Decision ID: 27d6659b-759d-5bb1-a29b-378444f08f5a
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Mit Baugesuch vom 7. Juli 2016 und Projektänderung vom 19. September 2016
reichten die Beschwerdegegner bei der Gemeinde Thun ein Baugesuch ein für den
Abbruch der bestehenden Remise und den Neubau eines Mehrfamilienhauses auf Parzelle
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Thun Grundbuchblatt Nr. E._. Das Bauvorhaben umfasst zudem Anpassungen der
Umgebung, das Erstellen von zwei ungedeckten Parkplätzen und einem Carport mit zwei
Parkplätzen sowie eine Konzession für den Wärmeentzug mittels
Grundwasserwärmepumpe. Die Parzelle liegt in der Zone W2 und im Ortsbildgebiet O IV «
F._ ». Gegen das Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 10. November 2016 erteilte die Gemeinde Thun die
Baubewilligung.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 7. Dezember 2016 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die
Aufhebung des Gesamtentscheids vom 10. November 2016 und die Erteilung des
Bauabschlags. Er rügt unter anderem die Rolle des Fachausschusses (Fachausschuss
Bau- und Aussenraumgestaltung, FBA) der Gemeinde. Zudem rügt er den Belag der
Hauszufahrt via G._strasse 9 und den durch die Besucherparkplätze an der
H._strasse verursachten Eingriff in die Einfriedung und verlangt eine
"Unterflurparkierung". Schliesslich macht er geltend, dass das Bauvorhaben nicht der
vorherrschenden Bauweise im « F._ » entspreche.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Beschwerdegegner beantragen in
ihrer Beschwerdeantwort vom 12. Januar 2017, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit
darauf eingetreten werden könne, und die Bestätigung der Baubewilligung. Mit
Stellungnahme vom 13. Januar 2017 beantragt die Stadt Thun ebenfalls die Abweisung der
Beschwerde unter Verweis auf den Gesamtentscheid, an dem vollumfänglich festgehalten
werde.
4. Die kantonale Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) wurde
mit Verfügung vom 17. Februar 2017 um Erstellung eines Fachberichts gebeten. Aus
Gründen der Ausstandspflicht nahm anstelle der Gruppe Oberland die Gruppe Bern-
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Mittelland mit Fachbericht vom 4. April 2016 zum Vorhaben Stellung. Die Parteien erhielten
Gelegenheit, sich zum Fachbericht der OLK zu äussern und Schlussbemerkungen
einzureichen. Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung von
Schlussbemerkungen.
5. Auf die Rechtsschriften, die eingeholten Vorakten und den Fachbericht der OLK wird,
soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintreten
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen,
die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer,
dessen Einsprache abgewiesen wurde, ist durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Empfehlungen des FBA
a) Der Beschwerdeführer rügt die Stellung des Fachausschusses Bau- und
Aussenraumgestaltung (FBA) der Gemeinde im Baubewilligungsverfahren. Mit seinen
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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Empfehlungen entscheide dieser in breitem Ausmass über die Gestaltung eines
Bauvorhabens und folge nicht der "objektiven Gesamtschau". Zudem halte er sich nicht an
die eigenen Empfehlungen, die er bezüglich anderen Bauvorhaben im Gebiet «
F._ » abgegeben habe.
b) Die Gemeinde verweist in ihrer Stellungnahme auf die dem FBA auferlegten
Aufgaben, wozu gemäss den kommunalen Grundlagen auch die Beratung der Bauwilligen
und der Baubewilligungsbehörde und die Möglichkeit der Abgabe von Empfehlungen
zählen.4 Die Beschwerdegegner weisen in ihrer Beschwerdeantwort zum einen darauf hin,
dass es sich beim FBA um eine leistungsfähige Fachbehörde handle; zum andern machen
sie geltend, dass die Vorwürfe an den Fachausschuss nicht näher begründet seien.5
c) Beim FBA handelt es sich gemäss Baureglement der Gemeinde (GBR6) um eine vom
Gemeinderat ernannte Fachkommission. Sie besteht aus mindestens fünf unabhängigen,
in Gestaltungsfragen ausgewiesenen Fachleuten, wobei neben der Architektur auch die
Fachrichtungen Landschaftsarchitektur und -planung sowie Raumplanung und Städtebau
angemessen vertreten sind. Den Vorsitz führt der zuständige Gemeinderat oder die
zuständige Gemeinderätin (vgl. Art. 10 Abs. 1 und 2 GBR). Gemäss Art. 3 der
Ausführungsverordnung7 gehören zu den Aufgaben des FBA die Beratung der Bauwilligen
und der Baubewilligungsbehörde in Baugestaltungsfragen. Seine Empfehlungen betreffen
insbesondere die Bau- und Aussenraumgestaltung (Art. 3 Abs. 1 Bst. a). Der FBA beurteilt
Bauvoranfragen und Baugesuche, die "für das Strassen-, Orts- und Landschaftsbild von
Bedeutung sind oder spezielle baugestalterische Fragen aufwerfen". Dies betrifft
beispielsweise wie vorliegend An- und Umbauten in Erhaltungs- und Entwicklungsgebieten
(Art. 3 Abs. 1 Bst. b, letztes Lemma). Es handelt sich bei diesem Fachausschuss gemäss
ständiger Rechtsprechung um eine leistungsfähige örtliche Fachstelle i.S.v. Art. 22 Abs. 2
BewD.8
d) Der FBA hat sich im Rahmen der Bauvoranfrage und insbesondere im
Baubewilligungsverfahren vertieft mit dem Vorhaben auseinander gesetzt und
4 Stellungnahme vom 13. Januar 2017, Akten BVE, pag. 28 5 Beschwerdeantwort vom 12. Januar 2017, Akten BVE, pag. 23 ff. 6 Baureglement der Einwohnergemeinde Thun vom 2. Juni 2002 (GBR, SSG 72.01) 7 Verordnung vom 10. Februar 2006 über den Fachausschuss Bau- und Aussenraumgestaltung (SSG 72.16) 8 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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Empfehlungen zum architektonischen Ausdruck beispielsweise zu den Fenstern und zur
Fassadengestaltung des Projekts wie auch zur Umgebungsgestaltung abgegeben.9 Dabei
hat er auch Bezug auf den unmittelbaren Kontext im « F._ » genommen. Seine
Rolle ist im Lichte der gemäss kommunalem Recht auferlegten Aufgaben und als
Fachbehörde nicht zu beanstanden. Soweit die Empfehlungen des FBA zu anderen
Bauvorhaben im F._ gerügt werden, beziehen sich diese nicht auf das
Anfechtungsobjekt und können vorliegend nicht Streitgegenstand bilden. Soweit die
Empfehlungen das konkrete Bauvorhaben betreffen, sind sie Gegenstand der
nachfolgenden materiellen Prüfung (vgl. E. 5).
3. Belag der Hauszufahrt
a) Der Beschwerdeführer rügt die "Fahrerschliessung" zum Carport und dass die
gewählte Belagsform nicht mehr zeitgemäss sei. Das "intensiv bebaute Umfeld" habe sich
verändert. Der Fahrverkehr führe zu einer Mehrbelastung. Eine Chaussierung in
vollflächiger Form sei weder gebrauchpraktisch noch nehme sie Rücksicht auf die
Nachbarschaft. Er regt daher einen Belagswechsel, bzw. einen harten Belag an.
b) Die Beschwerdegegner zeigen sich erstaunt, dass der Beschwerdeführer trotz "Sorge
für das Quartier" eine Asphaltierung der Zufahrt verlange. Die zwei vorgesehenen
Parkplätze erzeugten keine übermässige Beeinträchtigung, zumal sie selbst kein Auto
besässen oder benützten. Die Gemeinde verweist in ihrer Stellungnahme auf ihren
Gesamtentscheid und auf die Stellungnahme des Planungsamtes im vorinstanzlichen
Verfahren: Dieses hatte den Standpunkt vertreten, dass die vorgesehene Erschliessung
des Carports der heute Bestehenden entspräche.10 Die Situation werde darum nicht
verschlechtert. Eine Anordnung der Parkplätze entlang der G._strasse wäre
städtebaulich schlecht. Eine unterirdische Einstellhalle für zwei Fahrzeuge wäre
unverhältnismässig und die notwendige Rampe eine zu starke Beeinträchtigung der
Aussenraumgestaltung im Norden der Parzellen.
9 Vorakten, Ordner 2 "Voranfragen Reg. 9-10": Reg. 9: Protokollauszug FBA 01/16, pag. 275 ff., Reg. 9: Protokollauszug FBA 05/16, pag. 401 ff. sowie Ordner 1 "Originalunterlagen Reg. 1-8": Reg. 4: "Amts- und Fachberichte", Protokollauszug FBA 08/16, pag. 106 ff. 10 Vorakten, Ordner 1 "Originalunterlagen Reg. 1-8": Reg. 4: "Amts- und Fachberichte", pag. 111 ff.
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c) Gerügt wird der Belag der nördlich gelegenen Zufahrt zum geplanten
Mehrfamilienhaus G._strasse 9A, die über die Parzelle Thun Grundbuchblatt
Nr. I._ (G._strasse 9) führt. Gemäss vorinstanzlichem Entscheid wird die
Erschliessung zum künftigen Carport saniert und in das Bauvorhaben eingebunden. Der
vorgesehene Belag (Chaussierung) entspreche der üblichen Fahrbahnoberfläche, wobei
eine Differenzierung zum Asphaltbelag der Gemeindestrasse gewünscht werde. Es sei
zudem nicht davon auszugehen, dass durch die beiden Parkplätze und die Belagsart der
Zufahrt eine wesentliche Lärmbelastung der direkten Nachbarschaft vorliegen werde.
d) Der Belag bzw. die "Chaussierung" der Hauszufahrt stellt eine unversiegelte
Deckschicht aus Natursteinmaterial dar. Nach Art. 7 Abs. 2 Bst. a BauG ist die
Erschliessung genügend, wenn die Zufahrtsstrasse hinreichend nahe an Bauten und
Anlagen heranführt und diese für Feuerwehr und Sanität gut erreichbar sind. Unter Zufahrt
wird die Strassenverbindung zwischen dem Baugrundstück und dem allgemeinen
Strassennetz verstanden. Sie umfasst nach Art. 6 Abs. 1 BauV11 die Hauszufahrt, den
anschliessenden Strassenabschnitt und dessen Anschluss an eine Strasse mit
vorwiegendem Allgemeinverkehr.12 Diese Zufahrt zum Carport entspricht der bestehenden
Erschliessung zur ehemaligen Kutschenremise, die für das Vorhaben abgebrochen wird.
Es sind weder durch die "Chaussierung" noch durch deren Benutzung übermässige
Immissionen zu erwarten. Die Hauszufahrt entspricht den öffentlich-rechtlichen Vorgaben.
Die Rüge erweist sich somit als unbegründet.
4. Parkplätze, Ausnahme nach Art. 28 BauG
a) Umstritten sind die zwei an der H._ strasse geplanten Parkplätze, die
gemäss Baugesuch als "Besucherparkplätze" bezeichnet sind. Der Beschwerdeführer rügt
zum einen die (geringe) Anzahl der Parkplätze für das Mehrfamilienhaus. Die
Besucherparkplätze seien zum andern nicht notwendig, da im « F._ » genügend
Besucherparkplätze zur Verfügung stünden. Die Parkierung entlang der
H._strasse sei somit nicht nötig und stelle einen unnötigen Eingriff in die gefestigte
Einfriedung dar. Bautechnisch seien andere Lösungen möglich, ohne das Umfeld
11 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 7/8 N. 14
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(Vegetation) mehr zu belasten. Für die Parkplatzsituation insgesamt regt der
Beschwerdeführer die Prüfung einer "Unterflurparkierung" bzw. Einstellhalle an.
b) Die Vorinstanz verweist in ihrer Stellungnahme auf die gemäss BauV13 geforderte
Bandbreite für Parkplätze. Diese sei vorliegend eingehalten. Gemäss gestalterischer
Beurteilung des FBA und der kantonalen Denkmalpflege seien die vorgesehenen
Parkplätze im Ortsbild verträglich. Zudem sei festzuhalten, dass Parkplätze innerhalb von
Strassenabständen und Baulinien durchaus "standortüblich" seien, da sie zur
Erschliessung gehörten. Der oberirdischen Parkierung würden somit keine öffentlichen
sowie wesentlichen nachbarlichen Interessen entgegenstehen. Daher könne auf Grund
dieser Beurteilung und der Zustimmung der Strassenaufsichtsbehörde die
Ausnahmebewilligung für das Bauen innerhalb der Baulinie erteilt werden. Für die Frage
der Unterflurparkierung verweist die Gemeinde auf ihren Entscheid. Nach Ansicht der
Beschwerdegegner stellt eine unterirdische Parkierung die ästhetisch schlechtere Lösung
dar. Bereits die zum Vorhaben eingeholte «Studie K._» habe explizit empfohlen,
auf eine Tiefgarage zu verzichten.
c) Der Beschwerdeführer setzt sich in der Beschwerde mit der Begründung der Vor-
instanz nicht auseinander. Er verweist auf das, was er bereits in seiner Einsprache vom
10. August 2016 vorbrachte. Es ist somit fraglich, ob diese Rüge der Begründungspflicht
nach Art. 32 Abs. 2 VRPG14 zu genügen vermag. Die Begründung muss sich wenigstens in
minimaler Form mit dem angefochtenen Entscheid auseinandersetzen und sinngemäss
darauf schliessen lassen, inwiefern dieser unrichtig sein soll. Rechtliche Überlegungen sind
nicht notwendig, da die Behörde das Recht von Amtes wegen anzuwenden hat. Da die
Rüge – wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen – ohnehin unbegründet ist, kann diese
Frage jedoch offen gelassen werden.
d) Das Gesetz verpflichtet die Bauenden, entsprechend dem durch ihr Bauvorhaben
verursachten Bedarf, private Abstellplätze für Motorfahrzeuge und Fahrräder zu schaffen
(Art. 16 Abs. 1 BauG). Die Anzahl der im Einzelfall erforderlichen Abstellplätze hängt
namentlich von Art und Grösse der Baute oder Anlage, von ihrer Zweckbestimmung, vom
Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln und von der zeitlichen Anwesenheit der Benutzer
ab. Die Bauverordnung stellt für die Bemessung des Parkplatzbedarfs von
13 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 14 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Motorfahrzeugen Normen auf, die auf Erfahrungswerten und Durchschnittszahlen beruhen
(Art. 51 in Verbindung mit Art. 49 BauV).15
e) Das geplante Mehrfamilienhaus umfasst vier Wohnungen. Gemäss Art. 51 Abs. 2
BauV beträgt die Bandbreite ab vier Wohnungen 0,5 bis 2 Abstellplätze pro Wohnung. Der
vorinstanzliche Entscheid geht denn auch von erforderlichen 2 bis 8 Abstellplätzen aus. Mit
realisierten vier Abstellplätzen seien diese Vorgaben erfüllt. Dies ist nicht zu beanstanden.
f) Mit dem angefochtenen Gesamtentscheid wurde für die beiden Besucherparkplätze
eine Ausnahmebewilligung innerhalb der genehmigten Baulinie und gestützt auf Art. 28
BauG erteilt.
g) Die Bauabstände von Gebäuden richten sich unter anderem nach rechtsgültigen
Baulinien (Art. 14 Abs. 1 GBR). Der Strassenabstand zur H._strasse ist auf der
südlichen Seite der Bauparzelle mit einer Baulinie geregelt. Die beiden Parkplätze, die an
der H._strasse zu liegen kommen, befinden sich innerhalb einer genehmigten
Baulinie und können nur mit einer Ausnahme bewilligt werden. Dies ist unbestritten.
Das zuständige Gemeinwesen kann Ausnahmen von den gesetzlichen Strassenabständen
bewilligen, wenn besondere Verhältnisse, insbesondere des Ortsbildes, es rechtfertigen
und wenn dadurch weder öffentliche Interessen noch wesentliche nachbarliche Interessen
beeinträchtigt werden. Für Kleinbauten gilt Art. 28 BauG sinngemäss (Art. 81 Abs. 1 und 2
SG16). Nach Art. 28 Abs. 1 BauG kann die Baubewilligungsbehörde die Erstellung kleiner
und leicht entfernbarer Bauten und Anlagen in Abweichung von Bauvorschriften,
namentlich auch von Baulinien, auf Zusehen hin bewilligen, wenn der Bauherr ein
genügendes Interesse nachweist, wenn weder öffentliche noch nachbarliche Interessen
beeinträchtigt werden und wenn bei Bauten an Gewässern oder Wald die dafür zuständige
Behörde zugestimmt hat. Ein genügendes Interesse der Bauherrschaft liegt vor, wenn die
Einhaltung der Vorschrift zu einer für die Bauherrschaft unzweckmässigen Lösung führen
würde.
h) Bei Parkplätzen handelt es sich um Kleinbauten bzw. kleine und leicht entfernbare
Bauten. Anwendbar ist somit Art. 81 Abs. 2 SG i.V.m. Art. 28 BauG. Besucherparkplätze
15 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 16-18 N. 3 ff. und N. 14 16 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11)
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werden in der Regel oberirdisch vor dem Haus angelegt, damit sie problemlos zugänglich
sind. Das genügende Interesse der Beschwerdegegner an den insgesamt nur vier
Parkplätzen ist damit gegeben. Nachbarliche Interessen werden dadurch vorliegend nicht
beeinträchtigt. Der Beschwerdeführer macht jedoch sinngemäss geltend, es stünden
öffentliche Interessen des Ortsbildschutzes entgegen.
In gestalterischer Hinsicht haben sowohl die FBA wie auch die kantonale Denkmalpflege
die Parkplätze geprüft, insbesondere mit Blick auf die Einfriedung und die Bepflanzung. Die
kantonale Denkmalpflege "begrüsst die zusätzlichen Parkplätze nicht", unter Beibehaltung
bzw. Wiederverwertung der qualitätvollen Einfriedung seien sie jedoch vertretbar.17 Der
FBA seinerseits hatte im Rahmen der Bauvoranfrage festgehalten, dass für die weitere
Bearbeitung der Einfriedung bei der Parkplatzsituation besondere Sensibilität zu gewähren
sei, um dem gestalterischen Charakter des Quartiers Rechnung zu tragen.18 Zum
Baugesuch hat der FBA in seinem Bericht vom 16. August 2016 ausgeführt, dass sich die
für die Besucherparkplätze vorgesehenen Flügeltüren als Fortsetzung des Zaunes gut in
das Gesamtbild einpassten. 19
Die Gemeinde hat in ihrem Gesamtentscheid eine Interessenabwägung vorgenommen. Sie
kommt zum Schluss, dass in der Abwägung zwischen der Auflage des Tiefbauamtes zur
Einhaltung der Sichtbermen und der Aussenraumgestaltung des Ortsbildgebiets gemäss
der Beurteilung des FBA, die Erhaltung der Einfriedung (Sockel 0,70 m) und der
Bepflanzung innerhalb der Sichtbermen höher gewichtet werde. Dies insbesondere auf
Grund der Tatsache, dass es sich bei der H._strasse um eine schwach befahrene
Querstrasse mit vorwiegend Ziel- und Quellverkehr von und zu den Wohngebäuden
handle.
i) Die beiden Besucherparkplätze kommen auf der südöstlichen Seite des Grundstücks
senkrecht ab der H._strasse zu liegen. Aus den Plänen ergibt sich, dass die
originale schmiedeiserne Einfriedung durch zwei Flügeltore für die beiden Parkplätze
weitergeführt wird und so optisch erhalten bleibt.20 Als wichtiger Teil der ursprünglichen
17 Vorakten, Ordner 1 "Originalunterlagen Reg. 1-8": Reg. 4: "Amts- und Fachberichte", pag. 145 ff. 18 Vorakten, Ordner 2 "Voranfragen Reg. 9-10": Reg. 9: Protokollauszug FBA 05/16, pag. 401 ff., insbes. 405 19 Vorakten, Ordner 1 "Originalunterlagen Reg. 1-8": Reg. 4: "Amts- und Fachberichte": Protokollauszug FBA 08/16, pag. 106 ff., insbes. pag. 109 20 Vorakten Ordner 1 "Originalunterlagen Reg. 1-8": Reg. 2: Situationsplan "Umgebungsgestaltung" 1:100, pag. 26 sowie Plan "Fassaden" 1:100, pag. 27
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Bepflanzung wird die Rot- bzw. Blutbuche erhalten bleiben, während die beidseitig der
Einfahrt stehenden Bäume (Ahornbäume) gerodet werden. Die Erteilung der
Ausnahmebewilligung für die beiden Besucherparkplätze ist im Lichte des Ortsbildschutzes
nicht zu beanstanden. Die Rüge erweist sich somit als unbegründet.
5. Baupolizeiliche Masse und Ortsbild
a) Die Bauparzelle befindet sich in der Wohnzone W2 und im Perimeter des
Ortsbildgebiets O VI « F._ ». Die Ortsbildgebiete von Thun umfassen jene
Gebiete ausserhalb der Altstadt, die aus historischen, städtebaulichen oder
architektonischen Gründen für die Entwicklung und das Erscheinungsbild der Stadt
bedeutungsvoll sind. Ihre prägenden Elemente und Merkmale sind zu erhalten und
behutsam zu erneuern. Neubauten sind so einzufügen, dass eine gute Gesamtwirkung
erhalten bleibt (Art. 33 Abs. 1 GBR). Die Ortsbildgebiete sind Erhaltungs- und
Entwicklungsgebiete im Sinne von Art. 31 GBR. In diesen Gebieten ist an Stelle der
baupolizeilichen Masse der zugrundliegenden Bauzone die vorherrschende bestehende
Bebauung wegleitend (Art. 31 Abs. 2 GBR). Dies bedeutet, dass im Einzelfall die Merkmale
der für ein Gebiet vorherrschenden und prägenden Bebauungsstruktur massgebend sind
und nicht die möglicherweise strukturfremden baupolizeilichen Masse.21 Laut Ziffer 4.2 des
Anhanges 4 zum GBR umfasst das Ortsbildgebiet O VI « F._ » den ausserhalb
der Bahnlinie liegenden Teil der historischen "Parzellierung der Spitalmatte" aus dem Jahre
1873 und wird im Wesentlichen geprägt durch:
"-das aus Radial- und Ringstrassen bestehende, einheitlich gestaltete Strassennetz mit Baumalleen,
- zweigeschossige, repräsentative Villen im klassischen, im Schweizer Holzbau-, im Jugend- oder im Heimatstil, mit quadratnahem Grundriss, unter Sattel-, Walm- oder Mansarddächern,
- die Schulbauten und -anlagen des Gymnasiums F._, - grosse Gärten mit raumbildenden und teilweise originalen Einfriedungen sowie mit
bedeutendem Baumbestand."
b) Das Bauvorhaben soll an der G._strasse in zweiter Reihe in unmittelbarer
Nachbarschaft zu denkmalpflegerisch wertvollen Objekten, insbesondere zur gemäss
Bauinventar22 geschützten Villa an der G._strasse 9 erstellt werden. Das geplante
Mehrfamilienhaus ersetzt die zur Villa gehörige und nicht inventarisierte ehemalige
Kutschenremise. Es weist gemäss Baugesuch zwei Vollgeschosse mit Attika auf; der
21 Kommentar im Baureglement zu Art. 31 Abs. 2 GBR 22 Bauinventar der Stadt Thun, Objekt-Nr. 580
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Grundriss ist fast quadratnah, mit wenigen Staffelungen. Neben seinem grundsätzlich
muralen Charakter weist das Vorhaben hohe Fenster sowie Veranden, Balkone und
Loggien mit hellen Einfassungen auf. Gemäss Umgebungsplan soll der grosszügige
Vorgartenbereich auf der westlichen und südlichen Seite von der alten Bestockung
(Scheinzypressen, Eschen und Ahorne) teilweise befreit und neu bepflanzt werden. Die
das Areal prägende Rotbuche bzw. Blutbuche bleibt neben weiteren Bäumen und
Sträuchern erhalten. An der östlichen Parzellengrenze ist die Pflanzung einer Eibenhecke
geplant. Vorgesehen sind neben dem Hauszugang ein Mergelband rund um das neue
Gebäude, eine extensive Blumenwiese und daran anschliessend ein Strauchgürtel. Das
projektierte Gebäude ist 18.45 Meter lang sowie 15.40 Meter breit und weist inklusive
Sockel und Attikageschoss eine Höhe von 10.70 m auf.23
c) Die für die einzelnen Bauzonen geltenden baupolizeilichen Masse stehen laut Art. 21
Abs. 1 GBR unter dem Vorbehalt besonderer baurechtlicher Ordnungen und Gebiete und
kommen gemäss Art. 31 Abs. 2 GBR in Erhaltungs- und Entwicklungsgebieten, zu denen
die Ortsbildgebiete gehören, nicht zur Anwendung. Art. 31 Abs. 2 GBR hält zu diesen
Gebieten abschliessend fest, dass an Stelle der baupolizeilichen Masse der
zugrundeliegenden Bauzone die vorherrschende bestehende Bebauung wegleitend ist.
Dies gilt somit für sämtliche Neu- und Umbauvorhaben in den betreffenden Gebieten,
unabhängig davon, ob sie zonenkonform sind oder mittels einer Ausnahme von den
Zonenvorschriften realisiert werden dürfen.
d) Das Bauvorhaben orientiert sich hinsichtlich Volumen, Grundriss, Gebäudehöhe,
Abständen und Standort an der umliegenden Bebauung, insbesondere an der
benachbarten, und als K-Objekt eingestuften Villa an der G._strasse 9. So ist das
geplante Mehrfamilienhaus deutlich von der Strasse zurückversetzt angeordnet, weist trotz
Staffelung den typischen Grundriss auf und hat ein mit den benachbarten Gebäuden
vergleichbares Volumen. 24 Das Bauvorhaben nimmt daher die Masse der umliegenden
Gebäude in genügender Weise auf. Dies wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Er ist
allerdings der Ansicht, dass das Vorhaben in seiner "monolithischen", d.h.
zusammenhängenden Gestaltung nicht der vorherrschenden Bauweise entspreche.
23 Vorakten Ordner 1 "Originalunterlagen Reg. 1-8": Reg. 3: Baugesuch, pag. 29 ff.; Reg. 2: Baugesuchspläne, pag. 23 ff., insbes. Plan "Schnitt/Materialisierung" 1:100, pag. 28 24 Vorakten Ordner 1 "Originalunterlagen Reg. 1-8": Reg. 2: Situationsplan "Umgebungsgestaltung" 1:100, pag. 26, sowie Ordner 2 "Originalunterlagen Voranfrage Reg. 9-10": Reg. 9: «Studie J._», pag. 325 ff., insbes. pag. 333 f. und pag. 340
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Gemäss den bisherigen Empfehlungen des FBA im Quartier seien u.a. drei Geschosse nur
bei entsprechender Differenzierung zulässig; die Differenzierung habe auch bezüglich
Materialisierung zu erfolgen. Würden drei Vollgeschosse realisiert, so solle auf den
Gebäudesockel verzichtet werden.
e) Gemäss Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und
Bemalungen Landschaften, Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Diese Vorschrift
stellt die "ästhetische Generalklausel" im Sinne eines allgemeinen
Beeinträchtigungsverbots dar. Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben
einen Gegensatz zur bestehenden Überbauung schafft, der erheblich stört. Die Gemeinden
dürfen eigene Ästhetikvorschriften erlassen, die über die kantonalen Vorschriften
hinausgehen können. Wie bereits erwähnt, sind laut Art. 33 Abs. 1 GBR in Ortsbildgebieten
deren prägenden Elemente und Merkmale zu erhalten und behutsam zu erneuern.
Neubauten sind so einzufügen, dass eine gute Gesamtwirkung erhalten bleibt. Ferner ist
gemäss Baureglement der Gemeinde in den Ortsbildgebieten die allgemeine
Gestaltungsvorschrift von Art. 5 Abs. 1 GBR zu beachten. Insbesondere bei der Auslegung
des Begriffs "gute Gesamtwirkung" kann auf den Begriff in Art. 5 Abs. 1 GBR abgestellt
werden. Art. 5 Abs. 1 GBR lautet wie folgt:
1 Bauten und Anlagen sind so zu gestalten, dass zusammen mit ihrer Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht; dies betrifft insbesondere: - die prägenden Elemente und Merkmale des Strassen-, Orts-, und
Landschaftsbildes, - die Eigenheiten des Quartiers, - die bestehende und bei Vorliegen einer entsprechenden Planung auch die
beabsichtigte Gestaltung der benachbarten Bebauung, - Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen der Bauten und Anlagen, - die Gestaltung, Materialisierung und Farbgebung von Fassaden, Dächern und
Reklamen, - die Gestaltung der Aussenräume, insbesondere des Vorlandes und der
Begrenzungen gegen den öffentlichen Raum, - die Gestaltung und Anordnung der Erschliessungsanlagen, Abstellplätze und
Eingänge sowie - die Gewährleistung der Sicherheit im öffentlichen Raum.
Diese Bestimmungen gehen weiter als Art. 9 Abs. 1 BauG; ihnen kommt daher
selbständige Bedeutung zu.
f) Der Begriff "gute Gesamtwirkung" stellt einen unbestimmten kommunalen
Gesetzesbegriff dar, bei dessen Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen
Beurteilungsspielraum haben. Jedoch dürfen auch an das Erfordernis der guten
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Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Die gute
Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an besonders hohen architektonischen
Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass
das Mittelmass der Umgebung nicht gestört werden darf und sich eine neue Baute oder
Anlage an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren
hat.25
g) Der FBA, der das Vorhaben begleitete und anlässlich verschiedener Sitzungen
behandelte, beurteilt das Projekt und die Einpassung des geplanten Mehrfamilienhauses in
der Umgebung gemäss seiner abschliessenden Beurteilung als positiv.26
h) Die BVE hat für die ästhetische Beurteilung des Vorhabens die OLK beigezogen.
Diese charakterisiert die Umgebung wie folgt: "Die Parzelle des geplanten
Mehrfamilienhauses liegt im nordöstlichen Teil des F._quartiers, in der Wohnzone
W2. Der Bau wird als Ersatz für eine ehemalige Kutschenremise erstellt, die zurückversetzt
in der nordöstlichen Ecke der Parzelle steht. Unmittelbar westlich befindet sich das
bestehende Gebäude der Parzelle, eine repräsentative, als schützenswert eingestufte,
zweigeschossige Villa mit massivem kreuzförmigem Teilwalmdach. Im Zentrum der
parkartigen Gartenanlage steht eine mächtige Buche, welche den Ort prägt und dominiert.
Allgemein lässt der zum Teil überalterte Baumbestand des Gartens eine Tendenz zur
Verwilderung erkennen, die in grossem Kontrast zu den nahezu baumlosen, leergeräumten
Nachbarparzellen im Osten steht".
Zur Frage der ästhetischen Einpassung des Vorhabens und seiner Einordnung in die
vorherrschende Bebauung und das Ortsbild äussert sich die OLK wie folgt: "Da das
Bauvorhaben, wie oben beschrieben, in der zweiten Reihe an der G._strasse
hinter der alten Villa liegt und zur H._strasse – am südlichen Rand des
Grundstücks verlaufend – in einem Abstand von 20 m steht, ist es vollständig in die
Gartenlandschaft der unmittelbaren Umgebung eingebettet. Von der G._strasse
her ist der Neubau nur ausschnittweise sichtbar und bindet sich in die Silhouette der
Rabenfluh ein, was seine Präsenz gegenüber der schützenswerten Villa deutlich reduziert.
25 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1 26 Vorakten, Ordner 1 "Originalunterlagen Reg. 1-8": Register 4 "Amts- und Fachberichte", Protokollauszug FBA 08/16, pag. 106 ff.; Ordner 2 "Voranfragen Reg. 9-10": Reg. 9: Protokollauszug FBA 01/16, pag. 275 und Protokollauszug FBA 05/16, pag. 401 ff.
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Vom östlichen Ende der H._strasse beziehungsweise von der L._strasse
aus betrachtet wird das Gebäude offen sichtbar sein – dies nicht zuletzt, weil auf den
entsprechenden Parzellen der sonst prägende quartiertypische Baumbestand fehlt. Da die
alte Villa aus dieser Perspektive von den hoch aufragenden Koniferen fast vollständig
verdeckt wird, wirkt der Neubau aus diesem Blickwinkel etwas isoliert. Durch eine gezielte
Reduzierung der Baumdichte und eine Freistellung der Villa sowie der grossen Buche,
kann eine dreiteilige Gliederung von Hauptgebäude, Baum und Neubau geschaffen
werden, die vermittelnd und integrativ wirkt."
Der geplante Bau knüpfe – so die OLK – in "seiner architektonischen Ausformulierung als
zeitgemässe Interpretation einer Stadtvilla im Grünen, mit Sockel, Hochparterre, Balkonen,
Veranden und Loggien" an die traditionelle Bebauung des Seefelds an und ordne sich
ruhig in die vorherrschende Bebauung und in das Ortsbild ein. Die streng anmutende
kubische Ausformulierung des Neubaus sei dem F._ nicht fremd.
Eine innere Verdichtung sei gemäss OLK im Prinzip bereits im Alignementsplan von ca.
1873 implizit angedacht gewesen: "Sie begann vereinzelt in den Zwischenkriegsjahren und
setzte ab den 1960-er Jahren erneut ein, wobei in dieser Phase leider auch einzelne Villen
abgebrochen und ersetzt wurden. Im Rahmen dieses etappenweisen Weiterbauens auf
den einst grossflächig dimensionierten Parzellen sind in den letzten Jahren wiederum eine
Reihe von Neubauten entstanden, die entweder als traditionalistische Satteldachgebäude
oder eben als zeitgemäss formulierte kubische Volumen in die entsprechenden
Gartenbereiche gesetzt wurden, und dies bisweilen in überzeugender stimmiger Art." Die
im vorliegenden Baugesuch gewählte Volumengliederung und Fassadenstruktur seien
jedenfalls (soweit aus den Plänen ableitbar) klarer und die Farbgebung zurückhaltender
artikuliert, als dies bei einigen anderen "in nächster Umgebung implantierten Neubauten"
aus jüngster Zeit der Fall sei.
Zum Verhältnis des Neubaus zur bestehenden, schützenswerten Villa befragt, befindet die
OLK, dass sich der zweigeschossige Baukörper mit integriertem Attikageschoss auf
angemessene selbstverständliche Weise als zeitgenössische Architektur in die
vorgefundene Situation einfüge. Die Nord- bzw. Ostfassade der bestehenden Villa seien
einfach gestaltet und damit im Vergleich zu den beiden der G._strasse und der
H._strasse zugewandten Schaufronten eindeutig untergeordnet. Nach denselben
Verhaltensregeln würden die Fassaden des Neubaus gestaltet und reagierten so
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respektvoll auf die schützenswerte Villa. Durch die schlichte Formensprache, das für
diesen Ort adäquate Volumen und die gewählte Farbgebung (soweit aus den
Planunterlagen ersichtlich), lasse der Neubau der Villa die Vorrangstellung auf dem
gemeinsamen Areal.
Zu Volumen, Stellung, Geschosszahl, Fassadenflucht und Nutzungsmass befragt, weist die
OLK darauf hin, dass sich der Neubau in seiner Ausrichtung an der bestehenden
Kutschenremise orientiere und leicht nach Südwesten in Richtung Parkmitte verschoben
werde. In "Volumen, Geschosszahl und Gesamthöhe" orientiere sich der Bau an den
Gebäuden der unmittelbaren Nachbarschaft und integriere sich ins bestehende System
des Quartiers. Hinsichtlich der umstrittenen Differenzierung der Geschosse stellt die OLK
folgendes fest: "Die Differenzierung der Stockwerke und Fassadenöffnungen durch helle
Betoneinfassungen und -bänder ist eine zeitgemässe, für die Neuinterpretation einer
Stadtvilla im Thuner F._ stimmige Architektursprache. Die einzelnen Stockwerke
werden so optisch klar getrennt und die Grundstruktur des Gebäudes ist auf einen Blick
nachvollziehbar."
Die OLK gelangt insgesamt zum Schluss, dass sich das sorgfältig und differenziert
ausgearbeitete Bauprojekt gut in seine Umgebung einpasse und an diesem Standort
denkbar sei.
i) Diese Beurteilung der OLK überzeugt: Die Bauparzelle befindet sich an der
G._strasse in der Wohnzone W2 und im Ortsbildgebiet O VI « F._ ».
Prägende Elemente sind insbesondere die bestehenden repräsentativen Villen, im
klassischen, im Schweizer Holzbau- sowie im Jugend- oder im Heimatstil, die
quadratnahen Grundrisse sowie die grossen Gärten mit teilweise originalen Einfriedungen
sowie bedeutendem Baumbestand. Planerisch erwünscht ist keine Kopie dieser
quartiertypischen Elemente in eine zeitgenössische Architektur, sondern eine Interpretation
derselben. Gemäss Umgebungsplan sieht das Vorhaben quartiertypisch weiterhin einen
grosszügigen Gartenbereich mit der originalen Einfriedung vor.27 Die für das Areal
bedeutende Blutbuche wird erhalten bleiben und der Garten sorgfältig neu bepflanzt. Einzig
für die Besucherparkplätze wird die originale, schmiedeiserne Einfriedung durchbrochen.
27 Vorakten Ordner 1 "Originalunterlagen Reg. 1-8": Reg. 2: Situationsplan "Umgebungsgestaltung" 1:100, pag. 26, sowie Ordner 2 "Originalunterlagen Voranfrage Reg. 9-10": Reg. 9: «Studie J._», pag. 325 ff., insbes. pag. 333 f. und pag. 340
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Durch Wiederverwendung des Zaunmaterials für die Flügeltore der Besucherparkplätze
wirkt der Zaun jedoch weiterhin homogen. Das Bauvorhaben selbst zeichnet sich als
massvoll gegliederter Baukörper mit fast quadratnahem Grundriss aus. Es weist entgegen
der Ansicht des Beschwerdeführers zwei Vollgeschosse mit Attika und nicht drei
Vollgeschosse auf, weshalb der projektierte Sockel (Hochparterre) auch den
Empfehlungen des FBA für das F._ entspricht. Neben den im F._
vorherrschenden Dachformen wie Walmdächer, Satteldächer und Mansarddächer, sind
dem Quartier auch Flachdächer nicht fremd. Die aus ästhetischer Sicht erwünschte
Differenzierung wird zum einen durch das Hochparterre wie auch durch die Einfassungen
der Fenster bzw. Bänderung der Geschosse erzielt. Insbesondere im Verhältnis zur
bestehenden Villa im Jahrhundertwendestil (G._strasse 9) nimmt das Vorhaben
prägende Elemente wie Gebäude- und Geschosshöhe wie auch das Volumen auf,
dennoch wird der zurückversetzte Neubau mit seiner zurückhaltenden Formgebung die
benachbarte Villa nicht konkurrenzieren. Das Bauvorhaben fügt sich deshalb insgesamt gut
in das Orts- und Landschaftsbild ein und entspricht den Gestaltungsvorschriften. Die Rüge
des Beschwerdeführers, das Vorhaben entspreche nicht der vorherrschenden Bauweise,
erweist sich somit als unbegründet.
6. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend hat die Gemeinde das Bauvorhaben zu Recht bewilligt. Die
Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird, und der Gesamtentscheid der
Gemeinde ist zu bestätigen.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG28). Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere
Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben
werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'600.--
(Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1 GebV29). Die Kosten der
OLK (Fr. 1'000.-- gemäss Schreiben vom 7. April 2017) werden gestützt auf Art. 11 GebV
28 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 29 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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zusätzlich erhoben. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren betragen somit
Fr. 2'600.--.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
Die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdegegner gibt zu keinen Bemerkungen Anlass.
Der Beschwerdeführer hat somit den Beschwerdegegnern die Parteikosten von
Fr. 4'363.20 (Honorar Fr. 4'000.--, Auslagen Fr. 40.--, Mehrwertsteuer Fr. 323.20) zu
ersetzen.