Decision ID: 67c0b497-24e3-42a9-b136-abc63809308d
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1990, war vom 1. August 2006 bis 9. Juni 2007 (Auflö
sung des Lehrvertrages) als Logistikassistentin Distribution bei der
Y._
angestellt (
vgl.
Urk.
10/7/74
). Von 2008 bis 2011 machte sie eine Lehre bei
Z._
AG als Logistikerin und war
von
April 2014
bis Ende Februar 2015
als Lagermitarbeiterin bei de
r
A._
AG angestellt (Urk. 10/7/1,
Urk.
10/14/1,
Urk.
10/17,
Urk.
10/21).
Am
4.
März 2015
(Eingangsdatum)
meldete sie sich unter Hinweis auf Handgelenksschmerzen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/3).
Mit Mitteilungen vom
7.
April 2016 (
Urk.
10/31,
vgl.
Urk.
10/33-34) und
4.
Dezember 2017 (
Urk.
10/85-86) erteilte die IV-Stelle der Versicherten eine Kostengutsprache für eine Umschulung. Mit Mitteilung vom 2
2.
Februar 2018 (
Urk.
10/103) wurden die berufliche
n
Mass
nahmen abgeschlossen. Am 2
0.
Dezember 2018 meldete sich die Versicherte zum Bezug einer Hilflosenentschädigung an (
Urk.
10/140). Mit Mitteilung vom 20. März 2019 erteilte die IV-Stelle der Versicherten eine Kostengutsprache für einen Rollstuhl (
Urk.
10/176).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der Unfallversicherung bei (
Urk.
10/
7,
Urk.
10/14-15,
Urk.
10/18-19,
Urk.
10/25,
Urk.
10/102,
Urk.
10/132,
Urk.
10/136,
Urk.
10/195
) und holte bei
der
B._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
8.
Juli 2019
erstattet wurde (
Urk.
10/181
).
Mit Mitteilung vom 1
0.
Oktober 2019 erteilte die IV-Stelle der Versicherten eine Kostengutsprache für einen Rollator (
Urk.
10/213).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/188,
Urk.
10/198) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
0.
März 2020 (
Urk.
10/239) einen Renten
anspruch.
Die IV-Stelle veranlasste eine Abklärung vor Ort (Ab
klärungsbericht für Hilflo
senen
tschädigung für Erwachsene vom 11
.
November
2019; Urk.
10
/
222
) und
verneinte
nach durchgeführt
em
Vorbe
scheidverfahren
(Urk. 10
/
225-227
) mit Verfügung vom
1
8.
März 2020 einen Anspruch der Versicherten auf eine Hilf
losenentschädigung (
Urk.
10/24
3
=
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
1.
Mai 2020
Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Verfügung vom 1
8.
März 2020
(
Urk.
2) und be
antragte, diese sei aufzuheben
und
die
IV-Stelle sei zu verpflichten, ihr mit Wirkung ab dem 2
7.
Dezember 2019 eine Hilf
losenentschädigung mittleren Grades zuzusprechen (S. 2
Ziff.
1), eventuell sei die IV-Stelle zu verpflichten, eine erneute Abklärung für Hilflosenentschädigung für
Erwachsene durchzuführen um danach über den Anspruch neu zu verfügen (S. 2
Ziff.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit B
eschwerdeantwort vom
4.
Juni 2020
(
Urk.
9) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
1
3.
Jul
i 2020
wurden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsvertretung bewilligt und
der Beschwerdeführerin die Besc
hwerdeantwort zugestellt (
Urk.
1
2
).
Mit Eingaben vom 3
0.
November 2020 (
Urk.
14)
,
vom
1
9.
und 2
5.
Januar 2021 (
Urk.
16
,
Urk.
19
) reichte die Beschwerdeführerin weitere ärztliche Berichte zu den Akten (
Urk.
15;
Urk.
17/1-4
,
Urk.
18
).
Im invalidenversicherungsrecht
lichen Verfahren der Beschwerdeführerin Nr. IV.2020.00291 und im unfallver
sicherungsrechtlichen Verfahren Nr. UV.2020.00092 ergingen die Urteile am heutigen Tag.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG) in der Schweiz, die hilflos (Art. 9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschä
digung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtun
gen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 42 Abs. 3 Satz 1 IVG; Art. 38 der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensver
richtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1.3
Gemäss Art. 37 Abs. 2 IVV gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versi
cherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.4
Gemäss Art. 37 Abs. 1 IVV gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange
wiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf.
1.5
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungsan
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen. Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9
ATSG) oder des Pflegebedarfs folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Hilfs
bedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfra
gen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig (vgl. BGE 133 V 450 E. 11.1.1). Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigen
den Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsper
son näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE 140 V 543
E. 3.2.1 mit Hinweisen; SVR 2012 IV Nr. 54 S. 195, Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2011 vom 12. Juli 2012 E. 3.2). Diese Grundsätze gel
ten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichts
punkt der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Intensivpflegezuschlags (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_308/2016 vom 6. September 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf 8C_756/2011 vom 12. Juli 2012 E. 3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt
im
a
ngefochtenen Entscheid (Urk. 2)
fest
, die Beschwerdeführerin sei am 1
6.
Oktober 2019 zu Hause besucht worden, wobei festgestellt worden sei, dass sie in vielen alltäglichen Verrichtungen
Hilfeleistun
gen ihres Ehemannes beanspruche, damit die Verrichtungen für sie einfacher und weniger zeitintensiv erfolgen könnten.
Eine blosse Erschwerung oder Verlang
samung bei der Vornahme von Lebensverrichtungen begründe jedoch keine Hilflosigkeit. Es sei zudem zumutbar, dass die Beschwerdeführerin Hilfsmittel anschaffe, welche dazu dienen würden, ihre Selbständigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen, so dass die Verrichtungen selbständig erfolgen könnten. Bei
den meisten Verrichtungen könne deshalb keine Hilflosigkeit anerkannt werden. Einzig bei der Fortbewegung ausser Haus liege eine beschwerdebedingte Hilflo
sigkeit vor. Eine invaliditätsbedingte Notwendigkeit für dauernde Pflege oder Überwachung habe nicht eruiert werden können, ebenso würden die Anspruchs
kriterien für lebenspraktische Begleitung nicht erfüllt
(S. 2)
.
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend (
Urk.
1),
der
Abklärungsbericht stütze sich
fälschlicherweise und zu Unrecht zu einem
wesent
lich
en Teil
auf
die
neurologische Beurteilung durch
den
B._
-Gutachter. Dieser habe verkannt, dass bereits im MRI vom 2
9.
November 2018 eine
Verschlechterung
bildgebend
nachgewiesen sei
. D
iese Befunde
seien vom
Gutachter nicht erwähnt
worden und hätten entsprechend bei der Beurteilung der Symptomatik keine Berücksichtigung gefunden.
Der Gutachter wäre verpflichtet gewesen, den medizinischen Sachverhalt ergänzend abzuklären.
Der
Aufenthalt in
der
Klinik
C._
habe gezeigt, dass
sie
nur am Rollator stehen
und
mit erhöhtem Zeitaufwand unter Beobachtung auch
gehen kö
nne
(S. 7).
Die weitere MRI-Untersuchung vom 2
3.
September 2019 habe eine erneute Verschlechterung gezeigt.
Dr.
D._
habe am 1
7.
Oktober 201
9 festgehalten, dass sich die Gehfähigkeit weiter etwas verschlechtert habe.
Es werde von einer d
eutliche
n
Sitz- und Standataxie
gesprochen
.
Sie k
önne nur am
Rollator gehen. Im Liegen habe sie das
rechte Bein nicht heben können.
Die A
bklärungsperson habe
die
neue
n
Befunde zu Unrecht nicht in
den Bericht einfliessen lassen und von ihr berichtete
Einschränkungen
zum Teil
nicht korrekt wiedergegeben
(S. 8)
.
Sie
habe
der
Abklärungsperson gesagt, dass sie
sich
nicht alleine
an-/ausziehen könne
, auch nicht liegend. In der Klinik
C._
sei sie durch ei
ne Fachkraft unterstützt worden, z
u Hause helfe
ihr der Ehemann (S. 9). Beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen helfe ihr der
Ehemann täglich, nicht nur teilweise.
I
n de
r Reha habe man keine geeigneten Hilfsmittel gefunden, die ihr beim Essen helfen würden. Sie sei beim Zerkleinern der Nahrung auf Hilfe angewiesen
(S. 10). Sie könne
nicht alleine in
die
Badewanne einsteigen
. Ein
Badewannengriff helfe nicht, da
sie die
Beine nicht selbständig heben könne.
Sie sei nicht in der Lage, ihre
l
ange
n
Haare
mit einer Hand zu waschen. E
inhändig
könne sie auch nicht den
Rücken
und die
Zehen
waschen
.
Dabei handle es sich nicht um eine Erschwerung oder Verlangsamung bei der Vornahme von Lebensverrichtungen, sondern um eine Unmöglichkeit, diese selber auszuführen (S. 11)
. Bezüglich der
Reinigung nach Verrichtung der Notdurft
sei der Sachverhalt im Abklärungs
bericht
völlig falsch.
Sie
sei nie alleine auf
die Toilette gegangen in der Reha,
bei
der
Reinigung sei ihr geholfen worden
. Sie
könne auch nicht alleine
die
Hosen hochziehen
(S. 11)
. Sie k
önne keine Treppen steigen,
ihr
Ehemann trage sie.
Sie h
abe kein Auto, sondern
benutze manchmal
das
Auto mit Automat des Vaters.
Sie werde zu Terminen begleitet und habe k
eine sozialen Kontakte.
O
hne Hilfe
könnte sie
nicht selbständig wohnen. Für Kontakte ausserhalb der Wohnung
sei sie
auf Begleitung angewiesen
(S. 12)
.
Sie
sei auch auf lebenspraktische Begleitung angewiesen
, ansonsten m
üsste
sie
in ein Pflegeheim.
Wenn nur schon die r
egelmässig
en/
wöchentliche
n
Besuche bei
den verschiedenen
Ärzten
in Betracht gezogen würden
,
sei der Mindestaufwand von 2 Stunden
pro Woche ohne Weiteres erreicht.
Der
Aufwand für
die
Wohnungs
pflege sei höher als angenommen (S. 1
2 f.
).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Grad der Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Die Ärzte des Universitätsspitals
E._
, Klinik für Neurologie, berichteten am 2
7.
Februar 2017 (
Urk.
10/64) über die neuropsychologische Untersuchung der Beschwerdeführerin und nannten folgende Diagnosen bei Zuweisung:
-
schubförmig remittierend multiple Sklerose
(MS)
, Erstmanifestation Okto
ber 2015, Erstdiagnose Oktober 2016
-
Status nach klinisch isoliertem Syndrom bei
Retrobulbärneuritis
des rechten Auges, Erstmanifestation Oktober 2015, Erstdiagnose Oktober 2016
Sie führten aus, dem MRI des Gehirns vom Oktober 2016 seien zwei neue fokale Demyelinisierungen im Gyrus frontalis superior rechts und im Gyrus frontalis inferior
links ohne Zeichen einer florid
-entzündlichen Aktivität zu entnehmen
(S. 1)
.
Die neuropsychologische Untersuchung der Beschwerdeführerin ergebe
hirn
lokalisatorisch
d
iffuse, von leicht bis mittelschwer reichende kognitive Minder
leistungen in den
Bereichen Aufmerksamkeit, Lernen/Gedächtnis und Exekutiv
funktionen.
Vom k
linisch
en Eindruck würden
affektive Auffälligkeiten (D
ifferentialdiagnose
Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion bei psycho
sozialer Belastungssituation),
eine
allg
emeine Antriebsminderung sowie eine
deutlich erhöhte Ermüdbarkeit
dominieren
. Unter B
erücksichtigung des jüngsten pathologischen Schädel-MRI-Befundes vom Oktober
2016
sei
bei den
oben beschriebenen Minderleistungen an ein «kognitives Korrelat» der MS-bedingten
hirnorganischen Veränderungen zu denken.
Hirnlokalisatorisch
würden diese Befunde übereinstimmend mit de
n
im MRI-Befund beschriebenen frontalen Marklagerläsionen auf eine Dysfunktion präfrontaler Regelkreise hinweisen.
Zusätzlich
ergäben sich
Hinweise auf bilaterale
mediotemporale
Dysfunktionen.
Weiter sei von einer
s
ekundäre
n
Leistungsminderung im Rahmen der klinisch evidenten Fatigue, der affektiven Verstimmung und der tägli
chen Kopf
schmerzsymptomatik auszugehen
.
Die
Aufnahme
einer
Psychotherapie
werde
empfohlen.
Aktuell sei von einer zirka 50%igen Arbeitsunfähigkeit bei einer leichten bis mittelgradigen neuropsychologischen Störung und gleichzeitigen Auffälligkeiten im Bereich der Affektivität auszugehen (S. 3).
3.2
Die Ärzte des
E._
, Klinik für Neurologie, berichteten am
2.
März 2018 (
Urk.
10/115/7-11) über die Neuroimmunologie-Sprechstunde und führten aus, aktuell gestalte sich der Verlauf schub- und beschwerdefrei.
Es bestehe
eine
residuelle
Fernvisusminderung rechts
sowie eine
Fatigue- und Drang-Symptoma
tik
(S. 1)
.
Anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung vom 1
2.
Februar 2018 imponiere vordergründig eine schwergradige
Fatiguesympto
matik
, eine allgemeine Antriebsminderung sowie affektive Auffälligkeiten. Die Ätiologie der
geschilderten Defizite sei am ehesten multifaktoriell bedingt.
Primär sei von einem kognitions
relevanten Einfluss der starken Fatigue und affektiven Verstimmung mit deutlicher Antriebsminderung auszugehen.
A
llerdings
liesse sich auch ein leistungsminde
r
nder Effekt der bekannten
,
MS-bedingten hirn
organischen Veränderungen nicht ausschliessen.
Die
Befunde zeigten, dass
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin k
lar eingeschränkt sei.
Die
Hauptein
schränkung resultiere aus
der
Fatigue-Symptomatik, diese beeinflusse
die
Konzentration und Aufmerksamkeit
massgeblich, so dass sich die Beschwerde
führerin nicht länger am Stück konzent
rieren könne und vermehrt R
uhepausen benötige.
Bereits mit
dem gegenwärtigen
40%-Pensum sei sie überfordert.
Die
effektiv
mögliche Arbeitszeit müsste
im Rahmen eines
Arbeitsversuch
s
erörtert
werden.
Die kognitive Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin scheine überdies in Zusammenhang mit dem momentanen Befinden sowie psychisch-psychiatrischen Faktoren zu stehen, welche bei der Beurteilung der Arbeitsfähig
keit mitberücksichtigt werden sollten.
In der klinisch-neurologischen Untersuchung lasse sich aktuell eine l
eichte Kraft
minderung der Beine
objektivieren. In der Sensibilitätsprüfung habe neu eine
Hypästhesie für Berührung ab Ober
schenkelniveau beidseits festgestellt werden können.
In Zusammenschau der vorliegenden Befunde und Anamnese lasse sich aktuell insbesondere eine deutliche depressive Verstimmung bei aktuell nicht mehr erfolgender regelmässiger psychiatrischer Anbindung und keiner medika
mentösen stimmungsstabilisierenden Einstellung erheben, die neben der MS-bedingten Fatigue zu der aktuellen ausgeprägten physischen und kognitiven Abgeschlagenheit und Dekonditionierung beitragen könne.
Es werde daher d
ringend
die Wiederaufnahme der psychiatrischen
Anbindung und Medikation empfohlen.
Bei neu aufgefallener Sensibilitätsstörung und leichter Kraftminde
rung beider Unterschenkel werde zudem eine MRI-Untersuchung der spinalen Achse mit der Frage nach zwischenzeitlich neu aufgetretenen spinalen Läsionen veranlasst (S. 4).
3.3
Die Ärzte des
E._
, Klinik für Neurologie, berichteten am 1
4.
Mai 2018 (
Urk.
10/114) und
führten aus, die 60%ige Arbeitsunfähigkeit als
Zolldeklarantin
sei extern attestiert worden.
Die Prognose sei offen. Im weiteren Vorgehen werde die Fortführung der Therapie sowie die Aufnahme einer psychiatrischen Behand
lung empfohlen. Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit müsste im Rahmen einer erneuten Zuweisung geklärt werden.
3.4
Die Ärzte des
E._
, Klinik für Neurologie, berichteten am 2
9.
Mai 2018
über die durchgeführten Gang-Tests
(
Urk.
10/117/1-3)
und führten aus,
a
lle funktionellen Gehtests
seien
im Vergleich zu gleichaltrigen Gesunden ausserhalb des Norm
bereichs
gelegen
.
Insgesamt habe sich während der Messung eine deutliche Fluktuation der Steh- und Gehfunktion, am ehesten ausgelöst durch eine phobische Komponente, gezeigt.
Es sei davon auszugehen, dass die Gangpatho
logie dadurch stark beeinflusst werde. Die
Posturographie
habe abgebrochen werden müssen, da
der Normalsta
n
d (20 cm breit) nicht ohne Festhalten möglich gewesen sei. Insgesamt zeige die Beschwerdeführerin eine starke Instabilität des Standes und Ganges in allen Funktionstests. Die meisten Tests seien daher nicht durchführbar gewesen.
Die in der Literatur angegebenen Grenzwerte für erhöhte Sturzgefahr seien deutlich überschritten worden.
Es sei davon auszugehen, dass
die
Gangpathologie nicht allein durch die neurologische Grunderkrankung zustande
komme, sondern zusätzlich von eine
r starken phobischen Komponente
überlagert werde.
3.5
Die Ärzte des
E._
, Klinik für Neurologie, berichteten am 2
5.
Juni 2018 (
Urk.
10/124/1-6) über die Neuroimmunologie-Sprechstunde und führten aus,
aktuell bestehe eine
zunehmende Gangverschlechterung
sowie eine
Empfin
dungsstörung der
Beine. Dem neuen MRI spinal von
Juni
2018 sei
weiterhin kein Hinweis auf
Demyelinisierungsherde
in der spinalen Neuroachse
zu entnehmen
, insbesondere keine aktive
n
Plaques
(S. 1)
.
Anamnestisch stünden weiterhin
die
ausgeprägte Antriebsminderung, Abgeschlagenheit
und
rasche
Erschöpfbarkeit im Vordergrund, welche sowohl vor dem Hintergrund einer mit der MS assozi
ierten Fatigue als auch der bekannten und
bisher weitestgehend unbehandel
ten depressiven Störung gewertet werden könnten.
Bisherige Therapieversuche
seien von der Beschwerdeführerin nicht fortgeführt beziehungsweise Therapievor
schläge nicht angenommen worden.
Es sei jedoch wieder ein Termin bei der Psychiaterin
Dr.
F._
geplant.
Die
Beurteilbarkeit der klinisch-neurologischen Untersuchung sei
aufgrund teils wechselnder Innervation sowie des raschen Aufgebens der Beschwerdeführerin stark
eingeschränkt
gewesen. Die a
ktuelle
n
Bildbefunde erklärten das derzeitige Ausmass des Behinderungsgrades nicht.
Es sei von einem starken
Einfluss der affektiven Situation auf die körperlichen Befunde aus
zugehen
.
Die
g
eklagte
Erschöpfbarkeit
sowie das aufkommende
Schwindelgefühl
bei Bewegung sei überwiegend i
m Rahmen der Dekonditionie
rung infolge fehlender körperlicher Betätigung
zu sehen. Umso dringender werde die Wiederaufnahme der psychotherapeutischen Betreuung und Bahnung einer adäquaten Behandlung und andererseits eine regelmässige und aufbauende Bewegung/Sport empfohlen.
Auch werde dringend eine stationäre Neurorehabi
litation mit dem Ziel einer Wiedereingliederung im privaten und beruflichen Alltag empfohlen. Die gewünschte rückwirkende Arbeitsunfähigkeitsbescheini
gung habe der Beschwerdeführerin heute nicht ausgestellt werden können, da sowohl aus neurologischer als auch aus neuropsychologischer Sicht zur objekti
ven Einschätzung der Arbeitsfähigkeit dringend ein Arbeitsversuch indiziert wäre
(S. 4)
.
3.6
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurologie, Kreisarzt der Suva, nahm am 2
0.
August 2018 eine neurologische Beurteilung vor (
Urk.
10/124/7-10) und führte aus, die Beschwerdeführerin habe sich anlässlich ihres Unfalls vom 1
0.
Juni 2017
(richtig: 2007)
eine Fraktur des
Hamulus
rechtsseitig zugezogen, nach dessen Exstirpation 2009 habe sich ein Schmerzsyndrom der rechten Hand en
t
wickelt, welches im Verlauf differentialdiagnostisch als CRPS I, CRPS II oder auch sympathisch vermittelter Schmerz beurteilt worden sei (S. 3). Die Zumut
barkeit für eine leichte Tätigkeit im Büro werde als vollzeitig möglich angenommen. Dieser Beurteilung könne er sich anschliessen. Es könne auf die Beurteilung bezüglich Zumutbarkeit durch
Dr.
H._
abgestellt werden. Rein unfallbedingt sei aus versicherungsmedizinisch neurologischer Sicht auf das von
Dr.
H._
beschriebene Zumutbarkeitsprofil
abzustellen (S. 4).
3.7
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 2
0.
Dezember 2018 (
Urk.
10/139) und führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit November 2018
zirka zweimal in der Woche
bei ihm in Behandlung.
Er habe keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Es bestehe eine d
epressive Verstimmung,
eine
Anhedonie, Interessenverlust, sozialer Rückzug,
gesteigerte Ermüdbarkeit, Verlust des Selbstvertrauens
, Grübelneigung, Schlafstörungen sowie Appetit
losigkeit
.
Als Diagnose nannte er eine m
ittelgradig
e
depressive Episode
(ICD-10 F32.1)
mit Einfluss auf
die
A
rbeitsfähigkeit
.
Es bestehe e
her
eine
ungünstige Prognose, da
die
MS progredient
sei
.
3.8
Die Ärzte des
E._
, Klinik für Neurologie, berichteten am
7.
Januar 2019 (
Urk.
10/149) über die Neuroimmunologie-Sprechstunde und führten aus,
aktuell sei die
MS klinisch nicht aktiv,
radiologisch aktiv. Es bestehe eine fragliche Progression
(S. 1)
.
Zur objektiven Einschätzung der A
rbeitsfähigkeit
seien dezidierte Arbeitsversuche und eine formale Begutachtung unter Einbezug der neurologischen
und psych
iatrischen
Befunde notwendig
(S. 2)
.
Das MRI vom 2
9.
November 2018 zeige im Vergleich zum
v
orherigen vom 3
0.
November 2017 eine
neue Läsion rechts frontal periventrikulär
ohne pathologische KM-Aufnahme, eine n
eue Läsion links temporal
juxtacortikal
mit fraglicher punkt
förmiger KM-Aufnahme.
Die Beschwerdeführerin
berichte
von einer
progredien
te
n
Verschlechterung der Gehstrecke,
einer
zunehmende
n
Dran
gsymptomatik und einer
schlechte
n psychischen
Verfassung mit
ausgeprägter
Müdigkeit. Klinisch
zeige sich
am ehesten
ein
stabiler Befund,
allerdings zeige sich die
Lähmung der rechten Hand deutlich ablenkbar.
Darüber hinaus ergäben sich weitere i
nkonsis
tente Untersuchungsbefunde, die nicht durch Läsionen
im ZNS oder PNS
erklärbar seien.
Nach wie vor erklärten die
MRI-
Befunde
das Ausmass des Behinderungsgrades nicht.
Es ergebe sich der h
ochgradige
Verdacht auf
eine
funktionelle Ausgestaltung b
eziehungsweise Aggravation von neurologischen
Defiziten. Unklar
bleibe
, wie bewusstseinsnah
diese funktionelle Komponente sei
.
Aufgrund der deutlichen funktionellen Komponente sei die
Beurteilung des anamnest
ischen und klinischen Verlaufs
erschwert und unzuve
rlässig. Ohne Frage liege jedoch eine
schubförmige MS vor,
die aufgrund des Nachweises von neu aufgetretenen inaktiven Läsionen im Hirn
zumindest radiologisch aktiv
einzustufen sei.
Da diese radiologische Aktivität unter
Tecfidera
-Therapie aufgetreten sei, sollte formal eine Therapieumstellung evaluiert werden
(S. 5)
.
3.9
Dr.
I._
führte am
4.
Februar 2019 aus (
Urk.
10/157), er behandle die Beschwerdeführerin seit November 2018 ambulant. Sie sei zu 100
%
arbeitsun
fähig. Aufgrund der Progredienz der chronischen MS-Erkrankung sei auch dauerhaft von einer weiter bestehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszu
gehen.
3.10
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 1
6.
Mai 2019 (
Urk.
10/177) und führte aus, die Beschwerdeführerin leide an einer schubförmigen MS mit Fatigue Syndrom, Konzentrationsstörungen, Gleich
gewichtsstörungen, Gangataxie mit erheblicher Einschränkung der Gehfähigkeit sowie einer Drangsymptomatik. Gemäss anamnestischen Angaben sei sie für sämtliche alltäglichen Verrichtungen auf Hilfe angewiesen. Diese werde von ihrem Ehemann erbracht.
3.11
Die Gutachter der
B._
erstatteten ihr polydisziplinäres Gutachten am
8.
Juli 2019 (
Urk.
10/181) und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6):
-
multiple Sklerose vom schubförmig verlaufenden Typ, aktuell ohne Verschlechterung
-
Schmerzsyndrom der rechten Hand bei
-
Status nach Fraktur des
Hamulus
ossis
hamati
rechts 1
0.
Juni 2007
-
Status nach Resektion des
Hamulus
und
Tenosynovektomie
sowie Trimmung FDS 5- und FDP 4/5-Sehne rechts am 1
0.
September 2009
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie die folgen
den (S. 6):
-
depressive Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4)
-
Mischkopfschmerz
-
suboptimal substituierte Hypothyreose
Sie führten aus, die Diagnostik habe weder eine Kompressionsneuropathie noch die teils vermutete Verdachtsdiagnose eines CRPS bestätigen können. Aus
reichende Symptome, die nach den Budapest- beziehungsweise Harden-Kriterien retrospektiv die Diagnose eines CRPS belegen könnten, seien nicht vorhanden. Die zur Diagnose eines chronisch persistierenden CRPS nötigen Störungen wie atrophische Muskel- und Hautveränderungen, Durchblutungsstörungen und Sehnenverklebungen fänden sich bei der Beschwerdeführerin nicht. Daher könnten auch keine CRPS-bedingten Funktionsdefizite vorliegen. Auch wenn ein CRPS abgelaufen wäre, hätte sich dieses – wie bei zwei Drittel der Fälle – folgenlos zurückgebildet. Die durch verschiedene Untersucher im April 2015 favorisierte Diagnose des CRPS sei aber schon im Juli 2015 nicht mehr bestätigt worden. Es sei dann ein chronisches Schmerzsyndrom festgestellt worden. Somatisch sei auch leider nicht ersichtlich, warum nach fünf Jahren die Beschwerden an der rechten Hand wieder aufgeflammt seien, zumal von der Beschwerdeführerin kein Auslöser habe angegeben werden können und eindeu
tige pathologische Befunde nicht zu erheben gewesen seien. Auch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin nach Abschluss der handchirurgischen Behandlung über einen Zeitraum von zirka 5 Jahren keine Arbeitsunfähigkeit mehr diesbe
züglich geltend gemacht habe und zeitweise 100
%
in einem Logistikunterneh
men im Büro gearbeitet habe, mache die Diagnose eines CRPS, aber auch die einer anderen durch
Traumafolgen
bedingten Funktionseinschränkung an der rechten Hand wenig wahrscheinlich. Trotz
liquordiagnostischer
Vermutung eines klini
schen isolierten Syndroms im Oktober 2015 und späterer Diagnose einer Multiplen Sklerose im Oktober 2016 lasse sich jedoch klinisch-neurologisch auch keine neurologische Ursache der berichteten sensomotorischen Funktionsstörung der rechten Hand feststellen, wobei nach eigener Angabe die Funktionsstörung der rechten Hand auch schon vor Auftreten der Multiplen Sklerose bestanden habe. Die neurologische Untersuchung erbringe weder den Befund einer periphe
ren noch einer zentralen Parese an der rechten Hand. Trotz Bestehen der
hand
schuhförmigen Hypästhesie werde kein Störmuster eines nervlichen Schmerzes zur Erklärung der Beschwerden angegeben. Bei Fehlen pathologischer
neurolo
gischer und Lokalbefunde stelle sich die Frage nach einer psychischen Ursache (S. 4).
Dabei ergäben sich aber keine Hinweise für eine eigenständige psychische Erkrankung im Sinne einer authentischen dissoziativen Bewegungsstörung mit Lähmung der Extremitäten, denn entgegen den diagnostischen
Kriterien
sei der Beginn schleichend und zeitlich nicht mit dem Beginn der MS-Erkrankung oder einer anderen erheblichen Belastung gekoppelt gewesen. Weiter bestünden keine Hinweise auf psychische Konflikte, erhebliche psychosoziale Belastungen zur Zeit des Entstehens der Störung und auch nicht die üblichen prämorbiden Auffällig
keiten. Am ehesten sei daher von der Entwicklung einer Selbstlimitierung auszugehen im Sinne einer relativ bewusstseinsnahen Funktionsstörung. Hierfür spreche auch die Vielzahl der bei der Beschwerdeführerin festgestellten Inkonsis
tenzen. Die bis anhin durchgeführte ambulante psychiatrische Behandlung scheine diese Thematik gar nicht berücksichtigt zu haben. Die Abklärung von allfälligen motivationalen (bewusstseinsnahen) Aspekten wäre aber bei weiter anhaltender Symptomatik zwingend. Die klinisch-psychiatrische Untersuchung habe auch keine sonstige Psychopathologie gezeigt (S. 5). Insgesamt bestünden keine Einschränkungen der psychischen Funktionen aufgrund einer eigenständi
gen psychiatrischen Erkrankung. Es lägen aber Hinweise für eine Selbstlimitie
rung vor, die zu einem stärkeren Funktionsdefizit als erkrankungsbedingt führen würde
n
. Von der Beschwerdeführerin werde eine Gebrauchsunfähigkeit der rechten Hand angegeben, die sich aber somatisch und auch nicht durch eine psychische Erkrankung erklären lasse. Es dürfte eine Selbstlimitierung ursächlich sein. Die Beschwerdeführerin sei allerdings linksdominant und schreibe auch links. Tätigkeiten wie bisher seien auch weiter möglich. Beidhändige Präzisions
tätigkeiten sollten nicht mehr zugemutet werden (S. 6).
Betreffend Inkonsistenzen w
u
rd
e
ausgeführt, die Berichte von einer völligen Immobilität der rechten Hand und beider Beine passten nicht zum somatischen Befund einer intakten Muskulatur, intaktem Tonus und einem symmetrischen Muskelprofil, normalem Reflexverhalten und einem unauffälligen MRI der Wirbelsäule. Die Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin, dass eine auf die Hand bezogene Arbeitsfähigkeit von nur 40
%
, wie zuletzt als
Zolldeklarantin
möglich sei, jedoch kein grösseres Arbeitspensum, erscheine aufgrund der objek
tivierbaren Befunde nicht plausibel, da eine Erholungspause zwischen den zwei (vollen) Arbeitstagen nicht vorgelegen habe. Aufgrund dieser Angaben und der erhobenen Befunde hätten sich die Befunde nicht rein somatisch zuordnen lassen, jedoch hätten sich auch keine Hinweise auf eine eigenständige psychiatrische
Erkrankung ergeben. Die aktuelle Blutuntersuchung zeige, dass die Beschwerde
führerin entgegen ihren Angaben keine Schmerzmittel und keine Psychophar
maka einnehme. Dies relativiere den angegebenen Leidensdruck ebenfalls erheblich. In der bisherigen
, im Wesentlichen leidensangepassten
Tätigkeit als
Zolldeklarantin
könne die Beschwerdeführerin medizintheoretisch, ausschliess
lich unter Berücksichtigung der neurologischen Funktionsstörungen, noch zu 70
%
tätig sein, wobei keine Minderung der zeitlichen Präsenz vorliege, sondern eine Minderung der Leistungsfähigkeit um 30
%
. Dies gelte für jede andere angepasste Tätigkeit, mithin für Tätigkeiten, die im Sitzen an einem rollstuhl
gerechten Arbeitsplatz einhändig ohne Zeitdruck und Stressbelastung erbracht werden könnten
(S. 8).
3.12
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 1
3.
Juli 2019 Stellung (
Urk.
10/184/9-10) und führte aus, es könne auf das Gutachten abgestellt werden.
Die neurologische Beha
n
d
lung der MS werde als stringent angegeben. Wegen der Selbstlimitierung mit Verursachung der Funktionsstörung der rechten Hand werde eine diesbezügliche Thematisierung in der bereits laufenden psychiatrischen Behandlung empfohlen. Allenfalls wäre auch eine Abklärung motivationaler bewusstseinsnaher Aspekte bei anhaltender Sympto
matik hilfreich.
Die von der Beschwerdeführerin angegebenen Gebrauchsein
schränkungen der rechten Hand liessen sich nur teilweise, respektive für beidhändige Präzisionsarbeiten erklären. Die Beschwerdeführerin sei Linkshän
derin und schreibe auch links. Es dürfte sich ursächlich um Selbstlimitierung handeln.
3.13
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie, berichtete am
5.
September 2019 (
Urk.
10/201/3-6) und nannte folgende Diagnosen:
-
Multiple Sklerose mit schubförmigem Verlauf, Differentialdiagnose sekundär progredient verlaufend (Erstmanifestation Oktober 2015, Erst
diagnose Oktober 2015
; richtig: 2016
) mit aktuell ausgeprägter Ataxie
-
chronisches Schmerzsyndrom der rechten Hand, bei Status nach Trauma am 1
0.
Juni 2007 mit Fraktur des
Hamulus
ossis
hamati
mit Status nach
Hamulusexzision
am 1
0.
September 2009 mit persistierender schlaffer Parese der rechten Hand mit Gefühlsstörungen
-
chronische,
bioccipitale
Kopfschmerzen seit 2015
Er führte aus,
die Beschwerdeführerin sei
Ambidexterin
, schreibe seit 12 Jahren mit links. Gehen sei nur mit einseitiger Unterstützung möglich, zudem bestehe eine deutliche
Sitz- und Standataxie
.
Die im Oktober 2015 aufgetretene MS habe zunächst einen stabilen Verlauf gezeigt. Im Februar 2016 sei eine immunmodu
latorische Therapie aufgenommen worden, trotzdem habe sich eine zunehmende Müdigkeit eingestellt. Im Frühjahr 2018 sei eine Ataxie dazugekommen, welche
ebenfalls einen progredienten Verlauf gezeigt habe. Aktuell bestehe eine ausge
prägte Stand- und Sitzataxie und 100 Meter könne die Beschwerdeführerin nur noch mit einseitiger Unterstützung bewältigen (S. 3).
Bei diesen
B
efunden sei eine Arbeitsfähigkeit nicht mehr möglich, auch eine leidensangepasste Tätigkeit werde die Beschwerdeführerin nicht bewältigen können. D
ie schlaffe Lähmung der rechten Hand lasse sich organisch nur schwierig erklären, im EMG seien die Arm
nerven problemlos stimulierbar und die beschriebene Anastomose sei ohne Einfluss auf die motorische Funktion der rechten Hand. Als Ursache dieser schlaffen Parese der rechten Hand käme also lediglich ein zentrales Geschehen in Frage und somit die seit Oktober 2015 bekannte Multiple Sklerose. Ein direktes Korrelat habe in den Akten allerdings nicht gefunden werden können.
Angesichts der aktuellen Beschwerden und Befunde sei die Schlussfolgerung der
B._
-Gutachter, wonach noch eine 70%ige Arbeitsfähigkeit bestehe
,
unverständlich und könne lediglich als eine versicherungsfreundliche Bewertung angesehen werden.
Bei der Durchsicht der inzwischen umfangreichen Akten seien auch gewisse Inkonsistenzen aufgefallen, ein organischer Kern könne und dürfe jedoch nicht übersehen werden, es seien dies die zahlreicher gewordenen MS-Veränderungen und die für eine MS typische Fatigue.
Ob die inzwischen ausge
prägte Ataxie nur MS-bedingt sei, sei nicht mit Sicherheit zu beurteilen. Eine erneute Überprüfung durch
die IV sei
angesichts dieser Sachlage
unerlässlich
(S. 4)
.
3.14
Mit Physiotherapie-Austrittsbericht vom 1
8.
September 2019 der
Klinik
C._
(
Urk.
10/226/2-5) wurde über den Aufenthalt der Beschwer
deführerin vom
5.
bis 1
8.
September 2019 berichtet.
Die Mobilität/Selbsthilfe/Beweglichkeit habe sich
leicht verbessert.
Der
Zustand
der Beschwerdeführerin
während des Aufenthaltes sei
sehr fluktuierend und
tages
formabhängig gewesen.
Zur weiteren Behandlung der Beinkraft und Erweiterung der Gehstrecke sei
eine
ambulante Physio
therapie
indiziert
(S. 4)
. Das A
ufsitzen, Hinlegen und Drehen im Bett (mit erhöhtem Zeitaufwand)
sowie der
Sitz-Stand mit Hilfe der Arme am Rollator
seien
selbständig
möglich
,
der
Bodentransfer
sei
nicht
möglich.
S
tehen
sei
nur am Rollator zum Laufen
möglich, G
ehen a
m Rollator unter Supervision zirka
3
Meter
mit erhöhtem Zeitaufwand
(S. 2)
.
Die Selbstversorgung sei
mit Hilfe durch Pflegeperson
(Ehemann)
und das häusliche Leben durch den Ehemann möglich (S. 3).
3.15
Die MRI-Untersuchung des Neurokraniums vom 2
3.
September 2019 (
Urk.
10/215/2) ergab verglichen mit der Voruntersuchung vom 2
9.
November 2018 zwischenzeitlich mehrere neue
demyelinisierende
Läsionen.
Es ergab sich k
ein Nachweis von
aktuellen Schrankenstörungen beziehungsweise
aktiven Herde.
Spinal
sei
weiterhin kein Nachweis von eindeutigen
Demyelinisierungs
herden
vorhanden sowie keine
Stenosierung des Spinalkan
als und keine Anhalts
punkte für
foraminale Nervenwu
rzel
kompressionen.
3.16
Dr.
D._
berichtete am 1
7.
Oktober 2019 (
Urk.
10/219) über die erneute Untersuchung vom 1
5.
Oktober 2019 und führte aus, seit der letzten Unter
suchung vom August 2019 habe sich die Gehfähigkeit weiter etwas verschlech
tert. Die Beschwerdeführerin berichte, dass sie vermehrt Unterstützung benötige, um auch nur kürzere Gehstrecken zu bewältigen (S. 1). Bei bekannter MS mit schubförmigem Verlauf habe sich das Beschwerdebild verschlechtert, mit deutlicher Zunahme der Ataxie, welche nun derart ausgeprägt sei, dass die Beschwerdeführerin nur noch mit einem Rollator gehen könne. Ohne diese Hilfe sei sie auf mindestens einseitige Unterstützung angewiesen. Die neurologische Verlaufskotrolle habe mehrere neue
Demyelinisierungsherde
ergeben, womit dieser Verschlechterung zumindest teilweise erklärt werden könne.
Die Behand
lung bestehe weiterhin aus
Tecfidera
, zusätzlich sollte die Beschwerdeführerin regelmässig physiotherapeutisch behandelt werden, mit dem Ziel
,
die Gehfähig
keit zu verbessern. Mittelfristig sollte eine erneute stationäre Rehabilitations
behandlung ins Auge gefasst werden (S. 2).
3.17
Am 16. Oktober 2019 fand die Abklärung der Hilflosigkeit bei der Beschwerde
füh
rerin zuhause im B
eisein des Ehemannes der Beschw
erdeführerin statt. Mit Bericht vom 1
1.
November 2019 (Urk. 10/222) nannte die Abklärungsperson als
Hauptd
iagnose
n eine multiple Sklerose vom schubförmig verlaufenden Typ sowie ein Schmerzsyndrom der rechten Hand bei Status nach
Hamulusfraktur
vom 1
0.
Juni 2007 sowie Operation mit
Hamulusresektion
und
Tenosynovektomie
vom 1
0.
September 2009
(S. 1)
.
Die Abklärungsperson hielt fest,
gemäss Beschwerdeführerin habe diese Ende 2014
rechts nicht mehr gut gesehen und sehr starke Kopfschmerzen verspürt, welche stetig zugenommen h
ätt
en. Im rechten Auge sei das Sehen von Tag zu Tag nebliger geworden, was ihr Angst bereitet habe. Sie habe dann zunehmend mehr auch mit den Beinen Schwierig
keiten erhalten und sei vergesslich geworden. Anfangs 2015 sei dann die MS diagnostiziert worden. In der nachfolgenden Zeit habe sie eine zunehmende Müdigkeit und Vergesslichkeit gespürt, zudem seien auch ihre Beine zunehmend schlapper geworden und sie h
abe an Gewicht zugenommen. Vom
5.
bis 1
8.
Sep
tember 2019 sei sie z
wecks Rehabilitation in der
Klinik
C._
gewesen. Die Situation sei bis heute jedoch noch sehr beschwerlich und es bestehe eine grosse Ein
schränkung im Alltag, dies vor a
llem in Folge der Müdigkeit, der Gangstörung,
des
fehlende
n
Gefühl
s
in den Beinen und
Vergesslichkeit. Freies Gehen sei ihr nicht mehr möglich, die Fortbewegung erfolge mit dem Rollator, Rollstuhl
oder geführt, dies vor a
llem abhängig von ihrer jeweiligen Tagesform. Ihr Zustand habe sich kontinuierlich verschlechtert. Mittels MRI seien nun neue Läsionen in der Stirnhöhle entdeckt worden, weshalb derzeit
eine Medikamen
tenanpassung geprüft werde. Im W
eiteren leide sie an Schilddrüsenproblemen, mal leide sie an ein
er Unterfunktion, mal an einer Ü
berfunktion. Sie befinde sich diesbezüglich in ärztlicher Behandlung
. Seit Juni
2018 sei sie verheiratet, ihr Ehemann sei zum Hochzeitszeitpunkt in die Schweiz eingereist. Bis dahin habe sie bei ihren Eltern gelebt, nach der Hochzeit sei sie mit ihrem Ehemann in die aktuelle Mietwohnung gezogen. Ihr Ehepartner sei erwerbslos, er kümmere sich um sie, versuche sie täglich zur Bewegung zu animieren, begleite sie ausser Haus, etc. Sie selber sei seit dem IV-Umschulungsabbruch keiner Berufstätigkeit m
ehr nachgegangen und unternehme
krankheitsbedingt keine Arbeitsbemühungen. Nebst ihrem Ehemann erhalte sie noch Unterstützung von ihren Eltern, welche sie
b
eide mit Mahlzeiten versorgen und auch die Wäsche
erledigen würden (S. 2 f.)
.
Zum Bereich «Ankleiden/Auskleiden» hielt die Abklärungsperson fest,
die Beschwerdeführerin schildere,
dass
sich
die
s
schwierig
gestalte
, der Ehmann sei ihr stets behilflich dabei, da sie sonst bis zu einer halben Stunde brauchen würde
,
um sich vollständig anzukleiden. Insbesondere brauche sie beim Anziehen des BHs Hilfe, da ihr dies einhändig nicht gelinge. Ein T-Shirt könne sie sich selber einhändig überziehen, sie habe sich dazu gewisse Techniken angeeignet im Verlauf der Jahre. Die Hose könne sie s
ich nicht selber anziehen,
da sie nicht aufstehen könne, zu gross sei dabei die Sturzgefahr. Liegend finde sie dies zu schwierig, vor
a
llem da sie nur einhändig hantieren könne. Der Hilfebedarf
des Ehemannes sei nötig, da ihre rechte Hand nicht wirklich gebrauchsfähig sei, dies infolge eines Unfalls im Jahr 200
7.
Sie könne ihren Arm zwar bewegen, die Finger und die Hand seien jedoch gelähmt. Seit Ende 2017 sie die Situation ganz schwierig, zuvor sei sie noch besser zurechtgekommen und habe nur sporadisch Hilfe durch ihre Eltern beim Ankleiden benötigt, seither habe sich ihre Gesamt
beschwerdesituation verschlechtert, weshalb sie dabei täglich Dritthilfe brauche. Hilfsmittel benutze sie zum Ankleiden keine.
Die Beschwerdeführerin
erklär
e
, sie habe in der Reha eine Broschüre erhalten und sei darüber informiert worden, dass es Hilfsmittel gebe für Leute mit Handbeeinträchtigungen. Bislang sei sie jedoch noch nicht dazu gekommen, solche Hilfsmittel anzuschaffen
(S. 3)
.
Die
Abklärungsperson führte an, die
Beschwerdeführerin mache
vorwiegend Hilfeleistungen aufgrund ihres Handleidens geltend. Eine bl
o
sse Erschwerung oder
Verlangsamung bei der Vorna
hme v
on Lebensverrichtungen begründe
grundsätzlich keine Hilflosigkeit. Im Sinne
der Schadenminderungspflicht sei
die
Beschwerdeführerin
verpflichtet, geeignete und zumutbare Massnahmen zu treffen, um ihre Selbständigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. In diesem Sinne
sei es ihr
zumutbar, dass sie einfache und zweckmässige Kleidung anz
iehe
und
Hilfsmittel benutz
e
, die dazu dien
t
en
,
die Selbst
ändigkeit zu erhalten. Unter
lasse sie dies und nehme
stattdessen
Dritthilfe in Anspruch, könne
die ent
sprechende Hilfe bei der Bemessu
ng nicht berücksichtigt werden, weshalb in diesem Bereich keine Hilflosigkeit im Sinne der IV-Richtlinien
anzuerkennen sei (S. 3 f.).
Zum Bereich «Aufstehen/Absitzen/Abliegen» wurde
von der Beschwerdeführerin
ausgeführt, dass d
er Ehemann morgens den Rollator zum Bett
bringe
und
ihr teilweise
beim Aufstehen
helfe. S
ie habe zum Teil Nächte mit ganz starken Kopf
schmerzen und könne nachts kaum schlafen, weshalb sie dann morgens in schlechter Form sei und kaum aufzustehen vermöge. Meist sei es ihr jedoch möglich, wenn der Rollator bereitstehe, selber aus dem Bett aufzustehen, ebenso tagsüber vom Sofa, Stuhl, etc.
Die Abklärungsperson hielt fest, e
s sei
zumutbar, dass die
Beschwerdeführerin
den Rollator abends bereits neben dem Bett positionier
e
, sodass dieser mor
gens zum Aufstehen bereitstehe. So sei
es ihr mehrheitlich möglich, selber aus dem Bett aufzustehen
(S. 4)
.
Auch der Bereich «Essen» wurde als nicht ausgewiesen erachtet. Die Beschwerde
führerin
habe angegeben, sie
könne in der rechten Hand seit dem Unfall im Jahr 2007 kein Besteck halten, die rechte Hand sei gelähmt. Das Essen führe sie sich deshalb stets linkshändig mittels Löffel oder Gabel zu. Das Zerkleinern von Speisen sei ihr nicht selber möglich, weshalb dies stets durch ihre Elt
ern oder ihren Ehemann erfolge.
Im Sinne der Schadenminderungspflicht
sei
es
gemäss der Abklärungsperson
zumutbar, dass die
Beschwerdeführerin Hilfsmittel benutze
, die dazu dien
t
en
,
d
ie Selbständigkeit zu erhalten. Den rechten Arm könnte die Beschwerdeführerin
hilfsweise zum Stützen des Tellers einsetzen, sodass sie linkshändig mittels Kraftsparmesser
einhändig die Spei
sen mundge
recht zerschneiden könne
und somit nicht tägliche und erhebliche Dritthilfe bei der Mahlzeitene
innahme nötig wäre (S. 4).
Der Bereich «Körperpflege» sei ebenfalls nicht ausgewiesen.
Zähne putzen, Gesicht waschen und Haare kämmen sei
en
ihr linkshändig selbständig möglich. Dritthilfe nehme
die Beschwerdeführerin gemäss ihren Angaben
hingegen in Anspruch beim Duschen/Baden. Mehrheitlich
bade
sie, wobei der Ehemann das Wasser in die Wanne einlasse und sie d
ann stütze beim Einstieg in die Wanne. Dies sei nötig seit zirka
Anfang 2018, damals habe die Gangstörung zugenommen, weshalb sie beim Einstieg gestützt werden müsse. Haltegriffe seien im Bad keine vorhanden, deshalb sei es nötig, dass der Ehemann sei beim Einstieg stütze, um die nötige Stabilität zu gewähren. Der Ehemann sei ihr zudem behilflich beim
Waschen des
Rücken
s
und
der
Zehen, ebenso beim
Waschen der
Haare und
K
ämmen der nassen Haare. All dies sei ihr nicht gut selber möglich.
Die Abklärungsperson hielt fest, u
m die nötige Stabilität beim Einstieg i
n die Badewanne zu gewähren, sei
ein Badwannengriff (siehe Broschüre Rheumaliga Schweiz) sehr
zu empfehlen. Dieser Griff diene
einem sicheren Ein
- und Ausstei
gen und erleichtere
das Aufstehen in der Wanne. Mit überwiegender Wahrschein
lichkeit wäre die
Beschwerdeführerin
mittels eines solchen Hil
fsmittels selbständig beim Ein-
/Ausstieg der Badewanne, weshalb die bevorzugte Dritthilfe durch den Ehemann
nicht berücksichtigt werden könne
. Die Dritthilfe beim
Waschen des
Rücken
s
und
der
Zehen
sowie
der
Haare erfolge
, da dies für die
Beschwerdeführerin
erschwert
sei
, ebenfalls durch den Ehemann. Eine bl
o
sse Erschwerung oder
Verlangsamung bei der Vorna
hme von Lebensverrichtungen
begründe
grundsätzlich keine Hilflosigkeit, weshalb in diesem Bereich keine Hilflosigkeit im Sinne der
IV-Richtlinien anzuerkennen sei (S. 4 f.).
Zum Bereich «Reinigung nach Verrichtung der Notdurft» führte die Beschwerde
führerin aus, w
enn sie
stu
hlen müsse
,
brauche sie Hilfe, man müsse sie danach waschen, sie schaffe es nicht
,
sich einhändig sauber zu reinigen, auch das Hinsetzen auf die Toilette sei nicht so einfach, sie habe es anfänglich oft alleine versucht, sei einmal jedoch nicht richtig auf dem WC
p
ositioniert gewesen und dann umgestürzt, weshalb der Ehemann sie jeweils zu den Toilettengängen begleite, sie stütze und nach
dem
Stuhlgang mit Wasser reinige. Er sei auch behilflich beim Kleider richten
,
da das
Hochziehen der
Hosen einhändig erschwert sei. Befragt danach, wie die Toilettengänge in d
er Reha erfolgt seien, schildere
die
Beschwerdeführerin
, morgens sei jeweils eine Pflegeperson während einer Stunde bei ihr gewesen und habe ihr bei der Körperpflege und auch beim Toilettengang
geholfen
. Tagsüber habe sie selber mit dem Rollator zur Toilette gehen können, das
Richten der
Kleider sei zw
ar mühsam,
da sie dies einhändig vornehmen müsse, da sie meist jedoch Hosen mit Gummizug und ohne Knöpfe trage, gelinge es ihr meist
,
einhändig die Hose hochzuziehen
,
s
o auch während der Reha. Die Reinigung nach der Verrichtung habe sie in der Reha mittels Dusch-WC selber betätigen können.
Die
Abklärungsperson führte aus, die
Beschwerdeführerin
sei
in der Reha tags
über bei den Toilettengängen selbständig gewesen. Dies dank des vorhandenen Dusch-WCs. Es
sei
somit davon auszuge
h
en, dass die
Beschwerdeführerin
zu Hause bei Vorhandensein eines
Closomaten
ebenfalls wieder Selbständig
keit erlangen könnte. Verzichte
sie auf die Anschaff
ung dieses Hilfsmittel und nehme
stattdes
sen Dritthilfe in Anspruch, könne
die entsprechende Hilfe bei der Bemes
sung nicht berücksichtigt werden. Eine blosse Erschwerung oder
Verlangsamung bei der Vorn
a
hme von
Lebensverrichtungen, wie vorliegend beim Kleider richten
,
begründe grundsätzlich keine Hilflosigkeit, weshalb in diesem Bereich keine Hilflosigkeit im Sinne der
IV-Richtlinien anzuerkennen sei (S. 5).
Zum Bereich «Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte»
habe die Beschwerdeführerin ausge
führt,
d
ie Gehfähigkeit sei kontinuierlich schlechter geworden. Anfänglich habe es gereicht, dass sie sich beim Gehen bei
j
emandem am Arm
habe
einhängen
können.
Zunehmend habe sie jedoch ihre Beine schlechter gespürt, die Beine seien zudem sehr schwach geworden, sodass sie sich schlussendlich nicht mehr selber habe auf den Beinen halten können ohne Hilfs
mittel. Sie habe deshalb anfänglich einen Rollstuhl benutzt. Zwischenzeitlich verfüge sie auch über einen Carbon-Rollator, sodass ihr die Fortbewegung besser möglich sei
.
A
ufgrund des leichten Gewichtes des Rollators
sei
es ihr auch möglich, diesen bei Schwellen zu heben, sodass sie darüber gehen könne. Treppen könne sie selber überwinden, sie halte sich dabei linkshändig am Geländer fest. Es sei jedoch sehr beschwerlich für sie
,
die Treppe im Wohnblock EG-
1.
OG zu überwinden, es sei jedoch kein Lift vorhanden. Sie brauche viel Zeit
,
um die Treppenstufen überwinden zu können. Manchmal fehle ihr auch die Kraft dazu, sodass ihr Ehemann sie die Treppe hinuntertrage. Innerhalb der Wohnung könne sie sich selber mit dem Rollator fortbewegen. Ausser Haus sei sie mit dem Rollator oder dem Rollstuhl unterwegs. Mit dem Rollator möge sie jeweils nur 10-20 Met
er am Stück zu gehen, dann würden
ihre Beine an
fangen
zu zittern und sie müsse sich hinsetzen. Im Rollstuhl müsse sie immer geschoben werden, dies
,
da sie die rechte Hand nicht zum Schieben benutzen könne. Sie besitze ein Auto mit Automat, damit könne sie selber kurze Strecken fahren, wobei sie dies nicht mehr oft benutze, dies, weil es ihr oft übel sei, sodass sie sich nicht fahrtauglich fühle. Seit dem Ende der beruflichen Massnahmen Anfang 2018 sei sie nicht mehr alleine draussen unterwegs, sie komme alleine nicht zurecht, müsse gestützt werden oder der Rollstuhl müsse geschoben werden, mit dem Rollator vermöge sie nur kurz zu gehen. Meist erfolge die Begleitung durch den Ehemann, häufig auch durch den Vater. Insbesondere wenn Fahrdienste nötig seien, dann fahre der Vater, dies
,
da dem Ehemann vor kurzem die Fahrerlaubnis in der Schweiz aberkannt worden sei. In der näheren Wohnumgebung fahre sie selber mit dem Auto, die
s in Begleitung des Ehemannes, z
.B. zum Einkaufen, zu Therapien, etc. Für weitere Fahrten,
z
.B. zum
Rehaaufenthalt
,
sei sie auf einen Fahrdienst angewiesen gewesen, weshalb ihr Vater sie gefahren habe.
Die Abklärungsperson hielt fest, w
ie dem interdisziplinären Gutachten der
B._
vom Juli
2019 zu entnehmen
sei
,
sei
im Untersuchungszeitpunkt eine Steh- und Gehunfähigkeit, somit Rollstuhlpflichtigkeit
,
angegeben
worden
. Diese
seien
jedoch
weder somatisch noch durch psychische Erkrankung vollum
fänglich nachvollziehbar
gewesen
, sondern durch Selbstlimitierung begründet. Somatisch
bedingt
sei
eine leichte Minderbelastbarkeit der Beine im Rahmen der Multiplen Sklerose attestiert
worden
. Gemäss aktuellstem Arztbericht von
Dr.
D._
vom Oktober 2019 habe
sich das Beschwerdebild verschlechtert mit deutlicher Zunahme der
Ataxie,
welche nun derart ausgeprägt sei
, dass die
Beschwerdeführerin
nur no
ch mit einem Rollator gehen könne.
O
hne diese Hilfe
sei
sie auf eine mindestens einseitige Unterstützung angewiesen. Die neuroradi
ologische
Verlaufskontrolle
habe
mehrere neue
Demyelinisierungsherde
ergeben
, womit diese Verschlechterung zumindest teilweise erklärt werden k
önn
e
.
Die geltend gemachte Steh- und Gehunfähigkeit
habe
im Zeitpunkt der interdiszipli
nären Begutachtung (März - Mai 2019) medizinisch nicht erklärt werden
können und werde
mit Selbstlimitierung begründet, weshalb eine Hilflosigkeit im Bereich Fortbewegung erst ab dem Zeitpunkt der Untersuchung bei
Dr.
D._
anerkannt werden könne
, somit ab
dem
1
5.
Oktober
2019
(S. 6 f.)
.
Lebenspraktische Begleitung sei nicht ausgewiesen.
Anzuerkennen
sei
, dass die
Beschwerdeführerin
wegen des Gesundheitszustandes Hilfe bei d
er Bewältigung des Alltages erha
lt
e
. Die Voraussetzungen der Regelmässigkeit, der Dauer und der Intensität an
Begleitung seien
unter Einbezug der Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht nicht erfüllt. Der Mindestaufw
and von 2 Stunden pro Woche werde
nicht erreicht
(S. 7)
.
Zum Bereich «
Hilfeleistungen, die das selbstständige Wohnen ermöglichen
» führte die Abklärungsperson aus,
die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie
Termine selber vereinbaren und Administratives selber erledigen
könne
.
Die gesamte Wohnungsreinigung erfolge durch den Ehemann. Ihr sei selber aufgrund ihrer Gehschwierigkeiten und der eingeschränkten Handfähigkeit eine Mithilfe nicht möglich. Die Wäsche erledige die Schwägerin, diese hole die Wäsche bei ihnen zu Hause ab und bringe diese gewaschen, gebügelt und gefaltet wieder retour. Der Ehemann rä
ume die Wäsche in die Schränke.
Kochen sei ihr nicht mehr möglich, dies sei bereits mehrjährig schwierig gewesen in Folge der Hand
verletzung, sie habe jedoch damals noch
E
infaches selber für sich zubereiten können. Jetzt gehe dies nicht mehr, da sie nicht frei stehen könne, den Rollstuhl nicht selber fortbewegen könne und bei Benutzung des Rollators keine Hand frei habe für die Betätigung am Herd oder in der Küche. Sie werde deshalb unverän
dert auch nach dem Auszug aus dem Elternhaushalt durch die Eltern mit Essen versorg
t, sie gehe gemeinsam mit ihrem Ehemann
täglich bei ihren Eltern zu Hause essen, vereinzelt gehe der Ehe
mann eine Fertigmahlzeit holen,
dies sei jedoch aus finanziell
en Gründen nur bedingt möglich.
Die Abklärungsperson hielt fest, a
nr
echenbar sei
der Aufwand für
die Sicherstellung einer minimalen Grund
versorgung. Die anzurechnenden Zeitaufwände beschränk
t
en sich auf einen
1-Personenhaushalt
mit 45 Min./Woche für die Wohnungspflege, 30 Min./Woche für die
Kleiderwäsche
und 15 Min./Woche für die Ernährung (S. 7 f.)
.
Betreffend dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sich d
ie Medikamente
in einer Tasche unter dem Wohnzimmer
tisch
befänden
. Die Einnahme der Medikamente müsse morgens und abends erfolgen. Der Ehemann erinnere sie jeweils an die Einnahme und gebe ihr die Medikamente in die Hand. Die Medikamenteneinnahme wäre ihr auch selber möglich, da er jedoch ohnehin immer um sie herum sei und ihr für die Einnahme ein Glas Wasser bereitstelle, gebe er ihr auch jeweils die Medikamente.
Die Abklärungsperson hielt fest, sie habe d
ie Beschwerdeführerin auf
die Möglichkeit hin
gewiesen
, eine Erinnerungsfunktion auf dem Handy dafür
zu nutzen. Diese
habe
erklär
t
, da ihr Ehemann ja ohnehin um sie herum sei, verzichte sie darauf.
Die Abklärungsperson hielt fest, d
ie Medikamenteneinnahme könnte durch die
Beschwerdeführerin
selbständig erfolgen
(S. 8)
.
Zusammenfassend
sei die Beschwerdeführerin in der Lage, die meisten alltäg
lichen Lebensverrichtungen ohne regelmässige und erhebliche Dritthilfe vorzunehmen. Einzig bei der Fortbewegung ausser Haus sei eine invaliditäts
bedingte Hilflosigkeit seit dem 1
5.
Oktober 2019 anzuerkennen. Damit sei jedoch das anspruchsrelevante Ausmass für eine Hilflosenentschädigung nicht erreicht (S. 9).
3.18
RAD-Arzt
Dr.
K._
nah
m
am
1.
Februar 2020 Stellung (
Urk.
10/238/5) und führte aus,
die neuen Akten brächten hinsichtlich des Vorliegens einer Geh-Stehbehinderung mit Rollator-Notwendigkeit sowie MRI entzündlicher zerebraler Herde keine funktionell relevante medizinische Neuerkenntnis, da diese im Gutachten bereits im Belastungsprofil berücksichtigt worden seien. Der erwähnte geplante Eingriff wegen Lipodystrophie an beiden Beinen habe offensichtlich therapeutische Konsequenzen, per se stelle diese Diagnose versicherungsmedizi
nisch jedoch keine zusätzlich dauerhafte Arbeitsfähigkeitsrelevanz dar. Die psychiatrischen Überlegungen
der Rechtsvertreterin
zu depressiven Störungen ohne aktuelle fachärztliche Bescheinigungen stellten lediglich laienmedizinische Ausführungen dar und könnten somit hier nicht berücksichtigt werden.
3.19
Der Abklärungsdienst nahm am 1
8.
März 2020 Stellung (
Urk.
10/242) und führte aus, im Rahmen des Einwandes im Rentenverfahren habe der RAD erneut Stel
lung geno
mmen. D
abei werde festg
e
h
alten
, dass weiter auf das Gutachten und das entsprechende Belastungsprofil abgestellt werde. Auf diese Angaben sei auch bei der Beurteilung der Hilflosigkeit abgestellt worden.
Gemäss Gutachten werde von
der Beschwerdeführerin eine Gebrauchsunfähigkeit der rechten Hand angegeben, die sich aber somatisch und auch nicht durch eine psychische Erkrankung erklären lasse, es dürfte eine Selbstlimitierung ursächlich sein. Die Beschwerde
führerin sei allerdings linksdominant und schreibe auch links
, weshalb einzig beidhändige Präzisionsarbeiten nicht zugemutet werden könnten.
Daraus abgeleitet resultiere
bei den IV-relevanten alltäglichen Lebensverrichtungen keine Hilflosigkeit.
Auch die angegebene Steh- und Gehunfähigkeit, somit Rollstuhlpflichtigkeit
,
sei gemäss RAD-Stellungnahme weder somatisch noch durch psychische Erkrankung vollumfänglich nachvollziehbar, sondern durch Selbstlimitierung begründet. Somatisch sei von einer leichten Minderbelastbar
keit der Beine im Rahmen der MS auszugehen. Im Bereich Fortbewegung
werde aufgrund der eingeschränkten Gehfähigkeit eine Hilflosigkeit anerkannt. In den übrigen alltäglichen Lebensverrichtungen vermöge diese Beeinträchtigung keine Hilflosigkeit auszulösen.
Es sei
zumutbar, dass die Beschwerdeführerin Hilfsmittel benutze und sich geeignete Techniken aneigne
,
um die Selbständigkeit zu wahren. Unterlasse sie dies und nehme stattdessen Dritthilfe in Anspruch, könne die entsprechende Hilfe bei der Bemessung nicht berücksichtigt werden. Am Abklärungsbericht sei festzuhalten.
3.20
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 2
3.
März 2020 (
Urk.
10/247/24-30 =
Urk.
3/1) und führte aus, die Beschwerdeführerin sei ihm durch
Dr.
D._
zur Untersuchung und Therapie zugewiesen worden. Sie konsultiere ihn seit dem
7.
Februar 2020 wöchentlich
(S. 1)
.
Aufgrund der Tatsache, dass der prämorbide Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin vom aktuellen extrem differenziere, habe sich eine massive Körperselbststörung gebildet. Es handle sich um eine eigentliche Körperbild-Veränderung. Diese verursache eine gestörte Ich-Identität mit Folgen in allen körperlichen und psychischen Bereichen als Selbststörung (S. 3). Die Folge der Körperbild-Veränderung sei eine anhaltende Deprimiertheit, welche durch tägliches Erfahren der deutlichen körperlichen Versehrtheit die Quelle der voraus
sichtlich bleibenden depressiven Störung sei.
Die anhaltende Müdigkeit, die bei der Beschwerdeführerin bereits chronisch sei, könne einerseits Folge der Depression sein, andererseits Folge der MS.
Der Gutachter der
B._
habe die Psychodynamik der Körperbild-Veränderung nicht berücksichtigt. Er habe verpasst, hier ein klares Dissimulieren zu erheben und die Hinter
gründe desselben zu erforschen. Ebenso sei es der Neuropsychologin ergangen (S. 4).
Der Beschwerdeführerin falle es schwer, die MS zu akzeptieren. Es ergebe sich evident, dass sie neu beziehungsweise anders beurteilt werden müsse, als die
s
in
bisheri
gen Untersuchungen erfolgt sei. Dies betreffe die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, die Erwerbsfähigkeit und die Beurteilung der Hilflosigkeit (S. 5). Die als Folge der MS vorliegenden Symptome der
schweren Beine, de
s
Gefühl
s
, kraftlos zu sein
,
und der Verlangsamung der Denkprozesse sowie d
er
Kraftlosigkeit der rechten Hand und der ebenso evidenten depressiven Störung liessen keine Besserung des Gesundheitszustandes erwarten. Ihre starken Schmerzen hätten grosse Auswir
kungen auf die Lebensqualität, da sie sowohl den Alltag als auch die Arbeits
fähigkeit einschränken würden.
Prognostisch werde die Progredienz der Krankheit den allgemeinen Gesundheitszustand wahrscheinlich mit jedem Schub eher verschlechtern.
Eine der Krankheit angepasste Arbeitstätigkeit sei bei einer so schweren Krankheit auch hinsichtlich der extremen Erschöpfungsstörung illusorisch. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, kombiniert mit einer hochgradigen Hilfsbedürftigkeit (S. 6
; vgl. auch
Urk.
18
).
4.
4.1
D
ie Abklärung
der Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin
(vorstehend E. 3.
17
) erfolgte durch eine
qualifizierte Fachperson in Kenntnis der räumlichen Verhält
nisse am Wohnort der Beschwerdeführerin sowie
in Kenntnis
von deren gesun
d
heitlichen Beeinträchtigungen.
Auch die benötigten Hilfsmittel ware
n der Abklärungsperson bekannt
. Das Gespräch fand im Beisein u
nd unter Einbezug des Ehemannes
statt
.
Die Abklärungsperson ermittelte bezüglich jeder Verrich
tung die konkreten Verhältnisse und berücksichtigte dabei die Angaben der Beschwerdeführerin.
Die A
usführungen
sind detailliert und ihre Schlussfolgerun
gen in nac
hvollziehbarer Weise begründet.
Dem Bericht lassen sich schliesslich keine divergierenden Meinungen der Beteiligten entnehmen
(
zu den Anforderungen an Abklärungsberichte
vgl. vorstehend E. 1.5)
.
4.2
Insbesondere ergaben auch die medizinischen Berichte keine Anhaltspunkte,
welche auf eine anderweitige Einschätzung hindeuten würden. So
erweist sich das Gutachten der
B._
vom Juli 2019 (vgl. vorstehend E. 3.11)
als beweiskräftig (vgl. hierzu auch die Ausführungen im Urteil des Verfahren
s Nr.
IV.2020.00291).
Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde eine multiple Sklerose
vom schubförmig verlaufenden Typ, aktuell ohne Verschlechterung,
sowie ein Schmerzsyndrom der rechten Hand genannt. Die depressive Episode, gegenwärtig remittiert, ein Mischkopfschmerz sowie eine Hypothyreose wurden als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert.
Unter Berücksichtigung des im Gutachten beschriebenen Belastungsprofils
(körperlich leichte Tätigkeiten, die im Sitzen an einem rollstuhlgerechten Arbeits
platz einhändig
ohne Zeitdruck und Stressbelastung
erbracht werden könnten)
wurde in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
attestiert.
Die von der Beschwerdeführerin
g
eklagte Gebrauchsunfähigkeit der rechten Hand
kann
gemäss Gutachten weder somatisch noch durch eine psychische Erkrankung erklärt werden, vielmehr dürfte eine Selbstli
mitierung ursächlich dafür sein. Die Beschwerdeführerin sei linksdominant und schreibe auch links, womit beidhän
dige Präzisionsarbeiten nicht mehr zugemutet werden sollten
(
Urk.
10/181 S. 6)
.
Auch die angegebene Steh- und Gehunfähigkeit, somit Rollstuhlpflichtigkeit, ist gemäss Gutachten
in Übereinstimmung mit der betreuenden neurologischen Klinik
weder somatisch noch durch eine psychische Erkrankung vollumfänglich nachvollziehbar, sondern ebenfalls durch Selbst
limitierung begründet
(
Urk.
10/181 S. 6 f.)
. Somatisch ist gemäss Gutachten von einer leichten Minder
belastbarkeit der Beine im Rahmen der MS auszugehen
(
Urk.
10/181 S. 7)
.
Dem Gutachten lässt sich demnach nichts entnehmen, was der Einschätzung der Abklärungs
person entgegenstehen würde.
Dr.
D._
beschrieb im Oktober 2019 (vgl. vorstehend E. 3.16) sodann zwar einen erneuten leichten Schub mit
einer Verschlechterung der Gehfähigkeit,
welche durch mehrere neue
Demyelini
sierungsherde
- jedoch ohne
Nachweis von aktuellen Schrankenstörungen beziehungsweise
aktive
n
Herde
n
-
zumindest teilweise erklärt werden könne
, erachtete die Gehfähigkeit jedoch mittels P
hysiotherapie als verbesserbar. Somit kann auch
aus
diesem Bericht nichts
abgeleitet
werden, was der Beurteilung der Abklärungsperson entgegenstehen würde.
Dies gilt auch für den erst im Beschwer
de
ver
fah
ren eingereichten Bericht von Dr.
L._
(vgl. vorstehend E. 3.20)
,
wonach eine hochgradige Hilfsbedürftigkeit vorliege.
Eine
solche Hilfsbedürftig
keit lässt sich weder mit
der angegebenen Müdigkeit noch mi
t
einer Antriebsmin
derung oder Verlangsamung
begründen. Inwiefern die Beschwerdeführerin eine solche Pflege oder Hilfe benötigt, begründete
Dr.
L._
denn auch nicht näher. Die bestehende
depressive Störung
war sodann bei der Abklärung bereits bekannt.
4.3
Die nun beschwerdeweise vorgebrachten Rügen der Beschwer
deführerin (vgl. Urk. 1
) vermögen daran nichts zu ändern, wobei insbesondere darauf hinzu
weisen ist, dass die nun geltend gemachten Einschränkungen anlässlich der vor Ort erfolgten Abklärung weder
von ihr noch
vom
Ehemann der Beschwerdefüh
rerin
erwähnt wurd
en.
Hinsichtlich des „Ankleidens/Auskleidens“ gab die Beschwerdeführerin aus
drück
lich an,
Hilfe ihres Ehemannes zu benötigen, da sie ansonsten bis zu einer halben Stunde brauche. Sie sei noch nicht dazu gekommen, Hilfsmittel anzuschaffen.
Hilflosigkeit im Bereich „An- und Auskleiden“ liegt gemäss dem Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH) vor, wenn die versicherte Person ein unentbehrliches Kleidungs
stück oder eine Prothese nicht selber an- oder ausziehen kann. Unter Berücksichtigung der allenfalls vorhandenen motorischen Defizite der Beschwerde
führe
rin der rechten Hand erscheint es nicht als unmöglich, dass diese auch Reissverschlüsse lang
sam und allenfalls mit Hilfsmitteln schliessen kann, zumal sie die linke Hand vollständig und die rechte Hand gemäss Gutachten immerhin als Stützhand einsetzen kann. Ausserdem ist es ihr im Rahmen der Schadenminderungs
pflicht zumutbar, Kleidungsstücke ihren Einschränkungen entsprechend auszu
wählen und auf unnötige Knöpfe zu verzichten. Vorliegend sind keine besonderen Umstände gegeben, wel
chen den Abklärungsbericht im Bereich „An- und Auskleiden“ als mangelhaft oder ungeeignet erscheinen liessen. Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin machte die Abklärungsperson nicht geltend, die Hilfeleistung sei nur aufgrund des Handleidens notwendig, sondern nur vorwiegend. Die Abklärungsperson führte zu Recht aus, dass die Beschwerdeführerin im Sinne der Schadenminderungspflicht verpflichtet sei, geeignete und zumutbare Hilfsmittel beziehungsweise Massnahmen zu ergreifen. Wie die Beschwerdeführerin unter «Reinigung nach Verrichtung der Notdurft» selber ausführte, trage sie meist
Hos
en mit Gummizug und ohne Knöpfe
,
womit es ihr
meist
gelinge
,
einhändig die Hose hochzuziehen
(vgl.
Urk.
10/222 S. 5)
.
Dies erscheint zumutbar und eine blosse Erschwerung oder Verlangsamung bei der Vornahme von Lebensverrichtungen begründet keine Hilflosigkeit. Die diesbezüglichen Vor
bringen der Beschwerde
führerin vermögen – insbesondere auch unter Berücksichtigung der Ausführun
gen im Gutachten zur Gebrauchsfähigkeit der rechten Hand und zur Steh- und Gehfähigkeit - daher keine Zweifel am Abklärungsbericht aufkommen zu lassen. Es bestehen somit keine Anhaltspunkte für Fehl
einschätzungen der Abklärungs
person in diesem Bereich und es kann somit dies
bezüglich auf den Abklärungs
bericht abgestellt werden. Eine
Hilfsbedürftigkeit im geforderten Ausmass ist im Bereich „An- und Aus
klei
den“ demnach nicht ausgewiesen.
Dies gilt auch hinsichtlich der im Bereich „Aufstehen/Absitzen/Abliegen“ nun geltend gem
achten Einschränkung, wonach ihr Ehemann ihr jeden Tag helfe und sie trotz Rollator darauf angewiesen sei. Anlässlich der Abklärung vor Ort gab die Beschwerdeführerin an, ihr Ehemann bringe ihr den Rollator ans Bett, so könne sie meist selber aufstehen (
Urk.
10/222 S. 4). Der Beschwerdeführerin ist es zumutbar, den Rollator bereits am Abend neben dem Bett zu platzieren, so dass dieser morgens zum Aufstehen bereitsteht. Dem Bericht der
Klinik
C._
(vgl. vorstehend E. 3.
14) ist zudem zu entnehmen, dass der Beschwerdeführerin das A
ufsitzen, Hinlegen und Drehen im Bett (mit erhöhtem Zeitaufwand)
sowie der
Sitz-Stand mit Hilfe der Arme am Rollator selbständig
möglich seien.
Beim Bereich «Essen» liegt gemäss
Rz
8018 KSIH Hilflosigkeit vor, wenn die ver
sicherte Person zwar selber essen, dies jedoch nur auf eine nicht übliche Art und Weise ausführen kann (BGE 106 V 158; zum Beispiel wenn sie die Speisen nicht zerkleinern oder nur püriert essen oder nur mit den Fingern zum Munde führen kann, BGE 121 V 88). Ist die versicherte Person nur zum Zerschneiden harter Speisen auf direkte Dritthilfe angewiesen, liegt keine Hilflosigkeit vor, da solche Speisen nicht täglich gegessen werden und deswegen die versicherte Person nicht regelmässig und nicht erheblich auf Dritthilfe angewiesen ist (Urteil des Bundes
gerichts 8C_30/2010 vom 8. April 2010). Hingegen ist eine Hilflosigkeit gegeben, wenn die versicherte Person das Messer überhaupt nicht benutzen kann (also nicht einmal ein Butterbrot strei
chen kann, Urteil des Bundesgerichts 9C_346/2010 vom 6. August 2010). Bei
Einarmigkeit
und funktioneller
Einarmig
keit
(gelähmter Arm) liegt eine Hilf
losig
keit vor, sofern der gelähmte Arm auch nicht als
Stützarm
/-hand (zum Beispiel um einen Teller zu fixieren) eingesetzt werden kann (
Rz
8018.1 KSIH).
In Bezug auf das „Essen“ wurde anlässlich der Abklärung
geltend gemacht, sie könne mit der rechten Hand kein Besteck halten und auch das Zerkleinern von Speisen sei ihr deshalb nicht möglich. Beschwer
deweise wird nun ausgeführt, dass in der Reha nach Hilfsmitteln gesucht und keines gefunden worden sei. Den Akten lässt sich diesbezüglich nichts entnehmen. Die Beschwerdeführerin kann jedoch ihre linke Hand benutzen und ist gemäss
Dr.
D._
Ambidexterin
. Es erscheint
deshalb vorliegend
nicht nachvollziehbar,
weshalb es der Beschwerdeführerin nicht möglich sein sollte, den rechten Arm zum Stützen zu benutzen und mit der linken Hand mittels Kraft
sparmes
ser die Speisen zu zerkleinern.
Es kann auch diesbezüglich auf den Abklärungsbericht abgestellt werden.
Dies gilt auch für den im Bereich „Körperpflege“ geltend gemachten Um
stand, wonach sie ohne Anwesenheit einer Drittperson weder baden noch duschen
könne, da ihr beim Ein- und Ausstieg geholfen werden müsse
. Anlässlich der Abklärung vor Ort wurde angegeben, Haltegriffe seien im Bad keine vorhanden, deshalb sei es nötig, dass der Ehemann sie beim Einstieg stütze, um die nötige Stabilität zu gewähren (
Urk.
10/222 S. 5). Wie die Abklärungsperson zu Recht ausführte, würde ein Badwannengriff einem sicheren Ein- und Auss
t
eigen dienen und das Aufstehen in der Wanne erleichtern.
Auch die Dritthilfe beim
Waschen des
Rücken
s
,
der
Zehen und Haare ist angesichts der guten Gebrauchsfähigkeit der linken Hand und somit blosse
r
Erschwerung nicht zu berücksichtigen.
Nicht nachvollziehbar ist sodan
n, dass die Beschwerdeführerin angesichts der nicht objektivierbaren Einschränkungen der rechten Hand und der Funktions
fähigkeit der linken Hand, welche sie als
Ambidexterin
gleich gut einsetzen kann, die
„Reinigung nach Verrichtung der Notdurft“
nicht selbständig vorzunehmen vermöge. Aus der pauschalen Feststellung im Bericht der Klinik
C._
, die Selbstversorgung sei mit Hilfe des Pflegepersonals erfolgt, kann die Beschwerdeführerin nichts ableiten, das
s
die Ausführungen im Abklärungsbericht umzustossen vermöchte.
Demgemäss habe sie in der Reha die Reinigung nach der Verrichtung mittels Dusch-WC selber betätigen können
(
Urk.
10/222 S. 5)
. M
it der Anschaffung eines
Closomaten
zu Hause
könnte somit
Abhilfe geschaffen
und wieder Selbständigkeit erlangt
werden.
Eine Fehlein
schätzung der Abklärungsperson lässt sich diesbezüglich nicht erkennen.
Auch das im Hinblick auf die Notwendigkeit einer „
lebenspraktischen Begleitung»
oder «Hilfeleistungen, die das selbständige Wohnen ermöglichen»
Vorgebrachte, wonach sie
ohne diese Hilfe in ein Pflegeheim eingewiesen werden müsste
und von einem bedeutend höheren Aufwand auszugehen sei
,
wurde während der ganzen Abklärung vo
n keinem der Anwesenden erwähnt. Eine Fehleinschätzung der Abklärungsperson ist nicht zu erkennen. So wird Hilfe bei der Bewältigung des Alltags anerkannt, die Voraussetzungen der Regelmässigkeit, der Dauer und der Intensität an Begleitung unter Einbezug der Schadenminderungs- und Mitwir
kungspflicht jedoch als nicht erfüllt betrachtet
(
Urk.
10/222 S. 7)
.
Dies erscheint plausibel, zumal die Beschwerdeführerin gemäss medizinischer Aktenlage mit ihrer linken Hand genauso geschickt sei wie mit der rechten Hand und auch diese zumindest als Stützhand eingesetzt werden könne.
Auch die angegebene Steh- und Gehunfähigkeit ist weder somatisch noch durch eine psychische Erkrankung vollumfänglich nachvollziehbar, weshalb von einer leichten Minderbelastbarkeit der Beine auszugehen ist.
Ihre Angaben erscheinen somit nicht vollumfänglich
nachvollziehbar.
Auch u
nter Berücksichtigung der Mithilfe durch Familienan
gehörige im Rahmen der Schadenminderungspflicht erscheinen die von der Abklärungsperson aufgeführten Zeitaufwände als plausibel.
4.4
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der Abklärungsbericht für Hilflosenent
schä
digung vollumfänglich den praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.
5
) entspricht, weshalb darauf abzustellen ist. Da eine klare Fehleinschätzung der Abklärungsperson nicht ersichtlich ist, besteht kein Anlass, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person einzugreifen. Somit ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in
mindestens fünf der sechs
a
lltäglichen Lebensverrich
tungen
ihre Selbständigkeit
beibehalten hat oder mit Unterstützung von Hilfs
mitteln wiedererlangen könnte
und sie auch keine medizinisch-pflegerische Hilfe oder persönliche Überwachung benö
tigt
und nicht dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist
.
Unter diesen Umständen kann vorliegend offen bleiben, ob der Bereich «Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte» zu Recht angerechnet worden ist.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzu
er
legen.
Zufolge Gewährung der
unentgeltliche
n Prozess
führung sind die Gerichtskosten einstwei
len auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.2
Der
unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Christine Fleisch, steht bei diesem Verfahrensausgang eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu.
Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin wurde mit Verfü
gung vom 13. Juli
2020 (Urk. 12) die Möglichkeit eingeräumt, dem Gericht eine detaillierte Zu
sammenstellung über den Zeitaufwand und die angefallenen Barauslagen ein
zureichen. Sie hat diese Möglichkeit nicht wahrgenommen, weshalb ihre Ent
schädigung wie angekündigt nach Ermessen festzusetzen ist.
Sie bemisst sich
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht,
GSVGer
). Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Entschädigung auf Fr. 2’
7
00.-- (inklusive Bar
aus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Die Beschwerdeführerin wird auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialver
siche
rungsgericht (
GSVGer
) hingewiesen, wonach sie zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.