Decision ID: 7e8d175a-e509-4630-92fe-8d8ceca3bf63
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974, ist gelernter Heizungsmonteur und meldete sich am 1
7.
November 2010 mit Hinweis auf eine depressive Erkrankung mit Kon
zen
trationsproblemen, Denkstörungen und Stimmungsschwankungen bei der Invali
den
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
10/
20 Ziff. 5.2 und 6.2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, veranlasste unter anderem ein psychiatrisches Gutachten, das am
9.
Juni
2011 erstattet wurde
(Urk.
10/
34), und erteilte
verschiedene
Kostengutspra
che
n
(Urk.
10/
45
,
Urk.
10
/
56
,
Urk.
10/
62
,
Urk.
10/
74
).
Am 1
5.
August 2013 teilte sie dem Versicherten mit, die Eingliederungsmassnah
men würden abgeschlossen (Urk.
10/
84 = Urk.
10/
85). Am 1
9.
November 2013 meldete sich der Versicherte wieder für Eingliederungsmass
nahmen an (Urk.
10/
88). Die IV-Stelle
wies das Begehren mit
Verfügung vom 2
5.
März 2014
ab
(Urk.
10/
101).
Das hiesige Gericht hiess
die dagegen erhobene Beschwerde
mit Urteil vom 1
1.
November 2014 im Verfahren Nr. IV.2014.00408
gut (
Urk.
10
/111) und wies die Sache zur Prüfung und neuem Entscheid an die IV-Stelle zurück (S. 8 E. 5.4).
1.2
Die IV-Stelle holte in der Folge ein polydisziplinäres Gutachten ein, das vo
m Chefarzt und
den Ärzt
inn
en der
Y._
am 1
5.
Januar 2016 erstattet
wurde (
Urk.
10/140
=
Urk.
10/20
). Am
7.
Juli 2016 auferlegte sie dem Versicher
te
n
eine Schadenminderungspflicht (Urk. 10/144). Sodann holte sie ein psychia
trisches
Gutachten ein, das am
7.
Mai 2018
erstattet (
Urk.
10/182) und
am
6.
November 2018 um einen Schreibfehler korrigie
rt (
Urk.
10/191) wurde. Am 6.
August 2018
auferlegte sie dem Versicherten eine weitere
Schadenminderungspflicht (Urk.
10
/185).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/211,
Urk.
10/214, Urk. 10/
219
)
verneinte
sie
mit Verfügung vom 3
1.
August 2020 einen Leistungsanspruch (
Urk.
10/221
=
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
8.
September 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 3
1.
August 2020 (
Urk.
2) mit den Anträgen (
Urk.
1 S. 2), diese sei aufzuheben und es sei ihm baldmöglichst die Fortsetzung der beruflichen Eingliederungs
massnahmen zu ermöglichen (
Ziff.
1), und es seien ihm parallel dazu Renten
leistungen zuzusprechen (
Ziff.
2).
Die IV-Stelle
stellte
mit Beschwerdeantwort vom
1
8.
Januar 2020 (richtig: 2021) den Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen (
Urk.
9).
Mit Gerichtsverfügung vom 2
1.
Januar
2021 (
Urk.
11) wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
4) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt.
Am 1
8.
Februar 2021 erstattete der Beschwerdeführer eine Replik (
Urk.
12) und am
9.
April 2021 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf Duplik (
Urk.
16), was dem Beschwerdeführer am 1
3.
April 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
D
ie in BGE 141 V 281 E. 4 und E. 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehens
weisen
konkretisieren
die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG - ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beein
träch
ti
gung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweislast
der rentenansprechenden Person - für die Invaliditätsbemessung bei psychoso
ma
tischen Leiden
.
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditäts
grades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festge
stellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind.
Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE
142
V 106 E. 4.5).
1.3
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.
4
Der Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung sowie auf Massnahmen beruflicher Art entsteht gemäss
Art.
10 IVG frühestens im Zeitpunkt der Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Absatz 1 ATSG (
Abs.
1). Der Anspruch auf die übrigen Eingliederungs
massnahmen und die Massnahmen zur Wiedereingliederung nach
Art.
8a ent
steht, sobald solche im Hinblick auf Alter und Gesundheitszustand der versi
cher
ten Person angezeigt sind (
Abs.
2).
1.
5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, es liege kein psychiatrisches Leiden beziehungsweise keine psychiatrische Diagnose vor, welche eine langandauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirke. Mangels Invalidität bestehe somit kein Rentenanspruch. Eine berufliche Unterstützung des Beschwerdeführers zur Eingliederung in den offenen Arbeits
markt werde sie nur aufnehmen, wenn dieser eine erfolgreiche Tagesstruktur und die entsprechende Motivation ausweisen könne (S. 2 oben).
Das
2018
erstattete Gutachten sei erforderlich gewesen, da nach dem Scheitern vorangegangener Be
mühungen weiterhin Unklarheiten bezüglich des Gesundheitszustandes bestan
den hätten (
Urk.
9 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
auf das
2018
erstattete Gutachten könne nicht abgestellt werden, da es sich dabei um eine
unzulässigerweise
eingeholte «
second
opinion
» handle (S. 6 f.
lit
. c). Gemäss der Beurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) bestehe unter näher genannten Bedingungen eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(S. 8
lit
. g). Es seien nun umgehend, wie im Urteil von 2014 festgehalte
n, berufliche Massnahmen
wieder
aufzunehmen
(S. 8 f.
Ziff.
2). Aus näher dargelegten Gründen wäre ferner ab der 2010 erfolgten Anmeldung ein Rentenanspruch z
u prüfen gewesen (S. 9 f. Ziff.
3). Ein solcher sei für die Vergangenheit zu bejahen (S. 10
lit
. c) und für die Zukunft nach den nun einzuleitenden beruflichen Massnahmen zu prüfen (S. 10
lit
. e).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sic
h mit dem Gesundheitszustand des
Be
schwerdeführers und allfälligen Leistungsansprüchen verhält.
3.
3.1
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am
9.
Juni 2011 ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk.
10/
34).
Darin nannte er folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 9 Ziff. 6.1):
kombinierte Persönlichkeitsstörung (mit unreifen, abhängigen und ängst
lich-vermeidenden Zügen; F61.0)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (S. 9 Ziff. 6.
1):
-
anamnestisch rezidivierende depressive Störung, dann gegenwärtig leichte
depressive Episode (F33.0)
-
Differentialdiagnose (DD) Angst und depressive Störung gemischt (F41.2)
Zur Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, im bisherigen Arbeitsverhältnis (das seit 2 Jahren nicht mehr bestehe) bestehe aktuell keine Arbeitsfähigkeit; auch bei entsprechender Willensanstrengung wäre ein krankheitsbedingter bal
diger Abbruch zu erwarten (S. 11 Ziff. 6.2).
In angepasster Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit aktuell mindestens 50 %, wobei einfache Tätigkeiten in Frage kämen; bei günstiger Entwicklung sei eine rasche Steigerung auf 100 % denkbar, was jedoch auf längere Sicht nur in Kombination von Therapie und beruflicher Reintegration gelingen dürfte (S. 11 Ziff. 6.3).
3.2
Dr. med.
A._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, teilte der Beschwerdegegnerin am 1
4.
Februar 2013 (Urk.
10/
77) mit, der Beschwerdeführer befinde sich in seiner Behandlung. Seines Erachtens sei nach Bewilligung eines weiteren Arbeitstrainings abzuwarten, in welche Richtung es gehen solle, wes
halb er das Berichtsformular später ausfüllen werde (S. 1 Mitte).
Aus seiner Sicht sei der Beschwerdeführer sicher auf dem freien Arbeitsmarkt zu mindestens 50 % arbeitsfähig, mit der Option einer Steigerung je nach Verlauf (S. 1).
3.3
Eine am 17./1
8.
Oktober 2013 durchgeführte Schlafanalyse ergab ein sehr leich
tes Schlafapnoe-Syndrom und ein leichtes PLMS (periodische Beinbewegung im Schlaf) Syndrom; beide seien behandelbar und nicht Grund für die Tagesmüdig
keit und Beschwerden des Patienten. Letztere seien am ehesten Folge der Unre
gelmässigkeit des Schlafes beziehungsweise eine schlafhygienische Problematik (Urk.
10/
87 S. 3 oben).
3.4
Am 1
5.
Januar 2014 erstattete Dr.
A._
(vorstehend E. 3.2)
seinen Bericht (Urk.
10/
89/1-5). Darin nannte er folgende Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
Verdacht auf Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Symptoma
tik gemischt, längerdauernd (ICD-10 F43.21)
-
DD:
Dysthymie
(ICD-10 F34.1)
-
Verdacht auf Somatisierungsstörung (ICD-10 F45)
-
unklare
Hypersomnie
und Tagesmüdigkeit
Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit 2003 als Heizungsmonteur (Ziff. 1.6). Eine Tätigkeit im angepassten, angemessenen Rahmen sei möglich, initial zu 50 % (Ziff. 1.7). Der Patient sei seines Erachtens auf längere Sicht zu
50 % arbeitsfähig, eventuell sogar in seiner angestammten Tätigkeit als Hei
zung
s
monteur, sicher aber zumindest in einer angepassten Tätigkeit, dies mit der Option
einer Steigerung je nach Verlauf (S. 1 oben).
3.5
Mit Schreiben vom 1
8.
März 2015 führte
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.2) aus, das Befinden des Beschwerdeführers könne teilweise durch Mangelerscheinungen be
züglich Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin D erklärt werden (
Urk.
10/117).
Mit Schreiben vom 2
5.
Mai 2015 teilte er mit, an einer vom Eingliederungsberater vermittelten, für ihn idealen Stelle als Hauswart sei der Beschwerdeführer ge
scheitert; leider sei es zu früh gewesen, es auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu versuchen (
Urk.
10/119).
Mit Bericht vom 2
8.
Mai 2015 (
Urk.
10/121) nannte er als Diagnose (S. 1 Mitte) eine rezidivierende mittelgradige bis schwere depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig bis schwer (ICD-10 F33.2)
,
und führte aus, der Beschwerdeführer sei etwa seit 2003 krank und es seien diverse Therapien mit dem Erfolg durchgeführt worden, dass er zumindest in geschütztem Rahmen arbeitsfähig geworden sei; so sei es heute immer noch (S. 1 unten).
3.6
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte mit Bericht vom
8.
Juni 2015 (
Urk.
10/120) aus, sie behandle den Beschwerdeführer seit
5.
Januar 2015 (
Ziff.
1.2), und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
chronisch depressive Episode (ICD-10 F32)
-
Somatisierungsstörung
-
Colon
irritabile
-
chronischer Weichteil-Rheumatismus
-
Vitamin B12-Mangel
-
chronische
Fatigue
Sie attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom
1.
bis 3
0.
Juni
2015 (Ziff.
1.6) und führte aus, aktuell sei unklar, ob mit einer Wiederaufnahme der Tätigkeit gerechnet werden könne (
Ziff.
1.9).
3.7
Am 1
5.
Januar 2016 erstatteten
der Chefarzt und
die Ärzt
innen
der
Y._
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10/140
/1-46
).
Sie stützen sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 5 ff.), die Angaben des Beschwerdeführers (S. 14 ff.) und ihre am 2
4.
und 2
6.
November 2015 erfolgten internistische, psychiatrische, orthopädisch und
otorhinolaryngo
logische
Untersuchungen.
Sie nannten zusammenfassend folgende Hauptdiagnosen mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (S. 40
Ziff.
7.1.1):
-
es kann keine sichere psychiatrische Diagnose im Moment gestellt werden, mögliche Differentialdiagnosen
(DD)
:
-
hebephrene
Schizophrenie (ICD-10 F20.1)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICO-10 F61.0)
Als
Nebend
iagnosen ohne
wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
nannten
sie (S. 40
Ziff.
7.1.2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
Verdacht auf chronische Obstipation, DD
Reizdarm
-
Verdacht auf
ekzematöse
Hautveränderungen Hände beidseits,
kältege
triggert
-
rezidivierende Handgelenksbeschwerden beidseits bei
-
Hypermobilität der Handgelenke
-
muskuläre
Dysbalance
und
Dekonditionierung
-
Status nach Handgelenksdistorsion/-kontusion links 1995
-
Subjektive Nasenatmungsbehinderung bei gutem Flow und minimer Rest
deviation des Septums nach rechts
-
Status nach
Septumplastik
vor einigen Jahren
-
Prostatodynie
-
hyperaktiver Sphinkter
-
DD: funktionell
Aus orthopädischer Sicht hätte
n
sich keine wesentlichen funktionellen Ein
schränkungen weder von Seiten der Wirbelsäule noch von den Gelenken gefun
den und es bestünden keine Einschränkungen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten. Aus HNO-ärztlicher Sicht bestehe keine Pathologie in diesem Bereich, welche die Leistungsfähigkeit des Versicherten einschränken würde.
Als allgemein-internistischer Sicht sei der Versicherte in einem guten Allgemein
zustand (AZ), schlankem Ernährungszustand (EZ) und kardiopulmonal kompen
siert. Die Leistungsfähigkeit aus allgemeininternistischer Sicht sei gegeben (S. 42 Mitte
Ziff.
7.2.3)
Aus psychiatrischer Sicht
könne
im Moment keine sichere Diagnose im Rahmen der
gutachterlichen
Situation gestellt werden. Differenzialdiagnostisch
müsse
an eine
hebephrene
Schizophrenie,
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich vermeidenden, abhängigen und unreifen
Anteilen und an eine rezidi
vierende depressive Störung gedacht werden, wobei die Depression
aktuell remit
tiert
sei
. Es
sei
jedoch fest
z
uhalten, dass im Komplex der Gesundheitsschädigung
mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eine psychiatrische Gesundheitsschä
d
i
gung
mit erheblicher
Schwere, Intensität, Ausprä
gung und Dauer vorlieg
e.
Hin
gegen
sei
das Kriterium einer chronisch
körperlichen Begleiterkrankung nicht erfüllt. Aggravation und
Verdeutlichungen
l
ägen nicht vor,
ebenso wenig ein Sucht
leiden.
Da in der Bewertung der vorliegenden Standardindikatoren anhand der aktuell erhobenen psychiatrischen
Befunde im Moment keine sichere Diagnose gestellt werden
könne, könne
auch die Arbeitsfähigkeit
nicht abschliesse
n
d be
urteilt werden
. I
nsofern
sei
das psychische Störungsbild des
Versicherten als in
stabil zu beurteilen. Es
werde eine
längerfristige stationäre psychi
a
trische Be
handlung
mit adäquater medikamentöser Therapie empfohle
n
.
D
urch einen län
g
er
fristigen Beobachtungszeitraum
und eine ausführliche Fremdanamnese sollte eine fundierte Diagnostik
und Differen
t
ialdiagn
o
stik möglich sei
, um an
schliessend eine adäquate symptomspezifische
Therapie einzuleiten
.
Anschliessend
werde
eine erneute
psychiatrische
Wiederbeurteilung empfohlen
(S. 42)
.
Polydisziplinär
sei damit die ps
ychiat
r
ische Beurteilung führend. Aufgrund des instabilen Gesundheitszustands
des Versicherten aus psychiatrischer Sicht
sei
eine abschliessende Beurteilung
seiner
Leistungsfähigkeit zum jetzigen Zeitpun
kt nicht möglich. Aufgrund des i
nstabilen
G
esundheitszustands lieg
e
zu
m
aktuellen Zeitpunkt eine 0%ige
Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein
100% Pensum vor. Nach Abschluss der statio
n
äre
n
Behandlung und des Therapi
ebeginns empfehle
sich eine Wiederbegutachtung des Versicherten
(S. 42 unten)
.
Im Zeitpunkt der Begutachtung bestehe keine Leistungsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Es werde jedoch eine ausführliche stationäre Diagnostik empfohlen mit anschliessender Therapie, danach empfehle sich eine Wiederbegutachtung zum Festlegen der Leistungsfähigkeit des Versicherten. Die erhaltenen Funktio
nen und Handicaps könnten sich nach erfolgten stationären Aufenthalten und medikamentöser Behandlung durchaus noch verändern und sollten zu einem späteren Zeitpunkt abschliessend geprüft werden. Insofern sei das psychische
Störungsbild des Versicherten als instabil zu bezeichnen. Im Moment sei der Ver
sicherte in seiner Anpassung an Regeln und Routinen sowie in der Flexibilität und der Umstellungsfähigkeit mittelgradig bis schwer eingeschränkt. Auch in der Planung und Strukturierung von Aufgaben, in der Anwendung fachlicher Kom
petenzen wie auch in der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sei er mittelgradig beeinträchtigt. Die Durchhaltefähigkeit und die Selbstbehauptungsfähigkeit seien mittelgradig eingeschränkt. Die Selbstpflege sei gegeben. Die Kontaktfähigkeit zu Dritten und in der Gruppe sei mittelgradig eingeschränkt. Die Spontanaktivität sei gegeben ebenso wie die Verkehrsfähigkeit. Aus orthopädischer Sicht bestehe das einzige Handicap in der zunehmenden
Dekonditionierung
und der dadurch bedingten mangelnden Belastbarkeit. Diese sei durch geeignete Trainingsmass
nahmen zu verbessern. Als Ressourcen würden die intakten Funktionen des Bewegungsapparates angesehen. Sozial sei der Versicherte weitgehend isoliert, er
berichte
über finanzielle Probleme, Schulden. Eine berufliche Eingliede
rungs
fähigkeit sei zurzeit nicht vorhanden (S. 43
Ziff.
7.2.4).
In Beantwortung von Zusatzfragen
führten sie unter anderem aus, in erster Linie sei eine Therapie angezeigt, um zu einem späteren Zeitpunkt die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit abschliessend prüfen zu können (S. 45
Ziff.
1). Die therapeutischen Massnahmen seien nicht ausgeschöpft, eine stationäre Therapie werde empfohlen (S. 45
Ziff.
3). Aus psychiatrischer Sicht wäre eine stationäre psy
chiatrische Therapie von mindestens 2 bis 3 Monaten inklusive adäquater medi
kamentöser Therapie zu empfehlen. Eine stationäre Therapie sei dem Ver
sicherten zumutbar
.
Bis jetzt habe er jedoch eine stationäre Therapie abgelehnt (S. 45
Ziff.
4). Bezüglich beruflicher Eingliederungsmassnahmen sei zurzeit Zu
rückhaltung zu empfehlen. Eine Neubeurteilung nach stationärer Therapie werde empfohlen (S. 45
Ziff.
5).
3.8
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte
mit Bericht vom 2
8.
November 2016 (
Urk.
10/162) aus, er behandle den Be
schwe
r
deführer seit November 2015, nachdem
Dr.
A._
(vorstehend E.
3.2) in den Ruhe
stand getreten sei (S. 3 Mitte), und nannte folgende Diagnosen (S. 1 unten):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (abhängig, vermeidend) ICD-10 F61.0
-
DD gemäss psychiatrischen Gutachten:
hebephrene
Schizophrenie (ICD-10
F20.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
3.9
Oberärztin
D._
,
p
sychiatrische
K
linik
E._
, teilte mit Schreiben vom
6.
September 2017 mit, die teil
stationäre Behandlung habe vom 1
5.
Mai bis
4.
September 2017 gedauert.
Sie sei in gegenseitigem Einvernehmen beendet worden, da bei mehrheitlichem Nicht
erscheinen keine Behandlungskontinuität habe erreicht und dem Hauptproblem Schlafstörung / Tag-Nacht-Umkehr nicht habe gerecht werden können (
Urk.
10/169/7).
Mit Bericht vom 2
8.
November 2017 (
Urk.
10/170) nannte sie folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33
.0
)
-
Verdacht auf
anankastische
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5)
Sie attestierte eine
Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab 1
5.
Mai 2017 (
Ziff.
1.6). Ob mit einer Wiederaufnahme der Tätigkeit gerechnet werden könne, sei nicht beur
teilbar (
Ziff.
1.9).
3.10
Am
7.
Mai 2018 erstatt
et
en
Dr.
med. univ.
F._
, Assistenzarzt, und Dr.
med.
G._, Leitender Arzt, i
ntegrierte Psychiatrie
H._
, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10/182).
Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen
Akten (S. 3 ff.), die Angaben des Beschwerdeführers (S. 22 ff.) und ihre am
6.
März 2018 und - nachdem der Beschwerdeführer zum zweiten Termin am 2
0.
März 2018 ohne Nachricht nicht erschienen war (vgl.
Urk.
10/191) - am
4.
April 2018 erfolgten Untersuchungen (S. 2 oben).
In ihrer Beurteilung führten sie einleitend aus, a
m auffallendsten
sei d
as
über
wältigende Ausmass an diagnostischer Unklarheit, welches nun seit beinahe zehn Jahren
besteh
e.
Beim Studium der Akten
werde
ein persistierendes Muster deut
lich. Sämtliche beurteilenden
Psychiater, seien es nun Therapeuten oder Gut
achter
,
s
ä
hen objektiv eigentlich nur
unspezifische Symptome
.
Wie auch in den Akten erwähnt, basier
t
en die - wenn überhaupt -
gestellten Diagnosen auf den Aussagen des Klienten. In verschiedenen Berichten und Gutachten
werden wieder
holt Zweifel geäussert, ob allenfalls eine Problematik im Bereich Wollen/
Können besteh
e
. Keine einzige der erwähnten Diagnosen
sei
gemäss den Kriterien der
ICD-10 genügend verifiziert (S. 33 unten).
Die Diagnosen betreffend führten sie Folgendes aus (S. 34
Ziff.
6):
a
ktenanamnestisch rezidivierende depressive Störung, akt
uell remittiert
(ICD-10 F33.4)
Nach unserer Untersuchung ist aktuell keine weitere psychiatrische Krankheit im engeren
Sinne (F-Diagnose nach ICD-10) zu diagnostizieren.
Diagnose mit hoher Wahrscheinlichkeit:
T
a
g/Nacht Umkehr (
b
estätigt durch Schlaflabor 2013) ohne bekannte Ursache
ICD-10 Z-Diagnosen (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfäh
i
gkeit):
•
Z56 Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit
•
Z59 Probleme in Verbindung mit Wohnbedingungen und ökonomischen Verhältnissen
•
Z60.2 Alleinleben
•
Z63.5 Familienzerrüttung durch Trennung oder Scheidung
•
Z72.8 s
onstige näher bezeichnete Probleme bei der Lebensführung - Tag-Nacht-Umkehr
Aktenanamnestisch
werde
erstmalig eine reaktiv-depressive Symptomatik im Zusammenhang
mit einer länger
andauernden Ü
berforderungssituation
(
familiär als Ehemann und Fa
milienvater
und auch beruflich) im Jahr 1999 erwähnt. Ab 2003
sei
es
zum Auftreten von Panikattacken gekommen,
wobei
diese im Verlauf vollständig rem
ittiert
hätt
en und nun seit Jahren keine weitere Panikattacke
mehr aufgetreten sei (S. 34 unten).
Zum jetzigen Zeitpunkt bestünden keinerlei Zeichen für eine Depression (S. 35 unten).
Im direkten Kontakt während der Untersuchung sei der Beschwerdeführer wach, frisch, nicht verlangsamt und erwecke insgesamt nicht den Eindruck, an einer schwerwiegenden psychischen Krankheit zu leiden. Dabei sei es jedoch kaum möglich gewesen, sein wirkliche
s inneres Erleben zu erfahren. D
er Versuch dazu sei durch die Weitschweifigkeit und diffuse Antworten verunmöglicht worden (S. 38 unten).
Gleichsam wie ein roter Faden zieh
e
sich dies Phänomen auch durch die Geschichte, wie sie
in den Akten erschein
e
. Mehrfach
werde
erwähnt, da
s
s Unklarheit darüber
besteh
e, ob eine Problematik
des Wollens oder des Könnens vorherrsch
e (S. 39 oben)
.
Trotz mehrfacher Empfehlung
seien
stationäre Abklärungen durch den
Klienten mit Ausnahme einer dreitätigen
H
o
spitalisation
im
Jahr 2009 durchgehend abge
lehnt worden.
Die Begründungen dafür
seien ih
res Erachtens nicht ganz nach
vollziehbar
. Letztendlich sei
jedoch auch hier die Frage, ob der Klient nicht
wolle
oder nicht
könne
, nicht fundiert
z
u beantworten.
Bei den Eingliederungsmass
nahmen im Jahr 2012 und 2013
habe
stets immer erst durch das Aufsetzen von massivem Druck nach einer längeren Zeit eine gewisse
Konstanz und Zuver
lässigkeit in der Präsenz erreicht werden
können.
Bei im Wesentlichen zufrie
denstellender Arbeitsleistung
sei
jedoch nie eine Steigerung des
Arbeitspensums über 60
%
gelungen
. Dies
sei
vor allem darauf zurückzuführen, dass
er nicht
im Stande
gewesen sei
,
vor 10.00 Uhr zur Arbeit zu erscheinen. Auch in den Be
rich
ten über diese Massnahmen
habe
sich Unsicherheit darüber
gezeigt
, ob der Klient
nicht mehr wollte oder nicht mehr
konnte. Die auffällige Tatsache, dass
er
nach eigener Aussage schlicht nicht in der
Lage
gewesen sei
, am Morgen zur Arbeit zu erscheinen,
sei
nie wirklich hinterfragt
worden (S. 39). Dieser Punkt habe
grosse Wichtigkeit, stell
e
er doch nach der Aussage des Klienten einen ent
scheidenden Grund
dafür dar, dass er nicht in den regulären Arbeitsprozess einge
gliedert werden
könne
. Die anderen
Einschränkungen (Langsamkeit, Begriffs
stutzig
keit, hohes Anleitungsbedürfnis etc.) müssten
neuropsychologisch objekti
viert werden
(S. 39 f.).
In den Aussagen des Klienten erg
ä
ben sich im Wesentlichen keine Inkonsistenzen
(S. 40 Mitte).
Eklatante Inko
n
sistenzen best
ünd
en jedoch zwischen subjektiven Beschwerden und objektiven
Befunden. Die Durchsicht der Akten zeig
e
, dass die Schilderungen des Klienten fast durchgehe
n
d
als di
ffus, schwer fassbar und auch un
typisch ge
schildert
worden seien
. Verschiedentlich
drück
e
Dr.
A._
aus,
dass er sich nicht gänzlich im
Klaren darüber
sei
, ob möglicherweise eine
Diskrepanz besteh
e
zwischen den Aussagen
des Patienten
und den wirklichen Verhältnissen.
Auch
Dr.
Z._
beschreib
e
diese Unklarheit
(S. 40 unten). Im Gutachten der
Y._
werde
ausdrücklich
darauf hingewiesen, dass sich die
Beurteilung des Ge
sund
heitszustandes des Klienten weitgehend auf dessen Schilderungen abstütz
e
, wäh
rend objektive Feststellungen durchaus rar
seien. B
emerkenswert
sei
, dass die begutachtende Psychiaterin davon
ausgeh
e
, dass eine psychiatrische Störung
von erheblicher Schwere vorliege
, ohne dass sie
dies näher begründe
(S. 40 f.).
In
der aktuellen
Untersuchung
sei
dieses Phänomen deutlich und konstant zu beobachten
gewesen
. Wiederholt
habe der Beschwerdeführer
betont
, dass seine Tag-Nacht-Umkehr der Hauptgrund dafür sei, dass er
eben nicht arbeiten könne. Die Beschreibung seiner Tagesmüdigkeit und seiner planerischen
Schwierigkeiten
seien
verschwommen
gewesen
. Bei Nachfragen
sei
er regelmässig weitschweifig
und diffus
geworden
. Es
sei i
n keinem Fall
gelungen
, eine präzise Beschreibung seiner Beschwerden zu erhalten
(S. 41 oben)
.
Die Gutachter führten aus, nach ihrer
Beurteilung
sei
die Möglichkeit nicht aus
zuschliessen, dass bei
m Beschwerdeführer
bezüglich seiner angegebenen Arbeits
fähigkeit
eine Selbstlimitierung vorliege
. Ein weiterer
Hinweis für diesen Ver
dacht finde sich im Ablauf der Einglie
derungsmassnahmen. Hauptproblem sei
auch dort die Unfähigkeit
gewesen
, des Morgens früh aufzustehen und zur Arbeit zu kommen.
Auf Druck
habe
der Klient jeweils seine Zuverlässigkeit verbessern
können
, sein Zu-Spät-Kommen
oder generelles Abwesend-Sein aufgrund der Sch
l
af
störung
sei
jedoch offensichtlich akzeptiert
und nie wirklich hinterfragt
worden.
Zusammenfassend
sei
festzuhalten, dass es während der letzten neun Jahre nie wirklich gelungen
sei
, Klarheit über das psychiatrische Krankheitsbild zu erlangen. Die Beurteilungen
stütz
t
en sich kaum auf objektivierte Befunde. Sie
seien
fast vollständig aus den Aussagen des
Klienten abgeleitet. Dabei
sei
von grosser Wichtigkeit, dass es kaum je möglich
gewesen sei
, präzise
Beschwerde
beschreibungen zu erhalten. Regelhaft
sei
der Klient weitschweifig
und
diffus
geworden
und
habe
in
d
er Untersuchung teilweise auch ausweichend
gewirkt (S.
4
1 Mitte)
.
Auffällig
sei
in diesem Zusammenhang zudem, dass wiederholte Versuche, eine stationäre
Abklärung in die Wege zu lei
t
en, durch den Klienten abgewehrt
worden seien
und die stattdessen
durchgefüh
r
te tagesklinische Behandlung nach drei Monaten wegen Unzuverlässigkeit des
Klienten im Wesentlichen ohne neue Erkenntnisse abgebrochen
worden sei (S. 41 unten)
.
Während
d
es Gutachtens
sei
die Möglichkeit erörtert
worden
, die Tag-Nacht-Umkehr stationär
im Rahmen eines Rehabilitationsaufenthaltes zu korrigieren. Dies
habe der Beschwerdeführer
vehement
abgelehnt.
Sein erstes Argument
sei
dabei
gewesen
, dass die Kosten zu gross sei
n
würden. Nach Aufklärung
darüber, dass der Aufenthalt von den Kra
n
kenkassen übernommen werden würde,
habe er ge
äussert, er
ertrage die anderen Patienten nicht. Als er darauf hingewiesen
worden sei
, dass in
einer Rehaklinik keine psychisch schwer kranken Menschen seien,
habe er das Argument geändert,
dass er dann seine Tochter zu wenig sehen könnte
.
Auch hier stell
e
sich die Frage, ob und wenn j
a, inwieweit der Klient versuche
, möglicherweise
k
lärende Massnahmen zu vermeiden (S. 42 Mitte).
Angesichts der Gesamtsituation (Verdacht auf negative Antwortverzerrung, sub
jektive
Schilderung von kognitiven Einschränkungen wie Langsamkeit, schlech
tes Verstehen
von Instruktionen etc., welche notabene in der Untersuchung nicht zu objektivieren
gewesen seie
n)
, sei
eine neuropsychologische Untersuchung un
abdingbar. Ohne eine solche werde eine
wei
tere Klärung nicht möglich sein.
Zudem
werde
bei
weiter
bestehender
Unklarheit ein
stationäre
r
Aufenthalt von einigen
Wochen Dauer empfohlen (S. 43 oben).
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, m
it der Ausnahme der Ein
schränkung, nicht vor 10
.
00 Uhr mit
der Arbeit anfangen zu können, sähen
sie
keinen fassbaren medizinischen Befund oder eine Diagnose, welche versiche
rungsmedizinisch
eine wesentliche
Arbeitsunfähigkeit begründe (S. 44
Ziff.
8).
Die bei den Arbeitsversuchen mitunter geschilderte langsame Arbeitsweise sowie die Notwendigkeit
vermehrter Anleitung
könne
aktue
ll kausal nicht zufrieden
stellen
d eingeordnet werden.
Um dies zu erreichen
, sei
eine neuropsychologische
Untersuchung dringend indiziert.
Eine mögliche kognitive Ursache könnte hiermit ausgeschlosse
n
oder bestätigt wer
den. Am
besten wäre eine solche neuropsychologische Untersuchung im Rahmen eines stationären
Aufenthalts durchführbar, welchen der Klient jedoch kategorisch aus nicht wirklich nachvoll
ziehbaren
Gründen ablehn
e (S. 44 f.)
.
Insgesamt
seien
weder das beschriebene Funktionsnivea
u
noch die psychopatho
lo
gische Symptomatik
plausibel nachzuvollziehen
.
Somit
sei
es nicht möglich,
ein adäquates Anforderungsprofil zu erstellen und ein Pensum zu bestimmen (S. 4
5 oben).
3.11
Vom 2
4.
Dezember 2018 bis 2
6.
Januar 2019 weilte der Beschwerdeführer statio
när im Sanatorium
I._
, wo mit Austrittsbericht vom 1
3.
Februar
2019 (
Urk.
10/205/4-6) folgende Hauptdiagnose genannt wurde (S. 1 Mitte):
-
nichtorganische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus (ICD-10 F51.2)
Als Nebendiagnose wurde eine Anämie bei Folsäure- und Vitamin B12-Mangel genannt (S. 1 Mitte).
An der zur Umstrukturierung des Tag-Nacht-Rhythmus empfohlenen Lichtthe
ra
pie
habe der Beschwerdeführer erst nach mehrfachem Erinnern seitens des Be
hand
lungsteams teilgenommen (S. 1 unten). Nach etwa einer einwöchigen regel
mässigen
Teilnahme habe er von einem verbesserten Schlaf berichtet.
Im s
päteren Ver
lauf des Aufenthaltes habe er angegeben, die Schlafqualität sei wieder unzu
rei
chend und er sei zur Wachtherapie angemeldet worden. Entgegen den Emp
feh
lungen habe er sich nach der Wachtherapie wieder ins Bett gelegt und habe diese vorzeitig abgebrochen (S. 2 oben).
Während des Aufenthalts habe sich keine der
in früheren Beurteilungen
aufge
listeten Diagnosen (ICD-10 F61.0, F60.5, F33.0, F20.1) gezeigt. Insbesondere habe der Beschwerdeführer im aktuellen Zustandsbild die Kriterien einer depressiven Episode nicht erfüllt
. Auffallend seien die wechselhaften Angaben gewesen, wenn es um den Schlafrhythmus oder gezielte diagnostische Fragestellungen gegangen sei. Der Beschwerdeführer sei in weitgehend unverändertem Zustand ausgetreten (S. 2 Mitte).
3.12
Im Bericht vom
5.
April 2019 über die am 1
5.
März 2019 erfolgte neuro
psy
cho
logische Untersuchung (
Urk.
10/208
=
Urk.
10/209/2-8
) wurde
n
leichte sprachli
che und partielle
attentionale
sowie exekutive Beeinträchtigungen bei einer Lern
behinderung (ICD-10 F07.8)
als Diagnose
genannt (S. 1). Es wurde ausgeführt,
berufliche Massnahmen wären angezeigt, um den Patienten beruflich wieder inte
grieren zu können. Vom kognitiven Fähigkeitsprofil her wären einfachere Tätig
keiten angemessen (S. 6 unten).
3.13
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.8) teilte am 1
5.
Juli 2019 mit, er könne keinen Bericht erstatten, da der Beschwerdeführer zuletzt am 1
8.
Februar 2019 eine Sitzung bei ihm wahrgenommen habe (
Urk.
10/206/7)
.
3.14
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte mit Beurteilung vom
6.
Februar 2020 (
Urk.
10/2010 S. 15) aus,
der
Versicherte
sei der Schadenminderungspflicht nachgekommen
.
Teilweise
sei
eine
verminderte Anstrengungsbereitschaft bei der neuropsychologischen Testung auf
gefallen
. Während der psychiatrischen
Hospitalisation
habe
keine psychiatrische
Diagnose ausser einer nichtorganischen Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus (ICD-10 F 51.2)
gestellt werden
können
.
Die angestammte Tätigkeit als Heizungs
monteur schein
e
ü
berwiegend
wahrscheinlich seit 2009 nicht mehr möglich zu sein.
Der V
ersicherte
sei
in erster Linie durch die leichten neuropsychologischen Defizite im Sinne
einer leichten Lernbehinderung in seiner Leistungsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt eingeschränkt.
Zumutbar
seien
leichte, einfache und gut vorstrukturierte Tätigkeiten ohne Zeit- und
Termindruck bei ausrei
chen
der Fremdkontrolle und Anleitung, zunächst in einem Pensum von
50
%
.
Der Versicherte sollte in
de
r Lage sein
,
in einer Hilfstätigkeit ein volles Pensum zu erfüllen,
beginnend in einem Pensum von 50
%
, mit langsamer und schrittweiser Steigerung auf ein
Vollpensum. Inwieweit eine solche
Arbeitsfähigkeit
infolge der langen Abwesenheit vom ersten Arbeitsmarkt umsetzbar
sei,
bleib
e
abzuwarten.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin teilte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom
7.
Juli 2016 mit, gemäss den medizinischen Abklärungen liege noch kein stabilisierter Gesundheitsschaden vor. Es sei zunächst eine stationäre psychiatrische Behand
lung von mindestens zwei bis drei Monaten erforderlich. Sie setzte ihm eine Frist, um anzugeben, in welcher Klinik er die Behandlung durchführen werde (
Urk.
10/144
S. 1
).
4.2
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.6) teilte der Beschwerdegegnerin am 2
8.
Oktober 2016
mit, sie empfehle eine tagesklinische Behandlung, so dass sich der Beschwerde
führer auf die Therapien seiner somatischen Beschwerden konzentrieren könne. Er leide vor allem an einer somatoformen Schmerzstörung, welche durch phy
sische und psychische Überlagerung
exazerbiere
(
Urk.
10/159).
Der seit November 2015 behandelnde Psychiater
Dr.
C._
veranlasste, nach
dem eine erste Zuweisung
gescheitert war
(vorstehend E. 3.8
), die Zuweisung an eine Tagesklinik (
Urk.
10/167).
4.3
Die Beschwerdegegnerin teilte dem Beschwerdeführer
mit Schreiben vom 6.
August
2018 mit, gemäss den medizinischen Abklärungen könne zurzeit nicht abschlie
ss
end beurteilt werden, ob eine gesundheitliche Einschränkung der Erwerbsfähig
keit vorliege. Es sei ein stationärer Aufenthalt von mindestens 3-4 Wochen mit de
m
Ziel der Umstrukturierung des Tag-Nacht-Rhythmus notwendig. Sie setzte
ihm eine Frist, um anzugeben, wo der stati
onäre Aufenthalt geplant werde (
Urk.
10/185 S. 1).
4.4
K._
,
von der L._
, führte mit Bericht vom 1
4.
Juli 2020 (
Urk.
10/218) aus,
L._
vermitt
l
e regelmässige Teilzeitarbeit für Sozialhilfebeziehende. Die Tätigkeiten
f
ä
nden in Non-Profit-Organisationen statt und w
ü
rden nicht
ent
löhnt
. Sie h
ätt
en daher
den Charakter eines gemeinnützigen Freiwilligen-Enga
gements und ermöglich
t
en eine
Gegenleistung zur Sozialhilfe. Das Arbeitspensum
betrage
in der Regel zwischen zwei und
zwölf Stunden pro Woche (S. 1 oben). Nach schwieriger und langwieriger Suche nach einem geeigneten Einsatzplatz habe der Beschwerdeführer
im
März 2018 in der Mitarbeitercafeteria
eine
s Sozial
zentrums
beginnen können (S. 1 unten).
Eine Herausforderung
habe
die Arbeitszeit am Vormittag
dargestellt, da der Be
schwerdeführer
über erhebliche Schlafstörungen
ge
klagt
hab
e. Selten könne er vor vier
Uhr in der Nacht einschlafen, und auch das häufig nur mithilfe von Medikamenten.
Nach einem Mo
n
at
hätten
sowohl
er
als auch seine Vorgesetzte den Verlau
f als positiv gewertet, von seiner Seite sei S
tolz zu beobachten
ge
wesen, dass er die Vormittagstermine m
it nur einer
Absenz habe einhalten können
.
Dennoch habe nach einiger Zeit ein Wechsel zum Nachmittag stattgefunden, weil dies dem Beschwerdeführer leichter gefallen sei (S. 2 oben).
Das Programm verlange auch
regelmässige Kontaktpflege mit der zuständigen
B
egleitperson
des Programms. Dem Beschwerdeführer sei es im
Jahr 2018 nicht
gelungen, diese Kon
t
aktanforderung zu erfüllen. Ebenso sei es ihm nicht gelun
gen
, Beginn oder Ende seines längeren K
l
inikaufenthalts Anfang 2019
bei
L._
bekannt zu geben, obwohl er d
ies mit Einsatzort und Sozi
al
beratung vereinbart
gehabt habe (S. 2 Mitte). Nach einem Gespräch im April 2020 (richtig wohl: 2019) sei es ihm gelungen,
seine Arbe
itszeit korrekt zu rapportieren. Den Einzelgesprächen
bei
L._
sei
er dreimal in Folge
unabgemeld
et
fern
ge
blieben. Ab Späth
erbst 2019
habe
sich dies plötzlich
geändert
und seither pfleg
e er den persönlichen und
telefonischen Kontakt zu
L._
zuverlässig
(S. 2 unten).
Nach über zweieinhalb Jahren Prog
r
ammteilnahme schätze
er die
Arbeitsfähig
keit
des Beschwerdeführers
folgendermassen ein:
Alle an ihn gestellten Anfor
deru
ngen
lägen
weit unterhalb dessen,
was bei
L._
üblich sei. D
er Abstand z
u normalen Leistun
gsanforderungen im
ersten Arbeitsmarkt
sei
damit deutlich grösser als beim Gros der Teilnehmenden.
Beobachtungen und Einschät
zungen aller Beteiligten l
ie
ssen darauf schliessen, dass
der Beschwerdeführer auch
diesen reduzierten Anforderungen nicht
gewachsen sei
. Eine regelmässige
Tätigkeit mit einem höheren Pensum und allenfalls höheren Leistungsanfor
de
rungen
erschienen daher illusorisch (S. 3 Mitte).
5.
5.1
Im Gutachten von 2016
(vorstehend E. 3.7)
wurde ausgeführt, es könne derzeit keine sichere psychiatrische Diagnose gestellt werden. Genannt wurden lediglich zwei allfällige Differentialdiagnose
n
sowie eine Reihe von Diagnosen ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Da aus psychiatrischer Sicht keine (sichere)
Diagnose gestellt werden könne, könne auch die Arbeitsfähigkeit nicht abschlie
ss
end
beurteilt werden.
Durch einen längerfristigen Beobachtungszeitraum und eine ausführliche Fremdanamnese sollte eine fundierte Diagnostik und Differen
tial
dia
gnostik möglich sei
n
, um anschliessend eine adäquate symptomspezifische Therapie einzuleiten
. Empfohlen wurde eine längerfristige
stationäre psychia
trische Behandlung mit adäquater medikamentöser Therapie
und sodann e
ine erneute psychiatrische Wiederbeurteilung
.
5.2
Den Empfehlungen im Gutachten folgend auferlegte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
im Juli 2016
eine stationäre psychiatrische Behandlung von mindestens zwei bis drei Monaten (vorstehend E. 4.1), worauf die Hausärztin intervenierte und sich für eine lediglich tagesklinische Behandlung aussprach (vorstehend E. 4.2).
Die im April 2017 schliesslich aufgenommene tagesklinische Behandlung wurde sodann Anfang September 2017 mit der Begründung beendet, infolge mehrheitlichen Nichterscheinens des Beschwerdeführers habe keine Be
hand
lungskontinuität erreicht werden können und es habe auch dem Haupt
prob
lem Schlafstörung / Tag-Nacht-Umkehr nicht gerecht werden können (vorstehend E. 3.9).
5.3
Im
H._
-Gutachten vom Mai 2018
(vorstehend E. 3.10)
wurde ausgeführt, ausser einer aktenanamnestischen und aktuell remittierten rezidivierenden depressiven Störung könne keine weitere psychiatrische Krankheit im Sinne einer F-Diagnose gemäss ICD-10 diagnostiziert werden, und als Diagnose mit hoher Wahr
schein
lichkeit wurde
eine Tag
/Nacht-Umkehr ohne bekannte Ursache genannt.
Zur
Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, m
it der Ausnahme der Einschränkung, nicht vor 10
.
00 Uhr mit
der Arbeit anfangen zu können, sähen sie
keinen fass
baren medizinischen Befund oder eine Diagnose, welcher versicherungsmedizi
nisch
eine wesentliche
Arbeitsunfähigkeit begründe. Um die
bei den Arbeits
ver
suchen mitunter geschilderte langsame Arbeitsweise sowie die Notwendigkeit
vermehrter Anleitung
kausal zufriedenstellen
d ein
zuordnen, sei
eine neuropsy
cho
logische Untersuchung dringend indiziert.
Am
besten wäre eine solche neu
ropsychologische Untersuchung im Rahmen eines stationären
Aufenthalts durch
führbar, welchen der
Beschwerdeführer
jedoch kategorisch aus nicht wirklich nachvollziehbaren
Gründen ablehn
e
.
5.4
Nachdem auch die
H._
-Gutachter keine
Diagnose gemäss ICD-10 (F) zu stellen
vermochten und das infolge Tag-Nacht-Umkehr angeführte Unvermögen, vor 10
Uhr
zu einer Arbeit zu erscheinen, als einzige Einschränkung festhielten, auf
erlegte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer im August 2018 einen stationären Aufenthalt von mindestens 3-4 Wochen mit dem Ziel der Umstruk
turierung des Tag-Nacht-Rhythmus (vorstehend E. 4.3).
Dieser Aufenthalt fand sodann
von
Ende Dezember 2018
bis
Ende Januar 2019 statt (vorstehend E. 3.11). Als Hauptdiagnose wurde eine
nichtorganische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus (ICD-10 F51.2)
genannt, während sich keine der in früheren Beurteilungen genannten
psychiatrischen
Diagnosen gezeigt hätten. An einer der empfohlenen Therapien nahm der Beschwerdeführer erst nach mehrma
lige
m
Erinnern des Behandlungsteams teil, die andere brach er ab
.
Dement
spre
chend
wurde
er
in weitgehend unverändertem Zustand entlassen.
5.5
Die im
H._
-Gutachten empfohlene neuropsychologische Abklärung erfolgte im März 2019 (vorstehend E. 3.12). Im Bericht vom April 2019 wurden leichte neu
ropsychologische Beeinträchtigungen bei einer Lernbehinderung (ICD-10 F07.8) als Diagnose genannt und einfachere Tätigkeiten als vom Fähigkeitsprofil her angemessen bezeichnet.
Die RAD-Ärztin
Dr.
J._
erachtete aufgrund dieser Diagnose leichte, ein
fache und gutvorstrukturierte Tätigkeiten als in einem vollen Pensum zumut
bar, dies beginnend mit einem Pensum von 50
%
und anschliessender Steigerung (vorstehend E. 3.14).
6.
6.1
Im Rahmen der 2016 erfolgten Begutachtung konnte keine verlässliche Diagnose gestellt und es konnte insbesondere das Ausmass einer allfälligen Arbeitsun
fähigkeit nicht bestimmt werden, weshalb eine längerfristige stationäre Behand
lung und anschliessende Neubeurteilung empfohlen wurden. Damit steht fest, dass
das Gutachten von 2016 für die Anspruchspr
üfung nicht ausreichen konnte. Dementsprechend ist der Standpunkt des Beschwerdeführers, die Beschwerde
gegnerin hätte darauf abstellen können und sollen, verfehlt, und es kann keine Rede davon sein,
es handle sich
beim 2018 erstatteten
H._
-Gutachten es um eine
un
zulässigerweise
eingeholte «
second
opinion
».
6.2
Die im Gutachten empfohlene stationäre Behandlung fand nicht statt, nachdem die behandelnde Ärztin für eine lediglich tagesklinische Behandlung plädiert hatte, dies mit einer Begründung, die
bei näherer Betrachtung als äusserst seltsam zu qualifizieren ist (vgl. vorstehend E. 4.2).
Die tagesklinische Behandlung sodann scheiterte, und zwar ausdrücklich und ausschliesslich infolge des mehrheitlichen Nichterscheinens des Beschwerde
füh
rers. Im Abschlussbericht wurde eine Tag-Nacht-Umkehr als Hauptproblem be
zeichnet (vgl. vorstehend E. 3.9).
6.3
Im
H._
-Gutachten wurde diese Tag-Nacht-Umkehr ebenfalls als mit hoher Wahr
scheinlichkeit einzig zu stellende Diagnose genannt, mit der einzigen daraus resultierenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dahingehend, dass dem Be
schwer
deführer ein Arbeitsbeginn vor 10 Uhr nicht möglich scheine.
Der Versuch, die Tag-Nacht-Umkehr zu behandeln, scheiterte sodann an der unzureichenden Mitwirkung des Beschwerdeführers, wobei sich gemäss Austritts
bericht vom Januar 2019 während des rund vierwöchigen Aufenthalts keine der früher gestellten psychiatrischen Diagnosen zeigte (vgl. vorstehend E. 3.11).
6.4
Dies führt zum Zwischenfazit, dass seit 2014 (vgl. vorstehend E. 3.4)
und bis Januar 2019 keine psychiatrische Diagnose gestellt, sondern einzig die Proble
matik der Tag-Nachtumkehr als allfällige
- gemäss der Beurteilung im
H._
-Gut
achten geringfügige -
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erkannt werden konnte.
Der rechtsprechungsgemäss erforderliche Nachweis einer fachärztlich bestätigten Diagnose und insbesondere einer relevanten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, für welche der Beschwerdeführer die Beweislast trägt (vorstehend E. 1.2), ist damit nicht erbracht, was zur Feststellung führt, dass keine anspruchsrelevante Inva
lidität besteht.
6.5
Als Ergebnis der im März 2019 erfolgten neuropsychologischen Abklärung wurde erstmals eine Diagnose gestellt, nämlich eine Lernbehinderung (ICD-10 F07.8), wobei
einfachere Tätigkeiten als vom kognitiven Fähigkeitsprofil her angemessen bezeichnet wurden (vorstehend E. 3.12).
Hinsichtlich der Schlüssigkeit dieser Diagnose ist insofern eine gewisse Zurück
haltung angezeigt, als es dem Beschwerdeführer doch immerhin möglich gewesen
ist, 1994 den Lehrabschluss als He
izungsmonteur zu erlangen (vgl.
Urk. 10/16
/24). Damit vereinbar ist, dass die Lernbehinderung auch gemäss der neuropsy
chologischen Beurteilung jedenfalls einfacheren Tätigkeiten nicht entgegensteht.
Die RAD-Beurteilung, dass dem Beschwerdeführer
leichte, einfache und gut vorstrukturierte Tätigkeiten ohne Zeit- und Termindruck bei ausreichender Fremdkontrolle und Anleitung
zu 100
%
zumutbar seien (vorstehend E. 3.14), erweist sich vor diesem Hintergrund als einleuchtend und ist nicht zu bean
standen. Dass dies beginnend mit 50
%
und sodann schrittweiser Steigerung zu realisieren sei
, ist ausschliesslich der langjährigen Entwöhnung des Beschwerde
führers vom Arbeitsprozess geschuldet, die er selber zu verantworten hat, ins
besondere da eine Behandlung des einzigen gesundheitlichen Problems, das die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen könnte,
an seiner mangelnden Kooperation gescheitert ist. Hinsichtlich allfälliger Leistungsansprüche ist deshalb von der erwähnten vollen Arbeitsfähigkeit für einfache Tätigkeiten auszugehen.
Somit besteht auch unter diesem Titel keine anspruchsrelevante Invalidität, wo
mit sich die angefochtene Verfügung als rechtens erweist. Sie ist zu bestätigen und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
7.
7.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr. 900.-- festzusetzen, ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, und
infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
.
7.2
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin hat mit
H
onorarnote
vom
1
8.
Februar 2021
einen Aufwand von 11 Stunden 15 Minuten zuzüglich Spesenpauschale von 3
%
geltend gemacht
(
Urk.
13)
. Sie ist dementsprechend mit
Fr.
2'749.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.