Decision ID: a5f41721-23bd-4768-8522-8e985a33be6c
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ reichte der IV-Stelle am 22. März 2008 das Anmeldeformular für berufliche
Integration/Rente ein (IV-act. 1). Sie gab darin sinngemäss an, seit September 2006 an
Schmerzen in der Schulter zu leiden.
A.b Dr. med. B._, Orthopädie C._, hatte die Versicherte erstmals am 27.
November 2006 untersucht und ihr ab diesem Zeitpunkt bis und mit 10. Januar 2007
eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bescheinigt (IV-act. 19 S. 6; vgl. IV-act. 3 S. 1). Am
12. Januar 2007 hatte er die Versicherte an der rechten Schulter operiert
(Hospitalisation vom 11. bis 18. Januar 2007). In der Folge hatte Dr. B._ die Ver
sicherte in ihrer bisherigen Tätigkeit vom 11. Januar bis am 24. April 2007 100 % und
vom 25. April bis 31. Mai 2007 50 % arbeitsunfähig geschrieben. Am 1. Juni 2007 hatte
Dr. B._ eine Mobilisation der rechten Schulter durchgeführt (Hospitalisation vom
1. bis 2. Juni 2007). Hierauf hatte Dr. B._ die Versicherte in ihrer bisherigen Tätigkeit
vom 1. Juni bis 24. Juni 2007 100 % und ab dem 25. Juni 2007 bis auf Weiteres 50 %
arbeitsunfähig geschrieben (IV-act. 10). Am 14. November 2007 hatte der
Vertrauensarzt der Krankenversicherung, Dr. med. D._, der Versicherten nach einer
Untersuchung eine Arbeitsunfähigkeit von weiterhin 50 % in ihrer angestammten
Tätigkeit bescheinigt (act. G 5.2). Die Arbeitsunfähigkeit von 50 % war jeweils von Dr.
B._ bzw. vom Hausarzt der Versicherten, Dr. med. E._, bis am 12. Juni 2008
bestätigt worden (vgl. Taggeldkarte, IV-act. 35 S. 3).
A.c Den Fragebogen für Arbeitgebende vom 24. April 2008 betreffend die berufliche
Integration (IV-act. 11) unterzeichnete die Versicherte als Präsidentin und
Einzelunterschriftsberechtigte der F._ AG selber (vgl. IV-act. 26). In diesem
Fragebogen gab sie an, seit dem 1. April 2006 in einem ungekündigten
Arbeitsverhältnis mit der F._ AG zu stehen. Im Betrieb bestünden keine
Möglichkeiten für eine Umplatzierung. Vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens sei
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sie 45 Stunden pro Woche als Wirtin tätig gewesen. Seit Eintritt des
Gesundheitsschadens, d.h. seit dem 27. November 2006, helfe sie nur noch 22.5
Stunden pro Woche im Betrieb mit. Ihr aktueller AHV-beitragspflichtiger Lohn betrage
Fr. 40'000.-- pro Jahr. Ohne Gesundheitsschaden würde sie Fr. 80'000.-- verdienen.
Zu ihren Tätigkeiten gehörten das Kochen (6-33 %), der Verkauf (6-33 %), der Service
(34-66 %) und die Büroarbeiten (1-5 %). Dabei müsse sie viel gehen und stehen sowie
leichte bis mittelschwere Sachen heben und tragen (0-25 kg). Aus den eingereichten
Lohnabrechnungen ging hervor, dass sie vom 1. April 2006 bis 28. Februar 2007 einen
Bruttomonatslohn von Fr. 4'500.-- (exkl. 13. Monatslohn) und ab dem 1. März 2007 bis
31. Dezember 2007 einen solchen von Fr. 3'500.-- (exkl. 13. Monatslohn) bezogen
hatte. Mit Schreiben vom 23. Mai 2008 (IV-act. 22) teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass keine beruflichen Massnahmen angezeigt seien.
A.d Am 13. Juni 2008 operierte Dr. B._ die Versicherte an der linken Schulter. Zu
diesem Zweck war sie vom 13. bis 15. Juni 2008 hospitalisiert. In der Sprechstunde
vom 25. Juni 2008 gab die Versicherte an, dass sie neu verstärkt unter
Nackenschmerzen und lumbalen Schmerzen leide (IV-act. 39). Ab dem 13. Juni 2008
wurde der Versicherten durchgehend ‒ entweder von Dr. E._ oder Dr. B._ ‒ eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert, letztmals am 8. Dezember 2010 (vgl.
Taggeldkarte, act. G 1.3 und 1.4).
A.e Am 5. September 2008 fand eine Abklärung an Ort und Stelle statt (IV-act. 34). Die
Versicherte gab an, dass sie Tablare und leichte Kartonschachteln nur noch mithilfe
beider Arme tragen könne. Das Servieren von Tellern bereite ihr Schwierigkeiten; sie sei
nicht in der Lage, den Teller über den Tisch zu reichen. Sie müsse immer direkt neben
dem Gast stehen und den Teller mit beiden Händen halten. Überkopfarbeiten seien
ebenfalls nicht mehr möglich. Seit dem Frühjahr 2008 habe sie zudem Schwierigkeiten
mit der linken Schulter. Die Einschränkungen seien bei beiden Schultern gleich gross.
Weiter habe sie Schmerzen im Nacken und immer wieder auch in der Lendengegend
oberhalb des Beckens. Bis Anfang 2008 habe sie regelmässig Kopfschmerzen gehabt.
Diese seien seit August 2008 wieder regelmässig aufgetreten. Durchschlafen könne sie
nur mithilfe von Schlaftabletten. Bezüglich der F._ AG führte sie aus, dass sie das
Lokal am 1. April 2006 eröffnet habe. Es handle sich um ein Speiselokal mit
integriertem Spezialitätenladen (Lebensmittel, Geschenke, Wein). Im Betrieb arbeiteten
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eine Köchin (50-60 %), eine Aushilfe (Service und Bar, 8-10 Stunden pro Woche), eine
Putzfrau (vier Stunden pro Woche) sowie eine Büroaushilfe (drei Stunden pro Woche).
Sie habe die stellvertretende Geschäftsführerin bei der Eröffnung des Lokals als
befristete Unterstützung angestellt. Aufgrund der Schulterschmerzen der Versicherten
arbeite die stellvertretende Geschäftsführerin jedoch weiterhin zu 100 % im Betrieb.
Auch das Pensum der Köchin habe sie wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung
auf 80 % erhöhen müssen. Der Betrieb sei immer noch in der Aufbauphase und erziele
deshalb einen Verlust. Der Sachbearbeiter der IV-Stelle führte einen
Betätigungsvergleich durch, welcher eine Arbeitsfähigkeit von 32.5 % in der bisherigen
Tätigkeit ergab. Die Versicherte gab an, dass ihre Erwerbsfähigkeit weder durch eine
Anpassung des Betriebs noch durch die Anschaffung von Hilfsmitteln, die Verlagerung
der Tätigkeiten im Betrieb oder eine berufliche Umstellung wesentlich verbessert
werden könne. Die Versicherte unterzeichnete den Abklärungsbericht am 22. Oktober
2008 unter Vorbehalt der Angaben im beigelegten Schreiben desselben Datums (IV-
act. 35). Darin wies sie insbesondere darauf hin, dass der Geschäftsführerlohn von
Fr. 4'500.-- in Ergänzung zum versicherten Jahreslohn von Fr. 84'000.-- ausbezahlt
worden sei. Dies entspreche dem versicherten Lohn bei voller Gesundheit. Zum
Betätigungsvergleich führte sie an, es sei aufgrund der Betriebsgrösse unrealistisch,
dass sie in drei Bereichen (Servicearbeit, Verkauf im Laden, Verpacken der
Geschenkideen) lediglich Teilarbeiten ausführe.
A.f Am 16. September 2008 untersuchte Dr. med. G._, Innere Medizin und
Rheumatologie FMH, die Versicherte (IV-act. 38). Dr. G._ gab an, dass die Ver
sicherte zum Zeitpunkt der Untersuchung in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit 100 %
arbeitsunfähig gewesen sei. Auch Dr. B._ attestierte der Versicherten in den
Verlaufsberichten vom 11. März und 24. Juni 2009 (IV-act. 39 S. 4; IV-act. 44 S. 1 f.)
eine Arbeitsunfähigkeit in ihrer angestammten Tätigkeit. Am 7. November 2008
operierte Dr. B._ die Versicherte erneut an der linken Schulter. Dabei fixierte er ein
instabiles OS acromiale mit zwei Schrauben. Während der Hospitalisation vom 6. bis
12. November 2008 wurde auch eine peridurale Schmerztherapie durchgeführt (IV-act.
39). Am 27. März 2009 operierte Dr. B._ die Versicherte zum dritten Mal an der linken
Schulter. Er entfernte dabei die bei der letzten Operation eingesetzten Schrauben. Die
Versicherte war hierfür vom 27. bis 29. März 2009 hospitalisiert (IV-act. 44).
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A.g Am 12. November 2009 wurde die Versicherte im Auftrag ihrer
Krankenversicherung durch Dr. H._, Oberarzt Klinik für Rheumatologie des
Kantonsspitals Winterthur (KSW), untersucht (IV-act. 111 S. 10 ff.). In seinem
Gutachten vom 23. Dezember 2009 gab Dr. H._ an, dass bei der Versicherten
weiterhin eine chronische PHS tendinotica beidseits linksbetont bestehe. Dabei seien
die Kraftverhältnisse im linken Arm diskret abgeschwächt. Hinweise für eine
cervikoradikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik fehlten. Momentan imponiere ein
ausgeprägtes myofasziales Schmerzsyndrom im Trapeziusbereich links. Daneben
bestehe auch ein lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne Hinweise für eine radikuläre
Reiz- oder Ausfallsymptomatik, jedoch mit Hinweisen für eine Mikroinstabilität.
Radiologisch hätten eine Pseudoanterolisthesis C7 gegenüber Th1 bei Spondylarthrose
sowie eine minimale dynamische Retrolisthese Grad I L2 gegenüber L3 nachgewiesen
werden können. Dr. H._ empfahl, die chiropraktischen Behandlungen zu sistieren
und einen stationären Rehabilitationsaufenthalt durchzuführen. Am 23. und 24.
November 2009 führte das KSW im Auftrag der Krankenversicherung eine Evaluation
der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durch (act. G 5.2). In der Evaluation wurde
festgehalten, dass die Versicherte in ihrer angestammten Tätigkeit als
Geschäftsführerin noch 4.5 Stunden pro Tag arbeitsfähig sei. Sie dürfe nicht mehr mit
Lasten über 15 kg hantieren, keine Überkopfarbeiten mit Lasten von über 8.5 kg mehr
verrichten und nicht mehr länger als 30 Minuten am Stück stehen. Weinkisten könne
sie noch maximal 30 Minuten pro Tag heben und tragen. Bei drei Stunden Arbeit im
Service pro Tag benötige sie zusätzlich täglich ca. 3⁄4 Std. Pause. Andere leichte bis
mittelschwere Arbeiten könne sie ganztags ausüben.
A.h Am 4. März 2010 reichte Dr. med. I._, FMH Traumatologie und orthopädische
Chirurgie, das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene orthopädische Gutachten ein (IV-
act. 71). Die Gutachterin verfügte für die Diagnosestellung nicht über die Röntgenbilder
des KSW, sondern lediglich über deren Röntgenberichte (IV-act. 71 S. 2; vgl. IV-
act. 60-64). Sie diagnostizierte eine Periarthropathia tendinotica bds. linksbetont, ein
chronisches cervicospondylogenes Schmerzsyndrom, ein chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom, einen Hallux valgus bds. bei St. nach Hallux OP
vor vielen Jahren, eine Polyarthrose aller Fingergelenke und eine Rhizarthrose links.
Einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten aber nur die gesundheitlichen
Beeinträchtigungen der beiden Schultern, des Nackens und der LWS. Die Gutachterin
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stützte sich für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf die klinische Untersuchung und
die EFL-Resultate des KSW. Sie wies darauf hin, dass die EFL des KSW korrekt und
exakt durchgeführt worden sei, weshalb die Resultate "1:1" übernommen werden
könnten. Die Versicherte dürfe für kurzzeitige Überkopfarbeiten maximal 8.5 kg heben
und langfristig keine Überkopfarbeiten mehr ausführen. Weiter sollte sie nicht mit
schlagenden und vibrierenden Maschinen hantieren und monotone kraftvolle und
ruckartige Bewegungen unter Belastung aus dem Schultergürtelbereich bds.
vermeiden. Kurzfristig dürfe sie keine Lasten von mehr als 15 kg und langfristig keine
von mehr als 10 kg über Rumpfhöhe heben und tragen. Stehen dürfe sie nicht länger
als 30 Minuten, sitzen nicht länger als eine Stunde am Stück. Auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt sei die Versicherte in einer leichten bis mittelschweren, v.a.
wechselseitigen Arbeit zu 100 % arbeitsfähig.
A.i Mit Schreiben vom 20. April 2010 (IV-act. 72) fragte die IV-Stelle die Versicherte
an, ob sie an Eingliederungsmassnahmen interessiert sei. Diese antwortete am 2. Mai
2010 (IV-act. 76), dass sie aus gesundheitlichen Gründen zwischenzeitlich den Job
habe aufgeben müssen. Sie sei immer noch 100 % arbeitsunfähig. Der
Gesundheitszustand habe sich nach drei Wochen intensiver Therapie im März 2010 im
medizinischen Zentrum J._ nicht verbessert. An einer beruflichen Neurorientierung
sei sie, soweit es ihr Gesundheitszustand zulasse, grundsätzlich interessiert. Hierauf
teilte die IV-Stelle der Versicherten am 14. Mai 2010 (IV-act. 78) mit, dass aufgrund
ihrer Abklärungen zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen angezeigt
seien. Da sich die Versicherte durch ihre gesundheitliche Situation nicht arbeitsfähig
und in den Arbeitsmarkt integrierbar fühle, seien berufliche Massnahmen nicht
erfolgversprechend.
B.
B.a Mit Vorbescheid vom 19. Juli 2010 (IV-act. 92) teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass eine Abweisung des Rentenbegehrens vorgesehen sei. Die IV-Stelle führte
aus, dass es der Versicherten trotz ihrer Krankheit zumutbar sei, eine leichte bis
mittelschwere Tätigkeit zu 100 % auszuüben. Dabei könnte die Versicherte gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik ohne Behinderung ein
Einkommen von Fr. 54'000.-- und mit Behinderung ein Einkommen von Fr. 51'368.--
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erzielen. Die Versicherte erleide somit aufgrund ihrer gesundheitlichen
Beeinträchtigungen eine Erwerbseinbusse von Fr. 2'632.-- pro Jahr. Dies entspreche
einem Invaliditätsgrad von 5 %.
B.b Am 21. September 2010 liess die inzwischen vertretene Versicherte einen Einwand
erheben (IV-act. 93). Ihre Rechtsvertreterin beantragte, der Vorbescheid sei aufzuheben
und es sei eine beschwerdefähige Verfügung betreffend die angebliche Unmöglichkeit
der Durchführung beruflicher Eingliederungsmassnahmen zuzustellen, falls die IV-Stelle
an der formlosen Mitteilung vom 14. Mai 2010 festhalten wolle. Die Rechtsvertreterin
bestritt, dass die Versicherte je gesagt habe, bei ihr seien berufliche
Eingliederungsmassnahmen nicht möglich bzw. nicht erfolgsversprechend. Im Übrigen
sei der Vorbescheid auch materiell falsch. Am 27. Oktober 2010 reichte die Versicherte
der IV-Stelle einen Fragebogen ein (IV-act. 97). Darin hielt sie fest, dass sie das
Arbeitsverhältnis mit der F._ AG per 31. Dezember 2009 aufgelöst habe. Sie bewerbe
sich zurzeit nicht, weil sie 100 % arbeitsunfähig sei. Sie sei jedoch bereit, an
Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen, sich regelmässig zu bewerben und Stellen
anzutreten, die sie trotz der körperlichen Beeinträchtigungen ausüben könne. Es sei
eine weitere Operation in Abklärung.
B.c Am 14. Februar 2011 stellte Dr. E._ ein Zeugnis für eine Arbeitsunfähigkeit von
100 % ab dem 13. Juni 2008 aus (IV-act. 105). Im Bericht vom 12. April 2011 (IV-act.
111 S. 1-3) gab er an, dass die Versicherte aufgrund des Rückenleidens in ihrem
angestammten Beruf zu 100 % arbeitsunfähig sei.
B.d Mit Schreiben vom 16. Juni 2011 (IV-act. 121) ersuchte die Rechtsvertreterin die
IV-Stelle, ihr mitzuteilen, was seit dem letzten Kontakt unternommen worden sei. Seit
der IV-Anmeldung im März 2008 sei viel Zeit vergangen. Die Rechtsvertreterin führte
weiter an, dass das Gutachten von Dr. I._ nicht verwertbar sei, da ihr - trotz
mehrmaligem Nachhaken - keine Röntgenbilder zur Verfügung gestanden hätten. Mit
dem Vorbescheid habe die IV-Stelle versucht, den Fall mit einer gänzlichen
Rentenablehnung "abzuwürgen", obwohl schon damals bekannt gewesen sei, dass
operative Massnahmen unausweichlich sein würden. Die Versicherte verlange daher,
dass ihr Dossier zumindest in Zukunft sorgfältig bearbeitet werde. Die IV-Stelle
antwortete hierauf, dass sie in der Zwischenzeit nichts unternommen habe, da sie
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zuerst den Operationstermin bzw. den weiteren Verlauf habe abwarten müssen (IV-act.
129).
B.e Am 4. August 2011 operierte Dr. med. D. K._, Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie der
Klinik L._, die Versicherte an der LWS. Die Versicherte war deswegen vom 3. bis am
13. August 2011 hospitalisiert (IV-act. 137 f). Dr. K._ attestierte ihr ab dem 4. August
2011 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (IV-act. 144). Dr. med. M._,
leitender Arzt Orthopädie der Klinik L._, gab am 4. Oktober 2011 an, dass die
Versicherte aufgrund einer erhöhten Ermüdbarkeit höchstwahrscheinlich auch in einer
leidangepassten Tätigkeit wie z.B. einer Bürotätigkeit nur 50 % arbeitsfähig sei (IV-act.
140).
B.f Am 12. April 2012 unterzog sich die Versicherte einer Hallux-Operation (IV-act. 161
S. 1-3 und 183 S. 55). Dr. E._ gab an, dass die Versicherte aus seiner Sicht aktuell
und auch weiterhin nicht arbeitsfähig sei (IV-act. 161). Mit Datum vom 23. April bzw.
22. Mai 2012 stellte Dr. med. N._, Orthopädie C._, der Versicherten vom 11. April
bis 5. Juni 2012 ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis von 100 % und vom 6. Juni bis 17. Juni
2012 ein solches von 50 % aus (act. G 1.7 und 1.8). Am 29. Mai 2012 stellte Dr. med.
O._, Oberarzt Rheumatologie der Klinik L._, u.a. fest, dass die Symptomatik der
belastungsabhängigen Schmerzen im Bereich der Schultergelenke bds. im Moment
relativ stabil sei (IV-act. 168).
B.g In der Folge beauftragte die IV-Stelle Dr. med. P._, Innere Medizin FMH spez.
Rheumaerkrankungen, mit der Erstellung eines rheumatologischen Gutachtens (IV-act.
173). Dr. P._ gab im Gutachten vom 5. September 2012 (IV-act. 183) folgende
rheumatologische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an: Panvertebrale
Schmerzen bei HWS und LWS und Schulterbeschwerden beidseits bei kongenital
engem Subacromialraum beidseits. Keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten
die ausgedehnten chronischen Schmerzen, die Fingerpolyarthrosen, der langjährige
Benzodiazepin-Konsum, eine Hypercholesterinämie und ein Status nach Vorfuss
Operation links im April 2012. Die Gutachterin führte weiter aus, dass die Versicherte
mit einem engen Subacromialraum beidseits geboren worden sei. In der klinischen
Untersuchung sei die Beweglichkeit der LWS in der Lateralflexion beidseits leicht
eingeschränkt und in der Inklination bzw. Reklination deutlich eingeschränkt gewesen.
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Direkt geprüft habe sich eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der HWS gezeigt,
die sich unter Ablenkung jedoch normalisiert habe. Beide Schultergelenke wie auch die
übrigen peripheren Gelenke seien normal beweglich gewesen. Klinisch seien mässige,
nicht aktivierte Fingerpolyarthrosen, vor allem der DIP-Gelenke, vorhanden gewesen.
Aus der grossen Muskelmasse könne geschlossen werden, dass keine lang
andauernde körperliche Schonung stattgefunden habe. Die Implantate im LWS-Bereich
lägen bildgebend gut. Es sei zu einem ossären Durchbau gekommen. Die Re-Ruptur
der Supraspinatus-Sehne rechts habe sich bildgebend seit Jahren nicht wesentlich
verändert. In Übereinstimmung mit den Angaben der Versicherten hätten die
Medikamente Celecoxib, Temesta und Valsartan im Blut nachgewiesen werden
können. Die Gutachterin kam zum Schluss, dass die vorhandenen Befunde das
Ausmass der Beschwerden nicht erklären könnten. Die Operation an der LWS vom 4.
August 2011 sei erfolgreich gewesen und habe die lumbale Situation der Versicherten
deutlich gebessert. Im Bereich der rechten Schulter habe sich der klinische und
bildgebende Befund gegenüber den beiden vorangegangenen Begutachtungen durch
Dr. I._ bzw. Dr. H._ nicht wesentlich verändert. Bei der Untersuchung sei der
Handeinsatz beidseits normal gewesen. Die Versicherte sei mit einer grossen
Handtasche und einer Mappe zur Untersuchung gekommen, die sie problemlos habe
handhaben können. Diskrepant dazu sei die gezeigte maximale Handkraft von 56 %
rechts und 44 % links gewesen. Aus rheumatologischer Sicht gebe es keine Ursache
für diese deutlich verminderte Handkraft beidseits. Es sei wohl eine Selbstlimitierung
bei der Messung vorhanden gewesen. Fingerpolyarthrosen, wie sie bei der
Versicherten vorhanden seien, würden nur bei kräftigem Handeinsatz auftreten und bei
Nichtgebrauch der Hände abnehmen. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit gab die
Gutachterin an, dass die Versicherte aufgrund der eingeschränkten Funktion beider
Schultern und der Wirbelsäule in ihrer Arbeitsfähigkeit limitiert sei. Gemäss den
Standards der Swiss Insurance Medicine könnten sich aus der Funktionseinschränkung
eines Schultergelenks Limitierungen in der Positionierung der Hand im Raum oder beim
Einsatz der Hand über Brust-/Schulter-Kopfniveau ergeben. Oft sei die Fähigkeit,
Leitern und Gerüste zu besteigen und auf solchen zu arbeiten, eingeschränkt. Ebenfalls
könnten Behinderungen beim Manipulieren bestehen und das Heben und Tragen von
Lasten sei oft nur noch körpernah möglich. Allenfalls könnten schwerere Gewichte nur
bis Gürtelhöhe angehoben werden. Die Rückenfunktionseinschränkungen könnten sich
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je nach Art und Ausmass unterschiedlich auf die Fähigkeit auswirken, häufig Lasten
ohne Hilfsmittel zu heben und zu tragen. Bei HWS-Problemen seien oft zusätzlich
Überkopfarbeiten sowie Vibrationen zu vermeiden. Weiter sei das längere Verharren in
vornüber geneigter Haltung - ob stehend oder sitzend - zu vermeiden. Ebenso seien
unerwartete, asymmetrische Lasteinwirkungen auszuschliessen. Eher günstig seien
wechselbelastende Tätigkeiten. Die Versicherte könne Lasten bis zu 10 kg heben und
tragen (leichtes Belastungsniveau). Tätigkeiten, die dem angegebenen Profil
entsprächen, könne die Versicherte zu 100 % ausüben. In der angestammten Tätigkeit
als Geschäftsführerin ihrer F._ AG seien wahrscheinlich Teilbereiche vorhanden, die
nicht adaptiert seien. Diese Teilbereiche und nicht-adaptierte Tätigkeiten könne die
Versicherte seit dem 27. November 2006 nicht mehr ausüben. In adaptierten
Tätigkeiten, insbesondere im adaptierten Teilbereich der angestammten Tätigkeit, sei
die Versicherte nie langfristig arbeitsunfähig gewesen. Schliesslich wies die Gutachterin
noch darauf hin, dass sie die Beurteilung des Gesundheitszustandes und die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. H._ und Dr. I._ teile.
B.h Das psychiatrische Gutachten von Dr. med. Q._, Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, datiert vom 14. September 2012 (IV-act. 185). Der Gutachter konnte keine
psychiatrische Diagnose stellen. Zudem gab er an, dass auch die Diagnose einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht gestellt werden könne, da Hinweise
auf schwerwiegende bewusste oder unbewusste emotionale Konflikte oder
schwerwiegende belastende psychosoziale Situationen fehlten.
B.i Mit Schreiben vom 28. September 2012 (IV-act. 188) wurde der Rechtsvertreterin
mitgeteilt, dass die IV-Stelle am Vorbescheid festhalte. Die IV-Stelle setzte der
Rechtsvertreterin eine Frist zur Stellungnahme an. Mit Schreiben vom 21. November
2012 (IV-act. 192) beantragte die Rechtsvertreterin neu die Zusprache einer befristeten
Rente und die Durchführung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen. Sie machte
geltend, es sei aktenkundig, dass die Versicherte in den letzten Jahren mehrfach
operiert worden sei und als Folge davon von verschiedenen Ärzten ‒ auch in einer
adaptierten Tätigkeit ‒ arbeitsunfähig geschrieben worden sei. Die Aussage der
Gutachterin Dr. P._, wonach die Versicherte für adaptierte Tätigkeiten nie langfristig
arbeitsunfähig gewesen sei, sei somit aktenkundig falsch und darüber hinaus sehr
unpräzis.
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B.j Mit Verfügung vom 1. Februar 2013 (act. G 1.1) wies die IV-Stelle das Gesuch um
eine Invalidenrente mit der im Vorbescheid enthaltenen Begründung ab. Zusätzlich
führte sie aus, dass aus medizinischer Sicht retrospektiv nie während mehr als eines
Jahres eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % bestanden habe.
Die IV-Stelle hiess das Gesuch um berufliche Eingliederungsmassnahmen aber gut.
C.
C.a Am 24. Februar 2013 erhob die inzwischen nicht mehr vertretene Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) Beschwerde (act. G 1). Sie machte geltend, die
eingereichten ärztlichen Zeugnisse belegten, dass sie zeitweise 100 % arbeitsunfähig
gewesen sei. Zurzeit sei sie immer noch wegen Rückenschmerzen in Behandlung. Sie
bemängelte, dass die aktuelle Situation keinen Einfluss auf den Entscheid zu haben
scheine. Zudem hätten ihre Schultern noch einmal operiert werden sollen.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 6. Juni 2013 (act. G 5) gab die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) an, dass für die Bemessung des Invaliditätsgrades
nicht die Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit, sondern die zumutbare
Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit massgebend sei. Sowohl das orthopädische
Gutachten vom 4. März 2010 als auch das rheumatologisch-psychiatrische Gutachten
vom 5./14. September 2012 würden der Beschwerdeführerin eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit in behinderungsangepassten Tätigkeiten bescheinigen. Aus diesen
beiden beweiskräftigen Gutachten gehe zudem hervor, dass die Beschwerdeführerin
wegen den durchgeführten Operationen an der Schulter und am Rücken zu keinem
Zeitpunkt während längerer Zeit in behinderungsangepassten Tätigkeiten
arbeitsunfähig gewesen sei. Dass der Beschwerdeführerin die Aufnahme einer
behinderungsangepassten Tätigkeit nicht zumutbar sein könnte, sei nicht dargetan
worden und auch nicht ersichtlich. Zu betonen sei, dass die Schadenminderungspflicht
bei Eintritt des Gesundheitsschadens eine aus erwerblicher Sicht optimale Umsetzung
der Resterwerbsfähigkeit gebiete. Da vorliegend mit den zur Debatte stehenden
Rentenleistungen eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage
stehe, seien strenge Anforderungen an die Schadenminderungspflicht zu stellen. Unter
diesen Prämissen sei der Beschwerdeführerin trotz ihres Alters von 60 Jahren bei
Verfügungserlass ein Wechsel in eine unselbständige Tätigkeit zumutbar gewesen.
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Gemäss dem Einkommensvergleich bestehe bei einem Invaliditätsgrad von 5 % kein
Rentenanspruch. Die angefochtene Verfügung sei daher nicht zu beanstanden.
C.c In der Replik vom 15. August 2013 (act. G 7) machte die Beschwerdeführerin
geltend, dass für die Einschätzung der Invalidität der Ist-Zustand massgebend sei.
Zudem seien die Aussagen von Dr. P._ nicht aussagekräftig, da diese
Entscheidungen zugunsten der IV getroffen und die Ist-Situation in einer nur stündigen
Sitzung beurteilt habe. Dr. E._ sowie die Ärzte der Klinik L._ hätten die
kompetentere Auskunft geben können. Seit dem 1. Mai 2013 sei sie beim RAV
angemeldet. Aufgrund ihrer derzeitigen körperlichen Verfassung könne sie eine
Tätigkeit nur im Umfang von 30 % zufriedenstellend ausführen. Deshalb habe sie auf
dem Arbeitsmarkt nur die Chance, eine entsprechende Teilzeitstelle zu finden.
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).

Erwägungen:
1.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin abgelehnt, das Gesuch um berufliche
Eingliederungsmassnahmen aber gutgeheissen. Strittig ist demnach grundsätzlich nur,
ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat oder nicht. Eine
Rentenzusprache könnte allerdings erst nach Abschluss der
Eingliederungsmassnahmen erfolgen (rentenspezifische Schadenminderungspflicht).
Dies bedeutet, dass die Sache zur Durchführung der Eingliederung an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden müsste, wenn das Gericht einen
Invaliditätsgrad von 40 % oder mehr feststellen würde.
2.
Die Beschwerdeführerin hat sich am 22. März 2008 (Eingang: 26. März 2008) zum
Bezug einer Invalidenrente angemeldet. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der
Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der
Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Zu prüfen wäre demnach ein
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Rentenanspruch ab dem 1. September 2008. Nun ist aber nach dem (lückenfüllend
geschaffenen) Übergangsrecht der 5. IV-Revision die altrechtliche Regelung des
Rentenbeginns weiter anzuwenden, sofern das Wartejahr vor dem Zeitpunkt des
Inkrafttretens (1. Januar 2008) zu laufen begonnen hat und die Anmeldung noch im
Jahr 2008 erfolgt ist (vgl. das vom Bundesamt für Sozialversicherungen
herausgegebene IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007 sowie die
Modifikation in BGE 138 V 475 ff.). Nach aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG entsteht der
Rentenanspruch ‒ unabhängig vom Datum der Anmeldung ‒ unmittelbar mit der
Erfüllung des Wartejahres. Ein Anspruch auf Nachzahlung besteht grundsätzlich nur für
die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate (aArt. 48 Abs. 2 IVG). Mit dem Beginn
des Rentenanspruchs verhält es sich daher wie folgt: Hat das Wartejahr vor dem 1.
Januar 2008 zu laufen begonnen, richtet sich der Beginn des Rentenanspruchs nach
der altrechtlichen Regelung; hat das Wartejahr erst nach dem 1. Januar 2008 zu laufen
begonnen, richtet sich der Beginn des Rentenanspruchs nach dem neuen Recht. Zu
prüfen ist ein Rentenanspruch ab dem 1. November 2007, weil der Beschwerdeführerin
erstmals im November 2006 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert worden ist.
Vorliegend ist also das alte Recht anwendbar.
3.
3.1 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
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3.2 Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und
die gestützt darauf gestellte Diagnose, aber auch die Prognose und die Ätiologie, die
durch den festgestellten Gesundheitsschaden verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie
das noch vorhandene funktionelle Leistungsvermögen oder das Vorhandensein und die
Verfügbarkeit von Ressourcen sind Tatfragen (BGE 132 V 398 E. 3.2), deren
Beantwortung entsprechendes Fachwissen voraussetzt. Im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat die IV-Stelle daher in aller Regel
ärztliche Sachverständige zur Beantwortung dieser Fragen beizuziehen (vgl. Art. 43
Abs. 2 ATSG und Art. 69 Abs. 2 IVV), so etwa jene des IV-internen regionalen Ärztlichen
Dienstes (RAD; vgl. Art. 49 Abs. 1 IVV) oder solche einer MEDAS. Aufgabe der IV-Stelle
und des Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu würdigen, das
heisst zu beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die zuverlässige
Beurteilung des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist, den
Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f. E 3.2 f.).
4.
4.1 Als Erstes ist zu klären, ob der Gesundheitszustand bzw. die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung am 1. Februar 2013
genügend stabil gewesen ist, um über die Zusprache einer Invalidenrente entscheiden
zu können. Die Beschwerdeführerin ist zwischen Januar 2007 und März 2009 mehrfach
an den Schultern operiert worden. Im August 2011 und April 2012 sind eine LWS- und
eine Hallux-Operation gefolgt. Da der Hallux valgus gemäss den übereinstimmenden
Aussagen der behandelnden Ärzte und Gutachter keinen Einfluss auf die
Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat, ist der letzte für die Erwerbsfähigkeit
relevante operative Eingriff im August 2011 und somit rund eineinhalb Jahre vor dem
Rentenentscheid erfolgt. Die Beschwerdeführerin hat sich zum Zeitpunkt des
Verfügungserlasses folglich nicht in einem postoperativen Heilungsprozess befunden.
Die Beschwerdeführerin leidet nach eigenen Angaben seit September 2006 unter
Schmerzen in der rechten Schulter und seit ca. Frühjahr 2008 unter Schmerzen in der
linken Schulter sowie unter lumbalen Schmerzen. Bei den Akten liegen ein
orthopädisches Gutachten vom 4. März 2010 und zwei rheumatologische Gutachten
vom 23. Dezember 2009 und 5. September 2012. Die Schmerzen in den Schultern und
in der Lendengegend haben somit bereits im Zeitpunkt der Begutachtungen
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bestanden. Wie unter Ziff. 5.4 noch zu erläutern sein wird, haben die drei Gutachter
den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Wesentlichen gleich eingeschätzt,
obwohl zwischen dem ersten und dem letzten Gutachten über zweieinhalb Jahre und
mehrere Operationen gelegen haben. Weiter hat Dr. O._ Ende Mai 2012 erklärt, dass
die Schmerzen im Bereich der Schultergelenke als im Moment relativ stabil bezeichnet
werden könnten. Und schliesslich hat Dr. P._ in ihrem Gutachten ausgeführt, dass
sich der klinische und bildgebende Befund im Bereich der rechten Schulter gegenüber
den beiden vorangegangenen Begutachtungen durch Dr. I._ und Dr. H._ nicht
wesentlich verändert habe. Nicht zu überzeugen vermag das Vorbringen der
Beschwerdeführerin, dass sie auch nach dem Verfügungserlass noch wegen
Rückenschmerzen in Behandlung gewesen sei und die Schultern eigentlich noch
einmal hätten operiert werden müssen, denn den Akten lässt sich nicht entnehmen,
dass vor dem Erlass der Verfügung eine konkrete Operation geplant gewesen wäre. So
ist den Akten auch nicht zu entnehmen, dass bis dato eine weitere Operation
durchgeführt worden wäre. Aus dem Gesagten kann geschlossen werden, dass der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit stabil gewesen ist.
5.
5.1 Weiter ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin nach Ablauf des Wartejahres zu
mindestens 40 Prozent invalid gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG). In medizinischer
Hinsicht liegen verschiedene Arztberichte sowie zwei rheumatologische Gutachten von
Dr. H._ und Dr. P._, ein orthopädisches Gutachten von Dr. I._ und ein
psychiatrisches Gutachten von Dr. Q._ im Recht.
5.2 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat im Verwaltungsverfahren
vorgebracht, dass das Gutachten von Dr. I._ nicht verwertbar sei, da ihr die
Röntgenbilder des KSW nicht zur Verfügung gestanden hätten. Hierzu ist anzumerken,
dass Dr. I._ selbst nie erwähnt hat, dass ihr Gutachten an einem Qualitätsmangel
leide, weil ihr die Röntgenbilder des KSW nicht vorgelegen hätten. Der Grund dafür
liegt wohl darin, dass die Beurteilung der Röntgenbilder in erster Linie durch die ‒ auf
die Beurteilung von Röntgenbildern spezialisierten ‒ Radiologen erfolgt. Es ist daher
davon auszugehen, dass das Fehlen der Röntgenbilder die Qualität des Gutachtens
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nicht geschmälert hat. Im Übrigen wurden im Mai 2011 neue Artho-MRI der linken und
rechten Schulter sowie im September 2010 neue MRI der LWS und HWS erstellt
(vgl. IV-act. 183 S. 97 ff. und 107 ff.), welche im Gutachten von Dr. P._ berücksichtigt
worden sind.
5.3 Die Beschwerdeführerin selber hat kritisiert, dass nicht die behandelnden Ärzte,
sondern Dr. P._ damit beauftragt worden sei, ihren Gesundheitszustand und ihre
Arbeitsfähigkeit einzuschätzen. Sie hat vorgebracht, dass die behandelnden Ärzte die
kompetentere Auskunft hätten geben können als Dr. P._. Hierzu ist anzumerken,
dass es zwischen einem medizinischen Behandlungs- und einem Abklärungsauftrag oft
zu einer Divergenz kommt. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist deshalb
der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte mitunter wegen ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
aussagen. Im Hinblick auf einen möglichen Ziel- und Interessenkonflikt (Behandlung
versus Begutachtung) gilt das auch für behandelnde Spezialärzte. Namentlich in
umstrittenen Fällen kann nicht ohne weiteres auf die Angaben eines behandelnden
Haus- oder Spezialarztes abgestellt werden (EVGE I 814/03 vom 5. April 2004, E.
2.4.2). Aus diesem Grund sollte man als behandelnder Arzt in der Regel auch keine
Gutachten abgeben (Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 3. Aufl., Bern
1994, S. 18). Hinzu kommt, dass Gutachter in der Regel über mehr Erfahrung
hinsichtlich der versicherungsmedizinisch relevanten Arbeitsfähigkeitsschätzung
verfügen als Haus- und Spezialärzte. Und schliesslich verfügen in der Regel nur die
Gutachter über die umfassenden Vorakten, weshalb ihre Beurteilungen des
Gesundheitszustandes umfassender ausfallen als jene der Haus- und Spezialärzte.
Zwar ist nicht in jedem Fall die Erstellung eines Gutachtens notwendig. Aufgrund des
komplexen Beschwerdebildes ist es im vorliegenden Fall jedoch unausweichlich
gewesen, den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin gutachterlich beurteilen zu
lassen.
5.4 Die Beschwerdeführerin hat weiter argumentiert, dass Dr. P._ das Gutachten
zugunsten der IV-Stelle erstellt habe. Die Beschwerdeführerin hat mit dieser Aussage
wohl ausdrücken wollen, dass Dr. P._ befangen gewesen sei, weil sie von den
Gutachtenaufträgen der IV-Stelle wirtschaftlich abhängig sei. Dementsprechend habe
Dr. P._ ihr Gutachten so erstellt, dass das Ergebnis des Gutachtens ihre
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Auftraggeberin, d.h. die IV-Stelle, zufriedenstelle. Es ist gerichtsnotorisch, dass Dr.
P._ selten Gutachten für die Invalidenversicherung erstellt. Es kann daher
ausgeschlossen werden, dass sie von der Zuweisung von Gutachtenaufträgen durch
die IV-Stelle finanziell abhängig wäre. Wäre alleine schon die Entschädigungspflicht für
die Erstellung eines Gutachtens geeignet, die Unabhängigkeit einer Gutachterin bzw.
eines Gutachters in Zweifel zu ziehen, könnten im IV-Verfahren weder Gutachten noch
Berichte von behandelnden Ärzten herangezogen werden. Denn nicht nur die
Gutachter, sondern auch die behandelnden Ärzte werden für die Erteilung von
Auskünften an die IV-Stelle vom Staat entschädigt. Im Übrigen wirft die
Beschwerdeführerin mit ihrer Argumentation indirekt auch der Invalidenversicherung
vor, dass diese über Rentengesuche nicht objektiv entscheide, sondern das Ziel
verfolge, möglichst viele Rentengesuche - egal ob begründet oder unbegründet -
ablehnen zu können. Sie unterstellt der Invalidenversicherung auch, dass diese die
Gutachteraufträge nur oder vorwiegend jenen Ärztinnen und Ärzten erteile, deren
Gutachten einem rentenablehnenden Entscheid nicht entgegenstünden. Eine solche
Praxis der Invalidenversicherung wäre mit dem verfassungsrechtlich verankerten
Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung im Verwaltungsverfahren klar nicht
vereinbar (Art. 29 Abs. 1 BV). Es fehlen denn auch jegliche Anhaltspunkte, die das
Bestehen einer solchen Praxis stützen würden. Aus dem Gesagten ist zu schliessen,
dass vorliegend keine Gründe ersichtlich sind, die geeignet wären, die Unabhängigkeit
des Gutachtens von Dr. P._ in Zweifel zu ziehen.
5.5 Im vorliegenden Fall kann für die Beurteilung der Invalidität auf vier Gutachten
zurückgegriffen werden. Da unabhängige Sachverständige ‒ aus den in Ziffer 5.4
genannten Gründen ‒ den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit von
versicherten Personen in der Regel zudem objektiver einschätzen können als
behandelnde Ärztinnen und Ärzte, kann die Beurteilung der Invalidität im vorliegenden
Fall gestützt auf die vier Gutachten erfolgen.
5.6 Die medizinischen Diagnosen sind im vorliegenden Fall unbestritten. So hat Dr.
P._ in ihrem Gutachten darauf hingewiesen, dass sie die Beurteilung des
Gesundheitszustandes durch Dr. H._ und Dr. I._ teile. Demnach leidet die
Beschwerdeführerin an panvertebralen Schmerzen, Schulterbeschwerden beidseits bei
kongenital engem Subacromialraum beidseits, ausgedehnten chronischen Schmerzen
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und einem Hallux valgus und einer Hammerzehe. Dr. Q._ hat keine psychiatrische
Erkrankung diagnostiziert. Da die Diagnosen übereinstimmen und überdies auch
nachvollziehbar erscheinen, ist auf sie abzustellen. Es stellt sich somit lediglich noch
die Frage, wie sich die gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin auswirken. Die Gutachter haben übereinstimmend angegeben,
dass die Beschwerdeführerin in körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten
stets 100 % arbeitsfähig gewesen sei. In ihrer angestammten Tätigkeit sei sie aufgrund
der Schulter- und Rückenschmerzen jedoch nur noch in Teilbereichen arbeitsfähig
gewesen. Diese Beurteilung erscheint plausibel: Es ist gut nachvollziehbar, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund der Schulter- und Rückenschmerzen im Heben und
Tragen von Weinkisten und Geschenkkörben eingeschränkt ist und längeres Stehen
vermeiden muss. Während Dr. H._ und Dr. I._ festgehalten haben, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit während 4.5 Stunden pro Tag als
100 % leistungsfähig zu betrachten sei, hat sich Dr. P._ über die konkrete
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit nicht
geäussert. Da die exakte Arbeitsfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit - wie nachfolgend aufgezeigt wird - im vorliegenden Fall nicht relevant ist,
kann diese Frage offen gelassen werden. Es ist daher festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin - mit Ausnahme der durch die operationsbedingten
Arbeitsunfähigkeiten - in körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit stets zu 100 % arbeitsfähig gewesen ist.
5.7 Zu prüfen bleibt, ob die beeinträchtigte Leistungsfähigkeit erwerbliche
Auswirkungen hat. Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad aufgrund
eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
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Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Soweit die fraglichen Erwerbseinkommen
ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im
Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte
miteinander zu vergleichen (vgl. BGE 128 V 30 f. E. 1 mit Hinweisen).
5.8 Grundlage der Bemessung des Valideneinkommens bildet jene erwerbliche
Situation, in der sich die versicherte Person befinden würde, wenn sie nicht krank
geworden wäre. Diese hypothetische erwerbliche Situation wird als Validenkarriere
bezeichnet. Ausgehend von dieser Validenkarriere wird das Valideneinkommen
ermittelt. Meist besteht die Validenkarriere in der hypothetischen weiteren Ausübung
der letzten Arbeitstätigkeit, so dass das Valideneinkommen anhand jenes Lohnes zu
ermitteln ist, den die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen
Rentenbeginns an ihrem letzten Arbeitsplatz erzielt hätte. Die Beschwerdeführerin hat
am 1. April 2006 die Vinothek F._ eröffnet und ist fortan als Geschäftsführerin des
Unternehmens tätig gewesen. Vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens hat sie sich
monatlich einen Bruttolohn von Fr. 4'500.-- (zzgl. 13. Monatslohn) ausbezahlen lassen.
Die Beschwerdeführerin hat allerdings geltend gemacht, dass sie bei voller Gesundheit
pro Jahr Fr. 84'000.-- verdienen würde. Seit November 2007 ist die
Beschwerdeführerin in Teilbereichen ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin des Lokals
arbeitsunfähig gewesen. Das Unternehmen hat sich somit bei Eintritt der teilweisen
Arbeitsunfähigkeit noch in der Aufbauphase befunden, also Verluste verzeichnet. Der
Lohn, den sich die Beschwerdeführerin bis zum Eintritt des Gesundheitsschadens hat
ausbezahlen lassen, kann daher ‒ entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ‒
nicht als relevante Basis für die Festlegung des Valideneinkommens herangezogen
werden. Auch der von der Beschwerdeführerin angeführte hypothetische Jahreslohn
von Fr. 84'000.-- kann nicht als Grundlage für das Valideneinkommen dienen. Die
Beschwerdeführerin hat nämlich nicht darlegen können, wie sie diesen Betrag ermittelt
hat. Das erstaunt nicht, denn bei einem Unternehmen, welches sich zum Zeitpunkt des
Eintritts des Gesundheitsschadens in der Aufbauphase befunden hat, kann nicht
verlässlich ermittelt werden, wie sich dieses bei voller Gesundheit der versicherten
Person in finanzieller Hinsicht entwickelt hätte. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit der
Beschwerdeführerin bildet daher keine verlässliche Grundlage für die Ermittlung des
Valideneinkommens. Die Beschwerdeführerin ist ab 1978 hauptberuflich bis zur
Eröffnung des Lokals im Jahr 2006 mit verschiedenen Unternehmen in der
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Gastronomie und Hotellerie selbständig erwerbstätig gewesen. Unter diesen
Umständen erscheint die Methode, das Valideneinkommen anhand der Ausbildung der
Beschwerdeführerin und ihren beruflichen Fähigkeiten zu ermitteln, als die
verlässlichste. Die Beschwerdeführerin hat die Wirtefachprüfung und die Ausbildung
zum Eidg. Maître d'hôtel absolviert. Später hat sie das Weinhandelspatent B erworben
und sich zur Betriebsleiterin Gastro Suisse ausbilden lassen. Ihre Aus- und
Weiterbildungen befähigen die Beschwerdeführerin, als Gastro-Betriebsleiterin oder
Leiterin Restauration eine Führungsfunktion im Gastgewerbe auszuüben. Die
Validenkarriere besteht also in der Ausübung einer solchen Erwerbstätigkeit. Wie die
nachfolgenden Ausführungen zeigen werden, ist es im vorliegenden Fall aber
ausnahmsweise nicht notwendig, anhand einer Validenkarriere die Höhe des
Valideneinkommens zu beziffern.
5.9 Bei der Invalidenkarriere handelt es sich um jene erwerbliche Betätigung, mit
welcher die versicherte Person die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit bestmöglich
verwerten, d.h. mit welcher sie die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse so klein wie
möglich halten kann (Ausfluss der sog. Schadenminderungspflicht). Ist eine versicherte
Person nur in ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit, jedoch nicht in einer
behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit arbeitsunfähig, kann dies dazu führen, dass
sie aufgrund ihrer Schadenminderungs- bzw. Eingliederungspflicht die selbständige
Erwerbstätigkeit aufgeben muss. Die selbständige Tätigkeit muss allerdings nur
aufgegeben werden, wenn die Aufgabe dieser Tätigkeit für die versicherte Person
zumutbar ist. Die höchstrichterliche Rechtsprechung stellt hohe Anforderungen an den
Nachweis der Unzumutbarkeit einer Betriebsaufgabe, d.h. an die Begründung eines
Invalidenrentenanspruchs trotz des grundsätzlichen Bestehens einer
Eingliederungsmöglichkeit, welche den Eintritt eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrad verhindern würde. Das Lokal wurde am 1. April 2006 eröffnet. Acht
Monate später, d.h. noch in der Aufbauphase, ist die Beschwerdeführerin in der
Tätigkeit als Geschäftsführerin erkennbar auf Dauer nur noch teilweise arbeitsfähig
gewesen. Das Unternehmen hat zu diesem Zeitpunkt Verluste erzielt. Zudem verfügt
die Beschwerdeführerin über qualifizierte Aus- und Weiterbildungen als
Führungsperson in der Gastronomie und über jahrelange Berufserfahrung auf diesem
Beruf. Zu den Tätigkeiten einer Gastro-Betriebsleiterin zählen u.a. die Gästebetreuung,
das Organisieren der Abläufe, das Erstellen der Angebots- und
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Verkaufspreisgestaltung, das Führen der Buchhaltung und das Leiten der
Mitarbeitenden. Zu den Tätigkeiten einer Leiterin Restauration gehören u.a. die
Gästebetreuung, das Erstellen der Betriebs-, Bilanz- und Erfolgsrechnung, die
Budgetplanung, die Kalkulierung der Verkaufspreise für das Restaurant sowie die
Vornahme von Verkaufsförderungs- und Promotionsmassnahmen (siehe
www.berufsberatung.ch). Die Tätigkeiten als Gastro-Betriebsleiterin und als Leiterin
Restauration beinhalten somit körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten,
welche die Beschwerdeführerin auch nach Eintritt des Gesundheitsschadens noch zu
100 % ausüben konnte. Es wäre der Beschwerdeführerin daher ohne Weiteres
zumutbar gewesen, die selbständige Tätigkeit aufzugeben und eine Vollzeittätigkeit als
Führungskraft in der Gastronomie in einem anderen Unternehmen aufzunehmen. Daran
ändert auch nichts, dass sie zum Verfügungszeitpunkt bereits 60 Jahre alt gewesen ist
und sich in den letzten Jahren vielen medizinischen Untersuchungen hat unterziehen
und sich mehrfach hat operieren lassen müssen. Zwar wird nicht negiert, dass diese
Tatsachen die Stellensuche der Beschwerdeführerin erschweren. Es handelt sich dabei
aber um einen IV-fremden Faktor, der bei der der Invaliditätsbemessung nicht
berücksichtigt werden kann. Die Invalidenkarriere entspricht somit der Validenkarriere,
weshalb das Invalideneinkommen bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 100 % dem
Valideneinkommen entspricht. Der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin beträgt
demnach 0 %. Im Übrigen hätte die Beschwerdeführerin auch keinen Anspruch auf
eine Invalidenrente, wenn davon ausgegangen würde, dass ihr Valideneinkommen
Fr. 84'000.-- betragen würde: Da eine Rente erst ab einem Invaliditätsgrad von 40 %
zugesprochen wird, müsste die Beschwerdeführerin in einer unselbständigen Tätigkeit
als Leiterin Restauration bzw. Gastro-Betriebsleiterin 40 % weniger verdienen, als sie
dies als Geschäftsführerin des Lokals getan hätte, d.h. bei einem Vollpensum
Fr. 50'400.-- pro Jahr. Eine solche Annahme ist aufgrund der Ausbildung und der
Berufserfahrung der Beschwerdeführerin unrealistisch. Bei diesem Invaliditätsgrad
besteht keine Schadenminderungspflicht in der Form einer Umschulung, sodass über
den Rentenanspruch befunden werden kann, ohne den Grundsatz der "Eingliederung
vor Rente" (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, S. 22) zu ver
letzen.
6.
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Schliesslich muss noch geprüft werden, ob die Beschwerdeführerin aufgrund der
diversen Operationen und damit verbundenen Arbeitsunfähigkeiten Anspruch auf eine
befristete Rente der Invalidenversicherung hat. Hierzu müsste die Beschwerdeführerin
nach Ablauf des Wartejahres aufgrund der Operationen über einen bestimmten
Zeitraum hinweg mindestens 40 % invalid gewesen sein (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG).
Entscheidend ist dabei, auf welchen Zeitpunkt es der Beschwerdeführerin zumutbar
gewesen wäre, die Geschäftsführertätigkeit in ihrem Unternehmen aufzugeben und
eine Anstellung als Restaurations- bzw. Betriebsleiterin anzutreten (vgl. Art. 16 ATSG).
Die Beschwerdeführerin hätte frühestens per 1. November 2007 einen Anspruch auf
eine (befristete) Invalidenrente gehabt. Im November 2006 ist der Beschwerdeführerin
erstmals wegen Schmerzen in der rechten Schulter eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %
attestiert worden. Im Januar 2007 ist sie an der rechten Schulter operiert worden,
weshalb sie in ihrer angestammten Tätigkeit bis Ende April 2007 100 % arbeitsunfähig
gewesen ist. Im Mai 2007 ist ihr eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert worden.
Aufgrund der Schultermobilisation im Juni 2007 ist sie während des ganzen Monats
100 % arbeitsunfähig gewesen. Ab Juli 2007 bis zum frühestmöglichen Rentenbeginn
am 1. November 2007 ist ihr wiederum eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert
worden. Zusammengefasst ist die Beschwerdeführerin somit von November 2006 bis
November 2007 in ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin des Lokals durchgehend
mindestens 50 % arbeitsunfähig gewesen. Durch die Mobilisation der rechten Schulter
hat sie zwar eine Schmerzerleichterung erfahren, die Schmerzen und die dadurch
bedingten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit sind jedoch nie ganz abgeklungen.
Mitte Oktober 2007 ist dann noch eine zervikothorakale Verspannung bzw. eine
costovertebrale Blockade hinzugekommen, die ebenfalls Schmerzen im Oberkörper
verursacht hat. Nachdem die Schulterschmerzen auch mehrere Monate nach der
Mobilisation nicht ganz abgeklungen waren und nachdem zu dieser Problematik neu
noch Beschwerden im Oberkörper hinzugetreten sind, hätte sich die
Beschwerdeführerin bewusst werden müssen, dass sie die Tätigkeit als selbständige
Geschäftsführerin der F._ AG nie mehr voll würde ausüben können. Auch hätte sich
die Beschwerdeführerin im Klaren darüber sein müssen, dass sie Arbeiten, die sie nicht
mehr selbst verrichten kann, wie z.B. Überkopfarbeiten und das Heben und Tragen
schwerer Weinkisten, aufgrund der Grösse des Unternehmens nicht jemand anderem
übertragen konnte. Insbesondere vor dem Hintergrund des Umstandes, dass die
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Beschwerdeführerin die selbständige Tätigkeit erst im April 2006 aufgenommen hat
und dass sie über jahrelange Erfahrung als Führungskraft in der Gastronomie verfügt
hat, wäre es ihr ‒ im Sinne der rentenspezifischen Schadenminderungspflicht ‒
zumutbar gewesen, bereits vor Eintritt des frühestmöglichen Rentenbeginns am
1. November 2007 die selbständige Tätigkeit aufzugeben und eine unselbständige
Vollerwerbstätigkeit aufzunehmen. Folglich hat die Beschwerdeführerin für die
Zeiträume, in denen sie wegen Operationen in allen Tätigkeiten arbeitsunfähig gewesen
ist, keinen Anspruch auf eine befristete Rente, weil nie eine Invalidität von wenigstens
40 % bestanden hat.
7.
Damit steht fest, dass die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Invalidenrente
hat. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist daran anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP