Decision ID: bfb4a601-69e9-5386-ac9a-3dd8afbeafb8
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. E. Ronald Pedergnana, Rorschacher Strasse 21,
Postfach 27, 9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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berufliche Massnahmen und Rente (medizinische Abklärung)
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 20. November 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an. Im
Gesuchsformular gab sie u.a. an, sie habe in ihrem Herkunftsland die Grundschule
besucht, einen Beruf habe sie nicht erlernt (IV-act. 1). Dr. med. B._, FMH
Allgemeinmedizin, berichtete am 8. Januar 2007, bei der Versicherten seien folgende
Diagnosen erhoben worden: Diabetes mellitus Typ II, peripher-zentrale vestibuläre
Funktionsstörung linksbetont mit visuo-oculomotorischer Funktionsstörung, St. n.
Entfernung Fibroma pendulans Achselfalte rechts sowie Fibromae pendulantes
Achselfalten bds. am 02.02.06, LWS-Schmerzsyndrom. Der Gesundheitszustand sei
stationär. Die Versicherte sei seit dem 20. Dezember 2005 bei ihm in Behandlung. Sie
besuche mehr oder weniger regelmässig die Sprechstunde. Sie beziehe u.a.
regelmässig Medikamente. Wegen einer Vestibulopathie sei sie bei Dr. C._ in St.
Gallen in Behandlung. Gelegentlich besuche sie aufgrund ihres LWS-
Schmerzsyndroms die Physiotherapie (IV-act. 11). Die IV-Stelle ersuchte auch den
behandelnden Psychiater Dr. med. D._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, einen
Bericht einzureichen. Trotz vielen Mahnungen ging kein Bericht ein. Am 13. September
2007 hielt Dr. E._ vom RAD fest, um eine valide Aussage betreffend den
Gesundheitszustand und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu erhalten, sei
eine bidisziplinäre (rheumatologische und psychiatrische) Begutachtung notwendig (IV-
act. 24). Dr. B._ übermittelte der IV-Stelle am 15. Oktober 2007 zwei Berichte von Dr.
med. C._, Spezialarzt FMH für Otorhinolaryngologie und Hals- und Gesichtschirurgie,
vom 28. August und 22. November 2006 (IV-act. 31). Gemäss dem ersten Bericht litt
die Versicherte an einer gering- bis höchstens mittelgradigen zentralen vestibulären
Funktionsstörung, die sich im Verlauf von zwei bis drei Jahren nicht genügend
kompensiert hatte. Gemäss dem zweiten Bericht hatte sich eine wesentliche
Verbesserung eingestellt. Es bestanden nur noch leicht handicapierende
Restbeschwerden. In einer Notiz vom 6. Dezember 2007 hielt die zuständige
Sachbearbeiterin der IV-Stelle fest, die Versicherte sei bei der Firma Aluwag mit einem
Beschäftigungsgrad von 100% tätig gewesen. Da sie also als vollerwerbstätig zu
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qualifizieren sei, könne auf die geplante Haushaltabklärung verzichtet werden (IV-act.
34).
B.
B.a Dr. med. F._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete in seinem
psychiatrischen Untergutachten vom 3. Dezember 2007 (IV-act. 35-20/23 bis 23/23),
die Versicherte habe bei der Anamneseerhebung angegeben, sie habe von 2000 bis
2002 als Produktionsmitarbeiterin für die F._ gearbeitet. Sie habe sich dort gemobbt
gefühlt und dann auch ein schlechtes Zeugnis erhalten. Die Arbeit sei sehr belastend
gewesen. Arbeitsbeginn sei morgens um 04:00 Uhr gewesen. Im Juni 2002 sei ihr
gekündigt worden. Anschliessend habe sie bis zur Aussteuerung Arbeitslosentaggelder
bezogen. In bezug auf die aktuellen Beschwerden habe die Versicherte angeführt, sie
sei seit ca. zwei Jahren in psychiatrischer Behandlung wegen eines depressiven
Syndroms. Der behandelnde Psychiater habe ihr viele Medikamente verordnet, aber
keines habe so richtig geholfen. Nur gegen die innere Unruhe nehme sie manchmal
etwas ein. Wegen der Rückenschmerzen schlafe sie schlecht. Deshalb sei sie tagsüber
müde, unkonzentriert und vergesslich. Nach jeder Tätigkeit im Haushalt sei sie rasch
müde und erschöpft. Mit der Nachbarin gehe sie ein wenig spazieren. Ansonsten sei
sie immer zuhause und sehe fern. Der Ehemann sei oft auf dem elterlichen Bauernhof,
wo er sich um die Schafe kümmere. Sie habe sich damit abgefunden, dass er komme
und gehe, wie es ihm passe. Aufgrund der Schmerzen könne sie nicht viel
unternehmen, sie vermisse ihre sozialen Kontakte. Vor zwei Jahren sei eine Schwester
gestorben. Damals habe sie unter einer schweren depressiven Krise gelitten. Seither
sei sie aus der depressiven Verstimmung nie wieder ganz herausgekommen. Sie sei
zunehmend unruhig und nervös geworden, insbesondere weil sie keine
Lebensperspektive mehr habe. Dr. F._ stellte die Diagnose einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig eher dysthymes Zustandsbild (leichte depressive
Episode) mit somatischem Syndrom. Er führte weiter aus, die seelischen Konflikte der
Versicherten könnten nachvollzogen werden. Warum diese aber nicht anders als durch
körperliche Schmerzen ihren Ausdruck finden sollten, sei unklar. Deshalb sollte die
Diagnose einer depressiven Störung mit somatischem Syndrom ausreichen (keine
somatoforme Schmerzstörung). Eine Reintegration wäre aus psychiatrischer Sicht sehr
wünschenswert, zumal so auch eine Verschlechterung des psychischen Zustandsbilds
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aufgefangen werden könnte. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit um 25%
eingeschränkt. Die Medikation sei zu überdenken. Anscheinend nehme die Versicherte
zu viele Medikamente in unklarer Dosierung ein resp. sei sie über die Medikation
ungenau informiert. Der Therapieansatz mit Cymbalta sollte weiterverfolgt werden. Eine
psychiatrische tagesklinische Betreuung könnte sinnvoll sein, um der Versicherten eine
sinnvolle Tagesstruktur zu bieten und ihr die Wiedereingliederung in das Berufsleben zu
ermöglichen.
B.b Dr. med. G._, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin, berichtete in
seinem Gutachten vom 28. Dezember 2007, das gleichzeitig das Hauptgutachten war
(IV-act. 35-1/23 bis 11/23), die Versicherte habe Rückenbeschwerden angegeben, die
mit der Arbeitsaufnahme in der Schweiz begonnen hätten. Trotz einer Behandlung
habe sie weiterhin Schmerzen gehabt, so dass sie die Kündigung erhalten habe. Nach
dem Ende der Erwerbstätigkeit seien die Rückenschmerzen gleich geblieben. Die
Schmerzen strahlten diffus aus, lumbal/lumbosakral bis nach kranial zum Kopf mit
Auslösung von Kopfschmerzen und Schwindel. Infolge des Schwindels habe sie einen
Rechtsdrall, der sie beim Gehen behindere. Teilweise bestünden Ausstrahlungen zum
Gesäss resp. zu den Hüften (zunehmend beim treppauf Gehen). Beim Husten und
Niessen habe sie Schmerzen vornehmlich im Bereich der BWS. Ansonsten seien die
Rückenschmerzen weitgehend gleichbleibend vorhanden, ohne zirkadiane
Schwankungen. Bei Arbeiten in vorgeneigter Körperhaltung nähmen die Beschwerden
zu. Eine Schmerzausstrahlung bestehe auch beidseits von tieflumbal resp. vom
Beckenkamm bis nach gluteal und zu den Trochanteren sowie teilweise zum lateralen
Oberschenkel bds. Dr. G._ führte weiter aus, auf Nachfragen habe die Versicherte
beidseitige Knieschmerzen erinnert, vornehmlich patellär, die beim Gehen auf Treppen
und bei Gehstrecken über 1 km aufträten (keine Schwellungen, keine Blockaden).
Ebenfalls auf Nachfrage habe die Versicherte auch nächtliche Beschwerden
angegeben. Hingegen habe sie Anlaufsymptome verneint. Zusammenfassend hielt Dr.
G._ fest, die Angaben der Versicherten hätten äusserst diffus, unspezifisch und
auslotend gewirkt; die Versicherte sei stark suggestibel gewesen. Bei einer VAS von 0
bis 10 habe die Versicherte ihren aktuellen Schmerzpegel teils lachend und
augenzwinkernd und ohne vordergründigen Leidensdruck auf dem Stuhl sitzend mit 6
bis 7 angegeben; der Schmerzpegel falle nie unter 5. Gestützt auf das Ergebnis der
klinischen Untersuchung und auf die Röntgenaufnahmen vom 25. April 2006 (LWS ap
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und seitlich) und vom 26. November 2007 (Beckenübersicht) stellte Dr. G._ die
Diagnosen eines chronischen lumbovertebralen bis -spondylogenen Schmerzsyndroms
bds. (degenerative Veränderungen der LWS, geringes organisches Korrelat, V. a.
Symptomausweitung bei psychosozialer Problemkonstellation), radiologisch
beginnende Coxarthrose rechts (derzeit geringes klinisches Korrelat) sowie - ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - Adipositas Klasse I, Diabetes mellitus Typ II, arterielle
Hypertonie. In seiner Beurteilung gab Dr. G._ an, die klinische Untersuchung habe
primär durch die ungünstige Statik erklärbare tendomyotische Verspannungen der
lumbalen rumpfstabilisierenden Muskelgruppen ergeben, die medizinisch-
therapeutisch einer lokalen Physiotherapie und einer regelmässig durchgeführten, die
Rumpfmuskulatur kräftigenden und Fehlhaltungen korrigierenden Bewegungstherapie
zugänglich sein sollten. Anhaltspunkte für eine Kompression neuromeningealer
Strukturen bestünden klinisch nicht. Vielmehr habe der Gesamteindruck aus den
Beschwerdeschilderungen und aus dem Verhalten im Verlauf der Untersuchung mit
multiplen Inkonsistenzen den Verdacht auf eine erhebliche Symptomausweitung
ergeben, die eher durch Ko-Faktoren des psychosozialen Umfelds als durch eine
derzeit organisch am Bewegungsapparat nachweisbare Pathologie erklärbar sei. In der
aktuellen Untersuchung seien keine Anhaltspunkte für eine signifikante, das
Funktionieren im Alltag oder im Beruf einschränkende Schwindelsymptomatik zu
erheben gewesen. Aufgrund der Anamnese mit kurzen Schwindelattacken und
aufgrund der vestibulären Funktionsstörung seien Tätigkeiten mit Einsatz an
rotierenden Maschinen und Arbeiten auf Leitern, Gerüsten und Treppen wegen der
Sturz- und Verletzungsgefahr nicht zu empfehlen. Aus rheumatologischer Sicht liege
die Belastbarkeit im Rahmen jeder körperlich bis zu mittelschwer belastenden Tätigkeit
in wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen (gehend, stehend, sitzend), wobei die
Versicherte vorübergehend auch eine vorgeneigte Körperhaltung einnehmen könne.
Die zusammenfassende, bidisziplinäre Arbeitsfähigkeitsschätzung ergab für körperlich
adaptierte Tätigkeiten eine psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit von 25%. Dr.
G._ hielt abschliessend fest, in der belasteten Vorgeschichte der Versicherte habe es
viele Situationen gegeben, die eine depressive Verstimmung hätten auslösen können,
doch könne er keine sichere Beurteilung der Arbeitsfähigkeit retrospektiv abgeben. Seit
zwei Jahren bestehe eine fachärztlich psychiatrische Behandlung. Das genaue
Ausmass der psychisch bedingten Einschränkungen sei dort zu erfragen. Mit einer
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gewissen Berechtigung könne die derzeitige Limitierung von 25% als Minimum für die
Behandlungsphase angesetzt werden. Dr. E._ vom RAD betrachtete die
Arbeitsfähigkeitsschätzung am 15. Februar 2008 als überzeugend (IV-act. 36).
C.
Am 3. April 2008 gab die Versicherte an, sie sei bereit, sich regelmässig zu bewerben
und eine der Behinderung angepasste Stelle anzutreten (IV-act. 39). Die IV-Stelle
forderte die Versicherte am 2. Juli 2008 auf, bis 31. Juli 2008 mindestens fünf
geeignete Stelleninserate einzureichen, ansonsten nicht auf ihr Gesuch um berufliche
Massnahme eingetreten werden könne (IV-act. 40). Dr. med. H._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, bestätigte am 16. Juni 2008 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit der
Versicherten aus psychischen Gründen (IV-act. 41). Am 4. Dezember 2008 forderte die
IV-Stelle den behandelnden Psychiater ein weiteres Mal auf, einen Arztbericht
einzureichen (IV-act. 45). Dr. D._ berichtete am 5. Januar 2009 auf einem Formular
mit dem Versanddatum 22. Januar 2007 (IV-act. 46), die Versicherte leide an einer
mittel- bis schwergradigen depressiven Störung auf dem Boden einer ängstlichen
Persönlichkeitsstörung, an einer gemischten Angststörung und an einer somatoformen
Schmerzstörung. Seit dem 28. November 2006 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von
75%. Der Gesundheitszustand sei stationär. Die Versicherte klage über intensive
Schmerzen, die ihr das Leben sehr schwer machten und durch die sie völlig erschöpft
sei. Sie fühle sich völlig lust- und interesselos, finde das Leben ganz sinnlos, sehe
keine Zukunft. Sie sei sozial total isoliert, leide unter Einsamkeit und möchte manchmal
am liebsten sterben. Dr. D._ führte weiter aus, er habe die Versicherte mit
Antidepressiva und Anxiolytika behandelt. Ausserdem hätten regelmässig
psychotherapeutische Gespräche stattgefunden. Während der ganzen Zeit hätten
depressive und Angstsymptome das Krankheitsbild dominiert. Die Therapie habe keine
Besserung gebracht. Der Krankheitsverlauf habe sich chronifiziert und er habe einen
invalidisierenden Verlauf genommen. Die Versicherte könnte in einem geschützten
Rahmen zu 25% arbeiten. Sollte keine Besserung eintreten, sei eine Therapie in einer
psychiatrischen Institution vorgesehen. Dr. E._ vom RAD hielt dazu am 4. März 2009
fest (IV-act. 47), im Arztbericht von Dr. D._ seien psychopathologisch keine
wesentlich neuen Befunde dokumentiert, die bei der Begutachtung nicht bekannt
gewesen seien. Anamnestisch gebe es keine zusätzlichen Hinweise auf eine erhebliche
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Verschlechterung seit der Begutachtung. Deshalb sei weiterhin auf das Gutachten
abzustellen. Die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle hielt in ihrem
Schlussbericht vom 17. März 2009 (IV-act. 49) fest, sie habe die Versicherte ein Jahr
erfolglos begleitet. Aufgrund der passiven Haltung der Versicherten könne davon
ausgegangen werden, dass keine Motivation bestehe. Die Mitwirkungspflicht sei nicht
erfüllt worden. Sie schliesse den Fall ab. Mit einem Vorbescheid vom 13. Juli 2009
kündigte die IV-Stelle die Abweisung des Gesuchs um berufliche
Eingliederungsmassnahmen an, da sich die Versicherte nicht arbeitsfähig fühle (IV-act.
54). Mit einem weiteren Vorbescheid vom 13. Juli 2009 orientierte die IV-Stelle die
Versicherte darüber, dass sie auch das Rentengesuch abweisen werde (IV-act. 56). Zur
Begründung gab sie an, der Invaliditätsgrad betrage lediglich 25%. Die Versicherte
liess am 29. September 2009 einwenden, es sei ein neues rheumatologisches und
psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben und danach sei der Invaliditätsgrad neu
zu bestimmen (IV-act. 60). Wenn ein behandelnder Arzt objektiv feststellbare
Gesichtspunkte vorbringe, die im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung
unerkannt geblieben und geeignet seien, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen,
könne nicht ohne weiteres an einer medizinischen Administrativexpertise festgehalten
werden. Folgende Differenzen seien zu erkennen: Diagnose, Anamnese, objektiver
Befund. Im Gutachten fehlten Angaben zum Allgemeinstatus. Dr. F._ habe nicht
dargelegt, inwiefern sich die Dysthymie auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Deshalb
stimme die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht mit dem massgebenden
Beweisgegenstand überein. Das Gutachten sei offensichtlich veraltet. Die Aussage von
Dr. F._, die Angaben der Versicherten wirkten äusserst diffus, unspezifisch und
auslotend, trage nicht zur Annahme bei, dass das Gutachten objektiv und unbefangen
erstellt worden sei. Es fehlten zudem aktuelle Röntgenbilder der LWS. Dr. G._ habe
zur Bestimmung der psychiatrisch begründeten retrospektiven Arbeitsunfähigkeit auf
den behandelnden Psychiater verwiesen. Dr. E._ vom RAD hielt zu diesen Einwänden
der Versicherten am 23. Dezember 2009 fest (IV-act. 62), die Gutachter und die
behandelnden Ärzte stimmten entgegen der Auffassung der Versicherten darin überein,
dass als wesentliche Diagnose eine depressive Stimmung vorliege. Unterschiedlich
seien nur die Auffassungen betreffend den Schweregrad und betreffend die
Arbeitsfähigkeit. In der neu angefertigten Röntgenaufnahme des Beckens sei auch die
LWS zur Darstellung gekommen. Die Aufnahmen der LWS seien im
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Begutachtungszeitpunkt etwa eineinhalb Jahre alt gewesen. Es sei hinlänglich bekannt,
dass die klinisch objektivierbare Befunderhebung und die ärztliche Beurteilung der
funktionellen Einschränkung für die Arbeitsfähigkeitsschätzung von ungleich grösserer
Wertigkeit seien als die bildgebende Diagnostik. Auf die RAD-Stellungnahmen vom 15.
Februar 2008 und 4. März 2009 könne unverändert abgestellt werden. Mit Verfügungen
vom 15. und 16. Februar 2010 wies die IV-Stelle das Rentengesuch und das Gesuch
um berufliche Eingliederungsmassnahmen ab (IV-act. 63, 64).
D.
Die Versicherte liess am 4. März 2010 Beschwerde erheben und beantragen, die Sache
sei zur Veranlassung eines polydisziplinären Gutachtens (rheumatologisch, psychia
trisch) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und aufgrund des Gutachtens sei
dann die Rente neu zu prüfen (act. G1). Ihr Rechtsvertreter machte geltend, beide
Verfügungen seien angefochten. Die Ausführungen in bezug auf die beruflichen
Massnahmen knüpften am Umstand an, dass die Erwerbsfähigkeit nicht korrekt
festgestellt worden sei. Werde eine neue Begutachtung durchgeführt, ändere sich auch
die Ausgangslage für die beruflichen Massnahmen. Die IV-Stelle habe sich mit den
Einwänden in der Stellungnahme zu den Vorbescheiden nicht auseinandergesetzt und
damit den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Das Gutachten G._/F._ sei
mehr als zwei Jahre alt und deshalb ungeeignet, die nötige Aktualität zu liefern. Dr.
D._ habe neue medizinische Unterlagen eingereicht, welche die Einschätzung der
Gutachter widerlegten. Da die Gutachter nicht versucht hätten, mit Dr. D._ Kontakt
aufzunehmen und sich mit seiner abweichenden Meinung auseinanderzusetzen, sei
das Gutachten unvollständig. Es sei auch in bezug auf die otorhinolaryngologischen
Beschwerden unvollständig. Zudem beruhe es auf veralteten Röntgenbildern. Auch die
psychiatrische Einschätzung sei veraltet. Sie stelle zudem auf eine Momentaufnahme
ab. Die Anamnese sei unvollständig erhoben worden. Es fehlten nämlich der frühe
Unfalltod des Vaters, die Aggression des ersten Ehemannes, Angaben zum
Allgemeinstatus und zum äusseren Erscheinungsbild der Versicherten. Das Gutachten
setze sich nicht mit abweichenden medizinischen Berichten auseinander und die
gezogenen Schlussfolgerungen (in bezug auf die retrospektive
Arbeitsfähigkeitsschätzung) seien nicht nachvollziehbar. Das Gutachten sei deshalb für
die streitigen Belange nicht umfassend und nicht schlüssig. Dr. E._ vom RAD sei
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nicht Psychiater, sondern Allgemeinmediziner. Beim Einkommensvergleich hätte ein
zusätzlicher Abzug vom statistischen Durchschnittseinkommen von 25% erfolgen
müssen. Die neue Begutachtung werde ergeben, dass die Arbeitsfähigkeit nur 25%
betrage und dass eine Verwertung dieser Restarbeitsfähigkeit nur noch in einem
geschützten Rahmen möglich sei. Damit werde in bezug auf die beruflichen
Eingliederungsmassnahmen eine neue Entscheidgrundlage bestehen.
E.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 19. April 2010 die Abweisung der Beschwerde
(act. G4). Sie hielt fest, dass sie in der angefochtenen Verfügung auf die Einwände der
Beschwerdeführerin ausführlich eingegangen sei. Das Gutachten G._ sei schlüssig,
weil klinisch kein Schwindel nachweisbar gewesen sei und weil die neuen
Röntgenaufnahmen des Beckens in bezug auf die LWS nur altersentsprechende
degenerative Veränderungen gezeigt hätten. Die von Dr. F._ festgestellte leichte
depressive Störung sei entsprechend der höchstrichterlichen Rechtsprechung nicht
invalidisierend. Die Einschätzung von Dr. D._ sei nicht schlüssig, denn sie stelle auf
die bei Schmerzpatienten übliche dramatische Symptomatik ab. Es sei zudem
gerichtsnotorisch, dass Dr. D._ stets tiefe Arbeitsfähigkeiten attestiere. Sein Bericht
enthalte keine Gesichtspunkte, die bei der Begutachtung unerkannt geblieben und
geeignet seien, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen. Es gebe keinen Hinweis
auf eine Veränderung des Gesundheitszustands seit der Begutachtung. Ein zusätzlicher
Abzug vom statistischen Durchschnittseinkommen sei nicht notwendig, weshalb keine
Invalidität bestehe. Ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung setze behinderungsbedingte
Schwierigkeiten bei der Stellensuche voraus. Allfällige Schwierigkeiten der
Beschwerdeführerin bei der Stellensuche seien nicht auf die Behinderung
zurückzuführen. Deshalb falle die Arbeitsvermittlung in den ausschliesslichen
Zuständigkeitsbereich der Arbeitslosenversicherung. Da die Beschwerdeführerin gar
nicht eingliederungsfähig sei, bestehe nicht nur kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung,
sondern auch kein Anspruch auf andere berufliche Eingliederungsmassnahmen.
F.
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Die Beschwerdeführerin liess in der Replik vom 26. Mai 2010 einwenden, es bleibe
dabei, dass das Gutachten veraltet sei, weil die Beschwerdegegnerin sich erst mit
eineinhalb Jahren Verspätung zu einem Vorbescheid habe durchringen können. Der
nun notwendig gewordene Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik Wil zeige, dass sie
keiner Erwerbstätigkeit nachgehen könne. Die Diagnose einer somatoformen
Schmerzstörung sei von den Gutachtern gar nicht gestellt worden. Angesichts der
nachweisbaren somatischen Beeinträchtigungen sei nicht nachvollziehbar, weshalb die
Beschwerdegegnerin zum Schluss gelangt sei, dass die depressive Störung lediglich
eine Reaktion auf nicht objektivierbare Schmerzen bzw. auf deren
Begleiterscheinungen sei. Es sei von verselbständigten Gesundheitsschäden
auszugehen, die invalidisierenden Charakter aufwiesen. Da Dr. F._ nicht über die von
Dr. D._ geführte Krankengeschichte verfügt habe, sei sein Gutachten nicht
beweistauglich. Die Ausführungen der Beschwerdegegnerin beruhten auf der
unrichtigen Annahme, es liege eine somatoforme Schmerzstörung ohne relevante
Komorbidität vor. Weil diese Annahme in den tatsächlichen Verhältnissen aber keine
Stütze finde, seien die Schlussfolgerungen der Beschwerdegegnerin unrichtig.
G.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 4. Juni 2010 auf eine Duplik (act. G8).

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat über die Gesuche um berufliche
Eingliederungsmassnahmen und um eine Invalidenrente getrennt verfügt. Das war
korrekt, denn es handelt sich um zwei voneinander unabhängige Rechtsverhältnisse,
über die getrennt entschieden werden muss. Hier fehlt nämlich die in vielen Fällen aus
dem Grundsatz der Eingliederung vor Rente (vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A.,
Vorbemerkungen N. 47) resultierende Bedingtheit der Rentenverfügung, die jeweils
darauf zurückzuführen ist, dass erst dann ein Rentenanspruch bejaht werden kann,
wenn von einer beruflichen Eingliederung keine (weitere) Reduktion der
rentenspezifischen Invalidität zu erwarten ist. Formal betrachtet hat die
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Beschwerdeführerin also zwei Beschwerden erhoben, die eine gegen die
Rentenabweisung vom 15. Februar 2009, die andere gegen die Abweisung des
Gesuchs um berufliche Eingliederungsmassnahmen vom 16. Februar 2009. Da der
massgebende Sachverhalt beider Beschwerdeverfahren weitgehend derselbe ist und
da die Parteien identisch sind, rechtfertigt sich aus verfahrensökonomischen Gründen
eine Behandlung der beiden Beschwerden in einem einzigen Urteil.
2.
Die angefochtene Verfügung vom 15. Februar 2010, mit der die Beschwerdegegnerin
einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente verneint hat, enthält
eine ausführliche Stellungnahme zu den Vorbringen im Einwand vom 29. September
2009. Dass sich diese Stellungnahme nicht mit sämtlichen Detailargumenten der
Beschwerdeführerin auseinandergesetzt hat, schadet nicht, denn dem Anspruch eines
Verfügungsadressaten auf eine ausreichende Verfügungsbegründung (Art. 49 Abs. 3
Satz 2 ATSG) ist Rechnung getragen, wenn eine Auseinandersetzung mit den Haupt
argumenten erfolgt. Dabei hat die verfügende Verwaltung ein erhebliches Ermessen bei
der Bestimmung dessen, was sie als Hauptargumentation betrachten will. Es liegt also
keine Verletzung der Begründungspflicht vor, nur weil ein Verfügungsadressat seine
Einwände anders gewichtet als die verfügende Verwaltung. Die Verfügung vom 15.
Februar 2010 enthält eine ausreichende Begründung, denn die Beschwerdeführerin ist
damit in die Lage versetzt worden, zu entscheiden, ob sie die Verfügung akzeptieren
oder anfechten will, und eine allfällige Beschwerde rechtsgenüglich zu begründen (vgl.
Thomas Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3.A., S. 459). Dasselbe gilt
für die Verfügung vom 16. Februar 2010, mit der die Beschwerdegegnerin das
Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen abgewiesen hat. Die Begründung
ist zwar kurz, aber das korrespondiert mit dem Umstand, dass der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin im Einwand vom 29. September 2009 nicht dargelegt hat, weshalb
die im Vorbescheid angekündigte Abweisung des Gesuchs um berufliche
Eingliederungsmassnahmen aus anderen Gründen als der angeblich unzureichenden
medizinischen Aktenlage rechtswidrig sein solle.
3.
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Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
3.1 Grundlage der Bemessung des Valideneinkommens bildet jene erwerbliche Situa
tion, in der sich die versicherte Person befinden würde, wenn sie nicht krank geworden
wäre. Diese hypothetische erwerbliche Situation wird als Validenkarriere bezeichnet.
Ausgehend von dieser Validenkarriere wird das Valideneinkommen ermittelt. Meist
besteht die Validenkarriere in der hypothetischen weiteren Ausübung der letzten
Arbeitstätigkeit, so dass das Valideneinkommen anhand jenes Lohnes zu ermitteln ist,
den die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt an ihrem letzten Arbeitsplatz
erzielen würde. Die Beschwerdeführerin hat ab 2000 als Produktionsangestellte
gearbeitet. Im Jahr 2002 ist ihr gekündigt worden. Die Auflösung des
Arbeitsverhältnisses ist nicht auf gesundheitliche Probleme zurückzuführen gewesen.
Schon aufgrund dieses Umstands kann die Validenkarriere nicht in einer
hypothetischen Weiterführung des Arbeitsverhältnisses der Jahre 2000 bis 2002
bestehen. Da die letzte Erwerbstätigkeit zudem mehrere Jahre zurückliegt, muss die
Validenkarriere anhand der erwerblichen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin bestimmt
werden. Die Beschwerdeführerin hat keinen Beruf erlernt und sie hat sich während ihrer
Erwerbstätigkeit auch keine qualifizierten beruflichen Kenntnisse angeeignet. Es deutet
auch nichts darauf hin, dass sie sich, wäre sie weiterhin erwerbstätig gewesen,
beruflich weitergebildet hätte. Es gibt aber auch keine Indizien dafür, dass die
Beschwerdeführerin nur völlig unqualifizierte Hilfsarbeiten hätte ausüben und deshalb
nur einen unterdurchschnittlichen Lohn hätte erzielen können. Ebensowenig gibt es
Indizien dafür, dass die Beschwerdeführerin im hypothetischen "Gesundheitsfall" ihre
Arbeitsfähigkeit in einer bestimmten Branche besser als in anderen Branchen
verwerten könnte. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht auf eine
hypothetische durchschnittliche Hilfsarbeiterinnenkarriere geschlossen und
dementsprechend das Valideneinkommen ausgehend vom Zentralwert der Löhne der
Hilfsarbeiterinnen in allen Branchen ermittelt. Wohl aufgrund des tiefen im individuellen
Beitragskonto (IK) verbuchten Lohns 2000 bis 2002 ist die Beschwerdegegnerin
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zunächst davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin teilzeitlich tätig gewesen
sei. Auch der psychiatrische Gutachter ist von einer Teilzeitbeschäftigung
ausgegangen, wobei nicht bekannt ist, ob er das von der Beschwerdeführerin selbst
erfahren oder ob er das den Akten (vgl. die interne Anfrage an den RAD, IV-act. 24)
entnommen hat. Die Beschwerdegegnerin ist dann aber, wie sich einer Telephonnotiz
vom 6. Dezember 2007 entnehmen lässt (vgl. IV-act. 34), gestützt auf die Angaben des
letzten Arbeitgebers davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin doch
vollzeitlich erwerbstätig gewesen sei. Da einer unbestätigten Telephonnotiz kein
ausreichender Beweiswert beizumessen ist und da es Indizien dafür gibt, dass die
Beschwerdeführerin tatsächlich teilzeitlich erwerbstätig gewesen sein könnte, steht der
Beschäftigungsgrad in der Periode 2000 bis 2002 nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Über den hypothetischen Beschäftigungsgrad,
von dem das RAV ab 2002 ausgegangen ist, lässt sich den Akten nichts entnehmen.
Nun handelt es sich bei der Bestimmung der Validenkarriere, zu der auch der
hypothetische Beschäftigungsgrad gehört, naturgemäss um eine Prognose - aus der
Sicht des Zeitpunkts der Entstehung eines allfälligen Rentenanspruchs - für die
Zukunft. Eine solche Prognose kann nicht nur anhand der erwerblichen Vergangenheit
einer versicherten Person gestellt werden, denn sonst würde jede
Entwicklungsmöglichkeit zum vornherein ausgeschlossen. Im vorliegenden Fall ist dem
Umstand Rechnung zu tragen, dass die Beschwerdeführerin keine Kinder hat,
niemanden betreuen muss, zwar verheiratet ist, aber in einem sehr distanzierten
Verhältnis zum Ehemann lebt, und auch sonst in keiner Art und Weise daran gehindert
ist, ganztägig erwerbstätig zu sein. Auch wenn über die finanziellen Verhältnisse der
Eheleute nichts bekannt ist, kann doch aufgrund des Umstands, dass der Ehemann
bereits pensioniert ist, davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin auch
wirtschaftlich betrachtet im hypothetischen "Gesundheitsfall" zu 100% erwerbstätig
wäre. Die plausibelste Hypothese für die Validenkarriere ist also eine vollzeitliche
Ausübung einer Hilfsarbeit. Demnach hat die Beschwerdegegnerin zu Recht den
gesamten Zentralwert der Löhne aller Branchen gemäss der Tabelle TA1 im Anhang zu
der vom Bundesamt für Statistik erstellten Lohnstrukturerhebung als
Valideneinkommen in den Einkommensvergleich eingesetzt.
3.2 Die Beschwerdeführerin ist nach 2002 keiner Erwerbstätigkeit mehr
nachgegangen. Die Invalidenkarriere ist deshalb ebenfalls hypothetisch zu ermitteln.
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Aus der Sicht des rheumatologischen Gutachters bestehen verschiedene qualitative,
d.h. auf die Art und nicht auf den Arbeitsfähigkeitsgrad bezogene Einschränkungen.
Eine der somatischen Beeinträchtigung angepasste Erwerbstätigkeit wäre höchstens
mittelschwer belastend und sie wäre wirbelsäulenadaptiert (keine stereotypen
Bewegungen), sie umfasste kein Heben und Tragen von schweren Lasten, keine Arbeit
über Kopf und auch keine Arbeit auf Leitern, Gerüsten oder an Maschinen mit
Verletzungspotential. Diese Einschränkungen haben nicht zur Folge, dass die
Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf dem allgemeinen und ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nicht mehr verwertbar wäre. Sie haben auch nicht zur Folge, dass die
Beschwerdeführerin nur noch unterdurchschnittlich bezahlte Hilfsarbeiten ausüben
könnte. Der allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt weist nach der allgemeinen
Lebenserfahrung ausreichend Stellen auf, an denen eine adaptierte Hilfsarbeit
ausgeführt werden muss. Diese Stellen sind durchaus durchschnittlich entlöhnt, da
auch Eigenschaften wie Konzentrationsfähigkeit, Zuverlässigkeit, Aufmerksamkeit,
Sorgfalt usw. entschädigt werden. Die Auswirkungen der Beeinträchtigung der
körperlichen Gesundheit sind also nur geeignet, den in Frage kommenden Ausschnitt
aus dem Markt für Hilfsarbeiten zu verengen, was - IV-rechtlich irrelevant - die
Chancen, eine offene Stelle zu finden, einschränkt. Mit dieser Verengung ist aber keine
Reduktion der Höhe des erzielbaren Lohns verbunden. Bei der Ermittlung des
Invalideneinkommens ist somit von demselben Durchschnittseinkommen wie bei der
Bemessung des Valideneinkommens auszugehen.
3.3 Zu untersuchen bleibt, ob aus rein somatischer Sicht eine quantitative
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht. Der rheumatologische Gutachter hat aus
der Sicht seines Fachgebiets keine Arbeitsunfähigkeit angegeben. Das stimmt mit den
Angaben von Dr. B._ und von Dr. C._ überein. Dr. B._ hat dem
Wirbelsäulenleiden in seinem Bericht vom 8. Januar 2007 (vgl. IV-act. 11) in der Liste
der Diagnosen den letzten Rang eingeräumt. Er hat darauf hingewiesen, dass die
Beschwerdeführerin vor allem regelmässig Medikamente beziehe und dass sie
gelegentlich wegen des LWS-Schmerzsyndroms die Physiotherapie besuche. Hätte
dieses Schmerzsyndrom nach der Einschätzung von Dr. B._ eine (Teil-)
Arbeitsunfähigkeit ausgelöst, so hätte das Eingang in den Bericht gefunden und die
Auswirkungen auf den Alltag wären deutlich geschildert worden. Dr. C._ hat bereits
am 22. November 2006 nur noch (sich weiter abschwächende) leichte
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Schwindelbeschwerden festgestellt (vgl. IV-act, 31-1/7). Auch das deutet nicht auf eine
arbeitsfähigkeitsrelevante Beeinträchtigung hin. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hat nur das Alter des Gutachtens, das Fehlen aktueller
Röntgenbilder und das Fehlen einer Auseinandersetzung mit den Angaben von Dr.
C._ gerügt. Er hat keine medizinischen Berichte eingereicht, die eine abweichende
Arbeitsfähigkeitsschätzung enthalten würden. Der somatische Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin ist durchgehend als stationär bezeichnet worden. Es gibt keinen
Hinweis darauf, dass sich nach der Begutachtung eine arbeitsfähigkeitsrelevante
Verschlechterung eingestellt haben könnte. Eine solche Verschlechterung hätte sich
zumindest in einer entsprechenden Behandlung durch den Hausarzt Dr. B._ und
allenfalls durch Dr. C._ nachweisen lassen. Arbeitsfähigkeitsrelevante
Schwindelbeschwerden wären bei der klinischen rheumatologischen Untersuchung mit
Sicherheit aufgefallen, zumal der Gutachter die Berichte von Dr. C._ kannte und sich
deshalb eines Abklärungsbedarfs in dieser Richtung bewusst war. Der
rheumatologische Gutachter hat neue Röntgenaufnahmen des Beckens machen
lassen. Wäre das auch für die LWS seitlich nötig gewesen, hätten entsprechende
Aufnahmen ohne nennenswerten Zusatzaufwand erstellt werden können. Entgegen der
Auffassung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin ist es aber nicht so, dass
jede rheumatologische Begutachtung zwingend aktuelle Röntgenbilder erfordert. Im
vorliegenden Fall ist von einem stationären Zustand in bezug auf die LWS auszugehen
gewesen. Der rheumatologische Gutachter hat in dieser Situation berechtigterweise auf
unnötige Aufnahmen verzichtet. Ist der Gesundheitszustand unverändert geblieben, so
ist auch das Alter des rheumatologischen Gutachtens irrelevant. Inwiefern die
Feststellung, die Angaben der Beschwerdeführerin seien äusserst diffus, unspezifisch
und auslotend gewesen und die Beschwerdeführerin habe stark suggestibel gewirkt,
auf eine Befangenheit des rheumatologischen Gutachters hinweisen könnte, ist nicht
nachvollziehbar. Die an die Adresse des rheumatologischen Gutachters gerichteten
Rügen des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin sind nicht stichhaltig. Das
rheumatologische Gutachten entspricht zudem allen Voraussetzungen, die erfüllt sein
müssen, damit es vollen Beweiswert entfalten kann: Es erscheint als schlüssig, es ist
nachvollziehbar begründet, es ist in sich widerspruchsfrei usw. (vgl. etwa BGE 125 V
353 f.). Demnach steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
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fest, dass die Beschwerdeführerin aus rein somatischer Sicht in ihrer Arbeitsfähigkeit
quantitativ nicht eingeschränkt ist.
3.4 Da Dr. D._ seinen Bericht erst mit zweijähriger Verspätung erstattet hat, hat
sich der psychiatrische Gutachter nicht dessen abweichender Einschätzung
auseinandersetzen können. Dr. D._ hätte die Möglichkeit gehabt zu begründen,
warum er die Auffassung des psychiatrischen Gutachters aus medizinischer Sicht nicht
teilen könne. Er hat sich aber darauf beschränkt, seine Meinung darzulegen. Die Rolle
des Gutachtenskritikers ist deshalb dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
zugefallen. Dieser hat in medizinischer Hinsicht nur auf den Bericht von Dr. D._
abstellen können. Seine Kritik beruht auf der Prämisse, dass der Bericht von Dr. D._
richtig sei, so dass das Gutachten dort, wo es vom Bericht von Dr. D._ abweiche,
automatisch falsch sein müsse. Begründet wird diese Prämisse damit, dass Dr. D._
die Beschwerdeführerin seit langer Zeit behandle, ihre Krankheit und ihre Persönlichkeit
also durch und durch kenne und deshalb eine fundierte Diagnose stellen und die
Arbeitsfähigkeit richtig einschätzen könne, während der psychiatrische Gutachter sich
auf eine völlig ungenügende Momentaufnahme habe abstützen müsse. Der
psychiatrische Gutachter habe nämlich nicht über die von Dr. D._ geführte
Krankengeschichte verfügt und er habe auch keine vollständige Anamnese erhoben.
Beide Argumente treffen grundsätzlich zu. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist
hingegen nicht richtig, denn auch eine Momentaufnahme kann alle notwendigen Details
enthalten. Wäre die Beschwerdeführerin tatsächlich auf dem Boden einer ängstlichen
Persönlichkeitsstörung mindestens mittelgradig depressiv und würde sie ausserdem an
einer gemischten Angststörung und an einer somatoformen Schmerzstörung leiden, so
hätte sie sich in der Zeit vor der Begutachtung und insbesondere auch während der
Begutachtung anders verhalten. Ihr Verhalten ist aber dasjenige einer höchstens leicht
depressiven Person gewesen. Der psychiatrische Gutachter hat keine Hinweise auf
eine mindestens mittelgradige Depression und auf eine gemischte Angststörung
gefunden und nach seiner Erkenntnis sind auch die Voraussetzungen einer
somatoformen Schmerzstörung nicht erfüllt gewesen. Sollte die Beschwerdeführerin
trotzdem mindestens mittelgradig depressiv gewesen sein, so muss sich die
Beschwerdeführerin gegenüber dem psychiatrischen Gutachter verstellt haben, d.h. sie
muss ihm eine nur leicht depressive Person vorgespielt haben, während sie eigentlich
mindestens mittelgradig depressiv gewesen ist. Abgesehen davon, dass nicht
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ersichtlich ist, weshalb sich die Beschwerdeführerin so hätte verhalten sollen, dürfte es
ihr praktisch unmöglich gewesen sein, dieses Vorspielen während der gesamten
Exploration so konsequent durchzuhalten, dass es für den psychiatrischen Gutachter
nicht erkennbar gewesen wäre. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin bei der Begutachtung nur leicht depressiv gewesen ist. Daran
ändert auch der Umstand nichts, dass die Anamnese auch noch detaillierter hätte
erhoben werden können. Hätte eine Angststörung und darauf aufbauend eine mittel-
bis schwergradige Depression vorgelegen, so hätte der erfahrene psychiatrische
Gutachter das trotz der nicht ganz vollständigen Anamnese auch erkannt. Dazu
bedurfte es keiner Kenntnis der von Dr. D._ geführten Krankengeschichte. Gerade
bei psychischen Erkrankungen kommt es zwischen den behandelnden Ärzten und den
Gutachtern oft zu grossen Differenzen bei der Diagnosestellung und bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Die Hauptursache dafür ist erfahrungsgemäss der
Umstand, dass insbesondere langjährige Therapieverhältnisse den behandelnden Arzt
daran hindern, die gesundheitliche Situation des Patienten objektiv und
unvoreingenommen zu betrachten und insbesondere auch dem Kriterium der
zumutbaren Willensenergie zur Überwindung der Krankheits- und daraus folgend der
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung noch Rechnung zu tragen. Der Gutachter ist anders
als der Therapeut nicht über längere Zeit der pessimistischen, im Alltag konsequent
demonstrierten Selbsteinschätzung der psychisch kranken Person ausgesetzt und er
ist deshalb auch nicht versucht, bei der Diagnosestellung dem langjährig gezeigten
Verhalten Rechnung zu tragen. Er ist deshalb eher in der Lage, den objektiven
Gesundheitszustand hinter dem geklagten und demonstrierten Gesundheitszustand zu
finden. Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht darauf hingewiesen, dass Dr. D._
bereits in vielen Fällen Diagnosen gestellt hat, die weit schwerer gewesen sind, als die
anschliessende Begutachtung dann ergeben hat. Dasselbe gilt für die von ihm
abgegebenen Arbeitsfähigkeitsschätzungen. Unter diesen Umständen kann den
Angaben von Dr. D._ im Bericht vom 5. Januar 2009 (vgl. IV-act. 46) nicht jener
überragende Beweiswert beigemessen werden, den der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin möchte. Im Gegenteil vermögen die Angaben von Dr. D._ nicht
einmal so starke Zweifel an der Richtigkeit der Einschätzung des psychiatrischen
Gutachters zu wecken, dass dessen Angaben als nicht überwiegend wahrscheinlich
richtig qualifiziert werden müssten. Auch das psychiatrische Gutachten erfüllt nämlich
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all jene Anforderungen an eine Expertise, die bereits im Zusammenhang mit der
rheumatologischen Begutachtung angegeben worden sind. Die Beschwerdeführerin
hat somit im Zeitpunkt der Begutachtung überwiegend wahrscheinlich an einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig dysthymes Zustandsbild (leichte
depressive Episode), gelitten. Indizien dafür, dass sich daran bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung etwas geändert hätte, fehlen. Dass die Beschwerdeführerin
auf den Tod der Schwester mit einer Trauerphase reagiert hat, ist normal und hat keine
längerdauernde Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands (mit der
Folge einer längerdauernden Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit) ausgelöst. Selbst Dr.
D._ ist in seinem Bericht vom 5. Januar 2009 implizit von einem unverändert
andauernden psychischen Gesundheitszustand ausgegangen. Er hat nämlich
durchgehend seit dem Beginn der Behandlung am 26. November 2006 eine
Arbeitsunfähigkeit von 75% bei seither unveränderter Diagnose angegeben (vgl. IV-act.
46).
3.5 Die Beschwerdegegnerin hat geltend gemacht, dass bei einer solchen Diagnose
rechtsprechungsgemäss von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer der
körperlichen Beeinträchtigung angepassten Hilfsarbeit auszugehen sei, da die
Beschwerdeführerin trotz der von den Gutachtern festgestellten Arbeitsunfähigkeit von
25% mittels einer zumutbaren Willensanstrengung zu 100% arbeiten könnte.
Belastende psychosoziale Faktoren mit dementsprechend depressiven
Verstimmungszuständen begründeten keine Invalidität im Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG,
weshalb die vom psychiatrischen Gutachter diagnostizierte depressive Störung nicht
invalidisierend sei, zumal es sich nicht um ein selbständiges, von der Schmerzstörung
losgelöstes Leiden handle. In dem von der Beschwerdegegnerin erwähnten Urteil vom
7. August 2009 (8C_285/2009, Erw. 3.31) hat das Bundesgericht festgestellt, dass eine
Kombination aus einer somatoformen Schmerzstörung und aus einer leichten
depressiven Episode keine Arbeitsunfähigkeit bewirke, wenn nicht weitere Umstände
vorhanden seien, die geeignet seien, die Vermutung der willentlichen Überwindbarkeit
der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung zu widerlegen. Das muss erst recht für jene Fälle
gelten, in denen die leichte depressive Episode selbständig auftritt. Im vorliegenden
Fall fehlt es an einer psychischen Komorbidität. Die chronischen körperlichen
Beeinträchtigungen sind seit längerer Zeit unverändert. Sie wirken sich gemäss den
überzeugenden Angaben des rheumatologischen Gutachters nicht auf die
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Arbeitsfähigkeit aus und sie sind nicht so belastend, dass sie eine Willensanstrengung
zur Überwindung der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung verunmöglichen oder auch nur
beeinträchtigen würden. Von einem ausgewiesenen sozialen Rückzug kann nicht
gesprochen werden, ein primärer Krankheitsgewinn liegt nicht vor und die
Therapiebemühungen sind nicht endgültig gescheitert. Die Beschwerdegegnerin ist
also jedenfalls für die Zeit ab der Begutachtung zu Recht davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin gemäss der höchstrichterlichen Rechtsprechung als zu 100%
arbeitsfähig zu qualifizieren sei. Für die Zeit davor haben die Gutachter keine explizite
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, da es viele Situationen gegeben habe, in denen
die Diagnose schlimmer hätte sein können. Nun hat Dr. D._ aber eine seit dem
Behandlungsbeginn am 28. November 2006 anhaltende 75%ige Arbeitsunfähigkeit
angegeben. Das kann nur so interpretiert werden, dass es keine Situationen gegeben
hat, in denen die Beschwerdeführerin in psychiatrischer Hinsicht für längere Zeit stärker
beeinträchtigt gewesen wäre als bei der Begutachtung. Im Bericht von Dr. B._ vom 8.
Januar 2007 fehlt für die Zeit ab dem 20. Dezember 2005 ein Hinweis auf eine relevante
Einschränkung in somatischer Hinsicht. Demnach steht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin in der Zeit ab
dem frühestmöglichen Beginn eines Rentenanspruchs (aArt. 29 Abs. 1 lit. b i.V.m. aArt.
48 Abs. 2 Satz 1 IVG: zwölf Monate vor der Anmeldung am 20. November 2006, also
ab 1. November 2005) nicht in einem rentenbegründen Ausmass arbeitsunfähig
gewesen ist.
3.6 Da für das Validen- und das Invalideneinkommen von ein und demselben
Zentralwert der Tabelle TA1 im Anhang zu der vom Bundesamt für Statistik
herausgegebenen Lohnstrukturerhebung auszugehen ist, kann sich der
Einkommensvergleich auf einen sogenannten Prozentvergleich beschränken. Bei einem
Arbeitsfähigkeitsgrad von 100% kann unter diesen Umständen nur aus einem allfälligen
zusätzlichen Abzug vom statistischen Durchschnittseinkommen eine Invalidität
resultieren. Mit diesem zusätzlichen Abzug wird den Nachteilen einer in ihrer
Gesundheit beeinträchtigten Person Rechnung getragen, die nicht direkt aus der
Arbeitsunfähigkeit, sondern indirekt aus allfälligen Konkurrenznachteilen gegenüber
gesunden Arbeitnehmern resultieren. Ein rein ökonomisch denkender Arbeitgeber
würde die Beschwerdeführerin nämlich trotz des Arbeitsfähigkeitsgrads von 100%
nicht zum gleichen Lohn wie eine gesunde Hilfsarbeiterin anstellen, denn ihre
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Beschäftigung wäre mit einem erhöhten Risiko von Krankheitsabsenzen verbunden und
sie könnte nicht ohne weiteres an anderen, nicht adaptierten Arbeitsplätzen eingesetzt
werden, wenn dort eine Absenz aufträte usw. Keinen Nachteil hätte die Beschränkung
auf körperlich leichte Tätigkeiten zur Folge, denn es gibt keinen statistischen Nachweis
dafür, dass körperlich anspruchsvolle Hilfsarbeiten besser entlöhnt würden als
körperlich leichte Hilfsarbeiten. Die Nachteile der Beschwerdeführerin sind nicht
schwerwiegend, aber sie müssten doch durch einen Minderverdienst kompensiert
werden, damit die Beschwerdeführerin die gleichen Chancen auf eine Anstellung hätte
wie eine gesunde Hilfsarbeiterin. Die Grenze des zusätzlichen Abzugs liegt bei 25%.
Angesichts der geringen Nachteile der Beschwerdeführerin erscheint ein Abzug von
5% als gerechtfertigt. Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 100% ergibt der
Einkommensvergleich in der verkürzten Form des Prozentvergleichs also einen
Invaliditätsgrad von 5%. Selbst wenn man von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von
lediglich 75% ausginge und einen zusätzlichen Abzug von 5% gewährte, würde der
Invaliditätsgrad die Grenze von 40% nicht erreichen. Die Beschwerdegegnerin hat das
Rentengesuch also auf jeden Fall zu Recht abgewiesen.
4.
Die angefochtene Verfügung vom 16. Februar 2010 trägt die Überschrift: Kein
Anspruch auf berufliche Massnahmen. Das Gesetz über die Invalidenversicherung
kennt eine breite Palette von beruflichen Eingliederungsmassnahmen. Die
angefochtene Verfügung äussert sich nicht dazu, auf welche dieser
Eingliederungsmassnahmen sie sich bezieht. Die Akten der Beschwerdegegnerin,
insbesondere das Beratungsprotokoll der Eingliederungsberaterin (vgl. IV-act. 48),
zeigen, dass sich das entsprechende Verwaltungsverfahren auf die Arbeitsvermittlung
(Art. 18 Abs. 1 lit. a IVG) beschränkt hat. Das Dispositiv der angefochtenen Verfügung
lautet auf Abweisung des Leistungsbegehrens, aber in der Verfügungsbegründung ist
die Rede von der Einstellung der Eingliederungsmassnahmen. Korrekt ist das
Verfügungsdispositiv, denn die Eingliederungsberaterin hat die Beschwerdeführerin nie
dazu gebracht, bei der Arbeitsvermittlung mitzuwirken. Deshalb sind auch keine
Arbeitsvermittlungsbemühungen erfolgt. Entgegen dem Eindruck, den die in der
Verfügungsbegründung verwendete Formulierung erweckt, ist also nie mit einer
Arbeitsvermittlung begonnen worden, die nun mit der angefochtenen Verfügung
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revisionsweise hätte eingestellt werden müssen. Die Beschwerdegegnerin hat das
Leistungsbegehren abgewiesen, weil die Beschwerdeführerin von Anfang an subjektiv
gar nicht vermittlungsfähig gewesen ist. Die Beschwerdeführerin hat die Mitwirkung bei
der Stellensuche verweigert und es ist davon auszugehen, dass sie eine ihr angebotene
offene Stelle gar nicht angetreten hätte. Die Beschwerdeführerin hat denn auch
nachträglich (vgl. act. G1 S. 11) eingeräumt, dass sie sich für auf dem freien
Arbeitsmarkt nicht mehr einsetzbar halte. Die angefochtene Abweisungsverfügung
erweist sich somit als rechtmässig.
5.
Entsprechend den vorstehenden Ausführungen sind die Beschwerden gegen die
beiden Verfügungen vom 15. und vom 16. Februar 2010 abzuweisen. Die
vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG), weshalb das entsprechende Begehren
abzuweisen ist. Die Beschwerdeverfahren in IV-Sachen sind kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.- bis Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Zwar liegen zwei
Beschwerdeverfahren vor. Die gemeinsame Verfahrensleitung und die Erledigung in
einem Urteil haben den Verfahrensaufwand so tief gehalten, dass es sich rechtfertigt,
von einem durchschnittlichen Aufwand für ein einziges Beschwerdeverfahren
auszugehen und die Gerichtsgebühr praxisgemäss auf Fr. 600.- festzusetzen. Diese
Gebühr ist durch den Kostenvorschuss im gleichen Betrag gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP