Decision ID: 84747ae4-8642-455f-8573-7728ea904a9e
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Misswirtschaft
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung -
Einzelgericht, vom 5. Januar 2015 (GB140024)
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Anklage:
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 8. Januar 2014 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 25).
Urteil der Vorinstanz:
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB.
Der Vernachlässigung der Unterhaltspflichten im Sinne von Art. 217 Abs. 1 StGB ist
der Beschuldigte nicht schuldig und wird freigesprochen.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten, wovon
30 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 6 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf vier Jahre festgesetzt. Im Übrigen (6 Monate abzüglich 30 Tage,
die durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
4. Der Beschuldigte wird verpflichtet der Privatklägerin B._ AG, ... Management,
Schadenersatz im Betrag von € 240'000.– zuzüglich 5% Zins seit dem 17. Juni
2008 sowie Fr. 7'902.– zu bezahlen.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.-- ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 1'000.-- Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. Auslagen Untersuchung
Fr. 12'329.40 amtliche Verteidigung (Mehrwertsteuer inbegriffen)
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden mit Aus-
nahme der Kosten der amtlichen Verteidigung dem Beschuldigten auferlegt. Die
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Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse genommen. Vorbe-
halten bleibt das Rückforderungsrecht des Staates gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
7. Rechtsanwalt lic.iur. X._ wird als amtlicher Verteidiger für das Untersuchungs-
und das gerichtliche Verfahren mit einem Betrag von Fr. 12'329.40
(inkl. MWSt) aus der Gerichtskasse entschädigt.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 7 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 97 S. 2 f.):
1) Es seien Dispositiv Ziffer 1 und 2 des Entscheides des Bezirksgerichts
Zürich vom 5. Januar 2015 aufzuheben und der Beschuldigte / Appellant sei
vom Vorwurf der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB von
Schuld und Strafe freizusprechen.
2) Es sei Dispositiv Ziffer 3 des Entscheides des Bezirksgerichts Zürich vom
5. Januar 2015 aufzuheben und auf die Aussetzung einer bedingten und /
oder einer zu vollziehenden Strafe sei zu verzichten.
3) Es sei Dispositiv Ziffer 4 des Entscheides des Bezirksgerichts Zürich vom
5. Januar 2015 aufzuheben und die Forderung der Privatklägerin auf den
Zivilweg zu verweisen.
4) Es sei Dispositiv Ziffer 5 des Entscheides des Bezirksgerichts Zürich vom
5. Januar 2015 insoweit aufzuheben, als das die Entschädigung der amtli-
chen Verteidigung auf CHF 18'904.40 festzulegen sei.
5) Es sei Dispositiv Ziffer 6 des Entscheides des Bezirksgerichts Zürich vom
5. Januar 2015 insoweit aufzuheben, als dem Beschuldigten Kosten aufer-
legt werden. Die Kosten der Untersuchung, des Gerichtsverfahrens und der
amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.
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6) Es sei Dispositiv Ziffer 7 des Entscheides des Bezirksgerichts Zürich vom
5. Januar 2015 aufzuheben und der amtliche Verteidiger lic. iur. Rechts-
anwalt X._ mit neu CHF 18'904.90 (inkl. Mwst) für die Untersuchung
und das Gerichtsverfahren aus der Gerichtskasse zu entschädigen, wobei
die ausgerichteten CHF 12'329.40 als Akontozahlung zu berücksichtigen
sind.
7) Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 82)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil des Bezirksgerichts Zürich,
10. Abteilung – Einzelgericht, vom 5. Januar 2015 wurde der Beschuldigte der
Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen und mit
12 Monaten Freiheitsstrafe bestraft, wovon 30 Tage durch Haft erstanden sind.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde im Umfang von 6 Monaten aufgeschoben.
Vom Vorwurf der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten im Sinne von Art. 217
Abs. 1 StGB wurde der Beschuldigte freigesprochen. Weiter verpflichtete die Vor-
instanz den Beschuldigten im Sinne dessen Anerkennung, der Privatklägerin
B._ AG Schadenersatz im Betrag von € 240'000.– zuzüglich 5% Zins seit
dem 17. Juni 2008 sowie Fr. 7'902.– zu bezahlen. Schliesslich
wurden die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens – mit Aus-
nahme der Kosten der amtlichen Verteidigung – dem Beschuldigten auferlegt. Die
Kosten der amtlichen Verteidigung wurden einstweilen auf die Gerichtskasse ge-
nommen, unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wurde als amtlicher Verteidi-
ger für das Untersuchungs- und Gerichtsverfahren mit einem Betrag von
Fr. 12'329.40 (inkl. MWST) aus der Gerichtskasse entschädigt (Urk. 72).
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1.2. Das begründete Urteil wurde dem Beschuldigten, der Staatsanwaltschaft
sowie der Privatklägerin 1 schriftlich zugestellt (Urk. 71/1-3). Mit Eingabe vom
16. März 2015 liess der Beschuldigte fristgerecht Berufung gegen das Urteil vom
5. Januar 2015 anmelden (Urk. 68). Mit Eingabe vom 26. März 2015 reichte die
Verteidigung dem Obergericht ebenfalls fristgerecht die Berufungserklärung ein
(Urk. 74). Darin werden auch Beweisanträge gestellt: die Verteidigung beantragt
die Einvernahme von C._, D._ sowie E._ als Zeugen.
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 15. April 2015 wurde festgehalten, dass aus
den vorinstanzlichen Akten nicht hervorgehe, ob das Urteil den Privatklägern
Alimentenhilfe Region ... in Wetzikon bzw. F._, G._ und H._
zugestellt worden sei. Nach Zustellung des Urteils und entsprechender Frist-
ansetzung durch das Obergericht teilte die Alimentenhilfe Region ... in Wetzikon
mit, den vorinstanzlichen Freispruch des Beschuldigten vom Vorwurf der Ver-
nachlässigung von Unterhaltspflichten zu akzeptieren (Urk. 76, Urk. 78).
1.4. Nach Zustellung der Berufungserklärung an die übrigen Parteien erklärte
die Staatsanwaltschaft am 20. Mai 2015, auf eine Anschlussberufung zu verzich-
ten (Urk. 82). Die Privatklägerin B._ AG liess sich nicht verlauten. Die Vertei-
digung gab nach entsprechender Fristansetzung seine Adresse als Zustellungs-
domizil des in Kanada lebenden Beschuldigten an und erklärte, dass dieser an
der Berufungsverhandlung teilnehmen werde. Der Aufforderung, diverse Unterla-
gen betreffend seine finanziellen Verhältnisse beizubringen, kam der Beschuldigte
nur teilweise nach bzw. stellte in Aussicht, die Geschäftsabschlüsse seiner Unter-
nehmung nachzureichen (Urk. 86, Urk. 88). Mit Präsidialverfügung vom 17. Juli
2015 wurde der Beweisantrag des Beschuldigten auf
Zeugeneinvernahme einstweilen abgewiesen (Urk. 89). Bis heute reichte der
Beschuldigte keine weiteren Unterlagen ein.
1.5. Am 17. August 2015 wurde auf den 1. Oktober 2015 zur Berufungsver-
handlung vorgeladen (Urk. 91).
1.6. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen sind der Beschuldigte
sowie sein amtlicher Verteidiger. Vorfragen waren keine zu entscheiden (Prot. II
S. 7 f.). Die Verteidigung hielt an ihren bereits mit Eingabe vom 26. März 2015
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gestellten Beweisanträgen vollumfänglich fest und beantragte, die Berufungsver-
handlung bis nach Durchführung der Zeugenbefragung zu unterbrechen (Prot. II
S. 11). Auf entsprechende Frage der Verfahrensleitung erklärte sich die Verteidi-
gung damit einverstanden, dass über die gestellten Beweisanträge nicht vorab,
sondern im Rahmen der Beweiswürdigung entschieden werde (Prot. II S. 11 f.).
Nach durchgeführter Parteiverhandlung verzichtete die Verteidigung auf eine
mögliche mündliche Urteilseröffnung bzw. -erläuterung, woraufhin die Verfahrens-
leitung der Verteidigung die Zustellung eines schriftlich begründeten Beweis-
ergänzungsbeschlusses oder aber die Zustellung des Dispositives in Aussicht
stellte. Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung
(Prot. II S. 17 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte ficht das vorinstanzliche Urteil in Bezug auf den Schuld-
spruch betreffend den Vorwurf der Misswirtschaft an und verlangt einen Frei-
spruch. Ausdrücklich mitangefochten ist Dispositivziffer 4 des vorinstanzlichen
Urteils betreffend die Zusprechung von Schadenersatz zugunsten der Privatkläge-
rin 1 (Prot. II S. 9 f.). Dies, obwohl der Beschuldigte die Schadenersatzforderung
der B._ AG über das ganze Verfahren hinweg und auch anlässlich der Beru-
fungsverhandlung ausdrücklich anerkannte (Urk. 18 S. 9;
Prot. I S. 9 und 27; Urk. 96 S. 5, 9 f., 21). Nicht zum Gegenstand des Berufungs-
verfahrens gemacht wird hingegen der Freispruch vom Vorwurf der Vernachlässi-
gung von Unterhaltspflichten im Sinne von Art. 217 Abs. 1 StGB.
2.2. Damit ist lediglich der Freispruch betreffend die Vernachlässigung von
Unterhaltspflichten (Dispositivziffer 1 Absatz 2) in Rechtskraft erwachsen (vgl.
Prot. II S. 9 f.; Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO). Das ist
vorab vorzumerken.
3. Prozessuales
3.1. Wie bereits vor Vorinstanz beanstandet die Verteidigung, dass die von ihr
angerufenen Zeugen (C._, E._, D._) nie parteiöffentlich einver-
nommen worden seien. Es könne deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass
sich bei korrekter Zeugeneinvernahme dieser Personen ein anderer massgebli-
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cher Sachverhalt und folglich auch eine andere Würdigung und ein anderes Urteil
ergeben hätte, als von der Vorinstanz angenommen (Urk. 97 S. 5 f.). Ebenso be-
anstandet die Verteidigung, dass auch I._ nicht parteiöffentlich und insbe-
sondere in der falschen Rolle befragt worden sei (Urk. 97 S. 8, Prot. II S. 12). Die-
se formellen Mängel hätten sich im vorinstanzlichen Urteil niedergeschlagen,
weshalb die Sachverhaltserstellung unvollständig sei (Urk. 97 S. 8, 11 f.). Bevor
überhaupt ein Sachverhalt festgestellt werden
könne, müssten diese elementaren Rechtsmängel zuerst korrigiert werden
(Prot. II S. 15).
3.2. Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden. Es trifft zwar zu, wenn die
Verteidigung vorbringt, dass belastende Zeugenaussagen nur dann verwertet
werden dürfen, wenn die entsprechenden Einvernahmen parteiöffentlich durch-
geführt wurden (Urk. 97 S. 5). Dies ergibt sich eindeutig aus Art. 147 Abs. 4 StPO.
Davon ging aber auch die Vorinstanz aus, hielt sie doch ausdrücklich fest,
dass die Einvernahmen von I._, C._, E._ und
D._ aufgrund der Verletzung der Teilnahmerechte des
Beschuldigten sowie seiner Verteidigung nicht zu Lasten des Beschuldigten ver-
wertet werden dürften (Urk. 72 S. 11 f.). Selbstverständlich verhält es sich aber
nicht so, dass einzig aufgrund der Verletzung der Teilnahmerechte zwangsläufig
auf eine falsche oder unvollständige Sachverhaltserstellung zu schliessen wäre.
Dies wäre nur der Fall, wenn sich aus den betreffenden Einvernahmen überhaupt
etwas für die Sachverhaltserstellung Relevantes ableiten liesse. Die Vorinstanz
kam nach eingehender Würdigung der verwertbaren Beweise zum Schluss, dass
der Anklagesachverhalt als erstellt erachtet werden könne. Unverwertbare Bewei-
se wurden – entgegen der Verteidigung (Urk. 97 S. 5) – nicht zu Lasten des
Beschuldigten gewertet (Urk. 72 S. 11 ff.).
3.3. Das theoretische Vorgehen der Vorinstanz in Bezug auf die Sachverhalts-
erstellung ist damit nicht zu beanstanden. Ob der vorinstanzlichen Beweiswürdi-
gung auch inhaltlich gefolgt werden kann, ist im Rahmen der Sachverhaltserstel-
lung zu klären. Soweit der massgebliche Sachverhalt bestritten ist, ist er aufgrund
der bei den Akten liegenden Beweismittel zu erstellen. Welchen Grundsätzen da-
bei zu folgen ist, hat die Vorinstanz zutreffend aufgezeigt. Auf die entsprechenden
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Erwägungen ist zu verweisen (Urk. 72 S. 8, 10 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Im
Rahmen der Sachverhaltserstellung wird sich insbesondere auch zeigen, ob sich
zur Ermittlung der materiellen Wahrheit – wie von der Verteidigung beantragt –
eine Beweisergänzung als nötig erweist.
4. Sachverhalt
4.1. Gemäss Anklagesachverhalt wird dem Beschuldigten in Bezug auf den für
das vorliegende Berufungsverfahren relevanten Vorwurf der Misswirtschaft im
Wesentlichen und zusammengefasst vorgeworfen, im Namen der J._ SARL
am 17. Juni 2008 mit der B'._ [korr. B._ AG] einen Vertrag für einen
Charterflug von Zürich nach Las Vegas und zurück für den 18. resp. 24. Juni 2008
mit einem Privatjet "K._" über einen Betrag von € 225'800.– abgeschlossen
zu haben. Nachdem die bis zum 17. Juni 2008 zu leistende Vorauszahlung unter-
blieben sei, habe der Beschuldigte am 25. Juni 2008 unter anderem für sich und
gestützt auf die Einzelprokura auch namens der L._ AG eine seitens der
B._ AG aufgesetzte "Promissory Note" unterzeichnet, worin sich unter ande-
rem die L._ AG verpflichtet habe, den Betrag von € 240'000.– zu bezahlen.
Am 11. Dezember 2008 sei durch das Kantonsgericht II des Kantons Obwalden
infolge ordentlicher Konkursbetreibung über die L._ AG der Konkurs eröffnet
worden. Der Konkurseröffnung vorausgegangen sei eine provisorische Rechts-
öffnung durch das Kantonsgericht Obwalden gestützt auf eine Betreibung über
Fr. 392'120.– und das entsprechende Rechtsöffnungsbegehren der B._ AG.
Die L._ AG, welche keinerlei Geschäftsaktivitäten vorgenommen habe, das
Jahr 2008 mit einem Geschäftskontosaldo von Fr. 71.15 begonnen und im Zeit-
punkt der Unterzeichnung der "Promissory Note" über einen Aktivsaldo von ledig-
lich Fr. 71.20 verfügt habe, habe sich einen solchen Aufwand bzw. einen solchen
Charterflug gar nicht leisten können. Die Charterflugforderung habe denn auch
93% der Gesamtforderung im Zeitpunkt der Betreibung bzw. Konkurseröffnung
ausgemacht. Der Beschuldigte habe mit der Verpflichtung der L._ AG für die
Bezahlung dieses Fluges einen unverhältnismässigen Aufwand verursacht und
die Überschuldung der Firma herbeigeführt, was dann auch zur Konkurseröffnung
geführt habe (Urk. 25).
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4.2. Nachdem der Beschuldigte anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 8. Januar 2014 den ihm vorgehaltene Sachverhalt in der damaligen
Form noch akzeptiert hatte (Urk. 18 S. 8), wehrte er sich – nach erfolgter Einspra-
che gegen den Strafbefehl (vgl. Urk. 72 S. 3) – anlässlich der Hauptverhandlung
ganz entschieden, für den Konkurs der L._ AG verantwortlich zu sein (Prot. I
S. 27). Vor Berufungsgericht hielt er schliesslich dafür, zumindest nicht alleine für
den Konkurs der L._ AG verantwortlich zu sein. Jedenfalls habe er nicht
gegen das Gesetz verstossen (Urk. 96 S. 20). Auch die Verteidigung betont, dass
es sich bei der Verpflichtung gegenüber der Privatklägerin um eine reine Zivil-
forderung handle und sich der Beschuldigte durch sein Vorgehen nicht strafbar
gemacht habe (Urk. 41 S. 14).
4.3. Die Vorinstanz hat ausführlich, sorgfältig und zutreffend die massgeblichen
Aussagen des Beschuldigten zusammengefasst (Urk. 72 S. 17 ff.). Es sind dies
die Aussagen anlässlich der delegierten polizeilichen Einvernahme vom 23. Juni
2010 (Urk. 10/6), die Aussagen in der staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme
vom 12. Dezember 2013 (Urk. 17), diejenigen an der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme vom 8. Januar 2014 (Urk. 18) und schliesslich die anlässlich der
Hauptverhandlung gemachten Ausführungen (Prot. I S. 8-14). Darauf kann zur
Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.3.1 Hervorzuheben ist die konzise Zusammenfassung der Vorinstanz betref-
fend die seitens des Beschuldigten bzw. seines Verteidigers vorgebrachten Ein-
wände (Urk. 72 S. 8 f., Art. 82 Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte bzw. seine Vertei-
digung stellen sich materiell im Wesentlichen insbesondere auf den Standpunkt,
dass der Beschuldigte keine Kenntnis über die finanzielle Situation der L._
AG gehabt habe. Überdies habe er keine Organstellung und nur eine beschränkte
Zeichnungsberechtigung innegehabt, weshalb die "Promissory Note" zivilrechtlich
unverbindlich sei. Ferner habe er in guten Treuen davon ausgehen dürfen, dass
der L._ AG aus diversen Kundenkontakten von E._, damaliger einziger
Verwaltungsratspräsident der L._ AG, Gelder zufliessen würden. Ebenso ha-
be er damit rechnen dürfen, dass die J._ SARL, in
dessen Namen der Charterflug gebucht worden war, über genügend finanzielle
Mittel verfügt habe, um den Flug zu bezahlen. Ferner seien der L._ AG
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seitens von Banken Kredite zugesichert worden. Der Beschuldigte sei aber Opfer
der Finanzkrise geworden. Die Kunden hätten Gelder abgezogen und die Wert-
schriften des Beschuldigten hätten an Wert verloren. Der Nachweis, dass er bei
Unterzeichnung der "Promissory Note" davon gewusst habe, dass die L._
AG nicht über die finanziellen Mittel verfügt habe, sei damit nicht erbracht.
4.3.2 An dieser Argumentation hält die Verteidigung auch berufungsweise fest.
Wiederum verneint sie, dass der Beschuldigte im Zeitpunkt der Unterzeichnung
der "Promissory Note" über die finanziellen Verhältnisse der L._ AG hätte
Bescheid wissen müssen. So führt die Verteidigung aus, dass dem Beschuldigten
– entgegen der Auffassung der Vorinstanz – nicht unterstellt werden dürfe, dass
er jederzeit und insbesondere im Zeitpunkt der Unterzeichnung der "Promissory
Note" über den Kontostand der L._ AG bei irgendwelchen Banken Bescheid
hätte wissen müssen bzw. gewusst habe (Urk. 97 S. 8). Vielmehr sei der Informa-
tionsstand des Beschuldigten betreffend den Kontostand etc. davon abhängig
gewesen, welche Informationen von E._ und D._ an den Beschuldigten
weitergeleitet worden seien. Ebenso bringt die Verteidigung wieder vor, dass der
Beschuldigte die "Promissory Note" nicht freiwillig unterzeichnet habe, sondern
sich vielmehr aufgrund des Umstandes, dass er die Reise gebucht hatte, dazu
veranlasst sah, die Rückreise der Passagiere zu ermöglichen (Urk. 97 S. 9).
4.3.3 Die Verteidigung kritisiert, dass die Vorinstanz die Schuld des Beschuldig-
ten einzig vom Umstand der Unterzeichnung der "Promissory Note" und der damit
einhergehenden Konkurseröffnung abhängig gemacht habe. Demgegenüber
seien Umstände, welche die Unterzeichnung hätten relativieren bzw. den
Beschuldigten von den Folgen der Unterzeichnung hätten entlasten können, aus-
ser Betracht gelassen worden. Deshalb könne das vorinstanzliche Urteil nicht
richtig sein (Urk. 97 S. 7). Es sei naheliegend, dass E._ und C._, allen-
falls auch D._, ein grosses Interesse daran gehabt hätten, den Beschuldigten
zu belasten, damit sie ihre eigene Verantwortlichkeit hätten reduzieren können.
Dieser Plan sei bislang auch aufgegangen, da sich die ganze Untersuchung stets
nur um die L._ AG und den Beschuldigten, nicht aber um die weiteren Um-
stände, wie jene der Involvierung C._s gedreht habe (Urk. 97 S. 5). Nach
Auffassung des Beschuldigten – so die Verteidigung – sei C._ die treibende
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Kraft im Hintergrund aller Vorgänge um die L._ AG gewesen. So habe
C._ dem Beschuldigten beispielsweise versprochen, dass Vermögenswerte
(anfänglich mindestens CHF 500'000.–) auf das Konto der L._ AG zugehen
würden. Ferner sei es C._ gewesen, der die L._ AG gegründet und ihm
– dem Beschuldigten – die Rechte eingeräumt habe und dies einzig zum Zwecke
der späteren Geschäftstätigkeiten, welche durch C._s initiierte Projekte hät-
ten stattfinden sollen. C._ sei es sodann gewesen, der über die entspre-
chenden Kontakte verfügt habe, um den Geschäftsabschluss über die bestellten
Energy Drinks in Las Vegas zu bewerkstelligen und auch Anlass dazu gegeben
habe, mit einem Charterflug der B._ nach Las Vegas zu fliegen, da dies für
C._ und seine Familie die einfachste Weise gewesen sei, ein entsprechen-
des Einreisevisum zu erhalten. Schliesslich sei es auch C._ gewesen, der
E._ dazu veranlasst habe, die Bestellung der Energy Drinks in Auftrag zu
geben (Urk. 97 S. 6 ff.). Dass C._ die treibende Kraft gewesen sei, zeige sich
auch am Umstand, dass die B._ auf ihrem Formular, auf welchem sie die
Buchung bestätigt hatten, unter dem Vermerk "just for guarantee" die Kreditkar-
tennummer C._s als Zahlungsgaranten vermerkt hätten (Prot. II S. 12 mit
Verweis auf Urk. 11/2). Im Zeitpunkt der Unterzeichnung der "Promissory Note"
habe der Beschuldigte das Versprechen C._s im Hinterkopf gehabt, wonach
dieser der L._ AG liquide Mittel zuführen würde (Urk. 97 S. 8).
4.4. Die Vorinstanz stützte sich bei der Sachverhaltserstellung neben den Aus-
sagen des Beschuldigten insbesondere auch auf diverse schriftliche Dokumente,
die unter anderem gestützt auf Beweisergänzungsanträge der Verteidigung im
Rahmen des Hauptverfahrens beigezogen wurden (vgl. Urk. 42 und Urk. 72 S. 9
f., mit Verweis auf Urk. 53 [betreffend die Bank M._ & Co. Ltd.], Urk. 54 [be-
treffend die N._ AG]). Ferner berücksichtigt wurden diverse seitens des Be-
schuldigten anlässlich der Hauptverhandlung in Aussicht gestellte und hernach
eingereichte Emails sowie weitere Unterlagen (Urk. 72 S. 12 mit Verweis auf
Urk. 50/1-50, Urk. 51). Sowohl diese schriftlichen Dokumente als auch die ge-
stützt auf den Beweisantrag der Verteidigung durchgeführten Zeugeneinvernah-
men von O._ (Ansprechpartner bei der N._ AG) und P._ (An-
sprechpartner bei der Bank M._ & Co. Ltd.) (Urk. 55, Urk. 62, Urk. 63) sollten
aufzeigen, dass mit verschiedenen Banken, namentlich der Bank M._ & Co.
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Ltd., der Q._ sowie via die N._ AG mit der Bank R._ ernsthafte
Verhandlungen über verschiedene Geschäfte geführt worden seien. Damit sollte
die Aussage des Beschuldigten belegt werden, wonach er im Zeitpunkt der Unter-
zeichnung der "Promissory Note" aufgrund seiner Geschäftstätigkeiten berechtig-
terweise damit habe rechnen dürfen, dass der L._ AG in nächster Zeit erheb-
liche Mittel zufliessen würden, wie er dies insbesondere auch an der Hauptver-
handlung ausführte (Prot. I S. 13 f.). In diesem Zusammenhang verweist der Be-
schuldigte bzw. seine Verteidigung insbesondere auch auf das geplante Projekt
der L._ AG betreffend den Aufbau eines Geschäfts mit Energy Drinks. Ferner
sollte aufgezeigt werden, dass die J._ SARL, welche den Flug nach
Las Vegas anerkanntermassen gebucht hatte, zum Zeitpunkt der Buchung über
genügend Vermögenswerte verfügt hätte, um die Kosten zu decken (vgl. Prot. I
S. 21, Urk. 41 S. 15 f, Urk. 49).
4.5. Die Vorinstanz hat die für das vorliegende Verfahren massgeblichen
Erkenntnisse aus den seitens der Q._, der N._ AG sowie der Bank
M._ & Co. Ltd. edierten Unterlagen ausführlich, sorgfältig und zutreffend zu-
sammengefasst (Urk. 72 S. 14-17). Auch darauf kann vorab vollumfänglich ver-
wiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Gleiches gilt für die Wiedergabe der rele-
vanten Passagen der zu den Akten gereichten umfangreichen Emailkorrespon-
denz zwischen dem Beschuldigten, E._ (einziger Verwaltungsrat der L._
AG im Zeitpunkt der Unterzeichnung der "Promissory Note", Urk. 13/21, 13/28)
und P._ (Angestellter der Bank M._) bzw. O._ (von der N._)
sowie die Erkenntnis, dass aus den übrigen Emails nichts für die Sachverhaltser-
stellung relevantes entnommen werden kann (Urk. 72 S. 13 f.).
4.6. Es kann vorweggenommen werden, dass den von der Vorinstanz aus dem
Beweismaterial gezogenen Schlüsse vollumfänglich zu folgen ist. Die folgenden
Erwägungen sollen dies verdeutlichen.
4.7. Unbestritten ist, dass der Beschuldigte am 25. Juni 2008 unter anderem für
sich und namens der L._ AG per procura eine "Promissory Note" über den
Betrag von € 240'000.– unterzeichnet hat (Urk. 10/6 S. 8 f., Urk. 18 S. 8, Prot. I
S. 9, Urk. 72 S. 7, Urk. 96 S. 12 f., Urk. 97 S. 7). Diese liegt bei den Akten
(Urk. 7/4 = Urk. 11/3).
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4.7.1 An der delegierten polizeilichen Einvernahme vom 23. Juni 2010 erklärte
der Beschuldigte auf die Frage, ob er im Besitze einer Vollmacht gewesen sei, die
volle Verantwortung zu übernehmen. Schliesslich sei er Prokurist bei der L._
AG gewesen und die J._ SARL, welche bei der Buchung die Garantie geleis-
tet habe, sei seine Firma (Urk. 10/6 S. 9). Der "Promissory
Note" ist zu entnehmen, dass sich der Beschuldigte in eigenem Namen sowie
namens der L._ AG, der J._ SARL und namens der weiteren Flugpass-
agiere F._, S._, C._ und T._ unter solidarischer Haftbarkeit
verpflichtete, der B._ AG den Betrag von € 240'000.– zu bezahlen. Ebenso
anerkennt er die dieser "Promissory Note" zugrundeliegende Forderung gegen-
über der B._ AG. Ausdrücklich wurde dieser sodann das Recht eingeräumt,
die Forderung gegenüber jeder der unterzeichnenden Parteien einzeln geltend zu
machen (Urk. 10/6 S. 8, Urk. 17/3, Urk. 18 S. 8, Prot. I S. 27, Urk. 72 S. 12,
Urk. 96 S. 12 f.).
4.7.2 Soweit der Beschuldigte bzw. die Verteidigung vorbringen, der Beschuldig-
te sei bei der Unterzeichnung der "Promissory Note" unter Druck gesetzt, wenn
nicht sogar genötigt worden (Prot. I S. 9, Urk. 41 S. 5, Urk. 96 S. 14, Urk. 97 S. 8
f., Prot. II S. 16), kann dem – mit der Vorinstanz (Urk. 72 S. 25 ff.) –, zumindest im
Hinblick auf die Sachverhaltserstellung, keine Bedeutung für das vorliegende
Strafverfahren beigemessen werden. Vielmehr anerkennt auch die Verteidigung
die zivilrechtliche Gültigkeit der "Promissory Note" (Prot. I S. 27, Prot. II S. 13 f.).
4.7.3 Den Akten ist zu entnehmen, dass dem Beschuldigten an der Sitzung des
Verwaltungsrates der L._ AG vom 5. März 2008 die Prokura mit Einzelunter-
schrift erteilt worden ist (Urk. 12/38). Dass der Beschuldigte tatsächlich über die
Einzelprokura verfügte, kann dem Auszug aus dem Handelsregister entnommen
werden (Urk. 13/3). Wie gesehen anerkennt der Beschuldigte, dass er als Proku-
rist der L._ AG im Zeitpunkt der Unterzeichnung der "Promissory Note" ein-
zelzeichnungsberechtigt war (Urk. 18 S. 2, 4, 8). Daran ändert auch nichts, dass
er an der Berufungsverhandlung vorbrachte, zwar Prokurist gewesen zu sein, sich
aber nicht mehr erinnern zu können, über eine Einzelprokura verfügt zu haben
(Urk. 96 S. 10). Wie dem Protokoll der Sitzung des Verwaltungsrates mit dem
Traktandum "Einzelprokura" zu entnehmen ist, war der Beschuldigte bei der
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Erteilung der Einzelprokura anwesend und bezeugte die Annahme seiner Wahl
unterschriftlich (Urk. 12/38). Entgegen der Verteidigung (Urk. 41 S. 12, Urk. 97
S. 8) kann damit kein Zweifel darüber bestehen, dass der Beschuldigte als Proku-
rist für die L._ AG die "Promissory Note" rechtswirksam unterzeichnen konn-
te. Trotz der angebrachten Vorbehalte geht schliesslich auch die Verteidigung von
der zivilrechtlichen Gültigkeit der "Promissory Note" aus (Prot. I S. 27, Urk. 97
S. 10, Prot. II S. 13 f.).
4.8. Der Beschuldigte anerkennt ferner, im Zeitpunkt der Unterzeichnung
"Zugang zur Finanzstruktur der L._ AG" gehabt zu haben. Ebenso bestreitet
er nicht, in Bezug auf die Konten der L._ AG bei der Q._ einzelzeich-
nungsberechtigt gewesen zu sein (Urk. 18 S. 3), was durch die bei den Akten lie-
genden Zeichnungsregelung der Q._ vom 27. April 2008 bestätigt wird
(Urk. 12/10). Ebenso ergibt sich aus den Akten, dass der
Beschuldigte wirtschaftlicher Berechtigter an den bei der Q._ liegenden Ver-
mögenswerten der L._ AG war (Urk. 12/11). Es kann damit – entgegen der
Verteidigung (Urk. 41 S. 13, Urk. 97 S. 8, Prot. II S. 13) – der Vorinstanz uneinge-
schränkt gefolgt werden, wenn sie gestützt auf die Akten sowie die Aussagen des
Beschuldigten den Schluss zieht, dass der Beschuldigte im Zeitpunkt der Unter-
zeichnung der "Promissory Note" die finanziellen Verhältnisse der L._ AG
gekannt haben muss (Urk. 72 S. 17, 27). Darauf, sowie auf die diesbezüglichen
Ausführungen der Vorinstanz kann vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO).
Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte der Beschuldigte vor, nicht gewusst
zu haben, dass er wirtschaftlicher Berechtigter betreffend die Unternehmenskon-
ten bei der Q._ gewesen sei (Urk. 96 S. 11). Die Verteidigung betonte, dass
die Zeichnungsberechtigung nicht durch den Beschuldigten selbst, sondern durch
E._ eingeräumt worden sei (Prot. II S. 13). Daraus kann aber nichts zuguns-
ten des Beschuldigten abgeleitet werden. Hervorzuheben ist, dass der Beschul-
digte selbst erklärte, dass ihm im Zeitpunkt der Unterzeichnung der "Promissory
Note" bekannt gewesen sei, dass die L._ AG nicht über liquide Mittel verfügt
habe (Urk. 72 S. 18 mit Verweis auf Urk. 10/6 S. 10 f., Urk. 96 S. 12 ff.). Dazu
passt auch die Aussage des Beschuldigten, wonach die L._ AG (noch) über
- 15 -
keine Vermögenswerte verfügt habe, als er Ende 2007 hinzugezogen worden sei,
um die "Finanzstruktur der Firma" aufzubauen (Urk. 10/6 S. 5 f.). Ob die Firma in
der Folge Einnahmen habe generieren können, konnte der Beschuldigte trotz sei-
ner Funktion als Prokurist und seinem nach eigenen
Angaben vorherrschenden Tätigkeitsbereich, wonach er die "Finanzstruktur" der
Firma hätte aufbauen sollen, nicht mit Sicherheit angeben (Urk. 10/6 S. 13). Die
Verteidigung führte anlässlich der Berufungsverhandlung aus, dass die L._
AG vor der Reise nach Las Vegas keine Geschäftstätigkeiten habe entfalten
sollen. Diese hätte erst später aktiv werden sollen, nämlich dann, wenn sie orga-
nisiert und finanziert gewesen wäre (Urk. 97 S. 10). Dass es der L._ AG bis
zur Konkurseröffnung nicht gelungen ist, Aktiven zu generieren, ergibt sich – mit
der Vorinstanz (Urk. 72 S. 29) – insbesondere auch aus dem Umstand, dass seit
Oktober 2007 bis zur Konkurseröffnung im Dezember 2008 mit Ausnahme der
Bezahlung der Gründungskosten keine Transaktionen vorgenommen wurden, wie
sich dies aus den Kontoauszügen der entsprechenden Unternehmenskonten
ergibt. Dass die L._ AG alles andere als liquid gewesen ist, zeigt sich auch
an dem Umstand, dass der Beschuldigte sowohl die Leasing- als auch Versiche-
rungsraten für den von ihm als Geschäftsauto gefahrenen BMW X5 gemäss eige-
nen Angaben selber bezahlt hatte. Er habe das Fahrzeug zu Repräsentations-
zwecken und für Geschäftsreisen gebraucht. Er sei aber nicht der Einzige ge-
wesen, der Autos geleast habe. Sie hätten wegen der Finanzkrise ein Liquiditäts-
problem gehabt (Urk. 10/6 S. 13 f.). Wenn der Beschuldigte an der Hauptverhand-
lung dann erklärte, er habe die Umstände, in denen sich die L._ AG befun-
den habe, nicht gekannt (Prot. I S. 11), muss dies als widersprüchlich und voll-
kommen unglaubhafte Schutzbehauptung bezeichnet werden.
4.9. Ebenso unglaubhaft erscheint die anlässlich der Hauptverhandlung vorge-
brachte Behauptung des Beschuldigten, wonach er bei der L._ AG nicht aktiv
tätig gewesen sei (Prot. I S. 13). Das ergibt sich schon daraus, dass er kurz
darauf selbst erklärte, damals alles getan zu haben, um Aktiven und liquide Mittel
für die L._ AG zu beschaffen (Prot. I S. 13). Die durchaus aktive und auch
tragende Rolle des Beschuldigten innerhalb der L._ AG zeigt sich – mit der
Vorinstanz (Urk. 72 S. 26) – auch aufgrund der seitens des Beschuldigten anläss-
lich der Hafteinvernahme vorgenommenen Äusserung, wonach er die "Promissory
- 16 -
Note" unterschrieben habe, weil es "seine beiden Gesellschaften" gewesen seien
und er der "Verwalter" gewesen sei (Urk. 17/1 S. 3).
4.10. Fest steht damit, dass dem Beschuldigten – wenn ihm nicht sogar die
Stellung eines faktischen Organs zuzurechnen ist – mindestens (weitgehende)
selbständige Entscheidungsbefugnisse zugestanden haben. Ferner ist erstellt,
dass die L._ AG im Zeitpunkt der Unterzeichnung der "Promissory Note"
über keine liquiden Mittel und auch sonst über keine nennenswerten Aktiven ver-
fügte. Vielmehr wäre es nach den Angaben des Beschuldigten gerade das Ziel
gewesen, solche zu beschaffen. Sodann ergibt sich aufgrund der Aktenlage, dass
der Beschuldigte im Zeitpunkt der Unterzeichnung der "Promissory Note" über die
prekäre finanzielle Situation der L._ AG Bescheid gewusst hatte und zwar
unabhängig davon, ob er den "genauen" Kontostand bei der Q._ gekannt
hatte oder nicht.
4.11. Nachdem die L._ AG der mit der "Promissory Note" eingegangenen
Verpflichtung nicht nachgekommen war und der B._ AG daraufhin mit Verfü-
gung vom 4. September 2008 für die in Betreibung gesetzte Forderung von
Fr. 395'520.– provisorische Rechtsöffnung erteilt worden war (Urk. 7/5; Urk. 72
S. 8, S. 12), folgte mit Verfügung des Kantonsgerichtspräsidenten des Kantons
Obwalden vom 11. Dezember 2008 die Konkurseröffnung (Urk. 7/1/3 =
Urk. 13/27).
4.12. Als Grund für die Nichtbezahlung der Verpflichtung nannte der Beschuldig-
te die Finanzkrise und die Banken, die die Kreditlinie gestoppt hätten (Urk. 10/6
S. 8, 15; Urk. 96 S. 14, 16 f., 19). Eine weitere Erklärung sah der Beschuldigte
darin, dass erwartete Geldmittel von Kunden nicht wie erwartet auf die Q._
einbezahlt worden seien (Urk. 10/6 S. 11 und 15; Prot. I S. 11). Deshalb sei auch
der durch E._ ausgelöste Zahlungsauftrag vom
18. Juni 2008 nicht ausgeführt worden (Urk. 10/6 S. 11, vgl. auch Urk. 11/4 und
Urk. 12/27).
Dies erstaunt nicht, verfügte das Konto zum relevanten Zeitpunkt doch nur gerade
über einen Saldo von CHF 71.15 (Urk. 12/21). Mit dem damaligen Kontostand
konfrontiert, hielt der Beschuldigte fest, dass dies schon zutreffen könne. Sie
- 17 -
hätten aber schliesslich Wertschriften in Höhe von 10 Millionen Franken deponie-
ren wollen. Allerdings habe die Analyse in der Folge gezeigt, dass die Bank die
Wertschriften nicht akzeptierte. Schliesslich sei dann auch noch die Wirtschafts-
krise gekommen. Um flüssige Mittel zu bekommen, sei zwar auch mit anderen
Banken gearbeitet worden, mit der Wirtschaftskrise sei aber alles annulliert
worden (Urk. 18 S. 3 f.).
Die Verteidigung stellt sich auf den Standpunkt, dass der Beschuldigte im Zeit-
punkt der Buchung des Fluges davon ausgehen durfte, dass entweder die
J._ SARL im Zeitpunkt der Buchung des Fluges über genügend Mittel verfügt
habe oder dass Grund zur Annahme bestanden habe, dass die
Q._ die Wertschriften der Firmen des Beschuldigten
annehmen würde, diese belehnt würden und die Bank auf den Konten der
L._ AG die entsprechenden Kredite gutschreiben würde (Urk. 41 S. 16).
4.13. Wie die Vorinstanz zutreffend feststellte (Urk. 72 S. 12-17), sind den Akten
– entgegen der Auffassung des Beschuldigten (vgl. dazu Prot. I S. 13 f., Urk. 96
S. 14 ff.) – keine Hinweise auf etwaige "schriftliche Kreditzusicherungen" zu ent-
nehmen, welche im Zeitpunkt der Unterzeichnung der "Promissory Note" die
begründete Annahme gerechtfertigt hätten, dass die Bank M._ & Co. Ltd.,
die Bank R._ oder die Q._ der L._ AG Kredite
gewähren würde.
4.13.1 Betreffend die Bank M._ & Co. Ltd. stand spätestens am 12. Juni
2008 fest, dass die Bonds, welche namens der L._ AG hätten deponiert wer-
den sollen, als Kreditsicherheit nicht akzeptiert würden, wie dies die Vorinstanz in
ihren Erwägungen zutreffend aufzeigte (Urk. 72 S. 13 mit Verweis auf Urk. 50/37).
Darauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Es erstaunt deshalb nicht,
dass die L._ AG bei der Bank M._ & Co. Ltd. gemäss deren Auskunft
nie als Inhaberin eines Depots vermerkt worden sei (Urk. 72 S. 16 mit Verweis auf
Urk. 59). Dazu passen auch die von P._ anlässlich der Zeugeneinvernahme
vom 13. Oktober 2014 gemachten Aussagen in Bezug auf den Verlauf der Ge-
schäfte: "Es waren leere Versprechungen. Es kam nie etwas. Er wollte einen
Bond hinterlegen, der aber aus unserer Sicht völlig irrelevant und nicht belehnbar
war" (Urk. 63 S. 2). "Es wurde viel geredet, aber wir waren unsicher, ob es bei
- 18 -
ihm überhaupt etwas gibt. Er konnte nie den Beweis erbringen, dass er irgend-
etwas hat" (Urk. 63 S. 4).
4.13.2 Auch in Bezug auf die Bank R._ bzw. die N._ AG ergeben sich
aus den Akten keinerlei Hinweise, wonach im Zeitpunkt der Unterzeichnung der
"Promissory Note" mit einer Kreditgewährung zugunsten der L._ AG hätte
gerechnet werden dürfen. Wie die Vorinstanz gestützt auf den Email-Verkehr zwi-
schen E._ und dem Beschuldigten vom 18. Juni 2008 aufzeigte, befanden
sich die Verhandlungen betreffend eine allfällige Kreditgewährung noch im An-
fangsstadium (Urk. 72 S. 13 f. mit Verweis auf Urk. 50/40). Von einer Kreditzusi-
cherung kann damit nicht die Rede sein. Anderes ergibt sich auch nicht aus den
gestützt auf den Beweisantrag des Beschuldigten bei der N._ AG edierten
Unterlagen (Urk. 72 S. 15 f., Urk. 54 und 58). Seitens der N._ AG wurde
klargestellt, dass weder die L._ AG noch der Beschuldigte als bestehender
oder ehemaliger Kunde aufgeführt sei. Ferner hielt sie fest, dass sie als Vermö-
gensverwaltungsgesellschaft keine Kredite vergeben würden. Allerdings seien
den Akten auch sonst keine sachdienlichen Hinweise zu entnehmen. Gemäss
Auskunft der N._ AG habe den Unterlagen lediglich hinsichtlich einer in der
Verfügung nicht genannten, aber vom Beschuldigten beherrschten Gesellschaft
einige Hinweise auf eine mögliche Kreditaufnahme bei der Bank R._ ent-
nommen werden können. Dies ergebe sich aus dem Email-Verkehr zwischen
Herrn O._ und dem Beschuldigten (Urk. 58). Ein seitens des Beschuldigten
eingereichtes Email-Schreiben zwischen ihm und O._ lässt aufgrund der an-
gegebenen Email-Adresse des Beschuldigten den Schluss zu, dass es sich bei
der vorgenannten Gesellschaft offenbar um die J._ SARL
gehandelt haben muss (Urk. 50/34). Aber auch diesem Schreiben kann lediglich
entnommen werden, dass über mögliche Vertragsverhandlungen gesprochen
wurde. Aufgrund der Auskünfte der N._ AG ist damit davon auszugehen,
dass die Geschäftsbeziehungen zwischen ihr bzw. der Bank
R._ und der L._ AG nie über das zuvor genannte Anfangsstadium hin-
ausgegangen waren. Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus der Zeugenein-
vernahme von O._. Demnach hatte dieser für den Beschuldigten bei der
Bank R._ – nach Einschätzung des Zeugen wohl im Oktober 2008 – zwar ein
Konto eingerichtet, worauf dieser Bonds transferiert habe. Diese seien allerdings
- 19 -
nicht handelbar gewesen (vgl. Urk. 72 S. 20 f. mit Verweis auf Urk. 62 S. 4, 6). In
den Vormonaten sei nie etwas passiert, obwohl der Beschuldigte "mit
irgendwelchen Geschichten" "X-Mal" vorbeigekommen sei. Es habe immer
interessant ausgesehen, gelaufen sei aber nie etwas (Urk. 62 S. 5).
4.13.3 Schliesslich sind den Akten auch keine Hinweise zu entnehmen, welche
die Annahme rechtfertigen würde, dass die Q._ ernsthaft in Erwägung gezo-
gen hätte, der L._ AG einen Kredit zu gewähren. Eine dahingehende Absicht
wurde dem Beschuldigten nie kommuniziert. Auch diesbezüglich kann auf die vo-
rinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 32 S. 14 f.). Intern wurde der
Geschäftsleitung der Q._ mangels hinreichender Beurteilbarkeit der Wertpa-
piere bereits mit Schreiben vom 17. März 2008 von einer Kreditierung abgeraten
(Urk. 12/36). Mit der Vorinstanz ist damit festzuhalten, dass selbst wenn der
L._ AG dieser abschlägige Entscheid nicht mitgeteilt worden wäre, aus dem
Nichtagieren der Q._ jedenfalls nicht auf eine Kreditzusicherung geschlossen
werden durfte. Auch aus den bei der Q._ durch die Untersuchungsbehörden
edierten Akten ergeben sich keine Hinweise auf eine mögliche Kreditgewährung
(Urk. 12/1-12/37). Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 41 S. 18)
durfte der Beschuldigte – als er mit der Reisegruppe in Las Vegas war – keines-
wegs damit rechnen, dass der L._ AG gestützt auf die Zusammenarbeit mit
der Q._ die finanziellen Mittel in Kürze zur Verfügung stünden. Anlässlich der
Berufungsverhandlung räumte die Verteidigung denn auch ein, dass die Q._
die Kreditierung der Vermögenswerte verweigert habe, allerdings nur, weil sie of-
fenbar die Konstrukte des Beschuldigten nicht verstanden habe (Urk. 97 S. 9).
4.14. Auch aus den übrigen Vorbringen des Beschuldigten bzw. der Verteidigung
lässt sich nichts zugunsten des Beschuldigten ableiten, wie dies die Vorinstanz
zutreffend aufgezeigt hat (Urk. 72 S. 23 ff.). Auch darauf kann zur Vermeidung
von Wiederholungen vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Ins-
besondere ist der Einwand des Beschuldigten nicht zu hören, wonach er Opfer
der Finanzkrise geworden sei. Wie die Vorinstanz richtig ausführte, traten die
Auswirkungen der Finanzkrise nicht völlig unerwartet und erst nach dem 25. Juni
2008 auf. Die sich abzeichnenden Probleme waren schon vorher erkennbar
(Urk. 72 S. 24 f.). Falls sich die Finanzkrise negativ auf die finanziellen Verhältnis-
- 20 -
se des Beschuldigten, der J._ SARL und/oder der L._ AG ausgewirkt
haben sollte, wäre dies vielmehr Grund dafür gewesen, das Vorhaben mit der Bu-
chung des Privatjets für einen Betrag von € 225'800.– bzw. der Unterzeichnung
einer "Promissory Note" über einen Betrag von € 240'000.– zu hinterfragen bzw.
zu unterlassen. Unter diesen Umständen kann auch die durch nichts belegte Be-
hauptung der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung nicht gehört
werden, wonach – auch wenn die Q._ eine Kreditierung verweigert habe –
andere Banken dies sicherlich anders gesehen hätten (Urk. 97 S. 9).
4.15. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass aufgrund der bei den
Akten liegenden Beweismitteln davon auszugehen ist, dass die L._ AG im
Zeitpunkt der Unterzeichnung der "Promissory Note" abgesehen von den
CHF 71.15 über keine liquiden Mittel verfügt hat. Weiter ist erstellt, dass
die L._ AG auch sonst über keine realisierbaren Aktiven, verbindliche Kredit-
zusagen oder Debitoren verfügte.
4.16. Daran ändert – zumindest hinsichtlich der Sachverhaltserstellung – auch
nichts, wenn die Verteidigung immer wieder vorbringt, dass C._ versprochen
habe, der L._ AG die nötige Liquidität zu beschaffen und nur auf sein Drän-
gen hin überhaupt der Flug bei der B._ gebucht worden sei (Urk. 97 S. 6, 8,
10 f.; Prot. II S. 14; vgl. auch vorstehende Erw. 4.3.3). Fakt ist, dass C._ der
L._ AG bis zur Unterzeichnung der "Promissory Note" und auch nachher
keinerlei finanziellen Mittel hat zukommen lassen, was der Beschuldigte anläss-
lich der Berufungsverhandlung bestätigte (Urk. 96 S. 12).
4.17. Nicht gefolgt werden kann dem Beschuldigten, wenn er vorbringt, dass es
an den ausgebliebenen Kundengelder gelegen habe, dass über die L._ AG
der Konkurs eröffnet worden sei bzw. dieser hätte verhindert werden können,
wenn diese ihren Verpflichtungen nachgekommen wären (Urk. 10/6 S. 11 f.,
15 f.). Auch diesbezüglich fehlen jegliche Hinweise auf Verbindungen, die über
lose Kundenkontakte betreffend allfällig in der Zukunft abzuschliessende
Geschäfte hinausgingen. Dies hat insbesondere für das vom Beschuldigten im-
mer wieder vorgebrachte Geschäft betreffend die Energy Drinks zu gelten,
wonach die "Bestellung der Dosen einen Wert von 15 Millionen US-Dollar" gehabt
habe, weshalb sie dann auch nach Las Vegas geflogen seien. Zunächst hielt der
- 21 -
Beschuldigte fest, dass E._ und C._ ihm diesbezüglich gesagt hätten,
dass diese Dosen bereits verkauft worden seien (Urk. 10/6 S. 6, 12). Wenn man
einen solchen Vertrag in der Tasche habe, lohne sich ein solcher Flug. Der Ver-
trag müsse E._ haben, er – der Beschuldigte – habe den Vertrag gesehen
(Urk. 10/6 S. 12). Allerdings hielt der Beschuldigte hernach von sich aus dafür,
dass der Flug nach Las Vegas gedrängt habe, weil sie "wenn dann alles eingefä-
delt und unterschrieben" worden wäre, mit den Leuten der entsprechenden Firma
zurückfliegen und auch Musterdosen und Werbematerial hätten
zurückbringen können (Urk. 10/6 S. 6). Das spricht – wenn überhaupt – eher für
Vertragsverhandlungen und gegen die Annahme eines abgeschlossenen
Geschäfts. An der Hafteinvernahme war denn auch nur noch die Rede davon,
dass man einen neuen Energy Drink habe machen wollen. Das Projekt sei dann
aber wegen der Finanzkrise auf Eis gelegt worden, weil die Banken die Kredite
nicht zugelassen und die Kunden von E._ und C._ die Bestellungen an-
nulliert hätten (Urk. 17 S. 3). Damit ist erwiesen, dass sich etwaige Kunden von
E._ und C._ eben nicht in einer Weise verpflichtet hatten, dass ernsthaft
und innert nützlicher Frist mit entsprechenden Zahlungseingängen hätte gerech-
net werden dürfen, ansonsten sie die Bestellungen nicht ohne weiteres hätten an-
nullieren können. Wie die Vorinstanz hierzu zutreffend festhielt, liegt bei den Ak-
ten zwar ein namens der L._ AG durch E._ ausgefüllter Bestellschein
betreffend Energy Drinks der Name "U._" im Wert von
4.9 Millionen US Dollar, datiert vom 3. Juni 2008 (Urk. 72 S. 23 mit Verweis auf
Urk. 51). Hinweise auf Kundenbestellungen oder ein Nachweis, dass die Energy
Drinks tatsächlich in Rechnung gestellt oder gar geliefert worden wären, sind den
Akten allerdings nicht zu entnehmen. Mit der Vorinstanz ist im Übrigen festzu-
halten, dass es rätselhaft bleibt, wie die L._ AG, auf deren Konto sich rund
Fr. 70.– befunden hatten, diese Getränkebestellung überhaupt hätte bezahlen
wollen (Urk. 72 S. 24).
4.18. Auch aus der gemäss den Angaben des Beschuldigten erhofften Trans-
aktion mit Kunstgegenständen in der Höhe von Fr. 500'000.– wurde offensichtlich
nichts (Urk. 72 S. 24, vgl. Prot. I S. 11). Fest steht jedenfalls, dass eine solche
Zahlung nie auf das Konto der Q._ erfolgt ist, obwohl dem seitens des Be-
schuldigten eingereichten Email-Schreiben von E._ an den Beschuldigten zu
- 22 -
entnehmen ist, dass Vertragsverhandlungen bereits im März 2008 stattgefunden
hatten (Urk. 50/16). Es ist damit auch hier davon auszugehen, dass die Verhand-
lungen nie in einen Vertragsabschluss mündeten.
4.19. Damit ist – mit der Vorinstanz – erstellt, dass der Beschuldigte die "Promis-
sory Note" für die L._ AG per procura unterzeichnete, obwohl er wusste,
dass diese – abgesehen von den Fr. 71.15 auf dem Konto der Q._ – über
keine Aktiven verfügte. Gestützt auf das Beweisergebnis kann ferner nicht davon
ausgegangen werden, dass im Zeitpunkt der Unterzeichnung der "Promissory No-
te" konkrete Anhaltspunkte bestanden hätten, welche die Annahme eines baldi-
gen Mittelzuflusses in einer Weise gerechtfertigt hätten, die über das blosse Hof-
fen auf eine positive Entwicklung jenseits von gesicherten Grundlagen hinausgin-
ge. Aufgrund der gegebenen Beweislage besteht damit keine Veranlassung, die
von der Verteidigung beantragten Zeugen einzuvernehmen.
5. Rechtliche Würdigung
5.1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Voraussetzungen der Misswirtschaft
im Sinne von Art. 165 StGB richtig wiedergegeben, weshalb zur Vermeidung von
Wiederholungen vorab darauf verwiesen werden kann (Urk. 72 S. 27 f.).
5.2. Beim Tatbestand der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 StGB handelt es
sich – wie auch im Gesetzestext ausdrücklich erwähnt – um einen Auffangtat-
bestand für den Fall, dass aus objektiven oder subjektiven Gründen die Anwen-
dung von Art. 164 StGB (Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung) ent-
fällt. Obschon die Anklage dem Beschuldigten nur Misswirtschaft im Sinne von
Art. 165 StGB vorwirft, ist folglich der Vollständigkeit halber zunächst zu prüfen,
ob sich der Beschuldigte der Gläubigerschädigung durch Vermögensverminde-
rung schuldig gemacht hat. Nur wenn diesbezüglich die Voraussetzungen nicht
gegeben sind, ist das Verhalten des Beschuldigten auch unter dem Aspekt der
Misswirtschaft (Art. 165 StGB) zu beurteilen. Bei den von Art. 164 StGB erfassten
wirklichen Vermögensverminderungen ist der in Ziff. 1 Abs. 2 - 4 erscheinende
Katalog der in Frage kommenden Tathandlungen – Beschädigen, Zerstören, Ent-
werten oder Unbrauchbarmachen von Vermögenswerten, unentgeltliche oder
gegen eine Leistung mit offensichtlich geringerem Wert vorgenommene Ver-
- 23 -
äusserung von Vermögenswerten, Ausschlagen anfallender Rechte ohne sachli-
chen Grund oder unentgeltlicher Verzicht auf Rechte – als abschliessend zu
betrachten. Im Anklagesachverhalt gelangt keine der unter Art. 164 Ziff. 1 StGB
aufgeführten Tatbestandsvarianten zur Anwendung und es bleibt damit – wie von
der Staatsanwaltschaft zur Anklage gebracht – zu prüfen, ob der Tatbestand der
Misswirtschaft (Art. 165 StGB) erfüllt ist.
5.3. Gemäss erstelltem Sachverhalt war der Beschuldigte als Prokurist und
Mitarbeiter mit selbständigen Entscheidungsbefugnissen in Ausübung seiner
geschäftlichen Verrichtung dazu ermächtigt, die "Promissory Note" auch namens
der L._ AG zu unterzeichnen (Urk. 72 S. 28, vgl. auch Erw. 4.7 vorstehend).
Es kann damit nichts zugunsten des Beschuldigten abgeleitet werden, wenn die
Verteidigung darauf hinweist, dass dieser gemäss eigenen Aussagen der Auf-
fassung gewesen sei, dass seine Zeichnungsberechtigung lediglich dazu gedient
habe, Zugriff auf verschiedene Systeme zu haben und es nie Inhalt der seitens
der L._ AG erteilten Zeichnungsberechtigung gewesen sei, einen Inhalt wie
die "Promissory Note" zu unterzeichnen (Urk. 41 S. 12, Urk. 97 S. 10). Es ist auch
nicht klar ersichtlich, was die Verteidigung aus diesem Hinweis ableiten will.
Gemäss erstelltem Sachverhalt besass der Beschuldigte die Einzelprokura für die
L._ AG und konnte das Unternehmen gegenüber der B._ AG damit
durch die Unterzeichnung der "Promissory Note" ohne weiteres verpflichten. Dies
ergibt sich aus Art. 459 Abs. 1 OR, wonach der Prokurist gegenüber gutgläubigen
Dritten als ermächtigt gilt, im Namen des Geschäftsherrn alle Arten von Rechts-
handlungen vorzunehmen, die der Zweck des Geschäfts des Geschäftsherrn mit
sich bringen kann. Dass die B._ AG gutgläubig gewesen sein muss, ergibt
sich schon aus dem an sie gerichteten Schreiben der L._ AG vom 18. Juni
2008 (Urk. 11/9). Darin teilte E._ in seiner Funktion als Geschäftsführer der
L._ AG mit, dass seitens der L._ AG ein Zahlungsauftrag über
€ 228'500.– ausgelöst worden sei und die Deckung gemäss dem Beschuldigten
kommen würde. Dabei stellte er – E._ – namens der L._ AG in Aussicht,
dass es wohl nicht ihr letzter Flug sein würde und sie daran interessiert seien, ei-
ne gute Geschäftsbeziehung zu unterhalten. Damit erweckte die L._ AG
selbstverständlich den Eindruck, dass der Flug im Zusammenhang mit den Ge-
schäftstätigkeiten der L._ AG stand. Ferner ist die durch den Beschuldigten
- 24 -
vorgenommene Handlung, also die Unterzeichnung der "Promissory Note", ge-
stützt auf die im Handelsregisteramt sehr weit gefasste Zweckgrenze ohne weite-
res (noch) als zweckkonform einzustufen (Urk. 13/3, vgl. BSK-OR I, Watter,
5. Auflage 2011, N 4 zu Art. 459). Es trifft damit zu, wenn die Vorinstanz dafür
hält, dass dem Beschuldigten die Schuldnereigenschaft im Sinne von Art. 29 lit. c
StGB zuzurechnen ist.
5.4. Ebenso ist die objektive Strafbarkeitsbedingung betreffend die Konkurs-
eröffnung unbestrittenermassen erfüllt.
5.5. Entgegen der Einwendung der Verteidigung (Urk. 41 S. 16) ist damit auch
die personelle Identität zwischen dem Beschuldigten – der namens der L._
AG die Bankrotthandlung begangen haben soll – und der L._ AG, über wel-
che der Konkurs eröffnet worden ist, gegeben.
5.6. Der Tatbestand der Misswirtschaft erfasst nicht an sich unzulässiges Ver-
halten, sondern prinzipiell erlaubte Arten des Wirtschaftens, die vom Täter aller-
dings in einer Art betrieben werden, dass er seine Vermögenslage dadurch zu-
mindest verschlimmert. Nach der nicht abschliessenden Aufzählung der Tat-
bestandsvarianten sollen nur krasse Fälle wirtschaftlichen Fehlverhaltens
und nicht jede Nachlässigkeit von Art. 165 StGB erfasst werden (BSK-StGB I,
Hagenstein, 3. Auflage 2013, N 8 und 11 zu Art. 165 mit Hinweisen).
5.6.1 Strafbar ist der Schuldner, der durch Misswirtschaft seine Überschuldung
oder Zahlungsunfähigkeit herbeiführt oder verschlimmert (Art. 165 Ziff. 1 Abs. 2
StGB). Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten vor, mit der Verpflichtung der
L._ AG für die Bezahlung des Fluges einen unverhältnismässigen Aufwand
versursacht und damit die Überschuldung der Firma herbeigeführt zu haben, was
dann auch zur Konkurseröffnung geführt habe (Urk. 25 S. 4).
5.6.2 Ein Unternehmen ist überschuldet, wenn die Aktiven nicht mehr aus-
reichen, um dessen Schulden zu bezahlen, das Fremdkapital also durch das
Vermögen des Schuldner nicht mehr gedeckt ist. Zahlungsunfähigkeit ist grund-
sätzlich nicht das Gleiche wie Überschuldung. Sie besteht in einer nicht nur
vorübergehenden Unfähigkeit, die fälligen und die in naher Zukunft fällig werden-
den Geldschulden zu begleichen. Sie führt allerdings sehr häufig zu einer Über-
- 25 -
schuldung, wenn sie nicht durch Sofortmassnahmen behoben werden kann und
ist häufig auch eine Folge der Überschuldung (Gessler, Insolvenzstrafrecht, in:
Ackermann/Heine, Wirtschaftsstrafrecht der Schweiz, Bern 2013, § 16 N 23 mit
Hinweisen).
5.6.3 Art. 165 StGB zählt als Regelbeispiele tatbestandsmässigen Verhaltens
verschiedene Formen kaufmännisch unverantwortlichen Vorgehens auf. Ein un-
verhältnismässiger Aufwand tätigt, wer Auslagen für den Konsum von Waren und
Dienstleistungen in einem Umfang tätigt, welcher in einem Missverhältnis zu den
Eigenmitteln und dem Einkommen steht, wodurch eine Rückführung der Über-
schuldung in eine ausgeglichene Bilanz unerreichbar wird. Die Unverhältnis-
mässigkeit beurteilt sich nach dem Vergleich des Aufwandes in Relation zu den
beim Schuldner vorhandenen Vermögenswerten und Einkünften (BSK-StGB I,
Hagenstein, a.a.O., N 15 zu Art. 165 StGB).
5.6.4 Zwischen dem tatbestandsmässigen Verhalten und der Verschlimmerung
der Vermögenslage bzw. dem Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder der Über-
schuldung muss ein Kausalzusammenhang bestehen, doch braucht die Bankrott-
handlung nicht die einzige Ursache jenes Erfolgs zu sein (Donatsch, Strafrecht III,
Delikte gegen den Einzelnen, Zürich/Basel/Genf 2008, § 39 S. 338). Eine Gefähr-
dung der Gläubigerrechte ist gemäss neuerer bundesgerichtlicher Recht-
sprechung nicht zwingend erforderlich. Der Erfolg der Misswirtschaft ist in der
Überschuldung des Schuldners oder seiner Zahlungsunfähigkeit zu sehen (BSK-
StGB I, Hagenstein, a.a.O., N 65 zu Art. 165).
5.7. Wer namens einer Gesellschaft, die als einziges Aktivum über einen Betrag
von Fr. 71.15 verfügt, eine Verpflichtung in der Höhe von € 240'000.– eingeht,
verhält sich ohne jeden Zweifel tatbestandsmässig im oben umschriebenen
Sinne. Selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass unternehmerische Ent-
scheidungen, die im Hinblick auf unbekannte zukünftige Entwicklungen unter
einer gewissen Ungewissheit getroffen werden müssen, ist die Eingehung einer
solchen Verpflichtung mit rational-ökonomischen Argumenten keineswegs erklär-
bar. Es ist offensichtlich, dass die Eingehung einer Verpflichtung in der ent-
sprechenden Höhe zur Überschuldung einer Gesellschaft führen muss, wenn die-
se nicht annähernd über Mittel verfügt, um der eingegangenen Verpflichtung
- 26 -
nachkommen zu können. Ebenso evident ist, dass es alles andere als einem
sorgfältigen Wirtschaften entspricht, wenn im Sinne eines blinden Optimismus'
aber ohne jegliche Sicherheiten darauf gehofft wird, dass der Gesellschaft in
nächster Zukunft dann schon Mittel zufliessen würden, welche es erlaubten, die
zuvor bereits eingegangene Verpflichtung zu begleichen. Es mag zwar zutreffen,
dass sich aus einem Deal mit Energy Drinks bei positivem Verlauf der Vertrags-
verhandlungen und entsprechender Kreditgewährung ein vielversprechendes
Projekt hätte entwickeln können. Wie gesehen (vgl. Erw. 4.17) erfüllte sich vorlie-
gend diese offensichtlich nicht auf mehr als Sand gebaute, überaus positive
Erwartungs- bzw. nur Hoffnungshaltung aber nicht. Ein solches Vorgehen auf
einer derart ungesicherten Grundlage kann nur als unverhältnismässige Aufwen-
dung bzw. als Bankrotthandlung bezeichnet werden.
Vergegenwärtigt man sich den Standpunkt der Verteidigung, wonach die L._
AG in der "Promissory Note" das erste Mal überhaupt in die Angelegenheit mit-
einbezogen worden sei und diese die Forderung einzig namens und im Auftrag
der J._ SARL hätte begleichen sollen – die L._ AG mithin mit dem ei-
gentlichen Chartervertrag gar nichts zu tun gehabt habe (Urk. 41 S. 17, Urk. 97
S. 7) – ist das Eingehen einer derartigen Verpflichtung unter
rational-ökonomischen Gesichtspunkten noch schwerer nachvollziehbar und
müsste als Übernahme einer fremden Schuld ohne adäquate Gegenleistung
geradezu als Vermögensverschleuderung qualifiziert werden (BSK-StGB I,
Hagenstein, a.a.O., N 30 Art. 165 mit Hinweisen). Davon ist aber nicht auszu-
gehen, hielt doch der Beschuldigte stets dafür, dass die der "Promissory Note"
zugrundeliegende Reise von Zürich nach Las Vegas und retour im Zusammen-
hang mit der Geschäftstätigkeit der L._ AG gestanden habe (Urk. 10/6 S. 6
f., Prot. I S. 12 f., Urk. 96 S. 13). In der delegierten polizeilichen Einvernahme vom
23. Juni 2006 stellte er sich sogar auf den Standpunkt, die B._ AG namens
der L._ AG kontaktiert zu haben. Ferner betonte er, dass mit den Herren
E._, D._ und C._ eindeutig abgesprochen worden sei, dass der
Flug die L._ AG betroffen habe. Er müsse sagen, dass eigentlich schon auf
dem Charter-Vertrag die L._ AG hätte aufgeführt werden sollen (Urk. 10/6
S. 6 f.). Auch die Verteidigung betonte anlässlich der Hauptverhandlung, dass es
elementar wichtig gewesen sei, dass C._, welcher den Besprechungstermin
- 27 -
eingefädelt habe, am Meeting in Las Vegas anwesend sein konnte und deshalb
der Charterflug überhaupt gebucht worden sei (Urk. 41 Prot. I S. 21). Auch an-
lässlich der Berufungsverhandlung wurde wiederum betont, dass
die Geschäftsreise nach Las Vegas und auch der Flug mit dem Privatjet auf
Veranlassung C._s stattgefunden habe (Urk. 96 S. 13; Urk. 97 S. 8, 10 f.)
Damit ist davon auszugehen, dass die der "Promissory Note" zugrundeliegende
Forderung (indirekt) schon mit der (geplanten) Geschäftstätigkeit der L._ AG
zusammenhing. Dafür spricht auch das von E._ namens der L._ AG
verfasste Schreiben, mit welchem der B._ AG der
Zahlungsauftrag zulasten des Unternehmenskonto bestätigt wurde (Urk. 11/4/2,
Urk. 11/9). Dies ändert allerdings nichts an der Unverhältnismässigkeit des Auf-
wandes.
5.8. Es kann der Vorinstanz uneingeschränkt gefolgt werden, wenn sie dafür
hält, dass der Beschuldigte, indem er im Wissen um deren Unverhältnismässig-
keit die Verpflichtung dennoch einging, das Herbeiführen der Überschuldung und
damit auch die Zahlungsunfähigkeit der L._ AG zumindest billigend in Kauf
genommen hat, was schliesslich zum Konkurs derselben geführt hat (Urk. 72
Abs. 31). Es ist damit von der eventualvorsätzlichen Tatbegehung des Beschul-
digten auszugehen. Ein darüber hinaus gehender Vorsatz kann dem Beschuldig-
ten nicht nachgewiesen werden und wird ihm im Übrigen auch nicht vorgeworfen.
5.9. Ob nun – wie dies die Verteidigung immer wieder vorbringt – C._ die
treibende Kraft im Hintergrund gewesen war und auch dieser die Buchung mit
dem Privatjet initiiert hatte (Urk. 97 S. 7, vgl. auch vorstehende Erw. 4.3.3), kann
für das tatbestandsmässige Verhalten des Beschuldigten nicht entscheidend sein.
Gleiches muss für die Rolle E._s gelten. Es war der Beschuldigte, der die
"Promissory Note" unterzeichnete, obwohl er über die prekäre Finanzlage der
L._ AG Bescheid gewusst hatte. Damit war er es, der sich infolge des
Konkurses der Misswirtschaft schuldig gemacht hat.
5.10. Für die Strafbarkeit des Beschuldigten völlig irrelevant ist der Umstand,
dass die B._ AG, wie es die Verteidigung nennt, "aus allen verbleibenden
Möglichkeiten der Schuldnerwahl" nur gerade die L._ AG
- 28 -
betrieben habe (Urk. 41 S. 14, vgl. auch Urk. 97 S. 8), was indessen nicht zutrifft
(vgl. den Betreibungsregisterauszug des Beschuldigten, Urk. 14/7). Es war der
Beschuldigte, der "per procura" für die L._ AG unter solidarischer Haftbarkeit
unterzeichnet hatte und damit die "Möglichkeit der Schuldnerwahl" erst eröffnete.
Aus dem gleichen Grund kann es – entgegen der Auffassung der Verteidigung
(Urk. 41 S. 16) – nicht entscheidend sein, ob der Beschuldigte im Zeitpunkt der
Buchung des Fluges davon ausgehen durfte, dass die J._ SARL über genü-
gend Mittel verfügte, um den Flug zu bezahlen. Entscheidend ist vielmehr, dass
der Beschuldigte mit der Unterzeichnung der "Promissory Note" der B._ AG
den direkten Zugriff auf die L._ AG ermöglichte, obwohl es offensichtlich war,
dass eine entsprechende Belangung dieser Gesellschaft zwecks Begleichung der
Forderung zu deren Konkurs führen würde. Selbstverständlich nicht gehört wer-
den kann damit auch der weitere Einwand der Verteidigung, wonach es die
B._ AG gewesen sei, welche die L._ AG in den Konkurs getrieben habe,
weil diese es gewesen sei, welche die L._ AG überhaupt erst betrieben habe
(Urk. 41 S. 14).
5.11. Der Beschuldigte hat damit den Tatbestand der Misswirtschaft nach
Art. 165 Ziff. 1 StGB erfüllt, wobei die B._ AG Forderungsausfälle von
€ 240'000.– zu beklagen hatte.
5.12. Wie gesehen macht die Verteidigung geltend, dass die Buchung über die
B._ nur auf Veranlassung und Drängen von C._ stattgefunden habe.
Ferner sei die Unterzeichnung der "Promissory Note" durch den Beschuldigten
nicht freiwillig erfolgt (Urk. 97 S. 8 f.). Soweit die Verteidigung mit diesen Vorbrin-
gen implizit Rechtfertigungs- oder gar Schuldausschlussgründe geltend machen
will, kann dem offensichtlich nicht gefolgt werden. Schon deshalb nicht, weil man
als Prokurist Träger selbständiger Entscheidungsbefugnisse ist und diese auch
pflichtgemäss auszuüben hat. Ebenso ist nicht ersichtlich, dass sich der Beschul-
digte in einer eigentlichen Zwangslage befunden hätte. Es mag zwar sein, dass
sich der Beschuldigte im Zeitpunkt der Unterzeichnung der "Promissory Note"
vom subjektiven Empfinden her in seiner Willensfreiheit eingeschränkt gefühlt
haben mag und ein Nichtunterschreiben mit Unannehmlichkeiten verbunden
gewesen wäre, hätte doch ein neuer Rückflug organisiert werden müssen, was
- 29 -
wohl zu Verzögerungen mit Kostenfolgen geführt hätte. Eine Zwangslage, welche
andere Handlungsoptionen ausgeschlossen hätte, kann in dieser Situation aber
nicht gesehen werden. Der Beschuldigte ist deshalb der Misswirtschaft im Sinne
von Art. 165 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
6. Strafzumessung
6.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen
ist, richtig zusammengefasst (Urk. 72 S. 35 ff.). Darauf und auf die aktuelle
Rechtsprechung des Bundesgerichts zu diesem Thema (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.;
BGE 135 IV 130 E. 5.3.1; BGE 132 IV 102 E. 8.1, je mit Hinweisen; Bundes-
gerichtsentscheide 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, E. 2.1, und 6B_274/2013
vom 5. September 2013, E. 1.2.2) kann vorab verwiesen werden.
6.2. Nicht zu hören ist die Kritik der Verteidigung, wonach nicht ersichtlich sei,
weshalb die Vorinstanz auf eine höhere Strafe erkannte, als im Strafbefehl vorge-
sehen war (Prot. II S. 17). Die Vorinstanz macht ihre eigene Strafzumessung.
Dass das vorinstanzliche Strafmass im Ergebnis höher ausgefallen ist, als das
ursprünglich im Strafbefehl vorgesehene, erstaunt nicht, ging doch die Staats-
anwaltschaft davon aus, dass der Beschuldigte in strafrechtlicher Hinsicht noch
nie negativ in Erscheinung getreten war. Überdies wurde der Strafbefehl in der
Annahme ausgestellt, dass der Beschuldigte sich geständig zeige, was sich
selbstverständlich im Strafmass auswirken muss (vgl. Urk. 25).
6.3. Mit der Vorinstanz ist in Bezug auf die objektive Tatschwere auf die Höhe
der eingegangenen Verpflichtung hinzuweisen. Der Deliktsbetrag ist aber, wenn
auch ein wichtiger, so kein vorrangiger Strafzumessungsfaktor (BGE 121 IV 202
E. 2d.cc; Urteil des Bundesgerichts 6S.170/2000 vom 19. Juni 2000). Der vom
Beschuldigten zu vertretene Schaden ist zwar beträchtlich, es sind aber deutlich
höhere wirtschaftliche Schäden als Folge von Misswirtschaft denkbar. Dennoch
besteht kein Anlass, das Verhalten des Beschuldigten zu bagatellisieren. Ins
Gewicht fällt, dass wegen des Verhaltens des Beschuldigten eine massive Über-
schuldung der L._ AG entstanden ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte durch die Unterzeichnung der "Promissory Note" zugunsten der
B._ AG nicht etwa eine Leistung erschlichen hatte oder zusätzliche Aufwen-
- 30 -
dungen verursachte, sondern "lediglich" den Anschein einer
Zahlungsgarantie vermittelte. Verschuldensmässig negativ zu werten ist, dass der
tatbestandsmässige Erfolg relativ einfach zu vermeiden gewesen wäre. Zunächst
ist schon nicht einzusehen, weshalb überhaupt für beinahe eine viertel Million
Schweizer Franken ein Privatjet hat gebucht werden müssen. Die Notwendigkeit
wurde darin gesehen, dass sich die Reise ansonsten aufgrund der erschwerten
Einreisebestimmungen in Bezug auf C._ verzögert hätte, er aber unbedingt
habe dabei sein müssen. Selbst wenn dies zutrifft, ist nicht ersichtlich, weshalb
der Geschäftstermin denn dermassen gedrängt hatte. Unverständlich ist dann
aber, dass – nachdem bereits die J._ SARL mit einer derart hohen Belastung
verpflichtet worden ist – auch noch die L._ AG direkt und auf den gesamten
Betrag verpflichtet werden musste, obwohl dem Beschuldigten klar sein musste,
dass diese der Verpflichtung (innert nützlicher Frist) gar nicht nachkommen konn-
te. Es mag zwar sein, dass der Beschuldigte aus damaliger Sicht davon ausge-
gangen war, dass es sich tatsächlich um ein wichtiges
Geschäft gehandelt hatte. Ebenso ist im Sinne einer Wahrunterstellung zugunsten
des Beschuldigten davon auszugehen, dass C._ der Initiant der Geschäfts-
reise war. Allerdings hätte der Beschuldigte spätestens vor Unterzeichnung der
"Promissory Note" reagieren müssen, war doch klar, dass er durch die Unter-
zeichnung die Existenz der L._ AG in erheblichem Masse gefährdete bzw.
geradezu vernichtete. Dies kann sicher nicht im Interesse einer Unternehmung
sein. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch ein Rückflug mit einem
Linienflugzeug denkbar gewesen wäre. Unter den gegebenen Umständen be-
titelte die Vorinstanz das Verhalten des Beschuldigten betreffend die Inanspruch-
nahme des Privatjets nicht zu Unrecht als grossspurig bzw. geradezu hochstaple-
risch (Urk. 72 S. 37), überstieg die eingegangene Verpflichtung zulasten der
L._ AG deren Eigenmittel doch um mehr als das 3'000-fache. Das Verhalten
gegenüber den Gesellschaftern der L._ AG sowie deren Gläubigern muss
daher als in höchstem Mass verantwortungslos eingestuft werden. Der Beschul-
digte hat seine Befugnisse als Prokurist im gröbsten Masse missbraucht. Die
Pflichtverletzung wiegt schwer.
6.4. Wenn die Vorinstanz die objektive Tatschwere als erheblich einstuft, ist das
im Endergebnis betreffend die Tatkomponente indessen nicht ganz stimmig, geht
- 31 -
doch die Vorinstanz nach Würdigung der Tatkomponenten von einer hypotheti-
schen Einsatzstrafe von 12 Monaten aus, ohne aber das Verschulden in subjekti-
ver Hinsicht verschuldensmindernd zu berücksichtigen (Urk. 72 S 37 f.). Ange-
sichts des zur Verfügung stehenden, sehr weiten Strafrahmens von einem Tages-
satz Geldstrafe bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe bewegt sie sich damit im mittle-
ren Bereich des untersten Drittels, was eher einem (noch) leichten Verschulden
entspricht.
6.5. In subjektiver Hinsicht kann der Vorinstanz gefolgt werden, wenn sie dafür
hält, dass der Beschuldigte sich letztlich selbst in die missliche Lage hinein
manövriert hatte, welche dann schliesslich zur Unterzeichnung der "Promissory
Note" geführt hat (Urk. 72 S. 37). Umso unverständlicher erscheint das Vorgehen
des Beschuldigten, erfolgte die Unterzeichnung der "Promissory Note" doch ledig-
lich zur Sicherung des mit einem Privatjet verbundenen Komforts auch auf dem
Rückflug. Auf der anderen Seite muss dem Beschuldigten zugutegehalten
werden, dass er sich subjektiv offenbar tatsächlich in seiner Entscheidungsfreiheit
eingeschränkt gefühlt hatte. Ebenso zugunsten des Beschuldigten ist im Sinne
einer Wahrunterstellung davon auszugehen, dass betreffend den Buchungsvor-
gang hinsichtlich des Privatjets tatsächlich C._ die treibende Kraft gewesen
war und dieser mit seinen leeren Versprechungen betreffend das baldige Eintref-
fen liquider Mittel die Entscheidung des Beschuldigten massgeblich beeinflusste.
Diese Umstände mindern die subjektive Vorwerfbarkeit beim Beschuldigten schon
in gewissem Masse. Ferner lässt die eventualvorsätzliche Tatbegehung das sub-
jektive Verschulden geringer erscheinen, worauf auch die Verteidigung zu Recht
hinweist (Prot. II S. 16). Die subjektiven Umstände wirken sich insgesamt gegen-
über dem objektiven Tatverschulden leicht verschuldensmindernd aus.
6.6. Als Einsatzstrafe rechtfertigt sich mithin eine Freiheitsstrafe von 9 Monaten
Freiheitsstrafe bzw. 270 Tagessätzen Geldstrafe. Die von der Vorinstanz festge-
setzte Einsatzstrafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe bzw. 360 Tagessätzen Geld-
strafe erweist sich demgegenüber als etwas zu hoch.
6.7. In Bezug auf die persönlichen Verhältnisse, insbesondere den Werdegang
des Beschuldigten, kann auf die Ausführungen im angefochtenen Urteil verwiesen
werden (Urk. 72 S. 38 f.), zumal sich diese gemäss Angaben des Beschuldigten
- 32 -
anlässlich der Berufungsverhandlung seither nicht massgeblich verändert haben
(Urk. 96 S. 2 ff.). Diese erweisen sich als strafzumessungsrechtlich neutral.
6.8. Da der Beschuldigte den Anklagevorwurf bestreitet, kann er weder Einsicht
noch Reue für sich reklamieren.
6.9. Der Beschuldigte wies in der Schweiz im Zeitpunkt der Tatbegehung eine
– ebenfalls vermögensrechtlich relevante – Vorstrafe auf und delinquierte noch
während jener laufenden Probezeit erneut (Urk. 34, 73, 93: Zechprellerei im
Betrag von über Fr. 60'000.– vom 11. Mai 2005 bis 9. August 2005, Urteil des
Einzelrichters in Strafsachen des Bezirkes Bülach vom 18. Oktober 2007:
75 Tagessätze Geldstrafe zu Fr. 3'000.– bedingt, Probezeit 2 Jahre, Busse von
Fr. 5'000.–; vgl. Urk. 35, beigezogene Akten). Dies ist mit der Vorinstanz leicht
straferhöhend zu berücksichtigen (Urk. 72 S. 38 f.). Es kann vollumfänglich auf
die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden.
6.10. Ebenso kann der Vorinstanz gefolgt werden, wenn sie aufgrund der aus-
serordentlich langen Verfahrensdauer eine Strafminderung als angezeigt erachtet
(Urk. 72 S. 40). Eine solche erweist sich in einem geringen Umfang als gerecht-
fertigt. Indessen ist darauf hinzuweisen, dass die Verfahrensdauer massgeblich
auch durch die Landesabwesenheit des Beschuldigten selbst beeinflusst wurde
(vgl. Urk. 15).
6.11. In Würdigung aller genannten Kriterien erscheint eine Strafe von
9 Monaten Freiheitsstrafe bzw. von 270 Tagessätzen Geldstrafe angemessen.
Daran anzurechnen sind die 30 vom Beschuldigten erstandene Tage Unter-
suchungshaft (Art. 51 StGB).
7. Strafe und Vollzug
7.1. Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von
12 Monaten, wobei diese im Umfang von 6 Monaten aufgeschoben und die
Probezeit auf vier Jahre festgesetzt wurde. Dreissig Tage erstandene Unter-
suchungshaft wurden ihm an den zu vollziehenden Teil der Strafe (6 Monate) an-
gerechnet.
- 33 -
7.2. Der Allgemeine Teil des Strafgesetzbuches sieht für Strafen im Bereich
von sechs Monaten bis zu einem Jahr als Sanktionen Geld- (Art. 34 StGB) oder
Freiheitsstrafe (Art. 40 StGB) vor. Wie dies die Vorinstanz unter Verweis auf die
einschlägige Rechtsprechung zutreffend ausführte, gelten als wichtigste Kriterien
für die Wahl der Sanktion ihre Zweckmässigkeit, ihre Auswirkungen auf den Täter
und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz (Urk. 72 S. 41). Darauf
kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Ebenso mit der Vorinstanz festzu-
halten ist, dass nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit bei alternativ zur Ver-
fügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen
im Regelfall diejenige gewählt werden soll, die weniger stark in die persönliche
Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. ihn am wenigsten hart trifft. Im Vordergrund
steht daher bei Strafen bis zu einem Jahr die Geldstrafe als gegenüber der Frei-
heitsstrafe mildere Sanktion (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2; 134 IV 82 E. 4.1; je mit
Hinweisen). Die Geldstrafe als Vermögenssanktion wiegt prinzipiell weniger
schwer als ein Eingriff in die persönliche Freiheit. Sie ist unabhängig von der
Dauer der Freiheitsstrafe bzw. der Höhe des Geldstrafenbetrages stets milder als
eine freiheitsentziehende Strafe (BGE 134 IV 82 E. 7.2.2).
7.3. Aufgrund des festgesetzten Strafmasses kommt vorliegend – wie gesehen
– als Sanktion eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe in Betracht. Die Anord-
nung gemeinnütziger Arbeit fällt mangels Anwesenheitsrechts des Beschuldigten
in der Schweiz (Prot. I S. 5, Urk. 96 S. 2) ausser Betracht (BGE 134 IV 60 E. 3.3).
7.4. Die Vorinstanz erachtete die Anordnung einer Freiheitsstrafe als angemes-
sene Sanktion und sah die Voraussetzungen einer Geldstrafe als nicht erfüllt. Sie
begründete dies unter anderem damit, dass der Beschuldigte gemäss seinen
Angaben anlässlich der Hauptverhandlung in seiner selbständigen Erwerbstätig-
keit über kein fixes Gehalt verfüge, weshalb aktenmässig nicht belegt sei, was für
ein Einkommen der Beschuldigte monatlich tatsächlich erzielt. Ferner sah die Vor-
instanz aufgrund des fehlenden Wohnsitzes des Beschuldigten in der Schweiz ein
möglicher Vollzug einer Geldstrafe als nicht gewährleistet (Urk. 72 S. 41, Prot. I
S. 5 und 7).
7.5. Wie gesehen war der Beschuldigte im Zeitpunkt der Tatbegehung bereits
wegen eines nicht unerheblichen vermögensrechtlichen Vergehens vorbestraft
- 34 -
(vgl. Erw. 6.9). Es kann damit der Vorinstanz uneingeschränkt gefolgt werden,
wenn sie dafür hält, dass die damals verhängte (bedingte) Geldstrafe den
Beschuldigten offensichtlich nicht beeindruckt hatte, delinquierte er doch noch
während laufender Probezeit und nur gerade acht Monate nach jenem Urteil
wiederum in vermögensrechtlicher Hinsicht. Es kommt hinzu, dass es damals wie
heute um ein ähnliches Tatvorgehen ging: Auch seinerzeit verpflichtete sich der
Beschuldigte, eine Forderung zu bezahlen (dort eine Hotelrechnung über gut
Fr. 60'000.–), kam dem aber in der Folge nicht nach, obwohl er im gerichtlichen
Verfahren behauptete, über ein Vermögen von USD 100 Mio. zu verfügen (daher
der damalige Tagessatz von Fr. 3'000.–, vgl. Urk. 35 Prot. S. 5). Damit stellt sich
akzentuiert die Frage nach der präventiven Effizienz einer weiteren Geldstrafe.
Am 27. Mai 2010 wurde der Beschuldigte zu dem im vorliegenden Verfahren zu
beurteilenden Tatvorwurf das erste Mal befragt (Urk. 10/4). Ab diesem Zeitpunkt
wusste er über das laufende Strafverfahren Bescheid. Im Wissen um eine mög-
licherweise drohende Verurteilung delinquierte er im Jahr 2012 bzw. 2013 unbe-
eindruckt weiter, woraufhin er mit Strafmandat des Ministère public de canton de
Genève vom 22. Januar 2014 wegen ausländerrechtlicher Vergehen wiederum zu
einer Geldstrafe verurteilt wurde. Dies, obwohl er – wie dies aufgrund des Straf-
befehls des Ministère Public Parquet Régional de Neuchâtel vom 16. August 2013
ersichtlich ist (Urk. 37/1) – wegen Urkundenfälschung in ein weiteres Strafver-
fahren verwickelt war. Zwar hat die Vorinstanz zutreffend erkannt, dass der
Beschuldigte gegen diesen Strafbefehl – erst im Februar 2014 – Einsprache er-
hoben hat, weshalb das Verfahren an das Gericht überwiesen wurde (Urk. 72
S. 36 mit Verweis auf Urk. 37/2-4). Entsprechend ist der Eintrag im Schweizeri-
schen Strafregister unter der Ziffer 2 mit Datum vom 16. August 2013 (vgl.
Urk. 34, 73, 93) wohl zu Unrecht erfolgt. Dies ändert aber nichts am Umstand,
dass der Beschuldigte in der Folge am 14. Oktober 2014 für die bereits im Jahr
2009 begangene Tat rechtskräftig verurteilt wurde (Urk. 93 S. 2 Ziff. 4, Urk. 72
S. 36 mit Verweis auf Urk. 64/1 und 64/2). Dort ging es darum, dass der Beschul-
digte zur Dokumentierung der Finanzkraft der J._ SARL, welche der Be-
schuldigte zur Bezahlung von Fr. 12 Mio. verpflichtet hatte, ein
Dokument gefälscht hatte, wonach die genannte Gesellschaft über Aktiven von
mehr als Fr. 100 Mio. verfüge (Urk. 37/1 S. 2 Ziff. 2; Urk. 64/1).
- 35 -
Aufgrund dieses fortwährenden, jeweils ähnlich gelagerten Delinquierens des
Beschuldigten bestehen erhebliche Zweifel an der spezialpräventiven Wirkung
einer erneuten Geldstrafe. Es muss festgestellt werden, dass ihn die am
18. Oktober 2007 vom Einzelrichter des Bezirksgerichts Bülach ausgesprochene
Geldstrafe ganz offensichtlich nicht beeindruckt hat. Eine Freiheitsstrafe erscheint
unter diesem Gesichtspunkt damit als einzig zweckmässige Sanktion.
7.6. Im Ergebnis kann damit der Vorinstanz gefolgt werden, wenn sie die
Anordnung einer Freiheitsstrafe als unausweichlich erachtet. Allerdings verbleibt
anzumerken, dass die Zweckmässigkeit einer Geldstrafe nicht alleine aufgrund
unklarer Einkommensverhältnisse verneint werden kann. Zwar trifft es zu, dass
eine fehlende Aufenthaltsbewilligung den Vollzug einer Geldstrafe fraglich er-
scheinen lassen kann. Doch schliesst ein ausländischer Wohnsitz alleine die Ver-
hängung einer Geldstrafe nicht von vornherein aus (vgl. BGE 134 IV 60 E. 8.3 mit
Hinweisen). Führt man sich allerdings vor Augen, dass gemäss der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung im Hinblick auf die Beurteilung der Angemessenheit
einer Geldstrafe auch die "Auswirkungen auf den Täter" zu berücksichtigen sind,
kann mit der Vorinstanz durchaus die Zweckmässigkeit einer Geldstrafe auch
deshalb in Frage gestellt werden, wenn die Vollzugschancen gering erscheinen,
liegt doch gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung der Sinn und Zweck der
Geldstrafe in der aus dem Entzug von finanziellen Mitteln resultierenden
Beschränkung des Lebensstandards sowie im Konsumverzicht (BGE 134 IV 97
E. 5.2.3 mit Hinweisen). Da sich vorliegend die Verhängung einer Geldstrafe aber
bereits mit Blick auf die Verhinderung weiterer Strafen als nicht effizient erweisen
kann, ist darauf nicht weiter einzugehen.
7.7. Die Vorinstanz ist zum Schluss gekommen, dass dem Beschuldigten auf-
grund der mehrfachen Delinquenz eine schlechte Prognose zu stellen sei, wes-
halb ihm der bedingte Vollzug nicht gewährt werden könne. Umgekehrt zog sie in
Betracht, dass der Beschuldigte nach Erfüllung des Tatbestandes der Zechprelle-
rei im Jahr 2005, der Misswirtschaft im Jahr 2008 sowie der Urkundenfälschung
im Jahr 2009 bis zur Fällung des vorinstanzlichen Urteils – soweit ersichtlich –
zumindest nicht mehr einschlägig delinquierte. Obwohl sich der Beschuldigte im
Jahr 2013 wegen der Vergehen gegen das Ausländergesetz erneut strafbar
- 36 -
gemacht hatte, erachtete die Vorinstanz eine vollständig unbedingte Freiheits-
strafe nicht als notwendig, um den Beschuldigten von der Begehung weiterer
Verbrechen oder Vergehen abzuhalten, weshalb sie auf eine teilbedingte Strafe
erkannte (Urk. 72 S. 43).
Die Ausfällung einer teilbedingten Strafe fällt nunmehr – aufgrund der um drei
Monate reduzierten Freiheitsstrafe auf 9 Monate – von Gesetzes wegen ausser
Betracht (vgl. Art. 43 Abs. 1 StGB). Umgekehrt ist aber aufgrund des prozessua-
len Verschlechterungsverbotes (Art. 391 Abs. 2 StPO) – selbst bei Vorliegen einer
ungünstigen Prognose – auch eine vollständig unbedingte Strafe ausgeschlossen.
Es ist dem Beschuldigten deshalb der bedingte Strafvollzug zu gewähren.
Wie gesehen liess sich der Beschuldigte trotz Verurteilung zu einer bedingten
Geldstrafe nicht davon abhalten, erneut zu delinquieren. Vielmehr machte sich
der Beschuldigte auch in der Folge weiterhin strafbar, dies trotz laufender Straf-
verfahren und drohendem Widerruf der zuvor bedingt ausgesprochenen Geld-
strafe (Erw. 7.5). Aufgrund dieses Verhaltens ist darauf zu schliessen, dass sich
der Beschuldigte von niederschwelligen behördlichen Interventionen nicht nach-
haltig beeindrucken lässt. Es kann damit nicht davon ausgegangen werden, dass
der Beschuldigte sich durch eine erneut bedingt ausgesprochene Strafe von der
Begehung weiterer Delikte abhalten lässt, auch wenn er nunmehr erstmals mit ei-
ner Freiheitsstrafe konfrontiert wird. Gegen eine günstige Prognose spricht auch
die Einsichtslosigkeit des Beschuldigten als Ausdruck der absoluten Überzeu-
gung, im Recht zu sein. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend ausführte (Urk. 72
S. 37 f.), hielt der Beschuldigte stets dafür, dass sicher nicht er, sondern vielmehr
die Finanzkrise oder Dritte am Konkurs der L._ AG (Mit-)Schuld gewesen
seien. Ein solches Verhalten zeugt von der Unfähigkeit, sich und sein Verhalten in
Frage zu stellen. Angesichts dieser erheblichen Bedenken und der nicht einwand-
freien Legalprognose des Beschuldigten ist die Probezeit – in Übereinstimmung
mit der Vorinstanz – auf vier Jahre festzusetzen.
8. Zivilansprüche
8.1. Nachdem der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der B._ AG
über das ganze Verfahren hinweg ausdrücklich anerkannte (Urk. 72 S. 44 mit
- 37 -
Verweis auf Urk. 18 S. 9, Prot. I S. 9, 27), verlangt die Verteidigung berufungs-
weise, es sei die Zivilforderung auf den Zivilweg zu verweisen (Prot. II S. 7, 9 f.).
Das ist widersprüchlich, können doch Prozesserklärungen wie Vergleiche, Rück-
züge und Anerkennungen nicht einfach zurückgenommen werden. Gemäss
Art. 126 Abs. 1 lit. f StPO kann das Gericht auch im Falle eines Freispruchs über
die Zivilklage entscheiden, wenn sie spruchreif ist. Das ist vorliegend der Fall,
nachdem der Beschuldigte die Forderung anerkannt hat. Es ist deshalb nicht ver-
ständlich, weshalb der Entscheid der Vorinstanz betreffend die Schadenersatzfor-
derung überhaupt angefochten wurde (vgl. Prot. II S. 9 f.).
8.2. Da es bei der Verurteilung des Beschuldigten bleibt und der Beschuldigte
auch anlässlich der Berufungsverhandlung die Forderung der B._ AG aner-
kannte (Urk. 96 S. 9 f., 13), kann hinsichtlich dem von der Privatklägerin gestellten
Schadenersatzbegehren vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vo-
rinstanz verwiesen werden (Urk. 72 S. 44).
8.3. Damit ist der Beschuldigte in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils zu
verpflichten, der Privatklägerin B._ AG Schadenersatz im Betrag von
€ 240'000.– zuzüglich 5 % Zins seit dem 17. Juli 2008 sowie Fr. 7'902.– zu bezah-
len.
9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1. Ausgangsgemäss – es bleibt, abgesehen von Sanktion und Strafe, beim
vorinstanzlichen Urteil – ist die Kostenregelung der Vorinstanz zu bestätigen
(angefochtenes Urteil Dispositivziffer 5 und 6).
9.2. Soweit mit der Berufung die Höhe der Entschädigung des amtlichen Ver-
teidigers des Beschuldigten angefochten wird (Urk. 74 S. 2 Ziff. 2.d, Urk. 97 S. 2
f.) wird, ist darauf nicht einzutreten. Der amtliche Verteidiger ist bezüglich des
Antrags betreffend eine höhere Entschädigung in seinen eigenen Interessen be-
troffen und muss diesen – auf dem Beschwerdeweg – in eigenem Namen geltend
machen. Der Beschuldigte ist diesbezüglich nicht rechtsmittellegitimiert (BGE 139
IV 199 E. 5.2; BSK-StPO I, 2. Auflage 2014, Ruckstuhl, N 16 zu Art. 135).
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9.3. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Mit dem heutigen Urteil
unterliegt der Beschuldigte ganz weitgehend. Der vorinstanzliche Schuldspruch
wurde bestätigt. Nur in Bezug auf die Sanktion und das Strafmass erging ein für
den Beschuldigten günstigerer Entscheid. Ausgangsgemäss sind die Kosten des
Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, zu
drei Vierteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu einem Viertel auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
9.4. Die Kosten der amtlichen Verteidigung in Höhe von Fr. 4'500.– sind im Um-
fang von drei Vierteln einstweilen und im Umfang von einem Viertel definitiv auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt
im Umfang von drei Vierteln gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.