Decision ID: 6d8bcbce-9fef-4295-918f-8497dee44033
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1967 geborene
X._
, welche in ihrem Heimatland
Biologie stu
diert und
in diesem Fach
unterrichtet
hatte
(
Urk.
8/1/11
-15
), reiste 1995 in die Schweiz ein und war ab 2004 als Hauswartin
und ab Dezember 2006
zusätzlich als Reinigungsangestellte
täti
g (
Urk.
8/1/17, Urk. 8/6/2, Urk.
8/9 und
Urk.
8/11
). Am 28.
August 2012
(Eingangsdatum)
meldete sie sich unter Hinweis auf
kör
perliche und seelische
Schmerzen nach einer zahnärztlichen Behandlung
b
ei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leis
tungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
8/2). Die IV
Stelle klärte die erwerb
lichen und medizinischen Verhältnisse ab und
liess die Versicherte
po
lydiszipli
när
begutachten
(Urk.
8/15
). Die Begutachtungsstelle Y._
erstattete das Gutachten am 1
4.
O
ktober 2013 (
Urk.
8/23). Am 2
4
.
Februar 2014 wurde das Gutachten
auf Veranlassung
der IV-Stelle ergänzt (
Urk.
8/28). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vor
b
escheid vom 1
5.
Juli 2014
,
Urk.
8/31
; Einwand vom
5.
August 2014,
Urk.
8/32;
Einwandergänzung
vom 1
5.
Oktober 2014, Urk. 8/35
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2.
Februar 2015 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
2 [=
Urk.
8/38]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 2
7.
Februar 2015 Beschwerde und beantragte, es seien der Vorbescheid vom 1
5.
Juli 2014 sowie die Verfü
gung vom
2.
Februar 2015 aufzuheben
,
und es sei ihr spätestens ab dem 1. Februar 2013 eine ganze Rente der Invalidenve
rsicherung zuzusprechen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerde
antwort vom 1
5.
April 2015 (
Urk.
7) schloss die
Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde, was der
Beschwerdeführe
rin am 2
4.
April 2015
angezeigt wurde
(
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungs
rechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2.2
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerz
störung begründet als solche noch keine Invalidität. Nach der bisherigen Rechtsprechung bestand eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind.
Danach konnten bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügte. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vorder
grund stand die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein konnten auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheits
verlauf
mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdau
ernde Rückbildung; ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des
Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer
innerseeli
scher
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konflikt
bewältigung
(primärer Krankheitsgewinn; „Flucht in die Krankheit"); ein
unbe
friedigendes Behandlungsergebnis
trotz konsequent durchgeführter ambu
lanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem the
rapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhan
dener Motiva
tion und Eigenanstrengung (kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutrafen und je ausgeprägter sich die entspre
chenden Befunde darstellten, desto eher waren - ausnahmsweise - die Voraus
setzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
1.2.3
Mit zur Publikation bestimmtem Urteil 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015 hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursache und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 und anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE 130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuhalten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein strukturiertes
Beweisver
fahren
ersetzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG
ausschliessliche Berück
sichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objek
tivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweislast der
rentenan
sprechen
den
Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG)
ändert sich dadurch nichts. An die Stelle des bisherigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerz
störung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) treten im Regelfall beacht
li
che Standardindikatoren. Diese lassen sich in die Kategorien
Schwere
grad
und Konsistenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des pri
mären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komorbi
dität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur. Recht und Medi
zin wirken sowohl bei der Formulierung der Standardindikatoren wie auch bei deren
-
rechtlich gebotener
-
Anwendung im Einzelfall zusammen. Im Grunde konkretisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehens
weisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetz
geberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die Anerkennung eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchs
grundlage
im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die mate
riell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht im erwähnten Leitentscheid 9C_492/2014 wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern Indizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechts
pflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
1.6
Gemäss
altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten zu den
somatoformen
Schmerzstörungen verlieren nicht per se ihren Beweiswert.
Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegeben
heiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstel
len auf die vorhandenen Beweisgrund
lagen vor Bundesrecht standhält.
In sinn
gemässer Anwendung auf die nunmehr materiell-beweisrechtlich geänder
ten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen
administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigen
gutachten - gegebe
nenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten - eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht
(
Urteil
9C_492/2014 vom
3.
Juni 2015
E. 8., mit Hinweis)
.
2.
2.1
Den nachfolgenden Erwägungen ist vorauszuschicken, dass der Vorbescheid vom 15. Juli 2014 nicht mit Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht anfechtbar ist und es damit
insoweit
an einem gültigen Anfechtungsobjekt fehlt. Gegenstand der nachfolgenden Erwägungen bildet einzig die Verfügung vom 2. Februar 2015.
2.2
Die Beschwerdegegnerin hielt
in der Verfügung vom 2. Februar 2015
zusammen
gefasst fest, aus somatischer Sicht könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden. Weder in der neurologischen noch in der kieferchirurgischen Untersuchung
habe
ein organisches Korrelat zu den
Beschwerden
gefunden werden können. Auch aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(Urk. 2)
.
2.3
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
ein,
der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) habe die gutachterliche Einschätzung de
r Arbeitsfähig
keit als plausibel
beurteilt (Urk. 1
S. 11
).
Es liege ein organisches Korrelat zu
r Schmerzsituation und damit kein sogenannter
Päusbonog
-Fall
vor
.
Die
Über
windbarkeitsvoraussetzungen
seien damit nicht zu prüfen. Selbst
wenn diese zu prüfen wären, wäre eine Überwindbarkeit zu verneinen, da bei der Beschwer
deführerin nachweislich eine von der Schmerzstörung losgelöste psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Dauer, Intensität und Ausprägung vor
liege. Dies sei durch die Gutachter
der Stelle Y._
wie auch durch den RAD bestätigt worden (
Urk.
1 S. 16).
Der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin behaupte ohne plausible Begründung
das Gegenteil
.
Seit dem 1
9.
August 2014 befinde sie sich
ausserdem
auf Anraten der Gutachter wieder in psychiatrischer Behandlung bei
Dr.
med.
Z._
. Dieser habe ihr eine länger andauernde mittelgradige depressive Störung attestiert
(Urk. 1 S. 12
ff.).
3.
3.1
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass bei der Beschwerdeführerin im Anschluss an eine missglückte zahnärztliche Behandlung im Jahr 2009 eine Schmerzproblematik entstand und sie in der Folge eine depressive ängstliche Symptomatik entwickelte. Vom 2
8.
Oktober bis 2
3.
November 2010 stand sie deswegen erstmals in psychiatrische
r
Behandlung bei
Dr.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (
Urk.
8/1/8). Ab Februar 2011 (
Erstkonsul
tation
) wurde sie im Zentrum
A._
zahn
ärztlich und von März 2011 bis September 2012 psychiatris
ch behandelt, und zwar durch B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (
Urk.
8/12/5-7,
Urk.
8/23/32 und
Urk.
8/12/3-5).
3.2
Im Bericht des Zentrums
A._
vom 13./1
5.
November 2012 wurde hinsichtlich allfälliger Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf einen beigelegten Bericht von
Dr.
B._
vom 2
2.
März 2012 verwiesen und bemerkt, dass wegen der psychiatrischen Diagnosen ein Gutachten empfohlen werde, da
Dr.
B._
nicht mehr im Zentrum
A._
angestellt sei. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden eine
Prothe
senunverträglichkeit
, ein
Burning
Mouth
Syndrom sowie eine
Tendomyopathie
der Kaumuskulatur angeführt (
Urk.
8/12/1-4).
3.3
Dr.
B._
diagnostizierte im genannten Bericht vom 2
2.
März 2012 eine chroni
sche Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) und eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) bei Status nach ungünstiger Zahnbehandlung mit prothetischer Neuversorgung in Oberkiefer und Unterkiefer bei Prothesenunverträglichkeit mit Mundbrennen, einen Status nach schwerer depressiver Episode (ICD-10 F32.2) vom Anfang der Therapie im Haus (
2.
März 2010 [richtig: 2011]) sowie einen Verdacht auf eine posttrauma
tische Belastungsreaktion (
Urk.
8/12/5-7). Angaben zur Arbeitsfähigkeit machte
Dr.
B._
nicht.
3.4
Das von der
Beschwerdegegnerin
eingeholte polydisziplinäre
Y._
-
Gutachten vom 14. Oktober 2013
(Urk. 8/23)
beruht auf internistischen, neurologischen, kiefer
chirurgischen
und psychiatrischen Untersuchungen und wurde am 2
4
. Februar 2014 kieferchirurgisch ergänzt
(Urk. 8/28),
Im
Rahmen der Gesamtbeurteilung
wurden die
folgende
n
Diagnose
n
mit Ein
fluss auf
die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 8/23/23):
Chronisches Schmerzsyndrom mit Prothesenunverträglichkeit und Mundbrennen (Q9, L2)
Hyperalgesie
Nervus
alveolaris
inferior links (G50.9)
Mittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F32.1)
Undifferenzierte
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.1)
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Sonstige Reaktion auf schwere Belastung (ICD
-
10 F43.8)
Verdacht auf Akzentuierung der Persönlichkeit (
histrionische
Persönlich
keitszüge
) (ICD-10 Z73.1)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden
die folgenden
genannt (Urk. 8/23/24):
Hautausschlag im
seborrhoischen
Gesichtsbereich, sowie im Hals- und Dekolletee-Bereich sowie im Handbereich (Finger) unklarer
Aetiologie
Verdacht auf diskrete akute Arthritis linkes Knie unklarer
Aetiologie
Status nach
Sectio
bei der Geburt der Tochter
Die Gutachter
attestierten
der
Beschwerdeführerin aus gesamtmedizinischer Sicht
eine Arbeitsfähigkeit von 2-3 Stunden täglich. Auch während dieser Zeit müsse sie die Möglichkeit für Pausen haben. Dies gelte für alle Tätigkeiten. Durch das psychische Beschwerdebild sei die Beschwerdeführerin in ihrer Funk
tionsfähigkeit deutlich eingeschränkt. Die beobachtete emotionale Instabilität und auch die Unfähigkeit, sich selber wieder in einen adäquaten Zustand zu versetzen, setze ihre Gruppen- und Kontaktfähigkeit in starkem Masse herunter. Durch Erschöpfbarkeit und emotionale Instabilität sowie Selbstzweifel dürften auch Durchhaltefähigkeit und Selbstbehauptungsfähigkeit deutlich einge
schränkt sein. Das gesamte depressive Syndrom führe zu einer verringerten Stressbelastung, die kognitiven Störungen zu einer eingeschränkten Fähigkeit zur Planung und Strukturierung. Auch die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sei sicherlich durch das depressive Syndrom in Mitleidenschaft gezogen. Die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit bestehe seit Beginn der Zahnbehand
lungen. Die Arbeitsfähigkeit habe in der Zwischenzeit nie über das genannte Mass hinaus gesteigert werden können (Urk. 8/23/27).
4.
4.1
Das polydisziplinäre
Y._
-Gutachten vom 14. Oktober 2013
(
Urk.
8/23,
inkl. Ergänzung vom 2
4.
Februar 2014; Urk. 8/28)
basiert auf fachärztlichen Unter
suchungen, wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung
mit den Vorakten sowie insbesondere auch unter Berücksichtigung der geklag
ten
Beschwerden erstattet. Auf die Schlussfolgerung der Gutachter, wonach bei der Beschwerde
führerin eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe, kann indessen aus den nachfolgenden Gründen nicht abgestellt werden.
4.2
4.2.1
Vorauszuschicken ist, dass nach der Rechtsprechung die Aufgaben von
Rechts
an
wender
und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt sind: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es, den Gesund
heitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersu
chung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt der Arztperson hinge
gen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die
Arzt
person
zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst, sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können. Nötigenfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Unterlagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung einzuschalten (BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen).
Weil die Arbeitsfähigkeit somit keine medizinische, sondern eine rein juristische Frage ist, können sich Konstellationen ergeben, bei welchen von der im medizi
nischen Gutachten festgestellten Arbeitsunfähigkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verlöre (Urteil des Bundesgerichtes 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.2
.2
Weiter
ist zu bemerken, dass im Gebiet der Invalidenversicherung ganz allge
mein der Grundsatz "(Selbst-)Eingliederung vor Rente" gilt. Danach hat die versi
cherte Person von sich aus das ihr Zumutbare zur Verbes
serung der Erwerbsfä
higkeit beizutragen, in erster Linie durch Aus
schöpfung sämtlicher zumutbarer medizi
nischer Behandlungs- und weiterer
therapeuti
scher Möglich
keiten
(vgl. BGE 127 V 298 E. 4.b.cc
und BGE 113 V 22 E. 4a je mit Hinweisen).
4.3
4.3.1
Zunächst ist auf die im Gutachten aus somatischer Sicht attestierte
Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit einzugehen. Eine solche wurde von den Fach
ärzten für Neurologie und Kieferchirurgie attestiert (eine separate Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit des Internisten liegt nicht vor).
4.3.2
Der neurologische Gutachter führte
im neurologischen Fachgutachten vom 10. Juli 2013 (
Urk.
8/23/19-22) im Wesentlichen
aus, es bestehe aus seiner Sicht kein Hinweis für eine fokale Verletzung peripherer Hirnnerven. Auch im Bereich der unteren Zahnleiste, wo der erste operative Eingriff durchgeführt worden sei und die Schmerzen zuerst aufgetreten seien, fänden sich im neurologischen Status keine Zeichen für eine fokale Verletzung eines grösseren Astes des
Ner
vus
mandibularis
. Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Auftreten des Schmerzsyndroms und der unmittelbar vorangegangenen operativen
Zahnsa
nierung
lege jedoch einen Kausalzusammenhang nahe
(Urk. 8/23/
45
).
Dabei könnte es sich bei den Schmerzen einerseits um somatische Schmerzen nach Traumatisierung des Periosts/Knochens sowie des Zahnwurzelbereiches und der Schleimhaut handeln. Dennoch deute der brennende Charakter des Schmerzes zumindest teilweise auf eine primär neurogene Ursache hin. Rein hypothetisch könnte eine Schädigung kleinster Nervenendigungen postuliert werden, die auf
grund unklarer Mechanismen im Gefolge der Zahnintervention
dysfunktionell
geworden seien. Möglich sei auch, dass eine über längere Zeit schlecht sitzende Zahnprothese zu einer druckläsionsbedingten Dysfunktion oberflächlicher feiner Nervenendigungen geführt habe, wobei man bei diesem
Pathomechanismus
auch (transiente)
Mukosadruckläsionen
erwarten würde, welche momentan nicht ersichtlich gewesen seien. Diesbezüglich sei jedoch explizit auf das
kiefer
chirurgische
Gutachten verwiesen. Neben den Hauptschmerzen entlang der unteren vorderen Zahnleiste gebe die Beschwerdeführerin auch brennende Schmerzen im Bereich der gesamten Mundhöhle an, wobei die Zunge relativ weniger betroffen sei als beispielsweise die Wangenschleimhaut oder der harte Gaumen. Es scheine sich hierbei um eine Variante des sogenannten „
Burning
-
Mouth
-Syndroms“ zu handeln, wie wohl die klassische Trias dieses Syndroms (brennender Schmerz, vor allem der Zunge,
Xerostomie
,
Dysgeusie
) nicht vor
handen sei (
Urk.
8/23/45-46).
Paroxetin
habe anamnestisch zu einer gewissen Symptomlinderung geführt, welche auch nach dem Absetzen
dieses Medika
mentes
angehalten habe. Bemerkenswert sei, dass sich die anamnestisch mit VAS 8-9 angegebenen
Schmerzexazerbationen
auf 500
mg
Panadol
linderten. Neuropathische Schmerzen von dieser Intensität sprächen hö
c
hst selten auf niedrig dosiertes Paracetamol an. Die Tatsache, dass dies bei der Beschwerde
führerin der Fall sei, möge darauf hindeuten, dass eine zusätzliche
Schmerzver
arbeitungsstörung
vorliege, wobei diesbezüglich jedoch auf das psychiatrische Fachgutachten verwiesen werde.
Zusammenfassend könne gesagt werden, dass die
enoralen
Schmerzen zumindest teilweise neurogenen Schmerzen entsprä
chen, wobei kein Hinweis für eine Läsion eines grösseren Nervenastes bestehe. Nur teilweise entsprächen diese Schmerzen phänomenologisch den sogenannten
Burning-Mouth-Sensations
, welche als Entität schlecht definiert seien und deren Ursprung unklar sei (Urk. 8/23/46).
Von rein neurologischer Seite
her
sei aufgrund der chronischen
enoralen
Schmerzen die physische und psychische Belastbarkeit der Beschwerdeführerin
vermindert. Dies begründe eine um 30 % verminderte Arbeitsfähigkeit für Arbeiten leichter, mittlerer und schwerer
Art.
Die Beschwerdeführerin stehe medikamentösen Therapien eher kritisch gegenüber, wolle sie doch nicht „von Medikamenten abhängig“ sein. Dennoch wäre eine Therapie mittels eines niedrig dosierten Antidepressivums, welches nicht von einer Gewichtszunahme begleitet sei, in Erwägung zu ziehen. Des Weiteren scheine
Pregabalin
(Schmerzmedikament)
wohl zu früh wegen Ineffi
zienz gestoppt worden zu sein, habe die damalige Dosis doch bloss 75 mg täg
lich betragen (Urk. 8/23/21).
4.3.3
Der kieferchirurgische Gutachter hielt
in seinem kieferchirurgischen
Fach
gutach
ten
vom 2
0.
August 2013 (
Urk.
8/23/22-23)
fest, die Beschwerde
führe
rin könne die Zahnprothese nur für circa 4-6 Stunden tragen. Mit dem Tragen der Prothese werde das Brennen verstärkt. Bei Anstrengung sowie bei psychi
scher Belastung (Emotion
) komme es zu einer Verstärkung des
Beschwer
debildes
mit begleitenden Kopfschmerzen. Klinisch zeigten sich intakte anato
mische Verhältnisse im Bereiche des Oberkiefers, so dass die Oberkieferprothese über einen guten Halt verfüge. Im Unterkiefer links bestehe eine deutliche
Berührungs
empfindlichkeit
(Hyperalgesie). Aus diesem Grund sei die UK-Pro
these weichbleibend unterfüttert. Die Sensibilität im Ausbreitungsgebiet des Tri
geminus sei erhalten und symmetrisch (Urk. 8/23/22).
In der Position 23 bestehe ein wurzelkanalbehandelter Wurzelrest, der radiologisch sich unauffällig dar
stelle. Im Unterkiefer sei insbesondere die Atrophie des
Alveolarfortsatzes
fort
geschritten. Es zeigten sich hier zwei wurzelkanalbehandelte Wurzelreste in Position 43 und 44, keine apikalen Läsionen aufweisend. Im Unterkiefer links sei eine kleine zystische Läsion apikal bei 33 zu erkennen. Differential
diagnostisch sollte eine chronische Osteomyelitis ausgeschlossen werden, die das chronische Schmerzsyndrom zumindest teilweise erklären könnte (
Urk.
8/23/48-49).
Unter Berücksichtigung der aktuellen klinischen und radiolo
gischen Befunde und unter Einbezug der Anamnese sei die Beschwerdeführerin nur sehr eingeschränkt arbeitsfähig. Es könne eine maximale Arbeitsfähigkeit von 20 % attestiert werden, verteilt auf die Wochentage. Limitierender Faktor sei hier die Exazerbation des Beschwerdebildes unter körperlicher Anstrengung und bei emotionaler Belastung. Da die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland offensichtlich eine intellektuell anspruchsvolle Tätigkeit ausgeübt habe, sei zu erwägen, ob durch eine Umschulung eine Verbesseru
ng der Arbeitsfähigkeit erreich
t werden könnte. Aus seiner Sicht würde die Beschwerdeführerin zusätz
liche Anstrengungen unternehmen, um ihre Position auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.
Aktuell stehe die medikamentöse Behandlung des chronischen Schmerzsyndroms im Vordergrund. Die analgestische Therapie der Beschwer
deführerin sei ausgebaut, eine psychologische Betreuung sei etabliert worden. Durch die Insertion von Zahnimplantaten könnte die prothetische Situation ein
deutig verbessert werden. Zahnärztlich-chirurgische Massnahmen sollten aber erst nach deutlicher Besserung des Schmerzsyndroms angedacht werden.
Prog
nostisch sei kaum eine Verbesserung des Schmerzsyndroms zu erwarten. Opti
mistisch könne, eventuell nach Modifikation der Medikation, mit einer positiven Modulation des Beschwerdebildes gerechnet werden. Viele Faktoren könnten dazu beitragen: psychologische Betreuung, Modifikation der Medikation, psy
chosoziale Faktoren, zahnärztlich-prothetische Versorgung (Urk. 8/23/23).
In der kieferchirurgischen Ergänzung zum Gutachten vom 2
4
. Februar 2014 wurde ausgeführt, die Befunde zur SPECT-CT Untersuchung vom 19. Februar 2014 lägen vor. Es zeigten sich keine Mehran
reicherungen im Bereiche des Gesichts
schädels, insbesondere was die Defektzone des linken Unterkiefers betreffe. Eine chronische Osteomyelitis des Unterkiefers als mitverursachender Faktor des Schmerzsyndroms könne somit ausgeschlossen werden. Die kieferchirurgische Beurteilung bleibe unverändert (Urk. 8/28/4).
4.3.4
Es kann festgehalten werden, dass der neurologische sowie der
kieferchirurgi
sche
Y._
-Gutachter somatische Faktoren der geklagten Schmerzen zwar in Betracht zogen. Sie konnten die Schmerzen im geltend gemachten Ausmass aufgrund der von ihnen erhobenen neurologischen und kieferchirurgischen Befunde aber letztlich nicht hinreichend erklären. Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte der neurologische Gutachter dementsprechend chronische Schmerzen „unklarer Ätiologie“ im Bereich der unteren Zahnleiste bei
Burning-Mouth-Sensations
an (
Urk.
8/23/44-45). Der kieferchirurgische Gutachter erhob zwar nebst einem chronischen Schmerzsyndrom mit
Prothe
senunverträglichkeit
und Mundbrennen eine Hyperalgesie
Nervus
alveolaris
inferior links (Urk. 8/23/48). Hierbei handelt es sich aber um eine neurologische und damit fachfremde Diagnose, welche im neurologischen Fachgutachten keine Bestätigung findet. Der neurologische Gutachter wies vielmehr darauf hin, dass neuropathische Schmerzen in der geklagten Intensität höchst selten auf niedrig dosiertes Paracetamol ansprächen, was laut den Angaben der Beschwer
deführerin jedoch bei ihr der Fall gewesen sei (Urk. 8/23/46). Hinzuweisen ist sodann auch auf die Bemerkung des kieferchirurgischen Gutachters, wonach
diffentialdiagnostisch
eine chronische
Osteomylitis
, „die das chronische
Schmerz
syndrom
zumindest teilweise erklären könnte“, ausgeschlossen werden müsste (
Urk.
8/23/49), was er in der Folge aufgrund der ergänzenden Abklärun
gen denn auch tat (
Urk.
8/28). So oder so benannten der neurologische und der kieferchirurgische Gutachter mit ihren Diagnosen letztlich einen blossen Schmerzzustand resp. eine Berührungsempfindlichkeit unklarer Ätiologie. Dass eine somatische Ursache der Schmerzen zumindest nicht im Vordergrund steht, ergibt sich auch aus den Angaben der Beschwerdeführerin selbst.
Anlässlich der Begutachtung gab sie
nämlich
an, die Schmerzen nähmen unter Stress und Angst zu und linderten sich, wenn sie spazieren gehe oder sich entspanne und geniesse, wie beispielsweise vor zwei Jahren, als sie zweiwöchige Ferien auf Elba verbracht und die Natur genossen habe, was die Schmerzen auf ein erträg
liches Mass reduziert habe (Urk. 8/23/42).
In Anbetracht dessen
äusserte denn
d
er neurologische Gutachter
(
aus somatischer Sicht
)
Zweifel an der Stärke der angegebenen Schmerzen
und
zog
eine zusätzliche
Schmerz
verarbeitungs
störung
in Betracht
(vgl. E. 4.3.2)
.
Der kieferchirurgische Gutachter liess in seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit offensichtlich fachfremde Faktoren einfliessen. Als limitierenden Faktor be
zeich
nete er die Exazerbation des Beschwerdebildes unter körperlicher An
strengung und bei emotionaler Belastung.
Weder der neurologische noch der kieferchirurgische Gutachter haben ihre Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit jedoch mit eigentlichen - neurologi
sch und/oder kieferchirurgisch
bedingten - funktionellen Defiziten begründet. Es ist der Beschwerdegegnerin resp. ihrem Rechtsdienst daher darin beizupflichten, dass aufgrund der gutachterlichen Feststellungen keine – rein – somatisch bedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin angenommen werden kann. Dies gilt umso mehr, als im Bericht des Zentrums
A._
vom 13./15 November 2012 (vgl. E. 3.2) keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhoben worden waren und kein Grund zur Annahme besteht, dass sich die neurologischen resp. kieferchirurgischen Befunde seither verschlechtert haben könnten. Hinzu kommt, dass die
Medikation
im Zeitpunkt der Begutachtung
von beiden
Gutachtern
als ungenügend eingeschätzt
wurde
, weshalb sie eine medikamentöse Behandlung anregten.
In der Tat gab die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung an, sie habe vor einem Jahr alle Medikamente gestoppt. Aktuell nehme sie selten
Panadol
oder
Dafalgan
bei Kopfschmerzen (Urk. 8/23/15).
4.4
4.4.1
Aus psychiatrischer Sicht wurde der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit im Umfang von 3 Stunden täglich attestiert (Urk. 8/23/19). Auf den ps
ychischen Gesundheitszustand der
Beschwer
deführerin
ist deshalb im Nachfolgenden ein
zugehen.
4.4.2
Der psychiatrische Gutachter
erhob
in seinem
Teilgutachten vom
20. Juli 2013
(
Urk.
8/23/30-38) den folgenden Befund:
Die Beschwerdeführerin sei
bewusst
seinsklar
und zu allen Qualitäten vollständig orientiert. Auffassung, Konzentra
tion und Gedächtnis seien zu Beginn der Untersuchung unauffällig. Nach der heftigen emotionalen Reaktion beim Berichten über ihre Zahnbehandlung
fielen
allerdings die Konzentrations- und Gedächtnistests schlecht aus. Die serielle Subtraktion von 100-7 gelinge ihr nur langsam und auch nicht fehlerfrei, sie könne auch nach 10 Minuten nur 2 von 3 Begriffen memorieren. Das formale Denken sei zu Beginn völlig geordnet, später häufig danebenredend, fixiert auf die Schmerzdarstellung, teilweise auch locker assoziierend und weit ausholend. Es bestünden keine Befürchtungen, kein Wahn, keine Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Affektiv wirke die Beschwerdeführerin agitiert, deprimiert, reiz
bar und
emotional instabil. Sie beklag
e gestörte Vitalgefühle, sei teilweise aber auch
klagsam
und etwas theatralisch, mache sich Selbstvorwürfe und habe Schuldgefühle. Der Antrieb sei anamnestisch verringert. Nach ihren Angaben bestehe ein sozialer Rückzug. Sie habe keine Schlafstörungen, der Appetit sei vermindert, sie habe Schmerzen beim Essen. Sie gebe Schmerzen im Bereich des Mundes an, die sie als brennend wie Feuer bezeichne (Urk. 8/23/34
-35
).
Zu den von ihm erhobenen Diagnosen hielt der psychiatrische Gutachter im Wesentlichen fest, das komplexe Beschwerdebild sei nur durch eine Kombina
tion mehrerer psychischer Störungen abzubilden. Im Vordergrund stehe sicher
lich eine agitierte depressive Erkrankung, die als mittelgradige depressive Episode zu verschlüsseln sei. Im aktuellen Beschwerdebild und der
Schmerz
wahrnehmung
spielten psychische Faktoren
sicherlich eine Rolle. Sie formuliere selber, dass Stress, Belastung und Angst den Schmerz erhöhten, und nenne dafür Beispiele. Insbesondere aber die Biographie der Beschwerdeführerin lasse auch eine somatoforme Komponente des aktuellen Schmerzgeschehens ver
muten. Sie betone immer wieder ihre intellektuelle Leistungsfähigkeit im Kosovo, ihre gute Ausbildung und die Tätigkeiten im Kosovo sowie ihre Ambitionen, als sie in die Schweiz gekommen sei. Leider hätten sich diese Ambitio
nen in der Schweiz aber bereits vor Beginn der Zahnbehandlung nicht verwirk
lichen lassen. Es seien Selbstwertprobleme zu vermuten, als die leistungsorien
tierte und motivierte Beschwerdeführerin als Reinigungsfrau habe
arbeiten müssen. Dies habe hypothetisch zu einer Selbstwertdestabilisierung noch vor Beginn der ungünstig verlaufenen Zahnbehandlung geführt. Die Beschwerde
führerin habe auch selbst formuliert, es sei nicht leicht gewesen, von der Gymnasiallehrerin zur Hausfrau zu wechseln. Direkt danach habe sie gesagt, alles sei zerstört. Diese Zerstörung habe sie dann aber wieder an die Zahnbe
handlung attribuiert und nicht an die nicht-anerkannten Abschlüsse aus dem Kosovo und die Umstände in der Schweiz. Beim komplexen Schmerzsyndrom spielten deshalb sowohl organische als auch psychische Faktoren eine Rolle, was in der Diagnose ICD-10 F45.41 abzubilden sei (
Urk.
8/23/36-37). In der Untersuchung sei teilweise auch der Eindruck entstanden, seelischer Schmerz über den Tod der Mutter und Mundbrennen seien eng miteinander verbunden (Urk. 8/23/18). Die Hauterscheinungen würden auch
dermatologischerseits
laut Aktenlage eher psychosomatisch eingeordnet. Hier sei zusätzlich die Diagnose einer undifferenzierten
Somatisierungsstörung
zu stellen.
Sodann führte der psychiatrische Gutachter aus, die Beschwerdeführerin wirke während der Untersuchung traumatisiert. Sowohl die chronischen Schmerzen als auch die Fehlbehandlung durch den Zahnarzt schienen hier eine Rolle zu spielen.
Sodann scheine auch die zahnärztliche Behandlung am Tag des Todes der Mutter
zur Traumatisierung beigetragen zu haben. Teilweise gewinne man den Eindruck, seelischer Schmerz über den Tod der Mutter und Mundbrennen seien eng miteinander verbunden. Typische geforderte Symptome für eine post
traumatische Belastungsstörung seien aber nicht in Gänze zu finden (z.B. Flash
backs). Auch sei der
Traumabegriff
in der ICD-10 sehr eng, so dass keine klassische posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert werde, sondern auf eine sogenannte Restkategorie
, eine sonstige Reaktion auf eine schwere Belastung,
ausgewichen werde
. Die ungünstig verlaufene Zahnbehandlung sei sicherlich als schwere Be
lastung
anzusehen
(Urk. 8/23/37).
4.4.3
Angesichts des vorstehenden Befundes
sowie der weiteren Feststellungen des psychiatrischen Gutachters
erscheinen die
psychiatrischen
Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Episode
(ICD-10 F32.1), einer undifferenzierten
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.1), einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41),
einer sonstigen Reak
tion auf eine schwere Belastung
(ICD-10 F43.8)
sowie des Verdachts auf Akzentuierung der Persönlichkeit (
histrionische
Persönlichkeitszüge
,
ICD-10 Z73.1)
im Zeitpunkt der Begut
ach
tung nach
vollziehbar.
Anzumerken ist, dass eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung gemäss ICD-10 F45.4 lediglich voraussetzt, dass die geklagten Beschwerden – wie hier – organisch nicht hin
reichend erklärbar sind. Deshalb schlösse eine teilweise organische Ursache
entgegen der von der Beschwerdeführerin offenbar vertretenen Auffassung
(Urk. 1 S. 11) - eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung nicht aus (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_983/2013 vom 20. Juni 2013 E. 3.2.4 mit Hin
weisen).
4.4.
4
Depressive „Episoden“ sind definitionsgemäss vorübergehender Natur und ha
ben
deshalb, zumindest wenn sie leicht bis mittelschwer sind, gemäss der
bun
des
ge
richtlichen
Rechtsprechung in der Regel keine invalidisierende Wirkung.
Die Beschwerdeführerin brachte im Beschwerdeverfahren vor, aktuell werde ihr von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
eine länger andauernde mittelgradige depressive Störung attestiert. Sie befinde sich in regelmässiger psychiatrischer Behandlung
. Am 19. August 2014 habe sie mit der Behandlung wieder begonnen
(Urk. 1 S. 16)
.
Dazu ist zu bemerken, dass die invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven „Störung“ nach der Rechtsprechung zwar nicht schlechthin auszuschliessen ist. Deren Annahme bedingt indessen jedenfalls, dass es sich dabei um ein selbständiges, von all
fälligen psychosozialen Belastungsfaktoren losgelöstes depressives Leiden han
delt (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014 E.
5.2 und 9C_140/2014 vom 7. Januar 2015 E. 3.3, je mit Hinweisen). Überdies ist erforderlich, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom 3. April 2014 E. 4.2 und 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1).
Im Gutachten finden sich mehrere Hinweise auf
invaliditätsfremde psychoso
ziale Faktoren
(BGE 127 V 294). So wurde im psychiatrischen Gutachten darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin auf die eröffnende Frage nach ihren aktuellen Beschwerden mit ihrer Biographie, mit ihrem Werdegang, mit ihren guten Leistungen an der Uni und auch mit der Enttäuschung, dass der Krieg im Kosovo ihr viele Möglichkeiten verwehrt habe, begonnen habe (
Urk.
8/23/34). Der psychiatrische Gutachter bemerkte, dass die nicht anerkannten Abschlüsse der Beschwerdeführerin aus dem Kosovo und die Umstände in der Schweiz (Arbeit als Reinigungsfrau trotz intellektueller Leistungsfähigkeit und guter Ausbildung) vermutungsweise schon vor Beginn der ungünstig verlaufenen Zahn
behandlung zu einer Selbstwertdestabilisierung geführt hätten (
Urk.
8/23/36). Im Weiteren erwähnte er, in
der Untersuchung sei teilweise auch der Eindruck entstanden, seelischer Schmerz über den Tod der Mutter und Mundbrennen seien eng
miteinander verbunden (Urk. 8/23
/
37
).
Auch der
kiefer
chirurgische
Gutachter ging davon aus, – nebst anderen Faktoren – könnten psychosoziale Faktoren zu einer positiven Modulation des Beschwerdebildes beitragen (Urk. 8/23/50).
In der Gesamtbeurteilung
hielten
die Gutachter
schliesslich fest, die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit müsse unter Einbezug der psychiatrischen Problematik erfolgen, da hier eine komplexe Interaktion der somatisch begründbaren Schmerzen mit der gesamten psychischen (so
zialen/be
ruflichen) Situation vorliege (Urk. 8/23/25).
Am rechtlich vorausgesetzten Kausalzusam
menhang mit einer selbständigen Gesu
ndheitsschädigung fehlt es
jedoch
, solange noch zu erwarten ist, dass mit einem Wegfall der belastenden Lebens
umstände unmittelbar auch die (somit nicht verselbständigte) psychische Stö
rung verschwinden werde.
Dafür bestehen vorliegend deutliche Anhaltspunkte, zumal die
zweiwöchige
n
Ferien auf Elba die Schmerzen auf ein erträgliches Mass
reduzierten
(
E. 4.3.4;
Urk. 8/23/42).
Die Ferien seien gut verlaufen und hätten ihr gut getan (Urk. 8/23/15).
Offensicht
lich
verschwinden bei eine
m Ausbruch aus den gewohnten Verhältnissen und den damit verbundenen Belastungen die Schmerzen und die depressive Symp
tomatik fast v
ollständig
.
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin die ihr zumutbaren Massnahmen zur Behandlung der depressiven Symptomatik fraglos bislang nicht optimal und nach
haltig ausgeschöpft hat.
Im Zeitpunkt der Begutachtung
hatte die Beschwer
deführerin
nämlich
bereits seit einem Jahr keine Psychopharmaka mehr eingenommen und war auch seit
über
einem halben Jahr nicht mehr in psychiatrischer Behandlung (
Urk.
8/12/3,
Urk. 8/23/15 und Urk. 8/23/19). Der psychiatrische Gutachter hielt fest, die Beschwerdeführerin brauche dringend mindestens eine psychotherapeutische, eventuell auch eine
pharmako
therapeu
tische
Behandlung. Er halte den jetzigen psychischen Zustand nicht für einen Endzustand. In spätestens zwei Jahren sollte sowohl nach erfolgter, aber auch nach nicht-erfolgter Therapie eine
Reevaluation
der psychiatrischen Arbeitsfä
higkeit
vorgenommen werden
(Urk. 8/23/
38
).
In der Gesamtbeurteilung des Gutachtens wurde festgehalten, die aktuelle Behandlung der Schmerzstörung und der affektiven Störung sei sicher ungenügend. Die Beschwerdeführerin verfüge derzeit über keine suffiziente Behandlung (Urk. 8/23/27).
Eine konse
quente
Depressionsthera
pie
, deren Scheitern das Leiden als resistent ausge
wiesen hätte (vgl. Urteile des Bundesge
richts 8C_774/2013 vom 3. April 2014 E. 4.2 und 9C_454/2013 vom 29. Okto
ber
2013 E. 4.1), lag im Zeitpunkt der Begutachtung
somit nicht vor.
Trotz der mittlerweile wieder aufgenommenen Psychotherapie
bei
Dr.
Z._
kann aber auch nicht davon ausgegangen werden, die
depressive
Symptomatik habe sich
im Verlauf bis zur angefochtenen Verfügung
als resistent ausge
wiesen. Obwohl im
k
ieferchirurgischen Teilgutachten vom
1.
September 2013
festgehalten wurde, eine psychologische Betreuung sei etabliert (Urk. 8/23/49),
begab sich die Beschwerdeführerin
nach ihren eigenen Angaben
erst
am 19. August 2014 wieder in psychiatrische Behandlung. Bis zum
Verfügungser
lass
am 2. Februar 2015 verstrichen somit lediglich 5 1⁄2 Monate. Bei dieser Dauer kann unter den gegebenen Umständen noch nicht von einer konsequen
ten
Depressionsthera
pie
gesprochen
werden,
zumal die Beschwerdeführerin nicht einmal geltend machte
-
und dementsprechend nicht belegte (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichtes 9C_196/2014
vom 18. Juni 2014 E. 5.2 [
Mitwir
kungs
pflicht
])
-
,
sie werde auch
pharmakotherapeutisch
behandelt.
Aus den Akten ist aber bekannt, dass die depressive Symptomatik der Beschwerdeführerin bei geeigneter Therapie wohl
besserungsfähig sein kann
. Dies zeigt der Bericht von
Dr.
B._
vom 22. März 2012 an die
damalige
Rechtsvert
reterin der Beschwerdeführerin (
vgl. E. 3.3
).
Dr.
B._
führte darin aus, die zehnmonatige Schmerztherapie (Juni 2011 bis März 2012) habe zu einer deutlichen Verbesserung der depressiven und ängstlichen Symptomatik geführt. Die Schmerzempfindung habe sich im Verlauf leicht verbessert, da die Beeinträchtigung und Akzeptanz gesteigert seien. Die Schmerzen seien zwar immer den ganzen Tag spürbar, die Beschwerdeführerin könne damit aber bes
ser umgehen (Urk. 8/12/6).
Im Lichte dieser
Erwägungen
ist der mittelgradigen depressiven Symptomatik
unabhängig davon, ob sie andauernd oder bloss episodisch vorhanden ist
praxisgemäss keine invalidisierende Wirkung zuzuerkennen (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_818/2014 vom 2
0.
August 2015 E. 4.2.2).
4.4.5
Nebst dem depressiven Geschehen stellte der psychiatrische Gutachter, wie erwähnt, die Diagnosen einer sonstigen Reaktion auf eine schwere Belastung gemäss ICD-10 F43.8, einer undifferenzierten
Somatisierungsstörung
gemäss ICD-10 F45.1 sowie einer chronischen Schmerzstörung nach ICD-10 F45.4
1.
Ob diesen Diagnosen ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beizumessen ist, ist nach Massgabe der eingangs wiedergege
benen Rechtsprechung des Bundesgerichtes (vgl. E. 1.2) zu beurteilen (zur Anwendung dieser Rechtsprechung auf die Diagnose gemäss ICD-10 F43.8 vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_438/2012 vom
4.
Dezember 2012 E. 4.2 und E.
4.3 [a
maiore
minus]).
Die Beschwerdegegnerin hat in Anwendung der bisherigen Rechtsprechung zu den
somatoformen
Schmerzstörungen (vgl. E. 1.2.2) mit einlässlicher Begrün
dung dargelegt, dass der Beschwerdeführerin die Überwindung der Beschwerden zugemutet werden könne und ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden somit nicht ausgewiesen sei (
Urk.
2). Darauf wird ver
wiesen. An diesem Ergebnis ändert die seit dem
3.
Juni 2015 geänderte
bundes
gerichtliche
Rechtsprechung zu den psychosomatischen Leiden (vgl. E. 1.2.3) nichts (zur Anwendbarkeit dieser Rechtsprechung auf laufende Verfahren vgl. E.
8 des zitierten Urteils 9C_492/2014 vom
3.
Juni 2015), dies aus folgenden Gründen:
Unter dem Aspekt „funktioneller Schweregrad“ ist in Betracht zu ziehen, dass die diagnoserelevanten Befunde und Symptome gemäss ICD-10 F43.8, ICD-10 F45.1 sowie ICD-10 F45.41 nicht besonders ausgeprägt erscheinen; gemäss den Angaben des psychiatrischen Gutachters steht nämlich die depressive Erkran
kung „sicherlich“ im Vordergrund des – komplexen - psychischen
Beschwerde
bildes
(
Urk.
8/23/36). In den letzten Jahren wurden sodann durchaus Behand
lungserfolge erzielt, namentlich auch im Rahmen der Behandlung bei Dr.
B._
. Im Zeitpunkt der Begutachtung hatte die Beschwerdeführerin gemäss ihren Angaben alle Medikamente seit einem Jahr gestoppt und seit mehr als einem halben Jahr keine psychiatrische Behandlung mehr in Anspruch genommen; trotz Anraten der Gutachter nahm sie eine solche erst ein Jahr nach der Begutachtung wieder auf. Dabei war ihr aus eigener Erfahrung bekannt, dass eine Therapie zur Verbesserung führen könnte (vgl. E. 4.4.4). Eine Behandlungsresistenz ist demnach nicht anzunehmen.
Was den Indikator „Komorbiditäten“ betrifft, so ist der bei der Beschwerde
führe
rin bestehenden depressiven Symptomatik nach dem Gesagten keine inva
li
di
sierende Wirkung zuzuerkennen; sie ist demnach keine Komorbi
dität (Urteil des Bundesgerichtes 9C_492/2014 E. 4.3.1.3 mit Hinweisen). Auch eine körperli
che Komorbidität (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) ist, wie dargelegt, nicht ausgewiesen (vgl. E. 4.3.4).
Zum Komplex „Persönlichkeit“ ist festzuhalten, dass sich laut Beurteilung des psychiatrischen
Y._
-Gutachters in der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin deutlich leistungsbetonte Züge sowie auch prämorbid
histrionische
Züge zeigten (
Urk.
8/23/36); er führte die entsprechende Diagnose (ICD-10 Z73.1) jedoch als blosse Verdachtsdiagnose an (
Urk.
8/23/36; vgl. dazu statt vieler Urteil des Bundesgerichtes 8C_302/2011 vom 2
0.
September 2011 E. 2.3).
Hinsichtlich des Komplexes „Sozialer Kontext“ ist einerseits auf die vorstehen
den Ausführungen zu den bei der Beschwerdeführerin fraglos vorhandenen sozialen Belastungen zu verweisen. Anderseits lässt der Lebenskontext der Beschwerdeführerin durchaus auf vorhandene Ressourcen schliessen: Sie ist seit 17 Jahren verheiratet und hat drei Kinder, die alle noch zu Hause leben. Gegen
über dem psychiatrischen Gutachter beschrieb sie ihre Ehe als gut, ihr Mann halte zu ihr (
Urk.
8/23/33).
Zum
-
beweisrechtlich entscheidenden - Aspekt der Konsistenz ist einerseits zu erwähnen, dass die ungenügenden Behandlungsbemühungen nicht auf einen ausgeprägten Leidensdruck schliessen lassen. Trotz geltend gemachter vollstän
diger Arbeitsunfähigkeit scheint sodann
das Aktivitätsniveau der Beschwerde
führerin
-
auch ohne kons
equente Depressionstherapie
-
nicht erheblich
einge
schränkt zu sein.
Sie plante Ferien für den Sommer 2013 (Urk. 8/23/15) und beschrieb ihre aktuelle Tagesgestaltung
dem
neurologischen Gutachter
gegen
über
wie folgt: Sie stehe um circa 06.30 Uhr morgens auf, bereite das Frühstück zu, erledige Reinigungsarbeiten, kaufe ein, zahle Rechnungen und wasche die Wäsche. Gegen Mittag bereite sie das Mittagessen zu. Am Nachmittag erledige sie erneut Hausarbeit. Manchmal lese sie oder gehe sie spazieren. Selten treffe sie Freunde (nicht jede Woche, vor allem am Wochenende). Schlafen lege sie sich gegen 22.00 Uhr (Urk. 8/23/43). Obwohl die Beschwerdeführerin
dem psy
chiatrischen Gutachter gegenüber
ihre täglichen Aktivitäten
deutlich einge
schränkter schilderte
als gegenüber dem neurologischen Gutachter
(Urk. 8/23/33), ist auf die Angaben
letzterem
gegenüber
abzustellen.
In der psy
chiatrischen Untersuchung wurde der
psychische
Zustand der Beschwerde
führerin nach
der Thematisierung
der
missglückten
Zahnbehandlung
nämlich
zunehmend schlechter (Urk. 8/23/34)
.
I
hre
dortigen
Schilderungen
dürften des
halb
stimmungsbedingt
negativ
g
efärbt
gewesen sein
.
4.4.
6
Bei dieser Sachlage
erscheinen
auch unter Berücksichtigung der
nunmehr
im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (E. 1
.
2
.3) erheb
liche funktionelle
Auswirkungen der
psychiatrischen
Diag
nosen auf die Arbeitsfähigkeit
nicht schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen. Aus rechtlicher Sicht sind demnach die psychiatrischen Diagnosen auch nach der geänderten Rechtsprechung nicht als invalidisierend zu betrachten.
4.4.7
Zu erwähnen bleibt, dass aufgrund der Anmeldung zum Leistungsbezug vom 28. August 2012 (
Urk.
8/2) ein allfälliger Rentenanspruch der Beschwerdeführe
rin - unter den Voraussetzungen von
Art.
28
Abs.
1 IVG - frühestens am
1.
Februar 2013 entstehen konnte (
Art.
29
Abs.
1 und 3 IVG). Dass in diesem Zeitpunkt eine massgebliche Arbeitsunfähigkeit bestanden haben könnte, ist
ebenfalls - nicht anzunehmen, stand doch die Beschwerdeführerin bereits damals nicht mehr in psychiatrischer Behandlung. Im Übrigen lassen auch die Angaben in den Berichten von
Dr.
B._
und des Zentrums
A._
vom 2
2.
März resp. 13./1
5.
November 2012 (vgl. E. 3.2 und 3.3) nicht auf das Vorliegen eines invalidisierenden Leidens schliessen.
Schliesslich ist aus den dargelegten Gründen auch nicht davon auszugehen, dass in der Zeit nach der Begutachtung bis zum massgebenden Zeitpunkt des
Verfügungserlasses eine massgebliche Verschlechterung des Gesundheitszustan
des eingetreten ist (vgl. E. 4.4.4).
4.5
Nach dem Gesagten steht mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der über
wiegen
den Wahrscheinlichkeit fest, dass der
Beschwerde
führer
in
im massgeblichen Zeitraum
die bisherige
Tätigkeit
als Hauswartin
oder Reinigungsangestellte
mit ein
em Pensum von 100 % zumutbar
war
, wobei frag
lich bleibt, ob sie im Gesundheitsfall überhaupt eine vollzeitliche Tätigkeit aus
ge
üb
t
hätte
. Diese Frage kann hier jedoch offen gelassen werden.
5
.
Die angefochtene Verfügung
vom 2. Februar 2015
ist demnach
im Ergebnis
nicht zu beanstanden, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
Auf das Begehren, der Vorbescheid vom 15. Juli 2014 sei aufzuheben, ist
sodann
nicht einzutreten (vgl. E. 2.
1
).
6
.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen
Versiche
rungsgericht
in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rah
men von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
legt.
Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von Fr. 600.-- als angemes
s
en.
Ausgangsgemäss
ist diese der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.