Decision ID: 3dd39f32-7498-5c50-b43f-8fa409e3d4c4
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein ethnischer Yaka mit letztem Aufenthalt in
B._, verliess sein Heimatland am 17. September 2017 und ge-
langte am 27. Oktober 2017 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl
nachsuchte.
A.b Bei der Befragung zur Person (BzP) vom 2. November 2017 gab der
Beschwerdeführer zu Protokoll, er habe am Wahlkampf von General Jean
Marie Michel Mokoko teilgenommen und sei am gescheiterten Fluchtver-
such von Oberst Marcel Mpika beteiligt gewesen. Weil er den General im
Wahlkampf unterstützt habe, sei er von der Regierung eingeschüchtert und
bedroht worden. Der Wahlkampf habe im Februar 2016 begonnen und er
sei beauftragt worden, die Jugend zu mobilisieren. Präsident Denis
Sassou-Nguesso habe die Wahlen manipuliert und General Mokoko habe
sich geweigert, das Ergebnis anzuerkennen. Die Oppositionellen und ihre
Unterstützer seien verfolgt worden. Im ganzen Land habe es Verhaftungen
gegeben, Menschen seien verschwunden oder ermordet worden. Am
15. Oktober 2015 sei ein Referendum durchgeführt worden, seitdem gebe
es Probleme. Er selbst sei am 16. Juni 2016 verhaftet und vier Tage fest-
gehalten worden. Unter der Bedingung, Falschaussagen gegen Oberst
Mpika zu machen, sei er freigelassen worden. Da er am Tag seiner Fest-
nahme gefoltert worden sei, sei er bereit gewesen, Falschaussagen zu ma-
chen. Am 18. August 2017 habe er einen Anruf von Herrn C._ er-
halten, der ihn beauftragt habe, in Angola Herrn D._ zu treffen. Am
folgenden Tag habe er diesen Herrn getroffen, der gesagt habe, er werde
es nicht zulassen, dass Oberst Mpika im Gefängnis sterbe. Er (der Be-
schwerdeführer) habe 25 000 Euro erhalten, mit denen er den Ausbruch
aus dem Gefängnis von Oberst Mpika hätte organisieren sollen. Er habe
akzeptiert und sei am 23. August 2017 nach B._ zurückgekehrt. Er
habe zwei Offizieren je 5000 Euro angeboten. Durch diese habe er Kontakt
zu fünf anderen Militärangehörigen hergestellt. Jeder habe 1500 Euro ver-
langt. In der Nacht auf den 16. September 2017 sei das Gefängnis ange-
griffen worden, in dem Oberst Mpika festgehalten worden sei; drei Soldaten
seien getötet und zwei seien verhaftet worden. Am Morgen des 17. Sep-
tember 2017 seien bei ihm zu Hause zwei Jeeps der Polizei vorgefahren
worden. Die Polizisten hätten auf die Türe geschossen und diese aufge-
brochen. Er sei gefesselt und geschlagen worden, danach habe man ihn
zum Hauptsitz der DST (division de la surveillance du territoire) gefahren.
Dort habe er einen der Offiziere angetroffen, denen er Geld gegeben habe.
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Dieser habe gesagt, er solle nach E._ überführt werden; er werde
den Polizisten Anweisung geben, dass sie ihn unterwegs entkommen las-
sen sollten. Der Offizier habe ihm seinen Führerschein ausgehändigt, alle
weiteren beschlagnahmten Dokumente (Pass, Identitätskarte, Wähleraus-
weis) habe er behalten; zudem habe der Offizier ihm Geld gegeben. Als sie
in F._ angekommen seien, hätten ihn die Polizisten unter der Auf-
lage, dass er das Land sofort verlasse, freigelassen. Mit einem Taxi sei er
nach G._ gefahren, das sich an der angolanischen Grenze befinde.
Nach Auslandreisen gefragt, sagte der Beschwerdeführer, er sei vom
15. bis zum 22. März 2017 in H._ gewesen. Er sei Mitglied einer
Delegation des (...) gewesen und habe an einer (...) teilgenommen. Ein
Freund, der beim (...) arbeite, habe ihn gefragt, ob er Interesse daran hätte,
nach H._ zu gehen, da er sich für (...) interessiere.
A.c Am 4. August 2020 gingen beim SEM ein ärztlicher Bericht von
Dr. med. univ. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 3. August 2020 und mehrere Zuweisungen zur Traumatherapie des-
selben Psychiaters vom 16. beziehungsweise 25. Mai 2020 ein. Diagnos-
tiziert wurde eine anhaltende Persönlichkeitsveränderung nach Extrembe-
lastung (Kindersoldat, Gewalterfahrung in Polizeigewahrsam, Zeuge der
Hinrichtung der Mutter).
A.d Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 11. August 2020 in Anwe-
senheit seines Rechtsvertreters zu seinen Asylgründen an. Dabei machte
er geltend, er fühle sich gesundheitlich angeschlagen und nehme Medika-
mente ein. Er träume von den erlittenen Folterungen. In der Heimat seien
Oberst Marcel Pika, Oberst J._ und er die Ersten der Wählerbasis
von General Mokoko gewesen. Er sei bei der Fédération von B._
während der Kampagne von Februar/März 2016 mit der Mobilisierung der
Jugend beauftragt worden und habe in allen Gemeinden der (...) Wahl-
kampf betrieben. Nachdem der Staatspräsident das Wahlergebnis ge-
fälscht und der General dasselbe nicht anerkannt habe, sei es zu einer
Hetzjagd auf Oppositionelle gekommen. Die Regierungskräfte hätten Ver-
brechen gegen die Menschlichkeit begangen. Im Juni 2016 seien General
Mokoko und er am selben Tag festgenommen worden. Ihn habe man mit
der Begründung inhaftiert, er habe gegen die innere Sicherheit des Landes
verstossen sowie Kriegswaffen und Munition besessen. Er sei während der
Haft gefoltert worden; zwei andere junge Männer, die mit ihm die Zelle ge-
teilt hätten, seien an den erlittenen Folterungen gestorben. Unter der Be-
dingung, dass er Falschaussagen gegen Oberst Mpika mache, sei er frei-
gelassen worden. Er habe vor dem (...) angegeben, dass Oberst Mpika
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Gewehre und Munition habe, um einen Staatsstreich durchzuführen. Er sei
dort von einem Staatsanwalt befragt worden. Nach der Befragung habe
man ihn nach Hause gebracht. Es sei eine Woche verstrichen, bis man ihn
angerufen habe. Er sei zum (...) gegangen und habe die zuvor gemachten
Aussagen unterschrieben. Oberst Mpika sei schwer erkrankt, aber die Re-
gierung habe ihn nicht in ein Spital bringen lassen wollen. Am 18. August
2017 sei er von K._aus den USA angerufen worden, der gesagt
habe, er melde sich im Auftrag von Oberst Mpika. Er handle in geheimer
Mission und werde ihn (den Beschwerdeführer) in Kontakt mit D._
bringen. Am folgenden Tag habe er sich mit jenem an der Grenze von
L._ getroffen. D._ sei mit ihm nach Angola gegangen, wo er
ihm eröffnet habe, dass sie den Ausbruch von Oberst Mpika vorbereiteten.
Nach seiner Rückkehr habe er zwei Offiziere kontaktiert, die er gut gekannt
habe. Diese hätten ihn in Kontakt mit fünf Polizisten gebracht. In der Nacht
auf den 16. September 2017 sei das Gefängnis angegriffen worden; der
Ausbruchsversuch sei misslungen. Am 17. September 2017 sei er von der
Polizei zu Hause verhaftet, misshandelt und zur DGST gebracht worden.
Dort habe er den Offizier M._ getroffen, der überrascht gewesen
sei. M._ habe ihm gesagt, er werde den Polizisten Anweisung ge-
ben, dass sie ihn entkommen lassen sollten. Er dürfe nicht nach Hause
zurückkehren und müsse das Land sofort verlassen. Nachdem er freige-
lassen worden sei, sei er mit einem Taxi zur Landesgrenze gefahren.
A.e Am 26. August 2020 ging beim SEM ein ärztlicher Bericht von Dr. med.
univ. I._ vom 25. August 2020 ein. Diagnostiziert wurden eine kom-
plexe posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD-10 F62) und psy-
chosomatische Beschwerden (ICD-10 F45.39).
A.f Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 2. September 2020 ergän-
zend zu seinen Asylgründen an. Er erklärte im Wesentlichen, er leide im-
mer noch unter gesundheitlichen Problemen. Es gehe ihm aber besser, seit
er eine Gesprächstherapie verfolge. Er sehe kaum mehr Sinn in seinem
Leben und möchte diesem eigentlich ein Ende setzen. Obwohl er in der
Schweiz in Sicherheit sei, fühle er sich nicht so, wie wenn er wirklich leben
würde. Das Ganze sei auf den Kampf zurückzuführen, für den er sich en-
gagiert habe. Dies sei der Grund, warum sein Leben nun «kaputt» sei. Er
möchte die Befragung aber durchführen. Nachdem er im Juni 2016 aus der
Haft entlassen worden sei, habe er sich im Geheimen mit anderen Oppo-
sitionellen getroffen. Sie hätten über einen Aufstand und über friedliche De-
monstrationen gesprochen. Sie hätten einen friedlichen Marsch durchfüh-
ren wollen, was jedoch nicht bewilligt worden sei. Nachdem er von
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D._ kontaktiert worden sei, habe er Oberst M._ und einen
anderen Offizier namens N._ eingeweiht, die während des Wahl-
kampfs im Geheimen an ihren Treffen teilgenommen hätten. Er habe sich
mit den beiden im Büro von N._ getroffen; beide seien mit dem
Plan, Oberst Mpika zu befreien, einverstanden gewesen. Sie hätten ihn mit
fünf Polizisten in Kontakt gebracht, die im Gefängnis Dienst geleistet hät-
ten, in dem Oberst Mpika festgehalten worden sei. Er habe diese Polizisten
aus dem Büro des Obersten angerufen und ihnen Geld angeboten. Alle
seien einverstanden gewesen; er habe das Geld für sie Oberst N._
gegeben. Er habe mit den Polizisten über das Geld gesprochen, und die
Obersten hätten mit ihnen über die Mission gesprochen. Es sei geplant
gewesen, Oberst Mpika zur Botschaft der USA zu bringen. Die Ausbruchs-
aktion sei aber schiefgelaufen. Am folgenden Morgen sei die Polizei bei
ihm erschienen, um ihn festzunehmen. Einer der Polizisten habe ihm ge-
sagt, dass drei von denen, die er geschickt habe, tot seien. Er könne nicht
in sein Heimatland zurückkehren, weil er dort gesucht werde und im Falle
einer Rückkehr getötet würde.
A.g Der Beschwerdeführer gab während des vorinstanzlichen Verfahrens
Kopien der ersten Seite seines Reisepasses, seines Führerscheins und
seiner Geburtsurkunde ab (vgl. SEM-act. A25/1; Beweismittelumschlag).
A.h Bei einem Fingerabdruckvergleich mit der Visumsdatenbank CS-VIS
wurde festgestellt, dass dem Beschwerdeführer am 17. Februar 2017 in
Luanda (Angola) ein (...) Schengen-Visum, gültig vom (...). März bis
(...). April 2017 ausgestellt wurde (vgl. SEM-act. A6/2).
B.
Mit Verfügung vom 22. Oktober 2020 – eröffnet am 26. Oktober 2020 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die
Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.
C.
Mit Eingabe seines Rechtvertreters vom 18. November 2020 erhob der Be-
schwerdeführer gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde. In dieser wurde in der Hauptsache beantragt, die angefoch-
tene Verfügung sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-
deführers sei anzuerkennen, und das SEM sei anzuweisen, ihm Asyl zu
gewähren. Eventuell sei die vorläufige Aufnahme zufolge Unzulässigkeit
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oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs anzuordnen. In prozessu-
aler Hinsicht wurde beantragt, dem Beschwerdeführer sei zu erlauben, den
Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten zu dürfen. Ferner wurde
beantragt, dem Beschwerdeführer seien keine Verfahrenskosten aufzuer-
legen und ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
Der Beschwerde lagen ein Mietvertrag vom 30. März 2017, eine undatierte
traumapsychotherapeutische Einschätzung von lic. phil. O._, eidg.
anerkannte Psychotherapeutin, eine psychiatrische Einschätzung von Dr.
med. univ. P._ vom 4. November 2020 und sechs Fotografien bei.
D.
Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 30. November 2020 gut,
und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Akten
übermittelte er zur Vernehmlassung an das SEM.
E.
In seiner Vernehmlassung vom 7. Dezember 2020 nahm das SEM zur Be-
schwerde Stellung und hielt an seinem Standpunkt fest.
F.
Mit Replik seines Rechtsvertreters vom 11. Dezember 2020 nahm der Be-
schwerdeführer seinerseits zur Vernehmlassung des SEM Stellung. Zu-
sätzlich zu den in der Beschwerde gestellten Anträgen, liess er beantragen,
die Sache sei an das SEM zur Neubeurteilung zurückzuweisen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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4.
4.1 Das SEM führt zur Begründung seines Entscheides aus, der Beschwer-
deführer habe seine Asylgründe widerspruchsfrei dargelegt und dabei bei-
spielsweise Namen und Daten übereinstimmend wiederholt. Er habe die
freien Berichte aber äusserst linear vorgetragen, ohne von seiner Erzähl-
struktur abzuweichen. An vielen Stellen der Schilderungen bediene er sich
eines fast identischen Wortlauts. Seine Aussagen seien zwar konsistent,
es liessen sich darin aber keine Realkennzeichen wie persönliche Gedan-
kengänge, ausgefallene oder erlebnisgeprägte Einzelheiten, Unerwartetes
oder räumliche und zeitliche Verknüpfungen feststellen. Dies deute auf ei-
nen gut vorbereiteten, letztlich aber auswendig gelernten Sachverhalt hin.
Gemäss Kenntnislage des SEM habe ein misslungener Fluchtversuch von
Oberst Mpika keinen Eingang in öffentlich zugängliche Quellen gefunden,
was der Beschwerdeführer nicht verständlich habe erklären können.
Das SEM schliesse nicht gänzlich aus, dass der Beschwerdeführer für Ge-
neral Mokoko oder andere Persönlichkeiten Propaganda betrieben habe,
auch wenn er dies weder habe belegen noch alle diesbezüglichen Fragen
habe beantworten können. Die Frage, ob er die Personen, die ihn gefoltert
hätten, gesehen habe, habe er sinngemäss verneint und zunächst zweimal
geschildert, dass das Licht jeweils gedimmt worden sei, wenn man ihn auf
einen «elektrischen Stuhl» gesetzt habe. Daraufhin habe er erläutert, dass
seine Peiniger ihm jeweils eine Augenbinde angezogen hätten. Darauf an-
gesprochen, habe er auf die Dunkelheit in der Zelle verwiesen. Sein Aus-
sageverhalten leuchte nicht ein, und er habe sich nicht befriedigend erklä-
ren können. Bis heute habe der Beschwerdeführer keine Beweismittel ein-
gereicht, was schwer zu verstehen sei. Er habe angegeben, er sei in Haft
genommen und es sei ein Gerichtsverfahren durchgeführt worden. Es wäre
zu erwarten, dass er diese Aussagen mit entsprechendem Schriftgut un-
termauern könnte. Es erstaune angesichts der gemachten Falschaussa-
gen gegen Oberst Mpika sehr, dass dessen Gefolgsleute später ihn kon-
taktiert und mit der Befreiung desselben beauftragt hätten. Es sei nicht vor-
stellbar, dass die Wahl ausgerechnet auf ihn gefallen sei, hätte er den
Oberst doch zuvor stark belastet und deshalb dessen Vertrauen bestimmt
verloren. Entsprechende Vorhalte habe er nicht auszuräumen vermocht,
auch wenn er auf seine angeblich sehr enge Verbindung zu Oberst Mpika
hingewiesen habe, die er nicht belegen könne. Seine Antworten in Bezug
auf die Involvierung von zwei Polizeioffizieren und fünf Polizisten seien
knappgehalten und wirkten lebensfremd. So wolle er die beiden Obersten
im Büro von N._ getroffen haben. Sie seien zu Dritt und vor Ort mit
den fünf Polizisten telefonisch in Kontakt getreten und hätten die Sache auf
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diese Weise arrangiert. Ein solches Vorgehen widerspreche der Absicht,
den Plan geheim zu halten, zumal er als Oppositioneller auf dem Polizei-
posten wohl eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich gezogen und die bei-
den Offiziere in Bedrängnis gebracht hätte. Der Beschwerdeführer habe
erläutert, er habe mit den fünf Polizisten nur über den Geldbetrag gespro-
chen. Angesichts dieser Darstellung sei fraglich, weshalb nur er verhaftet
worden sei. Dass der erstaunte M._ ihm gleich zur Flucht verholfen
habe, indem er seinen Beamten die Anweisung gegeben habe, ihn unter-
wegs gehen zu lassen, vermöge angesichts absehbarer Konsequenzen
nicht zu überzeugen. In diesem Zusammenhang habe er auch nicht plau-
sibel erläutern können, weshalb M._ ihm lediglich seinen Führer-
schein ausgehändigt habe. Dies gelte umso mehr, als M._ ihm zur
Flucht ins Ausland geraten habe.
Die Reise des Beschwerdeführers nach H._ innerhalb einer (...)
passe nicht zu seinen übrigen Aussagen. Dem SEM sei nicht schlüssig,
dass er als freigelassener Oppositioneller einen Platz in einer solchen (...)
hätte erhalten können. Er habe weder für das (...) noch im Bereich der (...)
gearbeitet. Seine Erläuterungen zum Thema hätten nicht gänzliche über-
zeugen können. Schliesslich sei seine Rückkehr von H._ nach
Kongo (Brazzaville) nicht belegt.
Viele der Aussagen zu zentralen Punkten der Asylvorbringen seien nicht
plausibel ausgefallen und widersprächen der allgemeinen Erfahrung.
Hinzu kämen oberflächliche Schilderungen zu wichtigen Begebenheiten.
So seien die Berichte über die Verhaftung und die Erlebnisse im Gefängnis
auffällig unpersönlich und redundant. Als knapp seien auch die Erläuterun-
gen über die Vorgänge rund um die Freilassung zu bezeichnen. Zudem sei
der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen, zu präzisieren, was zum
Misserfolg des Fluchtversuchs von Oberst Mpika geführt oder worin der
Fluchtplan bestanden habe, was angesichts seiner Rolle in der Sache nicht
verständlich sei. Aufgrund des Gesagten seien die Vorbringen insgesamt
als unglaubhaft zu werten.
4.2 In der Beschwerde wird einleitend der Sachverhalt dargelegt und da-
rauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer während des Bürgerkriegs
von 1998 bis 2001 als Kindersoldat rekrutiert worden sei. Nachfolgend wird
aus den der Beschwerde beigelegten Berichten über den Gesundheitszu-
stand des Beschwerdeführers zitiert. Hinsichtlich der Erwägungen des
SEM wird alsdann ausgeführt, die Einschätzung des SEM, der Beschwer-
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deführer habe bei der Schilderung des Sachverhalts keine Emotionen ge-
zeigt, sei willkürlich, da es dafür keinen Gradmesser gebe. Gemäss den
Bemerkungen der Hilfswerkvertretung habe er bei der ergänzenden Anhö-
rung durchaus Emotionen gezeigt. Zudem habe das SEM der seit den Er-
eignissen verstrichenen Zeit und seinem Gesundheitszustand nicht Rech-
nung getragen. Es könne von ihm nicht erwartet werden, dass er sich vor
seiner Ausreise Dokumente aus dem Gerichtsarchiv hätte beschaffen sol-
len. Es sei bekannt, dass die gegen Oberst Mpika erhobenen Anschuldi-
gungen mittels durch Folter erwirkte Zeugenaussagen gestützt worden
seien. Es könne demnach nicht davon ausgegangen werden, dass er das
Vertrauen des Obersten hätte verlieren müssen. Der Beschwerdeführer
lege seiner Beschwerde Fotografien bei, die belegten, dass er tatsächlich
mit einer (...) nach H._ gereist und wieder zurückgekehrt sei. Zu-
dem lege er einen Mietvertrag bei, den er nach Ablauf des Schengen-Vi-
sums unterzeichnet habe. Die Sachverhaltsdarstellung durch den Be-
schwerdeführer sei gleichbleibend gewesen und er habe sich auf Ereig-
nisse bezogen, die stattgefunden hätten. Er habe sich in keinem Punkt wi-
dersprüchlich geäussert. Den Akten seien Hinweise dafür zu entnehmen,
dass der Beschwerdeführer misshandelt worden sei. Aufgrund seines Pro-
fils und der Fakten sei rechtsgenüglich bewiesen, dass er von den heimat-
lichen Behörden gesucht werde. Er habe dargelegt, dass er im Falle einer
Rückkehr in sein Heimatland begründete Furcht vor Verfolgung hegen
müsse. Er könne nicht darauf vertrauen, dass er einen fairen Prozess er-
halten werde. Der kongolesische Geheimdienst wende zum Erhalt von Be-
weisen die Folter und andere unmenschliche Methoden an. Er könne sich
nicht unter den Schutz seines Heimatlandes stellten, zu dem er jegliche
Verbindung abgebrochen habe. Er befürchte berechtigterweise, von den
heimatlichen Behörden gezielt verfolgt zu werden.
4.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung aus, auch angesichts der ein-
gereichten Beweismittel halte es weder die Reise im Rahmen einer (...)
noch eine spätere Heimreise des Beschwerdeführers als eindeutig belegt.
Selbst wenn seine Ausführungen der Wahrheit entsprächen, finde das
Thema im angefochtenen Entscheid lediglich auf acht Zeilen Eingang in
die Erwägungen. Am Standpunkt, dass die Schilderungen insgesamt als
unglaubhaft zu taxieren seien, änderten die kopierten Unterlagen nichts.
Der Beschwerdeführer habe in der BzP erwähnt, dass er als Jugendlicher
bis Ende 2001 in der Armee gedient habe. Da er danach noch viele Jahre
im Heimatland gelebt habe, sei der genannte Umstand weder hinsichtlich
Art. 3 und Art. 7 AsylG noch in Bezug auf die Durchführbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs relevant.
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4.4 In der Replik wird entgegnet, das SEM begründe seine Auffassung, die
Reise des Beschwerdeführers nach H._ und seine Rückkehr in die
Heimat seien nicht bewiesen, nicht. Dieses Verhalten verletze den Unter-
suchungsgrundsatz. Zudem handle es sich bei den acht Zeilen, in denen
sich das SEM zur Reise äussere, um einen zentralen Punkt des Asylge-
suchs. Deshalb könne die angefochtene Verfügung keinen Bestand haben.
Hinsichtlich der Zwangsrekrutierung des Beschwerdeführers habe das
SEM den Sachverhalt nicht korrekt abgeklärt, da er sein Asylgesuch nicht
damit begründet habe. Das Vorbringen der Zwangsrekrutierung stehe im
Zusammenhang mit Art. 83 AIG. Beim Beschwerdeführer handle es sich
um eine Person, deren Heimatstaat ihm die Kindheit geraubt habe. Der
Gesetzgeber habe für solche schwerwiegenden Härtefälle das Institut der
vorläufigen Aufnahme geschaffen.
Der Beschwerdeführer habe belegt, dass er im Rahmen (...) gereist sei. Es
gelte somit zu prüfen, ob das SEM sein zweites Asylgesuch im Sinne von
Art. 54 AsylG formell richtig geprüft habe. Die von ihm vorgebrachten
Gründe stünden im Zusammenhang mit subjektiven Nachfluchtgründen.
Das SEM habe Zweifel daran geäussert, dass er von H._ in die
Heimat zurückgekehrt sei. Das Verlassen einer offiziellen Delegation ziehe
im Falle einer Rückkehr in das Heimatland das Risiko von Vergeltungs-
massnahmen nach sich. Dazu äussere sich das SEM nicht, obwohl das
Vorbringen von subjektiven Nachfluchtgründen ein Grund für ein Schutzer-
suchen sei. Das SEM habe den Wegweisungsentscheid somit auf der Ba-
sis eines nicht hinreichend erstellen Sachverhalts gefällt. Die Verfügung sei
demnach aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen, das
beim neuen Entscheid alle Elemente der Beschwerde zu berücksichtigen
habe.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-
scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar
2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).
5.2 Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe sich im Wahlkampf in-
tensiv für den Präsidentschaftskandidaten Mokoko eingesetzt. Er sei mit
einem Pick-up durch die Gemeinden von B._ gefahren worden, wo-
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Seite 12
bei er über einen Fahrer und einen Assistenten verfügt habe, die ihn unter-
stützt hätten. Mit einem Megaphon habe er für seinen Kandidaten gewor-
ben und während der Stopps an verschiedenen Orten sei er mit den poten-
ziellen Wählern ins Gespräch gekommen (vgl. SEM act. A7/13 S. 9, A24/21
S. 10). Auf Nachfrage sagte der Beschwerdeführer, er verfüge über keine
Fotografien oder andere Beweismittel, mit denen er seine während des
Wahlkampfs unternommenen Anstrengungen untermauern könne (vgl.
SEM-act. A24/21 S. 12). Angesichts des Umstands, dass in der heutigen
Zeit praktisch über alle öffentlichen (politischen) Tätigkeiten in den sozialen
Medien berichtet wird und diese dokumentiert werden, vermag die vom Be-
schwerdeführer geschilderte intensive Teilnahme am Wahlkampf nicht zu
überzeugen.
5.3 Im Rahmen der Anhörungen gab der Beschwerdeführer an, er habe mit
Oberst Mpika und Oberst J._ zum engsten Kreis der Vertrauten von
General Mokoko gehört (vgl. SEM-act. A24/21 S. 6). Inwiefern der Be-
schwerdeführer, der keine militärische Laufbahn durchlief, zum engsten
politischen Kreis des ehemaligen Generalstabschefs gehört haben sollte,
erschliesst sich allerdings nicht. Wäre er in derart wichtiger Stellung für den
Präsidentschaftskandidaten Mokoko gestanden, müsste er dies einerseits
belegen können, anderseits müsste er in den Medien erwähnt worden und
einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gewesen sein. Des Weiteren ent-
spricht die von ihm geschilderte Funktion, die er während des Wahlkampfs
eingenommen habe, nicht derjenigen eines zum Führungsgremium eines
Wahlkampfteams gehörenden Funktionärs. Das Vorbringen, der Be-
schwerdeführer habe zum engsten politischen Kreis des Präsidentschafts-
kandidaten Mokoko gehört, erscheint folglich unglaubhaft.
5.4 Der Beschwerdeführer gab an, er sei eines Tages von einem in den
USA lebenden Mann (C._) angerufen worden, der gesagt habe, er
handle im Namen des inhaftierten Obersts Mpika. Auf dessen Anweisung
habe er sich mit Herrn D._ getroffen, der mit ihm nach Luanda ge-
gangen sei, wo er ihm eröffnet habe, es sei geplant, Oberst Mpika aus dem
Gefängnis zu befreien. Zu diesem Zweck seien ihm 25 000 Euro ausge-
händigt worden.
Obwohl der Beschwerdeführer auch diesbezüglich übereinstimmende An-
gaben machte, vermag nicht zu überzeugen, dass ausgerechnet er, der
Oberst Mpika mit den bei einem Staatsanwalt gemachten Aussagen belas-
tet haben soll (vgl. SEM-act. A7/13 S. 9, A24/21 S. 6 f.) und über keinerlei
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Seite 13
Erfahrungen mit solchen Aktionen verfügte, mit dessen Befreiung beauf-
tragt worden sei. Die Aussage des Beschwerdeführers, er habe umgehend
nach seiner Rückkehr aus Angola das Büro von Oberst M._ aufge-
sucht und dort diesen sowie Oberst N._ getroffen, vermittelt nicht
den Eindruck, als sei er sich bewusst gewesen, dass er in einer Geheim-
mission unterwegs sei. Die Erklärung, die beiden Obersten hätten sich so-
gleich bereit erklärt, bei der Befreiungsaktion mitzuwirken, und hätten tele-
fonisch mit fünf Militärangehörigen (vgl. SEM-act. A7/13 S. 9) beziehungs-
weise Polizisten (vgl. SEM-act. A24/21 S. 8, A31/21 S. 9 f.) beziehungs-
weise Gefängniswärtern (vgl. SEM-act. A31/21 S. 10) Kontakt aufgenom-
men und diese innerhalb kürzester Zeit für die Befreiungsaktion gewinnen
können, trägt der Komplexität der Vorbereitung einer solchen Unterneh-
mung, die für alle Beteiligten erhebliche Risiken mit sich bringt, nicht Rech-
nung. Der Beschwerdeführer gab an, er habe mit den fünf ihm nicht be-
kannten Männern nur über die finanzielle Seite gesprochen, während die
beiden Obersten diese über die Befreiungsaktion in Kenntnis gesetzt hät-
ten. Die Planung einer Befreiungsaktion einer bekannten Persönlichkeit
setzt eine sorgfältige und minutiöse Vorbereitung voraus, die kaum inner-
halb kürzester Zeit telefonisch erledigt werden kann. Den Aussagen des
Beschwerdeführers folgend, hätte er sich mit den fünf Männern, welche die
Befreiungsaktion hätten durchführen sollen, telefonisch lediglich über das
Entgelt unterhalten. Angesichts des geltend gemachten Umstands, dass er
sich in einer geheimen Mission befunden haben sollte, ist auch nicht plau-
sibel, dass er sich diesen Männern vorgestellt hätte, weshalb erstaunt,
dass ausgerechnet er, der im Hintergrund geblieben wäre, von den heimat-
lichen Behörden nach der gescheiterten Befreiungsaktion festgenommen
worden sein sollte. Die mit der Aktion beauftragten Männer sollen von zwei
Polizeioffizieren mit derselben betraut worden sein, die ihnen bekannt ge-
wesen sein mussten, weshalb nicht nachvollzogen werden kann, dass die
beiden die Aktion Überlebenden den ihnen persönlich nicht bekannten und
auch nicht namentlich vorgestellten Beschwerdeführer (vgl. SEM-act.
A31/21 S. 11), nicht aber die Polizeioffiziere, die sie mit der Aktion beauf-
tragt hätten, belastet haben sollten. In diesem Zusammenhang ist festzu-
stellen, dass der Beschwerdeführer zum wichtigen Punkt, wie er in Kontakt
mit den die Befreiungsaktion durchführenden Personen getreten sei, wi-
dersprüchliche Angaben machte. Vorerst sagte er bei der ergänzenden An-
hörung, die Offiziere hätten ihm die Telefonnummern der fünf Polizisten ge-
geben. Er habe sie in Gegenwart der beiden Offiziere angerufen und ihnen
1 500 Euro angeboten, was sie akzeptiert hätten. Auf Nachfrage bestätigte
er, er habe mit den Polizisten über das Geld gesprochen, über die Mission
D-5773/2020
Seite 14
selbst hätten sich die beiden Offiziere mit ihnen abgesprochen. Kurz da-
nach führte er aus, zuerst habe der Oberst mit den Polizisten gesprochen,
danach habe er mit ihnen geredet. Der Oberst habe den Polizisten gesagt,
es handle sich um eine geheime Mission, mit der er sie betrauen wolle. Er
werde ihnen, wenn sie fertig diskutiert hätten, eine Person geben, mit der
sie über den Geldbetrag diskutieren könnten (vgl. SEM-act. A31/21
S. 10 f., insb. F95).
Öffentlich zugänglichen Quellen kann entnommen werden, dass Oberst
Mpika Ende März 2016 in seinem Haus festgenommen und im Gefängnis
von Brazzaville in Untersuchungshaft gesetzt wurde. Auf Druck der USA
– Oberst Mpika ist auch Bürger der USA – wurde er gegen Ende Dezember
2017 freigelassen. In diesem Zusammenhang vermag die Darstellung des
Beschwerdeführers, zwei Offiziere, die im mehrere hundert Kilometer ent-
fernten B._ Dienst getan haben sollen, hätten umgehend, nachdem
er sie über die geplante Befreiung von Oberst Mpika in Kenntnis gesetzt
habe, den Dienstplan eines weit entfernten Gefängnisses konsultieren und
fünf ihnen bekannte und dort arbeitende Polizisten/Gefängniswärter telefo-
nisch kontaktieren können, nicht zu überzeugen. Die Vorbringen des Be-
schwerdeführers entsprechen auch in dieser Hinsicht keineswegs der
Komplexität der Planung und Durchführung einer Befreiungsaktion aus ei-
nem gut gesicherten Gefängnis.
Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung zudem zutreffend darauf
hin, dass eine gescheiterte Befreiungsaktion von Oberst Mpika Nieder-
schlag in den Medien gefunden hätte, zumal bei der Aktion drei Mitglieder
der Sicherheitskräfte ihr Leben verloren haben sollen. Dass öffentlich zu-
gänglichen Quellen keinerlei Hinweise auf einen gescheiterten Befreiungs-
versuch von Oberst Mpika entnommen werden können, bekräftigt die Zwei-
fel an den vom Beschwerdeführer gemachten Vorbringen. Der Beschwer-
deführer gab bei der BzP und der Anhörung an, in der Nacht auf den
16. September 2017 sei das Gefängnis angegriffen worden (vgl. SEM-act.
A7/13 S. 10, A24/21 S. 8), während er bei der ergänzenden Anhörung gel-
tend machte, die fünf kontaktierten Gefängniswärter seien in der fraglichen
Nacht im Wachtdienst eingeteilt gewesen (vgl. SEM-act. A31/21 S. 11). Mit
der Bewachung von Gefangenen beauftragte Personen, die Dienst tun,
müssen ein Gefängnis jedoch nicht angreifen, um das Entkommen eines
Inhaftierten zu ermöglichen.
D-5773/2020
Seite 15
Schliesslich lässt auch die Angabe des Beschwerdeführers, er habe nach
der Freilassung von Oberst Mpika, der nunmehr in den USA lebt, nicht ver-
sucht, Kontakt mit ihm aufzunehmen, darauf schliessen, dass er mit die-
sem nicht – wie geltend gemacht – in einem nahezu familiären Verhältnis
gestanden ist (vgl. SEM-act. A24/21 S. 10, A31/21 S. 13 f.). Wäre er mit
dem in der Haft schwer erkrankten Oberst Mpika eng befreundet und von
diesem tatsächlich mit einer gescheiterten Befreiungsaktion betraut wor-
den, hätte er mit Sicherheit versucht, mit seinem angeblichen Freund Kon-
takt aufzunehmen. Die Zweifel an der Sachverhaltsdarstellung des Be-
schwerdeführers werden dadurch bestätigt.
5.5 Der Beschwerdeführer machte im Rahmen der Befragungen geltend,
er sei im März 2017 mit einer Delegation des (...) nach H._ gereist,
um an einer (...) teilzunehmen (vgl. SEM-act. A7/13 S. 5). Das SEM be-
zweifelte in der angefochtenen Verfügung zu Recht, dass ein dem autori-
tären Regime bekannter Oppositioneller für die Teilnahme an einer solchen
offiziellen Reise, die gemäss seinen Aussagen vom (...) angeführt wurde
(vgl. SEM-act. A31/21 S. 16), zugelassen worden wäre. Eigenen Angaben
gemäss hat der Beschwerdeführer vor dem Staatsanwalt Oberst Mpika be-
lastende Aussagen gemacht. Da Oberst Mpika gemäss öffentlich zugäng-
lichen Quellen bis zum Zeitpunkt seiner offiziellen Freilassung in Untersu-
chungshaft und nicht verurteilt worden war, ist nicht anzunehmen, dass die
heimatlichen Behörden einem wichtigen Zeugen die Teilnahme an einer
Auslandsreise erlaubt hätten. Gemäss Überprüfung des SEM wurde dem
Beschwerdeführer von der (...) Botschaft in Luanda tatsächlich ein Schen-
gen-Visum ausgestellt. Im Rahmen der Beschwerde gab er mehrere Foto-
grafien zu den Akten, denen entnommen werden kann, dass er sich zu-
sammen mit anderen Männern auf eine Flugreise begeben haben dürfte.
Der Kopie eines eingereichten Mietvertrags ist zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer am 30. März 2017 in B._ einen Mietvertrag un-
terzeichnet haben und demnach zuvor in seine Heimat zurückgekehrt sein
soll. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei im März 2017 mit einer
offiziellen Delegation seines Heimatlandes nach H._ und wieder zu-
rück in seine Heimat gereist, untermauert die an seinen Vorbringen geheg-
ten Zweifel. Ergänzend ist festzustellen, dass es sich bei den Erwägungen
des SEM zur vom Beschwerdeführer genannten Auslandsreise entgegen
der in der Replik vertretenen Auffassung keineswegs um einen zentralen
Punkt der Begründung der angefochtenen Verfügung handelt.
D-5773/2020
Seite 16
5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer weder
nachweisen noch glaubhaft machen konnte, dass er ein bedeutender poli-
tischer Weggefährte von General Jean Marie Michel Mokoko war. Aufgrund
der Aktenlage erscheint es auch unwahrscheinlich, dass er ein enger
Freund von Oberst Marcel Mpika war. Das Bundesverwaltungsgericht er-
achtet sein Vorbringen, er sei namhaft an einem gescheiterten Ausbruchs-
versuch von Oberst Mpika beteiligt gewesen und deshalb am 17. Septem-
ber 2017 festgenommen worden, als unglaubhaft. Aufgrund der Aussagen
des Beschwerdeführers ist zwar nicht auszuschliessen, dass er sich im
Präsidentschaftswahlkampf von 2016 auf Seiten eines Kandidaten, der ge-
gen den bisherigen (und heutigen) Staatspräsidenten antrat, engagierte
und im Rahmen der auf die Wahl folgenden Unruhen kurzzeitig festgenom-
men wurde. Auch das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei im Rah-
men einer kurzzeitigen Inhaftierung misshandelt worden, kann angesichts
der notorischen Vorgehensweise der kongolesischen Sicherheitsbehörden
nicht von Vornherein als unglaubhaft qualifiziert werden.
6.
Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von
bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind respektive zugefügt zu
werden drohen. Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3
Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, die
Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder
werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit
in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende
Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem
Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent-
schluss zur Flucht hervorrufen würden. Die erlittene Verfolgung oder die
begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und
zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und
grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. An-
spruch auf Asyl nach schweizerischem Recht hat somit nur, wer im Zeit-
punkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG aus-
gesetzt war (Vorfluchtgründe) oder aufgrund von äusseren, nach der Aus-
reise eingetretenen Umständen, auf die er keinen Einfluss nehmen konnte,
bei einer Rückkehr ins Heimatland solche ernsthaften Nachteile befürchten
D-5773/2020
Seite 17
müsste (sogenannte objektive Nachfluchtgründe [vgl. zum Ganzen BVGE
2011/51 E. 6, 2011/50 E. 3.1.1 und 3.1.2, 2010/57 E. 2, 2008/34 E. 7.1,
2008/12 E. 5.2 und 2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.; WALTER STÖCKLI, Asyl,
in: Uebersax / Rudin / Hugi Yar / Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl.,
2009, Rz. 11.17 und 11.18]).
6.1 Wie vorstehend festgehalten, ist nicht auszuschliessen, dass der Be-
schwerdeführer während der nach den Präsidentschaftswahlen von 2016
entstandenen Unruhen kurzzeitig festgehalten wurde. Seinen Angaben
kann indessen nicht entnommen werden, dass gegen ihn ein Strafverfah-
ren eingeleitet worden wäre. Seinen Aussagen gemäss sei er nach der
Festnahme und Freilassung aus der Haft im Juni 2016 nach Hause und an
seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Mit den heimatlichen Behörden habe er
keine Probleme mehr gehabt. Der Beschwerdeführer brachte vor, er sei im
März 2017 nach H._ gereist und wieder nach Kongo (Brazzaville)
zurückgekehrt. Mit der Rückkehr in sein Heimatland stellte er sich wieder
unter den Schutz der heimatlichen Behörden, so dass allfälligen früheren
Schwierigkeiten, die er mit den heimatlichen Sicherheitsbehörden gehabt
haben könnte, keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zuerkannt werden
könnte. Da der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen konnte, nach
seiner Rückkehr in die Heimat im März 2017 mit den Sicherheitskräften
seines Heimatlands in Konflikt geraten zu sein – seine Involvierung in einen
angeblich gescheiterten Befreiungsversuch von Oberst Mpika ist wie dar-
gelegt, als unglaubhaft zu werten – kann ihm für den Zeitpunkt der Ausreise
aus seinem Heimatland keine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung
zuerkannt werden.
6.2 Die in der Stellungnahme zur Vernehmlassung vertretene Auffassung,
das SEM hätte prüfen müssen, ob der Beschwerdeführer subjektive Nach-
fluchtgründe gesetzt hätte, falls er von seiner Reise nach H._ nicht
in seine Heimat zurückgekehrt wäre, sei er doch Teil einer offiziellen Dele-
gation des (...) gewesen, ist nicht nachvollziehbar. Selbst wenn der Be-
schwerdeführer im März 2017 nicht nach Kongo (Brazzaville) zurückge-
kehrt wäre, was er selbst vehement bestreitet, hätte er damit keine subjek-
tiven Nachfluchtgründe gesetzt. Seinen Angaben ist zu entnehmen, dass
ihm als Privatperson die Gelegenheit geboten worden sei, mit einer offizi-
ellen Delegation an eine (...) zu reisen. Da er nicht im Auftrag seines Hei-
matlandes gereist und diesem gegenüber keinerlei Verpflichtungen einge-
gangen sei, hätten ein Verbleib in H._ und eine Nichtrückkehr für
ihn keine negativen Folgen haben können. Da der Beschwerdeführer auch
im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vorbringt, er sei in seine Heimat
D-5773/2020
Seite 18
zurückgekehrt, und dazu Beweismittel abgab, erübrigen sich weitere Aus-
führungen hinsichtlich des Vorliegens subjektiver Nachfluchtgründe.
6.3 Zusammenfassend ergibt sich im Ergebnis übereinstimmend mit dem
SEM, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die von ihm vor-
gebrachten Fluchtgründe nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, da an
deren Wahrheitsgehalt insgesamt überwiegende Zweifel bestehen. Das
SEM hat demnach zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das
Asylgesuch abgelehnt. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in
den Beschwerdeeingaben einzugehen, da sie an der Würdigung des vor-
liegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
D-5773/2020
Seite 19
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.
9.1 Das SEM begründet die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs
damit, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1
AsylG nicht angewandt werden könne, da der Beschwerdeführer die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Aus den Akten ergäben sich keine An-
haltspunkte dafür, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe
oder Behandlung drohe.
9.2 In der BzP habe der Beschwerdeführer keine gesundheitlichen Schwie-
rigkeiten erwähnt. Bei der Anhörung habe er gesagt, er sei in ärztlicher Be-
handlung und müsse Medikamente einnehmen. Er habe Schwindelgefühle
sowie Schlafschwierigkeiten und Albträume aufgrund der erlebten Folte-
rungen. Im Rahmen der ergänzenden Anhörung habe er ausgeführt, dass
es ihm nicht gut gehe. Er nehme an einer Gesprächstherapie teil, sein Le-
ben sei kaputt und er denke an Suizid. Aus den eingereichten Arztberichten
gehe hervor, dass er seit April 2020 in Behandlung sei; eine stationäre
Traumatherapie habe noch nicht begonnen. Bei ihm sei eine komplexe
PTBS diagnostiziert worden und er nehme drei verschiedene Psychophar-
maka ein. Die Behandlungsmethoden hätten gemäss dem behandelnden
Psychiater erste Erfolge gezeigt, eine stationäre Therapie wäre seiner An-
sicht nach optimal.
Eine PTBS könne eine nicht zu verkennende gesundheitliche Beeinträch-
tigung darstellen, führe aber in der Regel nicht zu einer lebensbedrohlichen
medizinischen Notlage. Aufgrund der Aktenlage könne vorliegend im Falle
einer Rückführung nicht auf eine lebensbedrohliche medizinische Notlage
im Sinne von Art. 3 EMRK geschlossen werden, die intensives Leiden, eine
erhebliche Verkürzung der Lebenserwartung beziehungsweise den Tod zur
Folge hätten. Es sei nicht auf eine medizinische Notlage zu schliessen und
D-5773/2020
Seite 20
eine hinreichende medizinische und psychiatrische Versorgung sei zumin-
dest in der Hauptstadt Brazzaville in Form der Universitätsklinik CHU
grundsätzlich gewährleistet. Allfälligen suizidalen Tendenzen könne bei der
Ausgestaltung der Modalitäten der Rückführung mit geeigneten medizini-
schen und anderen Massnahmen Rechnung getragen werden. Zudem
könne medizinische Rückkehrhilfe gemäss Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG be-
antragt werden.
Der Beschwerdeführer habe neun Jahre lange die Schule besucht, sei
noch jung und arbeitsfähig. Er verfüge über Berufserfahrung und habe ge-
plant, sich selbständig zu machen. Seine Aussagen in Bezug auf die Vi-
sumserlangung deuteten darauf hin, dass er beruflich gut vernetzt sei.
Seine Lebenspartnerin und er hätten ein gemeinsames Kind; zudem hätten
beide noch je ein weiteres Kind aus früheren Beziehungen. Er habe keinen
Kontakt mehr zu seiner Partnerin, die seine beiden Kinder zu einer seiner
Tanten gebracht habe, die zirka 200 Kilometer entfernt von B._
lebe. Er habe regelmässig Kontakt zu dieser Tante und deren Sohn. Zudem
lebten weitere Tanten und Onkel im Heimatland. Er habe demnach ein zwar
überschaubares, ihm aber vertrautes familiäres Beziehungsnetz und An-
knüpfungspunkte für eine soziale Reintegration im Heimatstaat.
9.3
9.3.1 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer
habe in seiner Heimat alles verloren. Er sei ein ehemaliger Kindersoldat,
dessen Kindheit von einem autoritären Regime gestohlen worden sei. Ge-
mäss einschlägiger Literatur wiesen Kindersoldaten zwei wichtige psychi-
sche Verletzungen auf. Eine erste, weil sie ihre Familie hätten verlassen
und zur Armee gehen müssen, eine zweite, weil sie die Armee hätten ver-
lassen müssen. Entgegen der allgemeinen Erwartung führe auch die De-
mobilisierung zu einer Identitätskrise. Während der Dienstzeit seien die
Kinder gezwungen, ihre Vergangenheit und ihre Familien zu vergessen.
Wenn die Kommandanten ihnen eine Waffe überreichten, sagten sie den
Kindern, diese sei nun ihr Vater und ihre Mutter. Das Vergessen der Ver-
gangenheit habe gewichtigen Einfluss auf die Identität der Kinder. Würden
sie nach ihrer Lebensgeschichte gefragt, begännen viele Kinder vom Zeit-
punkt der Rekrutierung an zu erzählen. Es scheine, dass sie die Zeit vor
ihrer Einberufung vergessen oder verdrängt hätten.
9.3.2 Im Rahmen der psychiatrischen Einschätzung vom 4. November
2020 führt Dr. med. univ. P._ aus, der Beschwerdeführer berichte
D-5773/2020
Seite 21
von traumatischen Erlebnissen im Heimatland. An Symptomen seien
Flashbacks, Konzentrationsstörungen und Intrusionen in Form von Gewalt-
szenen berichtet worden. Des Weiteren seien depressive Stimmungslage
und Antriebsschwäche sowie dissoziativ anmutende Zustände zu be-
obachten gewesen. Durch geeignete Medikation habe genügend Schlaf er-
reicht werden können. Versuche, den Patienten in der Romandie stationär
behandeln zu lassen, seien gescheitert, weshalb in Zürich eine ambulante
Traumatherapie eingeleitet worden sei. Der Ausschaffungsentscheid habe
beim Beschwerdeführer zu suizidalen Gedanken geführt.
9.3.3 Der traumapsychotherapeutischen Einschätzung von Frau
O._ vom 12. November 2020 ist zu entnehmen, dass der Be-
schwerdeführer eine ausgeprägte PTBS habe, ohne dass völlig klar werde,
woher die traumatischen Erfahrungen stammten. Er berichte, im Alter von
14 Jahren in den Krieg eingezogen worden und vor seiner Flucht in die
Schweiz im Gefängnis gefoltert worden zu sein. Er spreche von Folter mit
elektrischen Schlägen und Schlafentzug und bezüglich des Kriegs von viel
erlebter Gewalt, Hunger, Tod und dem Zwang, zu töten. Er dissoziiere stän-
dig während seiner Erzählungen, so dass er mehrmals in den Sitzungen
laut angesprochen werden müsse, bis er wieder im «Hier und Jetzt» sei.
Sein psychischer Zustand sei im Moment alarmierend und kurz vor einer
stationären Hospitalisierung. Eine Ausschaffung wäre für ihn fatal, da er in
seinem Heimatland keine medizinisch angebrachte Behandlung zu erwar-
ten habe und seine körperliche und psychische Integrität nicht gewährleis-
tet werden könne. Aufgrund seiner früheren traumatischen Erfahrungen,
die nicht unglaubhaft klängen, brauche er eine adäquate psychopharma-
kologische Medikation, um überleben zu können. Ändere sich das Zu-
standsbild nicht, sei davon auszugehen, dass er sich in seiner Heimat ohne
psychiatrische und traumapsychologische Behandlung nicht mehr zurecht-
finden werde und kein normales Leben werde aufnehmen können.
9.4 Das SEM weist in der Vernehmlassung darauf hin, es habe sich im an-
gefochtenen Entscheid ausführlich mit der psychischen Situation des Be-
schwerdeführers befasst.
9.5 In der Replik wird ausgeführt, dem Beschwerdeführer sei von seinem
Heimatland seine Kindheit gestohlen worden. Die vorläufige Aufnahme sei
vom Gesetzgeber für schwerwiegende Härtefälle wie den vorliegenden ge-
schaffen worden. Das SEM habe nicht beachtet, wie lange er bereits psy-
chiatrisch behandelt werde. Seine psychische Erkrankung sei nicht auf den
negativen Asylentscheid zurückzuführen.
D-5773/2020
Seite 22
10.
10.1 Zur Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts hat die Behörde
die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunterlagen zu beschaf-
fen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und darüber ordnungs-
gemäss Beweis zu führen (vgl. dazu auch Art. 30 – 33 VwVG). Unvollstän-
dig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz Untersu-
chungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat,
oder wenn nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt wurden (vgl. dazu CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
[VwVG], 2019, Rz. 7 zu Art. 12; BENJAMIN SCHINDLER, in Auer/Mül-
ler/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 29 zu Art. 49).
10.2 Alle erheblichen Parteivorbringen sind sodann zu prüfen und zu wür-
digen (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 35 Abs. 1 VwVG), wobei sich das Ergeb-
nis der Würdigung in der Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (vgl.
Art. 35 VwVG; LORENZ KNEUBÜHLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
a.a.O., Rz. 6 ff. zu Art. 35; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013,
Rz. 629 ff.)
10.3
10.3.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass das SEM vorliegend der Unter-
suchungs- und Begründungspflicht im Hinblick auf das Vorliegen von Weg-
weisungsvollzugshindernissen nicht ausreichend nachgekommen ist.
10.3.2 Das SEM weist in der angefochtenen Verfügung darauf hin, eine
hinreichende medizinische und psychiatrische Versorgung sei im Heimat-
land des Beschwerdeführers zumindest in der Hauptstadt Brazzaville in
Form der Universitätsklinik CHU grundsätzlich gewährleistet. Dabei nimmt
es Bezug auf einen am 24. Januar 2017 erschienen Artikel in adiac-
congo.com (https://www.adiac-congo.com/content/chu-de-brazzaville-jac-
queline-lydia-mikolo-encourage-le-personnel-du-service-de-psychiatrie).
In diesem wird festgehalten, dass in der Universitätsklinik CHU der einzige
psychiatrische Dienst des Landes geführt werde, der für die Behandlung
aller psychisch Erkrankten zuständig sei. Es wird auf die mangelnden Ka-
pazitäten, das mangelnde Personal und die mangelnden Finanzen hinge-
wiesen. In der CHU stünden 27 Betten zur Verfügung, die Situation verbes-
sere sich gemäss dem Leiter der psychiatrischen Dienste. Für die gesamte
kongolesische Bevölkerung (ca. 4,5 Mio. Einwohner) stünden vier Psychi-
ater zur Verfügung. Einem Bericht von Amnesty International (Sur le dos
D-5773/2020
Seite 23
de la crise; 2021; https://www.amnesty.org/down-
load/Documents/AFR2238872021FRENCH.PDF) über die Gesundheits-
versorgung in Kongo (Brazzaville) ist zu entnehmen, dass in einem am
16. Juni 2017 veröffentlichten Untersuchungsbericht festgehalten worden
sei, in der CHU sei Misswirtschaft betrieben worden; es sei gar von mafia-
ähnlichen Zuständen gesprochen worden. Deshalb sei eine Vereinbarung
zwischen dem Kongo (Brazzaville) und dem Universitätsspital von Mont-
real (Kanada) geschlossen worden. Die Zusammenarbeit habe 2019 be-
gonnen und solle bis im Jahr 2022 dauern. Die Gewerkschaften hätten in-
dessen von neuen Problemen in der Führung des CHU berichtet. Im Ja-
nuar 2020 hätten diese von einer alarmierenden Situation gesprochen,
mehrere Dienste des Universitätsspitals seien geschlossen gewesen,
Wasser habe gefehlt und die Spitalapotheke sei nicht ausreichend mit Me-
dikamenten dotiert. Am 4. September 2020 sei zwar der Generaldirektor
des Universitätsspitals ersetzt worden, die Situation am CHU sei aber auch
zu Beginn des Jahres 2021 noch problematisch gewesen. Auf Anfrage
habe die neue Direktorin mitgeteilt, man habe sich bis 2022 Zeit gegeben,
um die anvisierten Ziele zu erreichen. Auch bezüglich weiterer Spitäler und
Gesundheitseinrichtungen im Land wird vom mangelnden Funktionieren
medizinischer Geräte, vom Personalmangel und vom Mangel an Medika-
menten berichtet. Durch die Pandemie Covid-19 habe sich die Situation im
Bereich der Gesundheitsversorgung weiter verschlechtert.
Angesichts dieser nur summarisch geschilderten Probleme in der Gesund-
heitsversorgung von Kongo (Brazzaville) wird in der Beschwerde zu Recht
gerügt, dass sich das SEM mit der Frage der Behandelbarkeit der diagnos-
tizierten psychischen Erkrankung des Beschwerdeführers nicht ausrei-
chend auseinandergesetzt hat. Das SEM begnügte sich mit der Feststel-
lung einer generellen Möglichkeit der Behandelbarkeit im Heimatland,
ohne auf die praktische Durchführbarkeit einer ausreichenden konkreten
Behandlung des Beschwerdeführers einzugehen. Ist eine von einem be-
vorstehenden Wegweisungsvollzug betroffene Person suizidgefährdet,
schliesst dies gemäss konstanter Rechtspraxis den Vollzug der Wegwei-
sung nicht per se aus. Gleichwohl ist die Behörde nicht von der Prüfung
entbunden, ob im jeweiligen Einzelfall von einer adäquaten Möglichkeit der
medizinischen Betreuung im Heimatstaat ausgegangen werden kann.
Diese Prüfung kann, je nach Schwere der Krankheit, auch Aspekte der Zu-
lässigkeit betreffen. In jedem Fall aber ist einem medizinischen Sachverhalt
bei der Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges Rechnung
zu tragen. Krankheitsaspekte stellen sodann lediglich ein Element der Prü-
D-5773/2020
Seite 24
fung dar, ob es der betroffenen Person gelingen kann, sich sozial und wirt-
schaftlich im Heimatstaat zu reintegrieren (vgl. Urteil des BVGer
E-6023/2019 vom 6. Dezember 2019 E. 7.3.2).
Der Beschwerdeführer lebte vor seiner Ausreise aus dem Heimatland im
September 2017 während rund 15 Jahren in B._ (vgl. SEM-act.
A7/13 S. 5), wo gemäss summarischen Abklärungen des Bundesverwal-
tungsgerichts keine Psychiater zu praktizieren scheinen. Inwiefern er in der
mehrere hundert Kilometer entfernten Hauptstadt konkreten Zugang zu
psychiatrischer Behandlung und zu den von ihm benötigten Medikamenten
hätte, ist der vorinstanzlichen Verfügung nicht zu entnehmen. Gemäss Ak-
tenlage hat er in Brazzaville kein soziales Beziehungsnetz, auf das er zu-
rückgreifen könnte. Somit scheint fraglich, ob davon ausgegangen werden
kann, dass er sich in der Hauptstadt niederlassen und regelmässig zwecks
psychotherapeutischer Sitzungen einen Psychiater aufsuchen könnte. Ob
die von ihm benötigten Medikamente für ihn erhältlich wären, kann ange-
sichts der Berichte über den Mangel an Medikamenten ebenfalls nicht als
gesichert erachtet werden. Angesichts des im vom SEM zitierten Bericht
dargelegten Umstands, wonach in Kongo (Brazzaville) nur 27 Betten für
Psychiatriepatienten zur Verfügung stehen und der in den eingereichten
psychiatrischen und psychotherapeutischen Berichten vertretenen Auffas-
sung, der Beschwerdeführer sollte sich in eine stationäre Behandlung be-
geben beziehungsweise er stehe kurz davor, sich in eine solche begeben
zu müssen, stellt sich zudem die Frage, ob für den Beschwerdeführer im
Heimatland ein stationärer Aufenthalt überhaupt im Bereich des Möglichen
liegen würde.
10.3.3 Das SEM wäre nach dem Gesagten gehalten gewesen, vertiefte Ab-
klärungen betreffend die konkrete Behandelbarkeit der beim Beschwerde-
führer festgestellten psychischen Erkrankung vorzunehmen und diese Er-
kenntnisse in die Beurteilung der Frage der Zulässigkeit und Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzuges einfliessen zu lassen. Es mangelt auch an ei-
ner genügenden Auseinandersetzung mit den weiteren für die Beurteilung
der Zumutbarkeit relevanten Aspekten der wirtschaftlichen und sozialen
Reintegration am Ort, an dem allenfalls eine psychiatrische Behandlung
des Beschwerdeführers durchgeführt werden könnte. Der Sachverhalt ist
mithin unvollständig festgestellt und der Begründungspflicht nicht Genüge
getan (Art. 49 Bst. a und b VwVG; Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG).
10.4 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst (reformatorisch) oder weist diese ausnahmsweise
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mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und
Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere
Tatsachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisver-
fahren durchzuführen ist (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL,
Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61
VwVG, Rz. 16). Vorliegend liegt der Mangel der angefochtenen Verfügung
in einer teilweise unvollständigen Abklärung des Sachverhalts und entspre-
chend ungenügender Begründung. Unter diesen Umständen rechtfertigt
sich gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts die (teilweise) Kassa-
tion der angefochtenen Verfügung. Dem Beschwerdeführer bleibt auf diese
Weise der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als im Asylver-
fahren das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet (vgl.
dazu BVGE 2009/53 E. 7.3, 2008/47 E. 3.3.4, 2008/14 E. 4.1).
11.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen ist, so-
weit bezogen auf den angeordneten Vollzug der Wegweisung die Aufhe-
bung der angefochtenen Verfügung beantragt wird. Im Übrigen ist die Be-
schwerde – mithin soweit die Anerkennung als Flüchtling und die Gewäh-
rung von Asyl beantragt werden – abzuweisen. Demnach sind die Disposi-
tivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und die Sache
ist im Sinne der Erwägungen zwecks Abklärungen des Sachverhalts und
zur Neubeurteilung hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung an das SEM
zurückzuweisen.
12.
12.1 Im Hinblick auf die Kostenliquidation ist der Ausgang des Verfahrens
als teilweises Unterliegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 Satz 2 VwVG) zu werten, wo-
bei das Bundesverwaltungsgericht nach seiner Praxis im Asylbeschwerde-
verfahren bei Konstellationen wie der vorliegenden den partiellen Misser-
folg mit der Hälfte veranschlagt. Die hälftigen Kosten wären demnach dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1
VwVG mit Zwischenverfügung vom 30. November 2020 gutgeheissen
wurde, sind jedoch keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
12.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines teilweisen
Obsiegens für das Beschwerdeverfahren in Anwendung von Art. 64 VwVG
und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE,
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SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwach-
senen Parteikosten zuzusprechen. Seitens der Rechtsvertretung wurde
keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten auf-
grund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt
auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE)
ist dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine reduzierte Partei-
entschädigung von insgesamt Fr. 600.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteu-
erzuschlag) zuzusprechen.
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