Decision ID: 49c04f87-8ccf-46f5-8cfb-ac343f50ab70
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist 38-jährig, wohnt bei seinem Vater in A und bezieht eine IV-Rente. Er ist
umfassend verbeiständet. Wegen der Diagnose einer paranoiden Schizophrenie war er
bereits rund zwanzig Mal in psychiatrischen Kliniken hospitalisiert.
B.- Am 26. Januar 2018 rief der Vater von X die Polizei, nachdem dieser seit mehreren
Monaten keine Medikamente mehr genommen hatte, zusehends psychotisch
geworden war und nachts in der Nachbarschaft gelärmt hatte. Der Amtsarzt, welcher X
untersuchte, verfügte gleichentags die fürsorgerische Unterbringung in der Klinik
St. Pirminsberg für die Dauer der medizinischen Notwendigkeit, höchstens jedoch für
sechs Wochen. Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 26. Januar 2018
Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission.
C.- Am 2. Februar 2018 fand in der Klinik St. Pirminsberg die mündliche Verhandlung
statt, an welcher X und sein Rechtsvertreter teilnahmen. Der Assistenzarzt Y wurde als
Auskunftsperson der Klinik St. Pirminsberg befragt. Dipl.med. Giuanna Deplazes
Raeber, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, befragte X und erstattete den
gutachterlichen Bericht mündlich (vgl. Verhandlungsprotokoll).
Auf weitere tatsächliche Gegebenheiten und die Ausführungen der Beteiligten ist,

soweit erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
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Erwägungen (Auszug):
2.- Der Beschwerdeführer lässt geltend machen, die amtsärztliche Verfügung vom
26. Januar 2018 sei nichtig, weil die Unterschrift fehle und der Amtsarzt das Feld "die
Behandlung/Betreuung ist in der oben genannten Einrichtung mit der nötigen Kapazität
und Kompetenz vorhanden" nicht angekreuzt habe.
a) Eine fehlerhafte Verfügung ist grundsätzlich nur anfechtbar und nicht nichtig.
Nichtigkeit wird nach der Rechtsprechung nur angenommen, wenn der Mangel
besonders schwer wiegt und zugleich offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar
ist, und wenn durch die Annahme der Nichtigkeit die Rechtssicherheit nicht ernsthaft
gefährdet wird. Als nichtig gelten in der Regel Verfügungen, die von einer eindeutig
unzuständigen Behörde erlassen wurden, oder die an einem schwerwiegenden Form-
oder Eröffnungsfehler leiden (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz.
555).
b) Die Verfügung des Amtsarztes vom 26. Januar 2018 ist nicht unterschrieben. Es ist
in der Lehre und Rechtsprechung nicht restlos geklärt, ob zum Erfordernis der
Schriftlichkeit einer Verfügung (Art. 25 Abs. 2 VRP) auch die Unterschrift gehört. Die
Lehre erachtet eine Verfügung ohne Unterschrift überwiegend als nichtig, sofern es
sich nicht um eine Massenverfügung handelt oder ein offensichtliches Versehen (der
Adressat weiss, dass die Behörde im Sinne der formell mangelhaften Ausfertigung
verfügt hat) vorliegt. Eine nicht handschriftlich unterschriebene Verfügung kann dem
Adressaten erschweren, die Verfügung als verbindliche amtliche Anordnung zu
erkennen. Zudem fehlt ein wesentlicher Beweis für die formelle Richtigkeit der
Ausfertigung sowie für die Echtheit der Urkunde (Urteil des Verwaltungsgerichts
B 2007/200 vom 12. Februar 2008 E. 2; Imboden/Rhinow, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, Band I: Allgemeiner Teil, 6. Aufl. 1986, Nr. 84 B III). Die für
Massenverfügungen entwickelte Rechtsprechung (BGE 112 V 87 f.; 108 V 232 ff.; 105 V
248 ff.) wurde auf individuell ausgefertigte Verfügungen ausgeweitet (vgl. Urteil des
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Bundesverwaltungsgerichts A-4580/2007 vom 17. Januar 2008 E. 3.2; Häfelin/Müller/
Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1068).
Im vorliegenden Fall kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei der fehlenden
Unterschrift um ein Versehen des Amtsarztes handelt. Dem Beschwerdeführer
erwachsen aus dem Fehlen der Unterschrift keine schwerwiegenden Nachteile. Er
wurde vom Amtsarzt persönlich untersucht. Bei der umstrittenen Verfügung handelt es
sich um das schriftliche Festhalten des aufgrund des Untersuchs gefallenen Entscheids
des Amtsarztes, den Beschwerdeführer fürsorgerisch unterzubringen. Der
Beschwerdeführer wusste, dass der Amtsarzt eine fürsorgerische Unterbringung
anordnete. Insofern wiegt der Mangel der fehlenden Unterschrift nicht schwer. Wenn
Zweifel an der Identität und Echtheit der zu beurteilenden Verfügung bestehen würden,
könnten diese durch ein nachträgliches Einholen der Unterschrift ausgeräumt und der
Mangel damit im Beschwerdeverfahren geheilt werden, woraus dem Beschwerdeführer
ebenfalls keine wesentlichen Nachteile entstehen würden. Da der Beschwerdeführer
jedoch vom verfügenden Amtsarzt persönlich untersucht wurde, können kaum Zweifel
an der Identität oder der Echtheit der Verfügung vorliegen, was vom Beschwerdeführer
auch nicht geltend gemacht wird. Auf ein nachträgliches Einholen der Unterschrift des
Amtsarztes kann deshalb verzichtet werden. Im Übrigen scheint es auch aus Gründen
des Schutzes der betroffenen Person ausgeschlossen, aufgrund des Fehlens der
Unterschrift die Nichtigkeit der Einweisungsverfügung anzunehmen mit der Folge, dass
der Beschwerdeführer nicht fürsorgerisch untergebracht worden wäre und damit für
diesen eine gesundheitliche Gefährdung bestanden hätte (vgl. BGE 138 II 501 E. 3.2.3).
Die Rüge, die Verfügung des Amtsarztes vom 26. Januar 2018 sei aufgrund der
fehlenden Unterschrift nichtig, ist somit unbegründet. Die Mangelhaftigkeit der
Verfügung wird jedoch bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen sein.
c) Ebenfalls unbegründet ist die Rüge, wonach die Verfügung des Amtsarztes vom
26. Januar 2018 einen inhaltlichen Mangel aufweise, weil der Amtsarzt das Feld "die
Behandlung/Betreuung ist in der oben genannten Einrichtung mit der nötigen Kapazität
und Kompetenz vorhanden" nicht angekreuzt habe.
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In Art. 430 Abs. 2 ZGB ist festgehalten, welche Angaben ein Unterbringungsentscheid
mindestens enthalten muss (Ort und Datum der Untersuchung; Name der Ärztin oder