Decision ID: 04f4543f-1b73-4ce3-8321-5702246c48f1
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsagent Andreas Meier, MLaw, Rechtskanzlei Meier, Halden-
strasse 97, 9200 Gossau SG,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ wurde im Februar 2008 über seine Arbeitgeberin zur Früherfassung bei der
Invalidenversicherung (IV) angemeldet. Wegen eines am 3. September 2007 erlittenen
Bandscheibenvorfalls sei er bei der Krankentaggeldversicherung zu 100%
arbeitsunfähig gemeldet (IV-act. 1). Am 20. Februar 2008 führte die
Eingliederungsberaterin der IV ein Gespräch mit dem Versicherten (IV-act. 2). Auf deren
Aufforderung hin meldete sich der Versicherte am 22. Februar 2008 zum
Leistungsbezug bei der IV an (IV-act. 6). Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, gab
anlässlich eines Telefongesprächs mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV
vom 19. März 2008 an, der Versicherte sei im September 2007 in der Neurochirurgie
am Kantonsspital St. Gallen (KSSG) wegen einer Diskushernie L3/4 operiert und wegen
einer Coxarthrose rechts in der Orthopädie am 3. März 2008 infiltriert worden. Eine
Leistenhernienoperation stehe noch bevor. In seiner angestammten Tätigkeit als
Lagerist werde er keine volle Arbeitsfähigkeit mehr erreichen, in einer
leidensangepassten Tätigkeit nach ausreichender Rekonvaleszenz von voraussichtlich
drei Monaten hingegen schon (IV-act. 32).
A.b Gestützt auf eine Empfehlung des RAD-Arztes Dr. med. C._ (IV-act. 40) teilte die
IV dem Versicherten am 30. Juni 2008 mit, es werde ihm Beratung und Unterstützung
bei der Stellensuche gewährt (IV-act. 41). In der Folge führte die
Eingliederungsberaterin der IV verschiedene Gespräche mit dem Versicherten und den
von der Arbeitgeberin und der Krankentaggeldversicherung fallführenden Personen (IV-
act. 46). Am 4. August 2008 untersuchte RAD-Arzt Dr. C._ den Versicherten. In der
zusammenfassenden Beurteilung im Bericht vom 18. August 2008 kam Dr. C._ zum
Schluss, dass aus somatischer Sicht eine körperlich leichte, wechselbelastende,
vorwiegend sitzend ausgeübte Tätigkeit uneingeschränkt zumutbar sei. Unklar sei das
psychiatrische Bild (IV-act. 50). Die Eingliederungsberaterin der IV schloss den Fall am
13. August 2008 vorläufig ab, da zunächst eine psychiatrische Therapie erfolgen sollte
(IV-act. 46 ff.).
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A.c Mit Arztbericht vom 3. Februar 2009 reichte der Hausarzt der IV die Berichte des
KSSG seit Sommer 2008 ein (IV-act. 63-1ff.). Danach war der Versicherte auf Grund
eines Bandscheibenprolapses HWS 5/6 beidseits mit sichtbarer Myelonkompression in
der Neurochirurgie am 17. September 2008 operiert worden (ventrale Diskektomie
HWK 5/6 mit Cageimplantation, IV-act. 63-7). Die Operation verlief komplikationslos
(IV-act. 63-6). Der Hausarzt berichtete am 3. Februar 2009 von persistierenden
muskuloskelettalen Beschwerden im Schultergürtel-Nackenbereich und attestierte eine
zurzeit 100%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl angestammt wie adaptiert (IV-act. 63-2f.).
Am 6. März 2009 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 31. Mai 2009,
nachdem der Versicherte zu keinem Arbeitsversuch bereit gewesen sei (IV-act. 64 und
66). Mit Arztbericht vom 16. März 2009 diagnostizierte Dr. med. D._, Praxis für
Gesundheitsmanagement und Psychosomatik, aus psychiatrischer Sicht eine reaktive
Depression mit Verarbeitungsstörung, Anpassungsstörung auf das
Krankheitsgeschehen und die operativen Eingriffe, bestehend seit 2007/2008. Der
Versicherte stehe bei ihm seit 8. Dezember 2008 in Behandlung. Ein erster
Behandlungsversuch mit Venlafaxin habe wegen Nebenwirkungen abgesetzt werden
müssen. Aktuell erhalte der Versicherte Cipralex, was gut vertragen werde. Zum
Therapieerfolg könne er noch keine Angaben machen (IV-act. 67). Mit Stellungnahme
vom 24. März 2009 hielt Dr. C._ fest, sein Bericht sei durch die HWS-Operation und
die psychiatrische Therapie überholt. Nach der Kündigung sei ein weiterer
Eingliederungsversuch zu unternehmen (IV-act. 68). Nach einem Gespräch der
Eingliederungsberaterin der IV vom 20. Mai 2009 mit dem Versicherten wurde die
Arbeitsvermittlung am 8. Juni 2009 wieder abgeschlossen, da sich der Versicherte
nicht arbeitsfähig fühle und die Rentenprüfung verlange (IV-act. 78, 84).
A.d Vom 12. bis 14. Oktober 2009 wurde der Versicherte polydisziplinär (allgemein/
internistisch, orthopädisch und psychiatrisch) in der MEDAS Ostschweiz untersucht. Im
Gutachten vom 19. November 2009 hielten die Gutachter folgende Diagnosen fest: ein
residuelles radikuläres Syndrom L 3/4 links nach Operation einer Diskushernie L3/4 am
12.9.2007, eine Spondylarthrose L4/5, einen Status nach Operation einer cervicalen
Diskushernie C5/6 mit ventraler Stabilisierung am 17.9.2008, eine
Persönlichkeitsstörung mit sensitiv-paranoiden und narzisstischen Zügen sowie
körperbezogenen Ängsten und eine beginnende Coxarthrose rechts mehr als links (vgl.
IV-act 92-22). Aus somatischer Sicht sei eine adaptierte Tätigkeit vollschichtig möglich.
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Aus psychiatrischer Sicht bestehe volle Arbeitsunfähigkeit. Es werde dringend
empfohlen, den Versicherten ambulant zu behandeln, da eine Gefährdung im Sinne der
(erweiterten) Suizidalität zu befürchten sei (IV-act. 92-24). Nachdem RAD-Arzt Dr. C._
das Gutachten für plausibel erachtete, sah die IV-Stelle zunächst die Zusprache einer
ganzen Rente vor (IV-act. 94, 98). Am 19. Februar 2010 hielt ein Sachbearbeiter der IV
in einer Aktennotiz fest, Dr. C._ habe bei seiner Untersuchung nichts von einem
möglichen gravierenden psychischen Gesundheitsschaden erwähnt. Dass nur 14
Monate später ein solcher festgestellt werde, wecke Zweifel, weshalb beim RAD-Arzt
gezielt nachgefragt werden sollte (IV-act. 99). In einer Aktennotiz vom 19. Februar 2010
bestätigte Dr. C._ die "Diskrepanz" der psychiatrischen Beurteilungen. Im Rahmen
einer telefonischen Rückfrage an MEDAS-Gutachter Dr. med. E._, eidg. Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, habe er sich mit einer weiteren
psychiatrischen Evaluation einverstanden erklärt (IV-act. 100).
A.e Vom 25. bis 29. Oktober 2010 wurde der Versicherte in der psychiatrischen Klinik
F._ stationär abgeklärt. Mit Gutachten vom 7. März 2011 hielten G._ und H._,
Oberärzte der Klinik F._ und zertifizierte medizinische Gutachter SIM, als Diagnosen
eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F 32.11) und
häufigen Suizidgedanken (beginnend Ende 2007), einen hochgradigen Verdacht auf
beginnende wahnhafte Störung (ICD-10 F 22.0), einen Verdacht auf eine
hypochondrische Störung im Sinne des ICD-10 F 45.2 und einen Verdacht auf
akzentuierte Persönlichkeitszüge vor allem paranoider und narzisstischer Natur (Z 73.1)
fest. Im Gegensatz zum MEDAS-Gutachter Dr. E._ hielten die Klinikärzte eine
Persönlichkeitsstörung nicht für gegeben. Sie gelangten aber ebenfalls zur Auffassung,
dass der Versicherte zu 80 bis 100% arbeitsunfähig sei. Nach einer konsequenten
Behandlung von einem Jahr sei eine Arbeitsfähigkeit von ca. 50% denkbar (IV-act.
114). Während Dr. C._ mit Stellungnahme vom 24. März 2011 das Gutachten für
plausibel erachtete, wies RAD-Arzt Dr. med. I._, Arzt für Psychiatrie und
Psychotherapie (D) und zertifizierter medizinischer Gutachter, auf unbeantwortete
Fragen der Aggravation und Symptomausweitung hin. Er habe mit dem einen
Gutachter G._ am 12. April 2011 telefonisch (nicht dokumentiert) kritische Punkte
angesprochen, nämlich Inkonsistenzen in der Beurteilung der somatisch
neurologischen Befunderhebung, fehlende Berücksichtigung der Aggravationshinweise
im "RAD-Gutachten", die sich seit 2007/8 abzeichnende Symptomausweitung sowie
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die Problematik der Umsetzung der Therapieempfehlungen, nachdem der Versicherte
sich psychiatrisch nicht krank fühle. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht
mehr zielführend (IV-act. 119).
A.f In der Folge liess die IV-Stelle den Versicherten observieren; eine erste Observation
erfolgte vom 20. Juli 2011 bis 8. September 2011 (IV-act. 128). Nach einem
Standortgespräch vom 8. September 2011, in dem der Versicherte zu seinen aktuellen
Beschwerden und seinem Tagesablauf befragt wurde und durch einen ungepflegten
Eindruck auffiel (IV-act. 125, 131), erfolgte eine weitere Observation durch eine andere
Firma in der Zeit vom 19. September bis 11. Oktober 2011 (IV-act. 133). RAD-Arzt Dr.
I._ kam nach der Sichtung der Observationsergebnisse zum Schluss, dass aus den
Überwachungsvideos keinerlei psycho- und physiopathologischen Auffälligkeiten
hervorgehen würden. Die Observationsergebnisse sollten dem Gutachter G._ zur
Stellungnahme vorgelegt werden (IV-act. 130). Bevor dies umgesetzt wurde (IV-act.
132, 137, 139), wurde der Versicherte zu einem weiteren Standortgespräch vorgeladen
(IV-act. 138). An diesem Gespräch vom 30. November 2011 wurde dem Versicherten
eröffnet, er sei observiert worden. Es werde nun eine weitere Begutachtung in die
Wege geleitet, wiederum in der Klinik F._; den Gutachtern werde auch das
Observationsmaterial zur Verfügung gestellt (IV-act. 143). Während sich der Versicherte
zunächst damit einverstanden erklärte (IV-act. 143-9), widersetzte er sich mit Schreiben
vom 13. Dezember 2011 einer weiteren Begutachtung und verlangte kategorisch eine
Verfügung gestützt auf die beiden vorhandenen Gutachten (IV-act. 146). Mit
Stellungnahme vom 6. Januar 2012 führte G._ aus, er habe das Videomaterial
gesichtet. So wie diese Person, die grosse Ähnlichkeit mit der von ihm im Oktober
begutachteten Person aufweise, sich bewege und zeige, dürfte mit grosser
Wahrscheinlichkeit zu dem Zeitpunkt der Videoaufnahmen keine mittelgradige
Depression vorliegen und diese auch unter keinem Schmerzsyndrom leiden. Er
empfehle eine Neubegutachtung durch einen nicht befassten Gutachter (IV-act. 150).
RAD-Arzt Dr. I._ hielt mit Stellungnahme vom 17. Januar 2012 fest, eine weitere
Begutachtung sei nicht nötig. Nachdem G._ seine Hauptdiagnose der mittelgradigen
Depression fallen gelassen habe, sei nicht plausibel, dass "ausserhalb der
Aufzeichnungszeiträume" eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit vorgelegen haben sollte
(IV-act. 151).
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A.g Mit Vorbescheid vom 27. Februar 2012 stellte die IV-Stelle eine abweisende
Rentenverfügung in Aussicht. Nachdem sich der Versicherte weigere, sich einer
nochmaligen Untersuchung zu unterziehen, müsse der Rentenanspruch gestützt auf
die vorhandenen Akten beurteilt werden. Da bei der Videoüberwachung keine Zeichen
einer Krankheit hätten beobachtet werden können, könne ein unerträgliches
Schmerzgeschehen ausgeschlossen werden. Die gestellten (vorab psychiatrischen)
Diagnosen seien nicht haltbar; allfällig vorhandene Schmerzen könnten überwunden
werden (IV-act. 156). Im dagegen erhobenen Einwand vom 24. März 2012 machte der
Versicherte im Wesentlichen geltend, die Videos und Fotos seien nicht aussagekräftig,
zumal nur gute Tage aufgenommen worden seien. Er habe die ganze IV-Geschichte
seit 2007 vor seiner Tochter unterdrückt, um für sie als guter alleinerziehender Vater da
zu sein. Selbst bei seiner Scheidung habe sie von seinem Suizidversuch nichts
mitbekommen. Die IV habe während Jahren mit allen Mitteln versucht, den Fall zu
verzögern. Wenn einige Videos genügen würden, frage sich, wieso er mehrmals
medizinisch habe abgeklärt werden müssen (IV-act. 158).
A.h Mit Verfügung vom 27. März 2012 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab.
Das Erscheinungsbild des Versicherten sei auffallend unterschiedlich gewesen, je
nachdem, ob er im Privatleben aufgetreten sei oder gegenüber Ärzten, Gutachtern oder
der IV-Stelle. Die demnach nur vorgespielten Einschränkungen würden nicht bestehen,
weshalb er sie vor der Tochter auch nicht verheimlichen müsse (IV-act. 159).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob Rechtsagent Andreas Meier für den Versicherten
am 14. Mai 2012 Beschwerde mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben, der Sachverhalt sei von Amtes wegen richtig und vollständig festzustellen
und es sei ein Invaliditätsgrad von mindestens 70% festzustellen, alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen. Der Beschwerdeführer sei seit 3. September 2007
arbeitsunfähig, wie aus den Akten hervorgehe. Zwei Gutachten würden diesen
medizinischen Sachverhalt bestätigen. Es sei unklar, weshalb die Beschwerdegegnerin
dennoch eine Observation veranlasst habe. Diese sei auch untauglich, vorab den
psychischen Gesundheitszustand abzubilden. Daran ändere nichts, wenn die Videos
allenfalls fragmentartig Rückschlüsse auf einzelne Bewegungsabläufe zu vermitteln
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vermöchten. Nachdem das Verfahren sich bereits jahrelang hingezogen habe, sei auch
nicht verwunderlich, wenn der Beschwerdeführer sich einer weiteren Abklärung
verweigert habe. Dass allein das Observationsergebnis mehrere Gutachten
auszustechen vermocht habe, zeige, dass der Sachverhalt falsch und unvollständig
erhoben worden sei. Dem Beschwerdeführer sei auf Grund unbegründeter
Beschuldigungen zu Unrecht ein Betrugsversuch unterstellt worden, obwohl er
niemanden getäuscht habe (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. August 2012 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Die Observation sei zulässig gewesen, hätten doch in
auffallend kurzer Zeit sich gravierende psychische Beschwerden gezeigt. Es seien
Verhaltensweisen dokumentiert, die auf eine zielgerichtete Verdeutlichung hingewiesen
hätten. So sei namentlich das Auftreten in der Klinik F._ diskrepant zum früheren
Auftreten gewesen (leicht vernachlässigt, alkoholisiert, ohne dass eine
Alkoholabhängigkeit nachgewiesen sei). Im Verlauf des Verfahrens habe sich gezeigt,
dass es sich dabei um eine bewusst zielgerichtete Verdeutlichung gehandelt habe, sei
er doch in unbeobachteten Situationen wesentlich gepflegter gewesen. Gutachter
G._ habe eine mittelgradige Depression nach Sichtung der Observationsergebnisse
ausgeschlossen und auch keine Zeichen für eine das Alltagsleben einschränkende
wahnhafte Erkrankung mehr gesehen. Damit habe er seine ursprüngliche Beurteilung
entkräftet und in der Folge sei keine Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 27. September 2012 hält der Rechtsvertreter fest, es werde nicht
die grundsätzliche Zulässigkeit der Observation bestritten, sondern diese als
untaugliches Beweismittel abgelehnt. Es sei nach wie vor nicht nachvollziehbar, dass
reine Filmaufnahmen zwei medizinische Gutachten auszustechen vermöchten. Die
Beschwerdegegnerin begnüge sich stets damit, belastenden Ausführungen
nachzugehen und keine entlastenden Argumente zu prüfen (act. G 6).
B.d Mit Duplik vom 8. November 2012 hält auch die Beschwerdegegnerin an ihrem
Antrag und ihren Ausführungen fest (act. G 8).
C.
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C.a Mit Schreiben vom 6. Februar 2014 informierte das Gericht die Parteien über
seinen Beschluss, ein psychiatrisches Obergutachten bei Dr. med. J._, Psychiatrie
und Psychotherapie, Institut für forensische Psychiatrie IFPP, in Auftrag zu geben (act.
G 13). In Bezug darauf reichte die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 18. Februar
2014 Ergänzungsfragen zur Begutachtung ein (act. G 14). Mit Eingabe vom 25. Februar
2014 verzichtete der Beschwerdeführer auf Ergänzungsfragen. Hinsichtlich des mit der
Erstellung des Obergutachtens zu beauftragenden Instituts und des vorgesehenen
Gutachters verwies der Rechtsvertreter darauf, dass Dr. J._ im Jahr 2005 als
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie beim RAD der IV-Stelle K._ tätig
gewesen sei. Aus diesem Grund könnten mit Bezug auf seine fachliche Unabhängigkeit
Vorbehalte bestehen (act. G 15).
C.b Mit Schreiben vom 28. Februar 2014 beauftragte das Gericht Dr. J._ mit der
Begutachtung des Beschwerdeführers in psychiatrischer Hinsicht (act. G 16). Per 7.
Mai 2014 wurde der Beschwerdeführer zur psychiatrischen Begutachtung eingeladen
(act. G 18).
C.c Im Gutachten vom 30. Januar 2015 diagnostizierte Dr. J._ keine psychiatrische
Störung mit eigenständigem Krankheitswert, welche Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
hätte. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lägen eine narzisstische
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1), eine anamnestisch beschriebene
depressive Symptomatologie und ein anamnestisch beschriebener Alkoholismus,
aktuell ohne Hinweise für einen regelmässigen und übermässigen Alkoholkonsum, vor
(act. G 22).
C.d In der Stellungnahme vom 12. Februar 2015 hielt die Beschwerdegegnerin fest,
dass der Beschwerdeführer gemäss dem Gutachten aus psychiatrischer Sicht
offensichtlich voll arbeitsfähig sei (act. G 24). Der Beschwerdeführer hat mit Eingabe
vom 20. Februar 2015 auf eine Stellungnahme verzichtet (act. G 25).

Erwägungen:
1.
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Zwischen den Parteien ist der Rentenanspruch (Verfügung vom 27. März 2012) um
stritten.
2.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind die neuen Normen der 5. IV-Revision und am 1. Januar
2012 sind die im Zuge der 6a IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiell-rechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Rentenverfügung ist am
27. März 2012 ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. und 6a IV-Revision begonnen hat
(Anmeldung vom 22. Juli 2007, act. G 4.1.1). Daher und auf Grund dessen, dass der
Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde,
ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis
31. Dezember 2008 bzw. bis 31. Dezember 2011 auf die damals geltenden
Bestimmungen und ab 1. Januar 2012 auf die neuen Normen der 6a IV-Revision
abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom
7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Nachfolgend werden die seit 1. Januar 2012 gültigen
Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben, soweit nicht ausdrücklich auf die
altrechtlichen Bestimmungen verwiesen wird.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
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2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 2008 gültigen Fassung) besteht der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf eine
Viertelsrente.
3.
Zunächst ist festzuhalten, dass die Parteien keine Einwände gegen das
Gerichtsgutachten erhoben haben. Auch an dem vom Beschwerdeführer im Vorfeld
geltend gemachten Vorbehalt, dass durch die frühere Tätigkeit des begutachtenden
Psychiaters Dr. J._ im Jahr 2005 für den RAD K._ seine fachliche Unabhängigkeit
in Frage gestellt sein könnte (act. G 15), wurde sodann nicht weiter festgehalten. Weder
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erschiene generell lediglich auf Grund einer Jahre zurückliegenden Tätigkeit für einen
RAD die ärztliche Unabhängigkeit gefährdet, noch ergeben sich aus dem vorliegenden
Gutachten irgendwelche Zweifel an der Unabhängigkeit des Gutachters.
4.
4.1 Der psychiatrische Gutachter Dr. J._ stellte anlässlich seiner Begutachtung vom
7. Mai 2014 einen aus psychiatrischer und psychopathologischer Sicht weitgehend
unauffälligen Befund fest. Die gutachterliche Untersuchung des Beschwerdeführers sei
in dessen Muttersprache X._ und auch die testpsychologische Untersuchung sei in
X._- Sprache durchgeführt worden. Schliesslich seien auch transkulturelle Aspekte
berücksichtigt worden und das zur Verfügung gestellte Videomaterial sei in voller
Länge durch den Gutachter besichtigt worden (vgl. act. G 22 S. 40 f). Im Gutachten
vom 30. Januar 2015 kam Dr. J._ zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer unter
Berücksichtigung der gesamten medizinischen Daten und der aktuellen
Untersuchungsbefunde eine psychiatrische Störung mit Krankheitswert gemäss den
diagnostischen Kriterien nach ICD-10 nicht festgestellt werden könne. Die Symptome
einer affektiven Störung oder einer psychotischen Erkrankung seien nicht
auszumachen. Eine hirnorganische Funktionsstörung liege ebenfalls nicht vor. Die
Symptome einer Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 seien nicht erfüllt gewesen
(act. G 22 S. 43). Schliesslich könne auch die Diagnose einer somatoformen
Schmerzstörung oder einer Schmerzverarbeitungsstörung mit eigenständigem
Krankheitswert nicht gestellt werden. Zusammenfassend könne aus psychiatrischer
Sicht weder aktuell noch anamnestisch eine erhebliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aus gutachterlicher Sicht festgestellt werden. Ein
behandlungsbedürftiges psychiatrisches Krankheitsbild liege nicht vor.
Rehabilitationsmassnahmen seien aus psychiatrischer Sicht nicht zu empfehlen. Zwar
könnten berufliche Massnahmen sowie Wiedereingliederungsmassnahmen ab sofort
umgesetzt werden. Nach jedoch jahrelanger Arbeitslosigkeit und Untätigkeit bei der
vorliegenden Kränkung und der trotzigen Haltung sei eher mit geringen Erfolgschancen
solcher Wiedereingliederungsmassnahmen zu rechnen (act. G 22 S. 49).
4.2 Bei der Würdigung der gerichtsgutachterlichen Beurteilung fällt ins Gewicht, dass
sie auf eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend
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ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Abweichungen von
den Vorakten wurden eingehend und nachvollziehbar begründet. Die vom
Beschwerdeführer geklagten Beschwerden wurden umfassend berücksichtigt und
gewürdigt. Die Attestierung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation ein. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür und es
wird auch nicht geltend gemacht, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht
berücksichtigt worden wären (vgl. act. G 22 S. 24 f.).
4.3 Gestützt auf das unbestritten gebliebene Gerichtsgutachten ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer für
leidensangepasste Tätigkeiten aus psychiatrischer Sicht vollständig arbeitsfähig ist.
Auch für die Vergangenheit verneinte der Gutachter eine relevante Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit wegen einer depressiven Symptomatologie (act. G 22 S. 49 f.).
5. Nachdem aus somatischer Sicht bereits auf Grund der früheren Beurteilungen eine
leidensangepasste Tätigkeit für uneingeschränkt zumutbar erachtet wurde (vgl. RAD-
Abklärung vom 4. August 2008 und MEDAS-Gutachten vom 19. November 2009),
resultiert keine rentenbegründende Erwerbseinbusse. Beim zumutbaren
Invalideneinkommen wäre nämlich auf Grund der im Tagesverlauf zu 20% sitzend
auszuführenden Tätigkeiten ohne wiederholtes Lastenheben von mehr als 15 kg und
ohne Zwangshaltungen für Kopf und Oberkörper (vgl. IV-act. 92-23) ein Leidensabzug
von maximal 10% begründet. Damit kann offen bleiben, von welchem konkreten
Validen- und Invalideneinkommen auszugehen wäre. Der Beschwerdeführer hat somit
keinen Anspruch auf eine Rente.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
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vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der von ihm geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen.
6.2 In Nachachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat die
Beschwerdegegnerin die für das Gerichtsgutachten angefallenen Kosten von Fr.
7'065.35 (act. G 22.1) zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Ausgangsgemäss hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP