Decision ID: 7704bde4-5958-4a1e-a176-272ab86601cc
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 21. Juni 2005 (vgl. IV-act. 1, IV-act. 9) erstmals bei der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich Umschulung. Sie sei 19_ in
die Schweiz gekommen und sei seit 199_ bei ihrer Arbeitgeberin (als Montage-
Mitarbeiterin, IV-act. 25) angestellt. Seit 1999 leide sie an Rückenschmerzen. Dr. med.
B._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, gab am 30. Juni 2005 (IV-act. 17)
bekannt, die physiotherapeutischen Massnahmen hätten bei den Rückenbeschwerden
jeweils nur kurz Linderung gebracht. Mittlerweile erfolge eine psychiatrische
Behandlung. Die Versicherte habe eine gute Motivation zur Erhaltung der
Arbeitsfähigkeit. Die bisherige Arbeit sei halbtags zumutbar. Eine leichtere,
rückengerechte Arbeit wäre ohne verminderte Leistungsfähigkeit möglich. Letzteres
bestätigte auch Dr. med. C._, Fachärztin für Rheumaerkrankungen FMH, am 5. Juli
2005 (IV-act. 19). Die MEDAS Ostschweiz gab in einem polydisziplinären Gutachten
vom 9. November 2005 (IV-act. 28) bekannt, es lägen (erstens) eine anhaltende
A.a.
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somatoforme Schmerzstörung, (zweitens) ein diffuses chronisches Schmerzsyndrom
lumboischialgiform, rechts mehr als links sowie cervikocephal und pectoral links, mit
vielen vegetativen Begleitbeschwerden und (drittens) ein chronisches
lumbospondylogenes Syndrom bei degenerativen Veränderungen (das übliche
Altersausmass nicht wesentlich übersteigend) vor. Die Arbeitsfähigkeit werde
vordergründig durch ein diffuses chronisches Schmerzsyndrom eingeschränkt,
welches nur zu einem kleineren Teil objektivierbar sei. Von wesentlicher Bedeutung
seien die psychosozialen Faktoren. Unter Beachtung aller Aspekte werde die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis mittelschwere
rückenadaptierte Tätigkeiten auf 20 % geschätzt. Körperlich schwere Arbeiten seien
aufgrund des chronischen Schmerzsyndroms nicht mehr möglich. - Gemäss
Schlussbericht der IV-Eingliederungsberatung vom 13. Dezember 2005 (IV-act. 33)
erklärte die Versicherte, noch bis Ende Jahr sei sie nach einer Unterleibsoperation voll
arbeitsunfähig (_ am _. _ 2005, IV-act. 39). - Am 4. Januar 2006 (IV-act. 37) lehnte
die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle das Gesuch um berufliche Massnahmen ab,
weil die Versicherte angemessen eingegliedert sei. Eine Einsprache hiergegen vom
24. Januar 2006 (IV-act. 38) wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle mit
Einspracheentscheid vom 23. Mai 2006 (IV-act. 52, unangefochten geblieben) ab.
Am 8. August 2006 (IV-act. 61) ersuchte der Rechtsvertreter der Versicherten unter
Beilage eines Berichts der Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen an ihn
vom 5. Juli 2006 (IV-act. 62) um Durchführung weiterer Abklärungen. Mit Vorbescheid
vom 15. Februar 2007 (IV-act. 69 f.) wurde der Versicherten mitgeteilt, dass auf das
Gesuch nicht eingetreten werde, weil sich aus dem eingelegten Bericht keine neuen
Aspekte ergäben. Nach einem Einwand vom 19. März 2007 (IV-act. 71; die
Abklärungen seien auch für das sinngemäss gestellte Rentengesuch von Bedeutung)
verfügte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle am 21. Mai 2007 (IV-act. 72) wie
angekündigt. Auf Beschwerde vom 20. Juni 2007 (IV-act. 74) hin legte das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen im Entscheid vom 17. Oktober 2008 (IV-
act. 86) dar, die Regeln zur Behandlung von Neuanmeldungen nach Erlass einer
leistungsablehnenden Verfügung bezögen sich nur auf gleichlautende
Leistungsgesuche. Bei Geltendmachung eines anderen Versicherungsfalls (wie einer
Rente) könne einer versicherten Person die betreffende Rechtskraft nicht
A.b.
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B.
entgegengehalten werden. Die Sache wurde unter Aufhebung der Verfügung an die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle zurückgewiesen. - In einem IV-Arztbericht vom
16. März 2009 (IV-act. 98) gab das Psychiatrie-Zentrum D._ an, es bestünden eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine mittelgradig depressive Episode.
Die Versicherte werde seit dem 11. Dezember 2007 behandelt (davor seit 2001 durch
Dr. med. E._); die Arbeitsunfähigkeit betrage seither 50 %. Vom 21. September bis
12. Oktober 2004 sei sie stationär in der Klinik F._ gewesen. Die bisherige Tätigkeit
sei nicht mehr zumutbar, eine körperlich nicht anstrengende Tätigkeit sei es an vier
Stunden pro Tag. - Die MEDAS Ostschweiz diagnostizierte bei der Versicherten
gemäss ihrem polydisziplinären Gutachten vom 30. Oktober 2009 (IV-act. 104)
hauptsächlich eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, eine mittelgradige
depressive Störung, ein diffuses chronisches Schmerzsyndrom lumboischialgiform
beidseits sowie cervicocephal und -brachial beidseits mit vielen vegetativen
Begleitbeschwerden und ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom bei
degenerativen Veränderungen der unteren Lendenwirbelsäule. Die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit für körperlich eher leichte bis vereinzelt mittelschwere rückenadaptierte
Tätigkeiten betrage 30 %. Vom 11. Dezember 2007 bis längstens zum
Untersuchungszeitpunkt im August 2009 habe die Arbeitsunfähigkeit 50 %
ausgemacht. - Mit Verfügung vom 9. April 2010 (IV-act. 116) sprach die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten für die Zeit vom 1. Dezember
2008 bis 31. August 2009 eine halbe Rente zu.
Am 23./27. Februar 2018 (IV-act. 123) beantragte die Versicherte erneut
Leistungen der Invalidenversicherung. Sie sei seit _ 201_ und noch bis Ende März
2018 Mitarbeiterin in einer _ mit einem Pensum von 90 %. Seit _. Oktober 2017 sei
sie aus psychischen Gründen voll arbeitsunfähig. Ab "1. April 2018" sei sie bei der
Arbeitslosenversicherung angemeldet bzw. erhalte von dort Leistungen. - Auf
Schreiben der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle vom 1. März 2018 (IV-act. 127) hin
reichte der Rechtsvertreter der Versicherten am 11. Mai 2018 (IV-act. 135) einen
Bericht der Reha G._ vom 21. Dezember 2017 (IV-act. 137-8 f., letzte Seite IV-
act. 141-11) und ein für die Krankentaggeldversicherung erstelltes psychiatrisches
Gutachten von med. pract. H._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
B.a.
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vom 13. Februar 2018 (IV-act. 136) ein und hielt dafür, eine anspruchserhebliche
Änderung sei damit mehr als glaubhaft gemacht. - Die Reha G._ hatte der
behandelnden Psychiaterin über den stationären Aufenthalt der Versicherten vom
21. November bis 18. Dezember 2017 berichtet. Beim Aspekt der Physiotherapie war
erwähnt worden, die Schmerzsymptomatik sei (bei Austritt) zum Teil remittiert
gewesen. Die Versicherte habe sehr gut mitgearbeitet. Vor allem durch
körperorientierte Zugänge habe sie wieder einen Bezug zum Körper herstellen können.
Es war festgehalten worden, die Versicherte habe erklärt, seit etwa 15 Jahren
Antidepressiva einzunehmen. Die medikamentöse Behandlung mit Valdoxan und
Cipralex sei unter EKG- und Laborkontrollen unverändert fortgeführt worden. Die
Bestimmung des Cipralex-Spiegels habe Werte im Normbereich ergeben. Zum
Entlassungszeitpunkt sei die Versicherte deutlich stimmungsstabilisiert gewesen. Bis
zum 9. Januar 2018 werde sie noch voll arbeitsunfähig geschrieben. Es werde eine
stufenweise berufliche Eingliederungsmassnahme mit maximal einem Pensum von
50 % empfohlen. - Med. pract. H._ hatte im Gutachten berichtet, die Versicherte
habe angegeben, schon lange gesundheitliche Probleme zu haben und schon 2004 in
der Klinik F._ gewesen zu sein. Trotzdem habe sie - bei ausserdem sehr schwierigen
Arbeitsbedingungen - gearbeitet, solange sie es gekonnt habe, also bis Oktober 2017.
Damals habe sie eine intensivierte Behandlung in der Klinik G._ benötigt, die ihr
geholfen habe. Im Januar 2018 habe sie dann die Kündigung bekommen; nun gehe es
ihr wieder deutlich schlechter. Ihre Schmerzen, vor allem im Rücken und Nacken, seien
immer da, auch wenn sie vorübergehend etwas besserten, wenn sie Schmerzmittel
nehme. Sie werde sicherlich wieder eine Stelle suchen, denn sie wisse, dass es für ihre
Gesundheit nicht gut sei, gar nichts zu arbeiten, doch brauche sie noch mehr Kraft. Für
unterstützende Schritte bei der beruflichen Wiedereingliederung sei sie offen. Der
Gutachter hatte festgehalten, die Versicherte zeige ein depressives Zustandsbild -
mindestens im Ausprägungsgrad einer mittelgradigen depressiven Episode.
Ausserdem finde sich syndromal eine ausgeprägte generalisierende
Schmerzbeschwerdeentwicklung, wobei sich die Schmerzen somatisch mindestens
nicht hinreichend würden erklären lassen. Die Leistungsreserve bestehe für eine
maximal 50 % betragende Arbeitsbelastung in der freien Wirtschaft auf einfachem
Hilfsarbeiterinnenniveau. Bei der Umsetzung dieser Teilarbeitsfähigkeit von 50 % sei
die Versicherte auf einen schrittweisen Aufbau und eine rehabilitativ unterstützende
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Begleitung angewiesen. Es werde die Empfehlung der Klinik G._ bestätigt. Es sei ein
koordiniertes Vorgehen der Leistungsträger zur beruflichen Wiedereingliederung,
insbesondere mit Einbezug der IV-Stelle, zu empfehlen. Ohne aktivierende Schritte
bestehe eine erhöhte Gefahr einer dysfunktional-selbstlimitierenden Fehlentwicklung
und Symptomausbildung mit Chronifizierung des Krankheitsgeschehens. Das
Zustandsbild sei weiter behandlungs- und besserungsfähig. Mit erhöhter
Wahrscheinlichkeit sei in den nächsten zwei bis drei Behandlungsmonaten eine
Teilarbeitsfähigkeit von mindestens 80 % möglich, das lasse sich aber noch nicht
abschliessend prognostizieren. - Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der
Invalidenversicherung ging am 18. Mai 2018 (IV-act. 138) von einem
Eingliederungspotential von 50 % und einer Steigerungsfähigkeit der Arbeitsfähigkeit
auf 80 bis 90 % innerhalb von drei bis sechs Monaten aus.
Dr. med. I._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, teilte im IV-
Arztbericht vom 1. Juni 2018 (IV-act. 141) mit, sie behandle die Versicherte seit dem
11. Juni 2009. Es lägen eine rezidivierende depressive Störung, ggw. mittelgradige
depressive Episode (seit 2007), und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(seit ca. 2005) vor. Die Versicherte habe immer wieder versucht und es geschafft, zu
arbeiten. Ihre letzte Stelle zu 100 % habe sie wegen einer sehr reduzierten
Belastbarkeit und Stresstoleranz nicht behalten können; sie sei ihr gekündigt worden
und die Versicherte sei nun arbeitslos. Auf die Frage, wie der Verlauf der bisher
attestierten Arbeitsunfähigkeit aussehe, benannte die Ärztin eine volle
Arbeitsunfähigkeit während der Zeit vom 6. November 2017 bis 1. Juni 2018 und eine
solche von 80 % (sc. künftig) ab 1. Juli 2018. Auf die Frage, für welche Tätigkeiten sie
die Arbeitsunfähigkeit attestiert habe, antwortete sie, für alle Tätigkeiten. Bei der Frage,
wie viele Stunden pro Tag die bisherige Tätigkeit zumutbar sei, vermerkte die Ärztin
das Zeichen für null und gab auch an, die Frage nicht beantworten zu können. Die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten in angepasster Tätigkeit sollte abgeklärt werden;
50 % dürften realistischer Weise erreicht werden können. Die Ärztin legte auch dar, es
wäre wichtig, die von psychiatrischer Seite geschätzte Arbeitsfähigkeit von 50 % zu
erhalten. Die Prognose für eine Wiedereingliederung sei gut; die Versicherte sei
motiviert. Sie habe schon einmal eine halbe Rente gehabt und nach der Besserung der
Symptomatik wieder zu 100 % arbeiten können.
B.b.
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In einer Arbeitgeberbescheinigung vom _. _ 2018 (IV-act. 143) wurde
angegeben, die Versicherte sei seit _. _ 201_ vollzeitlich angestellt gewesen und
würde derzeit Fr. 43'_.-- verdienen. Es sei ihr auf den _. _ 2018 wegen der langen
Krankheit gekündigt worden. Seit dem 12. Oktober 2017 sei sie krankgeschrieben. - In
einem bei den von der Taggeldversicherung am 24. Juli 2018 eingereichten Akten
(Fremd-act.) liegenden Bericht vom 7. Juni 2018 (Fremd-act. 2-5 f.) hatte der beratende
Arzt Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, eine
Verlaufsbegutachtung empfohlen, weil im Gutachten von med. pract. H._ vom
5. Februar 2018 die sog. Kategorien nicht diskutiert worden seien. Ebenfalls nicht
berücksichtigt worden sei der sog. "Ausschlussvorbehalt" zwischen einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung und einer (rezidivierenden) depressiven Störung,
wonach Schmerzzustände mit vermutlich psychogenem Ursprung, die im Verlauf (u.a.)
depressiver Störungen aufträten, dort nicht berücksichtigt werden sollten. - In einem
folgenden psychiatrischen Verlaufsgutachten von med. pract. H._ vom 9. Juli 2018
(Fremd-act. 1-4 bis -15) hatte jener Gutachter als bei der Versicherten vorgefundene
Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, aktuelle leicht- bis maximal noch
zeitweise mittelgradige depressive Episode, und eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren bei disponierender
akzentuierter Persönlichkeitsstruktur mit selbstunsicher-ängstlichen Zügen und
psychodynamisch wirksamen persönlichen und biografischen Belastungsfaktoren
benannt. Es bestehe eine mindestens 50 % betragende Arbeitsfähigkeit für angepasste
Tätigkeitsprozesse. Die Versicherte sei auf eine rehabilitativ ausgerichtete
Wiedereingliederungsunterstützung angewiesen. Ohne solche werde die Versicherte
kaum erfolgversprechend in einen Arbeitsprozess zur Umsetzung der bestehenden
Arbeitsfähigkeit reintegrierbar sein.
B.c.
Im August 2018 (IV-act. 154) wurde ein Eingliederungsplan für sechs Monate
dauernde Arbeitsvermittlung unterzeichnet (Mitteilung vom 30. August 2018, IV-
act. 157). Gemäss einem Assessment- und Verlaufsprotokoll (IV-act. 164) konnte für
die Versicherte über das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) ein Platz in einem
Eingliederungsprogramm für die berufspraktische Arbeitserprobung ab Mitte Oktober
2018 gefunden werden. Die Versicherte habe beim Standortgespräch am Einsatzort
bekanntgegeben, in einem Pensum von 20 % bei einem Arbeitgeber einsteigen zu
B.d.
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wollen und es für ein Jahr zu probieren. Zu 90 % habe sie sich beim RAV als arbeitslos
gemeldet. Der Rechtsvertreter habe angegeben, es sei ihr ein Pensum von mehr als
50 % nicht zumutbar. Bei der Beurteilung wurde beim Abschluss der Beratung
festgehalten, es stehe eine weitere Rentenbegehrlichkeit im Raum. Aufgabe des
Rechtsvertreters und der Psychiaterin sei es, den Wunsch der Klientin zu unterstützen;
beide versuchten, das Beste für sie zu erreichen. Ein unbefangener Versuch der
Versicherten, sich wieder im ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, sei daher nicht
möglich. Es bestünden Inkonsistenzen. - Mit Mitteilung vom 11. Februar 2019 (IV-
act. 166) gab die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem Rechtsvertreter der
Versicherten bekannt, die beruflichen Massnahmen würden abgeschlossen, da sie sich
für die Dauer eines Jahres als nicht mehr als zu 20 % arbeitsfähig betrachte.
Dr. I._ erklärte in einem IV-Arztbericht vom 28. Mai 2019 (IV-act. 176), die
Versicherte sei zu 50 % arbeitsfähig. - Dr. med. K._, Facharzt für Pneumologie, wies
in seinem IV-Arztbericht vom 17. Juni 2019 (IV-act. 178) auf denjenigen von Dr. I._
hin.
B.e.
Am 2. September 2019 (IV-act. 185) erstattete die Begutachtungsstelle
Interdisziplinäre Medizinische Expertisen (IME) ein bidisziplinäres Gutachten
(orthopädische und psychiatrische Begutachtung am 15. August 2019). Als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lägen (erstens) ein chronisches zervikozephales
Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie, (zweitens) ein belastungsabhängig vermehrtes
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie und (drittens)
psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten
Krankheiten vor. Ohne Auswirkung seien eine rezidivierende depressive Störung, ggw.
remittiert, Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung mit sozialem Rollenkonflikt (im
Kontext der _ Herkunft), nicht andernorts klassifizierbar, sowie eine aktenkundige
initiale Fingerpolyarthrose, ggw. ohne Beschwerdevortrag und ohne
Funktionseinschränkung. In den Tätigkeiten in der _ und als Hauswartin sei die
Versicherte orthopädisch betrachtet ganztägig mit einer Leistungseinbusse von 20 %
arbeitsfähig, in einer Arbeit unter Wahrung der qualitativen Schonkriterien ganz
arbeitsfähig. Psychiatrisch gesehen habe vom 23. Oktober 2017 bis zu Beginn des
Monats Juli 2018 eine volle Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Danach habe eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % bestanden, die schrittweise bis zur derzeitigen
B.f.
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Arbeitsfähigkeit von 70 % angestiegen sei. - Der RAD hielt am 19. September 2019 (IV-
act. 187) dafür, dem Gutachten könne bezüglich der attestierten Arbeitsunfähigkeit und
bezüglich des retrospektiv angenommenen Verlaufs der Arbeitsunfähigkeit gefolgt
werden.
Mit Vorbescheid vom 20. September 2019 (IV-act. 190) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem Rechtsvertreter der Versicherten eine
Abweisung deren Leistungsgesuchs bei einem Invaliditätsgrad von 30 %
(Valideneinkommen Fr. 50'374.--, Invalideneinkommen Fr. 35'262.--) in Aussicht. - Am
22. Oktober 2019 (IV-act. 193) wandte der Rechtsvertreter ein, es seien weitere
medizinische Abklärungen durch bisher nicht mit der Prüfung befasste medizinische
Sachverständige zu veranlassen. Am 6. Januar 2020 (IV-act. 200) ergänzte er,
eventualiter sei der Versicherten ab 1. Oktober 2018 eine Viertelsrente auszurichten. Er
habe Dr. I._ um eine Stellungnahme zum IME-Gutachten ersucht, die noch nicht
eingetroffen sei. Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle werde ersucht, die Ärztin zu
einer Stellungnahme aufzufordern. Ab Januar 2020 werde die Versicherte neu durch
Dr. med. L._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, behandelt. Eine
Verfügung könne nicht erlassen werden, ohne auch von ihr einen Arztbericht
einzuholen. Ausserdem werde er der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle auch noch
einen Bericht dieser Ärztin zukommen lassen. Das IME-Gutachten leide an zahlreichen
Widersprüchen und sei in Bezug auf das strukturierte Beweisverfahren ungenügend
und nicht beweiskräftig. Dem Hauptgutachter fehle die erforderliche
Unvoreingenommenheit, habe er der Versicherten doch ohne stichhaltige Begründung
eine Rentenbegehrlichkeit und der behandelnden Psychiaterin und ihm (dem
Rechtsvertreter) unterstellt, einen unbefangenen Versuch der Versicherten, sich wieder
im ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, zu verunmöglichen. Bereits im Aktenauszug
seien die Beurteilungen der Ärzte mit pauschalen Begründungen abgewertet worden.
Der Gutachter habe darauf abgezielt, der Versicherten ein widersprüchliches und
inkonsistentes Verhalten anzulasten. So sei es verfehlt, aus der grundsätzlichen ALV-
Vermittlungsfähigkeit für ein Pensum von 90 % (bzw. der fehlenden offensichtlichen
Vermittlungsunfähigkeit, bei Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung ab einer
Arbeitsfähigkeit von 20 %) einerseits und der Bereitschaft zu einem Arbeitsversuch von
20 bis 50 % anderseits auf eine Inkonsistenz zu schliessen. Selbst wenn eine
B.g.
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C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener
für die Betroffene am 20. Mai 2020 erhobene Beschwerde (act. G 1). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben. Es seien im Rahmen eines gerichtlichen Gutachtens weitere medizinische
Abklärungen durchzuführen, eventualiter sei die Sache zur Durchführung solcher
Abklärungen durch bisher nicht mit der Prüfung befasste medizinische
Sachverständige an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, subeventualiter sei ab
1. Oktober 2018 eine Viertelsrente auszurichten, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Die Beschwerdegegnerin habe den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör durch eine ungenügende
Auseinandersetzung mit seinen Einwänden in der Verfügung verletzt. Es gehe nicht an,
dass die rechtliche Würdigung von Einwänden pauschal dem RAD delegiert werde.
Zum Bericht des RAD vom 8. April 2020 habe die Beschwerdeführerin auch keine
Stellung nehmen können. Der - nicht unvoreingenommene - Hauptgutachter unterstelle
der Beschwerdeführerin eine Rentenbegehrlichkeit und habe mit dieser Vermutung
wohl in pauschaler Weise die unbegründete Annahme der Eingliederungsberaterin
übernommen. So hätten die unbelegten Annahmen Eingang ins Gutachten gefunden
und dessen Ausgang massgeblich präjudiziert. Der Hauptgutachter habe versucht, der
Beschwerdeführerin pauschal eine fehlende Motivation zu unterstellen. Sie sei aber
immer eingliederungswillig gewesen und habe im Eingliederungsgespräch dargelegt,
sie ziehe es vor, einen Arbeitsversuch im ersten Arbeitsmarkt zu unternehmen, weil sie
Arbeitsunfähigkeit von 30 % anzunehmen wäre, ergäbe sich bei Berücksichtigung
eines Abzugs von 20 % ein Invaliditätsgrad von 44 %. - Am 28. Februar 2020 (IV-
act. 202) reichte der Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. L._ vom 26. Februar 2020
(IV-act. 203) ein. Darin war festgehalten worden, die Versicherte sei derzeit in
angestammter Tätigkeit nicht arbeitsfähig. Der Verlauf der Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit sei schwierig (sc. anzugeben), die Prognose noch ungewiss,
aufgrund der chronischen Verhältnisse eher ungünstig. Zurzeit werde eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert. - Der RAD hielt am 8. April 2020 (IV-act. 207)
fest, es könne auf das IME-Gutachten abgestellt werden.
Mit Verfügung vom 18. April 2020 (IV-act. 208) lehnte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen einen Rentenanspruch der
Versicherten ab.
B.h.
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die Einsatzprogramme des RAV bereits kenne und diese ihr beim letzten
Eingliederungsversuch nicht geholfen hätten. Die Beschwerdeführerin habe bei der
Begutachtung anerkanntermassen ausgeführt, dass sie sich wegen der Schmerzen
nicht mehr als durchgehend beruflich einsatzfähig betrachte. Wenn sie Schmerzen
habe, sei sie nicht leistungsfähig. Maximal sehe sie sich zu 30 bis 50 % einsatzfähig.
Der Hauptgutachter laste ihr in aktenwidriger Weise an, sie habe im Rahmen der
beruflichen Wiedereingliederungsmassnahmen nur maximal 0 % arbeiten wollen. Es sei
auch tatsachenwidrig, wenn der Gutachter von einer Inkonsistenz in Bezug auf die
Schmerzangaben der Beschwerdeführerin ausgehe. Er vermöge auch nicht
überzeugend zu begründen, weshalb die von sämtlichen vorbehandelnden Ärzten und
Gutachtern diagnostizierte Schmerzverarbeitungsstörung nicht vorliegen solle. Seine
Begründung, wonach die Depression vollständig remittiert sei, sei angesichts des
Berichts von Dr. I._ vom 28. Mai 2019 nicht stichhaltig, werde die mittelgradig
depressive Episode doch weiterhin hochdosiert mit Psychopharmaka therapiert. Die
direkte Durchführung eines Gerichtsgutachtens mindere das Risiko von unzumutbaren
multiplen Begutachtungen.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 21. Juli 2020 (act. G 4) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Der Anspruch auf rechtliches
Gehör sei nicht verletzt worden. Die Begründungspflicht sei erfüllt. Die zweite
Stellungnahme des RAD habe einzig eine Würdigung der bereits bekannten Tatsachen
und kein neues relevantes Sachverhaltselement enthalten, weshalb sie nicht vor der
Verfügung habe zugestellt werden müssen. Anhaltspunkte für eine Befangenheit des
Hauptgutachters ergäben sich nicht, auch nicht darauf, dass das Assessment-Protokoll
sein Gutachten präjudiziert und er keine eigenständige Beurteilung mehr vorgenommen
habe. Er habe auch zu Recht eine Inkonsistenz in Bezug auf die angegebene
Vermittlungsfähigkeit angenommen und sei zudem nachvollziehbar zur Diagnose einer
Schmerzverarbeitungsstörung gelangt, die ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei.
Auch dass er zu wenig zur Ausprägung der Befunde und zum Behandlungs- und
Eingliederungserfolg Stellung genommen habe, treffe nicht zu. Das Valideneinkommen
betrage im massgeblichen Jahr 2016 gemäss dem IK-Eintrag Fr. 50'374.--. Der
zutreffende Tabellenlohn mache Fr. 54'517.-- aus und sei, weil mit der Parallelisierung
nur eine deutliche Abweichung bezweckt werde, bis zu einer positiven Differenz von
5 % zum Valideneinkommen zu kürzen, somit auf Fr. 52'893.--. Ein Leidensabzug sei
nicht vorzunehmen, weil die Beschwerdeführerin auch hin und wieder körperlich
mittelschwere Tätigkeiten ausüben könne. Der Invaliditätsgrad betrage daher 28 %.
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E.
Mit Replik vom 14. September 2020 (act. G 6) hält der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin fest, die Verfügung enthalte lediglich eine allgemeine pauschale
Begründung zum Erfordernis einer neutralen Beurteilung. Der RAD habe am 8. April
2020 nicht einen bereits bekannten Sachverhalt beurteilt, sondern erstmals zum
Arztbericht von Dr. L._ Stellung genommen. Der Erlass der Verfügung ohne vorherige
Zustellung des Berichts habe den Gehörsanspruch verletzt. Wenn der Hauptgutachter
der Beschwerdeführerin eine gewisse Rentenbegehrlichkeit unterstelle, offenbare er
damit seine Voreingenommenheit. In der Beschwerdeantwort sei nicht begründet
worden, woraus auf die Begehrlichkeit sollte geschlossen werden können. Weder der
Gutachter noch der RAD-Arzt hätten sich mit den abweichenden Beurteilungen der
behandelnden Ärzte und der vorbeurteilenden Gutachter, die ebenfalls eine
"Schmerzverarbeitungsstörung" nach F 45.41 angenommen hätten, wirklich
auseinandergesetzt. Die Wechselwirkung zwischen Depression und Schmerzstörung
sei nicht diskutiert worden. Aus einem beigelegten Bericht von Dr. L._ vom
2. September 2020 (act. G 6.1) gehe hervor, dass bei mittelgradiger Episode (mit
somatischem Syndrom) der rezidivierenden depressiven Störung und anhaltender
somatoformer Schmerzstörung weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestehe.
Der medizinische Sachverhalt sei unvollständig abgeklärt. Die Einschränkung der
Beschwerdeführerin selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten, die psychischen
Gesundheitsbeeinträchtigungen, die zusätzliche Limitierung durch die somatischen
Beschwerden, der Ausländerstatus und das fortgeschrittene Alter rechtfertigten eine
Reduktion bei der Bemessung des Invalideneinkommens.
F.
Von der ihr am 16. September 2020 (act. G 7) gebotenen Möglichkeit, sich zur Replik
zu äussern, hat die Beschwerdegegnerin keinen Gebrauch gemacht.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 18. April 2020, mit welcher die
Beschwerdegegnerin das Rentengesuch der Beschwerdeführerin vom Februar 2018
abgewiesen hat. Es handelt sich dabei um eine Neuanmeldung nach einem ersten IV-
Verfahren mit Zusprache einer befristeten halben Rente. Die Beschwerdeführerin
beantragt im Hauptstandpunkt die Durchführung (ev. Veranlassung) weiterer
1.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/27
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medizinischer Abklärungen, und zwar im Hinblick auf Rentenleistungen (subeventualiter
Viertelsrente, nicht auf berufliche Massnahmen). Berufliche Massnahmen sind gemäss
Mitteilung vom 11. Februar 2019 wegen ungenügender subjektiver Arbeitsfähigkeit
eingestellt worden. Ergäbe sich jedoch, dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein
solcher Anspruch in Frage stünde, so gehörte zum Streitgegenstand notwendigerweise
auch die Frage, ob die Beschwerdegegnerin den Grundsatz "Eingliederung vor Rente"
beachtet und eine allfällige Pflicht der Beschwerdeführerin zu Massnahmen
ausreichend in Anspruch genommen habe.
Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches
Gehör durch die fehlende Gelegenheit, sich zur RAD-Stellungnahme vom 8. April 2020
zu äussern und durch eine mangelnde Begründung der angefochtenen Verfügung.
1.2.
Nach Art. 57a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR
831.20) teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid
(u.a.) über ein Leistungsbegehren mittels eines Vorbescheids mit. Die versicherte
Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinn von Art. 42 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1). - Nach
dem dieser Vorschrift entsprechend ergangenen Vorbescheid vom 20. September 2019
hat die Beschwerdegegnerin den Einwand der Beschwerdeführerin vom 6. Januar 2020
und die Eingabe vom 28. Februar 2020 samt dem neu eingereichten ärztlichen Bericht
ihrem RAD zur medizinischen Beurteilung vorgelegt. Dessen Stellungnahme hat sie im
betreffenden Teil in die angefochtene Verfügung eingearbeitet und sie dieser in Kopie
beigelegt. Die Gewährung des rechtlichen Gehörs hat grundsätzlich vor (und nicht erst
mit) Erlass der angefochtenen Verfügung zu erfolgen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom
24. Oktober 2018, 9C_411/2018 E. 2.2). Die RAD-Stellungnahme vom 8. April 2020 (IV-
act. 207) enthielt indessen keine neuen Sachverhaltselemente, sondern bestätigte
lediglich, dass trotz des eingelegten Arztberichts unverändert auf das IME-Gutachten
abgestellt werden könne, so dass kein zweiter Vorbescheid erforderlich war (vgl. zu
dieser Frage Bundesgerichtsurteil vom 19. September 2014, 9C_312/2014 E. 2.2.1).
Selbst wenn infolge der Eröffnung erst bei Verfügungserlass eine Gehörsverletzung
anzunehmen wäre, besteht vorliegend kein Grund zu einer Aufhebung der
angefochtenen Verfügung aus formellem Grund. Denn jedenfalls ist diesbezüglich die
Voraussetzung einer (ausnahmsweisen) Heilung einer - leichten - Gehörsverletzung
(nämlich die Möglichkeit, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den
Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann, vgl. Bundesgerichtsurteil
vom 17. Februar 2021, 8C_682/2020 E. 3.1.2) erfüllt (vgl. 9C_411/2018 E. 2.2). - Die
aus dem verfassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör fliessende weitere
1.3.
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2.
Verpflichtung einer Behörde, ihren Entscheid zu begründen (vgl. Art. 49 Abs. 3 ATSG),
verlangt nicht, dass diese sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich
auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt; vielmehr
genügt es, wenn der Entscheid gegebenenfalls sachgerecht angefochten werden kann
(vgl. Bundesgerichtsurteile 8C_682/2020 E. 3.1.1, und vom 10. Februar 2017,
8C_785/2016 E. 5.2). Die Begründung der Verfügung kann als den Anforderungen
genügend betrachtet werden.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG versicherte Personen, die
ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6
ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid
(Art. 8 ATSG) sind (lit. c).
2.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; vgl. schon
BGE 102 V 165).
2.3.
Sämtliche psychischen Erkrankungen sind nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem
jeweiligen Beweisbedarf) einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu
unterziehen. Die funktionellen Folgen der Gesundheitsschädigung sind danach
qualitativ zu erfassen und quantitativ einzuschätzen. Für die Beurteilung des
funktionellen Leistungsvermögens sind in der Regel diverse Standardindikatoren
beachtlich, die in zwei Kategorien systematisiert werden, nämlich einerseits in der
Kategorie des funktionellen Schweregrads und anderseits in jener der Konsistenz.
2.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/27
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3.
Im Verfahren betreffend das Leistungsgesuch vom Februar 2018 wurde die
Beschwerdeführerin am 15. August 2019 bidisziplinär - einerseits orthopädisch-
traumatologisch und anderseits psychiatrisch - begutachtet.
3.1.
Dem orthopädisch-traumatologischen Teil des IME-Gutachtens im Einzelnen ist zu
entnehmen, dass der Gutachter von der Beschwerdeführerin die Anamnese, die
geklagten Beschwerden und die für die Abklärung relevanten Umstände erfragt (vgl. IV-
act. 185-96 bis 107) und den Befund erhoben (vgl. IV-act. 185-108 bis 131) hat. Die
entsprechenden Ergebnisse sind detailliert beschrieben worden. Die Begutachtung
umfasste auch eine Erhebung aktueller radiologischer Untersuchungen bezüglich der
HWS und der LWS (vgl. IV-act. 185-129) und laborchemischer Untersuchungen (vgl. IV-
act. 185-130 f.). Der Gutachter der Orthopädischen Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates befasste sich auch mit den Aspekten der Konsistenz und der
Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen (vgl. IV-act. 185-140 f.). Er schloss, für die
Einschränkung der privaten und beruflichen Lebensführung bei der Beschwerdeführerin
sei die schmerzhaft eingeschränkte Funktion der Halswirbelsäule führend. Radiologisch
hätten sich an der Halswirbelsäule (HWS) und an der Lendenwirbelsäule (LWS)
fortgeschrittene Osteochondrosen (C5/6, C6/7 mit begleitenden Spondylosen; L3/4,
L4/5 und L5/S1) objektivieren lassen. Klinisch habe sich an allen Extremitäten eine freie
Mobilität bei allseits stabiler ligamentärer Gelenkführung gezeigt (vgl. IV-
act. 185-137 f.). In rheumatologischer Behandlung sei die Versicherte zuletzt vor etwa
sechs bis sieben Jahren gewesen. Sie sei aufgrund der Befunde in der
biomechanischen Funktion der HWS und LWS in Form einer Einschränkung der Geh-
und Stehfähigkeit limitiert (vgl. IV-act. 185-142). Ihre Arbeitsfähigkeit für eine
rückenadaptierte Tätigkeit mit einer Körperposition intermittierend im Stehen, Gehen
und Sitzen unter Wahrung von qualitativen Schonkriterien sei voll vorhanden (vgl. IV-
act. 185-144). In der Tätigkeit in der _ und in der Hauswartung bestehe jedoch eine
Leistungseinbusse von 20 % (vgl. IV-act. 185-143 f.). Es bestehe ein im Vergleich zur
medizinischen Aktenlage von 2009 und vom April 2010 weitestgehend unveränderter
Gesundheitszustand (vgl. IV-act. 185-145). - Es kann davon ausgegangen werden,
dass eine vollständige Exploration mit ausführlicher Beschreibung der Begutachtung
erfolgte. Das Ergebnis ist zudem überzeugend begründet. Darauf kann unter den
diesbezüglichen Gesichtspunkten abgestellt werden.
3.2.
Der Gutachter der Psychiatrie und Psychotherapie hat (worauf der Gutachter der
Orthopädischen Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates seinerseits
verwiesen hat) in seinem Teil des Gutachtens auszugsweise Vorakten wiedergegeben
3.3.
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4.
(vgl. IV-act. 185-23 bis 46, ausserdem auch namentlich noch bei der Berufs- und
Arbeitsanamnese, vgl. IV-act. 185-51 bis 56, und bei der Krankheitsentwicklung, IV-
act. 185-60). Er hat die Beschwerdeführerin ebenfalls zu den relevanten Aspekten u.a.
der Anamnese und der geklagten Beschwerden befragt (vgl. IV-act. 185-47 bis 51 und
185-57 bis 64). Bei ihren Angaben hat er Inkonsistenzen erwähnt (vgl. IV-act. 185-64).
Er erhob und beschrieb ebenfalls den Befund (vgl. IV-act. 185-65 bis 70; namentlich
durch Verhaltensbeobachtung, den Psychostatus in Anlehnung an die AMDP-
Richtlinien, vgl. unten E. 4.6). Als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
bezeichnete er psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts
klassifizierten Krankheiten. Ohne Einfluss seien eine rezidivierende depressive Störung,
ggw. remittiert, und Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung mit einem sozialen
Rollenkonflikt (vgl. IV-act. 185-76). Er beschrieb die Herleitung seiner Diagnosen (vgl.
IV-act. 185-73 ff.) und befasste sich mit früheren psychiatrischen Beurteilungen (vgl. IV-
act. 185-71 ff.) und mit der bisherigen Behandlung (vgl. IV-act. 185-79 ff.). Zudem
berücksichtigte er die Aspekte von Konsistenz und Plausibilität sowie die Fähigkeiten,
Ressourcen und Belastungen der Beschwerdeführerin (vgl. IV-act. 185-81 f.). Für die
zuletzt ausgeübte und für adaptierte Tätigkeiten bestehe weiterhin die
Arbeitsunfähigkeit von 30 %, wie sie im MEDAS-Gutachten von 2009 festgestellt
worden sei (vgl. IV-act. 185-83). Auch dieser Teil des Gutachtens erscheint unter den
erwähnten Aspekten vollständig.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin wendet indessen gegen die
Begutachtung ein, der Gutachter sei nicht unvoreingenommen gewesen, habe er der
Beschwerdeführerin doch ohne Begründung eine gewisse Rentenbegehrlichkeit
unterstellt und Vorberichte pauschal abgewertet. - Der Gutachter der Psychiatrie gab in
seinem Teil des Gutachtens Inhalte früherer ärztlicher Berichte auszugsweise wieder
(vgl. IV-act. 185-71 bis 73). Er setzte sich mit den medizinischen Vorberichten
auseinander, soweit es seinerseits Grund dazu gab. Wenn er eine gewisse Inkonsistenz
der Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit im ärztlichen Bericht vom 1. Juni 2018 erwähnt
(vgl. IV-act. 185-73), ist das insofern zu bestätigen, als die Angaben der Ärztin zur
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit bei IV-act. 141-5, Ziff. 1.3, einerseits und
diejenigen bei IV-act. 141-3, Ziff. 4.2, und IV-act. 141-2, Ziff. 2.7, anderseits unklar
erscheinen (was allenfalls auch mit der Fragestellung zusammenhängen mag). Zudem
passen auch etwa die Antworten der Ärztin zu Ziff. 4.1 (Arbeitsfähigkeit für die bisherige
Tätigkeit nicht mehr vorhanden bzw. Frage nicht beantwortbar, IV-act. 141-3) nicht
zusammen. Die gutachterlichen Bemerkungen sind nicht als Abwertung der Vorberichte
4.1.
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zu verstehen. - Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht geltend, der
Hauptgutachter laste ihr in aktenwidriger Weise an, sie habe im Rahmen der
beruflichen Wiedereingliederungsmassnahmen nur maximal 0 % arbeiten wollen. Der
IME-Gutachter der Psychiatrie gab bei der Würdigung der Standardindikatoren einen
Hinweis aus dem Abschlussdokument der Eingliederung vom 4. Februar 2019 (vgl. IV-
act. 164) wieder, wonach die Beschwerdeführerin "nur maximal 0 % arbeiten
wolle" (vgl. IV-act. 185-81 Mitte). Damit dürften (wohl infolge eines Tippfehlers) 20 %
gemeint gewesen sein (vgl. IV-act. 164-7). Ein Anschein der Befangenheit des
Gutachters ergibt sich daraus nicht. Der Gutachter legte weiter dar, den Widerspruch
zwischen der Aussage der Beschwerdeführerin, wegen der Schmerzen nur zu maximal
50 % arbeitsfähig zu sein (vgl. hierzu IV-act. 185-61 unteres Drittel), und der Angabe,
unter Nutzung von Analgetika zu allen Arbeiten in der Lage zu sein (vgl. hierzu IV-
act. 185-60 unten), habe sie nicht auflösen können (vgl. IV-act. 185-81). Wie er festhielt,
hat er die Beschwerdeführerin mit dieser von ihm bei der Begutachtung
angenommenen Diskrepanz konfrontiert (vgl. IV-act. 185-61), was für eine
unvoreingenommene Begutachtung spricht.
Im Weiteren wird eingewendet, der Gutachter habe die Abweichung von den
Diagnosen der früheren Berichte nicht genügend begründet und die Wechselwirkung
von Depression und Schmerzstörung nicht abgehandelt. Dass die Depression
vollständig remittiert sei, sei zudem nicht anzunehmen, werde die Beschwerdeführerin
doch weiterhin medikamentös behandelt. - Der Gutachter hielt bei der Herleitung seiner
Diagnosen (vgl. IV-act. 185-73 ff.) fest, es sei eine chronische Schmerzstörung bei
psychischen und somatischen Faktoren gemäss ICD-10 F45.41 (Unterkategorie zu
F45.40: anhaltende somatoforme Schmerzstörung, vgl. ICD-10) vordiagnostiziert
worden. Da gemäss bidisziplinärer Besprechung mit dem Gutachter der Orthopädie
Diskrepanzen zwischen den subjektiven Klagen der Beschwerdeführerin und den
objektiven Befunden bestünden, sei diese Diagnose jedoch zu diskutieren. Trotz
mehrfachen Stellens dieser Diagnose sei bis anhin keine genaue Evaluation der
Beschwerden einer solchen Schmerzverarbeitungsstörung erfolgt. Es zeige sich
allerdings, dass wesentliche Kriterien nicht vorlägen. So werde das Leben der
Beschwerdeführerin nicht durch das Schmerzleiden bestimmt, vielmehr habe sie
erklärt, sich weitgehend an die Schmerzen adaptiert zu haben. Auch der
vorausgesetzte hohe, stabile Schmerzlevel, der durch therapeutische Massnahmen
nicht beeinflussbar sei, sei bei der Beschwerdeführerin nicht vorhanden. Denn die
Beschwerdeführerin habe Schmerzvariabilitäten beschreiben können und sie gebe
Abhängigkeiten der subjektiv empfundenen Schmerzintensität von unterschiedlichen
therapeutischen Massnahmen an. Eine Abhängigkeit von psychosozialen und/oder
4.2.
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emotionalen Belastungsfaktoren, wie sie per definitionem zum Störungsbild gehöre,
habe die Beschwerdeführerin dagegen verneint. Aufgrund der Diskrepanzen zwischen
den beklagten Schmerzen und den somatischen Befunden sei aber von einer
Schmerzverarbeitungsstörung auszugehen, die nach F 54 zu klassifizieren sei (vgl. IV-
act. 185-74 f.). - Der Gutachter setzte sich auch mit der Vordiagnose einer depressiven
Störung auseinander. Da die niedergedrückte Stimmung der Beschwerdeführerin
eindeutig themenbezogen gewesen sei (bei der Berichterstattung über die Schmerzen
sei die Stimmung bei guter Schwingungsfähigkeit indifferent gewesen, beim Thema _
habe sie schlagartig in Affektinkontinenz gewechselt), könne diese Diagnose -
zumindest im Untersuchungszeitpunkt - nicht angenommen werden. Solche affektiven
Störungsbilder seien eigentlich im Bereich von Anpassungsstörungen einzuordnen,
doch weil dasjenige der Beschwerdeführerin länger als zwei Jahre angehalten habe,
könne diese Diagnose nicht mehr gestellt werden. Daher gehe er von Problemen
verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung aus (vgl. IV-act. 185-75). Da
bei der Begutachtung keine depressiven Psychopathologika im Sinn einer Depression
vorgelegen hätten, und eine rezidivierende depressive Störung im Raum stehe, die
allerdings nicht durch einen Psychostatus ausserhalb der Schmerzstörung belegt sei,
diagnostiziere er eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (vgl. IV-
act. 185-75). Die gutachterlich angenommenen Diagnosen und die Abweichungen von
den früher gestellten Diagnosen wurden somit im Einzelnen begründet (vgl. dazu auch
insgesamt nochmals bei IV-act. 185-79 f.). Der Gutachter wies des Weiteren darauf hin,
dass der 2009 für die MEDAS explorierende Gutachter der Psychiatrie bei der
Beurteilung der (sc. die Schmerzstörung) begleitenden Depression bereits ausgeführt
habe, dass es sich um eine auf das Schmerzgeschehen reaktive, behandelbare und in
der Intensität schwankende Depression handle. Daher hätte sie keiner zusätzlichen
diagnostischen Klassifizierung bedurft (vgl. IV-act. 185-74). Denn in der ICD-10 heisse
es dazu, dass unterschiedliche Schweregrade von Depressionen und Angst die
Somatisierungsstörungen (sc. F45.0) begleiteten. Diese müssten nicht getrennt
voneinander diagnostiziert werden, es sei denn, sie seien sehr deutlich und anhaltend
und rechtfertigten damit eine eigene Diagnose (vgl. IV-act. 185-73). Der IME-Gutachter
hielt im Übrigen ausdrücklich fest, es handle sich bei seiner Diagnosestellung um eine
andere diagnostische Bewertung desselben medizinischen Sachverhalts (vgl. IV-
act. 185-82). Es ergibt sich daher unter den kritisierten Gesichtspunkten kein Grund zur
Beanstandung des Gutachtens. - Ausserdem ist die Invalidenversicherung final
konzipiert (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.3.1) und besteht auch kein direkter Zusammenhang
zwischen Diagnose und Arbeitsunfähigkeit bzw. Invalidität. Vielmehr sind die
Auswirkungen des bestehenden Gesundheitsschadens auf die funktionelle
Leistungsfähigkeit im Einzelfall ärztlich festzustellen (vgl. BGE 145 V 215 E. 6.1). - In
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Anbetracht der gutachterlich gestellten psychiatrischen Diagnose, welcher
Auswirkungen auf die medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit zugemessen wird (vgl.
dazu auch unten E. 4.6), erscheint des Weiteren namentlich nicht widersprüchlich, dass
eine psychiatrische Behandlung erfolgt bzw. der Gutachter die Fortsetzung einer
leitliniengerechten psychiatrischen Behandlung empfiehlt (vgl. IV-act. 185-84).
Die Beschwerdeführerin lässt ferner einwenden, die Gutachter hätten zum
Indikator der "Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde" und zum Aspekt
"Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz" nicht hinreichend Stellung
genommen. Der IME-Gutachter legte zu den Standardindikatoren dar, es hätten sich
keine Hinweise auf eine nachhaltige Störung der Ich-Strukturen gezeigt. Die psychische
Resilienz habe ausgereicht, um jahrelang einer Arbeitstätigkeit von mindestens 90 %
nachzugehen. Persönlichkeitsstörungen seien auch in den Vorgutachten und Berichten
der behandelnden Ärzte nicht diagnostiziert worden. Vorgutachter med. pract. H._
sei von einer ängstlich-unsicheren Akzentuierung der Persönlichkeit ausgegangen. Bei
der aktuellen Begutachtung hätten Scham- und Insuffizienzgefühle im Zusammenhang
mit der _ im Mittelpunkt gestanden. Die Beschwerdeführerin sei aber nicht von
ihrem Schmerz dominiert worden. Sie habe angegeben, aktiv mit den Beschwerden
umzugehen, was sie im Rahmen der Schilderungen zum Alltagsablauf auch belegt
habe. Es seien im privaten Aktivitätsniveau keinerlei funktionelle Einschränkungen zu
erkennen gewesen. Die Beschwerdeführerin habe auch eine rege soziale Teilhabe
beschrieben. Im IV-Dossier seien zahlreiche Auffälligkeiten zum
eingliederungsanamnestischen Leidensdruck beschrieben worden, die sich bei der
Untersuchung fortgesetzt hätten. Therapiecompliance sei anzunehmen.
Zusammengefasst seien aus medizinischer Sicht die Standardindikatoren im Hinblick
auf die Schmerzverarbeitungsstörung (F 54) als nicht erfüllt zu betrachten. Eine
Überwindung der Schmerzen sei der Beschwerdeführerin weitgehend zumutbar (vgl.
IV-act. 185-80 f.). Der Gutachter hat sich diesbezüglich ausreichend geäussert.
4.3.
Der IME-Gutachter der Psychiatrie erfragte im Hinblick auf die weiteren Standard
indikatoren ausserdem den Tagesablauf der Beschwerdeführerin (vgl. IV-act. 185-62)
und befasste sich mit den Ressourcen und Belastungen. Er erklärte, sie verfüge über
deutliche Ressourcen, sei sozial gut eingebunden und habe über zahlreiche
kraftspendende Aktivitäten berichtet (vgl. IV-act. 185-82). Hinweise auf eine Simulation
hätten sich nicht gezeigt. Ein sekundärer Krankheitsgewinn oder eine berufliche
Selbstlimitierung würden sich nicht ausschliessen lassen (vgl. IV-act. 185-81 f.). Die
Eingliederungswilligkeit wurde als mässig bezeichnet (vgl. IV-act. 185-80). Letzterem
entgegnete der Rechtsvertreter, die Beschwerdeführerin habe erklärt, sie ziehe den
4.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/27
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Einsatzprogrammen des RAV einen Arbeitsversuch im ersten Arbeitsmarkt vor, weil sie
die Programme bereits kenne und sie ihr nicht geholfen hätten. Zu diesem Aspekt ist
immerhin zu erwähnen, dass die Beschwerdeführerin nach der Aktenlage (act. G 6.1) -
nach der vorliegend massgeblichen Zeit - tatsächlich wieder eine Stelle im ersten
Arbeitsmarkt angenommen hat.
Im Ergebnis hat der IME-Gutachter der Psychiatrie der Beschwerdeführerin eine
Arbeitsunfähigkeit von 30 % für die zuletzt ausgeübte und für adaptierte Tätigkeiten
attestiert (vgl. IV-act. 185-83). In Würdigung der dargelegten Ergebnisse seiner Ein
schätzung betreffend die Standardindikatoren ist er von der Zumutbarkeit einer -
lediglich, aber immerhin - teilweisen Arbeitsfähigkeit trotz der Belastung und der
Schmerzen ausgegangen. Er erklärte wie erwähnt, eine Überwindung der Schmerzen
sei der Beschwerdeführerin weitgehend (vgl. IV-act. 185-80 f.), d.h. somit nicht
vollständig, zumutbar. - Bereits in den mehreren früheren medizinischen Gutachten -
aus vorliegend relevanter Zeit namentlich in den Gutachten von med. pract. H._ (vgl.
Fremd-act. 1-12) - war der Beschwerdeführerin (in Berücksichtigung der als
Diskrepanzen bzw. Inkonsistenzen zwischen den subjektiven Beschwerdeangaben und
dem erhobenen Befund sowie den berichteten punktuell möglichen Alltagsaktivitäten
betrachteten Umstände oder von psychosozialen Einflüssen) jeweils lediglich eine
Teilarbeitsfähigkeit als zumutbar attestiert worden.
4.5.
Die Arbeitsunfähigkeit ist in psychiatrischer Hinsicht wie erwähnt auf die
fachärztlich (neu als psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts
klassifizierten Krankheiten) bezeichnete psychiatrische Diagnose (vgl. IV-act. 185-76;
bzw. die Schmerzverarbeitungsstörung, vgl. IV-act. 185-75) zurückzuführen. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung basiert gemäss dem Gutachten u.a. auf der
Verhaltensbeobachtung und einer Längsschnittbeurteilung aufgrund des
dokumentierten und des selbst erhobenen Psychostatus (vgl. IV-act. 185-68). Gemäss
dem in Anlehnung an die AMDP-Richtlinien beschriebenen Status (vgl. IV-act. 185-66
bis 68) wurden eine wechselhafte Stimmung (gedrückter Affekt mit Inkontinenz
ausschliesslich beim Thema _, vgl. IV-act. 185-66) und eine Minderung des
Selbstwerterlebens (vgl. IV-act. 185-67 f., im selben Zusammenhang) beschrieben. Der
Gutachter hielt fest, es liege ein im Vergleich zur Untersuchung durch den Psychiater
der MEDAS im August 2009 weitgehend unveränderter psychischer
Gesundheitszustand vor. Damals seien aufgrund der chronischen Schmerzen ein
leichtgradiger Gesundheitsschaden und eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % in Form
eines verminderten Rendements angenommen worden (vgl. IV-act. 185-82). Diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte weiterhin (gemeint wohl: nun wieder, vgl. unten
4.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/27
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E. 5.2), da weder eine anhaltende Verbesserung noch eine Verschlechterung
ausgewiesen sei (vgl. IV-act. 185-82). Der damalige MEDAS-Gutachter der Psychiatrie
hatte beim Psychostatus festgehalten, aufgrund der Fragebogen (u.a. HAD [Hospital
Anxiety and Depression]-Skala und Hamilton-Depressions-Skala) hätten sich Hinweise
auf eine Angst-/depressive Störung ergeben und sei (u.a.) die depressive Stimmung
objektivierbar gewesen (vgl. IV-act. 104-18). Die damals diagnostizierte somatoforme
Schmerzstörung fiel mit einer leichten depressiven Störung mit somatischem Syndrom
als Komorbidität zusammen (vgl. IV-act. 104-19).
Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass sich der IME-Gutachter der
Psychiatrie mit den erforderlichen Aspekten befasst und dies im Gutachten auch
ausdrücklich beschrieben und seine Beurteilung begründet hat. Eine psychiatrische
Exploration eröffnet dem begutachtenden Psychiater praktisch immer einen gewissen
Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen
möglich, zulässig und rechtlich zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis
vorgegangen ist. Die medizinische Folgenabschätzung weist zudem notgedrungen eine
hohe Variabilität auf und trägt unausweichlich Ermessenszüge (vgl. BGE 145 V 361
E. 4.1.2).
4.7.
Nicht ausser Acht zu lassen ist ferner die Beeinträchtigung des somatischen
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin. Als die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigende Diagnosen wurden diesbezüglich ein chronisches zervikozephales
Schmerzsyndrom und ein belastungsabhängig vermehrtes lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bezeichnet. Für die im orthopädischen Teil des IME-Gutachtens
festgestellte Einschränkung der privaten und beruflichen Lebensführung der
Beschwerdeführerin (vgl. IV-act. 185-137) wurde wie erwähnt die schmerzhaft
eingeschränkte Funktion der Halswirbelsäule als führend bezeichnet. Die
Beschwerdeführerin ist nach dem betreffenden Teil des Gutachtens aufgrund der
Befunde in der biomechanischen Funktion der HWS und LWS in Form einer
Einschränkung der Geh- und Stehfähigkeit limitiert (vgl. IV-act. 185-142). Es wurde
festgehalten, bei der anlässlich der Begutachtung durchgeführten radiologischen
Bildgebung der HWS und der LWS hätten die von der Beschwerdeführerin beklagten
Beschwerden objektiviert werden können (vgl. IV-act. 185-138). Im Rahmen der
mehrmaligen Untersuchung der Lendenwirbelsäule hätten sich die angegebenen
Schmerzpunkte jeweils sowohl vertebral als auch insbesondere rechts paravertebral
konstant auslösen lassen (vgl. IV-act. 185-138). Bei der klinischen Untersuchung habe
sich auf orthopädisch-chirurgischem Fachgebiet in den einzelnen durchgeführten
Testverfahren eine durchgehende Konsistenz der Untersuchungsbefunde gezeigt (vgl.
4.8.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/27
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5.
IV-act. 185-137). Angemerkt werden kann in diesem Zusammenhang, dass der
Medikamentenspiegel des Schmerzmittels Ibuprofen bei der Begutachtung gemäss
dem Laborblatt im therapeutischen Bereich lag (vgl. IV-act. 185-130). Der Gutachter
der Orthopädie empfahl im Weiteren eine verbesserte analgetische Therapie bzw.
Adaptation des Schmerzregimes in einem geeigneten Schmerzzentrum (mit
regelmässiger Spiegelkontrolle der verordneten Schmerzmedikamente, vgl. IV-
act. 185-140).
Aus der bidisziplinären Beurteilung durch die IME-Gutachter ist bei diesen
Gegebenheiten insgesamt zu schliessen, dass die funktionellen Einschränkungen der
Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Begutachtung 30 % an Arbeitsunfähigkeit (auch
rechtlich) zu begründen vermögen.
4.9.
Auf das Ergebnis der IME-Begutachtung kann demnach für den betreffenden
Zeitpunkt abgestellt werden, wie es namentlich auch der RAD in seinen
Stellungnahmen vom 19. September 2019 (IV-act. 187) und vom 8. April 2020 (IV-
act. 207) getan hat.
5.1.
Retrospektiv ist nach gutachterlicher Beurteilung der IME davon auszugehen, dass
vom 23. Oktober 2017 bis zum Gutachten von med. pract. H._ vom Juli 2018
medizin-theoretisch eine volle Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin bestanden
habe. Danach habe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % vorgelegen, die schrittweise auf die
im August 2019 festgestellte Arbeitsfähigkeit von 70 % angestiegen sei (vgl. IV-
act. 185-83). - Dieser Beurteilung kann als der gutachterlichen Einschätzung ebenfalls
gefolgt werden. Innerhalb des vorliegend massgeblichen Zeitraums ist vor Oktober
2017 nach der Aktenlage keine Arbeitsunfähigkeit nennenswerten Ausmasses
anzunehmen (die Beschwerdeführerin ist ab 2013 auch in einem Pensum von 90 %
bzw. 100 % erwerbstätig gewesen). Nach der Aktenlage hatte im November 2017 ein
stationärer Aufenthalt in der Reha G._ stattgefunden. Bei der Entlassung war die
Beschwerdeführerin (trotz weiterhin persistierender Schmerzen) deutlich
stimmungsstabilisiert gewesen, doch war noch bis zum 9. Januar 2018 eine volle
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (vgl. IV-act. 141-11). Im Februar 2018 hatte
gemäss med. pract. H._ ein depressives Zustandsbild mindestens mittelgradigen
Ausmasses vorgelegen (vgl. IV-act. 136-5, vgl. funktionelle Limitierungen gemäss Mini-
ICF-APP, IV-act. 136-6), im Juli 2018 war im Verlaufsgutachten angegeben worden, es
könnten im Rahmen anzunehmender Schwankungen im Längsverlauf und in der
Alltagsbelastung noch teilweise die Kriterien für ein mittelgradig ausgeprägtes
5.2.
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6.
depressives Zustandsbild erfüllt sein (vgl. Fremd-act. 1-12; vgl. psychopathologischer
Befund einschliesslich AMDP-System, Fremd-act. 1-9 f.). Wie der IME-Gutachter
festhielt, waren in jenem Verlaufsgutachten gemäss Mini-ICF mittelschwere
Limitierungen der Beschwerdeführerin hinsichtlich Belastbarkeit, Durchhaltefähigkeit
und Anpassungs- und Interaktionsfähigkeit beschrieben worden (vgl. IV-act. 185-80;
vgl. Fremd-act. 1-13; zu den Taggeldern vgl. Fremd-act. 2-8, 2-7, 2-4 und Fremd-
act. 1-2). Der Gutachter ging von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus. Es kann
zudem angenommen werden, dass die Arbeitsfähigkeit von 70 % ab der Begutachtung
vom August 2019 erreicht wurde.
Was die Zeit nach der Begutachtung betrifft, lässt sich aus dem eingereichten
Bericht vom 26. Februar 2020 keine massgebliche gesundheitliche Veränderung
ableiten, wie der RAD am 8. April 2020 mit entsprechender Begründung darlegte.
Dasselbe kann für den Bericht vom 2. September 2020 angenommen werden, der
betreffend die Arbeitsfähigkeit mit jenem übereinstimmt.
5.3.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns überwiegend wahrscheinlich
als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten,
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es der Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 6.
Oktober 2020, 9C_316/2020 E. 3.1, und vom 22. August 2019, 9C_868/2018 E. 3.1,
BGE 139 V 28 E. 3.3.2, BGE 129 V 222). Angesichts der nach Aktenlage schon vor
Langem erstmals aufgetretenen gesundheitlichen Beeinträchtigung der
Beschwerdeführerin (sowie der insgesamt verschiedenen Anstellungen; trotz der nach
der Aktenlage gesundheitsbedingt erfolgten Kündigung) lässt sich keine Tätigkeit
bestimmen, welcher sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Gesundheitsfall
nachginge. Es rechtfertigt sich daher, das Valideneinkommen nach den statistischen
Lohnerhebungen (Tabellenlöhne) festzusetzen.
6.1.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person
konkret steht. Ist - wie hier während massgeblicher Zeit (vgl. aber ab Juli 2020
act. G 6.1) - kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, können die
Tabellenlöhne herangezogen werden (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 22. November
2019, 8C_590/2019 E. 5.1, und vom 22. Februar 2019, 9C_479/2018 E. 2.2, BGE 143 V
6.2.
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295 E. 2.2). - Im IME-Gutachten wurden zahlreiche, für die Beschwerdeführerin
erforderliche qualitative Leistungseinschränkungen (aus orthopädischer Sicht)
umschrieben, darunter etwa für ständige mittelschwere Arbeiten, Heben und Tragen
von Lasten körperfern über 5 kg ohne technische Hilfsmittel, repetitive stereotype
Bewegungsabläufe, Tätigkeiten mit Rotation der BWS/LWS im Sitzen/Stehen mit
Gewichtsbelastung, Tätigkeiten mit mehr als gelegentlicher Kopfumwendbewegung
(Fliessbandarbeit) und Tätigkeiten unter Zeitdruck und Akkordarbeit (vgl. IV-
act. 185-10). Diese Einschränkungen sind nicht als so einschneidend zu betrachten,
dass angenommen werden müsste, es würden der Beschwerdeführerin auf einem
massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr genügend
Arbeitsmöglichkeiten zugänglich bleiben, ihre Restarbeitsfähigkeit sei also nicht mehr
verwertbar. Das gilt auch, wenn weiter in Betracht gezogen wird, dass die
Beschwerdeführerin bei der Begutachtung 5_-jährig war.
Für das Valideneinkommen und als Ausgangswert für die Bestimmung des
Invalideneinkommens sind somit die Tabellenlöhne (vgl. Anhang 2 der Textausgabe
Invalidenversicherung, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Gesetze und
Verordnungen, 2019, herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV, S. 228,
basierend auf der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für
Statistik) zu verwenden. Das Einkommen welchen (gleichen) Jahres einzusetzen ist, ist
demnach nicht relevant. Der Invaliditätsgrad entspricht unter solchen Verhältnissen
zudem dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen
Abzugs (zur Ermittlung des Invalideneinkommens) gemäss BGE 126 V 75 (vgl.
Bundesgerichtsentscheide vom 9. Mai 2016, 8C_934/2015 E. 2.1, und vom 20. April
2010, 9C_215/2010 E. 5.2).
6.3.
Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich zumutbare verbleibende (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist
ein Abzug von den Tabellenlöhnen zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des
Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das
Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu
schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl.
BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). - Ein Abzug wegen nicht mehr zumutbarer
körperlich schwerer Arbeit fällt, da der genannte Tabellenlohn (des
Kompetenzniveaus 1) bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten
umfasst, nicht in Betracht (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 24. Mai 2018,
8C_884/2017 E. 4.2). Bei einer den oben genannten Adaptationskriterien
6.4.
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7.
entsprechenden Tätigkeit ist die Beschwerdeführerin orthopädisch betrachtet voll
arbeitsfähig, weshalb sich diesbezüglich kein Abzugsgrund ergibt. Die psychiatrische
Beeinträchtigung ist mit dem Ausmass der Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt worden.
Gemäss dem IME-Gutachten ist es der Beschwerdeführerin medizinisch auch
zumutbar, vollzeitlich (mit reduziertem Rendement) zu arbeiten. Der Umstand, dass bei
vollzeitlicher Präsenz nur ein eingeschränktes Rendement möglich ist, ist nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht abzugsrelevant (vgl.
Bundesgerichtsentscheide vom 4. April 2012, 8C_20/2012, vom 12. November 2019,
9C_542/2019 E. 3.1, und vom 16. Mai 2019, 8C_705/2018 E. 4.3). Der von der
Beschwerdeführerin erwähnte Ausländerstatus führt nicht zu einem Abzug. Auch
eingeschränkte Sprachkenntnisse vermögen keinen Abzug vom Tabellenlohn bezüglich
der Einsatzmöglichkeiten für einfache und repetitive Tätigkeiten zu rechtfertigen (vgl.
Bundesgerichtsentscheide vom 29. Mai 2018, 9C_266/2017 E. 3.4.4, und vom
18. August 2014, 9C_426/2014 E. 4.2). Dass die Beschwerdeführerin wegen ihres
Alters eine relevante Einbusse hinzunehmen hätte, ist ebenfalls nicht anzunehmen (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 29. Mai 2018, 9C_266/2017 E. 3.4.4). Vorliegend ist demnach
kein Grund für einen massgeblichen Abzug ersichtlich. Ein mehr als 5 %
ausmachender Abzug kommt bei den vorliegenden Gegebenheiten jedenfalls nicht in
Frage.
Die Beschwerdeführerin war gemäss dem IME-Gutachten wie erwähnt in der Zeit
vom 23. Oktober 2017 bis Juli 2018 voll arbeitsunfähig und anschliessend ist bis
August 2019 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % anzunehmen. Daher konnte im Oktober
2018 ein Wartejahr mit ununterbrochener ausreichender Arbeitsunfähigkeit im Sinn von
Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ablaufen. Zu jenem Zeitpunkt dauerte eine der
Arbeitsunfähigkeit von 50 % entsprechende Erwerbsunfähigkeit weiterhin längere Zeit
an (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG). Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % ergibt sich mit
dem erwähnten Abzug (von 5 %) eine Invalidität von 52.5 % bzw. gerundet 53 % (1-
[0.5 x 0.95]).
7.1.
Da auch keine beruflichen Massnahmen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten
angeboten und abverlangt werden können, entstand im Oktober 2018 Anspruch auf
eine halbe Rente.
7.2.
Im Fall einer rückwirkenden Rentenfestsetzung ist es unter Umständen notwendig,
den Invaliditätsgrad für verschiedene zurückliegende Zeitabschnitte nach Massgabe
7.3.
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8.
der jeweiligen Erwerbsunfähigkeit unterschiedlich hoch zu bemessen (vgl. BGE
106 V 16; BGE 109 V 125).
Für die Zeit, während welcher die Beschwerdeführerin zu 30 % arbeitsunfähig war,
ergibt sich bei ansonsten unveränderten Vorgaben, wie sie oben erwähnt wurden,
selbst mit dem erwähnten Abzug (von 5 %) kein rentenrelevanter Invaliditätsgrad
(sondern ein solcher von 33.5 % bzw. rund 34 %; 1- [0.7 x 0.95]). Drei Monate nach
dem Anhalten des Wiedererreichens der Arbeitsfähigkeit von 70 %, festgestellt bei der
Begutachtung vom August 2019, somit ab 1. Dezember 2019, ist die Rente in der Folge
demnach bei dem Invaliditätsgrad von noch rund 34 % aufzuheben. Denn gemäss
Art. 88a Abs. 1 IVV ist die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung
oder Aufhebung der Leistung bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit von dem
Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie
voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen,
nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und
voraussichtlich weiterhin andauern wird.
7.4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 18. April 2020 teilweise gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin ist vom 1. Oktober 2018 bis 30. November 2019 eine halbe Rente
zuzusprechen. Die Sache ist zur Rentenberechnung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
8.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (vgl. Art. 69 Abs. 1 IVG, Fassungen vor und nach 1. Januar 2021).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint der durchschnittlich aufwendigen Sache
angemessen. - Nach Art. 95 Abs. 1 des st. gallischen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP/SG; sGS 951.1; vgl. Art. 61 Ingress ATSG) hat in
Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden. Zu berücksichtigen ist, dass die Beschwerdeführerin
gemäss diesem Ausgang des Verfahrens die Verfügung zu Recht mittels des
Beschwerdeverfahrens als unzutreffend beanstanden musste (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. November 2018, IV 2016/357
E. 4.2; vgl. auch jenen vom 21. Juni 2021, IV 2020/120 E. 6.3). Indessen wird ihr, die im
Hauptstandpunkt eine ungenügende Abklärung des Sachverhalts geltend gemacht hat,
womit sie unterlegen ist, einzig eine befristete Rente für eine zurückliegende Zeit
8.2.
bis
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