Decision ID: b71a2124-cbc0-5396-8e03-c86e078a2d3a
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch B._,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Hilfsmittel (Duschrollstuhl im Heim)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ leidet an einer Muskeldystrophie vom Typ Duchenne. Er lebt und arbeitet im
C._ Heim.
A.b Am 13. August 2010 liess der Versicherte einen Duschrollstuhl mit zwei
Kopfstützen und einem Brustgurt beantragen. Am 4. Oktober 2010 empfahl die
Schweizerische Arbeitsstelle für Hilfsmittelberatung (SAHB) die volle Kostenübernahme
von Fr. 2’418.85 für den Duschrollstuhl für den Versicherten (für den Gebrauch im
C._ Heim) und die Anpassung des vorhandenen Duschrollstuhls – zweite Kopfstütze
– des Bruders des Versicherten, der an derselben Krankheit leidet, (für den Gebrauch
zuhause) durch die IV-Stelle (IV-act. 426).
A.c Mit Verfügung vom 9. November 2010 wies die IV-Stelle das Hilfsmittelgesuch
nach Durchführung des Vorbescheidsverfahrens ab. Nachdem der Versicherte
dagegen am 1. Dezember 2010 Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen hatte erheben lassen, wurde die erwähnte Verfügung mit Entscheid
IV 2010/470 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Mai 2011
aufgehoben; die Sache wurde an die IV-Stelle zur Durchführung weiterer Abklärungen
und anschliessender Neuverfügung sowie zur Vergütung der Kosten einer Kopfstütze
zurückgewiesen (vgl. IV-act. 459).
B.
B.a Am 31. Mai 2011 beauftragte die IV-Stelle die SAHB mit einer Abklärung im C._
Heim (IV-act. 463). Die SAHB erstattete am 15. September 2011 einen entsprechenden
Abklärungsbericht. In diesem wurde unter anderem festgehalten, das Heim sei für
Patienten mit einer Muskeldystrophie vom Typ Duchenne ausgelegt und verfüge über
eine entsprechende, hochtechnisierte Infrastruktur, unter anderem mit
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Duschrollstühlen, doch seien die Anforderungen an die Duschrollstühle von Bewohner
zu Bewohner unterschiedlich, sodass die vom Heim zur Verfügung gestellten
Duschrollstühle nur auf Zeit von verschiedenen Bewohnern gemeinsam benutzt werden
könnten (IV-act. 469).
B.b Mit Vorbescheid vom 7. Oktober 2011 teilte die IV-Stelle mit, dass die Abweisung
des Hilfsmittelgesuchs vorgesehen sei (IV-act. 471).
B.c Dagegen liess der Versicherte am 30. Oktober 2011 Einwand erheben, die Ver
gütung der Kopfstütze gemäss Entscheid IV 2010/470 des Versicherungsgerichts vom
11. Mai 2011 und die Zustellung des SAHB-Berichts vom 15. September 2011
beantragen (IV-act. 475).
B.d Am 22. November 2011 teilte die IV-Stelle mit, dass die Kosten der Kopfstütze
vergütet würden (IV-act. 477).
B.e Am 27. November 2011 liess der Versicherte seinen Einwand ergänzen. Der
vorgesehene Entscheid berücksichtige wesentliche Teile der fachtechnischen
Beurteilung der SAHB nicht; ausserdem sei nicht die Übernahme der Kosten eines
Duschrollstuhls beantragt worden, sondern jener eines WC-/Duschrollstuhls (IV-
act. 478).
B.f Am 1. Dezember 2011 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid vom 7. Oktober
2011 (IV-act. 480).
C.
C.a Dagegen richtet sich die am 12. Dezember 2011 (Postaufgabe) erhobene
Beschwerde, mit der die Übernahme der Kosten für einen WC-/Duschrollstuhl
beantragt und zur Begründung im Wesentlichen ausgeführt wird, gemäss SAHB-
Bericht genügten die vom Heim zur Verfügung gestellten Duschrollstühle nicht; der
Bericht erstattende Experte habe dies telefonisch am 8. Dezember 2011 gegenüber
dem Vater des Beschwerdeführers bestätigt (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin schliesst unter Verweis auf die angefochtene Verfügung
auf Abweisung der Beschwerde (Beschwerdeantwort vom 9. Februar 2012; act. G 4).
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C.c Mit Replik vom 23. Februar 2012 liess der Beschwerdeführer an seinem Antrag
festhalten (act. G 6).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete sinngemäss auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten für einen WC-/Duschrollstuhl für
den Beschwerdeführer zu übernehmen hat. Diese Frage bildete bereits Gegenstand
eines früheren Beschwerdeverfahrens, das mit Entscheid IV 2010/470 vom 11. Mai
2011 abgeschlossen wurde. In besagtem Entscheid wurde ausgeführt, dass der
Anspruch auf einen WC-/Duschrollstuhl grundsätzlich ausgewiesen sei, sich aber mit
Blick auf den Verhältnismässigkeitsgrundsatz die Frage stelle, ob das entsprechende
Hilfsmittel als notwendiger Bestandteil der Einrichtung des Heims, in dem der
Beschwerdeführer lebt, zu qualifizieren sei, oder ob der Beschwerdeführer Anspruch
auf einen eigenen WC-/ Duschrollstuhl habe. Da die damaligen Aktenlage die
zuverlässige Beantwortung dieser Frage nicht erlaubte, wurde die Angelegenheit zu
weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, die ihrer Pflicht mit
der Einholung des fachtechnischen Berichts der SAHB vom 15. September 2011
nachgekommen ist. Besagter Bericht erlaubt nämlich die definitive Beurteilung dieser
Angelegenheit, wie aus nachfolgender Erwägung hervorgeht.
2.
2.1 Der Bericht der SAHB enthält zunächst eine detaillierte Beschreibung der den
Bewohnern des C._ Heims zur Verfügung stehenden Einrichtung bzw. Hilfsmittel: Die
Einrichtung sei hochtechnisiert und auf die Bedürfnisse von Personen mit einer
Muskeldystrophie vom Typ Duchenne zugeschnitten; jedem Bewohner stehe unter
anderem eine befahrbare Dusche, ein unterfahrbares Lavabo, ein mit einem
Duschrollstuhl überfahrbarer Closomat mit Haltegriffen auf beiden Seiten, ein
Pflegebett und ein Deckenschienenlift vom Bett bis über den Closomat zur Verfügung.
Pro Wohngruppe (zehn bzw. zwölf Bewohner) stehe ein bezüglich Sitzbreite, Sitztiefe
und Rückenhöhe genormter Duschrollstuhl mit einer Universal-Kopfstütze und
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Fersenbändern zur Verfügung. Ausserdem sei eine spezielle Behinderten-Badewanne
vorhanden. Sodann wird im Bericht eingehend auf die Frage eingegangen, ob diese
Hilfsmittel unter Berücksichtigung des besonderen Krankheitsbildes für die
Körperpflege der Heimbewohner ausreichen. Diesbezüglich wird festgehalten, dass
gewöhnliche Rollstühle über den gesamten Krankheitsverlauf gesehen grundsätzlich
nicht ausreichen würden, da durch den individuellen Krankheitsverlauf individuelle
Anpassungen notwendig seien; gleicherweise passe nicht jede Kopfstütze für jede
Person. Mehrere Bewohner könnten deshalb zwar unter Umständen einen
Duschrollstuhl gemeinsam nutzen, doch könnten „Einheits-Duschrollstühle“ nicht für
alle Bewohner eingesetzt werden, und zwar einerseits, weil diese unterschiedlich gross
und schwer seien, und andererseits, weil über kurz oder lang aufgrund des jeweiligen
Krankheitsverlaufs individuelle Anpassungen notwendig würden. Mit der
Deckenschiene könnten die Bewohner sodann nicht zur Dusche transportiert werden.
Die Badewanne werde selten benutzt, da die Bewohner lieber duschen würden (vgl. IV-
act. 469). Der Vater des Beschwerdeführers wies ergänzend darauf hin, dass zur
Verrichtung der Notdurft der über dem WC installierte Deckenlift nicht eingesetzt
werden könne (vgl. act. G 6).
2.2 Zusammenfassend ist mithin davon auszugehen, dass die gemeinsame
Benutzung von Duschrollstühlen aufgrund der verschiedenen anatomischen
Gegebenheiten und Erfordernisse teilweise gar nicht oder aufgrund des individuellen
Verlaufs der Krankheit lediglich für begrenzte Zeit möglich ist. Offensichtlich benötigt
jeder Heimbewohner einen auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen WC-/
Duschrollstuhl; selbst die auf die spezifischen Bedürfnisse der Bewohner mit einer
Muskeldystrophie vom Typ Duchenne zugeschnittenen Einrichtungen und Hilfsmittel
des C._ Heims genügen nicht in jedem Fall als Ersatz für einen individuellen WC-/
Duschrollstuhl, zumindest nicht längerfristig. Da der WC-/Duschrollstuhl auch zur
Verrichtung der Notdurft benötigt wird, entsprechend häufig zum Einsatz gelangt und
auf jeden Bewohner individuell abgestimmt werden muss, kann nicht vorausgesetzt
werden, dass das Heim dem Beschwerdeführer (und jedem anderen Bewohner) einen
auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen, eigenen WC-/Duschrollstuhl zur
Verfügung stellt. Vielmehr erscheint es angebracht dem Beschwerdeführer persönlich
einen angepassten WC-/Duschrollstuhl abzugeben. Da, wie erwähnt, die übrigen
Voraussetzungen für die Abgabe dieses Hilfsmittels erfüllt sind, ist die abweisende
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Verfügung in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und dem Hilfsmittelgesuch zu
entsprechen.
2.3 Der WC-/Duschrollstuhl ist als Hilfsmittel im Sinne von Ziff. 14.01 des Anhangs
zur Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI;
SR 831.232.51) zu qualifizieren. Gemäss besagter Bestimmung erfolgt die Abgabe
leihweise und nicht zu Eigentum. Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer den WC-/Duschrollstuhl leihweise zur Verfügung zu stellen bzw.
einen bereits angeschafften WC-/Duschrollstuhl angemessen zu vergüten und zum
Gebrauch zu überlassen.
3.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die gemäss Art. 69
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) zu
verlegenden und angesichts des durchschnittlichen Aufwands auf Fr. 600.--
festzusetzenden Gerichtskosten zu bezahlen; dem Beschwerdeführer wird der von ihm
geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht