Decision ID: 13565ba7-157c-4ecb-80ca-d62afcaee39a
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960, war ab Oktober 1998 für die
Y._
in
Z._
in einem 100%igen Arbeitspensum als Autolackierer tätig (Urk. 7/20 S. 2
Ziff.
2.1
i.V.m
.
Urk.
7/11 S. 5
Ziff.
5.4). Am 1
1.
Januar 2008 hatte er einen Unfall, als er einen Tritt von der Leiter nach hinten ins Leere machte und mit dem Rücken auf den Boden fiel (
Urk.
7/17 S. 60)
.
Dabei
erlitt
er
eine Kontusion der Lenden- und der Brustwirbelsäule. Anschliessend war er in
folge Rückenschmerzen, Bewegungseins
chränkungen, Lähmungserscheinun
gen im linken Fuss und Nierenschmerzen zwischen 50 und 100
%
arbeitsunfähig und erhielt Taggeldleistungen von der
Schweizerischen
Unfallversicherungsan
stalt
(
Suva
)
und der Kranken
t
aggeld
-V
ersicherung seines Arbeitgebers
,
der
Basler Leben AG
(
nachfolgend „Basler“;
Urk.
7/11 S. 7
Ziff.
6.1-5). Die Leistun
gen der Suva wurden per 3
1.
Oktober 2008
wegen Wegfalls der
Unfallkausalität eingestellt (
Urk.
7/17 S. 7 ff.).
Am
4.
Februar
2009 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an und beantragte berufliche Massnahmen sowie eine Rente (
Urk.
7/11
i.V.m
.
Urk.
1 S. 7
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die erwerblichen (
Urk.
7/15), medizinischen (
Urk.
7/18-19) und beruflichen (
Urk.
7/20) Verhältnisse des Versicherten ab und
zog
die Akten der Unfallversicherung
(
Urk.
7/17)
bei
. Im Februar 2009 erfolgte im
A._
ein
Arbeitsassessment
, anlässlich
dessen
eine schrittweise Steigerung des Arbeitspensums im angestammten Beruf bis zur vollen Arbeits
fähigkeit innerhalb von 6 bis 8 Wochen als möglich erachtet wurde (Urk. 7/24 S. 4
Ziff.
1.3 am Ende).
In der Folge war der Versicherte v
om 1
5.
März bis 1
1.
April 2009 in der
B._
hospitalisiert (Urk.
7/25 S. 4 ff.) und im Sommer 2009 wurde ihm die Arbeitsstelle gekündigt (
Urk.
7/86 S. 9
Ziff.
3 am Ende). Am
1.
Dezember 2009 teilte ihm die IV-Stelle mit, dass keine beruflichen Massnahmen möglich seien (
Urk.
7/37).
Vo
n
März bis Mai 2010 erfolgte im Auftrag der
Basler
eine Observation, bei welcher Diskrepanzen zwischen seinem Verhalten und den von ihm geltend gemachten Beschwerden festgestellt wurden (
Urk.
7/51-53, insbesondere Urk. 7/53 S. 1).
Am 2
5.
und 2
6.
Mai 2010 liess die IV-Stelle den Versicherten durch die
C._
inter
nistisch, rheumatologisch, neurologisch und psychiatrisch untersuchen, die ihm im angestammten Beruf eine 30%ige, in einer leidensangepassten Tätigkeit hin
gegen
eine 80%ige Arbeitsfähigkeit attestierte (Gutachten vom 11. Oktober 20
10
,
Urk.
7/61 S.
37
Ziff.
7.2-3
).
Im Mai 2011
liess die IV-Stelle durch
die
D._
eine psychiat
risch-orthopädische Untersuchung samt Evaluation der funktionellen Leis
tungsfähigkeit
(ELF)
durchführen
(
Urk.
7/80)
, bei welcher
dem Versicherten
im Rahmen der interdisziplinären Beurteilung eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit
attes
tiert wurde
(Gutachten vom
6.
Oktober 2011,
Urk.
7/86 S.
6 ff.
).
Am
4.
November 2011 auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten den Besuch einer Psychotherapie zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/92), worauf er sich vom 2
8.
November bis 2
2.
Dezember 2011 in eine stationäre Behandlung im Zentrum für Stationäre Psychiatrische Rehabilitation der
E._
begab (
Urk.
3/4).
Nach erfolgtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/93 ff.) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 2
7.
Januar 2012 mit, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 2
7.
Januar 2012 (
Urk.
2) liess der Versicherte, vertre
ten durch Rechtsanwalt Reto
Caflisch
(
Urk.
4), am 2
9.
Februar 2012 Beschwerde erheben und beantragen, es sei ihm ab dem
1.
August 2009 eine Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 50
%
zuzusprechen. Eventualiter liess er die Rückweisung an die
Verwaltung
zur Neufestsetzung des Invaliditätsgrades beantragen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 11. April 2012 (
Urk.
6) schloss die IV-Stelle auf Beschwerdeabweisung.
Am
8.
Mai 2012 liess der Beschwerdeführer einen Austrittsbericht der
F._
, Zentrum
G._
, vom 3
0.
März 2012 einreichen (
Urk.
9-10), wo
hin
er sich
vom 22.
Februar bis 3
0.
März 2012 in
eine weitere stationäre
Behandlung b
egeben hatte
. Mit Verfü
gung vom
9.
Mai 2012 (
Urk.
11) wurde dieser der Beschwerdegegnerin zur Stellungnahme zugestellt, die am 2
1.
Mai 2012 auf eine solche verzichtete (
Urk.
12).
Mit Verfügung vom
6.
Juni 2013 (
Urk.
14) wurde die Basler zum Prozess beigela
den. Diese verzichtete mit Eingabe vom 1
4.
Juni 2013 (
Urk.
15) auf die Einreichung einer Stellungnahme.
Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien und die weiteren Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rentenanspruch ent
steht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs (
Art.
29
Abs.
1 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
2.
2.1
Aufgrund der
Beurteilung der
D._
(
Urk.
7/86)
ging
die IV-Stelle
davon aus
, dass dem Beschwerdeführer sowohl
die bisherige
als auch
eine
lei
densangepasste
Tätigkeit in einem 80%igen Arbeitspensum zumutbar sei.
Da der
Invaliditätsgrad
somit
lediglich 20
%
betrage, bestehe kein Rentenanspruch
(Urk. 2 S. 3).
2.2
Dagegen lässt der Versicherte einwenden, es habe seit dem Unfall vom 11. Januar 2008 aus psychiatrischer Sicht eine Invalidität bestanden. Da seine verspätete Anmeldung erst am
4.
Februar 2009 erfolgt sei und gemäss Beurtei
lung der
D._
die Entlassung durch den Arbeitgeber im Sommer 2009 eine Wendung zum Schlechteren gebracht habe (
Urk.
7/86 S. 73), womit sich der Grad der Arbeitsunfähigkeit erhöht habe, sei ihm ab August 2009 und bis auf
W
eiteres, zumindest jedoch bis zum Abschluss der seit
dem
22. Februar 2012 laufenden stationären Therapie im
Zentrum G._
der
F._
(Urk. 1 S. 6
Abs.
2 am Ende
i.V.m
.
Urk.
9-10), eine Rente gestützt auf ein
en
Invaliditätsgrad von 50
%
zuzusprechen (
Urk.
1 S. 7).
3.
3.
1
D
ie
C._
, welche
den Versicherten internistisch, rheumatologisch, neurologisch und psychiatrisch untersuchte, stellte im Gutachten vom 1
1.
Oktober 2010 fol
gende Diagnosen (
Urk.
7/61 S. 33):
A.
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
chronisches
zerviko-thorako-lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
mehrsegmentale degenerative Veränderungen von Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule mit
Osteochondrosen
und
Spondylarthro
sen
,
Scheuermann’sc
hen
Veränderungen lumbal betont und
radio
logisch Wirbelkörper Signalanhebungen wahrscheinlich degenera
tiver Ursache (MRI vom
2.
Juli 2008 und 3
0.
April 2010)
-
Status nach Wirbelsäulenkontusion bei Sturz am 1
2.
Januar 2008
2.
Plantarfaszien-Enthesopathie
links am Fuss
3.
t
horacic
-
outlet
-Symptomatik beidseits
4.
Status nach operativen Eingriffen am oberen Sprunggelenk (OSG) rechts 1995 und an den Kniegelenken beidseits 2005, keine näheren Angaben vorliegend
-
aktuell Verdacht auf Instabilität am rechten OSG klinisch
-
femoropatelläre
Knieschmerzen beidseits
5.
l
eichte depressive Episode (ICD-10: F32.0)
;
B.
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
Verdacht auf Tendovaginitis
stenosans
der
Daumenflexorensehne
rechts
2.
leichte
Rotatorenmanschettendopathie
beider Schultern möglich
3.
Status nach Ringbandspaltung am Zeigefinger links vor Jahren
anam
-
nes
tisch
4.
Status nach Daumenbandoperation links 1994 verheilt
5.
Status nach
Epikondylen
-Operation
ulnar
rechts vor Jahren
6.
Verdacht auf dissoziative Bewegungsstörungen (ICD-10: F44.4)
7.
d
ifferenzialdiagnostisch Entwicklung körperlicher Symptome aus psychi
schen Gründen (Aggravation) (ICD-10: F68.0)
8.
c
hronische Schmerzstörung aus somatischen und psychischen Gründen (ICD-10: F45.41)
9.
a
namnestisch auf CPAP-Beatmung bei Schlafapnoesyndrom (erstmals di
agnostiziert 2008)
10.
Ureter-Duplex mit Doppelniere links.
Aufgrund der bestehenden degenerativen Wirbelsäulenveränderungen
und der
allfällig degener
ativen
tendopathischen
Schulter-
, Hand
-
, Knie- und
Fussbe
schwerden
bestehe für den zuletzt ausgeübten Beruf als Autolackierer eine ma
ximale Arbeitsfähigkeit von 30
%
. Nicht mehr zuzumuten sei dem Versicherten auch die phasenweise ausgeübte Tätigkeit in der Gepäcksortierung des
H._
, wobei es sich hierbei um eine körperliche Schwerarbeit unter hohem Zeit
druck
gehand
e
lt habe
(
Urk.
7/61 S. 37
Ziff.
7.2).
Für angepasste, körperlich leicht
e
bis maximal mittelschwere Tätigkeiten ohne Handhabung von Lasten von mehr als 10 kg, ohne wiederholt gebückt oder kniend zu verrichtende Tätigkeiten, ohne Überkopftätigkeitsanteile, mit
der
Möglichkeit zum selbständigen Wechsel der Körperposition und ohne aus
schliesslich stehende und gehende Tätigkeiten bestehe aus rheumatologischer sowie psychiatrischer Sicht eine Gesamtarbeitsfähigkeit von 80
%
. Dies werde mit einer vermehrten Erholungsnotwendigkeit aufgrund
der
Beschwerden des Achsenskeletts begründet.
Ebenfalls
berücksichtigt seien allfällig degenerative
tendopathische
Schulter-, Hand-, Knie- und Fussbeschwerden (
Urk.
7/61 S. 37
Ziff.
7.3).
Die Arbeitsunfähigkeit bestehe seit dem am 1
1.
Januar 2008 erfolgten Unfall. Aufgrund des degenerativ-fortschreitenden Charakters der Erkrankung, der zum Teil deutlich diskrepanten Vorbefunde sowie der wahrscheinlich vorliegenden Beschwerdeaggravation sei es nicht m
it absoluter Sicherheit möglich
, den ge
nauen Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu beschreiben. Aufgrund der degenerati
ven Vorschäden sei allerdings von einem verzögerten Heilungsverlauf nach dem
Sturzereignis auszugehen. In Übereinstimmun
g mit dem Bericht
vom 2
9.
April 2009
von
Dr.
I._
,
Fachärztin für
Kinder- und Jugendmedizin sowie leitende Ärztin
der
B._
,
wo der Versicherte vom 15. März bis 1
1.
April 2009 hospitalisiert war
(
Urk.
7/25 S. 4 ff.)
,
wäre es
ihm
möglich gewesen, ab Mai 2009 mit der Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess in Form einer körperlich leichten Tätigkeit zu beginnen. Unter Berücksichtigung des Alters und des g
esundheitlichen Zustandes hätte eine Reintegration nach
maximal 3 Monaten abgeschlossen sein sollen, so dass als theoretische An
nahme von einer Arbeitsfähigkeit im Umfang von 80
%
ab dem
1.
August 2009 auszugehen sei. Auf
jeden Fall sei eine solche Arbeitsfähigkeit ab dem Gutachtenszeitpunkt
– somit ab dem
1
1.
Oktober 2010
–
erreicht gewesen (Urk.
7/61 S. 38
Ziff.
7.4).
3.2
3.2.1
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), erachtete die
von der
C._
aufgrund der orthopädischen Untersuchung abgegebene Beur
teilung, wonach der Versicherte in der angestammten Tätigkeit nur noch zu 30
%
arbeitsfähig sei, als nicht schlüssig nachvollziehbar, und ordnete deshalb die Einholung eines neuen Gutachtens
an
(
Urk.
7/91 S. 7). Dies erfolgte bei der
D._
, wo am 4./
5.
Mai
2011
eine EFL stattfand und der Versi
cherte am
9.
Mai 2011 orthopädisch
sowie
am 1
6.
Mai 2011 psychiatrisch be
gutachtet wurde (Urk. 7/86 S. 1).
3.2.2
Aufgrund der am 1
5.
August und
5.
Oktober 2011
durchgeführten
inter
-
disziplinä
ren Besprechungen stellte die
D._
im Gutachten vom
6.
Oktober 2011 folgende Diagnosen (
Urk.
7/86 S. 5-6):
A.
in somatischer Hinsicht:
-
panvertebrales und
polytopes
Schmerzsyndrom nach Sturz am 11. Januar 2008
B.
in psychiatrischer Hinsicht:
1.
stark
somatisierte
und dysfunktional ausgebaute Angststörung vom Ty
pus einer Panikstörung, jedoch nicht den typischen Kriterien für eine eigentliche Panikstörung entsprechend, zu klassifizieren am ehesten als „sonstige spezifische Angststörung“ (ICD-10: F41.8) oder als chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10: F45.41).
Im Vergleich dazu weniger wahrscheinlich vorliegende psychiatrische Differenzialdiagnosen:
-
g
emischte Konversionsstörung (ICD-10: F44.7) oder
-
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.40)
2.
d
ysfunktionale Krankheitsbewältigung mit Aspekten von Verdeutli
chung und eigentlicher Aggravation (ICD-10: F68.0).
Aufgrund der orthopädischen Beurteilung und der
ELF
wurde sowohl in der angestammten Tätigkeit als Autolackierer als auch in einer anderen mittel
schweren Arbeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ohne spezielle Einschränkungen attestiert (
Urk.
7/86 S. 45).
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde festgehalten, dass die Resultate der vom März bis Mai 2010 erfolgte
n
Observation mit dem effektiven Bestehen der diag
nostizierten Angststörung zwar vereinbar seien, aber auch den ansonsten ge
wonnenen Eindruck einer Verdeutlichung bzw. Aggravation bestätigten. Die di
agnostizierten Störungen begründeten versicherungspsychiatrisch längerfristig grundsätzlich keine Minderung der
Zumutbarkeit im Rahmen dessen, was zu
mutbar sei. In
kürzerfristiger
Perspektive bestehe psychiatrisch jedoch eine teil
weise Arbeitsunfähigkeit, deren genaue Quantifizierung schwierig sei, wobei von einer solchen in der Höhe von 50
%
auszugehen sei. Ein
spezifischer, vor
wiegend verhaltenstherapeutischer Therapieversuch im Rahmen einer stationä
ren Rehabilitation sei indiziert. Spätestens ein halbes Jahr
später
sei eine psy
chiatrische Neubeurteilung empfohlen. Unabhängig vom Resultat einer solchen Rehabilitation sei jedoch in langfristiger Perspektive angesichts der guten
Res
sourcenlage
und des eher geringen Schweregrades der diagnostizierten psychi
schen Störung davon auszugehen, dass der Versicherte die funktionellen Aus
wirkungen der
selben
überwinden könne (
Urk.
7/86 S. 71 am Anfang).
Im Rahmen der interdisziplinären Beurteilung wurde festgehalten, dass
der
Ge
sundheitsschaden
sowohl aus somatischer als auch aus psychiatrischer Sicht am 1
1.
Januar 2008 eingetreten sei, wobei in psychiatrischer Hinsicht der Verlauf wechselhaft (gewesen) sei. Der Versicherte habe
seine Anstellung
im Wesentli
chen
wegen der
psychogenen Symptomatik verloren und er sehe sich durch die
se
Symptomatik weitgehend daran gehindert, eine konstante Arbeitsleistung
zu
erbringen. Es bestehe ein letztlich angstbedingtes Vermeidungsverhalten. Auf der somatischen Ebene habe sich anhand der Beobachtungen im Rahmen der E
LF
eine erhebliche Symptomausweitung feststellen lassen (
Urk.
7/86 S. 6
Ziff.
1-2).
Eine mindestens 20%ige medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit habe seit
dem am 1
1.
Januar 2008 erlittenen Unfall bestanden (
Urk.
7/86 S. 9). Während in rein somatischer Hinsicht seit dem im März 2009 im
A._
erfolgten
Arbeitsassessment
(
Urk.
7/24) durchgehend keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden habe (
Urk.
7/86 S. 11 in der Mitte), werde psychiat
risch gesehen erst in längerfristige
r
Perspektive eine volle Zumutbarkeit eintre
ten (
Urk.
7/86 S. 7-8).
Grundsätzlich sei die angestammte Tätigkeit als Autolackierer, für welche der Versicherte Erfahrung, Interesse und Ressourcen habe, noch zumutbar. Die psy
chische Störung führe jedoch zu einem dermassen generalisierten
Vermeidungs
verhalten
gegenüber jeglichen Aktivitäten, dass eine direkte therapeutische Her
angehensweise an die Angststörung notwendig erscheine, um das generelle Vermeidungsverhalten zu verbessern bzw. therapeutisch zu eliminieren und damit vorhandene Ressourcen freizusetzen (
Urk.
7/86 S. 9 Ziff. 5).
3.3
3.3.1
Infolge der dem Versicherten am
4.
No
vember 2011 auferlegten
Schaden
minde
rungspflicht
in Form einer Psychotherapie (
Urk.
7/92) begab er sich vom 2
8.
November bis 2
2.
Dezember 2011 ins Zentrum für Stationäre Psychiatrische Re
habilitation der
E._
und vom 22. Februar bis 3
0.
März 2012 ins Zentrum
G._
der
F._
für stationäre Behandlungen.
3.3.2
Das Zentrum für Stationäre Psychiatrische Rehabilitation der
E._
stellte fol
gende Diagnosen (
Urk.
3/4 S. 1):
1.
Somatisierungsstörung
(ICD-10: F45.0)
2.
Verdacht auf dissoziative Bewegungsstörung (ICD-10: F44.4)
3.
d
issoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörung (ICD-10: F44.6)
4.
Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2).
Während des Aufenthaltes seien starke Stimmungsschwankungen und Hinweise auf mittlere bis schwere depressive Symptome festgestellt worden. Der Versi
cher
t
e weise ein komplexes klinisches Bild auf, wobei sich die körperlichen und psychischen Faktoren gegenseitig beeinflussten. Aufgrund der vorzeitigen Ent
lassung sei die geplante Psychodiagnostik jedoch nicht abgeschlossen und der Versicherte sei noch behandlungsbedürftig. Da eine Behandlung momentan je
doch nicht möglich sei, werde der nach der bevorstehenden Schulteroperation für Januar 2012 geplante Wiedereintritt nicht stattfinden (
Urk.
3/4 S. 4)
3.3.3
Das Zentrum
G._
der
F._
stellte folgende Diagnosen
(
Urk.
10 S. 1)
:
1.
Somatisierungsstörung
(ICD-10: F45.0)
2.
d
issoziative Bewegungsstörung (ICD-10: F44.4)
3.
d
issoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörung (ICD-10: F44.6)
.
Diagnostisch sei von einer psychogenen Bewegungs- und Empfindungsstörung mit wiederkehrenden Zitteranfällen, Sehverlust und Rückenproblemen nach
He
betrauma
bei aktuell bestehender psychosozialer Belastungssituation auszuge
hen. Aufgrund dieser Einschränkungen sei momentan eine
Arbeitstä
tigkeit
auf dem ersten Arbeitsmarkt zu 100
%
nicht realistisch. Unter der Voraussetzung, dass der Versicherte die linke Schulter wieder belasten könne, sei ein 50%iges Arbeitspensum jedoch denkbar (
Urk.
10 S. 3 am Ende). Während der
Hospitali
sation
habe der Versicherte ein Vorstellungsgespräch für eine Arbeitstätigkeit in seinem erlernten Beruf mit möglichem Arbeitsbeginn im Juli 2012 wahrge
nommen, wobei eine Entscheidung des Arbeitgebers zum Zeit
punkt des Aus
trittes noch ausstehend gewesen sei (
Urk.
10 S. 4).
4.
4.1
4.1.1
Dem Unfallschein UVG der Suva ist zu entnehmen, dass beim Versicherten nach dem am 11. Januar 2008 erlittenen Unfall bis am
3.
Februar 2008 eine 100%ige und ab dem
4.
Februar 2008 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Die am
3.
Juni 2008 erfolgte Steigerung des Arbeitspensums auf 80
%
konnte le
diglich bis am 2
3.
Juni 2008 eingehalten werden (
Urk.
7/40 S. 7)
,
danach be
stand wieder eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
Eine anhaltende
, 50%ige Arbeitsunfähigkeit wurde auch von
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, im Arztbericht vom
2
5.
Feb
ruar 2009 bestätigt (
Urk.
7/18 S. 6
Ziff.
1.4) mit dem Hinweis, dass die Prognose aufgrund der chronischen Schmerzentwicklung ungünstig sei.
Auch d
ie
C._
ging von
einem verzögerten Heilungsverlauf nach dem
Sturzerei
g
nis
vom 11. Januar 2008
aus. Nach der im
C._
-Gutachten vertrete
nen Auffassung
war
es dem Versicherten erst
ab Mai 2009
möglich gewesen,
mit der Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess in Form einer körperlich
leichten Tätigkeit zu beginnen und
die Reintegration hätte
– u
nter Berücksichti
gung des
Alters und des gesundheitlichen Zustandes
–
n
ach
3
Monaten
abge
schlossen sein sollen, so dass
ab dem
1.
August 2009 wieder von
einer
Arbeits
fähigkeit im Umfang von 80
%
in einer leidensangepassten Tätigkeit
ausgegan
gen
w
urde
(
Urk.
7/61 S. 37
Ziff.
7.3)
.
4.1.2
Diese Beurteilung überzeugt.
Aufgrund der Tatsache, dass der Versicherte vom
1
5.
März bis 1
1.
April 2009 in der
B._
hospitalisiert war (Urk.
7/25 S. 4 ff.)
,
kann entgegen der Auffassung der IV-Stelle (
Urk.
7/91 S. 8
i.V.m
.
Urk.
7/68 S. 4) nicht spätestens ab März 2009 von der Wiedererlangung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Vielmehr ist auf die Be
urteilung der
C._
abzustellen
,
dass die vom
A._
im Rah
men des
Arbeitsassessment
s
(Urk. 7/24 S. 4
Ziff.
1.3 am Ende)
und von der
D._
attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit erst
im Sommer
2009 eingetreten ist.
Die von der
D._
abgegebene Beurteilung
der somatischen Arbeits
fähigkeit
wird vom Versicherten nicht in Frage gestellt und erweist sich auch aufgrund des Umstandes als richtig, d
ass er sich
im Frühling
2012 für eine Arbeitstätigkeit in seinem erlernten Beruf
bewarb
(
Urk.
10 S. 4). Es ist deshalb davon auszugehen, dass d
er
Versicherte
ab dem
Sommer
2009 sowohl in seiner angestammten als auch in einer mittelschweren Tätigkeit
in somatischer Hin
sicht
zu 100 % arbeitsfähig war.
4.2
4.2
.1
In psychischer Hinsicht ging die IV-Stelle aufgrund der von der
D._
im Rahmen der
interdisziplinären Beurteilung
gemachten Angaben
da
von aus, dass beim Versicherten eine 80%ige Arbeitsfähigkeit bestehe, die durch medizinische Massnahmen in Form einer Psychotherapie auf 100
%
gesteigert werden könne (
Urk.
7/91 S. 9).
Bei näherer
Betrachtung des
Gutachtens der
D._
(Urk.
7/86
S. 46 ff.) wird ersichtlich,
dass
im psychiatrischen Teilgutachten
nicht von einer 80%igen, sondern vielmehr von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit des Versicher
ten ausgegangen wurde, wobei festgehalten wurde, dass der psychische
Ge
sundheitsschaden
im Zeitpunkt des am 1
1.
Januar 2008 erlittenen Unfalls ein
getreten und der Verlauf
seitdem
wechselhaft sei.
Die Diskrepanz zwischen der in der polydisziplinären Beurteilung der
D._
enthaltenen Aussage,
dass
der Versicherte lediglich zu 20
%
arbeits
unfähig sei, und der
im psychiatrischen Teilgutachten enthaltenen Angabe einer 50%igen Arbeitsfähigkeit findet ihre Ursache in der von der
Beschwerdegegne
rin
erfolgten
Fragestellung
. Die
D._
beantwortete im Rahmen der interdisziplinären Beurteilung die von der IV-Stelle gestellte Fr
age, seit wann eine medizinisch
begründete Arbeitsunfähigkeit von 20
%
und mehr be
stehe (
Urk.
7/91 S. 5
Abs.
3
i.V.m
.
Urk.
7/87 S. 3
Ziff.
3
Abs.
5), ohne genauere Angaben zum Ausmass der
tatsächlich
vorhandenen Arbeits
un
fähigkeit zu ma
chen (
Urk.
7/86 S. 9
Abs.
2), und die IV-Stelle ging aufgrund dieser Angabe irrtümlich davon aus, dass beim Versicherten in psychiatrischer Hinsicht eine
80%ige Arbeitsfähigkeit bestehe.
Bei zutreffender Auslegung
der von der
D._
abgegebenen Beurtei
lung ist
somit
davon auszugehen, dass beim
Versicherten
seit dem am 11. Januar 2008 erlittenen Unfall
nicht nur in somatischer, sondern
auch in psychischer Hinsicht
eine
50
%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat
.
4.2
.2
Im Zusammenhang mit der künftigen psychischen Entwicklung hielt die
D._
fest, dass
spätestens 6 Monate nach Vornahme eines spezi
fischen, vorwiegend verhaltenstherapeutischen Therapieversuchs im Rahmen ei
ner stationären Rehabilitation eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne (
Urk.
7/86 S. 71 am Anfang). Den Berich
ten über die
stationären Be
handlungen
zunächst in der
E._
und anschliessend in der
F._
(Urk. 3/4 und Urk. 10) ist jedoch zu entnehmen, dass die prognostizierte Verbesserung des psychischen Zustandes bis am 30. März 2012 nicht eingetreten ist,
da
ihm wei
terhin höchstens eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert wurde (
Urk.
10 S. 3 am Ende).
4.3
Der Beschwerdeführer meldete sich
am
4.
Februar 2009
bei der Invalidenversiche
rung
an (
Urk.
7/11 S. 1
i.V.m
.
Urk.
1 S. 7)
, womit
ein Renten
anspruch
in Anwendung von
Art.
29
Abs.
1 IVG
am
1.
August 2009 entst
ehen konnte. Da ab dem 1
1.
Januar 2008 durchgehend eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden hat,
sind
auch die
Voraussetzungen von Art.
28
Abs.
1 IVG
(vgl. obige E. 1.2)
erfüllt. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass dem Versicherten in der angestammten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert wurde, entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der tatsächlichen Ar
beitsunfähigkeit. Aufgrund der 50%i
g
en Invalidität ist dem Versicherten in Gutheissung der Beschwerde somit ab dem
1.
August 2009 eine halbe Invali
denrente zuzusprechen.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Ver
fahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1'000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind
s
ie der IV-Stelle aufzuerlegen.
5
.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende
b
B
eschwerde
führende
Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Berücksichtigung dieser Kriterien ist
eine
Pro
zessentschädigung
von Fr. 3‘000.-- (inkl.
MWSt
und Barauslagen) angemessen
.