Decision ID: c14d7809-4f28-57fc-8967-53fe4ff507da
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer – ein pakistanischer Staatsangehöriger christli-
chen Glaubens mit letztem offiziellem Wohnsitz in B._, Punjab, –
reiste im August 2015 aus seinem Heimatstaat aus und gelangte über den
Iran, die Türkei und verschiedene europäische Staaten im Dezember 2015
in die Schweiz. Am 10. Dezember 2015 stellte er im Empfangs- und Ver-
fahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch, wo er am 16. Dezem-
ber 2015 zu seiner Person und seinen Gesuchsgründen befragt wurde (Be-
fragung zur Person [BzP]; vgl. Aktenstück des SEM [A] 8). Am 20. Januar
2017 fand die vertiefte Anhörung zu seinen Asylgründen statt (A20). Dabei
trug er wiederholt vor, an Gedächtnisproblemen zu leiden und deswegen –
sowie wegen anderer gesundheitlicher Beschwerden – in der Schweiz in
medizinischer Behandlung zu sein. Seine Flucht begründete der Be-
schwerdeführer in der BzP und der vertieften Anhörung wie folgt:
A.b Er sei von Beruf [paramedizinischer Beruf] und habe auch landesweit
mit Baumwollbandagen als Handelsreisender gehandelt. Er habe in
C._, in der Nähe seines Wohnortes B._, zusammen mit sei-
ner Ehefrau eine (...) Praxis gehabt. Wegen seines jahrelangen politischen
Engagements für die christliche Gemeinschaft in Pakistan, bei der er als
Sozialarbeiter in der Gemeinde Mitglieder unterstützt und beispielsweise
zum Gericht begleitet habe, sei er von muslimischen Mitbürgern verfolgt
worden. Als John Joseph, Bischof von Faisalabad, sich Ende der 1990er
Jahre wegen eines Streits zwischen Christen und Muslimen das Leben ge-
nommen habe, habe er (der Beschwerdeführer) zusammen mit anderen
Personen eine grosse Demonstration organisiert und sich dadurch viele
Feinde gemacht. Er sei damit bekannt geworden und auch wegen Prophe-
tenbeleidigung beschuldigt worden (A20 F156). Er sei Präsident der Orga-
nisation D._ Pakistan gewesen (Distrikt [...]; [A20 F65 ff.]). Er sei
wiederholt belästigt worden. Zudem sei er wegen des Baus einer Kirche
mit der muslimischen Gemeinschaft in Streit geraten. Er sei mehrmals von
Muslimen angegriffen worden (F20 A185). Kurz vor seiner Flucht in die
Schweiz habe er als Parteiloser für die Gemeinderatswahlen kandidieren
wollen. Da er sich geweigert habe, weiterhin mit der Muslimliga von Nawaz
Sharif (Pakistan Muslim League N [Nawaz group]; PML-N) zusammenzu-
arbeiten, sei er so stark geschlagen worden, dass er habe ins Spital einge-
liefert werden müssen. Nachdem er sich von diesem Vorfall erholt habe,
sei er aus seinem Heimatstaat geflohen. Die pakistanische Polizei habe er
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nicht kontaktiert, da diese ihm nicht geholfen, sondern für ihn eine zusätz-
liche Bedrohung dargestellt hätte.
Aufgrund der Probleme in Pakistan wegen seines Engagements für die
christliche Gemeinschaft habe er im Jahr 2000 in Hongkong und im Jahr
2004 in der Türkei Asylgesuche eingereicht, wobei er sich jeweils beim UN-
HCR gemeldet habe. In Hongkong habe er sich von 2000 bis 2002 aufge-
halten; das Asylgesuch in Hongkong sei abgelehnt worden. In der Türkei
habe er sich von 2003 bis 2011 beziehungsweise 2013 aufgehalten; das
Asylgesuch dort sei nie entschieden worden; aus der Türkei sei er zurück-
geschickt worden (A20 F59-61). Insgesamt sei er damals von 2000 bis
2013 landesabwesend gewesen; gemäss den Einträgen in seinem Reise-
pass hat der Beschwerdeführer sein Heimatland am (...) August 2015 er-
neut verlassen (vgl. pakistanischer Exitstempel im Reisepass). Seine in
Pakistan zurückgebliebene Familie habe nach wie vor Probleme mit seinen
Widersachern.
A.c Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer –
neben seinem pakistanischen Pass (im Original [A22 BM14]) – beim SEM
insbesondere die nachfolgenden Dokumente ein (A2 BM1-6): Ein Bestäti-
gungsschreiben der Organisation D._, Pakistan, vom 13. Februar
2004, wonach er Präsident dieser Organisation sowie ein Politiker und So-
zialarbeiter der christlichen Gemeinschaft sei und für Rechte der Christen
in Pakistan gekämpft habe, als Folge sei er von fanatischen Muslimen mit
Konsequenzen bedroht worden (in Kopie); ein Bestätigungsschreiben der
Church of Pakistan, Diözese von (...), vom 23. November 2015, betreffend
seine Mitgliedschaft bei der (...) Church in B._, mit Bestätigung sei-
ner aktiven Tätigkeit in der Kirchgemeinde (in Kopie); einen Notfallpass,
von der pakistanischen Botschaft in Teheran am (...) 2000 auf seinen Na-
men ausgestellt (in Kopie); den Totenschein seiner Tochter, wonach diese
am (...) 2007 gestorben sei (in Kopie mit notariell beglaubigter englischer
Übersetzung), sowie einen vom ihm verfassten Lebenslauf mit seiner
Fluchtgeschichte (in Kopie). Weiter findet sich als «weitere Unterlagen»
(A22) im Dossier ein Flugticket auf seinen Namen für zwei Flüge vom
(...) Mai 2002 von Hongkong via Bangkok nach Lahore (in Kopie).
Ferner reichte er beim SEM anlässlich der Anhörung vom 20. Januar 2017
namentlich folgende Unterlagen ein (A21 BM1-9): Kopien von Ausschnitten
aus pakistanischen Zeitungen, wonach seine Ehefrau aus religiösen und
politischen Gründen behelligt und aufgefordert worden sei, ihr Wohnquar-
tier zu verlassen (mit handschriftlicher Übersetzung); eine Anzeige seiner
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Ehefrau an den Friedensrichter von (...), wonach sie und ihre (...) Kinder –
die wegen des Aufenthalts des Ehemanns in der Türkei alleine lebten – am
16. Juni 2013 an ihrem Wohnort in B._, von Unbekannten bedroht
worden seien und deswegen Angst hätten; ein (nicht unterzeichnetes)
Schreiben einer christlichen Schule in (...) ("[...] Hostel") vom 15. Oktober
2014, welche von den (...) Söhnen des Beschwerdeführers besucht werde;
es wird bestätigt, dass die Ehefrau von A._ mit den (...) Töchtern
und den (...) Söhnen im Hostel untergebracht sei, weil sie bedroht würden
(in Kopie); ein undatiertes Formular betreffend die Nominierung als Kandi-
dat für die Gemeinderatswahl, wonach er als Minderheitsvertreter, das
heisst als Nicht-Muslim, und parteiungebunden als "free candidate" kandi-
diert habe (in Kopie mit notariell beglaubigter englischer Übersetzung vom
7. Mai 2015); eine Polizeianzeige der Ehefrau bei der Polizeistation
B._ betreffend eines Drohanrufs vom 18. Juni 2013; Bestätigungs-
schreiben verschiedener Kirchen in der Schweiz und in Pakistan, wonach
der Beschwerdeführer und seine Ehefrau aktive Christen seien und wegen
ihres Glaubens verfolgt würden (in Kopie, BM8); diverse medizinische Be-
richte von Ärzten in der Schweiz, wonach er im Wesentlichen an [Rücken-
beschwerden], die er auf Misshandlungen im Jahr 2014 zurückführe, einer
Erkrankung der Augen sowie an einem posttraumatischen Stresssyndrom
leide, das auf erlittene körperliche Gewalt zurückgeführt werden könne,
und wonach im Rahmen einer Computertomographie habe festgestellt
werden können, dass er kleine Hirninfarkte erlitten habe, welche die Ärzte
auf eine Durchblutungsstörung zurückführten (BM9).
Am 8. Februar 2018 reichte er dem SEM weitere (teilweise schon akten-
kundige und teilweise neu eingeholte) Beweismittel zu seinem Engage-
ment in christlichen Kirchen in Pakistan sowie seinen Taufschein vom
3. Dezember 2017 mit Begleitschreiben der reformierten Kirche (...) vom
1. Februar 2018 (in Kopie) nach (A21 BM10-13). Ferner reichte er ein
Schreiben eines Anwalts in Pakistan ein, wonach dieser für die Ehefrau
des Beschwerdeführers eine Petition beim Court of District and Session
Judge, (...), betreffend einem Strafverfahren mit religiöser und politischer
Grundlage eingereicht habe (undatiert; inhaltlich stammt das Schreiben
aus der Zeit, als der Beschwerdeführer in der Türkei weilte; A21 BM17).
B.
Mit Verfügung vom 3. Mai 2018 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete
seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an (A23).
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C.
C.a Mit Eingabe vom 5. Juni 2018 (A27) liess der Beschwerdeführer gegen
diesen Entscheid durch seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung
sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm
Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit, subeventualiter die
Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen und er sei vorläufig aufzu-
nehmen, subsubeventualiter sei der Fall zur erneuten Abklärung und Beur-
teilung ans SEM zurückzuweisen. Unter anderem beanstandete er, die
Vorinstanz habe den Sachverhalt nur ungenügend abgeklärt. Sie habe da-
mit den Untersuchungsgrundsatz und die Begründungspflicht verletzt
(A27; vgl. Verfahren E-3316/2018).
C.b Mit Eingabe vom 13. Juni 2018 liess er in Ergänzung zu seiner Rechts-
mitteleingabe eine Schnellrecherche der Schweizerischen Flüchtlingshilfe
(SFH) / Länderanalyse zum Thema „Pakistan: Situation von Christ_innen“
vom 8. Juni 2018 einreichen (A29).
D.
Das Bundesverwaltungsgericht hiess die Beschwerde mit Urteil vom
17. Juli 2018 gut, hob die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache
zur weiteren Sachverhaltsabklärung und zur Neubeurteilung ans SEM zu-
rück (A30). Das Gericht hielt namentlich fest, aufgrund der Akten und an-
gesichts der teils wirren und lückenhaften Antworten des Beschwerdefüh-
rers in den Befragungen sei offenbar davon auszugehen, dass er unter
Gedächtnisproblemen leide. Diesbezüglich wären weitere medizinische
Berichte nötig gewesen, und der Sachverhalt hätte anderweitig abgeklärt
werden müssen. Auch die eingereichten Beweisunterlagen hätten eine ge-
nauere Abklärung erfordert, wenn auch in der Tat den Bestätigungsschrei-
ben verschiedener Organisationen keine allzu grosse Beweiskraft zukom-
me. Das SEM habe ferner seine Untersuchungspflicht nicht wahrgenom-
men mit Bezug auf die Abklärung der Situation der Christen in Pakistan und
habe diesbezüglich einzig auf ein inzwischen zwanzig Jahre altes Urteil der
ARK abgestellt. Unklar sei schliesslich, ob die gesundheitlichen Probleme
des Beschwerdeführers in Pakistan tatsächlich behandelt werden könnten;
auch diesbezüglich seien Abklärungen vorzunehmen; zu klären sei ferner,
inwiefern die Existenz des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr nach
Pakistan gesichert wäre. Das Gericht ging davon aus, dass angesichts des
aktuellen Kenntnisstands bezüglich der Gedächtnisprobleme des Be-
schwerdeführers eine weitere Anhörung zur Klärung des Sachverhalts
nicht geeignet erscheine. In Frage für weitere Sachverhaltsermittlungen
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kämen Botschaftsabklärungen, allenfalls eine Kontaktierung der Familie
des Beschwerdeführers und eine Verifizierung der vorgelegten Beweismit-
tel. Zudem erscheine eine Anfrage beim UNHCR sinnvoll. Namentlich sei
mit geeigneten Mitteln zu klären, ob es zutreffe, dass der Beschwerdefüh-
rer Präsident der christlichen Organisation D._ gewesen sei, dass
er wegen seiner politischen Aktivitäten in Konflikt mit der Nawaz-Sharif-
Partei geraten sei, und dass er aufgrund der pakistanischen Blasphemie-
gesetzgebung gesucht werde. Zu klären sei sodann der Bekanntheitsgrad
des Beschwerdeführers in seiner Heimat. Ebenfalls zu klären sei, in wel-
chem Zeitrahmen und zu welchem Zweck er sich in Hongkong und in der
Türkei aufgehalten habe (vgl. Urteil E-3316/2018 vom 17. Juli 2018 E. 4
und 5.2).
E.
E.a Nach Wiederaufnahme des Verfahrens richtete das SEM am 9. Okto-
ber 2018 eine Anfrage betreffend Botschaftsabklärungen an die Schweizer
Botschaft in Islamabad (A35). Die Botschaftsabklärung datiert vom 24. Juli
2019 (A43, A44). Die von der Botschaft beauftragte Vertrauensperson ve-
rifizierte vor Ort die eingereichten Beweisunterlagen, führte Gespräche in
der Wohngegend des Beschwerdeführers, mit der Ehefrau sowie mit Per-
sonen am Herkunftsort der Ehefrau. Im Wesentlichen wurden die vom Be-
schwerdeführer eingereichten Beweisunterlagen als authentisch bestätigt,
hingegen konnten keine weitergehenden inhaltlichen Belege zu den in den
Bestätigungsschreiben angeführten Tatsachen ermittelt werden. Die Ver-
trauensperson brachte ferner in Erfahrung, dass die Familie des Beschwer-
deführers seit 17 bis 18 Jahren friedlich an derselben Adresse in einer
hauptsächlich von Christen bewohnten Gegend wohnhaft sei und dass dort
keine Einschüchterungen oder Gewalt gegenüber den Einwohnern, auch
nicht gegenüber dem Beschwerdeführer, bekannt seien. Es wurde der Ver-
trauensperson gegenüber bestätigt, dass der Beschwerdeführer früher ein
Mitglied der Pakistan Muslim League (PML-N) und später der Pakistan Pe-
oples Party (PPP) gewesen sei. Die Kandidatur des Beschwerdeführers für
eine Teilnahme an den lokalen Wahlen konnte nicht verifiziert werden; hin-
gegen wurde in Erfahrung gebracht, dass der Bruder des Beschwerdefüh-
rers Mitglied im Gemeinde- respektive Stadtrat ("Councilor") gewesen sei;
dieser Bruder sei im Jahr (...) verstorben.
E.b Mit Anfragen vom 8. November 2019 und 21. Januar 2020 (A45, A46,
A55, A56) ersuchte das SEM ferner das UNHCR um weitere Angaben be-
treffend die Asylgesuche des Beschwerdeführers in Hongkong und in der
Türkei. Betreffend das Asylgesuch in Hongkong bestätigte das UNHCR am
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23. Januar 2020, der Beschwerdeführer sei am (...). November 2000 in
Hongkong eingereist und habe in der Folge um Asyl ersucht und eine reli-
giöse Verfolgung geltend gemacht; das UNHCR habe das Gesuch in erster
Instanz und auf Beschwerdeebene abgelehnt, worauf die Behörden von
Hongkong ("Immigration Department") im April 2002 die Ausschaffung ("re-
moval") angeordnet hätten (vgl. act. A57). Betreffend das Asylgesuch in der
Türkei konnte das UNHCR lediglich bestätigen, der Beschwerdeführer sei
dort am (...). Januar 2004 registriert worden; weitere Informationen konn-
ten nicht mitgeteilt werden (vgl. A59).
E.c Mit Schreiben vom 25. November 2019 und vom 5. August 2020 for-
derte das SEM sodann den Beschwerdeführer auf, aktuelle Arztzeugnisse
einzureichen (vgl. A49, A61).
E.d Am 5. August 2020 teilte das SEM dem Beschwerdeführer den wesent-
lichen Inhalt der Botschaftsabklärungen mit und gewährte ihm diesbezüg-
lich das rechtliche Gehör (vgl. A 60). Der Beschwerdeführer nahm mit Ein-
gabe vom 22. September 2020 Stellung; gleichzeitig reichte er verschie-
dene Arztberichte ein (vgl. A64).
E.e Weiter dazu aufgefordert, Beweismittel in Bezug auf die geltend ge-
machte Verfolgung aufgrund des Verstosses gegen das Blasphemiegesetz
einzureichen (Schreiben des SEM vom 2. Oktober 2020, A65), machte der
Beschwerdeführer am 21. Oktober 2020 zu Handen des SEM geltend, er
habe in Pakistan keine Rechtsvertretung und sei weder gesundheitlich
noch finanziell in der Lage, eine entsprechende Rechtsvertretung zu orga-
nisieren. Allenfalls bestehe die Möglichkeit, über die Schweizer Botschaft
einen Anwalt zu beauftragen oder Akteneinsicht zu beantragen (A66).
F.
Mit Verfügung vom 29. Oktober 2020 – eröffnet am 2. November 2020 –
verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers,
lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug an (A67 f.).
G.
G.a Mit Eingabe vom 2. Dezember 2020 liess der Beschwerdeführer gegen
diesen Entscheid Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und zur erneuten Abklärung und Beurteilung
ans SEM zurückzuweisen. Eventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen
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und es sei ihm Asyl zu gewähren, subeventualiter sei er als Flüchtling an-
zuerkennen und als solcher vorläufig aufzunehmen, subsubeventualiter sei
die Unzumutbarkeit beziehungsweise Unzulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs festzustellen und der Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen.
Er liess weiter beantragen, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses zu verzichten, ihm sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren
und ein unentgeltlicher Rechtsbeistand in der Person der unterzeichnen-
den Rechtsvertreterin zu bestellen, alles unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen zu Lasten der Vorinstanz. Diesbezüglich liess er die Kosten-
note seiner Rechtsvertreterin einreichen (Beschwerdeakten [B-act.] 1).
G.b Mit Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2020 hielt die Instruktions-
richterin fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in
der Schweiz abwarten dürfe, hiess die Gesuche um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung und um amtliche Rechtsverbeiständung gut und
ordnete dem Beschwerdeführer Frau MLaw Nora Maria Riss, Freiplatzak-
tion (...), als amtliche Rechtsbeiständin bei (B-act. 2).
G.c Am 22. Dezember 2020 liess der Beschwerdeführer eine Fürsorgebe-
stätigung der Gemeinde (...) vom 17. Dezember 2020 nachreichen (B-act.
3). Am 23. Februar 2021 liess er weiter, wie am 22. Dezember 2020 ange-
kündigt, einen ambulanten Bericht der (...), Klinik für Alterspsychiatrie, (...),
vom 20. Januar 2021 einreichen und stellte in Aussicht, mitzuteilen, ob eine
Überweisung ans Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer möglich sei
(B-act. 4). In der Folge liess er sich nicht mehr vernehmen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel
verzichtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz begründet ihren ausführlich begründeten Entscheid im
Wesentlichen damit, dass in Gesamtwürdigung der Vorbringen und Anga-
ben des Beschwerdeführers sich eine konstruierte Asylbegründung ergebe
und die Asylvorbringen unglaubhaft seien. Die Vorbringen würden den An-
forderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG und an die
Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG nicht standhalten. Er erfülle deshalb die
Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb das Asylgesuch abzulehnen sei.
3.1.1 Dazu führte sie Folgendes aus: Hinsichtlich der geltend gemachten
Belästigungen durch Muslime und Taliban seit 1997 seien gestützt auf die
Asylgesuche in Hongkong im Jahr 2000 (Ablehnung des Gesuchs) und in
der Türkei im Jahr 2004 (mit widersprüchlichen Angaben des Beschwerde-
führers) keine flüchtlingsrelevanten Asylvorbringen entstanden.
3.1.2 Das geltend gemachte Ereignis, wonach der Beschwerdeführer
durch Angehörige der Muslimliga spitalreif geschlagen worden sei, zieht
das SEM in Zweifel. Gemäss der Botschaftsabklärung sei es gestützt auf
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Aussagen von Nachbarn in der Wohngegend des Beschwerdeführers nie
zu Einschüchterungen oder Gewalt gekommen, zumal es sich um eine
christliche Wohngegend handle. Es sei nicht plausibel, dass die Nachbarn
den Angriff (resp. dessen Folgen) nicht mitbekommen hätten. Dies auch
deshalb, weil der Beschwerdeführer in den Anhörungen angegeben habe,
eine in Pakistan bekannte Persönlichkeit zu sein und den Nachbarn seine
frühere Mitgliedschaft bei der PML-N und später bei der Pakistan People
Party (PPP) bekannt gewesen sei. Den Botschaftsabklärungen zufolge
habe der Beschwerdeführer letztlich gar nicht an den Wahlen teilgenom-
men und die Kandidatur habe nicht verifiziert werden können; dies stehe
im Widerspruch zu seinen Angaben, er sei von Mitgliedern der PML-N an-
gegriffen worden, da er nicht mehr mit dieser Partei habe zusammenarbei-
ten wollen. Weiter verweist das SEM auf die Wahl des Bruders des Be-
schwerdeführers und führt aus, da er sich aus der Politik zurückgezogen
habe, sei nicht ersichtlich, weshalb er jetzt – fünf Jahre später – noch im
Fokus der Muslimliga stehen sollte. Es fehle deshalb an der nach Art. 3
AsylG geforderten Aktualität und bestehe keine begründete Furcht mehr
vor künftiger Verfolgung.
3.1.3 Weiter äussert sich das SEM zum geltend gemachten Engagement
des Beschwerdeführers als Christ und seinen Angaben, er sei deshalb an-
gegriffen worden und auch seine Familie sei während seiner Ausland-
aufenthalte belästigt worden. Vorab setzt sich die Vorinstanz mit der aktu-
ellen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zur Situation von
Christinnen und Christen in Pakistan (vgl. Referenzurteil BVGer
E-3258/2018 vom 2. Juni 2020) sowie einem aktuellen Bericht des UK
Home Office auseinander und kommt zum Schluss, es liege keine Kollek-
tivverfolgung von Christen in Pakistan vor. Das Ausüben des christlichen
Glaubens sei in Pakistan grundsätzlich möglich und der Beschwerdeführer
stamme aus einer solchen Gemeinde. Zur geltend gemachten individuellen
aktuellen Gefährdung des Beschwerdeführers führt es weiter aus, er woh-
ne in einem christlichen Quartier, die Familie habe im Zeitpunkt der Bot-
schaftsabklärung 2018 (recte: 2019) schon seit rund 18 Jahren dort ge-
wohnt und es seien keine Belästigungen oder Angriffe gegen Christen an
dieser Adresse gegen ihn oder die Familienmitglieder bekannt. Der Be-
schwerdeführer sage ausserdem selbst, er sei ein alter Mann und leide an
kognitiven Gedächtnisstörungen bei schlechtem Sehvermögen. Es sei
deshalb nicht vorstellbar, dass er wiederum wegen seiner religiösen Aktivi-
täten in den Fokus möglicher Angreifer rücken würde. Auch die Präsident-
schaft der Glaubensgemeinschaft führe zudem nicht automatisch zu einer
Verfolgung, zumal er in den Jahren 2000 bis 2013 und wieder seit 2015
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Seite 11
landesabwesend gewesen sei und in dieser Zeit die Präsidentschaft nicht
habe wahrnehmen können. Ein Verfolgungsfokus sei weder für Behörden
noch für Drittpersonen ersichtlich. Es frage sich, inwiefern er seine Funk-
tion wahrgenommen habe respektive noch wahrnehme, hätten doch vor
Ort keinerlei schriftliche Belege seiner Präsidentschaft gefunden werden
können. Insgesamt sei nicht ersichtlich, dass er wegen seines christlichen
Glaubens mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
nach der Rückkehr flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnah-
men ausgesetzt sein könnte.
Was ausserdem die Vorbringen zur geltend gemachten Verfolgung wegen
Verstosses gegen das Blasphemiegesetz (A20 F116, F156) betreffe, seien
diese nicht glaubhaft. Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage gewe-
sen, allfällige Beweismittel (zum Beispiel eine Anzeige- oder Anklage-
schrift) dazu einzureichen. Dass er aus gesundheitlichen Gründen nicht
hätte in der Lage sein sollen, mit seiner Familie in Pakistan Kontakt aufzu-
nehmen, um die Dokumente zu beschaffen, müsse aufgrund der vorliegen-
den Arztzeugnisse als Ausflucht gewürdigt werden.
3.1.4 Auch hinsichtlich der geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeit, wo-
nach der Beschwerdeführer in der Schweiz bei einer Demonstration gegen
die Verfolgung von Christen in Pakistan eine öffentliche Rede gehalten
habe, bezweifelt die Vorinstanz, dass er wegen seines Gesundheitszu-
stands in der Lage sei, Handlungen auszuführen, deretwegen der pakista-
nische Staat ihn als Staatsfeind betrachten könnte. Eine allfällige Überwa-
chung exilpolitischer Aktivitäten durch die pakistanischen Behörden würde
sich auf Personen konzentrieren, die sich aus massentypischen und nie-
derschwelligen exilpolitischen Protesten hervorheben und aufgrund ihrer
Funktion als ernsthafte Gegner des Regimes erscheinen würden. Einem
derartigen exilpolitisch exponierten Profil entspreche der Beschwerdefüh-
rer nicht, und er habe keine exilpolitische Tätigkeit von solchem Ausmass
glaubhaft gemacht, dass deswegen bei einer Rückkehr eine asylrechtlich
relevante Verfolgung ausgelöst werden könnte.
Das SEM äussert sich schliesslich zu den zahlreichen eingereichten Be-
weismitteln. Was die verschiedenen Bestätigungsschreiben christlicher Or-
ganisationen und Würdenträger betreffe, werde die Beschäftigung des Be-
schwerdeführers mit dem christlichen Glauben nicht bezweifelt. Gemäss
den Botschaftsabklärungen seien die Bescheinigungen zwar echt, hätten
aber inhaltlich nicht durch weitere Belege erhärtet werden können, weshalb
sie als zweifelhaft einzustufen und als Gefälligkeitsschreiben zu werten
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seien. Insbesondere habe zur angegebenen Präsidentschaft des Be-
schwerdeführers bei der D._-Gemeinschaft vor Ort keinerlei Bestä-
tigung gefunden werden können. Das Schreiben des "(...) Hostel" wider-
spreche inhaltlich anderweitigen Aussagen des Beschwerdeführers. Die
Zeitungsartikel betreffend die Bedrohung der Ehefrau im Jahr 2013 seien
zwar echt, hätten aber wie andere Dokumente einen tiefen Beweiswert, da
sie in Pakistan leicht unrechtmässig erwerbbar seien. Die weiter einge-
reichten polizeilichen Dokumente seien von schlechter Qualität. Falls es
Drohungen gegen die Ehefrau gegeben habe, sei nicht davon auszugehen,
dass ein Grad erreicht worden wäre, der als lebensgefährlich einzuschät-
zen wäre, da die Familie an derselben Adresse wohnhaft geblieben sei.
3.2
3.2.1 Zu den Abklärungen der Vorinstanz äussert sich der Beschwerdefüh-
rer in der Beschwerde wie folgt: Der Sachverhalt sei weiterhin nicht umfas-
send abgeklärt, und die Vorgaben des Kassationsurteils seien nicht res-
pektiert worden. Das SEM habe sich darauf beschränkt, die Aufenthalte in
Honkong und der Türkei über das UNHCR abzuklären und anderseits über
die Schweizer Botschaft in Pakistan einen Teil der Dokumente auf ihre
Echtheit zu prüfen und eine nicht weiter bezeichnete Anzahl seiner Nach-
barn zu ihm und seiner Familie zu befragen, ohne zu prüfen, in welcher
Beziehung sie mit ihm stehen würden. Verschiedenes sei nicht abgeklärt
worden, wie etwa die geltend gemachte Attacke gegen ihn, die entgegen
den Ausführungen der Vorinstanz ausserhalb des Wohnquartiers erfolgt
sei, den Spitalaufenthalt, über welchen allenfalls Akten erhältlich gewesen
wären, oder die erwähnten Probleme im Zusammenhang mit dem Bau
einer Kirche. Zu den eingereichten Zeitungsartikeln betreffend die Angriffe
und die Drohungen gegen die Ehefrau seien keine weiteren Abklärungen
getroffen worden, wenn die Zeitungsartikel auch als echt betrachtet worden
seien. Ebensowenig sei seinen Angaben wegen der vorgeworfenen Blas-
phemie nachgegangen worden oder hätten Abklärungen zu seinem Be-
kanntheitsgrad oder demjenigen seines Bruders stattgefunden. Auch seien
keine Abklärungen zu seinem politischen Engagement oder zum Grund
seines Parteiwechsels getroffen worden. Unberücksichtigt geblieben sei
auch die aktuelle Situation der Christen in Pakistan und eine allfällige Ge-
fährdung durch sein exilpolitisches Engagement.
Weiter wird in der Beschwerde angemerkt, es irritiere, dass die für die Bot-
schaft abklärende Person, welche eine neutrale Untersuchung hätte durch-
führen sollen, in der Sache Stellung nehme und Gründe konstruiere, wes-
halb der Beschwerdeführer bezüglich seiner Asylgründe gelogen haben
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solle, und ihm vorwerfe, seine Asylgründe nur konstruiert zu haben, um mit
seiner Familie in der Schweiz leben zu können. Solche Aussagen in der
Botschaftsabklärung würden die Objektivität der Abklärungen als Ganzes
ernsthaft in Frage stellen.
3.2.2 Zu den Asylgesuchen in Hongkong und in der Türkei lässt der Be-
schwerdeführer ausführen, dass Hongkong jedenfalls in den Jahren 2014-
2020 eine sehr restriktive Praxis gehabt und nur ein Prozent der Gesuche
gutgeheissen habe. Zu seiner damaligen Verfolgungssituation könne des-
halb aus einem negativen Entscheid in Hongkong nichts abgeleitet werden.
Auch zu seinem Aufenthalt in der Türkei sei zu wenig bekannt, um daraus
etwas für oder gegen seine Verfolgung abzuleiten.
3.2.3 Zum geltend gemachten Angriff durch Angehörige der Muslim-Liga,
der gemäss Vorinstanz unplausibel sei, nachdem die Nachbarn im Wohn-
quartier im Rahmen der Botschaftsabklärungen keine Angriffe auf den Be-
schwerdeführer hätten bestätigen können, wird ausgeführt, der Angriff sei
ausserhalb des untersuchten Wohnquartiers geschehen. Es sei ohne wei-
teres möglich, dass die Nachbarn nichts vom Angriff mitbekommen hätten,
er habe das Haus ja nicht verlassen, weil er nicht mehr habe gehen kön-
nen. Zudem sei unklar, in welcher Beziehung die befragten Nachbarn zu
ihm stehen würden. Daran ändere nichts, dass er in Pakistan bekannt (ge-
wesen) sei. Bei den Ausführungen der Vorinstanz handle es sich um Mut-
massungen. Es sei auch nicht widersprüchlich und entspreche genau sei-
nen Angaben, dass er mit der Muslimliga nicht mehr habe zusammenar-
beiten wollen und von deren Mitgliedern in der Folge angegriffen worden
sei. Auch das Abklärungsergebnis, dass der Beschwerdeführer an den
Wahlen letztlich nicht teilgenommen habe, entspreche genau seinen Dar-
stellungen, dass er zur Wahl nicht angetreten sei, nachdem er zusammen-
geschlagen worden sei.
Soweit die Vorinstanz ausführe, es sei nicht ersichtlich, inwiefern er seit der
Wahl des Bruders und seinem Rückzug aus der Politik (respektive aktuell
nach fünf Jahren in der Schweiz) noch im Fokus der Muslimliga stehen
sollte, und damit eine Aktualität der Furcht vor Verfolgung gemäss Art. 3
AsylG verneine, habe sie seine Vorfluchtgründe nur unzureichend unter-
sucht. Somit sei auch die Frage des Unterbruchs des zeitlichen oder sach-
lichen Kausalzusammenhangs nicht genügend geklärt, um der drohenden
Verfolgung die Aktualität abzusprechen. Es sei weder geklärt worden, ob
und inwiefern in Pakistan die Verhältnisse zu seinen Gunsten geändert hät-
E-6084/2020
Seite 14
ten, noch, ob er wegen seines Engagements beziehungsweise der Weige-
rung zur Zusammenarbeit mit der PML-N weiter gefährdet sei. Angesichts
der langen Verfahrensdauer des Asylverfahrens sei es umso stossender,
dem inzwischen einige Jahre zurückliegenden Angriff auf den Beschwer-
deführer nun die Aktualität absprechen zu wollen.
3.2.4 Auch in ihrer Argumentation bezüglich seiner religiösen Aktivität stelle
die Vorinstanz nur Vermutungen an. Die von der Vorinstanz zitierte Lage-
beurteilung des UK Home Office (Country Policy and Information Note –
Pakistan: Christians and Christian converts, September 2018) berichte von
einer Gefährdung nicht nur von konvertierten Christen, sondern auch von
jenen, die zwar nicht konvertiert, sondern als Christen geboren seien, die
sich aber aktiv bekennend respektive missionierend verhalten würden; na-
mentlich könnten diesen Christen Blasphemie-Anschuldigungen drohen.
Er sei in der christlichen Gemeinde sehr aktiv gewesen und habe mehrere
Ämter inne gehabt. Es sei daher plausibel, dass er deswegen in den Fokus
geraten und Opfer von Verfolgung gewesen sei – und bei einer erneuten
Rückkehr erneut sein werde. Zudem habe er nicht mehr für die Muslimliga
kandidieren wollen, was ihm wie eine Konversion zum Christentum zum
Verhängnis habe werden können.
Zur von der Vorinstanz behaupteten Sicherheit im Wohnquartier der Fami-
lie, das mehrheitlich von Christen bewohnt werde, lässt er weiter ausfüh-
ren, es sei schwer nachvollziehbar, dass in einem Land, das in einem sol-
chen Mass muslimisch sei wie Pakistan, eine Familie eine innerstaatliche
Fluchtalternative vorfinden könnte, um sich vor Übergriffen zu schützen;
aus diesem Grund sei seine Familie nicht aus ihrem Wohnquartiert wegge-
zogen. Im Übrigen sei der hier in Frage stehende Angriff ja ausserhalb die-
ses Quartiers erfolgt. Zudem lebe nicht mehr seine ganze Familie an der
genannten Adresse. Es sei der Vorinstanz bekannt, dass ein Sohn auch
geflohen sei, sich vor einigen Monaten in [Europa] aufgehalten habe und
mittlerweile in [Europa] sei. Dass dessen Flucht in der Botschaftsabklärung
nicht erwähnt werde, spreche ebenfalls dafür, dass die Abklärungen vor Ort
nicht sehr gründlich durchgeführt worden seien.
3.2.5 Zur Erhärtung der in der Anhörung geltend gemachten Verfolgung
aufgrund des Blasphemiegesetzes, wonach er den Propheten beleidigt
habe und deshalb in Pakistan getötet würde, lässt er ausführen, er habe
alle Beweise, die er einfach habe besorgen können, eingereicht. Er gebe
sein Einverständnis dazu, dass dies ein Anwalt in Pakistan abklären könne,
er sei aber nicht im Stande, es selbst zu tun.
E-6084/2020
Seite 15
3.2.6 Zu seiner exilpolitischen Tätigkeit und seinem Einsatz für Christen in
Pakistan von der Schweiz aus verweist der Beschwerdeführer auf die Kurz-
recherche der SFH (Beilage zu A29) sowie das UK Home Office und wen-
det ein, es gebe durchaus eine Überwachung von pakistanischen Staats-
bürgern im Ausland, die den pakistanischen Staat kritisierten. Sein Enga-
gement hier in der Schweiz sei nicht «massentypisch» oder «niederschwel-
lig» gewesen, zumal er vor seiner Ausreise durchaus ein hohes politisches
Profil aufgewiesen habe; dies dürfte seiner Rede an der Demonstration in
der Schweiz ein zusätzliches Gewicht verleiht haben. Seine Gedächtnis-
probleme seien dem pakistanischen Staat nicht bekannt, weshalb eine
hohe Gefahr bestehe, dass sein Heimatland bei seiner Rückkehr auf ihn
aufmerksam und er Opfer von asylrelevanter Verfolgung werde.
3.2.7 Schliesslich führt der Beschwerdeführer zu seinem Engagement für
das Christentum in Pakistan und zu den Recherchen der Botschaft über
die verschiedenen geprüften Dokumente aus, grundsätzlich würden sich
die Ausführungen der Vorinstanz nicht mit den Erkenntnissen der Abklä-
rung decken. Bei allen Dokumenten sei festzuhalten, dass sie von den je-
weiligen Organisationen als echt eingestuft worden seien. Dass diese kei-
ne weiteren schriftlichen Belege für seine Mitgliedschaft hätten liefern kön-
nen, dürfe nicht dahingehend ausgelegt werden, die Dokumente seien
«factually bogus» (so die Botschaftsabklärung) beziehungsweise zweifel-
haft. Die einzelnen Dokumente seien ferner teilweise gar nicht Teil der
Überprüfung durch die Botschaft gewesen, die Vorinstanz beziehe sich zu-
dem auf ein Dokument (das Schreiben des "[...] Hostel"), das ihm nicht
bekannt sei.
Zu den beiden Zeitungsartikeln und den polizeilichen Dokumenten führt er
aus, die Artikel seien als echt bestätigt worden, weshalb sie beweiskräftig
seien. Was die anderen Belege betreffend die geltend gemachte Bedro-
hung der Ehefrau betreffe, habe die Vorinstanz keine Abklärungen vorge-
nommen und sei insofern wiederum den vom Bundesverwaltungsgericht
im Kassationsurteil gemachten Auflagen nicht nachgekommen. Ihre Be-
gründung, die Familie wohne immer noch an derselben Adresse, reiche
nicht aus. Es sei möglich, dass die grosse Angst der Ehefrau durch seine
Ausreise kleiner geworden sei, was für sein politisches Profil und für seine
Verfolgung sprechen würde. Andererseits habe das SEM wiederholt darauf
hingewiesen, dass die Familie in einem christlichen Quartier wohne; es sei
deshalb durchaus möglich, dass dies immer noch der sicherste Ort für die
Familie sei, ungeachtet der Drohungen. Auch hier stütze sich die Vor-
instanz im Wesentlichen lediglich auf Vermutungen.
E-6084/2020
Seite 16
Abschliessend verweist er darauf, dass er auch mit Gedächtnisproblemen
und gesundheitlicher Beeinträchtigung politisch aktiv sein könne, und hält
fest, dass es ihm schwer fallen dürfte, seinen christlichen Glauben in sei-
nem Heimatland "diskret" zu leben.
3.3 Mit Eingabe vom 23. Februar 2021 wurde ein ambulanter Bericht der
(...), Klinik für Alterspsychiatrie, vom 20. Januar 2021 eingereicht. Der Be-
schwerdeführer war der Klinik durch seine Hausärztin zur Kognitionsabklä-
rung zugewiesen worden. Die Ärzte weisen auf die deutliche Sprachbarri-
ere hin, was die Untersuchungen schwierig gestaltet habe. Der Patient
habe von religiöser Verfolgung in Pakistan berichtet, wo er wiederholt Op-
fer von Gewalt durch Muslime geworden sei und namentlich vor circa fünf
Jahren ein Gewaltereignis durch Muslime mit mehreren Gewalteinwirkun-
gen gegen seinen Schädel erlebt habe; weiter berichte der Patient von Ge-
dächtnis- und Konzentrationsstörungen. Soweit aufgrund der sprachlichen
Schwierigkeiten abklärbar, stellten die Ärzte keinen Verdacht auf eine neu-
rodegenerative Erkrankung fest; es seien auch keine Anhaltspunkte für
Wahn oder Sinnestäuschungen, keine Ich-Störungen oder Zwänge fest-
stellbar und es bestünden keine Anhaltspunkte für eine akute Selbst- oder
Fremdgefährdung. Klinisch und anamnestisch sei der Verdacht auf eine
aktuell mittelgradige depressive Episode, möglicherweise auch auf eine
posttraumatische Belastungsstörung, differentialdiagnostisch der Verdacht
auf eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung zu
diagnostizieren.
4.
Vorab sind die formellen Rügen des Beschwerdeführers, dass die Vor-
instanz den Sachverhalt erneut nicht ausreichend abgeklärt habe, sowie
sein Antrag, das Verfahren sei erneut an die Vorinstanz zurückzuweisen,
zu prüfen.
4.1 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen
des Verwaltungs- respektive Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6
AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen,
die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich
relevanten Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu
führen. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für
den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden, un-
richtig, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zu-
grunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu
E-6084/2020
Seite 17
Unrecht verneint wird, so dass diese nicht zum Gegenstand eines Beweis-
verfahrens gemacht wird, oder weil Beweise falsch gewürdigt worden sind
(vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 456 ff., 1133 f.). Der Untersu-
chungsgrundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt, sondern findet sein
Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 13 VwVG;
vgl. CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren,
2. Aufl. Zürich/St. Gallen 2019, Rz. 9 f. zu Art. 12). Im AsylG wird die Mit-
wirkungspflicht spezialgesetzlich in Art. 8 statuiert.
Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht
grundsätzlich in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit ver-
bindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rück-
weisung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tat-
sachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren
durchzuführen ist (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1155). Die in diesen
Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch
die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall
aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies
aber nicht (BVGE 2012/21 E 5.1 S. 414 f. m.H. auf EMARK 2004 Nr. 38
E. 7.1 S. 265 m.w.H.).
4.2 Der Beschwerdeführer beantragt im Hauptantrag die erneute Rück-
weisung des Verfahrens an die Vorinstanz, mit der Begründung, diese habe
den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem die erfolgten Abklärun-
gen den Weisungen des Bundesverwaltungsgerichts im Kassationsurteil
vom 17. Juli 2018 in keiner Weise genügten und die Vorinstanz ihrer Un-
tersuchungspflicht wiederholt nicht nachgekommen sei. Weiterhin seien
erhebliche Tatsachen nicht festgestellt worden. Die Sache sei deshalb wie-
derum an die Vorinstanz zur Klärung der unbekannt gebliebenen Punkte
zurückzuweisen.
4.3 Diesen Rügen schliesst sich das Gericht nicht an. Es ist festzuhalten,
dass das SEM nach Rückweisung des Verfahrens mit Kassationsurteil vom
17. Juli 2018 sowohl Botschaftsabklärungen in die Wege geleitet als auch
Abklärungen beim UNHCR betreffend die Asylverfahren des Beschwerde-
führers in Hongkong und in der Türkei durchgeführt hat. Weiter wurde der
Beschwerdeführer zur Einreichung von Arztberichten sowie zur Beschaf-
fung von Beweisunterlagen betreffend die behaupteten Blasphemieverfah-
ren, die es gegen ihn gebe, aufgefordert. Diesbezüglich hätte es ihm im
http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/38
E-6084/2020
Seite 18
Sinne seiner Mitwirkungspflicht im Verfahren oblegen, sich um die zumut-
bare Beschaffung von Beweismitteln, namentlich unter Mithilfe durch seine
weiterhin in Pakistan lebende Familie, zu kümmern. Der blosse Hinweis
des Beschwerdeführers, aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen
könne er keine Unterlagen in Pakistan besorgen, weshalb dies das SEM
durch eine weitere Botschaftsanfrage vornehmen solle, vermag die Mitwir-
kungspflicht nicht zu relativieren, zumal dem Beschwerdeführer im Be-
schwerdeverfahren seine Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin
zugeordnet worden ist.
Das Gericht geht vorliegend von einem entscheidreif vorliegenden Sach-
verhalt aus; gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers, die einge-
reichten Beweismittel und die erfolgten Abklärungen der Vorinstanz lässt
sich der Sachverhalt im Wesentlichen rekonstruieren. Soweit Vorbringen
nicht haben verifiziert werden können, stellt dies daher nicht einen Grund
für eine erneute Kassation dar, sondern ist im Rahmen der materiellen Prü-
fung der Vorbringen zu würdigen.
Der Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist deshalb ab-
zuweisen, und es ist reformatorisch zu entscheiden.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.3 Nach Art. 54 AsylG (subjektive Nachfluchtgründe) wird Flüchtlingen
kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder
E-6084/2020
Seite 19
Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge
im Sinne von Art. 3 AsylG wurden. Personen mit subjektiven Nachflucht-
gründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig
aufgenommen. Massgebend ist dabei einzig, ob die heimatlichen Behör-
den das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und
dieser deswegen bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung
im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforde-
rungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und
7 AsylG; vgl. zum Ganzen auch BVGE 2009/29 E. 5.1 und 2009/28 E. 7.1).
6.
6.1 Aufgrund der heute vorliegenden Akten ist von folgendem Sachverhalt
auszugehen:
Der Beschwerdeführer hielt sich von 2000 bis 2002 in Hongkong auf; sein
dort gestelltes, mit religiöser Verfolgung begründetes Asylgesuch wurde
abgelehnt, und Ende Mai 2002 kehrte er nach Pakistan zurück. Im Januar
2004 stellte er in der Türkei ein Asylgesuch, über dessen weiteren Verlauf
nichts bekannt ist. Unklar bleibt ferner, ob der Beschwerdeführer im Jahr
2011 oder im Jahr 2013 aus der Türkei nach Pakistan zurückkehrte; der
Beschwerdeführer gab einerseits an, er sei 2011 zurückgekehrt (vgl. A8
S. 5; vgl. auch den eingereichten schriftlichen Lebenslauf, in A2 BM6),
konnte sich andererseits aber nicht mehr erinnern (vgl. A20 F46, 58). Seine
Ehefrau sprach der Vertrauensperson der Botschaft gegenüber ebenfalls
von einer Rückkehr im Jahr 2011 (vgl. A44 S. 7), andererseits liegen die
Anzeigen der Ehefrau bei einem Friedensrichter und bei einer Polizeista-
tion im Juni 2013 vor, in denen zu Protokoll gegeben wurde, der Ehemann
sei in der Türkei (vgl. A21 BM 2 und 5).
Ein Teil der Dokumente hinsichtlich der geltend gemachten Verfolgung der
Familie des Beschwerdeführers in den Jahren 2013 und 2014 lässt sich
ferner zeitlich nicht einordnen und die Sache bleibt dahingehend ungeklärt
(vgl. bspw. Schreiben des [...] Hostel vom 15. Oktober 2014; soweit der
Beschwerdeführer in der Beschwerde, S. 23, geltend macht, dieses
Schreiben sei ihm nicht bekannt, trifft dies nicht zu; vgl. vielmehr A21 BM3).
6.2 Was das Engagement des Beschwerdeführers als Christ betrifft, ergibt
sich dieses aus den zahlreichen eingereichten Bestätigungsschreiben;
diese wurden im Rahmen der Botschaftsabklärung als echt (ohne Fäl-
schungsmerkmale) verifiziert, wenn auch anderweitige Belege für die in
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/29 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28
E-6084/2020
Seite 20
den Schreiben bestätigten Angaben teilweise nicht ermittelt werden konn-
ten; diesen Befund hielt die mit den Ermittlungen beauftragte Vertrauens-
person mit der Bezeichnung "genuine document but factually bogus" (oder
"factually dubious") fest.
Aus den Bestätigungen ergibt sich für das Bundesverwaltungsgericht ohne
Zweifel, dass der Beschwerdeführer (wie auch seine Ehefrau) in Pakistan
in der Diözese (...) ein aktives Mitglied der katholischen Kirche war respek-
tive ist und dass er seinen Glauben als Christ nicht nur im Verborgenen
beziehungsweise nur innerhalb dieser Kirchgemeinde praktizierte, sondern
diesen auch öffentlich vertrat und öffentlich dafür kämpfte. Beispielsweise
leistete er Unterstützung an Christen, indem er sie zum Gericht begleitete
(A20 F167 ff., A21 BM8), oder er engagierte sich beim Bau einer Kirche
oder als Organisator von Demonstrationen (A20 F162 f.). Ferner war der
Beschwerdeführer der örtliche Präsident der «D._» für den Distrikt
(...); die Bestätigung betreffend dieses Engagement datiert von Februar
2004 (vgl. A2 BM1); seinen Angaben gemäss sei der Beschwerdeführer
später dort nicht mehr aktiv gewesen (vgl. A20 F165 f., F174). Die weiteren
(später datierten) Dokumente von Kirchgemeinden respektive kirchlichen
Organisationen belegen seine aktive Mitgliedschaft als Kirchenmitglied; so-
weit sie aber inhaltlich über diese Aussage hinausgehen, sind sie – wie
beispielsweise das Schreiben der (...) (vgl. A21 BM 8) – als Gefälligkeits-
schreiben zu betrachten.
Insgesamt wird vom Gericht nicht bezweifelt, dass der Beschwerdeführer
in religiöser Hinsicht in den Zeiten, in welchen er sich in Pakistan aufhielt,
als Christ engagiert war und zumindest in regionaler Hinsicht einen gewis-
sen Bekanntheitsgrad erlangt hat. Dabei ist es auch ohne Zweifel möglich,
dass er sich mit seinem Engagement für das Christentum in Pakistan, ins-
besondere vor seiner Flucht in die Türkei im Jahr 2004, Feinde gemacht
hat.
Was indes die allgemein vorgebrachten Angaben des Beschwerdeführers
betrifft, er habe sich der Verletzung des Blasphemiegesetzes schuldig ge-
macht, beziehungsweise dies werde ihm vorgeworfen (A20 F116, F156),
ergeben sich aus den Akten keine genügend konkreten Hinweise, welche
diese Angaben erhärten könnten. Belege für ein staatliches Strafverfahren
oder sachdienliche Hinweise dazu konnten nicht beigebracht werden. Ent-
gegen seiner Auffassung wäre es dem in der Schweiz vertretenen Be-
schwerdeführer mit Hilfe seiner Familie in Pakistan durchaus zumutbar ge-
E-6084/2020
Seite 21
wesen, entsprechende Belege zu beschaffen, zumal aus den eingereich-
ten Akten hervorgeht, dass seine Ehefrau in Pakistan eine anwaltliche Ver-
tretung hatte (A21 BM15).
6.3 Nicht verifiziert werden konnte im Rahmen der Botschaftsabklärungen
die geltend gemachte politische Kandidatur des Beschwerdeführers für
den christlichen Sitz als Gemeinderat. Wann die Kandidatur gewesen sein
soll, bleibt letztlich unklar; in seinem schriftlichen Lebenslauf sprach der
Beschwerdeführer vom Dezember 2014 (vgl. A2 BM6); in der Anhörung
konnte er kein Datum nennen (vgl. A20 F123 ff.). Seine Ehefrau sprach im
Rahmen der Botschaftsabklärungen davon, der Beschwerdeführer habe im
Jahr 2011, im Namen der PML-N, kandidiert, die Wahl sei damals aber
verschoben worden, und später habe er erneut, nun im Namen der PPP,
kandidiert, an der Wahl aber dann nicht mehr teilgenommen (vgl. A44 S. 8
f.). Anderen Angaben zufolge soll sich der Beschwerdeführer aber, wie be-
reits erwähnt, im Jahr 2011 noch in der Türkei aufgehalten haben. Bei den
eingereichten Unterlagen (vgl. A21 BM5) handelt es sich um ein Formular
betreffend Nominierung als Kandidat, welches aber offenbar der Wahlbe-
hörde nicht eingereicht worden ist (vgl. A44 S. 1 und 4).
Den Angaben des Beschwerdeführers zufolge habe sein Bruder
E._ an seiner Stelle an der Wahl teilgenommen und den christlichen
Sitz für die PML-N gewonnen (vgl. A20 F139 ff.). Das SEM zitiert in der
angefochtenen Verfügung diesbezüglich die Botschaftsabklärungen, dass
der Bruder F._ kandidiert habe. Diese Erwägung ist zu präzisieren;
es wird in der Botschaftsabklärung die Ehefrau des Beschwerdeführers zi-
tiert, F._ sei im Jahr 1990 Ratsmitglied gewesen, er sei am (...) ge-
storben, dessen Ehefrau lebe am gleichen Ort, zusammen mit einem wei-
teren Bruder des Beschwerdeführers, E._ (A44 S. 9). In der Zusam-
menfassung der Abklärungen (A44 S. 11) wird dann jedoch angegeben,
der Bruder F._ sei im Jahr 2015 als Ratsmitglied gewählt worden
und im Jahr (...) gestorben. Letztlich bleibt unklar, ob der Beschwerdefüh-
rer die Brüder in der Anhörung verwechselte oder ob allenfalls im Jahr 1990
der eine Bruder und im Jahr 2015 der andere Bruder gewählt wurde; die
Frage ist allerdings für das vorliegende Verfahren nicht relevant und kann
ungeklärt bleiben.
6.4 Die damalige Kandidatur des Beschwerdeführers, die er nicht mehr als
Kandidat für die PML-N, sondern als unabhängiger Kandidat habe einrei-
chen wollen, soll der Grund gewesen sein, dass der Beschwerdeführer von
Leuten der PML-N im Jahr 2015 zusammengeschlagen worden sei (vgl.
E-6084/2020
Seite 22
A20 F50, 69, 71 ff., 135 ff.). Der gewaltsame Übergriff sei wenige Tage
nach der Kandidatur erfolgt (vgl. A20 F128); weil er zusammengeschlagen
worden sei, habe der Beschwerdeführer danach die Kandidatur aufgege-
ben (vgl. A20 F134).
Der geltend gemachte Angriff vom Mitarbeitern der PML-N soll sich Ende
März oder Anfang April 2015 auf dem Heimweg von seiner Praxis in
C._ abgespielt haben (vgl. A20 F84), das heisst – entgegen den
Ausführungen der Vorinstanz – ausserhalb seines christlichen Wohnquar-
tiers. Diesbezüglich bestätigte die Ehefrau des Beschwerdeführers Kon-
flikte ihres Ehemannes mit Mitarbeitern der PML-N wegen seiner Präsi-
dentschaft einer christlichen Organisation; hingegen machte sie keinen ex-
pliziten Zusammenhang zwischen diesem Vorfall und der Kandidatur des
Beschwerdeführers als Gemeinderat. Ferner bestätigte sie auch einen
Krankenhausaufenthalt im April 2015 «due to clotting of blood» (wegen Ge-
rinnung von Blut), ihr Ehemann sei deshalb gelähmt gewesen. Wie bereits
erwähnt, gab die Ehefrau im Rahmen der Botschaftsabklärung weiter an,
ihr Ehemann habe im Jahr 2011 bei der Regionalwahl noch für die PML-N
für den Minderheitensitz seine Kandidatur angemeldet, die Wahl sei dann
aber verschoben worden. Er habe danach seine Kandidaturpapiere für die
Peoples Party hinterlegt, habe dann aber nicht an der Wahl teilgenommen
(vgl. A44 S. 9). Auch wenn die Ehefrau des Beschwerdeführers den Angriff
gegenüber der sie besuchenden abklärenden Person nicht explizit bestä-
tigt hat, erweist es sich im Kontext als glaubhaft, dass der Angriff stattfand,
zumal – wie der Beschwerdeführer zu Recht ausführen lässt – für die An-
hänger der PML-N nach seinem Parteiwechsel durchaus ein Anlass für ei-
nen Angriff bestanden haben dürfte. Der Beschwerdeführer gab dazu an,
er habe die Angreifer – jedenfalls die Pakistaner – erkannt (A20 F76 ff.),
und er hat in der Folge ja auch auf eine Kandidatur verzichtet (A20 F134
ff.). Auch seinen Ärzten in der Schweiz gegenüber sprach der Beschwer-
deführer im Übrigen davon, er sei im Jahr 2015 von Muslimen schlimm
zusammengeschlagen worden (vgl. ambulanter Bericht der [...], Klinik für
Alterspsychiatrie, vom 20. Januar 2021; Beilage zu Beschwerde-act. 4).
Nicht ausschlaggebend bleibt, entgegen den Erwägungen in der angefoch-
tenen Verfügung, in diesem Zusammenhang indes, ob Nachbarn, die ge-
mäss der Botschaftsabklärung über die politischen Aktivitäten des Be-
schwerdeführers informiert waren, den Angriff (bzw. dessen Folgen, als der
Beschwerdeführer sich zuhause erholte) mitbekommen haben. Daraus,
dass die Nachbarn im Rahmen der Botschaftsabklärung keinen Angriff auf
E-6084/2020
Seite 23
den Beschwerdeführer bestätigt haben, lässt sich nichts gegen die Glaub-
haftigkeit des Vorbringens ableiten.
6.5 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, auch die Ehefrau und die
Familie sei Opfer von Verfolgung geworden (A20 F76, F108). Die Akten
enthalten dafür zwar Indizien. Diese erweisen sich indes – wie die Vor-
instanz zu Recht ausführt – als wenig substantiiert. Dies gilt insbesondere
für die eingereichten Zeitungsmeldungen, die über einen tiefen Beweiswert
verfügen. Betreffend die Anzeige der Ehefrau bei der Polizei vom (...) 2013
finden sich keine weiteren Angaben zur Fortsetzung des Verfahrens – aus-
serdem handelt es sich um eine schlechte Kopie – weshalb sich daraus
nur ein beschränkter Beweiswert ergibt. Zudem hat die Ehefrau des Be-
schwerdeführers im Rahmen der Botschaftsabklärung keine aktuelle Ver-
folgung erwähnt (vgl. A44 S. 7 ff.). Die Vorinstanz hat diesbezüglich zutref-
fend festgehalten, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers mit den mitt-
lerweile erwachsenen beiden jüngsten Kindern an der bisherigen Adresse
geblieben ist, woraus jedenfalls zu schliessen ist, dass die Familie dort ei-
nigermassen sicher ist. Eine aktuelle asylrelevante Verfolgung der Familie
ist daher nicht glaubhaft gemacht worden.
6.6 Was die von der Vorinstanz veranlassten Botschaftsabklärungen be-
trifft, ist schliesslich abschliessend festzuhalten, dass die mit der Abklärung
beauftragte Vertrauensperson zur Klärung des Sachverhalts im Rahmen
ihrer Möglichkeiten beigetragen hat – soweit ihr überhaupt Auskunft erteilt
wurde. Wie der Beschwerdeführer zu Recht ausführt, tragen jedoch die
Befragungen einer unbestimmten Anzahl von Nachbarn, von welchen nicht
bekannt ist, wie sie zum Beschwerdeführer stehen, nicht ausschlaggebend
zur Klärung des Sachverhalts bei, beispielsweise dürften sie kaum über
telefonische Drohungen gegenüber der Familie informiert sein. Die Folge-
rung der Vorinstanz, die Familie lebe seit vielen Jahren friedlich und unbe-
helligt an der angegebenen Adresse, ist daher in dieser Form nicht statt-
haft. Was die Wertung der Sache in der Botschaftsabklärung betrifft (vgl.
A44 S. 2 und S. 13, je in fine), geht das Gericht mit dem Beschwerdeführer
einig, dass es der beauftragten Person nicht zustand, die Sache im Hinblick
auf das Asylgesuch zu beurteilen, zumal sie auch nur in einen kleinen Teil
der Angelegenheit Einblick hatte.
6.7 Zusammenfassend geht das Gericht davon aus, dass glaubhaft ge-
macht worden ist, dass der Beschwerdeführer in Pakistan seit Jahren als
praktizierender Christ in verschiedenen christlichen lokalen Organisationen
engagiert war und vor seiner Ausreise andere Christen unterstützte, für das
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Seite 24
Christentum öffentlich auftrat und politisch hinsichtlich dem für Christen re-
servierten Sitz auf lokaler Ebene aktiv war, wenn er auch letztlich im Jahr
2015 nicht mehr dafür kandidierte. Weiter ist es glaubhaft, dass der Be-
schwerdeführer im Frühling 2015 auf dem Heimweg von seiner Arbeit aus
seiner Praxis in C._ von mehreren Angreifern spitalreif geschlagen
wurde, deswegen in Spitalpflege war und sich anschliessend zuhause er-
holte. Als nicht genügend substantiiert erweisen sich die allgemein vorge-
brachten Verweise auf einen oder mehrere ihm vorgeworfene Verstösse
gegen das Blasphemiegesetz und die Angaben zur Bedrohung der Familie.
Was die in der Anhörung geltend gemachte Bekanntheit des Beschwerde-
führers betrifft, ist jedenfalls in regionaler Hinsicht von einem bestehenden
Bekanntheitsgrad auszugehen, soweit er in Pakistan aktiv war. Es ist weiter
belegt, dass er im Jahr 2000 in Hongkong und im Jahr 2004 in der Türkei
Asylgesuche einreichte.
7.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die als glaubhaft befundenen Vorbringen,
namentlich der Angriff im Nachgang zum Parteiwechsel des Beschwerde-
führers im Zusammenhang mit seinem Engagement als Christ in Pakistan,
flüchtlingsrechtlich relevant im Sinne des Asylgesetzes ist.
7.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürch-
ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive
durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zu-
gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl.
BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37), ohne dass die betroffene Person in ihrem Hei-
mat- oder Herkunftsstaat ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE
2008/12 E.7.2.6.2, BVGE 2008/4 E. 5.2).
Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation
im Zeitpunkt des Entscheides. Die Verfolgung muss grundsätzlich auch im
Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein, wobei erlittene Verfolgung
oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfol-
gung auf eine andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen
der Situation im Heimat- oder Herkunftsstaat zwischen Ausreise und Asyl-
entscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu
berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2, BVGE 2010/9 E. 5.2, BVGE
2007/31 E. 5.3 f., jeweils m.w.H.).
E-6084/2020
Seite 25
7.2 Was die früheren Asylverfahren des Beschwerdeführers in Hongkong
– wo sein Gesuch erst- und zweitinstanzlich abgelehnt worden ist – und in
der Türkei betrifft, lassen sich für das vorliegende Verfahren keine Schluss-
folgerungen ziehen. Namentlich ist über das Verfahren in der Türkei nichts
bekannt und es konnte auch nicht geklärt werden, wann genau und unter
welchen Umständen der Beschwerdeführer aus der Türkei nach Pakistan
zurückgekehrt ist (vgl. oben E. 6.1).
7.3 Zu prüfen ist, ob die Verfolgungssituation im Zeitpunkt der Ausreise
des Beschwerdeführers im August 2015 aktuell und von genügender Inten-
sität gewesen ist. Das Gericht erachtet es als glaubhaft, dass der Be-
schwerdeführer im Frühling 2015 in Pakistan angegriffen und so schwer
verletzt wurde, dass er zunächst in Spitalpflege war und sich nachher zu-
hause erholen musste, weil er nicht mehr gehen konnte. Er hat aber explizit
verneint, dass es seit seiner Rückkehr aus der Türkei vor und nach diesem
Ereignis persönlichen Angriffe auf ihn gegeben habe (A20 F74, F186).
Auch wenn der schwere körperliche Angriff mit gesundheitlichen Folgen für
den Beschwerdeführer in körperlicher und psychischer Hinsicht (Rücken-
beschwerden und Gedächtnisprobleme, die er auf den Angriff zurückführt,
und je ein Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung und eine
mittelschwere depressive Episode; vgl. A21 BM9, Beilagen zu A64, Beilage
zu B-act. 4) vom Gericht nicht bezweifelt wird, handelt es sich doch um
einen einmaligen Angriff; danach blieb der Beschwerdeführer noch einige
Monate in seinem Wohnquartier, bevor er schliesslich aus Pakistan aus-
reiste. Dieser einmalige Vorfall reicht nicht aus, um eine genügend inten-
sive und damit asylrelevante Verfolgung zu begründen, zumal letztlich
auch nicht geklärt ist, wer die Angreifer waren. Der Beschwerdeführer gab
zwar an, er habe jedenfalls die Pakistaner an den Stimmen erkannt. Es ist
jedoch – auch unter Berücksichtigung der geltend gemachten Angst vor
weiterer Verfolgung für sich und seine Familie – nicht nachvollziehbar, dass
er die Angreifer nicht bei der Polizei angezeigt hat, trotz Aufforderung im
Krankenhaus dazu (A20 F69, F76 ff., F81-83, F87). Zudem liessen sich die
medizinischen Beschwerden des Beschwerdeführers, insbesondere die
Gedächtnisprobleme, nicht nur als Folge von Gewalt, sondern auch orga-
nisch (durch kleine Hirninfarkte) erklären (vgl. Arztzeugnis [...]; Klinische
Befunde Spital [...] vom 22. Februar 2016; A21 BM9). Dazu kommt, dass
sich die Vorfälle des Jahres 2015 nicht in einen Zusammenhang bringen
lassen zu den früheren Ereignissen vor dem Jahr 2000 (Asylgesuch in
Hongkong) beziehungsweise 2004 (Asylgesuch in der Türkei). Jedenfalls
E-6084/2020
Seite 26
blieb der Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr aus der Türkei im Jahr
2011 oder 2013 nach Pakistan dort offenbar bis ins Jahr 2015 unbehelligt.
7.4 Unter diesen Umständen erweist es sich – wie die Vorinstanz letztlich
zu Recht ausführte – nach der weiteren langjährigen Abwesenheit des Be-
schwerdeführers als unwahrscheinlich, dass er bei seiner Rückkehr wiede-
rum einer Verfolgung durch Organe des Heimatstaates oder durch nicht-
staatliche Akteure ausgesetzt sein könnte. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass namentlich keine Verfolgung wegen eines (vermuteten) Verstosses
gegen das Blasphemiegesetz glaubhaft gemacht wurde. Soweit in den Ak-
ten und eingereichten Beweismitteln Drohungen gegen die Ehefrau des
Beschwerdeführers (und allenfalls auch der Kinder) geltend gemacht wer-
den, dürften diese auch mit ihrem eigenen Engagement in der christlichen
Gemeinde in einem Zusammenhang stehen. Die entsprechenden Unterla-
gen datieren aus dem Jahr 2013; im Rahmen der Botschaftsabklärung hat
die Ehefrau keine Verfolgung gegen ihre Person oder gegen die Kinder
geltend gemacht. Der Beschwerdeführer kann hinsichtlich des vorliegen-
den Verfahrens daraus jedoch nichts zu seinen Gunsten ableiten.
7.5 Zu bestätigen sind schliesslich die Erwägungen der Vorinstanz in der
angefochtenen Verfügung, dass nicht von einer Kollektivverfolgung der
Christen in Pakistan auszugehen ist. Im Urteil E-3258/2018 vom 2. Juni
2020 (als Referenzurteil publiziert) hat das Bundesverwaltungsgericht sei-
ne Praxis gemäss EMARK 1996 Nr. 23 zur Situation der Christen in Pakis-
tan aktualisiert. Der Islam ist in Pakistan die Staatsreligion; anderen Reli-
gionen garantiert die pakistanische Verfassung zwar die freie Religions-
ausübung; Blasphemie gegen den Islam ist in Pakistan aber ein Straftat-
bestand. Circa 1,6 – 2 % der pakistanischen Bevölkerung sind Christen;
dies macht eine Zahl von ca. 3,3 – 4 Millionen Personen aus. Die christliche
Minderheit sieht sich in Pakistan einer zunehmenden Tendenz von gesell-
schaftlicher Intoleranz, religiösem Extremismus und Diskriminierung ge-
genüber. In den letzten Jahren gab es eine Serie von Anschlägen auf
christliche Einrichtungen und von Christinnen und Christen frequentierte
Orte; es ist eine Zunahme von religiös motivierten Gewaltakten gegen
Christen seitens militanter islamistischer Gruppierungen festzustellen. Das
Gericht geht aber nicht von einer Kollektivverfolgung aus. Die bekannt ge-
wordenen Übergriffe weisen – im Vergleich zur zahlenmässigen Grösse
der christlichen Minderheit – nicht eine derartige Häufigkeit auf, dass jeder
und jede Angehörige der christlichen Minderheit in begründeter Weise eine
Verfolgung befürchten müsste (vgl. Referenzurteil E-3258/2018 vom
2. Juni 2020 E. 8).
E-6084/2020
Seite 27
7.6 Zusammenfassend besteht kein begründeter Anlass zur Annahme,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Pakistan – in Berück-
sichtigung seines Rückzugs aus der aktiven Politik in Pakistan – mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft flüchtlingsrelevanten
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein wird. Es liegt daher kein An-
spruch auf Asyl gemäss Art. 2 und 3 AsylG vor.
7.7 Soweit der Beschwerdeführer subjektive Nachfluchtgründe geltend
macht, nachdem er im (...) 2018 an einer Demonstration in der Schweiz
gegen die Unterdrückung und Diskriminierung von Christen in Pakistan
aufgetreten sei und eine Rede gehalten habe, ist der Vorinstanz zuzustim-
men, dass es sich nicht als in einem genügenden Mass wahrscheinlich er-
weist, dass der Beschwerdeführer deswegen vom pakistanischen Staat als
Staatsfeind betrachtet und verfolgt würde. Darüber hinaus finden sich kei-
ne exilpolitische Tätigkeiten in den Akten und werden auch nicht geltend
gemacht (A29 S. 3, B-act. 1 S. 27). Es ist daher auch keine begründete
Furcht für eine Verfolgung des Beschwerdeführers aufgrund exilpolitischer
Aktivitäten ersichtlich.
8.
Demnach konnte der Beschwerdeführer weder einen asylrelevanten erlit-
tenen Nachteil noch eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung dar-
legen, noch ist von einer in absehbarer Zukunft drohenden flüchtlingsrele-
vanten Verfolgung auszugehen. Die Vorinstanz hat demnach im Ergebnis
zu Recht das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgewiesen und die
Flüchtlingseigenschaft verneint.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
E-6084/2020
Seite 28
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
E-6084/2020
Seite 29
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.4.1 In Pakistan herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situa-
tion allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumut-
bar wäre. Es ist auch nicht von einer generellen Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs für Angehörige der christlichen Minderheit auszugehen
(vgl. Referenzurteil E-3258/2018 vom 2. Juni 2020 E. 12.4.1).
10.4.2 Der Beschwerdeführer verfügt in B._ über ein familiäres
Netz mit seiner Ehefrau und noch zwei anwesenden erwachsenen Kindern,
einer Tochter und einem gut ausgebildeten Sohn. Die Familie wohnt im
eigenen Haus des Beschwerdeführers, das sich in einem christlichen Quar-
tier befindet; insofern ist nicht von einer akuten Bedrohungslage auszuge-
hen. Die Familie des Beschwerdeführers lebt seit Jahren dort, der Be-
schwerdeführer ist im Haus nebenan aufgewachsen. Nach dem Tod des
einen Bruders lebt dessen Witwe in dem Haus wie auch ein weiterer Bruder
des Beschwerdeführers (A44 S. 9). Dafür, dass die Wohngegend für die
Familie unter den bestehenden Umständen sicher ist, spricht, dass die Fa-
milie nie weggezogen ist, obwohl allenfalls auch in der Stadt G._,
der Herkunft der Ehefrau, welche ebenfalls Christin ist, die Möglichkeit be-
standen hätte zu wohnen. Die Familie wird – gemäss Angabe des Be-
schwerdeführers (vgl. A20 F38) – von der Familie der Ehefrau unterstützt
und schien im Zeitpunkt der Abklärung durch die Botschaft nicht in Armut
zu leben. Zudem führt die Ehefrau weiterhin die (...)-Praxis ihres Eheman-
nes und dürfte daher über ein Einkommen verfügen (A44 S. 8, S. 11).
E-6084/2020
Seite 30
10.4.3 Der Beschwerdeführer ist gesundheitlich in physischer und auch
psychischer Hinsicht stark angeschlagen, wird aber in der Schweiz aktuell
nur medikamentös behandelt. Eine in der Schweiz begonnene Behandlung
der Augen hat er abgebrochen, nachdem er nicht von deren Erfolg über-
zeugt war (Beilage zu A64).
Das Gesundheitswesen und die damit verbundene Versorgungslage in
Pakistan ist – bemessen an der Grösse der zu versorgenden Bevölkerung
– begrenzt und es besteht meist die Notwendigkeit – obwohl grundsätzlich
kostenlos – die Leistungen selbst zu zahlen (vgl. Malik, M. A., Universal
health coverage assessment Pakistan, 12.2015, https://ecom-
mons.aku.edu/pakistan_fhs_mc_chs_chs/203/, abgerufen am 05.06.2019;
sowie Quellen der World Health Organization [WHO], Primary Care Sys-
tems Profiles & Performance (PRIMASYS), 2017, https://www.who.int/alli-
ance-hpsr/projects/AHPSR-Pakistan-061016.pdf, abgerufen am
05.06.2019; und der Weltbank: The World Bank, Out-of-pocket expenditure
(% of current health expenditure) – Pakistan, undatiert, https://data.world-
bank.org/indicator/SH.XPD.OOPC.CH.ZS?locations=PK, abgerufen am
03.06.2019). In der Provinz Punjab, der Herkunft des Beschwerdeführers,
bestehen zusätzlich Behandlungsmöglichkeiten in psychiatrischer Hin-
sicht, insbesondere in der Stadt Lahore, die mit dem Punjab Institute of
Mental Health (PIMH) grundsätzlich über eine spezialisierte Einrichtung für
die Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen verfügt (vgl. Punjab In-
stitute for Mental Health [PIMH], http://www.pimh.gop.pk/, abgerufen am
05.06.2019).
Ergänzend zu den Ausführungen der Vorinstanz in der Verfügung vom
29. Oktober 2020 (A67 S. 11 f.) ergibt sich, dass die gesundheitliche Ver-
sorgung in Pakistan sich zwar nicht als vergleichbar mit der Schweiz er-
weist, eine Grundversorgung indes gewährleistet ist. Die Ehefrau des Be-
schwerdeführers ist [paramedizinischer Beruf] und führt die Praxis des Be-
schwerdeführers und eine Tochter ist [paramedizinischer Beruf] (A44 S. 8).
Seine medizinische Betreuung ist demnach gewährleistet. Dahingehend ist
mit der Vorinstanz auf die medizinische Rückkehrhilfe gemäss Art. 93
Abs. 1 Bst. d AsylG und Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999
über Finanzierungsfragen (AsylV 2; SR 142.312) zu verweisen.
10.4.4 Unter diesen Umständen ist nicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer nach seiner Rückkehr nach Pakistan in eine existenzielle
Notlage geraten würde, weshalb sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar erweist.
E-6084/2020
Seite 31
10.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12) respektive seinen im Mai 2019 abgelaufenen Reisepass
verlängern zu lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.7 Schliesslich sind die aktuellen Massnahmen im Zusammenhang mit
der weltweiten Ausbreitung der Coronavirus-Krankheit (Covid-19) aufgrund
ihrer vorübergehenden Natur nicht geeignet, die obigen Schlussfolgerun-
gen in Frage zu stellen. Würden diese im vorliegenden Fall den Vollzug der
Wegweisung vorübergehend verzögern, so würde dieser zwangsläufig zu
einem späteren, angemessenen Zeitpunkt erfolgen (vgl. unter vielen: Ur-
teil E-2358/2018 vom 2. Juni 2020 E. 12.7 m.w.H., D-4796/2019 vom
27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt im Ergebnis
richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit dies-
bezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem das Bun-
desverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung
vom 11. Dezember 2020 die unentgeltliche Prozessführung gewährt hat
und die Bedürftigkeit auch heute weiterhin besteht, sind dem unterliegen-
den Beschwerdeführer jedoch keine Verfahrenskosten aufzuerlegen
(Art. 65 Abs. 1 VwVG).
12.2 In der genannten Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2020 wurde
Frau MLaw Nora Maria Riss, Freiplatzaktion (...), dem Beschwerdeführer
als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Sie hat in ihrer Honorarnote
vom 2. Dezember 2020 einen Aufwand von 14 Stunden (inkl. Besprechung
mit dem Beschwerdeführer sowie Aktenstudium und Abklärungen) à
Fr. 150.– sowie Porti und 75 Kopien (à Fr. –.50), insgesamt Fr. 2’143.80.–
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geltend gemacht. Dazu kommen zwei Kurzeingaben vom 22. Dezember
2020 und vom 23. Februar 2021. Da die Rechtsbeiständin mit dem Verfah-
ren vorbefasst war, dafür bereits im Verfahren E-3316/2018 (Kassationsur-
teil vom 17. Juli 2018) entschädigt wurde und sich ihre Argumentation in
der vorliegenden Beschwerde auch massgeblich mit den Ausführungen im
rechtlichen Gehör im Rahmen des Verwaltungsverfahrens deckt, erweist
sich der ausgewiesene Aufwand nicht vollumfänglich als angemessen und
ist zu kürzen. Das Gericht erachtet einen Aufwand von Fr. 1'500.– (10 Stun-
den à Fr. 150.–) zuzüglich Auslagen von Fr. 57.– (Porti zu Fr. 16.– und 82
Kopien à Fr. –.50), insgesamt Fr. 1'557.–, als angemessen. Mehrwertsteu-
ern sind keine geschuldet. Ihr ist demnach ein Honorar von Fr. 1'557.– aus
der Gerichtskasse auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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