Decision ID: 6a6ce298-28e6-5f8a-9319-8557179dc600
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 28. Dezember 2020 im Bundesasylzent-
rum Zürich ein Asylgesuch ein. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der
«Eurodac»-Datenbank ergab, dass er am 25. Juni 2020 in Spanien aufge-
griffen und daktyloskopisch erfasst worden war (vgl. Akten der Vorinstanz
[SEM act.] 7).
B.
Im Rahmen des Dublin-Gesprächs gewährte das SEM dem Beschwerde-
führer am 8. Januar 2021 im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertretung
das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Spaniens für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälligen Rückkehr dorthin
sowie zum medizinischen Sachverhalt. Hierbei erklärte er, nicht nach Spa-
nien zurückkehren zu wollen. Er habe in jenem Land Probleme mit Leuten
gehabt und sei mit Stangen geschlagen worden. Sein Leben sei in Spanien
bedroht. Wegen der beschriebenen Probleme habe er sich nicht bei der
Polizei gemeldet, sondern sei aus Spanien geflüchtet. Zum medizinischen
Sachverhalt gab er an, er benötige Medikamente, welche er bereits in sei-
nem Heimatland und in Spanien eingenommen habe. Momentan nehme er
Lyrica und Pregabalin. Er habe Probleme mit dem Rücken. Ohne diese
Medikamente könne er nicht schlafen, sei er sehr nervös und darüber hin-
aus auch vergesslich. In der Unterkunft habe er sich an den Gesundheits-
dienst gewandt; ein bereits vereinbart gewesener Arzttermin in der
Schweiz sei jedoch nicht zustande gekommen.
Am Ende der Einvernahme empfahl der Befrager dem Beschwerdeführer,
sich zwecks Vereinbarung eines Arzttermins erneut beim Gesundheits-
dienst zu melden (SEM act. 14).
C.
Ebenfalls am 8. Januar 2021 ersuchte das SEM die spanischen Behörden
um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 der Verord-
nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Die spani-
schen Behörden stimmten dem Ersuchen am 18. Januar 2021 gestützt auf
diese Bestimmung zu (SEM act. 16 bzw. 19).
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D.
Wegen der angegebenen gesundheitlichen Probleme unterzog sich der
Beschwerdeführer am 27. Januar 2021 einer ärztlichen Konsultation. Für
den 8. Februar 2021 wurde ein Folgetermin angesetzt (SEM act. 22).
E.
Mit Verfügung vom 28. Januar 2021 (eröffnet am 29. Januar 2021) trat die
Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Überstel-
lung nach Spanien und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf
der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den
Kanton Zürich mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem Beschwer-
deführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und
stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine
aufschiebende Wirkung zukomme (SEM act. 24).
F.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 4. Februar 2021
beantragte der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei aufzu-
heben und die Vorinstanz anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten
und ein nationales Asylverfahren zu eröffnen; eventualiter sei das SEM an-
zuweisen, sich für das vorliegende Asylverfahren gestützt auf Art. 29a Abs.
3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) für
zuständig zu erklären, subeventualiter sei die Sache wegen Verletzung des
rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrecht-
licher Hinsicht ersuchte er um Erlass vorsorglicher Massnahmen, Erteilung
der aufschiebenden Wirkung, Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Das Rechtsmittel war mit einer Kopie des Berichts der medizinischen Ab-
klärung vom 27. Januar 2021 ergänzt (BVGer act. 1).
Die Beschwerde wurde unter der Geschäftsnummer F-527/20121 aufge-
nommen.
G.
Am 5. Februar 2021 setzte der zuständige Instruktionsrichter den Vollzug
der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus.
Dem Beschwerdeführer wurde eine Kopie dieser superprovisorischen
Massnahme an seine damalige Adresse (Bundesasylzentrum Duttweiler in
Zürich) zugestellt.
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Seite 4
H.
Weil die an den Beschwerdeführer adressierte Sendung vom Bundesasyl-
zentrum Duttweiler in Zürich mit dem Vermerk an das Bundesverwaltungs-
gericht retourniert wurde, die betreffende Person sei abgereist, wurde das
Rechtsmittelverfahren F-527/2021 am 19. Februar 2021 nach ergänzen-
den Abklärungen als gegenstandlos geworden abgeschrieben.
I.
Am 25. Februar 2021 teilte das SEM dem Bundesverwaltungsgericht mit,
der Beschwerdeführer sei nicht unkontrolliert abgereist, sondern aus admi-
nistrativen Gründen in das Bundesasylzentrum Embrach transferiert wor-
den. Aufgrund eines internen Missverständnisses sei die an den Betroffe-
nen adressierte Korrespondenz indes mit dem Vermerk «abgereist» an das
Bundesverwaltungsgericht zurückgeschickt worden.
J.
Aufgrund dieser Mitteilung wurde die Behandlung der Beschwerde vom
4. Februar 2021 am 1. März 2021 unter der Geschäftsnummer
F-868/2021 wiederaufgenommen. Die neu zuständige Instruktionsrichterin
verfügte gleichentags nochmals einen Vollzugsstopp (SEM act. 3).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33
Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und
so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-
her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und
Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG).
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Seite 5
2.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-
führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu
behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.H.).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung dieses
Staates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylan-
trag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten
Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dub-
lin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip
der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO)
anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem die betref-
fende Person erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat,
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auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnah-
meverfahrens («take back») findet demgegenüber grundsätzlich keine (er-
neute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE
2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.).
4.3 Wenn ein Antragsteller, aus einem Drittstaat kommend, die Land-, See-
oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat, ist dieser
Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung des An-
trags auf internationalen Schutz zuständig. Die Zuständigkeit endet ge-
mäss dieser Norm zwölf Monate nach dem Tag des illegalen Grenzüber-
tritts. Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den
ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45
E. 8.3).
4.4 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-
rodac»-Datenbank ergab, dass er am 25. Juni 2020 illegal in Spanien ein-
gereist und daktyloskopisch erfasst worden war (SEM act. 7). Das SEM
ersuchte die spanischen Behörden deshalb am 8. Januar 2021 um Über-
nahme des Beschwerdeführers (SEM act. 16). Diese stimmten dem Über-
nahmeersuchen am 18. Januar 2021 zu. Die Zustimmung stützte sich auf
Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO (SEM act. 19). Die grundsätzliche Zuständig-
keit Spaniens ist somit gegeben und wird vom Beschwerdeführer nicht be-
stritten.
4.5 Nachfolgend ist demnach im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu
prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren
und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Spanien würden sys-
temische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschli-
chen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-
Grundrechtecharta mit sich bringen würden (E. 5) und ob nach Art. 17
Abs. 1 Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist (E. 6).
5.
5.1 Spanien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
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kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie), ergeben. Es gibt keine wesentlichen Gründe für die An-
nahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsu-
chende in Spanien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die
eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im
Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden.
5.2 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
6.
6.1 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-
recht). Dieses Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 AsylV 1 konkretisiert. Erweist sich die Überstellung einer asylsu-
chenden Person in einen Dublin-Mitgliedstaat als unzulässig im Sinne der
EMRK oder einer anderen die Schweiz bindenden, völkerrechtlichen Be-
stimmung, muss die Vorinstanz die Souveränitätsklausel anwenden und
das Asylgesuch in der Schweiz behandeln (BVGE 2015/9 E. 8.2.1;
2010/45 E. 7.2).
6.2 Der Beschwerdeführer macht in der Rechtsmitteleingabe vom 4. Feb-
ruar 2021 pauschal geltend, es sei von systemischen Mängeln im spani-
schen Asylverfahren auszugehen. Für Flüchtlinge präsentiere sich die all-
gemeine Situation dort als kritisch. Die Lebensbedingungen in den Unter-
künften seien ungenügend und die Behörden unternähmen viel zu wenig,
um diesem Umstand entgegenzuwirken. Auch er selber habe in dieser Hin-
sicht schlechte Erfahrungen gemacht. Hierzu gilt es vorweg anzumerken,
dass es dem Beschwerdeführer nach erfolgter Überstellung in Spanien of-
fensteht, dort um Asyl nachzusuchen und damit Zugang zu den asylrecht-
lichen Aufnahmestrukturen zu erhalten. Der Betroffene hat in diesem Zu-
sammenhang kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die dortigen
Behörden würden sich weigern, ihn wiederaufzunehmen und seinen Antrag
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auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrens-
richtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die An-
nahme zu entnehmen, Spanien werde in seinem Fall den Grundsatz des
Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in
dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3
Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden. Die Vermutung, Spanien
halte seine völkerrechtlichen Verpflichtungen ein, kann im Einzelfall wider-
legt werden. Wie eben erwähnt, bedarf es hierfür aber konkreter und ernst-
hafter Hinweise. Dies gelingt dem Beschwerdeführer, der in Spanien gar
nicht erst um Asyl nachgesucht hat, mit seinen Hinweisen auf nicht auf den
Einzelfall Bezug nehmende Zeitungsartikel, Berichte und Reporte indes
nicht.
6.3 Des Weiteren gibt es auch keine Hinweise für die Annahme, Spanien
würde dem Beschwerdeführer dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtli-
nie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei einer
allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich nötigenfalls an
die spanischen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebe-
dingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie).
Bei Spanien handelt es sich um einen Rechtsstaat mit funktionierendem
Justizsystem. Sodann verfügt das Land über eine Polizeibehörde, die so-
wohl als schutzwillig als auch als schutzfähig gilt und deren Hilfe der Be-
schwerdeführer im Falle einer tatsächlichen Bedrohung durch Dritte (bei-
spielsweise rassistische Übergriffe) in Anspruch nehmen könnte (vgl. dazu
etwa Urteil des BVGer F-22/2021 vom 11. Januar 2021 E. 4.2). Für das
beantragte Einholen individueller Garantien hinsichtlich einer späteren Un-
terbringung besteht folglich kein Anlass.
6.4 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine zwangs-
weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur
ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Eine
vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab-
schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel-
staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen
und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands
ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen
Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR
Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10,
§§ 180–193 m.w.H.).
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6.5 Eine solche Situation liegt nicht vor. Wie bereits erwähnt, erklärte der
Beschwerdeführer anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 8. Januar 2021,
er benötige seit jeher Medikamente. Er habe Probleme mit dem Rücken.
Ohne diese Medikamente könne er nicht schlafen, sei nervös und vergess-
lich (SEM act. 14). Am 27. Januar 2021 fand eine ärztliche Konsultation
statt. Der behandelnde Arzt diagnostizierte hierbei psychische Störungen
und Verhaltensstörungen aufgrund eines Abhängigkeitssyndroms. Zur Be-
handlung wurden ihm Medikamente (Pregabalin und Rivotril) verschrieben,
und er erhielt für den 8. Februar 2021 einen Folgetermin zwecks Bespre-
chung der Laborwerte und Verlaufskontrolle (SEM act. 22). Aufgrund der
Diagnose ergibt sich, dass sich der Beschwerdeführer nicht zwingend in
der Schweiz aufhalten muss, sondern eine adäquate Behandlung der Lei-
den in Spanien ebenfalls möglich ist. Dies gilt auch hinsichtlich der Fortfüh-
rung der Medikation. Dementsprechend gelingt es ihm nicht, nachzuwei-
sen, dass er nicht reisefähig sei oder eine Überstellung nach Spanien seine
Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Sein Gesundheitszustand vermag
eine Unzulässigkeit im Sinne der restriktiven Rechtsprechung nicht zu
rechtfertigen.
6.6 Zu keinem anderen Ergebnis führt, dass das SEM den vorgesehen ge-
wesenen Kontrolltermin vom 8. Februar 2021, entgegen dem Antrag der
zugewiesenen Parteivertretung (SEM act. 23), nicht abgewartet und vorher
verfügt hat. Der Beschwerdeführer wurde in der Schweiz, wie eben darge-
tan, medizinisch versorgt und ärztlich behandelt. Seine gesundheitlichen
Probleme waren mithin bekannt. In Bezug auf das Vorliegen einer schwer-
wiegenden Erkrankung wären von zusätzlichen medizinischen Abklärun-
gen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen (zur antizipierten Be-
weiswürdigung vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3 oder BGE 136 I 229 E. 5.3). Es ist
deshalb nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz diesbezüglich keine
weiteren Vorkehren getroffen hat.
6.7 Im Übrigen verfügt Spanien über eine ausreichende medizinische In-
frastruktur. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die er-
forderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung
und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schwe-
ren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1
Aufnahmerichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist
die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigen-
falls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19
Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Spanien
dem Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung (konkret
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Seite 10
Fortführung der Medikation, allenfalls ärztliche Nachkontrollen) verweigern
würde.
6.8 Festzuhalten gilt ferner, dass die schweizerischen Behörden, die mit
dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, den medizini-
schen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der
Überstellung des Beschwerdeführers Rechnung tragen und die spani-
schen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen me-
dizinischen Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Dies ist
vorliegend geschehen, sind die Diagnose und die verschriebenen Medika-
mente (Abhängigkeitssyndrom, Einnahme von Pregabalin und Rivotril) in
den Überstellungsmodalitäten doch aufgeführt (SEM act. 25). Bei Bedarf
kann dem Beschwerdeführer zur Sicherstellung einer lückenlosen Behand-
lung für die erste Zeit eine Reservemedikation mitgegeben werden.
6.9 Mit Blick auf die vom Beschwerdeführer angesprochene Situation für
Asylsuchende in Spanien während der Covid-19-Pandemier ist der Voll-
ständigkeit halber zu ergänzen, dass die Vorinstanz die pandemische Lage
und deren Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung im Destinations-
land im Rahmen des Vollzugs berücksichtigt (bezogen auf Spanien vgl.
beispielsweise Urteile des BVGer F-1889/2020 vom 19. August 2020
E. 4.3.2 oder D-3849/2020 vom 19. August 2020 S. 9). Allfällige Verzöge-
rungen bei der Überstellung wegen Covid-19 stellen lediglich temporäre
Vollzugshindernisse dar und vermögen am Ausgang des vorliegenden Ver-
fahrens nichts zu ändern (vgl. Urteile des BVGer F-3004/2020 vom 17. Juni
2020 E. 7.5 oder F-2489/2020 vom 3. Juni 2020 E. 6.3 m.H.).
7.
Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der
Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum
(vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem
Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hin-
weise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unter-
schreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb
in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
8.
Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermes-
sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Somit bleibt Spanien der für die
Behandlung des Asylgesuches des Beschwerdeführers zuständige Mit-
gliedstaat gemäss Dublin-III-VO.
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Seite 11
9.
Das SEM ist demnach zutreffend gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er nicht
im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist,
wurde die Überstellung nach Spanien in Anwendung von Art. 44 AsylG
ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
10.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
11.
Der am 1. März 2021 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Ur-
teil dahin.
12.
Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Er-
wägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind, weshalb die Vor-
aussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Die Verfahrens-
kosten sind daher dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Dispositiv Seite 12
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