Decision ID: 000b1cbd-3b38-488b-afbb-5c7a83c17ebb
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Stéphanie Schwarz, Rechtsdienst Integration
Handicap, Bürglistrasse 11, 8002 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a Der 1958 geborene S._ meldete sich am 18. März 2002 zum Leistungsbezug bei
der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Dr. med. A._, Innere Medizin FMH,
diagnostizierte im Bericht vom 18. Juni 2002 unter anderem einen chronischen,
intermittierenden Alkohol- und Benzodiazepin-Abusus, Bauchschmerzen unklarer
Ätiologie, einen Leistungsknick unklarer Ätiologie sowie eine Fraktur des 8. BWK im
Jahr 1991 (IV-act. 12). Im Gutachten vom 21. Mai 2003 stellte die MEDAS die
Diagnosen eines chronischen thorako-lumbovertebralen Schmerzsyndroms, einer
beginnenden Coxarthrose links, von psychogenen Überlagerungen der
Rückenschmerzen bei Persönlichkeit mit alexithymen Zügen und eines Zustandes nach
mehrfachen Entzugsbehandlungen wegen Alkohol- sowie Benzodiazepin-Abusus seit
mindestens 1984. In einer Tätigkeit ohne lange Sitzdauer sowie Inklination des
Oberkörpers und ohne wiederholtes Heben von Lasten über 10 kg sei eine
Arbeitsfähigkeit von 60% gegeben. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe in
Übereinstimmung mit dem Hausarzt seit Oktober 2001 (IV-act. 25).
A.b Mit Verfügung vom 26. August 2004 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit
Wirkung ab Oktober 2002 eine Viertelsrente auf der Basis eines IV-Grades von 42% zu
(Valideneinkommen von Fr. 47'020.-- und Invalideneinkommen von Fr. 27'300.--) (IV-
act. 59). Nachdem der Versicherte gegen diese Verfügung Einsprache hatte erheben
und eine gesundheitliche Verschlechterung geltend machen lassen, widerrief die IV-
Stelle die Verfügung am 11. Februar 2005, wobei sie dem Versicherten weiterhin die
Viertelsrente ausrichtete (IV-act. 60, 64, 65, 69, 71, 72, 76). Im Gutachten vom 13.
Januar 2006 hielten die MEDAS-Ärzte unter anderem fest, der psychische
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit der ersten Begutachtung nicht
verschlechtert. Es sei jedoch eine objektivierbare Verschlechterung des wahrscheinlich
Osteoporose-bedingten Rückenleidens radiologisch dokumentierbar. In einer
körperlich leichten rückenadaptierten Tätigkeit ohne regelmässiges Heben von Lasten
über 10 kg sei spätestens ab Ende Oktober 2004 eine Arbeitsfähigkeit von 50%
gegeben (IV-act. 81). Mit Vorbescheid vom 18. Juli 2006 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, er habe bei einem Invaliditätsgrad von 42% ab Oktober 2002
Anspruch auf eine Viertelsrente der IV und ab September 2004 bei einem
Invaliditätsgrad von 55% (Valideneinkommen von Fr. 48'106.-- und
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Invalideneinkommen von Fr. 21'648.--) auf eine halbe IV-Rente. Nachdem die
Rechtsvertreterin des Versicherten am 28. August 2006 Stellung genommen hatte,
erliess die IV-Stelle am 23. November 2006 inhaltlich mit dem Vorbescheid
übereinstimmende Verfügungen (IV-act. 106f, 114-117).
B.
B.a Gegen diese Verfügungen erhob Rechtsanwältin lic. iur. S. Schwarz, Rechtsdienst
Integration Handicap, für den Versicherten mit Eingabe vom 4. Januar 2007
Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügungen seien zu ändern und es sei dem
Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Oktober 2002 eine die Viertelsrente übersteigende
Rente und mit Wirkung ab 1. September 2004 eine die halbe Rente übersteigende
Rente zuzusprechen. Es sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Zur
Begründung liess der Beschwerdeführer ausführen, er sei mit der Bemessung des
Valideneinkommens nicht einverstanden. Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens habe
er Unterlagen eingereicht, die belegen würden, dass er als Gesunder nach wie vor die
sitzende Tätigkeit als Revisor ausüben würde. Bereits 1991 habe er Rückenprobleme
gehabt, weshalb er sich von der Grenzwacht in den Zollinnendienst habe versetzen
lassen müssen, um geregelte Arbeitszeiten zu haben. In der Folge habe sich aber
herausgestellt, dass der Wechsel zu einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit für den
Rücken ungünstig gewesen sei. Die gesundheitlichen Beschwerden bei der rein
sitzenden Tätigkeit hätten ihn schliesslich bewogen, die gut bezahlte Revisorenstelle
aufzugeben und sich als Unternehmer selbständig zu machen. Die gesundheitlichen
Probleme seien dem damaligen Arbeitgeber bekannt gewesen, habe er (der
Beschwerdeführer) sich doch bereits während des Anstellungsverhältnisses im Jahr
1995 in Valens behandeln lassen müssen. Die sitzende Tätigkeit als Zollrevisor sei ihm
behinderungsbedingt nicht mehr möglich gewesen. Es sei daher bei der Bemessung
des Valideneinkommens vom Einkommen als Zollrevisor auszugehen. Sodann hätte die
IV-Stelle über den ganzen Zeitraum ab 1. Oktober 2002 verfügen müssen, nachdem die
ursprünglichen Verfügungen vom 26. August 2006 (richtig: 2004) im
Einspracheverfahren formell aufgehoben worden seien und da sich die streitige Frage
der Bemessung des Valideneinkommens auch auf die Höhe der Rente mit Wirkung ab
1. Oktober 2002 auswirke.
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B.b In der Beschwerdeantwort vom 7. Februar 2007 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung legte sie unter
anderem dar, es sei nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegt, dass der Beschwerdeführer seine Tätigkeit bei der
Zollverwaltung aus invaliditätsbedingten Gründen niedergelegt habe. In
Übereinstimmung mit den ärztlichen Berichten sei davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer erst seit Oktober 2001 an einer invalidisierenden
Gesundheitsschädigung leide. Es sei somit richtigerweise das vom Beschwerdeführer
als Betreuer von Asylbewerbern erzielte Jahreseinkommen als Basiswert für das
Valideneinkommen genommen worden. Weil der Beschwerdeführer gegen den
Einkommensvergleich an sich nichts einwende, sei gemäss dem Rügeprinzip auf
diesen nicht näher einzugehen. Gemäss Verfügungsbegründung habe der
Beschwerdeführer ab Oktober 2002 Anspruch auf eine Viertelsrente und ab September
2004 auf eine halbe Rente. Sein Einwand, es sei nicht über den ganzen Zeitraum seit
Oktober 2002 verfügt worden, sei demnach ebenfalls nicht stichhaltig.
B.c Am 8. Februar 2007 bewilligte der Gerichtspräsident die unentgeltliche
Prozessführung (Befreiung von Gerichtskosten) für das vorliegende Verfahren.
B.d Mit Replik vom 12. März 2007 bestätigte die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers ihren Antrag und ihre Ausführungen. Die Beschwerdegegnerin
verzichtete auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
Zu prüfen ist der IV-Rentenanspruch des Beschwerdeführers ab Oktober 2002,
nachdem die ursprüngliche Verfügung vom 26. August 2004 (IV-act. 59) im
Einspracheverfahren aufgehoben (IV-act. 60, 64f, 69, 71f, 76) und in der nunmehr
angefochtenen Verfügung auch der Rentenanspruch ab 1. Oktober 2002 (Viertelsrente)
bestätigt worden ist (IV-act. 110-1/3f). Das vom Beschwerdeführer beanstandete
Valideneinkommen stellt dabei jedoch - anders als etwa der Anspruch auf
Integritätsentschädigung (vgl. etwa RKUV 1998 Nr. U 305 S. 432, Erw. 2d) - nicht ein
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separat beurteilbares Rechtsverhältnis (BGE 125 V 413 Erw. 2a S. 415), sondern einen
Teilaspekt der streitgegenständlichen Invalidenrente dar, wie beispielsweise auch der
Rentenbeginn und die Teuerungszulage (RKUV 1999 Nr. U 323 S. 98, E. 1b, 1998 Nr. U
305 S. 432, E. 2d; Urteile U 186/03 vom 7. Juni 2004, E. 1, und U 144/94 vom 15. Mai
1995, E. 6b). Zu prüfen ist somit aufgrund der Einwendungen des Beschwerdeführers
der Rentenanspruch als Ganzes und damit auch der Einkommensvergleich. Nach Art.
28 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2003 gültig gewesenen Fassung besteht ein
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn der Versicherte mindestens zu zwei
Dritteln, ein Anspruch auf eine halbe Rente, wenn er wenigstens zur Hälfte invalid ist.
Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 40% vor, so besteht ein Anspruch auf eine
Viertelsrente oder, sofern ein Härtefall gegeben ist, auf eine halbe Rente (Art. 28 Abs.
1 IVG). Nach Art. 28 Abs. 1 IVG in der ab 1. Januar 2004 gültigen Fassung besteht
der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens
zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe
Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine
Viertelsrente. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird nach Art. 28 Abs. 2 IVG
(in Kraft gewesen bis 31. Dezember 2002) bzw. Art. 16 ATSG (in Kraft seit 1. Januar
2003) das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Die Invalidität des Beschwerdeführers ist unbestrittenermassen
nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu bemessen.
2.
2.1 Abzuklären ist wie erwähnt zum einen die Höhe des der Invaliditätsbemessung
zugrunde zu legenden Valideneinkommens. Nach einer Lehre bei der E._ absolvierte
der Beschwerdeführer eine Ausbildung zum Grenzwächter. Nach dem Wechsel in den
Zollinnendienst per 1. Juli 1991 bildete er sich zum Revisor weiter und arbeitete in
dieser Funktion bis 31. Januar 1997 bei der Eidgenössischen Zollverwaltung (IV-act.
85-5/8, 109-7/8f). Gemäss IK-Auszug erzielte er im Jahr 1996 ein Einkommen von
bis
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Fr. 81'057.-- (IV-act. 9). Die Eidgenössische Zollverwaltung teilte auf Anfrage der
Beschwerdegegnerin am 15. September 2006 mit, der Beschwerdeführer habe beim
Austrittsgespräch Zukunftsaussichten, Aufstiegsmöglichkeiten und Motivation/
Kompetenz genannt. Auf der Arbeitgeberbescheinigung habe er als Kündigungsgrund
die Selbständigkeit angegeben. Er sei vom 28. Oktober 1996 bis 31. Januar 1997
wegen Krankheit zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Der aktuelle Bruttolohn eines
Zollrevisors im Maximum der 13. Besoldungsklasse betrage Fr. 80'934.--. Hinzu
komme ein Ortszuschlag von Fr. 392.-- jährlich (IV-act. 109-1/8). Dr. med. C._ hatte
zuhanden des damaligen KIGA St. Gallen am 9. September 1998 berichtet, der
Beschwerdeführer leide etwa seit 1991 unter Rückenschmerzen, vor allem im
Lendenwirbelsäulenbereich. Vom 17. Mai bis 15. Juni 1998 sei er zu 100%
arbeitsunfähig gewesen. Danach sei der Untersuchte für eine geeignete Arbeit arbeits-
und vermittlungsfähig gewesen (act. G 1.4 S. 2). Gegenüber dem KIGA hatte der
Beschwerdeführer zuvor angegeben, die Stelle beim Zoll habe er nicht zuletzt deshalb
aufgegeben, weil die Arbeit zu 80% sitzend habe verrichtet werden müssen und für ihn
daher mit starken Beschwerden verbunden gewesen sei. Die Stelle als
Flüchtlingsbetreuer sei sehr geeignet für ihn, da er abwechslungsweise sitzen, gehen
oder stehen könne (act. G 1.5 S. 2). Von August 1997 bis 1. April 1998 war der
Beschwerdeführer selbständig erwerbstätig (IV-act. 85-2/8). Von Mai 1998 bis
Dezember 1999 und im Jahr 2000 bezog er Arbeitslosenentschädigung (IV-act. 9). Von
November 1999 bis Oktober 2002 war er im Zentrum für Asylsuchende in Balgach in
einem Teilzeitpensum tätig (IV-act. 9, 13, 85-6/8). Daneben übte er vom 24. August
1998 bis 31. Mai 2002 bei der B._ eine Tätigkeit auf Abruf als Flüchtlingsbetreuer aus
(IV-act. 85-4/8). Von Februar bis September 2004 war der Beschwerdeführer im Haus
Blumenfeld mit der Betreuung der Bewohner und hauswirtschaftlichen Aufgaben
beschäftigt (IV-act. 43, 45).
2.2 Das streitige Valideneinkommen legte die Beschwerdegegnerin auf der Basis des
Verdienstes gemäss IK-Auszug für 2001 von Fr. 45'105.-- mit Fr. 48'106.-- (2006) fest
(IV-act. 86-2/2). Der Beschwerdeführer lässt hiegegen einwenden, dass er als
Gesunder nach wie vor die sitzende Tätigkeit als Revisor bei der Zollverwaltung
ausüben würde. Dies sei auch angesichts der Fortbildung zum Revisor, die er für die
Ausübung dieser Stelle habe absolvieren müssen, überwiegend wahrscheinlich (act. G
1). - Im Bericht vom 23. Januar 1995 (zitiert im MEDAS-Gutachten vom 21. Mai 2003;
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IV-act. 25-7/26) hatte die Klinik Valens ein chronisches Lumbovertebralsyndrom sowie
einen Status nach Entzugskur bei Aethylabusus bestätigt und eine Wiederaufnahme
der Arbeit zu 100% ab 23. Januar 1995 empfohlen. Die vor Beendigung des
Arbeitsverhältnisses bei der Zollverwaltung bestehende Arbeitsunfähigkeit vom 28.
Oktober 1996 bis 31. Januar 1997 war soweit ersichtlich vorderhand durch die damals
aktuelle Suchtproblematik mit entsprechendem Alkoholentzug im Spital Altstätten
begründet (vgl. IV-act. 4-2/2 sowie den im MEDAS-Gutachten vom 21. Mai 2003
zitierten Bericht der Kantonalen Psychiatrischen Dienste vom 21. Januar 1997, 25-7/26
unten). Allein die von Dr. C._ gegenüber dem KIGA im Jahr 1998 bestätigten
Rückenprobleme seit 1991 hätten keinen zwingenden Grund für die Kündigung des
Arbeitsverhältnisses durch den Beschwerdeführer gebildet, zumal die gesundheitlichen
Probleme, d.h. sowohl die Rücken- als auch die Suchtprobleme, zuvor schon jahrelang
bestanden und im übrigen auch keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die
Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis deswegen hatte auflösen wollen. Die anlässlich der
Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei der Zollverwaltung per Ende Januar 1997 vom
Beschwerdeführer gemachten Angaben legen die Annahme nahe, dass die Kündigung
des Arbeitsverhältnisses nicht (in erster Linie) aus gesundheitlichen, sondern vielmehr
aus persönlichen Gründen (Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit) erfolgt war.
Hieran vermag auch sein Einwand, wonach das Austrittsgespräch bei der
Zollverwaltung lediglich fünf Minuten gedauert habe und der auskunfteilende D._ (vgl.
IV-act. 109-1/8) am Gespräch nicht anwesend gewesen sei, nichts zu ändern, zumal
die Motive für die Auflösung eines Arbeitsverhältnisses innert kurzer Zeit dargelegt und
aktenmässig vermerkt werden können. Sein Vorbringen, wonach die gesundheitlichen
Beschwerden bei der rein sitzenden Tätigkeit ihn bewogen hätten, die gut bezahlte
Revisorenstelle beim Zoll aufzugeben und sich als Unternehmer selbständig zu machen
(act. G 1 S. 4f), kann aufgrund der dargelegten Akten nicht als mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ausgewiesen gelten.
Der weitere Einwand des Beschwerdeführers, die im Vorbescheid getätigten
Abklärungen bei der Zollverwaltung vom 15. September 2006 (IV-act. 109-1/8) hätten
vor Erlass der Verfügung zur Stellungnahme unterbreitet werden müssen (act. G 11 S.
3), ist zutreffend. Bestandteil des rechtlichen Gehörs ist u.a. das Recht, an der
Beweiserhebung mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 370 f. E. 3.1). Die
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Rechtsvertreterin beantragt jedoch nicht in erster Linie die Rückweisung der
Streitsache an die Verwaltung zur formgerechten Durchführung des Beweisverfahrens,
sondern die Festsetzung eines höheren Invaliditätsgrades. Nach der Rechtsprechung
kann eine Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn das Gericht den
angefochtenen Entscheid in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei überprüfen kann
(BGE 120 V 362 Erw. 2b). Die Heilung eines allfälligen Mangels soll aber die Ausnahme
bleiben. Richtet sich im Übrigen das Interesse der betroffenen Person nicht auf eine
möglichst beförderliche Beurteilung ihres Anspruchs, sondern auf die Durchsetzung
eines in formeller Hinsicht korrekten Verfahrens, sind die Verfügungen und der
angefochtene Gerichtsentscheid aufzuheben, ohne dass es darauf ankäme, ob
Aussicht besteht, dass nach einem richtig durchgeführten Beweisverfahren anders
entschieden würde (BGE 119 V 218 f. Erw. 6). Von einer Rückweisung der Sache zur
Gewährung des rechtlichen Gehörs ist indessen im Sinne einer Heilung des Mangels
abzusehen, wenn die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu
unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei
an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren sind (BGE 132 V
390 E. 5.1). Vorliegend hat der Beschwerdeführer keine Rückweisung der Sache an die
Verwaltung beantragt. Unter den gegebenen Umständen rechtfertigt es sich daher, den
Verfahrensmangel mit dem Beschwerdeverfahren, in welchem das Gericht mit voller
Kognition ausgestattet ist, zu heilen.
2.3 Es lässt sich aufgrund der vorangehenden Darlegungen nicht beanstanden, dass
die Beschwerdegegnerin bei der Bemessung des Valideneinkommens nicht auf das als
Zollrevisor erzielte Einkommen abstellte. Hingegen bleibt die Frage zu prüfen, ob das
vom Beschwerdeführer als Flüchtlingsbetreuer verdiente Salär Basis für das
Valideneinkommen bilden kann. Wie dargelegt absolvierte er seine berufliche
Grundausbildung bei der E._, war daraufhin nach Besuch einer entsprechenden
Schule während Jahren als Zollbeamter tätig, bildete sich dabei zum Revisor weiter
und übte diese Tätigkeit in der Folge auch aus (IV-act. 85-2/2). Die Dauer der im
Anschluss an die Tätigkeit bei der Zollverwaltung ausgeübten selbständigen
Erwerbstätigkeit (acht Monate von August 1997 bis März 1998) deutet darauf hin, dass
der Beschwerdeführer mit dieser Tätigkeit in der Arbeitswelt nicht Fuss zu fassen
vermochte. Die daran anschliessende Arbeitslosigkeit von Mai 1998 bis Dezember
1999 (IV-act. 9) konnte er mit der Aufnahme der Tätigkeit als Flüchtlingsbetreuer
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teilweise beenden. Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht sachgerecht, die
Festlegung des Valideneinkommens auf der Basis des als Flüchtlingsbetreuer
verdienten, mit Blick auf die geschilderte berufliche Laufbahn des Beschwerdeführers
offensichtlich unterdurchschnittlichen Lohnes vorzunehmen. Denn auch beim
Valideneinkommen handelt es sich - wie beim Invalideneinkommen - um einen
hypothetischen Wert (A. Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3.
A., 122). Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer als
vollständig Gesunder (ohne Sucht- und Rückenprobleme) mit dem erwähnten tiefen
Lohn als Flüchtlingsbetreuer tätig gewesen wäre. Für die Festlegung des Einkommens,
das der Beschwerdeführer als Gesunder ohne Eintritt des Gesundheitsschadens
(hypothetisch) erzielt hätte, rechtfertigt es sich in Anbetracht der bestehenden
Unwägbarkeiten, nach den Tabellen der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für
Statistik vorzugehen und dabei eine Tätigkeit zugrunde zu legen, welche Berufs- und
Fachkenntnisse voraussetzt. Nachdem der Beschwerdeführer seine Tätigkeit beim
Bund im Jahr 1997 aufgegeben und in eine private Tätigkeit gewechselt hatte, kommt
dabei insbesondere sowohl der private als auch der öffentliche Sektor als
Bemessungsgrundlage in Betracht. Zugrunde zu legen sind dabei die Zahlen des
Jahres 2002 (Jahr des Rentenbeginns; BGE 128 V 174). Nach LSE-Tabelle TA3 2002
wurde von Männern im privaten und öffentlichen Sektor zusammen im Schnitt ein
Monatslohn von Fr. 5'557.-- (Niveau 3 = Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt)
erzielt. Daraus errechnen sich ein Jahresbetreffnis von Fr. 66'684.--. Aufgerechnet auf
die betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit 2002 von 41.7 Stunden resultiert ein
solches von Fr. 69'518.--. Es erscheint gerechtfertigt, diesen Betrag als
Valideneinkommen anzunehmen.
3.
Bei der Bemessung des Invalideneinkommens verwendete die Beschwerdegegnerin
den Tabellenwert der Lohnstrukturerhebung TA1 Männer, Niveau 4, berücksichtigte die
Unterdurchschnittlichkeit des von ihr angenommenen Valideneinkommens
(Minderverdienst) und legte gestützt auf die beiden MEDAS-Gutachten (IV-act. 25 und
81) bzw. das im Jahr 2004 effektiv ausgeübte Pensum (für die Rente ab Oktober 2002;
IV-act. 45-1/2) eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 50% zugrunde. Überdies nahm sie
für die Berechnung ab September 2004 einen Leidensabzug von 10% vor (IV-act.
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86-2/2). Diese Grundlagen blieben vorliegend unbestritten. Die Frage der
Berücksichtigung eines Minderverdienstes stellt sich mit Blick auf das erhöhte
Valideneinkommen nicht mehr. Anderseits erscheint es angesichts der MEDAS-
Beurteilung (IV-act. 25) gerechtfertigt, für die Rente ab Oktober 2002 eine 60%ige
Arbeitsfähigkeit zugrunde zu legen. Ausgehend von einem monatlichen Bruttolohn von
Fr. 4'626.-- (LSE 2002, TA3, Niveau 4, Männer, 40 Wochenstunden) bzw. einem
jährlichen Betreffnis von Fr. 57'871.-- (41.7 Wochenstunden) errechnen sich somit mit
Wirkung ab Oktober 2002 bzw. September 2004 unter Berücksichtigung eines
Leidensabzuges von 10% Invalideneinkommen von Fr. 31'250.-- (ab Oktober 2002 auf
der Basis einer Arbeitsfähigkeit von 60%) und von Fr. 26'042.-- (ab September 2004
aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit von 50%). Im Vergleich zum erwähnten
Valideneinkommen ergeben sich IV-Grade von 55% (ab Oktober 2002) bzw. von 63%
(ab September 2004).
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen. Der
Beschwerdeführer hat ab Oktober 2002 Anspruch auf eine halbe Rente; ab September
2004 ist ihm eine Dreiviertelsrente auszurichten. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1 IVG). Unter Berücksichtigung des
Verfahrensaufwandes wird die der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu
auferlegende Gerichtsgebühr auf Fr. 600.-- festgesetzt. Bei diesem Verfahrensausgang
hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung, welche gemäss Art.
61 lit. g ATSG nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses zu bemessen ist. Angemessen ist vorliegend ein Betrag von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG