Decision ID: 82a90656-c492-4a1f-9215-e5efbc7b1566
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, Jahrgang 1966, wohnt in B._ und war zuletzt als Koch in
einer 50%-igen Tätigkeit bei der Stiftung Wohn- und Pflegeheim C._,
D._, in einem bis 30. April 2020 befristeten Arbeitsverhältnis
angestellt. Am 30. März 2020 meldete A._ bei der zuständigen
Arbeitslosenkasse (ALK) einen Anspruch auf
Arbeitslosenversicherungstaggeld im Umfang von 100% ab sofort an.
2. Mit Verfügung vom 2. September 2020 teilte das Kantonale Amt für
Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden (KIGA) A._ mit, dass er
für 10 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt werde, weil er im
relevanten Zeitraum vor Beginn der Arbeitslosigkeit keine persönlichen
Arbeitsbemühungen vorweisen könne.
3. Dagegen erhob A._ am 1. Oktober 2020 Einsprache beim KIGA mit
der Begründung im Wesentlichen, er sei erst ab 1. Mai 2020 arbeitslos
geworden, weshalb er vor Beginn der Arbeitslosigkeit Arbeitsbemühungen
vorgenommen habe, nämlich am Montag und Dienstag (30./31. März
2020) fünf Bewerbungen. Im März und April 2020 habe er keine
Versicherungsleistungen bezogen. Weiter beantragte A._ die
Verschiebung der Rahmenfrist, weil er sich erst auf Mitte April 2020 hätte
anmelden können, um die erforderliche Beitragszeit erfüllen zu können.
4. Mit Entscheid vom 20. Oktober 2020 wies das KIGA die Einsprache gegen
die Einstellung in der Anspruchsberechtigung mit der Begründung ab, der
Einsprecher sei in einem auf den 30. April 2020 befristeten
Arbeitsverhältnis angestellt gewesen. Er habe daher von Beginn weg mit
einer bevorstehenden Arbeitslosigkeit nach Auslaufen des befristeten
Vertragsverhältnisses rechnen müssen. Somit sei er noch während der
Dauer der befristeten Anstellung verpflichtet gewesen, Arbeitsbemühungen
vorzunehmen, um die bevorstehende Arbeitslosigkeit zu verhindern. Dieser
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Pflicht sei er nicht nachgekommen. Er habe angegeben, dass man ihm erst
am 27. März 2020 mitgeteilt habe, dass das Arbeitsverhältnis nicht
verlängert würde. Der Einsprecher vermöge aber keine Stellenzusicherung
vorzuweisen, die ihn von der Pflicht, Arbeitsbemühungen vorzunehmen,
befreit hätte. Auch der Arbeitsvertrag des Einsprechers lasse sich nicht als
Stellenzusicherung deuten. Indem er sich am 30. März 2020 zum Bezug
von Arbeitslosengelder angemeldet habe, sei die Rahmenfrist per 30. März
2020 eröffnet worden. Nach der Lehre und Rechtsprechung seien damit
alle Arbeitsaktivitäten als Bemühungen vor Beginn der Arbeitslosigkeit zu
berücksichtigen, die der Einsprecher vor dem 30. März 2020 vorgenommen
habe. Solche habe er aber nicht vorzuweisen, weshalb die Einsprache
unbegründet sei.
5. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 16.
November 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden mit dem (sinngemässen) Begehren um Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids. Es sei auf die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung zu verzichten und allenfalls die Rahmenfrist-
Eröffnung auf den 1. Mai 2020 anzupassen. Er habe bis zum 30. April 2020
gearbeitet und in den Monaten März und April keine Leistungen bezogen.
Sein ehemaliger Arbeitgeber habe ihm eine Bestätigung zukommen
lassen, welche bestätigte, dass er davon ausgehen konnte, dass das
Arbeitsverhältnis verlängert werde.
6. Mit Beschwerdeantwort vom 7. Dezember 2020 beantragte das KIGA
(nachfolgend Beschwerdegegner) dem Gericht die Abweisung der
Beschwerde unter gesetzlicher Kostenfolge. In seiner Stellungnahme vom
26. August 2020 habe der Beschwerdeführer ausgeführt, er sei davon
ausgegangen, nach Ablauf seines befristeten Arbeitsvertrags bei derselben
Arbeitgeberin eine Festanstellung zu erhalten. Zu einer solchen sei es
aufgrund der COVID-19 Pandemie nicht gekommen. Dies sei ihm erst am
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27. März 2020 mitgeteilt worden, weshalb er vom 30. bis 31. März 2020
noch fünf und im April 2020 weitere sechs Bewerbungen gemacht habe.
Zudem sei er erst ab dem 1. Mai 2020 arbeitslos geworden. Diese
Sachdarstellung ändere an der Rechtmässigkeit des strittigen Entscheids
nichts, da an die persönlichen Arbeitsbemühungen hohe Anforderungen
gestellt würden und jede versicherte Person schon vor Anspruchstellung
zur Stellensuche verpflichtet sei. Vorliegend sei erwiesen, dass sich der
Beschwerdeführer persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht
habe. Auch die beim Gericht nachgereichte Bestätigung seines ehemaligen
Arbeitgebers könne nicht dahingehend gedeutet werden, dass dem
Beschwerdeführer die Verlängerung des Arbeitsverhältnisses effektiv
zugesichert worden sei. Wohl habe der Gedanke bestanden, den
Arbeitsvertrag zu verlängern. Voraussetzung dafür sei allerdings u.a. die
Absolvierung des Berufsbildner-Kurses gewesen. Einen solchen Kurs habe
der Beschwerdeführer während der Dauer seines Arbeitsverhältnisses
jedoch nicht absolviert. Zudem sei nicht erstellt, dass das Arbeitsverhältnis
danach mit Sicherheit verlängert worden wäre. Mit der Anmeldung des
Beschwerdeführers am 30. März 2020 zum Bezug von Arbeitslosengeldern
sei die Rahmenfrist per 30. März 2020 eröffnet worden und damit alle
Arbeitsbemühungen vor diesem Datum von Relevanz; solche
Bemühungen habe der Beschwerdeführer indessen nicht vorzuweisen
gehabt.
7. Ein weiterer Schriftenwechsel wurde nicht durchgeführt.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und auf
den angefochtenen Einspracheentscheid sowie auf die im Recht liegenden
Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
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II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet der
Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 20. Oktober 2020,
womit er die Einsprache des Beschwerdeführers gegen die Verfügung vom
2. September 2020 abwies und damit die Einstellung der
Anspruchsberechtigung des Beschwerdeführers auf
Arbeitslosenentschädigung für die Dauer von 10 Tagen bestätigte. Laut Art.
1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR
837.0) i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der
Arbeitslosenversicherung Beschwerde beim kantonalen
Versicherungsgericht erhoben werden. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m.
Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV; SR
837.02) ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen
(Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das
Verwaltungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der
angefochtene Einspracheentscheid wurde vom Beschwerdegegner als
kantonale Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG erlassen, sodass die
örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts gegeben ist. Die sachliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden ergibt
sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100).
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1.2. Als Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids ist der
Beschwerdeführer berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung auf, weshalb er zur
Beschwerdeerhebung legitimiert ist (Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG)
ist daher einzutreten.
2. Das angerufene Verwaltungsgericht entscheidet in einzelrichterlicher
Kompetenz, wenn der Streitwert CHF 5'000.-- nicht überschreitet (Art. 43
Abs. 3 lit. a VRG) und keine Fünferbesetzung (Art. 43 Abs. 2 VRG)
vorgeschrieben ist. Ausgangspunkt für die Bemessung des Streitwerts ist
vorliegend der versicherte Verdienst des Beschwerdeführers von CHF
4'230.-- aufgrund des aus dem Hauptverdienst erzielten Einkommens in
einem Pflegeheim (vgl. Akten des Beschwerdegegners [Bg-act.] 1-4; Art.
23 AVIG). Dieser Verdienst wird zum Taggeldsatz von 71.0 % (Art. 22
AVIG) entschädigt. Der Beschwerdeführer hat demzufolge Anspruch auf
ein Taggeld von CHF 138.40 (ermittelt aus: CHF 4'230.-- x 0.71 : 21.7 Tage
[Art. 40a AVIV]). Aus der vom Beschwerdegegner verfügten, hier
angefochtenen Einstellungsdauer von 10 Tagen in der
Anspruchsberechtigung ergibt sich ein Streitwert von insgesamt CHF
1'384.-- (10 Tage x CHF 138.40). Da der Streitwert folglich unter CHF
5'000.-- liegt und die Streitsache nicht in Fünferbesetzung entschieden
werden muss, ist die Zuständigkeit der Einzelrichterin gegeben.
3. Im Folgenden streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2020 zu Recht die
Einsprache des Beschwerdeführers gegen die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung auf Arbeitslosenentschädigung für die Dauer von
10 Tagen abgewiesen hat.
4. Nach Art. 9 AVIG gelten für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit –
sofern dieses Gesetz nichts anderes vorsieht – zweijährige Rahmenfristen
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(Abs. 1). Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten
Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Abs. 2). Die
Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Abs.
3). Ist die Rahmenfrist für den Leistungsbezug abgelaufen und beansprucht
der Versicherte wieder Arbeitslosenentschädigung, so gelten – sofern
dieses Gesetz nichts anderes vorsieht – erneut zweijährige Rahmenfristen
für den Leistungsbezug und die Beitragszeit (Abs. 4). Die Rahmenfrist
beginnt an jenem Tag zu laufen, an dem sich die versicherte Person
erstmals zur Erfüllung der Kontrollpflichten auf dem Arbeitsamt meldet und
alle anderen Voraussetzungen gemäss Art. 8 Abs. 1 AVIG erfüllt sind. Die
Beständigkeit des einmal festgelegten Beginns der Leistungsrahmenfrist
steht unter dem Vorbehalt, dass sich die Zusprechung und die Ausrichtung
von Arbeitslosenentschädigung nicht nachträglich als unrichtig erweisen
(BGE 127 V 475 E.2b/aa). Einmal eröffnete Rahmenfristen bleiben
grundsätzlich bestehen, weshalb eine neue Rahmenfrist für den
Leistungsbezug frühestens nach Ablauf der alten Rahmenfrist eröffnet
werden kann (vgl. KUPFER BUCHER, in: Stauffer/Cardinaux [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Aufl., Zürich 2019, S.
33). Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Rahmenfrist ab der
Anmeldung des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung entsteht und
nicht beliebig angepasst, das heisst zeitlich weder nach hinten noch nach
vorne verschoben werden kann. Vorliegend ist erstellt, dass sich der
Beschwerdeführer am 30. März 2020 bei der zuständigen Amtsstelle zum
Bezug von Leistungen der Arbeitslosenkasse angemeldet hat und folglich
dieses Datum für den Lauf des Rahmenfristbeginns massgebend ist.
Gemäss Aktenlage darf davon ausgegangen werden, dass die
Anspruchsvoraussetzungen von Art. 8 AVIG im Zeitpunkt der Anmeldung
erfüllt waren. So auch die Beitragszeit gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG (Bg-
act. 1: "Beitragsdauer Beitrags-Rahmenfrist 12.333 Monate"), was der
Beschwerdeführer in seiner Einsprache noch anders dargelegt hatte, in der
Beschwerde jedoch nicht mehr vortrug. Dem Begehren des
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Beschwerdeführers, allenfalls die Rahmenfrist-Eröffnung auf den 1. Mai
2020 festzusetzen und somit zeitlich rund einen Monat nach hinten zu
verschieben, kann daher keine Folge geleistet werden.
5.1. Gemäss Art. 17 Abs. 1 AVIG hat der Versicherte alles Zumutbare zu
unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Satz
1). Insbesondere ist er verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch
ausserhalb seines bisherigen Berufes (Satz 2). Er muss seine
Bemühungen nachweisen können (Satz 3 sowie Art. 26 AVIV). Aus der
Pflicht, den Eintritt der Arbeitslosigkeit zu verhindern, fliesst die Last für den
Versicherten, sich bereits vom Zeitpunkt der Kündigung des früheren
Arbeitsverhältnisses an bzw. ab Mitteilung der Nichtverlängerung des
bisherigen befristeten Arbeitsverhältnisses (bis drei Monate davor) und
damit vor Eintritt der Arbeitslosigkeit intensiv um eine neue Arbeit zu
kümmern. Er hat sich dementsprechend während der Kündigungsfrist bzw.
bereits mindestens drei Monate vor Ablauf eines befristeten
Arbeitsverhältnisses und somit schon vor der Anmeldung auf
Arbeitslosenentschädigung, unaufgefordert um (neue) Arbeitsstellen zu
bemühen. Namentlich kann er sich nicht damit exkulpieren, nicht gewusst
zu haben, dass er schon vor der Anmeldung zum Leistungsbezug zur
ernsthaften Arbeitssuche verpflichtet war und nicht darauf aufmerksam
gemacht worden sei (BGE 139 V 524 E.2.1.2; Urteil des Bundesgerichts
8C_209/2018 vom 14. November 2018 E.3.2). Ausschlaggebend für den
Zeitraum, den es für die Prüfung der Arbeitsbemühungen zu
berücksichtigen gilt, ist der Zeitpunkt, ab dem die Person Kenntnis davon
hat, dass sie objektiv von Arbeitslosigkeit bedroht ist. Bei der Anmeldung
auf Arbeitslosentaggelder hat die arbeitslos gewordene Person den
Nachweis ihrer Bemühungen um Arbeit vorzulegen (aArt. 20 Abs. 1 lit. d
AVIV in der bis 30. Juni 2021 geltenden Fassung). Spätestens zu diesem
Zeitpunkt wird sie sämtliche während der Kündigungsfrist bzw. vor Ablauf
des befristeten Arbeitsverhältnisses getätigten Stellenbewerbungen
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einreichen müssen (BGE 139 V 524 E.2.1.2; AVIG-Praxis ALE
[Arbeitslosenentschädigung] B314). Wenn sich die versicherte Person
persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht, so ist sie laut Art.
30 Abs. 1 lit. c AVIG in der Anspruchsberechtigung einzustellen. Bei Art. 17
Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG handelt es sich um eine gesetzliche
Umschreibung der im Sozialversicherungsrecht allgemein geltenden
Schadenminderungspflicht. Kern der Pflicht, alles Zumutbare zu
unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen, sind die
persönlichen Arbeitsbemühungen der versicherten Person selbst. Diese
Eigeninitiative der versicherten Person hat sich, wenn nötig (z.B. bei
geringem Stellenangebot im eigenen, angestammten Berufsbereich), auch
auf ausserberufliche Arbeitsgelegenheiten zu erstrecken (GERHARDS,
Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Bern 1987, Bd. I [Art.
1-58], Rz. 12 zu Art. 17; BGE 139 V 524 E.2.1.3).
5.2. Lehre und Rechtsprechung haben sowohl quantitative wie auch qualitative
Kriterien entwickelt, die im Einzelfall die Beurteilung, ob jemand genügend
persönliche Arbeitsbemühungen nachweisen kann, erleichtern. So schützte
das Bundesgericht die Praxis, wonach in der Regel durchschnittlich zehn
bis zwölf Bewerbungen im Monat als genügend erachtet werden (BGE 139
V 524 E.2.1.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_209/2018 vom 14. November
2018 E.3.3; KUPFER BUCHER, a.a.O., S. 132). Das Bundesgericht betonte
aber auch, dass eine allgemein gültige Aussage über die erforderliche
Mindestzahl an Bewerbungen nicht möglich sei (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_583/2009 vom 22. Dezember 2009 E.5.1). Insofern
handelt es sich bei den genannten Zahlen um Richtwerte, die für den
Regelfall gelten. Zu berücksichtigen sind sodann stets die jeweiligen
konkreten – objektiven wie subjektiven – Umstände und Möglichkeiten,
worunter etwa das Alter, die Schul- und Berufsausbildung, die
Berufserfahrung der versicherten Person, allfällige Sprachschwierigkeiten
und auch die Arbeitsmarktlage fallen (Urteile des Bundesgerichts
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8C_583/2009 vom 22. Dezember 2009 E.5.1 und C 258/06 vom 6. Februar
2007 E.2.2; NUSSBAUMER, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl.,
Basel 2016, Rz. 845). Bei der Beurteilung der Frage, ob die
Arbeitsbemühungen qualitativ und quantitativ genügend sind, steht der
zuständigen Amtsstelle ein gewisser Ermessensspielraum zu. Es sind
dabei jeweils die gesamten Umstände des Einzelfalls heranzuziehen
(AVIG-Praxis ALE B316).
5.3. Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung bemisst sich nach
dem Grad des Verschuldens und beträgt je Einstellungsgrund höchstens
60 Tage (Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG). In Art. 45 Abs. 3 AVIV
(Sanktionsraster) wird zur Einstellungsdauer bestimmt:
lit. a 1-15 Tage bei leichtem Verschulden lit. b 16-30 Tage bei mittelschwerem Verschulden lit. c 31-60 Tage bei schwerem Verschulden
Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung dient dazu, die
Schadenminderungspflicht der Versicherten durchzusetzen. Sie hat die
Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, welche
die Versicherten hätten vermeiden oder vermindern können. Als
versicherungsrechtliche Sanktion bezweckt sie die angemessene
Mitbeteiligung der versicherten Person am Schaden, den sie durch ihr
Verhalten der Arbeitslosenversicherung in schuldhafter Weise natürlich
und adäquat kausal verursacht hat (BGE 133 V 89 E.6.2.2). Als
Verwaltungssanktion ist die Einstellung vom Gesetzmässigkeits-,
Verhältnismässigkeits- und Verschuldensprinzip beherrscht. Ein
Selbstverschulden der versicherten Person liegt vor, wenn und soweit der
Eintritt oder das Andauern der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren
zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Umständen
und Verhältnissen vermeidbaren Verhalten liegt, für das die Versicherung
die Haftung nicht übernimmt. In beweisrechtlicher Hinsicht muss der
Einstellungstatbestand mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
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Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfüllt sein. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen für die wahrscheinlichste hält (vgl. dazu BGE 125 V
193 E.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_867/2017 vom 20. September 2018
E.3.2).
5.4. Im konkreten Fall geht aus den Akten hervor, dass der Beschwerdeführer
trotz befristetem Arbeitsvertrag vom 1. Dezember 2019 bis 30. April 2020
(siehe Akten des Beschwerdeführers [Bf-act.] 7 sowie Bg-act. 5) nach der
Mitteilung der bisherigen Arbeitgeberin vom 27. März 2020, dass sein
Vertrag nicht verlängert werde (Bg-act. 7 [Stellungnahme 26.08.2020]),
sofort hätte ganztags eine 100%-ige Anstellung annehmen können, denn
nur so erklärt sich seine ALE-Anmeldung per 30. März 2020 (siehe Bg-act.
1, 3, 4 und 11). Angesichts der zeitlichen Befristung des Arbeitsvertrags
und somit dessen vorhersehbaren Ablaufs per 30. April 2020 wäre der
Beschwerdeführer nach der Praxis im Arbeitslosenversicherungsrecht
(E.5.1. hiervor) verpflichtet gewesen, sich mindestens drei Monate zuvor,
d.h. also spätestens ab Februar 2020, ernsthaft um eine neue Arbeitsstelle
zu bemühen (AVIG-Praxis ALE B314; vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts
[VGU] S 19 86 vom 27. März 2020). Für den Monat Februar 2020 liegen
keine Bemühungen vor, was der Beschwerdeführer am 26. August 2020
(Bf-act. 2) selbst bestätigte. Für den folgenden Monat März 2020 wurden
nachweislich fünf Bewerbungen und danach im April 2020 sechs
Bewerbungen (vgl. Bg-act. 7 [Anhang: 'Nachweis der persönlichen
Arbeitsbemühungen']) getätigt, womit das (quantitative) Erfordernis von
zehn bis zwölf Bewerbungen pro Monat (E.5.2. hiervor) klar nicht erreicht
bzw. erfüllt wurde. Weiter kann dem Beschwerdeführer auch nicht gefolgt
werden, soweit er sich auf den Arbeitsvertrag vom 2. Dezember 2019 und
die darin unter "Besonderes" gemachte Vorgabe ("Der Berufsbildner-Kurs
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ist Voraussetzung für einen unbeschränkten Arbeitsvertrag"') berufen und
daraus etwas zu seinen Gunsten ableiten möchte (vgl. Bf-act. 2 und 7). Der
Beschwerdeführer hat nämlich keinen Berufsbildner-Kurs absolviert (vgl.
dazu Bf-act. 6, Bg-act. 10) und somit war die Voraussetzung für eine
Verlängerung des Arbeitsvertrags über den 30. April 2020 hinaus nicht
erfüllt. Seine Argumentation einer voraussichtlichen Erhöhung des
Arbeitspensums während der Probezeit und der Möglichkeit einer
Festanstellung am bisherigen Arbeitsort überzeugt nicht und ist unbelegt
geblieben (Bf-act. 6, 7 und Bg-act. 10). Hinzu kommt, dass die Meldung der
zu niedrigen Anzahl an Bewerbungen für die Monate März 2020 (5
Arbeitsbemühungen) und April 2020 (6 Arbeitsbemühungen) auch zu spät
erfolgte, wurden die besagten Nachweise für die persönlichen
Bemühungen doch aktenkundig erst jeweils am 30. April 2020
unterzeichnet und erst mit der Stellungnahme vom 26. August 2020 per E-
Mail eingereicht (Bg-act. 7 Anhang: Nachweis jeweils Seite 2). Mit diesem
Versäumnis verstiess der Beschwerdeführer gegen Art. 26 Abs. 2 AVIV,
wonach der Nachweis der Arbeitsbemühungen für jede Kontrollperiode am
fünften Tag des folgenden Monats oder am ersten auf diesen Tag
folgenden Werktag zu erfolgen hat; wobei die Arbeitsbemühungen nicht
mehr berücksichtigt werden, wenn diese Frist verpasst wird und kein
entschuldbarer Grund vorgebracht wird. Dieser verspätete Nachweis
betrifft sowohl die fünf Bewerbungen für den Monat März 2020 als auch die
sechs Bewerbungen für den Monat April 2020. Für frühere Monate liegen
überhaupt keine Arbeitsbemühungen vor, was der Beschwerdeführer
selbst in seiner Einsprache vom 1. Oktober 2020 (Bg-act. 9) kundtat.
5.5. Zusammengefasst ergibt sich somit, dass die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung rechtskonform erfolgte sowie auch die
Einstellungsdauer von 10 Tagen – basierend auf einem leichten
Verschulden des Beschwerdeführers und innerhalb des dafür
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vorgesehenen Sanktionsrahmens (E.5.3. hiervor) – zu keinen
Beanstandungen oder Korrekturen Anlass gibt.
5.6. Der angefochtene Einspracheentscheid ist demnach korrekt, was zur
Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
6.1. Gemäss aArt. 61 lit. a ATSG (Fassung, die bis 31. Dezember 2020 in Kraft
stand) i.V.m. Art. 82a ATSG (Übergangsbestimmung zur Änderung vom
21. Juni 2019) ist das kantonale Beschwerdeverfahren in
arbeitslosenversicherungsrechtlichen Streitigkeiten – ausser bei
mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung – kostenlos. Vorliegend sind
keine Anhaltspunkte erkennbar, wonach der Beschwerdeführer mutwillig
oder leichtsinnig an das Verwaltungsgericht gelangt wäre. Es sind ihm
daher keine Kosten aufzuerlegen.
6.2. Dem obsiegenden Beschwerdegegner steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).