Decision ID: 1fcde7d1-bc83-4fc8-b0d1-88e49dd85332
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 21.06.2017 Rentenprüfung nach vorgängigem Rückweisungsentscheid des kantonalen Gerichts und einer polydisziplinären, beweistauglichen Begutachtung. Einkommensvergleich. Parallelisierung bei unterdurchschnittlichem Valideneinkommen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. Juni 2017, IV 2015/15). Entscheid vom 21. Juni 2017 Besetzung Versicherungsrichterin Miriam Lendfers (Vorsitz), Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug, Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin Marilena Gnesa Geschäftsnr. IV 2015/15 Parteien A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank, Dorfstrasse 33, 9313 Muolen, gegen  des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente Sachverhalt
Entscheid Versicherungsgericht, 21.06.2017
A.
A._ meldete sich am 28. Dezember 2009 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (Eingang IV-Stelle 11. Januar 2010, IV-act. 1). Sie hatte
bis zu einem Treppensturz vom 24. Februar 2009 als Reinigungskraft in einem
Restaurant gearbeitet (IV-act. 1-7, 12, 21-15). Eine von der
Krankentaggeldversicherung veranlasste psychiatrische und rheumatologische
Begutachtung im Institut für medizinische und ergonomische Abklärungen (IME),
Sargans, ergab insbesondere die Diagnosen chronisches lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom, rezidivierendes zervikozephales Schmerzsyndrom, Polyarthralgien
unklarer Ursache, leichte Episode einer rezidivierenden depressiven Störung sowie
Agoraphobie. Die Arbeitsfähigkeit wurde insgesamt für ideal angepasste Tätigkeiten
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auf 50% festgelegt (Gutachten vom 21. März 2010, IV-act. 31). Die IV-Stelle sprach der
Versicherten gestützt auf diese Beurteilung bei einem IV-Grad von 48% rückwirkend ab
1. Juli 2010 eine Viertelsrente zu (IV-act. 76; 71). Eine gegen diese Verfügung gerichtete
Beschwerde hiess das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid IV
2011/209 vom 20. August 2013 teilweise gut. Es bemängelte, dass die IV-Stelle das
gutachterlich attestierte Steigerungspotential der Arbeitsfähigkeit vor Verfügungserlass
nicht abgeklärt hatte (IV-act. 91; auch zu näheren Angaben zum Sachverhalt).
B.
B.a Die IV-Stelle holte daraufhin Arztberichte bei den behandelnden medizinischen
Fachpersonen ein (IV-act. 93 ff.) und ordnete eine polydisziplinäre medizinische
Untersuchung der Versicherten an (IV-act. 102). Am 23. September 2014 erstattete die
Swiss Medical Assessment- and Business-Center (SMAB) AG, Bern, das Gutachten auf
der Grundlage einer internistischen, kardiologischen, rheumatologischen sowie
psychiatrischen Untersuchung. Die Gutachter diagnostizierten in der polydisziplinären
Konsensbeurteilung - mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit - eine rezidivierende
depressive Störung, aktuell mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F33.1), eine
generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1), eine koronare Herzkrankheit, ein
generalisiertes Weichteilschmerzsyndrom sowie ein lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit Spondylolisthesis L5/S1, fortgeschrittener Osteochondrose L5/
S1 und beginnender degenerativer Diskopathie L4/L5 ohne segmentale Instabilität (IV-
act. 112-16). Die Gutachter schätzten die Arbeitsfähigkeit auf 50 % ab 31. August 2011
für körperlich leichte, wechselbelastende, rückenschonende Tätigkeiten mit der
Möglichkeit zu Wechselposition, ohne repetitives Bücken, Anheben und Tragen von
Lasten über 7 kg, ohne Arbeitstätigkeiten in der Vorneigehaltung des Rumpfes, in
kniender oder kauernder Position, unter besonderem Zeitdruck, unter
Nachtarbeitsbedingungen oder mit besonderen Anforderungen an die Team- und
Konfliktfähigkeit. Die bisherige Tätigkeit als Raumpflegerin sei nicht mehr zumutbar (IV-
act. 112-17 ff.).
B.b Die IV-Stelle ermittelte in der Folge ausgehend von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit
und unter Berücksichtigung des Minderverdienstes einen Invaliditätsgrad von 47.5 %
(Einkommensvergleich vom 27. Oktober 2014, IV-act. 118; vgl. auch Feststellungsblatt
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vom 29. Oktober 2014, IV-act. 117) und stellte der Versicherten die Zusprache einer
Viertelsrente ab 1. Juli 2010 in Aussicht (Vorbescheid vom 30. Oktober 2014, IV-act.
120). Die Versicherte erhob am 18. November 2014 Einwand (IV-act. 124). Mit Eingabe
vom 12. Dezember 2014 reichte die Versicherte einen Bericht der Radiologie B._ vom
20. November 2014 ein (IV-act. 128 f.). Am 17. Dezember 2014 verfügte die IV-Stelle
gemäss Vorbescheid (IV-act. 131 und 126-1 ff.).
C.
C.a Die vorliegende Beschwerde vom 26. Januar 2015 (act. G 1) richtet sich gegen die
Verfügung vom 17. Dezember 2014. Die Beschwerdeführerin beantragt unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die rückwirkende Ausrichtung einer halben
Invalidenrente ab 24. Februar 2009 bzw. ein Jahr danach. In formeller Hinsicht sei die
Verletzung des rechtlichen Gehörs, der Begründungspflicht, des
Untersuchungsgrundsatzes sowie von EMRK-Garantien (Recht auf ein faires Verfahren,
Rechtsgleichheit) zu rügen. Die Beschwerdeführerin begründet diese Rügen damit, die
Beschwerdegegnerin verwende den sogenannten Allianznamen "namentlich und
vornehmlich" bei Versicherten balkanischer Abstammung, obwohl dies dort fremd sei,
und weigere sich, auf entsprechende Reklamationen einzugehen. Darin sei eine
Diskriminierung zu erblicken. Eine Verletzung von Verfahrensgarantien liege im
Weiteren darin begründet, dass die Beschwerdegegnerin von den Durchschnittslöhnen
der Gesamtbevölkerung ausgehe, und damit eine Gleichstellung der schweizerischen
und ausländischen Bevölkerung vornehme, obwohl diese Gleichheit nicht vorliege.
Beim Einkommensvergleich sei nicht berücksichtigt worden, dass das
Valideneinkommen der Beschwerdeführerin deutlich tiefer als dasjenige der hiesigen
Bevölkerung gewesen sei. Zudem werde ihr ein Invalideneinkommen zugemutet, das
sie selbst als Gesunde nicht verdient habe. Dadurch seien Verfahrensgarantien,
namentlich Art. 6 EMRK (Gleichheits-, Fairness- und Willkürverbot), verletzt worden.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 5. März 2015 (act. 4) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Da
es im vorliegenden Verfahren einzig um die Festsetzung des Invaliditätsgrads gehe, sei
auf darüber hinausgehende Rügen nicht einzutreten. Es ist nicht einzusehen, weshalb
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die Verwendung des Allianznamens diskriminierend sei; die Beschwerdeführerin selbst
habe diesen Doppelnamen in der IV-Anmeldung angegeben. Es treffe nicht zu, dass
der Allianzname lediglich bei Versicherten balkanischer Abstammung verwendet werde.
Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs sei ebenso wenig ersichtlich. Die
Beschwerdegegnerin sei von der gutachterlich bescheinigten
Arbeitsfähigkeitsschätzung von adaptiert 50 % ausgegangen. Eine tiefere
Arbeitsfähigkeit mache die Beschwerdeführerin nicht geltend. Die invalidisierenden
Beschwerden seien im Februar 2009 aufgetreten, so dass für die Berechnung des
Valideneinkommens das von ihr im Jahr 2008 erzielte Erwerbseinkommen von Fr.
41'363.- eingesetzt worden sei. Da die Beschwerdeführerin nicht mehr arbeite, sei ihr
Invalideneinkommen anhand der Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für
Statistik (Tabellenlöhne) berechnet worden. Es treffe im Weiteren nicht zu, dass es für
die Beschwerdeführerin auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt keine Arbeitsstellen
mehr gebe, stünden ihr doch eine Vielzahl von geeigneten Tätigkeiten im Produktions-
und Dienst¬leistungssektor offen.
C.c In ihrer Replik vom 17. März 2015 (act. G 6) hält die Beschwerdeführerin an den in
der Beschwerde gestellten Anträgen fest. Im Fragebogen für Arbeitgebende habe die
C._ AG einen Lohn von Fr. 3'383.-/Monat angegeben. Der Validenlohn betrage
demzufolge Fr. 43'979.- (Fr. 3'383.- x 13). Für den Fall, dass die angefochtene
Verfügung Bestand haben sollte, beantragt die Beschwerdeführerin die Durchführung
von beruflichen Massnahmen.
C.d Auf die Einreichung einer Duplik hat die Beschwerdegegnerin verzichtet (act. G 8).

Erwägungen
1.
1.1 In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin die Verletzung diverser
verfahrensrechtlicher Garantien, so des rechtlichen Gehörs, des
Untersuchungsgrundsatzes und der Begründungspflicht. Sie weist zur Begründung
ihrer Rügen etwa darauf hin, dass die Beschwerdegegnerin - wie vornehmlich bei
Versicherten balkanischer Abstammung - den Allianznamen der Beschwerdeführerin
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verwende. Dies sei diskriminierend. Im Einwand vom 18. November 2014 habe sie (die
Beschwerdeführerin) diesen Umstand gerügt. Auf den Einwand sei die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung nicht eingegangen. Dies verletze
das Recht auf ein faires Verfahren, weil der Allianzname namentlich bei Leuten aus dem
Balkan fremd sei. Menschen mit Namensendung auf -ic hätten auf Grund des
fremdländischen Namens bei der Wohnungs- und Arbeitssuche erhebliche
Schwierigkeiten, die sich durch die Verwendung des Allianznamens kumulieren
würden, und dies würde die Diskriminierung verstärken. Die Beschwerdegegnerin habe
die Notwendigkeit der Allianznamensverwendung nicht begründen können. Die
Verletzung von Verfahrensgarantien sei zudem in der Missachtung der geltend
gemachten, aber fehlenden Parallelisierung der Einkommen zu sehen bzw. in der
Gleichstellung der schweizerischen und ausländischen Bevölkerung, obwohl diese
Gleichheit gemäss der vorhandenen IV-Akten und der Erhebungen des Bundesamtes
für Statistik nicht vorliege (act. 1, S. 2 ff.).
1.2 Dass die Beschwerdegegnerin trotz der im Einwand vom Rechtsvertreter
geäusserten Kritik in der Verfügung den Allianznamen der Beschwerdeführerin
verwendet hat, verletzt nicht in erkennbarer Weise die Garantie auf ein faires Verfahren.
Die Begründungspflicht der Beschwerdegegnerin, die sich darauf beschränkt, die
Entscheidgrundlagen verständlich zu machen, würde überstrapaziert, wenn sie im
rechtsgestaltenden Akt auf derartige Vorbringen eingehen müsste. Die
Beschwerdeführerin legt selbst nicht dar, inwiefern die Verwendung des Allianznamens
entscheidrelevant gewesen sein sollte; derartiges ist denn auch nicht im Ansatz
erkennbar. Eine sich auf den Rentenentscheid auswirkende Diskriminierung ist in keiner
Weise dargetan oder ersichtlich, weshalb darauf nicht näher einzugehen ist.
2.
Streitig ist in materieller Hinsicht die Höhe des Rentenanspruchs der
Beschwerdeführerin.
2.1 Betreffend die massgebenden Rechtsgrundlagen ist auf die entsprechenden
Erwägungen im Entscheid IV 2011/209 zu verweisen.
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2.2 Die Beschwerdegegnerin stützt die Zusprache der Viertelsrente auf das
polydisziplinäre Gutachten der SMAB vom 23. September 2014 (IV-act. 112). Danach
besteht bei der Beschwerdeführerin gesamtgutachterlich eine Arbeitsfähigkeit von 50
% in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit, während die angestammte Tätigkeit
entgegen den Ausführungen in der angefochtenen Verfügung (vgl. IV-act. 126-1) nicht
mehr zumutbar ist (vgl. Gutachten, S. 18 f.). Gegen die Heranziehung des Gutachtens
der SMAB erhebt die Beschwerdeführerin zu Recht keine Einwände, entspricht dieses
doch vollumfänglich den Anforderungen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung an
den Beweiswert von medizinischen Gutachten und Berichten. Im Weiteren hat RAD-
Ärztin Dr. med. D._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, das Gutachten
der SMAB für umfassend, plausibel nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei
befunden und dessen Heranziehung befürwortet (Stellungnahme vom 3. Oktober 2014,
IV-act. 113); diese Sichtweise hat in der Folge auch RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, vertreten (Stellungnahme vom 21. Oktober 2014,
IV-act. 116). Demnach ist für die Rentenprüfung von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit auszugehen.
3.
In der Folge ist basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % der Invaliditätsgrad zu
bestimmen. Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht einen Einkommensvergleich
vorgenommen, was die Beschwerdeführerin nicht bestreitet.
3.1 Für die Bestimmung des Valideneinkommens wird grundsätzlich am zuletzt
erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 125 V 58 E. 3.1;
Urteile des Bundesgerichts 8C_590/2014 vom 18. März 2015 E. 5.1; 8C_196/2013 vom
21. August 2013 E. 3.1). Dies rechtfertigt sich auch hier, zumal das Einkommen des
Jahres 2009 zuverlässig bekannt ist (Fragebogen für Arbeitgebende, IV-act. 58-3;
Lohnabrechnungen, IV-act. 60-3 f.) und davon auszugehen ist, dass die
Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden weiterhin
ausgeübt hätte. Die Beschwerdeführerin hätte im Jahr 2009 ein Jahreseinkommen von
Fr. 43'979.- erzielt (Fr. 3'383.- x 13 [siehe zum Anspruch auf einen 13. Monatslohn IV-
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act. 58-8]). Dieses Valideneinkommen wird denn auch von beiden Parteien anerkannt.
Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (Bundesamt für Statistik,
Lohnentwicklung Index Frauen 2009: 2552; Index Frauen 2010: 2579) beläuft sich das
Valideneinkommen per 2010 auf Fr. 44'444.-.
3.2
3.2.1 Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen, so ist für die Bemessung des Invalideneinkommens
auf Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten Person nach zumutbarer
Behandlung und allfälliger Eingliederung angesichts ihrer Ausbildung und ihrer
physischen sowie intellektuellen Eignung zugänglich wären. Rechtssprechungsgemäss
werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss der vom Bundesamt für Statistik periodisch
herausgegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE) herangezogen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
Die Beschwerdeführerin ist nicht mehr arbeitstätig, weshalb als Grundlage für die
Bemessung des Invalideneinkommens auf den statistischen Hilfsarbeiterinnenlohn
abzustellen ist. Dieser beträgt für das Jahr 2010 bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit
von 41.6 Stunden/Woche Fr. 52'728.- (Tabelle TA1, vgl. Anhang 2 der IVG-Ausgabe der
Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2015).
3.2.2 Die Beschwerdeführerin erzielte vor Eintreten der gesundheitlichen
Beeinträchtigung im Vergleich zum Tabellenlohn einen unterdurchschnittlichen
Verdienst, sodass eine Parallelisierung der Vergleichseinkommen vorzunehmen ist,
zumal es an Hinweisen fehlt, dass sie sich aus freien Stücken mit dem
unterdurchschnittlichen Lohn begnügt hätte (vgl. BGE 135 V 58 E. 3.4.3; Urteil des
Bundesgerichts 8C_652/2008 vom 8. Mai 2009 E. 5.1). Der Erheblichkeitsgrenzwert der
Abweichung des tatsächlich erzielten Verdienstes vom Tabellenlohn, ab welchem sich
eine Parallelisierung der Vergleichseinkommen rechtfertigt, beträgt nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung 5 %. Parallelisiert wird in dem Umfang, in
welchem die prozentuale Abweichung 5 % übersteigt (BGE 134 V 322 E. 4.1; Urteil des
Bundesgerichts 8C_652/2008 vom 8. Mai 2009 E. 6.1.2 f.). Vorliegend hat die
Beschwerdegegnerin entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (act. G 1) eine
Parallelisierung der Einkommen vorgenommen, was sich aus den Akten ergibt (vgl.
Einkommensvergleich, IV-act. 118, und act. G 4). Die von der Beschwerdeführerin nicht
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substantiiert vorgebrachte Rüge, in der Missachtung der fehlenden Parallelisierung der
Einkommen sei eine Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie weiterer
verfahrensrechtlicher (EMRK-) Garantien zu erblicken, ist somit unbegründet. Der
Minderverdienst beträgt bei einem Valideneinkommen von Fr. 44'444.- und dem
Tabellenlohn von Fr. 52'728.- Fr. 8'284.-, was 15.71% entspricht. Folglich sind 10.71%
zu parallelisieren. Damit beträgt das Invalideneinkommen bei 50% Arbeitsfähigkeit
unter Vorbehalt eines allfälligen leidensbedingten Abzugs (vgl. die nachfolgende E.
3.2.3 f.) Fr. 23'541.-.
3.2.3 Nach der Rechtsprechung ist beim Einkommensvergleich unter Verwendung
statistischer Tabellenlohne zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte
Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu
voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig
benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen
rechnen müssen. Sodann ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass weitere
persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der
Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können. Die Frage, ob
und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, ist von sämtlichen
persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls abhängig, die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige
Abzug auf 25 % festzusetzen ist. Eine schematische Vornahme des
Tabellenlohnabzugs ist unzulässig (BGE 126 V 75 E. 5b; 129 V 472 E. 4.2.3 mit
Hinweisen). Ist bestimmten einkommensbeeinflussenden Merkmalen bereits bei der
Parallelisierung der Vergleichseinkommen Rechnung getragen worden, dürfen
dieselben invaliditätsfremden Faktoren nicht nochmals im Rahmen des Leidensabzugs
berücksichtigt werden (BGE 134 V 322 E. 4.1). Die Beschwerdegegnerin hat im
vorliegenden Fall keinen Abzug vorgenommen mit der Begründung, aus internistisch-
kardiologischer Sicht könne die Beschwerdeführerin körperlich leichte Tätigkeiten im
Umfang von 50 % vollschichtig ausführen (IV-act. 126-1). Mit der
Einkommensparallelisierung seien sämtliche von der Beschwerdeführerin aufgeführten
invaliditätsfremden Faktoren (insbesondere ihr ursprünglicher Ausländerstatus) bereits
berücksichtigt worden, weshalb sich kein weiterer Abzug rechtfertige (act. G 4).
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3.2.4 Die Beschwerdeführerin rügt im Zusammenhang mit der
Einkommensparallelisierung und dem Tabellenlohnabzug einen Verstoss gegen EMRK-
Garantien (Rechtsgleichheit, Fairnessgebot und Willkürverbot; act. G 1). Die
diesbezüglichen Argumente des Rechtsvertreters sind identisch mit jenen, die dieser im
dem Bundesgerichtsentscheid 8C_771/2016 vom 18. Januar 2017 zugrunde liegenden
Fall bereits vorgebracht hat (vgl. E. 5). In jenem wie auch in früheren, im Entscheid
referenzierten Verfahren hat das Bundesgericht diese Argumentation verworfen. Darauf
ist zu verweisen. Ergänzend ist für den vorliegenden Fall festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin bereits mehr als ihr halbes Leben in der Schweiz verbringt, seit
2002 über das Schweizer Bürgerrecht verfügt und hier während vieler Jahre
erwerbstätig war. Ihre unterdessen erwachsenen Kinder sind hier geboren und
ausgebildet worden. Selbst wenn die Deutschkenntnisse der Beschwerdeführerin nicht
gut sein sollten (vgl. dazu jedoch immerhin die Selbstangabe guter Kenntnisse in Wort
und Schrift in IV-act. 35-6), ist dennoch nicht von einer herkunftsbedingt übermässigen
Erschwernis einer Erwerbstätigkeit auszugehen, die durch die
Einkommensparallelisierung nicht bereits berücksichtigt und darüber hinaus mit einem
Tabellenlohnabzug zu korrigieren wäre. Es sind auch keine weiteren Faktoren
ersichtlich, die einen Abzug als notwendig erscheinen liessen. So hatte die
Beschwerdeführerin bei Verfügungserlass noch rund 10 Erwerbsjahre bis zur
ordentlichen Alterspensionierung vor sich, sodass ein "Altersabzug" nicht gerechtfertigt
erscheint. Erhebliche Leistungsschwankungen, häufige Krankheitsabsenzen oder
weitere Faktoren, die sich verglichen mit gesunden Arbeitnehmenden als
Konkurrenznachteil für die Beschwerdeführerin auswirken und zu einer schlechteren
Entlohnung führen könnten, sind im Übrigen nicht ausgewiesen (vgl. zum
Anforderungsprofil der halbtägigen Einsetzbarkeit explizit ohne zusätzliche Minderung
der Leistungsfähigkeit das psychiatrische Teilgutachten, IV-act. 112-57 f.;
Gesamtgutachten, IV-act. 112-18). Folglich hat die Beschwerdegegnerin zu Recht nur
die Einkommensparallelisierung vorgenommen und keinen zusätzlichen Abzug
anerkannt.
3.3 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 44'444.- und einem Invalideneinkommen von
Fr. 23'541.- beläuft sich der Invaliditätsgrad auf 47 %.
4.
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Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von
sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1
ATSG. Vorliegend ist die IV-Anmeldung am 19. Januar 2010 erfolgt (vgl. IV-act. 1); ein
Rentenanspruch besteht somit frühestens ab 1. Juli 2010. Die Beschwerdegegnerin hat
den Anspruch auf eine Viertelsrente ab diesem Datum verfügt. Dies ist nicht zu
beanstanden. Zwar wurde im SMAB-Gutachten festgehalten, die Arbeitsfähigkeit habe
sich "spätestens" seit dem Myokardinfarkt vom 31. August 2011 auf 50% auch in
angepassten Tätigkeiten reduziert (IV-act. 112-19). Mit der Beschwerdegegnerin
erscheint es aber als gerechtfertigt davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit auch
zwischen den Begutachtungen durch das IME (psychiatrisch durch Dr. med. F._ im
Februar 2010 und rheumatologisch durch G._ im März 2010; IV-act. 31) und dem
Myokardinfarkt nicht über 50% gestiegen ist (vgl. zum Gesundheitszustand bis zum
Erlass der ersten Rentenverfügung vom 24. Mai 2011 auch den Entscheid IV 2011/209).
Hinweise auf eine rentenrelevante Verbesserung in jenem Zeitraum liegen jedenfalls
nicht vor. Die von den Gutachtern des IME abgegebene Verbesserungsprognose hat
sich nicht eingestellt (siehe etwa auch die Ergebnisse der zweimonatigen Abklärung in
der Abklärungsstätte H._ im September/Oktober 2010, IV-act. 42-4 f.). Folglich ist
auch der von der Beschwerdegegnerin auf den 1. Juli 2010 festgesetzte Rentenbeginn
nicht zu beanstanden.
5.
5.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung nicht zu
beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-
bis Fr. 1'000.- zu bestimmenden und in Fällen wie dem vorliegenden praxisgemäss auf
Fr. 600.- festzulegenden Gerichtskosten sind vollumfänglich der unterliegenden
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. betreffend Überklagung das Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV 2009/459 vom 19. Dezember 2011 E.
5.2 f.). Der von ihr geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist anzurechnen.