Decision ID: 01f7df86-ecf7-40bc-8f00-4786c71194b1
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, wohnhaft in B._, war als Verwaltungsrätin der C._
AG, im Handelsregister eingetragen seit 5. Januar 2016, tätig; zu
Beginn als Verwaltungsratspräsidentin mit Kollektivunterschrift zu
zweien und ab dem 24. Januar 2017 als Verwaltungsratsmitglied mit
Einzelunterschrift. Die C._ AG war seit ihrer Gründung am
1. Januar 2016 der AHV-Ausgleichskasse des Kantons Graubünden
(nachfolgend AHV-Ausgleichskasse) angeschlossen. Mit Entscheid
vom 14. Februar 2019 eröffnete der Konkursrichter des
Regionalgerichts D._ den Konkurs über die C._ AG, mit
Konkursentscheid vom 20. Januar 2021 wurde das Konkursverfahren
abgeschlossen. Die AHV-Ausgleichskasse erhielt am 15. Dezember
2020 einen Verlustschein über CHF 8'521.75 ausgestellt.
2. Weil die offenen Forderungen der AHV-Ausgleichskasse gegenüber
der Gesellschaft aufgrund des Konkurses nicht mehr beglichen werden
konnten, erliess die AHV-Ausgleichskasse am 30. April 2021
gegenüber A._ gestützt auf Art. 52 AHVG eine
Schadenersatzverfügung in der Höhe von CHF 8'521.75 für
entgangene Sozialversicherungsbeiträge sowie für Verwaltungskosten
samt Verzugszinsen, Mahngebühren und Betreibungskosten.
3. Am 26. Mai 2021 erhob A._ gegen die Schadenersatzverfügung
bei der AHV-Ausgleichskasse Einsprache mit den Anträgen auf deren
Aufhebung und Feststellung, dass gegenüber der AHV keine
absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften der
damaligen Verwaltungsratspräsidentin der liquidierten C._ AG
bestehe.
4. Mit Einspracheentscheid vom 22. Juni 2021 wies die AHV-
Ausgleichskasse die Einsprache von A._ mit der Begründung ab,
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dass der AHV-Ausgleichskasse aufgrund grobfahrlässiger Missachtung
von Vorschriften durch die Nichtbezahlung von paritätischen
Sozialversicherungsbeiträgen ein Schaden von CHF 8'521.75
entstanden sei, den A._ als verantwortliches Organ der
Gesellschaft zu ersetzen habe.
5. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) am 19. Juli
2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
mit folgenden Anträgen:
1. Es sei die Schadenersatzverfügung gegen A._ vom 30. April 2021 (Abr.-
Nr. 10.016.920) abzuweisen bzw. ersatzlos aufzuheben wegen eingetretener
Verjährung und Fehlens von absichtlicher oder grobfahrlässiger Missachtung von
Vorschriften der AHV und der Einspracheentscheid vom 22. Juni 2021 sei
abzuweisen bzw. aufzuheben.
2. Es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. MwST zulasten der AHV
Ausgleichskasse Graubünden.
Mit separater Eingabe wurde gleichentags das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege gestellt. Die Beschwerdeführerin macht im
Wesentlichen geltend, Zweck der C._ AG sei die Durchführung
eines Pferdesportanlasses in E._ in den Jahren 2015, 2016 und
2017 gewesen, wobei der Anlass im Jahr 2018 nicht mehr habe
durchgeführt werden können, insbesondere, weil einer der
Hauptsponsoren (F._) seine Zahlungen nicht mehr geleistet habe.
Die C._ AG habe diesen Sponsor deshalb im Mai 2018 (erfolglos)
auf CHF 702'000.-- betrieben. Die Gesellschaft habe dadurch ihre
Schulden nicht mehr begleichen können und Konkurs anmelden
müssen. Aus ˮLohnforderungen vom Januar – Juli 2018ˮ, wie sie im
Kollokationsplan der C._ AG genannt seien, könne der
Beschwerdegegnerin im Jahr 2018 gar kein Schaden mehr entstanden
sein, da im Jahr 2018 keine beitragspflichtigen Löhne ausbezahlt
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worden seien. Verjährt sei die Schadenersatzforderung, weil der
Beschwerdegegnerin aufgrund der Nichtbezahlung der
Sozialversicherungsbeiträge innert Frist bis 2. März 2018 sowie
aufgrund der breiten medialen Berichterstattung über das ˮAusˮ der
C._ AG im April 2018 (Tageszeitungen und Regionalradio/TV)
ˮunter Beachtung der zumutbaren Aufmerksamkeitˮ habe bewusst sein
müssen, dass die Beiträge nicht mehr eintreibbar waren.
Darüber hinaus bestreitet die Beschwerdeführerin auch ein
Verschulden. Sie habe nicht absichtlich oder grobfahrlässig gehandelt.
Ihr könne höchstens eine leichte Fahrlässigkeit vorgeworfen werden,
die indes nicht zu einer Verantwortlichkeit führe. Die
Beschwerdeführerin führt zudem Exkulpations- und
Rechtfertigungsgründe an. Die C._ AG habe einen Finanzchef und
eine Treuhänderin beschäftigt, die für das Beitragswesen zuständig
gewesen seien, nicht hingegen die Beschwerdeführerin als
Organisationspräsidentin, deren Hauptaufgabe in der Organisation des
Anlasses bestanden habe. Die Beschwerdeführerin habe aus
ernsthaften und objektiven Gründen davon ausgehen können, die
Sozialversicherungsbeiträge für das Jahr 2017, wie sie am 7. Februar
2018 in Rechnung gestellt worden seien, bezahlen zu können, hätten
doch am Grossanlass Sponsoren wie auch die Gemeinde E._ ein
Interesse gehabt. Das Abspringen des Sponsors F._ habe
niemand vorhersehen können. Zudem handle es sich bei der C._
AG um keine gewinnbringende Aktiengesellschaft, hätten doch alle
Verwaltungsräte und weitere zahlreiche Helfer 2015 und 2016
zugunsten des Tourismus und der Verankerung von Sommerevents im
O._ bzw. in E._ unentgeltlich gearbeitet oder auf
Entschädigungen verzichtet.
6. Mit Vernehmlassung vom 2. September 2021 beantragte die AHV-
Ausgleichskasse (nachfolgend Beschwerdegegnerin) die
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Beschwerdeabweisung, wobei sie zur Begründung grundsätzlich auf
die Ausführungen im angefochtenen Einspracheentscheid vom 22. Juni
2021 verwies. Ergänzend führte sie aus, die Beschwerdeführerin könne
aus der (anscheinend) fehlenden Gewinnorientiertheit der C._ AG,
welche grundsätzlich auch als Verein hätte existieren können, nichts zu
ihren Gunsten ableiten, da den Mitgliedern eines Vereinsvorstandes
ebenso wie dem Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft eine
Aufsichtspflicht zukomme. Der Schaden in der Höhe von CHF 8'521.75
sei ausgewiesen und belegt sowie von der C._ AG im
Konkursverfahren explizit anerkannt worden. Die Beschwerdegegnerin
habe erst mit dem Ende der Auflagefrist vom 2. Dezember 2019
Kenntnis des Schadens erhalten, so dass die Schadensforderung nicht
verjährt sei. Dies gelte umso mehr, als dass der Schaden in keinem Fall
bekannt sein könne, bevor er überhaupt eingetreten sei. Frühest
möglicher Zeitpunkt der Schadenskenntnis sei der Zeitpunkt der
Konkurseröffnung (14. Februar 2019). Die Beschwerdegegnerin sieht
eine Verletzung der Meldepflicht über die Löhne, die im Jahr 2017 (im
Gegensatz zum Jahr 2016) ausbezahlt wurden (Art. 35 Abs. 2 AHVV),
sowie der Zahlungspflicht (Art. 14 AHVG i.V.m. Art. 34 AHVV). Sie
bezeichnet das Verschulden der Beschwerdeführerin als
grobfahrlässig, da sie mit ihrer Passivität der Sorgfalts- und
Aufsichtspflicht einer Verwaltungsrätin nicht nachgekommen sei und
Exkulpationsgründe nicht vorlägen. Die Beschwerdegegnerin bejaht
weiter auch den adäquaten Kausalzusammenhang, womit alle vier
Haftungsvoraussetzungen erfüllt seien.
7. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 6. September 2021 erteilte die
Instruktionsrichterin der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende
Wirkung (Art. 61 Ingress ATSG i.V.m. Art. 53 VRG).
8. Mit Replik vom 8. September 2021 (Poststempel 9. September 2021)
wiederholte die Beschwerdeführerin bei gleichbleibendem
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Rechtsbegehren im Wesentlichen die bisherigen Standpunkte und
reichte ihre Honorarnote ein.
9. Mit Eingabe vom 15. September 2021 (Eingang 1. Oktober 2021)
verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Erstattung einer Duplik und
nahm Stellung zur Honorarnote der Beschwerdeführerin.
Auf die Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und den
angefochtenen Einspracheentscheid wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Die zu beurteilende Beschwerde richtet sich gegen den in Anwendung
von Art. 52 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) ergangenen
Einspracheentscheid vom 22. Juni 2021, mit welchem die
Beschwerdegegnerin die Einsprache der Beschwerdeführerin vom
26. Mai 2021 abwies. Gegen sozialversicherungsrechtliche
Einspracheentscheide kann Beschwerde beim kantonalen
Versicherungsgericht erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] i.V.m. Art. 57 ATSG). Für
die Beurteilung dieser Beschwerde ist in Abweichung zu Art. 58 Abs. 1
ATSG das kantonale Versicherungsgericht örtlich zuständig, in
welchem die Arbeitgeberin ihren Wohnsitz hat bzw. bis zum Konkurs
hatte (Art. 52 Abs. 5 AHVG; KIESER, in: STAUFFER/CARDINAUX [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AHVG, 4. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2020, Rz. 143 zu Art. 52 AHVG). Nachdem die
Gesellschaft vor ihrer Löschung in E._ und damit im Kanton
Graubünden domiziliert war, ist für die Beurteilung der vorliegenden
Streitigkeit das Versicherungsgericht des Kantons Graubünden, d.h.
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das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden zuständig (Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR
370.100]). Das angerufene Gericht ist für die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde somit örtlich und sachlich zuständig. Als
formelle und materielle Adressatin ist die Beschwerdeführerin vom
angefochtenen Einspracheentscheid überdies unmittelbar berührt und
hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen gerichtlicher Überprüfung
(vgl. Art. 59 ATSG). Auf die von ihr frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist damit – vorbehältlich nachfolgender Erwägung 1.2. –
einzutreten (Art. 60 f. ATSG).
1.2. Bei Erhebung einer Einsprache wird das Verwaltungsverfahren erst
durch den Einspracheentscheid abgeschlossen, welcher die
ursprüngliche Verfügung ersetzt. Für eine spätere richterliche
Beurteilung sind denn auch grundsätzlich die tatsächlichen
Verhältnisse zur Zeit des Erlasses des strittigen Einspracheentscheids
massgebend (vgl. BGE 142 V 337 E.3.2.1 in fine, 140 V 70 E.4.2, 133
V 50 E.4.2.2, 131 V 407 E.2.1.2.1). Da der Einspracheentscheid vom
22. Juni 2021 an die Stelle der vorgängig erlassenen
Schadenersatzverfügung vom 30. April 2021 getreten ist, hat jene jede
rechtliche Bedeutung verloren (vgl. BGE 132 V 368 E.6.1; 131 V 407
E.2.1.2.1; Urteile des Bundesgerichts 9C_66/2016 vom 10. August
2016 E.1.2, 9C_386/2013 vom 20. September 2013 E.4). Auf das
Begehren um Aufhebung der Schadenersatzverfügung vom 30. April
2021 ist somit nicht einzutreten (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_648/2020 vom 21. Januar 2021 E.1.2).
1.3. In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin die Verletzung des
rechtlichen Gehörs. Die Beschwerdegegnerin habe ihre
Begründungspflicht verletzt, indem sie in der Verfügung lediglich einen
Hinweis auf Art. 52 AHVG angebracht und erklärt habe, die Parteien
müssten nicht angehört werden, wenn die Verfügung durch Einsprache
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anfechtbar sei. Die Beschwerdegegnerin äussert sich zu diesem
Vorbringen nicht.
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung (siehe Urteil des
Bundesgerichts 9C_187/2020 vom 11. November 2020 E.2.1.2) fliesst
aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR
101) die Pflicht der Behörden, die Vorbringen des von einem Entscheid
in seiner Rechtsstellung Betroffenen tatsächlich zu hören, zu prüfen und
in der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass
sich die Behörden mit allen Parteistandpunkten einlässlich
auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich
widerlegen. Vielmehr können sich die Behörden auf die für einen
Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so
abgefasst sein, dass sich die Betroffenen über die Tragweite eines
Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache
an die höhere Instanz weiterziehen können. In diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE
142 I 135 E.2.1; 138 I 232 E.5.1; 136 I 229 E.5.2). Vorliegend wird von
der Beschwerdeführerin bei ihrer Verletzungsrüge auf die
Schadenersatzverfügung vom 30. April 2021 Bezug genommen (vgl.
Akten der Beschwerdeführerin [Bf-act.] 1), nicht aber auf den
angefochtenen Einspracheentscheid, welcher die
Schadenersatzverfügung ersetzte. Hinsichtlich des angefochtenen
Einspracheentscheids erhebt die Beschwerdeführerin keine Rüge der
Gehörsverletzung, so dass sich Ausführungen dazu erübrigen. Obiter
dictum kann aber festgestellt werden, dass der angefochtene
Einspracheentscheid vom 22. Juni 2021 mit seiner Begründung den
Anforderungen des rechtlichen Gehörs genügt. Es lässt sich dem
Einspracheentscheid genügend klar entnehmen, weshalb die
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Beschwerdegegnerin nach Prüfung aller Haftungsvoraussetzungen
gemäss Art. 52 AHVG die Einsprache der Beschwerdeführerin abwies.
Jedenfalls war die Beschwerdeführerin, wie ihre Beschwerde zeigt, in
der Lage, den Einspracheentscheid sachgerecht anzufechten. Dass
dies nicht der Fall gewesen sein sollte, macht sie selber nicht geltend.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist nach dem Gesagten nicht
verletzt.
2. Vorliegend geht es um die Arbeitgeberhaftung gemäss Art. 52 AHVG,
welcher in der seit dem 1. Januar 2020 geltenden Fassung wie folgt
lautet:
1Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von
Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen. 2Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär
die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation
befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden
verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch. 3Der Schadenersatzanspruch verjährt nach den Bestimmungen des
Obligationenrechts über die unerlaubten Handlungen. 4Die zuständige Ausgleichskasse macht den Schadenersatz durch Erlass einer
Verfügung geltend. 5In Abweichung von Artikel 58 Absatz 1 ATSG ist für die Beschwerde das
Versicherungsgericht des Kantons zuständig, in welchem der Arbeitgeber seinen
Wohnsitz hat. 6Die Haftung nach Artikel 78 ATSG ist ausgeschlossen.
In materieller Hinsicht unbestritten sind die Organstellung der
Beschwerdeführerin als Verwaltungsratsmitglied der C._ AG im
fraglichen Zeitraum des Jahres 2017 (vgl. Akten der
Beschwerdegegnerin betreffend die C._ AG [Bg-act.–P._] 55)
und die ausgebliebene Meldung der im Jahr 2017 ausbezahlten Löhne
bis Januar 2018 bzw. die ausgebliebene Zahlung der darauf erhobenen
Sozialversicherungsbeiträge. Bestritten werden hingegen explizit der
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Schaden (u.a. Geltendmachung der Verjährung), das Verschulden und
der adäquate Kausalzusammenhang.
Die Arbeitgeber sind verpflichtet, von dem von ihnen ausgerichteten
Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit die
Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen, mit der Ausgleichskasse
abzurechnen sowie die erforderlichen Angaben zu machen, und die
Beiträge zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch der
Ausgleichskasse zu entrichten (Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 AHVG,
Art. 34, 35 und 36 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Die Missachtung
dieser Pflichten verletzt Vorschriften der Versicherung im Sinne von
Art. 52 AHVG. Art. 52 Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung
nach öffentlichem Recht vor. Damit eine Schadenersatzpflicht
entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben sein,
d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches
und schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs
zurückzuführen ist. Zudem muss zwischen dem Verhalten der
belangten Person und dem eingetretenen Schaden ein adäquater
Kausalzusammenhang gegeben sein.
3.1.1. Nachstehend sind somit die spezifischen Haftungsvoraussetzungen
gemäss Art. 52 AHVG zu prüfen. Die Beschwerdegegnerin trägt die
Beweislast (Art. 8 Schweizerisches Zivilgesetzbuch [ZGB; SR 210]).
Die Beschwerdegegnerin macht einen Schaden von CHF 8'521.75
geltend, bestehend aus nicht bezahlten Beiträgen auf Löhnen, die im
Jahr 2017 ausbezahlt wurden (vgl. Einspracheentscheid S. 5; Bg-act.–
P._ 8, 10, 44 und 46). Die Beschwerdeführerin verneint hingegen
einen Schaden unter Hinweis auf den Kollokationsplan im Konkurs der
C._ AG über angebliche Lohnforderungen von Januar – Juli 2018.
Da im Jahr 2018 keine beitragspflichtigen Löhne ausbezahlt worden
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seien, könne der Beschwerdegegnerin dann auch kein Schaden
entstanden sein.
3.1.2. Die Argumentation der Beschwerdeführerin verfängt nicht. Die
Erwähnung von Lohnforderungen von Januar – Juli 2018 im
Kollokationsplan im Konkurs Nr. 2190001 der C._ AG (siehe Seite
2 des Kollokationsplans [B. Ungesicherte Forderungen, 2. Klasse, Ord.
Nr. 1 / Nr. Eing. 19]) muss aufgrund der Gesamtumstände ein
Verschrieb des Betreibungs- und Konkursamts der Region D._
sein, wurden diese Lohnforderungen doch von G._, wohnhaft in
H._, kolloziert (siehe Seite 3 des Kollokationsplans im Konkurs
Nr. 2190001, C._ AG [B. Ungesicherte Forderungen, 3. Klasse,
Ord. Nr. 7 / Nr. Eing. 5]; Bf-act. 11). Da sich dies im Konkursverfahren
zugetragen hat, besteht kein Grund, die Beschwerdegegnerin im
Verfahren um Sozialversicherungsbeiträge darauf zu behaften.
3.1.3. Der Schaden im Sinne von Art. 52 AHVG umfasst in erster Linie die
geschuldeten paritätischen AHV/IV/EO/ALV- und FAK-Beiträge sowie
Verwaltungskosten. Hinzu kommen unbezahlt gebliebene
Mahngebühren, Verzugszinsen und Betreibungskosten (vgl.
REICHMUTH, Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach
Art. 52 AHVG, Zürich/Basel/Genf 2008, Rz. 329 ff.; FORSTER, in:
STEIGER-SACKMANN/MOSIMANN [Hrsg.], Recht der Sozialen Sicherheit,
Basel 2014, Rz. 11.6; NEDI, Die Haftung der GmbH als Arbeitgeberin
nach Art. 52 AHVG und Art. 52 BVG, S. 145). In zeitlicher Hinsicht ist
die Haftung beschränkt. Der Beitragsausstand, für den das Organ
haftbar gemacht wird, muss im Zeitpunkt seines effektiven Austritts
aufgelaufen sein bzw. müssen die Beitragsforderungen bis dahin fällig
sein (vgl. FREY/MOSIMANN/BOLLINGER, AHVG-/IVG-Kommentar, Aufl.
2018, Rz. 7 zu Art. 52 AHVG; KIESER, a.a.O., Rz. 17 ff. und 86 ff. zu
Art. 52 AHVG). Der Schaden entsteht nicht schon mit der Fälligkeit der
Beiträge, sondern erst in dem Zeitpunkt, in dem anzunehmen ist, dass
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die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen
nicht mehr erhoben werden können, sei es durch Beitragsverwirkung,
sei es durch Zahlungsunfähigkeit der Arbeitgeberin.
Zahlungsunfähigkeit wird bejaht, wenn der Konkurs eröffnet oder ein
definitiver Verlustschein ausgestellt wurde (siehe BGE 141 V 487 E.2.2,
136 V 268 E.2.2 und 2.6, 129 V 193 E.2.2; KIESER, a.a.O., Rz. 18 zu
Art. 52 AHVG).
Die diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerin über den
Schadenseintritt spätestens mit Ablauf der verstrichenen Zahlungsfrist
am 2. März 2018 gehen somit fehl. Die Schadenspositionen über die
ausstehenden Sozialversicherungsbeiträge für das Jahr 2017 –
resultierend aus einer beitragspflichtigen Lohnsumme von
CHF 54'300.-- (vgl. Bf-act. 7; Bg-act.–P._ 8 und 10) – zuzüglich
Verwaltungskosten, Verzugszinsen, Mahngebühren sowie
Betreibungs- und Verfahrensspesen von gesamthaft CHF 8'521.75 sind
belegt (vgl. Bf-act. 12; Bg-act.–P._ 44 und 46) und von der
C._ AG im Konkursverfahren ausdrücklich anerkannt worden (vgl.
Bg-act.–P._ 53 S. 1). Aus dem Konkursverfahren resultierte ein
Verlustschein vom 15. Dezember 2020 in der Höhe von CHF 8'521.75
(vgl. Bf-act. 7; Bg-act.–P._ 53 S. 2). Die infrage stehenden
Sozialversicherungsbeiträge zuzüglich Verwaltungskosten können
somit im ordentlichen Bezugsverfahren tatsächlich nicht mehr erhoben
werden.
3.1.4. Ferner wird von der Beschwerdeführerin die Verjährung geltend
gemacht. Seit dem 1. Januar 2020 gilt neu eine drei- statt der zuvor
zweijährigen relativen Verjährungsfrist gemäss Art. 52 Abs. 3 AHVG
i.V.m. Art. 60 Abs. 1 OR (Bundesgesetz betreffend die Ergänzung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligationenrecht];
SR 220). Die Beschwerdeführerin lässt ausführen, der Schaden sei
spätestens mit Ablauf der verstrichenen Zahlungsfrist am 2. März 2018
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eingetreten und es hätte der Beschwerdegegnerin zu diesem Zeitpunkt
ˮunter Beachtung der zumutbaren Aufmerksamkeitˮ bewusst sein
müssen, dass die Beiträge nicht mehr eintreibbar waren, so dass damit
(sinngemäss) die dreijährige Verjährungsfrist abgelaufen sei. Gemäss
Art. 52 Abs. 3 AHVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 OR verjährt die
Schadenersatzforderung, wenn sie nicht innert drei Jahren seit
Kenntnis des Schadens durch Erlass einer Schadenersatzverfügung
geltend gemacht wird, auf jeden Fall aber mit Ablauf von zehn Jahren
seit Eintritt des Schadens. Massgebend für den Beginn dieser Frist ist
der Zeitpunkt, ab welchem die Ausgleichskasse unter Beachtung der ihr
zumutbaren Aufmerksamkeit erkennen muss, dass die tatsächlichen
Gegebenheiten nicht mehr erlauben, die Beiträge einzufordern, wohl
aber eine Schadenersatzpflicht begründen können.
Die Schadenersatzforderung geht zurück auf die
Veranlagungsverfügung vom 10. August 2018 gemäss Art. 38 Abs. 1
AHVV, wonach die Ausgleichskasse die geschuldeten Beiträge durch
eine Veranlagungsverfügung festzusetzen hat, wenn innert Frist die
Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerbeiträge nicht bezahlt werden. Die
Veranlagungsverfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft (vgl.
Bg-act.–P._ 17, 15, 20). Der Konkurs über die C._ AG wurde
am 14. Februar 2019 eröffnet (vgl. Bg-act.–P._ 29, 31); der
Kollokationsplan im Konkursverfahren der C._ AG war vom
12. November 2019 – 2. Dezember 2019 aufgelegt (vgl. Bf-act. 11; Bg-
act.–P._ 48). Darin liess die Beschwerdegegnerin die vorliegend
geltend gemachte Schadenersatzforderung in der Höhe von
CHF 8'521.75 kollozieren. Die Beschwerdegegnerin sieht den Beginn
der Verjährungsfrist, d.h. die Schadenskenntnis frühestens ab
Konkurseröffnung am 14. Februar 2019 bzw. im vorliegenden Fall ab
Ende der Auflagefrist des Kollokationsplans am 2. Dezember 2019
(siehe Beschwerdeantwort S. 3 unten mit Hinweis auf REICHMUTH,
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a.a.O., Rz. 839, wonach frühester Zeitpunkt der Schadenskenntnis der
Zeitpunkt der Konkurseröffnung ist) und damit die Verjährung als nicht
eingetreten. Der Verlustschein aus dem Konkursverfahren datiert vom
15. Dezember 2020 (vgl. Bf-act. 7; Bg-act.–P._ 53 S. 2). In
Anwendung des neuen Verjährungsrechts, welches zum Zeitpunkt der
Schadenersatzverfügung vom 30. April 2021 und des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 22. Juni 2021 in Kraft stand, ist bezüglich
der ausstehenden Sozialversicherungsbeiträge zuzüglich
Verwaltungskosten für das Jahr 2017 die Verjährung nicht eingetreten.
Die Beschwerdegegnerin hat folglich einen einforderbaren Schaden in
der Höhe von CHF 8'521.75 erlitten, womit die Haftungsvoraussetzung
des Schadens erfüllt ist.
3.2.1. Weitere Haftungsvoraussetzung für die Schadenersatzforderung ist die
Widerrechtlichkeit bzw. Pflichtverletzung. Dabei geht es um eine
doppelte Prüfung: Zum einen stellt sich die Frage, ob Vorschriften der
AHV verletzt wurden; zum anderen ist zu beantworten, ob die
entsprechende Verletzung dem Arbeitgeber bzw. dem Organ
entgegenzuhalten ist (Verletzung der Organpflicht; siehe dazu KIESER,
a.a.O, Rz. 39 f. zu Art. 52 AHVG). Anwendbar sind Art. 14 Abs. 1 AHVG
und Art. 51 Abs. 1 AHVG, wonach die Beiträge vom Einkommen aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit bei jeder Lohnzahlung in Abzug zu
bringen und vom Arbeitgeber zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag
periodisch zu entrichten sind. Weiter zu beachten sind Art. 34 ff. AHVV.
Gemäss Art. 35 AHVV haben die Arbeitgeber im laufenden Jahr
periodisch Akontobeiträge zu entrichten; diese werden von der
Ausgleichskasse auf Grund der voraussichtlichen Lohnsumme
festgesetzt (Abs. 1). Die Arbeitgeber haben der Ausgleichskasse auch
wesentliche Änderungen der Lohnsumme während des laufenden
Jahres zu melden (Abs. 2).
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3.2.2. Die Beschwerdeführerin war ohne Zweifel als Verwaltungsratsmitglied
formelles Organ der C._ AG (vgl. Bg-act.–P._ 1; REICHMUTH,
a.a.O., Rz. 205, 631). Gleich nach dem Handelsregistereintrag im
Januar 2016 wurde die C._ AG mit Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 25. Januar 2016 wie folgt über die AHV-
Abrechnungs- und Beitragspflicht informiert: ˮNach Ihren Angaben im
Anmeldeformular richtet Ihr Unternehmen keine Lohnzahlungen wie
ordentliche Löhne, Verwaltungsratshonorare oder Tantièmen aus.
Somit bezahlen Sie vorläufig keine Beiträge. Wenn sich Ihre
unternehmerischen Verhältnisse verändern, informieren Sie uns bitte,
damit Ihre regelmässige Beitragszahlung vorbereitet werden kann.ˮ
(vgl. Bg-act.–P._ 4). Die Darstellung der Beschwerdegegnerin,
wonach es die C._ AG bzw. die Beschwerdeführerin in Verletzung
von Art. 35 Abs. 2 AHVV im Laufe des Jahres 2017 trotzdem unterliess,
der Beschwerdegegnerin zu melden, dass sie im Jahr 2017 – im
Gegensatz zum Jahr 2016 – Löhne ausbezahlte, was erst mit der am
26. Januar 2018 (Eingang bei der Beschwerdegegnerin) für das Jahr
2017 erstatteten Lohnmeldung getan wurde, ist belegt (vgl. Bg-act.–
P._ 8 und 10). Damit hat sich die C._ AG bzw. die
Beschwerdeführerin als ihr formelles Organ widerrechtlich verhalten.
Dieser Umstand der Nichtmeldung und Nichtabrechnung der im Jahr
2017 ausbezahlten Löhne bis im Januar 2018 sowie die Nichtbezahlung
der abgerechneten Beiträge wird von der Beschwerdeführerin nicht
bestritten. Sie stellt sich lediglich der Rechtsauffassung entgegen, dass
es – wie die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid ausführt – zur Pflicht gehöre, nach objektiven
Umständen und den persönlichen Verhältnissen dafür zu sorgen, dass
keine Zahlungsunfähigkeit eintrete (Hinweis auf ZAK 1985 E.5 S. 580
ff.), da bei der Verletzung dieser Pflicht auch Widerrechtlichkeit vorliege,
wenn keine AHV-Vorschriften verletzt seien. Angesichts des in casu
gegebenen – und unbestritten gebliebenen – Verstosses gegen die
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beitragsrechtlichen Bestimmungen von AHVG und AHVV erübrigen
sich Weiterungen zum Vorbringen der Beschwerdeführerin.
3.2.3. Im Jahr 2017 war die Beschwerdeführerin alleiniges
Verwaltungsratsmitglied mit Einzelunterschrift der C._ AG (vgl.
Akten der Beschwerdegegnerin betreffend A._ [Bg-act.–A._]
6 S. 1). Als solches traf sie die Pflicht, ihre Aufgaben mit aller Sorgfalt
zu erfüllen und die Interessen der Gesellschaft in guten Treuen zu
wahren (Art. 717 Abs. 1 OR). Gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 1, 3 und 5
OR hat der Verwaltungsrat die folgenden unübertragbaren und
unentziehbaren Aufgaben: die Oberleitung der Gesellschaft und die
Erteilung der nötigen Weisungen; die Ausgestaltung des
Rechnungswesens, der Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung,
sofern diese für die Führung der Gesellschaft notwendig ist; und die
Oberaufsicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Personen,
namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten,
Reglemente und Weisungen. Angesichts dieser unübertragbaren und
unentziehbaren Aufgaben ist die Verletzung der Meldepflicht (Art. 35
AHVV) und der Abrechnungs- und Zahlungspflicht (Art. 14 und 51
AHVG i.V.m. Art. 34 ff. AHVV) der C._ AG bezüglich der
Sozialversicherungsbeiträge auf den im Jahr 2017 für die zwei
Mitarbeiterinnen G._ und I._ (vgl. Bg-act.–P._ 8 S. 3)
ausbezahlten Löhnen der C._ AG als Arbeitgeberin wie auch der
Beschwerdeführerin als einzigem formellem Organ anzulasten, womit
die Haftungsvoraussetzung der Widerrechtlichkeit bzw.
Pflichtverletzung zu bejahen ist.
3.3.1. Was die Haftungsvoraussetzung des Verschuldens anbelangt, statuiert
Art. 52 Abs. 1 AHVG eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht.
Sowohl den Arbeitgeber wie auch das allfällige Arbeitgeberorgan muss
ein Verschulden treffen; verlangt wird somit ein doppeltes oder
zweistufiges Verschulden (vgl. REICHMUTH, a.a.O., Rz. 535; KIESER,
- 17 -
a.a.O., Rz. 40 zu Art. 52 AHVG; BGE 136 V 268 E.3 zum qualifizierten
Verschulden). Art. 52 Abs. 1 AHVG setzt weiter für die Haftbarkeit des
Arbeitgebers voraus, dass die Missachtung von Vorschriften in
absichtlicher oder grobfahrlässiger Weise erfolgt ist. Die Abrechnungs-
und Beitragspflichten treffen subsidiär zur juristischen Person die
natürlichen Personen, die eine Organstellung innehaben (BGE 114 V
219 E.3c). Es ist abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der
Unternehmung einem Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und
faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ
schuldhaft handelt, hängt demnach entscheidend von der
Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen
Person übertragen wurden (vgl. NEDI, a.a.O, S. 146 ff.). Wenn auch die
Sorgfaltspflicht der Organe einer Aktiengesellschaft grundsätzlich
streng ist, ist doch das Ausmass der Sorgfaltspflicht nach den
Verhältnissen im Einzelfall zu beurteilen (vgl. KIESER, a.a.O., Rz. 43 ff.
zu Art. 52 AHVG). Das Mass der zu verlangenden Sorgfalt ist
abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den
kaufmännischen Belangen jener Arbeitskategorie, welcher der
Betroffene angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss.
Die Differenzierung des Sorgfaltsmasstabs richtet sich nach der
Organisation und Rechtsform des Arbeitgebers, sie ist nicht abhängig
von der Branche der Gesellschaft oder der Berufsgattung des Organs
(vgl. dazu BGE 108 V 199 E.3a; FREY/MOSIMANN/BOLLINGER, a.a.O.,
Rz. 4 und 14 f. zu Art. 52 AHVG; siehe dazu auch FORSTER, a.a.O.,
Rz. 11.22 f.). Vom Verwaltungsratspräsidenten, der einziges
ausführendes Organ einer Gesellschaft ist, ist ein höheres Mass an
Sorgfalt zu verlangen als vom Organ eines Grossunternehmens,
dessen Kontrollmöglichkeiten eingeschränkt sind. Demnach ist nicht
jede Verletzung der öffentlich-rechtlichen Aufgaben einer Arbeitgeberin
ohne Weiteres als qualifiziertes Verschulden ihrer Organe zu werten;
vielmehr wird ein Normverstoss von einer gewissen Schwere verlangt.
- 18 -
Der Verwaltungsrat kann sich aber seiner Überwachungspflicht im
Sinne von Art. 716a OR durch eine Delegation seiner
Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnisse an Dritte nicht
entledigen. Auch wenn sich das Verwaltungsratsmitglied auf die
Überprüfung der Tätigkeit der Geschäftsleitung und des
Geschäftsganges beschränken darf, wird diesbezüglich verlangt, dass
es sich laufend über den Geschäftsgang informiert, Rapporte verlangt
und sie sorgfältig studiert, nötigenfalls ergänzende Auskünfte beizieht
und Irrtümer abzuklären versucht. Massgebend sind dabei die
gesetzlich nicht übertragbaren Pflichten des Verwaltungsrates (siehe
dazu FREY/MOSIMANN/BOLLINGER, a.a.O, Rz. 15 zu Art. 52 AHVG;
KIESER, a.a.O., Rz. 41 ff. zu Art. 52 AHVG m.H.).
3.3.2. Passivität trotz möglicher Kenntnis ausstehender Beitragszahlungen ist
als grobfahrlässig zu bewerten. Auch der nicht geschäftsführende
Verwaltungsrat untersteht einer strengen Aufsichts- und Kontrollpflicht.
So ist es zulässig, den Verkehr mit der Ausgleichskasse z.B. an eine
Treuhandfirma zu delegieren, was aber nicht von der
Überwachungspflicht entbindet, dass die Pflichten auch ausgeführt
werden (vgl. FREY/MOSIMANN/BOLLINGER, a.a.O., Rz. 15 zu Art. 52
AHVG; KIESER, a.a.O., Rz. 95 zu Art. 52 AHVG; BGE 108 V 199 E.3;
Urteil des Bundesgerichts 9C_906/2017 vom 21. Juni 2018 E.4.2.2 mit
Hinweis auf 9C_651/2012 vom 15. Mai 2013 E.6.2). Als Kriterien der
Beurteilung des Verschuldens werden u.a. die Organisation und
Aufgabendelegierung innerhalb des Arbeitgebers, die Passivität des
Arbeitgebers und seiner Organe, die Dauer der Beitragsausstände
sowie die Unternehmensgrösse berücksichtigt (vgl. NEDI, a.a.O.,
S. 148). Strengere Anforderungen an die Überwachungs- und
Kontrollpflichten gelten bei Kleinunternehmen. Es wird vom
zuständigen Organ erwartet, über sämtliche Belange der Gesellschaft
inklusive des Beitragswesens im Bilde zu sein, selbst wenn die
- 19 -
Befugnisse delegiert wurden (vgl. NEDI, a.a.O., S. 149). Wenn eine
Gesellschaft bei objektiver Betrachtung durch einfache und leicht
überschaubare Betriebsverhältnisse (wenige Angestellte, einfache
Verwaltungsstruktur) gekennzeichnet ist, so ist ein strenger
Sorgfaltsmassstab anzulegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_763/2018 vom 16. Juli 2019 E.4.1.1).
3.3.3. Die Ausgleichskasse, welche feststellt, dass sie einen durch
Missachtung von Vorschriften entstandenen Schaden erlitten hat, darf
rechtsprechungsgemäss allerdings davon ausgehen, dass die
Vorschriften absichtlich oder mindestens grobfahrlässig verletzt
wurden, sofern keine Rechtfertigungs- oder Exkulpationsgründe
gegeben sind (siehe BGE 119 V 401 E.4a, 108 V 199 E.1; Urteile des
Bundesgerichts 9C_906/2017 vom 21. Juni 2018 E.4.2.3, 9C_599/2017
vom 26. Juni 2018 E.4.2.1 ff.; vgl. FREY/MOSIMANN/BOLLINGER, a.a.O.,
Rz. 12 zu Art. 52 AHVG; NUSSBAUMER, Die Haftung des
Verwaltungsrates nach Art. 52 AHVG [Haftung des Verwaltungsrates],
in: AJP 1996, S. 1071 ff., 1077 f. Fn. 93 mit Hinweisen auf BGE 108 V
186 E.1b). Unerheblich ist, dass die Beiträge in Ermangelung
finanzieller Mittel nicht bezahlt worden sind, denn für die Beurteilung der
Haftbarkeit der Beschwerdeführerin kommt es nicht darauf an, dass die
Gesellschaft nicht über ausreichende materielle Mittel verfügte (vgl.
ZAK 1985 E.4 S. 621 f.). Entscheidend ist vielmehr, ob sie infolge
Verschuldens der Beschwerdeführerin nicht in der Lage war, ihrer
Zahlungspflicht gegenüber der Ausgleichskasse nachzukommen (BGE
109 V 86 E.5f.).
Der Begriff der Grobfahrlässigkeit im Sinne von Art. 52 AHVG ist gleich
zu verstehen wie im übrigen Haftpflicht- und Versicherungsrecht.
Grobfahrlässig handelt, wer eine elementare Vorsichtsmassnahme
missachtet bzw. ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen
in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte
- 20 -
einleuchten müssen. Die Verschuldensfrage wird primär nach den
Umständen beurteilt, die zum Zahlungsrückstand geführt haben (BGE
124 V 255 E.3b); dabei stellt der Normverstoss von einer gewissen
Schwere eine grobe Fahrlässigkeit im Sinne von Art. 52 AHVG dar (vgl.
zum Ganzen KIESER, a.a.O., Rz. 41 ff. zu Art. 52 AHVG m.H.). Gemäss
Urteil des Bundesgerichts 9C_312/2021 vom 8. November 2021
E.3.2.2. ist es – allenfalls abgesehen von kurzfristigen Ausständen –
grobfahrlässig, Löhne zu bezahlen, wenn die darauf geschuldeten AHV-
Beiträge nicht gedeckt sind. Solches Verhalten ist den verantwortlichen
Organen grundsätzlich als qualifiziertes Verschulden zuzurechnen, was
die volle Schadenersatzpflicht nach sich zieht, sofern ein adäquater
Kausalzusammenhang zwischen der schuldhaften Verletzung von
Vorschriften und dem Schadenseintritt besteht und die
Ausgleichskasse kein Mitverschulden trifft. Der Grund für diese Praxis
liegt in der besonderen Natur der AHV-Beiträge, hinsichtlich welcher der
Arbeitgeber die Funktion eines Vollzugsorgans ausübt (Art. 51 AHVG).
Daraus resultiert eine besondere Pflicht, für die ordnungsgemässe
Bezahlung der Beiträge zu sorgen (vgl. auch KIESER, a.a.O., Rz. 48 ff.
zu Art. 52 AHVG).
3.3.4. Die Beschwerdegegnerin macht zumindest grobfahrlässiges
Verschulden der Beschwerdeführerin geltend, weil die C._ AG
bzw. die Beschwerdeführerin als deren Organ von den rechtlichen
Verpflichtungen – gerade auch im Beitragswesen – Kenntnis haben
musste und dennoch das gebotene Handeln unterliess. Die
Beschwerdeführerin wiederum macht bezüglich Verschulden geltend,
dass sie lediglich für die Organisation des Anlasses, nicht aber für das
Finanzielle verantwortlich gewesen sei, weil diesbezüglich ein
Finanzchef und eine Treuhänderin geamtet hätten. Zudem sei die
C._ AG keine gewinnorientierte AG gewesen, es sei vielmehr
ehrenamtlich gearbeitet worden. Ihr könne somit höchstens leichte
- 21 -
Fahrlässigkeit, jedoch keine grobe Fahrlässigkeit (geschweige denn
Absicht) vorgeworfen werden, so dass kein haftungsrechtlich
relevantes Verschulden vorliege.
3.3.5. Die Argumentation der Beschwerdeführerin verfängt nicht. Im
vorliegenden Fall handelt es sich bei der C._ AG um ein kleines
Unternehmen mit einfacher, überschaubarer Verwaltungsstruktur. Die
Beschwerdeführerin war als Verwaltungsrätin einziges formelles Organ
(vgl. Bg-act.–A._ 6 S. 1) und im Jahr 2017 arbeiteten lediglich zwei
Angestellte für die Gesellschaft. Aufgrund ihrer alleinigen Organstellung
bzw. ihrer Funktion als alleinige Verwaltungsrätin mit dem
entsprechenden Pflichtenheft (Art. 717 OR und Art. 716a OR) und der
einfachen, überschaubaren Verwaltungsstruktur, oblag ihr der
Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma, inklusive
Beitragswesen. Zwar erhielten die beiden Angestellten ihren Lohn
während des Jahres 2017, doch unterliess es die Beschwerdeführerin
pflichtwidrig, für die Meldung der Löhne im Jahr 2017 an die
Beschwerdegegnerin besorgt zu sein, obschon die C._ AG – kurz
nach ihrem Handelsregistereintrag und mit der Beschwerdeführerin als
Verwaltungsratspräsidentin – bereits mit Schreiben vom 26. Januar
2016 auf ihre Meldepflicht aufmerksam gemacht worden war (vgl. Bg-
act.–P._ 4). Auch war sie nicht für die periodische Abrechnung und
die Bezahlung der (Akonto-)Beiträge besorgt, obschon sie für die
Bezahlung dieser Beiträge hätte sorgen müssen. Indem die
Beschwerdeführerin diese Sorgfaltspflicht missachtete, hat sie ausser
Acht gelassen, ˮwas jedem verständigen Menschen in gleicher Lage
und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten
müssenˮ. Bei pflichtgemässer Ausübung ihrer Sorgfalts-, Oberleitungs-
und Überwachungspflichten als Verwaltungsratsmitglied der C._
AG hätte die Beschwerdeführerin mit erhöhter Aufmerksamkeit für die
Meldung und die Begleichung der ausstehenden
- 22 -
Sozialversicherungsbeiträge für die Mitarbeitenden der C._ AG
sorgen müssen. Es ist den Akten nichts zu entnehmen, wonach sich die
Beschwerdeführerin jemals um diese Thematik gekümmert hätte. Diese
Passivität stellt eine Verletzung ihrer Sorgfalts-, Oberleitungs- und
Überwachungspflichten als Verwaltungsratsmitglied dar, welche ihr
zumindest als grobfahrlässiges Verhalten vorwerfbar ist. Es wurden
weder Umstände substanziiert dargetan, welche ihr Verhalten als
berechtigt oder entschuldbar erscheinen liessen, noch ergeben sich
hierfür irgendwelche Anhaltspunkte aus den Akten (vgl. BGE 108 V 199
E.3b). So greift auch nicht der Exkulpationsgrund, wonach
rechtsprechungsgemäss die vorübergehende Nichtbezahlung der
Beiträge ausnahmsweise rechtmässig erscheint, wenn bei
ungenügender Liquidität eine Arbeitgeberin zunächst für das Überleben
des Unternehmens wesentliche andere Forderungen (insbesondere
solche der Arbeitnehmer und Lieferanten) befriedigt, sofern sie auf
Grund der objektiven Umstände und einer seriösen Beurteilung der
Lage annehmen darf, sie werde die geschuldeten Beiträge innert
nützlicher Frist nachzahlen können (BGE 108 V 183 E.2, bestätigt in
BGE 121 V 243; 132 III 523 E.4.6; vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_538/2019 vom 19. Juni 2020 E.6.2, 9C_436/2016 vom 26. Juni
2017 E.8.2, 9C_330/2010 vom 18. Januar 2011 E.3.4; ZAK 1992 E.4b
S. 248). Eine relativ kurze Dauer des Beitragsausstandes schliesst
zwar ein grobes Verschulden nicht zwingend aus, kann aber für sich
allein – in Abwesenheit anderer Umstände – nicht als grobfahrlässig
gewertet werden (BGE 121 V 243 E.4b). Eine kurze Dauer bzw.
ˮnützliche Fristˮ in diesem Sinne ist z.B. überschritten, wenn die
Beitragszahlungspflicht über ein Jahr lang verletzt wird (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 9C_436/2016 vom 26. Juni 2017 E.8.2, 9C_311/2015
vom 9. Juli 2015 E.4.1, 9C_111/2007 vom 17. September 2007 E.3.1),
zumal wenn dabei kein gezieltes, auch in zeitlicher Hinsicht konkretes
Sanierungskonzept vorliegt (vgl. Urteil des Eidgenössischen
- 23 -
Versicherungsgerichts [EVGE] H 34/02 vom 4. März 2004 E.5.2) oder
wenn eine Sanierung erst nach einem jahrelang defizitären
Geschäftsgang erwartet werden kann (vgl. EVGE H 295/02 vom
2. Dezember 2003 E.5.2.1). Nicht entschuldbar ist die
Beitragsrückbehaltung, wenn eine Sanierung überhaupt nicht ernsthaft
erwartet werden kann (vgl. EVGE H 28/84 vom 21. August 1985 E.3;
siehe zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 9C_330/2010 vom
18. Januar 2011 E.3.4).
Als Verwaltungsrätin und Organisationspräsidentin konnte sich die
Beschwerdeführerin trotz Beizugs eines Finanzchefs und einer
Treuhänderin ihrer Sorgfalts-, Oberleitungs- und
Überwachungspflichten – zu welchen das Beitragswesen für die im Jahr
2017 ausbezahlten Löhne gehörte – nicht entledigen. Sie verhielt sich
passiv, so dass es ihr gerade im relevanten Jahr 2017 nicht aus einer
ˮÜberlebens-Strategieˮ für die C._ AG heraus darum ging, andere
Forderungen vorzuziehen, weil objektive und ernsthafte Gründe
bestanden hätten, die ausstehenden Beiträge innert nützlicher Frist
bezahlen zu können. Eine Sanierung war in jenem Jahr 2017 kein
Thema. Die Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sanierende
Massnahmen zu ergreifen, liess die Beschwerdeführerin vermissen,
was umso gravierender ist, als dass der Sponsor F._ seinen
Sponsorenbeitrag bereits im Jahr 2016 nicht bezahlt hatte (vgl. Bg-act.–
P._ 49). Auch betraf der Ausstand nicht eine kurze Dauer, sondern
das gesamte Jahr 2017.
3.3.6. Als Exkulpationsgrund nennt die Beschwerdeführerin den Umstand,
dass nicht sie, sondern ein Finanzchef bzw. eine Treuhänderin für das
Finanzielle verantwortlich gewesen sein sollen. Dazu ist festzuhalten,
dass es zwar zulässig ist, den Verkehr mit der Ausgleichskasse z.B. an
einen Geschäftsführer oder eine Treuhänderin zu delegieren, dass dies
aber nicht von der Pflicht entbindet, die Einhaltung der Lohnabrechnung
- 24 -
zu überwachen (vgl. BGE 108 V 199 E.3.a und 3.b; Urteile des
Bundesgerichts 9C_619/2015 vom 13. November 2015 E.5.2,
9C_804/2011 vom 30. November 2011). Selbst die Ehrenamtlichkeit ist
kein Rechtfertigungsgrund und stellt keinen Grund für eine weniger
strenge Haftung dar. Die Ehrenamtlichkeit führt nicht dazu, dass die
Organpflichten weniger sorgfältig wahrgenommen werden dürfen und
ändert nichts daran, dass auf ausbezahlten Löhnen
Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden müssen; sie ändert nichts
an der Verantwortung gemäss Art. 52 AHVG (vgl. KIESER, a.a.O.,
Rz. 63 zu Art. 52 AHVG; REICHMUTH, a.a.O., Rz. 719 f. m.w.H.).
3.3.7. Zu ihrer Exkulpation macht die Beschwerdeführerin überdies implizit ein
Mitverschulden der Beschwerdegegnerin geltend, da diese von den
finanziellen Schwierigkeiten der C._ AG seit der Nichtbezahlung
der Beiträge bis März 2018 bzw. aufgrund der breiten medialen
Berichterstattung im Frühjahr 2018 über das ˮAusˮ der C._ AG
Kenntnis gehabt hätte. Nach der Rechtsprechung ist ein Mitverschulden
der Ausgleichskasse gegeben, wenn sich die Verwaltung einer groben
Pflichtverletzung schuldig gemacht hat, was namentlich dann der Fall
ist, wenn sie elementare Vorschriften der Beitragsveranlagung und des
Beitragsbezugs missachtet hat, und wenn zwischen dem
rechtswidrigen Verhalten und dem Schaden ein adäquater
Kausalzusammenhang besteht (vgl. KIESER, a.a.O., Rz. 34 ff. und 71 ff.
zu Art. 52 AHVG; NEDI, a.a.O., S. 149; EVGE H 235/03 vom 2. März
2004 E.7 mit Hinweisen). Die Frage eines allfälligen Mit- bzw.
Selbstverschuldens der Ausgleichskasse ist ohne Einfluss auf die
Verpflichtung des Arbeitgebers, für die Beitragsabrechnung und –
zahlung besorgt zu sein und vermag daher den Kausalzusammenhang
zwischen dem pflichtwidrigen Verhalten und dem eingetretenen
Schaden nicht zu unterbrechen (vgl. Urteil des Kantonsgerichts des
Kantons Luzern 5V 13 308 vom 20. Mai 2014 E.5.3.3.1). Eine grobe
- 25 -
Pflichtverletzung seitens der Ausgleichskasse kann jedoch dazu führen,
dass die Ersatzpflicht in sinngemässer Anwendung von Art. 44 Abs. 1
OR ermessensweise herabgesetzt wird, ohne sie jedoch ganz
wegzudenken (vgl. BGE 122 V 185 E.3c). Es sind vorliegend aber keine
Anhaltspunkte ersichtlich, wonach die Beschwerdegegnerin elementare
Vorschriften missachtet hätte, indem sie die finanziell angespannte
Lage der C._ AG im Jahr 2017 hätte erkennen können, denn die
Lohnmeldung obliegt der Arbeitgeberin und es ist nicht Aufgabe der
Beschwerdegegnerin, die Gesellschaft bzw. deren Organe auf einen
drohenden Schaden aufmerksam zu machen. Vor diesem Hintergrund
lässt sich festhalten, dass ein Mitverschulden der Beschwerdegegnerin
und damit auch eine Reduktion der Haftung der Beschwerdeführerin
entfallen. Die Rechtsauffassung der Beschwerdeführerin, wonach ein
Verschulden nur vorläge, wenn vorab das Geld für die AHV-Beiträge
vorhanden gewesen wäre und diese vor den Lohnzahlungen hätten
bezahlt werden können (siehe Beschwerde Rz. 14 S. 7), geht fehl. Es
ist somit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihre
Pflichten zumindest grobfahrlässig verletzt hat. Damit ist auch die
Haftungsvoraussetzung des Verschuldens zu bejahen.
3.4.1. Zwischen dem bei der Beschwerdegegnerin eingetretenen Schaden
und dem pflichtwidrigen Verhalten des Arbeitgebers muss sodann ein
adäquater Kausalzusammenhang bestehen (BGE 119 V 406 E.4a). Ein
Ergebnis hat dann als adäquate Ursache eines Schadens zu gelten,
wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach allgemeiner
Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg in der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs durch das
Ereignis also allgemein als begünstigt erscheint (vgl. BGE 128 V 124
E.4 f., 125 V 456 E.5a). Daran fehlt es, wenn auch ein pflichtgemässes
Verhalten den Schaden nicht hätte verhindern können (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_599/2017 vom 26. Juni 2018 E.4.3.1.1). Oder wenn
- 26 -
der Ausgleichskasse eine grobe Pflichtverletzung wie die Missachtung
elementarer Vorschriften der Beitragsveranlagung und des
Beitragsbezugs vorzuwerfen ist, was für die Entstehung oder
Verschlimmerung des Schadens adäquat kausal war. In diesem Fall
kann der Schadenersatz ermessensweise herabgesetzt werden (vgl.
NEDI, a.a.O., S. 151). Letzteres wurde indes bereits verneint (siehe
oben Erwägung E.3.3.7).
3.4.2. Die Beschwerdeführerin verweist auf den fehlenden adäquaten
Kausalzusammenhang unter Hinweis auf die geschilderten Umstände
(vgl. Beschwerde Rz. 14 S. 7, Rz. 19 S. 10 [z.B. Abspringen des
Sponsors F._, Reduktion der Sponsorengelder des
Hauptsponsors J._ um CHF 200'000.--, Verlegung des
Austragungsorts auf die hintere Wiese hinter dem Hotel K._ mit
dadurch notwendigen neuen Investitionen]). Die Beschwerdegegnerin
bejaht dagegen den adäquaten Kausalzusammenhang, da die
Beschwerdeführerin durch die Wahrnehmung ihrer Pflichten den Eintritt
des Schadens hätte verhindern können.
3.4.3. Vorliegend hat trotz der geschilderten Umstände ohne Zweifel das
pflichtwidrige Verhalten der C._ AG bzw. der Beschwerdeführerin
als Verwaltungsratsmitglied dazu geführt, dass Beitragszahlungen für
die im Jahr 2017 ausbezahlten Löhne erst aufgrund der Meldung im
Januar 2018 berechnet werden und mangels Liquidität nicht geleistet
werden konnten. Wäre die C._ AG bzw. die Beschwerdeführerin
als Verwaltungsratsmitglied ihren Melde-, Abrechnungs- und
Zahlungspflichten rechtzeitig nachgekommen und wären die Löhne nur
insoweit ausbezahlt worden, als die darauf geschuldeten Abgaben bei
Fälligkeit hätten beglichen werden können, wäre der Schaden nicht
eingetreten bzw. geringer ausgefallen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_789/2018 vom 1. Mai 2019 E.3.4). Die Unterlassungen der C._
AG bzw. der Beschwerdeführerin als Verwaltungsratsmitglied waren
- 27 -
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen
Lebenserfahrung geeignet, den eingetretenen Erfolg (Schaden)
herbeizuführen. Der adäquate Kausalzusammenhang ist somit
ebenfalls zu bejahen.
3.4.4. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sämtliche
Haftungsvoraussetzungen gemäss Art. 52 AHVG gegenüber der
Beschwerdeführerin erfüllt sind. Demgemäss ist die Beschwerde
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
3.5 In antizipierter Beweiswürdigung erübrigen sich weitere
Beweismassnahmen wie z.B. die Einholung einer schriftlichen Auskunft
der Gemeinde E._ (vgl. Beschwerde Rz. 4 S. 3), da daraus keine
entscheidrelevanten Erkenntnisse gewonnen würden (vgl. BGE 144 V
361 E.6.5, 136 I 229 E.5.3).
4.1. In Anwendung der geänderten Praxis des Verwaltungsgerichts (vgl.
dazu VGU S 21 48 vom 8. Februar 2022 E.4.1. ff. und S 21 49 vom
8. Februar 2022 E.3.1. ff.) richtet sich die Kostenpflicht und der
Kostenrahmen von versicherungsgerichtlichen Verfahren gemäss
Art. 61 ATSG bei Verfahren mit Einleitung ab dem 1. Januar 2021
(Art. 82a ATSG) im Anwendungsbereich des ATSG, die nicht als
Leistungsstreitigkeiten im Sinne von Art. 61 lit. fbis ATSG gelten, wie
insbesondere Beitragsstreitigkeiten, grundsätzlich nach dem
kantonalen Recht und somit nach den allgemeinen
Kostenverlegungsgrundsätzen für Rechtsmittel- und Klageverfahren
vor dem Verwaltungsgericht (Art. 72 ff. VRG). Die Staatsgebühr beträgt
in der Regel höchstens CHF 20'000.-- und richtet sich nach dem
Umfang und der Schwierigkeit der Sache sowie nach dem Interesse
und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Kostenpflichtigen. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten von
CHF 1'000.-- grundsätzlich durch die unterliegende
- 28 -
Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 73 Abs. 1 VRG). Zu prüfen bleibt
damit, ob das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche
Rechtspflege gutzuheissen ist.
4.2. Nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die
erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur
Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf
einen unentgeltlichen Rechtsbeistand. Diese Regelung wird für das
sozialversicherungsrechtliche Beschwerdeverfahren in Art. 61 lit. f
ATSG konkretisiert. Demnach muss das Recht, sich verbeiständen zu
lassen, gewährleistet sein. Wo die Verhältnisse es rechtfertigen, wird
der Beschwerde führenden Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand
bewilligt (siehe auch BGE 135 I 1 E.7.1).
4.3. Aufgrund der von der Beschwerdeführerin gemachten Angaben über
ihre finanzielle Situation ist deren Bedürftigkeit als ausgewiesen zu
erachten. Gemäss Lohnausweis der Hotel Rest. L._ GmbH,
M._, vom 16. November 2020, erzielte die Beschwerdeführerin
von Mai bis Oktober 2020 Einnahmen von insgesamt CHF 25'144.--.
Die Beschwerdeführerin deklarierte gegenüber der Steuerbehörde am
5. Februar 2021, d.h. vor Erlass der Schadenersatzverfügung vom
30. April 2021, ein steuerbares Einkommen von CHF 4'805.-- (Kanton
und Gemeinde) bzw. CHF 14'437.-- (Bund) sowie ein steuerbares
Vermögen von CHF 0.--. Die Beschwerdeführerin erhielt im Jahr 2020
eine Prämienverbilligung in der Höhe von CHF 4'325.-- zugesprochen
(vgl. Auszug der Helsana für die Steuererklärung 2020) und im Jahr
2021 mutmasslich in der Höhe von CHF 4'524.--. Aus der
Steuererklärung 2020 ergibt sich zudem, dass die Beschwerdeführerin
Privatschulden in der Höhe von CHF 9'842.-- hat und darauf
Schuldzinsen von CHF 1'009.-- bezahlt. Weiter ergibt sich aus den
- 29 -
Akten, dass die Beschwerdeführerin zu Beginn des Jahres 2021
offenbar arbeitslos war, weshalb sie sich (erfolglos) an die
Arbeitslosenkasse des Kantons Graubünden wandte und das
Sozialamt kontaktierte (vgl. Bg-act.–A._ 3 S. 15-17).
Massgebende Veränderungen in der finanziellen Situation der
Beschwerdeführerin, welche eine Prozessarmut ausschliessen würden,
sind keine ersichtlich. Da die Streitsache zudem nicht als von
vornherein aussichtslos bezeichnet werden kann und die
rechtsunkundige Beschwerdeführerin zur Wahrnehmung ihrer Rechte
auf einen fachkundigen Rechtsbeistand angewiesen war, ist dem
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zu entsprechen und ihr ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bewilligen.
4.4. Ausgangspunkt für die Kostenübernahme der Rechtsvertretung bildet
die Honorarnote von Rechtsanwalt Dr. iur. Hans Joos vom
8. September 2021, worin dieser eine Entschädigung von insgesamt
CHF 3'444.40 geltend macht (Honorar nach Zeitaufwand von
CHF 3'105.-- [= 11.5 Std. à CHF 270.--] + Barauslagen von CHF 93.15
+ 7.7 % MWST von CHF 246.25; vgl. Bf-act. 14).
Die Bemessung der Entschädigung der unentgeltlichen
Rechtsvertretung richtet sich nach kantonalem Recht (siehe BGE 131
V 153 E.6.1; Urteile des Bundesgerichts 9C_433/2019 vom 25. März
2020 E.4.1, 9C_378/2016 vom 28. Juni 2016 E.3.1 und 8C_48/2016,
8C_49/2016 vom 15. März 2016 E.4.1.1; KIESER, ATSG-Kommentar,
4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Rz. 194 zu Art. 61) und damit
vorliegend nach der Anwaltsgesetzgebung (Art. 76 Abs. 3 VRG). Nach
Art. 5 Abs. 1 Satz 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars
der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung [HV];
BR 310.250) beträgt das Honorar für den berechtigten Aufwand im
Rahmen der bewilligten unentgeltlichen Vertretung CHF 200.-- pro
Stunde zuzüglich notwendige Barauslagen und Mehrwertsteuer. Die in
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der Leistungsaufstellung vom 8. September 2021 geltend gemachten
11.5 Stunden umfassen u.a. insgesamt 5 Stunden für das Studium der
Schadenersatzverfügung vom 30. April 2021, für die Einsprache und für
das Studium des Einspracheentscheids vom 22. Juni 2021. Die vom
Rechtsvertreter eingereichte Honorarnote enthält damit Positionen, die
sich auf die Zeit vor dem vorliegenden Beschwerdeverfahren beziehen
(Studium der Schadenersatzverfügung und Einsprache), so dass die
Honorarnote – wie die Beschwerdegegnerin zu Recht in der Duplik
angemerkt hat – zu kürzen ist. Dem Rechtsvertreter sind demnach
insgesamt 7 Stunden Aufwand zuzugestehen, bestehend aus
(gekürzten) 0.5 Stunden für das Studium des Einspracheentscheides,
sowie die geltend gemachten 5 Stunden für das Verfassen der
Beschwerdeschrift und weitere 1.5 Stunden für das Studium der
Vernehmlassung mitsamt Verfassen der Replik. Die so korrigierte
Honorarnote des Rechtsvertreters beläuft sich demnach auf total
CHF 1'553.-- (bestehend aus: 7 Stunden à CHF 200.-- [CHF 1'400.--]
zzgl. praxisgemässe 3 % Pauschalspesen [CHF 42.--] und 7.7 %
MWST [CHF 111.--]).
4.5. Damit gehen die Gerichtskosten in der Höhe von CHF 1'000.-- sowie
die Entschädigung im Betrag von CHF 1'553.-- für Rechtsanwalt Dr. iur.
Hans Joos in Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (vorläufig)
zu Lasten der Gerichtskasse. Hinzuweisen bleibt auf den Vorbehalt in
Art. 77 VRG, wonach die erlassenen Gerichtskosten und die Kosten für
den unentgeltlichen Rechtsbeistand zu erstatten sind, wenn sich die
Einkommens- oder Vermögensverhältnisse der Beschwerdeführerin
dereinst verbessern sollten.
4.6. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht keine
Parteientschädigung zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).
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