Decision ID: 9d5c33cb-cd9d-4855-a3c4-40692045cf0b
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Mord etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern vom 12. April 2016 (DG130010)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 2. Juli 2013
(Urk. 26) sowie die Nachtragsanklage der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zü-
rich vom 14. April 2014 (Urk. 238/8) sind diesem Urteil beigeheftet.
Beschluss der Vorinstanz:
Auf den Vorwurf der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von
Art. 33 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 7 und Art. 25 Abs. 1 WG und Art. 9 [rec-
te: Art. 12] Abs. 1 lit. h [recte: lit. j] WV im Zusammenhang mit dem in der Anklage
vom 2. Juli 2013 eingeklagten Sachverhalt wird nicht eingetreten.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB,
− der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB,
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB und
− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33
Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 7 WG und Art. 12 Abs. 1 lit. j WV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe, wo-
ran insgesamt 526 Tage italienische Ausschaffungshaft anzurechnen sind.
Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte bis und mit
heute seit 2104 Tagen in schweizerischer Untersuchungs- und Sicherheits-
haft befindet, welche jedoch aufgrund internationalen Vereinbarungen an die
Haftstrafe in Italien anzurechnen sind.
3. Es wird eine Verwahrung des Beschuldigten im Sinne von Art. 64 Abs. 1
StGB angeordnet.
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4. Die anlässlich der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Beschuldigten
vom 12. Januar 2009 sichergestellte und mit Verfügung der Staatsanwalt-
schaft IV vom 13. Juni 2013 beschlagnahmte Selbstladepistole "FEG", Mod.
PA-63 Kal. 9 mm Makarov, Nr. 1 (Griff) bzw. Nr. 2 (Lauf) wird eingezogen
und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
5.1. Die anlässlich der Hausdurchsuchung bei der Privatklägerin vom 8. Januar
2009 sichergestellten und mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom
13. Juni 2013 beschlagnahmten Gegenstände
− Teile einer Agenda mit Notizen (Abrechnungen, Schulden, Guthaben),
− ca. 60 Minigripbeutel, 17.5 x 11.5 cm,
− ca. 500 Minigripbeutel, 7.5 x 4 cm,
− 1 Kaffeesieb,
− 2 Pinzetten,
− 2 Küchenmesser mit braunen Pulverrückständen (mutmasslich Heroin),
− 3 Plastiklöffel mit braunen Pulverrückständen (mutmasslich Heroin),
− 1 kleine Schere,
− 1 oranges Papierchen mit braunen Pulverrückständen (mutmasslich
Heroin),
− ca. 100 Methadontabletten 5 mg (lose in Minigrip, in Blister und Smint-
Schachtel),
− 1 SIM-Kartenverpackung, Mobiltelefonnummer 1,
− 1 polizeilicher Effektensack mit div. Adress- und Notizmaterial,
− 1 Patrone ‚GECO‛, 9 mm Luger (in Minigrip),
− 1 Kartonschachtel „Taxi‟, 29 x 29 x 9 cm, enthält ca. 600 Minigripbeu-
tel, 17 x 11.5 cm,
− div. Dokumentkopien und 1 CD mit Kopie der Daten auf USB-Stick,
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− 1 Waage ‚Tangent‛,
− 1 Waage ‚Tanita‛,
− 1 Waage ‚on Balance‛,
− 1 Quittung Swisscom, Baraufladung, CHF 20.00,
− blaue Geldkassette (aufgebrochen von der Polizei),
werden allesamt eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung über-
lassen.
5.2. Das anlässlich der Hausdurchsuchung bei der Privatklägerin vom 8. Januar
2009 sichergestellte und mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom
13. Juni 2013 beschlagnahmte "1 Couvert B4 „IG ...‟, mit Farbfotos, Karten
etc." wird der Privatklägerin nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils aus-
gehändigt.
6. Die anlässlich der Hausdurchsuchung in der Wohnung des Beschuldigten
vom 12. Januar 2009 sichergestellten und mit Verfügung der Staatsanwalt-
schaft IV vom 13. Juni 2013 beschlagnahmten Gegenstände
− 1 Mobiltelefon, Samsung SGH-C300, silbern mit SIM-Karte Orange
(Mobiltelefonnummer 2), inkl. Ladekabel (Nummer 1),
− 1 Mobiltelefon, Samsung SGH-C140, schwarz/silbern mit SIM-Karte
Sunrise (Mobiltelefonnummer 3), inkl. Ladekabel (Nummer 2),
− 1 Mobiltelefon, Siemens A55, grau/weiss, mit SIM-Karte Sunrise (Mo-
biltelefonnummer 4), inkl. Ladekabel (Nummer 3),
− 1 SIM-Karte Lebara Nr. 1, Anschluss Mobiltelefonnummer 5,
werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils her-
ausgegeben.
7. Die anlässlich der Verhaftung des Beschuldigten in Mailand sichergestellten
und mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 13. Juni 2013 beschlag-
nahmten Gegenstände
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− 1 Mobiltelefon, Nokia 1200, grau/schwarz, mit SIM-Karte Nr. 2,
− 1 Fotodigitalkamera, Sony Cyber Shot, 7.2 Pixels mit 2GB SanDisk
Karte, inkl. Zubehör (Etui, Ladekabel, USB-Verbindungskabel),
− 3 Fotos,
werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils her-
ausgegeben.
8. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin
B._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-
satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadener-
satzanspruches wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses ver-
wiesen.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Fr. 60'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab tt.mm.2009 als Genugtuung zu bezahlen.
10. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 18'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 13'697.50 Kosten Kantonspolizei Fr. 500.– Staatsgebühr Fr. 431.25 Gebühr Nachtragsanklage Fr. 82'396.05 Auslagen Untersuchung Fr. 13'602.75 Kosten Gutachten Fr. 55'454.– amtliche Verteidigung RA X2._ Fr. 52'578.20 amtliche Verteidigung RA X1._ Fr. 16'238.– unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigungen und der unentgeltlichen
Vertretung der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten auferlegt.
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12. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Es wird davon Vormerk genommen, dass Rechtsanwalt Dr. iur. X2._ für
seine amtliche Verteidigung bereits Fr. 55'454.– und Rechtsanwalt Dr. iur.
X1._ für seine amtliche Verteidigung bereits Fr. 27'876.15 im Sinne von
Kostenvorschüssen bezahlt wurden.
13. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin werden auf die
Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO.
Es wird davon Vormerk genommen, dass Rechtsanwältin lic. iur. Y._ für
ihre unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin bereits Fr. 7'000.– im Sinne
eines Kostenvorschusses bezahlt wurde.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 431 S. 1 f.)
1. Der Beschuldigte sei wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz
(Art. 33 Abs. 1 Bst. a WG) schuldig zu sprechen.
2. Bezüglich aller anderen Anklagepunkte gemäss Haupt- und Nebenan-
klage sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe freizusprechen.
3. Der Beschuldigte sei zu einer Freiheitsstrafe von 120 Tagen zu verur-
teilen, welche durch 526 tage italienische Ausschaffungshaft bereits
vollumfänglich abgegolten ist. Von einer Massnahme im Sinne von
Art. 59 ff. StGB, insbesondere von einer Verwahrung im Sinne von
Art. 64 StGB, sei abzusehen.
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4. Der Beschuldigte sei für die ungerechtfertigt erlittene italienische Aus-
schaffungshaft im Umfang von 406 Tagen (= 526 Tage – 120 Tage)
angemessen zu entschädigen.
5. Der Beschuldigte sei aus der Sicherheitshaft zu entlassen.
6. Die Zivilforderungen der Privatkläger seien abzuweisen, eventualiter
auf den Zivilweg zu verweisen.
7. Die Kosten des Verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen
Verteidigung, seien definitiv vom Staat zu tragen.
8. Es sei der amtliche Verteidiger des Beschuldigten gemäss den einge-
reichten Honorarnoten zu entschädigen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 434 S. 1)
1. Es sei die Berufung des Beschuldigen abzuweisen und das vorinstanz-
liche Urteil vom 12. April 2016 zu bestätigen.
2. Es seien die Kosten des Berufungsverfahrens dem Beschuldigten auf-
zuerlegen.
c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Prot. II S. 43, sinngemäss)
1. Es seien die Dispositivziffern 8 und 9 des Urteils des Bezirksgerichtes
Affoltern vom 12. April 2016 zu bestätigen.
2. Die Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung seien, entspre-
chend der eingereichten Honorarnote, auf die Gerichtskasse zu neh-
men.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
Mit Urteil vom 12. April 2016 sprach das Bezirksgericht Affoltern den Be-
schuldigten gestützt auf die Anklage vom 2. Juli 2013 (Urk. 26) wegen Mordes
und gestützt auf die Nachtragsanklage vom 14. April 2014 (Urk. 238/8) zusätzlich
wegen Gefährdung des Lebens, Nötigung und Widerhandlung gegen das Waf-
fengesetz schuldig. Auf den Vorwurf der Widerhandlung gegen das Waffengesetz
im Zusammenhang mit der Hauptanklage trat das Gericht nicht ein. Der Beschul-
digte wurde mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe bestraft. Daran wurden 526
Tage italienische Ausschaffungshaft (recte: Auslieferungshaft) angerechnet. Des
Weiteren wurde die Verwahrung des Beschuldigten im Sinne von Art. 64 Abs. 1
StGB angeordnet (Urk. 358). Das Urteil wurde am 19. April 2016 mündlich eröff-
net (Prot. I S. 92 f.). Dagegen liess der Beschuldigte tags darauf Berufung anmel-
den (Urk. 317).
Das Bezirksgericht erliess am 20. September 2016 eine berichtigte Fassung
des Urteilsdispositivs (Urk. 336): Im Schuldspruch wegen Widerhandlung gegen
das Waffengesetz, welches sich auf die Nachtragsanklage stützte und eine
Selbstladepistole betraf, die anlässlich der Hausdurchsuchung vom 12. Januar
2009 in der ehelichen Wohnung des Beschuldigten in C._ sichergestellt wor-
den war (vgl. Urk. 13/2), wurde die zusätzliche Inverbindungsetzung von Art. 33
Abs. 1 lit. a WG mit Art. 25 Abs. 1 WG gestrichen, da nur der unerlaubte Besitz
der Waffe (Art. 7 WG) und nicht auch das unerlaubte Verbringen in die Schweiz
(Art. 25 Abs. 1 WG) Gegenstand der Anklage war.
Die berichtigte Fassung des Urteilsdispositivs wurde den Parteien am
20. September 2016 samt einem Begleitschreiben schriftlich zugestellt und die
Rechtsmittelfrist mit Bezug auf die berichtigte Dispositiv-Ziffer 1 neu angesetzt
(Urk. 336 und 337). Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 26. September 2016
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auch gegen die berichtigte Fassung des Urteils Berufung anmelden (Urk. 340).
Demgegenüber ergriff die Staatsanwaltschaft kein Rechtsmittel gegen das Urteil
vom 12. April 2016 und seine berichtigte spätere Fassung; auch verzichtete sie
am 17. November 2016 auf Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 364).
Das begründete Urteil wurde am 24. Oktober 2016 an die Parteien versandt.
Unterm 11. November 2016 erstattete die Verteidigung des Beschuldigten innert
Frist die Berufungserklärung (Urk. 360). Darin wurde die Berufung ausdrücklich
auf den Schuldpunkt, die Strafe, die Massnahme, die Zivilansprüche und die Kos-
ten-, Entschädigungs- und Genugtuungsfolgen beschränkt.
Demnach sind folgende Dispositivpunkte des vorinstanzlichen Urteils unan-
gefochten geblieben und in Rechtskraft erwachsen, was vorab festzustellen ist:
Einziehungen (Dispositivziffern 4 und 5.1), Herausgaben (Dispositivziffern 5.2, 6
und 7), Kostenaufstellung (Dispositivziffer 10), Anwaltsentschädigungen (Disposi-
tivziffer 12, 2. Absatz, und Dispositivziffer 13, 2. Absatz). Ebenfalls unangefochten
geblieben und in Rechtskraft erwachsen ist der dem Urteil vorangestellte Be-
schluss betreffend des Nichteintretens auf den Vorwurf der Widerhandlung gegen
das Waffengesetz aus der Hauptanklage vom 2. Juli 2013.
Die Berufungsverhandlung fand am 15. Dezember 2017 statt (Prot. II S. 18).
Der Beschuldigte verblieb dabei weitgehend bei seinem Aussageverweigerungs-
recht. Im Anschluss daran beschloss die Kammer, vom Institut für Rechtsmedizin
der Universität Zürich (IRM) die Todeszeitschätzung vom 8. Januar 2009 sachver-
ständig erläutern zu lassen (Urk. 437). Der entsprechende Bericht (Ergänzungs-
gutachten vom 23. Februar 2018) ging am 27. Februar 2018 ein (Urk. 444f.). Die
Verteidigung reichte dazu eine Stellungnahme ein (Urk. 451), derweil die Staats-
anwaltschaft und die Privatklägerschaft auf eine solche verzichteten (Urk. 448/1)
und sich auch zur Stellungnahme der Verteidigung nicht äusserten (vgl. Urk. 452).
Mit der vorerwähnten Stellungnahme beantragte die Verteidigung hinsichtlich der
Todeszeitschätzungen des IRM die Einholung eines Obergutachtens sowie die
Anhörung der IRM-Ärzte Dr. D._ und Dr. E._ als sachverständige Zeu-
gen. Letzteres hiess die Kammer mit Beschluss vom 24. April 2018 gut (Urk. 458).
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Die Anhörung der Zeugen fand am 16. Mai 2018 statt (Prot. II S. 54-80). Für die
Würdigung von deren Äusserungen ist auf die diesbezüglichen Erwägungen im
Rahmen der Sachverhaltserstellung zu verweisen (Ziff. III. A. 2.d). Der Fall erweist
sich nunmehr als spruchreif, wobei zuerst die Vorfragen zu behandeln sind.
II. Vorfragen
1. Anklageprinzip
Vor Vorinstanz hatte die Verteidigung hinsichtlich der Nachtragsanklage die
Verletzung des Anklageprinzips in dreifacher Hinsicht gerügt (Urk. 305 S. 5-8):
Beim Vorwurf der Gefährdung des Lebens sei in der Anklageschrift die Unmittel-
barkeit der Lebensgefahr nicht wörtlich erwähnt. Zudem sei das Nötigungsmittel
nicht ausreichend umschrieben (es sei nicht gesagt, mit welcher Hand die Pistole
gehalten worden sei). Als Drittes nenne die Anklage beim Vorwurf der Widerhand-
lung gegen das Waffengesetz eine falsche Bestimmung.
Die Vorinstanz hat die ersten zwei Einwände zureichend und überzeugend
widerlegt (Urk. 358 S. 19-21). Dem dritten Einwand hat sie zu Recht entgegenge-
halten, er betreffe nicht das Anklageprinzip, sondern die rechtliche Würdigung,
welche dem Gericht anheimgestellt sei. Auf diese zutreffenden Erwägungen kann
verwiesen werden (a.a.O. S. 21f.), weshalb sich Ergänzungen erübrigen, zumal
die Verteidigung sich in der Berufungsverhandlung nicht mehr auf eine Verletzung
des Anklageprinzips berief. Dem Eintreten (auch) auf die Nachtragsanklage steht
somit nichts im Wege.
2. Tatinterlokut und Beweisanträge
Mit ihrer Berufungserklärung stellte die Verteidigung gleichzeitig den pro-
zessualen Antrag auf die Durchführung eines Tatinterlokuts. Des Weiteren stellte
sie mehrere Beweisanträge (Urk. 360). Über diese Anträge entschied die erken-
nende Kammer mit Beschluss vom 20. Juli 2017: Die erneute Durchführung eines
Tatinterlokuts wurde abgelehnt und die Beweisanträge wurden, soweit darauf ein-
zutreten war, einstweilen abgewiesen (Urk. 407).
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In der Berufungsverhandlung vom 15. Dezember 2017 erneuerte die Vertei-
digung unter Bezugnahme auch auf ihre Vorab-Eingaben vom 4. Dezember 2017
(Urk. 425 und 426) die meisten ihrer früheren Beweisanträge (Urk. 430). Auf diese
Anträge auf Beweisergänzung ist im Folgenden einzugehen.
a) Augenschein und Tatrekonstruktion am Tatort
Im Beschluss vom 20. Juli 2017 wurde dieser Antrag von der Kammer
einstweilen abgelehnt, da der Vorinstanz darin zu folgen war, dass nicht ersicht-
lich wird, was diese Beweisvorkehren 7 (nunmehr fast neun) Jahre nach dem in-
kriminierten Ereignis noch an zusätzlich Nützlichem zu Tage fördern können.
Auch wurde darauf hingewiesen, dass in casu von den Parteien nicht unterschied-
liche Tatabläufe behauptet sind, welche am Tatort auf ihre Plausibilität zu über-
prüfen wären.
Die Vorbringen der Verteidigung in der Berufungsverhandlung (Urk. 430)
vermögen diese Sicht der Dinge nicht zu ändern. Zwar trifft es zu, dass das Fo-
rensische Institut die Möglichkeit erwogen hat, dass die Schussabgabe gegen das
Opfer auch ausserhalb des Fahrzeugs stattgefunden haben könnte. Es ging dabei
jedoch davon aus, dass das Fahrzeug "mittig der Fahrbahn" gestanden und dass
es sich bei den sprüh-nebelartigen Blutspuren auf dem Schneehaufen am Stras-
senrand um Ausatmungsspuren des Opfers gehandelt hätte. Die strassenmittige
Position des Fahrzeugs lässt sich jedoch ‒ wie darzustellen sein wird
(Ziff. III.A.2.d) ‒ nicht erhärten und das FOR spricht sich aufgrund der grossflächi-
gen Bedeckung des Schneehaufens letztlich "eher gegen Ausatmungsspuren"
des Opfers aus (vgl. Urk. 9/26 S. 9). Von einem anderen Tatablauf als es die
Hauptbelastungszeugin schildert, der mittels Augenschein oder Tatrekonstruktion
verifiziert werden könnte, kann deshalb nicht gesprochen werden.
Auch dass sich der Tatort − wie die Verteidigung ausführt (Urk. 430 Rz 6) −
"mitten im Dorf F._" befinde und die Tat deshalb in der tiefen Nacht gesche-
hen sein müsste, kann nicht bestätigt werden. Vielmehr war die betreffende Stelle
der G._-Strasse klarerweise durch ein Bachtobel und Wald von den bewohn-
ten Quartieren F._s abgetrennt (vgl. Urk. 1/1, Anhang Basiskarte, und Fotos
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in Urk. 6/2 und insbesondere der Übersichtsplan in Urk. 6/3 S. 5). Für die Tatzeit
lässt sich daraus nichts ableiten.
Die beantragten Beweisergänzungen sind deshalb zu verwerfen.
b) Erneute Befragung der Zeugin H._
Auch dieser Beweisantrag ist bereits von der Vorinstanz und ebenso einst-
weilen im Verlauf des Berufungsverfahrens abgelehnt worden. Der Antrag wurde
in der Berufungsverhandlung erneuert (Urk. 430 Rz 7ff.). Die entsprechenden Be-
gründungen der Ablehnung haben auch heute noch Geltung, sodass vorab darauf
verwiesen werden kann (Vorinstanz in Urk. 358 S. 14; Kammer in Urk. 407 S. 4f.).
Nachdem die Zeugin in Italien und in der Schweiz bereits detailliert und aus-
führlich (zwei bzw. vier Stunden lang) befragt worden ist, beide Male in Anwesen-
heit der Verteidigung, welche Gelegenheit zur Stellung von Ergänzungsfragen
hatte, beim Verhör in der Schweiz auch unter Teilnahme des Beschuldigten, be-
steht keine Veranlassung, die Zeugin neun Jahre nach dem inkriminierten Vorfall
ein drittes Mal anzuhören. Ihre Aussagen zum Kerngehalt der Tatvorwürfe erwei-
sen sich, wie im Zusammenhang mit der Sachverhaltserstellung darzulegen sein
wird, als kohärent und beweistauglich. Dies gilt insbesondere für die Hauptankla-
ge, aber auch ‒ wie schon die Vorinstanz zutreffend erwog (Urk. 358 S. 14 und
S. 52-54) ‒ für die Nachtragsanklage. Für das von der Verteidigung geltend ge-
machte widersprüchliche Verhalten der Zeugin (indem gemäss ihrer Aussage be-
reits Ende 2008 ernsthafte Differenzen in der Beziehung mit dem Beschuldigten
aufgetaucht waren, sie ihm dann aber in der ersten Zeit nach seiner Verhaftung in
Mailand, mithin im Januar und Februar 2009, dennoch mehrere Liebesbriefe ins
Gefängnis geschickt hat) lässt sich im Übrigen ‒ wie dargelegt werden wird
(Ziff. III.A.2.c.) ‒ durchaus eine plausible Erklärung finden, weshalb auch aus die-
sem Grund eine erneute Befragung der Zeugin nicht zwingend erscheint. Auf-
grund der Audio- bzw. Videoaufnahmen der Befragungen ist das Gericht überdies
in der Lage, sich einen unmittelbar eigenen Eindruck über die Art und Weise, wie
die Zeugin ausgesagt hat, zu verschaffen. Dass bezüglich der ersten Befragung
(in I._) lediglich eine Audioaufnahme (und keine Videoaufnahme) besteht,
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schadet nichts. Der Antrag der Verteidigung ist aus all diesen Gründen abzuwei-
sen.
c) Vollständige und offizielle Übersetzung der Beilage A zum Plädoyer der
Verteidigung vor Vorinstanz (Briefe von H._ an den Beschuldigten kurz nach
dem inkriminierten Ereignis)
Diesen Beweisantrag hatte die Verteidigung bereits vor Vorinstanz und in ih-
rer Berufungserklärung gestellt (Urk. 298 und 360). Er wurde von der Vorinstanz
und einstweilen von der erkennenden Kammer abgelehnt. Die Kammer begründe-
te die Ablehnung im Beschluss vom 20. Juli 2017 damit, dass die Verteidigung die
wichtigsten Passagen der Briefe bereits selber hatte übersetzen lassen, was zur
Beurteilung ihrer auf diese Briefe bezogenen Argumente durchaus genüge
(Urk. 407 S. 6). Dies gilt ebenfalls hinsichtlich des in der Berufungsverhandlung
erneuerten Antrags (Urk. 430 Rz 22-30). Für die dabei als noch nicht übersetzt
bezeichneten Briefe lieferte die Verteidigung erneut selber eine Übersetzung ins
Deutsche. Ein weiterer Übersetzungsbedarf ist nicht ersichtlich.
d) Beweisanträge im Zusammenhang mit der "J._"
Die Verteidigung stellte mit Eingabe vom 4. Dezember 2017 (Urk. 425) und
auch anlässlich der Berufungsverhandlung (Urk. 430 Rz 31-40) folgende weiteren
Beweisanträge:
1. Es sei K._, geb. tt.06.1978, ... [Adresse], durch das Obergericht des Kantons Zürich
nochmals als Zeugin zu befragen.
2. Es seien die vollständigen Akten aus der "J._", insbesondere aber sämtliche Berich-
te der Observation von L._ betreffend den Zeitraum ab Beginn der Observation (mut-
masslich ab März 2008) bis zum tt.mm.2009 beizuziehen und förmlich zu den Akten des Be-
rufungsverfahrens SB160461 zu nehmen.
Zur Begründung verwies die Verteidigung darauf, dass sowohl die Vor-
instanz wie auch die Anklage davon ausgegangen seien, dass †L._ und der
Beschuldigte gemeinsam im Drogenhandel tätig gewesen seien und der Beschul-
digte dabei das Heroin geliefert habe. Die Vorinstanz spekuliere damit zusam-
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menhängend auch, dass †L._ dem Beschuldigten seit etwa zwei Jahren
€ 30'000 aus dem Drogenhandel geschuldet habe, und sehe darin das Motiv des
Beschuldigten zur Tötung des Opfers. Dies werde aber von der Verteidigung be-
stritten. Ihre Beweisanträge zielen den auch auf eine entsprechende Entlastung
des Beschuldigten. Nach Auffassung der Verteidigung könnten die Akten der
"J._" und die ergänzende Befragung der Polizistin, die daran beteiligt war,
Aufschluss über die vorinstanzliche Annahme der Drogentätigkeit des Beschuldig-
ten geben und damit Rückschlüsse zulassen auch auf das von der Vorinstanz an-
genommene Tatmotiv des Beschuldigten.
Es trifft zu, dass die Vorinstanz die Drogentätigkeit des Beschuldigten für
gegeben erachtet hat; so hat sie im Urteil erwogen, dass aufgrund der Aussagen
von B._ und M._ der "naheliegende Schluss" zu ziehen sei, dass
†L._ vom Beschuldigten Heroin bezogen habe (Urk. 358 S. 45) bzw. dass
sich der Beschuldigte und †L._ zusammen schon über längere Zeit im Hero-
inhandel betätigt hätten und der Beschuldigte dabei zumindest teilweise das He-
roin geliefert habe (a.a.O. S. 63). Einen direkten Zusammenhang zwischen der
Drogentätigkeit des Beschuldigten und der offenen Schuld des †L._ ihm ge-
genüber hielt die Vorinstanz jedoch nicht für nachgewiesen, sondern nur für
wahrscheinlich (vgl. ihre Formulierung "mutmasslich aus dem Heroinhandel",
S. 63, und ähnliche Ausführungen auf S. 64 unten, S. 79 und S. 85 ihres Urteils).
Ein Zusammenhang der Geldschuld mit einem Drogenhandel des Beschul-
digten ergibt sich auch nicht zwingend aus den einzigen Aussagen, die darauf
konkret Bezug nehmen, nämlich diejenigen der Zeugin H._: Auch sie äusser-
te diesbezüglich nur Vermutungen (Urk. 4/18 S. 30f.). Mit Bezug auf eine seit zwei
Jahren offen gebliebene Schuld des †L._ gegenüber dem Beschuldigten in
Höhe von € 30'000 sind die Aussagen der Zeugin jedoch klar und eindeutig
(Urk. 4/18 S. 24f. und Urk. 4/21 S. 18 unten). Die erkennende Kammer erachtet
diesen Umstand deshalb als erstellt und für das Tatmotiv des Beschuldigten
durchaus relevant. Mit Bezug auf eine allfällige Drogentätigkeit des Beschuldigten
fehlen jedoch – anders als es die Vorinstanz noch sah – rechtsgenügende Bewei-
se. Die entsprechenden Andeutungen von M._ sind allesamt zu vage (vgl.
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Urk. 5/1 S. 12 und 14, 5/2 S. 4f., 5/3 S. 6f.) und zudem hatte er sich bei einer
Wahlbildkonfrontation in der Person des Beschuldigten geirrt (Urk. 5/1.2). Auch
die Aussagen der Ehefrau von †L._ geben hinsichtlich eines Drogenhandels
des Beschuldigten nichts her (vgl. Urk. 3/1 und 3/2). Der Vorwurf, dass der Be-
schuldigte im Drogenhandel tätig geworden sei, wurde denn auch nicht zur An-
klage erhoben. Folglich stossen die zur entsprechenden Entlastung des Beschul-
digten dienenden Beweisanträge der Verteidigung ins Leere. Inwiefern die Be-
weisanträge etwas zur Stützung der "Ehrenmord"-Behauptung des Beschuldigten
beitragen können, wie die Verteidigung insinuiert (Urk. 430 Rz 40), ist ebenfalls
nicht ersichtlich. Diese Anträge sind deshalb abzuweisen.
e) Neues psychiatrisches Gutachten über den Beschuldigten
Ein neues Gutachten hatte die Verteidigung schon nach Eingang des Akten-
gutachtens von Prof. N._ vom 5. Mai 2013 verlangt mit der Begründung, der
Beschuldigte sei nun bereit, mit dem Gutachter zu sprechen. Die Vorinstanz liess
daraufhin vom Verfasser des Aktengutachtens eine Ergänzung desselben erstel-
len unter Berücksichtigung der mit dem Beschuldigten zu führenden Interviews.
Der anschliessende Antrag der Verteidigung auf Teilnahme an den Gesprächen
des Gutachters mit dem Beschuldigten wurde von der Vorinstanz und das Aus-
standsgesuch der Verteidigung gegen den Gutachter alsdann von der III. Straf-
kammer des Obergerichts abgewiesen. Das Ergänzungsgutachten von Prof.
N._ datiert vom 26. August 2015 (Urk. 229).
In der Folge beantragte die Verteidigung vor Vorinstanz am 25. Januar 2016
und am 11. April 2016 ein Zweit- oder Obergutachten bzw. der Verbesserung des
Gutachtens von Prof. N._. Die diesbezügliche Begründung findet sich haupt-
sächlich in der Eingabe der Verteidigung vom 25. Januar 2016 (Urk. 283). Die
Verteidigung vertrat dabei die Auffassung, dass bei 10 Items der Psychopathy
Checklist-Revised (PCL-R) und bei einem Item der Violence Risk Appraisal Gui-
des (VRAG), welche Bestandteil beider Gutachten waren, sich eine erneute Beur-
teilung bzw. Benotung und Begründung "unweigerlich aufdränge". Die Vorinstanz
hat sich in ihrem Urteil detailliert mit der Kritik der Verteidigung an den besagten
Items befasst. Sie kam nachvollziehbar und überzeugend zum Schluss, dass sich
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der Verteidiger damit, soweit seine Kritik nicht von Vornherein nicht verfange, an-
masse, das Verhalten des Beschuldigten bzw. die in das Gutachten Eingang ge-
fundenen Umstände richtiger und besser beurteilen zu können als der Gutachter
selbst, was nicht angehe (Urk. 358 S. 94-102). Dem kann nur beigepflichtet wer-
den.
Mit Eingabe vom 4. Dezember 2017 (Urk. 426) und anlässlich der Beru-
fungsverhandlung (Urk. 430 Rz 41-63) nahm die Verteidigung diese Kritik nicht
wieder auf, sondern begründete den Antrag auf Einholung eines neuen foren-
sisch-psychiatrischen Gutachtens nunmehr einerseits damit, dass eine taugliche
Prognose nicht ausschliesslich auf Prognose-Instrumenten basieren dürfe, son-
dern einer klinischen Herleitung bedürfe. Als Zweites machte die Verteidigung gel-
tend, der Hauptgutachter müsse die Hauptarbeit am Gutachten leisten, was bei
beiden Gutachten von Prof. N._ nicht der Fall gewesen sei. Die Gutachten
genügten deshalb nicht den bundesgerichtlichen Anforderungen.
Dass Prof. N._ die Kriminalprognose im Aktengutachten ohne klinische
Untersuchung einschätzen musste, hat der Beschuldigte selber zu vertreten,
nachdem er sich damals geweigert hatte, bei der Begutachtung mitzuwirken. Das
Ergänzungs-Gutachten von Prof. N._ vermochte diesen Mangel zu beheben,
nachdem sich der Beschuldigte mittlerweile bereit erklärt hatte, sich auf die Be-
gutachtung einzulassen und mit dem Gutachter zu sprechen. Die eigentliche Ex-
ploration nahm Prof. N._ am 11. November 2014 in einer zweistündigen Sit-
zung selber vor. Sein Mitarbeiter PD Dr. O._ hatte vorgängig drei vorberei-
tende Untersuchungssitzungen durchgeführt mit einer Gesamtdauer von 51⁄2
Stunden (vgl. Urk. 229 S. 2). Die Realprognose betreffend der Rückfallgefahr
stützte der Gutachter sowohl auf die strukturierten Prognoseinstrumente als auch
auf den klinischen Eindruck, den er vom Beschuldigten gewonnen hatte.
Der von der Verteidigung angeführte Bundesgerichtsentscheid 6B_772/2007
betraf einen anders gelagerten Fall. Das dort beurteilte Gutachten war unter allei-
niger Berücksichtigung der FOTRES-Bewertungen verfasst worden, ohne dass es
über die Anwendung dieses als blosse Beurteilungshilfe zu betrachtendes Instru-
ments hinaus zu einer differenzierten Einzelfallanalyse des Sachverständigen ge-
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kommen wäre. Im vorliegenden Fall hat der Gutachter bei der Beurteilung der
Schuldfähigkeit des Beschuldigten und der ihn betreffenden Kriminalprognose je-
doch die Ergebnisse seiner Exploration miteinbezogen. Auch hat er nachvollzieh-
bar und damit überprüfbar aufgezeigt, inwiefern seine prognostische Beurteilung
letztlich auf den Prognoseinstrumenten oder aber auf seiner eigenen Exploration
beruht. Dass der Gutachter im Ergänzungsgutachten die Prognose auch klinisch
abgeleitet hat, ergibt sich bereits daraus, dass er darin im Unterschied zum vor-
angegangenen Aktengutachten zu einer diagnostischen Neubeurteilung gekom-
men ist (vgl. Urk. 229 S. 41 ff.). Dies hat sich alsdann auch bei der Einschätzung
der Kriminalprognose ausgewirkt (a.a.O. S. 44 f.). Das Gutachten beantwortete
die Frage nach der Rückfallgefahr denn auch wie folgt: "In der Zusammenschau
strukturierter Prognoseinstrumente (PCL-R, VRAG) und des klinischen Eindrucks
(Biografie, Persönlichkeit, Vordelinquenz) ergibt sich das Gesamtbild eines mittel-
gradigen bis hohen Risikos erneuter Delikte. Hierbei wären insbesondere Gewalt-
straftaten (Drohungen, Nötigungen, Körperverletzungen bis hin zu Tötungsdelik-
ten) zu befürchten" (a.a.O. S. 47). Die Kritik der Verteidigung verfängt deshalb
nicht.
Der weitere Einwand der Verteidigung lautet, dass der Gutachter bei der
Prognosebildung die günstigen Merkmale beim Beschuldigten ausgeblendet ha-
be. Auch dies trifft nicht zu. Der Gutachter hat sich dazu nebst der klinisch abge-
leiteten Verneinung einer Persönlichkeitsstörung auch unter ausdrücklicher Be-
zugnahme auf die Schilderungen des Beschuldigten geäussert (a.a.O. S. 45).
Wenn die Verteidigung ferner bemängelt, dass der Gutachter sich nicht mit
der Frage auseinandergesetzt habe, ob sich der Beschuldigte deliktsorientiert be-
handeln lasse, so ist ihr entgegen zu halten, dass sich das Ergänzungsgutachten
auch dazu äussert: Es wird ausgeführt, dass eine Beeindruckbarkeit des Be-
schuldigten und eine Bereitschaft, sich mit kritischen Aspekten der Biografie und
der Lebensführung auseinanderzusetzen, nicht ersichtlich seien. Auch würde vom
Beschuldigten die ihm vorgeworfene Straftat bestritten und es werde von ihm der
Schweregrad früherer Vorkommnisse minimiert. Zudem liege weder eine psychi-
sche Störung noch eine Suchtproblematik vor (a.a.O. S. 45). Wenn der Gutachter
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daraus schloss, dass die Möglichkeit gesetzlich vorgesehener therapeutischer
Massnahmen entfalle, so ist dies nicht zu bemängeln. Dass der Gutachter sich –
wie die Verteidigung meint – auch noch über aussergesetzliche Therapien auszu-
lassen habe, lag nicht in seinem Auftrag. Ins Leere stösst ferner die Rüge der
Verteidigung, der Gutachter habe sich über die "Tatdynamik" und damit verbun-
dene Persönlichkeitsfaktoren und situative Elemente ausgeschwiegen. Solche
Ausführungen wären, da Aussagen des Beschuldigten zum konkreten Tötungs-
vorgang fehlen, ohnehin rein spekulativ gewesen.
Unter Verweis auf die Bundesgerichtsentscheide 6B_265/2015 und
6B_884/2014 wendet die Verteidigung ferner ein, das Gutachten von Prof.
N._ genüge auch deshalb nicht den etablierten Anforderungen, weil der
Hauptgutachter lediglich eine Explorationssitzung von zwei Stunden durchgeführt
habe, während der Mitarbeiter PD O._ deren drei mit einer Gesamtdauer von
51⁄2 Stunden vorgenommen habe. Der Gutachter müsse nach der Rechtsprechung
aber – so die Verteidigung weiter – die Hälfte der Arbeit leisten. Diese rein num-
merische Kritik erweist sich als allzu oberflächlich. Klar ist, dass der Gutachter
ohne ausdrückliche Delegationsermächtigung den Auftrag grundsätzlich persön-
lich auszuführen hat. Er ist aber nicht verpflichtet, sämtliche für die Begutachtung
notwendigen Tätigkeiten selber vorzunehmen. Er darf durchaus für untergeordne-
te oder vorbereitende Arbeiten sowie für die Bearbeitung einzelner Aspekte Hilfs-
personen einsetzen. Er muss dies lediglich transparent machen. Dies ist vorlie-
gend geschehen. Dass PD O._ etwas länger Gespräche mit dem Beschul-
digten geführt hat als Prof. N._ selber, bedeutet noch nicht, dass Ersterer an
der Ausarbeitung des Ergänzungsgutachtens, geschweige denn des Aktengut-
achtens, schwergewichtig tätig gewesen wäre. Die Verteidigung behauptet denn
auch nicht, dass PD O._ und nicht Prof. N._ materiell federführend be-
teiligt gewesen wäre sowohl bei der Ausarbeitung der Gutachten als auch beim
Ziehen der Schlussfolgerungen. Dafür bestehen auch sonst keine Anhaltspunkte
(vgl. dazu auch BGE 6B_835/2017).
Zusammengefasst verfängt die neue Kritik der Verteidigung an den Gutach-
ten von Prof. N._ so wenig wie die frühere vor Vorinstanz geäusserte Kritik
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an der Bewertung der Items bei der Anwendung der Prognoseinstrumente. Auf
die beiden Gutachten kann deshalb auch unter Beachtung der bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung abgestellt werden. Der Antrag auf Neubegutachtung durch
einen neuen Experten bzw. auf Gutachtensergänzung oder -verbesserung ist
deshalb abzulehnen.
III. Sachverhaltserstellung
A. Hauptanklage vom 2. Juli 2013
Die Vorinstanz hat die Ausgangslage bei der Beweiswürdigung zutreffend
dargestellt und insbesondere die zu den beiden Anklagen vorhandenen Beweis-
mittel vollständig angegeben (Urk. 358 S. 22 f.). Das Bezirksgericht erachtete die
Aussagen der Zeugin H._ als von "absolut zentraler Bedeutung" zur Überfüh-
rung des Beschuldigten, wonach dieser †L._ getötet habe (Urk. 358 S. 29).
Die anderen objektiven Teilbeweise und weiteren Indizien zog sie lediglich sekun-
där zur Stützung der Aussage von H._ bei; daraus ergebe sich ein glaubhaf-
tes und unzweifelhaftes Bild (a.a.O. S. 38).
Um die erst fast 2 1⁄2 Jahre nach der Tat, mithin recht spät erfolgte erste
Aussage der Zeugin H._ zum Tötungsvorgang, den sie selber miterlebt ha-
ben will, richtig einzuschätzen, ist vorerst der übrigen Beweislage, die sich auch
schon ohne ihre Aussage ergeben hatte, gebührend Beachtung zu schenken. Der
Beweiswert des Ermittlungsergebnisses, welches sich in den ersten zwei Jahren
nach der Tat bereits ohne der Aussage der Zeugin H._ ergeben hatte, war
schon für sich allein recht bedeutend und hat deren spätere Zeugenaussage in
vielen Belangen vorweggenommen bzw. diese insofern untermauert und abge-
rundet. Deshalb sei im Folgenden zuerst darauf eingegangen.
1. Darstellung der Beweislage unbesehen der Aussage von H._
Ausgangspunkt war, dass eine Spaziergängerin um die Mittagszeit des
8. Januar 2009 in F._ auf der G._-strasse, wo diese durch ein Wäldchen
führt, am Strassenrand Blutspuren entdeckt hatte und im Bachtobel darunter eine,
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wie sie meinte, verletzte Person. Die daraufhin alarmierten Behörden stellten fest,
dass die Person einen Kopfdurchschuss erlitten hatte und schon länger dort tot
lag. Das IRM schätzte den Todeszeitpunkt auf ca. 12-20 Stunden vor der Lei-
chenschau vom 8. Januar 2009 um 18:30 Uhr. Der Tote konnte als †L._,
wohnhaft gewesen in F._, identifiziert werden (Urk. 1/1 S. 7f.).
Damals war noch nicht absehbar, dass sich über zwei Jahre später eine Au-
genzeugin finden lassen würde, die selber gesehen haben wollte, wie das Opfer
zu Tode gekommen war. So wurde versucht, die Täterschaft auf der Grundlage
der damals zugänglichen Beweismittel festzustellen. Als erstes wurde die Witwe
des Opfers, B._, polizeilich befragt und mehrmals kontaktiert (Urk. 3/1, 1/7,
1/12, 1/17). Daraus ergab sich ein erster Hinweis auf einen albanischen Kollegen
"P1._" oder "P2._", der relativ schnell als der Beschuldigte mit Wohnsitz
bei seiner Ehefrau in C._ identifiziert werden konnte (Urk. 1/7 S. 3). Sodann
konnten je über die Ehefrauen die beiden Mobiltelefon-Nummern des Opfers bzw.
später die vom inzwischen tatverdächtigen Beschuldigten regelmässig benutzte
Telefonnummer eruiert werden. Daraufhin wurden die dazugehörigen Telefon-
randdaten eingeholt. Der Zufall wollte es, dass das Opfer aufgrund einer polizeili-
chen Observation (in anderem Zusammenhang) am tt.mm.2009 um 16:15 Uhr vor
seinem Haus letztmals lebend gesehen worden war (Urk. 1/18). Aufgrund der Te-
lefonranddaten zeigte sich, dass dem Opfer zwanzig Minuten vor dessen letzten
Sichtung vom Mobiltelefon des Beschuldigten aus angerufen worden war, wobei
das Gespräch 40 Sekunden lang gedauert hatte. Bei diesem Telefonat waren
beide Gesprächspartner in derselben Antenne in F._, wo das Opfer wohnte,
eingeloggt, was heisst, dass sich der das Mobiltelefon des Beschuldigten Benut-
zende in unmittelbarer Nähe des späteren Opfers befunden haben musste (vgl.
Urk. 14/40 und 14/49, 7.1.09, 15:53:30 Uhr). Schon aufgrund der vorerwähnten
polizeilichen Observation lag nahe, dass †L._ um 16:16 Uhr vor seinem
Haus in F._ nach dem Verlassen seines eigenen Wagens in das dort vorge-
fahrene fremde Fahrzeug eingestiegen war. Wenn weiter berücksichtigt wird,
dass †L._ sein eigenes Auto zurückgelassen hat und in den folgenden 80
Minuten gemäss seinen Telefonranddaten in der weiteren Umgebung seines
Wohnortes andauernd unterwegs war, was ein anderes Fahrzeug voraussetzt,
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und dass zudem spätere Analysen eine signifikante Übereinstimmung von Fasern
an den Hosen des Opfers mit solchen auf dem Beifahrersitz des Wagens des Be-
schuldigten ergaben (Urk. 9/15 S. 8, 9/26 S. 11ff.), so deutete dies bereits darauf
hin, dass †L._ um 16:16 Uhr in das fremde Fahrzeug eingestiegen und an-
schliessend darin längere Zeit unterwegs war und dass dieses Fahrzeug dasjeni-
ge des Beschuldigten gewesen sein dürfte. Auch der spätere Fundort der Leiche
zeigte, dass er in einem fremden Fahrzeug dorthin gebracht worden sein musste,
da sein eigenes Fahrzeug zuhause abgestellt war und ein Dorthin-Gelangen zu
Fuss umständehalber auszuschliessen war.
Die Telefonranddaten des dem Beschuldigten zugehörigen Mobiltelefons
zeigten zudem, dass dieses am tt.mm.2009 um die Mittagszeit vom Tessin her-
kommend in den Raum Zürich gelangt war und sich alsdann – wie erwähnt – im
Raum F._ befunden hatte, als mit ihm um 15:53 Uhr Kontakt mit dem dort
wohnenden Opfer aufgenommen worden war. (Gemäss Urk. 14/49 war von die-
sem Mobiltelefon aus bereits an den beiden Tagen zuvor mit †L._ telefoniert
worden; es bestand somit seit Tagen ständiger Kontakt mit dem späteren Opfer.)
Nach dem wie vorerwähnt anzunehmenden Zusteigen von †L._ in den frem-
den Wagen hat er sich, wie die Daten seiner anschliessend rege stattfindenden
Telefonkommunikation mit Dritten belegen, zwischen 16:21 und 17:46 Uhr in ei-
nem Radius von etwa acht bis zehn Kilometer um F._ bzw. C._ herum
andauernd bewegt bzw. Runden gedreht (mit dabei benützten Antennen an
Standorten vor allem in C._, Q._, R._, S._, T._ und
F._). Die letzten Kontakte Dritter mit dem Opfer über dessen zwei Mobilpho-
nes, die er auf sich hatte, fanden um 16:48 Uhr (längeres Telefonat mit seiner
Ehefrau; über Mobiltelefonnummer 1; Urk. 14/43) und um 17:27 und 17:36 Uhr
(kurze Telefonanrufe von M._; über Mobiltelefonnummer 6; Urk. 14/40) statt.
Ab 17:36 bzw. 17:46 Uhr waren beide Natels des Opfers ausser Betrieb
(Urk. 14/6). Danach gab es von Seiten des Opfers keine nachweislichen Lebens-
zeichen mehr. Aus den Randdaten eines späteren Anrufs der Ehefrau des Be-
schuldigten, U._, auf das Mobiltelefon des Beschuldigten (um 21:21 Uhr über
Mobiltelefonnummer 7; Gesprächsdauer 53 Sekunden) ist ferner ersichtlich, dass
dieses Gerät und der mit hoher Wahrscheinlichkeit dieses Gespräch mit seiner
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Ehefrau führende Beschuldigte sich am Abend des gleichen Tages (tt.mm.2009)
bereits wieder ausserhalb der Schweiz befunden haben müssen (Urk. 14/49).
Die einige Zeit später stattgefundene staatsanwaltschaftliche Befragung der
Witwe des Opfers, B._, ergab, dass sich der Beschuldigte und das Opfer
bestens gekannt haben, sich das Verhältnis der beiden jedoch seit 2008 ver-
schlechtert hatte; das Opfer soll dem Beschuldigten Geld geschuldet und sich vor
ihm geängstigt haben (Urk. 3/2).
Der Tatverdacht gegen den Beschuldigten erwies sich unter den gegebenen
Umständen schnell als so dringend, dass er bereits am 15. Januar 2009 internati-
onal zur Verhaftung ausgeschrieben wurde (Urk. 22/2 und 1/29 S. 19). Tags da-
rauf (16.1.09) wurden die italienischen Behörden rechtshilfeweise um die Über-
wachung der dem Beschuldigten zuzuordnenden Mobiltelefonnummer (7) und die
Sicherstellung u.a. seines Personenwagens ersucht (ital. Auslieferungsakten,
act. 000001). Da am 17. Januar 2009 seitens des Beschuldigten ein Wechsel der
Telefonnummer festzustellen war, wurde am 19. Januar 2009 das Rechtshilfeer-
suchen um die neue Anschlussnummer (8) ergänzt (a.a.O.). Aufgrund der von
den italienischen Behörden ab dem 27. Januar 2009 veranlassten Echtzeitabhö-
rung und Ortung des Mobiltelefons des Beschuldigten, wobei dieser nun nur noch
die neue Anschlussnummer benutzte (vgl. italienische Auslieferungsakten,
act. 00002, zum Beispiel Telefonat vom 28.1.09, 11:35:38: "sono P2._"),
konnte der Beschuldigte bereits einen Tag später verhaftet und ebenso sein
Fahrzeug sichergestellt werden. Bei seiner Verhaftung war er in Begleitung von
H._ (a.a.O., act. 000003, Rapport der Squadra Mobile vom 28.1.09). Der Be-
schuldigte wurde in Auslieferungshaft versetzt, wobei die Überführung in die
Schweiz erst 1 1⁄2 Jahre später, am 8. Juli 2010, zustande kam.
Auch das Fahrzeug des Beschuldigten wurde anlässlich dieser Verhaftung
in Mailand sichergestellt und alsdann am 9. März 2009 von Mailand nach Zürich
verbracht, wo es spurenkundlich untersucht wurde. Dabei wurde die bereits er-
wähnte Übereinstimmung von Textilfasern an Kleidern des Opfers und auf dem
Beifahrersitz festgestellt.
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Zusammengefasst konnte somit aufgrund des damaligen Ermittlungsergeb-
nisses d.h. noch vor den späteren Aussagen der Hauptbelastungszeugin H._
bereits als gesichert gelten, dass sich der Beschuldigte und das spätere Opfer gut
kannten, wenn sie auch in der letzten Zeit ein eher gespanntes Verhältnis gehabt
hatten. Ebenso bekannt war aufgrund der Aussagen der Schweizer Ehefrau des
Beschuldigten in Übereinstimmung mit den Telefonranddaten, dass der Beschul-
digte seit längerem die Usanz pflegte, praktisch täglich, manchmal sogar mehr-
mals am Tag, sein Mobiltelefon mit der Anschlussnummer 7 dazu zu benützen,
mit seiner Ehefrau jeweils ein kurzes Gespräch über das Befinden zu führen. Er
tat dies auch bis zum Vortag des Ablebens von †L._ und ebenso in den Ta-
gen nachher (vgl. Randdaten in Urk. 14/53, die Periode von Oktober 2008 bis
11. Januar 2009 beschlagend). Das tägliche Telefonieren der Eheleute wurde of-
fenbar auch später fortgesetzt, wobei der Beschuldigte ab dem 17. Januar 2009
die neue Anschlussnummer (8) benutzte. Auch in der von den italienischen Be-
hörden abgehörten Zeit vom 27. bis 28. Januar 2009 telefonierte der Beschuldigte
täglich mit seiner Ehefrau in C._, zuletzt unmittelbar vor seiner Verhaftung
(vgl. italienische Auslieferungsakten, act. 000002, Gespräch vom 27.1.09, 19:53
und 28.1.09, 13:36). Diese tägliche Usanz des Beschuldigten liess mit grosser
Wahrscheinlichkeit annehmen, dass er sein entsprechendes Mobiltelefon auch
am tt.mm.2009 auf sich getragen hat, als es sich um die Mittagszeit vom Tessin
herkommend in den Raum Zürich bewegte. Im gleichen Sinne war anzunehmen,
dass es an diesem Tag der Beschuldigte war, der die Gespräche mit seiner Ehe-
frau führte, als er um 13 Uhr (sein Standort: V._) und wiederum abends um
21:21 Uhr (sein Standort: Ausland) von ihr angerufen wurde. Damit lag ebenfalls
auf der Hand, dass er es war, welcher um 15:53 Uhr, mithin zwischen den er-
wähnten beiden Telefonaten mit seiner Ehefrau, von einem Standort in F._
aus das spätere Opfer angerufen hat.
Die Verteidigung bestreitet nicht, dass diese Kontaktnahme mit dem späte-
ren Opfer vom Mobiltelefon des Beschuldigten aus erfolgt ist; sie hält es jedoch
nicht für erstellt, dass es der Beschuldigte selber war, der dieses Telefonat ge-
führt habe (Urk. 431 Rz 66). Ausgehend von der Verteidigungsposition, wonach
die Tötung des †L._ von einer fremden Täterschaft dem Beschuldigten in die
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Schuhe geschoben werde (a.a.O. Rz 13), würde dies bedeuten, dass der Be-
schuldigte sein Mobiltelefon am tt.mm.2009, nachdem er es um 13 Uhr in
V._ beim Gespräch mit seiner Ehefrau noch zur Hand gehabt hatte, für we-
nige Stunden d.h. insbesondere für die Zeit um 16 Uhr einer fremden Person
überlassen haben müsste, der damit dann den Kontakt mit dem späteren Opfer
aufgenommen hätte, der Beschuldigte sein Mobiltelefon aber spätestens am
Abend des gleichen Tages für sein zweites Telefongespräch mit seiner Ehefrau
(und die weitere Kommunikation mit ihr bis zum 11. Januar 2009; vgl. Urk. 14/53)
wieder zurückerhalten hätte. Ein solcher kurzzeitiger Handwechsel des Mobiltele-
fons am tt.mm.2009 erscheint derart gesucht und unsinnig, dass er als Möglich-
keit von vorne herein auszuscheiden war.
Die Aussagen der Witwe des Opfers über das Verhältnis des Beschuldigten
zu diesem und diejenigen der Ehefrau des Beschuldigten über das tägliche Tele-
fonieren mit ihrem Mann sowie die Telefonranddaten der Beteiligten und auch der
Observationsbericht betreffend das anzunehmende Zusteigen des späteren Op-
fers in das fremde Fahrzeug wie auch die Faserübereinstimmung auf dem Beifah-
rersitz des Wagens des Beschuldigten und an der Hose des Opfers liessen be-
reits vor der ersten Aussage der Hauptbelastungszeugin mit hoher Wahrschein-
lichkeit annehmen, dass es der Beschuldigte war, der am tt.mm.2009 von Italien
nach F._ an den Wohnort des späteren Opfers, welches ihm gut bekannt
war, gefahren ist, ihn dort telefonisch kontaktierte, anschliessend in seinen Wa-
gen einlud und mit ihm daraufhin mindestens 1 1⁄2 Stunden in der Gegend herum-
gefahren ist. Klar war weiter, dass der Beschuldigte das Opfer nicht mehr in sei-
nem Fahrzeug hatte, als er noch am Abend des tt.mm.2009 die Schweiz mit ho-
her Wahrscheinlichkeit wieder verliess, denn †L._ war gemäss dem IRM und
aufgrund der Polizeirapporte noch am gleichen Abend oder in der anschliessen-
den Nacht aufgrund eines nicht selber applizierten Kopfdurchschusses tot in ei-
nem Bachtobel in F._ zu liegen gekommen, wo er am Folgetag aufgefunden
wurde.
Soweit präsentierte sich den Zürcher Behörden Anfang 2011, mithin
rund ein halbes Jahr nach der Überstellung des Beschuldigen in die Schweiz und
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noch vor der ersten Aussage der Zeugin H._ das vorläufige Beweisergebnis.
Dass es nur dazu kommen konnte − wie die Verteidigung moniert (Urk. 431 Rz 5)
−, weil die Strafverfolgungsbehörden alternativen Möglichkeiten nicht nachgegan-
gen seien, sondern sich "offensichtlich" "schon sehr früh auf die Täterschaft des
A._" versteift hätten, ist durch den dargelegten Ermittlungsverlauf, aus wel-
chem kein vorschnelles Fokussieren auf den Beschuldigten hervorgeht, widerlegt
und trifft auch sonst nicht zu (vgl. Urk. 1/29 S. 48 unten). Ebenfalls überzeugt die
weitere Annahme der Verteidigung nicht, wonach das gegen den Beschuldigten
geführte Strafverfahren im Frühling 2011 mangels anklagegenügendem Tatver-
dacht "eigentlich kurz vor der Einstellung gestanden haben dürfte bzw. müsste"
(Urk. 431 Rz 8 und 12). Der damalige Ermittlungsstand ergab auch keine An-
haltspunkte dafür, dass − wie die Verteidigung geltend macht (a.a.O. Rz 13) − ein
regelrechter Komplott vorgelegen haben könnte, wonach die "wirklichen Täter die
sich durch die (...) Verhaftung A._s bietende Chance, das Delikt einem an-
deren – nämlich A._ – in die Schuhe schieben zu können, nutzen wollten"
und zu diesem Zweck eine fingierte Belastungszeugin vorgeschickt hätten.
2. Die durch die Aussagen der Zeugin H._ ergänzte Beweislage
a) Das Ermittlungsergebnis vorgängig der ersten Aussage der Zeugin
H._ bestand wie dargelegt aus einer bereits eindrücklichen Indizienkette;
über den eigentlichen Tötungsvorgang war aber weiterhin nur wenig bekannt und
auf die Täterschaft konnte letztlich nur indirekt geschlossen werden. Ob dies zum
Nachweis der Schuld des Beschuldigten vor Gericht ausgereicht hätte, ist schwer
zu sagen. Für eine Anklageerhebung hätte es jedoch möglicherweise gereicht.
Die Staatsanwaltschaft war aber bemüht, die Beweislage zu vervollständigen. So
wurde unter anderem rechtshilfeweise veranlasst, dass die frühere Freundin des
Beschuldigten, H._, die in dessen Begleitung war, als er am 28. Januar 2009
in Mailand verhaftet wurde, in Italien als Zeugin befragt werde.
Sie wurde in der Folge am 20. Mai 2011 an ihrem (neuen) italienischen
Wohnsitz (I._) in Anwesenheit des Verteidigers des Beschuldigten richterlich
angehört. Zur nicht geringen Überraschung der Anwesenden sagte sie dabei aus,
dass sie im Januar 2009 in der Gegend von Zürich im Auto des Beschuldigten
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gesessen sei, als dieser †L._ in den Kopf geschossen habe (Urk. 4/15,
Übersetzung in Urk. 4/18). Rund 1 1⁄2 Jahre später wiederholte die Zeugin in der
zweiten Befragung, diesmal in Zürich und unter Zuschaltung per Video auch des
Beschuldigten, ihre diesbezügliche Belastung gegen ihn (Urk. 4/21).
Wie erwähnt hat sich die Vorinstanz für den Nachweis der Täterschaft des
Beschuldigten in allererster Linie auf die Belastungen der Zeugin H._ ge-
stützt und die weiteren Beweismittel und Indizien lediglich zur Untermauerung
bzw. Abrundung von deren Aussagen herangezogen. Dies war nach dem Grund-
satz der Priorität des besten Beweismittels durchaus richtig, auch wenn damit das
übrige Ermittlungsergebnis etwas in den Hintergrund rückte.
b) Die Aussagen der Hauptbelastungszeugin (Urk. 4/18 und 4/21) sind im
vorliegenden Fall denn auch von entscheidungserheblicher Bedeutung, zumal sie
zum Kernbereich des Tötungsvorgangs direkte Angaben zu machen in der Lage
war und auch hinsichtlich des übrigen Ablaufs des Geschehens in verschiedens-
ter Hinsicht Aufschluss geben konnte. So vermochte sie etwa zu sagen, wie sie
vom Beschuldigten zur Reise nach Zürich motiviert worden sei (Einkaufstour im
Januar-Ausverkauf in Zürich) und was der Beschuldigte etwa dem späteren Opfer
am Telefon gesagt habe, um ihn zu einem Treffen und zum späteren Zusteigen
ins Auto des Beschuldigten zu bewegen (Hinweis auf die Mitanwesenheit seiner
Verlobten, Verlangen, dass ihnen ein Hotel gefunden werde), ferner wie das Op-
fer dann in den Wagen des Beschuldigten zugestiegen sei. Weiter gab die Zeugin
verschiedenste Details dazu bekannt, was sich bei dem über eine Stunde dau-
ernden Herumfahren in der Gegend im Auto des Beschuldigten zugetragen haben
soll (Gespräch des Beschuldigten und des Opfers über dem Letzteren geliehene
€ 30'000, die seit zwei Jahren fällig waren und die der Beschuldigte nun zurück-
wollte, Hinweis des Opfers darauf, dass es gerade kein Geld habe – nur 40 Fr. – ,
Bitte des Opfers, dass es weiterarbeiten dürfe, um das Geld zu beschaffen, hefti-
ger Streit, zwischendurch Telefonate des Opfers, Öffnen des Beifahrerfensters
durch den Beschuldigten trotz der Kälte, kurzzeitiges Halten der Schusswaffe, die
der Beschuldigte unter dem Sitz hervorgeholt hat, an den Kopf des Opfers, Wei-
nen des Opfers, nach 5 Minuten plötzliche Wiederholung des Vorgangs und un-
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erwartete Schussabgabe in den Kopf des Opfers, Aussteigen des Beschuldigten,
die Pistole in der Hand haltend, Herausziehen des Opfers aus dem Wagen und
hinunterwerfen in den Abhang, Entfernen der SIM-Karten aus den Handys des
Opfers und Zerstörung derselben sowie Entsorgung auf dem Weg nach Mailand,
Rückkehr nach Mailand, Retournierung der Tatwaffe an einen Cousin, wiederholte
Reinigung des Wageninnern durch den Beschuldigten).
Diese Aussagen der Zeugin erweisen sich als glaubhaft. Sie sind detailliert ,
lebensnah, stimmig und anschaulich. Sie schildert die Ereignisse in zentralen
Punkten in derart charakteristischer Weise, dass sie auf tatsächlich Erlebtes
schliessen lassen (etwa die Schilderung ihres Schockzustandes unmittelbar nach
der Tötung, als der Beschuldigte sie mit der Pistole bedroht und geküsst habe;
vgl. Urk. 4/18 S. 26). Diesen detaillierten und den Beschuldigten schwer belas-
tenden Aussagen (hier nur verkürzt wiedergeben, wobei für eine ausführlichere
Wiedergabe auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen werden kann, Urk. 358
S. 29-51) vermochte der Beschuldigte, der sich auf sein Aussageverweigerungs-
recht berief, inhaltlich nicht viel entgegenzusetzen. Das einzige Mal, dass er ver-
suchte, der Darstellung der Hauptbelastungszeugin eine Gegenversion entgegen
zu stellen, war in einem Brief an die Kammer, eingegangen am 17. November
2017, in welchem er von einem am Opfer begangenen Ehrenmord schrieb, mit
welchem Vorgang der Beschuldigte aber nichts zu tun habe (Urk. 419). In der Be-
rufungsverhandlung nahm er erneut darauf Bezug (Prot. II S. 46). Da der Be-
schuldigte zu dieser Version des Ablebens von †L._ jedoch keinerlei näheren
oder sonstwie plausiblen Angaben anführen konnte, sind seine Erklärungen als
blosse Ablenkungsmanöver zu taxieren, worauf nicht weiter einzugehen ist. Auch
die Verteidigung nahm die Version eines Ehrenmordes durch andere Täterschaft
nicht eigens in ihr Plädoyer auf, sondern verwies lediglich im Rahmen der Vorfra-
gen kurz darauf (Urk. 430 S. 12 und 17). Im Übrigen beschränkte sie sich darauf,
geltend zu machen, die unbekannte wirkliche Täterschaft habe versucht, die Tat
dem Beschuldigten in die Schuhe zu schieben (Urk. 431 Rz 13 und 63). Wenn die
Verteidigung dazu jedoch in dem bei der Kantonspolizei Bern im Herbst 2009 ein-
gegangenen anonymen Hinweis (der Angaben zur Täterschaft machte, welche
auf den Beschuldigten hindeuteten und überdies behauptete, es sei eine Frau im
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Täterfahrzeug gewesen; vgl. Urk. 1/29 S. 10) einen "raffinierten Masterplan" zur
Falschbezichtigung des Beschuldigten und zur äusserst geschickten Involvierung
von H._ als Belastungszeugin zu erblicken glaubt (vgl. Urk. 431 Rz 63 f.), so
ist festzustellen, dass diese Vorbringen im Bereich reiner Spekulation bleiben und
folglich darauf nicht weiter eingegangen werden kann. Substantieller sind die wei-
teren Einwendungen der Verteidigung. So konzentrierte sie sich einerseits darauf,
die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin in Frage zu stellen und andererseits
darauf, Widersprüche in den Aussagen der Zeugin in den beiden Anhörungen und
weitere solche im Zusammenhang insbesondere mit "Ergebnissen wissenschaftli-
cher Methoden" herauszuschälen und geltend zu machen. Darauf ist im Folgen-
den näher einzugehen.
c) Die Glaubwürdigkeit der Zeugin H._ zweifelte die Verteidigung in
erster Linie unter Hinweis auf die Liebesbriefe an, welche sie in den ersten Mona-
ten nach der Verhaftung des Beschuldigten vom 28. Januar 2009 diesem ge-
schrieben hatte. Die Vorinstanz hat dieser Kritik am Verhalten der Zeugin zu
Recht entgegengehalten, dass die Verunsicherung der Zeugin zufolge der miter-
lebten Tötung an †L._ gross gewesen sein muss (Urk. 358 S. 14 f.). Das Un-
sicherheitsgefühl der Zeugin wird aber auch darauf gegründet haben, dass der
Beschuldigte bereits drei Wochen nach der Tat und erst noch in Mailand in ihrer
Anwesenheit verhaftet worden ist, was H._ als einzige Tatzeugin unweiger-
lich dem beklemmenden Verdacht aussetzte, sie könnte etwas mit der schnellen
Verhaftung des Beschuldigten zu tun haben. Folglich ist entgegen der Auffassung
der Verteidigung im Verhalten der Zeugin kein eigentlicher Widerspruch zu erbli-
cken, wenn sie, nachdem sie − ihrer Darstellung nach − aufgrund von Gewaltex-
zessen des Beschuldigten schon in der Zeit vor der inkriminierten Reise nach Zü-
rich Angst vor ihm bekommen und die Beziehung in Frage zu stellen begonnen
hatte, nunmehr aber, wo er in Haft sass und sie weder Informationen über das
laufende Verfahren hatte, noch wusste, wie schnell er wieder entlassen würde,
von der Situation überfordert vorerst einmal "gute Miene zum bösen Spiel" mach-
te, wie es die Vorinstanz zutreffend formulierte (Urk. 358 S. 14f.). Erst mit der Zeit,
als ihr selber nichts passierte und der Beschuldigte in die Schweiz überstellt wor-
den war, er mithin weit weg war und auch nicht mehr mit seiner baldigen Freilas-
- 30 -
sung zu rechnen war, hat H._ offenbar die Selbstsicherheit und Kraft gefun-
den, die es ihr erlaubte, gegen den Beschuldigten auszusagen. Es sind denn
auch keine späteren als diejenigen in den allerersten Monaten nach der Verhaf-
tung des Beschuldigten geschriebenen Liebesbriefe der Zeugin an seine Adresse
behauptet oder dokumentiert.
Der weitere Sinneswandel von der "leidenschaftliche Liebhaberin" zur "gros-
sen Belastungszeugin" könne – so die Verteidigung weiter (Urk. 431 Rz 14) – nur
durch eine massive äussere Beeinflussung, gemeint zufolge massiven Drucks
durch die eigentliche Täterschaft, und nicht durch inneren Anlass bewirkt worden
sein. Dem ist jedoch zu entgegnen, dass die Zeugin ihr Verhalten bereits einmal
von sich aus den Umständen angepasst hatte, als sie nämlich dem frisch in Haft
geratenen Beschuldigten eine Serie von Liebesbriefen schrieb, obwohl sie die
Beziehung mit ihm gemäss ihrer glaubhaften Aussage kurz zuvor noch in Frage
gestellt hatte. Dies belegt, wie schnell sie aus einer sie überfordernden Situation
das Beste zu machen geneigt war. Und nun war sie, über zwei Jahre nach der
Bluttat, zu einer richterlichen Befragung als Zeugin nach I._ vorgeladen wor-
den, wobei ihr persönlich schon längere Zeit nichts passiert war und in einer Zeit,
da sich der Beschuldigte weit weg (in der Schweiz) in justiziellem Gewahrsam be-
fand. Dass sie in dieser Situation, nicht zuletzt auch, um sich selber aus dem Ver-
fahren wegen des Tötungsdelikts herauszuhalten, Aussagen machen wollte und
konnte, die gegen den Beschuldigen gerichtet waren, bedurfte entgegen der Auf-
fassung der Verteidigung (Urk. 431 Rz 14) nicht zwangsläufig einer äusseren Be-
einflussung, sondern kann – ohne dass sie dazu eigens befragt worden wäre –
ohne weiteres als situatives Verhalten der Zeugin betrachtet werden.
Im Übrigen ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass es mit Bezug auf die
Beweiswürdigung ohnehin in erster Linie auf die Glaubhaftigkeit der in Frage ste-
henden Aussagen einer befragten Person ankommt, und nur sekundär auf deren
generelle Glaubwürdigkeit. Mit der Frage der Glaubhaftigkeit der Aussagen der
Hauptbelastungszeugin beschäftigte sich wie folgt vordringlich denn auch das
Plädoyer der Verteidigung.
- 31 -
d) Die Verteidigung kritisierte dabei in erster Linie, dass nach Darstellung
der Zeugin H._ das Opfer †L._ um ca. 17:30 Uhr oder kurz später ("un-
gefähr halb sechs, sechs"; Urk. 4/18 S. 39) und zwar im Auto sitzend erschossen
worden sei. Dies widerspreche einerseits dem vom Forensischen Institut spuren-
technisch festgestellten Ablauf des Tötungsdelikts und andererseits dem im Ob-
duktionsbericht des IRM festgestellten Todeszeitpunkt von zwischen 22:30 Uhr
des 7. Januar und 06:30 Uhr des 8. Januar 2009. Weiter habe die Zeugin nicht
bemerkt, dass das Opfer vor seinem Tod noch Heroin konsumiert habe. Dies alles
spreche gegen eine effektive Anwesenheit der Zeugin am Ereignis.
Was den im Obduktionsgutachten vom 1. September 2009 (Urk. 8/6) ge-
nannten Todeszeitpunkt angeht, so bezog sich die dortige Angabe nicht auf die
Obduktion vom 9. Januar 2009 als solche, sondern auf die Leichenschau, die
Frau Dr. D._, Mitarbeiterin des IRM, am 8. Januar 2009 um 18:30 Uhr am
Tatort vorgenommen hatte (Urk. 8/2). Entgegen der Darstellung der Verteidigung
handelt es sich beim besagten Wert nicht um einen "gutachterlich festgestellten"
Todeszeitpunkt (Urk. 431 Rz 16), sondern um eine Schätzung aufgrund der Le-
galinspektion. Dass eine solche Schätzung nicht selten von der effektiven Todes-
zeit abweicht, kann als gerichtsnotorisch bezeichnet werden. Auch das IRM hat in
Beantwortung des Auftrags der Kammer vom 21. Dezember 2017 (Urk. 439) fest-
gehalten, dass das Zeitintervall einer Todeszeitschätzung aufgrund einer Legal-
inspektion lediglich eine "grobe Orientierung" vorgebe (Urk. 444, Antwort 1 und
2.1). Die Schätzung des Todeszeitpunkts vom 8. Januar 2009 ist folglich kein Be-
weis für die effektive Todeszeit.
Nun hat das IRM in ihrem Ergänzungsgutachten vom 23. Februar 2018 die
Schätzung des Todeseintritts von ca. 12 bis 20 Stunden vor Leichenschau auf
nunmehr bis zu über 30 Stunden als Obergrenze korrigiert (Urk. 444, S. 4). Dies
hat die Verteidigung in ihrer Vernehmlassung dazu veranlasst, ein Obergutachten
zur Todeszeitschätzung zu beantragen sowie die Befragung als sachverständige
Zeugen der IRM-Ärztin, welche die Legalinspektion vorgenommen hatte, und des
IRM-Experten, welcher das Ergänzungsgutachten vom 23. Februar 2018 verfasst
hat (Urk. 451). Letzteres hat die Kammer − wie erwähnt − mit Beschluss vom
- 32 -
24. April 2018 gutgeheissen und Frau Dr. D._ und Dr. E._ wurden am
16. Mai 2018 als sachverständige Zeugen zu ihren Todeszeitschätzungen ange-
hört (Prot. II S. 54-80).
Gemäss Frau Dr. D._ hat sie für ihre Todeszeitschätzung vom 8. Janu-
ar 2009 die Leichenerscheinungen, nämlich die Totenflecken, die Leichenstarre
und die Auskühlung des Leichnams beurteilt. Aufgrund der Auffindesituation sei
dies eine schwierige Angelegenheit gewesen. Da die Totenflecken "von denen
man sagt", dass sie nach einem halben bis zu einem ganzen Tag nach dem Tod
nicht mehr ganz, aber noch partiell wegdrückbar seien, was beim Leichnam des
†L._ der Fall gewesen sei, habe sie die minimale Todeszeit auf etwa 12
Stunden vor Leichenschau geschätzt. Die Leichenstarre sei beim untersuchten
Leichnam schwierig zu beurteilen gewesen; dort wo sie beurteilbar gewesen sei,
sei sie kräftig ausgeprägt gewesen, was aber keine sichere Beurteilung erlaubt
habe, da, weil es vor Ort sehr kalt war, mit einer allfälligen Kältestarre zu rechnen
war. Es sei aber nicht der ganze Leichnam durchgefroren gewesen. Für die To-
deszeitschätzung sei somit noch die Auskühlung geblieben, ausgehend von der
üblichen Annahme einer Körpertemperatur von 37 Grad bei Todeseintritt (wobei
diese Ausgangstemperatur auch höher oder tiefer gewesen sein könnte) und von
der gemessenen Rektaltemperatur von 10,2 Grad sowie von den Umständen,
dass es viel kälter als Zimmertemperatur gewesen sei und ein Teil der Leiche im
Wasser gelegen habe und dadurch die Kleidung nass gewesen sei. Sie sei des-
halb mutmasslich von einer schnelleren Auskühlung ausgegangen als einem
Grad Celsius pro Stunde bei Standardbedingungen, nämlich wahrscheinlich von
1,5 Grad pro Stunde, womit man auf 18 Stunden zuzüglich der zwei Stunden bis
ein Körper anfängt abzukühlen gekommen sei; so hätten sich 20 Stunden erge-
ben. Ob sie bei der Leichenschau auch das Körpergewicht, welches eine Rolle
spiele, geschätzt habe, was vor Ort immer relativ schwierig sei, und das Henssge-
Nomogramm verwendet habe oder ob sie es erst später im Institut nachgerechnet
habe, konnte die Sachverständige nicht mehr sagen. Auf die Diskrepanz zwi-
schen dem Todeszeitintervall von 12-24 Stunden auf ihrer anlässlich der Leichen-
schau angefertigten Handnotiz (Urk. 445) und den späteren 12-20 Stunden in ih-
rem Legalinspektions-Bericht (Urk. 8/2) angesprochen, erklärte Frau Dr. D._,
- 33 -
dass sie nach der Leichenschau vermutlich noch nachgerechnet habe und auf-
grund des Auskühlungsgrades auf 20 Stunden herunterkorrigiert habe. Dabei ha-
be sie, von ihrem damaligen Wissenstand ausgesehen, wohl einen Korrekturfak-
tor von 0,5-0,7 angenommen, wovon man bei einem Leichnam in (stehenden)
Gewässern (0,5) bzw. bei einem solchen mit feuchter Kleidung (0,7) ausgehe.
Ganz generell bestätigte die Sachverständige, dass es bei Todeszeitschätzungen
aufgrund einer Leichenschau immer um Schätzungen und nicht um die Bestim-
mung der Todeszeit gehe. Es könne sicher sein, dass der Tod auch ausserhalb
der geschätzten Zeitspanne hätte eingetreten sein können, zumal es sich auf-
grund der Auffindesituation um eine schwierige Todeszeitschätzung gehandelt
habe. Es gebe immer noch Faktoren, welche man nicht kenne. Sie habe deshalb
auch immer "ca." geschrieben.
Die Anhörung von Dr. E._ ergab, dass er bei seinem Ergänzungsgut-
achten vom 23. Februar 2018 von einem Korrekturfaktor von 1,1 ausgegangen
war (da für ihn die Bekleidung des Opfers optisch trocken ausgesehen habe) und
dass er das Gewicht, welches anlässlich der Obduktion festgestellt wurde, heran-
gezogen hat. Sodann erklärte er, dass er im Falle, dass die Kleidung des Opfers
feucht bzw. nass gewesen sei, einen Korrekturfaktor von 0,7 annehmen würde,
wobei auch das Wasser, in dem im vorliegenden Fall ein Teil des Leichnams lag
und welches wärmer als die Umgebungstemperatur gewesen ist, einen Einfluss
auf die Auskühlung gehabt haben könnte. Dr. E._ nahm im Verlauf der Be-
fragung mittels eines Henssge-Nomogramms nunmehr auf Basis des Korrek-
turfaktors 0,7 sowie der minimalen bzw. maximalen Aussentemperaturwerte vom
7. und 8. Januar 2009 eine erneute Todeszeitschätzung vor, woraus sich eine
Obergrenze von 21,5 bzw. 22,5 Stunden vor Leichenschau ergab, ausgehend von
einer angenommenen Körpertemperatur beim Ableben von 37 Grad Celsius. Er
wies dabei darauf hin, dass er auf dieses Ergebnis jetzt nur mit Bezug auf die
Körpertemperatur und die Umgebungstemperaturwerte gekommen sei, was nur
einen Teil (der Schätzung) sei. Da die Totenstarre hier nicht weiter habe mitein-
bezogen werden können (da sie jeweils vollständig ausgeprägt sei zwischen etwa
8 Stunden und 3 Tagen nach dem Tod und sich deshalb im vorliegenden Fall da-
raus kein Informationsgewinn ergeben habe), sei als weiterer Parameter für die
- 34 -
Schätzung die partiell wegdrückbare Qualität der Totenflecken verblieben, wel-
cher Zustand sich bei einem Leichnam zwischen 12 und maximal 37 Stunden
nach dem Tod einstelle. Dr. E._ erklärte weiter, dass die Beurteilung der To-
tenflecken und die Anwendung der Methode Henssge für ihn bei der Schätzung
beide im Vordergrund stünden, wobei das Henssge-Nomogramm eine gewisse
Pseudo-Genauigkeit wiedergebe und nur eine schematische Betrachtung sei. Es
gebe immer noch 5% Ausreisser. Deswegen wolle er das jetzt hier nicht als fest
gegeben ansehen. Er folgerte daraus, dass er an der Auffassung, dass man in
casu betreffend der Obergrenze sogar bis über 30 Stunden gehen könne, festhal-
te. Im vorliegenden Fall könne man keine genauere Todeszeitschätzung durch-
führen oder eine genauere Angabe machen.
In ihrer Stellungnahme zu den Erklärungen der sachverständigen Zeugen
hielt die Verteidigung in erster Linie fest, dass die Totenflecken nicht mehr (parti-
ell) wegdrückbar gewesen sein dürften, wenn vom Todeszeitpunkt gemäss An-
klage (ca. 25 Stunden vor Leichenschau) ausgegangen werde. Deshalb seien die
heutigen Aussagen der Sachverständigen ungereimt. Unter diesen Umständen
erlaube der Zustand der Totenflecken keine Präzisierung der Berechnung nach
Henssge oder gar eine Ausweitung des Todeszeitpunkts. Massgebend und an-
wendbar sei vorliegend einzig die Methode nach Henssge. Sollte das Gericht dem
Zustand der Totenflecken eine entscheidende Bedeutung bei der Todeszeitschät-
zung zumessen, so müsste nach Auffassung des Verteidigers zu dieser Frage ein
weiteres Ergänzungsgutachten eingeholt werden, was vorsorglich zum Antrag er-
hoben wurde (Prot. II S. 74ff.).
Die Verteidigung bezog sich bei ihrem Einwand offensichtlich darauf, dass
Frau Dr. D._ die Zeit der partiellen Wegdrückbarkeit von Totenflecken auf
"während eines halben bis zu einem ganzen Tag seit dem Tod" eingrenzte
(Prot. II S. 61), während Dr. E._ sich darauf berief, dass "je nach Literatur"
die Obergrenze der partiellen Wegdrückbarkeit von Totenflecken auf bis zu 37
Stunden angegeben werde (a.a.O. S. 66).
Wenn die zeitliche Obergrenze hinsichtlich der teilweisen Wegdrückbarkeit
von Totenflecken in der wissenschaftlichen Literatur nach der glaubhaften Aussa-
- 35 -
ge von Dr. E._ aber unterschiedlich dargestellt wird (worauf auch die Vertei-
digung hingewiesen hat: "Die Literatur ist hier uneinheitlich und vage ... Die
Spannweite ist enorm"; Prot. II S. 75) und wenn diese Literatur teilweise eine
Grenze von über einem Tag bzw. 24 Stunden postuliert, so kann mit Fug davon
ausgegangen werden, dass die von anderer Seite vertretene Obergrenze von le-
diglich einem Tag jedenfalls nicht als absolut starr angesehen werden darf. Ob es
sich empirisch stützen lässt, die Obergrenze bis auf 37 Stunden und mehr anzu-
heben, kann hier offen bleiben. Vorliegend ist lediglich zu entscheiden, ob der To-
deszeitpunkt gemäss Anklage, mithin ca. 25 Stunden vor Leichenschau, noch als
im Randbereich der jedenfalls unbestrittenen Auffassung, dass die partielle Weg-
drückbarkeit von Totenflecken noch etwa einen ganzen Tag lang anhalte, be-
trachtet werden kann und muss. Dies ist zum einen angesichts des den Parame-
tern von Todeszeitschätzungen und den daraus abgeleiteten Ergebnissen imma-
nenten Schätzungscharakters und zum anderen wegen der vorliegend zusätzlich
gegebenen Unwägbarkeiten und der fehlenden Gewissheit unter anderem bezüg-
lich der Ausgangstemperatur des Leichnams zu bejahen. Von einem weiteren Er-
gänzungsgutachten ist diesbezüglich keine Präzisierung zu erwarten. Der von der
Verteidigung vorsorglich gestellte Beweisergänzungsantrag ist deshalb als nicht
zielführend abzuweisen.
Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass der von der Zeugin H._ genannte
und von der Anklage übernommene Todeszeitpunkt (tt.mm.2009, kurz nach ca.
17:30 oder 17:40 Uhr) von den IRM-Experten nicht zuletzt wegen der in concreto
schwierigen Schätzung zum einen als "sicher möglich" (Dr. D._) und zum
anderen als durchaus im Zeitrahmen der Todeszeitschätzung liegend
(Dr. E._) beurteilt wurde. Die von der Verteidigung ursprünglich vertretene
Auffassung, wonach der von der Anklage behauptete Todeszeitpunkt durch die
Todeszeitschätzung des IRM geradezu widerlegt sei (Urk. 431 Rz 16 und 40 f.),
ist folglich nicht haltbar. Auch kann der Verteidigung nicht gefolgt werden, wenn
sie erklärt, dass der Anklagesachverhalt (hier der Todeszeitpunkt gemäss Ankla-
ge) aufgrund der heutigen Ausführungen (der sachverständigen Zeugen) "umso
weniger als bewiesen zu betrachten" sei (vgl. Prot. II S. 77). Der Zeitpunkt des
Ablebens des Opfers ergibt sich vielmehr aus der glaubhaften Darstellung der
- 36 -
Zeugin H._, die, wie dargelegt, sich mit der Einschätzung der IRM-Experten
verträgt und auch von weiteren Indizien (wie dem gleichzeitigen Verstummen der
beiden Natels des Opfers, nachdem vorher über sie reger Verkehr geherrscht hat-
te) gestützt wird. Entgegen der Auffassung der Verteidigung sind durch die heuti-
ge Befragung der Experten somit nicht "massgebliche und unüberwindliche Zwei-
fel" am Anklagesachverhalt "verstärkt" worden. Vielmehr bestätigte die heutige
Anhörung die Verträglichkeit der Aussagen der Hauptzeugin über den Todeszeit-
punkt mit den Ansichten der Gerichtsmediziner. Damit aber muss der Versuch der
Verteidigung scheitern, aus den Todeszeitschätzungen des IRM ein Alibi für den
Beschuldigten abzuleiten und damit die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Haupt-
zeugin zusätzlich in Frage zu stellen.
Aus dem weiteren von der Verteidigung geltend gemachten Umstand, dass
die Zeugin nichts darüber ausgesagt hat, dass das Opfer im Fahrzeug vor dem
Ableben noch Heroin konsumiert hat, lässt sich ebenfalls nichts Entscheidendes
gegen die Glaubhaftigkeit ihrer übrigen Aussagen ableiten. Sie sass hinten im Au-
to und es erscheint entgegen der Auffassung der Verteidigung nicht als "lebens-
nah", dass der Konsum des späteren Opfers intravenös stattgefunden hat. Es ist
denn auch bei der Obduktion der Leiche an ihr keine frische Einstichstelle festge-
stellt worden (Urk. 8/6 S. 4). Das Opfer, das nicht zuletzt wegen des Resultats der
Hausdurchsuchung bei ihm zuhause (vgl. Urk. 1/29 S. 14) als Drogenhändler zu
betrachten ist, hat zweifellos über eine ausreichende Menge an Heroin verfügt,
um diese Droge auch nasal zu konsumieren, was bekanntlich nach einer grösse-
ren Menge verlangt. Des Weiteren ist das Vorbereiten der Droge für die Spritze
und das Ansetzen der Injektionsnadel in einem fahrenden Auto eher schwierig zu
bewerkstelligen. Ein inhalativer oder nasaler Konsum wird sich umständehalber
eher als praktikabel erwiesen haben, weshalb er wahrscheinlicher erscheint, zu-
mal damit auch weniger Zeit in Anspruch zu nehmen war. Ist es aber zu einer sol-
chen Art der Einnahme der Droge gekommen, so ist durchaus denkbar, dass die
Zeugin, welche hinten im Auto sass, selbst wenn hinter dem Fahrer positioniert,
die Heroineinnahme durch †L._ gar nicht wahrgenommen hat. Es ist ohnehin
nicht anzunehmen, dass sie während der über eine Stunde dauernden Fahrt per-
manent auf den Beifahrer fokussiert gewesen wäre, was die Zeugin denn auch
- 37 -
verneinte (Urk. 4/21 S. 9), zumal gegen Ende der Fahrt das Fenster auf der Bei-
fahrerseite längere Zeit offen stand und daher von dieser Seite Zugluft und Kälte
hereinströmte. Somit lässt sich daraus, dass die Zeugin den Drogenkonsum des
Beifahrers in ihren Aussagen nicht erwähnte bzw. nichts solches gesehen haben
will (a.a.O.), entgegen der Auffassung der Verteidigung nichts über die Glaubhaf-
tigkeit ihrer übrigen Aussagen ableiten.
An dieser Stelle sei kurz auf die Todesursache des Opfers eingegangen.
†L._ hat, wie das Obduktionsgutachten ergab, zwar kurz vor dem Ableben
noch eine Dosis Heroin im letalen Bereich eingenommen ("einige Minuten vor
dem Tode", Urk. 8/6 S. 4). Dies muss im Wagen des Beschuldigten geschehen
sein. Das chemisch-toxikologische Ergänzungsgutachten vom 30. Mai 2012 hielt
dazu präzisierend fest, dass der analysierte hohe Morphingehalt im Körper des
Opfers bei hoher Opiat-Toleranz nicht in jedem Fall zum Tode habe führen müs-
sen (Urk. 8/9). Des Weiteren ist dem Obduktionsgutachten zu entnehmen, dass
die Blutaspirationsherde in der Lunge des Opfers darauf hinweisen, dass es im
Zeitpunkt der Schussabgabe noch gelebt hat (Urk. 8/6 S. 3f.). Ursächlich für das
Ableben des Opfers war somit der Schuss in dessen Kopf und nicht die von ihm
kurz zuvor konsumierte grundsätzlich letale Dosis an Heroin.
Bleibt die Frage, ob †L._ im Fahrzeug oder ausserhalb desselben den
Tod gefunden hat. Hiezu ist vorweg festzuhalten, dass die Situation am Tatort mit
den Blutspuren im Schnee am Strassenrand und dem Fundort der Leiche im an-
grenzenden Bachtobel annehmen liess, dass die Tötung unmittelbar dort stattge-
funden hatte. Dafür, dass das Opfer in einem Fahrzeug erschossen, aus diesem
gezogen und erst danach über den Strassenrand bewegt und ins Tobel geworfen
worden wäre, lagen vor der entsprechenden Aussage der Zeugin H._ keine
Anhaltspunkte vor. Und diese Tatvariante lag denn auch nicht nahe, denn
dadurch hätte die Täterschaft unnötig Tatspuren in einem ihr allenfalls zuzuord-
nenden Fahrzeug verursacht, was nicht in ihrem Sinne gewesen sein konnte.
Diese Ausgangslage führte dazu, dass sich die Strafverfolgungsbehörden die
Frage, ob das Opfer allenfalls vorgängig in einem Fahrzeug erschossen worden
war und nicht erst ausserhalb eines solchen, gar nicht stellten. Im Vorbericht ging
- 38 -
es dem Wissenschaftlichen Dienst denn auch primär um die Frage, ob das Opfer
im bereits toten oder sterbenden Zustand an den Fundort gebracht worden oder
ob es erst dort zu Tode gekommen war (Urk. 9/4). Letzteres nahm der Wissen-
schaftliche Dienst aufgrund feinster, sprühartiger Blutspritzer im Schneebereich
an, welche beispielsweise als Ausatmungsspuren oder durch die zerstäubende
Einwirkung eines Projektils auf die Blutquelle hätten entstanden sein können. Im
Übrigen schloss der Wissenschaftliche Dienst aufgrund des Spurenbilds an des-
sen Halbschuhen eine Schussabgabe gegen das Opfer in stehender Position aus
(a.a.O. S. 10 f.). Es ist zu betonen, dass der Vorbericht des Wissenschaftlichen
Dienstes noch ohne Kenntnis der erst später erfolgenden Aussage der Zeugin
H._ verfasst worden war. Dass damals niemand daran dachte, dass die Tö-
tung in einem Fahrzeug erfolgt sein könnte, erklärt auch, wieso bei der Examina-
tion des von Mailand nach Zürich verbrachten Fahrzeugs des Beschuldigten keine
Luminol-Untersuchung vorgenommen worden war.
Das eigentliche Gutachten des FOR erfolgte 4 1⁄2 Jahre nach der Tat, mithin
als die Aussagen der Zeugin H._ bekannt waren. Nun ging es in erster Linie
um die Frage, ob die Erschiessung des Opfers, wie von der Zeugin behauptet, im
Fahrzeug hatte stattfinden können. Von Bedeutung waren da einmal mehr die fei-
nen sprühnebelartigen Blutspritzer auf dem Schneehaufen am Strassenrand. Auf-
grund der grossflächigen Bedeckung dieser Blutspritzer sprach sich das FOR
eher gegen Ausatmungsspuren aus (Urk. 9/26 S. 8). Sie kam jedoch aufgrund
des Blutspurenbildes zum Schluss, dass die die Blutspritzer verursachende Quel-
le und damit auch das Fahrzeug, aus dem das blutende Opfer gezogen worden
wäre, sich nahe am Fahrbahnrand, aber nicht näher als 120 cm entfernt davon,
befunden haben müsse. Sollte sich das Fahrzeug mittig auf der Fahrbahn befun-
den haben, liessen sich die genannten Blutspuren mit einer Schussabgabe inner-
halb des Fahrzeugs nicht vereinbaren (a.a.O. S. 8 f.). Die Vereinbarkeit der von
der Zeugin beschriebenen Schussabgabe im Wagen mit den Blutspuren am
Strassenrand hängt somit von der Interpretation ihrer Aussagen darüber ab, wie
und wo das Fahrzeug nach dem Schuss angehalten worden sei.
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In der ersten Einvernahme in I._ sagte die Zeugin noch aus, dass der
Beschuldigte den Wagen angehalten habe und erst dann die Pistole unter dem
Sitz hervorgeholt und das Opfer niedergeschossen habe (Urk. 4/18 S. 26). Zur
Position des Wagens auf der Strasse wurde sie damals nicht gefragt und sagte
dazu nichts aus. In der zweiten Befragung lautete die Aussage der Zeugin dahin-
gehend, dass das Auto "auf der Strassenseite angehalten" worden sei, nachdem
es geknallt habe (Urk. 4/21 S. 5). Erst später in der Einvernahme hiess es dann,
dass der Wagen nach dem Schuss "auf der Mitte der Strasse" "sofort" angehalten
habe (a.a.O. S. 11 und 14). Aufgrund ihrer Aussagen ist dabei davon auszuge-
hen, dass sie vom Schuss völlig überrascht worden ist ("bin erschrocken",
Urk. 4/18 S. 32; "in einem Augenblick, in dem das kein Mensch erwartet hatte",
Urk. 4/21 S. 11). Die Schilderungen der Zeugin in ihren beiden Aussagen lassen
die Interpretation zu, dass der Schuss und das Anhalten des Wagens praktisch
deckungsgleich waren, ja die völlig überraschte Zeugin im Moment des Schusses
erst mal realisieren musste, was geschehen war, bis sie aus voller Kehle ge-
schrien haben soll "was hast du getan!" und dem Beschuldigten von hinten Faust-
schläge ausgeteilt haben will (Urk. 4/18 S. 26). Zwingend auf eine Distanz zwi-
schen der Position des Fahrzeugs bei der Schussabgabe und dem Anhalten zu
schliessen, legen diese nicht eindeutigen Aussagen der Zeugin und die beschrie-
benen Umstände nicht nahe.
Die (aus dem Albanischen ins Deutsche übersetzte) Aussage der Zeugin
über das Anhalten des Wagens auf der Mitte der Strasse kann sodann in zweifa-
cher Hinsicht interpretiert werden, als mitten auf der eigenen Fahrbahn oder mit-
ten auf der gesamten Strasse. Die Auffassung der Verteidigung, die in streng
wörtlicher Interpretation Letzteres annimmt, ergibt wenig Sinn, da nicht erklärlich
erscheint, wieso der Täter im Zeitpunkt der Schussabgabe bzw. unmittelbar davor
von seiner eigenen Fahrbahn auf die Position zwischen den beiden Fahrbahnen
gewechselt haben sollte. Dies hätte nur einen allfälligen Gegenverkehr zum An-
halten gezwungen, was die Täterschaft sicherlich nicht gewollte haben kann. Zu-
dem musste der Täterschaft klar sein, dass das blutende Opfer möglichst schnell
aus dem Fahrzeug entfernt werden sollte, was eine mittige Strassenposition
ebenfalls als eher unpraktisch hätte erscheinen lassen. Aus diesen Gründen ist in
- 40 -
der (übersetzten) Aussage der Zeugin, wonach "mitten auf der Strasse" angehal-
ten worden sei, eher die Mitte der eigenen Fahrbahn zu verstehen, was meinte,
dass der Täter vor der Schussabgabe nicht noch eigens an den Fahrbahnrand
geschwenkt wäre, wie es beim Anhalten zum Zweck des Aussteigens allgemein
die Regel ist. Ein solcher Schwenker hätte aber das Opfer vorgewarnt und damit
ein überraschendes Erschiessen verunmöglicht. Auch wäre das anschliessende
Herausziehen des Opfers aus dem Wagen nach einem Schwenker an den Rand
wegen der schneebedingt engen Verhältnisse allenfalls zusätzlich erschwert wor-
den, was die Täterschaft ebenfalls nicht gewollt haben kann.
Die gesamte Strasse erweist sich im Bereich der Blutspuren als rund sechs
Meter breit (Urk. 9/26 S. 14). Wenn das Fahrzeug mitten auf der Strasse gestan-
den hätte, wäre die Distanz zum relevanten Schneehaufen rund 2-3 Meter gewe-
sen (a.a.O. S. 14 und 16). Dies hätte nach der Feststellung des FOR bei der
Schussabgabe im Wagen keine der aufgefundenen Spritzer am Strassenrand er-
möglicht. Das Auto hätte sich demnach, um die Spritzer zu ermöglichen, bei der
Schussabgabe auf der eigenen Fahrbahnhälfte befinden müssen, dabei aber
auch nicht näher als 120 cm vom Fahrbahnrand entfernt, wie das FOR festhielt.
Wird von einer Breite des Personenwagens Fiat Bravo von rund 175-180 cm aus-
gegangen, so wäre der Wagen dabei mit der linken Wagenseite ziemlich genau
auf die Mitte der Strasse geraten, was heisst an die Mittellinie zwischen den bei-
den Fahrbahnen. Nun sass die Zeugin aber hinten im Wagen und um 17:30 Uhr
war es an jenem Tag bereits nach Sonnenuntergang und demnach am Einnach-
ten. Die Zeugin hatte demnach eine nur sehr beschränkte Sicht auf die Position
des Fahrzeugs auf der Strasse, deren Ränder sich wegen des Schnees zusätzlich
unklar abzeichneten. Selbst wenn die Zeugin mit "auf der Mitte der Strasse" die
ganze Strassenbreite gemeint haben würde und nicht nur die eigene Fahrspur, so
stünde ihre Aussage aufgrund ihrer umständehalber nur beschränkten Sicht noch
nicht im klaren Widerspruch zu einer Position des Wagens, die sich gemäss den
Vorgaben des FOR noch mit einer Schussabgabe im Fahrzeug vertragen würde.
Die Verteidigung des Beschuldigten verweist zur Untermauerung ihrer An-
nahme, wonach die Schussabgabe ausserhalb des Fahrzeugs erfolgt sei, zusätz-
- 41 -
lich auf den Schusskanal im Kopf des Opfers. Sie zitiert dazu das Obduktionsgut-
achten des IRM, welches den Einschuss als an der linken Schläfe direkt vor der
Ohrmuschel und den Ausschuss an der rechten Wange sowie den Schusskanal
als etwa 70° in Frontalebene, leicht von schräg hinten oben links nach vorne un-
ten rechts absteigend beschreibt (Urk. 8/6 S. 6 f.). Die Verteidigung hält dazu fest,
dass bei einer Schussabgabe von einem Fahrer auf den Beifahrer nicht zu erwar-
ten sei, dass der Schuss von oben nach unten und von hinten nach vorne erfolge
(Urk. 431 Rz 35). Dies dürfte allgemein zutreffen, die Situation entspricht jedoch
nicht der konkreten Beschreibung des IRM. Dieses spricht von einer nur leichten
Tendenz von hinten nach vorne und von 70° in Frontalebene absteigend. Auch
aus der bildlichen Wiedergabe der Ein- und Austrittsöffnungen am Kopf des Op-
fers wird klar ersichtlich, dass die Neigungen der Schussbahn nach vorne bzw.
nach unten nur minim waren und der Schusskanal im Wesentlichen recht eben
quer durch den Kopf führte (vgl. Urk. 8/6 S. 2. Bild - Kopfansichten). Dies aber ist
durchaus mit einer Schussabgabe vom Fahrer auf den Beifahrer innerhalb eines
Fahrzeugs vereinbar, zumal nicht bekannt ist, wie das Opfer, welches unmittelbar
zuvor noch eine Überdosis Heroin konsumiert hatte, seinen Kopf hielt bzw. be-
wegte, als ihm die Pistole an die Schläfe gehalten wurde und der Schuss abging.
Alles in allem kann der Verteidigung nicht dahingehend gefolgt werden, dass
die "im Recht liegenden wissenschaftlichen Gutachten" belegen würden, dass
†L._ "nicht in einem bzw. dem Auto erschossen worden sei, sondern im
Freien am Strassenrand". Vielmehr machen die Feststellungen der Forensik ledig-
lich Aussagen über mögliche Tatvarianten und verknüpfen diese aufgrund von
zwei Annahmen mit Aussagen über deren Wahrscheinlichkeit. Dass diese An-
nahmen (Fahrzeug mitten auf der Strasse bzw. noch langsam fahrend) nicht un-
umstösslich sind, wurde bereits dargelegt. Folglich vermögen die Feststellungen
der Forensik die Tötung innerhalb eines Fahrzeugs bei offenem Seitenfenster auf
der Beifahrerseite nicht auszuschliessen. Damit aber ist die Behauptung der Ver-
teidigung, die Aussage der Zeugin H._ bezüglich des Kerngeschehens, mit-
hin ihre Schilderung der Tötung von †L._, sei geradezu wissenschaftlich wi-
derlegt, nicht haltbar.
- 42 -
Um weiter darzulegen, dass die Zeugenaussage von H._ unglaubhaft
sei, beleuchtete die Verteidigung eine Reihe weiterer Punkte. Auf diese Argumen-
te sei ebenfalls kurz eingegangen.
Der Verteidigung ist vorgängig insofern beizupflichten, dass sicherlich ein
grosses Versäumnis der Ermittlungsbehörden war, dass sie das Innere des Fahr-
zeug des Beschuldigten, welches eigens von Mailand nach Zürich transportiert
worden war, keiner Luminol-Untersuchung unterzogen haben. Das Wageninnere
wurde von der Polizei nur visuell bzw. oberflächlich und ergebnislos auf Blut- und
Schmauchspuren untersucht. Eine Erklärung für das gänzliche Fehlen sichtbarer
Spuren lässt sich primär in der Aussage der Zeugin H._ finden, wonach der
Beschuldigte nach der Tat nicht nur die Sitzbezüge und Fussmatten des Wagens
ausgewechselt, sondern das Wageninnere wiederholt (in Mailand sowie in
I._) gründlich gereinigt habe (Urk. 4/18 S. 28, 4/21 S. 17). Die Verteidigung
hielt in der Berufungsverhandlung daran fest, dass der Umstand, dass vom FOR
im Wagen des Beschuldigten kein Blut und keine anderen biologischen Tatspuren
gefunden worden sind, obwohl die Zeugin von viel Blut im Auto berichtet habe,
einmal mehr gegen die Glaubwürdigkeit von deren Aussagen sprechen würde.
Sie wies dabei zusätzlich darauf hin, dass das FOR festgehalten habe, dass der
Wagen entgegen der Aussage der Zeugin nicht intensiv gereinigt worden sein
dürfte.
Dazu ist präzisierend festzuhalten, dass die Zeugin konkret ausgesagt hat,
dass das Opfer nach dem Schuss in den Kopf nach vorne in Richtung des Eck-
winkels zwischen Frontscheibe und Türe des Wagens gekippt sei (Urk. 4/21
S. 15). Blut habe es im Winkel zwischen Frontscheibe und Beifahrertür gehabt,
zudem seitlich an der Beifahrertüre sowie am Sitz an der Ecke rechts und am Bo-
den. Dies seien die Stellen gewesen, wo sie gesehen habe, dass es Blut hatte
(a.a.O. S. 16). Mithin haben sich die sichtbaren Blutanhaftungen im Fahrzeug
nach Darstellung der Zeugin auf den Bereich des Beifahrersitzes konzentriert.
Den Wagen zu putzen begonnen hat der Beschuldigte gemäss der Zeugin nach
der Rückkehr nach Mailand. Aber "so detailliert" habe er es dann erst in I._
gemacht. Er habe eine Bürste benützt und nebst Wasser ein Mittel, um Kleider zu
- 43 -
reinigen (a.a.O. S. 17). Hinzu kommt, dass der Wagen des Beschuldigten erst
drei Wochen nach der Tat anlässlich seiner Verhaftung vom 28. Januar 2009 in
Mailand von der Polizei sichergestellt worden ist (ital. Auslieferungsakten,
Urk. 14). Der Wagen stand alsdann bei der Polizei in Mailand weitere sechs Wo-
chen lang, bis er am 9. März 2009 nach Zürich überführt wurde. Die Spurensiche-
rungsarbeiten am Fahrzeug in Zürich fanden eine weitere Woche später am
17. März 2009 statt (Urk. 9/15). Zwischen der Tat und der Sicherstellung des Wa-
gens in Mailand war er ‒ gemäss Aussage der Zeugin H._ ‒ zudem von Mai-
land nach I._ und später wieder zurück nach Mailand bewegt worden
(Urk. 4/21 S. 17). Wie erwähnt fand die Forensik bei der Untersuchung des Wa-
gens in Zürich keine Blutspuren, nachdem nur visuell und oberflächlich danach
gesucht worden war. Eine Luminol-Untersuchung ist unterblieben. Dass im Wa-
geninneren keine Blutspuren detektiert worden sind, will demnach nichts heissen.
Insbesondere ist damit die anderslautende Aussage der Zeugin, wonach es Blut
im Fahrzeug hatte, nicht widerlegt.
Auch die Feststellung des FOR, wonach "die erhobenen Saugasservate" da-
rauf hinzudeuten scheinen, dass der Fussboden des Fahrer- sowie des Beifah-
rerbereichs "nicht intensiv gereinigt worden sein dürften", worauf sich die Vertei-
digung beruft, um den behaupteten Widerspruch zur Darstellung der Zeugin zu
belegen, ist dazu nicht geeignet. Einmal bezieht sich die Feststellung des FOR
einzig auf den Fussboden im Fahrzeug, auf dem gemäss der glaubhaften Aussa-
ge der Zeugin bei der Tat Einlegematten gelegen haben, die später vom Beschul-
digten entsorgt worden sind (Urk. 4/21 S. 6f. und 22). Zum anderen wurden die
Saugasservate ganze zehn Wochen nach der Tat entnommen, damit lange Zeit
nach der sicherlich in den ersten Tagen nach der Tat vorgenommenen Reinigung
des Wagens. Diese Zeitspanne und der Umstand, dass der Wagen in dieser Zeit
von Mailand nach I._ und wieder nach Mailand und erst dann nach Zürich
verschoben worden ist, lässt die Saugasservate am Fussboden des Wagens nicht
als aussagekräftig erscheinen. Folglich ist die Feststellung der Forensik betref-
fend nicht intensiver Reinigung des Fussbodens im Fahrzeug ebenfalls nicht ge-
eignet, die Aussage der Zeugin, wonach der Beschuldigte den Wagen wiederholt
und in I._ intensiv gereinigt habe, zu widerlegen. Der von der Verteidigung
- 44 -
geltend gemachte "diametrale" Widerspruch zu den Aussagen der Zeugin erweist
sich einmal mehr als konstruiert.
Gleiches gilt für das In-Frage-stellen der Aussage der Zeugin, wonach der
Beschuldigte mit ihr nach der Tat im noch blutverschmierten Auto nach Mailand
zurückgefahren sei (Urk. 4/21 S. 17), was die Verteidigung wegen des Risikos
beim Grenzübertritt als "krass lebensfremd" erachtet (Urk. 431 Rz 60-62). Dieser
Auffassung kann nicht gefolgt werden. Nach der Tat lag die erste Priorität der Tä-
terschaft in der eigenen Entfernung vom Tatort verbunden mit der Absetzung ins
Ausland. Der Wagen trug Zürcher Nummernschilder und es war schon Nacht, als
der Wagen die Grenze nach Italien passiert haben muss. Das Risiko der Entde-
ckung von Blutspuren auf der Beifahrerseite durch den Zoll war demnach denkbar
gering. Lebensfremd wäre es entgegen der Meinung der Verteidigung vielmehr
gewesen, wenn die Täterschaft zuerst noch den Wagen gereinigt hätte, wobei
Reinigungsmittel zur Verfügung gestanden haben müssten, und erst anschlies-
send die Flucht ergriffen hätte.
Die Verteidigung versuchte des Weiteren die Beweiskraft der signifikanten
Übereinstimmung von Textilfasern an der Hose des Opfers und an den Autositzen
(Fahrer- und Beifahrersitz) des Fahrzeugs des Beschuldigten zu minimieren. Die
Zeugin hatte klar ausgesagt, dass sie sich an die Farbe der Sitzbezüge nicht
mehr erinnern könne. Wenn sie dann anfügte, "wenn ich mich nicht täusche, wa-
ren die Bezüge rot/schwarz" (Urk. 4/21 S. 7) und wenn sie nach mehrmaligem
Nachfragen auch dies nicht näher beschreiben konnte, so ist sie ‒ anders als es
die Verteidigung tut (Urk. 431 Rz 69) ‒ nicht darauf zu behaften und es kann darin
kein Widerspruch zur violetten Farbe der gefundenen Fasern erblickt werden.
Auch der Versuch der Verteidigung, die zeitliche Zuordnung der Faseraufnahme
durch die Hose des Opfers in Frage zu stellen (a.a.O. Rz 70), muss angesichts
des Hinweises im Gutachten des FOR, wonach zwischen zwei Textilien übertra-
gene Fasern in den ersten 24 Stunden zu etwa 97 % verloren gehen (Urk. 9/26
S. 13), scheitern. Der weitere Hinweis der Verteidigung, wonach nicht nur eine
Manchesterhose der Art, wie sie das Opfer getragen habe, verkauft worden sei
und deshalb die Übereinstimmung der Fasern keinen Beweis bilde (Urk. 431
- 45 -
Rz 71), ist ebenfalls nicht zu hören, da hier die Verteidigung offenbar fälschli-
cherweise von einer primär ab dem Beifahrersitz statt von einer sekundär über
den Sitzüberzug erfolgten Übertragung ausgeht.
Auf die weiteren Aspekte, welche die Verteidigung gegen die Glaubhaftigkeit
der Aussagen der Zeugin und gegen deren Glaubwürdigkeit im Generellen vor-
bringt, wie was unter anderem M._ oder W._ beim Telefonieren mit
†L._ für ein "Gefühl" gehabt bzw. was sie zu hören geglaubt hätten (Urk. 431
Rz 77-81) oder ob †L._ sein Portemonnaie im Tatfahrzeug bei sich gehabt
haben soll oder nicht (a.a.O. Rz 82), wo er doch über mehrere Portemonnaies
verfügt hatte (vgl. Urk. 358 S. 49 mit Hinweisen), braucht, da wenig ergiebig, nicht
näher eingegangen zu werden. Auch die Frage, wieso der Beschuldigte eine
fremde Tatwaffe benützt haben soll statt der eigenen, die er in C._ besass
(Urk. 431 Rz 83), führt nicht weiter, ist doch klar, dass die Benützung einer frem-
den statt der eigenen Waffe die Zuordnung der Tat auf den Täter erheblich zu er-
schweren geeignet ist und deshalb von Tätern vorgezogen wird. Auch die Vor-
bringen der Verteidigung darüber, wie die Zeugin H._ bei Farbangaben und
Umgebungs- oder Zeitangaben "improvisiere" (a.a.O. Rz 84 f.), beschlagen bloss
Nebenaspekte und erweisen sich als Diskrepanzen, wie sie in Zeugenaussagen,
welche zwei bzw. vier Jahre nach einem Ereignis gemacht werden, immer wieder
vorkommen. Daraus lässt sich nichts Relevantes ableiten.
Abschliessend hat die Verteidigung auf eine weitere, ihr sonderbar erschei-
nende Stelle in der Aussage der Zeugin hingewiesen, wonach diese gesehen ha-
ben soll, wie sich das Opfer zwei- bis dreimal hangabwärts überschlagen hätte,
welche Beobachtung infolge des Hanggefälles und der Dunkelheit aus dem Auto
heraus gar nicht möglich gewesen sein könne (a.a.O. Rz 86). Hiezu ist präzi-
sierend festzuhalten, dass die Zeugin lediglich ausgesagt hat, die Leiche habe
sich mit dem Kopf nach vorne einige Male gedreht. Diese Aussage machte sie im
Kontext des Herausziehens des Opfers aus dem Wagen durch den Beschuldig-
ten, was diesem aufgrund der Schwere der Leiche erst in 2-3 Zügen gelungen sei.
Anschliessend habe er den Leichnam den Hang hinabgeworfen. Auf die an-
schliessende Frage des Staatsanwalts, wie sie gesehen habe könne, dass das
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Opfer sich 2-3mal überschlagen hätte, wo dies doch sehr weit unten (im Hang)
gewesen sei, antwortete die Zeugin, dies sei "in diesem Augenblick (gewesen),
wo ich das Ganze beobachtete, als er die Leiche aus dem Auto zog ..." (Urk. 4/21
S. 13 unten und S. 14 oben). Entgegen der Auffassung der Verteidigung sagte die
Zeugin somit nicht aus, die Drehungen der Leiche hangabwärts gesehen zu ha-
ben, sondern im Zusammenhang mit dem offenbar mehrere Anläufe erfordernden
Herausreissen der Leiche aus dem Auto mit anschliessendem Werfen den Ab-
hang hinab. Bezog sich die Aussage der Zeugin aber auf diese Phase, so hat sie
den Vorgang aus dem Auto heraus sehen können und der von der Verteidigung
geltend gemachte Widerspruch löst sich auf.
Was weitere vor Vorinstanz noch thematisierte Hinweise, die tendenziell ge-
gen die Darstellung der Hauptzeugin sprechen würden, angeht, wie die Blutsprit-
zer am linken Schuh des Opfers, die gegen ein flaches Aufliegen desselben auf
dem Fahrzeugboden sprechen, ferner die geringe zeitliche Differenz zwischen der
Aussage der Zeugin und den Angaben im Observationsbericht der Polizei betref-
fend der Dauer des Wartens des Wagens des Beschuldigten vor dem Haus von
†L._ bis dieser einstieg, so sind diese vor Obergericht nicht erneut vorge-
bracht worden, sodass diesbezüglich auf deren richtige Einordnung und Würdi-
gung durch die Vorinstanz verwiesen werden kann (Urk. 358 S. 46-50).
Auch der Umstand, dass die Zeugin in ihrer ersten Anhörung, anders als in
der zweiten, nicht erwähnt hatte, dass der Beschuldigte vorgängig der Schussab-
gabe die Pistole bereits einmal an den Kopf des Opfers gehalten haben soll, wur-
de von der Verteidigung in der Berufungsverhandlung nicht neu vorgebracht. Die
Vorinstanz hat diesbezüglich zutreffend gekontert, dass die Zeugin in der ersten
Anhörung nie wirklich die Gelegenheit gehabt hatte, den chronologischen Ablauf
der Geschehnisse zusammenhängend und frei wiederzugeben, sondern sie in
erster Linie nur die gestellten Fragen zu beantworten hatte (Urk. 358 S. 37). Dies
vermag ‒ wie bereits an anderer Stelle erwähnt ‒ ohne weiteres gewisse Lücken
in der Erzählung des Ablaufs im Vergleich zu einer anderen Befragung zu erklä-
ren. Im Übrigen hielt die Zeugin ‒ in der zweiten Befragung darauf angesprochen
‒ fest, dass sie sich erinnern könne, das erste Halten der Waffe an den Kopf des
- 47 -
Opfers bereits in I._ erwähnt zu haben (Urk. 4/21 S. 20). Von diesem inhaltli-
chen Unterschied zwischen den beiden Aussagen der Zeugin ist deshalb eben-
falls nichts abzuleiten.
e) Aus all diesen Gründen hat es beim Fazit der Vorinstanz sein Bewenden:
Die Aussagen der Zeugin H._ erweisen sich hinsichtlich des zentralen Inhalts
der Hauptanklage als kohärent und glaubhaft. Zahlreiche weitere Indizien und
Umstände bestätigen ihre Aussage in verschiedener Hinsicht und runden sie ab.
Die Feststellungen der Forensik lassen zwar teilweise andere Tatabläufe zu,
schliessen aber die Darstellung der Ereignisse durch die Zeugin H._ nicht
aus. Sodann betreffen die weiteren Einwände der Verteidigung und ihre Kritik an
gewissen Ungereimtheiten in der Darstellung der Zeugin nicht ihre Kernaussagen
mit Bezug auf den Tötungsvorgang als solchen und die Täterschaft. Die verblei-
benden Restzweifel vermögen die im Übrigen klare Beweislage nicht umzustos-
sen. Folglich ist der Sachverhalt der Hauptanklage als rechtsgenügend erstellt zu
betrachten.
B. Nachtragsanklage vom 14. April 2014
Es geht bei der Nachtragsanklage darum, dass der Beschuldigte seiner Be-
gleiterin, als sie nach der Erschiessung von †L._ und nachdem dieser vom
Beschuldigten ins Tobel hinuntergeworfen worden war, aus dem Fahrzeug aus-
steigen wollte, befahl, hinten im Auto zu bleiben. Er habe ihr dabei die durchgela-
dene und schussbereite Pistole an den Hals gehalten und gesagt: "Wie ich ihn
umgebracht habe, kann ich auch dich und deine Familie umbringen". Dadurch soll
sich der Beschuldigte der Gefährdung des Lebens von H._ und der Nötigung
schuldig gemacht haben (Urk. 238/8). Gemäss der Nachtragsanklage soll er fer-
ner in der ehelichen Wohnung in C._ von 2008 bis zur Hausdurchsuchung
am 12. Januar 2009 unerlaubt im Besitz einer Selbstladepistole Makarov gewe-
sen sein, was eine Widerhandlung gegen das Waffengesetz darstelle.
Den Besitz an der sichergestellten Selbstladepistole (vgl. Urk. 1/20 und
13/2) räumte der Beschuldigte ein (Urk. 238/2/1 S. 2), weshalb dieser Punkt der
Nachtragsanklage erstellt ist. Der weitere, erstgenannte Vorwurf aus der Nach-
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tragsanklage stützt sich sodann auf die entsprechenden Aussagen der Zeugin
H._ in ihrer ersten Anhörung vom 5. Mai 2011 in I._. Dazu wollte der
Beschuldigte keine Aussagen machen. Diesen Vorwurf der Anklage hat die Vor-
instanz ausführlich gewürdigt und für erwiesen erachtet (vgl. Urk. 358 S. 53f.). Sie
vertrat dabei insbesondere die Auffassung, dass, auch wenn der Vorgang von der
Zeugin in ihrer zweiten Befragung nicht wiederholt worden ist, es nicht ersichtlich
sei, weshalb sie den Beschuldigten mit diesem im Vergleich zur Haupttat neben-
sächlichen Zusatzvorwurf in der ersten Einvernahme belastet haben sollte, wenn
er nicht der Wahrheit entspreche.
Die Verteidigung des Beschuldigten machte in der Berufungsverhandlung
verschiedene Einwendungen mit Bezug auf die Erstelltheit des Anklagesachver-
halts. In erster Linie fand sie es seltsam, dass die Zeugin den Vorgang ihrer eige-
nen Gefährdung in ihrem ersten Verhör nur auf Anfrage und erst gegen Ende der
Einvernahme gemacht und den Vorgang in der zweiten Befragung nicht mehr er-
wähnt habe. Gemäss der Verteidigung wäre es lebensnah gewesen, wenn sie ih-
re eigene Geschichte zuvorderst gehabt hätte (Urk. 431 Rz 93 ff. und 113). Dem
ist zu widersprechen. Die Zeugin war in I._ zu Aussagen zu ihrem Verhältnis
zum Beschuldigten und zum Tötungsdelikt an †L._ geladen worden. Dass
sie sich dabei durchzuringen hatte, ihren früheren Freund der Tötung zu bezichti-
gen, stand für sie absolut im Vordergrund. Ihre eigene Gefährdung im gleichen
Zusammenhang war da für sie nicht von besonderer Bedeutung. Für sie war es ‒
folgt man ihren Aussagen zur Vorgeschichte ‒ nichts Aussergewöhnliches, vom
Beschuldigten drangsaliert zu werden. Dies erklärt, dass sie über den in die Nach-
tragsanklage Eingang gefundenen Vorgang nicht von sich aus berichtete und ihn
im zweiten Verhör ebenfalls vernachlässigte. Daraus bereits auf die Unglaubhaf-
tigkeit ihrer Darstellung zu schliessen, wie es die Verteidigung tat (a.a.O. u.a.
Rz 98, 101 und 109), ist nicht nachvollziehbar.
Die Verteidigung glaubt bezüglich des Sachverhalts der Nachtragsanklage
weitere Widersprüche in den Aussagen der Zeugin festgestellt zu haben. So habe
die Zeugin nebst dem Vorgang ihrer eigenen Gefährdung durch den Beschuldig-
ten auch die Art, wie dieser das erschossene Opfer aus dem Wagen entfernt ha-
- 49 -
be, nicht nachvollziehbar geschildert. Auch dieser Einwand überzeugt nicht: so in-
terpretiert die Verteidigung die Aussage der Zeugin in Urk. 4/18 S. 36 dahinge-
hend, dass der Beschuldigte die Pistole noch in der Hand gehabt habe, als er das
Opfer gepackt und aus dem Auto gezogen habe, was nach ihrer Auffassung nicht
glaubhaft sei. Die entsprechende Frage des Richters an die Zeugin war jedoch
eine doppelte und bezog sich nicht nur auf das Herausreissen des Opfers aus
dem Wagen, sondern auch auf die Phase des vorgängigen Aussteigens des Be-
schuldigten aus dem Fahrzeug. Worauf sich die Antwort der Zeugin ("mit der Pis-
tole in der Hand") bezog, ist entgegen der Interpretation der Verteidigung nicht
klar. Beim Aussteigen wird der Beschuldigte die Pistole weiterhin in der Hand ge-
habt haben, wusste er doch nicht sicher, ob das Opfer wirklich tot war und sich
nicht doch noch bewegen würde. Ob er anschliessend beim Herausziehen des
Opfers aus dem Wagen die Pistole noch in der Hand oder sie sich eingesteckt
hatte, muss offen bleiben. Als er wieder zur Fahrertüre zurückkehrte, wo die Ge-
schädigte gerade Anstalten machte, das Fahrzeug zu verlassen, hatte er die Pis-
tole nach deren Darstellung jedenfalls wieder in der Hand. Der von der Verteidi-
gung geltend gemachte Widerspruch erscheint damit konstruiert. Im Übrigen trug
die Verteidigung insbesondere dem Umstand nicht Rechnung, dass die besagten
Vorgänge im Verhör in I._ nur eine Nebenrolle gespielt haben und es der be-
fragende Richter war, welcher in erster Linie das Thema der Einvernahme be-
stimmte. Dies vermag gewisse Unterschiede der Schilderungen der Zeugin in ih-
ren beiden Einvernahmen zu erklären, ohne dass ihre Aussagen deswegen an
Überzeugungskraft verlören.
Alles in allem ist festzustellen, dass der in der Nachtragsanklage aufgeführte
Sachverhalt der Gefährdung des Lebens und der Nötigung zum Nachteil der Ge-
schädigten H._ gestützt auf deren Aussagen rechtsgenügend erstellt ist.
- 50 -
IV. Rechtliche Würdigung
A. Hauptanklage vom 2. Juli 2013
Während die Staatsanwaltschaft beim Tötungsdelikt zum Nachteil von
†L._ einen Schuldspruch wegen Mordes im Sinne von Art. 112 StGB ver-
langt, vertrat die Verteidigung vor Vorinstanz im Eventualstandpunkt für den Fall
einer Verurteilung die Auffassung, es habe sich nicht um Mord, sondern um eine
vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB gehandelt.
Das Bezirksgericht hat sich zu den allgemeinen Unterscheidungsmerkmalen
der Tötungstatbestände von Art. 111-113 StGB und zu den von Literatur und Pra-
xis entwickelten Anforderungen an die Qualifikation einer Tötung als besonders
skrupellos und damit als Mord zutreffend geäussert, sodass vorab darauf verwie-
sen werden kann (Urk. 358 S. 58-63 und S. 65 f.).
Bezogen auf den konkreten Fall hielt die Vorinstanz gestützt auf den erstell-
ten Sachverhalt im Wesentlichen fest, dass der Beschuldigte im Hinblick auf die
Tötung von †L._ insofern heimtückisch vorgegangen sei, als er seine dama-
lige Freundin H._ zum Treffen mit †L._ nicht zuletzt deshalb mitgenom-
men habe, damit dieser keine ernsthafte Gefahr darin sehe, zu den beiden ins Au-
to zu steigen.
Die Tötungshandlung selber erachtete die Vorinstanz als unzweifelhaft skru-
pellos. Dass der Beschuldigte dem ihm ausgelieferten Opfer noch erlaubte, eine
letzte Heroinportion einzunehmen, erschien der Vorinstanz nicht als abwegig.
Dies leuchtet ein, wenn gedacht wird, dass das Schicksal des Opfers aus Sicht
des Beschuldigten ohnehin besiegelt war. Bezüglich der anschliessenden
Schussabgabe aus nächster Nähe in den Kopf des Opfers hielt die Vorinstanz
fest, dass dies einer regelrechten Hinrichtung gleichkomme. Überdies sei dies aus
absolut nichtigen (rein pekuniärem) Grund geschehen. Beides trifft zu.
Die Vorinstanz erblickte in der Tötung von †L._ zugleich eine Art Elimi-
nationsmord: Da †L._ dem Beschuldigten auch nach zwei Jahren nicht hatte
- 51 -
glaubhaft machen können, dass und wie er die Schulden ihm gegenüber beglei-
chen wolle, musste er zur Rettung der Ehre des Gläubigers beseitigt werden.
Aus den genannten Gründen hielt die Vorinstanz die vom objektiven Tatbe-
stand des Mordes verlangte besondere Skrupellosigkeit für erfüllt. Mit Bezug auf
den subjektiven Tatbestand nahm sie wegen der Schussabgabe auf den Kopf des
Opfers durch Ansetzen der Schusswaffe an die Schläfe resp. aus sehr kurzer Dis-
tanz direkten Vorsatz an (Urk. 358 S. 66f.).
Dieser Sicht der Dinge kann im Einzelnen wie im Ergebnis beigepflichtet
werden. Dass die Tötung des †L._ "ohne Vorwarnung und ohne Leidenszeit
des Opfers, quasi aus dem Nichts" erfolgt sei, wie die Verteidigung vor Vorinstanz
referierte (Urk. 305 Rz 94-98), verträgt sich nicht mit den Umständen, dass der
Beschuldigte vorgängig der Tötungshandlung noch das Seitenfenster des Beifah-
rersitzes elektronisch heruntergelassen hatte (offensichtlich zwecks Vermeidung
eines Durchschuss-Schadens) und dass das Opfer sich in der ausweglos er-
scheinenden Situation noch eine letale Heroin verabreicht hat. Trotz der Voran-
zeichen wird die Schussabgabe für das Opfer letztlich trotzdem überraschend ge-
kommen sein, aber jedenfalls nicht ohne dass es vorgängig eine Zeitlang Todes-
angst ausgestanden hätte, nachdem es sah, dass der Beschuldigte eine Pistole
hatte. Entgegen der Behauptung der Verteidigung erfolgte die Tötung somit nicht
einfach aus dem Nichts.
Richtig sieht die Vorinstanz, dass das Miteinbeziehen der arglosen Freundin
zum Zweck, das Opfer in falscher Sicherheit zu wiegen, durchaus als ein In-die-
Falle-locken und damit als Heimtücke zu werten ist (Urk. 358 S. 64). Auch mit Be-
zug auf die Analogie des Tötungsvorgangs mit einer regelrechten Hinrichtung ist
der Vorinstanz Recht zu geben (a.a.O.). Ob hier jedoch auch bereits von einem
eigentlichen Eliminationsmord zu sprechen ist, wie es die Vorinstanz tut, kann of-
fenbleiben. Zutreffend ist jedenfalls, dass sich bei den gegebenen Tatumständen
die Annahme eines direkten Tötungsvorsatzes geradezu aufdrängt.
Das heimtückische, hinterhältige Vorgehen, die besonders kaltblütige Tat-
ausführung aus nichtigem Anlass belegen die ausserordentlich verwerfliche Ge-
- 52 -
sinnung des Beschuldigten. Alles in allem stellt diese Tötung einen klassischen
Mord im Sinne von Art. 112 StGB dar. Der entsprechende Schuldspruch der Vor-
instanz ist deshalb zu bestätigen.
B. Nachtragsanklage vom 14. April 2014
a) Gefährdung des Lebens
Dass der Beschuldigte die Geschädigte H._ in unmittelbare Lebensge-
fahr versetzt habe, indem er ihr die durchgeladene und schussbereite Pistole an
den Hals hielt, hat die Vorinstanz bejaht. Sie wies dabei darauf hin, dass es keine
Rolle spiele, ob der Beschuldigte den Finger am Abzug gehabt habe oder nicht:
es habe sich durchaus zufällig ein Schuss lösen können. Dies habe auch der Be-
schuldigte gewusst und er habe die Gefahrensituation denn bewusst verursacht,
weil er doch die Geschädigte am Verlassen des Fahrzeuges hindern wollte. Die
Vorinstanz hielt folglich den Tatbestand der Gefährdung des Lebens im Sinne von
Art. 129 StGB in objektiver und subjektiver Hinsicht für erfüllt und verurteilte den
Beschuldigten entsprechend.
In Bezug auf die Nachtragsanklage machte die Verteidigung verschiedene Einwendungen (Urk. 431 Rz 114-134). Vorweg bemängelte sie formell, dass die
Unmittelbarkeit der Lebensgefahr für die Geschädigte H._ in der Anklage
nicht umschrieben sei; einen ausdrücklichen Antrag auf Nichteintreten auf die
Nachtragsanklage stellte die Verteidigung allerdings nicht (vgl. Urk. 431 Rz 134).
Auf diese Einwendung wurde bereits unter Ziff. II.1. eingegangen, weshalb sich
hier Weiterungen erübrigen.
Sodann stellte die Verteidigung in Abrede, dass davon ausgegangen werden
könne, dass die Pistole, als sie der Zeugin an den Hals gehalten worden sei,
durchgeladen und schussbereit bzw. entsichert gewesen sei (a.a.O. Rz 121 ff.).
Richtig ist, dass die Zeugin, wie sie selber aussagte (Urk. 4/18 S. 35), sich mit
Schusswaffen nicht auskennt. Allerdings hatte der Täter, als er ausstieg, um das
erschossene Opfer vom Beifahrersitz weg aus dem Wagen zu ziehen, gemäss
- 53 -
dem gestützt auf die Aussage der Zeugin H._ erstellten Sachverhalt die Pis-
tole noch in der Hand, was sich versteht, musste er doch ‒ wie bereits erwähnt ‒
einerseits auf Nummer sicher gehen, sollte das Opfer doch noch Lebenszeichen
von sich geben und sich wehren, und andererseits hatte er seine Flucht gegen-
über einer allfälligen Drittintervention zu sichern. Dass die Waffe zu diesem
Zweck, wozu er sie auf sich behielt, weiterhin durchgeladen und schussbereit ge-
wesen sein muss, versteht sich von selbst. Unmittelbar nach dem Herausziehen
des Opfers aus dem Auto und seines Hinunterwerfens in das Bachtobel begab
sich der Täter wieder zur Fahrertüre, aus welcher die Geschädigte H._ gera-
de auszusteigen versuchte. Der Beschuldigte verhinderte dies, indem er ihr die
Waffe an den Hals hielt und die Geschädigte bedrohte. Dass sich die Waffe dabei
noch im selben Zustand wie vorher befunden hat, liegt situationsbedingt auf der
Hand. Die Waffe war in diesem Moment somit, wie in der Nachtragsanklage be-
hauptet, durchgeladen und schussbereit, zumal die Zeugin zu berichten wusste,
dass sie noch einen Reserveschuss enthielt (Urk. 4/21 S. 5), was sie nur vom Be-
schuldigten hat wissen können.
Die Nachtragsanklage geht davon aus, dass die unmittelbare Lebensgefahr
für die mit der durchgeladenen und schussbereiten Pistole bedrohten Zeugin
schon deshalb bestanden habe, weil es bei einer reflexartigen Abwehrbewegung
der Geschädigten zu einer für sie tödlichen Schussabgabe hätte kommen können.
Die Verteidigung hält dem entgegen, dass eine solche Gefahr erst bestanden hät-
te, wenn der Täter den Finger am oder um den Abzug gelegt gehabt hätte, was in
der Anklage nicht erwähnt sei. Schon deshalb sei eine Verurteilung wegen
Art. 129 StGB nicht zulässig (Urk. 431 Rz 131-133 und 135 f.). Die Verteidigung
stützt sich dabei auf eine im Basler Kommentar vertretene Ansicht (vgl. BSK
StGB-Maeder, Art. 129 N 15). Allerdings sieht es die bundesgerichtliche Praxis
anders. Gemäss BGE 6B_317/2012, E.3.2 f. bedarf es bei einer geladenen und
entsicherten Schusswaffe keines Fingers am Abzug, um bereits eine unmittelbare
Lebensgefahr im Sinne von Art. 129 StGB zu verursachen. Dieser Gerichtspraxis
ist zu folgen. Demnach ist vorliegend keine Verletzung des Anklageprinzips er-
sichtlich und einer Verurteilung wegen Gefährdung des Lebens steht auch sonst
nichts entgegen.
- 54 -
Im Ergebnis ist der Schuldspruch der Vorinstanz zu bestätigen.
b) Nötigung
Aus dem soeben Ausgeführten folgt des Weiteren, dass auch der Tatbe-
stand der Nötigung gegeben ist: Die Geschädigte wurde mit einer schussbereiten
Pistole am Hals gezwungen, im Auto zu verharren. Es ist offensichtlich, dass der
Beschuldigte dabei direktvorsätzlich gehandelt hat. Folglich ist er auch wegen Nö-
tigung im Sinne von Art. 181 StGB schuldig zu sprechen.
c) Widerhandlung gegen das Waffengesetz
Bei diesem Vorwurf aus der Nachtragsanklage geht es nicht um die bei der
Tötung verwendete Tatwaffe, sondern um eine Selbstladepistole, die der Be-
schuldigte zu Hause in C._ besessen hatte. Dass dem Beschuldigte als Al-
baner der Besitz der Waffe verboten war, ergibt sich aus der Waffengesetzge-
bung. Der Besitz der Schusswaffe wird im Übrigen vom Beschuldigten einge-
räumt. Er hat sich damit der Widerhandlung gegen Art. 33 Abs. 1 lit. a Waffenge-
setz in Verbindung mit Art. 7 WG und Art. 12 Abs. 1 lit. j WV schuldig gemacht.
V. Strafe
1. Vorbemerkung
Die in casu zu sanktionierenden Delikte des Beschuldigten (vom
tt.mm.2009) liegen vor dessen Verurteilung vom 14. Januar 2010 durch das Beru-
fungsschwurgericht Bologna, weshalb die Vorinstanz vorweg prüfte, ob eine Zu-
satzstrafe zum Urteil aus Italien auszufällen sei. Eine solche hatten die Staatsan-
waltschaft mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe als Zusatzstrafe und eventua-
liter auch die Verteidigung mit Null Jahre Zusatzstrafe beantragt.
Gemäss der neuen Praxis des Bundesgerichts sind Zusatzstrafen indes nur
zu inländischen Entscheiden möglich (BGE 142 IV 329). Folglich stellt sich die
Frage einer Zusatzstrafe hier nicht.
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2. Strafzumessung im vorliegenden Fall
Die Vorinstanz hat die vom Gesetz und vom Bundesgericht für die Strafzu-
messung aufgestellten Regeln und Grundsätze, insbesondere was den Mordtat-
bestand angeht, richtig wiedergegeben (Urk. 358 S. 76-79). Es kann darauf ver-
wiesen werden. Mord als das vorliegend schwerste Delikt ist mit lebenslänglicher
Freiheitsstrafe oder mit einer zeitigen Freiheitsstrafe von 10 bis 20 Jahren zu be-
strafen (Art. 112 und Art. 40 StGB).
Wie die Vorinstanz bei der Würdigung der objektiven Tatschwere richtig
festhielt, ist das Verschulden des Beschuldigten innerhalb des Spektrums denk-
barer Mordfälle als erheblich zu beurteilen. Die Tötung als Option hatte er schon
in Italien geplant und sich entsprechend auf das Treffen mit †L._ vorbereitet
(Beschaffen der Tatwaffe, Reise in die Schweiz, Instrumentalisierung von
H._, Kontaktaufnahme und Treffen mit dem Opfer). Dass die Vorinstanz als
verschuldensrelativierend anführte, der Beschuldigte habe dem Opfer auf der
Rundfahrt noch Gelegenheit gegeben, darzulegen, wie er die Schulden zurück-
zahlen wolle, erscheint eher wohlwollend, wenn bedacht wird, wie wenig Chancen
†L._ dazu hatte, was auch dem Beschuldigten klar gewesen sein muss. Al-
lerdings wies die Vorinstanz darauf hin, dass der Beschuldigte, als er sah, dass er
vom Opfer nichts Konkretes zu erwarten hatte, nicht lange damit zögerte, dem
Ganzen mit einem tödlichen Schuss ein Ende zu setzen. Richtig ist auch, dass
das Opfer beim Schuss aus nächster Nähe in seinen Kopf absolut wehrlos war
und überdies unter Drogeneinfluss stand. Der Grund zur tödlichen Abrechnung,
eine Geldschuld in Höhe von ein paar zehntausend Euro, kann sodann nicht an-
ders als absolut nichtig bezeichnet werden. Wenn die Vorinstanz in der Hand-
lungsweise des Beschuldigten eine erhebliche Geringschätzung fremden Lebens
und eine sehr hohe kriminelle Energie erblickte, so ist dies richtig. Ihr ist jedoch
nicht darin zu folgen, dass der vorliegende Mord im Rahmen denkbarer Tatvarian-
ten lediglich in den mittleren Bereich der Schwere zu liegen komme. Vielmehr ist
die Tat ob der extremen Kaltblütigkeit, mit der sie begangen wurde, im oberen Be-
reich der Schwere anzusiedeln, weshalb eine Einsatzstrafe von 18 bis 20 Jahren
als angemessen erscheint.
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Aus den Aspekten der subjektiven Tatschwere ergab sich für die Vorinstanz
im Ergebnis keine Relativierung oder Erhöhung des objektiven Verschuldens, so-
dass es bei der Einsatzstrafe von 16 Jahren blieb. Die Vorinstanz folgte in diesem
Zusammenhang den von ihr ausführlich abgehandelten und als verwertbar und
überzeugend erachteten beiden forensisch-psychiatrischen Gutachten von
Prof. N._, wonach beim Beschuldigten allenfalls eine Persönlichkeitsakzentu-
ierung im Sinne dissozialer Wesenszüge vorliege − so das erste Gutachten − und
im höchsten Fall einer dissoziale Persönlichkeitsstörung, aber lediglich eine sol-
che, welche als nicht so gravierend einzuschätzen wäre, als dass sie bei den vor-
geworfenen Straftaten zu erheblichen psychologischen Leistungseinbussen ge-
führt hätte. Das Ergänzungsgutachten vom 26. August 2015 bestätigte dies, in-
dem es festhielt, dass beim Beschuldigten keine psychische Störung vorliege, die
für die juristische Zumessung der Schuldfähigkeit relevant sein könnte. Wenn die
Vorinstanz daraus folgerte, dass die Schuldfähigkeit des Beschuldigten bei der in-
kriminierten Tat nicht herabgesetzt war, so war dies folgerichtig und ist zu bestäti-
gen.
Das Tatmotiv des Beschuldigten bei der Tötung von †L._ war rein fi-
nanzieller Art (Reaktion auf das Hinhalten während zweier Jahre mit der Nichtbe-
gleichung von Schulden) und erwies sich für die Vorinstanz als nicht geeignet, die
objektive Tatschwere zu relativieren. Sie hielt fest, dass dieser Ursprung der Tat
durch eine ganz offensichtlich irregeleitete Ansicht über Ehre und Stolz zum tragi-
schen Ende geführt habe. Dieser Auffassung ist beizupflichten.
Die Vorinstanz hat die Tatkomponente unter Einbezug der weiteren Delikte
behandelt. Es liegt hier jedoch näher, dies zuerst allein für die Mordtat zu tun, um
für diese Haupttat zu einer abschliessenden Einsatzstrafe zu gelangen. Alles was
im Rahmen der Täterkomponente generell von Relevanz ist, hat die Vorinstanz
richtig aufgeführt, sodass darauf verwiesen werden kann (Urk. 358 S. 87). Ihr ist
in concreto auch zu folgen, wenn sie aus den wenigen bekannten Angaben zur
Biografie und zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten keine straf-
zumessungsrelevanten Faktoren ableitete.
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Massiv und ausserordentlich stark straferhöhend gewichtete die Vorinstanz
die Vorstrafe des Beschuldigten aus Italien, bei der es nach ihrer Diktion ebenfalls
um "Mord" ging. Letzteres trifft grundsätzlich zu. Entgegen der Auffassung der
Verteidigung, welche vor Vorinstanz die Auffassung vertrat, bei der Straftat des
Beschuldigten in Italien sei es lediglich um Raufhandel gegangen (vgl. Urk. 305
Rz 114), ist festzuhalten, dass es beim Urteil des Berufungsgeschworenenge-
richts von Bologna vom 14. Januar 2010 um eine uneingeschränkte Bestätigung
des Urteils des Geschworenengerichts Parma aus dem Jahre 1999 ging, welches
den Beschuldigten wegen "omicidio in concorso" mit "circonstanze aggravanti"
verurteilte (gemäss Art. 575 i.V.m. Art. 110 sowie Art. 577 Ziff. 4 i.V.m. Art. 61
Ziff. 1 des Italienischen Codice Penale, vgl. Aufstellung in Urk. 423). Zu Deutsch
betraf die Verurteilung eine mittäterschaftlich begangene vorsätzliche Tötung mit
dem erschwerenden Umstand des verwerflichen bzw. nichtigen Motivs (vgl. Urk.
23/21 und 23/14.1 mit Übersetzung in Urk. 23/14.2). Des Weiteren wurde der Be-
schuldigte wegen fortgesetzter Förderung und Ausnützung der Prostitution verur-
teilt. Für beide Delikte wurde alsdann eine Strafe von gesamthaft 22 Jahren Frei-
heitsstrafe ausgefällt. Auch wenn der italienische Codice Penale die Tötungstat-
bestände etwas anders als das Schweizerische Strafgesetzbuch definiert, so
kann vorliegend aufgrund der Bejahung eines erschwerenden Umstands bei der
Begehung der vorsätzlichen Tötung durchaus von einer Verurteilung wegen Mor-
des nach schweizerischer Terminologie gesprochen werden.
Diese einschlägige Vorstrafe aus Italien ruft nach einer Erhöhung der Ein-
satzstrafe für den heute zu beurteilenden Mord im Umfang von mindestens einem
Drittel. Sodann ist der Vorinstanz beizupflichten, dass aus dem Nachtatverhalten
des weder Reue noch Einsicht zeigenden Beschuldigten für die Strafzumessung
nichts ableiten lässt.
Zusammengefasst wirkt sich die einschlägige Vorstrafe des Beschuldigten
aus Italien auf die aus der Tatschwere abgeleitete Einsatzstrafe von 18-20 Jahren
straferhöhend aus und zwar wie erwähnt in ausserordentlich starker Weise, so-
dass im Ergebnis als Strafe für den Mord an †L._ eine Freiheitsstrafe von le-
benslanger Dauer als angemessen erscheint.
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Nebst der Haupttat sind die in der Nachtragsanklage aufgeführten weiteren
Delikte zu sanktionieren. Vorerst ist der Vorgang zu bewerten, bei welchem der
Beschuldigte die Geschädigte H._, indem er ihr seine schussbereite Pistole
an den Hals hielt, zwang, im Fahrzeug zu bleiben. Der Vorwurf lautet auf Gefähr-
dung des Lebens und Nötigung. Gemäss Art. 129 StGB ist ein Strafrahmen von
Freiheitsstrafe bis fünf Jahre oder Geldstrafe gesetzt, und Art. 181 StGB sieht
Freiheitsstrafe bis drei Jahre oder Geldstrafe vor.
Mit der Vorinstanz ist das Verschulden des Beschuldigten bei beiden Delik-
ten und die dadurch manifestierte kriminelle Energie als schwer zu bezeichnen.
Die Bedrohung mit der Pistole war erschreckend intensiv, zumal sie nach einer
gerade eben stattgefundenen Schussabgabe gegen eine andere Person und da-
mit in einer spannungs- und gefahrengeladenen Ausnahmesituation geschah.
Dass es für die betroffene Person sehr schlimm gewesen sein muss, sich ge-
zwungen zu sehen, mit einem Menschen, der gerade einen Mord begangen hatte,
im Auto sitzen bleiben zu müssen, hat die Vorinstanz richtig gesehen. Dass das
Bezirksgericht die für diese beiden zusätzlichen Delikte angemessene Strafe un-
ter Berücksichtigung der Täterkomponente, wobei auch hier die Vorstrafe aus Ita-
lien straferhöhend wirkt, als im unteren Bereich des oberen Drittels des jeweiligen
Strafrahmens ansiedelte, mithin bei etwa 3 1⁄2 bzw. zwei Jahren Freiheitsstrafe,
erscheint gerechtfertigt. Asperiert mit der Strafe für das Hauptdelikt wäre grund-
sätzlich eine Erhöhung um etwa drei weitere Jahre angebracht.
Hinzu tritt aufgrund der Verurteilung wegen Widerhandlung gegen das Waf-
fengesetz eine zusätzliche, wenn auch wegen des hierbei leichten Verschuldens
trotz Berücksichtigung der weiteren Strafzumessungsgründe grundsätzlich eher
geringfügige Straferhöhung im Umfange einiger weiterer Monate.
Im Ergebnis bleibt es bei der lebenslänglichen Freiheitsstrafe, die von Ge-
setzes wegen im Zusammenhang etwa mit Mord als Höchststrafe vorgesehen ist
(Art. 40 Abs. 2 StGB).
Hinsichtlich der Anrechnung der Haftzeiten des Beschuldigten kann auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 358 S. 91f.),
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wonach gemäss der Vereinbarung zwischen Italien und der Schweiz und gestützt
auf das europäische Auslieferungsabkommen die vom Beschuldigten in der
Schweiz abgesessene Haft von inzwischen 2869 Tagen (9. Juli 2010 bis 16. Mai
2018) an die in Italien verhängte Strafe anzurechnen ist, hingegen die in Italien
verbüsste Auslieferungshaft von 526 Tagen an die heute ausgefällte Strafe.
VI. Massnahme
Die Staatsanwaltschaft beantragte vor Vorinstanz die Verwahrung des Be-
schuldigten im Sinne von Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB. Sie begründete dies damit,
dass beim Beschuldigten gemäss den psychiatrischen Gutachten, wenn auch
keine Persönlichkeitsstörung, so doch eine "Psychopathy" vorliege und bei ihm
als Wiederholungstäter, welcher sich von Strafen nicht beeindrucken lasse und
kaum Bedarf sehe, sich zu verändern, weiterhin Delikte gegen Leib und Leben
ernsthaft zu erwarten seien (Urk. 302 S. 1 und 8-11).
Die Verteidigung sprach sich vor Vorinstanz gegen die Verwahrung aus. Sie
argumentierte zusammengefasst damit, dass die Vorstrafe aus Italien lediglich ei-
nen Raufhandel betreffe und der Beschuldigte demnach nicht Wiederholungs-,
sondern Ersttäter sei (was, wie dargelegt, nicht zutrifft; s.o. unter Ziff. V.). Des
Weiteren verneinte die Verteidigung, dass sich aus dem nach ihrer Meinung nicht
überzeugenden Ergänzungsgutachten vom 26. August 2015 beim Beschuldigten
das Vorliegen von "Psychopathy" ableiten lasse. Sie stellte damit die hohe Rück-
fallgefahr beim Beschuldigten für Gewaltstraftaten in Frage und folgerte, dass die
Anordnung der Verwahrung nicht verhältnismässig erscheine (Urk. 305 Rz 113-
125).
An den Anträgen der Parteien und ihrer Begründung hielten die Parteien in
der Berufungsverhandlung grundsätzlich fest. Die Verteidigung ergänzte ihre Ar-
gumentation dahingehend, dass das Gutachten bezüglich des Zeitraums nach ei-
ner Entlassung des Beschuldigten nichts zu einer schlechten Prognose vorzu-
bringen vermöge, weshalb sich bereits aus diesem Grund eine Verwahrung des
Beschuldigten als unverhältnismässig erweise (Urk. 431 S. 50 f. Rz 143).
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Die Vorinstanz schützte den Antrag der Staatsanwaltschaft und ordnete die
Verwahrung des Beschuldigten im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB an. Die Kritik
der Verteidigung an den Gutachten vom 15. Mai 2013 und 26. August 2015 liess
sie nicht gelten; vielmehr stellte sie vollumfänglich auf diese ab. Gestützt darauf
ging sie davon aus, dass beim Beschuldigten keine schwere psychische Störung
vorliege und sich therapeutische Massnahmen deshalb erübrigen würden. Sie be-
rücksichtigte weiter die gesamten Umstände und die massiv einschlägige Vorstra-
fe des Beschuldigten aus Italien sowie die Erläuterungen des Gutachters und
schloss daraus, dass die Voraussetzungen für eine Verwahrung im Sinne von
Art. 64 Abs. 1 StGB gegeben seien. Dabei ging sie zu Recht davon aus, dass die
vom Gesetz und der Gerichtspraxis verlangten Einzelvoraussetzungen kumulativ
erfüllt sein müssen, die da sind: Anlasstat, Begutachtung, Rückfallgefahr, Sicher-
heitsbedürfnis der Öffentlichkeit, Geeignetheit, Erforderlichkeit und Verhältnis-
mässigkeit der Massnahme (vgl. Urk. 358 S. 108). All diese Bedingungen hielt die
Vorinstanz im vorliegenden Fall für gegeben.
Wie dargelegt erachtet das Berufungsgericht die Gutachten von Prof.
N._ ebenfalls als verwertbar und schlüssig (s.o. Ziff. II.2.d). Die erstinstanzli-
chen Erwägungen hinsichtlich der Bejahung der Kriterien der Begutachtung und
der grundsätzlichen Geeignetheit der Massnahme erweisen sich demnach als
nachvollziehbar (Urk. 358 S. 112f.). Gleiches gilt für das Kriterium der Anlasstat.
Was die Gefahr weiterer Straftaten des Beschuldigten und das konkrete Bedürfnis
der Öffentlichkeit nach Schutz vor seiner Person angeht, sind die Erwägungen der
Vorinstanz jedoch zu wenig differenziert. Dabei stellt der Umstand, dass die öf-
fentliche Sicherheit die Verwahrung eines grundsätzlich gesunden Täters (wie
dem Beschuldigten) im konkreten Fall erfordern muss, ein vordringliches Kriterium
dar, tritt es doch an die Stelle der ebenso entscheidenden Behandlungsbedürftig-
keit bei kranken Tätern (Art. 56 Abs. 1 lit. b StGB).
Nun ist beim Beschuldigten aufgrund der gutachterlichen Einschätzung zwar
eine Rückfallgefahr gegeben. Das Gutachten vom 15. Mai 2013 grenzt die hohe
Wahrscheinlichkeit für weitere Gewalttaten wie "Drohungen, Nötigungen bis hin
zu Tötungsdelikten" jedoch auf den Zeitraum von sieben bis zehn Jahren ein,
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auch wenn sie den Verlauf der Dissozialität des Beschuldigten, welche die Ursa-
che der Rückfallgefahr darstellt, als "anhaltend" bewertet (vgl. Urk. 15/8 S. 34). Im
Ergänzungsgutachten vom 26. August 2015 relativierte der Gutachter das Aus-
mass der Rückfallgefahr aufgrund einer teilweisen Neubewertung, aus welcher
unterschiedliche Einschätzungen in den angewandten Prognoseinstrumenten re-
sultierten, von hoch auf "mittelgradig bis hoch" (Urk. 229 S. 47). Zum Zeitraum,
für welchen dieses Risiko prognostiziert werde, machte das Ergänzungsgutachten
keine neue Aussage, sodass es bei der Feststellung im ersten Gutachten bleibt.
Abgesehen von der zeitlichen Eingrenzung der gutachterlichen Rückfall-
prognose erweist sich im vorliegenden Fall eine weitere Besonderheit als von Be-
deutung: Der Beschuldigte wird heute zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe
verurteilt. Bevor er diese antreten wird, wird er nach Italien zurückzuführen sein,
da er lediglich für die prozessualen Erfordernisse des schweizerischen Strafver-
fahrens vorläufig an die Schweiz überstellt worden war, nachdem er in Italien vor-
dringlich eine 22-jährige Freiheitsstrafe abzusitzen hat. Die Haftzeit in der
Schweiz wird nach der Vereinbarung mit Italien an die Strafe in Italien angerech-
net. Lediglich die dort vorgängig ausgestandene Auslieferungshaft (526 Tage)
wird an die Dauer der schweizerischen Strafe angerechnet werden. Gemäss Be-
stätigung des italienischen Justizministeriums vom 25. August 2009 (Urk. 16/31
und 16/32) wird der Beschuldigte mit einer Entlassung aus der in Italien abzusit-
zenden Strafe gemäss Urteil vom 9. Dezember 1999, welches vom Berufungs-
schwurgericht am 14. Januar 2010 bestätigt wurde, am 27. Januar 2028 rechnen
können. Dass dieser Termin sich wegen der Auslieferungshaftzeit von rund 1 1⁄2
Jahren, die nicht an die italienische Strafe angerechnet werden wird, bis Mitte des
Jahres 2029 weiter hinausschieben wird, ist anzunehmen.
Obwohl die erwähnte Bestätigung des Italienischen Justizministeriums eini-
ge Jahre zurückliegt, erscheint die damalige Feststellung des Entlassungstermins
aus folgenden Gründen nach wie vor als aktuell (vgl. dazu Urk. 424/9-16): Ge-
mäss Art. 50 in Verbindung mit Art. 4bis des italienischen Strafvollzugsgesetzes
käme Halbgefangenschaft bzw. offener Strafvollzug für einen wegen vorsätzlicher
Tötung (omicidio, Art. 575 CP it.) Verurteilten frühestens nach zwei Drittel der
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Strafe in Frage. Eine bedingte Entlassung wiederum käme nur nach Verbüssung
der Hälfte der Strafe und nur dann zum Zug, wenn die Reststrafe nicht mehr als
fünf Jahre betragen würde. Beide Voraussetzungen sind beim Beschuldigten
noch für lange Jahre nicht gegeben. Zudem dürften ihm diese Vollzugslockerun-
gen aller Voraussicht nach nicht gewährt werden, da ihn für die Zeit nach der Ent-
lassung in Italien in der Schweiz eine lebenslange Freiheitsstrafe erwartet und
demnach dannzumal Fluchtgefahr bestehen wird. Was sodann die Haft-
Gutschriften von je 45 Tagen je Halbjahr angeht, die gemäss Art. 54 des Straf-
vollzugsgesetzes später eine entsprechend vorzeitige Entlassung des Häftlings
bewirken könnten, ist festzuhalten, dass sie nur von Jahr zu Jahr gewährt werden
und voraussetzen, dass sich der Häftling nachweislich gebessert hat. Solche Gut-
schriften sind während des bisherigen Vollzugs der italienischen Strafe in der
Schweiz kein Thema gewesen. Ob sie in Zukunft gewährt werden, wenn der Be-
schuldigte die restliche Strafe in Italien absitzt, kann nicht gesagt werden. Alles in
allem ist mit Fug davon auszugehen, dass der Beschuldigte, wenn er nach Been-
digung des vorliegenden Gerichtsverfahrens wieder nach Italien überführt worden
sein wird, dort aller Voraussicht nach noch rund zehn Jahre (bis zu dem vom Mi-
nisterium genannten Entlassungsdatum) abzusitzen haben wird. Die anschlies-
send in der Schweiz abzusitzende lebenslängliche Freiheitsstrafe wird grundsätz-
lich das Leben lang dauern, wobei sich die Frage nach einer vorzeitigen Entlas-
sung − wenn überhaupt − frühestens nach 15 Jahren stellt. Der heute bald 42-
jährige Beschuldigte wird demnach aus heutiger Sicht erst ab einem Alter von
rund 67 Jahren überhaupt wieder die Chance haben, auf freien Fuss zu kommen.
Bis in diese Zeit, mithin für einen Zeitraum von 25, 30 oder mehr Jahre, kann
die gutachterliche Prognose der Rückfallgefahr aber unmöglich Geltung haben.
Gefährlichkeitsprognosen sind ohnehin, insbesondere bei psychisch nicht kranken
Tätern, stets mit einer gewissen Unsicherheit behaftet und lassen sich nur in Aus-
nahmefällen für Jahrzehnte abgeben (BSK StGB-Heer / Habermeyer, Art. 64
N 83). Mit zunehmendem zeitlichem Abstand zur Erstellung der Prognose verliert
diese an Aussagekraft. Mit Blick auf den Verhältnismässigkeitsgrundsatz bei der
Anordnung einer Verwahrung als ultima ratio sind ausserordentlich hohe Anforde-
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rungen an die Ernsthaftigkeit der Rückfallgefahr zu stellen. Diese Anforderungen
erscheinen auf so lange Zeit hinaus nicht ausreichend gegeben.
Von gewisser Relevanz erscheint sodann, dass der Beschuldigte nach dem
Verbüssen der Freiheitsstrafen in Italien und der Schweiz zufolge sich aufdrän-
gender Fernhaltemassnahmen diese Länder aller Voraussicht nach wird verlas-
sen müssen bzw. in sein Heimatland Albanien zurückgeschafft werden wird, was
ebenfalls einen positiven Einfluss auf eine allfällig noch vorhandene Deliktsnei-
gung haben dürfte.
Aus all diesen Gründen ist davon auszugehen, dass dem Sicherheitsinter-
esse der Öffentlichkeit mit den vom Beschuldigten abzusitzenden Freiheitsstrafen
von insgesamt gegen 30 Jahren für genügend lange Zeit Rechnung getragen
werden wird und danach ein ausreichend eminentes Bedürfnis nach Schutz der
Öffentlichkeit vor seiner Person nicht mehr evident erscheint. Folglich fehlt es in
dieser Hinsicht an einer Voraussetzung für eine zusätzlich zur Freiheitsstrafe an-
zuordnenden Verwahrung (Kriterium der Ergänzungsbedürftigkeit der Freiheits-
strafe gemäss Art. 56 Abs. 1 lit. a StGB). Daran ändert nichts, dass die übrigen
Voraussetzungen zur Anordnung einer Verwahrung allenfalls erfüllt wären, müs-
sen doch alle gesetzlichen Erfordernisse kumulativ erfüllt sein. Eine Verwahrung
erweist sich unter den gegebenen Umständen nicht als vordringlich und damit
letztlich als unverhältnismässig. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist somit
davon abzusehen.
VII. Zivilpunkt
Die Voraussetzungen einer adhäsionsweise Geltendmachung von Zivilan-
sprüchen im Strafverfahren wurden von der Vorinstanz ausführlich und zutreffend
dargelegt, sodass darauf verwiesen werden kann (Urk. 358 S. 115-118).
Für den Schaden, der einer Witwe zufolge der Tötung ihres Ehemannes er-
wächst, hat sie gegenüber demjenigen, der die Tötung zu verantworten hat, An-
spruch auf Ersatz. Wenn die Privatklägerin B._ die grundsätzliche Feststel-
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lung ihres Anspruchs gegenüber dem Beschuldigten beantragte, so ist dem somit
zu entsprechen, wie dies bereits die Vorinstanz getan hat. Für die Feststellung
des konkreten Umfanges des Schadenersatzanspruches ist die Privatklägerin auf
den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
Die Privatklägerin verlangte des Weiteren eine Genugtuung in Höhe von
Fr. 60'000.– nebst 5 % Zins seit dem inkriminierten Ereignis (Urk. 304). Die Vor-
instanz hat diesem Antrag in sachgerechter Auseinandersetzung mit den Argu-
menten der Privatklägerin (Urk. 358 S. 118-122) stattgegeben. Es trifft zu, dass
die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung in casu zweifellos
gegeben sind. Auch ist hier praxisgemäss von einem Betrag von Fr. 40'000.– als
Basisgenugtuung auszugehen. Diesen Betrag hat die Vorinstanz aufgrund der
schweren seelischen und psychischen Beeinträchtigung der Privatklägerin (post-
traumatische Störung, intensive therapeutische Behandlung, Flucht in Suchtmittel,
berufliche Nachteile) und des erheblichen Verschuldens des Beschuldigten um
Fr. 20'000.– erhöht. Dies erscheint angemessen. Der Beschuldigte ist folglich zu
einer Genugtuungszahlung an die Privatklägerin in Höhe von Fr. 60'000.– zu ver-
pflichten zuzüglich den beantragten Zins.
VIII. Kostenfolge
Bei diesem Ausgang des Verfahrens mit der Bestätigung des angefochtenen
Urteils im Schuld- und Strafpunkt ist die vorinstanzliche Kostenregelung (Disposi-
tivziffern 11, 12, 1. Absatz, und 13, 1. Absatz) zu bestätigen.
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seiner Berufung weitestgehend. Dass entgegen dem vorinstanzlichen
Urteil von einer Verwahrung abgesehen wird, wirkt sich beim Kostenentscheid nur
zum geringeren Teil aus. Im Ergebnis sind die Berufungskosten dem Beschuldig-
ten zu 9/10 aufzuerlegen und im Übrigen samt den Kosten der amtlichen Verteidi-
gung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin auf die Gerichtskasse
zu nehmen. Die Rückzahlung der Anwaltsentschädigungen im Umfang der Kos-
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tenauflage ist gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO sowie Art. 426 Abs. 4 StPO vorzube-
halten.
Beschluss:
1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Affoltern vom
12. April 2016 in der berichtigen Fassung vom 20. September 2016 hinsicht-
lich der Dispositivziffern 4 und 5.1 (Einziehungen), 5.2, 6 und 7 (Herausga-
ben), 10 (Kostenaufstellung) sowie 12, 2. Absatz, und 13, 2. Absatz (An-
waltsentschädigungen), ferner der dem Urteil vorangestellte Beschluss (teil-
weises Nichteintreten auf die Hauptanklage) in Rechtskraft erwachsen sind.
2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
Urteil:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB
− der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB und
− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von dessen
Art. 33 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit dessen Art. 7 sowie Art. 12 Abs. 1
lit. j der Waffenverordnung.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe, wo-
ran insgesamt 526 Tage italienische Auslieferungshaft angerechnet werden.
Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte bis und mit
heute seit 2869 Tagen in der schweizerischen Untersuchungs- und Sicher-
heitshaft befindet, welche jedoch aufgrund internationaler Vereinbarungen
an die Haftstrafe in Italien anzurechnen sind.
file://SRVDAT02/OGZ/Allgemein/S2/Formularzusatz/e01400.doc
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3. Von einer Verwahrung des Beschuldigten im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB
wird abgesehen.
4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus
dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist.
Zur Feststellung des Umfangs des Anspruches wird die Privatklägerin auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 60'000.– zuzüglich
5 % Zins ab dem tt.mm.2009 als Genugtuung zu bezahlen.
6. Die vorinstanzliche Kostenregelung (Dispositivziffern 11, 12 Absatz 1 und 13
Absatz 1) wird bestätigt.
7. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 6'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 797.95 Ergänzungsgutachten IRM
Fr. ausstehend Entschädigung Dr. med. D._
Fr. ausstehend Entschädigung Dr. med. E._
Fr. 30'000.− amtliche Verteidigung (Akonto)
Fr. 62'270.– amtliche Verteidigung (restliches Honorar)
Fr. 2'260.– unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin
8. Die Kosten des Berufungsverfahrens, ausgenommen diejenigen der amtli-
chen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin,
werden dem Beschuldigten zu 9/10 auferlegt und im Übrigen auf die Ge-
richtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der un-
entgeltlichen Vertretung der Privatklägerin werden auf die Gerichtskasse
genommen; vorbehalten bleibt die Nachforderung der Anwaltsentschädigun-
gen (hinsichtlich derjenigen der amtlichen Verteidigung ohne die damit abge-
rechneten Übersetzungskosten) im Umfang der Kostenauflage.
9. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten (übergeben);
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− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich (übergeben); − die unentgeltliche Vertreterin der Privatklägerin im Doppel für sich und
zuhanden der Privatklägerin (versandt); − den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und
Vollzugsdienste (versandt);
(Eine begründete Urteilsausfertigung - und nur hinsichtlich ihrer eigenen Anträge (Art. 84 Abs. 4 StPO) - wird den Privatklägern nur zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs verlangen.)
sowie in vollständiger Ausfertigung an
− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten;
− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich; − das Bundesamt für Polizei, Zentralstelle Waffen, Nussbaumstrasse 29,
3003 Bern, im den die Widerhandlung gegen das Waffengesetz  Urteilsauszug;
− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste;
und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-
ger Rechtsmittel an
− die Vorinstanz (mit dem Ersuchen um Vornahme der notwendigen );
− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste;
− Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich, Neumühlequai 10, Postfach, 8090 Zürich, im den die Widerhandlung gegen das Waffengesetz  Urteilsauszug;
− das Migrationsamt des Kantons Zürich; − die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A; − die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und
Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten.
10. Rechtsmittel:
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Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in  erhoben werden.
Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung
des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-
richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.
Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen
richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-
gesetzes.
Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer