Decision ID: ceae7e37-3d11-5e54-ade4-27c04d3234bf
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) und C._ (nachfol-
gend: Beschwerdeführer) suchten am 3. November 2015 für sich und
B._, bei dem es sich um ihr gemeinsames Kind handle, in der
Schweiz um Asyl nach. Der Beschwerdeführer gab auf dem von ihm aus-
gefüllten Personalienblatt an, er sei D._ und stamme aus dem Iran
(vgl. vorinstanzliche Akte A1).
B.
B.a Am 13. November 2015 wurde der Beschwerdeführer vom SEM zu sei-
ner Person, dem Reiseweg und summarisch zu den Fluchtgründen befragt
(BzP) und am 8. August 2016 zu seinen Asylgründen angehört. Er machte
im Wesentlichen geltend, er heisse C._, sei afghanischer Staatsan-
gehöriger und stamme aus der Provinz E._. Er sei tadschikischer
Ethnie, sunnitischen Glaubens und im Jahr (...) ([...]) geboren worden, das
genaue Geburtsdatum könne er nicht nennen. Er habe zunächst andere
Personalien angegeben, weil sich in der Unterkunft Personen schiitischen
Glaubens aufgehalten hätten und er im Iran der wahabitischen Propa-
ganda verdächtigt worden sei. Im Jahr (...) ([...]), als er (...) oder (...) Jahre
alt gewesen sei, respektive (...) ([...]) sei er mit seiner Familie in den Iran
gezogen. Seither sei er nie mehr nach Afghanistan zurückgekehrt und auch
nie dorthin deportiert worden. Sein Vater sei damals zwecks Sammlung
von Geldern für die Partei (...) in den Iran geschickt worden. Afghanische
Dokumente habe er nicht. Er könne nur das letzte Dokument, das er im
Iran erhalten habe, vorweisen: eine bis zum (...) gültige Bewilligung der
iranischen Behörden, sich im Gebiet der Stadt F._ aufzuhalten.
Seither habe er im Iran über keinen Aufenthaltstitel mehr verfügt. Sein Va-
ter habe in Afghanistan keinen Nachnamen gehabt. Die iranische Migrati-
onsbehörde habe ihm den Nachnamen G._ gegeben, was (...) be-
deute. Er habe drei jüngere Geschwister (zwei Brüder, eine Schwester),
die alle im Iran zur Welt gekommen seien. Im Jahr (...) ([...]) habe er die
Matura abgeschlossen und sich danach religiösen Studien gewidmet. Er
habe sich (...) ([...]) der Gruppierung (...) angeschlossen und für diese
nach Absolvierung einer Missionarsausbildung in H._ bis (...) ([...])
in F._ missioniert. Daneben habe er (...) aus H._ importiert
und verkauft. Von (...) bis (...) ([...]) sei er auch Mitglied der Gruppierung
(...) gewesen. Bis zum Machtwechsel 1384 (2005) seien solche Aktivitäten
zwar nicht legal gewesen, aber es habe Freiräume dafür gegeben. (...)
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([...]) sei er vom iranischen Sicherheitsdienst verhaftet und wegen des Vor-
wurfs, für die (...) illegal Waffen in den Iran importiert zu haben, schriftlich
zum Tod verurteilt worden. Er sei dann aber freigelassen und zur Zusam-
menarbeit mit dem Geheimdienst gezwungen worden. Um sich dieser Si-
tuation zu entziehen, habe er (...) ([...]) die Beschwerdeführerin, die ver-
witwet gewesen sei, geheiratet. Da im Iran eine Heirat zwischen einer Ira-
nerin und einem Afghanen verboten sei, habe er die Dokumente eines ver-
storbenen Iraners namens D._ (geboren am [...]) gekauft und diese
mit seinem Foto versehen. Unter Vorgabe dieser Identität habe er die Ehe
am (...) von den iranischen Behörden registrieren lassen und sein Sohn
sei als iranischer Staatsangehöriger geboren worden. (...) oder (...) ([...])
habe die iranische Regierung in F._ Marktstände niedergebrannt,
darunter auch seinen Laden. Er habe deshalb an Demonstrationen teilge-
nommen und sei deswegen während zwei Monaten im Gefängnis
I._ in J._ inhaftiert worden. Danach sei er unter der Bedin-
gung, Informationen über regierungskritische Personen zu sammeln, frei-
gelassen worden. Zwei- bis dreimal pro Monat sei er vom Geheimdienst
zur Weitergabe von Informationen aufgefordert worden. Er sei deshalb
umgezogen. Als er Mitte 2015 von einem Imam erfahren habe, dass der
iranische Geheimdienst nach ihm suche, habe er sich zur Ausreise ent-
schlossen. Er sei im (...) 2015 auf illegalem Weg zusammen mit seinem
K._ (N [...]) zu Fuss in die Türkei gelangt. Seine Frau und sein Sohn
seien später nach L._ geflogen. Von dort aus seien sie gemeinsa-
men in die Schweiz gereist, wo sie am 2. November 2015 angekommen
seien. Nach der Ausreise sei sein Haus von den iranischen Behörden
durchsucht und seine gefälschten Dokumente (Geburtsurkunde, Identitäts-
karte) seien mitgenommen worden. Er befürchte, im Iran von den Behör-
den weiterhin als Spitzel eingesetzt oder getötet zu werden. In Afghanistan
könnte er nicht leben. Er habe das Land als Kind verlassen und seine ira-
nische Frau könnte er nicht dorthin mitnehmen. Zudem fürchte er sich vor
den Taliban. Er habe bestimmt noch Verwandte in Afghanistan, wisse aber
aufgrund der langen Landesabwesenheit nicht, welche. Sein Vater sei ge-
storben. Seine Mutter, seine Schwester und ein Bruder seien in J._
wohnhaft. Auch zwei Tanten mütterlicherseits seien im Iran.
B.b Die Beschwerdeführerin brachte im Rahmen der BzP vom13. Novem-
ber 2015 und der Anhörung zu ihren Asylgründen vom 15. August 2016 im
Wesentlichen vor, sie sei iranische Staatsangehörige, in M._ gebo-
ren und habe seit dem 14. Lebensjahr in F._ gelebt. Sie habe fünf
Jahre die Schule besucht und (..) ([...]) einen (...) geheiratet, mit dem sie
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(...) Kinder habe. Dieser sei (...) gewesen und sie habe für den Lebensun-
terhalt sorgen müssen. Sie habe selbst genähte Kleider und von ihr zube-
reitete Gerichte verkauft. Nach (...) Jahren habe sie sich scheiden lassen.
Noch im gleichen Jahr (...) ([...]) habe sie den Beschwerdeführer, einen
afghanischen Staatsangehörigen, der seit dem (...) oder (...) Altersjahr im
Iran gelebt habe, religiös geheiratet. Der Beschwerdeführer habe sich in
der Folge gefälschte iranische Dokumente gekauft und die Ehe sei von den
iranischen Behörden am (...) registriert worden. Ihr Mann habe sich für die
Anliegen der Sunniten eingesetzt und sei deswegen von den iranischen
Behörden gesucht worden. Genaues hierzu wisse sie nicht. Sie sei Schiitin,
habe aber für ihren Mann die Konfession gewechselt. Sie selber habe im
Iran keine Probleme gehabt. Beziehungsweise einer ihrer Brüder habe sie
wegen der Konversion bedroht, respektive sie habe nur von ihrer Mutter
gehört, dass der Bruder gesagt habe, sie solle nicht mit ihrem Mann nach
M._ kommen. Sie habe den Iran illegal verlassen, respektive sie sei
am (...) 2015 legal ausgereist und mit ihrem Reisepass von J._
nach L._ geflogen. Von der Türkei aus sei sie mit ihrem Mann, dem
gemeinsamen Sohn und zwei ihrer Kinder aus erster Ehe (N._
[N {...}] und O._ [N {...}]) in die Schweiz gereist, wo sie am 2. No-
vember 2015 angekommen seien. Die anderen beiden Söhne aus erster
Ehe, die verheiratet seien, ein Bruder und eine Schwester lebten in
F._, ihre Mutter und (...) Geschwister in M._. Ihr Vater sei
verstorben.
B.c Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten
des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle und die bei den
Akten liegenden Beweismittel (Amayesh-Karte C._, Reisepass Be-
schwerdeführerin, Reisepass Sohn, Identitätskarte Beschwerdeführerin,
Geburtsurkunde Beschwerdeführerin, Geburtsregistrierung Sohn, Führer-
schein Beschwerdeführerin, Führerschein D._, Bankkarten
D._, Bankkarten Beschwerdeführerin, Lederetui mit Passfoto Be-
schwerdeführerin, Kuvert/Sendeauftrag DHL, Flugbestätigung/Boarding-
pässe, Telefonie-Kreditkarte) verwiesen (vgl. A5, A6, A16, A20 und A22).
C.
C.a Am 12. Oktober 2018 beauftragte das SEM die Schweizer Botschaft in
Teheran mit Abklärungen. Der Botschaftsbericht datiert vom 6. Januar
2019. Demnach sei die Person C._ ledig, habe keine Kinder und
sei am (...) von der iranischen Polizei festgenommen, in das Transitcamp
P._ gebracht und von dort am (...) nach Afghanistan deportiert wor-
den. Die Person D._ sei im Iran registriert, nicht verstorben und mit
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der auch registrierten A._ verheiratet. Die beiden hätten ein ge-
meinsames registriertes Kind und in F._ gelebt. Weder betreffend
C._ noch D._ hätten Hinweise auf eine Inhaftierung und
Verurteilung im Jahr (...) gefunden werden können. C._ sei auch
nie im Gefängnis I._ gewesen. Eine Inhaftierung von D._
habe nicht abschliessend überprüft werden können, es sei jedoch davon
auszugehen, dass er, wenn er wegen Verbrechen in Zusammenhang mit
der Staatssicherheit inhaftiert gewesen wäre, von einem iranischen Gericht
zu einer viel höheren Strafe verurteilt und ein Reiseverbot verhängt worden
wäre. Mit Ausnahme der auf C._ lautenden Amayesh-Karte seien
die eingereichten Dokumente als echt zu beurteilen.
C.b Mit Schreiben vom 14. März 2019 brachte das SEM den Beschwerde-
führenden den wesentlichen Inhalt seiner Botschaftsanfrage und des Bot-
schaftsberichts zur Kenntnis. Es hielt fest, dass aufgrund der Abklärungen
davon auszugehen sei, dass es sich bei der vom Beschwerdeführer gel-
tend gemachten Identität (C._ aus Afghanistan) mutmasslich um
eine gestohlene Identität handle und er tatsächlich D._ und somit
iranischer Staatsbürger sei. Es räumte den Beschwerdeführenden dazu
das rechtliche Gehör ein.
C.c Mit Schreiben vom 5. April 2019 bestritt der Beschwerdeführer, dass
er D._ sei und die Identität von C._ gestohlen habe. Im Iran
würden die Dokumente einer verstorbenen Person eingezogen, wenn der
Tod gemeldet werde. Für die Rückerlangung der Dokumente müsse eine
Gebühr bezahlt werden. Aus diesem Grund werde der Tod eines Familien-
mitglieds oft gar nicht gemeldet. Da Afghanen im Iran mit Schwierigkeiten
konfrontiert seien, habe er sich entschlossen, die Identität eines verstorbe-
nen Iraners anzunehmen, um so die Beschwerdeführerin ehelichen zu kön-
nen. Im Jahr (...) habe er der Familie des verstorbenen D._ für die
Überlassung der Dokumente ihres Sohnes Geld bezahlt und mit dieser ver-
einbart, dass sie bei Nachfragen sagen würden, dass ihr Sohn nicht ver-
storben und er ihr Sohn sei. Ausweise würden im Iran erst im Alter von
achtzehn Jahren mit einem Foto des Inhabers versehen. Da der echte
D._ früher verstorben sei, habe er (der Beschwerdeführer) einfach
ein Foto von sich auf dessen Ausweis geklebt und sich fortan als diesen
ausgegeben. Von der ersten Inhaftierung als C._ gebe es keine of-
fiziellen Dokumente. Beim zweiten Mal sei er als D._ inhaftiert ge-
wesen. Grund für diese Inhaftierung sei nicht ein Verbrechen in Zusam-
menhang mit der Staatssicherheit gewesen, sondern ein in seinem Laden
ausgebrochenes Feuer. Als er dieses bei der Polizei habe melden wollen,
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sei er festgenommen worden. Die Amayesh-Karte sei nicht gefälscht. Es
handle sich um seine originale Karte und die Fingerabdrücke darauf seien
seine eigenen.
Dem Schreiben lagen folgende Beweismittel (in Kopie) bei (vgl. A27): Iden-
titätskarte C._, erste Seite iranischer Ausweis D._, Ausweis
D._ mit Foto von C._, Schulzeugnis C._, afghani-
scher Ausweis G._ (Vater von C._), ehemaliger Ausländer-
ausweis für Afghanen im Iran von G._, Todesurkunde Q._
(Bruder von C._), Ausweis Q._, Schuldiplom Q._,
Ausweis R._ (Schwester von C._), religiöse Heiratsur-
kunde, Bestätigung für G._ betreffend Geldsammlung im Iran,
Tazkira S._ (Mutter von C._), Tazkira G._, Heiratsur-
kunde Eltern.
C.d Mit Schreiben vom 11. August 2020 teilte das SEM den Beschwerde-
führenden mit, dass den nachgereichten Dokumenten, die nur in Kopie vor-
liegen würden und teils unleserlich und nicht fälschungssicher seien, nur
beschränkter Beweiswert zukomme. Weder diese noch die Ausführungen
des Beschwerdeführers in der Stellungnahme vom 5. April 2019 vermöch-
ten die Zweifel hinsichtlich seiner Identität zu beseitigen. Es gehe daher
von einer Identitätstäuschung aus, und da der Beschwerdeführer seine
Identität und insbesondere seine Staatsangehörigkeit nicht glaubhaft ma-
chen könne, beabsichtige es, dessen Nationalität auf "Staat unbekannt" zu
setzen. Es gewährte ihnen hierzu – zur vermuteten Identitätstäuschung
und der Datenanpassung – das rechtliche Gehör.
C.e Mit Eingabe vom 8. September 2020 bekräftigte der Beschwerdefüh-
rer, C._ zu sein. Er sei nicht erst am (...) nach Afghanistan depor-
tiert worden. Von der Festnahme bis zur Deportation habe es höchstens
fünf Tage gedauert. Nach der Rückweisung nach Afghanistan sei er erneut
über die Grenze geflüchtet und schliesslich am 2. November 2015 in die
Schweiz gelangt. Er sei am (...) bei dem Versuch, die Grenze vom Iran in
die Türkei zu überschreiten, festgenommen und nach Afghanistan abge-
schoben worden. Anlässlich der Festnahme sei er von den iranischen Be-
hörden fotografiert und daktyloskopisch erfasst worden. Bei K._
handle es sich um seinen (...), den Sohn seines älteren, bereits verstorbe-
nen (...), der wie ein (...) in seiner Familie aufgewachsen sei. Er habe nicht
beabsichtigt, falsche Angaben zu den familiären Verhältnissen zu machen.
D.
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D.a Mit Verfügung vom 30. September 2020 – eröffnet am 3. Oktober 2020
– stellte das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-
schaft nicht erfülle. Es lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zudem stellte
es fest, dass die Personendaten im Zentralen Migrationsinformationssys-
tem (ZEMIS) fortan "C._, geboren (...), Staat unbekannt" lauten
würden, versehen mit einem Bestreitungsvermerk. Des Weiteren händigte
es dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-
zeichnis aus.
D.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, die Angaben des Be-
schwerdeführers in Zusammenhang mit seiner Identität seien vage und we-
nig substantiiert geblieben. So sei er beispielsweise nicht in der Lage ge-
wesen, den Tag und den Monat seiner Geburt nach persischem Kalender
zu nennen. Auch die Ausführungen zu der Identität, die er von einem ver-
storbenen iranischen Staatsbürger übernommen haben wolle, vermöchten
nicht zu überzeugen. Es bestünden begründete Zweifel hinsichtlich seiner
Identität, die auch die eingereichten Dokumente nicht zu beseitigen ver-
möchten. Der auf C._ lautenden Amayesh-Karte komme nur ein ge-
ringer Beweiswert zu, zumal Dokumente dieser Art nicht fälschungssicher
seien und zudem unklar sei, wie der Beschwerdeführer in den Besitz die-
ses Dokuments gelangt sei. Der Beschwerdeführer sei auch nicht in der
Lage gewesen, die sich widersprechenden Angaben zu K._ ([...]
respektive [...]) zu erklären. Die Botschaftsabklärung habe ergeben, dass
C._ ledig sei, keine Kinder habe und am (...) von der iranischen
Polizei festgenommen und am (...) nach Afghanistan deportiert worden sei.
D._ sei laut iranischem Bevölkerungsregister nicht verstorben. Die
Beschwerdeführerin und D._ seien im Iran registriert, verheiratet
und hätten ein gemeinsames registriertes Kind. Mit Ausnahme der auf
C._ lautenden Amayesh-Karte seien die eingereichten Dokumente
als echt beurteilt worden. Es sei somit davon auszugehen, dass es sich bei
der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Identität (C._ aus
Afghanistan) mutmasslich um eine gestohlene Identität handle, und dass
er tatsächlich D._ und somit iranischer Staatsbürger sei. Die am
5. April 2019 eingereichten Beweismittel würden nur in Kopie vorliegen.
Solche Dokumente seien nicht fälschungssicher und auch leicht käuflich
erwerbbar. Zudem sei die Qualität der Kopien ungenügend, da der Text
teils unleserlich sei. Die Dokumente hätten daher nur einen beschränkten
Beweiswert. Weder die nachgereichten Beweismittel noch die Ausführun-
gen des Beschwerdeführers vermöchten die Zweifel an seiner Identität zu
beseitigen. Es sei weiterhin unklar, wie es möglich sei, dass C._ am
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(...) von der iranischen Polizei festgenommen und am (...) nach Afghanis-
tan deportiert worden sei, während der Beschwerdeführer sich unter der-
selben Identität zur betreffenden Zeit in der Schweiz aufgehalten habe.
Dem Beschwerdeführer gelinge es nicht, glaubhaft darzulegen, dass er der
Afghane C._ und nicht der Iraner D._ sei. Ferner habe er
offensichtlich wissentlich falsche Angaben zu seinen familiären Verhältnis-
sen gemacht. Seine Angabe, K._ sei sein (...), habe sich als unzu-
treffend herausgestellt. Die Ausführungen in der Stellungnahme vom
8. September 2020 zu seiner Rückschaffung nach Afghanistan seien zu-
dem nicht mit seinen Angaben bei der BzP und der Anhörung vereinbar,
wonach er seit der Kindheit nie mehr in Afghanistan gewesen und nie dort-
hin deportiert worden sei. Diese neuen Vorbringen würden die Zweifel an
der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers noch bestärken.
Da die Identität und insbesondere die Staatsangehörigkeit des Beschwer-
deführers nicht glaubhaft gemacht worden seien, werde dessen Nationali-
tät im ZEMIS mit "Staat unbekannt" erfasst (mit Bestreitungsvermerk). Es
stehe fest, dass der Beschwerdeführer die Asylbehörden über seine Iden-
tität getäuscht habe. Er habe mit seinem Verhalten nicht glaubhaft machen
können, Schutz vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu bedürfen.
Seine Asylvorbringen seien ohnehin unglaubhaft, hätten laut der Bot-
schaftsabklärung doch weder betreffend C._ noch D._ Hin-
weise zu einer Inhaftierung und Verurteilung gefunden werden können.
Das Asylgesuch des Beschwerdeführers sei daher gemäss Art. 31a Abs. 4
AsylG abzulehnen und die Wegweisung aus der Schweiz anzuordnen.
Die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs sei zwar grundsätzlich von Am-
tes wegen immer zu prüfen, aber die Untersuchungspflicht finde ihre Gren-
zen an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG), die
auch die Substantiierungslast trage (Art. 7 AsylG). Es sei nicht Sache der
Asylbehörden, bei fehlenden Hinweisen seitens der asylsuchenden Person
nach etwaigen Wegweisungshindernissen zu forschen. Der Grundsatz der
Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG könne daher nicht ange-
wendet werden. Ferner würden sich aus den Akten auch keine Anhalts-
punkte dafür ergeben, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in
den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3
EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohen würde. Aus der Verheim-
lichung der Identität sei auch zu schliessen, dass weder die im tatsächli-
chen Heimatstaat herrschende politische Situation noch andere Gründe
gegen die Zumutbarkeit der Rückkehr sprechen würden. Die Corona-Pan-
demie allein vermöge der Zumutbarkeit nicht entgegenzustehen. Vielmehr
müssten konkrete Hinweise bestehen, in eine medizinische Notlage oder
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existenzbedrohende Situation zu geraten, und solche lägen nicht vor.
Schliesslich sei der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen.
E.
E.a Betreffend die Beschwerdeführerin und das Kind stellte das SEM mit
Verfügung ebenfalls vom 30. September 2020 – eröffnet am 3. Oktober
2020 – fest, dass diese die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen würden.
Es lehnte die Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zudem stellte es fest, dass
die Personalien des Kindes im ZEMIS entsprechend dessen Reisepass er-
fasst würden ("B._, geboren [...]"). Des Weiteren händigte es die
editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
E.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, dass die Vorbringen der
Beschwerdeführerin den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss
Art. 7 AsylG und die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht zu
genügen vermöchten. Da die Vorbringen des Beschwerdeführers unglaub-
haft seien, sei den diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerin
die Grundlage entzogen. Hinsichtlich der Konversion zum sunnitischen
Glauben sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin des-
wegen bei einer Rückkehr in den Iran asylerheblicher Gefährdung ausge-
setzt werde. Das betreffende Vorbringen sei daher nicht asylrelevant. Der
Wegweisungsvollzug sei zulässig, zumutbar und möglich. Die Beschwer-
deführerin sei erwerbstätig gewesen ([...]) und verfüge im Iran über ein Be-
ziehungsnetz (Mutter, Geschwister, Söhne), das sie und ihr Kind bei der
Rückkehr unterstützen könne. Zudem könnten sie die Schweiz gemeinsam
mit dem Beschwerdeführer verlassen, dessen Asylgesuch ebenfalls abge-
lehnt werde. Aus medizinischen Gründen sei nur dann auf eine Unzumut-
barkeit des Vollzugs zu schliessen, wenn eine notwendige medizinische
Behandlung im Heimatstaat nicht zur Verfügung stehe und eine Rückkehr
zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesund-
heitszustands der betroffenen Person führe. Davon sei vorliegend nicht
auszugehen. Die Behandlung psychischer Erkrankungen sei im Iran mög-
lich und auch sonst verfüge das Land über ein solides Gesundheitssystem.
Die Corona-Pandemie allein vermöge der Zumutbarkeit des Vollzugs nicht
entgegenzustehen.
F.
F.a Mit gemeinsamer Eingabe vom 2. November 2020 erhoben die Be-
schwerdeführenden durch den rubrizierten Rechtsvertreter beim Bundes-
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verwaltungsgericht Beschwerde gegen den vom SEM angeordneten Weg-
weisungsvollzug. Sie ersuchten um Gewährung der vorläufigen Aufnahme
wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, eventualiter um Rück-
weisung der Sache in diesem Umfang zwecks Ergänzung des Sachver-
halts und Neubeurteilung. Sie stellten die Nachreichung eines Beweismit-
tels (Tazkira des Beschwerdeführers) in Aussicht und ersuchten diesbe-
züglich vorerst um Sistierung der Beschwerdeverfahren.
F.b Zur Begründung brachten sie im Wesentlichen vor, sie würden die Ver-
neinung der Flüchtlingseigenschaft und die Ablehnung der Asylgesuche
nicht anfechten, sondern nur den Wegweisungsvollzug. Relevant sei in die-
sem Zusammenhang die Identität des Beschwerdeführers. Er sei
C._ aus Afghanistan und nicht D._ aus dem Iran. Es sei
nicht unüblich, dass ein Afghane sein Geburtsdatum nicht genau kenne.
Die Beschwerdeführerin vermöge sich nicht einmal an die Geburtsjahre ih-
rer Kinder zu erinnern, umso weniger könne vom Beschwerdeführer erwar-
tet werden, dass er sein genaues Geburtsdatum kenne. Er habe berichtigt,
dass es sich bei K._ nicht um seinen (...), sondern seinen (...)
handle. Dieser habe in seiner Familie gelebt, nachdem dessen Vater ge-
storben sei und die Mutter ihn verlassen habe. Bei der Amayesh-Karte
handle sich um die Flüchtlingskarte, die er im Iran als Aufenthaltsbewilli-
gung erhalten habe. Er habe die Identität eines Iraners gekauft, da Ehen
zwischen Iranerinnen und Afghanen verboten seien, und seine Frau
schwanger gewesen sei und er gewollt habe, dass sein Kind als Iraner ge-
boren werde. Nachdem er sich die Identität von D._ zugelegt habe,
habe er seine ursprüngliche Identität verschwinden lassen. Das Abklä-
rungsergebnis der Botschaft, dass C._ nicht verheiratet sei und
keine Kinder habe, sei insofern logisch, als er im Iran ja nicht offiziell habe
heiraten und sein Kind als Iraner registrieren lassen können. Es sei auch
logisch, dass D._ verheiratet sei und ein Kind habe, nachdem er
sich als diesen ausgegeben habe. Auch sei es logisch, dass D._
nicht als verstorben gemeldet worden sei, andernfalls er dessen Identität
gar nicht hätte kaufen können. Ein Verstorbener hätte auch kaum heiraten
können. Es sei nicht abwegig, dass er seit der Heirat kaum noch Doku-
mente besessen habe, die seine wahre Identität (C._) belegen wür-
den, ansonsten die Gefahr der Enttarnung bestanden hätte. Er sei weder
am (...) von der iranischen Polizei festgenommen noch am (...) nach Af-
ghanistan deportiert worden. Es müsse sich dabei um eine andere Person
namens C._ handeln. In Afghanistan sei das Tragen eines Nachna-
mens lange nicht verbreitet gewesen. Bei der Einreise in den Iran sei ihm
und seiner Familie durch die iranischen Behörden der Nachname
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C._ gegeben worden, was (...) bedeute. Es sei durchaus möglich,
dass auch ein anderer C._ aus Afghanistan eingewandert sei und
diesen Nachnamen erhalten habe. Er habe bei den Befragungen unter Be-
weis gestellt, dass er Dari spreche; diese Sprache werde vor allem durch
persisch-sprachige Afghanen gesprochen und sei kaum ohne Akzent zu
sprechen, wenn es sich nicht um die Muttersprache handle. Nach Erhalt
des negativen Asylentscheids habe er sich zwecks Beschaffung eines Aus-
weisdokuments an die afghanische Botschaft gewendet. Dies stehe nicht
im Widerspruch zur Asylgesuchstellung, zumal er vorliegend nur die Ge-
währung der vorläufigen Aufnahme beantrage. Von der afghanischen Bot-
schaft habe er die beiliegende Bestätigung erhalten. Mittels dieser Bestä-
tigung, die bereits auf dem Weg nach Afghanistan sei, werde er voraus-
sichtlich eine Tazkira erhalten. Ein Wegweisungsvollzug nach Afghanistan
sei unzumutbar. Zudem würde dies zu einer Trennung der Beschwerdefüh-
renden führen, was mit Art. 8 EMRK und Art. 44 AsylG nicht vereinbar
wäre. Der Beschwerdeführer sei in der Schweiz sprachlich und wirtschaft-
lich integriert. Wie die beiliegende Lohnabrechnung zeige, könne er für die
Familie finanziell aufkommen.
G.
Das Bundesverwaltungsgericht eröffnete aufgrund der separaten Verfü-
gungen des SEM zwei Beschwerdeverfahren (D-5390/2020 betreffend die
Beschwerdeführerin und das Kind; D-5393/2020 betreffend den Beschwer-
deführer) und bestätigte am 3. November 2020 den Eingang der Be-
schwerde.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2020 vereinigte die Instrukti-
onsrichterin die beiden Beschwerdeverfahren und stellte fest, dass die Be-
schwerdeführenden den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten
dürfen. Gleichzeitig forderte sie die Beschwerdeführenden auf, bis zum
1. Dezember 2020 einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu leisten, an-
sonsten auf die Beschwerde nicht eingetreten werde.
Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt.
I.
Mit Eingabe vom 9. Dezember 2020 reichten die Beschwerdeführenden
ein neues Beweismittel ein, bei dem es sich um eine Kopie der Taskira des
Beschwerdeführers handle.
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J.
Mit Eingabe vom 19. Januar 2021 reichten die Beschwerdeführenden wei-
tere Beweismittel zu den Akten, bei denen es sich um die Originale der
Taskira und der iranischen Aufenthaltsgenehmigung des Beschwerdefüh-
rers handle. Zustellkuverts oder dergleichen gebe es nicht, da der Bruder
des Beschwerdeführers die Dokumente einer Person mitgegeben habe,
die von Afghanistan in die Schweiz geflogen sei.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 27. Januar 2021 – eröffnet am 1. Februar
2021 – forderte die Instruktionsrichterin die Beschwerdeführenden auf, in-
nert sieben Tagen ab Erhalt der Verfügung eine vollständige Übersetzung
der fremdsprachigen Beweismittel in eine Amtssprache einzureichen, ver-
bunden mit dem Hinweis, dass das Verfahren bei ungenutzter Frist auf-
grund der Aktenlage weitergeführt werde.
L.
Innert entsprechend erstreckter Frist reichten die Beschwerdeführenden
mit Eingabe vom 9. Februar 2021 eine Übersetzung zu den Akten.
M.
Am 17. Februar 2021 lud die Instruktionsrichterin die Vorinstanz zur Ver-
nehmlassung zur Beschwerde ein.
N.
In seiner Vernehmlassung vom 23. Februar 2021 beantragte das SEM die
Abweisung der Beschwerde. Dass der Beschwerdeführer für seinen (...)
gesorgt habe, vermöge die falschen Angaben zum Verwandtschaftsver-
hältnis nicht zu erklären. Falschangaben zu verwandtschaftlichen Verhält-
nissen seien als versuchte Täuschung hinsichtlich der Identität zu werten,
zumal Verwandtschaftsverhältnisse Teil der Identität darstellen würden. Die
Beschwerde enthalte keine Beweise, welche die Ergebnisse der Abklärun-
gen der Schweizer Vertretung in Teheran infrage stellen könnten. Das Ar-
gument, dass es auch in der Schweiz Personen gleichen Namens gebe,
und deshalb davon auszugehen sei, dass es sich bei der Person, die nach
Afghanistan deportiert worden sei, um eine andere Person gleichen Na-
mens wie der Beschwerdeführer gehandelt habe, vermöge nicht zu über-
zeugen. Bei den nachgereichten Beweismitteln handle es sich nicht um
fälschungssichere respektive rechtsgenügliche Identitätsdokumente. Do-
kumente dieser Art seien auch käuflich leicht erhältlich und nicht vor Fäl-
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schung sicher. Bezüglich der iranischen Aufenthaltsgenehmigung sei zu-
dem unklar, weshalb diese nicht bereits früher eingereicht worden sei. Auch
sei nicht ersichtlich, wie der Beschwerdeführer dieses Dokument habe er-
hältlich machen können, zumal er seinen Angaben zufolge nach der Heirat
kaum noch Dokumente betreffend seine "wahre Identität" besessen habe.
O.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Februar 2021 stellte die Instruktionsrich-
terin den Beschwerdeführenden die Vernehmlassung des SEM zur Kennt-
nisnahme zu und räumte ihnen die Gelegenheit ein, bis zum 12. März 2021
eine Replik einzureichen, verbunden mit dem Hinweis, dass bei ungenutz-
ter Frist Verzicht angenommen werde.
Es wurde keine Replik zu den Akten gereicht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end-
gültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
3.
Die vorliegende Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen den verfüg-
ten Wegweisungsvollzug (vgl. Rechtsmitteleingabe vom 2. November
2020 S. 4). Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die Ablehnung der
Asylgesuche und die Anordnung der Wegweisung an sich blieben unange-
fochten und sind damit in Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des vorlie-
genden Beschwerdeverfahrens bildet damit einzig die Frage, ob der Voll-
zug der Wegweisung der Beschwerdeführenden vom SEM zu Recht als
durchführbar bezeichnet wurde. Auch die Dispositiv-Ziffern betreffend
ZEMIS-Einträge blieben unangefochten.
4.
4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
4.2 Der Vollzug ist nicht möglich, wenn der Ausländer oder die Ausländerin
weder in den Herkunfts- oder Heimatstaat noch in einen Drittstaat ver-
bracht werden kann. Er ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflich-
tungen der Schweiz einer Weiterreise des Ausländers oder der Ausländerin
in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen, und er
kann insbesondere nicht zumutbar sein, wenn er für den Ausländer oder
die Ausländerin eine konkrete Gefährdung darstellt (Art. 83 Abs. 2–4 AIG).
4.3 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
Wer um Asyl nachsucht, muss seine Identität und Herkunft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Die asylsuchende Person trägt die Sub-
stanziierungslast (Art. 7 AsylG). Der in Art. 12 VwVG statuierte Untersu-
chungsgrundsatz, wonach die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen
feststellt, findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden
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Person (Art. 8 AsylG). Dazu gehört insbesondere die Pflicht zur Offenle-
gung der Identität und Beibringung eines Identitätsnachweises (Art. 8
AsylG und Art. 2a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1,
SR 142.311], vgl. dazu BVGE 2011/28 E. 3.4). Die Staatsangehörigkeit fällt
als Begriffselement der Identität im Sinne von Art. 1a Bst. a AsylV 1 unter
diese Offenlegungspflicht. Sie muss in jedem Asylverfahren erstellt wer-
den. Dies ergibt sich einerseits aus der systematischen Stellung von Art. 8
AsylG und andererseits aus dem Zweck des Asylverfahrens, das der Er-
mittlung von Verfolgung beziehungsweise von Wegweisungshindernissen
mit Bezug auf einen konkreten Heimatstaat dient. Ein Asylverfahren kann
nicht sinnvoll geführt werden, wenn die asylsuchende Person ihre Identität
und insbesondere ihre Staatsangehörigkeit nicht offenlegt; beziehungs-
weise durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft
wird auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person
in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12
E. 5.9 und 6). Dabei trägt nach der Bestimmung von Art. 8 ZGB, die als
allgemeiner Rechtsgrundsatz auch im öffentlichen Recht Anwendung fin-
det, die asylsuchende Person die Beweislast und damit die Folgen der Be-
weislosigkeit. Es kann nicht Sache der Asylbehörden sein, nach allfälligen
Wegweisungshindernissen zu forschen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 ff.). Bei
erheblichen Mitwirkungspflichtverletzungen ist praxisgemäss vermutungs-
weise davon auszugehen, dass einer Wegweisung keine Vollzugshinder-
nisse im gesetzlichen Sinne entgegenstehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 6).
Dies gilt für die Zulässigkeit (Art. 83 Abs. 3 AIG), die Zumutbarkeit (Art. 83
Abs. 4 AIG) und die Möglichkeit (Art. 83 Abs. 2 AIG) des Wegweisungsvoll-
zugs gleichermassen.
5.
5.1 Wie in E. 4.3 dargelegt, kommt der Frage der Verlässlichkeit der Her-
kunftsangaben asylsuchender Personen wesentliche Bedeutung zu.
5.2 Von der Beschwerdeführerin und dem Kind liegen iranische Identitäts-
dokumente – am (...) ausgestellte Reisepässe – bei den Akten (vgl. A16).
5.3 Der Beschwerdeführer reichte keine rechtsgenüglichen Identitätspa-
piere ein und das SEM äusserte Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Anga-
ben zur Identität, insbesondere der behaupteten afghanischen Staatsan-
gehörigkeit. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Ak-
ten zum Schluss, dass diese Zweifel berechtigt sind, und der Einschätzung
des SEM, dass von einer Identitätstäuschung seitens des Beschwerdefüh-
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Seite 16
rers auszugehen sei, zuzustimmen ist. Die Angaben des Beschwerdefüh-
rers zu seiner Identität weisen erhebliche Widersprüche auf und sind nicht
mit den Ergebnissen der Botschaftsabklärung in Einklang zu bringen. Auf
dem von ihm bei der Ankunft im Empfangszentrum ausgefüllten Personali-
enblatt gab der Beschwerdeführer an, der iranische Staatsbürger
D._ zu sein (vgl. A1). Die dieser Angabe widersprechende, nachfol-
gend genannte Identität – C._ aus Afghanistan – vermochte der Be-
schwerdeführer weder substantiiert darzulegen noch mittels rechtsgenüg-
licher Identitätsdokumente zu belegen. Der Einwand, es könne von ihm
nicht erwartet werden, sich an das genaue Geburtsdatum zu erinnern, ver-
mag nicht zu greifen, konnte er doch demgegenüber das Geburtsdatum
von D._ ohne Weiteres nennen. Laut Botschaftsbericht ist die Per-
son C._ am (...) vom Iran nach Afghanistan deportiert worden, mit-
hin zu einem Zeitpunkt, als der Beschwerdeführer sich in der Schweiz auf-
gehalten hat. Dass es sich bei der deportierten Person um eine andere
Person mit nicht nur exakt gleichem Vor-, sondern auch Nachnamen wie
der Beschwerdeführer gehandelt hat, ist nicht völlig unmöglich. Allerdings
widerspricht sich der Beschwerdeführer selbst diametral, indem er in der
Eingabe vom 8. September 2020 plötzlich vorbrachte, die besagte Person
gewesen zu sein, die laut Botschaftsbericht nach Afghanistan deportiert
worden sei, dies nur nicht erst am (...), sondern bereits im (...), nachdem
er zuvor zu Protokoll gegeben hatte, seit Kindesalter nie mehr in Afghanis-
tan gewesen und auch nie dorthin ausgeschafft worden zu sein. Auch mit
der auf Beschwerdeebene eingereichten Tazkira vermag er die behauptete
afghanische Identität nicht zu belegen. Afghanische Tazkira, die keine for-
malen Sicherheitsmerkmale enthalten, gelten nicht als fälschungssicher,
und ihnen kommt deshalb gemäss geltender Rechtsprechung nur ein ver-
minderter Beweiswert zu. Ein Dokument wie das vorliegende vermag somit
nur eine geringe Beweiskraft zu entfalten. Der Beweiswert wird zusätzlich
dadurch gemindert, als dass sich erkennen lässt, dass das Foto offenbar
nachträglich über dem Stempel angebracht wurde. Für die Echtheit des
vorliegenden Dokuments besteht denn auch keine Gewähr, zumal nicht er-
stellt ist, wie es zu dessen Ausstellung in Afghanistan am (...) gekommen
ist. Mit der Angabe in der Rechtsmitteleingabe vom 19. Januar 2021, es
existiere kein Zustellnachweis, da sein Bruder das Dokument einer Person
mitgegeben habe, die von Afghanistan in die Schweiz geflogen sei, vermag
der Beschwerdeführer das Prozedere der Dokumentenausstellung in Af-
ghanistan und die Übermittlung an ihn nicht schlüssig darzulegen. Es ist
nicht ersichtlich, wie respektive über wen der Beschwerdeführer das be-
sagte Dokument in Afghanistan beschafft hat, an wen es dort von den af-
ghanischen Behörden ausgehändigt wurde und wie es in den Besitz des
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Beschwerdeführers gelangt ist, zumal der Bruder laut den Angaben des
Beschwerdeführers in J._ und nicht in Afghanistan lebe. Hinzu
kommt, dass kaum nachvollziehbar ist, weshalb die afghanischen Behör-
den ein Identitätspapier mit einem Nachnamen ausstellen sollten, der dem
Beschwerdeführer angeblich von den iranischen Behörden willkürlich zu-
geteilt worden sein soll. Auch die übrigen, auf die Person C._ lau-
tenden Beweismittel, und die Dokumente, die sich auf dessen Eltern und
Geschwister beziehen würden, vermögen nicht zu belegen, dass es sich
beim Beschwerdeführer um den besagten C._ aus Afghanistan
handelt. Das angebliche Verwandtschaftsverhältnis (Eltern-Sohn respek-
tive Geschwister) ist durch keine rechtsgenüglichen Identitätsdokumente
nachgewiesen. Die vom Beschwerdeführer in Zusammenhang mit der Ver-
wandtschaft zu K._ am 8. September 2020 abgegebene Erklärung,
wonach er diesbezüglich keine Täuschungsabsicht gehabt habe, vermag
kaum zu überzeugen, hatte er im Rahmen der Anhörung 8. August 2016
auf entsprechende Frage hin doch vehement bestritten, dass der genannte
Verwandtschaftsgrad ([...]) falsch sei (vgl. A20 S. 25 F102-104). Ebenso
wenig vermögen die Angaben des Beschwerdeführers zur Aneignung der
Identität eines verstorbenen Iraners zu überzeugen. Es ist kaum zu glau-
ben, dass der Tod des (...) geborenen D._, der eingetreten sei, be-
vor dieser das 18. Altersjahr erreicht habe (mithin vor dem Jahr [...]), in all
den Jahren bis zum "Identitätskauf" durch den Beschwerdeführer (...) un-
entdeckt geblieben sei, wenn dieser tatsächlich im Kindes- und wohl noch
schulpflichtigen Alter gestorben wäre. Es erscheint unglaubhaft, dass der
damals seinen Angaben zufolge bereits (...)-jährige Beschwerdeführer
ohne Weiteres sein Foto auf die Identitätsdokumente des verstorbenen
Kindes hätte kleben können, und dass die Kindsfamilie den Beschwerde-
führer ab (...) problemlos als ihren Sohn hätte ausgeben können, ohne
dass jemals jemand stutzig geworden wäre.
Nach Würdigung aller Umstände ist es dem Beschwerdeführer nicht gelun-
gen, die behauptete Identität (C._ aus Afghanistan) nachzuweisen
oder zumindest glaubhaft zu machen. Aufgrund der bestehenden Akten-
lage kann insbesondere die Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers
nicht abschliessend beurteilt werden.
6.
6.1 Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung des Beschwerdeführers ist
Folgendes festzustellen:
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Seite 18
6.1.1 Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungs-
vollzugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungs-
pflicht findet ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden
Person. Es ist – wie zuvor ausgeführt (vgl. E. 4.3) – nicht Aufgabe der
schweizerischen Asylbehörden, bei fehlenden glaubhaften Angaben oder
gezielt vorenthaltenen Hinweisen nach allfälligen Wegweisungsvollzugs-
hindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen (vgl. BVGE
2014/12 E. 5.9 und 6). Vermutungsweise ist in solchen Fällen davon aus-
zugehen, einer Wegweisung stünden keine Vollzugshindernisse im gesetz-
lichen Sinne entgegen (vgl. BVGE 2014/12 E. 6, sowie Urteile des BVGer
D-5807/2019 vom 10. Januar 2020 E. 7.4.2, D-5370/2019 E. 6.2 vom
24. Oktober 2019 und E-2793/2019 vom 7. August 2019 E. 9.3).
6.1.2 Der Beschwerdeführer hat keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere
eingereicht und zu seiner Identität, namentlich seiner Herkunft respektive
Staatsangehörigkeit, unglaubhafte Angabe gemacht. Dadurch hat er seine
Mitwirkungspflichten gemäss Art. 8 AsylG verletzt. Dies verunmöglicht eine
sinnvolle Prüfung des Vorliegens von Wegweisungsvollzugshindernissen,
zumal insbesondere seine Nationalität nicht feststeht. Der Beschwerdefüh-
rer hat die Folgen seiner mangelhaften Mitwirkung insofern zu tragen, als
vermutungsweise davon auszugehen ist, dass keine flüchtlings- oder weg-
weisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an seinen bisherigen
Aufenthaltsort bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10). Diese Vermutung
vermag der Beschwerdeführer mit seinen Ausführungen nicht zu widerle-
gen. Schliesslich obliegt es ihm, sich bei der zuständigen Vertretung seines
tatsächlichen Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku-
mente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl. dazu auch BVGE 2008/34
E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich-
nen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme des
Beschwerdeführers fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Die
geltend gemachte Integration des Beschwerdeführers vermag an dieser
Einschätzung nichts zu ändern. Der Grad der Integration bildet grundsätz-
lich kein Kriterium für die Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.3). Die
Beurteilung einer Härtefallsituation infolge fortgeschrittener Integration im
Sinne von Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG fällt in die Zuständigkeit der kantona-
len Migrationsbehörden (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.3).
Da der rechtserhebliche Sachverhalt soweit wie möglich erstellt wurde,
rechtfertigt sich eine Rückweisung der Sache zwecks Neubeurteilung an
die Vorinstanz nicht. Der entsprechende Eventualantrag ist abzuweisen.
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Seite 19
6.2 Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung der Beschwerdeführerin und
des Kindes ist Folgendes festzustellen:
6.2.1 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur
Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Nachdem in der Ver-
fügung vom 30. September 2020 rechtskräftig festgestellt wurde, dass die
Beschwerdeführerin und ihr Kind die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG nicht erfüllen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Auch die allgemeine
Menschenrechtssituation im Iran lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Wegwei-
sung der Beschwerdeführerin und des Kindes ist somit sowohl im Sinne
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
6.2.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Sind von einem allfälligen Weg-
weisungsvollzug Kinder betroffen, so bildet im Rahmen der Zumutbarkeits-
prüfung ausserdem das Kindeswohl einen zu beachtenden Gesichtspunkt
(vgl. u.a. Urteil des BVGer E-5214/2017 vom 5. November 2020 E. 7.3
m.w.H.). Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt
von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
Im Iran herrscht weder Krieg, Bürgerkrieg noch eine Situation allgemeiner
Gewalt. Der Vollzug von Wegweisungen dorthin ist in ständiger Praxis als
generell zumutbar zu erachten (vgl. statt vieler Urteil des BVGer
D-3319/2020 vom 3. September 2021 E. 8.4.1). Auch in individueller Hin-
sicht sind keine Gründe ersichtlich, welche die Wegweisung der Beschwer-
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Seite 20
deführerin und des Kindes als unzumutbar erscheinen liessen. Die Be-
schwerdeführerin kann ihren Angaben zufolge eine gewisse Schulbildung
und Erfahrung als (...) und (...) vorweisen. Zudem verfügt sie über ver-
wandtschaftliche Bande im Heimatland, sowohl am bisherigen Wohnort
F._ (Söhne, Geschwister) als auch in der Heimatstadt M._
(Mutter, Geschwister). Auch der Beschwerdeführer hat die Schweiz zu ver-
lassen (vgl. die vorstehenden Ausführungen E. 6.1). Sodann wurde das
Asylgesuch des Sohnes der Beschwerdeführerin aus erster Ehe (N [...])
mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (...) vom (...) rechtskräftig abge-
wiesen, weshalb dieser die Schweiz ebenfalls zu verlassen hat. Des Wei-
teren sind keine aktuellen gesundheitlichen Probleme der Beschwerdefüh-
rerin oder ihres Kindes dokumentiert. Bei medizinischen Beschwerden
könnte im Übrigen nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
erkannt werden, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Hei-
matland schlicht nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer ra-
schen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszu-
stands der betroffenen Person führen würde. Dabei wird als wesentlich die
allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet, welche zur
Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist.
Unzumutbarkeit liegt jedenfalls dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder
Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende
medizinische Behandlung möglich ist (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und
2009/2 E. 9.3.1 je m.w.H.). Für eine solche Notlage bestehen vorliegend
keine Anhaltspunkte. Zudem weist das Gesundheitssystem im Iran ein re-
lativ hohes Niveau auf. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass
die Beschwerdeführerin und ihr Kind bei Bedarf im Iran medizinische Be-
treuung erhalten können (vgl. hierzu Urteile des BVGer D-3319/2020 vom
3. September 2021 E. 8.4.3, E-3799/2020 vom 11. März 2021 E. 14.4.2
m.w.H.). Schliesslich ist davon auszugehen, dass sich das Kind nach kur-
zer Zeit wieder an die iranischen Verhältnisse gewöhnen dürfte und im Iran
integrieren kann. Auch wenn es sich nun seit bald sechs Jahren in der
Schweiz aufhält und mittlerweile (...) Jahre alt ist, ist davon auszugehen,
dass seine Mutter (die Beschwerdeführerin) nach wie vor eine wichtige Be-
zugsperson darstellt, und dass noch nicht von einer eigenständigen In-
tegration in die schweizerischen Lebensverhältnisse gesprochen werden
kann. Eine Rückkehr in den Iran ist demnach auch mit dem Kindeswohl
vereinbar (vgl. u.a. Urteile des BVGer E-6377/2020 vom 9. Februar 2021
E. 8.3.4, D-1647/2018 vom 21. Dezember 2020 E. 9.3 sowie E-5214/2017
vom 5. November 2020 E. 7.3). Es bestehen damit insgesamt keine kon-
kreten Hinweise dafür, dass die Beschwerdeführerin und ihr Kind bei einer
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Seite 21
Rückkehr in den Iran in eine existenzielle Notlage geraten würden. Der
Wegweisungsvollzug erweist sich somit als zumutbar.
6.2.3 Des Weiteren obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente für sich und ihr Kind zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl.
dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung
auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Schliesslich steht
auch die Corona-Pandemie dem Vollzug nicht entgegen. Es handelt sich
dabei, wenn überhaupt, um ein temporäres Vollzugshindernis, dem im
Rahmen der Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen ist.
6.2.4 Aufgrund des Gesagten fällt die Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme der Beschwerdeführerin und des Kindes ausser Betracht (Art. 83
Abs. 1–4 AIG).
6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Vollzug
der Wegweisung der Beschwerdeführenden zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich bezeichnet hat.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtenen Verfügungen
Bundesrecht nicht verletzen, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellen (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg-
lich überprüfbar – angemessen sind. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in der gleichen Höhe geleistete Kos-
tenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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