Decision ID: 6e145c69-3199-4d73-b08f-a33b15f4689d
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (einvernehmliche Auflösung)
Sachverhalt:
A.
S._ meldete sich per 1. Januar 2010 zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung an.
Er gab an, eine Teilzeitstelle von höchstens 32 Stunden pro Woche bzw. 80% einer
Vollzeitbeschäftigung zu suchen. Sein letztes Arbeitsverhältnis bei der A._ sei am 9.
Dezember 2009 in gegenseitigem Einvernehmen per 31. Dezember 2009 aufgelöst
worden (act. G 3.19). Auf Aufforderung der Kantonalen Arbeitslosenkasse
(nachfolgend: Kasse) teilte der Versicherte am 29. Januar 2010 mittels Formular
"Verschuldensabklärung" mit, das Arbeitsverhältnis sei auf seinen Wunsch
einvernehmlich aufgelöst worden. Er habe eine Weiterbildung in Angriff nehmen wollen.
Eine Weiterbeschäftigung sei nicht möglich gewesen, da die Ausbildung jeden Freitag
und Samstag stattfinde. Es habe keine Möglichkeit gegeben, ihn jeden Freitag und
Samstag freizustellen. Die Möglichkeit, teilzeitlich oder als Aushilfe zu arbeiten, habe
ebenfalls nicht bestanden. In anderen Filialen habe es keine freien Stellen gegeben
(act. G 3.13).
B.
B.a Mit Verfügung vom 3. Februar 2010 stellte die Kasse den Versicherten mit Wirkung
ab 1. Januar 2010 für 41 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Zur Begründung hielt
sie im Wesentlichen fest, da durch sein Verhalten das Arbeitsverhältnis zu Lasten der
Arbeitslosenversicherung aufgelöst worden sei, müsse ihm ein Verschulden an der
Arbeitslosigkeit angelastet werden, welches als mittelschwer beurteilt werde (act. G
3.12).
B.b Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 3. März 2010 durch seine
Rechtsschutzversicherung Einsprache erheben und beantragen, er sei für 16 Tage in
der Anspruchsberechtigung einzustellen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen
vorgebracht, es werde nicht bestritten, dass eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit
und damit ein mittelschweres Verschulden des Versicherten vorlägen. Auch die Kasse
sei von einem mittelschweren Verschulden ausgegangen. Ein solches sei jedoch mit
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einer Einstellung von 16 bis 30 Tagen zu sanktionieren; eine Einstellung von 41 Tagen
liege bereits im Rahmen eines schweren Verschuldens. Ausserdem sei dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass der Versicherte alles Mögliche versucht habe, um bei der
A._ eine mit seiner Weiterbildung verträgliche Anstellungslösung zu finden. Eine
Einstellung von 16 Tagen erscheine angemessen (act. G 3.7).
B.c Mit Entscheid vom 17. März 2010 wies die Kasse die Einsprache ab. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Angabe in der Verfügung, wonach ein
mittelschweres Verschulden vorliege, sei verwirrend. Wenn die Kündigungsfrist
eingehalten worden wäre, wäre allenfalls eine Reduktion ins mittelschwere Verschulden
möglich. Der Beschwerdeführer habe jedoch gleichzeitig die dreimonatige
Kündigungsfrist nicht eingehalten, wodurch ein schweres Verschulden vorliege. Somit
seien die 41 Einstell-tage angemessen (act. G 6).
C.
C.a Mit Eingabe vom 14. April 2010 erhebt der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt Robert Baumann, Beschwerde und beantragt, der Einspracheentscheid
vom 13. März 2010 sei aufzuheben. Gegenüber dem Beschwerdeführer sei eine
Einstellung in der Anspruchsberechtigung für die Dauer von höchstens 16 Tagen zu
verfügen. Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend, verschiedene
verschuldensmindernde Umstände seien zu wenig bzw. zum Teil gar nicht
berücksichtigt worden, weshalb die verfügte Dauer von 41 Einstelltagen als
unangemessen anzusehen sei. Wenn im angefochtenen Entscheid ausgeführt werde,
eine Reduktion ins mittelschwere Verschulden wäre möglich gewesen, falls die
Kündigungsfrist eingehalten worden wäre, werde ausser Acht gelassen, dass sich der
Beschwerdeführer relativ früh, anfangs September 2009, an die A._ gewandt und
über seine Absichten orientiert habe. Als im Dezember 2009 definitiv festgestanden
habe, dass die A._ dem Beschwerdeführer weder eine Verschiebung der Arbeitstage
noch eine Reduktion des Arbeitspensums, auch keine Tätigkeit in einer anderen Filiale
oder im Bürobereich ermöglichen würde, und auch keine Lösung für eine
Aushilfetätigkeit vorhanden gewesen sei, der Beschwerdeführer umgekehrt gewusst
habe, dass ein späterer Beginn der Ausbildung frühestens in einem Jahr wieder
möglich sein würde (wenn überhaupt), habe für ihn die Möglichkeit, bis zum Ablauf der
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Kündigungsfrist zu arbeiten, gar nicht mehr offen gestanden. Er hätte gerne bis zum
Ablauf der Kündigungsfrist gearbeitet. Die A._ habe allerdings darauf bestanden,
dass er während der Kündigungsfrist auch jeweils freitags und samstags arbeiten
würde. Dem Beschwerdeführer sei damit lediglich die Wahl offengeblieben, entweder
die (in seinen Ferien) bereits begonnene Ausbildung sofort zu beenden und frühestens
nach einem Jahr wieder neu zu beginnen, oder aber die Auflösung des
Arbeitsverhältnisses im gegenseitigen Einverständnis per Ende Dezember zu
akzeptieren. Hinzu komme im Weiteren, dass er auch zuversichtlich gewesen sei, in
einem anderen Betrieb eine Teilzeitstelle finden zu können (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. Mai 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, bei der
Ausbildung handle es sich um einen persönlichen Wunsch des Beschwerdeführers, der
nicht zu Lasten der Arbeitslosenversicherung gehen dürfe. Er habe die Ausbildung
begonnen, ohne dass er die Zusage der A._ gehabt habe, dass er sein Pensum
reduzieren könne, und ohne dass er eine Teilzeitstelle gefunden habe. Es wäre ihm
zumutbar gewesen, die Antwort der A._ abzuwarten und dann erst die Ausbildung zu
beginnen, auch wenn dies erst im nächsten Jahr der Fall gewesen wäre (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 18. Mai 2010 hält der Vertreter des Beschwerdeführers an seinen
Anträgen fest. Es stehe nicht fest, dass der Beschwerdeführer die Ausbildung ein Jahr
später hätte beginnen können. Die Ausbildnerin habe ihm erklärt, ein
Ausbildungslehrgang würde erst dann wieder begonnen, wenn ausreichend Nachfrage
dafür vorhanden sei, allerfrühestens nach Ablauf eines Jahrs (act. G 5).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf das Einreichen einer Duplik (vgl. act. G 7).

Erwägungen:
1.
1.1 Vorliegend bestreitet der Beschwerdeführer zu Recht nicht, dass er die
Arbeitslosigkeit selbst verschuldet hat und deswegen in seiner Anspruchsberechtigung
einzustellen ist (vgl. Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]).
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Umstritten und nachfolgend zu prüfen ist einzig, ob und gegebenenfalls in welchem
Umfang die von der Beschwerdegegnerin verfügten Einstelltage zu reduzieren sind.
1.2 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei
mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 der
Verordnung über die Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV;
SR 837.02]). Ein schweres Verschulden liegt namentlich dann vor, wenn eine
versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne
Zusicherung einer neuen aufgegeben oder eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat (Art. 45
Abs. 3 AVIV). Bei der individuellen Verschuldensbeurteilung sind alle Umstände des
konkreten Einzelfalls zu berücksichtigen, wozu u.a. die Beweggründe gehören (vgl.
Kreisschreiben über die Arbeitslosenentschädigung [KS-ALE], Stand Januar 2007, Rz
D64).
2.
2.1 Während sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt stellt, das Verschulden
des Beschwerdeführers sei als schwer einzustufen, macht dieser geltend, seine
Bemühungen, eine passende Lösung zu finden, um die Arbeitslosigkeit zu vermeiden,
seien verschuldensmindernd zu berücksichtigen, so dass höchstens von einem
mittelschweren Verschulden auszugehen sei. Für eine Verschuldensminderung spreche
auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer seine Arbeit zu Gunsten einer
Ausbildung aufgegeben habe.
2.2 Wie oben (E. 1.2) dargelegt, hat die Verschuldensbeurteilung unter
Berücksichtigung der konkreten Umstände zu erfolgen. Vorliegend fällt in erster Linie
ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer nicht einfach aus einer Laune heraus
gekündigt hat, sondern um eine zusätzliche Ausbildung zu absolvieren, was aus
arbeitsmarktlicher Perspektive an sich begrüssenswert ist. In diesem Zusammenhang
hat der Beschwerdeführer zudem glaubhaft dargelegt, dass er die A._ frühzeitig über
die beabsichtigte Ausbildung informiert hat und dass gemeinsam nach Lösungen
gesucht wurde, um das Arbeitsverhältnis (wenn auch in geänderter Form) trotz
Ausbildung weiterzuführen (vgl. act. G 1 und 1.3). Diese Umstände sind vorliegend
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verschuldensmindernd zu berücksichtigen. Allerdings ist mit der Beschwerdegegnerin
davon auszugehen, dass aufgrund der Nichteinhaltung der Kündigungsfrist durch den
Beschwerdeführer insgesamt nicht von einem "nur" mittelschweren Verschulden
gesprochen werden kann. Die Nichteinhaltung der Kündigungsfrist hat nämlich zu
einem höheren mutmasslichen Schaden der Beschwerdegegnerin geführt, war doch
die Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer in der Zeit bis Ende Dezember
2009 eine andere Arbeitsstelle finden würde, sehr gering, zumal beim
Beschwerdeführer als Detailhandelsangestelltem die Unmöglichkeit, freitags oder
samstags zu arbeiten, die Vermittelbarkeit eindeutig einschränkt. Das Verschulden des
Beschwerdeführers muss damit als schwer qualifiziert werden, wobei es sich in
Würdigung der Gesamtumstände rechtfertigt, die Einstelltage im untersten Bereich des
schweren Verschuldens auf 31 Tage festzusetzen.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, und
der Beschwerdeführer ist für 31 Tage in der Anspruchsberechtigung einzustellen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Indessen hat der
Beschwerdeführer bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine
Parteientschädigung im Umfang seines Obsiegens (Art. 61 lit. g ATSG). Diese ist auf Fr.
1'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53