Decision ID: 80d80b9c-f3ed-41d1-a4b5-7867a6f212ff
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war als Verpackerin bei der B._ AG angestellt
und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva)
gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie am 23. Oktober 2012 beim
Hinuntersteigen von einer Beistelltreppe mit drei Tritten ausrutschte und auf das
Gesäss fiel (Suva-act. 1; vgl. auch Suva-act. 9, 111/2). Die Erstbehandlung fand am 25.
Oktober 2012 im Spital C._ statt. Der zuständige Arzt diagnostizierte im
Untersuchungsbericht vom 25. Oktober 2012 nach einer digitalen rektalen
Untersuchung (DRU) und einer Röntgenuntersuchung des Beckens eine Fraktur des Os
sacrum distal und attestierte der Versicherten bis 30. Oktober 2012 eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 9). Die Weiterbehandlung erfolgte durch den Hausarzt Dr.
med. D._, Allgemeine Medizin FMH, konservativ medikamentös und mit
Physiotherapie (Suva-act. 10, 13, 16). Die Suva erbrachte Taggeldleistungen und kam
für die Heilungskosten auf (Suva-act. 3 f.).
A.b Im ärztlichen Zwischenbericht vom 5. Dezember 2012 beschrieb Dr. D._
gegenwärtige hartnäckige Schmerzen sakral mit Ausstrahlung in beide Hüften, eine
eingeschränkte Seitneigung nach links sowie eine Verkürzung der Hamstrings (Suva-
act. 13). Am 10. Dezember 2012 nahm die Versicherte ihre Arbeit wieder zu 50% auf
(Suva-act. 14). Wegen einer Schmerzexazerbation begab sie sich am 21. Februar 2013
erneut ins Spital C._, wo ihr wiederum eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit bis 25.
Februar 2013 attestiert wurde (Suva-act. 25). Dr. D._ verlängerte diese anlässlich
einer Konsultation vom 25. Februar 2013 (Suva-act. 27). Ausserdem wies er die
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Versicherte für eine MRT-Untersuchung des Beckens und der LWS dem
Röntgeninstitut E._ zu. Besagte Untersuchung fand am 27. Februar 2013 statt und
zeigte einen diskreten Reizzustand des Os sacrum, eine bulging disc sowie eine
moderate Spondylarthrose L4/5 und L5/S1. Nicht ausgemacht werden konnten eine
kompressive Diskushernie und ein pelvines Hämatom (Suva-act. 28). Ab dem 5. März
2013 schrieb Dr. D._ die Versicherte wieder zu 50% arbeitsfähig (Suva-act. 27). Am
18. März 2013 wurde sie in der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates des Kantonsspitals St. Gallen (nachfolgend: KSSG) klinisch
untersucht. Deren Ärzte hielten im Untersuchungsbericht vom 21. März 2013
fortdauernde Druckschmerzen im Bereich der alten Sacrumfraktur fest, erachteten
jedoch aus orthopädischer Sicht eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit als gegeben (Suva-act.
31). Dr. D._ bestätigte der Versicherten weiterhin eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit
(Suva-act. 35, 38, 42, 45, 50).
A.c Am 19. April 2013 wurde die Versicherte durch Dr. med. F._, Neurochirurgie
FMH, Zentrum G._ untersucht, der hartnäckige sacrale Beschwerden bei einem
Status nach Sacrum-Querfraktur am 25. (richtig: 23.) Oktober 2012 und aktuell einen
Verdacht auf facettogene Schmerzen bei Lokalsyndrom mit Druck- und Klopfdolenz
über den Facettengelenken LW3/4 bis lumbosacral beidseits diagnostizierte (Suva-act.
62).
A.d Am 6. Mai 2013 fand eine kreisärztliche Untersuchung durch Dr. med. H._,
Facharzt für Chirurgie FMH, statt. Die Versicherte klagte über persistierende
Dauerschmerzen, hauptsächlich beim Sitzen, aber auch in beide Beine ausstrahlend.
Dr. H._ erhob objektiv einen starken Druckschmerz im Bereich des Os sacrum, ein
beidseits positives Mennell-Zeichen sowie muskuläre Verspannungen im Bereich des
thoracolumbalen Übergangs und veranlasste eine CT-Untersuchung des Beckens im
Röntgeninstitut E._ mit der Fragestellung „Fraktur knöchern konsolidiert? Anhalt für
Pseudoarthrose? Sonstige pathologische Veränderung im Bereich des
Beckens?“ (Suva-act. 54, 57). Die Untersuchung wurde am 14. Mai 2013 durchgeführt.
Es zeigten sich eine knöchern konsolidierte Os sacrum Fraktur ohne Hinweise auf eine
Pseudoarthrose, eine Subluxation des Steissbeinsegementes 2/3, leichtgradige
Spondylarthrosen sowie eine leichtgradige Arthrose der Symphyse (Suva-act. 57). Nun
betrachtete Dr. H._ am 4. Juni 2013 eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit als möglich
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und empfahl unter Hinweis auf das Bekanntsein möglicherweise längere Zeit
persistierender Schmerzen nach einer Sacrumfraktur eine sukzessive Steigerung um
jeweils 10% in zweiwöchigen Abständen (Suva-act. 58). Die Beschwerdegegnerin teilte
der Versicherten hierauf mit Schreiben vom 5. Juni 2013 mit, dass die Arbeitsfähigkeit
ab 10. Juni 2013 auf 60% und ab 24. Juni 2013 auf 70 % festgelegt und das Taggeld
auf dieser Basis ausgerichtet werde (Suva-act. 68, vgl. auch 71, 76). Mit Schreiben vom
1. Juli 2013 setzte die Suva die Versicherte darüber in Kenntnis, dass die
Arbeitsfähigkeit ab 15. Juli 2013 auf 100% festgelegt werde. Bis dahin bestehe
weiterhin eine 30%-ige Arbeitsunfähigkeit bzw. ein entsprechender Anspruch auf
Taggelder. Per 15. Juli 2013 würden somit die Taggeldleistungen eingestellt. Für die
Kosten der noch notwendigen Behandlung werde weiterhin aufgekommen (Suva-act.
77).
A.e Vom 12. bis 14. August 2013 bescheinigte Dr. D._ der Versicherten wiederum
eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit und ab 15. August 2013 eine solche von 50% (Suva-
act. 84, 87). Am 20. August 2013 folgte durch die Arbeitgeberin der Versicherten eine
als Rückfall bezeichnete Schadenmeldung zum Unfall vom 25. (richtig: 23.) Oktober
2012 (Suva-act. 85). Mit Schreiben vom 22. August 2013 forderte die Suva Dr. D._
auf, seine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen zu begründen (Suva-act. 88). Der
Hausarzt erklärte am 26. August 2013, dass die Beschwerden am 16. August 2013
immer noch persistiert hätten und eine Arbeitsaufnahme zu 50% habe erfolgen können.
Aufgrund des chronischen Verlaufs sei eine Anmeldung beim Schmerzzentrum des
Spitals C._ veranlasst worden. Es scheine ihm eine weitere kreisärztliche
Untersuchung erforderlich (Suva-act. 89). Am 12. September 2013 erfolgte im Auftrag
der Suva eine weitere MRT-Untersuchung der LWS im Röntgeninstitut E._. Sie
förderte die bulging disc L4/5 und L5/S1, mässige Spondylarthrosen sowie
leichtgradige discoossäre foraminale Stenosen zutage. Eine Neurokompression konnte
nicht ausgemacht werden und die Darstellung des Os sacrum war reizlos (Suva-act.
96). Am 18. September 2013 teilte die Suva der Versicherten die einstweilige
Anerkennung einer 50%-ige Arbeitsunfähigkeit mit (Suva-act. 99). Am 18. September
2013 fand die hausärztlich gewünschte kreisärztliche Untersuchung durch med. pract.
I._, Fachärztin für Chirurgie FMH, statt. Im Untersuchungsbericht vom 19. September
2013 empfahl diese auch aus versicherungsmedizinischer Sicht die Belassung der
Arbeitsfähigkeit bei 50% und brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die
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schmerztherapeutische Behandlung eine Verbesserung bringe. Einen Endzustand
betrachtete med. pract. I._ zurzeit nicht als gegeben (Suva-act. 100, vgl. auch Suva-
act. 103, 108). Mit Schreiben vom 22. Oktober 2013 kündigte die B._ AG das
Arbeitsverhältnis mit der Versicherten per 31. Januar 2014 (Suva-act. 125). Am 8.
November 2013 wandte sich Dr. D._ an Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, mit der Bitte, die Versicherte bei wahrscheinlich reaktiv depressivem
Zustandsbild nach hartnäckigem Heilungsverlauf nach Sacrumfraktur zur
Weiterabklärung und Therapie aufzubieten (Suva-act. 109). Am 28. Oktober 2013 fand
die erste Untersuchung durch die Ärzte der Schmerzsprechstunde des Spitals C._
statt, die im Untersuchungsbericht vom 21. November 2013 ein beginnend
chronifizierendes sakrales Schmerzsyndrom und einen Status nach ausgeprägter
Müdigkeit, Kraftlosigkeit und ein stark erhöhtes Schlafbedürfnis unklarer Ätiologie
diagnostizierten. Die Versicherte könne momentan nur mit einem Pensum von 50%
ihrer Arbeit nachgehen und dies mit Schmerzen. Die Physiotherapie bringe Linderung
und solle mit Heimprogramm weitergeführt werden. Wichtig sei sicher auch eine
psychologische Betreuung (Suva-act. 111).
A.f Auf die Frage der Suva, wann mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit
gerechnet werden könne, antwortete med. pract. I._ am 26. November 2013, dies sei
nicht absehbar, es gehöre jedoch die Unfallkausalität der aktuellen Beschwerden
abgeklärt. In diesem Sinne befürwortete sie die Einleitung einer Skelettszintigraphie zur
Beantwortung der Frage nach Aktivität/Anreicherung im ehemaligen Frakturbereich
(Suva-act. 113). Besagte Untersuchung fand am 5. Dezember 2013 in der Klinik für
Nuklearmedizin des KSSG statt und erbrachte einen normalen Knochenstoffwechsel im
Bereich des Beckens ohne vermehrte Aktivität bei Zustand nach dislozierter Fraktur
des Os coccygis (Suva-act. 120). Am 13. Januar 2014 beschrieb die Versicherte ihren
Zustand nach wie vor als nicht gut (Suva-ct. 122).
A.g Nachdem med. pract. I._ am 16. Januar 2014 nochmals zur Unfallkausalität
der geklagten Beschwerden und zur Arbeitsfähigkeit der Versicherten Stellung bezogen
hatte (Suva-act. 123), teilte die Suva der Versicherten mit Schreiben vom 26. März
2014 mit, dass aufgrund der vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht von Seiten
der Unfallfolgen durch eine weitere Behandlung keine Verbesserung des
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Gesundheitszustandes mehr erwartet werden könne. Der Schadenfall werde somit per
31. März 2014 abgeschlossen (Suva-act. 135).
A.h Inzwischen hatte sich die Versicherte vom 25. Februar bis 7. März 2014 stationär
im Schmerzzentrum des Spitals C._ aufgehalten, deren Ärzte im Austrittsbericht vom
20. März 2014 eine mittelgradige depressive Episode sowie ein chronifizierendes
sakrales Schmerzsyndrom diagnostiziert hatten (Suva-act. 149). Die Suva erhielt von
diesem Bericht erst am 11. Juni 2014 Kenntnis.
A.i Mit Verfügung vom 11. April 2014 wies die Suva einen Rentenanspruch sowie
Integritätsentschädigungsanspruch der Versicherten ab (Suva-act. 139).
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte durch die CAP Rechtsschutz-
Versicherungsgesellschaft AG am 22. Mai 2014 Einsprache erheben (Suva-act. 144).
Am 13. Juni 2014 wurden die Einsprachebegründung (Suva-act. 152) sowie eine
Stellungnahme von Dr. D._ vom 21. Mai 2014 zu verschiedenen Fragen eingereicht
(Suva-act. 154).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 29. August 2014 wies die Suva die Einsprache ab
(Suva-act. 156).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur.
Th. Zogg, St. Gallen, für die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 1.
Oktober 2014 erhobene Beschwerde. Er beantragt die Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 29. August 2014 sowie die Zusprechung einer
Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 55% rückwirkend ab März 2014
und einer Integritätsentschädigung von mindestens Fr. 17‘500.--. Eventualiter sei die
Sache zur weiteren Abklärung und zur neuen Verfügung an die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G
1).
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C.b Mit Beschwerdeantwort vom 20. November 2014 beantragte die
Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. R. Bachmann, Luzern, die
Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen
Einspracheentscheids (act. G 5).
C.c Mit Replik vom 5. Februar 2015 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seine Anträge (act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf
die Einreichung einer Duplik (act. G 10 f.).
C.d Auf die weiteren Begründungen und Ausführungen in den einzelnen
Rechtsschriften bzw. medizinischen Akten wird, soweit erforderlich, in den

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Ist die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 Prozent invalid,
so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Erleidet sie durch den Unfall eine dauernde
erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat
sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Der
Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine
namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet
werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV)
abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die
Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung wird mit
der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der
Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG).
1.2 Angesichts der in Erwägung 1.1 angeführten gesetzlichen Bestimmungen bildet
die Unfallkausalität Anspruchsvoraussetzung für eine Invalidenrente und eine
Integritätsentschädigung. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht
demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem
versicherten Unfallereignis zusammenhängen (vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG; BGE 129 V 181
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E. 3; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem
Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht
bisweilen auf Angaben ärztlicher Experten oder Expertinnen angewiesen. Die Frage
nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die
vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist
(BGE 129 V 181 E. 3.1, BGE 123 III 110, BGE 112 V 30; PVG 1984 Nr. 82, 174). Bei
physischen Unfallfolgen spielt indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der
aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des
Unfallversicherers praktisch keine Rolle (BGE 118 V 291 f. E. 3a, BGE 117 V 365 mit
Hinweisen; SVR 2000 Nr. 14 S. 45). Das Vorliegen eines natürlichen
Kausalzusammenhangs muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein bzw. verneint
werden können. Die blosse Möglichkeit gänzlich fehlender Auswirkungen des Unfalls
genügt nicht (Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N 58 f.).
1.3 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind.
Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich
weder dessen Herkunft noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a). Den
Berichten versicherungsinterner Ärzte oder Ärztinnen kann rechtsprechungsgemäss
gleichfalls Beweiswert beigemessen werden, sofern sie schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien
gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311 ff.). Auch eine
ärztliche Beurteilung aufgrund der Akten, wie sie vorliegend von med. pract. I._ am
16. Januar 2014 (Suva-act. 123) erstellt wurde, ist nicht an sich unzuverlässig. Für die
Beweistauglichkeit entscheidend ist, dass genügend Unterlagen von persönlichen
Untersuchungen vorliegen (RKUV 1988 Nr. U 56 S. 371). Zuvor, d.h. am 18. September
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2013, hatte med. pract. I._ im Übrigen die Beschwerdeführerin auch persönlich
untersucht (vgl. Suva-act. 100).
2.
2.1 Anfechtungsgegenstand der vorliegenden Beschwerde bildet der
Einspracheentscheid vom 29. August 2014 (Suva-act. 156). Diesem liegt die Verfügung
vom 11. April 2014 (Suva-act. 139) zugrunde. Darin nahm die Beschwerdegegnerin
zunächst Bezug auf ihr Schreiben vom 26. März 2014, worin sie den Abschluss des
Schadenfalls per 31. März 2014 mit der Begründung ankündigte, dass aufgrund der
vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht von Seiten der Unfallfolgen von einer
weiteren Behandlung keine Verbesserung des Gesundheitszustands mehr erwartet
werden könne (Suva-act. 135; vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG). Gegen die Festlegung des
Fallabschlusses per 31. März 2014 wurden keine Einwände erhoben. Anschliessend
wies sie einen Rentenanspruch sowie einen Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung ab. Bezüglich des Rentenanspruchs verneinte sie aus rein
unfallbedingter Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und nahm einen
Einkommensvergleich gestützt auf DAP-Zahlen vor. Einen Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung sah sie mangels Vorliegens einer erheblichen Schädigung der
körperlichen Integrität als nicht gegeben. Die Beschwerdegegnerin verneinte
schliesslich Leistungsansprüche der Beschwerdeführerin bezüglich allfälliger
psychogener Beschwerden mangels eines natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhangs zum Unfall vom 23. Oktober 2012.
2.2 Ein Anspruch der Beschwerdegegnerin auf die Versicherungsleistungen
Invalidenrente und Integritätsentschädigung entsteht nur bei kumulativer Erfüllung
sämtlicher gesetzlicher Leistungsvoraussetzungen (Vorliegen eines Unfalls im Sinne
von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]; Unfallkausalität der
Gesundheitsbeeinträchtigung gemäss Art. 6 UVG; Rentenbeginn bzw. Erreichen des
Endzustands im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG), also nicht allein bei Erfüllung der
Tatbestandsmerkmale der Grundbegriffe (Invalidität gemäss Art. 18 Abs. 1 UVG bzw.
rentenbegründender Invaliditätsgrads von mindestens 10 Prozent [im Rahmen der
Prüfung der Invalidität gilt es die Arbeitsunfähigkeit, Art. 6 ATSG, und den Grad der
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Erwerbsunfähigkeit mittels Einkommensvergleich, Art. 16 ATSG, festzulegen bzw. zu
ermitteln]; dauernde und erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Integrität gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG). Ist zwischen dem Unfall und den
geklagten Beschwerden eine natürliche und adäquate Kausalität nicht überwiegend
wahrscheinlich zu bejahen, entfällt zum Vornherein ein Anspruch auf
Versicherungsleistungen, d.h. es kann von einer Prüfung der weiteren gesetzlichen
Leistungsvoraussetzungen abgesehen werden. Wie die nachfolgenden Erwägungen
zeigen, liegt im konkreten Fall eine solche Sachlage vor. Die in der Verfügung vom 11.
April 2014 für die Ablehnung von Leistungsansprüchen angeführten
Begründungselemente kommen damit - abgesehen von der Verneinung der Adäquanz
bezüglich der psychogenen Problematik - nicht zum Tragen.
2.3 Die Beschwerdegegnerin hat nach dem Unfall vom 23. Oktober 2012
Heilkosten- und Taggeldleistungen erbracht (Suva-act. 3 f.). Per 31. März 2014 hat sie
den Schadenfall abgeschlossen bzw. die genannten vorübergehenden
Versicherungsleistungen eingestellt (Suva-act. 135). Im Rahmen der Verfügung vom 11.
April 2014 prüfte sie nun - wie gesagt - den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Invalidenrente sowie auf eine Integritätsentschädigung. Bei der erstmaligen Prüfung
eines Anspruchs auf Dauerleistungen (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2015, N 19 zu Art. 15) und auf eine Integritätsentschädigung hat der
Versicherungsträger seine Leistungspflicht und damit auch die Kausalität neu zu
beurteilen. Für die anspruchsbegründende Tatfrage, ob ein Kausalzusammenhang
gegeben ist, trägt im Falle der Beweislosigkeit die versicherte Person deren Folgen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006 Eidgenössisches
Versicherungsgericht, EVG] vom 22. Februar 2016, 8C_1/2016, E. 4.5.3; RKUV 2000
Nr. U 363 S. 45, RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328; BGE 117 V 264 E. 3b; Rumo-Jungo/
Holzer; a.a.O., S. 54 f.).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin beklagt seit dem Unfall vom 23. Oktober 2012
anhaltende sakrale und lumbale Schmerzen sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit
der LWS (act. G 1, S. 7 Ziff. 14 f., Suva-act. 154). Ihr Rechtsvertreter geht
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diesbezüglich von somatischen Beschwerden aus, für welche er den Unfall,
insbesondere dabei erlittene Weichteil- und Gelenkverletzungen, verantwortlich sieht.
3.2 Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt (Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2008, 8C_806/2007, E. 8.2,
mit Hinweisen). Wenn med. pract. I._ die von ihr anlässlich der Untersuchung vom
18. September 2013 erhobenen Befunde (Druckdolenz im Bereich des Sacrums und
des Iliosakralgelenks [ISG] beidseits mit Mennellzeichen, muskuläre Verspannungen im
gesamten Rückenbereich) als „objektiv“ anführt, so können diese nicht zum vornherein
einer unfallkausalen strukturellen Unfallrestfolge gleichgesetzt bzw. auf eine solche
zurückgeführt werden. Eine manuelle Untersuchung fördert klinische, nicht aber
objektivierbare Ergebnisse zu Tage. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar
und von der Person des Untersuchenden und den Angaben sowie dem Verhalten des
Patienten unabhängig sind. Würde auf Ergebnisse klinischer Untersuchungen
abgestellt, so würde fast in allen Fällen ein organisches Substrat namhaft gemacht, das
eine Adäquanzprüfung als nicht erforderlich erscheinen liesse. Von organisch objektiv
ausgewiesenen Unfallfolgen kann vielmehr erst dann gesprochen werden, wenn die
erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen (Röntgen, MRT, CT)
bestätigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Mai 2008, 8C_37/2008, E.
3.2; vgl. auch BGE 134 V 122 E. 9). Myofasziale und tendinotische bzw.
myotendinotische Befunde, Verhärtungen und Verspannungen der Muskulatur,
Druckdolenzen sowie Einschränkungen in der Beweglichkeit können nicht als
organisches Substrat von Beschwerden qualifiziert werden (SVR 2008 UV Nr. 2. S. 5 E.
5.2 mit Hinweisen). Im Folgenden gilt es zu prüfen, welche Verletzungen die
Beschwerdeführerin anlässlich des Unfalls vom 23. Oktober 2012 erlitten hat, bezüglich
der am 31. März 2014 (allfälliger Rentenbeginn) noch objektvierbare Verletzungsfolgen
vorlagen, die mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit für die
geklagten Beschwerden der Beschwerdeführerin (vgl. Erwägung 3.1) verantwortlich
waren.
3.3
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3.3.1 Bei der Beschwerdeführerin konnte infolge des Unfallereignisses vom 23.
Oktober 2012 unbestrittenermassen eine strukturelle Verletzung in Form einer distalen,
wenig dislozierten Os sacrum Fraktur radiologisch objektiviert werden. Deren
Behandlung erfolgte konservativ (Suva-act. 9, 13, 16). Die MRT-Untersuchung des
Beckens im Röntgeninstitut vom 27. Februar 2013 brachte noch einen diskreten
residuellen Reizzustand des Os sacrums zur Darstellung. Ein pelvines Hämatom liess
sich nicht nachweisen (Suva-act. 28). Am 19. April 2013 wurde die Beschwerdeführerin
klinisch neurologisch durch Dr. K._ untersucht, wobei sich die Befunde unauffällig
zeigten. In Bezug auf die Sacrumfraktur diagnostizierte Dr. K._ im
Untersuchungsbericht vom 23. April 2013 hartnäckige, sacrale Beschwerden bei einem
Status nach Sacrum-Querfraktur am 25. (richtig: 23.) Oktober 2012. Weiter stellte er nur
noch eine LWS-bezogene Diagnose (Suva-act. 62). Die CT-Untersuchung des Beckens
im Röntgeninstitut E._ vom 14. Mai 2013 ergab eine knöchern konsolidierte Os
sacrum Fraktur. Hinweise auf eine Pseudarthrose zeigten sich keine (Suva-act. 57).
Kreisarzt Dr. H._ verwies am 4. Juni 2013 auf die gemäss Ergebnis der CT-
Untersuchung knöchern konsolidierte Sacrumfraktur, räumte jedoch ein, dass eine
Schmerzsymptomatik nach einer Sacrumfraktur bekanntlich längere Zeit persistieren
könne (Suva-act. 58). Im August 2013 verschlimmerten sich die Schmerzen bei der
Beschwerdeführerin, worauf Dr. D._ in einem Bericht vom 26. August 2013 von
einem chronischen Verlauf sprach und Befunde festhielt, welche die LWS, nicht aber
das Os sacrum betrafen (Suva-act. 89). Laut Bericht vom 12. September 2013 über
eine gleichentags im Röntgeninstitut E._ durchgeführte MRT-Untersuchung der LWS
zeigte sich das Os sacrum nun reizlos (Suva-act. 96). Am 18. September 2013 folgte
eine klinische Untersuchung der Beschwerdeführerin durch med. pract. I._, welche
im Bereich des Os sacrum und des ISG eine deutliche Druckdolenz erhob. Die
Kreisärztin versprach sich eine Verbesserung des Gesundheitszustands durch die
geplante schmerztherapeutische Behandlung und ging noch nicht von einem
Endzustand aus (Suva-act. 100). Die Ärzte der Schmerzsprechstunde des Spitals C._
diagnostizierten sodann am 28. Oktober 2013 ein beginnend chronifizierendes sakrales
Schmerzsyndrom (Chronifizierungsgrad nach Gerbershagen I), ausgehend von der
Sacrumfraktur (Suva-act. 111). Am 5. Dezember 2013 wurde mit einer
Skelettszintigrafie des Beckens nochmals der Frakturbereich untersucht. Die Befunde
waren unauffällig, d.h. ohne vermehrte Aktivität bzw. Anreicherung (Suva-act. 120).
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3.3.2 In ihrer Beurteilung vom 16. Januar 2014 verweist med. pract. I._ auf die
vorgenannten radiologischen Untersuchungsergebnisse und folgert daraus, dass die
fortdauernd geklagten Beschwerden überwiegend wahrscheinlich nicht mehr mit der
Sacrumfraktur bzw. dem Unfall vom 23. Oktober 2012 zu erklären seien (Suva-act.
123). Ihre Schlussfolgerung erscheint überzeugend und schlüssig. Die
Beschwerdeführerin hat am 23. Oktober 2012 (nur) eine wenig dislozierte Fraktur des
Os sacrum erlitten, die konservativ behandelt werden konnte. Laut medizinischer
Literatur ist die Frakturheilung bzw. die knöcherne Wiedervereinigung zweier
voneinander getrennter Knochenteile ein natürlicher Prozess, den der Organismus
leistet. Das Ausbleiben der knöchernen Heilung ist bei der natürlichen
Knochenbruchheilung ein seltenes Ereignis. Tritt dieser Fall dennoch ein, spricht man
von Pseudarthrose (vgl. Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4.
Aufl. Bern 2005, S. 90 ff.; Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl. München 2003, S. 642 f.,
1525; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 266. Aufl. Berlin 2014, S. 713, 1750).
Konkret liegt mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit kein solcher
Ausnahmefall vor. Nichts weist darauf hin, dass die Sacrumfraktur nicht vollständig und
ohne bleibende Schäden verheilt wäre. Die Feststellung des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin, diese habe sich neben der Fraktur des Os Sacrum auch
Weichteil- und Gelenksverletzungen zugezogen, lässt sich den medizinischen Akten
nicht entnehmen. Die Beschwerdeführerin wurde umfassend radiologisch und
neurologisch untersucht, wobei sich neben der Sacrumfraktur offensichtlich keine
Begleitverletzungen erheben liessen. Von den untersuchenden Ärzten wurde auch
nirgends eine andere konkrete Unfallverletzung als diejenige der Beckenfraktur
diskutiert. Dass bei einer Sacrumfraktur begleitende Weichteil- und
Gelenksverletzungen oder zusätzliche Knochenverletzungen wie eine gleichzeitige
Fraktur des vorderen Beckenrings, eine Beteiligung des ISG, der Symphyse und der
Hüftgelenke oder eine Nervenläsion anzutreffen sind, wird zwar in Übereinstimmung
mit der Feststellung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin in der Replik vom 5.
Februar 2015 (act. G 9 Ziff. 18) in der medizinischen Literatur beschrieben, dies jedoch
im Zusammenhang mit massiven bzw. komplexen Beckenfrakturen, welche eine
operative Behandlung notwendig machen können (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 906
f.; act. G 9.1; http://flexikon.doccheck.com/de/Beckenfraktur?
utm_source=www.doccheck.flexikon&utm_medium=web&utm_campaign=DC
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%2BSearch, http://flexikon.doccheck.com/de/Sakrumfraktur?
utm_source=www.doccheck.flexikon&utm_medium=web&utm_campaign=DC
%2BSearch, beide abgerufen am 17. Mai 2016). Hinweise darauf, dass im konkreten
Fall von einer solchen Sachlage ausgegangen werden müsste (beispielsweise die
echtzeitliche Beschreibung eines Hämatoms), liegen - wie gesagt - keine vor. Selbst
der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin führt keine konkrete Begleitverletzung an.
3.3.3 Auch die in den medizinischen Akten hinsichtlich der Sacrumfraktur (noch)
gestellten Diagnosen (vgl. Erwägung 3.3.1) lassen schliesslich nicht auf weitere
überwiegend wahrscheinliche Unfallrestfolgen schliessen. Eine Statusdiagnose gibt
lediglich an, auf welchen Umstand der heutige Zustand zurückzuführen ist. Über die
Unfallrestfolgen wird damit nichts Konkretes ausgesagt. Die alleinige Aussage, dass
vor dem Unfall vom 23. Oktober 2012 noch keinerlei Beschwerden im Bereich des
Sacrum bestanden haben, reicht nicht aus, um von einer Unfallkausalität auszugehen
(vgl. dazu die beweisrechtlich untaugliche Formel „post hoc ergo propter hoc“ z.B. in:
Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 460
Fn. 1205; Kieser, a.a.O., N 69 zu Art. 4; BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb; SVR 2009 UV Nr.
13 [8C_590/2007], S. 52, E. 7.2.4). Auch die Diagnose von Schmerzsyndromen
bedeutet keinesfalls automatisch das Vorliegen unfallkausaler struktureller
Gesundheitsschädigungen. Laut Roche Lexikon Medizin (a.a.O., S. 1791) handelt es
sich bei einem Syndrom um ein sich stets mit etwa den gleichen Krankheitszeichen,
d.h. einer Symptomatik mit weitgehend identischem „Symptommuster“
manifestierendes Krankheitsbild mit unbekannter, vieldeutiger, durch vielfältige
Ursachen bedingter oder nur teilweise bekannter Ätiogenese. Zur fraglichen Diagnose
führt mithin eher das vom jeweiligen Patienten subjektiv angegebene
„Symptommuster“ als ein objektiv erhobener organischer Befund. Wenn eine
versicherte Person vorbringt, sie leide nach wie vor unter Schmerzen, verfängt diese
Argumentation nur insofern, als sie damit das Vorliegen eines Kausalzusammenhangs
behauptet. Der Schluss von Schmerzen auf das Andauern des Kausalzusammenhangs
kann jedoch nicht gezogen werden und es obliegt auch nicht dem Unfallversicherer zu
beweisen, was die Ursache für die Schmerzen sein könnte, wenn es nicht der Unfall ist.
Der Schmerzsyndromdiagnose kommt mithin nur hypothetischer Charakter zu (vgl.
Debrunner, a.a.O., S. 848). Der Zusatz „chronisch“ zementiert das Gesagte. Er steht
dem Begriff „traumatisch“ entgegen. Während letzterer einen akut aufgetretenen
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Zustand beschreibt, bedeutet chronisch „langsam sich entwickelnd, langsam
verlaufend“ (Pschyrembel, a.a.O., S. 390; Roche Lexikon Medizin, a.a.O., S. 334). Bei
einer Chronifizierung, die nach einem Unfall aufgetreten ist, der keine strukturelle
Läsion des Achsenskeletts verursacht hat, geht die medizinische Literatur davon aus,
dass diese nicht auf eine ungenügende Gewebeheilung zurückzuführen sei, sondern
dass der Schmerz durch andere Faktoren, meistens durch eine ungünstige
psychosoziale Konstellation, unterhalten wird (vgl. Bär/Kiener, Medizinische
Mitteilungen der Suva Nr. 67 vom Dezember 1994, S. 45 ff.).
3.4
3.4.1 In den MRT-Untersuchungen vom 27. Februar und 12. September 2013 (Suva-
act. 28, 96) sowie in der CT-Untersuchung vom 14. Mai 2013 (Suva-act. 57) liessen
sich bei der Beschwerdeführerin sodann eine bulging disc bzw. eine
Bandscheibenprotrusion auf Höhe der Segmente L4/5 und L5/S1 ohne
Neurokompression, entsprechende Spondylarthrosen, discoossäre foraminale
Stenosen sowie eine Arthrose der Symphyse nachweisen. Die genannten
Gesundheitsschäden sind zweifelsohne organische Substrate, die grundsätzlich als
Ursache der von der Beschwerdeführerin geklagten Schmerzen und
Bewegungseinschränkungen im Bereich der LWS oder des Beckens in Erwägung zu
ziehen sind. Von Bedeutung ist jedoch zunächst, dass es sich um häufige degenerative
bzw. erworbene, also nicht traumatisch bedingte, Veränderungen an der Wirbelsäule
bzw. der Symphyse handelt. Die (Spondyl-)Arthrose und die foraminale Stenose
können als unfallkausaler Gesundheitsschaden lediglich sekundär, d.h. als Spätfolge
einer primären Verletzung auftreten. Bei der Arthrose handelt es sich um eine
degenerative Gelenkerkrankung. Eine sekundäre traumatische Arthrose setzt im
Allgemeinen eine primäre traumatische Verletzung am Gelenk - beispielsweise eine
schlecht verheilte intraartikuläre Fraktur, d.h. eine geheilte Fraktur ohne anatomisch
exakte Reposition -, voraus. Die Symphyse ist zwar ein sogenanntes Pseudogelenk,
verlangt jedoch für die Entwicklung einer dortigen Arthrose ebenfalls eine
Primärverletzung. Festzustellen gilt es ausserdem, dass die obgenannten
Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule oft als Folge- oder Begleiterscheinung einer
bulging disc vorkommen. Hinsichtlich Bandscheibenprotrusionen ist sodann der im
Bereich des Unfallversicherungsrechts geltenden medizinischen Erfahrungstatsache
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Rechnung zu tragen, dass solche bzw. Bandscheibenhernien praktisch nur bei
Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen. Ein Unfall im
Rechtssinn (Art. 4 ATSG) fällt nur ausnahmsweise als eigentliche Ursache in Betracht
(vgl. Debrunner, a.a.O., S. 880; Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 68 [1995], S. 17;
Urteil des EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, E. 3.1, und vom 18. Februar 2002, U
459/00, E. 3b; vgl. zum Ganzen Debrunner, a.a.O., S. 579 ff., 848 ff., 878 ff., 889 f.;
Pschyrembel, a.a.O., S. 176, 232, 1994 „Spinalkanalstenose“, 2016; Roche Medizin
Lexikon, a.a.O., S. 134, 182, 1752; http://www.sportverletzung24.com/
schambeinarthrose-symphysenarthrose /, abgerufen am 17. Mai 2016).
3.4.2 Das Gesagte lässt das Vorliegen einer unfallbedingten bulging disc bzw.
(sekundärer) traumatischer Gesundheitsschäden als unwahrscheinlich erscheinen. In
den medizinischen Akten, insbesondere in den Berichten der radiologischen
Untersuchungen, sind - abgesehen von der Beckenfraktur - keine Unfallläsionen (weder
eine Gelenksverletzung noch eine Symphysenverletzung) bestimmt oder gar diskutiert
worden (vgl. Erwägung 3.3). Im Bereich der LWS ist bei der Beschwerdeführerin mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einer umfassenden
degenerativen Problematik im Bereich zweier Wirbelsäulensegmente auszugehen, die
ohne Unfallbeteiligung ein in sich geschlossenes Bild ergibt. Dr. K._ sprach zudem im
Untersuchungsbericht vom 23. April 2013 von einer altersentsprechenden
Spondylarthrose (Suva-act. 62). Die überwiegend wahrscheinliche Annahme einer
traumatischen bulging disc und sekundärer traumatischer Gesundheitsschäden drängt
sich mithin in keiner Weise auf, vielmehr würde eine solche nicht stimmig erscheinen.
3.5 Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass aus somatischer Sicht keine
überwiegend wahrscheinlich unfallkausale Ursache für die Schmerzangaben der
Beschwerdeführerin im Becken- und LWS-Bereich nachweisbar ist. Eine
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin bezüglich objektivierter somatischer
Unfallrestfolgen ist damit zu verneinen. Die Auskünfte von Dr. D._ vom 21. Mai 2014
(Suva-act. 154) vermögen an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Seine nicht näher
begründete Feststellung - seines Wissens würden ausschliesslich Unfallfolgen vom 25.
(richtig: 23.) Oktober 2012 respektive Rückfallfolgen vom 12. August 2013 vorliegen -
vermag für einen überwiegend wahrscheinlichen Beweis nicht zu genügen. Zu erwarten
wäre eine konkrete Darstellung, worin somatische Unfallrestfolgen zu sehen sind bzw.
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welches organische Korrelat ausgewiesen ist. Der Umstand, dass Dr. D._ lediglich
von einem unfallfremden Faktor - der Mitteilung der Kündigung auf Ende Januar 2014 -
ausgeht, vermag den besagten Mangel nicht zu beheben. Erkennbar basiert seine
Feststellung nur auf den subjektiven Schmerzangaben der Beschwerdeführerin. Diese
Argumentation verfängt jedoch nur insofern, als Dr. D._ damit das Vorliegen eines
Kausalzusammenhangs behauptet. Der Schluss eines Kausalzusammenhangs aus dem
Andauern von Schmerzen kann, wie gesagt, nicht gezogen werden, zumal sich in
Bezug auf subjektive Schmerzangaben naturgemäss Beweisschwierigkeiten ergeben.
Im Rahmen der sozialversicherungsrechtlichen Leistungsprüfung ist verlangt, dass die
Schmerzangaben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare
Befunde hinreichend erklärt sind (vgl. dazu Urteil des EVG vom 9. Oktober 2001, I
382/00, E. 2b; vgl. auch Urteil des EVG vom 12. März 2004, I 683/03, E. 2.2.2).
4.
4.1 Laut medizinischen Akten leidet die Beschwerdeführerin unter psychischen
Problemen. Sie wurde von Dr. D._ mit Bericht vom 8. November 2013 zur
Weiterabklärung und Therapie bei wahrscheinlich reaktiv depressivem Zustandsbild
nach hartnäckigem Heilungsverlauf nach Sacrumfraktur Dr. J._ zugewiesen (Suva-
act. 109). Ab November 2013 befand sich die Beschwerdeführerin bei diesem in
regelmässiger psychiatrischer Behandlung (Suva-act. 122, 149). Dazu hielt sie sich vom
25. Februar bis 7. März 2014 stationär für eine Schmerztherapie im Schmerzzentrum
des Spitals C._ auf, dessen Ärzte eine mittelgradige depressive Episode
diagnostizierten (Suva-act. 149). Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache,
dass Schmerzen durch psychische Komponenten unterhalten bzw. psychische
Störungen in Form von körperlichen Symptomen wahrgenommen werden können (vgl.
dazu Debrunner, a.a.O., S. 563 ff.; Pschyrembel, a.a.O., S. 1913 f.; Roche Medizin
Lexikon, a.a.O., S. 1660 f.).
4.2 Dr. D._ weist in seiner Stellungnahme vom 21. Mai 2014 im Zusammenhang
mit der depressiven Verstimmung der Beschwerdeführerin wiederholt auf die
Kündigung der Arbeitsstelle mit Schreiben vom 22. Oktober 2013 auf Ende Januar
2014 (Suva-act. 125) hin. Dabei handelt es sich, wie von ihm festgestellt, um einen
unfallfremden und damit die natürliche Unfallkausalität in Frage stellenden Faktor
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(Suva-act. 154). Die Entwicklung der psychischen Problematik fällt zeitlich
offensichtlich mit der Kündigung zusammen. Auf somatischer Ebene folgte damals nur
noch die ergebnislose Szintigrafie des Beckens (vgl. Suva-act. 117). Somatische
Unfallrestfolgen bestanden also keine mehr (vgl. dazu Erwägungen 3.3 f.). Insofern
erscheint eine natürliche Kausalität zwischen den somatischen Unfallfolgen und der
psychischen Problematik zweifelhaft. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin vor
dem Unfallereignis unter keinerlei psychischen Erkrankungen litt, vermag keinen
natürlichen Kausalzusammenhang zu begründen (vgl. Erwägung 3.3.3: beweisrechtlich
untaugliche Formel “post hoc ergo propter hoc“). Auch der Stellungnahme von Dr.
D._ vom 21. Mai 2014 (Suva-act. 154) ist keine nähere Begründung zur Frage der
Unfallkausalität der psychischen Problematik zu entnehmen. Letztlich kann sie jedoch
offen bleiben. Rechtsprechungsgemäss erübrigt sich die Prüfung der natürlichen
Unfallkausalität eines psychischen Gesundheitsschadens, wenn sich - wie vorliegend
der Fall - zeigt, dass dessen Adäquanz zum versicherten Unfallereignis nicht gegeben
und damit eine für die Leistungspflicht des Unfallversicherers nebst der natürlichen
Kausalität kumulativ erforderliche Voraussetzung nicht erfüllt ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Juni 2009, 8C_951/2008, E. 3.4.2).
4.3 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die
rechtlichen Voraussetzungen des Vorliegens eines adäquaten Zusammenhangs bei
psychischen Unfallfolgen im Sinne von BGE 115 V 133 zutreffend dargelegt (Suva-act.
156 Erwägung 2). Ihre Annahme eines leichten Unfalls, bei dem die Adäquanz des
Kausalzusammenhangs ohne weiteres zu verneinen ist (vgl. BGE 115 139 E. 6a; Rumo-
Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 62), ist nicht zu beanstanden. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdegegnerin hat solche vom höchsten Gericht als leicht gewürdigte und dem
vorliegenden Unfallereignis - Ausrutschen beim Hinuntersteigen von einer
Beistelltreppe mit drei Tritten - entsprechende Einzelfälle in der Beschwerdeantwort
vom 20. November 2014 aufgeführt (act. G 5, S. 4 Ziff. 10.1; vgl. auch Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 62). Für die Qualifizierung eines Unfalls nach seiner Schwere ist der
augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften massgebend.
Die durch das Ereignis verursachten Verletzungen - hier die Os sacrum Fraktur - sind
nicht zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts vom 12. Mai 2011, 8C_1044/2010,
E. 4.3; SVR 2008 UV Nr. 8, S. 27 E. 5.3.1). Im konkreten Fall bestehen keine Hinweise
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auf eine Beistelltreppe, welche einen Sturz „aus beträchtlicher Höhe“ (act. G 9, S. 10
Rz 25) ermöglichen könnte (vgl. auch Suva-act. 29).
4.4 Selbst wenn der Unfall vom 23. Oktober 2012 als mittelschwer im Grenzbereich
zu den leichten Ereignissen eingestuft würde, wären die für die Bejahung der Adäquanz
erforderlichen Kriterien (vgl. BGE 115 V 140 E. 6c/aa) weder in gehäufter (mindestens
vier Kriterien: vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. Oktober 2009, 8C_421/2009 mit
Hinweisen) noch einzelne in ausgeprägter Weise erfüllt. Den Akten sind keine
Anhaltspunkte zu entnehmen, die gegen die Ausführungen des Rechtsvertreters der
Beschwerdegegnerin betreffend die Verneinung der einzelnen Adäquanzkriterien
sprechen. Es kann deshalb auf die Erwägungen in der Beschwerdeantwort verwiesen
werden (vgl. act. G 5, S. 10 Ziff. 23.2). Ergänzend ist hinsichtlich der Ausführungen des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin einzuwenden, dass eine Sacrumfraktur für
sich betrachtet zwar nicht unerheblich ist, mit ihr jedoch keine Verletzung besonderer
Art oder Schwere mit erfahrungsgemässer Eignung, psychische Fehlentwicklungen
auszulösen, vorliegt. Weitere Verletzungen hat die Beschwerdeführerin nicht erlitten.
Die Sacrumfraktur wurde nicht operativ, sondern rein konservativ medikamentös und
mit Physiotherapie behandelt. Am 21. Februar 2013 wurde sie als „in Konsolidierung“
beschrieben (Suva-act. 25) und zeigte sich im CT vom 14. Mai 2013 knöchern
konsolidiert (Suva-act. 57). Ein schwieriger und mit Komplikationen verbundener
Heilungsverlauf der Unfallverletzung kann aus diesem Sachverhalt nicht abgeleitet
werden. Psychische Beschwerden sind im Rahmen der Adäquanzbeurteilung gemäss
der Psychopraxis, wo es gerade um die Beurteilung der Unfallkausalität psychischer
Beschwerden geht, auszuklammern. Nur der somatische Anteil ist zu berücksichtigen
(BGE 134 V 109 E. 6.1). Dr. H._ räumte zwar am 4. Juni 2013 noch ein, dass eine
Schmerzsymptomatik nach einer Sacrumfraktur bekanntlich längere Zeit persistieren
könne (Suva-act. 58). Bei der verbliebenen Diagnose eines chronifizierenden sakralen
Schmerzsyndroms (Suva-act. 111; vgl. Erwägung 3.3.3), der bei der
Beschwerdeführerin ab November 2013 durchgeführten psychiatrischen Behandlung
und der bei ihr anlässlich des stationären Aufenthalts im Schmerzzentrum des Spitals
C._ vom 25. Februar bis 7. März 2014 diagnostizierten mittelgradigen depressiven
Episode (Suva-act. 149) dürfte jedoch das Zustandsbild und damit auch das
Schmerzempfinden bereits nach rund einem Jahr in erheblichem Umfang durch die
psychische Situation beeinflusst gewesen sein. Angesichts dieses Zeitraums können
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die Adäquanzkriterien mit einer zeitlichen Komponente (ungewöhnlich lange Dauer der
ärztlichen Behandlung, Dauerschmerzen, Grad und Dauer der physisch bedingten
Arbeitsunfähigkeit) ebenfalls nicht als erfüllt gelten. Ohne Weiteres auszuschliessen ist
schliesslich mit Blick auf die Kasuistik die Annahme eines besonders eindrücklichen
Unfalls (vgl. Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 69 f.). Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin führt denn auch nicht überzeugend aus, inwiefern er von einer
besonderen Eindrücklichkeit ausgeht.
5.
Aufgrund der durchgeführten, umfangreichen Untersuchungen ist dem Eventualantrag
des Rechtsvertreters, die Sache sei zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, nicht stattzugeben. Bei der vorliegenden
Ausgangslage sind von weiteren medizinischen Gutachten keine entscheidrelevanten
neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb von der Einholung eines solchen abgesehen
werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 236 E. 5.3, BGE 134 I 148 E.
5.3 und BGE 124 V 94 E. 4b).
6.
Zusammenfassend ist vor dem Hintergrund, dass aufgrund der übereinstimmenden
Aktenlage keine somatischen Unfallrestfolgen mehr vorliegen und auch die
festgestellten psychischen Beeinträchtigungen nicht in einem adäquaten
Kausalzusammenhang zum Unfallgeschehen stehen, davon auszugehen, dass im
Zeitpunkt der Prüfung eines Anspruchs auf eine Invalidenrente und/oder eine
Integritätsentschädigung zwischen dem Ereignis vom 23. Oktober 2012 und den
beklagten Beschwerden keine überwiegend wahrscheinliche Kausalität bestand. Der
Einspracheentscheid vom 29. August 2014 lässt sich damit nicht beanstanden.
7.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 29. August 2014 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung.
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