Decision ID: ae7f437a-eeff-5cb0-a7aa-8c485737cecd
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Rekurrent,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
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St.Galler Gerichte
individuelle Prämienverbilligung 2009
Sachverhalt:
A.
A.a K._ meldete sich im Mai 2009 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
St. Gallen (SVA) zum Bezug von individueller Prämienverbilligung (IPV) für das Jahr
2009 an (act. G 3.1/3).
A.b Mit Verfügung vom 17. Juni 2009 wies die SVA das Gesuch mit der Begründung
ab, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse (u. a. Reineinkommen 2007 von Fr. 39'468.--)
das massgebende Einkommen übersteigen würden (act. G 3.1/6).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 23. Juni 2009 Einsprache. Er
begründete sie damit, dass er seit Mai 2008 nicht mehr selbständig erwerbend sei. Er
habe eine Stelle als Koch in einem Saisonbetrieb angenommen und verdiene deshalb
nur noch während ca. 9 - 10 Monaten einen vollen Lohn. In der Zwischensaison helfe
er in verschiedenen Restaurants aus, um etwas dazu zu verdienen, was ihm aber
niemals einen nur halbwegs "normalen" Lohn pro Monat einbringe. Er verstehe daher
nicht, weshalb als Berechnungsgrundlage auf das Jahr 2007 abgestellt werde, wo er
doch jetzt dringend einen Zustupf gebrauchen könnte (act. G 3.1/7).
B.b Mit Entscheid vom 10. Juli 2009 wies die SVA die Einsprache ab (act. G 3.1/8).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich der vom Versicherten erhobene
Rekurs vom 30. Juli 2009 mit den sinngemässen Anträgen, der angefochtene
Einspracheentscheid sei aufzuheben und es sei für die Berechnung der individuellen
Prämienverbilligung für das Jahr 2009 auf die gegenwärtige wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit abzustellen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass
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sich seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auf Grund der Geschäftsaufgabe seit 2007
stark reduziert habe.
C.b Die Vorinstanz beantragt in der Vernehmlassung vom 27. August 2009 Abweisung
des Rekurses. Zur Begründung hält sie fest, dass sich die Einkommensgrundlagen
dauerhaft verändert haben müssten, damit auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
abgestellt werden könnte. Eine dauerhafte Veränderung der Situation sei jedoch
vorliegend - wie bei vorübergehender Arbeitslosigkeit und Stellenwechsel - nicht
gegeben.
C.c Der Rekurrent hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet.

Erwägungen:
1.
Die Vorinstanz hat bei der Berechnung des Anspruchs auf Prämienverbilligung für das
Jahr 2009 auf die rechtskräftig veranlagten Steuerdaten aus dem Jahr 2007 abgestellt.
Der Rekurrent macht hingegen geltend, die seither auf Grund der Geschäftsaufgabe
per Mai 2008 eingetretene Reduktion seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sei bei
der Anspruchsprüfung auf eine Prämienverbilligung für das Jahr 2009 zu
berücksichtigen. Strittig ist somit, ob die Vorinstanz bei der Anspruchsberechnung auf
eine Prämienverbilligung für das Jahr 2009 zu Recht auf das Reineinkommen aus dem
Jahr 2007 abgestellt hat.
2.
2.1 Nach Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung
(SR 832.10; KVG) haben die Kantone den Versicherten in bescheidenen
wirtschaftlichen Verhältnissen Prämienverbilligungen zu gewähren. Dazu haben sie
nach Art. 97 Abs. 1 KVG Ausführungsbestimmungen zu erlassen, bei deren
Ausgestaltung die Bedingungen von Art. 66 KVG sowie Art. 65 Abs. 3 KVG zu beachten
sind (Art. 65 Abs. 2 KVG). Der Kanton St. Gallen ist dieser Verpflichtung durch die Art.
9 - 16 des Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die
Krankenversicherung (sGS 331.11; EG-KVG) und die dazugehörigen
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Vollzugsvorschriften in Art. 9 - 38 der Verordnung zum Einführungsgesetz zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (sGS 331.111; Vo-EG)
nachgekommen, wobei er insbesondere die persönlichen (Art. 10 EG-KVG) und die
einkommensmässigen (Art. 11 EG-KVG) Voraussetzungen sowie die Höhe der
Prämienverbilligung (Art. 12 EG-KVG) festgesetzt hat.
2.2 Eine Prämienverbilligung wird nach Art. 10 Abs. 1 EG-KVG Personen gewährt, die
im Kanton St. Gallen steuerrechtlichen Wohnsitz haben (lit. a) und ein die
Prämienverbilligung auslösendes Einkommen erzielen (lit. b). In Bezug auf die
einkommensmässigen Voraussetzungen bestimmt Art. 11 EG-KVG, dass das die
Prämienverbilligung auslösende Einkommen unter teilweiser Berücksichtigung des
steuerbaren Vermögens von der Regierung durch Verordnung festgesetzt wird (Abs. 1).
Grundlage bildet in der Regel die letzte definitive Steuerveranlagung (Abs. 2).
Entspricht das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit, wird auf diese abgestellt (Abs. 3).
3.
3.1 Nach Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird nur dann von der letzten definitiven
Steuerveranlagung abgewichen, wenn das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspricht. Dies stellt eine Abweichung von der
Gleichbehandlung dar, indem als Bemessungsgrundlage die Gegenwartswerte
herangezogen werden. Es bedarf deshalb bestimmter Voraussetzungen, bevor auf die
tatsächlichen Verhältnisse abgestellt wird. Welche Kriterien zu einer Abweichung
führen, ist der bisherigen Rechtsprechung zu Art. 11 Abs. 3 EG-KVG zu entnehmen. Mit
der Verwendung des Begriffs "offensichtlich" in Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird zum
Ausdruck gebracht, dass nicht jede Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse
massgebend sein darf, um von den Steuerdaten abzuweichen. Die Diskrepanz
zwischen der früheren und der neuen wirtschaftlichen Lage, welche sowohl vom
Einkommen als auch vom Vermögen beeinflusst wird, muss erheblich sein.
Praxisgemäss rechtfertigen nur grundlegende und tiefgreifende Änderungen der
Verhältnisse ein Abweichen von der letzten definitiven Steuerveranlagung. Anders wäre
der Vollzug der Prämienverbilligung in einem einfachen und raschen Verfahren gar nicht
zu bewerkstelligen (Urteil des Verwaltungsgerichts vom 10. Mai 2005, a.a.O., E. 2c).
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Gemäss dem seit 1. Januar 2008 geltenden Art. 12 Vo-EG in der Fassung gemäss
XV. Nachtrag zur Vo-EG vom 11. Dezember 2007(nGS 43-10) wird auf die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anstelle des ermittelten Einkommens abgestellt,
wenn sich die Einkommensgrundlagen dauerhaft verändert haben (Abs. 1) und die
Abweichung im Bezugsjahr wenigstens einen Viertel des massgebenden Einkommens
des vorletzten Jahres beträgt (Abs. 2).
3.2 Der Rekurrent erzielte im Jahr 2007 ein steuerbares Reineinkommen von
Fr. 39'468.--. Für das Jahr 2008 liegen dem Gericht weder die entsprechenden
Lohnausweise noch die definitive Steuerveranlagung vor. Auch für das Jahr 2009 sind
den Akten keine Unterlagen zur massgebenden Entwicklung der Einkommenssituation
zu entnehmen mit Ausnahme einer Bestätigung der SVA vom 24. August 2009. Nach
dieser wurde der Rekurrent auf Grund eines geplanten Stellenantritts im
Seniorenzentrum A._ per 1. Dezember 2009 zur Aufnahme in die AHV-
Ausgleichskasse angemeldet (act. G 3.1/11). Im Rekurs machte er somit ohne
Einreichung entsprechender Belege geltend, dass sich sein Einkommen gegenüber
dem Jahr 2007 reduziert habe. Entsprechend führte er aus, dass sich seine
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auf Grund der Geschäftsaufgabe und der Aufnahme
einer 9 bis 10-monatigen Saisonstelle bzw. von Aushilfsarbeiten in verschiedenen
Restaurants während der Zwischensaison seit Mai 2008 stark reduziert habe. Diese
Umstände seien bei der Berechnung der individuellen Prämienverbilligung für das Jahr
2009 zu berücksichtigen, da er heute darauf angewiesen und ein Abstützen auf die
zwei Jahre zurückliegenden finanziellen Verhältnisse nicht nachvollziehbar sei.
3.3 Wenn von der ordentlichen Berechnungsgrundlage abgewichen und stattdessen
auf die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit abgestellt werden soll, gilt es Art.
9 Abs. 1 Vo-EG zu beachten, welcher bestimmt, dass für die Anspruchsberechtigung
auf Prämienverbilligung für Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz oder einer
fremdenpolizeilichen Bewilligung zum Jahresaufenthalt im Kanton die persönlichen und
familiären Verhältnisse am 1. Januar des Jahres massgebend sind, für das die
Prämienverbilligung beansprucht wird. Dabei handelt es sich um die aktuellsten Daten
(vgl. dazu Art. 65 Abs. 3 KVG). Einzig bei der Geburt eines Kindes wird das
massgebende Einkommen ab dem Geburtsmonat neu festgelegt (Art. 13 Vo-EG). Das
Verwaltungsgericht hat sodann in seinem Entscheid vom 10. Mai 2005 (vgl. a.a.O.,
quater
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E. 2d) festgehalten, dass grundsätzlich auch Änderungen, die zu Beginn des
Anspruchsjahres bzw. im Zeitpunkt des Gesuchs auf eine grundlegende Veränderung
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit deuten, Berücksichtigung finden könnten.
3.4 Für die Frage der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ist somit auf die konkreten
Verhältnisse am 1. Januar 2009 abzustellen. In diesem Zeitpunkt ging der Rekurrent
einer Beschäftigung in einer Saisonstelle nach, welche per Definitionem befristet und
nicht auf ein ganzes Jahr ausgerichtet war. Während der Zwischensaison, deren
Beginn und Ende vom Rekurrenten nicht näher festgehalten wurde, half er in
verschiedenen Restaurants aus, weshalb er auch während dieser Zeit ein Einkommen -
wenn wohl auch ein geringeres als im Saisonbetrieb - generierte. Diese Einkommen
könnten damit für die Berechnung der Prämienverbilligung für das Jahr 2009
grundsätzlich miteinbezogen werden. Indessen ist in der Geschäftsaufgabe mit
gleichzeitiger Aufnahme einer unselbständigen Tätigkeit im Rahmen einer Saison- und
Aushilfsstelle und der damit allenfalls einhergehenden Einkommensreduktion
insbesondere vor dem Hintergrund der per 1. Dezember 2009 angetretenen neuen
Anstellung noch keine dauerhafte Veränderung der Einkommensgrundlagen zu
erblicken. Eine solche vorübergehende Reduktion kann sich allenfalls bei der
Anwendung der ordentlichen Bemessungsregel im Rahmen der
Anspruchsvoraussetzungen für die Prämienverbilligung im Jahr 2010 auswirken. Somit
ist festzuhalten, dass hier keine dauerhafte Einkommensveränderung vorliegt, welche
bei Erfüllen des 2. Kriteriums (Einkommensabweichung von wenigstens 25%) ein
Abweichen von der ordentlichen Berechnungsgrundlage rechtfertigen könnte.
3.5 Unter diesen Umständen kann offen bleiben, ob das Kriterium der
Einkommensabweichung um mindestens 25% für das Jahr 2009 erfüllt ist und es kann
auf die Einsicht in die konkreten Lohndaten des Jahres 2008 verzichtet werden, da
jedenfalls das kumulativ erforderliche Kriterium der dauerhaften Veränderung der
Einkommensgrundlage für dieses Jahr nicht gegeben ist. Entsprechend hat die
Vorinstanz bei der Berechnung der individuellen Prämienverbilligung für das Jahr 2009
zu Recht auf das Reineinkommen aus dem Jahr 2007 abgestellt.
4.
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4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Rekurs gegen den
Einspracheentscheid vom 10. Juli 2009 abzuweisen.
4.2 Gemäss Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS
951.1) hat in Streitigkeiten grundsätzlich jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen
Begehren ganz oder zum Teil abgewiesen werden. Der Rekurrent ist im vorliegenden
Verfahren vollständig unterlegen und hätte demnach für die Gerichtskosten
aufzukommen. In Anbetracht der Umstände (bescheidene wirtschaftliche Verhältnisse
im Sinn von Art. 9 EG-KVG) rechtfertigt es sich jedoch, in Anwendung von Art. 97 VRP
auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG