Decision ID: 1f322c10-d4ac-4631-a38b-742c397d451f
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Das Grundstück Nr. 000, Grundbuch X., steht im Eigentum von A.Y. Die
Erbengemeinschaft B. ist Eigentümerin des östlich angrenzenden Grundstücks Nr. 001,
das nach dem Zonenplan der Gemeinde X. vom 23. Juni 1993 in der Wohn-Gewerbe-
Zone für zweigeschossige Bauten (WG2) liegt. Mit Baugesuch vom 9. Mai 2014
beantragte O.M. amtierender Gemeindepräsident von X., bei der Baukommission X. in
privater Funktion die Erteilung einer Baubewilligung für die Erstellung eines
Mehrfamilienhauses auf Grundstück Nr. 001. Die von A.Y. erhobene Einsprache gegen
das Baugesuch wies die Baukommission mit Beschluss vom 3. Juli 2014 ab und
erteilte die Baubewilligung. Diese wurde im anschliessenden Rekursverfahren vom
Baudepartement aufgehoben.
Am 8. Januar 2015 erliess der Gemeinderat X. ein neues Baureglement (BauR). Die
öffentliche Auflage erfolgte vom 18. Februar bis 20. März 2015. Das BauR sieht unter
anderem einen Verzicht auf die Ausnützungsziffer (AZ), in der WG2 eine Erhöhung der
Gebäudehöhe von 7,5 auf 8 m und eine Vergrösserung der Gebäudelänge von 30 m
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auf 35 m vor. Gegen diese Änderungen erhob A.Y. am 12. März 2015 Einsprache, die
der Gemeinderat mit Beschluss vom 30. März 2015 abwies.
Das BauR wurde vom 23. April bis 1. Juni 2015 dem fakultativen Referendum
unterstellt. Mit Schreiben vom 10. Juni 2015 gab der Gemeinderat dem Einsprecher
von der stillschweigenden Zustimmung der Bürgerschaft Kenntnis und eröffnete ihm
die Rekursfrist von 14 Tagen. Gegen den Beschluss der Bürgerschaft erhob A.Y. am
26. Juni 2015 Rekurs beim Baudepartement mit dem Antrag, der Entscheid der
Bürgerschaft betreffend BauR sei aufzuheben und das neue BauR sei nicht zu
genehmigen. Der Einsprecher beanstandete die Vergrösserung der Gebäudehöhe und -
länge in der WG2 sowie den Verzicht auf die Festlegung einer AZ.
Das Baudepartement wies den Rekurs mit Entscheid vom 17. September 2015 ab. Zur
Begründung führte es im Wesentlichen aus, den Politischen Gemeinden stehe es frei,
im BauR eine AZ festzulegen; die zweckmässige Nutzung des Bodens könne auch
durch Vorschriften über die äussere Abmessung von Bauten wie Abstands- und
Höhenvorschriften usw. festgelegt werden. Das Rechtsgleichheitsgebot sei nicht
verletzt, wenn in verschiedenen Gemeinden unterschiedliche Regelbauvorschriften
erlassen würden. Die Vergrösserung der Gebäudehöhe und -länge sei
planungsrechtlich nicht zu beanstanden.
B. Gegen diesen Entscheid erhob A.Y. (Beschwerdeführer) mit Schreiben vom
29. September 2015 (Poststempel 30. September 2015) Beschwerde mit folgenden
Rechtsbegehren: Der Entscheid des Baudepartements des Kantons St. Gallen sei
aufzuheben (Ziff. 1); es sei das neue Baureglement der Gemeinde X. vom 8. Januar
2015 aufzuheben und es sei das entsprechende Baureglement vom 8. Januar 2015
nicht zu genehmigen (Ziff. 2); eventuell sei das Verfahren zu sistieren bis die
Inkraftsetzung des neuen Kantonalen Bau- und Planungsgesetzes erfolgt ist (Ziff. 3);
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung führt er aus, er halte
weiterhin an seinen Ausführungen betreffend AZ und Gebäudehöhe gegenüber dem
Baudepartement fest. Die Baureglementsänderung bevorteile einseitig O.M.,
Gemeindepräsident von X., was sich aus dem Studium des Situationsplans zum
Baugesuch auf Grundstück Nr. 001 ergebe. Sodann sei es nicht zulässig, dass einzelne
Gemeinden angesichts der im neuen Planungs- und Baugesetz vorgesehenen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vereinheitlichung der Regelbauvorschriften vorpreschten. Die Streichung der AZ wirke
sich vor allem in Einfamilienhaus-Quartieren negativ auf das Ortsbild aus. Eventualiter
sei es im Interesse der Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit erforderlich, das
Verfahren bis zum Ausgang des kantonalen Planungs- und Baugesetzes zu sistieren.
In der Vernehmlassung vom 22. Oktober 2015 beantragte das Baudepartement
(Vorinstanz) die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies es auf den
angefochtenen Entscheid. Der Beschwerdeführer unterlasse es, sich mit dem
Entscheid des Baudepartementes auseinanderzusetzen; stattdessen wiederhole er
weitgehend wortgleich seine Ausführungen in der Rekursbegründung. Die Gemeinde
bzw. der Gemeinderat X. (Beschwerdegegnerin), vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur.
Jürg Bereuter, St. Gallen, beantragte mit Eingabe vom 13. November 2015 Abweisung
der Beschwerde. Zur Begründung wird auf den angefochtenen Entscheid verwiesen.
Das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation genehmigte das neue
Baureglement mit Verfügung vom 17. Dezember 2015.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis Abs.
1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der
Beschwerdeführer ist Adressat des angefochtenen Entscheides und somit formell
beschwert. Die Rechtsmittelberechtigung gegen Vorschriften des Baureglementes ist
gegeben, wenn der Beschwerdeführer durch die angefochtenen Bestimmungen virtuell,
das heisst mit einer minimalen Wahrscheinlichkeit früher oder später einmal in
rechtlichen oder tatsächlichen Interessen betroffen ist (vgl. Art. 29bis des Gesetzes
über die Raumplanung und das öffentliche Baurecht, Baugesetz, sGS 731.1, BauG; B.
Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 205 mit Hinweis; BGer
1C_157/2014 vom 4. November 2015 E. 1.2, veröffentlicht in ZBl 117/2016 S. 444 ff.,
S. 446). Der Beschwerdeführer ist Eigentümer eines Grundstücks im Baugebiet der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin und dementsprechend zur Beschwerdeerhebung befugt (Art. 64
in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
1.2. Die Beschwerdeeingabe vom 29. September 2015 entspricht zeitlich, formal und
inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 VRP). Der Beschwerdeführer wiederholt zwar weitgehend die
Begründung, die er im Rekurs anführte. Insoweit geht aus der Beschwerdebegründung
nicht klar hervor, in welchen Punkten und weshalb der vorinstanzliche Entscheid
fehlerhaft sein soll (vgl. statt vieler VerwGE 2013/76 vom 16. April 2014 E. 1;
www.gerichte.sg.ch). Da der Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten ist, dürfen
allerdings keine allzu hohen Anforderungen an die inhaltliche Begründung gestellt
werden. Vorliegend kann die Begründung als knapp genügend beurteilt werden. Auf
die Beschwerde ist deshalb grundsätzlich einzutreten.
1.3. Der Beschwerdeführer stellt den (Teil-)Antrag, es sei das entsprechende BauR
nicht zu genehmigen (Ziff. 2 zweiter Satzteil des Rechtsbegehrens). Planungserlasse
bedürfen nach Art. 31 Abs. 1 BauG beziehungsweise Art. 26 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Raumplanung (SR 700, RPG) der Genehmigung des
zuständigen Departementes. Zur Genehmigung der Ortsplanungserlasse ist nach Art.
25 Bst. abis des Geschäftsreglements der Regierung und der Staatskanzlei (sGS 141.3)
das Baudepartement zuständig. Die Genehmigungsverfügung wird in Anwendung von
Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang 6 der Ermächtigungsverordnung (sGS 141.41)
durch den Leiter des Amtes für Raumentwicklung und Geoinformation im Namen des
Baudepartementes erlassen. Ausschliesslicher Adressat dieser
Genehmigungsverfügung ist der Gemeinderat. Private sind nicht Adressaten der
Genehmigungsverfügung. Ihnen steht das ordentliche Rechtsmittelverfahren nach Art.
29 ff. BauG zur Verfügung (vgl. dazu VerwGE B 2013/232 und 267 vom 16. April 2014
E. 1.4, www.gerichte.sg.ch). Auf den Antrag des Beschwerdeführers auf
Nichtgenehmigung des BauR ist somit nicht einzutreten.
2. Der Beschwerdeführer beantragt (Ziff. 3 des Rechtsbegehrens), das Verfahren sei zu
sistieren bis zur Inkraftsetzung des neuen kantonalen Planungs- und Baugesetzes
(PBG).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eine Sistierung bedeutet eine Abweichung vom Grundsatz einer möglichst
beförderlichen Fortführung und Erledigung des Verfahrens (Beschleunigungsgebot). Sie
bedarf daher einer Rechtfertigung. Eine Sistierung des Verfahrens ist anzuordnen,
wenn sie gesetzlich vorgeschrieben ist oder wenn ein anderes Verfahren anhängig ist,
dessen Ausgang von präjudizieller Bedeutung ist. Zulässig ist die Verfahrenssistierung
ausserdem, wenn sie aus wichtigen Gründen geboten erscheint und ihr keine
überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 1093). Es besteht
vorliegend kein Anlass zur Sistierung. Die Politische Gemeinde ist befugt, das
Baureglement zu ändern, wenn es aus wichtigen öffentlichen Interessen geboten ist
(Art. 32 Abs. 1 BauG). Ob dies zutrifft, ist eine Frage der materiellen Beurteilung, die
unabhängig vom künftigen PBG vorzunehmen ist. Daran ändert deshalb nichts, dass
das PBG nach unbenütztem Ablauf der Referendumsfrist am 5. Juli 2016 rechtsgültig
geworden ist (ABl 2016 S. 2155) und am 1. Oktober 2017 in Kraft treten wird (vgl.
www.sg.ch, Bauen, Raum & Umwelt). Ausserdem sieht das PBG keine AZ mehr vor
(Art. 79 PBG). Das Sistierungsgesuch ist somit abzuweisen.
3. Der Beschwerdeführer rügt, der Verzicht auf die AZ und die Vergrösserung der
Gebäudehöhe in der WG2 erfolge vor allem deshalb, um den Baugesuchsteller auf
Grundstück Nr. 001, den Gemeindepräsidenten von X., einseitig zu bevorzugen.
Gemäss der Vernehmlassung vom 3. August 2015 an die Vorinstanz hat der
Gemeinderat X. bereits an der Strategiesitzung vom Juli 2012 beschlossen, unter
anderem die AZ aufzuheben, um die innere Verdichtung in den Bauzonen zu fördern.
Damit verfolgt der Gemeinderat die raumplanungsrechtlichen Bestrebungen, den
Boden haushälterisch zu nutzen und die Siedlungsentwicklung nach innen zu lenken
(Art. 1 Abs. 1 und Abs. 2 lit. abis RPG). Der Verzicht auf die AZ bezieht sich auf alle
Bauzonen im gesamten Gemeindegebiet, für die bisher eine AZ festgelegt war. Der
Einwand des Beschwerdeführers ist unbegründet.
4.4.1. Der Verzicht auf die AZ ist nach der Auffassung des Beschwerdeführers für eine
Gemeinde wie X. nicht tragbar; gerade in Einfamilienhaus-Quartieren führe dies zu einer
massgeblichen Veränderung des Ortsbildes.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2. Im Bereich der Nutzungsplanung steht der Planungsbehörde ein weitreichender
Ermessensspielraum zu. Insbesondere lässt sich aus den Planungszielen und -
grundsätzen des Bundesrechts (Art. 1 und Art. 3 RPG) kein Anspruch des Einzelnen auf
Erlass bestimmter planerischer Massnahmen ableiten. Dagegen unterliegt die Frage
des vollständigen Einbezugs der massgeblichen Einzelaspekte in die
Interessenabwägung im Rahmen der Planung grundsätzlich der Rechtskontrolle (vgl.
GVP 1996 Nr. 12; VerwGE B 1999/6 vom 16. März 2000). Ein Ermessens-
beziehungsweise Beurteilungsspielraum steht der Planungsbehörde aber namentlich
dort zu, wo es um die Wertung bzw. Gewichtung der einzelnen Grundsätze geht. Erst
eine deutlich unsorgfältige Interessenabwägung stellt eine Rechtsverletzung dar und
unterliegt der Rechtskontrolle (vgl. statt vieler P. Hänni, Planungs-, Bau- und
besonderes Umweltschutzrecht, 6. Aufl. 2016, S. 91 f.). Trägerin der Ortsplanung ist
grundsätzlich die Politische Gemeinde (Art. 2 Abs. 1 BauG). Art. 3 Abs. 2 BauG
bestimmt in diesem Zusammenhang, dass dem Staat in allen Belangen der
Raumplanung die Rechts- und Ermessenskontrolle zusteht, dass er aber den nötigen
Ermessensspielraum der Politischen Gemeinden bei der Orts- und Regionalplanung
wahrt. Dies bedeutet, dass der Staat den kommunalen Entscheid zu respektieren hat,
wenn der Plan beziehungsweise der Erlass den massgebenden Rechtsnormen
entspricht und zweckmässig sowie sachgerecht ist. Nach Art. 61 Abs. 1 VRP ist das
Verwaltungsgericht im Beschwerdeverfahren zur Kontrolle von Rechtsverletzungen
befugt. Die Ermessenskontrolle ist ihm hingegen verwehrt (Art. 61 Abs. 1 und Abs. 2
VRP).
4.3. Die Ortsplanung und die örtliche Baupolizei sind Sache der Politischen Gemeinde.
Diese ist befugt, im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen öffentlich-rechtliche
Bauvorschriften zu erlassen (Art. 2 Abs. 1 BauG). Nach Art. 4 BauG stellt die Politische
Gemeinde durch die Ortsplanung die zweckmässige Nutzung des Bodens sowie die
geordnete Besiedlung und die bauliche Entwicklung des Gemeindegebietes sicher. Das
Baureglement enthält unter Vorbehalt der Gesetzgebung des Bundes und des Kantons
für das gesamte Gebiet der Politischen Gemeinde öffentlich-rechtliche Bauvorschriften
(Art. 8 BauG). Kommunale Vorschriften dürfen somit nur im Rahmen der gesetzlichen
Bestimmungen erlassen werden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
In Bezug auf die AZ enthält Art. 61 BauG eine Legaldefinition, von der die Politischen
Gemeinden nicht abweichen dürfen. Das BauG verpflichtet indessen die Politischen
Gemeinden nicht, für die einzelnen Zonenarten eine AZ festzulegen. Die
Nutzungsintensität (Art. 9 Abs. 1 BauG), das heisst die Baudichte beziehungsweise die
Nutzung der Grundstücke muss nicht zwingend mit Verhältniszahlen nach Art. 61 BauG
geregelt werden. Die Nutzungsintensität kann auch durch die sogenannten primären
Bauvorschriften wie Vorschriften über Abstände (Grenz- und Gebäudeabstände),
Geschosszahl, Gebäudehöhe, Gebäudelänge und -breite festgelegt werden (Heer,
a.a.O., Rz. 660 mit Hinweisen). In Bezug auf die Nutzungsziffern entspricht die
Regelung im Kanton St. Gallen derjenigen im Kanton Aargau. Auch im Kanton Aargau
können die Gemeinden Nutzungsziffern festlegen, müssen dies aber nicht (Ch. Häuptli,
Kommentar zum Baugesetz des Kantons Aargau, Bern 2013, Rz. 5 zu § 50).
Das neue Baureglement enthält in Art. 6 für alle Zonenarten Vorschriften über die
Vollgeschosszahl, die Gebäudehöhe, die Firsthöhe, den kleinen und den grossen
Grenzabstand sowie die Gebäudelänge und den Mehrlängenzuschlag. Wie die
Vorinstanz zu Recht festhält, enthält das neue BauR damit eine ausreichende Dichte an
Regelbauvorschriften und ist geeignet, die geordnete Besiedlung des
Gemeindegebietes im Sinn von Art. 4 BauG sicherzustellen. Die Politische Gemeinde
hat ihr Planungsermessen zweckmässig und sachgerecht ausgeübt. Der angefochtene
Entscheid der Vorinstanz ist diesbezüglich nicht zu beanstanden.
4.4. Der Beschwerdeführer rügt wie bereits vor der Vorinstanz, das
Rechtsgleichheitsgebot sei verletzt. Er sei Eigentümer eines Grundstückes in der
Gemeinde R. mit einer AZ von 0,4, während in X. die AZ abgeschafft werden soll.
Die Vorinstanz hat zu Recht festgehalten, dass die Ortsplanung im Kanton St. Gallen
allein Sache der Politischen Gemeinde ist, weshalb es auch ausschliesslich ihre eigene
Sache ist, Bauvorschriften für ihr Gemeindegebiet zu erlassen (Art. 2 Abs. 1 zweiter
Satz BauG). Der Beschwerdeführer setzt sich mit dieser Begründung im angefochtenen
Entscheid nicht auseinander. Es kann auf die zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz (Erwägung 3.5) verwiesen werden.
5. Im weiteren rügt der Beschwerdeführer die Vergrösserung der Gebäudehöhe in der
WG2; die Gebäudelänge wird nicht mehr gerügt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Weshalb die Erhöhung der Gebäudehöhe von 7,5 auf 8 m planerisch zu beanstanden
wäre, legt der Beschwerdeführer in keiner Art und Weise dar. Gemäss der Tabelle zu
Art. 7 des Baureglementes vom 27. Februar 2002 beträgt die maximale Gebäudehöhe
in der WG2 7,5 m, im neuen BauR ist eine maximale Höhe von 8 m vorgesehen (Tabelle
zu Art. 6 BauR). Die Firsthöhe bleibt mit 12 m unverändert, ebenso der kleine und der
grosse Grenzabstand (4 bzw. 8 m). Diese geringfügige Änderung liegt im Ermessen des
Gemeinderates bzw. der Politischen Gemeinde (Art. 2 Abs. 1 BauG, Art. 3 Abs. 2
zweiter Satz BauG; Art. 2 Abs. 3 RPG). Die geringfügige Erhöhung der Gebäudehöhe
um 0,5 m gewährleistet eine bessere Raumausnutzung und liegt im Interesse der
Erleichterung des verdichteten Bauens (Art. 1 Abs. 2 lit. abis RPG). Somit erweist sich
auch der Einwand des Beschwerdeführers betreffend die Gebäudehöhe in der WG2 als
unbegründet.
6. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist (Ziff. 1 und Ziff.
2 erster Satzteil des Beschwerdeantrags). Nicht einzutreten ist auf das Begehren, das
BauR sei nicht zu genehmigen (Ziff. 2 zweiter Satzteil des Rechtsbegehrens). Dem
Sistierungsantrag (Ziff. 3 des Rechtsbegehrens) ist nicht stattzugeben.
7.7.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF
3‘000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziffer 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer in gleicher Höhe geleisteten
Kostenvorschuss zu verrechnen.
7.2. Der Beschwerdeführer hat bei diesem Ausgang des Verfahrens keinen Anspruch
auf ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis VRP). Die Vorinstanz und die
Beschwerdegegnerin haben nach der ständigen Praxis der Verwaltungsgerichts
ebenfalls keinen solchen Anspruch (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 825 ff); sie stellen auch
kein entsprechendes Begehren.