Decision ID: 69a8dcc8-1888-592c-9c8b-f5e339d3f077
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y., geboren am 29. Mai 1979, ist Staatsangehöriger von Serbien. Er heiratete am
26. Oktober 2009 U.T., die Staatsbürgerin von Mazedonien ist und über eine
Niederlassungsbewilligung des Kantons St. Gallen verfügt. X.Y. reiste am 8. November
2009 in die Schweiz ein und erhielt am 5. Januar 2010 eine Aufenthaltsbewilligung zum
Verbleib bei seiner Ehefrau. Bereits am 10. Juli 2009 war die gemeinsame Tochter K.
zur Welt gekommen.
Zwischen X.Y. und seiner Ehefrau kam es öfters zu Problemen im ehelichen
Zusammenleben. Mit Entscheid vom 12. Januar 2011 ordnete der Familienrichter des
Kreisgerichts St. Gallen Eheschutzmassnahmen an. Dabei nahm er vom Getrenntleben
der Ehegatten seit dem 9. Dezember 2010 Vormerk und teilte die Obhut über das
gemeinsame Kind K. der Mutter zu. Es wurde ein Besuchsrecht an zwei Tagen pro
Monat angeordnet, welches (zumindest) während den ersten vier Monaten unter
Begleitung wahrzunehmen war. X.Y. wurde zu Kinderunterhaltsbeiträgen in Höhe von
monatlich Fr. 500.-- verpflichtet.
B./ Mit Gesuch vom 15. Dezember 2010 ersuchte X.Y. um Verlängerung seiner
Aufenthaltsbewilligung. Nach vorgängiger Gewährung des rechtlichen Gehörs lehnte
das Migrationsamt des Kantons St. Gallen mit Verfügung vom 8. April 2011 die
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab.
C./ Gegen die Verfügung vom 8. April 2011 liess X.Y. mit Eingabe vom 26. April 2011
Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement erheben. Die Rekursinstanz wies den
Rekurs mit Entscheid vom 14. Mai 2012 ab.
D./ Dagegen liess X.Y. mit Eingabe vom 30. Mai 2012 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht erheben mit dem Antrag, der Entscheid des Sicherheits- und
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Justizdepartements des Kantons St. Gallen vom 14. Mai 2012 beziehungsweise die
Verfügung des Migrationsamtes St. Gallen vom 8. April 2011 seien aufzuheben und das
Migrationsamt St. Gallen sei anzuweisen, die Aufenthaltsbewilligung des
Beschwerdeführers zu verlängern; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Das Sicherheits- und Justizdepartement beantragte in seiner Vernehmlassung vom 25.
Juni 2012 Abweisung der Beschwerde unter Verweis auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid.
Auf die Begründung des Beschwerdeführers sowie die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen
eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Nach Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländer (SR 142.20, abgekürzt
AuG) haben ausländische Ehegatten von Personen mit Niederlassungsbewilligung
Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit
diesen zusammenwohnen. Fehlt es am Zusammenwohnen, geht der entsprechende
Anspruch grundsätzlich unter. Eine Ausnahme besteht aufgrund von Art. 49 AuG dann,
wenn für getrennte Wohnorte wichtige Gründe geltend gemacht werden und die
Familiengemeinschaft weiter besteht.
Vorliegend lebt der Beschwerdeführer seit dem 9. Dezember 2010 getrennt von seiner
Ehefrau. Mit Entscheid vom 12. Januar 2011 ordnete der Familienrichter des
Kreisgerichts St. Gallen Eheschutzmassnahmen an. Es bestehen keine Anhaltspunkte
für eine Wiederaufnahme der Familiengemeinschaft. Entsprechend ist der
ursprüngliche Aufenthaltszweck, das eheliche Zusammenleben, untergegangen. Für
den nachgezogenen Ausländer hat die Aufhebung der Familiengemeinschaft zur Folge,
dass er die Schweiz wieder zu verlassen hat, sofern er nicht über einen eigenständigen
Aufenthaltstitel verfügt.
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3. Ein solcher Aufenthaltstitel kann sich aus Art. 50 AuG ergeben. Danach besteht der
Anspruch des Ehegatten auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung trotz Auflösung
der Familiengemeinschaft weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre
gedauert hat und eine erfolgreiche Integration gegeben ist (Abs. 1 lit. a) oder wichtige
persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Abs.
1 lit. b). Wichtige persönliche Gründe können namentlich vorliegen, wenn der
ausländische Ehepartner Opfer ehelicher Gewalt wurde und die soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Abs. 2).
3.1. Die Aufzählung in Abs. 2 von Art. 50 AuG ist nicht abschliessend. Der Gesetzgeber
hat mit dem Erfordernis der wichtigen persönlichen Gründe vielmehr bewusst eine
offene Formulierung gewählt, die den rechtsanwendenden Behörden einen
Beurteilungsspielraum einräumt (M. Caroni, in: Caroni/Gächter/Thurnheer [Hrsg.],
Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer,
Bern 2010, N 23 zu Art. 50 AuG).
Ein wichtiger persönlicher Grund, der einen Verbleib in der Schweiz erforderlich macht,
kann beispielsweise im Umstand liegen, dass gemeinsame Kinder vorhanden sind, zu
denen eine enge Beziehung besteht und welche in der Schweiz gut integriert sind (BBl
2002 3795). Dabei ist dem Schutz des Familienlebens, der durch Art. 8 der
Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101) und Art. 13 der
Bundesverfassung (SR 101) garantiert wird, Rechnung zu tragen. Nach der ständigen
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu den erwähnten Konventions- und
Verfassungsbestimmungen lässt sich daraus aber nur dann ein Anwesenheitsanspruch
für den nicht sorge- oder obhutsberechtigten ausländischen Elternteil ableiten, wenn
zwischen ihm und seinem Kind in wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht eine
besonders enge Beziehung besteht, die wegen der Distanz zu seinem Heimatland
praktisch nicht aufrecht erhalten werden könnte, und wenn zusätzlich das bisherige
Verhalten des Ausländers zu keinerlei Klagen Anlass gegeben hat; einzig unter diesen
restriktiven Voraussetzungen kann das private Interesse am Verbleib in der Schweiz
gestützt auf ein Besuchsrecht ausnahmsweise das öffentliche Interesse an einer
einschränkenden Einwanderungspolitik beziehungsweise am Schutz der öffentlichen
Sicherheit und Ordnung überwiegen (BGer 2C_787/2010 vom 16. Juni 2011 Erwägung
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3.2; 2C_718/2010 vom 2. März 2011 Erwägung 3.2; 2C_195/2010 vom 23. Juni 2010
Erwägung 6.6).
3.2. In diesem Zusammenhang fällt hier vorab in Betracht, dass der Beschwerdeführer
mit seiner mittlerweile über 31⁄2 Jahre alten Tochter nur gut ein Jahr im gleichen
Haushalt gelebt hat. In dieser Zeit ist der Aufbau einer vertieften affektiven Beziehung
nicht möglich. Ob und in welchem Umfang der Beschwerdeführer das ihm eingeräumte
Besuchsrecht ausübt und ob er darüber hinaus weitere Kontakte zu seiner Tochter
pflegt, ist nicht bekannt. Er macht in der Beschwerde keine diesbezüglichen Angaben.
Im Eheschutzentscheid wurde ein (anfänglich begleitet wahrzunehmendes)
Besuchsrecht von zwei Tagen pro Monat festgelegt. Selbst wenn es in diesem Umfang
ausgeübt wird, geht die Beziehung nicht über das hinaus, was im Fall von getrennt
lebenden Ehegatten üblich ist. Ein solches Besuchsrecht ist aber nicht geeignet
darzutun, dass eine enge Beziehung zur Tochter besteht. Hinzu kommt, dass sich der
Beschwerdeführer nicht klaglos verhielt. Die Polizei musste am 1. März 2010 ein erstes
Mal wegen häuslicher Gewalt intervenieren, worauf der Beschwerdeführer der
Tätlichkeiten und Drohungen schuldig erklärt wurde. Selbst die mit Verfügung vom 3.
August 2010 ausgesprochene ausländerrechtliche Verwarnung hielt ihn nicht von
weiteren Tätlichkeiten gegenüber seiner Ehefrau ab. Er wurde deswegen mit Verfügung
vom 14. Dezember 2010 erneut verurteilt.
3.3. Zusammenfassend ging die Vorinstanz zu Recht davon aus, dass die
Voraussetzungen, unter denen das private Interesse an einem weiteren Verbleib in der
Schweiz gestützt auf ein Besuchsrecht ausnahmsweise das öffentliche Interesse an
einer einschränkenden Einwanderungspolitik überwiegt, hier nicht erfüllt sind. Die
allenfalls bestehenden Schwierigkeiten, den Kontakt zur Tochter vom Ausland her
aufrechtzuerhalten, vermögen daran nichts zu ändern.
4. (...).