Decision ID: 2d73fdd8-d707-5e42-806c-ad837c06c912
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Kläger,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
D._-Pensionskasse, Bachmattstrasse 59, Postfach, 8048 Zürich,
Beklagte,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Isabelle Vetter-Schreiber, Seestrasse 6,
8027 Zürich,
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betreffend
Invalidenrente
Sachverhalt:
A.
S._ (nachfolgend: Versicherter) arbeitete für die A._ und war dadurch bei der
D._-Pensionskasse (nachfolgend: Pensionskasse) vorsorgeversichert. Die IV-Stelle
des Kantons St. Gallen sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 22. April 2004 auf
der Basis eines IV-Grads von 57% mit Wirkung ab 1. Mai 2004 eine halbe Rente zu.
Hierbei ging sie von einem Valideneinkommen von Fr. 60'190.-- und einem
Invalideneinkommen von Fr. 26'000.-- pro Jahr aus (act. G 1/2). Von der
Sozialversicherungsanstalt (SVA) des Kantons St. Gallen wurden dem Versicherten mit
Verfügung vom 29. Dezember 2004 ab Januar 2005 Ergänzungsleistungen (EL)
zugesprochen (act. G 1/7). Am 3. November 2006 bestätigte die IV-Stelle den
unveränderten Rentenanspruch.
Die Pensionskasse erbrachte ebenfalls Rentenleistungen auf der Basis eines IV-Grads
von 57%. Mit Schreiben vom 28. November 2006 gab sie dem Versicherten bekannt,
die Pensionskassen-Leistungen würden ab 1. Mai 2007 angepasst. Bei der Über
entschädigungs-Berechnung komme unter anderem ein theoretischer Anspruch auf
Kinderzulagen von Fr. 146.-- pro Monat und neu ein zumutbarerweise erzielbares
Einkommen von Fr. 2'406.-- pro Monat zur Anrechnung (act. G 1/3 und 1/4). In der
Stellungnahme vom 27. Juli 2007 liess der Versicherte durch seine Rechtsvertreterin
darlegen, dass er sich seit mehreren Jahren aktiv um eine 50%-Stelle bemühe. Den
Nachweis seiner Arbeitsbemühungen erbringe er jeweils gegenüber der
Ausgleichskasse (SVA) St. Gallen. Aus diesem Grund werde bei der Ausrichtung von EL
auf die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens verzichtet. Die Erzielung eines
Ersatzeinkommens sei nicht realistisch, weshalb auf die Anrechnung eines solchen bei
der Überentschädigungsberechnung zu verzichten sei (act. G 1/5). Im Schreiben vom
31. Juli 2007 teilte die Pensionskasse mit, der Entscheid der SVA St. Gallen, bei der
Berechnung der EL auf die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens zu
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verzichten, könne für die berufliche Vorsorge nicht wegweisend sein.
Ergänzungsleistungen hätten einen gewissen Sozialhilfecharakter, welcher bei der
beruflichen Vorsorge nicht geltend gemacht werde könne. Daher werde an der
Anrechnung eines zumutbarerweise erzielbaren Einkommens bei der
Überentschädigungsberechnung festgehalten (act. G 1/6).
B.
B.a Mit Eingabe vom 13. Februar 2008 liess der Versicherte durch Rechtsanwältin
Christine Kessi, procap, Olten, Klage gegen die Pensionskasse erheben mit den
Anträgen, die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger unter Anrechnung bereits
erbrachter Leistungen rückwirkend ab 1. Mai 2007 Invalidenrentenleistungen im
bisherigen Umfang zu erbringen, ohne dabei ein zumutbarerweise erzielbares Erwerbs-
und Ersatzeinkommen anzurechnen. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger auf
den Invalidenrentenleistungen einen Verzugszins von 5% spätestens ab dem Zeitpunkt
der Klageeinreichung zu bezahlen. Zur Begründung hielt die Rechtsvertreterin unter
anderem fest, von der Beklagten werde nicht einmal ansatzweise dargetan und belegt,
dass der Kläger unter Berücksichtigung der konkreten Umstände und
Marktbedingungen ein Resterwerbseinkommen hätte erzielen können und welcher
Betrag diesfalls als hypothetisch anrechenbarer Verdienst zu gelten hätte.
Insbesondere habe sich die Beklagte nie dazu geäussert, inwiefern dem Kläger auf
dem tatsächlichen Arbeitsmarkt ein Resterwerbseinkommen zumutbar sein solle, wenn
von Seiten der Ausgleichskasse bei der Berechnung der EL auf die Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens verzichtet werde, da der Kläger nachweislich nicht in der
Lage sei, eine Anstellung zu finden. Beim zumutbaren Resterwerb sei - anders als im
Bereich der Invaliditätsbemessung - nicht auf den in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt im Sinn von Art. 7 ATSG, sondern auf den realen
Arbeitsmarkt Bezug zu nehmen. Die kantonale EL-Behörde gehe davon aus, dass dem
Kläger auf dem realen Arbeitsmarkt die Erzielung eines Einkommens nicht mehr
zumutbar sei. Da die Beklagte nicht belegen könne, dass dem Kläger ein Resterwerb
tatsächlich zumutbar sei, habe sie es zu unterlassen für die Zeit ab 1. Mai 2007 ein
zumutbarerweise erzielbares Erwerbs- oder Ersatzeinkommen anzurechnen.
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B.b In der Klageantwort vom 27. Mai 2008 beantragte Rechtsanwältin Dr. iur. I. Vetter-
Schreiber, Zürich, für die Beklagte Abweisung der Klage, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten des Klägers. Zur Begründung legte sie unter anderem
dar, die klägerische Behauptung, dass er sich seit mehreren Jahren aktiv um eine 50%-
Stelle bemühe, werde bestritten. Gleiches gelte für das Vorbringen, die Erzielung eines
Erwerbseinkommens sei nicht realistisch. Der Gehörsanspruch des Klägers bei der
Anrechnung eines zumutbarerweise erzielbaren Resterwerbs sei von Seiten der
Beklagten gewahrt worden. In der Einzelfallprüfung gehe es letztlich nur darum, ob der
für die versicherte Person in Betracht fallende Arbeitsmarkt im fraglichen Zeitpunkt eine
Stelle bereithalte oder nicht. Nicht anbringen lasse sich der Einwand, die IV-rechtlich
festgestellte Resterwerbsfähigkeit sei nicht verwertbar, da die IV-Stelle in ihrem
Rentenentscheid bereits von realistischen Annahmen ausgehen müsse. Der
Unterschied zwischen IV- und berufsvorsorgerechtlicher Beurteilung liege allein darin,
dass erster ein ausgeglichener Arbeitsmarkt zugrunde liege, während vorsorgerechtlich
der tatsächliche Arbeitsmarkt zu berücksichtigen sei. Soweit der Kläger eine tiefere
effektive Resterwerbsfähigkeit (25%) vermute als die IV-Stelle in der Verfügung vom 22.
April 2004, sei er nicht zu hören. Die Beklagte sei nicht in das Überprüfungsverfahren
der Ausgleichskasse einbezogen worden. Die Anrechnung eines Erwerbseinkommens
im EL-Bereich folge eigenen Grundsätzen, die auf die berufliche Vorsorge nicht
übertragbar seien. Die Beklagte sei nicht an die EL-Verfügungen gebunden. Der Kläger
müsse darlegen, dass er keine Arbeit finde, die Gründe dafür gegenüber der Beklagten
genügend substantiieren und die entsprechenden Beweise offerieren.
B.c Mit Replik vom 18. August 2008 hielt die Rechtsvertreterin des Klägers an ihren
Rechtsbegehren fest und bestätigte ihren Standpunkt. Sie legte unter anderem dar, die
Beklagte stelle höhere Anforderungen an den Nachweis der Unzumutbarkeit der
Umsetzung der Resterwerbsfähigkeit als die Ausgleichskasse, welche EL ausrichte,
und als die Arbeitslosenkasse, bei denen "nur" der Nachweis erbracht werden müsse,
dass der Kläger keine Stelle finde. Beim Kläger handle es sich um eine Person mit
gesundheitlichen Einschränkungen. Die Arbeitssuche gestalte sich daher per se als
schwierig. Andererseits gelte es zu berücksichtigen, dass die Beklagte verpflichtet sei,
Leistungen aufgrund einer Invalidität zu erbringen und "lediglich" eine Kürzung
vornehmen könne. Es sei einem Versicherten nicht zumutbar, sich in höherem Masse
gegenüber einer Vorsorgeeinrichtung zu rechtfertigen, die Leistungen aufgrund einer
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Invalidität erbringe, als gegenüber einer Arbeitslosenkasse, die das Risiko einer
Nichtverwertbarkeit einer Arbeitsfähigkeit abdecke oder gegenüber einer
Ausgleichskasse, die EL im Sinn von Bedarfsleistungen erbringe. Über EL und damit
über die öffentliche Hand dürfe nicht finanziert werden, was aufgrund einer zu
restriktiven Praxis der Vorsorgeeinrichtungen an Invalidenleistungen versagt werde.
Ausserdem sei nicht anzunehmen, dass eine Vorsorgeeinrichtung tatsächlich die
Arbeitsbemühungen eines Versicherten überwachen und kontrollieren wolle. Von der
Rechtsprechung sei im Übrigen nicht in Frage gestellt worden, dass der Beweis für die
Überentschädigung nach den allgemeinen Beweislastregeln der Vorsorgeeinrichtung
obliege. Es sei lediglich eine Mitwirkungspflicht statuiert worden, und dieser komme
der Kläger in genügendem Masse nach, indem er seine Stellenbemühungen
regelmässig der Ausgleichskasse nachweise und den Entscheid der Ausgleichskasse
der Beklagten weiterleite (act. G 14). Mit Eingabe vom 23. September 2008 reichte die
Rechtsvertreterin des Klägers aus den EL-Akten dessen Arbeitsbemühungen seit
September 2004 ein (act. G 18).
B.d In der Duplik vom 11. November 2008 bestätigte die Rechtsvertreterin der
Beklagten ihren Antrag und ihre Ausführungen. Sie hielt unter anderem fest, für das
Jahr 2008 lägen überhaupt keine Unterlagen (Arbeitsbemühungen) vor. Es sei unklar,
um was für Stellen es sich bei den Bewerbungen des Klägers gehandelt habe. Sofern
sich der Kläger überhaupt um konkrete offene Stellen beworben habe, müsse
offenbleiben, ob es sich um grundsätzlich für ihn geeignete Stellen gehandelt habe.
Aufgrund der vorliegenden Akten sei es für die Beklagte nicht nachvollziehbar, ob das
vom Kläger gewählte Vorgehen bei der Stellensuche sinnvoll und überhaupt habe
erfolgversprechend sein können. Die Qualität der Arbeitsbemühungen müsse im
Vordergrund stehen, sonst werde die Schadenminderungspflicht zu einer reinen Farce.
Wenn die Ausgleichskasse trotz aller Rügen und Bedenken EL ausgerichtet habe, so
lasse sich dies wohl nur mit dem Charakter dieser Leistungen rechtfertigen. Es handle
sich dabei um Bedarfsleistungen, die das Existenzminimum garantieren würden. Es
werde dabei bloss ein gesetzlich definierter Grenzbetrag als Verzichtseinkommen
aufgerechnet.
B.e Das Versicherungsgericht zog die den Kläger betreffenden EL- und IV-Akten bei
(act. G 28, 29). Die Rechtsvertreterin des Klägers verzichtete nach Einsicht in die EL-
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Akten auf eine Stellungnahme (act. G 35). Die Rechtsvertreterin der Beklagten äusserte
sich mit Eingabe vom 14. Juli 2009. Sie hielt unter anderem fest, die
Arbeitsbemühungen des Klägers seien überprüfbar zu machen. Bei den EL-Akten sei
keine einzige schriftliche Bewerbung. Gegenüber der Beklagten seien keine erfolglosen
Arbeitsbemühungen nachgewiesen worden. Dem Kläger sei es somit nicht gelungen,
die Vermutung zu entkräften, wonach ihm die Erzielung eines Resterwerbseinkommens
in der Höhe des Invalideneinkommens möglich sei (act. G 39). In der Stellungnahme
vom 13. Oktober 2009 bestätigte die Rechtsvertreterin des Klägers ihren Standpunkt
(act. G 45).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2005 trat die 1. BVG-Revision, welche auch eine Änderung der Regelung
der Überentschädigungsabschöpfung (insbesondere Art. 24 Abs. 2 BVV 2) mit sich
brachte, in Kraft. - In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands
Geltung haben (BGE 127 V 467; vorliegend: Überversicherungsberechnung ab 1. Mai
2007). Grundlage des vorliegenden Klageverfahrens bildet nicht ein
Rechtsmittelentscheid einer Vorinstanz. Hingegen steht fest, dass die Beklagte ihren
Standpunkt mit Schreiben vom 31. Juli 2007 (act. G 1/6) bestätigte. Hierauf leitete die
Klägerin am 13. Februar 2008 das Klageverfahren vor Versicherungsgericht ein,
welches Leistungsansprüche ab 1. Mai 2007 betrifft. Mit Blick auf diese Gegebenheiten
ist konkret das ab 1. Januar 2005 gültige Recht der obligatorischen beruflichen
Vorsorge anzuwenden, soweit ihm neben den reglementarischen Regelungen der
Beklagten eine eigenständige Bedeutung zukommt.
2.
2.1 Die Vorsorgeeinrichtung kann die Hinterlassenen- und Invalidenleistungen kürzen,
soweit sie zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 90 Prozent des
mutmasslich entgangenen Verdiensts übersteigen (Art. 24 Abs. 1 BVV 2). Als
anrechenbare Einkünfte gelten Leistungen gleicher Art und Zweckbestimmung, die der
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anspruchsberechtigten Person aufgrund des schädigenden Ereignisses ausgerichtet
werden, wie Renten oder Kapitalleistungen mit ihrem Rentenumwandlungswert in- und
ausländischer Sozialversicherungen und Vorsorgeeinrichtungen mit Ausnahme von
Hilflosenentschädigungen, Abfindungen und ähnlichen Leistungen. Bezügern von
Invalidenleistungen wird überdies das weiterhin erzielte oder zumutbarerweise noch
erzielbare Erwerbseinkommen angerechnet (Art. 24 Abs. 2 BVV2). Die
Vorsorgeeinrichtung kann die Voraussetzungen und den Umfang einer Kürzung
jederzeit überprüfen und ihre Leistungen anpassen, wenn die Verhältnisse sich
wesentlich ändern (Art. 24 Abs. 5 BVV2). Gemäss Art. 20 Abs. 1 des ab 1. Januar 2005
gültigen Reglements der Beklagten werden Hinterlassenen- und Invalidenleistungen
gekürzt, soweit sie zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 90 Prozent des
mutmasslich entgangenen Verdiensts der versicherten Person übersteigen. Als
anrechenbare Einkünfte gelten nach Art. 20 Abs. 2 des Reglements unter anderem das
weiterhin erzielte oder das zumutbarerweise noch erzielbare Erwerbseinkommen (und/
oder Ersatzleistungen) bei Bezug von Invalidenleistungen.
2.2 Nach der Rechtsprechung besteht der Zweck der in Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2
vorgeschriebenen Anrechenbarkeit des zumutbarerweise erzielbaren
Erwerbseinkommens darin, teilinvalide Versicherte, welche die ihnen zumutbare
Restarbeitsfähigkeit nicht verwerten, finanziell denjenigen gleichzustellen, die - in
Erfüllung der Schadenminderungspflicht - das ihnen zumutbare Invalideneinkommen
tatsächlich erzielen. So habe das BSV in seinen Mitteilungen über die berufliche
Vorsorge Nr. 75 vom 2. Juli 2004 in den Erläuterungen zur Änderung der BVV 2 zu Art.
24 Abs. 2 festgehalten, mit dem 2. Satz dieser Bestimmung werde durch die
Ergänzung "zumutbarerweise noch erzielbare Einkommen" sichergestellt, dass
Teilinvalide im Rahmen der Schadenminderung Erwerbseinkommen erzielen müssten,
und dass das Ersatzeinkommen, beispielsweise die Taggelder der
Arbeitslosenversicherung (ALV), bei Vermittelbarkeit ebenfalls angerechnet werden
müsse (BGE 134 V 64 Erw. 4.1.1). Zu berücksichtigen sei weiter der funktionale
Zusammenhang zwischen erster (Invalidenversicherung) und zweiter Säule (berufliche
Vorsorge), wie er in den Art. 23, 24 Abs. 1 und Art. 26 Abs. 1 BVG positivrechtlich
verankert sei. Er bestehe darin, dass sich der Leistungsanspruch auf eine
Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge an den sachbezüglichen
Voraussetzungen des IVG orientiere (Art. 23 lit. a BVG in der seit 1. Januar 2005
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gültigen Fassung), die Höhe der berufsvorsorgerechtlichen Rente analog zu derjenigen
nach IVG bestimmt werde (Art. 24 Abs. 1 BVGin der seit 1. Januar 2005 gültigen
Fassung) und für den Beginn des Anspruches auf eine BVG-Invalidenrente gemäss Art.
26 Abs. 1 BVG sinngemäss die entsprechenden invalidenversicherungsrechtlichen
Bestimmungen (Art. 29 IVG) gelten würden. Zweck dieser gesetzlichen Konzeption sei
es, einerseits eine weitgehende materiellrechtliche Koordination zwischen erster und
zweiter Säule zu erreichen. Anderseits sollen damit die Organe der beruflichen
Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen bezüglich der Voraussetzungen des
Umfangs und des Beginns des Invalidenrentenanspruchs in der zweiten Säule
möglichst freigestellt werden (BGE 134 V 64 Erw. 4.1.2 mit Hinweis auf BGE 133 V 67
Erw. 4.3.2; BGE 132 V 1 Erw. 3.2 S. 4). Seien nach der gesetzlichen Konzeption der
Invalidenleistungen aus der ersten und zweiten Säule die Festlegungen der IV-Stelle
bezüglich Entstehung, Höhe und Beginn des Rentenanspruchs grundsätzlich für die
Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge massgebend und verbindlich,
müsse das im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren festgelegte
Invalideneinkommen dem Grundsatz nach auch in der berufsvorsorgerechtlichen
Überentschädigungsberechnung Berücksichtigung finden. Ausgangspunkt sei daher
der Grundsatz der Kongruenz von Invalideneinkommen und zumutbarerweise noch
erzielbarem Erwerbseinkommen im Sinn des Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2. Im gleichen
Verhältnis stünden Valideneinkommen und mutmasslich entgangener Verdienst (Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] B 17/03 vom 2. September 2004, zusammengefasst
in: SZS 2005 S. 321). Damit sei im Sinn einer Vermutung davon auszugehen, dass das
von der IV-Stelle festgelegte Invalideneinkommen dem zumutbarerweise noch
erzielbaren Erwerbseinkommen nach Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2 entspreche (BGE 134
V 64 Erw. 4.1.3).
2.3 Das invalidenversicherungsrechtlich festgelegte Invalideneinkommen wird auf der
Grundlage eines ausgeglichenen Arbeitsmarkts (Art. 16 ATSG) ermittelt. Der
ausgeglichene Arbeitsmarkt ist ein theoretischer und abstrakter Begriff. Er
berücksichtigt die konkrete Arbeitsmarktlage nicht, umfasst in wirtschaftlich
schwierigen Zeiten auch tatsächlich nicht vorhandene Stellenangebote und sieht von
den fehlenden oder verringerten Chancen Teilinvalider, eine zumutbare und geeignete
Arbeitsstelle zu finden, ab (BGE 110 V 273 Erw. 4b). Das zumutbarerweise erzielbare
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Erwerbseinkommen im Sinn von Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2 basiert nach der
Rechtsprechung demgegenüber auf dem Zumutbarkeitsgrundsatz, der die
Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Umstände, auch in
arbeitsmarktlicher Hinsicht, verlangt (BGE 134 V 64 Erw. 4.2.1 mit Hinweis auf Ueli
Kieser, Bemerkungen, in: AJP 2005 S. 228, Ziff. 5.4.1; Stefan Hofer, Überlegungen zum
revidierten Art. 24 Abs. 2 BVV 2, in: HAVE 2005, 167ff). Bei der Würdigung der
subjektiven Gegebenheiten und Möglichkeiten einer bestimmten versicherten Person
ist ein objektiver Massstab anzulegen. Bezogen auf das zumutbarerweise erzielbare
Erwerbseinkommen verlangt der Zumutbarkeitsgrundsatz, dass die
Vorsorgeeinrichtung, welche eine Kürzung ihrer obligatorischen Invalidenleistungen
beabsichtige, dem teilinvaliden Versicherten vorgängig das rechtliche Gehör
hinsichtlich jener arbeitsmarktbezogenen und persönlichen Umstände gewähren muss,
die ihm die Erzielung eines Resterwerbseinkommens in der Höhe des
Invalideneinkommens erschweren oder verunmöglichen. Solche subjektiven
Gegebenheiten, denen unter Zumutbarkeitsgesichtspunkten Rechnung zu tragen sei,
sind alle Umstände, welche - im Rahmen einer objektivierenden Prüfung - für die
effektiven Chancen des betreffenden Versicherten, auf dem jeweiligen tatsächlichen
Arbeitsmarkt eine geeignete und zumutbare Arbeitsstelle zu finden, von wesentlicher
Bedeutung sind (BGE 134 V 64 Erw. 4.2.1). Verfahrensrechtlich steht dem Recht der
versicherten Person, mit subjektiven Gegebenheiten und tatsächlichen
Arbeitsmarktchancen, welche die Erzielung eines dem Invalideneinkommen quantitativ
entsprechenden Resterwerbseinkommens erschweren oder verunmöglichen würden,
gehört zu werden, eine diesbezügliche Mitwirkungspflicht gegenüber. Die versicherte
Person hat die massgebenden persönlichen Umstände und tatsächlichen
Arbeitsmarktchancen, welche der Erzielung eines mit dem Invalideneinkommen
äquivalenten Resterwerbseinkommens entgegenstehen, im
Überentschädigungsverfahren zu behaupten, zu substantiieren und hierfür soweit
möglich Beweise anzubieten, namentlich durch den Nachweis erfolglos gebliebener
Stellenbemühungen (BGE 134 V 64 Erw. 4.2.2).
3.
3.1 Die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens würde im Fall des
Klägers bis zum monatlichen Betrag von Fr. 1'875.-- (Überentschädigungsgrenze von
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Fr. 5'342.-- abzüglich IV-Rente von Fr. 1'161.-- und Kinderzulagen von Fr. 146.-- sowie
abzüglich ungekürzte BV-Rente von Fr. 2'160.--; vgl. act. G 1/4) zu keiner Kürzung der
Rente der Beklagten führen. Zu prüfen ist somit die Frage, ob der Kläger ein höheres
Einkommen als Fr. 1'875.-- pro Monat erzielen könnte bzw. ob ihm ein solches
hypothetisches Einkommen angerechnet werden kann. Er war seit dem 1. August 2002
bei der Arbeitslosenversicherung angemeldet. Vom 17. Februar bis 31. Juli 2003
absolvierte er ein Einsatzprogramm des RAV (IV-act. 22, 25). Mit Wirkung ab 1. Mai
2004 erhielt er eine halbe IV-Rente wegen eines chronifizierten Schmerzsyndroms mit
Verdacht auf somatoforme Überlagerung und eines depressiven Syndroms (IV-act. 19,
20). Für die Verfügung vom 22. April 2004 (halbe Rente gestützt auf einen IV-Grad von
57% seit 1. Mai 2004; IV-act. 45) ging die IV-Stelle davon aus, dass der Kläger in seiner
bisherigen Tätigkeit als Hilfsmetzger vollumfänglich arbeitsunfähig sei. In einer der
Behinderung angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt könnte er ein Jahreseinkommen von Fr. 26'000.--
verdienen (IV-act. 35). Der Kläger bezog bis zu seiner Aussteuerung im Juli 2004
Taggelder der Arbeitslosenversicherung (EL-act. 84). Am 11. Juni 2004 bescheinigte
das RAV zuhanden der EL-Durchführungsstelle, dass der Kläger seine Arbeitsfähigkeit
aufgrund der Arbeitsmarktsituation in der Wohnregion nicht verwerten könne. Die
lediglich teilweise Vermittlungsfähigkeit (43%) bereite Schwierigkeiten. Im Weiteren
bestünden schulische Mängel. Die Arbeitssuche sei intensiv, aber erfolglos. Seit August
2004 erhielt er daher EL, mehrheitlich unter Verzicht auf die Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens (act. G 1/7; EL-act. 88, 87, 86, 82). Er musste dafür
jeweils den Nachweis seiner persönlichen Arbeitsbemühungen erbringen (act. G 18.1;
EL-act. 88, 61, 49). Für Juli 2005 wurde eine Herabsetzung des EL-Anspruchs verfügt,
da aufgrund ungenügender Arbeitsbemühungen ein hypothetisches
Erwerbseinkommen zu Anrechnung kam. Die EL-Durchführungsstelle forderte den
Kläger mit Schreiben vom 8. Juli 2005 auf, sich gezielt und schriftlich, auch mit Hilfe
des RAV, zu bewerben (act. G 1/8; EL-act. 58, 59). In der Folge bescheinigte die EL-
Durchführungsstelle für die Zeit ab August 2005 ausreichende Arbeitsbemühungen
(act. G 1/9; EL-act. 48, 43) und rechnete auch kein hypothetisches Erwerbseinkommen
mehr an (act. G 1/10, 1/12, 1/13; EL-act. 46, 41, 32, 31, 27, 26). Für Januar 2008 stellte
die EL-Behörde zwar in Aussicht, die EL erneut unter Berücksichtigung eines
hypothetischen Einkommens festzulegen, weil der Kläger keine schriftlichen
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Arbeitsbemühungen eingereicht habe (EL-act. 19). Diese Anrechnung fand in der Folge
jedoch nach Lage der Akten nicht statt (EL-act. 10).
3.2 Der behandelnde Psychiater Dr. med. C._, Wil, war im Bericht vom 30. Januar
2006 von einer Arbeitsfähigkeit von 25% in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen.
Der Kläger leide an einer endogenen Depression. Die Verschlechterung des
gesundheitlichen Zustands habe er (der Arzt) bereits beim ersten Gespräch am 9.
Oktober 2003 feststellen können (IV-act. 65). Der Hausarzt Dr. med. B._, Arzt für
Allgemeine Medizin FMH, hielt demgegenüber im Bericht vom 28. April 2006 fest, der
Gesundheitszustand des Klägers habe sich seit 2003 kaum geändert. Es fehle an der
Motivation und am Arbeitsmut (IV-act. 68). Dr. C._ bestätigte hierauf am 24. August
2006 eine mittel- bis schwergradige depressive Störung mit somatischen Symptomen,
eine Karzinophobie sowie ein chronifiziertes Schmerzsyndrom. Seit 9. Oktober 2003
bestehe eine 25%ige Arbeitsfähigkeit. In einem geschützten Rahmen könne der Kläger
eine Tätigkeit an zwei bis drei Halbtagen wöchentlich ausüben. Dabei dürfe er weder
unter einem Zeit- noch unter einem Leistungsdruck stehen (IV-act. 73). Von Seiten des
RAD wurde die Arbeitsfähigkeitsbestätigung von Dr. C._ lediglich als neue
Einschätzung eines medizinisch gleich gebliebenen Sachverhalts taxiert (IV-act. 74),
weshalb die IV-Stelle in der Mitteilung vom 3. November 2006 von einem
unveränderten IV-Grad von 57% ausging (IV-act. 75).
4.
4.1 Nach der - vor BGE 134 V 64 publizierten - Meinung des Bundesamtes für
Sozialversicherung war das zumutbarerweise noch erzielbaren Erwerbseinkommens
unter Berücksichtigung der Umstände (Art und Ausmass der Behinderung) und des
tatsächlichen Arbeitsmarktes (tatsächliche Situation auf der lokalen und regionalen
Ebene, Anzahl der angebotenen Stellen im Verhältnis zu Stellensuchenden etc.)
festzulegen. Das Bundesamt stellte sich auf den Standpunkt, es handle sich dabei
nicht um das Einkommen, welches auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt erzielt
werden könne, und es sei auch nicht zulässig, auf das Durchschnittseinkommen der
betreffenden Branche oder auf das Einkommen, welches die IV-Stellen sowie die Suva
für die Vornahme des Einkommensvergleichs bei der Berechnung des IV-Grads
annehmen würden, abzustellen. Dies bedeute, dass die Vorsorgeeinrichtung, welche
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eine Einkommensanrechnung machen wolle, zur Verhinderung von ungerechtfertigten
Kürzungen jeden Fall einzeln beurteilen müsse (Mitteilungen über die berufliche
Vorsorge Nr. 82 Rz 478). Die Auffassung des Bundesamtes wurde durch BGE 134 V 64
insofern nicht bestätigt, als dort die Vermutung der Erzielbarkeit des von der IV
festgelegten Invalideneinkommens aufgestellt wurde (vgl. auch Mitteilungen über die
berufliche Vorsorge Nr. 106 Rz 645). Allerdings sind auch nach der neuen
bundesgerichtlichen Praxis persönliche Umstände und tatsächliche
Arbeitsmarktchancen, welche der Erzielung eines mit dem Invalideneinkommen
äquivalenten Resterwerbseinkommens entgegenstehen, zu berücksichtigen (vgl.
vorstehende Erw. 2.3). Abzuklären ist, in welcher Form und unter welchen
Voraussetzungen dies konkret zu geschehen hat. In der Lehre wird in diesem
Zusammenhang ausgeführt, persönliche Verhältnisse auf Seiten der versicherten
Person seien nur insoweit von Bedeutung, als sie deren wirtschaftliches Fortkommen
nicht aus anderen, invaliditätsfremden Gründen (wie zum Beispiel fortgeschrittenes
Alter, mangelnde Schulbildung oder Sprachkenntnisse, psychosoziale und familiäre
Stressoren, Maladaption, sekundärer Krankheitsgewinn etc.) zusätzlich beeinträchtigen
würden. Derartige invaliditätsfremde Umstände, soweit sie persönlicher Natur seien
und nicht (allein) mit der aktuellen Arbeitsmarktlage erklärt werden könnten, hätten bei
der Ermittlung des kürzungsrelevanten erzielbaren Einkommens im BVG-
Obligatoriumsbereich ausser Betracht zu bleiben. Die Einzelfallprüfung könne sich auf
die Frage beschränken, ob der für die versicherte Person in Betracht fallende
Arbeitsmarkt im fraglichen Zeitpunkt eine passende Stelle bereithalte oder nicht
(Markus Moser/Hans-Ulrich Stauffer, Leistungskoordination zum Zweiten, Schweizer
Personalvorsorge 2008 Nr. 4, 85ff; Moser/Stauffer, Die Überentschädigungskürzung
berufsvorsorgerechtlicher Leistungen im Lichte der Rechtsprechung, SZS 2008, 91ff,
insb. 103ff).
4.2 Der Kläger stellt sich auf den Standpunkt, im Bereich der EL sowie im Bereich der
beruflichen Vorsorge bestehe insofern eine Parallele, als bei der Anspruchsberechnung
die Anrechnung eines zumutbarerweise noch erzielbaren Erwerbseinkommens erfolgen
könne. Dies unabhängig davon, welcher Verfassungsauftrag der jeweiligen
Sozialversicherung zugrunde liege. Es würden im EL-Bereich Umstände abgeklärt, die
auch im Bereich der beruflichen Vorsorge für die Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens gelten würden. Einziger Unterschied zwischen EL und beruflicher
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Vorsorge sei, dass bei den EL die versicherte Person dafür beweispflichtig sei, dass sie
ihre Resterwerbsfähigkeit nicht verwerten könne. Im Bereich der berufliche Vorsorge
obliege dieser Beweis der Vorsorgeeinrichtung (act. G 1 S. 8f). Demgegenüber lässt die
Beklagte vorbringen, die Anrechnung eines Erwerbseinkommens im EL-Bereich folge
eigenen Grundsätzen, die auf die berufliche Vorsorge nicht übertragbar seien. Der
Kläger müsse darlegen, dass er keine Arbeit finde, die Gründe dafür gegenüber der
Beklagten genügend substantiieren und die entsprechenden Beweise offerieren (act. G
8).
Ausgehend von der von der Rechtsprechung aufgestellten Vermutung der Erzielbarkeit
des von der IV festgelegten Invalideneinkommens ist in beweisrechtlicher Hinsicht
vorweg festzuhalten, dass es grundsätzlich an der versicherten Person liegt, im
Rahmen des rechtlichen Gehörs und ihrer Mitwirkungspflicht eine allfällige
Nichterzielbarkeit darzutun und die Vermutung dadurch umzustossen. Das - erstmals
im Urteil vom 6. Februar 2008 (BGE 134 V 64) ausdrücklich vorausgesetzte - rechtliche
Gehör kann vorliegend insofern als gewahrt gelten, als der Kläger im Nachgang zu der
mit Schreiben der Beklagten vom 28. November 2006 angekündigten Neuberechnung
auf 1. Mai 2007 (act. G 1/3) Gelegenheit hatte, seinen Standpunkt darzulegen. Der
Kläger wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ihm von den EL-Behörden kein
hypothetisches Einkommen angerechnet werde. Nach Lage der dargelegten Akten war
dies für den hier streitigen Zeitraum ab 1. Mai 2007 denn auch der Fall. Der Kläger
erbrachte - offenbar auch für den Monat Januar 2008 - nach den Feststellungen der
EL-Behörde zureichende Arbeitsbemühungen (vgl. vorstehende Erw. 3.1). Es kann
somit entgegen der vorerst geäusserten Auffassung der Beklagten (act. G 8 S. 3) nicht
in Abrede gestellt werden, dass sich der Kläger im streitigen Zeitraum ab Mai 2007 und
auch zuvor - mit Ausnahme des Juli 2005 (EL-act. 58f) - um eine Arbeitsstelle im
Rahmen seiner verbliebenen Erwerbsfähigkeit bemühte. Zu prüfen ist allerdings,
inwiefern die Feststellungen betreffend Einkommensanrechnung im EL-Bereich für die
vorliegend streitige Angelegenheit herangezogen werden können. Dabei stellt der von
der Beklagten angeführte Umstand allein, dass sie nicht in das Überprüfungsverfahren
der EL-Behörde einbezogen worden und daher nicht an den Entscheid dieser Behörde
gebunden sei (act. G 8 S. 6), keinen Grund dar, die im EL-Verfahren gemachten
Feststellungen und die dort produzierten Akten auch im hier streitigen Verfahren zu
würdigen. Vielmehr erscheint es schon aus Gründen der Praktikabilität sinnvoll, die
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Abklärungsergebnisse der EL-Behörde für die Klärung der hier streitigen Frage
beizuziehen. Gemäss Art. 3c Abs. 1 lit. g ELG gehören auch Einkünfte, auf die
verzichtet worden ist, zu den anrechenbaren Einnahmen. Ein solcher Verzicht auf
Einkünfte liegt unter anderem dann vor, wenn ein EL-Ansprecher aus von ihm zu
verantwortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen und zumutbaren
Erwerbstätigkeit und damit von der Erzielung eines Erwerbseinkommens absieht. Bei
einem Teilinvaliden ist grundsätzlich das Erwerbseinkommen anzurechnen, das er
effektiv erzielt (Art. 14a Abs. 1 ELV). Bei Teilinvaliden, die das 60. Altersjahr noch nicht
vollendet haben und die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, ist gemäss Art. 14a Abs. 2
ELV in Abhängigkeit vom Invaliditätsgrad ein bestimmter Mindestbetrag als
hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen (Art. 14a Abs. 2 lit. a ELV).
Rechtsprechungsgemäss handelt es sich dabei um eine gesetzliche Vermutung dafür,
dass es einem Teilinvaliden möglich und zumutbar wäre, im Rahmen seines von der
Invalidenversicherung ermittelten restlichen Leistungsvermögens mindestens diesen
Einkommensbetrag zu erzielen. Diese gesetzliche Vermutung kann durch den Beweis
des Gegenteils umgestossen werden. Dabei sind nur jene Umstände von Belang, die
bei der Invaliditätsbemessung zwar irrelevant waren, es dem Versicherten aber
verunmöglichen, seine Resterwerbsfähigkeit effektiv zu verwerten. Dazu gehören
sämtliche objektiven und subjektiven Besonderheiten wie Alter, Gesundheitszustand,
Sprachkenntnisse, Ausbildung, bisherige Tätigkeit, konkrete Arbeitsmarktlage sowie
eine allfällige Dauer der Abwesenheit vom Berufsleben (ZAK 1992, 174 Erw. 2c; BGE
117 V 287 Erw. 3a). Massgebend ist hierbei der konkrete Arbeitsmarkt in der
Umgebung des Wohnortes des Beschwerdeführers (Urteil des EVG P 18/02 vom 9. Juli
2002 i/S Y., Erw. 3b; zur Bemessung des anrechenbaren Einkommens vgl. Entscheid
des st. gallischen Versicherungsgerichts vom 11. Mai 2004 i/S P.S. [EL 2003/47] und
das in der Folge ergangene Urteil des EVG vom 17. August 2005 [P 40/04]).
4.3 Auch wenn die Grundsätze aus dem EL-Bereich nicht umfassend und unbesehen
für denjenigen der beruflichen Vorsorge übernommen werden können, ergibt sich doch
für beide Bereiche übereinstimmend einerseits die Vermutung der Erzielbarkeit des
Invalideneinkommens und anderseits die Feststellung, dass für die Ermittlung des
zumutbarerweise noch erzielbaren Resterwerbs die konkreten Verhältnisse der
versicherten Person und der tatsächlich zur Verfügung stehende Arbeitsmarkt zu
eruieren sind. Dabei kann entgegen der Auffassung der Beklagten (act. G 25 S. 7f) nicht
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entscheidend sein, dass im EL-Bereich beim zumutbarerweise noch erzielbaren
Erwerbseinkommen grundsätzlich Pauschalbeträge angenommen werden, wohingegen
in der beruflichen Vorsorge vom Invalideneinkommen der IV ausgegangen wird. Dies
umso weniger, als auch im Bereich der EL das effektiv zumutbare und mögliche
Erwerbseinkommen zu ermitteln ist. Gemäss dem klaren Wortlaut des
Einleitungssatzes des Art. 14a Abs. 2 ELV sind die in den lit. a bis c vorgeschriebenen
Einkommenszahlen nur Mindestbeträge. Verzichtet eine versicherte Person auf ein
Einkommen, das höher wäre als der massgebende Mindestbetrag gemäss Art. 14a
Abs. 2 lit. a bis c ELV, so ist dieses höhere Erwerbseinkommen in die EL-
Anspruchsberechnung einzusetzen (vgl. VsGE vom 11. Mai 2004 [EL 2003/47], a.a.O.,
Erw. 1c).
Die von den EL-Behörden ermittelten Umstände haben unter diesen Voraussetzungen
für die Einkommensanrechnung in der beruflichen Vorsorge zumindest den Charakter
von Indizien. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Anrechnung
eines zumutbaren Resterwerbs keinen ausschliesslich EL-spezifischen Hintergrund hat,
sondern auch im Leistungsrecht der Militärversicherung vorgesehen ist. So ist in Art. 32
Abs. 1 lit. c MVV festgehalten, dass Erwerbseinkünfte, die der teilweise
erwerbsunfähige Bezüger einer Rente der Militärversicherung und der IV oder der
Unfallversicherung zumutbarerweise noch erzielen könnte, voll anzurechnen sind.
Dabei wird grundsätzlich ebenfalls vom Invalideneinkommen der IV ausgegangen (vgl.
dazu F. Schlauri, Die Militärversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht,
Soziale Sicherheit, 2. A., Rz 237, sowie F. Schlauri, Beiträge zum Koordinationsrecht
der Sozialversicherungen, 1995, S. 65f, und F. Schlauri, Der zumutbare Resterwerb in
der Überentschädigungsberechnung der Sozialversicherungen, in: Mélanges en
l'honneur de Jean-Louis Duc, Lausanne 2001, S. 282). In Fällen, in denen es der
versicherten Person nicht oder nur teilweise zuzumuten ist, die ihr nach der
Rentenverfügung verbliebene Erwerbsfähigkeit zu realisieren, ist die Kürzung von
vorneherein in dem Mass auszuschliessen, in welchem die Realisierung nicht möglich
erscheint (vgl. Schlauri, Der zumutbare Resterwerb, S. 281 mit Hinweisen). Zum
Hinweis der Beklagten, Ergänzungsleistungen hätten einen gewissen
Sozialhilfecharakter (vgl. act. G 1/6), ist somit festzuhalten, dass den Leistungen aus
dem Bereich der Militärversicherung, wo unter Berücksichtigung der konkreten
arbeitsmarktlichen Verhältnisse hypothetische Einkommen ebenfalls zur Anrechnung
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kommen, ein solcher Charakter auf jeden Fall nicht zukommt. Sodann ist festzuhalten,
dass an den vom Kläger zu erbringenden Beweis nicht Anforderungen gestellt werden
dürfen, welche zum vornherein und unter allen in Betracht kommenden Konstellationen
nicht erfüllt werden können. So kann von ihm insbesondere nicht verlangt werden,
neben dem Beweis, dass er keine Arbeit findet, auch noch zu belegen, aus welchen
Gründen im Einzelnen seine Arbeitssuche bislang nicht zum Erfolg führte.
4.4 Nach der Rechtsprechung im Bereich der Arbeitslosenversicherung werden
Bewerbungen, welche lediglich telefonisch und "auf gut Glück" erfolgten, grundsätzlich
als qualitativ ungenügend erachtet (vgl. Entscheide des st. gallischen
Versicherungsgerichts vom 13. Juli 2004 i/S P.H. [AVI 2004/40] und i/S J.B. [2004/61]).
Zudem setzt der Nachweis der Nichterzielbarkeit eines Erwerbseinkommens
zweifelsfrei voraus, dass sich eine versicherte Person um Stellen bewirbt, welche ihren
gesundheitlichen und persönlichen Verhältnissen angepasst sind. Die EL-
Durchführungsstelle wies den Kläger mehrmals darauf hin, dass er sich gezielt und
schriftlich auf Stelleninserate zu bewerben habe und die Bemühungen überprüfbar zu
machen seien. Hieraus ergibt sich, dass die Arbeitsbemühungen von dieser Stelle
effektiv überprüft wurden. Die EL-Durchführungsstelle rechnete jedoch wie dargelegt
im Zeitraum von 2005 bis Anfang 2008 lediglich einmal ein hypothetisches
Erwerbseinkommen an (vorstehende Erw. 3.1; act. G 1/8, 1/11, 1/12, 1/13) und
erachtete die Bemühungen des Klägers damit grundsätzlich als zureichend (vgl. auch
Schreiben der Ausgleichskasse vom 11. August 2009, in welchem für die Zeit ab Juni
2009 die Arbeitsbemühungen verlangt werden und gemäss welchem für den
vorangegangenen Zeitraum offenbar keine Einkommensanrechnung erfolgt war; act. G
45 Beilage 1). Zum Einwand der Beklagten, dass sich der Kläger in der Regel
telefonisch bei potentiellen Arbeitgebern nach Stellen erkundigt und es sich zudem um
Spontanbewerbungen gehandelt habe (act. G 25 S. 5, G 39 S. 1f), ist festzuhalten, dass
die Arbeitsbemühungen für die Zeit von September 2004 bis November 2007 (act. G
18.1) gemäss den Angaben in den entsprechenden Formularen tatsächlich zum
grössten Teil mündlich/telefonisch erfolgten, dass jedoch - wohl als Ergebnis der
erwähnten Aufforderungen der EL-Durchführungsstelle - ab 2005 und insbesondere im
Jahr 2007 auch einzelne schriftliche Bemühungen vermerkt sind. Die mündliche Form
der Bemühungen vermag für sich allein deren Qualität noch nicht in Zweifel zu stellen,
wenn daneben auch schriftliche Bemühungen ausgewiesen werden. Dies umso
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weniger, als für den Kläger ein relativ grosses Spektrum an nicht einschlägig
qualifizierten Hilfsarbeiten in Betracht kommt, für welche von potentiellen Arbeitgebern
in der Regel keine schriftlichen Bewerbungen verlangt werden. Entgegen der
Auffassung der Beklagten lässt sich aus dem Umstand, dass der Kläger lediglich eine
beschränkte Anzahl schriftlicher Absagen von Arbeitgebern zu den Akten reichte,
offensichtlich nicht ableiten, dass er auch an höchstens neun potentielle Arbeitgeber
seine Bewerbungsunterlagen geschickt habe (vgl. act. G 25 S. 6), zumal
erfahrungsgemäss bei weitem nicht alle Bewerbungen eine Reaktion von Seiten der
angeschriebenen Arbeitgeber zur Folge haben.
Was die in Erw. 4.1 erwähnten allfälligen invaliditätsfremden Gründe für die
Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens betrifft, ist festzuhalten, dass die
ausländische Staatsangehörigkeit und die fehlende (verwertbare) Berufsausbildung
dem Beschwerdeführer grundsätzlich nicht schaden, weil die zumutbare Arbeit eine
Hilfsarbeit ist, für welche eine eigentliche Ausbildung nicht erforderlich ist. Hilfsarbeiten
stellen zudem regelmässig nur geringe Anforderungen an die
Kommunikationsmöglichkeit in deutscher Sprache. Unter diesen Umständen ist davon
auszugehen, dass die Nichterzielung eines Erwerbseinkommens im Wesentlichen darin
begründet ist, dass der konkrete Arbeitsmarkt jedenfalls im Prüfungszeitraum ab 1. Mai
2007 keine passende Teilzeitstelle bereithielt. Deshalb ist die Vermutung für die
Verwertbarkeit der Resterwerbsfähigkeit als widerlegt zu erachten.
4.5 Die Beklagte lässt im Weiteren vorbringen, es liege ein starkes Indiz dafür vor,
dass der Kläger seine Restarbeitsfähigkeit (zumindest) teilweise (effektiv) verwerte. Es
seien Angaben und Unterlagen zu den vom Kläger in den vergangenen fünf Jahren
eingelösten und abgemeldeten Fahrzeugen einzuholen. Der Kläger sei aufzufordern,
über seine diesbezüglichen Einkünfte belegmässig Auskunft zu geben (act. G 39 S. 2).
Im E-Mail vom 17. Januar 2005 (EL-act. 16-1/12) hatte die Kantonspolizei darauf
hingewiesen, dass der Kläger innerhalb eines kürzeren Zeitraumes mehrere Autos
eingelöst und abgemeldet habe. Aus den Steuerakten des Klägers ist jeweils ein
Fahrzeugwert ersichtlich (EL-act. 13-3/17, 16-12/12). Er lässt dazu ausführen, dass er
gerne an älteren Wagen herumwerkle. Er bastle, putze und verkaufe sie an Kollegen
zum Selbstkostenpreis. Einen finanziellen Gewinn ziehe er daraus nicht. Er habe etwas
zu tun, könne sich ablenken, fühle sich nicht ganz unnütz (act. G 45 S. 3).
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Anhaltspunkte, aufgrund welcher diese Darlegungen in Zweifel zu ziehen wären, liegen
nicht vor. Wie dargelegt hätte die Erzielung eines Einkommens bis zur monatlichen
Höhe von Fr. 1'875.-- keine Rentenkürzung zur Folge (vgl. Erw. 3.1). Mangels
entsprechender Hinweise darf davon ausgegangen werden, dass der Kläger mit der
erwähnten Tätigkeit kein Einkommen in der erwähnten Höhe erzielt. Weitere
diesbezügliche Abklärungen erscheinen bei diesem Sachverhalt nicht angezeigt.
4.6 Vorliegend konnte lediglich der Zeitraum von Mai 2007 bis Januar 2008 Gegen
stand der Prüfung bilden, da für die Folgezeit keine Akten (insbesondere
Arbeitsbemühungs-Nachweise) vorlagen. Mit der Beklagten ist festzuhalten, dass der
Kläger von seiner künftigen Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht nicht
entbunden ist, auch wenn ihm für den geprüften Zeitraum der Nachweis gelingt, dass
er kein dem Invalideneinkommen entsprechendes Resterwerbseinkommen erzielen
kann. Der von der Beklagten geltend gemachte Umstand, dass für das Jahr 2008 keine
Unterlagen (Arbeitsbemühungen) vorliegen (act. G 25 S. 5), vermag nichts daran zu
ändern, dass der Nachweis der Nichterzielbarkeit eines Erwerbseinkommens für die
Zeit ab Mai 2007 vorderhand als erbracht zu gelten hat. Der Nachweis der
Nichterzielbarkeit eines Erwerbseinkommens steht allerdings - wie die
Überentschädigungsberechnung als solche (vgl. Art. 24 Abs. 5 BVV 2) - immer unter
dem Vorbehalt einer Neuprüfung für den Fall einer wesentlichen Veränderung der
Verhältnisse. Der Beklagten ist es unbenommen, bei Vorliegen der Voraussetzungen
nach Art. 24 Abs. 5 BVV 2 eine Neuprüfung zu veranlassen und den Kläger zu
entsprechender Mitwirkung bzw. Einreichung von Unterlagen (vgl. dazu act. G 39 S. 2
unten) aufzufordern.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage gutzuheissen und die
Beklagte zu verpflichten, dem Kläger unter Anrechnung bereits erbrachter Leistungen
rückwirkend ab 1. Mai 2007 eine ohne Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens festgelegte Rente zu erbringen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Der Kläger hat Anspruch auf Parteientschädigung. Es
rechtfertigt sich, diese auf pauschal Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen.
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5.2 Im Bereich der beruflichen Vorsorge anerkennt die Rechtsprechung die Pflicht zur
Entrichtung von Verzugszinsen bei einer verspäteten Überweisung von
Freizügigkeitsleistungen sowie bei verspäteter Auszahlung eines Alterskapitals oder bei
Invalidenrenten (Hans-Ulrich Stauffer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zur
beruflichen Vorsorge, 1996, S. 27). Enthalten die Statuten keine Bestimmung über die
Höhe des Verzugszinses, beträgt dieser 5% (Art. 104 Abs. 1 OR). Der Beginn der
Zinspflicht richtet sich nach Art. 105 Abs. 1 OR (BGE 119 V 133 Erw. 4 = Pra 83 (1994)
Nr. 67), wonach ein Schuldner, der mit der Entrichtung von Renten im Verzug ist, erst
vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an Verzugszinsen
zu bezahlen hat. Im vorliegenden Fall hat der Kläger am 13. Februar 2008 Klage beim
Versicherungsgericht erhoben; somit schuldet ihm die Beklagte ab diesem Zeitpunkt
Verzugszins zu 5% auf den ausstehenden Leistungen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG