Decision ID: f2807167-0d4c-42a4-a1fc-ac31bb2d137f
Year: 2006
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X.Y. lenkte am Freitag, 20. Januar 2006, um 09.35 Uhr, den Personenwagen auf der
H-strasse in Z. in Richtung C-kreisel. Auf der Höhe der Garage E. wurde er von der
Polizei zur Kontrolle angehalten. Gemäss Polizeirapport wurde dabei festgestellt, dass
die Frontschreibe aussen leicht vereist und innen vollkommen beschlagen und die
Sicht auf die Fahrbahn dadurch praktisch vollständig eingeschränkt gewesen war. Am
oberen Rand der Frontscheibe war zudem eine 16 cm breite, undurchsichtige Folie
angebracht.
B.- Mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes A. wurde X.Y. wegen Führens eines
Fahrzeuges in nicht betriebssicherem bzw. nicht vorschriftsgemässem Zustand in
Anwendung von Art. 93 Ziff. 2 SVG zu einer Busse von Fr. 500.-- verurteilt. Diese
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Aufgrund dieses Vorfalls entzog das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des
Kantons St. Gallen, Abteilung Personenzulassung, X.Y. den Führerausweis in
Anwendung von Art. 29 SVG und Art. 57 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 16c Abs. 1
und 2 je lit. a SVG für die Dauer von drei Monaten.
D.- Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. Mai 2006 und Ergänzung vom 2. Juni
2006 erhob X.Y. gegen diese Verfügung Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission
mit dem Antrag auf Reduktion der Entzugsdauer auf einen Monat, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
Mit Vermerk vom 21. Mai 2006 verzichtete die Vorinstanz auf eine Vernehmlassung.
Auf die vom Rekurrenten zur Begründung seines Antrags gemachten Ausführungen

sowie die Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
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Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 8. Mai 2006 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 2. Juni 2006 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 24 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG; Art. 41 lit. e, 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Umstritten ist, ob das Führen eines Fahrzeugs mit vereisten bzw. beschlagenen
Scheiben am 20. Januar 2006 als schwere oder mittelschwere Verkehrsregelverletzung
zu qualifizieren ist.
a) Der Rekurrent macht zur Hauptsache geltend, er habe zu Hause vor Fahrtantritt die
Front- und Seitenscheiben seines Fahrzeuges vom Eis befreit. Auf der anschliessenden
Fahrt habe er wahrgenommen, dass sich die Frontscheibe während der Fahrt
beschlagen habe. Dies habe sich unerwartet auf der geraden Strecke der H-strasse
aufgrund der höheren Geschwindigkeit plötzlich ergeben. Er habe daher seine Fahrt
verlangsamt, da ein sofortiges Anhalten auf der schneller befahrenen H-strasse nicht
ohne Risiko gewesen wäre. Allerdings sei die Sicht nicht derart schlecht gewesen wie
im Zeitpunkt der fotografischen Aufnahmen. Er habe deutlich mehr gesehen, als auf
den Fotos zu erkennen sei. Offensichtlich habe die Kamera auf die Scheibe fokussiert.
In rechtlicher Hinsicht liege keine schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG vor. Die Scheibe habe sich schnell, unerwartet, von innen und nach sehr
kurzer Fahrzeit beschlagen. Seine Entscheidung, an einem sicheren Ort anzuhalten,
stelle kein grobes Fehlverhalten dar. Er habe nur noch wenige Meter bis zur Tankstelle
weiterfahren wollen. Das Bundesgericht sei in einem ähnlichen Fall von einer
mittelschweren Widerhandlung ausgegangen. Sein automobilistischer Leumund sei
trotz hoher privater und beruflicher Fahrleistung tadellos. Als Chauffeur sei er zudem
stark sanktionsempfindlich.
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Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, dass bei einer bis auf ein
Guckloch vollkommen beschlagenen Frontscheibe eine hohe Unfallgefahr bestehe.
Weder die angeblich kurze Fahrstrecke noch der geplante Reinigungshalt vermöchten
das Verschulden des Rekurrenten zu mildern. Auch auf einer geringen Fahrdistanz
bestehe die Gefahr, einen Verkehrsunfall zu verursachen, weil man einen anderen
Verkehrsteilnehmer nicht oder zu spät erkenne. Der Rekurrent habe mit seinem
Verhalten eine grosse abstrakte Gefährdung begangen, womit ihm auch ein schweres
Verschulden anzurechnen sei.
Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Mit der am 1. Januar 2005 in Kraft
getretenen Änderung des Strassenverkehrsgesetzes hat der Gesetzgeber den Wortlaut
von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG gänzlich dem Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG
angeglichen. Gemäss Botschaft ist damit keine materielle Änderung zum früheren
Recht gewollt (vgl. Art. 16 Abs. 3 lit. a in der bis 31. Dezember 2004 geltenden Fassung
des Strassenverkehrsgesetzes, AS 1959 S. 679, vgl. Botschaft in BBl 1999 S. 4489; R.
Schaffhauser, Die neuen Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in:
Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 180 ff.). Art. 90 Ziff. 2
SVG ist objektiv erfüllt, wenn der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv
schwerwiegender Weise missachtet und die Verkehrssicherheit abstrakt oder konkret
gefährdet hat. Subjektiv erfordert der Tatbestand, dass dem Täter aufgrund seines
rücksichtslosen oder sonst wie schwerwiegend regelwidrigen Verhaltens zumindest
eine grobe Fahrlässigkeit vorzuwerfen ist. Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit
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anderer im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG ist auch bei einer erhöhten abstrakten
Gefährdung gegeben. Die erhöhte abstrakte Gefahr setzt die nahe liegende Möglichkeit
einer konkreten Gefährdung oder Verletzung voraus (vgl. BGE 123 II 106 E. 2a und 37
E. 1b). Für die Abstufung innerhalb der erhöhten abstrakten Gefährdung ist auf die
Nähe die Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je näher die Möglichkeit einer
konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso schwerer wiegt die erhöhte
abstrakte Gefährdung (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Der Überhang der Typik bei den
Gefährdungsdelikten über den Einzelfall verlangt zudem die Berücksichtigung des
Ausmasses der üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der
Rechtsgutverletzung.
b) Es bedarf damit nach wie vor sowohl einer qualifizierten objektiven Gefährdung als
auch eines qualifizierten Verschuldens. Ist das Verschulden gross, die Gefährdung aber
gering oder umgekehrt das Verschulden gering und die Gefährdung gross, so handelt
es sich um eine mittelschwere Widerhandlung (Botschaft in BBl 1999 S. 4489). Es
gelten damit bezüglich der Abgrenzung dieser Widerhandlungen die bisherigen
bekannten Massstäbe (BGE 132 II 209 E. 3.2).
Gemäss Art. 29 SVG dürfen Fahrzeuge nur in betriebssicherem und
vorschriftsgemässem Zustand verkehren. Sie müssen so beschaffen und unterhalten
sein, dass die Verkehrsregeln befolgt werden können und dass Führer, Mitfahrende
und andere Strassenbenützer nicht gefährdet und die Strassen nicht beschädigt
werden. In Konkretisierung dieser gesetzlichen Regel zur Betriebssicherheit des
Fahrzeugs bestimmt Art. 57 Abs. 2 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11,
abgekürzt: VRV) unter anderem, dass Lichter, Rückstrahler, Scheiben und Rückspiegel
sauber gehalten werden müssen. Gegen diese Bestimmung verstösst beispielsweise,
wer mit vereister oder beschlagener Windschutz- und schneebedeckter Heckscheibe
fährt (vgl. R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts,
Band I: Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln, 2. Aufl. 2002, Rz. 474).
c) Die Verwaltungsbehörde darf von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil nur
abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem
Strafrichter unbekannt waren oder wenn sie zusätzliche Beweise erhebt sowie wenn
der Strafrichter auf den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat. Die
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Verwaltungsbehörde hat insbesondere dann auf die Tatsachen im Strafurteil
abzustellen, wenn dieses im ordentlichen Verfahren mit öffentlicher Verhandlung unter
Anhörung von Parteien und Einvernahme von Zeugen ergangen ist, es sei denn, es
bestünden klare Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit dieser Tatsachenfeststellung (BGE
124 II 103 E. 1c/aa; 119 Ib 158 E. 3c/aa). Die Verwaltungsbehörde ist aber unter
bestimmten Voraussetzungen auch an einen Strafentscheid gebunden, der in einem
Strafbefehlsverfahren gefällt wurde, selbst wenn er ausschliesslich auf einem
Polizeirapport beruht. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Beschuldigte wusste oder
angesichts der Schwere der ihm vorgeworfenen Delikte voraussehen musste, dass
gegen ihn ein Führerausweisentzugsverfahren eröffnet würde, und er es trotzdem
unterlässt oder darauf verzichtet, im Rahmen des (summarischen) Strafverfahrens die
ihm garantierten Verteidigungsrechte geltend zu machen. Unter diesen Umständen darf
der Betroffene nicht das Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen
vorzubringen und Beweisanträge zu stellen, sondern ist nach Treu und Glauben
verpflichtet, dies bereits im Rahmen des (summarischen) Strafverfahrens zu tun, sowie
allenfalls die nötigen Rechtsmittel zu ergreifen (BGE 123 II 97 E. 3c/aa; 121 II 214 E.
3a).
In Bezug auf die Rechtsanwendung ist die Verwaltungsbehörde grundsätzlich nicht an
die rechtliche Qualifikation des Sachverhaltes durch das Strafurteil gebunden. Anders
kann es sich verhalten, wenn die rechtliche Würdigung sehr stark von der Würdigung
von Tatsachen abhängt, die der Strafrichter besser kennt als die Verwaltungsbehörde,
was etwa der Fall sein kann, wenn der Strafrichter den Betroffenen persönlich
einvernommen hat (BGE 124 II 103 E. 1c/bb; 119 Ib 158 E. 3c/bb, 104 Ib 358 E. 3).
d) Wie oben erwähnt, besteht in der Regel eine Bindung der
Administrativmassnahmebehörden an die tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil,
wenn dieses im ordentlichen Verfahren ergangen ist. Davon kann im vorliegenden Fall
jedoch keine Rede sein. Es liegt lediglich ein kurzer Polizeirapport ohne
unterschriftliche Befragung des Rekurrenten vor. Der Strafrichter hat zum Sachverhalt
keinerlei Ausführungen gemacht. Hinzu kommt, dass der fragliche Sachverhalt im
Polizeirapport offensichtlich nicht korrekt wiedergegeben wird. Die Polizei schildert
darin, dass der Rekurrent beim fraglichen Ereignis mit aussen leicht und innen
vollkommen beschlagener Frontschreibe auf der Strasse unterwegs gewesen sei. Auf
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den entsprechenden Fotografien ist jedoch zu erkennen, dass der Rekurrent ein
Guckloch von rund 25 cm Durchmesser vom Innenbeschlag befreit hatte. Die Aussage
der Polizei mit der vollkommen beschlagenen Windschutzscheibe trifft daher nicht zu.
Der Rekurrent hat also nicht gar nichts gesehen, vielmehr war die Sicht nach vorne
stark eingeschränkt, während die Seitenfenster freie Sicht gewährten. Davon ist
offenbar auch die Vorinstanz ausgegangen, nachdem in der angefochtenen Verfügung
von einer Fahrt mit Guckloch die Rede ist. Aufgrund der im Rapport protokollierten
Aussage des Rekurrenten sowie mangelndem Nachweis des Gegenteils hatte dieser
vor der Abfahrt die Front- und Seitenscheiben zu Hause noch gereinigt. Bezüglich der
Seitenscheiben ist dies auf den Fotos deutlich zu erkennen. Folglich ist die
Frontscheibe erst im Verlauf der bis zur Anhaltung durch die Polizei zurückgelegten
Strecke von rund 1'000 m erneut angelaufen, weshalb von einer kurzen Fahrdistanz mit
eingeschränkter Sicht ausgegangen werden muss. Entgegen der Ansicht der
Vorinstanz hat die Länge der gefahrenen Strecke sehr wohl einen Einfluss auf die
Qualifikation von Verkehrsgefährdung und Verschulden. Zusätzliche erschwerende
Umstände wie erhöhtes Verkehrsaufkommen, schlechte äussere Sicht- oder
Strassenverhältnisse oder konkrete Gefährdungen sind nicht bekannt. In tatsächlicher
Hinsicht ist also davon auszugehen, dass der Rekurrent auf einer kurzen Distanz einen
Personenwagen mit stark eingeschränkter Sicht nach vorne gelenkt hat. Zweifellos hat
er damit übrige Verkehrsteilnehmer in erhöhter Weise abstrakt gefährdet. Zu seinen
Gunsten ist jedoch zu berücksichtigen, dass er wegen der eingeschränkten Sicht
gemäss eigenen Angaben seine Geschwindigkeit verlangsamt hatte. Unter diesen
Umständen kann in rechtlicher Hinsicht nicht zwingend von einer ernstlichen Gefahr für
die Sicherheit anderer die Rede sein. Allerdings handelt es sich auch nicht um eine
geringe Gefährdung. Eine Bindung an die rechtliche Qualifikation durch den Strafrichter
besteht vorliegend zwar nicht. Auch dieser hat offenbar keine schwere Gefährdung
feststellen können, weshalb er lediglich von einer Übertretung ausging. Das
Bundesgericht hat in einem aktuellen Urteil vom 6. April 2006 ebenfalls eine
mittelschwere Verkehrsgefährdung angenommen. In jenem Fall war ein Automobilist
sogar mitten in der Nacht auf einer Strecke von ca. 300 m unterwegs, ohne die
Windschutzscheibe vollständig von Eis befreit zu haben. Er hatte lediglich ein Guckloch
von 20 auf 30 cm auf der Höhe der Augen gereinigt (6A.16/2006).
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Wer nicht freie Sicht auf die Strasse hat, ist nicht mehr in der Lage, Signale und
Markierungen zu beachten (vgl. Art. 27 Abs. 1 SVG) und insbesondere Rücksicht zu
nehmen auf andere Verkehrsteilnehmer wie Fussgänger oder Fahrradfahrer. Damit
erweist sich das Gebot der freien Sicht auf das Verkehrsgeschehen als elementare
Regel. Die bewusste oder unbewusste Verletzung elementarer Verkehrsregeln und der
sich daraus ergebenden Sorgfaltspflichten darf nicht leicht genommen werden (vgl.
AGVE 1992 S. 538 ff.). Das Verschulden des Rekurrenten kann deshalb nicht mehr als
leicht oder mittelschwer eingestuft werden. Korrekterweise hätte der Rekurrent bereits
bei den ersten Anzeichen beschlagener Scheiben entweder anhalten oder unverzüglich
Gegenmassnahmen (entsprechende Betätigung der Lüftung/Heizung oder Öffnen der
Fenster) ergreifen müssen. Seine Weiterfahrt, auch mit verlangsamter Geschwindigkeit
und für eine kurze Strecke, stellt ein schweres Verschulden dar.
e) Mangels Hervorrufung einer ernstlichen Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer liegt
jedoch unabhängig vom schweren Verschulden kein schwerer Fall im Sinn von Art. 16c
Abs. 1 lit. a SVG, sondern ein mittelschwerer nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG vor. Die
Mindestentzugsdauer dafür beträgt einen Monat (Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG).
3.- Die Dauer des Führerausweisentzugs ist neu festzusetzen. Dabei sind gemäss Art.
16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Gemäss Art. 16b
Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer mittelschweren
Widerhandlung mindestes für einen Monat entzogen.
a) Wie oben ausgeführt, hat der Rekurrent, als er sein Fahrzeug am 20. Januar 2006 in
nicht vorschriftsgemässem Zustand mit beschlagener Frontscheibe lenkte, eine
Verkehrsgefährdung begangen, die weder als schwer noch als gering einzustufen ist.
b) Das Verschulden wiegt schwer (vgl. oben unter Ziff. 2.d), was eine
Massnahmeerhöhung zur Folge hat.
c) Der automobilistische Leumund ist ungetrübt, was sich massnahmemindernd
auswirkt.
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d) Die berufliche Notwendigkeit, ein Fahrzeug zu führen, wird nach der Praxis des
Bundesgerichts grundsätzlich nur angenommen, wenn die Ausübung des Berufs durch
den Führerausweisentzug materiell verboten wird, wie dies z.B. bei einem
Berufschauffeur der Fall ist, der für die Fahrdienste entschädigt wird. Ebenso ist die
berufliche Notwendigkeit zu bejahen, wenn die Unmöglichkeit, ein Fahrzeug zu führen,
einen solchen Einkommensverlust oder so beachtliche Kosten verursachen würde,
dass diese Massnahme offensichtlich als unverhältnismässig erscheint (Pra 79/1990
Nr. 150). Deshalb ist bei der Beurteilung der beruflichen Angewiesenheit eines
Fahrzeuglenkers auf den Führerausweis dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit
Rechnung zu tragen. Die Reduktion der Entzugsdauer bemisst sich danach, in
welchem Mass der Fahrzeugführer infolge beruflicher Angewiesenheit stärker als der
normale Fahrer von der Massnahme betroffen ist (BGE 123 II 572 E.2c). Der Rekurrent
arbeitet als Chauffeur und ist damit zur Berufsausübung zwingend auf den
Führerausweis angewiesen. Entsprechend ist die Entzugsdauer zu reduzieren.
e) In Würdigung aller Bemessungskriterien – mittelschwere Verkehrsgefährdung,
schweres Verschulden, ungetrübter automobilistischer Leumund, berufliche
Angewiesenheit – erscheint eine Entzugsdauer von einem Monat als angemessen.
4.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs gutzuheissen und die angefochtene
Verfügung der Vorinstanz vom 13. April 2006 mit Ausnahme des Kostenspruchs
aufzuheben ist. Die Dauer des Führerausweisentzugs ist auf einen Monat festzusetzen.
5.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist angemessen (vgl.
Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem
Rekurrenten den geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- zurückzuerstatten.
b) Nach Art. 98 Abs. 2 VRP besteht im Rekursverfahren Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten, soweit sie aufgrund der Sach- und Rechtslage als notwendig
und angemessen erscheinen. Die ausseramtliche Entschädigung wird den am
Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt (Art. 98bis VRP).
Nachdem sich die Rechtslage nicht als einfach erweist, hat der Rekurrent Anspruch auf
eine Entschädigung. Dessen Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Das
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Honorar ist deshalb nach Ermessen festzulegen. Vor der
Verwaltungsrekurskommission gilt grundsätzlich der Pauschaltarif (Art. 22 Abs. 1 lit. b
der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt:
HonO). Ein Honorar von Fr. 1'200.-- erscheint angemessen (Art. 19 HonO). Hinzu
kommen Barauslagen (4 % = Fr. 48.--, Art. 29bis HonO) und Mehrwertsteuer (7.6 % =
Fr. 94.85; Art. 28 HonO). Der Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt) hat den
Rekurrenten daher mit Fr. 1'342.85 (davon Mehrwertsteuer Fr. 94.85) zu entschädigen.