Decision ID: 704caebb-fb02-45d0-a1d9-5ee99f935a27
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung (Arbeitsrecht)
Berufung gegen ein Urteil der Einzelrichterin im ordentlichen Verfahren des Bezirkes Pfäffikon vom 26. November 2010; Proz. FO070027 (einfaches und rasches Verfahren)
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Rechtsbegehren:
– des Klägers 1 (act. 1 und 10):
„1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger Fr. 11'278.30 brutto zu bezahlen zuzüglich Zins zu 5 % seit 1. Januar 2007.
2. Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger ein wie folgt  Arbeitszeugnis aus- und zuzustellen:
Abs. 1: „Gerne bestätigen wir, dass Herr A._, geb. am tt. April 1965 von ..., vom 1. Juni 2004 bis 31. Dezember 2006 als Mitarbeiter in der Abteilung Wickeltechnik im Geschäftsbereich Composites angestellt war.“
Abs. 4: „Aufgrund seiner fundierten mechanischen Kenntnisse hat sich Herr A._ innert kürzester Zeit bestens in die für ihn neue Materie eingearbeitet. Er zeichnete sich durch selbständige,  und gewissenhafte Arbeitsweise aus. Die ihm  Arbeiten hat er stets zu unserer vollen Zufriedenheit . Seine Bereitschaft, Mehrarbeit und Sondereinsätze zu , haben wir besonders geschätzt.“
Abs. 5: „In persönlicher Hinsicht lernten wir Herrn A._ als  und stets pünktlichen Mitarbeiter kennen. Sein  gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war in jeder  stets freundlich und korrekt.“
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich ; MWSt-Nr. von X._: ...) zu Lasten der Beklagten.
Prozessualer Antrag: Dem Kläger sei für das vorliegende Verfahren in der Person der
unterzeichneten Rechtsanwältin eine unentgeltliche  zu bestellen.“
– der Klägerin 2 (act. 3 und 5; Prot. S. 4 f.):
„1. Es sei der Eintritt der Arbeitslosenkasse in den Prozess als  vorzumerken.
2. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Arbeitslosenkasse Fr. 4'898.50 netto nebst Zins zu bezahlen. Weitere Forderungen sind vorbehalten.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der .“
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– der Beklagten (act. 13 und Prot. S. 6 f.):
„Abweisung der Klage, unter Entschädigungsfolgen zulasten der .“
Streitwert: Fr. 20'000.–
Urteil der Einzelrichterin im ordentlichen Verfahren des Bezirkes Pfäffikon vom 26. November 2010:
1. Die Forderungsklage des Klägers 1 (Rechtsbegehren Ziff. 1) wird vollum-
fänglich abgewiesen.
2. In teilweiser Gutheissung der Klage des Klägers 1 betreffend Arbeitszeugnis
vom 30. September 2006 (Rechtsbegehren Ziff. 2; act. 11/10) wird die Be-
klagte verpflichtet, dieses wie folgt abzuändern und alsdann dem Kläger 1
zuzustellen:
Abs. 4: „Aufgrund seiner fundierten mechanischen Kenntnisse hat sich Herr A._ innert kürzester Zeit bestens in die für ihn neue  eingearbeitet. Er zeichnete sich durch selbständige, effiziente und gewissenhafte Arbeitsweise aus. Die ihm übertragenen  hat er bis zu seiner schweren Erkrankung stets bestens . Seine Bereitschaft, Mehrarbeit und Sondereinsätze zu leisten, haben wir besonders geschätzt.“
Abs. 5: „In persönlicher Hinsicht lernten wir Herrn A._ als  und stets pünktlichen Mitarbeiter kennen. Sein Verhalten  Vorgesetzten und Mitarbeitern war freundlich und .“
Im Übrigen wird die Klage auf Abänderung des Arbeitszeugnisses abgewie-
sen.
3. Die Klage der Klägerin 2 wird vollumfänglich abgewiesen.
4. Es werden keine Kosten erhoben.
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5. Der Kläger 1 wird verpflichtet, der Beklagten eine reduzierte Prozessent-
schädigung von Fr. 3'740.– (zuzüglich Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
6. Die Klägerin 2 wird verpflichtet, der Beklagten eine Prozessentschädigung
von Fr. 1'700.– (zuzüglich Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
7./8. Mitteilung/Rechtsmittel.
9. Fristen stehen in diesem Verfahren während der Gerichtsferien nicht still.
Sodann verfügt die Einzelrichterin:
1. RAin lic. iur. X._ wird als unentgeltliche Rechtsbeiständin aus der Ge-
richtskasse wie folgt entschädigt:
Grundgebühr samt Zuschläge Fr. 6'800.00
7.6 % MwSt. Fr. 516.80
Total Fr. 7'316.80
2. Dem Kläger 1 wird die Bestellung der unentgeltlichen Rechtsbeiständin
lic. iur. X._ rückwirkend entzogen.
3. Der Kläger wird verpflichtet, die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung
in Höhe von Fr. 7'316.80 an die Gerichtskasse zurückzubezahlen.
4./5. Mitteilung/Rechtsmittel.
6. Fristen stehen in diesem Verfahren während der Gerichtsferien nicht still.
(act. 122 S. 37 ff.)
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Berufungsanträge:
des Klägers und Appellanten (act. 138 S. 2):
1. Es sei Ziffer 1 des Dispositivs des Urteils der Einzelrichterin im ordentlichen
Verfahren des Bezirkes Pfäffikon vom 26. November 2010, Prozess Nr.
FO070027, aufzuheben und es sei die Beklagte und Appellatin zu verpflich-
ten, dem Kläger und Appellanten Fr. 11'287.30 brutto zu bezahlen zuzüglich
Zins zu 5% seit dem 1. Januar 2007.
2. Es sei Ziffer 5 des Dispositivs des Urteils der Einzelrichterin im ordentlichen
Verfahren des Bezirkes Pfäffikon vom 26. November 2010, Prozess Nr.
FO070027, aufzuheben und es sei die Beklagte und Appellatin zu verpflich-
ten, dem Kläger und Appellanten eine angemessene Prozessentschädigung
für das erstinstanzliche Verfahren zu bezahlen.
3. Eventualiter sei die Nichtigkeit der Kündigung der Beklagten und Appellatin
vom 9. Juni 2006 festzustellen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten und Appel-
latin.
der Beklagten und Appellatin (act. 143 S. 2):
"Die Berufung sei abzuweisen, unter Kosten - und Entschädigungsfolgen zu-
lasten des Klägers."
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Erwägungen:
I. Sachverhalt und Prozessgeschichte:
1. Der Kläger trat am 1. Juni 2004 bei der Beklagten als Arbeitnehmer ein und
verliess die Stelle auf Grund der am 9. Juni 2006 von der Beklagten unter Beach-
tung der dreimonatigen Kündigungsfrist mündlich ausgesprochenen, am 12. Juni
2006 schriftlich bestätigten Kündigung per 30. September 2006. Er befand sich
mithin im dritten Dienstjahr.
Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses begab sich der Kläger am 23. Oktober
2006 wegen gesundheitlicher Probleme zu seinem Hausarzt, der einen hohen
Kreatininwert feststellte und den Kläger sofort zur Dialyse ins Kreisspital C._
überwies. Dort wurde der Kläger vom 24. Oktober 2006 bis zum 30. Oktober 2006
stationär behandelt.
Der Kläger hält nun dafür, die Beklagte habe ihm den Lohn bis Ende Dezember
2006 in der Höhe von Fr. 11'278.30 brutto zuzüglich 5% Zins seit 1. Januar 2007
zu bezahlen, da sich die Kündigungsfrist wegen seiner bereits Mitte 2006 aufge-
tretenen Erkrankung um drei Monate verlängert habe. Die Beklagte lehnt eine
Zahlung ab.
2. Mit Weisung des Friedensrichteramtes D._ vom 12. Juni 2007 (act. 3)
und Klageschrift vom 7. August 2007 (act. 1) gelangte der Kläger an das Bezirks-
gericht Pfäffikon und gedachte seinen geltend gemachten Lohnanspruch sowie
sein Begehren um Ausstellung eines abgeänderten Arbeitszeugnisses gegenüber
der Beklagten gerichtlich durchzusetzen. Nachdem die Vorinstanz ein Beweisver-
fahren durchgeführt hatte, wies sie mit Urteil vom 26. November 2010 die Forde-
rungsklage ab (act. 128 Dispositiv-Ziffer 1) und verpflichtete die Beklagte, dem
Kläger ein in zwei Absätzen abgeändertes Arbeitszeugnis zuzustellen (act. 128
Dispositiv-Ziffer 2). Überdies entzog sie ihm mit Verfügung gleichen Datums
rückwirkend die Bestellung der vormals eingesetzten unentgeltlichen Rechtsver-
treterin und verpflichtete ihn demgemäss, der Gerichtskasse die Kosten der un-
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entgeltlichen Rechtsvertretung in der Höhe von Fr. 7'316.80 zurückzubezahlen
(act. 128 S. 39).
3. Gegen das Urteil erklärte der Kläger rechtzeitig die Berufung. Er verlangt die
Gutheissung der Forderungsklage (act. 135, 138), nachdem er mit Präsidialverfü-
gung vom 3. Februar 2011 aufgefordert worden war, seine nur auf die Aufhebung
dreier Dispositiv-Ziffern gerichteten Berufungsanträge zu präzisieren (act. 136).
Die Beklagte schliesst auf Abweisung der Klage (act. 143). Der Prozess ist
spruchreif.
II. Formelles:
1. Am 1. Januar 2011 trat die Schweizerische Zivilprozessordnung vom
19. Dezember 2008 in Kraft. Nach deren Art. 404 Abs. 1 gilt für im Zeitpunkt des
Inkrafttretens der ZPO rechtshängige Verfahren bis zum Abschluss vor der be-
troffenen Instanz das bisherige Verfahrensrecht. Die Berufung wurde bereits vor
Inkrafttreten dieses Gesetzes bei der Kammer anhängig gemacht. Sie richtet sich
mithin nach den Bestimmungen der zürcherischen ZPO vom 13. Juni 1976
(ZPO/ZH) und des zürcherischen Gerichtsverfassungsgesetzes vom 13. Juni
1976 (GVG). Dementsprechend richten sich auch die Nebenfolgen (Gerichtsge-
bühr und Prozessentschädigung) des Berufungsverfahrens betragsmässig nach
dem bisherigen Recht, d.h. nach den obergerichtlichen Verordnungen über die
Gerichtsgebühren vom 4. April 2007 (GGebV) bzw. über die Anwaltsgebühren
vom 21. Juni 2006 (aAnwGebV) (vgl. § 23 der Gebührenverordnung des Oberge-
richts [GebV OG] vom 8. September 2010 und § 25 der Verordnung über die An-
waltsgebühren[AnwGebV] vom 8. September 2010).
2. Die Beklagte hat das Urteil der Vorinstanz unangefochten gelassen, weshalb
die Verpflichtung, dem Kläger ein in zwei Absätzen abgeändertes Arbeitszeugnis
zuzustellen, in Rechtskraft erwachsen ist. Das ist vorzumerken.
3. Der Kläger stellt im Berufungsverfahren neu den Eventualantrag, es sei die
Nichtigkeit der von der Beklagten am 9. Juni 2006 ausgesprochenen Kündigung
festzustellen (act. 138 S. 2). Im Berufungsverfahren sind neue Tatsachenbehaup-
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tungen und damit verbundene (Eventual-)Anträge unzulässig, weshalb auf den
neuen Eventualantrag nicht einzutreten ist. Wäre auf den Eventualantrag einzu-
treten, so wäre er abzuweisen. Der Kläger macht geltend, würde man wie die Vo-
rinstanz vom Begriff der Beeinträchtigung an der Arbeitsleistung durch Nierenin-
suffienz ausgehen, was er richtigerweise nicht getan und demgemäss die Nichtig-
keit der Kündigung verneint habe, wäre die Nichtigkeit der Kündigung möglicher-
weise als gegeben zu betrachten. Mit dieser unbestimmten Aussage liesse sich
der Eventualantrag nicht begründen. Abgesehen davon stellte sich der Kläger mit
seiner erstinstanzlichen Sachdarstellung in direkten Widerspruch, wenn er nun-
mehr im kritischen Zeitpunkt, d.h. im Zeitpunkt, in welchem von der Beklagten die
Kündigung ausgesprochen wurde, eine Beeinträchtigung der Arbeitsleistung
durch Niereninsuffienz behaupten würde. Das wäre prozessual unzulässig, weil
es sich um ein Novum handelte.
III. Materielles:
1. Gemäss Art. 336c Abs. 1 lit. b OR darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis
nach Ablauf der Probezeit nicht kündigen während der Arbeitnehmer ohne eige-
nes Verschulden durch Krankheit oder durch Unfall ganz oder teilweise an der
Arbeitsleistung verhindert ist, und zwar im ersten Dienstjahr während 30 Tagen,
ab zweitem bis und mit fünftem Dienstjahr während 90 Tagen und ab sechstem
Dienstjahr während 180 Tagen. Die Kündigung, die während einer der in Absatz 1
festgesetzten Sperrfristen erklärt wird, ist nichtig; ist dagegen die Kündigung vor
Beginn einer solchen Frist erfolgt, aber die Kündigungsfrist bis dahin noch nicht
abgelaufen, so wird der Ablauf unterbrochen und erst nach Beendigung der
Sperrfrist fortgesetzt (Art. 336c Abs. 2 OR).
Die Vorinstanz hat die Klage unter Hinweis auf den massgebenden Art. 336c
Abs. 1 lit. b OR und die hierzu ergangene Rechtsprechung abgewiesen, weil sie
befand, der Kläger habe nicht zu beweisen vermocht, dass er (erst) Mitte 2006
oder danach in arbeitsrechtlich relevanter Weise erkrankt sei. Vielmehr sei er-
stellt, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits ganz oder teilweise arbeitsunfähig ge-
wesen sei. Es könne offen gelassen werden, wann die Krankheit des Klägers die
Schwelle zur arbeitsrechtlichen Relevanz überschritten habe und ob die kündi-
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gungsschutzrechtliche Sperrfrist im Zeitpunkt der Kündigung am 9. Juni 2006 be-
reits verstrichen gewesen sei oder noch andauerte mit der Konsequenz, dass die
Kündigung per se nichtig sei. Es müsse sich um einen - vom Gericht nicht näher
bestimmbaren - Zeitpunkt vor Mitte 2006 handeln (act. 128 S. 19).
2. Der Kläger macht geltend, er habe bereits seit ca. Anfang 2006 unter chro-
nischer Müdigkeit, Erschöpfung, Schwindel, Konzentrationsstörungen sowie Rü-
ckenschmerzen gelitten. Zunächst habe er gedacht, die Beschwerden seien auf
den Stress und die unregelmässige Schichtarbeit zurückzuführen. Da er ein
pflichtbewusster Arbeitnehmer sei, sei er trotz der anhaltenden gesundheitlichen
Beschwerden bis zu seinem Austritt aus dem Unternehmen der Beklagten Ende
September 2006 stets zur Arbeit erschienen. Da er sich zunehmend schlechter
gefühlt habe, habe er sich am 23. Oktober 2006 zu seinem Hausarzt begeben.
Dieser habe eine schwere Niereninsuffienz festgestellt und ihn sofort zur Dialyse
ins Kreisspital C._ eingewiesen, wo er vom 24. Oktober 2006 bis 30. Oktober
2006 stationär behandelt worden sei. Anschliessend sei er im Universitätsspital
Zürich behandelt worden. Nachdem er drei Mal wöchentlich wiederum im Kreis-
spital C._ zur Dialyse erschienen war, sei ihm vom 30. auf den
31. Dezember 2008 eine neue Niere implantiert worden. Nach dem Gesagten sei
er gemäss ärztlichen Berichten von Mitte 2006 bis ca. Ende Januar 2007 arbeits-
unfähig gewesen.
3. Für die Beantwortung der Frage, ob eine Sperrfrist zu beachten sei, ist die
aus einer Gesundheitsbeeinträchtigung resultierende tatsächliche Unfähigkeit, die
vertraglich geschuldete Arbeit leisten zu können, entscheidend und gleichsam der
Anknüpfungspunkt. Das Gesetz spricht von ganz oder teilweise "an der Arbeits-
leistung verhindert" sein. Verhindert sein bedeutet, dass die Arbeitsleistung dem
betroffenen Arbeitnehmer unmöglich oder unzumutbar ist (BSK OR I-
Rehbinder/Portmann, Art. 324a N 1). Arbeitsunfähig ist, wer wegen eines Ge-
sundheitsschadens seine bisherige Tätigkeit nicht mehr, nur noch beschränkt o-
der nur unter der Gefahr einer Verschlimmerung des Gesundheitsschadens aus-
üben kann. Gemäss ständiger Rechtsprechung ist eine Gesetzesbestimmung in
erster Linie nach ihrem Wortlaut auszulegen. Eine Auslegung entgegen dem
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Wortlaut kann sich zwar in Einzelfällen aufdrängen. Voraussetzung ist aber, dass
die allgemeinen Auslegungsregeln zum Ergebnis führen, der Wortlaut der Norm
gebe ihren wahren Sinn nicht richtig wieder (BGE 116 II 578, 662 E. 4 je mit Hin-
weisen). Auch der klare Wortlaut einer Bestimmung schliesst mithin eine Ausle-
gung nicht von vorneherein aus. Es ist zu prüfen, ob es Gründe zur Annahme
gibt, dass eine Bestimmung anders verstanden werden muss als es die wörtliche
Auslegung nahe legte. Solche Umstände bestehen aber im vorliegenden Fall
nicht. Ist der Arbeitnehmer offensichtlich nicht aus gesundheitlichen Gründen an
der Arbeitsleistung verhindert, sondern erscheint er - wie der Kläger - jeden Tag
ausnahmslos zur Arbeit und erbringt diese, ist keine Sperrfrist denkbar. Nicht ein
bestimmter Zustand mit Krankheitswert löst eine Sperrfrist aus, sondern aus-
schliesslich die daraus folgende Arbeitsverhinderung. Es liegt in der Natur des
Menschen begründet, dass viele gesundheitliche Störungen lange vor ihrer durch
einen Arzt vorgenommenen Diagnostizierung ihren Anfang nehmen. Die gesund-
heitliche Verfassung einer Person erhält mithin im Sinne von Art. 336c OR erst
dann Gewicht, wenn sie mindestens zu einer teilweisen Arbeitsunfähigkeit führt.
Diese Voraussetzung ist beim Kläger nicht gegeben. Wie bereits erwähnt, er-
schien der Kläger bis zum letzten Arbeitstag zur Arbeit.
Die Vorinstanz hält unter Hinweis auf drei Bundesgerichtsentscheide dafür, in den
Genuss des Kündigungsschutzes komme der Arbeitnehmer auch dann, wenn er
dem Arbeitgeber seine Arbeitsunfähigkeit in Verletzung seiner Treuepflicht nicht
mitteile. Von einer Verletzung der Treuepflicht durch den Kläger kann hier jedoch
nicht die Rede sein, da dieser selbst nicht um seine Krankheit wusste und die
Krankheit mithin auch nicht treuwidrig dem Arbeitgeber verschweigen konnte. Die
Vorinstanz erwog weiter, das Gesetz schütze den Arbeitnehmer selbst dann,
wenn ihm sein Zustand nicht bewusst sei oder er dessen Ursache nicht kenne
(act. 128 S. 11 mit Hinweis auf BGE 128 III 217; BGE 4C.346/2004 vom 15. Feb-
ruar 2005; BGE 4C.413/2004 vom 10. März 2005). Vorab sei auf Sinn und Zweck
dieser Bestimmung hingewiesen. Art. 336c Abs. 1 lit. b OR wurde nicht eingeführt,
weil der Gesundheitszustand den Arbeitnehmer im Zeitpunkt des Erhalts der
Kündigung daran hindert, eine andere Anstellung zu suchen, sondern weil eine
Anstellung durch einen neuen Arbeitgeber nach Ablauf der ordentlichen Kündi-
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gungsfrist wegen der Unsicherheit in Bezug auf die Dauer und den Grad der Ar-
beitsunfähigkeit sehr unwahrscheinlich ist. Es geht im Übrigen nicht um die Frage,
ob der Arbeitnehmer völlig arbeitsunfähig ist, weil die erwähnte Bestimmung auch
eine teilweise Arbeitsunfähigkeit meint. Diese Bestimmung ist im Krankheitsfall
nur dann nicht anwendbar, wenn sich die Beeinträchtigung der Gesundheit als so
unbedeutend erweist, dass sie kein Hindernis darstellt, um eine neue Anstellung
anzunehmen (BGE 128 III 217).
Die Sachverhalte, die das Bundesgericht zu beurteilen hatte, sind mit dem vorlie-
genden nicht vergleichbar. In allen drei Fällen kam es im Gegensatz zum hier zu
beurteilenden zu einer durch Arztzeugnis belegten, krankheitsbedingten Verhin-
derung an der Arbeitsleistung vor Ende des Arbeitsverhältnisses. Zudem hat das
Bundesgericht seine Auffassung, dass der Kündigungsschutz auch dann gelte,
wenn der Arbeitnehmer sich seiner Krankheit nicht bewusst sei und die übliche
Arbeitsleistung erbringe, nicht weiter begründet. Es kommt ihr deshalb kaum Ge-
wicht zu, zumal ein solcher Sachverhalt dem Bundesgericht nicht zur Beurteilung
vorgelegt worden ist. Im BGE 128 III 212 ff., in welchem sich diese Formulierung
findet, war in tatsächlicher Hinsicht erstellt, dass der Arbeitnehmer am Tag, an
welchem ihm gekündigt worden war, krank und arbeitsunfähig war. Das Bundes-
gericht erwog sodann, die Feststellung des Gesundheitszustandes einer Person
in einem bestimmten Zeitpunkt gehöre zu den Tatsachenfeststellungen, die das
Bundesgericht als Berufungsinstanz bänden. Im Rahmen der Beweiswürdigung
sei die Vorinstanz zur Überzeugung gelangt, dass der Arbeitnehmer zu jenem
Zeitpunkt an einer Tricholeukozyten-Leukämie erkrankt sei. Gemäss ihren Erwä-
gungen sei sie davon ausgegangen, dass die Wirkungen dieser Krankheit den
Arbeitnehmer daran hinderten zu arbeiten. Das Bundesgericht sei an diese Fest-
stellungen der kantonalen Instanz über den Gesundheitszustand des Arbeitneh-
mers gebunden. Dem Arbeitnehmer könne der gesetzliche Schutz nicht entzogen
werden, weil er sich seines Zustandes nicht bewusst gewesen sei und zu jener
Zeit dessen Ursache nicht gekannt habe. Die Anwendung von Art. 336c Abs. 1
lit. b OR hänge nicht von der Kenntnis der wirklichen Situation ab. Die Tatsache,
dass ein Arbeitnehmer an Leukämie erkrankt sei, stelle offensichtlich einen An-
lass zur Beunruhigung dar und vermindere folglich die Chance, von einem neuen
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Arbeitgeber angestellt zu werden. Es handle sich um einen Umstand, der den ge-
setzlichen Schutz rechtfertige, selbst wenn die Ursachen des Gesundheitszustan-
des des Arbeitnehmers erst später erkannt worden seien. Abgesehen davon,
dass das Hauptgewicht der Aussage darin besteht, dass es belanglos ist, ob der
Arbeitnehmer den Grund seiner Krankheit nicht kennt bzw. nicht kennen muss, re-
lativiert das Bundesgericht die klare Aussage, dass die fragliche Sperrfrist auch
gelte, wenn der Arbeitnehmer nicht um seine Krankheit weiss. Im Übrigen sei in
diesem Zusammenhang auf die überzeugende Kritik an diesem Entscheid in der
Lehre verwiesen (Olivier Subilia/Jean-Louis Duc, Droit du travail, éléments de dro-
it suisse, Lausanne 2010, S. 589 f., insbesondere Fussnote 1638 mit weiteren
Hinweisen). Danach ist Ausgangspunkt die tatsächliche Verhinderung an der Ar-
beitsleistung. Erst wenn diese gegeben ist, stellt sich die weitere Frage nach de-
ren Ursache. Der Kläger hat - wie bereits erwähnt - bis zur Beendigung des Ar-
beitsverhältnisses seine Arbeitsleistung erbracht. Die Sperrfrist infolge krankheits-
und unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit dauert sodann nur solange, als der Arbeit-
nehmer an der Arbeitsleistung verhindert ist (ZK OR-Adrian Staehelin, Art. 336c
N 10). Mithin kann man dem Arbeitnehmer, der bis zum Ausbruch seiner Krank-
heit nie an der Arbeitsleistung verhindert war, den Schutz der Sperrfrist nicht ver-
sagen, indem man ihm - wie es die Vorinstanz getan hat - entgegenhält, die
Sperrfrist sei längst - unbemerkt - verstrichen. Man kann aber auch nicht nach
Beendigung eines Arbeitsverhältnisses, in welchem der Arbeitnehmer nie an der
Arbeitsleistung verhindert war, nachträglich den Beginn einer Sperrfrist hineinin-
terpretieren.
4. Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung als unbegründet. Die Forde-
rungsklage ist abzuweisen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolge:
1. Bei diesem Ausgang des Berufungsverfahrens ist die erstinstanzliche Rege-
lung der Kosten und Entschädigungsfolge zu bestätigen.
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2. Auch im Berufungsverfahren werden keine Kosten erhoben (Art. 343
Abs. 3 OR). Hingegen wird der Kläger auch zweitinstanzlich entschädigungs-
pflichtig (§ 68 ZPO/ZH).