Decision ID: 66c00483-a192-4466-900a-a6e43935906e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1953 geborene
X._
war bei der
Y._
angestellt und dadurch bei der
BVG-Sammelstiftung Swiss Life
(Swiss Life)
berufsvorsorgeversichert. Die
Y._
kündigte das Arbeitsverhältnis mit
X._
per 3
1.
Oktober 201
9.
X._
gründete seine eigene Firma
, die
Z._
(
Urk.
8/9)
,
und schloss sich zur Durch
führung der beruflichen Vorsorge per
1.
November 2019 der PK-AETAS
, BVG Sammelstiftung (PK-AETAS)
an
(
Urk.
2/2)
.
Die
Swiss Life
hatte
X._
am 2
2.
Oktober 2019 «Informationen zur Pensionierung per 01.11.2019» zugestellt
(
Urk.
2/1
)
.
X._
ersuchte daraufhin die
Swiss Life
, seine Freizügigkeitsleistung an
d
ie PK-AETAS zu über
weisen. Dies wurde von der
Swiss Life
abgelehnt, da der Vorsorgefall Alter eingetreten sei, womit keine Freiz
ügigkeitsleistung fällig werde (
Urk.
2/3).
2.
Mit Eing
abe vom 2
2.
April 2020 (
Urk.
1)
erhob
X._
Klage gegen die
Swiss Life
und beantragte, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm eine Freizügig
keitsleistung auszurichten. Die Beklagte beantragte mit Klageantwort vom 2
8.
August 2020
, die Klage sei vollumfänglich abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Klägers
(
Urk.
7). Der Kläger hielt in der Folge mit Replik vom 1
1.
September 2020 (
Urk.
11)
ebenso an seinen Anträgen fest wie die Beklage mit Duplik vom 2
0.
Oktober 2020 (
Urk.
15). Die Duplik wurde dem Kläger mit Verfügung vom 2
8.
Oktober 2020 zur Kenntnisnahme zugestellt.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Kläger erklärte zur Begründung seiner Klage im Wesentlichen
(
Urk.
1)
, gemäss
Art.
2
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit in
der beruflichen Alters
, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (FZG)
werde eine Freizügigkeits
leistung fällig, wenn ein Vorsorgefall eintrete. Weder im Reglement der Beklagten noch im Gesetz
sei
g
eregelt, wie es si
ch verhalt
e
, wenn eine versicherte Person währen
d
einer aufgeschobenen Pensionierung austrete und
den Vorsorgeschutz bei einer neuen
Pensionskasse
aufrechterhalte
.
Seines Erachtens müsse in diesem
Fall eine Freizügigkeitsleistung fällig werden, da es andernfalls zu stossenden Ergebnissen kommen könne. Eine
s
davon wäre, dass bei einem Wechsel der Pensionskasse die aufgeschobene Pensionier
ung zum Vorsorgefall Alter führ
en würde, was nicht der Fall wäre, wenn kein Wechsel stattfinden würde. Ebenfalls für die Auszahlung der Freizügigkeitsleistung spreche, dass gemäss
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG eine Freizügigkeitsleistung vom frühestmöglichen Rentenalter bis zum reglementarischen Rentenalter beansprucht werden könne.
Dieser Artikel sei unter anderem eingeführt worden, weil
es stossend gewesen sei, wenn eine ver
sicherte Person weitergearbeitet habe, jedoch - wie es gewisse Pensionskassen vor der Einführung dieses Artikels vorgesehen hätten
- der Vorsorgefall Alter einge
treten sei und e
ine Rente oder das Kapital habe
bezog
en werden müssen.
A
naloges gelte
auch im Rahmen des Aufschubs der Pensionierung.
1.2
Die Beklagte
wendete
mit Klageantwort vom 2
8.
August 2020
im Wesentlichen
ein
(
Urk.
7),
gemäss dem für das Vorsorgewerk der
Y._
anwendbaren Vorsor
geplan betrag
e
das ordentliche reglementarische Rentenalter für Frauen 64 und für Männer 65 Jahre, was dem gesetzlichen Rentenalter der ersten und zweiten Säule entspreche. Der Kläger habe im Zeitpunkt der Auflösung des Arbeitsver
hältnisses mit der
Y._
das ordentliche reglementarische Rentenalter erreicht beziehungsweise überschritten
gehabt
. E
rreiche die versicherte Person da
s regle
mentarische beziehungswei
se gesetzliche Rücktrittsalter, trete der Vorsorgefall «Alter» selbst dann ein, wenn die Erwerbstätigkeit beim bisherigen Arbeitgeber weitergeführt werde. Vorbehalten bleibe die «Weiterversicherung» nach
Art.
33b
des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
vorsorge (BVG)
, sofern das Reglement der Vorsorgeeinrichtung diese Möglichkeit vorsehe. Bestehe aufgrund des eingetreten Vorsorgefalls «Alter» Anspruch auf Altersleistungen, könne gemäss Gesetz (
Art.
2
Abs.
1 FZG) und Vorsorge
reglement keine Austrittsleistung mehr beanspruch
t
werden. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz bilde
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG.
Sofern die versicherte Person das ordentliche reglementarische Rentenalter bereits erreicht habe, könne
jedoch auch
gemäss
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG keine Austrittsleistung mehr ausgerichtet werden.
Es sei mit dem Kläger einig zu gehen, dass die vom Gesetzgeber getroffene Lösung im Einzelfall zu einem subjektiv unbefriedigend empfundenen Ergebnis führen könne. Dies gelte namentlich in denjenigen Fällen, in welchen ein Arbeitnehmer nach Erreichen des ordentlichen Rentenalters die Stelle wechsle und seine beruf
liche Vorsorge bei der Vorsorgeeinrichtung des neuen Arbeitgebers weiterführen möchte.
Mit
Art.
33b BVG, welcher per
1.
Januar 2011 in Kraft getreten sei, sei die Möglichkeit
der Weiterversicherung
explizit im Gesetz verankert worden. Es
sei jedoch zu beachten, dass die Weiterführung der beruflichen Vorsorge nach dem ordentlichen Rentenalter nur zulässig sei, wenn die versicherte Person bereits vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters bei der Vorsorgeeinrichtung des ent
sprechenden Arbeitgebers versichert gewesen sei
.
Insofern sei auch die Aufnahme des Klägers bei der PK-AETAS nicht mit der gesetzlichen Ordnung vereinbar.
Der Umstand, dass
Art.
33b BVG keine Möglichkeit einer Weiterversicherung bei einem Stellenwechsel nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters vorsehe, lasse darauf schliessen, dass
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG auch unter systematisc
hen Gesichts
punkten keine über den
klaren Wortlaut hinausgehende Bedeutung zukommen k
ö
nn
e
.
1.3
Mit Replik vom 1
1.
September 2020
(
Urk.
11)
erklärte der Kläger, entgegen den Ausführungen der Beklagten gebe es vorliegend keinen Eintritt eines Vorsorge
falles und weder
Art.
2
Abs.
1 FZG noch
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG regle, dass nach Erreichen des ordentlichen Pensionsalters und bei Aufschub des Vorsorgefalles Alters keine Austrittsleistung bezogen werden könne, wenn die versicherte Person die Pensionskasse wechsle.
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG
komme nicht zur Anwendung
, wenn eine versicherte Person das ordentliche Rentenalter erreicht habe.
Vorlie
gend sei auch nicht
die
Frage zu behandeln, ob
nach Erreichen des ordentlichen Rentenalters noch bei einer Pensionskasse
eingetreten werden könne, sondern es gehe
um die Frage, ob eine versicherte Person eine Freizügigkeitsleistung beanspruchen könne, wenn sie im Rahmen der aufgeschobenen Pensioni
erung die Pensionskasse wechsle
. Im Vorsorgereglement 2019
der PK-AETAS
, welche
s
für den vorliegenden Fall einschlägig sei, sei die Voraussetzung, dass die ver
sicherte Person bei Erreichen des ordentlichen Rentenalters bereits bei der PK
AETAS versichert sein müsse, noch nicht vorgesehen gewesen.
Könnte eine versicherte Person, welche die Pensionskasse nicht wechsle, den Aufschub beibe
halten, eine versicherte Person, die unfreiwillig die Pensionskasse wechsle, hingegen nicht, wäre
der in der beruflichen Vorsorge geltende Grundsatz der Gleichbehandlung verletzt
.
1.4
Die Beklagte erklärte mit Duplik vom 2
0.
Oktober 2020 (
Urk.
15), wie der Kläger in seiner Replik offenbar selbst einräume, finde
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG auf den zu beurteilenden Sachverhalt keine Anwendung. Der Kläger vermöge seinen Anspruch auf eine Austrittsleistung rechtlich nicht zu begründen.
Soweit
er
sich auf den Grundsatz der Gleichbehandlung
berufe, sei darauf hinzuweisen, dass dieser eingehalten sei,
wenn für alle Versicherten eines Kollektivs die gleichen reglementarischen Bedingungen im Vorsorgeplan gälten. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern dieser Grundsatz vorliegen
d verletzt sein soll
.
An der Tatsache, dass sich die
Aufnahme des Klägers bei der PK-AETAS
nicht mit der gesetzlichen Ordnung vereinbaren
lasse, vermöge
auch der Umstand nichts zu ändern, dass die frühere regleme
ntarische Ordnung der PK-AETAS
diesbe
züglich offenbar (noch) keine Einschränkung vorgesehen habe.
2.
2.1
Anspruch auf Altersleistungen haben
Männer, die das 6
5.
Altersjahr und
Frauen, die
das 6
4.
Altersjahr
zurückgelegt haben
(
Art.
13
Abs.
1
BVG in Verbindung mit BVG
-
Übergangsbestimmungen
betreffend
Änderung
vom
3.
Oktober 2003
lit
. e in Verbindung mit
Art.
62a der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge, BVV 2, in Verbindung
mit
Schlussbestim
mungen des
Bundesgesetz
es
über die Alters-
und
Hinterlassenenversicherung
, AHVG,
betreffend Änderung vom
7.
Oktober 199
4
lit
. d)
.
Die reglementarischen Bestimmungen der Vorsorgeeinrichtung können abwei
chend davon vorsehen, dass der Anspruch auf Altersleistungen mit der Beendi
gung der Erwerbstätigkeit entsteht
(
Art.
13
Abs.
2 BVG)
.
Die Vorsorgeeinrichtung kann in ihrem Reglement vorsehen, dass auf Verlangen der versicherten Person deren Vorsorge bis zum Ende der Erwerbstätigkeit, höchs
tens jedoch bis zur Vollendung des 7
0.
Altersjahres, weitergeführt wird
(Art.
33b BVG)
.
2.2
Gemäss
Art.
2
Abs.
1 FZG haben
Versicherte, welche die Vorsorgeeinrichtung verlassen, bevor ein Vorsorgefall eintritt (Freizügigkeitsfall), Anspruch auf eine Austrittsleistung.
Gemäss
Abs.
1
bis
derselben Bestimmung können
Versicherte auch eine Austritts
leistung beanspruchen, wenn sie die Vorsorgeeinrichtung zwischen dem frühest
möglichen und dem ordentlichen reglementarischen Rentenalter verlassen und die Erwerbstätigkeit weiterführen oder als arbeitslos gemeldet sind. Bestimmt das Reglement kein ordentliches Rentenalter, so ist das Alter nach Artikel 13 Absatz 1
BVG
massgebend.
2.3
Art.
2
8
(
1
) des
anwendbaren
Vorsorgereglements der Beklagten
(
Urk.
16)
regelt den Anspruch auf Freizügigkeitsleistung. Diese Bestimmung lautet wie folgt:
Verlässt
eine versicherte Person das Vor
s
o
rgewerk bzw. d
ie Stiftung vor Eintritt eines
Vorsorgefalls
•
d
a das Arbeitsverhältnis aufgelöst wird
•
d
a sie die Bedingungen zur Aufnahme in diese Personalvorsorge nicht mehr erfüllt
h
a
t sie Anspruch auf eine Freizügigkeitslei
s
tung, welche sich nach FZG berechnet.
Die versicherte Person hat auch Anspruch auf eine Freizügigkeitsleistung, wenn sie das Vorsorgewerk bzw. die Stiftung zwischen dem vorzeitigen und dem ordentlichen Pensionierungsalter verlässt und die Erwerbstätigkeit weiterführt oder als arbeitslos gemeldet ist.
Gemäss
Art.
1
2
(1)
des anwendbaren Vorsorgereglements wird das ordentlichen Pensionierungsalter im Vorsorgeplan festgelegt.
Im Vorsorgeplan der
Y._
ist
geregelt
, dass das ordentliche Pensionierungsalter für Männer 65 und für Frauen 64 Jahre
beträgt
(
Urk.
8/3).
2.4
2.4.1
Ausgangspunkt jeder Auslegung
eines Gesetzes
bildet der Wortlaut der Bestim
mung. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Berück
sichtigung aller Auslegungselemente. Abzustellen ist dabei namentlich auf die Entstehungsgeschichte der Norm und ihren Zweck, auf die dem Text zu Grunde liegenden Wertungen sowie auf die Bedeutung, die der Norm im Kontext mit anderen Bestimmungen zukommt. Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht unmittelbar entscheidend, dienen aber als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu erkennen. Namentlich bei neueren Texten kommt den Materialien eine besondere Stellung zu, weil veränderte Umstände oder ein gewandeltes Rechtsverständnis eine andere Lösung weniger nahelegen. Das Bundesgericht hat sich bei der Aus
legung von Erlassen stets von einem Methodenpluralismus leiten lassen und nur dann allein auf das grammatische Element abgestellt, wenn sich daraus zweifels
frei die sachlich richtige Lösung ergab (
BGE 142 V 442 E. 5.1; 141 V 221 E. 5.2.1
;
140 V 449 E.
4.2
;
je mit Hinweisen
).
2.4.2
Nach ständiger Rechtsprechung erfolgt die Auslegung der Vorsorgeverträge nach dem
Vertrauensprinzip. Es ist darauf abzustellen, wie die zur Streitigkeit Anlass gebende Willenserklärung vom Empfänger in guten Treuen verstanden werden durfte und musste. Dabei ist nicht auf den inneren Willen des Erklärenden abzu
stellen, sondern auf den objektiven Sinn seines Erklärungsverhaltens. Der Erklä
rende hat gegen sich gelten zu lassen, was ein vernünftiger und korrekter Mensch unter der Erklärung verstehen durfte. Weiter sind die besonderen Auslegungs
regeln bei Allgemeinen Geschäfts- oder Versicherungsbedingungen zu beachten, insbesondere die Unklarheits- und die Ungewöhnlichkeitsregel (BGE 132 V 149 E. 5, 130 V 80 E. 3.2.2, 122 V 142 E. 4c).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob der
1953 geborene
Kläger
, welcher auch nach Errei
chen des ordentlichen
gesetzlichen und
reglementarischen Rentenalters weiter bei der Beklagten berufsvorsorgeversichert war,
Anspruch auf eine Freizügigkeits
leistung
hat.
3.2
Wie dargelegt (E. 2.2) haben g
emäss
Art.
2
Abs.
1 FZG Versicherte, welche die Vorsorgeeinrichtung verlassen, bevor ein Vorsorgefall eintritt (Freizügigkeitsfall), Anspruch auf eine Austrittsleistung.
Das Bundesgericht hat mit BGE 120 V 306 dazu festgehalten, dass
b
ei denjenigen Vorsorgeeinrichtungen, welche die Möglichkeit einer vorze
itigen Pensionierung vorsehen,
unter Eintritt des Versi
cherungsfalls Alter nicht das Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze nach
Art.
13
Abs.
1 BVG, sondern das Erreichen der reglementarischen Altersgrenze für die
vorzeitige Pensionierung zu verstehen
ist
. Dementsprechend besteht kein Anspruch auf die im Verhältnis zu den Altersleistungen subsidiäre Freizügigkeits
leistung mehr, wenn die Kündigung des Arbeitsvertrages in einem Alter erfolgt, in dem bereits ein Anspruch auf Altersleistungen entsteht - und sei es auch im Sinne
einer vorzeitigen Pensionierung.
Dies gilt nicht nur im Bereich des BVG, sondern auch in der weitergehenden Vorsorge
(E. 4.
; vgl. auch Urteil des dama
ligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts B 33/04 vom 1
8.
Mai 2005 E 4.2
). Gestützt auf
Art.
2
Abs.
1 FZG ergibt sich somit kein Anspruch des
Klägers
auf eine Freizügigkeitsleistung.
3.
3
Per
1.
Januar 2010 und somit nach
dem in
BGE 120 V 306
publizierten Urteil
ist
Abs.
1
bis
von
Art.
2 FZG
in Kraft
getreten (vgl. 2.2). Gemäss dieser Bestimmung können
Versicherte auch eine Austrittsleistung beanspruchen, wenn sie die Vor
sorgeeinrichtung zwischen dem frühestmöglichen und dem ordentlichen regle
mentarischen Rentenalter verlassen und die Erwerbstätigkeit weiterführen oder als arbeitslos gemeldet sind.
Gemäss
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG
kann somit bei Weite
r
führung der Arbeitstätigkeit auch bei Erreichen des reglementarischen Renten
alters eine Freizügigkei
tsleistung beansprucht werden, laut
dem klaren Wortlaut gilt dies jedoch nur bis zum Erreichen des ordentlichen reglementarischen Rentenalters. Dieses betrug im Rahmen des Vorsorgeverhältnisses des Klägers mit der Beklagten 65 Jahre (vgl. E. 2.3) und war somit im Zeitpunkt des Austritts des Klägers überschritten.
Der Wortlaut
von
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG
stimmt
mit
dem vom Gesetzgeber beab
sichtigten Zweck der Bestimmung überein. So hielt die
Kommission für soziale Sicherheit und G
e
sundheit
des Nationalrates
mit Bericht
vom 1
4.
Januar 2009
zu
der neu einzuführenden Bestimmung
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG
fest, dass diese
sicher
stellen
soll
, dass auch Personen, die das frühestmögliche reglementarische Rentenalter erreicht haben und ihre Erwerbstätigkeit nach Beendigung des konkreten Arbeitsverhältnisses anderweitig weiterführen wollen, nicht aufgrund der Vorgänge in der beruflichen Vorsorge davon abgebracht werden.
Gleichzeitig hielt die Kommission
aber auch fest, dass nach
Erreichen des ordentlichen regle
mentarischen Rentenalters eine versicherte Person keinen Anspruch mehr auf eine Freizügigkeitsleistung
hat
.
Sie erklärte dazu, d
ie versicherte Person
befinde
sich auch nicht in der gleichen Situation wie bei einem aufgezwungenen Vorbe
zug, da ihr dieses ordentliche Rentenalter weit voraus bekannt
gewesen
, sie sich also darauf
habe
einrichten
könne
und sie – eine lückenlose Beitragszeit voraus
gesetzt – bereits die volle Rente erh
a
lt
e
(
BBl
2009 1101 ff.)
.
Zu keiner anderen Auslegung von
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG führt
Art.
33b BVG,
welcher erst per
1.
Januar 2011 und somit nach
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG in Kraft
getreten ist
. G
emäss
Art.
33b BVG kann
die Vorsorgeeinrichtung in ihrem Regle
ment vorsehen, dass auf Verlangen der versicherten Person deren Vorsorge bis zum Ende der Erwerbstätigkeit, höchstens je
doch bis zur Vollendung des 70.
Altersjahres, weitergeführt wird. Diese Bestimmung sieht
neu, das heisst nach Inkrafttreten von
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG
zwar die Möglichkeit einer Weiterversi
cherung
nach
Erreichen des reglementarischen Rentenalters vor, dies gilt jedoch nur für eine
Weiterversicherung bei der
bisherigen Vorsorgeeinrichtung (Mittei
lungen über die berufliche Vorsorge Nr. 124 799 S. 6 f.;
Geckeler
Hunziker in: Schneider/Geiser/
Gächter
, BVG und FZG,
2.
Auflage, 2019
,
Art.
33b N
9
).
Nach dem Gesagten ergibt sich
aus
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG
kein Anspruch des Klägers auf eine Freizügigkeitsleistung.
Dies wird im Übrigen auch vom Kläger selbst nicht infrage gestellt
(vgl. E. 1.3)
.
3.4
Ebenfalls keinen Anspruch auf eine Freizügigkeitsleistung kann der Kläger aus dem anwendbaren
Vorsorgereglement
der Beklagten ableiten
, hält
Art.
2
8
(
1
) doch
in Übereinstimmung mit
Art.
2
Abs.
1
bis
FZG
fest, dass die versicherte Person (auch) Anspruch auf eine Freizügigkeitsleistung
hat
, wenn sie das Vorsor
gewerk bzw. die Stiftung zwischen dem vorzeitigen und dem ordentlichen Pensionierungsalter verlässt und die Erwerbstätigkeit weiterführt oder als arbeits
los gemeldet ist
(E. 2.3)
. Nach dem Erreichen des ordentlichen Pensionierungs
alters
ergibt sich auch aus der
reglementarische
n
Regelung
somit
kein
en
Anspruch
auf eine Freizügigkeitsleistung
.
3.5
Der Kläger kann auch aus dem Grundsatz der Gleichbehandlung nichts zu seinen Gunsten ableiten, ist dieser G
r
unds
atz
doch eingehalten, wenn f
ür alle Versicher
ten eines Kollektivs die gleichen reglementarischen Bedingungen im Vorsorge
plan gelten
(
Art.
1
Abs.
3 BVG in Verbindung mit
Art.
1
f BVV2)
.
Inwieweit dieser Grundsatz verletzt sein soll wird vom Kläger nicht dargetan und ist auch nicht ersichtlich.
Schliesslich liegt auch ke
ine vom Richter auszufüllende Lücke vor (vgl. BGE 146 V 121 E.
2.
5).
4.
Nach dem Gesagten hat der Kläger keinen Anspruch auf Ausrichtung einer Frei
zügigkeitsleistung. Die Klage erweist sich demzufolge als unbegründet und ist abzuweisen.
5.
Art.
73
Abs.
2 BVG schliesst einen Anspruch der obsiegenden Versicherungs
trägerin auf eine Prozessentschädigung zwar nicht aus. Indes werden den Trägern der beruflichen Vorsorge gemäss BVG beziehungsweise den mit
öffentlichrecht
lichen
Aufgaben betrauten Organisationen in Anlehnung an die Rechtsprechung zu
Art.
159
Abs.
2 des bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege (Bundesrechtspflegegesetz/OG) praxis
gemäss keine
Parteientschädigungen zugesprochen. Es besteht kein Grund, bei der Beklagten - trotz ihres entsprechenden Antrages
(
Urk.
7)
- anders zu ver
fahren (vgl. BGE 128 V 133 E. 5b, 126 V 150 E. 4a, 118 V 169 E. 7 und 117 V 349 E. 8, mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 125 E. 5b und 320 E. 1a und b sowie 112 V 356 E. 6).