Decision ID: 6b17cee3-c531-4003-a5de-615810a0964d
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Hausfriedensbruch etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 6. Dezember 2018 (DG180179)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. Juli 2018
(Urk. DS1/17) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte C._ ist schuldig
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Dossier 6),
− der mehrfachen Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286
StGB (Dossier 2 und 3),
− der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB (Dossier 4
und 5) sowie
− der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von
Art. 285 Ziff. 1 StGB (Dossier 5).
2. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen vom Vorwurf
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Dossier 1) sowie
− der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von
Art. 285 Ziff. 1 StGB (Dossier 4).
3. In Bezug auf die Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB (Dossier 5) wird
auf eine Bestrafung verzichtet.
4. Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 3 Tage durch Haft erstanden sind.
5. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom
12. November 2015 ausgefällten Strafe von 240 Stunden gemeinnütziger
Arbeit, wovon 5 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind, wird wider-
rufen. Die gemeinnützige Arbeit ist zu leisten.
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6. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Obergerichtes des Kan-
tons Zürich vom 4. April 2017 ausgefällten Geldstrafe von 160 Tagessätzen
zu Fr. 10.– wird widerrufen.
7. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der unter Ziffer 6 widerrufenen Strafe
bestraft mit einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu Fr. 10.– als , wovon 19 Tagessätze als durch Untersuchungshaft verbüsst gelten.
8. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
4 Jahre festgesetzt.
9. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
10. Die von der Stadtpolizei Zürich am 23. Februar 2017 im Rahmen von Dossi-
er 2 sichergestellten Effekten des Beschuldigten werden diesem nach Eintritt
der Rechtskraft dieses Entscheids innert einer Frist von drei Monaten auf
erstes Verlangen hin herausgegeben, ansonsten sie der Lagerbehörde zur
Vernichtung überlassen werden.
11. Die von der Stadtpolizei Zürich im Rahmen von Dossier 5 sichergestellte
Herrenhose (Asservat-Nr. A010'815'017) wird dem Privatkläger D._
nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids innert einer Frist von drei
Monaten auf erstes Verlangen hin herausgegeben, ansonsten sie der La-
gerbehörde zur Vernichtung überlassen wird.
12. Die von der Stadtpolizei Zürich im Rahmen von Dossier 4 sichergestellte
Spuren Fotografie (Asservaten-Nr. A010'564'202) sowie die DNA-Spur-
Körpersekret (Asservaten-Nr. A010'564'213) werden der Lagerbehörde nach
Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides zur Vernichtung überlassen.
13. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin A._ Fr. 100.– zu-
züglich 5 % Zins ab 3. Juli 2017 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbe-
trag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
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14. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 100.– zu-
züglich 5 % Zins ab 3. Juli 2017 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbe-
trag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
15. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers D._ wird abgewiesen.
16. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.– Gebühr Anklagebehörde Fr. 20.– Kosten Kantonspolizei Zürich Fr. 212.50 Gutachten/Expertisen etc. Fr. 40.– Entschädigung Zeuge Fr. 14'624.50 amtliche Verteidigung (RA Y2._)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
17. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
im Umfang von fünf Sechsteln auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse
genommen.
18. Die amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt lic. iur. Y2._, wird mit
Fr. 14'624.50 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten
bleibt eine Nachforderung im Umfang von fünf Sechsteln gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Vertreter der Privatkläger 2 und 3:
(Urk. 65 S. 1 und Urk. 88 S. 1, schriftlich)
1. Der Freispruch von C._ im Erkenntnis gemäss Dispositiv Ziffer 2
in Bezug auf Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamten im
Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB (Dossier 4) sei aufzuheben.
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2. C._ sei im Erkenntnis gemäss Dispositiv Ziffer 1 der Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamten im Sinne von Art. 285 Ziff. 1
StGB (Dossier 4) beziehungsweise des Versuchs dazu schuldig zu
sprechen.
3. Die Zivilforderungen der Privatkläger A._ und B._ seien
vollumfänglich gutzuheissen. Das Erkenntnis gemäss Dispositiv Ziffern
13 und 14 sei entsprechend abzuändern.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 63 S. 1 f. und Urk. 89 S. 1, sinngemäss)
1. Der Beschuldigte sei zusätzlich bezüglich des Vorfalls in Dossier 4 der
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von
Art. 285 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Er sei zusätzlich mit einer Freiheitsstrafe von weiteren drei Monaten zu
bestrafen.
3. Er sei unter Einbezug der unter Ziffer 6 des Vorurteils widerrufenen
Strafe mit einer Geldstrafe von 280 Tagessätzen zu je Fr. 30.– als Ge-
samtstrafe zu bestrafen.
4. Die Freiheitsstrafe sei zu vollziehen und die Geldstrafe zu bezahlen.
5. Dem Beschuldigten seien die Kosten aufzuerlegen.
c) Des Beschuldigten:
(Urk. 90 S. 1, sinngemäss)
1. C._ sei von den Vorwürfen der Gewalt und Drohung freizusprechen
(Dossier 4).
2. C._ sei der Beschimpfung schuldig zu sprechen (Dossier 4).
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3. Für die Schuldsprüche bezüglich Dossier 2, 3, 4, 5 und 6 sei C._
zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 10.–, un-
ter Abzug von 3 Tagessätzen aufgrund der erstandenen Haft.
4. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf
2 Jahre festzusetzen.
5. Weitergehend sei das Erkenntnis des Urteils der Vorinstanz zu bestäti-
gen.
6. Die Kosten für das Berufungsverfahren seien ausgangsgemäss zu ver-
legen.
_

Erwägungen:
1. Prozessverlauf
1.1. Mit Urteil vom 6. Dezember 2018 sprach das Bezirksgericht Zürich,
3. Abteilung, den Beschuldigten schuldig des Hausfriedensbruchs im Sinne von
Art. 186 StGB (Dossier 6), der mehrfachen Hinderung einer Amtshandlung im
Sinne von Art. 286 StGB (Dossier 2 und 3), der mehrfachen Beschimpfung im
Sinne von Art. 177 StGB (Dossier 4 und 5) sowie der Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB (Dossier 5). Im Übrigen,
d.h. betreffend Hausfriedensbruch gemäss Dossier 1 sowie Gewalt und Drohung
gegen Behörden und Beamte gemäss Dossier 4, erfolgte ein Freispruch. In Bezug
auf die Beschimpfung gemäss Dossier 5 verzichtete die Vorinstanz auf eine Be-
strafung. Der Beschuldigte wurde im Übrigen bestraft mit 6 Monaten Freiheitsstra-
fe sowie – unter Einbezug einer widerrufenen (Geld-)Strafe (von 160 Tagesätzen)
– mit einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu Fr. 10.– als Gesamtstrafe. Der
Vollzug der Freiheitstrafe wurde aufgeschoben und die Probezeit auf vier Jahre
festgesetzt. Für die Geldstrafe wurde der Vollzug angeordnet. Überdies wurde der
bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 12. No-
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vember 2015 ausgefällten Strafe von 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit widerru-
fen. Weiter regelte die Vorinstanz die Herausgabe sichergestellter Gegenstände,
sprach den Privatklägern 2 und 3 je eine Genugtuung von Fr. 100.– zu und wies
deren Genugtuungsforderungen im Mehrbetrag und jene des Privatklägers 4 voll-
umfänglich ab. Schliesslich legte die Vorinstanz die Kosten- und Entschädigungs-
folgen fest (Urk. 43).
1.2. Mit Eingabe vom 19. Dezember 2018 meldeten die Privatkläger 2 und 3
rechtzeitig Berufung gegen dieses Urteil an (Urk. 45/1-2; Urk. 46). In der Folge
fertigte die Vorinstanz ein nur teilweise begründetes Urteil aus (Urk. 59 = Urk. 61).
Dieses wurde den Privatklägerin 2 und 3 sowie der Staatsanwaltschaft am
8. März 2019 und dem Beschuldigten am 11. März 2019 zugestellt (Urk. 60/1-2
und Urk. 60/4-5). Mit Eingabe vom 22. März 2019 reichten die Privatkläger 2 und
3 fristgerecht ihre Berufungserklärung ein (Urk. 65). Mit Eingabe vom 3. April
2019 erhob die Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat (nachfolgend Staatsanwalt-
schaft) fristgerecht Anschlussberufung (Urk. 69). Der Beschuldigte verzichtete auf
Anschlussberufung. In der Folge wurden die Parteien auf den 8. Mai 2020 zur Be-
rufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 72).
1.3. Am 5. Mai 2020 erfolgte die Ladungsabnahme (Urk. 77). Mit Beschluss
vom 8. Mai 2020 wurde die Vorinstanz aufgefordert, eine vollständige schriftliche
Begründung des Urteils vom 6. Dezember 2018 nachzureichen. Zudem wurde
das Berufungsverfahren einstweilen bis zum Vorliegen des nachgeforderten Ur-
teils sistiert (Urk. 78). Mit Eingabe vom 8. Dezember 2020 stellte die Vorinstanz
das ergänzte Urteil dem Obergericht zu (Urk. 80 und Urk. 81). Mit Beschluss vom
7. Januar 2021 wurde die einstweilige Sistierung des Berufungsverfahrens aufge-
hoben (Urk. 82). Am 21. Januar 2021 wurden die Parteien zur Berufungsverhand-
lung auf den 6. Juli 2021 vorgeladen (Urk. 84). Anlässlich derselben stellten die
Parteien die eingangs aufgeführten Anträge (siehe auch Prot. II S. 8 ff.).
2. Konstituierung der Privatkläger 2 und 3 - Rechtsmittellegitimation
2.1. Die Privatkläger 2 und 3, A._ und B._, erklärten mit Eingaben
vom 27. resp. 29. September 2017 fristgerecht, sich sowohl als Straf- wie auch
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als Zivilkläger am Strafverfahren beteiligen zu wollen (Urk. DS4/9/1-2;
Urk. DS4/9/5-6).
2.2. Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder
Änderung eines Entscheids hat, kann ein Rechtsmittel ergreifen (Art. 382 Abs. 1
StPO). Die Privatklägerschaft kann Entscheide im Schuld- und im Zivilpunkt mit
Berufung anfechten (Zürcher Kommentar StPO-Lieber, 3. Aufl. 2020, N 14 zu
Art. 382 StPO). Die Privatklägerschaft kann jedoch einen Entscheid nicht hinsicht-
lich der ausgesprochenen Sanktion anfechten (Art. 382 Abs. 2 StPO).
2.3. Auf die sich gegen den Freispruch und den Zivilpunkt richtende Berufung
der Privatkläger (vgl. Urk. 65) ist somit einzutreten.
3. Umfang der Berufung
3.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Es kann zuguns-
ten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte überprüfen, um
gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2
StPO).
3.2. Die Privatkläger 2 und 3 fechten das Urteil hinsichtlich des Freispruchs
vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von
Art. 285 Ziff. 1 StGB bezüglich Dossier 4 (Dispositivziffer 2, 2. Spiegelstrich) so-
wie die teilweise Abweisung ihrer Genugtuungsbegehren (Dispositiv-Ziffer 13 und
14) an (Urk. 65). Die Staatsanwaltschaft beschränkte ihre Anschlussberufung auf
den Freispruch vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Be-
amte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB bezüglich Dossier 4 (Dispositivziffer 2, 2.
Spiegelstrich) sowie die ausgesprochene Freiheitsstrafe und den bedingten Voll-
zug der ausgesprochenen Freiheitsstrafe (Dispositivziffern 4 und 8).
3.3. Die Anfechtung der Privatkläger und der Staatsanwaltschaft betrifft den
Anklagesachverhalt zu Dossier 4. Sie bemängeln die rechtliche Würdigung der
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Vor-instanz. Damit muss aufgrund der engen Verknüpfung auch eine Überprüfung
des Schuldspruchs der Beschimpfung (Dossier 4) vorgenommen werden (vgl.
Zürcher Kommentar StPO-Zimmerlin, a.a.O., N 19 zu Art. 399). Mit ihrer An-
schlussberufung ficht die Staatsanwaltschaft die Bemessung der ausgesproche-
nen Freiheitstrafe an. Da es nicht möglich ist, innerhalb der einzelnen in Art. 399
Abs. 4 StPO erwähnten Teilpunkte eine nur partielle Anfechtung zu verlangen
(vgl. Zürcher Kommentar StPO-Zimmerlin, a.a.O., N 20 zu Art. 399) und das Ge-
richt der Auffassung der Staatsanwaltschaft, dass bei einer Verurteilung eine
Freiheitsstrafe auszusprechen ist, nicht zwingend folgen muss, gilt die ausge-
sprochene Strafe als insgesamt angefochten, wobei mit Ausnahme der Höhe der
Freiheitsstrafe und deren Vollzug nicht zu Ungunsten des Beschuldigten vom vo-
rinstanzlichen Urteil abgewichen werden darf.
3.4. Es ist deshalb vorab mittels Beschluss festzuhalten, dass das Urteil des
Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 6. Dezember 2018 bezüglich der Dispo-
sitivziffern 1 1., 2. und 4. Spiegelstrich sowie teilweise 3. Spiegelstrich
(Schuldsprüche Hausfriedensbruch Dossier 6, mehrfache Hinderung einer Amts-
handlung Dossier 2 und 3, Beschimpfung Dossier 5 und Gewalt und Drohung ge-
gen Behörden und Beamte Dossier 5), 2 1. Spiegelstrich (Freispruch Hausfrie-
densbruch Dossier 1), 3 (Verzicht Bestrafung Beschimpfung Dossier 5), 10 und
11 (Herausgabe), 12 (Vernichtung Spuren), 15 (Abweisung Genugtuungsbegeh-
ren Privatkläger 4) sowie 16-18 (Kostendispositiv) in Rechtskraft erwachsen ist.
4. Sachverhalt
4.1. Die Anklage geht beim Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamten (Dossier 4) von folgendem Sachverhalt aus: Am Montag, 3. Juli
2017, ca. um 21.55 Uhr, anlässlich der Unterstützung der Sanität bei einem Ein-
satz, seien die Polizeibeamten B._ und A._ am Heck des Sanitätsfahr-
zeuges gut sichtbar, direkt an der Strasse beim E._-platz in Zürich ..., ge-
standen. Plötzlich sei der Beschuldigte auf einem Fahrrad an den Polizisten vor-
beigefahren und habe dabei in einem Abstand von ca. einem halben Meter gezielt
gegen sie gespuckt. Er habe dabei den Polizeibeamten B._ am Hinterkopf
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und die Polizistin A._ auf Brusthöhe an ihrer Schutzweste getroffen (Urk.
DS1/17 S. 5).
4.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte vorbringen,
dass vom Sachverhalt gemäss Anklageschrift auszugehen sei, wie dies die Vor-
instanz festgestellt habe (Urk. 90 S. 2). Beanstandungen zur Vorgehensweise der
Vorinstanz bei der Erstellung des Sachverhaltes wurden keine geltend gemacht.
Dementsprechend gilt der Sachverhalt als vom Beschuldigten anerkannt. Es kann
im Übrigen auf die ausführlichen zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden (Urk. 81 S. 6 ff.).
5. Rechtliche Würdigung
5.1. Vorbemerkung
5.1.1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten als Beschimp-
fung im Sinne von Art. 177 StGB. Vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB sprach es ihn frei
(Urk. 81 S. 14 ff.).
5.1.2. Die Staatsanwaltschaft und die Privatkläger machen in rechtlicher Hinsicht
geltend, dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten auch den Tatbestand der
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1
StGB erfülle (Urk. 65 S. 2; Urk. 69 S. 2; Urk. 88 S. 2 ff.; Urk. 89 S. 2). Der Be-
schuldigte beantragt hingegen, er sei in Übereinstimmung mit dem vorinstanzli-
chen Urteil lediglich der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB schuldig zu
sprechen (Urk. 90 S. 1 und S. 5).
5.2. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
5.2.1. Der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte strafbar macht sich
(unter anderem), wer eine Behörde, ein Mitglied einer Behörde oder einen Beam-
ten während einer Amtshandlung tätlich angreift (Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB).
5.2.2. Nach der strafrechtlichen Legaldefinition von Art. 110 Abs. 3 StGB gelten
Angestellte der öffentlichen Verwaltung und der Rechtspflege als "Beamte" im
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Sinne des Gesetzes, womit die Privatkläger – Polizisten – ohne weiteres Beamte
im Sinne von Art. 285 StGB sind. Dies wird auch von der Verteidigung nicht in Ab-
rede gestellt.
5.2.3. Eine sog. "Amtshandlung" ist jede Betätigung im Rahmen der öffentlich-
rechtlichen Funktion. Dazu gehören nicht nur Rechtshandlungen und weitere
Handlungen in Ausübung staatlicher Macht sondern auch Handlungen zur Erfül-
lung staatlicher Aufgaben und Teilakte derselben sowie Vorbereitungs- und Be-
gleithandlungen. Für Letztere gilt dies allerdings immer nur unter der Vorausset-
zung, dass die Handlung amtlichen Charakter hat, d.h. im Zusammenhang mit der
Erfüllung einer öffentlich-rechtlichen Funktion steht (BSK StGB-Heimgartner,
4. Aufl. 2018, N 9 zu Vor Art. 285 StGB; BGE 90 IV 137).
5.2.4. Die Privatkläger haben die Sanität bei einem Einsatz mit einer betrunkenen
Person unterstützt. Dieser Einsatz erfolgte in Ausübung ihrer öffentlich-rechtlicher
Tätigkeit. Auch wenn die Person bereits ins Sanitätsfahrzeug "verladen" worden
war, war die amtliche Handlung der beiden Privatkläger nach wie vor im Gang.
Sie waren dabei, die Personalien der verunfallten Person ausfindigzumachen.
Hierzu haben sie sich in unmittelbarer Nähe des Sanitätsfahrzeuges, das immer
noch vor Ort war, befunden. Die von den Privatklägern vorgenommenen Abklä-
rungen stellen zumindest eine Begleithandlung im Rahmen ihres Einsatzes dar.
Daran ändert nichts, dass nur die Privatklägerin A._ am Funken war. Zudem
stellt auch die Hin- und Rückfahrt an den Einsatzort eine Amtshandlung im Sinne
des Gesetzes dar, wenn die eigentliche Handlung amtlichen Charakter hat (BGE
90 IV 137). Deshalb stellt auch das Warten des Privatklägers B._, bis die
Privatklägerin A._ die erforderlichen Abklärungen getätigt hat, eine notwen-
dige Begleithandlung zu seiner amtlichen Handlung dar. Die beiden Privatkläger
waren gemeinsam im Einsatz (Urk. DS4/6 S. 3; Urk. DS4/7 S. 4). Es ergibt sich
somit, dass beide Privatkläger zum Tatzeitpunkt eine Amtshandlung im Sinne von
Art. 285 StGB ausführten.
5.2.5. Schliesslich ist vorausgesetzt, dass ein tätlicher Angriff gegen die Privatklä-
ger erfolgte. Die amtliche Verteidigung macht in diesem Zusammenhang geltend,
dass ein Bespucken ins Gesicht als ungleich grössere Einwirkung erachtet werde,
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als ein Bespucken des Körpers (Urk. 90 S. 4). Krankheitserregend und damit
mehr als nur eklig werde es dort, wo Speichel ins Gesicht, also in die Nähe der
Schleimhäute, gelange. Ein Spucken ins Gesicht sei qualifiziert schlimmer und
folglich eine Tätlichkeit während ein Spucken zum Körper zwar auch eklig, aber
eben weniger schlimm sei und damit eine Beschimpfung darstelle. Konkret sei ei-
nerseits auf die Weste [der Privatklägerin 2] gespuckt worden, was klarerweise
der weniger schlimme Fall sei. Andererseits sei auch auf den Hinterkopf [des Pri-
vatklägers 3] gespuckt worden. Hier seien die Haare am Körper und eben noch
nicht die Haut bzw. das Gesicht, bei den Schleimhäuten, getroffen worden. In bei-
den Fällen erweise sich also der vorinstanzliche Freispruch wegen Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB bzw.
der Schuldspruch wegen Beschimpfung vor diesem Hintergrund als rechtmässig
(Urk. 90 S. 5).
5.2.6. Der Begriff des tätlichen Angriffs nach Art. 285 Ziff. 1 StGB stimmt nach der
Rechtsprechung mit dem Begriff der Tätlichkeiten nach Art. 126 StGB überein.
Ein tätlicher Angriff besteht mithin in einer körperlichen Aggression im Sinne von
Art. 126 StGB. Eine Tätlichkeit liegt vor bei einer das allgemein übliche und ge-
sellschaftlich geduldete Mass überschreitenden physischen Einwirkung auf einen
Menschen, die keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur Folge hat.
Körperliche Schmerzen sind für eine Tätlichkeit nicht vorausgesetzt. Eine Tätlich-
keit muss gleichwohl von einer gewissen Intensität sein. Das Verursachen eines
deutlichen Missbehagens genügt. Massgebend sind die konkreten Umstände des
Einzelfalls. Wer einer anderen Person ins Gesicht spuckt, erfüllt das objektive
Tatbestandsmerkmal der Tätlichkeit. Das Anspucken einer Person, insbesondere
in deren Gesicht, stellt eine auf den Körper gerichtete Aggression dar, die massi-
ven Ekel hervorruft. Das Spucken ins Gesicht eines anderen Menschen bewirkt
eine zumindest vorübergehende Beeinträchtigung der körperlichen Integrität des
Opfers. Es handelt sich weder um eine übliche noch um eine gesellschaftlich ge-
duldete physische Einwirkung auf einen anderen Menschen. Vielmehr überschrei-
tet der Spuckende das Mass an gesellschaftlich Toleriertem bei weitem. Das
Spucken ins Gesicht ist als besonders ekelerregend zu beurteilen und ist dazu
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geeignet, beim Bespuckten ein deutliches Missbehagen zu verursachen (BGer-
Urteil 6B_883/2018 vom 18. Dezember 2018 E. 1.2 f. m.w.H.).
5.2.7. Zwar hält die Vorinstanz zutreffend fest, dass der Beschuldigte die Privat-
kläger am Hinterkopf resp. auf Brusthöhe an der Schutzweste und damit nicht im
Gesicht getroffen habe. Dies ändert aber nichts daran, dass das durch den Be-
schuldigten erfolgte Bespucken der Privatkläger eine Handlung darstellt, die das
allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass einer Einwirkung auf den
Körper eines anderen überschreitet und zu einer zumindest vorübergehenden
Beeinträchtigung der körperlichen Integrität der Privatkläger führte. Auch das
Spucken auf den Hinterkopf und die (bekleidete) Brust ist ekelerregend und ge-
eignet, beim Bespuckten ein deutliches Missbehagen zu verursachen, selbst
wenn die Gefahr einer möglichen Ansteckung mit einer Krankheit erheblich kleiner
ist, als wenn die Spucke im Gesicht landet. Wenn die Verteidigung geltend macht,
dass durch das Spucken des Beschuldigten keine Schleimhäute der Privatkläger
gefährdet worden seien, verkennt sie, dass ein tätlicher Angriff keine solche Ge-
fährdung voraussetzt. Aus der Erwägung des Bundesgerichts, dass "insbesonde-
re" das Spucken ins Gesicht eine auf den Körper gerichtete Aggression darstelle,
die massiven Ekel hervorrufe, kann nicht geschlossen werden, dass dies beim
Spucken auf andere Körperregionen nicht zutrifft (vgl. BGer-Urteil 6B_883/2018
vom 18. Dezember 2018 E. 1.3).
5.2.8. Soweit die Vorinstanz darauf hinweist, dass das Obergericht im Entscheid
SB150370 vom 15. Januar 2016 gar nicht erst geprüft habe, ob es sich beim Be-
spucken um eine Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 StGB gehandelt habe (Urk. 81
S. 16), ist klarzustellen, dass dort im fraglichen Zeitpunkt keine Amtshandlung im
Gang war und damit Art. 285 Ziff. 1 StGB von vornherein nicht zur Debatte stand.
5.2.9. Der Beschuldigte hat sich mit seiner Handlung der Gewalt und Drohung
gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig
gemacht.
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5.3. Beschimpfung
5.3.1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten als (mehrfache)
Beschimpfung (Urk. 81 S. 17 f.). Die entsprechenden Erwägungen sind zutref-
fend, weshalb vollumfänglich darauf zu verweisen ist (vgl. Art. 82 Abs. 4 StPO).
Diese rechtliche Würdigung wird denn von der Verteidigung auch nicht in Frage
gestellt (Urk. 37 S. 14 f.; Urk. 90 S. 1 und S. 5). Die erforderlichen Strafanträge
liegen vor (Urk. DS4/9/1 und Urk. DS4/9/5 ).
5.3.2. Die Handlung des Beschuldigten erfüllt auch den Tatbestand der mehrfa-
chen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB.
5.4. Konkurrenzen
5.4.1. Erfüllt jemand durch sein Verhalten mehrere Straftatbestände, so stellt sich
die Frage, ob alle von ihnen Anwendung finden und gegebenenfalls inwieweit.
Echte Konkurrenz nach Art. 49 Abs. 1 StGB liegt vor, wenn der Täter mehrere
nebeneinander anwendbare Tatbestände verwirklicht hat, sei es durch eine einzi-
ge Handlung (sog. "Idealkonkurrenz") oder durch mehrere (sog. "Realkonkur-
renz"). Art. 49 Abs. 1 StGB greift jedoch nicht, wenn unechte Konkurrenz vorliegt.
Hierbei erfüllt jemand durch eine oder mehrere Handlungen zwar mehrere Straf-
tatbestände, doch verdrängt der Tatbestand, der den deliktischen Gehalt der Tat
erschöpfend erfasst und abgilt, den oder die anderen, weshalb nur ersterer an-
wendbar ist. Unechte Konkurrenz ist gegeben, wenn eine von verschiedenen
Bestimmungen das vom Täter bewirkte Unrecht voll erfasst. Dies ist insbesondere
der Fall, wenn einer der Straftatbestände schon begriffsnotwendig alle Merkmale
eines anderen umfasst (sog. Spezialität), die eine Tat zwar nicht notwendiger-
weise mit der Erfüllung eines zweiten Tatbestandes verbunden ist, jedoch nach
dem Sinn des Gesetzes der erste Tatbestand wertungsmässig den Unrechtsgeh-
alt des anderen mitumfasst (sog. Konsumtion) oder eine Strafbestimmung nach
dem Sinn des Gesetzes nur für den Fall Geltung beansprucht, dass nicht schon
die andere zur Anwendung gelangt (sog. Subsidiarität). Jedoch ist die Terminolo-
gie nicht einheitlich und die Abgrenzung der einzelnen Fälle mitunter schwierig
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(Donatsch/Tag, Strafrecht I, 9. Aufl., S. 407 f.; BSK StGB-Ackermann, N 49 zu
Art. 49 StGB.).
5.4.2. Soweit ersichtlich, hat sich das Bundesgericht bis anhin zur Frage des Ver-
hältnisses zwischen Art. 285 Abs. 1 StGB und Art. 177 Abs. 1 StGB noch nicht
geäussert. Die Lehre ist unterschiedlicher Auffassung (vgl. Stratenwerth/Bommer,
Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil II, 7. Aufl., § 52 N 26; PK-Trechsel/
Vest, N 16 zu Art. 285 StGB; BSK-Heimgartner, N 29 zu Art. 285 StGB).
5.4.3. Art. 285 StGB schützt das Funktionieren staatlicher Organe. Er bezweckt
den Schutz der staatlichen Autorität vor Angriffen auf einzelne staatliche Funktio-
nen. Damit soll die Durchsetzung der Rechtsordnung, die in Form hoheitlicher
Anordnungen und Vollzugsakte erfolgt, gewährleistet werden. Geschützt wird die
staatliche Autorität, die sich auf Verfassung und Gesetz stützt. Die mit staatlichen
Aufgaben betrauten Organe bedürfen aufgrund ihrer exponierten Stellung einen
besonderen Schutz, um ihre Aufgaben im Dienst des Staates zu erfüllen. Dieser
verstärkte Schutz beschränkt sich auf diejenigen individuellen Rechtsgüter der
Amtsträger, deren Verletzung sich dazu eignet, eine Gefährdung des eigentlich
geschützten Rechtsgutes zu bewirken. Die physische Integrität und die Freiheit
der Amtsträger wird daher insbesondere durch Art. 285 StGB von diesem Schutz
umfasst. Die Ehre hingegen erfährt keinen verstärkten Schutz, da Amtsträger sich
durch deren Verletzung nicht von der Erfüllung ihrer Pflichten abhalten lassen
sollten (BSK StGB-Heimgartner, Vor Art. 285 N 2). Angriffsobjekt ist nicht der
handelnde Beamte, sondern die Amtshandlung als solche (BSK StGB-
Heimgartner, Vor Art. 285 N 3). Art. 177 StGB schützt die Ehre, den Ruf und die
Wertschätzung einer Person als ehrbarer Mensch, um die Geltung bei Dritten so-
wie die Bewertung durch die Mitmenschen (BSK StGB-Riklin, Vor 173 N 5 ff.).
5.4.4. Art. 177 StGB und Art. 285 StGB schützen nicht dasselbe Rechtsgut. Ins-
besondere schützt Art. 285 StGB nicht die Ehre der Beamten und Mitglieder von
Behörden. Mit dem Bespucken hat der Beschuldigte die Privatkläger nicht nur in
ihrer Funktion als Polizisten, und damit die Amtshandlung, sondern auch die Ehre
der Privatkläger angegriffen. Das Bespucken einer Person stellt auch einen des-
pektierlichen Akt gegenüber den Privatklägern als Privatperson dar.
- 17 -
5.4.5. Der Beschuldigte hat sich deshalb sowohl der Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB als auch der (mehrfa-
chen) Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Der
Beschuldigte ist damit der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177
Abs. 1 StGB und der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne
von Art. 285 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
6. Strafzumessung
6.1. Vorbemerkungen
6.1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit 6 Monaten Freiheitsstrafe
sowie – unter Einbezug des Widerrufs der mit Urteil vom 4. April 2017 bedingt
ausgefällten Geldstrafe – mit einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu Fr. 10.–
(Urk. 81 S. 22 ff.). Die Staatsanwaltschaft beantragt – nebst der ausgesprochenen
Geldstrafe – eine Bestrafung des Beschuldigten mit 9 Monaten Freiheitsstrafe
(Urk. 89 S. 1). Der Beschuldigte beantragt eine Bestrafung mit einer Geldstrafe
von 120 Tagessätzen zu Fr. 10.– (Urk. 90 S. 1).
6.1.2. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Regeln und Grundsätze der Strafzu-
messung grundsätzlich richtig wiedergegeben (Urk. 81 S. 18 ff.). Es kann darauf
verwiesen werden. Mit der Vorinstanz ist aufgrund der Schwere der Rechtsgutver-
letzung vom Delikt Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss
Dossier 5 als schwerstes Delikt für die Strafzumessung auszugehen.
6.2. Anwendbares Recht und Strafart
6.2.1. Der Beschuldigte hat die zu beurteilenden Taten teilweise (Hinderungen ei-
ner Amtshandlung) vor dem Inkrafttreten der seit dem 1. Januar 2018 geltenden
neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches begangen.
Das neue Recht ist nur anzuwenden, sofern es für den Beschuldigten im konkre-
ten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2 Abs. 2 StGB). Soweit die Vor-
instanz bezüglich Widerruf das neue Recht anwendete und bezüglich der Anzahl
der Tagessätze das alte (Urk. 81 S. 31 ff.), hat sie eine unzulässige Kombination
(vgl. BGer-Urteil 6B_1308/2020 vom 5. Mai 2021 E. 4.2.2) vorgenommen. Es ist
- 18 -
zu beachten, dass nach dem neuen Recht die Geldstrafe maximal 180 Tages-
sätze betragen kann (Art. 34 Abs. 1 StGB) und das gesetzliche Höchstmass der
verwirkten Strafart nach Art. 49 Abs. 1 StGB letzter Satz zugleich die absolute
Grenze gegen oben bildet. Das Gericht kann eine Geldstrafe nicht in eine Frei-
heitsstrafe umwandeln, weil die Höhe der Geldstrafe zusammen mit einer weite-
ren, für eine gleichzeitig zu beurteilende Tat auszusprechenden hypothetischen
Geldstrafe das in Art. 34 Abs. 1 StGB festgesetzte Höchstmass überschreitet
(BGE 144 IV 313 E. 1.1.3; BGE 144 IV 217 E. 3.6).
6.2.2. Bezüglich der Änderung der Regelung der Nichtbewährung gemäss Art. 46
Abs. 1 StGB hielt das Bundesgericht in BGE 145 IV 146 fest, dass das Gericht ei-
ne Gesamtstrafe bilden müsse, wenn die für die früheren Taten ausgesprochene
und die neue Strafe gleichartig sind (E. 2.3.4). Dabei habe das Gericht bei der
Gesamtstrafenbildung methodisch von derjenigen Strafe als "Einsatzstrafe" aus-
zugehen, die es für die während der Probezeit neu verübte Straftat nach den
Strafzumessungsgrundsätzen von Art. 47 ff. StGB ausfällt. Anschliessend sei die-
se mit Blick auf die zu widerrufende Vorstrafe angemessen zu erhöhen. Daraus
ergibt sich die Gesamtstrafe. Bilden die "Einsatzstrafe" für die neu zu beurteilen-
den Probezeitdelikte und die Vorstrafe ihrerseits Gesamtstrafen, kann das Gericht
den bereits im Rahmen der jeweiligen Gesamtstrafenbildung erfolgten Asperation
durch eine gemässigte Berücksichtigung bei der Gesamtstrafenbildung Rechnung
tragen (BGE 145 IV 146 E. 2.4.2). Nach altem Recht war demgegenüber die Bil-
dung einer Gesamtstrafe mit der widerrufenen Strafe nur möglich, wenn eine frü-
her bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe in eine Geldstrafe umgewandelt wur-
de (vgl. BGE 145 IV 146 E. 2.1). Im Unterschied zum alten Recht kommt der Be-
schuldigte nach dem neuen Art. 46 Abs. 1 StGB in den Genuss einer Gesamtstra-
fe und damit eines "Strafrabattes", der nach altem Recht nicht gewährt werden
kann. Damit ist vorliegend das neue Recht milder.
6.2.3. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässig-
keit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein sozia-
les Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen. Nach dem Prinzip
der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen
- 19 -
im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Frei-
heit der Betroffenen eingreift bzw. die sie am wenigsten hart trifft (BGE 138 IV 120
E. 5.2; BGE 134 IV 97 E. 4.2.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1). Ist eine Gesamtstrafe
auszufällen, sind die Voraussetzungen für eine kurze unbedingte Freiheitsstrafe
gemäss Art. 41 aStGB unbeachtlich, solange die Gesamtstrafe mindestens sechs
Monate beträgt (BGer-Urteil 6B_808/2017 vom 16. Oktober 2017 E. 2.1.3).
6.2.4. Aufgrund der zahlreichen und teilweise einschlägigen Vorstrafen, die der
Beschuldigte aufweist, erscheint es geboten, für die Delikte Gewalt und Drohung
gegen Behörden und Beamte (Dossier 4 und 5) und den Hausfriedensbruch
(Dossier 6) je eine Freiheitsstrafe auszusprechen, obwohl grundsätzlich auch eine
Geldstrafe als Sanktion möglich wäre. Nicht nur die Ausfällung diverser Geldstra-
fen und die Verurteilung zu gemeinnütziger Arbeit, sondern auch der Widerruf der
bedingt ausgesprochenen Geldstrafe hat den Beschuldigten bisher in keiner Wei-
se beeindruckt und davon abgehalten, weiter deliktisch in Erscheinung zu treten.
Die mit Strafbefehl vom 31. August 2016 unbedingt ausgesprochene Geldstrafe
blieb ebenso ohne Wirkung, wie der mit Urteil vom 4. April 2017 angeordnete Wi-
derruf der mit Strafbefehl vom 3. Juli 2015 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe.
Aufgrund seiner kontinuierlichen Delinquenz trotz vollziehbaren Strafen und wäh-
rend laufender Strafuntersuchung ist von einer nicht unerheblichen kriminellen
Energie beim Beschuldigten auszugehen. Er hat zudem mit seinem Verhalten die
Einstellung an den Tag gelegt, dass er sich von Geldstrafen nicht beeindrucken
lässt. Entsprechend erscheint einzig eine Freiheitsstrafe angebracht, um ihn von
der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten. Dies gilt selbst dann, wenn man be-
rücksichtigt, dass unter altem Recht noch bis zu 360 Tages-sätze Geldstrafe aus-
gesprochen werden konnten. Das alte Recht erweist sich auch in diesem Punkt
nicht als milder.
6.2.5. Es ist deshalb für die Delikte Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte (Dossier 4 und 5) und den Hausfriedensbruch (Dossier 6) je eine hypo-
thetische Einzelfreiheitsstrafe auszusprechen.
6.3. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 5)
- 20 -
6.3.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass der Beschuldig-
te das Rechtsgut des Schutzes der staatlichen Integrität verletzte, indem er sich
gegen die geplante Personenkontrolle körperlich und verbal zur Wehr setzte und
sich dadurch weigerte, der Amtshandlung Folge zu leisten. Im Rahmen seines
Widerstandes schlug er wiederholt gegen die Polizeibeamten und traf dabei das
Schienbein eines Polizisten. Es mussten mehrere Polizeibeamte eingesetzt wer-
den, um ihn in Schach zu halten. Zu berücksichtigen ist aber auch, dass sich we-
der gezielte Schläge des Beschuldigten noch eine ausgeprägte Brutalität oder
Grausamkeit erstellen liess. Die Tat ergab sich aus einer eskalierenden Situation
heraus. Eine besondere kriminelle Energie lag nicht vor. Insgesamt erweist sich
das objektive Verschulden als eher leicht.
6.3.2. In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte vorsätzlich und aus egois-
tischem Motiv mit dem Ziel, sich der Personenkontrolle zu entziehen. Auch wenn
dem Delikt keine Planung vorausging, sondern sich vielmehr aus der Situation
heraus ergab, überschreiten die wiederholten Schläge das Mass einer Kurz-
schlussreaktion, zumal der Beschuldigte weder nach mündlichen Hinweisen noch
nach dem auf den Boden gedrückt werden aufhörte, sich körperlich und mündlich
zur Wehr zu setzen. Das subjektive Tatverschulden vermag das objektive Tatver-
schulden nicht zu relativieren.
6.3.3. Insgesamt erweist sich das Tatverschulden somit als eher leicht. Die hypo-
thetische Einsatzstrafe ist deshalb auf 3 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.
6.4. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 4)
6.4.1. Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldig-
te mit seinem Verhalten eine grosse Respektlosigkeit gegenüber der staatlichen
Autorität an den Tag legte. Zu seinen Gunsten ist zu bewerten, dass sein Tatvor-
gehen nicht geplant sondern eine spontane Aktion war. Da die Privatkläger den
Beschuldigten nicht in irgendeiner Weise angingen, kann nicht von einer Kurz-
schlussreaktion ausgegangen werden. Gesamthaft wiegt das objektive Tatver-
schulden leicht bis eher leicht.
- 21 -
6.4.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu beachten, dass der Beschuldigte di-
rektvorsätzlich und ohne Grund handelte und sich das subjektive Verschulden
insgesamt neutral auswirkt.
6.4.3. Insgesamt erweist sich das Tatverschulden somit als leicht bis eher leicht,
weshalb sich eine hypothetische Einsatzstrafe von 2 Monaten Freiheitsstrafe als
angemessen erweist.
6.5. Hausfriedensbruch (Dossier 6)
6.5.1. Bei der objektiven Tatschwere hat der Beschuldigte gegen das Hausrecht
und das Bestimmungsrecht des Eigentümers verstossen, indem er sich zusam-
men mit ca. 13 weiteren Personen Zutritt zur Liegenschaft an der F._-strasse
... verschaffte. Der Eingriff dauerte einen halben Tag, womit von einer nicht mehr
sehr kurzen Deliktsdauer auszugehen ist. Weiter ist zu berücksichtigen, dass es
sich beim Tatobjekt um ein leerstehendes Bürogebäude handelte. Aufgrund des-
sen wurden die geschützten Rechtsgüter und insbesondere die Privatsphäre der
Eigentümerin lediglich in geringem Mass tangiert. Insgesamt erweist sich das ob-
jektive Tatverschulden als leicht.
6.5.2. Der Beschuldigte machte keine Angaben zu seinen Beweggründen. Be-
sonderheiten, die das Tatverschulden in einem anderen Licht erscheinen lassen
würden, sind keine ersichtlich. Weder liegen Anhaltspunkte für ein besonders
verwerfliches Verhalten vor, noch für eine Notlage des Beschuldigten. Die subjek-
tive Tatschwere wirkt sich weder verschuldenserhöhend noch -mindernd aus.
6.5.3. Insgesamt erweist sich das Tatverschulden somit als leicht. Die hypotheti-
sche Einzelstrafe ist damit auf 2 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.
6.6. Täterkomponenten
6.6.1. Der Beschuldigte hat Aussagen zu seinen persönlichen Verhältnissen
grösstenteils verweigert (Urk. DS1/4 S. 7; Prot. I S. 9 ff.; Prot. II S. 11 f.). Hinsicht-
lich seiner persönlichen Verhältnisse ergibt sich aus den Akten einzig, dass er die
Sek B sowie einen Vorkurs der Kunstschule absolvierte. Eine Ausbildung hat er
- 22 -
nicht gemacht. Er ging im Zeitpunkt seiner polizeilichen Befragung zur Person im
November 2016 (Urk. D1/3) keiner Erwerbstätigkeit nach und lebte damals bei
seiner Mutter (Urk. D1/3 S. 1 f.; Beizugsakten Geschäfts-Nr. SB160379-O Urk. 38
S. 33). Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergibt sich nichts
Relevantes für die Strafzumessung. Wie sich die aktuellen wirtschaftlichen Ver-
hältnisse darstellen, hat der Beschuldigte nicht offengelegt (vgl. Prot. II S. 11 f.).
6.6.2. Der Beschuldigte weist 4 teilweise einschlägige Vorstrafen auf. So wurde er
mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 3. Juli 2015 wegen
Hausfriedensbruch und Hinderung einer Amtshandlung zu einer bedingten Geld-
strafe von 60 Tagessätzen und Fr. 300.– Busse bestraft, wobei für die Geldstrafe
eine Probezeit von 2 Jahren angesetzt wurde. Der bedingte Vollzug wurde mit Ur-
teil des Obergerichts des Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 4. April 2017 wi-
derrufen. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 12. November
2015 wurde der Beschuldigte wegen Sachbeschädigung und mehrfachem Haus-
friedensbruch mit 240 Stunden gemeinnützige Arbeit, bedingt vollziehbar, bestraft.
Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 31. August 2016 wurde
der Beschuldigte sodann wegen Führens eines Motorfahrzeugs ohne erforderli-
chen Führerausweis mit einer unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
Fr. 30.– bestraft. Schliesslich verurteilte das Obergericht des Kantons Zürich,
II. Strafkammer, den Beschuldigten mit Urteil vom 4. April 2017 wegen Gewalt
und Drohung gegen Behörden und Beamte zu einer bedingten Geldstrafe von 160
Tagessätzen zu Fr. 10.– und setzte eine Probezeit von 3 Jahren fest (Urk. 85).
Diese Vorstrafen sind straferhöhend zu berücksichtigen. Der Beschuldigte weist
trotz seines noch jungen Alters eine beachtliche Zahl an Vorstrafen auf. Er kam
seit dem Jahr 2015 regelmässig mit dem Gesetz bzw. den Behörden in Konflikt.
Zudem delinquierte er während laufender Probezeit und zeigt sich von den bishe-
rigen Strafen ebenso unbeeindruckt, wie auch von den laufenden Strafuntersu-
chungen, die ihn ebenfalls nicht von weiterem Delinquieren abhielten. Auch dies
ist straferhöhend zu berücksichtigen.
- 23 -
6.6.3. Der Beschuldigte ist nicht geständig und verweigerte mehrheitlich Aussa-
gen zur Sache. Dies ist sein gutes Recht. Einsicht in das Unrecht seiner Taten
oder Reue ist nicht ersichtlich. Diese Umstände sind neutral zu werten.
6.6.4. Aus den Täterkomponenten ergibt sich somit insgesamt, dass die hypothe-
tische Einsatz-/Einzelstrafen aufgrund der Vorstrafen und des Delinquierens wäh-
rend laufender Probezeit und Strafuntersuchung jeweils um ungefähr die Hälfte zu
erhöhen sind.
6.7. Muss das Gericht das Urteil begründen, so stellt es Gemäss Art. 84 Abs. 4
StPO innert 60 Tagen, ausnahmsweise 90 Tagen, der beschuldigten Person und
der Staatsanwaltschaft das vollständige begründete Urteil zu. Dabei handelt es
sich um Ordnungsfristen, welche das Beschleunigungsgebot konkretisieren. Ihre
Nichteinhaltung kann ein Indiz für eine Verletzung des Beschleunigungsgebots
sein (BGer-Urteil 6B_42/2016 vom 26. Mai 2016 E. 5.4 mit Hinweisen). Die
Hauptverhandlung vor Bezirksgericht fand am 6. Dezember 2018 statt. Da nur die
Privatkläger 2 und 3 Berufung anmeldeten (Urk. 46), erstellte die Vorinstanz ein
teilbegründetes Urteil (Urk. 59) und liess dieses den Parteien am 8. bzw. 11. März
2018 zukommen (Urk. 60/1-7). Daraufhin erhob die Staatsanwaltschaft ihrerseits
Anschlussberufung (Urk. 69). Mangels ausreichender Begründung der Strafzu-
messung wurde die Vorinstanz mit Beschluss des Obergerichts des Kantons Zü-
rich vom 8. Mai 2020 aufgefordert, eine vollständige Begründung der Strafzumes-
sung nachzureichen (Urk. 78). Das ergänzte Urteil traf im Dezember 2020 bei der
hiesigen Kammer ein (Urk. 80). Aufgrund von Umständen, die dem Beschuldigten
nicht anzulasten sind, verzögerte sich das Verfahren bis zur heutigen Berufungs-
verhandlung mithin um mehr als ein Jahr. Diese Verletzung des Beschleuni-
gungsgebots ist strafmindernd zu veranschlagen. Sie vermag jedoch nicht die
straferhöhenden Täterkomponenten auszugleichen oder zu überwiegen. Es recht-
fertigt sich deshalb, die Einsatz-/Einzelstrafen für die Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte auf 4 Monate Freiheitsstrafe (Dossier 5) resp. auf 21⁄2 Mo-
nate Freiheitsstrafe (Dossier 4) und für den Hausfriedensbruch ebenfalls auf 21⁄2
Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.
- 24 -
6.8. Fazit Strafzumessung mehrfache Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte (Dossier 4 und 5) sowie Hausfriedensbruch (Dossier 6)
6.8.1. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass unter Berücksichtigung aller re-
levanter Strafzumessungselemente für die Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte gemäss Dossier 5 eine Freiheitsstrafe von 4 Monaten, für die Gewalt
und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Dossier 4 eine Freiheitsstrafe
von 21⁄2 Monaten und für den Hausfriedensbruch (Dossier 6) eine Freiheitsstrafe
von 21⁄2 Monaten angemessen erscheint.
6.8.2. In Anwendung des Asperationsprinzips ist die für die Gewalt und Drohung
gegen Behörden und Beamte (Dossier 5) festgesetzte hypothetische Einsatzstra-
fe von 4 Monaten für die Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte ge-
mäss Dossier 4 um 11⁄2 Monate und für den Hausfriedensbruch (Dossier 6) eben-
falls um 11⁄2 Monate zu erhöhen. Insgesamt resultiert damit eine Freiheitsstrafe
von 7 Monaten. An diese ist die erstandene Untersuchungshaft (4 Tage:
1. November 2016 [Urk. DS1/14/1 und Urk. DS1/1], 19. März 2017
[Urk. DS1/14/3-6], 28. September 2017 [Urk. DS1/14/7 und DS1/14/10] und
12. Februar 2018 [Urk. DS1/14/11 und DS1/14/18]) anzurechnen (Art. 51 StGB).
Anzumerken ist, dass aufgrund der konkret festgesetzten Strafe sowohl bei An-
wendung des alten als auch des neuen Rechts die gleiche Strafe resultiert.
6.8.3. Für die weiteren Delikte (Beschimpfung und Hinderung einer Amtshand-
lung) kann lediglich eine Geldstrafe ausgesprochen werden, womit die Bildung ei-
ner Gesamtfreiheitstrafe für die mehrfache Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte und den Hausfriedensbruch nicht zulässig ist.
6.9. Geldstrafe
6.9.1. Mehrfache Beschimpfung (Dossier 4)
6.9.1.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte die Privatkläger anspuckte und den Privatkläger B._ am Hinter-
kopf und die Privatklägerin A._ am (bedeckten) Oberkörper traf. Mit dem An-
spucken brachte der Beschuldigte seine Verachtung gegenüber den Privatklägern
- 25 -
zum Ausdruck. Das Anspucken löst ein ekelerregendes Gefühl aus und hat in ei-
nem zivilisierten Umfeld absolut nichts zu suchen und lässt sich in keiner Weise
rechtfertigen. Die Handlung des Beschuldigten zeugt von einer grossen Gering-
schätzung gegenüber den Privatklägern. Weiter ist zu beachten, dass die Einwir-
kung auf die Privatkläger von kurzer Dauer war. Insgesamt ist je von einem nicht
mehr leichten Verschulden auszugehen.
6.9.1.2. Bei der subjektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigte
mit direktem Vorsatz handelte. Auch wenn es sich nicht um eine raffiniert geplante
Tat handelte, kann dem Beschuldigten auch nicht eine Kurzschlussreaktion zuge-
standen werden. Die Privatkläger hatten im Vorfeld keinerlei Kontakt zum Be-
schuldigten. Der Beschuldigte handelte einzig aus nichtigem Anlass. Insgesamt
wirkt sich das subjektive Verschulden je leicht verschuldenserhöhend aus.
6.9.1.3. Insgesamt erweist sich das Tatverschulden somit je als keinesfalls leicht.
Die hypothetische Einsatzstrafe resp. Einzelstrafe wäre deshalb auf je 40 Tages-
sätze festzusetzen.
6.9.1.4. Bezüglich der Täterkomponenten kann auf die Erwägungen vorne in Zif-
fer 6.6. verwiesen werden. Aus den Täterkomponenten ergibt sich insgesamt,
dass die hypothetische Einsatz-/Einzelstrafe aufgrund der Vorstrafen und des De-
linquierens während laufender Probezeit und Strafuntersuchung stark zu erhöhen
wären und es sich deshalb rechtfertigen würde, die Einsatz-/Einzelstrafe für bei-
den Beschimpfungen je um 10 Tagessätze zu erhöhen und auf je 50 Tagessätze
festzusetzen.
6.9.1.5. In Anwendung des Asperationsprinzips ist die für die eine Beschimpfung
festzusetzende hypothetische Einsatzstrafe von 50 Tagessätzen für die weitere
Beschimpfung um 20 Tagessätze zu erhöhen. Insgesamt resultierte damit für die
beiden Beschimpfungen eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen.
6.9.2. Mehrfache Hinderung einer Amtshandlung (Dossier 2 und 3)
6.9.2.1. Bezüglich des Tatverschuldens ist zu berücksichtigen, dass sich der Be-
schuldigte jeweils durch Davonrennen einer Kontrolle durch die Polizei entzog,
- 26 -
wobei bezüglich des Delikts vom 23. Februar 2017 die beabsichtigte Amtshand-
lung durch die Handlung des Beschuldigten vollends verunmöglich wurde. Von
besonderer Respektlosigkeit zeugt, dass er dies ohne ersichtlichen Grund tat. Er
handelte direktvorsätzlich. Verschuldensvermindernde Faktoren sind nicht ersicht-
lich. Insgesamt ist das Verschulden des Beschuldigten in objektiver und subjekti-
ver Hinsicht je als mittelschwer zu bewerten. Die hypothetische Einsatzstrafe
resp. Einzelstrafe wäre deshalb auf je 15 Tagessätze festzusetzen.
6.9.2.2. Bezüglich der Täterkomponenten kann auf die Erwägungen vorne in Zif-
fer 6.6. verwiesen werden. Aus den Täterkomponenten ergibt sich insgesamt,
dass die hypothetische Einsatz-/Einzelstrafe aufgrund der Vorstrafen und des De-
linquierens während laufender Probezeit und Strafuntersuchung stark zu erhöhen
wären und es sich deshalb rechtfertigen würde, die Einsatz-/Einzelstrafe für bei-
den Delikte je um 5 Tagessätze zu erhöhen und auf je 20 Tagessätze festzuset-
zen.
6.9.2.3. In Anwendung des Asperationsprinzips ist die hypothetische Einsatzstrafe
um je 15 Tagessätze zu erhöhen.
6.9.3. Insgesamt ergibt sich damit eine Gesamtgeldstrafe von 100 Tagessätzen.
Der Verletzung des Beschleunigungsgebots (siehe vorne in Ziffer 6.7.) wird durch
die tiefere Höchststrafe aufgrund der Anwendung des neuen Rechts bereits ge-
nügend Rechnung getragen (siehe hinten Ziffer 6.9.4.2).
6.9.4. Widerruf
6.9.4.1. Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Ver-
gehen und ist deshalb zu erwarten, er werde weitere Straftaten verüben, so wider-
ruft das Gericht die bedingte Strafe oder den bedingten Teil der Strafe (Art. 46
Abs. 1 StGB).
6.9.4.2. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Obergerichts vom 4. April 2017
wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art 285
Abs. 1 StGB mit einer bedingten Geldstrafe von 160 Tagessätze zu Fr. 10.– be-
straft, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von 3 Jahren (vgl. Urk. 85). Sodann
- 27 -
wurde er mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 12. November 2015 wegen
Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB sowie mehrfachem Haus-
friedensbruch gemäss Art. 186 StGB zu 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit ver-
urteilt, bedingt vollziehbar unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren (vgl.
Urk. 85). Die in diesem Verfahren zu beurteilenden Straftaten wurden innerhalb
der vorgenannten Probezeiten begangen. Deshalb ist zu prüfen, ob der damals
gewährte Aufschub des Vollzugs zu widerrufen ist.
6.9.4.3. Der Beschuldigte hat sich weder durch den mit Urteil vom 4. April 2017
erfolgten Widerruf der mit Strafbefehl vom 3. Juli 2015 bedingt ausgesprochenen
Geldstrafe noch von der mit Strafbefehl vom 31. August 2016 unbedingt ausge-
sprochene Geldstrafe noch von der im früheren Strafverfahren erstandenen 19-
tägige Haft beeindrucken lassen. Nur kurz nach der Verurteilung vom 4. April
2017 fing er – trotz des drohenden Vollzuges der damals ausgesprochenen Geld-
strafe – wieder an, zu delinquieren. Diese Renitenz belegt, dass der Beschuldigte
den gebührenden Respekt vor dem schweizerischen Strafgesetz sowie die Ein-
sicht hinsichtlich der begangenen Taten vermissen lässt. Anhaltspunkte für eine
Stabilisierung und damit einhergehend für ein Absehen von deliktischem Verhal-
ten fehlen, so dass der bedingte Vollzug der beiden vorgenannten Strafen zu wi-
derrufen ist. Die in den jeweiligen Strafverfahren verbüsste Untersuchungshaft
(5 Tage bezüglich Urteil vom 12. November 2015; 19 Tage bezüglich Urteil vom
4. April 2017) ist auf den Vollzug anzurechnen (Art. 51 StGB).
6.9.5. Gesamtstrafe
6.9.5.1. Aufgrund der Gleichartigkeit der widerrufenen Geldstrafe mit der in die-
sem Verfahren auszufällenden Geldstrafe ist eine Gesamtstrafe zu bilden. Als
Einsatzstrafe ist von der Strafe auszugehen, welche für die während der Probe-
zeit neu verübten Straftaten ausgefällt wurde. Anschliessend ist diese mit Blick
auf die zu widerrufende Vorstrafe angemessen zu erhöhen. Bezüglich der zu wi-
derrufenden Strafe von 240 Stunden gemeinnütze Arbeit ist die Bildung einer Ge-
samtstrafe nicht möglich.
- 28 -
6.9.5.2. Für die während der Probezeit begangenen Delikte wäre die Geldstrafe
auf 100 Tagessätze festzusetzen. Diese bildet nunmehr die hypothetische Ein-
satzstrafe für die Gesamtstrafe. Die zu widerrufende Geldstrafe wurde auf
160 Tagessätze festgesetzt. In Anwendung des Asperationsprinzips würde es
sich rechtfertigen, die Einsatzstrafe von 100 Tagessätzen um mindestens
120 Tagessätze zu erhöhen. Da das Gericht an das für die Geldstrafe festgesetz-
te Höchstmass von 180 Tagessätzen gebunden ist, ist der Beschuldigte – unter
Einbezug der widerrufenen Geldstrafe – mit einer Geldstrafe von
180 Tageessätzen als Gesamtstrafe zu bestrafen. Der Widerruf der mit Urteil des
Obergerichts des Kantons Zürich vom 4. April 2017 ausgefällten Geldstrafe führt
dabei von Gesetzes wegen zum Vollzug der Geldstrafe.
6.9.6. Höhe des Tagessatzes
6.9.6.1. Die Höhe des Tagessatzes richtet sich nach den persönlichen und wirt-
schaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach
Einkommen und – soweit er davon lebt – Vermögen, ferner nach seinem Lebens-
aufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten und nach dem Exis-
tenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt für die Tagessatzberechnung
ist das Einkommen, das dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Abzu-
ziehen ist, was gesetzlich geschuldet ist oder dem Täter wirtschaftlich nicht zu-
fliesst, so etwa die laufenden Steuern und die obligatorischen Versicherungsbei-
träge. Ausserdem ist das Nettoeinkommen um die Unterhalts- und Unterstüt-
zungsbeiträge zu reduzieren, soweit der Verurteilte ihnen tatsächlich nachkommt.
Nicht zu berücksichtigen sind Schulden und in der Regel auch nicht die Wohnkos-
ten (BGE 134 IV 60 E. 6).
6.9.6.2. Der Beschuldigte machte bezüglich seiner wirtschaftlichen Verhältnisse
von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (Prot. II. S. 12 f.). Gemäss der
polizeilichen Befragung zu seiner Person im November 2016 war er damals ohne
Ausbildung und Arbeit (Urk. D1/3 S. 1 f.). Darauf gestützt setzte die Vorinstanz
den Tagessatz auf Fr. 10.– fest. Dieser Ansatz erscheint allerdings nicht mehr
angemessen. Seit der erwähnten Einvernahme sind rund viereinhalb Jahre ver-
gangen. Der Beschuldigte hat keinerlei Angaben dazu gemacht, weshalb ihm ak-
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tuell nicht ein zumutbares Einkommen, wie bspw. Fr. 3'500.–, anzurechnen ist. Er
ist jung, und es liegen auch keine Anhaltspunkte vor, dass er aufgrund medizini-
scher Probleme in seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt wäre.
Auch ohne entsprechende Qualifikationen wäre ein Erwerb in diesem tiefen Be-
reich ohne Weiteres zumutbar und möglich. Sollte der Beschuldigte nach wie vor
bei seiner Mutter wohnen (vgl. Urk. D1/3 S. 1 f.), würden bei ihm auch keine
Wohnkosten anfallen. Im Übrigen machte er auch keine Mittellosigkeit geltend,
weshalb ohnehin nicht von einer finanziell prekären Situation auszugehen ist. Da
der Beschuldigte es unterliess, seine aktuelle Wohnadresse anzugeben (Prot. II
S. 13), fehlen auch die notwendigen Angaben, um behördliche Auskünfte über
seine finanzielle Lage einzuholen. Unter diesen Umständen ist es gerechtfertigt,
einen Tagessatz von Fr. 30.– vorzusehen (Art. 34 Abs. 2 Satz 2 StGB).
6.10. Vollzug der Strafen
6.10.1. Wie erwogen, ist die als Gesamtstrafe auszufällende Geldstrafe zu voll-
ziehen. Die Vorinstanz schob den Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe auf, un-
ter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren (Urk. 81 S. 34 f.). Die Staatsanwalt-
schaft beantragt mit ihrer Anschlussberufung den Vollzug der Freiheitsstrafe
(Urk. 69).
6.10.2. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Voraussetzungen für die Gewährung
des bedingten Strafvollzugs zutreffend dargelegt (Urk. 81 S. 34). Darauf kann
verwiesen werden.
6.10.3. Sodann gelangte die Vorinstanz zutreffend zum Schluss, dass die objekti-
ven Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 1 StGB erfüllt sind, da der Beschuldigte
noch nie zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde (Urk. 85). Grundsätzlich ist damit
von einer günstigen Prognose auszugehen. Es ist zu prüfen, ob Anhaltspunkte für
eine Rückfallgefahr vorliegen.
6.10.4. Der Beschuldigte weist vier Vorstrafen auf (Urk. 85). Diese und die Delin-
quenz während laufender Probezeit deuten auf eine Rückfallgefahr hin, insbeson-
dere weil drei Vorstrafen einschlägig sind. Sodann vermochte auch die im ver-
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gangenen Strafverfahren erstandene Untersuchungshaft von doch immerhin 19
Tagen den Beschuldigten nicht von einer erneuten Delinquenz abzuhalten und
hat sich die im Urteil vom 4. April 2017 erhoffte, daraus resultierende positive Wir-
kung ebenso wenig bewahrheitet, wie eine aus dem damaligen Widerruf und dem
drohenden Vollzug der neu ausgefällten Geldstrafe resultierende positive Wir-
kung. Der Beschuldigte erscheint unbelehrbar. Er zeigt keinerlei Einsicht in sein
Fehlverhalten. Obwohl die Privatkläger 2 und 3 zur Berufungsverhandlung er-
schienen, verzichtete er darauf, sich bei ihnen zu entschuldigen. Es muss deshalb
davon ausgegangen werden, dass auch der Widerruf der bedingt ausgefällten
Strafe von 240 Stunden gemeinnützige Arbeit und die heute unbedingt auszu-
sprechende Geldstrafe den Beschuldigten nicht von weiteren Straftaten abhalten
wird. Es erscheint deshalb notwendig, die heute auszusprechende Freiheitsstrafe
zu vollziehen um den Beschuldigten von weiteren Straftaten abzuhalten.
7. Zivilansprüche
7.1. Die Privatkläger 2 und 3 stellten je den Antrag, es sei ihnen eine Genugtu-
ung in Höhe von Fr. 500.– zuzüglich 5% Zins zuzusprechen (Urk. DS 4/9/2;
Urk. DS4/9/6). Die Vorinstanz sprach den Privatklägern eine Genugtuung von je
Fr. 100.– zuzüglich 5% Zins seit 3. Juli 2017 zu. In ihrer Berufung beantragen die
Privatkläger aufgrund der Verurteilung wegen Gewalt und Drohung gegen Behör-
den und Beamte ihre Zivilansprüche vollumfänglich gutzuheissen (Urk. 65 S. 2).
7.2. Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat als
Privatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen (Art. 122
Abs. 1 StPO). Das mit der Strafsache befasste Gericht beurteilt den Zivilanspruch
ungeachtet des Streitwerts (Art. 124 Abs. 1 StPO) und entscheidet über die an-
hängig gemachte Zivilklage, wenn es die beschuldigte Person schuldig spricht
(Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Die Voraussetzungen der Schadenersatz- und Ge-
nugtuungsverpflichtung ergeben sich aus Art. 41 ff. OR. Bei der Bestimmung des
Schadens hat das Gericht sowohl die Umstände als auch die Grösse des Ver-
schuldens zu würdigen (Art. 43 Abs. 1 OR). Entsprechendes gilt für die Bemes-
sung der Genugtuungssumme (vgl. BGE 132 II 117). Ein Anspruch auf Leistung
einer Geldsumme als Genugtuung hat, wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich
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verletzt worden ist, sofern die Schwere der Verletzung es rechtfertigt und diese
nicht anders wieder gut gemacht worden ist (Art. 49 Abs. 1 OR). Die Genugtuung
ist der Ausgleich für immaterielle Unbill. Sie soll das empfundene Unrecht
dadurch kompensieren, indem das Wohlbefinden anderweitig gesteigert oder
dessen Beeinträchtigung erträglich gemacht wird. Wann eine immaterielle Unbill
in der Form einer "schweren" Verletzung der Persönlichkeit vorliegt, hat der Rich-
ter im Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände zu entscheiden. Dem Gericht
steht dabei ein weites Ermessen zu. Auch bei der Festlegung der Höhe der Ge-
nugtuungssumme steht dem Gericht ein weiter Ermessensspielraum zu. Zu be-
rücksichtigen ist insbesondere die Schwere der immateriellen Unbill
(Rey/Wildhaber, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 5. Aufl. 2018, N 498 und N
512 ff.).
7.3. Vorweg ist festzuhalten, dass die von den Privatkläger erlittene immateriel-
le Unbill nicht dadurch grösser wird, dass das Verhalten des Beschuldigten recht-
lich zusätzlich als Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gewürdigt
wird. Die Privatkläger haben dargelegt, dass sie das Spucken – zu Recht – als
Ausdruck tiefster Abwertung empfunden haben. Mit dem durch das Anspucken
bei den Privatklägern ausgelösten Ekelgefühls hat der Beschuldigte widerrechtlich
und schuldhaft in die physische Integrität der Privatkläger eingegriffen und ihnen
seelischen Unbill zugefügt. Die Konsequenzen der Tat waren für die beiden Pri-
vatkläger jedoch nicht langandauernd. Angesichts des Ausmasses an immateriel-
ler Unbill, die die Privatkläger aufgrund des Anspuckens durch den Beschuldigten
erlitten, rechtfertigt sich vorliegend die Zusprechung einer Genugtuung in Höhe
von je Fr. 300.– nebst 5% Zins ab 3. Juli 2017. Im Mehrbetrag ist das Genugtu-
ungsbegehren der Privatkläger abzuweisen.
8. Kosten- und Entschädigungsfolgen
8.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Privatkläger obsie-
gen mit ihrem Antrag bezüglich des Schuldspruch wegen Gewalt und Drohung
gegen Behörden und Beamte sowie teilweise bezüglich ihrer Genugtuungsbegeh-
ren. Die Staatsanwaltschaft obsiegt mit ihren Anträgen auf eine höhere Freiheits-
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strafe und Vollzug der Freiheitsstrafe. Dementsprechend rechtfertigt es sich, die
Kosten des Berufungsverfahrens vollumfänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
8.2. Die amtliche Verteidigung erfüllt eine staatliche Aufgabe, welche durch das
kantonale öffentliche Recht geregelt wird. Mit ihrer Einsetzung entsteht zum Staat
ein besonderes Rechtsverhältnis. Gestützt darauf hat der Anwalt eine öffentlich-
rechtliche Forderung gegen den Staat auf Entschädigung im Rahmen der an-
wendbaren kantonalen Bestimmungen (BGE 131 I 217 E. 2.4; BGE 122 I 1 E. 3a).
Der amtliche Anwalt kann aus Art. 29 Abs. 3 BV einen Anspruch auf Entschädi-
gung und Rückerstattung seiner Auslagen herleiten. Dieser umfasst aber nicht al-
les, was für die Wahrnehmung der Interessen der Mandantschaft von Bedeutung
ist. Ein verfassungsrechtlicher Anspruch besteht nur, "soweit es zur Wahrung der
Rechte notwendig ist". Nach diesem Massstab bestimmt sich der Anspruch so-
wohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht, d.h. in Bezug auf den Um-
fang der Aufwendungen. Entschädigungspflichtig sind nur jene Bemühungen, die
in einem kausalen Zusammenhang mit der Wahrung der Rechte im Strafverfahren
stehen und die notwendig und verhältnismässig sind. Das Honorar muss aller-
dings so festgesetzt werden, dass der unentgeltlichen Rechtsvertretung ein Hand-
lungsspielraum verbleibt und sie das Mandat wirksam ausüben kann
(BGE 141 I 124 E. 3.1 m.w.H.). Nicht zu entschädigen sind nutzlose, überflüssige
und verfahrensfremde Aufwendungen (BGE 117 Ia 22 E. 4b). Nach ständiger
bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird es als zulässig erachtet, das Honorar
für amtliche Mandate im Vergleich zu jenem der freien Mandate tiefer anzusetzen
(BGE 139 IV 261 E. 2.2.1; BGE 132 I 201 E. 7.3.4). Im Sinne einer Faustregel hat
das Bundesgericht festgehalten, dass sich die Entschädigung für einen amtlichen
Anwalt im schweizerischen Durchschnitt in der Grössenordnung von Fr. 180.– pro
Stunde (zuzüglich Mehrwertsteuer) bewegen muss, um vor der Verfassung
standzuhalten (BGE 141 I 124 E. 3.2; BGE 132 I 201 E. 8.6 f.). Die amtliche Ver-
teidigung wird nach dem Anwaltstarif des Bundes oder desjenigen Kantons ent-
schädigt, in dem das Strafverfahren geführt wurde (Art. 135 Abs. 1 StPO). Mass-
gebend ist somit die Verordnung des Obergerichtes des Kantons Zürich über die
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Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (AnwGebV, LS ZH 215.3; siehe auch
Leitfaden amtliche Mandate der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich vom
1. Januar 2016). Es gelten die Stundenansätze gemäss § 3 AnwGebV; für amtli-
che Mandate in der Regel Fr. 220.–.
8.3. Im Berufungsverfahren wird die Gebühr grundsätzlich nach den für die Vor-
instanz geltenden Regeln bemessen. Dabei wird auch berücksichtigt, ob das Ur-
teil vollumfänglich oder nur teilweise angefochten worden ist (§ 18 Abs.
1 AnwGebV). Für die Führung eines Strafprozesses einschliesslich Vorbereitung
des Parteivortrages und Teilnahme an der Hauptverhandlung beträgt die Grund-
gebühr in der Regel vor dem Einzelgericht Fr. 600.– bis Fr. 8'000.– und vor Be-
zirksgericht Fr. 1'000.– bis Fr. 28'000.– (§ 17 Abs. 1 AnwGebV). Zur Grundgebühr
werden Zuschläge berechnet und zwar für jede zusätzliche Verhandlung (Vorver-
handlung, Vergleichsverhandlung, vorgängige Beweiserhebung), für jede weitere
notwendige Rechtsschrift und für über den ersten Tag hinausgehende Verhand-
lungstage, wie Ergänzungs- oder Beweisverhandlungen (§ 17 Abs. 2 AnwGebV).
§ 11 Abs. 2 und 3 AnwGebV sind analog anwendbar (§ 17 Abs. 3 AnwGebV).
Gemäss § 2 Abs. 1 lit. b AnwGebV bilden im Strafprozess die Bedeutung des Fal-
les, die Verantwortung des Anwalts und die Schwierigkeit des Falles Grundlage
für die Festsetzung der Gebühr. Bei einem offensichtlichen Missverhältnis zwi-
schen dem Streitwert und dem notwendigen Zeitaufwand der Vertretung wird die
gemäss Verordnung berechnete Gebühr entsprechend erhöht oder herabgesetzt
(§ 2 Abs. 2 AnwGebV). In Strafverfahren gilt die Regel von Abs. 2 sinngemäss
(§ 2 Abs. 3 AnwGebV).
8.4. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es zulässig, für das An-
waltshonorar Pauschalen vorzusehen. Bei einer Honorarbemessung nach Pau-
schalbeträgen werden alle prozessualen Bemühungen zusammen als einheitli-
ches Ganzes aufgefasst und der effektive Zeitaufwand lediglich im Rahmen des
Tarifansatzes berücksichtigt. Pauschalen nach Rahmentarifen erweisen sich aber
dann als verfassungswidrig, wenn sie auf die konkreten Verhältnisse in keiner
Weise Rücksicht nehmen und im Einzelfall ausserhalb jedes vernünftigen Ver-
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hältnisses zu den vom Rechtsanwalt geleisteten Diensten stehen (BGE 141 I 124
E. 4.3; BGE 143 IV 453 E. 2.5.1).
8.5. Die amtliche Verteidigung macht für das Berufungsverfahren eine Ent-
schädigung von Fr. 10'975.50 (inkl. MwSt.) geltend (Urk. 91). Dies erscheint je-
doch nicht angemessen. Zu berücksichtigen ist, dass die Verteidigung das Man-
dat am 8. Februar 2019 vom Arbeitskollegen innerhalb der gemeinsamen Kanzlei
übernahm. Die Übergabe und Erlangung der Aktenkenntnisse durften folglich mit
überschaubarem Aufwand verbunden gewesen sein. Sodann liegt die Schwierig-
keit des Falles im unteren Bereich. Das vorinstanzliche Urteil wurde nur teilweise
angefochten, wobei es vorwiegend nur um die rechtliche Würdigung des Sach-
verhaltes Dossier 4 der Anklage, Sanktionsfragen und die Zivilansprüche der Pri-
vatklägerschaft ging. Die Verteidigung beschränkte sich entsprechend auch
hauptsächlich auf Ausführungen zur rechtlichen Würdigung und Strafzumessung
(Urk. 90 S. 2 ff.). Gestützt auf die Anwaltsgebührenverordnung erscheint eine
Entschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 8'000.– (inkl. MwSt.) als angemes-
sen (§18 in Verbindung mit § 17 AnwGebV), wobei darin auch der Aufwand für die
Berufungsverhandlung und die Nachbesprechung des Urteils abgegolten ist.
8.6. Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person Anspruch
auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren
wenn sie obsiegt (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). Ein Anspruch gegenüber dem Staat
(vgl. Urk. 88 S. 8) besteht nicht. Die Privatkläger machen eine Entschädigung in
Höhe von Fr. 7'667.80 (inkl. MwSt.) geltend (Urk. 86/1-2), wobei in diesem Betrag
noch kein Aufwand für die Berufungsverhandlung und die Nachbesprechung des
Urteils einberechnet wurde. Mit diesem Zusatzaufwand beliefe sich die Entschä-
digung insgesamt auf Fr. 8'960.21 (inkl. MwSt.). Wie bereits erwähnt, obsiegen
die Privatkläger im Schuldpunkt sowie teilweise bezüglich ihrer Zivilforderung.
Nachdem die Privatkläger bezüglich ihrer Zivilforderung nicht vollumfänglich ob-
siegen, ist ihnen eine leicht reduzierte Prozessentschädigung in Höhe von
Fr. 8'000.– (inkl. MwSt.) zuzusprechen.
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