Decision ID: e6d41e50-caee-4f7e-9ba4-2b28b8e96aa2
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit 1. Januar 2015 als Junior
Gebäudemanager bei der B._ AG angestellt und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert. Am 23. und 24. Januar 2020
meldete die Arbeitgeberin zwei Vorfälle. Am 10. Januar 2020 sei der Versicherte beim
Herunterlaufen einer Treppe ausgerutscht (Suva-act. II-1) und am 15. Januar 2020
habe er beim Aufsteigen auf das Fahrrad das Gleichgewicht verloren und sei gestürzt
(Suva-act. I-1). Bei diesen Ereignissen habe er das rechte Hüftgelenk und den rechten
Oberschenkel geprellt. Mit Schreiben vom 27. und 30. Januar 2020 teilte die Suva mit,
dass sie für die Folgen dieser Berufsunfälle die Versicherungsleistungen übernehmen
werde (Suva-act. I-3, II-3).
A.a.
Am 13. Januar 2020 hatte sich der Versicherte zur Erstbehandlung zu Dr. med.
C._, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
begeben. Dieser hatte eine Kontusion der rechten Körperseite bei Status nach
Treppensturz diagnostiziert (Suva-act. I-14-1). Am 24. Januar 2020, nach dem
Fahrradsturz, hatte der Versicherte bei Dr. C._ zusätzlich über Schmerzen an der
rechten Schulter geklagt (Suva-act. I-10-1, 14-1), woraufhin am 28. Januar 2020 ein
MRI durchgeführt wurde (Suva-act. I-18). Basierend auf dem MRI-Befund hatte Dr.
med. E._, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, eine traumatisierte Cuff-Arthropathie diagnostiziert (Suva-act.
I-10-1). Anlässlich der Verlaufsuntersuchung vom 11. März 2020 klagte der Versicherte
A.b.
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über Beschwerden im Bereich der rechten Hüfte und des rechten Kniegelenks (Suva-
act. I-14-2), weshalb am 13. März 2020 eine Sonographie veranlasst wurde. Diese
ergab lediglich eine Kontusion des rechten Hüft- und Kniebereichs (Suva-act. I-14-2,
15).
Nach Vorlage der medizinischen Akten bei Kreisarzt Dr. med. G._, Facharzt für
Allgemeinmedizin (Suva-act. I-17, 19), teilte die Suva dem Versicherten mit Schreiben
vom 5. Mai 2020 mit, dass die anhaltenden Beschwerden an der rechten Hüfte und an
der rechten Schulter nicht mehr unfallbedingt seien und der Fall per 20. Mai 2020 mit
Einstellung der Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilbehandlung) abgeschlossen
werde (Suva-act. I-21).
A.c.
Am 19. Juni 2020 teilte Dr. C._ der Suva mit, dass er den Versicherten
gleichentags aufgrund – seit 15. Januar 2020 – persistierender Beschwerden am
rechten Kniegelenk in seiner Sprechstunde gesehen habe. Im klinischen Untersuch
falle erstmals der typische Befund einer femorotibialen Instabilität bei Status nach
Implantation einer Knie-Totalprothese auf, ein Befund, der unter Belastung immer zu
Verspannungszuständen und zu Schmerzen führe. Diese Instabilität sei vor dem
Unfallereignis nicht vorhanden, die Belastbarkeit des rechten Kniegelenks zu 100 %
gegeben gewesen. Dem Versicherten müsse zu einem Inlay-Wechsel zur
Wiederherstellung der Stabilität des Kniegelenks geraten werden. Zu einer
femorotibialen Instabilität werde es nie aufgrund einer degenerativen Auslockerung von
Bändern kommen. Die Ursache sei posttraumatischer Natur (Suva-act. I-28).
A.d.
Mit Beurteilung vom 20. Juli 2020 verneinte Dr. G._ einen Kausalzusammenhang
zwischen den Unfallereignissen vom 10. und 15. Januar 2020 und den Beschwerden
am rechten Kniegelenk (Suva-act. I-35-2). Am 28. Juli 2020 wurde der Versicherte von
Dr. C._ operiert (Inlay-Wechsel Kniegelenk rechts, peripatelläre Synovektomie mit
Patella-Plastik; Diagnose: posttraumatische Auslockerung Kniegelenk rechts bei Status
nach Implantation einer Knie-TP; Suva-act. I-37). Mit Beurteilung vom 9. September
2020 hielt Dr. G._ an seiner Beurteilung fest, dass die chronisch geltend gemachten
Kniegelenksbeschwerden rechts sowie der elektiv-operative Behandlungseingriff vom
28. Juli 2020 nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf die
Ereignisse von Januar 2020 zurückzuführen seien (Suva-act I-43).
A.e.
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B.
Am 9. Oktober 2020 erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur.
Ronald Pedergnana, St. Gallen, gegen die Verfügung vom 24. September 2020
Einsprache (Suva-act. I-52). Mit Eingabe vom 15. Dezember 2020 beantragte Dr.
Pedergnana, es sei die Suva zu verpflichten, für alle Leistungen betreffend das rechte
Knie weiterhin aufzukommen. Allenfalls sei die Einsprache als Rückfallmeldung zum
Unfall 1987 entgegen zu nehmen (Suva-act. I-62). Mit Eingabe vom 24. Februar 2021
beantragte Dr. Pedergnana die weitere Leistungsausrichtung bezüglich der rechten
Schulter (Suva-act. I-70). Mit Entscheid vom 5. März 2021 wies die Suva die
Einsprache gestützt auf die kreisärztlichen Beurteilungen ab und bestätigte die
Richtigkeit der Einstellung der Versicherungsleistungen betreffend die Unfälle vom 10.
und 15. Januar 2020. Auf Ansprüche aus früheren versicherten Unfällen werde mangels
Verfügungsgegenstands nicht eingegangen (Suva-act. I-72).
C.
Mit Verfügung vom 24. September 2020 schloss die Suva den Fall per 20. Mai
2020 mit Einstellung der temporären Versicherungsleistungen (Taggeld und
Heilbehandlung) ab und verneinte einen Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen.
Die aktuell geltend gemachten Beschwerden würden auch nicht überwiegend
wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem früheren Suva-versicherten Schadenfall
stehen (Suva-act. I-48).
A.f.
Gegen den Einspracheentscheid vom 5. März 2021 erhob der weiterhin durch
Rechtsanwalt Pedergnana vertretene Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
22. April 2021 Beschwerde (act. G 1). Der Rechtsvertreter beantragte, der
Einspracheentscheid sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer seien weiterhin volle
Taggelder zu erbringen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin).
C.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 5. März 2021 (act. G 3).
C.b.
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Erwägungen
1.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Einspracheentscheid
vom 5. März 2021 (Suva-act. I-72). In diesem hat die Beschwerdegegnerin einzig
darüber befunden, dass die geltend gemachten Beschwerden per
Leistungseinstellungsdatum (20. Mai 2020) nicht (mehr) in einem Kausalzusammenhang
mit den Unfallereignissen vom 10. (Treppensturz) und 15. Januar 2020 (Fahrradsturz)
stehen würden, womit ab diesem Zeitpunkt keine Leistungspflicht mehr bestehe.
Allfällige Ansprüche aus früheren versicherten Unfällen bzw. Rückfälle/Spätfolgen hat
die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid explizit nicht behandelt (vgl. Suva-
In der Replik vom 15. September 2021 hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an den in der Beschwerde gestellten Anträgen vollumfänglich fest
und beantragte zusätzlich eventualiter die Berentung (act. G 12).
C.c.
Mit Schreiben vom 12. Oktober 2021 äusserte sich die Beschwerdegegnerin zu
einigen Punkten der Replik und verzichtete auf die Einreichung einer umfassenden
Duplik (act. G 16).
C.d.
Am 15. Dezember 2021 reichte Rechtsanwalt Pedergnana eine Bestätigung der
Beschwerdegegnerin vom 8. Dezember 2021 ein, wonach die Versicherungsleistungen
(Heilbehandlung und Taggeld) bezüglich der Problematik am rechten Knie
übernommen würden, nachdem diese auf das versicherte Unfallereignis von November
1986 zurückzuführen sei (act. G 18.3; vgl. auch act. G 20.1). Dr. Pedergnana vertrat die
Meinung, dass – weil die Ausrichtung der Versicherungsleistungen (Taggeld und
Heilungskosten, evtl. Rente) gefordert worden seien – das Beschwerdeverfahren somit
abgeschlossen werden könne (act. G 18). Mit seiner Eingabe legte er eine Honorarnote
über Fr. 6'052.20 ins Recht (act. G 18.2)
C.e.
Der in der Folge vom Versicherungsgericht mit den Parteien geführte
Schriftenwechsel führte nicht zur Streiterledigung (act. G 19 ff.).
C.f.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.g.
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act. I-72-4 Ziff. 1. b. und c.). Damit bildet allein die Klärung der Frage, ob die
Unfallereignisse von Januar 2020 für die über den Leistungseinstellungszeitpunkt
geklagten Beschwerden (an der Schulter rechts, am Knie rechts und gegebenenfalls an
der Hüfte rechts) ursächlich sind, Gegenstand der vorliegenden Beschwerde.
Grundsätzlich steht es dem Unfallversicherer frei, nur in Bezug auf einzelne Ereignisse
einen Entscheid zu erlassen und frühere versicherte Unfälle, welche als (Teil-)Ursache
für eine Beschwerdeproblematik zur Diskussion stehen, (vorerst) ausser Acht zu lassen.
Ob dies auch vorliegend zu gelten hat, obwohl die Beschwerdegegnerin in der
Verfügung vom 24. September 2020 ausdrücklich ausführte, dass "die heute geltend
gemachten Beschwerden auch nicht überwiegend wahrscheinlich im Zusammenhang
mit einem früheren Suva-versicherten Schadenfall stehen" (Suva-act. I-48-2), kann
offenbleiben. Denn die Beschwerdegegnerin hat unterdessen zu Recht anerkannt, dass
sie wider den Wortlaut in der Verfügung Rückfall- und Spätfolgen aus früheren
versicherten Unfällen noch zu prüfen hat. Entsprechend sprach sie dem
Beschwerdeführer Versicherungsleitungen für die Knieproblematik rechts, herrührend
aus dem versicherten Ereignis aus dem Jahr 1986 zu (vgl. Schreiben vom 15.
Dezember 2021 in act. G 20.1). Bezüglich der Schulterproblematik wird sie ebenfalls
noch zu befinden haben. Ob dieser durch die Beschwerdegegnerin verursachte
Widerspruch (Verneinung von Ansprüchen auch aus früheren versicherten Unfällen in
der Verfügung; Verneinung eines Verfügungsgegenstands und damit keine materielle
Beurteilung von allfälligen Ansprüchen aus früheren versicherten Unfällen im
Einspracheentscheid) zu einer Entschädigungspflicht seitens der Beschwerdegegnerin
führt, wird im Rahmen der Prozesskostenverlegung thematisiert (vgl. E. 4).
2.
Materiell zu prüfen ist gestützt auf das Gesagte damit ausschliesslich, ob die
Beschwerdegegnerin bezüglich der Unfälle vom 10. und 15. Januar 2020 und deren
Folgen zu Recht die Versicherungsleistungen per 20. Mai 2020 eingestellt hat.
2.1.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht
demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem
versicherten Unfallereignis zusammenhängen (André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar
zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018; Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in:
2.2.
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Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.],
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4.
Aufl. 2012, S. 53 ff.). Wenn die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist, entfällt die Leistungspflicht des
Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate
Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, Letzterer also nur noch und
ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder
der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (vgl. Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 54). Der Unfallversicherer muss nicht den Nachweis unfallfremder Ursachen
erbringen. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des
Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind
(Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2012, 8C_160/2012, E. 2 mit Hinweisen).
Dabei können medizinische Erfahrungssätze berücksichtigt werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 11. November 2008, 8C_346/2008, E. 3.2.1).
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz
und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen
annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht
hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht
(BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61
lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]). Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Bezüglich Beweiswert eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
2.3.
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3.
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Berichte und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und Ärztinnen einholen, können
beweistauglich sein. An deren Beweiswürdigung sind indes strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt in Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3). Auch ärztliche
Beurteilungen aufgrund der Akten sind nicht an sich unzuverlässig, sofern ein
lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung
eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Februar 2007, U 223/06, E. 5.1.2). Erachtet das
Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen
bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne
Weiterungen abschliessen (vgl. BGE 135 V 469 E. 4.3.2 mit Hinweisen). Diesfalls
besteht kein Anspruch auf Beizug versicherungsexterner medizinischer Gutachten
(BGE 122 V 157).
Der Beschwerdeführer klagt über den Leistungseinstellungszeitpunkt (20. Mai
2020) hinaus über Beschwerden an der rechten Schulter und am rechten Knie. Auch
Schmerzen an der rechten Hüfte wurden beklagt. Zu prüfen ist die – für eine
Leistungspflicht vorausgesetzte – Unfallkausalität dieser Beschwerden (in Bezug auf
die Ereignisse im Januar 2020; vgl. dazu vorstehende E. 1). Die Beschwerdegegnerin
verneint eine über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus bestehende Kausalität mit
Verweis auf die Beurteilungen von Dr. G._.
3.1.
In Bezug auf die rechte Hüfte führte Dr. G._ mit Beurteilung vom 28. April 2020
aus, dass die Sonographie (vgl. Suva-act. I-15) keinen Nachweis einer traumatischen
strukturellen Schädigung ergeben habe. Auch habe ein Untersuch bei Dr. C._ am 11.
März 2020 ein fast frei bewegliches rechtes Hüftgelenk gezeigt (Suva-act. I-17-3). Mit
Aktenbeurteilung vom 29. April 2020 erklärte Dr. G._, dass die Unfälle von Januar
2020 auch an der rechten Schulter überwiegend wahrscheinlich zu keinen zusätzlichen
strukturellen Läsionen geführt hätten. Der MR-Befund vom 28. Januar 2020 entspreche
einer bereits älteren komplexen degenerativen Defektarthropathie mit einer fettigen
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/12
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Atrophie der Muskulatur, einer ausgeprägten Sehnenretraktion und Tendinopathien der
Rotatorenmanschette, welche nicht kurzfristig nach einem Trauma erklärt werden
könne. Auch würden keine traumatypischen Begleitverletzungen des Knochens
vorliegen. Nach vier bis sechs Wochen würden die Unfallfolgen mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit keine Rolle mehr spielen (Suva-act. I-19-3). Bezüglich der
Knieproblematik rechts (Instabilität), welche einen operativen Eingriff notwendig
machte, führte Dr. G._ mit Beurteilungen vom 20. Juli und 9. September 2020 aus,
dass die beiden Ereignisse im Januar 2020 gemäss der vorliegenden
Befunddokumentation überwiegend wahrscheinlich lediglich zu einer einfachen
Kontusion ohne Anhalt für eine richtungsgebende strukturelle Schädigung geführt
hätten. Dafür würde auch sprechen, dass weder äussere Verletzungszeichen
dokumentiert seien noch zeitnah Bedarf nach einer ärztlichen Behandlung bestanden
habe. Die erstmalig nach über fünf Monaten klinisch neu festgestellte femorotibiale
Instabilität des Gelenks stehe in keinem erkennbaren zeitlichen und kausalen
Zusammenhang mit den blanden Unfallereignissen von Januar 2020. Die sekundär
festgestellte ligamentäre Auflockerung des rechten Kniegelenks bei vorbestehendem
Status nach einer Knie-TEP-Implantation sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als
Folgezustand des vorgeschädigten und operativ-prothetisch vorbehandelten,
fehlstatischen Kniegelenks zu bewerten (Suva-act. I-43; vgl. auch Suva-act. I-35-2).
Dr. G._ begründet gestützt auf den dokumentierten Beschwerdeverlauf sowie
die klinischen und bildgebenden Befunde nachvollziehbar und schlüssig, dass es
anlässlich der Ereignisse von Januar 2020 seiner Einschätzung nach überwiegend
wahrscheinlich lediglich zu einer Kontusion ohne strukturelle Schädigung bzw. lediglich
zu einer vorübergehenden Verschlimmerung vorbestehender Pathologien gekommen
sei, wobei der Status quo sine/ante nach wenigen Wochen erreicht gewesen sei. Für
diese Einschätzung spricht insbesondere, wie Dr. G._ ausführt, dass sich in der
rechten Hüfte zeitnah zu den Ereignissen keine relevante Pathologie gezeigt hat (wobei
die Hüftbeschwerden bis Mitte April 2020 fast vollständig verschwunden waren [vgl.
dazu den Eintrag in der Krankengeschichte in Suva-act. I-70-25]), dass die Befunde in
der rechten Schulter medizinisch einleuchtend einem längeren Prozess zuzuordnen
sind und dass sich eine relevante Knieproblematik rechts unmittelbarer nach den
Unfällen im Januar 2020 gezeigt bzw. zu Behandlungen geführt hätte, was aber nicht
der Fall war. Die Beurteilungen von Dr. G._ erfüllen die Anforderungen an
beweiskräftige Arztberichte vollumfänglich und es kann darauf abgestellt werden,
zumal auch keine gegenteiligen Einschätzungen bezüglich Folgen aus den Unfällen von
Januar 2020 im Recht liegen, welche geeignet wären, geringe Zweifel an der
Einschätzung von Dr. G._ zu wecken. Zwar führt Dr. C._ in einem Schreiben vom
3.3.
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4.
Zu verlegen bleiben die Prozesskosten.
19. Juni 2020 an die Beschwerdegegnerin aus, dass die vorliegende Instabilität im
rechten Knie, welche einen (erneuten) Eingriff notwendig mache, traumatischer Genese
sein müsse (Suva-act. I-28). Er ordnet die Problematik aber nicht ausdrücklich den
Ereignissen von Januar 2020 zu, sondern spricht pauschal von einer traumatischen
Ursache, was letztlich auch von der Beschwerdegegnerin, wenn auch aus einem
früheren versicherten Ereignis aus dem Jahr 1986, anerkannt wurde (act. G 20.1).
Gestützt auf das Gesagte bzw. die beweiswerten Beurteilungen von Dr. G._
resultierten aus den Unfällen vom 10. und 15. Januar 2020 überwiegend wahrscheinlich
keine zusätzlichen strukturellen Läsionen, welche für die über den
Leistungseinstellungszeitpunkt hinausgehende Beschwerdeproblematik (Schulter
rechts, Knie rechts, gegebenenfalls Hüfte rechts) ursächlich waren. Damit ist, nachdem
eine richtungsgebende Verschlimmerung anlässlich der Ereignisse von Januar 2020
nicht zur Diskussion steht (vgl. zu den Voraussetzungen für eine richtungsgebende
Verschlimmerung das Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2007, 8C_467/2007,
E. 3.1; vgl. ferner den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 14. November 2019, UV 2018/23, E. 3.7), lediglich von einer Kontusion mit
allenfalls vorübergehender Verschlimmerung von Vorzuständen nach erlittenen
Anpralltraumatas auszugehen. Dafür hat die Beschwerdegegnerin den durch das
Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub zu übernehmen, d.h. sie hat bis zum
Erreichen des Status quo sine/ante Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang
mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Nach einer gewissen Zeit
werden die aufgetretenen bzw. ausgelösten Beeinträchtigungen, auch wenn sie
weiterbestehen, aber nicht mehr dem Unfall angelastet (vgl. Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 55 ff.). Die Folgen der erlittenen Prellungen auf der rechten Körperseite waren
ohne weiteres per Leistungseinstellungszeitpunkt (20. Mai 2020, rund 16 Wochen nach
den Unfällen) abgeheilt bzw. der Status quo sine/ante spätestens in diesem Zeitpunkt
erreicht. Dabei ist auch der medizinischen Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen,
dass eine Kontusion/Prellung grundsätzlich innert kurzer Zeit folgenlos ausheilt und
sich die damit verbundenen Beschwerden gänzlich zurückbilden (Alfred M. Debrunner,
Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl., Bern 2005, S. 412, 1096 f.). Die
Beschwerde ist damit abzuweisen.
3.4.
Gerichtskosten sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG keine zu erheben
(vgl. dazu Art. 61 lit. f ATSG).
4.1. bis
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Dem Beschwerdeführer steht als im kantonalen Verfahren unterliegende Partei rein
aufgrund des Prozessausgangs nach dem Wortlaut von Art. 61 lit. g ATSG keine
Entschädigung zulasten der Beschwerdegegnerin zu. Trotz Unterliegens kann eine
solche aber zugesprochen werden, wenn begründeter Anlass für die Einreichung einer
Beschwerde bestand. Dies entspricht dem von der Rechtsprechung anerkannten
Grundsatz, dass unnötige Kosten zu bezahlen hat, wer sie verursacht (BGE 125 V 375
E. 2b).
4.2.
Wie bereits in E. 1 angetönt, hat sich die Beschwerdegegnerin im
Verwaltungsverfahren widersprüchlich, zumindest missverständlich verhalten. Während
sie in der Verfügung vom 24. September 2020 auch allfällige Rückfall- bzw. Spätfolgen
materiell abhandelte, indem sie pauschal ausführte, dass die aktuell geltend
gemachten Beschwerden auch nicht überwiegend wahrscheinlich im Zusammenhang
mit einem früheren Suva-versicherten Schadenfall stehen würden (Suva-act. I-48-2),
trat sie im Einspracheentscheid vom 5. März 2021 auf den Antrag um Leistungen aus
früheren versicherten Unfällen (vgl. die Einsprachebegründung vom 15. Dezember
2020, Suva-act. I-62-2) nicht ein (Suva-act. I-72 S. 4 Ziff. 1. b. und c.). Aufgrund dieser
Konstellation bestand für den Beschwerdeführer die Gefahr, Ansprüchen aus früheren
versicherten Unfällen verlustig zu gehen, denn keine
(Rechtsverweigerungs-)Beschwerde innert 30 Tagen nach Erlass des
Einspracheentscheids hätte in Anwendung von Art. 90 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) sowie in Beachtung des Urteils des
Bundesgerichts vom 16. September 2020, 9C_71/2020, womöglich dazu geführt, dass
die Verfügung in diesem Punkt ("Die heute geltend gemachten Beschwerden stehen
auch nicht überwiegend wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem früheren Suva-
versicherten Schadenfall.") rechtskräftig geworden wäre (vgl. zu den Rechtsfolgen bei
einem formellen Einspracheentscheid Ueli Kieser, ATSG Kommentar, 4. Aufl. 2020, N
73 zu Art. 52). Dass die Beschwerdegegnerin entgegen dem Wortlaut in der Verfügung
trotzdem gewillt ist, in Bezug auf die damals vorliegende Beschwerdeproblematik
Ansprüche aus früheren versicherten Unfällen zu prüfen (was sich im laufenden
Verfahren in Bezug auf die Knieproblematik rechts gezeigt hat; vgl. act. G 12.3 f., G
20.1), war dem Beschwerdeführer bei Beschwerdeerhebung am 22. April 2021 gemäss
Aktenlage nicht bekannt. Auch im Einspracheentscheid findet sich diesbezüglich kein
Hinweis. Gestützt auf diese Ausführungen bestand für den Beschwerdeführer,
entgegen den Ausführungen im gerichtlichen Schriftenwechsel (act. G 18 ff.),
begründeter Anlass zur Beschwerdeerhebung, womit er gestützt auf das
Verursacherprinzip Anspruch auf eine Parteientschädigung hat bzw. die
Beschwerdegegnerin ihm die unnötigen Parteikosten zu ersetzen hat.
4.3.
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/b196cd16-7cc8-4fde-b6c0-ce80a5800b95/citeddoc/458be2f2-2205-491f-afb0-f238e5cd83c8/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/unknown/b196cd16-7cc8-4fde-b6c0-ce80a5800b95/citeddoc/458be2f2-2205-491f-afb0-f238e5cd83c8/source/document-link
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