Decision ID: e430deeb-5abb-40ce-bdc6-05e77efa4553
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Hehlerei
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Einzelgericht in Strafsachen, vom 22. Mai 2019 (GG190001)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 11. Februar
2019 (Urk. 33) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der mehrfachen Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu CHF 60.– (entsprechend CHF 3'000.–), wovon 1 Tagessatz als durch Haft erstanden gilt.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei
Jahre festgesetzt.
4. Die Privatklägerin wird zur Geltendmachung ihrer Zivilforderung auf den
Weg des ordentlichen Zivilprozesses verwiesen.
5. Auf den Antrag, das über den Beschuldigten erstellte DNA-Profil sei zu lö-
schen, wird nicht eingetreten.
6. Der Antrag der Staatsanwaltschaft, die mit Verfügung der Staatsanwalt-
schaft II des Kantons Zürich vom 9. Januar 2019 beschlagnahmte Barschaft
von CHF 4'370.– sei zur Deckung der Geldstrafe, Busse und Verfahrenskos-
ten zu verwenden, wird abgewiesen.
Die Bezirksgerichtskasse wird angewiesen, dem Beschuldigten nach Eintritt
der Rechtskraft auf erstes Verlangen den Betrag von CHF 4'370.– auf ein
vom Beschuldigten zu bezeichnendes schweizerisches Konto auszubezah-
len.
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7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 1'800.– die weiteren Kosten betragen
CHF 2'100.– Gebühren und Auslagen für das Vorverfahren
CHF 225.– Übersetzungskosten
CHF 4'125.– Kosten total.
8. Die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Hauptverfahrens
werden mit Ausnahme der Übersetzungskosten dem Beschuldigten aufer-
legt. Die Übersetzungskosten von CHF 225.– werden auf die Staatskasse
genommen.
9. Dem Beschuldigten wird weder eine Entschädigung noch eine Genugtuung
zugesprochen.
Berufungsanträge:
a) Der erbetenen Verteidigung:
(Urk. 74 S. 2; Urk. 93 S. 1 f.)
Dispositivziffern 1 bis 4 sowie 7 bis 9 des vorinstanzlichen Urteils und die
Verfügung vom 22.5.2019 des Einzelgerichts in Strafsachen des Bezirksge-
richts Meilen (Geschäfts-Nr.: GG190001) seien vollumfänglich aufzuheben,
und es sei wie folgt zu entscheiden:
Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Hehlerei vollumfänglich freizu-
sprechen.
Dem Beschuldigten sei für die erstandene Haft eine angemessene Ge-
nugtuung zuzusprechen.
Auf die Zivilklage sei nicht einzutreten. Eventualiter sei die Zivilklage
vollumfänglich abzuweisen, subeventualiter sei die Zivilklage auf den
Zivilweg zu verweisen.
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Die Kosten der Strafuntersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens so-
wie des vorliegenden Berufungsverfahrens, einschliesslich der Kosten der
erbetenen Verteidigung im erstinstanzlichen Verfahren und der erbetenen
Verteidigung im vorliegenden Berufungsverfahren (zzgl. MwSt.), seien auf
die Staatskasse zu nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 78, schriftlich, sinngemäss)
Verzicht auf Anschlussberufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils.
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Erwägungen:
I. Gegenstand des Berufungsverfahrens und Prozessuales
1. Mit Urteil und Verfügung des Bezirksgerichtes Meilen, Einzelgericht in Straf-
sachen, vom 22. Mai 2019 wurde der Beschuldigte der mehrfachen Hehlerei im
Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen und mit einer beding-
ten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 60.–, wovon 1 Tagessatz als durch Haft
erstanden gilt, bestraft, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren. Die Privat-
klägerin wurde mit ihren Zivilansprüchen auf den Weg des Zivilprozesses verwie-
sen. Auf den Antrag betreffend Löschung des über den Beschuldigten erstellten
DNA-Profils wurde nicht eingetreten, und der Antrag der Staatsanwaltschaft be-
treffend Verwendung der beschlagnahmten Barschaft von Fr. 4'370.– zur De-
ckung der Geldstrafe, Busse und Verfahrenskosten wurde abgewiesen. Ferner
wurde die Bezirksgerichtskasse angewiesen, dem Beschuldigten nach Eintritt der
Rechtskraft auf erstes Verlangen den Betrag von Fr. 4'370.– auf ein vom Be-
schuldigten zu bezeichnendes schweizerisches Konto auszubezahlen. Die Kosten
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des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens mit Ausnahme der Überset-
zungskosten wurden dem Beschuldigten auferlegt (Urk. 69 S. 29 f.).
2. Gegen das Urteil meldete die damalige erbetene Verteidigung des Be-
schuldigten mit Eingabe vom 3. Juni 2019 Berufung an (Urk. 63). Mit Eingabe
vom 3. Oktober 2019 reichte die erbetene Verteidigung fristgerecht die Beru-
fungserklärung ein (Urk. 74). Der Beschuldigte ficht das vorinstanzliche Urteil mit
Ausnahme der Dispositivziffern 5 (Nichteintreten auf den Antrag betreffend Lö-
schung DNA-Profil) und 6 (Herausgabe beschlagnahmte Barschaft) vollumfäng-
lich an und beantragt einen Freispruch vom Vorwurf der mehrfachen Hehlerei
(Urk. 74 S. 2; Urk. 93 S. 1 f.). Weiter beantragte er die Anordnung des schriftli-
chen Verfahrens, eventualiter die Dispensation von der Teilnahme an der Beru-
fungsverhandlung, und er stellte den Beweisantrag auf Zeugeneinvernahme von
B._, eventualiter dessen Befragung als Auskunftsperson (Urk. 74 S. 3).
3. Mit Präsidialverfügung vom 9. Oktober 2019 wurden die Gesuche der Ver-
teidigung um Durchführung des schriftlichen Verfahrens, eventualiter um Dispen-
sation des Beschuldigten von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung, ab-
gewiesen (Urk. 76). Innert der mit dieser Präsidialverfügung angesetzten Frist teil-
te die Staatsanwaltschaft ihren Verzicht auf Anschlussberufung mit und beantrag-
te die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 76; Urk. 78). Die Privatkläge-
rin liess sich nicht vernehmen. Mit Eingabe vom 28. Oktober 2019 liess der Be-
schuldigte das ausgefüllte Datenerfassungsblatt samt Beilagen einreichen
(Urk. 79; Urk. 80/1-9).
4. Mit Präsidialverfügungen vom 22. Januar und 12. Februar 2020 wurden die
polizeiliche Einvernahme von B._ vom 3. Februar 2017 sowie die Akten des
Verfahrens gegen B._ betreffend Diebstahl etc. (Geschäfts-Nr. STR A-
5/2016/10041300) beigezogen (Urk. 82; Urk. 84-86; Urk. 89).
5. Der Beweisantrag des Beschuldigten betreffend Einvernahme von B._
als Zeuge/Auskunftsperson wurde mit Präsidialverfügung vom 4. März 2020
einstweilen abgewiesen (Urk. 90). Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, erübrigt
sich die Abnahme weiterer Beweismittel durch die Berufungsinstanz (Erw. I.8 ff.).
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6. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft
des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Der Beschuldig-
te beantragt einen Freispruch unter entsprechender Regelung der Kosten- und
Entschädigungsfolgen; die Dispositivziffern 5 und 6 des vorinstanzlichen Urteils
und der Verfügung blieben unangefochten (Urk. 74 S. 2; Urk. 93 S. 1 f.). Vorab ist
somit festzustellen, dass das Urteil und die Verfügung der Vorinstanz bezüglich
der Dispositivziffern 5 (Nichteintreten auf den Antrag betreffend Löschung DNA-
Profil) und 6 (Herausgabe beschlagnahmte Barschaft) in Rechtskraft erwachsen
sind.
7. Das vorliegende Berufungsverfahren wird zusammen mit demjenigen gegen
den Sohn des Beschuldigten, C._ (Geschäfts-Nr. SB190444), geführt.
8. Gemäss Art. 172ter StGB liegt ein geringfügiges Vermögensdelikt vor, wenn
sich die Tat nur auf einen geringen Vermögenswert oder auf einen geringen
Schaden richtet. In diesem Fall wird der Täter auf Antrag mit Busse bestraft.
Art. 172ter StGB begründet einen privilegierenden Tatbestand, durch welchen
Verbrechen oder Vergehen im Falle der Geringfügigkeit zu Übertretungen
(Art. 103 StGB) werden. Der Grenzwert für die Annahme eines geringen Vermö-
genswertes oder eines geringen Schadens wurde gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung auf Fr. 300.– festgesetzt (DONATSCH, in: DONATSCH/HEIMGART-
NER/ISENRING/WEDER, StGB Kommentar, 20. Aufl., Zürich 2018, StGB 172ter N 1
ff.; BGE 121 IV 261 E. 2.d; BGE 123 IV 113 E. 3.d). Die Strafverfolgung und die
Strafe verjähren bei Übertretungen nach drei Jahren (Art. 109 StGB). Gemäss
Art. 172ter StGB wird der Täter nur auf Antrag der verletzten Person (Art. 30
Abs. 1 StGB) verfolgt (Art. 303 Abs. 1 StPO). Der gültige Strafantrag stellt nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine Prozessvoraussetzung dar (BGE 136 III
502 E. 6.3.2), deren Vorliegen von Amtes wegen zu prüfen ist. Entsprechend ist
auch der Nachweis zu erbringen, dass die Frist eingehalten ist. Die Antragsfrist
beträgt drei Monate ab dem Tag, an welchem der antragsberechtigten Person der
Täter bekannt wird (Art. 31 StGB), wobei für die Fristwahrung die Grundsätze von
Art. 91 StPO gelten (RIEDO, in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar Straf-
recht I, 4. Aufl., Basel 2019, N 37 zu Art. 31 StGB).
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8.1. In der Anklageschrift vom 11. Februar 2019 wird zusammengefasst festge-
halten, der Beschuldigte habe von D._ im Zeitraum vom 31. Oktober 2015
bis 3. Februar 2017 beim Restaurant "Pizzeria E._" in F._ zu nicht nä-
her bekannten Zeitpunkten in insgesamt 15-17 Fällen jeweils ca. vier mit Bier ge-
füllte 20-Liter-Gebindetanks, insgesamt 60-68 Gebindetanks, im Wert von je Fr.
110.– zum Preis von Fr. 50.– pro Tank gekauft, wofür er D._ den Kaufpreis
jeweils in bar entrichtet habe (insgesamt Fr. 3'000.– bis Fr. 3'400.–). Insbesonde-
re habe der Beschuldigte von D._ am 3. Februar 2017 sechs solche Bier-
tanks zum Kaufpreis von Fr. 300.– gekauft. Diese 60-68 Biertanks seien zuvor
von D._ bei dessen Arbeitgeberin der G._ AG entwendet worden. Auf-
grund des sehr tiefen Kaufpreises und des Umstandes, dass diese günstigeren
Lieferungen im Unterschied zu den ordentlichen nicht gegen Rechnung der
G._ AG, sondern gegen Barzahlung an D._ erfolgt seien, habe der Be-
schuldigte gewusst oder zumindest davon ausgehen müssen, dass diese Bier-
tanks aus deliktischer Herkunft stammen würden. Der Beschuldigte habe sich
dadurch der mehrfachen Hehlerei schuldig gemacht (Urk. 33 S. 2).
8.2. Die erbetene Verteidigung macht geltend, dem Beschuldigten würden ge-
mäss Anklageschrift lediglich einzelne und in unregelmässigen Abständen erfolg-
te Barkäufe während einer langen Deliktsdauer vorgeworfen werden, wobei es
keine Anhaltspunkte für eine Planmässigkeit gebe. Der Vorwurf der Gewerbs-
mässigkeit sei korrekterweise nicht erhoben worden. Nach dem Grundsatz "in du-
bio pro reo" und angesichts des Umstandes, dass es sich um geringfügige Ver-
mögensdelikte im Sinne von Art. 172ter StGB handeln würde, sei zugunsten des
Beschuldigten nicht von einem fortgesetzten Delikt, sondern von einzelnen Über-
tretungen auszugehen, welche gestützt auf Art. 109 StGB nach drei Jahren ver-
jähren würden. Der Anklagesachverhalt beziehe sich auf den Zeitraum vom
31. Oktober 2015 bis 3. Februar 2017 zu nicht näher bestimmten Zeitpunkten. Der
angefochtene Entscheid datiere vom 22. Mai 2019. Allfällig strafrechtlich relevante
Handlungen vor dem 22. Mai 2016 seien damit im Zeitpunkt der Urteilsfällung be-
reits verjährt gewesen, wobei zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen
sei, dass dies sämtliche Vorwürfe mit Ausnahme desjenigen vom 3. Februar 2017
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betreffe. Bereits aus diesem Grund sei der Beschuldigte freizusprechen (Urk. 93
S. 20 f.).
8.3. Die Anklageschrift umschreibt kein mittäterschaftliches Vorgehen des Be-
schuldigten zusammen mit C._, sondern der Sachverhalt stellt sich gemäss
Anklageschrift so dar, dass D._ Biertanks zu einem vergünstigten Preis an-
geboten habe, welche vom Beschuldigten im Zeitraum vom 31. Oktober 2015 bis
3. Februar 2017 zu nicht näher bekannten Zeitpunkten eine bestimmte Anzahl
Male gegen Barzahlung gekauft worden seien. Die Anklage umschreibt als solche
nicht mehrfache Übertretungshandlungen, sondern die anklagegegenständlichen
Handlungen werden im Sinne eines fortgesetzten Deliktes umschrieben. Hinsicht-
lich der subjektiven Tatbestandselemente lassen sich der Anklageschrift aller-
dings keine weiteren Angaben entnehmen. Insbesondere wird dem Beschuldigten
nicht explizit vorgeworfen, er habe einen einmaligen Entschluss gefasst, von
D._ bei jeder sich bietenden Gelegenheit die von diesem angebotenen ver-
günstigten Biertanks zu kaufen. Es fehlt somit an der Umschreibung eines sämtli-
che Barkäufe umfassenden Vorsatzes des Beschuldigten.
8.4. Auch den Akten und insbesondere den Aussagen von D._ lassen sich
keine Anhaltspunkte entnehmen, welche auf einen einheitlichen Willensakt des
Beschuldigten hinsichtlich sämtlicher Barkäufe schliessen lassen würden. Aus
den Aussagen von D._ geht vielmehr hervor, dass dieser die gestohlenen
Biertanks dem Beschuldigten jeweils direkt vor Ort ohne vorgängige Absprache
zu einem vergünstigten Preis zum Kauf angeboten haben soll, was auf einen un-
geplanten und unregelmässigen Verkauf solcher Biertanks hindeuten würde. So
führte D._ anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 3. Februar 2017
aus, er habe das Restaurant Pizzeria E._ betreten und sei mit dem Chef in
den Keller gegangen. Dort habe er diesem gesagt, dass er noch 6 Tanks zusätz-
lich verkaufen könne. Dieser habe dann ja gesagt. Er habe diesem im November
schon einmal so Tanks verkauft (Urk. 2/1 S. 3). Weiter führte er aus, er habe die
Tanks bei der Lieferung immer direkt mündlich angeboten, und auf die Frage, ob
er bereits früher gestohlene Tanks an das Restaurant Pizzeria E._ geliefert
habe, bestätigte er, dass er das getan habe. Er könne es nicht genau sagen, es
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sei immer wieder vorgekommen, dass bei der Auslieferung bei anderen Betrieben
Tanks vergessen gegangen seien, welche er dann jeweils zum Kauf angeboten
habe (Urk. 2/1 S. 3 f.). Er liefere seit ca. zwei bis drei Jahren an das Restaurant
Pizzeria E._, und seit dieser Zeit verkaufe er dort auch Tanks "schwarz", das
heisst solche, die er aus dem Lager gestohlen habe, und solche, die er vergessen
habe, an andere Kunden auszuliefern. Diese habe er dann einfach dem Chef vom
Restaurant Pizzeria E._ zum Preis von Fr. 50.– angeboten (Urk. 2/1 S. 4,
Antw. auf Frage 31). Anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 11. Juli 2018 bestä-
tigte D._ erneut, dem Beschuldigten und C._ bereits früher solche güns-
tigen Tanks gegen Barzahlung verkauft zu haben. Diese Tanks habe er auch im-
mer im Lager gestohlen und dann für Fr. 50.– pro Tank verkauft. Er habe mit dem
Beschuldigten und C._ nie darüber gesprochen, woher diese Biertanks
stammen würden. Das erste Mal habe er den Beschuldigten gefragt, ob dieser
Tanks wolle für Fr. 50.–. Mehr habe er nicht gesagt. So habe es angefangen. Er
habe den beiden einfach gesagt, dass dies gegen Barzahlung sei. Wahrscheinlich
habe für die beiden einfach der Preis gepasst. Sie hätten aber nicht weiter dar-
über gesprochen (Urk. 2/5 S. 5 f.). Weiter bestätigte er, dass er entweder dem
Beschuldigten oder C._ jeweils vor Ort gesagt habe, wenn er Biertanks üb-
riggehabt habe (Urk. 2/5 S. 7).
8.5. Mangels anders lautender Umschreibung in der Anklageschrift sowie ge-
stützt auf die Aussagen von D._ ist zugunsten des Beschuldigten (Art. 10
Abs. 3 StPO) davon auszugehen, dass allfällige Barkäufe von vergünstigten Bier-
tanks jeweils zufällig erfolgt wären und zudem massgeblich davon abhängig ge-
wesen wären, wann D._ solche Biertanks bei der Privatklägerin stehlen
konnte, wie dessen Liefertour gewesen war, respektive ob dieser bei seiner An-
kunft im Restaurant Pizzeria E._ überhaupt noch solche Biertanks übrig ge-
habt hatte, welche er dem Beschuldigten zu einem vergünstigten Preis zum Ver-
kauf hätte anbieten können, insbesondere da D._ drei Restaurants als an-
gebliche Abnehmer dieser vergünstigten Biertanks bezeichnet hatte (vgl. Urk. 2/1
S. 5 f.). Aus den Aussagen von D._ liesse sich somit nicht schliessen, der
Beschuldigte habe mit dem regelmässigen Verkauf solcher Biertanks rechnen
können. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte vorgängig nicht
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hätte wissen können, ob D._ ihm bei der nächsten Getränkelieferung wieder
zusätzliche Biertanks zum Verkauf anbieten würde, insbesondere da es gemäss
den Aussagen von D._ zu keinerlei Absprachen zwischen ihm und dem Be-
schuldigten gekommen sein soll. Der Verkauf von vergünstigten Biertanks wäre
demzufolge spontan erfolgt und nicht planmässig einem fixen Lieferrhythmus fol-
gend.
8.6. Entsprechend ist auch davon auszugehen, dass der Beschuldigte bei jeder
sich bietenden Gelegenheit einen neuen Entschluss hätte fassen müssen,
D._ die gestohlenen Biertanks zu einem vergünstigten Preis gegen Barzah-
lung abzukaufen. Dadurch liessen sich die dem Beschuldigten in der Anklage-
schrift vorgeworfenen Handlungen auch nicht als Verbrechen – zusammengesetzt
aus einer Reihe diverser Barkäufe – qualifizieren, sondern die anklagegegen-
ständlichen Handlungen wären angesichts der jeweils geringen Deliktssummen
(gemäss Anklageschrift pro Kauf 4 Biertanks mit einer Deliktssumme von
Fr. 240.– sowie am 3. Februar 2016 eine Deliktssumme von Fr. 300.–) als einzel-
ne Übertretungen im Sinne von Art. 172ter StGB zu qualifizieren. Die einzelnen
Deliktsbeträge liessen sich auch nicht zu einem Gesamtdeliktsbetrag aufaddieren,
da diese Möglichkeit nur dann besteht, wenn eine strafbare Handlung im Sinne
einer natürlichen Handlungseinheit vorliegt, was dann der Fall ist, wenn das ge-
samte, auf einem einheitlichen Willensakt (einmaliger Entschluss) beruhende an-
gebliche Tätigwerden des Täters kraft eines engen räumlichen und zeitlichen Zu-
sammenhangs der Einzelakte bei natürlicher Betrachtungsweise objektiv noch als
ein einheitliches zusammengehörendes Geschehen erscheint (vgl. BGE 118 IV
91 E. 4a). Diese Voraussetzungen wären ohnehin nicht gegeben, da keine An-
haltspunkte vorliegen, die beim Beschuldigten auf einen allfällig einheitlichen Wil-
lensakt hinsichtlich sämtlicher Barkäufe schliessen lassen würden und ihm dies
gemäss Anklageschrift so auch nicht explizit zur Last gelegt wird. Die anklagege-
genständlichen Barkäufe wären folglich als geringfügige Vermögensdelikte im
Sinne von Art. 172ter StGB und damit als mehrfache Übertretungen zu qualifizie-
ren.
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8.7. Da bei Übertretungen gemäss Art. 109 StGB eine Verjährungsfrist von
3 Jahren gilt, wären bei Fällung des erstinstanzlichen Urteils am 22. Mai 2019 all-
fällig strafrechtlich relevante Handlungen des Beschuldigten, welche in der Zeit
vor dem 22. Mai 2016 stattgefunden hätten, bereits verjährt gewesen. Die Ankla-
geschrift umschreibt einen Zeitraum vom 31. Oktober 2015 bis 3. Februar 2017, in
welchem D._ dem Beschuldigten gestohlene Biertanks zu einem vergünstig-
ten Preis verkauft haben soll. Genaue Angaben darüber, an welchen Tagen sol-
che Übergaben jeweils sattgefunden haben sollen, lassen sich aber weder der
Anklageschrift noch den Aussagen von D._ entnehmen. So führte D._
anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 3. Februar 2017 aus, dass der
Chef des Restaurants Pizzeria E._ der ältere Herr sei und er diesem viel-
leicht 15, 16 oder 17 Mal zusätzliche Waren verkauft habe (Urk. 2/1 S. 4, Antw.
auf Fragen 33 ff.). Abgesehen von einem angeblichen Verkauf am 3. Februar
2017 machte D._ keine weiteren Datumsangaben, sondern führte lediglich
aus, er habe dem Beschuldigten im November schon einmal solche Tanks ver-
kauft und bestätigte, dass er bereits früher gestohlene Tanks an das Restaurant
Pizzeria E._ geliefert habe (vgl. Urk. 2/1 S. 3 f.). Hinsichtlich der weiteren an-
klagegegenständlichen Barkäufe konnte D._ keine genauen Daten mehr re-
konstruieren. Mangels entsprechender Hinweise in den Akten und aufgrund der
Aussagen von D._ lassen sich die dem Beschuldigten zur Last gelegten Bar-
käufe – mit Ausnahme des angeblichen Vorfalls vom 3. Februar 2017 – zeitlich
nicht nach dem 22. Mai 2016 einordnen, sodass zu dessen Gunsten (Art. 10
Abs. 3 StPO) davon auszugehen ist, dass diese vor dem 22. Mai 2016 stattgefun-
den hätten. Entsprechend wären sämtliche angeblichen Bierkäufe – mit Ausnah-
me desjenigen vom 3. Februar 2017 – im Zeitpunkt der vorinstanzlichen Urteilsfäl-
lung bereits verjährt gewesen, weshalb das Verfahren diesbezüglich einzustellen
ist.
8.8. Der zeitlich letzte anklagegegenständliche Verkauf von sechs vergünstigten
Biertanks zum Preis von Fr. 300.– konnte D._ in seinen Einvernahmen stets
einem genauen Datum zuordnen. So führte er anlässlich seiner polizeilichen Ein-
vernahme vom 3. Februar 2017 aus, er habe heute beim Restaurant Pizzeria
E._ angehalten und dort mit dem Chef gesprochen, welchen er gut kenne.
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Diesem habe er erzählt, dass er zur regulären Lieferung zusätzlich noch 6 Tanks
habe, welche dieser ihm abkaufen könne. Regulär seien 10 Tanks und Harassen
bestellt worden. Er habe dann 16 Tanks und die Harassen abgeliefert (Urk. 2/1
S. 2 f.). Das Geld für die Tanks von heute betrage Fr. 300.– und sei ihm von der
Polizei abgenommen worden. Dieses sei in seiner Hosentasche gewesen
(Urk. 2/1 S. 3). Diesen angeblichen Verkauf von sechs zusätzlichen Biertanks am
3. Februar 2017 an den Beschuldigten bestätigte D._ auch anlässlich seiner
Zeugeneinvernahme vom 11. Juli 2018, indem er auf die Frage, welches zusätzli-
che Angebot er am 3. Februar 2017 dem Chef des Restaurants Pizzeria E._,
dem Beschuldigten, gemacht habe, ausführte, er habe diesem 6 Gebindetanks
verkauft (Urk. 2/5 S. 5, Antw. auf Frage 24). 4 Tanks habe er geklaut, und wahr-
scheinlich habe er bei einem anderen Kunden vergessen, die zwei weiteren
Tanks abzuladen. Deshalb habe er diese Tanks ebenfalls dem Beschuldigten
verkauft. Er habe diesem die Tanks für Fr. 50.– pro Tank, also insgesamt
Fr. 300.– verkauft (Urk. 2/5 S. 5). Richtet sich die Tat nur auf einen geringen Ver-
mögenswert, wird der Täter lediglich auf Antrag hin verfolgt (Art. 172ter StGB; vgl.
vorstehend, Erw. I.8.). Die Anzeige der Privatklägerin vom 29. August 2016 erging
im Zusammenhang mit dem Diebstahl diverser Getränke aus dem Grosslager,
mehrheitlich 20-Liter-Haldengutgebindetanks, Hehlerei sowie Betrug, richtete sich
anfänglich aber gegen eine unbekannte Täterschaft, später gegen D._ und
B._ (Urk. 89/1 und Urk. 89/2). Die Anzeige richtete sich zu diesem Zeitpunkt
weder explizit gegen den Beschuldigten noch wurde dieser als angeblicher Täter
von dieser Anzeige mitumfasst. Mit Formular zur Geltendmachung von Rechten
als Privatklägerschaft vom 15. März 2017 hat die Privatklägerin zwar Zivilklage
erhoben und sich insbesondere als Privat- und Strafklägerin konstituiert, womit
ein Strafantrag vorgelegen hat, dieser richtete sich aber ebenfalls nur gegen
D._ und B._ und nicht gegen den Beschuldigten (Urk. 89/15/2). Bei den
Akten befindet sich erst ein viel später ausgefülltes Formular der Privatklägerin
zur Geltendmachung ihrer Rechte betreffend den Beschuldigten. Dieses datiert
vom 17. Mai 2018 (Urk. 16/2) und ist erst rund zwei Jahre nach Anzeigeerstattung
(29. August 2016) ergangen. Die dreimonatige Antragsfrist gegen den Beschul-
digten ist mit Formular vom 17. Mai 2018 (Urk. 16/2) nicht mehr gewahrt (Art. 31
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StGB), womit es an einer Prozessvoraussetzung fehlt. Entsprechend hat auch im
Hinblick auf den angeblichen Kauf von sechs zusätzlichen Biertanks am
3. Februar 2017 mangels Vorliegens eines gültigen Strafantrages die Einstellung
des Verfahrens zu erfolgen.
8.9. Das Verfahren gegen den Beschuldigten betreffend mehrfache Hehlerei im
Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB ist somit einzustellen.
II. Zivilansprüche
Die Privatklägerin macht eine Schadenersatzforderung in der Höhe von
Fr. 5'850.– geltend (Urk. 50; Urk. 51/2). Das Verfahren gegen den Beschuldigten
betreffend mehrfache Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB wird ein-
gestellt, sodass auf das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin ausgangsge-
mäss nicht einzutreten ist.
III. Genugtuung
Gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO hat die beschuldigte Person, gegen welche
das Verfahren eingestellt wird, Anspruch auf eine Genugtuung für besonders
schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Frei-
heitsentzug. Der Beschuldigte befand sich einen Tag in Haft (Urk. 8/2), wofür ihm
eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 300.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen
ist.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die erstinstanzliche Kostenaufstellung (Dispositivziffer 7) ist zu bestätigen.
Ausgangsgemäss sind die Kosten der Untersuchung und beider Gerichtsverfah-
ren auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 StPO und Art. 428 StPO). Von der
Ansetzung einer Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist abzusehen.
2. Die vom Beschuldigten beantragte Entschädigung für Verteidigungskosten
im Berufungsverfahren in der Höhe von Fr. 14'254.50 respektive der geltend ge-
machte Aufwand von insgesamt rund 52 Stunden (Urk. 95) erweist sich unter Be-
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rücksichtigung der Schwierigkeit des vorliegenden Falls und angesichts des ge-
ringen Aktenumfangs als nicht angemessen. Die Entschädigung ist entsprechend
zu kürzen, insbesondere auch unter Berücksichtigung, dass dieses Verfahren so-
wie das gleichzeitig geführte Berufungsverfahren gegen C._ etwa den glei-
chen Aufwand verursacht haben. Gestützt auf den vertretbaren Aufwand für die-
sen Fall ist die Entschädigung für das Berufungsverfahren auf Fr. 8'000.– festzu-
setzen. Für den Aufwand vor Vorinstanz wird eine Entschädigung in der Höhe von
Fr. 3'742.60 geltend gemacht (vgl. Urk. 54), welche sich als angemessen erweist.
Dem Beschuldigten ist gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO für die Kosten sei-
ner erbetenen Verteidigung somit eine Entschädigung von Fr. 11'742.60 für das
gesamte Verfahren aus der Gerichtskasse zuzusprechen.