Decision ID: 4556de59-6f52-48e2-a78c-3f1e8ac56615
Year: 2011
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (nachfolgend „ESTV“) führt gegen A. und gegen B. sowie gegen die C. AG, die D. AG und die E. AG eine  Untersuchung gemäss Art. 190 ff. des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11)  des Verdachts der schweren Steuerwiderhandlungen (act. 2.6). Im Rahmen dieser Untersuchung erliess die ESTV am 9. Juni 2010 eine , mit welcher sie alle A. gehörenden Vermögenswerte oder , an welchen A. wirtschaftlich berechtigt oder bezüglich derer er  ist, bei der Bank F. SA beschlagnahmte (act. 1.1). Konkret beschlagnahmt wurde daraufhin das auf A. lautende, Kontokorrente in  Währungen und Wertpapiere umfassende Konto Nr. 1 (act. 2, S. 2).
B. Hiergegen gelangte A. mit Beschwerde vom 14. Juni 2010 an den Direktor der ESTV und beantragt in materieller Hinsicht, die von der ESTV verfügte Beschlagnahme von Vermögenswerten wie Konti, Sparhefte, Guthaben- und Schuldenkonti (Metallkonten, Treuhandanlagen, Termingelder), , Wertsachen in Schrankfächern (Bargeld, Edelmetalle, Wertpapiere) usw. bei der Bank F. SA, welche dem Beschwerdeführer  oder über welche der Beschwerdeführer verfügen kann oder an  er wirtschaftlich berechtigt oder zeichnungsberechtigt ist, sei  und diese Vermögenswerte seien freizugeben, unter Kosten- und  zu Lasten der ESTV (act. 1).
Der Direktor der ESTV leitete die Beschwerde am 18. Juni 2010 zusammen mit seiner Stellungnahme, in welcher er auf die kostenfällige Abweisung der Beschwerde schliesst, an die I. Beschwerdekammer des  weiter (act. 2).
Mit Verfügung vom 8. Juli 2010 (act. 8) hiess der Präsident der I.  ein Gesuch von A. um Sistierung des Verfahrens gut, hob die Sistierung am 4. Oktober 2010 aber wieder auf (act. 11), nachdem die ESTV zu jenem Zeitpunkt keinen Grund für eine weitere Sistierung sah.
In seiner Replik vom 3. November 2010 bestätigt A. sinngemäss seinen in der Beschwerde vom 14. Juni 2010 gestellten Antrag (act. 16). Die Replik wurde der ESTV am 4. November 2010 zur Kenntnis gebracht (act. 17).
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Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird,  erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug .

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 191 Abs. 1 DBG richtet sich das Verfahren wegen des Ver-
dachts schwerer Steuerwiderhandlungen gegenüber dem Täter, dem  und dem Anstifter nach den Artikeln 19 – 50 VStrR.
1.2 Gegen Zwangsmassnahmen im Sinne der Art. 45 ff. VStrR und damit zu-
sammenhängende Amtshandlungen kann bei der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt werden (Art. 26 Abs. 1 VStrR i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. d SGG und Art. 9 Abs. 2 des Reglements vom 20. Juni 2006 für das Bundesstrafgericht; SR 173.710). Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene Amtshandlung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 28 Abs. 1 VStrR). Die Beschwerde ist innert drei Tagen, nachdem der  von der Amtshandlung Kenntnis erhalten hat, bei der  Behörde schriftlich mit Antrag und kurzer Begründung  (Art. 28 Abs. 3 VStrR). Ist die Beschwerde nicht gegen den Direktor oder Chef der beteiligten Verwaltung gerichtet, ist sie bei diesem  (Art. 26 Abs. 2 lit. b VStrR). Berichtigt derselbe die angefochtene Amtshandlung nicht im Sinne der gestellten Anträge, hat er die  mit seiner Äusserung spätestens am dritten Werktag nach ihrem  an die I. Beschwerdekammer weiterzuleiten (Art. 26 Abs. 3 VStrR).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Inhaber des von der Beschlagnahme betrof-
fenen Kontos berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an der  oder Änderung der angefochtenen Verfügung. Auf seine im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten.
2. 2.1 Die Beschwerdegegnerin verdächtigt den Beschwerdeführer, der mehrfach
begangenen, schwerwiegenden Steuerhinterziehung (vgl. zum Tatverdacht im Einzelnen act. 2, S. 2 ff., Ziff. 2.2 – 2.4). Mit der angefochtenen  bezweckt wird die Sicherstellung einer allfälligen Einziehung von widerrechtlichen Steuerersparnissen (vgl. hierzu act. 2, S. 5, Ziff. 3).
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Die Frage nach der Zulässigkeit einer solchen an eine  anschliessenden materiellrechtlichen Einziehung oder einer  Ersatzforderung bzw. nach der Anwendbarkeit der Art. 69 ff. StGB im Rahmen des Abschlusses einer solchen Untersuchung, war vor kurzem bereits Gegenstand einiger Entscheide der I. Beschwerdekammer (vgl. die Entscheide des Bundesstrafgerichts BV.2010.56 vom 1. Dezember 2010 sowie BV.2010.57 und BV.2010.58, jeweils vom 10. Dezember 2010), weshalb nachfolgend die diesbezüglichen Erwägungen wiedergegeben werden können.
2.2 2.2.1 An eine Steuerhinterziehung knüpft das DBG zweierlei Folgen: Eine vollen-
dete Steuerhinterziehung, welche namentlich dann vorliegt, wenn der Steuerpflichtige vorsätzlich oder fahrlässig bewirkt, dass eine rechtskräftige Veranlagung unvollständig ausfällt, stellt eine Übertretung dar und wird mit Busse bestraft (Art. 175 DBG). Andererseits wird in einem solchen Falle die nicht erhobene Steuer samt Zins als Nachsteuer eingefordert (Art. 151 Abs. 1 DBG). Die Eröffnung der Strafverfolgung wegen  (Art. 175 – 180 DBG) gilt zugleich als Einleitung des  (Art. 152 Abs. 2 DBG). Bei begründetem Verdacht auf schwere Steuerwiderhandlungen kann die Beschwerdegegnerin ermächtigt werden, in Zusammenarbeit mit den kantonalen Steuerverwaltungen eine  durchzuführen (vgl. Art. 190 Abs. 1 DBG). Dabei richtet sich das Verfahren gegenüber dem Täter, dem Gehilfen und dem Anstifter nach den Art. 19 – 50 VStrR, wobei die vorläufige Festnahme nach Art. 19 Abs. 3 VStrR ausgeschlossen bleibt (Art. 191 Abs. 1 DBG). Diese Untersuchung stellt ein Strafverfahren dar (BEHNISCH/CADOSCH, DBG Kommentar,  2004, S. 216 mit Hinweis auf ASA 63, S. 648 f.). Nach Abschluss der Untersuchung fällt aber die Beschwerdegegnerin keinen materiellen  im Sinne der Art. 62 ff. VStrR; auch kommt es im Falle einer  nicht zu einer gerichtlichen Beurteilung im Sinne der Art. 73 ff. VStrR. Stellt die Beschwerdegegnerin die Untersuchung nicht gestützt auf Art. 193 Abs. 2 DBG ein, sondern kommt sie zum Ergebnis, es sei eine Steuerhinterziehung nach Art. 175 oder 176 DBG begangen worden, so verlangt sie von der zuständigen kantonalen Verwaltung die Durchführung des Hinterziehungsverfahrens (Art. 194 Abs. 1 DBG). Dieses  hat pönale Funktion; es bezweckt die strafrechtliche Verfolgung steuerrechtlicher Widerhandlungen. Die am Ende eines solchen  ausgesprochene Strafe – vorliegend die in Art. 175 Abs. 1 DBG angedrohte Busse – stellt daher eine echte Strafe dar (vgl. hierzu , Das Verhältnis zwischen Nachsteuerverfahren und , insbesondere das Problem des Beweisverwertungsverbots, ASA 65,
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S. 2; siehe zu diesem Aspekt auch BLUMENSTEIN/LOCHER, System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 371 f. und 470; HÖHN/WALDBURGER, Steuerrecht, Band I, 9. Aufl., 2001 Bern, S. 1019; OBERSON, Droit fiscal suisse, 3. Aufl., Basel 2007, S. 505 N. 4; SIEBER, Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Band I/2b, Basel 2000, Art. 175 DBG N. 39).
2.2.2 Die vorliegend angefochtene Beschlagnahme (act. 1.1) dient zu Recht nicht
der Sicherstellung einer solchen Steuerbusse, würde es hierzu doch von Beginn weg an der gesetzlichen Grundlage mangeln (vgl. hierzu den  des Bundesstrafgerichts BV.2005.16 vom 24. Oktober 2005, E. 7.2 sowie Art. 185 Abs. 1 DBG, wonach die im Steuerstrafverfahren  Bussen und Kosten nach den Artikeln 160 und 163 – 172 DBG  werden). Die angefochtene Beschlagnahme soll demgegenüber der Deckung der mutmasslich geschuldeten Nachsteuern inkl. Verzugszinsen dienen (vgl. die Begründung in act. 1.1). Angesichts des bisher  erscheint es auf den ersten Blick plausibel, dass die zuständige  mit Abschluss des Strafverfahrens nebst der Sanktion der Steuerbusse auch die Einziehung der widerrechtlichen fiskalischen Steuerersparnisse verfügt (vgl. hierzu das Urteil des Bundesgerichts 1S.8/2006 vom 12.  2006, E. 5.4; zur Beseitigung deliktisch begründeter  Vermögensvorteile als Zweck der Einziehung SCHMID, Kommentar  – Organisiertes Verbrechen – Geldwäscherei, Band I, 2. Aufl. /Basel/Genf 2007, Art. 70 – 72 StGB N. 10; BAUMANN, Basler , 2. Aufl., Basel 2007, Art. 70/71 StGB N. 3). Diesbezüglich muss jedoch beachtet werden, dass eine dem Gemeinwesen zu Unrecht entgangene Steuer mit dem Institut der Nachsteuer nachgefordert wird (BEHNISCH/, a.a.O., S. 191 mit Hinweis auf BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 341). Die Nachsteuer ist eine Art Revision zu Ungunsten des . Ein Verschulden des Steuerpflichtigen ist nicht Voraussetzung, weshalb das Nachsteuerverfahren klar vom Steuerstrafrecht losgelöst ist und auch sonst keinen pönalen Charakter aufweist. Aus diesem Grund kann sich der Steuerpflichtige nicht seiner Mitwirkungspflicht entziehen. Andererseits dürfen die im Nachsteuerverfahren erhobenen Beweise nicht für das Steuerstrafverfahren verwertet werden, denn dort gelten die  des Art. 6 EMRK (vgl. hierzu BEHNISCH/CADOSCH, a.a.O., S. 191; BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 341 f.; VALLENDER, Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Band I/2b, Basel 2000, Art. 151 DBG N. 1 ff., 4 ff.; OBERSON, a.a.O., S. 486 ff. N. 7 ff.; DERS., in OREF (Hrsg.), Les  en droit fiscal, 2. Aufl., Bern 2005, S. 780; REICH, Steuerrecht, /Basel/Genf 2009, S. 486 f. N. 127; CASANOVA, Commentaire romand, Basel 2008, Art. 151 DBG N. 1 f.; AUER, a.a.O., S. 1 f.). Der Bezug und die
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Sicherung dieser Nachsteuerforderung richtet sich nach den  der Art. 160 ff. DBG, was den das Nachsteuerverfahren  Behörden insbesondere die Möglichkeit der Steuersicherung nach Art. 169 ff. DBG einräumt (FESSLER, Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Band I/2b, Basel 2000, Art. 169 DBG N. 2; CURCHOD,  romand, Basel 2008, Art. 169 DBG N. 2).
2.2.3 Nach dem Gesagten sieht das DBG somit anstelle der im allgemeinen
Strafrecht möglichen Einziehung zwecks Beseitigung rechtswidrig erlangter Vermögensvorteile ein separates Nachsteuerverfahren vor, welches kein Strafverfahren darstellt und welchem kein pönaler Charakter zukommt. Bei dieser Ausgangslage und in Anbetracht des Art. 333 Abs. 1 StGB, wonach die allgemeinen Bestimmungen des StGB (so auch die Regeln über die Einziehung von Vermögenswerten nach Art. 70 f. StGB) auf Taten, die in anderen Bundesgesetzen mit Strafe bedroht sind, insoweit Anwendung , als diese Bundesgesetze nicht selbst Bestimmungen aufstellen (vgl. auch Art. 2 VStrR), bleibt somit für eine strafrechtliche Einziehung (des ) hinterzogener Steuern kein Raum mehr. Wenn aber keine Vermögenswerte „voraussichtlich der Einziehung unterliegen“, so ist eine auf Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR abgestützte Beschlagnahme nicht möglich (vgl. den Entscheid des Bundesstrafgerichts BK_B 084/04 vom 8.  2004, E. 2.4).
2.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es für die Sicherstellung der al-
lenfalls zu entrichtenden Steuerbusse mittels Beschlagnahme an einer  Grundlage fehlt (E. 2.2.2). Nachdem das Gesetz weiter für die nachträgliche Erhebung einer allenfalls zu Unrecht nicht veranlagten und bezogenen Steuer das Nachsteuerverfahren als vom Steuerstrafrecht , selbstständiges Institut nachträglicher Richtigstellung (vgl. , a.a.O., Art. 151 DBG N. 5, oder auch CASANOVA, a.a.O., Art. 151 DBG N. 2) zur Verfügung stellt, entfällt auf Grund des Vorbehaltes in Art. 333 Abs. 1 StGB die Möglichkeit einer späteren Einziehung gestützt auf die Bestimmungen in Art. 70 f. StGB. Entfällt diese Möglichkeit von , so ist auch die zur Sicherung einer späteren Einziehung  Beschlagnahme nicht zulässig. Die Beschwerde erweist sich nach dem Gesagten als begründet und ist gutzuheissen. Die mittels  Verfügung beschlagnahmten Vermögenswerte des Beschwerdeführers sind freizugeben.
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3. 3.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Gerichtskosten zu erheben
(Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 66 Abs. 4 BGG). Die  hat daher dem Beschwerdeführer den geleisteten Kostenvorschuss zurückzuerstatten.
3.2 Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer für seine Aufwendun-
gen für das vorliegenden Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung von Fr. 1'500.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entrichten (Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 68 Abs. 1 BGG und Art. 3 des Reglements vom 26.  2006 über die Entschädigungen in Verfahren vor dem ; SR 173.711.31).
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