Decision ID: a6f99d30-ddcd-4f7b-a24f-97a0106d0bc3
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 13. Februar 2008 zum Bezug einer Invalidenrente an (IV-
act. 10). Dr. med. B._, Spezialarzt für Innere Medizin FMH, gab am 19. Mai 2008 (IV-
act. 12) folgende Diagnosen an: Zervikobrachiales Syndrom nach HWS-
Schleudertrauma, ohne Hinweis für eine Radikulopathie, kernspintomographisch
nachgewiesene mediorechtslaterale subligamentäre Diskushernie mit moderater
foraminaler Einengung C5/6 rechts ohne sicher erkennbare Nervenwurzelkompression,
Diskusprotrusion L4/5 mit geringgradigem Kontakt zur Nervenwurzel von L5 links,
prärezessal ohne Verlagerung bzw. Kompression mit grenzwertig weitem Spinalkanal,
Spondylarthrose L3/4. Er berichtete weiter, die Versicherte sei vom 18. Oktober 2007
bis 2. März 2008 zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Seither bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 50%. Die lumbovertebralen und zervikobrachialen Schmerzen
beeinträchtigten die Arbeitsfähigkeit. Die Versicherte könne noch vier Stunden täglich
als Putzfrau arbeiten. Dr. med. C._ vom RAD gab am 25. August 2008 an (IV-act.
28-2), aufgrund der Schmerzproblematik bestehe ein vermehrter Pausenbedarf.
Deshalb könne der Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit von 20% zugestanden werden.
Gemäss verschiedenen Lohnabrechnungen der Z._ GmbH war die Versicherte als
Reinigungsmitarbeiterin zu einem Stundenlohn von Fr. 18.25 angestellt (IV-act. 37).
Anlässlich einer sogenannten Haushaltabklärung gab die Versicherte am 25. Februar
2009 an (IV-act. 42-2), sie ginge zu 100% einer Erwerbstätigkeit nach, wenn sie gesund
wäre. Die Abklärungsperson betrachtete diese Auskunft als plausibel (IV-act. 42-7).
Deshalb nahm sie zur Ermittlung des Invaliditätsgrads der Versicherten nur einen
Einkommensvergleich vor (IV-act. 41-2). Dabei gab sie zwar an, es sei von einem
Arbeitsfähigkeitsgrad von 80% auszugehen. Sie verglich dann aber doch ein
Valideneinkommen von Fr. 51'032.-- mit einem zumutbaren Invalideneinkommen von
ebenfalls Fr. 51'032.--, so dass keine Invalidität resultierte.
A.b Mit einem Vorbescheid vom 8. April 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie beabsichtige, das Leistungsbegehren abzuweisen (IV-act. 44). Die Versicherte
liess durch ihren Rechtsvertreter am 28. April 2009 die Zusprache mindestens einer
halben Invalidenrente beantragen (IV-act. 45). Der Rechtsvertreter verwies insbe
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sondere darauf, dass der Hausarzt die Versicherte ab 3. Oktober 2006 zu 100% und ab
März 2008 zu 50% arbeitsunfähig geschrieben habe. Ab Oktober 2007 bestehe
deshalb auf jeden Fall ein Anspruch auf eine ganze und ab Juni 2008 ein Anspruch auf
eine halbe oder sogar eine Dreiviertelsrente. Die Versicherte sei ärztlicherseits nie näher
begutachtet worden. Dadurch sei u.a. die Problematik des HWS-Distorsionstraumas
vernachlässigt worden. Die notwendige medizinische Begutachtung müsse auch neue
bildgebende Untersuchungen (funktionelle MRI-Aufnahmen von HWS und LWS)
beinhalten. Dr. C._ vom RAD empfahl am 17. Juni 2009 eine bidisziplinäre
rheumatologische und psychiatrische Begutachtung (IV-act. 57). Dr. med. D._,
Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete in seinem Gutachten
vom 7. Oktober 2009 (IV-act. 66), er habe keine psychiatrischen Diagnosen erheben
können. Deshalb bestehe aus der Sicht seines Fachgebiets keine Arbeitsunfähigkeit.
Dr. med. E._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, speziell Rheumaerkrankungen,
hielt in seinem Gutachten vom 20. Oktober 2009 fest (IV-act. 65), er habe folgende
Diagnosen erhoben: Adipositas per magna und panvertebrales Schmerzsyndrom
zervikal- und lumbalbetont (bei zervikaler Diskushernie C5/6, nicht komprimierend
rechts [MRI 2006] mit Angabe Brachialgie rechts mit diffuser Armhypästhesie, ohne
motorische Parese bei normalen Armreflexen, EMG auf CTS negativ, Bericht der
neurologischen Abklärung USZ 09/2009 trotz schriftlicher Anforderung nicht
eingetroffen, bei leichtgradiger Lumbalgie bei CT 23.03.07 gegenüber 09/2004
unverändert leichtgradig medio-linkslateral akzentuierter Diskusprotrusion L4/5 mit
einem geringgradigen Kontakt zur Nervenwurzel L5 bei rezessal ohne Kompression bei
grenzwertig weitem Spinalkanal 10 mm sagittal Durchmesser, mässige
Spondylarthrose, hier und auch L3/4, diskrete lumbale Spondylose, subjektive Angabe
diffuser Beinhypästhesie links, Fusskante rechts ohne motorische Parese bei
symmetrischen Reflexen, negativem Lasègue, und bei minimaler thorakaler
rechtskonvexer Skoliose 4° lumbal, radiologisch nicht bestätigt). Neurologisch seien
mit Ausnahme der angegebenen diffusen Armhypästhesie rechts keine Ausfälle
festzustellen gewesen. Bei freier und weitgehend indolent beweglicher HWS und
ebensolchen Schultergelenken habe ausreichend Kraft bestanden, um zweimal 2 kg
vom Tisch auf Brusthöhe und zweimal 8 kg vom Boden auf Tischhöhe zu heben. Die
BWS und die LWS seien indolent und frei beweglich gewesen. Trotz der Angabe einer
chronischen Lumbalgie und einer diffusen Beinhypästhesie links müsse bei freier
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Beweglichkeit ohne Verspannungen eine ausreichende Arbeitsfähigkeit angenommen
werden für leichte Arbeiten mit Heben von repetitiv 8-10 kg, einmalig 12-15 kg Boden/
Tisch, repetitiv 3 kg, einmalig 4 kg Tisch-/Brusthöhe. Voraussetzung sei allerdings,
dass die Tätigkeit in Wechselhaltung (je ein Drittel sitzend, stehend und gehend)
ausgeübt werden könne. Unzumutbar sei eine ständig vorgebeugte oder stark
gebückte Haltung. Die Arbeitsfähigkeit reduziere sich um 10% für eingestreute
Kurzpausen zur Entlastung und um weitere 10% wegen der rascheren Ermüdbarkeit
u.a. auch durch die massive Adipositas. Die Arbeitsfähigkeit adaptiert betrage somit
80%. Für die angestammte Reinigungsarbeit (mittelschwer, oft gebückt) betrage die
Arbeitsfähigkeit 50%. Abschliessend hielt Dr. E._ fest, er werde den
Abklärungsbericht der neurologischen Poliklinik des Universitätsspitals Zürich sofort
nach dessen Eingang nachliefern und bei einer abweichenden Beurteilung auch
kommentieren. Dr. C._ vom RAD gab am 11. Dezember 2009 an (IV-act. 67), die
Arbeitsunfähigkeit von 20% könne ab dem Unfall (Oktober 2006) angenommen
werden.
A.c Die IV-Stelle übermittelte dem Rechtsvertreter der Versicherten die Gutachten und
die RAD-Stellungnahme (IV-act. 68). Sie forderte ihn auf, bis 6. Januar 2010 Stellung zu
nehmen. Der Rechtsvertreter machte am 17. Dezember 2009 geltend (IV-act. 70), der
neurologische Bericht fehle noch. Dr. E._ übermittelte diesen Bericht am 18. Januar
2010 (IV-act. 74 f.). Er wies darauf hin, dass die Versicherte den nachfolgenden
Beurteilungstermin an der neurologischen Poliklinik vom 25. September 2009 und wohl
auch das angeordnete HWS-MRI unabgemeldet nicht eingehalten habe. An den
Schlussfolgerungen in seinem Gutachten ändere sich nichts. Im Bericht der
neurologischen Poliklinik des Universitätsspitals Zürich vom 31. Juli 2009 war
ausgeführt worden, es gebe gewisse Hinweise auf eine radikuläre Beeinträchtigung,
auch wenn diese sicher nicht das ganze Beschwerdebild erklären könne. Man habe ein
MRI der HWS veranlasst, um die Entwicklung der Diskusprotrusion C5/6 mit leichter
Myelonkompression auf den Bildern 06 beurteilen zu können. Für eine funktionelle
Kernspintomographie-Untersuchung bestehe keine Indikation. Am 22. Januar 2010
übermittelte die IV-Stelle auch diese Unterlagen dem Rechtsvertreter der Versicherten
(IV-act. 78). Die Frist zur Stellungnahme wurde bis 11. Februar 2010 verlängert. Der
Rechtsvertreter wandte am letzten Tag der Frist ein (IV-act. 79), seiner Mandantin sei
nie ein Termin auf den 25. September 2009 gegeben worden. Sie hätte sich dieser
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Untersuchung selbstverständlich unterzogen. Deshalb seien die medizinischen
Abklärungen noch nicht abgeschlossen. Ein MRI der LWS und der HWS sei
unabdingbar. Eine Arbeitsfähigkeit von 80% sei zu hoch; 50% wären angemessen. Der
Abzug vom Tabellenlohn müsse 25% betragen, weil die Folgen des HWS-
Distorsionstraumas viel schwerwiegender seien, als der Gutachter angenommen habe,
und weil die lumbale und zervikale Problematik radiologisch ungenügend geklärt sei.
Damit gelte ein Invaliditätsgrad von 40%. Dr. C._ vom RAD hielt am 1. April 2010 fest
(IV-act. 82), aus dem Bericht der neurologischen Poliklinik ergebe sich keine Änderung
der Arbeitsfähigkeitsschätzung. Der Untersuchungsbefund sei vollkommen unauffällig
gewesen. Die Versicherte habe keine Notwendigkeit gesehen, sich dort weiter
behandeln zu lassen. Das relativiere den Leidensdruck und die Selbsteinschätzung der
Schwere des Leidens. Der Einwand des Fehlens aktueller NMR-Bilder sei nicht
überzeugend. Der Rechtsvertreter der Versicherten habe angegeben, es liege zuwenig
Objektivierbares vor und dies solle nun gesucht werden. Die Absurdität, bei Fehlen
einer Krankheit diese für die Invalidenversicherung suchen zu sollen, erkläre sich von
selbst. Mit einer Verfügung vom 6. April 2010 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
der Versicherten ab (IV-act. 83). Sie begründete dies mit dem Fehlen einer
rentenspezifischen Invalidität.
B.
B.a Die Versicherte liess am 5. Mai 2010 Beschwerde erheben und die Zusprache
mindestens einer halben Invalidenrente ab Oktober 2007 beantragen; eventualiter sei
die Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(act. G 1). Zur Begründung machte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
geltend, das einzige MRI stamme aus dem Jahr 2004. Die Qualität dieses MRI sei
unzureichend gewesen. In einem CT-Bericht von 2007 sei angegeben worden, dass bei
L4/5 von einem geringgradigen Kontakt zur Nervenwurzel bei L5 auszugehen sei.
Obwohl zunehmend über Schmerzen (mit Ausstrahlungen in das linke Bein und
Parästhesien) geklagt worden sei, fehle seit sechs Jahren ein MRI der LWS-
Problematik. Die Beschwerdeführerin warte bis heute auf den MRI-Termin des USZ.
Das klinische Bild sei genug abgeklärt worden. Das genüge aber offensichtlich nicht,
weil die subjektiven Angaben stark von denjenigen der Gutachter abwichen. Bevor
nicht klar sei, was objektivierbar gesichert sei, helfe die klinische Untersuchung allein
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nicht weiter. Die Schmerzen zeigten ein klassisches Bild, das die Ärzte aber nicht
glaubten. Der Bedarf nach weiteren Abklärungen bestehe, weil die Gutachter nicht
bereit seien, die Aussagen der Beschwerdeführerin als glaubhaft zu betrachten. Die
Beschwerdegegnerin hätte die festgestellte Arbeitsunfähigkeit von 20% nicht einfach
beiseiteschieben dürfen. Bei einem Tabellenlohnabzug von 25% ergäbe schon diese
Arbeitsunfähigkeit einen Anspruch auf eine Viertelsrente. Eine "Übergangsrente" werde
auf den bisherigen Beruf abgestützt. Deshalb bestehe ab Oktober 2007 ein Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente. Selbst wenn man den 1. März 2008 als Übergang zur
Verweisungstätigkeit einsetze, seien noch drei Monaten Übergangsfrist zu gewähren,
so dass bis Mai 2008 ein Anspruch auf eine ganze Rente bestehe.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. August 2010 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 10). Sie machte insbesondere geltend, der rheumatologische
Gutachter habe nirgends angemerkt, dass ihm ein aktuelles MRI fehle. Wenn der
Verzicht auf zusätzliche bildgebende Untersuchungen nachvollziehbar begründet
werde, sei es in antizipierender Beweiswürdigung zulässig, auf solche Untersuchungen
zu verzichten. Da die Beschwerdeführerin selbst unter Berücksichtigung eines
grosszügigen Abzugs vom Tabellenlohn sicher keine rentenbegründende Einbusse
erleiden würde, erübrige sich die Durchführung eines Einkommensvergleichs. Es
bestehe kein Anspruch auf eine "Übergangsrente", da das Bundesgericht diese gar
nicht zulasse und da zudem von einer Arbeitsfähigkeit adaptiert von 80% ab
Unfalldatum auszugehen sei.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 4. Oktober 2010 einwenden (act. G 16), die
LWS-Problematik sei bereits vor dem Unfall vorhanden gewesen, sie habe sich im Jahr
2007 massiv verstärkt. Ihr Rechtsvertreter führte weiter aus, die Beschwerdeführerin sei
nur für eine beschränkte Zeit teilzeitlich erwerbstätig gewesen. Sie habe eine
Limitierung auf die vom Hausarzt erwähnten vier Stunden täglich vornehmen wollen, da
aus gesundheitlichen Gründen gar nicht mehr in Frage gekommen sei. Es gehe nicht
an, von Selbstlimitierung zu sprechen, wenn der Arzt nicht einmal wisse, wie es im
Innern der untersuchten Person aussehe, und wenn er sich dieses Wissen mit
geringem Aufwand verschaffen könnte. Die Schmerzen und Einschränkungen seien von
der Beschwerdeführerin angegeben worden. Es sei unzulässig, einfach alles auf eine
somatoforme Schmerzstörung zu reduzieren und die Schmerzen als überwindbar zu
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erklären. Im übrigen habe das USZ ein MRI der HWS für notwendig erachtet. Die
medizinische Begutachtung beruhe primär auf den Aussagen der Beschwerdeführerin,
ergänzt durch einige subjektive Eindrücke der untersuchenden Ärzte, ohne dass
objektivierbare Grundlagen irgendwie berücksichtigt worden wären. Das MRI der HWS
sei unterblieben, weil die Beschwerdeführerin den Termin nie erfahren habe. Bei einem
Tabellenlohnabzug von 25% müsse ein Invaliditätsgrad von 40% resultieren.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 11. Oktober 2010 auf eine
Stellungnahme (act. G 18).

Erwägungen:
1.
Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer zu mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]). Gemäss Art. 16
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil der Sozialversicherungen [ATSG, SR
830.1] ist zur Bemessung des Invaliditätsgrads das Einkommen, das die versicherte
Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Das ausschlaggebende Element der
Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens - und damit indirekt des
Invaliditätsgrads - ist in aller Regel der Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit.
1.1 Die für einen allfälligen Rentenanspruch relevante Arbeitsfähigkeit ist gemäss Art.
16 ATSG diejenige bei einer Erwerbstätigkeit, die nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und nach dem Abschluss beruflicher
Eingliederungsmassnahmen zumutbarerweise ausgeübt werden kann (Art. 16 ATSG).
Bei Hilfsarbeitern kommt i.d.R. keine berufliche Eingliederung in der Form einer
Umschulung (Art. 17 IVG) oder einer vergleichbaren Massnahme in Frage. Deshalb
dient anstelle einer behinderungsadaptierten neuen Arbeit, in welche die Person
umgeschult worden ist, eine optimal behinderungsadaptierte Hilfsarbeit als Grundlage
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der Bemessung der Arbeitsfähigkeit. Das gilt auch für den vorliegenden Fall, da die
Beschwerdeführerin schon allein aufgrund der bescheidenen schulischen und
intellektuellen Fähigkeiten keine qualifizierte Berufsausbildung absolvieren könnte. Dem
hat der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zwar grundsätzlich zugestimmt. Er ist
aber davon ausgegangen, dass wenigstens für eine "Übergangszeit", d.h. bis
mindestens März 2008 (ev. gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV bis Ende Juni 2008), nicht eine
optimal behinderungsadaptierte Hilfsarbeit, sondern die früher ausgeübte Tätigkeit die
Grundlage der Bemessung der Arbeitsfähigkeit bilden müsse. Er hat also im Ergebnis
geltend gemacht, für diese "Übergangszeit" sei vom Wortlaut des Art. 16 ATSG
abzuweichen. Die Rechtfertigung für eine solche Vorgehensweise könnte darin gesucht
werden, dass bei einer rückwirkenden Rentenzusprache an eine Hilfsarbeiterin oft für
eine beschränkte Zeit nach dem Ablauf des Wartejahres (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) ein -
in aller Regel hypothetischer - Wechsel in eine optimal behinderungsadaptierte
Hilfsarbeit als (noch) unmöglich oder als (noch) unzumutbar qualifiziert werden muss.
Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn versucht wird, das Arbeitsverhältnis durch
eine Umplatzierung innerhalb des Betriebs zu "retten". Gelingt das trotz
entsprechender Arbeitsversuche nicht, so muss das Arbeitsverhältnis schliesslich doch
aufgelöst werden. Für die Dauer dieser Arbeitsversuche kann dann aber nicht
rückwirkend auf eine (hypothetische) optimal behinderungsadaptierte Hilfsarbeit als
Grundlage der Bemessung der Arbeitsfähigkeit abgestellt werden. Massgebend muss
vielmehr die vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens oder die während des
Arbeitsversuchs ausgeübte Erwerbstätigkeit sein, denn nur diese ist in der damaligen
konkreten Situation i.S. des Art. 16 ATSG zumutbar gewesen. Sobald der
Umplatzierungsversuch im Betrieb erfolglos abgeschlossen ist, ist es als zumutbar zu
betrachten, einer optimal behinderungsadaptierten Hilfsarbeit nachzugehen. Das gilt
selbst dann, wenn das Arbeitsverhältnis zu diesem Zeitpunkt noch besteht, denn auch
für den Arbeitgeber wäre es vorteilhaft, wenn das Ende der Kündigungsfrist
(hypothetisch) nicht abgewartet werden müsste. Im vorliegenden Fall liegt keine solche
Ausnahme vom Grundsatz vor, dass gestützt auf Art. 16 ATSG auf die Arbeitsfähigkeit
in einer der Behinderung optimal angepassten Hilfsarbeit abzustellen sei (vgl. dazu
etwa die Urteile 9C_141/2009 vom und 9C_153/2011 vom Erw. 4.3). Die
Beschwerdeführerin ist in dem von ihrem Rechtsvertreter als "Übergangsphase"
bezeichneten Zeitraum zwar möglicherweise stundenweise im Reinigungsdienst tätig
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gewesen, aber es ist ihr sofort zumutbar gewesen, diese Arbeit aufzugeben und einer
optimal behinderungsadaptierten Hilfsarbeit nachzugehen. Dass sie keinen konkreten
behinderungsadaptierten Arbeitsplatz zur Verfügung gehabt hat, ist - als reine
Arbeitslosigkeit - bei der Ermittlung der für die rentenspezifische Invalidität
massgebenden Arbeitsunfähigkeit irrelevant. Die Arbeitsunfähigkeit ist deshalb
unmittelbar nach dem Ablauf des sogenannten Wartejahres (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG)
anhand einer für die Beschwerdeführerin optimal behinderungsadaptierten Hilfsarbeit
zu ermitteln. Somit kann es keinen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
"Übergangsrente" bzw. eine "Arbeitsunfähigkeitsrente" geben.
1.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat sinngemäss geltend gemacht,
die Abklärung des medizinischen Sachverhalts und damit die Ermittlung der
Arbeitsfähigkeit in einer der Behinderung optimal angepassten Erwerbstätigkeit seien
verfrüht abgebrochen worden. In diesem Punkt stehe der massgebende Sachverhalt
also noch nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad fest. Er begründet seine Auffassung
zur Hauptsache damit, dass das klinische Bild zwar ausreichend abgeklärt worden sei,
dass dies aber insbesondere dann nicht genüge, wenn die subjektiven Angaben der
versicherten Person stark von derjenigen des medizinischen Sachverständigen
abwichen. Im vorliegenden Fall gäben die von der Beschwerdeführerin geklagten
Ausstrahlungen in die Beine, die Parästhesien und der Lumbalschmerz ein klassisches
Bild ab, das die medizinischen Sachverständigen aber nicht glaubten. In dieser
Situation könne der Nachweis nur mittels aktueller und umfassender bildgebender
Verfahren geführt werden. Die abklärungsbelastete (vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar,
2.A., N. 9 zu Art. 43) Beschwerdegegnerin muss die medizinische
Sachverhaltsabklärung nur so weit vorantreiben, bis die Art und das Ausmass der
Gesundheitsbeeinträchtigung(en) und die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. U. Kieser, a.a.O., N. 30
zu Art. 43) feststehen. Dieser Beweisgrad ist im vorliegenden Fall mit dem Gutachten
von Dr. E._ erreicht gewesen, auch wenn dieser auf die Erstellung neuer MRI-Bilder
verzichtet hat. Dr. E._ hat über eine umfassende Kenntnis der medizinischen
Vorgeschichte verfügt, wie die Liste der entsprechenden Akten in der Ziffer 1 seines
Gutachtens zeigt. Daraus hat er sich ein genaues Bild der Entwicklung der Krankheit
bis kurz vor seiner eigenen Untersuchung machen können. Im Rahmen seiner
Untersuchung hat er die Angaben der Beschwerdeführerin als das gewürdigt, was sie -
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juristisch betrachtet - nur sein können, nämlich als Indizien. Seine umfassende
klinische Untersuchung der Beschwerdeführerin hat ein klares Ergebnis geliefert.
Dieses Ergebnis hat es Dr. E._ erlaubt, die Schmerz- und Beschwerdeschilderungen
als objektiv nicht oder nur zu einem kleinen Teil zutreffend zu beurteilen. Da das
Ergebnis dieser klinischen Untersuchung mit den Ergebnissen früherer bildgebender
Untersuchungen (HWS 2007, LWS 2004) übereingestimmt hat, ist Dr. E._ davon
ausgegangen, dass der aktuelle Gesundheitszustand auch ohne neue bildgebende
Untersuchungen mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt sei. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat nicht zu
erklären vermocht, weshalb einzig der Beizug aktueller bildgebender Untersuchungen
geeignet sein soll, den Gesundheitszustand zu belegen. Seine Auffassung, die
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin müsse richtig sein und deshalb seien die
medizinischen Abklärungen so lange weiterzutreiben, bis sie diese Selbsteinschätzung
bestätigten, ist erfahrungsgemäss nicht haltbar, da viele Personen in der Situation der
Beschwerdeführerin ihren Gesundheitszustand erheblich pessimistischer einschätzen,
als er objektiv ist. Die neurologische Poliklinik des Universitätsspitals Zürich hat den
Wunsch nach einer aktuellen MRI-Untersuchung der HWS nicht damit begründet, dass
nur so der Gesundheitszustand objektiv abgeklärt werden könne. Sie hat vielmehr
sicherstellen wollen, dass sie keine therapeutischen Konsequenzen verpasse (vgl. IV-
act. 75-2). Sie hat nämlich darauf hingewiesen, dass eine allfällige radikuläre
Beteiligung nicht das gesamte Beschwerdebild werde erklären können. Ihr ist es also
darum gegangen, im therapeutischen Zusammenhang Sicherheit über den
Gesundheitszustand zu erlangen, um gezielt behandeln zu können. Selbst wenn die
Beschwerdeführerin das Aufgebot zu dieser MRI-Untersuchung nicht erhalten haben
sollte, zeigt doch der Umstand, dass sie sich - jedenfalls bis zur Einreichung der Replik
- nicht um einen neuen Termin gekümmert und auch die Behandlung durch die
neurologische Poliklinik nicht weitergeführt hat, dass sie auch aus ihrer persönlichen
Sicht eigentlich nicht behandlungsbedürftig und damit wohl auch nur in einem
bescheidenen Ausmass arbeitsunfähig ist. Zusammenfassend erweist sich die
Diagnosestellung und die Einschätzung der Schwere der Gesundheitsbeeinträchtigung
durch die Dr E._ als überwiegend wahrscheinlich richtig. Das gilt auch für die
Anforderungen an einen behinderungsadaptierten Arbeitsplatz und für die
Arbeitsunfähigkeit von 20%, denn es ist nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin
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auch in einer adaptierten Erwerbstätigkeit krankheitsbedingt zusätzliche Kurzpausen
benötigt und dass sie trotz dieser Schmerzpausen schneller ermüdet als eine gesunde
Arbeitnehmerin.
1.3 Die Beschwerdegegnerin hat eigentlich einen sogenannten Prozentvergleich (vgl.
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Maurer, 2. A., S. 298) angestellt,
indem sie bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens vom demselben
Betrag ausgegangen ist, den sie als Valideneinkommen in den Einkommensvergleich
eingesetzt hat. Die (hypothetische) Validenkarriere der Beschwerdeführerin umfasst
sämtliche auf dem Arbeitsmarkt anzutreffenden Hilfsarbeiten, die Invalidenkarriere nur
noch die optimal behinderungsadaptierten Hilfsarbeiten. Der Fächer der nach dem
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung noch möglichen Hilfsarbeiten ist also
erheblich schmäler als der Fächer der ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung
(hypothetisch) in Frage kommenden Hilfsarbeiten. Im vorliegenden Fall handelt es sich
bei den optimal behinderungsadaptierten Hilfsarbeiten um Tätigkeiten, die
insbesondere geringe Anforderungen an die Körperkraft der Beschwerdeführerin
stellen. Es gibt keinen statistischen Nachweis dafür, dass die Höhe des
Hilfsarbeiterinnenlohns vom Ausmass der notwendigen körperlichen Leistung
abhängen würde, dass also körperlich belastende Hilfsarbeiten durchschnittlich besser
entlöhnt würden als körperlich leichte Hilfsarbeiten. Andere Anforderungen an die
Hilfsarbeiterin wie beispielsweise besondere Sorgfalt, hohe Konzentrationsleistung,
Zuverlässigkeit usw. können betriebswirtschaftlich betrachtet durchaus auch einen
höheren Lohn rechtfertigen. Die Beschwerdegegnerin ist also zu Recht davon
ausgegangen, dass das Ausgangseinkommen zur Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens dem Valideneinkommen entsprechen müsse. In einem ersten
Schritt resultiert demnach ausgehend von der verbliebenen Restarbeitsfähigkeit ein
Einkommen, das 80% des Valideneinkommens ausmacht. Diese verbleibenden 80%
sind - analog dem zusätzlichen Abzug vom Tabellenlohn - nochmals zu reduzieren. Der
Grund dafür liegt im Umstand, dass eine gesundheitlich angeschlagene Arbeitnehmerin
für den rein betriebswirtschaftlich denkenden potentiellen Arbeitgeber zusätzliche
Lohnkosten verursacht (oder zu verursachen droht), die bei gesunden
Hilfsarbeiterinnen nicht anfallen. Ursachen dieser zusätzlichen Lohnkosten können
sein: Die mangelnde Flexibilität in bezug auf die Tagesarbeitszeit (keine Überstunden
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bzw. keine vorübergehende Erhöhung des Beschäftigungsgrades), die mangelnde
Flexibilität in bezug auf die Art der Arbeit (kein vorübergehender Wechsel an einen
nichtadaptierten Arbeitsplatz), die reale oder auch nur mögliche Gefahr
überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen und/oder schwankender
Leistungsfähigkeit, der Teilzeitnachteil (vgl. Ph. Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, in:
JaSo 2012, S. 148 ff.), die Notwendigkeit besonderer Rücksichtnahme usw.). Diese
Nachteile müssen durch einen entsprechenden Minderlohn kompensiert werden, damit
die Beschwerdeführerin dieselben Chancen auf eine Arbeitsstelle hat wie gesunde
Hilfsarbeiterinnen. Das gilt selbst dann, wenn die Beschwerdeführerin nur mögliche
zusätzliche Nachteile aufweist, denn auch dieser blossen Gefahr muss aus der Sicht
eines rein betriebswirtschaftlich denkenden potentiellen Arbeitgebers von Anfang an
begegnet werden. Die Konkurrenznachteile der Beschwerdeführerin rechtfertigen
praxisgemäss einen ermessensweise auf 10% festzusetzenden zusätzlichen Abzug. Es
resultiert also ein Invaliditätsgrad von 28%. Die Beschwerdegegnerin hat demnach zu
Recht einen Anspruch auf eine Invalidenrente verneint.
2.
Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen. Die unterliegende
Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Da ihr die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden ist, hat ihr Rechtsbeistand einen
Anspruch auf eine Entschädigung durch den Staat. Diese Entschädigung beträgt
gemäss Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) 80% des
(hypothetischen) Honorars. Dieses würde sich nach der Schwierigkeit des Prozesses
und nach der Bedeutung der Streitsache bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Da es sich um
ein durchschnittliches Verfahren gehandelt hat, wäre es praxisgemäss auf Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Der Staat hat den
Rechtsbeistand des Beschwerdeführers also mit Fr. 2'800.-- zu entschädigen. Das
Beschwerdeverfahren in IV-Sachen ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst sich
nach dem Verfahrensaufwand (Art. 29 Abs. 1 IVG). Im vorliegenden Fall ist von einem
durchschnittlichen Aufwand auszugehen, so dass die Gerichtsgebühr praxisgemäss
auf Fr. 600.-- festzusetzen ist. Da der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt worden ist, wird sie von der Bezahlung dieser Gerichtsgebühr
befreit. Sollten es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse in der Zukunft einmal erlauben,
bis
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kann die Beschwerdeführerin zur Rückerstattung der vom Staat entschädigten
Parteikosten und zur Nachzahlung der Gerichtsgebühr verpflichtet werden (Art. 99 Abs.
2 VRP i.V.m. Art. 123 Abs. 1 ZPO).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP