Decision ID: eadb7536-f9f4-423c-9c68-27bd42894d8c
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach,
8887 Mels,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Am 12. Januar 2001 meldete sich B._ zum Bezug von IV-Leistungen
(Umschulung auf eine neue Tätigkeit) an. Da er seit mehreren Jahren Schmerzen in
Gelenken, Muskeln und der Herzgegend habe, die sich im letzten Jahr verstärkt hätten,
und der Druck eines selbständigen Geschäfts für ihn psychisch nicht mehr tragbar sei,
bitte er um Unterstützung (act. G 3.1). Im Arztbericht vom 5. April 2001 diagnostizierte
sein Hausarzt, Dr. med. A._, ein rheumatisches Beschwerdebild mit Fibromyalgie,
Epikondylopathie radialis, chronisch lumbovertebralem Schmerzsyndrom, Arthritis
urica rechter Fuss und Tietze-Syndrom sowie eine larvierte Depression und Chronic-
Fatigue-Syndrom. Für die Tätigkeit als Boden- und Plattenleger bestehe eine bleibende
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20%. Zurzeit seien nur Teileinsätze möglich. Der
zumutbare zeitliche Umfang der Arbeiten betrage maximal 50% (act. G 3.7).
A.b Mit Verfügung vom 11. Oktober 2001 sprach die IV-Stelle dem Versicherten eine
Umschulung zum Homöopathen vom 23. August 2001 bis zum 31. März 2005 zu (act.
G 3.17). Mit ärztlichem Zeugnis vom 27. Januar 2003 bestätigte Dr. A._, dass der
Versicherte die Homöopathieausbildung aus gesundheitlichen Gründen habe
abbrechen müssen (act. G 3.24).
A.c Mit Verfügung vom 14. August 2003 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten statt
dessen Kostengutsprache für eine Umschulung zum Feng-Shui-Berater (act. G 3.40).
Mit Verfügung vom 28. November 2003 teilte ihm die IV-Stelle mit, die Ausbildung
werde per 14. November 2003 abgebrochen. Nach den ihr zur Verfügung stehenden
Unterlagen seien weitere berufliche Massnahmen auf Grund des bisherigen Verlaufs
nicht angezeigt. Sofern er bei der Suche nach einer behinderungsgerechten Stelle Hilfe
benötige, solle er sich melden (act. G 3.54).
A.d Am 25. Mai 2004 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen (Rente) an (act. G 3.55). Im Arztbericht vom 9. September 2004 stellte Dr.
A._ folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: ein chronisches
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cervicobrachiales Schmerzsyndrom links bei Status nach Diskushernie C6/7 und
Status nach Diskektomie vom 12. Februar 2002, ein rheumatisches Beschwerdebild
mit chronischem lumbovertebralem Schmerzsyndrom, rezidivierender Arthritis urica
rechter Fuss, Tieze-Syndrom links, anterior kneepain beidseits bei Status nach
partieller medialer Meniskushinterhornresektion rechtes Knie sowie eine emotional
instabile Persönlichkeitsstörung und ein zunehmendes Abhängigkeitssyndrom. Die
bisherige Tätigkeit als Bodenleger sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar.
Zumutbar seien ihm Tätigkeiten, die körperlich adaptiert in wechselnder Stellung
auszuführen seien. Denkbar seien eine Lehrtätigkeit im Bereich des angestammten
Berufs oder eine Arbeit im Rahmen einer Hauswarttätigkeit. Dabei sei die
Arbeitsfähigkeit ganztags mit reduzierter Leistung gegeben (act. G 3.74). Im Bericht des
Kantonsspitals Y._, Klinik für Chirurgie und Orthopädie, vom 28. September 2004
diagnostizierte Dr. C._ eine chronische Cervicocephalgie nach HWS-Operation im
Januar (richtig wohl: Februar) 2002, eine depressive Entwicklung sowie Knieschmerzen
beidseits. Die bisherige Tätigkeit sei dem Versicherten noch zu mindestens 50%
zumutbar (act. G 3.75). Im Arztbericht St. Pirminsberg, Klinik für Psychiatrie,
Psychotherapie und Suchtbehandlung (nachfolgend: Klinik St. Pirminsberg) stellte Dr.
med. D._ folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Anpassungsstörung mit Störung der Gefühle und des Sozialverhaltens (ICD-10 F43.25),
auffällige Persönlichkeitszüge mit zwanghaften und impulsiv aggressiven Anteilen (DD:
Persönlichkeitsstörung vom gemischten Typ; ICD-10 F60.8), chronisches
Schmerzsyndrom des Rückens, Gonarthrose beidseits. Für den Versicherten sei eine
leichte körperliche Arbeit mit häufigen Positionswechseln und ohne zeitlichen oder
sozialen Druck denkbar. Der zeitliche Rahmen betrage drei bis maximal vier Stunden
pro Tag (act. G 3.80).
A.e Am 21. Dezember 2005 wurde der Versicherte durch das ABI (Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH, Basel) internistisch, psychiatrisch und rheumatologisch
untersucht und begutachtet. Im Gutachten vom 20. Januar 2006 wurden folgende
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und abhängigen sowie emotional instabilen
Zügen (ICD-10 F61.02); anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.4); chronisches cervical und lumbal betontes
Panvertebralsyndrom (ICD-10 M53.8) bei St. n. Diskushernienoperation bei grosser
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medio-lateraler Diskushernie C6/C7 links 2/2002, Wirbelsäulenfehlform und -
fehlhaltung, ausgeprägtem myofaszialem Schmerzsyndrom Nacken-/Schultergürtel
linksbetont; chronische Knieschmerzen bds (ICD-10 M17.0) bei St. n. arthroskopischer
Teilmeniskektomie medial rechts 2003 und medial links 4/2005. Als Diagnosen ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde folgendes festgehalten: metabolisches Syndrom
(BMI 30.5 kg/m2; ICD-10 E66.0), Dyslipidämie, bisher unbehandelt (ICD-10 E78.2),
Verdacht auf beginnenden Diabetes mellitus (ICD-10 E11.9), aktuell HbA1c-Wert von
7.1% (Norm < 6.3), Hyperurikämie, asymptomatisch (ICD-10 E79.0); fortgesetzter
Nikotinkonsum (ca. 25 py; ICD-10 F17.1); episodischer schädlicher Gebrauch von
Alkohol, zur Zeit abstinent (ICD-10 F10.10). Der Versicherte sei in seiner angestammten
Tätigkeit seit dem 2. Februar 2002 voll arbeitsunfähig. Körperlich überwiegend leichte
bis selten mittelschwere adaptierte Tätigkeiten im Umfang von sechs bis acht Stunden
täglich seien ihm zumutbar mit einer Leistungseinbusse, so dass insgesamt eine zu
50% eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe (act. G 3.92).
A.fAm 31. Januar 2006 nahm der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) zum ABI-Gutachten
Stellung. Im Gutachten werde deutlich darauf hingewiesen, dass dem Versicherten eine
50%ige angepasste Tätigkeit zugemutet werden könne. Dies sei aus medizinischer
Sicht nachvollziehbar (act. G 3.93).
A.g Im Bericht vom 27. Februar 2006 führte der Berufsberater aus, der Versicherte sehe
sich nicht in der Lage, eine Umschulung in Angriff zu nehmen, was nach diversen
Versuchen auch bestätigt werde. Auch fühle er sich nicht fähig, irgendeine Arbeit
regelmässig auszuführen. Es seien keine sinnvollen beruflichen Massnahmen möglich,
die seine Situation verbessern könnten. Es verbleibe eine 50%ige medizinische
Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten bei einer Arbeitszeit von sechs bis
acht Stunden täglich. Aus berufsberaterischer Sicht seien die zusätzlichen
Einschränkungen (fehlende Impulskontrolle, fehlende Frustrationstoleranz, deutliche
Störung im Sozialverhalten) jedoch stark einschränkend für die Realisierung der
Restarbeitsfähigkeit, weshalb eine weitere Reduzierung des Invalideneinkommens von
25% vorgeschlagen werde (act. G 3.96). Mit Verfügung vom 14. März 2006 entschied
die IV-Stelle, es werde dem Versicherten keine Kostengutsprache für berufliche
Massnahmen erteilt. Betreffend die Rente erhalte er später eine separate Verfügung
(act. G 3.100).
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A.h Mit Verfügungen vom 5. April 2006 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit
Wirkung ab 1. April 2006 eine Viertelsrente sowie eine entsprechende Kinderrente zu.
Der Invaliditätsgrad betrage 40%. Für die Zeit vom 1. Februar 2003 bis zum 31. März
2006 werde er noch eine separate Verfügung erhalten (act. G 3.106 und 3.107).
B.
B.a Am 9. Mai 2006 erhob Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun als Vertreter des
Versicherten Einsprache gegen die Verfügungen vom 5. April 2006 und beantragte eine
ganze Invalidenrente. Zur Begründung verwies er im Wesentlichen auf verschiedene
Berichte der Klinik St. Pirminsberg sowie von Dr. A._ (act. G 3.108). Gemäss
Kurzaustrittsbericht der Klinik St. Pirminsberg vom 11. Februar 2006 wurde der
Einsprecher dort vom 3. Februar 2006 bis zum 11. Februar 2006 stationär behandelt.
Als vorläufige Diagnose wurde eine depressive Episode angegeben. Der Einsprecher
werde ambulant weiterbehandelt (act. G 3.111). Im Bericht über die stationäre
Behandlung stellte die Klinik St. Pirminsberg am 28. Februar 2006 die Hauptdiagnose
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.2); als
Nebendiagnose wurde eine Alkoholintoxikation (ICD-10 F10.0) angegeben. Die
Arbeitsfähigkeit betrage 0% bis zur nächsten Konsultation (act. G 3.112). Im ärztlichen
Zeugnis vom 19. April 2006 diagnostizierte die Klinik St. Pirminsberg eine
rezidivierende depressive Störung, lang dauernde mittelgradige Episode mit residualer
Symptomatik (ICD-10 F32.10) sowie eine Störung durch Alkohol, schädlicher
Gebrauch, seit Monaten abstinent (ICD-10 F10.1). Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100%
(act. G 3.113). Mit Schreiben vom 26. April 2006 nahm Dr. A._ Stellung zum ABI-
Gutachten. Darin würden die körperlichen und psychischen Probleme und
Beschwerden des Einsprechers korrekt aufgelistet. Leider würden in der abschliessend
zusammengefassten Gesamtbeurteilung die Fakten betreffend die Arbeitsunfähigkeit
ungenügend miteinbezogen. Auf Grund der psychiatrischen und der körperlichen
Beurteilung müsste dem Einsprecher medizinisch-theoretisch eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft attestiert werden (act. G 3.114).
B.b In seiner Stellungnahme vom 16. Juni 2006 führte der RAD aus, die neu geltend
gemachten Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit vermöchten die von der ABI
abgegebenen Einschätzungen nicht zu entkräften. Aus versicherungsmedizinischer
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Sicht werde daher vorgeschlagen, an der bisherigen Einschätzung festzuhalten (act. G
3.116).
B.c Mit Verfügungen vom 11. Januar 2007 sprach die IV-Stelle dem Versicherten für die
Zeit vom 1. Juni 2003 bis 31. März 2006 eine Viertelsrente nebst Kinderrente zu (act. G
3.119).
B.d Mit Entscheid vom 2. März 2007 wies die IV-Stelle die gegen die Verfügungen vom
5. April 2006 gerichtete Einsprache ab (act. G 3.120).
C.
C.a Am 17. April 2007 erhebt der Vertreter des Versicherten Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid und beantragt, es sei dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab
1. April 2006 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter sei ihm mit Wirkung
ab 1. April 2006 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch das ABI werde den
tatsächlichen Verhältnissen nicht gerecht. In diesem Zusammenhang verweist der
Rechtsvertreter auf den Bericht der Klinik St. Pirminsberg vom 28. März 2007, der zum
Einspracheentscheid Stellung nimmt. Demnach sei aus ärztlicher Sicht nicht schlüssig
dargelegt, dass die Gesamtarbeitsunfähigkeit psychiatrisch und somatisch bei 50%
liegen solle. Aus der interdisziplinären Gesamtbeurteilung gehe nicht hervor, wieso die
verschiedenen Einschränkungen sich nicht summierten, wie dies normalerweise
anzunehmen sei. Auch gehe nicht schlüssig hervor, wie ein Mensch mit derart
ausgeprägten psychiatrischen Einschränkungen sich so verhalten können solle, dass er
gleichzeitig an einem Arbeitsplatz den Leistungsanspruch erfülle und sich an die
orthopädisch-rheumatologischen Anweisungen (medizinisch-theoretischer Natur) halte
(act. G 1.5). Darüber hinaus bemängelt der Vertreter die Berechnung des
Invaliditätsgrads (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 25. April 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin
unter Verweisung auf den Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G
3).

Erwägungen:
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1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
des streitigen Entscheids vom 2. März 2007 eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist
(BGE 121 V 366 E. 1b), sind auf den angefochtenen Einspracheentscheiddie bis zum
31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
Die Zusprache einer Invalidenrente ist von der Beschwerdegegnerin auf zwei
Verfügungen aufgeteilt worden, die zudem mit zeitlichem Abstand erlassen worden
sind. Die Verfügung betreffend den unbefristeten Rentenanspruch ab April 2006 datiert
vom 5. April 2006, die Verfügung betreffend die Rente von Juni 2003 bis März 2006
erging am 11. Januar 2007. Die Mitteilung des Beschlusses der IV-Kommission an die
Ausgleichskasse vom 14. März 2006 (G 3.103) enthielt hingegen Angaben zu einer
gesamthaften Beurteilung des Rentenanspruchs mit einem Invaliditätsgrad von 40% ab
2. Februar 2003 und einem Beginn der Rentenzahlungen am 1. Juni 2003 bei
verspäteter Anmeldung. Die Aufteilung in zwei Rentenverfügungen hatte
möglicherweise mit dem Vollzug zu tun, in dem für den zurückliegenden Zeitraum die
Nachzahlung berechnet und die Verrechnung geprüft werden musste (vgl. Verfügung
vom 11. Januar 2007, act. G 3.119). Die rückwirkende Rentenzusprache darf jedoch
nicht für bestimmte Perioden je getrennt verfügt werden (vgl. BGE 131 V 164 ff., E. 2.3).
Die Verfügungen vom 5. April 2006 und 11. Januar 2007 bilden deshalb materiell nur
Teile ein und derselben Rentenzusprache und sind daher allein weder rechtskraftfähig
noch anfechtbar. Somit ist davon auszugehen, dass im vorliegenden
Beschwerdeverfahren, das gegen die Verfügungen vom 5. April 2006 betreffend
Rentenanspruch ab 1. April 2006 eingeleitet wurde, die Rentenverfügung insgesamt,
d.h. auch die in der Verfügung vom 11. Januar 2007 erfolgte rückwirkende Zusprache
einer Viertelsrente für die Zeit von Juni 2003 bis März 2006, mitangefochten ist.
3.
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3.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der ab 1. Januar 2004 bis 31.
Dezember 2007 geltenden Fassung) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
3.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
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begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der
Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das
Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189 E. 2a
in fine, BGE 122 V 161 E. 1c).
4.
4.1 Der Vertreter des Beschwerdeführers macht geltend, bezüglich der Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit könne nicht auf das ABI-Gutachten abgestellt werden. Die
Untersuchung durch das ABI habe am 21. Dezember 2005 stattgefunden; das
entsprechende Gutachten datiere vom 20. Januar 2006. Es berücksichtige daher nur
den Gesundheitszustand bis zu diesem Datum. Dieser sei jedoch bei der Verfügung
durch die Beschwerdegegnerin bereits nicht mehr aktuell gewesen. Der
Beschwerdeführer sei vom 3. bis 11. Februar 2006 wegen einer rezidivierenden
Störung in der Klinik St. Pirminsberg behandelt worden. Seither befinde er sich in
ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Es sei deshalb nicht
richtig, wenn der Einspracheentscheid davon ausgehe, dass die stationäre
psychiatrische Behandlung erfolgreich gewesen sei und sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers nur für eine kurze Zeitdauer verschlechtert habe. Der
Beschwerdeführer sei seit Jahren durch die psychische Erkrankung stark beeinträchtigt
und wenig belastbar. Seit 1970 habe er sich bereits neunmal zur stationären
Behandlung in der Klinik St. Pirminsberg aufgehalten. Er zeige schwere Störungen im
Affektleben, in der Kognition, im Antrieb und in der Durchhaltefähigkeit. Zudem
bestünden dauerhafte formale Denkstörungen. Daraus resultiere auch für adaptierte
Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Seit Dezember 2004 habe sich die
Symptomatik zunehmend verschlechtert. Aktuell sei die Diagnose geändert worden
und laute auf rezidivierende depressive Störung mit residualer Symptomatik (ICD-10
F33.1), vorbestehend jedoch auch die Persönlichkeitsstörung, die im ABI-Gutachten
genannt sei (vgl. act. G 1).
4.2 Die Beschwerdegegnerin hat sich im Einspracheentscheid demgegenüber auf den
Standpunkt gestellt, die im Arztzeugnis der Klinik St. Pirminsberg aufgeführten
psychiatrischen Befunde seien im ABI-Gutachten bereits berücksichtigt worden. Es
handle sich somit lediglich um eine Beurteilung eines nicht veränderten medizinischen
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Sachverhalts. Zudem sei der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass
behandelnde (Fach)Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Stellung eher zugunsten
ihrer Patienten aussagten. Es sei ohne Abstriche auf das ABI-Gutachten abzustellen
(vgl. act. G 3.120).
4.3
4.3.1 Bei der Beurteilung durch das ABI lagen den Gutachtern, neben anderen
Unterlagen, die Berichte der Klink St. Pirminsberg vom 30. September 2004 (act. G
3.92-45), 8. Dezember 2004 (act. G 3.80) und 4. Februar 2005 (act. G 3.92-43) vor (vgl.
act. G 3.92-3 f.).
4.3.2 In den ersten beiden Berichten wurden dem Beschwerdeführer unter anderem
eine Anpassungsstörung mit Störung der Gefühle und des Sozialverhaltens (ICD-10
F43.25) sowie auffällige Persönlichkeitszüge mit ausgeprägter Affektabwehr und
einzelnen unkontrollierten Affektdurchbrüchen bzw. mit zwanghaften und impulsiv
aggressiven Anteilen attestiert. Gemäss Bericht vom 30. September 2004 war der
Beschwerdeführer vom 12. August bis zum 16. September 2004 (stationärer
Klinikaufenthalt) zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Im Bericht vom 8. Dezember 2004
wurde der Beschwerdeführer für eine leichte körperliche Arbeit mit häufigen
Positionswechseln und ohne zeitlichen oder sozialen Druck im zeitlichen Rahmen von
drei bis vier Stunden pro Tag als arbeitsfähig eingeschätzt. Im Bericht vom 4. Februar
2005 über die stationäre Behandlung vom 16. bis 29. Januar 2005 wurde die
Hauptdiagnose gemischte Persönlichkeitsstörung mit dysthymen, ängstlichen und
abhängigen Anteilen gestellt. Die Arbeitsfähigkeit betrage 0% bis zur nächsten
Konsultation.
4.3.3 Am 21. Dezember 2005 diagnostizierten die ABI-Gutachter unter anderem eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und abhängigen sowie
emotional instabilen Zügen (ICD-10 F61.02). Die Grundproblematik des
Beschwerdeführers sei seine Persönlichkeitsstörung vom narzisstischen Typ. Er
tendiere dazu, sich selbst zu überschätzen, sich in Beziehungen einzulassen, in denen
er die Situation kontrollieren möchte. Er zeige eine erhöhte Kränkbarkeit und
Frustrationsintoleranz, eine gewisse emotionale Instabilität und eine zwanghafte
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Abwehr seiner Aggressivität, die bei Kränkungen schnell durchbreche. Er fühle sich
schnell unverstanden und missbraucht. Gleichzeitig könne er sich nur schwer in seine
Mitmenschen einfühlen. Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer aufgrund
der Folgen und Symptomatik seiner Persönlichkeitsstörung und zum Teil auch wegen
seiner anhaltenden somatoformen Schmerzstörung in seiner Leistungsfähigkeit zu 50%
eingeschränkt. Die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit begründe sich
insbesondere mit seiner fehlenden Impulskontrolle, seiner fehlenden
Frustrationstoleranz und seiner beeinträchtigten inneren Flexibilität und Empathie, was
eine deutliche Störung im Sozialverhalten nach sich ziehe. Die Prognose sei ernst. Aus
subjektiver Sicht sei der Beschwerdeführer nicht mehr arbeitsfähig. Er habe zurzeit
wenig Motivation, sich im Arbeitsprozess einzugliedern. Andererseits habe er auch real
wenig Chancen, eine Stelle zu finden. Im Rahmen der Gesamtbeurteilung hielten die
Gutachter fest, es bestehe sowohl diagnostisch wie auch hinsichtlich der Zumutbarkeit
der Arbeitsfähigkeit eine gute Übereinstimmung mit der Klinik St. Pirminsberg, welche
auch eine psychiatrisch adaptierte Tätigkeit zu 50% als zumutbar betrachte.
4.3.4 Vom 3. bis 11. Februar 2006 wurde der Beschwerdeführer erneut in der Klinik St.
Pirminsberg stationär behandelt (Selbstzuweisung wegen zunehmender depressiver
Verstimmung, Verwirrtheit, Selbst- und Fremdgefährdung bei Anpassungsstörung,
Alkoholabusus und auffälligen Persönlichkeitszügen). Die behandelnden Ärzte hielten
im Bericht vom 28. Februar 2006 an der Hauptdiagnose einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.2), fest. Zur
Arbeitsfähigkeit führten sie an, diese betrage 0% bis zur nächsten Konsultation. Der
Beschwerdeführer werde ambulant weiterbehandelt (act. G 3.112). Im ärztlichen
Zeugnis der Klinik St. Pirminsberg vom 19. April 2006 diagnostizierte der behandelnde
Arzt eine rezidivierende depressive Störung, lang dauernde mittelgradige Episode mit
residualer Symptomatik (ICD-10 F32.1). Der Beschwerdeführer sei auf lange Sicht
100% arbeitsunfähig. Wie lange die Arbeitsunfähigkeit rückwirkend bei 100% liege,
könne er nicht sicher einschätzen. Vermutlich liege sie bei mindestens 60% seit August
2004 (act. G 3.113). Der Stellungnahme der Klinik St. Pirminsberg vom 28. März 2007
zum Einspracheentscheid ist zu entnehmen, dass sich die Symptomatik des
Beschwerdeführers seit der Beurteilung durch Dr. D._ am 8. Dezember 2004
zunehmend verschlechtert habe. Aktuell laute die Diagnose auf rezidivierende
depressive Störung mit residualer Symptomatik (ICD-10 F33.1), vorbestehend jedoch
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auch die Persönlichkeitsstörung, welche im ABI-Gutachten genannt worden sei. In
dieser Hinsicht sei auch auf die letzte stationäre Behandlung (1. bis 6. September 2006)
verwiesen, welche die Defizite deutlicher zum Ausdruck bringe (einhergehend mit einer
langsamen zunehmenden Verschlechterung des Krankheitsbildes; act. G 1.5).
4.4 Zwar erging die oben genannte Stellungnahme der Klinik St. Pirminsberg erst nach
dem Einspracheentscheid, doch nimmt sie hauptsächlich Bezug auf den Sachverhalt,
wie er sich bis zum Einspracheentscheid (2. März 2007) entwickelt hat. Insoweit kann
die Stellungnahme vorliegend berücksichtigt werden. Insgesamt enthalten die Berichte
der Klinik St. Pirminsberg Anhaltspunkte dafür, dass sich der psychische
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach der Begutachtung durch das ABI
am 21. Dezember 2005 erheblich verschlechtert hat. So wurde bereits im Februar 2006
die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gestellt, welche gemäss
Arztbericht vom 28. März 2007 nach wie vor andauert. Diese Einschätzungen der Klinik
St. Pirminsberg können nicht einfach mit dem Argument beiseite geschoben werden,
die behandelnden Ärzte würden in der Regel zu Gunsten ihrer Patienten aussagen.
Zum einen attestierte die Klinik St. Pirminsberg dem Beschwerdeführer nicht von
Anbeginn an eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit. Zum anderen beruhen die neu
gestellten Diagnosen auf gründlichen Untersuchungen, die teilweise im Rahmen
stationärer Aufenthalte erfolgten, und sind damit durchaus ernst zu nehmen. Die
Ausführungen des RAD vom 16. Juni 2006, wonach beim Beschwerdeführer bloss von
einer vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustands auszugehen und
eine anhaltende Verschlechterung bei der vorliegenden primär stabilen
Persönlichkeitsstörung nicht nachvollziehbar sei, weshalb am ABI-Gutachten
festzuhalten sei (vgl. act. G 3.116-2), vermögen daher unter Berücksichtigung des
Sachverhaltes bis zum Einspracheentscheid nicht zu überzeugen. Zwar genügt das
ABI-Gutachten grundsätzlich den rechtlichen Anforderungen an eine medizinische
Begutachtung (vgl. oben, E. 2.2), doch hat sich der psychiatrische Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers seit der Begutachtung vom 21. Dezember 2005 bis zum
Einspracheentscheid vom 2. März 2007 glaubhaft in einem solchen Ausmass
verändert, dass dieses Gutachten nicht mehr als genügende Entscheidgrundlage
angesehen werden kann. Inwieweit sich dieser veränderte Gesundheitszustand auf die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkt, ist unklar. Insbesondere enthalten
die Berichte der Klinik St. Pirminsberg, welche eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit des
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Beschwerdeführers attestieren, keinerlei diesbezügliche Begründung. Auch geht es
nicht an, die in den verschiedenen Bereichen festgestellten Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers einfach zu addieren. Vielmehr sind die
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in einer gesamthaften Betrachtung zu würdigen.
Zur Klärung des Gesundheitszustands und des Umfangs der daraus resultierenden
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ist daher ein ergänzendes psychiatrisches
Gutachten einzuholen.
5.
Im Zusammenhang mit der Invaliditätsbemessung ist des weiteren darauf hinzuweisen,
dass der Verfügung vom 5. April 2006 ein Invalideneinkommen des Beschwerdeführers
von Fr. 26'692.-- (Leidensabzug 10%) zugrunde liegt (vgl. act. G 3.102 und G 3.98). Im
Einspracheentscheid geht die Beschwerdegegnerin jedoch davon aus, das
Invalideneinkommen belaufe sich auf Fr. 22'244.-- (Leidensabzug 25%). Dies würde
jedoch bereits zu einer Erhöhung des Invaliditätsgrads von 40% auf 50% und somit
zum Anspruch auf eine halbe Rente führen. Die Beschwerdegegnerin wird diese Frage
bei der Ermittlung des Invalideneinkommens im Rahmen der neuen Verfügung zu
klären haben.
6.
6.1 Im Sinne der Erwägungen ist der angefochtene Entscheid vom 2. März 2007
aufzuheben und die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.2 Gemäss den Schlussbestimmungen des IVG zur Änderung vom 16. Dezember
2005, in Kraft seit 1. Juli 2006, gilt für die vor dem 1. Juli 2006 bei der IV-Stelle
hängigen Einspracheverfahren das bisherige Recht (lit. b der Schlussbestimmungen).
Somit gelangt im vorliegenden Fall Art. 69 Abs. 1 IVG zur Kostenpflicht von
Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen im
kantonalen Gerichtsverfahren nicht zur Anwendung. Gerichtskosten sind somit keine zu
erheben.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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6.3 Die Rückweisung zur weiteren Sachverhaltsabklärung ist nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung in Bezug auf den Anspruch auf eine
Parteientschädigung als vollumfängliches Obsiegen zu betrachten (vgl. etwa ZAK 1987
S. 266 E. 5a). Der Beschwerdeführer hat somit Anspruch auf eine ungekürzte
Parteientschädigung. Unter Berücksichtigung von Art. 61 lit. g ATSG erscheint eine
Entschädigung von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG