Decision ID: e6a31810-1918-58e6-b183-2dfa8f0071a7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 11. September 2020 in der Schweiz um
Asyl nach. Anlässlich der Personalienaufnahme vom 29. September 2020
und der Anhörung vom 16. Oktober 2020 machte er geltend, er sei sri-lan-
kischer Staatsbürger tamilischer Ethnie aus B._, wo er auch nach
dem Tod seiner Mutter (...) bis zu seiner Ausreise stets an derselben Ad-
resse mit seiner Grossmutter, seiner Tante und deren Familie gelebt und
als Fischer gearbeitet habe. Er selbst habe mit den LTTE (Liberation Tigers
of Tamil Eelam) keinen Kontakt gehabt. Die LTTE hätten jedoch von sei-
nem Vater – der zwar kein Mitglied bei den LTTE gewesen sei, aber einmal
pro Woche Transporte für diese durchgeführt habe und seit (...) verschol-
len sei – damals Geld verlangt. Mit den sri-lankischen Behörden habe er
(der Beschwerdeführer) keine Probleme gehabt, bis sich im Jahr 2019 sein
Fischernetz im Motor eines singhalesischen Fischerboots verfangen habe.
Er habe sich zwar entschuldigt, aber die Singhalesen seien trotzdem auf
sein Boot gesprungen und hätten ihn geschlagen, was er auf dem Polizei-
posten zur Anzeige gebracht habe. Die Polizisten hätten ihn jedoch nicht
ernstgenommen und stattdessen die Armee telefonisch informiert, dass er
in Religionsstreitereien und in Menschenschmuggel zwischen Sri Lanka
und Indien involviert sei. Deshalb seien ein Monat später Soldaten zu ihm
nach Hause gekommen und hätten ihn mitgenommen. Er sei auf einem
Stützpunkt im Wald befragt, geschlagen und es sei ihm vorgeworfen wor-
den, dass sein Vater früher mit den LTTE zusammengearbeitet und er (der
Beschwerdeführer) Menschenschmuggel betrieben habe. Trotz der Ver-
weigerung seiner Unterschrift auf einem Zugeständnisformular sei er noch
am selben Tag freigelassen worden. Hiernach sei er stets mit grosser Angst
fischen gegangen. Wie er später erfahren habe, hätten die Soldaten erneut
nach ihm gesucht. Kurz bevor er Sri Lanka (...) auf dem Luftweg verlassen
habe, sei er von der Polizei schriftlich vorgeladen worden.
B.
Am 23. Oktober 2020 gab das SEM dem Beschwerdeführer Gelegenheit,
sich zum Entscheidentwurf zu äussern. Die Stellungnahme erfolgte mit
Schreiben vom 23. Oktober 2020. Hierin machte er geltend, er sei mit dem
Entscheid des SEM nicht einverstanden, da seine geschilderten Umstände
der Wahrheit entsprechen würden und er sich in grosser Gefahr vor der
Polizei und dem Militär befinde. Zudem habe er zu seiner Familie keinen
Kontakt mehr und erhalte keine Unterstützung. Des Weiteren könne er auf-
grund der aufgezeigten Situation nicht mehr als Fischer arbeiten und habe
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keine andere Möglichkeit sein Überleben zu sichern, da er als Vollwaise
keine Familie habe. Der Vollzug der Wegweisung in die Ostprovinz sei nur
unter der Voraussetzung des Vorliegens individueller Zumutbarkeitskrite-
rien als zumutbar zu erachtet, die vorliegend nicht gegeben seien.
C.
Mit Verfügung vom 27. Oktober 2020 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab,
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, setzte eine Ausreisefrist an,
beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und
händigte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten aus.
D.
Mit Schreiben vom 27. Oktober 2020 erklärte die Rechtsvertretung des Be-
schwerdeführers, sie habe das Mandat niedergelegt.
E.
Mit Eingabe vom 26. November 2020 reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei die Ver-
fügung des SEM aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen
und Asyl zu gewähren. Es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegwei-
sung unzulässig, unzumutbar sowie unmöglich sei und es sei die vorläufige
Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu
verzichten und ein amtlicher Rechtsbeistand zu ernennen.
F.
Mit Instruktionsverfügung vom 1. Dezember 2020 bestätigte der Instrukti-
onsrichter den Eingang der Beschwerde und stellte fest, der Beschwerde-
führer könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz ab-
warten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung
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legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 COVID-19-
Verordnung Asyl und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten
Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufge-
zeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch
zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1
AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG).
4.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft
machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht
ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind ins-
besondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder
massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-
den (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die An-
forderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publizierten
Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier ver-
wiesen werden (BVGE 2015/3 E. 6.5.1, m.w.H.).
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5.
Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung – nach Aufzählung
verschiedener Ungereimtheiten – zum Schluss, aus den oberflächlichen
und konstruierten Aussagen des Beschwerdeführers könne kein Verfol-
gungsinteresse der sri-lankischen Behörden an seiner Person erkannt wer-
den. Es sei insbesondere nicht nachvollziehbar, dass die Behörden plötz-
lich (...) auf ihn aufmerksam geworden seien, um ihm Schlepperaktivitäten
vorzuwerfen. Unter diesen Umständen könnten auch die geltend gemach-
ten Suchaktionen nicht geglaubt werden. Vor dem Hintergrund, dass er für
den Zeitpunkt seiner Ausreise keine flüchtlingsrechtlich relevanten Verfol-
gungsmassnahmen habe glaubhaft geltend machen können und nach
Kriegsende beinahe (...) Jahre in Sri Lanka wohnhaft gewesen sei, sei
nicht darauf zu schliessen, dass die vorliegenden Risikofaktoren ein Ver-
folgungsinteresse der sri-lankischen Behörden auslösen könnten. Im Übri-
gen handle es sich bei der Stellungnahme zum Entscheidentwurf (vgl.
Sachverhalt Bst. B) lediglich um eine Wiederholung bereits bekannter und
gewürdigter Angaben, womit keine Tatsachen oder Beweismittel vorgelegt
worden seien, die eine Änderung dieses Standpunktes rechtfertigen wür-
den.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz festzustellen, dass die Asylvorbringen des Beschwerdefüh-
rers den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG
nicht standzuhalten vermögen, weshalb vorab auf die zutreffenden Erwä-
gungen der Vorinstanz zu verweisen ist. Die Rechtsmitteleingabe ist nicht
geeignet, zu einer anderen Einschätzung zu gelangen, da sie lediglich an
der Glaubhaftigkeit der gemachten Aussagen festhält, indem sie das be-
reits anlässlich der Anhörung Dargelegte wiederholt oder die von der
Vorinstanz aufgeführten Ungereimtheiten nicht nachvollziehbar zu erklären
vermag.
Das Ereignis auf dem Polizeiposten anlässlich der Anzeigeerstattung ist
nicht nur unglaubhaft, sondern auch unlogisch dargelegt worden, obwohl
es sich hierbei um den Ausgangspunkt aller darauffolgenden Probleme mit
den Behörden handelt; ein Beleg der Anzeige wurde nicht ins Recht gelegt.
So konnte der Beschwerdeführer den Zeitpunkt dieses Ereignisses zu-
nächst nicht einordnen und schätzte ihn dann auf August beziehungsweise
November (...), bevor er sich schliesslich auf August (...) festlegte, obwohl
er zu einem früheren Zeitpunkt sagte, es sei (...) gewesen, was – unge-
achtet seiner Erklärung hierzu – erste Zweifel an diesem zentralen Ereignis
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zulässt (SEM-Akten A18 F68, F114 f.). Sodann ist es unlogisch, dass die
Polizisten in seiner Anwesenheit das Militär angerufen haben sollen, um
Religionsprobleme und Menschenschmuggel zu melden. Würde dieser
Sachverhalt zutreffen, wäre folgerichtig auch nicht zu erwarten, dass sich
der Beschwerdeführer so ohne Weiteres vom Polizeiposten hätte entfernen
können, um erst einen Monat später gesucht zu werden. Zudem verwun-
dert es, dass der Beschwerdeführer die Polizisten bei der Übermittlung die-
ser Information überhaupt verstanden hat, sprachen sie doch hierbei Sin-
galesisch, was er gemäss seinen zuvor gemachten Angaben nicht beherr-
sche (SEM-Akten A18 F68 entgegen F100). Weiter wirft ihm die
Vorinstanz vor, es fehle an einem Zusammenhang zwischen seiner Anzei-
geerstattung und diesen Anschuldigungen, was er auch auf Beschwerde-
ebene nicht überzeugend aufzuklären vermag (z. B. Beschwerde S. 7
Ziff. 21). Zwar erwähnt er in der Anhörung marginal die Teilnahme an reli-
giösen Protesten in Sri Lanka, diese ist jedoch unter anderem deshalb als
unglaubhaft einzustufen, da er hiermit insbesondere zu erklären versuchte,
wie die Polizei auf dem Polizeiposten plötzlich auf ihn aufmerksam gewor-
den sein soll (vgl. SEM-Akten A18 F103, F160, F166 f.). In der Beschwerde
bezeichnet er die religiösen Proteste als Demonstrationen und schmückt
diese im Vergleich zur Anhörung aus. Diesen Ausführungen ist indessen
ebenfalls nicht zu folgen, wäre doch namentlich zu erwarten gewesen,
dass der Beschwerdeführer diese bereits in der Anhörung entsprechend in
den Mittelpunkt gestellt hätte. Zudem erklären sie nicht, weshalb die Polizei
erst auf dem Polizeiposten auf den Beschwerdeführer aufmerksam gewor-
den sein soll, gehen diese doch auf das Jahr (...) zurück und glaubt der
Beschwerdeführer zu wissen, dass er bereits damals von den Behörden
fotografiert und gefilmt wurde. Es ist nicht davon auszugehen, dass er sich
– im Wissen darum polizeilich gesucht zu werden – wegen einer Lappalie,
wie dem vorgetragenen Streit, freiwillig auf den Polizeiposten begeben und
sich der Gefahr der Festnahme aussetzen würde. Auch ist nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb die Behörden erst im Jahr (...) aufgrund des Vaters – der
bereits seit (...) verschollen ist – auf den Beschwerdeführer aufmerksam
geworden sein sollen; diesbezügliche Erklärungsversuche vermögen
ebenfalls nicht zu überzeugen (z. B. SEM-Akten A18 F150). Im Übrigen soll
der Beschwerdeführer durch einen Freund vor den Gefahren gewarnt wor-
den sein, der seine Informationen wiederum von Leuten in seiner Nachbar-
schaft bezogen haben will (vgl. SEM-Akten A18 F110 ff.). Diese Vorbrin-
gen, die sich lediglich auf Informationen Dritter stützen, vermögen nicht zu
überzeugen. Auch ist den weiteren Fluchtvorbringen die Glaubhaftigkeit
abzusprechen. So bleiben namentlich die Angaben zu dem Ort oberfläch-
lich, an den der Beschwerdeführer gebracht und wo er befragt worden sein
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soll; den hierzu gestellten Fragen wich er zudem ostentativ aus (vgl. SEM-
Akten A18 F126 ff., F138). Im Übrigen hinterlassen die protokollierten
Fluchtvorbringen generell einen unsubstantiierten und stereotypen Ein-
druck; ihnen ist auch aus diesem Grund die Glaubhaftigkeit abzusprechen.
Nach dem Gesagten sind die weiteren Suchaktionen nach dem Beschwer-
deführer – über die er ebenfalls einzig durch Drittpersonen informiert wor-
den sein will (vgl. SEM-Akten A18 F145, F170) – und das schriftliche Auf-
gebot der Polizei – das bis heute nicht vorgelegt wurde (vgl. SEM-Akten
A18 F68 drittletzter Satz) – ebenfalls als unglaubhaft einzustufen und hie-
rauf ist nicht weiter einzugehen.
6.2 Aufgrund der Akten ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwer-
deführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnah-
men ausgesetzt sein wird. Das Bundesverwaltungsgericht hält diesbezüg-
lich fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die «Stop-List», Verbindung
zur LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risikobegründend zu
qualifizieren, da sie unter bestimmten Umständen bereits für sich alleine
genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Dem-
gegenüber würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine
zwangsweise respektive begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Nar-
ben schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass
diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor
ernsthaften Nachteilen zu begründen vermögen. Jegliche glaubhaft ge-
machten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechsel-
wirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer
Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung
bejaht werden müsse (Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
E. 8.5.5 [als Referenzurteil publiziert]).
Der Beschwerdeführer – der keinen Kontakt zu den LTTE hatte (SEM-Ak-
ten A18 F92 f.) – konnte keine asylrelevante Verfolgung vor seiner Ausreise
glaubhaft geltend machen beziehungsweise nicht glaubhaft dartun, dass
er aufgrund der Nähe seines bereits (...) verschollenen Vaters zu den LTTE
ernsthafte Schwierigkeiten mit den sri-lankischen Behörden gehabt hätte
(vgl. hierzu E. 6.1). Er macht auch nicht geltend, in der Schweiz politisch
aktiv gewesen zu sein. Es bestehen mithin keine hinreichenden Anhalts-
punkte dafür, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka persönlich ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen
könnten. Alleine aus der tamilischen Ethnie und möglicherweise fehlenden
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Reisedokumenten, kann er jedenfalls keine Gefährdung seiner Person ab-
leiten. Entsprechendes ergibt sich auch nicht aus den weiteren Beschwer-
deausführungen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers zu Recht abgelehnt.
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslände-
rinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen.
Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender Be-
gründung ausgeführt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung finde und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar seien. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 E. 12.2 f. [als Referenzurteil publiziert]). Auch der Europäi-
sche Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat – wie vom SEM zutref-
fend erwähnt – wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszuge-
hen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche
Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen
werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich 10466/11 vom
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19. September 2013 Ziff. 37). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten
Anhaltspunkte dafür, der Beschwerdeführer hätte bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu be-
fürchten, die über einen sogenannten «Backgroundcheck» (Befragung und
Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden
oder dass er dadurch persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Re-
gierungswechsel im November 2019 und die seither veränderte Lage in Sri
Lanka nichts zu ändern. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig.
8.3 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AIG unzumutbar
sein, wenn der Ausländer oder die Ausländerin im Heimat- oder Herkunfts-
staat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt
und medizinischer Notlage konkret gefährdet ist.
Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den
LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka we-
der Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Das Bundesverwal-
tungsgericht geht weiterhin davon aus, dass der Wegweisungsvollzug in
die Nord- und Ostprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuel-
len Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann (vgl. des BVGer
E-1866/2015 E. 13.2 [als Referenzurteil publiziert]). Auch der Wegwei-
sungsvollzug ins «Vanni-Gebiet» gilt als zumutbar (vgl. Urteil des BVGer
D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). Diese Einschätzung bleibt
auch nach den aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka (vgl. dazu im Einzel-
nen etwa Urteil des BVGer D-7353/2017 vom 24. Juni 2020 E. 11.3.1) und
insbesondere auch nach den Parlamentswahlen vom 5. August 2020 wei-
terhin zutreffend (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-2130/2017 vom
14. Oktober 2020 E. 9.3.2).
Der (...)-jährige Beschwerdeführer verfügt über einen Schulabschluss
(O-levels), Berufserfahrung als Fischer und hat verschiedene berufsorien-
tierte Kurse absolviert (z. B. SEM-Akten A18 F21, F27 ff.). Seit dem Tod
seiner Mutter (...) hat er zwar keine Eltern mehr, konnte aber bis zu seiner
Ausreise (...) weiterhin mit seinen Verwandten leben und als Fischer sei-
nen Lebensunterhalt verdienen (z. B. SEM-Akten A18 F27 ff., F33). Dank
dieser Arbeit konnte er Geld auf einem Bankkonto ansparen, auf das er für
seine Reise in die Schweiz zurückgreifen konnte (SEM-Akten A18 F55).
Zudem erwähnt er hilfsbereite Freunde (SEM-Akten A18 F55). Mithin ist
davon auszugehen, dass er vor Ort über ein tragfähiges Beziehungsnetz
verfügt, auf dessen Hilfe er bereits zurückgreifen konnte und – sofern not-
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wendig – bei einer Reintegration zurückgreifen kann. Er will zwar seit sei-
ner Ausreise aus Sri Lanka (...) keinen Kontakt mehr zu diesen Personen
gehabt haben, es liegen jedoch keine Hinweise dafür vor, dass er diesen
bei Bedarf nicht wieder aufnehmen könnte. Der angebliche Streit mit seiner
Tante ändert hieran nichts, basiert dieser doch auf den unglaubhaften Asyl-
vorbringen (vgl. Beschwerde S. 5 f. Ziff. 14, S. 12 Ziff. 35). Schliesslich sind
medizinische Berichte weder aktenkundig noch wurden solche auf Be-
schwerdeebene eingereicht. Die entsprechende Erklärung in der Anhörung
oder die marginale Andeutung in der Rechtsmitteleingabe lassen nicht auf
gesundheitliche Beschwerden schliessen, deren Schwere die Zumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs in Frage stellen würde (vgl. SEM-Akten A18
F56 und Beschwerde S. 6 Ziff. 18).
Der Vollzug der Wegweisung ist nach dem Gesagten sowohl in genereller
als auch in individueller Hinsicht zumutbar.
8.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat-
staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, BVGE 2008/34 E. 12).
8.5 Dem Vollzug der Wegweisung steht schliesslich auch die Corona-Pan-
demie nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um
ein temporäres Vollzugshindernis, dem im Rahmen der Vollzugsmodalitä-
ten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa
der Zeitpunkt des Vollzugs der Wegweisung der Situation in Sri Lanka an-
gepasst wird.
8.6 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Das entsprechende Be-
schwerdebegehren ist abzuweisen.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG, Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Mit dem vorliegenden Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. In der Beschwerde-
schrift wurde zudem die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und
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die Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistandes beantragt. Aus den vor-
stehenden Erwägungen ergibt sich, dass die gestellten Begehren als zum
vornherein aussichtslos zu erachten sind. Damit ist eine der kumulativ zu
erfüllenden Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht gegeben, weshalb
das entsprechende Gesuch – und folglich auch das Gesuch um Beiord-
nung eines amtlichen Rechtsbeistands – abzulehnen ist.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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