Decision ID: 4badfae1-9256-4e60-b689-e24562a3665d
Year: 2008
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
Die neu gegründete, am 28. Januar 2004 ins Handelsregister eingetragene A AG reichte trotz Mahnung vom 27. Oktober 2005 keine Steuererklärung für die Staats- und Gemeindesteuern der Steuerperiode vom 28. Januar bis 31. Dezember 2004 ein. Sie wurde deshalb am 20. Oktober 2006 vom kantonalen Steueramt in Anwendung von § 139 Abs. 2 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) nach pflichtgemässem Ermessen mit einem steuerbaren Reingewinn von Fr. ... (zum Satz von 10 %) und einem steuerbaren Kapital von Fr. ... (zum Satz von 1,5 ‰) eingeschätzt.
Die Pflichtige liess am 17. November 2006 Einsprache erheben. In der Einspracheschrift verwies er auf die einzig beigelegte Jahresrechnung, welche einen Verlust von Fr. ... auswies.
Das kantonale Steueramt trat am 30. August 2007 auf die Einsprache nicht ein und auferlegte der Pflichtigen die Verfahrenskosten. Es stellte sich auf den Standpunkt, diese habe mit der Einsprache keine ausgefüllte und mit allen notwendigen Beiblättern versehene Steuererklärung eingereicht. Ebenso fehlten die Eröffnungsbilanz sowie eine Abschrift der Statuten der neu gegründeten Gesellschaft. Damit habe die Pflichtige die schon im Einschätzungsverfahren versäumten Handlungen nicht nachgeholt. Die eingereichte Jahresrechnung lasse sich deshalb "höchst ungenügend auf ihre Plausibilität" überprüfen.
Während die erste Zustellung des eingeschrieben versandten Einspracheentscheids an die Pflichtige erfolglos blieb, indem diese die Sendung innerhalb der von der Post bis 7. September 2007 angesetzten Frist nicht abholte, führte eine zweite Zustellung zur Entgegennahme des Entscheids am 26. September 2007.
II.
Die Steuerrekurskommission II hiess den hiergegen gerichteten Rekurs der Pflichtigen am 18. Dezember 2007 gut und wies die Sache "zur weiteren Behandlung und zum Neuentscheid im Einspracheverfahren" an das kantonale Steueramt zurück. Sie erwog, die Rekursfrist sei erst mit der zweiten Zustellung des Einspracheentscheids ausgelöst worden, weshalb auf den Rekurs einzutreten sei. Im Übrigen hielt sie fest, dass die Pflichtige im Einspracheverfahren weder eine Steuererklärung noch weitere Unterlagen eingereicht habe. Immerhin sei aber eine Jahresrechnung vorgelegt worden, die jedoch an erheblichen Mängeln leide und verschiedene Fragen offen lasse. Dies alles ändere nichts daran, dass die Jahresrechnung nicht etwa ein blosses "Pro-forma-Dokument", sondern trotz aller Mängel offensichtlich auf der Grundlage einer Buchhaltung und der zugehörigen Belege erstellt worden sei. Als solche erweise sich die Jahresrechnung grundsätzlich für den Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit der angefochtenen Ermessenseinschätzung als geeignet. Das kantonale Steueramt hätte daher auf die Einsprache eintreten müssen.
III.
Mit Beschwerde vom 6. Februar 2008 beantragte das kantonale Steueramt dem Verwaltungsgericht, es sei der Rekursentscheid aufzuheben und der Einspracheentscheid wiederherzustellen.
Während die Steuerrekurskommission II auf Vernehmlassung verzichtete, schloss die Pflichtige auf Abweisung der Beschwerde und forderte die Zusprechung einer Parteientschädigung.
Die Kammer

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Richtet sich die Beschwerde gegen einen Entscheid, womit die Rekurskommission einen Nichteintretensentscheid des kantonalen Steueramts bestätigt oder – wie hier – aufgehoben hat, so darf das Verwaltungsgericht lediglich überprüfen, ob die vorinstanzliche Beurteilung der Eintretensfrage an beschwerdefähigen Rechtsmängeln leide; ein weitergehender, materiell-rechtlicher Entscheid – namentlich über die Einschätzung – ist dem Gericht versagt (RB 1999 Nr. 152; vgl. BGr, 26. Mai 2004, 2A.495/2003, E. 1.3).
1.2
Mit der Beschwerde können laut § 153 Abs. 3 StG alle Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, und die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend gemacht werden.
Das
Verwaltungsgericht hat sich infolgedessen auf die reine Rechtskontrolle zu beschränken; dazu gehört auch die Prüfung, ob die Vorinstanzen den rechtserheblichen Sachverhalt gesetzmässig festgestellt haben. Dem Gericht ist es daher verwehrt, das von der Rekurskommission in Übereinstimmung mit dem Gesetz ausgeübte Ermessen auf Angemessenheit hin zu überprüfen und so sein Ermessen anstelle desjenigen der Rekurskommission zu setzen. Die Prüfungsbefugnis des Verwaltungsgerichts erstreckt sich
lediglich auf rechtsverletzende Ermessensfehler, d.h. auf Ermessensüberschreitung und auf Ermessensmissbrauch (RB 1999 Nr. 147).
2.
2.1
Gegen den Einspracheentscheid des kantonalen Steueramtes können nach § 147 Abs. 1 StG der Steuerpflichtige und die Gemeinde innert 30 Tagen nach Zustellung schriftlich Rekurs bei der Rekurskommission erheben.
Der Tag der Zustellung des angefochtenen Entscheids wird bei der Berechnung der Frist laut § 12 Abs. 1 der Verordnung zum Steuergesetz vom 1. April 1998 (VO StG) nicht mitgezählt. Die Frist gilt als eingehalten, wenn eine schriftliche Eingabe spätestens am letzten Tag der Frist an die Behörde gelangt oder der Post übergeben wird (§ 12 Abs. 3 VO StG).
Nach § 9 Abs. 2 VO StG gilt eine eingeschriebene Sendung, deren Zustellung vom Adressaten schuldhaft verhindert wurde, als am letzten Tag der von der Post angesetzten Abholfrist zugestellt (vgl. heute Ziff. 2.3.7 lit. b der Allgemeinen Geschäftsbedingungen "Postdienstleistungen", April 2008; vgl. auch BGE 127 I 31). Nach der Rechtsprechung liegt eine schuldhafte Verhinderung vor, wenn der Adressat die erforderlichen Vorkehrungen für die Zustellbarkeit von behördlichen Postsendungen unterlässt, obwohl er aufgrund des Bestehens eines Prozessrechtsverhältnisses nach Treu und Glauben die Zustellung eines behördlichen Akts im konkreten Einzelfall mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erwarten muss (BGr, 23. März 2006, StE 2006 B 93.6 Nr. 27 E. 3; BGE 130 III 396 E. 1.2.3).
2.2
Der Einspracheentscheid vom 30. August 2007 wurde gleichentags eingeschrieben an die Adresse der Pflichtigen versandt. Die Schweizerische Post setzte ihr eine Frist zur Abholung bis zum 7. September 2007. Diese Frist wurde zwar versäumt. Doch wurde der Einspracheentscheid der Pflichtigen am 26. September 2007, also noch während der laufenden Beschwerdefrist, erneut zugestellt.