Decision ID: 5be76639-0bfa-4be4-8ff7-e3441a45002a
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1969 geborene
X._
, angelernter Lagerist,
arbeitete ab dem 1. März 2011
bis zur Kündigung per 30. Juni 2015
mit e
inem Beschäftigungsgrad von 100
% als Lagerist für die
Y._
AG beziehungsweise
Z._
AG (Urk. 9/6, Urk. 9/9/2-3, Urk. 9/10
)
. Am 17. Dezember 2015 meldete er sich unter Hinweis auf eine Depression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/5).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
traf
erwerbliche Abklärungen (Urk. 9
/1-
3, Urk. 9
/10), zog die Akten des Kranke
ntag
geldversicherers bei (Urk. 9
/
6, Urk.
9/14
),
führte mit dem Versicherten ei
n Stand
ortgespräch durch (Urk. 9
/9)
und holte bei
m
behandelnden
Dr. med.
A._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychother
ap
ie, einen Bericht
ein (Urk. 9
/12). Gestützt darauf verneinte sie nach Durchführung des
Vorbescheidverfah
rens
(Urk. 9/16
)
mit Verfügung vom
11. Mai 2016
d
a
s Bestehen eines
Leistungs
anspruchs
. Dies begründete sie damit
, es liege kein langanhaltender Gesundheitsschaden vor (Urk.
9/17).
1.2
Am
1. Oktober 2018
meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungs
bezug an und machte geltend,
ab Oktober 2017 durch Depressionen beeinträchtigt zu sein
(Urk.
9/28
).
Am 10. Dezember 2018 reichte er einen Ver
laufsbericht von Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein (Urk. 9/35-36).
Die IV-Stelle traf daraufhin erneut berufliche (Urk.
9/39
) und medizinische Abklärungen (Urk.
9/40-41
)
.
Nachdem sie dem Versicherten am 28. Juni 2019 mitgeteilt hatte, dass keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien und der Rentenanspruch geprüft werde (Urk. 9/44),
holte
sie
das
Gutachten von Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. Oktober 2019 ein
(Urk. 9/47/1)
.
Dar
in
wurde
dem Versicherten eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert (Urk. 9/47/34).
Gestützt darauf verneinte
die IV-Stelle
– nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
9/48, Urk. 9/51-60
)
–
mit Verfügung vom
8. Mai 2020
erneut
eine
n
Leistungsanspruch (Urk. 2)
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwältin Stephanie C. Elms
, mit Eingabe vom 8. Juni 2020 Beschwerde und beantragte
,
die Beschwerde
geg
nerin sei zu verpflichten, ihm eine Invalidenrente zuzusprechen
,
und er sei durch das Gericht medizinisch begutachten zu lassen; eventualiter sei die Sache zur Neubegutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2). In prozessualer Hinsicht beantragte er die Bewilligung der unentgeltlichen Prozess
führung und die Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertreterin in der Person
von Rechtsanwältin Stephanie C. Elms (Urk. 1 S. 3).
Mit Beschwerdeantwort vom 31. Juli 2020 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), wovon dem Beschwerdeführer Kenntnis gegeben wurde. Mit Verfügung vom 10. August 2020 gewährte ihm das Gericht in Gutheissung seines Gesuchs die unent
geltliche Prozessführung und bestellte ihm Rechtsanwältin Stephanie C. Elms als unentgeltliche Rechtsvertreterin (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der
Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV]), so ist im Beschwerdeverfah
ren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch rele
vante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Anlass zur Renten
revision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Inva
lidi
tätsgrad und damit den Ren
tenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beur
teilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrecht
lichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsäch
licher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Ablehnung des Rentenbegehrens in der angefoch
tenen Verfügung vom
8. Mai 2020
damit,
in dem von ihr in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gutachten habe keine Diagnose
gestellt
werden können, die den Beschwerdeführer in einer Erwerbstätigkeit längerfristig einschränke (Urk. 2 S. 1). Die nach dem Einwand eingereichten medizinischen Unterlagen seien dem Regio
nalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme vorgelegt worden. Dieser sei zur Beurteilung gelangt, dass in den neuen Unterlagen bloss eine andere Beur
teilung des gleichen Sachverhalt
s
vorgenommen werde. Deshalb
könne weiterhin auf das psychiatrische Gutachten abgestellt werden (Urk. 2 S. 2
, Urk. 8
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt
, er habe Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 1 S. 2). Auf das psychiatrische Gutachten
von Dr.
C._
könne
wegen Befangenheit des Gutachters nicht abgestellt werden
. Gemäss Kostenübersicht des
Bundesamtes für Sozialversicherungen (
BSV
)
habe Dr.
C._
zwischen 2012 und 2018 insgesamt Fr. 1'879'978.
-- für die Erstellung von Gutachten erhalten. Er gehöre zu denjenigen, die am meisten
Expertisen
für die IV-Stelle erstellt hätten. Werde davon ausgegangen, dass ein psychiatrisches Gutachten im Schnitt Fr. 2'500.--
k
oste, entspreche der durchschnittliche Umsatz der letzten drei Jahre von Fr. 363'000.-- rund 145 Gutachten pro Jahr; damit habe Dr.
C._
in
diesem Zeitraum jeden zweiten Tag ein Gutachten fertig
gestellt.
Die damit erwiesene wirtschaftliche Abhängigkeit
des Sachverständigen
gegenüber der IV-Stelle begründe den Anschein der Befangenheit.
Zudem zähle
Dr.
C._
vermutlich
zu den strengsten Gutachtern überhaupt.
Um dies nach
zuweisen,
sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, sämtliche Gutachten von Dr.
C._
in anonymisierter Form
herauszugeben
(Urk. 1 S. 5 f.).
Selbst wenn ein
Ausstandsgrund
verneint werde, könne auf das Gutachten von Dr.
C._
nicht abgestellt werden, da dieses in erheblichen Bereichen Mängel aufweise (Urk. 1 S. 10). Dr.
C._
werfe ihm vor, er habe sich beim Ausfüllen testdiagnostischer Fragebogen ungenügend angestrengt.
Der Gutachter
hab
e aber nicht diskutiert, ob die bei der anamnestischen Befragung angegebenen Schlaf
probleme und der damals bestehende Schlafmangel hierfür hätten ursächlich sein können. Auch der Untersuchungsbefund von Dr.
C._
,
dass
er keine einge
schränkte Konzentration aufgewiesen habe und keine Depression vorliege, stehe hierzu im Widerspruch.
Bei der Diskussion einer möglichen Persönlichkeits
stö
rung habe Dr.
C._
festgehalten, dass er
, der Beschwerdeführer,
sein Leben bis 2015 angemessen habe bewältigen können.
Die in der Anamnese
erwähnten
Prob
leme widersprächen dieser Beurteilung.
Zudem widerlege die ausführliche Befunderhebung und Diskussion der ICD-10-Kriterien im Bericht von Dr.
B._
vom 7. Januar 2020 die Behauptung des Gutachters, dass keine Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung bestünden.
Die IV-Stelle habe Dr.
C._
diesen Bericht, der der Kritik des Gutachters, in den früheren Berichten von Dr.
B._
würden die ICD-10-Kritieren nicht diskutiert, Rechnung trage, nicht zur Stellungnahme vorgelegt. Damit habe sich die IV-Stelle nicht mit sämtlichen von ihm eingereich
ten Beweismitteln auseinandergesetzt, was seinen Anspruch auf rechtliches Gehör
verletze.
In
der im
Einwandverfahren
eingeholten RAD-Stellungnahme werde bloss festgehalten, dass
mit dem
Bericht von Dr.
B._
keine Änderung des rele
vanten Sachverhalts
belegt werde
, was nicht ausreiche
. Auch fehle in der Exper
tise von Dr.
C._
eine rechtsgenügliche Auseinandersetzung mit den
Vorakten
, indem Dr.
C._
die seiner eigenen Diagnosestellung widersprechende Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung im
D._
-Gutachten nicht diskutiert habe (Urk. 1 S. 7-10)
.
Da die Expertise von Dr.
C._
in wesentlichen Teilen nicht beweiskräftig sei, dränge sich die Einholung eines Gerichtsgutachtens auf (Urk. 1 S. 10).
3.
3.1
Im vorliegenden Neuanmeldungsverfahren ist zu prüfen, ob zwischen dem Erlass der Verfügung vom
11. Mai 2016
(Urk.
9/17
) und der angefochtenen Verfügung vom
8. Mai 2020
(Urk. 2) eine Veränderung des Gesundheitszustandes eingetreten ist, die nach den analog anwendbaren revisionsrechtlichen
Massstäben
erheblich ist.
3.2
Die ursprüngliche Verfügung vom
11. Mai 2016
basierte in medizinischer Hin
sicht auf dem
psychiatrische
n Gutachten
vom 2
2.
Februar 2016
von
Prof. Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie, und
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
von der Gutachtenstelle
D._
(Urk.
9/14/2-15
). Zudem lag der IV-Stelle damals auch der
Bericht des behandelnden Psychiaters Dr.
A._
vom 30. Januar 2016 (Urk. 9/12
) vor, auf den sie aber nicht abstellte (Urk.
9/15/2
).
Dem Bericht
von
Dr.
A._
zu
Handen
der IV-Stelle vom 30. Januar 2016 ist zu entnehmen, dass
dieser
den Beschwerdeführer seit Juni 2015 psychiatrisch-psy
chotherapeutisch
und mit Psychopharmaka
behandelte. Dr.
A._
diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom. Er führte aus, die Ehefrau des Beschwerdeführers sei seit Jahren schwer depressiv. Sein 1996 geborener Sohn habe die Lehre vor kurzem abgebrochen und stelle für die Familie ein Problemkind dar. Vom 28.
Juli bis 1. September 2015 sei
d
er
Beschwerdeführer
stationär-psychiatrisch hospitalisiert gewesen. Er wirke etwas verwahrlost, sei in sich gesunken, vermeide den Blick
kontakt, spreche mit leiser Stimme, sei wortkarg, im Denken depressiv und ängst
lich. Weiter bestünden eine Antriebshemmung, Grübeln, Traurigkeit, Freud- und Lustlosigkeit, Schlafstörungen
,
eine depressive Weltsicht
und vereinzelt Suizid
ideen.
Der depressive Beschwerdeführer lebe in einer schwierigen psychosozialen Situation (
depressive
Ehefrau
,
Sohn
ohne Lehrstelle und Zukunftsaussichten,
finanzielle Schwierigkeiten
in der Familie
)
. Zurzeit
sei
er
aus psychiatrisch-psychotherapeutischen Gründen zu etwa 60 % arbeitsunfähig, bei noch offener Prognose (Urk. 9/12/6-7).
Prof.
Dr.
E._
und
Dr.
F._
diagnostizierten
im psychiatrischen Gutachten vom 2
2.
Februar 2016
, welches vom Krankentaggeldversicher
er
in Auftrag gege
ben worden war,
eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen
sowie
dissozialen Zügen
(ICD-10: F60.9
)
.
Sie
hielten fest,
der
Beschwerdeführer
habe vorwiegend depressive Verstimmungen, Antriebs- und Motivationsprobleme, Ein- und Durchschlafstörungen sowie Aggressionen, Reizbarkeit und Zukunfts
ängste geschildert. Die Beschwerden hätten
sich in Zusammenhang mit einer als Mobbing wahrgenommenen beruflichen Auseinandersetzung im vergangenen Jahr
entwickelt
(Urk. 9/14/10)
. Die AMDP-konform erho
benen Untersuchungs
befunde ergäben das
Bild eines dysphorischen Versicherten, der ohne Hinweise für mnestische oder konzent
rative Einschränkungen über sei
nen Werdegang und seine Beschwerden berichtet habe. Die Stimmung sei dabei gereizt, vorwurfsvoll,
aggressiv gewesen und
geprägt von inadäquaten Grössen
phantasien, einer erhö
h
ten Kränkbarkeit und Schuldzuweisungen gegenüber anderen ohne die Bereit
schaft, allfällige eigene Beiträge zu Konfliktsituationen zu erkennen. Klinische Zeichen einer Depress
ivität wie psychomotorische Hem
mung, Antriebsstörung oder Niedergeschlagenheit hätten gefehlt. Die von den behandelnden Ärzten gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode könne vor diesem Hintergrund nicht bestätigt werden. Das klinische Bild entspreche einer Anpas
sungs
störung
mit leichter depressiver Symptomatik im Sinne einer
Verbitterungs
störung.
Solche Störungen würden typischerweise durch negative Lebensereig
nisse wie Kündigung, be
rufliche Herabwürdigung und Mob
bing ausgelöst, wo
rauf
hin sich die Betroffenen oft ungerecht behandelt fühlten und mit Verbitte
rung, emotionaler Erregung und Aggressivität reagierten. Die emotionale Schwin
gungs
fähigkeit sei hierbei nicht beeinträchtigt, und diese Per
sonen zeigten meist einen normalen Affekt bei Ablenkung. Die im psychopatho
logischen Befund aufscheinenden prämorbiden narzisstischen und dissozialen Persönlichkeitszüge könnten als prädisponierende Faktoren für die Entwicklung der Verbitterungs
störung angesehen werden. Weder die Anpassungsstörung noch die definitions
gemäss seit dem jungen Erwachsenenalter bestehende Persönlich
keitsstörung hätten jedoch eine Minderung der Arbeitsfähigkeit sowohl in der zuletzt ausge
übten Tätigkeit als Lagerist
als
auch in jeder anderen Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarkts zur Folge; der
Beschwerdeführer
könne sein Verhalten nämlich durchaus kontrollieren. Zudem könne dieses Leiden therapiert werden
(Urk.
9/14/11)
. Ab sofort sei er zu 100
% arbeitsfähig. Aus therapeutischer Sicht sei die Wiederaufnahme einer Arbeit zu empfehlen, da dies einer die Verbitterung fördernden
Verharrenshaltung
entgegenwirke (Urk
. 9/14/12
).
3.3
3.3.1
In
der Neuanmeldung zum Leistungsbezug vom
1. Oktober 2018
gab der Be
schwerdeführer an, etwa seit dem 1. Oktober 2017 unter Depressionen zu leiden
(Urk. 9/28
)
. In der Folge
wurden insbesondere folgende medizinischen Beurtei
lungen zu den Akten genommen:
3.3.2
Dr.
B._
behandelte den Beschwerdeführer seit 28. Mai 2018 psychiatrisch-psychotherapeutisch. I
n
seinem ersten Bericht
vom
4. Dezember 2018
diagnos
tizierte er eine rezidivierende depressive Störung
, gegenwärtig schwergradige
depressive Episode ohne psychotische Symptome
(Urk
. 9/36)
. In den Berichten vom
9. April
und 17. April
2019
(Urk. 9/40-41)
führte
er
aus
, der Beschwerde
führer lebe seit zwei Jahren getrennt von seiner Ehefrau (Urk. 9/41
/2). Er habe über dauernde Müdigkeit, Konzentrationsstörungen
und
eine reduzierte Belast
bar
keit berichtet.
Aufgrund von Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit habe er häufig Mühe, Aufgaben zu erledigen,
die ihm erteilt würden,
da er oft nicht verstehe, was zu tun sei.
Bereits bei kleinsten Konfliktsit
uationen fühle er sich schnell
beleidigt und angegriffen. Er reagiere
entweder
aggressiv
mit Wutau
s
brüchen, wobei er Gegenstände kaputt mache, oder mit Vermeidungsverhalten. Dr.
B._
erhob
eine verarmte Mimik und Gestik, verlangsamte Psychomotorik,
depressive Stimmungslage, unzureichende Schwingungsfähigkeit, einen ge
he
mm
ten und verlangsamten Antrieb. Das formale Denken sei verlangsamt, die inhalt
lichen Gedanken seien von Angst, Hilflosigkeit und Resignation geprägt. Auf
merk
samkeit, Konzentration, Merkfähigkeit, Urteils- und Kritikfähigkeit seien
reduziert.
Auch
bestünden Wertlosigkeitsgefühle
, Schlafstörungen, Appetitlosig
ke
it, verschiedene Schmerzen und generell eine Störung der Vitalität.
Weiter lägen Merkmale einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impul
siven Typ vor, nämlich emotionale Instabilität, Ärger und Wutausbrüche, man
gelnde Impulskontrolle sowie oft gewalttätiges und explosibles Verhalten (Urk.
9/41/3).
Dr
.
B._
diagnostizierte
eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
(beziehungsweise schwergradige)
depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.1), eine
emotional instabile Persön
lichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F60.30) und eine anhaltende Schmerzstörung (ICD-10: F45.40
). Die Prognose
betreffend Arbeitsfähigkeit
sehe schlecht aus (Urk. 9/41/4
). Die Beurteilung der Funktionseinschränkungen mittels Mini-ICF
-
APP habe in praktisch allen zu beurteilenden Fähigkeiten eine
mässige
bis erheblich ausgeprägte Beeinträchtigung ergeben (insgesamt 30 Punkte), was für eine
schwere Bewältigung (richtig wohl: Beeinträchtigung) der psychischen Funktionen spreche (Urk. 9/41/11-12).
Eine Arbeit sei dem Beschwerdeführer
für weniger als zwei Stunden pro Tag zumutbar (Urk. 9/41/6
; vgl. auch
Urk. 9/40).
3.3.3
Dr.
C._
begutachtete den Beschwerdeführer am
25. September 2019
psychia
trisch.
In seiner
Expertise vom
21. Oktober 2019
diagnostizierte er
eine
Dysthymia
(ICD-10
:
F34.1) in Folge sozialer
Belastungen (zwischenmenschliche Konflikte am Arbeitsplatz und Kündigung des Anstellungsvertrags, psychische Krankheit der
Ehefrau, finanzielle Sorgen) bei akzentuierten Persönlichkeitszügen (Urk. 9/47/2
0).
Dazu erläuterte er, anlässlich der Untersuchung vom 25. September 2019 seien die objektivierbaren psychopathologischen Befunde höchstens geringgradig aus
ge
prägt gewesen. Im Vordergrund
hätten
eine verärgert-
dysthyme
Grundstim
mun
g und eine
Klagsamkeit gestanden. Die Anstrengungsbereitschaft des Beschwerde
führers sei aussergewöhnlich gering gewesen, er habe nur eingeschränkt koope
riert und Daten a
ussergewöhnli
ch ungenau genannt. Eine Verdeutlichungs
ten
denz (elegische Selbstdarstellung) sei vorhanden, und in der
I
nteraktion sei er narzisstisch (ich-bezogen, fordernd, anspruchsvoll) und abweisend gewesen (Urk.
9/47/21
; vgl. auch Urk. 9/47/15-17, Urk. 9/47/19-20, Urk. 9/47/39-44).
Die vom Beschwerdeführer geschilderten
, subjektiv seit Juni 2015 unverändert bestehenden (Urk. 9/47/12, Urk. 9/47
/
20
, Urk. 9/47/23
)
Beschwerden (a
g
gressiv und tätlich werden, niedergeschlagene Verstimmung, unregelmässiges Schlafen, «überall» Schmerzen spüren) seien durch die diagnostizierte
Dysthymia
ausrei
chend erklärbar
. Hinzuweisen sei auf
akzentuierte narzisstische, impulsive, para
noide und dissoziale Persönlichkeitszüge. Die
Dysthymia
habe sich
wegen viel
fältiger sozialer Belastungen
im Anschluss an die im
D._
-Gutachten
vom 22.
Februar 2016
diagnostizierte Anpassungsstörung entwickelt, die bei einer längeren depressiven Reaktion maximal während zwei Jahren, also bis
Mai
2017
, attestiert werden könne. Die Kriterien einer depressiven Episode seien weder aufgrund der Akten noch der aktuellen Untersuchungsbefunde
hinreichend
er
füllt
; insbesondere fehlt
en eine dauerhafte Hemmung der P
sychomotorik, eine wesentliche Verminderung der affektiven Schwingungsfähigkeit und eine ausge
prägte soziale Inaktivität
(Urk. 9/47/21-23). Die akzentuierten Persönlichkeits
züge stellten eine Variante der Norm ohne Krankheitswert dar. Es bestünden keine Hinweise
darauf
, dass die Eingangskriterien für die Diagnose einer Persönlich
keitsstörung gegeben seien: Dem Beschwerdeführer sei bis mindestens 2015, im 46. Altersjahr, eine angemessene Bewältigung
seines Lebens in beruflicher (regel
mässige Erwerbstätigkeit), familiärer (Ehe, Kinder) und persönlicher Hinsicht (kein Suchtleiden, keine Verwahrlosung, keine schweren Straftaten) möglich gewesen, und zwar trotz geringer sozioökonomischer Ressourcen und der Krankheit seiner Ehefrau. Hinweise für m
ittelschwere oder schwere pathologische Persönlichkeits
strukturen lägen nicht vor. Der geringe, sozial übliche Tabakkonsum und die Abstinenz bezüglich weiterer nicht ärztlich verordneter psychotroper Substanzen (Alkohol und Drogen) lasse auf relevante innerseelische Ressourcen schliessen
(Urk. 9/47/23-24, Urk. 9/47/26)
. Eine somatoforme Störung beziehungsweise an
haltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) könne ebenfalls nicht diagnostiziert werden. Weder läge eine wi
e
derholte Darbietung körperliche Symptome in Verbin
d
ung mit hartnäckigen Forderungen nach medizinischen Unter
suchungen trotz wiederholter negativer Ergebnisse
vor, noch sei
anzunehmen, dass gegenwärtig ein andauernder, schwerer und quälender Schmerz
vorliege (Urk. 9/47/24-25
; vgl. auch Urk. 9/47/16
). Der Beschwerdeführer verfüge zudem über einen objek
tiv geordneten sozialen
Kontext und
pflege soziale Kon
takte; die Aktivitäten des täglichen Lebens seien angemessen (Urk. 9/47/26). Hingegen bestünden aufgrund der
Vorakten
und des Untersuchungsbefunds Hin
weise für eine aktuelle und/oder im Verlauf stattgefundene bewusstseinsnahe Aggravation der beschriebenen Beeinträchtigungen (Urk. 9/47/27-30).
Beurteilt a
nhand des Mini-ICF-Ratings weise der Beschwerdeführer
gemäss Selbsteinschätzung
jeweils eine leichte Beeinträchtigung ohne Negativfolgen in den Fähigkeitsbereichen
Anpassung an Regeln und Routinen, Flexibilität
sowie
Umstellungsfähigkeit
und eine mässige Beeinträchtigung mit Negativfolgen ohne
Assistenznotwendigkeit in den Bereichen Durchhaltefähigkeit, Selbstbehaup
tung
s
fähigkeit, Kontaktfähigkeit zu Dritten
und
Gruppenfähigkeit
auf
.
Objektive Defi
zite liessen sich nicht beschreiben, und eine Willensanstren
gung
zur Bewältigung der subjektiv erlebten Defizite sei auch nach Angaben des Beschwerdeführers möglich, zumal er über persönliche Ressourcen (beispielsweise eine gute Intelli
genz) und einen unterstützenden sozialen Kontext verfüge.
Beim Verlauf der Störung spielten auch nicht krankheitsbedingte, soziale Faktoren wie Lebensalter, Migration, fehlender Berufsabschluss, Arbeitsmarktlage, finanzielle Sorgen, fami
li
äre Konflikte und Krankheit der Ehefrau eine Rolle, welche die Motivation und tatsächlichen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt beeinträchtigten. Diese Fak
toren erklärten die Diskrepanz zwischen der subjektiv wahrgenommenen und der objektivierbaren Arbeitsunfähig
keit
des Beschwerdeführers in wesentlichem Ausmass (Urk. 9/47/31-34; vgl. auch Urk. 9/47/27).
Der Beschwerdeführer sei
in sämtlichen Tätigkeiten uneingeschränkt arbeitsfähig. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gelte diese Einschätzung bereits ab Februar 2016. Der Ge
sundheitszustand habe sich seit Februar 2016 – ausgehend von den Angaben im
D._
-Gutachten vom 22. Februar 2016 - nicht wesentlich verändert.
Eine relevante, mehr als 20%ige längerfristige Arbeitsunfähigkeit sei für die bislang ausgeübten Tätigkeiten nicht zu begründen.
Die abweichende Beurteilung von Dr.
B._
könne nicht bestätigt werden (Urk. 9/47/34-
37)
.
3.3.4
In einem weiteren Verlaufsbericht vom 7. Januar 2020 führte der behandelnde Psychiater Dr.
B._
aus, er sei sowohl mit den im Gutachten vom 25. September 2019 gestellten Diagnosen als auch mit der dortigen Einschätzung der Arbeits
fähigkeit nicht einverstanden (Urk. 9/58/5). Beim Psychostatus vom 7. Januar 2020 erwähnte er neu einen Verfolgungswahn und akustische Halluzinationen (Urk. 9/58/1-2). Weiter stellte er seine Untersuchungsbefunde den diagnostischen Kriterien der ICD-10 gegenüber und erachtete sämtliche Kriterien für die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Episode, gegenwärtig schwere Episode mit psy
chotischen Symptomen als erfüllt
(Urk. 9/58/3-4)
.
Ferner
hielt er an der dia
gnostizierten emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ, fest und stellte neu die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
. Letztere Diagnose begründete er damit, der Beschwerdeführer leide an einem chronischen
lumbospondylogenen
Syndrom
, welches zu Schmerzen führe. Diese Schmerzen würden durch soziale und familiäre Belastungen (Arbeitslosigkeit, soziale Isolierung), welche er psy
chisch nicht verarbeiten könne, verstärkt. Die drei Störungen führten zu erhebli
chen psychischen Funktionsstörungen und hätten eine 100%ige Arbeitsun
fähig
keit zur Folge (Urk. 9/58/4-5).
Dr. me
d
.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
vom RAD, nahm am 30. März 2020 zum Verlaufsbericht von Dr.
B._
vom 7. Januar 2020 Stellung
. Sie gelangte zur Beurteilung, Dr.
B._
habe in seinem neusten Bericht
einen im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand beschrieben. Als neues
Symptom würden akustische Halluzinationen aufgeführt, diese würden jedoch nicht
weiter erläutert. Es sei deshalb nach wie vor davon auszugehen, dass Dr.
B._
lediglich eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts wie Dr.
C._
vorgenommen habe (Urk. 9/60/2).
4.
4.1
Vorab ist der Einwand des Beschwerdeführers zu prüfen, Dr.
C._
sei bei der Erstellung seines Gutachtens befangen gewesen (Urk. 1 S. 5 f.).
4.2
Nach der Rechtsprechung gelten für medizinische Sachverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeig
net sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erheb
liche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt
, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V
93 E. 7.1; SVR 2013 IV Nr. 35 S.
105, Urteil des Bundesgerichts 9C_689/2012 E. 2.2; vgl. auch BGE 137 V 210 E. 2.1.3
)
.
4.3
4.3.1
Zunächst ist zu beachten
, dass Ausstands- oder Ablehnungsgründe gemäss bun
desgerichtlicher Rechtsprechung so früh wie möglich geltend gemacht werden müssen. Es verstösst gegen Treu und Glauben, Einwendungen dieser Art erst im Rechtsmittelverfahren vorzubringen, wenn dies schon vorher möglich und zu
mut
bar gewesen wäre. Wird eine sachverständige Person nicht unverzüglich als befangen abgelehnt, wenn die betroffene Person vom Ablehnungsgrund Kenntnis erhält, verwirkt sie den Anspruch auf spätere Anrufung dieser Verfah
rensgarantie (BGE 137 V 210 E. 6.1.1 mit Hinweisen).
Die
IV-Stelle
teilte
dem
Beschwerdeführer
a
m
24. Juni 2019
mit
, dass sie
be
ab
sichtige
, Dr.
C._
mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens zu be
auftragen
. Dabei wies sie darauf hin, dass er bis 8. Juli 2019 Einwendungen gegen die Person des Gutachters erheben könne
(
Urk. 9/43
).
Die Expertise vom 21. Okto
ber 2019 (Urk. 9/47) wurde auf Wunsch des Beschwerdeführers
mit den übrigen Akten am 21. November 2019
dem behandelnden Psychiater Dr.
B._
zugestellt (Urk. 9/52), der am 7. Januar 2020 dazu Stellung nahm (Urk. 9/58; vgl. auch Urk.
9/51).
Den Einwand der Befangenheit erhob der Beschwerdeführer allerdings erst im Zuge des Beschwerdeverfahrens, weshalb sich seine Rüge als verspätet erweist.
4.3.2
Ferner vermögen
der regelmässige Beizug eines Gutachters durch den Versiche
rungsträger, die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag gegebenen Gutachten und Berichte sowie das daraus resultierende Honorarvolumen nach gefestigter bundesgerichtlicher Rechtsprechung für sich allein genommen keine Zweifel an der Unabhängigkeit eines Gutachters
zu
erwecken (
vgl. das
Urteil des Bundes
gerichts 9C_96/2018 vom 19. März 2018 E. 3.2.1
unter Hinweis
auf BGE 137 V 210 E. 1.3.3
).
Die vom Beschwerdeführer angeführ
t
e
Zahl
von
145
Expertisen, die Dr.
C._
angeblich
(
ausgehend
von einem mit der Erstellung von Gutachten durchschnittlich erwirtschafteten Jahresu
msatz
von
Fr. 363'000.
-- sowie Kosten von Fr. 2'500.-- pro Gutachten [vgl. Urk. 3/3])
in den
letzten Jahre
n
im Mittel
erstellt habe
(Urk. 1 S. 5 f.)
, dürfte
im Übrigen
klar zu hoch sein
.
F
ür
ein stan
dardmässiges
polydisziplinäre
s
MEDAS-Gutachten
mit drei Fachdisziplinen
(in
klusive Psychiatrie)
fallen
Kosten von
mindestens
Fr. 9'000.
--
an
(
Stand 2010
; BGE
137 V 210 E. 1.2.5), wobei
psychiatrische Teilgutachten überproportional te
uer sind;
deshalb ist
für eine monodisziplinäre psychiatrische Expertise
mit einem durchschnittlichen
Kostena
nsatz von deutlich über Fr. 2'500.-- zu rechnen.
Im
Übrigen
ist nicht ersichtlich, inwiefern die Kenntnis
sämtlicher
von Dr.
C._
in anderen Fällen attestierten Arbeitsunfähigkeiten mangelnde Ergebnisoffenheit zu belegen und damit den Beweiswert seiner gutachterlichen Einschätzung in Frage zu stellen vermöchte
.
Selbst wenn sich bei der Auswertung der Häufig
keitsverteilung von attestierten Arbeitsunfähigkeiten eine starke Abweichung nachweisen liesse, wäre damit noch nicht ausgewiesen, worauf diese Abweichung – auf eine Befangenheit oder andere Faktoren - zurückzuführen wäre.
Konkrete
Anhaltspunkte, die auf eine
n
Befangenheit
sanschein
von Dr.
C._
in seinem Fall
hindeuten könnten, trägt der
Beschwerdeführer
nicht vor.
Es rechtfertigt sich daher,
in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. hierzu BGE 136 I 229 E. 5.3) auf die bezüglich der gutachterlichen Ergebnisoffenheit verlangte Beweismassnahme
zu
verzichte
n
(
vgl. die Urteile des Bundesgerichts 8C_25/2020 vom 22. April 2020 E. 5.1.2.2, 9C_582/2018 vom 7. Januar 2019 E. 2.1 und
8C_627/2016 vom 1
7.
November 2016 E. 4.3)
.
4.3.3
Damit
erweist sich der Einwand,
bei
Dr.
C._
bestehe der Anschein der Be
fangenheit bei der Erstellung seiner Expertise
, als nicht
begründet
.
5.
5.1
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
C._
vom 21. Oktober 2019
beruht auf
umfassenden klinischen und testpsychologischen Untersuchungen
(Urk. 9/47/15-20, Urk. 9/47/31-34, Urk. 9/47/39-46)
,
berücksichtigt
die geklagten Beschwerden
(Urk. 9/47/10-15)
,
ist
in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben worden
(Urk. 9/47/3-10
)
,
leuchtet
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
und
enthält begründete
Schluss
folgerungen
(Urk. 9/47/20-34)
.
Es
erfüllt
damit
die höchstrichterlichen Anforde
rungen an beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlagen
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis)
, zumal
es auch
zu abweichenden psy
chiatrischen Beurteilungen
Stellung nimmt
(Urk. 9/47/20-21, Urk. 9/47/35-36)
und
zur
hier interessierenden
Frage, ob sich der Gesundheitszustand
und die
Arbeitsfähigkeit seit Erlass der Rentenverfügung wesentlich verändert
haben
(Urk. 9/47/35-37).
5.2
Der Vorwurf des Beschwerdeführers, Dr.
C._
habe nicht diskutiert,
ob das unvollständige Ausfüllen der testdiagnostischen Fragebogen nicht nur durch eine ungenügende Anstrengungsbereitschaft, sondern auch durch seine Schlafprob
le
me und den damals bestehenden Schlafmangel erklärt werden könne
(Urk. 1 S. 7)
,
trifft nicht zu.
Dr.
C._
hielt in seiner Expertise fest, der Beschwerdeführer habe ihm angegeben, die letzten 30 Stunden nicht geschlafen
zu haben
und müde
zu sein
(Urk. 9/47/11).
B
eim Ausfüllen der Montgomery
Asberg
Depression
Scale
berücksichtigte
der Gutachter die geschilderten Schlafstörungen mit einem Wert von 3 (auf einer Skala von 0 bis 6) beim Item «Schlaflosigkeit» (Urk. 9/47/42).
Weiter führte Dr.
C._
aus, der Beschwerdeführer habe nur 67 von 90 Items des Selbstbeurteilungsinstruments SCL-90-R beantwortet und den Abbruch der Bearbeitung des Fragebogens mit dem Hinweis begründet, er sei müde. Den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers stellte der Gutachter
dann
aber seine eigenen Beobachtungen gegenüber, wonach zwar Hinweise für eine übergenau-misstrauisch-selbstunsichere Grundhaltung bestanden hätten, aber keine objekti
vierbaren Zeichen einer Erschöpfung zu erkennen gewesen seien. Dass der Gut
achter gestützt darauf auf eine geringe Anstrengungsbereitschaft schloss (Urk.
9/47/15) und das Verhalten des Beschwerdeführers nicht als Ausdruck einer
erheblich
eingeschränkten Konzentration und depressiven Symptomatik wertete
(Urk. 9/47/17, Urk. 9/47/42-43)
, ist nachvollziehbar.
Sodann ergeben sich aus der Anamnese bis zur Kündigung im Jahr 2015 im Ge
gensatz zur Auffassung des Beschwerdeführers
(Urk. 1 S.
7 f.)
keine Auffällig
keiten, die auf die Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung hinweisen könnten
(Urk.
9/47/11-15)
.
Die vom Beschwerdeführer beschriebenen Konflikte am Arbeit
s
platz
(Urk. 9/47/12)
können mit den diagnostizierten akzentuierten Persönlich
keitszügen hinreichend erklärt werden. Dass der Beschwerdeführer keine Berufs
ausbildung abschliessen konnte,
dürfte
in erster Linie auf seinen Migrationshin
tergrund
zurückzuführen sein (Urk. 9/47/13). Die vorgebrachten Streitigkeiten
innerhalb
der Familie können auf verschiedenen Ursachen basieren, auch sol
chen
, die nicht in der Person des Beschwerdeführers liegen (Urk. 9/47/13-14); sie deuten deshalb ebenfalls nicht zwingend auf eine erhebliche Persönlichkeits
pathologie.
Die Argumentation des Sachverständigen, angesichts der unauffälligen Lebensge
schichte bis mindestens 2015, den im klinischen Eindruck nur leichten Persön
lichkeitsauffälligkeiten und dem fehlenden übermässigen Konsum psychotroper Substanzen bestünden keine ausreichenden Hinweise für mittelschwere bis
schwere pathologische Persönlichkeitsstrukturen
(
Urk. 9/47/23-24), überzeugt
deshalb
.
Zu den Berichten des behandelnden Psychiaters Dr.
B._
vom
4. Dezember 2018 (Urk. 9/36) sowie vom 9.
u
nd 17. April 2019 (Urk. 9/40-41)
führte Dr.
C._
aus, die Diagnosestellung sei ohne Bezugnahme zum Klassifikationssystem erfolgt. Zudem habe Dr.
B._
die genau gleichen Befunde im Dezember 2018 als schwere und im April 2019 als mittelschwere depressive Episode eingestuft, was widersprüchlich sei. Eine Anpassung der Psychopharmakotherapie sei in diesem Zeitraum nicht erfolgt. Deshalb seien seine Angaben nicht verwertbar (Urk. 9/47/21
, Urk. 9/47/35
). Diese Einschätzung überzeugt.
Ebenfalls unzutreffend ist die Behauptung des Beschwerdeführers, Dr.
C._
habe die seiner eigenen Diagnosestellung widersprechende Diagnose einer kom
binierten Persönlichkeitsstörung im
D._
-Gutachten nicht diskutiert
(Urk. 1 S.
10).
Vielmehr hielt er dazu fest, im
D._
-Gutachten werde
die aufgeführte Persönlichkeitsstörung wie
in den Vorberichten
ohne Bezugnahme zum Klassifi
kationssystem und den einzelnen Diagnosekriterien beschrieben und diskutiert (Urk. 9/47/23).
5.3
In Bezug auf Berichte von behandelnden Arztpersonen ist
zudem
auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Be
handlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begut
ach
tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vor
behalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung uner
kannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 29. Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E.
2.2.1 [I 514/06]).
Vor diesem Hintergrund
ist
auch der Bericht vom 7. Januar 2020, in welchem Dr.
B._
erstmals
seine Untersuchungsbefunde den diagnostischen Kriterien der ICD-10 gegenüber
stell
t
e (Urk. 9/58/3-4
)
und eine
gesundheitliche Verschlech
t
er
ung im Sinne einer nun schweren depressiven Episode mit
psychotischen Symptomen
attestierte
(Urk. 9/58/2-3
; vgl. auch Urk. 9/47/16
)
,
zurückhaltend
zu würdigen
. Zum einen fällt auf, dass Dr.
B._
bezüglich der
rezidivierenden depressiven Episode, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Sympto
men
,
undifferenziert jedes Kriterium als erfüllt betrachtete
(Urk. 9/58/3-4)
. Zum anderen
begründete der Behandler seine Einschätzung, dass der Beschwerde
führer nun auch unter
Verfolgungswahn und akustische
n
Halluzinationen
leide
, nicht
näher
(Urk. 9/58/
2-3)
,
worauf Dr
.
G._
vom RAD
am 30. März 2020
zu
Recht hinwies (Urk. 9/60/2). Nicht ausgewiesen ist
deshalb,
dass die von Dr.
B._
als psychotische Symptomatik eingestuften
Untersuchungsbefunde
einer objek
tiven Betrachtung standhalten
.
Bezüglich der von Dr.
B._
am 7. Januar 2020 neu diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Faktoren (ICD-10: F45.41; Urk.
9/58/4-5) führte Dr.
C._
in überzeu
gender Weise aus, dass er beim Beschwerdeführer keinen andauernden, schweren und quälenden Schmerz habe feststellen können, ebenso wenig wie eine wieder
holte Darbietung körperlicher Symptome in Verbindung mit hartnäckigen Forde
rungen nach medizinischen Untersuchungen trotz wiederholter negativer Ergeb
nisse (Urk. 9/47/24-25). Deshalb ist mit Dr.
C._
davon auszugehen, dass die Voraussetzungen für die Diagnose einer somatoformen Störung nicht erfüllt sind.
Auffällig ist auch der Zeitpunkt der bescheinigten gesundheitlichen Verschlech
terung nach Erhalt des eine Arbeitsunfähigkeit verneinenden Gutachtens von Dr.
C._
.
Bereits vor der Erstellung des Berichts vom 7.
Januar
2020 wich die Beurteilung von Dr.
B._
erheblich von derjenigen der Gutachter des
D._
(Urk. 9/14/10-14)
und von Dr.
C._
(Urk. 9/47)
ab. Dies lässt darauf schliessen, dass sich der behandelnde Psychiater hauptsächlich auf subjektive Angaben des Beschwerdeführers stützte und von Dr.
C._
beobachtete invaliditätsfremde
(soziale) Faktoren, welche die Arbeitsmotivation beeinflussen können (Urk.
9/47/
27), und problematische Verhaltensweisen wie
eine bewusstseinsnahe
Aggravation (Urk. 9/47/27-30) nicht berücksichtigte.
Aus diesen Gründen ist
der
Bericht von Dr.
B._
vom 7. Januar 2020 nicht geeignet,
erhebliche neue ge
sundheitliche
Aspekte
zu dokumentieren
, die den Beweiswert der Expertise von Dr.
C._
zu erschüttern vermöchten.
5.4
Dass die IV-Stelle Dr.
C._
den Bericht von Dr.
B._
vom 7. Januar 2020 nicht vorlegte, ist nach dem Gesagten nicht zu beanstanden. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist
darin
entgegen der Ansicht des Beschwer
de
führers (Urk.
1 S. 9 f.
)
nicht zu erblicken.
Zwar umfass
t
dieser Anspruch das Recht, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesent
licher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen)
.
Der
Anspruch
auf rechtliches Gehör
bedeutet aber nicht, dass bei einem Administrativgutachter zwingend
eine Stellungnahme zu einer
nach
seiner
Expertise erstellten anderslautenden Beurteilung eines behan
delnden Arztes einzuholen ist.
Indem die IV-Stelle den Bericht von Dr.
B._
vom 7. Januar 2020 dem RAD vorgelegt (Urk. 9/60/2) und dessen Stellungnahme berücksichtigt hat (Urk. 2), hat sie die Gehörsrechte des Beschwerdeführers hin
reichend gewahrt.
5.5
Es ergibt sich, dass auf das psychiatrische Gutachten von Dr.
C._
vom
21.
Oktober 2019
abgestellt werden kann. Die beantragte Einholung eines Gericht
s
gutachtens (Urk. 1 S. 10) kann
deshalb
unterbleiben.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt, ob es im Verlauf zu einer wesentlichen Veränderung des Ge
sundheitszustandes gekommen ist.
6.2
Im Vordergrund der von Dr.
C._
erhobenen
objektivierbaren psycho
patho
lo
gischen Befunde
stand
en
– wie bereits anlässlich der Begutachtung in der
D._
durch
Prof.
Dr.
E._
und Dr.
F._
– eine verärgert-
dysthyme
Grund
stim
mung und eine Klagsamkeit
(
Urk. 9/14/11,
Urk. 9/47/21)
. In beiden Expertisen wurde dementsprechend nur eine leichte depressive Störung im Sinne einer
An
passungsstörung mit längerer leichter depressiver Reaktion
(Urk. 9/14/10
) respek
tive einer
Dysthymia
(Urk. 9/47/20) diagnostiziert. Bei der divergierenden Beur
teilung der Persönlichkeitsproblematik als Persönlichkeitsstörung (in der
D._
;
Urk. 9/14/
10)
beziehungsweise als akzentuierte Persönlichkeitszüge (durch Dr.
C._
; Urk.
9/47/21)
handelt es sich offensichtlich bloss um eine andere Beur
teilung des im Wesentlichen gleich gebliebenen Zustands, zumal sich dadurch auf jeden Fall keine gesundheitliche Verschlechterung
im zeitlichen Verlauf
be
legen lässt.
Auch
der Umstand, dass die beiden Psychiater, die den Beschwerdeführer nach
einander behandelten – zunächst Dr.
A._
, danach Dr.
B._
-
immer eine rezidivierende depressive Störung mit
mittelgradigen
bis s
chweren
Episode
n
dia
gnostizierten (Urk.
9/12/6, Urk. 9/40/2, Urk. 9/41/4
),
spricht fü
r eine
weitgehend
unveränderte Symptomatik.
D
ie von Dr.
B._
am
7. Januar 2020
erwähnte psychotische Symptomatik
(Urk. 9/58/2-3)
ist
nach dem Gesagten nicht geeignet, eine wesentliche gesundheitliche Veränderung zu belegen
(vorstehend E. 5.3)
.
Schliesslich erwähnte auch der Beschwerdeführer gegenüber Dr.
C._
, sei
t
2015
gehe es ihm unverändert schlecht
(Urk. 9/47/12
).
Damit steht mit dem
mass
geb
lichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass sich
die gesundheitliche Situation
des Bes
chwerdeführers seit Erlass der leistungs
vernei
nenden Verfügung vom
11. Mai 2016 (Urk. 9/17)
nicht erheblich verschlechtert hat.
6.3
Mangels erheblicher Sachverhaltsänderung ist nach wie vor kein invalidi
sie
render Gesundheitsschaden ausgewiesen, und der Beschwerdeführer hat keinen Rentenanspruch. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
7.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von Fr. 800.
--
zulasten des unter
liegenden Beschwerdeführers (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG),
sind
infolge der ih
m
ge
währten unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7.2
Die
unentgeltliche Rechtsvertreter
in
,
Rechtsanwältin Stephanie C. Elms
, ist für
ihre
Aufwendungen in diesem Verfahren – da
sie
keine Honorarnote eingereicht hat (v
gl. Urk. 10) - nach Ermessen mit Fr. 2‘60
0.-- (inkl. Barauslagen und Mehr
wertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
7.3
Der Beschwerdeführer wird auf § 16 Abs. 4
GSVGer
aufmerksam gemacht, wo
nach er zur Nachzahlung der einstweilen zulasten der Gerichtskasse genommenen Kosten verpflichtet werden kann, sofern er dazu in der Lage ist.