Decision ID: 2d118521-76b3-4f1a-bd65-ba2a8516696e
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
O._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
AXA Versicherungen AG, General Guisan Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur,
Beschwerdegegnerin,
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vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Marianne Sieger, Kuttelgasse 8, Postfach 2158,
8022 Zürich,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a O._, geboren 1983, war als Gartenarbeiter bei der Firma A._ befristet bis
20. Juli 2007 angestellt und dadurch bei den AXA Versicherungen AG (nachfolgend
AXA; früher AXA Winterthur und davor Winterthur Schweizerische
Versicherungsgesellschaft) obligatorisch gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle
versichert. Am 19. Juni 2007 wurde er in eine tätliche Auseinandersetzung mit B._
verwickelt, in deren Verlauf er auch von einem vorbeifahrenden Auto touchiert wurde
(UV-act. A1 bis A4, A13 sowie Strafakten D bis F in act. G 8.1). Im Verlauf des
Geschehens wurde der Versicherte verletzt: Am Spital Wil, in das er mit der Ambulanz
eingeliefert wurde, wurden eine Commotio cerebri, eine mehrfragmentäre, gering
dislozierte Fraktur des Sinus maxillaris links mit Frakturausläufer in den Orbitaboden
links, eine gering dislozierte Nasenbeinfraktur sowie eine Kontusion Digitus I (=
Daumen) der rechten Hand diagnostiziert (UV-act. M1). Der Amtsarzt, Dr. med. C._,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, listete in seinem Bericht vom 25. Juni 2007
zuhanden der Strafuntersuchungs-Behörden zusätzlich als Befunde Schürfwunden
über der Brust rechts und am Sprunggelenk rechts, eine Rissquetschwunde über der
Augenbraue rechts lateral sowie eine geschwollene Oberlippe auf (UV-act. D/A.3). Der
Versicherte wurde vom 19. bis 25. Juni 2007 hospitalisiert und war ab dem Unfalltag
100% arbeitsunfähig (UV-act. M2). Die volle Arbeitsunfähigkeit dauerte auch über einen
Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon vom 11. Oktober bis 8. November 2007 sowie eine
ambulante und vom 25. März bis 27. Juni 2008 stationäre Behandlung in der
Psychiatrischen Klinik Wil hinaus an (UV-act. M6f. und M17f.). Die Arbeitsstelle wurde
dem Versicherten im August 2007 durch die Arbeitgeberin gekündigt (UV-act. A6).
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A.b Mit Verfügung vom 14. September 2007 (UV-act. A12) teilte die AXA dem
Versicherten mit, dass sie die Geldleistungen (Taggelder, Invalidenrente,
Integritätsentschädigung und Hilflosenentschädigung) an ihn wegen der Beteiligung an
einer Rauferei und Schlägerei gemäss Art. 49 Abs. 2 lit. a der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) um 50% kürze.
B.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte durch seinen zwischenzeitlich
eingeschalteten Rechtsvertreter, Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., Oberuzwil, am
22. Oktober 2007 Einsprache erheben (UV-act. A14, A26 und A29). Mit Entscheid vom
27. März 2009 wies die AXA die Einsprache des Versicherten ab (UV-act. A39).
C.
C.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 14. Mai 2009 mit den Anträgen:
1. Die Verfügung vom 14. September 2007 sowie der Einspracheentscheid vom
27. März 2009 seien aufzuheben.
2. Es sei von einer Kürzung der Taggeldleistungen gestützt auf Art. 49 Abs. 2 lit. a
UVV abzusehen.
3. Es sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung für das
vorliegende Verfahren zu gewähren.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung wird angeführt, es sei erwiesen, dass B._ den Beschwerdeführer
spitalreif geschlagen habe, während seine ganze Handlungsweise auf Defensive
ausgerichtet und er weder provokativ noch aggressiv gewesen sei. Daher dürfe keine
Kürzung der Versicherungsleistungen erfolgen.
C.b Am 15. Mai 2009 entsprach der Gerichtspräsident aufgrund der Unterlagen, die
mit der Beschwerde eingereicht worden waren, dem Gesuch um unentgeltliche
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Rechtsverbeiständung des Beschwerdeführers durch seinen bisherigen Rechtsvertreter
(act. G 3).
C.c Die Beschwerdegegnerin beauftragte Rechtsanwältin lic.iur. Marianne I. Sieger,
Zürich, mit ihrer Vertretung. Mit Beschwerdeantwort vom 16. September 2009
beantragt die Rechtsvertreterin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt
sie an, der Beschwerdeführer habe am 19. Juni 2007 den Tatbestand der Beteiligung
an einer Rauferei und Schlägerei im Sinn des Verordnungstexts und der einschlägigen
Literatur und Rechtsprechung erfüllt, weshalb die Kürzung zu Recht erfolgt sei.
C.d Mit Replik vom 8. Oktober 2009 lässt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
in der Beschwerde festhalten und ausführen, er habe die Gefahr einer tätlichen
Auseinandersetzung nicht erkannt oder erkennen müssen. Vielmehr sei seine ganze
Handlungsweise darauf gerichtet gewesen, dem Täter aus dem Weg zu gehen bzw. zu
entkommen. Auch irgendwelche Provokationen gegenüber B._ lässt er ausdrücklich
in Abrede stellen.
C.e Die Beschwerdegegnerin lässt mit Duplik vom 7. Januar 2010 an ihrem
Standpunkt festhalten. Am 11. Januar 2010 ist darauf der Schriftenwechsel
abgeschlossen worden (act. G 17).
C.f Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt
der übrigen Akten - besonders der einschlägigen Strafakten - wird, soweit

entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Geldleistungen an den
Beschwerdeführer zu Recht gemäss Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV wegen Beteiligung an
einer Rauferei oder Schlägerei um 50% gekürzt hat.
2.
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2.1 Art. 39 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) räumt
dem Bundesrat die Kompetenz ein, aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse zu
bezeichnen, die in der Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher
Leistungen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen, wobei die Kürzung oder
Verweigerung in Abweichung von Art. 21 Abs. 1-3 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) geordnet werden
kann. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat mit Art. 49 UVV Gebrauch gemacht.
Nach dessen Abs. 2 werden die Geldleistungen um mindestens die Hälfte gekürzt für
Nichtberufsunfälle, die sich bei Beteiligung an Raufereien und Schlägereien ereignen,
es sei denn, die versicherte Person sei als Unbeteiligte oder bei Hilfeleistung für eine
wehrlose Person durch die Streitenden verletzt worden (lit. a; vgl. A. Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. unveränderte Auflage 1989, S. 504ff.,
U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Auflage 2009, N 115ff. zu Art. 21 ATSG).
2.2 Als Raufereien und Schlägereien gelten nach Rechtsprechung und Lehre
gewaltsame Auseinandersetzungen, bei denen sich die Beteiligten raufen oder bei
denen Schläge ausgeteilt werden. Der Tatbestand des Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV, der
verschuldensunabhängig konzipiert ist (vgl. in BGE 132 V 27 nicht publizierte E. 1.2 des
Urteils U 325/05 vom 5. Januar 2006, publiziert in SVR 2006 UV Nr. 13 S. 45), ist nicht
nur bei der Teilnahme an einer eigentlichen tätlichen Auseinandersetzung gegeben.
Eine Beteiligung ist jedes Verhalten, das objektiv gesehen bereits das Risiko
einschliesst, in Tätlichkeiten überzugehen oder solche nach sich zu ziehen. Nicht
notwendig ist, dass der Versicherte selbst tätlich geworden ist. Unerheblich ist auch,
aus welchen Motiven er sich beteiligt hat, wer mit einem Wortwechsel oder
Tätlichkeiten begonnen hat und welche Wendung die Ereignisse in der Folge
genommen haben. Entscheidend ist allein, ob die versicherte Person die Gefahr einer
tätlichen Auseinandersetzung erkannt hat oder erkennen musste (vgl. RKUV 2005
Nr. U 553 S. 311 [U 360/04], RKUV 1991 Nr. U 120 S. 89 E. 3b mit Hinweisen und
A. Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Auflage 2003, S. 223 [nachfolgend:
Rumo-Jungo, Rechtsprechung]). Eine Beteiligung an Raufereien und Schlägereien liegt
bereits dann vor, wenn die versicherte Person in eine Rauferei oder Schlägerei
verwickelt (und dabei verletzt) wird, weil sie sich in (vorangehende) Diskussionen,
Streitereien und Wortgefechte eingelassen hat, welche das Risiko in sich schliessen,
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dass es zu Tätlichkeiten kommen könnte (RKUV 1991 Nr. U 120 E. 3b S. 89f.; BGE 107
V 234 E. 2a S. 235). Der Tatbestand der Beteiligung an Raufereien oder Schlägereien
im Sinn von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV ist weiter gefasst als der Straftatbestand der
Beteiligung an einem Raufhandel gemäss Art. 133 des Schweizerischen
Strafgesetzbuchs (StGB; SR 311.0; RKUV 1991 Nr. U 120 S. 90 E. 3c mit Hinweis; vgl.
auch BGE 107 V 234 E. 2a S. 235). Das Sozialversicherungsgericht ist deshalb an die
Beurteilung des Strafgerichts nicht gebunden (vgl. BGE 111 V 172 E. 5a S. 177 mit
Hinweisen; RKUV 1991 Nr. U 120 S. 85, E. 3c). Daher ist der Ausgang eines
Strafverfahrens gegen die Beteiligten lediglich eines von verschiedenen Indizien bei der
Anwendung der Bestimmung von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV auf den konkreten
Sachverhalt.
2.3 Eine Leistungskürzung nach Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV setzt weiter voraus, dass
zwischen dem als Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei zu qualifizierenden
Verhalten und dem Unfall ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht
(SVR 1995 UV Nr. 29 S. 86 E. 2d mit Hinweisen). Die Beurteilung der Adäquanz im
Besonderen hat retrospektiv zu erfolgen. Es ist zu fragen, ob und inwiefern die objektiv
unter Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV fallende Handlung als eine wesentliche Ursache des
Unfalls erscheint. Die Antwort ist dann bejahend, wenn die spezifischen Gefahren des
allenfalls zu sanktionierenden Verhaltens des Versicherten sich beim Unfallereignis
konkret ausgewirkt haben und nach der allgemeinen Lebenserfahrung und dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge geeignet sind, einen Unfall von der Art des eingetretenen
herbeizuführen. Dabei ist auch ein gewisser zeitlicher Zusammenhang notwendig
(RKUV 1995 Nr. U 214 S. 88 E. 6a; A. Rumo-Jungo, Die Leistungskürzung oder -
verweigerung gemäss Art. 37-39 UVG, Diss. Freiburg 1993, S. 278ff. [nachfolgend:
Rumo-Jungo, Leistungskürzung]). Gemäss der in BGE 132 V 27 nicht publizierten
Erwägung 1.3 des Urteils U 325/05 vom 5. Januar 2006 (publiziert in SVR 2006 UV
Nr. 13 S. 45 E. 1.3) kann der Tatbestand der Beteiligung an einer Rauferei oder
Schlägerei im Sinn von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV zeitlich nicht als beendet gelten,
solange nicht alle daran Beteiligten klar erkennbar mit dem verbal oder handgreiflich
ausgefochtenen Streit aufgehört haben und nicht mit einer Fortsetzung bei nächster
Gelegenheit gerechnet werden muss. Nach dieser strengen Praxis des Bundesgerichts,
am 4. Mai 2010 im Urteil 8C_997/2009 erneut bestätigt, fallen selbst
"Fluchthandlungen" in den Gefahrenbereich von Raufereien oder Schlägereien. - Nicht
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erforderlich ist weiter, dass die Handlung, welche zur Kürzung oder Verweigerung der
Leistungen führt, die alleinige Ursache des Unfalls ist. Es genügt, wenn sie eine
adäquate Ursache des Unfalls darstellt (Rumo-Jungo, Leistungskürzung S. 280; RKUV
1995 Nr. U 214 S. 86 und von A. Maurer im Ergänzungsband zum Schweizerischen
Unfallversicherungsrecht, 1989, S. 72f. zusammengefasstes, nicht publiziertes Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 24. Dezember 1987).
2.4 Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht darf
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn es von ihrem Bestehen
überzeugt ist. Der Entscheid ist, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht.
Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen
möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. Kieser, a.a.O.,
N 9ff. zu Art. 43 ATSG; BGE 126 V 353 E. 5b S. 360 mit Hinweisen). Der
Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach hat
das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht
uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE
125 V 193 E. 2 S. 195 mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die
Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur
insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweisen). - Im vorlie
genden Fall ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer am 19. Juni 2007 einen Nicht
berufsunfall erlitten hat, der eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin auslöste.
Diese hat jedoch die Leistungen gestützt auf Art. 39 UVG in Verbindung mit Art. 49
Abs. 2 lit. a UVV gekürzt. Die Beweislast für die Erfüllung des Kürzungstatbestands
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trägt die Beschwerdegegnerin, d.h. bei diesbezüglicher Beweislosigkeit fällt der
Entscheid zu ihren Lasten aus (vgl. Kieser, a.a.O., N 39f. zu Art. 43 ATSG).
3.
3.1
3.1.1 Aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers vom 10. September 2007
gegenüber der Schadeninspektorin der Beschwerdegegnerin, den Befragungen durch
die Kantonspolizei St. Gallen sowie der parallelen Einvernahme der beiden
Streitbeteiligten durch den Untersuchungsrichter am 7. Dezember 2007 (UV-act. A13,
D/A.1.1 bis D/A.1.5, E/E.1) ergibt sich folgender Geschehensablauf am Abend des
19. Juni 2007: Der Beschwerdeführer fuhr - mit der Absicht, nach D._
zurückzukehren - um 20.30 Uhr vom Bahnhof E._ Richtung F._. Als er bemerkte,
dass ihm B._ in dessen Personenwagen folgte, wählte er nicht wie vorgesehen die
Abzweigung Richtung Osten, sondern fuhr Richtung G._ weiter. Auf Höhe der
Liegenschaft H._ bog er auf den linksseitig gelegenen Parkplatz der Firma I._ ein
und stellte dort sein Auto ab. B._ war ihm gefolgt, hatte seinen Personenwagen
einige Meter von ihm entfernt parkiert, war ausgestiegen und auf ihn zugekommen. Der
Beschwerdeführer verliess sein Fahrzeug ebenfalls. Es kam zu einem kurzen
Wortwechsel, jedoch nicht zu einem richtigen Gespräch. B._ ging sofort auf den
Beschwerdeführer los und zückte, wie die Schilderung des Zeugen J._ bestätigte, ein
Messer oder einen andern Stechgegenstand. Der Beschwerdeführer wehrte die
Schläge und Angriffe des B._ mit dem Stechgegenstand verbal und physisch ab und
teilte seinerseits (abwehrende) Schläge aus. Während der Auseinandersetzung
verliessen die Kontrahenten den Parkplatz der Firma I._, bewegten sich über das
linksseitige Trottoir und die Strasse und setzten ihren Konflikt auf dem rechtsseitigen
Trottoir vor der Liegenschaft H._ fort. Von dort geriet der Beschwerdeführer
rückwärts auf die Strasse, wobei ihn einer der langsam vorbeifahrenden
Personenwagen (geschätzte Geschwindigkeit 20 km/h) mit der vorderen rechten Ecke
touchierte und zu Boden schleuderte. Er blieb am Fahrbahnrand liegen; der
Fahrzeuglenker, der die Kollision verursacht hatte, fuhr davon. Umstritten blieb, ob
B._ den Beschwerdeführer vor das vorbeifahrende Auto gestossen hatte, oder ob der
Beschwerdeführer rückwärts seinem Angriff ausgewichen war. Als der Be
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schwerdeführer auf dem Boden lag, ging B._ nochmals zu ihm, entfernte sich dann
und fuhr mit seinem Fahrzeug davon. Umstritten blieb auch, ob er dem auf dem Boden
liegenden Gegner weitere Schläge und Tritte versetzt hatte.
3.1.2 Der Beschwerdeführer kannte B._, wie sich im Lauf der Abklärungen und
Einvernahmen herausstellte schon während der gemeinsamen Jugend im Ausland,
hatte jedoch nie engeren Kontakt mit ihm. B._ ist der Cousin der Ehefrau des
Beschwerdeführers. Bereits etwa vier Monate vor der Auseinandersetzung vom
19. Juni 2007 hatte er mit B._ einen Konflikt gehabt. Dabei habe dieser ihn und
seinen Kollegen angegriffen und ihn gefragt, wieso er die Mutter seines Bruders
beschimpft habe. Bei dieser ersten Auseinandersetzung habe B._ die Mutter des
Beschwerdeführers beschimpft (UV-act. D/A.1.3).
3.1.3 Der Beschwerdeführer war - soweit aus den Akten ersichtlich unbestritten -
körperlich unversehrt auf den Parkplatz der Firma I._ gefahren und erlitt im Verlauf
der Auseinandersetzung die von Dr. C._ und den Ärztinnen und Ärzten am Spital Wil
dokumentierte Hirnerschütterung (Commotio cerebri) sowie die Verletzungen des
Gesichts und des Schädels, am rechten Bein und am rechten Daumen (vgl. UV-act. D/
A.3 und M1 bzw. Sachverhalt A.a). Als er mit der Ambulanz vom Unfallort
abtransportiert wurde, war er bewusstlos und kam erst während der Fahrt ins Spital Wil
wieder zu Bewusstsein. Laut Angaben des Amtsarztes konnte im Nachhinein nicht mit
Sicherheit gedeutet werden, ob die Hirnerschütterung mit kurzer Bewusstlosigkeit
durch einen Faustschlag oder durch den Sturz auf die Strasse wegen der Streifung
durch den Personenwagen herbeigeführt worden war (vgl. UV-act. D/A.3 S. 2).
3.1.4 B._ wurde noch in der Nacht des 19. Juni 2007 durch den Amtsarzt
untersucht. Dr. C._ stellte bei ihm eine senkrecht von Mitte Brustbein bis Nabelhöhe
verlaufende Ritzwunde, wahrscheinlich hervorgerufen durch eine Messerspitze,
Würgspuren am Nacken sowie Prellmarken an der rechten Hand und am rechten
Knöchel lateral fest (UV-act. D/A.3). Bei der Befragung durch den Untersuchungsrichter
gab B._ an, zusätzlich einen Riss am linken Schulterblatt erlitten zu haben (UV-act. E/
E.1 S. 7).
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3.2 Damit ist erstellt, dass am 19. Juni 2007 zwischen B._ und dem
Beschwerdeführer eine Rauferei bzw. Schlägerei stattfand. Zwar war B._ dabei
federführend und hatte die Auseinandersetzung wahrscheinlich auch angezettelt. Der
Beschwerdeführer hatte seinen Personenwagen auf dem Parkplatz der Firma I._
nicht einfach gewendet, sondern ihn dort parkiert. Obwohl er die Gewaltbereitschaft
von B._ aufgrund der früheren Auseinandersetzung kannte oder zumindest kennen
musste und sich ausrechnen konnte, dass es diesmal eher zu einem Angriff von
diesem kommen würde, da er ihm nicht mit einer zweiten Person zusammen
gegenüber stand, stieg der Beschwerdeführer aus seinem Fahrzeug aus. Nach seinen
eigenen Angaben gegenüber der Polizei in der Nacht des 19. Juni 2007 hatte B._ das
Messer bereits gezückt, als er noch in seinem Auto sass (UV-act. D/A.1.3 S. 2).
Dennoch war er nicht weggefahren, sondern ebenfalls ausgestiegen und hatte sich
B._ entgegengestellt. Durch das Verhalten des Gegners war die Gefahr einer
tätlichen Auseinandersetzung offensichtlich. Indem sich der Beschwerdeführer B._
entgegenstellte ging er diese Gefahr ein. Ob er dabei allenfalls selbst provozierte oder
nur beruhigend auf den Gegner einzuwirken versuchte, ist für die Anwendung des
Kürzungstatbestands von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV unbeachtlich. Ebenfalls die
Tatsache, dass er weitgehend dessen Angriffe abwehrte.
3.3 Die Gefahr der Verletzung bei der tätlichen Auseinandersetzung verwirklichte sich
bei beiden Gegnern. Der Beschwerdeführer zog sich die beschriebenen Verletzungen
unbestritten bei der Schlägerei bzw. Rauferei zu. Dass ihm wahrscheinlich ein Teil
davon durch das vorbeifahrende, ihn touchierende Auto und den dadurch verursachten
Sturz zugefügt wurde, ist für die Anwendung der Kürzungsnorm von Art. 49 Abs. 2 lit. a
UVV unbeachtlich. Indem sich die Kontrahenten unmittelbar neben und teilweise auf
der befahrenen Strasse schlugen, bezogen sie mögliche Verletzungen durch den
Verkehr in den Gefahrenbereich ein.
3.4 Der Kürzungstatbestand der aussergewöhnlichen Gefahr durch eine Rauferei
oder Schlägerei im Sinn von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV wurde damit durch den
Beschwerdeführer bei der Auseinandersetzung am 19. Juni 2007 erfüllt. Die
Beschwerdegegnerin hat mit Verfügung vom 14. September 2007, bestätigt im
Einspracheentscheid vom 27. März 2009, die Geldleistungen (Taggelder sowie allfällige
Renten, Integritäts- und Hilflosenentschädigungen) an den Beschwerdeführer um das
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gesetzliche Minimum von 50% gekürzt (Art. 39 UVG in Verbindung mit Art. 49 Abs. 2
lit. a UVV; die Naturalleistungen in Form der Heilungskosten nahm sie von der Kürzung
aus). Diese Kürzung ist auch bezüglich Ausmass nicht zu beanstanden.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde somit abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.2 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtsverbeiständung am
15. Mai 2009 bewilligt. Wenn es seine wirtschaftlichen Verhältnisse gestatten, kann er
jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten, der Auslagen für die Vertretung und der
vom Staat entschädigten Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPG, sGS
961.2, i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP, sGS 951.1). Der Staat ist zufolge unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die Kosten der Rechtsvertretung des
Beschwerdeführers aufzukommen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dem
unentgeltlichen Rechtsbeistand lediglich ein um 20% reduziertes Honorar zusteht (vgl.
Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). In der Verwaltungsrechtspflege wird
das Honorar vom Gericht pauschal festgesetzt, wobei der Rahmen vor Versiche
rungsgericht in der Regel Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- beträgt (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarverordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten [HonO; sGS 963.75]).
Vorliegend scheint, wie in vergleichbaren Fällen üblich, ein Betrag von Fr. 2'800.--
(80% von Fr. 3'500.--; inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG