Decision ID: 1a2ad894-0e52-47a3-a0e8-cff2c8d0d929
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführer,
gegen
RAV St. Gallen, Unterstrasse 4, Postfach, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vermittlungsfähigkeit (Vermittlungsbereitschaft)
Sachverhalt:
A.
A.a G._ war vom 16. April 2008 bis 30. September 2008 befristet zu 100 % als
Saisonbademeister beim A._ angestellt (act. G 5.1/B25). Ab dem 1. Oktober 2008
wurde er vom A._ bis zum 15. April 2009 mit einem Teilzeitpensum von 40 % als
Bademeister im B._ angestellt (act. G 5.1/B24). Am 15. Oktober 2008 stellte der
Versicherte bei der Arbeitslosenkasse des Kantons St. Gallen Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung ab 1. Oktober 2008 (act. G 5.1/C24). Er gab gegenüber
seiner Personalberaterin beim RAV St. Gallen an, dass die Einsätze im Rahmen des
Pensums von ca. 40 % sehr unregelmässig nach einem Einsatzplan für jeweils zwei
Wochen erfolgten. Er suche lediglich eine Anstellung im Umfang von ca. 60 % in
zeitlich angepasster Ergänzung zu den 40 %, dies am besten nur bis April 2009, da ab
dann der Beschäftigungsgrad wieder auf 100 % erhöht werde (Sommersaison, act.
G 5.1/A3 und A13). Mit Schreiben vom 5. November 2008 teilte das RAV dem
Versicherten mit, dass die Vermittlungsfähigkeit ab Antragsstellung in Frage gestellt
werde, weil das Finden einer ergänzenden Teilzeitstelle genau angepasst an den
Arbeitseinsatz beim A._ als aussichtslos bezeichnet werden müsse. Weil der
Versicherte für die Zeit vor der Anmeldung beim RAV nur Bewerbungen für
Teilzeitstellen vorweisen könne, müsse davon ausgegangen werden, dass er für eine
Vollzeitstelle nicht vermittlungsfähig sei. Der Versicherte wurde zur Stellungnahme
aufgefordert (act. G 5.1/A10). Mit schriftlicher Stellungnahme vom 8. November 2008
erklärte der Versicherte, er werde definitiv ab April 2009 wieder zu 100 % als
Bademeister arbeiten. Weiter gab er an, er arbeite schon seit mehreren Jahren in
diesem Rhythmus und habe bis jetzt immer diverse Teilzeitbeschäftigungen gefunden.
Es gebe immer wieder Teilzeitstellen, die trotz seiner unregelmässigen Arbeitszeit in
Frage kämen (act. G 5.1/A9). Auf entsprechende Nachfrage des RAV vom 18.
November 2008 (act. G 5.1/A8) erklärte der Versicherte mit Schreiben vom 19.
November 2008, er sei nicht bereit, die Teilzeitstelle beim A._ zugunsten einer
Vollzeitbeschäftigung aufzugeben, da ihm die Arbeit sehr gut gefalle und er ziemlich
sicher kurz vor einer Festanstellung stehe (act. G 5.1/A6).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.b Mit Verfügung vom 9. Dezember 2008 stufte das RAV St. Gallen den Versicherten
ab dem 15. Oktober 2008 (Antragsstellung) als nicht vermittlungsfähig ein. Zur
Begründung wird ausgeführt, dass der Versicherte gemäss Praxis und Rechtsprechung
verpflichtet wäre, Vollzeitstellen zu suchen und seinen Zwischenverdienst zugunsten
einer Vollzeitstelle aufzugeben. Da er ausdrücklich erklärt habe, seine Teilzeitstelle beim
A._ auf keinen Fall zugunsten einer anderen Festanstellung aufzugeben und
ausnahmslos nur Teilzeitstellen suche, sei seine Vermittlungsfähigkeit wegen fehlender
Vermittlungsbereitschaft abzulehnen (act. G 5.1/A5).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Eingabe vom 12. Dezember 2008
Einsprache. Er machte geltend, er habe auf den 1. Januar 2009 eine Festanstellung
beim A._ erhalten. Zur Vermittlungsfähigkeit machte er geltend, er habe in den letzten
Jahren immer eine Ergänzung zu seiner Teilzeitstelle gefunden. Es treffe zu, dass er
anfänglich seine Teilzeitstelle keinesfalls habe künden wollen. Als er gesehen habe,
dass es mit der Auszahlung von Arbeitslosengeld schlecht aussehe, habe er sich
entschlossen, mit dem Leiter des A._ zu sprechen, damit er möglichst schnell für
eine Feststelle berücksichtigt werden könne. Zum Glück habe es geklappt. Ansonsten
wäre er bereit gewesen, die Teilzeitstelle als Bademeister zu künden und eine
Vollzeitstelle zu suchen (act. G 5.1/A2).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 27. Januar 2009 wies das RAV St. Gallen die
Einsprache ab. Zur Begründung führte es aus, dass der Versicherte sich sowohl vor
Beendigung des befristeten Arbeitsvertrags als auch nach Eintritt der Arbeitslosigkeit
geweigert habe, eine Stelle im Umfang von hundert Stellenprozenten zu suchen und
vielmehr angegeben habe, nur an Arbeitsverträgen interessiert zu sein, die bis zur
Aufnahme der Bademeistertätigkeit im Sommer 2009 befristet seien. Alleine schon aus
dem Grund, dass der Versicherte bewusst nach saisonalen Stellen gesucht und sich
geweigert habe, Dauerstellen in Drittbetrieben anzunehmen, sei die
Vermittlungsfähigkeit zu verneinen. Darüber hinaus sei die Vermittlungsfähigkeit auch
zu verneinen, weil der Versicherte eine Anstellung gesucht habe, bei der ein
Arbeitgeber ihn in Ergänzung zu der mehr oder weniger flexiblen Arbeitseinteilung im
B._ beschäftigen würde und davon auszugehen sei, dass ein Arbeitgeber einen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bewerber für eine Dauerstelle berücksichtigen würde, der seine Arbeitskraft
uneingeschränkt zur Verfügung stellen würde. Auch die Annahme des Angebots des
bisherigen Arbeitgebers, die Teilzeitstelle beim A._ in eine Dauerstelle umzuwandeln,
sei nicht in Erfüllung der Schadenminderungspflicht erfolgt, da der Beschwerdeführer
nicht bereit gewesen sei, sich um Drittstellen zu bewerben. Entsprechend bestehe für
die beschäftigungslose Übergangszeit vom 15. Oktober bis zum 31. Dezember 2008
kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (act. G 5.1/A1).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 16. Februar
2009. Der Beschwerdeführer beantragt sinngemäss die Aufhebung des
Einspracheentscheids und die Zusprechung von Arbeitslosenentschädigung für den
Zeitraum vom 15. Oktober 2008 bis 31. Dezember 2008. Er macht geltend, ein
Mitarbeiter des Rechtsdienstes des RAV St. Gallen habe ihm vor der Anmeldung beim
RAV am Telefon versichert, in seinem Fall bestehe Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung. Nach der Anmeldung beim RAV habe er jeden Monat
mindestens 12 Bewerbungen auf Teilzeitstellen geschrieben und sich um eine rasche
Festanstellung beim A._ bemüht, welche er dann auch per 1. Januar 2009 erhalten
habe. Ansonsten hätte er gekündigt (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 20. Mai 2009 beantragt der Beschwerdegegner unter
Verweisung auf die Ausführungen in der Verfügung und im Einspracheentscheid die
Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Der Beschwerdeführer hat die ihm eingeräumte
Gelegenheit zur Einsichtnahme in die vom Beschwerdegegner eingereichten Akten und
zur Stellungnahme ungenützt verstreichen lassen (act. G 6 und G 7).

Erwägungen:
1.
1.1 Eine der Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ist die
Vermittlungsfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 lit. f des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Die
arbeitslose Person ist vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen
(Art. 15 Abs. 1 AVIG). Zur Vermittlungsfähigkeit gehört demnach auch die persönliche
Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen während
der üblichen Arbeitszeit einzusetzen (BGE 120 V 388 E. 3a mit Hinweisen).
Wesentliches Merkmal der Vermittlungsbereitschaft ist dabei im Allgemeinen die
Bereitschaft zur Annahme einer Dauerstelle (ARV 2004 Nr. 13 S. 126 E. 2.3 mit Hinweis
auf Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; ab 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 17. Juni 2003, C 272/02). Die
Bereitschaft der versicherten Person, eine neue Stelle anzutreten, ist aufgrund
objektiver Kriterien zu prüfen. Der Wille allein oder die bloss verbal erklärte
Vermittlungsbereitschaft der versicherten Person genügen nicht (BGE 122 V 266 f. E.
4).
1.2 Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung sind Personen, die bewusst nur
saisonale Arbeitsverhältnisse eingehen und deren Arbeitsbemühungen sich stets auf
zeitlich befristete Stellen beschränken, nicht vermittlungsfähig (ARV 2000 Nr. 29,
S. 150; ARV 2005 Nr. 19, S. 211, E. 2.2; Urteil des EVG vom 24. Dezember 2004, C
157/04, E. 2.2). Disponiert ein Arbeitnehmer bewusst so, dass sich immer wieder kurze
Unterbrüche der Erwerbstätigkeit ergeben, nimmt er die entsprechenden
Verdiensteinbussen freiwillig in Kauf (ARV 2005 Nr. 19, S. 211 E. 2.3). Um der
Schadenminderungspflicht zu genügen, muss eine versicherte Person ihre
Arbeitsbemühungen auf berufsfremde Dauerstellen ausdehnen, wovon sie weder Alter
noch Ausbildung und bisherige Tätigkeit oder die wirtschaftliche Lage entbinden (ARV
2000 Nr. 29, S. 150). Dasselbe gilt gemäss Art. 14 Abs. 3 der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV;
SR 837.02) für Versicherte, die vor ihrer Arbeitslosigkeit temporär beschäftigt waren.
Diese gelten nur dann als vermittlungsfähig, wenn sie bereit und in der Lage sind, eine
Dauerstelle anzunehmen.
1.3 Die Vermittlungsfähigkeit setzt gemäss Art. 15 Abs. 1 AVIG auch voraus, dass die
arbeitslose Person "in der Lage" ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen. Dazu gehört
auch die Verfügbarkeit in zeitlicher Hinsicht (vgl. Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer (Hrsg.), Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Rz. 264, S. 2259).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eine versicherte Person, die für eine neue Beschäftigung nur noch während relativ
kurzer Zeit zur Verfügung steht, weil sie auf einen bestimmten Termin hin anderweitig
disponiert hat, gilt in der Regel nicht als vermittlungsfähig. In einem solchen Fall sind
nämlich die Aussichten, zwischen dem Verlust der alten und dem Antritt der neuen
Stelle von einem dritten Arbeitgeber angestellt zu werden, verhältnismässig gering.
Entscheidend für die Beurteilung des Einzelfalls ist dabei, ob mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, dass ein Arbeitgeber die
versicherte Person für die konkret zur Verfügung stehende Zeit noch einstellen würde
(BGE 110 V 207 E. 1; ARV 2000 Nr. 29, S. 150, E. 1b). Das Eidgenössische
Versicherungsgericht hat jedoch wiederholt darauf hingewiesen, dass die dargelegte
Rechtsprechung nicht dazu führen darf, jenen arbeitslosen Versicherten zu bestrafen,
der eine geeignete, aber nicht unmittelbar freie Stelle findet und annimmt. Es handelt
sich dabei um jenen Versicherten, der in Erfüllung seiner Schadenminderungspflicht
alle jene Vorkehrungen getroffen hat, die man vernünftigerweise von ihm erwarten darf,
damit er so rasch als möglich eine neue Stelle antreten kann. Einem solchen
Versicherten ist es nicht zuzumuten, im Hinblick auf einen – theoretisch zwar
möglichen, praktisch aber wenig wahrscheinlichen – früheren Stellenantritt mit dem
Abschluss des neuen Arbeitsvertrages zuzuwarten und dadurch das Risiko einer
allenfalls noch längeren Arbeitslosigkeit auf sich zu nehmen (ARV 2000 Nr. 29, S. 150,
E. 1b; BGE 110 V 207 E. 1; BGE 123 V 214 E. 5a).
2.
Vorliegend ist die Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers für die Zeit vom 15.
Oktober 2008 bis zum 31. Dezember 2008 strittig. Aus den Akten ergibt sich, dass der
Beschwerdeführer schon seit dem Jahr 2004 jeweils im Sommer auf ein halbes Jahr
befristeten Stellen als Bademeister nachgeht. Im Winterhalbjahr war er entweder
ebenfalls als Bademeister tätig oder ging Temporärstellen nach (vgl. act. G 5.1/B4).
Nach der Anmeldung bei der Arbeitslosenkasse am 15. Oktober 2008 erklärte der
Versicherte gegenüber der Personalberaterin des RAV, dass er nur an einer
zusätzlichen Teilzeitstelle als Ergänzung zu seiner ca. 40 %-Stelle als Bademeister
interessiert sei (act. G 5.1/A13). Am 8. November 2008 gab er im Rahmen der
Gewährung des rechtlichen Gehörs durch das RAV an, er werde definitiv ab April 2009
wieder zu 100 % als Bademeister tätig sein (act. G 5.1/A9). Auf Nachfrage des RAV hin
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erklärte er am 19. November 2008, dass er nicht bereit wäre, seine Teilzeitstelle als
Bademeister aufzugeben, da er ziemlich sicher kurz vor einer Festanstellung stehe (act.
G 5.1/A6). Auch aus den in den Akten liegenden Formularen "Nachweis der
persönlichen Arbeitsbemühungen" für die Monate Oktober und November 2008 ergibt
sich, dass sich der Beschwerdeführer ausschliesslich für Teilzeitstellen beworben hat
(act. G 5.1/A15 und B40). Erst in der Einsprache und in der Beschwerdeschrift,
nachdem er auf ein Jahr befristete Anstellung als Bademeister (vom 1. Januar 2009 bis
zum 31. Dezember 2009) erhalten hatte (vgl. act. G 5.1/A4), erklärte der
Beschwerdeführer, er wäre notfalls auch bereit gewesen, seine Teilzeitstelle als
Bademeister zugunsten einer anderen Vollzeitstelle zu kündigen, nachdem er gesehen
habe, dass es mit der Auszahlung der Arbeitslosenentschädigung Probleme geben
könnte (act. G 5.1/A2 und act. G 1). Der Beschwerdeführer ist somit seit mehreren
Jahren immer nur i.d.R. auf ein halbes Jahr befristeten Arbeitsstellen nachgegangen,
wobei er im Sommer jeweils als Bademeister im Freibad tätig war. Auch nach der
Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung im Oktober 2008 gab der
Beschwerdeführer an, dass er an diesem Rhythmus nichts ändern und ab April 2009
wieder zu 100 % als Bademeister tätig sein wolle. Mit dieser seit mehreren Jahren
praktizierten Lebensführung hat der Beschwerdeführer das Risiko bewusst in Kauf
genommen, im Winter für eine gewisse Zeit ganz oder teilweise arbeitslos zu werden.
Es geht nicht an, dass ein Versicherter jeweils im Sommer einer Vollzeittätigkeit
nachgeht und bei der Arbeitslosenversicherung ganz oder teilweise jeweils im Winter
überbrückungsweise Taggelder bezieht. Dies würde dem Zweck der
Arbeitslosenversicherung der raschen und dauerhaften Eingliederung in den
Arbeitsmarkt (vgl. Art. 1a Abs. 2 AVIG) widersprechen. Da der Beschwerdeführer somit
nicht bereit war, eine Dauerstelle anzunehmen, hat der Beschwerdegegner die
Vermittlungsfähigkeit zu Recht verneint.
3.
Die Vermittlungsfähigkeit ist zudem aus einem weiteren Grund zu verneinen. Da der
Beschwerdeführer nicht bereit war, seine 40%-Stelle als Bademeister im B._
aufzugeben, die Arbeitseinsätze sehr unregelmässig waren und er zudem nur eine
befristete Stelle bis April 2009 suchte, war die Wahrscheinlichkeit, eine passende
ergänzende Teilzeittätigkeit zu finden, als sehr gering einzustufen. Die Situation des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführers ist auch nicht mit derjenigen vergleichbar, in welcher ein
Versicherter alle Vorkehren für einen raschmöglichsten Stellenantritt getroffen hatte und
es ihm nicht zumutbar gewesen wäre, im Hinblick auf einen wenig wahrscheinlichen
früheren Stellenantritt mit dem Abschluss eines neuen Arbeitsvertrages zuzuwarten
(vgl. vorstehende Erwägung 1.3 mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer hatte es nicht in
der Hand, mit dem A._ einen Ganzjahresvertrag abzuschliessen; dieser war ihm auch
nicht zugesichert. Es lag ihm auch nicht daran, eine Ganzjahresstelle zu finden, ausser
eben einer Stelle als Bademeister. Somit hat der Beschwerdegegner nicht in Erfüllung
seiner Schadenminderungspflicht alles unternommen, was von ihm erwartet werden
konnte, um möglichst rasch eine neue Stelle antreten zu können. Insbesondere hat er
sich geweigert, eine Dauerstelle bei einem anderen Arbeitgeber zu suchen. Der
Beschwerdeführer kann deshalb nichts zu seinen Gunsten daraus ableiten, dass er ab
dem 1. Januar 2009 eine ganzjährige Anstellung als Bademeister erhalten hat.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, ein Mitarbeiter des Rechtsdienstes habe
ihm vor der Anmeldung beim RAV zugesichert, in seinem Fall bestehe Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung. Damit macht der Beschwerdeführer sinngemäss den
Vertrauensschutzgrundsatz für sich geltend.
4.2 Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben (vgl. Art. 9 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]), der eine
Person in ihrem berechtigten Vertrauen auf behördliches Verhalten schützt, können
falsche Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine
vom materiellen Recht abweichende Behandlung der rechtsuchenden Person gebieten.
Gemäss Rechtsprechung und Doktrin ist dies der Fall, 1. wenn die Behörde in einer
konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte Personen gehandelt hat; 2. wenn sie für
die Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende
Person die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte;
3. wenn die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erkennen
konnte; 4. wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen
getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können und 5. wenn
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren hat (BGE
131 V 472 E. 5 mit Hinweisen).
4.3 Der genaue Inhalt des Telefongesprächs lässt sich nicht mehr rekonstruieren,
zumal der Beschwerdeführer selber angibt, er könne sich nicht mehr an den Namen
des betreffenden Mitarbeiters erinnern (vgl. act. G 5.1/A9). Geht man von der
Schilderung des Beschwerdeführers aus, wonach der betreffende Mitarbeiter ihm
gesagt habe, in seinem Fall bestehe Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung und er
solle sich beim RAV melden, kann festgehalten werden, dass gar keine falsche
Auskunft erteilt wurde. Da der Versicherte ab dem 1. Oktober 2008 unbestritten
teilweise arbeitslos war (vgl. Art. 8 Abs. 1 lit. a AVIG i.V.m. Art. 10 Abs. 2 lit. b AVIG),
hätte er bei Erfüllung der übrigen Anspruchsvoraussetzungen in Art. 8 Abs. 1 lit. b bis g
AVIG Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung gehabt. Dass der betreffende
Mitarbeiter gegenüber dem Beschwerdeführer weitergehende Aussagen betreffend
dessen Vermittlungsfähigkeit gemacht hätte, lässt sich nicht mehr nachweisen. Der im
Sozialversicherungsrecht geltende Untersuchungsgrundsatz (vgl. Art. 43 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]) schliesst eine Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast aus. Wenn es
sich jedoch als unmöglich erweist im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen, fällt der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableitet (BGE 117 V 261 E. 3b mit
Hinweisen). Da vorliegend der Beschwerdeführer Rechte aus einer behaupteten
falschen Auskunft seitens der Verwaltung ableiten will, ist infolge der Beweislosigkeit zu
seinen Ungunsten zu entscheiden. Somit ist davon auszugehen, dass keine
Vertrauensgrundlage vorliegt, weshalb die Berufung auf den Vertrauensschutz ausser
Betracht fällt.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 27. Januar 2009 abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG