Decision ID: 45c780a9-2bbb-4e2b-a89a-12bd23b44ad5
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
- 2 -
Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
" Die Beklagten seien zu verpflichten, dem Kläger CHF 379'332.05  5% Zins ab dem 01. März 2019 unter solidarischer Haftung für den genannten Betrag und unter Vorbehalt des Nachklagerechts zu bezahlen, wobei die jeweilige Ersatzpflicht der Beklagten 1, 2, 3 und 4 durch das Gericht festzusetzen sei. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der solidarisch  Beklagten."
Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Der Kläger ist eine natürliche Person mit Wohnsitz in D._, [Ortschaft]
Serbien. Er gewährte der E._ AG (nachfolgend: E'._; act. 3/2) am 30.
August 2011 ein Darlehen von EUR 360'000.–. Einzige Verwaltungsrätin der
E'._ war zunächst die Beklagte 2, eine natürliche Person mit Wohnsitz in der
Schweiz. Am 14. Januar 2013 fand eine Universalversammlung der E'._
statt. Anlässlich dieser Universalversammlung wurde die Beklagte 2 zur Präsiden-
tin des Verwaltungsrates und der Beklagte 1, eine natürliche Person mit Wohnsitz
in F._, [Ortschaft] Israel, als zusätzliches Mitglied (mit Einzelunterschrift) in
den Verwaltungsrat der E'._ gewählt (act. 3/2 und act. 3/8). Nach Sachdar-
stellung des Klägers waren der Beklagte 3 – eine natürliche Person mit Wohnsitz
in Serbien – und der Beklagte 4 – eine natürliche Person mit Wohnsitz in
G._, [Ortschaft] Serbien – gemeinsam je hälftig an der E'._ beteiligt und
zudem faktische Organe der Gesellschaft (vgl. act. 1 Rz. 3 und Rz. 14.3).
b. Mit Vertrag vom 24. Dezember 2013 veräusserte der Beklagte 1 in seiner
Eigenschaft als einzelzeichnungsberechtigtes Mitglied des Verwaltungsrates der
E'._ die von der E'._ zu 100% gehaltene serbische Gesellschaft
H._ mit Sitz in G._, Serbien (nachfolgend: H'._) ohne Gegenleis-
tung an die I._ Company mit Sitz in den Vereinigten Staaten von Amerika
(nachfolgend: I'._). Die Übertragung der Gesellschaftsanteile wurde am 14.
Januar 2014 vollzogen (act. 1 Rz. 8 mit Hinweis auf act. 3/9 und 3/10).
- 3 -
c. Am 18. Februar 2014 trat die Beklagte 2 aus dem Verwaltungsrat der
E'._ zurück. Da die E'._ damit nicht mehr über die notwendigen Organe
verfügte und zudem das Domizil eingebüsst hatte, wurde die Gesellschaft vom
Einzelgericht des Handelsgerichts mit Urteil vom 9. Februar 2015 aufgelöst, und
es wurde die Liquidation nach den Regeln des Konkurses angeordnet (vgl.
act. 3/2). Im Konkursverfahren der E'._ zeigte sich, dass letztere dem Kläger
dessen Darlehen nicht mehr zurückbezahlen konnte, worauf die Darlehensforde-
rung des Klägers im Konkurs als drittklassige Forderung zugelassen wurde. Im
Verlauf des Konkursverfahrens liess sich der Kläger die Verantwortlichkeitsan-
sprüche gegen die Organe der E'._ abtreten (act. 3/3). Mit Urteil vom 16. Ju-
ni 2015 stellte das Konkursgericht Zürich den Konkurs mangels Aktiven ein (vgl.
act. 3/2).
d. Der Kläger macht zusammengefasst geltend, dass die Unfähigkeit der
E'._, das am 30. August 2011 gewährte Darlehen zurückzubezahlen, in ers-
ter Linie auf die unentgeltliche Übertragung der H'._ an die I'._ durch
den Beklagten 1 zurückzuführen sei. Es sei davon auszugehen, dass der Beklag-
te 1 auf Instruktion der Beklagten 3 und 4 gehandelt habe und dass die Übertra-
gung zudem mit der Beklagten 2 abgesprochen gewesen sei (act. 1). Die Beklag-
ten 1 und 4 äusserten sich zu diesen Vorwürfen nicht.
B. Prozessverlauf
Am 12. Februar 2019 (Datum Poststempel) machte der Kläger vorliegende Klage
rechtshängig und stellte das eingangs genannte Begehren (act. 1 S. 2). Nach
Eingang des dem Kläger mit Verfügung vom 14. Februar 2019 auferlegten Kos-
tenvorschusses (act. 4; act. 6), setzte das Gericht den Beklagten mit Verfügung
vom 19. März 2019 Frist zur Erstattung der Klageantwort an. Zugleich forderte es
die im Ausland domizilierten Beklagten 1, 3 und 4 auf, innert zwei Monaten ab
Empfang der Verfügung ein Zustellungsdomizil in der Schweiz zu bezeichnen
(act. 7). Die Beklagten 2 und 3 beantworteten hierauf die Klage mit Eingabe vom
20. August 2019 (act. 17) bzw. mit Eingabe vom 30. Oktober 2019 (act. 31). Die
Beklagten 1 und 4 reichten innert angesetzter Frist weder eine Klageantwort ein,
noch bezeichneten sie ein Zustellungsdomizil in der Schweiz. Hierauf wurde dem
- 4 -
Beklagten 1 mit Verfügung vom 18. Oktober 2019 und dem Beklagten 4 mit Ver-
fügung vom 14. Januar 2020 je eine Nachfrist zur Einreichung der Klageantwort
angesetzt (act. 25; act. 32). Sowohl der Beklagte 1 als auch der Beklagte 4 lies-
sen die Nachfrist zur Einreichung einer Klageantwort unbenutzt verstreichen. Am
12. Februar 2021 wurden der Kläger und die Beklagten 2 und 3 zur Vergleichs-
verhandlung auf den 2. März 2021 vorgeladen (act. 41). Anlässlich dieser Ver-
gleichsverhandlung schlossen die teilnehmenden Parteien einen Teilvergleich, in
dem der Kläger seine Klage gegen die Beklagten 2 und 3 zurückzog (act. 45). In-
folge dieses Vergleiches schieden die Beklagten 2 und 3 aus dem Verfahren aus
(act. 46). Mit Bezug auf die Beklagten 1 und 4 erweist sich das Verfahren als
spruchreif (Art. 223 Abs. 2 ZPO und Art. 236 Abs. 1 ZPO).

Erwägungen
1. Formelles
1.1. Zustellungen an die Beklagten 1 und 4
1.1.1. Das Gericht stellt den betroffenen Personen insbesondere Vorladungen,
Verfügungen und Entscheide sowie Eingaben der Gegenpartei zu (Art. 136 ZPO).
Hat eine Zustellung ins Ausland zu erfolgen, kann diese – da die Zustellung ge-
richtlicher Dokumente ein staatlicher Hoheitsakt ist – regelmässig nicht direkt an
die betroffene Person erfolgen. Daher ist das Prozessgericht für grenzüberschrei-
tende Zustellungen auf internationale Rechts- bzw. Zustellungshilfe angewiesen.
Das Verfahren richtet sich insbesondere nach dem Haager Zustellübereinkom-
men vom 15. November 1965 (HZÜ). Demgemäss ist zur Zustellung ein Zustel-
lersuchen an die Zentralbehörde des ersuchten Staats unter Beilage des zu
übermittelnden Schriftstücks (je im Doppel) zu richten (Art. 3 HZÜ). Wird keine
bestimmte Form der Zustellung gewünscht, veranlasst die Zentralbehörde des er-
suchten Staates eine förmliche Zustellung nach den innerstaatlichen Vorschriften
(vgl. Art. 5 HZÜ). Die Zentralbehörde des ersuchten Staates kann hierfür die
Übersetzung der zu übermittelnden Schriftstücke verlangen (Art. 5 Abs. 3 HZÜ).
Ist die Zustellung erfolgreich, stellt die Zentralbehörde (oder eine von ihr beauf-
- 5 -
tragte Stelle) ein Zustellzeugnis aus, und übermittelt dieses an die ersuchende
Behörde (Art. 6 HZÜ).
1.1.2. Die Beklagten 1 und 4 haben Wohnsitz im Ausland, nämlich in Israel bzw.
in Serbien. Sowohl Israel, Serbien als auch die Schweiz haben das Haager Zu-
stellübereinkommen ratifiziert. In Nachachtung an die Vorschriften des HZÜ liess
das hiesige Gericht die Klageschrift vom 12. Februar 2019 sowie die Verfügungen
vom 14. Februar 2019 und vom 19. März 2019 für den Beklagten 1 ins Hebräi-
sche und für den Beklagten 4 ins Serbische übersetzen. Hierauf richtete das hie-
sige Gericht je ein Zustellersuchen an die Zentralbehörde von Israel bzw. von
Serbien, je unter Beilage der übersetzten Dokumente (je im Doppel, vgl. act. 8B;
act. 8E).
1.1.3. Die rechtshilfeweise Zustellung der übersetzen Dokumente an den Beklag-
ten 1 war erfolgreich. Gemäss Zustellzeugnis der israelischen Zentralbehörde
vom 18. Juli 2019 erfolgte die Zustellung an den Beklagten 1 am 8. Juli 2019
(act. 8B). Mit Schreiben vom 10. Oktober 2019 wies der Beklagte 1 zwar darauf
hin, dass er die ihm übermittelten Dokumente erst am 4. September 2019 vorge-
funden habe. Ausserdem behauptet er, dass es bei der Zustellung zu Unregel-
mässigkeiten gekommen sei (act. 29). Damit bestätigte der Beklagte 1 den effek-
tiven Erhalt der Verfügung vom 19. März 2019, mit welcher ihm Frist zur Erstat-
tung der Klageantwort angesetzt wurde (vgl. act. 7). Sein Hinweis, die Zustellung
sei in formeller Hinsicht nicht korrekt erfolgt, ist unbehilflich. Aufgrund der förmli-
chen Zustellbescheinigung der israelischen Zentralbehörde vom 18. Juli 2019 be-
steht entgegen der Behauptungen des Beklagten 1 kein Zweifel daran, dass die
Zustellung an ihn am 8. Juli 2019 tatsächlich erfolgte (vgl. act. 8B). Auf diese Zu-
stellbescheinigung darf und muss sich das hiesige Gericht verlassen.
1.1.4. Die rechtshilfeweise Zustellung an den Beklagten 4 war ebenfalls erfolg-
reich. Gemäss dem von der serbischen Zentralbehörde übermittelten Zustell-
zeugnis erfolgte die Zustellung an den Beklagten 4 am 24. Oktober 2019 (act.
8E).
- 6 -
1.1.5. Die Beklagten 1 und 4 wurden in der ihnen am 8. Juli 2019 bzw. am
24. Oktober 2019 zugestellten Verfügung vom 19. März 2019 in Anwendung von
Art. 140 ZPO aufgefordert, innert zwei Monaten nach Erhalt ein Zustellungsdo-
mizil in der Schweiz zu bezeichnen. Die Fristansetzung erfolgte unter der Andro-
hung, dass bei Unterlassen weitere Zustellungen durch Publikation im kantonalen
Amtsblatt oder im Schweizerischen Handelsamtsblatt erfolgen würden (vgl. Art.
141 Abs. 1 lit. c ZPO; act. 7). Dieser Aufforderung kam weder der Beklagte 1 noch
der Beklagte 4 nach. Infolgedessen gelten die nachfolgenden Verfügungen vom
18. Oktober 2019 (Publikation am 24. Oktober 2019; act. 25; act. 28) und vom
24. Oktober 2019 (Publikation am 20. Januar 2020; act. 32; act. 35) betreffend
Nachfristansetzung durch die jeweilige Publikation im Schweizerischen Handels-
amtsblatt als rechtswirksam zugestellt. Aus denselben Gründen wird den Beklag-
ten 1 und 4 auch dieses Urteil durch Publikation zugestellt werden können. Einer
erneuten rechtshilfeweisen Zustellung bedarf es nicht. Das HZÜ steht der Anwen-
dung von Art. 140 f. ZPO nicht entgegen, da es nur die Art und Voraussetzungen
einer tatsächlichen Zustellung an eine Partei mit Wohnsitz im Ausland regelt. Die
Form, in welcher eine Zustellung erfolgen kann, um im hiesigen Zivilverfahren
Wirkungen zu entfalten, regelt es nicht. Dies bleibt dem hiesigen Prozessrecht
vorbehalten (GSCHWEND in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar,
Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2017 [zit. BSK ZPO], Art. 140 N 11; BGer
5D_65/2014 vom 9. September 2014, E. 3).
1.2. Versäumte Klageantwort
1.2.1. Nach Eingang der Klage stellt das Gericht der beklagten Partei die Klage zu
und setzt ihr gleichzeitig eine Frist zur schriftlichen Klageantwort an (Art. 222
Abs. 1 ZPO). Bei versäumter Klageantwort setzt das Gericht der beklagten Partei
eine kurze Nachfrist (Art. 223 Abs. 1 ZPO). Nach unbenutzter Frist trifft das Ge-
richt einen Endentscheid, sofern die Angelegenheit spruchreif ist (Art. 223 Abs. 2
S. 1 ZPO; Art. 236 ZPO). Die Angelegenheit ist spruchreif, wenn das Gericht über
sämtliche Entscheidungsgrundlagen verfügt, um über die Begründetheit oder Un-
begründetheit des geltend gemachten Anspruchs zu befinden oder einen Nicht-
eintretensentscheid zu erlassen (BGE 144 III 394 E. 4.3.2.2 S. 400). Bei Säumnis
- 7 -
der beklagten Partei liegen sämtliche Entscheidungsgrundlagen vor, wenn die
klagende Partei die rechtserheblichen Tatsachen schlüssig und vollständig be-
hauptet hat (vgl. Art. 56 ZPO e contrario) und an der Richtigkeit dieser Sachdar-
stellung keine erheblichen Zweifel bestehen (Art. 153 Abs. 2 ZPO).
1.2.2. Nach Eingang der Klage (act. 1) stellte das Gericht den Beklagten 1 und 4
die Klage zu und setzte ihnen zugleich mit Verfügung vom 19. März 2019 Frist zur
Erstattung der Klageantwort an (act. 7). Obschon die rechtshilfeweise Zustellung
an die Beklagten 1 und 4 erfolgreich war (vgl. oben, Erw. 1.1), ging innert ange-
setzter Frist keine Klageantwort ein. Hierauf wurde dem Beklagten 1 mit Verfü-
gung vom 18. Oktober 2019 und dem Beklagten 4 mit Verfügung vom 14. Januar
2020 je eine Nachfrist zur Einreichung der Klageantwort angesetzt (act. 25; act.
32). Sowohl der Beklagte 1 als auch der Beklagte 4 liessen die Nachfrist unbe-
nutzt verstreichen. Die Beklagten 1 und 4 sind somit säumig. Damit sind sie auch
ihrer Obliegenheit, die Sachdarstellungen des Klägers zu bestreiten, nicht nach-
gekommen (vgl. Art. 55 ZPO; Art. 222 Abs. 2 S. 2 ZPO). Infolgedessen hat das
Gericht auf den unbestrittenen Tatsachenvortrag des Klägers abzustellen. Erweist
sich dieser als schlüssig und vollständig und bestehen an der Richtigkeit der be-
haupteten Tatsachen keine erheblichen Zweifel, ist in vorliegender Sache ein En-
dentscheid zu treffen. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist nachfolgend zu
prüfen.
1.3. Zuständigkeit
1.3.1. Das Gericht tritt auf eine Klage ein, sofern die Prozessvoraussetzungen er-
füllt sind (Art. 59 ZPO). Prozessvoraussetzung ist insbesondere die sachliche und
örtliche Zuständigkeit des Gerichts (Art. 59 Abs. 2 lit. b ZPO; vgl. Art. 5 f. ZPO und
§ 44 GOG). Da die Prozessvoraussetzungen von Amtes wegen zu prüfen sind
(Art. 60 ZPO), ist auch ohne Bestreitung seitens der Beklagten 1 und 4 kurz auf
die Zuständigkeit einzugehen.
1.3.2. Weist eine Streitsache ein Auslandsbezug auf, liegt ein internationales Ver-
hältnis vor. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verträge wird die örtliche Zuständigkeit
der schweizerischen Gerichte im internationalen Verhältnis durch das Bundesge-
- 8 -
setz über das internationale Privatrecht (IPRG) geregelt (Art. 1 Abs. 1 lit. a IPRG).
Zu den vorbehaltenen Verträgen gehört das Lugano Übereinkommen (LugÜ).
Dieses geht von der Regel aus, dass Personen vor den Gerichten ihres Wohn-
sitzstaates zu verklagen sind (Art. 2 Abs. 1 LugÜ). Hat die beklagte Partei keinen
Wohnsitz in einem Vertragsstaat, so bestimmt sich vorbehaltlich Art. 22 f. LugÜ
die internationale und örtliche Zuständigkeit nach dem IPRG (vgl. Art. 4 Abs. 1
LugÜ). Ist das IPRG anwendbar, sind die schweizerischen Gerichte am Sitz der
Gesellschaft für Verantwortlichkeitsklagen zuständig (Art. 151 Abs. 1 IPRG).
1.3.3. Die Beklagten 1 und 4 haben ihre Wohnsitze in Israel bzw. in Serbien. Da-
mit weist die Streitsache einen Auslandsbezug auf und es liegt ein internationales
Verhältnis vor. Da weder Israel noch Serbien Vertragsstaaten des Lugano Über-
einkommens sind, keine ausschliessliche Zuständigkeit im Sinne von Art. 22
LugÜ gegeben ist und die Parteien auch keine Zuständigkeitsvereinbarung getrof-
fen haben (vgl. Art. 23 LugÜ), ist der räumlich-persönliche Anwendungsbereich
des LugÜ nicht gegeben. Die internationale und örtliche Zuständigkeit richtet sich
daher nach dem IPRG (Art. 4 Abs. 1 LugÜ). Vorliegend hatte die E'._ ihren
letzten Sitz in Zürich (act. 3/2). Für die vorliegende Verantwortlichkeitsklage sind
daher international und örtlich die Gerichte von Zürich zuständig (Art. 151 Abs. 1
IPRG).
1.3.4. Für Streitigkeiten aus dem Recht der Handelsgesellschaften ist das Han-
delsgericht als einzige kantonale Instanz sachlich zuständig, sofern der Streitwert
mindestens CHF 30'000.– beträgt (Art. 6 Abs. 4 lit. b ZPO; § 44 lit. b GOG). Als
Streitigkeiten aus dem Recht der Handelsgesellschaften gelten insbesondere
Verantwortlichkeitsklagen gestützt auf Art. 754 OR (BSK ZPO-VOCK/NATER, Art. 6
N 16; BRUNNER in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilpro-
zessordnung, 2. Aufl. 2016, Art. 6 N 46). Da sich die vom Kläger erhobene Ver-
antwortlichkeitsklage auf Art. 754 OR stützt und der Streitwert CHF 379'332.05
beträgt, (act. 1 S. 2; vgl. Art. 91 Abs. 1 ZPO), erweist sich das Handelsgericht des
Kantons Zürich als sachlich zuständig (Art. 6 Abs. 4 lit. b ZPO; § 44 lit. b GOG).
- 9 -
2. Materielles
2.1. Anwendbares Recht
Liegt ein internationaler Sachverhalt vor, bestimmt sich das anwendbare Recht
nach dem IPRG (Art. 1 Abs. 1 lit. b IPRG). Gemäss Art. 154 Abs. 1 IPRG unter-
stehen die Gesellschaften dem Recht des Staates, nach dessen Vorschriften sie
organisiert sind (Inkorporationstheorie; BGE 138 III 714 E. 3.3.3 S. 721). Das auf
die Gesellschaft anwendbare Recht bestimmt insbesondere die Haftung aus Ver-
letzung gesellschaftsrechtlicher Vorschriften (Art. 155 lit. g IPRG). Da die
E'._ eine Aktiengesellschaft schweizerischen Rechts war (act. 3/21), ist die
vorliegende Verantwortlichkeitsklage nach schweizerischem Recht zu beurteilen.
2.2. Überblick
Der Kläger wirft den Beklagten 1 und 4 vor, durch ihr Verhalten als (faktisches)
Organ der E'._, Letzterer einen Schaden zugefügt zu haben. Ob der Kläger
die Beklagten 1 und 4 zur Verantwortung ziehen kann, bestimmt sich nach Art.
754 Abs. 1 OR: Demgemäss sind die Mitglieder des Verwaltungsrates und alle mit
der Geschäftsführung oder mit der Liquidation befassten Personen sowohl der
Gesellschaft als den einzelnen Aktionären und Gesellschaftsgläubigern für den
Schaden verantwortlich, den sie durch absichtliche oder fahrlässige Verletzung ih-
rer Pflichten verursachen. Im Einzelnen ist daher nachfolgend die Aktivlegitimati-
on des Klägers (Erw. 2.3), die Passivlegitimation der Beklagten 1 und 4 (Erw.
2.4), das Vorliegen einer Pflichtverletzung (Erw. 2.5), der Eintritt eines Schadens
(Erw. 2.6), das Vorliegen eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen der
Pflichtverletzung und dem Schadenseintritt (Erw. 2.7) und das Vorliegen eines
Verschuldens (Erw. 2.8) zu prüfen (vgl. BGE 132 III 342 E. 4.1 S. 349; 564 E. 4.2
S. 572).
2.3. Aktivlegitimation
2.3.1. Unbestritten blieb folgende Darstellung des Klägers: Am 30. August 2011
habe der Kläger der E'._ ein Darlehen im Betrag von EUR 360'000.– ge-
währt, das am 8. September 2011 an die Gesellschaft ausbezahlt worden sei (act.
1 Rz. 8; act. 3/5-6). Nachdem über die E'._ der Konkurs eröffnet worden sei,
- 10 -
habe sich gezeigt, dass diese das Darlehen nicht zurückbezahlen könne (act. 1
Rz. 8). Der Kläger mache mit vorliegender Klage aber nicht diesen Schaden gel-
tend, sondern den Schaden der E'._, der ihr durch das pflichtwidrige Handeln
der Beklagten 1 und 4 entstanden sei. Auf die Geltendmachung der Verantwort-
lichkeitsklage habe die Konkursverwaltung der E'._ verzichtet, bzw. habe
diese gestützt auf Art. 260 SchKG an den Kläger abgetreten (act. 1 Rz. 4, act. 3/3
f.).
2.3.2. Nach den Grundsätzen des Haftpflichtrechtes ist nur derjenige geschädigt,
dem ein direkter Schaden zugefügt worden ist. Muss ein Gläubiger im Gesell-
schaftskonkurs feststellen, dass seine Konkursdividende vermindert wurde, weil
ein Organ der Gesellschaft einen Schaden verursacht hat, erleidet er aber nur ei-
nen mittelbaren Schaden. Diesen kann er nicht mittels Individualklage geltend
machen. In dieser Situation ist es in erster Linie die Gesellschaft als durch das
pflichtwidrige Handeln ihrer Organe direkt Geschädigte, Schadenersatz von den
verantwortlichen Organmitgliedern zu verlangen (BGE 131 III 306 E. 3.1.1 S.
310). Verzichtet im Konkurs der geschädigten Gesellschaft jedoch die Konkurs-
verwaltung darauf, die Verantwortlichkeitsansprüche namens der konkursiten Ge-
sellschaft durchzusetzen, werden die Gesellschaftsgläubiger klageberechtigt (Art.
757 Abs. 1 f. OR).
2.3.3. Aus der Darlehensgewährung des Klägers an die E'._ und der Zulas-
sung der Darlehensforderung im Konkurs der E'._ folgt, dass der Kläger Ge-
sellschaftsgläubiger ist. Nachdem die Konkursverwaltung auf die Geltendma-
chung der Schadenersatzforderung verzichtet und die entsprechende Forderung
dem Kläger abgetreten hat (vgl. Art. 757 Abs. 2 OR; Art. 260 SchKG), ist die Ak-
tivlegitimation des Klägers ohne Weiteres gegeben.
2.4. Passivlegitimation der Beklagten 1 und 4
2.4.1. Nach unbestritten gebliebener Darstellung des Klägers sei der Beklagte 1
anlässlich der ausserordentlichen Generalversammlung vom 14. Januar 2013 als
einzelzeichnungsberechtigtes Mitglied mit Einzelunterschrift in den Verwaltungsrat
der E'._ gewählt worden (act. 1 Rz. 14.2; act. 3/8). Es sei auch der Beklagte
1 gewesen, der in dieser Eigenschaft den Vertrag vom 24. Dezember 2013 unter-
- 11 -
zeichnet habe, mit welchem die H'._ von der E'._ auf die I'._ über-
tragen worden sei (act. 1 Rz. 8, 14.1). Hinsichtlich des Beklagten 4 macht der
Kläger geltend, dieser sei gemeinsam mit dem (mittlerweile aus dem Verfahren
ausgeschiedenen) Beklagten 3 je hälftig an der E'._ beteiligt gewesen. Dies
ergebe sich aus dem Mandatsvertrag zwischen den Beklagten 3 und 4 und der
J._ AG vom 1. Januar 2012. Gegenstand dieses Mandatsvertrages sei die
Übernahme eines weisungsgebundenen Verwaltungsratsmandates gewesen, das
von der (ebenfalls aus dem Verfahren ausgeschiedenen) Beklagten 2 ausgeübt
worden sei. Demgemäss seien die Beklagten 3 und 4 berechtigt gewesen, der
J._ AG Instruktionen in Bezug auf die Geschäftsführung der Gesellschaft zu
erteilen (act. 14.3; act. 3/22). Die Geschäftsführung der E'._ sei nie delegiert
worden (act. 14.1). Der Kläger macht zudem geltend, auch der Beklagte 1 sei an
die Weisungen des Beklagten 4 gebunden gewesen (act. 1 Rz. 14.4). Es sei da-
von auszugehen, dass der Beklagte 3 und/oder der Beklagte 4 den Beklagten 1
angewiesen hätten, den Vertrag vom 24. Dezember 2013 zu unterzeichnen, wo-
bei sich der Beklagte 1 hierüber mit der Beklagten 2 abgesprochen habe (act. 1
Rz.14.3, 18.5).
2.4.2. Von der Organhaftung nach Art. 754 OR erfasst – und damit passivlegiti-
miert – sind nebst Mitgliedern des Verwaltungsrates alle mit der Geschäftsführung
betrauten Personen. Als solche gelten nicht nur Entscheidungsorgane, die aus-
drücklich als solche ernannt worden sind, sondern auch faktische Organe, d.h.
Personen, die tatsächlich Organen vorbehaltene Entscheide treffen oder die ei-
gentliche Geschäftsführung besorgen und so die Willensbildung der Gesellschaft
massgebend mitbestimmen (BGE 146 III 37 E. 6.1 S. 43; 141 III 159 E. 1.2.2 S.
162; 132 III 523 E. 4.5. S. 528 f.; BGer 4A_603/2014 vom 11. November 2015 E.
4.3.2).
2.4.3. Die Passivlegitimation des Beklagten 1 als Mitglied des Verwaltungsrates
der E'._ ist offensichtlich gegeben. Nachdem der Beklagte 4 die ihn betref-
fenden Behauptungen nicht bestritt, ist davon auszugehen, dass er als Aktionär
den Verwaltungsräten der E'._ Weisungen erteilte und damit die eigentliche
Geschäftsführung besorgte. Nachdem die Geschäftsführung der E'._ zudem
- 12 -
auch nicht an einen einzelnen Verwaltungsrat oder an einen Dritten übertragen
wurde, hat er damit eine dem Verwaltungsrat vorbehaltene Tätigkeit ausgeübt
(Art. 716 Abs. 2 OR, Art. 716b Abs. 1 OR e contrario). Infolgedessen war der Be-
klagte 4 faktisch ein Organ der E'._ und ist als solches passivlegitimiert.
2.5. Pflichtverletzung
2.5.1. Folgende Behauptungen des Klägers bestritten die Beklagten 1 und 4 nicht:
Der Beklagte 1 habe am 24. Dezember 2013 als einzelzeichnungsberechtigtes
Verwaltungsratsmitglied der E'._ auf Verlangen des Beklagten 4 für die
E'._ einen Vertrag unterzeichnet (act. 3/10), mit welchem 100% der Anteile
der H'._ von der E'._ ohne Gegenleistung an die I'._ übertragen
worden seien (act. 1 Rz. 8, 14.3, 18.4 f.). Dies, obschon diese Anteile einen Wert
von rund CHF 3.6 Mio. gehabt hätten (vgl. act. 1 Rz. 11 und sogleich, Erw. 2.6),
zumal die H'._ ihrerseits rund 69% der Aktien der Aktiengesellschaft K._
(nachfolgend: K'._) gehalten habe (act. 1 Rz. 9). Die Organe der E'._
hätten die Werthaltigkeit dieser Beteiligung gekannt (act. 1 Rz. 11). Die Übertra-
gung sei am 14. Januar 2014 vollzogen worden (act. 1 Rz. 8; act. 3/9).
2.5.2. Mitglieder des Verwaltungsrats und Dritte, die mit der Geschäftsführung be-
fasst sind, müssen ihre Aufgaben mit aller Sorgfalt erfüllen und die Interessen der
Gesellschaft in guten Treuen wahren (Art. 717 Abs. 1 OR). Diese Pflichten muss
auch ein weisungsgebundener Verwaltungsrat erfüllen (VISCHER/BORSARI, Sorg-
falts- und Treuepflicht und Verantwortlichkeit eines fiduziarischen Verwaltungs-
ratsmitglieds, GesKR 2008, S. 378 ff.). Darunter fällt die Pflicht, das Gesell-
schaftsvermögen möglichst zu erhalten. Unerlaubt sind daher Geschäfte ohne
angemessene Gegenleistung. Die Treuepflicht verlangt das Ausrichten des
eignen Verhaltens am Gesellschaftsinteresse. Widerspricht eine Weisung an ei-
nen fiduziarischen Verwaltungsrat den Gesellschaftsinteressen, muss dieser
durch das Treffen geeigneter Massnahmen die gebührende Berücksichtigung der
Gesellschaftsinteressen sicherzustellen. Zur Treuepflicht gehört auch das Gebot
zur Unterlassung gesellschaftsschädlicher Aktivitäten, wie dem Abschluss von
einseitig zu Lasten der Gesellschaft gehenden Geschäften. Zusammenfassend
verhält sich ein Verwaltungsratsmitglied bzw. ein mit der Geschäftsführung be-
- 13 -
fasster Dritter pflichtwidrig, wenn er der Gesellschaft Vermögenswerte entzieht,
ohne sicherzustellen, dass dieser eine angemessene Gegenleistung zukommt
(ZR 59 [1960] Nr. 130 S. 330 ff.; BGE 130 III 213, E.2.2.2 S. 219; HGer ZH
HG120120 vom 20. Oktober 2014 E. 4.4.1.2; WATTER/ROTH PELLANDA in:
Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationenrecht II, 5. Aufl. 2016
[zit. BSK OR II], Art. 717 N 12).
2.5.3. Unter der Voraussetzung, dass die Anteile der H'._ einen Wert von
rund CHF 3.6 Mio. hatten (dazu sogleich, Erw. 2.6), verhielt sich der Beklagte 1
mit der Verpflichtung der E'._ zur entschädigungslosen Übertragung dieser
Anteile an die I'._ pflichtwidrig: Steht einer Übertragung von Anteilen im Wert
von rund CHF 3.6 Mio. keine Entschädigung gegenüber, ist dies grundsätzlich
unangemessen. Damit verletzte der Beklagte 1 seine Pflicht, das Gesellschafts-
vermögen der E'._ zu erhalten. Zudem machte der Beklagte 1 weder gel-
tend, Massnahmen zur gebührenden Berücksichtigung der Interessen der
E'._ getroffen zu haben, noch, dass die E'._ ein Interesse an der Über-
tragung hatte. Ein solches ist auch nicht ersichtlich. Infolgedessen verhielt er sich
auch treuwidrig, weil er ein Geschäft abschloss, das einseitig zu Lasten der
E'._ ging.
2.5.4. Daraus folgt, dass sich auch der Beklagte 4 pflichtwidrig verhielt. Wie dar-
gelegt, lag die entschädigungslose Übertragung der H'._ auf die I'._
nicht im Interesse der E'._. Etwas anderes macht auch der Beklagte 4 nicht
geltend. Indem er den Beklagten 1 anwies, die pflichtwidrige Veräusserung vor-
zunehmen, verstiess er, der als faktisches Organ mit der Geschäftsführung der
E'._ befasst war, gegen seine ihm obliegende Sorgfalts- und Treuepflicht.
2.6. Schaden
2.6.1. Folgende Behauptungen des Klägers bestritten die Beklagten 1 und 4 nicht:
Das Eigenkapital der K'._ habe per 31. Dezember 2013 RSD 539.608 Mio.
bzw. CHF 5'935'688.– betragen (act. 1 Rz. 10). Entsprechend habe die Beteili-
gung von ca. 69% der H'._ an der K'._ per 31. Dezember 2013 einen
Wert von CHF 4'086'459.– gehabt. Diese Beteiligung sei das wesentliche Aktivum
der H'._ gewesen. Die Passiven der H'._ hätten per 31. Dezember 2013
- 14 -
RSD 47.167 Mio. bzw. ca. CHF 474'837.– betragen (act. 1 Rz. 11). Damit habe
sich der Wert der H'._ per 31. Dezember 2013 und damit auch der, der
E'._ entstandene Schaden auf zumindest rund CHF 3.6 Mio. belaufen (einzi-
ges wesentliches Aktivum von CHF 4'086'459.– [Beteiligung an der K'._] ab-
züglich die Passiven von ca. 474'837.–; vgl. act. 1 Rz. 11). In der Bilanz der
E'._ für die Jahre 2012 und 2013 sei die H'._ zwar nur mit CHF 286.–
erfasst worden. Die Gründe hierfür kenne der Kläger nicht (act. 1 Rz. 12).
2.6.2. Ein Schaden ist die ungewollte Verminderung des Reinvermögens. Er kann
in einer Verminderung der Aktiven, einer Vermehrung der Passiven oder in ent-
gangenem Gewinn bestehen. Auch im Verantwortlichkeitsprozess entspricht er
der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermögensstand und dem Stand, den
das Vermögen ohne die Pflichtverletzung hätte (Differenztheorie; BGE 142 III 23
E. 4.1; 132 III 564 E. 6.2; 129 III 331 E. 2).
2.6.3. Die Veräusserung sämtlicher Gesellschaftsanteile an der H'._ (enthal-
tend die Beteiligung an der K'._ von rund 69%) ohne Gegenleistung führt zu
einem Vermögensschaden der E'._ in der Höhe des Wertes dieser Anteile
bzw. der H'._. In rechtlicher Hinsicht liegt in der entschädigungslosen Ver-
äusserung ohne Weiteres ein Schaden vor. Wie hoch dieser Schaden tatsächlich
ist, hängt damit vom effektiven Wert dieser Anteile bzw. der H'._ ab.
2.6.4. Zur Bewertung von Unternehmen existieren verschiedene Methoden (u.a.
die reine Ertragswertmethode einschliesslich Discounted-cash-flow-Methode, rei-
ne Substanzwertmethode, Mittelwert- oder Praktikermethode; BGer
2C_1168/2013 vom 30. Juni 2014 E. 3.2 mit Verweis auf HELBLING, Unterneh-
mensbewertung und Steuern, 9. Aufl. 1998, S. 99 ff., 120 ff. 130 ff.). Das Bundes-
gericht bringt je nach Fallkonstellation unterschiedliche Methoden zur Anwendung
(vgl. BGE 136 III 209 E. 6.2 S. 215 ff.; 120 II 259 E. 2b S. 262 ff.; BGer
4A_341/2011 vom 21. März 2012, E. 5.1.3; 4A_96/2011 vom 20. September
2011, E. 5.4). Indem der Kläger zur Bestimmung des Wertes der H'._ deren
Passiven vom einzigen massgeblichen Aktivum (der Beteiligung an der K'._)
in Abzug bringt, berechnet der Kläger den Wert der H'._ im Wesentlichen
mittels der Substanzwertmethode. Dies ist vorliegend nicht zu beanstanden: Da
- 15 -
die K'._ das einzige wesentliche Aktivum der H'._ war, kann Letztere als
Holdinggesellschaft angesehen werden. Als solche erscheint ihre Bewertung nach
der Substanzwertmethode grundsätzlich als angemessen. Sie ist auch in Steuer-
sachverhalten anerkannte Praxis (vgl. BGer 2C_1168/2013 vom 30. Juni 2014
E. 3.2). Schliesslich bringen auch die Beklagten 1 und 4 keine Einwände gegen
die Anwendung der Substanzwertmethode vor, weshalb es damit sein Bewenden
hat.
2.6.5. Die vom Kläger vorgetragene Bewertung der H'._ ist zwar unvollstän-
dig, da er in seiner Rechnung lediglich ein einzelnes anstelle aller Aktiven berück-
sichtigt. Dies schadet dem Kläger vorliegend aber nicht: Denn würde die H'._
nebst der Beteiligung an der K'._ noch über weitere Aktiven verfügen, so
würde dies – bei gleichbleibenden Passiven – den Substanzwert der H'._ le-
diglich erhöhen und der Schaden wäre im Umfang dieser Aktiven grösser. Zentral
bleibt aber auch in diesem Fall, wie die in die Substanzwertberechnung einflies-
senden Aktiven und Passiven der H'._ ihrerseits bewertet werden.
2.6.5.1. Einziges wesentliches Aktivum der H'._ ist deren Beteiligung an der
K'._. Da es sich bei der K'._ um eine börsenkotierte Gesellschaft han-
delt (vgl. act. 1 Rz. 9), wäre zwar grundsätzlich zu erwarten gewesen, dass der
Aktienschlusskurs des Bewertungsstichtages multipliziert mit der Anzahl gehalte-
ner Aktien als Grundlage für die Bewertung herangezogen wird. Über den Aktien-
kurs der K'._ macht der Kläger jedoch keine Angaben. Vielmehr bewertet er
auch die K'._ nach der Substanzwertmethode und errechnet den Wert der
Beteiligung als Bruchteil des Eigenkapitals an der K'._ (vgl. act. 1 Rz. 10).
Gegen dieses Vorgehen bringen die Beklagten 1 und 4 aber auch hier keine Ein-
wände vor, weshalb sich Weiterungen erübrigen. Dasselbe gilt für die als Grund-
lage der Bewertung dienende Bilanz der K'._ per 31. Dezember 2013
(act. 3/14). Die Beklagten 1 und 4 bestritten deren Richtigkeit nicht.
2.6.5.2. Aus dem Gesagten folgt, dass vorliegend davon auszugehen ist, dass die
Beteiligung der H'._ an der K'._ wie vom Kläger vorgetragen per
31. Dezember 2013 einen Wert von CHF 4'086'459.– hatte bzw., dass die
H'._ per 31. Dezember 2013 über Aktiven von mindestens CHF 4'086'459.–
- 16 -
verfügte (vgl. act. 1 Rz. 10 f.). Unbestritten blieb auch die Bewertung und die Hö-
he der Passiven der H'._ per 31. Dezember 2013 von CHF 474'837.–. Dar-
aus folgt, dass der Substanzwert der H'._ per 31. Dezember 2013 mindes-
tens CHF 3'611'622.– betrug (CHF 4'086'459.– abzgl. CHF 474'837.–).
2.6.5.3. Ein Substanzwert der H'._ von CHF 3'611'622.– deckt sich zwar
nicht mit den CHF 286.–, mit welchen die E'._ ihre Beteiligung (100%) an der
H'._ per 31. Dezember 2013 bilanzierte (vgl. act. 1 Rz. 12; act. 3/20). Unter
der Annahme, dass die Passiven der H'._ korrekt bilanziert wurden, könnte
der Wert von CHF 286.– darauf hinweisen, dass die K'._-Beteiligung tatsäch-
lich einen tieferen Wert hatte. Wie es sich damit verhält, braucht nicht weiter un-
tersucht zu werden, zumal die Sachdarstellung des Klägers unbestritten geblie-
ben ist. Im Übrigen ist es angesichts der unterschiedlichen Bewertungsmöglich-
keiten denkbar, dass der wahre Wert der K'._ ihrem Substanzwert entspricht.
Infolgedessen bestehen keine erheblichen Zweifel im Sinne von Art. 153 Abs. 2
ZPO am Wert der K'._-Beteiligung und am daraus abgeleiteten Wert der
H'._.
2.6.6. Zusammenfassend betrug der Substanzwert der H'._ am 31. Dezem-
ber 2013 mindestens CHF 3'611'622.–. Mit Vollzug der entschädigungslosen
Übertragung der H'._ auf die I'._ am 14. Januar 2014 verlor die E'._
diesen Wert. Der Schaden beträgt daher mindestens CHF 3'611'622.–.
2.7. Kausalzusammenhang
2.7.1. Der Kläger behauptet, der Beklagte 1 habe den Schaden kausal verursacht,
indem er am 24. Dezember 2013 den Vertrag mit der I'._ für die E'._ un-
terzeichnet habe. Dieser Vertrag sei anfangs 2014 vollzogen worden und die
I'._ sei anstelle der E'._ zur einzigen Gesellschafterin der H'._ ge-
worden (act. 1 Rz. 19.2). Der Beklagte 4 habe den Schaden kausal verursacht,
indem er den Beklagten 1 angewiesen habe, den Vertrag mit der I'._ abzu-
schliessen (act. 1 Rz. 19.4). Diese Behauptungen blieben unbestritten.
2.7.2. Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 754 Abs. 1 OR ist, dass das
pflichtwidrige Verhalten des (faktischen) Organs den Schaden natürlich und adä-
quat kausal verursacht hat (BÖCKLI, Schweizer Aktienrecht, 4. Aufl. 2009, § 18 N
- 17 -
416). Die natürliche Kausalität ist gegeben, wenn die Pflichtverletzung Ursache im
Sinn einer conditio sine qua non für den Eintritt des Schadens ist. Eine Pflichtver-
letzung ist adäquat kausal für den Schadenseintritt, wenn sie nach dem gewöhnli-
chen Lauf der Dinge und nach der Lebenserfahrung geeignet war, einen Schaden
von der Art des eingetretenen herbeizuführen, so dass der Schadenseintritt durch
die Pflichtverletzung allgemein begünstigt erscheint (vgl. BGE 132 III 715 E. 2.1
S. 718 f.; 113 II 52 E. 3a S. 57; BGer 4C.92/2001 vom 11. Juli 2001 E. 2b).
2.7.3. Vorliegend kann weder das Verhalten des Beklagten 1 (Unterschreiben des
Übertragungsvertrages) noch jenes des Beklagten 4 (Anweisung zur Übertra-
gung) weggedacht werden, ohne dass auch der Schadenseintritt bzw. der Verlust
der Beteiligung an der H'._ entfällt. Zudem ist sowohl das genannte Verhal-
ten des Beklagten 1 als auch jenes des Beklagten 4 nach dem gewöhnlichen Lauf
der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet, den Verlust der
H'._ herbeizuführen. Infolgedessen erweist sich das Verhalten des Beklagten
1 und das Verhalten des Beklagten 4 als die natürlich- und adäquat-kausale Ur-
sache für die Übertragung der H'._ an die I'._ und damit für den Scha-
denseintritt.
2.8. Verschulden
2.8.1. Der Verwaltungsrat und der mit der Geschäftsführung befasste Dritte haften
im Rahmen seiner Amtsführung für jedes Verschulden. Leichte Fahrlässigkeit ge-
nügt (BGE 139 III 24 E. 3.5 S. 30; BGer 4A_74/2012 vom 18. Juni 2012 E. 5; BSK
OR II-GERICKE/WALLER, Art. 754 N 32). Dabei gilt ein objektivierter Verschuldens-
massstab: Ein Verschulden ist grundsätzlich immer gegeben, wenn der in An-
spruch Genommene nicht so gehandelt hat, wie es von einem sachkundigen Or-
gan in der konkreten Stellung objektiv verlangt werden darf (BGer 4A_74/2012
vom 18 Juni 2012 E. 5; 4C.358/2005 vom 12. Februar 2007 E. 5.6; vgl. auch BGE
113 II 52 E. 3a S. 56). Fahrlässigkeit liegt vor, wenn der Verwaltungsrat nach der
ihm zuzumutenden Aufmerksamkeit und Überlegung hätte erkennen sollen, dass
er durch ein bestimmtes Verhalten eine konkrete Gefahr der Schädigung schafft
(BGE 99 II 176 E. 1 S. 180; BGer 4C.19/2004 vom 19. Mai 2004 E. 1.7).
- 18 -
2.8.2. Der Kläger behauptet, die Beklagte 4 habe absichtlich, der Beklagte 1 zu-
mindest eventualvorsätzlich gehandelt (act. 1 Rz. 20.2, 20.3). Die Beklagten 1
und 4 bestritten dies nicht. Ihr Verschulden liegt denn auch auf der Hand: Weder
der Beklagte 1 noch der Beklagte 4 hat so gehandelt, wie es von einem pflichtbe-
wussten Organ in ihrer Stellung objektiv verlangt werden darf (vgl. oben, Erw.
2.5). Sie hätten bei der ihnen zuzumutenden Aufmerksamkeit und Überlegung er-
kennen müssen, dass ihr Verhalten die E'._ schädigen würde. Daraus folgt,
dass die Beklagten 1 und 4 schuldhaft gehandelt haben.
2.9. Solidarität
2.9.1. Sind für einen Schaden mehrere Personen ersatzpflichtig, so ist jede von
ihnen insoweit mit den anderen solidarisch haftbar, als ihr der Schaden aufgrund
ihres eigenen Verschuldens und der Umstände persönlich zurechenbar ist
(Art. 759 Abs. 1 OR; differenzierte Solidarität; BGE 132 III 564 E. 7 S. 577; BGer
4A_603/2014 vom 11. November 2015 E. 4). Infolgedessen ist der Umfang der
Ersatzpflicht eines solidarisch Haftenden auch im Aussenverhältnis individuell zu
bestimmen. Der Haftpflichtige kann demnach auch im Aussenverhältnis die Her-
absetzungsgründe von Art. 43 Abs. 1 und Art. 44 OR geltend machen (BGE 132
III 564 E. 7 S. 577 mit Hinweisen; BGer 4A_19/2020 vom 19.08.2020 E. 3.1.3).
2.9.2. Dem Antrag des Klägers, die jeweilige Ersatzpflicht der Beklagten 1 und 4
sei durch das Gericht festzulegen, ist grundsätzlich stattzugeben. Indes liegen
sehr übersichtliche Verhältnisse vor: Der Beklagte 1 war einer von zwei Verwal-
tungsräten und der Beklagte 4 war einer von zwei Aktionären der E'._. Indem
der Beklagte 4 den Beklagten 1 anwies, die H'._ an die I'._ zu übertra-
gen, und Letzterer diese Anweisung befolgte, haben die Beklagten 1 und 4 zu-
sammengewirkt. Der Schaden ist ihnen daher je gesamthaft zurechenbar.
Schliesslich hat weder der Beklagte 1 noch der Beklagte 4 Herabsetzungsgründe
im Sinne von Art. 43 und Art. 44 OR geltend gemacht. Solche sind auch nicht er-
sichtlich. Damit haften die Beklagten 1 und 4 für den ganzen entstandenen Scha-
den solidarisch.
2.10. Zwischenfazit
- 19 -
Die Beklagten 1 und 4 haben ihre Sorgfalts- und Treuepflichten als Verwaltungs-
rat bzw. faktisches Organ der E'._ verletzt. Sie haben dadurch der E'._
nach der unbestrittenen Darstellung des Klägers schuldhaft einen Schaden von
mindestens CHF 3'611'622.– verursacht. Obschon der Kläger grundsätzlich den
gesamten Schaden hätte geltend machen können, macht er als Teilklage nur sei-
ne Forderung als Abtretungsgläubiger in der Höhe von CHF 379'332.05 geltend.
2.11. Schadenszins
2.11.1. Erleidet eine Gesellschaft aufgrund des pflichtwidrigen Verhaltens einer
Organperson einen Schaden, hat diese Anspruch auf einen Schadenszins von
5% ab dem Zeitpunkt, ab welchem sich das schädigende Ereignis finanziell aus-
gewirkt hat (BGE 131 III 12 E. 9.4 S. 24 f.; 130 III 591 E. 4. S. 598 f.; 122 III 53 E.
4b S. 53 f.).
2.11.2. Nachdem die H'._ per 14. Januar 2014 an die I'._ übertragen
wurde (vgl. act. 1 Rz. 4; act. 3/9), haben sich die pflichtwidrigen Handlungen der
Beklagten 1 und 4 ab jenem Tag finanziell auf die E'._ ausgewirkt. Entspre-
chend ist der Schaden ab dem 14. Januar 2014 zu 5% zu verzinsen. Da der Klä-
ger den Schadenszins aber erst seit 1. März 2019 verlangt, kann er nur in diesem
Umfang zugesprochen werden (Art. 58 Abs. 1 ZPO).
3. Ergebnis
Die Klage ist gutzuheissen. Unter diesen Umständen braucht auf die weiteren
Vorbringen des Klägers, namentlich betreffend die angeblich statutenwidrige Zu-
wahl des Beklagten 1 in den Verwaltungsrat der E'._ (act. 1 Rz. 14.2) und
betreffend die Überweisung von EUR 58'054.63 auf das Bankkonto der L._
Ltd. (act. 1 Rz. 16, 17.2) nicht weiter eingegangen zu werden.
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
4.1. Die Höhe der Gerichtskosten bestimmt in erster Linie nach dem Streitwert
(vgl. Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1 GOG und § 2 Abs. 1 lit. a GebV OG). Er be-
trägt CHF 379'332.05 (act. 1 S. 2; Art. 91 Abs. 1 ZPO). Die Grundgebühr beträgt
damit rund CHF 20'000.–. Diese erscheint angesichts des Aufwands angemes-
- 20 -
sen. Die weiteren Kosten betragen CHF 5'605.– (Kosten für die Übersetzung der
Klageschrift vom 12. Februar 2019 und der Verfügungen vom 14. Februar 2019
bzw. vom 19. März 2019 ins Hebräische und ins Serbische von CHF 2'945.– bzw.
CHF 2'660.–; vgl. act. 11; act. 14; Art. 95 Abs. 2 lit. d ZPO).
4.2. Nachdem der Kläger seine Klage gegen die Beklagten 2 und 3 anlässlich
der Vergleichsverhandlung vom 2. März 2021 zurückzog (vgl. act. 45), gegen die
Beklagten 1 und 4 dagegen vollständig obsiegt, sind die Kosten dem Kläger zu
1/10 und den Beklagten 1 und 4 zu 9/10 unter solidarischer Haftbarkeit aufzuerle-
gen (Art. 106 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Die Kosten sind mit dem vom Kläger geleiste-
ten Kostenvorschuss (CHF 20'000.–) zu verrechnen. Der Fehlbetrag (CHF
5'605.–) ist von den Beklagten nachzufordern (Art. 111 Abs. 1 ZPO). Für die Diffe-
renz zwischen auferlegten Kosten und geleistetem Vorschuss (CHF 17'439.50) ist
dem Kläger das Rückgriffsrecht auf die Beklagten 1 und 4 einzuräumen (Art. 111
Abs. 2 ZPO).
4.3. Ausgangsgemäss ist dem Kläger zudem eine Parteientschädigung zuzu-
sprechen (Art. 106 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Deren Höhe richtet sich nach der Verord-
nung des Obergerichts über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (Anw-
GebV; Art. 96 ZPO i.V.m. § 48 Abs. 1 lit. c und Abs. 2 AnwG ZH) und damit in ers-
ter Linie nach dem Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Vorliegend beträgt die
nach § 4 Abs. 1 AnwGebV ermittelte Grundgebühr rund CHF 21'000.–. Unter Be-
rücksichtigung des Aufwandes für die Vergleichsverhandlung rechtfertigt es sich,
diese um rund 15 % zu erhöhen (§ 11 Abs. 1 und 2 AnwGebV). Da der Kläger le-
diglich zu 9/10 obsiegt, sind die Beklagten 1 und 4 zu verpflichten, dem Kläger ei-
ne um 1/10 reduzierte Parteientschädigung von CHF 21'735.– zu bezahlen. Den
Beklagten 1 und 4 ist mangels entsprechendem Antrag sowie infolge fehlender
Aufwände keine Entschädigung zuzusprechen.
- 21 -