Decision ID: e5694a2a-fffa-4662-82ef-be71f007ad05
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ M., geboren am xy. xy 1983, ist gelernter Polymechaniker. Er arbeitete vom Juni
2004 bis Mai 2006 als G. und hernach bei einer Sicherheitsfirma.
a) Ende des Jahres 2008 bewarb er sich bei der Kantonspolizei St. Gallen als Polizist.
Die Eignungsprüfung für die Polizeischule bestand er in Deutsch/Allgemeinbildung/
Sport mit der Prüfungsnote 4,84. Das Gruppenassessment vom 15. Januar 2009 der
Hungerbühler & Partner Managementberatung ergab, dass er belastbar, pragmatisch
und zielgerichtet sei. Hervorgehoben wurde seine soziale und mitmenschliche Art. Er
bewege sich im Mittelwert zwischen Pragmatismus und Unkonventionalität. Einerseits
bringe er sachliche, vernünftige und praktische Einwände vor, andererseits stelle er
immer wieder auch kritische Fragen, die neue, teils auch etwas komplizierte Vorschläge
beinhalteten. Zwar stelle er sich nicht in den Mittelpunkt, gleichwohl zeige er eine gute
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kontaktorientierung. Seine kognitive Leistungsfähigkeit ergab im Vergleich mit seiner
Altersgruppe mit ähnlicher Schulbildung ein überdurchschnittliches Ergebnis
(Intelligenzquotient von 123 IQ-Punkten). Nachdem auch der Gesamteindruck des
Auswahlgesprächs am 17. Februar 2009 positiv ausgefallen war, stellte die zuständige
Regierungsrätin den Bewerber am 3. März 2009 auf Antrag des Polizeikommandanten
ein. M. unterzeichnete die Anstellung bei der Kantonspolizei am 8. März 2009.
b) Der einjährige Lehrgang an der Polizeischule Ostschweiz, Amriswil, zum Polizisten
mit eidgenössischem Fachausweis begann anfangs Oktober 2009. Die
Gesamtbewertung des ersten Praktikumsberichts vom 7. Juni bis 6. Juli 2010 bei der
Mobilen Polizei Oberbüren am 5. Juli 2010 ergab die Beurteilung "gut". Demgegenüber
kam der Ausbildungsverantwortliche des zweiten Praktikums vom 12. Juli bis
13. August 2010 am 13. August 2010 zum Schluss, dass er die gestellten
Anforderungen und Aufgaben insgesamt "ungenügend" erfüllt habe. Die
eidgenössische Berufsprüfung bestand er am 17. September 2010 mit der Gesamtnote
4,7 (Polizei-Einsatz [Fachnote zählt doppelt]: 4,4, Community Policing: 5,0,
Polizeipsychologie: 4,8, Berufsethik/Menschenrechte: 5,0).
c) Der Kommandant der Kantonspolizei beantragte am 25. August 2010 der Vorsteherin
des Sicherheits- und Justizdepartements, M. nicht ins Korps der Kantonspolizei
aufzunehmen, was das Departement anderntags entsprechend verfügte. Der Entscheid
wurde damit begründet, dass sich der Aspirant für den Beruf des Polizisten nicht eigne,
da er die verlangten Leistungen und Ziele nicht erreichen könne. Auf eine Kündigung
werde verzichtet, weil das befristete Dienstverhältnis sowieso mit Ende der
Polizeischule per Ende September 2010 ende.
B./ Gegen diesen Entscheid liess M. am 10. September 2010 beim Verwaltungsgericht
des Kantons St. Gallen mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben:
"1. Die Verfügung des Sicherheits- und Justizdepartements des Kantons St. Gallen
vom 26. August 2010 sei aufzuheben.
–
2. Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, den Beschwerdeführer nach Ablauf der
Polizeischule - gegebenenfalls provisorisch - ins Korps der Kantonspolizei St. Gallen
aufzunehmen.
–
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mit Begründung vom 3. Dezember 2010 weist er darauf hin, dass er die Eignungs- und
Berufsprüfung bestanden und damit einen Anspruch auf den Übertritt ins Polizeikorps
habe. Während in den Bewertungen hinsichtlich der Einstellung und der Berufsprüfung
ein gewisser Ermessensspielraum gelegen habe, komme der Vorinstanz beim Eintritt
ins Korps kein Ermessen mehr zu. Davon abgesehen habe er die Anforderungen im
ersten Praktikum mit der Beurteilung "gut" ohne weiteres erfüllt. Daran ändere nichts,
dass diese Bewertung im Nachhinein als "sehr grosszügig zugunsten des
Qualifizierten" bezeichnet worden sei. Beim zweiten Praktikum seien ihm von Anfang
an Steine in den Weg gelegt worden, indem ein Mitarbeiter belastende Gerüchte über
ihn in Umlauf gebracht habe. Obwohl er seinen Vorgesetzten darüber in Kenntnis
gesetzt habe, habe ihm dieser nicht die nötige Rückendeckung gewährt, sondern ihn
im vollen Wissen um das destruktive Arbeitsfeld, das ihm sein ehemaliger Weggefährte
bei der P. bereitet habe, ins "offene Messer" laufen lassen. Dazu komme, dass sein
Betreuer während des fünfwöchigen Praktikums dreieinhalb Wochen ferienabwesend
gewesen sei. Falls der negativ ausgefallene zweite Praktikumsbericht gleichwohl
berücksichtigt werde, könne diesem insgesamt eine nur untergeordnete Bedeutung
zukommen.
C./ Das Sicherheits- und Justizdepartement beantragt mit Vernehmlassung vom
6. Januar 2011, die Beschwerde abzuweisen, falls darauf eingetreten werden könne.
Vorliegend sei eine Ersteinstellung zu beurteilen, die nicht gerichtlich überprüft werden
könne. Polizisten würden eine sehr anspruchsvolle hoheitliche Funktion ausüben, wozu
auch schwerwiegende Eingriffe in die Grundrechte der Bürger gehörten. Vor diesem
Hintergrund wäre es geradezu fatal, wenn für die Aufnahme ins Korps allein schulische
Leistungen massgebend sein würden. Eine bestandene Berufsprüfung sage nur
beschränkt etwas über die persönliche Eignung des Aspiranten aus, weshalb sie nur
eine Voraussetzung dafür sei, dass ein Polizeiaspirant ins Polizeikorps aufgenommen
werden könne. Die mangelnde Eignung des Anwärters zum Polizisten sei von mehreren
Ausbildnern und Vorgesetzten gleichermassen festgestellt worden. Der
Beschwerdeführer selbst habe eingeräumt, dass im Ausbildungsjahr "Problemfelder"
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."–
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bestanden hätten. Seine Betreuung sei zu keinem Zeitpunkt mangelhaft gewesen.
Wenn der Ausbildungsverantwortliche abwesend gewesen sei, habe die Betreuung
durch den Vorgesetzten stattgefunden, auf der Polizeistation St. Margrethen durch den
Postenchef persönlich.
D./ Der Beschwerdeführer beharrt mit Stellungnahme vom 1. Februar 2011 darauf,
dass die Vorinstanz ihr Ermessen überschreite, wenn sie ihn trotz bestandener
Berufsprüfung nicht ins Korps aufnehme. Falls sich während der Polizeischule gezeigt
hätte, dass er entgegen der Einschätzung beim Schuleintritt für die definitive Ausübung
des Berufs als Polizist nicht geeignet sei, hätte ihm gekündigt werden müssen.
E./ Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,
soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen prüft das Gericht von Amtes wegen:
1.1. In sachlicher Hinsicht beurteilt das Verwaltungsgericht unter anderem
Beschwerden gegen Verfügungen und Entscheide der Regierung und Departemente
(Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt VRP). Unzulässig ist die Beschwerde unter anderem in Angelegenheiten von
Wahlen und Ernennungen, zulässig indessen gegen Verfügungen und Entscheide im
öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis und gegen Disziplinarmassnahmen, unzulässig
wiederum bei der erstmaligen Begründung des Dienstverhältnisses und bei
Beförderung, es sei denn, es werde eine Verletzung der Gleichstellung der
Geschlechter geltend gemacht (Art. 59bis Abs. 2 Ziff. 4 VRP, kritisch: AJP 3/2011,
S. 421 f.).
Für Polizisten gilt das Prinzip der Anstellung vor Ausbildung. Dies bedeutet, dass sich
der Bewerber vor dem Besuch der Polizeischule entscheidet, sich bei der
Kantonspolizei St. Gallen anstellen zu lassen (www.kapo.sg.ch -> Personalgewinnung -
> Polizeischule; Art. 18 Abs. 1 des Polizeigesetzes, sGS 451.1, abgekürzt PG). Der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
definitive Eintritt ins Polizeikorps wird an die bestandene eidgenössische Berufsprüfung
geknüpft (Art. 13 Abs. 1 Polizeiverordnung, sGS 451.11, abgekürzt PV). Bei
Nichtbestehen ist eine provisorische Weiterbeschäftigung möglich, wenn die Prüfung in
den nächsten zwei Jahren nachgeholt wird (Art. 13 Abs. 2 PV). Während des
Ausbildungsjahrs kann das Arbeitsverhältnis gegenseitig unter Einhaltung einer
einmonatigen Kündigungsfrist aufgelöst werden, eine sofortige Auflösung des
Dienstverhältnisses ist möglich bei wichtigen Gründen und abweichenden
Vereinbarungen (Art. 12 PV). Die Ausbildungskosten trägt die Polizei, der Aspirant hat
diese aber in der Regel ganz bzw. anteilsmässig zurückzuzahlen, wenn das
Dienstverhältnis während der Polizeischule bzw. bis zum vollendeten dritten Dienstjahr
aufgelöst wird (Art. 24 PV). In der angefochtenen Verfügung wurde denn auch die Frage
der Rückerstattung der Ausbildungskosten für die Polizeischule ausdrücklich
offengelassen.
Aus dem Gesagten folgt, dass mit der Einstellung bei der Kantonspolizei, die mit der
einjährigen Polizeischule beginnt, zahlreiche Rechte und Pflichten verbunden sind und
dass das Ausbildungsjahr darauf ausgelegt ist, dass der Aspirant nach erfolgreichem
Abschluss der Schule in das Polizeikorps übertritt und dort während mindestens dreier
Jahre Dienst tut. Damit stellt der Eintritt ins Polizeikorps nach Art. 13 PV kein
erstmaliges Dienstverhältnis beim Kanton im Sinn von Art. 59bis Abs. 2 Ziff. 4 VRP dar.
Die Nichtaufnahme ins Polizeikorps nach absolvierter Polizeischule ist folglich als
Verfügung im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis beim Verwaltungsgericht
anfechtbar.
1.2. M. ist sodann als Verfügungsadressat zur Beschwerde legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit 45 Abs. 1 VRP). Im Weiteren entsprechen die Beschwerdeeingabe vom
10. September 2010 und ihre Ergänzung vom 3. Dezember 2010 zeitlich, formal und
inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs.
1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
1.3. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2. In formeller Hinsicht macht der Beschwerdeführer geltend, sein rechtliches Gehör sei
verletzt worden, weil er erst nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom
entsprechenden negativen Antrag des Polizeikommandanten Kenntnis erhalten habe.
2.1. Personen und Behörden, gegen die sich eine Eingabe richtet, ist grundsätzlich
Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Verfügungen, die erheblich belasten, sind
nur zulässig, wenn die Betroffenen den wesentlichen Sachverhalt kennen und
Gelegenheit zur Stellungnahme hatten. Ausgenommen sind Veranlagungen von
Steuern, Taxen und Gebühren (Art. 15 Abs. 1 und 2 VRP, Art. 29 der
Bundesverfassung, SR 101, abgekürzt BV).
2.2. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist einerseits ein persönlichkeitsbezogenes
Verfahrensrecht der Beteiligten und schützt vor Herabminderung zum blossen
Verfahrensobjekt. Andererseits ist es ein Mittel der Sachaufklärung, dient der optimalen
Aufarbeitung der relevanten Entscheidungsgrundlagen und ermöglicht im Rahmen des
Verfahrensrechts die Einführung der Sicht der Betroffenen. Der Anspruch ergibt sich
allein aus dem Verfahren heraus und gilt vorbehaltlos. Inhalt und Umfang des
Gehörsanspruchs sind nicht abstrakt zu umschreiben, sondern am Anspruch auf
wirksame Mitwirkung anhand konkreter tatsächlicher und rechtlicher Gegebenheiten
nach Fallgruppen und im Einzelfall zu konkretisieren. Voraussetzung der Wahrnehmung
des rechtlichen Gehörs ist eine entsprechende Orientierung der Betroffenen. Sie
bezieht sich auf den zu treffenden Entscheid wie auf den Beizug von Unterlagen und
Gutachten und schliesst geheim geführte Verfahren aus. In diesem ist auf die
Möglichkeit einer reformatio in peius aufmerksam zu machen. Das Recht auf
rechtliches Gehör räumt den Betroffenen sodann die Möglichkeit ein, sich vor Erlass
eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern. Mit dem
Anspruch auf effektive Mitwirkung korrespondiert, dass die Behörde die Vorbringen der
Beteiligten tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt und ihre Entscheide vor diesem
Hintergrund begründet (G. Steinmann, in: St. Galler Kommentar, 2. Auflage, Zürich/
St. Gallen 2008, Rz. 21 ff. zu Art. 29 BV).
2.3. Der Gehörsanspruch ist formeller Natur. Wird eine Verletzung des Anspruchs
festgestellt, muss der angefochtene Hoheitsakt ohne Rücksicht darauf, ob die
Anhörung für den Ausgang des Verfahrens relevant ist, das heisst die Behörde zu einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Änderung des Entscheids veranlassen wird oder nicht, aufgehoben werden (Häfelin/
Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2006, Rz. 1709).
Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung kann geheilt werden, wenn der
Betroffene die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die
sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage mit mindestens gleicher Kognition wie
die Vorinstanz prüfen kann (Steinmann, a.a.O., Rz. 32 f. zu Art. 29 BV). So ist die
Verweigerung des rechtlichen Gehörs oder die Verletzung der Begründungspflicht
durch die erstentscheidende Behörde regelmässig im Rekursverfahren heilbar, da die
Rekursbehörden mit umfassender Kognition entscheiden (Art. 46 VRP). Demgegenüber
ist das Verwaltungsgericht grundsätzlich nur zur Rechtskontrolle befugt (Art. 61 VRP;
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003,
Rz. 731 f.).
2.4. Dem abschlägigen Antrag des Polizeikommandanten sind verschiedene
Unterredungen vorausgegangen. Der Chef Polizeiposten St. Margrethen führte am
27. Juli 2010 mit dem Beschwerdeführer eine Zwischenbesprechung durch, die
durchwegs negativ ausgefallen ist. Am 30. Juli 2010 wurde der Beschwerdeführer zu
einer weiteren Aussprache mit den Chefs Stabsdienste, Ausbildung und des
Polizeipostens St. Margrethen eingeladen, wo ihm mitgeteilt wurde, dass sie die
Voraussetzungen für eine Anmeldung an die Berufsprüfung wegen der ungenügenden
Praktikumsleistungen als nicht erfüllt erachteten, weshalb sie ihm nahelegten, sich bis
am 6. August 2010 für eine Trennung von der Polizei zu entscheiden, ansonsten die
Kantonspolizei St. Gallen entsprechende Schritte einleiten werde. Der
Beschwerdeführer beauftragte in der Folge einen Rechtsanwalt mit seiner
Interessenvertretung, der dem Chef Stabdienste am 5. August 2010 mitteilte, dass aus
seiner Sicht für die Auflösung des Ausbildungsverhältnisses kein Grund bestehe. Am
13. August 2010 führte der Chef Polizeiposten St. Margrethen das
Beurteilungsgesprächs betreffend das zweite Praktikum durch, wobei er dem
Aspiranten abermals mitteilte, dass die praktischen Leistungen ungenügend seien und
er den Polizeianwärter für den Polizeiberuf als nicht geeignet erachte.
2.5. Aus dem Gesagten folgt, dass dem Beschwerdeführer auf Grund der zahlreichen
vorausgegangenen Unterredungen sowohl die Gründe für seine Entlassung bzw.
Nichtaufnahme ins Korps hinlänglich bekannt waren, als auch die Tatsache, dass die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kantonspolizei das Arbeitsverhältnis mit ihm nicht fortführen und entsprechende
Schritte einleiten werde, wenn er nicht innert vorgegebener Frist selber kündigen
würde. Folglich liegt keine Gehörsverletzung vor, weil das Sicherheits- und
Justizdepartement über seine Entlassung bzw. Nichtaufnahme ins Polizeikorps
entschieden hat, ohne den Beschwerdeführer zum entsprechenden Antrag des
Polizeikommandanten nochmals anzuhören. Daran ändert auch nichts, dass die Polizei
den Beschwerdeführer gleichwohl zur Berufsprüfung angemeldet und dieser die
Prüfung bestanden hat.
3. Der Beschwerdeführer macht geltend, ihm hätte - wenn schon - gekündigt werden
müssen, während die Vorinstanz ausführt, auf eine Kündigung habe verzichtet werden
können, weil das Arbeitsverhältnis mit Ende der Polizeischule sowieso ausgelaufen sei.
3.1. Der Vorinstanz muss entgegengehalten werden, dass das Arbeitsverhältnis darauf
ausgelegt ist, dass der Polizeiaspirant seinen Dienst nach der einjährigen Ausbildung
im Korps der Kantonspolizei absolviert, wo er sich bei Antritt der Polizeischule anstellen
liess (www.kapo.sg.ch, a.a.O.). An der grundsätzlich unbefristeten Anstellung ändert
auch nichts, dass das Sicherheits- und Justizdepartement den Eintritt ins Polizeikorps
separat verfügen muss, was in der Regel eine reine Formsache ist.
3.2. Dem Beschwerdeführer seinerseits ist entgegenzuhalten, dass das Sicherheits-
und Justizdepartement das Arbeitsverhältnis mit der angefochtenen Verfügung
ausdrücklich auf das Ende der Polizeischule beendet hat. Daran ändert nichts, dass die
Entlassung nicht als solche bezeichnet wurde bzw. dass in der angefochtenen
Verfügung fälschlicherweise sogar ausgeführt wurde, eine eigentliche Entlassung sei
gar nicht nötig. Die Kündigung ist an keine Form gebunden, sie ist einzig
empfangsbedürftig (Art. 83 des Staatsverwaltungsgesetzes, sGS 140.1, in Verbindung
mit Art. 335 des Schweizerischen Obligationenrechts, SR 220). Die Kantonspolizei hat
dem Beschwerdeführer vorgängig mitgeteilt, dass sie das Arbeitsverhältnis beende,
falls er nicht selber kündigen werde. Der Umstand, dass sie den Beschwerdeführer
entgegen ihrer ursprünglichen Absicht doch zur Berufsprüfung angemeldet hat, ändert
daran wie gesagt nichts. Mit der am 26. August 2010 versandten Verfügung betreffend
Nichtaufnahme ins Korps teilte das Sicherheits- und Justizdepartement dem
Beschwerdeführer sodann definitiv mit, dass sie ihn nur noch bis Ende September
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2010 beschäftigen werde. Damit endete das Arbeitsverhältnis zwischen der
Kantonspolizei und dem Beschwerdeführer per Ende September 2010.
3.3. Aus dem Gesagten folgt, dass die Vorinstanz das Arbeitsverhältnis des
Beschwerdeführers bei der Kantonspolizei mit der angefochtenen Verfügung vom
26. August 2010 unter Berücksichtigung der einmonatigen Kündigungsfrist gemäss
Art. 12 Abs. 1 PV fristgerecht auf Ende der Polizeischule am 30. September 2010
gekündigt hat.
4. Nach Art. 13 Abs. 1 PV beschliesst das Sicherheits- und Justizdepartement auf
Antrag des Polizeikommandanten über den Eintritt des Aspiranten in das Polizeikorps.
Voraussetzung dafür ist das Bestehen der eidgenössischen Berufsprüfung. Der
Beschwerdeführer schliesst daraus, dass die Vorinstanz das Arbeitsverhältnis nicht
einseitig auflösen könne bzw. dass er einen Rechtsanspruch darauf habe, ins
Polizeikorps aufgenommen zu werden und weiterhin bei der Kantonspolizei angestellt
zu bleiben, wenn er die Polizeischule erfolgreich bestanden habe. Falls die Vorinstanz
andere Anforderungen als die Berufsprüfung berücksichtige, begehe sie eine
unzulässige Ermessensüberschreitung.
4.1. Ermessen ist die Entscheidungsbefugnis der Verwaltungsbehörden, die ihr der
Gesetzgeber durch die offene Normierung überträgt. Liegt ein Entscheid noch
innerhalb des Ermessensspielraums bzw. wurden die Verfassungsprinzipien sowie der
Sinn und Zweck der gesetzlichen Ordnung beachtet, liegt keine Rechtsverletzung vor,
selbst wenn das Ermessen unzweckmässig gehandhabt wurde. Anders verhält es sich
bei einem qualifizierten Ermessensfehler, wenn die Verwaltungsbehörde das Ermessen
missbraucht bzw. über- oder unterschritten hat. Dies ist der Fall, wenn Ermessen
ausgeübt wird, wo der Rechtssatz keines einräumt bzw. wo die Behörde auf die
Ermessensausübung verzichtet, obschon ihr eine solche Betätigung gestattet ist. Beim
Ermessensmissbrauch hält sich die Behörde formell zwar an den
Entscheidungsspielraum, den ihr der Rechtssatz einräumt, der Entscheid ist aber nicht
bloss unzweckmässig oder unangemessen, sondern schlicht unhaltbar; er steht im
Widerspruch zu Verfassungsprinzipien oder zu Sinn und Zweck des Gesetzes. Im
Beschwerdeverfahren hat sich das Verwaltungsgericht darauf zu beschränken, über die
Einhaltung des Ermessensspielraums zu wachen. Es schreitet deshalb nur ein, wenn
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Vorinstanz das ihr zustehende Ermessen überschritten oder missbraucht hat. Die
blosse Ermessenskontrolle ist ihm dagegen verwehrt (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O.,
Rz. 460 ff.; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 740).
4.2. Für den Eintritt des Aspiranten ins Korps der Kantonspolizei wird die bestandene
Berufsprüfung vorausgesetzt. Während andere Kantone bzw. Städte darüber hinaus
weitere persönliche Anforderungen stellen wie die charakterliche Eignung oder eine
entsprechende Führung im Allgemeinen, verlangt Art. 13 Abs. 1 PV nebst der
bestandenen Prüfung einen entsprechenden Antrag des Polizeikommandos. Sinn und
Zweck dieses Antrags ist es nicht bloss, dass das verfügende Sicherheits- und
Justizdepartement über das Prüfungsergebnis informiert werde, sondern dass das
Polizeikommando das Departement zudem über das Verhalten des Aspiranten
während des Ausbildungsjahrs unterrichte. In der Kompetenz des Sicherheits- und
Justizdepartements liegt es nämlich, einen aussichtsreichen Aspiranten über das
Ausbildungsjahr hinaus zu beschäftigen, auch wenn dieser die Polizeischule nicht im
ersten Anlauf bestanden haben sollte. Folgerichtig muss das Polizeikommando dem
Departement auch beantragen können, einen Aspiranten, der sich während der
praktischen Ausbildung als ungeeignet erwiesen hat, nicht ins Korps aufzunehmen
bzw. nicht weiter zu beschäftigen, selbst wenn dieser die Berufsprüfung bestehen
sollte. Daraus folgt, dass dem Sicherheits- und Justizdepartement nach Art. 13 PV das
Entschliessungsmessen zusteht, einen Aspiranten trotz bestandener Schlussprüfung
nicht ins Korps aufzunehmen.
4.3. Nachdem feststeht, dass die Vorinstanz konkret keine Ermessensüberschreitung
begangen hat, indem sie für den Eintritt ins Polizeikorps nebst der Berufsprüfung
weitere Voraussetzungen geprüft hat, ist als nächstes zu prüfen, ob die Vorinstanz das
ihr zustehende Ermessen nach sachlichen, dem Zweck der massgebenden
Vorschriften entsprechenden Gesichtspunkten betätigt und dabei insbesondere nicht
gegen das Willkürverbot gemäss Art. 9 BV verstossen hat (Häfelin/Müller/Uhlmann,
a.a.O., Rz. 463).
4.3.1. Die Vorinstanz begründet den ablehnenden Entscheid damit, dass der
Beschwerdeführer im Ausbildungsjahr immer wieder durch sein apathisches Verhalten
und seine bescheidenen bzw. ungenügenden Leistungen aufgefallen und im zweiten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Praktikum derart abgefallen sei, dass ihm habe nahegelegt werden müssen, das
Arbeitsverhältnis aufzulösen.
4.3.2. Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer bereits am Anfang der
Ausbildung in den sicherheitspolizeilichen Wochen einen unbeteiligten und geistig
abwesenden Eindruck hinterlassen hatte. Im anschliessenden Praktikum wurde
ebenfalls bemängelt, dass er emotionslos und introvertiert wirke und dass sein Ehrgeiz
bei entstandenen Fehlern nicht oder zu wenig zum Vorschein kommen würde. Dank
guter Betreuung durch die Gruppenchefin konnte er sich betreffend Offenheit,
Teamfähigkeit, Motivation und Erkennung seiner Aufgaben aber deutlich verbessern, so
dass er den fünfwöchigen Einsatz bei der mobilen Polizei Oberbüren mit der
Gesamtbewertung "gut" abschliessen konnte. Bereits im zweiten Praktikum bei der
Polizeistation St. Margrethen zeigten sich aber wiederum die gleichen Defizite, die
anders als im ersten Praktikum nicht mehr aufgefangen werden konnten. Dies hatte zur
Folge, dass seine Arbeitsergebnisse, seine Erfahrungen und sein Fachwissen bis zum
Schluss unzulänglich blieben. Dazu wendet der Beschwerdeführer zwar ein, dass die
Situation auf dem Polizeiposten St. Margrethen für ihn sehr belastend gewesen sei. So
wurde er nicht nur im Vorfeld seines zweiten Praktikums von einem ehemaligen
Arbeitskollegen verunglimpft. Das Praktikum fiel auch noch in die Sommerferien, so
dass er seine Büroarbeiten wegen den zahlreichen Ferienabwesenheiten nicht
termingerecht erledigen konnte. Erschwerend kam dazu, dass sein eigentlicher
Betreuer mehrheitlich ferienabwesend war, weshalb sich der Postenchef nebst seinen
eigentlichen Aufgaben auch noch um den Praktikanten kümmern musste.
4.3.3. Der Beschwerdeführer wendet mithin zu Recht ein, dass die Verhältnisse im
zweiten Praktikum nicht ideal und für ihn ohne Zweifel belastend waren. Allerdings
waren diese Umstände nicht allein dafür verantwortlich, dass er das Praktikumsziel
insgesamt klar verfehlt hat. So war er bis am Schluss nicht in der Lage, selbst einfache
Geschäfte korrekt zu erledigen, obwohl die Aufträge vorbesprochen wurden.
Korrekturen übernahm er wiederholt nicht vollständig bzw. vergass diese, obgleich er
nicht unter Zeitdruck gestanden hatte. Ihm gelang es sodann regelmässig nicht, das
Gelernte in die Praxis umzusetzen und die zugeteilten Arbeiten selbständig
auszuführen. Erschwerend kommt dazu, dass er selbst gegen Ende des
Ausbildungsjahrs bzw. im zweiten Praktikum im Kundenkontakt noch scheu und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unbeholfen wirkte und um Worte ringen musste, wenn er den Betroffenen etwas
Unangenehmes zu sagen hatte. Folglich ist die Feststellung der Vorinstanz, dass der
Beschwerdeführer die verlangten Ausbildungsziele in der Praxis nicht erreicht habe und
für die praktischen Arbeiten eines Polizisten nicht geeignet sei, sachlich begründet und
nachvollziehbar, selbst wenn die ungünstigen Umstände im zweiten Praktikum
berücksichtigt werden. Vor allem die Feststellung der Verantwortlichen, dass der
Beschwerdeführer zu wenig selbständig sei, zu wenig Selbstbewusstsein ausstrahle
und zu viel Mühe bekunde, das in der Theorie Gelernte in der Praxis umzusetzen, zieht
sich wie ein roter Faden durch das Ausbildungsjahr und wird bei der Berufsprüfung
(insgesamt 4,7) insofern bestätigt, als er im theoretischen Teil durchwegs die besseren
Positionsnoten erzielt hat als im praktischen Teil, auch wenn er kein Fach ungenügend
abgeschlossen hat (Verkehrsunfall praktisch: 4,0, Einbruchsdiebstahl praktisch: 4,5,
häusliche Gewalt praktisch: 4,0). Im Berufsalltag eines jungen Polizisten nehmen diese
praktischen Arbeiten einen massgeblichen Stellenwert ein, zumal dieser im Anschluss
an die Polizeischule während mehreren Jahren bei der Regionalpolizei beschäftigt wird
(Art. 13 Abs. 3 PV), wo er von Beginn weg im direkten Kontakt mit schwierigen Kunden
eingesetzt wird. Dafür eignen sich in erster Linie Charaktere, die spontan und schnell
reagieren können und dabei ein hohes Mass an Selbstvertrauen ausstrahlen. All dies ist
beim bedächtig, introvertiert und eher zögerlich wirkenden Beschwerdeführer nicht der
Fall. Die einjährige Ausbildung hat in seinem Fall offensichtlich nicht ausgereicht, das
nötige praktische Wissen und die erforderliche Routine zu erlangen, die für den Einsatz
im Korps nötig sind.
4.3.4. Aufgrund des Gesagten erweist sich die Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass
sich der an sich intelligente Beschwerdeführer von seinem Naturell her trotz
bestandener Berufsprüfung für den Polizeiberuf nicht eigne, sachlich begründet und
haltbar. Die wiederkehrenden Vorhaltungen bezüglich seines zu passiven und
verhaltenen Auftretens haben gezeigt, dass es sich dabei um ein eingefahrenes
Verhaltensmuster bzw. um gefestigte Persönlichkeitsmerkmale handelt, so dass der
immerhin schon 27-Jährige im Rahmen der einjährigen Polizeiausbildung nicht mehr
entsprechend der Anforderungen geformt werden konnte.
5. Schliesslich verlangt der Beschwerdeführer, dass er wenigstens provisorisch ins
Polizeikorps aufgenommen werde. Ein entsprechender Anspruch besteht nach Art. 13
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abs. 2 PV jedoch nicht. Es liegt allein im Ermessen des Sicherheits- und
Justizdepartements, den für den Polizeiberuf an sich geeigneten Aspiranten bei
Nichtbestehen der Berufsprüfung in einem provisorischen Arbeitsverhältnis während
längstens zweier Jahre provisorisch weiter zu beschäftigen. Besteht dieser während
dieser Zeit die Prüfung, kann er - wiederum auf Antrag des Polizeikommandos und
Beschluss des Sicherheits- und Justizdepartement - in das Polizeikorps eintreten.
Einen provisorischen Übertritt ins Polizeikorps sieht das Gesetz grundsätzlich nicht vor,
weshalb die Vorinstanz auch nicht darüber entscheiden könnte.
6. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist. Die
Nichtaufnahme des Beschwerdeführers vom26. August 2010 leidet an keinem
formellen Mangel und erweist sich auch materiell als rechtmässig.
7. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens vom Beschwerdeführer zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss
in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht