Decision ID: ffed842a-11f2-4ee7-8316-59913475bfed
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
61
,
verfügt
ausser
über
eine Anlehre als
Werkzeugschärfer
über keine Ausbildung (Urk. 9/3/4
,
Urk. 9/40/3
). Er
arbeitete
n
ach einem Bandscheibenvorfall
(Urk. 9/3/5, Urk. 9/7/2)
ab
1997
als
Aussen
dienstmitarbeiter und
Projektleiter
in der Montage und im
Baugewerbe
. Von 201
0
bis 2013 war
er
als Selbständigerwerbender im Baugewerbe
tätig
(Urk.
9/7/2, Urk. 9/40/3
, Urk. 9/40/
9-10
)
.
Von
November
2013
bis Ende 2015
arbeitete er
je
teilzeitlich als Zeitungs
austräger
(Urk. 9/7/2
, Urk. 9/46/1
)
und
ab
September 2015
als
selbständiger Allrounder
in Unterhalts- und
(kleineren)
Bauarbeiten
(Urk
. 9/19,
Urk.
9/22/5
, Urk. 9/30/1
, Urk. 9/33/2
)
.
Eine Anstellung als Bauführer
ab dem 3.
Juli 2015 hatte er aus gesundheitlichen (psychischen) Gründen per 22. Juli 2015
wieder
aufgegeben (Urk.
9/19, Urk. 9/22/4).
Am
19. Februar
2015
hatte
sich
der
Versicherte wegen
Depressionen, Rücken- un
d Kniebeschwerden b
ei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug
an
gemeldet
(Urk.
9/3
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, klärte die medizinischen und erwerblichen Verhältnisse ab. Nach Durch
führung
des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 9/24) verneinte die IV-Stelle mit Ver
fügung vom 12. April 2016
einen Anspruch auf berufliche Massnahmen und Rentenleistungen
(Urk.
9/25
).
1.2
Am 12. April 2016 meldete sich der Versicherte erneut bei der E
idgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
an und machte eine Verschlechterung seines psychischen Gesundheitszustandes geltend (Urk. 9/26).
Vom
30. Mär
z bis 4.
April 2016 und vom
30. Juni bis 19.
Juli 2016
wurde
er wegen
einer
rezidivie
rende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode
,
und
eines Alko
hol-Abhängigkeitssyndroms
in der
Klinik Y._
für Psychiatrie und Psy
chotherapie stationär behandelt,
nachdem
von 2012 bis
201
5
bereits
sechs
stationäre B
ehandlungen erfolgt waren (Urk.
9/33/1-2).
Die IV-Stelle eröff
nete m
it Mitteilung vom 25. Oktober 2016
die Durchführung von
berufliche
n
Ein
gliederungsmassnahmen (Urk.
9/38
) und übernahm die Kosten für eine vier
wöchi
ge
Potentialabklärung
im Januar 2017 durch die
Psychiatrische
Klinik A._
, Arbeitstherapie
(Urk.
9/45).
Mit Mitteilung vom 16. Februar 2017 gewährte die IV-Stell
e
dem Versicherten Arbeitsvermittlung bis Mitte August 2017 (Urk. 9/52).
Per 1. September 2017 nahm der Versicherte eine Teilzeitstelle
(zirka vier Stunden pro Woche)
als Reinigungskraft
auf (Urk.
9/58, Urk. 9/59/5
) und ab Dezember 2017
zusätzlich
eine Teilzeitstelle (zirka zwei Stunden pro Woche)
als Werbezusteller (Urk.
9/75/6).
Mit Vorbescheid vom 5. April 2018 kündigte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs an (Urk. 9/67
), was sie, nachdem kein Einwand erfolgt war, mit Verfügung vom 18. Mai 2018 bestätigte (Urk. 9/68).
1.3
Am
1
1.
Dezember 2019 stellte der Versicherte bei der Eidgenössischen Invaliden
versicherung
unter Beilage des Berichts des Psychiatriezentrums
B._
vom 10. Dezember 2019 (Urk. 9/73)
ein neues Leistungsbegehren (Urk. 9/75).
Die IV-Stelle holte daraufhin den Bericht des
Psychiatriezentrums
B._-
vom 27. September 2019 zur neuropsychologischen Untersuchung vom 20. August bis 26. September 2019
ein (Urk.
9/80), wozu
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe
ra
pie,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
am 12. März 2020 Stellung nahm (Urk. 9/81). Gestützt darauf kündigte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 26. März 2020
die Abweisung
des Leistungsbegehrens an (Urk.
9/82).
Mit Schreiben vom 29. Mai 2020
(Urk. 9/86)
, ergänzt mit Schreiben vom 14.
Juli 2020 (Urk. 9/89)
und unter Beilage des
Berichts des
Psychiatriezentrums B._
vom 15.
Mai 2020 (Urk. 9/88)
,
erhob der Versicherte dagegen Einwände.
Die RAD-Ärztin Dr.
C._
nahm zum neuen Be
richt de
s
Psychiatriezentrums B._
am 4.
August 2020 Stellung (Urk.
9/91).
Mit Ver
fügung vom
14.
August 202
0
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren wie angekündigt ab (Urk
. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
9. September
2020
Beschwerde und beantragte
sinngemäss
,
die Verfügung vom 14. August 202
0
sei aufzuheben, seine gesundheitliche Situation sei korrekt zu erfassen und es seien ihm die ent
sprechenden gesetzlichen Leistungen zu gewähren. In prozessualer Hinsicht stellte
er das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 1). Die
Beschwer
degegnerin
schloss in der Beschwerdeantwort vom 19. Oktober 2020 auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 8
). M
it Verfügung 3. November 2020
wurde dem
Be
schwerdeführer
hiervon
Kenntnis gegeben
und
ihm
die unentgeltliche Prozess
führung gewährt
(Urk.
10 S. 2
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von
der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ih
rem Ausmass bestimmt sein
. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen
(BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Mit BGE 145 V 215
(Urteil vom 11. Juli 2019)
liess d
as Bundesgericht die bis
he
rige Rechtsprechung fallen, wonach primäre Abhängigkeitssyndrome bezie
hungs
weise Substanzkonsumstörungen zum vornherein keine invalidenversiche
rungs
rechtlich relevanten Gesundheitsschäden darstellen können, und ihre funktio
nel
len Auswirkungen deshalb keiner näheren Abklärung bedürfen. Fortan ist - gleich wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen - nach dem strukturierten Be
weisverfahren zu ermitteln, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirkt.
1.3
1.3.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art. 28 Abs. 2 IVG
).
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Absatz 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Art. 29 Abs. 1 IVG).
Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Art. 29 Abs. 3 IVG).
1.3.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
1.4.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.4.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
ab
gesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der
Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
benem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachver
halts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen un
gleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Ein
ordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage
(Urteil des Bun
desgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen
.
1.5
Sowohl das sozialversicherungsrechtliche Administrativverfahren wie auch der
kan
tonale Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz be
herrscht
(Art. 43 Abs. 1, Art. 61
lit
. c ATSG). Danach haben Sozialversiche
rungs
träger und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hin
rei
chende Klarheit besteht (Urteile des Bundesgerichts 9C_662/2016 vom 15. März 2017 E. 2.2 und 8C_794/2016 vom 28. April 2017 E. 4.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus,
die neuen, im
neuropsychologischen Bericht (vom 27.
September
2019
, Urk. 9/89)
und im nachgereichten (
Psychiatriezentrum B._
-)Bericht vom 15. Mai 2020 (Urk. 9/88) angegebenen
Diagnosen
und resultierenden Einschränkungen seien nicht nach
voll
ziehbar. Somit sei weiterhin keine invalidenversicherungsrechtlich relevante gesundheitliche Einschränkung ausgew
iesen (Urk. 2).
2.2
Der
Beschwerdeführer
bringt dagegen vor,
er arbeite seit Jahren in
medizinischen Behandlungen
an seiner gesundheitlichen Situation, nutze
g
ruppenthera
peu
ti
sche Angebote und nehme unterstützende Medikamente ein
.
Gleichzeitig sei er im
Rahmen seiner Möglichkeiten beruflich tätig. Die von ihm ausgeübten
(teil
zeitlichen) Tätigkeiten
, von denen er zwischenzeitlich aus wirtschaftlichen Grün
den eine verloren habe, seien ideal gewesen für ihn und er habe sich zeitlich frei einteilen können und so auf seine gesundheitliche Situation Rücksicht nehmen können. Dennoch sei es ihm nie gelungen, das Pensum weiter zu steigern.
Im Zuge eines
Behandlerwechsels
im Februar 2019 seien weitere diagnostische Ab
klärungen gemacht worden, da die bestehenden Einschränkungen sich nicht durch
die früher diagnostizierten Erkrankungen
hätten erklären lassen.
Die Diagnose
stellung sei im persönlichen Kontakt mit ihm erfolgt und habe viel Zeit in An
spruch genommen.
Nach abgeschlossener Diagnosestellung habe er sich im Dezember 2019 wieder bei der Beschwerdegegnerin angemeldet.
Die
Beschwerde
gegnerin
habe die Berichte zu seiner fachärztlichen Behandlung der RAD-Ärztin vorgelegt, ohne daraufhin mit seiner behandelnden Ärztin, der Oberärztin des Psychiatriezentrums
B
._
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie
(Urk. 9/73/2)
, oder mit ihm Rücksprache zu nehmen.
Die RAD-Ärztin sei der Ansicht, dass die aufgelisteten Einschrän
kungen auch für andere Diagnosen passen könnten. Für ihn sei nicht relevant, wie die Diagnose seiner Erkrankung laute;
es sei indes
Realität, dass er trotz
aller Bemühungen über lange Zeit aus gesundheitlichen Gründen
im Arbeitsalltag ein
geschränkt gewesen sei und
weiterhin
sei.
Durch die gestellten Diagnosen
einer
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und einer
Autismus
spek
trum
s
törung
(
ASS)
habe er endlich Antworten darauf, was mit ihm los sei, was eine grosse Erleichterung für ihn sei. Dafür gebe es jedoch keine Heilung und er sei nicht in der Lage, seinen Pflichten vollständig nachzukommen.
Weiter kriti
siere die RAD-Ärztin fehlende Fremdanamnesen im Kindesalter, seine frühere
Arbeitstätigkeit und ein Fehlen der Diagnosestellung zu einem früheren Zeit
pu
nkt.
Auch für ihn sei nicht verständlich, dass vorher niemand dieses Krank
heitsbild in Betracht gezogen habe.
Es wäre ihm Vieles erspart geblieben. Gleichzeitig habe er sich wahrscheinlich zum Aushalten der Situation über die Jahre in ungünstige
Verhaltensmuster geflüchtet, die dies
e
Diagnosestellung erschwert haben kö
nnten. Durch gute therapeutische Begleitung sei er heute in
d
er Lage, andere Wege aus diesen Situationen
einzuschlagen
.
Obschon die RAD-Ärztin zum Schluss gekom
men sei, dass die Diagnostik nicht plausibel sei, sei die Beschwerdegegnerin ohne weitere Abklärungen oder Nachfragen zum Fazit
gelangt
, dass bei vorliegender leichter depressiver Episode und Dysthymie kein IV-relevanter Gesundheits
schaden ausgewiesen sei (Urk. 1).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung
des
Beschwerdeführer
s
vom
11.
Dezember
2019
(Urk.
9/75
) eingetreten. Das Gericht hat daher in materiell-
rechtlicher Hinsicht zu
prüfen, ob
und gegebenenfalls inwiefern
sich die
an
spruchs
relevanten
tatsächliche
n Verhältnisse seit der mit Ver
fügung vom
18.
Mai 2018
erfolgten
Verneinung
des Rentenanspruchs (Urk.
9/68)
bis zum Erlass der ange
fochtenen Verfügung vom
1
4.
August 2020
(Urk. 2) in leistungsbe
grün
den
dem Ausmass verändert haben. Dieser Zeitpunkt (14. August 2020) bildet recht
sprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbe
fugnis (BGE 143 V 409 E. 2.1; 129 V 167 E. 1; je mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 8C_454/2018 vom
16. November 2018 E. 5).
Der
frühest
mögliche Beginn einer allfälligen Rente
ist
aufgrund der
Neuan
meldung vom
11.
Dezember
2019
(Urk. 9/75)
der 1.
Juni 2020
(
vgl.
Art. 29 Abs. 1 und Abs. 3 IVG).
In Bezug auf das
sogenannte
Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG ist
diesbezüglich daher
insbesondere
die
Arbeitsfähigkeit
(Art. 6 ATSG)
ab dem 1.
Juni 2019
massgeblich
.
3.
3.1
Dem Feststellungsblatt der
Beschwerdegegnerin
vom
5.
April 2018
(Urk. 9/66)
ist zu entnehmen, dass
vor
der mit Verfügung vom 18. Mai 2018 erlassenen Ren
tenabweisung (Urk.
9
/
68
)
der Bericht der
Klinik Y._
v
om
16.
November 2017
(Urk. 9/
61
)
und der
Verlaufsbericht des
Psychiatriezentrums B._
vom 19.
März 2018
(Urk. 9/65)
eingeholt
worden waren. Beim Entscheid fand
allein
der Verlaufs
bericht des
Psychiatriezentrums B._
Beachtung
(vgl. Urk. 9/66/6)
.
Denn i
m
Bericht der
Klinik Y._
v
om
16. November 2017 (Urk. 9/61) war lediglich ausgeführt
worden
, dass die letzte stationäre Behandlung im Jahr 2016 erfolgt sei (Urk.
9/61/1) und seither keine weitere Behandlung durch die Ärzte der
Klinik Y._
stattgefunden hätten, weshalb für die betreffenden Fragen auf den
Nachbehandler
am
Psychiatriezentrum B._
verwiesen werde (Urk. 9/61/2-3).
Dem
Verlaufsbericht des
Psychiatriezentrums B._
vom 19. März 2018
ist zu entnehmen,
anhand der Schilderungen des
Beschwerdeführer
s sei nebst den (bekannten)
Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0), und psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, gegenwärtig ab
sti
nent (ICD-10 F
10.20
),
zusätzlich
die Diagnose
einer
akzentuierte
n
Persön
lich
keit,
anankastisch (zwanghaft; ICD-10 Z73)
,
gestellt worden
(Urk. 9/65/1)
. Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Bauführer, selbständig in Unter
halts- und Bau
arbeiten, könne nicht beurteilt werden.
Die
(
derzeit
ausgeführten) Tätigkeiten
als
Reinigungs
kraft
und
Zeitungsausträger
mit einem Pensum
von insgesamt
30 %
seien zumutbar.
Der
Beschwerdeführer
benötige weiterhin psy
cho
therapeutische und medikamentöse Unterstützung, um einer
erneuten Dekom
pensation entgegenzuwirken. Die perfektionistischen Persön
l
ichkeitsanteile wür
den
die weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit
verkomplizieren, da er in kür
zes
ter Zeit wieder in einer Erschöpfung wäre; eine langsame Steigerung sei aber grundsätzlich nicht ausgeschlossen (Urk. 9/65/2
-3
).
Die mit Verfügung vom 18. Mai 2018 erlassene Rentenabweisung wurde schliess
lich damit begründet, dass psychosoziale Belastungsfaktoren, welche zu einem erhöhten Alkoholkonsum geführt hätten, die gesundheitliche Situation des
Be
schwerdeführer
s massgeblich beeinflusst h
ätten
. Nach Abschluss der beruflichen Massnahmen habe eine leichtgradige depressive Episode bei gegenwärtiger Alko
holabstinenz bestanden. Eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, begründe keine langandauernde Erwerbsunfähigkeit. Daher be
stehe kein Anspruch auf eine
Invalidenrente (Urk. 9/68/1).
Von diesem Sachverhalt ist im Hinblick auf
die
zu klärende
Frage, ob ein
e anspruchsrelevante Veränderung
im Sinne von
Art
. 17 Abs. 1 ATSG
eingetreten
ist, als Vergleichs
basis auszugehen.
3.2
3.2.1
Bezüglich der Zeit
nach der Neuanmeldung
vom 11.
Dezember
2019 (Urk. 9/75) ist den Akten in medizinsicher Hinsicht das Folgende zu entnehmen.
Aus d
em mit der Neuanmeldung vorgelegten Bericht
der Neuropsycholog
inn
en
E._ und
F._
vom Psychologischen Dienst des
Psychiatriezentrums B._
vom 27. September 2019
geht hervor, i
n der
früheren neuropsychologischen Unter
suchung im Januar 2017
habe eine leichte kognitive Störung mit insbesonder
e
leichten Aufmerksamkeitsdefiziten ergeben, was gut im Rahmen der rezidivie
renden depressiven Störung (ICD-10 F33) habe interpretiert werden können. Nach (damaliger) mehrmonatiger Alkoholabstinenz
sei nicht davon auszugehen ge
wesen, dass ein negativer Einfluss des Substanzkonsums (ICD-10 F10) auf die kognitive Leistungsfähigkeit bestanden habe (Urk. 9/80/2).
Zur neuropsychologischen
Untersuchung
vom 20.
und 21. August sowie vom 10.
und 26. September 2019
führten die Neuropsychologinnen aus
, es sei eine interne Zuweisung nach jahrelanger ambulanter und stationärer Betreuung zur neuro
psychologischen Untersuchung bei Verdacht auf Vorliegen einer AD
HS sowie einer
Autismusspektrum
störung
erfolgt
. Im Bericht sei lediglich auf die aktuelle Situation sowie die ADHS-/
autismusspezifischen
Angaben eingegangen worden, die Anamnese werde als bekannt vorausgesetzt. Für nähere anamnestische Anga
ben werde auf die internen psychiatrischen Ein- und Austrittsberichte der
Klinik Y._
und den Bericht der neuropsychologischen Vorunter
su
chung vom 6. und 10. Januar
2017 verwiesen
(Urk. 9/80/1).
Der Verlauf der kog
nitiven Funktionen sehe wie folgt aus: 2012 sei der Beschwerdeführer auf dem kognitiven Ausgangsniveau gewesen. Danach sei es zu einem steilen Abfall gekommen und sei
ne Leistungen seien auf stabil
tiefem Niveau schwankend ge
wesen (
Konkurs
respektive Schulden seiner Firma).
Im Jahr 2017 sei es zu einem leichten Anstieg gekommen und mit dem Besuch der
G._-Gruppe
sei es bis Dezember 2018 stabil gewesen. Anfang 2019 sei es erneut zu einer leichten Abnahm
e
gekommen und aktuell (September 2019) sei es wieder stabil auf diesem Niveau. Aktuell suche er Ruhe
,
finde dies
e
aber
nicht. E
r sei nicht an zwischenmenschlichen Beziehungen interessiert. Er fühle sich
nicht belastbar und nicht mehr leistungsfähig. Er fühle sich vergesslich und müsse sich alles aufschreiben. Seine Aufmerksamkeit sei interessenabhängig; dies kenne er von früher.
Zu 90 % der Zeit habe er kein Interesse. Er verfolge eigene Projekte, so etwa ein
en
Gartenumbau; er benötige hierzu sehr lange. Er möchte alles sehr detailliert und genau machen.
Er habe einen detailorientierten Wahrnehmungsstil beschrieben.
Er habe
vor zwei Mona
ten
eine Hüftoperation gehabt, weshalb er nicht gut schlafe.
Er habe starke Ein
schlafprobleme und liege bis um 4.30 Uhr wach, dies vor allem wegen der starken Schmerzen und de
r
nervösen Beine. Morgens, noch im Bett
,
beginne der Gedan
kenstrudel. Er arbeite seit drei Jahren dreimal pro Woche als Reinigungskraft bei einer Zahnärztin und ein- bis zweimal pro Woche verteile
er Flyer in Briefkästen
(Urk. 9/80/2-3). Im Rahmen der ausführlichen neuropsychologischen Untersu
chung
hätten sich leichte Defizite im Bereich
der geteilten Aufmerksamkeit und dem Arbeitsgedächtnis sowie Hinweise für eine schwere Beeinträchtigung
im Interpretieren von einfachen und komplexen Gesichtsausdrücken objektivieren lassen. Der Gesamt-Intelligenzquotient sei durchschnittlich. Im klinischen Ein
druck habe der Beschwerdeführer affektiv etwas
dysthym
und reduziert schwin
gungsfähig gewirkt. Das Arbeitstempo sei verlangsamt gewesen und es habe sich eine leicht erhöhte motorische Unruhe gezeigt. Im Vergleich zur neuropsy
cho
logischen Voruntersuchung vom 6. Jan
uar 2017 habe sich
eine Leistungssteige
rung im Bereich
der Aufmerksamkeit (Aktivierbarkeit und selektive Aufmerk
samkeit)
gezeigt
. Es sei zu beachten, dass aktuell die übrigen Funktionsbereiche zu Gunsten der Leistungsdiagnostik nicht erneut überprüft worden seien. I
n der
Zusammenschau der Befunde sei am ehesten von einem komorbiden Auftreten einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerk
samkeits
störung sowie einer
Autis
mus
spektrumstörung
auszugehen (Urk. 9/80/8).
Aus neur
opsychologischer Sicht seien die Diagnosen
eines
Asper
ger
-Syndrom
s
(ICD-10 F84.5
;
Autismu
sspektrum
s
tö
rung
; DSM-V F84.0) und einer teilremittierten einfachen Aktivitäts- und A
uf
merksamkeitsstörung (ICD-10 F
90.8; gemischtes Erscheinungsbild, DSM-V F90.2) zu stellen. Differentialdiagnostisch
seien der vordiagnostizierte Verdacht auf eine bipolare Störung und eine schizoide Persönlichkeitsstörung zu diskutieren. Eben
falls
auszuschliessen
wäre eine Zwangsstörung (Urk. 9/80/9).
Gemäss
dem ebenfalls mit der Neuanmeldung eingereichten
Verlaufsbericht von Dr.
D._
vom
Psychiatriezentrum B._
zuhanden des Hausarztes
vom 10. Dezember 2019
stellte
diese
die folgenden Diagno
sen: Asperger-Syndrom (
Autismus
spektrum
s
törung
[ASS]; ICD-10 F84.5), einfaches Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS; ICD-10
F
90.0), ängstliche (selbstunsicher-vermeidende) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6), rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwer bis mittelgradig, teilremittiert. Im Verlauf
der Therapie hätten sich deutliche anamnestische Hin
weise auf ein ADS und in der weiteren Exploration auf
eine Störung aus dem
Autismuss
pektrum
ergeben. Es sei eine neuropsychologische Abklärung durch
geführ
t worden, die die Verdachtsdiag
nosen bestätigt
habe
. Damit würden sich die verschiedenen Schwierigkeiten des
Beschwerdeführers im Lebensverlauf sehr gut erklären, unter anderem auch das Zustandekommen der Insolvenz in einer Selbständigkeit mit Kundenkontakt. Die Persönlichkeitsstörung und die rezidivie
rende depressive Störung seien in diesem Zusammenhang als komorbid zu beur
teilen. Die Persönlichkeitsstörung könne im Zusammenhang mit der ASS gesehen werden, das
Ausmass
sei aber stärker und mit relevanten Problemen im Leben verbunden, so dass die eigenständige Diagnose gerechtfertigt sei. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sollte unter Einbezug der (neu) gestellten Diagnosen eine Neubeurteilung erfolge. Diese sei nach eigener Ein
schätzung relevant eingeschränkt, wahrscheinlich nur unter angepassten Bedin
gungen gegeben. Die Arbeitsfähigkeit dürfte bei höchsten
s
20 bis 30 % liegen (Urk. 9/73).
3.2.2
Die RAD-Ärztin Dr.
C._
schloss
in ihrer Stellungnahme vom 12.
März 2020
(Urk. 9/81/3-5)
nach Einsicht in die Berichte der
Psychiatriezentrum B._
-Neuropsychologen vom 27.
September
2019 (Urk. 9/80) und von Dr.
D._
vom 10.
Dezember
2019 (Urk. 9/73) darauf, die angegebenen, neuen Diagnosen könnten nicht nachvoll
zogen werden. Am ehesten spreche der neuropsychologische Bericht für das Vor
liegen einer leichten depressiven Symptomatik, differentialdiagnostisch für eine Dysthymie (ICD-10 F34.1). Damit sei weiterhin kein IV-relevanter Gesundheits
schaden ausgewiesen (Urk. 9/81/5).
Zum Bericht von Dr.
D._
vom 10.
Dezember
2019 (Urk. 9/73)
stellte
die RAD-Ärztin
fest
, die behandelnde Ärztin habe offensichtlich auf die Diagnosen, die von
den
Neuropsychologinnen gestellt worden seien, abgestellt, ohne sich selber dazu zu
äussern
. Neu sei auch die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung gestellt worden,
die weder nachvollziehbar
sei
noch von der behandelnden Ärztin herge
leitet worden sei.
Aufg
rund dieses Berichts könne eine
nur 20 bis 30%ige Arbeits
fähigkeit ke
inesfalls nachvollzogen werden (Urk. 9/81/5).
3.2.3
Im Bericht vom 15. Mai 2020 führte
Dr.
D._
vom
Psychiatriezentrum B._
zuhanden der
Be
schwerdegegnerin
ergänzend den Verlauf, die Anamn
ese (unter Berücksichtigung der Fremdanamnese der Ehefrau und der Sozialarbeiterin, Urk. 9/88/6) und die Diagnostik bezüglich der drei neu gestellten Diagnosen eines ADS (im Falle des
Beschwerdeführer
s ohne Hyperakti
vität), einer
Autismusspektrums
törung
(
Asperger
Syndrom) und einer ängstlichen Persönlichkeitsstörung unter Berück
sichtigung der Diagnosekriterien nach ICD-10 (
International Statistical Classifi
cation
of
Diseases
and
Related
Health Problems
) und nach DSM (
Diagnostic
and Statistical Manual
of
Mental
Disorders
)
aus (Urk. 9/88). Ausserdem erklärte Dr.
D._
, die Diagnosen seien nicht von den Neuropsychologen gestellt worden. Vielmehr sei aufgrund der Anamnese und der Ergebnisse im Autismus-Screening bei den Verdachtsdiagnosen auf AD(H)S und Asperger-Syndrom die Zuweisung an die neuropsychologische Abteilung durch sie, Dr.
D._
, mit der Bitte um Abklärung erfolgt; das heisse, die Diagnosestellung sei bereits durch sie erfolgt. Die Neuropsychologen hätten diese Diagnosen aufgrund ausführlicher Testung bestätigt; dies in Anlehnung an die DSM-Kriterien, welche in diesen Fällen genauer seien als die ICD-10-Kriterien. Ihr Bericht (
vom 10. Dezember 2019
, Urk. 9/73
)
zuhanden des Hausarztes habe keine Begründungen der psychia
trischen Diagnosen enthalten, da dies von den Hausärzten nicht verlangt werde (Urk. 9/88/1). Bezüglich der zusätzlich vorhandenen depressiven Symptomatik mit rezidivierender depressiver Störung und der Suchtproblematik werde auf die Austrittsberichte der
Klinik Y._
verwiesen. Die depressive Störung sei als komorbid im Zusammenhang mit den Grunderkrankungen anzu
sehen und der früher erhöhte Alkoholkonsum als typische Folgestörung, unter anderem bedingt durch dysfunktionale Copingstrategien. Sollte der aktuelle psychopathologische Befund nach AMDP (
Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie)
zusätzlich benötigt werden, bitte sie um entsprechende Benachrichtigung (Urk. 9/88/6).
3.2.4
Hierzu erklärte die RAD-Ärztin Dr.
C._
in der Stellungnahme vom
4. August
2020 (Urk. 9/91/3-4)
,
Dr.
D._
habe ausführliche Anamnesen bezüglich (der Diagnosen) des AD(H)S und des Autismus dargelegt.
Eine Diagnose könne sich indes im Allgemeinen nicht nur auf die Aussagen des Betr
o
ffenen stützen, da ein einzelner Test oder nur ein Lebensumfeld nicht die komplette Differential
dia
gnos
tik abdecken könne. Aus RAD-Sicht seien entgegen den Angaben von Dr.
D._
weder alle
Kriterien
für eine ADHS- noch für die Autismus-Diagnose gegeben.
Betreffend die Autismus-
Diagnose würden zwar alle für die Diagnose notwen
digen Einschränkungen beschrieben, jedoch
könne diesen Ausführungen nicht vollständig gefolgt werden.
So
habe der
Beschwerdeführer
g
emäss
dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK) vom 7. Januar 2020 (Urk. 9/78) über viele Jahre - jeweils auch bei denselben Arbeitgebern -
arbeiten können
, was bedeute, dass die sozialen Interaktionen nicht tie
fgreifend gestört sein könnten. Im Übrigen sei nicht jedem gegeben, selbständig arbeiten zu können. Diese Einschränkung müsse
also nicht krankhaft bedingt sein.
Sich aus Unsicherheit nicht
äussern
zu können/
wollen
,
sei keine Einschränkung, die zum
Autismusspektrum
gehöre.
Ebenfalls nicht dazu gehöre, dass sich jemand
schuldig fühle, weil
er nicht leisten könne, was erwartet werde. Auch eine fehlende
Geselligkeit
und das Schätzen von ge
regelten Abläufen und
Routinen
seien nicht pathognomonisch. Wichtig wären dagegen die stereotypen Verhaltensweisen und unflexibles Festhalten an Routi
nen oder ritualisierten Mustern, was gegen eine bewegte Arbeitsanamnese spre
chen würde.
Insgesamt sei im
Psychiatriezentrum B._
-Bericht (von Dr.
D._
vom
15. Mai 2020; Urk.
9/88) ein Sammelsurium an Symptomen aufgeführt worden, die auf ver
schiedene der genannten Diagnosen zutreffen könnten, auch auf die Diagnose einer ängstlich
en
(selbstunsicher-vermeidenden) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6). Fraglich sei auch, weshalb diese Diagnosen nicht schon früher gestellt worden seien, wenn der Beschwerdeführer tatsächlich die genannten massiven Einschränkungen aufweise. Immerhin sei er seit April 2015 im
Psychiatriezentrum B._ in
Behand
lung. Im Übrigen sei vor dem Alkoholentzug im Februar 2015 offenbar keine psychiatrisch-psychologische Behandlung notwendig
gewesen
, was bei den be
schrie
benen schweren Einschränkungen - schon seit der Kindheit - nicht wirklich nachvollziehbar wäre. Daraus sei das Fazit zu ziehen, dass die (neu gestellten) Diagnosen und vor allem die genannten resultierenden Einschränkungen, weiter
hin nicht plausibel nachvollziehbar seien
(Urk. 9/9
1/3-4).
3.
3
3.3.1
Wie sich aus der vorliegenden
medizinischen
Aktenlage ergibt, wurden im
Ver
gleich mit dem Sachverhalt, wie er der Verfügung vom
18.
Mai 2018 (Urk. 9/68)
zugrunde
gelegen hatte
,
durch die behandelnde Fachärztin D
r.
D._
vom
Psychiatriezentrum B._
neue ps
ychiatrisch
e Diagnosen gestellt, und zwar
die Diagnosen eines
Asperger-Syndroms (
Autismusspektrumstörung
[ASS]; ICD-10 F84.5), eines einfachen Auf
merksamkeitsdefizit-Syndroms (ADS; ICD-10
F
90.0) und einer ängstlichen (selbst
unsicher-vermeidenden) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6
; Urk. 9
/73/1
).
Ausserdem
wurde
die bereits bekannte Diagnose einer
rezidivierenden depres
si
ven Störung aufgeführt, welche indes neu nicht mehr als
leichtgradige Episode
(ICD-10 F33.0; Urk. 9/65/1)
, sondern
als
gegenwärtig schwer
bis mittelgradig, teil
remittiert
(ICD-10 F33.4),
b
ezeichnet wurde
(Urk. 9/73/1).
Nicht mehr aufge
führt respektive gestellt wurden dagegen die vormals noch erwähnten Diagnosen
psy
chische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10.20),
und
eine
akzentuierte Persönlichkeit, anank
astisch (zwanghaft; ICD-10 Z73; U
rk.
9/65/1)
.
In somatischer Hinsicht wurde im neuropsyc
hologischen
Psychiatriezentrum B._
-Bericht vom 27.
September 2019 zudem
neu
eine Hüftoperation vor zwei Mona
ten, mithin zirka im Juni oder Juli 2019, erwähnt, welche dem
Beschwerdeführer
starke Schmerzen und Schlafprobleme verursache (Urk. 9/80/2-3).
3.3.2
Die Diagnosen eines
Asperger-Syndroms (
Autismusspektrumstörung
[ASS];
ICD-10
F84.5) und eines einfachen Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms (ADS;
ICD-10
F
90.0)
, welche von der RAD-Ärztin Dr.
C._
als nicht nachvollziehbar beurteilt wurden (U
rk.
9/81/5, Urk. 9/91/3-4),
betreffen
Beschwerdebilder, deren
S
ymptome
- unabhängig von der
Frage, ob diese pathologisch sei
en
und diagnos
tisch korrekt eingeordnet wurde
n
-
jedenfalls
nicht erst seit der letzten
Anspruchs
verneinung i
m Mai
2018 (U
rk.
9/68) aufgetreten
sind. Die diesbezüglichen
im
Psychiatriezentrum B._
-Bericht
von Dr.
D._
vom 15. Mai 2020
in der Anamnese (Urk.
9/88/2-4
) und
in der
Beurteilung der Diagnosekriterien zu ADS und ASS
(Urk.
9/88/4-5)
aufgeführte
Beeinträchtigungen hatten
nach den Angaben in diesem Bericht
be
reits davo
r
-
namentlich
seit der Kindheit
-
bestanden
(vgl. auch Urk. 9/80/9)
.
D
amit
aber eine Neuprüfung der Anspruchsvoraussetzungen gerechtfertigt ist, müsste
rechtsprechungsgemäss
eine neue Diagnose im Sinne eines neu hinzu
ge
kommenen Krankheitsbildes oder eine Verschlechterung eines damals bestan
denen Leidens im Sinne einer veränderten Befundlage nachgewiesen sein (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_37/2013 vom 25. April 2013 E. 4.2).
E
ine
lediglich
unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens ge
nügt
nicht
, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte
Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 m
it Hinweisen).
Darauf, d
ass sich
hier
in Bezug auf die neu gestellten Diagnosen einer ADS und ASS eine Verschlechterung
der betreffenden Symptomatik
seit 2018
ergeben hätte, sind den neuen
Psychiatriezentrum B._
-Berichten indes keine Hinweise zu entneh
men
.
Dasselbe gilt auch in Bezug auf die neu gestellte Diagnose einer
ängstliche
n
(selbst
unsicher-vermeidende) Persön
lichkeitsstörung (ICD-10 F60.6)
. Auch dies
be
züg
lich - soweit aufgrund der lediglich knappen Erläuterungen in den
Psychiatriezentrum B._
-Berichten von Dr.
D._
ohne separate, konkret auf den
Beschwerdeführer
be
zogene Befundschilderung (Urk. 9/73/1, Urk. 9/88/6) überhaupt
nachvollziehbar
- ist nicht von einem neuen Leiden auszugehen, sondern lediglich von einer neuen diagnostischen Einordnung.
Gemäss Dr.
D._
kann
die Diagnose einer
Persön
lichkeitsstörung denn auch
im Zusammenhang mit der ASS gesehen werden
und
die eigenständige Diagnose
sei
(nur) gestellt worden, weil das Aus
mass stärker und mit relevanten Problemen im Leben verbunden sei (U
rk.
9/73/1).
D
ass
sich
die diesbezüglichen Probleme
und Beschwerden
erst nach Mai 2018 entwickelt
und/oder verschlechtert hätten
, geht aus ihren Berichten dagegen nicht hervor.
Von den vorherigen behandelnden Ärzten des
Psychiatriezentrums B._
waren die besonderen Persönlichkeitsaspekte und Verhaltensauffälligkeiten vor Mai 2018 zudem
bereits
mit der Diagnose einer
akzentuierte
n
Persönlichkeit, anankastisch (zwanghaft; ICD-10 Z73
)
,
und der Diagnose psychische und Verhaltensstörungen durch Alko
hol, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F 10.20)
,
berücksichtigt worden (Bericht vom 19. März 2018, Urk.
9/65/1
-2
).
Wegen des
Grundsatz
es
, dass die bloss andere, abweichende Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Sachverhalts keine revisionsbegründende oder im Rahmen der
Neuanmeldung
relevante Änderung darstellt,
is
t
in Bezug auf die neu gestellten Diagnosen eine
s
A
DS, eines
ASS
und einer Persönlichkeitsstörung
somit
kein Grund für eine Neuprüfung
der Anspruchsvoraussetzungen gegeben.
3.3.3
In Bezug auf die von Dr.
D._
gestellte Diagnose einer
rezidivierende
n
depres
sive
n
Störung, gegenwärtig schwer bis mittelgradig, teilremittiert
(ICD-10 F33.4
; Urk. 9/73/1
), deutet die Bezeichnung «
schwer bis mittelgradig
» im Vergleich mit der vorbestehenden leichtgradigen Episode
(ICD-10 F33.0; Urk.
9/65/1)
auf eine Verschlechterung der depressiven Symptomatik hin. Jedoch
wird dies mit dem Wort «teilremittiert» wieder relativiert. Der Diagnosecode ICD-10 F33.4
bedeutet
zudem
(ebenfalls)
,
dass eine rezidivierende depressive Störung vorliegt, die gegen
wärtig remittiert ist.
Nach der ICD-Diagnosebeschreibung
sind die Kriterien für eine der Störungen nach ICD-10 F33.0-F33.3 in der Anamnese erfüllt, aber in den letzten Monaten bestanden keine depressiven Symptome
(
Dilling
,
Mombour
, Schmidt [Hrsg.], ICD-10,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Auflage
, S. 180 f.)
.
Daher ist nicht davon auszugehen, dass d
ie gestellte Diagnose einer
rezidivie
rende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig schwer bis mittelgradig, teilremittiert
(ICD-10 F33.4; Urk.
9/73/1), eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheits
zu
standes
im Vergleich zu jenem im Mai 2018 bedeutet, zumal in den neuen
Psychiatriezentrum B._
-Berichten auch keine solche Verschlechterung der depressiven Sympto
ma
tik in der Zeit nach M
ai 2018 beschrieben wurde (Urk.
9/73, Urk.
9
/80, Urk.
9
/88).
Dr.
D._
verwies bezüglich der depressiven Symptomatik
ferner
auf die Aus
trittsberichte der
Klinik Y._
und bezeichnete die depressive
Störung als komorbid im Zusammenhang
mit den Grunderkrankungen (Urk.
9/88
/6). Der letzte Austrittsbericht der
Klinik Y._
stammt
allerdings
aus der Zeit vor der letzten Rentenabweisung im Mai 2018 (Urk.
9/68
) und betrifft
eine stationäre Behandlung im Sommer 2016
(Bericht vom
13.
September
2016
, Urk.
9/33; vgl. auch Bericht der
Klinik Y._
vom 16.
November 2017, Urk. 9/61/2
).
Dass in der Zeit nach Mai 2018 wieder der damalige Schweregrad der
depressive
n
Symptomatik
erreicht worden wäre, ist damit nicht
anzunehmen
.
Somit rechtfertigt auch die Diagnose einer
rezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig schwer bis mittelgradig, teilremittiert
(ICD-10 F33.4; Urk. 9/73/1), keine
Neuprüfung
der Anspruchsvoraussetzungen.
3.3.4
In Bezug auf die
vor dem 18. Mai 2018 (Urk. 9/68) von den Ärzten der
Klinik Y._
und des
Psychiatriezentrums B._
gestellte
Diagnose psychische und Verhal
tensstörungen durch Alkohol
: Abhängigkeitssyndrom
, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10.20
; Erstdiagnose 2007; Urk. 9/61/1, Urk. 9/65/1), ist ebenfalls keine mass
gebliche Veränderung anzunehmen. Denn
auch in diesem Zusammenhang
sind
bei
- soweit aktenkundig -
anhaltender
Abstinenz
keine Hinweise auf neue oder erheblich veränderte Befunde und Gesundheitsbeeinträchtigungen von Mai 2018 (Urk. 9/68) bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 18. August 2020 (Urk. 2) gegeben.
Daran ändert im Übrigen auch nichts, dass in diesem Zeitraum mit dem neuen bundesgerichtlichen Leitentscheid BGE 145 V 215
(Urteil
9C_724/2018 vom 11.
Juli 2019
)
nunmehr auch
eine primäre Abhängigkeit von
Suchtmitteln
grund
sätzlich als invalidisierender Gesundheitsschaden in Frage kommt
(vgl. dazu E.
1.2.2
hiervor). Denn es besteht
nach höchstrichterlicher Rechtsprechung
der Grundsatz,
dass
eine Praxisänderung keine Änderung formell rechtskräftiger Ver
fügungen über eine Dauerleistung rechtfertigt (
vgl. dazu BGE 141 V 585 E.
5.2, 135 V 201 E
. 6.1.2 f., je mit Hinweisen). Im zur
Publikation vorgesehenen Urteil
9C_132/2020 vom 7. Juni
2021
hat das Bundesgerichts denn auch
darauf erkannt
, dass
die
Änderung der
Rechtsprechung gemäss BGE 145 V 215 (wie schon jene von BGE 141 V 281 und jene von BGE 143 V 409 und 418) keinen hinreichenden Anlass bildet, um vom Grundsatz der Nichtanpassung eines formell rechts
kräftigen Verwaltungsentscheides an eine geänderte Rechtspraxis abzuweichen
(E. 6)
.
3.
4
3.4.1
Als Grund für
eine
Neuprüfung der Anspruchsvoraussetzungen nach der Neuan
meldung im Dezember 2019
nicht bereits ausgeschlossen werden können dagegen
die Hüftbeschwerden,
die
gemäss dem
neuropsychologischen
Psychiatriezentrum B._
-Bericht vom 27. September 2019 zwei Monate vor der neuropsychologischen Untersuchung im August und September 2019 (Urk. 9/80/1)
zu einer Operation geführt
hatten
und
starke
Schmerzen
sowie
dadurch bedingte Schlafprobleme verursacht
en
(Urk. 9/80/2-3)
und die
bei der letzten rechtskräftigen Rentenabweisung noch keine Rolle
gespielt hatten
(Urk. 9/68)
. Hierzu sind den Akten keine weiteren An
gaben und
B
erichte der behandelnden Ärzte zu entnehmen. Auch ein Haus
arzt
bericht
und/oder eine andere Einschätzung
von somatischen Experten
wurde von der
Beschwerdegegnerin
nach
der N
euanmeldung vom 11.
Dezember
2019 (Urk.
9/75) nicht eingeholt.
3.4.2
E
s kann daher bei der derzeitigen Aktenlage nicht abschliessend beurteilt werden, ob sich allenfalls in somatischer Hinsicht seit Mai 2018 und insbesondere ab Juni 2019
(
ein Jahr
vor
dem
frühest
mögliche
n
Rentenbeginn,
Art. 28
lit
. b IVG und Art. 29 Abs. 1 IVG;
vgl. E. 2.3 hiervor)
eine anspruchsrelevante gesundheitliche Veränderung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG)
ergeben hat, welche
Anlass zur
Neup
rüfung der Leistungsvoraus
setzungen für den
Renten
a
nspruch
nach
Art. 28 ff. IVG
gibt,
da
sie zusammen mit den übrigen, namentlich psychischen Beschwerden geeignet
wäre
, den Invaliditätsgrad zu beeinflussen respektive
zu einem
Leistungs
anspruch zu führen
.
Auch kann
bei vorliegender Aktenlage und in Nachachtung des Untersuchungs
grundsatzes
zudem
entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (Urk. 2 S.
1
)
nicht ohne Weiteres ausgeschlossen werden, dass eine invalidenversiche
rungs
rechtlich relevante gesundheitliche Einschränkung besteht. Denn
sofern nach weiteren Abklärungen
ein
e
erhebliche
gesundheitliche Veränderung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zu bejahen ist
,
ist
in einem zweiten Schritt der Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend
–
gege
benenfalls anhand der Rechtsprechung von BGE 141 V 281 - und damit unter Einbezug sämtlicher Beschwerden neu zu prüfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_829/2017 vom 31. Januar 2018 E. 2.2 mit Hinweis; vgl. auch BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen und E. 6.1).
Je nach Ergebnis der Vorabklärung in soma
tischer Hinsicht kann den psychischen Beschwerden, welche für sich - wie hiervor ausgeführt -
zwar
keinen Grund für eine Neuprüfung nach Neuanmeldung dar
stellten, in der
hernach
gegebenenfalls anzuordnenden fachärztlich
-gutachterli
chen
Gesamtbetrachtung aller Beschwerden
dabei nunmehr massgebliche
Bedeutung
zukommen.
4.
4.1
Nach dem Gesagten hat die
Beschwerdegegnerin
den S
achverhalt zu ergänzen und weitere
medizinischen Abklärung
en
zum somatischen Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers, insbesondere bezüglich dessen Hüftbeschwerden mit Ope
ration im Sommer 2019 vorzunehmen.
Hierzu hat sie insbesondere Bericht
e
des Hausarztes und der behandelnden somatischen Fachärzte einzuholen, aus denen sich der chronologische Verlauf der somatischen
Befunde und Behandlungen zu den Hüftb
eschwerden nach Mai 2018, spätestens
aber
ab J
uni 2019, und die Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
/bisherigen
Tätigkeit (Bau
projektleiter,
Zeitungsverträger
, Reinigungskraft) und in einer leidensange
passten Tätigkeit ergeben. Nötigenfalls ist hierzu eine gutachterliche Einschät
zung einzuholen.
Sofern eine
erhebliche
gesundheitliche Veränderung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zu bejahen ist, ist
in einem zweiten Schritt der Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend - gegebenenfalls anhand der Rechtsprechung von BGE 141 V 281 - und damit unter Einbezug sämtlicher Be
schwerden interdisziplinär-gutachterlich abzuklären und neu zu prüfen.
Diesbe
züglich
ist
insbesondere
eine rückwirkende Beurteilung
der Arbeitsfähig
keit in der angestammten
/bisherigen
Tätigkeit (Bauprojektleiter
/Bauführer
, Zeitungs
-/
Werbezusteller
, Reinigungskraft)
ab Juni 2019
und in einer leidensangepassten Tätigkeit
(ab dem
frühest
möglichen Rentenbeginn) ab Juni 2020
massgeblich.
4.2
Die angefochtene Verfügung vom
14. August 2020
(Urk. 2) ist somit aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum neuen Entscheid über
den Rentenanspruch des Beschwerdeführers
zurückzuweisen.
Die Beschwerde ist folglich in diesem Sinne gutzuheissen.
5
.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zu weiterer Abklärung und neuem Entscheid als vollständiges Obsiegen (vgl. ZAK 1987 S. 268 f. E. 5 mit Hinweisen). Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen betrifft, ist das Verfahren kos
tenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab
hängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), ermessensweise auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen
.