Decision ID: 6d22abf5-a443-5ec0-925b-59a9eff2cbf3
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ besitzt den Führerausweis für die Kategorie B seit 1972. Sie ist im
Informationssystem Verkehrszulassung, Subsystem Massnahmen, nicht verzeichnet.
Gemäss Rapport der Kantonspolizei Aargau vom 3. November 2018 hielt sie als
Lenkerin des Personenwagens mit dem amtlichen Kennzeichen SG 0000_ am
Mittwoch, 10. Oktober 2018 um 10.35 Uhr auf der Überholspur der Autobahn A1 bei
Othmarsingen/AG über eine Distanz von rund 800 Metern und bei einer
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Geschwindigkeit zwischen 110 und 120 km/h zum vorausfahrenden Lieferwagen einen
Abstand von lediglich 12 bis maximal 15 Metern ein. Das Obergericht des Kantons
Aargau sprach sie deswegen am 18. Mai 2021 wegen grober Verletzung der
Verkehrsregeln durch ungenügenden Abstand beim Hintereinanderfahren schuldig und
verurteilte sie zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 330 bei
einer Probezeit von zwei Jahren und zu einer Busse von CHF 2'400. Das Strafurteil
wurde unangefochten rechtskräftig. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des
Kantons St. Gallen entzog A._ in der Folge mit Verfügung vom 8. September 2021 den
Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von drei Monaten. Gleichzeitig ordnete es
den Vollzug der Massnahme ab spätestens 8. März 2022 an.
B.
Die Verwaltungsrekurskommission wies den von A._ gegen die Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 8. September 2021 am 23. September 2021 erhobenen
Rekurs am 6. Januar 2022 in der Sache ab. Die Vollzugsanordnung hob sie auf.
C.
A._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom 6. Januar 2022 mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 20. Januar 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den
Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid,
soweit der Rekurs nicht gutgeheissen worden sei, aufzuheben und der Führerausweis
sei ihr für maximal einen Monat zu entziehen, eventualiter die Angelegenheit zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz oder an das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt
(Beschwerdegegner) zurückzuweisen.
Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 28. Januar 2022 auf die Erwägungen
des angefochtenen Entscheides und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Der
Beschwerdegegner beantragte am 3. Februar 2022 ebenfalls die Abweisung der
Beschwerde. Die Beschwerdeführerin verzichtete stillschweigend auf eine
abschliessende Äusserung.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheides und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Nicht einzutreten ist auf
den Antrag, die Verfügung des Beschwerdegegners vom 8. September 2021 sei
aufzuheben, weil der angefochtene Rekursentscheid an deren Stelle getreten ist
("Devolutiveffekt", BGE 134 II 142 E. 1.4; BGer 1C_166/2013 vom 27. Juni 2013 E. 1.1
und 2C_204/2015 vom 21. Juli 2015 E. 1.2). Die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen
sind erfüllt: Die Beschwerdeführerin, die im vorinstanzlichen Verfahren mit ihrem
Begehren, der Führerausweis sei ihr lediglich wegen einer mittelschweren
Widerhandlung und für die Dauer eines Monats zu entziehen, unterlag, ist zur Erhebung
der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde
gegen den Rekursentscheid vom 6. Januar 2022 wurde mit Eingabe vom 20. Januar
2022 rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
VRP). Auf die Beschwerde ist – unter dem genannten Vorbehalt – einzutreten.
2. Rüge der unrichtigen Feststellung des Sachverhalts
Die Beschwerdeführerin rügt zunächst eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts
durch die Vorinstanz. Die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, die
Beschwerdeführerin sei nicht nur vorübergehend, sondern während einer Strecke von
rund 800 Metern oder während ungefähr 25 Sekunden mit einem Abstand von 0.49
Sekunden hinter einem Lieferwagen hergefahren. Das Strafurteil habe zwar eine
Abstandsverletzung von 0.49 Sekunden angenommen, nicht jedoch während der
gesamten Strecke von 800 Metern. Das wäre auch aktenwidrig, zumal erwiesen sei,
dass der Abstand teilweise um die 0.6 Sekunden betragen habe. Über welche Distanz
die Beschwerdeführerin somit den Abstand von 0.6 Sekunden eingehalten habe, lasse
sich nicht sagen und ergebe sich auch aus dem Strafurteil nicht. Beweismittel, mit
denen sich diese Behauptungen belegen liessen, legt die Beschwerdeführerin nicht
vor.
Die Vorinstanz ist in tatsächlicher Hinsicht davon ausgegangen, die
Beschwerdeführerin habe über eine Distanz von rund 800 Metern bei einer
Geschwindigkeit von rund 110 km/h einen Abstand von maximal 15 Metern –
entsprechend 0.49 Sekunden – zum vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten. Diese
Tatsachen stehen im Einklang mit den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil, auch
wenn das Strafgericht in der zusammenfassenden Erwägung die Distanz von 800
Metern nicht mehr ausdrücklich genannt hat. Das Obergericht hat die von der
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Kantonspolizei zum Vorgang erstellte Videoaufzeichnung für die Zeit von 10:35.12 bis
10:35.50 Uhr eingehend analysiert, den rapportierenden Kantonspolizisten als Zeugen
einvernommen und ein von der Beschwerdeführerin eingereichtes Privatgutachten
gewürdigt (vgl. act. 7/8, Seiten 20-23). Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, der
Abstand habe zeitweise um die 0.6 Sekunden betragen, stützt sie sich auf ein – im
Straf-, nicht aber im Administrativverfahren eingereichtes – Privatgutachten. Aus dem
Strafurteil ergibt sich, dass diese Abstände im Bereich von 0,6 Sekunden im
Wesentlichen – 10:35.00 und 10:35.12 Uhr – ausserhalb des vom Strafgericht
herangezogenen Zeitraums ermittelt wurden. Einzig der Zeitpunkt 10:35.18 Uhr liegt
innerhalb dieses Zeitraums. Zum einen beträgt aber – gemäss der Darstellung im
Strafurteil – auch hier der zeitliche Abstand weniger als 0.6 Sekunden, und zum
anderen verbleibt auch für die Zeit zwischen 10:35.18 und 10:35.50 Uhr – 32 Sekunden
bei einer Geschwindigkeit von 110 km/h – eine zurückgelegte Strecke von knapp einem
Kilometer (977 Meter).
Die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung, die sich hinsichtlich Geschwindigkeit und
Abstand zudem an die für die Beschwerdeführerin günstigsten Angaben im
Polizeirapport hält, ist deshalb nicht zu beanstanden. Selbst wenn der zeitliche
Abstand nicht über die gesamte Distanz von 800 Metern bei genau 110 km/h
durchwegs genau 0.49 Sekunden betragen haben, sondern zeitweise auch geringfügig
grösser – möglicherweise aber auch geringer – gewesen sein sollte, liegen keinerlei
konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass er insgesamt deutlich über 0.6 Sekunden
gelegen hätte. Die Beschwerdeführerin hat denn auch verzichtet, die Beweismittel aus
dem Strafverfahren einzureichen oder – soweit sie nicht ohnehin darüber verfügt –
deren Edition zu beantragen.
3. Rüge der Rechtsverletzung
In rechtlicher Hinsicht ist umstritten, ob die Vorinstanz das Verhalten der
Beschwerdeführerin zu Recht als schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16c Abs. 1 Ingress und lit. a des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, SVG) qualifiziert hat.
Rechtsgrundlagen
Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten, mittelschweren und schweren
Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften (Art. 16a-c des
Strassenverkehrsgesetzes; SR 741.01, SVG). Gemäss Art. 16c Abs. 1 Ingress und lit. a
SVG begeht eine schwere Widerhandlung, wer durch grobe Verletzung von
Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf
3.1.
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nimmt. Die Annahme einer schweren Widerhandlung setzt kumulativ eine qualifizierte
objektive Gefährdung und ein qualifiziertes Verschulden voraus. In objektiver Hinsicht
wird verlangt, dass die Verkehrssicherheit ernsthaft gefährdet wurde. Dabei genügt
nach der Rechtsprechung eine erhöhte abstrakte Gefährdung, die vorliegt, wenn in
Anbetracht der jeweiligen Verhältnisse des Einzelfalls der Eintritt einer konkreten
Gefährdung oder gar einer Verletzung naheliegt. Subjektiv erfordert der Tatbestand der
groben Verkehrsregelverletzung ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend
verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein schweres Verschulden, bei fahrlässiger Begehung
grobe Fahrlässigkeit (vgl. anstelle vieler BGer 1C_63/2021 vom 11. November 2021
E. 4.1 mit Hinweisen auf BGE 131 IV 133 E. 3.2 und weitere Rechtsprechung). Diese ist
zu bejahen, wenn sich der Täter der allgemeinen Gefährlichkeit seiner Fahrweise
bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kommt aber auch in Betracht, wenn der Täter die
Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht. Die
Annahme einer groben Verkehrsregelverletzung setzt in diesem Fall voraus, dass das
Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosigkeit
beruht. Rücksichtslos ist unter anderem ein bedenkenloses Verhalten gegenüber
fremden Rechtsgütern. Dieses kann auch in einem blossen (momentanen)
Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen bestehen. Je schwerer die
Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt, desto eher wird Rücksichtslosigkeit subjektiv
zu bejahen sein, sofern keine besonderen Gegenindizien vorliegen (BGer 6B_164/2020
vom 20. Juli 2021 E. 2.4.2 mit Hinweisen unter anderem auf BGE 131 IV 133 E. 3.2, 142
IV 93 E. 3.1 und weitere bundesgerichtliche Rechtsprechung).
Gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG ist gegenüber allen Strassenbenützern ein ausreichender
Abstand einzuhalten, namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- und
Hintereinanderfahren. Nach Art. 12 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11,
VRV) hat der Fahrzeugführer beim Hintereinanderfahren einen ausreichenden Abstand
zu wahren, sodass er auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden
Fahrzeugs rechtzeitig halten kann. Was unter einem "ausreichenden Abstand" im Sinne
von Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV zu verstehen ist, hängt von den
gesamten Umständen ab. Dazu gehören unter anderem die Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnisse sowie die Beschaffenheit der beteiligten Fahrzeuge. Die
Rechtsprechung hat keine allgemeinen Grundsätze zur Frage entwickelt, bei welchem
Abstand in jedem Fall, d.h. auch bei günstigen Verhältnissen, eine einfache
Verkehrsregelverletzung anzunehmen ist. Im Sinne von Faustregeln wird für
Personenwagen auf die Regel "halber Tacho" (entsprechend 1.8 Sekunden) und die
Zwei Sekunden-Regel abgestellt. In der Lehre wird ausserorts und auf Autobahnen bei
günstigen Verkehrsverhältnissen bei Abständen von weniger als 1/6 der
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Geschwindigkeit beziehungsweise 0,6 Sekunden in der Regel eine schwere
Widerhandlung angenommen. Von diesem Grundsatz geht auch das Bundesgericht
aus (vgl. BGer 1C_442/2017 vom 26. April 2018 E. 2.2 mit Hinweisen). Nach der
Rechtsprechung kann eine grobe Verkehrsregelverletzung bereits vorliegen, wenn der
erforderliche Mindestabstand auf einer Strecke von weniger als 300 Metern
unterschritten wird, denn die Dauer des regelwidrigen zu nahen Auffahrens stellt nur ein
Element der zu berücksichtigenden Gesamtumstände dar (vgl. BGer 6B_1037/2020
vom 20. Dezember 2021 E. 1.4 mit Hinweisen auf BGE 131 IV 133 E. 3.1 und 3.2.2 und
weitere straf- und massnahmerechtliche bundesgerichtliche Rechtsprechung).
In Bezug auf die rechtliche Würdigung des Sachverhalts ist die Verwaltungsbehörde
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht an die Einschätzung des
Strafgerichts gebunden, ausser die rechtliche Qualifikation hänge stark von der
Würdigung von Tatsachen ab, die das Strafgericht besser kennt, etwa weil es die
beschuldigte Person persönlich einvernommen hat. Die Verwaltungsbehörde hat
jedoch auch im Rahmen ihrer rechtlichen Würdigung die Einheit der Rechtsordnung zu
beachten und widersprüchliche Urteile soweit vertretbar zu vermeiden (vgl. anstelle
vieler BGer 1C_63/2021 vom 11. November 2021 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 136 II
447 E. 3.1 und weitere Rechtsprechung).
Würdigung
Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, es habe sowohl an einer ernstlichen Gefahr
(dazu nachfolgend Erwägung 3.2.1) als auch an einem schweren Verschulden (dazu
nachfolgend Erwägung 3.2.2) gefehlt.
3.2.
Objektiver Tatbestand
Im Zusammenhang mit der verursachten Gefahr macht die Beschwerdeführerin
geltend, der Faustregel des Abstands von 1/6-Tacho beziehungsweise 0.6 Sekunden
komme keine absolute Bedeutung zu. Zu würdigen seien die konkreten Umstände.
Während welcher Strecke der Abstand nicht eingehalten worden sei, sei unklar. Das
Verkehrsaufkommen sei nicht sehr hoch gewesen. Das Strafgericht sei davon
ausgegangen, der Abstand sei grösser gewesen als in verschiedenen
bundesgerichtlichen Urteilen, in welchen bei 0.33, 0.15, 0.4 und 0.45 Sekunden eine
"mindestens" mittelschwere Widerhandlung angenommen worden sei. Der Bremsweg
bei einem Lastwagen/Lieferwagen sei bedeutend länger. Deshalb sei ein näheres
Auffahren mit einem Personenwagen mit besserer Bremsverzögerung tolerierbar. Eine
grosse konkrete Gefahr für die Sicherheit anderer werde hervorgerufen, wenn in der
hypothetisch angenommenen konkreten Gefährdungssituation ein hohes Unfall- und
3.2.1.
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Verletzungsrisiko bestehe. Sogar die Vorinstanz gehe aber davon aus, bei einem
abrupten Abbremsen wäre ein Auffahrunfall mit "möglicherweise" schweren Folgen
kaum zu vermeiden gewesen. Zumindest in Bezug auf das Verletzungsrisiko könne
nicht von einer hohen Wahrscheinlichkeit die Rede sein, die Gefahr bewege sich
lediglich im Bereich des Möglichen.
Mit den Hinweisen der Beschwerdeführerin auf die unterschiedlichen
Bremsverzögerungen und die fehlende erhöhte Gefährdung hat sich das Strafgericht
auseinandergesetzt und ist zum Schluss gekommen, die Einwendungen seien
unbehelflich. Auch die im Administrativverfahren zusätzlich vorgebrachten Hinweise
vermögen nichts daran zu ändern, dass das Verhalten der Beschwerdeführerin
geeignet war, in objektiver Hinsicht eine erhöhte abstrakte Gefährdung zu bewirken. –
Die Vorinstanz verweist zu Recht auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach
ein zeitlicher Abstand von 0.54 Sekunden bei regem Verkehr auf dem Überholstreifen
einer Autobahn bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h während rund 40 Sekunden
unabhängig von der Beschaffenheit der Fahrzeuge und auch bei günstigen Strassen-,
Verkehrs- und Sichtverhältnissen eine erhöhte abstrakte Gefahr bewirkt (vgl. BGer
6B_30/2010 vom 25. Februar 2010 E. 3.3.1; vgl. auch 1C_731/2013 vom 10. Dezember
2013 E. 3.1). Ein Abstand zum Vorderfahrzeug auf dem Überholstreifen einer Autobahn
mit einer Geschwindigkeit von 112 km/h auf einer gemessenen Strecke von 399.60 m
mit einem zeitlichen Abstand von 0.57 Sekunden begründet nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch bei günstigen Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnissen eine erhöhte abstrakte Gefahr im Sinne von Art. 16c SVG (vgl. BGer
1C_746/2013 vom 12. Dezember 2013 E. 2.5 mit Hinweis auf 1C_183/2013 vom 21.
Juni 2013 E. 4.2). Auch in einem neueren Entscheid, in welchem ein Abstand von 15.8
Metern bei einer Geschwindigkeit von 118 km/h (0.48 Sekunden) auf der ersten
Überholspur einer Autobahn bei starkem Verkehrsaufkommen über eine Distanz von
500 Metern zu beurteilen war, stand ausser Frage, dass damit der objektive Tatbestand
der groben Verkehrsregelverletzung erfüllt war (vgl. BGer 6B_164/2020 vom 20. Juli
2021 E. 2.1).
Die Strassen- und Sichtverhältnisse waren zwar vergleichsweise günstig, das
Verkehrsaufkommen jedoch – wie im Polizeirapport und im Strafurteil festgehalten wird
und angesichts von Ort und Zeit der Widerhandlung ohne Weiteres plausibel ist – rege.
Das Verkehrsgeschehen auf der Autobahn A1 im fraglichen Abschnitt war – wie sich
aus dem Strafurteil des Obergerichts ergibt (act. 7/8 Seite 24) – geprägt durch
schwankende, aber konstant über 110 km/h liegende Geschwindigkeiten der
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verschiedenen Fahrzeuge und Veränderungen in der Verkehrskonstellation, so dass
jederzeit mit (schnellen) Spurwechseln und (brüsken) Bremsmanövern gerechnet
werden musste. Ein Lieferwagen, auf den nahe aufgeschlossen wird, verdeckt zudem
erfahrungsgemäss die Sicht auf einen wesentlichen Teil des relevanten
Verkehrsgeschehens. Unter diesen Umständen lag der Eintritt einer konkreten
Gefährdung oder gar Verletzung von Personen und Fahrzeugen durchaus nahe.
Deshalb rechtfertigt es sich nicht, von der Beurteilung durch das Strafgericht und von
der Faustregel des zeitlichen Abstands von 0.6 Sekunden oder weniger für die
Annahme einer erhöhten abstrakten Gefährdung abzuweichen.
Subjektiver Tatbestand
Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihr Verschulden sei nicht schwer. Ein schweres
Verschulden liege dann vor, wenn der Fahrzeugführer ein rücksichtsloses oder sonst
schwerwiegend verkehrsregelwidriges Verhalten manifestiert habe. Der
Beschwerdeführerin werde aber lediglich vorgeworfen, eine wichtige beziehungsweise
elementare Verkehrsregel verletzt zu haben, was jedoch ein mittelschweres
Verschulden bedeute.
Bei der Abstandsregel von Art. 34 Abs. 4 SVG handelt es sich um eine wichtige
Verkehrsregel von grundlegender Bedeutung. Sie soll gewährleisten, dass das
nachfolgende Fahrzeug bei überraschendem Bremsen des Vordermanns rechtzeitig
zum Stillstand gebracht werden kann (vgl. BGer 6B_502/2016 vom 13. September
2016 E. 3). Das Obergericht hielt fest, die Unterschreitung des genügenden Abstands
beim Hintereinanderfahren sei das Resultat einer bewussten Entscheidung, konsequent
aufzuschliessen und zu drängeln. Der Fahrstil der Beschwerdeführerin werde sodann
fortgesetzt mit der Frequenz bezüglich des eingeleiteten Überholmanövers (vgl. act. 7/8
Seite 24). Es hat seine Beurteilung des Verhaltens der Beschwerdeführerin hinsichtlich
des subjektiven Tatbestands nicht allein damit begründet, sie habe eine wichtige
beziehungsweise elementare Verkehrsregel verletzt. Vielmehr stützte es sich auch auf
die Videoaufzeichnung und die Befragung des rapportierenden protokollierenden
Polizisten und der Beschwerdeführerin. Damit waren dem Strafgericht die Umstände,
aus denen auf die für die rechtliche Würdigung bedeutsamen inneren Tatsachen
geschlossen werden kann, besser bekannt als den Administrativbehörden. Was die
Beschwerdeführerin im Administrativverfahren gegen diese Beurteilung vorbringt, ohne
Beweismittel einzureichen oder auch bloss zu bezeichnen, ist nicht geeignet, die
Schlussfolgerung des Strafgerichts, die Beschwerdeführerin habe auch den subjektiven
Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung – die mit der schweren Widerhandlung
3.2.2.
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4. Verletzung der Begründungspflicht durch den Beschwerdegegner
Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin – eventualiter – auch im Beschwerdeverfahren
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch den Beschwerdegegner. Die Vorinstanz
ist nach eingehender und zutreffender Auseinandersetzung mit der Frage zum Schluss
gekommen, der Vorwurf sei unbegründet. Allein daraus, dass der Beschwerdegegner
die Verfügung noch am Tag des Eingangs der Stellungnahme der Beschwerdeführerin
erlassen hat, kann nicht auf eine unzureichende Auseinandersetzung mit ihren
Vorbringen geschlossen werden. Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin das
rechtliche Gehör gewährt, indem sie ihr bekanntgab, von welchem Sachverhalt und von
welchen rechtlichen Schlüssen sie auszugehen gedenke. Damit war die wesentliche
Ausgangslage für die Verfügung dargestellt. Es verblieb dem Beschwerdegegner die
Aufgabe, sich mit den Einwendungen, soweit sie für den Ausgang des Verfahrens
wesentlich hätten sein können, auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung war –
wie bereits die Vorinstanz festgestellt hat – zwar sehr knapp. Indessen war daraus aber
auch ohne Weiteres zu schliessen, dass alle jene Einwendungen, die in der
Begründung der Verfügung nicht ausdrücklich erwähnt wurden, als von vornherein für
den Ausgang des Verfahrens unwesentlich beurteilt wurden. Im Übrigen wäre eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs zufolge unzureichender Begründung durch das
Rekursverfahren vor der Vorinstanz, welcher umfassende Kognition und insbesondere
auch die Überprüfung der Angemessenheit der Verfügung des Beschwerdegegners
zusteht (vgl. Art. 46 Abs. 1 VRP), geheilt.
5. Zusammenfassung und Kosten
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde insgesamt als unbegründet. Sie ist
dementsprechend, soweit darauf einzutreten ist, abzuweisen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 1'500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS
941.12). Sie ist mit dem von der Beschwerdeführerin in der gleichen Höhe geleisteten
Kostenvorschuss zu verrechnen. Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen
(Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).
gegen die Strassenverkehrsvorschriften deckungsgleich ist – erfüllt, als unzutreffend
erscheinen zu lassen.
Schlussfolgerung
Die Beschwerde erweist sich damit auch hinsichtlich der rechtlichen Würdigung als
unbegründet.
3.3.
bis
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