Decision ID: 52bbf4d8-a5cc-5a75-9c6c-ece537049696
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
1. G._,
2. Stiftung F. _
Beschwerdeführerinnen,
beide vertreten durch Fürsprecher Marc F. Suter, Zentralstrasse 47, 2502 Biel/Bienne,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Hilfsmittel (Kommunikationsgerät)
Sachverhalt:
A.
Die am ... 2002 geborene G._ wurde am 3. April 2002 zum Bezug von IV-Leistungen
angemeldet. Sie litt aufgrund eines Cobalamin-C-Defekts mit Homocystinurie und
Methylmalonyd-Aciderie und aufgrund einer schweren Encephalopathie bereits im
November 2002 an einem schweren psychomotorischen Entwicklungsrückstand.
Dieser Entwicklungsrückstand blieb in der Folge bestehen. Die heilpädagogische
Tagesschule A._ stellte am 21. Januar 2009 das Gesuch, G._ zwei Step-by-Step-
Geräte als Hilfsmittel abzugeben. Zur Begründung dieses Gesuchs wurde ausgeführt,
aufgrund der körperlichen Behinderung sei es G._ nicht möglich, sich verbal
auszudrücken. Deshalb sei sie in ihren Kommunikationsmöglichkeiten stark
eingeschränkt. G._ sei ein fröhliches und kommunikatives Kind, das von sich aus den
Dialog suche und eine Interaktion aufrechterhalte. Seitdem sie die Sprache als
Kommunikationsmittel entdeckt habe, versuche sie sich mit Lauten, Geräuschen und
einfachen Silbengruppen verständlich zu machen. Da sie sich damit nicht ausreichend
klar mitteilen könne, komme es bei ihr und bei ihrem näheren Umfeld zu Frustrationen.
Gegenüber fremden Personen gebe es G._ zunehmend auf, sich mitteilen zu wollen.
Um den Isolierungstendenzen und dem Leidensdruck entgegenzuwirken, sei ein
Kommunikationsmittel in Betracht gezogen worden. Das Gerät solle zwischen dem
Elternhaus, dem Kindergarten, den Therapien und anderen Bezugspersonen eingesetzt
werden. Das Sprachverständnis für situationale Aufforderungen sei bei G._ gut. Die
verbale Sprache werde durch Piktogramme unterstützt. G._ kenne bereits viele für
ihren Alltag relevante Piktogramme. Es sei klar zu erkennen, dass G._ kommunizieren
wolle und dass sie gemerkt habe, dass sie mit der Sprache etwas erreichen könne.
Deshalb müsse ihr unbedingt die Möglichkeit gegeben werden, selber etwas zu
erzählen und mitzuteilen. Dabei könne ihr nur ein Kommunikationsmittel optimal helfen.
Die beantragten beiden Step-by-Step-Geräte seien einfach und zweckmässig. Es
handle sich um ein Step-by-Step-Gerät, das eine Tonaufnahme und -wiedergabe bis
maximal zwei Minuten Dauer zulasse, und um ein Step-by-Step-Gerät mit drei Ebenen,
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das eine maximale Aufnahmedauer von vier Minuten aufweise und ausserdem in drei
getrennten Bereichen besprochen werden könne.
B.
Die IV-Stelle erkundigte sich am 2. März 2009 beim vorgesehenen Lieferanten, der
Stiftung F._, warum zwei Geräte benötigt würden, wie G._ die Geräte als
Kommunikationsgeräte nutzen könne, wenn sie doch nicht fähig sei, Wörter von sich zu
geben, sowie wo und wie die beiden Geräte eingesetzt würden. Die Stiftung F._
antwortete am 12. März 2009. Sie gab an, das Step-by-Step-Gerät sei ein einfaches
Kommunikationshilfsmittel für Kommunikationsanfänger. Es funktioniere mit einer
digitalen Sprachausgabe, d.h. Wörter und Sätze müssten zuerst aufgenommen
werden, bevor sie wiedergegeben werden könnten. Die Umwelt nehme Wörter und
Sätze auf, welche die Person dann durch Druck auf das Gerät wiedergeben könne. Es
sei also logisch, dass nicht G._ die Wörter aufnehme, die sie dann wiedergeben
könne, sondern das Umfeld. Das Step-by-Step-Gerät sei ein Kommunikationsgerät im
Sinne des Gesetzes, da es G._ ermögliche, mit der Umwelt in Kontakt zu treten.
G._ sei zur Pflege des täglichen Kontakts mit der Umwelt auf ein solches Gerät
angewiesen. Sie sei in der Lage, das Gerät zu bedienen. Zwei Geräte seien notwendig,
damit G._ mit ihrer Kommunikation mehrere Möglichkeiten habe. Die beiden Geräte
würden sowohl zuhause als auch in der Schule intensiv eingesetzt. Die Testphase habe
gezeigt, dass G._ erheblich an Kontaktmöglichkeiten gewonnen und eine intensive
Förderung der geistigen Entwicklung erlebt habe. In einer internen Stellungnahme der
IV-Stelle wurde am 25. März 2009 vorgeschlagen, bei der Lehrerin nachzufragen, wie
man sich eine Kommunikation ganz konkret vorstelle. Dazu gehöre u.a. auch die Frage,
was zu tun sei, damit eine spontane, adäquate Kommunikation (z.B. ich will etwas
trinken) mit dem Step-by-Step-Gerät möglich sei. Am 21. April 2009 erfolgte eine
telefonische Abklärung bei der Klassenlehrerin von G._. Die IV-Stelle hielt das
Ergebnis dieser Abklärung in einer Telefonnotiz vom gleichen Tag und – ausführlicher –
in einem undatierten Abklärungsbericht fest. In diesem Bericht führte die
Abklärungsperson der IV-Stelle aus, die Eltern nähmen zuhause Erlebtes auf, damit
G._ in der Schule von zuhause berichten könne. G._ könne nicht gezielt einen
Knopf drücken, um einen konkreten Satz abzurufen. Das Handling werde von den
Eltern oder den Lehrern übernommen. In der Schule werde beispielsweise ein Lied
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aufgenommen, das G._ dann zuhause abspielen und dadurch den Eltern erzählen
könne, was in der Schule passiert sei. G._ könne mit dem Gerät nicht ihre
Bedürfnisse mitteilen. Es seien keine Sätze abrufbar, die Bedürfnisse aufzeigten (Ich
habe Durst oder Hunger etc.). Es könnten vielmehr Bedürfnisse der Eltern an die
Schule und umgekehrt weitervermittelt werden. Auf einem Gerät könnten Sätze in drei
Ebenen aufgenommen und abgespielt werden. Für jede Ebene könne ein Knopf
bedient werden. Diese drei Ebenen würden fortlaufend wieder überspielt. Es bleibe kein
Satz lange oder gar fix bestehen. Ein Lerneffekt durch mehrmaliges Abspielen sei
primär nicht gegeben. Die Geräte würden im Schulunterricht, in der Logopädiestunde
und zuhause (nicht privat, nur im Umgang mit der Schule) eingesetzt. Die Geräte seien
sehr einfach zu bedienen. Sie seien nicht an ein Kind angepasst. Abschliessend hielt
die Abklärungsperson der IV-Stelle fest, es stelle sich die Frage, ob das Step-by-Step-
Gerät als Schulmittel eingesetzt werden könnte. Ein Exemplar dieses
Abklärungsberichts wurde der Auskunft gebenden Lehrerin zur Bestätigung zugestellt.
C.
Die Logopädin der heilpädagogischen Tagesschule nahm am 7. Mai 2009 zum
Abklärungsbericht Stellung. Sie gab an, alle, die mit G._ arbeiteten, unterstützten den
Wunsch nach den beantragten Kommunikationsgeräten. G._ könne die Geräte
selbständig bedienen. Einzig das Besprechen der Geräte werde von den
Bezugspersonen übernommen. Deshalb werde das Gerät überall eingesetzt. G._
könne mit den Geräten durchaus ihre Bedürfnisse mitteilen. Die Geräte könnten so
besprochen werden, dass G._ eine Auswahl treffen könne. Es gebe x-fache
Möglichkeiten, wie G._ Sprache angeboten werden könne und wie Kommunikation
möglich werde. Die Bezugspersonen könnten entscheiden, wie lange die Aufnahmen
gespeichert bleiben sollten. Je nach Situation werde neu besprochen oder einzelne
Wörter oder Mitteilungen blieben wochenlang auf einer Ebene. Die Step-by-Step-
Geräte vermittelten nicht die Bedürfnisse der Bezugspersonen, sondern diejenigen von
G._. Die Geräte seien kein Schulmittel. Sie würden vielmehr individuell für die
Bedürfnisse von G._ besprochen. G._ habe die Geräte immer bei sich, damit sie
jederzeit kommunizieren und ihre Wünsche anbringen könne. Auch die Stiftung F._
äusserte sich zum Bericht über die telefonische Abklärung bei der Lehrerin. Sie führte
am 14. Mai 2009 insbesondere aus, bei Kommunikationsanfängern würden oft Geräte
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mit digitaler, d.h. aufgenommener Sprache eingesetzt. So könnten diese Anfänger
erfahren, was sie mit der Sprache erreichen könnten. Das Gerät müsse überall den
Kontakt mit der Umwelt ermöglichen. G._ bekomme durch die Step-by-Step-Geräte
die Möglichkeit, solche Erfahrungen im täglichen Kontakt mit der Umwelt zu sammeln.
Man könnte sich durchaus überlegen, G._ ein komplexeres Gerät wie z.B. einen
Lighttalker abzugeben. Das würde aber dem Grundsatz der Einfachheit und der
Zweckmässigkeit widersprechen.
D.
Die IV-Stelle übermittelte den Bericht über die telefonische Abklärung am 27. August
2009 auch den Eltern von G._. Die Mutter nahm am 10. November 2009 Stellung. Sie
führte aus, die Begeisterung, mit der G._ zuhause das Step-by-Step-Gerät auspacke
und bediene, zeige, dass sie verstanden habe, was sie damit erreichen könne, nämlich
den Eltern zu erzählen, was diese noch nicht wüssten. G._ könne so wichtige erste
Erfahrungen mit der Kommunikation machen und auf einfache Weise erleben, was es
bedeute, kommunizieren zu können. Ein Gerät allein könne nicht als Entscheidungshilfe
gebraucht werden. Es brauche zwei Geräte, damit G._ zwischen zwei Möglichkeiten
wählen könne. G._ habe zwei Step-by-Step-Geräte anstelle eines Gerätes mit
mehreren Tasten, auf dem verschiedene Möglichkeiten gespeichert seien, weil sie aus
motorischen Gründen grosse und leicht zu bedienende Tasten benötige. Beim Step-
by-Step-Gerät handle es sich nicht um eine Vorstufe zur Kommunikation. Vielmehr
könne damit direkt kommuniziert werden. Mit dem Gerät, das über drei Ebenen
verfüge, könne G._ aus drei verschiedenen Situationen erzählen. Die Logopädin und
die Eltern achteten besonders darauf, dass aus der Sicht von G._ erzählt werde und
dass es wirklich um deren Geschichten gehe. G._ werde einbezogen, da sie ohne
weiteres besprechen könne, was sie erzählen möchte. Es gehe bei den Step-by-Step-
Geräten darum, G._ die Möglichkeit zu geben, selbständig etwas erzählen zu
können. Abschliessend verwies die Mutter von G._ darauf, dass das Bundesgericht
in einem Fall ein als Umweltkontrollgerät konzipiertes Gerät als Kommunikationsmittel
erachtet habe, weil eine schwer behinderte Person damit nicht nur Lampen etc. habe
ein- und ausschalten, sondern auch jemanden habe herbeirufen können.
E.
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Mit einem Vorbescheid vom 10. Februar 2010 kündigte die IV-Stelle die Abweisung des
Gesuchs um die Abgabe zweier Step-by-Step-Geräte als Kommunikationsmittel an. Sie
begründete dies damit, dass diese Geräte nicht als situationsbezogene
Kommunikationsmittel eingesetzt werden könnten, um die Wünsche und Bedürfnisse
einer versicherten Person zu kommunizieren. Vielmehr müssten sie als Aufnahmegeräte
betrachtet werden, mit denen Drittpersonen Mitteilungen über Erlebnisse im Alltag
einer versicherten Person aufnehmen und anderen Personen abspielen könnten. Sie
würden ausschliesslich zwischen dem Elternhaus und der Schule eingesetzt und
sollten somit als Lehrmittel abgegeben werden.
F.
Der Vater von G._ wandte am 11. März 2010 gegen diesen Vorbescheid ein, laut
Ziff. 15.02 HVI habe G._ einen Anspruch auf ein Kommunikationsmittel. Das Step-by-
Step-Gerät werde in mehr als 300 Fällen eingesetzt. Alle anderen IV-Stellen hätten es
ohne weiteres als Kommunikationsmittel zugesprochen. Es erlaube eine
situationsbezogene Kommunikation. Beispielsweise könne auf dem einen Gerät "mehr"
und auf dem anderen "fertig" aufgenommen werden. So sei G._ in der Lage mitteilen,
ob sie "mehr" spielen oder aufhören wolle, ob sie "mehr" essen wolle oder genug habe
usw. Es sei ein einfaches Kommunikationsgerät, das in der Anwendung eingeschränkt
sei. Aber es sei der Entwicklung von G._ angepasst. G._ könne mittels des Step-
by-Step-Geräts einzelne Wörter gebrauchen und deren Einsatz erfahren, um dann zu
gegebener Zeit auf ein Hilfsmittel mit einem grösseren Wortschatz umsteigen zu
können. Mit einer Verfügung vom 24. März 2010 verweigerte die IV-Stelle eine
Kostengutsprache für die beiden Step-by-Step-Aufnahmegeräte. Sie begründete ihren
Entscheid damit, dass dieses Gerät nicht als spontanes und situationsbezogenes
Kommunikationsgerät eingesetzt werden könne. Weder behinderte noch gesunde
Personen könnten damit kommunizieren. Vielmehr sei es ein pädagogisches Hilfsmittel,
mit dem Drittpersonen Mitteilungen über Erlebnisse im Alltag der versicherten Person
aufnehmen und anderen Personen abspielen könnten. Es sollte als Lehrmittel der
Schule abgegeben werden. Bei dem Gerät mit drei Ebenen könne G._ nicht zwischen
diesen drei Ebenen wechseln. Vielmehr werde eine Ebene von der Logopädin, die
nächste von der Lehrerin und die dritte von den Eltern genutzt. Der Nutzen des Geräts
werde nicht in Abrede gestellt, aber es handle sich um ein pädagogisches Hilfsmittel,
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das nicht zulasten der Invalidenversicherung gehen könne. Die Förderung der
Kommunikation sei nämlich eine Hauptaufgabe der Sonderschule. Dazu gehörten auch
Massnahmen zum Spracherwerb und zum Sprachaufbau. Die Handhabung sei auch für
G._ so einfach, dass gar kein Gebrauchstraining notwendig sei. Viele Sonderschulen
hätten ein solches Gerät fix im Gebrauch. Das ändere aber nichts daran, dass es sich
dabei nicht um ein Kommunikationsgerät im Sinne der Gesetzgebung handle.
G.
G._, vertreten durch ihren Vater, und die Stiftung F._ erhoben am 10. Mai 2010
Beschwerde gegen diese Abweisungsverfügung. Sie stellten den Antrag, die IV-Stelle
sei zur Zahlung der Kosten der beiden Step-by-Step-Geräte von insgesamt Fr. 348.31
an G._ und zur Zahlung der Leistungspauschale von Fr. 6503.34 an G._,
eventualiter an die Stiftung F._, zu verurteilen. Eventuell sei die Sache im Sinne der
richterlichen Erwägungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. In formaler Hinsicht liess die
Stiftung F._ geltend machen, sie sei durch die angefochtene Verfügung direkt
tangiert, weil die Dienstleistungspauschale im Zusammenhang mit der Abgabe der
Hilfsmittel verweigert werde. Sie sei deshalb zur Beschwerde befugt. Zur Begründung
machte der gemeinsame Rechtsvertreter der beiden Beschwerdeführerinnen geltend,
G._ könne sich aufgrund ihrer Behinderung nicht verbal ausdrücken, sie könne keine
Lautsprache. Ohne Hilfe würde sie nicht kommunizieren und in einer dumpfen
Einsamkeit versinken. Es sei offensichtlich, dass G._ ein Hilfsmittel benötige, das es
ihr ermögliche, mit der Umwelt zu kommunizieren und ihre Bedürfnisse mitzuteilen. Sie
sei Kommunikationsanfängerin und benötige ein Hilfsmittel, um "sprechen" zu lernen.
Bei Anfängern werde ein digitales Gerät mit aufgenommener Sprache eingesetzt. Damit
könne der Anfänger die von den Vertrauenspersonen vorgesprochenen Antworten
abrufen. G._ könne damit also an den Gruppenspielen teilnehmen, sich in der Pause
mit anderen Kindern austauschen und ihrem Umfeld die Grundbedürfnisse mitteilen.
Ein komplexeres Gerät würde G._ überfordern. Die in Rechnung gestellte Pauschale
sei in einem Leistungsvertrag mit dem BSV anerkannt worden. Als
Durchschnittspauschale sei sie als verhältnismässig zu interpretieren. Der Vertrag
zwischen der Stiftung F._ und dem BSV sei gesetzmässig (Art. 27 Abs. 1 IVG i.V.m.
Art. 24 Abs. 2 IVV). Die beiden Step-by-Step-Geräte erfüllten die Anforderungen an ein
Kommunikationsgerät gemäss Rz 15.02 des Anhangs zur HVI.
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H.
Die IV-Stelle beantragte am 12. August 2010 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte insbesondere geltend, ein Kommunikationsgerät sollte die behinderte Person in
die Lage versetzen, wechselseitig und interaktiv, absichtsgelenkt, zielgerichtet und
bewusst mit anderen Personen in Kontakt zu treten. Das Kommunikationsgerät müsse
der gezielten eigenen Willensäusserung dienen. G._ könne nur vorgefasste, nicht von
ihr gewählte Botschaften durch Knopfdruck auslösen. Wenn z.B. der Satz
aufgenommen sei, "Ich habe Durst", könne G._ nur diesen Satz abspielen, auch
wenn sie eigentlich einen anderen Wunsch habe. Eine eigene Willensäusserung sei mit
dem Step-by-Step-gerät also nicht möglich. Deshalb könne dieses Gerät nicht als
Kommunikationsgerät i.S. von Rz 15.02 des Anhangs zur HVI qualifiziert werden.
Elektronische Geräte fielen nicht unter den Hilfsmittelbegriff, wenn sie dem
Spracherwerb dienten. Derartige Geräte bildeten Teil des Sonderschulunterrichts. Da
G._ kein Gebrauchstraining benötigt habe, sei die in Rechnung gestellte Pauschale
zum vornherein nicht geschuldet.
I.
G._ und die Stiftung F._ liessen am 3. September 2010 insbesondere einwenden,
mit zwei Step-by-Step-Geräten eröffneten sich weit mehr Handlungsoptionen als nur
diejenige eines Diktafons. Allerdings sei G._ darauf angewiesen, dass eine
Bezugsperson mit ihr zusammen schaue, welches Thema gerade aktuell sei und wie
das Gerät in der aktuellen Situation nutzbringend eingesetzt werden könne. G._ sei
es also in verschiedenen Situationen möglich, sich situationsgerecht und spontan
auszudrücken. Wenn auf dem einen Gerät das Wort "fertig" und auf dem anderen das
Wort "mehr" aufgenommen sei, könne G._ selbst bestimmen, ob die Mutter mit dem
Vorlesen aufhören oder ob sie weitermachen solle. G._ erlebe so, dass
unterschiedliche Aussagen unterschiedliche Wirkungen hätten. Damit werde sie auf
den Gebrauch komplexerer Geräte vorbereitet. Die Step-by-Step-Geräte seien auf den
Entwicklungsstand von G._ abgestimmt und stellten deshalb notwendige, einfache
und zweckmässige Kommunikationsgeräte dar. Sie seien keine pädagogischen
Hilfsmittel, weil sie dazu dienten, ein Defizit von G._ auszugleichen. Aufgabe der
Sonderschulung sei es, die Anwendung von Hilfsmitteln zur Kommunikation zu fördern
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und zu üben. Die Abgabe des individuellen Hilfsmittels falle aber in den
Aufgabenbereich der Invalidenversicherung. Die mit dem BSV vereinbarte Pauschale
umfasse gemäss der entsprechenden Vertragsbedingung alle Dienstleistungen der
Stiftung F._, nicht nur das Gebrauchstraining.
J.
Die IV-Stelle verwies am 14. September 2010 auf das (rechtskräftige) Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. September 2010 (IV 2010/104), in
welchem dem Step-by-Step-Gerät die Hilfsmitteleigenschaft abgesprochen worden
war.

Erwägungen:
1.
Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung berührt ist und
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 59 ATSG).
Die Aktivlegitimation von G._ ist offensichtlich gegeben, da es um ihre mögliche
Versorgung mit Hilfsmitteln geht. Bei der Stiftung F._, die ebenfalls gegen die
Verfügung vom 24. März 2010 hat Beschwerde erheben lassen, ist die Situation nicht
so eindeutig. Ihr Interesse kann eigentlich nur darin bestehen, die beiden Step-by-
Step-Geräte der Beschwerdegegnerin verkaufen, so einen entsprechenden Umsatz
machen und daraus einen Gewinn generieren zu können. Es dürfte sich also um ein
finanzielles Interesse handeln. Aber auch wirtschaftliche Interessen allein reichen aus,
um eine Aktivlegitimation zu begründen (vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., N. 4 zu
Art. 59 ATSG). Die Stiftung F._ hat zudem nicht nur ein schutzwürdiges Interesse,
sondern sie ist durch die angefochtene Verfügung auch berührt, denn sie ist stärker als
jedermann betroffen. Das "Berührtsein" als Voraussetzung einer Aktivlegitimation kann
nicht so interpretiert werden, dass eine spezifisch sozialversicherungsrechtliche
Beziehung zwischen der entsprechenden Person und dem verfügenden
Sozialversicherungsträger bestehen müsste. Dadurch würden nämlich Personen (und
Behörden) von der Anfechtung ausgeschlossen, die durch das Ergreifen eines
Rechtsmittels indirekt eine korrekte Anwendung des Sozialversicherungsrechts im
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konkreten Einzelfall bewirken können. Wer ein schutzwürdiges Interesse an der
Anfechtung einer Verfügung hat, ist durch diese Verfügung auch berührt. Deshalb ist
nicht nur auf die Beschwerde von G._, sondern auch auf die Beschwerde der
Stiftung F._ einzutreten.
2.
2.1 Versicherte, die infolge ihrer Invalidität u.a. für die Herstellung des Kontakts mit der
Umwelt kostspielige Geräte benötigen, haben im Rahmen einer vom Bundesrat
aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit einen Anspruch auf
Hilfsmittel (Art. 21 Abs. 2 IVG). Der Bundesrat hat diese Aufgabe an das zuständige
Departement delegiert (Art. 14 IVV). Dieses hat eine Verordnung über die Abgabe von
Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) erlassen. Gemäss dem Art. 2 Abs. 1
HVI sind die abzugebenden Hilfsmittel in einer Liste im Anhang zu dieser Verordnung
aufgeführt. Die Ziffer 15 dieser Liste enthält die Hilfsmittel für den Kontakt mit der
Umwelt. Dazu gehören gemäss der Ziffer 15.02 elektronische Kommunikationsgeräte
für schwer sprech- und schreibbehinderte Versicherte, die zur Pflege des täglichen
Kontakts mit der Umwelt auf ein solches Gerät angewiesen sind und über die
notwendigen intellektuellen und motorischen Fähigkeiten zur Bedienung verfügen. Die
Verwaltungsweisungen enthalten keine Präzisierung des Begriffs 'Kontakt mit der
Umwelt' (vgl. Rz 15.02 KHMI). Sinn und Zweck eines Hilfsmittels zur Ermöglichung des
Kontakts mit der Umwelt muss sein, die behinderungsbedingt fehlende Sprechfähigkeit
zu ersetzen. G._ kann nicht sprechen, sondern nur einzelne Laute hervorbringen,
bestenfalls bestimmte Silbengruppen wiedergeben. Die verbale Kommunikation ist ihr
also weitgehend verwehrt. Sie kann auch nicht schreiben, um sich so mitzuteilen und
fehlende Sprechfähigkeit zu kompensieren. In der Schule wird zwar mit Piktogrammen
gearbeitet und G._ versteht auch schon viele dieser Bilder. Dabei handelt es sich
aber nicht um eine Kommunikationsmöglichkeit, welche die fehlende Sprechfähigkeit
zu ersetzen vermöchte, zumal sie nur im schulischen Umfeld zum Einsatz kommt.
2.2 G._ benötigt also grundsätzlich ein elektronisches Kommunikationsgerät im
Sinne der Rz 15.02 des Anhangs zur HVI. Zu prüfen ist, ob die beantragten beiden
Step-by-Step-Geräte diesen Bedarf ausreichend zu befriedigen vermögen. G._
benötigt ein Gerät, das ihr "eine Stimme gibt", also ein Gerät, das es ihr ermöglicht,
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ihre aktuellen alltäglichen Anliegen, Bedürfnisse, Erlebnisse usw. für Dritte verständlich
mitzuteilen. Dazu gehören so elementare Mitteilungen wie "mir ist kalt", "ich habe
Hunger" oder "mir ist übel". Das Bundesgericht hat diesen Kommunikationsbedarf
zutreffend als die Möglichkeit umschrieben, sich spontan und situationsbezogen
auszudrücken (vgl. BGE 131 V 9 ff., Erw. 3.6.2). Im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
und des anschliessenden Beschwerdeverfahrens ist in extenso dargestellt worden, was
ein Step-by-Step-Gerät kann und was nicht. Die Beschwerdegegnerin hat die Funktion
des Step-by-Step-Gerätes anschaulich mit derjenigen eines Diktafons verglichen: Das
Step-by-Step-Gerät kann Sprache aufzeichnen und wiedergeben. G._ ist aber
mangels Sprechfähigkeit nicht in der Lage, selbst auf das Gerät zu sprechen. Das
müssen andere Personen für sie besorgen. Die Ausführungen der Stiftung F._ und
der Logopädin haben zwar den Eindruck erweckt, es sei den Bezugspersonen möglich,
das aufzunehmen, was G._ sagen wolle. Wie das vor sich gehen soll, wenn G._
gegenüber diesen Bezugspersonen gar nicht klar ausdrücken kann, was sie will, und
wenn eine später gewünschte Mitteilung schon bei der Aufnahme bekannt sein muss,
haben aber weder die Stiftung F._ noch die Logopädin erklären können. Es ist
deshalb davon auszugehen, dass der Inhalt der Aufnahmen völlig oder zumindest
weitestgehend fremdbestimmt ist. Die Freiheit von G._ bei der Kommunikation
mittels der beiden Step-by-Step-Geräte beschränkt sich also darauf, etwas
Vorgegebenes abzuspielen oder nicht bzw. zwischen dem auf dem einen Gerät und
dem auf dem anderen Gerät Abgespeicherten zu wählen. Die Inhalte der – weitgehend
fremdbestimmten – Aufnahmen sind so stark eingeschränkt, dass nicht von einer
Möglichkeit gesprochen werden kann, sich mit den beiden Step-by-Step-Geräten
spontan und situationsbezogen auszudrücken. Dass es G._ in einzelnen, von den
aufnehmenden Personen vorhergesehenen Situationen dank der Wahlmöglichkeit
zwischen den auf den beiden Step-by-Step-Geräten gespeicherten Aussagen möglich
ist, sich situationsbezogen auszudrücken, ändert nichts daran, dass G._ damit nicht
spontane Aussagen machen kann. Das vom Rechtsvertreter angeführte Beispiel des
Vorlesens zeigt, dass G._ zwar die Wahl hat, mit den aufgenommenen Worten
"aufhören" oder "weitermachen" zwischen diesen beiden Mitteilungen zu wählen und
so das Verhalten der Mutter zu beeinflussen, dass dies aber ein vorgängiges
Besprechen der Geräte mit diesen beiden Wörtern voraussetzt. Bekommt G._
während des Vorlesens plötzlich Bauchweh und hat sie Angst, sich deswegen
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übergeben zu müssen, so kann sie das der Mutter mit den beiden Step-by-Step-
Geräten nicht mitteilen, weil die Mutter das nicht vorausgesehen hat, so dass sie auch
keine entsprechende Aussage hat aufnehmen können. Für diese Mitteilung ist G._
wieder auf ihre nonverbale Kommunikationsfähigkeit zurückgeworfen. G._ kann also
mit den beiden Step-by-Step-Geräten nicht spontan kommunizieren, weil sie den Inhalt
der Mitteilung nicht selbst bestimmen kann. Dazu wäre sie nur mit einem Gerät in der
Lage, bei dem sie aus einer ausreichend grossen Zahl von Wörtern das richtige
auswählen könnte. Ein Step-by-Step-Gerät leistet das nicht, denn es gibt nur eine bzw.
drei gespeicherte Mitteilungen wieder. Da die beiden Step-by-Step-Geräte den
spontanen und situationsbezogenen Kommunikationsbedarf von G._ nicht zu
befriedigen vermögen, können sie nicht als Hilfsmittel im Sinne der Rz 15.02 der Liste
im Anhang zur HVI qualifiziert werden (vgl. das Urteil des Versicherungsgerichts vom 9.
September 2010, IV 2010/104).
2.3 Im Verwaltungsverfahren ist darauf hingewiesen worden, dass das Bundesgericht
sogar einem Umweltkontrollgerät (Steuerung von Fenstern usw.) den Charakter eines
Kommunikationsgerätes gemäss der Ziff. 15.02 der Liste im Anhang zur HVI
zugestanden habe, weil die behinderte Person damit auch jemanden habe herbeirufen
können und weil das spontan und situationsbezogen möglich gewesen sei (vgl. das
Bundesgerichtsurteil vom 31. Juli 2008, 9C_214/2008). Dasselbe sei auch mit einem
Step-by-Step-Gerät möglich. Grundsätzlich ist das richtig, d.h. mit einem Step-by-
Step-Gerät könnte tatsächlich auch jemand herbeigerufen werden. Trotzdem kann das
Step-by-Step-Gerät nicht als Kommunikationsgerät qualifiziert werden. Das
angesprochene Bundesgerichtsurteil ist nämlich nicht stichhaltig. In jenem Fall hatte
die behinderte Person das Umweltkontrollgerät zwar – zweckentfremdet – spontan,
d.h. der konkreten Situation entsprechend zur Übermittlung einer Mitteilung verwendet,
aber der Mitteilungsinhalt war vordefiniert gewesen. Er hatte also nicht
situationsbezogen gewählt werden können, d.h. die Person, an die sich die Mitteilung
richtete, hatte vorher mit der behinderten Person vereinbart, was der Inhalt der
Mitteilung war. Das Umweltkontrollgerät hatte also zwar spontan, d.h. bei Auftreten des
Mitteilungsbedarfs, aber nicht situationsbezogen eingesetzt werden können. Dazu wäre
es nötig gewesen, dass die behinderte Person den Inhalt der Mitteilung, die sie mit
dem Umweltkontrollgerät absenden wollte, der jeweiligen Situation angepasst selbst
hätte bestimmen (bzw. wenigstens aus einer längeren Liste möglicher
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Mitteilungsinhalte hätte auswählen) können. Das war nicht möglich, denn das
Umweltkontrollgerät übermittelte zwingend den einen, mit dem Empfänger vorher
abgesprochenen Mitteilungsinhalt. Da die behinderte Person also nicht die Möglichkeit
hatte, den Mitteilungsinhalt des Umweltkontrollgeräts situationsbedingt selbst zu
bestimmen, ist dieses Umweltkontrollgerät vom Bundesgericht im angesprochenen
Urteil zu Unrecht als Kommunikationsgerät im Sinne der Ziff. 15.02 der Liste im Anhang
zur HVI qualifiziert worden. Da das Step-by-Step-Gerät dieselbe Beschränkung des
Mitteilungsinhalts aufweist, ist auch es nicht geeignet, den Bedarf nach einer
selbstbestimmten situationsbezogenen Kommunikation zu befriedigen.
2.4 Mit der Verneinung des Hilfsmittelcharakters wird das Bedürfnis von G._ nach
zwei Step-by-Step-Geräten, das von den beteiligten Fachpersonen überzeugend
begründet worden ist, natürlich nicht in Frage gestellt. Es steht fest, dass G._ dank
der beiden Step-by-Step-Geräte lernen kann, mittels elektronischen Geräten sprachlich
zu kommunizieren. Nur erfüllen diese beiden Step-by-Step-Geräte nicht die gesetzliche
Definition des Hilfsmittels. Bereits die nächste Stufe der Versorgung von G._ mit
elektronischen Geräten zur Kommunikation könnte aber diese Definition erfüllen. Die
Frage, ob es sich bei den Step-by-Step-Geräten um ein pädagogisches Hilfsmittel im
Sonderschulbereich handelt, das eigentlich von der Schule abgegeben werden sollte,
ist nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung gewesen und bildet deshalb auch
nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens, weshalb sie vorliegend unbeantwortet
bleiben muss.
3.
Somit sind die von G._ und von der Stiftung F._ erhobenen Beschwerden
abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst
sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser ist als durchschnittlich
zu betrachten. Damit ist praxisgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- gerechtfertigt.
Diese ist von den beiden vollumfänglich unterliegenden Beschwerdeführerinnen zu
tragen, wobei es sich rechtfertigt, die Gebühr hälftig aufzuteilen. Sie ist durch die von
den beiden Beschwerdeführerinnen geleisteten Kostenvorschüsse von je Fr. 300.-
gedeckt. Da die beiden Beschwerdeführerinnen vollumfänglich unterliegen, ist das
Begehren um eine Parteientschädigung abzuweisen.
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG