Decision ID: 9ed9006a-b340-5064-9943-883d1a308e92
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 16. Mai 2017 am Flughafen B._
ein Asylgesuch ein. Am 18. Mai 2017 folgte im Empfangs- und Verfahren-
szentrum B._ eine Befragung zur Person (BzP). Der Beschwerde-
führer reichte zudem umfangreiches fremdsprachiges Beweismaterial (di-
verse Gerichtsunterlagen) ein. Am 22. Mai 2017 wurde seine Einreise in
die Schweiz zur Prüfung seines Asylgesuchs bewilligt und er wurde dem
Kanton C._ zugewiesen.
B.
Mit Schreiben vom 2. Juni 2017 ersuchte sein damaliger Rechtsvertreter
das SEM um Zustellung der Originale der von ihm beim Flughafen einge-
reichten Unterlagen zwecks Übersetzung. Diese wurden antragsgemäss
zugestellt und eine Frist zur Übersetzung angesetzt. Mit Eingaben vom
31. August 2017 und 9. Oktober 2017 wurden die deutschen Übersetzun-
gen beim SEM eingereicht.
C.
Mit Schreiben an das SEM vom 17. April 2019 bemängelte der neu man-
datierte Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die lange Verfahrens-
dauer und suchte um eine möglichst baldige Anhörung nach.
D.
Am 20. Mai 2019 wurde der Beschwerdeführer im Beisein seines Rechts-
vertreters zu seinen Asylgründen angehört.
E.
Mit Schreiben vom 3. Juni 2019 beantwortete das SEM die Anfrage des
Rechtsvertreters vom 17. April 2019 und stellte fest, aufgrund der hohen
Geschäftslast könne keine verbindliche Zusage zur weiteren Dauer des
Verfahrens gemacht werden, indes sein Gesuch nach Möglichkeit prioritär
behandelt werde.
F.
Mit Schreiben an das SEM vom 28. August 2019 erkundigte sich der
Rechtsvertreter nach dem Verfahrensstand. Das SEM beantwortete diese
Anfrage am 10. September 2019 mittels eines standardisierten Schrei-
bens.
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G.
Mit Schreiben vom 28. September 2019 und vom 20. Oktober 2019 ge-
langte der Rechtsvertreter unter Beilage eines ärztlichen Berichts wiede-
rum an das SEM und beantragte eine baldige Entscheidung.
H.
Am 26. Oktober 2019 forderte das SEM den Beschwerdeführer auf, Über-
setzungen der von ihm als Beweismittel eingereichten (Verfahren in der
Türkei betreffenden) Beschwerdeschriften nachzureichen; dieser Aufforde-
rung kam er am 11. November 2019 nach.
I.
Mit Schreiben vom 6. Februar 2020 wandte sich der Rechtsvertreter erneut
an das SEM und ersuchte um einen Entscheid innert Monatsfrist, ansons-
ten er beim Bundesverwaltungsgericht eine Rechtsverzögerungsbe-
schwerde einreichen werde. Das SEM liess dieses Schreiben unbeantwor-
tet.
J.
Mit Eingabe vom 30. März 2020 (Poststempel) reichte der Beschwerdefüh-
rer beim Bundesverwaltungsgericht eine Rechtsverzögerungsbeschwerde
ein, die mit Urteil E-1808/2020 vom 8. April 2020 abgewiesen wurde.
K.
Mit Schreiben vom 19. August 2020 ersuchte der Rechtsvertreter das SEM
erneut um baldige Erledigung seines Falles und bemängelte die Dauer des
Verfahrens, wies auf die kostspieligen Zahnbeschwerden des Beschwer-
deführers und die Vorgaben des Bundesrates zum Abbau von Altfällen hin.
L.
Mit Schreiben vom 24. August 2020 informierte das SEM den Rechtsver-
treter über den Verfahrensstand und stellte die Erledigung des Falles in
den kommenden Wochen in Aussicht.
M.
Am 26. August 2020 ging beim SEM eine Antwort der Schweizerischen
Botschaft in Ankara betreffend Datenüberprüfung ein.
N.
Mit Schreiben vom 19. September 2020 und 16. Oktober 2020 ersuchte
der Rechtsvertreter das SEM erneut um baldige Entscheidung, das diese
Schreiben unbeantwortet liess.
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Seite 4
O.
Am 11. November 2020 gab das SEM weitere Abklärungen zur Judikative
in der Türkei in Auftrag.
P.
Mit Schreiben vom 17. November 2020 wandte sich der Beschwerdeführer
mit einem persönlichen Schreiben an das SEM und ersuchte erneut um
Entscheidung seines Falles.
Q.
Am 22. Dezember 2020 machte der zuständige Fachspezialist eine Akten-
notiz anlässlich einer Besprechung zur Dokumentenanalyse und gab eine
weitere interne Übersetzung eines Gerichtsurteils in Auftrag.
R.
Mit Schreiben vom 23. Dezember 2020 wies das SEM den Beschwerde-
führer auf die Komplexität seines Falles hin und informierte ihn, dass sein
Gesuch baldmöglichst entschieden werde.
S.
Mit Schreiben vom 14. Januar 2021 ersuchte der Rechtsvertreter das SEM
erneut um baldige Entscheidung.
T.
Am 1. März 2021 ging beim SEM die am 22. Dezember 2020 in Auftrag
gegebene Übersetzung ein.
U.
Mit Eingabe vom 3. März 2021 (Poststempel) reichte der Beschwerdefüh-
rer durch seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht eine
Rechtsverzögerungsbeschwerde ein und beantragte, es sei festzustellen,
dass das Asylverfahren zu lange gedauert habe. Die Vorinstanz sei anzu-
weisen, über das Asylverfahren innerhalb von drei Wochen zu entscheiden.
In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh-
ren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.
V.
Am 10. März 2021 sind die vorinstanzlichen Akten beim Bundesverwal-
tungsgericht eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer anfechtba-
ren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung
einer Beschwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene Verfügung zu-
ständig wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. dazu auch
MARKUS MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bun-
desgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2018, Rz. 3 zu
Art. 46a).
Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zur Beurteilung der vorliegenden
Rechtsverzögerungsbeschwerde zuständig.
1.2 Rechtsverzögerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichterlass
einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdelegitimation setzt voraus,
dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass einer
Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch ist
anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu han-
deln und der ansprechenden Person nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG
Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2 m.w.H.).
Der Beschwerdeführer suchte am 16. Mai 2017 in der Schweiz um Asyl
nach. Über dieses Gesuch hat das SEM in Form einer anfechtbaren Ver-
fügung zu befinden. Eine solche ist bis anhin nicht ergangen. Der Be-
schwerdeführer ist daher zur Beschwerdeführung legitimiert.
1.3 Gegen das unrechtmässige Verzögern einer Verfügung kann grund-
sätzlich jederzeit Beschwerde geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Den-
noch steht der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht völlig im Belieben
der beschwerdeführenden Person. Der Grundsatz von Treu und Glauben
bildet hier eine Grenze.
Der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ist vorliegend nicht zu beanstan-
den.
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1.4
1.4.1 Die beschwerdeführende Person muss zudem darlegen, dass sie zur
Zeit der Beschwerdeerhebung ein schutzwürdiges – mithin aktuelles und
praktisches – Interesse an der Vornahme der verzögerten Amtshandlung
respektive der Feststellung einer entsprechenden Rechtsverzögerung hat
(vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 5.23).
1.4.2 Das schutzwürdige Interesse des Beschwerdeführers an der Vor-
nahme der allenfalls verzögerten Amtshandlung manifestiert sich vorlie-
gend einerseits in den bei den Akten liegenden Eingaben, mit denen er um
beförderliche Verfahrenserledigung gebeten hat. Andererseits ergibt es
sich aus der Tatsache, dass das SEM bis anhin noch nicht in der Sache
entschieden hat. Hinsichtlich der Frage der Opportunität des Zeitpunkts der
Beschwerdeerhebung ist auf die nachfolgenden Erwägungen zu verweisen
(vgl. E. 6).
1.5 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die formgerecht ein-
gereichte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Rechtsverzögerungsbeschwerde einzu-
treten.
1.6 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts
anderes bestimmt (Art. 37 VGG ).
Beim Verfahren, dessen Verzögerung geltend gemacht wird, handelt es
sich um ein erstinstanzliches Asylverfahren. Am 1. März 2019 ist eine Teil-
revision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); soweit für das vorlie-
gende Beschwerdeverfahren Regelungen des AsylG zu berücksichtigen
sind (vgl. insbesondere die nachfolgende E. 5.1), ist das bisherige Recht
relevant (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
2.
Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich
vorliegend auf die Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverzögerungsverbot
verletzt hat. Im Falle einer Gutheissung der Beschwerde weist es die Sa-
che mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück (Art. 61
Abs. 1 VwVG). Hingegen ist das Gericht nicht dazu befugt, sich dazu zu
äussern, wie gegebenenfalls ein unrechtmässig verzögerter Entscheid in-
haltlich hätte ausfallen sollen, da es grundsätzlich nicht anstelle der untätig
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gebliebenen Behörde entscheiden darf, andernfalls der Instanzenzug ver-
kürzt und möglicherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten verletzt würden
(vgl. BVGE 2008/15 E. 3.1.2, m.w.H.).
3.
3.1 Das Verbot der Rechtsverzögerung ergibt sich als Teilgehalt aus der
allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 BV. Danach hat jede
Person Anspruch auf eine Beurteilung ihrer Sache innert angemessener
Frist (sog. Beschleunigungsgebot). Diese Verfassungsgarantie gilt für alle
Sachbereiche und alle Akte der Rechtsanwendung (vgl. BGE 130 I 174
E. 2.2 m.w.H.).
3.2 Von einer Rechtsverzögerung im Sinne des Gesetzes ist nach Lehre
und Praxis auszugehen, wenn behördliches Handeln zwar nicht (wie bei
einer formellen Rechtsverweigerung) grundsätzlich infrage steht, aber die
Behörde nicht innert der Frist handelt, die nach der Natur der Sache objek-
tiv noch als angemessen erscheint. Die Angemessenheit der Dauer eines
Verfahrens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Um-
stände zu beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei namentlich die Kom-
plexität der Sache, das Verhalten der betroffenen Beteiligten und der Be-
hörden, die Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Partei sowie ein-
zelfallspezifische Entscheidungsabläufe (vgl. zum Ganzen BGE 130 I 312
E. 5.1 und 5.2 m.w.H.).
3.3 Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausge-
setzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann verletzt,
wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert angemes-
sener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c;
103 V 190 E. 5c). Spezialgesetzliche Behandlungsfristen sind bei der Be-
urteilung der Angemessenheit der Verfahrensdauer zu berücksichtigen
(vgl. zum Ganzen Urteil etwa das Urteil des BVGer E-1438/2018 vom
5. April 2018 E. 3.2 m.w.H.).
4.
Der Beschwerdeführer begründet seine Beschwerde damit, er habe am
22. Mai 2017 (recte: 16. Mai 2017) ein Asylgesuch eingereicht. Trotz mehr-
facher Anfragen sei er von der Vorinstanz lange nicht angehört worden.
Obwohl der Befrager im Anschluss an die Anhörung in Aussicht gestellt
habe, dass ein Entscheid innert sechs Monaten gefällt werde und er mehr-
fach nach dem Verfahrensstand gefragt habe, sei über sein Asylgesuch bis
heute nicht entschieden worden. Auf seine Anfrage vom 6. Februar 2020
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habe die Vorinstanz nicht geantwortet. Zudem habe die Vorinstanz nun fast
vier Jahre mit dem Entscheid zugewartet und die damit verbundene Unge-
wissheit mache ihn noch kränker, weshalb ihm die Vorinstanz eine Wider-
gutmachung schulde. Gleichzeitig verweist er auf das Verbot der Rechts-
verweigerung beziehungsweise Rechtsverzögerung und die diesbezügli-
che Rechtsprechung.
5.
5.1 Vorab ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht Kenntnis
von der nach wie vor hohen Pendenzenzahl beim SEM und den Umstän-
den hat, welche die Einführung der neuen Asylgesetzesbestimmungen im
März 2019 mit sich gebracht haben. Das Gericht erachtet es nicht nur als
nachvollziehbar, sondern als unvermeidbar, dass nicht alle (altrechtlichen)
Verfahren innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Behandlungsfristen von
aArt. 37 Abs. 2 AsylG abgeschlossen werden können, sondern länger dau-
ern; dies insbesondere, wenn sich noch Abklärungs- oder Instruktions-
massnahmen aufdrängen. Dennoch kann nicht schon aus diesem Grund
von einer gerechtfertigten Verfahrensverzögerung ausgegangen werden,
zumal Personalmangel eine Verzögerung eben nicht rechtfertigt (vgl.
BGE 138 II 513, E 6.4).
5.2 Dem Beschwerdeführer ist insofern beizupflichten, als das Verfahren in
der Tat bereits seit langer Zeit – nunmehr fast vier Jahren – hängig ist.
Alleine auf die Gesamtdauer des Verfahrens abzustellen, erscheint jedoch
nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts in casu nach wie vor nicht
angezeigt. Nach Einreichung seines Asylgesuchs am 16. Mai 2017 wurde
der Beschwerdeführer im Juni 2017 dazu aufgefordert, die von ihm einge-
reichten Beweismittel (zahlreiche Gerichtsunterlagen) übersetzen zu las-
sen. Am 20. Mai 2019 wurde er zu seinen Asylgründen angehört. Am
26. Oktober 2019 teilte die Vorinstanz ihm zudem mit, dass sie seinen Asyl-
antrag studiert habe, aufgrund der eingereichten Unterlagen jedoch noch
kein Entscheid getroffen werden könne. Gleichzeitig forderte sie den Be-
schwerdeführer auf, die von ihm eingereichten Beschwerdeschriften zu
den gegen ihn (in der Türkei) getroffenen Gerichtsurteilen übersetzen zu
lassen. Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
11. November 2019 nach. Das Bundesverwaltungsgericht kam sodann am
8. April 2020 in Bezug auf das bei der Vorinstanz hängige Verfahren zum
Schluss, zwar seien zwischen der Eingabe des Beschwerdeführers vom
11. November 2019 und seiner (damaligen) Rechtsverzögerungsbe-
schwerde vom 27. März 2020 über vier Monate vergangen. Auch sei die
Vorinstanz zwischen der Aufforderung an den Beschwerdeführer im Juni
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2017, Übersetzungen einzureichen, und der Anhörung am 20. Mai 2019
lange untätig geblieben. In Anbetracht der vom Beschwerdeführer einge-
reichten zahlreichen Beweismittel, die zu würdigen seien, weise sein Asyl-
verfahren aber durchaus eine gewisse Komplexität auf, die vertiefte Abklä-
rungen benötige. Folglich habe die Vorinstanz den Erlass eines Entschei-
des über das Asylgesuch nicht unrechtmässig verzögert (Urteil des BVGer
E-1808/2020 vom 8. April 2020 E. 3.4).
5.3 Dieses Urteil erging am 8. April 2020. Seither ging bei der Vorinstanz
am 26. August 2020 die Antwort der Schweizerischen Botschaft in Ankara
zur Datenüberprüfung ein. Am 11. November 2020 gab die Vorinstanz wei-
tere Abklärungen zur türkischen Judikative in Auftrag. Am 22. Dezember
2020 machte der zuständige Fachspezialist eine Aktennotiz anlässlich ei-
ner Besprechung betreffend die Dokumentenanalyse und gab eine interne
Übersetzung einer umfangreichen Gerichtsurkunde in Auftrag. Mit Schrei-
ben vom 23. Dezember 2020 wies die Vorinstanz den Beschwerdeführer
auf die Komplexität seines Falles hin und informierte ihn, dass sein Gesuch
baldmöglichst entschieden werde. Am 1. März 2021 ging bei der Vorinstanz
schliesslich die am 22. Dezember 2020 in Auftrag gegebene Übersetzung
ein. Vor diesem Hintergrund ist weiterhin von der Komplexität des vorlie-
genden Falles auszugehen, der vertiefte Abklärungen und allenfalls die
Nachforderung weiterer Dokumente und Informationen als gerechtfertigt
erscheinen lässt (vgl. dazu BGE 130 I 312 E.5.1). Es trifft zwar zu, dass die
Verfahrensdauer von inzwischen fast vier Jahren eine relativ lange Zeit
darstellt. Die bisherige Verfahrensdauer ist jedoch zwingenden sachlichen
Gründen geschuldet. Unter diesen Umständen kann nicht geschlossen
werden, die Vorinstanz habe im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung den
Erlass einer Verfügung unrechtmässig verzögert und damit das Beschleu-
nigungsgebot von Art. 29 Abs. 1 BV verletzt.
5.4 Hieran vermag der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nichts
zu ändern. Auch die Umstände, dass dem Beschwerdeführer seinen Anga-
ben zufolge im Anschluss an die Anhörung eine Verfügung innert sechs
Monaten in Aussicht gestellt worden sein soll – eine entsprechende Zusage
befindet sich nicht in den Akten –, zwischen der Befragung und der Anhö-
rung zwei Jahre verstrichen sind, einige seiner zahlreichen Anfragen nach
dem Verfahrensstand in standardisierter Weise beantwortet beziehungs-
weise drei davon unbeantwortet geblieben sind oder am 24. August 2020
ein Entscheid innerhalb der nächsten Wochen in Aussicht gestellt worden
war, können keine andere Einschätzung rechtfertigen, da die Vorinstanz
seit dem Einreichen des Asylgesuchs und auch nach Ergehen des Urteils
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des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. April 2020 nicht untätig geblieben
ist und das Verfahren offensichtlich weiterer Abklärungen bedurfte.
6.
Aufgrund des Gesagten erweist sich die Rüge der Rechtsverzögerung im
Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung am 3. März 2021 als unbegründet,
weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. Die vorinstanzlichen Akten gehen
zur zeitnahen Fortführung des Asylverfahrens zurück an das SEM. Dabei
liegt es nicht am Gericht, dem SEM dafür eine Frist anzusetzen.
In Anbetracht der bereits langen Verfahrensdauer wird das SEM erneut an-
gehalten, das Verfahren zügig abzuschliessen.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens wären die Verfah-
renskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5
VwVG). Dieser ersuchte in seiner Beschwerde um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung. Nachdem sich die Rechtsbegehren vorliegend
nicht als aussichtslos erwiesen haben und aufgrund der Akten von der Be-
dürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, ist der Antrag um Be-
freiung von den Verfahrenskosten (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gutzuheissen,
weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind.
7.2 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wird mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos.
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