Decision ID: 44b8cb94-335a-4eb8-bc9d-3e11ed346c0f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974, ist geschieden und Mutter von zwei Kindern, geboren 2000 und 2002. Sie war vor ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 1998 in Deutschland als Servicemitarbeiterin in
Temporäreinsätzen
tätig (Urk. 7/19/2).
Nachdem sie sich der Familie gewidmet hatte, begann sie in
den Jahren 2007-2012
wieder,
für verschiedene Arbeitgeber als Reinigungsmitarbeiterin in Teilzeit
zu arbeiten
(Urk. 7/19/2, Urk. 7/19/4, Urk. 7/19/6). Zuletzt war sie von Januar 2013 bis März 2014 als Aushilfe im Take-Aw
ay-Verkauf bei der Y._
tätig (Urk. 7/19/2, Urk. 7/19/5).
Am 16. Oktober 2017 wurde sie geschieden (Urk.
7/2).
Am 23. Oktober 2017 meldete sie sich unter Hinweis auf eine psy
chi
sche Beeinträchtigung und ein Karpaltunnelsyndrom an beiden Händen, beste
hend seit 2014, bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
und wies auf eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 2014 hin
(Urk. 7/3/6). Die Sozialver
siche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die erwerbliche und medi
zinische Situation ab. Vom 2. Juli bis
zum
1. Oktober 2018 nahm die Versicherte
im
Rahmen von Frühinterventionsmassnahmen
an einem
Arbeitsprogramm/
Be
schäf
tigungsprogra
mm des Sozialdienstes im Z._
teil (Urk. 7/21/1, Urk. 7/22/1). Am 26. Februar 2019 teilte die IV-Stelle der Ver
sicherten mit, weitere berufliche Massnahmen
seien aufgrund ihres Gesund
heits
zustandes
derzeit nicht möglich (Urk. 7/26).
In der Folge liess die IV-Stelle die Versich
erte durch Dr. med.
A
._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherap
ie, sowie Dr. med.
B
._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie,
bidiszi
plinär
begutachten (
r
heumatologisch-psychiatrisches Gutachten vom 19. respektive 23. Dezember 2019, Urk. 7/48, Urk. 7/50). Zudem führte die IV-Stelle eine Haus
haltsabklärung durch (Bericht vom 12. März 2020, Urk. 7/59). Gestützt da
rauf qualifizierte sie die Versicherte als zu 60 % im Erwerbsbereich und zu 40 % im Haushalt tätig (Urk. 7/65/7). Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 60 % in
jeglicher
Tätigkeit und einer uneingeschränkten Zumutbarkeit der Haushalt
tätig
keit ermittelte die IV-Stelle mittels der gemischten Methode einen
Gesamtinva
liditätsgrad
von 24 % (Urk. 7/65/8).
Nach Erlass des Vorbescheids vom
4. Mai 2020
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 16. Juni 2020
einen Rentenan
spruch
(Urk. 7/66, Urk. 7/71 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 17. August 2020 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 16. Juni 2020 aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen nach dem
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG)
, namentlich eine Invaliden
rente,
zu gewähren. Eventualiter sei ein verwaltungsexternes medizinisches (Ge
richts-) Gutachten einzuholen.
Subeventualiter
sei die Sache an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen und diese sei zu verpflichten, eine unabhängige ver
waltungsexterne medizinische Begutachtung zur Klärung des medizinischen Sach
verhaltes in Auftrag zu geben (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 25. September 2020 auf Abweisung der Beschwerde
, ohne sich inhaltlich weiter zu äussern
(Urk. 6). Dies wurde der Beschwerde
füh
rerin am 29. September 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.5
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Inva
lidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG fest
gelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 31. Dezember 2017 gültig
gewesenen
Gerichts- und Verwal
tungs
praxis zur Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125 V 146; vgl. Art. 27 und 27
bis
der Verordnung über die Invalidenver
sicherung
[
IVV
] in der seit dem 1. Januar 2018 geltenden Fassung und Über
gangsbestimmung zur Änderung der IVV, in Kraft seit 1. Januar 2018) wird zunächst der Anteil der
Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufga
benbereich (vgl. Art. 27 IVV) ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbsbereich praxisgemäss berücksichtigt wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teil
erwerbstätigkeit erzielen würde. Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Addie
rung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
1.
6
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstä
ti
gen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (Art. 27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbs
tätig
keit richtet sich nach Art. 16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid ge
worden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäf
tigungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die galten, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.1, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
1.
7
Hinsichtlich des Bewei
swertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
ge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, die Begut
achtung habe ergeben, dass die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin sowie in einer angepassten Tätigkeit auf Dauer zu 40 % arbeitsunfähig sei. Sie sei
als
zu 60 % i
m
Erwerbsbereich und
als
zu 40 % i
m Haushalt
Tätige
zu qualifizieren. In der Haushalttätigkeit
sei sie nicht einge
schränkt (Urk. 2 S. 1). Der mittels gemischter Methode durchgeführte Einkom
mensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 24 %. Die Beschwerdeführerin habe daher keinen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (Urk. 2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie im Gesund
heits
fall 100 % arbeiten müsste und dies auch tun würde (Urk. 1 S. 11). Zudem sei das
bidisziplinäre
Gutachten – aus näher dargelegten Gründen (Urk. 1 S. 13 ff.) – mangelhaft und daher nicht beweiskräftig (Urk. 1 S. 13).
Im Rahmen des vor
zu
nehmenden Einkommensvergleichs
sei
ihr in jedem Fall, demnach selbst bei Ab
stellen auf die 40%ige Arbeitsunfähigkeit und/oder dem Verneinen einer vollen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall, ein zusätzlicher Leidensabzug von mindes
tens 20 % zu gewähren (Urk. 1 S. 19).
Es resultiere ein rentenbegründender Inva
liditätsgrad von über 40 % (Urk. 1 S. 20).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
3.
3.1
Mit Bericht vom 13. November 2017 nannte die behandelnde Psychiaterin, Dr.
med.
C
._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, als Dia
gno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
e
chronifizierte, komplexe post
trau
matische Belastungsstörung (
PTBS,
ICD-10 F43.1), eine rezidivierende de
pres
sive Störung, gegenwärtig mitte
lgradige Episode (ICD-10 F33.1),
eine Agora
phobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01) und Schmerzen, unter anderem in den Handgelenken (Urk. 7/10/6). Dazu ergänzte sie,
es bestehe eine komplexe Trau
ma
tisierung mit anamnestisch unter anderem sexuellem Missbrauch in der Kind
heit, Gewalt in der Ehe, Gewalt von Partnern sowie wiederholtem sexuellem und anderweitigem Missbrauch an Arbeitsstellen (Urk. 7/10/7).
Hinsichtlich der bisherigen Tätigkeit bestünden Einschränkungen in der Form einer reduzierten Belastbarke
it, einer erhöhten Ermüdbarkeit,
grosse
r
Schwierig
keiten, Grenzen zu setzen und sich physisch und psychisch adäquat zu schützen. Die Beschwerdeführerin gerate rasch in Abhängigkeitsverhältnisse und es bestehe die hohe Gefahr einer Retraumatisierung, wie die
s mehrfach in der Vergangenheit
im Erwerbskontext geschehen sei. Die Resilienz sei unterdessen überschritten (Urk. 7/10/8).
Es sei unklar, ob die letzte
n
Tätigkeit
en
in der Privatreinigung und im Gastro
be
reich noch zumutbar sei
en
. Dies aufgrund der in diesen Bereichen erlebten massi
ven
Grenzüberschreitungen und wegen dem fehlenden Vermögen der Beschwer
de
führerin, sich adäquat zu schützen. Mittelfristig bestehe eine mindestens 50%ige Arbeits
un
fähigkeit in angepasster Tätigkeit. Die
Somatik
sei durch sie – Dr.
C
._
– nicht beurteilbar (Urk. 7/10/8).
3.2
Vom 26. März bis 17. Mai 2019 befand sich die Beschwerdeführerin
im teil
statio
nären Setting in der
Tagesklinik
der D._ AG
. Die Behandler diagnostizierten eine komplexe PTBS mit dissoziativer Symptomatik, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Epi
sode
,
sowie eine Agoraphobie mit Panikstörung (Urk. 7/50/12 f.). Die Beschwer
deführerin habe täglich im multimodalen Therapieprogramm mit Sozialkom
pe
tenz-Training teilgenommen.
Dabei
hätten eine psychische Stabilisierung sowie der Wiederaufbau der Wochenstruktur erreicht werden können.
Sie
sei in eine ambulante Ergotherapie überwiesen worden sowie weiter in eine andere psy
chiatrische Behandlung. Zudem habe ein Termin mit
der psychosozialen Spitex
stattgefunden (Urk. 7/50/13).
3.
3
Mit Verlaufsbericht vom 30. April 2019 bestätigte Dr.
C
._
ihre zuvor gestellten Diagnosen und ergänzte, die komplexe PTBS sei stark symptomatisch. Zudem bestehe der Verdacht auf eine dissoziative Störung (ICD-1
0
F33.0, Urk. 7/35/4).
Seit dem letzten Bericht habe sich eine deutliche Zustandsverschlechterung erge
ben mit einer zunehmend starken Symptomatik der komplexen PTBS.
Aufgrund des verschlechterten psychischen Gesundheitszustandes sei eine intensivierte psychiatrische Behandlung notwendig geworden. Diese finde seit März 201
9 in der Tagesklinik der D._ AG
statt. An
sonsten best
ünden
ein sozialer Rückzug, keine feste Tagesstruktur
sowie
ein rasches Konflikt- und Bedrohungserleben in sozialen Situationen
.
D
ie Beschwer
deführerin habe grosse Schwierigkeiten, adäquat Grenzen zu setzen. Sie sei zu
dem immer wieder überfordert im häuslichen Alltag mit zwei pubertierenden Kindern. Sie weise ein hohes Engagement als Mutter auf und fokussiere sich stark auf die Kinder, respektive habe Angst um sie. Ferner komme es zu einem
Hyper
arousal
und Triggern beim Kontakt mit dem Ex-Ehemann, weshalb auch wieder
holt Krisentelefonate stattgefunden hätten (Urk. 7/35/4).
Die Beschwerdeführerin sei zu 100 % arbeitsunfähig im ersten Arbeitsmarkt, sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit (Urk. 7/35/5).
3.
4
Dem Bericht vom 22. Oktober 2019 ist zu entnehmen, dass bei der Beschwer
de
führerin gleichentags eine Magnetresonanztomographie (MRI) des Beckens, der Lendenwirbelsäule (LWS), der Knie sowie beider Hände durchgeführt wurde.
Dieses ergab insgesamt
keine
Hinweis
e
auf
relevante
Arthrosen oder eine
Arthritis des Iliosakralgelenks (ISG). Ferner
wurde
ein nach lateral leicht ansteigendes Pfannendach beidseits ohne Koxarthrose
erkannt
(Urk. 7/48/27 f.).
3.
5
Am 19. beziehungsweise 23. Dezemb
er 2019 erstatteten Dr. B
._
sowie Dr. A
._
ihr rheumatologisch-psychiatrisches Gutachten. Darin
nannten
sie
als
Diagnosen
mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
Panikstörung mit Agoraphobie (ICD-10 F41.0),
eine
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1),
eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ängstlich-vermeidend, abhängig, emo
tional instabil, IC
D-10 F61.0) sowie eine
T
en
osynovitis
rechts. Ohne leistungs
min
dernde Wirkung seien demgegenüber die psychischen und Verhaltensstö
run
gen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.25), die
subsyndromale
PTBS
(ICD-10 F43.1), die Osteoarthrose mit beginnender Bouchard-Arthrose und
Fazettenarthrose
sowie
eine mögliche,
beginnende Gonarthrose (Urk. 7/52/4).
Dazu ergänzten sie,
neben den
genannten Diagnosen liege auch eine rezidi
vie
rende depressive Störung vor, die aktuell jedoch leichtgradig ausgeprägt sei (Urk. 7/52/4). Im Vordergrund stünden eine Angstsymptomatik und Auffällig
kei
ten hinsichtlich der Persönlichkeit mit ängstlich-vermeidenden und auch abhän
gigen Zügen (Urk. 7/52/5).
Es hätten keine Diskrepanzen oder Inkonsistenzen be
standen. Die Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht als zu 60 % arbeits
fähig anzusehen, ohne Einschränkung in der Leistung. Diese Arbeitsfähigkeit bestehe sowohl in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als auch in angepassten Tätigkeiten, die kognitiv einfach strukturiert sein sollten, ohne Anspruch an krea
tive Fähigkeiten und mit regelmässigen Rückmeldungen vom Vorgesetzten. Ein Publikumsverkehr solle möglichst gemieden werden (Urk. 7/52/5).
Die Arbeits
fähig
keit bestehe seit dem
Begutachtungszeitpunkt
(Urk. 7/50/37).
Aus rheumatologischer Sicht bestehe in der Tätigkeit als Reinigungskraft, als
Verkäuferin
und im Service jeweils eine Arbeitsfähigkeit von
70 %
.
Da die letzte Tätigkeit vor fünf Jahren nicht aufgrund
der
Beschwerden am Bewegungsapparat aufgegeben worden sei, sei der zeitliche Verlauf
der Arbeitsfähigkeit
bei fehlender Aktenlage nicht abschätzbar. Daher gelte die Einschätzung ab dem Zeitpunkt des Gutachtens. In einer angepassten Tätigkeit bestehe aus rheumatologischer Sicht ein
e
100%ige Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/52/5).
Eine
adaptierte
Tätigkeit sei wechsel
belastend und ohne lange Gehstrecken. Tätigkeiten mit erhöhtem Kraftaufwand der Hände, tragende oder haltende Tätigkeiten, die andauernd seien, seien nicht zumutbar (Urk. 7/48/20, Urk. 7/52/5).
Aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin vor allem in Bezug auf die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie die Durchhaltefähigkeit mindestens mittelgradig eingeschränkt. Ebenfalls sei die Selbstbehauptungsfähigkeit auf
grund der vermeidenden und teilweise auch abhängigen Haltung der Beschwer
deführerin beeinträchtigt. Im Weiteren scheine auch die Kontaktfähigkeit zu Dritten beeinträchtigt zu sein, sodass die Arbeitsfähigkeit längerfristig nur
als
zu 60 % gegeben angesehen werden könne. Aus rheumatologischer Sicht seien Pro
nationsbewegungen mit gleichzeitigem Heben und Tragen, Bewegung
en
mit ver
mehrtem Gebrauch der Handgelenkextensoren mit Dorsalflexion wie beim Putzen,
erschwert. Tätigkeiten mit anhaltender Greifkraft seien ebenfalls erschwert und könnten die Erkrankung verschlimmern (Urk. 7/52/6).
Es bestünden Belastungen in vielfacher Hinsicht mit einem Migrations
hinter
grund und einer fehlenden beruflichen Ausbildung. Zudem bestehe eine chroni
fizierte Symptomatik, die therapeutisch nur zum Teil
angegangen werden könne
. Andererseits sei ein Ressourcenpotential zu eruieren. Die Beschwerdeführerin
schätze sich selbst als arbeitsfähig ein und es bestehe eine psychosoziale Unter
stützung durch die beiden erwachsenen Kinder, mit denen sie zusammenlebe. Als positiv erwiesen sich auch die bisherigen beruflichen Erfahrungen und die tragende Beziehung zur Therapeutin (Urk. 7/52/6).
Aus rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin zurzeit im Haushalt wenig belastet, da ihr ohnehin sehr viel abgenommen werde. Unter Behandlung und Anwendung von Orthesen sei nach vollständiger Ausheilung keine andau
ernde Einschränkung zu erwarten. Schon jetzt gebe die Beschwerdeführerin keine nennenswerten Einschränkungen an (Urk. 7/52/6 f.).
Gesamthaft kamen die Gutachter zum Schluss,
dass
die psychiatrischen Ein
schr
änkungen
führend sei
en
und
die
Arbeitsfähigkeit
insgesamt
60 %
in der an
gestammten sowie in einer leidensadaptierten Tätigkeit betrage (Urk. 7/52/5, Urk. 7/52/7)
.
Die
Leistungsfähigkeit
werde vor allem durch ein chronifiziertes psychiatrisches Zustandsbild eingeschränkt. Aus rheumatologischer Sicht könne die Arbeitsfähigkeit grundsätzlich durch die Gabe von systemischen Antiphlo
gistika (NSAR und Cortison) verbessert werden, damit die Beschwerden rascher
abklingen würden. Eine vorübergehende Schonung sei am wirksamsten (Urk
. 7/52/5).
3.
6
Mit Stellungnahme vom 18. Januar 2020 befand der RAD-Arzt
dipl.
m
ed. E._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie, das Gutachten sei nachvollziehbar (Urk. 7/65/4). Betreffend den Beginn der Arbeits
un
fähigkeit hielt er fest, in der bisherigen sowie in einer angepassten Tätigkeit bestehe überwiegend wahrscheinlich seit dem Beginn der regelmässigen psychia
trischen Behandlung im November 2012 eine 60%ige Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/65/5).
3.
7
Die Beschwerdeführerin führte
anlässlich der Haushaltsabklärung vom 4. März 2020 (Bericht vom 12. März 2020, Urk. 7/59)
betreffend ihre Tagesstruktur aus, sie räume zurzeit hauptsächlich die Wohnung auf. Auch in den Kinderzimmern würde sie jeden Morgen die Betten machen. Die Kinder kämen über Mittag nicht mehr nach Hause. Am Abend esse sie mit
ihnen zusammen
. Dies sei auch die Hauptmahlzeit, welche sie zubereite (Urk. 7/59/2). Seit 2015 werde sie vom Sozialamt unterstützt. Sie sei seit dem 16. Oktober 2017 geschieden. Aktuell lebe sie in keiner Partnerschaft. Die Kinder seien mittlerweile erwachsen und befänden sich in Erstausbildung (Urk. 7/59/3).
Die anlässlich der Haushaltsabklärung ebenfalls anwesende
Sozialarbeiterin der Sozialberatung Uster erwähnte,
man
könne
sich
nicht erklär
en,
weshalb die Beschwerdeführerin in der Begutachtung angegeben habe, sie könne sich ein 60 %-Pensum
vorstellen
. Die Beschwerdeführerin habe die Frage allenfalls falsch
verstanden. Es sei zu betonen, dass die Beschwerdeführerin sich mit ihrem aktu
ellen Gesundheitszustand auf keinen Fall vorstellen könne, zu arbeiten (Urk. 7/59/4).
Auf
die
Frage,
wie viel
die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden
arbeiten
würde, antwortete diese, sie würde
ein Pensum von
50-60 %
ausüben
. Es bestehe der Wunsch, als Nageldesignerin zu arbeiten. Sie sei ja alleinerziehend und würde immer noch für die erwachsenen Kinder kochen und den Haushalt erledigen wollen. Auch die Kinder könnten ihren finanziellen Beitrag leisten. Ob dies existenzsichernd sei, könne sie nicht beantworten. Als sie noch mit ihrem Ex-Ehemann zusammengelebt habe, habe er jeweils das Geld nach Hause gebracht. Wenn man sich scheiden lasse, müsse man auch mehr verdienen. Sie sei anfän
glich zu Hause gewesen und habe die Kinder betreut. Vor der Geburt des ersten Kindes sei sie keiner
Erwerbstätigkeit
in der Schweiz nachgegangen. Als die Kinder grösser geworden seien, habe sie Teilzeitstellen gehabt. Sie habe zudem nach
dem Jahr
2013 Schwarzarbeit in einem Restaurant geleistet. Dabei habe sie jeweils mehr als ein 100%iges Pensum innegehabt. Auch heute würde sie gerne arbeiten, wenn sie gesund wäre. Die Tätigkeit als Reinigungskraft würde sie jedoch triggern und sie habe Schmerzen in den Händen (Urk. 7/59/4).
Die Abklärungsperson ermittelte keine Einschränkungen im Haushalt
und quali
fizierte die Beschwerdeführerin als zu 60 % im Erwerbs- und zu 40 % im Haus
haltsbereich Tätige (Urk. 7/59/8).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stellte zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf das rheu
matologisch-psychiatrische Gutachten ab, gemäss welchem die Beschwerdefüh
rerin
sowohl in ihrer angestammten als auch in einer adaptierten Tätigkeit zu 40 %
eingeschränkt
ist
(Urk. 2 S. 1). Die Beschwerdeführerin brachte hingegen vor, auf das Gutachten könne nic
ht abgestellt werden (Urk. 1
S. 13 ff.). Nach
folgend ist daher auf
dessen
Beweiswert einzugehen.
4.2
Die
r
heumatologische Gutachterin kam in nachvollziehbarer Weise
zum Schluss, dass
die
Beschwerdefüh
rerin
einzig aufgrund der
Tenosynovitis
rechts
in ihrer
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist
und
die
Osteoarthrose mit beginnender
Bou
chard
arthr
ose
,
Fazettenarthrose
sowie
die
mögliche
Gonarthrose
keine leistungs
mindernde Wirkung haben
(Urk. 7/48/16 und 20
, Urk. 7/52/4
).
D
ie Beschwerde
führerin
gab anlässlich der Untersuchung
ausser
den
Schmer
zen am rechten Hand
gelenk und
in den Fingergelenken
zwar auch Schmerzen an
der LWS und in den Knien an
. Die Gutachterin
wies jedoch darauf hin
, dass
sich in den Knien keine
Gelenkergüsse
oder Bewegungseinschränkungen
gefunden hätten.
Sie
be
schrieb eine
mässig
ausgeprägte Symptomatik ohne
hinkenden Gang
und ohne die
Notwendigkeit einer Gehhilfe
sowie
eine gut bewegliche
LWS
. Eine schwer
wie
gende Einschränkung im Alltag sah sie nicht, was auch mit der Beschreibung der Beschwerdeführerin korreliert, wonach sie
den Dreipersonenhaushalt führt,
putzt, für
sich und
die Kinder kocht und
auch
malt (Urk. 7/48/12).
D
ie Beurteilung der Gutachterin, wonach die Beschwe
rdeführerin in ihrer bis
herigen
Tätigkeit
, in der sie viel mit den Händen arbeitete
(Reinigung, Service, Verkauf)
.
aufgrund der genannten Beschwerden im Umfang von
30 % einge
schränkt ist,
ist nachvollziehbar.
Dies, zumal auch die Beschwerdeführerin aus
führte, sie könne grundsätzlich alles machen, aber es steche und sie könne daher nicht so schnell arbeiten (Urk. 7/48/17).
Ebenso ist es aber auch einleuchtend, dass
die Beschwerdeführerin
in einer adaptierten
, wechselbelastenden
Tätigkeit
ohne lange Gehstrecken und ohne erhöhten Kraftaufwand
der
Hände sowie ohne tragende und haltende Tätigkeiten
voll leistungsfähig ist
(Urk. 7/48/20)
.
Zumut
bar und hilfreich für die rheumatologischen Einschränkungen der Beschwerde
führerin sind die Anwendung von Orthesen, von antirheumatischen Salben und gegebenenfalls
Kortisoninfiltrationen
, die die Arbeitsfähigkeit unterstützen (Urk.
7/54/7).
4.3
Die psychiatrische Gutachterin legte dar, dass
bei der Beschwerdeführerin
vom Komplexbild einer genuinen Angststörung in generalisierter Hinsicht, einer rezi
divierenden depressiven Störung,
leichte Episode,
einer Panikstörung mit Ago
raphobie sowie
einer kombinierten Persönlichkeitsstörung auszugehen ist und die PTBS
subsyndromal
ausgebildet und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ist (Urk. 7/50/28, Urk. 7/50/
30, Urk. 7/50/
33, Urk. 7/52/4).
Sie kam zum Schluss,
dass die Beschwerdeführerin ab dem Zeitpunkt der Begutachtung
vom
19. Septem
ber 2019 zu 60 % arbeitsfähig
ist
(Urk. 7/50/36).
Die Beschwerdeführerin bringt zunächst gegen das psychiatrische Gutachten vor, die Gutachterin sei nicht empathisch gewesen, wodurch ein positiver gutachter
licher Beziehungsaufbau verunmöglic
ht worden sei
. Diesem komme aber gemäss
dem f
achärztlichen Aufsatz von F._
zum Thema Begut
ach
tung der posttraumatischen Belastungsstörung besondere Bedeutung zu
(Urk. 1 S. 13 f.). Es ist durchaus
verständlich und nachvollziehbar, dass die Begutach
tungs
situation für die Beschwerdeführerin angesichts der Ereignisse in der Ver
gangenheit, welche Gegenstand der Befragung waren, belastend war (Urk. 1 S. 13). Die Gutachterin erwähnte aber auch eine insgesamt unkomplizierte Kon
taktaufnahme, anlässlich welcher sich die Beschwerdeführerin spontan und offen auf die Exploration einlassen konnte. Zudem konnte sie das Gespräch während der gesamten
Untersuchungszeit aufmerksam verfolgen und blieb durchgehend freundlich und kooperativ
und die Gutachterin bezeichnete die Beschwerde
füh
rerin als konsistent in den Ausführungen
(Urk. 7/50/21
, 7/54/7
).
Selbst
wenn
es stimmen sollte, dass – wie die Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsab
klärung dartat -
s
ie nach der Exploration
geweint
und die Gutachterin die Be
schwerdeführerin
dennoch
verabschiedet und sie stehen gelassen habe
(Urk. 7/5
9/2),
ist das nicht zwingend Ausdruck mangel
nder
Empathie, die
die gut
achterliche Beziehungsgestaltung während der Exploration
negativ beeinflusst
hätte
.
Andere Anzeichen für eine seitens der Gutachterin gegenüber der Be
schwer
deführerin vorhandene negative Einstellung oder ungute Beziehungsge
staltung sind keine ersichtlich; v
on
der beantragten
Befragung der Beschwerde
führerin zu den Ereignissen während der Begutachtung ist daher
in antizipierter Beweiswürdigung
abzusehen (Urk. 1 S. 14).
Die Beschwerdeführerin erachtet es
ferner
als widersprüchlich, dass die psy
chiatrische Gutachterin die Symptomatik der (
subsyndromalen
) PTBS als stark ausgeprägt bezeichnete,
dann aber eine (voll ausgebildete) PTBS verneinte und die
Symptomatik im Rahmen der generalisierten Angststörung und der Persön
lichkeitsstörung sah
(Urk. 1 S. 14)
. Hierzu ist zu bemerken, dass
die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Der medizinischen Sachverständigen ist deshalb praktisch immer ein gewisser Spiel
raum eröffnet, innerhalb welchem verschiedene Interpretationen möglich, zulässi
g und im Rahmen einer Exploration lege artis zu respektieren sind (Urteil des Bun
desgerichts 9C_761/2018 vom 25. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis).
Zudem ist nicht die diagnostische Einordnung eines Gesu
ndheitsschadens entscheidend
, sondern die zugrundeliegenden psychiatrischen
Befunde
(Urteil des Bundes
ge
richts 8C_782/2012 vom 22. Oktober 2013 E. 4.3.3)
.
Die Gutachterin untersuchte
die Beschwerdeführerin ausführlich
und erhob
im objektiven psychopatho
logi
schen
Befund Auffälligkeiten in
der
Gestalt von Ängstlichkeit und Unsicherheit. Zudem wies sie darauf hin, dass die emotionale Schwingungsfähigkeit der Be
schwerdeführerin deutlich herabgesetz
t und
der formale Gedankengang verlang
samt und teilweise sprunghaft war.
Hinsichtlich des Affekts
konnte die Gutach
ter
in weiter eine depressiv
e
Stimmungslage feststellen und es bestanden wieder
holte Affekteinbrüche während der Untersuchung (Urk. 7/50/29). I
n Anlehnung
an den
Mini-ICF-APP
erkannte die Gutachterin
sodann
mittelgradige Einschrän
kungen hinsichtlich der Flexibilität und Umstellungsfähi
gkeit, der Durchhaltefähigkeit und
der Kontaktfähigkeit zu Dritten
. Hinsichtlich der Selbstbehauptungsfähigkeit sah sie eine mittelgradige bis schwere Einschränkung
(Urk. 7/50/26 f.). Zudem
erwähnte
sie eine Minderung der
psychischen Stabilität, der Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen, des Selbstvertrauens, der psychischen Energie und des An
triebs
(Urk. 7/50/33)
.
Dass die Gutachterin diese
Symptomatik im Rahmen der generalisierten Angststörung und der kombinierten Persönlichkeitsstörung und nicht im Rahmen einer (voll ausgebildeten) PTBS sah,
ist
nach der soeben dar
gelegten Rechtsprechung
nicht zu beanstanden
, zumal ihre Diagnostik auf einer umfassenden und klaren Befunderhebung
und Testung
basiert. Unter diesen Um
ständen durfte auch die Einholung von Fremdanamnesen unterbleiben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_395/2016 vom 25. August 2016 E. 4.1)
. Im Übrigen setzte sich die Gutachterin hinreichend mit der divergierenden Aktenlage auseinander, indem sie darauf hinwies, dass
nicht alle Kriterien der PTBS erfüllt sind und
die behandelnde Psyc
hiaterin und die Ärzte der
D._
AG
ausserdem
die
Aspekte der kombinierten Persönlichkeitsstörung sowie der generalisierten Angst
störung
ausser
Acht gelassen hatten
(Urk. 7/50/35).
Des Weiteren
berücksichtigte
die Gutachterin
entgegen der Ansicht der Be
schwerdeführerin (Urk. 1 S. 17)
auch die Wechselwirkungen der einzelnen psy
chi
schen Einschränkungen, indem sie von einem Komplexbild einer genuinen Angststörung in generalisierter Hinsicht, einer rezidivierenden depressiven Stö
rung und vor allem von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung ausging, welche
gerade
als Symptomenkomplex den Alltag der Beschwerdeführerin nachhaltig beeinträchtig
en
(Urk. 7/50/33)
. Auch die Schmerzen bezog sie in ihre Einschät
zung mit ein, indem sie anlässlich der Begutachtung festhielt, die Beschwerde
führerin habe während der Untersuchung nicht schmerzgequält gewirkt und habe keinen Positionswechsel vorgenommen (Urk. 7/50/21).
Angesichts der
mittelgradigen bis schweren psychischen
Einschränkungen
in den
genannten
Bereichen
leuchtet es ein, dass die Beschwerdeführerin auf eine Tätig
keit angewiesen ist, die
kognitiv einfach strukturiert ist und keinen Anspruch an kreative Fähigkeiten hat, bei der eine
regelmässige
Rückmeldung vom Vorge
setzten gewährleistet
ist
und in der sie keine Konflikte mit dem Arbeitgeber
respektive eine wohlwollende und unterstützende Umgebung
hat
, die auch mög
lichst ohne Publikumsverkehr ist
(Urk. 7/50/36
, Urk. 7/52/5
).
Damit trug
die Gut
achterin
auch den Problemen der Beschwerdeführerin
hinsichtlich zwischen
menschlicher Interaktionen
Rechnung (vgl. Urk. 1 S. 16).
In Berücksichtigung der durchaus auch vorhandenen Ressourcen wie
der
psychosoziale
n
Unterstützung durch die Kinder und die behandelnde Psychiaterin
(Urk. 7/50/35)
ist
es
denn auch
schlüssig
, dass
aus psychiatrischer Sicht
in einer solchen
Beschäftigung
noch eine Restarbeitsfähigkeit von 60 % besteht (Urk. 7/50/36).
Dies bestätigten die Gutachter
innen
im
bidisziplinären
Konsens, wobei
sie darauf hinwiesen, dass die psychiatrischen Einschränkungen im Vordergrund stehen und daher insge
samt von einer Arbeitsfähigkeit von 60 % auszugehen ist (Urk. 7/52/7).
Dies ist nachvollziehbar. Der
Beurteilung der behandelnden Psychiaterin,
die die Be
schwer
deführerin ab Januar 2019 als
zu 100 % arbeitsunfähig im ersten Arbeits
markt
beurteilte
(Urk. 7/35/5)
,
steht insbesondere
d
ie
Selbsteinschätzung
der Beschwerdeführerin
entgegen, wonach sie grundsätzlich an zwei bis drei Tagen
pro Woche arbeiten könne (Urk. 7/50/19).
Weshalb die Beschwerdeführerin die Frage
hinsichtlich der Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit hätte missver
ste
hen sollen, wie sie im Nachhinein vorbrachte (Urk. 7/59/4), erschliesst sich nicht. Denn sie erwähnte detailliert, dass sie beispielsweise Packarbeiten aus
füh
ren könne, aber keine Reinigungsarbeiten mehr, da sie immer daran erinnert werde, dass sie im Rahmen dieser Tätigkeit vergewaltigt worden sei (Urk. 7/50/19 f.). Auch gegenüber der rheumatologischen Gutachterin erwähnte sie, dass sie grundsätzlich alles machen könne, nur nicht so schnell (Urk. 7/48/16).
Auch das Vorbringen
, die Gutachter
innen
hätten sich zu Unrecht nicht mit den Ergebnissen der beruflichen Massnahmen auseinandergesetzt,
vermag nicht zu überzeugen
. Denn soweit ersichtlich wurde
anlässlich dieses Arbeits-/respektive Beschäftigungsprogrammes
keine Einschätzung zur Leistungsfähigkeit der Be
schwerdeführerin vorgenommen (Urk. 7/27/2).
4.4
Zusammenfassend erfüllt das
bidisziplinäre
Gutachten die Anforderungen an den Beweiswert einer
ärztlichen
Expertise (vgl. E. 1.7 hiervor) und es ist
darauf abzu
stellen. Damit ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Be
schwer
deführerin
zu 60 % arbeitsfähig ist in
einer vor allem in psychischer Hinsicht angepassten
Tätigkeit
(Urk. 7/52/5
, Urk. 7/53/36
).
Was den zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit anbelangt
ist festzustellen, dass die Aktenlage dürftig ist und sich rückwirkend auch nicht
entscheidend
erweitern lässt
, dies ist auch der Grund, weshalb seitens der Gutachterinnen die 60%ige Arbeitsfähigkeit bzw. die 40%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem Zeitpunkt der Begut
achtung
durch sie
im September 2019
festgelegt wurde
. Mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit besteht
diese
gesundheitliche Ein
schränkung in der angestammten H
ilfstätigkeit aufgrund des im Wesentlichen
gleich gebliebenen, psychisch domi
nierten Beschwerdebild
s
, wie es sich anlässlich der Begutachtung im Herbst 2019 gezeigt hatte, bereits über Jahre,
es
wurde jedoch von der behandelnden Psy
chiaterin schon immer anders diagnostisch
gefasst
und schliesslich auch mit einem abweichenden Arbeitsunfähigkeitsgrad von 100 % zumindest seit Januar 2019 viel
gravierender
eingestuft (Urk. 7/29).
Dieser Beurteilung des Gesund
heits
schadens durch die behandelnde Ärztin ist jedoch in Anbetracht des umfassenden Gutachtens nicht zu folgen.
Es kann vielmehr davon ausgegangen werden, dass
die Beschwerdeführerin
ab
dem Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns am
1. April 2018 (vgl. E.
6.2
nachfolgend) in der Lage gewesen wäre, ein solches Pensum
in einer angepassten einfachen Tätigkeit
zu absolvieren, zumal
selbst
die behandelnde Psychiaterin
im
November 2017 eine Teilarbeitsfähigkeit von 50 % festgehalten hatte
(Urk.
7
/10).
Im Haushalt besteht keine Einschränkung, was die Beschwerdeführerin sowohl
gegenüber den psychiatrischen als auch der rheumatologischen Gutachterin bestä
tigte (Urk. 7/50/29, Urk. 7/52/6).
4.5
Von weiterführenden somatischen Abklärungen – insbesondere aus neurologi
s
cher Sicht oder beim Hausarzt – sind mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine zu
sätzlichen Erkenntnisse zu erwarten,
weshalb darauf in
antizipiert
er Beweis
würdigung zu verzichten ist (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
Zwar berichtete die Beschwerdeführerin
während den
Begutachtung
en
auch von einem
Gefühl, ihre Beine nicht mehr zu spüren, von Gleichgewichtsstörungen, Schwindel
und einem gestörten
Gedächtnis
(Urk. 7/48/10,
Urk
. 7/50/14). Im Rahmen der Haus
haltsabklärung erwähnte sie jedoch selbst, dass die neurologischen Abklä
rungen keine weiteren Erkenntnisse gebracht hätten. Das anberaumte MRI war damals noch nicht in die Wege geleitet worden (Urk. 7/59/2) und allfällige Be
richte darüber hat die Beschwerdeführerin
in der Folge
nicht eingereicht. Kog
nitive Defizite konnte die psychiatrische Gutachterin im Übrigen anlässlich ihrer Exploration nicht erkennen (Urk. 7/50/33). Zudem gab die Beschwerdeführerin
in
der rheumatologischen Begutachtung einzig an, sie befinde sich in Physiotherapie (Urk. 7/48/10). Eine Behandlung beim Hausarzt oder einem anderen Facharzt erwähnte sie weder dort noch in ihrer Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/3/7).
5.
5.1
Für den Rechtsanwender ist eine medizinische Einschätzung der Arbeits
unfähig
keit aus psychischen Gründen nicht ohne Weiteres verbindlich. Es kann davon abgewichen werden, ohne dass ein Gutachten seinen Beweiswert verliert (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3 mit Hinweis). Grundsätzlich soll für sämtliche psychischen Leiden ein
indikatorengeleitetes
Beweisverfahren
gemäss
BGE 141 V 281 Anwendung finden (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.3 und 143 V 418 E. 7.1), das Aufschluss über das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen geben soll (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1). Dabei ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein
ab
schliessendes
Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im konkreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zu
sam
men mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der
massgeblichen
Indikatoren erlauben oder nicht (vgl. Urteile des Bundesge
richts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Febru
ar
2018 E. 4.2).
5.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
5.3
5.3.1
Hinsichtlich des Komplexes der Gesundheitsschädigung ist zum Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten, dass
die
psychiatrische Gutachter
in
angesichts der geschilderten Symptomatik
im Wesentlichen eine
Panik
störung mit Agoraphobie, eine generalisierte Angststörung, eine kombi
nie
rte
Persönlichkeitsstörung (ängstlich-vermeidend, abhängig, emotional insta
bil)
,
eine
subsyndromale
PTBS
sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradig,
diagnostizierte (Urk. 7/50/28
und 31
). Dabei wies
sie
darauf hin, dass dieser Symptomenkomplex die Beschwerdeführerin nachhaltig bei der Bewälti
gung ihres Alltags beeinträchtigt (Urk.
7/50/3
). Insgesamt ist daher
durchaus auf
eine
mittel
gradige
Ausprägung des psychischen Gesundheitsschadens zu schliessen
.
Zum Indikator Behandlungserfolg oder –
resistenz
legte die psychiatrische Gut
achterin dar, dass
sich die Beschwerdeführerin einmal in eine stationäre psy
chiatrische Behandlung begab und auch seit Jahren durchgehend eine leitlinien
gerechte psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung in Anspruch
nimmt
, die ihr Zustandsbild stabilisier
t
(Urk. 7/50/34). Andererseits erwähnte die Gutachterin auch, dass eine chronifizierte Symptomatik vorliegt, die therapeu
tisch nur zum Teil
angehbar
ist (Urk. 7/50/35). Daraus ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin die ihr möglichen Bemühungen wahrnimmt, um ihren Ge
sundheitszustand zu verbessern respektive zu erhalten. Hinsichtlich des Indika
tors des Eingliederungserfolgs ist zwar positiv zu werten, dass die Beschwer
de
führerin
im Rahmen von
Frühinterventionsmassnahmen an einem Arbeitspro
gramm/Beschäftigungsprogramm des Sozialdienstes im
Z._
teilnahm (Urk. 7/21/1, Urk. 7/22/1).
Allerdings hat sie bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens keine weiteren Bemühungen getätigt, sich einzugliedern. Daher kann nicht von einer manifesten Eingliederungsresistenz ausgegangen werden.
Bezüglich der relevanten Komorbiditäten ist zu erwähnen, dass sich
gemäss
psy
chiatrischem Gutachten – wie bereits erwähnt – gerade der Komplex der Symp
tome und damit das Zusammenspiel der verschiedenen psychischen Störungen negativ auswirkt
(Urk. 7/50/33). Zudem leide
t
die Beschwerdeführerin
in rheu
matologischer Hinsicht
an einer
Tenosynovitis
rechts sowie einer Osteoarthrose (Urk. 7/48/16)
, was entsprechend zu berücksichtigen ist.
5.3.2
Betreffend den Komplex
«Persönlichkeit» ist zu erwähnen, dass die psychiatrische Gutachterin eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ängstlich-vermeidend, an
hängig, emotional instabil) diagnostizierte.
Zudem sah sie in Anlehnung an den Mini-ICF-APP mittelgradige Beeinträchtigungen der Flexibilität, der
Umstel
lungs
-, der Durchhalte
-
und der Kontaktfähigkeit zu Dritten. Ferner besteht eine mittelgradige bis schwere Einschränkung der Selbstbehauptungsfähigkeit (Urk. 7/53/27).
Damit kommt der Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin durchaus eine ressourcenhemmende Wirkung zu. Gleichzeitig besteht jedoch auch ein Ressourcenpotential. Hier wies die Gutachterin darauf hin, dass die Beschwerdeführerin ihren Alltag zumindest im häuslichen Kontext weitgehend bewältigen kann un
d sich auch für
ausserhäusliche
, einfache
Tätigkeiten teilweise als arbeitsfähig ansieht (Urk. 7/53/33
und 35
).
5.3.3
Der soziale Kontext der Beschwerdeführerin hält dahingehend Ressourcen bereit, dass
die Beschwerdeführerin durch ihre beiden Kinder unterstützt wird, die mit ihr zusammenwohnen. Als positiv erweist sich auch die gute therapeutische Anbindung (Urk. 7/53/35).
5.3.4
Zum entscheidenden Indikator «Konsistenz»
lässt sich dem psychiatrischen Gut
achten entnehmen
, dass ein teilweise reduziertes Alltagsaktivitätsniveau besteht,
die Beschwerdeführerin sich jedoch bei den Haushaltsarbeiten nicht einge
schränkt
fühlt (Urk. 7/53/29). Dies ist mit
ihren Sch
ilderungen
zum
Tagesablauf vereinbar, wonach sie
ihre Freizeitbeschäftigungen wie Malen und Singen aktuell nicht aus
übe. Dennoch kann sie die Haushaltsaufgaben, wie Putzarbeiten und das Kochen für die Kinder bewältigen, wobei sie von diesen auch unterstützt wird (Urk. 7/53/20). Daraus ergibt sich eine durchaus vorhandene Einschränkung des Aktivitätsniveaus.
Hinsichtlich des Leidensdrucks wies die psychiatrische Gutachterin auf einen deutlichen Leidensdruck hin und auf den Umstand, dass die Beschwerdeführerin ihre Beschwerden weitgehend nachvollziehbar und ohne nachhaltige Inkonsi
stenzen oder Diskrepanzen schilderte. Einzig die behaupteten kognitiven Defizite waren bei der Exploration nicht nachhaltig wahrzunehmen (Urk. 7/53/34). Ein relevanter Leidensdruck lässt sich damit nicht in Abrede stellen.
5.3.5
In Anbetracht der mittelgradigen Ausprägung des psychischen Gesundheits
scha
dens, der Komorbiditäten,
d
er ressourcenhemmenden Persönlichkeitsstruktur, des reduzierten Aktivitätsniveaus und des Leidensdrucks der Beschwerdeführerin, aber auch der vorhandenen persönlichen Ressourcen, kann die gutachterlich angegebene
Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit von 60 % – respektive die 40%ige Einschränkung – in jeglicher Tätigkeit auch mit Blick auf die Standardindikatoren nachvollzogen werden.
6
.
6
.1
Damit stellt sich die Frage nach dem Status der Beschwerdeführerin. Es ist zu klären, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin zu Recht als zu
6
0 % im Erwerbsbereich und zu
4
0 % im Haushaltsbereich tätig qualifiziert hat (Urk. 2 S. 1). Die Beschwerdeführerin macht diesbezüglich geltend, sie sei als Voller
werbstätige zu q
ualifizieren (Urk. 1 S. 10 ff.).
6
.2
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Um
ständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entschei
dend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Per
son im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie
hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Be
sonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhält
nisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausge
übten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
6
.3
V
orab
ist
festzuhalten, dass
es nicht allein ausschlaggebend ist, dass die Be
schwerdeführerin im Gesundheitsfall allenfalls aus finanziellen Gründen einer Erwerbstätigkeit in einem 100 %-Pensum nachgehen müsste (Urk. 1 S. 11
f.
), sondern was sie tatsächlich tun würde.
Die Beschwerdeführerin hat
gemäss
eige
nen Angaben Teilzeitstellen innegehabt, als die Kinder grösser geworden waren (Urk. 7/59/4)
. Welches Pensum die Beschwerdeführerin
jeweils
innegehabt hat, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Ebenso wenig kann sie ausweisen, dass sie nach 2013 in einem Restaurant
mindestens
100 % gearbeitet hat (Urk. 7/59/4). Ihrem Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) lassen sich durchwegs sehr tiefe Erwerbseinkommen von höchstens Fr. 25‘000.- (inklusive
Arbeitslosenent
schädi
gung von
Fr. 3‘640.--, Urk. 7/9) entnehmen.
Die Angaben der Beschwerde
füh
rerin in der psychiatrischen Untersuchung bezogen sich – wie
sie
vorbringt (Urk. 1 S. 11)
–
nicht auf die Frage, welches Pensum sie bei Gesundheit ausüben würde, weshalb sie für die Statusfrage ebenfalls nicht relevant sind. In der Haus
haltsabklärung führte
die Beschwerdeführerin
dann
hingegen
aus, sie würde im Gesundheitsfall zu 50-60 % arbeiten, denn
sie sei alleinerziehend und würde immer noch für die erwachsenen
, aber offenbar noch in Ausbildung stehen
den
Kinder kochen und den Haushalt erledigen wollen
. Zudem verwies sie darauf, dass auch die Kinder einen finanziellen Beitrag leisten könnten
(Urk.
7/59/4)
.
Dass sie die Frage nach der hypothetischen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall nicht richtig verstanden haben sollte, dafür spricht nichts, zumal am Gespräch auch eine Sozialarbeiterin von der Sozialberatung Uster anwesend wa
r und ein Missverständnis daher mit deren Hilfe direkt hätte geklärt werden können
.
An
gesichts
der
klaren
Äusserung
der
Beschwerdeführerin
kann von einer maximal 60%igen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall ausgegangen werden
.
D
as von ihr zitierte Urteil des Verwaltungsgerichts Schwyz
(Urk. 1 S. 12)
ist vor diesem Hintergrund nicht einschlägig
.
Damit ist die Qualifikation der Beschwerdegegnerin (60 % Erwerb und 40 % Haushalt) nicht zu beanstanden.
7
.
7
.1
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der eingeschränkten Arbeits
fähigkeit
anhand der gemischten Methode
.
7
.2
Nachdem sich die Beschwerdeführerin am 23. Oktober 2017 bei der Beschwerde
gegnerin angemeldet hatte (vgl. Aktenverzeichnis zu Urk. 7/3), konnte ein Ren
tenanspruch in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG frühestens am 1. April 2018 entstehen
.
Dies bedeutet, dass der Invaliditätsgrad lediglich
gemäss
dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Ber
echnungs
modell zu ermitteln
ist
.
Die Beschwerdegegnerin hat den Invaliditätsgrad ohne genaue Ermittlung der Vergleichseinkommen anhand der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstruk
turerhebung (LSE) für eine Hilfsarbeiterin festgelegt (Urk. 7/65/8). Diese Vorge
hensweise wird von der Beschwerdeführerin nicht
gerügt
und ist mit Blick auf ihre Erwerbsbiografie nachvollziehbar. Sie hat keine Ausbildung und
ver
richte
te
seit ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr
1998 (Urk. 7/3/1)
ausschliesslich
Tätig
keiten im Hilfsarbeiterbereich wie in der Reinigung, Gastronomie und im Verkauf (Urk. 7/50/18 f., Urk. 7/9, Urk. 19/2).
Dementsprechend ist zur Ermittlung des
Valideneinkommens
in einem 60 %-Pensum
auf die Hilfsarbeitertätigkeit
gemäss
LSE abzustellen. Derselbe Tabellen
lohn ist auch bei der Ermittlung des Einkommens, das die Beschwerdeführerin
zumutbarerweise
noch
verdienen könnte (Invalideneinkommen),
massgebend. Denn gemäss dem beweiskräftigen
bidisziplinären
Gutachten kann sie ihre angestammte Tätigkeit sowie eine angepasste Tätigkeit noch zu 60 % ausüben.
Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit
unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn
(Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil
des Bundesgerichts
9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
7
.
3
Die Beschwerdeführerin fordert einen Leidensabzug
beim Invalideneinkommen
von mindestens 20 % (Urk. 1 S. 19).
Die psychiatrische Gutachterin
trug
den
objektivierbaren
psychischen Einschränkungen der Beschwerdeführerin
bei der Bemess
ung der
um 40 %
reduzierten Arbeitsfähigkeit bereits
Rechnung
. So hielt sie
beispielsweise
fest
,
die Beschwerdefü
hrerin sei angewiesen auf
Tätigkeiten mit
regelmässiger
Rückmeldung des Vorgesetzten und ohne Konflikte mit dem Arbeit
geber (Urk. 7/50/36). Eine darüber hinaus gehende
psychisch bedingte verstärkte Rücksichtnahme seitens des Vorgesetzten kann nicht als eigen
stän
diger Abzugsgrund anerkannt werden
(Urteil des
Bundesgerichts
9C_266/2017 vom 29. Mai 2018 E. 3.4.2)
. Ebenso wenig vermag d
as Risiko allfällige
r krank
heitsbedingter Absenzen
nach der Gerichtspraxis für sich alleine einen eigen
ständigen Abzugsgrund zu bilden
(a.a.O. E. 3.4.2)
. Dies gilt auch für das
geltend gemachte Rückwärtsversicherungsverbot (Urk. 1 S. 20).
Ein Abzug vom Tabel
lenlohn kann unter diesen Umständen nicht erfolgen.
Die Beschwerdeführerin macht
ausserdem
geltend, es sei die Notwendigkeit eines geschützten Arbeitsplatzes in Erwägung zu ziehen (Urk. 1 S. 16).
Gemäss
psychia
trischem Belastungsprofil ist sie auf einen Arbeitsplatz angewiesen, der
kognitiv einfach strukturiert und ohne Anspruch an kreative Fähigkeiten ist, bei dem regelmässige Rückmeldungen vom Vorgesetzten gewährleistet sind und
an dem
sie keine Konflikte mit dem Arbeitgeber hat. Ausserdem sollte Publikumsverkehr möglichst gemieden werden (Urk. 7/50/36, Urk. 7/52/5).
In Anbetracht des Umstandes, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch
sogenannte Nischenar
beits
plätze
umfasst
, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können
, bestehen keine Anhaltspunkte, die gegen die Verwertbarkeit der Restarbeits
fähig
keit im ersten Arbeitsmarkt sprechen
(vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichtes 8C_434/2017 vom 3. Januar 2018 E. 7.2.1 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E. 2.2.1, je mit weiteren Hinweisen)
.
7
.
4
Ausgehend von einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % resultiert ein gleich hoher Invaliditätsgrad von 40 % im Erwerbsbereich.
Gewichtet auf ein
60
%-Pensum
entspricht dies einem Teilinvaliditätsgrad von
24
% (= 0.
4
x
6
0 %). Im Haus
haltsbereich beträgt der
Invaliditätsgrad
0 % und der gewichtete Teilinvaliditäts
grad
ebenfalls 0 %.
Der
Gesamtinvaliditätsgrad
beträgt daher
2
4
%
, womit kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung besteht
.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8
.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten
über die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG in der hier anwendbaren, bis am 31. Dezember 2020 in Kraft gewesenen Fassung (Art. 83 ATSG)
kostenpflichtig.
Die Kosten
sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--
zu
bemessen und sind vorliegend auf Fr. 800.-- festzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzu
erlegen
.