Decision ID: 5716d50b-aacb-4118-885a-1131a047483f
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 14. September 2018 infolge
eines Unfalles zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Am
11. April 1983 sei sie von einem Lieferwagen erfasst worden und habe sich hierbei eine
proximale Humeruskopf-Luxationsfraktur links zugezogen (IV-act. 7, 69-6). Die
Versicherte gab an, eine Lehre als Z._ abgeschlossen und bis 2009 mit einem
Pensum von 10 bis 15 % Prospekte und Werbesendungen zugestellt zu haben. Sie
habe zwei Kinder (Jahrgang 19_ und 20_). Seit dem 23. März 2017 sei sie immer
wieder, in variablem Umfang arbeitsunfähig (IV-act. 2).
A.a.
Aus dem detaillierten Arztzeugnis vom 25. Juni 2018 von Dr. med. B._,
Praktischer Arzt, geht hervor, dass die Versicherte keine Überkopfarbeiten, keine
Tätigkeiten bei denen ein (längeres) Halten oder Heben mit dem linken Arm notwendig
sei, kein Heben von Lasten über 10 kg und keine feinmotorischen Tätigkeiten mit dem
linken Arm ausführen könne. Zumutbar seien Tätigkeiten, welche nicht den
gleichzeitigen Einsatz beider Arme erfordern würden und vorwiegend mit dem rechten
Arm ausgeführt werden könnten. Es würde keine Einschränkung betreffend die
Arbeitszeit bestehen und sitzende sowie stehende Tätigkeiten seien denkbar (IV-act.
3-1). Im ärztlichen Bericht zur Eingliederung gab Dr. B._ an, dass bei der
Versicherten Bewegungseinschränkungen, intermittierender Kraftverlust und
Hyposensibilität des linken Armes bestünden, welche die Arbeitsfähigkeit einschränken
würden. Die Schmerztherapie scheine erfolgreich zu sein und die Versicherte aktuell
nahezu schmerzfrei (IV-act. 11).
A.b.
In der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 12.
November 2018 notierte Dr. med. C._, Fachärztin für allgemeine Innere Medizin, dass
A.c.
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die hausärztliche Einschätzung aufgrund der vorhandenen medizinischen Befundlage
nachvollziehbar sei. Infolge objektivierbarer orthopädischer Einschränkungen bestehe
keine Belastbarkeit mehr für mittelschwere bis schwere körperliche Tätigkeiten oder
Überkopfarbeiten. In einer leidensangepassten Tätigkeit könne eine Arbeitsfähigkeit
von 100 % ohne Leistungseinbusse bestätigt werden (IV-act. 16).
Die IV-Stelle wies am 19. November 2018 das Leistungsbegehren um berufliche
Massnahmen ab (IV-act. 19).
A.d.
Am 1. April 2019 wurde bei der seit Jahren ausschliesslich im Haushalt tätigen
Versicherten eine Abklärung vor Ort durchgeführt. Im Bericht vom 16. April 2019 wurde
ausgeführt, dass sie aufgrund der familiären und wirtschaftlichen Situation aktuell in
einem Pensum von 50-100 % erwerbstätig sein müsste. Gegenwärtig wären die
Voraussetzungen für ein Vollpensum gegeben, da der Sohn aufgrund einer
Kindesschutzmassnahme fremdbetreut werde. Sie sei als 75 % erwerbstätig und 25 %
als Hausfrau und Mutter zu qualifizieren, wobei diesbezüglich keine Einschränkungen
auszumachen seien (IV-act. 25).
A.e.
Mit Vorbescheid vom 25. April 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten bei der
Qualifikation als Teilerwerbstätige mit Aufgabenbereich die Abweisung des
Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 28). Dagegen erhob diese, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. T. Walker, am 26. August 2019 Einwand. Sie begründete diesen
insbesondere damit, dass eine polydisziplinäre Begutachtung erforderlich sei (IV-act.
35). Mit Verfügung vom 11. September 2019 hielt die IV-Stelle an der Abweisung des
Rentenbegehrens fest. Auch bei einer vollen Einschränkung im Aufgabenbereich wäre
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad ausgewiesen, weshalb keine weiteren
Abklärungen angezeigt seien (IV-act. 36).
A.f.
Gegen die Verfügung vom 11. September 2019 liess die Versicherte durch
Rechtsanwalt T. Walker beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
Beschwerde einreichen. Sie beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und die
Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(IV-act. 37). Der Beschwerde war unter anderem der Beschluss der Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde (KESB) D._vom 28. Juni 2018 beigelegt, mit welchem
A.g.
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der Versicherten und ihrem Ehemann das Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihren
Sohn entzogen und dieser ab dem 13. August 2018 im Wohnheim E._ platziert wurde
(IV-act. 39-14). Am 27. November 2019 widerrief die IV-Stelle die Verfügung vom 11.
September 2019 (IV-act. 44). Mit Verfügung vom 19. Dezember 2019 wurde das
Verfahren IV 2019/270 vom hiesigen Gericht abgeschrieben (IV-act. 53).
Im Auftrag der IV-Stelle (vgl. dazu die RAD Stellungnahme vom 19. Dezember
2019, IV-Act. 59) erstattete das Zentrum für Medizinische Begutachtung Basel (ZMB)
am 3. September 2020 ein polydisziplinäres Gutachten (Allgemeine Innere Medizin,
Orthopädie, Neurologie, Psychiatrie und Neuropsychologie). Im interdisziplinären
Konsens attestierten die Gutachter eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit für die
angestammte Tätigkeit als Lebensmittelverkäuferin. In einer leidensangepassten
Tätigkeit (körperlich leichte Tätigkeit ohne Notwendigkeit einer stärkeren Belastung des
linken Armes und ohne Arbeiten über Schulterhöhe sowie regelmässiges Knien und
Kauern) bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 69-13). Unter zumutbarer
Mithilfe des Ehemannes ergebe sich aus gutachterlicher Sicht ein Teilinvaliditätsgrad
von 0 % für den Aufgabenbereich. Die Voraussetzungen für ein vollschichtiges Pensum
seien gegeben (IV-act. 69-15).
A.h.
In der Stellungnahme vom 9. September 2020 kam der RAD zum Schluss, dass
das Gutachten die versicherungsmedizinischen Anforderungen erfülle und die
administrative Entscheidung darauf abgestützt werden könne (IV-act. 70).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 11. September 2020 wurde der Versicherten erneut die
Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 8 % in Aussicht
gestellt. Sie sei als zu 75 % im Erwerb und als zu 25 % im Haushalt Tätige einzustufen.
In der angestammten Tätigkeit als Lebensmittelverkäuferin bestehe eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit, in einer leidensangepassten Tätigkeit sei eine volle Arbeitsfähigkeit
ausgewiesen. Im Aufgabenbereich bestehe unter zumutbarer Mithilfe des Ehemannes
keine Einschränkung. Der Sohn befinde sich weiterhin nur am Wochenende zu Hause
(IV-act. 73). Am 14. September 2020 stellte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter der
Versicherten die Akten zu und räumte eine Frist von 30 Tagen ein, um fallrelevante
Unterlagen einzureichen, falls das IV-Dossier aus Sicht der Versicherten unvollständig
sei (IV-act. 75).
A.j.
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Gegen diesen Vorbescheid erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt T.
Walker, am 12. Oktober 2020 Einwand. Sie liess beantragen, dass der Sachverhalt
weiter und vollständig abzuklären sei und die Frist für die Einreichung der fallrelevanten
Unterlagen bis mindestens 1. Dezember 2020 zu verlängern sei. Es treffe nicht zu, dass
die Versicherte ohne gesundheitliche Einschränkung aktuell einer Erwerbstätigkeit mit
einem Pensum von 75 % nachgehen würde. Die Betreuung des _-jährigen Sohnes,
bei welchem diverse Diagnosen gestellt worden seien, erfordere sehr viel Zeit für die
Überwachung, Anleitung und Hilfe bei verschiedenen Tätigkeiten im Alltag. Die
Kinderbetreuung werde im Wesentlichen von der Versicherten gewährleistet, wodurch
ein Zeitaufwand pro Tag von ungefähr 15 Stunden anfallen würde. Gegen die
Fremdplatzierung sei Beschwerde erhoben worden, welche immer noch hängig sei. Bei
Gutheissung würde ihr Sohn wieder während der ganzen Woche zu Hause wohnen und
die Betreuung viel mehr Zeit in Anspruch nehmen. Dem mittlerweile pensionierten
Ehemann könne nicht die Hälfte der Betreuung des gemeinsamen Sohnes sowie die
hälftige Haushaltsführung zugemutet werden. Aufgrund ihrer Invalidität sei höchstens
eine 50%ige Erwerbstätigkeit zumutbar. Auf die Abklärung vor Ort vom 1. April 2019
könne nicht abgestellt werden, da der Sohn zu diesem Zeitpunkt in der Schule
gewesen sei und betreffend die Kinderbetreuung keine Untersuchungen und
Beobachtungen hätten gemacht werden können. Somit sei der Sachverhalt in einem
wesentlichen Punkt unvollständig festgestellt worden. Seit Geburt ihrer ersten Tochter
würde die Versicherte nicht mehr arbeiten, weshalb es ihr nicht mehr zumutbar sei,
nach 24-jähriger Absenz vom Arbeitsmarkt wieder eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen.
Vielmehr habe sie das Recht, die gelebte Rollenteilung fortzuführen. Mit der gewählten
Berechnungsmethode würde das Diskriminierungsverbot verletzt (IV-act. 76).
A.k.
Am 21. Oktober 2020 gewährte die IV-Stelle eine Fristerstreckung bis 1. Dezember
2020, um eine Stellungnahme zum Vorbescheid einzureichen (IV-act. 80). Diese blieb
unbenützt.
A.l.
Mit Verfügung vom 11. Dezember 2020 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren
wie angekündigt ab (IV-act. 81).
A.m.
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B.
Gegen diese Verfügung erhebt die weiterhin durch Rechtsanwalt T. Walker
vertretene Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 27. Januar 2021
Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung sei aufzuheben und ihr nach vollständiger
Abklärung des Sachverhaltes eine entsprechende Invalidenrente auszurichten, die
Ergänzung der Beschwerdebegründung nach Aktenzustellung, die Anordnung eines
zweiten Schriftenwechsels und die Verlängerung der mit Schreiben vom 14. September
2020 gesetzten Frist bis mindestens Ende Februar 2021. Weiter beantragt sie die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung durch den
besagten Rechtsanwalt für das Verfahren vor Versicherungsgericht. Die Beschwerde ist
mit denselben Ausführungen wie im Einwand begründet (act. G 1).
B.a.
In der Beschwerdeantwort vom 24. März 2021 beantragt die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Gestützt auf das
polydisziplinäre Gutachten der ZMB, welches überdies von der Beschwerdeführerin
nicht bestritten werde, bestehe in einer leidensangepassten Tätigkeit eine vollständige
Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der Schadenminderungspflicht sei der Ehemann zur Mithilfe
im Haushalt verpflichtet und infolge der Pensionierung vollzeitig zu Hause, womit er die
Beschwerdeführerin mehr unterstützen könne, als ein erwerbstätiger Ehegatte. Die
Beschwerdeführerin habe in ihren Ausführungen angegeben, dass sie im
Gesundheitsfall zu 100 % arbeiten gehen würde. Dies sei auch dahingehend
nachvollziehbar, dass die finanziellen Mittel knapp seien und der Sohn momentan nur
am Wochenende zu Hause sei. Betreuungspflichten hätten dann eine Einschränkung
des Vollzeitpensums zur Folge, falls sie während der üblichen Arbeitszeit zwischen
Montag bis Freitag erfolgen müssten. Zudem stehe der Ehemann für die Betreuung
ebenfalls zur Verfügung (act. G 6).
B.b.
Am 21. Juni 2021 bewilligt das Gericht die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung
von Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch
Rechtsanwalt Walker, act. G 14).
B.c.
Mit Schreiben vom 15. Oktober 2021 verzichtet die Beschwerdeführerin nach
Gewährung einer Fristerstreckung und einer Notfrist (vgl. act. G 16, 17 und 18)
schliesslich auf die Einreichung einer Replik (act. G 19).
B.d.
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Erwägungen
1.
Umstritten und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Invalidenrente.
1.1.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. Weil in zeitlicher Hinsicht
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben, und weil ferner das
Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis
zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 11. Dezember 2020)
eingetretenen Sachverhalt abstellt, sind im vorliegenden Fall die bis zum 31. Dezember
2021 gültig gewesenen materiellen Bestimmungen anwendbar (BGE 132 V 215 E. 3.1.1
mit weiteren Hinweisen).
1.2.
Nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist Invalidität die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Gemäss Art. 4
Abs. 1 IVG kann Invalidität die Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.3.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4.
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2.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird bei erwerbstätigen Versicherten
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(sog. Valideneinkommen; Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG). Bei nicht
erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird gemäss Art. 28a
Abs. 2 IVG für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf
abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich (unter
anderem im Haushalt) zu betätigen (spezifische Methode des Betätigungsvergleichs).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb
des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird
die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind
der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des
Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich
festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3
IVG in Verbindung mit Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV;
SR 831.201]; gemischte Methode).
1.5.
bis
Im Sozialversicherungsverfahren gelten der Untersuchungsgrundsatz sowie der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Der
rechtserhebliche Sachverhalt ist von Amtes wegen unter Mitwirkung der Versicherten
respektive der Parteien zu ermitteln. In diesem Sinne rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2013, 8C_441/2012,
E. 6.1.1). In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a
mit Hinweis).
1.6.
In formeller Hinsicht macht die Beschwerdeführerin eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs geltend. Die Beschwerdegegnerin habe die beantragte Fristerstreckung für die
Einreichung weiterer fallrelevanter Unterlagen nicht gewährt (act. G 1, Kap. III Rz. 6).
2.1.
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Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung [BV; SR 101]). Das rechtliche Gehör dient einerseits der
Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht
der Verfahrensbeteiligten beim Erlass von Verfügungen dar, die ihre Rechtsstellung
betreffen. Dazu gehört insbesondere das Recht der Betroffenen, sich vor Erlass eines
in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche
Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen
Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise
entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn
dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1). Gemäss Art.
57a Abs. 1 IVG teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen
Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung
einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit. Die versicherte Person hat
Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 42 ATSG. Bei der in Art. 73 Abs. 1
IVV vorgesehenen Frist im Vorbescheidverfahren von 30 Tagen handelt es sich um eine
behördliche Frist, welche bei Vorliegen wichtiger Gründe erstreckt werden kann (BGE
143 V 71 E. 4.3).
2.2.
ter
Nach Zustellung des Vorbescheids (IV-act. 73) gewährte die Beschwerdegegnerin
mit Schreiben vom 14. September 2020 im Rahmen des Vorbescheidverfahrens
Akteneinsicht und setzte eine Frist von 30 Tagen an, um eine allfällige Unvollständigkeit
der Akten zu melden oder weitere fallrelevante Unterlagen einzureichen (IV-act. 75). Im
fünfseitig begründeten Einwandschreiben vom 12. Oktober 2020 ersuchte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin um Fristerstreckung bis 1. Dezember 2020,
um weitere fallrelevante Unterlagen einzureichen (IV-act. 76-4). Die
Beschwerdegegnerin gewährte am 21. Oktober 2020 eine einmalige Nachfrist bis 1.
Dezember 2020, um zum Vorbescheid Stellung zu nehmen (IV-act. 80). Innert der
angesetzten Nachfrist gingen bei der Beschwerdegegnerin weder eine ergänzende
Stellungnahme noch weitere Unterlagen ein, weshalb sie am 11. Dezember 2020
verfügte (IV-act. 81).
2.3.
Es stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin darin zu schützen ist, wenn sie
auf einer formellen Fristerstreckung für die Einreichung von fallrelevanten Unterlagen
beharrt, ohne dafür die grosszügig angesetzte Nachfrist für die Stellungnahme zum
Vorbescheid zu nutzen. Auch wenn sich die Fristerstreckung vom 21. Oktober 2020
wortwörtlich nur auf die Einreichung der Stellungnahme zum Vorbescheid bezog,
erstreckte die Beschwerdegegnerin diese Frist in dem vom Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin für die Nachreichung der fallrelevanten Unterlagen beantragten
2.4.
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3.
zeitlichen Ausmasse. Aufgrund der gewährten Nachfrist bis 1. Dezember 2020 standen
der Beschwerdeführerin somit insgesamt 80 Tage (anstatt der in Art. 73 Abs. 1 IVV
vorgesehenen 30 Tage) zur Verfügung, um sich zum Vorbescheid zu äussern und
erhebliche Beweise beizubringen. Auch der Zusatz im Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 21. Oktober 2020, dass bei unbenütztem Fristablauf
aufgrund der vorliegenden Akten entschieden werde, verdeutlicht, dass bis zu diesem
Zeitpunkt noch Unterlagen hätten eingereicht werden können. Mit Eingabe vom 12.
Oktober 2020 konnte sich die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin einlässlich zum
Vorbescheid äussern und hat in der damals gewährten Nachfrist sowie auch im
Beschwerdeverfahren vor dem hiesigen Gericht keine weiteren fallrelevanten
Unterlagen vorgelegt, obwohl sie dies hätte tun können (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Auch
beim hiesigen Gericht gingen innert der mehrfach erstreckten Frist für die Einreichung
einer Replik keine weiteren Unterlagen ein (act. G 19). Damit liegt klarerweise keine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor (vgl. BGE 126 V 130 E. 2b; Urteil
des Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_668/2018, E. 4.3 mit Hinweis).
ter
Zunächst ist zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif abgeklärt
wurde. Der angefochtenen Verfügung liegt das polydisziplinäre Gutachten der ZMB
vom 3. September 2020 zugrunde. Der Beweiswert des Gutachtens wurde von der
Beschwerdeführerin nicht bestritten.
3.1.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
351 E. 3a mit Hinweisen). Auf von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44
ATSG eingeholte, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechende Gutachten
externer Spezialärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist abzustellen, solange
nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V
3.2.
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210 E. 1.3.4, 135 V 466 E. 4.4; Urteile des Bundesgerichts vom 15. Juli 2020,
8C_335/2020, E. 4.1 und vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
Gemäss dem orthopädischen Gutachten besteht eine deutliche Bewegungs- und
Belastungseinschränkung der adominaten linken Schulter, eine leichte
Belastungseinschränkung der Wirbelsäule und eine geringe Einschränkung der
Belastbarkeit des rechten Kniegelenks. Die angegebene verminderte Belastbarkeit des
linken Armes stehe in deutlichem Widerspruch zur ausgeprägten Beschwielung beider
Hände, zum guten Muskelstatus der Arme und zur guten sowie schmerzfreien
Kraftausübung der schulterführenden Muskulatur. Auffällig sei zudem die geringe
Bewegungs- und Druckschmerzprovozierbarkeit an der linken Schulter im Gegensatz
zur beklagten hochgradigen Minderbelastbarkeit (IV-act. 69-46). Aus neurologischer
Sicht sei die funktionelle rechtsseitige Einarmigkeit nicht zu erklären, es bestehe jedoch
eine Bewegungseinschränkung im Schultergelenk links (IV-act. 69-54). Der
psychiatrische Gutachter hielt fest, dass vor allem krankheitsfremde Faktoren für die
aktuelle Arbeitssituation entscheidend seien. Die Beschwerdeführerin habe wenige
Ressourcen und habe seit langem nicht mehr gearbeitet. Zudem dürfte die
Anpassungsfähigkeit sowie Flexibilität und Umstellungsfähigkeit an einem Arbeitsplatz
vermindert sein. Auch die Selbst- und Fremdwahrnehmung sei aufgrund der kognitiven
Einschränkung leicht eingeschränkt. Dabei handle es sich vor allem um soziale Defizite.
Eine eigentliche psychiatrische Diagnose lasse sich in der Untersuchung nicht stellen.
Für die Diagnose einer Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
seien die Kriterien nicht erfüllt. Dass die Beschwerdeführerin durch die KESB als für
unfähig erklärt worden sei, ihr Kind zu Hause zu fördern, deute jedoch auf eine gewisse
psychische oder geistige Problematik hin. Die Kooperationsprobleme seien nach
Einschätzung der Gutachter jedoch weitgehend ressourcen- und nicht
krankheitsbedingt. Ein Eingliederungspotential sei als eher fragwürdig anzusehen. Die
Einschränkungen aus psychiatrischer Sicht seien aber gering. Die Beschwerdeführerin
könne bei ihren alltäglichen Aufgaben im Haushalt, bei der Pflege des Schrebergartens
und bei der Betreuung des Sohnes am Wochenende noch einigermassen normal
funktionieren. Psychisch würden keine Symptome geklagt (IV-act. 69-61 ff.).
Neuropsychologisch liege eine leichte Störung vor, welche im Rahmen eines niedrigen
intellektuellen Leistungsvermögens zu erklären sei. Aufgrund der Bildungs- und
Berufsbiographie sei von einem intellektuellen Leistungsvermögen im unteren
Durchschnittsbereich auszugehen. (IV-act. 69-75). Betreffend den Beschluss der KESB
vom 28. Juni 2018 würden sich in der Konsensbeurteilung keine wesentlich neuen
Gesichtspunkte bezüglich der Arbeitsfähigkeit und Haushaltsführung ergeben. Die in
der neuropsychologischen Untersuchung festgestellten leichten Funktionsdefizite
3.3.
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4.
würden sich höchstwahrscheinlich bei der Erziehung und Begleitung eines Kindes
stärker auswirken als bei der Ausübung einer Erwerbstätigkeit, die angeleitet und
überwacht sei sowie keine Ansprüche an das Erfüllen komplexer Aufgaben stelle (IV-
act. 69-14). Zu den geltend gemachten Einschränkungen im Haushaltsbereich hielten
die Gutachter fest, dass unter zumutbarer Mithilfe des Ehemannes im Haushalt ein
Teilinvaliditätsgrad von 0 % bestehe. Entsprechend den gutachterlichen
Untersuchungen hätten die beklagten hochgradigen Einschränkungen des linken
Armes sich nicht vollumfänglich objektivieren lassen. Die anfallenden Tätigkeiten im
Haushalt seien mit Ausnahme der wenigen schweren Belastungssituationen und
Arbeiten über Schulterhöhe bei Mithilfe des Ehemannes zumutbar (IV-act. 69-15). In der
Konsensbeurteilung attestierten die Gutachter eine vollständige Arbeitsunfähigkeit als
Lebensmittelverkäuferin seit dem 30. März 2007, in einer leidensangepassten Tätigkeit
würden keine Einschränkungen bestehen (IV-act. 69-13 und 69-15).
Das polydisziplinäre Gutachten der ZMB ist unter Berücksichtigung der von der
Beschwerdeführerin geklagten Leiden sowie der Vorakten erstellt worden.
Insbesondere ist auch der Beschluss der KESB vom 28. Juni 2018 betreffend die
Fremdplatzierung des Sohnes, wenn auch knapp, berücksichtigt und gewürdigt
worden. Es sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass im Gutachten objektiv
wesentliche Aspekte nicht berücksichtigt worden wären. Die pauschal geäusserte Kritik
(vgl. act. G 1, Kap. III Rz. 4) an der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
unter Hinweis auf die Zusammenfassung der Krankengeschichte (IV-act. 3-12 ff.) von
Dr. med. F._, Praktischer Arzt, vermag die gutachterlich festgehaltene
Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit nicht umzustossen. Diese
Zusammenfassung gibt lediglich die aktuelle Situation im Untersuchungszeitpunkt
wieder und enthält keine Informationen zu den Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
Überdies fanden die darin aufgeführten Rückenleiden sowohl im orthopädischen als
auch im neurologischen Gutachten Eingang. Anhand der im Gutachten dargelegten
Diagnosen (IV-act. 69-10 f.) und unter Berücksichtigung des gutachterlich definierten
Anforderungsprofils (IV-act. 69-13) ist die gutachterlich attestierte 100%ige
Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit und die fehlende Einschränkung im
Haushalt sodann nachvollziehbar, sodass darauf abgestellt werden kann.
3.4.
Weiter zu prüfen ist, welche Methode der Invaliditätsbemessung zur Anwendung
kommt.
4.1.
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5.
Vorab ist diesbezüglich auf die von der Beschwerdeführerin unter Hinweis auf das
EGMR-Urteil in Sachen Di Trizio gegen die Schweiz (Nr. 7186/09) geäusserte Kritik,
dass die gewählte Berechnungsmethode das Diskriminierungsverbot gemäss Art. 8 BV
und Art. 14 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(EMRK; SR 0.101) verletze (vgl. act. G 1, Kap. III Rz. 5), einzugehen. Das EGMR-Urteil
Di Trizio und die Folgerechtsprechungen des Bundesgerichtes betrafen allein die
wegen eines Statuswechsels zu Teilerwerbstätigkeit (mit Aufgabenbereich)
anwendbare gemischte Methode der Invaliditätsbemessung. Eine
darüberhinausgehende Wirkung dieses Urteils besteht nach dem Bundesgericht nicht
(BGE 144 I 28 E. 4). Im Falle der Beschwerdeführerin liegt auch keine ähnliche
Konstellation vor, wie sie dem EGMR-Urteil Di Trizio zugrunde lag. Dem Urteil des
EGMR lag nämlich der Fall einer Versicherten zugrunde, welche unter dem Status einer
Vollerwerbstätigen eine Invalidenrente beanspruchen konnte, diesen Anspruch aber in
der Folge allein aufgrund des Umstandes verlor, dass sie wegen der Geburt ihrer
Kinder und der damit einhergehenden Reduktion des Erwerbspensums für die
Invaliditätsbemessung neu als Teilerwerbstätige mit Aufgabenbereich qualifiziert wurde
(vgl. BGE 147 V 124 E. 3.1). Vorliegend beruft sich die Beschwerdeführerin auf die
unter den Ehegatten vereinbarte Rollenteilung, auf welche sie weiterhin Anspruch habe.
Die vereinbarte Rolleinteilung stellt eine in einer Familie getroffene Abmachung dar, die
nicht unbesehen auf die ausserhalb der Familie geltenden Verhältnisse übernommen
werden kann. Insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass der "Vertrauensschutz"
bezüglich die eheliche Rollenteilung in der jüngeren Rechtsprechung zum Familienrecht
immer mehr aufgeweicht und mit BGE 147 III 308 (Aufgabe der sog. "45er-Regel" im
nachehelichen Unterhaltsrecht) sogar ganz aufgegeben wurde. Insofern die
Beschwerdeführerin geltend macht, sie würde nach Aufhebung des Obhutsentzuges
aufgrund der von ihr zu übernehmenden umfangreichen Betreuungsaufgaben ihres
Sohnes nicht imstande sein, eine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit aufzunehmen und
sei deshalb in ihrer Erwerbsfähigkeit eingeschränkt, verkennt sie den Zweck der
Invalidenversicherung. Dieser besteht darin, Ersatz für den versicherten
gesundheitsbedingten Erwerbsausfall zu bieten. Sind andere, nicht in einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung liegende Gründe dafür verantwortlich, dass keine
Erwerbstätigkeit ausgeübt wird, hat dafür nicht die Invalidenversicherung einzustehen.
4.2.
Ob und gegebenenfalls in welchem zeitlichen Umfang eine in einem
Aufgabenbereich tätige versicherte Person (Art. 5 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8
Abs. 3 ATSG) ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, ergibt sich
5.1.
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aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches
Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet
werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE
133 V 504 E. 3.3 S. 507 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 1. Dezember 2015,
9C_408/2015, E. 4.1; je mit Hiweisen). Bei im Haushalt tätigen Versicherten im
Besonderen (vgl. Art. 27 IVV) sind sämtliche Gegebenheiten des Einzelfalles wie
Abmachungen zur Aufgabenteilung innerhalb der Familie, die persönlichen, familiären,
sozialen und erwerblichen Verhältnisse, allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben
gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die
persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen (BGE 117 V 194).
Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung
entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 141 V 15 E.
3.1, 137 V 334 E. 3.2, 130 V 393 E. 3.3, 125 V 146 E. 2c; je mit Hinweisen). Es ist
aufgrund objektiver Umstände "vernünftig" zu beurteilen, wie die betreffende
versicherte Person in ihrer konkreten Lebenssituation ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung entschieden hätte (Urteile des Bundesgerichts vom 2. Februar 2011,
8C_731/2010, E. 4.2.1, und vom 15. Dezember 2010, 8C_319/2010, E. 6.2.1).
Die Anmeldung der Beschwerdeführerin ist bei der Beschwerdegegnerin am 14.
September 2018 eingegangen (IV-act. 2). Der früheste Beginn eines allfälligen
Rentenanspruchs im Sinne von Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG fällt somit auf den 1. März
2019. Das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG war gestützt auf die ZMB-
Einschätzung (IV-act. 69-13) am 1. März 2019 längstens abgelaufen. Somit ist für den
zeitlichen Umfang der ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit entscheidend, ob und in
welchem Pensum die Beschwerdeführerin als Gesunde im Zeitraum vom 1. März 2019
bis zum Verfügungszeitpunkt am 11. Dezember 2020 (vgl. IV-act. 81) überwiegend
wahrscheinlich erwerbstätig gewesen wäre.
5.2.
Die Beschwerdeführerin macht im Prinzip geltend, sie sei aufgrund der
anspruchsvollen Betreuung ihres Sohnes rein zeitlich gar nicht in der Lage,
ausserhäuslich erwerbstätig zu sein. Sie und ihr Ehemann hätten im Rahmen der
familiären Rollenverteilung zudem vereinbart, dass sie zuhause bleibe. Bei dieser
Ausgangslage wäre die Beschwerdeführerin ohne Weiteres als vollumfänglich im
Haushalt sowie Aufgabenbereich Tätige zu qualifizieren. Dabei wäre in medizinischer
Hinsicht zu berücksichtigen, dass bei ihr aufgrund neuropsychologischer
5.3.
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Einschränkungen gewisse Defizite bei der Kinderbetreuung festgestellt wurden (IV-act.
69-14). Dazu ist festzuhalten, dass - selbst wenn der Sohn tatsächlich unter der Woche
zuhause wohnen würde - dieser in die örtliche Schule gehen würde und ihm dort bei
Bedarf sämtliche Unterstützungs- und Förderungsmassnahmen zuteilwerden würden
(vgl. zu den entsprechenden Angeboten der Schule im Wohnort: https://www._,
abgerufen am 14. Februar 2022). Somit wäre sein Betreuungsbedarf in zeitlicher sowie
lebenspraktischer, pädagogischer, medizinischer sowie auch teilweise persönlicher
Hinsicht schon zu einem grossen Teil abgedeckt. Die weiteren Betreuungsaufgaben
sowie auch die Haushaltführung könnten zwischen den Eheleuten ohne weiteres
zeitlich und nach den jeweiligen Ressourcen sowie Kompetenzen aufgeteilt werden,
was im Sinne der Schadenminderungspflicht auch verlangt werden müsste und
gemäss eigenen Angaben auch so gelebt wird (vgl. Haushaltabklärungsbericht, IV-act.
25-6, seit Pensionierung des Ehemannes hälftig geteilt).
Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die
Beschwerdeführerin am 18. Februar 2019 zunächst denn auch dementsprechend an,
dass sie im Gesundheitsfall keine Erwerbstätigkeit ausüben würde, da sie einen _-
jährigen Sohn habe (IV-act. 21). Anlässlich der Haushaltsabklärung vom 1. April 2019
hat die Beschwerdeführerin zu ihrer beruflichen Tätigkeit im Gesundheitsfall jedoch
angegeben, dass sie bei guter Gesundheit mit einem Pensum von 50 oder 100 %
arbeiten würde. Wobei sich das Pensum danach richten würde, ob der Sohn während
der Woche zu Hause sei oder nicht. Aktuell habe sie während der Woche keine
Betreuungsaufgaben, weshalb die Voraussetzungen für ein 100 % Pensum gegeben
seien. Sie strebe aber an, dass der Sohn wieder im häuslichen Umfeld aufwachsen
könne (IV-act. 25-4). Diese Äusserung wurde protokolliert und in den Fragebogen zur
Ermittlung der Erwerbstätigkeit und Einstufung/Qualifikation übertragen und von der
Beschwerdegegnerin am 7. April 2019 unterschriftlich bestätigt (IV-act. 25). Sowohl im
Einwand (IV-act. 76-2) als auch in der Beschwerde (act. G 1, Kap. III Rz. 2)
argumentierte die Beschwerdeführerin, dass ihr aufgrund der Kinderbetreuung im
Gesundheitsfall maximal ein Pensum von 50 % zumutbar sei. Bei Gutheissung der
Beschwerde gegen den KESB-Entscheid betreffend die Fremdbetreuung des Sohnes,
wäre für die Überwachung und Betreuung ein grösserer Zeitaufwand nötig, da der
Sohn intensiv betreut werden müsste und die Kinderbetreuung praktisch
ausschliesslich durch die Beschwerdeführerin geleistet würde. Die
Beschwerdegegnerin hingegen stellt sich auf den Standpunkt, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund der familiären und wirtschaftlichen Situation in einem
Ausmass von 50 bis 100 % erwerbstätig sein müsste und aktuell die Voraussetzungen
für ein Vollpensum gegeben seien, da der Sohn fremdbetreut werde (IV-act. 25-11 f.).
5.4.
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Es rechtfertige sich daher auf den Mittelwert, also auf eine 75%ige Erwerbstätigkeit
abzustellen (IV-act. 81-2).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin sind für die Erwerbstätigkeit im
Gesundheitsfall die gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht entscheidend, da es
gerade darum geht, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (vgl. E. 4.2 vorstehend). Gestützt auf die
Aktenlage ist ersichtlich und unbestritten, dass ab dem Zeitpunkt des frühestmöglichen
Rentenbeginns bis zum Erlass der Verfügung am 11. Dezember 2020 die
Kindesschutzmassnahme zur Heimplatzierung des Sohnes aufrecht in Kraft stand
(einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen, vgl. IV-act.
39-13) und sich somit die Betreuungsaufgaben der Beschwerdeführerin auf den
Zeitraum von Freitagabend bis Sonntagabend beschränkt haben. Seit Januar 2019 ist
zudem der Ehemann der Beschwerdeführerin und Vater des gemeinsamen Sohnes
frühpensioniert und nach der Aktenlage weder zeitlich noch gesundheitlich
eingeschränkt. Nach den eigenen Angaben der Beschwerdeführerin helfe der Ehemann
bereits ungefähr hälftig in der Haushaltsführung mit (vgl. IV-act. 21 und 69-60). Im
vorliegenden Fall ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin von Armut
bedroht ist und seit 2010 teilweise von der Sozialhilfe lebt und im Gesundheitsfall von
der Behörde wohl angehalten würde, möglichst viel zu arbeiten (vgl. dazu die an das
Sozialamt adressierten Arztzeugnisse, IV-act. 3-1 ff.). Wie sich aus dem Gesuch der
unentgeltlichen Rechtspflege herauslesen lässt, lebt die Familie aktuell von der AHV-
Rente des Ehemannes und der AHV-Kinderrente in der Höhe von total Fr. 2'217.--. Der
Mietzins wird vom Sozialamt bezahlt und das Ehepaar besitzt keine Vermögenswerte
(act. G 13). Da ausser am Wochenende unter den massgebenden Verhältnissen keine
Betreuungsaufgaben anfallen, wäre in Berücksichtigung der von der
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltabklärung gemachten Angabe, dass sie im
Gesundheitsfall bei ausserhäuslicher Betreuung des Sohnes unter der Woche ein
Pensum von 100 % bewältigen könnte, an sich von einer Vollerwerbstätigkeit
auszugehen. Da die Beschwerdeführerin jedoch bereits seit 1997 aus persönlichen
bzw. familiären Gründen keine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit mehr ausgeübt hat
und zudem im früher ausgefüllten Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend
Erwerbstätigkeit/Haushalt festgehalten hatte, auch im Gesundheitsfall gar nicht zu
arbeiten und sich im vorliegenden Beschwerdeverfahren zudem auf die vereinbarte
Aufgabenteilung beruft, liegen widersprüchliche Angaben vor. Die Beschwerdegegnerin
ist von der Anwendbarkeit der gemischten Methode ausgegangen und hat den
Durchschnitt der angegebenen Pensen angewandt und die Beschwerdeführerin als zu
75 % erwerbstätig und 25 % im Aufgabenbereich tätig eingestuft. Unter Beachtung der
5.5.
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6.
verschiedenen geschilderten Elemente dürfte es für den Gesundheitsfall der
Beschwerdeführerin wahrscheinlich sein, dass sie insbesondere aus finanziellen
Gründen zumindest in einem Teilzeitpensum tätig sein würde bzw. müsste und leuchtet
die Anwendung der gemischten Methode ein. Wie im Nachfolgenden aufgezeigt wird,
ist dabei die genaue Aufteilung des Erwerbs- und Aufgabenbereichs nicht
entscheidend.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass der anlässlich der Haushaltabklärung
eingesetzte Zeitbedarf von einer Stunde für die Kinderbetreuung keinesfalls ausreiche.
Der Sohn brauche - unter Hinweis auf den KESB-Beschluss vom 26. Juni 2018 -
praktisch ständig Überwachung und Betreuung, welche hauptsächlich durch die
Beschwerdeführerin gewährleistet werde. Zudem hätten bei der Abklärung vor Ort
keine Beobachtungen betreffend Kinderbetreuung gemacht werden können, da der
Sohn in der Schule gewesen sei (act. G 1, IV-act. 35, 37 und 76).
6.1.
Im Zusammenhang mit den Einschränkungen im Haushalt und/oder im
Aufgabenbereich ist nicht die medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit
ausschlaggebend, sondern wie sich der Gesundheitsschaden in der nichterwerblichen
Betätigung konkret auswirkt, was durch die Abklärung an Ort und Stelle (vgl. Art. 69
Abs. 2 Satz 2 IVV) zu erheben ist (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2021,
9C_80/2021, E. 3.1 mit Hinweis). Die Abklärung erstreckt sich im Haushalt auch auf
den zumutbaren Umfang der Mithilfe von Familienangehörigen, welche im Rahmen der
Schadenminderungspflicht zu berücksichtigten ist und weitergeht als die ohne
Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung (BGE 133 V 504 E.
4.2, Urteile des Bundesgerichts vom 16. Juni 2021, 9C_80/2021, E. 3.2, und vom 6.
September 2017, 9C_373/2017, E. 3.1). Nach der Rechtsprechung wird der
Aufgabenbereich nicht in Abhängigkeit vom Umfang der im Aufgabenbereich
anfallenden Arbeiten festgesetzt, vielmehr entspricht er grundsätzlich der Differenz
zwischen dem Erwerbsanteil und einem 100 % Pensum (BGE 141 V 15 E. 4 mit
Hinweisen).
6.2.
Für den Beweiswert eines derartigen Abklärungsberichts ist wesentlich, dass er
von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen
Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden
Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten
Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht
aufzuzeigen sind. Der Berichtstext muss plausibel, begründet und angemessen
6.3.
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detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit
den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (Urteile des Bundesgerichts vom 6.
September 2017, 9C_373/2017, E. 3.2, vom 1. März 2017, 9C_701/2016, E. 4.2 und
vom 21. Juli 2014, 8C_334/2014, E. 5.2).
Zweck der Abklärung vor Ort ist die Prüfung der Einschränkungen im Haushalt
und/oder dem Aufgabenbereich aufgrund des Gesundheitsschadens (vgl. E. 6.2
vorstehend). Der Beschwerdeführerin ist zuzustimmen, dass im Abklärungsbericht
keine Informationen zu den einzelnen Aufgaben der Beschwerdeführerin in der
Kinderbetreuung, deren Aufteilung unter den Ehegatten und des benötigten
Zeitaufwandes zu entnehmen sind. Es fehlen ebenfalls Aufschriebe über eindeutige
Äusserungen der Beschwerdeführerin zu allfälligen Einschränkungen in der
Kinderbetreuung aufgrund der Gesundheitsschädigung. Es wird lediglich festgehalten,
dass die Beschwerdeführerin für die Kinderbetreuung keine Einschränkungen geltend
mache. Die Angaben der Beschwerdeführerin im Abklärungsbericht beziehen sich aber
insbesondere auf den Vorwurf der KESB, dass sie den Sohn nicht genügend gefördert
habe (IV-act. 25-7). Im Fragebogen zur Rentenabklärung setzte die Beschwerdeführerin
für die Kinderbetreuung einen Zeitaufwand von 60 Minuten pro Tag ein (IV-act. 24-4).
Wie sich dem Beschluss der KESB vom 28. Juni 2018 entnehmen lässt, seien die
Ordnung, die hygienischen Bedingungen und die Wohnverhältnisse für den Sohn der
Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar. Der Förderbedarf des Sohns sei als sehr
hoch und seine Erziehung und Betreuung als sehr anspruchsvoll zu beurteilen. Die
Eltern seien oft nicht in der Lage, die Bedürfnisse des Sohnes zu erkennen und
kindsgerecht zu kommunizierten sowie bezüglich Wohnsituation, die Ordnung und die
Kleiderpflege längerfristig zu verbessern (IV-act. 39-10). Zudem wurde den Eltern die
Weisung erteilt, dauernd für eine angemessene Ordnung und Hygiene im Haus zu
sorgen, die Anzahl Haustiere zu reduzieren und eine Beratung zur Erweiterung der
Erziehungskompetenz in Anspruch zu nehmen, um besser auf die Bedürfnisse des
Sohnes einzugehen und den Fokus auf ihn zu richten (IV-act. 39-11 f.). Wie sich dem
KESB-Beschluss weiter entnehmen lässt, waren der Behörde erstmals im April 2013
die unhygienischen und schlechten Wohnverhältnisse bekannt geworden und der
Familie der Beschwerdeführerin entsprechende Unterstützung gewährt und Weisungen
erteilt worden (IV-act. 39-2). Dieser Bericht lag der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt
der Abklärung vor Ort nicht vor. Aus dem Abklärungsbericht geht hervor, dass es dem
Ehepaar anscheinend wohl sei, in den unordentlichen und unstrukturierten
Verhältnissen zu leben. Die Emissionen der verschiedenen Tiere sei für
Aussenstehende gewöhnungsbedürftig. Die Abklärungsperson kam zum Schluss, dass
die Beschwerdeführerin den notwendigen Aufwand für die einzelnen Aufgabenbereiche
6.4.
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grosszügig eingeschätzt habe. Mit Blick auf die sich präsentierenden Verhältnisse sei
der geltend gemachte Aufwand nur bedingt nachvollziehbar. Der für den
Aufgabenbereich dargelegte Aufwand von acht Stunden pro Tag sei mit dem
geschilderten Tagesablauf nicht vereinbar (IV-act. 25-10 ff.). Auch der von der
Beschwerdeführerin in der Beschwerde geltend gemachte Zeitaufwand von ungefähr
15 Stunden pro Tag für die Kinderbetreuung erscheint prima vista als grosszügig
eingeschätzt. Insbesondere wenn hypothetisch davon ausgegangen wird, dass der
Sohn an der E._ die Tagesschule besucht, das Mittagessen dort einnimmt und
mindestens acht Stunden schläft. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist
mithin auch nicht primär entscheidend, wie gross der Zeitaufwand für die einzelnen
Tätigkeiten im Aufgabenbereich ist, sondern wie sich die gesundheitlich bedingten
Einschränkungen in den einzelnen Bereichen auswirken (Urteil des Bundesgerichts
vom 7. Januar 2020, 8C_748/2019, E. 6.4 mit Hinweis). Vorliegend beschränkt sich die
Beschwerdeführerin darauf, das zeitliche Ausmass der Betreuung geltend zu machen
und gibt weder eine Einschränkung in der Betreuung noch die einzelnen
Betreuungsaufgaben (z.B. Hilfe beim Ankleiden oder der Körperpflege) nachvollziehbar
an.
Auch wenn die Haushaltsabklärung vom 1. April 2021 in diesem Punkt nicht
vollständig ist, da eine Einschränkung bei der Kinderbetreuung, von welcher aufgrund
der behördlich angeordneten Fremdbetreuung sowie auch den erwähnten
neuropsychologischen Einschränkungen auszugehen ist, praktisch nicht abgeklärt
wurde, kann - wie nachfolgend dargelegt wird - in antizipierender Beweiswürdigung
(BGE 136 I 229 E. 5.3) auf eine erneute Haushaltsabklärung verzichtet werden. Zum
einen sind die bereits unter E. 5.3 vorstehend genannten Überlegungen massgeblich
und es ist festzuhalten, dass der Sohn in der relevanten Zeitspanne unter der Woche
auswärts betreut wurde und demnach die Betreuung am Wochenende zwischen den
Eheleuten ohne weiteres aufgeteilt werden könnte und müsste. Dies selbst dann, wenn
der Sohn sich auch unter der Woche zuhause befinden würde und somit eine
tatsächlich anzuerkennende Einschränkung lediglich einen sehr kleinen Prozentsatz
ausmachen würde. Betreffend die somatischen Einschränkungen ist nicht ersichtlich,
inwiefern die Beschwerdeführerin bei ihren Betreuungsaufgaben auch nur teilweise
eingeschränkt sein soll. So lässt sich aus dem geschilderten Tagesablauf entnehmen,
dass sie täglich mit den zwei Hunden draussen ist und im eigenen Schrebergarten
arbeiten würde (IV-act. 69-58). Zum anderen würde auch rein rechnerisch kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren. Im Erwerbsbereich würde bei
gegebener 100%iger Arbeitsfähigkeit unter Gewährung eines maximal möglichen
Tabellenlohnabzugs von 25 % (zum Tabellenlohnabzug vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2) im
6.5.
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7.
Rahmen eines Prozentvergleichs bei einem Anteil des Erwerbs von 75 % ein IV-Grad
von 18.75 % und bei einem solchen von 50 % einer von 12.5 % resultieren. Bei einer
Gewichtung des Haushaltbereiches von 25 % müsste indessen eine Einschränkung
von über 80 % vorliegen, damit ein Teilinvaliditätsgrad von 21.25 % und damit
zusammen mit dem erwerblichen Teilinvaliditätsgrad von 18.75 % zu einem
rentenbegründenden Gesamtinvaliditätsgrad kommen würde. Bei der von der
Beschwerdeführerin geltend gemachten 50%igen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall
(vgl. act. G 1, Kap. III Rz. 2), müsste im Aufgabenbereich eine Einschränkung von 55 %
vorliegen, damit zusammen mit dem erwerblichen Teilinvaliditätsgrad ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren würde. Aufgrund des geschilderten
Tagesablaufes und der Angaben im Abklärungsbericht sowie der vorgenannten
Feststellungen hinsichtlich der Kinderbetreuung ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass bei der Beschwerdeführerin mit
Ausnahme von gewissen schweren Tätigkeiten und Arbeiten über Schulterhöhe und
unter zumutbarer Mithilfe des pensionierten Ehemannes im Haushalt sowie der
Kinderbetreuung keine Einschränkung in diesem Bereich von auch nur annähernd 55
oder gar 80 % vorliegt. Es ergibt sich somit kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.7.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden
Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege (act. G 14) ist sie von der Bezahlung zu befreien.
7.2.
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung
(act. G 14) die Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO;
sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote eingereicht. In der vorliegend zu
beurteilenden Angelegenheit erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr.
7.3.
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