Decision ID: e7a7fe08-1f19-56c0-9c2e-6db5acd499b1
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, meldete sich am 15. Juli 2010 aufgrund seit einem Unfall vom 19. Januar 2010 bestehender Beschwerden bei der Invalidenversi
che
ru
ng zum Leistungsbezug an (Urk. 7
/19). Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten des Unfallversicherers bei und holte bei der
A._
ein
bidisziplinäres
Gutachten ein, welches am 21. Februar 2011 erstattet wurde (Urk.
7
/47). Mit Vorbescheid vom 12. April 2011 stellte die IV
Stelle dem Versicherten die Abweisung des Leistu
ngsbegehrens in Aussicht (Urk. 7
/50). Dagegen erhob der Versicherte am 12. Mai 2011 Einwände (Urk.
7
/58).
Zwischenzeitlich hatte der Versicherte am 6. Mai 2011 erneut einen Unfall erlit
ten (Urk.
7
/70/1) und sich Frakturen im Bereich des Beckens und des Unter
schenkels rechts zugezogen. Daraufhin veranlasste der Unfallversicherer ein wei
teres Gutachten bei der
A._
, welches am 22. Februar 2013 erstattet wurde (Urk.
7
/88). Mit Vorbescheid vom 30. Januar 2014 wies die IV-Stelle das Leis
tungsbegehren erneut ab (Urk.
7
/106). Aufgrund der Einwände (Urk.
7/110, Urk. 7
/114) sowie eines zwischenzeitlich im Auftrag des Unfallversicherers ein
gegangenen psychiatrischen Gutachtens von Dr.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17. August 2014 (Urk.
7
/117), holte die IV
Stelle beim
C._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 16. Febr
uar 2015 erstattet wurde (Urk. 7
/131/1-53). Nach einer weiteren Stellu
ngnahme des Versicherten (Urk. 7
/133), hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid fest und verneinte einen Leistungsanspruch mit Verfügung vom 29. Mai 2015 (Urk.
7
/135). Dagegen erhob der Versicherte am hiesigen Sozialversicherungsgericht Beschwerde (Urk.
7
/136/3-9). Nachdem die IV-Stelle mit Beschwerdeantwort den Antrag auf Rückweisung zur weiteren medizin
ischen Abklärung
ge
stellt
hatte
(Urk. 7
/141), womit sich der Versicherte einverstanden erklärte, wurde die Beschwerde mit Urteil vom 3. November 2015 im Prozess Nr. IV.2015.00715 teilweise gutge
heissen und die Sache zur weiteren Abklärung und Neuverfügung an die
IV-Stelle zurückgewiesen (Urk. 7
/143/1-6).
1.2
Daraufhin holte die IV-Stelle unter anderem bei Ärzten der
Klinik
D._
ein psychiatrisches Gutachten ein, welches am 22. Dezember 2
016 erstattet wurde (Urk. 7
/163/1-29). Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; Urk
.
6 S. 3 f.
)
sowie dem Rechtsdienst der IV-Stelle (vgl. interne Anfrage
vom 6. März
2017, Urk. 7
/165) wurde dem Versicherten am 31. März 2017 mit
geteilt, es sei eine stationäre psychiatrische Begutachtung bei Dr.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychiatrisches Zentrum
F._
, notwendig (Urk.
7
/169). Nachdem sich der Versicherte einer erneuten Begutachtung schriftlich widersetzt
hatte
(Urk.
7/170
,
Urk. 7
/172), hielt die IV-Stelle mit Zwischenverfügung vom 4. Mai 2017 an der Beguta
chtung fest (Urk. 7
/173).
Die dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 7/174/3-8) wurde mit Urteil vom 29. August 2017 des hiesigen Sozialversicherungsgerichts gutge
heissen, die Zwischenverfügung vom 4. Mai 2017 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung zurückgewiesen (Prozess IV.2017.00623; Urk. 7/176/1-15).
1.3
Im Nachgang
zum
Urteil vom 29. August 2017 holte die IV-Stelle den Bericht vom 5. Oktober 2016 der Leiterin des Tageszentrums des Spitals
G._
(Urk. 7/181) ein. Sodann stellte sie den Ärzten der
Klinik
D._
Rückfra
gen zum Gutachten vom 22. Dezember 2016 (Schreiben vom 28. Dezember 2017, Urk. 7/183), welche diese mit Stellungnahme vom 12. Januar 2018 beantworteten (Urk. 7/184). Am 8. Februar 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie erachte zur Klärung des Leistungsanspruches eine stationäre psychiatrische Untersuchung bei
Dr.
E._
als notwendig (Urk. 7/191; vgl. auch Schreiben vom 6. Februar 2018, Urk. 7/189). Damit erklärte sich der Versicherte mit Schreiben vom 2. März 2018 nicht einverstanden (Urk. 7/195). Mit Zwischenverfügung vom 20. März 2018 hielt die IV-Stelle an der in Aussicht gestellten stationären psychiatrischen Abklärung fest (Urk. 7/198 = Urk. 2).
2.
Der
Versicherte erhob am 3. Mai 2018
Beschwerde gegen die
Zwischenv
erfügung vom
20. März 2018
(
Urk.
2) und beantragte,
es sei von der stationären Abklärung am Psychiatrischen Zentrum
F._
durch
Dr.
E._
abzuse
hen und gestützt auf die Akten über den Rentenanspruch zu entscheiden
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
11. Juni 2018
(Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
12. Juni 2018
zur Kenntnis gebracht (Urk.
8
).
Mit Schreiben vom 1
8.
Oktober 2018 teilte die Kanzlei Rechtsanwälte
Pugatsch
mit, Rechtsanwalt
Dr.
Richter - welcher vorliegend den Beschwerdeführer ver
trat
sei anfangs Oktober 2018 verstorben. Die Vertretung durch Rechtsanwalt Dr. Richter respektive der Kanzlei Rechtsanwälte
Pugatsch
sei mit dessen Tod erloschen (Urk. 9).
Mit Eingabe vom 2. November 2018 zeigte Rechtsanwältin Aurelia Jenny an, dass sie ab sofort vom Beschwerdeführer mit der rechtlichen Interessenwahrung beauftragt worden sei (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand ist vorliegend die Zwischenverfügung vom 20. März 2018 (Urk. 2), mit welcher die Beschwerdegegnerin an der stationären Begutach
tung des Beschwerdeführers durch
Dr. E._
, Facharzt für Psychia
trie und Psychotherapie, Psychiatrisches Zentrum
F._
, festgehalten hat. Hierbei handelt es sich um eine Zwischenverfügung im Sinne von
Art.
55
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
i.V.m
.
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46 des Bundesge
setzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
), welche bei Bejahung des nicht
wieder gutzumachenden
Nachteils (
Art.
46
Abs.
1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E.
6.1) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
1.2
Bei der Beurteilung des Merkmals des nicht
wieder gutzumachenden
Nachteils im Kontext der Gutachtenanordnung ist gemäss der Rechtsprechung (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7) die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzumachenden Nach
teils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren zu bejahen, zumal die nicht sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken wird.
Beschwerdeweise geltend gemacht werden können materielle Einwendungen bei
spielsweise des Inhalts, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht not
wendig, weil sie - mit Blick auf einen bereits umfassend abgeklärten Sachver
halt
bloss einer Zweitmeinung entspreche (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Sodann können personenbezogene
Ausstandsgründe
gerügt werden.
1.3
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat der Versiche
rungs
träger den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären. Er ist nach dem in
Art.
43
Abs.
1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die not
wendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderli
chen Auskünfte einzuholen. Die Verfahrensleitung liegt dabei beim Versicherungs
trä
ger, dessen Ermessensspielraum
in Bezug auf Notwendigkeit, Umfang und Zweck
mässigkeit von medizinischen Erhebungen gross ist (Urteil des Bundes
gerichts 8C_481/2013 vom
7.
November 2013 E. 3.4). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sach
verhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen durchzuführenden Abklärungen im Sinne von
Art.
43 ATSG beinhalten indessen rechtsprechungs
gemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine „
second
opinion
“ zum bereits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt (BGE 138 V 271 E. 1.1; Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 2
9.
Mai 2007 E. 4.2). Entscheidend dafür, ob weitere Abklärungen angeordnet werden können und müssen, ist, ob die bereits vorliegenden Gutachten die praxisgemässen inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen erfüllen (Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 2
9.
Mai 2007 E. 4.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, auf das Gutachten der
Klinik
D._
vom 22. Dezember 2016 und die Beantwortung der Rückfragen durch die Gutachter vom 12. Januar 2018 könne nicht abgestellt werden. Offene Fragen hätten nur teilweise geklärt werden können. Es sei noch immer unklar, welche psychiatrischen Diagnosen genau vor
liegen würden (S. 2 oben). Die stationäre psychiatrische Begutachtung sei daher weiterhin notwendig (S. 2 Mitte).
Daran hielt die Beschwerdegegnerin mit Beschwerdeantwort fest (Urk. 5).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1), die Unklarheiten zum Themenbereich Aggravation/Simulation sei
en
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin durch die Antwort auf die Rückfragen voll
ständig geklärt worden beziehungsweise das Gutachten vom 22. Dezember 2016 dadurch vollumfänglich bestätigt worden (S. 5). Eine weitere Begutachtung sei nicht erforderlich, lägen doch die beweismässigen Voraussetzungen für einen endgültigen verwaltungsrechtlichen Leistungsentscheid gestützt auf die bei den Akten liegenden Gutachten und Stellungnahmen, insbesondere der
Klinik
D._
, vor. Daher sei die angefochtene Zwischenverfügung aufzuheben (S. 6 f.).
2.3
Strittig ist wiederum einzig die Notwendigkeit einer erneuten psychiatrischen Begutachtung.
Der Beschwerdeführer brachte keine konkreten Ausstands- und Ablehnungs
gründe gegen den vorgeschlagenen Gutachter
Dr.
E._
vor und solche sind aufgrund der Aktenlage auch nicht ersichtlich.
3.
3.1
Im Urteil vom 29. August 2017 zwischen den Parteien (Prozess IV.2017.00623; Urk. 7/176/6-12) wurde die medizinische Aktenlage, welche der damals ange
fochtenen Zwischenverfügung vom 4. Mai 2017 zugrunde lag, dargelegt (Erwä
gungen 3.1-3.6). Zum Gutachten vom 22. Dezember 2016 der
Klinik
D._
(Urk. 7/163/1-30) wurde Folgendes ausgeführt (Erwägung 3.5 des besagten Urteils):
(...) Die Gutachter führten aus, aufgrund des erhobenen Befundes zeige sich eine schwere psychische Störung. Im Vordergrund des psychischen Beschwerdebildes seien Einschränkungen der Orientierung, der Aufmerksamkeit und des Gedächt
nisses, affektive Symptome (Ratlosigkeit, reduzierte Vitalgefühle,
Deprimiertheit
, Hoffnungslosigkeit, ausgeprägte Angstgefühle,
Klagsamkeit
), eine Antriebsmin
de
rung,
mutistische
Züge sowie ein sozialer Rückzug gestanden. Die kognitiven Defizite, die Depressivität sowie die Ängstlichkeit hätten das Beschwerdebild geprägt. Hinzu seien deutliche Persönlichkeitsauffälligkeiten gekommen (
...
).
Hinsichtlich Persönlichkeit würden sich schwere Auffälligkeiten mit psychischer Regression, Angst,
mutistischen
Zügen,
histrionischem
Verhalten sowie starker Dependenz von den Angehörigen zeigen. Den Schilderungen der Ehefrau zufolge sei der Beschwerdeführer vor den beiden Unfällen keineswegs ein ängstlicher Mensch gewesen. Insbesondere im Vergleich
zur Zeit
nach dem zweiten Unfall vom 6. Mai 2011 sei er in seiner Persönlichkeit nun völlig ver
ändert (
...
).
In der Konsistenzanalyse führten die Gutachter aus, die Durchführung von Symp
tomvalidierungstests zur Überprüfung der Authentizität der präsentierten und beklagen Beschwerden sei aufgrund der schweren Beeinträchtigung des Beschwerdeführers nicht möglich gewesen. An dieser Stelle sei jedoch zu erwähnen, dass er im Mini-Mental-Status-Test lediglich zwei von maximal 30 Punkten erzielt habe. Eine Aggravation oder Simulation von Beschwerden könne somit vor dem Hintergrund fehlender Befunde nicht sicher ausgeschlos
sen werden. Die im Rahmen der Konsistenzanalyse jedoch weitgehend unauf
fälligen, das heisst nicht divergenten Befunde würden aber mit hoher Wahr
scheinlichkeit für authentische Beschwerden beziehungsweise für tatsächlich bestehende, aus
geprägte Einschränkungen der Alltags-Funktionalität sprechen (
...
).
Nach einer Diskussion der psychiatrischen Diagnosen früherer Arztberichte oder Gutachten hielten die Gutachter Folgendes fest: Trotz erheblicher differentialdi
agnostischer Schwierigkeiten würden sich die beim Beschwerdeführer bestehen
den Beschwerden in nachvollziehbarer Weise gut im Rahmen einer schweren depressiven Episode (ICD-10 F32.2) sowie einer generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1) fassen lassen. Die ausgeprägten kognitiven Defizite seien als sogenannte „Pseudodemenz“ im Rahmen der erwähnten, schweren depressiven Störung zu interpretieren. Dissoziative Prozesse seien hierbei nicht auszu
schliessen, seien jedoch zum Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung nicht vorherrschend gewesen. Zusätzlich würden genügend Belege für die Annahme einer wesentlichen Veränderung der Primärpersönlichkeit des Beschwerde
führers vorliegen, welche als andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit (ICD-10 F62.1) ausgelegt werden könne. Anzeichen für eine hirnorga
nische Ätiologie oder Mitverursachung des psychischen Beschwer
debildes hätten sich keine ergeben. Die Konsistenzprüfung habe keine Hinweise auf Diskrepanzen oder Unstimmigkeiten geliefert, so dass von authentischen psychischen Störun
gen auszugehen sei oder
anders ausgedrückt - eine Aggra
vation oder Simula
tion von Beschwerden mit hoher Wahrscheinlichkeit habe ausgeschlossen werden können. In Bezug auf die „willentliche Steuerbarkeit“ der Beschwerden sei fest
zuhalten, dass der soziale Rückzug des Beschwerde
führers beinahe alle Bereiche seines Alltagslebens - und nicht nur unangenehme Tätig
keiten wie etwa seinen Beruf - betreffen würden. Führungs- und Kontroll
funktionen seien ihm beinahe vollständig abhandengekommen. Er sei beinahe praktisch rund um die Uhr auf die Anwesenheit und Unterstützung von Dritt
personen angewiesen. Daher werde die Ansicht vertreten, dass die Funktions
einschränkungen tatsächlich bestehen würden und willentlich oder durch The
rapien nicht überwunden werden könnten (
...
).
Die Gutachter stellten zusammenfassend folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
...
):
-
schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2)
-
ausgeprägte kognitive Störung im Sinne einer „Pseudodemenz“ im Rahmen der oben erwähnten depressiven Episode (ICD-10 F32.2)
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit (ICD
10 F62.1)
Aufgrund der gestellten Diagnosen sei der Beschwerdeführer für sämtliche Tätig
keiten zu 100 % arbeitsunfähig (
...
).
3.2
Mit Schreiben vom 13. Dezember 2017 (Urk. 7/180) holte die Beschwerde
gegne
rin den bis anhin fehlenden Bericht vom 5. Oktober 2016 des Tages
zentrums Spital
G._
ein (Urk. 7/181). Darin wurde ausgeführt, der Beschwerde
führer sei einmal pro Woche im Tageszentrum (S. 1 oben). Er sei oft traurig und weiner
lich. Sein verbaler Ausdruck sei stark reduziert und die Ausdrucksfähigkeit oft nur über die Mimik praktizierbar. Er spreche wenig und sehr leise, die Wortfin
dung und das Artikulieren von Wörtern falle ihm schwer. Seine Konzentrations
fähigkeit scheine sehr gering. In Abläufen seiner alltäglichen Verrichtungen sei er blockiert und benötige verbale Anleitungen sowie Führung durch eine Hilfs
person. Seine diesbezüglichen Fähigkeiten liessen auf eine starke kognitive und motorische Beeinträchtigung schliessen (S. 1 „Verhalten”).
3.3
Am 12. Januar 2018 nahmen die
D._
-Gutachter Stellung zu den zahlreichen Rückfragen (Urk. 7/184). Hinsichtlich der im vorangegangenen Verfahren vor dem hiesigen Sozialversicherungsgericht geltend gemachten Kritik der Beschwer
de
gegnerin, die Gutachter hätten sich mit der Thematik „Aggravati
on/Simu
lation” ungenügend auseinandergesetzt (vgl. Urteil vom 29. August 2017 E. 4.3; Urk. 7/176/13), ist der besagten Stellungnahme unter anderem Folgendes zu ent
nehmen:
Auf die Frage, wie die Authentizität der Antworten bezüglich des Gedächtnisses geprüft worden sei, führten die Gutachter aus, auf Seite 20 des psychiatrischen Gutachtens sei festgehalten worden, dass die Durchführung von Symptomvali
dierungstests zur Überprüfung der Authentizität der präsentierten und beklagten Beschwerden aufgrund der schweren Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers nicht möglich gewesen sei. Dies
habe
insbesondere auch in Bezug auf seine kognitiven Defizite und demzufolge auch in Bezug auf seine Gedächtnisstörung gegolten. Eine Aggravation oder Simulation von Beschwerden habe somit auf dem Hintergrund fehlender Befunde einer Symptomvalidierung nicht sicher aus
geschlossen werden können. Die im Rahmen der ausführlichen Konsistenzanalyse ermittelten, weitgehend unauffälligen, das heisse nicht divergenten Befunde hätten jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit für authentische Beschwerden des Beschwerdeführers beziehungsweise für tatsächlich bestehende, ausgeprägte Ein
schränkungen seiner Alltagsfunktionalität gesprochen (S. 7 Mitte).
Weiter wollte die Beschwerdegegnerin wissen: „Wie wird ein Mini-Mental-Status (MMS) 2/30 erklärt? Eine Demenz liegt offensichtlich nicht vor. Wie wurde die Authentizität der Antworten geprüft?” Dies beantworteten die Gutachter folgen
dermassen: Auf Seite 27 des psychiatrischen Gutachtens sei eine ausgeprägte
kognitive Störung im Sinne einer „Pseudodemenz” im Rahmen einer schweren depressiven Episode diagnostiziert worden. Das Ergebnis des MMS sei - wie alle weiteren Befunde im Zusammenhang mit den kognitiven Defiziten des Beschwer
deführers - auf diesem Hintergrund zu erklären. Im Weiteren führten die Gutach
ter nochmals das zur Frage bezüglich Authentizität der Antworten hinsichtlich des Gedächtnisses Gesagte aus (vgl. S. 8 unten).
Sodann beantworteten die Gutachter folgende Frage:
„Eine Symptomvalidierung sei wegen der schweren Beeinträchtigung nicht möglich gewesen. Eine Aggrava
tion oder Simulation von Beschwerden könne somit nicht sicher ausgeschlossen werden. Weshalb wurden trotzdem schwere psychiatrische Diagnosen gestellt? Warum genau konnte eine Simulation der hier aufgezeigten Defizite vol
lkommen ausgeschlossen werden?”
Sie führten aus
, vor dem Hintergrund der weitgehend unauffälligen Befunde der Konsistenzanalyse, wie auf den Seiten 19 und 20 des psychiatrischen Gutachtens erörtert worden sei, sei es durchaus gerechtfertigt und stringent gewesen, die ent
sprechenden Diagnosen zu stellen. Es sei nicht behauptet worden, dass eine Simulation „vollkommen” auszuschliessen sei. Auf Seite 20 des psychiatrischen Gutachtens sei festgehalten worden, dass die im Rahmen der Konsistenzanalyse weitgehend unauffälligen, das heisse nicht divergenten Befunde „mit hoher Wahrscheinlichkeit” für authentische Beschwerden beziehungsweise für tat
säch
lich bestehende, ausgeprägte Einschränkungen der Alltagsfunktionalität gespro
chen hätten (S. 9 oben).
3.4
Im Bericht vom 28. Februar 2018 des Tageszentrums Spital
G._
wurde im Vergleich zum Vorbericht festgehalten, dass sich der Zustand des Beschwerde
führers seit der letzten Beurteilung insofern verändert habe, als dass er noch antriebsloser und bedrückter wirke (Urk. 7/196/1 oben).
3.5
RAD-Ärztin
Dr.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrer Stellungnahme vom 25. Januar 2018 aus (Urk. 6 S. 8-11), die offenen Fragen hätten durch die ergänzenden Angaben der
D._
-Gutachter
nur teilweise geklärt werden können. Aufgrund der Befunde könne eine schwere depressive Episode nicht klar nachvollzogen werden. Die genannte Pseudo
de
menz werde nicht von einer möglichen Simulation abgegrenzt und könne ins
ge
samt nicht nachvollzogen werden. Ebenso wenig könne eine generalisierte Angst
störung nachvollzogen werden, die Kriterien seien nicht erfüllt. Dasselbe gelte für die andauernde Persönlichkeitsänderung nach
psychischer Krankheit. Es sei ins
gesamt noch immer unklar, welche psychiatrischen Diagnosen genau vorliegen würden.
Dr.
H._
empfahl die Durchführung eines stationären psychiatri
schen Gutachtens (S. 10 f.).
4.
4.1
Summarisch zu prüfen ist, ob es sich bei der angeordneten polydisziplinären Begutachtung um das Einholen einer unzulässigen „
second
opinion
“ handelt, beziehungsweise ob eine genügende Beweislage vorliegt. Um diese Frage beant
worten zu können, müsste die vorliegende
Aktenlage auf ihre Vollständig
keit und Schlüssigkeit hin überprüft werden. Eine eingehende Überprüfung der medizi
ni
schen Aktenlage würde aber dazu führen, dass der Endentscheid im Hinblick auf die Beurteilung der medizinisc
hen Sachlage weitgehend präjudi
ziert würde. Da die Verfahrenshoheit bis z
um Abschluss des Verwaltungsver
fahrens bei der Beschwerdegegnerin liegt un
d ihr deshalb im Rahmen der Ver
fahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweck
mäs
sig
keit von medizinischen Erhebungen zukommt, muss im vorliegenden Ver
fahren die richterliche Pr
üfung bei einer knappen Beurtei
lung der Aktenlage im Sinne einer Plausibilitäts-
respektive Missbrauchskon
trolle ihr Bewenden haben. Entscheidend ist,
ob die Gründe, die die Beschwer
degegnerin für die Notwendig
keit einer weiteren polydisziplinären Abklärung anführt, plausibel erscheinen.
4.2
Im vorangegangenen Verfahren IV.2017.00623 wurde im Urteil vom 29. August 2017 aufgrund summarischer Prüfung bereits festgehalten, dass die Ärzte der
Klinik
D._
in deren Gutachten vom 22. Dezember 2016 prima
vista
nachvollziehbar zu den früheren gegebenenfalls anderslautenden Diagnosen Stellung genommen und insbesondere auch die Angaben des Tageszentrums zum Verhalten des Beschwerdeführers berücksichtigt und im Rahmen ihrer Plausibili
täts
prüfung miteinbezogen haben (Erwägung 4.2; vgl. Urk. 7/176/12-13). Weiter ist dem Urteil zu entnehmen, dass die von der Beschwerdegegnerin damals gel
tend gemachten Unklarheiten betreffend Aggravation beziehungsweise Simula
tion zuerst mittels Rückfragen an die
D._
-Gutachter zu klären sind, bevor sich die in Aussicht genommene stationäre Begutachtung rechtfertigen würde (Erwä
gung 4.3).
4.3
Die entsprechend eingeholte Stellungnahme zu den von der Beschwerdegegnerin beklagten Unstimmigkeiten liegt nun vor (vorstehend E. 3.3). Darin gaben die Gutachter ausführlich Antwort auf die zahlreichen Rückfragen. Sie leiteten die von
ihnen gestellten Diagnosen mittels Nennung der erforderlichen Kriterien gemäss ICD-10 her (Urk. 7/184/9-12). Dementsprechend ist nicht nachvoll
zieh
bar, weshalb die Beschwerdegegnerin nach wie vor der Ansicht ist, es sei unklar, welche psychiatrischen Diagnosen vorliegen würden. Die RAD-Ärztin bemän
gelte, die Diagnosestellung sei aufgrund von Angaben der Angehörigen und mög
lichen nicht authentischen Symptomen erfolgt (Urk. 6 S. 10 Mitte). Die Gutachter nahmen jedoch gerade auch zur Authentizität und Plausibilität der gezeigten Symptome sowie der fremdanamnestisch erhobenen Angaben Stellung und setzten sich im Rahmen der Beantwortung der verschiedenen Rückfragen mit der Thematik Aggravation/Simulation auseinander (Urk. 7/184/1-9). Sie legten dar, weshalb ihrer Ansicht nach keine Aggravation oder Simulation festgestellt wer
den konnte. Das im Bericht des Tageszentrums geschilderte Verhalten des Beschwerdeführers sowie seine dort gezeigten Beeinträchtigungen korrelieren mit den Angaben der
D._
-Gutachter. Die Beurteilung der Gutachter erscheint prima
vista
als vollständig und schlüssig, weshalb gestützt auf die aktuellen Akten von einer genügenden Beweislage zur Beurteilung des Leistungsanspruches auszugehen ist. Das Beharren auf einer stationären psychiatrischen Begutachtung würde daher eine unzulässige „
second
opinion
” darstellen (vgl. vorstehend E. 1.3).
4.4
Nach dem Gesagten ist auf das Gutachten der Ärzte der
Klinik
D._
vom 22. Dezember 2016 sowie deren ergänzende Stellungnahme vom 12. Januar 2018 abzustellen. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde und Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin, damit sie über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers entscheidet.
5.
5.1
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Beschwerdeverfahren - in Abweichung von Art. 69 Abs. 1
bis
IVG -
gemäss
Art. 61
lit
. a ATSG kostenlos.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Anwendung dieser Kriterien ist die Parteient
schädigung vorliegen
d
auf
Fr.
2‘000
.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.