Decision ID: 9a63588d-9610-426a-911d-4db9f2f625a7
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, wurde über die
Y._
per 24. September 2018 bei den
Z._
als Instandhal
tungstechniker angestellt (vgl. den Einsatzvertrag
vom 7. November 2019
in
Urk.
7/43 S. 10
und den zugehörigen Rahmenarbeitsvertrag in Urk. 7/43 S. 11-12
)
.
Aufgrund dieser Anstellung unterstand er
der kollektiven Krankentaggeld
versi
che
rung nach
dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag
(
VVG
)
, welche die
Y._
mit der
SWICA
Krankenversicherung AG (
SWICA
)
für die entlie
henen
Arbeitnehmenden
abgeschlossen hatte
. Vereinbart war
ein Krankentaggeld von 80 % des Lohnes, das - unter Anrechnung an eine Wartefrist von 2 Tagen - für eine Leistungsdauer von maximal 730 Tagen geschuldet war
(vgl. die Angaben zum Versicherungsumfang, Urk.
7/44
S. 1-2, die Bes
onderen Bestimmungen [BB],
Urk.
7/44 S.
3-4, und die Allgemeinen Versicherungsbedingungen
[AVB], Urk.
7/
45).
1.2
Am 27. November 2018 suchte
X._
das
A._
auf und berichtete, am Vortag auf dem Sofa eingeschlafen zu sein und
einige Stunden
nach dem Aufwachen Gefühlsstörungen
in
der linken Hand
und im linken Unter
arm
b
emerkt zu haben
. Das
A._
stellte
di
e
Diagnose einer leicht
gradigen druckinduzierten mittleren
Radialislähmung
, ve
r
sorgte den Versicher
te
n mit einer Unterarmschiene und verordnete Physiotherapie (Bericht des
A._
vom 20. Dezember 2018, Urk. 7/3 S. 14-15).
Auf
Zuw
eisung des Hausarztes Dr. med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
hin folgten am 6. Dezember 2018 eine neurologische Abkl
ä
rung durch Dr. med. C._
, Spezialarzt für Neu
rologie (Bericht von Dr.
C._
in
Urk. 7/3 S. 11-13
)
,
und am 8. Januar 2019 eine neurologische Abklärung in der
D._
(Bericht der
D._
, Urk. 7/3 S. 4
-8; Zuweisungsschreiben von
Dr.
B._
vom 10. Dezember 2018
,
Urk. 7/3 S. 9-10)
.
Der Versicherte war ab dem 27. November 2018 wegen der Lähmungser
schei
nungen in der linken Hand und im linken Arm zu 100 % arbeitsunfähig gesc
hrie
ben und liess dies der SWICA
am 15. Februar 2019 melden (Urk. 7/1; Bericht von Dr.
B._
vom 13. Februar 2
019, Urk. 7/3 S. 2-3). Die SWICA
anerkannte die attesti
erte Arbeitsunfähigkeit vorerst und erbrachte Taggelder
(E-Mail vom 18.
Februar 2019, Urk. 7/4;
Taggeld-Abrechnungen in Urk. 7/35).
1.3
Nachdem am 9. Apri
l
2019 nochmals eine neurologische Untersuchung in der
D._
stattgefunden hatte (Bericht der
D._
, Urk.
7/23 S.
32-35
), li
ess die SWICA durch Dr. med. E._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie,
die n
eurologische Beurteilung vom 6.
Juni 2019 erstellen (Urk. 7/23).
In deren Rahmen untersuchte
Dr.
E._
den Versicherten zum einen am
15. April 2019
persönlich
(vgl. Urk. 7/23 S. 3)
, und zum andern veranlasste er eine klinisch-neurologische und elektrodiagnostische
Untersuchung bei Dr. med. F._
, Spezialärztin für Neurologie, die am
27.
Mai
2019 statt
fand
(Bericht
von Dr.
F._
vom 28. Mai 2019, Urk. 7/23 S.
29-31).
Mit Schreiben vom 14. Juni 2019 teilte die SWICA dem Versicherten mit, dass er
gemäss der Beurteilung von Dr.
E._
in seiner angestammten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig sei und sie ihm daher unter Berücksichtigung einer 3-monatigen Übergangsfrist noch bis zum 29. September 2019 Taggelder nach Massgabe der vorzulegenden Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen erbringen und danach keine Taggeldzahlungen mehr leisten werde (Urk. 7/26).
Der
Einsatz des Versicherten bei den
Z._
war unterdessen auf den 16. J
anuar 2019 hin beendet worden (Kün
digungss
chreiben der
Y._
vom 8. Januar 2019, Urk. 7/34 S. 2).
2.
2.1
Mit Eingabe vom 18. September 2019 (Poststempel) erhob
X._
gegen die SWICA Klage und beantragte, ih
m seien für die Zeit ab dem 30.
September 2019 weiterhin Taggelder aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % zuzusprechen (Urk. 1).
Als neuen Beleg
brachte der Versicherte einen Be
richt der handchirurgischen Abteilung des
A._
vom 7. August 2019 über eine Konsultation vom 5. August 2019 bei (Urk. 2/3). Auf die Aufforderung zur Beantwortung der Klage hin (Verfügung vom 24. September 2019, Urk. 3) holte die SWICA bei Dr.
E._
eine ergänzende Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit im zuletzt ausgeübten Beruf ein (Anfrage vom 16. Oktober 2019, Urk. 7/37; Stel
lungnahme von Dr.
E._
vom 28. Oktober 2019, Urk. 7/41) und
erstattete
darauf
hin
am 20.
November 2019
die Klagean
t
wort
(Urk. 6
und die damit eingereichten Unterlagen, Urk. 7/1-45
)
mit den Anträgen, die Klage sei vollumfänglich abzu
weisen, eventualiter sei zur Klärung des medizinischen Sachverhalts ein medizini
sches Gutachten durch das Gericht einzuholen, eventualiter sei das Verfahren bis zum Erlass eines rechtskräftigen Entscheids der Invalidenversicherung über die gesetzlichen Leistungen zu sistieren (Urk. 6 S. 2).
Mit Verfügung vom 9. Dezember 2019 (Urk. 9) wurde die Klageantwort dem Kläger
zur Kenntnis gebracht, und gleichzeitig
wurden die Parteien auf den 23.
Januar 2020
zur Instruktion
sverhandlung
vorgeladen (
Urk. 8). Der Termin wurde in der Folge verschoben (vgl. Urk. 10-16), und die Verhandlung fand am 20. Februar 2020 statt (Prot. S. 3-6).
Anlässlich der Verhandlung reichte der Kläger
insbe
sondere
einen weiteren Berich
t der
D._
vom 28.
November 2019 über eine
Abklärung im Hinblick auf ein beidsei
tiges Karpaltunnelsyndrom (CTS) ein (Urk. 17/6) und legte verschiedene Arbeitsunfähigkeitsatteste von Dr.
B._
vor (Urk. 17/7/1-15).
E
in Vergleich
kam anlässlich der Verhandlung vom 20.
Februar 20
20 nicht zustande (Prot. S.
6).
2.2
Mit
Verfügung vom 25. Februar 2020 (Urk. 19)
wurden
die Akten der Invaliden
versicherung beigezogen (Urk. 20/1-19)
, wo sich der Kläger auf die Anweisung der Beklagten hin (Schreiben vom 25. März 2019, Urk
. 7/9) am 27.
Mai 2019 angemeldet hatte (Urk. 20/2).
Nachdem der Kläger sich nach dem weiteren Vor
gehen erkundigt und zudem mitgeteilt hatte, dass die geplante w
e
itere Unter
suchung in der
D._
(vgl. Prot. S. 4) noch nicht stattgefunden habe (Telefonnotiz vom 18. März 2020, Urk. 22), wurde den Parteien mit Verfügung vom 23. M
ärz 2020 ei
nstweilen das Protokoll zur Ve
rhandlung vom 20. Februar
2020 zugestellt
(Urk.
23).
In der Folge informierte der Kläger das Gericht darüber, dass eine ursprünglich in Aussicht genommene Rechtsvertretung nicht zustande
gekommen sei, und kündigte weitere Unterlagen an (Telefonnotizen vom 9. Juni und von Anfang J
uli 2020, Urk. 24 und Urk. 25).
M
it Verfügung vom 8. September 2020 stellte das Gericht fest, dass die angekündigten Unterlagen noch nicht eingegangen seien, ordnete einen zweiten Schriftenwechsel an
und gab dem Kläger Gelegenheit zur Replik einschliesslich der Gelegenheit zur Stellungnahme zu den
eingereichten Unterlagen der Beklagten und den beigezogenen Unterlagen der Invaliden
ver
sicherung. Ausserdem forderte
das Gericht den Kläger dazu auf, die angekün
digten weiteren medizinischen Unterlagen einzureichen, insbesondere allfällige aktuelle Berichte der
D._
(Urk. 26).
Der Kläger liess die ihm ange
setzte Frist unbenützt verstreichen, worauf der Beklagten mit Verfügung vom 26.
Oktober 2020 ebenfalls Gelegenheit zur Stellungnahme zu den beigezogenen Unterlagen der Invalidenversicherung gegeben wurde (Urk. 28). Die Beklagte verzichtete mit Eingabe vom 13.
November
2020 auf eine Stellungnahme (Urk.
30), was dem Kläger mit Verfügung vom 19. November 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 31).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die
z
ur Diskussion stehende
kollektive Krankentaggeldversicherung
untersteht dem
Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG
; vgl. Urk.
7/44 S.
1).
Ausserdem sind neben dem VVG
die Allgemeinen Versicherungsbedingungen
der Beklagten
für die kollektive Taggeldversicherung nach VVG (AVB, Ausgabe 2012; Urk. 7/45) und die Besonderen B
estimmungen (BB; Urk. 7/44 S. 3-
4) anwendbar.
2.
Streitigkeiten nach VVG sind
privatrechtlicher Natur (BGE 138 III 2 E. 1.1)
, womit die Verfahrensvorschriften der S
chweizerische
n
Zivilprozessordnung (ZPO)
mass
ge
bend sind.
Dabei sind
Krankentaggeldversicherungen
nach VVG
rechtspre
chungs
gemäss
als
Zusatzversi
cherungen im Sinne von Art. 2 Abs. 2
des Bundes
gesetzes betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (Kranken
versicheru
ngsaufsichtsgesetz [KVAG]) zu qualifizieren (vgl. BGE 142 V 448 E. 4.1).
Dies hat zur Folge, dass im Kanton Zürich g
estützt auf Art. 7 ZPO in Verbindung mit § 2 Abs. 2
lit
. b
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
d
as Sozialversicherungsgericht als einzige kantonale Instanz für die Beurteilung der vorliegenden Klage zuständig
ist
.
Sodann
gilt aufgrund der Vorschrift in Art.
243 Abs. 2
lit
. f
ZPO
das vereinfachte Verfahren nach Art. 243 ff. ZPO.
3
.
3
.1
Gemäss
Art. 41 Abs. 1 VVG wird eine Forderung aus einem Versicherungsvertrag
mit dem Abl
auf von vier Wochen
von
dem Zeitpunkt an fällig, in dem der Ver
sicherer Angaben erhalten hat, aus denen er sich v
on der Richtigkeit des An
spruch
s überzeugen kann.
3
.2
Die Beklagte informierte den Kläger mit dem Schreiben vom 14. Juni 2019 darüber, dass sie ihm
ab dem 30
. September 2019 keine Taggelder mehr ausrich
ten werde (Urk. 7/26).
Als der Kläger am 18. September
2019
Klage beim Sozial
versicherungsgericht erhob und die Zusprechung von Taggeldern ab dem 30.
September 2019 beantragte (Urk. 1), konnten diese Taggelder noch nicht fällig im Sinne von Art. 41 Abs. 1 VVG sein, da noch nicht bekannt war, ob und in welchem Umfang der Kläger dannzumal arbeitsunfähig sein werde
,
und dement
sprechend die verlangten, monatlich einzureichenden ärztlichen Zeugnisse (vgl. Art. 20 Abs. 3 AVB) noch nicht vorliegen konnten.
Die Fälligkeit des geltend gemachten Anspruchs ist grundsätzlich Voraussetzung dafür, dass er gerichtlich beurteilt werden kann
(
vgl.
Dorschner
in:
Spühler
/
Tenchio
/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozess
ord
nung, 3. Auflage, Basel 2017, Art. 84 ZPO
Rz
6;
Füllemann
in: Brunner/
Gasser/
Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilpro
z
essordnung, Kommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, Art. 84 ZPO
Rz
3;
Bopp/
Bessenich
in:
Sutter-
Somm
/
Hasenböhler
/Leuenberger
[Hrsg.]
, Kommentar zur Schweizerischen Zivilproz
e
ss
ord
n
ung,
3. Auflage, Zürich 2016, Art. 84
ZPO
Rz
12;
Oberhammer in:
Ober
hammer/
Domej
/Haas [Hrsg.],
Kurzkommenta
r ZPO,
2. Auflage, Basel 201
4
, Art.
84
ZPO
Rz
11). Dabei muss der eingeklagte Anspruch jedoch nicht bereits im Zeit
punkt der Klageerhebung fällig sein, sondern es genügt, wenn die Fälligkeit zur Zeit der gerichtlichen Entscheidung gegeben ist (vgl.
Oberhammer
,
a.a.O., Art. 84 ZPO
Rz
12).
Wie bereits anlässlich der Instruktionsverhandlung vom 20. Februar 2020 erläutert worden ist
(Prot. S.
5)
, kann daher an dieser Stelle nur über den Taggeldanspruch im Zeitraum bis zum Ergehen des vorliegenden Urteils entschie
den werden.
3
.3
Dabei ist es allerdings nicht praktikabel, den Zeitraum bis zum Tag der Urteils
fällung in die Beurteilung einzubeziehe
n. Denn dem Gericht ist es ungeachtet der Geltung der sozialen Untersuchungsmaxime, gemäss welcher der Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen ist (Art. 247 Abs. 2
lit
. a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO), nicht möglich, Beweise zu den Voraussetzungen des Taggeld
anspruchs, namentlich zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit bis zum Urteilstag, zu erheben, und ebenso wenig kann es dem Kläger zugemutet werden, fortlaufend von sich aus Beweismittel vorzulegen, ohne den voraussichtlichen Urteilszeitpunkt zu kennen. Es rechtfertigt sich daher, die Beurteilung des Tag
geldanspruchs auf eine Zeitspanne zu begrenzen, die vor dem Tag des Urteils endet. Als massgebend für diese Begrenzung erscheint hierbei der Tag, an dem die Frist
zur Replik und
zur Einreichung aktueller medizinischer Unterlagen ablief, die dem Kläger mit der Verfügung vom 8. September 2020 angesetzt worden war (Urk. 26). Denn mit dem Ablauf dieser Frist musste dem Kläger klar sein, dass für die Zeit bis dahin ankündigungsgemäss aufgrund der bereits vorlie
genden Unterlagen entschieden werde. Hingegen kann sich diese Ankündigung nicht auf eine künftige, bei Fristablauf gar noch nicht bekannte Entwicklung beziehen.
Der Kläger nahm die Verfügung vom 8. September 2020 gemäss den Zustel
lungsinformationen der Post am Mittwoch, dem 16. September 2020
,
in Empfang (Urk. 27). Die ihm angesetzte 30-tägige Frist lief somit am Freitag, dem 16. Okto
ber 2020, ab.
Zu prüfen ist somit, ob
der Kläger in der Zeit vom 30.
September
2019 bis zum
16. Oktober 2020
gegenüber der Beklagten Anspruch auf weitere Taggelder hat.
Für die Zeit danach ist der Kläger gegebenenfalls auf die Erhebung einer neuen Klage zu verweisen.
3.4
Das Taggeld, das die Beklagte dem Kläger bis und mit dem 29. September 2019 ausgerichtet hat, belief sich auf Fr. 106.-- (vgl. Urk. 7/35). Der Streitwert im vorliegenden Verfahren liegt daher angesichts der
zu beurteilenden
Zeitdauer von mehr als einem Jahr über Fr. 30'000.--.
4
.
4.1
Vorab ist
darauf hinzuweisen, dass
für den Anspruch auf allfällige weitere Tag
gelder
in der Zeit ab dem 30. September 2019
nach wie vor der Kollektivver
sicherungsvertrag zwischen der Beklagten und der
Y._
massgebend ist, unabhängig davon, ob der Kläger von seinem Recht nach Art. 12 AVB
Gebrauch
gemacht hat, in die Einzelversicherung überzutreten.
Dies ergibt sich aus Art. 12 Ab
s. 6 AVB, wonach sämtliche Leistungen der Kollektivversicherung belastet werden, wenn die versicherte Person beim Ausscheiden aus dem versicherten Be
trieb arbeitsunfähig ist.
Die Beklagte hat diese Regelung korrekt angewendet, wie aus den Taggeldabrechnungen für die Zeit nach der Beendigung des Einsatzes des Klägers bei den
Z._
ersichtlich ist (vgl. Urk. 7
/35 S. 4 ff.), und deren G
eltung ist nicht strittig. Ebenfa
lls nicht strittig ist, dass der
Kläger hinsichtlich allfälliger weiterer Taggelder g
estützt auf Art. 87 VVG ein selbständiges Forderung
srecht gegenüber der Beklagten hat
.
4.2
Ist die versicherte Person nach ärztlicher Feststellung arbeitsunfähig, so bezahlt die SWICA n
ach Art. 13 Abs. 1 AVB
bei voller Arbeitsunfähigkeit
das im Vertrag aufgeführte Taggeld bis zur Höhe des nachgewiesenen Erwerbsausfalls. Bei teil
weiser Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25 % wird nach Art. 13 Abs. 2 AVB das Taggeld entsprechend
dem Grad der Arbeitsunfähigkeit ausgerichtet.
Die Definition der Arbeitsunfähigkeit entspricht gemäss Art. 7 Abs. 2
Satz 1
AVB derjenigen in Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG)
. Arbeitsunfähigkeit ist somit di
e
durch eine Beeinträchti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Des Weiteren ist in Art. 7 Abs. 2 Satz 2 AVB vorgesehen, dass nach drei Monaten der Arbeitsunfähigkeit auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt wird. In Art. 23 Abs. 2 AVB wird dazu unter dem Aspekt der Schadenminderungspflicht ergänzt, dass eine versicherte Person, die in ihrem angestammten Beruf arbeitsunfähig ist und nicht
innerhalb des Betriebs eingegliedert werden kann, gehalten ist, innert drei Monaten Arbeit in einem anderen Erwerbszweig zu suchen und sich bei der Invaliden- und Arbeitslosenversicherung anzumelden.
4.3
Der Anspruch des Klägers auf weitere Taggelder in der Zeit vom 30. September 2019 bis zum 16. Oktober 2020 hängt davon ab, dass er in diesem Zeitraum in Anwendung von Art. 13 AVB zu mindestens 25 % arbeitsunfähig im zuletzt aus
geübten Beruf als Instandhaltungstechniker bei den
Z._
war und ihm im Falle einer solchen Arbeitsunfähigkeit auch keine gesundheitlich besser angepasste Tätigkeit im Sinne von Art. 7 Abs. 2 Satz 2
und Art. 23 Abs. 2 AVB zuzumuten war.
Bei der Arbeitsunfähigkeit handelt es sich um eine anspruchsbegründende Tat
sache, für deren Vorhandensein der Kläger gestützt auf
Art.
8
des Schweize
ri
schen Zivilgesetzbuches (
ZGB
)
die Beweislast trägt
und die -
wie im Sozialver
si
cherungsrecht - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nach
ge
wiesen sein
muss
(
vgl.
BGE 141 III 241
E. 3.1, 130 III 321 E. 3.1 und E. 3.3
).
4.4
Als die Beklagte dem Kläger mit dem Schreiben vom 14. Juni 2019 eröffnete, dass
sie seinen Taggeldanspruch ab dem 30.
Septe
mber
2019 verneinen werde (Urk.
7
/26), stützte sie sich auf die Beurteilung von Dr.
E._
vom 6. Juni 2019
(Urk. 7/23). Dieser hielt fest, der Kläger sei seit dem Abschluss der
von ihm durchgeführten Untersuchung zu 100 % arbeitsfähig
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
,
und präzisierte unter der Frage nach den Einschränkungen in konkreten Verrichtungen, der Kläger sei vorübergehend in allen Tätigkeiten, die intakte Funktionen der linken Hand vo
r
aussetzt
en, insbesondere in
Tätigkeiten mit spezi
fischer manueller Beanspruchung, wie etwa Feinmechanik, Auto-/Maschinen
mechanik, Hantieren mit Werkzeugen, Handlangerarbeiten, zu mindestens 50 % eingeschränkt (Urk. 7/23 S.
27 f.).
Nachdem der Kläger in der Klageschrift bemerkt hatte, dass seine zuletzt ausge
übte Tätigkeit ebenfalls Verrichtungen mit spezifischer manueller Beanspr
uchung umfasst habe (Urk. 1
), unterbreitete die Beklagte die
Angelegenheit nochmals Dr.
E._
(Urk. 7/37), der in der
S
tellungnahme vom
28.
Oktober 2019 grundsätzlich
bei s
einer bisherigen Arbeitsfähigkeitsbeurteilun
g blieb
und ergänzte, die be
schriebenen Einschränkungen beträfen ausschliesslich die linke Hand und wirkten
sich beim rechtshändigen Kläger nicht wesentlich auf die Gesamtarbeitsfähigkeit aus, insbesondere nicht im erfragten Arbeitspens
um von 28,6 Wochenstunden (Urk.
7/41 S. 3 und S. 5).
Gestützt darauf hielt die Beklagte in der Klageantwort an der Verneinung des Anspruchs auf Taggelder ab dem 30. September 2019 fest (Urk. 6 S. 4 ff.).
Die Beurteilung von Dr.
E._
vom 6. Juni 2019 einschliesslich der ergänzenden Stellungnahme vom 28. Oktober 2019 ist von der Beklagten eingeholt worden. Sie stellt daher rechtlich ein Privatgutachten dar, dem nach der bundesge
richt
lichen Rechtsprechung nicht die Qualität eines Gutachtens im Sinne von Art. 168 Abs. 1
lit
. d ZPO, sondern lediglich die Eigenschaft einer Parteibehauptung zu
kommt und das den Beweis bei entsprechender Bestreitung grundsätzlich nur zu
sammen mit weiteren, durch Beweismittel nachgewiesenen Indizien zu erbringen vermag. Allerdings hält das Bundesgericht auch fest, dass Parteibehauptungen in Form eines Privatgutachtens von einer Fachperson abgegeben würden und daher in der Regel besonders
substanziiert
seien, weshalb auch die Einwendungen da
gegen
substanziiert
sein müssten (vgl. BGE 141 III 433 E. 2.6 mit Hinweisen).
Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ist im Folgenden zu prüfen, was sich
aus den vorhandenen Unterlagen und Angaben für die Arbeitsfähigkeit des Klä
gers ableiten lässt.
4.5
4.5.1
Die Diagnose
einer leichtgradigen druckinduzierten mittleren
Radialislähmung
des linken Arm
e
s, die das
A._
a
nlässlich der Untersuchung vom 2
7.
November 2018 stellte (Urk. 7/3 S. 14-15), ist als feststehend zu erachten. Der Neurologe Dr.
C._
erwog zwar im Bericht vom 6. Dezember 2018 einen rein funktionellen Charakter der Problematik (Urk. 7/3 S. 11)
, die
D._
schloss sich jedoch anlässlich der neurologischen
Abklärung durch die Ärztin Dr.
med. G._
vom 8. Januar 2019 der Diagnose einer
Druckläsion in Form einer senso
motorischen
Radialisparese
links an (Urk. 7
/3 S. 4) und stellt
e mittels elektrodiagnostische
r
Testungen
die dafür typische
n peripheren Befunde fest (Urk.
7/3 S. 6 und S. 7-8).
B
ei der weiteren Untersuchung in der
D._
vom 9. April 2019 blieb die nunmeh
r zuständige Ärztin Dr. med. H._
bei dieser Diagnose
(Urk. 7/23 S. 32
)
, und Dr.
F._
erachtete es im Bericht vom 28. Mai 2019 erneut als sehr plausibel, dass der Kläger eine lagerungsbedingte Druckläsion am linken Arm erlitten hatte, und fand dafür
elektrodiagnostisch
nach wie vor gewisse, wenn auch als geringfügig bezeichnete
Anzeichen (Urk.
7/23 S. 2
9-31).
Unter Hinweis auf diese Befunde
ging schliesslich auch Dr.
E._
von der Diagnose einer erlittenen Druckläsion aus, nachdem er anläss
lich der Untersuchung vom 15. April 2019 damit vereinbare klinische Feststel
lungen hatte machen können (vgl. Urk. 7/23 S. 25-26).
Ebenfalls als feststehend zu beurteilen ist sodann, dass die Ausprägung der Folgen der Druckläsion
des linken Armes
im Laufe der Zeit rückläufig war.
Dr.
H._
der
D._
sprach im April 2019 hinsichtlich der linksseitigen
Radiali
sparese
von erfreulichen Fortschritten mit deutlicher Kraftzunahme der radial innervierten
Muskulatur im Vergleich zur Voruntersuchung vom Januar 2019 (Urk. 7/23
S.
32 und
S.
33), und Dr.
F._
ging im Mai 2019 angesichts der
Geringfügigkeit der
elek
t
rodiagnostischen Auffälligkeiten
ebenfalls
von einer deut
lich rückläufigen Läsion aus (Urk. 7
/23 S.
31).
Ferner berichtete
Dr. med.
I._
des
A._
anlässlich der Untersuchung des Klägers in der handchirur
gi
schen Sprechstunde vom August 2019, dass die
Radialisfunktion
links wieder ge
geben sei, wenn auch noch nicht mit symmetrischer Kraft zur Gegenseite (Urk. 2/3
S. 2), und e
r
bezeichnete die Beschwerden aufgrund der Druckläsion als nur
noch
residuell
(Urk. 2/3 S. 1).
Schliesslich erklärte der Kläger bei der
Konsultation
in
der
D._
vom November 2019 in Bezug a
uf die Druckläsion auch
selbst, die Kraft links erhole sich deutlich,
was die Ärztin Dr.
G._
zustim
mend registrierte
(Urk.
1
7/6 S. 1 und S. 2).
Weitere, aktuellere Berichte, die eine erneute Zunahme der Befunde im Zusammenhang mit der Druckläsion b
elegt hätten, liegen nicht vor. I
nsbesondere
reichte der Kläger entgegen seiner Ankün
digung (Prot. S. 4; Telefonnotizen vom 18. März und von Anfang Juli 2020, Urk.
22
und Urk.
25) keinen
neuen
Bericht der
D._
mehr ein, auch nicht, nachdem er mit der Verfügung vom 8.
September 2020 (Urk. 26) ausdrücklich dazu aufgefordert worden war.
4.5.2
Im Zuge der Abklärungen um die Druckläsion am linken Arm gelangten auch weitere mö
gliche Befunde zur Sprac
he, nachdem der Kläger neu
über
zusätzliche
Beschwerden im Bereich des rechten Armes
(vgl. Urk. 7/23 S. 32)
geklagt hatte.
Dr.
H._
der
D._
führte
wegen dieser
neuen
Beschwerden
, die der Kläger als Parästhesien schilderte (vgl. Urk. 7/23 S. 32),
im April 2019
elektro
diagnostische
Testungen durch (Urk. 7/23 S. 35
) und erklärte die diskreten Be
funde als mögliches Residuum eines leichtgradigen Karpaltunnelsyndroms
(CTS)
,
das
vor rund 20 Jahren beidseitig operiert worden sei (Urk. 7/23 S. 32 und S. 33). Dr.
F._
fand demgegenüber auf beiden Seiten keine Anhaltspunkte für CTS-Rezidive (Urk. 7/23 S. 30)
, und
Dr.
I._
des
A._
ging angesichts der Vorbefunde ebenfalls nicht davon aus, dass die aktuellen Beschwerden auf ein CTS-Rezidiv zurückzuführen seien
, und riet demzufolge von einer erneuten Ope
ration ab
(Urk. 2/3 S. 2).
Gleichermassen fand Dr.
G._
der
D._
anlässlich der erneuten elektrodiagnostischen Untersuchungen vom November 2019 keine Hinweise auf ein erneutes CTS (Urk.
17/6 S.
2).
Ein Bericht eines Dr.
med.
J._
, dessen handchirurgische Beurteilung der Kläger im
A._
erwähnte (vgl. Urk. 2/3 S. 2) und auf dessen Ultraschalluntersuchung vom 25.
Juni 2019 er in der
Klageschrift hinwies (Urk. 1
), liegt dem Gericht nicht vor, und ebenso
wenig wurde das Gericht über weitere Untersuchungen in der
D._
dokumentiert, wie sie Dr.
G._
gemäss ihrem Bericht vom
28.
November 2019 geplant hatte
(vgl. Urk. 17/6 S. 2). Es ist in dieser Hinsicht wiederum
darauf hinzuweisen, dass der Kläger von der
Gelegenheit zur Einrei
chung weiterer Unterlagen, die ihm mit der Verfügung vom 8. September 2020 gegeben worden war, keinen Gebrauch machte.
Damit ist davon auszugehen, dass sich im massgebenden B
eurteilungszeitraum bis zum 16.
Oktober 2020 keine Ver
änderungen oder neuen Erkenntnisse hinsichtlich der (erneuten) Manifestation eines Karpaltunnelsyndroms auf der linken oder auf der rechten Seit
e ergeben haben.
Bei der Konsultation im
A._
vom April 2019 kam des Weiteren
eine Kon
sultation bei einem Dr. med.
K._
,
Facharzt der
plastische
n
Chirurgie, zur Sprache, anlässlich welcher dieser Arzt ein
Thoracic
-outlet-Syndrom
(Nerven
kompression im Bereich des Schultergürtels)
als mögliche Ursache der geklagten Beschwerden erwähnte habe (Urk. 2/3
S. 2).
Der Kläger sah jedoch offenbar davon ab, Dr.
K._
gemäss der Empfehlung durch Dr.
I._
ein weiteres Mal zu kon
sultieren; auch hierzu
und zu den laufenden Untersuchungen, die in der Klage
s
chrift erwähnt sind (Urk. 1
),
brachte er keine entsprechenden Berichte bei.
Damit sind
hinsichtlich des zur Diskussion gestellten
Thoracic
-outlet-Syndroms
eben
falls
keine weiterführenden Erkenntnisse aktenkundig. Überdies stellte Dr.
I._
des
A._
im Rahmen der Untersuchungen vom August 2019 eine deut
lic
he
Beschwielung
beider Hände fest (Urk. 2/3 S. 2), was es als fraglich erschei
nen lässt, ob die Diagnose
eines
Thoracic
-outlet-Syndroms überhaupt eine zusätz
liche Einschränkung in der Funktionstüchtigkeit der Arme
bewirk
en würde.
4.6
4.6.1
Sind somit nach dem Ausgeführten einzig die Restbefunde der erlittenen Druck
läsion am linken Arm und die daraus resultierenden Restbeschwerden medizi
nisch ausreichend belegt, so leuchtet die
generelle Beurteilung
von Dr.
E._
vom Juni 2019 ein, wonach der Kläger für Tätigkeiten ohne spezifische Beanspruch
ung der linken Hand zu 100 % arbeitsfähig
sei.
Gleichermassen
überzeugend
ist jedoch auch, dass Dr.
E._
den Kläger
für Tätigkeiten mit einer solchen Bean
spruchung
zumindest zur Zeit der medizinischen Beurteilung
nur
als einge
schränkt arbeitsfähig erachtete
(Urk. 7/23 S. 27 f.).
Weniger einleuchtend ist demgegenüber die Einordnung der zuletzt ausgeübten Tätigkeit des Klägers in die uneingeschränkt z
umutbaren Tätigkeiten durch Dr.
E._
(vgl. Urk. 7/23 S. 27). Zwar trifft es entsprechend den Ergänzungen von Dr.
E._
vom Oktober 2020 (vgl. Urk. 7/41
S. 3
) zweifellos zu, dass sich Ein
schränkungen der Funktion der linken Hand bei einem Rechtshänder weniger stark auswirken als bei einem Linkshänder
. Allerdings wird die Tätigkeit bei den
Z._
,
die gemäss der Schilderung
de
s
Kläger
s
gegenüber Dr.
E._
in einem E-Mail
vom 17. April 2019
insbesondere
d
as häufige Tragen, Ersetzen und
Entsorgen von Material sowie das Hantieren mit Ersatzteilen umfa
sste (vgl. Urk. 7/23 S. 9, Urk.
7/41 S. 6
; vgl. auch die Angaben der
Y._
vom 6. Dezember 2019 im Fragebogen für
Arbeitgebende
zuhanden der Invalidenversicherung, Urk. 20/16
), ohne einen beträchtlichen Einsatz auch der linken Hand kaum zu bewältigen gewesen sein. Daran ändert nichts, dass der Kläger im Einsatz bei den
Z._
,
unge
achtet der im Vertrag genannten 42 Wochenstunden (Urk. 7/43 S. 10)
,
gemäss den vorhandenen wöchentlichen Lohnabrechnungen durchschnittlich nur rund 26 Stunden pro Woche gearbeitet hat (Urk. 7/43 S. 4-9) und in der Krankmeldung als Arbeitszeit des Klägers 28,6 Wochenstunden angegeben sind (Urk. 7/1).
Damit ist es zwar als fraglich zu erachten, ob der
Kläger
in der strittigen Zeit ab dem 30. September 2019
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
noch arbeitsfähig war, hingegen ist eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer besser ange
passten Tätigkeit nicht nachgewiesen. Dies gilt ungeachtet der
Zeugnisse von Dr.
B._
, die dem Kläger durchgehend bis Februar 2020 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit bescheinigen (Urk. 17/7/1-15). Denn diese Zeugnisse sind ebenfalls
als Parteibehauptungen zu qualifizieren (vgl. BGE 140 III 16 E. 2.5), sie sind in
dessen insoweit nicht
substanziiert
, als sie nicht zwischen zumutbaren und nicht zumutbaren Tätigkeiten unterscheiden.
4.6.2
Der Beklagten ist allerdings darin zuzustimmen (vgl. Urk.
6 S. 5 f.), dass es dem Kläger
ab der Mitteilung vom 14. Juni 2019
(Urk. 7/26) im Sinne von Art. 7 Abs.
2 Satz 2 und Art. 23 Abs. 2 AVB
zuzumuten war, für die Zeit ab dem 30. September 2019 eine Arbeit zu suchen, welche die linke Hand weniger stark beanspruchte als die zuletzt verrichtete Arbeit bei den
Z._
und für welche er daher gemäss der Beurteilung von Dr.
E._
zu 100 % arbeitsfähig war.
Denn
der Kläger hatte die Stelle bei den
Z._
im Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit erst seit etwa zwei Monaten in
ne
.
Und auch wenn die Dauer des Einsatzes bei den
Z._
entgegen der Annahme von Dr.
E._
(Urk. 7/41 S. 5) und entgegen der Angabe in der Krankmeldung (Urk. 7/1 S. 1) unbefristeter Natur gewesen sein sollte (dafür spricht neben der Formulierung im Einsatzvertrag auch das Kündigungsschreiben vom 8. Januar 2019; vgl. Urk. 7/43 S. 10 und Urk. 7/34 S. 2), so
zeigt
der Auszug aus dem individuellen Konto vom 13. Juni 2019 in den Akten
der Invalidenversicherung
, dass
d
er
Kläger
schon in der Vergangenheit
über Jahre hinweg in häufig wechselnden, kurzzeitigen Einsätzen gestanden hatte
,
die ihm von Personalverleihunternehmungen vermittelt worden waren (Urk.
20/
9).
Der Kläger muss deshalb als darin geübt erachtet werden, sich bei wechselnden Arbeitgebern
in jeweils
kurzer Zeit einzuarbeiten und sich an neue Tätigkeiten und Arbeitsabläufe anzupassen. Zudem ist er zwar
gelernter Maschinen
mecha
niker, wie der Anamnese von Dr.
E._
zu entnehmen ist, und arbeitete auch meist in diesem erlernten Beruf (vgl. Urk. 7/23 S. 13 f.; vgl. auch Prot. S. 4 f.), war aber immerhin eine Zeitlang auch bei einer Bank im Bereich der internen Post tätig
gewesen
und hatte damals einen generellen Wechsel der Branche ins Auge gefasst (vgl. Urk. 7/23 S. 14 und Prot. S. 4 f.). Ein solcher Wechsel
für die Zeit
ab dem 30. September 2019 erscheint daher nicht nur gesundheitlich, son
dern auch aufgrund der
Erwerbsbiog
rafie des Klägers als zumutbar.
4.7
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Taggeldversicherung nach de
m Bundesgesetz
über die Krankenversicherung (KVG)
ist für die Festlegung des Tag
geldanspruchs dort, wo unter dem Titel
der Schadenminderungspflicht ein Be
rufswechsel geboten
ist, nicht die Arbeitsunfähigkeit im neuen Beruf massgebend,
sondern an deren Stelle tritt die Erwerbseinbusse, also die Differenz zwischen dem
Einkommen, d
as
die versicherte Person
ohne
gesundheitliche Beeinträchti
gung im
bisherigen Beruf verdienen könnte, und dem Einkommen, das
sie
zumut
barer
weise
im neuen Beruf
erzielen könnte (BGE 114 V 281 E. 3c+d).
Die Überlegungen hierzu, dass
andernfalls
eine versicherte Person
, die ihre Schadenminde
rungs
pflicht wahrzunehmen hat,
schlechter gestellt wäre als eine Person, die nicht zu einem Berufswechsel verhalten werden kann (vgl. BGE 114 V 281 E. 4a), gelten auch im Bereich der Taggeldversicherungen nach VVG, und die zitierte Recht
sprechung ist
vorliegendenfalls
daher ebenfalls anwendbar.
Der Kläger erhielt gemäss dem Einsatzvertrag vom 7. November 2019 (Urk. 7/43 S. 10) einen Stundenlohn von Fr. 32.49
brutto
(Grundlohn von Fr. 29.72 zuzüg
lich des Anteils des 13. Monatslohnes von Fr. 2.77), woraus für einen vollzeit
lichen Einsatz
im Umfang der vertraglich festgelegten 42 Wochenstunden
ein Jahreslohn von Fr. 70'904.-- resultiert (Fr. 32.49 x 42 x 4,33 x 12).
Was den
erzielbaren Lohn mit einer gesundheitlich angepassten Tätigkeit betrifft, so komm
en für den Kläger, der ausserhalb des
Mechanikerberufs
nicht über spez
i
fische Fachkenntnisse verfügt, die Tätigkeiten in Frage, die in der Schweize
ri
schen Lohnstrukturerhebung (LSE) im
Stellenspektrum des Kompetenzniveaus 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art)
enthalten sind (mass
gebende
Tabelle TA1_tirage_skill_lev
el [
Monatlicher Bruttolohn nach Wirtschafts
zweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht im Privaten Sektor
]
; vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.3.1 und E. 2.5.7)
. In diesem Spektrum ist im Jahr 2018
für
Männer ein
Bruttomonatslohn von
5'417.--
angegeben (Lohn, über dem beziehungsweise unter
dem sich 50 % aller Lohnangaben befinden [sogenannter Zentralwert], unter anteilsmä
ssiger Berücksichtigung des 13.
Monatslohnes und standardisiert auf
40
Wochenstunden). Umgerechnet auf die durchschnittliche betriebsübliche
Arbeits
ze
it von 41.7 Stunden im Jahr 2018
(vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebs
übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Tabelle T 03.02.03.01.04.01)
ergibt sich für das Jahr 2018 ein Monatswert von Fr. 5'647.-- beziehungsweise
ein Jahreswert von Fr. 67'764.
(12 x Fr. 5'647.--).
Aus der Gegenüberstellung des Jahreseinkommens in der angestammten Tätigkeit von Fr. 70'904.-- und des Jahreseinkommens in einer zumutbaren alternativen Tätigkeit von Fr. 67'764.--
resultiert eine Einkommenseinbusse von weniger als 5 %.
Da davon auszugehen ist, dass sich die beiden Einkommensgrössen vom Jahr 2018 bis zu den Jahren 2019
und 2020
in vergleichbarer Weise verändert haben, ist diese ermittelte Einkommenseinbusse auch für den vorliegend zu beur
teilenden Zeitraum vom 30. September 2019 bis zum 16. Oktober 2020 massge
bend. Des Weiteren ist zwar in Betracht zu ziehen, das tabellarisch ermittelte Einkommen in einer gesundheitlich angepassten Tätigkeit in sinngemässer An
wendung der invalidenversicherungsrechtlichen Rechtsprechung um einen ge
wissen
Abzug zu reduzieren, um der lohnmässigen Benachteiligung gesund
heitlich beeinträchtigter Personen Rechnung zu tragen
(vgl. BGE 129 V 472 E.
4.2.3 mit Hinweisen). Auch bei e
inem als angemessen zu erachte
nden Abzug von 15 % (
bei einem
zugelassene
n Höchstabzug von 25 %) resultiert jedoch noch ein zumutbares Einkommen von F
r
. 57'599.--, was eine Einkommenseinbusse von erst rund 19 % ergibt. Damit ist die Mindesteinbusse von 25 %, die in Art. 13 Abs. 2 AVB für einen Anspruch auf ein Taggeld vorausgesetzt wird (Arbeitsun
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit) nicht erreicht.
4.8
Der Taggeldanspruch des Klägers im beurteilten Zeitraum
vom 30. September 2019 bis zum 16. Oktober 2020 ist demnach zu verneinen, und die Klage ist für diesen Zeitraum abzuweisen.
5.
Die Beklagte hat den Antrag auf Zusprechung einer Prozessentschädigung gestellt (Urk. 6 S. 2).
Gemäss Art. 114
lit
. e ZPO werden bei Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung keine Gerichtskosten gesprochen. Die Prozess
entschädigung an die Parteien ist zwar nicht Gegenstand von Art. 114
lit
.
e ZPO (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_194/2010 vom 17. November 2010 E. 2.2.1, nicht publiziert in: BGE 137 III 47). Hier gilt aber nach wie vor die Praxis des
Bundesgerichts, dass dem nicht anwaltlich vertretenen Versicherungsträger grund
sätzlich keine Parteientschädigung zusteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_109/2013 vom 27. August 2013 E. 5).
Da die Beklagte im vorliegenden Verfahren nicht durch ein
en externen Anwalt vertreten wird
, ist ihr demnach für ihr Obsiegen keine Prozessentschädigung zuzusprechen.