Decision ID: 82a5413e-b697-59c2-96d0-c2bc3d8df0e5
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war bei der B._ AG tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert. Am 1. September 2015 ging er schnell eine Treppe hinauf und
bemerkte dabei einen fehlenden Gittertritt nicht, weshalb er aus einer Höhe von rund
3.4 Metern auf den Betonboden stürzte (Suva-act. 2, 15). Die am Unfalltag
erstbehandelnden Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) diagnostizierten eine
traumatische Thoraxkontusion beidseits mit Diaphragmaelevation, einen Diabetes
mellitus Typ 2 (Erstdiagnose), eine Hyperlipidämie und im Verlauf des stationären
Aufenthalts vom 1. bis 4. September 2015 eine einmalige Mikrohämaturie am ehesten
posttraumatisch. Sie veranlassten eine konservative Therapie mit Analgesie,
Atemtraining sowie Mobilisation und initiierten eine Behandlung der Diabetes (Suva-
act. 12). Dem Versicherten wurde ab dem 1. September 2015 eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 % attestiert (Suva-act. 15-12, 20 f.). Die Suva kam für die Folgen des Unfalls
auf (Suva-act. 3 f.).
A.a.
Am 30. Oktober 2015 berichteten die behandelnden Ärzte des KSSG über eine
gelenksseitige Partialruptur der Subscapularis-Sehne links mit/bei Status nach Sturz
am 1. September 2015 mit Zuzug eines Thoraxtraumas (Suva-act. 24).
A.b.
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Ab 11. Januar 2016 attestierte Dr. med. C._, Praktische Ärztin FMH, dem
Versicherten eine Arbeitsfähigkeit von 50 % und ab 25. Januar 2016 eine solche von
100%, wobei schwere "Hebungen" so gut wie möglich zu vermeiden seien (Suva-act.
26, 34, 41).
A.c.
Aufgrund persistierender Schulterschmerzen links (vgl. Suva-act. 23 f., 42, 46, 51)
unterzog sich der Versicherte am 2. März 2016 im KSSG einer Schulterarthroskopie,
einer Bicepstenotomie, einem subacromialen Débridement und einer Acromionplastik
links (Suva-act. 51). Dr. C._ attestierte dem Versicherten nach der Operation bis zum
5. Juni 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und ab 6. Juni 2016 eine solche von 50
% (mit Ausnahme einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit am 22. Juni 2016; vgl. Suva-act.
61 ff., 71, 84, 86, 89).
A.d.
Am 13. Oktober 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie gewähre ihm
Beratung und Unterstützung beim Erhalt seines derzeitigen Arbeitsplatzes (Suva-act.
91).
A.e.
Die behandelnden Ärzte des KSSG berichteten am 28. Oktober 2016, es persistiere
eine schmerzhafte Impingement-Symptomatik an der linken Schulter, welche nach
vorübergehender Besserung nun wieder progredient sei und subjektiv in etwa dem
präoperativen Stand entspreche. Von einer erneuten Operation erhofften sie sich kein
Verbesserungspotential, weshalb sie primär das Ausschöpfen der konservativen/
symptomatischen Therapieoptionen empfahlen (Suva-act. 95). Dr. med. D._,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, attestierte dem Versicherten weiterhin
eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (Suva-act. 94).
A.f.
Im Sinne einer Zweitmeinung wurde der Versicherte am 31. März 2017 von Dr.
med. E._ und Dr. med. F._, beide FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates, Orthopädie M._, untersucht. Diese diagnostizierten am 4.
April 2017 eine Partialruptur der Supraspinatussehne und Beschwerden nach einer
Tenotomie der Schulter links am 2. März 2016. Sie empfahlen dem Versicherten im
Rahmen einer Schulterarthroskopie links die Rekonstruktion der Supraspinatussehne
sowie die Revision der Tenotomie der langen Bicepssehne. Bis zur präoperativen
Besprechung Anfang Mai 2017 sei er weiterhin zu 50 % arbeitsunfähig (Suva-act. 110).
A.g.
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Am 18. Mai 2017 führten Dr. E._ und Dr. F._ eine Schulterarthroskopie links mit
Rekonstruktion der Supraspinatussehne und einer subacromialen Dekompression mit
Bursectomie und Acromio-Plastik nach Neer durch (Suva-act. 115). Dr. E._ attestierte
dem Versicherten ab 17. Mai 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Suva-act. 117,
119, 122 f., 124, 128, 133).
Aufgrund einer Tendinopathie der Supraspinatussehne und einer Subluxation der
langen Bicepssehne (vgl. Suva-act. 130, 137) unterzog sich der Versicherte am 14.
Dezember 2017 in der Orthopädie St. Gallen erneut einer Schulterarthroskopie links mit
subacromialer Bursectomie und Rekonstruktion der Supraspinatussehne (Suva-act.
139, 153).
A.h.
Nachdem mittels MRI-Untersuchung vom 9. März 2018 eine Reruptur der Supra
spinatussehne ausgeschlossen worden war (vgl. Suva-act. 154), empfahl Dr. E._ am
28. März 2018 die Fortführung der konservativen Behandlung mit Physiotherapie und
NSAR. Der Versicherte sei weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig (Suva-act. 156, vgl. Suva-
act. 166). Am 2. Juli 2018 hielt Dr. F._ fest, der Heilungsverlauf sei harzig
durchzogen. Es finde sich eine unbefriedigende Situation sowie eine deutliche
Diskrepanz zwischen dem klinischen Befund und der subjektiven
Schmerzwahrnehmung. Er habe eine weitere Sonographie veranlasst. Sollte der
Befund normal ausfallen, müsse seiner Meinung nach der Belastungsaufbau im Sinne
einer Wiederaufnahme der Arbeit erzwungen werden (Suva-act. 169, zur früheren
Sonographie vgl. Suva-act. 170). Die Sonographie ergab eine intakte
Rotatorenmanschette und ein erhebliches subacromiales entzündliches Gewebe. Eine
am 18. Juli 2018 von Dr. F._ durchgeführte Infiltration erbrachte über rund eine
Woche eine fast vollständige Beschwerdefreiheit. Dr. F._ verschrieb dem
Versicherten am 30. Juli 2018 erneut Physiotherapie sowie eine medikamentöse
Behandlung und attestierte ihm eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Suva-act. 174).
A.i.
Die B._ AG kündigte das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten mit Schreiben
vom 30. November 2018 per 28. Februar 2019 (Suva-act. 192).
A.j.
Aufgrund persistierender Schmerzen an der Schulter links bei AC-Gelenksarthrose
führte Dr. F._ am 15. Januar 2019 eine Schulterarthroskopie links, ein subacromiales
A.k.
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und intraartikuläres Débridement sowie eine offene AC-Gelenksresektion durch (Suva-
act. 200).
Am 11. Februar 2019 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche Massnahmen ab
(Suva-act. 206).
A.l.
Gestützt auf eine Stellungnahme von Kreisarzt Dr. med. G._, Facharzt für
Chirurgie, speziell Unfallchirurgie (Suva-act. 223), teilte die Suva dem Versicherten mit
Schreiben vom 22. Mai 2019 mit, ab 1. Juni 2019 bestehe in einer adaptierten Tätigkeit
eine 100%ige Arbeits- und Vermittlungsfähigkeit. Sie stelle ihre Taggeldleistungen per
31. Mai 2019 ein (Suva-act. 225).
A.m.
Dr. F._ befand am 22. Juni 2019, die Arbeitsfähigkeit des Versicherten betrage
per 1. Juni 2019 maximal 50 % in einer adaptierten Tätigkeit (Suva-act. 244; vgl.
Arbeitsunfähigkeitsattest von 100 %, Suva-act. 251).
A.n.
Im Auftrag der Suva wurde der Versicherte am 24. Juni 2019 von Dr. med. H._,
Fachärztin für Neurologie FMH, untersucht. Diese hielt tags darauf fest, es bestünden
keine Anhaltspunkte dafür, dass es im Rahmen der linksseitigen Schulterproblematik
auch zu einer Beteiligung peripherer Nerven, speziell im Plexusbereich, gekommen sein
könnte (Suva-act. 243).
A.o.
Nach einer kreisärztlichen Untersuchung hielt Dr. G._ am 24. Juli 2019 fest, dass
die klinische Untersuchung und Testung des linken Schultergelenks keine
pathologischen Befunde ergeben habe, und beurteilte, es bestehe eine rein subjektive
Schmerzsymptomatik des linken Schultergelenks. Es liege medizinisch ein stabiler
Dauerzustand vor, der durch weitere Behandlungsmassnahmen nicht gebessert
werden könne. In einer adaptierten Tätigkeit sei eine zeitlich unlimitierte Arbeitsfähigkeit
mit einem Pensum von 100 % ausgewiesen (Suva-act. 254). Dr. G._ schätzte den
Integritätsschaden gleichentags auf 10 % (Suva-act. 253).
A.p.
Mit Schreiben vom 18. Oktober 2019 bestätigte die Suva die Einstellung der
Heilkosten- und Taggeldleistungen per 31. Mai 2019. Sie kündigte jedoch an, für die
Kosten der weiterhin notwendigen ärztlichen Kontrollen aufzukommen (Suva-act. 268).
A.q.
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B.
Mit Verfügung vom 21. Oktober 2019 sprach die Suva dem Versicherten mit
Wirkung ab 1. Juni 2019 eine Invalidenrente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 17 %
sowie eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 10 %
zu (Suva-act. 271).
A.r.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. D. J. Senn,
St. Gallen, am 20. November 2019 Einsprache und brachte unter anderem vor, als
mögliche objektive Ursache der persistierenden Schmerzen müsse auch eine
unfallbedingte Schädigung im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) ernsthaft in Betracht
gezogen werden. Auch psychische Komponenten könnten nicht ausgeschlossen
werden (Suva-act. 282, vgl. Suva-act. 291).
B.a.
Dr. med. I._, Facharzt für Wirbelsäulen- und Neurochirurgie, hatte nach
Durchführung einer MRI-Untersuchung der HWS (Suva-act. 276) am 25. Oktober 2019
berichtet, als Hauptbefund zeige sich eine Diskushernie mit konsekutiver, hochgradiger
Spinalkanalstenose am Halswirbelkörper (HWK) 3/4. Dieser Befund sei sicher
mitverantwortlich für die Zervikobrachialgien bzw. die chronischen Schulterschmerzen.
Nebenbefundlich bestünden multisegmentale Einsinterungen der Grundplatte von HWK
3, HWK 4 und HWK 5, die auf Impressionsfrakturen als Traumafolge des Arbeitsunfalls
von 2015 zurückzuführen sein könnten. Zur Linderung der Beschwerdesymptomatik
empfehle er eine zervikale Fusion auf der Ebene von HWK 3/4 (Suva-act. 277, vgl. auch
Suva-act. 279). Dr. F._ hatte am 12. November 2019 beurteilt, aufgrund des doch
eindrücklichen Befundes glaube er, dass dem Versicherten die operative Revision der
HWS empfohlen werden dürfe (Suva-act. 278). Dr. I._ hatte am 15. November 2019
festgehalten, die Operation sei für den 6. Dezember 2019 geplant (Suva-act. 279, diese
wurde jedoch verschoben; vgl. act. G1.12 f.). Er hatte dem Versicherten ab 15.
November 2019 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert (Suva-act. 281-8).
B.b.
Am 19. Juni 2020 entschied die Suva: "1. Die Einsprache wird abgewiesen. 2. Der
"Einsprache" wird die aufschiebende Wirkung entzogen. 3. Es werden keine
Verfahrenskosten erhoben; eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. 4.
Betreffend dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
erfolgt ein separater Entscheid. 5. Schriftliche Mitteilung an [...]" (Suva-act. 298).
B.c.
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C.
Dagegen erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer), vertreten durch
Rechtsanwalt Senn, am 24. August 2020 Beschwerde. Er beantragte darin, Ziff. 1, Ziff.
2 und Ziff. 3 zweiter Satzteil des angefochtenen Einspracheentscheids vom 19. Juni
2020 seien aufzuheben. Sein Rentenanspruch wie auch seine Integritätsentschädigung
seien nach Abschluss der ärztlichen Behandlung und eventuell Durchführung einer
(allenfalls interdisziplinären) Begutachtung neu festzusetzen. Es seien ihm für die Dauer
des Verfahrens mit Wirkung ab 1. Juni 2019 Taggelder zu bezahlen. Eventuell seien ihm
für die Dauer des Verfahrens zumindest die Invalidenrente in der Höhe zu entrichten,
wie sie aus der Verfügung hervorgehe, und es sei die Integritätsentschädigung gemäss
der angefochtenen Verfügung von Fr. 12'600.-- auszubezahlen. Für den Fall des
Unterliegens sei ihm die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1). Er reichte unter anderem einen Bericht von
Dr. I._ über eine am 12. Juni 2020 durchgeführte zervikale Fusion HWK 3/4 und eine
Stellungnahme desselben vom 9. Juli 2020 betreffend die Unfallkausalität der
Wirbelsäulenbeschwerden ein (vgl. act. G1.14, G1.17).
C.a.
Die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 15. Oktober 2020 die
Abweisung der Beschwerde. Sie hielt fest, sie habe dem Beschwerdeführer die
verfügte Integritätsentschädigung von Fr. 12'600.-- schon längst ausbezahlt. Ferner
werde ihm seit 1. Juni 2019 ununterbrochen die verfügte Rente von monatlich Fr.
816.25 ausgerichtet. Daran werde sich während der Dauer des vorliegenden
Prozessverfahrens voraussichtlich nichts ändern (act. G6, vgl. auch act. G2). Sie reichte
eine orthopädisch-chirurgische Beurteilung von Suva-Kreisarzt med. pract. J._,
Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und Viszeralchirurgie, vom 29. September 2020
ein, in welcher dieser befunden hatte, strukturelle Unfallfolgen im Bereich der HWS
sowie eine richtunggebende Verschlimmerung des Vorzustandes an der HWS lägen
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vor (act. G6.1).
C.b.
Am 28. Oktober 2020 entsprach die Verfahrensleitung dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (act.
G7).
C.c.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf vorübergehende Leistungen über den 31. Mai 2019 hinaus,
sowie gegebenenfalls der Anspruch auf eine höhere Rente und eine höhere
Integritätsentschädigung, als ihm von der Beschwerdegegnerin bereits zugesprochen
wurde.
Auf Nachfrage der Verfahrensleitung (act. G8) bestätigte Rechtsanwalt Senn am
27. November 2020, dass der Beschwerdeführer die verfügte Integritätsentschädigung
erhalten habe und ihm die verfügte Invalidenrente ausgerichtet werde. Sein
Eventualantrag auf Weiterausrichtung derselben während des Beschwerdeverfahrens
erweise sich damit als gegenstandslos. Er verlange hinsichtlich der Einstellung der
vorübergehenden Versicherungsleistungen keinen Zwischenentscheid betreffend
aufschiebende Wirkung der Beschwerde (act. G9).
C.d.
Mit Replik vom 17. Februar 2021 liess der Beschwerdeführer mit Ausnahme der in
seinem Schreiben vom 27. November 2020 erwähnten Anpassungen an seinem
Rechtsbegehren festhalten (act. G13).
C.e.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 25. März 2021 auf die Einreichung einer
umfassenden Duplik (act. G15).
C.f.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 % invalid, so hat
sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Der Grad der für den Rentenanspruch
massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das die versicherte
Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Erleidet die versicherte Person durch
den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder
1.1.
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psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene
Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (BGE 129 V 181 E. 3.1 f.; André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar
zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018, [nachfolgend zitiert: KOSS UVG];
Irene Hofer, N 66 zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli
[Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019, [nachfolgend zitiert: BSK
UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung zum
Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage
nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das
Gericht regelmässig auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die
Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine
Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu
beurteilen ist (KOSS UVG-Nabold, N 53 und 59 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art.
6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 und 58; BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2 sowie in
BGE 135 V 465 nicht publizierte E. 2 des Urteils 8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009,
je mit Hinweisen). Bei physischen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung
des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit
der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, BGE 127 V 103 E. 5b/bb;
SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend)
fassbar, bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die
Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs. In diesen Fällen ist eine
eigenständige Adäquanzbeurteilung nach der Rechtsprechung gemäss BGE 115 V
133, E. 6c/aa vorzunehmen.
1.2.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Um den Gesundheitszustand und insbesondere das Ausmass der
1.3.
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2.
Die Beschwerdegegnerin stellte die vorübergehenden Leistungen per 31. Mai 2019 ein
(Suva-act. 225, 268). Sie stützte sich dabei auf die Beurteilungen von Kreisarzt Dr.
G._ vom 22. Mai und 24. Juli 2019 (Suva-act. 223, 254). Der Beschwerdeführer
spricht diesen die Beweiskraft ab und bringt insbesondere vor, er habe damals noch
unter behandlungsbedürftigen unfallkausalen Beschwerden gelitten (act. G1, G13).
Arbeitsfähigkeit beurteilen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a
mit Hinweisen). Den Berichten und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen oder von beratenden Ärzten und Ärztinnen
einholen, kann rechtsprechungsgemäss ebenfalls Beweiswert beigemessen werden
(BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). In solchen
Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen.
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7; RKUV 1997 Nr. U 281 E. 1a S. 281 f.).
Der Beschwerdeführer hatte im Zeitpunkt der Einstellung der vorübergehenden
Leistungen per 31. Mai 2019 unbestrittenermassen noch gewisse unfallkausale
Beschwerden an der linken Schulter. Diese stellen jedoch den Fallabschluss nicht per
se in Frage. Für den Anspruch auf weitere vorübergehende Leistungen wird
rechtsprechungsgemäss vorausgesetzt, dass noch eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes zu erwarten ist. Das Kriterium beurteilt sich namentlich nach
Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit,
soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Es bedarf dabei einer ins Gewicht
fallenden Besserung durch die ärztliche Behandlung. Eine allfällige blosse
Verbesserung allein des Leidens an sich, eine nur kurzfristige Linderung, eine blosse
Verbesserung der Befindlichkeit oder dass die versicherte Person etwa von
Physiotherapie profitieren kann, genügen nicht. Für den Abschluss der medizinischen
2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/25
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Behandlung ist ein Dahinfallen jeglichen Bedarfs an Heilbehandlung somit nicht
vorausgesetzt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. September 2016, 8C_306/2016,
E. 5.3, mit weiteren Hinweisen; KOSS UVG-Geertsen, N 7 ff. zu Art. 19).
Kreisarzt Dr. G._ befand am 24. Juli 2019, der Versicherte habe sich beim Unfall
vom 1. September 2015 eine Schädigung des linken Schultergelenks zugezogen.
Diesbezüglich seien, nach mehreren, fachgerecht durchgeführten Operationen und
gesamthaft fachgerechter Therapie, eine regelrechte physiologische Beweglichkeit
sowie die Muskel- und Kraftverhältnisse für das linke Schultergelenk und den linken
Arm wiederhergestellt. Im Quervergleich liege somit ein sehr gutes,
überdurchschnittliches Behandlungsergebnis der unfallkausalen Schädigung des linken
Schultergelenks vor. Bei der kreisärztlichen Untersuchung habe keine objektivierbare
oder messbare, funktionelle Beeinträchtigung des linken Schultergelenks gefunden
werden können. Dies bei quasi seitengleichen Muskelumfangswerten im Bereich des
betroffenen linken Armes, mit sogar leichter Muskelumfangsvermehrung im Vergleich
zur dominanten rechten Seite. Einzig für die willkürlichen Untersuchungen habe der
Beschwerdeführer eine leichte Bewegungseinschränkung im linken Schultergelenk
demonstriert. Dies im Gegensatz zu den mehrfach fachärztlich vorerhobenen
Untersuchungsbefunden von Dr. F._ mit uneingeschränkter aktiver Beweglichkeit im
linken Schultergelenk. Dazu habe sich eine seitengleiche Handflächenbeschwielung
und Handbinnenmuskulatur gezeigt. Bei der kreisärztlichen Untersuchung hätten sich
somit kein objektiver klinischer Befund einer Funktionsbeeinträchtigung oder
schmerzbedingten Schonung im Bereich der linken oberen Extremität, somit keine
klinisch objektivierbaren Symptome für die subjektiv beklagten Beschwerden und
Schmerzen finden lassen. Die medizinische Erfahrung zeige, dass auch im Bereich der
oberen Extremität eine schmerzbedingte Schonung unweigerlich zu einer sekundären
Befundsymptomatik mit Herabsetzung der Muskulatur und der
Handflächenbeschwielung führe. Dies sei beim Beschwerdeführer nicht nachweisbar,
im Gegenteil zeigten die Muskelumfangswerte bei der betroffenen linken Seite trotz
Rechtsdominanz sogar eine leichte Muskelumfangsvermehrung. Daher ergebe sich
eine erhebliche Diskrepanz und Inkonsistenz zwischen den objektiven Befunden und
der subjektiv beklagten Beschwerdesymptomatik. Angesichts der klinisch
objektivierbaren und bildgebenden Befunde mit Wiederherstellung einer regelrechten
Funktion und dauerhaften Rotatorenmanschettenrekonstruktion liege aus
medizinischer Sicht auch bezüglich der Unfallfolgen ein stabiler medizinischer
Dauerzustand mit überdurchschnittlich gutem Ausheilungsergebnis vor, der durch
weitere Behandlungsmassnahmen nicht gebessert werden könne (Suva-act. 254).
2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/25
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Der Beschwerdeführer bringt dagegen insbesondere vor, seine
Schulterbeschwerden seien (teilweise) auf eine unfallkausale Schädigung der HWS
zurückzuführen (act. G1, G12).
2.3.
Anlässlich eines Gesprächs mit der Beschwerdegegnerin vom 11. Dezember
2015, mithin rund drei Monate nach dem Unfall vom 1. September 2015, gab der
Beschwerdeführer an, die Ärzte hätten auch schon vermutet, dass seine Beschwerden
eventuell von der HWS kommen könnten. Eine genauere Abklärung diesbezüglich habe
bisher aber nicht stattgefunden (Suva-act. 31). Die behandelnden Ärzte des KSSG
hatten am 30. Oktober 2015 berichtet, es zeige sich eine gelenkseitige Partialruptur der
Subscapularissehne, jedoch ohne Kraftverlust. Zudem zeige sich ein deutlicher
Hartspann der Nackenmuskulatur, der ebenfalls für die Schmerzsituation verantwortlich
sein könnte. Zur weiteren Diagnostik werde eine diagnostisch-therapeutische
Infiltration glenohumeral links durchgeführt. Bei negativem Infiltrationsergebnis könne
eine weitere Abklärung der HWS erfolgen (Suva-act. 24). Am 22. Dezember 2015
hielten die behandelnden Ärzte des KSSG sodann fest, die linksseitigen
Schulterschmerzen beruhten einerseits auf der Partialruptur der Subscapularissehne,
mit Linderung der Schmerzen um ca. 2/3 durch eine glenohumerale Infiltration. Die
noch persistierende Schmerzsymptomatik interpretierten sie im Rahmen eines
subacromialen Impingements, so dass nun die Indikation zu einer subacromialen
Infiltration linksseitig bestehe (Suva-act. 37). Daraus ist zu schliessen, dass sich die
erwogene Möglichkeit einer Verursachung der Schulterbeschwerden durch eine
Problematik der HWS bzw. der Nackenmuskulatur nicht bestätigt hatte. Beschwerden
an der HWS waren darauf in den medizinischen Akten bis zur Untersuchung durch Dr.
I._ vom 17. Oktober 2019 (vgl. Suva-act. 276) kein Thema mehr. Entsprechende
Klagen des Beschwerdeführers sind ebenfalls nicht aktenkundig. Auch med. pract.
J._ stellte in seiner Beurteilung vom 28. September 2020 (act. G6.1) in Frage, ob die
Schulterschmerzen links auf eine Schädigung der HWS, insbesondere die festgestellte
Diskushernie, zurückzuführen sind. Er führte diesbezüglich aus, der am 2. März 2016
erfolgte operative Eingriff an der Schulter links (Schulterarthroskopie, Bicepstenotomie,
subacromiales Dédridement und Acromionplastik; vgl. Suva-act. 51) sei erfolgreich
gewesen. Der behandelnde Arzt des KSSG habe am 18. April 2016 berichtet, der
Beschwerdeführer sei sehr zufrieden und praktisch beschwerdefrei (vgl. Suva-act. 57).
Wären die Schulterschmerzen links Folge eines Bandscheibenvorfalls im Segment
HWK 3/4, so könnte nicht erwartet werden, dass die Beschwerden durch eine
Operation an der linken Schulter erfolgreich behandelt werden könnten (act. G6.1).
Gegen die Verursachung der geklagten Beschwerden im Bereich der linken Schulter
2.3.1.
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durch eine Veränderung an der HWS spreche auch, dass eine im Juli 2018
durchgeführte Steroid-Infiltration der linken Schulter gemäss Angaben von Dr. F._
über rund eine Woche eine fast vollständige Beschwerdefreiheit gebracht habe (vgl.
Suva-act. 174). Es sei nicht zu erwarten, dass die Infiltration in die Schulter
Beschwerden von Seiten der HWS erfolgreich beseitigen könne (act. G6.1). Ein
weiteres Argument gegen die Verursachung der Schulterschmerzen durch eine
Problematik im Segment HWK 3/4 sei, dass Dr. F._ am 21. Januar 2019 berichtet
habe, dank des "gut sitzenden" Scalenus-Blockes hätten von Seiten der linken
Schulter postoperativ (Operation vom 15. Januar 2019) kaum Beschwerden bestanden
(vgl. Suva-act. 201). Eine Blockade peripherer Nerven könne eine Schmerzursache im
Bereich einer Nervenwurzel hingegen nicht blockieren, die Schmerzen wären diesfalls
weiterhin vorhanden gewesen (act. G6.1). Zudem erläuterte med. pract. J._
ausführlich, weshalb die von Dr. I._ dokumentierten Befunde (Parästhesien in den
Segmenten C7 und C8, Deltoideusschwäche links, Schwäche der Musculi biceps und
triceps, Schwäche der Fingerspreizung links; Suva-act. 276) nicht einer Schädigung
der Nervenwurzel im Segment C3/4 links entsprächen und die Schulterschmerzen nicht
nachvollziehbar erklärten (act. G6.1). Insgesamt ist damit eine Verursachung der
Schulterbeschwerden links durch eine Problematik der HWS nicht überwiegend
wahrscheinlich nachgewiesen. Im Folgenden ist jedoch zu prüfen, ob die mittels MRI-
Untersuchung vom 23. Oktober 2019 (vgl. Suva-act. 313) nachgewiesene mediolaterale
linksbetonte Diskushernie HWK 3/4 mit Myelonkompression sowie die aktivierten
Osteochondrosen HWK 3, 4 und 5 bzw. die Impressionsfrakturen der Grundplatte HWK
3, 4 und 5 (vgl. Suva-act. 277) als unfallkausal zu betrachten sind.
Dr. I._ beurteilte am 25. Oktober 2019, die multisegmentalen Einsinterungen
der Grundplatte von HWK 3, 4 und 5 könnten auf Impressionsfrakturen als Traumafolge
des Arbeitsunfalls von 2015 zurückzuführen sein (Suva-act. 277, vgl. auch Suva-act.
279). Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht festhielt (vgl. Suva-act. 298), handelt es
sich bei dieser Aussage lediglich um eine in Betracht gezogene Möglichkeit, welche
eine überwiegend unfallkausale Verletzung der HWS nicht rechtsgenüglich nachweist.
Am 9. Januar und 11. Juni 2020 hielt Dr. I._ fest, die Ursache für die chronischen
Zervikobrachialgien links sei eine grosse Diskushernie. Er äusserte sich jedoch nicht zu
einer allfälligen Unfallkausalität derselben (act. G1.12 f.).
2.3.2.
Dr. I._ nahm am 9. Juli 2020 sodann auf Wunsch des Beschwerdeführers
Stellung zur Unfallkausalität. Er führte aus, nach einer klinischen Untersuchung durch
ihn sowie nach bildgebender Diagnostik mittels MRI der HWS im Oktober 2019 hätten
mehrere Wirbelkörpereinsinterungen im Sinne einer verheilten Fraktur auf Höhe HWK3
2.3.3.
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bis HWK5 nachgewiesen werden können. Er habe am 12. Juni 2020 eine zervikale
Fusion HWK 3/4 mit Cageanlage durchgeführt. Aus neurochirurgischer Sicht und
aufgrund des radiologischen Befunds vom 23. Oktober 2019 seien die Veränderungen
der Endplatten im Sinne von Einsinterungen bzw. Impressionsfrakturen mit hoher
Wahrscheinlichkeit auf den Arbeitsunfall von 2015 zurückzuführen (act. G1.17). Dr. I._
begründete jedoch nicht, wie er zu diesem Schluss kam. Auch dem genannten
radiologischen Untersuchungsbericht ist keine überzeugende Begründung für eine
Unfallkausalität der festgestellten Veränderungen an der HWS zu entnehmen. Der
untersuchende Dr. med. K._, Facharzt für Radiologie, Klinik L._, hatte lediglich
entsprechend dem Auftrag von Dr. I._ einen "Status nach Sturz am 1. September
2015" festgehalten (Suva-act. 313). Aufgrund der Beurteilungen der behandelnden
Ärzte ist somit eine Unfallkausalität der Problematik an der HWS nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Dies insbesondere auch vor dem
Hintergrund der nachfolgend thematisierten Stellungnahme von Kreisarzt med. pract.
J._ (vgl. act. G6.1).
Dieser beurteilte am 29. September 2020 nachvollziehbar, im Austrittsbericht des
KSSG über die stationäre Erstbehandlung vom 1. bis 4. September 2015 seien keine
Schmerzen oder eine Funktionsbeeinträchtigung der HWS dokumentiert (vgl. Suva-act.
12). Solche wären im Rahmen eines mehrtägigen Aufenthalts sicherlich aufgefallen. Die
am Unfalltag durchgeführte Röntgendiagnostik habe bezüglich der HWS
mehrsegmentale Osteochondrosen mit Punctum maximum auf Höhe HWK 3/4 und
HWK 5-7, jedoch keinen Nachweis einer frischen Fraktur ergeben (vgl. Suva-act. 9).
Wären beim Unfall vom 1. September 2015 Frakturen der drei benachbarten
Wirbelkörper HWK 3-5 oder ein Bandscheibenvorfall zwischen dem dritten und vierten
HWK entstanden, so wäre nach allgemeiner traumatologischer Erfahrung zu erwarten,
dass akut Schmerzen und eine Bewegungseinschränkung der HWS eingetreten wären.
Ein solcher Befund sei jedoch zeitnah zum Unfall von keinem der behandelnden und
traumatologisch erfahrenen Ärzte dokumentiert worden. Zum Unfallzeitpunkt hätten
bereits erhebliche degenerative Veränderungen der HWS vorgelegen, die auch mit dem
radiologischen Befund vom 1. September 2015 beschrieben worden seien. So hätten
nebst einer deutlichen Verschmälerung des Bandscheibenfachs HWK 3/4
(Osteochondrose) Knochenanbauten (Spondylophyten) vorgelegen, welche zusätzlich
auf einen bereits seit langer Zeit bestehenden Bandscheibenschaden in diesem
Segment hinwiesen. Da die Form der HWK 3, 4 und 5 unverändert sei im Vergleich der
Bilder von 2015 und 2019 und Zeichen einer frischen knöchernen Verletzung dieser
Wirbelkörper am 1. September 2015 fehlten, sei die von Dr. I._ postulierte Sinterung
2.3.4.
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dieser Wirbelkörper nicht zufolge des Ereignisses vom 1. September 2015 eingetreten.
Ob vorgängig zum Unfall vom 1. September 2015 jemals eine Verletzung der HWS
eingetreten sei, sei nicht bekannt. Abweichungen von der allgemeinen Form der HWK
könnten viele Ursachen haben. Mit den radiologischen Befunden vom 1. September
2015 und 6. Juli 2020 (vgl. Suva-act. 314) würden entgegen dem Befund vom 23.
Oktober 2019 (vgl. Suva-act. 313) keine Zeichen einer Sinterung, sondern lediglich
bereits am Unfalltag bestehende degenerative Veränderungen, beschrieben. Med.
pract. J._ schlussfolgerte überzeugend, es sei zusammenfassend nicht überwiegend
wahrscheinlich, dass beim Unfall vom 1. September 2015 Frakturen des dritten bis
fünften HWK eingetreten seien (act. G6.1).
Insgesamt ist entsprechend der einleuchtenden Beurteilung von med. pract.
J._ (act. G6.1) eine strukturelle Unfallfolge im Bereich der HWS nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Auch ist eine richtunggebende bzw.
vorübergehende Verschlimmerung des Vorzustandes an der HWS durch den Unfall
vom 1. September 2015 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt. Überhaupt
ist nicht bewiesen, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Beschwerden
an der Schulter links auf die Schädigungen an der HWS zurückzuführen sind. Der
Beschwerdeführer liess in seiner Replik vorbringen, Dr. I._ habe sich auf Anfrage
telefonisch sehr kritisch zur Beurteilung von med. pract. J._ geäussert. Er habe unter
anderem ausgeführt, eine Fraktur sei unter Umständen erst mit der Zeit radiologisch
erkennbar. Statt der am Unfalltag durchgeführten Röntgendiagnostik wäre zum
Nachweis einer Fraktur eine Kernspintomographie mit STIR-Sequenz nötig gewesen.
Impressionsfrakturen gebe es zudem nach aller praktischen Erfahrung nur im
Zusammenhang mit einem Trauma, nicht allein degenerativ (act. G13). Diesbezüglich
ist festzuhalten, dass die erstbehandelnden Ärzte des KSSG offenbar mangels
entsprechender Beschwerden keine Indikation für die von Dr. I._ erwähnte
Untersuchung der HWS sahen. Beschwerden an der HWS beklagte der
Beschwerdeführer - wie gesagt - gegenüber Ärzten aktenkundig erst am 17. Oktober
2019 (Suva-act. 276) und damit knapp vier Jahre nach dem Unfall. Selbst wenn die
Impressionsfrakturen traumatisch bedingt wären, wäre damit nicht bewiesen, dass sie
auf den Unfall vom 1. September 2015 zurückzuführen wären.
2.3.5.
Folglich ist in somatischer Hinsicht lediglich die (gemäss Dr. G._ rein subjektive)
Schmerzsymptomatik an der Schulter links sowie die leicht eingeschränkte
Beweglichkeit derselben als unfallkausale Schädigung zu berücksichtigen. Weitere
medizinische Abklärungen erübrigen sich.
2.4.
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3.
Weiter ist die Adäquanz allfälliger psychischer Beschwerden zu prüfen. Der
Beschwerdeführer machte anlässlich eines Gesprächs mit der Beschwerdegegnerin
vom 18. Juli 2019 sowie in seiner Einsprache und seiner Beschwerdeschrift psychische
Probleme geltend (Suva-act. 252, 282, act. G1). Soweit aktenkundig, befand er sich
diesbezüglich jedoch nie in ärztlicher Behandlung (vgl. Suva-act. 267).
Bei der Beurteilung des Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer
anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung der
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist nach der Rechtsprechung (BGE 115 V 133) vom
Unfallereignis auszugehen. Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs
ist im Hinblick auf die Gebote der Rechtssicherheit und der rechtsgleichen Behandlung
der Versicherten eine objektivierte Betrachtungsweise angezeigt (BGE 115 V 139 E. 6
mit Hinweisen). Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und
dem Unfall besteht, wenn dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung
der Beschwerden zukommt. In objektivierter Betrachtungsweise werden die Unfälle
nach ihrer erfahrungsgemässen Eignung, psychische Beschwerden zu bewirken,
eingeteilt in banale und leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle andererseits und in
einen dazwischenliegenden Bereich der mittelschweren Unfälle. Bei banalen Unfällen
kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und psychischen
Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil auf Grund der
allgemeinen Lebenserfahrung davon ausgegangen werden kann, dass ein solcher
Unfall nicht geeignet ist, einen invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden zu
verursachen. Bei schweren Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang
in der Regel zu bejahen, denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheitsschäden zu bewirken.
3.1.
Bei Unfällen im mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen dem Unfall und
der psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht, nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig beantworten. Vielmehr sind weitere,
objektiv fassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang
stehen oder als direkte bzw. indirekte Folge davon erscheinen, in eine
Gesamtwürdigung einzubeziehen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei besonders
dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die
Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; eine
3.2.
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ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen;
eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; ein
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie der Grad und die
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 139 ff. E. 6a-c). Um die
adäquate Kausalität bejahen zu können, müssen nicht alle Umstände gegeben sein.
Vielmehr genügt ein Kriterium, wenn es sich um einen schweren Unfall im mittleren
Bereich handelt. Kommt keinem Einzelkriterium ein besonders bzw.
ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien
herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Diese Würdigung
führt zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs, ohne dass
nach weiteren Ursachen geforscht werden muss, die eine psychisch bedingte
Erwerbsunfähigkeit begünstigt haben könnten (SVR 1999 UV Nr. 10 S. 32).
Vorliegend erhielt ein Mitarbeiter der B._ AG am 1. September 2015 den Auftrag,
eine Treppe zu reinigen. Zu diesem Zweck entfernte dieser die Gitterroste der beiden
Absätze der Treppe, um sie im Abdampfraum zu reinigen. Er vergass jedoch, die
Treppe abzusperren und ein Gefahrensignal aufzustellen. Der Beschwerdeführer
beging die Treppe, bemerkte beim obersten Absatz das Fehlen des Gitterrostes nicht
und trat auf das darunterliegende, nicht trittsichere Bodenabdeckungsblech. Dieses
gab nach, der Beschwerdeführer brach durch die Treppe durch und stürzte gemäss
Protokoll der Kantonspolizei St. Gallen 3.4 Meter in die Tiefe auf den darunterliegenden
Betonboden (Suva-act. 15). Damit ist vorliegend höchstens von einem mittelschweren
Ereignis im engeren Sinn auszugehen.
3.3.
Bei einem solchen müssen für die Bejahung des adäquaten
Kausalzusammenhangs mindestens drei der relevanten Kriterien oder ein einzelnes
Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein. Bei der Prüfung dieser Kriterien
sind psychische Aspekte ausser Acht zu lassen (BGE 115 V 140 E. 6c/aa; Urteil des
Bundesgerichts vom 29. Januar 2010, 8C_897/2009, E. 4.5).
3.4.
Bei der Beurteilung des Kriteriums der dramatischen Begleitumstände oder der
besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls sind objektive Massstäbe anzuwenden. Nicht
was in der einzelnen betroffenen Person beim Unfall psychisch vorgeht, soll
entscheidend sein, sondern die objektive Eignung solcher Begleitumstände, bei ihr
psychische Vorgänge auszulösen (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc). Zu beachten
ist auch, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit
eigen ist, die noch nicht für die Bejahung dieses Adäquanzkriteriums ausreichen kann
(vgl. SVR 2009 UV Nr. 41 S. 142). Vorliegend bestehen keine Hinweise auf eine
3.4.1.
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besondere Eindrücklichkeit im Sinne der Rechtsprechung. Insbesondere ist entgegen
der Ansicht des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers (act. G1) die Fallhöhe allein
nicht als "eindrücklich und dramatisch" zu bezeichnen und auch die Tatsache, dass
der Sturz unerwartet und unvorbereitet war, führt nicht zur Bejahung des Kriteriums.
Soweit der Beschwerdeführer geltend machen lässt (act. G1), die besondere
Eindrücklichkeit sei aufgrund der erlittenen Wirbelkörperfrakturen zu bejahen, erübrigen
sich Ausführungen dazu insoweit, als die Schädigung der HWS nicht überwiegend
wahrscheinlich unfallkausal ist (vgl. E. 2.3.6).
Der Beschwerdeführer erlitt eine Thoraxkontusion beidseits mit
Diaphragmaelevation sowie eine gelenksseitige Partialruptur der Subscapularis-Sehne
links (Suva-act. 12, 24). Diese Verletzungen können weder als besonders schwer, noch
als Verletzungen besonderer Art eingestuft werden. Auch sind derartige Verletzungen in
der Regel nicht geeignet, psychische Fehlentwicklungen auszulösen.
3.4.2.
Zur Beantwortung der Frage der Dauer der ärztlichen Behandlung ist nicht allein
der zeitliche Massstab entscheidend. Ebenfalls in die Prüfung einzubeziehen sind die
Art und Intensität der Behandlung sowie die Frage, inwieweit davon noch eine
Besserung des Gesundheitszustands zu erwarten war (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 20. Oktober 2006, U 488/05, E. 3.2.3; BGE 134 V
128, E. 10.2.3). Eine Behandlung, die lediglich noch der Erhaltung des
Gesundheitszustands und nicht der Heilung dient, ist im Rahmen der Adäquanzprüfung
grundsätzlich nicht relevant. Abklärungsmassnahmen und blossen ärztlichen Kontrollen
kommt nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zu (Urteil des
Bundesgerichts vom 27. Februar 2008, U 11/07, E. 5.3.1 mit Hinweisen). Der
Beschwerdeführer unterzog sich am 2. März 2016 einer Schulterarthroskopie, einer
Bicepstenotomie, einem subacromialen Débridement und einer Acromionplastik links
(Suva-act. 51). Am 18. Mai 2017 erfolgte eine Schulterarthroskopie links mit
Rekonstruktion der Supraspinatussehne sowie einer subacromialen Dekompression mit
Bursectomie und Acromio-Plastik (Suva-act. 115) und am 14. Dezember 2017 erneut
eine Schulterarthroskopie links mit subacromialer Bursectomie und Rekonstruktion der
Supraspinatussehne (Suva-act. 139, 153). Am 15. Januar 2019 unterzog sich der
Beschwerdeführer sodann einer Schulterarthroskopie links, einem subacromialen und
intraartikulären Débridement sowie einer offenen AC-Gelenksresektion (Suva-act. 200).
Zwischen den operativen Eingriffen fanden diverse Abklärungen und
Kontrolluntersuchungen statt (vgl. u.a. Suva-act. 95, 110, 154, 156, 169, 174, 243). Der
Beschwerdeführer wurde zudem physiotherapeutisch behandelt und erhielt mehrere
Infiltrationen in die linke Schulter (vgl. u.a. Suva-act. 37, 42, 46, 153, 156, 174). Er hatte
3.4.3.
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sich also in rund drei Jahren vier operativen Eingriffen zu unterziehen, ansonsten war
die Behandlung wenig intensiv. Insgesamt ist das Kriterium der langen Dauer der
ärztlichen Behandlung damit zwar zu bejahen, jedoch nicht in besonders ausgeprägter
Weise.
Der Beschwerdeführer äusserte aktenkundig wiederholt Schmerzen an der
Schulter links. Allerdings ergab sich nach den Operationen jeweils eine Besserung der
Beschwerden (Suva-act. 57, 95, 169) und nach den Infiltrationen kurzzeitig eine fast
vollständige Beschwerdefreiheit (Suva-act. 174, vgl. Suva-act. 37, 42, 46). Zudem
stellte Dr. F._ bereits am 2. Juli 2018 eine deutliche Diskrepanz zwischen dem
klinischen Befund und der subjektiven Schmerzwahrnehmung fest (Suva-act. 169, vgl.
auch die Beurteilung von Dr. G._; Suva-act. 254). Das Kriterium der Dauerschmerzen
ist damit zumindest nicht in ausgeprägter Weise zu bejahen.
3.4.4.
Es bestehen entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (act. G1) keine
Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert hätte. Soweit der Beschwerdeführer vorbringen lässt, trotz seiner
Hinweise seien keine Abklärungen bezüglich der Beschwerden an der HWS gemacht
worden, ist erneut darauf hinzuweisen, dass diese überwiegend wahrscheinlich nicht
unfallkausal sind (vgl. E. 2.3.6) und deshalb vorliegend nicht berücksichtigt werden
können.
3.4.5.
Die Dauer der ärztlichen Behandlung und die geklagten Beschwerden deuten
alleine nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf hin. Das entsprechende
Kriterium erfordert besondere Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt und verzögert
haben (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 7. Februar 2008, U 590/06, E. 4.3.2, und
vom 10. Juli 2008, 8C_61/2008, E. 7.6). Vorliegend liegen keine solchen besonderen
Gründe vor. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (act. G1) lassen die
"Ergebnisse" der Operation an der HWS vom Juni 2020 keinen anderen Schluss zu,
zumal die Beschwerden im Bereich der HWS nicht überwiegend wahrscheinlich
unfallkausal sind (vgl. E. 2.3.6).
3.4.6.
Die behandelnden Ärzte attestierten dem Beschwerdeführer ab 1. September
2015 mit Ausnahme vom 25. Januar bis 2. März 2016 (vgl. Suva-act. 41) eine
Arbeitsunfähigkeit. Vom 11. bis 25. Januar 2016 und vom 6. Juni 2016 bis 16. Mai 2017
gingen sie von einer solchen von 50 %, ansonsten von 100 % aus (vgl. u.a. Suva-act.
15-12, 20 f., 26, 32, 34, 41, 61 ff., 71, 84, 86, 89, 110, 133, 151, 156, 174). Dr. C._
beurteilte am 11. Februar 2016, der Beschwerdeführer sei ab 25. Januar 2016 voll
arbeitsfähig, wobei schweres Heben so gut wie möglich zu vermeiden sei (Suva-act.
3.4.7.
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4.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Zeitpunkt der Leistungseinstellung per
30. Mai 2019 damit nicht zu beanstanden. Bezüglich der unfallkausalen Beschwerden
an der Schulter links war damals gemäss der überzeugenden Beurteilung von Dr. G._
von einer weiteren Behandlung keine massgebliche Besserung mehr zu erwarten
(Suva-act. 223, 254). Der weitere Verlauf bezüglich der Operation und der
Beschwerden der HWS ist insofern unerheblich, als diese - wie erwähnt (E. 2.3.6) - als
nicht unfallkausal zu werten sind. Im Zeitpunkt des Fallabschlusses per 30. Mai 2019
waren auch die Eingliederungsmassnahmen der IV-Stelle abgeschlossen (vgl. Suva-
act. 206).
41). Diese Beurteilung galt bis zur Operation am 2. März 2016 (vgl. Suva-act. 51).
Dementsprechend ist davon auszugehen, dass auch im weiteren Verlauf - abgesehen
von den jeweiligen Erholungsphasen nach den operativen Eingriffen - zumindest eine
adaptierte Tätigkeit (allenfalls in einem Teilzeitpensum) zumutbar gewesen wäre. Dafür
spricht auch der Bericht von Dr. F._ vom 2. Juli 2018, wonach eine deutliche
Diskrepanz zwischen dem klinischen Befund sowie der subjektiven
Schmerzwahrnehmung bestehe und - unter Vorbehalt eines normalen sonographischen
Befunds (vgl. dazu Suva-act. 174) - ein Belastungsaufbau im Sinne einer
Wiederaufnahme der Arbeit erzwungen werden müsste (vgl. Suva-act. 169). Ab 1. Juni
2019 ging die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Beurteilung von Kreisarzt Dr. G._
von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit aus (Suva-act. 223,
225). Dr. F._ widersprach dieser Einschätzung zwar und ging von einer
Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % in einer adaptierten Tätigkeit aus (vgl. 244), seine
Beurteilung überzeugt - wie nachfolgend ausgeführt (E. 5.2) - jedoch nicht. Es ist damit
davon auszugehen, dass bereits vor der Beurteilung durch Kreisarzt Dr. G._ vom 22.
Mai 2019 (vgl. Suva-act. 223) in einer adaptierten Tätigkeit zumindest eine
Teilarbeitsfähigkeit bestand. Dies insbesondere, zumal einzig die unfallkausalen
Einschränkungen der Schulter links zu berücksichtigen sind. Das Kriterium der
langdauernden Arbeitsunfähigkeit ist damit nicht erfüllt. Die nach der Beurteilung von
Dr. G._ erfolgten Abklärungen und Behandlungen bezüglich der Beschwerden an der
HWS sowie eine damit zusammenhängende Arbeitsunfähigkeit sind entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers (act. G1) mangels Unfallkausalität nicht von Relevanz.
Da somit höchstens zwei der zu berücksichtigenden Kriterien erfüllt sind, keines
jedoch in besonders ausgeprägter Weise, ist der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall vom 1. September 2015 und den allfälligen psychischen
Beschwerden zu verneinen.
3.5.
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5.
Unter Berücksichtigung der unfallkausalen Beschwerden ist nachfolgend die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu prüfen.
Dr. G._ beurteile am 24. Juli 2019, rein unfallkausal zum Ereignis vom 1.
September 2015 sei unter Bezug auf die objektivierbaren klinischen und bildgebenden
Befunde der dauerhaft erfolgreich rekonstruierten Rotatorenmanschette links und der
regelrechten, unverminderten Muskulatur der Rotatorenmanschette links für eine
adaptierte Tätigkeit eine unlimitierte Arbeitsfähigkeit ganztägig mit einem Pensum von
100 % ausgewiesen. Es müsse sich um eine "leichte Tätigkeit links" ohne
Zugbelastungen auf das linke Schultergelenk, ohne Schläge oder Vibrationen und ohne
repetitive Drehbewegungen handeln (Suva-act. 254). Diese Beurteilung überzeugt
angesichts der einzig unfallkausalen Beschwerden an der Schulter links.
5.1.
Dr. F._ befand am 22. Juni 2019, die Arbeitsfähigkeit betrage für eine leichte
Tätigkeit per 1. Juni 2019 maximal 50 %. Aufgrund der vorliegenden Beschwerden sei
dem Beschwerdeführer eine höhere Arbeitsfähigkeit derzeit sicher nicht zumutbar. Er
bitte um eine persönliche Untersuchung des Beschwerdeführers durch den Kreisarzt
(Suva-act. 244). Dr. F._ begründete seine Einschätzung jedoch nicht weiter und
äusserte sich - abgesehen von der Vorgabe einer leichten Tätigkeit - nicht zu allfälligen
Adaptionskriterien. Es erscheint nicht nachvollziehbar, wieso dem Beschwerdeführer
eine ideal adaptierte Tätigkeit nicht (entsprechend der Beurteilung von Dr. G._) zu
100 % zumutbar sein sollte. Die Einschätzung von Dr. F._ ist auch insofern nicht
überzeugend, als er selbst am 27. August 2018 berichtet hatte, es finde sich eine etwas
widersprüchliche Situation. Klinisch bestehe eine frei bewegliche linke Schulter und die
Kraftverhältnisse seien ausgeglichen, der Beschwerdeführer berichte jedoch über
permanente Schmerzen. Er nehme regelmässig NSAR, was die Situation nur leicht
beeinflussen würde (Suva-act. 175). Am 29. April 2019 hatte Dr. F._ erneut eine aktiv
und passiv praktisch frei bewegliche linke Schulter mit zunehmend guten
Kraftverhältnissen festgehalten. Lediglich die Bewegung des Armes von über Kopfhöhe
nach unten würde noch relativ starke Schmerzen verursachen (vgl. Suva-act. 221). Aus
den beiden Berichten ist zu schliessen, dass sich Dr. F._ bei seiner Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen auf die subjektiven Schmerzangaben des
Beschwerdeführers stützte. Dr. G._ war das Schreiben von Dr. F._ vom 22. Juni
2019 bekannt (vgl. Suva-act. 254-6), er wich jedoch bei seiner Beurteilung bewusst
davon ab. Eine konkrete Auseinandersetzung damit wäre zwar wünschenswert
5.2.
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6.
Basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer ideal adaptierten Tätigkeit ist im
Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln.
gewesen, war angesichts der knappen und nicht überzeugenden Einschätzung von Dr.
F._ aber nicht zwingend notwendig.
Insgesamt bestehen damit keine begründeten Zweifel an der Beurteilung von Dr.
G._.
5.3.
Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen Fähigkeiten und ihrer persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Dabei ist in der
Regel vom zuletzt - d.h. grundsätzlich vor dem Beginn der unfallbedingten ganzen oder
teilweisen Arbeitsunfähigkeit - erzielten Verdienst auszugehen (BGE 139 V 30 E. 3.3.2,
je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 18. März 2015, 8C_590/2014, E. 5.1).
Der Beschwerdeführer war zuletzt bei der B._ AG tätig (Suva-act. 2). Gemäss
Angaben derselben hätte er dort im Jahr 2019 einen monatlichen Bruttolohn von Fr.
5'200.--, monatliche Zulagen (Schichtzulage plus Wegentschädigung) von Fr. 456.50,
einen 13. Monatslohn von Fr. 5'620.-- und einen "Ebit Bonus / Anwesenheitsbonus"
von Fr. 4'200.-- erhalten (Suva-act. 260). Das Valideneinkommen ist folglich auf Fr.
77'698.-- (Fr. 5'200.-- x 12 + Fr. 456.50 x 12 + Fr. 5'620.-- + Fr. 4'200.-) festzulegen.
6.1.
Art. 16 ATSG umschreibt das Invalideneinkommen als hypothetisches Einkommen.
Nach der ständigen Verwaltungspraxis und Rechtsprechung steht für dessen
Ermittlung der Beizug von Tabellen und vergleichbaren Übersichten im Vordergrund
(Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 66 f. zu Art. 16).). Da dem ungelernten
Beschwerdeführer Hilfsarbeitertätigkeiten zumutbar sind, rechtfertigt es sich, das
Invalideneinkommen gestützt auf die LSE, Total sämtlicher Wirtschaftszweige,
Kompetenzniveau 1, Männer, zu bestimmen. Der entsprechende Lohn belief sich im
Jahr 2016 auf Fr. 5'340.-- monatlich bzw. Fr. 64'080.-- jährlich (die im Zeitpunkt des
Einspracheentscheids noch nicht publizierte LSE 2018 darf rechtsprechungsgemäss
nicht angewendet werden [vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2019,
8C_64/2019, E. 6.2.1 mit weiteren Hinweisen]). Aufgerechnet auf die betriebsübliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (2016, total) und angepasst an die
Nominallohnentwicklung bis 2019 (Index 2016: 2'239, 2019: 2'279) ergibt sich ein
massgebliches Jahreseinkommen von Fr. 67'997.--.
6.2.
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7.
Weiter ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Integritätsentschädigung zu
beurteilen. Die Beschwerdegegnerin sprach ihm eine solche basierend auf einer
Integritätseinbusse von 10 % zu (Suva-act. 298).
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten (Hilfsarbeiter)Tätigkeiten behindert
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Der
Beschwerdeführer hat gewisse qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit (nur
"leichte Tätigkeit links" ohne Zugbelastungen auf das linke Schultergelenk, ohne
Schläge oder Vibrationen und ohne repetitive Drehbewegungen; Suva-act. 254). Er ist
im Vergleich zu voll leistungsfähigen Arbeitnehmern damit lohnmässig benachteiligt
und muss mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen (vgl. zum Ganzen Philipp
Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, in Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.]: Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht 2012, S. 139 ff.). Es rechtfertigt sich, mit der
Beschwerdegegnerin (vgl. Suva-act. 271, 298) den Tabellenlohnabzug auf 5 %
festzusetzen. Damit resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 64'597.-- (Fr. 67'997.-- x
0.95).
6.3.
Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit,
einem Valideneinkommen von Fr. 77'698.-- und einem Invalideneinkommen von Fr.
64'597.-- resultiert entsprechend der Berechnung der Beschwerdegegnerin (vgl. Suva-
act. 298) ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von rund 17 %.
6.4.
Die Integritätsentschädigung wird gemäss Art. 25 Abs. 1 UVG entsprechend der
Schwere des Integritätsschadens abgestuft. Bei gleichem medizinischem Befund ist
der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär
bemessen. Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei
unberücksichtigt (BGE 124 V 35 E. 3c, 113 V 221 E: 4b). Die Bemessung des
Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalls
ab; es geht vielmehr um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung
der körperlichen und/oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht
7.1.
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8.
zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1). Nach Art. 36 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) wird die Integritätsentschädigung gemäss den
Richtlinien des Anhangs 3 zur UVV bemessen. Dieser Anhang enthält eine als
gesetzmässig und nicht abschliessend anerkannte Skala. Die medizinische Abteilung
der Suva hat in Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche
Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sogenannte Feinraster) erarbeitet.
Diese Tabellen enthalten Richtwerte, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten
gewährleistet werden soll; sie sind mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32
E. 1c mit Hinweis).
Dr. G._ schätzte den Integritätsschaden am 24. Juli 2019 auf 10 %. Er führte
aus, gemäss Tabelle 5 "Integritätsschäden bei Arthrosen" bemesse sich eine mässige
glenohumerale Omarthrose mit 5 bis 10 %. Dies sei vergleichbar mit Tabelle 1
"Integritätsschäden bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten", welche für
eine mässige Form der Periarthrosis humeroscapularis einen Integritätsschaden von 10
% vorsehe. Im Quervergleich entspreche der Röntgenbefund des Beschwerdeführers
derzeit einem unfallkausalen Integritätsschaden von 5 %, wobei im Langzeitverlauf eine
geringe Arthroseprogredienz nicht auszuschliessen sei, sodass der Integritätsschaden
im oberen Bereich mit 10 % einzuschätzen sei. Darüber hinaus sei eine weitergehende
Verschlimmerung oder Ausbildung einer schweren unfallkausalen Arthrose aus
medizinischer Sicht unwahrscheinlich (Suva-act. 253). Diese überzeugende Beurteilung
wurde von keiner medizinischen Fachperson in Frage gestellt. Auch der
Beschwerdeführer liess keine konkreten Einwände dagegen vorbringen, ausser dass
die Integritätsentschädigung erst nach weiteren Abklärungen bezüglich der
(unfallfremden; vgl. E. 2.3.6) Problematik der HWS-Beschwerden festzulegen sei.
Solche erübrigen sich jedoch wie vorstehend ausgeführt (vgl. E. 2.4).
7.2.
Im Sinne der Erwägungen ist der angefochtene Einspracheentscheid nicht zu
beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
8.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember
2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch
anwendbaren Fassung).
8.2.
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
8.3.
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