Decision ID: f2c0d0a0-3012-4e51-8361-42ef09279fae
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) absolvierte in den Jahren 1989 bis 1991 eine
Anlehre als Verkaufshelferin bei der B._, Filiale C._, wo sie in der Folge als
Verkäuferin in einem Vollzeitpensum tätig war. Ab November 2009 wurde sie in der
Filiale D._ in der Garten- und Blumenabteilung weiterbeschäftigt. Per 1. Januar 2015
reduzierte sie ihr Arbeitspensum auf 32 Stunden pro Woche (Pensum von 78.05 %). Als
Reduktionsgrund erwähnte sie später ein drohendes Burnout bzw. eine
Mobbingsituation am Arbeitsplatz (IV-act. 1, 3, 7-3, 35-7, 49-1 f., 58).
A.a.
Anfangs 2015 traten bei der Versicherten Schmerzen im linken Knie auf. In der
Folge wurden am 10. Juli 2015 eine Kniegelenksarthroskopie links mit medialer
Teilmeniskektomie, am 24. August 2015 eine intraartikuläre Infiltration mit Steroiden/
Lokalanästhetika und am 29. Januar 2016 eine Kniearthroskopie links, eine mediale
Teilmeniskektomie, eine partielle Resektion der Plica mediopatellaris sowie ein
Knorpelshaving durchgeführt (IV-act. 35-3 ff. & 8). Aufgrund der körperlichen
Beschwerden musste die Versicherte ihre Funktion als Y._ der Z._-abteilung per
6. November 2016 aufgeben und arbeitete fortan als Verkäuferin zu einem um Fr. 400.-
reduzierten Monatslohn (act. G 1-5, G 1.4-2). Ab dem Frühling 2017 litt die Versicherte
zunehmend unter Fingergelenksbeschwerden (vgl. Konsiliarbericht von Dr. med. E._,
Handchirurgie FMH, vom 7. Dezember 2017, in welchem sie eine Arthritis/Arthrose PIP
IV beidseits linksbetont, eine diskrete Tenosynovitis Ringband A1 Dig IV beidseits
linksbetont sowie ein anamnestisches leichtes Carpaltunnelsyndrom beidseits
diagnostizierte; IV-act. 35-4 & 8). Im Sommer 2017 traten starke Rückenschmerzen auf
(am 29. Juli 2017 wurde im Spital F._ eine Lumboischialgie mit pseudoradikulärer
A.b.
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Ausstrahlung rechts diagnostiziert; IV-act. 35-4). Ab dem 25. Juli 2018 bestand eine
längerfristige Arbeitsunfähigkeit von zumindest 50 % bezogen auf das damalige
Teilzeitpensum von 78.05 % (vgl. Arztzeugnisse von med. pract. G._ vom 25. Juli
und 25. September 2018 [Fremdakten Krankentaggeldversicherung, nachfolgend
Fremd-act., 1-16 f.], vom 16. November und 19. Dezember 2018 [IV-act. 16, 21]; vgl.
auch IV-act. 42, 47). Zudem wechselte die Versicherte im Juli 2018 gesundheitsbedingt
von der Z._-abteilung in den Kassenbereich der Filiale (IV-act. 35-7).
Am 30. Juli 2018 meldete sich die Versicherte wegen der gesundheitlichen Be
einträchtigungen infolge der Knorpelschäden und Arthrosen in den Knien sowie der
Polyarthrosen in den Händen bei der Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von
Leistungen (Berufliche Integration/Rente) an (IV-act. 1). Am 26. Oktober 2018 erfolgte
eine Arthroskopie des rechten Knies mit medialer Meniskusteilresektion, Resektion der
Plica mediopatellaris und Hoffa-Trimmung (vgl. IV-act. 35-3 ff. & 8).
A.c.
Nach Einholung von Arztberichten beim Hausarzt med. pract. G._ (Arztberichte
vom 28. August 2018 und 28. Januar 2019, IV-act. 8, 28) und einer Stellungnahme
beim RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin FMH,
vom 4. März 2019 (IV-act. 32) entschied sich die IV-Stelle für ein rheumatologisches
Konsilium durch Dr. med. I._, Facharzt für Rheumatologie FMH (IV-act. 30). Im
Konsiliarbericht vom 7. Mai 2019 (IV-act. 35) diagnostizierte der Arzt mit Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit eine symptomatische, progrediente Fingerpolyarthrose vom
Heberden- und Bouchardtyp (keine sicheren Hinweise für eine primäre entzündliche
rheumatische Systemerkrankung), eine aktivierte mediale femorotibiale und
femoropatelläre Arthrose links und eine dekompensierte femorotibiale und
femoropatelläre Arthrose rechts (IV-act. 35-11 f.). Die von der Versicherten
geschilderten Finger- und Kniegelenksbeschwerden erachtete er aufgrund der
objektivierbaren pathologischen Befunde als plausibel und nachvollziehbar. Hinsichtlich
der früher ausgeübten Verkaufstätigkeit in der Z._-abteilung ging er von einer
dauerhaften Arbeitsunfähigkeit aus. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit als
Kassenmitarbeiterin (50%ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf das 80%ige Arbeitspensum)
erachtete er aufgrund der symptomatischen Fingerpolyarthrose als nicht realistisch. In
einer leidensadaptierten Tätigkeit (körperlich leichte, mit Vorteil wechselbelastende
berufliche Tätigkeit ohne kraftanfordernde und/oder feinmotorische und/oder monoton
A.d.
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repetitive manuelle Arbeiten, ohne überwiegend/ausschliesslich stehende/gehende
Arbeiten, ohne kniend oder in der Hocke auszuführende Arbeiten sowie ohne
repetitives Treppensteigen oder Arbeiten auf Leitern/Gerüsten) könne aus
rheumatologischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit nicht hinreichend begründet werden
(IV-act. 35-13).
In der Stellungnahme vom 16. Mai 2019 erklärte RAD-Arzt Dr. H._, dass auf das
Ergebnis des Konsiliums abgestellt werden könne. Die Funktionsfähigkeit des
Bewegungsapparates sei insbesondere im Bereich der Kniegelenke und der
Fingergelenke deutlich herabgesetzt. Die angestammte Tätigkeit in der Z._-abteilung
könne aufgrund des Gesundheitszustandes und der eingeschränkten Belastbarkeit
nicht mehr empfohlen werden. Zu empfehlen sei eine Tätigkeit mit leichter
Wechselbelastung ohne längeres Stehen und Gehen, ohne kräftiges Zupacken mit den
Händen und mit wenig Kundenkontakt und Stress. Der Beginn der langandauernden
Krankheit könne auf Juli 2018 angesetzt werden (IV-act. 36). Am 19. August 2019 teilte
die Versicherte der IV-Stelle anlässlich eines Gesprächs bei der Arbeitgeberin eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit (IV-act. 43, 49-6 f.).
A.e.
Am 22. Oktober 2019 beauftragte die Krankentaggeldversicherung, die SWICA
Gesundheitsorganisation, Dr. med. J._, Facharzt für Innere Medizin und
Rheumatologie FMH, mit der Erstellung eines rheumatologischen Gutachtens. Im
Gutachten vom 27. November 2019 erhob der Rheumatologe als Diagnose mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit eine Fingerpolyarthrose beidseits vom Heberden- und
Bouchardtyp. Die frühere Tätigkeit in der Z._-abteilung, welche zum Teil grobmanuell
und fingerbelastend gewesen sei, sei der Versicherten nicht mehr zumutbar. In der
derzeitigen Tätigkeit als Kassenmitarbeiterin sei eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit
über 50 % nicht realistisch. In einer adaptierten Tätigkeit (nicht monoton
fingerbelastend, leichtere, manuelle Arbeiten, wechselnde Positionen und
Bewegungsabläufe) sei der Versicherten das angestammte 80 %-Pensum mit voller
Arbeitsfähigkeit zumutbar (vgl. Fremd-act. 3).
A.f.
Mit Schreiben vom 7. März 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen mit, da sie weiterhin
A.g.
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in einem Teilzeitpensum bei der bisherigen Arbeitgeberin arbeite und weitere berufliche
Massnahmen derzeit nicht zielführend wären (IV-act. 52).
Am 24. April 2020 informierte die Versicherte die IV-Stelle, dass ihr nur noch drei
Finger keine Schmerzen bereiten würden und die Finger häufig geschwollen seien. Von
der Arbeitgeberin habe sie einen neuen Arbeitsvertrag mit einer Arbeitszeit von 16
Stunden pro Woche (Pensum von 39 %) mit Gültigkeit ab 1. Juni 2020 erhalten (IV-act.
58, vgl. IV-act. 76-7 f.).
A.h.
Im Verlaufsbericht vom 16. Juni 2020 erklärte med. pract. G._, dass die Arbeits
fähigkeit der Versicherten durch die aktive Polyarthrose vor allem der Finger
eingeschränkt sei. Das Tippen und Greifen mit den Händen sei unter Zeitdruck
schwierig. Die bisherige Tätigkeit sei ihr noch im Umfang von maximal 50 % zumutbar.
Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit am bisherigen Arbeitsplatz sei nicht möglich.
Zumutbar seien leichtere Tätigkeiten ohne Belastung der Hände (Tippen, Schreiben
etc.) und ohne Zeitdruck. Das Pensum sei auszuprobieren (IV-act. 61-2 ff.).
A.i.
Auf Empfehlung von RAD-Arzt Dr. H._ (vgl. Stellungnahme vom 24. Juni 2020,
IV-act. 62) veranlasste die IV-Stelle eine bidisziplinäre Begutachtung (Orthopädie und
Psychiatrie) durch das Neuroinstitut K._ GmbH, IME – Interdisziplinäre Medizinische
Expertisen, (IV-act. 64). Am 8. September 2020 wurde die Versicherte durch Dr. med.
L._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates FMH, und Prof. Dr. med. M._, Facharzt für Neurologie,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, untersucht. Das Gutachten – bestehend aus
einem orthopädisch-traumatologischen und einem psychiatrischen Fachgutachten
sowie einer bidisziplinären Gesamtbeurteilung – stammt vom 6. Oktober 2020 (IV-act.
67). In der Befragung durch den orthopädischen Gutachter berichtete die Versicherte
über die seit Jahren zunehmenden Schmerzen in den Fingern beidseits, die
eingeschränkte Feinmotorik der Finger, die unterschiedlich stark auftretenden und über
die ganzen Kniegelenke verteilten Schmerzen sowie die eingeschränkte
Kniebeugefähigkeit (IV-act. 67-26 ff.). Mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostizierte Dr. L._ aus orthopädischer Sicht insbesondere Belastungs- und
Bewegungseinschränkungen der Finger beidseits bei Polyarthrose (mit/bei aktivierter
Fingerendgelenksarthrose [Heberdenarthrose] betont im Bereich der beiden Zeige- und
A.j.
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Mittelfinger, aktivierter Fingermittelgelenksarthrose [Bouchardarthrose] betont im
Bereich der beiden Klein- und Ringfinger, aktivierter Daumengrundgelenksarthrose
beidseits, Einsteifung des rechten Ringfingers im Mittelgelenk in einer Beugestellung
von 30°, Einsteifung des rechten Zeige-, Mittel- und Kleinfingers in einer Beugestellung
von 10°, Einsteifung des linken Zeige- und Kleinfingers in einer Beugestellung von 10°,
Ausschluss einer systemisch-rheumatischen Erkrankung; ICD-10: M15.1 und M15.2)
sowie Belastungs- und Bewegungseinschränkungen im Bereich des rechten und des
linken Kniegelenks bei aktivierter, medial betonter Pangonarthrose je mit
Beugedefiziten von 30° (ICD-10: M17.1; IV-act. 67-66 f.). Im psychiatrischen
Teilgutachten (IV-act. 67-87 ff.) führte Prof. M._ aus, dass die Versicherte unter
emotional schwierigen Verhältnissen aufgewachsen sei. Sie habe physische und
sexuelle Gewalt während der Zeit ihrer Persönlichkeitsbildung erlebt (IV-act. 67-107;
vgl. auch IV-act. 67-94 ff.). Anlässlich der Untersuchung habe psychopathologisch ein
leicht dysthymer und teilweise euthymer Schmerzaffekt bestanden, wobei die
Versicherte affektiv unauffällig gewesen sei. Es habe weder Hinweise auf eine
Depression noch eine Angststörung gegeben. Auch in der Persönlichkeit habe es keine
Auffälligkeiten gegeben, obschon die Versicherte eine belastende Kind- und Jugendzeit
gehabt habe. Zwar gebe es prädikative Elemente für eine
Schmerzverarbeitungsstörung, im Untersuch habe es jedoch keinen Anhalt für eine
manifeste Störung der Schmerzverarbeitung gegeben. Auf Grundlage der ICD-10-
Kriterien sei keine Schmerzverarbeitungsstörung diagnostizierbar. Für weitere
psychiatrische Erkrankungen ergebe sich kein Anhalt. Insbesondere beständen keine
schwerwiegende Persönlichkeitsstörung, keine posttraumatische Belastungsstörung
und keine Psychose. Auch gebe es keine Hinweise auf eine Abhängigkeitserkrankung
(IV-act. 67-105 f.). Aus psychiatrischer Sicht liessen sich keine psychiatrischen
Störungen mit Krankheitswert und Einfluss auf die mittel- und langfristige
Arbeitsfähigkeit objektivieren (IV-act. 67-110). In der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung (IV-act. 67-6 ff.) erklärten die Gutachter, dass die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung somatisch determiniert sei (IV-act. 67-13). Unter
Würdigung der qualitativen Schonkriterien sei die Versicherte in einer finger- und
knieadaptierten, körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren wechselnd
belastenden, optimal angepassten Tätigkeit aus orthopädisch-
versicherungsmedizinischer Sicht bezogen auf ein volles Pensum quantitativ
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uneingeschränkt arbeitsfähig. Als qualitative Schonkriterien (negatives Leistungsbild)
wurden genannt: beidhändiges Heben und Tragen von Lasten körperfern über 10 kg
ohne technische Hilfsmittel, beidhändiges Heben und Tragen von Lasten körpernah
über 15 kg ohne technische Hilfsmittel, repetitive stereotype Bewegungsabläufe,
Tätigkeiten mit repetitivem Bücken, Kauern und Hocken, das mehr als gelegentliche
Arbeiten in Zwangshaltungen, Tätigkeiten mit vermehrter Vibrationsbelastung, das
Gehen auf unebenem Gelände, das Besteigen von Leitern, Gerüsten und schrägen
Ebenen, das mehr als gelegentliche Treppensteigen, kniende Tätigkeiten, Tätigkeiten
im Hocksitz, Tätigkeiten mit länger währender Einnahme nur einer Körperposition,
keine längeren Gehzeiten (nicht über 30 Minuten ohne Pause), kein Steuern von
Fahrzeugen mit repetitivem Ein-/Aussteigen (Stapler), Tätigkeiten mit vermehrter
Vibrationsbelastung, Tätigkeiten mit vermehrter repetitiver hämmernder sowie
rotierender Bewegungsausführung der rechten und linken Hand, Tätigkeiten, welche
ein kraftvolles Beugen der Finger oder eine Haltekonstanz der gebeugten Fingermittel-
und/oder Fingerendgelenke bedingen (Halten von Werkzeugen, knetende-pressende
Bewegungen der Hände), repetitive zupackende Bewegungen/kraftvolle Tätigkeiten der
beiden Hände, Akkordarbeiten unter Einschluss der Hände, Tätigkeiten, welche eine
körpersichernde Funktion der Hände bedingen (Körpersicherung an Seilen oder
Geländern), Tätigkeiten mit erhöhter feinmotorischer Anforderung sowie Tätigkeiten im
Freien, ohne Schutz vor Kälte, Zugluft und Nässe. Zur Arbeitsfähigkeit in angestammter
Tätigkeit wurde erklärt, dass aufgrund der degenerativen Funktionseinschränkungen im
Bereich der Finger und der Kniegelenke eine Tätigkeit an der Kasse nur noch allenfalls
als bedingt adaptiert angesehen werden könne, sofern dem positiven und negativen
Leistungsbild Rechnung getragen werde. Der Fokus sollte sich hierbei aber auf die
Warenbestellung und die Betreuung des Regalsortiments richten. Eine reine Tätigkeit
an der Kasse sei der Versicherten aufgrund der feinmotorischen Einschränkungen
(Münzgeld zählen und Wechselgeld herausgeben) nur noch sehr eingeschränkt möglich
(Arbeitsfähigkeit angestammt von 50 %; IV-act. 67-12). In der Stellungnahme vom
23. Oktober 2020 erklärte RAD-Arzt Dr. H._, dass das Gutachten den geltenden
Qualitätskriterien entspreche, weshalb darauf abgestellt werden könne (IV-act. 68).
Mit Vorbescheid vom 10. November 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass vorgesehen sei, gestützt auf den ermittelten Invaliditätsgrad von 7 % das Gesuch
um eine Invalidenrente abzuweisen (IV-act. 72; Einkommensvergleich siehe IV-act. 70).
A.k.
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B.
Am 8. Dezember 2020 erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur.
Ivan Brüschweiler, Staad, Einwand gegen den Vorbescheid vom 10. November 2020.
Eingewendet wurde, dass das bei der Berechnung des Invaliditätsgrades zugrunde
gelegte Invalideneinkommen von Fr. 53'793.- nicht korrekt sei. Dieses Einkommen sei
in Anbetracht der gutachterlich festgelegten qualitativen Schonkriterien absolut
unrealistisch. Eine Verwertbarkeit der restlichen Arbeitsfähigkeit auf dem
offenstehenden, ausgeglichenen Arbeitsmarkt sei nicht gegeben. Sollte trotzdem auf
einen Tabellenlohn der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (nachfolgend: LSE)
abgestellt werden, so sei ein Abzug vom Tabellenlohn zu gewähren (IV-act. 76).
A.l.
Mit Verfügung vom 8. März 2021 wies die IV-Stelle das Gesuch um eine
Invalidenrente ab. Zur Begründung wurde angeführt, dass die Versicherte gemäss dem
medizinischen Gutachten in leidensangepassten Erwerbsmöglichkeiten zu 100 %
arbeitsfähig sei. Gemeint seien damit körperlich leichte bis zeitweise mittelschwere,
vorwiegend sitzende Tätigkeiten. Ausgehend von einem Valideneinkommen von
Fr. 57'883.- und einem gestützt auf die Tabellenlöhne der LSE ermittelten
Invalideneinkommen von Fr. 53'793.- resultiere ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 7 %. Zum Einwand der Versicherten wurde erklärt, dass sie in
sämtlichen leichten bis zeitweise mittelschweren, vorwiegend sitzenden Tätigkeiten zu
100 % erwerbstätig sein könne. Zu denken sei vor allem an Einsätze mit reinen
Überwachungs- oder Kontrollfunktionen. Solche Tätigkeiten seien in zahlreichen
Betrieben des freien Arbeitsmarktes vorhanden. Der Anspruch auf einen Leidensabzug
entfalle, da zumindest teilweise mittelschwere Arbeiten zumutbar seien (IV-act. 77).
A.m.
Gegen die Verfügung vom 8. März 2021 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 22. April 2021. Die Beschwerdeführerin beantragt darin die Aufhebung der
Verfügung vom 8. März 2021 und die Ausrichtung einer ganzen Rente ab 1. Juli 2018.
Zur Feststellung der Rentenbeträge sei die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen (Ziff. 1). Eventualiter sei eine Dreiviertelsrente (Ziff. 2), ansonsten eine
halbe Rente (Ziff. 3) jeweils ab 1. Juli 2018 zuzusprechen. Subeventualiter sei die
Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung und Entscheidung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Ziff. 4); unter Kosten- und Entschädigungsfolge
B.a.
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zulasten der Beschwerdegegnerin (Ziff. 5). Zur Begründung wird insbesondere
ausgeführt, dass die Beschwerdegegnerin bei der Invaliditätsbemessung von einem
unzutreffenden Valideneinkommen ausgegangen sei, denn die Beschwerdeführerin
wäre ohne die gesundheitlichen Beschwerden auch heute noch in einem
Vollzeitpensum als Y._ der Z._-abteilung tätig und würde damit einen Jahreslohn
von Fr. 70'200.- erzielen (act. G 1-8 f.; hypothetische Lohnberechnung der
Arbeitgeberin vgl. act. G 1.5). Im Weiteren wird geltend gemacht, dass es keine
realistischen Einsatzmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt gebe, welche
die von den Gutachtern definierten qualitativen Schonkriterien erfüllen würden und von
der Beschwerdeführerin in einem Vollzeitpensum ausgeübt werden könnten (G 1-16).
Die von der Beschwerdegegnerin als leidensadaptierte Tätigkeiten vorgeschlagenen
reinen Überwachungs- bzw. Kontrollfunktionen würden heutzutage nicht mehr
existieren, denn dort, wo noch Hilfsarbeiter (ohne Spezialkenntnisse oder
Spezialausbildung) mit Überwachungs- oder Kontrollaufgaben betraut seien, geschehe
dies ausnahmslos in Verbindung mit körperlicher und/oder feinmotorischer Arbeit oder
in gleichbleibender Körperhaltung (act. G 1-14 ff.). Mangels Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit im primären (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt müsse von einem
Invalideneinkommen von Fr. 0.- ausgegangen werden (act. G 1-20). Im Falle der
Abstellung auf die LSE sei vom Tabellenlohn für Frauen im Dienstleistungssektor
auszugehen und ein Tabellenlohnabzug von mindestens 20 % zu gewähren (act.
G 1-19).
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 18. Juni 2021
die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Begründet wird dies insbesondere damit,
dass es entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin auch heute noch einfache
Überwachungs-, Prüfungs- und Kontrolltätigkeiten sowie Tätigkeiten mit Bedienung
von (halb-)automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten gebe. Auch könne der
Beschwerdeführerin das Bedienen von Computern bzw. das Arbeiten an der Kasse
weiterhin teilweise zugemutet werden (act. G 4-7 f.). Beim Valideneinkommen könne
nicht wie gefordert auf das frühere Einkommen als Y._ der Z._-abteilung abgestellt
werden, da nicht durch medizinische Berichte nachgewiesen sei, dass die Reduktion
des Arbeitspensums per 1. Januar 2015 aus gesundheitlichen Gründen erforderlich
gewesen sei. Nachvollziehbar sei dagegen der spätere Funktionswechsel von der Y._
B.b.
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zur Kassenmitarbeiterin aufgrund der Knieleiden (act. G 4-9). Zum Invalideneinkommen
wird ausgeführt, dass aufgrund der Nichtverwertbarkeit (gemeint wohl:
Nichtverwertung) der maximal möglichen Arbeitsfähigkeit auf eine hypothetische, aber
statistisch belegte Lohnhöhe als Hilfsarbeiterin zurückgegriffen werden müsse. Ein
solches Abstellen auf Tabellenlöhne sei bis dato unbestritten und werde vom
Bundesgericht akzeptiert (act. G 4-9). Im Weiteren wird dargelegt, dass selbst wenn
zugunsten der Beschwerdeführerin beim Validenlohn von Fr. 70'200.- (X._ der Y._-
abteilung, Vollzeitpensum) und beim Invalideneinkommen von einem
Hilfsarbeiterinnenverdienst gemäss der Lohnstrukturerhebung 2018 von Fr. 54'861.-
ausgegangen sowie ein 15%iger Tabellenlohnabzug gewährt werde, ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von aufgerundet 34 % resultiere (act. G 4-9 f.).
In der Replik vom 22. Juli 2021 hält die Beschwerdeführerin unverändert an den
Rechtsbegehren gemäss der Beschwerde vom 22. April 2021 fest (act. G 6). So macht
sie geltend, dass sie ihre maximal mögliche Arbeitsfähigkeit bereits im Rahmen ihrer
aktuellen Tätigkeit in einem Pensum von knapp 40 % verwerte und es deshalb keine
Veranlassung gebe, auf eine statistisch belegte Lohnhöhe als Hilfsarbeiterin
zurückzugreifen. Beim Invalideneinkommen sei daher höchstens vom tatsächlich
erzielten Einkommen von Fr. 23'530.- auszugehen (act. G 6-4). Im Weiteren bestreitet
sie, dass es in der freien Wirtschaft Arbeitsplätze mit reinen Überwachungs- und
Kontrollfunktionen gebe, welche sie unter Einhaltung der gutachterlich festgelegten
qualitativen Schonkriterien und mit ihren Berufserfahrungen ausüben könnte. Es sei
deshalb rechtswidrig und willkürlich, das Invalideneinkommen gestützt auf die
Lohnstrukturerhebung zu erheben (act. G 6-6 f.). Mit der Replik wurde eine Kostennote
über Fr. 6'300.45 inkl. MwSt. eingereicht (act. G 6.1).
B.c.
In der Duplik vom 11. August 2021 verlangt die Beschwerdegegnerin unverändert
die Abweisung der Beschwerde. So gebe es trotz der Automatisierung insbesondere
genügend Überwachungstätigkeiten, welche die Beschwerdeführerin aufgrund ihres
Zumutbarkeitsprofils ausüben könnte. Zum geforderten höheren Tabellenabzug wird
erklärt, dass der nun zugestandene 15%ige Tabellenlohnabzug angemessen sei, denn
die Beschwerdeführerin könne ihre Hände und Finger noch eingeschränkt einsetzen.
Der in der Honorarnote geltend gemachte Aufwand sei zu hoch angesetzt. Bei einem
B.d.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu beurteilen ist der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
2.
allfälligen Obsiegen sei die Parteientschädigung auf maximal Fr. 4'000.- anzusetzen
(act. G 8).
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.1.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG i.V.m.
Art. 28a Abs. 1 IVG).
2.2.
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3.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die medizinische und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a).
2.4.
Auskunft zum medizinischen Sachverhalt geben insbesondere der Konsiliarbericht
von Dr. I._ vom 7. Mai 2019 (IV-act. 35, siehe Sachverhalt A.d.), das
rheumatologische Gutachten von Dr. J._ vom 27. November 2019 (Fremd-act. 3,
siehe Sachverhalt A.f.) und das bidisziplinäre Gutachten von Dr. L._ und Prof. M._
vom 6. Oktober 2020 (IV-act. 67, siehe Sachverhalt A.j). Übereinstimmend erhoben die
Fachärzte in orthopädischer Hinsicht Belastungs- und Bewegungseinschränkungen der
Finger beidseits durch die Polyarthrose sowie im Bereich des rechten und des linken
Kniegelenks durch die (Pangon-)Arthrose. Eine psychiatrische Störung mit
Krankheitswert und Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit konnte vom psychiatrischen
Gutachter Prof. M._ nicht erhoben werden (IV-act. 67-13 & 110). Die Fachärzte
gingen ebenfalls übereinstimmend davon aus, dass eine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit bei der derzeitigen Arbeitsstelle als Kassenmitarbeiterin (50%ige
Arbeitsfähigkeit bezogen auf das 80%ige Arbeitspensum) nicht realistisch sei.
Hinsichtlich einer leidensadaptierten Tätigkeit schätzten sie die Arbeitsfähigkeit
dagegen übereinstimmend auf 100 % (AUF 0 %; vgl. IV-act. 35-13, 67-12 und Fremd-
act. 3). Die dabei zu beachtenden qualitativen Einschränkungen werden im
bidisziplinären Gutachten vom 6. Oktober 2020 im Detail beschrieben (vgl. IV-act.
67-9 f. und Sachverhalt A.j). Die Beschwerdegegnerin stützt sich denn auch bei ihrem
3.1.
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4.
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad. Zu bestimmen sind dabei die zwischen
den Parteien umstrittenen Validen- und Invalideneinkommen im Sinn von Art. 16 ATSG
(siehe hierzu vorstehende Erwägung 2.2).
Rentenentscheid vom 8. März 2021 (IV-act. 77) in erster Linie auf das bidisziplinäre
Gutachten vom 6. Oktober 2020 (IV-act. 67) sowie die Stellungnahme des RAD vom
23. Oktober 2020 (IV-act. 68) ab.
Festzustellen ist, dass der medizinische Sachverhalt ausreichend geklärt wurde.
Am detailliertesten und zugleich am aktuellsten ist das bidisziplinäre Gutachten von Dr.
L._ und Prof. M._ vom 6. Oktober 2020 (IV-act. 67), welches gestützt auf
ausführliche Untersuchungen und unter Beizug der medizinischen Akten erstellt wurde.
Die Befunderhebung, die Diagnosestellung und auch die Arbeitsfähigkeitsschätzungen
sind gut nachvollziehbar, stimmig und vermögen zu überzeugen. Die
Beschwerdeführerin bringt nichts vor, was die Schlussfolgerungen der Gutachter
ernsthaft in Zweifel zu ziehen vermöchte. Folglich ist im Weiteren auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen im bidisziplinären Gutachten abzustellen und dabei
insbesondere auf die 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer optimal leidensadaptierten
Tätigkeit.
3.2.
4.1.
Für die Ermittlung des Einkommens, das die Versicherte ohne Invalidität erzielen
könnte (Valideneinkommen), ist entscheidend, was sie im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es der Erfahrung entspricht, dass die bisherige
Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 139 V 30 E. 3.3.2
und 134 V 325 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts vom 18. März 2015, 8C_590/2014,
E. 5.1). Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl.
BGE 129 V 224 E. 4.3.1; Urteile des Bundesgerichts vom 14. November 2018,
8C_220/2018, E. 5.1 mit Hinweisen und vom 13. März 2019, 8C_491/2018, E. 3.2). Die
IV-Anmeldung erfolgte am 30. Juli 2018 (Eingang IV-Stelle am 31. Juli 2018). Eine
Arbeitsunfähigkeit ist ab 25. Juli 2018 aktenkundig (vgl. Sachverhalt A.b), sodass der
Beginn des Wartejahrs (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) auf jenes Datum fällt. Ein allfälliger
Rentenanspruch beginnt daher frühestens ab Juli 2019 (vgl. auch Art. 29 Abs. 1 IVG).
4.1.1.
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Für den Einkommensvergleich ist grundsätzlich auf die Zahlen des Jahres 2019
abzustellen (vgl. aber nachstehende E. 4.1.3). Da vorliegend ein vor dem 1. Januar
2022 beginnender Rentenanspruch im Streit liegt, finden die am gleichen Tag in Kraft
getretenen Anpassungen im IVG sowie in der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) keine Anwendung (siehe das Kreisschreiben
des Bundesamtes für Sozialversicherungen über Invalidität und Rente in der
Invalidenversicherung, gültig ab 1. Januar 2022, Rz. 9100 ff.).
Die Beschwerdegegnerin ging in der Verfügung vom 8. März 2021 (IV-act. 77)
hinsichtlich des Valideneinkommens vom im Fragebogen für Arbeitgebende vom 14.
August 2018 angegebenen seinerzeitigen Lohn als Verkäuferin in Teilzeit von
Fr. 3'562.- pro Monat bzw. Fr. 46'306.- pro Jahr aus (IV-act. 7-7) und rechnete diesen
auf ein 100 %-Pensum hoch (Fr. 57'883.-; korrekt wäre Fr. 59'329.- [Fr. 46'306.- /
78.05 % x 100 %]). Die Beschwerdeführerin dagegen verlangt in der Beschwerde vom
22. April 2021 ein Abstellen auf den Verdienst, welchen sie im Gesundheitsfall als Y._
der Z._-abteilung erzielen würde. In dieser Funktion würde sie gemäss dem
Schreiben der Arbeitgeberin vom 13. April 2021 Fr. 5'400.- pro Monat bzw. Fr. 70'200.-
pro Jahr verdienen (act. G 1-7 ff., G 1.5). In der Beschwerdeantwort vom 18. Juni 2021
wendet die Beschwerdegegnerin diesbezüglich ein, es sei nicht durch medizinische
Berichte nachgewiesen, dass die Reduktion des Pensums per 1. Januar 2015 aus
gesundheitlichen Gründen erfolgt sei. Nachvollziehbar sei der Wechsel in der Funktion
aufgrund der Knieleiden (act. G 4-8 f.). Bei der erneuten Ermittlung des IV-Grads ging
die Beschwerdegegnerin nun davon aus, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall weiterhin in einem Vollzeitpensum als Y._ der Z._-abteilung tätig
wäre und damit ein Einkommen von Fr. 70'200.- pro Jahr erzielen würde (act. G 4-9).
4.1.2.
Insgesamt erscheint ausgewiesen, dass der Tätigkeitswechsel im November
2016 – im Gegensatz zur Reduktion des Arbeitspensums von 100 % auf 78.05 % per
1. Januar 2015 – aus gesundheitlichen Gründen erfolgte. Daher ist davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall weiterhin als Y._ der Z._-abteilung
tätig wäre, jedoch nur im Rahmen eines reduzierten Pensums von 78.05 %. Das vor
dem Tätigkeitswechsel im November 2016 zuletzt erzielte Einkommen betrug
Fr. 3'922.- pro Monat bzw. Fr. 50'986.- pro Jahr (vgl. G 1.4-2). Da der IV-Grad anhand
eines reinen Einkommensvergleiches zu bestimmen ist – es liegt unbestrittenermassen
keine Betätigung im Aufgabenbereich vor –, ist das damalige Einkommen auf einen
Beschäftigungsgrad von 100 % hochzurechnen (vgl. Art. 27 Abs. 2 lit. a der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) und grundsätzlich der
(Nominal-)Lohnentwicklung bis ins Vergleichsjahr 2019 anzupassen. Allerdings hat die
4.1.3.
bis
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Arbeitgeberin am 13. April 2021 eine hypothetische Lohnberechnung vorgenommen,
die sich auf die aktuellen Verhältnisse im Jahr 2021 bezieht und einen Jahreslohn von
Fr. 70'200.- nennt (vgl. act. G 1.5). Diese konkrete Angabe erscheint grundsätzlich im
Vergleich zu einer Ermittlung anhand statistischer Durchschnittswerte als zutreffender.
Allerdings fehlt eine konkrete Lohnangabe der Arbeitgeberin betreffend das Jahr 2019.
Weitere Abklärungen dazu können ausnahmsweise unterbleiben. Denn weil das
Invalideneinkommen anhand der Tabellenlöhne der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung zu ermitteln ist (vgl. nachfolgende E. 4.2.1), erscheint es
vertretbar, den dortigen Wert auf das Jahr 2020 hochzurechnen bzw. der für jenes Jahr
bereits bekannten Nominallohnentwicklung anzupassen (unter Annahme der parallelen
Entwicklung von Validen- und Invalideneinkommen). Dass die Nominallohnentwicklung
im Jahr 2021 zum Urteilszeitpunkt noch nicht bekannt war, bleibt ohne Relevanz (vgl.
dazu unten E. 4.2.4).
4.2.
Bei der Bestimmung des Invalidenlohns legte die Beschwerdegegnerin den vom
Bundesamt für Statistik ermittelten Medianlohn für Hilfsarbeiterinnen des Jahres 2014
von Fr. 53'793.- zugrunde (privater Sektor, TA1, Frauen, Kompetenzniveau 1, vgl.
Anhang 2 der Gesetzesausgabe IVG, hrsg. von der Informationsstelle AHV/IV; in IV-
act. 70 wird unzutreffend das Jahr 2015 erwähnt). In der Beschwerdeantwort vom 18.
Juni 2021 nahm die Beschwerdegegnerin insofern eine Korrektur vor, als nun vom
entsprechenden Wert der LSE 2018 von Fr. 54'681.- ausgegangen wurde (act.
G 4-9 f.). Die Beschwerdeführerin dagegen verlangt von einem Invalideneinkommen
von Fr. 0.- auszugehen und begründet dies insbesondere damit, dass die
Restarbeitsfähigkeit infolge der umfangreichen, gutachterlich festgelegten qualitativen
Schonkriterien selbst auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht wirtschaftlich
verwertbar sei (act. G 1-9 ff., G 1-20). In diesem Zusammenhang wird ausserdem
gerügt, dass die Beschwerdegegnerin nicht ausreichend geprüft habe, welche
konkreten beruflichen Tätigkeiten unter der Berücksichtigung der qualitativen
Schonkriterien und der beruflichen Fähigkeiten noch in Frage kommen (vgl. G 6-6).
Dass es auf dem (ausgeglichen) Arbeitsmarkt – wie von der Beschwerdegegnerin
vertreten (vgl. IV-act. 77-2, act. G 4-7 f., G 8-2) – noch ausreichend Stellen mit reinen
Überwachungs- und Kontrollfunktionen gebe, welche die Beschwerdeführerin in
Beachtung der gesundheitlichen Einschränkungen (qualitative Schonkriterien) sowie
der beruflichen Ausbildung und Erfahrungen ausüben könnte, wird – u.a. mit Verweis
auf die vorgeschrittene Automatisierung der Arbeitsprozesse – von der
Beschwerdeführerin bestritten (act. G 1-13 ff., G 6-4 ff.). Sie fordert, da ihre derzeitige
4.2.1.
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Tätigkeit als Kassenmitarbeiterin als adaptiert zu betrachten sei, dass das
Invalideneinkommen nach dem derzeitigen Verdienst als Kassenmitarbeiterin und nicht
nach den Tabellenlöhnen der LSE zu bestimmen sei. Auszugehen sei vom um die
Soziallohnkomponente korrigierten Einkommen von Fr. 20'000.-, höchstens vom
tatsächlich erzielten Einkommen von Fr. 23'500.- (act. G 1-18/20, G 6-4).
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung
primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte
Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung die LSE-
Tabellenlöhne herangezogen werden (BGE 135 V 301 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts
vom 6. August 2018, 8C_458/2017, E. 6.2.3). Praxisgemäss wird dabei vom
Durchschnittslohn im gesamten privaten Sektor gemäss dem Total der LSE-Tabelle
TA1 ausgegangen. Nur ausnahmsweise hat das Bundesgericht bei Personen, die vor
der Gesundheitsschädigung lange Zeit in einem Bereich tätig gewesen sind und bei
denen eine Arbeit in anderen Bereichen kaum in Frage kommt, auf das statistische
Durchschnittseinkommen einzelner Branchen abgestellt, wenn dies als sachgerecht
erschien, um der im Einzelfall zumutbaren erwerblichen Verwertung der verbleibenden
Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 24. August
2007, 9C_237/2007, E. 1, und vom 11. Oktober 2017, 8C_457/2017, E. 6.2).
4.2.2.
Wie bereits ausgeführt, ist die Beschwerdeführerin gemäss den Gutachtern Dr.
L._ und Prof. M._ in einer optimal leidensadaptierten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig. Die Aufzählung der zu beachtenden Schonkriterien ist – wie zu Recht von
der Beschwerdeführerin geltend gemacht wird – sehr umfangreich und schränkt die
noch in Frage kommenden Tätigkeiten erheblich ein, zumal (ohne vorgängige berufliche
Qualifikationsmassnahmen) nur Hilfstätigkeiten in Frage kommen, die keine speziellen
Kenntnisse und Fähigkeiten voraussetzen. Im vorliegenden Fall ist speziell, dass der
Einsatz beider Hände sowohl hinsichtlich der Kraft als auch der Feinmotorik stark
eingeschränkt ist. Weitere relevante Einschränkungen bestehen insbesondere
hinsichtlich des Tragens von Lasten, repetitiver Tätigkeiten und Bewegungsabläufe,
spezifischer Körperstellungen, längerer Gehzeiten und Treppensteigen. Zum Disput, ob
es heutzutage überhaupt noch ausreichend Stellen mit reinen Überwachungs- und
Kontrollfunktionen gebe, welche der Beschwerdeführerin zumutbar wären (die
Beschwerdegegnerin geht davon aus [vgl. IV-act. 77-2, act. G 4-7, G 8-2], die
Beschwerdeführerin widerspricht [act. G 1-13 ff., G 6-4 ff.]), ist der Beschwerdeführerin
4.2.3.
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insofern zuzustimmen, dass in Folge des technologischen Fortschritts, der
Automatisierung, der Verlagerung von Arbeitsprozessen ins Ausland sowie der
Integration von Kontroll- und Überwachungsfunktionen in den Arbeitsprozess in
Kombination mit neuen Instrumenten der Personalentwicklung (wie Job Rotation, Job
Enlargement und Job Enrichment) die Anzahl an Arbeitsstellen mit reinen Kontroll- und
Überwachungstätigkeiten, welche keine besonderen Berufsausbildungen und -
kenntnisse erfordern und daher von Hilfskräften ausgeführt werden können, in den
beiden letzten Jahrzehnten sukzessive abgenommen hat und auch noch weiter
abnehmen dürfte. Dass die Beschwerdegegnerin trotzdem von genügend Stellen mit
Kontroll- und Überwachungsfunktionen ausging, dürfte auch auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zurückzuführen sein (vgl. den diesbezüglichen
Verweis der Beschwerdegegnerin auf die Rechtsprechung, act. G 4-7). Gemäss dem
Bundesgericht ist der ausgeglichene Arbeitsmarkt gekennzeichnet durch ein gewisses
Gleichgewicht zwischen Angebot an und Nachfrage nach Arbeitskräften und einen
Fächer verschiedenster Tätigkeiten (BGE 110 V 276 E. 4b). So wurde beispielsweise
wiederholt festgestellt, dass es auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend
realistische Betätigungsmöglichkeiten für Personen gebe, die funktionell als Einarmige
zu betrachten seien und überdies nur noch leichte Arbeit verrichten könnten (vgl.
Urteile des Bundesgerichts vom 29. April 2020, 8C_134/2020, E. 4.5, vom 14. Juni
2018, 8C_227/2018, E. 4.2.1, vom 8. Juli 2016, 8C_37/2016, E. 5.1.2 mit Hinweis, vom
12. Februar 2016, 8C_670/2015, E. 4.3, und vom 15. April 2015, 9C_396/2014, E. 5.2
mit Hinweisen). Begründet wird dies damit, dass nicht alle im Arbeitsprozess im
weitesten Sinne notwendigen Aufgaben und Funktionen im Rahmen der Überwachung
und Prüfung durch Computer und automatisierte Maschinen ausgeführt werden.
Zudem müssten solche Geräte auch bedient und ihr Einsatz ebenfalls überwacht und
kontrolliert werden. Als Beispieltätigkeiten werden genannt einfache Überwachungs-,
Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie die Bedienung und Überwachung von (halb-)
automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten (vgl. Urteile des Bundesgerichts
vom 10. April 2019, 8C_811/2018, E. 4.4.2, und vom 8. Juli 2016, 8C_37/2016, E. 5.1.2
mit Hinweisen). Im Bundesgerichtsurteil vom 29. August 2014 war die Arbeitsfähigkeit
eines 58 Jahre alten Mannes zu beurteilen, der seine beiden Hände nicht mehr
einsetzen konnte (kein Tragen oder Heben, auch nicht von leichten Gewichten; keine
Arbeiten mit Anforderungen an die Grob- oder Feinmotorik, keine Halte- oder Greif
bewegungen bzw. grundsätzlich keinerlei auch nur leichte manuelle Tätigkeiten). Das
Bundesgericht ging, da der Versicherte nicht zumindest eine Hand einsetzen konnte,
angesichts der grossen Einschränkungen an zumutbaren Tätigkeiten davon aus, dass
entsprechende Stellen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt kaum vorhanden und
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daher bloss theoretischer Natur seien. Da die Verwertbarkeit der verbleibenden
Arbeitsfähigkeit auch unter Berücksichtigung eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes
nicht gegeben sei, ging es von einer vollen Erwerbsunfähigkeit aus (Urteil des
Bundesgerichts vom 29. August 2014, 8C_248/2014, E. 3; vgl. auch die Ausführungen
zur Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit im Urteil des Bundesgerichts vom 23.
September 2021, 8C_170/2021, E. 5.1.1 mit Verweisen). Gestützt auf diese
differenzierte bundesgerichtliche Praxis ist die Restarbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin zwischen den vorgenannten Fallkategorien einzuordnen, denn
einerseits sind zwar beide Hände von erheblichen Einschränkungen betroffen, jedoch
(noch nicht) in einem derartigen Ausmass, dass sie gar nicht mehr bei Arbeiten
einsetzbar wären. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass die Beschwerdeführerin
weiterhin als Kassenmitarbeiterin tätig ist (was aus gutachterlicher Sicht als ungünstig
gewürdigt wurde), wenn auch mit Einschränkungen und in einem reduzierten Arbeits
pensum von 39.02 %. Angesichts dessen erscheint ein vollzeitlicher Einsatz in einer
optimal adaptierten Tätigkeit wie einer reinen Überwachungs-, Prüf- und
Kontrolltätigkeit als zumutbar, zumal die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer
langjährigen Berufserfahrung im Detailhandel auch über die notwendigen
Voraussetzungen für das Erlernen und Ausüben einer neuen Tätigkeit verfügen dürfte.
Es kann zudem davon ausgegangen werden, dass es geeignete reine Überwachungs-,
Prüf- und Kontrolltätigkeiten (zumindest derzeit noch) in ausreichender Anzahl gibt.
Da wie dargelegt auch Tätigkeiten ausserhalb des Dienstleistungssektors
(Detailhandel) in Frage kommen, ist praxisgemäss auf den Durchschnittslohn im
gesamten privaten Sektor gemäss dem Total der LSE-Tabelle TA1 abzustellen. Der
noch erzielbare Verdienst beträgt damit Fr. 54'681.- (LSE 2018, privater Sektor, TA 1,
Total, Frauen, Kompetenzniveau 1; vgl. Anhang 2 der IV-Ausgabe der
Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2022). Nominallohnbereinigt bis ins Jahr 2020 (vgl.
E. 4.1.3 an Ende) ergibt sich der Betrag von Fr. 55'722.- (Fr. 54'681.- / 2732 [Index
Frauen 2018] x 2784 [Index Frauen 2020). Der Forderung der Beschwerdeführerin, dass
beim Invalidenlohn höchstens vom aktuell erzielten Verdienst als Kassenmitarbeiterin
von Fr. 23'530 (vgl. act. G 1.4-1; act. G 1-18, G 1-20, G 6-4) auszugehen sei, kann
wegen ungenügender wirtschaftlicher Verwertung der Restarbeitsfähigkeit nicht
entsprochen werden, denn selbst wenn von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit von 50 % (vgl. IV-act. 67-12) ausgegangen würde, liegt der
erzielbare Verdienst mit Fr. 30'151.- (Fr. 23'530.- / 39.02 % x 50 %) deutlich unter dem
zuvor ermittelten Tabellenlohnwert von Fr. 55'722.-.
4.2.4.
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4.3.
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten (Hilfs-)Tätigkeiten behindert sind, im
Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden
Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen
Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand Rechnung getragen, dass
weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter,
Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 129 V 481
E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Der Abzug ist unter Würdigung der
Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässen Ermessen gesamthaft zu schätzen. Er
darf 25 % nicht übersteigen (BGE126 V 80 E. 5b/bb-cc).
4.3.1.
Die Praxis hat bei Versicherten, welche ihre dominante Hand gesundheitlich
bedingt nur sehr eingeschränkt, z.B. als unbelastete Zudienhand, einsetzen können,
regelmässig einen Abzug von 20 % oder gar 25 % vorgenommen respektive als
angemessen bezeichnet (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 17. September 2008,
9C_418/2008, E. 3.3). Die Beschwerdeführerin hat zahlreiche qualitative
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit, wovon insbesondere beide Hände betroffen
sind. Sie ist daher im Vergleich zu voll leistungsfähigen Arbeitnehmerinnen lohnmässig
benachteiligt und muss mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen (vgl. zum
Ganzen Philipp Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, in Ueli Kieser/Miriam Lendfers
[Hrsg.]: Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, S. 139 ff.). In jüngerer Zeit hat
das Bundesgericht in Fällen von faktischer Einarmigkeit (fast vollständiger
Gebrauchsunfähigkeit der dominanten Hand) allerdings auch tiefere Abzüge, etwa
einen solchen von 10 % (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016,
8C_622/2016, E. 5.3), bestätigt (im Urteil des Bundesgerichts vom 12. Februar 2016,
8C_670/2015, E. 5, hingegen 20%).
4.3.2.
Selbst bei Gewährung eines Tabellenlohnabzugs von 20 % ergäbe sich lediglich
ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 36 % (Valideneinkommen
Fr. 70'200.-, Invalideneinkommen Fr. 44'578.- [Fr. 55'722.- x 0.8]). Ein 20 %
übersteigender Abzug erscheint in Anbetracht dessen, dass die Beschwerdeführerin
zum Beurteilungszeitpunkt (Erlass der Verfügung am 8. März 2021, IV-act. 77) ihre
Hände zumindest eingeschränkt einsetzen und die Stellenanforderungen als
Kassenmitarbeiterin weiterhin erfüllen (Beurteilungsdurchschnitt von 36 Punkten, die
4.3.3.
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5.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr.
1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Gerichtskosten von Fr. 600.- erscheinen in der
vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die unterliegende
Beschwerdeführerin hat die gesamten Gerichtskosten von Fr. 600.- zu tragen. Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- wird ihr daran angerechnet. Ausgangsgemäss
hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.