Decision ID: 7b903ef8-7845-5c03-97ab-f11128d1a833
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1955
, war seit September 1997
in
einem Pen
sum von 40
%
als Sachbearbeiterin bei der
Y._
Genossenschaft
tätig
, w
obei der letzte Arbeitstag am 2
2.
Januar 2013
war
(
Urk.
6/17
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.8-9
,
Ziff.
2.14
). Unter Hinweis auf
eine
seit Januar 2011 bestehen
de psychische Beeinträchtigung
meldete
sich die Versicherte am 1
1.
März 2013
bei der Invali
denversicherun
g zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/7
Ziff.
6.2-3
,
Urk.
6/10
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizini
sche und erwerbliche Situation ab
, zog Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
6/
12,
Urk.
6/26,
Urk.
6/28
) bei
und verneinte nach
durchgeführt
em
Vor
bescheidverfahren
(
Urk.
6/50
,
Urk.
6/51,
Urk.
6/54
) mit Verfügun
g vom 1
0.
Dezember 2014 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
6/57 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
7.
Januar 2015
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
0.
Dezember 2014
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
mit Wirkung ab
1.
September 2013
eine ganze Rente
zuzusprechen, eventuell sei
die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie den medizi
nischen Sachverhalt ergänze und hernach neu verfüge (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
7.
Februar 2015
(
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde
der Beschwerdeführerin am 3
1.
März 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
stän
den
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sin
ne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität ge
sprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umstän
den ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität füh
ren, indem sie einen verselbst
ändigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Fol
gen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil
des Bundesgerichts
9C_
537/2011
vom
2
8.
Juni 20
12
E. 3.2
mit Hinwei
sen
).
1.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin be
gründete ihre
leistungsanspruch
verneinende
Ver
fü
gung
(
Urk.
2)
damit, dass sowohl die mittelgradige depressive Episode im Rah
men einer rezidivierenden depressiven Störung als auch die kombinierte
Persön
lichkeitsstörung
überwindbar seien.
So handle es sich bei der mittelgra
di
gen depressiven Episode um ein vorübergehendes Leiden, dem es am
Krank
heits
wert
im Sinne der Invalidenversicherung fehle. Die Besserung zwischen den Episoden sei im Allgemeinen vollständig. Folglich sei keine die Leistungsfähig
keit beeinträchtigende psychisch
e Erkrankung im Sinne des Gesetz
es festgestellt worden.
Die gesundheitlichen Einschränkungen seien weitestgehend auf psy
chosoziale Belastungsfaktoren zurückzuführen, welche bei der
Invaliditäts
be
messung
nicht zu berücksichtigen seien. Die Überwindbarkeitsprüfung sei Sache der Rechtsanwender. Im Weiteren könne die Beschwerdeführerin als Voller
werbstätige qualifiziert werden.
Da vorliegend kein
invalidenversicherungs
rechtlich
relevanter Gesundheitsschaden vorliege, bestehe auch kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen (S. 2 f.).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
bei ihr liege eine von allfälligen psychosozialen Umständen
losgelöste
, ver
selb
ständigte psychische Krankheit mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit vor. Sie sei nicht in der Lage, ihr psychisches Leiden aus eige
ner Kraft
und
nicht einmal mit fachärztlicher Hilfe zu überwinden. Die ärztli
chen Feststellungen zum psychischen Gesundheitszustand und die daraus abge
leiteten Schlussfolgerungen auf die Arbeitsfähigkeit seien nachvollziehbar und schlüssig und liessen sich nicht mit einer haltlosen
Überwindbarkeitsprü
fung
widerlegen, zumal die Beschwerdegegnerin nicht einmal eine fachärztliche Mei
nung des
Regionalen Ärztlichen
Dienstes
(RAD)
zu den vorliegenden
Arzt
be
rich
ten
eingeholt habe (S. 7
Ziff.
2
.2
).
Es sei ausgewiesen, dass sie seit Juli 2012
sowohl in der angestammten Tätigkeit wie auch in jeder anderen Tätigkeit
im Wesentlic
hen zu 100
%
arbeitsunfähig sei
(S.
8
Ziff.
3).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin und damit zusammenhängend die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine ver
lässliche Beurteilung ihrer Arbeitsfähigkeit erlaubt.
3.
3.1
Die Fachpersonen der Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
Z._
,
stellten in ihrem
Bericht vom 2
9.
April 2013 (
Urk.
6/18)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1)
:
rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mi
ttel- bis
schwergra
dige
Episode mit somatischem Syndrom, ICD-10 F33.11, anamnestisch
bestehend
seit etwa 25 Jahren
Probleme verbunden mit Schwierigkeit
en bei der Lebensbewältigung; B
u
r
nout-Syndrom, bestehend seit Ende 2012 und Anfang 2013
Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung: Ver
dacht auf akzentuierte Persönlichkeitszüge mit zwanghaften und ängstlich-vermeidenden Anteilen
, vermutlich bestehend seit früher Kind
heit und Jugendzeit
Die Fachpersonen führten aus, die Beschwerdeführerin sei am 1
7.
April 2013 zur stationären Behandlung in die Klinik eingetreten und der Entlassungstag sei voraussichtlich der 1
8.
Juni 2013 (
Ziff.
1.3).
Die Beschwerdeführerin habe sich in einem
schwergradig
depressiven
Zustands
bild
mit einem Burnout-Syndrom präsentiert. Sie scheine mit den seit dem letz
ten Aufenthalt
in der Klinik
A._
ab Oktober 2012 erlebten Veränderun
gen im privaten und beruflichen Umfeld innerpsychisch nicht mehr
zurecht
gekom
men zu sein. Aufgrund ihrer mal
adaptiv entwickelten
Bewältigungsmus
ter
sei sie schnell in massive Überfo
rderungsgefühle geraten, was zu einer
er
neu
te
n
depressiven Dekompensation mit deutlichen Erschöpfungssymptomen geführt habe. Es lasse sich eine starke emotionale und gedankliche
Ver
strickungs
ten
denz
aufgrund einer realitätsverzerrten Aussenwahrnehmung fest
stellen. Dabei würden psychosozial belastende Ereignisse wie die Trennung von ihrem Ehe
mann und die Unsicherheiten an ihrer Arbeitsstelle
durch aktivierte
Gefühls- und rigid fordernde Über-Ich-
Muster permanent
getriggert
und setzten die Pati
entin unter extrem starken innerpsychischen Druck
.
Im Gespräch zeige sie häufig Trauerreaktionen während ihren leicht weitschwei
figen und sich inhaltlich verlierenden Ausführungen über das erlebte und für sie schwer zu fassende Aussengeschehen.
Dabei
werde
eine unterschwellig leicht anklagende,
dysphorisch
-gereizte sowie leicht
appellative
Beziehungsgestaltung sichtbar.
Die Patientin scheine ihre extrem hohen Selbst- und Fremdansp
rüche sowie ein
en
damit verbunden
e
n
unterschwellige
n
Anspruch auf
Selbstwerter
höhung
und Anerkennung überkompensatorisch durch rigide und zwanghafte Kontrollbedürfnisse verwirklichen zu wollen. Insgesamt gebe
es anamnestische Hinweise auf I
ch-st
r
ukturelle Defizite bei der Affektregulation,
der
Frustrations
toleranz
,
der
Realitätsprüfung,
der
emotionalen Kommunikation und den Bewältigungskompetenzen. En
t
sprechend bestehe der Verdacht auf eine nar
zisstisch-zwanghaft abgewehrte Selbstwertproblematik mit selbstunsicheren und
histrionischen
Anteilen. Prognostisch günstig einzuschät
z
en seien die
Thera
piemotivation
, die Reflexionsfähigkeit und die zuverlässige Teilnahme an den Therapiestunden sowie die Bemühungen zur Umsetzung des Gelernten. Prog
nostisch ungünstig
erschienen der rezidivierende Verlauf der depressiven Erkran
kung sowie die aufgrund der
I
ch-strukturellen Defizite entwickelten
selbst
abwertenden
Schemata und dysfunktionalen Bewältigungsmuster, die sich insbesondere in sozialen Interaktionen und Situationen zeigten (
Ziff.
1.4).
Die Fachpersonen führten aus, in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit habe vom 2
0.
Februar bis
6.
März 2013, während des teilstationären Aufenthaltes in der Tagesklinik
der
B._
vom
7.
März bis 1
6.
April 2013, während des stationären Aufenthal
tes in der
Z._
,
A._
,
vom 1
7.
April bis 1
8.
Juni 20
13 und vom 1
9.
bis 3
0.
Juni 2013 eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit bestanden (
Ziff.
1.6).
Geistig bestünden
eine
leicht verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
, eine Tendenz zum eingeengten formalen Gedankengang mit leicht verzerrter Realitätswahrnehmung, schwarz-weiss
-Denken, Grübeln und Gedankendrä
ngen, Pessimismus, Ablenkbarkeit und
eine
erhöhte Ermüdbarkeit.
Psychisch bestehe ein depressiv-ängstliches Zustandsbild, eine starke
Affekt
labi
lität
, Gefühle von Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Unsicherheit, Unzu
frieden
heit, Frust und Ärger, hohe Erregbarkeit sowie Spannungs- und
Stress
zu
st
ände
, Antriebsverluste, sozialer
Rückzug sowie Phasen von Verzweiflung, einhergehend mit Suizidgedanken oder Ruhe- und Erlösungswünsche und redu
zierter Belastbarkeit.
Die Beschwerdeführerin tendiere zu überangepasstem und abhängigem Verhal
ten mit Unterordnung unter Bedürfnisse anderer und Vernachlässigung eigener Bedürfnisse sowie aufg
r
und ihrer verinnerlichten rigid-fordernden Bewertungs-Instanzen (Über-Ich-Anteilen) zur Übernahme vieler Aufgaben. Diese versuche sie mit perfektionistischen Selbstansprüchen und zwanghaften
Kontrollbedürf
nissen
unter Missachtung eig
ener Grenzen zu erledigen. Aufg
r
u
nd der Suche nach existentieller Sicherheit, Anerkennung und Beachtung bestünden sehr hohe Ansprüche im Aussen, welches tendenziell realitätsverzerrt wahrgenom
men werde. Deshalb gerate die Beschwerdeführerin schnell unter
innerpsychi
schen
Druck, wenn andere nicht wie vorgestellt funktionierten. Sie tendiere dabei zu Gefühlen von Enttäuschung, Kränkung, Verzweiflung und Ohnmacht, was sie durch impulsive verbale und unterschwellig
histrionisch
gefärbte
appel
lative
Nörgeleien bis hin zu Wutausbrüchen zu bewältigen versuche. Dies wie
derum könne zu Gefühlen von Stress, Überforderung und Frust, einherge
hend
mit hohen Spannungs- und Erregungszuständen,
Blockiertheit
und depres
siver Dekompensation führen
.
Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht noch zumutbar. In welchem zeitlichen Rahmen dies sein werde, müsste in einer IV-gestützten
Integrations
massnahme
abgeklärt werden. Die Patientin werde
voraussichtlich
bis mindes
tens am 3
0.
Juni 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig sein
(
Ziff.
1.7)
.
Die Einschrän
kungen liessen sich durch eine ambulante psychotherapeutische Behandlung und medikamentöse Begleittherapie, welche im günstigsten Fall zu einer Symptomreduktion und Zunahme der Belastbarkeit führten, vermindern. Ob mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden könne, könne aufgrund
d
er Beobachtungssituation im klinischen Behandlungssetting
nicht schlüssig beurteilt werden. Die Beschwerdeführerin sei aktuell in ungekündig
tem Anstellungsverhältnis. Eine IV-gestützt
e
berufliche Massnahme erscheine aus medizinisch-therapeutischer Sicht sinnvoll. Dies aufgrund einer
von der Belastbarkeit in einem Arbeitspensum zumindest leicht eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
und der getrennt lebenden Ehesituation, die bei der Patientin zu nachvollziehbaren Existenzängsten infolge der bevorstehenden Pensionie
rung des Ehem
annes im 2014 führ
e
(
Ziff.
1.
9). Eine langsame und schrittweise Steigerung des Arbeitspensums sei sinnvoll. Ein motivierendes Arbeitsumfeld mit persönlicher Ansprechperson, möglichst geringem Zeit- und Leistungsdruck sowie klar abgestecktem Aufgaben- und Kompetenzbereich könne unterstützend sein (S. 8).
3.
2
Dr.
med.
C._
,
Oberärztin
, sowie
lic
. phil.
D._
, klini
scher Psychologe, beide vom
Ambulatorium des
E._
,
stellte
n
in ihrem
Bericht vom
7.
April 2014 (
Urk.
6/30/1-9)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1)
:
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.1
1
),
bestehend seit
mindestens
dem 2
8.
September 2011
kombinierte Persön
lichkeitsstörung mit zwanghaften
und ängstlich-ver
meidenden Anteilen (ICD-10 F61.0)
, bestehend
seit frühem Erwachse
nenalter
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte
n
Dr.
C._
sowie
lic
. phil.
D._
,
einen Status nach B
u
r
nout-Syndrom und funktionelle Darmbeschw
erden (
Ziff.
1.1). Vom 2
8.
März
bis 3
1.
August 2011 und erneut
seit dem 1
4.
Dezember 2011 sei
die B
eschwerdeführerin bei ih
nen
in Behandlung
. Die letzte Kontrolle habe am
7.
April 2014 stattgefunden (Ziff.
1.2).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Sekretärin habe vom
1.
bis
4.
November 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
, vom
5.
November bis 2
1.
Dezember 2012 eine von 5
0
%
, vom
1.
bis 2
2.
Januar 2013
eine von 30
%
und
ab dem
2
3.
Januar 2013
eine von 100
%
bestanden (
Ziff.
1.6). Es bestehe eine erheblich reduzierte psychophysische Belastbarkeit. Kleinste Änderungen in einem Setting destabilisierten die Klientin vollkommen. So habe
beispielsweise
der Wechsel von der Tagesklinik
F._
in die Tagesklinik
G._
anfangs 2014 die Beschwerdeführerin vollkommen aus dem Gleichgewicht geworfen. Es falle ihr schwer, sich gegenüber anderen Menschen abzugrenzen und sie empfinde Situ
ationen mit mehreren Menschen in einem Raum als Bedrohung. Sie sei im Umgang mit anderen Menschen sehr fixiert auf bestimmte Abläufe und unflexi
bel in Bezug auf spontane Änderungen. Sie sei nicht konfliktfähig und nehme unbedeutende Geschehnisse aufgrund ihrer Selbstunsicherheit sehr persönlich. Sie erwarte zu viel von sich und könne nur schwer Hilfe von
a
usse
n annehmen. Sie habe Mühe, ihren
Krankheitszustand anzunehmen und mache sich viele V
orwürfe und habe Schuldgefühle
(
Ziff.
1.7).
Die Beschwerdeführerin sei Anfangs
Juli
2012 mit ihrem Mann in eine neue Wohnung gezogen. Sie sei in dieser Zeit zu Hause durch den mehrfach erkrank
ten Ehemann sehr stark belastet gewesen und habe nach verschiedenen Operati
onen immer wieder
seine
Pflege zu Hause übernommen. Kurz darauf habe sie einen Zusammenbruch erlitten, von dem sie sich bis heute nicht wirklich erholt habe. Die Beziehung zwischen ihr und ihrem Mann sei seit mehreren Jahren nicht mehr intakt und die Patientin habe unter der
fehlenden Zuneigung und Lethargie des Partners gelitten
sowie
der fehlenden Kommunikation innerhalb der Beziehung, der mangelnden Unterstützung und Fürsorge. Die Trennung sei im Herbst 2012 erfolgt. Die Mutter
der Beschwerdeführerin
leide unter einer demenziellen Erkrankung und habe vermutlich früher Depressionen gehabt, die weder diagnostiziert noch behandelt worden seien.
Seit der Trennung von ihrem Ehemann lebe sie alleine in einer kleinen Mietwoh
nung
. Sie fühle sich damit sehr wohl. Durch die Erkrankung und die Trennung von ihrem Mann habe sie viele Freunde verlore
n, was sie sehr traurig stimme
.
Derzeit bestehe eine deutliche Einschränkung im Alltag. Die Beschwerdeführerin sei nicht belastbar und fühle sich auch emotional schnell überfordert. Zurzeit fehlten ihr die Fähigkeit sich genügend abzugrenzen und sie s
uche die Schuld immer bei sich.
Sie sei oft abwesend durch i
hr Gedankenkreisen und Grübeln und
neige zur sozialen Isolation.
Die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer
fehlenden Belastbarkeit zurzeit nicht arbeitsfähig
. Das Bewusstsein sei klar und
sie sei allseits orientiert. Die Patientin weise Konzentrations- und
Merkfähig
keits
störungen
auf. Das Denken sei gehemmt, umständlich,
perseverierend
, grübelnd
und ideenflüchtig. Die Patientin sei misstrauisch und zeige Zwangs
den
ken, Zwa
ngsimpulse und Zwangshandlungen
, jedoch keine inhaltlichen
Denk
störungen
, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Sie sei ratlos, depri
miert, hoffnungslos, ängstlich, gereizt, innerlich unruhig und ambivalent. Sie weise eine Störung der Vitalgefühle, Insuffizienzgefühle, Schuldgefühle und
Ver
ar
mungsgefühle
auf. Der Antrieb sei gehemmt. Die Prognose sei zum jetzi
gen Zeitpunkt unklar
(
Ziff.
1.4).
Derzeit finde wöchentlich eine integrierte, ambu
lante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
statt (
Ziff.
1.5)
. Die Be
schwerdeführerin würde gerne arbeiten, was mit ihrem gesundheitlichen Zustand zurzeit leider nicht zu vereinbaren sei. Es sei zu hoffen, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder eine reduzierte Belastun
gsfähigkeit erreichen wer
de. Zu
gegebener Zeit sei eine Potentialanalyse mit anschliessendem
Ar
beits
training
und einem stufenweise Wiedereinstieg in Begleitung durch die Invalidenversicherung zu empfehlen. Ein Teilpensum von 50
%
wäre erstre
benswert und hoffentlich ein realistisches Ziel (S. 9).
3.
3
Die Fachpersonen der
B._
stellten in ihrem
Bericht
1
0.
Juli 2014 (
Urk.
6/39/2-9)
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
agitierte Depression auf dem Boden einer Persönlichkeit mit zwanghaf
ten Zügen, Erstdiagnose März 2013
Als
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine Osteoporose (
Ziff.
1.1)
.
Die Beschwerdeführerin sei seit dem
7.
Februar 2013 bei ihnen in Behandlung
gewesen
und die letzte Kontrolle sei am 2
4.
April 2014 erfolgt (
Ziff.
1.2).
W
ährend der Behandlung in der Tagesklinik sei die
Beschwerdeführerin vom
3.
Februar bis 2
4.
April 2014 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen
,
und diese Arbeitsunfähigkeit bleibe auch nach Austritt bestehen
. Während des
tagesklini
schen
Aufenthaltes sei es nicht gelungen, eine Tagesstruktur, welche die Beschwerdeführerin nach Austritt in An
spruch hätte
nehmen können, aufzu
bauen. Zu diesem Zeitpunkt sei sie psychisch noch zu instabil gewesen. Für die weitere Genesung sei längerfristig der Aufbau der Tagesstruktur sinnvoll (S. 1). Während der Behandlung in der Tagesklinik sei es
ihr
aufgrund ihrer inneren Unruhe, ihrem Streben nach Perfektionismus, sowie ihrer Kraft- und Energielo
sigkeit mit rascher körperlicher Erschöpfung kaum gelungen, ihren Hobbys nach
zugehen (S. 2 oben).
I
n der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Büroangestellte sei die Beschwerdeführe
rin zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6)
.
Es
bestehe eine mittelgradige Beein
träch
tigung in der Planung und Strukturierung von Aufgaben, insbeson
dere in der Priorisierung. Zudem bestehe eine mittelgradige bis schwere Beeinträchti
gung in der Fähigkeit
,
sich im Verhalten, Denken und Erleben wechselnden Situationen anzupassen. Bei der Beschwerdeführerin bestehe eine schwere Beeinträchtigung
,
in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Verhaltens
weisen zu zeigen (Flexibilität und Umstellungsfähigkeit
)
. Ausserdem bestehe eine mittelgradig
e
bis schwere Beeinträchtigung in der Durchhaltefähigkeit. Es gelinge ihr kaum, ein durchgehendes Leistungsniveau über eine Zeitspanne von länger als 40 Minuten aufrecht zu erhalten. Die Kontaktfähigkeit zu Dritten erscheine mittelgradig bis sch
w
er beeinträchtigt. Sie s
tehe unter starker Anspan
nung im
Kontakt mit anderen und es falle ihr schwer, unver
bindlich zu kommunizieren. Des W
eiteren falle es ihr schwer, emotionale Zuwendung zu geben und zu empfangen und mit anderen Rollenerwartungen und dem beru
fli
chen
Umfeld befriedigend abzustimmen. Spontanaktivitäten könnten von ihr o
hne vorgängige Planung kaum init
iiert werden.
Die ursprüngliche Tätigkeit sei grundsätzlich zumutbar, aktuell bestehe jedoch eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit
.
Zu empfehlen sei die Neuevaluation der Arbeitsunfähigkeit und Belastbarkeit d
urch den ambulanten Therapeuten Ende Juli 2014
(
Ziff.
1.7).
Aufgrund der Länge der Abwesenheit vom Arbeitsmarkt sei bei einem geplanten Wiedereinstieg ein vorgängiges Belastungstraining mit initialem Pensum von 20
%
zu empfehlen. Das Pensum sollte anhan
d der Klin
i
k schrittweise erhöht
und in wöchentlichen Gesprächen überprüft werden. Eine Wiedereingliederung sollt
e
in Absprache mit dem ambulanten Therapeuten erfolgen (
Ziff.
3).
Die Fachpersonen führten weiter aus,
die mittlere Episodendauer behandelter unipolarer Störungen werde auf 16 Wochen geschätzt. Bei der Beschwerdefüh
rerin sei dieser Zeitraum überschritten und bis anhin sei noch
keine vollständige Remission erfolgt
, was die Wahrscheinlichkeit einer erneuten depressiven Epi
sode erhöhe.
P
rognostisch ungünstig seien die lange Episodendauer,
die un
vollständige Remis
sion, mangelnde soziale Unterstützung und Schwierigkeiten von Seiten der Beschwerdeführerin, Hilfe annehmen zu können
,
sowie die be
lastende Beziehung zum Ehemann und
die längerfristig durch die Erkrankung bestehen
den finanziellen Einbussen
. Weiter sei die psychische Komorbidität durch eine Persönlichkeit mit zwanghaften Zügen als ungünstig anzusehen.
Prognostisch günstig sei
die
hohe Reflexionsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
. Insgesamt sei
die Prognose des weiteren Verlaufs der Erkrankung als eher ungünstig zu betrachten (
Ziff.
1.4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte eine rentenanspruchsbegründende Invalidität damit, dass sämtliche Leiden der Beschwerdeführerin überwindbar und damit aus invalidenversicherungsrechtli
cher Sicht nicht relevant und zudem auf psy
chosoziale Belastungsfaktoren zurückz
uführen seien (vorstehend E. 2.1
).
Dage
gen machte die Beschwerdeführerin geltend, es bestehe ein eigenständiges, von psychosozialen Belastungsfaktoren unabhängiges
,
psychi
sches Leiden mit
Krank
heitswert
, welches nicht überwindbar sei
(vorstehend E. 2.2).
4.2
D
er
Annahme der Beschwerdegegnerin,
dass die Besserung zwischen den
depres
siven Episoden im Allgemeinen vollständig s
ei,
weswegen kein Leiden mit Krankheitswert vorliege,
stehen die Ausführungen insbesondere der
Fach
personen
der
B._
vom Juli 2014 (vorstehend E. 3.3)
entgegen, wonach
bei der Beschwerdeführerin
bislang
keine vollständige Remission
der Depression
habe erreicht werden können.
Betreffend die weiteren Ausführungen der Beschwerdegegnerin, dass kein
eigen
ständiges,
von den psychosozialen Belastungsfaktoren
unabhängiges,
psy
chisches Leiden vorli
ege
, ist
ihr insoweit Recht zu geben
,
als
tatsächlich Anhaltspunkte dafür bestehen,
dass psychosoziale Belastungsfaktoren die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
beei
nflussen oder beein
flusst haben;
so entwicke
lte sich die depressive Störung
, die zur vollständigen Arbeits
un
fähig
keit
der Beschwerdeführerin
führte,
während der
Pfl
egebedürftig
keit
ihres
Eheman
nes.
Hinzu kam
en
in der Folge
die Trennung vom Ehemann, die
Demenz
erkrankung
ihrer
Mutter und die
andauernde
n
Unsicherheiten in Bezug auf die Arbeitsstelle
sowie finanzielle Probleme
.
Den vorliegenden medizinischen Berichten (vorstehend E. 3.1-3) kann jedoch nicht
abschliessend
entnommen werden, ob die bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen weitestgehend auf die psychosoziale Belastungssituation zu
rückzuführen sind oder ob ein von dieser eigenständiges psychiatrisches Leiden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit besteht
, welches
invalidenversiche
rungsrechtlich
relevante Auswirkungen haben kann (vgl. vorstehend E. 1.2)
.
Diesbezüglich erfolgten von Seiten der Beschwerdegegnerin a
uch keine weiteren Abklärungen
(vgl.
Urk.
6/48/5,
Urk.
6/56/2)
, weshalb sich der
entscheidrelevante
Sachverhalt als ungenügend abgeklärt erweist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_856/2013 vom
8.
Oktober 2014 E.
5.2-3)
.
Zudem gilt es zu berücksichtigen,
dass sich ausnahmsweise auch mittelgradige depressive Episoden invalidisierend auswirken können. Um solchen Ausnahmefällen gerecht zu werden, erscheint es als besonders notwendig, das medizinische Dossier dem RAD vorzulegen, bevor eine rechtliche Einordnung erfolgt.
4.3
Die
Beschwerdegegnerin
hat demnach
ein psych
iatrisches Gutachten einzuho
len
, welches sich zu
r Frage
äussert
, ob bei der Beschwerdeführerin ein von der psychosozialen Belastungssituation unabhängiges psychiatrisches Leiden mit Auswirkungen au
f die Arbeitsfähigkeit vorliegt
.
Die angefochtene Verfügung vom 1
0.
Dezember
2014 (
Urk.
2) ist folglich auf
zuhe
ben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu erneutem Entschei
d über den Leistungsanspruch der
Beschwer
deführerin
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vol
lständiges Obsiegen, weshalb die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine
Prozessentschä
digung
hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses und beim massge
benden Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich
Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2‘2
00
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.