Decision ID: aaab92cd-613b-5655-b71c-85541bd6998a
Year: 2020
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der 1965 geborene A._ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) ist der Ausgleichskasse des Kantons Bern (AKB bzw. Beschwerdegegnerin) als Selbstständigerwerbender angeschlossen. Mit Verfügung vom 20. Dezember 2019 (Akten der AKB, Antwortbeilage [AB] II 10) setzte die AKB die für das Jahr 2017 zu entrichtenden persönlichen AHV/IV/, die Beiträge an die Familienausgleichskasse und die Verwaltungskosten auf Fr. 3'186.90 fest, wobei sie auf das Erwerbseinkommen gemäss Steuermeldung die persönlichen Beiträge aufrechnete (vgl. AB II 10/1 Ziff. 3). Mit Schreiben vom 21. Dezember 2019 (AB II 9/1) beanstandete der Versicherte die Beitragsverfügung und ersuchte um Akteneinsicht, worauf die AKB ihm mit Begleitschreiben vom 24. Dezember 2018 (recte: 2019; AB II 8) einen Kontoauszug über die persönlichen Beiträge für das Jahr 2017 zukommen liess und ihm die Zustellung der Akten für Anfangs 2020 in Aussicht stellte. Nach Eingang einer entsprechenden Bestätigung der Steuerverwaltung des Kantons Bern vom 7. Januar 2020 (AB II 6) hiess die AKB die Einsprache des Beschwerdeführers vom 13. Januar 2020 (AB 5) mit Einspracheentscheid vom 5. Februar 2020 (AB II 4/1 f.) und dazugehöriger Beitragsberechnung (AB II 4/5 f.) insoweit gut, als sie keine Aufrechnung der persönlichen Beiträge auf dem gemeldeten Erwerbseinkommen vornahm und die persönlichen Beiträge für das Jahr 2017 neu auf Fr. 2'898.55 festsetzte.
B.
Mit Eingabe vom 4. März 2020 erhob der Versicherte gegen den Einspracheentscheid vom 5. Februar 2020 Beschwerde und eine Rechtsverzögerungsbeschwerde wegen „Verschleppung des  betreffend Verzugszinsverfügung vom 20.12.2019 für das Beitragsjahr 2017“ mit folgenden Rechtsbegehren:
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Nov. 2020, AHV/20/187, Seite 3
„1. Ich beantrage kostenlose Rechtspflege und unentgeltlichen Rechtsbeistand. Wollen Sie einen Fachanwalt für Sozialversicherungsrecht ernennen.
2. Es seien Einsprache-Entscheid und alle Verfügungen betreffend 2017 aufzuheben.
3. Die Zinsverfügung – für die zwar Einsprache hängig ist, aber noch kein Einsprache-Entscheid vorliegt – sei der verfügenden Stelle zurückzuweisen, mit dem Hinweis versehen, dass die Hauptforderung hingefallen sei, somit auch die Zinsen hinfallen, bzw. man die Zinsverfügung das im Rahmen von Begehren 2 erledigt.
4. Ich verlange eine angemessene Parteientschädigung, die meinem übermässig grossen Aufwand tatsächlich gerecht wird.
5. Es sei disziplinarisch zu entlassen:  Herr B._, ... – Pflichtverletzung, insb. unterlassene
Aufsicht  Herr C._, AHV-Zweigstelle – Pflichtverletzungen,
unfähig, falsche Buchhaltung  Herr D._, AHV-Zweigstelle – Pflichtverletzungen,
unfähig, Ausstand nicht beachtet.“
Mit prozessleitender Verfügung vom 11. März 2020 wurde der Eingang der Beschwerde samt Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und einer Rechtsverzögerungsbeschwerde festgestellt und der Beschwerdegegnerin Frist angesetzt bis zum 17. April 2020 zur Erstattung einer .
Mit Beschwerdeantwort vom 16. April 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
Mit Eingabe vom 16. April 2020 ersuchte der Beschwerdeführer unter Verweis auf die prozessleitende Verfügung vom 11. März 2020 um Zustellung des Doppels der Beschwerdeantwort sowie um Einsichtnahme in die Gerichtsakten. Zudem lehnte er Verwaltungsrichterin Wiedmer ab und beantragte die Überweisung des Beschwerdeverfahrens an ein ausserkantonales deutschsprachiges (Verwaltungs-)Gericht.
Mit prozessleitender Verfügung vom 20. April 2020 sistierte der Abteilungspräsident der Sozialversicherungsrechtlichen Abteilung des Verwaltungsgerichts die (Haupt-)Verfahren AHV/2020/187 und
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Nov. 2020, AHV/20/187, Seite 4
AHV/2020/188, damit in den separat eröffneten Verfahren AHV/2020/286 und AHV/2020/287 vorab über das Ablehnungsbegehren und den Antrag auf Überweisung der Streitsache an ein ausserkantonales (Verwaltungs- )Gericht befunden werden kann.
Das Verwaltungsgericht wies mit Urteil vom 1. Mai 2020, AHV/2020/286 und AHV/2020/287, das Ablehnungsgesuch ab, soweit es darauf eintrat.
Mit prozessleitender Verfügung vom 8. Juli 2020 wurden die Verfahren AHV/2020/187 und AHV/2020/188 wieder aufgenommen und das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung abgewiesen. Gleichzeitig wurden den Parteien ihre Eingaben vom 16. April 2020 je wechselseitig zugestellt und dem Beschwerdeführer die Möglichkeit eingeräumt, sich innert Frist zu äussern. Er wurde zudem auf die Möglichkeit der Akteneinsicht am Verwaltungsgericht hingewiesen. Der Beschwerdeführer liess sich in der Folge weder vernehmen noch machte er von der Möglichkeit der Akteneinsicht Gebrauch.
Auf die gegen die prozessleitende Verfügung vom 8. Juli 2020 erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht (BGer) mit Entscheid vom 16. September 2020, 9C_469/2020, nicht ein.

Erwägungen:
1.
1.1 Die Verfahren AHV/2020/187 und AHV/2020/188 sind miteinander konnex, weshalb sie zu vereinigen und in einem gemeinsamen Urteil zu erledigen sind (Art. 17 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]; vgl. dazu MERKLI/AESCHLIMANN/HERZOG, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 17 N. 1, 5).
1.2
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Nov. 2020, AHV/20/187, Seite 5
1.2.1 Der angefochtene Einspracheentscheid vom 5. Februar 2020 (AB II 4/1 f.) ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Gestützt auf die Beschwerde erhellt zwar nicht gänzlich, inwieweit der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträgen nicht vollständig durchgedrungen sein sollte. Zumal er sich jedoch mit den für das Jahr 2017 erhobenen persönlichen Beiträgen nicht einverstanden zeigt, ist ein Rechtsschutzinteresse (Art. 59 ATSG) dennoch anzunehmen. Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 84 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10]). Die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG) sind eingehalten sind; insoweit ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.2.2 Gemäss Art. 56 Abs. 2 ATSG kann Beschwerde auch erhoben werden, wenn der Versicherungsträger entgegen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder keinen Einspracheentscheid erlässt (sog. Rechtsverweigerungs-/Rechtsverzögerungsbeschwerde, BGE 130 V 90 E. 2 S. 92). Die gerichtliche Zuständigkeit richtet sich dabei nach dem ins Recht gefassten Versicherungsträger, d.h. vorliegend der AKB in Bern. Die angerufene Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern ist damit in sachlicher und örtlicher Hinsicht für die Behandlung der Beschwerde grundsätzlich zuständig. Indessen zielt die Rechtsverzögerungs- bzw. Rechtsverweigerungsbeschwerde auf das Einspracheverfahren betreffend die Verzugszinsverfügung vom 20. Dezember 2019 (AB II 10/5-7). Diese Verfügung hatte der Beschwerdeführer neben anderem im Rahmen der Einsprache vom 13. Januar 2020 (AB II 5/1-8) angefochten, woraufhin die Beschwerdegegnerin die Verzugszinsforderung mit Verzugszinsverfügung vom 5. Februar 2020 (AB II 4/7-9) anpasste, mithin die vormalige Verzugszinsverfügung ersetzte. Im Zeitpunkt der Beschwerdeanhebung
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Nov. 2020, AHV/20/187, Seite 6
bestand damit hinsichtlich der Verzugszinsverfügung vom 20. Dezember 2019 (AB II 10/5-7) kein aktuelles schutzwürdiges Interesse an einem Entscheid in der Sache, zumal dieser mit der Verzugszinsverfügung vom 5. Februar 2020 (vgl. dazu E. 1.2.4 hiernach) bereits vorlag. Auf die Rechtsverzögerungs- bzw. Rechtsverweigerungsbeschwerde ist demzufolge nicht einzutreten (vgl. SVR 1998 UV Nr. 11 S. 32 E. 5b aa).
1.2.3 Bei dem als „Einspracheentscheid – Verfügung vom 20. Dezember 2019 betreffend persönliche Beiträge als Selbständigerwerbender für das Jahr 2017“ betitelten Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 5. Februar 2020 (AB II 4/10) handelt es sich nicht um eine selbstständig anfechtbare Verfügung über persönliche Beiträge i.S.v. Art. 49 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021), sondern lediglich um ein erklärendes Begleitschreiben zum gleichentags erlassenen Einspracheentscheid (AB II 4/1 f.) und zur Schlussabrechnung (vgl. auch Beschwerdeantwort, S. 2). Diesbezüglich ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
1.2.4 Betreffend die Verzugszinsverfügung vom 5. Februar 2020 (AB I 1) ist zunächst ein Einspracheverfahren durchzuführen (Art. 52 Abs. 1 ATSG). Das Verwaltungsgericht ist für die Beurteilung dieser Einsprache funktionell nicht zuständig. Die Eingabe vom 4. März 2020 ist zur Behandlung als Einsprache gegen die Verzugszinsverfügung vom 5. Februar 2020 (AB I 1) an die Beschwerdegegnerin weiterzuleiten (Art. 4 Abs. 1 VRPG).
1.2.5 Die vom Beschwerdeführer ferner geäusserten, völlig unsubstantiierten, unbewiesenen und haltlosen Behauptungen bzw. pauschalen Verdächtigungen zu angeblich strafbarem Verhalten der Beschwerdegegnerin und der AHV-Zweigstelle ... sowie ihrer jeweiligen Mitarbeitenden (vgl. Beschwerde, S. 2 f. Ziff. 3 und 6) zielen ins Leere und sind nicht weiter zu verfolgen. Ebenso ist nicht auf die deplatzierten und ehrrührigen Aussagen betreffend einzelne Mitarbeitende der Beschwerdegegnerin einzugehen. Auf die Beschwerde ist diesbezüglich nicht einzutreten.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Nov. 2020, AHV/20/187, Seite 7
Weiter ist das Verwaltungsgericht für die absurden und querulatorisch anmutenden beantragten disziplinarischen Entlassungen (Beschwerde, S. 5 Ziff. 10./5) offenkundig unzuständig, sodass auch in diesem Punkt auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.
1.3 Einzig mit dem Einspracheentscheid vom 5. Februar 2020 (AB II 4/1 f.) besteht ein taugliches Anfechtungsobjekt. Das als „Verfügung für persönliche Beiträge als Selbständigerwerbender“ betitelte Dokument vom 5. Februar 2020 (AB II 4/5 f. = BB 7/1 f.) bildet hierzu integrierenden Bestandteil. Denn es handelt sich dabei – entgegen dem Wortlaut der Überschrift – lediglich um eine zum angefochtenen Einspracheentscheid vom 5. Februar 2020 (AB II 4/1 f.) gehörende Beitragsberechnung und nicht um eine selbstständig anfechtbare Verfügung über persönliche Beiträge i.S.v. Art. 49 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 VwVG. Dies wird auch daraus ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin darin hinsichtlich der massgebenden rechtlichen und materiellen Grundlagen auf den besagten Einspracheentscheid verwies und die persönlichen Beiträge entsprechend der Steuermeldung der Steuerverwaltung des Kantons Bern festsetzte (vgl. AB II 4/5 Ziff. 2.). Streitig und zu prüfen ist die Forderung von persönlichen Beiträgen als Selbstständigerwerbender für das Jahr 2017.
1.4 Die persönlichen Beiträge für das Jahr 2017 wurden auf Fr. 2'898.55 (inkl. Beiträge an die Familienausgleichskasse und Verwaltungskostenbeiträge) festgesetzt (AB II 4/5 Ziff. 4). Der Streitwert liegt damit unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG).
1.5 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).
2.