Decision ID: 2263683d-9e74-4d5a-a081-4c525e598c80
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Mit Schreiben vom 28. Oktober 2016 kündigte die Tochter von A._ die
Krankengrundversicherung ihres Vaters bei der SWICA Krankenversicherung AG
(nachfolgend: SWICA) auf den nächstmöglichen Termin und beantragte gleichzeitig die
Rückerstattung der Prämien (KV-act. 2).
A.b Die SWICA ihrerseits bestätigte mittels Schreiben vom 5. Dezember 2016 den
Austritt des Beschwerdeführers aus der Krankenversicherung per 31. Dezember 2015
(KV-act. 3).
A.c Mit Schreiben vom 18. Dezember 2016 wendete sich A._ persönlich an die
SWICA und verlangte eine Rückerstattung der Prämien der letzten fünf Jahre (KV-act.
4).
A.d Mit Schreiben vom 4. Januar 2017 teilte die SWICA ihm mit, dass das
Versicherungsverhältnis per 31. Dezember 2015 beendet werde und dass die
Prämienrückerstattung von einem Jahr per 21. Dezember 2016 auf das gewünschte
Konto überwiesen worden sei (KV-act. 5).
A.e Mit Schreiben vom 27. März 2017 hielt A._ an seiner Forderung einer
Prämienrückerstattung der letzten fünf Jahre fest und verlangte im Falle einer
Weigerung der SWICA den Erlass einer Verfügung (KV-act. 6).
A.f Mit Verfügung vom 5. April 2017 wurde A._ mitgeteilt, dass die
Krankenversicherung per 31. Dezember 2015 aufgehoben werde, dass die Prämien (für
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das Jahr 2016) zurückerstattet würden und dass eine weitere Prämienrückerstattung
entfalle (vgl. KV-act. 8-4). Zur Begründung wurde ausgeführt, dass er sowohl aufgrund
der allgemeinen Versicherungsbedingungen als auch von Gesetzes wegen (vgl.
Richtlinien Rz. 17) dazu verpflichtet sei, der SWICA jede wesentliche Änderung, welche
für eine Leistungsrückerstattung massgebend sei, zu melden. Es handle sich
diesbezüglich um eine Konkretisierung von Treu und Glauben (vgl. KV-act. 8-2). Die
SWICA habe erst durch das Schreiben der Tochter vom 28. Oktober 2016 erfahren,
dass er seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt habe (vgl. Ziff. 1 von KV-act. 8). Somit
habe er seine Meldepflicht verletzt. Massgebend für eine Beendigung der
Versicherungspflicht sei im Übrigen, dass der bisherige Wohnsitz endgültig aufgegeben
worden sei, dies müsse sich in objektiv wahrnehmbaren Umständen äussern, eine
Abreise aus der Schweiz gelte nicht automatisch als Aufhebung der
Versicherungsdeckung. Eine Abmeldung am bisherigen Wohnort sei lediglich ein Indiz,
vermöge jedoch nicht einen neuen Wohnsitz zu begründen. Vorliegend sei aufgrund
der Indizien, dass sämtliche Korrespondenz auf den Namen A._ lautend an die
Adresse C._ in D._ entgegengenommen worden sei, dass die Prämien jeweils
freiwillig bezahlt worden seien, dass er im Telefonbuch unter der Schweizer Adresse
aufgeführt sei und dass im Jahre 2005 die Franchise erhöht worden sei, davon
auszugehen, dass keine Aufgabe des Wohnsitzes per 2001 stattgefunden habe. Des
Weiteren befänden sich sowohl seine Frau als auch die gemeinsamen Kinder und somit
auch sein Lebensmittelpunkt noch in der Schweiz. Infolgedessen sei davon
auszugehen, dass sich seine Absicht, den Wohnsitz zu verlegen, erst im Nachhinein
manifestiert habe. Hätte sich die Absicht zum Wohnsitzwechsel bereits früher
manifestiert, so hätte er bei Beachtung der zumutbaren Sorgfalt die behauptete
ungerechtfertigte Prämienzahlung ohne weiteres selbst erkennen können. Die SWICA
hätte ihrerseits jedoch keine Möglichkeit gehabt den angeblichen Wohnsitzwechsel
festzustellen. Dementsprechend sei die Annullation der Versicherung per 31. Dezember
2015 korrekt. Auch wenn von einem nichtigen bzw. nachträglich aufzulösenden Vertrag
ausgegangen würde, würden keine Prämien zurückerstattet. Dies deshalb, weil es sich
bei einem Krankenversicherungsvertrag um ein Dauerschuldverhältnis handle.
Vorliegend sei der Versicherungsvertrag zwischen den Parteien bis zu dessen
Auflösung als faktisches Vertragsverhältnis abgewickelt worden. A._ sei zu jedem
Zeitpunkt für allfällige Behandlungskosten abgesichert gewesen, daher bestehe kein
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Anspruch auf Prämienrückerstattung. Die allfällige Nichtigkeit des Vertrages würde
lediglich ex nunc wirken.
A.g Mit Schreiben vom 21. April 2017 erhob A._ gegen die Verfügung vom 5. April
2017 Einsprache bei der SWICA. Er machte geltend, dass es sich um die Bezahlung
einer Nichtschuld handle, da mit dem Wegzug ins Ausland sowohl die
Prämienzahlungspflicht als auch die Leistungspflicht erloschen seien. Diesbezüglich
bedürfe es keiner weiteren Formalitäten. Eine Person, die nicht in der Schweiz ihren
Wohnsitz habe, könne sich nicht versichern lassen. Folglich habe nie ein Vertrag
zwischen SWICA und ihm entstehen bzw. fortgesetzt werden können und die Prämien
seien zu Unrecht eingezogen worden. Des Weiteren befände sich sein
Lebensmittelpunkt nicht in der Schweiz (vgl. zum Ganzen KV-act. 9).
A.h Mit Entscheid vom 9. Mai 2017 wurde die Einsprache von A._ abgewiesen (act.
G 1.1).
B.
B.a Am 29. Mai 2017 reichte A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) eine Beschwerde
gegen den Einspracheentscheid ein. Er macht dieselben Gründe geltend wie in seiner
Einsprache vom 21. April 2017 gegen die Verfügung vom 5. April 2017 (vgl. act. G 1
und KV-act. 9).
B.b Am 15. Juni 2017 reichte die SWICA (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) ihre
Beschwerdeantwort mit folgendem Rechtsbegehren ein:
„Es sei die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten des Beschwerdeführers.
Eventualliter seien die Prämien seit September 2015 zurückzuerstatten; unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschwerdeführers.“
Zur Begründung wurde im Wesentlichen dasselbe ausgeführt wie in der Verfügung vom
5. April 2017. Ergänzend wurde festgehalten, dass es sich bei der KVG-
Grundversicherung um keine automatisch in Kraft tretende Versicherung im Sinne einer
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Zwangsmitgliedschaft handle, sondern um einen zweiseitigen Vertrag, welcher einen
Antrag und ein Akzept voraussetze. Die sich daraus ergebenden beidseitigen Rechte
und Verpflichtungen, namentlich sowohl die Zustellung der Police an die bekannte
Adresse und die pünktliche Bezahlung der Prämien als auch der damit einhergehende
Schutz seitens der Beschwerdegegnerin gegen die Risiken Krankheit und Unfall, seien
bis zur Kündigung der Versicherung stets erfüllt worden (vgl. Ziff. 4, S. 3 von act. G 3).
Infolgedessen sei der Beschwerdeführer beim Versichertenbestand aufgeführt
gewesen und beim Risikoausgleich mitberücksichtigt worden (vgl. Ziff. 5, S. 4 von act.
G 3). Die Beschwerdegegnerin habe somit aufgrund der Prämien Deckung gewährt,
daher seien gemäss Art. 25 Abs. 3 ATSG nicht zu viel Prämien bezahlt worden,
weshalb diese Bestimmung nicht als Grundlage für eine Rückforderung herangezogen
werden könne. Im Übrigen fehle es auch an einer ungerechtfertigten Bereicherung, da
die Beschwerdegegnerin stets die Deckung gewährt habe (vgl. Ziff. 7, S. 4 f. von act. G
3).
B.c Am 30. Juli 2017 reichte der Beschwerdeführer seine Replik ein und hielt an seinen
Anträgen fest (act. G 5).
B.d Mit Schreiben vom 14. August 2017 teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie
auf eine Duplik verzichte (act. G 7).
B.e Mit Schreiben vom 4. September 2018 informierte das Versicherungsgericht
St.Gallen die Parteien über die Zusammensetzung des Gerichts und spezielle
Sachverhaltskenntnisse eines Richters (act. G 9).

Erwägungen
1.
Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10)
statuiert, dass sich jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz innert drei Monaten nach
der Wohnsitznahme oder der Geburt in der Schweiz für Krankenpflege versichern oder
von ihrem gesetzlichen Vertreter bzw. ihrer gesetzlichen Vertreterin versichern lassen
muss. Es handelt sich hierbei um ein allgemeines Versicherungsobligatorium für die
gesamte schweizerische Wohnbevölkerung (GEBHARD EUGSTER, in: Meyer (Hrsg.),
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Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl., Basel
2016, N 29).
2.
2.1 Zentraler Anknüpfungspunkt für die Entstehung der Versicherungspflicht gemäss
Art. 3 Abs. 1 KVG ist der Wohnsitz in der Schweiz. Der Begriff des Wohnsitzes richtet
sich hierbei nach den privatrechtlichen Regelungen von Art. 23 – 26 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) (Art. 1 Abs. 1 KVV; BGE 129 V 77 E.
4.2).
2.2 Der zivilrechtliche Wohnsitz einer Person befindet sich an jenem Ort, an welchem
sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält (Art. 23 Abs. 1 ZGB) und
welchen sie sich zum Mittelpunkt ihrer Lebensbeziehungen gemacht hat (BGE 127 V
237 E. 1; 125 III 100 E. 3). Die Begründung des Wohnsitzes beinhaltet zwei
Voraussetzungen: den objektiv physischen Aufenthalt und die subjektive Absicht
dauernden Verbleibens (DANIEL STAEHELIN, in: Honsell/Vogt/Geiser (Hrsg.), BaKomm.
ZGB I, 5. Aufl., Basel 2014, N 5 zu Art. 23 ZGB). Aufgrund dessen, dass der Wohnsitz
nicht nur für die betroffene Person, sondern auch für Drittpersonen und das
Gemeinwesen von Bedeutung ist, ist die innere Absicht des dauernden Verbleibens nur
insofern von Bedeutung, als sie nach aussen erkennbar geworden ist (EUGEN
BUCHER, in: Meier- Hayoz (Hrsg.), Berner Komm. ZGB Band I, Bern 1976, N 8 ff. zu
Art. 23 ZGB). Gemäss Rechtsprechung ist somit entscheidend, auf welche Absicht die
erkennbaren Umstände objektiv schliessen lassen (BGE 127 V 237 E. 1; 125 V 76 E.
2a).
2.2.1 Strittig ist vorliegend, ob sich der Wohnsitz des Beschwerdeführers zwischen
2001 und Ende 2015 in der Schweiz oder im Ausland, namentlich in E._, befand.
Relevant ist dabei aufgrund der Regelung des Art. 25 Abs. 3 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) der Zeitraum ab
2011. Der Beschwerdeführer führt in seiner Beschwerde vom 29. Mai 2017 aus, dass er
bereits im Jahre 2001 das Einwohneramt von D._ darüber informiert habe, dass er
die Schweiz definitiv verlasse und nach E._ ausreise. Infolgedessen habe er den
Heimatschein in seiner Bürgerortsgemeinde F._ hinterlegt. Seine Aufenthaltspapiere
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würden sich seither in der schweizerischen Botschaft in G._ befinden (vgl. Ziff. 1, S. 1
der Beschwerde und act. G 1.3). Die Beschwerdegegnerin macht geltend, dass der
Beschwerdeführer für sie als Versicherung immer unter der schweizerischen Adresse
erreichbar gewesen sei und dass er ihr nie eine Adressänderung mitgeteilt habe (Ziff. 3,
S. 3 der Beschwerdeantwort). Von einer Wohnsitzverlegung habe sie erst durch das
Schreiben vom 28. Oktober 2016 und die Zusendung der Abmeldebestätigung erfahren
(vgl. Ziff. 1, S. 3 der Beschwerdeantwort). Für einen Wohnsitz in der Schweiz spreche
zudem, dass die an die Schweizer Adresse zugestellten Prämienrechnungen freiwillig
bezahlt worden seien, dass der Beschwerdeführer im Telefonbuch nach wie vor unter
jener Adresse zu finden sei, dass im Jahre 2005 die Franchise erhöht worden sei und
dass sich seine Frau und Kinder in der Schweiz befänden (vgl. act. G 3.8-3).
2.2.2 Gemäss Abmeldebestätigung der Gemeinde D._ ist der Beschwerdeführer
per 29. Juni 2001 nach H._ in E._, gezogen (vgl. Kopie 1 act. G 1.3). Dies wurde
der Beschwerdegegnerin bei ihren eigenen Erkundungen von der Gemeinde D._ am
9. November 2016 bestätigt (Ziff. 2 S. 3 KV-act. 10). In E._ verfügt der
Beschwerdeführer über einen Führerausweis, welcher im Jahre 2003 ausgestellt
worden ist (Kopie 3 act. G 1.3), eine Fahrzeugversicherung (Kopie 5 act. G 1.3) und
eine Haftpflichtversicherung (Kopie 6 act. G 1.3). Des Weiteren besitzt er seit dem 25.
Juli 2003 ein Bankkonto bei einer Bank in E._. Zu seinem 75. Geburtstag erhielt er an
seiner Adresse in I._ zudem Geburtstagsgrüsse der Schweizerischen Botschaft in
G._ (Kopie 2 act. G 1.3). Aufgrund dieser Indizien (vgl. act. G 9) sieht es das Gericht
als erwiesen an, dass sich der Beschwerdeführer bereits seit vielen Jahren mit der
Absicht des dauernden Verweilens in E._ aufhält und dort seinen Lebensmittelpunkt
hat. Der Wohnsitz des Beschwerdeführers befindet sich folglich in E._. Bezüglich der
Einwendungen der Beschwerdegegnerin ist im Übrigen zu erwähnen, dass der
Umstand rechtlich noch verheiratet zu sein nicht gegen eine Wohnsitzverlegung
spricht, zumal der Beschwerdeführer geltend macht getrennt zu leben (S. 3 act.-G. 1),
dass die Kinder erwachsen sind und aus den Akten keine sonstigen familiären
Verpflichtungen ersichtlich sind. Die Beschwerdegegnerin selbst hält es im Übrigen für
wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer seinen Lebensmittelpunkt unterdessen in
E._ hat, da sie im Dispositiv der Verfügung vom 5. April 2017 entschieden hat, die
Krankenversicherung per 31. Dezember 2015 aufzuheben und die bereits bezahlten
Prämien für das Jahr 2016 zurückzuerstatten (vgl. KV-act. 8-4).
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2.3 Aufgrund des nicht vorhandenen Wohnsitzes in der Schweiz fehlt es an einer
materiellrechtlichen Voraussetzung der Versicherungspflicht gemäss Art. 3 Abs. 1 KVG.
Dies hat zur Folge, dass es dem Beschwerdeführer nicht möglich ist und seit der
Wohnsitzverlegung auch nicht mehr möglich war, sich nach dem KVG versichern zu
lassen (vgl. EUGSTER, a.a.O., N 35).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er erst Ende September 2016
anlässlich eines Informationsseminars für Auslandschweizer in G._ erfahren habe,
dass die Beschwerdegegnerin ihn aufgrund seines Wohnsitzes in E._ nicht versichern
könne (vgl. Ziff. 2, S. 1 der Beschwerde). Infolgedessen kündigte er am 28. Oktober
2016 seine Versicherung und verlangte aufgrund von Art. 3 Abs. 1 KVG i.V.m. Art. 5
Abs. 3 KVG i.V.m. Art. 25 Abs. 3 ATSG eine Rückerstattung der Prämien von fünf
Jahren (vgl. S. 2 der Beschwerde). Die Beschwerdegegnerin führte diesbezüglich aus,
dass der Beschwerdeführer seine Meldepflicht verletzt habe, da er seine
Wohnsitzaufgabe nicht gemeldet habe, infolgedessen könne keine
Prämienrückerstattung von fünf Jahren verlangt werden. Im Übrigen sei eine solche
Rückforderung rechtsmissbräuchlich, da diese Rückforderung ausschliesslich der vom
Beschwerdeführer verschuldeten Meldepflichtverletzung zuzuschreiben sei (vgl. Ziff. 8
S. 5 der Beschwerdeantwort).
3.2 Art. 5 Abs. 3 KVG statuiert, dass die Versicherung endet, wenn die versicherte
Person der Versicherungspflicht nicht mehr untersteht. Dies ist namentlich dann der
Fall, wenn die versicherte Person ihren Wohnsitz ins Ausland verlegt (Urteil des BGer
vom 21. März 2011, 9C_1056/2010, E. 3). Mit dem Eintritt des Ereignisses, welches die
Versicherungspflicht beendet, erlischt die Versicherung (also sowohl die
Prämienzahlungspflicht als auch die Leistungsberechtigung) ohne
Kündigungsformalitäten automatisch bzw. ohne dass eine Gestaltungserklärung der
Parteien notwendig wäre. Dem Versicherer ist zum Zweck des administrativen Vollzugs
des Austritts ein solches Ereignis mitzuteilen (EUGSTER, a.a.O., N 136).
3.3 Das KVG selbst verfügt über keine gesetzlich verankerte Meldepflicht, weshalb auf
Art. 31 ATSG abzustellen ist (Art. 1 Abs. 1 KVG i.V.m. Art. 31 ATSG). Gemäss Art. 31
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Abs. 1 ATSG hat der Bezüger dem Versicherungsträger jede wesentliche Änderung in
den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen zu melden. Zu den Folgen einer
Meldepflichtverletzung äussert sich Art. 31 ATSG nicht (UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, N 21 zu Art. 31 ATSG). Auch legt Art. 31
ATSG keine Sanktion fest, sondern verweist diesbezüglich auf die relevante
einzelgesetzliche Ordnung (KIESER, a.a.O., N 40 zu Art. 31 ATSG). Das Bundesgericht
hält diesbezüglich fest, dass „auch wenn die Sachverhaltsabklärung im Verfahren vor
den Versicherern zentral und die Meldepflicht des Versicherten als Mitwirkungspflicht
zur Ermittlung des leistungsrelevanten Sachverhalts wichtig ist, begründet sie keine
besondere Rechtsstellung des Leistungsbezügers, aufgrund welcher er verpflichtet
wäre, die Gefährdung oder Verletzung <...> des Vermögens des öffentlichen oder
privaten Versicherers zu verhindern. Für sein Vermögen hat der Versicherer
grundsätzlich selber zu sorgen. Die Verantwortung hierfür geht alleine aufgrund der
Meldepflicht nicht auf den Leistungsbezüger über. Dieser hat nur dafür zu sorgen bzw.
ist nur dafür verantwortlich, dass er selbst den Versicherer nicht am Vermögen
schädigt, weshalb er leistungsrelevante Verbesserungen in seinen Verhältnissen
melden muss.“ (BGE 140 IV 11, E. 2.4.5). Vorliegend hat der Beschwerdeführer Jahr für
Jahr seine Prämien bezahlt, obwohl er nach KVG nicht versicherbar war (vgl. E. 2). Die
Beschwerdegegnerin ihrerseits wurde vom Beschwerdeführer nicht an ihrem Vermögen
geschädigt, da sie zwischen 2001 und 2015 keine Leistungen erbracht hat (vgl. Ziff. 2,
S. 2 der Beschwerdeantwort). Der Argumentation der Beschwerdegegnerin, dass
aufgrund der Meldepflichtverletzung (Art. 31 ATSG) über Ende 2015 bzw. allenfalls
September 2015 hinaus Rückforderungsansprüche des Beschwerdeführers hinfällig
seien (vgl. S. 3 KV-act. 8; Ziff. 6, S. 4 der Beschwerdeantwort), kann daher nicht gefolgt
werden. Diese Argumentation kommt einer Sanktion gleich, welche einer klaren
gesetzlichen Grundlage bedürfte. An einer solchen fehlt es jedoch. Des Weiteren gilt es
zu beachten, dass es mit dem Gedanken der Sozialversicherung kaum vereinbar wäre,
dass zu Unrecht geleistete Beiträge behalten werden (KIESER, a.a.O., N 74 zu Art. 25
ATSG mit Hinweis auf BGE 119 V 299). Im Folgenden wird daher geprüft, ob dem
Beschwerdeführer ein Rückforderungsanspruch zusteht und über wie viele Jahre sich
dieser gegebenenfalls erstreckt.
3.4 Gemäss Art. 25 Abs. 3 ATSG können zu viel bezahlte Beiträge zurückgefordert
werden. Der Anspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem der
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Beitragspflichtige von seinen zu hohen Zahlungen Kenntnis erhalten hat, spätestens
aber fünf Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Beiträge bezahlt wurden.
Es handelt sich sowohl bei der einjährigen relativen Frist als auch bei der fünfjährigen
absoluten Frist von Art. 25 Abs. 3 ATSG um Verwirkungsfristen (KIESER, a.a.O., N 78
zu Art. 25 ATSG). Von Art. 25 Abs. 3 ATSG wird auch die Bezahlung von Beiträgen
durch nicht versicherte Personen erfasst (KIESER, a.a.O., N 70 zu Art. 25 ATSG).
Ferner findet Art. 25 Abs. 3 ATSG auch Anwendung auf Beiträge, die im formlosen
Verfahren erhoben wurden (vgl. KIESER, a.a.O., N 75 zu Art. 25 ATSG).
3.4.1 Der Beschwerdeführer führt in seiner Beschwerde vom 29. Mai 2017 aus, dass
er erst Ende September 2016 erfahren habe, dass die Beschwerdegegnerin ihn
aufgrund seines Wohnsitzes in E._ nicht versichern könne. Daraufhin habe er den
Sachverhalt abklären lassen und mit Schreiben vom 28. Oktober 2016 sei die
Krankenversicherung gekündigt worden (vgl. Ziff. 2 und Ziff. 3, S. 1 der Beschwerde).
Die Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, dass sich der Beschwerdeführer vor der
Wohnsitznahme in E._ hätte über die sozialversicherungsrechtliche Situation
informieren müssen, so dass er früher von der fehlenden Versicherungspflicht hätte
wissen müssen (vgl. Ziff. 6, S. 4 der Beschwerdeantwort). Des Weiteren habe man bis
zum Zeitpunkt des Kündigungsschreibens vom 28. Oktober 2016 nicht gewusst, dass
sich der Beschwerdeführer in E._ niedergelassen habe (vgl. Ziff. 1, S. 1 KV–act. 8). Es
ist glaubhaft, dass der Beschwerdeführer erst anlässlich jenes Informationsseminars
erfahren hat, dass er sich über die obligatorische schweizerische
Krankenpflegeversicherung nicht versichern lassen kann. Dafür spricht, dass er sich
sofort erkundigte und bereits Ende Oktober, mithin binnen eines Monats seit
Kenntnisnahme der fehlerhaften Zahlungen, die Versicherung kündigte. Der Vorwurf der
Beschwerdegegnerin, dass sich der Beschwerdeführer hätte informieren müssen,
vermag nicht zu überzeugen, denn dies ändert nichts daran, dass von einer nicht
versicherbaren Person gesetzlich nicht geschuldete Beiträge bezahlt wurden (vgl. E.
2.3; KIESER, a.a.O., N 74 zu Art. 25 ATSG). Somit ist die relative einjährige Frist mit
dem Schreiben vom 28. Oktober 2016 eingehalten worden.
3.4.2 Der Wohnsitz des Beschwerdeführers befindet sich bereits seit dem Jahr 2001
in E._ (vgl. Kopie 1 act. G. 1.3). Zurückerstattet werden können aufgrund von Art. 25
Abs. 3 Satz 2 ATSG die Prämien der Jahre 2011 bis 2016 (5 Jahre "nach Ablauf des
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Kalenderjahres, in dem die Beiträge bezahlt wurden", 5 Jahre vor Gesuchstellung
[Oktober 2011] also auch die ganze Jahresprämie 2011). Die Beschwerdegegnerin
ihrerseits hob das Versicherungsverhältnis per 31. Dezember 2015 auf (vgl. Ziff. 2, S. 1
KV-act. 8) und überwies die Prämienrückerstattung von Fr. 3‘604.00 des Jahres 2016
am 26. Dezember 2016 an den Beschwerdeführer (vgl. Ziff. 4, S. 1 KV-act. 8). Nach
dem Gesagten hat der Beschwerdeführer somit noch einen Anspruch auf eine
Rückerstattung der Prämien der Jahre 2011 bis 2015, die restlichen zu viel bezahlten
Beiträge können aufgrund der absoluten Frist von Art. 25 Abs. 3 Satz 2 ATSG nicht
mehr zurückgefordert werden.
3.5 Dementsprechend hat der Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegnerin
gestützt auf Art. 3 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 3 KVG i.V.m. Art. 25 Abs. 3 ATSG Anspruch
auf eine Rückerstattung der Prämien der Jahre 2011 bis 2015.
4.
4.1 Art. 26 Abs. 1 ATSG statuiert, dass für fällige Beitragsrückerstattungsansprüche
Vergütungszinsen zu leisten sind. Voraussetzung der Zinspflicht bei Rückerstattungen
ist die Fälligkeit. Fälligkeit ist gegeben, wenn der Gläubiger die Leistung verlangen und
einklagen darf. Bei zurückzuerstattenden Beträgen bedeutet dies, dass ein
Rechtsgrund für die Beitragserhebung nicht bestanden hat bzw. zu einem bestimmten
Zeitpunkt dahingefallen ist. Der Gläubiger darf eine von ihm erbrachte Leistung bei
Fehlen eines Rechtsgrunds sofort bzw. bei einem nachträglichen Wegfall des
Rechtsgrundes ab diesem Zeitpunkt zurückfordern. Die Vergütungszinspflicht entsteht
somit grundsätzlich im Zeitpunkt der so zu bestimmenden Fälligkeit (KIESER, a.a.O., N
32 - 34 zu Art. 26 ATSG). Vorliegend bedeutet dies grundsätzlich, dass der
Beschwerdeführer für die gesamte Prämienrückerstattung der Jahre 2011 bis 2015
einen Vergütungszins zu Gute hat, da der Rechtsgrund für die Krankenversicherung
(Wohnsitz in der Schweiz) bereits seit dem Jahre 2001 nicht mehr bestanden hat (vgl.
E. 2).
4.2 Es gilt jedoch zu beachten, dass gemäss Art. 90a Abs. 1 der Verordnung über die
Krankenversicherung (KVV; SR 832.102) Vergütungszinsen nach Art. 26 Abs. 1 ATSG
nur ausgerichtet werden, sofern die Forderung Fr. 3‘000.00 übersteigt und vom
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Versicherer nicht innert sechs Monaten beglichen wird. Es erscheint gerechtfertigt den
Beginn dieser sechs Monatsfrist auf das rechtskräftige Feststehen des
Rückforderungsanspruchs zu beziehen. Folglich ist noch kein Anspruch des
Beschwerdeführers auf Vergütungszinsen entstanden.
5.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 9. Mai 2017 gutzuheissen und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen zur Berechnung und Ausrichtung der
Rückerstattung. Gerichtskosten sind keine zu erheben. Eine Parteientschädigung fällt
ausser Betracht, nachdem der Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten ist.