Decision ID: 12ac02dd-8d88-5529-a8b3-eb6706395042
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 27. März 2013
wurde der Beschwerdeführer, ein 1986 geborener kosovarischer Staatsan-
gehöriger, des Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz (grosse
Gesundheitsgefährdung und Bandenbegehung), der Fälschung von Aus-
weisen, der rechtswidrigen Einreise und des rechtswidrigen Aufenthaltes
schuldig erklärt und zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 3 Monaten
verurteilt. Dieses Urteil wurde am 14. Mai 2014 durch das Appellationsge-
richt des Kantons Basel-Stadt bestätigt.
B.
Gestützt auf diesen Sachverhalt erliess die Vorinstanz am 13. August 2014
gegen den Beschwerdeführer ein Einreiseverbot auf unbestimmte Dauer
und entzog einer allfälligen Beschwerde vorsorglich die aufschiebende
Wirkung. Zur Begründung des Einreiseverbots führte die Vorinstanz an, der
Beschwerdeführer habe aus rein pekuniären Interessen über längere Zeit
hinweg mit einer grossen Menge harter Drogen gehandelt. Die Verfügung
einer Fernhaltemassnahme zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung sei somit angezeigt. Weiter ordnete die Vorinstanz die Ausschrei-
bung der Massnahme im Schengener Informationssystem (SIS II) an. Die-
ser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.
Am 8. September 2014 verliess der Beschwerdeführer die Schweiz und
kehrte in sein Heimatland zurück.
D.
Nachdem der frühere Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Eingabe
vom 16. Mai 2018 um nachträgliche Befristung des Einreiseverbots ersucht
hatte, hiess das SEM das Wiedererwägungsgesuch – unter Hinweis auf
die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGE 2014/20),
wonach Einreiseverbote zu befristen seien – mit Verfügung vom 24. Okto-
ber 2018 gut und befristete die gegen den Beschwerdeführer verhängte
Fernhaltemassnahme bis zum 7. September 2024. Im Weiteren nahm es
vor allem Bezug auf das erwähnte Strafurteil von 2013, welches in der
Folge vom Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt vollumfänglich be-
stätigt wurde, und führte aus, nach der Rechtsprechung gehörten aus frem-
denpolizeilicher Sicht schwere Verbrechen gegen das Betäubungsmittel-
gesetz, wie in casu, zu denjenigen Verhaltensweisen, welche – nebst Ge-
waltdelikten – die öffentliche Ordnung und Sicherheit in einem besonders
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sensiblen Bereich treffen würden. Im Rahmen der fremdenpolizeilichen In-
teressenabwägung sei daher ein strenger Massstab angezeigt. Vom Be-
schwerdeführer gehe nach wie vor eine schwere Gefährdung der öffentli-
chen Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 AuG (seit dem
1. Januar 2019 geändert in Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG, SR
142.20; AS 2017 6521, AS 2018 3171) aus. Demnach sei eine auf zehn
Jahre befristete Fernhaltemassnahme verhältnismässig und angemessen.
E.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 7. Dezember 2018 beantragt der Beschwer-
deführer die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Begren-
zung des Einreiseverbots nur bis zum 7. September 2020, eventualiter bis
zum 7. September 2021. Zur Begründung macht er im Wesentlichen gel-
tend, ein Einreiseverbot von zehn Jahren sei angesichts der Straftaten, we-
gen welchen er verurteilt worden sei, nicht angemessen.
F.
In seiner ergänzenden Eingabe vom 21. Januar 2019 weist der Beschwer-
deführer darauf hin, er habe sich am 21. Mai 2013 freiwillig in den vorzeiti-
gen Strafvollzug begeben und sei nach seiner Freilassung "ohne weitere
Anstalten" am 8. September 2014 in sein Heimatland zurückgekehrt. Seit-
dem habe er sich wohlverhalten, im Kosovo eine neue Existenz aufgebaut
und eine Baufirma gegründet, welche rund 20 Angestellte beschäftige. Die
Dauer der Fernhaltemassnahme sei deshalb auf sechs, eventualiter auf
sieben Jahre zu befristen.
Der Eingabe waren zahlreiche Dokumente betreffend die berufliche Tätig-
keit des Beschwerdeführers im Heimatland beigelegt.
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 19. Februar 2019 beantragt die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde und bringt ergänzend vor, der Beschwer-
deführer habe nachweislich mit harten Drogen (Heroin) gehandelt. Dass er
nunmehr durch die Fernhaltemassnahme in seiner Bewegungsfreiheit als
Unternehmer eingeschränkt sei, habe er sich durch sein kriminelles Ver-
halten während seines Aufenthaltes in der Schweiz selbst zuzuschreiben.
H.
In seiner Replik vom 29. April 2019 hält der Beschwerdeführer an seiner
Beschwerde und deren Begründung fest und bringt im Wesentlichen vor,
seit seinen Straftaten seien nun acht Jahre vergangen. Im Übrigen habe
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sich seine Tätigkeit als Kleindealer auf lediglich ein Jahr bezogen, wobei
eine nicht allzu grosse Menge an Drogen umgesetzt worden sei.
I.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den nachfol-
genden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Entscheide des SEM betreffend Gesuche um wiedererwägungsweise
Aufhebung beziehungsweise Befristung von Einreiseverboten sind mit Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG
i.V.m. Art. 5 VwVG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem
VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.3 Die Vorinstanz hat das Einreiseverbot wiedererwägungsweise auf die
Dauer von insgesamt zehn Jahren befristet (bis am 7. September 2024).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Die Vorinstanz ist auf das Gesuch des Beschwerdeführers um wiederer-
wägungsweise Befristung des Einreiseverbots eingetreten, hat dieses ma-
teriell geprüft und einen neuen Sachentscheid getroffen. Das Bundesver-
waltungsgericht kann daher mit voller Kognition (vgl. Art. 49 VwVG) prüfen,
ob sich das Einreiseverbot heute noch als bundesrechtskonform erweist.
Die Frage, ob die ursprüngliche Verfügung zu Recht erlassen wurde, kann
demgegenüber grundsätzlich nicht mehr Gegenstand des vorliegenden
Verfahrens bilden (vgl. BVGE 2008/24 E. 2.2 m.H.).
3.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
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messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. Art.
49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von
Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begrün-
dung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen
als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massge-
bend ist grundsätzlich die Sachlage im Zeitpunkt seines Entscheides (vgl.
BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
4.
Am 1. Januar 2019 ist die Teilrevision des Ausländergesetzes vom 16. De-
zember 2005 (AuG) abschliessend in Kraft getreten (AS 2018 3171). Dabei
wurde auch der Titel des Gesetzes in "Ausländer- und Integrationsgesetz"
(AIG) geändert. Das Gericht wendet ab diesem Zeitpunkt die neue Be-
zeichnung an, mit dem Hinweis, dass die in diesem Urteil behandelten we-
sentlichen Bestimmungen nicht geändert wurden (vgl. dazu Urteil des
BVGer F-1186/2018 vom 10. Januar 2019 E. 2).
5.
5.1 Das SEM verfügt Einreiseverbote gegenüber Ausländerinnen und
Ausländern, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der
Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67
Abs. 2 Bst. a AIG). Das Einreiseverbot wird nach Art. 67 Abs. 3 erster Satz
AIG grundsätzlich für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verfügt. Es
kann für eine längere Dauer angeordnet werden, wenn der Betroffene eine
schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt
(Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG). Aus humanitären oder anderen wichtigen
Gründen kann von der Verhängung eines Einreiseverbots abgesehen oder
ein Einreiseverbot vollständig oder vorübergehend aufgehoben werden
(Art. 67 Abs. 5 AIG). Mit dieser Bestimmung existiert eine spezialgesetzli-
che Grundlage für die Wiedererwägung eines Einreiseverbots (vgl. auch
Urteil des BGer 2C_487/2012 vom 2. April 2013 E. 4.2).
Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung liegt unter an-
derem vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen
missachtet werden (vgl. Art. 80 Abs. 1 Bst. a VZAE in der bis 31. Dezember
2018 geltenden Fassung).
5.2 Einreiseverbote wurden gemäss alter Praxis auf unbestimmte Zeit er-
lassen, wenn zum Zeitpunkt des Erlasses keine zuverlässige Prognose ab-
gegeben werden konnte, wie lange ein relevantes Risiko für die öffentliche
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Sicherheit und Ordnung anzunehmen ist. Die fehlende Befristung bedeu-
tete keine Lebenslänglichkeit. Verhielt sich die betroffene Person während
langer Zeit klaglos, so war dies ein Argument, das für den nachträglichen
Wegfall des öffentlichen Sicherheitsbedürfnisses und damit für eine nach-
träglich wesentlich veränderte Sachlage sprechen konnte. Dabei wurde auf
die gesamten Umstände des Einzelfalles abgestellt (vgl. BVGE 2013/4
E. 7.3; BVGE 2008/24 E. 6.2). Seit geraumer Zeit sind Einreiseverbote
zwingend auf eine bestimmte Zeitdauer zu befristen (vgl. BVGE 2014/20
E. 6 ff.). Dem hat die Vorinstanz Rechnung getragen, indem sie dem Be-
gehren des Beschwerdeführers um nachträgliche Befristung des Einreise-
verbots stattgegeben und die verhängte Fernhaltemassnahme auf zehn
Jahre befristete (vgl. Sachverhalt Bst. D.).
6.
Das SEM hat das gegen den Beschwerdeführer am 13. August 2014 ver-
hängte unbefristete Einreiseverbot in erster Linie mit seiner strafrechtlichen
Verurteilung vom 27. März 2013 bzw. 14. Mai 2014 wegen Verbrechens
gegen das Betäubungsmittelgesetz (grosse Gesundheitsgefährdung und
Bandenbegehung), der Fälschung von Ausweisen, der rechtswidrigen Ein-
reise und des rechtswidrigen Aufenthaltes begründet (vgl. Sachverhalt Bst.
A.). Beim Drogendelikt wurde dem Beschwerdeführer vom Strafgericht vor-
geworfen, zusammen mit einem Landsmann als Mittäter im Zeitraum zwi-
schen Herbst 2011 und dem 9. Juli 2012 (Datum der Festnahme) insge-
samt mindestens 635 g Heroin durchschnittlicher Konsumqualität und Ko-
kain in unbekannter Menge an Drogenkonsumenten verkauft zu haben.
Bezüglich seiner Verstösse gegen ausländerrechtliche Vorschriften hielt es
das Gericht für erwiesen, dass der Beschwerdeführer spätestens Anfang
September 2011 ohne erforderliches Visum, jedoch ausgestattet mit total-
gefälschten slowenischen Ausweispapieren, erneut von Frankreich her il-
legal bei Basel in die Schweiz eingereist war, wo er sich fortan bis zu seiner
polizeilichen Anhaltung widerrechtlich aufhielt. Nach dem Gesagten steht
damit zweifellos fest, dass der Beschwerdeführer die öffentliche Sicherheit
und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG verletzt und einen
Fernhaltegrund gesetzt hat.
7.
7.1 Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, dass nach wie vor ein überwie-
gendes öffentliches Interesse daran besteht, den Beschwerdeführer länger
als fünf Jahre von der Schweiz fernzuhalten (vgl. angefochtene Verfügung
vom 24. Oktober 2018). Nachfolgend gilt es somit zu prüfen, ob vom Be-
http://links.weblaw.ch/BVGE-2013/4
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schwerdeführer eine noch anhaltende schwerwiegende Gefahr für die öf-
fentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz
AIG ausgeht (vgl. E. 5.1).
7.2 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann sich die
schwerwiegende Gefahr aus der Hochwertigkeit der deliktisch bedrohten
Rechtsgüter (insb. Leib und Leben, körperliche und sexuelle Integrität und
Gesundheit), aus der Zugehörigkeit der Tat zur Schwerkriminalität mit
grenzüberschreitendem Charakter (z.B. Terrorismus, Menschenhandel,
Drogenhandel oder organisierte Kriminalität), aus der mehrfachen Bege-
hung – unter Berücksichtigung einer allfälligen Zunahme der Schwere der
Delikte – oder aus der Tatsache, dass keine günstige Prognose gestellt
werden kann, ergeben. Die zu befürchtenden Delikte müssen einzeln oder
in ihrer Summe das Potenzial haben, eine aktuelle und schwerwiegende
Gefahr zu begründen (BGE 139 II 121 E. 6.3; BVGE 2014/20 E. 5.2, je
m.H.).
7.3 Die Verneinung des Vorliegens einer schwerwiegenden Gefährdung ist
erst nach einer längerfristigen Bewährung der straffällig gewordenen Per-
son möglich. Dabei ist für die Berechnung der Dauer des klaglosen Verhal-
tens – entgegen der beschwerdeweisen Ausführungen – nicht auf den Be-
gehungs- oder Urteilszeitpunkt abzustellen. Entscheidrelevant erscheint
vielmehr, wie lange sich die betroffene Person nach ihrer Entlassung aus
der Haft in Freiheit bewährt hat (vgl. BVGE 2014/20 E. 5.4 m.H.; vgl. Urteil
des BVGer F-7959/2016 vom 3. Juli 2019 E. 4.5 m.H.). Zudem muss bei
schweren Straftaten zum Schutz der Öffentlichkeit ausländerrechtlich
selbst ein geringes Restrisiko weiterer Beeinträchtigungen der dadurch ge-
fährdeten Rechtsgüter (Gesundheit, Leib und Leben usw.) nicht in Kauf ge-
nommen werden (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.2 m.H.).
7.4 Im Weiteren ist zu beachten, dass Strafrecht und Ausländerrecht unter-
schiedliche Ziele verfolgen. Während der Strafvollzug auch der Resoziali-
sierung dient, steht für die Migrationsbehörden das Interesse der öffentli-
chen Ordnung und Sicherheit im Vordergrund. Daraus ergibt sich im Aus-
länderrecht ein im Vergleich mit den Straf- und Strafvollzugsbehörden
strengerer Beurteilungsmassstab (vgl. BGE 137 II 233 E. 5.2.2 m.H.). Der
Beschwerdeführer vermag deshalb aus dem Umstand, dass er sich freiwil-
lig in den vorzeitigen Strafvollzug begeben und anschliessend problemlos
die Schweiz verlassen hat, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
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7.5 Nach seiner Entlassung aus dem Strafvollzug kehrte der Beschwerde-
führer den Angaben seiner Rechtsvertreterin zufolge am 8. September
2014 in sein Heimatland zurück. Obwohl er bislang offenbar nicht mehr
strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, kann aufgrund der Schwere und
Art der begangenen Drogendelikte – Beteiligung am Handel von mindes-
tens 635 g Heroin durchschnittlicher Konsumqualität und Kokain in unbe-
kannter Menge – eine schwere Gefährdung der öffentlichen Ordnung und
Sicherheit nach wie vor nicht ausgeschlossen werden (vgl. zur Hochwer-
tigkeit der involvierten Rechtsgüter und zum strengen Beurteilungsmass-
stab bei Drogendelikten: BGE 139 I 145 E. 2.5 und BVGer F-7607/2015
vom 25. Juli 2016 E. 6.5). Dabei fällt besonders ins Gewicht, dass sich der
Beschwerdeführer durch die Menge der verkauften Drogen der Gefähr-
dung der Gesundheit vieler Menschen schuldig gemacht hatte; zudem wa-
ren die Straftaten bandenmässig verübt worden. Soweit die Rechtsvertre-
terin den Beschwerdeführer lediglich als Kleindealer ohne grosse krimi-
nelle Energie darzustellen versucht, gilt es auf das Strafurteil des Kantons
Basel-Stadt vom 27. März 2013 zu verweisen, wonach die Beschuldigten
angesichts der hohen Beträge beschlagnahmter Drogengelder innerhalb
der Hierarchie zumindest dem "oberen mittleren Kader" angehörten.
7.6 Auch wenn die besagten Straftaten im Jahre 2011 bzw. 2012 begangen
wurden, so ist die Wahrscheinlichkeit der Realisierung weiterer Straftaten
nach wie vor als gross zu erachten. In Anbetracht der Schwere seiner Dro-
gendelikte erscheint eine Bewährungsfrist von sechs Jahren aus auslän-
derrechtlicher Perspektive als zu kurz, als dass die schwere Gefährdung
der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zum heutigen Zeitpunkt verneint
werden könnte (vgl. Urteil des BVGer F-395/2016 vom 18. Januar 2018
E. 6.3). Demzufolge kann gegenüber dem Beschwerdeführer gestützt auf
Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG nach wie vor ein über fünf Jahre dauerndes
Einreiseverbot erlassen werden, was auch von seiner Rechtsvertreterin
nicht in Abrede gestellt wird (vgl. BVGE 2013/4 E. 5.2 und E. 7.2; BGE 139
I 31 E. 2.3.2). Die Vorinstanz ist demzufolge zu Recht davon ausgegangen,
vorliegend rechtfertige sich eine lange andauernde Fernhaltemassnahme.
An dieser Einschätzung vermögen auch die teilweise bagatellisierenden
Erklärungen des Beschwerdeführers nichts zu ändern.
8.
8.1 Es bleibt zu prüfen, ob die Dauer der Massnahme in richtiger Ausübung
des Ermessens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhält-
nismässigkeit steht dabei im Vordergrund. Unter diesem Gesichtspunkt ist
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eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem öffentlichen Inte-
resse an der Massnahme einerseits und den von der Massnahme beein-
trächtigten privaten Interessen des Betroffenen andererseits. Die Stellung
der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ord-
nungswidrigen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse des Verfü-
gungsbelasteten bilden dabei den Ausgangspunkt der Überlegungen (vgl.
statt vieler HÄFELIN ET AL., Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016,
Rz. 555 ff.).
8.2 Das Einreiseverbot soll in seiner spezialpräventiven Wirkung weitere
Straftaten des Beschwerdeführers in der Schweiz sowie im Schengen-
Raum verhindern und ihn dazu anhalten, bei einer allfälligen künftigen Wie-
dereinreise keine weiteren Verstösse gegen die öffentliche Ordnung und
Sicherheit zu begehen. In generalpräventiver Hinsicht soll die öffentliche
Sicherheit und Ordnung durch eine konsequente Massnahmenpraxis ge-
schützt werden (vgl. BVGE 2014/20 E. 8.2 m.H.). Angesichts dessen sowie
der vom Beschwerdeführer ausgehenden schwerwiegenden Gefahr für die
öffentliche Sicherheit und Ordnung in einem besonders sensiblen Bereich
ist nach wie vor von einem erheblichen öffentlichen Fernhalteinteresse
auszugehen.
8.3 Den sich aus den vorstehenden Ausführungen ergebenden öffentlichen
Interessen sind die privaten Interessen des Betroffenen gegenüberzustel-
len. Der Beschwerdeführer macht in diesem Zusammenhang geltend, er
habe sich im Kosovo eine neue Existenz aufgebaut und eine Baufirma ge-
gründet, welche rund 20 Angestellte beschäftige. Die Fernhaltemass-
nahme mit Auswirkungen auf den ganzen Schengen-Raum behindere ihn
in seiner geschäftlichen Tätigkeit. Zudem könne er seine Verwandtschaft,
welche in Europa verstreut sei, nicht besuchen.
Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung zu Recht fest, der Umstand,
dass der Beschwerdeführer durch das gegen ihn verhängte Einreiseverbot
in seiner Bewegungsfreiheit als Unternehmer eingeschränkt sei, habe er
sich durch sein kriminelles Verhalten als Drogenhändler während seines
Aufenthaltes in der Schweiz selber zuzuschreiben. Den Akten zufolge hatte
er in der Vergangenheit überdies die Möglichkeit, jeweils einen Vertreter
seiner Firma zu geschäftlichen Zwecken in den Schengen-Raum zu ent-
senden, was sich offenbar bisher bewährt hat und weiterhin fortgeführt wer-
den kann. Ferner stehen ihm in seinem Aufenthaltsstaat diverse Kommu-
nikationsmittel – wie etwa Briefverkehr, E-Mail, Videotelefonie, Telefonate
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– zur Verfügung, um mit seinen Geschäftspartnern respektive seinen Ver-
wandten in Kontakt zu treten (vgl. statt vieler BVGE 2013/4 E. 7.4.3).
8.4 Eine wertende Gewichtung der gegenläufigen öffentlichen und privaten
Interessen führt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass das
auf zehn Jahre befristete Einreiseverbot unter Berücksichtigung aller rele-
vanten Beurteilungselemente (Verletzung besonders hochwertiger Rechts-
güter und schlechte Legalprognose, Verurteilung wegen qualifizierten Be-
täubungsmitteldelikten) und im Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen eine
verhältnismässige und angemessene Massnahme darstellt.
9.
Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitglied-
staats der Europäischen Union oder der Europäischen Freihandelsassozi-
ation besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird sie nach Massgabe der
Bedeutung des Falles im SIS zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben
(vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung [EG] Nr. 1987/2006 vom 20. Dezember
2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schengener
Informationssystems der zweiten Generation [SIS-II], Abl. L 381/4 vom
28.12.2006; Art. 21 der N-SIS-Verordnung vom 8. März 2013 [SR 362.0]).
Nicht zu beanstanden ist deshalb die Beibehaltung der bereits mit Verfü-
gung vom 13. August 2014 bewirkten Ausschreibung des Beschwerdefüh-
rers im SIS. Mit Verweis auf die vorangegangenen Ausführungen ist ein
überwiegendes öffentliches Interesse nicht nur der Schweiz, sondern sämt-
licher Schengen-Staaten an der längerfristigen Fernhaltung des Beschwer-
deführers gegeben.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im
Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist so-
mit abzuweisen.
11.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Verfah-
renskosten von Fr. 1'500.– sind durch den von ihm in gleicher Höhe geleis-
teten Kostenvorschuss gedeckt.
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