Decision ID: e2c99b51-a979-54cf-ba2e-9a013bc60e46
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin beabsichtigt, die bestehende Waldstrasse (Y._weg)
zu sanieren und um durchschnittlich 0.5 m zu verbreitern, damit die heute gängigen
Forstmaschinen und LKW's für die Waldbewirtschaftung und Pflege eingesetzt werden
können. Die Waldstrasse befindet sich auf den Parzellen Biel/Bienne Grundbuchblatt Nrn.
Z._ und A._ sowie auf der Parzelle Twann-Tüscherz Grundbuchblatt Nr.
B._. Die Parzellen befinden sich ausserhalb der Bauzonen und im Gebiet eines
Waldnaturschutzinventars. Für dieses Vorhaben reichte die Beschwerdeführerin am
26. Januar 2015 bei der Stadt Biel und bei der Gemeinde Twann-Tüscherz je ein
Baugesuch ein.
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2. Mit Gesamtentscheid vom 1. Juni 2015 erteilte die Gemeinde Biel/Bienne die
Baubewilligung. Auch die Gemeinde Twann-Tüscherz erteilte dem Vorhaben mit
Gesamtentscheid vom 1. Juni 2015 die Baubewilligung. In beiden Entscheiden wird ein
Fachbericht Wildtierschutz des Jagdinspektorats Kanton Bern vom 4. Mai 2015 zum
integrierenden Bestandteil der Bewilligung erklärt. Dieser Fachbericht enthält folgende
Auflagen:
"2.1 Die Holzerei- und Bauarbeiten dürfen nicht während der sensiblen Fortpflanzungszeit (April bis
Juli) ausgeführt werden.
2.2 Der Standard der Erschliessung darf den eines Maschinenwegs mit Naturbelag (vorgesehen ist
eine Mergelschicht) und sich begrünendem Mittelstreifen nicht überschreiten.
2.3 An geeigneter Stelle ist der Zugang zum Weg mittels Fahrverbot und abzuschliessender
Barriere für Unberechtigte zu sperren.
2.4 Jegliche sonstige Wegnutzung (z.B. als Bikeroute oder als Sommer-/Winterwanderweg) ausser
für ortsgebundene land- und forstwirtschaftliche Zwecke ist zu untersagen."
3. Die Beschwerdeführerin reichte gegen beide Entscheide am 15. Juni 2015 eine
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragt, die Auflagen Nr. 2.2 (Standard Maschinenweg), 2.3 (Barriere) und 2.4 (Fahrrad-
und Wanderwegverbot) seien ersatzlos zu streichen. Dabei macht sie geltend, die Auflagen
seien in keiner Weise verhältnismässig, teilweise absurd und würden nicht der
tatsächlichen Situation vor Ort entsprechen.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Mit praktisch identischen
Stellungnahmen vom 3. Juli 2015 und 9. Juli 2015 beantragen die Stadt Biel und die
Gemeinde Twann-Tüscherz, die Beschwerde sei vollumfänglich gutzuheissen und die drei
Auflagen des Fachberichts Wildtierschutz vom 4. Mai 2015 seien ersatzlos zu streichen. Im
Übrigen seien die beiden Verfügungen der Stadt Biel vom 1. Juni 2015 und der Gemeinde
Twann-Tüscherz vom 1. Juni 2015 zu bestätigen. Das Jagdinspektorat des Kantons Bern
reichte am 13. Juli 2015 eine Stellungnahme ein. Darin führte es aus, dass auf die
Forderung betreffend Ausbaustandard (Auflage 2.2) verzichtet werden könne, wenn der
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Weg bereits LKW-gängig sei und nur punktuell verbreitert werden müsse. An der Auflage
2.3 halte man fest. Was die Auflage 2.4 betreffe, so würde man auf die Forderung
betreffend Sommerwanderweg verzichten, an der nicht zu gestattenden sonstigen
Wegnutzung als Bikeroute oder als Winterwanderweg werde aber festgehalten.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerin, deren Baugesuche unter Auflagen bewilligt
wurden, ist durch die Auflagen der vorinstanzlichen Entscheide beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Die Beschwerde wurde form- und fristgerecht eingereicht.
2. Bedingungen und Auflagen
Baubewilligungen können mit Bedingungen oder Auflagen verknüpft werden (Art. 38 Abs. 3
BauG). Die Bedingungen und Auflagen müssen in einem engen sachlichen
Zusammenhang zur erteilten Baubewilligung stehen, durch ein öffentliches Interesse
gerechtfertigt und verhältnismässig sein. Verhältnismässig ist eine Nebenbestimmung nur
dann, wenn sie zum Erreichen des angestrebten Ziels erforderlich, geeignet und für den
Bauherrn zumutbar ist. Der Gesuchsteller, dessen Bauvorhaben den gesetzlichen
Anforderungen entspricht, hat grundsätzlich Anspruch auf eine unbefristete,
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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unwiderrufliche, bedingungslose und unbelastete Baubewilligung. Bedingungen und
Auflagen zu einer Baubewilligung kommen nur bei Bauvorhaben in Betracht, die je nach
ihrer Gestaltung oder Einrichtung oder je nach der Art der Nutzung oder Betriebsführung
gesetzeskonform oder gesetzwidrig sein können. Bedingungen und Auflagen sind in
solchen Fällen das Mittel dazu, die gesetzwidrigen Auswirkungen zu verhindern. Insoweit
sind sie gegenüber der Alternative des Bauabschlags das mildere Mittel.3
3. Auflage 2.2 (Standard Maschinenweg)
a) Mit der Auflage 2.2 des kantonalen Jagdinspektorats wird verlangt, dass der
Standard der Erschliessung den eines Maschinenwegs mit Naturbelag (vorgesehen ist eine
Mergelschicht) und sich begrünendem Mittelstreifen nicht überschreiten darf.
b) Die Beschwerdeführerin bringt vor, per Definition sei eine Waldstrasse so
ausgestaltet, dass sie mit strassentauglichen LKW's befahrbar ist. Werde dieses Kriterium
nicht erfüllt, handle es sich um Maschinenwege oder Rückegassen. Der Y._weg
sei vor Jahrzehnten als Waldstrasse gebaut worden und sei schon lange mit
durchschnittlichen LKW's befahrbar. Die Sanierung und Verbreiterung sei notwendig, da
die Lastwagen und Forstmaschinen in der Zwischenzweit grösser und schwerer geworden
seien. Die Auflage, den Standard eines Maschinenwegs nicht zu überschreiten, entspreche
einem Rückbau, widerspreche dem Bauvorhaben und sei ersatzlos zu streichen. Ein
grüner Mittelstreifen gehöre nicht zum Standard einer Waldstrasse. Bei der gewählten, aus
dem Baugesuch ersichtlichen, talseitigen Entwässerung mit einem seitlichen Gefälle der
Waldstrasse behindere bzw. verhindere ein Grünstreifen diese Funktion. Auch diese
Forderung sei unhaltbar.
Die Vorinstanzen führen aus, der Beschwerde sei zu folgen. Es sei den bei ihnen
zuständigen Baubewilligungsstellen offensichtlich nicht bewusst gewesen, was der
Standard eines "Maschinenwegs" überhaupt bedeute. Aus den bewilligten Plänen sei
erkennbar, dass sie nicht den Standard eines Maschinenwegs, sondern den Ausbau der
heute schon bestehenden Strasse bewilligt hätten. Die verfügte Auflage 2.2 stehe dazu im
Widerspruch und sei absurd.
3 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 15a.
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Nach dem Jagdinspektorat des Kantons Bern beruht ihre diesbezügliche Forderung auf der
Tatsache, dass die Fotos in den Baubewilligungsunterlagen einen Weg mit Naturbelag und
teilweise begrüntem Mittelstreifen zeigen und sie diesen Status grundsätzlich im Hinblick
auf das Vermeiden einer Attraktivitätssteigerung für Fremdnutzungen beibehalten wollten.
Wenn der Weg in der Tat bereits LKW-gängig sei und nur punktuell verbreitert werden
müsse, könne auf die Forderung betreffend Ausbaustandard verzichtet werden.
c) Waldstrassen werden gemäss der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern (VOL)
wie folgt definiert:
"Eine Waldstrasse ist eine künstlich geschaffene, befestigte und auf Dauer in einem Waldstück
angelegte Strasse, die mit Motorfahrzeugen bei jeder Witterung befahren werden kann.
Maschinenwege, Rückegassen, Erdwege und Trampelpfade gelten nicht als Waldstrassen."4
Der Y._weg wird gemäss den unbestrittenen Ausführungen der
Beschwerdeführerin bereits seit längerer Zeit mit LKW's befahren. Er gilt damit – bereits
vor dem ersuchten Ausbau – als Waldstrasse. Ein Maschinenweg dagegen ist ein "mit
wegebaulichen Massnahmen erstellter unbefestigter oder befestigter Weg, zwecks Einsatz
technischer Mittel für die Holzernte." Er kann in der Regel nur mit geländegängigen
Fahrzeugen (Forstfahrzeugen) befahren werden.5 Die mit der umstrittenen Auflage
geforderte Einhaltung des Standards eines Maschinenwegs würde daher einen Rückbau
darstellen, wie dies die Beschwerdeführerin und die Vorinstanzen richtig ausführen. Zudem
besteht ein Widerspruch zwischen dieser Auflage und den bewilligten Plänen, welche
eindeutig einen Ausbau der heute schon bestehenden Strasse vorsehen. Die Auflage,
wonach der Standard eines Maschinenwegs nicht überschritten werden darf, steht damit im
Widerspruch zum bewilligten Vorhaben und wurde von den Vorinstanzen, wie diese in
ihren Stellungnahmen selber festhalten, zu Unrecht und ohne nähere Prüfung
übernommen. Gleiches gilt für den in der Auflage verlangten begrünten Mittelstreifen. Wie
die Beschwerdeführerin und die Vor-instanzen nachvollziehbar ausführen, würde ein
begrünter Mittelstreifen die geplante, talseitige Entwässerung der Waldstrasse mittels
seitlichem Gefälle (gemäss bewilligtem Plan "Normalprofil 1:50) unnötig erschweren oder
4 Internetseite der VOL, unter http://www.vol.be.ch/vol/de/index/wald/wald/walderhaltung/waldstrassen.html. 5 Vgl. Begriffserläuterung in den regionalen Waldplänen Jura Südfuss und Bern, zu finden unter http://www.vol.be.ch/vol/de/index/wald/wald/planung_grundlagen/planung_rwp.html.
http://www.vol.be.ch/vol/de/index/wald/wald/walderhaltung/waldstrassen.html http://www.vol.be.ch/vol/de/index/wald/wald/planung_grundlagen/planung_rwp.html
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verunmöglichen. Die Auflage 2.2 des Fachberichts Wildtierschutz vom 4. Mai 2015 wird
daher gestrichen.
4. Auflage 2.3 (Barriere)
a) Nach der Auflage 2.3 ist der Zugang zum Weg an geeigneter Stelle mittels
Fahrverbot und abzuschliessender Barriere für Unberechtigte zu sperren.
b) Die Beschwerdeführerin entgegnet, das geplante Ausbaustück des Weges sei nicht
direkt an das öffentliche Wegnetz angeschlossen, der Zugang erfolge einzig über andere
Waldstrassen. Obwohl der Weg seit Jahren problemlos mit Personenwagen befahrbar sei,
seien keine Probleme mit unerlaubten Fahrten bekannt. Alle Zufahrten seien mit
Fahrverboten belegt, der Y._weg stelle keine Abkürzung für Unberechtigte dar und
führe zu keinen Orten mit spezieller Erholungsfunktion. Die geforderte Massnahme sei
daher unverhältnismässig und entbehre jeder sachlichen Grundlage. Zudem sei in anderen
Fällen noch keine Forderung nach einer Barriere erhoben worden.
Die Stadt Biel und die Gemeinde Twann-Tüscherz schliessen sich den Ausführungen der
Beschwerdeführerin an. Sie sind ebenfalls der Meinung, dass die Auflage klar
unverhältnismässig ist.
Das Jagdinspektorat hält gemäss Stellungnahme vom 13. Juli 2015 an dieser Auflage fest.
Damit wolle man sicherstellen, dass möglichst wenig Unberechtigte mit Autos,
Motorrädern, Quads oder im Winter mit Schneemobilen den Weg befahren und so
unerwünschte Störungen in den Wildtier-Lebensraum tragen würden. Fahrverbote würden
die rechtliche Sanktionsgrundlage im Fall von Zuwiderhandlungen schaffen, die Barriere
solle mechanisch eine fahrzeugmässige Benutzung verhindern. Beide Massnahmen
würden von ihnen bei zahlreichen Wegbauprojekten gefordert.
c) Aus der dem Baugesuch beigelegten Übersichtskarte 1:20'000 ist ersichtlich, dass
das geplante Ausbaustück des Bellevuewegs selber nicht an das öffentliche Wegnetz
angeschlossen ist, sondern nur über andere Waldstrassen erreichbar ist. Gemäss den
Ausführungen der Beschwerdeführerin, welche von den betroffenen Gemeinden nicht
bestritten werden, sind sämtliche Zufahrten bereits mit einem Fahrverbot belegt. Mit Blick
auf die Übersichtskarte ist ebenso nachvollziehbar, dass der auszubauende Weg, welcher
in erhöhter Lage parallel zur Rue de Neuchâtel entlang des Bielersees verläuft, weder eine
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Abkürzung für Unberechtigte darstellt noch zu Orten mit spezieller Erholungsfunktion führt.
Dies ändert sich auch mit der angestrebten Sanierung und Verbreiterung des Weges nicht.
Dass es bisher keine Probleme mit unberechtigten Fahrten gegeben hat, obwohl der
Waldweg auch schon im bestehenden Zustand mit den vom Jagdinspektorat erwähnten
Fahrzeugen (Autos, Motorrädern, Quads, Schneemobilen) befahrbar ist, wird von den
betroffenen Gemeinden ebenfalls nicht bestritten. Entsprechend sahen sie sich bisher nicht
veranlasst, eine Fahrverbotstafel anzubringen, obwohl das Anbringen von Signalen im
Ermessen der Gemeinde stünde (Art. 24 Abs. 2 KWaG6). Schliesslich ist darauf
hinzuweisen, dass das bundesrechtliche Fahrverbot für Motorfahrzeuge auf Waldstrassen
auch ohne entsprechende Signalisation gilt (Art. 24 Abs. 1 KWaG).
Unter diesen Umständen erscheinen die vom Jagdinspektorat geforderten Massnahmen
(Aufstellen eines Fahrverbotsignals und einer Barriere) unnötig und übertrieben. Die
Erforderlichkeit ist zu verneinen. Da mit unberechtigten Fahrten bisher keinerlei Probleme
bestanden, stünden die Kosten für diese Massnahmen auch in einem Missverhältnis zum
damit erzielten Effekt. Die Auflage 2.3 erweist sich daher als unverhältnismässig und ist
ebenfalls zu streichen. Sollte das gesetzliche Fahrverbot – entgegen den Einschätzungen
der Beschwerdeführerin und der Gemeinden – dennoch regelmässig missachtet werden,
so haben die Waldabteilung und die Gemeinden gestützt auf Art. 33 KWaV7 auch
nachträglich noch die Möglichkeit, die Waldstrasse mittels Barriere oder anderen
Hindernissen zu sperren.
5. Auflage 2.4 (Fahrrad- und Wanderwegverbot)
a) Mit der Auflage 2.4 des Fachberichts Wildtierschutz wird schliesslich verlangt, dass
jegliche sonstige Wegnutzung (z.B. als Bikeroute oder als Sommer-/Winterwanderweg)
ausser für ortsgebundene land- und forstwirtschaftliche Zwecke zu untersagen ist.
b) Hierzu führt die Beschwerdeführerin aus, der befürchtete "erhöhte Störungsbeitrag"
durch das Bauvorhaben sei vorliegend nicht vorhanden, da die Waldstrasse bereits seit
Jahrzehnten bestehe und die vorgesehenen baulichen Massnahmen die Attraktivität für die
genannten Nutzergruppen nicht erhöhe. Ein erhöhtes Schutzbedürfnis für Wildtiere sei
6 Kantonales Waldgesetz vom 5. Mai 1997 (KWaG; BSG 921.11). 7 Kantonale Waldverordnung vom 29. Oktober 1997 (KWaV; BSG 921.111).
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nicht belegt. Zudem sei der Y._weg ein offizieller kantonaler Wanderweg. Die
Forderung eines Wanderwegverbots widerspreche dem heute geltenden Richtplan. Die
Auflage sei damit gesetzeswidrig und vollständig zu streichen.
Die Vorinstanzen ergänzen in ihren Stellungnahmen im Beschwerdeverfahren, das
Jagdinspektorat verkenne, dass es sich bei dieser heute bereits existierenden Waldstrasse
um einen der beliebtesten Wanderwege im Naherholungsgebiet der Region Biel handle.
Ein Wanderwegverbot würde bedeuten, dass dieser seit Jahrzehnten existierende
Wanderweg aufgehoben werden müsste, was dem behördenverbindlichen Richtplan
widerspreche. Auch diese Auflage sei daher zu streichen.
Nach Ansicht des Jagdinspektorats bezweckt diese Auflage den Vorbehalt der Waldstrasse
für die forstwirtschaftliche Nutzung. Allerdings sei eine Zusatznutzung der besagten
Strasse als Sommerwanderweg offenbar bereits Usus. Auf die Forderung betreffend
Sommerwanderweg werde daher verzichtet, an der nicht zu gestattenden Wegnutzung im
Sinne einer Bikeroute oder als Winterwanderweg halte man aber fest.
c) Gemäss Richtplan des Kantons Bern8 legt der Kantonale Sachplan
Wanderroutennetz9 die Hauptwanderrouten und die Ergänzungsrouten fest. Der
Y._weg ist darin als Ergänzungswanderroute festgesetzt.10 Das Verbot der
Benutzung dieser Waldstrasse als Wanderweg – sowohl im Sommer als auch im Winter –
widerspricht damit den behördenverbindlichen Planungsinstrumenten des Kantons Bern.
Wieso das Jagdinspektorat das Wanderverbot im Winter, nicht jedoch im Sommer
aufrechterhalten will, ist nicht nachvollziehbar und lässt sich nicht rechtfertigen. Weiter fehlt
der für eine Auflage geforderte enge sachliche Zusammenhang zur erteilten
Baubewilligung. Mit der umstrittenen Verbreiterung um durchschnittlich 0.5 m wird der
Wegabschnitt weder für die Wanderer noch für die Biker (oder andere, nicht motorisierte
Nutzergruppen) attraktiver, weshalb sich die Benutzung durch diese Nutzergruppen
aufgrund des Bauvorhabens nicht intensivieren wird. Auch diese Auflage ist zu streichen.
8 Richtplan Kanton Bern, Stand 3. Juli 2013 (RRB 0956/2013), S. 13. 9 Kantonaler Sachplan Wanderroutennetz vom 22. August 2012 (RRB 1212/2012). 10 Vgl. Geoportal des Kantons Bern, Sachplan Wanderroutennetz.
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6. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend erweisen sich die Auflagen 2.2 (Standard Maschinenweg), 2.3
(Barriere) und 2.4 (Fahrrad- und Wanderwegverbot) des Fachberichts Wildtierschutz vom
4. Mai 2015 als unzulässig. Sie sind in Gutheissung der Beschwerde in beiden
Entscheiden der Vorinstanzen aufzuheben.
b) Die Beschwerdeführerin beantragt zusätzlich, es sei festzustellen, dass die
Baubewilligung im Übrigen in Rechtskraft erwachsen sei. Diesem Feststellungsbegehren
kann nicht entsprochen werden. Nebenbestimmungen sind untrennbar mit dem
Hauptentscheid verknüpft. Werden – wie vorliegend – Nebenbestimmungen zu einem
Bauentscheid angefochten, so kann die Baubewilligung nicht unabhängig davon in
Rechtskraft erwachsen.
c) Die massgeblichen Sachverhaltselemente konnten anhand der zur Verfügung
stehenden Akten genügend überprüft bzw. festgestellt werden. Auf den von der
Beschwerdeführerin beantragten Augenschein kann daher verzichtet werden, da von
diesen Beweismitteln keine neuen relevanten Erkenntnisse zu erwarten waren.
d) Bei diesem Verfahrensausgang obsiegt die Beschwerdeführerin. Da weder den Vor-
instanzen noch dem Jagdinspektorat des Kantons Bern Verfahrenskosten auferlegt werden
können (Art. 108 Abs. 2 VRPG11), wird auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet.
Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).