Decision ID: eaa4b3ef-5191-57f8-be2c-c2c5a1f6239c
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1964
,
war Bezüger einer
ganzen
Rente der Invalidenversiche
rung, als er sich
erstmals am 21. Januar 2002 bei der Gemeinde
Y._
, Zusatz
leistungen zur AHV/IV (nachfolgend: Durchführungsstelle)
,
zum Bezug von
Zusatzleistungen an
meldete
(Urk.
12/1). Die Durchführungsstelle richtete ihm
Zusatzleistungen aus, dessen Auszahlungen sie jedoch aufgrund der
Rentenein
stellung
der Invalidenversicherung per 1. März 2007 stoppte (Urk. 12/30), wo
rauf
hin der Versicherte
und seine Familie
vom Sozialdienst
der Gemeinde
Y._
unterstützt
wurde
n
.
1.2
Gestützt
mitunter auch
auf die Erwägungen des
Urteil
s
des
hiesigen
G
erichtes
vom 24. März 2009
im Invaliden
versicherungs
verfahren
wurde dem Versicher
ten
rückwirkend per 1. Januar 2005 eine ganze Rente der Invali
denversicherung
und
am 1
2.
Februar 2015 mit Wirkung ab 1.
Januar 2005
auch eine Invalidenrente der beruflichen Vorsorge zugesprochen
(vgl. Urk. 12/31)
.
Danach
und gestützt auf die neuerliche Anmeldung vom 3. Februar 2014 zum Bezug von Zusatz
leistungen (Urk. 12/2)
,
berechnete die
Durchfüh
rungsstelle
mit Verfügungen vom
31. März 2015 (Urk. 12/
31-40)
den Anspruch des Versicherten
auf Zusatzleis
tung
en
seit ihrer Leistungseinstellung per Ende Februar 2007 neu.
Dabei rech
ne
te
sie
vom 1. März 2007 bis 31. Juli 2008 (Urk. 12/34-35) sowie vom 1. Febru
ar 2009 bis 31.
Mai
2010 (Urk. 12/39-40) für die nicht invalide Ehegattin ein hypothetisches
Erwerbsein
kommen
im Betrag von monatlich Fr.
3‘038.
-- an (Urk. 3/3/3)
. Ferner stellte sie mit Verfügung vom 31. März 2015 die Auszah
lung
der Zusatzleistungen mit Wirkung
per
1. Juni 2010 infolge Wegzugs des Ver
sicherten
und seiner Familie
nach
Z._
ein (Urk. 1
2/41) und erliess gleichen
tags eine
Rückerstattungsver
fügung
im Betrag von total Fr. 29‘197.--,
wobei sie diesen
Betrag mit den Nachzah
lungen für die Zeit ab 1. März 2007 verrechnete (Urk. 12/42).
Gegen die Verfügungen vom 31. März 2015 erhob der Versicherte am 21. April 2015 (Urk. 12/24) Einsprache, welche die Durchführungsstelle mit
Beschluss (richtig:
Einspracheentscheid
)
vom 8. Juni 2015 abwies (Urk. 12/25 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 14. Juli 2015
Beschwerde gegen den Einspracheent
scheid vom 8. Juni 2015 (Urk. 2) und beantragte, dieser sei au
fzuheben und ihm seien Zusatzleistungen nach den gesetzlichen Bestimmungen zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Rechts
ver
tretung
(Urk. 1 S. 2).
Die Durchführungsstelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 20. August 2015 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 1. September 2015 zur Kenntnis gebracht wurde
(Urk. 13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Vor
ausset
zungen nach Art. 4-6 des Bundesgesetzes über die
Ergänzungsleistun
gen
zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) erfüllen, Zu
satz
leis
tungen zur Deckung ihres Existenzbedarfs (Art. 2 Abs. 1 ELG; §§ 1, 13, 15 und 20
Abs. 1 des Gesetzes des Kantons Zürich über die Zusatzleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, ZLG).
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkann
ten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG), wobei
die anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen von Ehegatten zusam
menzurechnen sind (Art. 9 Abs. 2 ELG).
1.2
Die anrechenbaren Einnahmen werden nach Art. 11 ELG ermittelt.
Als Einnah
men angerechnet werden nach Art. 11 Abs. 1 ELG unter anderem zwei Drittel der Erwerbseinkünfte in Geld oder Naturalien, soweit sie einen Freibetrag von Fr. 1'000.-- (Alleinstehende) beziehungsweise von Fr. 1'500.-- (Ehepaare und Personen
mit Kindern) übersteigen (
lit
.
a), ein
Prozentsatz des Vermögens (
lit
.
c), die Renten (
lit
. d) sowie auch Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (
lit
. g).
1.3
Gemäss Art. 14a Abs. 1
der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Al
ters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
(ELV) wird bei Invaliden grund
sätzlich der Betrag als Erwerbseinkommen angerechnet, den sie im mass
geben
den
Zeitabschnitt tatsächlich verdient haben. Invaliden unter 60 Jahren sind jedoch mindestens folgende Beträge anzurechnen (
Art.
14a
Abs.
2 ELV):
der um einen Drittel erhöhte Höchstbetrag für den Lebensbedarf von Al
leinstehenden nach
Art.
10
Abs.
1
lit
. a
Ziff.
1 ELG bei einem
Invalidi
tätsgrad
von 40 bis unter 50 Prozent (
lit
. a)
der Höchstbetrag für den Lebensbedarf nach Buchstabe a bei einem
Inva
liditätsgrad
von 50 bis unter 60 Prozent (
lit
. b)
zwei Drittel des Höchstbetrages für den Lebensbedarf nach Buchstabe a bei einem Invaliditätsgrad von 60 bis unter 70 Prozent (
lit
. c).
Wird der Grenzbetrag in
Art.
14a
Abs.
2 ELV nicht erreicht, insbesondere wenn keine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird, gilt die Vermutung eines Verzichts auf Einkünfte im Sinne von
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG.
1.
4
Ein Verzicht im Sinne von Art. 11 Abs. 1
lit
.
g ELG liegt auch vor, wenn der Ehe
gatte einer berechtigten Person auf die Ausnützung der Erwerbsfähigkeit
ver
zichtet, obwohl er nach Art.
163 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) da
zu verpflichtet ist. Übt der rentenberechtigte Ehegatte keine Erwerbstä
tigkeit mehr aus, kann vom nicht invaliden Ehegatten, der bis anhin nicht oder nur be
schränkt erwerbstätig war, verlangt werden, eine Erwerbstätigkeit aufzu
nehmen
oder die bisherige auszudehnen (BGE 117 V 287; Erwin
Carigiet
/Uwe Koch,
Ergän
zungsleistungen
zur AHV/IV, 2. überarbeitete und ergänzte Aufl
age, Zürich/
Basel/Genf 2009, S.
157).
In jedem Einzelfall ist zu prüfen, ob von dem nicht invaliden Ehegatten unter den gegebenen Umständen verlangt werden kann, einer Erwerbstätigkeit nach
zugehen, zu wie viel Prozent es ihm zumutbar ist, einer Erwerbstätigkeit nach
zugehen, und wie hoch der Lohn wäre, den er bei gutem Willen erzielen könnte.
Massgebende
Faktoren bei der Beurteilung der Frage, ob ein
hypothetisches
Ein
kommen anzurechnen ist, sind
praxisgemäss
unter anderem Alter, Abwesen
heit
vom Berufsleben, Gesundheitszustand, Pflege- oder Betreuungsaufgaben,
Kinder
betreuung
, konkrete Arbeitsmarktlage und Vermittelbarkeit. Für die Festsetzung der Höhe des zu berücksichtigenden hypothetischen Einkommens ist auf die „Schweizerische Lohnstrukturerhebung“ abzustellen, dabei handelt es sich um Bruttolöhne. Die persönlichen Umstände wie das Alter, der Gesund
heitszustand, die Sprachkenntnisse, die Berufsausbildung, die bisher ausgeübten Tätigkeiten, die Dauer der Erwerbslosigkeit oder Familienpflichten (z.B. die Be
treuung von Kleinkindern) sind bei der Festsetzung zu berücksichtigen (Weg
leitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV (WEL), gültig ab
1.
April 2011, Stand
1.
Januar 2015,
Rz
3482.04;
Carigiet
/Koch, S. 158 f.).
Dabei ist zu vermuten, dass es dem Ehegatten grundsätzlich möglich und zu
mu
t
bar ist, seine Erwerbsfähigkeit zu verwerten. Diese Vermutung kann er aber
um
stossen
, indem er erfolglose Stellenbemühungen einreicht. Dem Ehegatten ist eine
angemessene Frist zu setzen, in der er sich auf die neue Situation einstellen kann
, und welche bis zu sechs Monate dauern kann (
Carigiet
/Koch,
a.a.O.,
S. 159).
1.
5
Zweck der Ergänzungsleistungen ist eine angemessene Deckung des
Existenzbe
darfs
. Bedürftigen Rentenbezügerinnen und -bezügern soll ein
regelmässiges
Min
desteinkommen gesichert werden. Die Einkommensgrenzen haben dabei ein
e
doppelte Funktion einer
Bedarfslimite
und eines garantierten Mindestein
kom
men
s. Deshalb sind bei der Anspruchsberechnung nur tatsächlich verein
nahmte
Einkünfte und vorhandene Vermögenswerte zu berücksichtigen, über die der
Leis
tungsansprecher
ungeschmälert verfügen kann. Dies gilt indes nicht, wenn die versicherte Person auf Einkünfte oder Vermögen verzichtet hat.
2.
2.1
Der Beschwerdeführer beanstandete beschwerdeweise (Urk. 1) die rückwirkende Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
für seine nicht invalide
Ehegattin
vom 1. März 2007 bis 31. Juni 2008 sowie vom 1. Februar 2009 bis 31. Mai
201
0.
Seine Frau und er seien Eltern von vier Kin
dern, geboren am
2. Okto
ber 2001, 16. Juni 2003, 7. Oktober 2008 und 1. September 201
0.
Dem
nach
habe seine Ehefrau zum ersten Zeitpunkt der An
rechnung eines hypo
the
tischen Erwerbseinkommens zwei, bei der zweiten An
rechnung drei Kinder zu betreuen gehabt. Diese Tatsache sowie auch de
r Um
stand, dass sie
zusätzlich
Hilfe in der Kinderbetreuung benötigt
hätten
(
Fremdbetreu
ungskosten
) und die
unterstützende
So
zialbehörde auch nie ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet habe, zerstöre die Vermutung, dass
es
seiner Ehefrau
zumutbar gewe
sen wäre
, zu arbeiten (S. 3 f.).
2.2
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid (Urk. 2) damit, dass gemäss den gesetzlichen Bestimmungen nicht invalide Ehegatten bis zum ordentlichen Rentenalter verpflichtet seien, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und einen angemessenen Beitrag zum Lebensunterhalt beizusteuern. Das hypothetische
Erwerbseinkommen sei gemäss
Salarium
(Lohnrechner) auf Fr. 3‘038.
--
pro Mo
na
t
festgelegt und erst ab dem 1. März 2007 in der Anspr
uchsberechnung
mit
ein
berechnet
worden
. Ebenfalls
sei
die Kindsgeburt berücksichtigt worden, wes
hal
b
vom
1. August 2008 bis 31. Januar 2009 auf die Anrechnung
eines
Er
werbseinkommens
verzichtet worden sei (S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch
des Beschwerdeführers
auf Zusatzleis
tungen und in diesem Zusammenhang
ausschliesslich
die Anrechnung und die Höhe eines hypothetischen Einkommens
der Ehegattin
für die Zeitperiode vom 1. März 2007 bis 31. Juli 2008 und vom 1. Februar 2009 bis 31. Mai 201
0.
3.
3.1
Wie von der Beschwerdegegnerin
ri
cht
ig
vorgebracht (vgl. Urk. 2 S. 2 oben) ist Art. 25 Abs. 4
ELV
, wonach die Herabsetzung einer laufenden
Ergänzungs
leistung
von Teilinvaliden und nicht invaliden Witwen infolge der Anrechnung eines Mindesteinkommens nach den Art. 14a Abs. 2 und 14b
ELV
erst sechs Monate nach Zustellung der entsprechenden Verfügung wirksam wird, in Fällen
wie dem hier zu beurteilenden
rechtsprechungsgemäss
nicht
anzuwenden
, auch nicht analo
g
ieweise (SVR 2007 EL Nr. 1 S. 1, P 40/03 E. 3). Bei nicht invaliden Ehegatten von EL-Anspr
echern ist nach den unter E. 1.
4
hie
r
vor dargelegten Grundsätzen im Einzelfall eine realistische Übergangsfrist für die zumutbare Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder Ausdehnung des Arbeitspensums einzu
räumen. Dies gilt sowohl für laufende als auch für erstmals beantragte
Ergän
zungsleistungen
(Urteil des Bundesgerichts P 18/99 vom 22. September 2000, AHI 2001 E. 132 E. 1b und 2d).
3.2
Diese Übergangsfrist beginnt jedoch im Falle einer rückwirkenden EL-Zuspre
chung
gemäss
Art. 22 Abs. 1 ELV nicht erst ab Verfügungserlass zu laufen, son
dern bereits ab seinerzeitigem Anspruchsbeginn, vorliegend also ab dem 1.
Febru
ar 2005 (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_717/2010 vom 26. Januar 2011
E. 5.3 und 7.1
am Schluss
).
Anders zu entscheiden liefe
vorliegend
darauf hinaus, der Ehefrau des Be
schwer
deführers eine Anpassungsfrist von fast zehn Jahren zu
zugestehen, was gemäss
bundesgerichtlicher
Rechtsprechung offenkundig nicht mehr als angemessen gel
tend kann (
vgl
.
Urteil des Bundesgerichts 9C_630/2013 vom 29. September 201
4
E. 5.2).
Dabei hat die sozialversicherungsrechtliche Gerichtspraxis bei der Ermit
t
lung der zumutbaren Erwerbstätigkeit der Ehefrau eines EL-Ansprechers
famili
enrechtliche
Grundsätze (vgl. vorstehend E. 1
.
4
) zu berücksichtigen. Dies geht indes keineswegs soweit, dass auch
ergänzungsleis
tungsrechtlich
ein Verbot rück
wirkender Anrechnung hypothetischen
Erwerbs
einkommens
des Ehegatten be
ach
tet würde (Urteile des Bundesgerichts 9C_12/2013 vom 19. November 2013 E. 2 und 3.5.2, 9C_717/2010 vom 26. Januar 2011 E. 2 und 5).
3.3
Für die Ermittlung einer allfälligen zumutbaren Erwerbstätigkeit ist
vorliegend
mit Blick auf die massgeblichen Kriterien (Alter, Gesundheitszustand,
Betreu
ungs
pflichten
, Sprachkenntnisse, Ausbildung, bisherige Tätigkeit, Dauer der Abwe
sen
heit vom Berufsleben, konkrete Arbeitsmarktlage; BGE 117 V 287 E. 3a, 134 V 5
3 E. 4.1) das Folgende bekannt und unstrittig:
Die Ehefrau des Beschwerdeführers mit Jahrgang 1975 lebte zusammen mit ih
rem Ehemann und ihren Kindern
vom
1. Februar
2002 bis zu ihrem Wegzug am
20. Mai 2010
in
Y._
(
Urk. 12/1,
Urk. 12/41).
Über ihre Deutschkenntnisse ist nichts bekannt.
Aus den
Angaben
in
de
n
Anmeldeformularen
zum Bezug von Ergänzungsleistungen geht hervor, dass sie nie erwerbstätig war und sic
h im vorliegend interessierenden
Zeitraum ausschliesslich der Haushaltsführung und Betreuung ihrer damals drei Kinder mit Jahrgang 2001, 2003 und 2008 wid
mete (Urk. 12/1-2).
3.4
Der Aufnahme beziehungsweise Anrechnung einer hypothetischen Erwerbstä
tig
keit
seitens der Ehefrau des Beschwerdeführers
ab 1. Februar 2005 standen aber Betreuungsaufgaben von Kindern entgegen. Denn gemäss
scheidungs
rechtlicher
Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die Aufnahme einer vollen Erwerbs
tätig
keit von dem Zeitpunkt an zugemutet werden, ab welchem das jüngste Kind
das 16. Altersjahr zurückgelegt hat. Die Aufnahme einer Erwerbs
tätigkeit in einem Teilzeitpensum kann bereits vor diesem Alter zugemutet wer
den (
Urteile des Bundesgerichts 5A_71/2013 vom 28. März 2013 E. 2.4 und 5A_525/2007 vom 28. Februar 2008 E. 6). Im Urteil 5A_888/2013 vom 20. Mai 2014 hielt das Bundesgericht die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in einem Pensum von 50 %
dann
für zumutbar, wenn das jüngste Kind 10-jährig ist.
In An
wendung dieser Richtlinie waren die am 3. Oktober 2001, 16. Januar 2003 und 7. Oktober 2008 geborenen Kinder (vgl. Urk. 12/2) alle in einem Alter, in wel
chem sie noch
der
Betreuung bedurften, was einer Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
der Ehefrau des Beschwerdeführers
entgegenstand.
Soweit die Beschwerdegegnerin darauf hinwies, dass dem Beschwerdeführer ein
Teil der Kinderbetreuung zugemutet werden könne, ist ihr entgegenzuhalten, dass
dies in der Tat eine Entlastung der Ehefrau bedeuten würde, welche
sich
nicht in der gleichen Situation
befindet
wie eine alleinerziehende Mutter nach einer Scheidung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_717/2010 vom 26. Januar 2011 E. 5.2)
. Hingegen sprechen
die
vorliegenden
Umstände gegen diese An
nahme: So bezog der Beschwerdeführer in der zu berücksichtigen Zeit eine ganze Rente aus physischen und psychischen Gründen (vgl. Urk.
12/16, Urk. 12/19
)
, woraus
abgeleitet werden kann, dass er zumindest in der
Kinderb
e
treuung
und im Hau
s
halt
eingeschränkt gewesen sein dürfte
.
Das Argument der
Beschwerdegeg
nerin
, wonach nur ein Bezüger von
Hilflosenentschädigung
der
Pflege und dauernde
n
Hilfe
bedürfe
, hingegen der IV-Leistungen beziehende Be
schwerdeführer nicht
, weshalb er nicht auf die Pflege seiner Ehefrau angewiesen sei
(Urk. 7 S. 4 Ziff. 6
und 8
), vermag in diesem Kontext
nicht zu überzeugen.
Ferner geht aus den Akten hervor, dass das Sozialzentrum der Wohngemeinde, welche die Familie vom 1. März 2007 bis 30. Juni 2010 fi
nanziell unterstützt hatte, die Kinder
des Beschwerdeführers
im April und Mai 2007
für zwei Mo
nate
f
remdbetreuen liess (Urk. 3/4 S. 1 und 23)
, womit ebenfalls nicht auf vor
handene Ressourcen be
treffend Kinderbetreuung geschlossen werden kann. So
mit liegen persönliche Umstände vor,
welche
die Realisierung eines Einkommens
seitens der Ehefrau des Beschwerdeführers
verhindern, womit auch kein (rück
wirkender) Verzicht auf Einkünfte vorliegt (Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG).
3.5
Darüber hinaus
verfügte die Beschwerdegegnerin die rückwirkende Anrechnung des hypothetischen Einkommens erstmals am 31. März 2015, indem sie der Ehe
frau des Beschwerdeführers
für die Perioden März 2007 bis Ende Juli 2008 und
von Februar 2009
bis Ende Mai 2010
ein hypothetisches Einkommen an
rech
ne
te
(U
rk. 12/34-35, Urk. 12/39-40) und dieses erst am 14. April 201
5
mündlich
am Schalter
begründete. Diese
Anrechnung beziehungsweise Fest
stellung steht im Gegensatz zu früheren Entscheiden
der Beschwerdegegnerin, in denen sie von der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens absah
, wie sie selbst im Einspracheentscheid vom 8. Juni 2015 ausführte
(Urk. 2 S. 2 Mitte)
.
Die ent
sprechenden Verfügungen vom 24. Februar 2005 (Urk. 12/27), 21. Februar 2006 (Urk. 12/28) und 13. Februar 2007 (Urk. 12/29) sind in Rec
htskraft erwachsen, wes
halb eine Änderung dieser Einschätzung den Vorschriften der Revision ge
mäss Art. 17 Abs. 2 ATSG zu genügen hat. Mithin muss eine massgebliche Ver
än
derung de
r Verhältnisse eingetreten sein, was vorliegend mit Blick auf die Möglichkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers hinsichtlich
der
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit – wie bereits dargelegt - ge
rade nicht der Fall
ist
.
Dass die
Be
schwerdegegnerin
das hypothetische
Ein
kommen erst ab 1. März 2007, mithin nach dem verfügten vorübergehenden Auszahlungsstopp, mitberücksichtigt hat
(Urk. 12/30), vermag an dies
er Beur
teilung nichts zu ändern, zumal mit Verfü
gung
vom 13. Februar 2007 die
An
spruchsberechtigung
des Beschwerdeführers
für das
ganze
Jahr 2007 festgesetzt wurde
und es nur aufgrund
damaliger
Un
klar
heiten betreffend
d
i
e
Invaliden
rente des Beschwerdeführers zur vorüber
geh
enden Leistungseinstellung
ge
kommen
war
(Urk. 12/29)
.
3.6
Schliesslich
ist auch das Vorbringen der Beschwerdegegnerin, wonach auch even
tuell externe Betreuungsmöglichkeiten wie Kindertagesstätten oder Tages
mütter in Betracht gekommen wären, um die Erwerbstätigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers zu ermöglichen respektive zu erleichtern
und
die hierfür anfallenden
Kosten bei der Bemessung der Ergänzungsleistungen berücksichtigt worden wären (Urk. 7 S. 5 Ziff. 10)
,
wenig hilfreich
, da – wie ausgeführt – dem Beschwerdeführer erst am 14. April 2015 die rückwirkende Anrechnung eines
hypo
thetischen Einkommens
erläutert wurde.
Im Ergebnis würde ihm zwar rück
wirkend ein hypothetische
s Erwerbseinkommen
angerechnet, dessen Minderung
durch Gestehungskosten aber nicht.
Auch wurde
diesbezüglich bis anhin
von Seiten der Beschwerdegegnerin
oder des Sozialamtes
weder
etwas
vorgebracht
noch
der Beschwerdeführer
darauf hingewiesen
, dass die Arbeits
aufnahme seiner
Ehefrau erwarte
t
werde
.
Insofern
liegt
ausnahmsweise
keine Verletzung seiner
Scha
denminderungspflicht
vor.
3.7
Nach dem Gesagten ist für die Zeit vom 1. März 2007 bis 31. Juli 2008 und vom
1. Februar 2009 bis 31.
Mai
2010
bei der Berechnung der Zusatzleistungen kein
hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau des Beschwerdeführers zu be
rück
sichtigen.
Damit erübrigen sich auch die Fragen
zur
Höhe des zu berück
sich
ti
genden Einkommens sowie
zur
Einräumung
und Bemessung
einer ange
mess
e
nen Übergangsfrist. Der angef
ochtene Entscheid ist daher aufzuheben und die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie über die Zu
satz
lei
s
tungen ohne Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens neu verfügt
.
4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens
hat der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Prozessentschädigung
. Diese ist nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit §
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit
des Prozesses und dem Zeitaufwand festzusetzen.
Beim
praxisgemässen
Stun
den
ansatz
von Fr. 2
2
0.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) sowie u
nter Berücksichti
gung dieser Grundsätze
ist
dem Beschwerdeführer
eine Prozessentschädigung von
Fr. 1‘800
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) zuzusprechen.
Der Antrag
des Beschwerdeführers
auf unentgeltliche
Rechtsvertretung
erweist sich somit als
gegenstandslos
, ebenso wie
sein
Antrag auf unentgeltliche
Pro
zessführung
, da das vorlieg
ende Verfahren kostenlos ist (§ 33 Abs.
1
GSVGer
in Verbindung mit Art. 61
lit
. a ATSG und Art. 1 Abs.
1 ELG).