Decision ID: cb90c07c-15a2-4df2-a3e5-dbcb78a9ace6
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache grobe Verletzung der Verkehrsregeln etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom 30. März 2021 (GG210004)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 1. Februar 2021
(Urk. 14) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 27)
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- der mehrfach groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12
Abs. 1 VRV (Nichteinhalten des Abstands) sowie
- der Verletzung der Verkehrsregeln im Sine von Art. 90 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 35 Abs. 1 SVG, Art. 8 Abs. 3 VRV und Art. 36
Abs. 5 VRV (Rechtsüberholen).
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu
Fr. 80.00 sowie mit einer Busse von Fr. 1'500.00.
3. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Von der Erteilung einer Weisung wird abgesehen.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'000.00 Gebühr für das Vorverfahren Fr. 89.60 Zeugenentschädigung
Verlangt keine der Parteien eine Begründung, ermässigt sich die Entscheid-
gebühr um einen Drittel. Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
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7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 42 S. 2)
1. Es sei das vorinstanzliche Urteil in Ziffer 2 aufzuheben.
2. Es sei stattdessen
− der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu
Fr. 80.– zu bestrafen;
− die Verbindungsbusse nach Ermessen des Gerichts angemessen
zu senken.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates
b) Der Staatsanwaltschaft Limmat / Albis:
(Urk. 33, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Der Beschuldigte beantragt ausschliesslich die Abänderung der durch die Vor-
instanz verhängten Strafe. Explizit wird nur die Abänderung von Ziffer 2 des vor-
instanzlichen Urteils verlangt. Da jedoch auch dessen Ziffer 3 damit direkt zu-
sammenhängt, ist auch diese Ziffer in die Beurteilung einzubeziehen.
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2. Nicht angefochten bleiben somit insbesondere der Schuldspruch gemäss Zif-
fer 1 des vorinstanzlichen Urteils sowie die Ziffern 5 (Absehen von einer Weisung)
sowie 6 und 7 (Kostendispositiv). Es ist vorab festzustellen, dass das angefochte-
ne Urteil in diesem Umfang bereits in Rechtskraft erwachsen ist (Art. 404 Abs. 1
StPO).
3. In der Folge ist auf diejenigen Vorbringen des Beschuldigten einzugehen, die
für die Entscheidfindung relevant sind.
II. Sachverhalt
1. Der Beschuldigte ficht - wie erwähnt - nur die vorinstanzliche Strafzumessung
an, nicht jedoch den Schuldspruch (Urk. 29 S. 2 und S. 4 Ziff. 5). Insbesondere
beantragt er keinen Teilfreispruch hinsichtlich des ihm vorgeworfenen nahen Auf-
fahrens an B._ und hinsichtlich des Rechtsüberholens (Urk. 29 S. 7 Ziff. 16).
2.1 Er macht aber trotzdem gelten, er habe nicht rechts überholt, was seine Mit-
fahrer bestätigen würden. Dabei geht er jedoch auf diesen Punkt nicht näher ein
und setzt sich mit der erstinstanzlichen Beweiswürdigung in keiner Weise ausei-
nander (Urk. 29 S. 7 Ziff. 15).
2.2 Hinsichtlich des Bedrängens von B._ führt er aus, letztere habe ausge-
sagt, dass sie in Richterswil bedrängt worden sei. Es könne sich somit nicht um
ihn - den Beschuldigten - gehandelt haben.
2.3 Ebenso moniert der Beschuldigte, nicht bloss einen Abstand von ca. 5 Metern
zu den vorausfahrenden Fahrzeugen eingehalten zu haben. Der beobachtende
Polizist habe eben keine langjährige Berufserfahrung als Strassenverkehrspolizist
und könne somit Distanzen nicht besser schätzen als ein Durchschnittsbürger.
Hingegen seien die Aussagen der Mitfahrer durchaus ernst zu nehmen (Urk. 29
S. 7 Ziff. 17).
2.4 An der heutigen Berufungsverhandlung gab er sodann zu Protokoll, er habe
das zu nahe Auffahren im Nachhinein schon eingesehen, als er mit der Verkehrs-
psychologin gesprochen habe. Er habe gesagt, dass es schon sein könne, dass
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er einen Abstand von 10, 15, 20 Metern gehabt habe. Er sei jedoch überzeugt,
dass er nicht rechts überholt habe (Prot. II S. 12). Er wies zudem erneut darauf
hin, dass die Zeugin gesagt habe, der Vorfall sei in Richterswil gewesen, während
der Polizist von Rüschlikon gesprochen habe (Prot. II S. 13).
3. Die Grundsätze der Sachverhaltserstellung sowie deren Anwendung auf den
konkreten Fall hat die Vorinstanz korrekt dargelegt und angewendet. Darauf kann
verwiesen werden (Urk. 27 S. 5-19 E. II.4.-7.). Einzugehen ist mithin lediglich auf
diejenigen Punkte, welche vom Beschuldigten konkret als unzutreffend themati-
siert werden.
4.1 Sofern sich der Beschuldigte auf die Aussagen seiner Mitinsassen C._
und D._ bezieht, so sagten beide Zeugen aus, dass sie nicht auf den Ver-
kehr bzw. die Fahrt geachtet hätten. So konnten sie auch keine Angaben zum je-
weils vom Beschuldigten eingehaltenen Abstand und einem allfälligen Rechts-
überholen machen (Urk. 3/1-4). Es ist nicht ersichtlich, inwiefern sich daraus für
den Beschuldigten eine Entlastung ergeben sollte. Anzufügen ist, dass dem Be-
schuldigten in der Anklage nicht eine besonders schnelle oder ruppige Fahrweise
angelastet wird, welche die Zeugen angeben, nicht wahrgenommen zu haben.
4.2 Was die Zeugin B._ angeht, so ist festzuhalten, dass sie ausdrücklich zu
Protokoll gab, sie wisse nicht genau, wo sich die Episode mit dem nahen Auffah-
ren des hinter ihr fahrenden Fahrzeuges abgespielt habe. Es sei irgendwo bei
Richterswil gewesen (Urk. 3/6 S. 4 F/A 21). Damit ist bereits klar, dass die Zeugin
selber erklärte, nicht genau zu wissen, wo genau sie bedrängt worden sei. Zudem
ist notorisch, dass gerade Tatsachen aus dem Peripherie-Bereich des Gesche-
hens erheblichen Unschärfen unterworfen sein können, ohne dass damit die Aus-
sagen zum Kerngeschehen in Frage zu stellen wären, was vorliegend vom Be-
schuldigten auch nicht getan wird. Immerhin wäre dem Beschuldigten dann bei-
zupflichten, wenn sich die Erstellung des Sachverhaltes ausschliesslich auf die
Aussagen der Zeugin B._ abstützen würde und es sich um einen einzigen
Vorfall gehandelt hätte. Aus den vom Beschuldigten nicht in Frage gestellten Aus-
sagen des Zeugen E._ geht jedoch hervor, dass die zwei vom Beschuldigten
nicht bestrittenen Vorfälle in einem eng zusammenhängenden Handlungsablauf
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mit dem Bedrängen der Zeugin B._ stehen, weshalb ausgeschlossen werden
kann, dass ihre Aussagen eine andere Täterschaft betreffen.
4.3 Schliesslich kann offen bleiben, ob die Vorinstanz zu Recht dem Zeugen
E._ bei der Schätzung des vom Beschuldigten eingehaltenen Abstandes ei-
ne erhöhte Kompetenz eingeräumt hat. Vorliegend geht es bloss um die Schät-
zung einer Grössenordnung, welche der Zeuge mit „Wagenlänge“ umschrieben
hat. Die Angabe von 5 Metern gab er denn auch als ungefähren Wert an (Urk. 3/5
S. 3 F/A 10). Grundsätzlich kann Zeugen, vor allem wenn sie Autofahrer sind, zu-
getraut werden, die Grössenordnung „Wagenlänge“ von einer Länge von 15-20
Metern zu unterscheiden bzw. eine „Wagenlänge“ als solche zu erkennen. Eine
Entlastung des Beschuldigten wäre somit nicht gegeben, wenn man der Argu-
mentation der Verteidigung folgen würde (zur teils erhöhten, teils aber auch ver-
minderten Glaubwürdigkeit von Polizeibeamten als Zeugen vgl. Ben-
der/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 3. Aufl., N 1281 ff.).
5. Im Übrigen wird die Beweiswürdigung vom Beschuldigten nicht in Frage ge-
stellt. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann darauf verwiesen wer-
den. Damit ist bei der Strafzumessung vom Sachverhalt gemäss Anklage auszu-
gehen.
III. Strafzumessung
1. Zunächst ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Grundsätze der Strafzumes-
sung und den Strafrahmen korrekt wiedergegeben hat. Darauf kann verwiesen
werden (Urk. 27 S. 24 f. Erw. IV.2.-4.1.). Anzumerken ist, dass die Verteidigung
fehl geht, wenn sie geltend macht, die beantragte und dann auch ausgefällte Stra-
fe von 150 Tagessätzen sei nahe am oberen Rand des Strafrahmens (Urk. 29 S.
11 Ziff. 33). Wie die Vorinstanz zu Recht vorbringt, liegt der ordentliche Strafrah-
men bei bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.
2.1 Auch hinsichtlich der Tatkomponente kann grundsätzlich auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Zu berücksichtigen gilt, dass es
die verschiedenen Taten einen einzelnen Vorgang bildeten und damit quasi ein
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einheitlichen Tathergang darstellten. Insofern wiegt das Vorgehen des Beschul-
digten weniger schwer, als wenn er die Taten an verschiedenen Gelegenheiten
begangen hätte.
Bei der subjektiven Tatschwere ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte
selber ein noch nichtigeres Motiv vorbringt als die Vorinstanz. Diese geht davon
aus, dass der Beschuldigte einfach möglichst schnell habe vorwärts kommen wol-
len (Urk. 27 S. 26 Erw. IV.4.2.). Der Beschuldigte lässt jedoch in seiner Beru-
fungsschrift ausführen, er habe auf Grund eines verletzten Prestiges mit seiner
Fahrweise sinngemäss Bestätigung für sein Ego gesucht. Er habe einfach seinem
Frust freien Lauf gelassen (Urk. 29 S. 9 Ziff. 27), was gerade im Hinblick auf mög-
liche schwerwiegende Unfallfolgen seiner Fahrweise verwerflich ist. Anlässlich der
Berufungsverhandlung liess er zwar vorbringen, am damaligen Tag einen Ausset-
zer aufgrund seiner persönlichen Verhältnisse gehabt zu haben (Urk. 42 S. 11).
Er selber schilderte in der persönlichen Befragung jedoch keine Umstände, die
sein Verhalten in milderem Licht hätten erscheinen lassen. Die subjektive Tat-
schwere vermag damit die objektive kaum zu relativieren.
Eine Korrektur bei der vorinstanzlichen Strafzumessung ist jedoch insofern vorzu-
nehmen, als das Rechtsüberholen als eigener, mit Busse bestrafter Tatbestand in
die Strafzumessung für die Nicht-Einhaltung eines genügenden Abstandes nicht
einfliesst.
2.2 Diesbezüglich hätte die Vorinstanz jedoch eine Einsatzstrafe für das schwers-
te Delikt aussprechen müssen, um es anschliessend angemessen zu erhöhen.
Da die drei einzelnen Vorfälle in etwa gleich schwer erscheinen, spielt es keine
Rolle, welcher Vorfall zunächst herangezogen wird. Es erscheint eine Einsatzstra-
fe von 50 Tagessätzen angemessen. Je einzeln ist unter Berücksichtigung der
subjektiven Tatschwere von einem nicht mehr leichten Verschulden auszugehen.
Die Erhöhung für die etwa gleich schweren weiteren Fälle ist in Anwendung des
Asperationsprinzips bei je 30 Tagessätzen zu veranschlagen, so dass gesamthaft
110 Tagessätze resultieren.
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3. Bezüglich der Täterkomponente kann zunächst ebenso auf die Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 27 S. 26 f. Erw. IV.5.).
A._ wurde 1987 in F._ (damals ...[Staat in Europa], jetzt ...[Staat in Eu-
ropa]) geboren und ist seit 2002 oder 2003 Schweizer Staatsbürger. Er kam im Al-
ter von weniger als einem Jahr gemeinsam mit seinen Eltern in die Schweiz und
wuchs in Zürich ... auf, wo er die Primarschule besuchte. Danach ging er in die
Sekundarschule C beim Bahnhof G._ und schloss die Lehre als Heizungs-
monteur ab. Im Anschluss arbeitete er als Angestellter auf diesem Beruf an drei
verschiedenen Orten. Er gründete sodann zwei Firmen und machte sich selbst-
ständig. Beide Firmen gingen in der Folge Konkurs. Daraufhin begann er eine
Ausbildung zum eidg. dipl. Finanzplaner, da er in die Finanzbranche wechseln
wollte. Da er feststellte, dass dies nichts für ihn war, brach er die Ausbildung wie-
der ab. Aktuell ist er bei H._ AG in I._ ZH, für die er bereits früher tätig
war, als Sanitär- und Heizungsservicemonteur angestellt und erzielt einen Netto-
lohn von rund Fr. 6'500.– monatlich. Zudem erzielt er noch Mieteinnahmen aus
einem Mehrfamilienhaus, welches ihm und seinem Vater gehört. Nach Abzug
sämtlicher Kosten erhält er anteilsmässig Fr. 1'200.– bis Fr. 1'500.–. Er ist mit
J._, geb. K._, verheiratet. Sie haben drei gemeinsame Töchter, geboren
in den Jahren 2014 (Zwillinge) und 2016). Seine Ehefrau arbeitet derzeit als Ster-
bebegleitung auf Abruf und erzielt im Stundenlohn Fr. 3'000.– bis Fr. 4'000.– pro
Monat. Die Eigentumswohnung in L._ ZH verkaufte er mit einem Gewinn von
ca. Fr. 5'000.–. Seine Hypothekarschulden belaufen sich derzeit auf noch ca.
Fr. 800'000.–. Daneben hat er noch Privatschulden bei seinem Vater von ca.
Fr. 50'000.–. Die Krankenkassenprämien sowie die Steuerbelastung für die ge-
samte Familie belaufen sich auf ca. Fr. 3'100.– pro Monat. Die Miete für die Fami-
lienwohnung beträgt Fr. 2'786.– monatlich (act. 2/1 F/A 22 und act. 2/2 F/A 13;
Prot. I S. 5 ff., Prot. II S. 5 ff.).
Die Verteidigung moniert diesbezüglich, die erschwerten Lebensumstände des
Beschuldigten seien nicht in die Strafzumessung eingeflossen.(Urk. 29 S. 6 ff.;
vgl. auch Urk. 42 S. 2 ff.). In der Tat kann eine permanente nervliche Anspannung
zu einer Gereiztheit führen, die eine aggressive Fahrweise begünstigt. Ob dies
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das Verschulden des Beschuldigten in relevantem Mass relativieren könnte, be-
antwortet jedoch der Beschuldigte selber abschlägig, indem er ausführen lässt:
„Der Beschuldigte hatte zwar damals zwar eine komplizierte wirtschaftliche und
familiäre Situation, aber an sich ist das kein Umstand, der ihn zum verrückten
Fahren antreibt, (...) was im Übrigen auch der Verkehrspsychologe in seinem
Gutachten bestätigt.“ (Urk. 29 S. 7 Ziff. 18).
Sodann hat die Vorinstanz entgegen der Ansicht der Verteidigung zu Recht die
Vorstrafe des Beschuldigten straferhöhend gewertet. Dem Umstand, dass diese
bereits lange zurück liegt und demnächst gelöscht wird, ist damit Rechnung zu
tragen, dass die Straferhöhung nur marginal auszufallen hat.
Nicht gefolgt werden kann der Vorinstanz, wenn sie auch die mangelnde Einsicht
des Beschuldigten straferhöhend würdigt. Die mangelnde Einsicht äussert sich
nach Ansicht der Vorinstanz darin, dass der Beschuldigte die Tatbegehung be-
stritten habe (Urk 27 S. 27 Erw. IV.5.2.). Es ist jedoch niemand gehalten, sich sel-
ber zu belasten, was Ausdruck im Aussageverweigerungsrecht des Beschuldigten
findet, welcher zudem nicht zur Wahrheit verpflichtet ist. Würde ihm ein Bestreiten
der Tat bei der Strafzumessung angelastet, würde damit der Grundsatz unterlau-
fen, dass niemand sich selber belasten muss („nemo tenetur se ipsum acccusa-
re“).
Unter Berücksichtigung der Täterkomponente erweist sich eine Geldstrafe von
110 Tagessätzen als angemessen. Die von der Vorinstanz festgelegte Tages-
satzhöhe wurde nicht beanstandet und der Beschuldigte hielt heute fest, seine fi-
nanziellen Verhältnisse hätten sich nicht verschlechtert (Prot. II S. 12). Entspre-
chend ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 110 Tagessäten zu Fr. 80.–
zu bestrafen.
Was den Verweis der Verteidigung auf die Strafmassempfehlungen der Ober-
staatsanwaltschaft sowie Urteile des Obergerichts des Kantons Zürich anbelangt
(Urk. 42 S. 13 f.), ist festzuhalten, dass sich die Strafmassempfehlungen ange-
sichts des Strafrahmens der groben Verkehrsregelverletzung von bis zu 3 Jahren
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Freiheitsstrafe als vergleichsweise tief erweisen. In Bezug auf die von der Vertei-
digung angeführten obergerichtlichen Urteile ist darauf hinzuweisen, dass in sämt-
lichen Fällen das Verschlechterungsverbot griff, womit eine Straferhöhung nicht in
Frage kam. Im Urteil vom 28. Juni 2019 hielt das Obergericht im Übrigen eine
Geldstrafe von 40 Tagessätzen statt der vorinstanzlich festgesetzten 20 Tagess-
ätze für ein Rechtsüberholen als angemessen (Urteil des Obergerichts des Kan-
tons Zürich SB190174 vom 28. Juni 2019 E. III.1.). Auch im Urteil vom 26. April
2019 bezeichnete die vorinstanzlich ausgesprochene Strafe als "sehr milde" (Ur-
teil des Obergerichts des Kantons Zürich SB180526 vom 26. April 2019 E.
III.1.b)). Weder aus den Strafmassempfehlungen noch den zitierten obergerichtli-
chen Urteilen lässt sich etwas zugunsten des Beschuldigten ableiten.
4.1 Der Beschuldigte verlangt auch die Senkung der von der Vorinstanz ausge-
sprochenen Busse, ohne jedoch einen konkreten Antrag zu stellen. Im Rahmen
der Begründung bringt der Beschuldigte sodann zur Bussenhöhe nichts Spezifi-
sches vor. Es wird lediglich summarisch auf die Täterkomponente verwiesen (Urk.
29 S. 13 Ziff. 42; Urk. 42 S. 14 f.), welche sich - wie zuvor gezeigt - nicht strafmin-
dernd auswirkt.
Sofern der Beschuldigte Ausführungen zur Höhe einer Verbindungsbusse macht
(Urk. 29 S. 13 Ziff. 42; Urk. 42 S. 14 f.), so ist er darauf hinzuweisen, dass die
ausgefällte Busse keine Verbindungsbusse darstellt. Vielmehr wurde der Be-
schuldigte wegen des Rechtsüberholens gestützt auf Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig
gesprochen, mithin wegen einer Übertretung, welche eine eigenständige Busse
nach sich zieht. Ob die Vorinstanz auf Grund des Rechtsüberholens auf eine gro-
be Verletzung der Verkehrsregeln hätte erkennen müssen, muss vorliegend auf
Grund des Verschlechterungsverbotes nicht näher erörtert werden.
Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, handelt es sich beim Rechtsüberholen (der
Beschuldigte wechselte von der Überhol- auf die Normalspur, beschleunigte, zog
rechts an B._ vorbei, um danach direkt wieder auf die Überholspur zu wech-
seln) um ein potentiell gefährliches Überholmanöver handelt, mit dem nicht ge-
rechnet wird. Das subjektive Tatverschulden vermag auch angesichts der vorge-
brachten schwierigen persönlichen Umstände im Tatzeitpunkt die objektive Tat-
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schwere nicht zu relativieren. Unter Berücksichtigung sämtlicher strafzumes-
sungsrelevanter Umstände erweisen sich Fr. 1'000.– Busse als dem  und den bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten
(vorstehend, E. III.3) insgesamt als angemessen.
4.2 Mit Bezug auf die Umwandlung der Busse in eine Ersatzfreiheitsstrafe wurden
die Erwägungen der Vorinstanz nicht in Frage gestellt und bleiben vorliegend we-
gen dem Verschlechterungsverbot unangetastet. Einzig die Anzahl Tage Ersatz-
freiheitsstrafe ist aufgrund der tieferen Busse von Fr. 1'000.– anzupassen und auf
10 Tage festzusetzen. Dennoch rechtfertigt sich der Hinweis, dass ein fester Um-
wandlungssatz von einem Tag Freiheitsentzug pro Fr. 100.– Busse keine Stütze
im Gesetz findet. Dem Gericht steht bei der Bemessung der Ersatzfreiheitsstrafe
ein weiter Ermessensspielraum zu (BGer 6B_180/2008, Urteil vom 12. August
2008, E. 5.3.4). Hat es die Höhe des Tagessatzes für die Geldstrafe bereits ermit-
telt, ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Tagessatzhöhe als Um-
rechnungsschlüssel zu verwenden (BGE 134 IV 60, E. 7.3.3). Die Umwandlung
der Busse in eine Ersatzfreiheitsstrafe hat folglich mit der Tagessatzhöhe der be-
reits festgesetzten Geldstrafe zu korrelieren.
5. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten hinsichtlich der Geldstrafe für die aktuell
zu beurteilenden Delikte den bedingten Vollzug gewährt und die Probezeit auf 3
Jahre festgelegt (vgl. Urk 27 S. 29), was vom Beschuldigten nicht angefochten
wurde. Diese Beurteilung ist im Lichte der gesetzlichen Bestimmung von Art. 42
Abs. 1 und 2 StGB nicht zu beanstanden, zumal dem Beschuldigten innerhalb der
letzten 5 Jahre vor der Tat keine Freiheitsstrafe von mehr als 6 Monaten auferlegt
worden ist. Umstände, die für eine eigentlich Schlechtprognose sprechen, liegen
nicht vor. Dem Umstand, dass der Beschuldigte einschlägig vorbestraft ist, ist mit
der von der Vorinstanz festgelegten Dauer der Probezeit von 3 Jahren angemes-
sen Rechnung getragen. Entsprechend ist der Vollzug der Geldstrafe in Bestäti-
gung des erstinstanzlichen Urteils aufzuschieben und die Probezeit auf 3 Jahre
festzusetzen. Die Busse ist zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB).
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IV. Kostenfolgen
1. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
2. Der Beschuldigte erreicht mit seiner Berufung eine Reduktion der Sanktion. Da
diese jedoch nicht vollumfänglich seinen Anträgen entspricht, sind ihm die Kosten
des Berufungsverfahren zur Hälfte aufzuerlegen und im übrigen Umfang auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Dem Beschuldigten ist sodann für die Kosten der an-
waltlichen Verteidigung im Berufungsverfahren eine um die Hälfte reduzierte Ent-
schädigung von pauschal Fr. 2000.– (inkl. MwSt.) zuzusprechen (Art. 429 Abs. 1
lit. a StPO).