Decision ID: ce7f2da5-1186-462b-9765-fa019b234f92
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1967 geborene Beschwerdeführer war seit 2013 bei der B. als unge-
lernter "Berufsarbeiter" angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Be-
schwerdegegnerin obligatorisch gegen die Folgen von Nichtberufs- und Be-
rufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert, als er gemäss "Schaden-
meldung UVG" am 2. April 2021 "beim vibrieren" stolperte, sich mit dem
rechten Arm "an der Mauer" stützte und sich eine Quetschung des Oberar-
mes rechts zuzog. In der Folge anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungspflicht für die Folgen dieses Ereignisses und richtete die gesetz-
lichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) aus. Mit Verfügung vom
5. November 2021 stellte die Beschwerdegegnerin (nach Durchführung di-
verser Abklärungen) die Versicherungsleistungen mangels natürlicher Kau-
salität des Ereignisses für die noch geklagten rechtsseitigen Schulterbe-
schwerden per 30. Juni 2021 ein. Die dagegen erhobene Einsprache wies
sie mit Einspracheentscheid vom 18. März 2022 ab.
2.
2.1.
Mit Eingabe vom 5. Mai 2022 erhob der Beschwerdeführer fristgerecht Be-
schwerde und stellte folgende Anträge:
"1. Es sei der Einsprache-Entscheid vom 18.03.2022 aufzuheben.
2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen auszurichten.
3. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der ."
2.2.
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 30. Mai
2022 die Abweisung der Beschwerde.
- 3 -

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei ihrer Leistungseinstellung insbe-
sondere auf die Stellungnahmen ihres Kreisarztes Dr. med. C., Facharzt
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
vom 26. August und 2. November 2021. Zur Begründung führte sie aus,
zwischen den vom Beschwerdeführer noch geklagten Schulterbeschwer-
den und dem Ereignis vom 2. April 2021 sei kein natürlicher Kausalzusam-
menhang (mehr) gegeben; eine (weitere) Leistungspflicht ihrerseits über
den 30. Juni 2021 hinaus bestehe daher nicht (Vernehmlassungsbeilage
[VB] 65). Der Beschwerdeführer macht demgegenüber unter Hinweis auf
Berichte behandelnder Ärzte zusammengefasst geltend, auf die kreisärzt-
liche Beurteilung könne nicht abgestellt werden. Seine über den 30. Juni
2021 hinaus persistierenden rechtsseitigen Schulterbeschwerden seien
nach wie vor auf das Ereignis vom 2. April 2021 zurückzuführen. Die Be-
schwerdegegnerin sei daher für diese Unfallfolgen auch weiterhin leis-
tungspflichtig.
Streitig und zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin mit Ein-
spracheentscheid vom 18. März 2022 zu Recht die Versicherungsleistun-
gen betreffend das Ereignis vom 2. April 2021 (Beschwerden an der rech-
ten Schulter) per 30. Juni 2021 eingestellt hat.
2.
2.1.
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus,
dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krank-
heit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursa-
chen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände,
ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten
oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten
gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja-
hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein
Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen
ist. Es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Be-
dingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person
beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden
kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele
(BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109
E. 2.1 S. 111 f. und 129 V 402 E. 4.3.1 S. 406).
2.2.
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage,
worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen
- 4 -
der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs-
recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
(vgl. (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1
S. 181) zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs ge-
nügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177
E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen). Die Sozialversicherungsorgane und das Ge-
richt haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von
allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen
(BGE 126 V 353 E. 5b S. 360). Der Beweis des natürlichen Kausalzusam-
menhangs ist in erster Linie mittels Angaben medizinischer Fachpersonen
zu führen (Urteil des Bundesgerichts 8C_331/2015 vom 21. August 2015
E. 2.2.3.1; vgl. auch RUMO-JUNGO/HOLZER, Rechtsprechung des Bundes-
gerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallver-
sicherung, 4. Aufl. 2012, S. 55).
2.3.
Die Anerkennung der Leistungspflicht durch den Unfallversicherer ist in
rechtlicher Hinsicht von Belang. Ist die Unfallkausalität einmal mit der erfor-
derlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen aner-
kannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht
die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt,
wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa-
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesund-
heitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo
ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässi-
gen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder
später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leis-
tungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfal-
len jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Ge-
sundheitsschadens mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein-
lichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich feh-
lender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hier-
bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entspre-
chende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründen-
der natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versi-
cherten Person, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweisgrundsätze
gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind
für sämtliche Leistungsarten massgebend. Diese Rechtsprechung be-
schlägt dabei einzig die rechtlichen Folgen der Abklärung, insofern als dem
Unfallversicherer die Beweislast zugewiesen wird für den Fall, dass unge-
klärt bleibt, ob dem Unfall (noch) eine kausale Bedeutung für den andau-
ernden Gesundheitsschaden zukommt. Bevor sich aber überhaupt die
Frage der Beweislast stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersu-
chungsgrundsatzes richtig und vollständig zu klären (Urteil des Bundesge-
richts 8C_734/2021 vom 8. Juli 2022 E. 2.2.2 mit Hinweisen).
- 5 -
2.4.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V
231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352).
2.5.
Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-
dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-
nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag
gegebenen Gutachten zu (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.; 125 V 351 E. 3a
S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis
der versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine
nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen
(BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/ee S. 353 ff.). Soll ein Ver-
sicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschie-
den werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5 S. 105;
142 V 58 E. 5.1 S. 65; 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.).
3.
3.1.
Den Akten ist im Wesentlichen zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
am 2. April 2021 "beim vibrieren" gestolpert sei und sich mit dem rechten
Arm "an der Mauer gestütz" habe (vgl. insb. die Schadenmeldung UVG vom
14. April 2021 in VB 1). Gemäss Arztzeugnis UVG vom 8. Juli 2021 des
Hausarztes Dr. med. D., Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Z., war
der Beschwerdeführer seit dem 12. April 2021 bei ihm in Behandlung.
Dr. med. D. diagnostizierte eine Prellung des rechten Oberarmes, nachdem
er (soweit entzifferbar) beim Beschwerdeführer eine Druckdolenz im rech-
ten Oberarm ohne Schwellung, Rötung und sensomotorische Ausfälle fest-
gestellt hatte, und attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähig-
keit von 100 % für die Zeitspannen vom 13. bis 25. April 2021 sowie vom
17. Juni bis zum 4. Juli 2021 (VB 20). Dr. med. D. hielt in seinem "Bericht
16.06.2021", datierend vom 8. Juli 2021, (erstmals) fest, es bestehe (unter
anderem) eine schmerzbedingt eingeschränkte Beweglichkeit des rechten
Armes des Beschwerdeführers (VB 19). Aufgrund der "zunehmenden Be-
schwerdesymptomatik" begab sich der Beschwerdeführer sodann am
30. Juni und 14. Juli 2021 in spezialärztliche Behandlung bei Dr. med. E.,
- 6 -
Fachärztin für Chirurgie sowie für Orthopädische Chirurgie und Traumato-
logie des Bewegungsapparates, Spital F.. Die Chirurgin stellte klinisch
Druckschmerzen im Verlauf des proximalen ventralen Oberarmes der lan-
gen Bizepssehne fest sowie Folgendes: "Abduktion passiv assistiv 80°,
Painful arc, Jobe-Test schmerzhaft, O'Brien positiv". Die Anteversion war
frei; Aussen- und Innenrotation waren gegen Widerstand schmerzfrei;
Schürzen- und Überkopfgriff nicht durchführbar. Dr. med. E. veranlasste
eine MRI-Untersuchung und eine Arthrographie des rechten Schulterge-
lenks, die am 8. Juli 2021 erfolgten (siehe dazu den radiologischen Bericht,
Spital F., vom 11. Juli 2021 in VB 28); demnach wurden eine transmurale
Ruptur der Supraspinatussehne am Ansatzbereich mit erhaltenen einzel-
nen Sehnenfasern ventralseitig, eine Sehnenretraktion Grad I nach Patte,
eine SLAP-Läsion Typ I-II sowie hypertrophe degenerative Veränderungen
des AC-Gelenks festgestellt. Eine relevante Degeneration des M. supraspi-
natus fand sich nicht. Dr. med. E. diagnostizierte eine Teilläsion der Supra-
spinatussehne der rechten Schulter sowie einen Verdacht auf SLAP-Läsion
(Bericht vom 14. Juli 2021; VB 23).
3.2.
Kreisarzt Dr. med. C. hielt in seiner Stellungnahme vom 26. August 2021
(VB 38) im Wesentlichen Folgendes fest: Das Unfallgeschehen gemäss
Unfallmeldung (der Versicherte sei gestolpert und habe sich den rechten
Oberarm an der Mauer angeschlagen) sei als "direktes Anpralltrauma" zu
werten, was Dr. med. D. ebenfalls bestätigt habe. Dieses sei jedoch "bio-
mechanisch nicht geeignet", eine Läsion der Rotatorenmanschette" zu ver-
ursachen. Hinzu komme, dass der bei einer traumatisch bedingten Rotato-
renmanschettenläsion als klinisches Leitsymptom massgebende aktive Be-
wegungsverlust unmittelbar nach dem Unfallereignis beim Beschwerdefüh-
rer nicht aktenkundig sei. Der Beschwerdeführer habe vielmehr vom
26. April bis "17.06.2021" als Bauarbeiter gearbeitet und diese Tätigkeit
wäre mit einer traumatisch bedingten Rotatorenmanschettenläsion "nicht
möglich gewesen". In der "MRI-Bildgebung Schulter rechts" vom 8. Juli
2021 präsentiere sich eine Signalveränderung der Supraspinatussehne.
Diese sei "aufgrund degenerativer Veränderungen bei fortgeschrittenem
Alter festzustellen". Eine SLAP-Läsion habe in der "MR-Arthrographie
Schulter rechts" vom 8. Juli 2021 nicht bestätigt werden können. Im Bericht
des Gesundheitszentrums G. werde der Verdacht auf eine SLAP-Läsion
geäussert. Es handle sich bei SLAP-Läsionen um Läsionen im Bereich des
oberen Labrum-Komplexes. Beim "Versicherten besteh[e] allenfalls eine
angeborene Normvariante im Bereich des Labrums. Strukturell objektivier-
bare Unfallfolgen im MRI [seien] im Bereich der rechten Schulter überwie-
gend wahrscheinlich nicht erkennbar". Spätestens Ende Juni 2021 spielten
Unfallfolgen im Bereich des rechten Schultergelenkes "aufgrund einer
Schultergelenksproblematik im Sinne einer Prellung keine Rolle mehr"
(VB 38 S. 2 f.).
- 7 -
3.3.
Die behandelnde Chirurgin Dr. med. E. hielt in ihrem Schreiben an die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers vom 26. Oktober 2021 im We-
sentlichen fest, dass ihrer Meinung nach die im MRI vom 8. Juli 2021 dar-
gestellten Verletzungen auf das Unfallereignis vom 2. April 2021 zurückzu-
führen seien. Die Untersuchung sei etwa drei Monate nach dem eigentli-
chen Unfallereignis erfolgt, "somit [lasse] sich erklären, dass die abgerisse-
nen Sehnenfasern sich bereits retrahiert (verkürzt)" hätten. In der Bildge-
bung präsentierten sich keinerlei Verfettungen der Muskulatur, welche "auf
ein degeneratives und bereits länger vorliegenden Schaden" hinweise.
"Einzige degenerative Veränderungen im Bereich des Schultereckgelen-
kes", welche sich in der MRI-Untersuchung gezeigt hätten, hätten keinen
Einfluss auf die Beschwerdesymptomatik. Bei "hoher Prävalenz von alte-
rungs- und verschleissbedingten Veränderungen der Sehne" sei eine Ab-
grenzung zu rein degenerativen Rupturen häufig schwierig. Der Beschwer-
deführer sei als Kranfahrer beruflich tätig und im fortgeschrittenen Lebens-
alter, sodass "gegebenenfalls von einem vorgeschädigten Sehnengewebe
ausgegangen" werden könne. In Zusammenschau des Unfallherganges
und der daraus resultierenden Klinik sehe sie den Unfall als eine überwie-
gend wahrscheinliche Ursache der Beschwerden (VB 50).
3.4.
Die Beschwerdegegnerin legte die Sache daraufhin erneut Kreisarzt
Dr. med. C. vor, welcher in seiner Stellungnahme vom 2. November 2021
an seiner Beurteilung vom 26. August 2021 festhielt. In diesem Fall sei ent-
scheidend, dass der Beschwerdeführer ein Ereignis am 2. April 2021 "mit
dem rechten Schultergelenk geltend" mache. "Nachgewiesenermassen"
habe der Beschwerdeführer "schwer körperlich" als Bauarbeiter gearbeitet
vom 26. April 2021 bis zum 17. Juni 2021. Schwere körperliche Tätigkeiten
als Bauarbeiter seien nur mit einer guten Funktion im Bereich der Schulter
rechts und der Rotatorenmanschette ausführbar. Weiter verwies der Kreis-
arzt auf eine Publikation zum Thema "Trauma und Berufskrankheit", wo-
nach unfallbedingte Läsionen der Rotatorenmanschette ein akutes
Schmerzereignis bedeuteten, gefolgt von muskelspezifischem Kraft- und
Funktionsverlust als "richtungsweisende Hinweise" auf eine akute Schädi-
gung der Rotatorenmanschette. Nachgewiesenermassen sei ein akuter
Kraft- und Funktionsverlust beim Beschwerdeführer nicht eingetreten, da
dieser über längere Zeit im "schwer körperlichen Bereich" als Bauarbeiter
gearbeitet habe (VB 52).
3.5.
Nach Erhalt der Verfügung vom 5. November 2021 (VB 54) reichte der Be-
schwerdeführer im Einspracheverfahren den Austrittsbericht von Dr. med.
H., Facharzt für Chirurgie sowie für Orthopädische Chirurgie und Trauma-
tologie des Bewegungsapparates, Dr. med. I., Fachärztin für Anästhesiolo-
gie, und Assistenzarzt J., Spital F., vom 23. November 2021 ein. Darin
- 8 -
wurde als Diagnose eine "Traumatische Partialruptur Supraspinatus und
Subscapularis rechte Schulter" festgehalten. Am 23. November 2021 sei
eine operative Re-Fixation der rechten Supraspinatus- und der Subska-
pularissehne des Beschwerdeführers erfolgt (VB 59 S. 4 ff.). In einem
Schreiben an die Beschwerdegegnerin vom 9. Februar 2022 hielt
Dr. med. H. fest, der Beschwerdeführer habe eine Supraspinatussehnen-
sowie eine Subscapularissehnen-Teilruptur rechts erlitten. Diese Schulter-
verletzung sei die Folge eines Arbeitsunfalles, bei dem dieser "gestürzt"
und "auf die Schulter oder Hand" gefallen sei. "Direkt danach einstechende
Schmerzen mit entsprechendem Funktionsdefizit". Es bestehe aus seiner
Sicht ein "direkter, kausaler Zusammenhang zwischen Unfall und Sehnen-
verletzung". Der bisherige Verlauf nach der im November 2021 durchge-
führten Rekonstruktion der Sehne sei normal; es könne mit "einer Arbeits-
fähigkeit [...] in ca. 6 bis 8 Wochen gerechnet werden" (VB 63).
4.
4.1.
Die im Einspracheverfahren eingegangenen weiteren Berichte bzw. Schrei-
ben behandelnder Fachärzte des Beschwerdeführers vom 23. November
2021 und 9. Februar 2022 (vgl. vorne E. 3.5.) wurden dem Kreisarzt nicht
mehr zur Stellungnahme unterbreitet; mithin fehlt es diesbezüglich an einer
versicherungsmedizinischen Würdigung. Die letzte kreisärztliche Aktenbe-
urteilung stammt vom 2. November 2021 und erfolgte somit nicht in Kennt-
nis sämtlicher medizinisch relevanter Akten. Weiter basieren die kreisärzt-
lichen Stellungnahmen auf der Annahme, der Beschwerdeführer sei vor
und nach dem Ereignis vom 2. April 2021 einer schweren körperlichen Bau-
arbeitertätigkeit nachgegangen (vgl. VB 52 S. 1). Welche Arbeiten der Be-
schwerdeführer nach dem Ereignis vom 2. April 2021 tatsächlich verrich-
tete und insbesondere, ob diese schulterbelastend waren, blieb ungeklärt.
Aktenkundig ist einzig, dass der Beschwerdeführer als "Berufsarbeiter un-
gelernt" mit üblichem Arbeitsplatz "Baustelle" angestellt war (vgl. VB 1) und
dass er der behandelnden Chirurgin Dr. med. E. gegenüber angab, er sei
Kranführer (vgl. VB 50 S. 4). Schliesslich ist nicht nachvollziehbar, weshalb
der Kreisarzt in seiner Stellungnahme vom 26. August 2021 (VB 38 S. 2 f.)
ausführte, eine SLAP-Läsion habe in der MR-Arthrographie Schulter rechts
vom 8. Juli 2021 "nicht bestätigt werden" können, währenddem aus dem
radiologischen Bericht vom 11. Juli 2021 das Gegenteil hervorgeht (VB 28).
4.2.
Die Argumentation des Kreisarztes, wonach – sinngemäss – die Fortfüh-
rung einer schweren körperlichen Tätigkeit nach einer Ruptur in der Rota-
torenmanschette nicht mehr möglich gewesen wäre, leuchtet für sich al-
leine betrachtet an sich ein. Da aber bereits geringe Zweifel an versiche-
rungsinternen medizinischen Feststellungen Anlass zu weiteren Abklärun-
gen geben, unklar ist, ob der Beschwerdeführer nach dem Unfall effektiv
noch die rechte Schulter belastende Arbeiten verrichtete, der Kreisarzt
- 9 -
nicht über vollständige Aktenkenntnis verfügte und sich nicht mit den diver-
gierenden Auffassungen behandelnder Spezialärzte auseinandersetzte,
kann auf dessen Einschätzungen auch vor dem Hintergrund der Rechtspre-
chung nicht ohne Weiteres abgestellt werden (vgl. z.B. Urteil des Bundes-
gerichts 8C_543/2020 vom 11. Dezember 2020 E. 5.4).
4.3.
Nach dem Dargelegten bestehen an den kreisärztlichen Beurteilungen vom
26. August und 2. November 2021 zumindest geringe Zweifel, weshalb dar-
auf nicht abgestellt werden kann (vgl. vorne E. 2.5.). Die sachverhaltlichen
Abklärungen der Beschwerdegegnerin erweisen sich damit als unzu-
reichend, weshalb eine Beurteilung des Anspruchs des Beschwerdeführers
auf (weitere) Leistungen der Beschwerdegegnerin aktuell nicht möglich ist.
Die Beschwerdegegnerin wird daher weitere Abklärungen zu tätigen ha-
ben.
5.
5.1.
Damit ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, der angefochtene Ein-
spracheentscheid vom 18. März 2022 aufzuheben und die Sache zur wei-
teren Abklärung sowie zur Neuverfügung über den Leistungsanspruch des
Beschwerdeführers ab dem 1. Juli 2021 an die Beschwerdegegnerin zu-
rückzuweisen.
5.2.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
5.3.
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-
terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die Rück-
weisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzender Ab-
klärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 215
E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen).