Decision ID: d123208e-6bf3-476e-964d-8d801bbd7e27
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1973, war seit August 2017 bei der
Y._
AG als Software Ingenieur angestellt und damit bei der Helsana Unfall AG (Helsana) obligatorisch unfallversichert, als er am 5. Mai 2018 in einem
Seilpark
beim Umhängen des Sicherheitskarabiners mit der linken Hand eine unkontrol
lierte Bewegung machte, so dass er mit dem Daumen hängen blieb oder anstiess und diesen verdrehte (vgl. Urk. 8/K1; Urk. 8/K6).
Die Helsana
verneinte
mit Verfügung vom 9. November 2018 ihre Leistungs
pflicht zum Ereignis
vom 5. Mai 2018 (Urk. 8/K1
2
) und teilte
dem Versicherten
am
19. November 2018 (Urk. 8/K15) mit, sie werde die bereits erbrachten Leis
tungen ohne Präjudiz nicht zurückfordern, wobei das Einstellungsdatum der 8. Novem
ber 2018 sei.
Die vom Versicherten am
8. Dezember 2018
erhobene
und am 14. Januar 2019 begründete
Einsprache (Urk.
8/K18+20)
wies die
Helsana
am
15. April 2019
ab (Urk.
8/K23
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
17. Mai 2019
Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
vom
15. April 2019
(Urk. 2) und
beant
ragte die Anerkennung des Vorfalls vom 5. Mai 2018 als Unfall
sowie
die entsprechende Übernahme der Versiche
rungsleistungen durch die Helsana
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
24. Juni 2019
(Urk.
7; eingegangen am 8. Juli 2019,
vgl. Urk. 5+6
) beantragte die
Beschwerdegegnerin
die
teilweise Gutheissung
der Beschwerde
in dem Sinne, dass es aufgrund des Ereignisses vom 5. Mai 2018 zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der beklagten Beschwerden gekommen und der Status quo ante
vel
sine per Ende Juli 2018 erreicht worden sei
. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
22. Juli 2019
zur Kenntnis gebracht (Urk.
10
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die
Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Abs. 2): Knochenbrüche (
lit
. a), Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskus
risse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Band
läsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h). Ausserdem erbringt die Ver
sicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil
des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchs
aufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) gestützt auf die Beurteilung durch ihre
beratende Ärztin Dr.
Z._
davon aus, dass die heutigen Beschwerden nur möglicherweise auf
das
Ereignis vom 5. Mai 2018 zurückzuführen seien. Dies genüge aber in Bezug auf den im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nicht. Aus dem Hinweis auf eine Verletzung vor 10 Jahren vermöge der Beschwerdeführer ebenso wenig etwas zu seinen Gunsten ab
zu
leiten wie aus dem Operationsbericht von Dr.
A._
, wo
eine veraltete radiale Seitenbandläsion des linken Daumengrundgelenks - also k
eine frische Läsion
-
erwähnt wo
rde
n sei
, oder aus dem Zusatzbefund des Stadtspitals
B._
vom Januar 2019
, in welchem festgehalten worden sei, es könne bildgebend nicht u
nterschieden werden, ob persistierende Folgen der Erstverletzung oder Folgen des zweiten Traumas vorlä
gen (S. 4 f. Ziff. 5 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer
führte demgegenüber aus
(Urk. 1),
der MRI-Bericht vom 12. Juni 2018 mit Zusatzbefund vom 3. Januar 2019 wie auch die Berichte des operierenden Arztes Dr.
A._
beschrieben alte Verletzungen. Dies werde im
Ein
spracheentscheid
als Argument geltend gemacht. Der Begriff «alt» beziehe sich jedoch auf den Zeitpunkt der jeweiligen Untersuchung und nicht auf den Unfall
zeitpunkt. Dies
sei
sowohl im Zusatzbefund vom 3. Januar 2019 als auch durch Dr.
A._
am 10. Mai 2019 bestätigt
worden
. Deshalb sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der Vorfall vom 5. Mai 2018 für die Bandläsion und somit für die Instabilität des Daumengrundgelenks verantwortlich, da er vor dem Unfall beschwerdefrei und auch nicht in Behandlung gewesen sei
.
Mit der Operation sei nur die akute Verletzung
, sprich die
Bandläsion behandelt worden. Diejenigen MRI-Befunde, welche nicht auf den Unfall zurückzuführen seien, seien nicht behandelt worden (S. 3).
2.3
In der Beschwerdeantwort (Urk. 7)
stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die neue Beurteilung ihres beratenden Arztes Dr.
C._
vom 17. Juni 2019, gemäss welchem der relevante Vorschaden den überwiegend verantwortlichen Teilfaktor für den Schaden am Daumengrundgelenk darstelle, welcher am 5. Mai 2018 mit dem Resultat einer vorübergehenden Verschlimmerung traumatisiert worden sei. Acht Wochen seien für eine Heilung ausreichend, womit der Status quo ante
vel
sine spätestens Ende Juli 2018 erreicht worden sei (S. 3 Ziff. 6). Nachdem die Beschwerdegegnerin am 19. November 2018
unpräjudiziell
auf die Rückforderung der bis zum 8. November 2018 erbrachten
Leistungen verzichtet habe, habe sie
die
gesetzlichen Leistungen aus dem Ereignis vom 5. Mai 2018 bis zur Erreichung des Status quo ante
vel
sine
Ende Juli 2018 bereits abgegolten (S. 4 Ziff. 7).
2.4
Nunmehr unbestritten ist die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aus dem Unfallereignis vom 5. Mai 2018 bis zum 31. Juli 201
8.
Strittig
und zu prüfen ist
somit insbesondere
, ob
der
status
quo sine
vel
ante in diesem Zeitpunkt erreicht wurde (vgl. vorstehend E. 1.3).
3.
3.1
Gemäss Bagatellunfall-Meldung vom 15. Mai 2018 (Urk. 8/K1) habe sich der Beschwerdeführer am 5. Mai 2018 um 14:00 Uhr in einem
Seilpark
in Deutsch
land den Daumen verletzt, nachdem er hängen geblieben sei. Es habe sich um eine Verdrehung/Verstauchung gehandelt.
Laut dem vom Beschwerdeführer am 30. September 2018 ausgefüllten Fragebo
gen zum Unfallhergang (Urk. 8/K6) habe er im
Seilpark
beim Umhängen des Sicherungskarabiners mit der linken Hand eine «unkontrollierte»
Bewegung (Anstossen, Ei
nhängen) gemacht mit plötzlich auftretendem Schmerz im Daumenge
lenk. Es sei kein Sturz vorausgegangen (
Ziff. 1). Er habe einen stechenden Schmerz im Daumengelenk (Verstauchung/Verdrehung) empfunden. Seit diesem Vorfall habe er immer wieder ähnliche Schmerzen und beklage eine Instabilität (Ziff. 6).
3.2
Die Erstbehandlung fand am 1
4.
Mai 2018 bei
Dr.
med.
D._
, Fach
ärztin für Allgemeine Innere Medizin, statt (vgl.
Urk.
8/M3).
Dr.
D._
diagnostizierte einen Verdacht auf eine Läsion des Ligamentum
collaterale
lat. MCP I links.
3.3
Über die Konsultation im chirurgischen Ambulatorium vom 5. Juni 2018 berich
teten die Ärzte des Stadtspitals
B._
am 22. Oktober 2018 (Urk. 8/M6). Sie diagnostizierten einen Verdacht auf eine frische Traumatisierung einer alten radialen Seitenbandläsion des
Metacarpophalangealgelenks
(MCP) am Daumen (
Digitus I) der linken Hand. Der Patient habe bewegungsabhängige Schmerzen bei subjektiv persistierendem Instabilitätsgefühl vor allem beim
Schuhebinden
beziehungsweise allgemein beim Zangengriff präsentiert. Klinisch habe sich eine
Druckdolenz
über dem Daumengrundgelenk und über dem radialen Seitenband sowie eine leichte radiale Aufklappbarkeit gezeigt.
3.
4
Die Ärzte des
B._
berichteten am 12. Juni 2018 über die gleichentags durchge
führte native Magnetresonanztomographie (MRI) des linken Daumens (Urk. 8/M1).
Die Frage sei, ob eine frische
Kapsel-Band-Verletzung beziehungs
weise
eine Läsion des radialen Seitenbands vorliege.
Es bestehe ein proximaler ossärer Ausriss des radialen Kollateralbandes, rein bild
gebend ohne Hinweis für eine frische Verletzung, sowie eine leichte Deviation der proximalen Phalanx nach ulnar. Weiter liege eine Sekundärarthr
ose MCP I bei Osteophyt am Metakarpal
köpfchen I sowie ein Verdacht auf eine alte proxi
male Läsion der volaren Platte des MCP I vor.
3.
5
Dr. med.
A._
, Facharzt für Chirurgie und für Handchirurgie, nannte im Operationsbericht vom 23. Oktober 2018 (Urk. 8/M7) als Diagnose eine veraltete radiale Seitenbandläsion des linken Daumengrundgelenks. Die Operation habe eine radiale Seitenbandplastik mit
palmaris
longus umfasst. Das radiale Seiten
band sei nur noch rudimentär vorhanden gewesen (S. 1).
3.
6
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, beratende Ärztin der Beschwerde
gegnerin, führte in ihrer Beurteilung vom 8. November 2018 (Urk. 8/M8) aus,
es sei möglich, dass die erhobenen Befunde mit dem Unfall vom 5. Mai 2018 in einem natürlichen Kausalzusammenhang stünden. Alle
Diagnosen würden im MRI vom 12. Juni 2018 als alt beschrieben, es finde sich kein Hinweis für eine frische Verletzung wie beispielsweise ein Weichteilödem. Die bereits vorhandene Sekundärarthrose spreche für eine viel ältere Verletzung. Das Ereignis vom 5. Mai 2018 sei nicht geeignet, derartige Veränderungen in kurzer Zeit hervorzurufen (Ziff. 2.1).
3.7
Die Ärzte des
B._
(vorstehend E. 3.3) führten im Zusatzbefund vom 3. Januar 2019 (Urk. 3/2 = Urk. 8/M2) aus, in Kenntnis der Zusatzinformation, dass das zweite
Trauma
bereits einen
Monat vor dem MRI-Termin vom Juni 2018 stattge
funden habe, könne rein bildgebend nicht unterschieden werden, ob es sich bei der Flüssigkeit angrenzend an den alten proximalen Ausriss des radialen Kollateralbands um eine persistierende Folge der Erstverletzung oder aber um eine Folge des zweiten Traumas handle.
3.
8
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.4) führte in seinem Schreiben an den Beschwerdefüh
rer vom 10. Mai 2019 (Urk. 3/1) aus, die Erstuntersuchung habe am 29. August 2018, also fast 4 Monate nach dem Unfall vom 5. Mai 2018 stattgefunden. Nach dieser Zeit spreche man nicht mehr von einer frischen Bandläsion. Dies beziehe sich auch auf den Operationsbericht vom 23. Oktober 2018 (vgl. E. 3.4)
. Der dort verwendete Ausdruck «veraltete Bandläsion» beziehe sich auf den Unfall vom Mai 201
8.
Die radiale Seitenbandrekonstruktion vom Oktober 2018 habe nur das im Mai 2018 gerissene radiale Seitenband ersetzt.
3.
9
Dr. med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, führte in seiner Beurteilung vom 17. Juni 2019 (Urk. 8/M9) aus,
der «Unfallhergang» entspreche
einer Manipulation, wie sie an Karabinern beim Bergsteigen und anderen Gelegenheiten, die der persönlichen Sicherhei
t dienten, häufig vorge
nommen we
rde, und somit einem routinehaften Vorgehen bei sportlicher Tätig
keit, ohne dass etwa eines der beiden Seitenbänder am Daumengrundgelenk reisse. Dazu gehöre ein erheblicher Impact wie beispielsweise beim Entstehen eines «Skidaumens», wo eine gewaltsame Abduktion des Daumengrundgelenks mit Riss des ulnaren Seitenbandes erfolge. Derartige Gewalteinwirkungen auf den Daumen hinterliessen im MRI Spuren. Das MRI des
B._
vom 12. Juni 2018 zeige keine Befunde wie zum Beispiel ein Knochenmarks- oder Weichteilödem, die auf eine rezente Traumatisierung hinweisen würden. Dieses MRI 5 Wochen nach dem Ereignis werde auch von den Ärzten des
B._
so interpretiert, dass keine frische Verletzung vorliege. Die Operation habe mehr als 5 Monate nach dem Unfall stattgefunden. Im entsprechenden Bericht werde das radiale Seitenband als nur noch rudimentär vorhanden beschrieben. Ein derartiges Verschwinden oder Auf
lösen einer anatomischen Struktur mit nur geringem Stoffwechsel (Band, Sehne) innert 5 Monaten wäre ungewöhnlich
. Dazu seien in der Regel längere Zeiträume notwendig.
In einer integralen Beurteilung der verschiedenen Teilfaktoren, die für den Schaden am Daumengrundgelenk verantwortlich sein könnten, überwiege der relevante Vorschaden, der am 5. Mai 2018 traumatisiert worden sei, mit dem Resultat einer vorübergehenden Verschlimmerung
.
Entsprechend dem Reintegra
tionsleitfaden Unfall sei eine Distorsion des Daumens mit leichterer Ausprägung bei körperlicher Arbeit mit einer Arbeitsunfähigkeit von 6 Wochen verbunden, anschliessend bestehe noch eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
während 2 Wochen. Diese insgesamt 8 Wochen reichten für eine «banale» Verletzung der Bandstruktur am Daumen zur Heilung aus. Im vorliegenden Fall sei der Status quo ante
vel
sine somit spätestens Ende Juli 2018 erreicht worden.
4.
4.1
Die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Argumentation, der Unfall vom 5. Mai 2018 sei für die Bandläsion verantwortlich, da er zuvor beschwerdefrei gewesen sei (vgl. vorstehend E. 2.2) entspricht der For
mel «
post
hoc ergo
propter
hoc». N
ach deren Bedeutung
gilt
eine gesundheitliche Schädigung schon dann als
durch den Unfall verursacht
, weil
sie nach diesem aufgetreten ist. Sie
ist beweis
rechtlich nicht zulässig und vermag zum Nachweis der Unfallkausalität nicht zu genügen (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1).
4.2
Gemäss zur Publikation vorgesehenem Urteil des Bundesgerichts 8C_22/2019 vom 24. September 2019 hat der Unfallversicherer nach Meldung einer Listen
verletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG in der seit 1. Januar 2017 geltenden Fas
sung die genauen Begleitumstände abzuklären. Ist die Listenverletzung auf ein Unfallereignis im Sinne von Art. 4 ATSG zurückzuführen, so ist der Unfallversi
cherer solange leistungspflichtig, bis der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache darstellt, der Gesundheitsschaden also nur noch und aus
schliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Sind hingegen nicht sämtliche Kriterien des Unfallbegriffs nach Art. 4 ATSG erfüllt, so wird der Unfallversiche
rer für eine Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG grundsätzlich leistungs
pflichtig, sofern er nicht den Nachweis dafür erbringt, dass die Verletzung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (E. 9.1). Der Entlas
tungsbeweis des Unfallversicherers ist erbracht, wenn die Listendiagnose zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung beruht (E. 8.2.2.1, E. 8.6).
Vorliegend ist die Leistungspflicht für eine Bandläsion und damit eine Verletzung gemäss
Art.
6
Abs.
2 UVG strittig. Der Unfallbegriff ist jedoch unbestrittenermas
sen erfüllt, womit zu prüfen ist, ab wann der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht (vgl. vorstehend E. 1.3).
4.3
Die Beurteilung d
er Unfallkausalität durch Dr.
C._
(vorstehend E. 3.9) ist für die streitigen Belange umfassend, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ei
n und die getroffenen Schluss
folgerungen sind begrün
det.
Der Umstand, dass
Dr.
C._
keine eige
ne Untersuchung durchführte
, vermag den Beweiswert
seiner
Beurteilung nicht zu schmälern, zumal es mit der Frage nach der Unfallkausalität einen feststehenden medizinischen Sachverhalt zu erörtern galt, ohne dass zusätzliche Untersuchungen notwendig gewesen wären. Praxisgemäss kann unter diesen Voraussetzungen auch ein
e reine
Akten
beurteilung
voll beweiswertig sein (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_325/2009 vom 2
3.
September 2009 E. 3.4.1).
Die
Beurteilung durch Dr.
C._
ist
somit grundsätzlich
beweisk
räftig (vgl. vorstehend E. 1.4). Da es sich bei ihm
indes
um einen beratenden Arzt der Beschwerdegegnerin und somit um einen versicherungsinternen Arzt handelt, ist
unter Anwendung eines
strengen Massstab
s
zu überprüfen, ob
auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit seiner Feststellungen bestehen, bevor auf diese abgestellt werden kann (vorstehend E. 1.5).
4.
4
Es überzeugt
und ist anschaulich
, wie Dr.
C._
darlegte, weshalb
bei einem routinehaften Vorgehen wie der vorliegenden Manipulation eines Karabiners mangels erheblicher Einwirkung
gewöhnlich
keines der Seitenbänder des Daumengrundgelenkes reisse
. Insbesondere wies
Dr.
C._
darauf hin, dass im Operationsbericht das radiale Seitenband als nur noch rudimentär vorhanden beschrieben worden sei und ein derartiges Auflösen dieser organischen Struktur in der Regel längere Zeit beanspruche als fünf Monate (vgl. vorstehend E. 3.9)
.
Der Beschwerdeführer selbst beschrieb zwar zeitnah, dass er hängen geblieben sei und es sich um eine Verdrehung/Verstauchung gehandelt habe. Eine solche wurde jedoch in der Folge nicht festgestellt. Bei der späteren schriftlichen Befragung gab er an, er habe beim Umhängen des Sicherungskarabiners eine unkontrollierte Bewegung (Anstossen, Einhängen) gemacht (vgl. vorstehend E. 3.1).
Anlässlich der Erstbehandlung bei
Dr.
D._
berichtete er, den Daumen angeschlagen zu haben (
Urk.
8/M3
Ziff.
2).
Dr.
D._
stellte am 1
4.
Mai 2018, somit 9 Tage nach dem Ereignis, im Rahmen des Befundes Folgendes fest (
Ziff.
4):
a
uf Höhe MCP
lateral
Daumen-Asymme
trie, Knochen neu prominent, Laxität. Der Rönt
genbefund habe keine Fraktur, fraglich einen Knochensplitter, aber alt, lateral MCP, ergeben. Hinweise auf ein Ödem beschrieb
Dr.
D._
nicht.
Dass das MRI vom Juni 2018 keine Befunde zeigte, die auf eine rezente
Traumatisierung hinweisen
, stimmt
denn auch
mit der damals getroffenen Einschätzung der Radiologen des
B._
(vorstehend E. 3.3) überein.
Daraus, dass diese im Januar 2019
festhielten
, es könne rein bildgebend nicht unterschieden werden, ob es sich bei der Flüssigkeit angrenzend an den alten proximalen Ausriss des radialen Kollateralbandes um eine Folge der Erstverletzung oder um eine Folge des zwei
ten Traumas handle, vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
Zunächst wird von den Ärzten des
B._
gar nicht erklärt, was daraus hinsichtlich der im Raum stehenden
Frage betreffend eine
f
rische
Bandläsion zu folgern wäre, wenn die erwähnte Flüssigkeit eine Folge des zweiten Traumas darstellen würde. So oder anders diskutiert d
ieser Zusatzbefund
höchstens
die grundsätzli
che Möglichkeit, dass eine frische Bandläsion
auf den Unfall vom Mai 2018 zurückgeführt werden könnte. Eine überwiegende Wahrscheinlichkeit ver
mag er jedoch nicht zu begründen. Dies umso weniger, als sein im Nachhinein produzierter Inhalt
nicht überzeugt:
Der Anlass für das MRI vom Juni 2018 war erwiesenermassen die Frage, ob bei Verdacht auf eine frische Traumatisierung einer alten radialen Seitenbandläsion eine frische Kapsel-Band-Verletzung
bezie
hungsweise
eine Läsion des radialen Seitenbands vorliege.
Nach Vorliegen der Bilder urteilten die Ärzte des
B._
, dass rein bildgebend kein Hinweis für eine frische Verletzung vorliege (vorstehend E. 3.2+3). Angesichts dieser klaren dama
ligen
Fragestellung und der ebenso klaren Antwort
ist nicht nachzuvollziehen
,
dass
für dieselben Ärzte gemäss späterer Aussage damals
doch
nicht
beurteilbar
gewesen sei
n soll
, ob bildgebend Folgen des zweiten Traumas vorlagen oder nicht.
Ebenfalls erst im Nachhinein
und
während laufender Beschwerdefrist
verfasst
wurde das Schreiben von Dr.
A._
vom 10. Mai 2019 (vorstehend E. 3.8).
A
uch hier weist die Diagnose einer «veralteten radialen Seitenbandläsion des linken Daume
n
grundgelenks» im ursprünglichen Operationsbericht vom 23. Oktober 2018 (vorstehend E. 3.3)
nicht
auf eine
erst 4 Monate zuvor
erlittene Bandläsion hin. Nachdem dem Operateur
damals
bekannt gewesen sein dürfte, dass die Frage nach einer erneuten Bandläsion im Mai 2018 im Raum
stand
, wäre schwer nach
vollziehbar, weshalb er eine solche missverständlicher
W
eise als «veraltet» bezeichnet hätte. Entsprechend
begründete Dr.
A._
denn auch seine im Juni 2019 getätigte Aussage, die radiale Seitenbandrekonstruktion vom Oktober 2018 habe nur das im Mai 2018 geris
sene radiale Seitenband ersetzt, nicht weiter.
Im Übrigen trifft es entgegen
Dr.
A._
nicht zu, dass die Erstuntersuchung erst am 2
9.
August 2018 stattfand (vgl. vorstehend E. 3.1).
Während also die
Beurteilung durch Dr.
C._
und die
echtzeitlichen Doku
mente der behandelnden Ärzte
zu einem stimmigen Gesamtbild führen
, vermögen
deren
erst im
Jahr
2019 – teilweise während laufender Beschwerdefrist - nachge
lieferten Berichte keinerlei Zweifel
an dieser
zu wecken, weshalb au
f die Beurtei
lung durch
Dr.
C._
abgestellt werden kann.
Es konnte somit nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit erstellt werden, dass
aufgrund
des Ereignisses vom 5. Mai 2018
ein
frischer
Riss
des radialen Seitenbandes des linken Daumengrundgelenks erfolgte.
4.
5
Abgestellt
auf die auch diesbezüglich durchwegs überzeugende Beurteilung durch Dr.
C._
ist davon auszugehen, dass durch die am 5. Mai 2018 erfolgte
leichte Distorsion
immerhin eine vorübergehende Verschlimmerung der vorbeste
henden Schädigung am Daumengrundgelenk eintrat, wobei der Status quo ante
vel
sine spätestens Ende Juli 2018 erreicht wurde (
vgl.
vorstehend E. 3.9).
Demzufolge ist ein Anspruch des Beschwerdeführers auf vorübergehende Leis
tungen (Taggeld
, Pflegeleistungen und Kostenvergütungen
) bis
zum 31.
Juli 2018 ausgewiesen.
Weitere Leistungen schuldet die Beschwerdegegnerin nach dem Gesagten nicht.
4.
6
Da die Beschwerdegegnerin gegenüber dem Beschwerdeführer auf eine allfällige Rückerstattung (vgl.
Art.
25
Abs.
1 ATSG) für die
in der
Zeit vom 5. Mai bis 31. Juli 2018
ausgerichteten vorübergehenden
Leistungen
vorprozessual noch
nicht rechtsverbindlich
verzichtet hatte
(vgl. Urk. 8/K15)
, ist vorliegend von einem Obsiegen des Beschwerdeführers in diesem Umfang auszugehen.
Insoweit ist die Beschwerde daher teilweise gutzuheissen.