Decision ID: 923cc697-670d-4228-96c2-6fa78dd8a7cc
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1982 geborene
X._
arbeitete vom 19. Oktober 2009 bis 13. Juli 2012 als pädagogische und hauswirtschaftliche Betreuungsassistentin im Mittag- und Abendhort. Die danach begonnene Lehre als Fachfrau Betreuung musste
sie
im November 2013 gesundheitsbedingt abbrechen.
Die Versicherte meldete sich am 14. November 2016 (Eingangsdatum) bei der Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, wegen Schlafstörungen zum Leis
tungsbezug (berufliche Massnahmen/Rente) an (Urk. 7/5).
Die IV-Stelle klärte die medizinischen und erwerblichen Verhältnisse ab
.
Am
20. März 2018 erfolgte eine psychiatrische Untersuchung
durch
Dr.
med.
Z._
vom
R
egio
nalen Ärztlichen Dienst
(
RAD,
vgl.
RAD-Untersuchungsbericht vom
22. März 2018, Urk. 7/27
), nachdem die Versicherte
zum
ersten Untersuchungstermin vom 21.
November 2017 unentschuldigt nicht erschienen war (Urk. 7/21-27).
Mit Mit
teilung vom 5. Juli 2018 übernahm die IV-Stelle die Kosten für Arbeitsvermitt
lung plus durch die
A._
AG (Urk. 7/32), wobei
X._
jedoch dem Ersttermin für den Start der Arbeitsvermittlung unentschuldigt fernblieb. Die IV-Stelle w
i
es die Versicherte mit Schreiben vom 17. Juli 2018
unter Hinweis auf Art. 21 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts (ATSG) unter dem Titel
«
Wahrne
hmung der Mitwirkungspflicht»
hin
, dass sie zur konstruktiven Mitwirkung verpflichtet sei, um ihren Leistungs
anspruch gegenüber der Invalidenversicherung zu wahren.
Es sei
bis
am
31. Juli 2018 ein neuer Termin für die Arbeitsvermittlung zu vereinbaren und die Ziel
vereinbarung unterzeichnet zurückzuschicken.
Andernfalls könne dies dazu füh
ren, dass
die Abklärungen eingestellt und aufgrund der Akten entschieden werde (Urk. 7/33). Mit E-Mail vom 25. Juli 2018
ersuchte
B._
, Pflegefa
chfrau HF Psychiatrie, von der Spitex
C._
namens der Versicherten um
Fristverlän
gerung (Urk. 7/34), welche
der Versicherten
bis 24. September 2018 gewährt wurde (vgl. Eintrag im Feststellungsblatt für den Beschluss vom 30. August 2018, Urk
. 7/68 S. 4). Am 23. August 2019
wurde die Arbeitsvermittlung abgeschlos
sen, da dies
e
gemäss
Angaben des Helfernetz
es zurzeit nicht möglich sei
(Urk. 7/35).
Nachdem die behandelnde Psychotherapeutin Dipl. Psych.
D._
, Fach
psychologin für Psychotherapie FSP, mit E-Mail vom 19. September 2018
der IV-Stelle mitgeteilt hatte, dass die Versicherte trotz depressiver Symptome nun in der Lage sei, an einem Arbeitsintegrationsprogramm teilzunehmen (Urk. 7/40), reichte
X._
- auf entsprechende Aufforderung hin (Urk. 7/39) - am 10. Oktober 2018
ein
Motivationsschreiben ein (Urk. 7/42).
Am 19. Februar 2019 sprach die IV-Stelle der Versicherten die
Kostenübernahme für eine beruf
liche Abklärung in Form einer Potenzialanalyse vom 26. Februar bis 25. März 2019 samt Taggeld zu (Urk. 7/52, vgl. auch Protokoll der Eingliederungsberatung vom 19. März 2019, Urk. 7/61). Diese
Massnahme
wurde
aufgrund von vielen Absenzen
per 12. März 2019 beendet, da sie aus gesundheitlichen Gründen nicht zielführend sei (Urk. 7/57, vgl. auch Schlussbericht Potenzialabklärung der
Arbeitsintegration E._
vom 14. März 2019, Urk
. 7/58) und
es wurde die Ren
tenprüfung eingeleitet.
Die Versicherte wurde am 19. März 2019 und mangels Rückmeldung am 29. April 2019 von der IV-Stelle aufgefordert,
die Ärzte
mitzu
teilen
, bei denen sie sich in Behandlung befindet
(Urk. 7/60 und Urk. 7/62); am
23. Mai 2019 tätigte das Sozialzentrum
F._
diese Meldung (vgl. Urk. 7/68 S. 5)
, worauf
die IV-Stelle Arztberichte
einholte
(Urk. 7/65 und Urk. 7/67). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/69 und Urk. 7/75) wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 3. Dezember 2019 das Leistungsbegehren ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 16. Januar 2020 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zwecks Abklärung des psychischen Gesundheitszustandes zurückzuweisen, um hernach über den Leistungsanspruch (berufliche Massnahme/Rente) neu zu entscheiden. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um die Gewährung der unentgeltlichen Pro
zessführung (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 19. Februar 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-82), was der Beschwerdeführerin am 25. Februar 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgen
einen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
I
nvalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8
Abs. 1
IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.5
Gemäss
Art. 7 Abs. l IVG muss die versicherte Person alles ihr Zumutbare unter
nehmen, um die Dauer und das
Ausmass
der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu verringern und den Eintritt einer Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhindern. Nach Art. 7 Abs. 2 IVG muss die versicherte Person an allen zumutbaren
Massnahmen
, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich dienen, aktiv teilnehmen, worunter insbesondere auch medizinische
Massnahmen
nach Art. 25 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) fallen.
Nach Art. 7b Abs. l IVG können Leistungen nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach Art. 7 IVG nicht nachgekommen sind.
Art. 21 Abs. 4 ATSG bestimmt, dass einer versicherten Person die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden können, wenn sie sich einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglich
keit verspricht, entzieht oder widersetzt oder nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu beiträgt. Behandlungs- oder
Eingliederungsmassnahmen
, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar. Die versi
cherte Person muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hinge
wiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen.
Art. 43 Abs. 2 ATSG bestimmt, dass sich die versicherte Person ärztlichen oder fachlichen Untersuchungen zu unterziehen hat, soweit diese für die Beurteilung
notwendig und zumutbar sind. Kommen die versicherte Person oder andere Per
sonen, die Leistungen beanspruchen, den Auskunfts- und
Mitwirkungspflicht
en in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann nach Art. 43 Abs. 3 ATSG der Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstel
len und Nichteintreten
beschliessen
. Die versicherte Person muss vorher schrift
lich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine ange
messene Bedenkzeit einzuräumen.
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begeh
ren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
gestützt
auf ihre Abklärungen davon aus,
dass aufgrund des Verlaufs keine Invalidität feststellbar sei.
So habe bereits die RAD-Untersuchung im März 2018 ergeben, dass in naher Zukunft von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne. Die Eingliederungsberatung habe aufgrund von Krankmeldungen der Beschwerdeführerin per März 2019 wieder abgebrochen werden müssen. Auch die psychiatrische Behandlung habe die Beschwerdeführerin im Januar 2019 abgebrochen. Zudem werde per spätestens März 2019 wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Im
Einwandverfahren
seien keine neuen Unterlagen eingegangen. Eine medizinische, fachärztliche Behandlung wäre zumutbar.
2.2
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, dass sie au
sschliesslich unter p
sychiatrischen Einschränkungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit leide, weshalb auf die internistische Einschätzung der Hausärztin
nicht abgestellt werden könne. Seit dem gesundheitsbedingten Ausbildungsabbruch im Novem
ber 2013 sei sie in der angestammten Tätigkeit vollständig arbeitsunfä
hig. Es liege ein stationärer IV
-relevanter Gesundheitsschaden vor. Ihr Vermeidungsver
halten, welches zu Beziehungsabbrüchen führe, sei klar krankheitsbedingt. Es sei an der Beschwerdegegnerin, den Sachverhalt umfassend abzuklären; entgegen deren Vorbringen treffe sie keine subjektive Beweis(
führungs
)last. Eine fachärzt
liche psychiatrische
Behandlung
möge ihr zumutbar sein,
jedoch sei ihr zuletzt weder eine Schadenminderungs- noch eine Mitwirkungspflicht auferlegt
worden
. Hinzu komme, dass unklar sei, ob damit eine Verbesserung des Gesundheitszu
standes erreicht werden könne (Urk.
1
).
3.
3.1
Im seinem Bericht vom 24. Januar 2016 (richtig: 2017)
zuhanden der Beschwer
degegnerin (Urk. 7/13)
diagnostizierte
Dr.
med. univ.
G._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, welcher die Beschwerdeführerin seit Ok
tober 2015
in der psychiatrisch-psychologischen
K
linik
H._
behandelte, eine rezidivierende Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F 33.1, bestehend seit 2007) und eine Persönlichkeitsstörung mit
dependenten
und ängstlich-vermeidenden Zügen (ICD-10: F61, bestehend seit der Jugend).
Nach Angaben der Beschwerdeführerin habe sie die erste depressive Episode im Jahr 2007 im Rahmen einer psychosozialen Belastungssituation (Paarkonflikt) erlebt. Im Juli 2015 sei sie von ihrem Sozialarbeiter in der
H._
angemeldet wor
den, da es ihr über zwei Jahre nicht gelungen sei, an den vom Sozialamt gefor
derten Wiedereingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Nachdem die Beschwer
deführerin
mehrere
Abklärungstermine versäumt habe, sei sie im Oktober 2015 zu Hause aufgesucht worden. Damals sei sie noch verheiratet gewesen, wobei die Beziehung durch körperlich und verbal gewalttätige Übergriffe des Ehemannes geprägt gewesen sei. Eine Trennung sei der Beschwerdeführerin trotz der für sie mit der Beziehung verbundenen Nachteile (Kürzung Sozialhilfe) zunächst nicht möglich gewesen. Sie
habe
zu jenem Zeitpunkt eine mindestens mittelgradig depressive
Symptomatik
mit ausgeprägter Antriebsstörung,
sozialem
Rückzug und Ängsten
gehabt
. Die Alltagsfunktionalität sei schwer eingeschränkt
gewesen
. Im
weiteren
Verlauf habe die Beschwerdeführerin ihre ambulanten Termine nur unregelmässig wahrgenommen. Der Aufbau einer
stabilen
therapeutischen
Bezie
hung und die
Aufnahme einer psychotherapeutischen Behandlung sei nicht gelungen. Nach Abbruch einer tagesklinischen Behandlung im März 2016 habe sie keine weiteren Termine wahrgenommen.
Seit September
2016 habe
Dr.
G._
die Behandlung übernommen
und aktuell zeige sich eine leichte Verbesserung der vermeidenden Symptomatik. Die Beschwerdeführerin gehe wie
der aus dem Haus und habe mit moderater Bewegung begonnen, um abzuneh
men. Eine
soziophobe
Komponente ihrer Persönlichkeitsstörung werde sichtbar. Im Aufbau der therapeutischen Allianz habe sie ein spannungsreduzierendes Ver
halten offengelegt: sie habe sich immer wieder an den Oberschenkeln gekratzt
,
bis es geblutet habe. Dieses Verhalten könne durch verhaltenstherapeutische Massnahmen und durch Erlernen von Skills deutlich reduziert werden. Die Prog
nose sei unklar. Eine längerfristige Therapie sei dringend erforderlich, wobei es prognostisch auch davon abhänge, ob eine stabile therapeutische Beziehung aufgebaut werden könne. Seit November 2013 bis auf Weiteres bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kleinkindererzieherin (ohne abgeschlossene Aus
bildung
) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
. Diese
Tätigkeit
sei ihr
aus medizi
nischer Sicht nicht mehr zumutbar
. Die festgestellten Einschränkungen liessen sich
mit
Unterstützung bei einer geeigneten Berufsausbildung unter Beibehaltung der aktuellen Behandlung vermindern. Die Beschwerdeführerin könnte auf dem ersten Arbeitsmarkt teilweise oder - längerfristig - auch voll arbeitsfähig sein. Dabei benötige sie ein wohlwollendes Umfeld, eine schrittweise Steigerung, eine anfängliche Rücksichtnahme auf die
schweren Schlafstörungen sowie
ein regel
mässiges begleitendes therapeutisches Setting. Die Beschwerdeführerin möchte eine Ausbildung zur Nageldesignerin machen; das Anforderungsprofil erscheine passend.
3.2
Die behandelnde Hausärztin
Dr.
h. c. med.
I._
, Fachärztin für Allge
meine Innere Medizin FMH, teilte der Beschwerdegegnerin am 13. Februar 2017 mit, dass die Beschwerdeführerin leider nur selten bei ihr sei. Sie sei auf wieder
holtes Aufgebot weg
en des
eingeforderten IV-Bericht
s
nicht erschienen, weshalb dieser nicht erstellt werden könne (Urk. 7/15).
3.3
Dr.
G._
hielt in seinem Bericht vom 20. Juli 2017 zuhanden der Beschwer
degegnerin (Urk. 7/19) fest, dass sich seit dem letzten Bericht vom 24. Januar 2017
(vgl. E. 3.1)
bei gleichlautenden Diagnosen keine höhergradigen Differen
zen in der Befundlage abgezeichnet hätten. Die bisherige Tätigkeit als Kleinkin
dererzieherin (Ausbildung nicht abgeschlossen) könne die Beschwerdeführerin nach derzeitiger psychiatrischer
Beurteilung nicht mehr aus
üben
. Sie interessiere sich sehr für eine Ausbildung zur Nageldesignerin; dabei habe sie schon im privaten Bereich viel Erfahrung gesammelt und wirke sehr motiviert.
Hinsichtlich
dieser, für die Beschwerdeführerin
schaffbar
en
Tätigkeit
, sei ein Tagespensum von 2-4 Stunden
denkbar. Die Prognoseeinschätzung habe sich in der letzten Zeit etwas verbessert; so sei es gelungen, eine stabile therapeutische Beziehung auf
zubauen, um an verursachenden Problemen arbeiten zu können.
3.4
Im psychiatrischen RAD-Untersuchungsbericht vom 22. März 2018 (Urk. 7/27) verwies
Dr.
Z._
auf die
Diagnose
nstellung
von Dr.
G._
, die
nachvoll
ziehbar seien,
und nannte folgende Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige
Episode (ICD-10: F33.1, seit 2006/2007)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstö
rung mit ängstlich-abhängigen und
dependenten
Zügen (ICD-10: F61).
Als somatische Diagnose nannte sie eine Adipositas.
Als wesentliche krankheits
bedingte funktionelle Einschränkungen beständen eine Antriebsstörung mit deut
lichen Hemmungen, eine psychophysische Belastbarkeitsminderung mit vorzeiti
ger Erschöpfung und Minderung der konzentrativen Ausdauerbelastbarkeit
sowie eine Antriebsminderung.
Der Beschwerdeführerin seien
zeitlich
flexible Tätigkei
ten ohne permanenten Zeit- und Termindruck, bei nur geringem Publikums
verkehr, ohne besondere Anforderungen an das Umstellungs- und
Anpassungs
vermögen
medizinisch
-theoretisch in einer wohlwollenden und konfliktarmen Arbeitsatmosphäre zunächst zu 50 % möglich
.
Bei weiterhin positivem Krank
heitsverlauf und zunehmender Adaptierung am Arbeitsplatz wäre ein Vollpensum erreichbar. Zunächst sollten die Belastbarkeit und ein entsprechendes Tätigkeits
feld mittels Eingliederungsmassnahmen
unter Fortführung der integrativen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
ermittelt werden. Retrospektiv liessen sich keine genauen Angaben zur Arbeitsfähigkeit machen. Am ange
stammten Arbeitsplatz im Hort bestehe aufgrund der Mobbing-Erlebnisse eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit der Kündigung dort.
Dr.
Z._
kam in ihrer versicherungsmedizin
i
schen Beurteilung zum Schluss, dass aktuell eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bestehe, wobei diese
schrittweise zu steigern sei und davon auszugehen sei, dass eine 80-100%ige Arbeitsfähigkeit innerhalb eines Jahres erreicht werden könne.
3.5
Nachdem die Beschwerdeführerin der ihr zugesprochenen Arbeitsvermittlung unentschuldigt ferngeblieben
und - unter Fristansetzu
ng - auf ihre Mitwirkungs- bzw. Schadenminderungspflicht
hingewiesen worden war (vgl. Urk. 7/33), erbat die zuständige psychiatrische Spitex-Pflegefachfrau mit E-Mail vom 25. Juli 2018 um eine Fristverlängerung (Urk. 7/34). Darin führte sie aus, dass die Beschwerdeführerin noch am Tag vor dem Kurs-Start am 10. Juli 2018 motiviert gewesen sei. Seither habe sie - trotz versuchten Kontaktaufnahmen - nichts mehr von ihr gehört, wobei solche Beziehungsabbrüche durch die Beschwerdeführerin
nicht neu oder
ausserordentlich seien und sie wiederholt so reagiert habe. Seit
die Beschwerdeführerin
bei
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie und Facharzt für Neurologie,
respektive sein
er delegierten
Psycho
therapeutin
D._
in Behandlung sei, seien bedeutsame kleinschrittige Fort
schritte, gerade hinsichtlich der Erkennung dysfunktionaler Muster, erkennbar.
Da der Therapieprozess aufgrund einer längeren Abwesenheit der Therapeutin unterbrochen worden sei, sei es zum gegebenen Zeitpunkt zu einer Überforderung mit der Integration
in den ersten
Arbeitsmarkt gekommen. Die Beschwerdeführe
rin sei aktuell trotz angedrohten Konsequenzen nicht in der Lage, sich gegenüber der IV-Stelle verbindlich zu zeigen. Deshalb bitte sie namens der Beschwerdefüh
rerin um eine Fristverlängerung und hoffe, dass durch Wiederaufnahme der Psychotherapie per Anfang August 2018 ein für die Beschwerdeführerin begeh
barer Weg gefunden werden könne.
3.6
Dr.
J._
führte anlässlich eines Telefonats mit der zuständigen Eingliederungs
beraterin (vgl. Telefonnotiz vom 16. August 2018 im Verlaufsprotokoll Einglie
derungsberatung vom 27. August 2018, Urk. 7/36 S. 11) aus, dass er die Beschwerdeführerin einmal im Februar 2018 gesehen habe und seither nicht mehr. Die Beschwerdeführerin habe sich auch bei der Psychologin
D._
nicht mehr gemeldet und der psychiatrischen Spitex die Türe nicht geöffnet. Für eine fürsorgerische Intervention würden aber die Gründe fehlen.
Für dieses Verhalten sei die
Beschwerdeführerin bekannt, sobald sie sich unter Druck fühle. Die Eingliederungsberaterin ging mit Dr.
J._
einig, dass im jetzigen Moment eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt nicht realistisch sei.
3.7
Im Abschlussbericht
der
A._
AG betreffend Assess
ment Arbeitsvermittlung vom 23. August 2018 (Urk. 7/37) zuhanden der Beschwerdegegnerin wurde
fest
gehalten, dass die Beschwerdeführerin den am 11. Juli 2018 vereinbarten Start
termin nicht wahrgenommen habe und danach weder tel
efonisch noch per E
Mail erreichbar gewesen sei. Auch auf entsprechenden Hinweis auf die Mitwir
kungspflicht durch die Beschwerdegegnerin habe sie sich nicht mehr gemeldet. Deshalb sei entschieden worden, dass die Zusammenarbeit definitiv beendet werde. Ein Eingliederungspotenzial sei nicht vorhanden und die Vermittelbarkeit sei aktuell nicht gegeben.
3.
8
Die Psychotherapeutin
D._
gelangte mit E-Mail vom 19. September 2018 (Urk. 7/40) an die Beschwerdegegnerin und hielt darin fest, dass die Beschwerde
führerin
im Sommer leider nicht in der Lage gewesen sei, an der ihr zugespro
chenen Arbeitsintegration teilzunehmen. Sie habe auf verschiedene Belastungs
faktoren in ihrem gewohnt dysfunktionalen Verhaltensmuster (Vermeidung, Rückzug) reagiert und sei erneut in eine depressive Krise gerutscht. Seit letzter Woche nehme sie die Therapie und psychosoziale Begleitung wieder wahr. Depressive Symptome seien zwar vorhanden, allerdings sei sie in der Lage, an einem Arbeitsintegrationsprogramm teilzunehmen.
3.9
Im Schlussbericht Potenzialabklärung der
Arbeitsintegration
E._
vom 14. März 2019 (Urk. 7/58) zuhanden der Beschwerdegegnerin wurde festgehalten, dass die
vom 26. Februar bis 25. März 2019
dauernde Massnahme per 12. März 2019 abgebrochen worden sei, nachdem die Beschwerdeführerin an 8 Tagen krankheitsbedingt gefehlt habe. Die Ausgangssituation wurde dahingehend geschildert, dass die Beschwerdeführerin ihre berufliche Karriere mit zwei Prak
tika in Kinderkrippen gestartet habe und danach in diversen Restaurants gearbei
tet habe. Dies habe ihr gefallen und sie fühle sich wohl unter vielen Menschen. 2009-2015 habe sie die Ausbildung zur Kleinkinder-Erzieherin absolvieren wollen. Kurz vor dem Abschluss sei sie jedoch aufgrund eines Burnouts ausge
fallen. Der zweite Versuch sei ebenfalls ohne erfolgreichen Abschluss geblieben.
Nach Angaben der Beschwerdeführerin sei die Stimmung im Team schlecht gewesen, sie sei aber immer bemüht und motiviert gewesen. Irgendwann sei ihr aber die Energie ausgegangen und sie sei am Arbeitsplatz zusammengebrochen. Seit etwa einem Jahr gehe sie in die Psychotherapie und werde durch die psy
chiatrische Spitex begleitet. Dadurch
habe
sich viel bewegt in ihrem Leben und sie erkenne, dass sie Fortschritte mache. In Behandlung sei sie unter anderem wegen ihrer Vergangenheit mit ihrem Ex-Mann (
Misshandlungen
) und aufgrund ihrer Schlafstörungen.
Mit der psychiatrischen Spitex versuche sie, eine neue Wohnung zu finden. Sie wohne momentan in einer 1-Zimmer-Wohnung, was für sie sehr unangenehm sei. Sie fühle sich dort nicht wohl und könne sich nicht ausruhen. Finanziell werde sie vom Sozialamt unterstützt. Ihr Ziel sei es, einen geregelten Tag-/
Nachtrythmus
aufzubauen und wieder Teil der Arbeitswelt zu werden. Sie stelle sich eine Tätigkeit in der Hauswirtschaft oder im Service vor, in einem familiären Umfeld. In die Potenzialabklärung sei die Beschwerdeführerin sichtbar motiviert gestartet. Sie habe interessiert und engagiert gewirkt, an ihrer Berufsperspektive zu
arbeiten
. Sie habe offen und klar kommuniziert. Sie s
ei am Vortag aus Jamaika zurück
gekehrt
. Am zweiten Tag habe sich die Beschwerde
führerin aufgrund eines Jetlags abgemeldet. Den
3.
und
4.
Tag habe sie gemäss Programm absolviert und dabei gute Leistungen
gezeigt und die Tätigkeiten gemäss Vorgaben ausgeführt. In der 2. Woche habe sich die Beschwerdeführerin aufgrund einer Grippe abgemeldet und später hätten weiter Abmeldungen gefolgt. Aufgrund der vielen Absenzen sei die Potenzialabklärung per 12. März 2019 abgebrochen worden.
3.10
Dr.
J._
führte in seinem Bericht vom 3. Juli 2019 (Urk. 7/65) zuhanden der Beschwerdegegnerin
im Behandlungsverlauf folgende
Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F33.1)
-
Verdacht auf andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
(ICD-10: F62.0)
Das
ausgeprägte
Vermeidungsverhalten zum Schutz vor unangenehmen Gefühlen und Situationen stelle derzeit ein grosses Problem bei der Einhaltung einer gere
gelten Tagesstruktur dar. Ebenso
verringere
die Erschöpfbarkeit und der gestörte Nachtschlaf (mit Verschiebung des Schlafs in den Tag) die Leistungsfähigkeit. Eine gut begleitete Arbeitsintegrationsmassnahme sei die geeignetste Option, doch sei eine solche im März 2019 wegen zu hoher Absenzen abgebrochen worden. Ein weiterer Versuch sei denkbar.
Für den ersten Arbeitsmarkt habe im Therapiezeitraum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die Beschwerde
führerin sei grundsätzlich sehr motiviert
, an ihrer Lebenssituation etwas zu ver
ändern und habe im Behandlu
ngsverl
auf erste Entwicklungen gemacht. Ihre Erkrankungen erschwerten es ihr leider immer wieder, dran zu bleiben
,
und führ
ten noch zu
wiederkehrender
Entmutigung.
Im persönlichen Kontakt sei eine konstruktive und veränderungsorientierte Zusammenarbeit möglich gewesen.
3.11
Die Allgemeinmedizinerin
Dr.
I._
nannte in ihrem Bericht vom 2. August 2019 (Urk. 7/
67
) zuhanden der Beschwerdegegnerin als Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende leichte depressive Episode sowie eine Selbstfindungsstörung. Die Beschwerdeführerin komme nur noch nach Bedarf in hausärztliche Behandlung, dabei sei die Compliance schlecht. Sie kenne auch viele Ärzte und lasse sich schlecht leiten. Dabei gebe sie an
,
selber zu wissen, was für sie das Beste sei. Ausser einer Adipositas per magna sei bei der Beschwer
deführerin nichts Internistisches bekannt.
Die Beschwerdeführerin sei vom 4. bis 17. März 2019 für Hilfs-/Praktikumsarbeiten im Kinderhort zu 100 % arbeits
unfähig gewesen. Sie verliere immer wieder ihre Stelle, bemühe sich dann aber nicht, wieder eine neue zu finden. Die Prognose zur Arbeitsfähigkeit sei offen
respektive infaust, da sie sich nicht belehren lasse und wahrscheinlich auch nicht mitmache
. Die Beschwerdeführerin sei aus internistischer Sicht durchaus in der Lage
,
(in allen Berufen) zu arbeiten. Sie müsste jedoch wirklich wollen und eine intensive Therapie
machen, da sie von zuhause aus überhaupt nicht gefördert worden sei. Ressourcen, welche für die Eingliederung hilfreich sein könnten, habe die Beschwerdeführerin durchaus, so spreche sie gut Deutsch und kenne sich aus. Das Problem sei aber, dass sie anecke.
Sie müsse lernen, sich einem Gefüge einzuord
nen und mitzumachen (im Sinne einer Schadenminderungsflicht). Die Beschwer
deführerin sei für eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig.
3.12
RAD-Ärztin
Dr.
Z._
nahm
am
8. August 2019 Stellung (
Urk.
7
/
68 S. 6) und
fasste unter Einbezug der vorhandenen Aktenlage zusammen, dass die Beschwer
deführerin bei den Eingliederungsmassnahmen nicht mitgewirkt habe bezie
hungsweise sich nach 3 Tagen in der Potenzialabklärung krankgemeldet habe, sodass diese - wie auch die Arbeitsvermittlung im Jahr 2018 - hab
e
abgebrochen
werden müssen. Seit Januar 2019 befinde sich die Beschwerdeführerin nicht mehr in psychiatrisch-psychologischer
Behandlung
. Gemäss der Hausärztin sei sie für eine leichte wechselbelastende Tätigkeit voll arbeitsfähig. Dies sei auch anlässlich der RAD-Untersuchung vom März 201
8
so prognostiziert worden. In ihrer versi
cherungsme
dizinischen Beurteilung hielt
Dr.
Z._
fest, dass aktuell nicht mehr von einem höhergradigen oder länger andauernden Gesundheitsschaden auszugehen sei.
Am 16. August 2019 kam RAD-Ärztin
Dr.
Z._
in ihrer ergänzenden. Stel
lungnahme
(Urk. 7/68 S. 7)
zum Schluss, dass ein IV
-relevanter Gesundheitsscha
den bestanden habe respektive bestehe. Die
Beschwerdeführerin sei für die ange
stammte Tätigkeit als Kleinkinder-Erzieherin aufgrund der Mobbing-Situation seit der Kündigung dort zu 100 % arbeitsunfähig. Für angepasste Tätigkeiten sei es schwierig, retrospektiv genaue Angaben zu machen. Sie sei überwiegend wahr
scheinlich auch eine Zeit lang für a
ngepasste Tätigkeiten zu 100 %
arbeitsunfähig gewesen, dies seit der Kündigung im Hort bis circa Juni 201
7.
Danach habe eine 30%ige Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten bestanden. Ab März 2018 sei sie für angepasste Tätigkei
ten zu 50 % arbeitsfähig. S
pätestens
seit
August 2019 bestehe für eine angepasste Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
Dr.
med.
K._
, Praktische Ärztin (Fachärztin für Allgemeinmedizin in Deutschland), vom RAD empfahl in ihrer Stellungnahme vom 28. August 2019
(Urk. 7/68 S. 7)
, seit circa Juli 2017 von einer 25-50%igen Arbeitsfähigkeit (gemäss
Dr.
G._
am 20. Juli 2017), spätestens seit März 2019 (letzte Kontrolle) von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte Tätigkeiten (gemäss
Dr.
I._
, am 2. August 2018) auszugehen.
Eine gesundheitliche Ein
schränkung sei aus medizinischer Sicht ausgewiesen. Jedoch sei aufgrund der Verbesserung (100%ige Arbeitsfähigkeit angepasst) nicht von einem
langandau
ernden
psychischen Gesundheitsschaden
auszugehen. Bereits bei der RAD-Untersuchung am 22. Mä
rz 2018
sei man schon von einer Rest-Arbeitsfähigkeit von 50 % ausgegangen mit ein
er Tendenz steigend. Die Arbeitsunfähigkeit habe im Juli 2017 begonnen, ein rückwirkender Verlauf der Arbeitsunfähigkeit könne nicht rekonstruiert werden. Die Verbesserung habe in den folgenden zwei Jahren stattgefunden. Zudem habe die Beschwerdeführerin die Therapie abgebrochen. Während der Eingliederung sei sie nach Jamaika gereist, weshalb der Start habe angepasst werden müssen. Die Potenzialabklärung habe am 26. Februar 2019 begonnen. Bis am 12.
März 2019 sei sie dreimal abwesend gewesen und habe sich danach krankgemeldet. Eine Motivation sei hier nicht ersichtlich. Die Leistungen seien hier abzuweisen. Anzumerken sei, dass die Beschwerdeführerin keine abge
schlossene Schulausbildung (richtig wohl: Berufsausbildung) habe und nicht lange als Kleinkinder-Erzieherin gearbeitet habe. Somit gelte aus IV-Sicht die angestammte Tätigkeit als angepasste Tätigkeit.
3.13
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
versuchte die Beschwerdegegnerin bei Dr.
J._
einen aktuellen Verlaufsbericht einzuholen (vgl. Feststellungsblatt Ein
wand vom 3. Dezember 2019, Urk. 7/78 S. 3). Da die Beschwerdeführerin seit dem 16. Januar 2019 nicht mehr in dortiger Beha
ndlung gewesen sei, verwies Dr.
J._
auf seinen letzten Bericht vom 3. Juli 2019 (vgl. E. 3.10).
4.
4.1
Vorliegend ist strittig, ob gestützt auf die vorhandenen medizinischen Unterlagen der psychische Gesundheitszustand und die damit zusammenhängenden Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit im Z
eitpunkt der Rentenverfügung
verlässlich beurteilt werden können.
4.2
Die IV-Stelle stützte sich in ihrer ablehnenden Verfügung vom
3. Dezember 2019
(
Urk. 2) auf die Einschätzung
en
der RAD-Ärztinnen
Dr.
Z._
und
Dr.
K._
, namentlich auf die Stellungnahmen vom
8
.
, 1
6.
und 28. August 2019
(vgl. E.
3.12
), ab.
RAD-Ärztin Dr.
Z._
hatte im März 2018 zwar selbst eine psychiatrische Untersuchung der Beschwerdeführerin vorgenommen (vgl. E. 3.4), nahm die
abschliessende
versicherungsmedizinische Beurteilung im August 2019 mit
Dr.
K._
aber
schliesslich
unter Beizug der zwischenzeitlich eingegangenen zitierten Berichte vor (vgl. E. 3.12). Eine gesundheitliche Einschränkung sei zwar ausgewiesen, doch sei aufgrund der eingetretenen Verbesserung (100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit) nicht von einem langandauernden psychischen Gesundheitsschaden auszugehen.
Der die Beschwerdeführerin seit 2015 behandelnde Psychiater
Dr.
G._
diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung (mittelgradige Episode, ICD-10: F33.1) sowie eine Persönlichkeitsstörung mit
dependenten
und ängstlich-vermeidenden Zügen (ICD-10: F61) und attestierte ihr anfänglich im Januar 2017 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit (vgl. E. 3.1). Nachdem eine stabile therapeutische Beziehung aufgebaut werden konnte, verbesserte sich die Prognoseeinschätzung insoweit, als
Dr.
G._
der Beschwerdeführerin nun eine Arbeitsfähigkeit von 2-4 Stunden pro Tag in einer für sie schaffbaren Tätig
keit als Nageldesignerin attestierte (vgl. Bericht vom 20. Juli 2018, E. 3.3). Auch anlässlich der psychiatrischen RAD-Untersuchung vom 22. März 2018 stellte
Dr.
Z._
eine Depression sowie eine Persönlichkeitsstörung fest, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Hort sei ihr
seit
der Kündigung (im November 2013) nicht mehr zumutbar, eine angepasste Tätigkeit (
zeitlich flexible Tätigkeiten ohne permanenten Zeit- und Termindruck, bei nur geringem Publikumsverkehr, ohne besondere Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen
,
in einer wohlwollenden und konflikt
armen Arbeitsatmosphäre
) zu 50 % möglich.
Zugleich prognostizierte die RAD-Ärztin eine schrittweise Steigeru
ng der Arbeitsfähigkeit innert eines
Jahres auf 80-100 %, sofern die integrative psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung fortgeführt werde.
Die hernach ergriffenen Eingliederungsmassnahmen (Arbeits
vermittlung plus und Potenzialabklärung) mussten schliesslich abgebrochen wer
den. Ab Januar 2018 befand sich die Beschwerdeführerin neu bei
Dr.
J._
bzw. bei
der Psychotherapeutin
D._
in Behandlung. Im deren Bericht vom 3. Juli 2019 (vgl. E. 3.10) wurde wiederum eine rezidivierende depressive Störung diagnos
tiziert sowie der Verdacht auf eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0) geäussert, weswegen der Beschwerdefüh
rerin im Therapiezeitraum für den ersten Arbeitsmarkt eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit attestiert wurde.
Entgegen dieser psychiatrischen Beurteilung kam die behandelnde Hausärztin
Dr.
I._
in ihrem Bericht vom 2. August 2019 (vgl. E. 3.11) - fachfremd - zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Dabei führte sie explizit aus, dass keine relevante internistische (somatische) Diagnose vorliege, sondern dass nur psychische Erkrankungen beständen. Wenn nun die RAD-Ärztinnen in ihren Stellungnahmen von einer schrittweise gesteigerten Arbeits
fähigkeit von 25-50 % ab circa Juli 2017
-
gemäss
Dr.
G._
s Einschätzung
einer minim positiveren Prognoseeinschätzung -
und
von 100 %
ab März 2019
-
gemäss hausärztlicher Beurteilung
(letzte Kontrolle)
-
ausgingen
, dann überzeugt dies nicht. Denn die fachfremde Einschätzung der Hausärztin
Dr.
I._
, wonach sich die
depressive und persönlichkeitsgestörte
Beschwerdeführerin nur mehr bemühen müsse und in einer körperlich angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei, widerspricht der fachärztlichen Beurteilung von
Dr.
J._
(vgl. auch beschwerdeweises Vorbringen, Urk. 1 S. 7)
.
Indem die Beschwerdegegnerin
zudem auf die im RAD-Untersuchungsbericht vom 22. März 2018 gemachte Angabe abstellte, wonach innert eines Jahres (das heisst ab März 2019) in
psy
chiatrischer Sicht eine Steige
rung der Arbeitsfähigkeit auf 80-100 % erreicht werden könne (E. 3.4
), stellte sie nicht auf eine tatsächlich eingetretene Verbes
serung der Arbeitsfähigkeit ab. Vielmehr stützte sie die anspruchsbeeinflussende Änderung lediglich auf eine
Prognose
. Angesichts der
nachvollziehbaren
Einschätzung
von
Dr.
J._
(vgl. E. 3.10
)
ist eine solche verbesserte Entwicklung jedoch zweifelhaft,
da er bei einer fortwährenden rezidivierenden Störung und einer mittlerweile vermuteten andauernden Persönlichkeitsänderung weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt attestierte. Fest steht denn auch, dass die Beschwerdeführerin die psychiatrisch-psychotherapeutisch Therapie nicht wie von RAD-Ärztin
Z._
erwartet und als Bedingung für eine weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit formuliert, weitergeführt hat.
Mit der im Januar 2019 abgebrochenen psychiatrischen Behandlung eine Verbes
serung des psychischen Leidens begründen zu wollen,
verfängt vorliegend
eben
falls
nicht. Aus dem gesamten dargelegten Verlauf
bestehen Hinweise darauf
, dass die Beschwerdeführerin krankheitsbedingt ein ausgeprägtes Vermeidungs
verhalten, welc
hes zu Beziehungsabbrüchen führt
, aufweist. Bereits
Dr.
G._
schilderte im Januar 2017 eine vermeidende Symptomatik mit vorgängigem Abbruch der tagesklinischen Behandlung (vgl. E. 3.1). Zwar konnte er kurzzeitig ein stabileres Therapieverhältnis aufbauen, welches zu einer leicht verbesserten Prognoseeinschätzung führte (vgl. E. 3.3), doch brach die Beschwerdeführerin auch diese Behandlung
kurz darauf wieder ab. Auch die sie während Jahren betreuende Spitex-Pflegefachfrau schilderte nach dem Nicht-Antritt der Arbeits
vermittlung wiederholte Beziehungsabbrüche in Überforderungssituationen (vgl. E. 3.5). Dieses bestätigte denn auch
Dr.
J._
gegenüber der zuständigen Eingliederungsberaterin (vgl. E. 3.6) und auch die Psychotherapeutin
D._
sprach von dysfunktionalen Verhaltensmustern (Vermeidung, Rückzug, vgl. E. 3.8).
Nachdem auch die Potenzialabklärung wegen zahlreichen Absenzen der Beschwerdeführerin abgebrochen werden musste (vgl. E. 3.9), hielt
Dr.
J._
in seinem Bericht vom 3. Juli 2019 fest, dass das ausgeprägte Vermeidungsver
halten zum Schutz vor unangenehmen Gefühlen und Situationen ein
grosses
Problem darstelle; so erschw
erte es ihr ihre Erkrankung, an e
twas (
Eingliede
rungsmassnahme
, Therapie) dran zu bleiben.
Aufgrund diese
r Berichte, die ein
dysfunktionales Verhaltensmuster
bei einer diagnostizierten Depression, welche mit einer Persönlichkeitsstör
ung -
allenfalls sogar mit einer and
auernden Persönlichkeitsänderung -
einhergeht,
beschreiben,
kann nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
von einer Verbesserung des psychischen Gesundhei
tszustandes ausgegangen werden.
Die mit Schreiben vom 17. Juli 2018 (
Urk.
7/33) auferlegte Schadenminderungspflicht umfasste
k
eine Pflicht zur medizinischen Behandlung, weshalb sich daraus nichts zu Lasten der Beschwerdeführerin ableiten lässt.
4.3
D
ie medizinische Aktenlage
erweist sich
in Bezug auf den psychischen Gesund
heitszustand für eine Beurteilung des Leistungsanspruchs als unzulänglich. Die Sache ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie den
psychischen Gesundheitszustand
und die Arbeitsfähigkeit - auch im zeitlichen Verlauf – durch ein
psychiatrisches
Gutachten abklärt und
anschliessend
über den Leistungs
anspruch
(berufliche
Massnahme
/Rente)
neu verfügt.
Gegebenenfalls ist der Beschwerdeführerin eine Schadenminderungs- und/oder Mitwirkungspflicht unter Einhaltung des entsprechenden Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
aufzuer
legen
(vgl. E. 1.5)
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeg
egnerin aufzuerlegen.
6.2.
Entspre
chend erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin
um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung
(Urk. 1 S. 2, 3. Antrag) als gegenstandslos.