Decision ID: 79103e88-0f1c-4605-a228-3c1abba70782
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1996, und
Y._, geboren 1997, sind bevor
mun
det und wohnen in einer Pflegefamilie in
B._
im Kanton
C._
. Ihr Vater,
D._
, wohnhaft in
A._
, bezieht eine Invalidenrente und zwei ausserordentliche Kinderrenten. Mit Wirkung ab 1. Dezember 2004 sprach die Gemeinde
A._
, Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV,
X._
und
Y._
Zusatzleistungen zu. Am 15. März 2012 stellten
X._
und
Y._
ein Gesuch auf höhere Zusatzleistungen mit der Be
gründung, der von ihrer Pflegefamilie im Kanton
C._
erbrachte
Betreuungs
aufwand
habe stark zugenommen (Urk. 2/8/11 und Urk. 7/2/8/11/1). Mit Verfü
gungen vom 30. Mai 2012 (Urk. 2/8/14 und Urk. 7/2/8/14) sprach die Gemeinde
A._
, Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV,
X._
für das Jahr 2012 Ergänzungsleistungen von Fr. 24‘852.-- und
Y._
Ergänzungsleistungen von Fr. 24‘876.-- zu. Die von den Versicherten am
29. Juni 2012 je gegen die sie betreffende Verfügung erhobenen Einsprachen (Urk. 2/8/19 und Urk. 7/2/8/19) wies die Gemeinde
A._
, Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV, mit Entscheiden vom 26. Juli 2012 (Urk. 2/2 und Urk. 7/2/2) ab.
1.2
Gegen die
Einspracheent
scheide
vom 26. Juli 2012
erhoben die Versicherten am
10. September 2012
Beschwerden (Urk. 2/1 und Urk. 7/2/1)
mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Entscheide, auf Ausrichtung höherer Zusatzleis
tungen, auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung im
Einsprache
verfahren
beziehungsweise auf
Zusprache
einer Parteientschädigung im
Einspracheverfahren
. Eventuell sei die Sache zu ergänzender
Sachverhalts
abklä
rung
an die Gemeinde
A._
zurückzuweisen. Gleichzeitig ersuchten die Versi
cherten um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsvertretung
(Urk. 2/1 und Urk.
7/2/1
je S. 2
)
.
1.3
Mit
Entscheiden vom 7. Dezember 2012 (Urk. 2/14 und Urk. 7/2/14)
trat das hiesige Gericht
mangels örtlicher Zuständigkeit
auf die Beschwerden der Versi
cherten vom 10. September 2012
nicht ein und ordnete die Über
weisung der Akten nach Eintritt der Rechtskraft an das Verwaltungsgericht des Kantons
C._
zur Weiterbehandlung an.
1.4
In Gutheissung der von den Versicherten dagegen erhobenen Beschwerden hob das Bundesgericht mit Urteil vom 11. April 2013 (Prozess Nr. 9C_77/2013; Urk. 1 = Urk. 7/1) die angefochtenen Entscheide des hiesigen Gerichts vom
7. Dezember 2012 auf und wies die Sache an das hiesige Gericht zurück, damit es die Beschwerden der Versicherten gegen die
Einspracheentscheide
vom
26. Juli 2012 materiell behandle.
2.
2.1
Mit Verfügungen vom 22. Mai 2013 (Urk. 3 und Urk. 7/3) wurde den Versicher
ten die unentgeltliche Rechtsvertretung durch Rechtsanwalt Willy
Füchslin
, La
chen, bewilligt.
2.2
Mit Zwischenentscheid vom 12. August 2013 (Urk. 8) wurde der
Prozess Nr. ZL.2013.00047
(Urk. 7/0-5)
mit dem vorliegenden Prozess Nr. ZL.2013.00046
vereinigt
und unter dieser Prozessnummer wei
tergeführt; das Verfahren Nr. Z
L.2013.00047
wurde
als dadurch erledigt
abgeschrieben
.
Gleichzeitig wurde den Beschwerdeführenden

die Gelegenheit eingeräumt, zu der vom Gericht in Erwägung gezogenen Abänderung der angefochtenen Verfügung zu
ihrem
Nachteil Stellung zu nehmen oder die Beschwerde
bezie
hungsweise die darin enthaltenen Anträge auf höhere Zusatzleistungen als le
diglich Fr. 2‘071.-- (
vgl.
Urk. 1 S. 2 Ziff. 1) beziehungsweise Fr. 2‘073.-- (
vgl.
Urk. 7/1 S. 2 Ziff. 1) zurückzuziehen.
2.3
Mit
Ein
gabe vom
14. Oktober 2013
zogen die Beschwerdeführenden die
Beschwer
de
n vom 10. September 2012 g
egen die
Einspracheent
scheide
vom 26.
Juli 2012
teilweise zurück,
indem
sie ihre
Anträge auf höhere Zusatz
leistungen als le
diglich Fr. 2‘071.-- beziehungsweise als le
diglich Fr.
2‘073.--
zurück
zogen und an
ihren
Anträgen auf Bewilligung der unent
geltlichen Rechtsvertretung im vorliegenden Verfahren sowie in den
Ein
sprache
verfahren
festhielten (Urk. 12 S.
2).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 14. Oktober 2013 zogen die Beschwerdeführenden ihre Beschwerden im Umfang
der
darin enthaltenen
Anträge auf höhere Zusatzleistungen als lediglich Fr. 2‘071.-- beziehungsweise als lediglich Fr. 2‘073.--
zurück (Urk. 12). In diesem Umfang ist das Verfahren
teilweise
als durch Rückzug der Beschwerde erledig
t
abzuschreiben.
1.2
Zu prüfen bleiben die Ansprüche der Beschwerdeführenden auf eine un
entgeltli
che Rechtsvertretung in den
Einspracheverfahren
.
2.
2.1
Art. 29 Abs. 3
der Bundesverfassung (
BV
)
räumt jeder Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint, einen Anspruch auf unent
geltlichen Rechtsbeistand ein. Gemäss Art. 37 Abs. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
wird im
Sozialversi
cherungsverfahren
der gesuchstellenden Person, wo die Verhältnisse es erfor
dern, ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt.
An die
sachliche Gebotenheit der
Verbeiständung
ist
im
Verwaltungsverfahren
jedoch recht
sprechungsgemäss ein strenger Massstab anzulegen (AHI 2000 S. 162, I 69/99 E.
2b und 3a; Urteil
des Bundesgerichts
8C_892/2009 vom 15. April 2010 E.
3.2). Eine anwaltliche
Verbeiständung
drängt sich hier nur in Ausnahme
fällen auf, in denen ein Rechtsanwalt beigezogen wird, weil schwierige rechtliche oder tatsächliche Fra
gen dies als notwendig erscheinen lassen und eine
Verbeiständung
durch
Ver
bandsvertreter
, Fürsorger oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Insti
tutionen nicht in Betracht fällt (BGE 132 V 200 E.
4.1
mit Hinweisen; Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_161/2011 vom 3. Mai 2011 E.
2
und
8C_243/2010 vom 31. Mai 2010 E.
2).
2.2
Strittig war
en
in den
Verfahren
betreffend die Einsprachen gegen die Verfügun
gen vom 30. Mai 2012 (Urk. 2/8/14, Urk.
7/8/14) die Rechtsfragen, ob die
Pfle
gefamilie
, bei welcher die Beschwerdeführenden untergebracht sind, vom ergänzungsleistungsrecht
lichen Heimbegriff erfasst war
, ob eine sogenannte Heimberechnung durchzuführen war und welche „
Heimtaxe
“ anzuwenden war. Dabei handelte es sich weder um einfache noch um eindeutig
zu beantwortende Frage
n. Diesbezüglich gilt es sodann zu berücksichtigen,
dass das zur Publika
tion vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 9C_20/2013 vom 26.
Juni 2013, worin das Bundesgericht erkannte, dass nur diejenigen Pflegefamilien vom
ergänzungsleistungs
rechtlichen
Heimbegriff umfasst sind, welche
von einem Kanton als Heim anerkannt
werden, erst nach Erlass der
Einspracheentscheide
vom 26. Juli 2012 (Urk. 2/2, Urk. 7/2) erlassen wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand in Bezug auf Pflegefamilien noch keine gesicherte höchstrichterliche Rechtsprechung zum Heimbegriff.
Es ist daher davon auszugehen, dass für eine erfolgversprechende Geltendmachung der
Ansprüche der Beschwerdeführenden
der Beistand eines rechtskundigen Vertreters bereits im
Einspracheverfahren
erforderlich war. Insofern lag daher ein von der Rechtsprechung für die unent
geltliche anwaltliche Vertretung im Verwaltungsverfahren geforderter Aus
nahmefall vor, bei dem sich eine solche Mitwirkung aufdrängte, weil schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen dies als notwendig ersch
e
inen liessen.
Die Rechtsvertretung der Beschwerdeführenden in den
Einspracheverfahren
erscheint
demnach als sachlich geboten und nicht als offensichtlich aussichts
los.
2.3
Da eine Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden aktenkundig ist (vgl.
Urk
2/8/2 und Urk. 7/8/2), ist ein Anspruch der Beschwerdeführenden
auf un
entgeltliche Rechtsvertretung in den
Einspracheverfahren
zu b
ejahen.
3.
3.1
Gemäss Art. 12a der Verordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
(ATSV) sind
bei der Bemessung der Entschädigung der unentgeltli
chen Rechtsvertretung im Verwaltungsverfahren die
Art.
8-13 des R
eglements vom 11. Dezember 2006
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun
desverwaltungsgericht sinngemäss
anwendbar
(VGKE)
.
Gemäss Art. 8 VGKE umfasst die Parteientschädigung die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere Auslagen der Partei (Abs. 1). Unnötiger Aufwand wird nicht entschädigt (Abs. 2).
3.2
Laut Art. 10 VGKE werden das Anwaltshonorar und die Entschädigung für eine nichtanwaltliche berufsmässige Vertretung nach dem notwendigen Zeitaufwand des Vertreters oder der Vertreterin bemessen (Abs. 1). Der Stundenansatz beträgt für Anwälte und Anwältinnen mindestens 200 und höchstens 400 Franken, für nichtanwaltliche Vertreter und Vertreterinnen mindestens 100 und höchstens 300 Franken. In diesen Stundenansätzen ist die Mehrwertsteuer nicht enthalten (Abs. 2)
.
3.3
Den sich bei den Akten befindenden Kostennoten von Rechtsanwalt Willi
Füchs
lin
vom 10. September 2012 (Urk. 2/3/6, Urk. 7/3/6) ist zu entnehmen, dass dieser für die beiden
Einspracheverfahren
je 7.55 Stunden und Barauslagen von Fr. 64.50 (ohne Mehrwertsteuer) geltend machte. In Anbetracht des Umstandes, dass sich in beiden
Einspracheverfahren
die gleichen Rechtsfragen stellten, und dass
die vom
unentgeltliche
n
Rechtsvertreter der Beschwerde
führenden in beiden Verfahren
verfasste
Einspracheschreiben
von ihrem Wort
laut her weitgehend übereinstimmen (Urk. 2/8/19, Urk. 7/8/19)
,
erscheint der geltend gemachte Aufwand von insgesamt 15.1 Stunden der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht als angemessen.
Vielmehr erscheint ein um rund einen Drittel ge
kürzter Aufwand von insgesamt 10
Stun
den als gerechtfertigt.
Die geltend gemachten Barauslagen von insgesamt Fr.
129.-- sind nicht zu beanstanden.
3.4
Bei einem gerechtfertigten Aufwand von 10 Stunden, einem praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) und Barauslagen von Fr. 129.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Entschädigung des
unentgeltlichen Rechtsvertreter
s
der Beschwerdeführenden in den
Einspracheverfahren
auf Fr. 2‘299.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
4
.
4
.1
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Für unnötigen oder geringfügigen Aufwand einer Partei wird keine
Partei
ent
schä
digung
(§ 8 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Ent
schädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht,
GebV
SVGer
) be
ziehungs
weise keine Entschä
digung für die unentgeltliche Rechtsvertretung (§ 9
GebV
SVGer
) zugesprochen.
4
.2
Den sich bei den Akten befindenden Kostennoten von Rechtsanwalt Willi
Füchs
lin
, Lachen, vom 30. Oktober 2012 (Urk. 2/13, Urk. 7/13; vgl. auch Urk. 5) ist zu entnehmen, dass dieser für die beiden Beschwerdeverfahren einen Auf
wand von je 9.7 Stunden und Barauslagen von
je
Fr. 85.-- (ohne Mehrwert
steuer) geltend machte. In Anbetracht des Umstandes, dass sich in beiden Beschwerdeverfahren die gleichen Rechtsfragen stellten, und dass die von Rechts
anwalt Willi
Füchslin
, Lachen, verfassten Beschwerdeschriften (Urk. 2/1, Urk. 7/1) von ihrem Wortlaut her weitgehend übereinstimmen
,
erscheint der geltend gemachte Aufwand von insgesamt 19.4 Stunden der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht als angemessen. Vielmehr erscheint ein um rund einen Drittel gekürzter Aufwand von insgesamt 13 Stun
den als gerechtfertigt. Die geltend gemachten Barauslagen von insgesamt Fr.
170.-- sind nicht zu beanstanden.
4.3
Ausgangsgemäss
haben die in nur geringe
m
Umfang teilweise obsiegenden Beschwerdeführenden
Anspruch auf eine
um
rund
zwei Drittel reduzierte
Pro
zessentschädigung
, welche
bei
einem gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr.
936.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
4.4
Im weitergehenden Umfang
von
rund
zwei Drittel
n
ist der unentgeltliche Rechts
vertreter der Beschwerdeführenden, Rechtsanwalt Willi
Füchslin
, Lachen,
bei einem gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 200.-- (zuzüglich Mehrwert
steuer) und Barauslagen von
Fr
. 170.-- (zuzüglich Mehrwert
steuer) mit Fr. 2’056.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.