Decision ID: 72559465-42db-41b2-94dc-bd040929cab3
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Kantonsstrasse Nr. 13 führt vom Nationalstrassen-Anschluss der A1 in Wil über
Bazenheid und Bütschwil nach Wattwil sowie über Wildhaus zu den Nationalstrassen-
Anschlüssen Haag und Buchs der A13. Wattwil bildet am Eingang zur Region
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Obertoggenburg zusammen mit Lichtensteig ein regionales Zentrum. Der
Durchgangsverkehr von der Umfahrung Wattwil (1. Etappe) im Norden zur im Süden
des Dorfes beginnenden Umfahrung Ebnat-Kappel wird über die durch das
Dorfzentrum verlaufende Kantonsstrasse geführt. Die Kantonsstrasse hat an
Werktagen den Durchgangs- und Binnenverkehr mit einem erheblichen
Schwerverkehrsanteil (bis 6%) und an Wochenend- und Feiertagen den
Ausflugsverkehr in das Obertoggenburg aufzunehmen. Anlass für die Planung der
Umfahrungsstrasse Wattwil (2. Etappe) bildete das Verkehrsaufkommen, die
Verkehrssicherheit im Zentrum von Wattwil, der Schutz der schwächeren
Verkehrsteilnehmer und Umweltschutz-Überlegungen. Der Durchgangsverkehr soll aus
dem Dorfkern von Wattwil auf die rund 3.36 km lange Umfahrungsstrasse verlagert
werden. Diese soll über die Anschlüsse J. im Norden und T. im Süden mit dem
bestehenden Strassennetz verbunden werden und die Lücke zwischen den
bestehenden Umfahrungsstrassen Wattwil (1. Etappe) und Ebnat-Kappel schliessen.
Die Umfahrungsstrasse Wattwil (2. Etappe) weist zwei Lehnenbrücken von 160 bzw.
120 Metern Länge, einen Tunnel von 280 Metern und eine Brücke von 360 Metern
Länge über die Thur, die Bahnlinie SOB und die Kantonsstrasse auf (vgl. Botschaft und
Entwurf zum Kantonsratsbeschluss über den Bau der Umfahrungsstrasse Wattwil [2.
Etappe], ABl 2009, 542ff.).
Am 1. Dezember 2009 stimmte der Kantonsrat dem Bau der Umfahrungsstrasse
Wattwil (2. Etappe) zu (ABl 2009, 3424). Gegen den dem fakultativen Referendum
unterstellten Kantonsratsbeschluss (ABl 2009, 3410) wurde das Referendumsbegehren
eingereicht, welches jedoch die erforderliche Unterschriftenzahl innert Frist nicht
erreichte und daher nicht zustande kam (vgl. ABl 2010, 398). Vom 9. Juni bis 8. Juli
2010 wurden Ausführungsprojekt, Umweltverträglichkeitsbericht (nachstehend: UVB)
und Rodungsgesuch in den politischen Gemeinden Wattwil und Ebnat-Kappel
öffentlich aufgelegt mit dem Hinweis, dass innerhalb der Auflagefrist bei der Regierung
(gegen das Auflageprojekt einschliesslich UVB sowie gegen die Zulässigkeit der
Enteignung) bzw. beim Kantonsforstamt (gegen das Rodungsgesuch) Einsprache
erhoben werden könne (ABl 2010, 1807f., 1809 und 1816). Mit Schreiben vom 2. Juni
2010 waren überdies persönliche Anzeigen an A.X., B.Y. und C.V. betreffend die
Durchführung des Planverfahrens und das Enteignungsbegehren ergangen (act. G
13/1f [B 2012/193f.]).
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B./ Innert der Auflagefrist erhoben am 25. Juni 2010 A.X. als Eigentümerin der
Grundstücke Nr. 0000 (U.) und Miteigentümerin der Grundstücke Nr. 0001 (U.) und 002
(D.) sowie Vorkaufsberechtigte am Grundstück Nr. 003 (U.), alle Grundbuch Wattwil
und in der Landwirtschaftszone gelegen (teils bewaldet), sowie B.Y., vorkaufsberechtigt
an den Grundstücken Nr. 0001 (U.), 002 (D.) und 003 (U.), und C.V., Eigentümerin des
Grundstücks Nr. 003 (U.), Miteigentümerin der Grundstücke Nr. 0001 (U.) und 002 (D.)
und Vorkaufsberechtigte am Grundstück Nr. 0000 (U.), alle Grundbuch Wattwil,
Einsprache gegen das Projekt Umfahrungsstrasse Wattwil (2. Etappe) und gegen die
Zulässigkeit der Enteignung. Die Einsprachen bezogen sich überdies auf die
Nachbargrundstücke des Grundstücks Nr. 0001, die Grundstücke Nr. 0004 und 0005
(act. G 13/3 [B 2012/193] und G 13/2 [B 2012/194]). Am 14. Dezember 2010 führte das
Tiefbauamt je eine Einspracheverhandlung mit Augenschein durch. Am 11. Mai 2011
liess das Tiefbauamt den Einsprechern die Ergebnisse der Einspracheverhandlungen
und der anschliessend vorgenommenen Abklärungen zukommen (act. G 13/6 [B
2012/193f.]). Am 11. Juli 2011 nahmen die Einsprecher Stellung zum Protokoll der
Einspracheverhandlung und zu den nachträglich zugestellten Unterlagen. Bezüglich
des Protokolls der Einspracheverhandlungen machten die Einsprecher diverse
Ergänzungen und hielten an ihren Standpunkten fest (act. G 13/9 [B 2012/193f.]). Am
5. Oktober 2011 nahm das Amt für Umweltschutz (AFU) nochmals Stellung zu den
Eingaben vom 11. Juli 2011 und zur Einspracheverhandlung vom 14. Dezember 2010.
Es führte unter anderem aus, weitere Untersuchungen am Standort der Deponie U.
seien nicht erforderlich, nachdem die erfolgten Untersuchungen nach den gesetzlichen
Vorgaben der Altlastenverordnung durchgeführt worden seien. Diese Stellungnahme
wurde den Einsprechern am 4. November 2011 zugestellt (act. G 13/11f [B
2012/193f.]). Mit Entscheiden Nr. 581 und 582 vom 14. August 2012 wies die
Regierung des Kantons St. Gallen die Einsprachen ab, soweit darauf eingetreten wurde
(act. G 2 [B 2012/193f.]). Am 14. August 2012 erging auch der Entscheid Nr. 579 der
Regierung über die Genehmigung des Ausführungsprojektes mit Projektänderungen
sowie über die Umweltverträglichkeit des Vorhabens (act. G 3 [B 2012/193f.]).
C./ Mit Eingabe vom 10. September 2012 erhoben A.X. (Beschwerdeführerin 1) und
B.Y. (Beschwerdeführer 2) sowie C.V. (Beschwerdeführerin 3) Beschwerde gegen die
Entscheide der Regierung Nr. 579 sowie Nr. 581 und 582 mit den Rechtsbegehren, die
angefochtenen Entscheide seien aufzuheben und die Beschwerde gegen das Projekt
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und gegen die Zulässigkeit der Enteignung sei gutzuheissen (Ziff. 1). Eventuell seien die
angefochtenen Entscheide aufzuheben und die Sache zur Gewährung des rechtlichen
Gehörs insbesondere zu den Stellungnahmen des AFU vom 16. Mai 2012 und des
BAFU vom 26. Juli 2012 an die Vorinstanz zurückzuweisen (Ziff. 2). Subeventuell seien
die angefochtenen Entscheide aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und
zum Neuentscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen (Ziff. 3). Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Vorinstanz (Ziff. 4; act. G 1 [B 2012/193f.]).
In den Vernehmlassungen vom 30. November 2012 beantragte das Baudepartement
für die Regierung (vgl. Art. 23 lit. c Staatsverwaltungsgesetz, sGS 140.1, und Art. 2 lit. a
Ziff. 1 Ermächtigungsverordnung, sGS 141.41) die vollumfängliche Abweisung der
Beschwerden und verwies zur Begründung auf die Darlegungen in den angefochtenen
Entscheiden (act. G 12 [B 2012/193f.]).
Am 19. Dezember 2012 nahm die Politische Gemeinde Wattwil als Verfahrensbeteiligte
zu den Beschwerdeverfahren Stellung. Sie beantragte Abweisung der Beschwerden
und verwies zur Begründung auf die Ausführungen in den angefochtenen Entscheiden
sowie die Vernehmlassungen vom 30. November 2012 (act. G 15 [B 2012/193f.]). Die
Politische Gemeinde Ebnat-Kappel verzichtete auf eine Vernehmlassung.
Nachdem der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer am 27. März 2013 auf die
Unvollständigkeit der ihm zur Verfügung gestellten vorinstanzlichen Akten hingewiesen
und dem Gericht die Einholung der fehlenden Akten beantragt hatte (act. G 20), reichte
das Tiefbauamt mit Eingaben vom 19. April 2013 eine Stellungnahme mit weiteren
Akten ein (act. G 22 und 23 [B 2012/193] bzw. G 21 und 22 [B 2012/194]). Mit Eingaben
vom 22. April 2013 (Repliken zu den Vernehmlassungen vom 30. November 2012)
bestätigte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer seine Anträge und Ausführungen
(act. G 25 [B 2012/193] bzw. G 24 [B 2012/194]). Mit Eingaben vom 7. Mai 2013
äusserte er sich zu den Eingaben der Vorinstanz vom 19. April 2013 (act. G 29 [B
2012/193f.]).
In der Folge ergingen weitere Stellungnahmen der Vorinstanz vom 4. Juni 2013 (act. G
36 [B 2012/193f.] und der Beschwerdeführer vom 30. August 2013 (act. G 38 [B
2012/193f.).
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Auf die Darlegungen der Parteien in den Eingaben der vorliegenden Verfahren wird,

soweit für den Entscheid notwendig, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die beiden Beschwerden B 2012/193 und B 2012/194 betreffen im Wesentlichen
denselben Grundsachverhalt bzw. sind inhaltlich in weiten Teilen identisch. Es ist somit
zweckmässig, die Beschwerdeverfahren zu vereinigen und in einem einzigen Entscheid
zu erledigen (vgl. BGE 131 V 59 E. 1 mit Hinweis).
2. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 46 des
Strassengesetzes, sGS 732.1, abgekürzt StrG, in Verbindung mit Art. 59bis Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Sodann
entsprechen die Beschwerdeeingaben vom 10. September 2012 zeitlich, formal und
inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 VRP). - Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens im Fall einer
Kantonsstrasse sind das Projekt als solches und die Zulässigkeit der Enteignung (vgl.
Art. 45 Abs. 1 lit. a und b StrG). Der Rechtsschutz richtet sich im Übrigen nach den
Vorschriften des VRP (Art. 46 StrG). Nach Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP
setzt die Rechtsmittelbefugnis voraus, dass eine besondere, beachtenswerte, nahe
Beziehung zum Streitgegenstand besteht. Dabei liegt das schutzwürdige Interesse im
"praktischen Nutzen", den ein erfolgreich geführtes Rechtsmittel dem Betroffenen in
seiner rechtlichen oder tatsächlichen Situation einträgt, bzw. in der Abwendung
materieller, ideeller oder sonstiger Nachteile, die ein Bestand der angefochtenen
Verfügung oder des angefochtenen Entscheids mit sich bringen würde (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 391 mit
Hinweisen; BGE 137 II 30 E. 2.2.3). Die Rechtsmittelbefugnis ist vorliegend zu bejahen,
da die Beschwerdeführer als Eigentümer/Miteigentümer und/oder Vorkaufberechtigte
der durch den Entscheid betroffenen Grundstücke Nr. 0000 (U.), 0001 (U.), 003 (U.) und
002 (D.), alle Grundbuch Wattwil, mit der Prozessführung eigene Interessen im
erwähnten Sinn verfolgen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 388 mit Hinweisen). Das
Strassenprojekt tangiert die Grundstücke der Beschwerdeführer direkt, indem
Landabtretungen und Nutzungsänderungen vorgesehen sind und die geplante
Umfahrungsstrasse Immissionen auf die Grundstücke zur Folge hat. Bei den vom
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Projekt ebenfalls umfassten Parzellen Nr. 0004 und 0005 (Altdeponie U.) handelt es
sich um die durch eine Strasse bzw. den U.-bach getrennte Nachbarparzellen zum
Grundstück Nr. 0001. Das Strassenprojekt sieht eine Entwässerung der Deponie
(Grundstücke Nr. 0004f.) über das Grundstück Nr. 0001 vor. Die Legitimation der
Beschwerdeführer ist daher auch diesbezüglich zu bejahen. Auf die Beschwerden ist
einzutreten.
2.1. Die Beschwerdeführer lassen festhalten, dass der Entscheid Nr. 579 zusammen
mit den Entscheiden Nr. 581 und 582 die Einsprache behandelt habe und diese
rechtlich daher zusammengehören würden. Der Entscheid Nr. 579 enthalte keine