Decision ID: 9e3b5894-3957-4da4-b9bf-973972ce89ab
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 27. August 2002 zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung an. In der Anmeldung erklärte er, an
Depression, Diabetes, Blutdruckproblemen, Schmerzen und Hormonproblemen zu
leiden (IV-act. 1).
A.a.
Im Arztbericht vom 16. September 2002 diagnostizierte Dr. med. B._,
Allgemeiner Arzt und Beinleiden, unklaren Schwindel, Schwächegefühle und
psychische Probleme, wahrscheinlich akute Depression. Er ging von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit aus (IV-act. 13-1 ff.). Im Arztbericht der Psychiatrischen Klinik C._
vom 24. November 2002 wurden als Leiden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine
undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10: F 45.0) sowie Schwierigkeiten bei der
kulturellen Eingewöhnung (ICD-10: Z 60.3) diagnostiziert; ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit bestehe ein Diabetes mellitus. Es sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
ab Mai 2001 gegeben. In einer angepassten Tätigkeit als Hilfsarbeiter bestehe eine um
mindestens 70% verminderte Leistungsfähigkeit (IV-act. 15).
A.b.
Mit Verfügungen vom 6. Mai und 6. Juni 2003 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 100% eine ganze Invalidenrente, eine
Ehegatten-Zusatzrente sowie drei Kinderrenten ab 1. Mai 2002 zu (IV-act. 27 ff., vgl. IV-
act. 16 ff.).
A.c.
Gestützt auf den vom Versicherten am 19. März 2004 ausgefüllten Fragebogen zur
Revision der Invalidenrente (vgl. IV-act. 31) sowie den Arztbericht von Dr. B._ vom
13. April 2004 (vgl. IV-act. 33: Die geklagten Beschwerden [Kopfschmerzen, Übelkeit,
Schwindel, Schlaflosigkeit] seien wahrscheinlich auf die psychosomatischen
A.d.
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Beschwerden sowie die Depression zurückzuführen; es bestehe eine andauernde
100%ige Arbeitsunfähigkeit) teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 20. April 2004 mit,
es sei bei der Überprüfung des Invaliditätsgrades keine Änderung festgestellt worden,
weshalb weiterhin ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestehe (IV-act. 34).
Mit Schreiben vom 9. Juni 2008 informierte eine Patientenschutzorganisation die
IV-Stelle darüber, dass beim Versicherten aufgrund einer genetischen Untersuchung
die Diagnose familiäres Mittelmeerfieber erhoben worden sei (IV-act. 44, vgl. IV-
act. 46).
A.e.
Im Jahr 2009 erfolgte die nächste revisionsweise Überprüfung der Invalidenrente.
Der Versicherte machte bezüglich seines Gesundheitszustands eine Verschlechterung
des Zustands der inneren Organe geltend. Er sei tagsüber und nachts auf andauernde
Pflege und persönliche Überwachung angewiesen (IV-act. 47). Im Arztbericht vom
2. Juli 2009 erklärte Dr. med. D._, der Gesundheitszustand des Versicherten sei
stationär. Dem Bericht legte Dr. D._ Arztberichte des Kantonsspitals St. Gallen
(nachfolgend: KSSG) vom 1. Februar 2007 (IV-act. 20 ff.), 19. März 2007 (IV-act. 25 ff.),
19. September 2007 (IV-act. 50-32 ff.), 6. Dezember 2007 (IV-act. 50-40 ff.), 2. Juni
2008 (IV-act. 50-18 f.), 13. Februar 2009 (IV-act. 50-14 ff.) und 24. März 2009 (IV-act.
50-5 ff.) sowie von der Klinik E._ vom 13. Februar 2009 (IV-act. 14 ff.) bei. In den
genannten Berichten wurden u.a. diagnostiziert ein familiäres Mittelmeerfieber, eine
mittelgradige depressive Episode, ein Schlaf-Apnoe-Syndrom, rezidivierende
Hypoglykämien unklarer Ätiologie, eine Nebenniereninsuffizienz unklarer Ätiologie, eine
Dyslipidämie und Ganzkörper-Muskelschmerzen unklarer Ätiologie. Es bestehe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit. Gestützt auf die eingeholten Berichte teilte die IV-Stelle
dem Versicherten am 1. Dezember 2009 mit, dass er weiterhin Anspruch auf eine
ganze IV-Rente habe (IV-act. 53, vgl. IV-act. 52).
A.f.
Wegen einer im Jahr 2010 bei einem Sturz erlittenen Fraktur wurde der Versicherte
im Juni 2012 an der Wirbelsäule operiert (Korporektomie LWK1 und XLIF Th 11/12 bei
posttraumatischer Hyperkyphose des thorakolumbalen Überganges; IV-act. 104).
A.g.
Am 19. November 2013 entschied die IV-Stelle gestützt auf die
Krankheitsgeschichte und im Besonderen aufgrund der erhobenen Diagnosen nicht
A.h.
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von einem rein syndromalen Leiden auszugehen, weshalb eine weitere Prüfung im
Rahmen der IVG-Revision 6a nicht angezeigt sei (vgl. IV-act. 58).
Am 2. Januar 2014 erklärte der Versicherte im Fragebogen Revision Invalidenrente/
Hilflosenentschädigung, dass sich sein Gesundheitszustand hinsichtlich des Rückens
und der Zuckerkrankheit verschlechtert habe. Beim Einkauf und im Haushalt sei er auf
Unterstützung angewiesen (IV-act. 59). Im Arztbericht vom 28. Januar 2014 erklärte Dr.
D._, dass der Gesundheitszustand des Versicherten stationär sei und ihm auch keine
anderen Tätigkeiten zumutbar seien (IV-act. 62). Am 21. Februar 2014 teilte die IV-
Stelle dem Versicherten mit, es habe bei der Überprüfung des Invaliditätsgrades keine
relevante Änderung festgestellt werden können, weshalb er weiterhin Anspruch auf
eine ganze IV-Rente habe (IV-act. 64, vgl. IV-act. 63).
A.i.
Am 23. Juni 2015 entschied die IV-Stelle, eine weitere Rentenrevision einzuleiten
(IV-act. 66). Sie stellte dem Versicherten einen Fragebogen mit Zusatzfragen zu den
Auswirkungen der Einschränkungen auf den privaten und beruflichen Alltag zu,
welchen der Versicherte am 10. Juli 2015 ausgefüllt retournierte. Darin erklärte er, dass
sein Gesundheitszustand gleichgeblieben sei. Im Arztbericht vom 9./19. September
2015 diagnostizierte Dr. med. F._, prakt. Arzt FMH, als Leiden mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit einen Diabetes mellitus insulinresistent (Erstdiagnose [ED] 2009), ein
metabolisches Syndrom bei Adipositas (BMI 31.3) ED 07/2001, ein obstruktives Schlaf-
Apnoe-Syndrom mittelschwer ED 12/2005 und ein chronisches Schmerzsyndrom (ED
2005, F32.1G). Die Frage, ob mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit bzw.
Erhöhung der Einsatzfähigkeit gerechnet werden könne, verneinte der Arzt (IV-act. 77).
A.j.
In der Stellungnahme vom 20. Januar 2016 erklärte der RAD, dass sich der
Gesundheitszustand des Versicherten im Vergleich zum Referenzzeitpunkt (25. Februar
2010, vgl. IV-act. 81-3) verändert habe. Es bestehe nur noch ein chronisches
Schmerzsyndrom. Der RAD erachtete eine polydisziplinäre Abklärung (Innere Medizin
mit Pneumologie, Psychiatrie, Rheumatologie und Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) als angezeigt (vgl. IV-act. 81).
A.k.
Daraufhin beauftragte die IV-Stelle die MEDAS Bern mit einer polydisziplinären
Begutachtung des Versicherten (IV-act. 83). Die spezialärztlichen Untersuchungen
A.l.
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fanden an sechs Tagen im August/September 2016 statt (IV-act. 86). Das
interdisziplinäre Gutachten datiert vom 10. Januar 2017 (IV-act. 87). Die orthopädische
Untersuchung wurde von Dr. med. G._, die psychiatrische Untersuchung von Dr.
med. H._, die allgemein medizinische Untersuchung von Dr. med. I._, die
pneumologische Untersuchung von Dr. med. J._ und die EFL von PD Dr. med. K._
durchgeführt. Zusammenfassend aus allen Fachgebieten wurden folgende Diagnosen
mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit gestellt: chronisches Schmerzsyndrom
belastungsabhängig dorso-lumbal und im Bereich der oberen und unteren
Extremitäten, multifaktorielle Genese; DD: im Rahmen einer "Small-fiber-Erkrankung"
bei familiärem Mittelmeerfieber bei Status nach Wirbelkörperfraktur 2011 mit Status
nach perkutaner Instrumentierung Th11 bis L2 und Korporektomie L1 und XLIF Th
11/12 mit Mikrothoraktomie am 12.01.2012 mit guter knöcherner Konsolidierung und
Stabilisierung. In psychiatrischer Hinsicht wurden keine Diagnosen mit Relevanz für die
Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit wie auch für Verweistätigkeiten erhoben. Der
Psychiater führte aus, dass die 100%ige Arbeitsfähigkeit von Anfang an gelte, auch
retrospektiv. Um eine bessere Verarbeitung der vorhandenen Defizite durch die
Schmerzen zu erzielen, empfahl er jedoch eine psychiatrische/psychotherapeutische
Betreuung und eventuell die Teilnahme an Entspannungsübungen. Im Weiteren wurde
ausgeführt, dass der Versicherte aus allgemein-internistischer Sicht für alle Tätigkeiten
geeignet sei, welche einer gesunden Person gleichen Alters zumutbar seien, ausser
Nacht- und Schichtarbeit und berufsmässiges Lenken von Fahrzeugen sowie bei
interkurrenten Schüben des "Familiären Mittelmeerfiebers". In orthopädischer Hinsicht
wurde erklärt, dass der Versicherte in der Lage sei, leichte bis teilweise mittelschwere
Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis zu 12 kg in rückenschulgerechter
Haltung, in temperierten Räumen, im Wechsel zwischen Gehen, Sitzen und Stehen und
ohne Zeitdruck mit kleinen Erholungsphasen für Gymnastik zu verrichten. Das Tragen
von Gewichten über 12 kg, ausserhalb des Körperlotes, ständige Zwangshaltungen,
häufige Vibrationen sowie ruckartige plötzliche Bewegungsausschläge und verstärktes
Rumpfneigen sowie Rotationen könnten glaubhaft nicht mehr im vollen Masse toleriert
werden. Der Versicherte sollte keiner Kälte- sowie Nässeexposition und Zugluft
ausgesetzt werden. Nicht nachvollziehbar seien die angegebenen
Funktionseinschränkungen und die verminderte Belastbarkeit der Lendenwirbelsäule,
die von orthopädischer Seite im beschriebenen Masse nicht hätten objektiviert werden
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können. Anhand des orthopädischen Befunds seien die früheren Tätigkeiten mit
Ausnahme der postoperativ notwendigen Arbeitsunfähigkeiten weiterhin auch
rückwirkend zu 80% möglich, nachdem sich postoperativ eine gute Konsolidierung des
orthopädischen Befunds eingestellt habe. In einer Verweistätigkeit bestünden keine
wesentlichen Einschränkungen, wobei die angegebenen Einschränkungen des
Versicherten beachtet werden sollten. Aus pneumologischer Sicht sollten Tätigkeiten
im Wechsel zwischen warmem und kaltem Klima vermieden werden. Auch sollten keine
Tätigkeiten mit Wechsel zwischen Tag- und Nachtarbeit ausgeführt werden. Infolge der
pulmonalen Erkrankung gebe es keine Einschränkungen. Die EFL habe ergeben, dass
die angestammte Tätigkeit als Schweisser nicht mehr zumutbar sei. Leichte bis
mittelschwere Arbeit sei ganztags mit zusätzlichen Pausen von 2 Stunden vertretbar.
Aktuell nur manchmal (insgesamt ca. 1⁄2 h bis 3 h) ausgeübt werden könnten
vorgeneigte Positionen, Gehen, Arbeit über Schulterhöhe, Rotation im Sitzen. Es sei
davon auszugehen, dass sich die aktuelle Belastbarkeit des Versicherten mit einem
intensiven und spezifischen Training verbessern lasse. Interdisziplinär betrachtet sei
eine leichte bis mittelschwere Arbeit grundsätzlich ganztags zumutbar mit den
genannten Einschränkungen. Es bestehe eine medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit
von 75%. Im Falle einer beruflichen Eingliederung wäre aufgrund der langen
Abwesenheit und fehlenden Gewohnheit ein abgestufter Einstieg über 6 Monate
notwendig, wahrscheinlich am ehesten im Rahmen eines Arbeitstrainings. Auch wenn
bereits seit 1998 Myalgien und skeletale Beschwerden bestanden hätten, lasse sich
retrospektiv keine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und in
leidensangepasster Verweistätigkeit seit dem Jahr 2001 ableiten. Auch aus den damals
berichteten psychischen Begleiterscheinungen, welche der Versicherte anlässlich der
aktuellen psychiatrischen Untersuchung detailliert geschildert habe, wäre die
Arbeitsunfähigkeit von 100% keineswegs begründbar gewesen. Eine exakte
retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit lasse sich nicht vornehmen. Für
leidensangepasste Verweistätigkeiten habe durchgehend überwiegend wahrscheinlich
eine ganztägige Arbeitsfähigkeit mit 75% Leistungsfähigkeit durch die zusätzlichen
Pausen bestanden.
In der Stellungnahme vom 26. Januar 2017 (IV-act. 88) erklärte der RAD, dass die
früheren Diagnosen, die zur Zusprache einer ganzen Rente geführt hätten (vorrangig
A.m.
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die Somatisierungsstörung), nicht zutreffend gewesen seien. Es müssten ein anderer
medizinischer Sachverhalt und eine andere versicherungsmedizinische Bewertung
vorgenommen werden. Die angegebene Schmerzsymptomatik finde teilweise eine
Erklärung im familiären Mittelmeerfieber. Dies sei vom KSSG mit der klinischen
Symptomatik als vereinbar bewertet worden. Auch wenn als Ursache der Schmerzen
das familiäre Mittelmeerfieber eine Erklärung darstelle, so müsse doch stark an der
Ausprägung dieser Beschwerden gezweifelt werden. Im Weiteren führte der RAD aus,
dass davon ausgegangen werden müsse, dass in die frühere medizinische wie auch
versicherungsmedizinische Bewertung versicherungsfremde psychosoziale und
soziokulturelle Aspekte in unzulässiger Weise eingeflossen seien. Auch rückblickend
sei deshalb mindestens in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit mit
weit überwiegender Wahrscheinlichkeit möglich gewesen. Seit dem Unfallereignis
02/2010 sei zumindest eine Arbeitsfähigkeit von 75% medizinisch zumutbar. Der
Gesundheitszustand habe sich nach dem Unfall rentenrelevant verändert, weshalb die
medizinischen Voraussetzungen für die Rentenrevision gegeben seien.
Mit Vorbescheid vom 13. Februar 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass vorgesehen sei, die Rente nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden
Monats aufzuheben. Ausgehend von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit ermittelte die IV-
Stelle gestützt auf die Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik
(Valideneinkommen: Fr. 66'453.-, Invalideneinkommen: Fr. 49'840.-) einen
rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 25% (IV-act. 91).
A.n.
Am 8. März 2017 erhob der Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsagent Edwin
Bigger, Gossau, Einwand gegen den Vorbescheid vom 13. Februar 2017. Er beantragte
von der in Aussicht genommenen verfügungsweisen Aufhebung der Invalidenrente
abzusehen. Zur Begründung führte er insbesondere aus, dass die vorliegend
massgebende Verfügung vom 6. Mai 2003 und nicht - wie von der IV-Stelle
fälschlicherweise angenommen - vom 25. Februar 2010 stamme. Ein Revisionsgrund
sei nicht gegeben, denn wie aus dem Gutachten vom 10. Januar 2017 ersichtlich sei,
handle es sich im Wesentlichen um den gleichen Sachverhalt wie zum
Referenzzeitpunkt. So liege keine wesentliche Veränderung der tatsächlichen
persönlichen Situation vor (z.B. wesentliche Besserung oder Verschlechterung des
Gesundheitszustandes), lediglich die Beurteilung sei anders ausgefallen (andere
A.o.
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B.
Diagnosen, höhere Arbeitsfähigkeitsschätzungen). Im Weiteren wurde gerügt, dass
ohne Anlass nur sechzehn Monate nach der letzten Bestätigung der Rente wieder eine
Rentenüberprüfung eingeleitet worden sei (IV-act. 95). Eingereicht wurden weitere
Arztberichte u.a. vom KSSG vom 19. Januar 2012 (IV-act. 104), 4. Oktober 2015 (IV-
act. 97), 3. November 2015 (IV-act. 98), 11. Juli 2016 (IV-act. 100), 3. Februar 2017 (IV-
act. 101), 22. Februar 2017 (IV-act. 102) und vom 2. März 2017 (IV-act. 103).
In der Stellungnahme vom 21. März 2017 erklärte der RAD, dass bezüglich dem
psychiatrischen Gesundheitszustand keine erhebliche Änderung seit der
massgeblichen Rentenverfügung vom 6. Mai 2003 vorliege. Demgegenüber sei aus
somatischer Sicht aufgrund des Unfallereignisses vom 25. Februar 2010 von einer
Verschlechterung des Gesundheitszustandes auszugehen (IV-act. 105).
A.p.
Mit Verfügung vom 21. März 2017 hob die IV-Stelle die Rente des Versicherten auf
Ende des der Zustellung folgenden Monats auf. Durch das Unfallereignis vom 25.
Februar 2010 habe sich der Gesundheitszustand wesentlich verändert, weshalb ein
Revisionsgrund vorliege. Das in Auftrag gegebene medizinische Gutachten habe
ergeben, dass in leidensangepassten Tätigkeiten eine 75%ige Arbeitsfähigkeit vorliege.
Es bestehe ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 25%. Berufliche
Eingliederungsmassnahmen vor der Renteneinstellung seien nicht erforderlich, da der
Versicherte bei Einleitung des Revisionsverfahrens im Jahr 2015 weder 55-jährig
gewesen noch die Rente während mindestens 15 Jahren ausgerichtet worden sei (IV-
act. 106).
A.q.
Gegen die Verfügung vom 21. März 2017 liess der Beschwerdeführer am 4. Mai
2017 Beschwerde erheben (act. G 1). Beantragt wurden deren Aufhebung und die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung. Zur Begründung wurde
insbesondere ausgeführt, dass kein Revisionsgrund vorliege, denn der Sachverhalt sei
im Vergleich zur Verfügung vom 6. Mai 2003 im Wesentlichen unverändert. Die
Gutachter hätten keine wesentliche Veränderung des Sachverhaltes aufgezeigt,
sondern lediglich erklärt, dass die ursprünglich gestellte psychiatrische Diagnose und
die damalige Einschätzung der Leistungsfähigkeit falsch gewesen seien. Das zur
Rechtfertigung der Revision nachträglich ins Feld geführte Unfallereignis im Jahr 2010
B.a.
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sei untauglich, denn gemäss den Gutachtern bestünden in Bezug auf eine
leidensadaptierte Tätigkeit nur leichte, nicht rentenrelevante Einschränkungen. Bei
dieser Ausgangslage sei eine revisionsweise Aufhebung der IV-Rente unzulässig. Da
der Beschwerdeführer bereits seit 1. Mai 2002 eine Invalidenrente beziehe, hätten vor
einer Rentenaufhebung solange Eingliederungsmassnahmen durchgeführt werden
müssen, bis er in der Lage sei, das medizinisch-theoretisch ausgewiesene
Leistungspotential auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten.
In der Beschwerdeantwort vom 24. Mai 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Die Revision sei zu Recht erfolgt, denn
gemäss dem Gutachten habe sich durch den Unfall im Jahr 2010 der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers teilweise verschlechtert und es sei eine
Operation an der Wirbelsäule erforderlich gewesen. Die Folgen des Unfalls
begründeten eine leicht verminderte Rückenbelastbarkeit, weshalb auch
leidensadaptierte Tätigkeiten leicht eingeschränkt, zumindest aber ganztägig mit einer
Arbeitsfähigkeit von mindestens 75% medizinisch möglich seien. Folglich liege eine
erhebliche Veränderung des medizinischen Sachverhalts vor, weshalb der
Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend zu prüfen sei. Zu
den vom Beschwerdeführer verlangten vorgängig durchzuführenden
Eingliederungsmassnahmen wird ausgeführt, dass diese nicht geboten seien, da der
Beschwerdeführer noch nicht 55-jährig sei und noch kein Rentenbezug von 15 Jahren
vorliege. Es sei auch nicht erkennbar, dass der Beschwerdeführer seine hohe
Arbeitsfähigkeit von 75% in einer adaptierten Tätigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nicht verwerten könne.
B.b.
Mit Präsidialverfügung vom 6. Juni 2017 wurde dem Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht
entsprochen (act. G 6).
B.c.
In der Replik vom 15. Juni 2017 hält der Beschwerdeführer an den
Beschwerdeanträgen fest (act. G 8). Auch aus der Beschwerdeantwort gehe im
Ergebnis hervor, dass sich durch den Unfall im Jahr 2010 der Invaliditätsgrad nicht in
einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise verändert habe. Gemäss dem
B.d.
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Erwägungen
1.
Umstritten ist die revisionsweise Einstellung der Invalidenrente.
Gutachten führe der Unfall zu keiner längerfristigen Einschränkung der
Leistungsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten. Folglich fehle es an der
erheblichen Veränderung des Sachverhalts, des Gesundheitszustandes und der
erwerblichen Auswirkungen. Hinsichtlich der ursprünglich gestellten psychiatrischen
Diagnosen hätten die Gutachter lediglich eine komplett andere Beurteilung des
gleichen Sachverhaltes vorgenommen. Diese andere Beurteilung lasse jedoch keine
Rentenrevision zu. Im Weiteren wird geltend gemacht, dass die Voraussetzung der 15-
jährigen Rentenbezugsdauer für die Anspruchsprüfung auf Eingliederungsmassnahmen
vor einer Renteneinstellung exakt erfüllt sei.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (vgl. G 9 f.).B.e.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzesüber den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2.
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2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
1.3.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist
somit nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustands, sondern
auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f. E.
3.5). Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung
bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht; vorbehalten bleibt die
Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E.
5.4). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im
Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit
für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
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3.
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2008, 9C_562/2008, E. 2.1; Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 17 N 26, mit Hinweisen).
Die Beantwortung der Frage, ob eine wesentliche Sachverhaltsveränderung
eingetreten ist, setzt einen Vergleich des Sachverhaltes im Zeitpunkt des Abschlusses
des Rentenrevisionsverfahrens (vorliegend: 21. März 2017) mit jenem im Zeitpunkt der
ursprünglichen Rentenzusprache (vorliegend: 6. Mai 2003) oder mit jenem im Zeitpunkt
des Abschlusses eines früheren Rentenrevisionsverfahrens mit materieller Prüfung
voraus. Die Beschwerdegegnerin ging beim Vergleichszeitpunkt unzutreffenderweise
nicht vom 6. Mai 2003, dem Zeitpunkt der letzten materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs, sondern vom 25. Februar 2010 aus, dem
Tag, an dem sich der Beschwerdeführer bei einem Sturz verletzt hatte (vgl.
Gutachtensauftrag vom 28. Juni 2016, vgl. IV-act. 82-3). Die in den Jahren 2004 und
2009 von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahren beschränkten sich im
Wesentlichen auf das Einholen von Fragebogen (IV-act. 31, 33, 47, 50). Auch wenn Dr.
D._ im zweiten Verfahren weitere medizinische Berichte einreichte, wurde auch in
jenem Verfahren keine umfassende materielle Prüfung vorgenommen.
2.2.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich bezüglich der für die revisionsweise
Renteneinstellung erforderlichen Veränderung (Verbesserung oder Verschlechterung)
des Gesundheitszustands im Wesentlichen auf das polydisziplinäre Gutachten der
MEDAS Bern vom 10. Januar 2017 (vgl. IV-act. 87).
3.1.
Dem Beschwerdeführer ist darin zuzustimmen, dass sich eine
rentenrevisionsrechtlich erhebliche Änderung des Gesundheitszustands trotz der
Ausführlichkeit des Gutachtens nicht belegen lässt, da sich die Gutachter zwar mit der
gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers zum Untersuchungszeitpunkt
ausführlich auseinandergesetzt haben, den erforderlichen Vergleich mit der Sachlage,
wie sich diese im Jahr 2003 darstellte, jedoch nur beschränkt vorgenommen haben.
Dieses Manko ist nicht den Gutachtern anzulasten, sondern der Beschwerdegegnerin,
welche im Gutachtensauftrag nur den Vergleich mit der Sachlage verlangte, wie sich
diese am Unfalltag im Jahr 2010 darstellte. Dies führt vorliegend dazu, dass sich mit
dem Gutachten nicht zumindest im Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine
wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen belegen lässt, die geeignet
wäre, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Selbst unter
Berücksichtigung der weiteren Ausführungen im Gutachten und in den Stellungnahmen
3.2.
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des RAD ist davon auszugehen, dass es sich bloss um eine unterschiedliche
Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen,
jedenfalls aber nicht rentenrelevant verbesserten Gesundheitszustands handeln dürfte.
Die angeführte Begründung zur Rechtfertigung der Revision, der Gesundheitszustand
habe sich durch den Unfall im Jahr 2010 verschlechtert und danach (u.a. wegen der
Rückenoperation im Jahr 2012) wieder verbessert, ist unbehelflich, gehen doch die
Gutachter und der RAD nicht von verbleibenden erheblichen, die Arbeitsfähigkeit
einschränkenden Unfallfolgen aus. Es fehlt daher an der wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustands bzw. an entsprechenden erwerblichen Auswirkungen. Würde der
Unfall im Jahr 2010 (welcher gemäss den Gutachtern im Jahr 2016 keine erheblichen
Folgen mehr zeitigte und folglich auch keine Invaliditätsgradänderung zu bewirken
vermag) eine Rentenrevision zu begründen vermögen, wäre das mit Art. 17 Abs. 1
ATSG u.a. verfolgte Ziel der Rechtssicherheit gefährdet, könnte doch jedes Krankheits-
oder Unfallereignis, selbst wenn dieses nur zeitlich begrenzte Auswirkungen hätte - wie
oft bei Knochenbrüchen oder einer Grippe -, dazu genutzt werden, Rentenzusprachen,
die aus anderen gesundheitlichen Gründen erfolgt sind und aus heutiger Sicht als (zu)
grosszügig erscheinen, zu korrigieren.
Im Weiteren ist festzuhalten, dass sich auch aus der übrigen Aktenlage und dabei
insbesondere aus den Berichten der behandelnden Ärzte keine Hinweise dafür
ergeben, dass sich der bei der Rentenzusprache massgebende Gesundheitszustand
bzw. die Erwerbsfähigkeit verbessert haben. So weisen die Gutachter denn
sinngemäss auch darauf hin, dass, wenn man den seinerzeit erhobenen
Gesundheitszustand aus aktuellem Blickwinkel betrachte, sich die damals attestierte
gänzliche Arbeitsunfähigkeit nicht (mehr) begründen lasse. Aus den Stellungnahmen
des RAD lässt sich im Vergleich zum massgebenden Referenzzeitpunkt (2003) keine
Verbesserung erkennen.
3.3.
Insgesamt ist daher davon auszugehen, dass im Vergleich zur ursprünglichen
Rentenzusprache im Jahr 2003 keine revisionsrechtlich relevante
Sachverhaltsänderung nachgewiesen ist, womit die Möglichkeit einer
Rentenanpassung nach Art. 17 Abs. 1 ATSG ausser Betracht fällt. Die revisionsweise
Rentenaufhebung ist daher als rechtswidrig zu qualifizieren und die angefochtene
Verfügung aufzuheben.
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
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4.
Selbst wenn vom Vorliegen eines Revisionsgrunds ausgegangen würde, ist die
Einstellung der Rente (zumindest aktuell noch) nicht zulässig.
Der Grundsatz "Eingliederung vor Rente", der insbesondere bei der erstmaligen
Anspruchsprüfung auf Leistungen der Invalidenversicherung zum Tragen kommt, findet
sein Pendant im Grundsatz "Eingliederung nach Rente", welcher zum Zuge kommt,
wenn die Aufhebung von Dauerleistungen in Betracht kommt. Eine revisionsweise
Aufhebung einer Rente kann nach der Rechtsprechung erst erfolgen, wenn die
versicherte Person im Rahmen des Zumutbaren bestmöglich eingegliedert ist. Die
Eingliederungsfrage ist auch im Revisionsverfahren prioritär und von Amtes wegen zu
prüfen (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Juni 2009, 9C_921/2009, E. 5.3).
4.1.
Nach ständiger Rechtsprechung ist im Regelfall eine medizinisch attestierte
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung verwertbar.
Indes sind bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben
werden soll, nach mindestens 15 Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr
zurückgelegt haben, in der Regel vorgängig Massnahmen zur Eingliederung
durchzuführen (vgl. nebst vielen Urteil des Bundesgerichts vom 4. April 2016,
8C_19/2016, E. 5.1). Ausnahmen vom Grundsatz der Unzumutbarkeit einer
Selbsteingliederung liegen dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt
auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, die versicherte Person besonders
agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist oder über besonders breite
Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete
Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres
fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender
Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren
(Urteil des Bundesgerichts vom 19. August 2015, 9C_183/2015, E. 5).
4.2.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen kann bereits vor einer 15jährigen
Rentenbezugsdauer bestehen wie im Falle einer vorgängigen Arbeitslosigkeit oder
(Teil-) Absenz vom Arbeitsmarkt (z.B. wegen Mutterschaft), denn gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die andauernde Abwesenheit vom
Arbeitsmarkt massgebend. Zudem kann die Eingliederung auch in Grenzfällen (wie im
Alter von knapp 54 Jahren oder einem Rentenbezug von 14 Jahren und 11 Monaten)
angeordnet werden, wenn aus den Akten hervorgeht, dass die Verwertung eines
bestimmten Leistungspotenzials ohne vorgängige Durchführung befähigender
Massnahmen allein mittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist
4.3.
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5.
(vgl. BGE 141 V 5 E. 4.2 mit Verweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni
2018, 9C_720/2017, E. 7.1)
Zum Zeitpunkt der Renteneinstellung per Ende April 2017 bezog der
Beschwerdeführer seit genau 15 Jahren eine ganze Rente. Der von der
Beschwerdegegnerin geführten Argumentation, dass für die Erfüllung der 15jährigen
Rentenbezugsdauer der Zeitpunkt der Einleitung des Revisionsverfahrens und nicht
derjenige der Renteneinstellung relevant sei, kann nicht gefolgt werden, da in erster
Linie die Dauer der Absenz vom Arbeitsmarkt relevant ist bzw. sich diese regelmässig
erschwerend auf die Integration in den Arbeitsmarkt auswirkt. Ausnahmen vom
Grundsatz der Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen zweifelsohne auch
nicht vor. Entsprechend war dem Beschwerdeführer rechtsprechungsgemäss die
Selbsteingliederung zumindest aufgrund der langen Rentendauer nicht mehr zumutbar.
Vorliegend kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer bereits vor der Rentenzusprache
keine feste Arbeitsstelle mehr hatte.
4.4.
Soweit aus den Akten ersichtlich, hat die Beschwerdegegnerin weder
Massnahmen zur Wiedereingliederung des Beschwerdeführers vor der
Renteneinstellung geprüft noch solche Massnahmen veranlasst, obwohl der
Rechtsvertreter dies in den Eingaben stets forderte. Gemäss den bundesgerichtlichen
Ausführungen wird ein Eingliederungspotential insbesondere bei Rentenbezügern
vermutet, die bei gleich gebliebenem Sachverhalt aufgrund der strenger gewordenen
Rentenzusprechungspraxis heute keine Rente mehr erhalten würden bzw. nicht mehr
im selben Umfang (vgl. BGE 145 V 2 E. 4.2.3.1 mit Verweis auf BBI 2010 1840 ff.). Wie
das Gutachten und die Akten insgesamt nahe legen, würde die Situation, wie sie sich
im Jahr 2003 bei der Rentenzusprache darstellte, heute strenger beurteilt und
infolgedessen die Arbeitsunfähigkeit geringer eingeschätzt. Da die Rentenaufhebung
ohne vorherige Abklärungen bzw. ohne eine den Verhältnissen angepasste
Durchführung befähigender Massnahmen grundsätzlich bundesrechtswidrig ist, hätte
die Beschwerdegegnerin die Verwertbarkeit der "wiedergewonnenen Arbeitsfähigkeit"
prüfen und gegebenenfalls Eingliederungsmassnahmen an die Hand nehmen müssen.
Die Wiedereingliederung gestützt auf Art. 8a IVG bildet jedoch nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens, weshalb sich eine nähere Prüfung der entsprechenden
Voraussetzungen vorliegend erübrigt.
4.5.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 21. März 2017 in
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben.
5.1.
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