Decision ID: b28d5224-223e-5854-a55a-86b95d6ec7c4
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Barbara Heer, Verwaltungszentrum Werd,
Werdstrasse 75, Postfach, 8036 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1972 geborene S._ wurde am 1./2. Dezember 2003 zum Bezug einer Rente
bei der Invalidenversicherung angemeldet. Ihr Beistand - im Jahr 2002 war für die
Versicherte und ihren Mann eine Beistandschaft auf eigenes Begehren (Art. 394 und
372 ZGB) errichtet worden - gab in der Anmeldung an, die Versicherte leide seit
mehreren Jahren an Panikattacken, Schlafstörungen, Rückenschmerzen,
Migräneanfällen, psychischen Problemen aufgrund sexuellen Missbrauchs,
Drogenabhängigkeit sowie Handgelenks- und Knieschmerzen (IV-act. 1).
A.b In seinem Arztbericht vom 26. Januar 2004 gab Dr. med. A._, Allgemeinmedizin
FMH, als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit an ein chronisches
vertebrales Schmerzsyndrom, Angstzustände, Depressionen, chronische
Narbenschmerzen bei Status nach schwerer Verbrennung und einen Status nach
Polytoxikomanie. Die körperlich und psychisch stark angeschlagene Versicherte habe
keinen Beruf erlernt und im Service und im Verkauf gearbeitet. Seit ca. sechs Jahren
arbeite sie nicht (mehr) regelmässig, sondern verrichte nur kurzfristige
Gelegenheitsarbeiten. Sie könne wegen des Vertebralsyndroms und der psychischen
Störung nur leichte (körperlich nicht belastende) und wenig anspruchsvolle Tätigkeiten
ausüben und sei dabei zu ca. 50 % arbeitsfähig. Für bestimmte Tätigkeiten wäre ein
Arbeitseinsatz von etwa drei bis vier Stunden pro Tag möglich; dabei sei die
Leistungsfähigkeit um mindestens 50 % reduziert. In einer angepassten Tätigkeit sei ihr
ein Arbeitseinsatz von 30 bis 50 % möglich, also an etwa drei bis vier Stunden täglich
mit reduzierter Leistung (IV-act. 11).
A.c Am 26. Oktober 2004 führte die IV-Stelle des Kantons Zürich im Auftrag der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen eine Haushaltabklärung durch. Der
Abklärungsbeauftragte hielt fest, die Versicherte habe eine Malerlehre wegen
Rückenschmerzen und Allergien abgebrochen und dann eine Anlehre auf dem
Postcheckamt gemacht. Sie habe angegeben, gegenwärtig ohne Behinderung neben
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dem Haushalt noch eine Erwerbstätigkeit von 70 bis 80 % auszuüben. Er nahm eine
Aufteilung der Betätigungsfelder in 75 % Erwerbstätigkeit und 25 % Haushaltarbeit vor
und erhob bei der Betätigung im Haushalt eine Einschränkung der Versicherten von
5.3 %. Wie gross die Einschränkung im Erwerbsbereich sei, sei nicht bekannt (IV-act.
16).
A.d Das mit einer Abklärung beauftragte Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI)
bezeichnete im Gutachten vom 21. Oktober 2005 als Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit: (erstens) eine Borderline Persönlichkeitsstörung, (zweitens)
Polytoxikomanie mit Alkohol-, Opiat- und Cocainabhängigkeit und (drittens) ein
chronisches lumbalbetontes Vertebralsyndrom, ohne radikuläre Funktionsstörung. Als
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden angegeben: eine chronische
Hepatitis C, chronische Cephalea gemischter Ätiologie, eine partielle Hemisymptomatik
rechts, fortgesetzter Nikotinkonsum und ein kachektischer Ernährungszustand bei
Polytoxikomanie. Es bestehe eine primäre Borderline Persönlichkeitsstörung, welche in
die sekundäre Sucht mit Polytoxikomanie geführt habe. Der Suchtmittelkonsum sei als
Selbstheilungsversuch zu betrachten. Sekundäre Folgen des Alkohol- und
Drogenkonsums bestünden keine. Die Versicherte leide an multiplen Ängsten und sei
deutlich vermindert belastbar. Aus neurologischer Sicht bestehe keine wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, allenfalls eine Leistungseinbusse von 20 %
aufgrund der Schmerzsymptomatik. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit
für jegliche Arbeit um 50 % eingeschränkt. Der Versicherten seien medizinisch-
theoretisch körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mindestens halbtägig, d.h.
zu 50 %, zumutbar. Grundsätzlich sei aufgrund der Persönlichkeitsstörung keine
Beeinflussung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Medizinische Massnahmen in Form
einer primären Psychotherapie und eines lang anhaltenden Drogenentzugs könnten
aber die Realisierung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit beeinflussen bzw. diese möglich
machen. Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei schwierig festzulegen. Da mindestens
für das Attest der Arbeitsunfähigkeit von 50 % die Persönlichkeitsstörung
verantwortlich sei, wäre die Arbeitsunfähigkeit eigentlich langjährig zurückzudatieren.
Dies sei jedoch ärztlich nie dokumentiert worden. Eine gewisse Rückdatierung könne
aufgrund der aktuellen Befunde allerdings zweifellos vorgenommen werden. Manifest
sei die Arbeitsunfähigkeit mindestens anlässlich der psychiatrisch induzierten
Anmeldung bei der Invalidenversicherung geworden, also ab Dezember 2003.
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Berufliche Massnahmen seien nach einem nachhaltigen Drogenentzug mit
mehrmonatiger Drogenfreiheit zu reevaluieren, da dann zu erwarten wäre, dass die
Versicherte die medizinisch-theoretisch zumutbare Arbeitsfähigkeit auch umsetzen
könne. Eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Haushalt entfalle, da die Versicherte
als ganztägig Erwerbstätige betrachtet werde. Den Angaben zur psychiatrischen
Anamnese war zu entnehmen, dass die Versicherte als Kind vom Grossvater jahrelang
regelmässig sexuell missbraucht worden sei, ausserdem auch noch von einem
Arbeitskollegen des Vaters. Zwischen 1989 und 2002 habe sie sich wiederholt mit
Zigaretten Verbrennungen zugefügt, im Jahr 1999 auch beim Hantieren mit einem
Benzinkanister (IV-act. 25-2 ff./25). Im Jahr 2002 war die Versicherte zwei Mal in der
Klinik St. Pirminsberg hospitalisiert gewesen. Im Bericht vom 11. November 2002 über
den Aufenthalt vom 24. Juni 2002 bis 10. September 2002 waren die Diagnosen einer
generalisierten Angststörung, der Polytoxikomanie, einer posttraumatischen
Belastungsstörung und einer impulsiven Persönlichkeitsstörung gestellt worden. Nach
Verweigerung der ihr nahe gelegten Suchtbehandlung war die Versicherte auf eigenen
Wunsch entlassen worden, trat eine Woche später aber wieder ein. Im Bericht vom
22. Oktober 2002 über den Aufenthalt vom 17. September 2006 bis 2. Oktober 2006
waren als Hauptdiagnose eine Polytoxikomanie und als Nebendiagnosen eine
emotional instabile (impulsive) Persönlichkeitsstörung und eine Angststörung
festgehalten worden. Die Arbeitsfähigkeit betrage 100 %. Die Versicherte habe sich
nicht auf das Behandlungssetting einlassen können und werde nach dem Austritt
selber für eine Weiterbehandlung sorgen (IV-act. 25-21 ff./25).
A.e Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung stellte sich am
2. Dezember 2005 auf den Standpunkt, es sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 %
auszugehen und auf das Inanspruchnehmen einer Schadenminderungspflicht zu
verzichten, da davon keine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei.
A.f Am 2. Februar 2006 wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons
St. Gallen das Leistungsgesuch der Versicherten ab. Aufgrund des Invaliditätsgrads
von 26 % bestehe kein Rentenanspruch. Die Versicherte wäre als Gesunde zu 75 %
erwerbstätig und zu 25 % im Haushalt tätig. Bei einem zumutbaren
Erwerbseinkommen von Fr. 37'300.-- ohne Behinderung und von Fr. 24'864.-- mit
Behinderung resultiere eine Einschränkung von 33 % und damit ein Teilinvaliditätsgrad
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von 25 %. Im Haushaltbereich liege eine Einschränkung von 5.3 % und damit ein
Teilinvaliditätsgrad von 1.32 % vor (IV-act. 37).
A.g Die Versicherte liess am 7. März 2006 gegen diese Verfügung Einsprache erheben.
Ihre Rechtsvertreterin beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und der Versicherten
sei eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Die Versicherte sei als vollzeitlich
Erwerbstätige zu betrachten. Sie werde von der Sozialhilfe (den Sozialen Diensten)
unterstützt, welche von Gesunden erwarte, dass sie ihren Lebensunterhalt primär
durch eigene Arbeitsleistung bestreiten würden. Ausserdem sei der Ehemann der
Versicherten zurzeit der Begutachtung stellenlos gewesen und habe
Alimentenverpflichtungen, an denen sie sich aus familienrechtlichen Gründen ebenfalls
zu beteiligen habe. Die Aussage der Versicherten anlässlich der Abklärung an Ort und
Stelle, sie wäre als Gesunde zu 70 bis 80 % erwerbstätig, sei zu relativieren, weil sich
die Versicherte, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen noch nie
regelmässig habe arbeiten können, einen Zustand guter Gesundheit gar nicht vorstellen
könne. Den Anteil auf 75 % festzulegen, sei willkürlich, denn diese Wahl werde durch
keine Aussage in den Akten gestützt. Auch im Gutachten werde von einer ganztägigen
Erwerbstätigkeit ausgegangen; es bestehe kein Grund, von den Einschätzungen des
Gutachtens abzuweichen (IV-act. 36).
A.h Mit Entscheid vom 21. Juni 2006 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die Einsprache ab. Es sei nicht überwiegend
wahrscheinlich, dass die Versicherte als Gesunde mehr als zu 75 % arbeiten würde.
Die eigene Aussage anlässlich der Haushaltabklärung habe sie unterschriftlich
bestätigt, sie führe einen kleinen Zweipersonenhaushalt und der Ehemann sei - wenn
auch erwerblich schlecht integriert - ebenfalls erwerbstätig (IV-act. 40).
B.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur. Barbara
Heer, Support Sozialdepartement der Stadt Zürich, für die Betroffene am 1. September
2006 erhobene Beschwerde. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin beantragt,
der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei
eine Dreiviertelsrente zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge,
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eventualiter sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Die
Beschwerdeführerin sei als voll Erwerbstätige einzustufen. Der Ehemann arbeite
gemäss Auskünften der Beiständin nur unregelmässig, im Budget sei daher vorläufig
ein Durchschnittslohn von monatlich Fr. 1500.-- eingesetzt worden. Die
Alimentenverpflichtungen des Ehemannes machten Fr. 350.-- pro Monat aus und er
habe Schulden in der Höhe von Fr. 40'260.-- (recte: Fr. 4'260.--) bei einer Gemeinde.
Als junge Frau ohne Kinder und mit einem nicht regelmässig arbeitenden Ehemann in
einer 21⁄2-Zimmer-Wohnung mit üblichem Einrichtungsniveau gebe es keinen Grund,
wegen des Haushalts die Erwerbstätigkeit einzuschränken. Die Beschwerdeführerin
habe anlässlich der Haushaltabklärung denn auch ausgeführt, ihre bisherigen Stellen
seien vorwiegend an ihren gesundheitlichen Problemen gescheitert. Bei der
Berechnung des Invalideneinkommens sei der Tabellenlohn wegen fehlender
Ausbildung und Berufserfahrung, Überforderung mit den Alltagsanforderungen und
daher Verbeiständung sowie langjähriger mindestens 50-prozentiger Arbeitsunfähigkeit
um mindestens 20 % zu kürzen. Zu vergleichen seien ein Valideneinkommen von
Fr. 49'728.-- und ein Invalideneinkommen von Fr. 19'891.--, womit sich ein
Invaliditätsgrad von 60 % ergebe (act. G 1).
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 13. September 2006 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Von der aktuellen Abhängigkeit
von der Sozialhilfe könne nicht auf die Situation der Beschwerdeführerin als Gesunde
geschlossen werden, weil sie als Gesunde - schon bei einem Pensum von 75 %
Erwerbstätigkeit - nicht von der Sozialhilfe abhängig geworden wäre. Nach so langer
Krankheit seien Mutmassungen über das Leben der Beschwerdeführerin ohne
gesundheitliche Störung spekulativ. Es sei aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit
anzunehmen, dass sie dann nicht einen randständigen und teilerwerbstätigen Mann
geheiratet hätte. Die Qualifikation als Vollerwerbstätige im Gutachten sei lediglich als
Auslegungshilfe für die Arbeitsfähigkeitsschätzung zu verstehen, andernfalls handelte
es sich um eine Kompetenzüberschreitung. Ein Abzug vom Tabellenlohn beim
Invalideneinkommen rechtfertige sich nicht; Bildungsniveau und Berufserfahrung seien
bereits durch die Wahl des Anforderungsniveaus 4 erfasst, die Verbeiständung sei nicht
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invalidisierend und ein Teilpensum führe nicht zu einer weiteren Lohneinbusse
(act. G 4).
D.
In ihrer Replik vom 2. November 2006 stellt die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin den ergänzenden Antrag, die Untergutachten zum
Schlussgutachten beizuziehen. Die Spekulationen der Beschwerdegegnerin über die
mögliche Verheiratung der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall seien unhaltbar. Die
Tabellenlöhne würden nicht bereits einen leidensbedingten Abzug berücksichtigen
(act. G 9).
E.
Die Beschwerdegegnerin hält in ihrer Duplik vom 13. November 2006 unverändert an
ihren Anträgen fest (act. G 11).
F.
Am 31. August 2007 hat das Gericht die Beschwerdegegnerin aufgefordert, bei der
Begutachtungsstelle die Untergutachten oder mindestens ein von allen Mitgutachtern
unterzeichnetes Gesamtgutachten einzuholen (act. G 14). Die Beschwerdegegnerin hat
am 17./20. September 2007 die eingeforderten Akten sowie ein Schreiben der
Begutachtungsstelle vom 7. August (recte: September) 2007 zur Rolle der
Untergutachten eingereicht (act. G 15).
G.
Auf gerichtliche Anfrage vom 1. Oktober 2007 nach der vor der Durchführung von
Massnahmen vorhandenen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gab die
Begutachtungsstelle mit Schreiben vom 18. Oktober 2007 bekannt, es bestehe
teilweise eine Arbeitsunfähigkeit, die auch durch Massnahmen nicht zu verhindern sei,
und teilweise eine medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit (recte wohl:
Arbeitsunfähigkeit), die durch krankheitsfremde Ursachen unterhalten werde. Die
medizinisch-theoretische Arbeits- und Leistungsfähigkeit betrage damit 50 %.
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Andernfalls müsste bei jeder Suchtproblematik, die eine Arbeitstätigkeit de facto
verhindere, eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vorliegen (act. G 18).

Erwägungen:
1.
Mit dem angefochtenen Entscheid wies die Beschwerdegegnerin die Einsprache gegen
ihre Verfügung ab, mit welcher sie das Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin bei
einem Invaliditätsgrad von 26 % abgewiesen hat. Im vorliegenden Verfahren sind allein
Rentenleistungen beantragt worden. Streitgegenstand bildet daher zunächst der
allfällige Rentenanspruch. Ergibt sich allerdings, dass ohne
Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in Frage steht, so gehört zum
Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung den Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht der Beschwerdeführerin
zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe. Denn wie sich aus Art. 16 ATSG
ergibt, ist der Einkommensvergleich zur Bemessung des Invaliditätsgrades erst nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen vorzunehmen und hat die versicherte Person, wenn ohne
berufliche Massnahmen ein Rentenanspruch droht, die Pflicht, sich geeigneten und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen zu unterziehen. Die Verwaltung ihrerseits hat
die Pflicht, vor dem Entscheid über die Rentenfrage von Amtes wegen alle
Eingliederungsmöglichkeiten zu prüfen und hierüber zu entscheiden. Vorliegend waren
nach Lage der Akten Eingliederungsmassnahmen aus gesundheitlichen Gründen bis
zum massgeblichen Zeitpunkt nicht möglich.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2003 gültig gewesenen Fassung
besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu zwei Dritteln, derjenige auf eine halbe Rente, wenn sie wenigstens zur
Hälfte invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 40 % vor, so besteht
Anspruch auf eine Viertelsrente oder, sofern ein Härtefall gegeben ist, auf eine halbe
Rente (Art. 28 Abs. 1 IVG). Nach dem revidierten Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der bis
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Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades im Zusammenhang mit Geldleistungen
wird nach Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; sog. allgemeine
Methode). Versicherte Personen mit vollendetem 20. Altersjahr (Art. 5 Abs. 1 IVG), die
vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen oder geistigen Gesundheit nicht
erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann,
gelten gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im
bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (vgl. auch Art. 28 Abs. 2 IVG; spezifische
Methode, namentlich für im Haushalt tätige versicherte Personen). Bei Versicherten, die
nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG
festgelegt. Waren sie daneben in einem Aufgabenbereich nach Art. 8 Abs. 3 ATSG
tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28 Abs. 2 IVG festgelegt. In
diesem Falle sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der Tätigkeit im andern
Aufgabenbereich festzulegen und es ist der Invaliditätsgrad entsprechend der
Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28 Abs. 2 IVV; gemischte
Methode).
2.3 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig Erwerbstätige oder als
Nichterwerbstätige einzustufen ist - was je zur Anwendung einer andern Methode führt
-, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte,
wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Abgestellt wird nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts bei der Beurteilung des Status - einzig - auf den
Beweis der Erwerbsverhältnisse im Gesundheitsfall (Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S A. vom 4. Januar 2002, I 715/00), ohne die Zumutbarkeit als
zusätzliches Kriterium zu betrachten (vgl. Art. 5 Abs. 1 IVG und Art. 8 Abs. 3 ATSG;
hierzu Franz Schlauri, Das Rechnen mit der Arbeitsunfähigkeit in Beruf und Haushalt in
der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung in: René Schaffhauser/Franz
bis
bis
ter
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Schlauri, Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 343 f.). Massgeblich sind
die gesamten (persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen) Umstände
(Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S R. vom 24. Juli 2006,
I 116/06). Nebst dem früheren Arbeitsverhalten sind im Wesentlichen die Absicht der
versicherten Person und ihre Vorstellungen und Pläne zum Alltag ohne
Gesundheitsschaden zu berücksichtigen (vgl. Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S A. vom 20. Juni 2003, I 635/02). Von Bedeutung sind vor
allem auch die Verdienstverhältnisse (I 715/00). Die konkrete Situation und die
Vorbringen der Versicherten sind nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu
würdigen (I 116/06). Zu beachten ist allerdings, dass der Entscheid über die
Statusfrage immer ein solcher über eine Hypothese bleibt, da sie sich immer stellt,
wenn in Wirklichkeit eine gesundheitliche Beeinträchtigung (schon seit längerer oder
kürzerer Zeit) eingetreten ist. Die Arbeitseinteilung in der Vergangenheit kann für die
massgebliche Hypothese nur ein Indiz darstellen; die spätere reale Einteilung ist
anderseits meist bereits durch die Invalidität beeinflusst (nicht veröffentlichter
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S V.L.-R. vom 2. Februar
2006).
2.4 Die Beschwerdegegnerin hat die Invaliditätsbemessung nach der gemischten
Methode bei einer Aufteilung in 75 % Erwerbs- und 25 % Haushaltarbeit
vorgenommen. Dabei stützt sie sich auf den Bericht über die Haushaltsabklärung,
anlässlich welcher die Beschwerdeführerin die Aussage gemacht hat, sie würde als
Gesunde zu circa 70 bis 80 % erwerbstätig sein. Dieser Einschätzung kann nicht
gefolgt werden. Es ist vielmehr überwiegend wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung neben der Führung des
Zweipersonenhaushalts ohne Kinder in einer 21⁄2-Zimmer-Wohnung zu 100 %
erwerbstätig wäre. Für diese Annahme sprechen auch die unter anderem aufgrund der
Alimentenverpflichtung und der Schulden sowie der schlechten beruflichen Integration
des Ehemannes angespannten finanziellen Verhältnisse, welche - da eine Prüfung wie
erwähnt bei im Übrigen unveränderten Umständen stattzufinden hat - nicht mitsamt der
gesundheitlichen Beeinträchtigung auszublenden sind. Die Angabe der
Beschwerdeführerin selber tritt in ihrer Beweiskraft zurück, denn es muss davon
ausgegangen werden, dass sie sich nach so langer Zeit des angeschlagenen
gesundheitlichen, insbesondere psychischen Zustands und ohne feste Arbeit die
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hypothetischen Verhältnisse ohne dieses Leiden nicht realistisch vorstellen kann. Es
gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin als Gesunde nicht zu
100 % erwerbstätig wäre. Bei diesem Sachverhalt ist die allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs anwendbar.
3.
3.1 Für die Invaliditätsbemessung sind des Weiteren die medizinischen Grundlagen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
einer versicherten Person zu beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten sie arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen
Auskünfte sind in der Folge eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 261 E. 4).
3.2 Die Beschwerdeführerin ist im September 2005 medizinisch begutachtet worden
(Bericht vom 21. Oktober 2005). Das Gutachten stützte sich auf eine Kenntnisnahme
von den Akten und eigene Untersuchungen. Es erfolgten nebst der internistischen
Fallführung eine neurologische und eine psychiatrische Teilbegutachtung.
Multidisziplinär wurde darauf geschlossen, dass der Beschwerdeführerin medizinisch-
theoretisch körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten insgesamt mindestens
halbtägig, d.h. zu 50 %, zumutbar seien. Wegen der Persönlichkeitsstörung sei
grundsätzlich von medizinischen Massnahmen keine Beeinflussung der Arbeitsfähigkeit
zu erwarten (vgl. auch das Schreiben der Begutachtungsstelle vom 18. Oktober 2007,
wonach teilweise eine Arbeitsunfähigkeit bestehe, die auch durch Massnahmen nicht
zu verhindern sei). Von einem mehrmonatigen Verzicht auf den Konsum von Alkohol
und Drogen wäre aber zu erwarten, dass die Beschwerdeführerin diese
Restarbeitsfähigkeit von 50 % auch konkret umsetzten könnte. Medizinische
Massnahmen in Form einer primären Psychotherapie und eines lang anhaltenden
Drogenentzugs könnten die Realisierung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit beeinflussen
bzw. diese möglich machen. Nach Art. 6 ATSG ist Arbeitsunfähigkeit die durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte
Unfähigkeit, zumutbare Arbeit zu leisten. Es ist daher entscheidend, welche
Arbeitstätigkeit die Beschwerdeführerin zumutbarerweise tatsächlich (unter zumutbarer
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Willensanstrengung) verwirklichen kann. Da dem Gutachten zu entnehmen ist, dass die
rein medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit von 50 % vor der Durchführung von
Massnahmen und anhaltender Alkohol- und Drogenabstinenz nicht realisierbar ist und
die Beschwerdeführerin die Polytoxikomanie nicht über längere Zeiten überwinden
konnte, muss für die hier massgebliche Zeit von einer Arbeitsunfähigkeit nach Art. 6
ATSG von 100 % ausgegangen werden. Erst bei dauerhaftem Entzug und mittels
Eingliederungsmassnahmen könnte die zumutbare, tatsächlich umsetzbare
Arbeitsfähigkeit (von null) auf 50 % erhöht werden. Es ist denn auch zu beachten, dass
nach ständiger Rechtsprechung Drogensucht (wie Alkoholismus und
Medikamentenabhängigkeit) für sich allein betrachtet zwar keine Invalidität im Sinne
des Gesetzes begründet. Sie wird aber im Rahmen der Invalidenversicherung
bedeutsam, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein
körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender
Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen
oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (Entscheid des
Bundesgerichts i/S R. vom 23. Oktober 2007, I 50/07, mit Hinweisen). Letzteres ist
vorliegend der Fall. Nach Angaben der Gutachter besteht bei der Beschwerdeführerin
eine primäre Borderline Persönlichkeitsstörung, welche in die sekundäre Sucht mit
Polytoxikomanie geführt hat. Die Massgeblichkeit der Arbeitsunfähigkeit von 100 %
braucht auch nicht etwa aufgrund des Arztberichts von Dr. A._ vom 26. Januar 2004
in Frage gestellt zu werden. Der Arzt war damals davon ausgegangen, der
Beschwerdeführerin sei ein Arbeitseinsatz von etwa drei bis vier Stunden pro Tag
möglich, wobei die Leistungsfähigkeit um mindestens 50 % reduziert sei. Das ergäbe
eine Arbeitsfähigkeit von noch ca. 20 %, während er einen Prozentsatz von 30 bis
50 % bezeichnete. Im Zeitpunkt dieser im Vergleich zum Gutachten etwas
optimistischeren, hausärztlichen Einschätzung hat die Beschwerdeführerin in einem
Methadonprogramm gestanden. Der Arzt hat denn diesbezüglich auch bereits einen
Status nach Polytoxikomanie diagnostiziert. Dass aber nach überwundener
Polytoxikomanie eine höhere Arbeitsfähigkeit bestünde, entspricht einhelliger
Auffassung. Auch die Angaben der Klinik St. Pirminsberg vom Jahr 2002 geben nicht
Anlass zu einer vom überzeugenden polydisziplinären Gutachten abweichenden
Einschätzung.
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3.3 Bei diesen Gegebenheiten liegt der Invaliditätsgrad bei 100 %.
4.
4.1 Was den Beginn eines Leistungsanspruchs betrifft, so gilt die Invalidität als
eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige
Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG). Der Eintritt des
Rentenfalls wird durch Art. 29 Abs. 1 IVG geregelt. Der Rentenanspruch entsteht
(abgesehen von der hier nicht anwendbaren lit. a) frühestens in dem Zeitpunkt, in dem
die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war (lit. b).
Unter Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG ist die durch den
Gesundheitsschaden bedingte qualitative und/oder quantitative Einbusse an
funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu
verstehen (BGE 130 V 99 E. 3.2).
4.2 Die Gutachter hielten dafür, da mindestens für die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit um 50 % die Persönlichkeitsstörung der Beschwerdeführerin
verantwortlich sei, wäre davon auszugehen, dass die Arbeitsunfähigkeit bereits vor
Jahren eingetreten sei. Dies sei jedoch ärztlich nie dokumentiert worden. Nach
Auffassung der Gutachter war sie indessen mindestens anlässlich der psychiatrisch
induzierten Anmeldung bei der Invalidenversicherung im Dezember 2003 manifest
geworden. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass gemäss den anamnestischen
Erhebungen der Heroin- und Cocainkonsum der Beschwerdeführerin im Alter zwischen
17 und 181⁄2 Jahren und wieder ab dem Alter von 25 Jahren (entspricht 1997)
stattgefunden hat. Hernach gab es offenbar keine längere Abstinenzphase mehr. Da
die Sucht sich nach gutachterlicher Feststellung als Folge der Persönlichkeitsstörung
entwickelt hat, muss angenommen werden, dass Arbeitsunfähigkeit tatsächlich bereits
seit mehreren Jahren bestand.
4.3 Meldet sich eine versicherte Person mehr als zwölf Monate nach Entstehen des
Anspruchs an, so werden die Leistungen nach Art. 48 Abs. 2 IVG - von einer hier nicht
zutreffenden Ausnahme abgesehen - in Abweichung von Art. 24 Abs. 1 ATSG lediglich
für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate ausgerichtet. Der Zeitpunkt, in
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welchem die Anmeldung zum Leistungsbezug eingereicht wird, ist daher nur für den
Beginn der Rentenauszahlung massgebend, nicht aber für den Rentenanspruch als
solchen. Auch vor der Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit (Art. 29 Abs.
1 lit. b IVG) sind zu berücksichtigen (ZAK 1966 S. 58; BGE 117 V 26 E. 3b;
BGE 121 V 264; Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, S. 238;
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S C. vom 2. März 2000,
I 307/99).
4.4 Die Beschwerdeführerin liess sich am 1./2. Dezember 2003 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung anmelden. Da sie jedenfalls seit mehr als zwei
Jahren vor der Anmeldung arbeitsunfähig war, ist ihr die Rente bei verspäteter
Anmeldung ab 1. Dezember 2002 zuzusprechen. Angesichts des Invaliditätsgrads
besteht Anspruch auf eine ganze Rente.
5.
Nach der Rechtsprechung ist dann, wenn ein medizinisches Gutachten die versicherte
Person als arbeitsunfähig erklärt, aber gleichzeitig festhält, dass nach durchgeführter
erfolgreicher Eingliederung wieder eine deutlich bessere Arbeitsfähigkeit erreichbar
sein sollte, der Anspruch auf eine Rente für die zurückliegende Zeit so lange nicht
ausgeschlossen, als die bestehende Erwerbsunfähigkeit nicht (oder noch nicht) mit
geeigneten Eingliederungsmassnahmen tatsächlich behoben oder in einer für den
Rentenanspruch erheblichen Weise verringert werden konnte. Der gleiche Grundsatz
hat auch hinsichtlich der Massnahmen der Selbsteingliederung zu gelten, so lange
solche noch nicht durchgeführt sind und noch keine Aufforderung zur Mitwirkung im
Sinne von Art. 21 Abs. 4 ATSG erfolgt ist (Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S Pensionskasse X. vom 22. Juni 2006, I 22/05). Es steht der
Beschwerdegegnerin frei, im Rahmen der revisionsweisen Überprüfung der
Rentenberechtigung sinnvolle therapeutische Massnahmen zur Verbesserung der
Leistungsfähigkeit einzufordern.
6.
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6.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 21. Juni 2006 gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin ist im Sinne der Erwägungen mit Wirkung ab dem 1. Dezember
2002 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Berechnung der Rente ist die Streitsache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG, vgl. Rechtslage vor der
Änderung des IVG vom 16. Dezember 2005, wie lit. a der betreffenden
Übergangsbestimmungen).
6.3 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen werden (vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Die vollständig
obsiegende Beschwerdeführerin ist durch eine Rechtsanwältin der Sozialen Dienste der
Stadt Zürich vertreten. In BGE 126 V 11 (AHI 2000 S. 288) wurde angenommen, bei
einer Vertretung durch eine öffentliche Fürsorgeeinrichtung entstünden dem
obsiegenden Sozialhilfeempfänger keine Kosten für die Vertretung seiner Interessen,
denn eine allfällige Rechtsvertretung sei ihm unentgeltlich nach der Gesetzgebung über
die öffentliche Fürsorge zu finanzieren, auch wenn Anwälte mit der Rechtsvertretung
beauftragt würden. Diese Annahme ist indessen sachlich nicht gerechtfertigt. Bereits
im BGE 117 IA 296 E. 3 hat das Bundesgericht festgestellt, dass der obsiegenden
Partei ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt worden sei, befreie die Gegenpartei
nicht von der Leistung einer Prozessentschädigung. Ebenso wenig wirke der Umstand
entlastend, dass eine Person ihr Kostenrisiko durch eine Rechtsschutzversicherung
abdecken lasse oder ihr dieses durch eine Haftpflichtversicherung, eine Gewerkschaft,
eine andere Vereinigung oder eine Drittperson abgenommen werde. In BGE 122 V 278
lehnte es das Eidgenössische Versicherungsgericht ab, dass die unterliegende
Gegenpartei davon sollte profitieren können, dass ihr Prozessgegner zufälligerweise
von einem nicht als entschädigungsberechtigt geltenden Vertreter (in casu: procap)
vertreten war. Wer einen Prozess verliere, habe grundsätzlich nach Massgabe seines
Unterliegens die Gegenpartei zu entschädigen, und zwar unabhängig davon, ob dieser
aufgrund externer Vereinbarungen mit Dritten an sich keine eigenen Kosten erwachsen
wären. Diese Lösung entspricht auch den Grundsätzen der "Vorteilsanrechnungslehre"
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des Haftpflichtrechts, wonach unentgeltliche Zuwendungen Dritter nicht anzurechnen
sind, wenn der Geschädigte und nicht der Haftpflichtige begünstigt werden solle (BGE
122 V 278). Diese Ordnung muss gelten, gleichgültig, ob es eine öffentliche Sozialhilfe
oder eine private Einrichtung (die Pro Infirmis, eine Gewerkschaft, das Patronato INCA,
die Caritas, eine Arbeitsgemeinschaft, eine Rechtsschutzversicherung usw.) ist, welche
dafür verantwortlich ist, dass keine Auslagen für die Vertretung entstehen.
Vertretungsaufwand stellt eben eine Ausgaben- (bzw. Schadens-)position dar, auch
wenn ein Dritter sie unterstützungs- oder fürsorgerechtlich oder aus sonstigen Gründen
übernimmt. Aus der Sicht der Sozialhilfe (oder auch der ihr vergleichbaren
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung auf Staatskosten) sind geschuldete
Parteientschädigungen Einnahmenpositionen des Bedürftigen, auf welche dieser nicht
verzichten darf. Dabei ist kein Unterschied zu machen, ob die Sozialhilfe eigene oder
fremde Anwälte einsetzt. Es darf nicht argumentiert werden, dem Sozialhilfeempfänger
entstehe bei Obsiegen kein Schadenersatzanspruch für Vertretungsaufwand.
6.4 Der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
angemessen.
6.5 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird unter diesen
Umständen gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht