Decision ID: f419dcd3-889f-5470-9908-57294a7d7679
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie aus Jaffna mit letztem Wohnsitz in B._ (Bezirk C._)
–suchte am 26. Januar 2016 in der Schweiz um Asyl nach.
B.
Am 2. Februar 2016 wurde der Beschwerdeführer summarisch zur Person
befragt (BzP) und am 12. Oktober 2017 – nach Beendigung des eingelei-
teten Dublin-Verfahrens – fand die Anhörung zu seinen Asylgründen statt.
C.
Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, im Jahre 2007 von den LTTE (Liberation Tigers of
Tamil Eelam) zwangsrekrutiert worden zu sein. Nach einer dreimonatigen
Ausbildungszeit sei er, da er sich geweigert habe, an Kriegshandlungen
teilzunehmen, für das Graben von Bunkern und deren Elektrifizierung ein-
geteilt worden, welche sich hinter der Frontlinie befunden hätten. Am
27. Dezember 2008 sei er von einem Bombensplitter verletzt und im Spital
behandelt worden. Am 18. März 2009 sei eine seiner Schwestern bei einem
Bombenangriff ums Leben gekommen und sein Bruder D._, Ange-
höriger der LTTE seit 1992, gelte seit 2009 als verschollen. Nach einem
misslungenen Fluchtversuch Richtung Indien am 22. April 2009 sei er von
der sri-lankischen Armee verhaftet und bis Mai 2010 in einem Flüchtlings-
lager in E._, F._, gefangen gehalten und unter dem Vorwurf,
mit den LTTE zusammengearbeitet zu haben, verhört und misshandelt
worden. Es habe auch eine Rehabilitation stattgefunden. Nach seiner Ent-
lassung unter Auferlegung einer Meldepflicht im Mai 2010 habe er sich bis
August 2010 in G._ (F._) aufgehalten und in der Folge auf-
grund der Behelligungen durch die CID (Criminal Investigation Depart-
ment) – Befragungen nach dem Verbleib seines Bruders unter Misshand-
lungen – abwechselnd in B._ bei seiner älteren Schwester und in
H._ (Bezirk C._) bei seinem älteren Bruder gelebt. Im Okto-
ber 2015 sei er das letzte Mal befragt worden, wobei man ihn mit dem Tod
bedroht habe, worauf er am 20. November 2015 mit dem Flugzeug Rich-
tung Dubai ausgereist und über mehrere Länder (Iran, Türkei, Griechen-
land) am 26. Januar 2016 illegal in die Schweiz gelangt sei.
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Zum Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer seine sri-lan-
kische Identitätskarte, eine Kopie seines Reisepasses und einen Geburts-
schein und zur Stützung seiner Vorbringen u.a. eine Haftentlassungsbe-
stätigung und ein Schreiben des Dorfvorstehers vom 10. Februar 2018 ein.
D.
Mit Entscheid vom 20. Februar 2020 (Eröffnung am 24. Februar 2020) wies
das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, ordnete dessen
Wegweisung an und erachtete den Vollzug als zulässig, zumutbar und
möglich.
E.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 25. März 2020 an das Bundes-
verwaltungsgericht erhob der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid
Beschwerde und beantragte dessen Aufhebung, die Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die vor-
läufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs, subeventualiter die Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz zur Neubeurteilung.
Zur Stützung der Vorbringen wurden mehrere Fotografien mit vernarbten
Körperstellen des Beschwerdeführers und verschiedene Auszüge aus dem
Internet zur allgemeinen Sicherheitssituation in Sri Lanka eingereicht.
F.
Mit Schreiben vom 26. März 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
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det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bishe-
rige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
1.5 In Anwendung von Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM erachtete in der angefochtenen Verfügung die geltend ge-
machten Vorbringen des Beschwerdeführers, nach der Entlassung aus der
Rehabilitation im Jahre 2010 bis zu seiner Ausreise im Jahre 2015 von den
CID regelmässig aufgesucht, befragt und misshandelt worden zu sein, als
nicht glaubhaft.
Die Vorinstanz hielt fest, dass der Beschwerdeführer nicht habe aufzeigen
können, aus welchen Gründen er von den CID fünf Jahre lang hätte behel-
ligt werden sollen und weshalb er nicht früher ausgereist sei. Die Schilde-
rung der Vorkommnisse sei überwiegend unbestimmt ausgefallen. Die Er-
klärung des Beschwerdeführers, wonach auch ein Personalwechsel bei
der CID dazu geführt habe, dass er erneut überprüft worden sei, stelle ein
Indiz für eine routinemässige Schikane und nicht für eine auf die Person
des Beschwerdeführers gerichtete Kontrolle dar. Wie der Haftentlassungs-
bestätigung zu entnehmen sei, sei dem Beschwerdeführer bloss eine Mel-
depflicht auferlegt worden. Im Weiteren liessen die eher kurze Rehabilita-
tionszeit und die geschilderten Tätigkeiten für die LTTE vermuten, dass der
Beschwerdeführer bei den LTTE keine Führungsfunktion innegehabt habe,
weshalb von einem fehlenden behördlichen Verfolgungsinteresse am Be-
schwerdeführer nach dessen Entlassung auszugehen sei. Im Weiteren sei
nicht von einer begründeten Furcht des Beschwerdeführers vor künftiger
Verfolgung auszugehen. Der Beschwerdeführer habe in Sri Lanka ein so-
genanntes Rehabilitationsprogramm durchlaufen, welches gemäss offiziel-
len Angaben die Reintegration in die Gesellschaft zum Ziel habe. Zwar
seien rehabilitierte Personen oft Überwachungsmassnahmen ausgesetzt,
indessen erreichten diese in der Regel kein asylrelevantes Ausmass. Wei-
tergehende Behelligungen habe der Beschwerdeführer nicht glaubhaft ma-
chen können. Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschafts-
wahl mit dem Sieg von Gotabaya Rajapaksa vermöge diese Einschätzung
nicht umzustossen. Voraussetzung für die Annahme einer Verfolgungsge-
fahr aufgrund der genannten Präsidentschaftswahlen sei ein persönlicher
Bezug der asylsuchenden Person zu diesem Ergebnis beziehungsweise
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dessen Folgen; ein solcher sei vorliegend nicht überzeugend aufgezeigt
worden.
4.2 In der Beschwerde wurden verschiedene Verletzungen des formellen
Rechts durch die Vorinstanz gerügt. So habe das SEM den rechtserhebli-
chen Sachverhalt unvollständig, unrichtig und willkürlich festgestellt und
das rechtliche Gehör, den Untersuchungsgrundsatz und die Begründungs-
pflicht verletzt. Auf diese wird in den Erwägungen näher einzugehen sein.
In materieller Hinsicht wurde geltend gemacht, entgegen der Auffassung
der Vorinstanz seien die Vorbringen des Beschwerdeführers, auch nach
Entlassung aus der Rehabilitation im Jahre 2010 bis zu seiner Ausreise im
Jahre 2015 von den CID aufgesucht, befragt und misshandelt worden zu
sein, als glaubhaft zu erachten. Aufgrund seiner ehemaligen Zugehörigkeit
zur LTTE – wenn auch ohne Führungsfunktion –, dem Verschwinden sei-
nes älteren Bruders, der bei der LTTE höchstwahrscheinlich eine höhere
Position bekleidet habe, und den gut sichtbaren Kriegsverletzungen habe
er immer wieder das Interesse der Sicherheitsbehörden auf sich gezogen.
Er sei nicht früher ausgereist, da sich die Behelligungen erst allmählich in-
tensiviert und ihren Höhepunkt – in der Form von Äusserung von Todes-
drohungen – kurz vor seiner Ausreise erreicht hätten. Aus dem Anhörungs-
protokoll sei ersichtlich, dass der Beschwerdeführer entgegen der nicht nä-
her begründeten Auffassung des SEM die geltend gemachten Behelligun-
gen durchaus detailliert und substanziiert geschildert habe. Ergänzend sei
festzuhalten, dass nach der Ausreise des Beschwerdeführers auch dessen
zweiter älterer Bruder von den Behörden behelligt worden und in der Zwi-
schenzeit ebenfalls geflüchtet sei. Seither werde nun die Schwester des
Beschwerdeführers regelmässig durch die sri-lankischen Behörden zu
dessen Aufenthaltsort befragt. Im Weiteren habe sich mit dem Sieg von
Gotabaya Rajapaksa bei der sri-lankischen Präsidentenschaftswahl vom
16. November 2019 die allgemeine Menschenrechtslage in Sri Lanka
grundlegend verändert und sich damit, entgegen der Einschätzung des
SEM, auch die Gefährdungssituation des Beschwerdeführers verschärft.
Hinsichtlich der Feststellung des SEM, wonach eine individuelle Gefahr für
den Beschwerdeführer aufgrund des Machtwechsels nicht dargelegt wor-
den sei, sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt
der Anhörung im Jahre 2017 den später erfolgten Machtwechsel in Sri
Lanka nicht habe vorhersehen und damit auch nicht eine daraus entste-
hende individuelle Gefährdungssituation habe darlegen können. Schliess-
lich sei bei der Beurteilung der Situation des Beschwerdeführers dem Um-
stand Rechnung zu tragen, dass nach der Entführung einer Angestellten
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der schweizerischen Botschaft in Sri Lanka am 25. November 2019 zwi-
schen der sri-lankischen und der schweizerischen Regierung eine diplo-
matische Krise ausgebrochen sei.
5.
5.1 Wie obenstehend erwähnt, werden in der Beschwerde verschiedene
Verletzungen des formellen Rechts durch die Vorinstanz gerügt (Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs, des Untersuchungsgrundsatzes und der Be-
gründungspflicht). Diese erweisen sich als unbegründet.
5.1.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen
Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) umfasst eine Anzahl verschiedener verfas-
sungsrechtlicher Verfahrensgarantien. Der in Art. 32 VwVG konkretisierte
Teilgehalt verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen,
sich zu äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG),
sondern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheid-
findung zu berücksichtigen (vgl. KIENER/RÜTSCHE/KUHN, Öffentliches Ver-
fahrensrecht, 2. Aufl. 2015, S. 161).
Die Sachverhaltsfeststellung ist unvollständig, wenn die angefochtene Ver-
fügung nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt (KÖLZ/IHÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes, Zürich 2013, 3. Aufl., Rz. 456) und zusätz-
liche Abklärungen sind dann vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der Par-
teivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
Anlass besteht.
Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Behörde, ihren Entscheid zu
begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Denn, ob sich die Behörde tatsächlich
mit allen erheblichen Vorbringen der Parteien befasst und auseinanderge-
setzt hat, lässt sich erst aufgrund der Begründung erkennen. Im Asylver-
fahren sind die Anforderungen an die Begründungsdichte regelmässig
hoch, wiegen die rechtlich geschützten Interessen der Betroffenen im Asyl-
entscheid doch allgemein schwer (vgl. PATRICK SUTTER, in: Auer/Mül-
ler/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-
tungsverfahren [VwVG], 2. Aufl., 2019, Rz. 1 zu Art. 29, m.w.H.). Insgesamt
muss der Entscheid so abgefasst sein, dass ihn der Betroffene gegebe-
nenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur möglich ist, wenn sich so-
wohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite
des Entscheides ein Bild machen können. Dabei kann sich die Behörde in
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ihrer Argumentation zwar auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichts-
punkte beschränken; sie darf aber nur diejenigen Argumente stillschwei-
gend übergehen, die für den Entscheid erkennbarerweise unbehelflich
sind. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr
Entscheid stützt (vgl. BGE 134 I 83 E. 4.1; BVGE 2007/21 E. 10.2 m.w.H.;
SUTTER, a.a.O., Kommentar VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG, Rz. 2).
5.1.2 In der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe den Sachverhalt un-
vollständig, unrichtig und willkürlich festgestellt, ohne indessen diese Rüge
näher zu begründen. Die Hinweise in der Beschwerde auf die Gründe, wa-
rum der Beschwerdeführer in den Fokus der Behörden geraten sein sollte
und trotzdem erst nach fünf Jahren ausgereist sei, betreffen die Würdigung
des Sachverhalts und nicht den Sachverhalt selbst. Entgegen der Behaup-
tung in der Beschwerde hat die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachver-
halt sowohl hinsichtlich der Frage der Flüchtlingseigenschaft als auch be-
züglich des Wegweisungsvollzugs vollständig und richtig festgestellt. Da-
bei hat es sowohl die neuesten Entwicklungen in Sri Lanka als auch die
individuelle Situation des Beschwerdeführers hinreichend berücksichtigt.
Im Übrigen hat das SEM entgegen der Auffassung in der Beschwerde mit
hinreichender Begründung dargelegt, weshalb die angeblich zur Ausreise
führenden Vorbringen des Beschwerdeführers als nicht glaubhaft zu erach-
ten und eine Gefährdungssituation des Beschwerdeführers bei einer Rück-
kehr in seinen Heimatstaat zu verneinen sei.
5.1.3 Was die weitere Rüge in der Beschwerde betrifft, aufgrund des Ver-
haltens des Beschwerdeführers anlässlich der Anhörung (mehrfaches Wei-
nen, Ohnmachtsanfall) sei die Vorinstanz gehalten gewesen, den psychi-
schen Zustand des Beschwerdeführers von Amtes wegen abzuklären, was
diese unterlassen habe, ist darauf hinzuweisen, dass der psychische Zu-
stand des Beschwerdeführers Gegenstand der Anhörung war (vgl. SEM-
Protokoll A15 S. 6) und der Beschwerdeführer die Frage, ob er in psychi-
atrischer Behandlung sei, verneinte und im Weiteren angab, «nicht hinge-
gangen zu sein» (vgl. SEM-Protokoll A15 S. 7). Es wäre dem Beschwerde-
führer im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht unbenommen gewesen, wäh-
rend seines nachfolgenden dreijährigen Aufenthalts in der Schweiz, sich,
falls notwendig, in psychiatrischer Behandlung zu begeben, zumal er of-
fensichtlich wegen seiner Hand bereits in ärztlicher Behandlung war. Man-
gels Einreichung entsprechender ärztlicher Zeugnisse konnte das SEM
von der fehlenden Notwendigkeit einer solchen Behandlung ausgehen.
Eine Verletzung der Untersuchungspflicht von Amtes wegen liegt nicht vor.
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An dieser Einschätzung vermag die Tatsache, dass die Hilfswerksvertre-
tung im Rahmen der Anhörung zu einer Abklärung des psychischen Zu-
stands des Beschwerdeführers riet, nichts zu ändern.
5.2 Die geltend gemachte zwangsweise erfolgte (ehemalige) Zugehörigkeit
des Beschwerdeführers zu den LTTE in untergeordneter Funktion und die
Entlassung aus der Rehabilitation im Jahre 2010 unter Auferlegung einer
Meldepflicht sind unbestritten.
Entgegen der Auffassung des SEM sind auch die weiteren Vorbringen des
Beschwerdeführers, bis zu seiner Ausreise im Jahre 2015 von den CID re-
gelmässig aufgesucht, behandelt und misshandelt worden zu sein, als
überwiegend wahrscheinlich und damit glaubhaft zu erachten. Zwar ist ein
derartiges Verfolgungsinteresse der Behörden am zwangsrekrutierten, bei
den LTTE in bloss untergeordneter Funktion tätigen Beschwerdeführer
nicht offenkundig erkennbar. Indessen gilt es zu berücksichtigen, dass in
Sri Lanka rehabilitierte Personen wie der Beschwerdeführer oft Überwa-
chungsmassnahmen ausgesetzt sind und der Beschwerdeführer glaubhaft
darzulegen vermochte, dass sich die Behörden immer wieder nach dem
Verbleib seines verschollenen Bruders, einem Angehörigen der LTTE des
militärischen Flügels, erkundigt hätten. Die Schilderung der geltend ge-
machten Behelligungen durch den Beschwerdeführer, welche auch immer
wieder auftretende Misshandlungen umfassten, ist entgegen der Einschät-
zung der Vorinstanz hinreichend substantiiert ausgefallen und hinterlässt
den Eindruck von selbst Erlebtem. Insbesondere hat der Beschwerdefüh-
rer in nachvollziehbarer Weise geschildert, weshalb er sich aufgrund der
letzten, mit Todesdrohungen verbundenen Festnahme zur Ausreise ent-
schloss. Bei dieser Sachlage ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer
zum Zeitpunkt der Ausreise aufgrund genügend intensiver, konkret gegen
seine Person gerichteter Verfolgungshandlungen die Flüchtlingseigen-
schaft erfüllte.
5.3 Diesen Erwägungen gemäss ist festzuhalten, dass der Beschwerde-
führer im Zeitpunkt der Ausreise eine objektiv begründete Furcht vor ernst-
haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG hatte. Es ist daher für den
Zeitpunkt der Ausreise von einer asylrelevanten Vorverfolgung des Be-
schwerdeführers auszugehen. Da die Verfolgung von staatlichen Behörden
ausgeht, steht ihm auch keine innerstaatliche Schutzalternative zur Verfü-
gung. Die Verfolgungsfurcht ist zudem heute noch aktuell. Die Vorausset-
zungen zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und
Art. 7 AsylG sind somit erfüllt. Aus den Akten ergeben sich zudem keine
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konkreten Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen (vgl.
Art. 49 AsylG).
5.4 Nach dem Gesagten erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-
schaft. Das SEM hat deshalb sein Asylgesuch zu Unrecht abgelehnt.
6.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Die angefochtene
Verfügung des SEM vom 29. März 2018 ist aufzuheben. Der Beschwerde-
führer ist als Flüchtling anzuerkennen und das SEM anzuweisen, ihm Asyl
zu gewähren.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG).
8.
Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in An-
wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.
Seitens der Rechtsvertretung wurde keine Kostennote eingereicht, sich in-
dessen aufgrund der Akten der Parteiaufwand hinreichend zuverlässig ab-
schätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 in fine VKGE). Gestützt auf die in Betracht
zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist die vom SEM
auszurichtende Parteientschädigung (inkl. Auslagen und allfälligen Mehr-
wertsteuerzuschlag) auf Fr. 1'200.– festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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