Decision ID: 8e3e6675-247b-50fe-9ee8-135d3097a084
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie – verliess seine Heimat eigenen Angaben zufolge am 6. November
2019 legal via den Flughafen von Colombo in Richtung Iran und gelangte
am 2. März 2021 in die Schweiz, wo er am selben Tag um Asyl nachsuchte.
In der Folge wurde er dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region (...) zu-
gewiesen, worauf ihm am 5. März 2021 von Gesetzes wegen (vgl.
Art. 102 f ff. des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]) eine
Rechtsvertretung bestellt wurde. Am 8. März 2021 erhob das SEM im BAZ
seine Personalien (Protokoll der Personalienaufnahme [PA]). Am 7. Juni
2021 hörte ihn das SEM gestützt auf Art. 29 AsylG eingehend zu seinen
Asylgründen an.
Hinsichtlich seiner persönlichen Verhältnisse führte der Beschwerdeführer
aus, er sei mit seinen Eltern sowie zwei jüngeren Geschwistern im Dorf
B._, Distrikt Jaffna, Nordprovinz aufgewachsen. Er habe die Schule
elf Jahre lang besucht und mit O-Level abgeschlossen. Danach habe er
seit dem Jahr 2008 als (...), (...) und in weiteren Tätigkeiten gearbeitet.
In Bezug auf seine Ausreisegründe machte der Beschwerdeführer geltend,
im Jahr 2015 sei eine junge Frau namens C._ vergewaltigt und an-
schliessend getötet worden. In diesem Zusammenhang habe es Demonst-
rationen an verschiedenen Orten gegeben. In der Folge seien viele junge
Männer festgenommen worden. Auch er sei damals eine Nacht lang inhaf-
tiert und am folgenden Tag wieder freigelassen worden. Da er weitere be-
hördliche Probleme befürchtet habe, sei er im Jahr 2016 nach D._
gereist, um im Januar 2018 in seine Heimat zurückzukehren, wo er wieder
mit seinen Eltern und seinen beiden jüngeren Schwestern im Heimatdorf
B._ zusammengelebt habe.
Am 17. Juni 2018 habe er beabsichtigt, in einer Kirche in E._ (Dis-
trikt F._) Ostern zu feiern. Als er gemeinsam mit einem Cousin müt-
terlicherseits und anderen Leuten vor der Kirche gestanden sei, sei es in
der Nähe zu einer Streiterei gekommen. Plötzlich seien zwei Polizisten mit
einem Motorrad auf sie zugefahren und hätten zu schiessen begonnen.
Dabei sei sein Cousin getroffen worden. Er selbst sei nach den Schüssen
in die Kirche gerannt. Später sei sein Cousin in ein Spital gebracht worden,
wo er seinen Verletzungen erlegen sei. Im Anschluss an diesen Vorfall sei
es zu Protesten gekommen, an denen sich ungefähr tausend Personen
beteiligt hätten. Dabei sei die Festnahme der beiden Polizisten gefordert
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worden. Wenig später hätten sein Onkel sowie seine Tante eine Be-
schwerde eingereicht, worauf ein Verfahren gegen die beiden Polizisten
eröffnet worden sei. Das Verfahren sei später indessen eingestellt worden,
weil sein Onkel und seine Tante nach einem Gerichtstermin keine weiteren
Gerichtstermine hätten wahrnehmen wollen beziehungsweise die Be-
schwerde zurückgezogen hätten. Im Anschluss an die Protestaktionen
seien viele Teilnehmer verhaftet worden. Aus Angst, ebenfalls festgenom-
men zu werden, sei er deswegen etwa eine Woche nach dem Vorfall zu
seiner in G._ wohnhaften Tante gereist. Bereits kurz nach seiner
Ankunft in G._ hätten die heimatlichen Behörden bei seinen Eltern
nach ihm gesucht. Schliesslich habe er sich im Januar 2019 von
G._ in sein Heimatdorf B._ zurückbegeben, weil er seine
Familie habe wiedersehen wollen. Dabei habe er aus Vorsicht meistens bei
einer ebenfalls in B._ wohnhaften Tante übernachtet.
Im März 2019 sei er abermals in seinem Elternhaus in B._ gesucht
worden. Da er dort nicht anzutreffen gewesen sei, hätten die sri-lankischen
Behörden an seiner Stelle seinen Vater mitgenommen. Daraufhin habe er
sich in Begleitung seiner Mutter auf den Polizeiposten begeben, worauf er
festgenommen worden sei. Man habe ihm eröffnet, er werde in Bälde durch
einen Offizier befragt. Diese Befragung habe jedoch nicht stattgefunden.
Stattdessen sei er geschlagen worden, nachdem er seine Mutter aufgefor-
dert habe, sich in vorliegender Angelegenheit an eine Menschenrechtsor-
ganisation zu wenden. Schliesslich sei es seinem Onkel durch Bezahlung
einer grossen Geldsumme gelungen, ihn und seinen Vater am selben Tag
aus der Haft freizubekommen. Der involvierte Polizist habe ihm geraten,
seine Heimat baldmöglichst zu verlassen, da er andernfalls Konsequenzen
zu gewärtigen habe. Nach seiner Freilassung im März 2019 habe er bis
November 2019 weiterhin zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern
im Heimatdorf gelebt. Schliesslich sei er am 6. November 2019 mit Hilfe
eines Schleppers mit seinem eigenen Reisepass via den Flughafen Co-
lombo ausgereist. Vom Iran aus sei er auf dem Landweg in die Türkei wei-
tergereist, wo er sich ungefähr ein Jahr lang aufgehalten habe. Anschlies-
send sei er von der Türkei aus per Schiff nach Italien gereist. Vor der Küste
Siziliens sei es am 1. September 2020 an Bord zu einer Explosion gekom-
men, wobei ungefähr neun Menschen ums Leben gekommen seien. Er
selbst sei damals trotz starker Brandverletzungen ins Meer gesprungen
und habe sich in ein italienisches Polizeiboot retten können. Anschliessend
sei er ohnmächtig geworden und via Helikopter in ein Spital in H._
geflogen worden, wo er am 22. Oktober 2020 aus dem Koma erwacht sei.
Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in italienischen Flüchtlingscamps
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sei er schliesslich anfangs März 2021 illegal in die Schweiz gelangt. In der
Schweiz würden seine Verbrennungen mit verschiedenen Salben behan-
delt. Zudem leide er seit dem Unfall vom 1. September 2020 unter Kopf-
schmerzen und sei traumatisiert.
Der Beschwerdeführer reichte im Verlaufe des erstinstanzlichen Verfah-
rens eine Kopie seiner sri-lankischen Geburtsurkunde inklusive deutsch-
sprachiger Übersetzung, diverse Fotos hinsichtlich der Beerdigung seines
Cousins sowie mehrere diesbezügliche Videos zu den Akten. Seinen Rei-
sepass sowie seine Identitätskarte habe er als Folge des Schiffsunglücks
vom 1. September 2020 verloren.
B.
Am 14. Juni 2021 unterbreitete das SEM dem Beschwerdeführer bezie-
hungsweise dessen damaliger Rechtsvertreterin den Entwurf des ableh-
nenden Asylentscheides zur Stellungnahme. In ihrer Stellungnahme vom
15. Juni 2021 hielt die frühere Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
fest, die Einschätzung des SEM, wonach seine Asylvorbringen nicht glaub-
haft seien, könne nicht nachvollzogen werden. So habe er anlässlich seiner
Anhörung alle Fragen spontan, sachlich und widerspruchsfrei beantwortet
und die wesentlichen Aspekte seiner Erlebnisse zuzüglich einiger Details
erzählt. Sein persönlicher Erzählstil sei sachlich, was mit seiner tamilischen
Kultur einhergehe, in der Gefühle nicht unaufgefordert wiedergegeben wür-
den. Er sei in der Anhörung nach Fakten und nicht nach seinen Gefühlen
gefragt worden. Demnach spreche das fehlende Wiedergeben seiner Ge-
fühle nicht für die Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen. Darüber hinaus habe
er in seiner Erzählung durchaus einige persönliche Gefühle wiedergege-
ben (vgl. Anhörung F139 und F142 f.). Im Weiteren sei seine generelle
Angst vor dem Militär und der Polizei vor dem Hintergrund der früheren
Probleme seiner Familienangehörigen aufgrund ihrer LTTE-Vergangenheit
nachvollziehbar.
C.
Mit – am selben Tag eröffneter – Verfügung vom 16. Juni 2021 stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnete deren Vollzug an.
D.
Mit Schreiben vom 17. Juni 2021 legte die Rechtsvertretung des Be-
schwerdeführers im BAZ der Region (...) ihr Mandat nieder.
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E.
Mit Eingabe vom 16. Juli 2021 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. In dieser wird be-
antragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm Asyl zu ge-
währen. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung
unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und die vorläufige Aufnahme
anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wird beantragt, es sei dem
Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihm ein amtlicher
Rechtsbeistand zu benennen.
F.
Mit Schreiben vom 19. Juli 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der vorliegenden Beschwerde.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 20. Juli 2021 wies das SEM den Beschwerde-
führer für die Dauer des weiteren Verfahrens dem Kanton I._ zu.
H.
Mit Verfügung vom 22. Juli 2021 hiess der zuständige Instruktionsrichter
des Bundesverwaltungsgerichts die Gesuche um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung unter Vorbehalt ei-
ner nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse des Be-
schwerdeführers gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Gleichzeitig forderte er den Beschwerdeführer auf, bis zum
6. August 2021 eine amtliche Rechtsbeiständin oder einen amtlichen
Rechtsbeistand zu benennen, ansonsten das Gericht von einem entspre-
chenden Verzicht ausgehe.
I.
Mit Eingabe vom 3. August 2021 ersuchte die jetzige Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers das Gericht unter Beilegung einer entsprechenden
Vollmacht um Einsetzung als amtliche Rechtsvertretung.
J.
Mit Instruktionsverfügung vom 6. August 2021 ordnete das Gericht dem
Beschwerdeführer seine jetzige Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbei-
ständin bei und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung
innert sieben Arbeitstagen ein.
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K.
Am 16. August 2021 reichte das SEM eine Vernehmlassung ein.
L.
Am 19. August 2021 stellte das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwer-
deführer die Vernehmlassung des SEM zu und räumte ihm die Gelegenheit
ein, innerhalb von sieben Arbeitstagen ab Erhalt der Instruktionsverfügung
eine Replik einzureichen.
M.
Mit Eingabe vom 31. August 2021 machte der Beschwerdeführer mittels
seiner Rechtsvertreterin von seinem Replikrecht Gebrauch. Letztere fügte
ihrer Eingabe eine Kostennote bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden (Art. 108
Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Covid-19-Verordnung Asyl [SR 142.318];
Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem
Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re-
ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus-
gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu
werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von
Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen
psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-
eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-
scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar
2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).
4.
4.1 Das SEM begründet die Ablehnung des Asylgesuchs des Beschwerde-
führers im Wesentlichen damit, die Aussagen des Beschwerdeführers im
Zusammenhang mit der Tötung seines Cousins anlässlich des Osterfestes
vom 17. Juni 2018, seiner Teilnahme an den anschliessenden Protesten
sowie seiner Festnahme im März 2019 seien derart allgemein, einsilbig,
oberflächlich beziehungsweise unsubstantiiert und ohne Anzeichen per-
sönlicher Anteilnahme oder Betroffenheit ausgefallen, dass nicht davon
auszugehen sei, dass er die entsprechenden Ereignisse persönlich erlebt
habe. Demnach seien seine diesbezüglichen Vorbringen als unglaubhaft
einzustufen. Entsprechend sei nicht davon auszugehen, dass er im Zeit-
punkt seiner Ausreise aus Sri Lanka im November 2019 behördlich verfolgt
gewesen sei. Diese Einschätzung werde im Ergebnis auch durch den Um-
stand bekräftigt, dass er seine Heimat eigenen Angaben zufolge legal mit
seinem persönlichen Reisepass (auf dem Luftweg) verlassen habe, ohne
irgendwelche behördlichen Anstände gehabt zu haben. Die von ihm im
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Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens eingereichten Videos und Fotos
bezüglich der Beerdigung seines Cousins seien ein Hinweis auf dessen
Tod, der nicht in Abrede gestellt werde. Die genannten Beweismittel seien
indessen nicht geeignet, die Umstände seines Todes zu erhellen ge-
schweige denn die von ihm geltend gemachte Verfolgungssituation zu un-
termauern. Auch die von ihm eingereichte Geburtsurkunde belege allen-
falls seine Identität, nicht aber seine Asylvorbringen (vgl. zum Ganzen Ver-
fügung des SEM vom 16. Juni 2021 S. 3 bis 6, II/1 [Akten SEM {...}-39/15]).
Hinsichtlich der geltend gemachten kurzzeitigen Festnahme nach der Teil-
nahme an Protesten wegen der Vergewaltigung und Ermordung einer jun-
gen Frau namens C._ im Jahr 2015 sei festzuhalten, dass dieses
Vorkommnis zeitlich in keinem hinreichenden Kausalzusammenhang mit
der Ausreise des Beschwerdeführers aus der Heimat im November 2019
stehe, weshalb es die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft im
Sinne von Art. 3 AsylG nicht zu erfüllen vermöge (vgl. im Einzelnen auch
angefochtene Verfügung S. 6 f., II/2/a).
4.2 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, aus der An-
hörung gehe hervor, dass der Beschwerdeführer traumatisiert sei und
starke Kopfschmerzen gehabt habe. Er habe die Frage, wie es ihm am Tag
der Anhörung gesundheitlich gehe, zwar mit "Okay, gut" beantwortet, was
indessen eine reine Floskel gewesen sei. Ausserdem hätten sowohl die
Vorkommnisse rund um den 17. Juni 2018 als auch die Anhörung vom
7. Juni 2021 extreme Stresssituationen für ihn dargestellt, was verständlich
erscheinen lasse, dass er sich nicht mehr an jedes Detail erinnern könne.
Gerade traumatisierten Personen falle es schwer, ausführlich, chronolo-
gisch, zusammenhängend und in zeitlichem und räumlichem Rahmen über
ihre Erlebnisse zu berichten, was durch eine als belastend empfundene
Befragungssituation noch verstärkt werden könne. Darüber hinaus habe er
seine Erlebnisse in den Jahren 2018 und 2019 in der Beschwerde nun
nochmals so detailliert wie möglich beschrieben, weshalb sich nunmehr –
im Verbund mit seinen Ausführungen bei der Anhörung – ein plausibles und
nachvollziehbares Bild der Geschehnisse ergeben haben sollte. So habe
er beispielsweise Uhrzeiten nennen, das Wetter beschreiben und ausfüh-
ren können, dass er gerade Kerzen angezündet habe, als der Vorfall pas-
siert sei. Weiter habe er anzugeben vermocht, wie viele Schüsse die Poli-
zisten abgegeben hätten und wo diese eingeschlagen seien. Weiter habe
er ausgeführt, wie alle Anwesenden die Tötung seines Cousins als willkür-
lich empfunden hätten und er persönlich damals sehr traurig und wütend
gewesen sei und nicht habe glauben können, was mit seinem Cousin, der
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für ihn wie ein älterer Bruder gewesen sei, passiert sei. Aus den vorge-
nannten Gründen müssten seine Asylvorbringen als glaubhaft eingestuft
werden. Dass er seine Heimat mit seinem persönlichen Pass verlassen
habe, spreche nicht gegen die Glaubhaftigkeit seiner Verfolgungsvorbrin-
gen, habe doch ein Schlepper die Beamten bei der Grenzkontrolle besto-
chen.
Selbst wenn seine Vorbringen bezüglich der Jahre 2018 und 2019 als un-
glaubhaft eingestuft würden, erfülle er die Flüchtlingseigenschaft zufolge
seiner Inhaftierung im Jahr 2015. Die Vorinstanz habe diesbezüglich zwar
erwogen, er hätte nach seiner Rückkehr nach Sri Lanka (im Juni 2018) in
diesem Zusammenhang keinerlei Nachteile erlitten, weshalb auch kein hin-
reichender zeitlicher Konnex zwischen diesem Vorkommnis und seiner
Ausreise Ende des Jahres 2019 ersichtlich sei. Mit diesen Ausführungen
lasse die Vorinstanz ausser Acht, dass sich die Situation für Tamilen seit
der Präsidentenwahl im Jahr 2019 verschlechtert habe, weshalb er bei ei-
ner Rückkehr nach Sri Lanka auch aufgrund der Inhaftierung im Jahr 2015
erneut ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten würde.
4.3 Das SEM hält in seiner Vernehmlassung vom 16. August 2021 fest,
weder den Akten noch dem Anhörungsprotokoll seien irgendwelche Hin-
weise dafür zu entnehmen, dass es dem Beschwerdeführer während des
erstinstanzlichen Verfahrens gesundheitlich derart schlecht gegangen
wäre, dass er seine Erlebnisse nicht ausführlich hätte schildern können.
Entsprechend habe dieser am Schluss der Anhörung angegeben, er habe
alles sagen können, was er für sein Asylgesuch als wesentlich erachte.
Trotz wiederholtem Hinweis des Befragers, seine Schilderungen seien
nach wie vor knapp und nicht nachvollziehbar, habe er selbst nie geltend
gemacht, es falle ihm aufgrund einer allfälligen Traumatisierung schwer,
detaillierter zu berichten. Ausserdem habe er zu Beginn der Anhörung aus-
gesagt, dass es ihm (gesundheitlich) gut gehe. Ferner sei er im Laufe des
Verfahrens explizit auf seine Mitwirkungspflicht hingewiesen worden.
Schliesslich sei er seit Beginn des Verfahrens rechtlich vertreten gewesen,
weshalb es ihm möglich und zuzumuten gewesen wäre, zumindest seiner
Rechtsvertretung gegenüber darzulegen, dass es ihm zufolge seiner Trau-
matisierung nicht möglich sei, in gehöriger Form über seine Fluchtgründe
zu sprechen. Seine Rechtsvertretung hätte dies wohl zum Anlass genom-
men, bei der Anhörung auf diesen Umstand hinzuweisen, was indes nicht
geschehen sei. Angesichts des Gesagten müsse davon ausgegangen wer-
den, dass der Beschwerdeführer hätte in der Lage sein müssen, im Rah-
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men des erstinstanzlichen Verfahrens angemessen über seine Flucht-
gründe zu berichten. Seine diesbezüglichen Schilderungen in der Be-
schwerde seien deutlich detaillierter und eingehender ausgefallen und ent-
hielten etliche Realkennzeichen, die für tatsächlich Erlebtes sprechen wür-
den. Angesichts der unplausibel bleibenden fehlenden Erzähldichte wäh-
rend der Anhörung müssten die detaillierten Ausführungen in der Be-
schwerde indessen als nachgeschoben qualifiziert werden und könnten an
der bisherigen Gesamteinschätzung der Asylvorbringen des Beschwerde-
führers in der angefochtenen Verfügung nichts ändern.
4.4 In der Replik wird ausgeführt, aus dem Anhörungsprotokoll gehe ent-
gegen der Auffassung der Vorinstanz gerade hervor, dass es dem Be-
schwerdeführer damals gesundheitlich nicht gut gegangen sei, habe dieser
doch darauf hingewiesen, seit dem Unfall (vom 1. September 2020) starke
Kopfschmerzen zu haben und traumatisiert zu sein. Ausserdem habe er
festgehalten, es gehe ihm auch deshalb nicht gut, weil er im Koma gelegen
habe. Diese Aussagen seien höher zu gewichten als seine Aussage zu Be-
ginn der Anhörung, es gehe ihm gut. Entsprechend wäre die Vorinstanz
aufgrund der Untersuchungsmaxime verpflichtet gewesen, den Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers abzuklären, nachdem dieser auf
seine Traumatisierung hingewiesen habe. Weiter sei dem Anhörungspro-
tokoll zu entnehmen, dass er Mühe bekundet habe, der Befragung zu fol-
gen, wobei er mehrmals die Fragen nicht verstanden habe, was – ebenso
wie sein damaliges Unvermögen, seine Vorbringen detaillierter zu schil-
dern – auf seine Traumatisierung zurückzuführen sei. Trotzdem habe der
Befrager seinen Befragungsstil nicht angepasst. Demgegenüber sei es ihm
auf Beschwerdeebene schriftlich und in Ruhe gelungen, seine Asylvorbrin-
gen detailliert und mit Realkennzeichen zu schildern. Entgegen der Ein-
schätzung der Vorinstanz seien seine diesbezüglichen Ausführungen auch
nicht als nachgeschoben, sondern als glaubhaft zu bewerten, da ihm eine
adäquate Schilderung seiner Verfolgungsvorbringen bei der Anhörung zu-
folge seiner Traumatisierung nicht möglich gewesen sei. Zwischenzeitlich
habe er sich wegen seiner Traumatisierung auch in psychologische Be-
handlung begeben. Da sich die leitende Ärztin zurzeit in den Ferien befinde
und ihn voraussichtlich erst anfangs Oktober 2021 zu einem Gespräch
empfangen könne, sehe er sich aktuell noch nicht in der Lage, einen ent-
sprechenden ärztlichen Bericht einzureichen.
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Seite 11
5.
5.1
5.1.1 Einleitend ist die Frage zu prüfen, ob das Unvermögen des Be-
schwerdeführers, seine Fluchtgründe bei der Anhörung anschaulich bezie-
hungsweise lebensnah zu schildern, auf seine angebliche Traumatisierung
zufolge des Bootsunglücks vom 1. September 2020 vor den Küsten Italiens
zurückgeführt werden kann.
Diesbezüglich ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer zu Beginn der
Anhörung die Fragen, wie es ihm heute (gesundheitlich) gehe, zwei Male
mit "Okay. Gut." beantwortet hat (vgl. Akten SEM [...]-32/22 F 4 f.). Zwar
erwähnte er später, nach dem Bootsunglück in Italien anderthalb Monate
lang im Koma gelegen zu haben, weshalb es ihm nicht gut gehe, er an
starken Kopfschmerzen und unter Schlafstörungen leide und er traumati-
siert sei (vgl. Akten SEM [...]-32/22 F6 f., F14 und F67). Er machte jedoch,
obwohl durch einen Rechtsbeistand vertreten, auch auf wiederholten Vor-
halt, seine Schilderungen der Ausreisevorbringen liessen nach wie vor die
nötige Anschaulichkeit vermissen, nicht prononciert geltend, sein diesbe-
zügliches Unvermögen sei auf die traumatisierenden Geschehnisse an-
lässlich des Bootsunfalls in Italien zurückzuführen. Vielmehr hielt er bei-
spielhaft, dazu aufgefordert, weitere Details in Bezug auf die am 17. Juni
2018 angeblich erfolgten Schüsse der Polizei auf ihn und seinen Cousin
anzugeben, lediglich fest, sich nicht an weitere Details erinnern zu können,
da die fraglichen Ereignisse schon einige Jahre zurückliegen würden (vgl.
Akten SEM [...]-32/22 F81). Angesichts der Prägnanz der entsprechenden
Geschehnisse vermag dieser Einwand mit Blick auf die geringe Erzähl-
dichte bei der Anhörung nicht zu überzeugen. Darüber hinaus fällt auf, dass
der Beschwerdeführer in seinen Schilderungen rund um die Tötung seines
Cousins durch Polizisten keinerlei Anzeichen persönlicher Betroffenheit
bezüglich dessen Todes erkennen lässt. Seine Verlautbarung im Zusam-
menhang mit dem Bootsunglück vom 1. September 2020, immer noch un-
ter Schuldgefühlen zu leiden, weil er anderen Schiffbrüchigen nicht habe
helfen können (vgl. Akten SEM [...]-32/22 F64), zeigt demgegenüber auf,
dass er – notabene sogar in Bezug auf das traumatisierende Ereignis –
durchaus in der Lage ist, emotionale Betroffenheit bezüglich des Schick-
sals anderer Menschen zu zeigen. Auch dieser Umstand weist im Ergebnis
darauf hin, dass die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers in Be-
zug auf seinen Heimatstaat nicht auf selbst Erlebtem beruhen.
5.1.2 Weiter ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die vom Beschwerdefüh-
rer während der Anhörung geltend gemachten gesundheitlichen Probleme
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Seite 12
entgegen den Ausführungen in der Replik nicht ignoriert hat, hielt sie doch
im Rahmen der Vernehmlassung fest, dem Anhörungsprotokoll seien keine
Hinweise zu entnehmen, "dass es ihm während des erstinstanzlichen Ver-
fahrens derart schlecht ergangen sei, dass er nicht ausführlich hätte schil-
dern können". Das SEM interpretierte die vom Beschwerdeführer eingangs
der Anhörung gemachte Aussage, sein aktueller Gesundheitszustand sei
"okay" beziehungsweise "gut", indes zutreffend dahingehend, dass es ihm
trotz der am 1. September 2020 erlittenen gesundheitlichen Einbussen im
Zeitpunkt der (neun Monate später erfolgten) Anhörung durch die Schwei-
zer Asylbehörden hinreichend gut gegangen sei, um ein adäquates Aussa-
geverhalten von ihm erwarten zu dürfen. Das Gericht teilt demnach die
Einschätzung in der Beschwerde nicht, wonach die gesundheitliche Zu-
standsbeschreibung des Beschwerdeführers zu Beginn des Anhörungs-
protokolls mit "okay" beziehungsweise "gut" sei eine reine Höflichkeitsflos-
kel gewesen.
5.1.3 Vor diesem Hintergrund ist vorweg festzuhalten, dass die insgesamt
oberflächlichen und vagen Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers
im Rahmen seiner Anhörung nicht auf seine (möglicherweise bestehende)
Traumatisierung zufolge des Bootsunglücks zurückgeführt werden können,
weshalb diese als unglaubhaft zu erachten sind. Hieraus ergibt sich gleich-
zeitig, dass die in der Beschwerde vorgetragenen Präzisierungen und Ver-
dichtungen seiner angeblichen Verfolgungsvorbringen a priori und überein-
stimmend mit dem SEM als nachgeschoben beziehungsweise unglaubhaft
zu erachten sind. Damit ist mit dem SEM der Schluss zu ziehen, dass der
Beschwerdeführer bezogen auf den Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri
Lanka keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft zu machen vermochte.
5.2
5.2.1 Das SEM stellte weiter fest, es gelte zu prüfen, ob er im Falle der
Rückkehr dennoch begründete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnah-
men im Sinne von Art. 3 AsylG habe. Diese Prüfung sei gemäss dem Re-
ferenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 anhand von Risikofaktoren vorzunehmen.
Rückkehrer, die illegal ausgereist seien, über keine gültigen Identitätsdo-
kumente verfügten, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten oder
behördlich gesucht würden, würden am Flughafen zu ihrem Hintergrund
befragt. Diese Befragung allein und das allfällige Eröffnen eines Strafver-
fahrens wegen illegaler Ausreise stellten keine flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgungsmassnahme dar. Regelmässig würden Rückkehrer auch
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am Herkunftsort zwecks Registrierung, Erfassung der Identität, bis hin zur
Überwachung der Aktivitäten der Person befragt. Diese Kontrollmassnah-
men nähmen grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass an. Der Be-
schwerdeführer habe nicht glaubhaft gemacht, vor der Ausreise asylrele-
vanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Allfällige,
im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein
Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht.
Auf Nachfrage habe er angegeben, dass sein Vater zwischen 1983 und
1985 und viele seiner Cousins bei den LTTE (Liberation Tigers of Tamil
Eelam) tätig gewesen seien. Weder aus seinen Aussagen noch aus den
Akten gingen indessen Hinweise hervor, dass die sri-lankischen Behörden
vor seiner Ausreise ein Interesse an seiner Person gehabt hätten. Auch
gingen aus den Akten keine Hinweise hervor, dass das Verteilen von Flug-
blättern im Jahr 2014 oder seine Teilnahme am Märtyrergedenktag im Jahr
2015 das Interesse der heimatlichen Behörden an ihm geweckt hätten. Auf-
grund der Aktenlage sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka nunmehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt
werden sollte.
Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl könne
diese Einschätzung nicht umstossen. Mit der Wahl von Gotabaya Rajapa-
ksa zum Präsidenten und der Einsetzung sogenannter Presidential Task
Forces, die zu guten Teilen mit Personen militärischen Hintergrunds be-
setzt worden seien, gingen Befürchtungen von mehr Einschüchterungen
von Minderheiten einerseits und von Menschenrechtsaktivisten, Journalis-
ten, Oppositionellen und weiteren regierungskritischen Personen anderer-
seits einher. Tatsächlich habe die Überwachung der Zivilbevölkerung seit
den dschihadistisch motivierten Terroranschlägen an Ostern 2019 und
nochmals nach der Präsidentschaftswahl zugenommen. Dennoch bestehe
aktuell kein Anlass zur Annahme, ganze Volks- oder Berufsgruppen seien
unter Präsident Gotabaya Rajapaksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr
ausgesetzt. Voraussetzung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr auf-
grund der Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 sei ein persönli-
cher Bezug der asylsuchenden Person zu diesem Ereignis respektive des-
sen Folgen. Weder habe er die Präsidentschaftswahl respektive deren Fol-
gen als Gefährdungselement vorgebracht, noch seien den Akten Hinweise
auf eine Verschärfung seiner persönlichen Situation aufgrund dieses Er-
eignisses zu entnehmen. Die Anforderungen für die Annahme einer be-
gründeten Verfolgungsfurcht seien damit nicht gegeben.
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Seine Asylvorbringen hielten somit weder den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch denjenigen an die Glaub-
haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG stand. Er erfülle somit die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, weshalb sein Asylgesuch abzulehnen sei.
5.2.2 In der Beschwerde wird in diesem Zusammenhang geltend gemacht,
die Umstände in Sri Lanka hätten sich seit der Präsidentenwahl im Jahr
2019 für die tamilische Bevölkerung verschlechtert. Deswegen würde er
mittlerweile auch aufgrund der Inhaftierung im Jahr 2015 ins Visier der Be-
hörden geraten. Zudem sei er ein Tamile aus dem Norden, weshalb er au-
tomatisch ins Visier der sri-lankischen Sicherheitsbehörden gerate. Auf-
grund seiner Herkunft und seines Alters bestehe überdies ein Anfangsver-
dacht, dass er den LTTE nahestehe. Ausserdem besitze er keinen Reise-
pass und habe Narben im Gesicht und an den Armen. Somit erfülle er meh-
rere Risikofaktoren, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft erfülle.
5.2.3 Das SEM hält in seiner Vernehmlassung fest, es habe bereits in sei-
ner Verfügung vom 16. Juni 2021 aufgrund der zur Verfügung stehenden
Angaben des Beschwerdeführers eine eingehende Prüfung seines Risi-
koprofils vorgenommen. Somit sei betreffend die fehlenden gültigen Iden-
titätsdokumente, den Vorfall im Jahr 2015, die allgemeine Lage in Sri Lanka
wie auch seine Herkunft aus dem Norden Sri Lankas auf die erstinstanzli-
che Verfügung zu verweisen, an welcher vollumfänglich festgehalten
werde, zumal auch in der Beschwerde nicht konkret ausgeführt werde,
weshalb gerade der Beschwerdeführer ins Visier der sri-lankischen Behör-
den geraten sollte. Es würden lediglich Vermutungen aufgeführt, ohne jene
mit konkreten Anhaltspunkten zu untermauern. Betreffend die Narben des
Beschwerdeführers sei anzufügen, dass diese – im Hinblick auf fehlende
stark risikobegründende Faktoren – dessen Risikoprofil nicht derart zu
schärfen vermöchten, dass von einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfol-
gung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ausgegangen werden müsste, zu-
mal die Narben von einem Unfall auf der Flucht im September 2020 her-
rührten.
5.2.4 In der Replik wird entgegnet, den Ausführungen des SEM könne nicht
gefolgt werden. Nach dem von ihm in Sri Lanka Erlebten im Verbund mit
seinem Risikoprofil sei naheliegend, dass er bei einer Rückkehr erneut ins
Visier der Behörden geraten werde. So seien die Narben im Gesicht und
auch am restlichen Körper sehr gut sichtbar und würden bei einer Kontrolle
zweifelsohne auffallen und sein Risikoprofil zusammen mit den anderen
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Seite 15
risikobegründenden Faktoren verschärfen. Dabei spiele es keine Rolle,
woher die Narben tatsächlich stammen würden.
5.3 In Bezug auf ein allfälliges asylbeachtliches Risikoprofil des Beschwer-
deführers im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8 ist zunächst festzuhalten, dass dieser
nicht glaubhaft machen konnte, dass er vor seiner Ausreise aus Sri Lanka
wegen seiner Teilnahme an Protestkundgebungen nach der Tötung seines
Cousins durch zwei Polizisten am 17. Juni 2018 behördlich gesucht wor-
den ist.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, sein Vater und zahlreiche
Cousins hätten sich früher für die LTTE engagiert (vgl. Akten SEM [...]-
32/22 F202 bis F204 und F209), hat das SEM zu Recht festgestellt, aus
den Akten ergäben sich keine Hinweise dafür, dass die sri-lankischen Be-
hörden in diesem Zusammenhang irgendein Interesse an seiner Person
gehabt hätten (vgl. Akten SEM [...]-32/22 F210). Darüber hinaus liegen
diese Geschehnisse – so soll sich sein Vater zwischen 1983 und 1985 für
die Belange der LTTE eingesetzt haben (vgl. Akten SEM [...]-32/22 F202
bis F204) – mittlerweile zeitlich derart weit zurück, dass nicht ersichtlich ist,
weshalb dieser Umstand im Falle seiner Rückkehr nach Sri Lanka Rele-
vanz in Bezug auf seine eigene Person entfalten könnte, zumal der Be-
schwerdeführer im fraglichen Zeitpunkt noch nicht einmal geboren war.
Zu den Entwicklungen der allgemeinen politischen Lage in Sri Lanka ist
festzustellen, dass nicht erkennbar ist, wie sich diese zum heutigen Zeit-
punkt auf den Beschwerdeführer auswirken könnten. Diesbezüglich kann
auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwie-
sen werden.
Hinsichtlich des Hinweises auf die sichtbaren Narben des Beschwerdefüh-
rers teilt das Gericht die Einschätzung der Vorinstanz in ihrer Vernehmlas-
sung, dass es sich hierbei lediglich um einen schwach risikobegründenden
Faktor handelt, welcher auch in Verbindung mit der Papierlosigkeit, der ta-
milischen Ethnie und seiner Herkunft aus dem Norden Sri Lankas kein hin-
reichendes Risikoprofil erkennen lässt, um daraus seine Flüchtlingseigen-
schaft herleiten zu können. Hinzu tritt der Umstand, dass der Beschwerde-
führer seiner Brandverletzungen wegen in der Schweiz bereits seit Anfang
März 2021 medizinisch betreut wird (vgl. die vier bei den Akten befindlichen
medizinischen Datenblätter der Ors Service AG [Akten SEM {...}-16/1, {...}-
21/1, {...}-31/1 und {...}-36/1]). Den Datenblättern ist dabei unter anderem
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auch zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer sich seine Brandverlet-
zungen erst vor kurzem auf seinem Reiseweg in die Schweiz zugezogen
hat. Es dürfte demnach ohne Weiteres möglich sein, dass ihm auch nach-
träglich in einem separaten Schreiben medizinisch bestätigt werden kann,
dass seine Narben jüngeren Datums sind, womit auch der Nachweis er-
bracht werden könnte, dass diese nicht im Zusammenhang mit dem Ende
Mai 2009 zu Ende gegangenen Bürgerkrieg in Sri Lanka entstanden sind.
5.4 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Nach dem Gesagten hat das SEM zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylge-
such abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
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So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri
Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Refe-
renzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt
vieler Urteil des BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2). Es ergeben
sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise darauf, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genann-
ten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im
In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
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wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel vom November 2019 so-
wie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Der Weg-
weisungsvollzug erweist sich somit als zulässig.
7.4
7.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewalt-
vorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lanki-
schen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgehobene Aus-
nahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-
hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. dazu statt
vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.3).
7.4.3 In individueller Hinsicht macht der Beschwerdeführer psychische
Probleme geltend, die der Zumutbarkeit des Vollzugs entgegenstehen wür-
den. Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen
Gründen ist nach Lehre und konstanter Praxis dann zu schliessen, wenn
eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfü-
gung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden
Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führen
würde (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je m.w.H.).
Demgegenüber liegt eine Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs noch
nicht vor, wenn eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende
medizinische Behandlung im Heimatland möglich ist (vgl. BVGE 2011/50
E. 8.3 und BVGE 2009/2 E. 9.3.2).
7.4.4 In der Replik wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe sich
im Verlaufe des August 2021 in psychologische Behandlung begeben. Da
sein Fall indessen zunächst noch von der leitenden Ärztin der Praxis, Frau
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J._, welche sich derzeit in den Ferien befinde, beurteilt werden
müsse, werde ein entsprechendes Gespräch zwischen ihr und dem Be-
schwerdeführer erst anfangs Oktober 2021 möglich sein. Diesbezüglich ist
festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seine angebliche Traumatisie-
rung auf ein Geschehnis zurückführt, welches sich während seines Reise-
wegs von Sri Lanka in die Schweiz ereignet haben soll. Es steht somit nicht
im Zusammenhang mit seinen Asylvorbringen, welche sich im Übrigen, wie
vorstehend ausgeführt, als unglaubhaft erwiesen haben. So besehen ist
auch die Gefahr, im Falle einer Rückkehr in seiner Heimat retraumatisiert
zu werden, zu verneinen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die psychi-
schen Probleme des Beschwerdeführers nicht derart sind, dass von einer
medizinischen Notlage im Sinne der vorstehend dargelegten Rechtspre-
chung auszugehen ist. Ausserdem sind in Sri Lanka bei psychischen Er-
krankungen sowohl stationäre als auch ambulante Betreuungsmöglichkei-
ten verfügbar (vgl. Urteil BVGer E-7137/2018 vom 23. Januar 2019 E. 12.3
m.w.H.). Es liegen demnach keine medizinischen Wegweisungshinder-
nisse vor. Schliesslich steht es dem Beschwerdeführer offen, medizinische
Rückkehrhilfe – sowohl hinsichtlich einer allfälligen weiteren Versorgung
seiner Brandverletzungen als auch einer psychologischen Betreuung – in
Anspruch zu nehmen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der
Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]).
7.4.5 Auch sonst liegen keine Gründe vor, die gegen die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs sprechen. Der Beschwerdeführer stammt aus dem
Dorf B._, Distrikt Jaffna in der Nordprovinz, wohin der Vollzug der
Wegweisung grundsätzlich als zumutbar zu erachten ist. Im Weiteren ver-
fügt der Beschwerdeführer in Sri Lanka über ein familiäres Umfeld. So
habe er in seiner Heimat bis zur Ausreise gemeinsam mit seinen Eltern
sowie zwei Geschwistern in einem Haushalt gelebt (vgl. Akten SEM [...]-
32/22 F23 bis F27 und F34), mit denen er nach wie vor Kontakt unterhalte
(vgl. Akten SEM [...]-32/22 F51 f.). Darüber hinaus habe er selbst elf Jahre
lang die Schule besucht, diese mit O-Level beendet und anschliessend
zehn Jahre lang als (...) und (...) gearbeitet (vgl. Akten SEM [...]-32/22 F37
bis F40). Es ist somit nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka in eine existentielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der
Wegweisung erweist sich demnach nicht als unzumutbar.
7.5 Der Beschwerdeführer verfügt derzeit über keine gültigen Identitäts-
beziehungsweise Reisepapiere. Es obliegt ihm indessen, sich bei der zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi-
gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
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auch BVGE 2008/34 E. 12). Dem Vollzug der Wegweisung steht auch die
Corona-Pandemie nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn über-
haupt – um ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der
Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen
ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Wegweisung der Situation
in Sri Lanka angepasst wird (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e
sowie statt vieler Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9).
Der Vollzug der Wegweisung ist daher auch als möglich zu bezeichnen
(Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit
Zwischenverfügung vom 22. Juli 2021 die unentgeltliche Prozessführung
sowie – unter Vorbehalt der rechtzeitigen Benennung – die amtliche
Rechtsverbeiständung gewährt wurde und sich an den Voraussetzungen
dazu nichts geändert hat, sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
10.
Der mit Verfügung vom 6. August 2021 für das Beschwerdeverfahren amt-
lich beigeordneten Rechtsvertreterin ist ein Honorar auszurichten (vgl. für
die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die am 31. Au-
gust 2021 eingereichte Gesamtkostennote weist für das vorliegende Ver-
fahren einen totalen Zeitaufwand von 7 Stunden und 20 Minuten, Dolmet-
scherkosten von Fr. 26.40, Auslagen in Höhe von Fr. 4. – sowie eine Dos-
siereröffnungspauschale von Fr. 50. – auf. Der Aufwand erscheint in zeitli-
cher Hinsicht als knapp angemessen. Generelle Pauschalen werden in-
dessen praxisgemäss nicht vergütet, sondern nur effektiv ausgewiesene
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Kosten entschädigt. Für das Beschwerdeverfahren ist der amtlich beige-
ordneten Rechtsvertreterin somit zulasten des Gerichts ein amtliches Ho-
norar in Höhe von Fr. 1'130.– (gerundet) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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