Decision ID: 2712cbe8-e80c-566c-8661-65c1125f8099
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
X._, geboren 1990, wurde vom Juli 2017 bis Februar 2019 sozialhilferechtlich von der
politischen Gemeinde Y._ unterstützt. Da X._ ab dem 4. Februar 2019 an einer
beruflichen Eingliederungsmassnahme der IV-Stelle teilnahm und ihr dafür ein Taggeld
der Invalidenversicherung (IV) zugesprochen wurde, konnte sie per 28. Februar 2019
aus der Sozialhilfe abgelöst werden.
B.
Per 1. Juni 2019 zog X._ in eine Mietwohnung am M._ 00_ in Y._, deren Mietzins
im Monat (inkl. Nebenkosten) CHF 1'290 betrug. Nachdem die IV-Massnahme im
Oktober 2019 abgebrochen worden war, stellte sie ein neues Gesuch um
Sozialhilfeunterstützung. Mit Verfügung der Sozialen Dienste Y._ vom 20. November
2019 wurde ihr ab 1. Dezember 2019 Sozialhilfe zugesprochen, wobei die Wohnkosten
auf CHF 800 (inkl. Nebenkosten) für einen Einpersonenhaushalt gekürzt wurden. X._
erhob deswegen Einsprache und gegen den ablehnenden Einsprache-Entscheid vom
20. Dezember 2019 Rekurs an das Departement des Innern. Der Rekurs wurde mit
Entscheid vom 18. Februar 2021 abgewiesen (Verfahren DIGS411-325). Er erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
C.
Im Zusammenhang mit einem geplanten zweimonatigen Auslandaufenthalt von X._
(28. Januar 2020 bis 27. März 2020) verfügten die Sozialen Dienste Y._ am
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21. Februar 2020 die Einstellung der Sozialhilfeleistungen per 1. März 2020 (act.
7/11.37 in B 2021/194). Nachdem X._ am 29. Februar 2020 vorzeitig nach Hause
zurückgekehrt war, sprachen ihr die Sozialen Dienste Y._ mit Verfügung vom 6. März
2020 per 1. März 2020 wieder sozialhilferechtliche Unterstützung zu (act. 7/11.3 in B
2021/194). Aufgrund der zu langen Ferienabwesenheit wurden für den Monat Februar
2020 anteilmässige Rückerstattungen des Grundbetrags (um CHF 168) sowie des
Mietzinses (um CHF 137) verfügt und die entsprechenden Beträge je zur Hälfte mit den
Leistungen der Monate März und April 2020 verrechnet. Zudem wurde ihr aufgrund der
finanziellen Beteiligung des Vaters an den Wohnkosten Einnahmen von CHF 330
angerechnet, so dass ihr insgesamt für die Monate März und April 2020 je CHF 482.40
von den Sozialhilfeleistungen abgezogen wurden. X._ erhob dagegen Einsprache;
zudem beantragte sie, für die Wohnung seien ihr CHF 1'290 statt CHF 800
auszuzahlen. Mit Entscheid vom 14. April 2020 traten die Sozialen Dienste Y._ auf den
Antrag betreffend Berücksichtigung der tatsächlichen Wohnkosten nicht ein und
wiesen die Einsprache bezüglich der Rückerstattungen und der Anrechnung von
Einnahmen des Vaters ab (act. 7/11.48 in B 2021/194). Dagegen erhob X._ Rekurs an
das Departement des Innern (Verfahren DIGS411-346).
D.
Mit Schreiben vom 11. Mai 2020 teilte X._ den Sozialen Diensten Y._ mit, ihre
Schwester habe ihr in den Monaten Dezember 2019 bis Mai 2020 insgesamt
CHF 4'640.65 bzw. CHF 773.45 pro Monat vorgeschossen. Aufgrund dieses Umstands
wurden X._ mit Verfügung vom 14. Mai 2020 CHF 773.45 als Einnahmen (Zuwendung
von der Schwester) in das Sozialhilfebudget ab 1. Mai 2020 eingerechnet (act. 7/5.1 in
B 2021/196). Mit Einsprache-Entscheid vom 1. Juli 2020 traten die Sozialen Dienste
Y._ auf den Antrag von X._, die Wohnkosten seien von CHF 800 auf CHF 1'290 zu
erhöhen, nicht ein und wiesen die Einsprache betreffend die Anrechnung des Beitrags
der Schwester ab. Die Verfahrenskosten von CHF 150 wurde X._ auferlegt (act. 7/5.3
in B 2021/196). Mit Schreiben vom 21. Oktober 2020 erhob X._ dagegen Rekurs beim
Departement des Innern (Verfahren DIGS411-386).
E.
Nachdem die Schwester mit Schreiben vom 27. Mai 2020 mitgeteilt hatte, sie sehe sich
gezwungen, ihre Unterstützung einzustellen, wurde ab Monat Juni 2020 auf die weitere
Anrechnung von Zuwendungen der Schwester verzichtet (Verfügung vom 8. Juni 2020).
Mit Vorbescheid vom 12. Juni 2020 teilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
St. Gallen mit, dass X._ rückwirkend ab 1. Februar 2018 eine volle IV-Rente
zugesprochen werde. In der Folge hiessen die Sozialen Dienste Y._ die Einsprache
gegen die Verfügung vom 8. Juni 2020 mit Entscheid vom 23. Juli 2020 insofern
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teilweise gut, als die Wohnkosten für den Monat Juni 2020 von CHF 800 auf CHF 1'100
erhöht wurden.
F.
Mit Entscheid vom 19. August 2021 vereinigte das Departement des Innern die beiden
Rekursverfahren (DIGS411-346 und DIGS411-386). Der Rekurs gegen den Einsprache-
Entscheid vom 14. April 2020 (Rückerstattungen / Einnahmenanrechnung in den
Monaten März und April 2020) wurde insofern gutgeheissen, als der bereits erfolgte
anteilmässige Abzug von den Wohnkosten von CHF 137 als nicht rechtmässig
bezeichnet wurde. Im Übrigen wurde der Rekurs abgewiesen, soweit darauf
eingetreten wurde. Den Rekurs gegen den Einsprache-Entscheid vom 1. Juli 2020
(Einnahmenanrechnung im Monat Mai 2020) hiess das Departement des Innern
insofern gut, als die Auferlegung von Verfahrenskosten aufgehoben wurde. In der
Sache wurde der Rekurs abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde (act. 2).
G.
Am 4. September 2021 erhob X._ (Beschwerdeführerin) beim Verwaltungsgericht
Beschwerde gegen den Entscheid des Departements des Innern (Vorinstanz) vom
19. August 2021. Sie stellte den Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Entscheids,
Verzicht auf die Verrechnungen von CHF 84 und 68.50 im Monat März 2020 sowie
Auszahlung von CHF 137 (Verfahren B 2021/194), Verzicht auf die Anrechnung einer
Zuwendung der Schwester von CHF 773.45 für den Monat Mai 2020 sowie Erhöhung
der Wohnkosten auf CHF 1'100 für den Monat Mai 2020 (Verfahren B 2021/196).
Zudem beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne eines
Verzichts auf Gerichtskosten und Vorschüsse in den Beschwerdeverfahren. Der
Abteilungspräsident verzichtete in der Folge mit Schreiben vom 6. September 2021 auf
die Erhebung von Kostenvorschüssen. Die Vorinstanz verwies in ihrer Vernehmlassung
vom 10. September 2021 auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid. Mit
Eingabe vom 28. September 2021 ersuchte die politische Gemeinde Y._
(Beschwerdegegnerin) um Abweisung der Beschwerden, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Die Beschwerdeführerin reichte am 8. November 2021 die
Replik ein. Dazu nahm die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 17. November 2021
Stellung. Die Vorinstanz verzichtete auf eine weitere Stellungnahme.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für
den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
2. Beschwerde B 2021/194
Die Beschwerdeverfahren B 2021/194 und B 2021/196 beschlagen beide denselben
Rekursentscheid der Vorinstanz vom 19. August 2021; zudem besteht ein enger
Sachzusammenhang. Praxisgemäss rechtfertigt es sich daher, die zwei Beschwerden
in einem einzigen Entscheid zu behandeln und die beiden Beschwerdeverfahren zu
vereinigen.
1.1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin
ist als Adressatin des angefochtenen Entscheides zur Ergreifung des Rechtsmittels
legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerden gegen den
Entscheid der Vorinstanz vom 19. August 2021 wurden mit Eingabe vom 4. September
2021 rechtzeitig erhoben (Art. 47 Abs. 1 VRP) und sie erfüllen formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
VRP). Auf die Beschwerden ist daher einzutreten.
1.2. bis
In Bezug auf die Abweisung des Rekurses im Verfahren DIGS411-346 gilt es vorweg
festzuhalten, dass die im nämlichen Entscheid erfolgte Anrechnung von Zuwendungen
Dritter in der Höhe von CHF 330 (Bezahlung der Mietdifferenz von CHF 490 durch den
Vater abzüglich 20 Prozent bzw. CHF 160) in den Monaten März und April 2020
unangefochten geblieben und mithin rechtskräftig ist. Die Beschwerdeführerin stellt
aber den Antrag, es sei auf die Rückerstattungen von CHF 84 und CHF 68.50 im Monat
März 2020 zu verzichten. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, es sei
haltlos, wenn eine rechtmässig geschuldete sozialhilferechtliche Nachzahlung wegen
einer stattgefundenen Rückforderung verweigert werde. Die Abzüge von CHF 84 und
CHF 68.50 seien widerrechtlich erfolgt. Die Vorinstanz habe ausgeführt, eine direkte
Verrechnung mit laufenden Leistungen setze vor-aus, dass die Rückerstattungen
rechtskräftig verfügt worden seien, was vorliegend nicht der Fall sei. Dementsprechend
seien ihr diese Beträge auszuzahlen. Gemäss Dispositivziffer 3.1 des angefochtenen
Entscheids sei ihr zudem der Betrag von CHF 137 auszuzahlen. Das Dispositiv stehe
im Widerspruch zur Erwägung 3.4 des angefochtenen Entscheids. Es bestehe kein
2.1.
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Zusammenhang zwischen der geschuldeten Sozialhilfe und einer Rückforderung von
dieser. Dass eine sozialhilferechtliche Nachzahlung eventuell in einer Rückforderung
fehlen werde, könne unmöglich ihr angelastet werden. Die Rückforderung gemäss
Verfügung über die Ergänzungsleistungen vom 16. April 2021 sei derzeit im
Einspracheverfahren vor der Sozialversicherungsanstalt hängig.
Wer unrechtmässig finanzielle Sozialhilfe erwirkt hat, erstattet diese samt Zins nach
den Bestimmungen des Obligationenrechts zurück (Art. 19 des Sozialhilfegesetzes,
sGS 381.1, SHG). Die Verrechnung der Rückerstattung mit laufenden Leistungen der
finanziellen Sozialhilfe ist zulässig, soweit die Kürzungslimite nach Art. 17 SHG
eingehalten wird und die Rückerstattung rechtskräftig verfügt wurde. Die
sozialhilferechtliche Rückerstattungspflicht wird in den Richtlinien der Schweizerischen
Konferenz für Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien, E. 4) und den Richtlinien der St. Gallischen
Konferenz der Sozialhilfe (KOS-Praxishilfe, in der Version vom 1. Januar 2019, gültig
bis 31. Dezember 2020, E.3.2) umschrieben. Die Richtlinien sehen eine ratenweise
Verrechnung der Rückerstattung mit der auszurichtenden Sozialhilfe vor; das
Bedarfsdeckungsprinzip ist dabei zu beachten (G. Wizent, Sozialhilferecht, Zürich/
St. Gallen 2020, Rz. 818). Bei der Festsetzung der monatlichen Raten wiederum ist
darauf zu achten, dass die Höhe der Rückerstattung inkl. einer allfälligen Sanktion nicht
weiter geht als die maximale Kürzungslimite von 30 Prozent nach Art. 17 SHG.
2.2.
2.3.
Die streitbezogene Rückerstattung eines Anteils des Grundbetrags gemäss der
Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 6. März 2020 (act. 7/11.3 in B 2021/194) rührt
von der Tatsache her, dass die Beschwerdeführerin erst am 29. Februar 2020 statt am
24. Februar 2020 (nach vier Wochen) aus den Ferien zurückgekehrt war. Die
Rückerstattung basiert auf der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung, wonach
einem Sozialhilfebezüger wie einem Arbeitnehmenden vier Wochen Ferien zustehen
und bei einem darüberhinausgehenden Ferienbezug eine Einstellung der Sozialhilfe
folgerichtig ist (vgl. VerwGE B 2019/53 vom 24. Januar 2020 E. 4.3). Jener Entscheid
betraf die Beschwerdeführerin, weshalb ihr die Rechtslage ohne weiteres bekannt sein
musste. Zudem wurde sie von der Beschwerdegegnerin vorgängig darauf hingewiesen,
dass bei einer über vier Wochen hinausgehenden Abwesenheit eine Einstellung der
Sozialhilfe drohe (act. 7/11.14 in B 2021/194). Dass aufgrund der
Abwesenheitsüberschreitung von fünf Tagen eine Rückerstattung des im Februar 2020
2.3.1.
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voll ausbezahlten Grundbetrags von CHF 168 (5/29 von CHF 977) verfügt wurde, wird
von der Beschwerdeführerin in materieller Hinsicht denn auch zu Recht nicht bestritten.
Die Beschwerdegegnerin vollzog die Rückerstattung der zu Unrecht bezogenen
Sozialhilfe durch Verrechnung mit den monatlichen Unterstützungsleistungen, hälftig
aufgeteilt auf die Monate März und April 2020 (je CHF 84). Die Kürzungslimite von Art.
17 Abs. 1 SHG wurde dabei eingehalten. Die Vorinstanz führte dazu aus, eine direkte
Verrechnung mit laufenden Leistungen der finanziellen Sozialhilfe nach Art. 22a SHG
setze voraus, dass die Rückerstattung rechtskräftig verfügt worden sei, was vorliegend
offensichtlich nicht der Fall sei. Die Beschwerdeführerin zieht nun ihrerseits daraus den
Schluss, dass ihr der Betrag von CHF 168 auszuzahlen sei. Da sie jedoch die
Rechtmässigkeit der Rückerstattung in diesem Verfahren nicht mehr in Frage stellt – sie
wendet sich einzig gegen die Verrechnung der Rückerstattungen mit den laufenden
Leistungen in den Monaten März und April 2020 –, ist die Verfügung über die
Rückerstattung im Umfang von CHF 168 mittlerweile rechtskräftig geworden, weshalb
sich die (damals an sich noch unzulässige) Verrechnung mit den Leistungen in den
Monaten März und April 2020 zumindest im Nachhinein als geheilt erweist. Zudem fehlt
es an einem aktuellen Rechtsschutzinteresse an der Rückzahlung des Betrages, weil
die Beschwerdeführerin den an sie auszuzahlenden Betrag einerseits sogleich wieder
zurückerstatten müsste und andrerseits aufgrund der bereits erfolgten Verrechnung mit
der Nachzahlung der IV-Renten/EL-Leistungen die "Auszahlung" zumindest indirekt
bereits stattgefunden hat. Wären der Beschwerdeführerin in den beiden Monaten März
und April 2020 ohne die Rückerstattung des anteilmässigen Grundbetrags um
insgesamt CHF 168 höhere Sozialhilfeleistungen ausbezahlt worden, hätte dies eine
entsprechend höhere Verrechnung mit den IV-/EL-Nachzahlungen zur Folge gehabt.
Mit der um CHF 168 "zu tiefen" Verrechnung ist die Auszahlung an die
Beschwerdeführerin somit bereits erfolgt, da bei gesamthafter Betrachtung des
Unterstützungszeitraums 1. August 2017 bis 31. März 2021 nach wie vor eine Schuld
der Beschwerdeführerin von CHF 7'514.45 gegenüber der Beschwerdegegnerin
besteht (act. 12). Die Beschwerde ist somit in diesem Punkt abzuweisen.
Was die verfügte Rückerstattung des anteilmässigen Mietzinses des Monats Februar
2020 wegen überlanger Ferienabwesenheit angeht (CHF 137), entschied die
Vorinstanz, dass diese unrechtmässig gewesen sei, weil Wohnungsmieten jeweils für
den ganzen Kalendermonat geschuldet seien (act. 2, E. 3.4). Der Rekurs wurde in
diesem Punkt entsprechend gutgeheissen. Daraus ist indessen nicht zwingend zu
2.3.2.
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3. Beschwerde B 2021/196
schliessen, dass der Betrag der Beschwerdeführerin auszuzahlen ist. Die Vorinstanz
führte in den Erwägungen dazu aus, dieser Betrag (CHF 137) sei der
Beschwerdeführerin nach Rechtskraft des Entscheids nachzuzahlen, ausser es habe
für den Zeitraum März und April 2020 in der Zwischenzeit bereits eine Abrechnung mit
nachzuzahlenden Ergänzungsleistungen aufgrund der tatsächlich ausgerichteten
Sozialhilfeleistungen stattgefunden. Genau dies trifft vorliegend zu. Nach Zusprechung
der IV-Rente Ende Oktober 2020 mit Wirkung ab 1. Februar 2018 erfolgte eine
Nachzahlung für den Zeitraum 1. Februar 2018 bis Ende Oktober 2020. In jenem
Umfang, in dem die Beschwerdeführerin während des Abklärungsverfahrens von der
Beschwerdegegnerin unterstützt worden war, wurde die Nachzahlung von IV und EL
zwecks Verrechnung mit den Sozialhilfeleistungen bereits vor der Fällung des
vorinstanzlichen Entscheids am 19. August 2021 an die Beschwerdegegnerin
überwiesen (vgl. Abrechnung vom 11. Juni 2021, act. 12). Insgesamt richtete die
Beschwerdegegnerin in den Jahren 2017 bis 2021 Sozialhilfeleistungen (ohne
Krankversicherungsprämien) von CHF 65'700.45 an die Beschwerdeführerin aus. Darin
enthalten waren auch die für die Monate März und April 2020 ausbezahlten, um den
Betrag für die Wohnung (CHF 68.50) gekürzten Sozialhilfeleistungen von je
CHF 1'294.50 (vgl. act. 7/11.2 in B 2021/194). Wären der Beschwerdeführerin in diesen
beiden Monaten ohne die Rückerstattung der Wohnkosten um CHF 137 höhere
Sozialhilfeleistungen ausbezahlt worden, hätte dies eine entsprechend höhere
Verrechnung mit den IV-EL-Nachzahlungen zur Folge gehabt. Mit der um CHF 137 "zu
tiefen" Verrechnung ist die Auszahlung an die Beschwerdeführerin somit bereits erfolgt,
da bei gesamthafter Betrachtung des Unterstützungszeitraums 1. August 2017 bis
31. März 2021 nach wie vor eine Schuld der Beschwerdeführerin von CHF 7'514.45
gegenüber der Beschwerdegegnerin besteht (act. 12). Die Beschwerde ist somit in
diesem Punkt ebenfalls abzuweisen.
In Bezug auf die Abweisung des Rekurses im Verfahren DIGS411-386 stellt die
Beschwerdeführerin den Antrag, im Budget ab 1. Mai 2020 sei von Wohnkosten von
CHF 1'100 auszugehen und auf Anrechnung von Einnahmen ihrer Schwester von
CHF 773.45 sei zu verzichten. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, es
verstehe sich von selbst, dass der Mietbetrag für den Monat Mai 2020 auf CHF 1'100
zu erhöhen sei, wie dies die Vorinstanz bereits für den Monat Juni 2020 von sich aus
getan habe. Mit dem rechtskräftigen Entscheid vom 18. Februar 2021 im Verfahren
DIGS411-325 könne das Nichteintreten nicht begründet werden, da das Budget des
3.1.
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Monats Mai 2020 in jenem Verfahren nicht beurteilt worden sei. Für den Monat Juni
2020 habe die Beschwerdegegnerin die Wohnkosten auch nachträglich abändern
können. Als ihre Schwester festgestellt habe, dass aufgrund ihrer Unterstützung die
Sozialhilfe gekürzt worden sei, habe sie jegliche weitere Bevorschussung umgehend
eingestellt. Im Mai 2020 habe sie daher kein Geld mehr von der Schwester erhalten,
weshalb keine Anrechnung erfolgen dürfe. Die nicht bewiesene Annahme, ihre
Schwester habe ihr im Mai 2020 CHF 773.45 zukommen lassen, sei willkürlich und
stehe im Widerspruch zu einem fairen Verfahren.
Wer für seinen Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen
Mitteln aufkommen kann, hat Anspruch auf finanzielle Sozialhilfe (Art. 9 Abs. 1 SHG).
Die persönliche Sozialhilfe bezweckt, der Hilfsbedürftigkeit vorzubeugen sowie deren
Folgen nach Möglichkeit zu beseitigen oder zu mildern (Art. 2 Abs. 1 lit. a SHG). Die
finanzielle Sozialhilfe deckt das soziale Existenzminimum unter Berücksichtigung der
Lebenssituation der hilfebedürftigen Person. Sie wird so bemessen, dass die
hilfebedürftige Person die laufenden Bedürfnisse für den Lebensunterhalt aus eigenen
Mitteln decken kann (Art. 11 Abs. 1 SHG). Zur materiellen Grundsicherung gehören der
Grundbedarf für den Lebensunterhalt, die Wohnkosten und die medizinische
Grundversorgung. Es sind die effektiven Mietkosten samt den mietrechtlich
anerkannten Nebenkosten zu übernehmen (G. Wizent, a.a.O., Rz. 497). Allerdings
besteht kein Anspruch auf eine beliebige Wohnung oder Unterkunft. Anzurechnen ist
der Wohnungsmietzins, soweit dieser im ortsüblichen Rahmen ist. Angesichts des
regional und kommunal unterschiedlichen Mietzinsniveaus wird empfohlen, nach
Haushaltgrösse abgestufte Obergrenzen für die Wohnkosten festzulegen, die
periodisch überprüft werden (vgl. Wizent, a.a.O., Rz. 499 ff., BGer 8D_1/2015 vom
31. August 2015 E. 5.3.2, SKOS-Richtlinien, C.4.1). Gemäss der für den Kanton
St. Gallen massgebenden KOS-Praxishilfe sollen sich die Mietzins-Höchstansätze (inkl.
Nebenkosten) in folgendem Rahmen bewegen: Einpersonenhaushalt CHF 700 bis 900,
Zweipersonenhaushalt CHF 900 bis CHF 1'100 und Dreipersonenhaushalt CHF 1'100
bis CHF 1'300 (KOS-Praxishilfe, B.3.1). Die politische Gemeinde Y._ setzte für einen
Einpersonenhaushalt als Mietzinsrichtwert einen maximalen monatlichen Betrag von
CHF 800 fest (Weisungen und Entscheide betreffend die Sozialhilfe, Ziffer 3.1, act.
7/11.4 in B 2021/194).
Finanzielle Sozialhilfe wird geleistet, wenn keine Hilfeleistung durch
unterstützungspflichtige Verwandte oder andere Dritte gewährt wird oder diese nicht
rechtzeitig verfügbar ist (Art. 2 Abs. 2 lit. a SHG). Im Sozialhilferecht gilt der Grundsatz,
3.2.
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dass sämtliche – einmaligen oder laufenden – Einnahmen voll anzurechnen sind,
unabhängig von deren Herkunft oder Rechtsnatur. Die Sozialhilfe ist nicht nur
gegenüber privat- und öffentlich-rechtlichen Leistungen wie Leistungen der
Sozialversicherungen, familienrechtlichen Unterhaltsbeiträgen, Ansprüchen aus
Verträgen, Schadenersatzansprüchen oder Stipendien nachrangig, sondern auch
gegenüber Leistungen Dritter, die ohne rechtliche Verpflichtungen erbracht werden
(Wizent, a.a.O., Rz. 621). Letztere sind höchstens dann nicht anzurechnen, wenn sie
sich in einem relativ bescheidenen Umfang bewegen, ausdrücklich zusätzlich zu den
Sozialhilfeleistungen erbracht werden und der Dritte sie bei einer Anrechnung einstellen
würde. Generell darf die Erbringung von freiwilligen Zuwendungen, welche mit der
Zielsetzung der Sozialhilfe übereinstimmen, der unterstützten Person nicht zum
Nachteil gereichen, solange sie dadurch nicht in den Genuss doppelter Leistungen
gelangt. Eine wesentliche Rolle spielt die einzelfallbezogene Güterabwägung. Im Lichte
des Grundsatzes der Angemessenheit der Hilfe ist letztlich entscheidend, ob die
Zuwendung neben der Sozialhilfe im konkreten Fall unbillig ist, weil damit eine
sozialhilferechtlich nicht schützenswerte, gar luxuriöse Komfortsituation ermöglicht
wird. Deshalb ist es beispielsweise ohne weiteres zulässig, Beiträge an überhöhte
Wohnungskosten als Einkommen in die Bedarfsrechnung einzubeziehen. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind auch Darlehen von Dritten grundsätzlich
anrechenbar (Wizent, a.a.O., Rz. 648 f.).
3.3.
Der Antrag auf Erhöhung der Wohnkosten von CHF 800 auf CHF 1'290, später von der
Beschwerdeführerin reduziert auf CHF 1'100, war Gegenstand des Verfahrens
DIGS411-325 vor der Vorinstanz, wo es um die Höhe des Sozialhilfeanspruchs ab
1. Dezember 2019 ging. Jenes Verfahren war im Zeitpunkt der Fällung des Einsprache-
Entscheids im vorliegenden Verfahren am 1. Juli 2020 noch hängig, weshalb die
Beschwerdegegnerin auf den gleichlautenden, in der Einsprache gestellten Antrag
nicht eintrat. Ob dies damals zutreffend war, kann offengelassen werden. Im
mittlerweile am 18. Februar 2021 ergangenen und in Rechtskraft erwachsenen
Entscheid der Vorinstanz im Verfahren DIGS411-325 wurde die zulässige Höhe der
Wohnkosten von CHF 800 für die Monate Dezember 2019 bis Juni 2020 bestätigt und
ausgeführt, es sei nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin erst im Budget Juli 2020, nachdem am 12. Juni 2020 der positive
Vorentscheid für eine volle IV-Rente vorgelegen habe, den erhöhten Mietzins von
CHF 1'100 gemäss den Richtlinien der Ergänzungsleistungen zugestanden habe.
3.3.1.
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Aufgrund des rechtskräftigen Entscheids DIGS411-325, der bezüglich der Höhe der
zulässigen Wohnkosten auch das Budget Mai 2020 betraf, trat die Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid vom 19. August 2021 auf den Antrag auf Erhöhung der
Wohnkosten für den Mai 2020 von CHF 800 auf CHF 1'100 zu Recht nicht ein (act. 2,
E. 1.8). Selbst wenn sie noch darauf eingetreten wäre, hätte der Rekurs materiell
abgewiesen werden müssen. Gemäss den internen Weisungen der politischen
Gemeinde Y._ (Ziffer 3.1.10) orientiert sich der Mietzins-Richtwert bei EL-
Bezügerinnen und -Bezügern sowie Personen mit positivem Vorbescheid auf eine IV-
Rente an der Berechnung für Ergänzungsleistungen. Eine rückwirkende Erhöhung auf
jenen Ansatz erfolgt jedoch nicht. Da der Vorbescheid für eine IV-Rente vom 12. Juni
2020 datiert, kommt eine Erhöhung für den Monat Mai 2020 nicht in Frage. Dass die
die Vorinstanz die Wohnkosten mit Einsprache-Entscheid vom 23. Juli 2020 für den
Monat Juni auf CHF 1'100 (vgl. act. 7/5.16 in B 2021/196) erhöhte, vermag daran nichts
zu ändern. Die Beschwerde ist diesbezüglich somit abzuweisen.
Was die Anrechnung von Einnahmen Dritter in der Höhe von CHF 773.45 im Monat Mai
2020 angeht, führte die Vorinstanz aus, dass die Ausführungen der
Beschwerdeführerin, Ende April/Anfang Mai 2020 keine Zuwendungen der Schwester
mehr erhalten zu haben, nicht glaubhaft erschienen. Die Zuwendungen der Schwester
von insgesamt CHF 4'640.65 hätten ihr ermöglicht, in der überteuerten Wohnung zu
bleiben, womit eine sozialhilferechtlich nicht schützenswerte Komfortsituation
eingetreten sei (act. 2, E. 2.4).
Mit Schreiben vom 11. Mai 2020 teilte die Beschwerdeführerin der
Beschwerdegegnerin mit, dass ihre Schwester ihr seit Dezember 2019 bis zum
heutigen Tag (also dem 11. Mai 2020) sukzessive CHF 4'640.65 an die
Lebenshaltungskosten vorgeschossen habe (act. 7/5.13 in B 2021/194). Daraufhin
rechnete die Beschwerdegegnerin im Budget des Monats Mai 2020 CHF 773.45
(CHF 4'640.65 geteilt durch 6) als Einnahmen an. Nachdem die Beschwerdeführerin
nicht näher darlegte, wann und in welchen Tranchen die Unterstützungen der
Schwester an sie bezahlt worden waren – gemäss ihren eigenen Angaben bezahlte die
Schwester die Teilbeträge in bar und führte darüber Buch, womit ein entsprechender
Nachweis ohne Weiteres möglich gewesen wäre (vgl. act. 7/5.2 in B 2021/196) –,
erweist sich die anteilmässige Anrechnung der Beschwerdegegnerin für den Monat Mai
2020 als rechtmässig, zumal die Beschwerdeführerin im Schreiben vom 11. Mai 2020
selbst von einem Durchschnitt von CHF 773.45 für die Monate Dezember 2019 bis und
3.3.2.
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4. Fazit
Zusammenfassend sind die Beschwerden B 2021/194 und B 2021/196 vollumfänglich
abzuweisen.
5. Kosten
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 1‘500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
GKV). Auf die Erhebung der Kosten ist zufolge voraussichtlicher Uneinbringlichkeit
ausnahmsweise zu verzichten (Art. 97 VRP). Damit werden die Gesuche um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege in den Beschwerdeverfahren im Sinne
eines Verzichts auf amtliche Kosten gegenstandslos, womit sie vom
Abteilungspräsidenten als erledigt abgeschrieben werden können (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 57 VRP).
Es sind keine ausseramtlichen Kosten zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).
Der Beschwerdegegnerin steht kein Kostenersatz zu (vgl. VerwGE B 2019/117 vom
19. Dezember 2019 E. 5.3, VerwGE B 2017/59 vom 23. März 2018 E. 7, R. Hirt, Die
Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen
2004, S. 176 ff., A. Linder, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 20 zu Art. 98
VRP), und die Beschwerdeführerin ist unterlegen und hat auch keinen entsprechenden
Antrag gestellt.
mit Mai 2020 ausging (act. 7/5.13 in B 2021/194). Unter diesen Umständen erscheint
die Beweiswürdigung der Vorinstanz keineswegs als geradezu willkürlich; ebenso liegt
kein unfaires Verfahren vor. Bei der erfolgten Unterstützung mit einem Betrag von
CHF 4'640.65 in sechs Monaten kann sodann nicht von Zuwendungen in relativ
bescheidenem Umfang gesprochen werden, die generell nicht anzurechnen wären.
Zudem führten diese Zuwendungen zu doppelten Leistungen, da die Unterstützung für
die (damals) zu teure Wohnung gedacht war. Dass die Schwester die Zuwendungen
nach Verfügung der Anrechnung, welche am 14. Mai 2020 erfolgte, gemäss ihrem
Schreiben vom 27. Mai 2020 einstellte (act. 7/5.14 in B 2021/196), ändert für die
Anrechnung im Monat Mai 2020 nichts. Schliesslich ist ohnehin fraglich, ob ein
aktuelles Rechtsschutzinteresse besteht, da auch diesbezüglich die Verrechnung mit
den Nachzahlungen der SVA um den umstrittenen Betrag tiefer ausfiel. Entsprechend
ist die Beschwerde auch in diesem Punkt abzuweisen.
bis
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© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/13
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