Decision ID: 0b1727ae-3add-5b25-bdf2-34123fe0fbdb
Year: 2012
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin reichte am 6. Mai 2011 bei der Gemeinde Worb ein
Baugesuch ein für den Umbau der bestehenden Mobilfunkanlage auf Parzelle Worb
Grundbuchblatt Nr. C._. Das Baugesuch umfasst den Abbruch von vier
bestehenden Antennenmasten auf dem Dach des Gebäudes D._ strasse 5b sowie
den Neubau eines 20 m hohen Mastes mit drei GSM/UMTS-Kombiantennen des
Antennentyps „Tri-Sector-Pipe“ und einer Telepage-Antenne südlich des Gebäudes
D._ strasse 5b. Die Parzelle befindet sich in der Zone mit Planungspflicht (ZPP)
„Kerngebiet K“ sowie im Ortsbildschutzgebiet gemäss Plan der Schutzgebiete und -objekte
der Einwohnergemeinde Worb vom 7. März 1993. Gegen das Bauvorhaben gingen fünf
2
Einsprachen ein. Das Amt für Berner Wirtschaft (beco) beurteilte die Anlage aus Sicht des
Immissionsschutzes sowie der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz im Amtsbericht
vom 23. Juni 2011 – unter Einhaltung von Auflagen – als bewilligungsfähig. Mit
Gesamtentscheid vom 19. August 2011 erteilte die Einwohnergemeinde Worb aus
Gründen des Ortsbildschutzes den Bauabschlag. Die Beschwerdeführerin beabsichtigte
bereits im Jahr 2005, ihre Mobilfunkanlage umzubauen. Aus Ortsbildschutzgründen lehnte
die Einwohnergemeinde Worb dieses Projekt ab. Diesen Entscheid focht die
Beschwerdeführerin erfolglos bei der BVE1 und beim Verwaltungsgericht2 an.
2. Gegen den Bauabschlag vom 19. August 2011 erhob die Beschwerdeführerin mit
Eingabe vom 21. September 2011 Beschwerde bei der BVE. Sie beantragt die Aufhebung
des Gesamtentscheids vom 19. August 2011 und die Erteilung der Baubewilligung.
Zusammengefasst rügt sie, der relevante Sachverhalt bezüglich des neu vorgelegten
Vorhabens, das sich vom früheren Projekt bezüglich Höhe und Konstruktion unterscheide,
sei von der Vorinstanz ungenügend abgeklärt worden. Vor diesem Hintergrund sei die
Ansicht der Vorinstanz, die geplante Antennenanlage störe das Ortsbild massiv, nicht
haltbar.
3. Die Einwohnergemeinde Worb beantragt in ihrer Stellungnahme vom 24. Oktober
2011 die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Bauabschlags. Sie ergänzte
die Begründung des Bauentscheids insofern, dass die Gesamthöhe von Neubauten 10
Meter betrage und diese gemäss Art. 47 GBR3 entlang der D._ strasse und
E._gasse aus Rücksicht auf bestehende Baustrukturen auf 7 m zu reduzieren sei.
Zudem sei weder in den Projektplänen noch im Standortdatenblatt ersichtlich, ob eine
Leiter an den Antennenmast montiert werde. Wenn dies der Fall wäre, würde die Antenne
noch markanter in Erscheinung treten.
1 Vgl. Entscheid der BVE vom 19. Dezember 2006 (RA Nr. 110/2006/80) 2 Vgl. VGE 22887 vom 21. August 2007 3 Baureglement vom 7. März 1993 der Einwohnergemeinde Worb, genehmigt durch die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern mit Änderungen gemäss Beschluss vom 16. August 1993
3
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet4, stellte den
Einsprechenden mit Verfügung vom 23. September 2011 eine Kopie der Beschwerde zu
und setzte ihnen eine Frist für eine allfällige Beteiligung als Partei am
Beschwerdeverfahren. Es wies die Einsprechenden darauf hin, dass Stillschweigen als
Verzicht auf die Beteiligung am weiteren Verfahren gelte und auch zu einem Verlust der
Parteistellung als Einsprecher im Baubewilligungsverfahren führe. Die Einsprechenden
beteiligten sich nicht am Beschwerdeverfahren.
5. Nachdem das Rechtsamt den Schriftenwechsel durchführte, holte es bei der
Vorinstanz die Vorakten sowie die Baubewilligungsakten (Nr. 24/2005) des Vorprojekts aus
dem Jahr 2005 ein. Es erklärte ausserdem, zur Ermittlung des Sachverhalts ziehe es die
Beschwerdeakten RA Nr. 110/2006/80 bei. Zusätzlich verlangte es von der
Beschwerdeführerin einen vermassten Antennenmontageplan und liess beim beco das
fehlende Standortdatenblatt für Mobilfunk- und WLL-Basisstationen vom 11. April 2011
edieren. Schliesslich holte es einen Fachbericht der kantonalen Kommission zur Pflege der
Orts- und Landschaftsbilder (OLK) ein. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum
Beweisergebnis zu äussern und Schlussbemerkungen einzureichen. Davon machte
lediglich die Beschwerdeführerin Gebrauch; die Einwohnergemeinde Worb liess sich weder
zum Bericht der OLK vernehmen noch reichte sie Schlussbemerkungen ein. Auf die
vorliegenden Akten sowie den Fachbericht der OLK wird, soweit für den Entscheid
relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Bauentscheid der Einwohnergemeinde Worb. Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG5 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
4 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
4
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Bauentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerin ist als Baugesuchstellerin im
vorinstanzlichen Verfahren unterlegen. Sie ist durch den vorinstanzlichen Entscheid
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Rechtliche Grundlagen zum Ortsbild- und Landschaftsschutz
a) Die Vorinstanz begründet den Bauabschlag insbesondere damit, dass für
Bauvorhaben im Ortsbildschutzgebiet besondere Anforderungen gelten. Danach hätten
sich neue Elemente bezüglich Anordnung, Gestaltung, Volumen usw. der traditionellen
Bauweise anzupassen und dürften das Gesamtbild nicht stören. Diese Anforderungen
seien klar nicht erfüllt. Die geplante Antennenanlage überrage die Liegenschaft
D._ strasse 5b um 10 m und die umliegenden Gebäude um rund 5 bis 10 m. Sie
sei von verschiedenen Standorten des Dorfes aus gut erkennbar und werde als stark
störendes, fremdes und dominantes Element empfunden. Das Ortsbild werde dadurch
massiv gestört. Da der Antennenmast eine Gesamthöhe von 20 m aufweise und der
Durchmesser 23 bis 28 cm betrage, sei er aus einiger Entfernung gut sichtbar. Der
Bauabschlag sei deshalb auch erst nach näherer Prüfung erfolgt.
b) Das GBR enthält – soweit hier von Interesse – zur Gestaltung von Bauten und
Anlagen allgemeine und in Ortsbildschutzgebieten besondere Vorschriften:
„IV. Gestaltung Art. 12 1 Bauten und Anlagen sind so zu gestalten, dass zusammen mit der bestehenden Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht. Die Beurteilung dieser Gesamtwirkung richtet sich nach der bestehenden, bei Vorliegen einer genügend detaillierten Planung nach der zukünftigen Umgebung. Bauten, welche diese Anforderungen nicht erfüllen, sind unzulässig, auch wenn sie den übrigen Bauvorschriften entsprechen.
2 Bei der Beurteilung, ob eine gute Gesamtwirkung entsteht, ist besonders auf die folgenden Elemente einzugehen: - Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen eines Gebäudes; - Gestaltung von Fassaden und Dach (Form, Farbe, Material);
5
- (...) - Aussenräume, insbesondere das Vorland, die Begrenzung gegen den öffentlichen Raum
und die Bepflanzung, soweit sie für den Charakter des Aussenraumes bestimmend ist; - (...)
Art. 57 Ortsbildschutzgebiete 1Die Ortsbildschutzgebiete umfassen die Ortsteile und Quartiere, welche durch ihre Entstehung, charakteristische Nutzung und Gestaltung für das Ortsbild von Bedeutung sind. Sie sind in ihrem äusseren Gesamtbild, ihren traditionellen Elementen und charakteristischen Einzelheiten sowie in ihrem Strassenraum und ihren Platzverhältnissen zu erhalten.
2 Die zulässige Nutzung richtet sich nach der Zoneneinteilung.
3 Neubauten sind zeit- und nutzungsgerecht zu gestalten. In der Regel haben sie sich bezüglich Bauvolumen, Dach- und Fassadengestaltung, Orientierung, Stellung und Aussenraumgestaltung an den traditionellen, für das jeweilige Gebiet charakteristischen Formen, zu orientieren. Neue Formen sind nur möglich, wenn sie zu einer guten Gesamterscheinung des Ortsbildes beitragen. (...)“
c) Art. 12 GBR verlangt eine „gute Gesamtwirkung“. Nach Art. 57 GBR haben sich
Neubauten in Ortsbildschutzgebieten an den „für das jeweilige Gebiet charakteristischen
Formen zu orientieren“ und neue Formen sind nur möglich, „wenn sie zu einer guten
Gesamterscheinung des Ortsbildes beitragen“. Die Erfordernisse von Art. 12 und
Art. 57 GBR gehen über die Anforderungen von Art. 9 BauG hinaus und haben daher
selbständige Bedeutung. Das Bauvorhaben ist somit insbesondere auf seine
Übereinstimmung mit diesen Bestimmungen zu prüfen.
d) Die erwähnten Begriffe stellen unbestimmte Gesetzesbegriffe dar. Wird die
Anwendung einer von der Gemeinde erlassenen Bestimmung Gegenstand eines
Beschwerdeverfahrens, haben die Rechtsmittelinstanzen zu prüfen, ob die von der
Gemeinde geltend gemachte Auslegung rechtlich haltbar ist. Sie auferlegen sich bei der
Auslegung von unbestimmten Rechtsbegriffen in eigenständigen kommunalen Vorschriften
eine gewisse Zurückhaltung gegenüber der Auffassung der Gemeinde, indem sie sich der
Prüfung enthalten, ob eine andere Bedeutung der umstrittenen Bestimmung ebenfalls
möglich und rechtlich vertretbar wäre. Sie sind nicht befugt, die kommunale Auslegung der
Norm durch ihr eigenes Verständnis zu ersetzen, wenn die Rechtsauffassung der
Gemeinde betreffend den Inhalt, den Sinn und die Tragweite der interessierenden
Vorschrift rechtlich vertretbar erscheint. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Würdigung
örtlicher Verhältnisse in Frage steht.6 Bei der Konkretisierung der erwähnten Begriffe
bedarf es oft eines besonderen Fachwissens. Die OLK berät unter anderem
6 VGE 22887U vom 21.08.2007, E. 4.3, mit Hinweisen; BVR 2005 S. 443 E. 3.3
6
Justizbehörden in Fragen der Ästhetik (Art. 1 Abs. 1 OLKV7). Die BVE räumt den Berichten
der OLK regelmässig einen erheblichen Stellenwert ein und auferlegt sich bei deren
Überprüfung eine gewisse Zurückhaltung.
e) Keine Regelungskompetenz haben die Gemeinden im Bereich des Schutzes von
Baudenkmälern. Dieser ist in den Art. 10a ff. BauG abschliessend geregelt.8 Art. 10b
Abs. 1 Satz 2 BauG schreibt vor, dass Baudenkmäler (sowohl schützens- wie
erhaltenswerte) durch Veränderungen in ihrer Umgebung nicht beeinträchtigt werden
dürfen (sog. Umgebungsschutz). Das heisst, dass eine Veränderung auf das Baudenkmal
Rücksicht nehmen und dieses nicht beeinträchtigen soll.9 Voraussetzung für den Schutz
nach Art. 10b BauG bildet die Aufnahme der schützens- oder erhaltenswerten
Baudenkmäler in das Bauinventar (Art. 10e Abs. 1).
f) Nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung lässt sich das Erstellen einer
Mobilfunkanlage unter ästhetischen Gesichtspunkten nicht ohne weiteres mit Gebäuden,
auf welche die Gestaltungsnormen in erster Linie zugeschnitten sind, vergleichen. Zum
einen ist das Erscheinungsbild einer Mobilfunkanlage – namentlich Durchmesser und Höhe
des Masts sowie die Anzahl und optische Erscheinung der Antennen – vorwiegend durch
die technischen Gegebenheiten bedingt. Die Gestaltungsmöglichkeiten der Mobilfunkbe-
treiberinnen sind daher gering. Ausserdem besteht die Besonderheit, dass
Mobilfunkanlagen aufgrund ihrer Funktion in der Regel gut sichtbar sind, womit ihnen
praktisch an jedem Standort von vornherein etwas Störendes anhaftet. Dies allein vermag
jedoch nicht ohne weiteres einen Bauabschlag zu rechtfertigen, ansonsten würde aus den
kommunalen Ästhetiknormen ein flächendeckendes Mobilfunkantennenverbot resultieren,
was nicht der Absicht des Gesetzgebers entsprechen kann und raumplanungs- bzw.
fernmelderechtlich problematisch wäre.10 Auch ist zu beachten, dass Mobilfunkantennen
aufgrund der betrieblich bedingten Höhe regelmässig geeignet sind, Silhouetten zu
brechen und Horizonte zu teilen. Soweit der Silhouette bzw. dem Horizont nicht eine
7 Verordnung vom 27. Oktober 2010 über die Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLKV; BSG 426.221) 8 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 9/10 N. 4 9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art.10a-10f N. 7 10 VGE 100.2010.66 vom 16. August 2010, E. 2.3, VGE 233330 vom 31. März 2009, E. 3.3, VGE 22852 vom 8. November 2007, E. 7.4
7
erhöhte Schutzwürdigkeit zukommt, vermag diese Wirkung den Bauabschlag nicht zu
rechtfertigen.11 Diesen Umständen ist bei der Beurteilung gebührend Rechnung zu tragen.
3. Anwendung der Vorschriften zum Ortsbild- und Landschaftsschutz auf das Projekt
a) Die Beschwerdeführerin kritisiert, das vorliegende Projekt könne nicht mit dem
Projekt, dem vor vier Jahren der Bauabschlag verfügt wurde, verglichen werden. Es sei
bezüglich Höhe und Konstruktion deutlich redimensioniert worden und trete
dementsprechend viel weniger markant in Erscheinung. Insoweit habe die Vorinstanz den
Sachverhalt mit pauschalen Feststellungen nicht oder nur ungenügend abgeklärt. Zwar
komme das Bauvorhaben in einem Ortsbildschutzgebiet zu stehen. Allerdings handle es
sich um ein Gebiet mit publikumsintensiver Zentrumsnutzung, in dem neben dem
Bahnhofareal zahlreiche Geschäfte und Gewerbebetriebe angesiedelt seien und das
entsprechend den heutigen Bedürfnissen bereits zahlreiche Infrastrukturanlagen wie
namentlich Beleuchtungskandelaber, Strassensignalisation und bestehende
Antennenmaste aufweise. Es handle sich um eine zeit- und nutzungsgerechte Erneuerung
einer bestehenden Anlage. Da die Erneuerung den Abbruch von vier bestehenden Masten
ermögliche, führe das Bauvorhaben ortsplanerisch zu einer Verbesserung der Situation.
Die Mobilfunkanlage trage der ortsplanerischen Bedeutung des Kerngebiets K1 als
Geschäfts- und Einkaufsbereich Rechnung und trete vor diesem Hintergrund nicht als
störend in Erscheinung und führe auch zu keiner Beeinträchtigung des Ortsbilds. Die
Argumentation der Vorinstanz führe dazu, dass Mobilfunkanlagen im Ortsbildschutzgebiet
und im Dorfkern generell unzulässig wären.
b) Vorliegend ist geplant, vier bestehende Antennenmaste auf dem Dach des Gebäudes
D._ strasse 5b abzubrechen. Als Ersatz soll seitlich der Südfassade der
Liegenschaft D._strasse 5b ein neuer Antennenmast errichtet werden. Die Höhe
des geplanten Antennenmastes beträgt 20 m. An dessen Mastspitze soll eine Rohrantenne
(Tri-Sector-Pipe-Antenne) für den Mobilfunkdienst (GSM1800 und UMTS) montiert werden.
Das Rohr besteht aus einem Antennenteil (antenna area) und einem Servicebereich
(service area). Nach dem Antennenmontageplan vom 29. März 2011 im Massstab 1:50 ist
der obere Teil der Antenne 1.37 m lang und 23 cm breit. Der darunterliegende
11 VGE 233330 vom 31. März 2009, E. 4.4.3, VGE 22299 vom 17. November 2006, E. 5.7.2, VGE 22095/22101/22102 vom 24. Oktober 2006 E. 4.7.3.
8
Servicebereich der Antenne ist 0.94 m lang und hat einen Durchmesser von 28 cm. Seitlich
am Antennenmast ist auf der Höhe von 16.70 m eine Telepage-Antenne (TPS)
vorgesehen. Sie besteht aus einem 41 cm langen rohrförmigen Rundstrahler und wird mit
drei ca. 62 cm langen feingliedrigen Gegengewichtsstäben stabilisiert. Der Antennenmast
verfügt über eine Steigleiter, die nach dem Antennenmontageplan bis unter die
Rohrantenne für den Mobilfunkdienst reicht. Für die Sendeanlagen des Mobilfunks und des
Telepage-Funkdienstes gelten nach der NISV unterschiedliche Anlagegrenzwerte.12 Für die
Berechnung der Immissionsprognose müssen daher separate Standortdatenblätter
ausgefüllt werden, auch wenn sich beide Sendeantennen auf dem gleichen Mast befinden.
c) Der Antennenstandort liegt im Zentrum des Dorfs Worb in der ZPP „Kerngebiet K1“
sowie im Ortsbildschutzgebiet. Im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz
(ISOS) ist Worb als verstädtertes Dorf von regionaler Bedeutung eingestuft. Die
Bauparzelle befindet sich rund 100 m südöstlich des Bahnhofs und unmittelbar östlich der
im Bauinventar der Einwohnergemeinde Worb aufgenommenen Baugruppe D. Im Norden
und Osten der Bauparzelle verläuft die F._strasse, an der verschiedene Geschäfte
sowie ein Altersheim angesiedelt sind. Südlich vom geplanten Standort liegt in einer
Entfernung von ca. 100 m die E._ mit der Baugruppe E.
d) Zur Frage, wie sich die geplante Antenne auf das Ortsbild und die Baudenkmäler
auswirkt, hat die BVE die OLK beigezogen. Hinsichtlich der Frage, wie sich das
Bauvorhaben auf die Umgebung auswirkt, hat die OLK im Fachbericht vom 29. November
2011 Folgendes festgehalten: In Bezug auf die Umgebung sei bei Antenneneinrichtungen
neben der Detaillierung hauptsächlich die Höhe für eine angemessene Gesamtwirkung
massgebend. Gegenüber der ersten Projektfassung werde die neue Antenne von 25.80 m
auf 20 m reduziert und die Mastspitze sei einfacher und schlanker konstruiert. Die
Weitenwirkung, Dominanz und Wahrnehmung im Umfeld des erweiterten
Ortsbildschutzgebiets und der direkt angrenzenden Kernzone K1 werde dadurch markant
gebrochen. Bezüglich des öffentlichen Raumes, zu dem auch der Standort
G._strasse (Park Altersheim) und die D._ strasse mit der Baugruppe D
gehören, vermöge die um fast 6 m reduzierte Installation in Kombination mit ihrer Lage im
rückwärtigen Bereich, trotz der durchlässig offen strukturierten Bauweise, keine
ortsbildrelevante Störung mehr zu erzeugen. Sie überrage die Dächer der von der
12 Vgl. Anhang 1 Ziffer 6 und 7 der Verordnung des Bundesrates vom 23. Dezember 1999 über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV; SR 814.710)
9
öffentlichen Zentrumszone aus betrachteten davorliegenden Bauten nur geringfügig und
werde aus diesem Blickwinkel im Zusammenhang mit deren Dachinstallationen gelesen.
Der Abbruch der vier bestehenden, nur geringfügig niedrigeren Masten und die
Konzentration auf eine Installation am heutigen Infrastrukturbau würden optisch sogar zu
einer Verbesserung im rückwärtigen Grünbereich der Kernzone K1 führen. Aus Sicht des
Orts- und Landschaftsbildes stelle die geplante Anlage in der vorliegenden Form keine
ortsbildrelevante Beeinträchtigung dar. Die OLK empfiehlt, die Antennenanlage zu
bewilligen.
e) Die OLK charakterisiert den Ortskern von Worb, bedingt durch das Nebeneinander
von unterschiedlichen Baustilen aus verschiedenen Zeitepochen, als ein sehr heterogenes
Siedlungsbild. Sie beschreibt das nähere Umfeld des Antennenstandorts, das sich im
Perimeter des Ortsbildschutzgebiets befindet, als charaktervoll mit interessanten
Raumbildungen. Die gestalterischen Qualitäten der meisten Häusergruppen und deren
Zusammenspiel untereinander stuft sie zudem als hochwertig ein. In der Kernzone K1
treffe dies insbesondere auf die Häuserzeile mit den älteren Riegbauten (Baugruppe D)
entlang der D._ strasse und die gegenüberliegende Neuüberbauung zu.
f) Im Vergleich zum Vorprojekt aus dem Jahr 2005 ist der geplante Antennenmast um
5.80 m (von 25.80 m auf 20 m) verkürzt. Auf ausladende Sektorantennen an der
Mastspitze, wie sie bei der Antennenanlage am Rande des Zentrums von Worb eingesetzt
werden und beim Vorprojekt noch geplant waren13, wurde verzichtet. Die Breite der
Mastspitze wurde so von 89 cm auf 23 cm verkleinert.14 Als technische Aufbaute hebt sich
nur noch die schmale Telepage-Antenne vom Mast ab. Im Unterschied zur bestehenden
Mobilfunkantenne an der H._strasse sind auch keine wuchtigen
Richtfunkantennen vorgesehen. Die projektierte Antennenanlage weist damit eine deutlich
diskretere Gestaltung auf. Ihre Gestaltung lehnt sich denn auch an den vorbestehenden
Gestaltungselementen, wie beispielsweise den Kandelabern im öffentlichen Raum und den
bereits bestehenden Masten auf dem Dach des Gebäudes D._ strasse 5b, an.15
Die projektierte Antennenanlage unterscheidet sich somit massgeblich vom Vorprojekt aus
dem Jahr 2005 und der in Betrieb stehenden Mobilfunkanlage an der H._ strasse
13 Vgl. Fotos der Beilagen Nr. 6 und 7 der Stellungnahme vom 24. Oktober 2011 der Vorinstanz 14 Vgl. Antennenmontageplan vom 11. August 2005, pag. 129 der Beschwerdeakten RA Nr. 110/2006/80 und Antennenmontageplan vom 29. März 2009 der Beschwerdeakten RA Nr. 110/2011/132 15 Vgl. Foto der Beilage Nr. 2 der Stellungnahme vom 24. Oktober 2011 der Vorinstanz
10
am Rande des Dorfes Worb. Das zur Diskussion stehende Projekt ist auch nicht mit dem
Projekt der Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren RA Nr. 110/2011/9416
vergleichbar, das einen 26.18 m hohen freistehenden Antennenmast mit vier UMTS-
Antennenpanels und zwei Richtfunkantennen zum Gegenstand hatte.
g) Der Beurteilung der Einwohnergemeinde Worb, wonach die Antennenanlage von
verschiedenen Standorten aus als stark störendes, fremdes und dominantes Element
empfunden wird und deshalb den strengen Anforderungen an die Gestaltung innerhalb des
Ortsbildschutzgebiets nicht genügt, kann nicht gefolgt werden.
Vorliegend hat die Vorinstanz die angepasste Gestaltung der Antennenanlage, die sich klar
vom Vorprojekt und der bestehenden Mobilfunkanlage an der H._ strasse
unterscheidet (vgl. Erwägung 3f), bei der Beurteilung der Ortsbildverträglichkeit nicht oder
nur ungenügend gewürdigt. Auch führt sie nicht näher aus, von welchen Standorten aus
die geplante Antennenanlage als dominantes, fremdes und störendes Element empfunden
wird. Geht es wie hier um die Konkretisierung von unbestimmten Gesetzesbegriffen („gute
Gesamtwirkung“, „zur guten Gesamterscheinung des Ortsbildes beitragen“), hat die
Behörde ihre Ansicht sorgfältig zu begründen.17 Aus dem Protokollauszug vom 15. Juni
2011 der Planungskommission (Bericht Planungskommission Ästhetik vom 15. Juni 2011),
den die Vorinstanz zu Beweiszwecken einreichte, geht ebenfalls nicht näher hervor,
weshalb sich die angepasste Gestaltung des Bauvorhabens nicht gut einordnet und
weshalb die Umgebung beeinträchtigt wird. Dem Protokollauszug kann allerdings
entnommen werden, dass im Rahmen der Ortsplanungsrevision OP06+ die Aufnahme von
strengeren Bewilligungsanforderungen an Antennenanlagen in Ortsbildschutzgebieten
abgelehnt wurde. Die Vorinstanz hat sich zudem dem positiven Fachbericht der OLK weder
widersetzt noch hat sie sich dazu schriftlich vernehmen lassen. Die allgemeinen
Feststellungen und wenig substantiierten Äusserungen zur Ortsbildverträglichkeit lassen
somit kaum erkennen, welche Kriterien bei der Beurteilung der umstrittenen
Antennenanlage massgebend waren. Noch erlauben sie Rückschlüsse darauf, welche
Bedeutung die Gemeinde ihren kommunalen Vorschriften (Art. 12, 47 und 57 GBR)
grundsätzlich beimessen will. Mit ihren pauschalen Ausführungen vermag sie somit den
wirklichen Gehalt dieser Bestimmungen nicht klar aufzuzeigen. Dem ist bei der Auslegung
16 Siehe BDE vom 21. Dezember 2011, RA Nr. 110/2011/94 17 Pra 2003 Nr. 188; vgl. auch Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 10 N.8 mit weiteren Hinweisen
11
des kommunalen Rechts Rechnung zu tragen.18 Ferner sollen hier vier bestehende
Antennenmaste, wovon drei Maste eine Höhe von 17.70 m aufweisen, auf dem Dach der
Liegenschaft D._ strasse 5b abgebrochen und auf den geplanten Mast verlegt
werden. Dies führt gemäss dem OLK-Bericht optisch zu einer Verbesserung. Diesen
entscheidrelevanten Umstand hat die Vorinstanz bei der Beurteilung der
Ortsbildverträglichkeit ausser Acht gelassen.
Zu Recht hält die Vorinstanz zwar fest, die geplante Mobilfunkanlage überrage die
umliegenden Gebäude und sei von verschiedenen Standorten aus sichtbar. Dem ist aber
die Feststellung der OLK entgegenzuhalten, dass die Antennenanlage – von der
öffentlichen Zentrumszone aus betrachtet – die Dächer der davorliegenden Bauten nur
noch geringfügig überragt und aus diesem Blickwinkel im Zusammenhang mit deren
Dachinstallationen zu lesen ist. Die OLK hat die Wirkung der projektierten Antennenanlage
auch von der D._ strasse (mit der Baugruppe D) und der G._ strasse aus
geprüft. Diese Standorte waren bei der Beurteilung des Vorprojekts für das
Verwaltungsgericht besonders relevant.19 Dazu hat die OLK festgehalten, die um fast 6 m
reduzierte Installation in Kombination mit ihrer Lage im rückwärtigen Bereich vermöge, trotz
der durchlässig offen strukturierten Bauweise, keine ortsbildrelevante Störung mehr zu
erzeugen. Die von der Vorinstanz als Beweismittel eingereichten Fotos ändern an dieser
Beurteilung nichts. Nicht massgebend ist die Argumentation der Gemeinde, das Projekt
störe den Ausblick von einzelnen Vorgärten der Wohnhäuser im Gebiet D._
strasse/ F._ strasse/ E._ gasse stark. Die Sichtbarkeit der Antenne von
privaten Standorten aus, beispielsweise von Fenstern und Balkonen oder Vorgärten, mag
sich für die Anwohner im näheren Umfeld des Antennenstandortes zwar störend
auswirken. Die Aussicht, die man von einem privaten Gebäude oder Garten aus geniesst,
ist aber kein Gut, das durch Ästhetikvorschriften geschützt wird. Schutzobjekt des Ortsbild-
und Landschaftsschutzes ist der Aussenraum, soweit er von einem allgemein begangenen
Standort aus als Einheit wirkt und als solcher erfassbar ist. Massgebend ist also nur die
Beurteilung vom öffentlichen Raum aus.
h) Nach dem Gesagten steht fest, dass die Vorinstanz die Ortsbildverträglichkeit vom
öffentlichen Raum aus zusammen mit verschiedenen Baudenkmälern unzutreffend
beurteilt hat. Sie hat den Sachverhalt in entscheidwesentlichen Punkten nicht oder nicht
18 Vgl. dazu auch VGE 22990 vom 28. April 2008, E. 5.4.1 19 Vgl. VGE 22887 vom 21. August 2007, E. 5.6.2
12
vollständig abgeklärt sowie verschiedene Aspekte des Ortsbildschutzes nicht richtig
gewürdigt. Demgegenüber erweist sich die Würdigung der OLK als plausibel und
nachvollziehbar. Es besteht für die BVE kein Anlass, von dieser Fachmeinung
abzuweichen. Mit dem verkürzten Mast sowie der diskreten Gestaltung der Mastspitze wird
die Weitenwirkung, Dominanz und Wahrnehmung der Anlage im Umfeld des erweiterten
Ortsbildschutzgebietes und der direkt angrenzenden Kernzone K1 markant gebrochen. Die
Antenne überragt die Dächer der davorliegenden Bauten nur noch geringfügig und ist in
diesem Zusammenhang von der öffentlichen Zentrumszone aus als Dachinstallation zu
lesen. Sie tritt auch von den wichtigen Standorten aus nicht als störender Fremdkörper in
Erscheinung. Dass am Antennenmast eine Steigleiter vorgesehen ist, ändert an dieser
Beurteilung nichts. Auch bricht die geplante Anlage weder eine geschützte Silhouette noch
vermag sie den Horizont zu teilen. Im bereits heterogenen Ortsbild von Worb erzeugt sie
somit keine ortsbildrelevante Störung. Der Abbruch der vier bestehenden, nur geringfügig
niedrigeren Antennen und die Konzentration auf eine Installation, führen sogar zu einer
optisch besseren Situation. Sie trägt so zu einer guten Gesamterscheinung des Ortsbildes
im Sinn von Art. 57 GBR bei. Damit trägt die Beschwerdeführerin, anders als die
Vorinstanz meint, den strengen kommunalen Gestaltungsvorschriften für
Ortsbildschutzgebiete genügend Rechnung. Die Beschwerdeführerin hat denn auch die
geringen architektonischen Gestaltungsmöglichkeiten, die bei Mobilfunkantennen aufgrund
der technischen Gegebenheiten bestehen, ausgeschöpft. Unter diesen Umständen kann
nicht gesagt werden, die Anlage füge sich nicht in das Ortsbild im Sinn von Art. 12 GBR
ein. Ansonsten würde aus dieser kommunalen Ästhetiknorm ein flächendeckendes
Mobilfunk-Antennenverbot auf dem Gemeindegebiet von Worb resultieren, das
fernmelderechtlich problematisch wäre. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände
kann der ästhetischen Beurteilung der Vorinstanz nicht gefolgt werden; sie ist rechtlich
nicht haltbar. Die geplante Antenne ist mit den kantonalen (Art. 9 und Art. 10b BauG) und
kommunalen Ästhetikvorschriften (Art. 12, 47 und 57 GBR) vereinbar. Unter dem Aspekt
des Ortsbild- und Landschaftsschutzes ist die projektierte Antennenanlage
bewilligungsfähig.
4. Zusammenfassung
Das beco beurteilte die Anlage aus Sicht des Immissionsschutzes als bewilligungsfähig. Im
Baubewilligungsverfahren setzte es sich auch eingehend mit den Einspracherügen
13
auseinander, die die nicht ionisierende Strahlung (NIS) betrafen. In Kenntnis der Rügen
kam es zum Schluss, dass sich für das Vorhaben keine andere Beurteilung ergebe als im
Amtsbericht vom 23. Juni 2011 festgehalten. Das Baugesuch entspricht somit den
massgeblichen Vorschriften und hält auch die umweltrechtlichen Vorschriften ein. Daher ist
die Beschwerde gutzuheissen. Der Gesamtbauentscheid vom 19. August 2011 ist
aufzuheben und dem Vorhaben ist die Bewilligung zu erteilen.
5. Kosten
a) Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu verlegen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Der
Vorinstanz können gestützt auf Art. 108 Abs. 2 VRPG keine Verfahrenskosten auferlegt
werden. Daher trägt sie der Kanton.
b) Die Gemeinde Worb hat als unterliegende Partei der Beschwerdeführerin die
Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Parteivertreters der
Beschwerdeführerin in der Höhe von Fr. 3'796.20, einschliesslich Auslagen und
Mehrwertsteuer, gibt zu keinen Bemerkungen Anlass.
c) Als Baugesuchstellerin hat die Beschwerdeführerin die Kosten des erstinstanzlichen
Baubewilligungsverfahrens von Fr. 2’405.00 in jedem Fall zu tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD).
Für das Inkasso dieser Kosten bleibt die Baubewilligungsbehörde Worb zuständig.