtet wurden, auf den 31. August
2010 eingestellt werden durften.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die
Bestimmung über die Leistungspflicht des Unfallversicherers (Art. 6 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) bzw. die diesbezügliche
Voraussetzung des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem
Unfallereignis und dem Gesundheitsschaden zutreffend dargelegt. Gleiches gilt in
Bezug auf den massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit und
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den Beweiswert von medizinischen Berichten. Darauf (Erwägung 1 und 2) kann
verwiesen werden.
2.2 Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von
nachweisbaren strukturellen Veränderungen (ein organisches Substrat konnte mit Bild
gebenden Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG]
nachgewiesen werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus
dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu
bejahen (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/
bb mit Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar,
ist eine eigenständige Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu
differenzieren ist: Hat die versicherte Person beim Unfall kein Schleudertrauma erlitten,
gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140 E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben
die Abklärungen indessen das Vorliegen einer Schleudertraumaverletzung, muss
geprüft werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung
gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen
Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die
Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit
psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a).
Andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359
festgelegten und in BGE 134 V 109 präzisierten Kriterien. Die Anwendung der
Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der
HWS setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus dem Unfall hervorgehen
und zusammen mit den organischen Beschwerden, die ebenfalls auf das Unfallereignis
zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328
E. 3b). Die zu den Verletzungen nach klassischem Schleudertrauma entwickelte
Rechtsprechung zum natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang (BGE 119 V
335, 117 V 359) ist auch auf analoge Verletzungen wie Distorsionen der HWS sowie
Schädel-Hirntraumata anwendbar, wenn und soweit sich deren Folgen mit jenen eines
Schleudertraumas vergleichen lassen (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 17. August 2004, U 243/03; RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317, E. 3;
BGE 117 V 377 E. 3c).
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3.
3.1 Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung erst dann gesprochen werden, wenn die
erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden
können (vgl. BGE 134 V 121 f. E. 9, 117 V 363 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 [U 479/05]
E. 5.4 S. 82 mit Hinweisen), wobei die Untersuchungsmethoden überdies
wissenschaftlich anerkannt sein müssen (BGE 134 V 232 f. E. 5.1 mit Hinweisen). Eine
manuelle ärztliche Untersuchung fördert klinische, nicht aber somatisch-strukturelle
Ergebnisse zu Tage. Als solche gelten Ergebnisse, die reproduzierbar und von der
Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Würde
lediglich auf die Ergebnisse klinischer Untersuchungen abgestellt, so würde fast in allen
Fällen ein organisches Substrat namhaft gemacht. Entsprechend können ein Thoracic
outlet Syndrom (TOS), myofasziale und tendinotische bzw. myotendinotische Befunde,
Verhärtungen und Verspannungen der Muskulatur, Druckdolenzen im Nacken sowie
Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit für sich allein nicht als organisch hinreichend
nachweisbare Unfallfolgen betrachtet werden. Gleiches gilt für Nackenverspannungen
bei Streckhaltung der HWS mit Retrohaltung (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom
17. Oktober 2008, 8C_124/2008, mit zahlreichen Hinweisen sowie vom 7. Februar 2008
U 13/07, E. 3.2 und 3.3).
3.2 Im vorliegenden Fall zeigte eine am 11. Januar 2008 durchgeführte MRI-
Untersuchung der HWS eine Dehydratation der zervikalen Bandscheiben, diskrete
rechtslaterale Protrusionen C3/4 und C4/5 sowie eine deutlich ausgeprägte medio-
linkslaterale Protrusion C6/7 ohne Wurzel- oder Myelonkompression. Bei diesen an
sich klaren organischen Substraten handelt es sich unbestrittenermassen um
degenerative Vorzustände. Ebensolche weist der Beschwerdeführer an der
Lendenwirbelsäule (LWS) auf Höhe L4/5 in Form einer Dehydratation der Bandscheibe
mit zirkumferenzieller Protrusion und konsekutiver Einengung der Recessi laterales
beidseits auf. Der Beschwerdeführer leidet bereits seit 2003 unter einem
Schmerzsyndrom im Bereich der LWS und bezog unter anderem deshalb eine halbe
Rente der Invalidenversicherung. Eine Tangierung der LWS anlässlich des
Unfallereignisses vom 2. oder 3. Januar 2008 steht auch nicht zur Diskussion. Eine
MRI-Untersuchung des Schädels vom 22. Januar 2008 ergab keinerlei sichtbare
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Auffälligkeiten (UV-act. 2, 16, 21, 33.1). Auch die Durchführung eines EEG zeigte laut
neurologischem Bericht von Dr. E._ vom 19. November 2008 einen Normalbefund
ohne epilepsieverdächtige Potentiale und ohne Hinweise auf ein
Aufmerksamkeitsdefizit oder eine subkortikale Temporalhirnfunktionsstörung. Vermerkt
ist schliesslich die Verdachtsdiagnose einer posttraumatischen Migräne (UV-act. 8).
Der neurologische Begutachter des ABI, Dr. med. H._, FMH Neurologie, hielt zwar im
polydisziplinären Gutachten vom 13. Oktober 2009 (UV-act. 33.1) aus neurologischer
Sicht insofern eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit fest, als dem Beschwerdeführer
wegen der Kopfschmerzproblematik Tätigkeiten in lauten Räumen unzumutbar seien.
Dass diese Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf eine unfallbedingte organisch-
strukturelle Läsion zurückzuführen wäre, kann seinen Ausführungen jedoch nicht
entnommen werden. Dr. H._ erhebt mit der Kopfschmerzproblematik eine
gesundheitliche Störung, erachtet diese jedoch als unfallfremd. Anlässlich der
klinischen Untersuchung habe der Beschwerdeführer seit dem Unfall andauernde
konstante Nacken- und Kopfschmerzen beschrieben, die sich im Verlauf noch
akzentuiert hätten. Wegen des Kopfwehs nehme er täglich zwischen ein bis drei
Aspégic forte 1000 mg ein, was jeweils zu einer kurzen Linderung der Beschwerden
führe. Abrupte Nackenbewegungen habe der Beschwerdeführer vermieden. Die aktive
HWS-Beweglichkeit sei leicht eingeschränkt. Palpatorisch finde sich kein relevanter
Hartspann der paravertebralen Muskulatur im zervikalen Bereich. Am zervikothorakalen
Übergang würden Druckdolenzen angegeben. Anhaltspunkte für eine radikuläre Reiz-
oder Ausfallssymptomatik fehlten. Die MRI-Bilder vom 11. Januar 2008 zeigten leichte
degenerative Veränderungen, ohne Wurzelkompression oder Myelopathie. Wenn ein
Zervikalsyndrom klinisch als Vorhandsein von Beschwerden und Befunden definiert
werde, könne ein solches beim Beschwerdeführer zum aktuellen Zeitpunkt nicht (mehr)
nachgewiesen werden. Deskriptiv liege ein zervikales Schmerzsyndrom vor.
Angegebene Beschwerden und objektivierbare Befunde seien hier diskrepant, ohne
dass Anhaltspunkte für eine Aggravation vorlägen. Es sei von einer
Schmerzfehlverarbeitung auszugehen. Davon abzugrenzen seien die Kopfschmerzen.
Die Angabe des Beschwerdeführers, dass es sich um eine Ausstrahlung vom Nacken
nach oben handle, lasse zwar zervikogene Kopfschmerzen vermuten. Bei Fehlen eines
relevant pathologischen Befundes im Bereich des Nackens könnten diese Schmerzen
aber nicht so interpretiert werden. Phänomenologisch erfüllten sie aufgrund der
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angegebenen starken Intensität, des pulsierenden Charakters, der einseitigen
Betonung, der begleitenden vegetativen Zeichen sowie der Überempfindlichkeit auf
äussere Reize die Diagnose einer Migräne ohne Aura. Die von Dr. E._ gestellte
Verdachtsdiagnose einer posttraumatischen Migräne könne also bestätigt werden,
wobei aber die Kopfschmerzen zum aktuellen Zeitpunkt gestützt auf die IHS-
Klassifikation (IHS = International Headache Society) bei täglicher Einnahme von
Analgetika als medikamenteninduziert, d.h. als Medikamentenübergebrauchskopfweh,
zu klassifizieren seien. Anhaltspunkte für eine anderweitige sekundäre Kopfwehform
(als der medikamenteninduzierten) würden sich weder klinisch noch
kernspintomographisch ergeben. Entsprechend diagnostizierte Dr. H._ ein
Medikamentenübergebrauchskopfweh (ICD-10 G44.4) mit ursprünglich
wahrscheinlicher Migräne ohne Aura (ICD-10 G43.0) sowie einen Status nach
Treppensturz mit Contusio capitis und HWS-Distorsionstrauma am 6. (richtig: 2. oder
3.) Januar 2008 (ICD-10 S13.6) bei chronischem zervikalem Schmerzsyndrom mit
degenerativen HWS-Veränderungen (MRI). In den Diagnosen von Dr. E._ und
Dr. H._ wird an sich auf ein Trauma bzw. den Treppensturz Bezug genommen, doch
sprechen diese letztlich nicht für ein unfallkausales organisches Substrat. Der von
Dr. E._ verwendete Begriff "posttraumatisch" vermag juristisch gesehen nichts über
die allfällige Unfallkausalität auszusagen (Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, S. 460 N 1205; BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb in fine), sondern
drückt nur aus, dass die Beschwerden nach einem Unfall aufgetreten sind. Bei einem
Syndrom handelt es sich sodann um ein sich stets mit etwa den gleichen
Krankheitszeichen, d.h. einer Symptomatik mit weitgehend identischem
"Symptommuster" manifestierendes Krankheitsbild mit unbekannter, vieldeutiger,
durch vielfältige Ursachen bedingter oder nur teilweise bekannter Ätiogenese. Zur
entsprechenden Diagnose führt somit eher das vom jeweiligen Patienten subjektiv
angegebene "Symptommuster" als ein objektiv erhobener organischer Befund. Im
Übrigen führt Dr. H._ im Zusammenhang mit dem zervikalen Syndrom die
degenerativen bzw. unfallfremden HWS-Veränderungen an. Auch eine
Chronifizierungstendenz spricht nicht für ein unfallkausales organisches Substrat. Im
Verlauf einer Chronifizierung wird das ursprünglich erlittene Verletzungsmuster für das
Ausmass der erlebten Behinderung immer bedeutungsloser. Andere Faktoren, wie zum
Beispiel das Individuum selber, Arbeitsumstände, das soziale Umfeld, das
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medizinische und legale System sowie ökonomische Umstände spielen eine
massgebende Rolle (vgl. Erich Bär/Bertrand Kiener, Medizinische Mitteilungen der
Suva Nr. 67 vom Dezember 1994, S. 45 ff.).
3.3 Hinsichtlich des seit dem Treppensturz beklagten Tinnitus und der
Schwindelbeschwerden stellt Dr. D._ in seinen Berichten vom 24. April 2008 (UV-act.
4) und 1. Februar 2011 (UV-act. 48) die Diagnosen eines Status nach Contusio capitis
Regio nucho-occipitalis mit HWS-Abknicktrauma und Commotio labyrinthi pp links im
Rahmen des Treppensturzes vom 6. (richtig: 2. oder 3.) Januar 2008 sowie einer
posttraumatischen Labyrinthopathie linksbetont mit Hochtonsenke/Abfall bds pp links,
cochleo-motorischem Tinnitus aurium utq pp links, peripher-vestibulärer
Funktionsstörung links mit Dysfunktion entlang des vestibulo-oculären und vestibulo-
spinalen Reflexes. Er führte dazu zahlreiche Untersuchungen durch. Laut Dr. D._
müssen obige Diagnosen aufgrund des Unfallhergangs mit dem Hinterkopfanschlag
gegen den Treppenrand in Übereinstimmung mit der posttraumatisch ausgelösten
Symptomatik angenommen werden. Die audio-neuro-otometrischen Befunde würden
ebenfalls eindeutig für eine Labyrinthopathie links in allen drei Teilen des Innenohrs
sprechen. - Dr. I._ führt drei konkrete Funktionsstörungen (cochleäre
Funktionsstörung im Hochtonbereich mit mittelgradiger C5-Senke mit Störung des
biologischen Innenohrverstärkers, Sacculus-Läsion bzw. Funktionsstörung des
Otolithensystems links, periphere vestibuläre Funktionsstörung links im Bereich des
lateralen Bogengangs), jedoch keine strukturellen Läsionen an. In Bezug auf die von
ihm durchgeführten Tests bzw. Untersuchungen fällt zudem auf, dass diese
mehrheitlich im Normbereich liegen oder lediglich geringfügig auffällige Befunde
ergeben haben. Damit ist nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, woraus sich die von
Dr. D._ festgestellten Funktionsstörungen letztlich ergeben. Hinzu kommt, dass der
als mittel- bis hochgradig erhobene Schweregrad des Tinnitus unter anderem auf
subjektiven - und damit nicht objektivierbaren - Lautangaben des Beschwerdeführers
basiert. Solchen kann jedoch kein Beweiswert entsprechend einem ärztlich
objektivierten Befund zukommen. Die peripher-vestibuläre Funktionsstörung links
konnte im Übrigen von Dr. H._ klinisch nicht nachgewiesen werden. Ihm gegenüber
beklagte der Beschwerdeführer auch keine entsprechenden Beschwerden. Dr. E._
führte sodann den Tinnitus auf die posttraumatische Migräne und nicht auf eine
strukturelle Läsion im Bereich des Hirns oder der HWS zurück (UV-act. 8). Wie von der
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Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 21. März 2011 festgestellt,
werden in den Berichten von Dr. D._ zahlreiche Fachbegriffe aneinander gereiht, die
für den medizinischen Laien nur schwer verständlich sind, wodurch die
Nachvollziehbarkeit seiner Berichte massiv erschwert ist. Die von ihm angenommene
Unfallkausalität bzw. seine Feststellung organischer Unfallfolgen richtet sich
schliesslich insbesondere nach der Formel, Gesundheitsbeeinträchtigungen müssten
unfallbedingt sein, wenn sie vor dem Unfall keine Beschwerden verursacht hatten
("post hoc ergo propter hoc"), die nach ständiger Rechtsprechung beweisrechtlich für
sich allein nicht ergiebig ist (vgl. SVR 2009 UV Nr. 13 [8C_590/2007] E. 7.2.4 S. 54 mit
Hinweisen; Maurer, a.a.O., S. 460 N 1205). Zu den von Dr. D._ festgestellten
Befunden ist schliesslich allgemein festzuhalten, dass es sich nach der
Rechtsprechung bei der Posturographie zwar um eine in Fachkreisen nicht
unbestrittene, jedoch weit verbreitete und auch in Universitätskliniken schon seit
längerer Zeit verwendete Untersuchungsmethode handelt, deren Wissenschaftlichkeit
nach dem heutigen Stand der Medizin kaum zu bestreiten ist. Die damit zu
gewinnenden Erkenntnisse sind indessen beschränkt. Die Posturographie liefert zwar
zusätzliche Informationen und es lassen sich damit sonst nicht fassbare
Gleichgewichtsstörungen objektivieren. Sie vermag jedoch keine direkten Aussagen zur
Ätiologie des Leidens und zu dessen allfälliger Unfallkausalität zu machen. Auch lässt
sich daraus nicht unmittelbar auf eine bestimmte Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit
schliessen. Sie bildet deshalb lediglich ein zusätzliches Element bei der Beurteilung
vestibulärer Störungen (vgl. die Urteile des EVG vom 29. März 2006, U 254/04, E. 2.3.2,
und U 197/04, E. 3.2, bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts vom 1. September
2009, 8C_964/2008, E. 3.2.3).
3.4 Zusammenfassend ist mithin festzustellen, dass die medizinischen Abklärungen,
insbesondere auch diejenigen von Dr. D._, - wie von Dr. G._ in seiner ärztlichen
Beurteilung vom 17. August 2010 schlüssig festgehalten - keine durch den Unfall
bedingte, objektiv ausgewiesene organisch-strukturelle Befunde ergeben haben.
4.
4.1 Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist nun aber bekannt, dass
bei Schleuderverletzungen sowie äquivalenten Verletzungen auch ohne nachweisbare
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pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle
Ausfälle verschiedenster Art auftreten können. Der Umstand, dass die für ein
Schleudertrauma, eine Distorsion der HWS oder ein Schädel-Hirntrauma typischen
Beschwerden nicht mit entsprechenden Untersuchungsmethoden (Röntgen,
Computertomogramm, EEG) objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die
diesbezüglichen Beschwerden in Abrede zu stellen (BGE 117 V 363 E. 5d/aa). Ist ein
Schleudertrauma oder eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung diagnostiziert
und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von
Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und
Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit,
Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits-
und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 360 E. 4b; vgl. auch
BGE 117 V 379 f. E. 3e). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteile vom
30. Januar 2007, U 215/05, und vom 15. März 2007, U 258/06) muss bei einem
Schleudertrauma bzw. einer äquivalenten Verletzung das typische Beschwerdebild mit
einer Häufung von Beschwerden nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb
von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt es, wenn
sich in diesem Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS - bei einem
Schädel-Hirntrauma in Form von Kopfschmerzen - manifestieren. Die andern im
Rahmen eines Schleudertraumas oder einer äquivalenten Verletzung typischerweise
auftretenden Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in einem Zeitraum
manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen Kausal
zusammenhangs auszugehen.
4.2 Dr. C._ stellte anlässlich der Erstkonsultation vom 6. Januar 2008 die Diagnose
eines Status nach Sturz sowie einer Diskushernie C6/7 ohne Nervenirritation und erhob
die Befunde einer Druckdolenz im okzipitalen Bereich sowie einer eingeschränkten und
dolenten Beweglichkeit (UV-act. 2). Dr. D._ stellte sodann in seinem Bericht vom
24. April 2008 die Diagnose eines Status nach Contusio capitis Regio nucho-occipitalis
mit HWS-Abknicktrauma und einer Commotio labyrinthi pp links. Ihm gegenüber klagte
der Beschwerdeführer über weitere schleudertraumatypische Beschwerden, wie
Tinnitus, Lärmempfindlichkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Augenflimmern (UV-act.
4; vgl. dazu Liste in Hans Schmidt, Jürg Senn, Hrsg., Schleudertrauma - neuester
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Stand: Medizin, Biomechanik, Recht und Case Management, Zürich 2004, S. 14 f.).
Gegenüber Dr. E._ fügte der Beschwerdeführer am 12. November 2008 ausserdem
Merkfähigkeitsstörungen an (UV-act. 7, 8). Laut Suva-Bericht vom 26. Mai 2009
gestaltete sich die Anfangsphase nach dem Unfall mit Kopfschmerzen und einer
kurzzeitigen Benommenheit. Aktuell stünden Kopfbeschwerden (Schmerzen,
eingeschränkte Beweglichkeit) und der Tinnitus im Vordergrund. (UV-act. 20). Dr. F._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 24. Juli 2009 eine mittelgradige depressive
Störung sowie einen Status nach Unfall mit Hinterkopfverletzung sowie Abknicktrauma
der HWS. Der Beschwerdeführer klage insbesondere über eine Angstsymptomatik,
eine bedrückte Stimmungslage, Schlafstörungen und Kopfschmerzen (UV-act. 21).
Laut ABI-Gutachter Dr. H._ ist aufgrund des Unfallmechanismus sowie den
nachfolgenden Beschwerden und Befunden einerseits von einer stattgehabten
Contusio capitis und andererseits von einem HWS-Distorsionstrauma auszugehen (UV-
act. 33.1). - Angesichts der von den Ärzten insgesamt gestellten Diagnosen sowie des
von Dr. H._ angeführten Unfallmechanismus ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer anlässlich des
Unfalls vom 2. oder 3. Januar 2008 eine Verletzung im HWS- und/oder
Schädelhirnbereich durchgemacht hat. Die dafür typischen, - wenn auch hinsichtlich
Latenzzeit nicht gänzlich einzuordnenden - gehäuft aufgetretenen Beschwerden sind
mithin in einer ersten Phase überwiegend wahrscheinlich als natürlich-kausale
Unfallfolge einer schleudertraumaähnlichen Verletzung zu betrachten. Entsprechend
hat die Beschwerdegegnerin zunächst auch einen Leistungsanspruch des
Beschwerdeführers anerkannt. Per 31. August 2010 stellte sie dann ihre Leistungen ein.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren seit dem Unfall zweieinhalb Jahre vergangen und es
stellt sich die Frage, ob anhand der vorliegenden medizinischen Akten mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine unfallkausale gesundheitliche
Beeinträchtigung per Einstellungsdatum zu verneinen ist.
5.
5.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers entfällt erst, wenn das Dahinfallen
jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Weil es
sich dabei um eine leistungsaufhebende Tatsache handelt, liegt die Beweislast nicht
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bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (Urteil des EVG vom
15. Oktober 2003, U 154/03; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45).
5.2 Hinsichtlich der Nackenbeschwerden lassen die klinischen
Untersuchungsergebnisse von Dr. H._ bzw. seine Ausführungen dazu im ABI-
Gutachten (vgl. Erwägung 3.2 hievor) keine über den 31. August 2010 hinaus gehende
natürliche Unfallkausalität annehmen. In Bezug auf die Kopfschmerzen wurde im
Übrigen in Erwägung 3.2 bereits dargelegt, dass diese ebenfalls nicht als natürlich-
kausale Folgen der am 2. oder 3. Januar 2008 erlittenen schleudertraumaähnlichen
Verletzung mehr betrachtet werden können, sondern die medizinische Aktenlage
einstimmig auf ein unfallfremdes Medikamentenübergebrauchskopfweh bzw. eine
unfallfremde Migräne hinweist und hierin auch die Ursache für die von Dr. H._
festgehaltene, neurologisch bedingte Arbeitsunfähigkeit liegt. Der Tinnitus ist als
Begleiterscheinung der Migräne und damit - entgegen der Auffassung von Dr. D._
(vgl. Erwägung 3.3 hievor) - ebenfalls als unfallfremd zu betrachten. Dr. H._ erläutert
überzeugend, dass die Fakten im konkreten Fall gegen eine relevante traumatische
Hirnschädigung sprechen würden, so dass eine solche auch nicht in die Diagnoseliste
übernommen worden sei. Der Beschwerdeführer sei nach dem Unfall gleichentags
noch in der Lage gewesen, mit dem Auto aus J._ in die Schweiz zurückzufahren. - Zu
beachten ist hierbei die Beweismaxime, wonach die sogenannten "Aussagen der
ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere
Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn ein
Versicherter seine Darstellung im Laufe der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die er
kurz nach dem Unfall gemacht hat, in der Regel grösseres Gewicht zu als jenen nach
Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (Alexandra Rumo-Jungo,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich 2003, S. 21; BGE 115 V 133 mit Hinweisen).
In diesem Sinn vermag die erst im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vorgebrachte
Behauptung des Beschwerdeführers, nicht er, sondern sein Sohn habe den
Personenwagen von J._ in die Schweiz gelenkt, nicht zu überzeugen. - Die
überwiegend wahrscheinliche Heilung der natürlich-kausalen Unfallfolgen findet ihre
Bestätigung sodann insbesondere auch in den Erkenntnissen der medizinischen
Forschung (Gerhard Jenzer, Klinische Aspekte bei HWS-Belastungen durch
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Kopfanprall oder Beschleunigungsmechanismus: Grenzbereich zum "leichten"
Schädel-Hirn-Trauma, in: SZS 1996 S. 462 ff.), wonach der typische posttraumatische
Verlauf nach einem leichten Schädel-Hirntrauma bzw. einer Beschleunigungsverletzung
einer Erholung innert sechs bis zwölf Wochen entspricht. Ungewöhnlich lang dauernde
und schwere Verläufe nach Beschleunigungsverletzung würden bei Fehlen der
klinischen Kriterien einer traumatischen Hirn- bzw. HWS-Schädigung nach einer
Interpretation ausserhalb einer hirnorganischen Schädigung bzw. Schädigung im HWS-
Bereich rufen (S. 469 mit Hinweis und S. 463; vgl. auch Bogdan P. Radanov, Über den
Stellenwert der neuropsychologischen Diagnostik bei Patienten nach HWS-Distorsion,
in: SZS 1996 S. 471 ff. und S. 475). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich den
medizinischen Akten nach dem 31. August 2010 keine konkreten Anhaltspunkte für das
Weiterbestehen von unfallkausalen organischen Beschwerden entnehmen lassen.
6.
6.1 Entsprechend dieser Schlussfolgerung zeigen die medizinischen Akten zur Zeit
der Leistungseinstellung eine wesentliche psychische Komponente auf. Laut Bericht
von Dr. F._ vom 30. März 2009 (UV-act. 16) stand der Beschwerdeführer seit dem
25. August 2004 und damit bereits längere Zeit vor dem streitigen Unfallereignis wegen
eines depressiven Zustands bei ihm in psychiatrischer Behandlung und bezog unter
anderem deshalb eine halbe Rente der Invalidenversicherung (IV-act. 91, 98, 101). Der
Zustand sei vor dem Treppensturz längere Zeit unverändert geblieben. Nach dem
erlebten Trauma sei der Beschwerdeführer im Affekt labil, meistens depressiv, innerlich
angespannt und gereizt gewesen und habe unter Schlafstörungen gelitten. Durch das
fragliche Trauma sei es mithin zu einer Verschlechterung des gesundheitlichen
Zustands gekommen. Dr. F._ diagnostizierte eine mittelgradige depressive Störung
mit somatischen Symptomen (ICD-10: F 32.11; UV-act. 16). In seinem Bericht vom
8. Februar 2011 bestätigte er die vorbestehende Depression, die durch das
Unfallereignis eine klare, sich bis jetzt als therapieresistent erwiesene Verstärkung
gezeigt habe. Das Leiden wirke sich stark auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers aus. Aus psychiatrischer Sicht sei er zumindest 60% arbeitsunfähig
(UV-act. 49). Auch die Klinik Teufen schliesst sich in ihrem Bericht vom 24. Juli 2009
der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung mit somatischem Syndrom
(ICD-10: F 32.11) mit starker Angstkomponente an und erwähnt das Vorliegen eines
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depressiven Vorzustands, aber auch die Zunahme der Beschwerden durch das
fragliche Unfallereignis (UV-act. 21).
6.2 Angesichts der dargelegten medizinischen Aktenlage kann das Vorliegen einer
natürlichen Teilkausalität zwischen Unfallereignis und psychischer Problematik nicht in
Abrede gestellt werden. Hingegen erhellt aus dem Umstand des psychischen
Vorzustands und dessen Verschlechterung durch den Unfall, dass die - als allfällige
Folgen einer schleudertraumaähnlichen Verletzung zu wertenden - funktionellen
Beeinträchtigungen (Depression, Nackenschmerzen, Konzentrationsstörungen etc.) mit
der Zeit in den Hintergrund gerieten bzw. insofern in eine sekundäre Rolle gedrängt
wurden, als ihr Erscheinungsbild vor allem auch von den psychischen
Belastungsfaktoren abhängig war. Unter diesen Gegebenheiten kann nicht davon
ausgegangen werden, dass die psychischen Befunde lediglich Teil des (grundsätzlich
gleichwertigen) Gemenges physischer und psychischer Symptome bilden, wie es die
auf ein Schleudertrauma der HWS oder schleudertraumaähnliche Unfallmechanismen
zurückzuführenden Verletzungsbilder kennzeichnet (BGE 134 V 121 ff. E. 9). Vielmehr
liegt ein eigenständiges psychisches Geschehen vor, das die übrigen
Gesundheitsstörungen im gesamten Verlauf dominierte. Es ist davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer insbesondere aufgrund des psychischen Vorzustands nicht in
der Lage war, den Unfall vom 2. oder 3. Januar 2008 in adäquater Weise zu
verarbeiten, wodurch es zu einer erheblichen psychischen Fehlentwicklung kam.
Hierfür kann nicht der Umstand verantwortlich gemacht werden, dass sich der
Beschwerdeführer beim besagten Vorfall eine schleudertraumaähnliche Verletzung
zugezogen hat. Unter diesen Umständen ist die - in casu erforderliche (vgl. Erwägung 2
hievor) - Adäquanzprüfung nicht nach den Kriterien gemäss BGE 134 V 109, sondern
nach der Praxis zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133), mithin unter
Ausschluss psychischer Aspekte, vorzunehmen. Die Beschwerdegegnerin legte im
angefochtenen Einspracheentscheid die rechtlichen Voraussetzungen des Vorliegens
eines adäquat-kausalen Zusammenhangs bei psychogenen Unfallfolgen zutreffend dar
(Erwägung 6a); darauf ist zu verweisen.
6.3 Der Beschwerdeführer schlug beim Sturz auf einer eisigen Treppe mit dem Kopf
auf einer Treppenstufe auf, zog sich dabei aber keine ossären oder ligamentären
Läsionen zu. Nach dem Sturz war der Beschwerdeführer für kurze Zeit benommen und
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litt unter Kopfschmerzen. Er war indessen fähig, noch am Unfalltag mit seinem
Personenwagen von J._ in die Schweiz zurückzufahren. Während die
Beschwerdegegnerin dieses Unfallereignis im angefochtenen Einspracheentscheid als
mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifizierte, ging sie
in der Beschwerdeantwort nur noch von einem leichten Unfall aus. Bei leichten Unfällen
ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den nachfolgenden
psychischen Beschwerden in der Regel ohne weiteres zu verneinen, weil auf Grund der
allgemeinen Lebenserfahrung, aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer
Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet
ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen (BGE 117 V 366 E. 6a mit
Hinweise). Auch die Annahme eines mittelschweren Ereignisses im Grenzbereich zu
den leichten Unfällen führt jedoch im konkreten Fall zu einer Verneinung der Adäquanz,
weshalb die Frage der genauen Qualifikation offen gelassen werden kann. Von den
weiteren massgeblichen Kriterien (vgl. BGE 115 V 140 E. 6c/aa) müssten hier für eine
Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs entweder ein einzelnes der in die
Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise oder aber
mehrere in gehäufter oder auffallender Weise (mindestens vier Kriterien) erfüllt sein (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2009, 8C_487/2009).
6.4 Von besonders dramatischen Begleitumständen oder einer besonderen
Eindrücklichkeit des Unfalls kann konkret nicht gesprochen werden. Sodann vermag
die Diagnose einer schleudertraumaähnlichen Verletzung die Schwere oder besondere
Art der Verletzung für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hierzu einer besonderen
Schwere der für die schleudertraumaähnliche Verletzung typischen Beschwerden oder
besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können. Diese
können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen Körperhaltung und den
dadurch bewirkten Komplikationen bestehen. Solche Umstände sind hier jedoch nicht
gegeben. Im konkreten Fall ist zu beachten, dass das vom Beschwerdeführer erlittene
Schädel-Hirntrauma lediglich als leicht einzustufen ist. Irgendwelche äusseren
organischen oder strukturellen Läsionen hat er sich keine zugezogen. Ebenfalls nicht
vorhanden ist sodann eine besondere Schwere der für eine schleudertraumaähnliche
Verletzung typischen Beschwerden. Eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen
Behandlung liegt ebenfalls nicht vor, zumal Abklärungsmassnahmen und blossen
ärztlichen Kontrollen verbunden mit einer medikamentösen Behandlung nach der
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höchstrichterlichen Rechtsprechung nicht die Qualität einer regelmässigen,
zielgerichteten Behandlung zukommt und sie dementsprechend bei der Prüfung dieses
Adäquanzkriteriums nicht zu beachten sind (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar
2007, U 37/06, E. 7.3). Als bedeutsam treten in den medizinischen Akten lediglich die
wegen der psychischen Problematik durchgeführten Therapien hervor (UV-act. 16, 21,
49). Die psychiatrischen Behandlungen können jedoch gerade hier, wo es um die
Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Unfall und physisch
bedingter Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit geht, keine Berücksichtigung finden (BGE
117 V 366 E. 6a; Urteil des EVG vom 18. September 2006, U 242/06, E. 2.3). Sollten
also somatische Beschwerden aufgrund psychischer Probleme intensiver empfunden
werden, so können im vorliegenden Fall dennoch nur die organisch objektivierten
Beschwerden berücksichtigt werden. In diesem Sinn gilt es auch das Kriterium der
körperlichen Dauerschmerzen zu verneinen. Es ist davon auszugehen, dass die
Beschwerden des Beschwerdeführers im Laufe der Zeit immer mehr eine starke
psychische Mitbeteiligung erfahren haben und letztlich überhaupt nur noch durch die
psychische Komponente unterhalten wurden. Eine ärztliche Fehlbehandlung, ein
schwieriger Heilungsverlauf oder erhebliche Komplikationen sind aus den Akten nicht
ersichtlich. Der Beschwerdeführer war ab 7. Januar 2008 100% arbeitsunfähig (UV-act.
1, 2). Laut Zwischenbericht von Dr. C._ vom 3. Juni 2008 erfolgte ab 5. Mai 2008 die
Wiederaufnahme der Arbeit zu 100% (UV-act. 5). Ob allenfalls zu einem früheren
Zeitpunkt bereits eine teilweise Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt ist, geht aus den
Akten mangels Unfallschein nicht hervor. Eine weitere 100%-ige Arbeitsunfähigkeit
folgte erst rund ein Jahr später, d.h. ab 16. März 2009 (UV-act. 10, 28). Laut ABI-
Gutachten ist der Beschwerdeführer aus neurologischer Sicht insofern in seiner
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, als ihm wegen der Kopfschmerzen Tätigkeiten in lauten
Räumen nicht zumutbar sind und er wegen des chronischen Lumbovertrebralsyndroms
in einer angepassten Tätigkeit 20% arbeitsunfähig ist. Die Einschränkungen in der
Arbeitsfähigkeit sind also unfallfremd. Die 20%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychischen
Gründen ist nicht zu berücksichtigen (UV-act. 33.1). Angesichts der dargelegten
Aktenlage ist damit auch das Kriterium des Grades und der Dauer der physisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit zu verneinen.
6.5 Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass keines der erforderlichen
Adäquanzkriterien als erfüllt betrachtet werden kann, womit dem streitigen Unfall auch
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bei dessen Einstufung als mittelschweres Unfallereignis im Grenzbereich zu den
leichten Unfällen keine adäquanzrechtlich massgebende Bedeutung für die über den
31. August 2010 hinaus andauernden Beschwerden zukommt. Die Einstellung der
Leistungen auf den 31. August 2010 ist demgemäss zu Recht erfolgt.
7.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP