Decision ID: aae9d876-b213-415f-b83d-482ad62dee1c
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1959,
absolvierte in ihrem Heimatland er
folg
reich eine Ausbildung als Krankenschwester (
Urk.
12/1/2 f.). Ab dem 5.
Juli 1989
war sie
als Pflegemitarbeiterin im
Z._
tätig
, zuletzt in einem Pensum von 80
%
(
Urk.
12/2/6
und 12/9/1 f.
)
.
A
m
27. September 2010
verspürte
sie
Lähmungserscheinungen
und Schmerzen an der linken Körperseite (
Urk.
12/2/8)
.
Einen Tag später suchte sie ihren Haus
arzt
,
Dr.
med.
A._
,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, auf. Dieser überwies sie umgehend
zur stationären Abklärung und Behand
lung
i
ns
Spital
B._
(
Urk.
12/11/1
und 12/24/40
)
. Dort hielt sie sich
bis zum 9.
Oktober 2010 auf (
Urk.
12/10
und 12/24/40 ff.
)
.
Mit Schreiben vom 14. März 2011 kün
dig
te
d
as
Z._
der Versicherten
das Arbeits
ver
hältnis
per Ende Juni 2011
(Urk.
12/9/8
)
.
Am 2
8.
April 2011 meldete sich
die Versicherte
bei der
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
(
Urk.
12/2)
. Diese tätigte darauf erwerbliche
(
Urk.
12/7
und
12/9)
und medizinische
(
Urk.
12/6
, 12/10
-12,
12/14 und 12/15
)
Abklärungen.
Sie gab bei der
Medizinischen
Ab
klä
rungsstelle
(MEDAS)
C._
ein
po
ly
dis
ziplin
äres
Gutachten
unter Einbezug der Fachgebiete
Innere Medizin, Rheu
matologie, Neurologie und Psychiatrie
in Auftrag (Urk.
12/17). Die Unter
such
ungen wurden vom 1
6.
bis zum 2
0.
April 2012 stationär durchgeführt und das Gutachten wurde
am 7.
Juni 2012 erstattet
(Urk. 12/24).
Das
C._
beant
wortete eine
Rückfrage der IV-Stelle (Urk.
12/27)
mit Schreiben vom
2
8.
August 2012
(
Urk.
12/28)
.
Mit Vorbescheid vom
27.
März 2013
stellte
die IV-Stelle
die Abwei
sung des
Rentenbegehrens
in Aussicht
(
Urk.
12/35)
.
Die Versicherte erhob da
rau
f Einwand
(Urk.
12/38)
und reichte einen Bericht ihrer behandelnden Psy
chiaterin
,
Dr.
med.
D._
,
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychothe
rapie, vom
3.
April 2013 und
einen
Ergotherapiebericht
vom
5.
April 2013
ein
(
Urk.
12/37)
.
M
it Verfügung vom 13.
Mai 2013
verneinte die IV-Stelle
einen Rentenanspruch (
Urk.
2 = 12/
41
).
2.
Die Versicherte
liess
mit Eingabe vom
6.
Juni 2013
(
Urk.
1)
gegen die Verfü
gung vom 1
3.
Mai 2013
Beschwerde erheben
und einen
neuen Bericht
von
Dr.
D._
vom 3
1.
Mai 2013
(
Urk.
3)
einreichen
.
Ihre
Ver
treterin
beantragte
, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es
sei der Versicherten
eine ganze
Invalidenr
ente zuzusprechen
. Eventualiter
seien
ergänzende Abklärungen
vorzu
nehmen
. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerde
gegnerin
(Urk.
1 S.
1).
Ferner
ersuchte sie
um unentgeltliche Rechtspflege (
Urk.
1
S. 3).
Die IV-Stelle schloss am
9.
August 2013 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
11). Mit Verfügung vom 1
5.
August 2013 wurde der Beschwerdeführerin
davon Kenntnis gegeben und
Frist angesetzt, um das ausgefüllte Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit
zu ergänzen
und weitere Belege
ein
zureichen (
Urk.
13)
.
Ihre Vertreterin zog darauf das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zurück (
Urk.
16).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften und die neu einge
reich
te
Unterlage
(Urk. 3)
wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen ein
ge
gangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
des
ge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
ei
nträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2
ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität
und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiterkrankun
gen
;
ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder pro
gre
dienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiese
ner sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krank
heitsgewinn
; „Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes
Behandlungser
gebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Be
handlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und geschei
terte
Rehabili
tati
ons
massnahmen
bei vorhandener Motivation und
Eigenan
strengung
(koope
ra
tive Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Krite
rien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind
–
aus
nahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, 139 V 547 E. 3).
Die im Bereich der
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelten Grunds
ätze
werden rechtsprechungsgemäss
auch
bei der Würdigung des invali
disierenden Cha
rakters von dissoziativen Sensibilitäts- und
Empfindungsstörun
gen
(Urteil des Bundesgerichts
9C_1
0/2014 vom 20. August 2014 E. 3.3, SVR 2007 IV
Nr.
45 S.
150, I 9/07 E.
4 am Ende) und
von
Konversionsstörun
gen
/disso
zia
ti
ven
Bewegungsstörungen (Urteile des Bundesgerichts 8C_810/2013 vom
9.
April 2014
E. 5.2.2 mit Hinweisen, 9C
_903/2007 vom 30. April 2008 E.
3.4)
analog ange
wendet
.
2.
Die Beschwerdegegnerin wies das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin mit
der Begründung ab, die Abklärungen hätten ergeben, dass
keine objektivierba
re
n
anatomische
n
Befunde vorlägen, welche aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründeten. E
s
sei der Beschwerde
führerin
zumutbar
, die Folgen ihrer Beschwerden zu überwinden.
S
omit
bestehe
kein
Ge
sundheitsschaden
, der zu einer Leistung der Invalidenversicherung füh
ren könne
(
Urk.
2
).
Demgegenüber lässt die Beschwerdeführerin den Standpunkt vertreten, dass sich ihr Gesundheitszustand nach den
Untersuchungen im
C._
vom April 2012
verschlechtert habe. Mittlerweile
leide sie an einer schweren depressiven Epi
sode,
die
Dr.
D._
in ihrem Bericht vom
3.
April 2013
als Diagnose festgehalten habe
. Damit liege eine psychische
Komorbidität
vor, welche ihr eine Überwin
dung der
somatoformen
Schmerzstörung und der dissoziativen Störung verun
mögliche (
Urk.
1
).
3.
3
.1
Es ist unbestritten und
ergibt sich aus den Akten
, dass
keine
somatische Diag
nose mit
dauerhafter
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wurde
. Eben
s
o wenig konnte
für die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwer
den
, na
mentlich Lähmungen, Empfindungsstörungen und Schmerzen,
ein so
matisches
Korrelat gefunden werden
(
Urk.
1 und 2; vgl.
Urk.
12/6/1,
12/10-12, 12/14, 12/15
, 12/24
und 12/37
).
3.2
Aus dem Bericht von
Dr.
D._
vom
6.
Mai 2011 geht hervor
, dass sich die Be
schwerde
führerin am 2
8.
März 2011 zu ihr
in ambulante psychiatrisch-psycho
therapeutische Behandlung begeben hatte
.
Die
Patientin
habe gewünscht, dass
die Gesprächstherapie
einmal pro Monat statt
finde
(
Urk.
12/6/1
f.
).
Dr.
D._
führte folgende
psychiatrische
Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beits
fähigkeit auf:
Persönlichkeitsänderung mit paranoiden Zügen und depressiver Symptoma
tik bei schwerer körperlicher Erkrankung (ICD-10: F 62.0)
Leichte depressive Episode (ICD-10: F 32.01)
Differentialdiagnose:
Somatoforme
Schmerzstörung (
Konversionssymptoma
tik
)
Cervicobrachiales
Schmerzsyndrom links mit einer vorübergehenden
Bein
lähmung
links seit dem 2
7.
September 2010
.
Sie
attestierte der Beschwerdeführerin für die zuletzt aus
ge
übte Tätig
keit als
Kran
kenschwester
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
vom 2
8.
März bis zum 31. Mai 201
1.
Ob in einer behinderungsangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähig
keit bestehe, sei ambulant nicht beurteilbar
(
Urk.
12/6/2 f.
).
3.3
Dr.
med.
E._
,
Facharzt FMH für Psych
iatrie
,
hielt im psychiatrischen Teil
des Gutachtens des
C._
vom
7.
Juni 2012
(
Urk.
12/24/24 ff.)
nebst einer aus
führliche
n
Anamnese
die Schilderungen der Beschwerdeführerin über die Ent
wicklung ihrer Beschwerden
ab dem 2
7.
September 2010
fest
.
Aktuell
klage
sie
über Schmerzen im ganzen linken Körp
er.
E
twa zweimal bis dreimal pro Woche
leide sie
an Kopfschmerzen und Schwindelepisoden. Ihre Stimmung sei eher traurig, da sie nicht arbeiten könne. Gelegentlich müsse sie weinen. Sie gehe um 22:00 Uhr zu Bett und stehe um 8:30 Uhr auf. Während sie akzeptabel ein
schlafen könne, erwache sie nachts mehrmals infolge der Schmerzen (Urk. 12/24/27).
Nach einer eingehenden Befunderhebung
diagnostizierte
Dr.
E._
akzentu
ierte
Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z 73.1),
eine dissoziative Bewegungsstörung (ICD-10:
F 44.4) und eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4).
Zur Begründung seiner
Beurteilung legte er
unter anderem
dar, dass die Be
schwerdeführer
in
a
b 1989 bis zur Kündigung infolge der Krankheit im
Z._
tätig gewesen
sei
, wo es ihr gut gefallen
habe.
So
wohl in der Arbeit mit den Betagten und ihren
Angehörigen
als auch im Team
habe sich die Versicherte gut bewähren können. Nach einem Gruppenlei
ter- und
Stationsleiterwechsel etwa im Jahr 2009 s
eien sich allmählich verstär
kende Kon
flikte aufgetreten. Vorerst vor allem mit dem Gruppenleiter, der fach
lich weniger
kompetent und beruflich nicht sehr engagiert gewesen sei. Zuneh
mend habe sich die Explorandin zur Wehr gesetzt.
Dabei
dürfte die Explorandin psychisch immer mehr unter Druck ge
kommen sein und schliesslich in Identifikation
mit den Patienten und mit ihrer Schwägerin, die ab 2007 an schweren Lähmungen gelitten habe und 2011 daran gestorben sei,
selber Lähmungen und Schmer
zen entwickelt haben. Sie als Krankenschwester interpretiere ihre Beschwerden weit
gehend somatisch – es gebe Bezüge zur arteriellen Hypertonie. Sie zeige wenig Introspektionsfähigkeit. Die Beschwerden dürften sie unbewusst davor schützen, sich mit den schmerzlichen Konflikten auseinanderzusetzen. Plötzlich sei sie nicht mehr die allseits geschätzte, gut integrierte Pflegefachfrau gewesen, son
dern habe sich in der Position der sowohl vom Gruppenleiter wie auch vom
Stati
onsleiter
Kritisierten wiedergefunden.
Entsprechend seien die Diagnosen einer dissoziativen Störung (
Konversionsstö
rung
), gemischt (ICD-10: F 44.7)
und einer anhaltenden
somatoformen
Schmer
z
störung
(ICD-10: F 45.4) zu stellen. Eingang in die dissoziative Störung fänden die organisch nicht erklär
baren
Lähmungen und Empfindungsstörungen. Die körperlich ebenfalls nicht begründbaren Schmerzen führten zur Diagnose der
somatoformen
Schmerzstörung. Sowohl dissoziative Störungen wie auch
soma
to
forme
Störungen würden häufig von depressiven Verstimmungen
eines im Bericht von
Dr.
D._
vom
6.
Mai 2011 beschriebenen
Ausmasses begleitet, wes
halb die Depression nicht gesondert beurteilt werde. Nicht zu stellen sei die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung (ICD-10: F. 62.0), welche
die behandelnde Psychiaterin in ihrem Bericht erwähnt habe. Beispiele für sol
che
Extremereignisse seien gemäss ICD-10 Konzentrationslager, Folter, Kata
stro
phe
n etc. – Erlebnisse, welche die Beschwerdeführerin nicht habe erleben müssen (
Urk.
12/24/29 f.).
Psychopathologisch gesehen bestehe eine
leichtgradig
ausgeprägte depressive Ver
stimmung, eine Freudlosigkeit, die jedoch nic
ht durchgängig feststellbar sei.
Die Versicherte habe durchaus Interesse am Verfolgen s
ozialer Kontakte, am Lesen etc
. Der Antrieb sei vermindert und das Interesse sei etwas eingeschränkt. Weiter fühle sie sich müde und erschöpft. Der Schlaf sei zerhackt, der Appetit jedoch weiterhin vorhanden und die sexuelle Appetenz sei weiterhin intakt (
Urk.
12/24/31).
Zum in den Zusatzfragen (im Hinblick auf
somatoforme
Störungen) erwähnten
Förster’schen
Raster
führte er aus, dass bei
der Beschwerdeführerin eine psy
chi
sche
Komorbidität
im Sinne einer dissoziativen Störung
bestehe
. Somatisch sei auf die
entsprechenden
Teilgutachten beziehungsweise auf die
Konsenskon
fe
renz
verwiesen.
Es liege ein m
ehr oder wenige
r unveränderter Verlauf
vor
, wo
bei
in den Akten auch
Besserungen beschrieben seien. Ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens habe nicht stattgefunden; die Beschwerdeführerin unterhalte zum Beispiel bereichernde Beziehungen zu Kolleginnen, auch Freun
dinnen, aber auch zum Ehemann und zur Herkunftsfamilie. Von einem wirklich verfestigten innerseelischen Verlauf, therapeutisch nicht mehr beeinflussbar,
könne nicht gesprochen werden. Die Beschwerdeführerin stehe in einem locke
re
n (von ihr so gewünschten) psychiatrischen Setting (monatliche Sitzungen). Ent
sprechend könne auch nicht von einer Therapieresistenz
gesprochen werden (Urk.
12/24/31 f.).
Gewisse
aggravatorische
Tendenzen seien in den Akten bereits beschrieben. Bei der Exploration habe die Beschwerdeführerin eine gewisse stereotype
Beschwer
dedarstellung
gezeigt und demonstrative Anteile präsentiert. Bei der
Konsis
tenz
prüfung
fielen gewisse Inkonsistenzen auf. So fühle sie sich einerseits sehr kran
k und nicht in der Lage, irgendwelche Arbeiten auszuführen, könne ande
rerseits aber bereits im Dezember 2010 eine Fernreise in die
F._
unter
nehmen. Weiter pflege sie ein reges Sozialleben, könne ihre Tage strukturieren und aus
füllen. Sie mache allgemein einen gepflegten Eindruck.
Entsprechend habe sie Behinderungen, aber auch verwertbare Ressourcen. Vor
allem die dissoziativen Beschwerden limitierten die Arbeitsfähigkeit (Urk. 12/24/32
).
Aus psychiatrischer Sicht
sei mit einem verminderten Rende
ment um 40
%
zu rechnen. Bei erfolgreicher beruf
licher Wiedereingliederung könn
e mit einer weiteren Steigerung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden (
Urk.
12/24/32 f.).
4
.
Das
von
Dr.
E._
verfasste Teilgutachten beruht auf psychiatrischen Untersu
chungen und wurde in Kenntnis der medizinischen
Vorakten
erstellt. Es be
rück
sichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden angemes
sen und
beantwortet die gestellten Fragen umfassend. Insbesondere setzt es sich detaill
iert mit anderslautenden Beurteilungen auseinander und begründet die eigene einleuchtend und nachvollziehbar. Es kann deshalb darauf abgestellt werden (BGE 134 V 231 E. 5.1 und 125 V 351 E. 3a).
Eine
psychische
Komorbi
dität
von
erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer
bestand bis zur Begut
achtung der Beschwerdeführerin im April 2012 somit nicht
. Ebenso wenig lagen sonst besondere Umstände vor, weswegen die dissoziative Bewe
gungsstörung und die anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung als unüber
windbar zu quali
fi
zieren wären. Als Zwischenergebnis ist folglich festzuhalten, dass
zumindest
bis
zum
2
0.
April 2012
kein Gesundheitsschaden
mit Auswir
kung auf die Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit
vorgelegen hat
.
Es bestand bis zu diesem Zeitpunkt folg
lic
h auch kein Rentenanspruch.
5
.
5
.1
Dr.
D._
stellte in ihrem Bericht vom
3.
April 2013 neu die Diagnose
einer
schweren depressiven Episode (ICD-10: F 33.2
; gemeint wohl: F 32.2
).
V
om 28.
Mär
z 2011 bis auf
W
eiteres
sei die Beschwerdeführerin
in
der
zuletzt ausge
übten beruflichen Tätigkeit
zu 100
%
arbeitsunfähig
. Im Haushaltsbereich be
trage die Arbeitsunfähigkeit 90
%
(
Urk.
12/37).
In
einem weiteren
Bericht
v
om 31.
Mai 2013
(
Urk.
3)
bestätigte
Dr.
D._
die am
3.
April 2013 gestellte Diagnose einer
schwere
n
depressive
n
Episode
. Eine sol
ch
e
bestehe
auch
aktuell
.
N
ach der Erstattung des Gutachtens des
C._
vom 7. Juni 2012
habe die Beschwerdeführerin
durch die Hilflosigkeit wegen ihrer körper
lichen Behinderung trotz psychiatrischer Behandlung eine schwere de
pressive
Episode mit depressiver Stimmungslage, Konzentrationsstörung,
Merkfähigkeits
störung
, Gedankenkreisen um die Zukunft mit der Behinderung, Durchschlaf
störungen mit Grübeln in der Nacht, starker Müdigkeit, Verzweif
lung, Angstge
fühlen, innerer Unruhe und Appetitlosigkeit entwickelt
(
Urk.
3 S.
1).
Sie sei so
wohl in ihrer angestammten als auch
in
sämtlichen anderen Tätig
keiten arbeits
unfähig (
Urk.
3 S.
2). Die zunehmende depressive Entwicklung seit dem 3
0.
Janu
ar 2013 habe zur schweren depressiven Episode geführt. Wann genau
diese
vorgelegen habe,
könne
sie nicht sagen,
w
eil sie die Beschwerdeführerin vom
30.
Januar bis zum
3.
April 2013 nicht gesehen habe
(
Urk.
3 S. 3).
5
.
2
Mit
den neuen Berichten von
Dr.
D._
bestehen
Anhaltspunkt
e
für eine
an
spruchsrelevante
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
ab
April
201
3.
Bis zu diesem Zeitpunkt ist ein Renten
an
spruch zu verneinen. Ob, in welchem
Umfang und ab welchem Zeitpunkt der Be
schwerdeführerin allenfalls eine Rente
zusteht, wird die IV-Stelle, an welche die
Sache zurückzuweisen ist, abzuklären haben. In diesem Sinne ist die Beschwerde
teilweise gutzuheissen.
6
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Gemessen am theoretischen Rentenbeginn im Oktober 2011 obsiegt die Be
schwer
deführerin nur zu rund einem Zehntel. Die Kosten sind ihr daher im Umfang von Fr. 540.
--
aufzuerlegen und im Umfang von Fr. 60.
--
der IV-Stelle.
Zudem ist der Beschwerdeführerin eine reduzierte Parteientschädigung von Fr.
200.-- zuzusprechen.