Decision ID: ec08fe1f-5e48-4608-baeb-805a31543f20
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Matthias Forster LL.M., Oberer Graben 43,
9000 St.Gallen,
gegen
Vaudoise Allgemeine Versicherungsgesellschaft, Place de Milan, 1007 Lausanne,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Invalidenrente
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a B._, geb. 1944, war als Wirtin des Gasthauses A._ bei den Vaudoise
Versicherungen freiwillig unfallversichert, als sie gemäss Unfallmeldung am 7.
September 2002 im Keller stürzte und sich eine Knie- und Schulterverletzung zuzog
(UV-act. 1). Dr. med. C._, Spezialarzt für Chirurgie FMH, bestätigte im Bericht vom
24. Oktober 2002 einen Sturz auf die rechte Schulter mit Verdrehen des linken Knies.
Als Diagnosen führte er eine Distorsion des linken Knies und ein Impingement der
rechten Schulter an (UV-act. 3). Für die Zeit ab 1. Januar 2003 bescheinigte Dr. C._
eine Arbeitsfähigkeit von 50% (UV-act. 8). Die Invalidenversicherung, bei welcher sich
die Versicherte am 17. August 2002 zum Leistungsbezug angemeldet hatte (IV-act. 1),
sprach ihr am 9. April 2003 bzw. 26. August 2004 mit Wirkung ab 1. Juni 2002 eine
halbe Rente auf der Basis eines IV-Grades von 50% zu (IV-act. 27). Mit Verfügung vom
27. Juni 2006 gewährte die Invalidenversicherung der Versicherten, welche im Februar
2005 mit Hinweis auf gesundheitliche Unfallfolgen eine Rentenrevision beantragt hatte
(IV-act. 28-5/7), ab 1. März 2005 eine ganze Rente auf der Basis eines IV-Grads von
80%. Der Gesundheitszustand habe sich seit Zusprechung der Teilrente erheblich
verschlechtert (UV-act. 116, 119; vgl. auch IV-act. 49-9/10).
A.b Am 23. November 2005 hatte die Versicherte der Vaudoise einen Autounfall vom
21. November 2005 melden lassen, bei welchem sie sich am linken Knie und an den
Rippen verletzt habe (act. G 11.2). Dr. C._ bescheinigte am 28. November 2005 eine
Thoraxkontusion links und Kniekontusion links sowie eine volle Arbeitsunfähigkeit ab
25. November 2005 für voraussichtlich zwei bis drei Wochen (act. G 11.2).
A.c Anlässlich einer Besprechung mit der Versicherten und ihrem Ehemann
unterbreitete der Schadenleiter der Vaudoise am 2. November 2006 den Vorschlag
einer vom 1. September 2006 bis 31. Januar 2008 befristeten Rente auf der Basis eines
Invaliditätsgrades von 30% und einer Integritätsentschädigung von 20%. Die
Versicherte erklärte sich mit dem vorgesehenen Entscheid unterschriftlich
einverstanden und erklärte, umfassend über Rentenleistungen und
Integritätsentschädigungen informiert worden zu sein (UV-act. 125). Anlässlich einer
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weiteren Vorsprache des Ehemannes der Versicherten beim Schadenleiter der
Vaudoise vom 6. November 2006 wies Ersterer darauf hin, dass er die Angelegenheit
nochmals mit seinem Schwiegersohn, der Arzt sei, besprochen habe. Es wurde
bestätigt, dass die unfallkausalen Heilungskosten zur Erhaltung der
Restarbeitsfähigkeit im Rahmen von Art. 21 UVG bis zur Pensionierung übernommen
würden. Nachher sei die Krankenversicherung zuständig. Zudem wurde nochmals über
die 30%-Rente diskutiert (UV-act. 142). Mit Verfügung vom 22. November 2006
bestätigte die Vaudoise die Vereinbarung vom 2. November 2006 (UV-act. 126). In der
gegen diese Verfügung erhobenen Einsprache (UV-act. 127, 129) und im weiteren
Briefwechsel (UV-act. 130, 131, 133) berief sich der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin unter anderem auf Täuschung bzw. wesentlichen Irrtum (Art. 28
bzw. 23 OR), soweit durch die (einseitige) Unterzeichnung des Besprechungsberichtes
vom 2. November 2006 überhaupt eine Vereinbarung zustande gekommen sein sollte
(UV-act. 129). Er ersuchte um Aufhebung der Verfügung und unbefristete
Rentenzahlung ab 1. März 2005 (UV-act. 133). Die Vaudoise hiess die Einsprache im
Entscheid vom 4. Juni 2007 in dem Sinn teilweise gut, dass sie die Rente, unter
Anrechnung der bezahlten Taggelder vom 1. März 2005 bis 31. August 2006,
koordiniert zur IV ab dem 1. März 2005 zusprach (UV-act. 136). Gestützt auf diesen
Entscheid machte die Vaudoise eine Rückforderung im Betrag von Fr. 4'662.--
(Differenz zwischen Renten- und Taggeldleistungen in der Zeit vom 1. März 2005 bis
31. August 2006; UV-act. 137) geltend. In der Folge ergab sich ein weiterer
Briefwechsel zwischen den Parteien (UV-act. 138, 140, 141).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 4. Juni 2007 erhob Rechtsanwalt Dr.
Matthias Forster, St. Gallen, für die Versicherte mit Eingabe vom 5. Juli 2007
Beschwerde mit den Anträgen, der Entscheid und die Verfügung vom 22. November
2006 seien aufzuheben. Es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführerin ab dem 1.
September 2006 eine unbefristete Invalidenrente in der Höhe von Fr. 1'083.-- monatlich
zustehe. Zur Begründung hielt der Rechtsvertreter unter anderem fest, anlässlich der
Besprechung vom 2. November 2006 sei (mit Hinweis auf den Beginn der AHV-Rente
per 1. Februar 2008) unzutreffenderweise von einem befristeten Rentenanspruch
ausgegangen worden. Der Unfall vom 7. September 2002 habe bei der
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Beschwerdeführerin zu einer Invalidität von mindestens 30% geführt. Ein "Vergleich"
könne aus mehreren Gründen nicht zustande gekommen sein. Im
Besprechungsprotokoll vom 2. November 2006 sei es gemäss mündlicher Feststellung
des Schadenleiters der Beschwerdegegnerin nicht um die verbindliche Festlegung von
Rentenleistungen gegangen. Er habe den angeblichen Vergleich auch gar nicht
unterzeichnet bzw. mangels Zeichnungsberechtigung gar nicht unterzeichnen können.
Der Befristung des Rentenanspruchs habe sodann kein Entgegenkommen der
Beschwerdegegnerin gegenübergestanden. Der Invaliditätsgrad von (mindestens) 30%
sei im Zeitpunkt der Besprechung vom 2. November 2006 längst nachgewiesen
gewesen und habe durch die Beschwerdegegnerin nicht mehr "anerkannt" werden
müssen. Die Beschwerdeführerin sei bei Unterzeichnung des Protokolls einem
wesentlichen Irrtum (Art. 23 OR) erlegen, weshalb sie sich den behaupteten Vergleich
auch aus diesem Grund nicht entgegenhalten lassen müsse. Sie habe ihre Rente nicht
vergleichsweise und verbindlich festlegen, sondern lediglich den Gesprächsverlauf be
stätigen wollen. Wäre das Protokoll tatsächlich als Vergleich zu interpretieren, läge ein
Erklärungsirrtum vor. Anderseits habe der Unterschrift der Beschwerdeführerin die
Auffassung zu Grunde gelegen, dass der Anspruch auf eine Rente mit dem Eintritt ins
AHV-Alter erlösche. Dieser Irrtum habe notwendige Grundlage der Unterzeichnung
gebildet. Das Verhalten des Schadenleiters der Beschwerdegegnerin verletze auch den
Grundsatz von Treu und Glauben. Die Beschwerdeführerin sei bezüglich
Rentenanspruch und bezüglich Rechtswirkungen des Protokolls falsch informiert
worden, und es sei ihr eine Unterschrift abgenötigt worden, welcher nun entgegen allen
Zusicherungen weit bedeutendere Auswirkungen als geschildert zukommen solle.
Solches Verhalten verdiene keinen Rechtsschutz.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 30. August 2007 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des angefochtenen
Entscheids. Zur Begründung verwies sie auf die Ausführungen im angefochtenen
Entscheid und erklärte diese zum integrierenden Bestandteil ihrer Beschwerdeantwort.
Gegenstand der Verfügung vom 22. November 2006 sei einzig die Bestätigung des
zwischen der Beschwerdeführerin und der Vaudoise ausgehandelten Vergleichs
gewesen. Es obliege nicht dem Versicherungsgericht, den Inhalt dieses Vergleichs
abzuändern. Einzig könne dessen Zustandekommen bestätigt oder - wider Erwarten -
abgelehnt werden. Die Beschwerdeführerin sei vor Abschluss des Vergleichs
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umfassend über Rentenleistungen und Integritätsentschädigungen informiert worden
(UV-act. 125, 142). Die Auffassung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin, der
Schadenleiter der Vaudoise habe die Beschwerdeführerin getäuscht oder sogar zur
Unterschrift genötigt, sei unzutreffend und herabsetzend. Die Behauptung, dass kein
Vergleich zustande gekommen sei, weil das Protokoll der Besprechung vom 2.
November 2006 als "Bericht" und nicht als "Vergleich" betitelt worden sei (obwohl ihn
der Schadenleiter persönlich und handschriftlich verfasst habe), komme einem
überspitzten Formalismus gleich.
B.c Mit Replik vom 17. September 2007 und Duplik vom 18. Oktober 2007 bestätigten
die Parteien ihre Standpunkte.
B.d Das Versicherungsgericht zog die Akten der Invalidenversicherung betreffend die
Beschwerdeführerin bei. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin machte von der
ihm eingeräumten Möglichkeit zur Stellungnahme mit Eingabe vom 4. Februar 2008
Gebrauch.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig sind vorliegend der Beginn und die Befristung der im Rahmen der
Besprechung vom 2. November 2006 festgelegten und mit Verfügung vom 22.
November 2006 bestätigten Rente. Der aus den vom Versicherungsgericht
beigezogenen IV-Akten ersichtliche Autounfall vom 21. November 2005 (vgl. act. G
11.2; Fremdakten der IV) wurde weder im angefochtenen Entscheid noch in den
Eingaben dieses Verfahrens von den Parteien thematisiert. Er bildet daher auch nicht
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens. - Gemäss Art. 50 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) können
Streitigkeiten über sozialversicherungsrechtliche Leistungen durch Vergleich erledigt
werden. Der Versicherungsträger hat den Vergleich in Form einer anfechtbaren
Verfügung zu eröffnen (Art. 50 Abs. 2 ATSG). Nach der Rechtsprechung gilt im Rahmen
des (erstinstanzlichen) Beschwerdeverfahrens ein Vergleich als übereinstimmender
Antrag der Parteien an das Gericht und ist von diesem auf seine Übereinstimmung mit
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Tatbestand und Gesetz zu überprüfen (AHI 1999 S. 208 Erw. 2b; SVR 1996 AHV Nr. 74
S. 223 Erw. 2b mit Hinweisen). Da Art. 50 ATSG an die Rechtsprechung vor seinem
Inkrafttreten anknüpft, kann daran unter seiner Geltung festgehalten werden
(RKUV 2004 Nr. U 513 S. 286 = Urteil des EVG [Eidgenössisches Versicherungsgericht;
seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 14. Januar
2004 i/S T., U 161/03; Urteil des EVG vom 26. September 2006 i/S G. [K 114/05] Erw.
2.1). Eine am Vergleich beteiligte Partei kann die entsprechende
Bestätigungsverfügung nur wegen Rechtsverletzungen, Verfahrens- oder
Willensmängeln anfechten; ausgeschlossen ist somit eine Sachverhalts- und eine
Angemessenheitskontrolle (U. Kieser, ATSG-Kommentar, Zürich 2003, Rz 13 zu Art.
50).
1.2 Wird die versicherte Person infolge eines Unfalls invalid, so hat sie Anspruch auf
eine Invalidenrente. Dabei gilt als invalid, wer voraussichtlich bleibend oder für längere
Zeit in seiner Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist. Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 18 Abs. 1 und 2 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]; Art. 16 ATSG). Somit
sind Invaliditätsschätzungen, die bloss auf die Differenz tatsächlich erzielter Einkünfte
abstellen, grundsätzlich eben so wenig zulässig wie rein medizinische Schätzungen, die
ohne Berücksichtigung der entscheidenden erwerblichen Faktoren erfolgen. Indessen
darf auf die medizinische Schätzung abgestellt werden, wenn sie mit der
massgebenden erwerblichen Situation übereinstimmt (LGVE 1981, 209). Ferner ist zu
beachten, dass in der Regel (vgl. BGE 114 V 119 Erw. 2b) nicht erheblich ist, was eine
versicherte Person tatsächlich verdient, sondern was sie objektiv aufgrund ihres
Gesundheitsschadens zumutbarerweise (d.h. wie es ärztlicherseits noch für zumutbar
gehalten wird) zu erwerben fähig ist (BGE 106 V 86). Aufgabe des Arztes bzw. der
Ärztin ist es, den Gesundheitszustand einer versicherten Person zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten sie
arbeitsunfähig ist. Im weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für
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die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der Person noch zugemutet werden
kann (vgl. BGE 125 V 256 Erw. 4 mit Hinweisen).
2.
2.1 Im Bericht vom 14. Februar 2002 bestätigte Dr. med. D._, Innere Medizin FMH,
anamnestisch erhebliche Rücken- und Knieschmerzen bei seit langem bestehender
Adipositas. Er diagnostizierte ein schweres lumbovertebrales Syndrom, eine
Periarthropatia beidseits mit vornehmlich rechtsseitigen Hüftschmerzen sowie einen
Status nach Magenband (IV-act. 7-11/11; vgl. auch IV-act. 7-8/11). Am 18. Oktober
2002 führte Dr. D._ aus, die Beschwerdeführerin stehe seit 1986 bei ihm in
Behandlung. Die lumbalen Schmerzen bestünden seit etwa drei Jahren. Die Adipositas
habe sich seit der Anlage eines Magenbandes im Jahr 1997 lediglich zurückgebildet.
Im Beruf als Wirtin bestehe seit 28. Dezember 2001 eine Arbeitsunfähigkeit von 50%
(IV-act. 7-1/11f). Dr. med. E._, Orthopädische Chirurgie FMH, bestätigte im
Gutachten vom 17. Dezember 2002 die von Dr. D._ gestellten Diagnosen betreffend
den Rücken und die rechte Hüftseite sowie die 50%ige Arbeitsfähigkeit. Er hielt unter
anderem fest, die übrigen kursorischen Untersuchungen von Kniegelenken, Füssen,
Schulter- und Ellbogengelenken ergäben lediglich eine diskrete Schmerzhaftigkeit in
der rechten Schulter. Es bestehe kein Hinweis auf eine
Rotatorenmanschettenproblematik (IV-act. 14). Dr. med. F._, Orthopädische
Chirurgie FMH, diagnostizierte nach Durchführung einer Schulter-Operation im Bericht
vom 3. Februar 2004 eine schwere Partialruptur der Supraspinatussehne rechts (UV-
act. 31). Der Arzt bescheinigte eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit 5. Juni 2004 und
eine solche von 30% seit 1. Dezember 2004 in der Tätigkeit als Köchin und Wirtin. Er
bestätigte den Behandlungsabschluss per 25. November 2004 (UV-act. 45, 55, 63, 71;
IV-act. 42-14/32). Gegenüber der IV bestätigte Dr. F._ im Juni 2005, Arbeiten über
der Horizontalen und Arbeiten auf Tischhöhe mit grosser Krafteinwirkung seien nicht
mehr möglich. In der Tätigkeit als Köchin könnten deshalb nicht mehr alle Arbeiten
ausgeführt werden. Der Gesundheitszustand habe sich insofern geändert, als (seit 7.
September 2002) ein Leiden der rechten Schulter dazugekommen sei. Die
Schulterproblematik stehe jetzt, neben den Rücken- und Hüftbeschwerden, im
Vordergrund. Bei der Arbeitsunfähigkeit als Köchin von 30% ab 1. Dezember 2004 sei
offenbar die vorbestehende 50%ige Arbeitsunfähigkeit wegen des Rückenleidens nicht
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berücksichtigt (IV-act. 41-3/4f). Eine Begutachtung durch Dr. med. G._, Orthopädie
am Rosenberg, ergab gemäss Bericht vom 2. Dezember 2005, dass die heutigen
Beschwerden (im Schulterbereich) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall
vom 7. September 2002 zurückzuführen seien. Unfallfremde Faktoren lägen nicht vor.
Die Arbeitsunfähigkeit sei, bezogen auf eine Person im (mittleren) Alter zwischen 40
und 42, auf 50% anzusetzen. Dies gelte seines Erachtens generell für eine manuell
betonte Tätigkeit; eine Bürotätigkeit wäre zu ca. 80% zumindest möglich, insbesondere
wenn nicht längere Arbeiten in der gleichen Position und keine Arbeiten auf Höhe der
Horizontalen und darüber gemacht werden müssten. Als therapeutische Möglichkeit
komme mittelfristig die Implantation einer Prothese in Frage, dies nach vorgängiger
Durchführung eines Artho-MRI. Der Integritätsschaden betrage in Anwendung der
Suva-Tabelle 1 ca. 15 bis maximal 20%, was die Funktionseinbusse der oberen
Extremitäten betreffe. Werde in Anwendung von Suva-Tabelle 5 die
Arthrosekomponente glenohumeral dazugenommen, seien nochmals ca. 10%
einzurechnen. Insgesamt ergebe sich eine Integritätsentschädigung von 25 bis maximal
30% (UV-act. 95, 96).
2.2 Die IV, für welche eine Gesamtsicht massgebend und damit eine blosse Addition
der vor dem streitigen Unfall bestehenden und der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit
nicht zulässig war (vgl. Urteil des EVG vom 3. März 2003 i/S E. [U 850/02] Erw. 6.4.1),
kam im Revisionsverfahren - unter Berücksichtigung des Gutachtens von Dr. G._
(UV-act. 95) - zum Schluss, dass sich die Erwerbsunfähigkeit (unfallbedingt) von 50 auf
80% erhöht habe (vgl. IV-act. 49-10/10, 52-1/1, 55-1/2). Hinsichtlich der Festlegung
des an sich unbestrittenen unfallbedingten Invaliditätsgrades lässt sich aufgrund der
medizinischen und erwerblichen Aktenlage (IV-act. 7, 14, 19, 41-3/4f; UV-act. 95) nicht
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin - im Sinn einer vertretbaren und
plausiblen Lösung - von einer unfallbedingten Erwerbsunfähigkeit von 30% ausging. Es
kann unter diesen Umständen offenbleiben, ob hinsichtlich des IV-Grades am 2.
November 2006 ein Vergleich rechtsgültig zustande kam und - im Fall der Bejahung
dieser Frage - ob weitere medizinische Abklärungen einer unzulässigen Sachverhalts-
und Angemessenheitskontrolle gleichkämen (vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar, Zürich
2003, Rz 13 zu Art. 50). Denn selbst wenn ein Zustandekommen eines Vergleichs
verneint und damit weitere Abklärungen ohne Einschränkung als zulässig erachtet
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würden, wären sie überwiegend wahrscheinlich nicht geeignet, zuverlässigere
Erkenntnisse hinsichtlich der unfallbedingten Einschränkung zu liefern.
2.3 Streitig ist der Rentenbeginn. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und
allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind.
Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art.
19 Abs. 1 UVG). - Bereits im Rahmen der erstmaligen Prüfung des IV-Rentenanspruchs
der Beschwerdeführerin standen keine Eingliederungsmassnahmen zur Debatte (vgl.
IV-act. 19). Dr. F._ bestätigte den Behandlungsabschluss per 25. November 2004 mit
30%iger Arbeitsfähigkeit ab 1. Dezember 2004, wobei er für den Fall, dass die Patientin
in Zukunft durch die eingeschränkte Beweglichkeit gestört sei, eine
Schultergelenksmobilisation in Betracht zog (UV-act. 55, 63, 71; IV-act. 42-14/32). Die
IV erhöhte die Rente revisionsweise erst auf den Zeitpunkt, in welchem die
Verschlechterung drei Monate angedauert hatte (Art. 88a Abs. 2 IVV; IV-act. 60-4/5),
d.h. auf den 1. März 2005. Eine solche Wartefrist besteht für die erstmalige
Rentenzusprechung durch die Unfallversicherung nicht, weshalb hier der Rentenbeginn
auf den 1. Dezember 2004 anzusetzen ist. Der Beschwerdegegnerin kommt kein
Auswahlermessen in dem Sinn zu, dass sie - bei klarem medizinischen und
erwerblichen Sachverhalt - vergleichsweise einer für die versicherte Person günstigeren
längeren Taggeldausrichtung mit späterem Rentenbeginn zustimmen könnte. Die
Festsetzung des Rentenbeginns auf den 1. September 2006 bzw. auf den 1. März 2005
lässt sich mit Art. 19 Abs. 1 UVG nicht vereinbaren, weshalb diesbezüglich sowohl die
streitige Vereinbarung bzw. die Verfügung vom 22. November 2006 als auch der
angefochtene Entscheid rechtswidrig sind.
Als Folge davon stellt sich die Frage, ob ein Reformatio in peius-Sachverhalt vorliegt,
wenn der Rentenbeginn auf den 1. Dezember 2004 gesetzt wird (die Taggelder ab
diesem Zeitpunkt sind höher als die Rente). Dies ist im Ergebnis nicht der Fall, weil im
Gegensatz zum angefochtenen Entscheid eine unbefristete Rente (vgl. dazu
nachstehend) zuzusprechen ist. Massgebend ist die Gesamtsicht (vgl. BGE vom 27.
Februar 2008 i/S A.P. [8C.690/2007]).
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2.4 Zu prüfen ist sodann die Rechtmässigkeit der im streitigen Vergleich
vorgesehenen Rentenbefristung bis 31. Januar 2008. Der Rentenanspruch erlischt mit
der gänzlichen Abfindung, mit dem Auskauf der Rente oder mit dem Tod der
versicherten Person (Art. 19 Abs. 2 UVG). Die Voraussetzungen der Zusprechung einer
Übergangsrente (Art. 30 UVV) sind vorliegend offensichtlich nicht erfüllt. - Die
Zusprechung abgestufter oder befristeter Renten ist auch unter der Herrschaft des
UVG zulässig (RKUV 1987 Nr. U 18, 309 Erw. 2b). Die versicherte Person, welcher eine
befristete Rente zugesprochen wurde, bewahrt das Recht, den befristeten Charakter
der Rente im Zeitpunkt anzufechten, in dem die vorgesehene Aufhebung wirksam
werden soll. Dazu ist entweder von Amtes wegen ein Revisionsverfahren zu eröffnen
oder von der versicherten Person ein Revisionsgesuch zu stellen. Im
Revisionsverfahren wird geprüft, ob sich die Prognose, auf welche sich die befristete
Rente stützt, verwirklicht hat (RKUV 2001 Nr. U 444, 553 Erw. 2b). Die Gewährung
einer terminierten Rente ist statthaft, wenn bereits anlässlich der Rentenfestsetzung
voraussehbar und wahrscheinlich ist, dass sich die Auswirkungen auf die
Erwerbsfähigkeit zufolge Anpassung und Angewöhnung der versicherten Person an die
Unfallfolgen in absehbarer Zeit ausgleichen werden (RKUV 1986 Nr. U 3, 260 Erw. 2a;
RKUV 2001 Nr. U 444, 552 Erw. 2a). Dieser Grundsatz bezieht sich nur auf Fälle mit
einfachen, typischen Verletzungsfolgen, bei denen die Erfahrung erlaubt, mit einer
gewissen Genauigkeit vorauszusehen, in welchem Mass und in welcher Weise die
normale Angewöhnung zu einem Zurückgehen der Invalidität führen wird. Die günstige
Prognose muss sich auf fassbare Anhaltspunkte abstützen können, und es dürfen ihr
nicht konkrete Gegebenheiten des Einzelfalles entgegenstehen (A. Rumo-Jungo,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 3. A., 135-138, mit Hinweisen und Beispielen). Aufgrund
der Arztberichte ist konkret unbestrittenermassen von einer bleibenden Einschränkung
an der Schulter auszugehen (vgl. IV-act. 42-14/32). Anhaltspunkte, aufgrund welcher
ein Zurückgehen der Invalidität aufgrund einer Angewöhnung vorausgesehen werden
könnte, sind aus den Akten nicht ersichtlich. Die Rentenbefristung erweist sich daher
als nicht zulässig. Sie liesse sich insbesondere nicht mit dem Beginn der AHV-Rente
per 1. Februar 2008 begründen (vgl. UV-act. 125), da es sich bei der Unfallrente
grundsätzlich um eine lebenslängliche Leistung handelt (vgl. Art. 19 Abs. 2 UVG).
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Wenn davon ausgegangen würde, dass die Unterschrift der Beschwerdeführerin auf
dem Besprechungsprotokoll die Bedeutung eines im Rahmen einer Vereinbarung
erklärten Verzichtes auf Versicherungsleistungen (mit Wirkung ab 1. Februar 2008)
hatte, wäre zu beachten, dass ein solcher Verzicht gemäss Art. 23 Abs. 1 ATSG mit
Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen werden konnte. Für diesen Fall hätte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin den Widerruf der Beschwerdegegnerin mit
Schreiben vom 9. Januar 2007 bekannt gegeben (UV-act. 129). Deshalb braucht auch
nicht abschliessend beurteilt zu werden, ob der Bericht vom 2. November 2006 eine
Vergleich darstellt oder nicht.
3.
Die Beschwerde ist unter Aufhebung des Einspracheentscheids vom 4. Juni 2007 in
dem Sinn gutzuheissen, dass die Beschwerdegegnerin zu verpflichten ist, der
Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Dezember 2004 eine unbefristete Invalidenrente
auf der Basis eines IV-Grades von 30% auszurichten; dies unter Verrechnung der in der
Zeit vom 1. Dezember 2004 bis 31. August 2006 ausgerichteten Taggelder.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Die Beschwerdeführerin hat
bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).
Es rechtfertigt sich, diese auf pauschal Fr. 4'000.-- festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG