Decision ID: 095bf9d0-f57a-5f5e-a143-0668aab0dd1d
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war seit 1. März 2004 als Assistent der Geschäftsleitung der B._ AG tätig,
als er am 13. Mai 2004 in alkoholisiertem Zustand einen Motorradunfall erlitt und sich
dabei schwere Kopfverletzungen zuzog (siehe Unfallmeldung vom 18. Mai 2004, act.
G 8.1, sowie die Verfügung des Unfallversicherers vom 12. Juli 2004, IV-act. 60-107
oben). Die in der Klinik für Unfallchirurgie am Universitätsspital Zürich behandelnden
medizinischen Fachpersonen diagnostizierten ein schweres Schädelhirntrauma (mit
initialem GCS: 3, shearing injuries und Kontusionsblutungen bifrontal, intraventrikulären
Blutungen occipital bilateral, ausgeprägtem generalisiertem Hirnödem beidseits,
lateraler Orbitawandfraktur links, undisloziert, und einer Rissquetschwunde frontal
links), eine offene Mittelphalanx-Basisfraktur Dig. IV rechts und diverse
Rissquetschwunden an den Extremitäten (siehe hierzu sowie zur Hospitalisation vom
14. Mai bis 16. Juni 2004 IV-act. 4-64 ff.). Die medizinischen Fachpersonen der
Rehaklinik Bellikon, wo sich der Versicherte vom 16. Juni bis 20. Oktober 2004 aufhielt,
bescheinigten ihm eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Austrittsbericht vom
3. November 2004, IV-act. 4-38 ff.). Die IV-Stelle für Versicherte im Ausland
(nachfolgend: IVSTA) anerkannte eine Gesundheitsbeeinträchtigung, die eine
Arbeitsunfähigkeit und Erwerbseinbusse von 100% verursache, und sprach dem
Versicherten mit Wirkung ab 1. Mai 2005 eine ganze Rente zu (Verfügungen vom
25. September 2008, act. G 22.7). Die Unfallversicherung sprach dem Versicherten mit
Wirkung ab 1. September 2008 eine Invalidenrente entsprechend einem 100%igen
Invaliditätsgrad zu (IV-act. 107-1 ff.). Die Asga Pensionskasse Genossenschaft
A.a.
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(nachfolgend: die Asga) anerkannte in der Folge eine 100%ige Erwerbsunfähigkeit des
Versicherten und den Beginn der Arbeitsunfähigkeit am 13. Mai 2004 (Schreiben vom
12. November 2008, act. G 22.8). Nach durchgeführter
Überentschädigungsberechnung leistete die Asga ab 1. Januar 2009 eine monatliche
Invalidenrente von Fr. 228.20 (Schreiben vom 26. November 2008, act. G 22.10).
U.a. gestützt auf eine Beurteilung von C._, Facharzt für Nervenheilkunde/
Sozialmedizin, vom 23. August 2011, wonach dem Versicherten eine
leidensangepasste Tätigkeit mehr als 6 Stunden täglich zumutbar sei (IV-act. 152),
vertrat der RAD-Arzt Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine Medizin, in der
Stellungnahme vom 18. November 2011 den Standpunkt, der Versicherte verfüge
bezogen auf eine leidensangepasste Tätigkeit über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 155). Daraufhin stellte die IVSTA die Rentenleistungen auf den 30. November 2011
ein (Verfügung vom 16. August 2012, IV-act. 175; zur Begründung siehe IV-act. 176).
Darüber wurde die Asga mit Schreiben vom 16. August 2012 orientiert (act. G 22.11),
woraufhin sie die Invalidenrente auf den 30. September 2012 einstellte. Auf eine
Rückforderung der vom 1. Dezember 2011 bis 30. September 2012 ausbezahlten
Rentenleistungen verzichtete sie (Schreiben vom 25. August 2014, act. G 22.12).
A.b.
Im Auftrag des Unfallversicherers wurde der Versicherte vom 9. bis 13. September
2013 im ZMB Zentrum für Medizinische Begutachtung, Basel, polydisziplinär
(internistisch, orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch und neuropsychologisch)
begutachtet. Die Experten stellten im Gutachten vom 14. Januar 2014 im Wesentlichen
die Diagnose eines organischen Psychosyndroms mit Zeichen eines
Frontalhirnsyndroms nach Motorradunfall vom 13. Mai 2004 mit aktuell u.a. einer
schweren neuropsychologischen Funktionsstörung mit vorherrschend apathisch-
depressivem Affekt (IV-act. 181-48). Die Beschwerden hätten sich insofern verändert,
als das depressiv-apathische Zustandsbild des Versicherten mit zunehmendem
sozialem Rückzug in den Vordergrund getreten sei, hingegen die früheren manischen
Auslenkungen, aggressives Verhalten oder andere wesentliche Veränderungen im Sinn
des Frontalhirnsyndroms nicht mehr aufgetreten seien (IV-act. 181-52). Die
angestammte, kognitiv durchschnittlich bis höher anspruchsvolle Tätigkeit sei dem
Versicherten nicht mehr zumutbar. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei ihm 3 Stunden
täglich an einem geschützten Arbeitsplatz zumutbar (IV-act. 181-54 f.). Mit Schreiben
A.c.
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B.
vom 28. Mai 2014 sandte der Versicherte der IVSTA eine Kopie des ZMB-Gutachtens
und ersuchte, ihm sei weiterhin durchgehend eine «volle» Rente auszurichten (IV-
act. 180). Der RAD-Arzt Dr. D._ gelangte zur Auffassung, dass für die Zeit vom
14. Mai 2004 bis 22. August 2011 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, ab 23. August 2011
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit und ab 9. September 2013 eine 64%ige Arbeitsfähigkeit
für leidensangepasste Tätigkeiten bestehe (Stellungnahmen vom 17. März 2015, IV-
act. 193, vom 7. Juli 2015, IV-act. 204, und vom 15. Oktober 2015, IV-act. 214).
Ausgehend von einem 71%igen Invaliditätsgrad sprach die IVSTA dem Versicherten
mit Verfügung vom 22. Januar 2016 mit Wirkung ab 1. September 2013 eine ganze
Rente zu (IV-act. 223).
Die Asga teilte dem Versicherten am 19. September 2016 mit, infolge
Überentschädigung bestehe zurzeit kein Anspruch auf Rentenleistungen aus der
beruflichen Vorsorge (act. G 1.8). Dagegen brachte der Versicherte am 12. Juli 2017
vor, die Asga Pensionskasse Genossenschaft habe bei der
Überentschädigungsberechnung zu Unrecht ein zumutbares Resterwerbseinkommen
berücksichtigt. Die Kürzungsgrösse des mutmasslich entgangenen Verdienstes habe
sie ausserdem zu tief angesetzt (act. G 1.9; zum E-Mail der B._ AG vom 19. Juni
2014, worin diese ausführte, der Versicherte hätte als Senior Consultant einen
Jahresbruttolohn von Fr. 144'000.-- erzielen können, siehe act. G 1.5). Die Asga
Pensionskasse Genossenschaft hielt im Schreiben vom 16. Juli 2018 im Wesentlichen
an ihrem Standpunkt fest und ermittelte ab 1. September 2013 einen Rentenanspruch
von monatlich Fr. 40.20 (act. G 1.4).
A.d.
Am 18. Dezember 2018 erhob A._ Klage gegen die Asga Pensionskasse
Genossenschaft und beantragte, es sei die Beklagte zu seinen Gunsten zur
Ausrichtung einer ungekürzten Invalidenrente von monatlich Fr. 715.05 rückwirkend ab
dem 1. Mai 2005 zuzüglich 5% Zins seit dem Datum der Klageeinreichung zu
verurteilen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung bringt er vor, es
sei nicht von einem mutmasslich entgangenen Verdienst von Fr. 73'440.--, sondern von
mindestens Fr. 109'416.-- auszugehen. Des Weiteren bestehe keine Bindung an das
von der IVSTA ermittelte Invalideneinkommen, das die Beklagte zu Unrecht als
B.a.
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zumutbares Resterwerbseinkommen in die Überentschädigungsberechnung
einbezogen habe. Vielmehr sei davon auszugehen, dass ihm (dem Kläger) die Erzielung
eines Invalideneinkommens nicht mehr zumutbar sei (act. G 1).
Die Beklagte beantragte in der Klageantwort vom 15. Februar 2019 die
vollumfängliche Abweisung der Klage; unter Kostenfolge. Die grundsätzliche
Leistungspflicht bestreite sie nicht. Die passive Vorsorge werde dementsprechend
auch mit einem Invaliditätsgrad von 71% weitergeführt. Sie habe bei der Bemessung
des mutmasslich entgangenen Verdiensts zu Recht auf das von der IVSTA ermittelte
Valideneinkommen abgestellt. Sie hielt auch an dem von ihr berücksichtigten
zumutbaren Resterwerbseinkommen fest (act. G 9).
B.b.
In der Replik vom 21. März 2019 hielt der Kläger unverändert an der Klage fest
(act. G 11).
B.c.
Die Beklagte verzichtete stillschweigend auf eine Duplik (act. G 13).B.d.
Am 4. Februar 2020 forderte die Verfahrensleitung die Beklagte auf, ihre
vollständigen Akten einzureichen und zum Rentenanspruch des Klägers betreffend den
Zeitraum vom 1. Mai 2005 bis 31. August 2013 Stellung zu nehmen (act. G 14).
B.e.
Die Beklagte reichte am 12. März 2020 zusätzliche Akten ein und führte aus, ab
dem 1. Januar 2009 habe der Kläger von ihr eine IV-Rente in Höhe von monatlich
Fr. 228.20 erhalten. Dieser Betrag sei Folge der Überentschädigungsberechnung. Per
1. Dezember 2011 sei der Invaliditätsgrad von der Invalidenversicherung auf 26%
gekürzt worden, weshalb die IV-Rente eingestellt worden sei. Sie (die Beklagte) habe
ihre Leistungen daraufhin ebenfalls per 30. September 2012 eingestellt und auf eine
Rückforderung der zuviel bezahlten Rente vom 1. Dezember 2011 bis 30. September
2012 verzichtet. Gegen Forderungen für diesen Zeitraum werde die Einrede der
Verjährung erhoben (act. G 15).
B.f.
In der Stellungnahme vom 29. April 2020 brachte der Kläger vor, aufgrund der seit
dem 4. August 2014 von der Beklagten abgegebenen Verjährungsverzichte könnten
Leistungen ab dem 4. August 2009 nicht verjährt sein. Die von der Beklagten trotz des
abgegebenen Verzichts erhobene Einrede erfolge rechtsmissbräuchlich und sei nach
B.g.
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Treu und Glauben nicht zu schützen. Aus dem Schreiben der Beklagten vom
26. November 2008 ergebe sich, dass sie ausdrücklich ihre Leistungspflicht anerkannt
habe. Eine Mitteilung, dass aufgrund angeblicher Überentschädigung doch nicht
geleistet werde, habe er (der Kläger) erstmals mit Schreiben der Beklagten vom
19. September 2016 erhalten. Vorher habe er sich auf die grundsätzliche Anerkennung
der Leistungspflicht durch die Beklagte verlassen dürfen (act. G 17).
Am 15. Juni 2020 ersuchte die Verfahrensleitung die Beklagte erneut um
Einreichung ihrer vollständigen Akten betreffend den Kläger. Des Weiteren forderte sie
die Beklagte auf, Stellung zum Standpunkt des Klägers bezüglich des Verzichts auf die
Erhebung der Verjährungseinrede zu nehmen (act. G 19).
B.h.
In der Stellungnahme vom 20. Juli 2020 führte die Beklagte aus, wie der Kläger in
seiner Stellungnahme vom 29. April 2020 richtig bemerkt habe, sei von ihrer Seite
erstmals mit Schreiben vom 4. August 2014 ein Verzicht auf die Einrede der Verjährung
ausgesprochen worden. Darin sei jedoch ausdrücklich festgehalten worden, dass auf
die Einrede der Verjährung nur verzichtet werde, soweit diese nicht bereits eingetreten
sei. Da der Kläger mit seiner Klage jedoch höhere IV-Leistungen ab dem 1. Mai 2005
fordere, könne sie ohne Weiteres die Einrede der Verjährung für die Leistungen ab
diesem Zeitpunkt erheben, da diese im Zeitpunkt des Verjährungsverzichts bereits
verjährt gewesen seien. Im Zeitraum vom 1. Dezember 2011 bis zum 31. August 2013
seien schliesslich überhaupt keine Rentenleistungen geschuldet, da kein
invalidisierender Einkommensverlust bestanden habe. Mit der Eingabe reichte die
Beklagte weitere Unterlagen ein (act. G 22).
B.i.
Hierzu äusserte sich der Kläger am 25. August 2020 und brachte vor, die Beklagte
habe die Einrede der Verjährung ausdrücklich nur für Leistungen im Zeitraum vom
1. Dezember 2011 bis 30. September 2012 erhoben. Sie habe eingestanden, am
4. August 2014 auf die Einrede der Verjährung verzichtet zu haben, was zur Folge
habe, dass für den Zeitraum fünf Jahre zuvor keine Leistungen verjährt sein könnten
(act. G 24).
B.j.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Invalidenrentenanspruch des Klägers gegenüber der Beklagten.
Nach Art. 23 lit. a des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) haben Personen Anspruch auf
Invalidenleistungen, die im Sinn der Invalidenversicherung (IV) zu mindestens 40%
invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt
hat, versichert waren. Die Versicherten haben gemäss Art. 24 Abs. 1 BVG Anspruch auf
eine volle Invalidenrente, wenn sie im Sinn der IV zu mindestens 70% invalid sind
(lit. a); eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60% invalid sind (lit. b); eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zur Hälfte invalid sind (lit. c) und eine Viertelsrente,
wenn sie mindestens zu 40% invalid sind (lit. d). Für den Beginn des Anspruchs auf
Invalidenleistungen gelten sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20; Art. 29 IVG). Das
Kassenreglement und die Bestimmungen für die zusätzliche Vorsorge der Beklagten
(nachfolgend: Reglement) in der ab 1. Januar 2005 gültigen Fassung legten fest, dass
ein Invaliditätsgrad von weniger als 25% keinen Anspruch auf eine
Versicherungsleistung begründet (Art. 26 Abs. 3 des Reglements). Entsteht ein
Anspruch auf BVG-Invalidenrenten infolge eines Unfalls, so begründet eine Invalidität
von weniger als 40% keinen Anspruch auf eine Rentenzahlung. Im Übrigen deckt sich
die reglementarische Regelung (Art. 26 Abs. 5 des Reglements) mit dem Inhalt von
Art. 24 Abs. 1 BVG.
1.1.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist ein Entscheid der IV-Stelle für
eine Einrichtung der beruflichen Vorsorge verbindlich, sofern sie in das
invalidenversicherungsrechtliche Verfahren einbezogen wurde, die konkrete
Fragestellung für die Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der
Invalidenversicherung entscheidend war und die invalidenversicherungsrechtliche
Betrachtungsweise aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als
offensichtlich unhaltbar erscheint. Die Orientierung an der Invalidenversicherung
bezieht sich insbesondere auf die sachbezüglichen Voraussetzungen des
Rentenanspruchs, die Rentenhöhe und den Rentenbeginn (Urteil des Bundesgerichts
vom 24. September 2019, 9C_333/2019, E. 2.1 mit Hinweis u.a. auf BGE 133 V 69
E. 4.3.2).
1.2.
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2.
Der Kläger beantragt, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm eine ungekürzte
Invalidenrente von monatlich Fr. 715.05 rückwirkend ab dem 1. Mai 2005 auszurichten
zuzüglich 5% Zins seit dem Datum der Klageeinreichung.
3.
In der Eingabe vom 12. März 2020 erhob die Beklagte die Einrede der Verjährung, ohne
diesbezüglich den Zeitraum unmissverständlich zu benennen (act. G 15). Aus dem
Zusammenhang ist jedoch darauf zu schliessen, dass die Einrede sich auf den
Zeitraum vom 1. Mai 2005 bis 31. August 2013 bezieht, betraf die Rückfrage des
Gerichts doch diesen Zeitraum, was die Beklagte gemäss ihrem einleitenden Satz im
Schreiben vom 12. März 2020 zur Kenntnis nahm (vgl. act. G 14). Im Schreiben vom
20. Juli 2020 hielt die Beklagte zudem immerhin fest, sie könne die Verjährungseinrede
ab dem 1. Mai 2005 erheben (act. G 22, S. 3). Dass die Verjährungseinrede sich
lediglich auf den Zeitraum vom 1. Dezember 2011 bis 30. September 2012 bezogen
haben sollte, wie dies der Kläger behauptet (act. G 17 Ziff. 3/10), ist daher
unzutreffend. Sodann kann der Kläger daraus, dass die Beklagte «immer anerkannt»
habe, «grundsätzlich leistungspflichtig zu sein», keine Rechtsmissbräuchlichkeit in
Bezug auf das Erheben der Verjährungseinrede ableiten (vgl. dazu act. G 17 Ziff. 3/11).
Auch wenn dem Grundsatz nach eine Leistungspflicht anerkannt wird, können
Ansprüche auf höhere als bereits erbrachte Rentenleistungen nach den gewöhnlichen
Regeln (vgl. unten E. 3.1) durchaus verjähren. Folglich ist zu prüfen, ob die vom Kläger
eingeklagten Rentenansprüche im Zeitraum 1. Mai 2005 bis 31. August 2013 verjährt
sind.
Forderungen auf periodische Beiträge und Leistungen - wie etwa Rentenleistungen
- verjähren nach fünf, andere nach zehn Jahren. Die Art. 129 bis 142 des
Obligationenrechts (OR; SR 220) sind anwendbar (Art. 41 Abs. 2 BVG). Bezüglich der
Nachzahlung und Verjährung von Leistungen gelten die Bestimmungen des BVG und
der dazugehörenden Verordnungen (Art. 31 des Reglements).
3.1.
Die Beklagte gab seit 4. August 2014 regelmässig befristete Verzichte auf die
Einrede der Verjährung ab, soweit diese nicht bereits eingetreten war (act. G 17.1 ff.
und act. G 1.6 f., zuletzt bis 30. Juni 2019; act. G 1.7). Im Bereich der beruflichen
Vorsorge ist die Einholung eines Verzichts auf die Einrede der Verjährung zulässig
(Hans-Ulrich Stauffer, Berufliche Vorsorge, 3. Auflage, 2019, Rz 1307). Im Zeitpunkt der
unstrittig erstmaligen Abgabe des Verzichts auf die Einrede der Verjährung (4. August
3.2.
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4.
Zu prüfen ist des Weiteren der Invalidenrentenanspruch für die von der Verjährung
nicht erfasste Dauer ab 1. August 2009 bis 30. November 2011 (Zeitpunkt
Renteneinstellung durch die Invalidenversicherung). Da die IVSTA der Rentenverfügung
vom 25. September 2008 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und damit ein
Invalideneinkommen von Fr. 0.-- zugrunde legte, hatte sie das Valideneinkommen nicht
betraglich zu bestimmen, da in jedem Fall ein 100%iger Invaliditätsgrad resultierte
(siehe zu den Verfügungen vom 25. September 2008 samt Begründung act. G 22.7).
Demnach kann auch für den (unkoordinierten) Rentenanspruch gegenüber der
Beklagten die Festsetzung des Valideneinkommens offenbleiben und es ist für den
Zeitraum vom 1. August 2009 bis 30. November 2011 ebenfalls von einem 100%igen
Invaliditätsgrad sowie einem Anspruch auf eine volle Invalidenrente auszugehen.
5.
Bezüglich des Rentenanspruchs des Klägers ab 1. Dezember 2011 gilt es das
Folgende zu beachten:
2014) waren allfällige Ansprüche auf die monatlich ausgerichteten Rentenleistungen bis
Ende Juli 2009 verjährt. Vor diesem Hintergrund erübrigt sich eine Prüfung der
Richtigkeit der von der Beklagten bis zu diesem Zeitpunkt ausgerichteten
Invalidenrenten von monatlich Fr. 228.20 (siehe hierzu act. G 22, S. 2, und G 22.10).
Der Anspruch auf eine Invalidenrente erlischt namentlich - unter dem vorliegend
nicht einschlägigen Vorbehalt von Art. 26a BVG - mit dem Wegfall der Invalidität
(Art. 26 Abs. 3 BVG und Art. 26 Abs. 5 Satz 2 des Reglements 2005, was Art. 26 Abs. 4
Satz 2 des Reglements 2009 bis 2019 entspricht). Für den Zeitpunkt des Wegfalls des
berufsvorsorgerechtlichen Invalidenrentenanspruchs gilt nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts eine analoge Anwendung der im Bereich der Invalidenversicherung
geltenden Regeln (BGE 133 V 67). Die IVSTA stellte mit Verfügung vom 16. August
2012 die Rentenleistungen des Klägers revisionsweise per 1. Dezember 2011 ein. Der
Renteneinstellung lag eine am 23. August 2011 festgestellte Verbesserung des
Gesundheitszustands und ein neu ermittelter 26%iger Invaliditätsgrad zugrunde (IV-
act. 175 f.). Diese Revisionsverfügung wurde der Beklagten zugestellt (IV-act. 175-2)
und erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Qualifizierte Mängel an diesem
Renteneinstellungsentscheid sind weder vom rechtskundig vertretenen Kläger geltend
gemacht worden noch ersichtlich. Es besteht damit kein Anlass, im
berufsvorsorgerechtlichen Verfahren davon abzuweichen. Folglich hatte der Kläger
5.1.
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(gestützt auf Art. 26 Abs. 4 des anwendbaren Reglements 2005; zu dessen
Anwendbarkeit vgl. Art. 44 Abs. 1 und 2 der Reglemente 2007 und 2009) ab
1. Dezember 2011 (bis 31. Oktober 2014; siehe hierzu nachstehende E. 5.2) keinen
Anspruch mehr auf Rentenleistungen gegenüber der Beklagten.
Die IVSTA sprach dem Kläger mit Verfügung vom 22. Januar 2016 mit Wirkung ab
1. September 2013 bei einem Invaliditätsgrad von 71% wieder eine ganze Rente zu.
Die Beklagte wurde wiederum mit einer Kopie der Verfügung bedient (IV-act. 223; zur
Verfügungsbegründung siehe IV-act. 225). Der neuerlichen Rentenzusprache lag ein
Gesuch des Klägers vom 2. Juni 2014 (Datum Posteingang bei der IVSTA) bzw. vom
28. Mai 2014 (Versanddatum) zugrunde (IV-act. 225-1). Die IVSTA setzte folglich den
Rentenbeginn offensichtlich gesetzwidrig und damit offenkundig unhaltbar auf den
1. September 2013 fest. Denn dieser Zeitpunkt ist mit Art. 29 Abs. 1 IVG nicht zu
vereinbaren. Diese Bestimmung legt fest, dass der Rentenanspruch frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrecht (ATSG; SR 830.1) entsteht. Massgebend ist das Datum der
Postaufgabe (vorliegend: 28. Mai 2014; Art. 29 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 29 Abs. 3 IVG
letzter Satzteil). Das für den Rentenanspruch konstitutiv wirkende Erfordernis der
Gesuchseinreichung gilt - entgegen der von der IVSTA in der Verfügung vom
22. Januar 2016 vertretenen Ansicht - auch bei einer Neuanmeldung innerhalb von
3 Jahren nach Aufhebung einer Invalidenrente, wenn die rentenbegründende Invalidität
wiederum auf dasselbe Leiden wie die frühere Invalidität zurückzuführen ist (BGE 142 V
547), und ist auch für die Festsetzung des berufsvorsorgerechtlichen
Invalidenrentenanspruchs zu beachten (BGE 140 V 470). Auf den von der IVSTA
ermittelten Rentenbeginn darf deshalb nicht abgestellt werden. Mit Blick auf die Ende
Mai 2014 erfolgte Anmeldung beginnt ein neuerlicher Rentenanspruch vielmehr erst am
1. November 2014. Die Beklagte hat deshalb schon aus diesem Grund im Zeitraum
vom 1. Dezember 2011 bis 31. Oktober 2014 zu Recht keine Rentenleistungen
ausgerichtet.
5.2.
Bezüglich des ab 1. November 2014 gegenüber der Beklagten bestehenden
Invalidenrentenanspruchs kann offenbleiben, ob der von der IVSTA ermittelte 71%ige
Invaliditätsgrad (vgl. deren Verfügung vom 22. Januar 2016, fremd-act. 223) oder der
vom Kläger geltend gemachte 100%ige Invaliditätsgrad zutreffend ist. Denn so oder
anders hat er gegenüber der Beklagten unbestrittenermassen Anspruch auf eine volle
Invalidenrente (vgl. Art. 26 Abs. 4 des Reglements in der ab 1. Januar 2005 gültigen
Fassung).
5.3.
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6.
Aufgrund des Zusammenfallens des berufsvorsorgerechtlichen Rentenanspruchs mit
Rentenansprüchen der Invaliden- und Unfallversicherung ist nachfolgend eine
Überentschädigungsberechnung bzw. intersystemische Leistungskoordination
vorzunehmen.
Die Vorsorgeeinrichtung kann die Hinterlassenen- und Invalidenleistungen kürzen,
soweit diese zusammen mit anderen Leistungen gleicher Art und Zweckbestimmung
sowie weiteren anrechenbaren Einkünften 90% des mutmasslich entgangenen
Verdienstes übersteigen (Art. 34a BVG). Als solche anrechenbaren Einkünfte gelten u.a.
Renten in- und ausländischer Sozialversicherungen und Vorsorgeeinrichtungen. Bei
Bezügern von Invalidenleistungen wird überdies das weiterhin erzielte oder
zumutbarerweise noch erzielbare Erwerbs- oder Ersatzeinkommen angerechnet (Art. 24
Abs. 2 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge [BVV 2; SR 831.441.1] in der bis 31. Dezember 2016 gültigen
Fassung bzw. Art. 24 Abs. 1 lit. a und lit. d BVV 2 in der ab 1. Januar 2017 gültigen
Fassung; siehe zu den inhaltlich gleichlautenden Bestimmungen des Reglements
Art. 33 Abs. 2 des Reglements in der ab 1. Januar 2005 gültigen Fassung).
6.1.
Unter dem Begriff des mutmasslich entgangenen Verdienstes ist das
hypothetische Einkommen zu verstehen, das die versicherte Person ohne Invalidität
erzielen könnte, und zwar im Zeitpunkt, in dem sich die Kürzungsfrage stellt. Wie
bereits erwähnt (siehe vorstehende E. 1.2) sind die Festlegungen der IV-Stelle
bezüglich Entstehung, Höhe und Beginn des Rentenanspruchs grundsätzlich für die
Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge massgebend und verbindlich.
Das im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren festgelegte Valideneinkommen
muss dem Grundsatz nach auch in der berufsvorsorgerechtlichen
Überentschädigungsberechnung Berücksichtigung finden. Ausgangspunkt ist daher
der Grundsatz der Kongruenz von Valideneinkommen und mutmasslich entgangenem
Verdienst. Im Sinn einer vom Bundesgericht stipulierten Vermutung ist davon
auszugehen, dass das von der IV-Stelle festgelegte Valideneinkommen dem
mutmasslich entgangenen Verdienst entspricht. Die Annahme einer überproportionalen
(d.h. über die Lohn- und Preisentwicklung hinausgehenden) Einkommensentwicklung
muss auf Lebensgeschehnissen gründen, die schon in der Zeit vor Eintritt des
versicherten Ereignisses ihren Anfang genommen haben, es sei denn, die
Einkommenserhöhung habe von der Natur des ihr zugrunde liegenden Motivs her
überhaupt erst nach dem versicherten Ereignis eintreten können (Urteil des
6.2.
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Bundesgerichts vom 28. Mai 2019, 9C_819/2018, E. 2.3.2 mit Hinweisen u.a. auf BGE
143 V 93 E. 3.2). Unmittelbar bindend - unter dem Vorbehalt der offensichtlichen
Unhaltbarkeit - ist das von der IV-Stelle festgelegte Valideneinkommen jedoch nicht.
Vielmehr ist den spezifischen Gegebenheiten und tatsächlichen Chancen der
Versicherten auf dem für sie in Betracht kommenden Arbeitsmarkt Rechnung zu tragen.
Ausgehend vom zuletzt vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erzielten Verdienst sind alle einkommensrelevanten
Veränderungen (Teuerung, Reallohnerhöhung, Karriereschritte usw.) zu
berücksichtigen, die ohne Invalidität überwiegend wahrscheinlich eingetreten wären. Im
Unterschied zum Invalidenversicherungsrecht kann die versicherte Person (oder die
Vorsorgeeinrichtung) somit alle arbeitsmarktbezogenen und persönlichen Umstände
anführen, die ein Abweichen vom Valideneinkommen rechtfertigen. Solche
Abweichungen hat die versicherte Person betreffend den mit dem Valideneinkommen
weitgehend korrelierenden mutmasslich entgangenen Verdienst zu substanziieren und
in Nachachtung ihrer Mitwirkungspflicht die erforderlichen Beweise zu offerieren (Urteil
des Bundesgerichts vom 28. Mai 2019, 9C_819/2018, E. 4.1 mit Hinweisen). Nach der
erstmaligen Leistungskoordination ist der mutmasslich entgangene Verdienst nur dann
neu festzulegen, wenn hinreichender Grund für die Annahme besteht, dass sich die
Verhältnisse im Sinn von Art. 24 Abs. 5 BVV 2 wesentlich geändert hätten, was eine
Veränderung in der Grössenordnung von mindestens 10% voraussetzt. Eine jährliche
Neuanpassung des mutmasslich entgangenen Verdienstes an die Teuerungs- und
Reallohnentwicklung ist mit dieser Bestimmung nicht zu vereinbaren (BGE 123 V 200 f.
E. 5d).
Hinsichtlich seines schulischen und beruflichen Werdegangs lassen sich den
Akten folgende Angaben des Klägers entnehmen: Der Übertritt von der Gesamtschule
in die Oberstufe sei knapp gescheitert, weshalb er das 10. Schuljahr wiederholt habe
(«Aufbaugymnasium»). Danach habe er zwei Jahre das Gymnasium besucht. Wegen
ungenügender Schulleistungen habe er die 12. Klasse zu wiederholen begonnen, wobei
er die Schule nach einem Monat abgebrochen habe. Nach Austritt aus dem
Gymnasium habe er viel temporär gearbeitet. Dabei sei er als Kellner tätig gewesen
und habe parallel Zivildienst in einem Kindergarten geleistet. Wegen fehlender
Motivation habe er sich oft krankgemeldet. Mit etwa 17 Jahren habe er begonnen
Alkohol zu trinken. Mit 19 Jahren sei ihm erstmals wegen Fahrens im angetrunkenen
Zustand (nachfolgend: FIAZ) der Führerausweis entzogen worden. Ein «2. FIAZ» habe
mit 22 Jahren stattgefunden. Er habe damals einen exzessiven Alkoholkonsum
betrieben, häufig nächtelang und ausschweifend, ohne zu schlafen, Partys gefeiert. Ein
6.2.1.
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«3. FIAZ» sei mit 24 Jahren erfolgt. Mit 20 Jahren habe er eine Ausbildung als
Technischer Informatik-Assistent begonnen. Nach 6 Monaten habe er diese Ausbildung
abgebrochen. Danach habe er für 6 Monate in einer Werbeagentur gearbeitet. Wegen
fehlender finanzieller Perspektiven habe er die Tätigkeit aufgegeben. Ab dem
20. Lebensjahr habe er immer wieder für eine Sicherheitsfirma als Türsteher gearbeitet.
Mit 24 Jahren habe er eine zweijährige Ausbildung als Z._ begonnen, die ihm durch
das Arbeitsamt bezahlt worden sei. Im Februar 2004 habe er die Ausbildung als einer
der Besten abgeschlossen. Da er eine Freundin in der Schweiz gehabt habe, sei er
danach als Z._ zu einer Tochterfirma seiner Lehrfirma in die Schweiz gekommen. Er
habe vorerst einen auf 3 Monate befristeten Arbeitsvertrag erhalten (siehe zum Ganzen
die Angaben des Klägers im Arztbericht vom 28. September 2005, IV-act. 8-2). Bei der
B._ AG war der Kläger ab 1. März 2004 als «Assistent Verkauf Mehrfamilienhäuser»
angestellt (IV-act. 7).
Im Licht des dargestellten teilweise erheblich unsteten schulischen und
beruflichen Werdegangs ist - entgegen der Darstellung des Klägers (act. G 1, Rz 22,
und act. G 11, Rz 5) - weder von einer überdurchschnittlich guten Ausbildung noch
einer vielversprechenden beruflichen Laufbahn auszugehen, zumal der Kläger einen
mehrjährigen exzessiven Alkoholkonsum pflegte mit mehrmaligem Fahren im
angetrunkenen Zustand (beim Unfall bestand nach Angaben des Klägers eine
Blutalkoholkonzentration von 1,69 Promille; IV-act. 60-13). An dieser
Betrachtungsweise vermag das allgemein gehaltene, konkret nicht näher begründete
Schreiben der B._ AG vom 19. Juni 2017 nichts zu ändern. Darin wurde lediglich
ausgeführt, dass der Kläger bis vor seinem Unfall alle Voraussetzungen besessen habe,
sich zu einem erfolgreichen Consultant «zu entwickeln» (act. G 1.5). Um welche
Voraussetzungen es sich - nebst dem in Deutschland erworbenen Abschluss zum
Z._ - konkret handelte, wurde nicht substanziiert dargetan. Die ehemalige
Arbeitgeberin hat sich nicht dazu geäussert, ob der Kläger persönlich über die nötigen
Eigenschaften verfügt hätte, um zum Senior Consultant aufzusteigen. Hinzu kommt,
dass er im Zeitpunkt des Unfalls noch nicht einmal drei Monate bei der B._ AG
angestellt war. Die Wahrnehmung der Arbeitgeberin in diesem kurzen Zeitraum ist
daher von Vornherein nicht als taugliche Grundlage für eine überzeugende
Leistungsfähigkeitsbeurteilung geeignet. Auch die Eindeutigkeit ihrer Ausführungen
(«Hätte er [der Kläger] seine berufliche Laufbahn bei uns fortsetzen können, wäre er
heute sicher als Senior Consultant aktiv», act. G 1.5) wirft daher Fragen an der
Einschätzung der hypothetischen Laufbahnbeurteilung im Gesundheitsfall auf und
verstärkt den Eindruck eines Gefälligkeitsschreibens. Nichts anderes gilt mit Blick auf
6.2.2.
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die knappen, eher vagen Ausführungen der Arbeitgeberin vom 27. April 2015 («heute
wäre er wohl Y._ und nicht mehr Assistent»; IV-act. 201). Es fehlt im Übrigen eine
echtzeitliche Leistungsbeurteilung, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine
erfolgreiche Karriere bis zum Senior Consultant schliessen liesse. An der vom Kläger
geltend gemachten beruflichen Laufbahn bestehen deshalb Zweifel. Vorliegend kann
indessen offenbleiben, ob diese überwiegend wahrscheinlich erscheint. Denn selbst
wenn dies verneint würde, resultierte ein Anspruch auf eine intersystemisch ungekürzte
volle Invalidenrente gegenüber der Beklagten, wie sich aus nachfolgenden Erwägungen
ergibt.
Die IVSTA setzte den Rentenbeginn auf den 1. Mai 2005 fest. Für den
Invalidenrentenanspruch des Klägers ist eine 720-tägige Wartefrist zu beachten (siehe
das Schreiben der Beklagten vom 12. November 2008, act. G 22.8), womit ein
Rentenanspruch gegenüber der Beklagten erst am 1. Mai 2006 entsteht (zum
Arbeitsunfähigkeitsbeginn am 13. Mai 2004 siehe act. G 22.8). Dem von der IVSTA
ermittelten Valideneinkommen fehlt eine Bindungswirkung für die
berufsvorsorgerechtliche Festsetzung, da es sich nicht auf den gleichen Zeitpunkt
bezieht. Im Mai 2006 fiel demnach der berufsvorsorgerechtliche Rentenanspruch
erstmals mit den Leistungen der anderen involvierten Sozialversicherungen zusammen
und es stellte sich erst zu diesem Zeitpunkt die Kürzungsfrage zur Verhinderung einer
Überentschädigung. Die B._ AG gab für das Jahr 2006 an, der Kläger hätte als
Assistent einen Jahresverdienst von Fr. 67'600.-- erzielt (Schreiben vom 14. November
2006, IV-act. 48). Vorliegend sind keine Gründe erkennbar, die gegen diesen
mutmasslich erzielten Jahresverdienst sprechen. Im Übrigen hielt auch die IVSTA
diesen Betrag bei der Prüfung des wiederangemeldeten Rentenanspruchs für die
Bestimmung des Valideneinkommens für aussagekräftig (IV-act. 205). Die 90%ige
Kürzungsgrenze beträgt damit Fr. 5'070.-- pro Monat (Fr. 67'600.-- x 0.9 / 12). Diese
Kürzungsgrenze gilt allerdings nur bis zur Renteneinstellung auf den 1. Dezember 2011
bzw. während des Zeitraums, als die damaligen Rentenansprüche zusammenfielen. Die
Beklagte hat denn auch an sich zu Recht bei der Ausrichtung der Rentenleistungen
nach der vorübergehenden Renteneinstellung die Kürzungsgrenze neu berechnet (act.
G 1.4). Für den erst einige Jahre später, am 1. November 2014, erneut entstandenen
Rentenanspruch ist zur Gewährleistung der zeitlichen Kongruenz auf den Zeitpunkt des
neuerlichen erstmaligen Zusammenfallens (2014) abzustellen. Die Feststellung der
IVSTA zum Valideneinkommen im Rahmen der am 22. Januar 2016 verfügten
Rentenzusprache betrifft nicht diesen Zeitpunkt, sondern das Jahr 2012 (IV-act. 205).
Allein schon deshalb kommt ihr für die berufsvorsorgerechtliche Leistungsprüfung
6.2.3.
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keine Bindungswirkung zu. An die zwischen 2006 (Index: 2014) und 2014 (Index: 2220)
eingetretene Nominallohnentwicklung angepasst, resultiert ein mutmasslich
entgangener Verdienst für das Jahr 2014 von Fr. 74'514.-- (Fr. 67'600.-- / 2014 x 2220).
Folglich beträgt die massgebende Kürzungsgrenze für die Rentenleistungen ab
1. November 2014 gerundet Fr. 5'589.-- pro Monat (Fr. 74'514.-- x 0.9 x 12).
Zu bestimmen ist ausserdem, ob bzw. in welchem Umfang im Rahmen der
Leistungskoordination ein dem Kläger zumutbarerweise erzielbares
Bruttoerwerbseinkommen anzurechnen ist. Die ZMB-Gutachter führten im Gutachten
vom 14. Januar 2014 aus, eine leidensangepasste Tätigkeit sei dem Kläger während
drei Stunden täglich zumutbar (IV-act. 181-55; zum eingeschränkten Anforderungsprofil
siehe IV-act. 181-54). Verglichen mit einer betriebsüblichen täglichen Arbeitszeit von
8,36 Stunden (41,7 Stunden / 5; siehe Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der
Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019, S. 228) resultiert eine 36%ige
Arbeitsfähigkeit, wie sie die IVSTA zutreffend ermittelte (IV-act. 204-1 und IV-
act. 205-1). Das von der IVSTA für das Jahr 2012 ermittelte Invalideneinkommen von
monatlich Fr. 1'782.74 erscheint als in zumutbarer Weise erzielbares
Resterwerbseinkommen angemessen. Angepasst an die bis zum vorliegend
massgebenden Jahr 2014 (siehe hierzu vorstehende E. 6.2.3) eingetretene
Nominallohnentwicklung (Index: 2012: 2188; Index 2014: 2220) resultiert ein dem
Kläger zumutbares Resterwerbseinkommen von monatlich gerundet Fr. 1'809.--.
(Fr. 1'782.74 / 2188 x 2220).
6.3.
Die unfallversicherungsrechtliche Invalidenrente kann nicht im vollen Umfang
zusätzlich zum Resterwerbseinkommen in die berufsvorsorgerechtliche
Überentschädigungsberechnung einbezogen werden. Denn die prozentgenau
abgestufte Invalidenrente des Unfallversicherers entschädigt eine 100%ige und nicht
bloss eine 71%ige Invalidität wie die Invalidenversicherung. Deshalb ist sie im Umfang
der Differenz von 29% mit der bloss diesen 71%igen Invaliditätsgrad entschädigenden
Invalidenrente der Beklagten sachlich nicht kongruent. Andernfalls würde die
gleichzeitige Anrechnung des ganzen Resterwerbseinkommens und des vom
Unfallversicherer auf den darin enthaltenen 29%igen Invaliditätsgrad geleisteten
Rentenanteils zu einer unzulässigen doppelten Überentschädigungskürzung führen. Es
kann daher von der unfallversicherungsrechtlichen Invalidenrente bloss ein Anteil von
71% angerechnet werden.
6.4.
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Des Weiteren bleibt zu beurteilen, welche Leistungen der übrigen in- und
ausländischen Sozialversicherer bei der koordinationsrechtlichen Leistungskürzung zu
beachten sind.
6.5.
Nebst der Anrechnung der Rentenleistungen des Unfallversicherers im Umfang
von 71% (siehe vorstehende E. 6.4) ist die Rentenleistung der IVSTA im vollen Umfang
anzurechnen, was vom Kläger nicht bestritten wird. Vorliegend kann offenbleiben, ob
die von der Deutschen Rentenversicherung ausbezahlten Renten, die weit unter einem
monatlichen Betrag von durchschnittlich rund 300 Euro liegen (siehe etwa IV-act. 230),
anzurechnen sind. Denn so oder anders hat der Kläger Anspruch auf eine ungekürzte
berufsvorsorgerechtliche Invalidenrente (siehe nachstehende E. 6.5.2).
6.5.1.
Bezüglich des Rentenanspruchs für die Dauer vom 1. August 2009 bis
30. November 2011 (siehe hierzu, insbesondere zum von der Beklagten zu
entschädigenden 100%igen Invaliditätsgrad, vorstehende E. 4) ist die Kürzungsgrenze
von Fr. 5'070.-- zu beachten. Unter Abzug der monatlichen Invalidenrenten der
Invaliden- und Unfallversicherung (Fr. 284.-- und Fr. 3'270.--, act. G 22.10) verbleibt ein
Differenzbetrag von Fr. 1'516.-- monatlich, der - selbst bei Berücksichtigung der
Rentenleistungen der deutschen Rentenversicherung (vgl. vorstehende E. 6.5.1) -
erheblich über der unkoordinierten berufsvorsorgerechtlichen Invalidenrente im Betrag
von abgerundet Fr. 684.-- (Fr. 8'211.-- / 12) liegt. Der Kläger hat folglich für den
Zeitraum vom 1. August 2009 bis 30. November 2011 einen Anspruch auf eine
intersystemisch ungekürzte Invalidenrente im Betrag von Fr. 684.-- bzw. Fr. 715.--
(siehe zu letzterem Betrag act. G 1.10). Nichts anderes gilt mit Blick auf den
Rentenanspruch des Klägers ab 1. November 2014. Bei einer monatlichen
Kürzungsgrenze von Fr. 5'589.-- (E. 6.2.3) resultiert nach Abzug der monatlichen
Invalidenrenten der Invalidenversicherung (Fr. 301.--), der Unfallversicherung
(Fr. 2'408.-- = Fr. 3'392.-- x 0,71; siehe vorstehende E. 6.4 und act. G 22.15) und eines
Resterwerbseinkommens von Fr. 1'809.-- (siehe vorstehende E. 6.3) ein
Differenzbetrag von Fr. 1'071.-- (Fr. 5'589.-- - Fr. 301 - Fr. 2'408.-- - Fr. 1'809.--).
Demnach hat der Kläger gegenüber der Beklagten für die Dauer vom 1. August 2009
bis 30. November 2011 sowie ab 1. November 2014 Anspruch auf eine ungekürzte
volle Invalidenrente. Wie der Kläger zutreffend rügt, machte die Beklagte
widersprüchliche Angaben bezüglich der Höhe des ungekürzten Rentenbetrags
(Fr. 684.-- bzw. Fr. 715.--; act. G 22.10 und act. G 22.15 bzw. act. G 1.10). Trotz
ausdrücklicher Rüge des Klägers (act. G 1, Rz 28) äusserte sich die Beklagte bislang
weder zu diesem Widerspruch noch reichte sie eine nachvollziehbare Berechnung zum
ungekürzten Rentenbetrag bzw. zu allfälligen späteren Veränderungen ein. Es ist daher
6.5.2.
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7.
- nicht zuletzt mit Blick auf die Prozessökonomie - gerechtfertigt, die Sache zur
Berechnung und Ausrichtung der Rentenleistung basierend auf einer ungekürzten
vollen Invalidenrente an die Beklagte zu überweisen (vgl. BGE 129 V 450 E. 3.4).
Verspätet ausgerichtete Invalidenrenten aus beruflicher Vorsorge sind
grundsätzlich verzugszinspflichtig. Das Reglement der Beklagten sieht als Verzugszins
den Mindestzins gemäss BVG vor (Art. 29 Abs. 2 des Reglements 2005 bzw. des
Reglements 2019). Der Beginn der Zinspflicht richtet sich nach Art. 105 Abs. 1 OR,
sodass die Beklagte ab Klageerhebung am 18. Dezember 2018 einen Verzugszins auf
die ausstehende Rentendifferenz entsprechend der Höhe des BVG-Mindestzinssatzes
zu bezahlen hat (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts vom 28. Februar 2017,
BV 2014/12, E. 7). Der BVG-Mindestzinssatz beträgt seit 2018 1%. Da die ausstehende
Rentendifferenz noch von der Beklagten festzulegen ist (siehe vorstehende E. 6.5.2),
rechtfertigt sich aus prozessökonomischen Gründen ebenfalls die Überweisung der
Sache an die Beklagten zur Berechnung und Ausrichtung der Verzugszinsen.
6.5.3.
Nach dem Gesagten ist die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger für die Dauer vom
1. August 2009 bis 30. November 2011 sowie ab 1. November 2014 eine ungekürzte
volle Invalidenrente im Sinn der Erwägungen auszurichten. Zur Berechnung der
Rentenhöhe ist die Sache an die Beklagte zu überweisen. Im Übrigen ist die Klage
abzuweisen.
7.1.
Die Beklagte ist zu verpflichten, dem Kläger für die ausstehenden
Rentendifferenzbeträge ab Klageerhebung am 18. Dezember 2018 einen Verzugszins
entsprechend dem BVG Mindestzinssatz im Sinn der Erwägungen auszurichten. Zur
Ermittlung der nachzuzahlenden Rentendifferenzbeträge und der Berechnung der
Verzugszinshöhe ist die Sache an die Beklagte zu überweisen.
7.2.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG).7.3.
Der Kläger beantragte eine ungekürzte Invalidenrente im monatlichen Betrag von
Fr. 715.05 rückwirkend ab 1. Mai 2005 (act. G 1). Das Versicherungsgericht verpflichtet
die Beklagte zur Ausrichtung von ungekürzten vollen Invalidenrenten für die Dauer vom
1. August 2009 bis 30. November 2011 und ab 1. November 2014, womit vorliegend
ermessensweise von einem Obsiegen des Klägers von zwei Dritteln auszugehen ist.
Dem teilweisen Obsiegen entsprechend sind dem Kläger in Anwendung von Art. 98
Abs. 1 und Art. 98 des st. gallischen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRP; sGS 951.1) die Parteikosten von der unterliegenden Beklagten zu erstatten. Das
7.4.
bis
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