Decision ID: dfa929f7-f6ef-4cac-888f-2637756681a0
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- A. mit als «Eingabe Strafanzeigen gemäss Beilagen + Revisionsgesuch +
Untersuchungsforderung/Strafanzeigen» betitelter Eingabe datiert vom
23. April 2020 an die Bundesanwaltschaft (nachfolgend «BA») gelangte
(act. 1.9; Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2020.196 vom 14. August
2020);
- die BA am 19. Mai 2020 unter der Verfahrensnummer SV.20.0510 verfügte,
die Strafanzeige werde – soweit eine Bundeszuständigkeit vorliege – nicht
anhand genommen (act. 1.8; Beschluss des Bundesstrafgerichts
BB.2020.196 vom 14. August 2020);
- die Beschwerdekammer eine von A. dagegen erhobene Beschwerde mit Be-
schluss des Bundesstrafgerichts BB.2020.196 vom 14. August 2020 abwies,
soweit darauf einzutreten war;
- die Berufungskammer auf ein von A. dagegen erhobenes Revisionsgesuch
mit Beschluss des Bundesstrafgerichts CR.2020.28 vom 6. Oktober 2020
nicht eintrat;
- A. in diesem Zusammenhang mit Eingaben vom 2. November (act. 1.7; Ak-
ten BA, Reiter 1), 19. November 2020 (act. 1.6; Akten BA, Reiter 2), sowie
6. Januar (act. 1.5; Akten BA, Reiter 3) und 1. Februar 2021 (act. 1.4; Akten
BA, Reiter 5) an die BA gelangte;
- die BA mit Schreiben vom 27. Januar 2021 unter der Verfahrensnummer
SV.21.0132 A. zusammengefasst mitteilte, sie könne auf Anträge oder Ge-
suche im Zusammenhang mit bzw. Wiederholungen einer zuvor rechtskräftig
mit Nichtanhandnahmeverfügung erledigten Strafanzeige nicht eintreten
(act. 1.3; Akten BA, Reiter 4);
- A. mit Eingabe vom 4. Februar 2021 (act. 1.2; Akten BA, Reiter 6) erneut an
die BA gelangte; er darin geltend macht, es lägen neue Beweismittel im
Sinne von Art. 323 StPO vor, weshalb die Wiederaufnahme des durch Nicht-
anhandnahmeverfügung vom 19. Mai 2020 beendeten Verfahrens zu verfü-
gen sei; er ausserdem um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege er-
sucht und zudem um Zustellung sämtlicher Verfahrensakten im Original er-
sucht, ansonsten «er die Erstellung dieser zu benannten Kosten» verrech-
nen müsse;
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- die BA am 17. März 2021 unter der Verfahrensnummer SV.21.0132 diesbe-
züglich verfügte, dass die nicht anhand genommene Strafanzeige vom
24. (recte: 23.) April 2020 nicht wiederaufgenommen werde (Dispositiv-
Ziff. 1) und dass die Kosten zu Lasten des Staates gehen (Dispositiv-Ziff. 2;
act. 1.1; Akten BA, Reiter 7);
- A. dagegen mit Beschwerde vom 28. März 2021 an die Beschwerdekammer
gelangt (act. 1); er sinngemäss beantragt, es sei die Verfügung vom 17. März
2021 aufzuheben, es sei die BA anzuweisen, das durch Nichtanhandnahme-
verfügung vom 19. Mai 2020 beendeten Verfahrens wiederaufzunehmen;
darüber hinaus sei für das Verfahren vor der BA die unentgeltliche Rechts-
pflege zu gewähren und (eventualiter) die BA anzuweisen, ihm die vollstän-
digen Original-Akten (547 Seiten) umgehend zu retournieren; er ferner um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das vorliegende Beschwer-
deverfahren ersucht;
- A. unaufgefordert eine weitere Eingabe vom 4. April 2021 (Poststempel:
5. April 2021) einreichte (act. 3);
- die BA am 12. April 2021 der Beschwerdekammer aufforderungsgemäss ihre
Verfahrensakten SV.21.0132 übermittelte (act. 4);
- A. unaufgefordert eine weitere Eingabe vom 27. Dezember 2021 (Poststem-
pel: 29. Dezember 2021) einreichte (act. 5).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft bei
der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde erhoben wer-
den kann (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG);
- die Verweigerung der Wiederaufnahme eines durch Nichtanhandnahmever-
fügung rechtskräftig beendeten Verfahrens zulässiges Anfechtungsobjekt
bildet (vgl. LANDSHUT, Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2020, Art. 323 StPO
N. 30; ROTH/VILLARD, Commentaire romand, 2. Aufl. 2019, Art. 323 StPO
N. 11a; im Gegensatz zur Wiederaufnahme eines durch Nichtanhandnahme-
verfügung rechtskräftig beendeten Verfahrens, vgl. hierzu BGE 144 IV 81);
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- zur Beschwerde jede Partei oder jeder andere Verfahrensbeteiligte berech-
tigt ist, welche oder welcher ein rechtlich geschütztes Interesse an der Auf-
hebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides hat (Art. 382 Abs. 1
StPO; Art. 105 Abs. 1 lit. f und Abs. 2 StPO);
- die geschädigte Person somit grundsätzlich nur insoweit zur Beschwerde le-
gitimiert ist, als sie sich im Sinne der Art. 118 f. StPO als Privatklägerschaft
konstituiert hat bzw. als sie noch keine Gelegenheit hatte, sich als Privatklä-
gerschaft zu konstituieren (vgl. zur Beschwerde gegen Nichtanhandnahme-
verfügungen u.a. den Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2019.196 vom
11. Dezember 2019 E. 1.2.1 mit Hinweis);
- vorliegend die Beschwerdelegitimation des Beschwerdeführers zu bejahen
ist;
- die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide innert
zehn Tagen schriftlich und begründet einzureichen ist (Art. 396 Abs. 1 StPO);
- wenn die Schweizerische Strafprozessordnung verlangt, dass das Rechts-
mittel begründet wird, die Person oder die Behörde, die das Rechtsmittel er-
greift, gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO genau anzugeben hat, welche Punkte
des Entscheides sie anficht (lit. a), welche Gründe einen anderen Entscheid
nahe legen (lit. b) und welche Beweismittel sie anruft;
- Antrag und Begründung grundsätzlich jeweils auseinanderzuhalten sind; es
bei Laieneingaben indes genügen kann, wenn die Anträge hinreichend deut-
lich aus der Begründung hervorgehen (ZIEGLER/KELLER, Basler Kommentar,
2. Aufl. 2014, Art. 385 StPO N. 1b);
- in der vorliegenden Beschwerdeschrift zwar eine klare Trennung zwischen
Anträgen und Begründung nicht zu erkennen ist; aus ihr aber hinreichend
deutlich hervorgeht, wie und aus welchen Gründen zu entscheiden sei;
- auf die im Übrigen fristgerecht erhobene Beschwerde gegen die Verfügung
vom 17. März 2021 also grundsätzlich einzutreten ist;
- der Streitgegenstand durch die angefochtene Verfügung oder Verfahrens-
handlung verbindlich festgelegt wird und vom Beschwerdeführer nicht frei
bestimmt werden kann; die Beschwerdekammer nicht Gegenstände beurtei-
len kann, über welche die vorinstanzliche Strafbehörde nicht entschieden hat
(vgl. GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessord-
nung, 2011, N. 390 und 543);
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- die angefochtene Verfügung einzig die Wiederaufnahme zum Gegenstand
hat;
- soweit der Beschwerdeführer beantragt, es sei für das Verfahren vor der BA
die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und (eventualiter) es sei die BA
anzuweisen, ihm die vollständigen Original-Akten (547 Seiten) umgehend zu
retournieren, darauf nicht einzutreten ist;
- der Beschwerdeführer geltend macht, die gesamten vorgängig eingegebe-
nen Akten seien in vollem Umfang als neu zu werten, weil die Beschwerde-
gegnerin sie gar nie geprüft habe;
- gemäss Art. 323 Abs. 1 StPO die Staatsanwaltschaft die Wiederaufnahme
eines durch Einstellungsverfügung rechtskräftig beendeten Verfahrens ver-
fügt, wenn ihr neue Beweismittel oder Tatsachen bekannt werden, die für
eine strafrechtliche Verantwortlichkeit der beschuldigten Person sprechen
(lit. a) und sich nicht aus den früheren Akten ergeben (lit. b); diese beiden
Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein müssen (BGE 141 IV 194 E. 2.3
S. 197);
- Art. 323 StPO aufgrund der Verweisung in Art. 310 Abs. 2 StPO auch auf die
Wiederaufnahme eines durch Nichtanhandnahmeverfügung beendeten Ver-
fahrens Anwendung findet (vgl. auch Art. 11 Abs. 2 StPO); an die Wieder-
aufnahme in diesem Fall jedoch noch geringere Voraussetzungen geknüpft
sind als an die Wiederaufnahme nach einer Einstellung (BGE 141 IV 194
E. 2.3 S. 198 mit Hinweis);
- Beweismittel oder Tatsachen neu sind, wenn sie zum Zeitpunkt der Nichtan-
handnahme unbekannt waren; entscheidend dabei ist, ob entsprechende
Hinweise in den Akten vorhanden waren oder nicht (vgl. BGE 141 IV 194
E. 2.3 S. 197);
- der Beschwerdeführer weder in seinen Eingaben an die Beschwerdegegne-
rin, noch in seinen Eingaben an die Beschwerdekammer Beweismittel oder
Tatsachen geltend macht, die zum Zeitpunkt der Nichtanhandnahme unbe-
kannt waren;
- er vielmehr auf die gesamten vorgängig eingegebenen Akten verweist und
damit im Ergebnis die Nichtanhandnahmeverfügung vom 19. Mai 2020 be-
anstandet; dem Beschwerdeführer offenstand, diese auf dem Rechtsmittel-
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weg überprüfen zu lassen; der Beschwerdeführer mit Beschwerde und Re-
visionsgesuch von dieser Möglichkeit ausschöpfend Gebrauch machte; es
nicht angeht, über die Wiederaufnahme darauf zurückzukommen;
- die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme eindeutig nicht erfüllt sind;
- die Ablehnung der Wiederaufnahme durch die Beschwerdegegnerin nicht zu
beanstanden ist;
- sich die Beschwerde nach dem Gesagten als offensichtlich unbegründet er-
weist, weshalb sie ohne die Durchführung eines Schriftenwechsels abzuwei-
sen ist, soweit darauf einzutreten ist (Art. 390 Abs. 2 StPO im Umkehr-
schluss);
- bei diesem Ausgang des Verfahrens das Gesuch des Beschwerdeführers
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das vorliegende Be-
schwerdeverfahren wegen Aussichtslosigkeit abzuweisen ist (vgl. Art. 29
Abs. 3 BV; Urteil des Bundesgerichts 1B_705/2011 vom 9. Mai 2012
E. 2.3.2);
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (vgl. Art. 428 Abs. 1 StPO) und die Gerichtsgebühr
auf Fr. 200.– festzusetzen ist (vgl. Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 1 des
Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten,
Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR
173.713.162]);
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