Decision ID: 79089df4-c159-4da6-a5bb-7c3f9b9ea744
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, zog sich bei einem Unfall am
1.
Oktober 2015 eine Verletzung
der rechten Hand zu (vgl.
Urk.
11/12/3) und meldete sich am 1
8.
April
2016 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/13). Die Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog Akten der Suva (
Urk.
11/12,
Urk.
11/21
,
Urk.
11/4
7
) bei und tätigte medizinische (
Urk.
11/17,
Urk.
11/22) und erwerbliche (
Urk.
11/18
,
Urk.
11/20,
Urk.
7/26,
Urk.
11/36,
Urk.
11/40
)
Abklärungen.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/45,
Urk.
11/48,
Urk.
11/56) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
5.
Juli 2017 einen Rentenanspruch (
Urk.
11/62 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
7.
September 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
5.
Juli 2017 (
Urk.
2) und beantragte
zur Hauptsache
,
diese sei aufzuheben
,
es sei ihm eine Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 40
%
zuzusprechen und es sei ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Oktober 2017 (
Urk.
10) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 3
1.
Oktober 2017 wurden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
7-8) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt (
Urk.
12).
Am
5.
April 2018 fand antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
6) eine Hauptver
handlung - mit persönlicher Befragung - statt (vgl.
Urk.
17).
Das Protokoll (S.
3
10) wurde den Parteien am 1
0.
April 2018 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
18).
Am 2
5.
April 2018 (
Urk.
19) reichte der Beschwerdeführer Geschäftsunterlagen (
Urk.
20) ein, welche am 2
6.
April
2018 der Beschwerdegegnerin zugestellt wur
den.
3.
Das unfallversicherungsrechtliche Verfahren des Beschwerdeführers Nr.
UV.2018.00081 wurde mit Urteil vom heutigen Tag abgeschlossen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung, IVG
).
1.3
In den verschiedenen Sozialversicherungszweigen gilt der gleiche, einheitliche Invaliditätsbegriff. Deshalb hat die Schätzung der Invalidität in der Invalidenver
sicherung, der Unfallversicherung und der Militärversicherung, auch wenn sie für jeden Versicherungszweig grundsätzlich selbständig vorzunehmen ist, mit Bezug auf den gleichen Gesundheitsschaden im Regelfall zum selben Ergebnis zu führen (BGE 126 V 288 E. 2a). Jedoch besteht keine eigentliche Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung der Unfallversicherung für die Invalidenversicherung (BGE
133 V 549 E. 6.4).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus, ge
mäss ihren Abklärungen wäre der Beschwerdeführer ab 2
8.
März 2016 wieder zu 50
%
, ab 1
6.
Juni 2016 zu 75
%
und ab 2
0.
Oktober 2016 wieder zu 100
%
arbeitsfähig, dies in seiner angestammten Tätigkeit als
Fugenabdichter
und in an
gepasster Tätigkeit (
Urk.
2
S. 1 unten). Da der Invaliditätsgrad unter 40
%
liege, bestehe kein Rentenanspruch (
Urk.
2
S. 2 oben).
Auch wenn auf die Beurteilung des Suva-Kreisarztes abgestellt würde, wäre davon auszugehen, dass dem Be
schwerdeführer die Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit zumutbar wäre, und es würde selbst bei maximalem Abzug vom statistischen Tabellenlohn kein rentenbegründender Invaliditätsgrad erreicht (Prot. S. 8 unten).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich de
mgegenüber
auf
den Standpunkt
, die Be
schwerdegegnerin habe zu Unrecht davon abgesehen, ein externes Gutachten ein
zuholen (
Urk.
1
S. 4 f.
Ziff.
2). Er habe
als selbständiger
Fugenabdichter
nur noch 20-30
%
arbeiten können, dies nicht nur aus medizinischen Gründen, sondern auch, weil verschiedene Auftraggeber ihn nicht mehr beauftragten, wenn sie seine gesundheitlichen Probleme bei der Arbeitsausführung sähen (
Urk.
17 S. 2 f.
Ziff.
5). Sowohl 2016 als auch 2017 (vgl.
Urk.
20) habe er massive Umsatzeinbus
sen hinnehmen müssen (
Urk.
17 S. 3
Ziff.
6).
Dass ihm die Aufgabe der selbstän
digen Erwerbstätigkeit zumutbar wäre, sei zu bestreiten (Prot. S. 9 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen sind die Arbeitsfähigkeit und der Invaliditätsgrad.
3.
3.1
Gemäss Unfallmeldung vom
6.
Oktober 2015 schnitt sich der Beschwerdeführer am
1.
Oktober 2015 in die Innenseite der rechten Hand, als beim Abschneiden von Fugendichtungen die Messerklinge brach (
Urk.
1
1
/21/4
).
Die
Verletzung
wurde gleichentags im
Kantonsspital
Y._
mit einer Wundnaht ver
sorgt (
Urk.
11/17/5
).
3.2
Gemäss Bericht von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirurgie sowie für
Plastische,
Rekonstruktive
und Ästhetische Chirurgie
, vom 1
1.
November 2015 (
Urk.
11/21/26-27
) konstatierte die behandelnde Ergotherapeutin eine Sehnenlä
sion (S. 1) und überwies den Beschwerdeführer zu ihm. Er diagnostizierte eine Sehnendurchtrennung (veraltet) D II Höhe MCP-Gelenk vor zirka 5 Wochen (S.
1
Mitte) und empfahl eine operative Sanierung (S. 2 Mitte).
Am 1
8.
November
2015 fand die genannte Operation statt (
Urk.
11/21/23-24 S.
1
unten
).
Am 2
9.
Februar 2016 erfolgte eine weitere Operation (
Urk.
11/21/77).
3.
3
Am
7.
Juni 2016 berichtete
Dr.
med.
A._
, Oberärztin Handchirurgie
,
Klinik
B._
, über die gleichentags erfolgte Untersuchung (
Urk.
11/22/7-8 =
Urk.
11/21/141-142
) und nannte folgende handchirurgische Diagnose (S.
1
Mitte):
-
Bow-
Stringing
FDS/FDP-Sehne
Hohlhand
bis PIP-Gelenk mit PIP
Gelenkskontraktur Zeigefinger rechts mit / bei:
-
Status nach Schnittverletzung FDP-FDS-Sehne Zone II vom
1.
Oktober
2015
-
Status nach operativer Rekonstruktion der veralteten Sehnendurch
trennung FDP- und FDS-Sehne Zone II am 1
8.
November 2015
-
Status nach ausgedehnter
Tenolyse
vom 2
9.
Februar 2016
Nach Besprechung im Team riet sie von einer (weiteren) Operation ab (S. 2 Mitte).
3.
4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD)
,
nannte
in seiner Beurteilung vom 1
9.
Oktober 2016 (
Urk.
11/44 S. 3 f.) nannte als funktionelle Einschränkung in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als
Fugenabdichter
einen fehlenden Faustschluss sowie fehlende Kraft der rechten
Hand
und rezidivierende Schmerzen, und führte gleichzeitig aus, die bisherige Tätigkeit entspreche einer angepassten Tätigkeit. Die Arbeitsunfähigkeit bezifferte er mit 100
%
ab
1.
Oktober
2015, 50
%
ab 2
8.
März
2016 und 25
%
ab 1
6.
Juni
2016 (S. 4 oben).
3.5
Kreisarzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, nannte in seinem Bericht vom 2
0.
Oktober 2016 (
Urk.
11/47/38-44
) über die gleichen
tags erfolgte Untersuchung die o
be
n angeführten (vorstehend E. 3.3
) Diagnosen (S. 6 oben).
Ferner führte er unter anderem aus, gemäss den Angaben des Versicherte
n
komme es unter Belastung von rechtem Daumen und Zeigfinger immer wieder zu Schmerzen. Ruheschmerzen bestünden nicht. Den Versicherten störe der inkom
plette Faustschluss, welcher ihn bei der Ausübung seiner beruflichen
Tätigkeit als
Verfuger
limitiere
. Fer
ner störe ihn die offensichtlic
he Kraftlosigkeit. Repetitive Handbewegungen seien nur mit längeren Pausen und mit Bedarfsanalgesie mög
lich (S. 6 Mitte).
Bei der kreisärztlichen Untersuchung habe sich eine deutliche Funktionsein
schränkung der rechten Hand bei Beugekontrakturen des Zeigefinger-Mittelge
lenkes gezeigt, welche zu belastungsabhängigen Schmerzen führe. Bezüglich des Befundes sei hier der medizinische Endzustand erreicht. Von einer weiteren
Arthro
-/
Tenolyse
mit aufwändiger Ringbandrekonstruktion werde von der
B._
Klinik im Rahmen der Konsultation vom
7.
Juni 2016 abgeraten, da der Operationsausgang sehr ungewiss sei. Der Versicherte wünsche die Operation
daher nicht. Es werde empfohlen, die momentane Ergotherapie beizubehalten (S.
6).
Die angestammte Tätigkeit sei aufgrund der Schmerzsymptomatik nur in einem Pensum von 50
%
zumutbar. Bei angepassten Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Für die rechte Hand sollte das Tragen von Lasten über 10 kg vermieden werden. Repetitive Tätigkeiten, Stoss- und Vibrationsbelastungen sowie feinmotorische Bewegungen, die eine Zugbewegung oder einen
Pinzettengriff
des rechten Zeigefingers erforderten, sollten weitestgehend vermieden werden. Aufgrund des limitierten rechtsseitigen Faustschlusses seien Tätigkeiten, die einen festen Griff erforderten, beispiels
weise
Hämmern oder das Bedienen von Maschinen, ebenfalls ausgeschlossen (S.
6
unten).
3.6
Dr.
Z._
führte in seinem Bericht vom
8.
November 2016 (
Urk.
11/47/70-71
) unter anderem aus, der Beschwerdeführer gehe seinem Beruf derzeit mit einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
nach (S.
2
oben), und attestierte eine ebensolche (S.
1
unten).
Er bestätigte die Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einem späteren Bericht vom 1
0.
April 2017 (
Urk.
11/55 S. 1 unten, S. 2 Mitte).
3.7
Dr.
C._
, RAD, bezifferte in seiner Beurteilung vom 2
1.
März 2017 (
Urk.
11/51) die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit nunmehr mit 50
%
ab 2
8.
März 2016 und nannte als funktionelle Einschränkungen die Limitationen gemäss dem von Kreisarzt
Dr.
D._
formulierten Belastungsprofil (S. 1 f.).
Als Belastungsprofil nannte er
seinerseits
leichte (angepasste Tätigkeiten) ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 10 kg, ohne (beidseitiges) Arbeiten in Armvorhalte und Überkopfarbeiten; darauf bezogen betrage die Arbeits
unfähigkeit 0
%
ab 2
0.
Oktober 2016 (S. 2 oben).
4.
4.1
Die wörtlich aus dem Vorbescheid (
Urk.
11/45) übernommene Begründung der angefochtenen Verfügung basierte auf einer ersten Beurteilung der medizinischen Akten durch den RAD, in welcher ohne nähere Begründung die bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers als angepasst eingestuft wurde (vorstehend E. 3.4), was angesichts des Sachverhalts nicht nachvollziehbar erscheint. In einer zweiten Be
urteilung differenzierte der RAD-Arzt dann - wie schon der Suva-Kreisarzt - zwi
schen der angestammten Tätigkeit mit einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
und einer im Umfang von 100
%
zumutbaren, näher umschriebenen angepassten Tätigkeit (vorstehend E.
3.7).
4.2
Die Annahme einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der angestammten Tätigkeit deckt sich mit der Beurteilung durch den behandelnden Handchirurgen (vorste
hend E. 3.6) und mit den Angaben des Beschwerdeführers, wonach er je nach Auftragslage etwa 15 bis 20 Stunden pro arbeite (Prot. S. 6 unten).
Davon ist auszugehen.
4.3
Die
Einschätzung
durch den Suva-Kreisarzt, wonach für näher umschriebene an
gepasste Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe (vorstehend E. 3.5),
ist als schlüssig und nachvollziehbar zu be
urteil
en
, und sie erfüllt alle praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.4) vollumfänglich
.
Insbesondere wurden
darin
die sich aus der Handverletzung ergebenden Beeinträchtigungen sehr sorgfältig dargelegt
,
und das im Anschluss dara
n formulierte Zumutba
rkeitsprofil
trägt ebendiesen vollumfänglich Rechnung.
Die Berichte
des behandelnden Handchirurgen
-
auch
dess
e
n
Bericht vom 1
0.
April 2017 (vorstehend E. 3.6
)
-
enthalten keinerlei Hin
weise, die qualitativ auf ein anderes Belastungsprofil oder auf eine zusätzliche quantitative Einschränkung schliessen liessen. Vor diesem Hintergrund ist nicht einsichtig, mit welcher Begründung sich der Beschwerdeführer auf den Stand
punkt stellt
e
, nach Eingang des eben erwähnten Berichtes hätte die Beschwerde
gegnerin eine Begutachtung veranlassen müssen (
Urk.
1 S. 4 f.
Ziff.
2.2), weshalb darauf - wie auch auf den Antrag auf ein Gerichtsgutachten
–
in antizi
pierter Beweiswürdigung (BGE 124
V 90)
nicht weiter einzugehen ist.
4.4
Aufgrund der übereinstimmenden ärztlichen Beurteilungen steht der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht dahingehend fest, dass in
dem Belastungsprofil ent
sprechenden
Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsfähigkeit besteht.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Der Begriff der zumutbaren Tätigkeit im Rahmen der Invaliditätsbemessung nach
Art.
16 ATSG bezweckt,
die Schadenminderungspflicht zu begrenzen oder - po
sitiv formuliert - deren Mass
zu bestimmen. Eine versicherte Person hat sich daher unter Umständen im Rahmen der Invaliditätsbemessung jene Einkünfte anrech
nen zu lassen, welche sie bei Aufgabe der selbständigen Tätigkeit und Aufnahme einer leidensangepassten unselbständigen Erwerbstätigkeit
zu
mutbarerweise
ver
dienen könnte (Urteil des Bundesgerichts 9C_888/2017 vom 1
4.
Mai
2018 E.
3.3.1).
Für die Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs der zumutbaren Tätigkeit im Allgemeinen wie bei der Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit im Beson
deren, sind die gesamten subjektiven und objektiven Gegebenheiten des Einzel
falles zu berücksichtigen. Im Vordergrund stehen bei den subjektiven Umständen die verbliebene Leistungsfähigkeit sowie die weiteren persönlichen Verhältnisse, wie Alter, berufliche Stellung, Verwurzelung am Wohnort etc. Bei den objektiven Umständen sind insbesondere der ausgeglichene Arbeitsmarkt und die noch zu erwartende Aktivitätsdauer massgeblich. Eine Betriebsaufgabe ist nur unter stren
gen Voraussetzungen unzumutbar, und es kann ein Betrieb selbst dann nicht auf Kosten der
Invalidenversicherung aufrecht
erhalten werden, wenn die versicherte Person darin Arbeit von einer gewissen erwerblichen Bedeutung leistet (
Urteil des Bundesgerichts
9C_621/2017
vom
1
1.
Januar 2018
E. 2.
2.1).
5.3
Die
E._
GmbH wurde im September 2012 ins Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen und gleichzeitig nahm der Beschwerdeführer das Ar
beitsverhältnis auf (
Urk.
11/20). Die in den ersten ganzen Betriebsjahren vor Ein
tritt des Gesundheitsschadens am
1.
Oktober
2015
verabgabten
Einkommen beliefen sich auf Fr. 65'000.-- (2013) beziehungsweise
Fr.
70'000.-- (2014; vgl. Aus
zug aus dem Individuellen Konto,
Urk.
11/18), woraus ein Durchschnitt von Fr. 67'500.-- pro Jahr resultiert.
Im Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende
vom
3.
Januar
2017 (
Urk.
11/36) wurde
ausgeführt, der Beschwerdeführer sei seit 2012 selbständig (S.
3
Ziff.
2)
,
und es wurde zusätzlich ausgehend von durchschnittlichen Umsatz
zah
len ein durchschnittliches
Valideneinkommen
2011-2014 von
Fr.
72'375.-- er
mittelt (S. 11
Ziff.
10). Ferner wurde festgehalten, es sei schon vor dem Unfall zu einem Umsatzrückgang gekommen.
Dies widerspreche den Erwartungen des Be
schwerdeführers, dass der Geschäftsgang besser werden würde und er seine An
gestellten zu 100
%
würde beschäftigen können.
Selbst im umsatzstärksten
Jahr (2014) habe
er
seine Angestellten nicht mehr als durchschnittlich 35
%
und 50
%
einsetzen können (S. 10
Ziff.
8.2).
5.4
Der Beschwerdeführer war im Unfallzeitpunkt 38-jährig und im Verfügungszeit
punkt 40-jährig. Mithin
betrug seine zu erwartende Aktivitätsdauer noch rund 25 Jahre. Umgekehrt bestand sein Betrieb im Unfallzeitpunkt erst seit gut 3 Jahren und
war
betriebswirtschaftlich keine eigentliche Erfolgsgeschichte (vorstehend E.
5.3).
Vor diesem Hintergrund ist die Frage, ob ihm gemäss den Kriterien der Recht
sprechung ein Wechsel zurück zu einer unselbständigen Tätigkeit zumutbar wäre (vorstehend E. 5.2), ohne weiteres zu bejahen, was denn auch schon im Abklä
rungsbericht vermerkt worden war (
Urk.
11/36 S. 11 Mitte).
Demnach ist das Invalideneinkommen gestützt auf Tabellenlöhne der Lohnstruk
turerhebung (LSE) zu bestimmen, dies ausgehend von den von Männern auf dem tiefsten Kompetenzniveau über alle Wirtschaftszweige hinweg erzielten Lohn.
Im Jahr
2014 betr
u
g dieser
Fr.
5'312.-- (LSE 2014 Tab. TA1_tirage_skill_level), was umgerechnet auf ein Jahr und
eine wöchentliche
Arbeitszeit von 41.7 Stunden
rund
Fr.
66’453.--
ergibt (
Fr.
5'312.-- x
12 :
40.0 x 41.7).
5.5
Wenn man, ohne nähere Prüfung der dafür vorausgesetzten Gründe, beim
Vali
deneinkommen
(vorstehend E. 5.3)
den
unbestritten gebliebenen
höheren Wert übernimmt und beim Invalideneinkommen (vorstehend E. 5.4) den maximal zu
lässigen Abzug vom Tabellenlohn von 25
%
vornimmt, so steht einem
Validen
einkommen
von
Fr.
72’375.-- ein Invalideneinkommen von rund
Fr.
49'840.-- (
Fr.
66'453.-- x 0.75) gegenüber. Damit resultiert eine Einkommensbusse von
Fr.
22'535.--, was einem Invaliditätsgrad von rund 31
%
entspricht.
Selbst bei diesen ungeprüften und maximal zugunsten des Beschwerdeführers getroffenen Annahmen resultiert mithin kein anspruchsbegründender Invalidi
tätsgrad.
5.6
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung, mit welcher ein Rentenanspruch verneint wurde, als im Ergebnis zutreffend, was zur Abweisung der dagegen er
hobenen Beschwerde führt.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
sind ermessensweise auf Fr. 800.
festzusetzen, ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und
infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozi
alversicherungsgericht (
GSVGer
)
.
6.2
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat mit
Honorarnote
vom
1
9.
Oktober 2018
einen Aufwand von
12.18 Stunden plus
eine
Kleinspesen
pauschale von 3
%
geltend gemacht (
Urk.
22). Beim praxisgemässen Stundenan
satz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist er somit mit
Fr.
2'977.05
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu ent
schädigen.