Decision ID: bf52ff7d-4f02-52b9-b29f-bc9dcbd6c01c
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978, meldete sich am 1
2.
Juli 2013 (Eingangs
datum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf einen in der Leistengegend eingeklemmten Nerv, der beim Stehen und Laufen Schwierigkeiten bereite
,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/1
)
.
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche sowie medizinische Abklärungen und holte insbesondere das
polydisziplinäre Gutachten (Allgemeine Innere Me
dizin,
Kardiologie,
Neuro
logie
,
Psychiatrie und Psychotherapie, Rheumatologie und Urologie) vom 1
7.
April 2015
des
Y._
ein (
Urk.
8/60). Nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom
6.
Mai 2015,
Urk.
8/67; Ein
wand vom 2
6.
Mai 2015,
Urk.
8/68) wies die IV-Stelle den Anspruch auf eine Invalidenrente mit Verfügung vom 2
2.
Juni 2015 ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
8.
August 2015 Beschwerde und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihm vorerst berufliche Massnahmen zu gewähren. Eventualiter sei eine neue
polydiziplinäre
Abklärung durchzuführen und neu zu entscheiden.
Subeventualiter
sei ihm mindestens eine halbe Rente zu gewähren (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
September 2015 (
Urk.
7 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
8/1-75) schloss die
Beschwerdegegnerin auf Abweisung, was dem Beschwerdeführer am
2
5.
Septem
ber 2015 mitgeteilt wurde
(
Urk.
9)
. Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 2
6.
Oktober 2015 weitere Arztberic
hte ein (
Urk.
11 und
Urk.
12/1-
14), wo
rüber die Beschwerdegegnerin am 2
8.
Oktober 2015 in Kenntnis gesetzt wurde
(
Urk.
13)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt
in der angefochtenen Verfügung
dafür, dass
das Wartejahr
im September 2013 eröffnet worden sei
. Nach Ablauf der Wartezeit sei dem Beschwerdeführer eine
körperlich
leichte
Tätigkeit vollschichtig zumut
bar, es bestehe jedoch eine 10%ige Leistungsminderung aufgrund eines erhöh
ten
Pausenbe
darfs
. Für das
Valideneinkommen
sei auf den Tabellenlohn der Schwe
i
zerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012 für das Gastgewerbe in Höhe von
Fr.
47‘486.05 abzustellen. Demgegenüber sei das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE 2012 für Hilfsarbeiter im zumutbaren 90%-Pensum
auf Fr. 59‘694.95
festzusetzen, so dass ein Invaliditätsgrad von 0
%
resultiere. Ent
sprechend bestehe kein Rentenanspruch (
Urk.
2).
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im Wesentlichen vor,
dass er arbei
ten müsse und wolle, dies aber nicht möglich sei ohne Support durch die IV-Stelle. Entsprechend sei er auf berufliche Massnahmen angewiesen. D
as
Warte
jahr
sei im Juli 2014 abgelaufen und er habe zumindest seit Ablauf
des
War
tejahr
s
bis zur Begutachtung Anspruch auf eine mindestens vorübergehende Rente. Das Gutachten sei nicht überzeugend und schlüssig, so dass eine
Ober
expertise
einzuholen sei. Beim Einkommensvergleich sei für das
Va
lidenein
kommen
vom Gastronomiechef auszugehen, so dass mindestens ein
Va
liden
einkommen
in Höhe von
Fr.
80‘000.-- anzurechnen se
i. Beim
Invalidenein
kommen
sei
weder ein L
eidensabzug vorgenommen noch die
notwendigen Be
handlungen mit entsprechender
Pensumsreduktion
ber
ücksichtigt worden. Er sei des W
eiteren aus schulischen und sprachlichen Gründen nicht in der Lage, or
ganisatorische und andere administrative Tätigkeiten
auszuüben
(
Urk.
1).
2.
2.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG.
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werb
s
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S.
188 E.
2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Un
tersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen
kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und
Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
un
mög
lichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung,
BJM 1989, S.
30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl
. 1994, S. 24 f.).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom
2
2.
Juni 2015
(
Urk.
2) im Wesentlichen auf das
polydisziplinäre Gutachten des
Y._
vom 1
7.
April 2015
ab
(
Urk.
8/60)
. Darin wer
den die bis zur Begutachtung des Beschwerdeführers
aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (
Urk.
8/60/7 ff.
;
Urk.
8/60/17 f.;
Urk.
8/60/20 ff.;
Urk.
8/60/28 f.
),
weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich
,
wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
3.2
3.2.1
Die begutachtenden Ärzte des
Y._
notierten im Gutachten vom 1
7.
April
2015 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
8/60/50
)
:
Korona
re
Eingefä
sserkrankung
Status nach
akutem
inferioren ST-Hebungsinfarkt 14.
09.2013
Status nach
PTCA/BMS der proximalen rechten Kranzarterie am 14.09.2013 (
Z._
)
l
eicht eingeschränkte EF um 45
%
(Echo 12/13 sowie Echo 3/15)
n
ormale
Fahrradergometrie
bei Erreichen
der Zielherzfrequenz ohne
Is
chä
miezeichen
am 09.10.2014 (Spital
A._
)
Sensibilitätsstörung mit neuropathischer Schm
erzsymptomatik betont im Versor
gungsgebiet der Nerven
ilioinguinalis
,
iliohypogast
ricus
,
genit
ofemoralis
und
obtu
ratorius
rechts vereinbar mit einer Neuro
pathie und Neuralgie dieser Nerv
en
Status nach Freilegung inguinal rechts und
Neurolyse
am 5.8.13 bei Ver
dacht auf Irri
tation des
N.
ilioinguinalis
rechts 08/13
Status nach wirksamer, lokaler
Mepivacain-lnflitration
06/13
Status nach
Hydrozelenoperation
nach von Bergmann rechts 02/13
(ICD-10
M79.25,
ICD-10
G58.8
)
Lumbovertebralsyndrom
mit
Lumboischialgie
rechts sowie l
eicht abge
schwäch
tem ASR rechts, vereinbar mit einer lumbalen
radikulären
Schmerzsymptomatik S
1 rechts
(ICD-10 M54.4; ICD-10
M54.16
)
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielten sie folgende fest
(
Urk.
8/60/51)
:
Arterielle Hypertonie
Nicht Insulin-pflic
htiger Diabetes mellitus Typ 2
Fortgesetzter Nikotinkonsum
Carpaltunnelsyndrom beidseits (ICD-10
G56.0
)
Kopfschmerzen vom Spannungstyp
(ICD-10
G
44.2
)
Anhaltende soma
toforme Schmerzstörung (ICD-10
F45.4)
Genitofemoralisneuralgie
rechts
Status nach
Hydrocelenoperation
nach Bergmann rechts 02/13
Status nach
Infiltration mit
Lokalanaest
e
theticum
rechts inguinal 06/13
Status nach
Darstellung und
Neurolyse
des
N.
ilioinguinalis
rechts 08/13
Chronische Balanitis
Raumforderung im Bereich des oberen
Mediastinums
unklarer Dignität
Metabolisches Syndrom mit Diabetes mellitus
Status nach
akutem inferiorem STEMI bei proximalem RCA
Versc
hluss 09/
13
Begleitende
Ansatztendinose
am medialen Beckenkamm rechts
Status nach Schulterluxatio
n links zirka 2009 (Sportverletz
ung)
3.2.2
PD
Dr.
med.
B._
, FMH für Urologie,
konstatierte, dass am häufigsten das Problem der
Ilioinguinalis
-Neuralgie nach
Hernienoperationen
beschrieben werde. Die empfohlene Therapie sei die
Neurolyse
oder sekundär die
Neurec
tomie
. Aus urologischer Sich handle es sich um ein Phänomen, das einer neu
ro
lo
gischen Abklärung bedürfe. Eine Arbeitsunfähigkeit könne von ihm aufgrund fehlender objektiver Befunde nicht attestiert werden (
Urk.
8/60/59).
3.2.3
Dr.
med.
C._
, FMH für Neurologie
,
hielt fest,
dass sich i
n der neuro
logischen Untersuchung ein kooperativer adäquater
Beschwerdeführer,
dessen Mutter
sprache
D._
sei
, zeige
.
Er spreche
jedoch gut und verständlich Deutsch, w
obei die Stimme etwas heiser sei. Die HWS sei
gut beweglich, wobei bei Rotation nach rechts Schm
erzen rechts
nuchal
angegeben würden.
D
er
un
korrigierte
Fernvisus
betra
g
e
rechts 1,0
,
links 0,7 bei fingerperimetrisch intak
tem Gesichtsfeld,
isokoren
und reaktiven Pupillen sowie unauffälliger
Augen
motilität
. Der Befund der übrigen Hirnnerven
sei unauffällig. Das Gangbild sei
hinkend, wobei das
rechte Bein nur kurz belastet we
rd
e. Der Fersenstand sei möglich, der
Zeheneinbeinstand
sei
lin
ks möglich, rechts nicht
,
bei Angabe von lumbalen Rücken
schmerzen. Ein Trendelenburg f
inde
sich nicht. Bei Prüfung des
Lasè
gues
rechts
habe er
bei ca. 50° Schmerzen lumbal mit Ausstrahlung in
den dorsalen rechten Obers
chen
kel angegeben. Der Strichgang sei
initial unsi
cher
, k
önne
jedoch dann knapp durchgeführt werden. Der Romberg w
erde
ge
ha
lten.
Eine
Extremitätenataxie
fi
nd
e
sich nicht. Bei Prüfu
ng des
Muskeleigen
reflexes
zeig
e sich ein gut auslösbarer und linksbetonter Achil
lessehnenreflex. Ein
Babins
ki
fi
nd
e
si
ch nicht und der Muskeltonus sei
normal. Paresen k
önnten
im Bereich der oberen und unteren Extremitäten nicht nachgewiesen werden, d.h. der
Gastrocnemius
/
Triceps
surae
k
önne
rechts von Hand nicht überwunden werden, wobei wie oben erwähnt der
Zeheneinbeinstand
rechts nicht durchge
führt werden k
önn
e, so dass eine leichte Schwäche dieser Muskelgruppe nicht
ausgeschlossen werden kö
nn
e
.
Bei der Sensibilitätsprüfung werde ei
ne vermin
derte Berührungsempfindung mit Hyperal
gesie im Bereich der rechten
In
guina
,
beginnend im Bereich der Spina
iliaca
anterior
superior
mit Betonung im Be
reich
der medialen Leiste und unterhal
b der Narbe angegeben. Weiter we
rde eine ver
minderte Berührungsempfindung und Hyperalge
sie im Bereich des rechten
Scro
tums
und des rechten medialen Oberschenkels, sich ca. 19 cm von der L
eiste nach distal aus
dehnend, angegeben. Dies entspreche
vor
wiegend den sensiblen Versor
gungsgebieten der Nerven
ilioinguinalis
,
genitofemoralis
und
obtdura
to
rius
und auch des
iliohypocastricus
, vereinbar mit einer Läsion dieser Nerven mit entsprechender neuropathischer Schmerzsymptomatik. Der leicht abge
schwäch
te
ASR rechts mit fraglichem
Lasègue
rechts
wäre vereinbar mit ei
nem
lumboradikulären
Schmerzsyn
drom S1 rechts. Weiter zeigten sich ein positives
Ti
nelzeichen
über beiden
volarsei
tigen
Handgelenken sowie ein positi
ver
Phalen
, vereinbar mit einer Carpaltun
nelsymptomatik beidse
it
s
. Die vom
Beschwerde
führer
angegebenen Kopfschmerzen
, welche sich von bei
den Sch
lä
fen nach
occi
pital
ausdehnten und
von drückendem Charakter
seien, seien mit Kopf
schmer
zen vom Spannungstyp vereinbar
(
Urk.
8/60/67 f.)
.
A
us neurologischer Sicht
sei
bis anhin keine Stellung
zur Arbeitsfähigkeit
genom
men worden. Aufgrund der
neuralgiform
en
Schmerzsymptomatik im Be
reich der rechten Leiste und im proximalen medialen Oberschenkel, des
L
um
bo
vertebralsyndroms
mit V.a.
radikulärer
Schm
erzsymptomatik S1 rechts be
stehe
ei
ne Beeinträchtigu
ng der Arbeitsfähigkeit. Schwere und mittelschwere körper
liche Tätigkeiten könn
t
en
dem Beschwerdeführer
nicht zugemutet wer
den. Eben
falls
sollten
Tätigkeiten, welche ein dauerndes Gehen oder Bücken erfor
dern, vermieden werden. Leichte körperli
che Tätig
keiten in abwechslungs
reicher Position vorwiegend sitzend sowie organisatorische
und
administrative Tätig
kei
ten könn
t
en
ihm jedoch ganztags zugemutet werden. Dabei sei
jedoch von eine
m erhöhten Pausenbedarf auszugeh
en. In einer entspreche
nd adaptier
ten Tätig
keit bestehe
eine Arbeitsfähigkeit von 90
%
(
Urk.
8/60/68)
.
3.2.4
Der begutachtende Psychiater,
Dr.
med.
E._
,
hielt fest, dass w
ährend des
Explorationsgespräches
nur sehr wenige depressive Symptome festgehalten werden
könnten. So seien
eine Ein- und Durchschlafstörung und eine erhöhte Ermüdbarkeit tagsüber vorhanden. Eine Freudlosigkeit, ein verminderter An
trieb, Hoffnungslosig
keit, Ängstlichkeit, Interessensv
erlust oder
Konzentrati
ons
störungen
fehl
ten gänzlich. So beschreibe
der
Beschwerdeführer
zum Bei
spiel, dass er sehr gerne Spaziergänge unternehme, mit Familienangehörigen und den Kindern Zeit verbringe und leidenschaftlich und rasch Kreuzworträ
tsel lösen könne. Insgesamt seien
somit die Kriterien für die Diagnose einer depres
siven Episode nach ICD-10 aktuell sicherlich nicht erfüllt. Dies w
e
rd
e
auch dur
ch die
durchgeführte Hamilton Depression
Scale
Testung bestätigt
(
Urk.
8/60/76)
.
Sofern die Schmerzsymptomatik im Bereich der rechten Leiste, des rechten Beines und des Rückens nicht ausreichend durch soma
tische Befunde erklärt wer
den kö
nn
e, mü
ss
e dies
als anhaltende som
atoforme Schmerzstörung (ICD-10
F45.4) klassifiziert werden.
D
ie Foerster Kriterien zur Beurteilung der Unüber
windbarkeit der Schmer
zstörung
seien
nicht erfüllt und es mü
ss
e
davon ausge
gangen werden, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht die anhaltende soma
toforme Schmerzstörung keinen Einfluss auf
die
Arbeitsfähigkeit des
Be
schwer
deführers habe (
Urk.
8/60/77).
Aus psychiatrischer Sicht
sei der Beschwerdeführer
zu 100
%
arbeitsfähig
(
Urk.
8/60/77)
.
3.2.5
Dr.
med.
F._
, Rheumatologie FMH, notierte, dass sich i
n der klinischen Untersuchung di
e Zeichen eines
Lumbovertebral-
Syndromes
mit
spondylogener
Ausstrahlung ins rechte Bein
finde. Bezüglich einer allfälli
gen
R
adikulärsymp
tomatik
verweise er
auf das ak
tuelle neurologische Teilgutach
ten.
Aus rheuma
tologischer Sicht sei
auch festzuhalten, dass entsprechend den nur 2/5 positiven
Waddell
-Zeichen und den 3/18 positiven Fibromyalgie-D
ruckpunkten keine
wes
entlichen Überlagerungszeichen vorlägen. Es sei
aber doch festzuhalten, dass
der Beschwerdeführer beim Prüfen des
Lasè
gue
-Manöv
ers rechts ab 40° einen blockierenden Kreuzschmerz angebe
, dagegen die
Langsitz
po
sition
fast voll
stän
dig einnehmen könne. Ebenfalls sei
bei der Beurteilung dieser Beschwerden im Rahmen des
lumbo-spondylogenen
Schmerzsyndromes
bei b
ekannter
Disko
pathie
LWK5/S1 be
züglich der Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit festzu
halten, dass
er wie
derholt während der Anamneseerhebung und der klinischen Untersuchung stark
habe husten müssen
, ohne dabei eine Schmerzreaktion zu zeigen
(
Urk.
8/60/87 f.)
.
Aufgrund der klinisc
hen Untersuchungsbefunde bestehe
ein
lumbo-spondyloge
nes
Schmerzsyndrom rechts, das aber aus rein rheum
atologischer Sicht keine Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit ha
be
, da
er
als selbständig tätiger Wirt doch
über die Möglichkeit verfüge
, seine
n Arbeitstag einzuteilen. Er habe
ent
sprechend auch angegeben, dass er früher wegen diesen bereits bestehenden Rückenschmerzen in der Arbeitsfähigkeit nicht e
ingeschränkt gewesen sei. Es sei
zudem festzuhalten, dass es bei verstärkten Schmerzen dem
Beschwerde
füh
rer
aus rheumatologischer
Sicht durchaus auch zumutbar wäre, die
Schmerz
medi
kation
zu erhöhen (
Urk.
8/60/88).
Wie oben begründet, übe
das
lumbo-spondylogene
Schmerzsyndrom rechts bei bekannter
Diskopathie
lumbo-sacral
und Status nach
Radikulärsympt
omatik
S
1 rechts 2009 keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bezüglich der zuletzt ausgeübten Tätigkeit aus. Bezüglich
einer alternativen Tätigkeit sei
aber festzu
halten, dass aus rheumatologischer Sicht eine verminderte Belastbarkeit der LWS bestätigt werden m
ü
ss
e
. Dem
Beschwerdeführer seien
körperliche Schwer
arbeiten nicht zumutbar. Ebenso sollten spezifisch die Lendenwirbelsäule be
lastende Tätigkeiten vermieden werden (Tätigkeiten längerdauernd oder repeti
tiv mit vornüber geneigter oder
reklinierter
Haltung, respektive verbunden mit wiederholten Bü
ck- oder Torsionsbewegungen [
Urk.
8/60/88 f.]).
3.2.6
Dr.
med.
G._
, FMH Kardiologie, konstatierte, dass beim Beschwerdeführer
eine koronare
Einasterkrankung
, die sich o
hne vorherige Symptome am 1
4.
September
2013 als ST-Hebungsinfarkt inferior er
stmalig manifestiert habe, bestehe
. Trotz rascher
Hospitalisation
und Wiedereröffnung der proximal thrombotisch verschlossenen
rechten Kranzarterie persistiere
seit
her eine
inferoposteriore
Myokardnarbe mit leicht eingeschränkter EF um 45
%, wie sie
auch
aktuell
echo
kardiographisch nachzuweisen sei
und bereits anläss
lich der Echokardiogra
phie im Dezember 2013 bestanden hä
tte
(
Urk.
8/60/95 f.)
.
Seit dem Myokardinfarkt
würden
stechende
Thoraxschmerzen
,
verbunden mit einer Anstrengungsdyspnoe NYHA Grad II,
persistieren,
für die
bisher als Ursa
che
nie
eine Is
chämie nachzuweisen
gewesen sei
. Insbesondere anlässlich der let
zten
Fahrradergometrie
am
9.
Oktober
2014
habe
sich bei Erreichen der
Aus
belastungsherzfrequenz
keine be
lastungsinduzierte Ischämie
gezeigt. Erschwert we
rd
e
die Diagnostik vor allem auch dadurch, dass der
Beschwerdeführer
nach einer urologischen Operation und bei lumbaler Diskushernie starke
leistungs
limitierende
Beinschmerzen
im rechten Oberschenkel verspüre
und die
Fahrrad
er
gometrie
dahe
r nur schwierig durchführbar
, respektive mit lang
anhaltenden
starken Schmerzen verbunden sei. Insofern habe er heute bei konklusi
ver Ergo
metrie im Oktober 2014 und seither stabilen nicht veränderten
Thoraxschmer
zen
auf eine erneute
Fahrradergometrie
verzichtet
(
Urk.
8/60/96)
.
An kardiova
skulären Risikofaktoren bestünden
ein Diabetes mellitus Typ II, eine arterielle Hypertonie und ein fortgesetzter Nikotink
onsum. Gemäss den Unterla
gen sei
einzig der Diabetes mellitus gut eingestellt, während die arterielle Hy
pertonie seit dem Herzinfarkt immer als ungenügend eingestellt beurteilt wor
den
sei, wobei aller
dings heute keine linksventrikuläre Hypertrophie zu erken
nen
sei
. Der Blutdruck b
ei der heutigen Untersuchung sei
allerdings ebenfalls leicht erhöht. Als letztes
bestehe
ein nicht unerheblicher Nikotinabusus von ca. 20
py
, der leider mit 5-7 Zigaretten pro Tag trot
z dem Herzinfarkt fortgesetzt we
rd
e
. In Ermangelung einer sicheren kardialen Ursa
che der
Anstrengungs
dyspnoe
müsse
,
somit
doch zumindest auch eine
pneumo
logische
Ursache
dif
ferential
diag
nos
tisch
in Erwägung gezogen werden. Die leicht eingeschränkte linksventrikuläre Funktion bei normaler diastolischer Funktion sollte bei gutem Trainingszustand nicht eine Dyspnoe verursachen, da der
Beschwerdeführer je
doch wegen der
Bein
schm
erzen
körperlich wenig aktiv sei
, könnte durchaus a
uch ein
Trainings
mangel
dafür mi
tverantwortlich sein
(
Urk.
8/60/96)
.
In den ersten Mon
aten nach dem Herzinfarkt seien zwei
Episoden mit Bewusst
losigkeit aufgetreten, wobei die eine eher als Einschlafen nach Alkoholgenuss und eine zweite wahrscheinlich als situative Synkope nach Def
äkation interpre
tiert worden sei
. Eine Arrhythmie
habe
im Holter-EKG damals nicht nachge
wiesen werden
können und seither seien
auch keine Synkopen oder relevanten
Palpitationen
mehr aufgetreten
(
Urk.
8/60/96)
.
Insgesamt bestehe
somit eine koronare
Eingefäss
erkrankung
mit akutem throm
boti
schem Verschluss de
r rechten Kranzarterie am 1
4.
September 2013, welche trotz
Rekanalisa
tion
, PTCA und Implantation eines Bare
Metal
Stents zur
poste
roseptalen
basalen Myokardnarbe mit leicht eingeschränkter
linksve
ntri
kulärer
Funktion geführt habe
. Eine belastungsinduzierte Ischämie
sei
seither nie nach
weisbar
gewesen (
Urk.
8/60/96 f.)
.
Aufgrun
d der oben genannten Befunde sei
der
Beschwerdeführer für schwere körperliche Arb
eiten seit dem
1
4.
September 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig. In den ersten drei Mo
na
ten nach Herzinfarkt erachte er
den
Beschwerdeführer
für eine Rehabilitation für jegliche körperliche Tätigkeiten d.h. bis ca. Ende
Dezem
ber 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig. Ab
1.
Januar
2014
seien ihm
a
us kardiolo
gischer Sicht mittel
schwere und leichte körperliche Arbeit zu 100
%
zumutbar
,
insbesondere das Tragen und Heben von Lasten bis zu 10 kg sowie wechselbe
lasten
de Arbeit. Sein Beruf als selbstständiger Restaurantbesitzer mit teils schwe
ren mehrheitlich aber leichten
und mittelschweren Arbeiten sei
aus rein kardiologischer Sicht zu 75
%
zumutbar.
Die Prognose sei
insgesamt als eher ungünstig anz
usehen, zumal die koronare Herz
krankheit
in jungen Jahren auf
getreten sei
und die kardiovaskulären Risikofaktoren
,
insbesondere die a
rterielle
Hypertonie und der Nikotinkonsum
,
nicht optimal eingestellt seien (
Urk.
8/60/97
)
.
3.2.7
Die begutachtenden Ärzte konstatierten, dass sich gesamtmedizinisch ergebe, dass der Beschwerdeführer mittelschwere und schwere körperliche Tätigkeiten nicht mehr ausüben könne. Leichte adaptierte Tätigkeiten seien ihm seit Januar 2014 zu 90
%
möglich. Als adaptiert gelte eine leichte körperliche Tätigkeit in abwechslungsreicher Position, vorwiegend sitzend sowie organisatorische und administrative Tätigkeiten (
Urk.
8/60/54 f.).
4.
4.1
Das polydisziplinäre Gutachten des
Y._
vom
1
7.
April 2015
erfüllt sämtliche rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Ents
cheidungsgrundlagen (vgl. E.
2.4
). Es beruht auf fachärztlichen Untersu
chungen durch die Gutachter (
Urk.
8/60/57 ff.;
Urk.
8/60/60 ff.;
Urk.
8/60/70 ff.;
Urk.
8/60/80 ff.
) und wurde in Kenntnis der relevanten
Vorakten
(
Urk.
8/60
/
7 ff.
)
abgegeben. Es würdigt die vorha
ndenen Arztberichte sorgfältig.
Es berück
sich
tigt die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen hinreichend auseinander. Die Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge ist einleuchtend und das Gutachten ist schlüssig.
Namentlich
er
laubt es
auch eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indika
toren gemäss dem Urteil des Bundesgerich
tes BGE 141 V 281 (vgl. dazu E. 4.4
).
4.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, dass die begutachtenden Ärzte be
treffend d
i
e Arbeitsfähigkeit widersprüchliche Aussagen machen würden, so das
s das Gutachten nicht nachvollziehbar sei (
Urk.
1 S. 4). Dem ist entgegenzu
halten, dass die Ärzte jeweils auf ihrem Fachgebiet Stellung nahmen zur Ar
beits
fähig
keit, so dass nicht von einem Widerspruch
,
sondern von einer jeweils separaten Einschätzung auszugehen ist. Gesamthaft hielten die Ärzte dan
n zu
sammen
fassend fest, dass der
Beschwerdeführer leichte körperliche Tätigkeiten in abwechs
lungsreicher Position, vorwiegend sitzend sowie organisatorische und administrative Tätigk
eiten ausüben könne (E.
3.2.7), was nicht im Wider
spruch zu den einzelnen Einschätzungen steht (vgl. E. 3.2).
4.3
Des Weitere
n
hielt der Beschwerdeführer dafür, dass es widersprüchlich sei, dass er aus psychiatrischer Sicht voll arbeitsfähig sei, eine medizinische Behandlung aber dringend notwendig erscheine (
Urk.
1 S. 4). Dem ist entgegenzuhalten, dass der psychia
trische Gutachter eine Behandlung nicht zum Erhalt oder Ausbau der
Arbeitsfähigkeit
empfahl, sondern diesbezüglich
lediglich ausführte, dass eine
ambulante psychiatrische oder psychologische Therapie zur Behandlung der soma
toformen Schmerzstörung aufgenommen werden und idealerweise eine
psy
chopharmakologische
Medikation installiert werden sollte. Dies insbesondere deshalb, da der Beschwerdeführer angegeben habe, bereits unter 30 mg
Cym
balta
nach zwei bis drei Tagen einen deutlichen analgetischen Effekt verspürt zu haben, die Medikation jedoch aufgrund von Nebenwirkungen wieder abge
setzt habe (
Urk.
8/60/78).
4.4
4.4.1
Dr.
E._
konstatierte, dass
- sofern die Schmerzsymptomatik im Bereich der rechten Leiste, des rechten Beines und des Rückens nicht ausreichend durch so
matische Befunde erklärt werden könne - eine somatoforme Schmerzstörung zu diagnostizieren sei (
Urk.
8/60/77).
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass in der rechten Leiste und im proximalen medialen Oberschenkel
aus neurologischer Sicht
eine
neuralgiforme
Schmerz
sym
ptomatik
(
Urk.
8/60/66
ff.) sowie aus rheumatologischer Sicht eine be
glei
tende
Ansatztendinose
am medialen Beckenkamm rechts vorliegt (vgl.
Urk.
8/60/86
). Aus neurologischer Sicht liegt des Weiteren im Rücken ein
Lum
bovertebralsyndrom
mit
Lumboischialgie
rechts sowie leicht abgeschwächtem ASR rechts, vereinbar mit einer lumbalen
radikulären
Schmerzsymptomatik S1 rechts
(
Urk.
8/60/66)
sowie aus rheumatologischer Sicht ein chronisches
lumbo-spondylogenes
Schmerzsyndrom bei Status nach
Lumboradikulärsyndrom
S1 rechts bei
lumbo-sacraler
Diskushernie bei Status nach erfolgreicher
Nerven
wurzelblockade
S1 rechts 11/2009
(
Urk.
8/60/86) vor.
Damit ist wohl zumindest ein
bedeutender
Teil der Schmerzen in der rechten Leiste, des Beines sowie des Rückens
somatisch
erklärbar.
4.4.2
Dr.
E._
prüfte dennoch die Überwindbarkeit der
somatoforme
n
Schmerzstö
rung
unter Berücksichtigung der Förster-Kriterien
und konstatierte, dass sie
keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zeitige (
Urk.
8/60/77).
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ur
sa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd an
schliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen
muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE 130 V 352
begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen
Versi
che
rungsvollzuges
mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3
von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht fest
zu
h
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturier
tes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – aus
schliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti
gun
g und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der
renten
an
sprechenden
Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer
Schmerz
störung
und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Re
gelfall beacht
liche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien
Schwere
grad
und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatri
schen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Standardindikato
ren
wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zu
sammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vor
gehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Aner
kennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funk
tio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchs
grundlage
im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zel
fall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
4.4.3
Dr.
E._
erhob einen grundsätzlich unauffälligen psychiatrischen Befund. Der Beschwerdeführer gebe jedoch an, aufgrund der Schmerzen und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit ab und an verzweifelt und weinerlich zu sein. Auf
grund der Schmerzsymptomatik und der damit einhergehenden Ein- und Durchschlafstörungen bestehe eine erhöhte Tagesmüdigkeit (
Urk.
8/60/75). Die diagnoserelevanten Befunde sind damit nur schwach ausgeprägt.
Ein sozialer Rückzug sei nicht vorhanden (
Urk.
8/60/75)
.
E
ine psychische Komor
bidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer sei
nicht vorhanden (
Urk.
8/60/77), hingegen
best
ünd
en
körperliche
Begleiterkran
kungen
(vgl. E. 3.2).
Damit die somatoforme Schmerzstörung invalidisierend ist, muss sie gemäss
bundes
gerichtlicher
Rechtsprechung
schwer und therapeutisch nicht mehr
an
gehbar
sein
(B
GE 141
V 281 E. 4.3.1.2)
.
In Bezug auf die Behandlung
führte
Dr.
E._
aus, dass le
d
ig
l
i
ch einmal in der
H._
ein Gesprächstermin bei einem Psychiater stattgefunden habe. Sein Hausarzt habe einmalig einen Therapieversuch mit
Cymbalta
unternommen, welcher jedoch vom Beschwer
de
führer nach zwei bis drei Tagen aufgrund der Nebenwirkungen
trotz der gu
ten Wirkung auf die Schmerzen wieder abgebrochen worden sei
. Physiotherapie
mache er ebenfalls nicht mehr, da di
es keinen Erfolg gebracht habe (
Urk.
8
/60/74).
Die
Behandlungsresistenz ist damit zu verneinen.
Die von
Dr.
E._
diagnostizierte Schmerzstörung
ist
auch unter Berücksichti
gung der Standardindikatoren
und dem Vorliegen von zumindest zum Teil so
matischen Korrelaten
aufgrund der nur sehr leicht ausgeprägten psychiatrischen Befunde als auch der
nicht ausgewiesenen Behandlungsresistenz
mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit
nicht invalidisierend bzw. ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
4.5
An der Schlüssigkeit des Gutachtens vermögen auch die im
Beschwerdeverfah
ren
eingereichten Berichte der
H._
nichts zu ändern, da die begutachtenden Ärzte über die Behandlung in Kenntnis waren und diese ent
sprechend berücksichtigten (vgl.
Urk.
8/60/103 ff.;
Urk.
8/60/9 f.;
Urk.
8/60/
63;
Urk.
8/60/74;
Urk.
8/60/83;
Urk.
8/60/87). Des Weiteren geht aus diesen Be
rich
ten auch keine Verschlechterung seit dem Gutachtenszeitpunkt hervor (
Urk.
12/1
;
Urk.
12/5;
Urk.
12/7;
Urk.
12/10;
Urk.
12/11;
Urk.
12/13
).
5.
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der gutachterlich attestierten Arbeitsfähigkeit.
5.1
5.1.1
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypo
the
ti
schen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und
Inva
lideneinkommen
auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfäl
lige
renten
wirksame
Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum
Verfü
gungserlass
respektive bis zum
Einspracheentscheid
zu berücksichtigen sind. Bevor die Verwaltung über einen Leistungsanspruch befindet, muss sie daher prüfen, ob allen
falls in der dem Rentenbeginn folgenden Zeit eine erhebliche Veränderung der hypothetischen Bezugsgrössen eingetreten ist. Gegebenenfalls hat sie vor ihrem Entscheid einen weiteren Einkommensvergleich durchzufüh
ren (BGE 129 V 222 E. 4.2 in
fine
, 128 V 174, Urteil des Bundesgerichts I 156/02 vom 26. Mai 2003).
5.1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
)
, in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches (
Art.
29
Abs.
1 IVG). Der Beschwer
deführer meldete sich am 1
2.
Juli
2013 (Eingangsdatum,
Urk.
8/1) zum
Leis
tungs
bezug
an. Damit entstand der Rentenanspruch frühestens per
1.
Januar 201
4.
Der begutachtend
e Kardiologe führte aus, dass der Beschwerdeführer
in den ersten drei Monaten nach dem Herzinfarkt vollumfänglich arbeitsunfähig ge
wesen sei. Ab dem
1.
Januar 2014 seien ihm aus kardiologischer Sicht mittel
schwere und leichte körperliche Arbeiten vollumfänglich zumutbar (
Urk.
8/60/53
).
Gesamtmedizinisch hielten die begutachtenden Ärzte entspre
chend fest, dass dem Beschwerdeführer seit Januar 2014 sämtlich
e adaptierten Tätigkeiten zu 90
% möglich seien (
Urk.
8/60/54).
Eine genaue Berechnung des Beginns bzw. Ablaufs des Wartejahres kann
entsprechend
unterbleiben.
5.3
5.3.1
Der Besc
hwerdeführer reiste im Jahr 2005 in die Schweiz ein und war in der Fo
lge als
Pizzaiolo
und
Polymechaniker
tätig
, bis er sich im Dezember 2009 als
Wirt selbständig machte (Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung,
Urk.
8/
29/4; vgl. IK-Auszug vom
5.
August 2013,
Urk.
8/4). Im Jahr 2012 ar
beitete er - trotz selbständiger Erwerbstätigkeit - für kurze Zeit als Maurer, was gesundheitlich
bedingt nicht gut gegangen sei (Standortgespräch vom 1
3.
August
2013,
Urk.
8/
5/
3
;
Lebenslauf,
Urk.
8/8;
Urk.
8/4).
Des Weiteren führte er aus, dass die selbständige Tätigkeit nur einen eher geringen Reinge
w
inn abgeworfen
habe (
Urk.
8/5/2
).
Zusammenfassend
ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszuge
hen, dass der Beschwerdeführer
heute
auch im Gesundheitsfall
nicht mehr seiner selbständigen Tätigkeit als Wirt, sondern
einer
besser bezahlten
un
selbständigen
Tätigkeit nachgehen würde.
Entgegen den Ausführungen der Beschwe
rdegegnerin ist
demnach
nicht der Tabellenlohn für eine Tätigkeit in der Gastronomie heranzuziehen, sondern der
jenige für männ
liche Hilfsarbeiter entsprechend dem
Tabellenlohn der Schwei
ze
rischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012 (LSE 2012, TA1 Monatlicher Brutto
lohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau
und Ge
schlecht, Privater Sektor
,
Männer,
Einfache
Tätigkeiten körperlicher oder hand
werklicher Art
,
Total).
5.3.2
Gestützt auf das Gutachten des
Y._
sind dem Beschwerdeführer sämtliche leichten Tätigkeiten in abwechslungsreicher Position, vorwiegend sitzend, sowie organisatorische und administrative Tätigkeiten in einem Pensum von 90
%
seit Januar 2014
zumutbar (
Urk.
8/60/54 f.).
Für das
Valideneinkommen
ist
entspre
chend
ebenfalls auf den Tabellenlohn der LSE
2012 für Männer in einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art in Höhe von
Fr.
5‘210.-- ab
zustellen
(LSE 2012, TA1 Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirt
schaftszweigen, Kompetenzniveau
und Geschlecht, Privater Sektor
, Total)
.
Da das Validen- und das Invalideneinkommen beide anhand des gleichen
Tabel
lenlohns
festzusetzen sind, kann ein Prozentvergleich erfolgen.
Der Be
schwerdeführer
brachte vor, es sei ein Leidensabzug zu berücksichtigen. Ob ein Leidensabzug gerechtfertigt ist oder nicht, kann vorliegend allerdings offen
bleiben, da selbst unter Berücksichtigung eines maximalen Leidensabzuges von 25
%
ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von
32.5
%
resultieren würde
(
1 - 0.9 x 0.75).
6.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die
zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung
beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Der
Beschwerdeführer
beantragte
, es seien ihm vorerst be
rufliche Massnah
men zu gewähren.
Die beruflichen Massnahmen sind
allerdings
nicht Gegen
stand der
angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Juni
2015 und entsprechend auch nicht Gegen
stand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens (
Urk.
2), womit nicht
auf diesen Antrag
einzutreten ist.
7.
Damit erweist sich die
angefochtene
Verfügung als rechtens und die Beschwerde ist vollumfänglich ab
zuweisen
,
soweit darauf ein
zu
treten
ist
.
8
.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Besc
hwerdeverfahren vor dem kanto
na
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des
gesetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) auf
Fr.
600.-- festzusetzen und
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.