Decision ID: 2e8be3ab-278a-4b4c-b2dd-4272e1943e86
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
J._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter R. Marty, Alexanderstrasse 8, Postfach
528, 7002 Chur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt:
A.
J._ (Jg. 1968) meldete sich am 20. April 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an. Er
gab dabei u.a. an, er habe die Primarschule besucht; einen Beruf habe er nicht erlernt.
Dr. med. A._ berichtete der IV-Stelle am 21. Juni 2006, der Versicherte leide an einer
schweren depressiven Entwicklung mit psychotischen Anteilen bei asthenischer
Persönlichkeitsstörung nach schwerer ehelicher Zerrüttung. Seit dem 15. September
2005 bestehe eine anhaltende vollständige Arbeitsunfähigkeit. Der Verlauf sei bis
September 2005 unauffällig gewesen. Der Versicherte habe eine sehr gute
Leistungsfähigkeit als Leiter einer Getränkezentrale aufgewiesen. Als er am 19. März
2005 von seiner Ehefrau verlassen worden sei, habe der Versicherte dekompensiert. Er
gebe aktuell folgende Beschwerden an: Gedankenkreisen, Angstattacken, Unruhe,
Schlaflosigkeit, Appetitverlust, Konzentrationsverlust usw. Der Versicherte sei stark
verwahrlost, abgemagert (reduzierter AZ und EZ), formal verlangsamt und inhaltlich um
den Verlust der Partnerin kreisend. Der Gesundheitszustand sei stationär. Die B._
teilte am 4. September 2006 mit, der Versicherte habe bis 31. Juli 2006 im C._
Heimdienst gearbeitet. Der letzte effektive Arbeitstag sei der 14. September 2005
gewesen. Das Arbeitsverhältnis sei krankheitsbedingt aufgelöst worden. Dr. med. D._
vom RAD empfahl am 6. November 2006 eine psychiatrische Begutachtung.
B.
Med. pract. E._ und Dr. med. F._ von den Psychiatrie-Diensten Süd berichteten
der IV-Stelle in ihrem Gutachten vom 12. März 2007, bei einer Betrachtung der
Lebensgeschichte des Versicherte falle zuerst eine vier Jahre dauernde belastende und
verunsichernde Beziehung zum Klassenlehrer auf (regelmässige Ohrfeigen). Der
Charakter der Unberechenbarkeit der Übergriffe dürfte zu einer massiven
Verunsicherung sowie zu einer gelernten Hilflosigkeit beigetragen haben. In der
beruflichen Anamnese fielen die häufigen Arbeitsplatzwechsel auf. Bei zunehmendem
Druck durch die Vorgesetzten habe sich der Versicherte jeweils eingeengt gefühlt und
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innere Spannungen verspürt, denen er mit der temporären Unterordnung der eigenen
Wünsche oder mit einem radikalen Beziehungsabbruch begegnet sei. In der
Beziehungsanamnese träten deutliche Verlassensängste hervor. Der Versicherte habe
angegeben, dass eine Trennung von einem engen Beziehungspartner ein "Horror" sei.
Dies sei nicht als abhängige Persönlichkeitsstörung, sondern nur als eine abhängige
Persönlichkeitsstruktur zu qualifizieren. Im September 2005 habe der Versicherte
depressive Symptome entwickelt. Es liege eine schwere depressive Episode vor. Diese
bewirke eine deutliche Akzentuierung der abhängigen Persönlichkeitsstruktur. Gemäss
ICD-10 sei es sehr unwahrscheinlich, dass der Versicherte während einer schweren
depressiven Episode in der Lage sei, soziale, häusliche und berufliche Aktivitäten
fortzuführen. Der bei Ausbruch der affektiven Störung bestehende Verfolgungswahn
habe sich unter einer neuroleptischen Pharmakotherapie in erfreulicher Weise
gebessert. Die Diagnose laute: schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome. Die Gutachter führten weiter aus, der Versicherte meide nach wie vor
jeglichen Kontakt mit fremden Menschen. Die schwere Depression äussere sich in der
Form einer psychomotorischen Hemmung mit deutlich verringertem Antrieb,
Energielosigkeit und massiv eingeschränkter Konzentrationsspanne. Die
Rekonvaleszenz dürfte durch die abhängige Persönlichkeitsstruktur beeinträchtigt sein.
Die Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit sei kategorisch abzulehnen, da sie mit
einer weiteren psychischen Destabilisierung verbunden wäre und den Krankheitsverlauf
unnötig verlängern würde. Neben einer adaptierten antidepressiven Behandlung stehe
das Einüben sozialer Grundfertigkeiten im Vordergrund. Dadurch könne einer
Chronifizierung des Vermeidungsverhaltens entgegen gewirkt werden. Letzteres
bestimme derzeit den Tagesablauf. Aktuell wäre ein Rehabilitationsversuch mit einer
erneuten Zustandsverschlechterung verbunden. Frühestens nach Ablauf einer
sechsmonatigen intensiven Psychotherapie sollte eine erneute Beurteilung der
Rehabilitationsfähigkeit erfolgen. Eine zeitlich begrenzte Berentung sei einem zum
Scheitern verurteilten Wiedereingliederungsversuch vorzuziehen. Nach einer initialen
psychotherapeutischen Stabilisierungsphase sei ein erster Integrationsversuch an
einem geschützten Arbeitsplatz denkbar. Nach dem Abschluss einer einjährigen
Stabilisierungsphase sollte die berufliche Reintegrationsfähigkeit erneut geprüft
werden. Am 30. Juli 2007 gaben die Gutachter ergänzend an, zum Zeitpunkt der
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Begutachtung habe ein instabiler Gesundheitszustand vorgelegen. Eine erneute
Begutachtung sollte im August 2007 erfolgen.
C.
Dr. med. G._ berichtete in seinem von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen Gutachten
vom 23. Januar 2008, er beschränke sich auf den klinischen Verlauf seit dem
Gutachten vom 12. März 2007. Er gab folgende Diagnose an: St. n. schwerer
depressiver Episode im Rahmen einer Reaktion auf Anpassungs- und
Belastungsstörung, Panikattacken bei Menschenansammlungen (DD: spezielle Phobie
vor Menschenansammlungen), akzentuierte Persönlichkeitszüge sowie (ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit) Familienzerrüttung durch Trennung/Scheidung, belastende
Lebensumstände und V. a. sporadischen, schädlichen Alkoholkonsum. In seiner
Beurteilung führte der Gutachter aus, der Versicherte habe bis zum Sommer 2005 ein
zufriedenstellendes Leben, insbesondere ohne Ängste oder Hinweise auf Depressivität,
gehabt. Er habe die Trennung seitens der Ehefrau als plötzlich und unerwartet
empfunden und deshalb einen "Zusammenbruch" erlitten. Aus psychiatrischer Sicht sei
das so zu interpretieren, dass der Versicherte, der den Verlauf seines Lebens selber
habe bestimmen können, eine narzisstische Kränkung erlitten habe, die er mit einer
depressiven Reaktion im Rahmen einer Belastungs- und Anpassungsstörung
verarbeitet habe. In der ersten Phase seien paranoid anmutende Symptome
aufgetreten. Doch der Versicherte sei von Anfang an fachgerecht behandelt worden.
Durch diese Behandlung und durch die Mobilisierung der positiven Ressourcen habe er
die depressive Krise überwinden können. Geblieben seien die Kränkung und deren
Folgen mit einer gewissen Destabilisierung der Emotionalität, mit Verstimmungen und
mit der Tendenz zu Regression (unbewusster Wunsch nach Hilfe, zeitweise infantil mit
oppositioneller Haltung). Aufgrund des aktuellen psychopathologischen Zustandsbildes
könne mit Sicherheit gesagt werden, dass die Kriterien zur Diagnose einer depressiven
Störung nicht mehr erfüllt seien. Laut ICD-10 könne eine längere depressive Reaktion
auf Belastung und Anpassungsstörung höchstens 24 Monate andauern, sei also aus
fachärztlicher Sicht seit Sommer 2007 abgeschlossen. Zeitlich übereinstimmend habe
der Versicherte seit August 2007 eine Beziehung zu einer Frau begonnen. Geblieben
seien Panikattacken bei Menschenansammlungen, die differentialdiagnostisch auch als
eine spezielle Phobie bei Menschensammlungen ausgelegt werden könnten. Geblieben
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seien auch die Belastungen durch die Kampfscheidung, die den Versicherten sehr
beschäftige, vermutlich kränke und entmutige. Die finanzielle Lage sei unsicher. Von
Bedeutung für die Verarbeitung der erheblichen Kränkungen, für die Bewältigung der
Folgen, für den Verlauf der Erkrankung und für die noch bestehenden Symptome
dürften die akzentuierten Persönlichkeitszüge sein, nämlich das zeitweise auftretende
infantile Verhalten (sich ungerecht behandelt fühlen), die emotionalen Ausbrüche
(Neurotizismus) und die hohen Ansprüche gegenüber dem Sozialdienst der Gemeinde.
Laut ICD-10 handle es sich bei diesen akzentuierten Persönlichkeitszügen um auffällige
Charaktermerkmale, die aber nicht das Ausmass einer Krankheit erreichten, also nicht
invalidisierend seien. Der Versicherte verfüge über die nötigen Ressourcen, so dass er
durch eine zumutbare Willensanstrengung die Kränkung durch das Verlassenwerden
und die dadurch entstandenen Sozial- und emotionalen Ungleichheiten überwinden
könne. Der Versicherte sei vom 15. September 2005 bis Ende August 2007 zu 100%
arbeitsunfähig gewesen. Ab September 2007 sei er zu 50% arbeitsunfähig gewesen.
Ab dem Zeitpunkt der Untersuchung bestehe aus psychiatrischer Sicht eine
Restarbeitsunfähigkeit von 30%, von der sich der Versicherte allmählich erholen werde.
Die emotionalen Probleme mit der bevorstehenden Scheidung, mit den neuen
Lebensumständen, mit dem vorgesehenen Zusammenziehen mit der Freundin und
deren Kindern, mit den finanziellen Sorgen und den damit verbundenen
Existenzängsten stellten Belastungen dar, die zwar einen negativen Einfluss auf das
Leben des Versicherten hätten, aber überwindbar und deshalb nicht invalidisierend
seien. Die akzentuierten Persönlichkeitszüge erschwerten das Überwinden der
Kränkung, doch die entsprechende Willensanstrengung sei zumutbar. In den nächsten
Monaten sei mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Dr. med. D._
hielt dazu am 1. Februar 2008 fest, der Gutachter habe am 10. Dezember 2007 keine
depressive Störung mehr festgestellt. Deshalb sei die Einschätzung ab 10. Dezember
2007 (Arbeitsfähigkeit 70%) versicherungsmedizinisch nicht plausibel. Die übrige
Einschätzung (100% arbeitsunfähig von September 2005 bis August 2007 und 50%
arbeitsunfähig von September 2007 bis Dezember 2007) hingegen sei nachvollziehbar,
da sich der Versicherte schrittweise von einer schweren Depression erholt habe. Ab 10.
Dezember 2007 sei von einer Arbeitsfähigkeit von 100% auszugehen.
D.
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Die IV-Stelle nahm an, dass sowohl die (hypothetische) Validenkarriere als auch die
zumutbare Invalidenkarriere aus der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bei der B._
bestünden. Deshalb berücksichtigte sie als Validen- und als Ausgangseinkommen zur
Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens denselben Betrag, nämlich
Fr. 76'000.-. Da keine zusätzlichen Abzüge erfolgten, entsprach der Invaliditätsgrad
jeweils dem Arbeitsunfähigkeitsgrad. Mit einem Vorbescheid vom 25. März 2008 teilte
die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie beabsichtige, ihm rückwirkend ab
September 2006 eine ganze Invalidenrente und ab Dezember 2007 bis und mit März
2008 eine halbe Invalidenrente auszurichten. Dr. med. A._ wandte am 5. April 2008
für den Versicherten ein, dass sich letzerer seit der Abklärung durch Dr. med. G._
siebenmal zur Behandlung eingefunden habe. Trotz einer mehrmonatigen Anpassung
der Medikation seien weiterhin eine fehlende Eigeninitiative, eine Antriebslosigkeit und
eine Frustrationsintoleranz festzustellen. Schon bei den geringsten (für gesunde
Menschen alltäglichen) unangenehmen Situationen reagiere der Versicherte mit
Überforderung, Gedankenkreisen, Sprachlosigkeit und Weglaufen. Die Annahme einer
Besserung des Beschwerdebildes sei also nicht richtig. Der Versicherte sei weiterhin zu
100% arbeitsunfähig. Die 100%ige Berentung sollte bis auf weiteres beibehalten
werden. Mit einer "Einsprache" vom 30. April 2008 liess der Versicherte nochmals die
Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente über den 30. November 2007 hinaus
beantragen. Dr. med. D._ vom RAD hielt am 12. September 2008 fest, dass
vollumfänglich auf das Gutachten abgestellt werden könne. Mit einer Verfügung vom
13. Januar 2009 sprach die IV-Stelle dem Versicherten für die Periode September 2006
bis November 2007 eine ganze Invalidenrente und für die Periode Dezember 2007 bis
März 2008 eine halbe Invalidenrente zu. Sie begründete diese Verfügung damit, dass
der Versicherte vom 15. September 2005 bis Mitte September 2007 zu 100% und dann
für zwei Monate zu 50% arbeitsunfähig gewesen sei. Seit Mitte Dezember 2007 sei es
dem Versicherten wieder zumutbar, sowohl in der angestammten als auch in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit vollzeitlich zu arbeiten und damit ein
rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen.
E.
Der Versicherte liess am 11. Februar 2009 Beschwerde erheben und beantragen, die
angefochtene Verfügung sei insofern aufzuheben, als ihm ab 1. Dezember 2007
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ebenfalls eine 100%ige Invalidenrente zuzusprechen sei. Ausserdem liess der
Versicherte die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege beantragen (was ihm am
12. August 2009 bewilligt wurde). Am 16. Februar 2009 liess er geltend machen, der
Versuch, ihn wieder in das Berufsleben einzugliedern, sei vollumfänglich gescheitert.
Der behandelnde Arzt habe wieder eine Arbeitsunfähigkeit von 100% attestieren
müssen. Bei psychischen Erkrankungen, die von Hochs und Tiefs begleitet würden, sei
der Verzicht auf eine neue Begutachtung unverzeihlich gewesen. Die Aussage der IV-
Stelle, es seien keine neuen Fakten geltend gemacht worden, entspreche somit nicht
den Tatsachen.
F.
Die IV-Stelle beantragte am 2. Juli 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie führte zur
Begründung aus, das Gutachten von Dr. med. G._ erfülle in jeder Hinsicht die an ein
medizinisches Gutachten zu stellenden Anforderungen. Einzig die ab dem
Begutachtungszeitpunkt attestierte verbliebene Arbeitsunfähigkeit von 30% vermöge
aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht zu überzeugen, denn die zurückgebliebene
Panikstörung bei einer Menschenansammlung und die akzentuierten
Persönlichkeitszüge bewirkten nach der Beurteilung von Dr. med. G._ nur eine
qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus IV-rechtlicher Sicht liege kein
invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden mehr vor, der eine 30%ige
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit begründen könnte. In Analogie zur
bundesgerichtlichen Rechtsprechung betreffend somatoforme Schmerzstörungen
müsse hier ein Abweichen von den gutachterlichen Schlussfolgerungen möglich sein,
da sich aus rechtlicher Sicht eine andere Einschränkung ergebe. Es sei von einer
Arbeitsfähigkeit von 100% für eine angepasste Tätigkeit auszugehen. Dr. med. A._
habe am 5. April 2008 keine objektiv feststellbaren Gesichtspunkte benannt, die im
Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben seien und geeignet wären, zu einer
abweichenden Beurteilung zu führen. Die Ausführungen von Dr. med. A._ liessen
auch nicht darauf schliessen, dass sich der Gesundheitszustand seit der Begutachtung
im Dezember 2007 erheblich verändert haben könnte.
G.
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In seiner Replik vom 18. November 2009 liess der Versicherte geltend machen, mit der
Tatsachenfeststellung von Dr. med. A._ vom 5. April 2008 sei die Spekulation von Dr.
med. G._ (100%ige Arbeitsfähigkeit) ausgehebelt worden. Dr. med. G._ habe eine
unzutreffende Zukunft vorausgesehen. Die IV-Stelle hätte aufgrund des Berichts von
Dr. med. A._ eine neue Untersuchung anordnen müssen. Der Aktennotiz der Ärztin
des RAD dürfe keine Bedeutung beigemessen werden, da sich die Bestätigung nur auf
das Gelesene bezogen habe. Die Tatsache, dass der behandelnde Arzt eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% festgestellt habe, belege, dass entgegen dem Gutachten
eine andere Situation eingetreten sei. Die Behauptung der IV-Stelle, der
Gesundheitszustand habe sich seit der Begutachtung nicht verändert, lasse die
Möglichkeit ausser Acht, dass im Gutachten falsche Schlüsse gezogen worden seien.
Wie anders könne erklärt werden, dass entgegen den Vorhersagen von Dr. med. G._
immer noch eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestehe.
H.
Die IV-Stelle verzichtete am 26. November 2009 auf eine Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Die Ermittlung des Validen- und des zumutbaren
Invalideneinkommens setzt die vorgängige Definition der Validen- und der
Invalidenkarriere voraus.
1.1 Der Beschwerdeführer hat keinen Beruf erlernt. Er hat aber eine Ausbildung zum
Lastwagen- und Carchauffeur absolviert und er ist auch längere Zeit in diesem Bereich
erwerbstätig gewesen, bis er in den Hauslieferdienst für C._ gewechselt hat, um –
dem Wunsch seiner Ehefrau entsprechend – normale Arbeitszeiten zu haben. Mit der
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Trennung von der Ehefrau hätte der Beschwerdeführer als hypothetisch valide Person
an sich keine unmittelbare Veranlassung mehr gehabt, auf die Arbeitszeiten Rücksicht
zu nehmen und deshalb nicht als Lastwagen- oder Carchauffeur, sondern als
Auslieferer von C._ tätig zu sein. Dementsprechend kann die Validenkarriere nicht
durch die zuletzt ausgeübte Erwerbstätigkeit definiert werden. Vielmehr ist jene
Tätigkeit als Validenkarriere zu betrachten, bei welcher der Beschwerdeführer seine
Fähigkeiten und Berufskenntnisse als Lastwagen- und Carchauffeur einsetzen und bei
der er sich wohl fühlen würde. Im vorliegenden Fall wäre es deshalb naheliegend
gewesen, den Beschwerdeführer – analog der Vorgehensweise bei Personen, die teils
erwerblich und teils im Haushalt tätig sind – nach der genauen hypothetischen
Validenkarriere zu fragen.
1.2 Die Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer in
seiner Tätigkeit im Hauslieferdienst für C._ zunächst zu 100%, dann zu 50% und
schliesslich gar nicht mehr arbeitsunfähig gewesen sei. Sie hat also die zuletzt effektiv
ausgeübte Tätigkeit als die zumutbare Invalidenkarriere betrachtet. Diese Annahme
dürfte ihre Ursache nur darin haben, dass die Beschwerdegegnerin auch die
Validenkarriere anhand der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit definiert hat. Da die
Validenkarriere aber breiter zu definieren ist (und damit wohl auch die Tätigkeit als
Lastwagen- und Carchauffeur umfasst), bleibt auch in Bezug auf die zumutbare
Invalidenkarriere zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch die Beeinträchtigung
seiner psychischen Gesundheit nicht daran gehindert ist, als Chauffeur tätig zu sein.
Dr. med. G._ hat seine Arbeitsfähigkeitsschätzung zwar formal auf die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit bezogen, aber er hat sich nicht mit der Frage auseinandergesetzt,
ob der Beschwerdeführer trotz der Krankheit noch in der Lage sei, die in gewissen
Bereichen sehr hohen Anforderungen an einen Chauffeur zu erfüllen. Gemäss den
Angaben der Psychiatrie-Dienste Süd hat die Depression beim Beschwerdeführer
insbesondere einen verminderten Antrieb, eine verminderte Energie, eine
Aktivitätseinschränkung, Schlafstörungen und eine verminderte Konzentration und
Aufmerksamkeit bewirkt. Ob der Beschwerdeführer bei einer depressionsbedingten
Arbeitsunfähigkeit von 50% angesichts dieser Beeinträchtigungen tatsächlich noch
fahrtüchtig gewesen ist (wogegen insbesondere die reduzierte Konzentrationsfähigkeit
und die Schlafstörungen sprechen), ist von Dr. med. G._ in seinem Gutachten nicht
erläutert worden. Es besteht deshalb die Möglichkeit, dass der Beschwerdeführer zwar
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in irgendeiner Hilfsarbeit, die keine besonderen Anforderungen die
Konzentrationsfähigkeit etc. stellt, bis 10. Dezember 2007 wieder zu 50% arbeitsfähig
gewesen ist, dass er aber noch nicht fahrtüchtig gewesen ist. Dagegen kann nicht
eingewendet werden, der Beschwerdeführer hätte in Erfüllung seiner
Schadenminderungspflicht ab September 2007 zunächst eine geeignete Hilfsarbeit
ausüben und erst ab Januar 2008 wieder in die Tätigkeit als Chauffeur wechseln
können, um so die noch bis Ende 2007 fehlende Fahrtüchtigkeit zu "kompensieren".
Damit würden die Anforderungen an die Zumutbarkeit der Schadenminderungspflicht
zu hoch geschraubt, denn es würde vom Beschwerdeführer verlangt, dass er – bei
noch andauernder Depression – eine Hilfsarbeit im Wissen darum hätte ausüben
müssen, dass er aufgrund der fortschreitenden Genesung bald wieder fahrtüchtig und
damit in der Lage sein würde, als Chauffeur zu arbeiten. Es kann also nicht für eine
kurze Zeit von einer zumutbaren Invalidenkarriere als Hilfsarbeiter ausgegangen
werden. Vielmehr ist durchgehend von der Invalidenkarriere als Chauffeur auszugehen.
Eine allfällige Fahruntüchtigkeit bei einer an sich auf 50% gesunkenen
Arbeitsunfähigkeit hätte deshalb eine andauernde Invalidität von 100% zur Folge. Da
die Fahrtüchtigkeit ab September 2007 nicht geprüft worden ist, wird die
Beschwerdegegnerin diese Frage noch zu klären haben.
1.3 Dr. med. G._ hat für die Zeit ab 10. Dezember 2007 eine Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers von 30% angegeben. Gleichzeitig hat er ausgeführt, die reaktive
Depression sei – nicht zuletzt dank der adäquaten Behandlung - nach spätestens
24 Monaten abgeklungen. Die Arbeitsunfähigkeit von 30% beruhe auf dem St. n. der
durchgemachten Belastungs- und Anpassungsstörung, von der sich der
Beschwerdeführer aber allmählich erhole. Die weiterbestehenden emotionalen
Probleme seien nicht invalidisierend. Die akzentuierten Persönlichkeitszüge bzw. die
Schwierigkeiten, die Kränkung zu überwinden und sich auf ein neues Leben
einzulassen, seien durch eine zumutbare Willensanstrengung überwindbar. Dr. med.
D._ hat dies so interpretiert, dass Dr. med. G._ keine depressive Symptomatik
mehr festgestellt habe. Daraus hat sie den Schluss gezogen, dass die Annahme einer
Arbeitsunfähigkeit von 30% seit dem 10. Dezember 2007 versicherungsmedizinisch
nicht plausibel sei. Sie hat dann die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. G._
durch eine eigene Arbeitsfähigkeitsschätzung (100% arbeitsfähig seit dem 10.
Dezember 2007) ersetzt. Entgegen der im Beschwerdeverfahren von der
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Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung geht es hier nicht um eine analoge
Anwendung der höchstrichterlichen Rechtsprechung zur Arbeitsfähigkeit bei
somatoformen Schmerzstörungen, d.h. um ein Problem des Ausmasses der
zumutbaren Willensanstrengung zur Überwindung einer rein subjektiven
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung ohne objektiven Hintergrund. Vielmehr geht es um die
Frage, ob aus medizinischer Sicht, also objektiv und damit zum vornherein nicht durch
eine zumutbare Willensanstrengung überwindbar, weiterhin eine durch die depressive
Symptomatik bewirkte Arbeitsunfähigkeit vorliege. In Bezug auf die von Dr. med. G._
angegebenen Arbeitsunfähigkeiten von 100% und dann von 50% hat die
Beschwerdegegnerin nämlich auch keine Überwindbarkeit mittels einer zumutbaren
Willensanstrengung angenommen. Es ist nicht einzusehen, weshalb das in Bezug auf
die ab 10. Dezember 2007 angegebene Arbeitsunfähigkeit von 30% anders sein sollte.
Entscheidend ist denn auch etwas ganz anderes, nämlich ob Dr. med. G._ – dem
Verständnis von Dr. med. D._ entsprechend – in seinem Gutachten tatsächlich
angegeben hat, anlässlich der Untersuchung vom 10./11. Dezember 2007 sei die
reaktive depressive Episode bereits vollständig abgeklungen gewesen. Dr. med. G._
hat in seinem Gutachten im Anschluss an die von Dr. med. D._ "interpretierte"
Passage festgehalten, der Beschwerdeführer erhole sich allmählich vom St. n. der
durchgemachten Belastungs- und Anpassungsstörung (vgl. Gutachten vom 23. Januar
2008, S. 13 oben). Das könnte durchaus auch so verstanden werden, dass die
psychische Störung im Untersuchungszeitpunkt noch nicht vollständig überwunden
gewesen sei und deshalb immer noch eine nachteilige Wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
entfaltet habe, allerdings nur noch in einem weiter reduzierten Ausmass von 30%. Für
diese Interpretation spricht auch, dass Dr. med. G._ auf die Notwendigkeit
hingewiesen hat, die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung weiterzuführen
(vgl. Gutachten vom 23. Januar 2008, S. 13 Mitte). Bei diesem Interpretationsergebnis
bestünde kein versicherungsmedizinischer Widerspruch zwischen dem angegebenen
Gesundheitszustand und der Annahme einer Arbeitsunfähigkeit von 30%. Warum Dr.
med. D._ es unterlassen hat, die Unklarheit bei der Interpretation des Gutachtens
durch eine Rückfrage bei Dr. med. G._ zu beseitigen, ist nicht nachvollziehbar. Wenn
es möglich ist, beim Sachverständigen eine authentische Interpretation einer unklaren
Passage des Gutachtens einzuholen, vermag keine andere Vorgehensweise dem
erforderlichen Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu genügen. Die
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Beschwerdegegnerin wird deshalb Dr. med. G._ auffordern, sich zur medizinischen
Begründung der von ihm für die Zeit ab der Untersuchung angegebenen
Arbeitsunfähigkeit von 30% zu äussern und damit die Unsicherheit bei der
Interpretation seines Gutachtens vom 23. Januar 2008 zu eliminieren. Angesichts der
im Beschwerdeverfahren von der Beschwerdegegnerin aufgestellten Behauptung, es
handle sich jedenfalls um eine durch eine zumutbare Willensanstrengung
überwindbare, rein subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung, wird Dr. med. G._
auch zu diesem Punkt zu befragen sein. Die Differenz zur äusserst pessimistischen
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. A._ vermag entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers keine ernsthaften Zweifel an der Richtigkeit der gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung zu wecken, da behandelnde Ärzte erfahrungsgemäss
aufgrund ihrer engen Beziehung zum Patienten sowohl die Schwere der Krankheit als
auch deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu pessimistisch einschätzen. Das
gilt in besonderem Mass bei psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen, wohl weil es
hier naturgemäss weit schwieriger ist, das vom Patienten gezeigte und geklagte
Krankheitsbild zu objektivieren, als im somatischen Bereich. Der Beschwerdegegnerin
steht es aber selbstverständlich frei, bei Dr. med. G._ eine Stellungnahme zur
Einschätzung von Dr. med. A._ einzuholen, eine Verlaufsbegutachtung anzuordnen
usw.
1.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die für den Beschwerdeführer als
Lastwagen- und Carchauffeur massgebende Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung
der Fahrtauglichkeit für die Zeit ab 1. September 2007 bis zum hier massgebenden
Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung am 13. Januar 2009 nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. Die angefochtene
Verfügung ist somit in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ergangen, so dass
sie als rechtswidrig aufzuheben ist. Die Beschwerdegegnerin wird den Sachverhalt
weiter abzuklären haben. Sollte sich aufgrund der nachzuholenden Abklärungen
herausstellen, dass eine rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit auf unbestimmte Zeit
besteht, wird die Beschwerdegegnerin in Erfüllung der als Grundsatz der
"Eingliederung vor Rente" (vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar, Vorbemerkungen N. 47)
bekannten Eingliederungspflicht eine Eingliederung des Beschwerdeführers prüfen,
bevor sie eine Rente zuspricht.
2.
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Demnach ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, die Verfügung vom 13. Januar
2009 ist aufzuheben und die Sache ist zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung und zur
anschliessenden neuen Verfügung über das Rentenbegehren des Beschwerdeführers
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Praxisgemäss ist dieser
Verfahrensausgang in Bezug auf die Verfahrenskosten als vollständiges Obsiegen zu
werten. Der Beschwerdeführer hat deshalb einen Anspruch auf eine Entschädigung all
seiner Vertretungskosten. Diese bemessen sich nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Da insbesondere in
Bezug auf das zweitgenannte Kriterium von einem unterdurchschnittlichen Verfahren
auszugehen ist, erweist sich eine Parteientschädigung von Fr. 3000.- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69
Abs. 1 IVG). Auch hier ist von einem unterdurchschnittlichen Aufwand auszugehen,
so dass die Gerichtsgebühr auf Fr. 500.- festzusetzen ist. Die Beschwerdegegnerin hat
somit dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 3000.- und dem
Gericht eine Gebühr von Fr. 500.- zu bezahlen. Bei diesem Verfahrensausgang kommt
die – eventualiter für den Fall des Unterliegens des Beschwerdeführers – bewilligte
unentgeltliche Prozessführung nicht zum Tragen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53