Decision ID: 42899bc9-0e53-5487-8a4b-49a6f13b7972
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Der Gemeinderat K. bewilligte am 3. Juli 2013 den Neubau eines Wohn- und
Pflegezentrums einschliesslich Arztpraxis auf dem Grundstück Nr. 000 und wies die
gegen das Baugesuch erhobenen Einsprachen ab. Dagegen erhoben X.Y. sowie A. und
B.Z. durch ihren gemeinsamen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 19. Juli 2013 Rekurs
beim Baudepartement. Der Rechtsvertreter wurde am 23. Juli 2013 aufgefordert, innert
einer nicht erstreckbaren Frist bis 30. August 2013 die Beschwerde zu ergänzen und –
unter Androhung der Abschreibung des Verfahrens im Säumnisfall – einen
Kostenvorschuss von CHF 1'000 zu leisten. Er unterzeichnete am 29. August 2013 die
Rekursergänzung (Poststempel: 30.8.13). Am 3. September 2013 ersuchte er um
Ansetzung einer Notfrist von zwei Tagen zur Bezahlung des Kostenvorschusses mit der
Begründung, er habe es versäumt, den Kostenvorschuss fristgerecht zu leisten, weil
sein Vater im Zeitpunkt des Eingangs der verfahrensleitenden Verfügung vom 23. Juli
2013 im Sterben gelegen und am 1. August 2013 dann von seinen Leiden erlöst
worden sei. Der Kostenvorschuss ging am 4. September 2013 ein. Gleichentags
ersuchte der Rechtsvertreter um Wiederherstellung der Frist.
B. Das Baudepartement trat mit verfahrensleitender Verfügung vom 5.
September 2013 auf das Gesuch um Ansetzung einer Notfrist wegen Verspätung nicht
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ein. Die Verfügung wurde unangefochten rechtskräftig. Die Politische Gemeinde K.
beantragte am 13. September 2013 die kostenfällige Abweisung des Gesuchs um
Wiederherstellung. Das Baudepartement wies das Gesuch am 3. Oktober 2013 ab und
schrieb den Rekurs zufolge Nichtleistens des Kostenvorschusses ab.
C. X.Y. sowie A. und B.Z. (Beschwerdeführer) erhoben durch ihren gemeinsamen
Rechtsvertreter gegen den Rekursentscheid des Baudepartements (Vorinstanz) mit
Eingabe vom 21. Oktober 2013 und Ergänzung vom 19. November 2013 beim
Verwaltungsgericht Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die
Angelegenheit zur weiteren Prüfung des Rekurses an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Die Vorinstanz beantragte am 26. November 2013, die Beschwerde sei abzuweisen.
Die Politische Gemeinde K. (Beschwerdebeteiligte) beantragte am 18. Dezember 2013,
die Beschwerde sei unter Kosten und Entschädigungsfolge abzuweisen, soweit auf sie
einzutreten sei. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer äusserte sich dazu am 25.
Januar 2014. Auf die Ausführungen der Beteiligten zur Begründung ihrer Anträge und
die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführer anerkennen, dass der Kostenvorschuss im
Rekursverfahren nach Ablauf der bis 30. August 2013 angesetzten Frist und damit
verspätet geleistet wurde. Sie machen jedoch geltend, die Vorinstanz hätte eine
Notfrist ansetzen (nachfolgend Erwägung 2.1) oder die Frist wiederherstellen müssen
(nachfolgend Erwägung 2.2), jedenfalls aber die Säumnisfolgen nicht eintreten lassen
dürfen (nachfolgend Erwägung 2.3).
2.1. Gegenstand des Rekursentscheides vom 3. Oktober 2013 sind einzig das
Wiederherstellungsgesuch und die Erledigung des Rekurses. Die Nichtgewährung der
am 3. September 2013 – und damit verspätet – beantragten Notfrist war Gegenstand
der verfahrensleitenden Verfügung vom 5. September 2013, die unangefochten
rechtskräftig wurde. Abgesehen davon setzt die Verlängerung einer gerichtlichen Frist
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gemäss Art. 30 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 144 Abs. 2 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272, ZPO) voraus, dass vor Fristablauf darum ersucht wird.
Nach unbenützter Frist tritt an die Stelle der Erstreckung die Möglichkeit der
Wiederherstellung.
Gemäss Art. 30ter Abs. 1 VRP kann die Wiederherstellung einer Frist angeordnet
werden, wenn der Verfahrensgegner zustimmt. Die Beschwerdebeteiligte hat im
Rekursverfahren eine solche Zustimmung nicht erteilt, sondern am 13. September 2013
die Abweisung des Gesuchs der Beschwerdeführer um Wiederherstellung der Frist zur
Leistung des Kostenvorschusses beantragt. Deshalb ist zu prüfen, ob die
Fristwiederherstellung gemäss Art. 30ter Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 148 Abs. 1
ZPO angeordnet werden kann. Die Rekursinstanz kann gestützt auf Art. 148 Abs. 1
ZPO auf Gesuch einer säumigen Partei eine Nachfrist gewähren, wenn die Partei
glaubhaft macht, dass sie kein oder nur ein leichtes Verschulden trifft.
In der Beschwerde wird zu Recht nicht bestritten, dass die Partei sich Fehler ihrer
Vertreter oder Erfüllungsgehilfen, insbesondere ihres Anwalts und dessen als
Hilfsperson tätigen Kanzleiangestellten wie eigene anrechnen lassen muss (VerwGE B
2014/40 vom 14. Mai 2014 E. 2.2.1 mit zahlreichen Hinweisen). Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführer macht geltend, weil sich die Mandantschaft aus mehreren
Beteiligten zusammengesetzt habe, habe er sich entschieden, den Kostenvorschuss
selbst einzubezahlen. In derartigen Fällen zahle er den Kostenvorschuss jeweils
umgehend ein. Als er die verfahrensleitende Verfügung vom 23. Juli 2013 erhalten
habe, sei sein Vater, der am 1. August 2013 von seinen Leiden erlöst worden sei, im
Sterben gelegen. Er habe ihn in den letzten Lebenstagen täglich besucht. Diese Zeit,
der Tod und die Beerdigung, seien sehr, sehr belastend gewesen.
In der Praxis wird ein leichtes Verschulden nur mit Zurückhaltung angenommen. Dies
ist mit Blick auf den weiten Ermessensspielraum, den die Bestimmung einräumt, nicht
zu beanstanden (vgl. etwa VerwGE B 2013/113 vom 8. November 2013 E. 2.1.1,
www.gerichte.sg.ch, bestätigt in BGer 2C_1212/2013 vom 28. Juli 2014; B 2013/98
vom 25. Juni 2013 E. 2.1; N. Gozzi, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler
Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Basel 2010, N 11 zu Art. 148
ZPO). Der berufsmässige Rechtsvertreter hat seinen Betrieb so zu organisieren, dass
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Fristen auch in seiner Abwesenheit gewahrt werden (BGE 99 II 352). Unbestritten ist,
dass der Rechtsvertreter am 16. August 2013 in der gleichen Sache an einem
privatrechtlichen Vermittlungsvorstand teilnahm (act. 13 und 14) sowie am 29. August
2013 die Rekursergänzung unterzeichnete und der Rekursinstanz rechtzeitig einreichte.
In Ziffer II/1 der Ergänzung führte er aus, er habe den Kostenvorschuss einbezahlt, und
reichte die Beweise zu seiner gehörigen Bevollmächtigung ein. Auch wenn das Sterben
und der Tod seines Vaters am 1. August 2013 zweifellos sehr belastend waren, war der
Rechtsvertreter damit gegen Ende August 2013 in der Lage, seinen
verfahrensrechtlichen Obliegenheiten in ordentlicher Weise nachzukommen. Von einem
berufsmässigen Rechtsvertreter ist zu erwarten, dass er in den Akten einen Hinweis auf
die Einzahlung des Kostenvorschusses anbringt oder anbringen lässt und die
Behauptung in der Rechtsmittelergänzung, der Kostenvorschuss sei bezahlt, auch
überprüft oder überprüfen lässt. Er hat sich so einzurichten, dass er jederzeit
beispielsweise mittels eines elektronischen Systems zu erledigende Aufgaben erkennt.
Zur pflichtgemässen Berufsausübung gehört selbstredend die Fristenkontrolle, ohne
die ein Rechtsanwalt seine Tätigkeit nicht ordnungsgemäss verrichten kann (vgl. BGer
6B_389/2011 vom 10. Oktober 2011 E. 1.8). Eine Kontrolle der Einhaltung der Frist
wäre anlässlich der Abfassung der Rekursergänzung am 29. August 2013 umso mehr
angezeigt gewesen, als der Rechtsvertreter sich seiner schweren und
nachvollziehbaren emotionalen Belastungen Ende Juli und Anfang August bewusst
war. Sein Verschulden erscheint unter diesen Umständen nicht mehr als leicht im Sinn
von Art. 148 Abs. 1 ZPO. Dementsprechend hat die Vorinstanz kein Recht verletzt und
insbesondere auch ihr Ermessen nicht überschritten, wenn sie das Gesuch um
Wiederherstellung der versäumten Frist zur Leistung des Kostenvorschusses abwies.
2.2. Gemäss Art. 96 VRP kann die Behörde einen Kostenvorschuss erheben (Abs.
1); entspricht der Betroffene der Aufforderung trotz Hinweis auf die Säumnisfolge nicht,
kann das Verfahren abgeschrieben werden, wenn nicht öffentliche Interessen entgegen
stehen (Abs. 2)
Die Beschwerdeführer machen zu Recht nicht geltend, die Vorinstanz habe mit der
Erhebung eines Kostenvorschusses im Rekursverfahren am 23. Juli 2013 ihr Ermessen
überschritten oder missbraucht. Da sich die Voraussetzungen für die Erhebung eines
Kostenvorschusses und die Säumnisfolgen – nämlich die Abschreibung des Verfahrens
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– aus dem Gesetz ergeben, stellt die fristgerechte Einzahlung eines unter Hinweis auf
die Säumnisfolgen erhobenen Kostenvorschusses entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführer durchaus ein "gesetzliches Gültigkeitserfordernis" für die
Anhandnahme eines Verfahrens dar. Die Befugnis, einen Kostenvorschuss zu erheben,
ist nicht auf Rechtsmittelverfahren beschränkt (vgl. Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 808). Deshalb
können die Beschwerdeführer daraus, dass die Regeln im vierten Teil des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege – und nicht im dritten Teil über den Rechtsschutz in
Verwaltungsstreitsachen, insbesondere in den Art. 45 ff. VRP – enthalten sind, nicht
ableiten, die Vorinstanz habe das Rekursverfahren in rechtswidriger Weise
abgeschrieben.
Nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung ist die Abschreibung des
Verfahrens geboten, wenn der Kostenvorschuss innert der angesetzten Frist nicht
geleistet wurde (vgl. GVP 1976 Nr. 27; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.
gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 139 f.; vgl. BGer
2C_1212/2013 vom 28. Juli 2014 E. 6.5). Die Frist stellt eine Verwirkungsfrist dar. Ob
der Kostenvorschuss verspätet oder nicht geleistet wurde, ändert damit hinsichtlich der
Säumnisfolge nichts. Deshalb können die Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass
der Kostenvorschuss noch geleistet wurde, bevor die Vorinstanz dessen Fehlen
bemerkte, nichts zu ihren Gunsten ableiten. Das Verfahren ist ausnahmsweise dann
nicht abzuschreiben, wenn – was indessen vorliegend nicht der Fall ist (vgl. oben
Erwägung 2.2) – die Voraussetzungen der Wiederherstellung im Sinn von Art. 30ter
Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 148 Abs. 1 ZPO gegeben sind oder wenn öffentliche
Interessen entgegenstehen. Nach der Rechtsprechung treten die Säumnisfolgen
regelmässig ein, wenn nicht ausserordentliche Umstände dies als unannehmbar
stossend erscheinen lassen. In der Praxis sind solche ausserordentlichen Umstände
aber überaus selten (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 812 f.; zum Ganzen VerwGE B
2013/113 vom 8. November 2013 E. 2.3, www.gerichte.sg.ch). Ob – wie in der Literatur
vorgeschlagen wird (vgl. Hirt, a.a.O., S. 141 f.) – ein über den konkreten Einzelfall
hinausgehendes Interesse an der Klärung des Sachverhalts oder der strittigen
Rechtsfragen den Verzicht auf die Abschreibung rechtfertigen kann, kann vorliegend
offen bleiben. Einerseits ist fraglich, ob die Grössenordnung des Bauprojektes und die
geltend gemachten Baurechtswidrigkeiten ein solches über den Einzelfall
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hinausgehendes Interesse darstellen. Anderseits stellen weitere nach unbestrittener
Darstellung der Vorinstanz hängige Rekurse die rechtsmittelweise Überprüfung des
Bauprojekts sicher. Die Vorinstanz hat das Rekursverfahren deshalb zu Recht
abgeschrieben. Insbesondere war die Abschreibung nicht unverhältnismässig.
3. (...).