Decision ID: 83853ed8-7a2a-47dd-a040-05b0377774b1
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
L._ (Jg. 1951) meldete sich am 29. November 2005 zum Bezug von IV-Leistungen an.
Er gab an, er sei im Hauptberuf Lastwagenchauffeur und im Nebenberuf Hauswart.
Gemäss einem Arbeitsvertrag mit der A._ AG erzielte der Versicherte als Hauswart
einen Bruttolohn von Fr. 500.- monatlich. Die B._ AG teilte am 8. Februar 2006 mit,
sie habe den Versicherten bis 30. Juni 2005 als Chauffeur beschäftigt. Der Monatslohn
würde Fr. 4800.- (x13) betragen. Der Rechtsvertreter des Versicherten reichte der IV-
Stelle einen ihm selbst erstatteten Bericht der behandelnden Psychiaterin Dr. med.
C._ vom 24. Februar 2006 ein. Dr. med. C._ hatte darin ausgeführt, der Versicherte
leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Damit seien folgende Symptome
verbunden: Vermeiden von Reizen und Kontexten, die mit dem Trauma verbunden
seien, Abflachung der allgemeinen Reagibilität, erhöhte Erregung mit übermässiger
Wachsamkeit (Hypervigilanz), übertriebene Schreckhaftigkeit,
Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit und Schwierigkeiten in der Kontrolle von
Affekten. Der Versicherte sei seit der Erstbehandlung am 19. August 2005 und bis auf
weiteres zu 100% arbeitsunfähig. Dr. med. D._ berichtete der IV-Stelle am 4. Februar
2006, der Versicherte leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung, an der
Entwicklung einer depressiven Verstimmung und an Hypertonie. Seit dem Unfalltag
(25. Oktober 2004) bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Der Versicherte traue
sich nicht mehr, sich an das Steuer eines Lastwagens zu setzen, weil er Angst habe,
wieder einen Unfall zu provozieren. Es handle sich um ein komplexes Syndrom, eine
Mischung aus einem posttraumatischen Belastungssyndrom und einer depressiven
Verstimmung. Dr. med. C._ berichtete der IV-Stelle am 23. Juni 2006, die
Symptomatik erstrecke sich in weite Aspekte der Persönlichkeit: mnestisch-kognitive
Funktionen mit Konzentrationsstörungen, kreisende Gedanken, reduzierter Antrieb,
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erhöhte Psychomotorik, im affektiven Bereich Angst, in diversen Formen ausgedrückt,
spezifisch durch die Flashbacks, depressive Verstimmung, negatives Selbstbild. Die
Interaktionsmuster zeigten die typische Dynamik posttraumatisch gestörter Patienten,
nämlich die Vermeidung von Situationen, die im weitesten Sinn an das Trauma erinnern
könnten, und in einem Vermeidungsverhalten, das mit der Zeit zu einer Isolation führen
könnte. Der Versicherte sei aus psychiatrischer Sicht bis auf weiteres zu 100%
arbeitsunfähig. Die Prognose sei relativ ungünstig. Dr. med. E._ vom RAD
Ostschweiz empfahl am 8. September 2006 eine multidisziplinäre Begutachtung.
B.
Die Sachverständigen des ZMB Basel berichteten in ihrem Gutachten vom 11.
Dezember 2007, der Versicherte habe angegeben, er habe am 25. Oktober 2004 – am
Steuer eines Lastwagens sitzend – während des Anhebens der Ladebrücke zum
Entladen des Ladegutes einen lauten Knall gehört. Gleichzeitig sei der Lastwagen auf
die linke Seite gekippt. Nach einer kurzen Ohnmacht habe er durch das zerbrochene
rechte Seitenfenster aus der Fahrerkabine nach oben aussteigen können. Unmittelbar
nach dem Unfall habe er Kopf- und Nackenschmerzen sowie Schmerzen im linken
Brustkorb verspürt. Er leide heute noch an wechselnd intensiven, immer vorhandenen
Schmerzen. Bei Belastungen, oft aber auch ohne ersichtlichen Anlass, würden die
Schmerzen für einige Stunden massiv. Bei der Erhebung des allgemeinen und
internistischen Status zeigte sich eine fortgeschrittene Arterienerkrankung im Bereich
der unteren Extremitäten. Diese Erkrankung hatte aber keine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit, solange die Erwerbstätigkeit höchstens mittelschwer war. Der
orthopädische Sachverständige diagnostizierte ein chronisches cervicocephales und
cervicovertebrales Schmerzsyndrom. Er wies darauf hin, dass eine
Verdeutlichungstendenz erkennbar gewesen sei. Der neurologische Sachverständige
qualifizierte die Kopfschmerzen als solche vom Spannungstyp. Sie konnten bei
fehlendem Nachweis eines Zervikalsyndroms nicht als cervicocephal interpretiert
werden. Die thorakal links angegebenen Schmerzen waren aus neurologischer Sicht
nicht erklärbar. Der psychiatrische Sachverständige berichtete, das Ereignis vom
Oktober 2004 sei als ungewöhnlich und dramatisch zu betrachten. Es habe den
Versicherten, der sein Selbstwertgefühl sehr stark mit beruflichem Erfolg und
beruflichem Ansehen verbunden habe, erheblich verunsichert und gekränkt, zumal ihm
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später noch der Führerausweis für Lastwagen und Personenwagen entzogen worden
sei. Beim Versicherten handle es sich um eine einfach strukturierte und beeindruckbare
Persönlichkeit. Diese psychische Konstellation habe das Entstehen einer
posttraumatischen Belastungsstörung erleichtert. Für diese Diagnose sprächen die
weiterhin bestehenden nächtlichen Träume über das Unfallereignis, das ausgeprägte
Vermeidungsverhalten und die sozialen Rückzugstendenzen. Bei der Untersuchung
habe der Versicherte allerdings nicht mehr das Vollbild einer posttraumatischen
Belastungsstörung gezeigt. Es sei davon auszugehen, dass die posttraumatische
Belastungsstörung teilweise remittiert sei und sich nun als depressive Störung,
gegenwärtig mittelschwere Episode, mit somatischem Syndrom und ausgeprägten
Somatisierungstendenzen präsentiere. Selbst wenn die psychosomatischen
Beschwerden als eigenständiges Krankheitsbild im Sinne einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung zu qualifizieren wären, müsste aufgrund der Schwere
der depressiven Symptomatik von einer psychischen Komorbidität ausgegangen
werden. Der Versicherte sei in seiner psychophysischen Belastbarkeit erheblich
eingeschränkt. Der neuropsychologische Sachverständige konnte keine Aussage zum
Zustand des Versicherten machen, weil die Resultate seiner Untersuchung ein sehr
stark die Probleme darstellendes Verhalten zeigten und nicht dem effektiven kognitiven
Leistungsvermögen des Versicherten entsprachen. Die Gesamtdiagnose der
Sachverständigen lautete: St. n. posttraumatischer Belastungsstörung, depressive
Episode, gegenwärtig mittelschwere Episode mit somatischem Syndrom und
ausgeprägten Somatisierungstendenzen, periphere arterielle Verschlusskrankheit
Stadium II und – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – arterielle Hypertonie,
Adipositas, gemischte Hyperlipidämie, gastrooesophageale Refluxkrankheit und
Nikotinabusus. Die Sachverständigen des ZMB schätzten die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten in einer Tätigkeit ohne Heben von schweren Lasten und ohne
kontinuierliches Gehen auf 40%. Sie wiesen darauf hin, dass der depressiven Störung
und dem mangelnden Selbstwertgefühl mit einer Erwerbstätigkeit entgegen gewirkt
werden könnte. In seiner früheren Tätigkeit als Lastwagenchauffeur sei der Versicherte
zu 100% arbeitsunfähig.
C.
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Die IV-Stelle unterliess jeden Versuch, dem Versicherten eine geeignete Arbeitsstelle zu
vermitteln und ihm so die Möglichkeit zu geben, seinen Gesundheitszustand durch die
Ausübung einer Erwerbstätigkeit zu verbessern. Mit einer – formell rechtskräftigen –
Verfügung vom 11. April 2008 stellte sie fest, dass keine berufliche
Eingliederungsmassnahme möglich sei. Am 29. Mai 2008 erging ein Vorscheid, mit
dem die IV-Stelle dem Versicherten mitteilte, sie beabsichtige, ihm rückwirkend ab
Oktober 2005 eine Dreiviertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 63% zuzusprechen.
Sie hatte diesen Invaliditätsgrad ermittelt, indem sie das vom Arbeitgeber für 2006
angegebene Einkommen der Nominallohnentwicklung bis 2008 entsprechend auf Fr.
63'907.- erhöht hatte. Das zumutbare Invalideneinkommen von Fr. 23'963.- hatte aus
dem statistisch erhobenen Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiter im Jahr 2008,
reduziert auf 40%, resultiert. Der Versicherte liess durch seinen Rechtsvertreter am 27.
Juni 2008 einwenden, bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens sei ein
Teilzeitabzug von 17% vorzunehmen. Die weiteren Einschränkungen rechtfertigten die
Ausnützung des Abzugsmaximums von 25%. Der Lohn aus der Hauswarttätigkeit hätte
bei der Bemessung des Valideneinkommens Berücksichtigung finden müssen.
Möglicherweise wäre das Valideneinkommen höher als Fr. 63'907.-, weil er aufgrund
seiner Dienstjahre wohl eine überproportionale Lohnerhöhung erhalten hätte. Dr. med.
F._ vom RAD Ostschweiz gab am 9. Juli 2008 an, der Versicherte sollte die
Arbeitsleistung bei vollzeitlicher Anwesenheit mit vermehrten Pausen und reduziertem
Arbeitstempo erbringen. Mit einer Verfügung vom 6. November 2008 sprach die IV-
Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab Oktober 2005 eine Dreiviertelsrente zu. Bei der
Berechnung des Invaliditätsgrades hatte sie ein Valideneinkommen unter
Berücksichtigung des Einkommens aus der Hauswarttätigkeit von Fr. 6000.-, also Fr.
69'907.-, einem zumutbaren Invalideneinkommen von Fr. 26'363.- (Fr. 23'963.-
zuzüglich 40% von Fr. 6000.-) gegenübergestellt.
D.
Der Versicherte liess am 8. Dezember 2008 Beschwerde erheben und beantragen, es
sei ihm rückwirkend ab Oktober 2005 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Zur
Begründung liess er ausführen, er fechte die Einschätzung, laut der er noch zu 40%
arbeitsfähig sei, nicht an. Die Versicherte habe den Lohn aus der Hauswarttätigkeit bei
der Bemessung des Valideneinkommens berücksichtigt. Das sei nicht zu beanstanden.
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Nicht einverstanden sei er damit, dass die IV-Stelle beim zumutbaren
Invalideneinkommen zusätzlich 40% des Lohnes aus der Hauswarttätigkeit
angerechnet habe. Die Hauswarttätigkeit könne nämlich nicht als leichte Arbeit
eingestuft werden. Die IV-Stelle habe übersehen, dass die Arbeitsfähigkeit von 40%
das maximale Tagespensum darstelle. Es sei deshalb sachfremd, von einer früher
ausgeübten Hauswarttätigkeit nochmals 40% beizufügen. Bei einem
Beschäftigungsgrad von 40% sei ein Teilzeitabzug von 17% zu machen. Die
Arbeitsleistung von 40% bei vollschichtigem Arbeitspensum erbringen zu wollen, sei
illusorisch und medizinisch untragbar. Aufgrund der fortgeschrittenen Alters und der
voraussehbaren leidensbedingten Abwesenheiten sei ein maximaler Abzug von 25%
angemessen.
E.
Die IV-Stelle beantragte am 22. Januar 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, das Einkommen aus der Hauswarttätigkeit dürfe bei der Ermittlung
des Valideneinkommens nicht berücksichtigt werden. Das Valideneinkommen betrage
somit Fr. 62'400.-. Bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens sei von
einem Durchschnittslohn von Fr. 59'197.- auszugehen. Da der Beschwerdeführer
weiterhin mittelschwere Arbeiten ausüben könne, sei kein Abzug möglich. Weil sich
dem ZMB-Gutachten nicht entnehmen lasse, dass der Versicherte nur noch in
effektiver Teilzeit arbeiten könne, sei auch ein Teilzeitabzug ausgeschlossen. Das Alter
sei als invaliditätsfremder Faktor nicht zu berücksichtigen. Es gebe keine Hinweise auf
invaliditätsbedingte Abwesenheiten vom Arbeitsplatz, so dass auch dies keinen Abzug
rechtfertige. Das zumutbare Invalideneinkommen belaufe sich somit auf Fr. 23'679.-,
was einen Invaliditätsgrad von 62% ergebe.
F.
Der Versicherte liess am 13. Februar 2009 einwenden, das Einkommen aus der
Hauswarttätigkeit sei bei der Bemessung des Valideneinkommens zu berücksichtigen,
da er diese Tätigkeit ohne weiteres zusätzlich zu seinem Hauptberuf ausüben könnte.
Solange sich eine Nebenerwerbstätigkeit in einem vernünftigen Rahmen halte, sei das
Einkommen daraus anzurechnen. Im ZMB-Gutachten werde auf S. 26 unten darauf
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hingewiesen, dass ihm eine geeignete Teilzeittätigkeit zugewiesen werden müsste. Ein
Arbeitspensum von 40% über den ganzen Tag verteilt würde kein Arbeitgeber
akzeptieren. Ihm seien nur noch leichte Arbeiten zumutbar. Der Abzug für das
fortgeschrittene Alter und für die Nationalität erfolge nicht vom Invalideneinkommen,
sondern vom Durchschnittslohn.
G.
Die IV-Stelle verzichtete am 23. Februar 2009 auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
Der Einkommensvergleich zur Ermittlung der Invalidität (Art. 16 ATSG) kann erst
erfolgen, wenn allfällige Eingliederungsmassnahmen durchgeführt worden sind oder
wenn feststeht, dass keine Eingliederung nötig oder möglich ist. Es gilt der Grundsatz
der 'Eingliederung vor Rente' (vgl. etwa Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A.,
Vorbemerkungen Rz 47). Die Beschwerdegegnerin hat die Möglichkeit einer
rentenrelevanten Eingliederung mit der Verfügung vom 11. April 2008 verneint. Selbst
wenn diese Verfügung inhaltlich falsch wäre, würde sie dem Gericht die Prüfung einer
allfälligen Anwendbarkeit des Grundsatzes der 'Eingliederung vor Rente' verbieten,
denn sie ist formell rechtskräftig und damit verbindlich. Die grundsätzlich bei jeder
Rentenzusprache zu stellende Vorfrage, ob dem Grundsatz der 'Eingliederung vor
Rente', d.h. der IV-spezifischen Schadenminderungspflicht schon Rechnung getragen
sei, wäre nämlich durch diese Verfügung bereits abschliessend beantwortet. Im Sinne
eines obiter dictum wird vorliegend doch darauf hingewiesen, dass die Verfügung vom
11. April 2008 im Ergebnis richtig ist, aber nur soweit sie im Zeitpunkt der
Rentenzusprache eine Eingliederungsmöglichkeit verneint hat. Im Gutachten des ZMB
ist nämlich darauf hingewiesen worden, dass eine Besserung der depressiven Störung
möglich wäre, wenn der Beschwerdeführer zu 40% einer ihm zusagenden
Erwerbstätigkeit nachgehen könnte. Die Arbeitsvermittlung (Art. 18 Abs. 1 IVG), die
normalerweise die einzige Eingliederungsmassnahme ist, die nicht unter den Grundsatz
der 'Eingliederung vor Rente' fällt, weil sie nicht geeignet ist, die Arbeitsfähigkeit und
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damit die Invalidität zu beeinflussen, würde im vorliegenden Fall ausnahmsweise eine
Eingliederungswirkung entfalten können, allerdings nicht als berufliche, sondern als
"medizinische" Massnahme, weil sie möglicherweise die Stärke der depressiven
Störung mindern und damit die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers steigern
würde. Allerdings wäre selbst dann, wenn dem Beschwerdeführer sofort eine geeignete
Arbeitsstelle vermittelt worden wäre und er diese Stelle auch angetreten hätte, erst
nach längerer Zeit mit einem therapeutischen Erfolg und damit mit einem Anstieg der
Arbeitsfähigkeit zu rechnen gewesen. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht
angenommen, dass kurzfristig betrachtet von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 40%
auszugehen sei. Allerdings wird die Beschwerdegegnerin jedenfalls dann als Folge ihrer
Eingliederungspflicht auf ihre Verfügung vom 11. April 2008 zurückkommen müssen,
wenn sich auf dem Arbeitsmarkt die Möglichkeit eröffnet, dem Beschwerdeführer eine
geeignete Arbeitsstelle zu vermitteln.
2.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
2.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die
Arbeitsfähigkeit der versicherten Person. Dr. med. D._ und Dr. med. C._ haben am
4. Februar 2006 und am 23. Juni 2006 übereinstimmend eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers für sämtliche Erwerbstätigkeiten
angegeben. Das steht nicht im Widerspruch zu der von den Sachverständigen des
ZMB ermittelten Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von 40% in einer der
körperlichen Beeinträchtigung angepassten Erwerbstätigkeit. Der psychiatrische
Sachverständige des ZMB hat nämlich festgestellt, dass die posttraumatische
Belastungsstörung teilweise remittiert sei und sich bei der Untersuchung als depressive
Störung (mittelschwere Episode) mit somatischem Syndrom und ausgeprägten
Somatisierungstendenzen präsentiert habe. Er hat weiter festgestellt, dass diese
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depressive Störung, genauer die durch diese Störung ausgelöste
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung des Beschwerdeführers, durch eine zumutbare
Willensanstrengung im Ausmass von 40% überwunden werden könnte. Es hat also in
der zwischen den beiden Arztberichten und der Begutachtung verflossenen Zeit von
mehr als einem Jahr eine Entwicklung stattgefunden, bei der sich die ursprünglich
100% betragende Arbeitsunfähigkeit auf eine Arbeitsunfähigkeit von 60% reduziert hat.
Da das Gutachten des ZMB vom 11. Dezember 2007 vollumfänglich überzeugt, ist
zumindest für die Zeit ab der Begutachtung tatsächlich von einer Arbeitsunfähigkeit
von 60% auszugehen. Sollte bereits auf dieser Grundlage ein Invaliditätsgrad von
mindestens 70% resultieren, kann die Frage offen bleiben, ob nicht aufgrund der
zumindest bei Ablauf des sogenannten Wartejahrs im Oktober 2005 bis mindestens
Juni 2006 noch 100% betragenden Arbeitsunfähigkeit für eine beschränkte Zeit ein
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestehen muss.
2.2 Die Beschwerdegegnerin ist sich nicht schlüssig gewesen, ob sie bei der
Ermittlung des Valideneinkommens das Einkommen aus der Hauswarttätigkeit
zusätzlich zum Lohn als Lastwagenchauffeur berücksichtigen soll oder nicht. Der
Beschwerdeführer hat zu Recht darauf hingewiesen, dass es berücksichtigt werden
müsse, weil die Hauswarttätigkeit neben der Tätigkeit als Lastwagenchauffeur
ausgeübt werden könnte, ohne eine unzumutbare Arbeitsbelastung zu bewirken. Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen geht deshalb davon aus, dass ein
Einkommen aus einer Nebenerwerbstätigkeit Teil des Valideneinkommens bilde, auch
wenn der Beschäftigungsgrad auf diese Weise mehr als 100% des
Normalarbeitspensums betrage (vgl. das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 25. Februar 2009, IV 2007/412, Erw. 3.2 ff.). Das Einkommen aus der
Hauswarttätigkeit von Fr. 6000.- ist somit als Valideneinkommen zu berücksichtigen.
Der Rentenanspruch besteht ab Oktober 2005. Abzustellen ist deshalb auf den Lohn,
den der Beschwerdeführer als Lastwagenchauffeur im Jahr 2005 erzielt hätte. Dieser
Lohn hat Fr. 62'400.- betragen. Zusammen mit dem Lohn als Hauswart von Fr. 6000.-
resultiert ein Valideneinkommen von Fr. 68'400.-.
2.3 Als Lastwagenchauffeur kann der Beschwerdeführer nicht mehr arbeiten. Er geht
keiner Erwerbstätigkeit nach. Damit bleibt nichts anderes übrig, als das zumutbare
Invalideneinkommen anhand des statistischen Durchschnittseinkommens (Zentralwert)
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gemäss der Lohnstrukturerhebung 2004 des Bundesamtes für Statistik und der
Nominallohnentwicklung zu ermitteln. Da Arbeitsleistungen, wie sie der
Beschwerdeführer noch erbringen könnte, in vielen Branchen gefragt sind, kann nicht
auf den Zentralwert einer bestimmten Branche abgestellt werden. Massgebend ist
vielmehr der Zentralwert aller Branchen von Fr. 4588.-, umgerechnet von 40 auf den
schweizerischen Durchschnitt von 41,6 Wochenarbeitsstunden Fr. 4771.50 bzw. Fr.
57'258.-. der Nominallohnindex ist von 114,1 auf 115,2 angestiegen (vgl. die vom
Bundesamt für Statistik herausgegebene Lohnentwicklung 2005), was einem
Jahreseinkommen von Fr. 57'810.- entspricht. Bei einem Beschäftigungsgrad von 40%
ergäbe das ein Einkommen von Fr. 23'124.-. Gemäss der Tabelle T6* der
schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2004 (S. 25) erleiden Hilfsarbeiter mit einem
Beschäftigungsgrad von 40% einen überproportionalen Lohnnachteil von 18%, d.h. ein
Hilfsarbeiter mit einem Beschäftigungsgrad von 40% erzielt nicht 40%, sondern nur
32,8% des Lohnes eines vollerwerbstätigen Hilfsarbeiters. Die Beschwerdegegnerin
macht unter Verweis auf die Bundesgerichtspraxis geltend, dieser Nachteil entstehe
jenen Hilfsarbeitern mit einem reduzierten Beschäftigungsgrad nicht, die vollzeitlich mit
reduzierter Leistung tätig seien. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist
davon auszugehen, dass der allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt tatsächlich
Arbeitsplätze bereithält, an denen dies möglich ist. Das bedeutet aber nicht, dass kein
Teilzeitnachteil entsteht. Die entsprechende Tabelle mag zwar mangels einer statistisch
relevanten Zahl von Teilzeitarbeitsverhältnissen dieser besonderen Art keine direkte
Aussage über den Lohnnachteil zu liefern. Das rechtfertigt es aber natürlich nicht, auf
die Berücksichtigung eines derartigen Nachteils zu verzichten, denn auch alle anderen
Komponenten des (fälschlicherweise so genannten) "Leidensabzuges" sind statistisch
nicht nachweisbar und dürften deshalb ebenfalls keine Berücksichtigung finden.
Dieselben ökonomischen Faktoren, die bei einem regulären Teilzeitarbeitsverhältnis
einen überproportionalen Lohnnachteil entstehen lassen, sind auch bei den atypischen
Teilzeitarbeitsverhältnissen am Werk. Deshalb ist es plausibel, unabhängig von der
täglichen Dauer der Arbeitsplatzanwesenheit entsprechend dem Beschäftigungsgrad
den in der Tabelle T6* ausgewiesenen Nachteil zu berücksichtigen. Das bedeutet im
vorliegenden Fall, dass der anhand des Zentralwerts ermittelte Betrag um 60% und
anschliessend noch um 18% zu reduzieren ist.
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2.4 Sowohl der Zentralwert der Löhne aller Hilfsarbeiter als auch das Ausmass der
Teilzeitlohnnachteile beruhen auf den Löhnen gesunder voll- und teilerwerbstätiger
Hilfsarbeiter. Diese können nicht direkt auf die von gesundheitlich beeinträchtigten
Hilfsarbeitern erzielbaren Löhne angewendet werden. Die direkte Auswirkung der
Gesundheitsbeeinträchtigung findet in der Arbeitsunfähigkeit ihren Ausdruck. Den
indirekten Nachteilen ist damit noch nicht Rechnung getragen. Dazu ist es notwendig,
diese indirekten Nachteile zu beziffern, um so das den Tabellen der
Lohnstrukturerhebung entnommene Einkommen berichtigen zu können. Weder das
Alter des Beschwerdeführers noch dessen Nationalität bewirken einen Nachteil, da sie
nichts mit der Gesundheitsbeeinträchtigung zu tun haben. Die relevanten Nachteile
bestehen etwa in einem Dienstaltersnachteil am neuen Arbeitsort, in der Gefahr
überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen, in der fehlenden Flexibilität in bezug auf
den Arbeitsplatz oder die tägliche Arbeitsleistung (z.B. wenn ein krankheitsbedingt
ausfallender anderer Hilfsarbeiter ersetzt werden muss), im Bedarf nach besonderer
Rücksichtnahme auf die psychische Befindlichkeit usw. Alle diese Nachteile stehen in
einem indirekten Zusammenhang mit der Gesundheitsbeeinträchtigung. Sie bedeuten
betriebswirtschaftlich betrachtet überdurchschnittliche Lohnkosten der gesundheitlich
beeinträchtigten Arbeitnehmer, weshalb diesen Arbeitnehmern nur
unterdurchschnittliche Löhne ausgerichtet werden können. Der "Leidensabzug" trägt
also der Tatsache Rechnung, dass der Zentralwert der Tabelle TA1 der
Lohnstrukturerhebung 2004 diesen Nachteilen nicht Rechnung trägt, da er auf den
Löhnen gesunder Hilfsarbeiter beruht. Der Beschwerdeführer weist aufgrund der Art
und der Schwere seiner Gesundheitsbeeinträchtigung einen beachtlichen Nachteil für
einen potentiellen Arbeitgeber auf. Dies rechtfertigt es, in seinem Fall unter
Berücksichtigung des besonders hohen Teilzeitnachteils von 18% das
Abzugsmaximum von 25% auszuschöpfen. Die Arbeitsfähigkeit von 40% gilt nicht für
den Haupterwerb und für den Nebenerwerb, denn wie der Beschwerdeführer zu Recht
ausgeführt hat, bezieht sich die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht auf die frühere
Tagesleistung von deutlich über 100%, sondern nur auf eine "normale" Tagesleistung
von 100%. Die Arbeitsfähigkeit von 40% gilt also nur für den Haupterwerb, für den
Nebenerwerb bleibt keine Arbeitsfähigkeit übrig. Das zumutbare Invalideneinkommen
beträgt somit Fr. 17'343.-. Die Einkommenseinbusse von Fr. 51'057.- entspricht einem
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Invaliditätsgrad von knapp 75%. Der Beschwerdeführer hat deshalb ab Oktober 2005
einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde vollumfänglich
gutzuheissen und dem Beschwerdeführer ist mit Wirkung ab 1. Oktober 2005 eine
ganze Invalidenrente zuzusprechen. Der vollumfänglich obsiegende Beschwerdeführer
hat einen Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten. Diese bemessen sich nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses. Das Verfahren
ist insbesondere in bezug auf das zweitgenannte Kriterium als unterdurchschnittlich zu
qualifizieren. Dies rechtfertigt die Zusprache einer Parteientschädigung von Fr. 3000.-
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer). Die vollumfänglich unterliegende
Beschwerdegegnerin trägt die Gerichtskosten. Diese bemessen sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Auch hier ist von einem leicht
unterdurchschnittlichen Fall auszugehen, so dass die Gerichtsgebühr auf Fr. 500.-
festgesetzt wird. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- ist dem
Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG