Decision ID: 34a80517-6c05-43d4-9bee-494388931bd8
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im April 2013 unter Hinweis auf lumbale Rückenschmerzen,
eine ausgeprägte nicht redressierbare Kyphose und Fehlhaltung des gesamten
Rückens, Hüft- und Beinschmerzen, Hypertonie und eine Depression bei der IV-Stelle
des Kantons St. Gallen zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). Die Versicherte war zuletzt
vom 6. März 2009 bis 30. April 2013 bei der B._ AG in der Fleischveredelung
(Verpacken und Frosten von Fleisch) angestellt gewesen (IV-act. 9).
A.a.
Mit Vorbescheid vom 30. August 2013 wurde die Abweisung des Antrages auf
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen in Aussicht gestellt, da die Versicherte
lediglich vorübergehend in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen und in einer
angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei (IV-act. 34). Dagegen erhob die Versicherte,
vertreten durch ihre Rechtsschutzversicherung, Einwand und beantragte weitere
berufliche und medizinische Abklärungen (IV-act. 35). Am 14. Oktober 2013 machte die
Versicherte zudem geltend, nun vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Zahner,
dass die IV-Stelle ihre nicht orthopädischen Erkrankungen und ihren psychischen
Gesundheitszustand ausser Acht gelassen habe (IV-act. 39).
A.b.
Im eingeholten IV-Arztbericht vom 24. Februar 2014 berichteten die Fachpersonen
der Klinik C._, Dr. med. D._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, sowie Dr.
phil. E._, Neuropsychologin und Psychologin, von einer Anpassungsstörung mit
Angst und depressiver Störung gemischt, welche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
habe. Die Versicherte sei zu zwei Indikationsgesprächen für eine ambulante
Rehabilitation erschienen, es sei jedoch zu keiner stationären oder ambulanten
Behandlung gekommen. Zur Prognose und Arbeitsfähigkeit äusserten sie sich nicht (IV-
act. 44).
A.c.
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Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler ärztlicher
Dienst (RAD), nahm am 10. April 2014 zu den Berichten der Klinik C._ (vgl. IV-act. 44)
und der Hausärztin Dr. med. G._, Fachärztin Allgemeine innere Medizin, Stellung und
gab an, dass die Versicherte in adaptierter Tätigkeit zu Beginn 50% arbeitsfähig sei
und die Arbeitsfähigkeit nach einer Einarbeitungszeit gesteigert werden könne (IV-act.
47).
A.d.
Mit Schreiben vom 23. Juni 2014 wurde der Versicherten Beratung und
Unterstützung bei der Stellensuche durch die IV-Stelle gewährt (IV-act. 53). Vom 28.
Oktober 2013 bis 31. Juli 2014 arbeitete die Versicherte auf Anweisung des RAV mit
einem Pensum von 100% im Einsatzprogramm H._ (IV-act. 55). Am 19. Februar 2015
wies die IV-Stelle den Antrag auf berufliche Massnahmen ab, da sich die Versicherte
nicht in der Lage fühle, an Eingliederungsbemühungen mitzuwirken (IV-act. 63).
A.e.
Mit Vorbescheid vom 20. April 2015 wurde erneut eine Abweisung des Antrags auf
Invalidenrente in Aussicht gestellt, da die Versicherte in adaptierter Tätigkeit zu 100%
arbeitsfähig sei (IV-act. 69). Dagegen liess die Versicherte über ihren Rechtsvertreter
Einwand erheben und eine polydisziplinäre Begutachtung beantragen. Zudem wurden
diverse Arztberichte eingereicht (IV-act. 72).
A.f.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte vom Medizinisches
Gutachtenzentrum Region St. Gallen GmbH (MGSG) im November 2016 polydisziplinär
(orthopädisch, internistisch und psychiatrisch) abgeklärt (IV-act. 96 und 106). Im
polydisziplinären Konsens ihres Gutachtens vom 17. Januar 2017 (vgl. IV-act. 107-37
ff.) nannten die Sachverständigen als einzige Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit ein Thorakovertebralsyndrom bei vermehrter fixierter
Brustwirbelsäulenkyphose. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
listeten sie unter anderem eine vermehrte Lordose der Lendenwirbelsäule mit leichter
linkskonvexer Skoliose und leichter Spondylarthrose L3-S1, Senk-/Spreizfüsse,
Adipositas, arterielle Hypertonie, Psoriasis und eine chronische depressive
Verstimmung (Dysthymie) auf. Weiter hielten sie fest, dass durch einen
rheumatologischen Gutachter beurteilt werden müsse, ob die Psoriasis-Arthritis sich
auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Betreffend die Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt,
dass in angestammter Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit bei voller Stundenpräsenz
A.g.
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zumutbar sei. In adaptierter Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (körperlich
leichte Tätigkeit in temperierten Räumen, abwechslungsweise sitzend und stehend,
ohne häufige inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen).
Im Anschluss an die polydisziplinäre Begutachtung wurde die Versicherte im
Auftrag der IV-Stelle für ein rheumatologisches Konsil aufgeboten (IV-act. 110). PD Dr.
med. I._, leitender Arzt Klinik für Rheumatologie des Universitätsspitals Zürich (USZ),
stellte am 23. März 2017 folgende Diagnosen: Psoriasisarthritis, chronisches
panvertebrales Schmerzsyndrom, Periarthropathia humeroscapularis tendinopathica
vom Supraspinatus Typ links, ausgeprägte Knick-Senk-Spreizfüsse, arterielle
Hypertonie und erhöhte Transaminasen. Der entzündliche Befall im Bereich beider
Hände und Kniegelenke führe zu erheblichen Einschränkungen für repetitive manuelle
Tätigkeiten sowie bei längerem Stehen und Gehen. Das polydisziplinäre MGSG
Gutachten habe nur Teilaspekte der gesundheitlichen Situation berücksichtigt, welche
nicht im Vordergrund stehen würden (IV-act. 111).
A.h.
Vom 6. bis 19. Juni 2017 war die Versicherte im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) für
eine Multimodale Schmerztherapie inklusive psychotherapeutischem Verfahren
hospitalisiert. Die behandelnden Ärzte diagnostizierten unter anderem eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, eine Arthritis psoriatica
(anerosiv verlaufend) und ein sekundäres Fibromyalgie-Syndrom. Leichte Tätigkeiten
im Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen seien bei ergonomischer
Arbeitsplatzgestaltung im Umfang von 50% möglich (IV-act. 121).
A.i.
Am 10. November 2017 wurde die Versicherte von Dr. med. J._, Facharzt
Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Allgemeine Innere
Medizin, im USZ rheumatologisch abgeklärt (IV-act. 133). Als Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielt er eine Psoriasisarthritis, ein chronisches
panvertebrales Schmerzsyndrom und einen Verdacht auf eine sekundäre Fibromyalgie
fest. Für die angestammte Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit. Unter
Berücksichtigung der Psoriasisarthritis und des chronischen panvertebralen
Schmerzsyndroms sei die Versicherte für leichte körperliche Arbeiten vollständig
arbeitsfähig. Betreffend die Konsistenz hielt der Gutachter fest, dass die ausgedehnte
Schmerzschilderung inklusive der ausgebreiteten Lokalisation somatisch nur zu einem
A.j.
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geringen Grad erklärbar sei. Die Krankheitsbewältigungsstrategie sei deutlich zu passiv
ausgerichtet und die beklagten Einschränkungen im Alltag könnten nur zu einem
geringen Grad nachvollzogen werden (IV-act. 133-16 f.).
Im Rahmen der zweiten Anhörung vom 31. Januar 2018 hielt die IV-Stelle an ihrem
bisherigen Vorbescheid fest (IV-act. 135). Die Versicherte liess über ihren
Rechtsvertreter am 29. März 2018 geltend machen, dass verschiedene Punkte gegen
die volle Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit sprechen würden. Gerügt wurde eine
ungenügende Auseinandersetzung des rheumatologischen Gutachtens mit der
abweichenden Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in den Vorakten, ein Widerspruch
beim festgestellten Gesundheitsschaden betreffend das panvertebrale
Schmerzsyndrom und den Verdacht auf eine sekundäre Fibromyalgie, die fehlende
Konsensbesprechung zwischen allen Gutachtern, und auch die unterschiedliche
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit überzeuge nicht.
Schliesslich hätte sich der rheumatologische Gutachter auch nicht an den Fragekatalog
der IV-Stelle gehalten und das Gutachten sei infolge fehlendem strukturiertem
Beweisverfahren nicht verwertbar. Ferner sei auch der psychische Gesundheitszustand
noch weiter abzuklären (IV-act. 137).
A.k.
Die IV-Stelle ersuchte Dr. J._ am 16. April 2018 um eine Stellungnahme
respektive zusätzliche Begründung betreffend abweichender
Arbeitsfähigkeitsschätzung in den Vorakten (IV-act. 139).
A.l.
Mit Schreiben vom 20. April 2018 an den Rechtsvertreter hielt Dr. med. K._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberärztin Psychiatrie L._,
Ambulatorium M._, fest, dass die Versicherte bei ihr seit dem 24. Mai 2017 in
ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung sei. Aus psychiatrischer
Sicht würde eine somatoforme Schmerzstörung sowie eine depressive Störung
vorliegen. Die Versicherte sei schon im 2013 in der Psychiatrie L._ in ambulanter
Behandlung gewesen und habe bereits damals ein typisches depressives Zustandsbild
gezeigt. Aufgrund der aktuellen Beurteilung sei die Versicherte gegenwärtig zu 40 bis
50% arbeitsfähig. Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte durch Schonen und
Vermeidungsverhalten in Folge von Unsicherheitsgefühlen und mangelnden sozialen
A.m.
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Fertigkeiten sowie Ressourcen unter der Aufrechthaltung der psychischen Symptome
leide (IV-act. 141).
Der RAD-Arzt Dr. N._, Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie,
Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie zertifizierter medizinischer Gutachter,
hielt am 11. Juni 2018 in Bezug auf die Beantwortung der Rückfragen zum Gutachten
durch Dr. J._ (vgl. IV-act. 142) fest, dass die Diskrepanz der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit durch Dr. J._ im Vergleich zu den Rheumatologen des KSSG
problemlos dadurch erklärt werden könne, dass für die behandelnden Ärzte des KSSG
die chronische Schmerzkrankheit im Vordergrund gestanden habe. Da keine
wesentliche entzündliche Aktivität der Psoriasis-Arthritis vorliege, habe Dr. J._ zu
Recht eine Arbeitsfähigkeit von 100% in adaptierter Tätigkeit festgehalten und dies
durch die gut erhaltene Funktionsfähigkeit am Bewegungsapparat begründet. In Bezug
auf den Bericht von Dr. K._ vom 20. April 2018 sei zu bemerken, dass es sich um
eine unterschiedliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Vergleich zum psychiatrischen
Teilgutachten handle, diese tiefere Einschätzung jedoch unbegründet geblieben sei.
Ebenfalls seien die anderslautenden Diagnosen im Vergleich zum Gutachten nicht
erläutert worden. Zusammenfassend hielt Dr. N._ fest, dass sich keine neuen
medizinischen fallrelevanten Aspekte ergäben und keine weiteren medizinischen
Abklärungen angezeigt seien (IV-act. 143).
A.n.
Im Rahmen der Stellungnahme vom 4. Juli 2018 zur dritten Anhörung liess die
Versicherte über ihren Rechtsvertreter geltend machen, dass der RAD ihre
Einwendungen nur unvollständig gewürdigt habe. Seit dem Sommer 2017 befinde sich
die Versicherte in fachärztlicher psychiatrischer Behandlung, dies sei ein Indiz für den
hohen Leidensdruck. Dr. K._ habe eine depressive Störung mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50-60% festgestellt. Der medizinische Sachverhalt
insbesondere betreffend den Verlauf des psychischen Gesundheitszustandes seit der
Begutachtung sei offensichtlich nicht genügend abgeklärt worden. Zudem habe ein
strukturiertes Beweisverfahren im vorliegenden Fall nicht stattgefunden (IV-act. 145).
A.o.
Im daraufhin eingeholten IV-Arztbericht vom 10. September 2018 hielt Dr. K._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: Dysthymie, bekannte
rezidivierende depressive Störung, anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Die
A.p.
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Versicherte sei seit dem 4. Juli 2017 bei ihr in ambulanter Behandlung und mit
Abständen von ca. 3-5 Wochen zur Einzeltherapie-Sitzung erschienen, wobei sie
jeweils von einem Familienmitglied für die Übersetzung begleitet worden sei. Die
Versicherte nehme diverse Medikamente aufgrund der somatischen Erkrankungen
sowie ein Antidepressivum ein. Es liege gegenwärtig eine Arbeitsfähigkeit von 50% vor,
die bei ressourcenorientierter psychotherapeutischer Behandlung gegebenenfalls
gesteigert werden könne. Die Versicherte sei psychomotorisch verlangsamt, gering
belastbar, es würden Überforderungsgefühle bestehen, und sie sei stark durch die
subjektiven Beschwerden beeinträchtigt. Weiter hielt Dr. K._ fest, dass die
Versicherte keine weiteren ambulanten Behandlungen mehr wünsche und sich auf ihre
somatischen Beschwerden und deren Behandlung konzentrieren möchte (IV-act. 148).
In der Stellungnahme vom 4. Oktober 2018 zum IV-Arztbericht von Dr. K._
vertritt der RAD-Arzt Dr. N._ die Einschätzung, dass eine Dynamik und insbesondere
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der Begutachtung nicht
beschrieben würden. In Bezug auf die Befunde handle es sich bei der Einschätzung
von Dr. K._ im Vergleich zum Gutachten um eine andere Beurteilung eines sehr
ähnlichen Sachverhalts. Übereinstimmend seien Dr. K._ und der Gutachter Dr. O._
von einer Dysthymie ausgegangen, während Dr. O._ im Gegensatz zu Dr. K._ eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung verneint habe. Die unterschiedliche
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit könne weitgehend durch die unterschiedlichen
ärztlichen Rollen erklärt werden (IV-act. 149).
A.q.
Am 4. Oktober 2018 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentenbegehrens.
Im Rahmen des polydisziplinären Gutachtens hätte eine Konsensbesprechung
stattgefunden und in sämtlichen Fachdisziplinen seien die Gutachter zum Ergebnis
gelangt, dass die Versicherte in adaptierter Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig sei.
Nachdem auch der rheumatologische Gutachter in einer adaptierten Tätigkeit eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit festgestellt habe, könne diesbezüglich auf eine
Konsensbesprechung aller Gutachter verzichtet werden. Die Änderung der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei berücksichtigt worden. Eine erhebliche und
anhaltende Verschlimmerung des Gesundheitszustandes seit Erlass des Vorbescheids
sei nicht ausgewiesen. Betreffend den Bericht von Dr. K._ sei festzuhalten, dass
A.r.
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B.
diese im Vergleich zum psychiatrischen Teilgutachten eine andere Beurteilung eines
sehr ähnlichen Sachverhalts vornehme (IV-act. 150).
Gegen diese Verfügung erhebt die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
Roland Zahner, am 5. November 2018 Beschwerde. Es wird beantragt, die Verfügung
vom 4. Oktober 2018 sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin seien die ihr
zustehenden Rentenleistungen auszurichten. Eventualiter sei ein gerichtliches
Gutachten anzuordnen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung
lässt die Beschwerdeführerin geltend machen, Dr. N._ verfüge nicht über die für die
Beurteilung des medizinischen Sachverhalts notwendige Facharztausbildung, um die
überzeugende Einschätzung von Dr. K._ in Zweifel zu ziehen. Zudem handle es sich
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. K._ um eine unterschiedliche
Beurteilung im Vergleich zum psychiatrischen Teilgutachten vom 16. November 2016,
da im Gutachtenszeitpunkt keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
bestanden und keine fachärztliche psychiatrische Behandlung stattgefunden habe.
Weiter bestünden verschiedene Ungereimtheiten, die gegen die Verwertbarkeit des
poly- und monodisziplinären Gutachtens sprächen (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Februar 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Ein (RAD-)Arzt sei unabhängig von seiner
Fachrichtung grundsätzlich in der Lage, die Kohärenz eines Berichtes eines anderen
Arztes zu beurteilen. Dr. N._ habe die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters
nicht entkräftet, sondern teile diese. Die Berichte von Dr. K._ würden keine Zweifel
am Ergebnis des psychiatrischen Teilgutachtens auslösen, insbesondere werde keine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der Begutachtung beschrieben. Im
psychiatrischen Teilgutachten seien die vorgebrachten gesundheitlichen Leiden in
genügender Weise in die Diagnosestellung und in die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
eingeflossen. Die eingeholten Gutachten hätten die Anforderungen an ein
strukturiertes, indikatorengeleitetes Beweisverfahren erfüllt und die Vorakten seien
angemessen gewürdigt worden (act. G 4).
B.b.
Mit Replik vom 4. März 2019 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest.
Der medizinische Sachverhalt bezüglich dem Verlauf der psychischen Gesundheit seit
B.c.
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Erwägungen
1.
der Begutachtung sei nicht genügend abgeklärt worden und die fachfremde Würdigung
der Beurteilung von Dr. K._ durch Dr. N._ vermöge dem Untersuchungsgrundsatz
nicht zu genügen. Zudem müsse es zur Aufhebung der Verfügung und Rückweisung an
die Beschwerdegegnerin kommen, da im rheumatologischen Gutachten kein
strukturiertes Beweisverfahren durchgeführt worden sei (act. G 6).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 12. März 2019 auf die Einreichung einer
Duplik (act. G 8).
B.d.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist ein
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden. Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche
Beeinträchtigung verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.
Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in
1.3.
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Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie
mindestens zu 50%, und auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid
ist.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen). Ob einer
versicherungsmedizinischen Expertise oder einem ärztlichen Bericht Beweiswert
zukommt, stellt eine frei überprüfbare Rechtsfrage dar. Diese ist zu bejahen, wenn der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie
der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind. Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG
eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten
externer Spezialärzte (sogenannte Administrativgutachten) darf voller Beweiswert
zuerkannt werden, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
vom 20. August 2018, 9C_86/2018, E. 5.1 mit Hinweisen).
1.4.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 138 V 218 E. 6 mit
Hinweisen). Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob
über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen
haben Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche
Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts abweichendes vorsieht, nach
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht.
1.5.
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2.
Die Richterin und der Richter haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen,
die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen
(BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).
Zunächst ist zu prüfen, ob aufgrund der vorliegenden medizinischen Aktenlage der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin genügend abgeklärt wurde. Die
Beschwerdegegnerin stützt sich für die Ablehnung des Rentenanspruchs im
Wesentlichen auf das polydisziplinäre Gutachten der MGSG (IV-act.107) und das
monodisziplinäre rheumatologische Gutachten von Dr. J._ des USZ (IV-act. 133). Die
Beschwerdeführerin erachtet das poly- sowie das monodisziplinäre Gutachten als nicht
beweistauglich, da erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit und der Schlüssigkeit der
gutachterlichen Feststellungen bestehen würden (act. G 1). Auf die einzelnen
Kritikpunkte wird - soweit entscheidwesentlich - konkret eingegangen.
2.1.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, der medizinische Sacherhalt
betreffend die Entwicklung des psychischen Gesundheitsschadens seit der
psychiatrischen Begutachtung durch Dr. O._ sei nicht genügend abgeklärt worden,
kann ihr nicht gefolgt werden.
2.2.
Mit der Rüge, Dr. N._ verfüge nicht über einen hier zur Beurteilung des
medizinischen Sachverhalts und Würdigung des Berichtes von Dr. K._ notwendigen
Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie, verkennt die Beschwerdeführerin,
dass Dr. N._ keinen Untersuchungsbericht im Sinne von Art. 49 Abs. 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) erstellt hat, sondern einen
internen Bericht. Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, den medizinischen
Sachverhalt aus medizinischer Sicht zusammenzufassen und zu würdigen, wozu
namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung
vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder andere Ansicht abzustellen oder
aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei (Urteil des Bundesgerichts vom
31. Oktober 2014, 9C_406/2014, E. 3.5 mit Hinweisen). Eines spezifischen
Facharzttitels bedurfte Dr. N._ deshalb vorliegend nicht, um den bestehenden
medizinischen Sachverhalt zu würdigen (Urteil des Bundesgerichts vom 6. September
2017, 8C_406/2017 E. 4.1 mit Hinweisen), umso mehr als in erster Linie die Frage zu
beantworten war, ob sich aus dem Bericht von Dr. K._ eine seit der Begutachtung
eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustands ergibt.
2.2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
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Was die von der Beschwerdeführerin angerufenen Berichte der behandelnden
Ärztin Dr. K._ betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass die psychiatrische Exploration von
der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem
begutachtenden Psychiater deshalb praktisch immer einen gewissen Spielraum,
innerhalb dessen verschiedene medizinische-psychiatrische Interpretationen möglich,
zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteil
des Bundesgerichts vom 5. April 2019, 9C_668/2018 E. 3.5 mit Hinweisen). Daher und
unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und
Abklärungsauftrag (BGE 124 I 170 E. 4) kann es nicht angehen, ein medizinisches
Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass
weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen nachher zu
unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten
abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich hingegen, wenn die
behandelnden Arztpersonen objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, welche
im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet sind, zu einer
abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Februar 2017;
9C_338/2016, E. 5.5.; vom 3. März 2017, 9C_793/2016 E. 4.1.2; je mit Hinweisen).
2.2.2.
Dr. K._ zeigt in ihrer Stellungnahme vom 20. April 2018 zu Handen des
Rechtsvertreters nicht auf, in welchem Punkt das psychiatrische Teilgutachten von Dr.
O._ nicht plausibel erscheine, und setzt sich mit den darin enthaltenen
Schlussfolgerungen nicht auseinander (vgl. IV-act. 141-1). Sowohl Dr. O._ als auch
die behandelnde Dr. K._ sind Fachärzte Psychiatrie und Psychotherapie und stellen
übereinstimmend eine Dysthymie (ICD-10: F34.1) fest. Dr. K._ diagnostizierte
zusätzlich (vgl. IV-Arztbericht, IV-act. 148-3) eine "bekannte rezidivierende depressive
Störung" (ICD-10: F33) und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10:
F45.4), während Dr. O._ das Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung
verneinte (IV-act. 107-27). Er begründete seine Einschätzung damit, dass trotz
Vorliegens von körperlichen Beschwerden sich keine anhaltenden schweren und
quälenden Schmerzen erheben liessen, die in Zusammenhang mit emotionalen
Konflikten oder psychosozialen Problemen stünden. Es könne jedoch eine psychogene
Überlagerung der körperlichen Beschwerden in Zusammenhang mit der chronischen
depressiven Verstimmung (Dysthymie) angenommen werden mit leichter
Verdeutlichung und demonstrativen Hinweisen auf die körperlichen Beschwerden.
Ferner verneinte er eine leichte oder mittelgradige rezidivierende depressive Störung,
da der Schweregrad und die Dauer der einzelnen Episoden die Kriterien für eine solche
Störung nicht erfüllen würden. Es lägen lediglich depressive Verstimmungen im Sinne
2.2.3.
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einer Dysthymie vor. Dr. K._ begründete weder die von ihr gestellte Diagnose noch
das Vorliegen der Diagnosekriterien einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung.
Auch schweigt sie sich über die Befunde aus, welche zur Diagnose der rezidivierenden
depressiven Störung geführt hätten. Diesbezüglich bleibt anzumerken, dass die
Dysthymie sich nach der im gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10 enthaltenen
Umschreibung als eine chronische depressive Verstimmung charakterisiert, die weder
schwer, noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Kriterien
einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung
(ICD-10: F33) zu erfüllen. Dr. K._ führt auch nicht weiter aus, dass bzw. ob es sich
bei den gestellten Diagnosen um die Konstellation einer sogenannten "Double
Depression" (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. Januar 2016, 9C_146/2015, E. 3.3)
handeln sollte. Ferner begründete sie die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50%
anhand der von ihr erhobenen (psychiatrischen) Befunde kaum. Sie wies lediglich
darauf hin, dass eine psychomotorische Verlangsamung, eine geringe Belastbarkeit,
Überforderungsgefühle und eine starke Beeinträchtigung durch die subjektiven
Beschwerden sich einschränkend auf die berufliche Tätigkeit auswirken würden (vgl.
IV-act. 148-4). Übereinstimmend halten Dr. O._ und Dr. K._ fest, dass die
Beschwerdeführerin im Affekt leicht niedergeschlagen wirke, im Denken auf die
körperlichen und psychischen Beschwerden sowie soziale Situation eingeengt sei und
im Antrieb eher vermindert wirke. Beide Arztpersonen stellten fest, dass
Aufmerksamkeit, Konzentration und Schlaf-Wachrhythmus unauffällig seien. Die
behandelnde Ärztin Dr. K._ hat nach dem Gesagten keine objektiv feststellbaren
Gesichtspunkte vorgebracht, welche im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung
unerkannt geblieben und geeignet wären, die überzeugende Einschätzung von Dr.
O._ in Zweifel zu ziehen sowie zu einer abweichenden Beurteilung zu führen. Im
Rahmen der Würdigung des Arztberichtes von Dr. K._ kam Dr. N._ zutreffend zum
Ergebnis, dass daraus keine Hinweise für eine wesentliche Veränderung des
Gesundheitszustandes im Nachgang zur psychiatrischen Begutachtung vom
November 2016 zu entnehmen seien (vgl. IV-act. 143 und 149).
Betreffend die fachärztliche psychiatrische Behandlung berichtete Dr. K._,
dass die Beschwerdeführerin seit Juli 2017 im Abstand von drei bis fünf Wochen
jeweils in Begleitung eines Familienangehörigen (zur Übersetzung) bei ihr zu
Einzeltherapie-Sitzungen erschienen sei. Gemäss dem IV-Arztbericht vom 10.
September 2018 wünsche die Beschwerdeführerin keine weitere ambulante
Behandlung mehr und möchte sich auf die somatischen Beschwerden und deren
Behandlung konzentrieren. Bezüglich der Einnahme eines Antidepressivums machte
2.2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
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Dr. K._ keine Angaben, sondern verwies auf die Hausärztin (IV-act. 148-2 ff.). Die
Beschwerdeführerin begab sich folglich erst im Nachgang der psychiatrischen
Begutachtung in psychiatrische Behandlung und befand sich bereits im
Verfügungszeitpunkt in keiner fachärztlich psychiatrischen Behandlung mehr, was
gegen einen erheblichen Leidensdruck spricht. Mit dem RAD ist nach dem Gesagten
darauf abzustellen, dass die vom Gutachten abweichende Einschätzung des
Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit durch Dr. K._ eine andere
Beurteilung eines sehr ähnlichen Sachverhalts darstellt und an der gutachterlichen
Einschätzung des psychischen Gesundheitszustands keine Zweifel hervorzubringen
vermag.
Die Beschwerdeführerin kritisiert, es fehle dem rheumatologischen Gutachten an
einer genügenden Auseinandersetzung mit den in den Vorakten enthaltenen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen. Dr. J._ hat den von der Beschwerdeführerin
erwähnten Bericht des KSSG (IV-act. 121) und das rheumatologische Konsil von Dr.
I._ (IV-act. 111) gewürdigt, diese zusammenfassend wiedergegeben und sich dazu
im Rahmen der diagnostischen Beurteilung und Einschätzung der Arbeitsfähigkeit -
wenn auch nur kurz - geäussert (vgl. IV-act. 133 und 142). Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin begründeten die behandelnden Ärzte des KSSG die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit nicht, sondern
beschränkten sich auf die Aufstellung eines Zumutbarkeitsprofils. Diesbezüglich bleibt
unklar, welche gesundheitlichen Leiden die Arbeitsfähigkeit quantitativ einschränken
sollen. Die von Dr. J._ angegebene Erklärung zur Abweichung, wonach für die Ärzte
des KSSG die fachfremde Diagnose einer chronischen Schmerzstörung im
Vordergrund gestanden habe, diese in seiner Einschätzung aber nicht zu einer derart
hohen Einschränkung führe, erscheint als hinreichend begründet und überzeugt im
Ergebnis. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass die behandelnden Ärzte im
Rahmen der Psoriasisarthritis keine wesentlichen entzündlichen Aktivitäten feststellen
konnten und die chronische Schmerzstörung als erste Diagnose aufführten (vgl. IV-act.
121-4). Betreffend das Konsil von Dr. I._ ist festzuhalten, dass dieser neben der
Psoriasisarthritis auch die Enthesiopathien, eine Periarthropathia humeroscapularis und
die ausgeprägten Knick-Senk-Spreizfüsse bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
berücksichtigte (vgl. IV-act. 111-2). Diesbezüglich hielt Dr. J._ fest, dass die
Diagnose einer Periarthropathia humeroscapularis aktuell so nicht mehr gestellt werden
könne und die Knick-/Senk-/Spreizfüsse die Arbeitsfähigkeit nicht einschränken
würden, da sie mit Einlagenanpassung therapierbar seien (IV-act. 133-16 f.). Auch die
Ausführungen von Dr. J._ (vgl. IV-act. 142), dass die Arbeitsfähigkeit durch Dr. I._
entsprechend einem medizinischen Konsilium nicht weiter begründet worden sei,
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/20
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überzeugt. Hierzu lässt sich dem Auftrag der IV-Stelle an Dr. I._ zum
rheumatologischen Konsilium entnehmen, dass eine Einschätzung und Beurteilung der
Diagnose Psoriasisarthritis, der dadurch bewirkten Einschränkungen und die
Indizierung einer medizinischen Therapie angefragt wurde (vgl. Anmeldung vom 21.
Februar 2017, IV-act. 109). Dr. I._ hielt auf entsprechende Nachfrage explizit fest,
dass die Frage nach der Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit nicht Teil des
Konsiliums gewesen sei (IV-act. 113). Nach dem Gesagten enthält das Gutachten von
Dr. J._ überprüf- und nachvollziehbare Angaben, wie die erhebliche Differenz zu den
Schlussfolgerungen in den Berichten des KSSG und von Dr. I._ zustande gekommen
ist. Die Berücksichtigung der Vorakten und deren Würdigung durch Dr. J._ erscheint
damit zureichend und vollständig.
Soweit gerügt wird, dass sich Dr. J._ widerspreche, indem er den Ärzten des
KSSG die Abstützung der Arbeitsfähigkeit bei im Vordergrund stehenden fachfremden
Diagnosen vorhält und sich selber zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf teilweise
fachfremde Diagnosen abstütze, kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten
ableiten. Dr. J._ diagnostizierte als Verdachtsdiagnose eine sekundäre Fibromyalgie,
begründete die Diagnosestellung jedoch nicht weiter. Er hielt lediglich fest, dass die
ausgedehnte Schmerzschilderung inklusive der ausgebreiteten Lokalisation somatisch
nur zu einem geringen Grad erklärbar sei, und beurteilt die Fibromyalgie jeweils mit
dem chronischen panvertebralen Schmerzsyndrom zusammen. Aus der
Arbeitsfähigkeitsschätzung geht hervor, dass er bei der Festlegung der Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit die Diagnosen Psoriasisarthritis und chronisches
panvertebrales Schmerzsyndrom berücksichtigt und diesbezüglich eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten als gegeben erachtet (IV-act. 133-15 ff.).
Rechtsprechungsgemäss lässt sich ein Schmerzleiden mit der rheumatologischen
Diagnose der Fibromyalgie erfassen, die betreffenden Befunde können aber auch mit
der psychiatrischen Kategorie der somatoformen Schmerzstörung abschliessend
klassifiziert werden (BGE 141 V 281 E. 10.2 mit Hinweisen). Der von der
Beschwerdeführerin zitierte Satz ("Unsere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gilt
bezugnehmend auf die Aktenlage auch retrospektiv [...] und beinhaltet die
Einschätzung sowohl bezüglich der Arthritis, der vertebralen Schmerzen und der
Fibromyalgie.") vermag an der Einschätzung von Dr. J._ keine Zweifel zu wecken, da
er der Verdachtsdiagnose der Fibromyalgie nur untergeordnete Bedeutung beimisst.
Die Ärzte des KSSG hingegen diagnostizierten eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren an erster Stelle, die Arthritis psoriatica an
zweiter und eine sekundäres Fibromyalgiesyndrom an dritter Stelle. Zur Diagnose 2
hielten sie fest, es lägen aktuell keine wesentlichen entzündlichen Aktivitäten vor und
2.4.
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es bestehe eine gute medikamentöse Einstellung der Erkrankung (IV-act. 121-4).
Rechtsprechungsgemäss ist eine chronische Schmerzstörung und deren Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit von einem Psychiater zu beurteilen (BGE 130 V 353 E. 2.2.2 mit
Hinweisen). Aus dem Bericht des KSSG geht nicht hervor, dass die
Beschwerdeführerin im Rahmen der multimodalen Schmerztherapie psychiatrisch
abgeklärt worden wäre. Erwähnt werden einzig "vier stützende psychologische
Gespräche" (vgl. IV-act. 121-2).
Weiter bemängelt die Beschwerdeführerin die stark unterschiedliche Einschätzung
der Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit durch den Orthopäden Dr. P._
und den Rheumatologen Dr. J._. Aus dem orthopädischen Teilgutachten geht hervor,
dass die Psoriasisarthritis von Dr. P._ weder diagnostiziert noch in der Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden ist (IV-act. 107-7). Dr. J._ hingegen hielt
im rheumatologischen Gutachten fest, dass die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
mittelschweren Tätigkeit als Verpackerin von Geflügelfleisch aufgrund des
fluktuierenden Verlaufs der entzündlichen Systemerkrankung mit wiederkehrenden
Schüben von Gelenksentzündungen aufgehoben sei (IV-act. 133-17). Diese
Schlussfolgerung zur Aufhebung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
erscheint nachvollziehbar sowie schlüssig und wird von der Beschwerdeführerin auch
nicht bestritten. Es kann somit auf die im rheumatologischen Teilgutachten
festgehaltene Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Verpackerin
abgestellt werden, weshalb sich weitere Ausführungen zur Kritik der
Beschwerdeführerin erübrigen.
2.5.
Die Beschwerdeführerin bemängelt ferner, es habe keine Konsensbesprechung
zwischen allen beteiligten Gutachtern stattgefunden, welche infolge der aufgezeigten
Widersprüche und Ungereimtheiten zwingend indiziert gewesen sei. Zweck von
interdisziplinären Gutachten ist es, alle relevanten gesundheitlichen Beeinträchtigungen
zu erfassen und die sich daraus je einzeln ergebenden Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit in ein Gesamtergebnis zu fassen (BGE 137 V 210 E. 1.2.4).
Rechtsprechungsgemäss ist eine zusammenfassende Beurteilung auf der Grundlage
einer Konsensdiskussion der einzelnen Gutachter oder unter Leitung einer
fallführenden Arztperson zur Zusammenführung und Darlegung der Ergebnisse aus den
einzelnen Fachrichtungen ideal, aber nicht zwingend (BGE 143 V 124 E. 2.2.4, Urteil
des Bundesgerichts vom 15. Januar 2016, 9C_889/2015, E. 2.2; je mit Hinweisen). Das
Abstellen auf ein polydisziplinäres sowie monodisziplinäres Gutachten ist daher nicht
bereits bundesrechtswidrig, weil - wie im konkreten Fall - keine abschliessende
Konsensdiskussion zwischen allen Gutachtern stattgefunden hat. Unbestritten ist, dass
2.6.
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im polydisziplinären Gutachten der MGSG eine Konsensbesprechung stattgefunden
hat. Aus dem orthopädischen, dem psychiatrischen, dem internistischen sowie dem
rheumatologischen Teilgutachten geht jeweils hervor, dass die Beschwerdeführerin in
adaptierten Tätigkeiten 100% arbeitsfähig sei (IV-act. 107-9, 107-31 und 133-17).
Gestützt auf die beiden Gutachten und die Stellungnahmen des RAD vom 29. Januar
2018 und vom 31. März 2017 (IV-act. 134 und 116) lässt sich die rechtsrelevante Frage
der Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aus interdisziplinärer Sicht demnach
beantworten. Es wird denn von der Beschwerdeführerin auch nicht weiter ausgeführt,
inwiefern eine Konsensbesprechung zwischen allen Gutachtern eine Änderung der
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit hätte bewirken können.
Sofern die Beschwerdeführerin geltend macht, Dr. J._ habe kein strukturiertes
Beweisverfahren durchgeführt, weshalb das Gutachten von vornherein nicht verwertbar
sei, erscheint ihr Verhalten widersprüchlich: Im Einwand vom 27. Juli 2017 betreffend
die Ankündigung der rheumatologischen Begutachtung und den anwendbaren
Fragenkatalog liess die Beschwerdeführerin vorbringen, der Fragenkatalog im Sinne
des IV-Rundschreibens Nr. 339 sei nur auf syndromale Beschwerdebilder anwendbar
und deshalb im vorliegenden Fall nicht zulässig (IV-act. 125-2). Im Rahmen der zweiten
Anhörung vom 29. März 2018 machte sie demgegenüber geltend, Dr. J._ hätte sich
nicht an den vorgegebenen Fragenkatalog gehalten, weshalb das rheumatologische
Gutachten im Lichte von BGE 141 V 281 nicht verwertbar sei (vgl. IV-act. 137 und 145).
Ausserdem übersieht die Beschwerdeführerin, dass sich Dr. O._ zu den
Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 geäussert hatte, womit der
Beschwerdegegnerin und dem hiesigen Gericht eine Auseinandersetzung mit diesen
Indikatoren und der Beurteilung dessen, ob die diagnostizierte Dysthymie und der
Verdacht auf eine Fibromyalgie zu einer ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit
führen, möglich ist. Zur Kategorie "Gesundheitsschädigung" hielt Dr. O._ fest, dass
trotz der körperlichen Beschwerden keine Hinweise für eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung bestehen würden, bei welcher die Schmerzen durch eine organische
Störung nicht ausreichend erklärt werden könnten und die in Verbindung mit
emotionalen Konflikten oder psychosozialen Problemen stehen würden. Der
chronischen depressiven Verstimmung (Dysthymie) mass er keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit bei, da die leichte depressive Störung aufgrund von Schweregrad und
Dauer der einzelnen Episoden gegenwärtig nicht die Kriterien für eine leichte oder
mittelgradig rezidivierende depressive Störung erfüllen würde. Im Rahmen des
"sozialen Kontextes" hätten sich psychosoziale Belastungen mit Arbeitslosigkeit und
fehlendem Einkommen erheben lassen, welche negative funktionelle Folgen zeigen und
sich ungünstig auf die Dysthymie auswirken würden, jedoch nicht als alleinige Ursache
2.7.
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in Betracht kämen. Im Komplex der "Persönlichkeit" bestehe keine Störung der Selbst-
und Fremdwahrnehmung, Realitätsprüfung und Urteilsbildung. Die leichten Affekt- und
Antriebsstörungen seien auf die depressive Störung zurückzuführen (IV-act. 107-26 f.).
Beim Indikator "Konsistenz" konnte Dr. O._ keine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen feststellen. Die
Beschwerdeführerin gehe aktuell keiner beruflichen Tätigkeit nach und fühle sich auch
nicht arbeitsfähig. Es hätten sich aber Aktivitäten im Tagesablauf erheben lassen,
nämlich leichte Tätigkeiten im Haushalt (Aufräumen oder Wäsche machen, Einkaufen
mit dem Ehemann zusammen, die Ordnung in der Wohnung kontrollieren),
Spaziergänge, sie spiele teilweise mit dem einjährigen Enkelkind und verbringe Zeit mit
der Familie. Bezugnehmend auf die bisherige Behandlung hält der Gutachter fest, dass
die Beschwerdeführerin nach einer psychiatrischen Abklärung im Jahre 2013 in der
Klinik C._ keine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung in Anspruch
genommen habe. Eine solche Behandlung in Kombination mit einer gering dosierten
antidepressiven Medikation werde empfohlen. Diesbezüglich sei jedoch unklar, ob eine
ausreichende Kooperation und Compliance bestehe. Eine krankheitsbedingte
Unfähigkeit zur Therapieadhärenz liege jedoch nicht vor. Ferner hielt er fest, dass die
Beschwerdeführerin nur ungenaue Angaben bezüglich der depressiven Verstimmung
gemacht habe. Zudem hätten sich Hinweise für eine psychogene Überlagerung der
körperlichen Beschwerden finden lassen (IV-act. 107-28 ff.). Bezüglich "Konsistenz"
äusserte sich auch Dr. J._, dass die Beschwerdeführerin während der Begutachtung
ohne Angabe von Beschwerden zwei Stunden in sitzender Stellung habe verweilen
können, jedoch selber angegeben habe, nur ca. 30-60 Minuten sitzen zu können. Die
ausgedehnte Schmerzschilderung inklusive der ausgebreiteten Lokalisation sei
somatisch nur zu einem geringeren Grad erklärbar, zudem sei die
Krankheitsbewältigungsstrategie deutlich passiv ausgerichtet. Die beklagten
Einschränkungen im Alltag könnten nur zu einem geringeren Grad nachvollzogen
werden (IV-act. 133-15 f.) Zum Indikator "Ressourcen" hielt Dr. O._ fest, dass die
Beschwerdeführerin zumindest wenige Aktivitäten im Tagesablauf aufweise und leichte
Tätigkeiten im Haushalt verrichte. Es würden sich gute familiäre Beziehungen und
zumindest wenige soziale Kontakte erheben lassen. Trotz der Sprachbarriere wirke sie
gut kommunikations- sowie kontaktfähig, ferner würden sich eine gewisse Motivation
und Interessen erkennen lassen (IV-act. 107-29). Insgesamt erscheint es anhand der
massgeblichen Standardindikatoren nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund der festgestellten Diagnosen (IV-act. 107-40 f. und 133-16) in einer
adaptierten Tätigkeit nicht überwiegend wahrscheinlich in der Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt ist.
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