Decision ID: 323ccadc-cc93-4131-ad7d-ebc1e4b385ab
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Raub etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Bülach, I. Abteilung, vom 28. April 2021 (DG200044)
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Anklage (Urk. 26)
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 7. Dezember
2020 ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 60)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte wird wie folgt schuldig gesprochen:
− Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
− Übertretung des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 75 Tage durch Haft
erstanden sind) und einer Busse von Fr. 300.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 16 Monaten aufgeschoben und die
Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (8 Monate abzüglich die bereits erstandene
Haft) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfrei-
heitsstrafe von 3 Tagen.
5. Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a StGB für 6 Jahre des Landes verwiesen.
6. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem an-
geordnet.
7. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 7. Dezember 2020
beschlagnahmte und bei der Kantonspolizei Zürich unter der Lagernummer B00879-2019
aufbewahrte Minigrip mit 6.9 Gramm (brutto) Kokain (A012'446'150) wird eingezogen und ist
nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils durch die Kantonspolizei Zürich zu vernichten.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 7. Dezember 2020
beschlagnahmten Gegenstände
- 1 Paar Puma Sportschuhe, Gr. 43, schwarz/weiss (A012'440'254)
- 1 Mobiltelefon der Marke iPhone Model Nr. ... (A012'444'030)
- 1 schwarze Herren-Regenjacke mit Kapuze (A012'446'127)
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- 1 Herrengilet schwarz (glänzende Schulterpartie und horizontal gesteppt
[A012'446'138])
- 1 längliches Stoffstück schwarz (A012'446'149)
werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen hin
herauszugeben.
Wird innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Urteils kein entsprechendes Begehren gestellt, so
wird der Verzicht angenommen.
9. Die beim Forensischen Institut Zürich unter den Referenznummern K190315-003 /
74958693 aufbewahrten Gegenstände, Spuren und Spurenträger
- Tatort-Fotografie (A012'428'318)
- Schuhabdruckspur-Foto (A012'428'329)
- Schuhabdruckspur-Foto (A012'442'034)
- Schuhabdruckspur-Foto (A012'442'045)
- Schuhabdruckspur-Foto (A012'442'147)
- Schuhsohlenvergleichsabdruck (A012'444'392)
sind nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zu vernichten.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 769.50 Schadenersatz und
Fr. 3'000.–Genugtuung zu bezahlen.
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Prozessentschädigung von
Fr. 4'261.90 (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
11. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'500.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 7'263.– Auslagen FOR (Gutachten)
Fr. 2'750.– Auslagen EJPD (Fernmeldeanschlüsse)
Fr. 1'080.– Auslagen Polizei
Fr. 75.– Entschädigung Zeuge
Fr. 22'623.78 amtl. Verteidigungskosten (davon Fr. 9'090.30 bereits bezahlt; inkl. MwSt.)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Entscheidgebühr um einen Drittel.
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche
einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse
übernommen werden.
13. (Mitteilungen.)
14. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 63 S. 4 f. und Urk. 79 S. 1 sinngemäss)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf des Raubs von Schuld und Strafe
freizusprechen.
2. Der Beschuldigte sei mit einer Busse von CHF 300 (bezüglich der
Übertretung des BetmG) zu bestrafen.
3. Von einer Landesverweisung sei abzusehen.
4. Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien abzuweisen, eventualiter
auf den Zivilweg zu verweisen.
5. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung für die unrechtmässig erstan-
dene Untersuchungshaft in der Höhe von CHF 15'000 zuzusprechen.
6. Die Kosten, einschliesslich der Kosten für die amtliche Verteidigung
(inkl. MWST und Spesen) seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 69)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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c) Der Privatklägerin:
(Urk. 73)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Zum Verfahrensgang bis zum Erlass des erstinstanzlichen Urteils kann
auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid
verwiesen werden (Urk. 60 S. 5). Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergege-
bene und mündlich eröffnete Urteil (vgl. Prot. I S. 29) liess der Beschuldigte innert
gesetzlicher Frist die Berufung anmelden (Urk. 54). Nach Zustellung des begrün-
deten Urteils reichte der Beschuldigte sodann wiederum fristgerecht seine Beru-
fungserklärung ein (Urk. 63). Sowohl die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
(nachfolgend: Staatsanwaltschaft) als auch die Privatklägerin P._ (nachfol-
gend: Privatklägerin) erklärten daraufhin innert angesetzter Frist, auf eine An-
schlussberufung zu verzichten (Urk. 69 und Urk. 73).
2. Am 25. Januar 2022 wurden die Parteien auf den 21. April 2022 zur
Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 71). Zu dieser erschien der Beschuldigte
in Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin (Prot. II S. 3). Vorfragen waren an-
lässlich der Berufungsverhandlung keine zu entscheiden und - abgesehen von
der Befragung des Beschuldigten - auch keine Beweise abzunehmen (Prot. II S. 3
ff.).
II. Prozessuales
1. In Ergänzung zu den Anträgen des Beschuldigten in der Berufungserklä-
rung sind die Busse für die Übertretung (Dispositiv-Ziffer 2 letzter Teilsatz) sowie
die damit zusammenhängende Ersatzfreiheitsstrafe (Dispositiv-Ziffer 4) aufgrund
des engen Konnexes zur angefochtenen Freiheitsstrafe ebenfalls in zweiter In-
stanz zu überprüfen. Demzufolge gelten Dispositiv-Ziffer 1, 2. Spiegelstrich
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(Schuldspruch betr. Übertretung des BetmG), Dispositiv-Ziffern 7-9 (Vernich-
tung/Herausgabe von Gegenständen) und Dispositiv-Ziffer 11 (Kostenfestset-
zung) als unangefochten und erwachsen damit in Rechtskraft, was vorab mittels
Beschluss festzustellen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO). Im übrigen Umfang steht der
angefochtene Entscheid im Rahmen des Berufungsverfahrens unter Vorbehalt
des Verschlechterungsverbotes zur Disposition.
2.1. Bereits an dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1;
BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2, je mit Hinweisen). Die Berufungs-
instanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte be-
schränken.
2.2. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des angeklag-
ten Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt
dies in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit
Erwähnung findet.
III. Sachverhalt
1. Verbleibender Anklagevorwurf
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, am 14. März 2019 um
21:31 Uhr vermummt und mit einem gezückten Messer den Tankstellenshop der
B._ Tankstelle an der C._-strasse ... in D._ ausgeraubt zu haben.
Konkret habe er sich zuvor die Kapuze seiner Regenjacke über den Kopf gezo-
gen und ein schwarzes Tuch vor Nase und Mund befestigt. Auf dem Weg zur An-
gestellten - der heutigen Privatklägerin - habe er aus seiner geöffneten Oberbe-
kleidung mit seiner rechten Hand ein eigens dafür mitgebrachtes Messer behän-
digt. Dieses habe er am Griff und mit der Klinge parallel zum Oberkörper auf Hö-
he seines Oberkörpers für die Angestellte sichtbar gehalten. Gleichzeitig habe der
Beschuldigte zur Privatklägerin gesagt: "Gib Geld, schnell!". Die Privatklägerin,
welche aufgrund des mitgeführten Messers in Angst versetzt worden und infolge
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dessen tatsächlich zum Widerstand unfähig gewesen sei, habe sich zu der von ihr
bedienten Kasse·begeben, diese geöffnet, die Münzschublade behändigt, diese
auf den Tresen gestellt, daraus sämtliches Notengeld genommen und auf den
Tresen gelegt. Der Beschuldigte, auf der Kundenseite wartend, habe dieses mit
der rechten Hand an sich genommen, wobei einige Noten hinter der Münzschub-
lade auf den Tresen gefallen seien. In der Folge habe der Beschuldigte den
Tankstellenshop mit dem erbeuteten Geld (gemischte Noten im Wert von
Fr. 1'020.00) verlassen (zum Anklagesachverhalt im Einzelnen vgl. Urk. 26 S. 2
f.).
2. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte hat, soweit er überhaupt Aussagen gemacht hat, von Be-
ginn weg bestritten, diesen Raub begangen zu haben, so letztmals vor Vorinstanz
(Prot. I S. 10 f.). Auch an der Berufungsverhandlung stellt er diese Tat in Abrede
(Urk. 78 S. 12 ff.).
3. Sachverhaltserstellung und Beweismittel
3.1. Angesichts der Bestreitungen ist zu prüfen, ob dieser Anklagesachver-
halt aufgrund der Untersuchungsakten und der vorgebrachten Argumente erstellt
und dem Beschuldigten mit rechtsgenügender Sicherheit nachgewiesen werden
kann.
3.2. Die Vorinstanz hat die Grundlagen der Beweiswürdigung sowie die vor-
liegend relevanten Beweismittel zutreffend wiedergegeben, weshalb zur Vermei-
dung von Wiederholungen darauf zu verweisen ist (Urk. 60 S. 8 ff.). Diese erwei-
sen sich allesamt als verwertbar. Im Sinne einer teilweisen Ergänzung und Zu-
sammenfassung ist mit Bezug auf die nachfolgend vorzunehmende Beweiswürdi-
gung festzuhalten, dass gemäss der aus Art. 8 und 32 Abs. 1 BV fliessenden und
in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen
Nachweis der Schuld eines Angeklagten zu vermuten ist, dass dieser einer straf-
baren Handlung unschuldig ist (Art. 10 Abs. 1 StPO).
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3.3. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind
diese frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bei der Würdigung von Aussagen
darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdigkeit von
Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die Glaubhaftigkeit der
konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Dieser Ansatz wurde vom Bundes-
gericht vor kurzem im Urteil 6B_323/2021 vom 11. August 2021, E. 2.3.3., bestä-
tigt: "Das Konzept einer 'allgemeinen Glaubwürdigkeit' wird in der Aussagepsy-
chologie als wenig brauchbar bewertet. Der allgemeinen Glaubwürdigkeit eines
Zeugen im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kommt nach heutiger
Erkenntnis bei der Würdigung von Zeugenaussagen daher kaum mehr relevante
Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine
Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage. Dabei wird die
konkrete Aussage durch methodische Analyse ihres Inhalts (Vorhandensein von
Realitätskriterien, Fehlen von Fantasiesignalen) darauf überprüft, ob die auf ein
bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben der be-
fragten Person entspringen (BGE 133 I 33 E. 4.3; Urteile 6B_257/2020 vom 24.
Juni 2021 E. 5.4.3; 5A_550/2019 vom 1. September 2020 E. 9.1.3.1; je mit Hin-
weisen). Entscheidend für den Beweiswert einer Zeugenaussage ist daher die
Glaubhaftigkeit der konkreten Zeugenaussage und nicht die allgemeine Glaub-
würdigkeit des Zeugen als persönliche Eigenschaft." Das für die Zeugenaussage
Gesagte kann auf die Aussagenwürdigung generell übertragen werden, mithin
auch für die Aussagen der Auskunftspersonen und Beschuldigten.
4. Aussagen der Privatklägerin
4.1. Der Anklagesachverhalt basiert u.a. auf den belastenden Aussagen
der Privatklägerin. Weitere Augenzeugen für den behaupteten Raub gibt es nicht.
Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der Privatklägerin richtig zusammen-
gefasst und zutreffend gewürdigt (Urk. 60 S. 11 ff.), worauf zunächst verwiesen
werden kann. Nachvollziehbar und im Kern gleichlautend schilderte die Privat-
klägerin, was sich aus ihrer Sicht in der Spätschicht vom 14. März 2019 zugetra-
gen hat. So sagte sie kurz nach dem Überfall gegenüber der Polizei aus, sie sei
von der Toilette zurückgekehrt, als an der Schwenktüre zum Verkaufsraum ein
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Mann vor ihr gestanden sei (Urk. 8/1 S. 2). Sie habe ihn noch nett begrüsst, aber
gerade gedacht, "[...] das ist ein komischer Typ und zugleich wusste ich, dass et-
was Falsch ist. Ich habe zuerst gar nicht bemerkt, dass er sich so vermummt hat.
Zugleich zeigte er mir ein Messer (er stand ca. 30cm vor mir) und sagte zu mir:
'Gib Geld, gib Geld schnell'. Ich sagte zu ihm, mach mir bitte nichts - ich habe ei-
ne kleine Tochter zu Hause." (Urk. 8/1 S. 1). Der Täter habe sie nirgends berührt,
er sei ihr im ersten Moment aber sehr nahe gewesen (Urk. 8/1 S. 3). Das Messer
- es sei ein Küchenmesser, Rüstmesser mit schwarzem Griff gewesen - habe er
ihr eigentlich 'nur' gezeigt. Er habe es nicht in ihre Richtung gestreckt oder eine
spezielle Bewegung gemacht. Er habe es vor sich am Oberkörper gehalten und
ihr gezeigt (Urk. 8/1 S. 4). Sie lieferte sodann einen Täterbeschrieb (Urk. 8/1 S. 2)
und sagte zu seinem Verhalten, der Täter sei aus ihrer Sicht gar nicht nervös ge-
wesen, sondern gelassen und ruhig. Er habe ja bemerkt, dass nach ihm noch ein
Kunde in den Laden gekommen sei. Zur Grösse sagte sie "ca. 185 cm" und zur
Augenfarbe "duneklbraun" (Urk. 8/1 S. 2). Zur Frage, wieso sie vor Ort als Erstes
gesagt habe, dass sie den Täter kenne, gab sie bei der ersten formellen Einver-
nahme bei der Polizei zu Protokoll: "Ja, die Augen kamen mir sehr sehr bekannt
vor. Ich habe dann studiert, wer das sein könnte und mir kam dieser Mann vom
letzten Sonntag in den Sinn, der an diesem Tag 3x in den Shop gekommen ist.
Auf der Nachschau auf dem Video habe ich ihn wieder gefunden und ich bin mir
fast sicher, dass er es gewesen sein könnte." (Urk. 8/1 S. 2). Am Sonntag davor
habe er zuerst "Ziggis" gekauft, Marke Marlboro rot, beim zweiten Besuch Coca-
Cola und beim dritten Besuch eine Zitrone. Dabei habe er gesagt, dass ihn seine
Frau nochmals geschickt habe. Es sei nicht aussergewöhnlich, dass ein Kunde,
der in der Nähe wohne, mehrmals am Tag vorbei komme. Bei den drei Einkäufen
habe er sich gleich verhalten: "Unfreundlich - schnell - unsympathisch. Ich war
noch erstaunt, dass er einmal 30 Rappen Trinkgeld gab." (Urk. 8/1 S. 3). Sie sei
aufgrund der Augen auf ihn gekommen, und weiter: "Ich kann es natürlich nicht so
bestimmt sagen. Im Schock, also noch beim Überfall habe ich gedacht, ich kenne
den Mann. Und schlussendlich musste ich nachdenken und da kam er mir in den
Sinn. Ich denke, ich bin mir zu über 70% sicher, dass er es gewesen ist. Er spricht
auch gebrochen deutsch" (Urk. 8/1 S. 3). Der Täter sei Stammkunde im Shop,
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zahle immer bar, komme jeweils mit dem Auto, habe zwei Söhne und eine Ehe-
frau, die sie auch schon gesehen habe (Urk. 8/1 S. 3).
An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. Mai 2019 bestätigte
sie ihre bisherigen Aussagen (Urk. 8/2 S. 2 ff.). Zum Messer gab sie erneut zu
Protokoll, es habe wie ein Rüstmesser ausgesehen. Wie gross es gewesen sei,
könne sie nicht sagen, aber es sei kein Brotmesser gewesen. Die Klinge habe zu
ihr gezeigt und er habe das Messer wohl parallel zu seinem Oberkörper gehalten,
ganz genau wisse sie das jedoch nicht mehr (Urk. 8/2 S. 6 f.). Präzisierend sagte
sie sodann über die Täterschaft, es sei ein Mann gewesen. Er habe spezielle
Augen, die seien ihr einfach geblieben, "[...] dadurch habe ich gesagt, dass meine
Vermutung bei ihm liegt. Mehr habe ich nicht erkannt." (Urk. 8/2 S. 6). Auf die
Frage, was an seinen Augen speziell sei, sagte sie: "Er hat etwas Böses. Augen
sind sowieso speziell und er strahlt einfach etwas Böses aus, meinem Gefühl
nach." Welche Augenfarbe der Täter gehabt habe, könne sie nicht mehr genau
sagen, sie denke grün-blau, könne es aber nicht mehr genau sagen, es sei so ein
kurzer Moment gewesen (Urk. 8/2 S. 6). Zur Frage, wie sie darauf gekommen sei,
diese Augen zu kennen, erklärte die Privatklägerin: "Es war so ein Blitzmoment, in
dem ich dachte, das ist er. Gerade als es passiert war, hatte ich das, als er dann
auch rauslief, dachte ich 'ich kenne den doch'." (Urk. 8/2 S. 7). Aber er sei viel zur
Tankstelle gekommen und man könne sich Leute schon merken. Und auch die
Stimme, die Stimme passe zu ihm. Er habe sie als normaler Kunde auch immer
geduzt, "[...] Das passte einfach alles zusammen, vom Klang der Stimme her. Es
ist aber schwierig, zu 100 Prozent zu sagen, dass er es ist, das habe ich bei der
Polizei auch schon immer gesagt." (Urk. 8/2 S. 7). Auf Ergänzungsfrage der Ver-
teidigung bewertete sie ihr Erinnerungsvermögen an diesen Abend auf einer Ska-
la von 1-10 mit einer 6 oder 7. Die Frage, ob es grundsätzlich sein könne, dass es
ihrerseits in Bezug auf gewisse Erlebnisse zu einer Verwechslung oder Verwir-
rungen gekommen sei, verneinte sie und fügte hierzu an, ihr sei vorher noch nie
so etwas passiert (Urk. 8/2 S. 11).
5. Aussagen des Beschuldigten
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Die wesentlichen Aussagen des Beschuldigten wurden von der Vorinstanz
zutreffend wiedergegeben (Urk. 60 S. 9 ff.). Von Bedeutung sind vorweg seine
Depositionen zum Tatzeitpunkt (14. März 2019, 21:31 Uhr). So gab der Beschul-
digte in der Hafteinvernahme an, damals zu Hause gewesen zu sein. Seine Frau
sei bei ihrer Familie in E._ gewesen. Ca. um 10 Uhr [gemeint wohl: 22 Uhr],
die Zeit wisse er nicht mehr genau, sei sie zurück gewesen und er habe raus ge-
hen wollen. Er habe dafür das Auto nehmen wollen, wovon ihm seine Frau abge-
raten habe. Er sei dann zum Bahnhof gegangen (Urk. 7/2 S. 2).
Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 28. Mai 2019
relativierte er seine eigenen Aussagen in Anpassung zu denjenigen seiner Ehe-
frau insofern, als er nunmehr bestätigte, seine Ehefrau sei um ca. 21:40 Uhr
nachhause gekommen und er selber erst etwa 15 Minuten später. Vorher sei er
am Bahnhof gewesen und habe dort sein Mobiltelefon aufgeladen (Urk. 7/4 S. 2).
Er sei nicht so lange unterwegs gewesen, 10 Minuten oder so. Dann sei er retour
nach Hause gegangen. Dann sei er wieder zum Bahnhof und von dort nach
F._ in den Club G._ gegangen, wo er verhaftet worden sei (Urk. 7/4 S.
2). Auf Vorhalt der anderslautenden Aussagen bei der Polizei, wonach er den
ganzen Abend zu Hause gewesen sei, sagte der Beschuldigte: "Das war meine
falsche Aussage. Das habe ich falsch gesagt. Ich ging immer in den Ausgang,
wenn meine Frau von der Arbeit nach Hause kam. Deshalb sagte ich, meine Frau
sei zu Hause gewesen. Ich habe lediglich vergessen zu sagen, dass ich vorher
am Bahnhof war, um das Natel aufzuladen." (Urk. 7/5 4 S. 3). Richtig sei, dass er
am Sonntag vor dem Raubüberfall drei Mal im Tankstellenshop gewesen sei und
dort einmal Zigaretten, dann Salat und Cola und schliesslich - weil seine Frau dies
vorher zu sagen vergessen habe - noch Zitronen gekauft habe (Urk. 7/5 S. 5).
Weiter gab er zu dem bei der Hausdurchsuchung sichergestellten schwarzen
Tuch an, hierzu nichts sagen zu können. Bezüglich der Regenjacke sei er sich
nicht sicher, ob er eine schwarze Regenjacke besitze. Beim Gilet hingegen sei er
sich sicher, dass es ihm gehöre. Zudem führt er aus, dass das Gilet ausser ihm
niemand getragen habe (Urk. 7/4 S. 7).
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Nach Verweigerung von Aussagen zum vorgeworfenen Raub an der staats-
anwaltschaftlichen Einvernahme vom 4. Juni 2020 (Urk. 7/5), äusserte er sich -
nach entsprechenden Beweisergänzungsanträgen der Verteidigung - am
4. November 2020 zum bis dahin nicht erwähnten Kontakt mit Freunden im tatre-
levanten Zeitpunkt (Urk. 7/6 S. 2 ff.). Dies habe er in den früheren Einvernahmen
nicht wähnt, weil er nicht noch mehr Leute habe involvieren wollen, da er ja auch
nichts gemacht habe (Urk. 7/6 S. 2). Zum Ladezeitpunkt des Vouchers über
Fr. 20.00 für das Prepaid-Telefon mit der Swisscom-Nummer ..., welcher von der
SBB mit 22:28 Uhr mitgeteilt wurde, erklärte der Beschuldigte, er habe genau mit
Minuten nichts gesagt, sondern "zwischen halb 10 und 10" [gemeint wohl jeweils
22 Uhr] (Urk. 7/6 S. 2 f.). In der Schlusseinvernahme vom 7. Dezember 2020 be-
stritt er den Raub erneut (Urk. 7/7 S. 3 f.).
Vor Vorinstanz sagte er aus, er sei an jenem Abend normal zu Hause gewe-
sen und habe auf seine Freunde gewartet. Diese seien zwischen ca. 21:30 Uhr
und 22:00 bei ihm gewesen (Prot. I S. 10). Sie seien fünf bis maximal zehn Minu-
ten bei ihm gewesen (Prot. I S. 11). H._, ein I._, dessen Familienname
er nicht wisse, und ein J._ seien zusammen zu ihm gekommen, um gemein-
sam weggehen zu können. Sie hätten dann die Polizei gesehen und seien ge-
gangen (Prot. I S. 11). Den Raub bestritt er weiterhin (Prot. I S. 10 ff.).
An der Berufungsverhandlung gab er an, seine drei Kollegen seien ihn an
jenem Abend zuhause abholen gekommen, resp. hätten im Auto vor dem
Wohnhaus auf ihn gewartet. Als die Polizei gekommen sei, seien zwei der Kolle-
gen weggefahren, der andere sei mit ihm zusammen zum Bahnhof gegangen.
Beim Bahnhof angekommen habe er sich entschieden, zuhause eine Jacke zu
holen. Er sei dann alleine nochmals zurück in seine Wohnung gegangen, wo er
seine Frau angetroffen habe, welche unterdessen nachhause gekommen sei. Da-
nach sei er zurück zum Bahnhof gegangen, ohne seinen Kollegen dort noch an-
zutreffen, und sei mit dem Zug nach F._ zum Club gefahren (Urk. 78 S. 16
und 18 f.).
Zum Gilet, welches er als das seine bezeichnet hatte und welches mit dem Gilet
der Täterschaft zwei identische, individualisierbare Merkmale aufwies, brachte der
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Beschuldigte vor, dieses sei sicher in seinem Keller geholt worden, dann sei der
Überfall damit begangen worden und schliesslich sei das Gilet wieder in den Kel-
ler zurückgebracht worden. Wer das Gilet genommen haben könnte, wisse er
nicht (Urk. 78 S. 12).
6. Aussagen der Ehefrau des Beschuldigten, Zeugin K._
Die Ehefrau des Beschuldigten, K._, wurde zweimal befragt und schil-
derte dabei auch ihre Familiensituation und die angespannten finanziellen Ver-
hältnisse, u.a. zufolge Arbeitslosigkeit des Beschuldigten (Urk. 9/1-2). Sie gab bei
der Polizei als Auskunftsperson am 18. März 2019 an, dass sie am 14. März 2019
zusammen mit den Kindern in der Ikea einkaufen gewesen und um ca. 21:40 Uhr
nach Hause gekommen sei. Der Beschuldigte sei zu diesem Zeitpunkt nicht zu-
hause gewesen, sondern etwa 15 Minuten später gekommen. Er habe gesagt,
dass er "Ziggis" gekauft habe, wo, habe sie nicht gefragt. Er sei zu Fuss unter-
wegs gewesen, da er kein Auto gehabt habe (Urk. 9/1 S. 3). Er sitze viel am PC
und um Mitternacht oder so sage er zu ihr, er werde abgeholt, er gehe weg, in
den Club oder so. Sie wisse nicht mehr, ob er am letzten Donnerstag (Tatzeit-
punkt) noch in den Ausgang gegangen sei. Sie beantwortete sodann Fragen zur
Kleidung, zum Schuhwerk und zum (Voll-)Bart des Beschuldigten; er habe den
Bart letzte Woche geschnitten, was er ab und zu mache (Urk. 9/1 S. 4).
Als Zeugin bestätigte sie bei der Staatsanwaltschaft ihre früheren Aussagen
am 28. Mai 2019 im Wesentlichen. Sie vermochte sich indes an vieles nicht mehr
zu erinnern (Urk. 9/2 S. 8 ff.), ihre Aussagen bei der Polizei hätten aber der
Wahrheit entsprochen (Urk. 9/2 S. 9). Sie erwähnte zusätzlich, dass der Beschul-
digte Schulden ("beim Betreibungsamt") von rund Fr. 100'000.00 habe (Urk. 9/2
S. 5 f.). Auf Vorhalt der Bildbeilage zur Hausdurchsuchung erklärte sie, dies sei
"[...] unser Keller, unser Kinderwagen. Das Gilet kenne ich, aber die anderen Sa-
chen nicht." (Urk. 9/2 S. 11).
7. Aussagen des Zeugen H._
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Die Aussagen des Zeugen H._ wurden von der Vorinstanz zutreffend
wiedergegeben (Urk. 60 S. 15). H._ ist einer der Freunde, den der Beschul-
digte an jenem Abend getroffen haben will. Der Zeuge H._ bestätigte dies
am 4. November 2020 bei der Staatsanwaltschaft insofern, als er ausführte,
L._ habe ihn abgeholt, dann seien sie mit einem weiteren Kollegen von
L._ (dem J._) dorthin gefahren, wo der Beschuldigte wohne. Sie hätten
den Beschuldigten "[...] etwa 5 Minuten getroffen, dann sind wir zurückgefahren.
Bei der Rückfahrt haben wir gesehen, dass die Polizei an der Tankstelle war, wir
wurden dort am Kreisverkehr kontrolliert, dann durften wir weiter nachhause fah-
ren." (Urk. 9/6 S. 3). Zum Treffen mit dem Beschuldigten sagte der Zeuge auf
Nachfrage, die 5-minütige Unterhaltung mit ihm habe "[...] drinnen, in seiner
Wohnung stattgefunden, also in der Nähe von seiner Wohnung auf der Strasse
[...]"(Urk. 9/6 S. 7). Bezüglich Polizei und -kontrollen erklärte er später, dass sie
die Polizisten und Polizeiautos auf der Hin- und Rückfahrt gesehen hätten, wobei
er sich aber nicht mehr sicher war (Urk. 9/6 S. 8). Im weiteren Verlauf der Einver-
nahme soll die Polizeikontrolle bei der Hinfahrt stattgefunden haben, aber auch da
war er sich nicht mehr sicher. Der Zeuge H._ vermochte sich generell nicht
an Details zu erinnern, "[...] es sind viele Jahre vergangen." (Urk. 9/6 S. 4).
8. Aussagen des Zeugen L._
Auch die wesentlichen Aussagen des Zeugen L._ wurden von der Vo-
rinstanz zutreffend dargestellt (Urk. 60 S. 15), worauf zunächst verweisen werden
kann. Der Zeuge L._ gab anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 7. Dezember 2020 an, dass er den Beschuldigten vor drei oder vier
Jahren in einem Club in F._ kennengelernt habe. Sie hätten sich ein paar
Mal getroffen (Urk. 9/6 S. 6). Zum relevanten Tatzeitpunkt sagte er, er habe da-
mals H._ abgeholt, und dann hätten sie zusammen den M._ am Bahn-
hof abgeholt. Man habe den Beschuldigten dann auf der Strasse getroffen, wel-
che vom Bahnhof Richtung Tankstelle führe. Sie hätten sich mit ihm maximal fünf
Minuten unterhalten. Man habe aus dem Fenster heraus mit ihm gesprochen, da-
bei sei niemand ausgestiegen (Urk. 9/6 S. 5 f.). Als sie wieder zurückgefahren
seien, seien sie im Kreisverkehr von der Polizei angehalten und kontrolliert wor-
- 15 -
den (Urk. 9/6 S. 4). Wann genau dies gewesen sei, wisse er nicht mehr, aber es
sei dunkel gewesen. Zur Frage, warum es zu diesem Treffen gekommen sei, sag-
te der Zeuge: "Keine Ahnung, es war auf der Strasse, wir haben ihn gesehen und
hoi gesagt." (Urk. 9/6 S. 4). Auf Frage, ob er vom Beschuldigten einen Anruf be-
kommen habe, nachdem er ihn auf dem Weg zwischen Bahnhof und Tankstelle
getroffen habe, sagte der Zeuge: "Das garantiere ich Ihnen. Nie. Ich habe mein
Telefon hier. Ich habe aber seine Nummer nicht." (Urk. 9/6 S. 6).
9. Aussagen von N._
Die Vorinstanz hat die Aussagen von N._ - damals ebenfalls Angestell-
te im betroffenen Tankstellenshop - zutreffend wiedergegeben, aber im Titel nur
ihre Rolle aus Auskunftsperson erwähnt (Urk. 60 S. 14), obwohl sie auch noch als
Zeugin einvernommen wurde (Urk. 9/4). Sie vermochte zum Raub selber nichts
beizutragen, da sie damals nicht gearbeitet hatte, wohl aber zum Besuch des Be-
schuldigten am Tag vor dem Raubüberfall. Er habe damals nichts gekauft, weil er
sein Portemonnaie vergessen habe. Diese Person sei komisch gewesen, irgend-
wie nervös, mehr habe sie sich nicht gedacht. Sie denke nicht, dass sie ihn wie-
dererkennen würde. Als sie am Folgeabend erfahren habe, dass die Tankstelle
überfallen worden sei, sei er ihr gleich wieder in den Sinn gekommen. Als Zeugin
sagte sie, es sei so gewesen, als ob er etwas gesucht hätte (Urk. 9/4 S. 4).
10. Aufzeichnungen Videoüberwachung
Die Tat wurde von insgesamt drei am Tatort fest installierten Kameras auf-
gezeichnet (vgl. hierzu auch die Aufnahmen in Urk. 13/5). Sie zeigen den Tather-
gang vom 14. März 2019 und liefern Anhaltspunkte zur Täterschaft, welche weit-
gehend vermummt war. Nicht ersichtlich ist das Messer (Urk. 10/2). Die
Videoüberwachungsaufnahmen zeigen auch die früheren von der Privatklägerin
und der Angestellten N._ beschriebenen und vom Beschuldigten selber be-
stätigten Besuche vom 10. März 2019 und vom 13. März 2019 (Urk. 10/2; Urk. 7/4
S. 3 ff.).
11. Sichergestellte Kleidung
- 16 -
Anlässlich der Hausdurchsuchung am Wohnort des Beschuldigten konnten
ein Paar schwarze Puma-Sportschuhe mit weisser Sohle, eine schwarze Regen-
jacke mit Kapuze, ein schwarzes Herrengilet und ein schwarzes Stoffstück si-
chergestellt werden (Urk. 11/1/4), Kleidung, wie sie der Täter bei der Tat trug. Der
Beschuldigte bestätigte, dass dies sein Gilet sei und seines Wissens nie von
jemand anderem getragen worden sei. Auch sei es möglich, dass er eine schwar-
ze Regenjacke habe (Urk. 7/4 S. 7).
12. Untersuchungsbericht FOR Täterhöhenrekonstruktion
Beim Forensischen Institut wurde eine Täterhöhenrekonstruktion in Auftrag
gegeben. Bei der Körperfigur, welche Schuhwerk und Kopfbedeckung des Täters
berücksichtigt, ergab sich gemäss Untersuchungsbericht vom 29. Juli 2019 eine
rekonstruierte Körperhöhe von ca. 182 bis 186 cm. Bei der Auswertung der
3D-Fotobox-Daten des Beschuldigten resultierte eine rekonstruierte Körperhöhe
von 185 cm (ohne Schuhe und Kopfbedeckung). Eine an die Körperhöhe und
-proportionen des Beschuldigten angeglichene, ergonomische Körperfigur wurde
entsprechend der in den Bezugsaufnahmen vom 14. März 2019 abgebildeten
Bezugsperson positioniert. Bei der Positionierung ergab sich gemäss FOR eine
hohe visuelle Übereinstimmung in Bezug auf die Körperhöhe und die Körper-
proportionen. Gemäss Schlussfolgerung der Sachverständigen stimmt - unter
Berücksichtigung der Messungenauigkeit - der Beschuldigte in Bezug auf Körper-
höhe und -proportionen mit der Bezugsperson (Täter), dargestellt in den Video-
aufzeichnungen vom 14. März 2019, überein (Urk. 13/5 S. 19).
13. Gutachten Textil-Bild-Vergleich
Im Gutachten des FOR vom 22. Oktober 2019 wurde festgehalten, dass
nicht abschliessend festgestellt werden könne, ob die beim Beschuldigten sicher-
gestellte schwarze Herrenjacke durch den Täter getragen worden sei. Die beim
Beschuldigten sichergestellten Schuhe konnten als tatrelevant ausgeschlossen
werden. Das beim Beschuldigten sichergestellte schwarze Stofftuch lasse keine
Aussage bezüglich einer möglichen Tatrelevanz zu. Beim schwarzen Herrengilet
hingegen, welches beim Beschuldigten sichergestellt worden sei, würden die Er-
- 17 -
gebnisse stark dafür sprechen, dass es sich dabei um das Gilet handle, welches
von der Täterschaft getragen worden sei (Urk. 13/9 S. 15). So konnten beim Tex-
til-Bild-Vergleich sechs übereinstimmende Gruppen- resp. Modellmerkmale und
insbesondere auch ein Individualmerkmal festgellt werden. Der helle punktförmige
Bereich auf der linken Seite der Oberbekleidung der Täterschaft auf dem Be-
zugsmaterial stimme in Form und Lage mit dem rundlichen Individualmerkmal am
sichergestellten Herrengilet überein (Urk. 13/9 S. 13).
14. Datenauswertung SBB-Automat in D._
Die SBB teilte in Nachachtung der Editionsverfügung vom 18. August 2020
betreffend Kauf und Einlösen des Vouchers für das Mobiltelefon mit der An-
schlussnummer ... am 14. März 2019 (Urk. 14/2) mit, dass um 22:28 Uhr am Bil-
lettautomaten am Bahnhof D._ ein Prepaid-Voucher für die genannte Num-
mer über CHF 20.00 gekauft worden sei. Der Kauf sei in bar (2x CHF 10.00-
Noten) getätigt worden (Urk. 14/4).
15. Datenauswertung Mobiltelefon des Beschuldigten
Das Telefon des Beschuldigten wurde überwacht (Urk. 12/5 und Urk. 12/10)
und ausgewertet (Urk. 11/3/8). Es geben sich daraus u.a. ein- und ausgehende
telefonische Kontakte zwischen 21:29 Uhr (UTC+0) und 21:32 Uhr (UTC+0).
16. Würdigung
16.1. Die Aussagen der Privatklägerin sind konstant und im Kern deckungs-
gleich. Sie wirken zudem lebensnah und authentisch, zumal sie von Emotionen
geprägt sind. So erwähnte sie in beiden Einvernahmen bei der Schilderung des
Vorfalls als Erstes ihre Angst, so primär die Angst um ihre Tochter, was sie auch
dem Täter gegenüber kundtat. Ebenso erklärte sie, wieso die Kapuze des Täters
im ersten Moment nicht auffällig schien, nämlich wegen des schlechten Wetters,
was sie veranlasst hatte, "zum gefühlten 100sten Mal den Boden" aufzunehmen
(Urk. 8/2 S. 4), was ihren Missmut über die ständigen wetterbedingten Reinigun-
gen zum Ausdruck brachte. Ihre in der Abfolge logischen, keine Strukturbrüche
aufweisenden und im Kerngeschehen detaillierten und konstanten Aussagen be-
- 18 -
züglich des Ablaufs des Raubes erweisen sich als glaubhaft. Die beschriebenen
Ereignisse bauen konsistent aufeinander auf, sind hinsichtlich Raum und Zeit ver-
knüpft und finden vor allem in den Kameraaufnahmen Bestätigung. Dass die Pri-
vatklägerin im Nachhinein nicht sagen konnte, ob es sich tatsächlich um ein
Rüstmesser handelte, resp. wie das Messer genau ausgesehen haben soll,
spricht entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 79 S. 2 f.) nicht gegen die
Glaubhaftigkeit der Aussagen. Es erscheint durchaus nachvollziehbar, dass die
Privatklägerin im Zustand des Schocks nur ein Messer als solches wahrnahm,
sich jedoch nicht auf die genaue Form, Schneide etc. achtete, zumal der Täter -
wie auf der Aufnahme ersichtlich ist - nur sehr kurz vor ihr gestanden hat. Dass
der Täter der Privatklägerin ein Messer gezeigt hat, ist zwar auf den Videoauf-
nahmen nicht ersichtlich. Jedoch kann auf den Aufzeichnungen beobachtet wer-
den, wie die Privatklägerin blitzschnell reagierte, als der Täter vor sie hintrat, was
darauf hindeutet, dass diese angesichts einer ihr drohenden konkreten Gefahr
stark verängstigt und zum Handeln getrieben wurde. Die Behauptung der Privat-
klägerin, der Täter habe ein Messer in der Hand gehabt, erweist sich aufgrund
dessen alles andere als unglaubhaft. Die Privatklägerin bezeichnete den Be-
schuldigten zwar als unsympathisch, aber dies doch in eher sachlicher Manier.
Sie assoziierte sein Verhalten beim Überfall und bei früheren, notabene auffälli-
gen Besuchen im Shop, und sein Erscheinungsbild mit der ihr bekannten Stimme,
was einfach alles zusammengepasst habe. Sie macht die Identifikation somit nicht
nur an der damals sichtbaren Augenpartie fest, sondern am gesamten Auftreten,
am Gang, an der Sprache inkl. Klang, und an der Gestik. Entgegen der Verteidi-
gung stimmt es somit nicht, dass sie den Beschuldigten als einen ihrer Kunden
einzig und allein aufgrund seiner Augen erkannt habe (Urk. 49 S. 49, Urk. 79 S. 3
und 5). Bei der Privatklägerin ist kein Belastungseifer auszumachen. So fehlen
insbesondere hinsichtlich der Grösse und des Einsatzes des Messers jegliche
theatralischen Elemente. Überdies deklarierte sie klar ihre bestehenden Restzwei-
fel bezüglich der Täterschaft, auch etwa in Bezug auf die Augenfarbe. Diesbezüg-
lich ist in Erinnerung zu rufen, dass die Privatklägerin diese nicht nur mit "grün-
blau" bezeichnete, sondern in der ersten, tatnahen Einvernahme von "dunkel-
braun" sprach, was der effektiven Augenfarbe des Beschuldigten entspricht. Eine
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Verwechslung schloss sie begründet, d.h. unter Hinweis auf die Einzigartigkeit
dieses Erlebnisses, klar aus. Ein Motiv für eine Falschbelastung ist nicht auszu-
machen.
16.2. Die Aussagen des Beschuldigten erweisen sich als variantenreich und
damit widersprüchlich. Er konzedierte sodann nicht nur Falschaussagen mit Be-
zug auf den zentralen Tatzeitpunkt (erstes Alibi: Anwesenheit in der Wohnung, bis
Frau kam). Seine - den Depositionen seiner Ehefrau angepasste - Darstellung
findet auch in weiteren Abklärungsergebnissen keine Stütze. So passt der vom
Beschuldigten genannte Ladezeitpunkt des Mobiltelefons am Bahnhof (notabene
in seiner eigenen Bandbreite von 21:30 bis 22:00 Uhr) nicht zu dem von der SBB
bestätigen Bezug um 22:28 Uhr (Urk. 14/4). Befremdlich mutet sodann an, dass
er den angeblichen Kontakt mit seinen Freunden nicht von sich aus, sondern erst
im späteren Lauf der Strafuntersuchung, im Rahmen von Beweisanträgen seiner
Verteidigung einbringen liess. Dass er nicht noch mehr Leute habe involvieren
wollen, erweist sich als wenig naheliegende Verteidigungsüberlegung, wenn er
sich doch sicher war, dass er "[...] ja auch nichts gemacht habe." (Urk. 7/6 S. 2).
Seine letzte Zeit-Angabe zum Besuch der Freunde an der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung passt dann aber auch nicht zu seiner früheren Chronologie des
Abends, wenn er diesen Besuch mit "zwischen 21:30 Uhr und 22:00 Uhr" verortet
(Prot. I S. 10). Dieses zweite Alibi (Treffen mit Freunden) vermag ihn ebenfalls
nicht zu entlasten. Hierzu sagte er, er sei ganz normal zu Hause gewesen und
habe sich da aufgehalten. Er habe ferngesehen und auf seine Freunde gewartet.
Diese seien gekommen, um ihn abzuholen, damit sie gemeinsam weggehen
könnten, aber "[...] wir haben dann die Polizei gesehen und sind weggegangen."
(Prot. I S. 11). Gemäss Aussagen des Beschuldigten an der Berufungsverhand-
lung sollen jedoch nur zwei der Kollegen weggefahren sein und er, der Beschul-
digte, soll mit dem dritten Kollegen, welcher aus dem Auto gestiegen sei, zum
Bahnhof gegangen sein (Urk. 78 S. 18 f.). Dies steht in teilweisem Widerspruch
zu den Angaben des Zeugen H._, der bei der Staatsanwaltschaft zu Proto-
koll gab, sie - H._, L._ und "J._" - seien danach nach Hause gefah-
ren (Urk. 9/5 S. 5). Sie decken sich auch nicht mit der Darstellung des Zeugen
L._, wonach sie den Beschuldigten auf der Strasse getroffen hätten und sie
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mit ihm vom Autofenster aus - keiner sei ausgestiegen - gesprochen hätten und
sie danach nach Hause gefahren seien (Urk. 9/6 S. 5). Entgegen der Behauptung
des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung, die Kollegen seien ihn
abholen gekommen (Urk. 78 S. 18), liest man im Übrigen aus den Aussagen des
Zeugen L._ auch nicht, dass es um ein Treffen mit dem Ziel, in den Ausgang
zu gehen, ging. So antwortete er auf die Frage, worüber sie geredet hätten, "[...]
Wie geht es? Was machst du? Und solche Sachen. Wie geht es den Kindern? Er
hat ja auch Kinder. Die anderen auch, sie haben ihn dasselbe gefragt, solche Sa-
chen." (Urk. 9/6 S. 5).
16.3. Die Aussagen von K._ als Auskunftsperson wirkten sachlich und
in sich schlüssig. Diese vermochten die Darstellung des Beschuldigten nicht zu
bestätigen. Gegenteils revidierte er diese nachher. Bei der Einvernahme als Zeu-
gin - in Gegenwart des Beschuldigten - fielen ihre Gedächtnislücken auf, dennoch
bestätigte sie ihre Aussagen bei der Polizei als wahrheitsgemäss. Insgesamt fin-
det sich da keine Entlastung für den Beschuldigten.
16.4. Auch die Zeugen H._ und L._ liefern dem Beschuldigten mit
ihren widersprüchlichen Aussagen kein entlastendes Alibi. Der Zeuge H._
war offenkundig bemüht, seinen unter Verdacht stehenden Kollegen nicht zu be-
lasten. Auch er machte Erinnerungslücken geltend, u.a. mit dem Hinweis, dass
seither "viele Jahre" vergangen seien, was angesichts der rund 20 Monate doch
etwas gesucht wirkt. Seine Depositionen waren teilweise widersprüchlich, so in
Bezug auf den konkreten Treffpunkt mit dem Beschuldigten (drinnen, in der Woh-
nung bzw. in der Nähe von seiner Wohnung auf der Strasse) und im Zusammen-
hang mit der Hin- oder Rückfahrt mit der Polizeikontrolle. Der Zeuge L._ sei-
nerseits behauptete am 7. Dezember 2020, den Beschuldigten seit drei Jahren
bestimmt nicht mehr gesehen zu haben (Urk. 9/6 S. 3). Dies kann in Anbetracht
des oben beschriebenen Treffens mit ihm am 14. März 2019 nicht stimmen. Wäh-
rend sich der Zeuge H._ hinsichtlich der Polizeikontrolle am Kreisel wankel-
mütig zeigte (Hinfahrt oder Rückfahrt), erklärte der Zeuge L._, erst nach dem
Treffen im Kreisverkehr von der Polizei angehalten und kontrolliert worden zu sein
(Urk. 9/6 S. 4).
- 21 -
16.5. Die Aussagen von N._ zum Auftauchen des Beschuldigten am
Vortag des Raubüberfalls liefern zusammen mit den entsprechenden
Videoaufnahmen von der dunklen Kleidung inkl. tief gezogener Kapuze und dem
Gebaren des Kunden im Ladenlokal Anhaltspunkte dafür, dass es sich um die
gleiche Person gehandelt hat, die am Vortag allenfalls Erkundigungen eingeholt
hat. Ein weiteres Indiz dafür ist die Gesichtsbehaarung des Beschuldigten. Wie
auf den Video-Aufnahmen des Tankstellenshops vom 10. und 13. März 2019 zu
sehen ist, trug der Beschuldigte einen dichten Vollbart. Bei seiner Verhaftung am
18. März 2019 trug er diesen dann nicht mehr. Seine Frau gab an, dass ihr Mann
seit Jahren einen Bart trage, jedoch in der Woche vor ihrer Befragung den Bart
rasiert habe, was er allerdings ab und zu getan habe. Dies könnte als Versuch
gewertet werden, sein Äusseres zu ändern.
16.6. Die Videoüberwachung zeigt den von der Privatklägerin beschriebenen
Ablauf. Die auf den Videoaufzeichnungen erfasste Täterschaft wurde durch das
FOR ausgemessen. Das Ergebnis spricht für eine Täterschaft des Beschuldigten:
Körperhöhe und -proportionen des Beschuldigten stimmen mit der Täterschaft
überein. Für eine Täterschaft des Beschuldigten spricht sodann auch das Gutach-
ten über den Textil-Bild-Vergleich. Es ergab sich eine eindeutige Übereinstim-
mung beim Gilet. Neben Gruppen- und Modelmerkmalen zeigten sich die typi-
schen vom Eigentümer der Kleidung beim Tragen verursachten individualisieren-
den Merkmale („Spickel" im vorderen rechten Bundbereich des Gilets und „Knick"
im hinteren linken Bereich unterhalb des Bundes des Gilets (Urk. 13/9 S. 11).
Zum einen steht somit fest, dass das sichergestellte Gilet und dasjenige, das die
Täterschaft während der Tat getragen hat, ein und dasselbe ist. Zum anderen ist
auch davon auszugehen, dass der Beschuldigte während der Tat in dieser Klei-
dung steckte. Dass jemand am Wohnort des Beschuldigten - wie es dieser an-
lässlich der Berufungsverhandlung geltend machte (Urk. 78 S. 12 f.) - sein Gilet
im Keller geholt, damit den Überfall bei der Tankstelle begangen und danach das
Gilet zurück in den Keller gelegt hatte, ist zwar theoretisch möglich, kann aber
vernünftigerweise ausgeschlossen werden. Es bestehen keine überzeugende An-
haltspunkte, dass jemand anderes das Gilet geholt haben soll.
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16.7. Schliesslich vermag - entgegen der amtlichen Verteidigung vor
Vorinstanz (Urk. 49 S. 4 f.) - das Anrufprotokoll des Mobiltelefons des Beschuldig-
ten diesen nicht zu entlasten. Zwar wurden ein- und ausgehende Anrufe u.a.
zwischen 21:29 Uhr und 21:32 Uhr erfasst, welche zwischen 3 und 13 Sekunden
dauerten (Urk. 10/2; Urk. 49 S. 5). Die Verteidigung weist darauf hin, dass der Tä-
ter auf den Videoaufzeichnungen der B._ Tankstelle kein Handy bei sich tra-
ge, zumindest halte er kein solches in der Hand, wie dies die Aufzeichnungen
zeigten. Dies lasse abermals einzig und allein den Schluss zu, dass es sich bei ih-
rem Mandanten nicht um den Täter des angeklagten Vorfalls handeln könne, zu-
mal auch die Unterbrüche bzw. Redepausen einen Raubüberfall in just den paar
Sekunden nicht zugelassen hätten (Urk. 49 S. 5).
Zu beachten ist hier aber, dass die Auswertung des Telefons die Koordinier-
te Weltzeit (UTC), welche die Grundlage für die Berechnung von Ortszeiten welt-
weit bildet, angibt. In Mitteleuropa und damit in der Schweiz gilt UTC+1 als Nor-
malzeit und UTC+2 als Sommerzeit. Im Tatzeitpunkt (14. März 2019) ist von Nor-
malzeit und damit von der UTC noch eine Stunde hinzuzurechnen, um die Lokal-
zeit zu ermitteln. Nach Lokalzeit fanden die von der Verteidigung erwähnten Tele-
fonanrufe somit zwischen 22:29 Uhr und 22:32 statt. Diese Kommunikationszeit
lässt sich denn auch mit dem von der SBB bestätigten Ladezeitpunkt des Mobilte-
lefons um 22:28 Uhr sehr gut erklären.
16.8. Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass die Aussagen des
Beschuldigten nicht zu überzeugen vermögen und ihm auch kein plausibles Alibi
zu liefern vermögen. Die belastenden Aussagen der Privatklägerin hingegen
sprechen für eine Täterschaft des Beschuldigten. Diese differenzierten, in sich
stimmigen glaubhaften Schilderungen werden durch objektive Beweismittel und
zahlreiche Indizien bestätigt. Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb die Privatklä-
gerin den Beschuldigten fälschlicherweise dieser Straftat bezichtigen sollte. Der
Umstand, dass sie ihn als Stammkunden bei der polizeilichen Einvernahme als
unfreundlich und unsympathisch beschrieben hatte, vermag jedenfalls kein aus-
reichendes Motiv darzustellen. Hingegen hatte der Beschuldigte als arbeitsloser
Familienvater mit Schulden im Bereich von Fr. 100'000.00 und gekündigter Fami-
- 23 -
lienwohnung durchaus ein Motiv für eine solche Tat. Gemäss seiner Frau arbeite-
te er damals seit 5 Monaten nicht mehr, sei tagsüber zuhause am Computer, am
Abend manchmal im Ausgang. Er habe keine Hobbies - eigentlich mache er
nichts, ausser zu Hause zu sitzen. Ab und zu habe sie ihm Geld gegeben, "[...]
aber nicht viel - nur für Ziggis." Die Familie musste sich beim Sozialamt D._
anmelden und - weil die Wohnungsmiete nicht bezahlt worden war - mit ihren 5-
und 9-jährigen Kindern die Wohnung per 20. März 2019 verlassen. In der Einver-
nahme vom 18. März 2019 hatten sie noch keine neue Bleibe (Urk. 9/1 S. 2). Der
Beschuldigte, der überdies seinen Ausgang und gelegentlichen Kokainkonsum zu
finanzieren hatte, befand sich daher im Tatzeitpunkt in einer sehr desolaten finan-
ziellen Situation. Der finanzielle Engpass ergibt sich auch aus dem Strafbefehl
vom 5. Februar 2019 betreffend betrügerischen Konkurs und Pfändungsbetrug
(mehrfache Begehung in der Zeit vom 1. April 2018 bis zum 30. September 2018;
Urk. 62). Ein Motiv für die Tat hatte der Beschuldigte daher alleweil. In der Ge-
samtbetrachtung kann der Sachverhalt gemäss Anklageschrift als erstellt betrach-
tet werden.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz hat das Verhalten des Beschuldigten als Raub im Sinne
von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB qualifiziert (Urk. 60 S. 21 ff.).
2. Den Tatbestand des Raubes erfüllt, wer mit Gewalt gegen eine Person
oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben oder nachdem er
den Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht hat, einen Diebstahl begeht
(Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB).
3. Die Vorinstanz hat zu Recht geschlossen, dass sich der Beschuldigte
gemäss erstelltem Sachverhalt in objektiver und subjektiver Hinsicht in diesem
Sinne schuldig gemacht hat. Dies wird grundsätzlich auch seitens der Verteidi-
gung nicht bestritten. Auf die Erwägungen der Vorinstanz kann daher verwiesen
und der Schuldspruch somit bestätigt werden.
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V. Sanktion
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz sanktionierte den Beschuldigten für den Raub mit einer
Freiheitsstrafe von 24 Monaten (Urk. 60 S. 44). Die Verteidigung beantragte vor
Vorinstanz für den Eventualfall eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten (Urk. 49 S. 12).
1.2. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzu-
messen ist, richtig zusammengefasst (Urk. 60 S. 213 ff.). Darauf kann verwiesen
werden.
1.3. Der Tatbestand von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sieht eine abstrakte
Strafandrohung von Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten bis zu zehn
Jahren vor. Umstände, die ein Über- oder Unterschreiten des Strafrahmens indi-
zieren, liegen nicht vor.
2. Tatverschulden
2.1. In objektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte eine Beute
von immerhin Fr. 1'020.00 erzielte. Der Beschuldigte wandte zwar keine physi-
sche Gewalt an, indessen zeigte er der Privatklägerin ein Messer, um seiner For-
derung Nachdruck zu verleihen, wodurch er diese besonders in Angst versetzte.
Er passte der Privatklägerin zu später Stunde ab, nachdem diese das Ladenlokal
kurzfristig verlassen hatte, was als hinterhältiges Verhalten bezeichnet werden
muss. Das Vorgehen war geplant und zielgerichtet, was sich nicht zuletzt an der
Maskierung und dem mitgeführten Messer zeigt. Damit offenbart er eine erhebli-
che kriminelle Energie. In der Bandbreite möglicher Varianten eines Raubes ist
das Verschulden vorliegend aber als leicht zu qualifizieren. Dies rechtfertigt eine
Einsatzstrafe im untersten Drittel des Strafrahmens. Angemessen erscheinen 18
Monate Freiheitsstrafe.
2.2. Im Rahmen der subjektiven Tatschwere ist zu beachten, dass der
Beschuldigte die Tat direktvorsätzlich und gezielt verübte. Er handelte egoistisch.
Andere als finanzielle Motive sind nicht auszumachen. Dies lässt sich durch den
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finanziellen Engpass des Beschuldigten nicht entschuldigen. Das subjektive Tat-
verschulden vermag damit die objektive Tatschwere unter keinem Titel in einem
milderen Licht erscheinen zu lassen.
3. Täterkomponenten
Was die persönlichen Verhältnisse anbelangt, kann auf die Ausführungen
der Vorinstanz (Urk. 60 S. 26) verwiesen werden.
An der heutigen Berufungsverhandlung hat sich ergeben, dass der Beschul-
digte nach wie vor mit seiner Familie in E._ wohnt und als Servicemonteur in
O._ angestellt ist (Prot. II S. 4; Urk. 78 S. 5). Seine Schulden ist er am Ab-
zahlen; momentan betragen diese angeblich noch Fr. 65'000.– (Urk. 78 S. 6).
Die persönlichen Verhältnisse haben keine Auswirkungen auf die Strafzu-
messung.
Der Beschuldigte weist eine Vorstrafe aus dem Jahr 2019 auf, wobei der
Strafbefehl vom 5. Februar 2019 erst im Rahmen des vorliegenden Strafverfah-
rens, nämlich am 19. März 2019, eröffnet werden konnte (Urk. 62). Dass er sich
durch jenes, im Jahre 2018 eröffnete Strafverfahren nicht vor weiteren Straftaten
abschrecken liess, wirkt sich straferhöhend aus, was sich bei der Täterkomponen-
te negativ auswirkt.
4. Fazit
Unter Würdigung sämtlicher Strafzumessungsgründe ist der Beschuldigte
mit einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten zu bestrafen. Der Anrechnung der er-
standenen Untersuchungshaft von 75 Tagen steht nichts entgegen.
5. Busse
Für die Übertretung des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel im Sin-
ne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG sprach die Vo-
rinstanz eine Busse von Fr. 300.– aus. Die diesbezüglichen Erwägungen im
vorinstanzlichen Entscheid treffen nach wie vor zu und sind zu übernehmen (Urk.
- 26 -
60 S. 27). Der Beschuldigte ist deshalb auch vorliegend mit einer Busse von Fr.
300.– zu bestrafen.
VI. Vollzug
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geld- oder Freiheitsstrafe von
höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht not-
wendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder
Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Wurde der Täter innerhalb der letzten
5 Jahre nicht zu einer Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt, so
wird grundsätzlich eine günstige Prognose vermutet (vgl. OFK-StGB HEIM-
GARTNER, N 16 zu Art. 42 StGB).
2. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten unter Hinweis auf dessen Vorstrafe
aus dem Jahre 2019 sowie dessen Schuldensituation und die damit einhergehen-
den Zweifel an der Legalprognose bloss einen teilbedingten Vollzug gewährt
(Urk. 60 S. 29).
3. Der Beschuldigte wurde noch nie zu einer Freiheitsstrafe verurteilt
(vgl. Art. 42 Abs. 2 StGB). Richtig ist hingegen, dass er mit Strafbefehl vom
5. Februar 2019 des betrügerischen Konkurses und des Pfändungsbetrugs schul-
dig gesprochen wurde. Eröffnet wurde der Strafbefehl aber - wie gesagt - erst im
vorliegenden Verfahren (Urk. 62), weshalb heute auch kein Widerruf des dort
ganz bedingt angeordneten Vollzugs im Raum steht. Der Beschuldigte wurde da-
mals "nur" mit einer (bedingten) Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.00 und
einer Busse von Fr. 300.00 bestraft. Im Zeitpunkt der heute zu beurteilenden De-
linquenz hatte der Beschuldigte somit noch keine Kenntnis von den vollen Konse-
quenzen seines deliktischen Verhaltens. Ebenso wenig hatte er Erfahrung mit der
Haft gemacht, wie er sie danach für 75 Tage erlebt hat. Diese Umstände rechtfer-
tigen die Annahme, dass ihn spätestens die Untersuchungshaft genügend abge-
schreckt haben und ihn vor weiterer Delinquenz abhalten sollte. Dem Beschuldig-
ten ist daher der bedingte Vollzug zu gewähren und den verbleibenden Bedenken
mit Ansetzung einer höheren Probezeit Rechnung zu tragen. Diese ist auf 3 Jahre
festzusetzen.
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4. Unter Verweis auf die zutreffende Begründung der Vorinstanz ist die Bus-
se unbedingt zu bezahlen. Im Falle des schuldhaften Nichtbezahlens der Busse
hat an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen zu treten (Urk. 60 S. 30
f.).
VII. Landesverweisung und Ausschreibung im Schengener Informationssystem
1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen für die Anordnung einer
Landesverweisung zutreffend wiedergegeben und richtig festgehalten, dass sich
der Beschuldigte als Ausländer mit einem Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
Abs. 1 StGB einer Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB schuldig
gemacht hat (Urk. 60 S. 31 f.). Deshalb ist grundsätzlich obligatorisch eine
Landesverweisung anzuordnen und kann davon lediglich abgesehen werden,
wenn diese für den Beschuldigten einen persönlichen Härtefall darstellen würde
und die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten
Interessen des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen.
2. Die Vorinstanz hat mit einlässlicher und überzeugender Begründung ei-
nen persönlichen Härtefall verneint (Urk. 60 S. 35). Der Beschuldigte stammt aus
Mazedonien und absolvierte dort die Grund- und Mittelschule sowie sein Studium,
welches er jedoch nicht abgeschlossen hat (Prot. I S. 8). Er reiste Anfang des
Jahres 2008 in die Schweiz und lebt seither hier (Prot. I S. 17). Er ist verheiratet
und hat zwei Kinder im Alter von heute 8 und 12 Jahren (Urk. 78 S. 2). In der
Schweiz hat er keine Schulen besucht. Der Beschuldigte kann sich auf Deutsch,
insbesondere Mundart, verständigen (Prot. II S. 4). Mit seinem Heimatland ist er
durch seine Muttersprache Albanisch, seine Verwandten und die regelmässigen
Besuche verbunden. Seine Ehefrau und die Kinder leben hier, haben aber eben-
falls die mazedonische Staatsangehörigkeit (Urk. 78 S. 9).
3. Der Beschuldigte kam erst im Alter von 24 Jahren in die Schweiz. Seine
prägenden Jahre verbrachte er somit in seinem Heimatland, wo er auch Ausbil-
dungen absolvierte. Er arbeitete über die letzten Jahre nicht durchgehend, hat
nach wie vor Schulden in der Höhe von Fr. 65'000.– und wurde zeitweise von sei-
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ner Ehefrau und dem Sozialamt unterstützt. Seit Mitte 2020 ist er als Fenstermon-
teur angestellt (Urk. 78 S. 5). Er weist eine Vorstrafe aus dem Jahre 2019 betref-
fend betrügerischen Konkurs und Pfändungsbetrug auf (Urk. 77A). Freunde hat er
in der Schweiz keine und auch ein sonstiger Bezug des Beschuldigten zur hiesi-
gen Gesellschaft ist nicht auszumachen (Urk. 78 S. 6). Insgesamt kann zwar von
einer gewissen wirtschaftlichen, nicht aber von einer erfolgreichen sozialen In-
tegration des Beschuldigten ausgegangen werden. Zu seinem Heimatland Nord-
mazedonien bestehen noch Verbindungen zu seiner eigenen Familie.
Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung aller Umstände zeigt sich, dass die
Wegweisung des Beschuldigten aus der Schweiz für ihn mit grossen Unannehm-
lichkeiten verbunden ist und mit einer Distanzierung des persönlichen Kontakts zu
seinen hier in der Schweiz lebenden Söhnen sowie der Ehefrau einhergeht. Dies
stellt zweifelsohne in einem gewissem Sinn eine nicht unerhebliche Härte für ihn
dar. Allerdings verlangt das Gesetz für den Verbleib in der Schweiz einen schwe-
ren persönlichen Härtefall und zwar insofern, als die Landesverweisung als ganz
klar unverhältnismässig und geradezu als stossend erachtet werden müsste. Da-
von kann aber bei den vorliegend zu beurteilenden Verhältnissen nicht ausge-
gangen werden. Eine grundsätzliche Verwurzelung in der Schweiz ist zwar auf-
grund seiner Vaterrolle gegeben. Der Beschuldigte gibt an, mit seinen Söhnen
sehr verbunden zu sein, mit ihnen Fussball zu spielen und Hausaufgaben zu erle-
digen (Urk. 78 S. 10). Gemäss Aussagen seiner Ehefrau sei er jedoch auch
zweitweise einfach zuhause gewesen und habe nichts gemacht oder sei in den
Ausgang gegangen. Ebenfalls ist darauf hinzuweisen, dass er trotz der nun beton-
ten Bindung zu seinen Kindern verantwortungslos handelte und die hiesigen Ge-
setze und Ordnung ausser Acht liess.
Aufgrund der mehrheitlich gescheiterten Integration in der Schweiz erscheint
daher eine Rückkehr ins Heimatland, das er erst im Alter von 24 Jahren verlassen
hatte und mit dem er im oben dargelegten Sinne bis heute verbunden ist, nicht
unzumutbar. Die Kinder des Beschuldigten sind in einem Alter, in dem ein Kontakt
im Rahmen von Kurzaufenthalten oder über die modernen Kommunikationsmittel
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wahrgenommen werden kann. Ein schwerer persönlicher Härtefall ist daher zu
verneinen.
Zum Vorbringen der Verteidigung, ein Landesverweis würde vorliegend
gegen das Recht auf Privat- und Familienleben verstossen (Urk. 79 S. 9), ist fest-
zuhalten, dass der bei der Härtefallprüfung berücksichtigte und in Art. 13 BV und
in Art. 8 EMRK verankerte Anspruch auf Familien- und Privatleben nicht absolut
gilt. Ein Landesverweis erweist sich vorliegend auch aus menschenrechtlicher
Perspektive als zulässig, zumal die Landesverweisung gesetzlich vorgesehen ist,
sie mit dem Schutz der öffentlichen Sicherheit, der Verhütung von Straftaten und
mit dem Schutz der Gesundheit gleich mehrere legitime Zwecke erfüllt und zu de-
ren Realisierung in einer demokratischen Gesellschaft in casu auch notwendig er-
scheint. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass Strafen und Massnahmen für einen
Beschuldigten grundsätzlich einschneidend und hart sind, zumal sie diesen im
Falle einer Landesverweisung von seiner Familie trennen können. Diese Folgen
sind der Landesverweisung immanent und damit vom Gesetzgeber gewollt.
Aufgrund des Gesagten ist eine Landesverweisung im Sinne von Art. 66a
StGB anzuordnen.
4. In Anbetracht der Schwere des Delikts und der konkreten Sanktion sowie
mit Blick auf die Trennung von seiner Familie erweist sich mit der Vorinstanz eine
Landesverweisung für die minimale Dauer von 5 Jahren als angemessen.
5. Der Beschuldigte ist Drittstaatangehöriger, weshalb die Landesverwei-
sung im Schengener Informationssystem auszuschreiben ist.
VIII. Zivilansprüche
1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Voraussetzungen für die Zusprechung
von Schadenersatz und Genugtuung dargelegt. Es kann darauf verwiesen werden
(Urk. 60 S. 38 ff.).
2. Bezüglich des Schadenersatzes kann ohne weiteres auf die Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 60 S. 39 f.). Der Kausalzusammenhang
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zwischen dem Raubüberfall und der Arbeitsunfähigkeit ist erstellt (Urk. 47/1-5)
und die Höhe des Schadens ausgewiesen (Urk. 47/6; Urk. 46 S. 3 ff.). Der Be-
schuldigte ist daher zu verpflichten, der Privatklägerin Fr. 769.50 an Schadener-
satz zu bezahlen.
3. Dass vorliegend die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genug-
tuung erfüllt sind, hat die Vorinstanz zu Recht bejaht. Es kann auf die entspre-
chenden Ausführungen verwiesen werden (Urk. 60 S. 41 f.). Ebenso ist die Höhe
nicht zu beanstanden. Das vorinstanzliche Urteil ist daher auch in diesem Punkt
zu bestätigen.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Bei diesem Verfahrensausgang ist das erstinstanzliche Kostendispositiv
(Ziff. 12) zu bestätigen.
1.2. Ebenso zu bestätigen ist die Entschädigung für die Privatklägerin für de-
ren anwaltliche Vertretung im erstinstanzlichen Verfahren (Fr. 4'261.90 inkl.
MwSt), welche die Vorinstanz unter den Zivilansprüchen (Dispositiv-Ziff. 10) ab-
gehandelt hat.
2.1. Die Gebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf Fr.
3'000.00 festzusetzen.
2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Mass-
gabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte
unterliegt mit seinen Anträgen grösstenteils. Damit sind die Kosten des Beru-
fungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, zu 4/5
dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu 1/5 auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind zu 1/5 definitiv und zu 4/5 einstweilen
auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im
Unfang von 4/5 bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.
2.3. Die amtliche Verteidigerin, Rechtsanwältin MLaw X._, reichte mit
Eingabe vom 12. April 2022 ihre Honorarnote ins Recht (Urk. 75 und 77). Unter
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Berücksichtigung des effektiven Aufwands für die Berufungsverhandlung vom
24. März 2022 (inkl. Weg und Nachbesprechung) ist die amtliche Verteidigerin mit
pauschal Fr. 7'500.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen.