Decision ID: e6b6ae60-4957-4a7d-b40d-48d9e2c9e5dd
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. Im Januar 2015 wurde am Domizil der A AG (nachfolgend Pflichtige) eine
steueramtliche Buchprüfung durchgeführt. Verschiedene Punkte blieben dabei strittig.
Gestützt auf den dabei ermittelten buchhalterischen Korrekturbedarf unterbreitete der
Revisor der Pflichtigen am 21. September 2015 einen Einschätzungsvorschlag, welche
diese jedoch mit Schreiben vom 3. November 2015 ablehnte. Unter anderem war sie
mit der Aufrechnung der Mietkosten für die (2-)3-Zimmerwohnung am Privatwohnsitz
ihres Aktionärs C nicht einverstanden. Mit Auflage vom 14. Dezember 2015 wurde die
Pflichtige aufgefordert, die geschäftliche Nutzung der (2-)3-Zimmerwohnung substanti-
iert nachzuweisen. Die Pflichtige nahm dazu am 29. Januar 2016 Stellung. Da die Auf-
lage aus Sicht des Steueramts ungenügend erfüllt worden war, erging am 1. Februar
2016 eine Mahnung. Die Pflichtige liess sich daraufhin nicht mehr vernehmen.
In der Folge erliess der Steuerkommissär am 28. Oktober 2016 eine Veranla-
gungsfügung und einen Einschätzungsentscheid, in welchem er den Abzug (u.a.) nur
für ein privates Arbeitszimmer, nicht aber für die gesamte Miete der (2-)3-Zimmer-
wohnung als Geschäftswohnung zuliess. Unter Vornahme verschiedener Gewinnauf-
rechnungen wurden der Pflichtigen folgende Steuerfaktoren eröffnet:
Steuerperiode 01.02.2009 bis 31.01.2010
Direkte Bundessteuer Fr.
Steuerbarer Reingewinn 221'300.-
Steuersatz 8.5%
Eigenkapital per 31.01.2010 908'000.-
Staats- und Gemeindesteuer Fr.
Steuerbarer Reingewinn 221'300.-
Steuersatz 8%
Steuerbares Eigenkapital 908'000.-
Steuersatz 0.75‰.
B. Die hiergegen am 30. November 2016 erhobenen Einsprachen, mit welcher
die Pflichtige einzig noch die Gewinnaufrechnung bezüglich der Wohnungsmiete in der
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Höhe von Fr. 13'800.- beanstandete, wurden vom kantonalen Steueramt mit Ein-
spracheentscheiden vom 14. Juni 2017 teilweise gutgeheissen, indem noch je eine
Steuerrückstellung von Fr. 25'100.- auf den vorgenommenen Aufrechnungen in Abzug
gebracht wurde. An den Aufrechnungen an sich wurde weiterhin unverändert festge-
halten. Dies ergab die folgenden Steuerfaktoren:
Steuerperiode 1.2.2009-31.1.2010
Direkte Bundessteuer Fr.
Steuerbarer Reingewinn 196'200.-
Steuersatz 8.5%
Eigenkapital per 31.01.2010 883'000.-
Staats- und Gemeindesteuer Fr.
Steuerbarer Reingewinn 196'200.-
Steuersatz 8%
Steuerbares Eigenkapital 883'000.-
Steuersatz 0.75‰.
C. Mit Beschwerde und Rekurs vom 14. Juli 2014 liess die Pflichtige in der
Folge die geschäftsmässige Begründetheit des (vollen) Mietaufwands in der Höhe von
Fr. 18'000.- verfechten und demgemäss die steuerbehördliche Aufrechnung zurück-
weisen (unter Berücksichtigung einer tieferen Steuerrückstellung von Fr. 22'162.-).
Mit Stellungnahme vom 12. September 2017 schloss das kantonale Steuer-
amt auf Beschwerde- bzw. Rekursabweisung unter Kostenfolge zulasten der Pflichti-
gen. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen.
Auf die Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften ist, soweit erfor-
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
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Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1. a) Der steuerbare Reingewinn einer Aktiengesellschaft setzt sich gemäss
Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezem-
ber 1990 (DBG) bzw. § 64 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) zusam-
men aus dem Saldo der Erfolgsrechnung, unter Berücksichtigung des Saldovortrags
des Vorjahres (lit. a bzw. Ziff. 1) und allen vor Berechnung des Saldos der Erfolgsrech-
nung ausgeschiedenen Teilen des Geschäftsergebnisses, die nicht zur Deckung von
geschäftsmässig begründetem Aufwand verwendet werden (lit. b bzw. Ziff. 2). In die
letzte Kategorie fallen – soweit im vorliegenden Fall von Interesse – auch geschäfts-
mässig nicht begründete Rückstellungen sowie offene und verdeckte Gewinnausschüt-
tungen bzw. geschäftsmässig nicht begründete Zuwendungen an Dritte (vgl. Aufzäh-
lung in Art. 58 Abs. 1 lit. b DBG bzw. Art. 64 Abs. 1 Ziff. 2 lit. b und e StG).
b) Geschäftsmässig begründet und damit gestützt auf Art. 58 Abs. 1 lit. b DBG
bzw. § 64 Abs. 1 Ziff. 2 StG vom erzielten Gewinn absetzbar sind Aufwendungen, die
auf unternehmerisch vertretbaren Massnahmen beruhen, welche die Geschäftsleitung
in Erfüllung des Gesellschaftszwecks getroffen hat. Zu diesen zählen namentlich alle
Ausgaben, Wertverminderungen und Verluste, deren Vermeidung der Unternehmung
im Hinblick auf die Erfüllung ihres Gesellschaftszwecks nach den Umständen des Ein-
zelfalls nicht zumutbar ist. Als geschäftsmässig nicht begründet werden dagegen Auf-
wendungen erachtet, die das Periodizitätsprinzip missachten oder wenn ein sachlicher
Zusammenhang zwischen Aufwendung und Geschäftsbetrieb fehlt. Nicht erforderlich
ist die Notwendigkeit einer Aufwendung, es genügt die blosse Möglichkeit der Gewinn-
erzielung. Diese Möglichkeit ist ausschliesslich anhand ihres Zwecks zu beurteilen. Es
ist nicht Sache der Steuerbehörde, in die unternehmerische Entscheidungsfreiheit des
Betriebs einzugreifen. Alles was kaufmännisch gesehen in guten Treuen zu Aufwen-
dungen zählen ist, hat das Steuerrecht zu akzeptieren (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 3. A., 2016, Art. 58 N 74 und Kommentar zum Zürcher
Steuergesetz, 3. A., 2013, § 64 N 162).
c) Aus Sicht einer juristischen Person ist auf eine verdeckte Gewinnausschüt-
tung (als besondere Form der geschäftsmässig nicht begründeten Aufwendung) zu
schliessen, wenn sie sich entreichernd, ihren Gesellschaftern oder ihr sonst naheste-
henden Personen, diese bereichernd, bewusst geldwerte Vorteile zuwendet, die sie
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unbeteiligten Dritten nicht einräumen würde (RB 1985 Nr. 42 = StE 1985 B 72.13.22
Nr. 4; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 58 N 95 DBG, § 64 N 177 StG).
d) Um die Beurteilung der geschäftsmässigen Begründetheit von geltend ge-
machten Aufwendungen – und der allfällig damit verbundenen verdeckten Gewinnaus-
schüttungen – zu ermöglichen, ist die steuerpflichtige Gesellschaft kraft der sie treffen-
den gesetzlichen Obliegenheiten (Art. 124 ff. DBG, §§ 132 ff. StG) gehalten, an der
Abklärung der solchen Aufwendungen zugrundeliegenden Tatsachen mitzuwirken,
wobei sie für deren Verwirklichung beweisbelastet ist (vgl. RB 1977 Nr. 60). Insbeson-
dere hat sie spätestens vor Steuerrekursgericht binnen der Beschwerde-/Rekursfrist
eine substanziierte Sachdarstellung vorzutragen und die Beweismittel für deren Rich-
tigkeit beizubringen (RB 1964 Nr. 68, 1975 Nr. 54).
e) Streitig ist im vorliegenden Fall die Position Mietkosten für ein Büro mit
Archivraum an der ..........strasse ... in Zürich im Geschäftsaufwand der Pflichtigen,
welcher die Steuerbehörde die geschäftsmässige Begründetheit überwiegend abge-
sprochen hat (Aufrechnung von Fr. 13'800.- der bezahlten Miete von Fr. 18'000.- bzw.
Anerkennung nur im Umfang von Fr. 4'200.-).
2. a) Vorab gilt zu bemerken, dass aus Sicht eines unselbständig Erwerbstäti-
gen die Kosten für ein privates Arbeitszimmer nur dann als Berufskosten im Sinn von
Art. 26 Abs. 1 lit. c DBG und § 26 Abs. 1 lit. c StG anerkannt werden, wenn die steuer-
pflichtige Person einen wesentlichen Teil der beruflichen Arbeit von zuhause erledigt,
weil am Arbeitsort kein Arbeitsraum zur Verfügung steht oder dessen Benutzung nicht
möglich oder zumutbar ist. Hierbei muss ein besonderer Raum aus der Wohnung aus-
geschieden worden sein, welcher zur Hauptsache beruflichen Zwecken dient, während
gelegentliche berufliche Arbeiten in der Privatwohnung keine abzugsfähigen Mehrkos-
ten verursachen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 26 N 34 DBG und § 26 StG
N. 30; BGr, 4. März 2015, 2C_693/2014 und 2C_694/2014, E. 3.2). Nutzt die steuer-
pflichtige Person lediglich aus Bequemlichkeit oder infolge persönlicher Präferenzen
einen am Arbeitsort zur Verfügung stehenden Raum nicht, können die Kosten für ein
privates Arbeitszimmer nicht geltend gemacht werden (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Art. 26 N 34 DBG und § 26 StG N 30, je mit Hinweisen, VGr, 10. November 2017,
SB.2017.00096, E. 3.2).
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b) Der Steuerkommissär rechnete den Mietaufwand mit folgender Begründung
auf: Gemäss einem Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom
5. September 2007 (gemeint ist SB.2007.00047) werden Entschädigungen für Büro
und Garage am Privatdomizil als geldwerte Leistung an einen Aktionär qualifiziert, falls
andere Geschäftsräumlichkeiten zur Verfügung stehen. Vorliegend habe die Prüfung
des Revisors ergeben, dass der Aktionär am Geschäftssitz der Pflichtigen einen eige-
nen grossen Büroraum zur Verfügung habe. Ausnahmsweise werde aber ein Büroraum
in der Privatwohnung des Aktionärs zugelassen. Nach Informationen des Steueramts
verfüge die Wohnung über fünf Zimmer. Gemäss folgender Formel werde die Entschä-
digung für den Büroraum berechnet: Eigenmietwert / (Anzahl Zimmer + 1) * Anzahl
Arbeitszimmer – konkret Fr. 25'000.- / (5+1) * 1 = Fr. 4'166.- bzw. gerundet Fr. 4'200.-.
Die Mehrbelastung der Erfolgsrechnung um Fr. 13'800.- wurde als verdeckte Gewinn-
ausschüttung der Pflichtigen an ihren Aktionär C in Form von überhöhter Entschädi-
gung für ein Arbeitsbüro am Privatwohnsitz qualifiziert.
c) Die Pflichtige liess dem einspracheweise entgegnen, dass ihr Aktionär C
zwei Eigentumswohnungen an der ..........strasse ... in Zürich besitze. Die 5-Zimmer
Eigentumswohnung im 4. Stock nutze er ausschliesslich als Privatwohnung. Die zweite
Wohnung mit Archiv habe er speziell für seine geschäftlichen Bedürfnisse erworben,
um sie der Pflichtigen zu vermieten. Herr C nutze diese Wohnung im Wesentlichen als
Büro und Archiv für seine Tätigkeit als Verwaltungsrat und Geschäftsführer der ver-
schiedenen Gesellschaften der Pflichtigen. Die Miete für die 3-Zimmerwohnung habe
Herr C immer als Einkommen versteuert, so auch vom 1. Februar (recte: 1. Januar) bis
31. Dezember 2009, was der Zeitperiode der vorliegenden Einschätzung entspreche.
Die Pflichtige empfinde es als nicht sachgerecht, wenn das Steueramt die Einschät-
zungen der Gesellschaft während Jahren nicht vornehme, um die Situation dann mit-
tels Aufrechnung verdeckter Gewinnausschüttungen neu zu beurteilen. Dies hätte der
Pflichtigen mitgeteilt werden müssen, damit sie sich entsprechend mit der Bereitstel-
lung anderer Büroräumlichkeiten als Arbeitszimmer hätte einrichten können.
d) Die Einsprachebehörde erwog, dass trotz ihrer Auflage vom 14. Novem-
ber 2015, gemahnt am 1. Februar 2016, die Pflichtige die geschäftsmässige Begrün-
dung der 2-3-Zimmerwohnung als effektiv benötigte Geschäftsräumlichkeiten nicht
rechtsgenügend habe nachweisen können. Zwar seien Fotos eines Arbeitsplatzes ein-
gereicht worden, doch daraus sei nicht ersichtlich, wie die restlichen Räumlichkeiten
der 2-3-Zimmerwohnung genutzt würden und eingerichtet seien. Bezeichnungen oder
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Skizzen dazu fehlten gänzlich. Aufgrund der eingereichten Fotos lasse sich vermuten,
dass die Büroinfrastruktur eher bescheiden ausfalle und kaum den Raum einer 2-3-
Zimmerwohnung einnehme. Auch seien keine Bilder bezüglich des Archivs im Bastel-
raum vorgelegt worden. Die Pflichtige habe zudem in ihrem Schreiben vom
3. November 2015 selbst eingeräumt, dass Herr C über ein eigenes Büro in den Räum-
lichkeiten der Pflichtigen verfüge. Bei ihm als Aktionär und Arbeitnehmer der Pflichtigen
sei der gleiche Ansatz zu wählen wie bei normalen Angestellten, denen strenge Krite-
rien für die berufliche Notwendigkeit eines Arbeitszimmers zuhause auferlegt würden.
Herr C habe grundsätzlich all seine Arbeiten am Arbeitsort auszuüben. Die konträre
Ansicht der Pflichtigen – wegen ständigen Störungen durch Mitarbeiter und telefoni-
schen Anfragen seien die strategischen Arbeiten an ein bis zwei Arbeitstagen, abends
und an Wochenenden zuhause zu erledigen – vermöge nicht zu überzeugen, da dies
ihre eigene Organisationsproblematik sei. Auch sei nicht notwendig, für Entgegennah-
me und Archivierung von Steuerunterlagen eine derart grosse Wohnung zu mieten.
Unbelegt und zahlenmässig nicht näher beziffert seien weiter die geltend gemachten
Übernachtungen von ausländischen Agenten und auswärtigem Verkaufspersonal in
dieser Wohnung. Sowieso bleibe dabei unklar, ob dafür nicht Kostenbeiträge an die
Pflichtige geleistet worden seien.
e) Die Pflichtige lässt in Beschwerde und Rekurs den Standpunkt vertreten,
dass ihr der bis anhin gewährte Abzug von Fr. 18'000.- für eine marktkonforme Miete
im Sinne eines Steuerrulings auch zukünftig zustehe. Es widerspreche dem Grundsatz
von Treu und Glauben, wenn man dies nun anders beurteile, ohne der Pflichtigen
(gemeint wohl vorgängig zur Steuerperiode 2009-2010) mitzuteilen, dass die Vereinba-
rung mit dem Steuerkommissär aus dem Jahre 2002/2003 künftig nicht mehr gelte und
die Miete nur noch reduziert anerkannt werde. Bis zur Steuerperiode 2008/2009 seien
die Einschätzungen des kantonalen Steueramtes immer gemäss diesen Vorgaben des
Steuerkommissärs vorgenommen worden. Auch habe die Steuerbehörde bloss zu un-
tersuchen, ob das Vertragsverhältnis der Gesellschaft mit dem Aktionär einem Drittver-
gleich standhalte und die Konditionen nicht ungewöhnlich, sondern marktkonform sei-
en. Der Aktionär könne mit der Weitervermietung der Wohnung an unabhängige Dritte
einen weitaus höheren Ertrag als Fr. 1'500.- monatlich erzielen. Darauf verzichte er
aber zugunsten der Pflichtigen.
f) Das Steueramt liess in der Rekurs- und Beschwerdeantwort festhalten, dass
von der Pflichtigen nie ein Augenschein vor Ort zur Klärung der Sachlage angeboten
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worden sei. Zumindest die Möglichkeit dazu habe man in der Auflage vom 14. Dezem-
ber 2015 thematisiert, wenn auch für einen späteren Zeitpunkt. Für einige Fotos sei
davon ausgehen, dass diese nicht die 3-Zimmerwohnung in Zürich, sondern einen
Arbeitsplatz in Deutschland beträfen. Es bleibe unklar, warum die speziell den ge-
schäftlichen Bedürfnissen der Pflichtigen entsprechende zweite Wohnung von ihrem
Aktionär statt direkt von der Pflichtigen selbst erworben worden sei. Mit
gelegentlichem Arbeiten zuhause sei überdies noch lange keine geschäftsmässige
Begründetheit der Nutzung der ganzen Wohnung als Arbeitsplatz dargetan.
3. a) Der in Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 der Bundesverfassung vom 18. April 1999
(BV) verankerte Grundsatz des Vertrauensschutzes bedeutet, dass die Privaten An-
spruch darauf haben, in ihrem berechtigten Vertrauen in behördliche Zusicherungen
oder in anderes, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden
geschützt zu werden (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. A.,
2016, Rz. 624). Zwischen den Grundsätzen des Vertrauensschutzes einerseits und der
Gesetzmässigkeit (Art. 5 Abs. 1 BV) sowie dem Gebot der rechtsgleichen Behandlung
anderseits (Art. 8 BV; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Vorbem. zu Art. 109-121 N 56
DBG bzw. zu §§ 119-131 N 59 StG) besteht ein Spannungsverhältnis; dabei geht
das Legalitätsprinzip grundsätzlich vor (Häfelin/Müller/Uhlmann, Rz. 626). Als Vertrau-
ensgrundlage, die zur Nichtanwendung einer Gesetzesbestimmung führen kann, kom-
men u.a. unrichtige Auskünfte und Zusagen von Behörden in Frage. Dabei hat die
Rechtsprechung Anforderungen an den Vertrauensschutz entwickelt (Häfelin/Müller/
Uhlmann, Rz. 667 ff.):
- Eignung der Auskunft zur Begründung von Vertrauen
- Zuständigkeit der Auskunft erteilenden Behörde
- Vorbehaltlosigkeit der Auskunft
- Unrichtigkeit der Auskunft nicht erkennbar
- nachteilige Disposition aufgrund der Auskunft
- keine Änderung des Sachverhalts oder der Gesetzgebung
- Überwiegen des Interesses am Schutz des Vertrauens in die unrichtige Aus-
kunft gegenüber dem Interesse an der richtigen Rechtsanwendung.
b) Einen konkreten steuerrechtlichen Vorbescheid (Steuerruling) für das Jahr
2002/2003 liess die Pflichtige nicht ins Recht legen. Es ist auch gemäss der Schilde-
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rung der Pflichtigen nicht so, dass sie damals vorgängig zur Steuereinschätzung
2002/2003 eine verbindliche Auskunft zur als Geschäftsaufwand angemessenen Miet-
preisfestsetzung einholte, die man "im Sinne eines Steuerrulings" verstehen könnte.
Vielmehr hat der Steuerkommissär die geltend gemachte Miete von Fr. 24'000.- auf
Fr. 18'000.- reduziert, was einer Kürzung von einem Viertel entspricht. Mithin lässt sich
daraus auch implizit kein bindender Vorbescheid für künftige Steuerperioden ableiten.
c) Soweit sich die Pflichtige überdies auf die betreffend Mietaufwand unverän-
derten Veranlagungen und Einschätzungen in darauffolgenden Steuerperioden (ab
2003/2004) und damit auf den Grundsatz von Treu und Glauben beruft, ist ihr zu ent-
gegnen, dass die Einschätzungsbehörde den rechtserheblichen Sachverhalt in jeder
Steuerperiode neu würdigen und allenfalls zu einer abweichenden Beurteilung kom-
men kann, selbst wenn sich der Sachverhalt nicht geändert hat. Ein Anspruch auf eine
in diesem Sinn rechtsgleiche Behandlung besteht nicht. Die richtige Anwendung des
materiellen Rechts geht somit grundsätzlich dem Vertrauen in eine vorhersehbare
Rechtanwendung vor (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Vorbem. zu Art. 109-121 N 80
DBG bzw. zu §§ 119-131 N 87 StG).
d) Daher hat das Steueramt zu Recht neu geprüft, ob und in welchem Umfang
die geschäftsmässige Notwendigkeit des von der Pflichtigen deklarierten Mietkosten-
abzug begründet war.
4. a) Vorab ist festzuhalten, dass ein Augenschein zur Feststellung der Sach-
lage in der vorliegend zu untersuchenden Steuerperiode 2009/10 nicht (mehr) als
zweckdienlich erscheint. Die aktuelle Einrichtung, die man bei einem gegenwärtigen
Besuch antreffen würde, liesse wohl keine eindeutigen Rückschlüsse auf die damali-
gen Begebenheiten zu. Ferner ist mit dem Steueramt davon auszugehen, dass die in
den Einschätzungsakten enthaltenen Bilder die Räumlichkeiten einer Wohnung in
Deutschland zeigen. Denn im beiliegenden Schreiben vom 23. Januar 2016 erwähnt C
den Hin- und Rücktransport von Belegen und Unterlagen zu dieser Wohnung. Auf dem
fünften Foto sieht man auf dem Bürotisch Ordner mit Belegen von C für das Jahr 2010.
Somit betreffen diese Bilder nicht die Wohnung in Zürich. Als Beweismittel für die Not-
wendigkeit eines Home-Office an der .........strasse ... können daher einzig zwei wei-
tere Fotos gewürdigt werden. Auf dem ersten Foto ist ein Arbeitstisch zu sehen, einge-
richtet mit Tischlampe, Laptop, Schreibutensilien und Telefon, davor ein Bürostuhl und
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daneben auf einem Rollmöbel ein Drucker (Scanner). Das zweite Bild zeigt denselben
Raum aus grösserer Entfernung und man sieht rechts zwei (vierstufige) Möbel zur Ab-
lage von Büroordnern. Das Steueramt durfte aus diesen beiden Bildern zu Recht
schliessen, dass das Büro zwar zweckdienlich, aber eher spartanisch eingerichtet ist.
Auch ergibt sich daraus nicht, wie die anderen Zimmer genutzt werden und ob tatsäch-
lich ein Archiv existiert (wenn damit etwas Anderes als die Ordnerwand auf dem zwei-
ten Bild gemeint ist).
b) Die Pflichtige bleibt damit den Nachweis schuldig, dass sie die gesamte
3-Zimmerwohnung an der .......strasse ... in Zürich geschäftlich nutzt. Das Steueramt
hat daher zu Recht einen Grossteil des Mietaufwands aufgerechnet und nur ein einzel-
nes Zimmer als geschäftlichen Arbeitsplatz anerkannt (was einem unselbständig Er-
werbstätigen mit Büroplatz am Arbeitsort als Berufsauslage möglicherweise überhaupt
nicht zugestanden worden wäre, hier aber zumindest vom Aktionär bereits als Mietzin-
seinnahme versteuert wurde.
c) Obschon von der Pflichtigen gar nicht beanstandet, ist von Amtes wegen zu
prüfen, ob die Kostenberechnung für das eine Arbeitszimmer richtig vorgenommen
worden ist. Gemäss Literatur sind die Kosten eines beruflich notwendigen Arbeitszim-
mers als Anteil an den gesamten Mietkosten bzw. am Eigenmietwert zu beziffern. Da-
bei ist analog der Berechnung zum Unternutzungsabzug vorzugehen und bei Wohnun-
gen ein Zimmer zusätzlich zur Gesamtzimmerzahl einzusetzen. Zu diesem Wert sind
allenfalls noch anteilige Kosten für Heizung, Beleuchtung und Reinigung hinzuzählen
(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 26 N 35 f. DBG und § 26 StG N 35 f.).
Das Steueramt hat mit einer 5-Zimmer-Wohnung gerechnet und einen Eigen-
mietwert von Fr. 25'000.- eingesetzt. Letzterer Wert entspricht auch ungefähr den
Fr. 24'000.-, welche die Pflichtige im Jahre 2002/2003 als Geschäftsaufwand geltend
machen wollte und ist daher nicht zu beanstanden, zumal der Pflichtigen dadurch keine
rechnerischen Nachteile entstehen. Hingegen scheint bezüglich der beiden Wohnun-
gen an der ........strasse ... eine Verwechslung vorzuliegen: Denn die 5-Zimmer-
Wohnung wird vom Aktionär gemäss eigenen Angaben ausschliesslich privat genutzt,
nicht aber die 3-Zimmer-Wohnung (ursprünglich eine 2-Zimmer-Wohnung mit separa-
tem Lagerraum) im Hochparterre.
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Fraglich ist nun, ob man den Eigenmietwert von Fr. 25'000.- statt durch (5+1)
= Fr. 4'166.- nicht eher durch (3+1) = Fr. 6'250.- für die 3-Zimmer-Wohnung allein oder
aber durch (8+1) = Fr. 2'778.- hätte berechnen sollen, da dem Aktionär ja an sich alle
der total acht Zimmer der beiden Wohnungen zur privaten Nutzung zur Verfügung ste-
hen könnten. Bei Annahme der Richtigkeit der ersten Berechnung würde die Pflichtige
mit ihren Rechtsmittelanträgen leicht obsiegen. Würde hingegen Letzteres als korrekt
angenommen, ergäbe sich für die Pflichtige eine Höhertaxation. Weniger abziehbarer
Mietaufwand (von rund Fr. 1'400.-) käme nun aber bloss wegen einer ursprünglichen
Falschberechnung des Steueramts zustande. Zumal 1/3 des bisher für alle drei Zimmer
zugestandenen Mietaufwands von Fr. 18'000.-, sprich Fr. 6'000.-, auch deutlich näher
an den erstermittelten Wert von Fr. 6'250.- herankommt, ist dieser als sachgerechter
anzusehen und sind daher rund Fr. 6'300.- zum Abzug zuzulassen.
d) Unter Berücksichtigung des nunmehr aufgrund der höheren Mietkosten
(Fr. 6'300.- ./. Fr. 4'200.-) um Fr. 2'100.- erhöhten Geschäftsaufwands und der Anpas-
sung der jeweiligen Steuerrückstellung ergeben sich sowohl bei der direkten Bundes-
steuer als auch bei den Staats- und Gemeindesteuern folgende Steuerfaktoren:
Reingewinn gemäss Jahresrechnung Fr. 102'866
zzgl. Aufrechnungen gemäss Einspracheentscheid
(Fr. 118'466.-) abzgl. Fr. 2'100.- Mietmehraufwand Fr. 116'366
abzgl. auf die Aufrechnungen entfallende Steuern Fr. 24'633
ergibt steuerbarer Reingewinn (gerundet) Fr. 194'500
Eigenkapital gemäss Jahresrechnung Fr. 908'242
abzgl. Steuerrückstellung Fr. 24'633
ergibt steuerbares Eigenkapital (gerundet) Fr. 883'000
5. Gestützt auf diese Erwägungen sind die Beschwerde bzw. der Rekurs teil-
weise gutzuheissen. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Verfahrens den Parteien
anteilsmässig aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG und § 151 Abs. 1 StG). Der Pflichti-
gen ist aufgrund ihres überwiegenden Unterliegens keine Parteientschädigung zuzu-
sprechen (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 - 3 des Bundesgesetzes über das
Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 sowie § 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des
Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997).
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