Decision ID: c5c00bed-8674-598c-aafc-e406328f3cb1
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Amtsvormundschaft A._,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
S._ meldete sich am 29. Juli 2005 zum Bezug von IV-Leistungen (medizinische
Massnahmen, Rente) an. Sie gab an, sie habe drei 1993, 1994 und 1995 geborene
Kinder. Sie sei gelernte Köchin, gehe aber keiner Erwerbstätigkeit nach, sondern
betreue ihre Kinder und besorge den Haushalt. Die Klinik für orthopädische Chirurgie
des Kantonsspitals St. Gallen berichtete am 9. August 2005, es bestehe ein St. n.
Abtragung eines Fersensporns links bei Fussspornrezidiv. Man könne keine Angaben
zum aktuellen Zustand und zur Arbeitsfähigkeit der Versicherten machen. Die Klinik
Valens berichtete am 13. September 2005, die Versicherte leide an einem
generalisierten chronischen Schmerzsyndrom (Fuss- und Beinschmerzen links,
Leistenschmerzen/Hyperaesthesie rechts, in Verbindung mit psychischen Faktoren,
Verhaltensfaktoren und Kontextfaktoren) und an einem insulinpflichtigen Diabetes
mellitus Typ II. Anlässlich des stationären Aufenthalts vom 9. bis 29. November 2004
sei eine Arbeitsunfähigkeit für jede denkbare Erwerbstätigkeit attestiert worden, weil
die während der Therapie gezeigten Leistungen sehr gering gewesen seien. In ihrem
Austrittsbericht vom 9. Dezember 2004 hatten die Ärzte der Klinik Valens ausgeführt,
die Versicherte sei einem Schmerzbewältigungsprogramm VIBS unterzogen worden.
Diese multimodale Behandlung habe auf das Finden individuell optimal adaptierter
Verhaltensweisen trotz anhaltender Schmerzen abgezielt. Die Versicherte habe zwar
vor allem beim praktischen Arbeiten in der Küche sowie bei kreativen Tätigkeiten eine
gute Motivation gezeigt. Aber während sämtlichen Therapien habe sie keine Leistung
gezeigt, die auch nur einer Teilarbeitsfähigkeit entsprochen hätte. Dr. med. B._
berichtete der IV-Stelle am 30. September 2005, im Lauf der letzten Jahre sei es zu
immer wieder auftretenden Bandluxationen beider OSG gekommen. Nach mehreren
Operationen inklusive Fersenspornabtragung sei ein chronisches Schmerzsyndrom
aufgetreten. Die Versicherte könne nur noch mit Stöcken gehen. Gleichzeitig sei ein
schwer einstellbarer Diabetes mellitus aufgetreten. Die Versicherte klage über
Dauerschmerzen vor allem im Bereich der rechten Hüfte wegen Fehlverlagerung und
Fehlbelastung. Dr. med. B._ sah keine Möglichkeit einer Teilzeitbeschäftigung, da die
Versicherte sowohl im Sitzen als auch im Stehen Beschwerden habe. Er betrachtete
eine ganze Rente als gerechtfertigt.
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B.
Die IV-Stelle nahm am 6. April 2006 eine Haushaltabklärung vor. Im entsprechenden
Bericht hielt die Abklärungsperson fest, die Versicherte habe angegeben, sie wäre
bezogen auf das Alter der Kinder seit zwei Jahren zu 100% erwerbstätig, wenn die
entsprechenden gesundheitlichen Voraussetzungen gegeben wären. Sie erhalte von
ihrem geschiedenen Ehemann Unterhaltsleistungen für die beiden gemeinsamen
Kinder. Für sich selbst erhalte sie von ihm keine Leistungen. Sie sei voll auf die
Unterstützung durch das Sozialamt angewiesen. Bei der Ermittlung der
krankheitsbedingten Leistungseinschränkung im Haushalt ging die Abklärungsperson
davon aus, dass jedes der drei Kinder täglich eine Stunde bei der Küchenarbeit, bei der
Wohnungspflege und beim Einkauf helfen müsse. Dementsprechend resultierte trotz
der von der Versicherten angegebenen grossen behinderungsbedingten Einschränkung
nur eine Behinderung von 47,89%. Die Abklärungsperson hielt im Bericht nochmals
fest, dass die Versicherte gemäss ihren eigenen Angaben im Lauf der letzten Jahre
kontinuierlich in die Erwerbstätigkeit hätte einsteigen müssen, anfänglich mit einem
Teilpensum, seit zwei Jahren aufgrund des Alters der Kinder sehr wahrscheinlich mit
einem vollen Pensum. Der entsprechende Teil des Abklärungsberichts wurde mit
folgendem Satz abgeschlossen: "Wir legen uns auf einen Mittelwert zwischen 50-100,
also 75% Arbeitspensum fest". Dr. med. C._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
empfahl am 22. Mai 2006 eine polydisziplinäre Abklärung.
C.
C.a Das Ärztliche Begutachtungsinstitut ABI berichtete in seinem Gutachten vom
30. März 2007, bei der psychiatrischen Untersuchung habe die Versicherte über
körperliche Beschwerden, einerseits präzis im linken Fuss und in der rechten Leisten,
andererseits aber auch diffus vor allem im Rücken geklagt. Die Versicherte sei mit zwei
Gehstöcken in das Untersuchungszimmer gekommen. Während der ganzen
Untersuchung sei sie schräg in einer Schonhaltung auf der linken Hälfte des Gesässes
und abgestützt mit der linken Hand auf dem Stuhl gesessen, um sich Linderung von
ihren Leistenschmerzen zu verschaffen. Sie habe mit lebhafter Stimme gesprochen,
ihre Mimik und Gestik seien ausgeprägt gewesen. Die Stimmung sei vordergründig
ausgeglichen gewesen, aber hintergründig sei auch Trauer spürbar gewesen. Die
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Aufmerksamkeit, die Auffassung und das Gedächtnis seien nicht beeinträchtigt, das
Denken formal und inhaltlich unauffällig gewesen. Wahnhafte Störungen,
Sinnestäuschungen, Halluzinationen und Ich-Störungen seien nicht vorhanden
gewesen. Die subjektive Krankheitsüberzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, sei
durch die somatischen Befunde nicht vollständig objektivierbar, weshalb eine
psychische Überlagerung der geklagten Beschwerden angenommen werden müsse.
Diagnostisch handle es sich um eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Die
Versicherte sei durch die Ehe mit einem brutalen Mann psychisch stark belastet
gewesen. Dadurch seien auch die frühkindlichen Belastungen reaktiviert worden. Die
Belastungen seien stark genug gewesen, um sich in körperlichen Symptomen
ausdrücken zu können. Die psychische Überlagerung der geklagten Beschwerden
könne auf dem Hintergrund einer emotionalen und psychosozialen Belastungssituation
gesehen werden. Die Versichere erhalte zwar eine antidepressive Medikation, aber sie
nehme das Remeron nur selten ein, wie der Medikamentenspiegel zeige. Eine
psychotherapeutische Behandlung erfolge nicht, weil die Versicherte die Schmerzen,
unter denen sie leide, nur auf körperliche Ursachen zurückführe. Aufgrund der
ausgeprägten subjektiven Krankheitsüberzeugung und der weitgehenden
Therapieresistenz der körperlich nicht begründbaren Schmerzen betrachtete der
psychiatrische Sachverständige eine Reintegration der Versicherten in den
Arbeitsprozess als sehr unwahrscheinlich. Aus psychiatrischer Sicht bestehe trotzdem
keine Arbeitsunfähigkeit. Die Diagnose der somatoformen Schmerzstörung habe zwar
Krankheitswert, aber es könne der Versicherten zugemutet werden, trotz der geklagten
Beschwerden in einer angepassten Tätigkeit ganztags und ohne Einschränkung zu
arbeiten. Die Selbsteinschätzung der Versicherten könne also durch die
psychiatrischen Befunde nicht objektiviert werden. Die Versicherte leide nicht unter
deutlich psychopathologischen Symptomen.
C.b Aus rheumatologischer Sicht wurde im ABI-Gutachten ausgeführt, es bestünden
seit Jahren chronische und therapieresistente Schmerzen im Bereich Sprunggelenk/
Calcaneus links. Zusätzlich klage die Versicherte seit Jahren über chronische
Leistenschmerzen rechts. Sie befinde sich in Behandlung in der Schmerzsprechstunde
des Kantonsspitals St. Gallen. Die zentral analgetische Schmerztherapie habe das
Beschwerdebild aber anamnestisch nur leicht positiv beeinflusst. Die Versicherte klage
unverändert über chronische, während 24 Std. anhaltende Schmerzen im Bereich des
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Calcaneus plantar links, so dass ihrer Meinung nach eine lokale Belastung, und sei es
auch nur beim normalen Stehen, nicht möglich sei. Die Gehfähigkeit an
Unterarmstützen sei deshalb gemäss den Angaben nur in ständiger Schonhaltung des
linken Fusses (permanente Spitzfussstellung) möglich. Daraus hätten sich ausgeprägte
Schmerzen im Bereich der Periglutealmuskulatur links mit deutlicher lokaler
Druckdolenz und einer intermittierenden lokalen Hyperaesthesie entwickelt. Zusätzlich
klage die Versicherte über chronische inguinale Schmerzen rechts bei St. n.
verschiedenen abdominellen Eingriffen. Beim Sitzen könne die Versicherte nach ihren
eigenen Angaben nur die linke Gesässhälfte belasten, da eine beidseitige Belastung zu
massiven Schmerzen im Bereich der Leiste und des rechten Unterbauchs führen
würde. Die Kompressionsfraktur auf der Höhe Th7 sei beschwerdefrei. Der
rheumatologische Sachverständige gelangte aufgrund der Untersuchungen zum
Schluss, dass die chronifizierte und therapieresistente Schmerzsymptomatik anhand
der detaillierten Akten, der früheren radiomorphologischen Untersuchungen und seiner
eigenen Untersuchungen nicht erklärt werden könne. Aus rein rheumatologischer Sicht
sei es der Versicherten zumutbar, leichte, mehrheitlich sitzende Tätigkeiten in
Wechselbelastung vollzeitlich auszuüben, wenn die Arbeitsposition regelmässig
gewechselt werden könne. Zwar sei die funktionelle Belastung nur des rechten Beins
bzw. die damit verbundene Einschränkung in der Gehfähigkeit somatisch nicht
erklärbar. Trotzdem sei es sinnvoll, längere Gehstrecken, das Treppensteigen und das
längere fixierte Sitzen (länger als 20-30 Min.) zu vermeiden. Die Klinik Valens habe zwar
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% für sämtliche Tätigkeiten angegeben, aber dem
entsprechenden Bericht könnten keine relevanten pathologischen Befunde des
Bewegungsapparates entnommen werden, welche die anhaltenden Schmerzen
erklären würden. Die Gesamtdiagnose lautete: chronisches generalisiertes
Schmerzsyndrom linke untere Extremität und chronische Periarthropathia coxae links,
ausserdem - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, insulinpflichtiger Diabetes mellitus Typ II, fortgesetzter
Nikotingebrauch, anamnestisch Asthma bronchiale, Polyallergie, V. a.
Reizdarmsyndrom, V. a. Sulcus nervus ulnaris-Syndrom und V. a. supprimiertes THS-
Syndrom (DD: subklinische Hyperthyreose). Auch aus der Gesamtschau aller
beteiligten medizinischen Fachrichtungen war davon auszugehen, dass die Versicherte
in einer der rheumatologischen Beeinträchtigung adaptierten Erwerbstätigkeit zu 100%
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arbeitsfähig war. Die anlässlich der Haushaltabklärung ermittelte Einschränkung von
25% wurde als plausibel betrachtet, weil dies in etwa dem Anteil der körperlich
mittelschweren bis schweren Haushaltarbeiten entspreche, die der Versicherten wegen
des chronischen Schmerzsyndroms nicht mehr zumutbar seien.
D.
Die IV-Stelle ermittelte den Invaliditätsgrad nach der so genannten gemischten
Methode, wobei sie von einem Erwerbsanteil von 75% ausging. Für den Haushaltteil
nahm die IV-Stelle eine anteilige Einschränkung von 6,25% (25% von 25%) an. Für den
Erwerbsteil ging sie von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit aus. Mit einem
Vorbescheid vom 13. Juni 2007 teilte sie der Versicherten mit, dass kein Anspruch auf
eine Invalidenrente bestehe. Die Versicherte wandte am 25. Juni 2007 ein, sie sei bei
allem guten Willen nicht in der Lage, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Sie werde
die Sache mit dem Hausarzt besprechen. Seit einem Jahr sei sie zudem beim
sozialpsychiatrischen Dienst in Beratung/Behandlung. Am 13. August 2007 machte die
Versicherte ergänzend geltend, ihr rechtes Bein sei taub. Oft könne sie sich vor
Schmerzen kaum bewegen. Die Liste ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen
wachse. Der Hausarzt könne dies dokumentieren. Auch der sozialpsychiatrische Dienst
gebe gern Auskunft über die psychische Belastung. Die IV-Stelle forderte bei der
sozialpsychiatrischen Beratungsstelle einen Bericht an. Am 19. Oktober 2007 erfuhr
sie, dass die Versicherte nur zweimal (am 7. März und am 5. Juli 2007) dort erschienen
war und deshalb gar nicht in Behandlung stand. Mit einer Verfügung vom 23. Oktober
2007 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab. Am gleichen Tag verfügte sie die
Abweisung des Gesuchs um medizinische Massnahmen.
E.
Die Versicherte erhob am 22. November 2007 - vertreten durch die Amtsvormund
schaft - Beschwerde gegen diese Abweisungsverfügung. Der Vertreter der Versicherten
machte geltend, die Liste der Krankheiten werde von verschiedenen Ärzten bestätigt.
Die behandelnden Ärzte könnten den Entscheid nicht nachvollziehen. Vom 15. Oktober
bis 2. November 2007 habe sich die Versicherte zur Schmerztherapie im Spital Flawil
aufgehalten. Ausserdem sei sie bei der sozialpsychiatrischen Beratungsstelle in
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Behandlung. Hypochondrie sei heute eine anerkannte Krankheit. Im beigelegten
Bericht vom 8. November 2007 hatte das Spital Flawil ausgeführt, es liege eine
langdauernde Schmerzstörung vor. Der Hauptschwerpunkt der Beschwerden liege im
psychosozialen Bereich. Deshalb sei eine Behandlung beim sozialpsychiatrischen
Dienst in die Wege geleitet worden. Insgesamt habe die Versicherte von der
Hospitalisation im Sinne eines Time-out profitiert.
F.
Dr. med. C._ vom RAD wies am 5. Dezember 2007 darauf hin, dass der Bericht des
Spitals Flawil die diagnostische Einschätzung der Sachverständigen des ABI praktisch
vollumfänglich bestätigt habe. Die IV-Stelle beantragte am 20. Dezember 2007 die
Abweisung der Beschwerde. Sie machte geltend, die Versicherte sei für sämtliche
leichten, mehrheitlich sitzend auszuübenden beruflichen Tätigkeiten in Wechselhaltung
ohne längere Gehstrecken, ohne Treppensteigen und ohne längeres fixiertes Sitzen voll
arbeitsfähig. Ob die Einschränkung im Haushalt 25% oder 48% betrage, sei ohne
Belang.
G.
Der Vertreter der Versicherten wandte am 23. Januar 2008 ein, er wisse schlicht nicht,
wo es auf dem freien Arbeitsmarkt einen Arbeitsplatz gebe, an dem mehrheitlich
sitzende Tätigkeiten ohne längeres fixiertes Sitzen ausgeübt werden könnten. Er könne
zudem nicht nachvollziehen, wie die Einschränkung im Haushalt in der Arbeitswelt
ausgeschlossen werden könne. Die Kinder dürften nicht als Unterstützung der Eltern
eingesetzt werden. Abschliessend verwies er nochmals auf die grosse Diskrepanz
zwischen den Berichten anderer Ärzte und dem Gutachten des ABI.
H.
Die IV-Stelle verzichtete am 4. Februar 2008 auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
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Die Beschwerdeführerin hat mit der Beschwerde nicht nur die Verfügung vom 23.
Oktober 2007 betreffend Invalidenrente, sondern auch die Verfügung vom gleichen Tag
betreffend medizinische Massnahmen eingereicht. In der Beschwerdeschrift vom
22. November 2007 hat sie zwar nicht ausdrücklich allein auf die Abweisung des
Rentengesuchs Bezug genommen, aber es ist dort nur von einer Ablehnungsverfügung
und nicht von zwei Ablehnungsverfügungen die Rede. Auch nach dem Studium der
Beschwerdeantwort vom 20. Dezember 2007, die sich eindeutig nur auf die Frage nach
einem allfälligen Rentenanspruch beschränkt hat, ist von Seiten der
Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht worden, dass auch ein Anspruch auf
medizinische Massnahmen strittig sei. Das muss so interpretiert werden, dass die
Beschwerdeführerin nur die Abweisung ihres Rentengesuchs hat anfechten wollen. Die
Verfügung vom 23. Oktober 2007 betreffend die Verweigerung medizinischer
Massnahmen ist deshalb unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens bildet nur ein möglicher Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin.
2.
2.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG (in der hier massgebenden, bis 31. Dezember 2007
geltenden Fassung) i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten im Sinne von
Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird hingegen für
die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine Behinderung
besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28 Abs. 2 IVG in der
hier massgebenden, bis 31. Dez. 2007 geltenden Fassung). Als Aufgabenbereich der
im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter anderem die übliche Tätigkeit im
Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV). Bei einer versicherten Person,
die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die Invalidität diesbezüglich nach Art. 16 ATSG
festgelegt. Wäre die versicherte Person daneben in einem Aufgabenbereich tätig, so
wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der bis 31. Dez.
2007 geltenden Fassung) festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der
Erwerbstätigkeit und der Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der
Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen
(Art. 28 Abs. 2 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung). Diese
bis
bis
ter
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Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte Methode bezeichnet.
Laut Art. 27 IVV ist nur der Einkommensvergleich anzustellen, wenn anzunehmen ist,
dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne den
Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre. In ständiger Praxis prüft das
Bundesgericht die Frage, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte
Person auch ohne den Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, anhand
einer hypothetischen Verhaltensweise der versicherten Person. Nach der Ansicht des
Bundesgerichts ist dazu abzuklären, ob die versicherte Person ohne den
Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die gesamten Umstände (persönlicher,
familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig
wäre. Dabei sollen die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung
einer Erwerbstätigkeit, allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der
versicherten Person und deren berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen
massgebend sein. Abzustellen sei auf die hypothetischen Verhältnisse in tatsächlicher
Hinsicht, wie sie sich bis zum massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben würden (vgl.
etwa BGE 125 V 150). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen teilt diese
Auffassung nach wie vor nicht. Es ist nach wie vor der Auffassung, dass Art. 8 Abs. 3
ATSG eine Invaliditätsbemessung anhand der behinderungsbedingten Einschränkung
im Aufgabenbereich (Haushalt) nur zulasse, wenn und soweit der versicherten Person
die Ausübung einer Erwerbstätigkeit im hypothetischen Gesundheitsfall objektiv nicht
zumutbar sei (vgl. etwa die Urteile vom 22. Januar 2007, IV 2006/60, Erw. 1b, vom 30.
November 2007, IV 2006/175, Erw. 1b und c, und insbesondere die
Auseinandersetzung mit BGE 133 V 504 ff. und dem Bundesgerichtsurteil 9C_15/2007,
Erw. 6.3 im Urteil vom 11. Dezember 2008, IV 2007/323). Nun ist aber nicht damit zu
rechnen, dass das Bundesgericht seine Praxis aufgeben wird. Unter diesen Umständen
bleibt dem Versicherungsgericht nichts anderes übrig, als im vorliegenden Fall die
bundesgerichtliche Praxis zur Anwendung zu bringen. Immerhin ist doch festzustellen,
dass es der Beschwerdeführerin objektiv betrachtet angesichts des Alters der Kinder
zumutbar wäre, einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachzugehen.
2.2 Es ist also in Anwendung der bundesgerichtlichen Praxis zu untersuchen, ob die
Beschwerdeführerin ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf ihre gesamten
Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im
Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sind die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme
bis
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oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, die Erziehungs- und Betreuungsaufgabe,
das Alter der Beschwerdeführerin und deren berufliche Fähigkeiten, Neigungen und
Begabungen massgebend. Gemäss der Ziffer 2e des Berichts über die
Haushaltabklärung vom 6. April 2006 hat die Beschwerdeführerin angegeben, bezogen
auf das Alter der Kinder würde sie seit zwei Jahren mit einem Vollpensum arbeiten,
wenn die gesundheitlichen Voraussetzungen gegeben wären. Gemäss der Ziffer 7
dieses Berichts hat die Beschwerdeführerin diese Aussage sogar wiederholt. Sie hat
ergänzend darauf hingewiesen, dass sie im Lauf der letzten Jahre kontinuierlich in die
Erwerbstätigkeit hätte einsteigen müssen, seit rund zwei Jahren sehr wahrscheinlich
mit vollem Pensum. Warum die Beschwerdeführerin und die Abklärungsperson der
Beschwerdegegnerin sich schliesslich auf eine Erwerbsquote im hypothetischen
"Gesundheitsfall" von 75% als Mittelwert zwischen 50% und 100% sollten festgelegt
haben, wird im Abklärungsbericht nicht erklärt und ist auch nicht nachvollziehbar. In
diesem Bericht sind weder die der Beschwerdeführerin gestellten Fragen noch die
Antworten vollständig und korrekt protokolliert worden. Immerhin hat sich die
Wiedergabe der Angaben der Beschwerdeführerin nicht wie sonst üblich auf den Satz
beschränkt, die versicherte Person wäre ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung im
Ausmass von x% erwerbstätig. Die Beschwerdeführerin hätte den Zeitpunkt der
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit vom Alter und damit vom Betreuungsbedarf der
Kinder abhängig gemacht und sie wäre bereit gewesen, jede Art von Erwerbstätigkeit
auszuüben, also nicht nur ihrem Beruf als Köchin nachzugehen. Diese Angaben lassen
darauf schliessen, dass die Beschwerdeführerin die erforderliche Abstraktionsleistung
hat erbringen und sich in die fiktive Situation ohne Gesundheitsbeeinträchtigung hat
hineinversetzen können, um so eine überzeugende Antwort geben zu können. Es ist
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin mit den Unterhaltsleistungen ihres
geschiedenen Ehemannes für die beiden gemeinsamen Kinder nicht über genügend
Einkünfte verfügt hätte, um den Lebensunterhalt der vierköpfigen Familie mit einer
Teilzeitbeschäftigung bestreiten zu können. Um einen Bedarf nach Sozialhilfeleistungen
zu vermeiden, wäre sie also im hypothetischen "Gesundheitsfall" gezwungen gewesen,
eine Vollzeitstelle anzutreten, sobald die Kinder alt genug waren, um tagsüber auf sich
allein gestellt zu sein. Die Auskunft der Beschwerdeführerin vom 6. April 2006, sie wäre
im hypothetischen "Gesundheitsfall" seit rund zwei Jahren vollerwerbstätig, ist deshalb
glaubhaft. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann deshalb nicht von
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einer Erwerbsquote von 75% ausgegangen werden. Die Invalidität der
Beschwerdeführerin ist somit nicht anhand der sogenannten gemischten Methode,
sondern anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu ermitteln.
3.
3.1 Der Grad der für den Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (Valideneinkommen). Ausschlaggebendes Element des Einkommensvergleiches
ist in aller Regel der Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit, da er die Höhe des
zumutbaren Invalideneinkommens - und damit im Ergebnis den Invaliditätsgrad -
massgeblich beeinflusst. Die Klinik Valens hat in ihrem Bericht vom 9. Dezember 2004
über den Rehabilitationsaufenthalt der Beschwerdeführerin vom 9. bis 29. November
2004 (integriertes Schmerzmanagementprogramm mit psychologisch-psychiatrischer
Betreuung) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Arten von
Erwerbstätigkeiten angegeben. Sie hat eine selbstverantwortliche Umsetzung der
eingeübten Verhaltensweisen und eine Weiterführung der analgetischen Therapie und
der Einnahme von Remeron empfohlen, aber sie hat nicht darauf hingewiesen, dass mit
einer Verbesserung zu rechnen sei, was als schlechte Prognose interpretiert werden
muss. Begründet hat die Klinik Valens ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung mit der Leistung
der Beschwerdeführerin während den verschiedenen Therapien. Obwohl die
Beschwerdeführerin vor allen bei praktischen Tätigkeiten in der Küche und bei
kreativen Arbeiten eine gute Motivation gezeigt hatte, war die Arbeitsleistung doch nie
so gewesen, dass sie auch nur einer Teilerwerbstätigkeit entsprochen hätte. Der
Schwerpunkt der psychologischen Betreuung hatte angesichts der unzähligen
körperlichen und seelischen Traumatisierungen darin bestanden, der
Beschwerdeführerin eine Struktur und einen Rahmen für ein Gefühl der Sicherheit zu
bieten. Dabei war das Ausloten der Möglichkeiten und Grenzen der Erfüllung
vorgegebener Aufgaben trotz Schmerzen gefördert worden. Die Ärzte der Klinik Valens
haben keine eigentlichen psychiatrischen Diagnosen gestellt. Auch Dr. med. B._ hat
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am 30. September 2005 ausschliesslich somatische Diagnosen angegeben. Seiner
Auffassung nach hatten diese somatischen Diagnosen die geklagten Beschwerden und
auch die vollständige Arbeitsunfähigkeit erklärt.
3.2 Demgegenüber hat der rheumatologische Sachverständige des ABI zwar auch die
Diagnose eines chronischen generalisierten Schmerzsyndroms gestellt, aber er hat die
von der Beschwerdeführerin geschilderte chronische und völlig therapieresistente
Schmerzsymptomatik aufgrund seiner Untersuchungsbefunde nicht erklären können.
Er hat diese Befunde so interpretiert, dass aus rheumatologischer Sicht für eine
adaptierte Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe. Aus der vom
rheumatologischen Sachverständigen angegebenen grossen Abweichung zwischen
der subjektiven Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin und dem Fehlen einer
objektiven somatischen Ursache hat der psychiatrische Sachverständige des ABI dann
notgedrungen auf eine somatoforme Schmerzstörung schliessen müssen. Diese
Diagnose findet sich weder im Austrittsbericht der Klinik Valens noch im Bericht von Dr.
med. B._. Die extreme Differenz in den Arbeitsfähigkeitsschätzungen scheint darauf
zurückzuführen zu sein, dass die Klinik Valens die Zumutbarkeit einer
Willensanstrengung zur Überwindung der durch die subjektiv erhebliche
Schmerzempfindung bewirkte vollständige Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung verneint
hat, während der rheumatologische Sachverständige des ABI die Zumutbarkeit einer
solchen Willensanstrengung vollumfänglich bejaht hat. Zwar hat er sich dabei auf das
als eindeutig dargestellte Ergebnis seiner klinischen Untersuchung gestützt. Aber dem
steht entgegen, dass die Ärzte der Klinik Valens anlässlich der dreiwöchigen
Rehabilitation sicherlich dieselben klinischen Untersuchungen vorgenommen haben,
aber offenbar nicht zum gleichen Ergebnis wie der rheumatologische Sachverständige
gelangt sind. Erfahrungsgemäss fliesst in die Arbeitsfähigkeitsschätzungen
behandelnder Ärzte oft ein therapeutisches und/oder ein subjektives Moment ein. Die
Arbeitsunfähigkeit wird als therapeutisches oder zumindest als therapieförderndes
Instrument eingesetzt, d.h. dem Patienten soll durch die mit der Arbeitsunfähigkeit
bewirkte Schonmöglichkeit die Ruhe geboten werden, die für eine Heilung nötig oder
förderlich ist. Da behandelnde Ärzte zudem meist lange Zeit intensiv der äusserst
pessimistischen Selbsteinschätzung ihrer Patienten ausgesetzt gewesen sind, neigen
sie dazu, diese Einschätzung als objektiv gerechtfertigt zu betrachten, zumal sie meist
durch die Erfolglosigkeit der Behandlung bestätigt zu sein scheint. All dies dürfte auch
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für die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik Valens bzw. auf die Einschätzung der zur
Überwindung der Schmerzen und der subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung
notwendigen Willenskraft zutreffen. Und doch spricht die dreiwöchige intensive
Behandlung bzw. die dabei möglich gewesene intensive Beobachtung der
Beschwerdeführerin gegen eine allzu stark therapeutisch und/oder subjektiv gefärbte
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die Klinik Valens. Die Erklärung des
rheumatologischen Sachverständigen des ABI für die Abweichung in den
Arbeitsfähigkeitsschätzungen, die darin besteht, dass die Klinik Valens wohl die
vollständige Arbeitsunfähigkeit mehrheitlich unter Berücksichtigung der
psychosomatischen Problematik attestiert haben dürfte, ist nicht sehr plausibel, weil
dies im Austrittsbericht der Klinik Valens erwähnt worden wäre. Deshalb muss die
diametral andere Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik Valens so starke Zweifel an der
Richtigkeit des ABI-Gutachtens wecken, dass letzteres nicht ausreicht, um eine
Arbeitsfähigkeit von 100% in einer adaptierten Erwerbstätigkeit mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Natürlich erreicht auch
die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik Valens nicht das Beweismass der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Damit erweist sich der Sachverhalt als
unzureichend abgeklärt. Die angefochtene Verfügung ist demnach in Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes ergangen und deshalb als rechtswidrig aufzuheben. Die
Beschwerdegegnerin wird ihre Sachverhaltskenntnis durch eine erneute Begutachtung
unter Einbezug aller tangierten medizinischen Fachgebiete zu vervollständigen haben.
Anschliessend wird sie neu über das Rentengesuch der Beschwerdeführerin verfügen.
4.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die angefochtene Verfügung aufzuheben
und die Sache ist zur weiteren Abklärung insbesondere des Arbeitsfähigkeitsgrades an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Praxisgemäss ist dies als vollumfängliches
Unterliegende der Beschwerdegegnerin zu qualifizieren. Somit trägt die
Beschwerdegegnerin die gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu erhebenden Kosten des
Beschwerdeverfahrens. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr. 1000.- festgelegt. Das
Beschwerdeverfahren hat einen durchschnittlichen Aufwand verursacht. Deshalb ist die
Gerichtsgebühr praxisgemäss auf Fr. 600.- festzusetzen.
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht