Decision ID: e37162ea-4b67-4377-b11c-11fc0b55901f
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die X._ GmbH mit Sitz in der Gemeinde A._, bezweckt die Veranstaltung von Freizeit-
und Unterhaltungsanlässen, den Betrieb von mobilen und immobilen Gaststätten sowie
den Handel mit Gütern aller Art (www.zefix.ch). Sie betreibt die Y._-Bar in B._. Mit
Gesuch vom 31. Oktober 2021 beantragte die Gesellschaft eine finanzielle
Härtefallunterstützung im Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie in der Höhe von
CHF 17'500 (CHF 8'200 als nicht rückzahlbaren Beitrag und CHF 9'300 als Darlehen).
Mit Schreiben vom 1. Dezember 2021 teilte das Amt für Wirtschaft und Arbeit der
Gesuchstellerin mit, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für eine finanzielle
Unterstützung nicht erfüllt seien, da per 1. Oktober 2020 nicht Arbeitsplätze im Umfang
von mindestens 100 Stellenprozenten vorhanden gewesen seien. Mit Schreiben vom
13. Dezember 2021 verlangte die X._ GmbH eine beschwerdefähige Verfügung. Mit
Verfügung vom 28. Januar 2022 wies das Volkswirtschaftsdepartement des Kantons
St. Gallen, vertreten durch das Amt für Wirtschaft und Arbeit, das Gesuch um
wirtschaftliche Unterstützung im Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie ab. Zur
Begründung wurde ausgeführt, mit einer gemeldeten Lohnsumme von CHF 9'600 liege
keine Beschäftigung im Rahmen einer Vollzeitstelle vor. Die Gebühr für die Verfügung
wurde auf CHF 250 festgesetzt.
B.
Mit Eingabe vom 14. Februar 2022 erhob die X._ GmbH (Beschwerdeführerin)
Beschwerde gegen die ablehnende Verfügung des Volkswirtschaftsdepartements
(Vorinstanz) vom 28. Januar 2022 mit den Anträgen, diese sei aufzuheben und ihr sei
ein nicht rückzahlbarer Beitrag in der Höhe von CHF 8'200 auszuzahlen sowie ein
rückzahlbares Darlehen in der Höhe von CHF 9'300 zu gewähren, unter Kosten- und
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Entschädigungsfolge. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde seitens des
Gerichtes vorläufig verzichtet.
Mit Vernehmlassung vom 7. März 2022 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der
Beschwerde. Die Beschwerdeführerin nahm Einsicht in die Akten und reichte am
25. März 2022 eine weitere Stellungnahme ein. Die Vorinstanz verzichtete auf eine
Äusserung dazu.
Auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und die Ausführungen der
Beteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für den
Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressatin der
ablehnenden Verfügung der Vorinstanz ist die Beschwerdeführerin zur Ergreifung des
Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerde wurde mit Eingabe vom 14. Februar 2022 rechtzeitig erhoben, und die
Beschwerdeeingabe erfüllt formal wie inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64
in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, bei der von ihr betriebenen Y._-Bar in B._
handle es sich um ein ganzjährig geöffnetes Restaurant. In den Jahren 2019 und 2020
sei ein Umsatz von CHF 100'000 generiert worden. Dies sei in einer einfachen Bar mit
tiefen Preisen ohne eine Vollzeitstelle nicht realisierbar. Mit einem Jahresumsatz von
CHF 100'000 liege kein Kleinstbetrieb im Sinne der Härtefallmassnahmen vor, sei doch
der verlangte Mindestumsatz von CHF 50'000 bei ihr doppelt so hoch. Die AHV-
Lohnsumme wiederum sei für die Beurteilung der erforderlichen Stellenprozente nur
bedingt relevant. R._ sei Geschäftsführerin und deren Stellenprozente würden
mitzählen.
bis
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3.
3.1.
Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen geltend gemacht werden. Die
Beschwerdeführerin kann sich auch darauf berufen, die angefochtene Verfügung oder
der angefochtene Entscheid beruhe auf einem unrichtig oder unvollständig
festgestellten Sachverhalt (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Die Kognition des
Verwaltungsgerichts ist auf Rechtsverletzungen beschränkt. Falls einer Behörde beim
entsprechenden Entscheid ein Ermessensspielraum zukommt, hat das
Verwaltungsgericht diesen zu respektieren (Looser/Looser-Herzig, in: Rizvi/Schindler/
Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/
St. Gallen 2020, N 3 und 5 zu Art. 61 VRP).
Art. 1 der Verordnung über Härtefallmassnahmen für Unternehmen im Zusammenhang
mit der Covid-19-Epidemie (in der bis 31. Dezember 2021 gültigen Fassung AS 2021
884, Covid-19-Härtefallverordnung) in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die gesetzlichen Grundlagen für die Verordnungen des
Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie (SR 818.102, Covid-19-Gesetz)
hält den Grundsatz fest, wonach sich der Bund im Rahmen des von der
Bundesversammlung bewilligten Verpflichtungskredits an den Kosten und Verlusten
beteiligt, die einem Kanton aus seinen Härtefallmassnahmen für Unternehmen
entstehen, sofern die kantonale Regelung die Mindestvoraussetzungen dieser
Verordnung bezüglich der Anspruchsberechtigung der Unternehmen sowie der
Ausgestaltung der Massnahmen erfüllt (vgl. Art. 2 bis 6 der Covid-19-
Härtefallverordnung).
Der Kanton St. Gallen hat für die Ausgestaltung der Härtefallmassnahmen auf
Grundlage der bundesrechtlichen Bestimmungen gemäss Covid-19-Gesetz und
Covid-19-Härtefallverordnung das Gesetz über die wirtschaftliche Unterstützung von
Unternehmen sowie von durch die öffentliche Hand geführten öffentlichen Institutionen
der familienergänzenden Kinderbetreuung in Zusammenhang mit der Covid-19-
Epidemie (sGS 571.3, kantonales Covid-Gesetz) erlassen. Die Härtefallmassnahmen
sind begrenzt auf die Mittel des Bundes, die dieser für Härtefallmassnahmen
bereitstellt, und jene des Kantons, die maximal 95 Millionen Franken betragen (Art. 2
des kantonalen Covid-Gesetzes). Gemäss Art. 3 Abs. 1 des kantonalen Covid-
Gesetzes kann der Kanton Unternehmen unter gewissen Voraussetzungen
3.1.1.
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Härtefallmassnahmen, darunter auch nicht rückzahlbare Beiträge, gewähren. Die
Unternehmen können keinen Anspruch auf Finanzhilfen geltend machen (Art. 5 Abs. 3
des kantonalen Covid-Gesetzes).
Bundesrechtlich geregelt ist damit lediglich, unter welchen Bedingungen sich der Bund
an kantonalen Unterstützungsmassnahmen für Härtefälle beteiligt. Die Federführung
liegt allein bei den Kantonen. Sie definieren die Härtefallmassnahmen. Dabei liegt der
Entscheid, ob und in welchem Umfang Härtefallmassnahmen ergriffen werden, in deren
alleiniger Zuständigkeit. Die Kantone entscheiden also – zumindest für Unternehmen
mit einem Jahresumsatz von unter 5 Millionen Franken – frei, ob sie Massnahmen
ergreifen und, falls ja, wie sie diese ausgestalten. Damit sind die Rahmenbedingungen
dafür geschaffen, dass die Härtefallmassnahmen zum einen den unterschiedlichen
Gegebenheiten in den Kantonen gerecht werden und ihnen zum andern ein gewisser
Ermessensspielraum zukommt (Erläuterungen der Eidgenössischen Finanzverwaltung
vom 31. März 2021 zur Covid-19-Härtefallverordnung, act. 7/9, S. 2, nachfolgend:
Erläuterungen EFV). Die Verwendung des Begriffs "gewisser Ermessensspielraum"
rührt dabei von den bundesrechtlichen Vorgaben für eine finanzielle Beteiligung in der
Covid-19-Härtfallverordnung her, hat aber nichts mit der Freiheit der Kantone zu tun,
die Ausgestaltung der Entschädigungen, insbesondere deren Höhe, selber bestimmen
zu können.
Das zur Verfügung stehende Gesamtvolumen an finanziellen Mitteln wie auch die
Ausgestaltung als Kann-Vorschrift schränken die Rechtsansprüche auf die nicht
rückzahlbaren Beiträge ein oder schliessen solche nachgerade aus. Die staatlichen
Unterstützungen haben trotz und auch gerade wegen der besonderen gesundheitlichen
und gesellschaftlichen Situation der Bevölkerung den Charakter von Hilfestellungen
(und damit von Subventionen). Daran ändert nichts, dass Unternehmen, welche die
Voraussetzungen für die Gewährung von finanziellen Garantien und nicht rückzahlbaren
Beiträgen erfüllen, die Leistungen auch einfordern können. Wenn die Voraussetzungen
gegeben sind, entstehen zwar "Ansprüche"; deren Erfüllung geschieht jedoch im
Rahmen der vom Kantonsrat bewilligten Mittel (Art. 2 des kantonalen Covid-Gesetzes).
Somit wird deutlich, dass es sich nicht um klassische Ansprüche, begründet auf
durchsetzbaren Rechten, handelt, sondern vielmehr um berechtigte Erwartungen
gegenüber dem Gemeinwesen, das Unternehmen innerhalb der verfügbaren Mittel zu
unterstützen, wobei einerseits die Behandlung der Gesuche einer Verteilgerechtigkeit
unterliegt und es andererseits um eine angemessene Ausschüttung von Geldern,
3.1.2.
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bezogen auf die konkreten Verhältnisse des einzelnen Unternehmens, geht. In diesem
Sinn ist Art. 5 Abs. 3 des kantonalen Covid-Gesetzes, wonach kein Anspruch auf
Finanzhilfen geltend gemacht werden kann, zu verstehen.
Das bedeutet, dass der Kanton bei der Umsetzung der Covid-Massnahmen,
insbesondere im Rahmen der finanziellen Unterstützung von Betroffenen, analog dem
Subventionsrecht einen weiten Ermessenspielraum geniesst. Ähnlich den Subventionen
beziehen sich die Covid-Härtefallunterstützungen auf Spezialgebiete, und die
Rechtsmittelbehörden verfügen über keine eigenen Fachkenntnisse. Eine freie
Überprüfung der Praxis der Vorinstanz würde – wie bei den Subventionen – auch die
Gefahr von Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten gegenüber anderen
Antragsstellenden in sich bergen (vgl. zur Überprüfung von Subventionsentscheiden
BVGer A-1851/2013 vom 20. August 2013 E. 2 und B-8207/2010 vom 22. März 2011 E.
2.2 mit Hinweisen; im Allgemeinen BGE 133 II 35 E. 3). Das Verwaltungsgericht hat sich
daher bei der Überprüfung der Gewährung von sog. Ermessenssubventionen
Zurückhaltung aufzuerlegen, indem es in Fragen, die durch die Justizbehörden
naturgemäss schwer überprüfbar sind, nicht ohne Not von den Beurteilungen des
erstinstanzlichen Fachgremiums abweicht. Insbesondere bei der Bewertung und
Einstufung der in den Rechtsgrundlagen definierten Kriterien ist ein erheblicher
Beurteilungsspielraum vorhanden (vgl. analog zum Vergaberecht BGE 139 II 185 E. 9.3,
VerwGE B 2020/29 vom 13. März 2020 E. 2.3.2). Diesen Ermessensbereich hat das
Gericht zu respektieren, soweit nicht frei zu prüfende Rechtsfragen zur Diskussion
stehen. Hat eine fachkundige Behörde, wie hier das vom Kanton bestellte
Fachgremium (Art. 11 Abs. 4 des kantonalen Covid-Gesetzes), eine Empfehlung
abgegeben, ist substantiiert darzulegen, inwiefern das Ermessen überschritten oder
allenfalls unterschritten ist (vgl. BGE 141 II 14 E. 8.3).
3.2.
Nach Art. 12 Abs. 1 des Covid-19-Gesetzes kann der Bund auf Antrag eines oder
mehrerer Kantone Massnahmen für Einzelunternehmen, Personengesellschaften oder
juristische Personen mit Sitz in der Schweiz (Unternehmen) unterstützen, die vor dem
1. Oktober 2020 gegründet worden sind oder ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen
haben, am 1. Oktober 2020 ihren Sitz im jeweiligen Kanton hatten, aufgrund der Natur
ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit von den Folgen von Covid-19 besonders betroffen sind
und einen Härtefall darstellen, insbesondere Unternehmen in der Wertschöpfungskette
der Eventbranche, Schausteller, Dienstleister der Reisebranche, Gastronomie- und
3.2.1.
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Hotelleriebetriebe sowie touristische Betriebe. Ein Härtefall liegt vor, wenn der
Jahresumsatz unter 60 Prozent des mehrjährigen Durchschnitts liegt. Die gesamte
Vermögens- und Kapitalsituation ist zu berücksichtigen sowie der Anteil an nicht
gedeckten Fixkosten (Art. 12 Abs. 1 des Covid-19-Gesetzes). Der Bundesrat regelt
die Einzelheiten in einer Verordnung, wobei er Unternehmen berücksichtigt, die im
Durchschnitt der Jahre 2018 und 2019 einen Umsatz von mindestens CHF 50'000
erzielt haben (Art. 12 Abs. 4 des Covid-19-Gesetzes). Für Unternehmen, die aufgrund
von Massnahmen des Bundes oder der Kantone zur Eindämmung der Covid-19-
Epidemie ihren Betrieb ab dem 1. November 2020 für mehrere Wochen schliessen
müssen oder die während dieser Dauer in der betrieblichen Tätigkeit erheblich
eingeschränkt werden, kann der Bundesrat die Anspruchsvoraussetzungen für die
Unternehmen nach diesem Artikel lockern (Art. 12 Abs. 5 des Covid-19-Gesetzes).
In Bezug auf die Vermögens- und Kapitalsituation muss das Unternehmen gegenüber
dem Kanton belegt haben, dass es profitabel und überlebensfähig ist (Art. 4 Abs. 1 lit. a
der Covid-19-Härtefallverordnung). Dies ist dann der Fall, wenn sich das Unternehmen
zum Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs nicht in einem Konkursverfahren oder in
Liquidation befindet und sich am 15. März 2020 nicht in einem Betreibungsverfahren
für Sozialversicherungsbeiträge befunden hat, es sei denn, zum Zeitpunkt der
Einreichung des Gesuchs liege eine vereinbarte Zahlungsplanung vor oder das
Verfahren sei durch Zahlung abgeschlossen (Art. 4 Abs. 2 der Covid-19-
Härtefallverordnung). Nach Art. 5 Abs. 1 der Covid-19-Härtefallverordnung muss das
Unternehmen gegenüber dem Kanton belegt haben, dass sein Jahresumsatz 2020 im
Zusammenhang mit behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der
Covid-19-Epidemie unter 60 Prozent des durchschnittlichen Jahresumsatzes der Jahre
2018 und 2019 liegt. Das Unternehmen hat gegenüber dem Kanton sodann zu
bestätigen, dass aus dem Umsatzrückgang erhebliche ungedeckte Fixkosten
resultieren (Art. 5a der Covid-19-Härtefallverordnung; sog. Typ 1-Unternehmen). Für
Unternehmen, die aufgrund von Massnahmen des Bundes oder der Kantone zur
Eindämmung der Covid-19-Epidemie ihren Betrieb zwischen dem 1. November 2020
und dem 30. Juni 2021 für insgesamt mindestens 40 Tage schliessen müssen, entfallen
bei einem durchschnittlichen Jahresumsatz der Jahre 2018 und 2019 bis 5 Millionen
Franken die Anspruchsvoraussetzungen nach den Art. 4 Abs. 1 lit. b (Nachweis der
Ergreifung von Massnahmen zum Schutz der Liquidität und der Kapitalbasis), Art. 5
Abs.1 und 1 (Nachweis des Umsatzrückgangs um mindestens 40 Prozent) sowie Art.
5a (Nachweis ungedeckter Fixkosten; Art. 5b Abs. 1 lit. a der Covid-19-
Härtefallverordnung; sog. Typ 3-Unternehmen).
bis
bis
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4.
Nach Art. 3 Abs. 1 des kantonalen Covid-Gesetzes kann Unternehmen eine
Härtefallmassnahme gewährt werden, wenn sie die Vorgaben nach dem zweiten
Abschnitt der Covid-19-Härtefallverordnung erfüllen (lit. a), ihren Umsatz zu wenigstens
75 Prozent in einer Branche nach Art. 4 dieses Erlasses (insbesondere Gastronomie,
Hotellerie, Reisen und Tourismus, Märkte und Messen, Freizeit und Veranstaltungen
sowie Tierparks) erzielen (lit. b), per 1. Oktober 2020 ihren Sitz im Kanton St. Gallen
haben und per 30. September 2020 Arbeitsplätze im Umfang von wenigstens
100 Stellenprozent in der Schweiz aufweisen (lit. c), keinen Anspruch auf
branchenspezifische Covid-19-Finanzhilfen des Bundes oder des Kantons St. Gallen in
den Bereichen Kultur, Sport, öffentlicher Verkehr oder Medien haben (lit. d), per
31. Dezember 2019 nicht überschuldet waren (lit. e), über einen Nachweis der
Überlebensfähigkeit verfügen, der glaubhaft aufzeigt, dass die Finanzierung des
Unternehmens mit der Härtefallmassnahme gesichert werden kann (lit. f) und sich am
15. März 2020 nicht in einem Betreibungsverfahren für steuerrechtliche Forderungen
befunden haben, das nicht bereits durch eine Zahlung abgeschlossen oder für das
noch keine Zahlungsplanung vereinbart werden konnte (lit. g). Die
Härtefallmassnahmen können gewährt werden in Form von Solidarbürgschaften, nicht
rückzahlbaren Beiträgen oder einer Kombination von beidem. Für ungedeckte
Fixkosten werden nicht rückzahlbare Beiträge gewährt (Art. 5 Abs. 1 und 2 des
kantonalen Covid-Gesetzes). Kreditgesuche sind bis zum 31. August 2020 der
kreditgebenden Bank einzureichen und von der Bank bis zum 14. August 2020 dem
Kanton zur Prüfung (für die Solidarbürgschaft) zu übermitteln (Art. 7 Abs. 1 des
Gesetzes über die Gewährung von ergänzenden Krediten und Solidarbürgschaften
infolge des Corona-Virus, sGS 571.1). Härtefallmassnahmen werden auf Gesuch hin
gewährt (Art. 11 Abs. 1 des kantonalen Covid-Gesetzes).
3.2.2.
Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin die Voraussetzungen gemäss Art. 2 ff.
der Covid-19-Härtefallverordnung wie auch Art. 3 Abs. 1 lit. b sowie d bis f des
kantonalen Covid-Gesetzes zum Zeitpunkt der Gründung des Unternehmens, zur
Umsatzhöhe, zum Umsatzrückgang und zur Überlebensfähigkeit erfüllt. Fest steht
ferner, dass sie der anspruchsberechtigten Branche der Gastronomie angehört. Als
zwischen dem 1. November 2020 und 30. Juni 2021 für insgesamt mindestens 40 Tage
behördlich geschlossener Betrieb (Typ 3-Unternehmen) entfällt der Nachweis eines
Umsatzrückgangs von mindestens 40 Prozent sowie von ungedeckten Fixkosten. Die
4.1.
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bundesrechtlichen Voraussetzungen von Art. 4 Abs. 2 der Covid-19-
Härtefallverordnung zur Profitabilität und Überlebensfähigkeit werden von ihr ebenfalls
erfüllt. Sie befindet sich weder in Konkurs noch in Liquidation. Es ist auch kein
Bertreibungsverfahren für Sozialversicherungsbeiträge hängig.
Umstritten ist indessen, ob die Beschwerdeführerin per 30. September 2020
Arbeitsplätze im Umfang von wenigstens 100 Stellenprozent in der Schweiz aufwies,
wie in Art. 3 Abs. 1 lit. c des kantonalen Covid-Gesetzes verlangt wird. Mit dieser
Vorgabe soll sichergestellt werden, dass Betriebe, die unterstützt werden, eine gewisse
Mindestgrösse nicht unterschreiten, was durchaus sinnvoll ist. Die Beschwerdeführerin
betreibt die Y._-Bar in B._. Gemäss Website (... .ch) ist die Bar täglich (ausser
sonntags) ab 18.00 Uhr geöffnet. Dies erscheint jedoch aufgrund der eigenen Angaben,
wonach die Y._-Bar im Wesentlichen von der Veranstaltung einer Herbst- und
Winterfasnacht lebt (act. 7/1.1 sowie 7/1.6) und seit 2021 zusätzlich eine
Sommerfasnacht durchgeführt wird, nicht glaubhaft. Auch momentan (Website
aufgesucht am 1. April 2022) ist die Y._-Bar vorübergehend geschlossen. Auf den
27. Mai bis 16. Juli 2022 ist die Sommerfasnacht angekündigt.
Im Jahr 2019 erwirtschaftete die Beschwerdeführerin mit der Y._-Bar einen Umsatz
von CHF 99'457.19. Bei einem Aufwand von CHF 99'594.40 resultierte ein Verlust von
CHF 136.49. Der Personalaufwand betrug CHF 10'286.60 (act. 7/1.4), was mit der
gemeldeten beitragspflichtigen Lohnsumme von CHF 9'600 für das Jahr 2019
korrespondiert (act. 7/1.5). Dabei handelt es sich um den Lohn der einzigen
Angestellten R._, die gleichzeitig auch Geschäftsführerin ist und gemäss
Handelsregisterauszug in Z._ wohnt. Für das Jahr 2020 gab die Beschwerdeführerin
für die Winterfasnacht einen Umsatz von CHF 46'609.90 (per 10. März 2020) und für
die Herbstfasnacht einen Umsatz von CHF 33'990 (per 15. Dezember 2020) an (act.
7/1.6). Die gemeldete Lohnsumme betrug erneut CHF 9'600 (act. 7/1.5). Angesichts der
geringen Lohnsumme, der nicht ständigen Geschäftstätigkeit sowie der Höhe des
Umsatzes von nicht mehr als CHF 100'000 pro Jahr, welche aus wirtschaftlicher Sicht
kein volles Arbeitspensum zulässt, ist der Nachweis, dass die Beschwerdeführerin per
30. September 2020 eine Vollzeitstelle von 100 Prozent aufwies, nicht erbracht. Dass
der Umsatz insgesamt über der Mindestgrenze von CHF 50'000 pro Jahr gemäss den
bundesrechtlichen Vorgaben des Covid-19-Gesetzes liegt, vermag daran nichts zu
ändern. Unter diesem Aspekt wurde das Gesuch um Ausrichtung eines
nichtrückzahlbaren Beitrags zu Recht abgewiesen.
4.2.
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5.
Ohne nähere Begründung beantragt die Beschwerdeführerin, auf die Erhebung der
Gebühr von CHF 250 für die angefochtene Verfügung sei zu verzichten. Grundsätzlich
ist gestützt auf Art. 94 Abs. 1 VRP für jede Amtshandlung zum eigenen Vorteil die
vorgeschriebene Gebühr zu entrichten. Der Rahmen für eine Verfügung oder einen
Entscheid in einem Verwaltungsverfahren, sofern keine andere Gebühr festgelegt ist,
beträgt CHF 150 bis 2'300 (Nr. 20.12 des Gebührentarifs für die Kantons- und
Gemeindeverwaltung, sGS 821.5, GebT). Für den Fall eines negativen Bescheids
wurde in Art. 12 Abs. 2 lit. b des kantonalen Covid-Gesetzes zugunsten der
Gesuchsteller die vorgängige kostenlose Mitteilung per einfachem Brief vorgesehen.
Erst bei ausdrücklichem Verlangen nach Erlass einer anfechtbaren Verfügung soll eine
Gebühr erhoben werden.
Die Vorinstanz teilte der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 1. Dezember 2021 mit,
dass ihr Gesuch die Voraussetzung von Arbeitsplätzen von wenigstens 100
Stellenprozenten nicht erfülle. Gleichzeitig wurde sie darauf hingewiesen, dass eine
anfechtbare Verfügung kostenpflichtig sein werde (act. 7/3). Dieses Schreiben stellte
die in Art. 12 Abs. 2 lit. b des kantonalen Covid-Gesetzes vorgesehene kostenlose
Mitteilung per einfachem Brief dar. Die Beschwerdeführerin verlangte daraufhin
ausdrücklich einer (kostenpflichtigen) anfechtbaren Verfügung (act. 7/4.1), mit der
Folge, dass ihr nun zulässigerweise Gebühren auferlegt worden sind. Die konkrete
Höhe der ihr in Rechnung gestellten Gebühr von CHF 250 wiederum bewegt sich im
untersten Bereich des im GebT vorgesehenen Gebührenrahms und erweist sich ohne
weiteres als angemessen. Die Beschwerde ist daher auch in Bezug auf die
Gebührenerhebung abzuweisen.
Wie eingangs dargelegt, sind die Kantone sodann frei, strengere Voraussetzungen für
die Gewährung von Härtefallmassnahmen als der Bund zu erlassen. In Bezug auf die
Gewährung einer Solidarbürgschaft für ein rückzahlbares Darlehen ist die Frist für eine
Gesuchseinreichung (31. August 2020) sodann längst abgelaufen, weshalb auch unter
diesem Aspekt kein Anlass um Gewährung einer Härtefallmassnahme besteht.
Zusammenfassend hat die Vorinstanz das Gesuch um Gewährung von
Härtefallmassnahmen unter allen Titeln (nicht rückzahlbarer Beitrag und
Solidarbürgschaft für ein rückzahlbares Darlehen) mangels Erfüllung der gesetzlichen
Voraussetzungen zu Recht abgewiesen, womit die Beschwerde in diesem Punkt
abzuweisen ist.
4.3.
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6.
In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Auf die Erhebung von amtlichen
Kosten wird jedoch in der Regel gestützt auf Art. 97 VRP verzichtet, wenn eine
Rechtsfrage in einem Verfahren erstmals entscheiden wird (R. von Rappard-Hirt, in:
Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 7 zu Art. 97 VRP). Dem Verfahrensausgang
entsprechend – die Beschwerde ist vollumfänglich abzuweisen – sind die amtlichen
Kosten – von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Angemessen ist
vorliegend eine Entscheidgebühr von CHF 1'500 (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Da zur vorliegenden Frage im
Zusammenhang mit Härtefallmassnahmen für Unternehmen aufgrund der Covid-19-
Gesetzgebung erst wenige Entscheide des Verwaltungsgerichts ergangen und
publiziert worden sind, rechtfertigt es sich, ausnahmsweise auf die Erhebung der
Kosten zu verzichten (Art. 97 VRP).
Der Vorinstanz steht kein Kostenersatz zu (vgl. VerwGE B 2017/59 vom 23. März 2018
E. 7 mit Hinweis auf R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St. Gallen 2004, S. 176 ff.). Sie hat denn auch
zu Recht keinen Entschädigungsantrag gestellt.