Decision ID: cad8969b-18c7-4f72-b675-82705bf2cf31
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Irja Zuber Hofer, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 14. August 2008 – unter Hinweis auf eine
Visuseinschränkung nach Thrombose 05/08 - bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Gemäss
Fragebogen für Arbeitgebende vom 27. August 2009 war der Versicherte vom
1. Januar 2008 bis zum 31. Mai 2009 bei der B._ AG als Buschauffeur angestellt
gewesen. Er habe aber krankheitsbedingt lediglich bis 16. Mai 2008 gearbeitet. Ohne
Gesundheitsschaden hätte er im Jahr 2009 bei der Firma Fr. 79'100.-- verdient (IV-
act. 53).
A.b Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte Dr. med. C._,
Spezialärztin für Ophthalmologie, im Bericht vom 4. September 2008 eine Hemi-
Zentralvenenthrombose rechts am 17. Mai 2008 und eine diabetische Retinopathie
fest. Da am rechten Auge eine deutliche Gesichtsfeldeinschränkung bestehe und der
Visus zum Führen eines Busses ungenügend sei, schrieb sie den Versicherten weiterhin
zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 11). Im Beiblatt zum Arztbericht führte die Augenärztin
am 25. September 2008 ergänzend aus, eine Fahrtauglichkeit als Buschauffeur sei
nicht mehr möglich. Eine Umschulung auf eine gefährliche Tätigkeit, wie z.B. das
Arbeiten auf einem Gerüst, sollte unbedingt vermieden werden. Es wäre eine
Berufstätigkeit auszuwählen, die keine hohe Sehscharfe benötige, sodass bei einer
Visusverschlechterung vergrössernde Sehhilfen eingesetzt werden könnten (IV-act. 16).
A.c Aus kardiologischer Sicht führte Dr. med. D._, Facharzt für Innere Medizin und
Kardiologie, in einem Arztbericht vom 23. Juli 2009 die Diagnosen einer koronaren
Herzkrankheit, eines Diabetes mellitus Typ II mit Adipositas und einer Sehbehinderung
rechts nach Thrombose an. Gestützt darauf könne von einer Arbeitsfähigkeit von 80 bis
100% in einer physisch und/oder psychisch leicht belastenden Tätigkeit ausgegangen
werden. Eine physisch und/oder psychisch mittelschwer belastende Tätigkeit sei dem
Versicherten zu 60-80% zumutbar (IV-act. 49).
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A.d Gemäss Arbeitsvertrag vom 5. Oktober 2009 wurde der Versicherte von Mitte
Dezember 2009 bis Anfangs bzw. Mitte April 2010 zu 100% bei der E._ AG als
Bahnangestellter beschäftigt. Dafür wurde ein Monatslohn von brutto Fr. 3 ́400.--
zuzüglich Fr. 200.-- als Pauschalentschädigung für die Verpflegung festgelegt (IV-
act. 59).
A.e Mit Vorbescheid vom 24. November 2009 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Ablehnung des Rentenbegehrens in Aussicht. Denn einem Erwerbseinkommen ohne
Behinderung von Fr. 79 ́100.-- stehe ein solches mit Behinderung von Fr. 48 ́949.-- (bei
einer Arbeitsfähigkeit von 90% und unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von
10%) gegenüber, woraus sich ein Invaliditätsgrad von 38% ergebe (IV-act. 66). Hierzu
nahm Sozialversicherungsfachfrau F._, Procap, für den Versicherten am 8. Januar
2010 Stellung (IV-act. 69). Am 15. Januar 2010 verfügte die IV-Stelle im Sinn des
Vorbescheids (IV-act. 71).
B.
B.a Gegen dieseleistungsverweigerndeVerfügung erhob Rechtsanwältin Zuber Hofer,
Procap, für den Versicherten die vorliegende Beschwerde vom 15. Februar 2010 mit
den Anträgen, unter Kosten und Entschädigungsfolgen sei die Verfügung aufzuheben
und dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente zuzusprechen, oder (eventuell) die
Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Zur Begründung führt sie aus, der behandelnde Kardiologe habe für
eine physisch und psychisch leicht belastende Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit in einer
Bandbreite zwischen 80 und 100 Prozent bescheinigt; im Arztbericht vom 23. Juli 2009
habe er diese mit 33,6 Stunden konkretisiert. Aufgrund der weiteren Prognose
bezüglich der Entwicklung der Krankheit und im Hinblick auf die verkürzte
Lebenserwartung sei die Arbeitsfähigkeit auf 80% festzulegen. Es sei betreffend das
hypothetische Einkommen im Gesundheitsfall von Fr. 79'100.-- unklar, ob die letzte
Arbeitgeberin mit dieser Angabe lediglich den Grundlohn abgedeckt oder die gemäss
dem Lohnblatt ausbezahlten Nachtdienstleistungen, Sonntagszulagen und Zulagen bei
unregelmässigem Dienst einbezogen habe. Da der Beschwerdeführer seit Dezember
2009 und bis April 2010 in einem Arbeitsverhältnis stehe, sei bei der Ermittlung des
Einkommens unter Berücksichtigung der Gesundheitsbeeinträchtigungen auf den in
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dieser Zeitspanne erzielten Lohn abzustellen. Selbst wenn von den
Durchschnittslöhnen der Lohnstrukturerhebung ausgegangen werde, sei ein Abzug von
mindestens 20% vorzunehmen. Dafür sprächen die multiplen Einschränkungen, das
Alter des Beschwerdeführers, der Verweis auf nur noch leichte Tätigkeiten und die
Anforderungen an die Sehfähigkeit. Was die Eingliederungsbemühungen anbelange,
müssten diese nun und gerade im Hinblick auf das Auslaufen der befristeten Tätigkeit
aktiviert werden (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 27. April 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass angesichts
der vom behandelnden Facharzt angegebenen Arbeitsfähigkeit in einem Rahmen von
80 bis 100% auf den Mittelwert (90%) abzustellen sei. Das erzielbare Einkommen bei
voller Gesundheit werde durch die Angaben der letzten Arbeitgeberin belegt, während
dasjenige bei Krankheitsfall gestützt auf einen Tabellenlohn zu ermitteln sei. Letzteres,
weil es beim von Dezember 2009 bis April 2010 tatsächlich erzielten Lohn nur um eine
befristete Saisonarbeitsstelle handle. Ein höherer als 10%iger Leidensabzug vom
Tabellenlohn komme nicht in Betracht, weil es keinen statistischen Nachweis und auch
keine Vermutung dafür gebe, dass ältere Hilfsarbeiter weniger verdienen würden als
jüngere. Des Weiteren sei in der angefochtenen Verfügung ausdrücklich festgehalten
worden, dass der Beschwerdeführer im Anschluss an die Saisonstelle wieder bei der IV
für Arbeitsvermittlung anmelden könne. Ein entsprechender Auftrag sei nun bereits an
die zuständige Sachbearbeiterin erteilt worden (act. G 4)
B.c In der Replik vom 27. Mai 2010 hält die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
daran fest, der behandelnde Kardiologe habe die sehr konkrete Einschätzung einer
Arbeitsfähigkeit von 33,6 Stunden bzw. 80% in einer angepassten Tätigkeit
abgegeben. Darauf sei abzustellen. Da die Angaben in den Fragebögen für
Arbeitgebende häufig nur den Grundlohn enthielten, die Zuschläge jedoch nicht, sei
betreffend das hypothetische Erwerbseinkommen im Gesundheitsfall auf den
abgerechneten Lohn gemäss IK-Auszug im Jahr 2007 abzustellen. Aufgrund dessen,
dass der Beschwerdeführer nur physisch und psychisch leichte Tätigkeiten ausüben
könne und noch dazu eine Sehbehinderung vorliege, sei ein Abzug von mindestens
20% von den Durchschnittslöhnen angebracht (act. G 6).
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B.d Die Beschwerdegegnerin hält mit ihrer Eingabe vom 18. Juni 2010 unverändert an
ihren Ausführungen und ihrem Antrag in der Beschwerdeantwort fest (act. G 8).
C.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der weiteren

Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
Streitig ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente. Ein solcher
Leistungsanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach seiner
Geltendmachung (Art. 29 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 29 Abs. 1 ATSG), sofern während einer
einjährigen Wartezeit durchschnittlich mindestens eine 40%ige berufsbezogene
Arbeitsunfähigkeit bestanden hat (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG i.V.m. Art. 6 Satz 1 ATSG).
Nach Ablauf dieses Jahres muss die versicherte Person gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG
i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG mindestens 40% invalid gewesen sein.
1.1 Vorab ist festzulegen, zu welchem Zeitpunkt die erforderliche Wartezeit
abgelaufen bzw. ein allfälliger Rentenanspruch entstanden ist. Die IV-Anmeldung
erfolgte am 14. August 2008 (IV-act. 1), womit eine Rente im Rahmen von Art. 29
Abs. 3 IVG seit dem 1. Februar 2009 ausbezahlt werden könnte, wenn eine anhaltende
Arbeitsfähigkeit in den vorangehenden zwölf Monaten vorliegen würde. Unbestritten ist
beim Beschwerdeführer als Buschauffeur eine Arbeitsunfähigkeit von 100% seit dem
17. Mai 2008 erwiesen (IV-act. 11,16; vgl. IV-act. 12, 17, 35). Damit ist die Wartezeit am
16. Mai 2009 abgelaufen, so dass der 1. Mai 2009 als Zeitpunkt für die Entstehung
eines allfälligen Rentenanspruches gelten kann. Festzuhalten ist, dass sich die
Arbeitsunfähigkeit im Zusammenhang mit der Wartezeit lediglich auf die durch
Gesundheitsschäden bedingte qualitative und/oder quantitative Einbusse an
funktionellem Leistungsvermögen in der bisherigen Tätigkeit bezieht (BGE 130 V 99
E. 3.2; BGE 105 V 159 E. 2a; BGE 97 V 231 E. 2).
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1.2 Anders verhält es sich mit der Arbeitsunfähigkeit im Zusammenhang mit dem
nach der Wartezeit kumulativ erforderlichen rentenbegründenden Invaliditätsgrad. Nur
eine Invalidität von zumindest 40% wird gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG rentenmässig
entschädigt. Die Beschwerdegegnerin ermittelte vorliegend einen Invaliditätsgrad von
38% (IV-act. 71). Der Invaliditätsgrad bei Erwerbstätigen ist der in Prozenten
ausgedrückte Fehlbetrag, der aus dem Vergleich zwischen den möglichen
Erwerbseinkommen ohne und mit Gesundheitsschaden resultiert (Art. 16 ATSG). Unter
Invalidität versteht Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit. Erfasst
wird damit der Verlust der Erwerbsmöglichkeiten in jeder zumutbaren Tätigkeit. Dieser
Verlust muss auf eine Beeinträchtigung der Gesundheit zurückgeführt werden können
und trotz Vornahme von zumutbaren Behandlungs- und Eingliederungsmassnahmen
verbleiben (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Mithin setzt die Invalidität im rechtlichen Sinn zunächst
voraus, dass sich der festgestellte Gesundheitsschaden auf eine berufsübergreifende
Arbeitsfähigkeit, also auf die Arbeitsfähigkeit in einer sogenannt leidensadaptierten
Tätigkeit auswirkt.
2.
Es gilt deshalb zunächst zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin von einer
Arbeitsfähigkeit von 90% in einer dem Leiden adaptierten Tätigkeit im massgebenden
Zeitpunkt seit dem oben festgelegten potenziellen Rentenbeginn ab 1. Mai 2009
ausgehen durfte.
2.1 Dabei ist die Beweiskraft der einschlägigen medizinischen Unterlagen zu
würdigen. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist unter anderem
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder
die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a;
BGE 122 V 160 E. 1c).
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2.2 Dr. C._ hat bezüglich Sehvermögen des Beschwerdeführers festgestellt, dass
die Hemi-Zentralvenenthrombose rechts durch die diabetische Retinopathie begünstigt
worden sei. Mit einer Zunahme der diabetischen Retinopathie und damit mit einer
Abnahme der Sehfähigkeiten müsse gerechnet werden. Es könnten auch weitere
Gesichtsfeldausfälle hinzukommen (IV-act. 16). Mit einer Verbesserung der Visus- und
Gesichtsfeldsituation rechts sei nicht zu rechnen, daher sei eine Umschulung
unumgänglich (IV-act. 11). Damit ist die vollständige Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Buschauffeur hinreichend begründet. Bei einer adaptierten
Tätigkeit seien gefährliche Arbeiten z.B. auf einem Gerüst sowie eine erhöhte
Beanspruchung der Sehfähigkeit zu vermeiden (IV-act. 16). Dies erscheint einsichtig im
Hinblick auf die erhöhte Unfallgefahr und auf eine mögliche Verschlechterung des
Gesundheitszustands. Somit ist der Beschwerdeführer - unter Beachtung dieser
Einschränkungen aus ophthalmologischer Sicht – als 100% arbeitsfähig in einer dem
Leiden angepassten Tätigkeit einzustufen.
2.3 Dr. D._ hält aus kardiologischer Sicht fest, dass die angestammte Tätigkeit als
Buschauffeur noch zumutbar gewesen wäre. Bei einer adaptierten Tätigkeit hingegen
solle der Beschwerdeführer nicht mehr als 10 kg heben müssen. Die Prognose im
Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit falle ungünstig aus, da beim Beschwerdeführer eine
erhöhte Aussicht auf einen erneuten kardialen oder einen anderen arteriosklerotischen
Zwischenfall bestehe. Bei leicht belastenden Tätigkeiten betrage die Arbeitsfähigkeit
zwischen 80 und 100%, bei mittelschwer belastenden zwischen 60 und 80% (IV-
act. 49). Aufgrund der längerfristig ungünstigen Prognose des Leidens erscheinen
sowohl die verminderte Leistungsfähigkeit als auch das Vermeiden von bestimmten
Belastungen nachvollziehbar.
2.4 Der Auffassung der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers kann nicht gefolgt
werden, soweit sie geltend macht, der behandelnde Kardiologe habe im Arztbericht
vom 23. Juli 2009 die Arbeitsfähigkeit auf eine bestimmte Stundenzahl, nämlich 33,6
Stunden (80%), konkretisieren wollen (act. G 1 und G 6). Nach der Angabe
entsprechender Bandbreiten der Arbeitsfähigkeit bei leicht (80 bis 100%) und
mittelschwer (60 bis 80%) belastenden Tätigkeiten erwähnte der Facharzt nur
beispielweise, dass eine 80%ige Arbeitsfähigkeit bei einer 42-Stundenwoche etwa 33,6
Stunden und eine 60%ige Arbeitsfähigkeit etwa 25,2 Stunden ausmache. Die genaue
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Arbeitsfähigkeit müsse jedoch mit dem konkreten Arbeitsplatz im Sinne einer
Arbeitsplatzanalyse festgelegt werden (IV-act. 49). Dies weist darauf hin, dass die
Angabe einer Bandbreite auf die Unmöglichkeit, die Arbeitsfähigkeit genau zu beziffern,
zurückzuführen ist. Das Bundesgericht legt in solchen Fällen das arithmetische Mittel
der medizinisch angegebenen Bandbreite (Mittelwert) zugrunde (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 20. August 2009, 9C_193/2009, E. 1.3.1, und vom 28. Dezember
2007, 9C_626/2007, E. 3.2). Gestützt auf die ständige höchstrichterliche
Rechtsprechung geht die Beschwerdegegnerin von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in
einer leicht belastenden Tätigkeit aus, was im vorliegenden Fall - trotz der medizinisch-
theoretisch nicht genau bezifferbaren Arbeitsfähigkeit - im Licht der ausgewiesenen
Gesundheitsbeeinträchtigungen plausibel erscheint. Die ungünstige
Krankheitsprognose und die verkürzte Lebenserwartung vermögen nicht eine tiefere,
80%ige Arbeitsfähigkeit zu begründen, hat doch der Facharzt genau diese Umstände
gewürdigt, ohne eine solche Schlussfolgerung zu ziehen (vgl. act. G. 1, Beschwerde
Ziff. 3, und IV-act. 49, Arztbericht Ziff. 1.4).
2.5 Mithin steht unter Beachtung der Einschränkungen aus ophthalmologischer und
kardiologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 90% in einer dem Leiden adaptierten
Tätigkeit fest.
3.
Des Weiteren sind die erwerblichen Auswirkungen der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
zu prüfen. Angesichts der bisherigen Vollerwerbstätigkeit des Beschwerdeführers ist
nach Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ein Einkommensvergleich vorzunehmen.
Die zu vergleichenden Einkommen sind auf zeitidentischer Grundlage zu erheben.
Massgebend ist vorliegend das Jahr 2009 (siehe oben Erwägung 1.1) als Zeitpunkt des
allfälligen Rentenbeginns (vgl. BGE 129 V 223 ff. E. 4.1, 4.2; BGE 128 V 174).
3.1 Es stellt sich zuerst die hypothetische Frage nach dem Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person im Gesundheitsfall erzielen könnte (Valideneinkommen). Die
Beschwerdegegnerin stellt gemäss Einschätzung der letzten Arbeitgeberin für das Jahr
2009 (IV-act. 53) auf ein Einkommen von Fr. 79 ́100.-- ab (IV-act. 71). Die Rechtsver
treterin des Beschwerdeführers wendet ein, da sich diese Angabe möglicherweise auf
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den Grundlohn beschränke, sei vielmehr vom im IK-Auszug für das Jahr 2007
ausgewiesenen Jahreslohn von Fr. 86'417.-- auszugehen (act. G 1 und G 6). Ein
Vergleich mit den Einträgen im IK-Auszug für die vorherigen Jahren (2006, Fr. 78 ́662;
2005, Fr. 78 ́531; 2004, Fr. 78 ́577) zeigt jedoch, dass der im Jahr 2007 bezogene
Verdienst überdurchschnittlich hoch war (IV-act. 52). Letzteres lässt sich damit
erklären, dass der Beschwerdeführer seit 1986 beim damaligen Arbeitgeber tätig
gewesen war (vgl. IV-act. 8 und 52), weshalb ihm aufgrund seines Alters sowie der
Dienstjahre bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses Ende 2007 wohl eine
Abgangsentschädigung ausgerichtet wurde (vgl. Art. 339b OR). Daraus kann nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit abgeleitet werden, dass ein solcher Verdienst auch
im Jahr 2009 erzielt worden wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juli 2009,
9C_5/2009), nachdem der Beschwerdeführer per 1. Januar 2008 eine neue Stelle
angetreten hat und nur bis 16. Mai 2008 effektive Arbeit leisten konnte. Der
Abrechnung "Kumulativjournal Mitarbeiter" vom 27. August 2009 ist zudem zu
entnehmen, dass der Grundlohn bei der neuen Arbeitgeberin Fr. 5 ́886.-- betrug,
woraus sich auf dieser Basis ein Grundeinkommen von Fr. 76 ́518.-- (13. Monatslohn
eingeschlossen) im Jahr 2009 ergeben hätte. Wenn vom im Lauf der 17-monatigen
Anstellung erzielten Bruttolohn in der Höhe von Fr. 112 ́555.90 (Zulagen und 13.
Monatslohn eingeschlossen) ausgegangen wird, ergibt sich ein Monatslohn von Fr. 6
́621.-- bzw. ein Jahreinkommen von Fr. 79 451.-- (IV-act. 53). Deshalb erscheintdas
von der Beschwerdegegnerin gestützt auf den Fragenbogen für Arbeitgebende
angenommene Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 79 ́100.-- als angemessen.
3.2 Demgegenüber hat die Beschwerdegegnerin das Erwerbseinkommen, das nach
dem Gesundheitsschaden und nach Durchführung von Eingliederungsmassnahmen auf
zumutbare Weise und bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erreicht werden könnte
(hypothetisches Invalideneinkommen), gestützt auf die statistischen Werte gemäss den
vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen
(LSE) festgesetzt. Ein nach Eintritt des Krankheitsfalls tatsächlich erzielter Verdienst gilt
nur als Invalidenlohn, wenn - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse
gegeben sind und anzunehmen ist, dass die versicherte Person die ihr verbleibende
Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und zudem das Einkommen aus
der Arbeitsleistung als angemessen erscheint und nicht als Soziallohn (BGE 135 V 301
E. 5.2). Der im Zeitraum vom Dezember 2009 bis April erzielte 2010 Zwischenverdienst
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wurde zurecht nicht herangezogen, da es sich um ein vorübergehendes, saisonales
Arbeitsverhältnis handelt, das keinen Aufschluss über den allgemeinen Arbeitsmarkt
gibt. Deshalb sind hier die standardisierten Bruttolöhne gemäss LSE heran zu ziehen.
Im Jahr 2008 erzielten Männer gemäss Tabelle 1 (Privater Sektor) im tiefsten
Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) und bei einer Arbeitszeit von
40 Wochenstunden einen Monatslohn in der Höhe von Fr. 4 ́806.--. Zugrunde zu legen
sind allerdings die Zahlen des Jahres 2009. Zu berücksichtigen ist somit die seither
eingetretene Nominallohnentwicklung für die Männer (+ 2,1%) und die betriebsübliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Wochenstunden, woraus ein Jahreslohn von Fr. 61
́392.-- resultiert ([Fr. 4 ́806.-- x 0,021]/40 x 41,7 x 12). Ausgehend von einer 90%igen
Arbeitsfähigkeit ergibt sich ein Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 55 ́253.--
(Fr. 61 ́392.-- x 0,9).
3.3 Zu beurteilen bleibt noch die Frage, ob und in welchem Umfang ein sogenannter
Leidensabzug auf dem Invalideneinkommen vorzunehmen ist.
3.3.1 Behinderungsbedingte und anderweitige Umstände vermögen zusätzliche
Abzüge vom Tabellenlohn zu begründen, wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die
versicherte Person wegen persönlicher und beruflicher Merkmale wie Art und Ausmass
der Behinderung, Lebensalter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad ihre gesundheitlich bedingte
Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
erwerblichen Erfolg verwerten kann. Es rechtfertigt sich aber nicht, für jedes zur
Anwendung gelangende Merkmal separat quantifizierte Abzüge vorzunehmen und
diese zusammenzuzählen, da damit Wechselwirkungen ausgeblendet würden. Diese
zusätzlichen Abzüge erfolgen nicht automatisch, sie sind vielmehr unter Würdigung der
Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und
auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (BGE 134 V 327f. E. 5.2; BGE 126 V 78ff.
E. 5).
3.3.2 Bei behinderungsbedingten Umständen ist darauf zu achten, ob sie bereits
in die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit eingeflossen sind. Mit der Festlegung einer
Arbeitsunfähigkeit von 10% wurde genügend Rechnung getragen, dass aufgrund der
erhöhten Aussicht auf erneute kardiale oder andere arteriosklerotische Komplikationen
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der Beschwerdeführer eine reduzierte Leistung erbringt, weshalb auf dieser Grundlage
keine zusätzliche Herabsetzung der Tabellenlöhne gerechtfertigt ist. Anders verhält es
sich mit der aus kardiologischer Sicht empfohlenen Vermeidung von schweren
Tätigkeiten. Diese Vorgabe verweist auf die in Frage kommenden angepasste
Tätigkeiten, ohne an sich allein eine Arbeitsunfähigkeit zu begründen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_624/09 vom 7. Oktober 2009 E. 4.1.1). Die
Lohnstrukturerhebungen beinhalten allerdings auch Löhne für körperlich schwere
Tätigkeiten, die in der Regel besser entlöhnt werden und welche der Beschwerdeführer
nicht mehr ausüben kann. Ein solcher Nachteil ist mit dem (behinderungsbedingten)
Abzug auszugleichen (BGE 129 V 481 f. E. 4.2.).
3.3.3 Ebenfalls kann die Feststellung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit aus
ophthalmologischer Sicht nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Beschwerdeführer
aufgrund des verminderten Sehvermögens auch für leichte Tätigkeiten nur noch
beschränkt einsatzfähig ist, womit er gegenüber gesunden Hilfsarbeitern mit einer
tieferen Entlöhnung zu rechnen hat. Dieser Umstand macht das verminderte
Sehvermögen abzugsfähig.
3.3.4 Das Argument der Beschwerdegegnerin, das Alter stelle statistisch
gesehen keinen Nachteil dar, findet zwar Stütze bei vereinzelten Urteilen des
Bundesgerichts (vgl. Urteile 9C_610/07 vom 23. Oktober 2007 E. 4.3, I 304/06 vom
22. Januar 2007 E. 4.2, I 376/05 vom 5. August 2005 E. 4.2, I 39/04 vom 20. Juli 2004
E. 2.4). In der Mehrheit der seit BGE 126 V 75 ergangenen Rechtsprechung wird jedoch
das fortgeschrittene Alter (ab 50 Jahren) als Abzugsgrund zugelassen (vgl. etwa Urteile
des EVG I 481/01 vom 10. Mai 2002 E. 4c, U 245/02 vom 27. Januar 2003 E. 3.2.2,
I 511/03 vom 13. September 2004 E. 5.3, I 617/03 vom 4. Juni 2004 E. 5.2, I 106/04
vom 23. November 2004 E. 5.2.2, U 471/05 vom 15. März 2006 E. 4.2.3, I 447/06 vom
5. September 2006 E. 3.2.2 sowie des Bundesgerichts 8C_9/2009 vom 10. November
2009 E. 4.4.3, 9C_93/2008 vom 19. Januar 2009 E. 7.3, 9C_677/2008 vom
30. September 2008, 9C_17/2010 vom 22. April 2010 E. 3.3.3, 9C_617/2010 vom
10. Februar 2011 E. 4.3, 9C_678/2010 vom 22. Februar 2011 E. 3.4.4, 9C_686/2010
vom 29. September 2010 E. 2.2.3 und 9C_436/2011 vom 5. August 2011 E. 3.3).
Massgebend ist insbesondere die Tatsache, dass für entlassene ältere Arbeitskräfte –
v.a. mit vergleichsweise schlechten Qualifikationen – schwieriger ist, eine Stelle zu
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finden als für jüngere, so dass sie bei Wiedereinstellung mit "deutlichen"
Lohneinbussen zu rechnen haben (Seco, Die Arbeitsmarktfähigkeit der älteren
Arbeitnehmenden, 2005, Bundesamt für Statistik, Erwerbstätigkeit der Personen ab 50
Jahren, 2008, [Fn. 18], S. 13). Das ist vorliegend beim Beschwerdeführer mit Jahrgang
1950 zu berücksichtigen.
3.3.5 Auch wenn die Bedeutung der Dienstjahre im privaten Sektor abnimmt, je
niedriger das Anforderungsprofil ist (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 27. August 2008,
8C_780/2007), wirkt sich der Umstand, dass der Beschwerdeführer als neu
Anzustellender nicht mehr vom bisher erworbenen Dienstalter (Postautochauffeur von
1979 bis Dezember 2007 und anschliessend Chauffeur, IV-act. 19) profitieren kann,
zusätzlich lohnsenkend aus. Dazu kommt der Nachteil, dass die langjährige und
einseitige Ausübung der Chauffeurtätigkeit die berufliche Umorientierung erschwert.
3.3.6 Aus all dem folgt, dass die Unmöglichkeit, besser entlöhnte Schwerarbeit
zu leisten, die reduzierte Einsatzfähigkeit wegen dem verminderten Sehvermögen, das
fortgeschrittene Alter und die Umstände der beruflichen Umorientierung eine
Abweichung vom statistischen Lohn rechtfertigen. Bei der Höhe des vorzunehmenden
Abzuges handelt es sich um eine Ermessensfrage. Dieses Zusammenwirken zwischen
invaliditätsbegründeten und -fremden Faktoren ist mit dem in der angefochtenen
Verfügung gewährten Leidensabzug von 10% nicht ausreichend berücksichtigt;
vielmehr ist der Leidensabzug auf 20% festzusetzen. Das Invalideneinkommen beläuft
sich damit auf Fr. 44 ́202.-- (Fr. 55 ́253.-- x 0.80).
3.4 Aus der Differenz zwischen dem Valideneinkommen (Fr. 79 ́100.--) und dem
Invalideneinkommen (Fr. 44 ́202.--) resultiert eine Einkommenseinbusse von Fr. 34
́898.--. Diese entspricht einem rentenbegründend Invaliditätsgrad von 44%. Gemäss
Art. 28 Abs. 2 IVG steht dem Beschwerdeführer eine Viertelsrente zu.
4.
Nachdem ein Rentenanspruch besteht, stellt sich im Hinblick auf den Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" die Frage, ob zumutbare Eingliederungsmassnahmen
durchgeführt worden sind. Von einer medizinischen Behandlung kann aktengemäss
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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keine Verbesserung der Leistungsfähigkeit erwartet werden. Eine Umschulung wäre
angesichts des fortgeschrittenen Alters des Beschwerdeführers auch nicht zielführend.
Deshalb ist der Sachverhalt spruchreif für die Beurteilung einer Berentung.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde unter Aufhebung
der angefochtenen Verfügung vom 15. Januar 2010 gutzuheissen und dem
Beschwerdeführer eine Viertelsrente mit Wirkung ab 1. Mai 2009 zuzusprechen.
5.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor
dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1’000.-- festgelegt. Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend
zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in
Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden. Die Beschwerdegegnerin unterliegt. Ihr ist deshalb die
gesamte Gerichtsgebühr aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
(act. G 3 und G 4) ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
5.3 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat bei diesem Verfahrensausgang
einen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die Parteientschädigung bemisst sich
gemäss Art. 61 lit. g ATSG nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit
des Prozesses. Mit Blick auf den relativ gering Aktenumfang und die sich daraus
ergebenden anwaltlichen Bemühungen erweist sich eine Parteientschädigung von
Fr. 2'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP