Decision ID: f29d3f6f-a4e2-4262-9946-d79450ff105d
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Taggeld
Sachverhalt:
A.
A.a Im IV-Verfahren von A._ wurde gemäss Mitteilung der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen vom 21. Januar 2010
(act. 3) eine Abklärung während der Zeit vom 18. Januar 2010 bis 12. Februar 2010
angeordnet. Den Angaben zum grossen Taggeld (act. 4) war zu entnehmen, dass der
Anspruch bis 14. Februar 2010 dauere. Der Versicherte sei völlig und dauernd an der
Arbeit verhindert. Er habe die letzte Tätigkeit (als Selbständigerwerbender) wegen des
Gesundheitsschadens im Juli 2008 aufgegeben. Weil er in den letzten Jahren ein
unregelmässiges Einkommen erzielt habe, sei für die Taggeldberechnung das
Einkommen der letzten zwölf Monate vor Eintritt des Gesundheitsschadens
berücksichtigt worden: Von Juli 2007 bis Juni 2008 habe das Valideneinkommen
Fr. 115'239.-- ausgemacht (50 % von Fr. 69'827.-- gemäss Lohnausweis 2007
zuzüglich 50 % von Fr. 160'650.-- gemäss Steueramt-Auszug 2008). Gemäss
Steueramt-Auszug 2007 sei das Einkommen damals allerdings null gewesen. Wie
einem Mail der zuständigen Ausgleichskasse an den Versicherten vom 5. Mai 2010
(act. 13, siehe unten E. A.b) zu entnehmen ist, war offenbar deshalb allein das
Einkommen gemäss Steueramt-Auszug 2008 halbiert und auf die Basis 2010
angehoben worden, was Fr. 81'267.25 ergeben hatte (in der Folge wohl mal 0.8/365).
Mit Verfügung vom 11. Februar 2010 (IV-act. 68) sprach die IV-Stelle des Kantons
St. Gallen dem Versicherten für die Zeit vom 18. Januar 2010 bis 14. Februar 2010 ein
Taggeld von Fr. 178.40 zu. Mit Verfügung vom 4. März 2010 kam sie auf die Verfügung
insofern zurück, als sie das Taggeld lediglich bis zum 9. Februar 2010 (Austritt)
zusprach (IV-act. 75).
A.b In einem Mail vom 27. April 2010 (act. 17) teilte der Versicherte der
Ausgleichskasse mit, es sei ihm von der IV ein Taggeld von rund Fr. 178.-- in Aussicht
gestellt worden. Aufgrund seines Verdienstes von Fr. 185'196.-- im Jahr 2008 scheine
ihm dies nicht angemessen. Es sollten Fr. 405.90 sein. Auch wenn er die Jahreslöhne
von 2005 bis 2008 zusammenrechne, ergebe sich ein höherer Betrag. - Die
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Ausgleichskasse teilte ihm am 5. Mai 2010 (act. 13) mit, grundsätzlich werde das
Einkommen berücksichtigt, auf welchem ein Versicherter im Jahr vor Eintritt des
Gesundheitsschadens Beiträge bezahlt habe, für ihn also im Jahr 2007. Das
Einkommen habe gemäss IK-Auszug Fr. 18'794.80 betragen, so dass das Taggeld
Fr. 41.60 ergeben würde. Die IV-Stelle habe vorgesehen, wegen der schwankenden
Einkommen jene der letzten zwölf Monate zu berücksichtigen. Der Durchschnitt der
steuerbaren Einkommen (2007: null, 2008: Fr. 160'650.--) von Fr. 80'325.-- sei mit dem
Index 2010 auf Fr. 81'267.25 aufgewertet worden. - Der Versicherte wandte
gleichentags ein, die Krankmeldung habe am 10. Juli 2008 stattgefunden. Im Jahr 2008
seien Fr. 185'196.10 verbucht. Im Jahr 2007 habe er nur einen Monat gearbeitet, aber
gleichwohl knapp Fr. 70'000.-- versteuert. Es ergäbe sich demnach bei einem Total von
Fr. 220'196.10 (Fr. 185'196.10 zuzüglich ca. Fr. 35'000.--) ein Taggeld von Fr. 482.60. -
Am 28. Mai 2010 (act. 9) teilte ihm die IV-Stelle mit, es sei vereinbart worden, dass die
IV die Kosten für die Umschulung zum Technischen Kaufmann übernehme. Es sei eine
etappenweise Zusprechung vereinbart worden. Die Kostengutsprache für den
Vorbereitungskurs sei ihm am 14. Mai 2010 zugestellt worden. Am 14. Mai 2010 (IV-
act. 91) hatte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem Versicherten die Kosten für
die Umschulung (Vorbereitungskurs Technischer Kaufmann) für die Zeit vom 3. Mai bis
2. Oktober 2010 zugesprochen. Die Mitteilung hatte einen Hinweis auf eine
gemeinsame Zielvereinbarung vom 27. April 2010 enthalten. Darin (IV-act. 87) war
festgehalten worden, dass die Sozialversicherungsanstalt die Kosten der Umschulung
übernehme, und zwar in folgenden Etappen: Kaufmännisches Basisdiplom,
Kaufmännisches Kaderdiplom, Technischer Kaufmann, Technischer Kaufmann mit
eidgenössischem Fachausweis (jeweils nach Eingang der Zeugnisse). Dem Antrag (IV-
act. 85) bzw. der Offerte (IV-act. 86) war zu entnehmen gewesen, dass sich die
Umschulung aus einem Vorbereitungskurs (19. April bis 2. Oktober 2010), einem
Hauptkurs (25. Oktober 2010 bis 1. Oktober 2011), einem Praktikum mit Stoffrepetition
(24. Oktober 2011 bis 31. März 2012) und einer Prüfungsvorbereitung (23. April 2012
bis 29. September 2012) zusammensetze. - Am 2. Juni 2010 (act. 8) schrieb die IV-
Stelle dem Versicherten bezugnehmend auf ein Mail von ihm vom 1. Juni 2010, der
Einwand bezüglich Taggeldbasis müsse in Form einer Beschwerde an das
Versicherungsgericht gerichtet werden. Der Versicherte hatte in einem Schreiben vom
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1. Juni 2010 (IV-act. 95) ein Erwerbseinkommen vor dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
von Fr. 185'196.10 geltend gemacht.
A.c Mit zwei Verfügungen vom 3. Juni 2010 sprach die IV-Stelle des Kantons
St. Gallen dem Versicherten für die Zeit vom 18. Januar bis 9. Februar 2010 und für die
Zeit vom 3. Mai 2010 bis 3. Oktober 2010 ein Taggeld von Fr. 165.60 zu (act. 22 f.). In
einem Begleitbrief (act. 21) wurde erklärt, grundsätzlich sei auf das Einkommen 2007
zurückzugreifen und dieses auf das Jahr 2010 aufzuwerten. Da seine Einkünfte
allerdings schwankend seien, berücksichtige man die Einkommen 2007 und Januar bis
Juni 2008. Da keine Angaben zu den einzelnen Monatslöhnen vorhanden seien, werde
für Januar bis Juni 2008 vom halben Jahreseinkommen 2008 gemäss
Lohnbescheinigung ausgegangen. Das Ergebnis der achtzehn Monate sei auf ein Jahr
umgerechnet und auf das Jahr 2010 aufgewertet worden. Das Taggeld betrage neu
Fr. 165.50 (recte: Fr. 165.60), und zwar auch rückwirkend. Die zu viel bezahlten
Taggelder für die Zeit vom 18. Januar 2010 bis 9. Februar 2010 würden
zurückgefordert (und von der neuen Auszahlung abgezogen, d.h. mit ihr verrechnet).
Gemäss einer Besprechungsnotiz (act. 20) seien das IK-Einkommen des Jahres 2007
von Fr. 18'793.-- und die Hälfte des IK-Einkommens von 2008 zusammenzurechnen
(zu einem Total von Fr. 111'391.-- für achtzehn Monate; Durchschnitt für zwölf Monate:
Fr. 74'260.--, Basis 2008, noch aufzuwerten). Die Verfügungen erwuchsen in formelle
Rechtskraft, da eine rechtzeitige Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen nicht anhängig gemacht worden ist (Nichteintreten auf eine Eingabe vom
16. Juli 2010 mit Präsidialentscheid vom 6. Oktober 2010, IV 2010/389).
A.d Am 8. Oktober 2010 (IV-act. 121) sprach die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
dem Versicherten, wiederum bezugnehmend auf die Zielvereinbarung vom 27. April
2010, die Übernahme der Umschulung zum Technischen Kaufmann mit
eidgenössischem Fachausweis in der Zeit vom 4. Oktober 2010 bis 6. Oktober 2012
zu.
A.e Mit Verfügung vom 28. Oktober 2010 sprach die IV-Stelle des Kantons St. Gallen
dem Versicherten für die Zeit vom 4. Oktober 2010 bis 7. Oktober 2012 aufgrund dieser
Umschulung ein IV-Taggeld zu, das bis 17. Januar 2012 Fr. 165.60 pro Tag
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(Grundentschädigung) ausmache. Das durchschnittliche Tageseinkommen betrage
Fr. 207.--.
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 2. September 2010
(Poststempel: 3. November 2010). Der Beschwerdeführer beantragt sinngemäss, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm ab Februar 2010 ein Taggeld
auszuzahlen, das auf der Grundlage des IK-Auszugs für das Jahr 2008 zu berechnen
sei, dazu 5 % Zins. Die Taggeldberechnung sei falsch, was er der zuständigen
Ausgleichskasse gegenüber mehrfach erfolglos mitgeteilt habe. Wie dem beigelegten
IK-Auszug zu entnehmen sei, habe der Verdienst bis zum Krankheitseintritt
Fr. 185'196.-- betragen. - Am 9. November 2010 ersuchte er um unentgeltliche
Prozessführung (recte: Rechtspflege; Befreiung von den Gerichtskosten). Dem Gesuch
wurde am 7. Januar 2011 entsprochen.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 4./6. Januar 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Es werde auf die Stellungnahme der zuständigen
AHV-Ausgleichskasse vom 9. Dezember 2010 hingewiesen. - Die Kasse hatte darin
erklärt, das letzte relevante Einkommensjahr vor der Gesundheitsverschlechterung sei
das Jahr 2007. In jenem Jahr habe der Beschwerdeführer einen unsicheren Verdienst
erzielt. Deshalb habe sie eine Mischrechnung mit dem tieferen Einkommen 2007 und
dem massiv höheren Einkommen 2008 gemacht und ihm das mit den Verfügungen
vom 3. Juni 2010 mitgeteilt. Dagegen habe er keine Beschwerde erhoben. Der
Taggeldansatz sei angemessen und bewege sich im Rahmen der gesetzlichen
Möglichkeiten. Die zahlreichen Korrespondenzen und Telefonate zeugten von ihrer
Absicht, dem Beschwerdeführer die Berechnung verständlich zu machen.
D.
Nach Akteneinsichtnahme vom 10. Januar 2011 beantragt der Beschwerdeführer in
seiner Replik vom 17./18. Januar 2011 sinngemäss, ihm das Höchsttaggeld von
Fr. 346.-- zuzusprechen. Teile man Fr. 69'827.-- (2007) durch zwei und multipliziere
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(gemeint wohl: addiere) das Ergebnis mit Fr. 185'196.10, gelange man zu einem
realistischen Ergebnis, nämlich einem Taggeld von Fr. 489.12 (Fr. 220'109.50/360 x
80 %). Bei einem Eingliederungsgespräch vom 20. April 2010 sei ihm erklärt worden,
dass keine Umschulung zustande kommen werde, wenn er mit dem Betrag des
Valideneinkommens nicht einverstanden sei. Er habe darauf bestanden, dass das
Taggeld nach dem tatsächlichen Verdienst berechnet werde. Unzählige Male habe er
versucht, die IV-Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass die Berechnung falsch sei. Bei
einem Telefongespräch vom 28. Mai 2010 habe die Sachbearbeiterin der IV-Stelle den
Fehler erkannt und ihm eine neue Berechnung und eine Information der
Ausgleichskasse versprochen. Am 1. Juni 2010 habe er mit der Ausgleichskasse
telefoniert; dort sei keine entsprechende Information angekommen. Dann sei die
Einsprachefrist abgelaufen. Er habe zwar noch versucht, Einsprache einzureichen,
doch habe sich das Versicherungsgericht darauf berufen, dass die Frist abgelaufen sei.
Daraufhin seien am 3. Juni 2010 zwei Verfügungen und ein Schreiben ergangen mit
einer rückwirkenden Taggeldneuberechnung mit einem noch tieferen Taggeldansatz. Er
habe die Höhe des Taggeldes von Anfang an bestritten. Es könne doch nicht sein, dass
man von der Grosszügigkeit der Mitarbeiter einer Sozialversicherung abhängig sei. Die
Berechnungen seien falsch. Der sehr gute Lohn von 2008 sei in den ersten sechs
Monaten zustande gekommen. Ab 11. Juli sei er zu 100 % arbeitsunfähig gewesen.
Wahrscheinlich weil die Buchhaltung in der Lohnmeldung an die AHV den Lohn für die
Zeit bis Dezember gemeldet habe, sei der Lohn nun auf zwölf Monate verteilt und dann
noch durch zwei geteilt worden. Der Lohn 2007 hingegen sei nicht auf das ganze Jahr
hochgerechnet worden. Dort habe man sich mit einem einzigen Monat der
Arbeitstätigkeit begnügt, obwohl ein Einkommen von Fr. 69'827.-- versteuert worden
sei. Ein Vergleich mit 2006 (rund Fr. 100'000.-- zuzüglich ca. Fr. 40'000.--
Zusatzleistungen) hätte gezeigt, dass etwas nicht stimmen könne. Auch die Variante
mit Einbezug der Jahre 2005 bis 2008 stimme nicht, ebenso wenig jene mit den
Angaben der Steuerbehörden, handle es sich dort doch um Nettolohnsummen. Durch
das Vorenthalten der Hälfte der ihm zustehenden Taggelder seien bei ihm und seiner
Partnerin erhebliche Verluste eingetreten. Aus einer beigelegten Lohnabrechnung eines
ehemaligen Mitarbeiters, der nicht mehr im Akkord arbeitete, wie er selber dies bis
2008 gemacht habe, würden die grösseren, in der Branche durchaus üblichen
Lohnbeträge verständlich.
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E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 21. Januar 2011 an ihrem Antrag festgehalten und auf
die Erstattung einer Duplik verzichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 28. Oktober 2010 sprach die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer ein IV-Taggeld zu, das für die Zeit vom
4. Oktober 2010 bis 17. Januar 2012 Fr. 165.60 ausmache. Der Beschwerdeführer
beantragt die Aufhebung der Verfügung und Zusprechung des Maximaltaggelds
rückwirkend ab Februar 2010.
1.2 Die angefochtene Verfügung basiert auf der Zusprechung vom 8. Oktober 2010
einer IV-Umschulung zum Technischen Kaufmann mit eidgenössischem Fachausweis
für die Zeit vom 4. Oktober 2010 bis 6. Oktober 2012.
1.3 Die Beschwerdegegnerin hat allerdings im Rahmen einer erforderlichen IV-
Abklärungsmassnahme (act. 3) und des Eingliederungsplans, wie er am 27. April/4. Mai
2010 vorgesehen worden war (IV-act. 85 ff.), bereits mit formell rechtskräftig
gewordenen Verfügungen vom 3. Juni 2010 - in Wiedererwägung einer früheren
Verfügung vom 4. März 2010 - über den Taggeldanspruch des Beschwerdeführers und
seine Höhe für die Zeit vom 18. Januar bis 9. Februar 2010 (Abklärung) und vom 3. Mai
bis 3. Oktober 2010 (Umschulung, erste Etappe: Vorbereitungskurs) entschieden.
1.4 Da es sich bei diesen IV-Taggeldverfügungen um Verfügungen nicht über einen
abgeschlossenen, sondern über einen Sachverhalt für die Zukunft mit
Evolutionspotenzial (wenn auch auf bestimmte Zeit) handelt, wird ein schutzwürdiges
Vertrauensverhältnis begründet und ist eine gewisse Rechtsbeständigkeit
anzuerkennen, deren Durchbrechung nach den verfahrensrechtlichen Bedingungen der
Verfügungskorrektur zu erfolgen hat. Daran ändert nichts, dass die Taggeldleistung
nach einiger Zeit endet (vgl. Franz Schlauri, Sozialversicherungsrechtliche
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Dauerleistungen, ihre rechtskräftige Festlegung und ihre Anpassung, in: Schaffhauser/
Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2008, S. 89 ff., insbes. S. 105 ff.).
1.5 Die formelle Rechtskraft einer Verfügung über ein Dauerrechtsverhältnis
beschränkt sich auf den Sachverhalt und die Rechtslage zur Zeit ihres Erlasses (vgl.
BGE 127 V 10 E. 4a; BGE 115 V 308; BGE 135 V 201). Ergibt sich nachträglich eine
Änderung der Rechtslage oder des Sachverhalts, hat eine Anpassung zu erfolgen.
Erweist sich die ursprüngliche Verfügung nachträglich infolge Entdeckung neuer
Tatsachen oder Beweismittel, deren Beibringung zuvor nicht möglich war, als
unzutreffend, weil für den Entscheid wesentliche Tatsachen nicht bekannt waren oder
unbewiesen geblieben sind, so ist eine prozessuale Revision am Platz (vgl. für eine
Urteilsrevision: BGE 110 V 138; BGE 108 V 171). Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG
schliesslich kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn
ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (vgl. auch BGE 127 V 466 E. 2c). Die
Verwaltung kann allerdings weder vom Betroffenen noch vom Richter zu einer
Wiedererwägung verhalten werden (Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S V. vom 30. August 2004, I 284/04).
1.6 Die IV-Taggelder sind Dauerleistungen, die von Anpassungsgründen gemäss
Art. 17 Abs. 2 ATSG betroffen sein und deswegen verändert oder eingestellt werden
können, die aber auch insofern befristet sind, als sie bei Beendigung der Massnahme
(mit dem Erreichen deren Eingliederungszwecks; vgl. Franz Schlauri, a.a.O., S. 107 f.;
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S B. vom 29. August
2007, IV 2006/195) dahinfallen.
2.
2.1 Die angefochtene Verfügung beinhaltet die Taggeldzusprechung für eine weitere
Eingliederungsphase nach Ablauf einer früheren befristeten Zusprechung, nämlich für
jene in der Zeit vom 4. Oktober 2010 bis 7. Oktober 2012 während der restlichen
Umschulung zum Technischen Kaufmann, diese verfügt am 8. Oktober 2010. Die
Taggeldhöhe wurde dabei im Übrigen einstweilen nur bis zum 17. Januar 2012
festgelegt, weil während der Eingliederung gemäss Art. 21 IVV alle zwei Jahre von sexies
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Amtes wegen zu prüfen ist, ob sich das für die Taggeldbemessung massgebende
Einkommen geändert hat, also bis zu einem Anpassungstermin von Gesetzes wegen.
2.2 Es fragt sich nach dem Dargelegten, ob die Leistungsverfügung für eine weitere
Etappe der Eingliederung alle einzelnen Berechnungsfaktoren des Taggeldanspruchs
neu festzulegen hat oder ob diese Faktoren über die Befristung der früheren,
rechtskräftigen Leistungszusprache hinaus (für die gesamte Massnahme)
rechtsverbindlich festgelegt sind.
3.
3.1 Handelte es sich in der Verfügung vom 3. Juni 2010 um eine eigentliche
Befristung mit Beendigung der Rechtskraftbindung, so musste für die Zeit ab
4. Oktober 2010 frei geprüft werden, ob und gegebenenfalls in welcher Höhe weiterhin
ein Taggeldanspruch bestehe. Dem Leistungsempfänger ist es diesfalls verwehrt, sich
für die neue Leistungsperiode auf den Grundsatz der Rechtssicherheit bzw. den
Vertrauensgrundsatz zu berufen. Er muss - trotz anhaltenden Leistungsbedarfs - mit
jedem Ablauf der befristeten Leistungszusprache damit rechnen, dass die Leistung
nicht mehr oder nicht mehr in der bisherigen Höhe ausgerichtet würde (so der nicht
veröffentlichte Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S H. vom
20. Januar 2004, IV 2003/77). Anderseits kann er alle Elemente bei jeder Zusprechung
für eine weitere Etappe einer neuen Überprüfung zuführen.
3.2 Eine Befristung kann indessen auch als blosser "amtlicher Revisionstermin" zu
interpretieren sein (so dargelegt in IV 2003/77). Bei unveränderten Verhältnissen rufen
auch an sich befristete, sich wiederholende leistungszusprechende Verfügungen die
Erwartung auf weitere gleichlautende Verfügungen hervor. Das rechtfertigt es nach
Vertrauensgrundsätzen, einen Sachverhalt und seine rechtliche Regelung wie einen
offenen Dauersachverhalt bzw. eine Dauerverfügung zu behandeln (so der nicht
veröffentlichte Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S R. vom
16. Januar 2004, EL 2002/125). Dieselben Gründe, welche die Zusprache einer IV-
Zeitrente ausschliessen (Vertrauensschutz, Rechtssicherheit, Rechtsgleichheit), finden
sich auch bei der Zusprache z.B. eines Hörgerätes und einer medizinischen
Massnahme, sofern der Zeitpunkt des Eintritts des Behandlungserfolgs noch nicht
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feststeht, oder bei der Übernahme von Hauspflegekosten. Es gibt kein schutzwürdiges
Interesse der Verwaltung daran, die Leistungsberechtigung in kurzen Abständen jeweils
von Grund auf neu überprüfen zu können. Der Leistungsberechtigte hingegen hat jedes
Interesse daran, sich ein für allemal auf eine Leistungsausrichtung für die gesamte
Dauer des Leistungsbedarfs einstellen zu können (so dargelegt in IV 2003/77).
Anderseits ist er in diesen Fällen auch selber an die Rechtskraft gebunden und kann sie
nur noch mit den oben erwähnten Anpassungs- oder Rückkommenstiteln beseitigen.
3.3 Da vorliegend schon von Anfang an eine längerdauernde Umschulung
vorgesehen war, welche lediglich aus praktischen Gründen in einzelne Etappen
unterteilt wurde, ist davon auszugehen, dass es sich um eine einzige Massnahme
handelte. Die Taggeldverfügungen für einzelne Phasen dieser Massnahme sind bei
solchen Verhältnissen nicht wie Verfügungen über neue Leistungsgesuche (ohne
Rechtskraftbindung) zu behandeln. Die Beschwerdegegnerin hat denn auch die
Taggeldhöhe in der angefochtenen Verfügung unverändert (gemäss der rechtskräftigen
Verfügung vom 3. Juni 2010) belassen und vorgängig kein Verwaltungsverfahren zur
Bemessung der Taggeldbasis durchgeführt. Sie ist demnach ebenfalls davon
ausgegangen, dass die Bemessung der Taggeldhöhe in der Verfügung vom 3. Juni
2010 für die gesamte Eingliederungszeit (d.h. für alle vorgesehenen Etappen) ein für
allemal (unter Vorbehalt allfälliger Anpassungsgründe oder Rückkommenstitel)
festgelegt wurde. Es kann ihr darin gefolgt werden. Gehalt der angefochtenen
Verfügung bildet einzig die Zusprechung des Taggelds für eine weitere Phase der
Eingliederung (die "Verlängerung"), während die Taggeldhöhe nicht
Verfügungsgegenstand bildet und daher auch nicht Streitgegenstand darstellen kann.
3.4 Bei Dauerverfügungen wird nach der Rechtsprechung während der gesamten
Leistungsbezugszeit Rechtsbeständigkeit der Grundverfügung angenommen. Diese
steht einer Überprüfung der Berechnungsfaktoren anlässlich der periodischen
Rentenanpassungen der Grundverfügung entgegen. Insofern haben die
Berechnungsfaktoren einer Rente oder des Taggeldes Anteil an der Rechtskraft der
entsprechenden Verfügung (Bundesgerichtsentscheid i/S G. vom 16. April 2010,
9C_782/2009; BGE 117 V 121 E. 3 S. 124; EVGE 1962 S. 198). - Die Rechtskraft der
Anspruchsvoraussetzungen und Faktoren der Leistungsbemessung verhindert daher -
vorbehältlich von Anpassung, prozessualer Revision oder Wiedererwägung des
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rechtskräftigen Entscheids -, diese bei jeder neuen Bezugsperiode in Frage stellen und
prüfen zu können (vgl. 9C_782/2009 E. 2; BGE 136 V 369 E. 3.1.1).
3.5 Der Beschwerdeführer hat im Verwaltungsverfahren kein Gesuch um Anpassung,
prozessuale Revision oder Wiedererwägung gestellt, das die Beschwerdegegnerin
bearbeitet oder zu bearbeiten gehabt hätte. Ein Zurückkommen auf die bereits früher
für die Dauer der Umschulung festgelegte Taggeldhöhe ist somit im vorliegenden
Verfahren nicht möglich. Auf die Beschwerde kann daher nicht eingetreten werden. Der
in der Beschwerde gestellte Antrag des Beschwerdeführers auf rückwirkende Korrektur
kann zuständigkeitshalber an die Beschwerdegegnerin überwiesen werden. Sofern
keine Gründe für eine prozessuale Revision geltend gemacht werden und der Antrag
lediglich als Wiedererwägungsgesuch zu verstehen wäre, ist der Beschwerdeführer
darauf hinzuweisen, dass die Verwaltung zum Eintreten auf ein solches Gesuch wie
erwähnt nicht verpflichtet ist.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
Die Beschwerdeschrift ist der Beschwerdegegnerin im Sinne der Erwägungen zu
überweisen.
4.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Der
Beschwerdeführer ist im Verfahren unterlegen, weshalb ihm die Gerichtskosten in der
Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen sind. Zufolge der Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) am 7. Januar 2011 ist er jedoch von
deren Bezahlung zu befreien. Wenn seine wirtschaftlichen Verhältnisse es ihm
gestatten, kann er allerdings zur Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet werden
(vgl. Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
bis
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