Decision ID: cf901856-db28-526e-8fb9-906b11be6d88
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente / berufliche Massnahmen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ trat per August 2004 ihre Arbeitsstelle als Mitarbeitende Pflege und
Betreuung im Alters- und Pflegeheim B._ an und war dort zunächst vollzeitlich und
ab 1. Dezember 2007 in einem 80 %-Pensum in der Pflege tätig (IV-act. 12-2; IV-
act. 13-3,4; IV-act. 5-4; IV-act. 1-1). Im Oktober 2011 meldete sie ihr Hausarzt,
Dr. med. C._, Prakt. Arzt FMH, bei der Schweizerischen Invalidenversicherung (IV)
zur Früherfassung an. Nach Angaben der Versicherten selbst, ihres Arbeitgebers, ihres
Hausarztes sowie gemäss Bericht von Dr. med. D._ vom Regionalen Ärztlichen
Dienst Ostschweiz (RAD) wurden somatisch eine Psoriasis-Spondylarthropathie mit
Kreuzschmerzen sowie eine Psoriasis mit Hautbefund und resultierenden Beschwerden
diagnostiziert. Psychisch lägen ein Burnout/Depression mit entsprechender
Symptomatik (die Versicherte weine schnell), sowie Panikattaken mit Herzrasen und
Atemnot vor; das EKG weise keinen pathologischen Befund auf. Anamnestisch
bestünden lumbovertebrale Beschwerden seit dem Jahr 2000. Die Versicherte sei
schon 2006/7, 2008, 2009 und 2010 wegen Rückenproblemen zum Teil über Monate
arbeitsunfähig gewesen und sei wegen Arbeitsproblemen und Belastung durch kleine
Kinder und Nachtschicht-Arbeit des Ehemannes psychisch behandelt worden. Seit
dem 19. Oktober 2011 sei sie zu 100 % arbeitsunfähig (IV-act. 2-2; IV-act. 5-3,5; IV-
act. 13-13; IV-act. 20-1 f.). Nach einem Früherfassungsgespräch (IV-act. 2-1 ff.) füllte
sie am 18. November 2011 das Formular der IV zum Leistungsbezug aus (IV-act. 5).
A.b Dr. med. E._, Hautarzt / Allergologie, berichtete am 16. Januar 2012,
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit bestünden bei pustulösen Schüben an den
Händen und seien von deren Schwere abhängig (IV-act. 25-1 ff.). Gemäss Aktenlage
reduzierte die Versicherte per 1. März 2012 beziehungsweise 1. Juni 2012 ihr
Arbeitspensum von 80 % um die Hälfte auf 40 % (50 % von 80 %; IV-act. 53-8,14,23;
IV-act. 43-1; IV-act. 41-4; IV-act. 36-4; act. G 1-1). Dr. C._ schrieb sie am 20. März
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2012 bei verschlechtertem Gesundheitszustand nach wiederum mehrmonatiger 100%-
iger Arbeitsunfähigkeit ab 3. März 2012 zu 70 % arbeitsunfähig (IV-act. 35-1 ff.). Eine
kardiologische Abklärung am 3. April 2012 bei Dr. med. F._, Facharzt für Kardiologie
und Innere Medizin, ergab keine kardiologisch pathologischen Befunde (IV-
act. 45-1 ff.). Gemäss Bericht von Dr. med. G._, Facharzt Innere Medizin und
Rheumatologie, vom 4. April 2012 hatte sich der Gesundheitszustand gebessert. Die
angestammte Tätigkeit sei während 4-6 Stunden täglich zumutbar bei einer
zustandsabhängigen Leistungseinbusse von 50 % bis 70 %. Eine andere Tätigkeit sei
der Versicherten nicht zumutbar, da sie ihren Beruf liebe (IV-act. 36-4 ff.). Aus
psychiatrischer Sicht war der Gesundheitszustand gemäss den behandelnden
Ärztinnen des Psychiatrischen Zentrums H._ ebenfalls verbessert. Die bisherige
Tätigkeit sei während 3 bis 3.5 Stunden täglich zumutbar, wobei bei einem 80 %-
Pensum eine 60 %-ige verminderte Leistungsfähigkeit bestehe. Adaptiert
(Weiterbildung zur Pflegefachfrau) sei eventuell eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf
50 % erreichbar (IV-act. 39-1 ff., Bericht vom 26. April 2012). Dr. D._ trug am 16. Mai
2012 diese Berichte zusammen (IV-act. 42-2). Sie stellte fest, danach habe sich der
Gesundheitszustand unter entsprechenden Behandlungen in somatischer und
psychischer Hinsicht gebessert (IV-act. 42-1). Die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit
seitens der behandelnden Ärzte sei im Krankheitsverlauf und gemäss den
dokumentierten Befunden und Funktionseinschränkungen nicht nachvollziehbar;
insbesondere sei nicht erklärlich, weshalb bei gebesserten Befunden die
Arbeitsfähigkeit geringer eingeschätzt werde als vorher und wieso eine adaptierte
Tätigkeit nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich sein solle (IV-act. 42-3).
A.c Am 21. Mai 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, gemäss ihren
Abklärungen seien zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich (IV-
act. 44).
A.d Vom 25. Juli 2012 bis 21. August 2012 wurde die Versicherte in der Klinik Gais,
Fachklinik für kardiale und psychosomatische Rehabilitation, abgeklärt und behandelt.
Dabei wurden eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10:F32.11), eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41),
Adipositas und Psoriasis diagnostiziert (IV-act. 53-22). Die Versicherte berichtete unter
anderem, sie leide seit zwei Jahren unter sich nun ausbreitenden starken
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Kreuzschmerzen und seit einem Jahr unter Schmerzen in den Füssen. Die Reduktion
des Arbeitspensums bekomme ihr wohl, könne aber kein Dauerzustand sein (IV-
act. 53-23).
A.e Die Versicherte wurde am 10. September 2012 und am 3. Oktober 2012 durch das
ärztliche Begutachtungsinstitut Basel (ABI) polydisziplinär (Allgemeine Innere Medizin,
Psychiatrie, Rheumatologie, Dermatologie) begutachtet. Das Gutachten vom
28. Januar 2013 kam im Wesentlichen zum Schluss, die Versicherte sei für die
angestammte Tätigkeit als Pflegehelferin wie auch für jede andere körperlich leichte bis
mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit zu 100 % arbeits- und leistungsfähig.
Lediglich körperlich schwere Tätigkeiten und solche mit Zwangshaltungen der
Wirbelsäule seien ihr nicht mehr zumutbar. Berufliche Massnahmen seien nicht
notwendig (IV-act. 53-2 und 53-21).
A.f Dr. D._ stellte fest, die Berichte von Dr. F._ und der Klinik Gais hätten dem ABI
vorgelegen und somit Eingang in das Begutachtungsergebnis gefunden. Das
Gutachten des ABI vom 28. Januar 2013 sei umfassend, kohärent, in sich
widerspruchsfrei und versicherungsmedizinisch nachvollziehbar. Aus RAD-ärztlicher
Sicht werde vollumfänglich darauf abgestellt (IV-act. 54).
A.g Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (IV-act. 57 ff.) wies die IV-Stelle
mit Verfügung vom 13. Mai 2013 Ansprüche auf berufliche Massnahmen und Rente ab.
Es liege kein Gesundheitsschaden vor, der die Arbeitsfähigkeit einschränke (IV-act. 66).
B.
B.a Mit Eingabe vom 3. Juni 2013 ficht die Beschwerdeführerin die Verfügung vom
13. Mai 2013 an (act. G 1.1). Zur Begründung macht sie im Wesentlichen geltend, seit
2010 leide sie permanent an starken Kreuzschmerzen, aufgrund derer sie seit
März 2012 nur noch 40 % arbeiten könne. Ihr Arbeitgeber wolle sie als Arbeitskraft
behalten und habe ihr empfohlen, ihr Arbeitspensum bei 40 % zu belassen.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 29. Oktober 2013 (act. G 8) hält die
Beschwerdegegnerin an ihrer Verfügung fest. Auf das Gutachten des ABI sei
abzustellen. Bei einer festgestellten vollen Arbeitsfähigkeit in angepasster sowie in
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angestammter Tätigkeit seien weder eine Rente noch berufliche Massnahmen
geschuldet. Die Beschwerdeführerin lege keine medizinischen Akten vor, welche
geeignet seien, die Schlussfolgerungen des ABI-Gutachtens in Zweifel zu ziehen.
B.c Die Beschwerdeführerin liess innert gesetzter Frist keine Replik folgen (act. G 9
und 10).

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdeführerin macht sinngemäss und im Wesentlichen geltend, entgegen
dem Gutachten und der darauf abstellenden angefochtenen Verfügung sei sie in ihrer
angestammten Tätigkeit als Pflegehelferin lediglich im Umfang eines 40 %-Pensums
arbeitsfähig. Es ist demnach darüber zu befinden, ob die Beschwerdegegnerin zu
Recht gestützt auf das ABI-Gutachten einen Anspruch auf IV-Leistungen (Rente und
berufliche Massnahmen) abgewiesen hat.
2.
2.1 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützt sich die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und gegebenenfalls auch
anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin
ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit
weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder
in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Dezember 2014, 9C_432/2014 E. 3.2.1; BGE 125 V 352 E. 3a).
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2.2 Im Sinne einer Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten
Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen
und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen. Zu beachten sind sodann die einschlägigen Verfahrensvorschriften und die
Mitwirkungsrechte der Verfahrensbeteiligten (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353
E. 3b/bb).
3.
3.1 Zum ABI-Gutachten ist Folgendes festzuhalten:
3.1.1 Allgemeininternistisch wurden Anamnese und Befunde erhoben und eine
Adipositas und keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festgestellt (IV-act. 53-6 ff.).
3.1.2 Der begutachtende Psychiater hat nach ausführlicher Anamnese und
Untersuchung die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
(ICD-10:F45.4) ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (IV-act. 53-8 ff.). Das
Ausmass der geklagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, nur
noch 40 % arbeiten zu können, könnten durch die somatischen Befunde nicht
hinreichend objektiviert werden, so dass eine gewisse psychische Überlagerung
angenommen werden müsse, welche auf dem Hintergrund der jahrelangen
psychosozialen Belastung durch die Aufgaben als Hausfrau, Mutter und die
Berufstätigkeit zu sehen sei (IV-act. 53-11). Neben der anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung könne keine weitere psychiatrische Diagnose gestellt werden; eine
erhebliche psychiatrische Komorbidität sei nicht vorhanden. In der Klinik Gais sei eine
mittelgradige depressive Episode diagnostiziert worden; eine mittelgradige oder
schwere depressive Störung liege jedoch nicht vor, da die Beschwerdeführerin immer
in der Lage gewesen sei, sich um Haushalt und Kinder zu kümmern, nie stationär
psychiatrisch behandelt worden sei und nie einen Lebensverleider oder
Suizidgedanken beklagt habe (IV-act. 53-12, 13). Eine chronische körperliche
Begleiterkrankung, ein mehrjähriger chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter
oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung, ein ausgeprägter
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sozialer Rückzug oder schwere lebensgeschichtliche Belastungen lägen nicht vor (IV-
act. 53-12).
3.1.3 Auch durch die Rheumatologin wurden Anamnese, Status und Befunde
umfassend dokumentiert. Sie diagnostizierte ein chronisches lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom (ICD-10:M54.5; myostatische Insuffizienz mit entsprechenden
muskuloligamentären Überlastungsreaktionen, ISG Funktionsstörung rechts sowie
belastungsabhängige Vorfussschmerzen beidseits [ICD-10:M79.67]) ohne klinische,
labortechnische oder radiologische Hinweise auf ein entzündlich-rheumatisches
Geschehen; IV-act. 53-13 ff.). Die Beschwerdeführerin sei aus rheumatologischer Sicht
100 % arbeitsfähig für leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten ohne
länger dauernde Einnahme von wirbelsäulenbelastenden Zwangshaltungen. Die
angestammte Tätigkeit einer Pflegehilfe entspreche dem zumutbaren Leistungsprofil
und sei der Beschwerdeführerin in einem vollschichtigen Pensum zumutbar. Im
Haushalt bestehe keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die von Dr. G._
gestellte Diagnose einer Psoriasis-Spondarthropathie habe sich nicht bestätigt. Die von
ihm attestierte Arbeitsfähigkeit sei als zu niedrig anzusehen. Entzündliche,
rheumatische beziehungsweise degenerative Veränderungen seien nicht nachgewiesen
worden und gegen ein entzündlich rheumatisches Geschehen spreche auch, dass die
Behandlung weder mit Steroiden noch mit Methotrexat zu einer Besserung der
Wirbelsäulen- und Gelenksbeschwerden geführt habe (IV-act. 53-16).
3.1.4 Der Dermatologe diagnostizierte eine Psoriasis vulgaris cum Pustulosis
palmoplantaris (ICD-10:L40.0) (IV-act. 53-17). Er beschrieb einen guten, seit zwölf
Monaten stabilen Verlauf unter Methotrexat. Es sei nicht mehr oder mit deutlich sanfter
verlaufenden Schüben zu rechnen. Die Arbeitsfähigkeit sei seither nicht mehr
eingeschränkt, bei rezidivierend auftretenden Schüben sei von einer Arbeitsfähigkeit
von 60 %-70 % auszugehen (IV-act. 53-17, 18 f.).
3.2
3.2.1 Die Auflistung der den Basler Gutachtern vorliegenden Akten (IV-act. 53-3 ff.)
zeigt, dass sie im Besitz derjenigen wesentlichen medizinischen Unterlagen waren,
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welche auch der IV-Stelle vorlagen. Das Gutachten beschreibt die einzeldisziplinischen
Untersuchungen und würdigt die vorhandenen Akten. Die Beschwerdeführerin macht
nicht geltend, von ihr anlässlich der Untersuchungen vorgetragene Symptome oder
andere anamnestisch wesentliche Gegebenheiten seien nicht berücksichtigt worden.
Das Gutachten ist in sich widerspruchsfrei, schlüssig und nachvollziehbar.
3.2.2 Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vermag nach ständiger
Rechtsprechung eine Invalidität nur ausnahmsweise zu begründen. Erforderlich ist das
Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher
Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein anderer
qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien. So sprechen unter
Umständen (1) chronische körperliche Begleiterkrankungen und mehrjähriger
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne
längerfristige Remission, (2) ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des
Lebens, (3) ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung
(primärer Krankheitsgewinn ["Flucht in die Krankheit"]) oder schliesslich (4)
unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter ambulanter
und/oder stationärer Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem
therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei
vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versicherten Person für die
ausnahmsweise Unüberwindbarkeit der somatoformen Schmerzstörung (BGE 130 V
354 f. E. 2.2.3; BGE 139 V 565 f. E. 9.1 ff.). Der psychiatrische Gutachter hat - obgleich
dies eigentlich Aufgabe der Rechtsanwendung ist - der Diagnose der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zuerkannt und
dies nach den "Foerster-Kriterien" in anhand der Akten nachvollziehbarer, aus
rechtlicher Sicht nicht zu beanstandender Weise begründet (IV-act. 53-12).
3.2.3 Aus rheumatologischer Sicht erwies sich die Arbeitsfähigkeit auf leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten ohne längerdauernde Einnahme von
wirbelsäulenbelastenden Zwangshaltungen beschränkt (IV-act. 53-16). Ohne weitere
Ausführungen wurde angefügt, die angestammte Tätigkeit einer Pflegehilfe entspreche
dem zumutbaren Leistungsprofil und sei der Beschwerdeführerin in einem
vollschichtigen Pensum zumutbar (IV-act. 53-16). Der Arbeitsplatzbeschrieb besagt,
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dass die Beschwerdeführerin oft (34-65 % der Arbeitszeit) die Bewohner und
Bewohnerinnen bei ihrer Körperpflege und ebenfalls oft bei Toilettengängen
unterstützen müsse. Hilfe im Alltag, bei der Nahrungsaufnahme sowie beim An- oder
Entkleiden sowie das Besorgen der Betten fielen je manchmal (6 - 33 % der Arbeitszeit)
an. Lasten bis 10 kg müsse sie oft heben oder tragen, solche über 10 kg sowie über
25 kg manchmal. Ihre Hauptaufgabe sei das Durchführen der Pflege in der
Langzeitinstitution. Es handle sich dabei um eine anstrengende Arbeit (IV-act. 13-8). In
einem Assessment vom 15. Mai 2012 wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin
nehme die zu betreuenden Personen morgens auf und bringe sie abends zu Bett. Sie
wasche, be- und entkleide die Patienten und Patientinnen und lagere sie um, dadurch
müsse sie das Gewicht anheben. Sie begleite sie auf die Toilette, entsorge die
Fäkalien, mache die Betten, räume auf, gebe sich mit den Bewohnern und
Bewohnerinnen ab, gehe mit ihnen spazieren und erledige wenig administrative
Arbeiten. Jetzt (bei reduziertem Arbeitspensum) sei es ihr sogar wieder möglich, die zu
pflegenden Personen zu baden (IV-act. 41-4 f.). Das rheumatologische Gutachten ist
insofern medizinisch nachvollziehbar, als eine volle Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen
lediglich für leichte und mittelschwere körperliche Tätigkeiten besteht. Hinsichtlich der
Vereinbarkeit der angestammten Tätigkeit mit dem zumutbaren Tätigkeitsprofil besteht
jedoch ein Widerspruch zwischen der Arbeitsplatzbeschreibung und der Einschätzung
der Gutachterin.
3.3 Nach dem Gesagten ist auf das Gutachten insoweit abzustellen, als die
Beschwerdeführerin in leichter bis mittelschwerer Tätigkeit ohne längerdauernde
Einnahme von wirbelsäulenbelastenden Zwangshaltungen vollumfänglich arbeitsfähig
ist. Demgegenüber ist mit dem Arbeitsbeschrieb ausgewiesen und entspricht der
Erfahrung, dass die Tätigkeit als Pflegehelferin einen nicht unwesentlichen Anteil an
körperlich schwerer Arbeit beinhaltet. Dass der Arbeitgeber der Beschwerdeführerin
offenbar aus Rücksicht auf ihre Schmerzen eher leichtere Arbeiten zuteilt (IV-
act. 53-10), vermag daran nichts zu ändern. Die Beurteilung, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit vollumfänglich arbeitsfähig sei,
trifft daher nicht zu. Es rechtfertigt sich, insofern vom rheumatologischen Teilgutachten
abzuweichen, zumal die festgestellte Unstimmigkeit nicht das medizinisch zu
bestimmende Zumutbarkeitsprofil an sich, sondern die Zugehörigkeit der
angestammten Tätigkeit zu diesem betrifft. Es ist folglich davon auszugehen, dass die
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Beschwerdeführerin für im Wesentlichen leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, nicht
aber in ihrer angestammten Tätigkeit als Pflegehelferin vollumfänglich arbeitsfähig ist.
4.
4.1
4.1.1 Gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) haben Anspruch auf eine Rente Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b), und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c).
4.1.2 Der Invaliditätsgrad wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich
ermittelt; er bestimmt sich aus dem Verhältnis zwischen dem Einkommen, welches die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen kann oder könnte (dem so genannten zumutbaren
Invalideneinkommen) und dem Einkommen, welches die betroffene Person erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (dem so genannten Valideneinkommen).
Fehlt es an konkreten Einkommensverhältnissen, wird auf Tabellenlöhne abgestellt.
Massgeblich ist der Sachverhalt im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Verfügung (BGE 121 V 366 E. 1 b; BGE 131 V 243 E. 2.1), mithin am 13. Mai 2013 (IV-
act. 66).
4.1.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die
Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt (Art. 28a Abs. 3 Satz 1 IVG). Waren sie
daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird darauf abgestellt, in welchem Masse
sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 3 Satz 2 und
Art. 28a Abs. 2 IVG). Ist bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind,
anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne
Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung
ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 IVV).bis
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4.2 Die Beschwerdeführerin erzielte im Jahr 2010 ein Einkommen von Fr. 49'191.-- (IV-
act. 12-1) bei einem Arbeitspensum von 80 %. Im massgeblichen Zeitpunkt hatte sie
ihr Arbeitspensum von zuvor 80 % aus gesundheitlichen Gründen auf 40 % reduziert.
Es ist anzunehmen, dass sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen weiterhin zu
mindestens 80 % gearbeitet hätte. Den Akten ist weiter zu entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin bereits ab dem Jahr 2006 aufgrund ihrer Rückenschmerzen
zeitweise arbeitsunfähig war. Es rechtfertigt sich daher davon auszugehen, dass schon
die Reduktion des Arbeitspensums von 100 % auf 80 % per 1. Dezember 2007 (IV-
act. 13-4) gesundheitsbedingt war. Somit ist anzunehmen, dass sie im Jahr 2010 ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung vollzeitlich gearbeitet hätte, weshalb der
Invaliditätsgrad nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs (Art. 16
ATSG) zu bemessen ist. Der Lohn ist entsprechend hochzurechnen und das
Valideneinkommen beläuft sich auf Fr. 61'488.75. Auch wenn die Beschwerdeführerin
in ihrer angestammten Tätigkeit in unbekanntem Ausmass arbeitsunfähig ist, besteht
gemäss Gutachten eine volle Arbeitsfähigkeit für adaptierte (im Wesentlichen leichte
bis mittelschwere) Tätigkeiten. Diese hat die Beschwerdeführerin aufgrund der
Schadenminderungspflicht beziehungsweise nach dem Grundsatz "Eingliederung vor
Rente" auszuschöpfen. Für das Invalideneinkommen ist daher vom Durchschnitt der
Tätigkeiten gemäss Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik 2010, Frauen
Niveau 4, auszugehen. Der entsprechende Monatslohn beläuft sich auf Fr. 4'225.-- bei
einer Arbeitszeit von 40 Wochenstunden; das auf 41.6 Arbeitsstunden hochgerechnete
jährliche Invalideneinkommen beträgt somit (ohne Tabellenlohnabzug) Fr. 52'728.--. Ein
rentenanspruchbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40 % wird folglich selbst
bei eingeschränkter Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Pflegehelferin
und unter der Annahme, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitlichen
Einschränkungen vollzeitlich arbeiten würde, nicht erreicht. Daran würde selbst die
Zubilligung eines (maximalen) Tabellenlohnabzuges nichts ändern. Die Beschwerde ist
daher in Bezug auf das Rentenbegehren abzuweisen.
5.
5.1 Nach Art. 8 Abs. 1 lit. a und b IVG haben Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
ATSG) bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, wenn diese
notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
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Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern und
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind. Der
Begriff der Invalidität bestimmt sich dabei in Anlehnung an den zu beurteilenden
Leistungsanspruch gemäss Art. 12 ff. IVG (vgl. U. Meyer / M. Reichmuth,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. Zürich 2014, Rz 13 zu Art. 8
IVG).
5.2 Auf das Gutachten des ABI vom 28. Januar 2013 kann hinsichtlich der Frage, ob
beziehungsweise inwieweit der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als
Pflegehelferin medizinisch zumutbar ist, nicht abgestellt werden (E. 4.3.3). Somit kann
anhand der vorliegenden Akten nicht beurteilt werden, ob die Voraussetzungen für
berufliche Massnahmen gegeben sind. Dabei ist insbesondere auch von Bedeutung,
dass die Beschwerdeführerin ihre bisherige Arbeit weiterhin ausüben möchte. Es sind
daher entsprechende zusätzliche Abklärungen bei der Beschwerdeführerin und
gegebenenfalls beim ABI vorzunehmen. Es rechtfertigt sich daher, die Angelegenheit
zu diesem Zweck an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
6.1 Die Beschwerde ist insoweit teilweise gutzuheissen, als die angefochtene
Verfügung in Bezug auf die beruflichen Massnahmen aufzuheben und die Sache zur
Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Im Rentenpunkt ist die
angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dem teilweisen Obsiegen entsprechend
bezahlen die Beschwerdegegnerin und die Beschwerdeführerin die Gerichtsgebühr je
im Betrag von Fr. 300.--. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der
Beschwerdeführerin im Umfang von Fr. 300.-- daran anzurechnen und im Umfang von
Fr. 300.-- zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
bis
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