Decision ID: a939b6cd-6353-584b-91ec-f11f578b4da7
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ füllte am 6. Juli 2009 das Meldeformular zur Früherfassung aus (IV-act. 1).
Die Eingliederungsberaterin hielt am 6. August 2009 fest (IV-act. 6), die Versicherte
habe den Beruf einer Stickerei-Entwerferin erlernt. Seit dem 10. Juni 2009 habe sie
schon zweimal versucht, wieder zu arbeiten. Sie habe aber wieder aufgehört, weil sie
es nicht geschafft habe. Der Chef sei abschätzig und beleidigend. Sie stehe deshalb so
unter Druck, dass sie nicht mehr zeichnen könne und Fehler mache. Wegen dieses
Verhaltens des Chefs bemühe sie sich seit Anfang des Jahres um eine neue Stelle,
bisher allerdings erfolglos. Im Moment sei sie noch sehr mit der Bewältigung des
Unfalltodes ihres Bruders beschäftigt. Die Eingliederungsberaterin gab abschliessend
an, sie habe der Versicherten ein paar Blätter für "Arbeitsbemühungen" mitgegeben.
Die IV-Stelle forderte die Versicherte am 6. August 2009 auf (IV-act. 7), das
Anmeldeformular auszufüllen. Dieser Aufforderung kam die Versicherte sofort nach (IV-
act. 8). Dr. med. B._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hielt am 21. August
2009 fest (IV-act. 19), Dr med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, habe telephonisch angegeben, die Versicherte leide an einer
posttraumatischen Belastungsstörung nach dem Tod des Bruders. Im Vorfeld sei es
infolge einer als ungerecht empfundenen Kündigung des Freundes zu Schwierigkeiten
mit dem Chef gekommen. Seit Juni 2009 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit.
Nach der Kündigung des Freundes Ende des Jahres 2007 habe die Versicherte einen
"Schutzwall" aufgebaut. Sie habe die Fragen des Chefs als übergriffig erlebt. Nach
dem Tod des Bruders sei dieser "Schutzwall" zusammengebrochen und die
Versicherte habe Angst und depressive, teilweise auch paranoide Symptome
entwickelt. Tätigkeiten, welche die Versicherte nicht an ihren früheren Arbeitsplatz
erinnerten, seien in der angestammten Tätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber infolge
verminderter Belastbarkeit zu 80% möglich. Adaptierte Tätigkeiten in einer klar
strukturierten Umgebung mit klar definierten Verantwortungsbereichen und
wohlwollenden Vorgesetzten seien nach einer ausreichenden Einarbeitungszeit zu
100% möglich. Dr. C._ berichtete der Krankentaggeldversicherung am 21. August
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2009 (IV-act. 23-3), die Versicherte habe eine enge Beziehung zu ihrem jüngeren
Bruder gehabt. Dieser sei Anfang Mai 2009 bei einem Selbstunfall mit dem Auto getötet
worden. Die Versicherte habe das sehr schwer genommen, sei depressiv geworden
und habe eine Woche nicht arbeiten können. Anschliessend habe sie die Bemerkungen
des Chefs als traumatisch erlebt, bis es unerträglich geworden sei und sie sich habe
arbeitsunfähig schreiben lassen. Seither sei sie arbeitsunfähig. Sie reagiere immer noch
sehr heftig bei jedem Kontakt oder jeder Erinnerung an den Arbeitgeber. Sie schildere
deutlich depressive und Angstsymptome. Mit der Wirkung der Antidepressiva hätten
sich der Schlaf und der Appetit gebessert. Die depressiven Symptome stünden nicht
mehr im Vordergrund. Die Versicherte sei aber weiterhin instabil und habe das
Bedürfnis, jeden Kontakt mit dem Chef zu vermeiden. Sie wolle wieder arbeiten,
allerdings in einem anderen Gebiet, weil sich in der Stickereibranche alle kennen
würden.
A.b Die Eingliederungsberaterin hielt am 15. September 2009 fest (IV-act. 25), die
Versicherte trainiere täglich Kung Fu. Sie gehe mit dem Hund spazieren, aber sehr früh,
damit sie im Quartier niemanden treffe, der sie auf das Geschehen mit dem Bruder
ansprechen könnte. Da die Stickereibranche sehr klein sei und jeder jeden kenne, sehe
die Versicherte keine Möglichkeit mehr, in diesem Bereich wieder Fuss zu fassen. Sie
wisse, dass eine berufliche Neuausrichtung mit einer finanziellen Einbusse verbunden
sei. Der Wunsch, etwas Neues zu machen, sei aber im Moment so gross, dass die
Versicherte das gern in Kauf nehme. Am 22. September 2009 notierte die
Eingliederungsberaterin (IV-act. 26), die Versicherte habe das Arbeitsverhältnis selbst
gekündigt. Ein Anspruch auf eine Umschulung bestehe nicht, da in der angestammten
Tätigkeit eine 100%ige Arbeits- und Vermittlungsfähigkeit bestehe. Hingegen bestehe
ein Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung. Mit einer undatierten Mitteilung gewährte die
IV-Stelle der Versicherten Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 27).
Dr. C._ teilte der Eingliederungsberaterin am 7. Oktober 2009 mit (IV-act. 29), die
Belastungsstörung verunmögliche es der Versicherten, wieder an die alte Arbeitsstelle
zurückzukehren. Sie lasse es aber auch als undenkbar erscheinen, an einer anderen
Arbeitsstelle auf dem Beruf tätig zu sein. Nur schon bei der Diskussion des Themas
seien wieder traumtische Bilder wie ein Film abgelaufen. Es stimme also nicht, dass die
Vericherte freiwillig eine Umschulung mache. Am 21./22. Januar 2010 hielt die
Eingliederungsberaterin fest (IV-act. 31, 32), die Versicherte habe ein Praktikum im
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Hinblick auf eine Umschulung zur Fachfrau Betreuung gefunden. Der Monatslohn
betrage Fr. 1'500.--. Die Sache sei der Berufsberatung zu übergeben, da eine
Umschulung angezeigt sei. In einer internen Notiz vom 22. Januar 2010 hielt auch der
Sachbearbeiter der IV-Stelle fest (IV-act. 30), die Versicherte sei in der angestammten
Tätigkeit nur zu 80% arbeitsfähig, weshalb grundsätzlich ein Umschulungsanspruch
bestehe. Am 29. Januar 2010 berichtete Dr. C._ (IV-act. 34), das Trauma des Todes
des Bruders habe sich für die Versicherte verschoben auf frühere, leichtere
Traumatisierungen am Arbeitsplatz. Die Versicherte habe sich von ihrer
posttraumtischen Belastungsstörung so weit erholt, dass sie in einer neuen Tätigkeit
offenbar normal arbeitsfähig sei und sich mit dem Tod des Bruders auseinandersetzen
könne. Die Traumatisierungen am alten Arbeitsplatz würden aber nicht bearbeitet,
bestünden im Hintergrund weiter und würden deutlich bei Gedanken an eine Rückkehr
in den alten Beruf. Es sei zu erwarten, dass diese Unfähigkeit, in den alten Beruf
zurückzukehren, bestehen bleibe, so dass die Versicherte durch die posttraumatische
Belastungsstörung zu einem Berufswechsel gezwungen sei. Als Stickereizeichnerin sei
die Versicherte deshalb zu 100% arbeitsunfähig. Dr. med. D._ vom RAD gab am 17.
Februar 2010 an (IV-act. 36), es sei weder eine posttraumatische Störung noch eine
sonstige psychiatrische Störung entsprechenden Ausmasses, die einen Berufswechsel
notwendig machen würde, ausgewiesen. Massgeblich für den Wunsch nach einem
Berufswechsel seien IV-fremde Gründe (Kränkung wegen subjektiv zu Unrecht
empfundener Kündigung des Freundes, wenig Arbeitsplätze in der angestammten
Branche, Auftragsrückgang beim bisherigen Arbeitgeber). Die Versicherte sei zu 100%
arbeitsfähig.
A.c Mit einem Vorbescheid vom 25. Februar 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit (IV-act. 39), dass sie beabsichtige, sowohl das Gesuch um berufliche
Eingliederungsmassnahmen als auch das Gesuch um Rentenleistungen abzuweisen.
Die angestammte Tätigkeit als Stickereientwerferin sei nämlich zu 100% zumutbar. Die
Versicherte liess am 12. April 2010 einwenden (IV-act. 43), die IV-Stelle habe noch am
22. Januar 2010 gestützt auf eine Beurteilung des RAD vom 21. August 2009 die
Auffassung vertreten, die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf sei um mindestens
20% eingeschränkt, so dass grundsätzlich ein Anspruch auf eine Umschulung bestehe.
Die aktuelle, von derjenigen von Dr. C._ abweichende Beurteilung sei nicht
hinreichend begründet. Sie stütze sich nämlich nicht auf eine persönliche
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Untersuchung. Eine Abweichung von der Einschätzung von Dr. C._ wäre nur gestützt
auf das Ergebnis einer umfassenden psychiatrischen Untersuchung zulässig. Dr. D._
vom RAD führte am 7. Juni 2010 aus (IV-act. 46), die von Dr. C._ am 13. April 2010
angegebene Arbeitsunfähigkeit von 100% habe sich nur auf den alten Arbeitsplatz
bezogen. Die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung sei nicht begründet
worden. Auch im Bericht vom 21. August 2009 an den Krankentaggeldversicherer finde
sich eine Beschreibung der posttraumatischen Belastungsstörung.
Versicherungsmedizinisch sei diese Diagnose nicht nachvollziehbar. Es stehe nämlich
nicht einmal fest, ob sich das "Trauma" auf den Tod des Bruders oder auf den
Arbeitsplatz beziehe. Die angegebene Arbeitsunfähigkeit sei am letzten Arbeitsplatz
bemessen worden. Mit einer Verfügung, die irrtümlicherweise das Datum des
Vorbescheids trug (25. Februar 2010), wies die IV-Stelle sowohl das Gesuch um
berufliche Eingliederungsmassnahmen als auch das Gesuch um Rentenleistungen ab
(IV-act. 47).
B.
B.a Die Versicherte liess am 8. Juli 2010 Beschwerde erheben und sinngemäss
beantragen, es seien ihr Eingliederungsmassnahmen, insbesondere eine Umschulung
zur Fachfrau für Betreuung, zuzusprechen; eventualiter seien weitere Abklärungen zur
Prüfung der invaliditätsbedingten Notwendigkeit beruflicher
Eingliederungsmassnahmen vorzunehmen (act. G 1). Zur Begründung führte ihr
Rechtsvertreter aus, die Beschwerdegegnerin sei gestützt auf die Beurteilung des RAD
vom 21. August 2009 noch am 22. Januar 2010 der Auffassung gewesen, dass die
Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf um mindestens 20% eingeschränkt sei, so
dass grundsätzlich ein Umschulungsanspruch bestehe. Diese Auffassung sei von der
Eingliederungsberaterin vorbehaltlos geteilt worden. Wenn sich die
Beschwerdegegnerin nun von dieser Auffassung distanziere, enttäusche sie
berechtigte Erwartungen und Zusicherungen im Hinblick auf eine finanzielle
Unterstützung, die von Seiten der Eingliederungsberaterin in Aussicht gestellt worden
sei. Die von der Einschätzung von Dr. C._ abweichende Beurteilung des RAD-Arztes
sei nicht hinreichend begründet. Es fehle sowohl eine fundierte Auseinandersetzung mit
der Auffassung von Dr. C._ als auch eine persönliche Untersuchung.
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. August 2010 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie machte geltend, der Arzt des RAD habe keine
Arbeitsunfähigkeit von 20% in der bisherigen Tätigkeit attestiert. Vielmehr handle es
sich um telephonische Angaben von Dr. C._. Die Eingliederungsberaterin habe zwar
im Schlussbericht ausgeführt, eine Umschulung sei angezeigt. Dieser Bericht habe
aber eine interne Beurteilung beinhaltet und sei nicht an die Adresse der
Beschwerdeführerin gerichtet gewesen. Die Beschwerdeführerin berufe sich deshalb zu
Unrecht auf den Vertrauensschutz. Die Voraussetzungen einer posttraumatischen
Belastungsstörung seien nicht erfüllt. Es lägen ausschliesslich psychosoziale Faktoren
vor, die keine Invalidität begründen könnten. Die von Dr. C._ attestierte
Arbeitsunfähigkeit beziehe sich nur auf die bis Ende Oktober 2009 innegehabte
Arbeitsstelle. Es wäre der Beschwerdeführerin zumutbar, bei einem anderen
Arbeitgeber den Beruf einer Textilentwerferin auszuüben. Aufgrund der klaren
medizinischen Sachlage sei keine Untersuchung nötig gewesen.
B.c Am 6. September 2010 liess die Beschwerdeführerin einwenden (act. G 6), ihr sei
unmissverständlich kommuniziert worden, dass ein Umschulungsanspruch bestehe.
Sie habe das als Zusage werten dürfen. Eine Abweichung von dieser Zusicherung sei
nicht statthaft. Gemäss den Angaben von Dr. C._ sei sie aufgrund einer
posttraumatischen Belastungsstörung zu einem Berufswechsel gezwungen.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 10. September 2010 auf eine
Stellungnahme (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Die angefochtene Verfügung trägt das Datum 25. Februar 2010. Dabei handelt es sich
um das Datum, an dem der Vorbescheid erlassen worden ist. Es liegt also ein Versehen
vor. Die Ausführungen von Dr. D._ vom RAD, auf die sich die Verfügungsbegründung
abstützt, datieren vom 7. Juni 2010. Die Verfügung muss demnach am 7. Juni 2010
oder später eröffnet worden sein. Die Beschwerde ist am 8. Juli 2010 und deshalb auf
jeden Fall innerhalb der dreissigtägigen Frist (Art. 60 Abs. 1 ATSG) seit der Eröffnung
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der angefochtenen Verfügung erhoben worden. Auf sie ist einzutreten. Die
Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung nicht nur einen Anspruch
auf berufliche Eingliederungsmassnahmen, sondern auch einen Anspruch auf
Rentenleistungen verneint. Die Beschwerde richtet sich nur gegen die Abweisung des
Gesuchs um berufliche Eingliederungsmassnahmen. In bezug auf die Verneinung eines
Anspruchs auf Rentenleistungen ist die Verfügung somit in formelle Rechtskraft
erwachsen.
2.
Ein Anspruch auf eine Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit besteht, wenn die
Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit
voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Diese
Bestimmung enthält keine Definition der umschulungsspezifischen Invalidität. Die
Rechtsprechung hat diese Lücke - modo legislatoris - gefüllt: Invalid ist eine versicherte
Person, die wegen der Art und der Schwere des Gesundheitsschadens in den bisher
ausgeübten (und in den ohne zusätzliche Ausbildung offenstehenden, noch
zumutbaren) Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder länger dauernde Erwerbseinbusse
von etwa 20% erleidet. Diese Einbusse bemisst sich nach dem vor dem Eintritt des
Gesundheitsschadens erzielten Erwerbseinkommen (vgl. Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer, 2. A., S. 191 oben). Mit dem Begriff
der bisher ausgeübten Erwerbstätigkeit ist der erlernte Beruf gemeint. Dass nicht der
letzte Arbeitsplatz gemeint sein kann, ergibt sich schon aus dem Grundsatz
"Eingliederung vor Rente", denn eine solche "Invalidität" wäre bereits durch einen
Wechsel an einen dem Gesundheitsschaden besser angepassten Arbeitsplatz zu
überwinden, so dass keine Umschulung nötig wäre. Dass es der Beschwerdeführerin
aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation nicht mehr zumutbar sein dürfte, an ihren
früheren Arbeitsplatz zurückzukehren, ist deshalb im Hinblick auf einen allfälligen
Umschulungsanspruch irrelevant. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin
hat der behandelnde Psychiater aber keine Arbeitsunfähigkeit nur am letzten
Arbeitsplatz, sondern eine Arbeitsunfähigkeit im erlernten Beruf angegeben. Träfe diese
Einschätzung zu, würde die Beschwerdeführerin krankheitsbedingt eine
Erwerbseinbusse von mindestens 20% erleiden, so dass sie einen Anspruch auf eine
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Umschulung hätte. Dass es sich dabei um einen Anspruch auf eine Umschulung in den
Beruf der Fachfrau für Betreuung handeln würde, wie die Beschwerdeführerin mit ihrem
Beschwerdebegehren unterstellt, müsste allerdings offen bleiben, denn die bisherigen
berufsberaterischen Abklärungen wären diesbezüglich wohl noch als unzureichend zu
qualifizieren. Der behandelnde Psychiater hat am 29. Januar 2010 ausgeführt, das
Trauma des Todes des Bruders habe sich für die Beschwerdeführerin verschoben auf
frühere, leichte Traumatisierungen am Arbeitsplatz. Die Beschwerdeführerin könne sich
mit dem Tod des Bruders auseinandersetzen. Die Traumatisierung am alten
Arbeitsplatz werde aber nicht bearbeitet und bestehe im Hintergrund weiter, was bei
einem Gedanken an eine Rückkehr in den Beruf deutlich werde. Daraus hat der
behandelnde Psychiater eine Arbeitsunfähigkeit im erlernten Beruf einer
Stickereientwerferin abgeleitet, weil es bei einer Wiederaufnahme der Arbeit in diesem
Beruf zu einschiessenden Erinnerungen an traumatische Erlebnisse käme. Daraus
entstehe eine Vermeidungshaltung gegenüber allem, was mit der früheren Arbeit
zusammenhänge. Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht darauf hingewiesen, dass
weder der Unfalltod des Bruders noch die Erlebnisse am letzten Arbeitsplatz als
Auslöser für eine posttraumatische Belastungsstörung in Frage kämen, da ein Ereignis
oder Geschehen von aussergewöhnlicher Bedrohung oder mit katastrophalem
Ausmass, das bei nahezu jedem Menschen eine tiefgreifende Verzweiflung auslösen
würde (vgl. etwa den von der Weltgesundheitsorganisation [WHO] herausgegebenen
Taschenführer zur ICD-Klassifikation psychischer Störungen, 4. A. 2008, S. 173 ff.
betreffend F43.1), fehle. Die Erinnerungen der Beschwerdeführerin beziehen sich gar
nicht auf den Unfalltod des Bruders (den die Beschwerdeführerin nicht miterlebt hat),
sondern auf die Erlebnisse am früheren Arbeitsplatz. Die vom behandelnden Psychiater
gestellte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung lässt sich deshalb nicht
nachvollziehen, so dass auch nicht von einem Vermeidungsverhalten ausgegangen
werden kann, das eine Rückkehr in den Beruf als unzumutbar erscheinen liesse, zumal
Dr. D._ vom RAD am 17. Februar 2010 festgehalten hat, es sei auch keine andere
psychiatrische Störung entsprechenden Ausmasses nachgewiesen, die einen
Berufswechsel erforderlich machen würde. Da der behandelnde Psychiater die
Krankheitsentwicklung und die trotz erfolgreicher Behandlung nach wie vor
vorhandenen Symptome genau dargestellt hat, erweist sich diese Einschätzung von Dr.
D._ - auch ohne eigene Untersuchung - als überzeugend. Der behandelnde
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Psychiater hat am 29. Januar 2010 auch ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe ihm
angegeben, nur schon die Vorstellung, in den erlernten Beruf zurückzukehren, habe zur
Folge, dass die Bilder der erlebten Traumatisierung wie ein Film abliefen. Angesichts
des Fehlens einer psychischen Beeinträchtigung entsprechender Qualität, angesichts
des bis zum 29. Januar 2010 erreichten Behandlungserfolgs und angesichts des
Umstands, dass die Beschwerdeführerin nie den Versuch unternommen hat, bei einem
anderen Arbeitgeber wieder in ihrem Beruf als Stickereientwerferin tätig zu sein,
vermögen die vom behandelnden Psychiater übermittelten Selbstangaben der
Beschwerdeführerin zur Schwere der gesundheitlichen Belastung als Folge der
einschiessenden Bilder der - leichten - Traumatisierungen am früheren Arbeitsplatz
nicht zu überzeugen. Es mag zwar sein, dass diese Bilder für die Beschwerdeführerin
belastend wären, aber es steht nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin dadurch auch an
einem geeigneten Arbeitsplatz in einem erheblichen Ausmass arbeitsunfähig wäre.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist von weiteren Abklärungen,
insbesondere von einer psychiatrischen Begutachtung, kein weiterer Aufschluss zu
erwarten, insbesondere weil auch der psychiatrische Sachverständige nicht in der Lage
wäre, die Objektivität der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin anders als durch
die bei der Exploration zu erhebenden Symptome zu beurteilen, wie es bereits
Dr. D._ anhand der vom behandelnden Psychiater angegebenen Symptome getan
hat. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht mangels einer nachgewiesenen
leistungsspezifischen Invalidität einen Umschulungsanspruch verneint.
3.
Im FI-Assessmentprotokoll vom 15. September 2009, das auf einem Gespräch mit der
Beschwerdeführerin vom gleichen Tag beruht, hat die Eingliederungsberaterin
festgehalten, es sei der Beschwerdeführerin klar gewesen, dass eine berufliche
Neuorientierung mit einer finanziellen Einbusse einhergehe. Anlässlich dieses
Gesprächs ist der Beschwerdeführerin also sicherlich nicht zugesichert worden, dass
man ihr eine Umschulung bewilligen werde. Auch im FI-Triage Protokoll vom 22.
September 2009 hat die Eingliederungsberaterin festgehalten, dass kein Anspruch auf
eine Umschulung bestehe. Erst aufgrund der Auskunft des behandelnden Psychiaters
vom 7. Oktober 2009 über die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin haben die
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Eingliederungsberaterin und der zuständige Fachmitarbeiter in zwei getrennten,
internen Aktennotizen festgehalten, dass aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit im
angestammten Beruf von 20% eine Umschulung angezeigt sei. Es gibt in den Akten
keinen Hinweis darauf, dass die Beschwerdeführerin über den Inhalt dieser beiden
Aktennotizen informiert worden wäre. In einem Verlaufsprotokoll vom 21. Januar 2010
hat die Eingliederungsberaterin den Inhalt eines Telephongesprächs mit der
Beschwerdeführerin vom 15. Januar 2010 festgehalten. In der entsprechenden Notiz
hat sie abschliessend angegeben, es sei von einem Arbeitsfähigkeitsgrad im
angestammten Beruf von 80% auszugehen; der Fall sei der Berufsberatung
weiterzuleiten und es sei so schnell wie möglich Kontakt mit dem Arbeitgeber und der
Beschwerdeführerin Kontakt aufzunehmen. Die Formulierung zeigt, dass es sich dabei
nicht mehr um eine Wiedergabe des Telephongesprächs, sondern um eine interne
Notiz betreffend das weitere Vorgehen handelt. Die eigentliche Telephonnotiz enthält
keinen Hinweis darauf, dass die Eingliederungsberaterin einen Umschulungsanspruch
gegenüber der Beschwerdeführerin bejaht bzw. sogar entsprechende Leistungen
zugesichert hätte. Es besteht eine natürliche Vermutung dafür, dass insbesondere die
mit der beruflichen Eingliederung befassten Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin über
die möglichen Folgen einer verfrühten und deshalb potentiell falschen Information
(Bindung an eine falsche Auskunft) im Bilde sind und deshalb höchstens die
Möglichkeit einer Leistungsausrichtung erwähnen. Die Akten enthalten keinen Hinweis
darauf, dass die Eingliederungsberaterin anlässlich des Telephongesprächs mit der
Beschwerdeführerin etwas über eine mögliche Umschulung hätte verlauten lassen oder
dass sie weiter gegangen wäre, als die Prüfung eines Umschulungsanspruchs
anzukündigen. Es fehlt deshalb der Nachweis dafür, dass die behauptete Zusicherung
eines Umschulungsanspruchs tatsächlich erfolgt wäre. Auch gestützt auf den
Vertrauensgrundsatz hat die Beschwerdeführerin also keinen Anspruch auf eine
Umschulung.
4.
Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen. Die unterliegende
Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g
ATSG), weshalb das entsprechende Begehren abzuweisen ist. Das
Beschwerdeverfahren ist in IV-Sachen kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr richtet sich
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nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser ist vorliegend als
durchschnittlich zu qualifizieren, weshalb sich eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- als
angemessen erweist. Diese Gebühr ist durch den von der Beschwerdeführerin in
gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP