Decision ID: 84587e90-bd97-5ca4-9531-e3a7378bb2b9
Year: 2019
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Die am XX.XX.1988 geborene A. _ meldete sich am 8. April 2008 wegen Epilepsie,
Adipositas Grad 3, lumbovertebralem Schmerzsyndrom und Asthma bei der IV-Stelle
Appenzell Ausserrhoden an und beantragte Massnahmen für die berufliche Einglie-derung
(IV-act. 1). Dr. B. _, Fachärztin FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler
Ärztlicher Dienst (RAD) Ostschweiz, erachtete in der Beurteilung vom 22. Januar 2009
einen Gesundheitsschaden als ausgewiesen, massgeblich im psychischen Bereich (IV-act.
20-2/3). Am 26. Januar 2009 wurde A. _ mitgeteilt, dass ihr eine Berufsberatung und
Abklärung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten durch die Berufsberatung der IV-
Stelle gewährt werde (IV-act. 22). Mit Verfügung vom 14. Juni 2010 lehnte die IV-Stelle
eine Kostengutsprache für Eingliederungsmassnahmen aufgrund der Schwangerschaft von
A. _ ab (IV-act. 48).
B. Am 18. Juni 2015 meldete sich A. _ im Rahmen der Früherfassung erneut bei der
IV-Stelle. Sie erklärte, seit einer Hernien Operation im Januar 2015 an einer Gefühllosigkeit
und Gehschwäche im rechten Bein zu leiden (IV-act. 49). Am 20. Juli 2015 reichte A.
_ eine Anmeldung wegen der vorerwähnten Beschwerden ein und beanspruchte
Seite 3
Leistungen der Invalidenversicherung (IV-act. 52). Die IV-Stelle klärte in der Folge den
erwerblichen und medizinischen Sachverhalt ab und holte bei der F. _ , MEDAS Zug,
ein polydisziplinäres Gutachten ein (IV-act. 140). Mit Vorbescheid vom 11. Juli 2018
kündigte die IV-Stelle A. _ die Abweisung des Leistungsbegehrens an (IV-act. 146).
Dagegen liess A. _ am 8. September 2018 Einwand erheben (IV-act. 149). Am 21.
Januar 2019 ging der Arztbericht von Dr. C. _, Psychosomatisches Zentrum, und Dr.
D. _, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, Klinik T., bei der IV-Stelle ein (IV-act.
155). Mit Verfügung vom 6. März 2019 bestätigte die IV-Stelle ihren Vorbescheid und wies
das Leistungsbegehren von A. _ ab (IV-act. 157).
C. Gegen die Verfügung vom 6. März 2019 liess A. _ am 5. April 2019 mit den
eingangs erwähnten Anträgen Beschwerde beim Obergericht des Kantons Appenzell
Ausserrhoden erheben (act. 1). Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 20. Mai
2019 die Abweisung der Beschwerde (act. 6).
D. Am 2. Juli 2019 liess A. _ innert erstreckter Frist die Replik einreichen (act. 10). Die
IV-Stelle verzichtete stillschweigend auf eine Duplik.

Erwägungen
1. Formelles
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als kantonales Ver-
sicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Die örtliche
Zuständigkeit ist nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) gegeben.
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und
Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September 2002
über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1)).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Materielles
Seite 4
2.1
Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann nach Art. 4 Abs. 1 IVG Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und (lit. b) nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht ein Anspruch auf eine Viertels-
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem In-
validitätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditäts-
grad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.3
Für die Bemessung der Invalidität bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird
nach Art. 28 Abs. 3 IVG für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren
sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind nach Art. 28a Abs. 3 IVG der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen.
2.4
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben nach Art. 8
Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeig-
net sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
Seite 5
wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und (lit. a) die Voraussetzungen für
den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b).
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung
einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die
gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Art. 8
Abs. 1bis IVG).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Art. 8 Abs. 3 IVG in medizinischen
Massnahmen (lit. a); Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche
Eingliederung (lit. abis); Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche
Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in der Abgabe von
Hilfsmitteln (lit. d).
Alle Eingliederungsmassnahmen setzen eine subjektive und objektive Eingliederungs-
fähigkeit der betroffenen Person voraus (MEYER/REICHMUTH, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014, N. 1 zu Art. 8a IVG). Es ist nur dann von fehlender
subjektiver Eingliederungsfähigkeit auszugehen, wenn sie mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht (Urteil des Bundesgerichts 8C_667/2015 vom
6. September 2016 E. 5.5 mit Hinweis auf Urteil 9C_368/2012 vom 28. Dezember 2012
E. 3.1 mit Hinweisen).
2.5
Gemäss Art. 7 Abs. 1 IVG muss die versicherte Person alles ihr Zumutbare unternehmen,
um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu verringern und den
Eintritt einer Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhindern. Die versicherte Person muss an allen
zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer
Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten
Aufgabenbereich dienen, aktiv teilnehmen (Art. 7 Abs. 2 IVG), wozu auch
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (lit. b) und
Massnahmen beruflicher Art (lit. c) zählen.
Im Hinblick auf die Zielsetzung von Eingliederungsmassnahmen rechtfertigt sich, die
Kürzung oder Verweigerung von Leistungen erst nach Durchführung eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens anzuordnen, denn es soll die versicherte Person nicht Folgen eines
Verhaltens tragen, über dessen Auswirkungen sie sich möglicherweise keine Rechenschaft
abgelegt hat (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N 133 zu Art. 21 ATSG; Urteil
des Bundesgerichts 8C_667/2015 vom 6. September 2016 E. 5.2).
Seite 6
2.6
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad bemes-
sen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen an-
gewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stel-
len haben. Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei-
len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4).
2.7
Die IV-Stelle stellt sich auf den Standpunkt, dass die Beschwerdeführerin seit 9. Januar
2015 in ihrer Arbeitsfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt sei. Sie sei zu
50% im Erwerb und zu 50% im Haushalt tätig, wobei in der Tätigkeit als Hausfrau eine
anrechenbare Einschränkung von 26.8% ermittelt worden sei. Gemäss Gutachten sei eine
dem Leiden angepasste Tätigkeit (ohne Heben und Tragen von Lasten über 5kg, keine
Arbeiten unter Last und an Leitern sowie Gerüsten) mit einem Pensum von 70% zumutbar.
Unter Berücksichtigung der beiden Teilbereiche Haushalt und Erwerb ergebe der
Einkommensvergleich einen Invaliditätsgrad von 31%, weshalb kein Anspruch auf eine
Invalidenrente bestehe.
Die Beschwerdeführerin lässt hierzu entgegnen, die Anwendung der sogenannten
„gemischten Methode“ bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads verletze Art. 8 und Art. 14
EMRK. Zudem seien von der IV-Stelle Integrationsmassnahmen mit Taggeldanspruch zu
prüfen. Aktuell bestehe gemäss Gutachten höchstens eine Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit im zweiten Arbeitsmarkt. Angesichts der erheblichen
körperlichen Beschwerden sei nicht nachvollziehbar, inwiefern sie in einer
leidensangepassten Tätigkeit lediglich zu 30% arbeitsunfähig sein soll. Nach Durchführung
der Integrationsmassnahmen sei erneut ein polydisziplinäres Gutachten einzuholen. Sie sei
nicht in der Lage, den von der IV-Stelle errechneten Invalidenlohn zu erzielen, wobei
ohnehin ein Leidensabzug von 25% gerechtfertigt sei.
Streitig und zu prüfen ist somit der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der
Invalidenversicherung.
Seite 7
2.8
Im polydisziplinären Gutachten der F. _ vom 24. Juni 2018 wurden interdisziplinär
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: fixierte
Narbenhernie im Bereich des medialen Unterbauches suprapubisch; chronisches
inguinales Schmerzsyndrom nach offener Inguinalhernienoperation rechts sowie kleine
Femoralhernie rechts; anhaltend somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.40);
dissoziative Bewegungsstörung (ICD-10: F44.4) mit Funktionsverlust des rechten Beines
bei funktioneller Gangstörung, funktionelle Lähmung des rechten Armes; kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit dependenten, histrionischen und emotional-instabilen Anteilen
(ICD-10: F61.0) (IV-act. 140-58/132). Die Teilgutachter in den Bereichen Chirurgie/Trauma-
tologie, Allgemeine Innere Medizin sowie Neurologie attestierten der Beschwerdeführerin
sowohl in der bisherigen Tätigkeit als Pflegehelferin als auch in einer Verweistätigkeit eine
Arbeitsunfähigkeit von 0%. Der Teilgutachter im Bereich Abdominalchirurgie attestierte in
der bisherigen Tätigkeit eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit und in einer Verweistätigkeit eine
Arbeitsunfähigkeit von 20%. Im Bereich Psychiatrie ging der Teilgutachter je von einer
Arbeitsunfähigkeit von 30% in der bisherigen Tätigkeit als Pflegehelferin und in einer
Verweistätigkeit aus. Hieraus ergebe sich ab dem Datum der Gutachtenerstellung aus
interdisziplinärer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit von 100% und
in einer Verweistätigkeit von 30% (IV-act. 140-60/132). Im chirurgischen Teilgutachten
wurde bezüglich der 80%-igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Verweistätigkeit ausgeführt,
dass hierbei bei längerem Sitzen der Einbau von Pausen berücksichtigt werden sollte. Des
Weiteren solle ein Heben und Tragen von Lasten über 5 kg unterbleiben und eine Arbeit
unter Last und an Leitern und Gerüsten sei nicht zumutbar (IV-act. 140-108/132). Der
psychiatrische Teilgutachter ging aus rein psychiatrischer Sicht angesichts der
diagnostizierten psychischen Störung sowohl in angestammter als auch in
leidensangepasster Tätigkeit von einer 70%-igen Arbeitsfähigkeit in jedweder den
Fähigkeiten der Beschwerdeführerin und ihren körperlichen Möglichkeiten entsprechenden
Arbeitstätigkeiten aus (IV-act. 140-130/132).
Die Kritik der Beschwerdeführerin an den Arbeitsfähigkeitsschätzungen der Teilgutachter
kann nicht nachvollzogen werden (act. 1/7). Der orthopädisch-chirurgische und
traumatologische Teilgutachter stellte in seinem Fachgebiet fest, es beständen aus
orthopädisch-chirurgischer Sicht keine eine Arbeitsunfähigkeit begründenden Diagnosen
(IV-act. 140-50/132). Da im internistischen Teilgutachten keine Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden konnte, ergaben sich auch keine entsprechenden
Funktionseinschränkungen und somit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act.
140-86/132). Auch der neurologische Teilgutachter erklärte, da keine rein organisch-
neurologische Diagnose zu stellen sei, bestehe aus rein organisch-neurologischer Sicht
Seite 8
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Selbst wenn die als funktionell einzustufende
Beinparese fortexistiere, sei aus neurologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit in einer
sitzenden Tätigkeit, welche als angepasste Tätigkeit einzustufen sei, gegeben. Die gegen
eine sitzende Tätigkeit von der Beschwerdeführerin vorgebrachte Trigeminusneuralgie
könne nicht als Ausschlussgrund angesehen werden (IV-act. 99/132). Der chirurgische
Teilgutachter hingegen attestierte der Beschwerdeführerin aufgrund der aktuell
vorliegenden Diagnosen eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit im bisherigen
Tätigkeitsumfeld und in einer angepassten Verweistätigkeit eine 80%-ige Arbeitsfähigkeit
(IV-act. 140-107f/132). Gesamthaft kann somit festgestellt werden, dass die Teilgutachter
bei ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung die vorhandenen körperlichen Einschränkungen der
Beschwerdeführerin berücksichtigt und ihrer Einschätzung zugrunde gelegt haben. Sodann
ist entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin kein Widerspruch darin zu sehen, dass ihr
aus interdisziplinärer Sicht eine 70%-ige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit attestiert
und gleichzeitig darauf hingewiesen wurde, dass zur Ausschöpfung der Arbeitsfähigkeit im
Vorfeld arbeitsrehabilitative Massnahmen in einem geschützten Arbeitsrahmen angezeigt
seien (act. 1/7). Der psychiatrische Teilgutachter legt nämlich in seinem Gutachten unter
dem Titel „Behandlung und Eingliederung“ schlüssig und nachvollziehbar dar, weshalb er
solche Massnahmen für angezeigt erachtet (IV-act. 140-131/132).
Insgesamt ist das Gutachten der F. _ plausibel und nachvollziehbar begründet,
beruht auf den im Rahmen der Untersuchung gewonnenen Erkenntnissen, wurde in
Kenntnis der Vorakten und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden verfasst
und leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge ein. Dem Gutachten
kommt daher voller Beweiswert zu.
2.9
Die Statusfrage ist nach der Rechtsprechung mit Rücksicht auf die gesamten persönlichen,
familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse zu beurteilen. Bei deren Beantwortung
handelt es sich zwangsläufig um eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische
Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese sind als
innere Tatsachen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in aller Regel
aus äusseren Indizien erschlossen werden. Die Beurteilung hypothetischer Geschehens-
abläufe stellt eine Tatfrage dar, soweit sie auf Beweiswürdigung beruht, selbst wenn darin
auch Schlussfolgerungen aus der allgemeinen Lebenserfahrung mitberücksichtigt werden.
Ebenso sind Feststellungen über innere oder psychische Tatsachen Tatfragen, wie
beispielsweise was jemand wollte oder wusste (Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2019 vom
16. Juli 2019 E. 4.1 mit zahlreichen Hinweisen).
Seite 9
2.9.1
Im Rahmen des Früherfassungsgesprächs berichtete die Beschwerdeführerin am 22. Juni
2015, sie habe im Alters- und Pflegeheim G. _ eine Anstellung von 50%, da sie
zusätzlich ein fünfjähriges Kind zu betreuen habe, dessen Therapien etc. viel Zeit und
Aufmerksamkeit in Anspruch nähmen (IV-act. 50). Anlässlich des Assessmentgesprächs
vom 25. August 2015 erklärte sie, ohne gesundheitliche Beeinträchtigung müsste sie aus
finanziellen Gründen einer Erwerbsarbeit von 50% nachgehen. Ein Arbeitseinsatz wäre ihr
aber nur möglich, während ihr Sohn im Kindergarten sei. Sie habe von ihrem Arbeitgeber
die Zusage, dass auf diese Einsatzzeiten hätte Rücksicht genommen werden können (IV-
act. 65-2/7). Weiter gab die Beschwerdeführerin an, sie sei 2008 wegen einer schwierigen
belastenden Lebenssituation zur stationären Behandlung im Psychiatrischen Zentrum AR
gewesen (IV-act. 65-5/7).
Aus den Akten ergibt sich, dass die 1988 geborene Beschwerdeführerin 2006 während vier
Monaten bei der H. _, arbeitete und dann 2006/2007 während 6 Monaten bei I.
_ (IV-act. 25). Vom 1. März 2007 bis 29. Februar 2008 absolvierte sie mit einem
100% Pensum ein Praktikum Wohnheim beim J. _ (IV-act. 5). Am 4. Juni 2008 gab
die Kantonale Arbeitslosenkasse an, dass die Beschwerdeführerin zu 100% als
vermittlungsfähig gelte (IV-act. 4). Im September 2010 wurde der Sohn der
Beschwerdeführerin geboren (IV-act. 55). Die Beschwerdeführerin absolvierte vom 3. Juni
2014 bis 25. November 2014 den Lehrgang Pflegehelferin SRK (IV-act. 54). Gemäss
Arbeitsbestätigung vom 22. Juli 2016 arbeitete die Beschwerdeführerin vom 1. Mai 2014 bis
zum 31. Dezember 2014 zu 20% - 50% im Hausdienst des Alterswohn- und Pflegeheim G.
_. Vom 1. Januar 2015 bis 9. Januar 2015 arbeitete sie dort als SRK-Pflegehelferin in
der Pflege (IV-act. 117-2f/8). Seit Januar 2015 ist die Beschwerdeführer wegen
Folgeschäden aus der Operation zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 65-7/7). Im Fragebogen
zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit, abgeklärt am 3. August 2017, wird die
Beschwerdeführerin dahingehend zitiert, dass nach Abschluss des SRK-Kurses mit dem
Arbeitgeber mündlich ein Pensum von 50% als Pflegekraft vereinbart worden sei. Ohne die
gesundheitlichen Probleme wäre sie heute nach wie vor als SRK-Pflegerin zu 50%
ausserhäuslich erwerbstätig. Die restlichen 50% würde sie vollumfänglich für die Tätigkeit
als Hausfrau und Mutter aufwenden (IV-act. 118-9/9).
Eine volle Erwerbstätigkeit ist somit nur während ihres einjährigen Praktikums im J. _
2007/2008 ausgewiesen. Vor dieser Zeit und nach dieser Zeit jobbte sie (IV-act. 118-8/9).
Bemühungen im Rahmen der ersten IV-Anmeldung um berufliche Eingliederungs-
massnahmen scheiterten beziehungsweise wurden aufgrund der Schwangerschaft der
Beschwerdeführerin aufgegeben (vgl. IV-act. 1; IV-act. 22; IV-act. 48). Nach der Geburt
Seite 10
ihres Sohnes nahm die Beschwerdeführerin im Frühling 2014 eine Teilzeiterwerbstätigkeit
im Alterswohn- und Pflegeheim G. _ auf und absolvierte einen Lehrgang als
Pflegehelferin mit der Aussicht auf eine Teilzeitstelle als SRK-Pflegerin.
Zusammenfassend ist demnach aufgrund der Erwerbsbiographie sowie den Angaben der
Beschwerdeführerin keine volle Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall anzunehmen. Die von
der Vorinstanz getroffene Annahme, dass die Beschwerdeführerin unter den gegebenen
Umständen im Gesundheitsfall zu 50% erwerbstätig und zu 50% im Haushalt beschäftigt
wäre, erscheint gerechtfertigt.
2.9.2
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin liegt zudem ihrem Fall kein Sachverhalt
zugrunde, der mit jenem des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
vom 2. Februar 2016, welches am 4. Juli 2016 endgültig geworden ist, vergleichbar wäre
(Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) Di Trizio gegen
Schweiz vom 2. Februar 2016 (7186/09). In jenem Fall sprachen allein familiäre Gründe -
die Geburt von Kindern und die damit einhergehende Reduktion des Erwerbspensums - für
einen Statuswechsel von „vollerwerbstätig“ zu „teilerwerbstätig mit Aufgabenbereich“ (Urteil
des Bundesgerichts 9C_604/2016 vom 1. Februar 2017 E. 3.3.3 und E. 3.3.4; Urteil des
Bundesgerichts 9F_8/2016 vom 20. Dezember 2016 E. 4.1 und E. 4.2). Wie vorgängig
dargelegt wurde, war die Beschwerdeführerin nur während ihres einjährigen Praktikums
beim J. _ im 2007/2008 voll erwerbstätig – und damit lange vor der Geburt ihres
Sohnes im Jahr 2010 –, gab ihre Erwerbstätigkeit dann vollständig auf und nahm diese erst
4 Jahre nach der Geburt ihres Sohnes im Jahr 2014 wieder auf. Nach etwa halbjähriger
Teilzeiterwerbstätigkeit entstanden bzw. manifestierten sich ihre gesundheitlichen
Beeinträchtigungen (IV-act. 49 und IV-act. 52). Insoweit ist die vorerwähnte
Rechtsprechung auf den hier zu beurteilenden Fall nicht anwendbar (IV-Rundschreiben Nr.
355 des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) vom 31. Oktober 2016, aktualisiert
per 26. Mai 2017, mit Hinweisen).
2.9.3
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, sie könne für den Inhalt im Assessment-
gespräch, im Abklärungsbericht Haushalt und im Fragebogen zur Ermittlung der
Erwerbstätigkeit nicht behaftet werden, da sie jene Unterlagen nicht unterschrieben habe,
ist ihr entgegenzuhalten, dass ein Haushaltsabklärungsbericht ein Bericht über die eigenen
Feststellungen und Beurteilungen der Abklärungsperson ist, welche diese unterschriftlich
bestätigt (Urteil des Bundesgerichts 9C_161/2019 vom 28. Juni 2019 E. 5.4.2). Das
Bundesgericht hat die Beweismaxime, wonach den Aussagen der ersten Stunde
Seite 11
besonderer Beweiswert zukomme, gerade auch im Zusammenhang mit der Würdigung von
Haushaltsabklärungsberichten, verschiedentlich bestätigt (Urteil des Bundesgerichts
9C_481/2018 vom 17. August 2018 E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen). Für den Beweiswert
eines Abklärungsberichts ist wesentlich, dass er von einer qualifizierten Person verfasst
wird, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den
medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat.
Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende
Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext muss plausibel,
begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und
in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (Urteil des
Bundesgerichts 9C_161/2019 vom 28. Juni 2019 E. 6.2). Der Haushaltsabklärungsbericht
mit Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit weist die Unterschrift der
Abklärungsperson auf (IV-act. 118). Zudem hat die Beschwerdeführerin nicht gerügt, dass
die für den Beweiswert des Abklärungsberichts wesentlichen Anforderungen nicht erfüllt
seien. Daher kann – trotz fehlender Unterschrift der Beschwerdeführerin – vollumfänglich
auf dessen Inhalt abgestellt werden.
2.10
Zum Antrag der Beschwerdeführerin auf Durchführung von Integrationsmassnahmen führte
die IV-Stelle aus, die Beschwerdeführerin habe mehrfach ihre subjektive volle Krankheits-
überzeugung kundgetan, weshalb weitere Eingliederungsmassnahmen hinfällig und diese
mit Verfügung vom 12. Mai 2016 abgeschlossen worden seien.
2.10.1
Gemäss dem Protokoll Assessmentgespräch vom 25. August 2015 hatte die
Beschwerdeführerin die Erwartung an die IV-Stelle, dass sie, wenn ein Job in der Pflege
nicht mehr möglich sei und sie sich beruflich umorientieren müsse, hierzu gerne die
Unterstützung der IV in Anspruch nehmen würde (IV-act. 65-6/7). Dass sich die
Beschwerdeführerin im Mai 2016 aktuell subjektiv nicht arbeitsfähig fühlte, nachdem die
Hüftbeschwerden persistierten, und sie sich mit der Schliessung des Dossiers in der
beruflichen Wiedereingliederung einverstanden erklärte, ist korrekt (IV-act. 82).
Andererseits erklärte die Beschwerdeführerin mit E-Mail vom 26. Mai 2016 umgehend,
nachdem ihr von der IV-Stelle mit Schreiben vom 12. Mai 2016 mitgeteilt worden war, dass
keine Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien, dass sie schnellstmöglich wieder auf
die Beine kommen möchte, um ihre Tätigkeit als Pflegeassistentin weiterhin wahrzu-
nehmen. Sie erkundigte sich auch nach einem allfälligen späteren Anspruch auf
Wiedereingliederung/Umschulung, falls der Pflegebereich nicht mehr möglich wäre (IV-act.
84 und IV-act. 85). Daraufhin wurde ihr mit Antwort vom 27. Mai 2016 eine allfällige
Seite 12
Neuprüfung in Aussicht gestellt (IV-act. 85). Im Abklärungsbericht Haushalt vom 3. August
2017 wurde festgehalten, dass der Lebenspartner der Beschwerdeführerin erwähnte, dass
letztere gerne einer Arbeit nachgehen würde, insbesondere in ihrem Traumberuf als SRK-
Pflegerin. Eine IV-Anmeldung sei nie in ihrem Sinne gewesen und nicht eingereicht worden,
wäre er nicht arbeitslos geworden (IV-act. 118-3/9). In der hauptgutachterlichen Exploration
auf chirurgischem Fachgebiet im Gutachten der F. _ vom 24. Juni 2018 wurde
ausgeführt, dass sich die Beschwerdeführerin zu 0% arbeitsfähig einschätze in einer
Verweistätigkeit. Von der IV erwarte sie eine finanzielle Unterstützung auf dem Weg in eine
neue Berufstätigkeit nach einer Umschulungsmassnahme. Im Zusammenhang mit den
vorhandenen Ressourcen wurde die Motivation als vorhanden bezeichnet (IV-act. 140-
43/132). Im Fragenkatalog wurde erklärt, dass aus medizinischer Sicht Wiedereinglie-
derungsversuche zumutbar seien. Um diese Arbeitsfähigkeit ausschöpfen zu können, seien
im Vorfeld arbeitsrehabilitative Massnahmen (Arbeitstraining/Belastbarkeitserprobung) in
einem geschützten Arbeitsrahmen angezeigt (IV-act. 140-67/132). Im RAD-Bericht vom
4. Juli 2018 erklärte Dr. K. _, Facharzt Arbeitsmedizin, das Gutachten der F. _
als voll verwertbar. Weiter führte er aus, dass sich die Beschwerdeführerin zu keinerlei
Erwerbsarbeit in der Lage sehe, so dass eine vorgeschlagene arbeitsrehabilitative
Massnahme nicht zielführend sein dürfte (IV-act. 143). Im Einwand gegen den Vorbescheid
sowie in der Beschwerde liess die Beschwerdeführerin beantragen, die IV-Stelle habe
Integrationsmassnahmen mit Taggeldanspruch zu prüfen (IV-act. 149-4/11 und act. 1/6).
2.10.2
Aus den Akten ergibt sich somit entgegen der Ansicht der IV-Stelle nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit der Eindruck, dass es der Beschwerdeführerin an Eingliederungswillen
beziehungsweise an subjektiver Eingliederungsfähigkeit fehlt. Vielmehr zeigte sich die
Beschwerdeführerin mehrfach an einer durch die IV-Stelle unterstützten Umschulung
interessiert, und dies auch noch nach der Mitteilung der IV-Stelle vom 12. Mai 2016,
wonach keine Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien. Die Beschwerdeführerin
erkundigte sich sogar explizit nach einem allfälligen späteren Anspruch auf
Wiedereingliederung/Umschulung, woraufhin die IV-Stelle ihr eine Neuprüfung in Aussicht
stellte. Im Gutachten der F. _ wurde zwar die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
durch die Beschwerdeführerin wiedergegeben, gleichzeitig aber ausgeführt, dass sie von
der IV-Stelle Hilfe im Bereich Umschulung erwarte und Wiedereingliederungsversuche
zumutbar seien. Gestützt auf diese Ausführungen steht die Vermutung des RAD-Arztes,
wonach sich die Beschwerdeführerin zu keinerlei Erwerbsarbeit in der Lage sehe, so dass
eine arbeitsrehabilitative Massnahme nicht zielführend sein dürfte, im Widerspruch zu den
Akten, zumal er seine dem Gutachten widersprechende Aussage auch nicht begründet.
Seite 13
2.11
Die IV-Stelle hat gemäss dem Grundsatz „Eingliederung statt Rente“ von Amtes wegen
abzuklären, ob vorgängig zur Gewährung einer Invalidenrente Eingliederungsmassnahmen
durchzuführen sind (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., N. 7 zu Art. 28 IVG). Die noch sehr junge
Beschwerdeführerin hat aufgrund des Gesagten Anspruch auf Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen, da ihr eine Selbsteingliederung nicht zumutbar ist. Die
Beschwerde wird daher gutgeheissen und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen, um
solche unter Berücksichtigung der im Gutachten ausgeführten Vorgehensweise
durchzuführen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Vorin-
stanz unterliegt im vorliegenden Verfahren da die Rückweisung der Sache zu weiterer
Abklärung und neuer Verfügung für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch
der Parteientschädigung praxisgemäss als volles Obsiegen der beschwerdeführenden
Partei gilt (BGE 132 V 215 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_350/2017 vom
30. November 2017; UELI KIESER, a.a.O., N. 205 zu Art. 61 ATSG). Da der Vorinstanz
gemäss Art. 22 Abs. 1 VRPG keine Verfahrenskosten auferlegt werden können, werden die
Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 800.-- auf die Staatskasse genommen. Die
Gerichtskasse wird daher angewiesen, der Beschwerdeführerin den von ihr geleisteten
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- zurückzuerstatten.
3.2
Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerde-
führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungs-
gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Vorliegend wird die Be-
schwerde an die IV-Stelle zurückgewiesen, womit die Beschwerdeführerin obsiegt.
Im Übrigen ist die Bemessung der Parteientschädigung eine Angelegenheit des kantonalen
Rechts, wobei bei kantonal festgesetzten Kriterien beachtet werden muss, dass sie nicht
den bundesrechtlich massgebenden Bemessungselementen zuwiderlaufen dürfen (Urteil
des Bundesgerichts 8C_11/2016 vom 22. Februar 2016 E. 3.1; UELI KIESER, a.a.O., N. 212
zu Art. 61 ATSG).
Seite 14
Die Bemessung der Entschädigung richtet sich im Rahmen von Art. 61 lit. g ATSG nach
kantonalem Recht, mithin nach Art. 16 Abs. 1 der Verordnung vom 14. März 1995 über den
Anwaltstarif (AT, bGS 145.53; UELI KIESER, a.a.O., N. 208 ff zu Art. 61 ATSG; Urteil des
Bundesgerichts 8C_11/2016 vom 22. Februar 2016 E. 3.1). Vorliegend handelt es sich um
einen durchschnittlichen leichten Fall mit durchschnittlicher Menge an Akten sowie keinen
besonders aufwändig zu beantwortenden Sachverhalts- und Rechtsfragen. Unter diesen
Umständen ist der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Fr. 2‘800.20
(Pauschalhonorar Fr. 2‘500.-- + 4% Barauslagen (= Fr. 100.--) + 7.7% Mehrwertsteuer (=
Fr. 200.20)) zulasten der Vorinstanz zu entschädigen.
Seite 15