Decision ID: 514b821b-70bb-58e6-915b-4e1f14b07693
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 7. Dezember 2015 in der Schweiz um
Asyl.
Er machte im Wesentlichen geltend, er sei Staatsangehöriger von Sri
Lanka, tamilischer Ethnie und habe zum Zeitpunkt seiner Ausreise in
B._, C._ ([...], Nordprovinz) gelebt. Sein Vater sei als (...)
und (...) für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) tätig gewesen und
im Jahr 1996 durch die sri-lankische Armee (SLA) getötet worden. Seine
Familie sei deshalb im Jahr 2001 nach D._ gezogen und im Jahr
2004 nach Sri Lanka zurückgekehrt. Wiederholt seien sie nach der Rück-
kehr von Angehörigen der SLA belästigt und bedroht worden. Ab Mitte des
Jahres 2009 sei er mehrmals mitgenommen und befragt worden. Ab 2011
habe er für rund ein Jahr bei einer ausländischen Organisation namens
E._ gearbeitet; dort sei er für die Räumung von Minen zuständig
gewesen. Von der SLA sei er aufgefordert worden, diese Tätigkeit zu be-
enden. Nach Beendigung seiner Tätigkeit bei E._ sei er wiederholt
gezwungen worden, für die Armee zu arbeiten. Ende 2013 sei es zwei Mal
zu gewaltsamen Übergriffen und zu sexueller Nötigung durch Soldaten ge-
kommen. Im Mai 2015 habe man ihn auf einem Armeestützpunkt körperlich
misshandelt. Am 5. Oktober 2015 sei er erneut bedroht worden und habe
deshalb am 6. November 2015 Sri Lanka illegal verlassen. Nach seiner
Einreise in die Schweiz habe er sich exilpolitisch betätigt, indem er an einer
Demonstration teilgenommen habe.
B.
Mit Verfügung vom 15. August 2017 verneinte die Vorinstanz das Bestehen
der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch
ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug.
Eine dagegen beim Bundesverwaltungsgericht erhobene Beschwerde vom
18. September 2017 wurde mit Urteil E-5326/2017 vom 19. Dezember
2017 abgewiesen. Im Wesentlichen wurde erwogen, die Asylvorbringen
des Beschwerdeführers seien unglaubhaft ausgefallen, er weise keine Ver-
bindung zu den LTTE auf, eine Reflexverfolgung sei zu verneinen und auch
sein exilpolitisches Wirken in der Schweiz sei als äusserst niederschwellig
zu beurteilen. Er erfülle keine risikobegründende Faktoren.
C.
In einem am 23. August 2018 eingereichten Wiedererwägungsgesuch
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machte der Beschwerdeführer geltend, er habe im ersten Asylgesuch
Gründe verschwiegen. Während seiner Anstellung bei E._ habe er
Sprengstoff entwendet und diesen weiterverkauft. Es sei möglich, dass er
ohne sein Wissen diesen Sprengstoff auch an ehemalige Mitglieder der
LTTE verkauft habe. Bei einer Festnahme sei ihm vorgeworfen worden,
wissentlich Sprengstoff an Separatisten verkauft zu haben. Er sei mangels
Beweisen wieder aus der Haft entlassen worden.
Das SEM wies das Gesuch mit Verfügung vom 10. Oktober 2018 ab. Es
führte im Wesentlichen aus, das Vorbringen des Beschwerdeführers sei als
unglaubhaft zu erachten.
Das Bundesverwaltungsgericht trat auf eine gegen diese Verfügung erho-
bene Beschwerde mit Urteil vom 14. Dezember 2018 nicht ein, nachdem
der Beschwerdeführer innert Frist keine Beschwerdeverbesserung einge-
reicht hatte.
D.
In einem am 26. August 2019 (Eingang beim SEM) eingereichten Wieder-
erwägungsgesuch machte der Beschwerdeführer sodann geltend, im Hei-
matstaat sei ein Haftbefehl (datierend vom 14. Dezember 2015) gegen ihn
erlassen und ein Strafverfahren eröffnet worden. Aufgrund seiner Verbin-
dungen zu den LTTE und wegen des Sprengstoffverkaufs sowie des Auf-
enthalts in D._ würde er im Falle einer Rückkehr asylrelevant ver-
folgt.
Das SEM trat mit Verfügung vom 5. September 2020 auf das Gesuch nicht
ein. Im Wesentlichen wurde ausgeführt, dem Erfordernis der rechtzeitigen
Geltendmachung sei nicht Genüge getan. Der Beschwerdeführer bleibe
jede Erklärung schuldig, warum es ihm nicht möglich gewesen sei, diesen
Haftbefehl in einem früheren Verfahren geltend zu machen und einzu-
reichen, zumal der Beschwerdeführer neben dem ordentlichen Verfahren
mehrere weitere Verfahren – jeweils anwaltlich vertreten – geführt habe
und mit seinen im Heimstaat lebenden Angehörigen in Kontakt stehe. Der
Haftbefehl stehe auch in Widerspruch zu seinen Angaben im vorangegan-
genen Verfahren, wonach er vor seiner Ausreise im Heimatstaat festge-
nommen und aus Mangel an Beweisen freigelassen worden sei. Überdies
sei dem lediglich in Kopie eingereichten Haftbefehl der Beweiswert abzu-
sprechen. Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
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E.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 10. Oktober 2019 er-
suchte der Beschwerdeführer um Revision des Urteils E-5326/2017 vom
19. Dezember 2017 und führte zu Begründung aus, mit dem nun einge-
reichten Haftbefehl im «Original» liege ein neues entscheidendes Beweis-
mittel vor.
Das Bundesverwaltungsgericht trat auf dieses Revisionsgesuch mit Urteil
E-5344/2019 vom 31. Oktober 2019 nicht ein, nachdem es die Einreichung
dieses Haftbefehls auch auf revisionsrechtlicher Ebene als unentschuldbar
verspätet erachtete.
F.
Am 21. November 2019 reichte der Beschwerdeführer, handelnd durch
den rubrizierten Rechtsvertreter, beim SEM ein "Asylgesuch resp. Mehr-
fachgesuch, eventualiter Wiedererwägungsgesuch, subeventualiter quali-
fiziertes Wiedererwägungsgesuch" ein.
Er beantragte unter dem Rechtstitel des Mehrfachgesuchs die Feststellung
der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter sei
die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-
stellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Der drohende Wegwei-
sungsvollzug sei im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme zu sistieren.
Soweit das qualifizierte Wiedererwägungsgesuch betreffend, wurde die
Aufhebung der Verfügung des SEM vom 15. August 2017 und die
Wiederaufnahme des Gesuchsverfahrens beantragt; es sei die Flüchtlings-
eigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren, eventualiter sei in Fest-
stellung der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegwei-
sung die vorläufige Aufnahme anzuordnen; der Wegweisungsvollzug sei
im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme zu sistieren.
Soweit das einfache Wiedererwägungsgesuch betreffend wurde subeven-
tualiter beantragt, die Verfügung des SEM vom 15. August 2017 sei in Wie-
dererwägung zu ziehen, im wieder aufgenommenen Gesuchsverfahren sei
die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-
stellen und der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 111b AsylG (SR 142.31)
vorläufig aufzunehmen. Der drohende Wegweisungsvollzug sei im Rah-
men einer vorsorglichen Massnahme zu sistieren.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, er befürchte, wegen
seiner früher geltend gemachten Gefährdung bei einer Rückkehr nach Sri
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Lanka in asylrelevanter Art und Weise verfolgt zu werden. Die Präsident-
schaftswahl vom 16. November 2019 mit dem Sieg von Gotabaya Rajapa-
ksa und die Einsetzung dessen Bruders Mahinda Rajapaksa als Premier-
minister, die allfälligen Folgen daraus und die Ereignisse im Zusammen-
hang mit der Schweizer Botschaft würden eine neue massive Gefähr-
dungslage für den Beschwerdeführer ergeben. Im Zusammenhang mit sei-
ner Verfolgungsgeschichte, der Zugehörigkeit zur sozialen Gruppe abge-
wiesener Asylgesuchsteller mit tamilischer Abstammung und dem mehr-
jährigen Auslandsaufenthalt falle er in die Kategorie der vulnerabelsten
Personen und sei bei einer Rückkehr in den Heimatstaat einer asylrelevan-
ten Verfolgung ausgesetzt.
G.
Das SEM nahm das Gesuch als Mehrfachgesuch gemäss Art. 111c AsylG
entgegen. Mit Verfügung vom 21. Januar 2020 trat die Vorinstanz unter
Auflage der Kosten auf das Gesuch nicht ein, da die Vorbringen im neuen
Asylgesuch den Anforderungen an eine gehörige Begründung im Sinn von
Art. 111c AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht genügen wür-
den. Das SEM ordnete die Wegweisung an und hielt fest, der Vollzug der
Wegweisung gelte weiterhin als zulässig, zumutbar und möglich.
H.
Am 3. Februar 2020 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsver-
treter beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen die Verfü-
gung des SEM vom 21. Januar 2020 einreichen. Es wurde die Aufhebung
der Verfügung beantragt. Die Sache sei zur Neubeurteilung und mit der
Anweisung, auf das Gesuch einzutreten und es materiell zu behandeln, an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuhe-
ben, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und
ihm Asyl zu gewähren, subeventualiter sei in Feststellung der Unzulässig-
keit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Auf-
nahme anzuordnen. Die kantonale Migrationsbehörde sei anzuweisen, den
Vollzug der Wegweisung auszusetzen. Es sei dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ein unentgeltlicher Rechts-
beistand beizuordnen.
I.
Mit Verfügung vom 18. Februar 2020 stellte die Instruktionsrichterin fest,
der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz
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abwarten. Gleichzeitig forderte sie ihn zur Leistung eines Kostenvorschus-
ses oder zur Einreichung eines Nachweises der Mittellosigkeit auf, dies un-
ter Androhen des Nichteintretens infolge ungenutzter Frist.
J.
Am 4. März 2020 wurde eine Unterstützungsbestätigung datierend vom
gleichen Tag eingereicht.
K.
Mit Verfügung vom 11. März 2020 wurde das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses verzichtet. Das Gesuch um amtliche Rechtsverbei-
ständung wurde abgewiesen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 3
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist, vorbehält-
lich nachfolgender Einschränkung, einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gemäss Art. 111a AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
4.
Prüfungsgegenstand im vorliegenden Verfahren ist die Frage, ob die
Vorinstanz zu Recht gestützt auf Art. 111c Abs. 1 AsylG auf das neue Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist. Die Beschwerde-
instanz enthält sich im Kontext, sofern sie den Nichteintretensentscheid als
unrechtmässig erachtet, einer selbstständigen materiellen Prüfung, hebt
diesfalls die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer
Entscheidfindung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1
m.w.H.). Auf das Eventualbegehren betreffend Feststellung der Flücht-
lingseigenschaft und Asylgewährung ist nicht einzutreten. Die Frage der
Wegweisung und deren Vollzugs wird hingegen einer materiell-rechtlichen
Prüfung unterzogen.
5.
5.1 In der Beschwerdeschrift wird im Sinne einer formellen Rüge eine un-
vollständige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts,
die Verletzung des rechtlichen Gehörs und der Begründungspflicht gerügt
(Beschwerde S. 8 f.).
5.2 Vorweg ist festzuhalten, dass in der Beschwerdeschrift an verschiede-
nen Stellen die sich (aus dem Untersuchungsgrundsatz ergebende) Frage
der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit derjenigen der
rechtlichen Würdigung dieses Sachverhalts vermengt wird. Nach der Prü-
fung der Akten und der angefochtenen Verfügung qualifiziert das Bundes-
verwaltungsgericht weder die Rügen der Verletzung der Begründungs-
pflicht (vgl. BVGE 2016/9 E. 5.1) noch der unrichtigen oder unvollständigen
Sachverhaltsfeststellung (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3) als begründet.
Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung rechtsgenüglich und nachvollziehbar
dargelegt, wieso sie das Mehrfachgesuch für unzureichend begründet im
Sinn von Art. 111c AsylG beurteilt. Die angefochtene Verfügung enthält
eine – im Rahmen der Begründung eines Nichteintretensentscheids – an-
gemessene und hinreichende Darstellung des massgeblichen Sachver-
halts, die es erlaubt, die Erwägungen des SEM, namentlich weshalb es die
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Vorbringen im Rahmen des Mehrfachgesuchs mit Bezug auf den Be-
schwerdeführer nicht als genügend individualisiert erachtet, nachzuvollzie-
hen.
5.3 Sodann ergeben sich für die Annahme eines willkürlichen Handelns im
vorliegenden Verfahren, wie auf Beschwerdeebene unter Bezugnahme auf
ein Verfahren einer Drittperson geltend gemacht wird (Beschwerde S. 7 f.),
keine Anhaltspunkte.
5.4 Da sich, wie soeben ausgeführt, die vorgebrachten formellen Rügen
als nicht begründet erweisen, liegt in Konsequenz auch keine Verletzung
des rechtlichen Gehörs vor. Für eine Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz besteht keine Veranlassung.
6.
6.1 Das SEM führte zur Begründung seines Nichteintretensentscheids aus,
Mehrfachgesuche müssten gehörig begründet sein, so dass die Behörde
in der Lage sei, auch ohne die gesuchstellende Person vorher anzuhören,
über das Gesuch entscheiden zu können. Sofern eine asylsuchende Per-
son ihrer Begründungspflicht nicht nachkomme, habe die Behörde gemäss
Art. 111c Abs. 1 AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG die Möglich-
keit, auf das Gesuch nicht einzutreten (BVGE 2014/39 E. 7). Im Mehrfach-
gesuch werde eine Veränderung der objektiven Gefährdungslage für den
Beschwerdeführer im Falle seiner Rückkehr in den Heimatstaat vorge-
bracht. Diese liege nach dem Vortrag des Beschwerdeführers in der Ände-
rung der politischen Verhältnisse mit den Wahlen vom 16. November 2019
begründet. Vor diesem Hintergrund sei das Profil des Beschwerdeführers
zu würdigen.
Die Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 mit dem Sieg von
Gotabaya Rajapaksa und die Einsetzung dessen Bruders Mahinda Raja-
paksa als Premierminister, die allfälligen Folgen daraus und die Ereignisse
im Zusammenhang mit der Schweizer Botschaft würden zu keiner anderen
Beurteilung führen, zumal das pauschale Hinweisen auf diese Vorkomm-
nisse und die damit verbundenen jüngsten politischen Entwicklungen so-
wie das Aufzeigen möglicher Zukunftsszenarien nicht genügen würden.
Der Beschwerdeführer haben keinen direkten persönlichen Bezug zu die-
sen allgemeinen Entwicklungen in Sri Lanka darlegen können.
6.2 In der Beschwerdeschrift wird vorab die im Mehrfachgesuch vom
21. November 2019 angeführte Begründung wiederholt und gerügt, das
SEM habe eine falsche Rechtsanwendung vorgenommen (Beschwerde
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S. 12). Es verkenne, dass für den im Ausland lebenden Beschwerdeführer,
der ein Asylverfahren durchlaufen und den Heimatstaat aufgrund politi-
scher Verfolgung verlassen habe, die individuelle Gefährdungslage bereits
ausführlich und mit zahlreichen Berichten dargelegt und subsumiert wor-
den sei. Der Beschwerdeführer sei aufgrund des Machtwechsels in Sri
Lanka stark gefährdet und würde bei einer Rückkehr verfolgt, zumal ge-
richtsnotorisch sei, dass zurückkehrende tamilische Asylsuchende, die be-
reits vor der Ausreise vom Staatsapparat registriert worden seien, bei einer
Rückkehr erneut behelligt würden.
6.3
6.3.1 Das zentrale Beschwerdevorbringen, wonach ein persönlicher Fall-
bezug zur aktuellen Lage im Heimatstaat des Beschwerdeführers durch-
aus vorhanden und im Mehrfachgesuch hinreichend dargelegt worden sei,
erweist sich als nicht stichhaltig. So werden in der Beschwerdebegründung
– in zusammengefasster Form – lediglich die bereits bekannten Sachver-
haltselemente erneut vorgetragen und daraus ohne weitere konkrete Sub-
sumption der Schluss gezogen, der Beschwerdeführer sei aufgrund seines
Profils durch die in Sri Lanka geänderte Politlandschaft gefährdet. Die vom
Beschwerdeführer im Rahmen seines Asylverfahrens vorgebrachten
Gründe für das Verlassen der Heimat wurden in einem ordentlichen Asyl-
verfahren, abgeschlossen mit Urteil des BVGer E-5326/2017 vom 19. De-
zember 2017, und weiteren ausserordentlichen Verfahren als unglaubhaft
qualifiziert. Demnach hat die Vorinstanz zutreffend und rechtskonform das
Erfordernis einer ausreichenden Begründung im Sinn von Art. 111c Abs. 1
AsylG als nicht erfüllt bezeichnet und ist zu Recht in Anwendung von Art. 13
Abs. 2 VwVG auf das Gesuch nicht eingetreten (vgl. BVGE 2014/39 E. 7
sowie etwa die kürzlich in vergleichbaren Konstellationen ergangenen Ur-
teile BVGer E-987/2020 vom 27. Februar 2020 E. 3 f. oder E-657/2020
vom 13. Februar 2020 E. 7). Eine falsche Rechtsanwendung ist zu vernei-
nen.
6.3.2 Die mit dem Mehrfachgesuch eingereichten Unterlagen beziehen
sich namentlich auf den in den Medien abgehandelten Machtwechsel in Sri
Lanka sowie auf die Ereignisse im Zusammenhang mit der Schweizer Bot-
schaft. Aus diesen allgemeinen Publikationen kann ebenfalls kein konkre-
ter und individualisierter Zusammenhang zum Beschwerdeführer herge-
stellt werden. Die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz sind damit
zu bestätigen.
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6.4 Zusammenfassend ist die Vorinstanz vor diesem Hintergrund zu Recht
und mit zutreffender Begründung auf das Mehrfachgesuch in Anwendung
von Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht eingetreten.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
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Seite 11
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.2.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer – wie mehrfach rechtskräftig festgestellt – nicht gelun-
gen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder
glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden.
Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach
unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.4 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Ak-
ten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaf-
fung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.).
8.2.5 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich
die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter
Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen.
8.2.6 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
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Seite 12
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 Im Kontext der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs kann mit der
Vorinstanz auf die Ausführungen im Urteil E-5326/2017 vom 19. Dezember
2017 verwiesen werden. Darin hat sich das Bundesverwaltungsgericht be-
reits ausführlich mit der Frage auseinandergesetzt, ob mit Bezug auf den
Beschwerdeführer der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu erachten
sei. Das Gericht kam dabei zum Schluss, dass der Vollzug der Wegwei-
sung in den Heimatstaat zumutbar sei (vgl. E. 13.4). Zutreffend hat die
Vorinstanz sodann darauf verwiesen, dass trotz der jüngsten politischen
Geschehnisse keine gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder
anderen unberechenbaren Unruhen dominierte Lage herrscht, aufgrund
derer Rückkehrer unabhängig ihres individuellen Hintergrunds konkret ge-
fährdet sind. An dieser Einschätzung vermag auch der Machtwechsel mit
der erfolgten Präsidentschaftswahl vom 16. November 2016 nichts zu än-
dern, ebenso wenig die Spekulationen über mögliche zukünftige politische
Entwicklungen.
8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
weiterhin als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist, soweit darauf einge-
treten wird, abzuweisen.
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10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem mit Verfügung vom
11. März 2020 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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