Decision ID: 12ac8849-8d5c-5185-8dd6-fc02a9e3fdb8
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
RA Nr. 110/2019/95 Seite 2 von 21
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 14. August 2018 bei der Gemeinde Mörigen ein
erstes Baugesuch ein für den Abbruch des bestehenden Einfamilienhauses mit zwei Pools
und den Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern mit Einstellhalle auf den Parzellen Mörigen
Grundbuchblatt Nr. G._ und H._. Die Parzellen liegen gemäss Zonenplan
der Gemeinde Mörigen1 in der Wohnzone E1. Nach der Verbesserung von Mängeln und
Einreichung einer Projektänderung vom 10. Dezember 2018 wurde das Bauvorhaben
publiziert. Dagegen erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden 1 bis 12 sowie der
Beschwerdeführer 13 Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 16. Mai 2019 erteilte das Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne
die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer (nachfolgend:
Beschwerdeführende) 1 bis 12 am 12. Juni 2019 sowie der Beschwerdeführer 13 am
19. Juni 2019 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern
(BVE) ein. Die Beschwerdeführenden 1 bis 12 beantragen die Konsultation der kantonalen
Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) "zur Frage der Einordnung
und Beeinträchtigung des Bauprojekts" und insbesondere zur Frage, "ob das Bauprojekt mit
der bestehenden Bebauung und Gestaltung sowie den prägenden Elementen und
Merkmalen des Strassen- und Ortsbildes in der Bauzone E1 am oberen Teil des
J._wegs in Mörigen zu vereinbaren ist" (Ziff. 1). Dem Vorhaben sei der Bauabschlag
zu erteilen. Eventuell sei von der Beschwerdegegnerin eine Projektänderung zu verlangen,
gemäss der(er) auf die projektierten Stützmauern zwischen den beiden projektierten
Mehrfamilienhäusern A und B verzichtet werde (Ziff. 2). Auch der Beschwerdeführer 13
beantragt den Einbezug der OLK zur Beurteilung der Vereinbarkeit des Bauprojekts an der
vorgesehenen Lage (Ziff. 1) und die Aufhebung des Gesamtentscheids vom 16. Mai 2019
unter Verfügung des Bauabschlags (Ziff. 2).
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, vereinigte die beiden
Beschwerdeverfahren, holte die Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die
Gemeinde Mörigen reichte mit Eingabe vom 9. Juli 2019 die bewilligten Pläne und die
1 Zonenplan der EG Mörigen vom 19. März 2009 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2019/95 Seite 3 von 21
Angaben zur baurechtlichen Grundordnung ein. Sie weist darauf hin, dass aus ihrer Sicht
das Landschafts- und Ortsbild durch das geplante Projekt nicht wesentlich verändert werde.
In unmittelbarer Nähe bestünden bereits heute im Fussabdruck und Volumen vergleichbare,
neuere Bauten (Neubauten und Aufstockungen). Die Gemeinde beantragt daher die
Bestätigung des angefochtenen Gesamtentscheids. Das Regierungsstatthalteramt
Biel/Bienne als Vorinstanz weist in seiner Stellungnahme vom 11. Juli 2019 darauf hin, dass
sich das Bauvorhaben nicht in einem Gebiet des Bundesinventars der Landschaften und
Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN), in einem Gebiet des Bundesinventars der
schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) oder in einem Ortsbild- oder
Landschaftsschutzgebiet (Art. 86 BauG3) befinde noch daran angrenze. Mit dem
Bauvorhaben werde insgesamt eine gute Gesamtwirkung auf das gestalterisch doch
heterogene Quartierbild erzielt. Das Regierungsstatthalteramt erachtet die materiellen
Rügen als unbegründet und beantragt die Abweisung der Beschwerden.
Die Verfahrensbeteiligten erhielten mit Verfügung vom 23. August 2019 Gelegenheit, sich im
Falle der Bestätigung des Bauentscheids zur Aufnahme einer Auflage zur Begrünung der
Stützmauern zu äussern. Diese lautet wie folgt:
"Die westlich von Haus A und östlich von Haus B bzw. zwischen Haus A und Haus B gelegenen
Stützmauern sowie die Stützmauern hinter dem Kinderspielplatz (zwischen Höhenkote 524.53 und
525.73 bzw. 526.03) sind mit einheimischen und standortgerechten Sträuchern und weiteren, an
dieser Lage beständigen Pflanzen (z.B. Efeu) vollständig zu begrünen (vgl. Art. 415 GBR4).
Das Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne begrüsst die Aufnahme einer Auflage. Die
Beschwerdeführenden 1 bis 12 wie auch der Beschwerdeführer 13 sind gemäss ihren
Eingaben vom 25. September bzw. 27. September 2019 der Auffassung, dass die gemäss
ihrer Darlegung vorliegende Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbildes durch die
Auflage nicht beseitigt werden könne.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 Baureglement der Gemeinde Mörigen vom 17. November 2008, genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung am 5. Oktober 2009
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II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG5. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel angefochten
werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im vorliegenden Fall
das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide können nach Art. 40
Abs. 1 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten
werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen den Gesamtentscheid
zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden 1 bis 12 bzw. der Beschwerdeführer
13, deren Einsprachen abgewiesen wurden, sind durch den angefochtenen
Gesamtentscheid formell beschwert. Die Beschwerdeführenden sind zum einen
Eigentümerinnen und Eigentümer der auf der gleichen Seite des J._wegs liegenden
Parzellen Nrn. I._ und K._ (Beschwerdeführende 5/6 bzw. 7/8) und zum
andern der durch den L._weg getrennten Parzellen Mörigen Grundbuchblatt
Nrn. M._, U._, V._, sowie W._, X._ und
Y._ (Beschwerdeführende 1, 2 und 3 bzw. 4 sowie 9, 10 und 12). Der
Beschwerdeführer 13 ist Eigentümer der nordwestlich an Parzelle Nr. G._
angrenzenden Parzelle Mörigen Grundbuchblatt Nr. N._. Die
Beschwerdeführenden 1 bis 8 sowie 12 und 13 sind zweifellos materiell beschwert. Damit
kann offen gelassen werden, inwieweit die übrigen Beschwerdeführenden 9, 10 und 11
materiell beschwert sind. Bei dieser Ausgangslage wird vorliegend aber dennoch auf die
Beschwerde der Beschwerdeführenden 9, 10 und 11 eingetreten.
In einem allfälligen späteren Beschwerdeverfahren werden die Beschwerdeführenden 9, 10
und 11 allerdings näher belegen müssen, wieso sie sich als legitimiert erachten. Auf die form-
und fristgerecht eingereichten Beschwerden ist somit einzutreten.
5 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1)
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2. Nichteinbezug der OLK
a) Das Vorhaben auf den Parzellen Mörigen Grundbuchblatt Nrn. G._ und
H._ in der Wohnzone E1 umfasst den Abbruch des bestehenden Gebäudes und der
beiden Pools und die Errichtung zweier Mehrfamilienhäuser mit einer Einstellhalle. Die
geplanten Wohnungen in den Häusern A und B sind im Erdgeschoss (EG) sowie im
Untergeschoss 1 (UG 1) vorgesehen. Letzteres gilt gemäss den reglementarischen
Vorgaben nicht als Vollgeschoss.6 Die beiden Bauparzellen befinden sich rund 500 m
oberhalb des Dorfkerns von Mörigen. Die Parzellen grenzen zum einen in nordwestlicher
Richtung (Richtung See) an die Landwirtschaftszone; zum andern gehören sie zur
zweitobersten Häuserreihe am J._weg. Siedlungsgrenze bildet die oberste Häuser-
bzw. Parzellenreihe, bestehend aus den Parzellen Nrn. Z._, AA._,
M._, U._, V._ und W._. Letztere weisen in südöstlicher
Richtung entlang des Waldes einen der Grünzone zugewiesenen Grüngürtel mit
festgestellter Waldgrenze auf. In östlicher Richtung vom Bauvorhaben liegen sog.
Landschaftsschongebiete, wobei die Bauparzellen nicht direkt daran angrenzen. Mit
Ausnahme der nordwestlich gelegenen Landwirtschaftszone befinden sich die Parzellen am
J._weg in der Wohnzone (E oder W) und sind bebaut. Auch die weiteren
Strassenzüge des absteigenden Hangs Richtung See, namentlich der R._- und der
O._weg, wie auch die AB._- und P._strasse weisen eine dichte
Bebauung auf.
b) Nach Auffassung der Beschwerdeführenden 1 bis 12 hätte das Bauvorhaben am
J._weg durch die kantonale Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder
(OLK) beurteilt werden müssen. Auch der Beschwerdeführer 13 vertritt die Meinung, dass
das Vorhaben in grundsätzlicher Art und Weise der Nutzung im Quartier widerspreche und
die OLK zur eingehenden Prüfung "dieser grundlegend neuen baulichen Nutzung" hätte
beigezogen werden müssen.
Die Beschwerdegegnerin legt dar, dass das Vorhaben nur einseitig, in nord-westlicher
Richtung (seeseitig) an die Landwirtschaftszone angrenze. Ansonsten sei die Bauparzelle
von Grundstücken umgeben, die ebenfalls in der Wohnzone lägen und teils "mit gross
dimensionierten Einfamilienhäusern" überbaut seien. Beide Parzellen lägen nicht am
6 Vgl. Art. 212 Abs. 2 Bst. f GBR i.V. mit Anhang A 134 bzw. A 135
RA Nr. 110/2019/95 Seite 6 von 21
äussersten Rand der Wohnzone.7 Die Beschwerdeführenden würden mittels rudimentärer,
schematischer Einzeichnung von Lage und Dimension der beiden Mehrfamilienhäuser auf
einem veralteten Foto über die aktuelle Situation hinweg täuschen. Insbesondere könne im
Vergleich zu früher nicht mehr von einer lockeren, vielfältigen Überbauung gesprochen
werden. Dominant in Erscheinung trete beispielsweise das Haus des Beschwerdeführers 13
(Parzelle Nr. N._).8
c) Die Vorinstanz weist darauf hin, dass ein Mehrfamilienhaus in Flachdachbauweise in
einem Quartier mit eingeschossigen Einfamilienhäusern mit mehrheitlich geneigten Dächern
durchaus als "markante Baute" in Erscheinung trete. Vergleichbar dimensionierte Bauten
fänden sich aber auch an unmittelbar benachbarter Lage. Dennoch sei das projektierte
Gebäude nicht als "prägendes Bauvorhaben" zu gewichten, was die
Baubewilligungsbehörde dazu veranlassen würde, die OLK zu konsultieren. Schliesslich
befinde sich das Bauvorhaben weder in einem Gebiet des Bundesinventars der
Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN), noch in einem Gebiet
des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) oder in einem
Ortsbild- oder Landschaftsschutzgebiet im Sinne von Art. 86 BauG.9 Auch die Gemeinde
vertritt bezüglich Nichteinbezug der OLK die Meinung, dass nicht jedes Bauvorhaben,
welches eine grössere Ausnützung auf dem Grundstück erziele, höhere
Ästhetikanforderungen erfüllen müsse als andere im Quartier prägende Bauten. Aus Sicht
der Gemeinde wird das Landschafts- und Ortsbild durch das geplante Projekt nicht
wesentlich verändert.10
d) Die Baubewilligungsbehörde konsultiert die zuständigen kantonalen Fachstellen
gemäss Verzeichnis der zuständigen Stelle der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion,
wenn gegen ein Vorhaben Bedenken oder Einwände wegen Beeinträchtigung des Ortsbildes
oder der Landschaft bestehen, die nicht offensichtlich unbegründet sind (Art. 22 Abs. 1 Bst. a
BewD11). Gemäss dem seit dem 1. April 2017 in Kraft stehenden Art. 22a Abs. 1 BewD
konsultiert die Baubewilligungsbehörde die OLK bei prägenden Bauvorhaben, gegen die
7 Vgl. Beschwerdeantwort vom 19. Juli 2019, Rz. 7 ff., insbes. 10 8 Vgl. Beschwerdeantwort vom 19. Juli 2019, a.a.O., Rz. 11 9 Vorinstanzlicher Entscheid 3.2.2, S. 8 10 Stellungnahme der Gemeinde Mörigen vom 9. Juli 2019 sowie Amtsbericht Gemeinde Mörigen vom 7. März 2019, Vorakten RSA, pag. 178 11 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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ästhetische Bedenken oder Einwände bestehen, die nicht offensichtlich unbegründet sind
und die das Ortsbild oder die Landschaft beeinträchtigen können, insbesondere in folgenden
Gebieten: In einem Gebiet des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von
nationaler Bedeutung (BLN), in einem Gebiet des Bundesinventars der schützenswerten
Ortsbilder der Schweiz (ISOS) oder in einem Ortsbild- oder Landschaftsschutzgebiet im Sinn
von Art. 86 BauG. Die OLK wird aber nicht beigezogen, wenn ein Bauvorhaben bereits von
der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission, der Kantonalen Denkmalpflege
oder einer leistungsfähigen örtlichen Fachstelle begutachtet wurde sowie bei Bauvorhaben,
die das Ergebnis eines nach anerkannten Verfahrensregeln durchgeführten
Projektwettbewerbs sind (Art. 22a Abs. 2 BewD). Gemäss den Materialien zu Art. 22a BewD
soll damit in Umsetzung verschiedener parlamentarischer Vorstösse bewirkt werden, dass
sich die OLK auf die prägenden Bauvorhaben an exponierter oder gut einsehbarer Lage
konzentriere.12 Als «prägend» gilt gemäss den Materialien ein Bauvorhaben, das am
geplanten Standort hinsichtlich der vor Ort bestehenden "nachbarlichen" Baustruktur oder
der umgebenden Landschaft "von jedermann sofort feststellbar" als dominant in Erscheinung
tritt.13 Gemäss den weiteren Erläuterungen zu Art. 22a Abs. 1 BewD müssen für die
zwingende Beurteilung durch die OLK im Baubewilligungsverfahren alle drei darin genannten
Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein, d.h. prägendes Bauvorhaben, nicht offensichtlich
unbegründete Bedenken oder Einwände sowie mögliche Beeinträchtigung von Ortsbild und
Landschaft.14
e) Vorab ist festzustellen, dass das geplante Bauvorhaben, bestehend aus den zwei
Mehrfamilienhäusern A und B, in der Wohnzone E1 liegt und weder ein BLN-Gebiet noch
ein ISOS-Objekt oder ein Schutzgebiet nach Art. 86 BauG betroffen ist. Zudem ist nicht
(mehr) bestritten, dass das Vorhaben die baupolizeilichen Masse gemäss den
reglementarischen Vorgaben für die Wohnzone E1 einhält. Mit Bezug auf die Einschätzung
als "prägendes Bauvorhaben" lässt sich nicht von der Hand weisen, dass das aus zwei
Gebäuden bestehende Projekt ein gewisses Volumen und den entsprechenden
Fussabdruck aufweist. Die beiden Wohnhäuser liegen auf Grund des erteilten
Näherbaurechts in einem Abstand von 10,00 m relativ nahe beieinander und sehen auf
12 Vgl. Vortrag der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion vom 2. September 2015 betreffend Baugesetz (Änderung) und Dekret über das Baubewilligungsverfahren (Änderung), Tagblatt des Grossen Rates, Januarsession 2016, Beilage 8, S. 7 (nachfolgend Vortrag BauG/BewD 2015) 13 Vgl. Vortrag BauG/BewD 2015, a.a.O., Beilage 8, S. 7 14 Vgl. Vortrag BauG/BewD 2015, a.a.O., Beilage 8, S. 54
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beiden Seiten und als Verbindungselement zwischen den Gebäuden Stützmauern vor (vgl.
die nachfolgende E. 3). Zum andern treten die beiden Häuser im Hang durch die gewählte
Flachdachform (ohne Attika) und auf Grund der Ausgestaltung der Geschosse (UG1 und
EG) unter Einhaltung der reglementarischen Gebäudehöhe nicht als mächtig in Erscheinung.
Bezüglich der Sichtbarkeit ist hier zudem zu berücksichtigen, dass die beiden Gebäude nicht
in der hintersten Häuserreihe am J._weg und damit nicht an der sensibelsten und
exponiertesten Stelle des Hangs, d.h. am Hügelkamm, zu liegen kommen. Durch die hinter
dem Vorhaben liegende Reihe von teilweise grossformatigen und neu erstellten bzw.
aufgestockten Einfamilienhäusern und dem anschliessenden Grüngürtel und Wald, gliedern
bzw. passen sich die geplanten Wohnhäuser in die vorhandene Bebauung ein. Was das
Verhältnis des Vorhabens zur nachbarlichen Baustruktur anbelangt, so sind beispielsweise
das Haus der Beschwerdeführenden 1 und 2 (Parzelle Nr. W._) am
J._weg, das Wohngebäude des Beschwerdeführers 10 (Parzelle Nr. X._)
am J._weg wie auch des Beschwerdeführers 13 (Parzelle Nr. N._) am
J._weg als grossformatige Objekte zu erwähnen. Anders als die
Beschwerdeführenden darstellen, erweist sich die Exponiertheit bzw. Sichtbarkeit auf Grund
des Gesagten insgesamt somit nicht als augenfällig bzw. von "jedermann sofort feststellbar".
Die von ihnen eingereichte Fotomontage mit schematischer Einzeichnung des Vorhabens
und dessen Wahrnehmung vom Bielersee her täuscht einerseits hinsichtlich der Distanz
durch Verwendung eines starken «Zoom»; zum andern ist die hinter dem Vorhaben liegende
Bebauung auf der Fotomontage kaum ablesbar und erweckt den Anschein, als ob das
Vorhaben direkt an den Grüngürtel angrenze.15 Dies ist wie ausgeführt nicht der Fall. Der
Realität besser entspricht die Visualisierung der Sichtbarkeit des Vorhabens vom See her,
welche die Beschwerdegegnerin eingereicht hat. Diese gibt einerseits das Bebauungsmuster
in einem weiteren Umkreis als auch am J._weg selbst wieder.16
Als Zwischenergebnis kann im Sinne einer Gesamtwürdigung folgendes festgestellt werden:
Aus Gründen der bestehenden, nachbarlichen Baustruktur und den teilweise gross-
formatigen Einfamilienhäusern neueren Datums sowie der Lage in der zweithintersten
Häuserreihe und bei Einhaltung der baupolizeilichen Masse, tritt das Vorhaben nicht "von
jedermann sofort feststellbar" als dominant in Erscheinung. Gestützt auf die
Voraussetzungen gemäss Art. 22a BewD ist somit nicht zu beanstanden, dass die Vor-
15 Vgl. Beschwerdeschrift der Beschwerdeführenden 1 bis 12 vom 12. Juni 2019, S. 4 16 Vgl. Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin vom 19. Juli 2019, BAB 2
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instanz hier nicht von einem prägenden Bauvorhaben ausgegangen ist. Zudem liegt das
Vorhaben weder in einem BLN-Gebiet, noch in einem ISOS-Gebiet oder in einem Ortsbild-
oder Landschaftsschutzgebiet im Sinne von Art. 86 BauG. Die Vorinstanz hat daher zu Recht
auf eine Beurteilung durch die OLK verzichtet.
f) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorliegend entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführenden 1 bis 12 bzw. des Beschwerdeführers 13 durch die
Bewilligungsbehörde keine Beurteilung durch die OLK einzuholen war. Insofern liegt
entgegen ihrer Auffassung auch keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. Die Behörden
stellen den Sachverhalt von Amtes wegen fest; sie sind nicht an die Beweisanträge der
Parteien gebunden (Art. 18 VRPG17). Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 21 ff. VRPG)
verpflichtet die Behörden aber, die von den Parteien angebotenen Beweise abzunehmen,
sofern diese nötig sind für die Klärung des Sachverhalts. Wenn die Behörde bei freier,
pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung gelangt, die vorhandenen Akten
erlaubten die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhalts oder die behauptete
Tatsache sei für die Entscheidung der Streitsache nicht von Bedeutung, so kann sie auf das
Erheben weiterer Beweise verzichten. Diese sogenannte antizipierte Beweiswürdigung
verletzt den Anspruch auf rechtliches Gehör nicht.18
3. Ästhetik
a) Das Vorhaben umfasst die beiden Mehrfamilienhäuser A und B, die in einem Abstand
von 10,00 m zueinander stehen. Sie weisen eine Flachdachform ohne Attika/Dachausbau
sowie je eine Gebäudebreite von 16,60 m bzw. 16,59 m und eine Gebäudelänge von
17,00 m auf.19 Pro Gebäude sind im EG und im UG 1 je eine 4-Zimmer-Wohnung, zwei 3-
Zimmer-Wohnungen und eine 2-Zimmer-Wohnung vorgesehen.20 Zwischen Haus A und
Haus B verlaufen direkt ab der Fassade Stützmauern von je 4,40 m Breite; dazwischen führt
ein 1,20 m breiter Zugangsweg bzw. eine Zugangstreppe ab dem J._weg
(Höhenkote 529.80) bis zum Aufenthaltsbereich bzw. Spielplatz hinab (Höhenkoten 525.78
17 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 18 BVR 2012 S. 252 E. 3.3.3, mit Hinweisen 19 Vgl. Plan Schnitte 1:100 vom 13.11.2018 sowie Plan Fassaden 1:100 vom 13.11.2018 20 Vgl. Vorakten RSA, pag. 36, sowie Plan Schnitte 1:100 vom 13.11.2018 sowie Plan Grundrisse 1:100 vom 13.11.2018
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bzw. 524,23).21 Weiter ist westlich von Haus A eine 4,00 m breite Stützmauer sowie östlich
von Haus B über der Einfahrt zur Einstellhalle eine 2,50 m breite Stützmauer vorgesehen.
Wie aus den Plänen ersichtlich, ermöglichen die Stützmauern die Anordnung von
Wohnräumen im UG 1. Nicht mehr bestritten ist, dass das Vorhaben und insbesondere das
UG 1 die reglementarischen Vorgaben bzw. die baupolizeilichen Masse einhält.22
b) Die Beschwerdeführenden sind der Meinung, dass das Vorhaben keine gute
Gesamtwirkung erziele. Die Beschwerdeführenden 1 bis 12 legen dar, dass insbesondere
die gemäss ihrer Auffassung "mächtigen" Stützmauern als störende Bauteile wirkten. Die
beiden Häuser A und B würden als 50 m langer, horizontaler "Riegel" wahrgenommen. Die
Vorinstanz habe von der Beschwerdegegnerin zu Unrecht keine Projektänderung verlangt,
die den Verzicht auf die Stützmauern zugunsten einer Böschung vorgesehen hätte.23 Dies
sei jedoch aus ästhetischen Gründen zwingend erforderlich. Auch der Beschwerdeführer 13
vertritt die Auffassung, dass die durch Betonmauern optisch miteinander verbundenen
Mehrfamilienhäuser sich nicht in das Quartierbild einfügten und als grober "Fremdkörper"
wirkten.24 Er macht geltend, dass begrünte und bepflanzte Böschungen den Stützmauern
vorzuziehen wären. Ohne die Stützmauern sei das Vorhaben jedoch wegen der fehlenden
Einhaltung der Vorgaben des GBR hinsichtlich Geschossigkeit nicht mehr bewilligungsfähig,
weshalb der Bauabschlag zu verfügen sei.25
c) Die Beschwerdegegnerin weist darauf hin, dass die beiden Mehrfamilienhäuser
ansprechend gestaltet seien und sich die beiden Gebäude sorgfältig in die Hanglandschaft
einfügten. Farben und Baumaterial seien an die umgebenden Häuser angepasst. "Sanft
eingebettet, unterhalb der Waldlandschaft ", passten sich die Bauprojekte gut in das
bestehende Orts- und Landschaftsbild ein. Der Versuch der Beschwerdeführenden, den
Baukörper als Einheit bzw. Riegel darzustellen, wirke "konstruiert". Die Stützmauer, die die
beiden Gebäude verbinde, werde begrünt, trete aber durch die zurückgesetzte Lage und die
bereits bestehende Böschungskante gar nicht in Erscheinung. Vorliegend sei die Gemeinde
21 Umgebungsplan 1:200 vom 5.10.2018 22 Vgl. Art. 212 Abs. 2 Bst. f GBR: OK EG Boden im Mittel über 1,20 m über fertigem Terrain. Vgl. Flächenberechnung UG, Vorakten RSA, pag. 8 23 Beschwerde 1, Ziff. 3 24 Beschwerde 2, Art. 1, S. 4 ff. 25 Beschwerde 2, Art. 2, S. 8 ff.
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zum Schluss gekommen, dass hier die erhöhten Anforderungen an die Ästhetik eingehalten
seien.26
d) Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid ausgeführt, dass sich das Bauvorhaben in einer
normalen Wohnzone (E1) der Gemeinde befinde, ausserhalb einer speziellen Schutzzone
des Ortsbild- oder Landschaftsschutzes. In der direkten Nachbarschaft befänden sich weder
erhaltens- noch schützenswerte Bauten, welche einen speziellen Umgang mit dem
Ortsbildschutz erfordern würden. Im Übrigen hielten die projektierten Mehrfamilienhäuser die
in der E1 geltenden baupolizeilichen Masse ein und ordneten sich hinsichtlich ihrer Lage und
Proportionen gut in die Parzelle ein. Insgesamt erziele das Vorhaben eine gute
Gesamtwirkung auf das gestalterisch heterogene Orts- resp. Quartierbild, resp.
beeinträchtige dieses nicht.27 Zudem wirkten die Gebäude städtebaulich "nicht schlechter als
die bestehenden Umgebungsbauten". Die Neubauten seien in ihrem Grundriss nicht
wesentlich grösser als das bestehende oder die umliegenden Gebäude, dies jedoch in
Übereinstimmung mit den baupolizeilichen Massen.28 Hinsichtlich der ästhetischen
Beurteilung der Stützmauern weist die Vorinstanz darauf hin, dass die Bauherrschaft diese
"mehrheitlich begrünen" wolle.29 Im vorinstanzlichen Verfahren vertrat die Gemeinde die
Auffassung, dass das Vorhaben einer modernen und zeitgemässen Architektur entspreche,
welches eine gute Gesamtwirkung in einem bestehenden Wohnquartier erziele. Vergleichbar
dimensionierte Bauten fänden sich auch in unmittelbar benachbarter Lage. Die prägenden
Elemente des Strassen-, Orts- und Landschaftsbildes blieben gewahrt. Das Grundstück
werde haushälterisch genutzt und entspreche mit der verdichteten Bauweise den
Forderungen des Raumplanungsgesetzes.30
e) Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und Bemalungen dürfen Landschaften, Orts-
und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Diese Vorschrift stellt die
«ästhetische Generalklausel» im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar.
Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden
Überbauung schafft, der erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften
erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften
26 Vgl. Beschwerdeantwort vom 19. Juli 2019, Rz. 15 ff. 27 Vorinstanzlicherr Entscheid, Ziff. 3.2.2 28 Vorinstanzlicher Entscheid, Ziff. 3.2.2 29 Vorinstanzlicher Entscheid, Ziff. 3.3.2 in fine bzw. Ziff. 3.4.3 mit Verweis auf Ziff. 3.2.2 30 Vgl. Stellungnahme der Gemeinde Mörigen vom 7. März 2019, Vorakten RSA, pag. 178
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müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die
Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders
formulieren.31
Das Baureglement der Gemeinde Mörigen enthält in Art. 411 Abs. 1 GBR32 den allgemeinen
Gestaltungsgrundsatz und in Art. 411 Abs. 2 GBR zusätzliche Kriterien:
"2 Bei der Beurteilung der guten Gesamtwirkung sind insbesondere zu berücksichtigen
- die prägenden Elemente des Strassen-, Orts- und Landschaftsbildes,
- die bestehende und bei Vorliegen einer entsprechenden Planung auch die beabsichtigte
Gestaltung der benachbarten Bebauung,
- Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionierung der Bauten- und Anlagen,
- die Fassaden- und Dachgestaltung sowie die Materialisierung und Farbgebung,
- die Gestaltung der Aussenräume, insbesondere des Vorlandes und der Begrenzungen gegen
den öffentlichen Raum,
- die Gestaltung und Einordnung der Erschliessungsanlagen, Abstellplätze und Eingänge."
Diese Bestimmungen gehen weiter als Art. 9 Abs. 1 BauG; ihnen kommt daher selbständige
Bedeutung zu.
An das Erfordernis der «guten Gesamtwirkung» gemäss Art. 411 GBR dürfen nicht
unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Nach der Rechtsprechung ist die gute
Gesamtwirkung weder an geringen noch an besonders hohen architektonischen Qualitäten
zu messen. Dies bedeutet bei durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass das
Mittelmass der Umgebung nicht gestört werden darf und sich eine neue Baute oder Anlage
an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren hat.33
Der Begriff «gute Gesamtwirkung» stellt zudem einen unbestimmten kommunalen
Gesetzesbegriff dar, bei dessen Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen
Beurteilungsspielraum haben. Soweit die Gemeinde die Norm rechtlich vertretbar ausgelegt
hat, darf eine Rechtsmittelinstanz sie nicht anders auslegen. Wird die Anwendung einer
solchen Bestimmung Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens, haben die Rechtsmittelin-
31 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen 32 Vgl. Baureglement der Gemeinde Mörigen vom 17. November 2008, genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung am 5. Oktober 2009 33 BVR 2009 S. 328 E. 5.3; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4a zweites Lemma mit weiteren Hinweisen
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stanzen zu prüfen, ob die von der Gemeinde geltend gemachte Auslegung rechtlich haltbar
ist.34 Dies gilt auch, wenn die Gemeinde nicht selber Baubewilligungsbehörde ist, sondern
sich als Verfahrensbeteiligte auf die entsprechende Auslegung beruft.35
Gestützt auf Vorschriften des allgemeinen Ortsbild- und Landschaftsschutzes dürfen in der
Regel Art oder Mass der nach der Zonenordnung zulässigen Nutzung nicht eingeschränkt
werden.36
f) Wie unter Erwägung 2 ausgeführt, ist nicht von der Hand zu weisen, dass das
Vorhaben mit seinen zwei Mehrfamilienhäusern und den geplanten Stützmauern ein
gewisses Volumen bzw. den entsprechenden Fussabdruck aufweist. Gleichzeitig hält es die
baupolizeilichen Masse ein. Unter Berücksichtigung der "durchschnittlichen örtlichen
Gegebenheit" ist zu bemerken, dass sich das Vorhaben an den Bauten neueren Datums
orientiert, namentlich an denjenigen auf Parzelle Nr. N._ (Beschwerdeführer 13)
Nr. W._ (Beschwerdeführende 1 und 2) oder auf Parzelle Nr. X._
(Beschwerdeführer 10) und sich hinsichtlich Volumen nicht wesentlich von diesen
unterscheidet. Die geplanten Mehrfamilienhäuser übernehmen je für sich bezüglich Standort,
Stellung und Dimensionierung die benachbarte Bebauungsstruktur. Auch als zwei auf
gleicher Linie liegende Gebäude unterscheiden sie sich nicht von den benachbarten
Häusern: So ergibt sich diese Anordnung gemäss Situationsplan37 und der Basiskarte
gemäss Geoportal des Kantons Bern38 beispielsweise auch bei den direkt angrenzenden
Häusern am J._weg. Die Wahrnehmung der Stützmauern wird einerseits durch
deren gegenüber den Fassaden versetzten Anordnung39 wie auch durch die auferlegte
Begrünung aufgelockert. Damit werden die beiden Mehrfamilienhäuser mit den
angrenzenden Stützmauern von weitem nicht als eine Front wahrgenommen, wie dies die
Fotomontage der Beschwerdeführenden 1 bis 12 vermuten lässt.40 Auch bezüglich Farbe
und Fassadengestaltung und Materialisierung übernehmen die beiden Gebäude die im
34 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band II, Bern 2017, Art. 65 N. 3 35 Vgl. BGE 1C_484/2016 vom 28. Juni 2017, E. 2.1.2 sowie VGE 2017/153 vom 14. November 2018 E. 6.2 36 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 15 mit Hinweisen 37 Vgl. Situationsplan 1:500 vom 13.06.2018 38 https://www.geo.apps.be.ch/de/ 39 Vgl. Umgebungsplan 1:200 vom 5.10.2018 40 Vgl. Beschwerdeschrift der Beschwerdeführenden 1 bis 12 vom 12. Juni 2019, S. 4
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Quartier bestehenden Elemente. Bezüglich Dachgestaltung verfügen die meisten Häuser am
L._weg über (schwach) geneigte Dächer; neuere Gebäude, wie beispielsweise
diejenigen der Beschwerdeführenden 3 und 13 am L._weg verfügen ebenfalls über
Flachdächer. Schliesslich dürfen gestützt auf Vorschriften des allgemeinen Ortsbild- und
Landschaftsschutzes in der Regel Art und Mass der nach der Zonenordnung zulässigen
Nutzung nicht (wesentlich) eingeschränkt werden.41 Nach dem Gesagten ist nicht ersichtlich,
inwiefern die geplanten Mehrfamilienhäuser zu einer Beeinträchtigung des Strassen-, Orts-
und Landschaftsbildes führen. Vielmehr fügt sich das Vorhaben am überbauten Hang und
mit seiner Böschungskante zur Landwirtschaftszone hin gut in die Umgebung ein und führt
zu einer guten Gesamtwirkung.
g) Die umstrittenen Stützmauern sind nicht an die Gebäudelänge anzurechnen und
halten die Vorgaben gemäss GBR42 und Art. 79h EG ZGB43 ein. Zudem verfügen sie auf
beiden Seiten über das notwendige Näherbaurecht.44 Inwieweit die Einstellhalle ästhetisch
nicht überzeugt, ist nicht ersichtlich. Somit spricht auch aus ästhetischen Gründen nichts
gegen das geplante Vorhaben einschliesslich der Stützmauern und der Einstellhalle. Bei
diesem Ergebnis war entgegen der Ausführungen der Beschwerdeführenden 1 bis 12 keine
Projektänderung bezüglich der Stützmauern einzuholen.
h) Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Rügen der Beschwerdeführenden 1 bis
12 bzw. des Beschwerdeführers 13 hinsichtlich der fehlenden Vereinbarkeit des Vorhabens
mit dem Strassen-, Orts- und Landschaftsbild unbegründet sind. Die Gemeinde hat das
Vorhaben im Lichte der kommunalen Vorgaben betreffend die gute Gesamtwirkung geprüft
und dessen Vereinbarkeit mit den ästhetischen Anforderungen gemäss GBR bejaht. Diese
Beurteilung ist nicht zu beanstanden. Vielmehr ist festzuhalten, dass das Bauvorhaben unter
Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten so gestaltet ist, dass es zusammen mit seiner
Umgebung eine gute Gesamtwirkung ergibt.
i) Unter diesen Umständen und insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache,
dass das Vorhaben weder in einem BLN-Gebiet, noch einem ISOS-Gebiet oder in einem
41 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 15 mit Hinweisen 42 Vgl. A141 des GBR 43 Gesetz vom 28. Mai 1911 betreffend die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (EG ZGB; BSG 211.1) 44 Vgl. vorinstanzlicher Entscheid, Ziff. 3.2.2, Vorakten RSA, pag. 34 (Eigentümer der Parzelle Nr. R._)
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Ortsbild- oder Landschaftsschutzgebiet liegt, war auch im Beschwerdeverfahren keine
Begutachtung des Bauvorhabens durch die OLK nötig bzw. angezeigt. Daher werden die
Beschwerden abgewiesen und der angefochtene Gesamtentscheid wird bestätigt. Da die
Vorinstanz keine ausdrückliche Auflage hinsichtlich Begrünung der Stützmauern
aufgenommen hat, wird dies im Beschwerdeverfahren nachgeholt (vgl. E. 4).
4. Auflage zur Begrünung
a) Als Auflage zur Baubewilligung ist vorliegend die Begrünung sämtlicher Stützmauern
mit einheimischen und standortgerechten Sträuchern und weiteren an dieser Lage
beständigen Pflanzen (z.B. Efeu) vorgesehen (vgl. Sachverhalt, Ziff. 3).
b) Ausnahme- und Baubewilligungen können mit Bedingungen oder Auflagen verknüpft
werden (Art. 29 Abs. 2 und Art. 38 Abs. 3 BauG). Auflagen sind Pflichten, die mit einer
Baubewilligung verbunden sind. Die Nichterfüllung einer Auflage berührt die Geltung der
Baubewilligung nicht, kann aber baupolizeiliche Massnahmen – insbesondere die
Ersatzvornahme – und Bestrafung nach sich ziehen.45 Die Bedingungen und Auflagen
müssen in einem engen sachlichen Zusammenhang zur erteilten Bau- oder
Ausnahmebewilligung stehen und verhältnismässig sein. Verhältnismässig ist eine
Nebenbestimmung nur dann, wenn sie zum Erreichen des angestrebten Ziels erforderlich,
geeignet und für die Bauherrschaft zumutbar ist.
c) Gemäss den Eingaben der Beschwerdegegnerin sei die Begrünung der Stützmauern
vorgesehen46 bzw. habe sie bereits im vorinstanzlichen Verfahren nichts gegen die
Aufnahme einer solchen Auflage einzuwenden gehabt.47 Auch die Vorinstanz ist mit der
Auflage zur Begrünung aller Stützmauern einverstanden.48
d) Die Beschwerdeführenden 1 bis 12 vertreten die Auffassung, dass eine nachhaltige,
dauernde Begrünung aus praktischen Gründen nicht mach- und durchsetzbar sei. Sträucher
45 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Band I, Bern 2013, Art. 29 N. 1 46 Beschwerdeantwort vom 19. Juli 2019, Ziff. 3, Rz. 27 47 Schlussbemerkungen vom 12. September 2019 48 Schlussbemerkungen des RSA Biel/Bienne vom 4. September 2019
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entfielen in der Hanglage und das Efeu sei ungeeignet.49 Der Beschwerdeführer 13 verweist
auf die entsprechenden Ausführungen der Beschwerdeführenden 1 bis 12.
e) Wenn ein Bauvorhaben den gesetzlichen Anforderungen klar nicht entspricht, kann der
Mangel nicht mit Bedingungen oder Auflagen geheilt werden. Bedingungen und Auflagen zu
einer Baubewilligung kommen daher nur bei Bauvorhaben in Betracht, die je nach ihrer
Gestaltung oder Einrichtung oder je nach der Art der Nutzung oder Betriebsführung
gesetzeskonform oder gesetzwidrig sein können50. Wie sich aus den bisherigen
Ausführungen ergibt, entspricht das Vorhaben einschliesslich der Stützmauern den
ästhetischen Vorgaben (Art. 9 BauG, Art. 411 GBR) und hält auch sonst die anwendbaren
Vorschriften ein. Wie bereits dargelegt, hat die Beschwerdegegnerin im vorinstanzlichen
Verfahren in allgemeiner Weise vorgeschlagen, die projektierten Stützmauern zu begrünen.
Die Vor-instanz hat keine entsprechende Auflage definiert, was nun im
Beschwerdeverfahren erfolgt. Die Begrünung der Stützmauern dient vorliegend dazu, die
Wirkung der Stützmauern aufzulockern und deren optisches Erscheinungsbild sowohl aus
der Ferne (vom See her) als auch aus der Nähe zu verbessern (vgl. auch E. 3f). Zudem kann
so ein Zusammenhang zum östlich gelegenen Landschaftsschongebiet und südlich zum
Wald geschaffen werden. Weiter schafft die Begrünung der Stützmauern hinter dem
Kinderspielplatz eine Verbindung zur nördlich angrenzenden Landwirtschaftszone. Diese
Massnahmen, wie die namentlich in der Auflage genannte Pflanzung von Sträuchern vor
oder auf den Stützmauern, sind entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden
geeignet, das angestrebte Ziel zu erreichen. Es ist aus ihren Ausführungen auch nicht
ersichtlich, inwieweit Sträucher nicht in einem Hang gepflanzt werden können. Soweit die
Beschwerdeführenden die Eignung des in der Auflage beispielhaft genannten Efeus
anzweifeln, so gilt diese immergrüne Pflanze zwar als schattenliebend; sie ist auf den
nordwestlich gelegenen Stützmauern aber durchaus als geeignet anzusehen. Die auferlegte
Begrünungspflicht erweist sich damit insgesamt als machbar. Die Beschwerdeführenden
konkretisieren nicht näher, inwieweit die Auflage nicht durchsetzbar ist. Die Aufsicht über die
Einhaltung einer Auflage ist Sache der Gemeinde als Baupolizeibehörde. Ob die
Beschwerdegegnerin der auferlegten Begrünungspflicht nachkommt, lässt sich durch die
Baukontrolle ohne grösseren Aufwand und von weitem überprüfen. Die entsprechende
49 Schlussbemerkungen vom 25. September 2019 50 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Band I, Bern 2013, Art. 38-39, N. 15 bzw. 15b
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Auflage betreffend Begrünung der Stützmauern erweist sich somit zusammenfassend als
geeignet und mit vernünftigem Aufwand als kontrollier- und durchsetzbar.51
5. Fazit und Kosten
a) Zusammenfassend ergibt sich, dass das Bauvorhaben den anwendbaren Vorschriften
entspricht. Die Beschwerden sind insofern gutzuheissen, als der Gesamtentscheid des
Regierungsstatthalteramts Biel/Bienne vom 16. Mai 2019 durch eine Auflage hinsichtlich
Begrünung der umstrittenen Stützmauern ergänzt wird (vgl. E. 4). Im Übrigen sind die
Beschwerden abzuweisen und der Entscheid zu bestätigen.
b) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.– bis Fr. 4'000.– pro Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m.
Art. 4 Abs. 2 GebV52). In Anwendung dieser Bestimmungen werden die Pauschalen für die
beiden Beschwerden auf je Fr. 1'800.– festgelegt. Werden in einem einzigen Entscheid
mehrere Beschwerden beurteilt, so kann die Pauschalgebühr für die einzelnen
Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer angemessen reduziert werden (Art. 21
Abs. 3 GebV). Dementsprechend werden die Pauschalen auf zwei Drittel, d.h. auf je
Fr. 1’200.– reduziert. Insgesamt betragen die oberinstanzlichen Verfahrenskosten somit
Fr. 2’400.–.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens obsiegen die Beschwerdeführenden hinsichtlich
Ergänzung des Entscheids durch eine Auflage (Begrünung der Stützmauern). Im Übrigen
gelten sie als unterliegend. Es rechtfertigt sich somit, die Verfahrenskosten zu einem Fünftel
der Beschwerdegegnerin und zu vier Fünfteln den Beschwerdeführenden aufzuerlegen. Im
Ergebnis haben die Beschwerdeführenden 1 bis 12 Verfahrenskosten in der Höhe von
Fr. 960.– zu tragen und haften solidarisch für den gesamten ihnen auferlegten Betrag. Der
51 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Band I, Bern 2013, Art. 38-39, N. 15d mit weiteren Hinweisen 52 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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Beschwerdeführer 13 hat ebenfalls Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 960.– zu tragen.
Der Beschwerdegegnerin werden die übrigen Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 480.–
auferlegt.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht
deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung oder
Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Beschwerdeführenden 1 bis 12 bzw. der
Beschwerdeführer 13 haben bei diesem Verfahrensausgang der Beschwerdegegnerin je zur
Hälfte vier Fünftel ihrer Parteikosten zu ersetzen. Die Beschwerdegegnerin wird andererseits
verpflichtet, den Beschwerdeführenden 1 bis 12 bzw. dem Beschwerdeführer 13 je einen
Fünftel derer bzw. dessen Parteikosten zu ersetzen.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdegegnerin
beläuft sich auf Fr. 8'187.05 (Honorar Fr. 7'380.–, Auslagen Fr. 221.70, Mehrwertsteuer
Fr. 585.35). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV53 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
Beschwerdeverfahren Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG54).
Im vorliegenden Fall war der gebotene Zeitaufwand als unterdurchschnittlich zu werten, da
lediglich bezüglich Aufnahme einer Auflage ein Beweisverfahren durchgeführt wurde.
Angesichts der Baukosten nach Art. 11 BewD gemäss Baugesuch von rund Fr. 4'150'000.–
und den umstrittenen Rechtsfragen sind auch die Bedeutung der Streitsache und die
Schwierigkeit des Prozesses insgesamt als durchschnittlich einzustufen. Im vorliegenden
Verfahren hatte die Beschwerdegegnerin zu zwei Beschwerden Stellung zu nehmen; dabei
ist zu berücksichtigen, dass es sich um wenige, bzw. gleichlautende Rügen handelte. Daher
erscheint ein Honorar von Fr. 5'500.– als angemessen. Die Parteikosten der
Beschwerdegegnerin belaufen sich somit auf Fr. 6'162.30 (Honorar Fr. 5'500.–. Auslagen
Fr. 221.70, Mehrwertsteuer Fr. 440.60). Vier Fünftel davon ergeben einen Betrag von
Fr. 4'930.–. Davon haben die Beschwerdeführenden 1 bis 12 der Beschwerdegegnerin die
Hälfte, ausmachend Fr. 2'465.–, zu ersetzen und haften solidarisch für den gesamten ihnen
53 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung, PKV; BSG 168.811) 54 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
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auferlegten Betrag. Der Beschwerdeführer 13 hat der Beschwerdegegnerin ebenfalls die
Hälfte der errechneten Parteikosten in der Höhe von Fr. 2'465.– zu ersetzen.
Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführenden 1 bis 12 beläuft sich auf Fr. 3'734.80
(Honorar Fr. 3'380.–, Auslagen, Fr. 87.80, Mehrwertsteuer Fr. 267.–) und gibt zu keinen
Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführenden 1 bis 12
somit einen Fünftel der Parteikosten, ausmachend Fr. 747.–, zu ersetzen. Die Kostennote
des Beschwerdeführers 13 beläuft sich auf Fr. 4'434.90 (Honorar Fr. 4'000.–, Auslagen,
Fr. 25.–, Mehrwertsteuer Fr. 309.90) und gibt ebenfalls zu keinen Bemerkungen Anlass. Die
Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer 13 somit einen Fünftel seiner Parteikosten,
ausmachend Fr. 867.–, zu ersetzen.
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