Decision ID: 0b82fe4c-9748-50c8-a48f-11bd0e7d3b10
Year: 2017
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Die am XX.XX.1960 geborene A_ meldete sich am 29. September 2003 wegen
Kopfschmerzen, psychischen Problemen, Rückenbeschwerden, Gallensteinen sowie
Venenleiden bei der IV-Stelle Appenzell Innerrhoden an und beanspruchte Leistungen.1 Die
IV-Stelle führte in der Folge medizinische Abklärungen durch. Mit Verfügung vom 2. Juni
2005 sprach die IV-Stelle ihr ab 1. September 2003 eine ganze Invalidenrente zu.2 Am 17.
März 2008 teilte ihr die IV-Stelle mit, dass weiterhin Anspruch auf die bisherige
Invalidenrente bestehe.3 Im Rahmen des von Amtes wegen eingeleiteten
Revisionsverfahrens führte die IV-Stelle erneut medizinische Abklärungen durch, unter
anderem holte sie ein Gutachten beim Ärztlichen Begutachtungsinstitut GmbH, ABI, Basel,
ein. Mit Verfügung vom 28. Januar 2011 hob die IV-Stelle daraufhin die Invalidenrente auf.4
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht Appenzell Innerrhoden am
4. Oktober 2011 ab.5
B. A_ war als Arbeitslose gegen die Folgen von Unfällen obligatorisch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) versichert, als sie am 10. Juli 2011 zu
Hause ausrutschte und sich an der rechten Hand verletzte.6 Die SUVA kam im
1 IV-act. 1.3-443/445 2 IV-act. 1.3-311/445 3 IV-act. 1.3-289/445 4 IV-act. 1.3-95/445 5 IV-act. 1.3-16ff/445 6 Vgl. Verfahren O3V 14 22; IV-act. 16.2-5/562; IV-act. 16.2-73/562
Seite 3
Zusammenhang mit diesem Nichtberufsunfall für Behandlungskosten auf – unter anderem
auch einer Operation des rechten Handgelenkes – und richtete Taggelder aus.7
C. Am 30. Oktober 2012 meldete sich A_ wegen Rückenproblemen, psychischen
Problemen, Arthrose und zwei Unfällen im Jahr 2010 und 2011 bei der IV-Stelle Appenzell
Ausserrhoden an.8 Die IV-Stelle holte in der Folge die SUVA-Akten ein.9 Am 12. Dezember
2012 führte die IV-Stelle ein Assessmentgespräch und nachfolgend medizinische
Abklärungen durch.10
D. Am 15. Januar 2013 verletzte sich A_ erneut, als sie zu Hause im Badezimmer
ausrutschte und das rechte Knie anschlug.11 Im September 2013 stellte die SUVA nach
medizinischen Abklärungen – unter anderem holte sie ein Gutachten der Rehaklinik
Bellikon ein, führte kreisärztliche Untersuchungen durch und holte eine Beurteilung bei der
Versicherungsmedizin in Luzern ein – die Heilkosten- und Taggeldleistungen ein.12 Mit
Verfügung vom 17. April 2014 sprach die SUVA A_ eine Integritätsentschädigung von
5% zu, lehnte aber die Ausrichtung einer Invalidenrente ab.13 Die dagegen erhobene
Einsprache wies die SUVA mit Einpracheentscheid vom 13. August 2014 ab.14 Am
10. September 2014 liess A_ gegen den Einspracheentscheid Beschwerde beim
Obergericht Appenzell Ausserrhoden erheben. Dieses wies die Beschwerde mit Urteil vom
19. August 2015 ab.15 Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
E. Mit Vorbescheid vom 4. Dezember 2015 kündigte die IV-Stelle A_ an, es bestehe kein
Rentenanspruch.16 Dagegen liess A_ am 25. Januar 2016 Einwand erheben. Mit
Verfügung vom 16. März 2016 hielt die IV-Stelle an ihrem Entscheid fest und wies das
Leistungsbegehren ab.17
F. Gegen die Verfügung vom 16. März 2016 liess A_ am 26. April 2016 mit den eingangs
wiedergegebenen Anträgen Beschwerde beim Obergericht des Kantons Appenzell
Ausserrhoden erheben.
7 Vgl. IV-act. 16.2-28/562 8 IV-act. 2-5ff/7 9 IV-act. 16.1 10 IV-act. 19 11 Vgl. Verfahren O3V 14 22 12 IV-act. 40.2-654ff/702; IV-act. 40.2-685ff/702; IV-act. 46.2-36ff/49; IV-act. 67.2-15ff/173 und
IV-act. 42.1-1 13 IV-act. 49 14 IV-act. 56 15 Vgl. Verfahren O3V 14 22; IV-act. 75-2ff/21 16 IV-act. 69 17 IV-act. 77
Seite 4
G. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 10. Juni 2016 die Abweisung der
Beschwerde.
H. Am 22. September 2016 reichte A_ die Replik ein. Die IV-Stelle verzichtete
stillschweigend auf eine Duplik.

Erwägungen
1. Formelles
Gemäss Art. 57 ATSG18 i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b JG19 beurteilt das Obergericht als
kantonales Versicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen.
Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG20).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind.21
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Materielles
2.1
In verfahrensrechtlicher Hinsicht liegt eine Neuanmeldung vom Oktober 2012 vor,22
nachdem das Urteil des Kantonsgerichts Appenzell Innerrhoden vom 4. Oktober 2011 in
Rechtskraft erwuchs.23 Die Vorinstanz (seit 1. Januar 2017: Sozialversicherungen
Appenzell Ausserrhoden) erachtete aufgrund von Unfallfolgen eine anspruchsrelevante
18 Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) 19 Justizgesetz vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) 20 Bundesgesetz vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) 21 Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56
und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September 2002 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1)
22 IV-act. 2 23 IV-act. 1.3-16ff/445
Seite 5
Änderung des Invaliditätsgrades im Sinne von Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV24 für
glaubhaft ausgewiesen und trat auf das neue Gesuch ein.25 Daher ist die angefochtene
Verfügung vom 16. März 2016 umfassend materiell zu prüfen.
2.2
Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität kann nach Art. 4 Abs. 1
IVG Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Nach Art. 28 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu
mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe
Rente, wenn sie zu mindestens 50 %, und auf eine Viertelrente, wenn sie zu mindestens
40 % invalid sind.
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen
angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu
stellen haben. Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen
der Person noch zugemutet werden können.26
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht die Beweismittel
unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden
hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
24 Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) 25 Urteil des Bundesgerichts 8C_746/2013 vom 10. Juni 2014 E. 2 mit Hinweisen 26 BGE 132 V 99 E. 4
Seite 6
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden
medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial
zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht die andere
medizinische These abstellt.27
Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die
notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein.
Es liegt im Ermessen des Versicherungsträgers, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln
die Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen zu erfolgen hat. Im Rahmen der
Verfahrensleitung kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit,
Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist,
ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der
Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann.28
2.3
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin. Uneinigkeit herrscht zwischen den Parteien über die Frage der
Abklärungspflicht. Während die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung sowie in der
Vernehmlassung die Ansicht vertritt, es bestehe kein weiterer medizinischer
Abklärungsbedarf, wirft die Beschwerdeführerin der Vorinstanz vor, aufgrund der
Einschränkungen mit dem rechten Arm bzw. der rechten Hand sei eine manuelle Tätigkeit
ausgeschlossen und es sei eine polydisziplinäre Begutachtung inklusive einer
handchirurgischen Beurteilung notwendig.
2.3.1
Der medizinische Sachverhalt präsentiert sich im Wesentlichen wie folgt:29
2.3.1.1
Der erstbehandelnde Dr. med. C_, Facharzt FMH Medizinische Onkologie und
Allgemeine Innere Medizin, Appenzell, führte im Arztzeugnis UVG vom 25. November 2011
als Befund eine intakte ossäre Struktur ohne Nachweis einer Fraktur auf und diagnostizierte
eine Handgelenksdistorsion rechts.30
27 BGE 125 V 351 E. 3a 28 Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2011 vom 5. Juli 2011 E. 3.2 29 Vgl. Verfahren O3V 14 22 Ziff. 2.2.1ff 30 IV-act. 16.2-22/562
Seite 7
2.3.1.2
In der handchirurgischen Sprechstunde vom 1. Dezember 2011 des Spitals Herisau stellte
Dr. med. D_, Fachärztin FMH Chirurgie und Handchirurgie, folgende Diagnose: unklare
ulnocarpale Handgelenksschmerzen rechts, Status nach Hyperextensionstrauma am 15.
Juli 2011, DD: Bone bruise Lunatum mit TFCC-Läsion, traumatisierte Lunatummalazie. In
der Beurteilung führte sie aus, die Beschwerdeführerin gebe explizit an, vor dem Unfall
keine ulnaren Handgelenksbeschwerden gehabt zu haben, weshalb eine echte TFCC-
Problematik vor dem Unfall ausgeschlossen werden könne.31 Im Bericht vom 15. Dezember
2011 führte Dr. med. D_ aus, dass es der Beschwerdeführerin etwas besser gehe, sie
aber nicht beschwerdefrei sei. Sie glaube, man könne davon ausgehen, dass das Problem
eine Läsion im Bereich des TFCC sei.32
2.3.1.3
Dr. med. E_, Klinik für Chirurgie und Orthopädie, Spital Walenstadt, diagnostizierte im
Bericht über die Untersuchung vom 11. Januar 2012 ein posttraumatisches TFCC-Syndrom
rechts, DD: Lunatum-Malazie, residuelle Bone bruise, Ulna-Impingement.33
2.3.1.4
Im Bericht über die Operation vom 18. April 2012 stellte Dr. med. F_, Klinik für Hand-,
Plastische- und Wiederherstellungschirurgie, Kantonsspital St. Gallen, die Diagnosen
traumatische TFCC Läsion palmar 1b rechts sowie ulnokarpales Impingementsyndrom
rechts.34
2.3.1.5
In der Nachkontrolle vom 3. September 2012 im Kantonsspital St. Gallen wurde insgesamt
eine etwas verbesserte Situation festgestellt, die Hand könne aber für Arbeiten nach wie
vor nicht eingesetzt werden.35 Im Bericht über die Nachkontrolle vom 8. Oktober 2012
wurde bei ansonsten gleichbleibender Diagnose neu ein CRPS diagnostiziert. Weiter wurde
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin über eine zwar langsame, aber für sie sehr wohl
wahrnehmbare Besserung der Schmerz- und Bewegungssituation berichte.36 Den
Berichten der Nachkontrollen vom 19. November 2012 sowie vom 17. Dezember 2012 lässt
sich bei gleichbleibenden Diagnosen im Wesentlichen entnehmen, dass insgesamt im
31 IV-act. 16.2-41/562 32 IV-act. 16.2-44/562 33 IV-act. 16.2-51f/562 34 IV-act. 16.2-73f/562 35 IV-act. 16.2-533f/562 36 IV-act. 16.2-551f/562
Seite 8
Vergleich zur Erstkonsultation eine Verbesserung der Beschwerden und Schmerzen
eingetreten sei.37
2.3.1.6
In der Nachkontrolle vom 16. Januar 2013 in der Klinik für Hand-, Plastische- und
Wiederherstellungschirurgie, Kantonsspital St. Gallen, wurden bei ansonsten
gleichbleibender Diagnose neu aktuell Knieschmerzen rechts, stockmobil, diagnostiziert. In
Bezug auf letztere Diagnose wurde im Bericht erwähnt, dass diesbezüglich bereits eine
Konsultation vereinbart sei, weshalb ihrerseits auf weitere Abklärungen verzichtet werde.
Weiter wurde im Verlaufsbericht darauf hingewiesen, dass heute kaum mehr ein CRPS
bestehe. Als Procedere wurde festgehalten, dass, sollte die Wirkung der Testinfiltration
typisch sein, nun nach abgeklungenem CRPS eine partielle Handgelenksdenervation zu
besprechen sei.38 Im Bericht über die Nachkontrolle vom 13. Februar 2013 wurde bei
gleichbleibender Diagnose festgehalten, dass sich nun im Langzeitverlauf doch deutliche
Fortschritte feststellen liessen. Das CRPS sei zumindest deutlich rückläufig. Als Procedere
wurde vorgesehen, die CRPS Therapie mit DMSO Salbe, Redoxon und intensiver
Erghotherapie weiterzuführen.39 In der Nachkontrolle vom 25. März 2013 wurde bei
ansonsten gleichbleibender Diagnose ein neu aufgetretenes, dorsales
Handgelenksganglion rechts diagnostiziert.40 In der folgenden Nachkontrolle vom 22. April
2013 wurde als neue Diagnose ein bekanntes chronisches multilokuläres nozizeptives
Schmerzsyndrom in der ansonsten gleichbleibenden Diagnoseliste aufgenommen. Weiter
wurde ausgeführt, dass die Schmerzen weitgehend unverändert geblieben seien. Die
Beweglichkeit sei aber etwas besser als zuletzt.41
2.3.1.7
Im Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon wird in der zusammenfassenden Beurteilung
darauf hingewiesen, es sei zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin schon seit
vielen Jahren unter anderem an einem chronischen Schmerzsyndrom leide. Es bestehe
eine deutliche Diskrepanz zwischen den objektivierbaren Befunden und dem subjektiven
Beschwerdebild. Die Beobachtungen bei den Leistungstests und im Behandlungsprogramm
hätten auf eine erhebliche Symptomausweitung hingewiesen. Diese sei teilweise auf eine
psychische Störung zurückzuführen. Für die Beurteilung der zumutbaren körperlichen
Belastbarkeit seien daher die Resultate der physischen Leistungstests nicht verwertbar. Die
Beurteilung der Zumutbarkeit stütze sich wesentlich auf medizinisch-theoretische
37 IV-act. 40.2-568f/702 und IV-act. 40.2-580f/702 38 IV-act. 29-7f/13 39 IV-act. 40.2-597/702 40 IV-act. 40.2-625/702 41 IV-act. 40.2-636/702
Seite 9
Überlegungen, unter Berücksichtigung der Beobachtungen bei den Leistungstests und im
Behandlungsprogramm. Die berufliche Tätigkeit als Textil-Fabrikmitarbeiterin sei nicht
zumutbar. Zumutbar sei eine leichte bis mittelschwere Arbeit, ganztags, ohne repetitiven
Krafteinsatz der rechten Hand, wechselbelastend, ohne Einnahme von Zwangshaltungen
wie Knien, Kauern und Hocken.42
2.3.1.8
Im Bericht über die Nachkontrolle vom 12. Juni 2013 in der Klinik für Hand-, Plastische- und
Wiederherstellungschirurgie, Kantonsspital St. Gallen, wurde bei gleichbleibender Diagnose
ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin subjektiv über einen ungefähr stationären Verlauf
mit immer noch starken Beschwerden im Handgelenk bei jeglichen Arbeiten berichte. Aus
ärztlicher Sicht ergebe sich zumindest aus den klinischen Parametern ein deutlicher
Fortschritt. So seien die Zeichen des CRPS zwar nicht vollständig regredient, aber deutlich
rückläufig.43
2.3.1.9
In der ärztlichen Abschlussuntersuchung der SUVA vom 16. Juli 2013 durch med. pract.
G_ wurde in der Beurteilung festgehalten, es bestünden objektiv Dauerschmerzen und
Kraftlosigkeit im Handgelenksbereich rechts sowie belastungsabhängige Knieschmerzen
rechts. Eine konklusive Untersuchung vor allem des rechten Kniegelenks sei aufgrund
ausgeprägter Schmerzen nicht möglich gewesen, eine gewisse Aggravation sei nicht
auszuschliessen. Auffällig auch das übertriebene Schonverhalten mit Tragen der
Handgelenksmanschette und übertriebenem Schonhinken. Hierzu korreliere die
seitengleiche palmare und plantare Beschwielung sowie die fehlenden muskulären
Atrophiezeichen nicht. Zeichen eines CRPS fänden sich aktuell nicht. Aufgrund der
durchgeführten Untersuchung sei die Zumutbarkeitsbeurteilung der Rehaklinik Bellikon zu
übernehmen. Bezüglich des Kniegelenks sei keine Integritätsentschädigung geschuldet.44
2.3.1.10
Gemäss dem Bericht über die Nachkontrolle vom 12. September 2013 in der Klinik für
Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie, Kantonsspital St. Gallen, gab die
Beschwerdeführerin bei gleichbleibender Diagnose an, es bestehe keine wesentliche
Verbesserung ihrer Schmerzen im Handgelenk.45 In der Nachkontrolle vom 7. Oktober
2013 berichtete die Beschwerdeführerin über eine deutliche Zunahme der Schmerzen. Im
42 IV-act. 40.2-656f/702 43 IV-act. 40.2-678f/702 44 IV-act. 40.2-690ff/702 45 IV-act. 42.2-714f/730
Seite 10
Befund wurde ein ungefährer Status idem mit Zeichen des Vollbildes eines CRPS auf der
rechten Seite mit allerdings nur moderat geschwollenem Handgelenk und Handrücken bei
deutlicher Bewegungseinschränkung aller Langfinger und Schmerzhaftigkeit bei Bewegung,
Hyperhidrosis und Hyperämie der Haut erwähnt.46
2.3.1.11
Im Bericht über die zweite kreisärztliche Untersuchung vom 26. November 2013 durch
med. pract. G_ wird ausgeführt, dass subjektiv Dauerschmerzen und
belastungsabhängig zunehmende Beschwerden im Bereich des rechten Handgelenks
beständen, ausserdem Schwellneigung, intermittierende Verfärbung und
Bewegungseinschränkung. Gemäss diagnostischen Kriterien für CRPS finde sich ein
Spontanschmerz sowie intermittierend auftretende Verfärbung verbunden mit einem
Anschwellen und fraglich auch verändertem Schwitzverhalten. Ausser der diskreten
Schwellung über dem Handrücken seien keine weiteren Befunde am Untersuchungstag
verifizierbar. Radiologisch beständen keine Hinweise auf fleckförmige Veränderungen,
welche auf ein CRPS hinweisen könnten.47
2.3.1.12
Im Gutachten der SUVA, Kompetenzzentrum Versicherungsmedizin, vom 4. April 2014
über die chirurgische und neurologische Beurteilung mit Untersuchung vom 5. März 2014
führten Dr. med. H_, Facharzt für Neurologie, sowie Dr. med. J_, Fachärztin FMH für
Chirurgie, in Bezug auf die TFCC-Läsion aus, dass diese mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht in Zusammenhang mit dem Hyperextensionstrauma des rechten
Handgelenks vom 10. Juli 2011 stehe. Ursächlich liege ein ulnocarpales
Impaktionssyndrom zugrunde bei Ulna-plus-Variante. Ferner kamen die Gutachter zum
Schluss, dass kein CRPS vorliege im Bereich der rechten oberen Extremität. Anlässlich der
interdisziplinären Untersuchung hätten sich keine pathologischen neurovegetativen Zeichen
betreffend der Trophik, Sudomotorik oder der Vasomotorik finden lassen. Eine
Hyperalgesie und Allodynie habe die Beschwerdeführerin nicht angegeben. Eine
Temperaturdifferenz als Zeichen einer neurovegetativen Funktionsstörung könne
ausgeschlossen werden. Eine von der Beschwerdeführerin angegebene zirkuläre
inkomplette Hypästhesie am Unterarm rechts mit Begrenzung nach kranial in der
Ellenbeuge und distal am Handgelenk könne neuroanatomisch weder einer Nervenwurzel
noch einem sensiblen peripheren Nerv zugeordnet werden. Des Weiteren seien die in der
Labordiagnostik nachgewiesenen Medikamentenspiegel diskrepant zur der
Medikamentenanamnese. Die Budapest Kriterien zur Diagnose eines CRPS seien aktuell
46 IV-act. 44-2f/7 47 IV-act. 46.2-36ff/49
Seite 11
nicht erfüllt. Eine unfallbedingte Läsion des peripheren Nervensystems als Ursache
chronischer neuropahtischer Schmerzen könne aktuell nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Das anlässlich der
Untersuchung festgestellte Erythem stehe nicht in Zusammenhang mit einer
neurovegetativen Funktionsstörung, sondern habe seine Ursache sehr wahrscheinlich in
der lokalen Applikation der DMSO-Salbe und sei differenzialdiagnostisch als allergische
Reaktion zu interpretieren.48 In der psychiatrischen Beurteilung durch Dr. med. K_,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, wurde eine Somatisierungsstörung (ICD-10:
F45.0) sowie eine vorwiegend histrionische Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.4)
diagnostiziert.49
2.3.1.13
Im Schreiben vom 9. Februar 2015 an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
berichtete Dr. med. F_ und Prof. Dr. med. L_, Klinik für Hand-, Plastische- und
Wiederherstellungschirurgie, Kantonsspital St. Gallen, dass sich in der
Röntgenuntersuchung eine (nicht seltene) Überlänge der Elle im Vergleich zur Speiche
herausgestellt habe, welche in diesem Bereich des Handgelenkes bereits eine starke
chronische Schmerzsymptomatik aufgrund einer „Einklemmung“ hervorgerufen habe.
Zwischen dem körperfernen Ellenköpfchen und dem Handgelenk befinde sich ein so
genannter Handgelenksmeniskus oder TFCC, welcher als Stossdämpfer diene. In der
vorliegenden Situation könne davon ausgegangen werden, dass aufgrund der
angeborenen Konstellation bereits ein abnutzungsbedingter Vorschaden dieses Meniskus
vorgelegen habe. Komme nun ein Sturz hinzu wie bei der Beschwerdeführerin könne dieser
Vorschaden allerdings akut werden und zu massiven Schmerzen sowie starken
Funktionseinschränkungen führen. Zusammenfassend lasse sich sagen, dass der TFCC-
Schaden mit grosser Wahrscheinlichkeit schon vorher bestanden habe, stelle nicht die
eigentliche Pathologie dar. Vielmehr handle es sich um ein durch den Unfall ausgelöstes
komplex regionales Schmerzsyndrom oder Morbus Sudeck, welches ohne den Unfall nicht
entstanden wäre.50
2.3.1.14
Im Kurzaustrittsbericht vom 9. März 2015 der Orthopädie des Spitals Herisau wurde ein
symptomatischer Hallux valgus rechts mit begleitender Transfermetatarsalgie bei
48 IV-act. 67.2-15ff/173 49 IV-act. 67.2-45/173 50 IV-act. 73-7f/9
Seite 12
Spreizfussdeformität sowie Morton Neurome interdigital I/II, II/III Fuss rechts
diagnostiziert.51
51 IV-act. 73-5/9
Seite 13
2.3.2
Die Beschwerdeführerin bringt grundsätzlich gegen die vorliegenden Arztberichte keine
Einwendungen vor und reicht auch keine neuen ärztliche Berichte ein, welche die
vorliegenden Unterlagen in Zweifel ziehen oder Hinweise auf allfällige weitere
gesundheitliche Beschwerden liefern könnten. Sie weist darauf hin, dass sie zwar an einer
Verletzung der rechten Hand und des rechten Knies, an chronischen Rückenschmerzen
und Problemen mit dem rechten Fuss leide, jedoch beim heute vorhandenen
Beschwerdebild die Einschränkungen mit dem rechten Arm/der rechten Hand und die damit
verbundene Schmerzsymptomatik im Vordergrund ständen, keine psychische
Problematik.52 Im Wesentlichen kritisiert die Beschwerdeführerin, dass ihr trotz der von ihr
geschilderten und auch von aussenstehenden Ärzten beschriebenen objektivierbaren
Beschwerden bzw. Einschränkungen – unvollständiger Faustschluss, Kraftlosigkeit der
rechten Hand, eingeschränkte Beweglichkeit der Finger, Tendenz zum Anschwellen des
Handrückens und der Verstärkung des Ruheschmerzes – eine volle Arbeitsfähigkeit
attestiert worden sei.53 Die Vorinstanz kam unter Berücksichtigung der Stellungnahme ihres
RAD-Arztes zur Ansicht, dass aufgrund der vorhandenen Akten bereits eine
rechtsgenügliche Beurteilung vorgenommen werden könne, weil keine neuen
medizinischen Tatsachen im Raum ständen.54 Da von weiteren medizinischen Abklärungen
keine entscheidrelevanten Ergebnisse zu erwarten waren, hat die Vorinstanz darauf
verzichtet. Dies verstösst entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht gegen den
Anspruch auf rechtliches Gehör bzw. auf Beweisabnahme.55 Sodann ist aufgrund der
vorliegenden Umstände – es liegen gegenüber dem der Rentenaufhebung im Jahr 2011
zugrundeliegenden medizinischen Sachverhalt als veränderte medizinische Gesichtspunkte
einzig reine Unfallfolgen vor56 – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht zu
beanstanden, dass die Vorinstanz den Fallabschluss des SUVA-Verfahrens abwartete.
Dass im vorliegenden Fall der RAD keine eigene ärztliche Untersuchung der
Beschwerdeführerin durchführte, trifft zu. Ebenso, dass das im Wesentlichen die
Lendenwirbelsäule betreffende Gutachten des ABI schon längere Zeit zurückliegt.57 Diesen
Vorbringen der Beschwerdeführerin ist entgegenzuhalten, dass in Bezug auf die hier
massgebenden Einschränkungen des rechten Armes/der rechten Hand aktuellere
medizinische Berichte – Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon,58 Berichte der Kreisärztin
52 Act. 1/2f. und act. 11/3 53 Act. 1/5 und act. 11/3 54 Urteil des Bundesgerichts 9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 2; IV-act. 76 und IV-
act. 77 55 Act. 1/6; Urteil des Bundesgerichts 8C_741/2016 vom 3. März 2017 E. 7.6 mit Hinweis auf
BGE 136 I 229 E. 5.3 56 IV-act. 31-4/4 57 Act. 11/4 58 E. 2.3.1.7
Seite 14
der SUVA med. pract. G_59 sowie das SUVA-Gutachten ihres Kompetenzzentrums
Versicherungsmedizin60 – vorliegen. Insofern bestand überhaupt kein Bedarf nach einer
persönlichen RAD-Untersuchung.61 Auch der Vorwurf, die medizinischen Unterlagen seien
nicht mehr aktuell bzw. ihr aktueller Zustand sei praktisch nicht bekannt, vermag die
Feststellungen der Vorinstanz nicht in Frage zu stellen, nachdem selbst die
Beschwerdeführerin nicht geltend macht, ihr Gesundheitszustand habe sich seither
massgeblich verändert bzw. es seien dauerhafte gesundheitliche Probleme
hinzugekommen.62 Soweit die Beschwerdeführerin eine zu kurze Dauer der SUVA-
Untersuchung bemängelt und die fehlende Überprüfung der funktionellen
Leistungsfähigkeit,63 ist ihr entgegenzuhalten, dass es für den Aussagegehalt eines
medizinischen Gutachtens nicht auf die Untersuchungsdauer ankommt. Zwar muss der zu
betreibende zeitliche Aufwand der Fragestellung und der zu beurteilenden Pathologie
angemessen sein; zuvorderst hängt der Aussagegehalt einer Expertise aber davon ab, ob
sie inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist.64 Dies trifft vorliegend für die SUVA-
Untersuchung zu. Durch die Beurteilung des RAD-Arztes, wonach das SUVA interne
polydisziplinäre Gutachten sowohl hinsichtlich des Gesundheitsschadens als auch
hinsichtlich der Auswirkungen auf das Erwerbsleben zu überzeugen vermöge, wurde auch
die funktionelle Leistungsfähigkeit beurteilt.65 Weiter rügt die Beschwerdeführerin, dass die
SUVA-Beurteilungen nicht auf das vorliegende Verfahren übertragbar seien.66 Soweit die
Beschwerdeführerin damit geltend macht, es bestehe keine Bindungswirkung der
Vorinstanz an die Beurteilung der SUVA, ist ihr zuzustimmen.67 Andererseits können im
Rahmen eines SUVA-Verfahrens erstellte überzeugende fachärztliche Einschätzungen für
das Invalidenverfahren übernommen werden.68 Schliesslich kann der Ansicht der
Beschwerdeführerin, wonach ihr aufgrund ihrer Einschränkungen im rechten Arm/in der
rechten Hand keine manuelle Tätigkeit mehr zugemutet werden kann,69 nicht gefolgt
werden. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung begründet die faktische
Einarmigkeit zwar praxisgemäss eine erheblich erschwerte Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit, doch offeriert der ausgeglichene Arbeitsmarkt durchaus Stellen mit
59 E. 2.3.1.9 und E. 2.3.1.11 60 E. 2.3.1.12 61 Vgl. Art. 49 Abs. 2 IVV 62 Act. 1/6 63 Act. 11/6 64 Urteil des Bundesgerichts 8C_71/2017 vom 20. April 2017 E. 6 mit Hinweis 65 IV-act. 68-2/2; IV-act. 76-2/2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_904/2009 vom 7. Juni
2010 E. 2.2 66 Act. 1/6 67 BGE 133 V 549 E. 6 68 Vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_660/2014 vom 5. November 2014 E. 2; Urteil des
Bundesgerichts 8C_905/2014 vom 23. Juli 2015 E. 5.2.1 69 Act. 11/6
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niedrigem intellektuellem Anforderungsprofil, die sogar einhändig ausgeführt werden
können.70
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass – was im Wesentlichen unbestritten war
– sich das Beschwerdebild der Beschwerdeführerin im Vergleich zur Einstellungsverfügung
der IV-Stelle Appenzell Innerrhoden im Jahr 2011 geändert hat. Aufgrund der vorliegenden
Akten, insbesondere der Berichte der Rehaklinik Bellikon, der SUVA-Kreisärztin med. pract.
G_ sowie des SUVA-Kompetenzzentrums Versicherungsmedizin, ist von Schmerzen im
rechten Handgelenksbereich und Einschränkungen im rechten Knie rechts auszugehen.
Weitere medizinische Abklärungen sind in Übereinstimmung mit der Vorinstanz nicht
vorzunehmen, zumal auch aufgrund der Akten hierzu kein Anlass besteht.71 Nach
übereinstimmender Einschätzung der Ärzte der Rehaklinik Bellikon, der SUVA-Kreisärztin
sowie des RAD-Arztes ist aufgrund der gesundheitlichen Beschwerden der
Beschwerdeführerin eine berufliche Tätigkeit als Fabrikmitarbeiterin im Bereich Textil nicht
mehr zumutbar. Zumutbar ist eine leichte bis mittelschwere Arbeit, ganztags, ohne
repetitiven Krafteinsatz der rechten Hand, wechselbelastend, ohne Einnahme von
Zwangshaltungen wie Knien, Kauern und Hocken.72 Somit sind entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin ihre gesundheitlichen Einschränkungen nicht derart, dass sich daraus
ein Anspruch auf eine Invalidenrente ergäbe. Der Rüge der Beschwerdeführerin, wonach
die angefochtene Verfügung kein Einkommensvergleich enthalte, ist entgegenzuhalten,
dass sich aufgrund der vorliegenden Umstände die Durchführung eines
Einkommensvergleichs erübrigt. Mit Blick auf die von den Ärzten festgelegte zumutbare
Arbeitsfähigkeit und mit Blick darauf, dass die Beschwerdeführerin seit Herbst 2002 nie
mehr erwerbstätig war und für den Einkommensvergleich daher auf Tabellenwerte
abzustellen wäre, resultiert in jedem Fall – selbst unter Berücksichtigung eines allfälligen
10%-igen Leidensabzugs für ihre faktische Einhändigkeit – kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad von mindestens 40%.73
Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
70 Urteil des Bundesgerichts 8C_939/2011 vom 13. Februar 2012 E. 4.3, Urteil des
Bundesgerichts 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 3.3, beide zuletzt bestätigt in Urteil des Bundesgerichts 8C_37/2016 vom 8. Juli 2016 E. 5.1.2 mit Hinweisen
71 Urteil des Bundesgerichts 9C_28/2010 vom 12. März 2010 E. 4.1 72 IV-act. 40.2-655f/702; IV-act. 40.2-691/702 und IV-act. 76 73 Urteil des Bundesgerichts 8C_747/2011 vom 9. Februar 2012 E. 4.3, Urteil des
Bundesgerichts I 1/03 vom 15. April 2003 E. 5.2, Urteil des Bundesgerichts 8C_747/2011 vom 9. Februar 2012 E. 4.3, Urteil des Bundesgerichts 8C_366/2013 vom 18. Juni 2013 E. 4.2
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3. Kosten und Entschädigung
3.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt.
Da die Beschwerdeführerin mit ihren Anträgen unterliegt, sind die Kosten ihr aufzuerlegen.
Im vorliegenden Fall erscheint die in vergleichbaren Fällen übliche Entscheidgebühr von
Fr. 800.-- als angemessen, unter Verrechnung mit dem von der Beschwerdeführerin in
gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss.
3.2
Beim vorliegenden Verfahrensausgang ist der Beschwerdeführerin keine Entschädigung
zuzusprechen. Der obsiegenden Vorinstanz werden unabhängig vom Verfahrensausgang
keine Verfahrenskosten auferlegt und keine Parteientschädigungen zugesprochen.74
74 BGE 126 V 143 E. 4; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 58 und N. 199 f zu
Art. 61 ATSG
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