Decision ID: ba097292-a295-4f9d-86b3-b6b174aa36bd
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B. _,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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IV-Rente/berufliche Massnahmen
Sachverhalt:
A.
A.a B._, Jahrgang 1969, meldete sich im Juni 2006 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an und beantragte Umschulung auf eine neue Tätigkeit und
eine Rente. Er leide an einer Deformation beider Füsse und an chronischen Glieder-
und Muskelschmerzen (IV-act. 1-6). Im Arztbericht vom 15. Januar 2007 nannte
Dr. med. A._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, die Diagnose des
beidseitigen Hohl-/Spreizfusses. Die bisherige Tätigkeit sei dem Versicherten nicht
mehr zumutbar. Für den Beruf als Maurer bestehe eine zu 100% verminderte
Leistungsfähigkeit. In einer Tätigkeit ohne ausschliessliche Belastung der Füsse, sogar
mit zusätzlichen Gewichten und mit häufigem Besteigen von Leitern und Gerüsten,
wäre dem Versicherten eine volle Arbeitsfähigkeit zumutbar. Eine Teilzeittätigkeit mit
voller Leistung im bisherigen Beruf sei nicht denkbar (IV-act. 5-3, 5-7). Dr. med. C._,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, attestierte am 30. April 2007 für den
angestammten Beruf ebenfalls eine volle Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 8-1). Die
zuständige Ärztin des IV-internen Regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) Dr. med. D._,
Fachärztin FMH für Arbeitsmedizin, bezeichnete die volle Arbeitsunfähigkeit im
angestammten Beruf als Maurer sowie als Heizungsmonteur als nachvollziehbar. Für
jede die Füsse nicht besonders belastende Tätigkeit, insbesondere ohne
Zusatzbelastungen und ohne häufiges Besteigen von Leitern, bestehe eine volle
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 9-2). Am 6. Juli 2007 führte die IV-Stelle eine
Eingliederungsberatung beim Versicherten durch (IV-act. 12).
A.b Mit Vorbescheid vom 6. Dezember 2007 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht (IV-act. 25), mit Vorbescheid vom
7. Dezember 2007 die Abweisung des Anspruchs auf berufliche Massnahmen (IV-act.
23). Entsprechendes hielt sie in zwei Verfügungen vom 15. Februar 2008 fest
(act. G 1.1, 1.2).
B.
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B.a Gegen diese Verfügungen richtet sich die Beschwerde des Versicherten vom
8. März 2008. Er beantragt sinngemäss die Aufhebung der Verfügungen und die
Zusprache der gesetzmässigen Leistungen. Er suche nach einer angemessenen, dem
Leiden angepassten Arbeit, bisher ohne Erfolg. Persönlich stufe er sich als schwer
vermittelbar ein. Sein Leben habe sich komplett verändert. Früher sei er ein sehr aktiver
Mensch gewesen, heute sei wegen der Fussschmerzen vieles nicht mehr möglich. Eine
komplette Neuorientierung sei ein sehr schweres Unterfangen, das sehr viel
Verständnis aller Seiten erfordere (act. G 1).
B.b Mit Schreiben vom 25. März 2008 ersuchte der Beschwerdeführer um Erlass des
einverlangten Gerichtskostenvorschusses. Im Übrigen wies er darauf hin, dass seine
Füsse an der Schulthess-Klinik bald begutachtet würden (act. G 3). Der zuständige
Abteilungspräsident des Versicherungsgerichts sistierte das Verfahren am 1. April 2008
bis zum Vorliegen des Gutachtens der Schulthess-Klinik (act. G 4).
B.c Am 5. Mai 2008 reichte der Beschwerdeführer ein ausgefülltes Gesuchsformular für
die unentgeltliche Prozessführung samt Beilagen ein (act. G 6) und bestätigte auf
Anfrage am 14. Mai 2008, nicht über eine Rechtsschutzversicherung zu verfügen
(act. G 8). Mit Schreiben vom 17. Juni 2008 legte er einen Bericht der Schulthess-Klinik
vom 14. Mai 2008 und Abrechnungen der Arbeitslosenkasse für die Monate April und
Mai 2008 ins Recht (act. G 9).
B.d Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 9. September
2008 die Abweisung der Beschwerde (act. G 11). Aus den Akten ergebe sich zwar,
dass der Beschwerdeführer in den Jahren 1987 bis 1989 in einer Lehrausbildung zum
Maurer gestanden habe, doch habe er keinen Fähigkeitsausweis eingereicht, der einen
erfolgreichen Lehrabschluss belegen würde. Die Eingliederungsberaterin habe den
Beschwerdeführer beim Standortgespräch vom 6. Juli 2007 auf das nicht vorhandene
Fähigkeitszeugnis aufmerksam gemacht. In dieser Situation könne der IV-Stelle nicht
der Vorwurf unvollständiger Abklärungen gemacht werden. Selbst wenn der
Beschwerdeführer die Maurerlehre erfolgreich abgeschlossen hätte, wäre ohnehin nicht
der erlernte Beruf für die Invaliditätsbemessung massgebend, weil er vor Eintritt der
gesundheitlichen Beeinträchtigung längere Zeit in anderen Berufsfeldern gearbeitet
habe. Unter diesen Umständen sei er zu Recht als Hilfsarbeiter eingestuft worden.
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Damit sei bei einer vollen Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten in erwerblicher
Hinsicht nicht mit einer Erwerbseinbusse zu rechnen, die einen Anspruch auf eine
Invalidenrente auslösen würde. Die rentenabweisende Verfügung sei nicht zu
beanstanden. Betreffend berufliche Massnahmen weist die Beschwerdegegnerin
darauf hin, der Invaliditätsgrad von 26% schliesse einen Umschulungsanspruch für
einen Hilfsarbeiter nicht zum Vornherein aus. Der Beschwerdeführer habe jedoch beim
Standortgespräch den Eindruck erweckt, dass er nicht die erforderlichen Ressourcen
für eine Berufsausbildung habe. Sein Interesse scheine vor allem darin zu liegen, eine
seinem Leiden, d.h. seiner beschränkten körperlichen Belastbarkeit angepasste
Tätigkeit zu finden. Damit fehle es an der für eine Umschulung notwendigen
subjektiven Eingliederungsfähigkeit. Bei einer vollständigen Arbeitsfähigkeit für
adaptierte Tätigkeit bestehe zudem von Vornherein kein Anspruch auf
Arbeitsvermittlung (act. G 11).
B.e In der Replik vom 11. September 2008 hält der Beschwerdeführer sinngemäss an
seinen Anträgen fest. Er sei zurzeit trotz regelmässiger Bewerbungen immer noch
arbeitslos. Es sei sehr schwer, eine geeignete, seinem Gesundheitszustand
entsprechende Arbeit zu finden. Seit dem Frühjahr 2008 beschäftige er sich mit
Tätowieren. Diesen Beruf zu erlernen sei eine grosse Herausforderung. Eine
professionelle Ausbildung koste zwischen Fr. 30'000.- und Fr. 60'000.-. Nun sei er
gezwungen, sich alles selber anzueignen, was sehr viel Zeit koste (act. G 14).
B.f Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 16).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 130 V
455 Erw. 1.2.1), sind auf die angefochtenen Verfügungendie bis zum 31. Dezember
2007 in Kraft gestandenen materiellen Bestimmungen anzuwenden. Dass die
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angefochtenen Verfügungen zufällig erst im Februar 2008 ergingen, vermag daran
nichts zu ändern. In Bezug auf die hier zu beurteilenden Rechtsfragen hat die 5. IVG-
Revision jedoch ohnehin keine wesentlichen Neuerungen gebracht.
2.
Zu prüfen ist einerseits, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung hat, andererseits, ob er zum Bezug von beruflichen Massnahmen
berechtigt ist.
3.
3.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 1 IVG in der bis Ende 2007 in Kraft
gestandenen Fassung besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn der
Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn er
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40%
auf eine Viertelsrente.
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3.2 Im vorliegenden Fall ist der Beschwerdeführer gemäss den Arztberichten der
Dres. A._ und C._ nicht mehr in der Lage, seine angestammte Tätigkeit als Maurer
bzw. die zuletzt ausgeführte Tätigkeit als Heizungsinstallateur auszuüben. Eine
leidensadaptierte Tätigkeit ohne grössere Belastung der Füsse ist gemäss den Ärzten
jedoch mit vollem Pensum und ohne Leistungseinschränkung zumutbar (IV-act. 5-7;
8-3). Dieser Beurteilung stimmte die RAD-Ärztin am 30. Mai 2007 bzw. 22. Juli 2007 zu
(IV-act. 9-2; 35). Sie ist denn auch plausibel.
3.3 Gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 29. Januar 2007 hätte der Beschwerdeführer
im Jahr 2007 bei voller Leistung ein Einkommen von Fr. 71'500.- erzielt (IV-act. 6-2).
Die Beschwerdegegnerin hat bei der Bemessung des Invaliditätsgrads zu Recht dieses
Einkommen als Valideneinkommen beigezogen. Da der Beschwerdeführer nicht in
einem Arbeitsverhältnis steht, ist für das Invalideneinkommen auf die Tabellenlöhne der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
(LSE) abzustellen. Massgebend ist das Einkommen des tiefsten Anforderungsniveaus
(einfache und repetitive Tätigkeiten). Dieses belief sich im Jahr 2006 bei einer
durchschnittlichen betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden wöchentlich auf
Fr. 59'197.-. Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung im Jahr 2006
(+1.2%) ergibt sich für das Jahr 2007 ein Einkommen von Fr. 59'907.-. Die
Beschwerdegegnerin hat zu Recht einen Abzug von 10% zugelassen, um jene
Nachteile auszugleichen, die dem Beschwerdeführer auf dem Arbeitsmarkt aufgrund
seiner gesundheitlichen Einschränkungen eine (zusätzliche) Lohneinbusse verursachen
(sog. Leidensabzug). Somit ergibt sich ein Invalideneinkommen von Fr. 53'916.-. Bei
diesem Invalideneinkommen und dem Valideneinkommen von Fr. 71'500.- beträgt der
Invaliditätsgrad gerundet 25%. Die Beschwerdegegnerin hat den Rentenanspruch des
Beschwerdeführers folglich zu Recht verneint.
4.
4.1 Zu prüfen bleibt der Anspruch auf berufliche Massnahmen. Weil der
Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers unter der rentenbegründenden Hürde von 40%
liegt, besteht keine Eingliederungspflicht, die die Beschwerdegegnerin dem Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" folgend von Amtes wegen zu berücksichtigen hätte.
Hingegen kommt ein Eingliederungsanspruch des Beschwerdeführers sehr wohl in
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Frage, zumal praxisgemäss sämtliche in Frage kommenden Ansprüche zu prüfen sind
und der Beschwerdeführer in seiner Anmeldung obendrein berufliche Massnahmen in
Form der Umschulung beantragt hatte (IV-act. 1-6).
4.2 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2007 in Kraft gestandenen
Fassung haben Invalide oder von einer Invalidität unmittelbar bedrohte Versicherte
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind,
die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern. Dabei ist die gesamte noch zu erwartende
Arbeitsdauer zu berücksichtigen. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem
jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber
auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren (BGE 121 V 258;
BGE 124 V 108). Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen,
als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 124 V 108). Immer
muss zwischen Kosten und Nutzen der Eingliederungsmassnahmen ein vernünftiges
Verhältnis bestehen (vgl. EVGE 1964 S. 239; BGE 97 V 162; ZAK 1970 S. 231). Die
Eingliederungsmassnahmen bestehen unter anderem in Massnahmen beruflicher Art
(Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung und
Arbeitsvermittlung; Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
4.3 Gemäss aArt. 17 Abs. 1 IVG besteht ein Anspruch auf eine Umschulung in eine
neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung invaliditätsbedingt notwendig ist und
dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert
werden kann. Nach Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) gelten als Umschulung unter anderem Ausbildungsmassnahmen, die
Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer
Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen. Eine
Invalidität im Sinne des aArt. 17 Abs. 1 IVG liegt nach der Praxis vor, wenn eine
versicherte Person eine Erwerbseinbusse von mindestens 20% erleidet (ZAK 1984, 91).
4.4 Vorliegend war bis zum Beschwerdeverfahren grundsätzlich unstrittig, dass der
Beschwerdeführer als Berufsmann zu betrachten ist (vgl. IV-act. 9-2; 12-2; 27-1). Er
übte nach der Ausbildung zum Maurer und Erwerbstätigkeit in diesem Beruf
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schliesslich während längerer Zeit die Tätigkeit als Heizungsmonteur aus, die ihrerseits
jedenfalls nicht als einfache Hilfsarbeit zu betrachten ist. Insgesamt erscheint er als
vielseitiger "Berufsmann". Doch selbst wenn man ihn als Hilfsarbeiter betrachten
würde, wäre ein Umschulungsanspruch zu bejahen. Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts reicht dafür ja bereits die vom Beschwerdeführer erlittene
Erwerbseinbusse von 20%. Das Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen hat
festgehalten, dass es sich bei einer "Umschulung" eines Hilfsarbeiters im Grunde stets
um eine erstmalige berufliche Ausbildung handel, die ein Ungleichgewicht mit den
bisherigen Erwerbsaussichten mit sich bringt. Dies kann allenfalls das
Verhältnismässigkeitsprinzip verletzen, wenn nämlich nach der Umschulung ein
wesentlich höheres Einkommen erzielt werden könnte, als es mit der bisherigen
(Hilfs-)Tätigkeit der Fall gewesen wäre. Deswegen hat das Versicherungsgericht auf die
Umschulungen von Hilfskräften die Wertung bei gelernten Versicherten übertragen, die
eine höherwertige Ausbildung wünschen. Ein Anspruch auf eine solche höherwertige
Ausbildung besteht nur, wenn die erwerblichen Auswirkungen des
Gesundheitsschadens sich nur auf diese Weise beheben lassen (vgl. etwa ZAK 1988
S. 467; Entscheid I 202/00 des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom
5. September 2001). Hat der Gesundheitsschaden in seiner Art und Schwere derartige
berufliche Auswirkungen, dass auch beim Hilfsarbeiter nur mit einer höherwertigen
Ausbildung eine angemessene Verwertung der verbleibenden Leistungsfähigkeit bzw.
eine angemessene Schadensdeckung resultiert, so ist die Ausbildung geschuldet
(m.w.H. Entscheid IV 2007/21 des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom
14. August 2007, Erw. 4d). Vorliegend kann der Beschwerdeführer nur noch
weitgehend sitzende Arbeit ausüben, was seine Möglichkeiten als Hilfsarbeiter deutlich
einschränkt. So wäre etwa noch sitzende Fliessbandarbeit denkbar. Dabei handelt es
sich jedoch nicht um eine angemessene Verwertung der verbleibenden
Leistungsfähigkeit. Mit dem in einer solchen Tätigkeit erzielbaren Lohn ist eine
adäquate Schadensdeckung nicht zu erreichen. Der Beschwerdeführer hätte somit
grundsätzlich selbst dann einen Anspruch auf Umschulung, wenn man ihn als
Hilfsarbeiter betrachten würde.
4.5 Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Umschulungsanspruch unter dem
Hinweis, dem Beschwerdeführer fehle die subjektive Eingliederungsfähigkeit. Beim
Standortgespräch habe er den Eindruck erweckt, er habe nicht die erforderlichen
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Ressourcen für eine Berufsausbildung (act. G 11, S. 5, Ziff. 4.2). Im Protokoll des
Standortgesprächs vom 6. Juli 2007 hielt die Eingliederungsberaterin der IV-Stelle fest,
der Beschwerdeführer erwarte Unterstützung bei der Stellensuche, eventuell eine
Umschulung und Hilfsmittel (orthopädische Schuhe). In der Sparte "Subjektiver
Eindruck der Eingliederungsberatung" wies sie darauf hin, der Beschwerdeführer
verhalte sich nervös und unzufrieden. Seine schmerzenden Füsse würden sein soziales
Umfeld massiv beeinflussen. Er ziehe sich von allem zurück und vereinsame. Er
hinterlasse den Eindruck, als würde er sich selbst aufgeben, da er zu keinem Arzt
Vertrauen habe, und er finde sich mit seinen Schmerzen ab. Diese letzte Äusserung ist
in sich nicht konsistent, lassen sich ein "sich-selbst-Aufgeben" und ein "sich-mit-den-
Schmerzen-Abfinden" doch kaum miteinander vereinbaren. Der von der
Eingliederungsberaterin beobachtete totale Rückzug verhält sich wiederum
widersprüchlich zur im Folgenden im Protokoll attestierten Motivation des
Beschwerdeführers, so schnell als möglich eine Stelle als Baggerführer zu finden. Zum
Stichwort "Problemlöseverhalten" führte die Eingliederungsberaterin an, der
Beschwerdeführer sei nicht gross interessiert, seine Probleme selbst in den Griff zu
bekommen. Er müsste jemanden haben, der ihn "führe" und motiviere. Im Gegensatz
zu dieser Äusserung wird im Protokoll jedoch auch festgehalten, der Wille, etwas
Neues in Angriff zu nehmen, sei vorhanden. Sonstige Ressourcen seien keine
erkennbar (IV-act. 12).
4.6 Die Äusserungen der Eingliederungsberaterin sind keinesfalls geeignet, einen
Anspruch des Beschwerdeführers auf Umschulungsmassnahmen zu verneinen. Der
Beschwerdeführer hielt am letzten Arbeitsplatz bis Ende September 2007 durch,
obwohl diese Arbeit von den Dres. A._ und C._ sowie von der RAD-Ärztin bereits
zuvor als nicht mehr zumutbar beurteilt wurde. Eine gewisse Frustration über seine
gesundheitliche Einschränkung ist durchaus nachvollziehbar, sah er doch keine
Besserungsmöglichkeiten und veränderten die Fussprobleme sein Leben in
verschiedenen Bereich deutlich und schränkten ihn ein. Daraus kann jedoch
keineswegs auf eine fehlende subjektive Eingliederungsfähigkeit geschlossen werden.
Im Gegenteil signalisierte der Beschwerdeführer bereits beim Standortgespräch eine
Eingliederungsbereitschaft mit dem erklärten Willen, sich zum Baggerführer ausbilden
zu lassen. Offenbar versäumte es die Eingliederungsberaterin, beim Beschwerdeführer
eine eigentliche Berufsberatung durchzuführen und Neigungen und Interessen
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sorgfältig zu evaluieren. Auf die Bemerkung des Beschwerdeführers, er könnte sich
eine Stelle als Baggerführer vorstellen, ging sie offenbar gar nicht ein – jedenfalls hat
sie dazu nichts protokolliert. Vor diesem Hintergrund vermag ihre Schlussfolgerung,
Ressourcen seien nicht erkennbar, nicht zu überzeugen. Mangelnde Motivation kann
dem Beschwerdeführer ebenfalls nicht vorgeworfen werden, zumal es eben gerade
Aufgabe der IV-Eingliederungsberatung wäre, berufliche Möglichkeiten aufzuzeigen
und einem Versicherten aus einer nachvollziehbaren Orientierungslosigkeit
herauszuhelfen. Das Protokoll vom 10. Juli 2007 lässt jedenfalls keine Rückschlüsse
darauf zu, dass der Beschwerdeführer sich in Bezug auf konkrete Anregungen und
Vorschläge der Eingliederungsberaterin unmotiviert gezeigt hätte. Dass beim
Beschwerdeführer nicht primär ein Motivationsproblem vorliegt, verdeutlicht er auch im
Beschwerdeverfahren, wies er doch darauf hin, sich regelmässig um Stellen zu
bewerben und sich unterdessen auf eigene Kosten mit Tätowieren zu beschäftigen,
eine Ausbildung, die er allein kaum finanzieren kann. Dass er die intellektuellen oder
sonstige Voraussetzungen für eine Umschulung nicht mitbringen würde, kann aus den
Akten ebenfalls nicht geschlossen werden. Er verfügt jedenfalls offenbar über einen
Sekundarschulabschluss (IV-act. 1-4). Der Beschwerdeführer hat also nach dem
Gesagten Anspruch auf angemessene Berufsberatung und in der Folge ebensolche
Umschulungsmassnahmen bzw. Berufsausbildungsmassnahmen. Denkbar ist neben
einer Umschulung auch eine sorgfältige Arbeitsvermittlung mit Zuschüssen für Anlern-
und Einarbeitungszeiten, wenn sich der Beschwerdeführer damit begnügen will.
5.
5.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht verneint hat, ihm jedoch ein
Anspruch auf berufliche Massnahmen nicht vorenthalten darf. Die Sache ist folglich bei
teilweiser Gutheissung der Beschwerde an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
damit diese eine einlässliche, falls nötig längerfristige Berufsberatung und Abklärung
der Neigungen und Fähigkeiten des Beschwerdeführers vornehme (gegebenenfalls
unter Veranlassung einer beruflichen Abklärung in einer Einrichtung der BEFAS) und
gegebenenfalls Kostengutsprache für eine angemessene Umschulung sowie für das
dazugehörige Taggeld erteile.
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5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-
erscheint als angemessen. In der Rentenfrage ist der Beschwerdeführer unterlegen,
weshalb ihm die halbe Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 300.- aufzuerlegen ist. Von
deren Bezahlung ist er jedoch infolge der am 15. September 2008 bewilligten
unentgeltlichen Rechtspflege zu befreien. Wenn seine wirtschaftlichen Verhältnisse es
gestatten, kann er aber zur Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet werden
(Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG). Die andere Hälfte der
Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 300.- hat die Beschwerdegegnerin zu tragen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG