Decision ID: 591bdab7-2e72-5f35-a53e-c7aa80c34c37
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (act. G 1.18), war ab dem 15. März 2016 bei der B._ AG als Bauarbeiter
ohne Fachkenntnisse angestellt (zum Arbeitsvertrag vom 15. März 2016 siehe act.
G 1.3). Über die Arbeitgeberin war er bei der AXA Versicherungen AG
krankentaggeldversichert (zur Police siehe act. G 1.1 und zu den allgemeinen
Versicherungsbedingungen [nachfolgend: AVB] siehe act. G 1.2). Am 30. November
2016 erlitt A._ beim Verschieben eines schweren Gegenstands mit dem Kran am
linken Zeigefinger eine erstgradig offene Endgliedfraktur (siehe den Bericht des Spitals
C._ vom 1. Dezember 2016 zur Notfallkonsultation vom 30. November 2016, act.
G 1.5). Die am Spital C._ behandelnde D._, Assistenzärztin Chirurgie, bescheinigte
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Tätigkeiten im angestammten Beruf, die nur mit
rechts durchgeführt werden könnten, seien erlaubt (act. G 1.6). Die Arbeitgeberin
meldete den Unfall am 30. November 2016 der Suva (act. G 1.9). Diese erbrachte in der
Folge Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen (act. G 1.10 f.).
A.a.
Am 31. Januar 2017 wurde A._ wegen einer am Anfang des Jahres 2017
aufgetretenen Schmerzzunahme zufolge Ischialgien im Bereich des linken Beins an
einer grossen und nach kaudal sequestrierenden Diskushernie L5/S1 links operiert. Am
3. Februar 2017 unterzog er sich einer Fenestration L5/S1 links mit Entfernung eines
teilweise verwachsenen Sequesters in mikrochirurgischer Technik (siehe die
Operationsberichte von Dr. med. E._, Facharzt für Neurochirurgie, vom 13. und
16. Februar 2017, act. G 1.20; siehe hierzu sowie zur vom 27. Januar bis 7. März 2017
bescheinigten 100%igen Arbeitsunfähigkeit den Austrittsbericht der Klinik für
Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen [KSSG] vom 16. Februar 2017 betreffend
A.b.
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die dort vom 27. Januar bis 15. Februar 2017 erfolgte Hospitalisation, act. G 1.21). Vom
15. Februar bis 7. März 2017 befand sich A._ zur stationären Rehabilitation in der
Klinik F._ (Austrittsbericht vom 6. März 2017, act. G 1.22). In der
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom 6. März 2017 führte die dort behandelnde med.
pract. G._ aus, die vorausgeübte Tätigkeit als Bauarbeiter werde als nicht
leidensgerecht eingestuft. Künftig zumutbar seien leichte bis mittelschwere
wechselbelastende Tätigkeiten ohne Heben und Tragen von Lasten über 15 kg. Nicht
möglich seien Zwangshaltungen, Tätigkeiten mit dem Erfordernis der Rotation des
Rumpfes gegen das fixierte Becken. Eine IV-Anmeldung sei erfolgt (act. G 1.24). In der
Folge bescheinigten die Klinik für Neurochirurgie am KSSG (act. G 1.25) und der
behandelnde Dr. med. H._, Facharzt für Allgemeine Medizin, fortlaufend eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 1.26 ff.).
Die Suva stellte die Taggeldleistungen per 8. März 2017 ein (Schreiben vom
28. Juni 2017, act. G 1.17). Am 3. April 2017 meldeten A._ und die B._ AG die
krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit infolge der Diskushernie der AXA Versicherungen
AG (act. G 1.18). Med. pract. I._, Arzt Orthopädie am Spital C._, schloss nach einer
Untersuchung vom 6. April 2017 die Behandlung des linken Fingers ab. Diesbezüglich
sei A._ 100% arbeitsfähig (act. G 1.16). Mit Schreiben vom 25. April 2017 orientierte
die AXA Versicherungen AG die B._ AG über ihren Standpunkt, dass der
Arbeitsvertrag mit A._ auf die Dauer vom 15. März bis 30. November 2016 befristet
gewesen sei. Das Arbeitsverhältnis sei nicht weitergeführt worden. Mit dem
Ausscheiden von A._ aus dem Kreis der versicherten Personen bestehe für die
krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit ab dem 13. Februar 2017 keine
Versicherungsdeckung. Deshalb werde kein Krankentaggeld erbracht (act. G 1.39).
A.c.
Die Ärzte der Klinik für Neurochirurgie am KSSG berichteten nach einer
Untersuchung vom 2. Mai 2017, da nun eine spinale Ursache für die unverändert
geklagten starken Schmerzen in beiden Beinen gestützt auf bildgebende
Abklärungsergebnisse ausgeschlossen werden könne, würden sie die
neurochirurgische Behandlung abschliessen. Die weitere Behandlung erfolge durch die
Schmerzklinik (act. G 1.34).
A.d.
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B.
A._ machte im Schreiben vom 22. Juni 2017 gegenüber der AXA Versicherungen
AG geltend, der Arbeitsvertrag mit der B._ AG sei nicht befristet gewesen (act.
G 9.16). Die AXA Versicherungen AG hielt an ihrer Betrachtungsweise fest, dass das
Arbeitsverhältnis befristet gewesen sei und am 30. November 2016 geendet habe,
weshalb keine Versicherungsdeckung für die Folgen des Rückenleidens bestehe (act.
G 1.40).
A.e.
Dr. H._ bescheinigte A._ am 4. September 2017 aufgrund des Rückenleidens
weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 9.18). Am 29. September 2017
unterzog sich A._ einer von Prof. Dr. med. J._, Facharzt für Neurochirurgie,
durchgeführten transforaminalen Nervenwurzelnblockade S1 links (Operationsbericht
vom 2. Oktober 2017, act. G 1.37).
A.f.
Am 4. Dezember 2017 erhob A._ Klage gegen die AXA Versicherungen AG. Er
beantragte, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm Fr. 48'617.40 nebst Zins zu 5% seit
dem 4. Dezember 2017 zu bezahlen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung brachte er im Wesentlichen vor, zwischen ihm und der B._ AG habe ein
unbefristetes Arbeitsverhältnis bestanden. Die Versicherungsdeckung sei gegeben. Des
Weiteren liege eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Zur Bestimmung des versicherten
Lohns sei auf einen angemessenen Durchschnitt abzustellen (act. G 1).
B.a.
In der Klageantwort vom 26. April 2018 beantragte die Beklagte, die Klage sei
vollumfänglich abzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie hielt daran
fest, dass das Arbeitsverhältnis zwischen dem Kläger und der B._ AG befristet
gewesen sei und keine Versicherungsdeckung bezüglich der vom Kläger geltend
gemachten Taggeldansprüche bestehe. Selbst wenn - was bestritten werde - eine
Versicherungsdeckung bejaht würde, wäre eine Arbeitsunfähigkeit längstens bis
Anfang April 2017 ausgewiesen, wie der beratende Arzt der Beklagten, Dr. med. K._,
in der Stellungnahme vom 13. April 2018 (siehe hierzu act. G 9.21) dargelegt habe (act.
G 9).
B.b.
Die Parteien verzichteten auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung
zugunsten eines zweiten Schriftenwechsels (act. G 14).
B.c.
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Erwägungen
1.
Der Kläger beantragt Taggeldleistungen aus einer kollektiven
Krankentaggeldversicherung.
In der Replik vom 1. Oktober 2018 änderte der Kläger sein Rechtsbegehren
insoweit, dass die Beklagte zu verpflichten sei, ihm Fr. 50'216.30 nebst Zins zu 5% seit
dem 4. Dezember 2017 zu bezahlen. Die Beurteilung durch Dr. K._ hielt er nicht für
beweiskräftig (act. G 19).
B.d.
Die Beklagte hielt in der Duplik vom 13. Dezember 2018 unverändert an der
beantragten Klageabweisung fest (act. G 27).
B.e.
Hierzu äusserte sich der Kläger in der Eingabe vom 9. Januar 2019 (act. G 31).
Gleichentags reichte dessen Rechtsvertreter eine Honorarnote ein (act. G 32).
B.f.
Zur Eingabe des Klägers vom 9. Januar 2019 äusserte sich die Beklagte am
31. Januar 2019 (act. G 34).
B.g.
Gemäss Art. J 1 Abs. 2 der unbestrittenermassen anwendbaren AVB (Stand:
07.2010) kann der Versicherungsnehmer bzw. der Anspruchsberechtigte wahlweise an
folgenden Orten Klage gegen die Beklagte erheben: an seinem schweizerischen
Wohnort, an seinem schweizerischen Arbeitsort oder in Winterthur. Der Kläger rief das
Gericht am Arbeitsort bzw. Wohnort an. Die örtliche Zuständigkeit des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen ist damit gegeben.
1.1.
Das Versicherungsgericht entscheidet gemäss Art. 9 des Einführungsgesetzes zur
Schweizerischen Zivilprozessordnung (EGZPO; sGS 961.2) in Verbindung mit Art. 7 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) als einzige kantonale Instanz über
Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem
Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10). Darunter werden
praxisgemäss auch Zusatzversicherungen wie die vorliegend zu beurteilende
Kollektivtaggeldversicherung subsumiert, auf die das Bundesgesetz über den
Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1) zur Anwendung gelangt (vgl. etwa BGE 138
III 2 E. 1.1). Damit sind vorliegend auch die Voraussetzungen der sachlichen und
funktionellen Zuständigkeit des Versicherungsgerichts erfüllt.
1.2.
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2.
Zwischen den Parteien ist zunächst die Frage der Versicherungsdeckung umstritten.
Währenddem die Beklagte davon ausgeht, der Arbeitsvertrag zwischen der B._ AG
und dem Kläger habe infolge Befristung am 30. November 2017 geendet (act. G 9,
Ziffer 3.3 ff.), vertritt letzterer den Standpunkt, das Anstellungsverhältnis sei unbefristet
gewesen (act. G 1, Rz 15 ff.).
Vor der Klageanhebung beim Versicherungsgericht ist kein Schlichtungsverfahren
gemäss Art. 197 ff. ZPO durchzuführen (vgl. BGE 138 III 564 E. 4.6).
1.3.
Gemäss Art. E 3 Abs. 2 AVB erlischt der Versicherungsschutz für den einzelnen
Versicherten u.a. mit seinem Ausscheiden aus dem Kreis der versicherten Personen.
2.1.
Bei der Beurteilung eines Vertrages sowohl nach Form als nach Inhalt ist der
übereinstimmende wirkliche Wille und nicht die unrichtige Bezeichnung oder
Ausdrucksweise zu beachten, die von den Parteien aus Irrtum oder in der Absicht
gebraucht wird, die wahre Beschaffenheit des Vertrages zu verbergen (Art. 18 Abs. 1
des Obligationenrechts [OR; SR 220]).
2.2.
Im Arbeitsvertrag von 15. März 2016 vereinbarten die nicht rechtskundigen
Vertragsparteien ausdrücklich eine Vertragsdauer vom «15. März 2016 bis
30.11.2016» (act. G 1.3, S. 1). Damit brachten sie mit aller Deutlichkeit den befristeten
Charakter der Vereinbarung zum Ausdruck bzw. dass das Arbeitsverhältnis mit Ablauf
der Befristung von selbst endet. Die gewählte Formulierung entspricht denn auch einer
direkten Bestimmung einer befristeten Dauer, wie sie in den Gesetzesmaterialen
aufgeführt wurde (siehe hierzu die Botschaft zur Volksinitiative «betreffend
Kündigungsschutz im Arbeitsvertragsrecht» und zur Revision der Bestimmungen über
die Auflösung des Arbeitsverhältnisses im Obligationenrecht vom 9. Mai 1984, BBl
1984 II 592). Für die Befristung spricht auch die formell-systematische Stellung der
vereinbarten Vertragsdauer, die unter einem den zeitlichen Rahmen regelnden
Vertragsabschnitt aufgeführt wird («Beginn des Arbeitsverhältnisses», act. G 1.3, S. 1).
Mit Blick darauf, dass die Auftragslage in der Baubranche, vor allem auch im Segment,
in dem die B._ AG tätig ist («Erbringung von Tiefbauarbeiten, insbesondere Kanal-
und Werkleitungsbau, Strassenbauarbeiten, Kanaldeckelaufhebung, Pflästerung,
Baggerarbeiten und Umgebungsarbeiten»; siehe hierzu den im Handelsregister
eingetragenen statutarischen Zweck), im Winter gerichtsnotorisch schlechter ist als im
Sommerhalbjahr, ist die Befristung auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht inhaltlich
ohne weiteres nachvollziehbar und aus der Optik der Vertragsparteien verständlich.
2.3.
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Dass die rechtsunkundigen Parteien in der Überschrift lediglich den «Beginn» und nicht
auch das «Ende» ausdrücklich erwähnten, erscheint vor dem dargestellten Hintergrund
entgegen der Betrachtungsweise des Klägers (act. G 19, Rz 25) als rein redaktionelles
Versehen der schlecht Deutsch sprechenden Vertragsparteien (act. G 1.41), das zu
keinem anderen Auslegungsergebnis führt.
Aufgrund der freien Vertragsgestaltung können die Parteien eines Arbeitsvertrags
auch bei befristeten Arbeitsverhältnissen Kündigungsmodalitäten vereinbaren. So
können sie das Arbeitsverhältnis innerhalb dieser Dauer unter Einhaltung der
vertraglichen oder gesetzlichen Kündigungsfristen und -termine auflösen; erfolgt keine
Kündigung, endet das Verhältnis von selbst mit dem Ablauf der vereinbarten
(Maximal-)Dauer (BBl 1985 II 593). Dass der redaktionell wenig sorgfältig
ausgearbeitete Arbeitsvertrag von den rechtsunkundigen Parteien auch eine
Standardformulierung bezüglich Kündigungsmodalitäten enthält (act. G 1.3, S. 2),
spricht demnach nicht gegen die von den Vertragsparteien ausdrücklich vereinbarte
Befristung. Daraus sowie aus dem vom Kläger angeführten Urteil des Bundesgerichts
vom 4. Februar 2009, 4A_531/2008 (act. G 1, Rz 20), lässt sich nichts zu seinen
Gunsten ableiten (vgl. auch die klägerische Ausführung in act. G 19, Rz 25). Einerseits
war vom Bundesgericht gerade keine ausdrücklich schriftlich vereinbarte Befristung
des Arbeitsverhältnisses zu beurteilen, sondern eine zwischen den Parteien umstrittene
mündliche Absprache, an der auch kein Zeuge («témoin neutre») beteiligt war. Hinzu
kommt, dass es um die Verlängerung eines ehemals für den Zeitraum vom 25. Juli bis
12. August 2005 befristeten Arbeitsverhältnisses ging, dem eine tatsächliche
Weiterbeschäftigung folgte (siehe lit. A des Urteils), was zur Vermutung eines
(nachträglich) unbefristeten Arbeitsverhältnisses führt (Art. 334 Abs. 2 OR). Das Urteil
ist damit für den vorliegenden Fall nicht einschlägig. Andererseits wies das
Bundesgericht ausdrücklich darauf hin, dass eine ausgesprochene Kündigung der
Annahme eines befristeten Arbeitsverhältnisses für sich allein nicht im Weg steht («Que
l'employeur ait donné un congé [ce qui n'est certes pas exclu pour un contrat de durée
déterminée {...}]»; E. 2.1).
2.4.
Zwar kreuzte die B._ AG in der (nicht unterzeichneten) Schadenmeldung UVG
(Erstellung Dokument am 30. November 2016; Dokumenteingang bei der Suva am
5. Januar 2017) ein unbefristetes Anstellungsverhältnis an (act. G 1.9). Dies entkräftet
die ein halbes Jahr zuvor am 15. März 2016 ausdrücklich vereinbarte Befristung und
deren Wirkung aber nicht. So brachte der Geschäftsführer der B._ AG gegenüber der
Beklagten am 25. April 2017 und 20. April 2018 plausibel zum Ausdruck (act. G 9.24 f.),
dass die Angabe eines unbefristeten Verhältnisses nicht der Vereinbarung entsprach,
2.5.
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sondern auf dem Irrtum beruhte, der Wirkung der vereinbarten Befristung stehe
nachträglich der zeitliche Kündigungsschutz (Art. 336 Abs. 1 lit. b OR) entgegen. Dieser
Irrtum bildete auch Anlass für die später erfolgte Kündigungserklärung (siehe zur
Kündigung vom 8. März 2017, act. G 9.10). Der vom Geschäftsführer dargelegte Irrtum
wird durch seine Aussage gegenüber der Suva vom 10. Februar 2017 bestätigt,
wonach er von der Geltung des zeitlichen Kündigungsschutzes ausging (act. G 1.41).
Nachdem davon auszugehen ist, dass der Arbeitsvertrag vom 15. März 2016 eine
befristete Anstellung zum Inhalt hat, bleibt zu prüfen, ob das Arbeitsverhältnis im Sinn
von Art. 334 Abs. 2 OR stillschweigend verlängert wurde.
2.6.
Art. 334 Abs. 2 OR bestimmt, dass ein befristetes Arbeitsverhältnis als
unbefristetes gilt, wenn es nach dem Ablauf der vereinbarten Dauer stillschweigend
fortgesetzt wird. Eine stillschweigende Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bzw. die
damit verbundene Vermutung setzt voraus, dass die Arbeitsleistung erbracht und
akzeptiert wird. Dadurch bekunden die Parteien ihren Willen, das
Beschäftigungsverhältnis fortzusetzen (vgl. hierzu den Bericht der Kommission für
Rechtsfragen des Nationalrats vom 4. Juli 2019 zur parlamentarischen Initiative
«Stillschweigende Verlängerung von Dienstleistungsverträgen», BBl 2019 6834).
Vorliegend ergibt sich weder aus den Vorbringen des Klägers noch aus den Akten -
und das ist entscheidend -, dass die Parteien des Arbeitsvertrags entgegen der
ursprünglichen Vereinbarung eine tatsächliche Weiterbeschäftigung des Klägers in
Betracht zogen, zumal diese in eine für die Tiefbaubranche ungünstige Jahreszeit
gefallen wäre (vgl. hierzu vorstehende E. 2.3). Obschon dem Kläger im ärztlichen
Zeugnis vom 30. November 2016 (act. G 1.6) bezogen auf die angestammte Tätigkeit
Arbeiten, die nur mit der rechten oberen Extremität durchgeführt werden könnten, für
(uneingeschränkt) zumutbar gehalten wurden, macht er weder geltend noch ist
ersichtlich, dass er die ihm verbliebene Arbeitskraft der B._ AG ab dem 1. Dezember
2016 ganz oder zumindest teilweise jemals angeboten hätte. Vielmehr war sich der
Kläger offenbar bereits im November 2016 bewusst, dass nach Ablauf der Befristung
keine Weiterbeschäftigung folgen würde, wie sich ferner aus seiner Aussage anlässlich
der psychologischen Abklärung vom 21. November 2017 ergibt («Er habe 100 % im
Strassenbau gearbeitet und sei November 2016 gekündigt worden» [sic]; Bericht zur
psychologischen Abklärung des Schmerzzentrums am KSSG vom 22. Dezember 2017,
act. G 27.1, S. 2).
2.6.1.
Auch aufgrund des Umstandes, dass die Unfalltaggelder für den während des
befristeten Arbeitsverhältnisses eingetretenen Unfall im Dezember 2016 und Januar
2.6.2.
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2017 weiterhin an die (ehemalige) Arbeitgeberin ausbezahlt und
Sozialversicherungsbeiträge geleistet wurden, kann für sich allein und im Licht der
vorstehend dargestellten Verhältnisse nicht auf einen Weiterbeschäftigungswillen im
Sinn von Art. 334 Abs. 2 OR geschlossen werden, was der rechtskundig vertretene
Kläger im Übrigen selbst einräumt (act. G 19, Rz 57). Diese administrative Abwicklung
der Taggeldleistungen und Beitragsentrichtung lag ebenfalls allein im Irrtum begründet,
dass der zeitliche Kündigungsschutz der Wirkung der vereinbarten Befristung
entgegenstehe, was gerade nicht zutrifft. Schliesslich gilt es zu beachten, dass gemäss
Art. 65 Abs. 1 des Landesmantelvertrags für das schweizerische Bauhauptgewerbe,
Stand: 1. Juli 2016, bei Unfall von Arbeitnehmenden der Betrieb keine Leistungen zu
entrichten hat, solange die von der Suva geschuldeten Versicherungsleistungen 80%
des versicherten Verdienstes decken (Satz 1). Die Suva-Karenztage (siehe zur
dreitägigen Karenzfrist Art. 16 Abs. 2 Satz 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]) sind vom Arbeitgeber zu 80% des versicherten
Verdienstes zu bezahlen (Satz 2). Damit ist die Lohnfortzahlung nach Art. 324a
und 324b OR des Betriebs vollumfänglich abgegolten (Satz 3). Der Lohnabrechnung für
Dezember 2016 ist zu entnehmen, dass die B._ AG keine Lohnfortzahlung für die in
den Dezember 2016 fallenden Karenztage erbrachte und in der Folge ausschliesslich
das Suva-Taggeld, von dem - abgesehen von berufsvorsorgerechtlichen Beiträgen -
keine Sozialversicherungsabzüge vorgenommen wurden, weiterleitete (act. G 1.4) und
einen Lohnanspruch insbesondere für die Karenztage offenbar nicht anerkannte, was
gegen eine Weiterbeschäftigung des Klägers bzw. stillschweigende Fortführung des
Beschäftigungsverhältnisses spricht. Gegen die fehlende Auszahlung von
Lohnfortzahlungsleistungen für die Karenztage opponierte der Kläger offenbar nicht,
was er aber wohl getan hätte, wäre er in diesem Zeitpunkt vom Bestehen eines
unbefristeten Arbeitsverhältnisses ausgegangen.
Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass das Arbeitsverhältnis zwischen
dem Kläger und der B._ AG aufgrund der ausdrücklich vereinbarten Befristung am
30. November 2016 endete. Dass die ehemalige Arbeitgeberin in der Folge einem
Irrtum bezüglich der Wirkungen des zeitlichen Kündigungsschutzes unterlag, vermag
daran nichts zu ändern und auch keine Fortsetzung des Beschäftigungsverhältnisses
zu begründen. Das gesundheitliche Leiden, das dem vom Kläger geltend gemachten
Taggeldanspruch zugrunde liegt, trat erst im Januar 2017 («Anfang Jahr», act. G 1.20)
auf. Zu diesem Zeitpunkt bestand gemäss Art. E 3 Abs. 2 AVB kein
Versicherungsschutz bei der Klägerin mehr. Die Krankenmeldung an die Beklagte
wurde erst am 3. April 2017 vorgenommen (act. G 1.18). Da ein Übertrittsrecht in die
Einzelversicherung innerhalb von 3 Monaten nach Ausscheiden aus dem versicherten
2.7.
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3.