Decision ID: 207b3c3f-0788-526f-bf8e-63716b6be38e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, eine Kurdin mit letztem Wohnsitz in E._,
verliess ihren Heimatstaat mit ihren beiden älteren Kindern eigenen Anga-
ben zufolge am (...) Januar 2017. Sie reiste am (...) Juni 2017 im Besitz
eines Humanitären Visums in die Schweiz ein, wo ihr Ehemann (ebenfalls
syrischer Staatsangehöriger) seit dem 21. April 2017 vorläufig aufgenom-
men ist. Am 19. Juni 2017 suchte sie um Asyl nach.
B.
B.a Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) wurde die Beschwerde-
führerin am 29. Juni 2017 summarisch befragt. Am 9. Juli 2018 wurde sie
eingehend zu ihren Asylgründen angehört. Dabei machte sie im Wesentli-
chen Folgendes geltend:
B.b Ihr Ehemann habe bei seiner Tätigkeit als Lastwagenfahrer mehrmals
unerlaubterweise arabische Grenzsoldaten mitgenommen und sei deshalb
vom syrischen Regime gesucht worden. Nachdem er im August 2015 aus-
gereist sei, hätten sich unbekannte arabischsprachige Personen in Zivil-
kleidung – ihrer Vermutung nach Angehörige des syrischen Regimes – bei
ihr zu Hause nach ihm erkundigt. Sie sei aufgefordert worden, sich telefo-
nisch bei diesen Personen zu melden, falls ihr Mann nach Hause komme.
Einige Monate später sei sie wiederum von diesen Personen aufgesucht
und bedroht worden. Daraufhin sei sie mit den Kindern zu ihrer Mutter und
ihrem Bruder gezogen. Dieselben Personen hätten sie nach einigen Mo-
naten im Haus ihres Bruders und ihrer Mutter gesucht und sie gegen ihren
Willen in einem Auto von dort mitgenommen. In der Folge sei sie während
fünf Tagen in einer Zelle festgehalten worden. In dieser Zeit sei sie mehr-
fach befragt, beleidigt, unsittlich berührt, geschlagen und am letzten Tag
von zwei Personen vergewaltigt worden. Danach sei sie am Dorfrand ab-
gesetzt worden. Zu Hause habe sie ihrer (mittlerweile verstorbenen) Mutter
von den Ereignissen berichtet, was dieser stark zu schaffen gemacht und
sich negativ auf ihren bereits angeschlagenen Gesundheitszustand ausge-
wirkt habe. Einige Monate nach ihrer Freilassung hätten auch Angehörige
der Partiya Karkerên Kurdistanê (PKK) sich höflich nach ihrem Ehemann
erkundigt. Aus Angst vor weiteren Besuchen der mutmasslichen Regime-
Anhänger sowie aufgrund des Todes ihrer Mutter habe sie sich schliesslich
zur Ausreise entschlossen.
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B.c Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin
unter anderem ihre Identitätskarte, ihr Familienbüchlein, Fotos von Verlet-
zungen ihres Sohnes sowie eine Anmeldung zum schulpsychologischen
Dienst betreffend ihren Sohn zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2019 – eröffnet am 23. Dezember 2019
– verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführen-
den, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an, wobei es den Wegweisungsvollzug infolge Unzumutbarkeit
zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob.
D.
D.a Die Beschwerdeführenden liessen mit Eingabe an das Bundesverwal-
tungsgericht vom 22. Januar 2020 Beschwerde gegen die vorinstanzliche
Verfügung erheben. Sie beantragten darin die Aufhebung des Asylent-
scheids und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständi-
gen und richtigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie
zur Neubeurteilung; eventualiter sei ihnen unter Aufhebung der angefoch-
tenen Verfügung und Zuerkennung ihrer Flüchtlingseigenschaft Asyl zu ge-
währen; subeventualiter seien sie als Flüchtlinge anzuerkennen.
D.b In verfahrensrechtlicher Hinsicht liessen sie um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung einschliesslich Verzichts auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses ersuchen. Ferner beantragten sie vollumfängliche Ein-
sicht in die SEM-Akten B13, B19 und B20, eventualiter die Gewährung des
rechtlichen Gehörs zu den bezeichneten Aktenstücken. Nach Gewährung
der Akteneinsicht (eventualiter des rechtlichen Gehörs) sei ihnen eine an-
gemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung zu setzen.
E.
Mit Instruktionsverfügung vom 31. Januar 2020 hiess der Instruktionsrich-
ter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut.
Überdies wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein-
geladen und aufgefordert, sich zu den Anträgen und Rügen betreffend die
Verweigerung der Akteneinsicht zu äussern.
F.
Die Vorinstanz liess sich am 12. Februar 2020 zur Beschwerde vernehmen
und hielt – nebst den geforderten Ausführungen zu den formellen Anträgen
und Rügen – an ihrer Argumentation in der angefochtenen Verfügung fest.
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Seite 4
G.
Am 18. Februar 2020 wurde den Beschwerdeführerenden die Vernehmlas-
sung zusammen mit einer Einladung zur Replik übermittelt.
H.
Mit Eingabe vom 4. März 2020 replizierten die Beschwerdeführenden frist-
gerecht und hielten an ihren Rechtsbegehren fest.
I.
Mit Eingabe vom 18. März 2020 reichten die Beschwerdeführenden einen
Eintrittsbericht des Psychiatriezentrums F._ vom 19. Februar 2020
sowie einen Arztbericht vom 15. März 2020 (beide Berichte die Beschwer-
deführerin betreffend) zu den Akten.
J.
Am (...) kam in der Schweiz das dritte Kind der Beschwerdeführerin und
ihres Ehemannes zur Welt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel wie auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerdeführerin und die zwei älteren Kinder sind als Verfü-
gungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Das
während des Beschwerdeverfahrens zur Welt gekommene dritte Kind ist
praxisgemäss in das Beschwerdeverfahren seiner Mutter einzubeziehen.
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1
AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist somit einzutreten.
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Seite 5
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1; vgl. auch Urteil des BVGer D-2282/2018 vom 5. April 2019
E. 5.1).
4.
4.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Asylentscheid im We-
sentlichen mit der mangelnden Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Be-
schwerdeführerin. Ihre Schilderungen würden in mehrerlei Hinsicht Wider-
sprüche aufweisen. So seien insbesondere ihre Angaben zum zeitlichen
Ablauf der Ereignisse nach der Ausreise ihres Mannes nicht übereinstim-
mend. Unstimmigkeiten hätten sich zudem in Bezug auf ihre Aufenthalts-
orte nach der Ausreise ihres Mannes, auf die Anzahl Personen, von denen
sie jeweils aufgesucht worden sei, sowie auf deren Transportmittel erge-
ben. Soweit die Beschwerdeführerin davon ausgehe, die Verfolger seien
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Angehörige des syrischen Regimes gewesen, handle es sich dabei um
eine blosse Vermutung. Der Eindruck, es handle sich nur um eine unbe-
legte Annahme der Beschwerdeführerin verstärke sich angesichts der Tat-
sache, dass das Gebiet, in dem sich ihr Dorf befinde, damals nicht unter
der Kontrolle des Regimes gestanden habe. Insgesamt sei also infolge Un-
glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen auch nicht von einer Reflexverfolgung der
Beschwerdeführerin aufgrund ihres Ehemannes auszugehen. Die einge-
reichten Beweismittel seien nicht geeignet, das unglaubhafte Vorbringen
der Entführung zu belegen. Überdies könne sie sich nicht auf die Asyl-
gründe ihrer in der Schweiz lebenden Verwandten berufen, zumal es sich
dabei vornehmlich um individuelle Desertionsgründe oder politische
Gründe entfernter Verwandter ohne konkreten Bezug zu ihren eigenen Vor-
bringen handle.
4.2 Zur Begründung ihres Rechtsmittels führten die Beschwerdeführenden
zunächst verschiedene formellen Rügen an, deren Beurteilung Gegen-
stand der untenstehenden Erwägung E. 5 bildet. So gehe aus der Wort-
wahl in der Verfügung ("in der Ehre beleidigt") etwa hervor, dass die von
der Beschwerdeführerin geschilderte Vergewaltigung vom SEM nicht als
solche gewürdigt und zu Unrecht minimisiert worden sei. Entsprechend sei
auch ihre daraus folgende Traumatisierung im Entscheid unberücksichtigt
geblieben. Weiter sei ihr Akteneinsichtsrecht durch das teilweise unleserli-
che Aktenverzeichnis verletzt worden. Ausserdem berufe sich das SEM in
seiner Verfügung auf Verwandte der Beschwerdeführenden, aus deren
Asylgründe sich nichts zu ihren Gunsten ableiten lasse. Zu Unrecht habe
es das SEM versäumt, die entsprechenden Verwandten genau zu bezeich-
nen, zumal aus den Akten hervorgehe, dass die von der Beschwerdefüh-
rerin angegebenen Brüder im Zentralen Migrationsinformationssystem
(ZEMIS) nicht hätten gefunden werden können. In Bezug auf die materielle
Würdigung der Vorbringen der Beschwerdeführerin sei insbesondere stos-
send, dass das SEM ihr vorwerfe, keine ausführlichen Aussagen gemacht
zu haben, obwohl es seine Abklärungspflicht verletzt habe (Verschleppung
der Anhörung, Nichtberücksichtigung der Traumatisierung mit Auswirkun-
gen auf das Aussageverhalten). Ausserdem habe sie entgegen der Be-
hauptung der Vorinstanz sehr wohl detaillierte Angaben gemacht, insbe-
sondere zu ihrem Gesundheitszustand. Insgesamt habe das SEM es un-
terlassen, ihre Vorbringen gesamthaft zu würdigen, und es stütze sich in
seiner Verfügung lediglich auf einzelne (konstruierte) Widersprüche – etwa
hinsichtlich der Intervalle der Besuche und der Personenanzahl – ab.
Ohnehin erscheine es willkürlich, dass die Vorinstanz trotz eindeutiger
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Traumatisierung auf genaue Daten und Zeitangaben beharre. Die Befra-
gungssituation sei für die Beschwerdeführerin äusserst schwierig gewe-
sen, habe sie doch erstmals von der Vergewaltigung berichtet. Ausserdem
gehe aus dem Befragungsprotokoll hervor, dass es sich bei den zeitlichen
Angaben jeweils nur um Schätzungen gehandelt und die erlittene Trauma-
tisierung sich auf ihr Erinnerungsvermögen ausgewirkt habe. Somit habe
sie eine Vorverfolgung glaubhaft machen können. Zudem seien mehrere
ihrer Brüder als Flüchtlinge in der Schweiz aufgenommen, weshalb sie im
Fall einer Rückkehr in ihren Heimatstaat auch diesbezüglich mit Nachteilen
zu rechnen hätte.
4.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, ihre Wortwahl in der
angefochtenen Verfügung sei nicht auf eine unzulässige grundsätzliche
Vermeidungsstrategie des SEM zurückzuführen. Vielmehr sei berücksich-
tigt worden, dass die Beschwerdeführerin im Verlauf der Anhörung mehr-
fach betont habe, ihr Ehemann habe keine Kenntnis von diesen Vorfällen.
Insofern sei die ausweichend gewählte Formulierung weder Ausdruck einer
Minimierung noch bedeute sie, dass keine Auseinandersetzung mit den
entsprechenden Vorbringen erfolgt sei. Bezüglich der gerügten Verletzung
der Begründungspflicht im Zusammenhang mit den Verweiserdossiers
(insbesondere der beiden Brüder G._ und H._) sei anzu-
merken, dass im ZEMIS lediglich Personen mit ähnlichen Namen auffind-
bar gewesen seien, wobei jeweils die Angaben zu den Namen der Eltern
und dem Herkunftsort von denjenigen der Beschwerdeführerin abgewichen
seien. Bei einer fehlenden Beziehungsangabe im ZEMIS sei deshalb nicht
augenscheinlich, dass es sich um Mitglieder derselben Familie handle. Zu-
dem sei es Aufgabe der Beschwerdeführerin gewesen, im Rahmen ihrer
Mitwirkungspflicht präzisere Informationen zur Identifikation ihrer Brüder,
beispielsweise deren N-Nummer oder Geburtsdaten, nachzuliefern, was
sie jedoch unterlassen habe. Nach erneuter Überprüfung sei im ZEMIS ein
G._ (N [...]) mit ähnlichen Angaben zu Eltern und Herkunft gefun-
den worden, dem Asyl gewährt worden sei. Aus seinen Vorbringen könnten
die Beschwerdeführenden jedoch nichts zu ihren Gunsten ableiten, da der
Bruder Asylgründe im Zusammenhang mit seinem Militärdienst geltend ge-
macht habe. In Bezug auf den übrigen (Verweiser-)Personenkreis sei in
der angefochtenen Verfügung insofern Stellung genommen worden, als die
Beschwerdeführerin ihre Asylgründe ohnehin nicht mit denjenigen ihrer
Verwandten verknüpft habe.
Sodann machte das SEM in seiner Vernehmlassung Ausführungen zu den
Aktenstücken, deren schwer lesbaren Paginierungseinträge gerügt wurden
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(insbesondere Benennung und Qualifikation anhand der SEM-Paginie-
rungsrichtlinien). Abschliessend verwies die Vorinstanz auf das Ergebnis
der Ausweisprüfung, wonach keine objektiven Fälschungsmerkmale fest-
gestellt worden seien, weshalb im Zuge der Verfahrensökonomie auf die
Erwähnung dieses Sachverhaltselements verzichtet worden sei.
4.4 In ihrer Replik führten die Beschwerdeführenden im Wesentlichen aus,
das Vorgehen des SEM betreffend die Vergewaltigung respektive deren
Nichterwähnung sei absurd. Insbesondere sei die Argumentation bezüglich
der Unkenntnis des Ehemannes deshalb nicht stichhaltig, weil die Be-
schwerdeführenden im Zeitpunkt der Entscheideröffnung bereits anwaltlich
vertreten gewesen seien, womit sichergestellt gewesen wäre, dass die Ent-
scheideröffnung in geeigneter und abgesprochener Weise hätte erfolgen
können. In Bezug auf die Verweiserdossiers habe die Beschwerdeführerin
die Namen ihrer Brüder angegeben, weshalb sie habe davon ausgehen
dürfen, diese seien im ZEMIS gefunden worden. Es habe somit dem SEM
oblegen, ihr mitzuteilen, dass dies nicht der Fall sei. Soweit das SEM be-
züglich die gerügte Akteneinsicht nun erst auf Beschwerdeebene versuche
rechtskonform zu handeln, gehe dies nicht an, zumal es in Asylverfahren
praktisch systematisch die korrekte und vollständige Aktenerfassung und
-führung sowie die Einsicht in diese unterlasse.
5.
5.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, wel-
che vorab zu beurteilen sind. Die Beschwerdeführenden rügen eine Verlet-
zung des Akteneinsichtsrechts, die unvollständige und unrichtige Abklä-
rung des rechtserheblichen Sachverhalts, eine Verletzung der Begrün-
dungspflicht sowie des rechtlichen Gehörs.
5.2
5.2.1 Die Beschwerdeführenden rügen eine Verletzung ihres Rechts auf
Akteneinsicht, da die unleserliche Handschrift auf dem Aktenverzeichnis
(vornehmlich betreffend act. B13 und B19) eine Überprüfung der Recht-
mässigkeit der Akteneinsichtsverweigerung verunmögliche. Insbesondere
könne nicht beurteilt werden, ob die entsprechenden Klassifizierungen be-
treffend die Edition der Aktenstücke zutreffend seien. Ferner sei auch in
Bezug auf die erfolgte Ausweisprüfung (vgl. act. B20) das Recht auf Akten-
einsicht und rechtliches Gehör verletzt worden, da die Beschwerdeführen-
den weder über den Gegenstand noch die Ergebnisse dieser Prüfung in-
formiert worden seien.
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5.2.2 Tatsächlich erweisen sich die betreffenden handschriftlichen Paginie-
rungseinträge (act. B13 und B19) als nicht leicht lesbar. Die Vorinstanz hat
den Beschwerdeführenden in der Vernehmlassung jedoch den Inhalt des
Aktenverzeichnisses erläutert, weshalb den Beschwerdeführenden aus
dem Umstand, dass die beiden Einträge für sie angeblich nicht entzifferbar
gewesen seien, kein Nachteil erwachsen ist.
5.2.3 Bezüglich der Ausweisprüfung kann mit Verweis auf die Vernehmlas-
sung der Vorinstanz (vgl. Vernehmlassung S. 3) festgehalten werden, dass
sich weder die Ausweisprüfung an sich noch deren Ergebnisse als ent-
scheidrelevant erwiesen haben, weshalb weder von einer Gehörs- noch
von einer Akteneinsichtsrechtsverletzung die Rede sein kann (vgl. auch
Art. 28 VwVG).
5.3
5.3.1 Vorliegend erblicken die Beschwerdeführenden eine Verletzung ihres
rechtlichen Gehörs sowie eine mangelhafte Abklärung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts darin, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin zu
sexualisierter Gewalt von der Vorinstanz zu Unrecht "minimisiert" und die
daraus folgende Traumatisierung in der angefochtenen Verfügung nicht be-
rücksichtigt worden sei.
5.3.2 Aus der Vernehmlassung geht zweifelsfrei hervor, dass die Vor-
instanz die Tragweite des geltend gemachten sexuellen Übergriffs erfasst
und sich aus nachvollziehbaren Gründen dazu entschieden hat, in der Ver-
fügung eine unpräzise Formulierung zu verwenden (vgl. diesbezüglich
auch act. B17/19 F118). Aus den Akten ergibt sich, dass die Vorinstanz
bewusst auf eindeutigere Begrifflichkeiten verzichtete, um dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin im Ent-
scheidzeitpunkt von den entsprechenden Vorfällen keine Kenntnis hatte.
Das zum Schutz der Interessen der Beschwerdeführerin gewählte vor-
instanzliche Vorgehen lässt offenkundig keine Rückschlüsse auf eine feh-
lerhafte Sachverhaltsabklärung oder eine unrechtmässige Minimisierung
des Sachverhalts zu. Die vom Rechtsvertreter in Beschwerde und Replik
ausgedrückte Empörung ist nicht berechtigt.
5.3.3 Angesichts der korrekten Einordnung der geltend gemachten Vor-
bringen finden sich ebenfalls keine Hinweise, wonach eine allfällige Trau-
matisierung infolge mangelnder Sachverhaltsabklärung unberücksichtigt
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Seite 10
geblieben wäre. Die unterschiedliche Einordnung der entsprechenden Vor-
bringen und ihrer Auswirkungen bildet Gegenstand der materiellen Prü-
fung.
5.4
5.4.1 Ferner rügen die Beschwerdeführenden die ungenügende Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie eine Verletzung der Be-
gründungspflicht in Bezug auf die verwandtschaftlichen Beziehungen der
Beschwerdeführerin in der Schweiz. Diesbezüglich sei nicht ersichtlich,
worauf die Vorinstanz sich abgestützt habe und auf welcher Grundlage sie
eine Reflexverfolgung der Beschwerdeführenden aufgrund verwandt-
schaftlicher Beziehungen ausschliesse.
5.4.2 Zunächst kann mit Verweis auf die Akten festgehalten werden, dass
die Beschwerdeführerin – mit Ausnahme des Zusammenhangs ihrer Asyl-
gründe mit denjenigen ihres Ehemannes – bei ihren Befragungen mit kei-
nem Wort geltend gemacht hatte, aufgrund ihrer verwandtschaftlichen Be-
ziehung zu bestimmten Personen einer asylrelevanten Verfolgung ausge-
setzt gewesen zu sein. Insofern erweist sich der vorinstanzliche Verweis
auf entfernte Verwandte und deren Asylgründe letztlich als nicht entscheid-
relevant, zumal sich bereits aus den Akten der Beschwerdeführenden
keine entsprechenden Anknüpfungspunkte ergeben.
5.4.3 Im Übrigen wird aus dem internen Antrag (vgl. act. B21/2) ersichtlich,
dass die Vorinstanz bei der Beurteilung die im ZEMIS erfassten Verweiser-
dossiers konsultiert hat und es sich hierbei um einen Schwager der
Beschwerdeführerin sowie Neffen ihres Ehemannes handelt. Letztlich
erübrigten sich also sowohl für die Vorinstanz als auch für das Bundes-
verwaltungsgericht weitergehende Abklärungen zur Identität der Ge-
schwister. In diesem Zusammenhang bleibt anzumerken, dass die Be-
schwerdeführerin auch im Beschwerdeebene keine sachdienlichen Hin-
weise zu deren Identifizierung beigebracht hat.
5.5 Der Kassationsantrag wird auch mit der aktuellen länderspezifischen
Situation – respektive deren Volatilität – begründet (vgl. Beschwerde
S. 9 ff.). Diesbezüglich ist indessen offensichtlich nicht von einem unvoll-
ständig oder unrichtig festgestellten Sachverhalt oder einer Verletzung der
Verfahrensrechte der Beschwerdeführenden auszugehen.
E-447/2020
Seite 11
5.6
5.6.1 Soweit die Beschwerdeführenden die Dauer der Anhörung, die lange
Zeitraum zwischen BzP und Anhörung sowie Verständigungsprobleme mo-
nieren sind auch diese Rügen nicht berechtigt.
5.6.2 Es trifft zwar zu, dass die Verständigung anlässlich der Anhörung zu
Beginn nicht einwandfrei gewesen zu sein schien (vgl. act. B17/19 F1 ff.).
Nachdem die Beschwerdeführerin und die Dolmetscherin den Grund hier-
für gefunden und behoben hatten, lassen sich dem Protokoll jedoch keine
Hinweise auf weitere Verständigungsschwierigkeiten entnehmen (vgl. ins-
besondere die Anmerkung nach ungefähr einem Drittel der Anhörung,
B17/19 F48: "[Anm. DM]: Bisher fragt die GS noch bei keiner Frage nach
und die DM musste bisher noch keinen Begriff erklären. Die Verständigung
ist gut."). Dies bestätigte die Beschwerdeführerin am Ende der Anhörung
ausdrücklich (vgl. act. B17/19 F124: "Nachdem wir ein wenig gesprochen
haben, habe ich mich darauf eingestellt. Ich habe die DM sehr gut verstan-
den").
5.6.3 Sodann erscheint weder die Anhörung mit einer Dauer von fünf-
einhalb Stunden (samt Pausen und Rückübersetzung) überlang noch kann
von einer "Verschleppung" der Anhörung gesprochen werden, zumal es
keine zwingend zu beachtenden Behandlungsfristen gibt (vgl. dazu aus-
führlich BVGer Urteil E-784/19 vom 8. April 2021 E. 5.6.1 ff.).
5.7 Die formellen Rügen erweisen sich demnach insgesamt als unbegrün-
det, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Grün-
den aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Das Hauptbegehren der Beschwerdeführenden ist somit abzuweisen.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführenden verneint und folglich deren Asylgesuche abgelehnt
hat. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorab grundsätzlich auf die
Ausführungen in der angefochtenen Verfügung und der Vernehmlassung
verwiesen werden.
Ergänzend hält das Bundesverwaltungsgericht Folgendes fest:
E-447/2020
Seite 12
6.2
6.2.1 Aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerin im Rahmen des
erstinstanzlichen Asylverfahrens scheint nicht ausgeschlossen, dass sie ei-
nen sexuellen oder sonstigen gewalttätigen Übergriff erlitten hat. Es ist an-
zumerken, dass auch die Vorinstanz die dargelegten psychischen Prob-
leme sowie die Entführung und die Verletzungen des Sohnes der Be-
schwerdeführerin grundsätzlich nicht bestreitet, diese aber auf andere als
die geltend gemachten Umstände zurückführte (vgl. Verfügung Ziff. II S. 4).
Die im Zusammenhang mit einem Übergriff geltend gemachte Traumatisie-
rung erweist sich in den Augen des Gerichts als überwiegend glaubhaft,
zumal von fachärztlicher Seite eine Posttraumatische Belastungsstörung
diagnostiziert worden ist. Allerdings ist es der Beschwerdeführerin – wie
schon von der Vorinstanz festgestellt – nicht gelungen, einen solchen
(sexuellen) Übergriff glaubhaft in einen Zusammenhang mit den Asyl-
gründen ihres Ehemanns zu stellen.
6.2.2 In diesem Zusammenhang ist auch festzustellen, dass die Vorbrin-
gen des Ehemannes, wonach er bei seiner Tätigkeit als Lastwagenfahrer
unerlaubterweise Soldaten transportiert habe, im Rahmen seines Asyl-
verfahrens vom SEM als unglaubhaft qualifiziert werden musste. Nach Er-
öffnung der diesbezüglichen Verfügung vom 21. April 2017 liess der Ehe-
mann am 3. Mai 2017 die Akten vom SEM an eine spezialisierte Rechts-
beratungsstelle für Asylsuchende überweisen – offenbar zwecks Beurtei-
lung der Möglichkeiten und Chancen einer Beschwerdeerhebung – und
verzichtete in der Folge darauf, seinen Asylentscheid anzufechten. Dieser
erwuchs daraufhin in Rechtskraft.
6.2.3 Wie von der Vorinstanz zutreffend festgestellt, weisen die Ausführun-
gen der Beschwerdeführerin zahlreiche zeitliche Ungereimtheiten auf und
lassen sich nicht miteinander in Einklang bringen lassen. Selbst unter Be-
rücksichtigung einer allfälligen Traumatisierung und der im Zeitpunkt der
Befragungen verstrichenen Zeit erweist sich der von der Beschwerdefüh-
rerin geschilderte zeitliche Ablauf zwischen der Ausreise ihres Ehemanns
im August 2015 und ihrer eigenen Ausreise im Januar 2017 (17 Monate)
als nicht schlüssig. Die von ihr erwähnten Zeitabstände zwischen den ein-
zelnen Besuchen der mutmasslichen Regime-Anhänger sowie der PKK
lassen sich nicht mit dem Ausreisezeitpunkt der Beschwerdeführerin zu
Beginn des Jahres 2017 vereinbaren. Die von der Beschwerdeführerin an-
gegebenen Zeitintervalle belaufen sich lediglich auf etwa zwölf Monate,
womit der Ausreisezeitpunkt der Beschwerdeführenden auf den Sommer
2016 fallen würde.
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Seite 13
6.2.4 Selbst wenn als Beurteilungsmassstab nicht eine zeitlich präzise Ein-
ordnung herangezogen wird, vermögen die Ausführungen der Beschwer-
deführerin nicht zu überzeugen. Diesbezüglich ist anzumerken, dass ins-
besondere der Todeszeitpunkt der Mutter sich nicht mit dem Ausreisezeit-
punkt in Einklang bringen lässt. Aus den Akten geht hervor, dass es sich
beim Tod der Mutter um ein einschneidendes Erlebnis für die Beschwerde-
führerin gehandelt hat (vgl. act. B17/19 F48, F92). Insofern erstaunt es,
dass sie diesen Zeitpunkt im Gesamtkontext ihrer Vorbringen nicht schlüs-
sig zu verorten vermag. Einerseits führte sie aus, ihre Mutter sei vor dem
ersten Besuch der PKK verstorben (vgl. act. B17/19 F75). An anderer Stelle
gab sie an, ihre Mutter sei ca. 20–30 Tage nach ihrer Freilassung verstor-
ben und zwar im zwölften Monat respektive Ende des Jahres 2016 (vgl.
act. B17/19 F97 f., Anmerkung S. 18 nach Übersetzung der Seite 13). Dies
wiederum lässt sich nicht damit in Übereinstimmung bringen, dass die Be-
schwerdeführerin erst drei Monate nach dem ersten Besuch der PKK aus-
gereist sein will (vgl. act. B17/19 F76).
6.2.5 Im Übrigen geht die Beschwerdeführerin lediglich vermutungsweise
davon aus, dass es sich bei den Personen, die ihren Ehemann gesucht
haben sollen, um Angehörige des syrischen Regimes handelt (vgl. act.
B7/12 7.02 und B17/19 F52). Letztlich sind den Akten keine Hinweise zu
entnehmen, die diesen Verdacht erhärten würden, zumal das Gebiet in
dem ihr Dorf sich befindet zu dieser Zeit unter der Kontrolle der PKK stand,
die – den Aussagen der Beschwerdeführerin zufolge – ihrerseits am Ehe-
mann interessiert gewesen sein soll.
6.2.6 Mithin ist also nicht erstellt, in welchem Kontext und durch welche
Täterschaft die Beschwerdeführerin allenfalls Opfer eines sexuellen oder
gewalttätigen Übergriffs geworden ist, weshalb sich weiterführende Ausei-
nandersetzungen insbesondere auch mit der Frage der Schutzwilligkeit
und Schutzfähigkeit der heimatlichen Behörden erübrigen. Insgesamt ist
es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, die geltend gemachte Re-
flexverfolgung im Zusammenhang mit den Asylgründen ihres Ehemannes
glaubhaft zu machen.
6.3 Auch die auf Beschwerdeebene eingereichten ärztlichen Berichte (Ein-
trittsbericht Psychiatriezentrum F._ vom 19. Februar 2020 und fach-
ärztliche Stellungnahme von Dr. med. I._ vom 15. März 2020) sind
nicht geeignet, die geltend gemachten Umstände des Übergriffs zu bele-
gen.
E-447/2020
Seite 14
6.4 Soweit die Beschwerdeführerin im Rahmen ihres Rechtsmittels geltend
macht, im Falle einer Rückkehr in ihren Heimatstaat aufgrund ihrer politisch
aktiven Brüder eine Reflexverfolgung zu befürchten, überzeugt dieser Ein-
wand nicht. Wie bereits in obenstehender Erwägung (E. 5.4) ausgeführt,
machte die Beschwerdeführerin im Verlauf ihres Asylverfahrens keinerlei
Behelligungen im Zusammenhang mit ihren Brüdern geltend. Den Akten
sind keine Hinweise zu entnehmen, wonach sie vor ihrer Ausreise irgend-
welche diesbezüglichen Nachteile zu gewärtigen gehabt hätte. Wieso sich
die diesbezügliche Situation in Zukunft anders als in der Vergangenheit
darstellen sollte, ist nicht ersichtlich.
6.5 Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass es der Beschwerdefüh-
rerin somit nicht gelang, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder
zumindest glaubhaft zu machen weshalb die Vorinstanz zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden verneint und ihre Asyl-
gesuche abgewiesen hat.
7.
Lehnt das SEM ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solche. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 20. Dezember 2019 ange-
sichts der Lage in Syrien die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
festgestellt und die vorläufigen Aufnahmen der Beschwerdeführenden an-
geordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zu-
lässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. Auch dem Umstand
einer allfälligen Traumatisierung der Beschwerdeführerin wurde durch die
Anordnung der vorläufigen Aufnahme Rechnung getragen.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Instruk-
tionsverfügung vom 31. Januar 2020 ihr Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen
wurde und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich ihre finanzielle
Lage seither entscheidrelevant verändert hätte, ist von der Auflage von
Verfahrenskosten abzusehen.
10.2 Für das Zusprechen einer Parteientschädigung besteht angesichts
der Ausführungen in E. 5 keine Veranlassung.
(Dispositiv nächste Seite)
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