Decision ID: 9eafae06-81db-51a9-baed-532050de2d64
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
(geboren 1952)
war vom 1. März
1989
bis 31. Mai 1999 als Bauarbeiter bei der
Z._
AG, vom 1. Mai 1999 bis
31. Dezember 2006
bei der
A._
AG, vom 1. Januar 2007 bis
30. Juni 2008
bei der
B._
GmbH und vom 1. Juni 2008 bis 30. Juni
20
13
bei der Einzelfirma
C._
jeweils als
Fassadenisoleur
angestellt (Urk. 2/2
,
Urk.
40
und Urk. 41/13
).
Im Juli 2013 ersuchte
er
die
Stiftung für den flexiblen Altersrücktritt im
Bauhauptgewerbe (Stiftung FAR)
um Leistungen aus vorzei
ti
gem Altersrücktritt ab
1.
Februar 2014 (
Urk.
2/2). Diese teilte ihm nach getä
tigten Abklärungen
schliesslich
mit, dass ihm zum jetzigen Zeitpunkt keine FAR-Rente zugesprochen werden könne. Die
C._
habe sich gegen eine Unterstellung unter den GAV FAR gewehrt und jegliche Aus
kunft über ihre Tätigkeiten verweigert. Die Stiftung FAR verfüge somit nicht über gesicherte Fakten, um eine Unterstellung zu bestätigen (
Urk.
2/8).
2.
Mit Eingabe vom 23. November
2015
erhob
X._
Klage gegen die Sti
f
tung FAR
und beantragte, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm die Leis
tung
en ge
mäss dem Leistungs- und Beitragsreglement der Stiftung FAR auszu
richt
en; die Leistungen seien zu ver
zinsen (Urk. 1 S. 2). Die Stiftung FAR schloss
in der Klageantwort vom 4. April 2016 auf Abweisung der Klage (Urk. 10). Mit Verfü
gung vom 21. April 2016
wurde
Y._
,
Inhaber der (per
6.
Februar 2014
gelösch
ten) Einzelfirma
C._
(
Urk.
24/1),
zum Ver
fah
ren beigeladen (Urk. 12).
Nach mehrmaliger Aufforderung durch das Gericht
machte
er Angaben
zum Tätigkeitsbereich der
Einzelfirma
C._
und reichte Belege ein (
Urk.
14, 16, 17, 19, 20, 22,
Urk.
23/1-7
, 24/1
). Mit
Ver
fügung vom
6.
Oktober 2016
gab das Gericht dem Kläger und der Be
klag
ten Gelegenheit zur Stellungnahme dazu. Zugleich
tat
es den Parteien seine vor
läufige Einschätzung zum Fall kund
, was die Unterstellung der Einzelfirma
C._
unter den GAV FAR anbelangt
(
Urk.
25). Zur vorläufigen Einschätzung liessen sich der Kläger mit Eingabe vom 2
0.
Oktober 2016, der Beigeladene mit Eingabe vom 2
8.
Oktober 2016 und die Beklagte mit Eingabe vom 1
4.
Novem
ber 2016 vernehmen (
Urk.
28, 30, 31).
Mit Verfügung vom 3
0.
N
ovember 2016 wurden der Kläger und die Beklagte
aufgefordert, zu den weiteren Voraus
setz
ungen für den Anspruch von reglementarischen Leistungen Stellung zu nehmen (
Urk.
33). Dazu liess
en
sich die Beklagte mit Eingabe vom 2
7.
Januar 2017 und die Klägerin mit Einga
be vom 3
0.
Januar 2017
vernehmen
(
Urk.
38, 40). Zur Eingabe der Gegenpartei äusserte sich die Beklagte mit Einga
be vom
9.
Februar 2017
(
Urk.
45). Nach Aufforderung des Gerichts mit Verfügung vom 2
3.
März 2
017 nahm
die Klägerin
mit Eingaben vom 3
1.
Mai und
2.
Juni 2017
nochmals
Stellung
(
Urk.
51, 53).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob dem Kläger
gegenüber der Beklagten
Leistungs
ansprüche
zust
ehen. Namentlich geht es dabei um eine Überbrückungsrente sowie um Ersatz der BVG-Altersgutschriften (
Urk.
1 S. 5). Letzter Anspruch
ist akzessorisch und
setzt das Bestehen eines Rentenan
spruchs voraus (
Art.
19 GAV FAR;
Urk.
11/1).
2.
2
.1
Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV), die GBI Gewerkschaft Bau & In
du
strie (heute:
Unia
) sowie die Gewerkschaft SYNA schlossen am 1
2.
Novem
ber 2002 einen Gesamtarbeitsvertrag für den flexiblen Altersrücktritt
im
Bauhaupt
gewerbe
(GAV FAR). Der GAV FAR bezweckt, einen flexiblen Altersrücktritt zu ermöglichen. Zu dessen Durchführung gründeten die Vertragsparteien die "Stif
tung für den flexiblen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe (Stiftun
g FAR)"
, eine nicht registrierte Personalfürsorgeeinrichtung gemäss
Art.
89
bis
ZGB. Der GAV FAR trat am
1.
Juli 2003 in Kraft. Durch Beschluss des Bundesrates vom
5.
Juni 2003 wurde der GAV FAR teilweise allgemeinverbindlich erklärt. Dieser Be
schluss wurde durch Beschlüsse vom
8.
August und 2
6.
Oktober 2006,
1.
Novem
ber
2007,
6.
Dezember 2012, 1
0.
November 2015 und 1
4.
Juni 2016 verlängert respektive angepasst.
2.2
Gemäss
Art.
14
Abs.
1
GAV FAR (
Urk.
11/1)
kann ein
Arbeitnehmer
eine Überbrückungs
rente beanspruchen, wenn er a) das 6
0.
Altersjahr vollendet hat
, b) das ordentliche AHV-Alter noch nicht erreicht hat, c) während mindestens 15
Jahre innerhalb der letzten 20 Jahre und davon die letzten sieben Jahre vor dem Leistungsbezug ununterbrochen in einem Betrieb gemäss Geltungsbereich
GAV FA
R
eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat und d) die Erwerbs
tätigkeit
unter Vorbehalt von
Art.
15 GAV FAR definitiv aufgibt.
Laut
Art.
15 GAV FAR bleibt nach definitiver Aufgabe der Erwerbstätigkeit eine dem GAV FAR unterstellte Tätigkeit in einem dem GAV FAR unterstellten Be
trieb mit einem jährlichen Verdienst, der unter der Eintrittsschwelle nach
Art.
7
Abs.
1 BVG liegt, ohne Verlust der Leistungen aus dem flexiblen Altersrücktritt erlaubt. Mit einer sonstigen, selbständigen oder unselbständigen Beschäftigung bleibt eine Tätigkeit mit einem Verdienst, der unter der Hälfte der
Eintritts
schwelle
nach
Art.
7
Abs.
1 BVG liegt, erlaubt (
Abs.
1). Nebenverdienste, die vor Beginn der Überbrückungsrente seit mehr als drei Jahren erzielt wurden, dürfen weiterhin im bisherigen Umfang ohne Verlust der Leistungen erzielt werden. Der Stiftungsrat kann eine Obergrenze festlegen (
Abs.
2).
2.3
Nach
Art.
14
Abs.
2 GAV FAR kann ein Arbeitnehmer
, der das Kriterium der Beschäftig
ungsdauer (
Abs.
1
lit
. c)
nicht vollständig erfüllt,
eine gekürzte
Über
brückungsrente
beanspruchen, wenn er
a) innerhalb der letzten 20 Jahre nur während 10
Jahren in einem Betrieb gemäss
Geltungsbereich GAV FAR eine beitragspflicht
ige Beschäftigung ausgeübt hat, davon aber
die letzten sieben Jahre vor de
m Leistungsbezug ununterbrochen und / oder
b) innerhalb der letzten sieben Jahre vor dem Altersrücktrit
t während höchstens zwei Jahren
arbeitslos war, die anderen Voraussetzungen nach
lit
. a aber erfüllt.
3.
Der Kläger wurde am
7.
November 19
52 geboren. Das Leistungsgesuch
stellte er per
1.
Februar 2014 (
Urk.
2/2). Zum Zeitpunkt des geplanten Rücktritts war er somi
t etwas mehr als 61 Jahre alt. M
ithin hatte
er
das 6
0.
Altersjahr vollendet, aber das ordentliche AHV-Alter noch nicht erreicht.
Für den Anspruch auf eine
Überbrückungsrente müsste er weiter
eine beitragspflichtigen Beschäftigung wä
h
rend mindestens 15 Jahren
innerhalb der letzten 20 Jahre (
also vom
1.
F
ebru
ar 1994 bis 3
1.
Januar 2014)
und davon die letzten siebe
n Jahre vor dem
Leis
tungsbezug
(
also vom
1.
Februa
r 2007 bis 3
1.
Januar 2014)
ununterbrochen in einem Betrieb gemäss Geltungsberei
ch GAV FAR vorweisen können
. Daran fehlt es. Vom
1.
Januar 2007 bis 3
0.
Juni 2008 war er bei der
B._
GmbH angestellt
(
Urk.
40
, 40/13
)
, welche unbestrittenermassen nicht dem GAV FAR untersteht (
Urk.
38 S. 4,
Urk.
51 und Urk. 53
). Im Weiteren
bezog der Kläger vom
1.
August 2013 bis 3
1
.
März
2015 Ar
beitslosenentschädigung (
Urk.
47/1,
52/14
). Diese bietet Ersatz für Erwerbsausfall. Damit
fehlt es auch an der für den Leistungsanspruch vorausgesetzten definit
iven Aufgabe der Erwerbstätigkeit
per 1.
Februa
r 2014
(vgl. auch Bundesgerichtsurteil
BGE 141 V 162
E.
4
.2
). Daran ändert entgegen der Ansicht des Klägers nichts, dass
er neben
Arbeits
losentag
geldern
auch SUVA-Taggelder
aufgrund eines erlittenen Unfalls
bezog (vgl.
Urk.
51 S. 4). Ebenso ist
unerheblich, dass
die Beklagte
erst am 2
4.
April
2
015
über
das
Leistungsgesuch
des Klägers
definitiv entschied
(
Urk.
2/6, 51 S. 4)
.
Mit dem
Bezug von Arbeitslosentschädigung ab August 2013
und über den 1.
Febru
ar 2014 hinaus
manifestierte der Kläger klar,
dass er nicht die Absicht hatte, die Erwerbstätigkeit aufzugeben.
Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass dem Kläger kein Anspruch auf eine volle oder gekürzte Überbrückungsrente
der Beklagten
zusteht. Dies führt zur Ab
weisung der Klage.
4.
Art.
73
Abs.
2 BVG schliesst einen Anspruch der obsiegenden Versicherungs-trägerin auf eine Prozessentschädigung zwar
nicht aus. Indes werden den Trä
gern der beruflichen Vorsorge gemäss BVG beziehungsweise den mit
öffent-lichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in Anlehnung an die Recht
sprechung zu
Art.
159
Abs.
2 des bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Bundes
gesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege (
Bundesrechts-pflegege
setz
/OG) praxisgemäss keine Parteientschädigungen zugesprochen. Es besteht kein Grund,
bei der obsiegenden Beklagten
anders zu verfahren (vgl. BGE 128 V 133 E. 5b, 126 V 150 E. 4a, 118 V 169 E. 7 und 117 V 349 E. 8, mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 125 E. 5b und 320 E. 1a und b sowie 112 V 356 E. 6).
Eben
f
alls besteht kein Anlass, dem
un
vertretenen
Beigeladenen eine
Prozess
ent
schädigung
zuzusprechen.